FÜRST BÜLOW DENKWÜRDIGKEITEN III BERNHARD FÜRST VON BÜLOW DENKWÜRDIGKEITEN DRITTER BAND WELTKRIEG UND ZUSAMMENBRUCH HERAUS GEGEBEN VON FRANZ VON STOCKHAMMERN IM VERLAG ULLSTEIN • BERUM BERNHARD FÜRST VON BÜLOW DENKWÜRDIGKEITEN IN VIER BÄNDEN 1. Vom Staatssekretariat bis zur Marokko-Krise 2. Von der Marokko-Krise bis zum Abschied 3. Weltkrieg und Zusammenbruch 4. Jugend- und Diplomaten jähre Die Bände erscheinen in der Reihenfolge ihrer Niederschrift INHALT DES DRITTEN BANDES ERSTES KAPITEL...................... 3 Fahrt von Berlin nach Hamburg am 17. VII. 1909 • Alte Erinnerungen und jüngste Eindrücke • In Hamburg • Hotel Atlantic • Der kleine Pfordte • Ballins Plan einer Besprechung zwischen dem deutschen und dem englischen Seclöwen scheitert an Bethmanns Widerspruch • Zu Schiff von Hamburg nach Cuxhaven, von dort nach Norderney • Der Gesandte Dr. Rosen • Kundgebungen zu Bülows Rücktritt: Der Bundesrat, die Bundesfürsten und Freien Städte • Hat Bismarck das von ihm organisierte Reich zu sehr auf die Fürsten basiert? • Bülows Einstellung zu Parteien und Volksvertretung ZWEITES KAPITEL.....................11 Die politische Lage nach Bülows Rücktritt • Letzte Unterredungen mit Beth- mann Hollweg • Letzte Staatsministerialsitzung • Einzelheiten zu Bethmanns Amtsantritt DRITTES KAPITEL.....................22 Nach dem Rücktritt: Schmoller, Oncken, Riezler, Philipp Eulenburg VIERTES KAPITEL.....................31 Charakterstudien anläßlich des Rücktritts • Tschirschky • Schön • Kiderlen Radowitz • Jagow • Monts • Flotow • Walter Rathenau, sein Verhältnis zum Kaiser und zur Republik FÜNFTES KAPITEL.....................46 Das Verhalten des Kaisers Wilhelm II. gegenüber Bülow nach dessen Rücktritt Preßtreibereien • Schiemann • Unterredung des Kaisers Wilhelm II. mit dem Grafen Friedrich Vitzthum-Lichtenwalde über den Rücktritt des Fürsten Bülow Verdächtigung in der „Märkischen Volkszeitung" • Schreiben Bülows an Beth- mann • Antwort Bethmanns aus Linderhof • Wahnschaffe, Chef der Reichskanzlei, in Norderney • Briefwechsel zwischen Fürst Bülow und Bodo von dem Knesebeck über die November-Ereignisse von 1908 SECHSTESKAPITEL.....................62 In Berlin • Unterredung mit Bethmann im Oktober 1909 • Frühstück bei den Majestäten im Neuen Palais • Die Soiree zum Geburtstag der Kaiserin am 22. X. 1909 • Letzte Begegnung zwischen Fürst Bülow und Wilhelm II. vor dem Ausbruch des Weltkriegs • Reise nach Bern • Wiedersehen mit dem Bruder Alfred Ankunft in Rom • Die Villa Malta ■ Geschichtliches • Erster Gang zum Kapitol Leben in Rom • Barrere • Der Chef der Reichskanzlei von Loebell VIII INHALT DES DRITTEN BANDES SIEBENTES KAPITEL.................... Wechsel in der Brüsseler Gesandtschaft • Intrigen Flotows gegen Wallwitz Briefwechsel zwischen Bülow und Bethmann • Neuorientierung der deutschen Politik gegenüber Belgien durch Bethmann • Bismarck und Belgien 1870 • Besuch Bethmanns in Rom im März 1910 • Frau von Flotow • Die politische Gesamtlage • Die Reichstagswahlen 1912 • Tod Eduards VII . Herr von Kiderlen in Rom Briefe aus der Heimat: Emst Bassermann, Lichnowsky ACHTESKAPITEL ............ .......... Besuch Adolf von Harnacks in Rom • Harnacks Stellung zum Kaiser vor und nach der Revolution • Besuch in Brandenburg a. d. H. im Sommer 1913 • Fa- milicnlug in Doberan • Gedächtnisrede anläßlich der Enthüllung des Denkmals für den General von Bülow-Dennewitz • Zustimmende Briefe • Graf Roon • Besuch bei Fitger in Bremen NEUNTES KAPITEL..................... Montreux. Oktober 1913 • Audienz bei Pius X. • Besorgniserregende außenpolitische Lage« Memorandum für den Kaiser?-Verhalten des Kaisers Wilhelm II. gegenüber entumteten Ministern • Wilhelm II. zieht Bülow nach dessen Rücktritt nie mehr zu Rat, auch nicht vor dem Ultimatum an Serbien noch in den kritischen Julitagen 1914 • Brief Bülows au den Hausrainister Graf August Eulenburg über die auswärtige Lage ein Jahr vor der Katastrophe vom Sommer 1914 ZEHNTES KAPITEL..................... Politik Bethmann Hollwegs von 1909 bis 1914 • Seine Zurückhaltung gegenüber Bülow in allen politischen Fragen, Bülow wird während des Quinquenniums 1909 bis 1914 politisch völlig ausgeschaltet • Ernennung Lichiiowskys zum Botschafter in London • Ausländische Politiker zur Lage • Besuch Peter Carps in Rom • Kru- penski • Instruktion Sasonows an Krupenski • Kokowzow und Kriwoschein in Rom • Der englische Botschafter Sir Rennel Rodd • Das Buch „Deutsche Politik" ELFTES KAPITEL...................... Berlin Juni 1914 • Die Nachricht von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers • Unterredung mit Bethmann und mit Wilhelm II. • Bethmanns Illusionen ZWÖLFTES KAPITEL.................... Die deutsche Politik unmittelbar vor Ausbruch des Weltkriegs • Stellung Wilhelms II. zum Kriegsproblem • Bethmann als Diplomat ■ Seine Unterredung mit dem englischen Botschafter Goschen • Staatssekretär von Jagow • Bericht des belgischen Gesandten Beyens • Wilhelm Stumm • Zimmermann • Diego von Bergen • Wie war die damalige diplomatische Lage ? DREIZEHNTES KAPITEL............... Rücktrittsabsichten Bethmann Hollwegs • Heroische Stimmung und Haltung des deutschen Volkes • Bethmanns Kriegserklärung an Rußland, seine Motive Ungeschickte diplomatische Behandlung Italiens • Rumänien • Gespräch mit Fürst Wedel über die militärische Lage • Die Telephonate Lichnowskys mit Grey Der Fall Lüttichs • General Ludendorff ■ Die ersten Nachrichten über die Marneschlacht • Der Einfall in Belgien • Der Schlieffensche Plan • Rede Bethmanns über Belgien vom 4. August 1914 • Der Fetzen Papier INHALT DES DRITTEN BANDES IX VIERZEHNTES KAPITEL..................177 War der Weltkrieg zu vermeiden? • Warum wurde die Flotte nicht eingesetzt? Die oberste militärische Führung • Generaloberst von Moltke • Die Mission des Oberstleutnants Hentsch • Die Schlacht bei Tannenberg • General von Falkenhayn Nachfolger Moltkes • Für uns bedenkliche Entwicklung der Dinge in Rom Der österreichisch-ungarische Botschafter Merey • Passivität des deutschen Botschafters Flotow • Italiens Neutralitätserklärung FÜNFZEHNTES KAPITEL..................193 Bülows römische Mission 1914/1915 • Brief Bethmanns, Antwort Bülows • Reise nach Rom Mitte Dezember 1915 • Jagow-Flotow gegen Bülow • Brief Ballins • Für Bülow freundliche Stimmen aus der Heimat SECHZEHNTES KAPITEL..................204 Audienz bei Kaiser Wilhelm II. • Abschiedsbesuch bei Moltke • Abreise nach Rom • Flotow bleibt in Italien und intrigiert weiter gegen Bülow • Erzbergers Ankunft in Rom, dessen loyales Verhalten • Aus den Akten der römischen Botschaft • Tätigkeit des Fürsten in Rom • Briefe aus Deutschland • Stimmung des Kaisers • Die deutsche Kolonie • Graf Greppi • Ersetzung des österreichisch-ungarischen Botschafters von Merey durch den Freiherrn von Macchio SIEBZEHNTESKAPITEL..................218 Siduey Sonnino, italienischer Minister des Äußern • Propaganda der Entente in Italien • Ausbeutung der Invasion Belgiens von Seiten der Entente • König Vittorio Emanuele III • Königin Margherita, vertrauliche Äußerungen der Königin-Mutter zur Fürstin Bülow • Botschaftsrat von Hindenburg • Giolittis „Parecchio" • Papst Benedikt • Klägliche politische Zügelführung in Berlin Brief Bethmanns an Bülow • Flotow taucht wieder in Rom auf • Abschiedsaudienz Bülows beim König Viktor Emanuel III. • Erzbergers Optimismus ACHTZEHNTESKAPITEL..................238 Zurück nach Berlin • Diner bei Bethmaun Hollweg • Kein Empfang des Fürsten durch den Kaiser • Brief Bethmanns an Bülow • Antwort des Fürsten und Duplik Bethmann3 • Empfang in Hamburg • Die kriegerischen Ereignisse • Bethmann Hollweg nimmt Stellung zum polnischen Problem mit der Absicht, ein selbständiges polnisches Reich zu errichten NEUNZEHNTESKAPITEL..................250 Winter 1915/1916 in Luzcrn • Graf Ledochowski, General S. J. • Initiative des Kaisers für Friedensangebot der Zentralmächte, Verfehltheit dieses ungeschickten Schrittes • Letzte Begegnung des Fürsten Bülow mit Wilhelm II. Umsichgreifen des Defaitismus in Deutschland • Energie der französischen Regierung gegenüber ähnlichen Erscheinungen in Frankreich • Schrift des Fürsten Lichnowsky • Unterredung mit Bethmann Hollweg • Allgemeine Wehrpflicht in England ZWANZIGSTES KAPITEL..................263 Der U-Boot-Krieg • Unterredung des Kronprinzen mit führenden Männern des Reichstags • Rücktritt Bethmanns • Frage der Rückberufung des Fürsten Bülow X INHALT DES DRITTEN BANDES Berlin-Wiener Intrigen gegen Bülow • Diplomatische Friedensmöglichkeiten Unterstaatssekretär Michaelis Reichskanzler • Denkschrift des Grafen Czernin Friedensresolution des Reichstags • Erzbergcr • Erste Zersetzungssymptome bei der Flotte in Kiel • Staatssekretär Zimmermann • Ersetzung von Michaelis durch Hertling • Staatssekretär Kühlmann • Der Friede von Brest-Litowsk • Stimmung in Berlin • Adolf von Harnack EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL.............279 Ungünstige Nachrichten aus Österreich • Der dortige deutsche Botschafter Graf Botho Wedel • Rumänien tritt in den Krieg ein • Hindenburg-Ludendorff • Der Gang der militärischen Operationen • Die große Offensive in Frankreich im Frühjahr 1918 • Symptome zunehmender Erschöpfung in Deutschland • Jämmerliche Schwäche der deutschen Regierung • Besuche Ballins in Klein-Flott- bek, sein letzter Versuch, Wilhelm II. aufzuklären • Brief Heckschers an den Fürsten über den Zusammenbruch, Bülows Antwort • Der Sowjet-Botschafter Joffe Z W EI U N D Z W A N ZI G S TE S KAPITEL.............292 Prinz Max von Baden Reichskanzler • Seine Persönlichkeit, seine Ungeeignetheit zum Kanzlcramte • Neuerliche Kandidatur des Fürsten • Die Frage der Abdankung Wilhelms II., seine Flucht nach Holland und sein Brief an den Kronprinzen • Vollzug der Abdankung • Die Spießbürgerlichkeit der deutschen Revolution • Meuterei in Kiel • Die Ereignisse in München • Flucht Ludwigs III. von Bayern • Wie Friedrich August von Sachsen Abschied nahm DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL.............305 Sieg der Revolution in Berlin • Abreise des Prinzen Max nach Baden • Die Spartakus-Unruhen • Ebert und Noske • Erlebnisse im Hotel Adlon • Gräfin Treuberg, Dr. Stampfer, Dr. Breitscheid • Rückkehr der Truppen von der Front • Die Waffenstillstands-Verhandlungen in Compiegne, Erzbergers Geschäftsbehandlung als Vorsitzender der Wa-Ko • Der Diktat- und Schandfriede von Versailles • Die deutsche Akten-Publikation V I E,R UNDZWANZIGSTES KAPITEL 321 Der Geist von Weimar • Erzbcrger • Die politische Unfähigkeit der führenden Männer in Weimar • Fehler des alten Systems, seine Stellung zum Parlamentarismus • Wieviele Reichskanzler seit der Revolution? Hat Bismarck die Stellung der Krone zu stark gestaltet? • Rückblick Bülows aufsein eigenes Leben • Bülow nicht einseitiger Laudator temporis acti • Symptome allmählicher Besserung der Verhältnisse in Deutschland • Hindenburg • Deutschlands Zukunft ANHANG..........................337 Die Kundgebungen zu Bülows Rücktritt NAMEN- UND SACHREGISTER FÜR BAND I —III.......373 ' •füw VERZEICHNIS DER BEILAGEN Bernhard Fürst von Bülow.............................. 8 Abschiedsbrief der Kronprinzessin Cecilie.................. 16 Villa Klein-Flottbek.................................... 24 Dr. Walter Rathenau................................... 40 Die Villa Malta in Rom................................. 72 Wilhelm II. im Kaisermanöver........................... 112 Fürst Max Licknowsky.................................. 124 Bericht Lichnowskys an Bethmann Hollweg............... 128 Flottenmanöver in Kiel................................. 138 Handschriftliche Notiz von Bethmann Holhveg an Jagow . . . 152 Leopold Graf Berchtold................................. 160 Giovanni Giolitti....................................... 168 Englische Belgien-Note an Deutschland ................... 176 Botschafter v. Tschirschky und Bögendorff................ 180 Marchese Antonio di San Giuliano........................ 188 Antonio Salandra....................................... 216 Telegramm von Bethmann Hollweg an Bülow.............. 224 Papst Benedikt XV..................................... 232 Brief des Papstes an Bülow.............................. 240 Bethmann Hollweg mit Hellferich und Jagow.............. 256 Gcneralfeldmarschall Paul von Beneckendorf und Hindenburg 280 Glückwunsch Hindenburgs an Bülow...................... 320 Brief von Tirpitz an Bülow.............................. 324 Bülow nach der Bestattung der Fürstin mit Felix v. Eckardt 328 Eigenhändiges Schlußwort des Fürsten Bülow ............. 334 * Am Schluß dieses dritten Bandes befindet sich das Namen- und Sachregister für die ersten drei Bände. Dem vierten Band (Ergänzungsband: Jugend- und Diplomatenjahre) wird ein eigenes Register beigegeben i VON DER DEMISSION BIS ZUM ENDE DES WELTKRIEGS 1 Bülow III I. KAPITEL Fahrt von Berlin nach Hamburg am 17. VII. 1909 • Alte Erinnerungen und jüngste Eindrücke • In Hamburg • Hotel Atlantic • Der kleine Pfordte • Ballins Plan einer Besprechung zwischen dem deutschen und dem englischen Seelöwen scheitert an Beth- manns Widerspruch • Zu Schiff von Hamburg nach Cuxhaven, von dort nach Norderney Der Gesandte Dr. Rosen • Kundgebungen zum Rücktritt: Der Bundesrat, die Bundesfürsten und Freien Städte • Hat Bismarck das von ihm organisierte Reich zu sehr auf die Fürsten basiert? • Bülows Einstellung zu Parteien und Volksvertretung Als ich nach meinem Abschied von der Reichshauptstadt meiner Frau im Salonwagen gegenübersaß, der uns von Berlin nach Hamburg Reise nach führte und den Verehrung für sie in einen Hain von Rosen, Nelken und Hamburg Orchideen verwandelt hatte, denn vor dem Weltkrieg wurde kaum irgendwo ein Blumenflor entfaltet wie in Berlin, war mein erstes Gefühl Dank gegen Gott, daß es mir vergönnt gewesen war, während eines bewegten, bisweilen stürmisch bewegten Jahrzehnts das Land vor Schaden zu bewahren, seinen Wohlstand zu fördern, seine Machtstellung zu befestigen und zu erweitern und uns den Frieden in Ehren zu erhalten, der unser erstes und vornehmstes Bedürfnis war und blieb. Ich dankte meiner lieben Frau für ihre Treue und Fürsorge, die es mir ermöglicht hatten, in zwölfjähriger angestrengter und aufreibender Tätigkeit meine Schuldigkeit zu tun. Oft war ich die Strecke von Berlin nach Hamburg gefahren, um dem Kaiser in Kiel Vortrag zu halten oder mit ihm auf seiner schnellen Jacht „Meteor", auf der schmucken „Iduna" der Kaiserin dem Segelsport zu huldigen. Jetzt zog ich als entamteter Kanzler denselben mir wohlbekannten Weg, und Erinnerungen meiner Jugend stiegen während der Fahrt in mir auf. Ich gedachte meines guten Vaters, der auch auf Reisen jede Gelegenheit benutzt hatte, mir Land und Leute zu deuten und meinen historischen Horizont zu erweitern. Wir kamen an Spandau vorüber, der alten Stadt, wo die ersten Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern regiert hatten, wo Joachim II. am 1. November 1539 das Abendmahl sub utraque empfing und damit der neuen Lehre in der Mark Brandenburg den Weg ebnete, wo der Julius- Turm stand, der Goldturm, in dem der preußische Kriegsschatz verschlossen war, der die Phantasie des Volkes lange beschäftigt hatte. Jetzt war ich über J« 4 DIE VON BÜLOW eine Finanzreform gefallen, bei der es sich schon um größere Summen handelte. Und es sollte die Zeit kommen, wo vor unseren trauernden Augen mehr, viel mehr Milliarden unserem erschöpften und gemarterten Volk ausgepreßt werden sollten, als uns früher Millionen erschwinglich erschienen. Kremmen, Fehrbellin tauchten in der Ferne auf: Kremmen, wo Märker und Pommern miteinander rauften, die später Schulter an Schulter manche gute Schlacht schlagen sollten, Fehrbellin, der erste große Sieg der brandenburgpreußischen Heldengeschichte. Der Geist des größten preußischen Dichters, der Geist Heinrichs von Kleist schwebt über dieser heroischen Landschaft. Wils na ck ruft mir einen mittelalterlichen Exzeß meines Geschlechts ins Gedächtnis. Der Ritter Hennecke von Bülow, ein streitbarer Mann, der den Beinamen „Grote Kop" führte und die Städte Plau, Dömnitz und Neustadt in seinen Besitz gebracht hatte, äscherte 1383 während einer Fehde, die er gegen den Bischof von Havelberg führte, in barbarischer Weise Wilsnack ein. Er schonte auch die Kirche nicht, in der das Sakrament ausgesetzt war. Die Hostie verbrannte nicht, aber sie blutete, und dadurch wurde das „Heilig Blut von Wilsnack" ein berühmter Wallfahrtsort. „Beim heiligen Blut von Wilsnack" war im Mittelalter eine behebte Beteuerungsformel. Das Geschlecht von Bülow aber mußte die Missetat seines entarteten Sohnes mit dreijährigem Kirchenbann büßen. Da die Familie in den Jahrhunderten vor der Reformation der Kirche fünf treffliche Bischöfe gestellt hat, vier für Schwerin und einen für Lebus, so gebe ich mich der Hoffnung hin, daß der Frevel eines einzelnen ihr nicht dauernd angerechnet werden wird. Der Übeltäter hat übrigens seinen Exzeß nicht lange überlebt. Die Familien-Chronik meldet, daß der „Grote Kop" bald nach der Zerstörung von Wilsnack, kaum 30 Jahre alt, zur Hölle fuhr. Wir kamen an dem Rittergut Düssin vorbei, das lange im Besitz meiner direkten Vorfahren gewesen war. Von fast neunzig Rittergütern, sagte ich mir, die seit dem 14. Jahrhundert meiner Familie in unserer alten mecklenburgischen Heimat gehört hatten, sind kaum noch zwanzig in unserem Besitz, und wie wird es in hundert Jahren aussehen ? Und insbesondere, wenn an der Zentralstelle eine unkluge Politik gemacht wird ? Wir hielten in Ludwigslust, wo ich als Knabe geweilt hatte, um damals dort lebenden ehrwürdigen Oheimen und Tanten meine Aufwartung zu machen, und die Biedermeierzeit stieg vor mir auf mit Lavendelduft und goldenen Schnupftabakdosen. Mit welcher Ehrfurcht hatte ich damals in dieser typischen Kunst- und Zufallsstadt fürstlichen Willens den Goldenen Saal im Schloß, den Schloßpark mit seinen Anlagen, die Kaskade mit ihren breiten Doppelfällen betrachtet. Ich konnte mich auch noch wohl an die Hofkirche erinnern mit ihrer seltsamen Inschrift: „Magnus Dux Megapolitanus Magnus Peccator Magno Redemptori". Wie aber der in Rede stehende IM RÜCKBLICK 5 große Herzog und große Sünder hieß, hatte ich vergessen. Das Mausoleum von Friedrichsruh! Ich habe es auf meinen vielen Fahrten zwischen Berlin und Hamburg nie erblickt, ohne mich in ernsten Gedanken und zu ernster Betrachtung zu sammeln. Aber mit tieferer Bewegung habe ich nie auf diese Grabstätte geblickt als bei meiner Fahrt aus dem Amt und in den Ruhestand, am 17. Juli 1909. Ich hatte in den letzten bewegten Wochen meiner Amtszeit keine Zeit zu einer ruhigen Aussprache mit meiner Frau gefunden. Ich setzte ihr jetzt die tieferen Ursachen meines Rücktritts auseinander. Es unterlag keinem Zweifel, daß die Finanzreform in der von mir in Aussicht genommenen Gestalt durchgegangen wäre, wenn nicht die latente Gegnerschaft des Kaisers das Zentrum in seinem Kampf gegen mich, die Konservativen zu ihrem Abfall von mir ermutigt hätte. Ungleich seinem Großvater und Vater, hatte Wilhelm II. mehr auf die Stimme seiner in den Novembertagen von 1908 gekränkten Eitelkeit gehört als auf die Staatsräson und die Gebote politischer Klugheit und Vernunft. Meine Frau, die den ihr stets gütig gesinnten Kaiser schon im Hause seiner Eltern gekannt hatte und die ihm herzlich zugetan war, bestärkte mich in dem Entschluß, alles zu unterlassen und zu vermeiden, was die Krone schädigen könnte. Es wurde mir das durch die Erwägung erleichtert, daß auch die selbstsüchtige und dabei kleinlich . ungeschickte Taktik der Konservativen große Schuld an der Ablehnung der Erbschaftssteuer, dem vorzeitigen Zerfall des Blocks und damit an meinem Rücktritt trüge. Ich begegnete mich mit meiner Frau in dem Gedanken, daß vielleicht manches anders gekommen wäre, wenn mir im letzten kritischen Winter meiner Amtszeit die alten Freunde zur Seite geblieben wären, die mich verstanden, mutig und treu zu mir hielten und die inzwischen der Tod abberufen hatte. Mit Richthofen als Staatssekretär des Äußern wäre eine so leichtfertige und nachlässige Behandlung des Manuskriptes des „Daily Telegraph", wie sie sich Schön, Müller und Klehmet zuschulden kommen ließen, nicht vorgekommen. Der rührige, weltkundige Franz Arenberg hätte im Zentrum auf eine verständigere Haltung hingewirkt und jedenfalls die Treibereien eines Matthias Erzberger nicht aufkommen lassen. Graf Limburg-Stirum als Führer der Konservativen hätte sich schwerlich so vergaloppiert wie der kleinere, engstirnige Heydebrand und dessen herzlich unbedeutender Famulus Westarp. Der alte Wilhelm von Kardorfl', der langjährige Vertraute des Iiismarckschen Hauses, ein Mann von Feuer und weitem Blick, war als Leiter der Reichspartei mir eine bessere Stütze gewesen als sein Nachfolger, der konfuse uud dabei ängstliche Hatzfeidt-Trachenberg. Die Türme von Hamburg tauchten auf, die Stadt mit dem Blick auf Ankunft in das Meer, in die Ferne. Am Bahnhof erwarteten uns Albert Ballin und Hamburg 6 EINE DEUTSCH-ENGLISCHE SEEKONFERENZ? Felix von Eckardt. Eine große Menschenmenge bot uns ein freundliches Willkommen. Als wir von unseren beiden Freunden begleitet nach dem Hotel Atlantic gingen, wo wir abzusteigen pflegten, stand vor der Tür der kleine Ptbrdte. Er war ein Wahrzeichen von Hamburg wie die Maus an der Marienkirche ein Wahrzeichen von Lübeck. Jeder Handwerksbursche, der nach Lübeck kam, mußte die Maus gesehen haben; und wer Hamburg in unserer guten Zeit besuchte, mußte Pfordte kennen, denn er repräsentierte in der deutschen Stadt, in der man am besten aß, die Kunst, der Anthelme de Brillat-Savarin seine „Physiologie du goüt" und Karl Friedrich von Rumohr seinen „Geist der Kochkunst" gewidmet hat. Wie von dem Zwerg Perkeo in Scheffels Lied auf das Heidelberger Faß konnte man auch von Pfordte sagen, daß er am Wüchse winzig, am Geiste groß war. Er war als armer Junge von Wittenberge nach Hamburg gekommen und beschloß sein Leben als anerkannte Autorität in seinem Fach. Er setzte uns ein kleines, aber ausgesuchtes Abendessen vor nach seiner Maxime, daß, wenn der Mensch anderswo esse, er bei ihm diniere. Um nicht in den Verdacht der Prahlerei zu geraten, will ich einschalten, daß ich nicht den Anspruch erheben kann, als Gourmet bezeichnet zu werden. Ich pflege ziemlich wahllos zu verspeisen, was mir vorgesetzt wird. Pfordte konnte das nicht loben, meinte aber tröstend, meine kulinarische Unzuständigkeit tue seiner politischen Anerkennung für mich keinen Abbruch. Bis spät nach Mitternacht tauschte ich mit den Hamburger Freunden Eindrücke und Gedanken aus und leider auch Besorgnisse. B a 11 i n bedauerte vor allem, daß ich verhindert worden wäre, das von mir Gespräche in Angriff genommene Abkommen mit England über das Tempo der mit Ballin Schiffsbauten noch zustande zu bringen. Reich an Auskünften, wie Ballin war, findig und biegsam, kam ihm ein neuer Gedanke: Tirpitz und Lord Fisher, der deutsche und der britische Seelöwe, sollten sich im Laufe des Sommers irgendwo in der Schweiz treffen, in Mürren oder Engelberg, und trachten, zu einer freundlichen Verständigung zu kommen. Ballin ging, meines Erachtens mit Recht, davon aus, daß Tirpitz bei seiner nicht immer glücklichen, aber ausgesprochenen Neigung zu politischer Betätigung nicht ungern einen diplomatischen Erfolg einheimsen und deshalb, wenn er selbst die volle und direkte Verantwortung trüge, entgegenkommender sein würde, als wo er nur zu kritisieren hatte. Ballin nahm an, daß auch der englische Seelöwe für diplomatische Lorbeeren nicht unempfänglich sein würde. Ballin hat es sich im Laufe des Sommers 1909 tatsächlich angelegen sein lassen, die beiden Souveräne für seine Idee zu gewinnen. König Eduard fand den Vorschlag gut und versprach, auf Lord Fisher im Sinne der Verständigung einzuwirken. Als Wilhelm II. am 3. August 1909 von seiner Nordlandreise zurückkehrte, fuhr Ballin ihm nach Swinemünde entgegen. 13 ET II MANN PIKIERT 7 Der Kaiser, der auf Albert Ballin hörte und dem an und für sich jede neue Idee gefiel, namentlich wenn sie originell war, nahm den Vorschlag gnädig auf und ließ sofort Bethmann Hollweg kommen, der gleichfalls in Swinemünde eingetroffen war. Als nun Ballin vor dem neuen Kanzler seinen Vorschlag entwickelte, machte dieser ein langes und pikiertes Gesicht. Er meinte schmollend: „Gegen diesen Vorschlag muß ich alleruntertänigst Verwahrung einlegen. Ich habe mir die Herstellung eines vertrauensvollen, wirklich freundschaftlichen Verhältnisses zu England als das Hauptziel meiner Kanzlertätigkeit und als meine persönliche Aufgabe ausgesucht. Ich habe mich während Eurer Majestät Nordlandreise gründlich in diese Materie eingearbeitet, die Akten fleißig studiert. Das ist mein eigenstes Bessort, in das ich keine Eingriffe erlauben kann." Bethmann, so schloß Ballin seine Mitteilung an mich, als wir uns bald nachher wieder begegneten, sah dabei so verstimmt aus, daß Wilhelm IL, der ungern unzufriedene Gesichter in seiner Umgebung sah, das Thema fallen ließ und, als Bethmann sich entfernt hatte, zu Ballin sagte: „Sie haben sein pikiertes Gesicht gesehen! Ich kann doch nicht die Ära Bethmann Hollweg mit einem Krach beginnen, nachdem die Ära Bülow soeben mit einem solchen geendet hat." Am nächsten Morgen fuhren wir die Elbe hinunter auf der prächtigen „Viktoria Luise", einem der größten Hapagdampfer, auf dem uns der gute Flottbek Ballin bis Cuxhaven geleitete. Wir fuhren an Altona vorüber, an der Donnersburg, wo im Herbst 1904 unser Kaiserpaar während der Manöver abgestiegen war und wo es die Nachricht von der Verlobung des Kronprinzen erhielt, vorbei an Oevelgönne, wo die alten Kapitäne vor ihren malerischen Häuschen sitzen und mit langen Fernrohren in wehmütiger Erinnerung an ihre eigenen Fahrten den vorüberziehenden Schiffen prüfend nachschauen. Wir passierten das Landhaus in Flottbek, wo ich geboren bin. Es liegt an der Flottbeker Chaussee, die Detlev von Liliencron, wie ich meine mit Becht, die schönste deutsche Straße genannt hat. Der uns benachbarte und befreundete Dichter war in den Tagen meines Bücktritts zu unserem Leidwesen gestorben. Die Chaussee war voll Menschen, die uns mit „Hoch!" und „Hurra!" begrüßten. Der spitze Turm der Kirche von Nienstedten ward sichtbar, deren längst heimgegangener würdiger Pastor Classen mich als Siebzigjähriger einst getauft hat. Er liegt neben der Eingangstür zum Friedhof begraben, auf dem auch ich meine letzte Buhe finden soll. Täufer und Täufling werden sich Auge in Auge gegenüberstehen am großen Tage der Auferstehung. Die malerisch am Ufer aufsteigenden Häuser von Blankenese, das man mit Sorrent verglichen hat und das in seiner Art für mich ebenso reizvoll ist, Schulau, Wedel, Glückstadt ziehen vorüber. Die Elbe wird immer breiter, immer mächtiger. Brunsbüttel, von wo ich zehn Jahre früher mit unserem Kaiserpaar die Fahrt nach England 8 DIE SPRÜCHE DES ZELTMACHERS antrat, zeigt sich rechts, Cuxhaven links, und endlich das Meer, das ewige Meer, die Thalatta des Xenophon, dessen Hopliten auf dem Rückmarsch vom Euphrat von den Höhen der Paphlagonischen Berge den Pontus Euxinus mit Jubelruf begrüßten, das Meer, von dem der einzige deutsche Dichter unserer Tage, Gerhart Hauptmann, schrieb, daß es seine Wasserberge unter den blinden Augen von Jahrmillionen einherwälze, nicht minder blind als diese Jahrmillionen. In Cuxhaven wurden wir umgebootet, ein kleiner Dampfer trug uns Landung in von dort nach Norderney. Ich hatte mir als Reiselektüre ein Büchelchen Norderney mitgenommen, das nicht lange vorher der damalige Legationsrat Friedrich Rosen mir geschenkt hatte. Es nannte sich „Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers". Der wackere Zeltmacher Omar Kajjam, der von sich sagt, er habe nicht die Zelte umherschweifender Hirten, sondern die Zelte der Philosophie genäht, hat um die Wende des 11. und 12. Jahrhunderts in der nordost-persischen Stadt Nischapur gelebt. Rosen, der die Vierzeiler des persischen Dichters und Philosophen ins Deutsche übertrug, war einer meiner besten Mitarbeiter im Auswärtigen Amt. Er war in Jerusalem geboren, wo sein Vater in der Bismarckschen Zeit als Konsul gewirkt hatte. Er selbst war von Jugend auf mit dem Orient wohlvertraut. Er hatte am Orientalischen Seminar in Berlin Persisch und Hindostanisch doziert, war dann Konsul in Beirut, Bagdad und Teheran gewesen. Er hatte einige Jahre im Hause des Marquis of Dulferin gelebt, der nacheinander englischer Botschafter in St. Petersburg, Konstantinopel, Rom und Paris, Generalgouverneur von Kanada und endlich Vizekönig von Indien gewesen war. Rosen hatte Lord Dufferin nach Indien begleitet und dort seinen politischen Blick geschärft und erweitert und im Verkehr mit einem hervorragenden Staatsmann die Kunst der Menschenbehandlung gelernt. Er hatte mir während meiner Amtszeit gute Dienste geleistet, 1905 als Führer einer Gesandtschaft nach Abessinien, wo er einen für uns vorteilhaften Handelsvertrag abschloß, später in Paris als Unterhändler mit Rouvier vor der Algeciras-Konferenz, endlich als Gesandter in Tanger. Die Sprüche des Zeltmachers und Philosophen aus Nischapur hatte Rosen während seiner Kreuz- und Querzüge, die ihn auf langen Karawanenwegen durch Persien geführt hatten, im Sattel übersetzt. Rosen hat, wie ich hier erwähnen möchte, nach meiner Amtszeit als Gesandter in Bukarest, Lissabon und dem Haag sich wohl bewährt. In Bukarest erfreute er sich vor dem Weltkrieg des besonderen Wohlwollens des Königs Carol, dem seine Klugheit, seine große Kultur und seine angenehmen Formen gefielen. In Lissabon leistete er, was nach dem Ausbruch des Weltkrieges in dieser englischen Sukkursale, auf verlorenem Posten, im Hinhalten zu erreichen möglich war. Im Haag sollte Rosen als Gesandter die Flucht Wilhelms II. nach Holland erleben Fürst Bernhard von Bülow „WAS DANN?' 9 und in einer der schwierigsten Situationen, in die ein kaiserlicher Vertreter geraten konnte, Charakter wie Takt an den Tag legen. Zum Minister des Äußern eignete sich Rosen nicht allein durch glänzende Beherrschung des Französischen wie des Englischen, sondern auch durch weltmännische Formen und Erfahrungen. In einem Kabinett Wirth konnte sich Friedrich Rosen gegenüber dem damaligen Reichskanzler nicht lange behaupten, als er im Mai 1921 Reichsminister des Äußern wurde. Die ersten Vierzeiler des Omar Kajjam, auf die ich bei meiner Meeresfahrt stieß, lauteten: Und lebtest du dreihundert Jahr und drüber noch hinaus, Aus dieser Karawanserei mußt du einst doch hinaus. Ob du ein stolzer König warst oder ob bettelarm, Das kommt an jenem letzten Tag aufs selbe doch hinaus. Nimm an, dein Leben sei ganz nach Wunsch gewesen — was dann? Und wenn das Lebensbuch nun ausgelesen — was dann? Nimm an, du lebtest in Freuden hundert Jahr — Nimm meinethalb an, es seien zweihundert gewesen — was dann ? Es war dieselbe ewige Weisheit, die Bismarck als Bundestagsgesandter in einem Brief, den er an seine Johanna richtete, um sie über einen widrigen Zwischenfall zu beruhigen, in die Worte kleidete: „Nach neun Uhr ist alles aus." Wir trafen am Nachmittag des 21. Juli bei strahlendem Sonnenschein in Norderney ein. Die ganze Insel war auf den Beinen, Einheimische und Kurgäste begrüßten uns am Landungssteg. Der Bürgermeister hielt eine gutgemeinte Rede. Ich hatte mir beim Scheiden aus dem Amt gelobt, keine Reden mehr zu halten, da ich während zwölf Jahren mich in dieser Beziehung nur zu reichlich verausgabt hatte: Weil viel Reden ungesund, Gab Natur uns einen Mund. Mit dem einen Maule schon Schwatzt zu viel der Erdensohn. Aber die schlichten Worte des wackeren Ortsvorstehers und die herzliche Begrüßung von Seiten der biederen Fischer und Schiffer rührten meine Frau und mich, so daß ich meinem Gelübde untreu wurde. Nachdem ich dem Bürgermeister für seine Worte und den Insulanern für den mir bereiteten Empfang gedankt hatte, führte ich in einer improvisierten Antwort etwa folgendes aus: Ich bezöge die Kundgebung der mich Begrüßenden nicht auf mich, sondern auf den nationalen Gedanken, dem ich nach bestem Wissen und Gewissen gedient hätte. Der nationale Gedanke verkörpere sich für uns in dem Hause der Hohenzollern, das dem deutschen Volke die Wege 10 FLUT UND EBBE gewesen habe, vom Großen Kurfürsten bis zum Großen König, unter dessen Szepter einst ja auch Norderney gestanden habe, und von dem großen König bis zu unserem guten alten Kaiser. Im Dienste des nationalen Gedankens stünde auch unser jetzt regierender Kaiser mit seinem edlen Herzen, seinem auf das Beste gerichteten Wollen. „Solange Kaiser und Nation einig sind, können wir getrost in die Zukunft blicken." Wenn mir anläßlich meines Rücktritts in Norderney wie anderswo ein wohlwollendes Abgangszeugnis ausgestellt worden sei, so glaubte ich dies darauf zurückführen zu dürfen, daß ich nie einen anderen Leitstern gekannt hätte als das Wohl des Landes, das Staatswohl und das Wohl der Dynastie, die unauflöslich miteinander verknüpft seien. Denn was nützlich und notwendig sei für die Nation, das fromme auch dem wahren Wohl der Krone. Ich war bei diesen Worten, wie vorher bei meiner Unterredung mit Felix von Eckardt, von dem Wunsch geleitet, nach Möglichkeit der Gefahr vorzubeugen, daß mein Rücktritt auf Seine Majestät zurückgeführt würde, was nach Lage der Dinge im Hinblick auf die Novemberereignisse und manches, was diesen vorhergegangen war, dem Träger der Krone und dem monarchischen System in der öffentlichen Meinung nur schaden konnte. In Norderney fand ich eine Fülle von Zuschriften und Adressen, deren Zuschriften Beantwortung während einiger Wochen meine Vormittage in Anspruch Adressen nanm . Um so größer war das Behagen, mit dem ich nachmittags auf meinen Pferden, die ich nach Norderney vorausgeschickt hatte, am Strande galoppierte, dabei auf die Wogen blickte und mir angesichts der ewigen Flut und Ebbe den Wechsel im menschlichen Dasein wie im Dasein der Völker durch den Sinn gehen ließ. Wenn ich einige der Zuschriften und Adressen wiedergebe, die mir bei meinem Rücktritt zugingen, so geschieht dies nicht aus Eitelkeit oder Rechthaberei, über die ein normaler Mensch weg ist, wenn er sich dem Alter des Psalmisten nähert und die Wahrheit des salomonischen „Vanitas! Vanitatum Vanitas!" oft in der Praxis erprobt hat. Ich will aber feststellen, daß viele Patrioten, viele Gebildete aus allen Kreisen bei meinem Abgang mein politisches Wirken richtiger einschätzten, daß sie weiter sahen als die kurzsichtigen Führer der Konservativen, klarer als die gehässigen Treiber im Zentrum, und daß sie sich nicht mit dem gerade in Deutschland nicht seltenen kleinlichen und blinden Fraktionsstandpunkt, dem Parteiinteresse sans phrase, identifizierten*. * Diese Zuschriften und Adressen werden im Anhang dieses Bandes abgedruckt. II. KAPITEL Die politische Lage nach Bülows Rücktritt • Letzte Unterredungen mit Bethmann Hollweg • Letzte Staatsministerialsitzung • Einzelheiten zu Bethmanns Amtsantritt Ich habe schon angedeutet, daß ich nicht ohne Sorgen für unsere Zukunft aus dem Reichskanzlerpalais auszog. Warum erfüllten mich, als ich nach erfolgter Genehmigung meines Abschiedsgesuches das Fallreep der „Hohenzollern" herunterstieg, als ich einige Tage später von Berlin abfuhr, bange Ahnungen, die meinem Naturell fernlagen? Ich neigte nie zu Hypochondrie. „Nil desperandum" war ein alter Wappenspruch meiner Familie, eingraviert auf dem Petschaft meines Großonkels und Paten Karl von Bülow, eines bodenständigen, strammen Altmecklenburgers. Als Großherzogüch Mecklenburg-Schwerinscher Kammerherr und Vize- Kanzleidirektor war er im Obotritenlande einer der überzeugtesten Verteidiger der altständischen Verfassung gewesen. Bei aller politischen Rückständigkeit war er ein Mann von unverwüstlicher Frische. „Nu erst recht, und so dull als möglich!" pflegte er nach Rückschlägen zu sagen. Warum war ich bewegt, fast erschüttert, als mir von unbekannter Seite, am Abend bevor ich Berlin verließ, ein von dem bereits verstorbenen Dichter Ernst vonWildenbruch verfaßtes, baldnach dem Rücktritt des Fürsten Bismarck entstandenes schwermütiges Gedicht zugesandt wurde, in dem es hieß: Wenn ich an Deutschland denke, tut mir die Seele weh, Weil ich ringsum um Deutschland die vielen Feinde seh. Mir ist zur Nacht die Ruhe des Schlafes dann zerstört, Weil stets mein Ohr das Flüstern und böses Raunen hört, Mit dem sie sich bereden zu Anschlag und zu Rat, Um Deutschland zu verderben durch eine schwere Tat. Dann kehren die Gedanken bei ferner Zukunft ein Und fragen: Wird denn jemals das Deutschland nicht mehr sein? Und wenn ich also denke, wird mir so weh, so schwer, Wie war die Welt, die reiche, alsdann so arm und leer! Meine Sorgen galten nicht dem deutschen Volk, das, wenn ihm ein hohes und edles Ziel gezeigt und wenn es richtig geführt wird, in seiner Tiefe 12 MISSTRAUEN BETHMANN HOLLWEGS gewaltige Kräfte und Energien birgt, wie es dies noch bei den letzten Wahlen, den Wahlen von 1907, bewiesen hatte. Meine Sorgen galten erst recht nicht unserem Heer, dem tapfersten und tüchtigsten, dem kühnsten und ausdauerndsten Heere der Welt, vom prächtigen alten Haeseler und dem wackeren Bock von Polach bis zum letzten Musketier. Meine sorgen- Bülows vollen Gedanken beschäftigten sich mit dem Kaiser, sie bezogen sich auf Nachfolger meinen Nachfolger. Wilhelm II. war für die Leitung und auch für die Kontrolle unserer Politik ebensowenig befähigt wie für die militärische Führung in einem etwaigen Krieg. Daß er sich selbst auf beiden Gebieten hoch einschätzte, bewies leider nur seine eigene Urteilslosigkeit. Er hatte in einem Anfall von Überhebung zu dem Grafen Alfred Waldersee, wie dieser mir selbst erzählte, als er ihn von der Stellung des Chefs des Generalstabs enthob und in Altona als Kommandierenden General kaltstellte, von oben herunter gesagt: Er, Wilhelm IL, brauche keinen Chef des Generalstabs, denn im Kriege würde er selbst führen und allein entscheiden, wie das der große König auch getan hätte; im Frieden genüge ihm ein Amanuensis. In Wirklichkeit bedurfte er schon im Frieden, geschweige denn für den Fall eines Krieges, in hohem Grade eines Mentors, eines Beraters und Führers, der immer auf dem Posten war und der dabei ihn zu nehmen wußte, eines Vormunds, der überall nach dem Rechten sah. War BethmannHollweg hierfür die geeignete Persönlichkeit ? Gerade weil ich dem Kaiser noch vor einigen Wochen an Bord der „Hohenzollern" von Bethmann abgeraten hatte, hielt ich es doppelt für meine Pflicht, diesen nach Kräften in die Geschäfte und vor allem in die auswärtige Lage einzuführen. Loebell hatte mir nicht verhehlt, daß sich Bethmann Hollweg mir gegenüber in einer mißtrauischen und gekränkten Stimmung befinde. Valentini habe meinem Nachfolger erzählt, daß ich über seine Wahl nicht gerade entzückt gewesen sei. Allen Ministern und Staatssekretären hätte ich mein Bild mit freundlicher Widmung zugehen lassen. Warum nicht auch ihm ? Loebell hielt dabei eine kleine Photographie von mir in der Hand und bat mich, um von vornherein allen dem Staatswohl nicht zuträglichen Friktionen und Mißverständnissen zwischen mir und meinem nun einmal empfindlich und grämlich angelegten Nachfolger vorzubeugen, unter diese Photographie zu schreiben: „Dem willkommenen Nachfolger". Ich erfüllte diesen Wunsch meines treuen Mitarbeiters, und ich freue mich, daß ich es tat, denn ich habe jetzt hinsichtlich meines Verhältnisses zu meinem Nachfolger ein ganz reines Gewissen. Loebell war ein persönlicher und langjähriger Freund von Bethmann Hollweg wie von Valentini. Er hat späler die allzu gute Meinung, die er von den beiden gehabt hatte, bitter bereut. Die vortreffliche Frau von KEIN INTERESSE AN KRIEG 13 Loebell sagte mir 1915 oder 1916, die Erinnerung daran, daß ihr Gatte beide, Bethmann Hollweg wie Valentini, mir gegenüber immer in Schutz genommen und herausgestrichen habe, hätte ihm später oft schlaflose Nächte bereitet. Vorgreifend will ich schon hier erwähnen, daß Loebell und Bethmann schließlich ganz auseinandergekommen sind. Bei der Juli- Krisis von 1917 empfahl Loebell, damals preußischer Minister des Innern, dem Kaiser einen Kanzlerwechsel, da sich Bethmann in der äußeren wie in der inneren Politik als unzulänglich erwiesen habe und jedenfalls völlig verbraucht sei. Dieser Wechsel müsse vor Ankündigung der preußischen Wahlreform erfolgen, denn man dürfe nicht neuen Wein in alte Schläuche gießen. In seinen ledernen Denkwürdigkeiten spricht sich Bethmann Hollweg denn auch gereizt und unfreundlich über Loebell aus. Der Geist einer gewissen Pikiertheit, der Bethmann überhaupt eigen war, trat schon bei den letzten Unterredungen zutage, die ich mit meinem Ceap Nachfolger hatte, bevor ich am 17. Juh 1909 Berlin verließ. Ich folge auch Beih hier einer Aufzeichnung, die ich unmittelbar nach unseren Gesprächen zu V0T Papier brachte. In unserer ersten Unterredung setzte ich Bethmann auseinander, daß unsere Weltstellung äußerlich glänzend und auch tatsächlich in jeder Beziehung günstiger sei, als sie dies zu irgendeiner Zeit seit dem Bücktritt des Fürsten Bismarck gewesen sei. Aber Vorsicht und Umsicht seien nach wie vor im höchsten Grade geboten. Unsere geographische Lage sei nun einmal gefährlich. Auch bewege sich der Diplomat überhaupt auf einem Terrain, das reich an Löchern, an Fallstricken, selbst an Minen sei. Ich sei fest davon überzeugt, daß der Krieg vermieden werden könne, wie wir ihn während meiner zwölfjährigen Amtszeit und vor mir während fast drei Jahrzehnten, trotz gelegentlicher Krisen und einiger zum Teil recht schwieriger Zwischenfälle, in vollen Ehren vermieden hätten. Der Friede müsse und könne aufrechterhalten werden. Wir hätten gar kein Interesse an Krieg, das allergrößte an der Wahrung des Friedens, denn die Zeit laufe für uns. Wir müßten aber mit Vorsicht, Einsicht und Geschick operieren. Worauf es ankomme, wäre, de ne pas prcter le flanc. Bethmann erwiderte, ich hätte doch meine schönsten Erfolge eher durch Kühnheit, mit Tanger und Bosnien erzielt. Mit Tanger hätte ich eine Hypothek auf Marokko gewonnen und vor allem Delcasse gestürzt, den hinterlistigsten und gefährlichsten unserer Gegner. Mit meiner „tapferen" Behandlung der bosnischen Krisis am Schluß meiner politischen Laufbahn hätte ich „geradezu glänzend" abgeschnitten und abgeschlossen. Ich entgegnete Bethmann Hollweg genau wie vor ihm Seiner Majestät: „Ne bis in idem!" Als Bethmann Hollweg schon mit leiser Empfindlichkeit erwiderte, ihm könne doch auch einmal und auf demselben Terrain, auf dem 14 BETHMANN WILL SICH EINARBEITEN ich mich so glücklich bewegt hätte, ein Erfolg blühen, entgegnete ich ihm: „Non cuivis homini contingit adire Corinthum." Dies Zitat war sehr unglücklich. Der würdige Direktor Schmidt des Gymnasiums Carolinum in Neu-Strelitz hatte recht gehabt, fünfundvierzig Jahre früher den damaligen Sekundaner Bernhard von Bülow vor zu vielem Zitieren zu warnen und ihn namentlich zu sehr sorgfältiger Auswahl und Prüfung seiner Zitate zu mahnen. Diesen Vers aus den Episteln des Horaz hätte ich lieber für mich behalten sollen. Als Alumnus, ja als Primus omnium der gelehrten Schulpforta, verstand Bethmann nur zu wohl den Sinn des Zitats. Sichtlich gereizt, erging er sich in einer längeren Auseinandersetzung darüber, daß er wohl wisse, es fehle ihm die eigentlich diplomatische Vorschule. Er hoffe aber und er vertraue, daß er mit Fleiß und Geduld das Versäumte bald nachholen würde. „Ich werde mich schon in die auswärtige Politik einarbeiten!" wiederholte er zweimal nicht ohne Pathos. Ich hielt es für richtig, die Unterredung mit meinem Nachfolger nicht in einen persönlichen Disput ausarten zu lassen, sondern sie auf dem Boden eines akademischen Dialogs zu halten. Ich griff das Wort „einarbeiten" auf. Ich legte dar, daß man sich in die auswärtige Politik nicht von heute auf morgen einarbeiten könne. Der Verwaltungsbeamte, der von Trarbach nach Aurich versetzt werde, könne sich der Hoffnung hingeben, daß er sich in die Eigenheiten des ostfriesischen Torfbaus ebenso tüchtig einarbeiten O o werde, wie ihm das mit den Bedürfnissen eines Weinbau treibenden Moselbezirks gelungen wäre. Die auswärtige Politik sei aber nun einmal keine Wissenschaft und noch weniger ein Zweig der Ethik. Sie sei eine Kunst, und da komme es nicht auf die Moral, nicht auf den guten Willen an, sondern lediglich auf das Können, das seinerseits durch Flair, Takt und Intuition bedingt sei. Ich fügte hinzu, daß ich stets bereit sein würde, meinem langjährigen Mitarbeiter mit gutem Rat gern, gewissenhaft und loyal zur Seite zu stehen. Er könne sich, wie, wo und wann es ihm nützlich erscheine, vertrauensvoll an mich wenden. An meinem Patriotismus werde er nicht zweifeln, und schon weil ich aus ganzer Seele dem Lande Glück und Ruhm, Wohlfahrt und Sicherheit wünsche, sei ich auch für ihn, meinen Nachfolger, und seine Amtstätigkeit von herzlichen und aufrichtigen Gesinnungen erfüllt. Bethmann Hollweg verneigte sich würdig, aber steif. Ich sah in einen Abgrund von Empfmdhchkeit und Selbstüberschätzung. Tatsächlich hat mich Bethmann nach meinem Rücktritt niemals und in keiner Situation je um Rat gefragt. Tatsächlich hat er, insbesondere bevor er im Sommer 1914 die mit dem Ultimatum an Serbien begonnene fürchter- bche Aktion einleitete und während der hierdurch hervorgerufenen lebensgefährlichen Krisis, mich nie weder direkt noch indirekt um meine „FRIEDE!" 15 Meinung gebeten. Auch während des Weltkrieges hat er sich niemals nach meiner Beurteilung der Lage, höchstens argwöhnisch nach meinem Aufenthalt und meinem Umgang erkundigt, mich auch nie gefragt, wie ich über etwaige Friedensmöglickkeiten dächte. Er hat, als er den verhängnisvollen Entschluß faßte, Polen wiederherzustellen, mich nicht um meine Ansicht gefragt, geschweige mir die Möglichkeit geboten, ihn unter Hinweis auf Friedrich den Großen und auf den Fürsten Bismarck vor diesem wahnwitzigen Projekt zu warnen. In jener letzten oder vielmehr vorletzten politischen Unterredung, die ich bei meinem Ausscheiden aus dem Amt mit Bethmann hatte, ließ ich mich durch seine Empfindlichkeit und Verstimmung nicht abhalten, ihm noch einmal, wie schon dem Kaiser, Vorsicht mit Rußland anzuempfehlen. Dort hege der Schlüssel der Weltlage. Solange wir mit Rußland Frieden hielten, würde weder Frankreich noch insbesondere England uns angreifen. Das Verhältnis zu Rußland hinge außer von einer klaren und festen preußischen Ostmarkenpolitik von der Behandlung der Dardanellen-Frage sowie von geschicktem Vermitteln zwischen den russischen und den österreichischen Interessen auf der Balkanhalbinsel ab. „Vergessen Sie nicht, daß die Dardanellen-Frage ein heißes Eisen ist. Und lernen Sie vom Fürsten Bismarck, der es uns gezeigt hat, wie wir es anfangen müssen, um einerseits Österreich weder überrennen zu lassen noch preiszugeben, um aber andererseits auch nicht durch Österreich in einen Krieg mit Rußland verstrickt zu werden, bei dem schwerlich etwas Gutes herauskommen dürfte." Dreizehn Jahre bevor der arme Walter Rathenau bei der Konferenz von Genua sein Pace! Pace! rief, trennte ich mich von meinem Nachfolger Bethmann mit dem Worte: „Pax!" Dieser ersten Unterredung folgte ein zweites langes Gespräch, das sich namentlich um die deutsch-englischen Beziehungen drehte. In Erinnerung Die deutsch- an die Empfindlichkeit, die Bethmann bei unserer vorhergegangenen englischen Besprechung hatte durchblicken lassen, eröffnete ich unsere zweite Unter- i iczienun g en redung mit einer direkten Apostrophe an meinen Nachfolger. Ich sagte ihm im freundlichsten Tone und indem ich alles Belehrende vermied: „Lieber Bethmann, Sie haben nicht wie ich den größten Teil Ihres Lebens im Auslande zugebracht. Sie sind nicht durch eigene Anschauung mit französischen und russischen, englischen und österreichischen, italienischen und ungarischen, rumänischen und griechischen Verhältnissen vertraut. Dafür wissen Sie in unserer Verwaltung besser Bescheid als ich. Sie sind ein vortrefflicher Jurist, was ich trotz hoffnungsvoller Anfänge schließlich leider doch nicht geworden bin. Sie kennen aber nicht wie ich, der ich in einem Diplomatenhause aufgewachsen bin und so viel herumgeworfen wurde, persönlich fast alle, ich kann sagen alle europäischen Souveräne, die 16 DAS ABKOMMEN MIT ENGLAND meisten Minister. Sie sind nicht wie ich mit Staatsmännern aller Länder persönlich befreundet. Ich will mich Ihnen nicht aufdrängen, ich sehne mich gar nicht nach politischer Betätigung. J'en ai pardessus la tete. Ich freue mich, daß ich endlich meine Ruhe habe. Ich möchte fast über das Portal der Villa Malta die Worte schreiben, die einst ein berühmter englischer Staatsmann, Lord Brougham, den ich mir im übrigen nicht zum Vorbild nehmen möchte, nach seinem Rücktritt über die Eingangstür seiner Villa in Cannes setzte: Inveni portum, spes et fortuna valete! Sat me ludistis, ludite nunc alios. Aber Ihnen, ich wiederhole es noch einmal, stehe ich jederzeit und für jede Rückfrage zur Verfügung." Der herzliche Ton, in dem ich das sagte, schien auf Bethmann Eindruck zu machen, sein Gesicht nahm einen guten Ausdruck an. Unsere zweite Unterredung nahm einen freundlichen Verlauf. Ich riet Bethmann, baldmöglichst zu dem von mir in Angriff genommenen Abkommen mit England über das Tempo der Schiffsbauten zu gelangen. Er würde es in dieser Beziehung mit Seiner Majestät dem Kaiser weit leichter haben als ich. Er habe für den Kaiser noch den Reiz der Neuheit, während ich mich gegenüber dem hohen Herrn schon sehr verbraucht hätte. Er möge sich nicht der Illusion hingeben, als ob sich das deutsch-englische Verhältnis von heute auf morgen zu einem ganz intimen, rückhaltlos- vertauensvollen gestalten lasse. Was wir aber erreichen könnten, wäre, daß die deutsch-englischen Beziehungen sich nicht verschlechterten, sondern korrekt und normal blieben. Mehr zu erwarten oder anzustreben, hieße die traditionelle englische Politik vergessen. Seit Jahrhunderten habe England jeder politisch oder wirtschaftlich aufsteigenden Macht mißtrauisch, unter Umständen feindlich gegenübergestanden. Das hätten nacheinander Spanien, Holland, Frankreich, Rußland erfahren. Unser beispielloser wirtschaftlicher Aufschwung, unsere große politische Machtstellung, insbesondere unsere stürmischen Fortschritte in Handel und Schiffahrt stünden jetzt für England im Vordergrund seiner Betrachtung, seiner Beobachtung und seiner Sorge. Daraus folge noch nicht, daß ein Krieg mit England zu erwarten oder gar daß er unvermeidlich sei. Wir müßten aber dafür sorgen, daß sich die Beziehungen zu England nicht verschlechterten. Das sei mit Vorsicht und Takt zu erreichen. König Eduard sei nicht kriegerisch, wenn auch politisch sehr unbequem. Er würde uns nicht überfallen. Er würde auch nicht ewig leben. Bei meiner letzten Begegnung mit ihm seien mir der hippokratische Zug in seinem Gesicht, sein fetter Hals, sein schwerfälliger Gang aufgefallen. Sein präsumtiver Nach- Abschiedsbrief der Kronprinzessin Cecilie an die Fürstin Bülow Potsdam 17 Juli 1909. Meine liebe und sehr verehrte Fürstin! Zu meinem großen Bedauern las ich gestern in der Zeitung, daß der Fürst schon morgen Berlin verläßt und Sie ihn wohl begleiten. Ich hätte Ihnen so gerne noch persönlich adieu gesagt und Sie besuclit ehe Sie uns verlassen, fürchte aber nun dieses hiermit tun zu müssen, da ich fürchte heute nach der gestrigen Reise wieder nach Berlin zufahren, und ich mich doch etwas schonen muß. Ich kann Ihnen garnicht sagen wie leid es mir tut Sie nun späterhin nicht mehr wie sonst öfters zu sehen, und ivie sehr mein Mann und ich Sie und den Fürsten in Berlin vermissen werden. Ich hoffe der große Wechsel ivird Ihnen nicht zu schwer werden, und daß Ihnen Ihr schönes neues Heim in Rom vieles ersetzen wird. Mit der Bitte mich dem Fürsten herzlich zu empfehlen, und mich freundlichst wissen zu lassen ob Ihre Abreise für morgen wirklich feststeht verbleibe ich, liebe Frau Fürstin Ihre sehr ergebene Cecilie P.S. Meinem Mann tut es auch sehr leid Ihnen und dem Fürsten nicht mehr seinen Besuch machen zu können mußte aber heute und morgen verreisen. / t PRÄVENTIVKRIEG EIN VERBRECHEN 17 P 1 1 ^ (f^u^c^ -/f^Lk. ^/ ^U^c^ ~£cUu -U^J- ^L^/^A—. / fksüt^JujU^L- ^y^^U^. ^tsbe*!^ J^V^ Lv£ ^^/tA^U €c^> &U^t fcl^ /A-u^ (/J^l^Ll^L- ß^cA^JjL^Z. -CU^jL rfcX^ (ÄJU- • Ja \J^^u /v^ul^jl^ preußischen Staatsministeriums bei. Ich erinnerte in kurzen. Worten daran, 2 Bülow III ^du^d ^^^^läJ\^ /^LI^au^ ^oU^L- Zl^lJ _^ lZl-^<^/<__ / tu^J~L. ^Cd^L ^i^Ä~y^c^ L^L_ JLa^J\_ ^Ju^u^^ lc^/t $l^L -^Ca^ a^m^^^c^ PRÄVENTIVKRIEG EIN VERBRECHEN 17 r. i_____ -i. /^£^LsLA- (/-^U^L^~ ^— ^c^L t^4- /-/^Ajx JLlt+-> to^J^L, plol^It) (/^u^yl — ,UJ+^L^ iU^J- 4^^- t^tA-lU^ il^UuA^. Ua^X V^L- L^t^C^ jt(AA~ ^4^W^^<- /T^^Jum^ %CAAU^ y^Lzsi ßM^~ ^^n/^ ^A^fyk yu~ sOl-^jLj/^ ^tooJL | ( Lo^*L /ajlo^ lU^c^J^u-- ZccS^—. <^JajJL <&^u^laa— (aU+u^ 166a^- --Ct^tA^h/^-- £jt/, f. ^ . tri t Hr.1180 M\ ■ ^Ki, .■w^ysfFY .. \ L 4|p 4 /t^jf/rt^ •n ^su gelangen, da es unabsehbar sei,welche Folgen eine kriegerische Verwickelung,in die eine oder mehrere der Grossmächte hineingesogen wurden,haben konnte.England sei unbedingt friedlich und kein Mensch wolle hier den Krieg,schon aus wirtschaftlichen Gr-ünden .Aber bei einem allgemeinen europäischen Wirrwarr,der sich doch aus dem Einmarsch Österreichs in Serbien ergeben konnte,falls Serbien nicht gutwillig die besetzte Adriaküste räumte , sei es kaum wahrscheinlich, das s Grossbritannien werde der stille Zuschauer bleiben können. Ich entgegnete,ich wolle nicht die Frage an ihn richten, ob das so viel hiesse,als ob England alsdann gegen uns feindlich vorgehen würde.Er erwiderte,dass das gewiss nicht die notwendige,wohl aber die mögliche Folge eines Krieges sein würde swischen beiden kontinentalen Gruppen. Die Wurseln,so drückte er sioh aus,der englischen Politik lägen in der hier allgemein verbreiteten E'mpfindung,dass das Gleichgewicht der Gruppen einigermassen aufrecht su erhalten sei.England würde daher unter keinen Umständen eine Niederwerfung der Franzosen dulden können,die er,ein \grosser Bewunderer unseres Heerwesens und unserer militä- Seiner Exsellens dem Reichskanzler Herrn von Bethmann Hollweg i, im a „ . l . . //<Ä ^i^w k/vfu** tm/t " % - 7 %i ff V 2- ^^^\ma^ /?tyu !jf^,(;i{^vv^v>«v AftV ß!X M^A ■p^*4f riechen Einrichtungen,mit einiger Sicherheit voraussieht . I .. v^w-vtsi England könne und wolle sich nicht nachher einer einheit- ■W' ) ^l'Mlichen kontinentalen Gruppe unter Führung einer einsigen v 'UUv t *\ |L«^^ Wj4 /u* p ^iV^ *m c,vw|vwT^"^ kjl^'H^ /^WivvAj^l Aw> *VvC »jN/Wfvt' c acht gegenüber sehen. Sollte also Deutschland durch Österreich in den Zwist hineingesogen werden , und dadurch in Krieg mit Frankreich geraten , so würden in England Strömungen entstehen, denen keine Regierung widerstehejx^, könu r te_und deren Folgen gans unberechenbare wären.Die Theorie von dem Gleioh- gewicht der Gruppen bilde eben für Englands Aussenpoli- tik ein Axiom und habe auch su der Anlehnung -an Frankreich und Russland geführt .Er könne mir verbürgen,dass man hier das beste Verhältnis mit Deutschland wünsche 4 ö^M'V und die Aufnahme,die s.B.die Ausführungen Euerer Exsel- i lenz und des Herrn von Eiderlen im Reichstage sowie mei- e neuerliche Rede beim Festmahl der Royal Society ge- h TL i\l L \ sen.Auch würde unf niemand hier den Erieg machen wollen, jwn ^ 'funden,müssten mir die Richtigkeit dieser Ansicht bewei , %@Tfa ^Tf^^tu^K <)?, : f v '». * «■ v S-0fo*C*>' Beim Fürsten Donnersmarck iL. // ^ ^ ^ in» BÜROKRAT UND PROFESSOR 153 in den Händen weniger Männer. In erster Linie führte Bethmann die mit dem Ultimatum an Serbien eingeleitete Politik. Bethmann hatte mir, wie ich seinerzeit erzählte, als er meine Nachfolge antrat, mit redlichem oder aufgeblasenem und jedenfalls naivem Ausdruck gesagt, er habe der auswärtigen Politik bisher fremd gegenübergestanden. Er hoffe sich aber mit Eifer und Fleiß in sie einzuarbeiten. Er vergaß hierbei die vom Fürsten Bismarck oft ausgesprochene Wahrheit, daß die Diplomatie kein Handwerk sei, das man mit den Jahren erlerne; sie sei überhaupt weniger eine Wissenschaft als eine Kunst. Im Juli 1914, wo er schon fünf Jahre im Amte war, glaubte Bethmann die diplomatische Kunst zu beherrschen. „Wer alles weiß", sagt die Weisheit der Brahmanen, „der ist seüg zu preisen. Wer nichts weiß, dem kann geholfen werden. Aber wer halb weiß, an dem wird Brahma selbst zum Knecht." In Wirklichkeit war Bethmann zu schwerfälligen Geistes, um je auf diplomatischem Gebiet glänzen zu können. Weder sein Lebensgang noch sein Naturell qualifizierte ihn zum Diplomaten. Als ich im Kriegswinter 1915—1916 in Berlin weilte, pflegte ich oft meine Abende beim Fürsten Guido Henckel-Donnersmarck zuzu- Beim Fürsten bringen, dem ich während meiner Pariser Dienstzeit, in der ersten Hälfte Donnersmarck der achtziger Jahre nähergetreten war. Er hatte inzwischen seine erste Gattin, die Paiva, durch den Tod verloren. Er hatte Paris verlassen, er hatte sich rangiert, er war von Wilhelm IL, der ihn lange als Bismarckianer gehaßt und verfolgt hatte, dem aber sein riesiger Beichtum imponierte, in den Fürstenstand erhoben worden. Er hatte sich in Berlin niedergelassen und bewohnte mit seiner zweiten Frau, einer geborenen Bussin, die eine gute Deutsche geworden war, am Pariser Platz ein seinen Vermögensverhältnissen angemessenes prächtiges Appartement. Der schon fünfund- achtzigj ährige Fürst war einsilbig geworden, aber er war ein Mann von reicher Erfahrung und klarem Blick. Er kannte die Menschen, und er kannte die Welt. Er hatte die Gewohnheit, wenn er vom Fürsten Bismarck sprach, dem er während vieler Jahre nahestand, ihn mit feiner Ironie einen „nicht unbegabten Politiker" oder auch „einen Staatsmann von Erfahrung" zu nennen. An einem mir unvergeßlichen Abend sagte der alte Fürst Donnersmarck zu mir: „Ein Staatsmann von einiger Erfahrung, der Fürst Bismarck, äußerte einmal vor mir, das Deutsche Beich könne jeden Reichskanzler vertragen, nur nicht einen Bürokraten." Henckel verfiel darauf in Schweigen. Nach einigen Minuten fuhr er fort: „Ein nicht unbegabter Politiker, Otto Bismarck, meinte einmal in meiner Gegenwart: ,Wir vertragen jeden Kanzler, nur nicht einen Professor'." Wiederum schwieg der Fürst von Donnersmarck. Dann mit einem Seufzer: „Jetzt haben wir einen Reichskanzler, der beides ist, Bürokrat und Professor." Der bürokratischen 154 KOPFLOSIGKEIT Art von Bethmann entsprach es, daß er die Bearbeitung der Ultimatums- Angelegenhcit, auch nachdem sie zu einer schweren Krisis geführt hatte, sich selbst vorbehielt. Er wollte damit, wie er im Verlauf der Krise gegenüber einem seiner Mitarbeiter äußerte, sein „Probe- und Meisterstück" in der diplomatischen Kunst ablegen. Er hat speziell für die nach London gehenden Telegramme nicht nur persönlich die Direktiven erteilt, sondern sie zum Teil selbst konzipiert. Der professorale Zug in seinem Wesen trat darin zutage, daß er mit eigensinnigem Doktrinarismus an der Vorstellung festhielt, er habe sich durch seine Ehrlichkeit und Loyab'tät die sichere Freundschaft und zuverlässige Unterstützung von England erworben und, auf sie gestützt, keine große Konflagration zu befürchten, zumal der russische, selbstherrschende und orthodoxe Zar für die serbischen Verschwörer und Königsmörder nicht das Schwert ziehen würde. Als nach und nach alle diese Vorstellungen sich als Illusionen und Träumereien erwiesen und Bethmann Hollweg, ihm selbst völlig unerwartet, vor einem Abgrund stand, verlor er den Kopf. Seitdem glich er dem Ertrinkenden, der nach jedem Strohhalm greift, während er mehr und mehr den Boden unter den Füßen verliert und der Atem ihm ausgeht. Seine Kopflosigkeit ging schließlich so weit, daß er am Vorabend des Tages, an dem wir Rußland den Krieg erklärten, den englischen Botschafter, Sir Edward Goschen, in das Reichskanzlerpalais beschied und ihm ä brüle pour-point ein „understanding" zwischen Deutschland und England proponierte. Das trug ihm zunächst eine sarkastische Vorantwort des Botschafters ein und am nächsten Tage von dem englischen Minister des Äußern, Sir Edward Grey, eine scharfe persönliche Zurechtweisung. In der Antwort, die der englische Minister auf das seltsame Bündnisangebot des deutschen Kanzlers erteilte, war von einem „bargain" die Rede, einem Schacher, „a disgrace from which the good name of this country would never recover". Während Bethmann Hollweg mit ungeschickten diplomatischen Schach- Staatssekretär zügen das Reich der schwersten Kriegsgefahr aussetzte, in der wir uns seit Delbrück meur a ls vierzig Jahren befunden hatten, traf er keinerlei Vorbereitungen für den Ernstfall. Wieder und immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß Bethmann den Krieg nicht wollte. Bei ihm wie bei seinen Mitarbeitern lag kein Dolus vor, sondern nur Stultitia. Der Staatssekretär des Innern, der verständige Clemens Delbrück, war Ende Juni 1914 sehr überarbeitet auf Urlaub gegangen. Am 9. Juli kehrte er, getrieben von innerer Unruhe, die ihn seit dem Attentat von Sarajewo beherrschte, nach Berlin zurück und suchte noch am selben Abend Bethmann auf, der ihn in die gesamte politische Lage einweihte, wie er sie auffaßte. Es war der Tag, an dem der Staatssekretär Jagow den österreichischen Botschafter Szögyenyi-Marich empfing, der ihm den Dank des Wiener Kabinetts für die „ES GIBT JA KEINEN KRIEG!" 155 Bereitwilligkeit aussprach, mit welcher der Deutsche Kaiser und der deutsche Kanzler Österreich für die gegen Serbien geplante Exekution ihre volle Unterstützung zugesagt hätten. Jagow quittierte diesen Dank damit, daß er den Österreichern mögüchst schneidiges Vorgehen anempfahl. Als er den Staatssekretär Delbrück über die Situation informierte, fügte Beth- mann erläuternd hinzu, daß er den Inhalt des von Österreich geplanten Ultimatums an Serbien nicht kenne. Er sei jedoch mit Jagow der Meinung, daß es im Falle kriegerischer Verwicklungen zwischen Österreich und Serbien gelingen werde, den Brand zu „lokalisieren". Als Delbrück die Frage an den Kanzler richtete, ob es sich nicht empfehle, die seit Jahr und Tag für einen Kriegsfall in Aussicht genommenen Maßnahmen zu treffen und vor allem Getreide ankaufe in Rotterdam vorzunehmen, erwiderte Bethmann, es sei nicht angängig, von deutscher Seite irgendwelche Schritte zu unternehmen, die als Vorbereitung zu einem Krieg gedeutet werden könnten. Delbrück möge übrigens noch mit Herrn von Jagow sprechen. Am nächsten Tage suchte Delbrück den Staatssekretär Jagow auf, der ebenso wie Bethmann alle wirtschaftlichen Vorsorgemaßregeln für die Zivilbevölkerung als „vollkommen überflüssig" bezeichnete. Dem Staatssekretär des Äußern wie dem Kanzler waren die Anfragen des Staatssekretärs des Innern augenscheinlich unbequem. Wie Clemens Delbrück mir bald nachher selbst erzählt hat, deuteten ihm während seiner ersten Anwesenheit in Berlin, Anfang Juli 1914, der Kanzler wie der Staatssekretär des Äußern an, daß die politische Lage seine Anwesenheit in Berlin in keiner Weise erfordere. So ging Delbrück von neuem in Urlaub und traf erst am 24. Juli wieder in Berlin ein. Wegen etwaiger Getreideankäufe in Rotterdam war inzwischen nichts geschehen. Der Reichsschatzsekretär Kühn hatte die geforderten Kredite mit den Worten abgelehnt: „Es gibt ja keinen Krieg!" Erst nach wiederholtem Drängen Delbrücks beim Kanzler Bethmann wurden die erforderlichen Gelder angewiesen, inzwischen war aber der Rotterdamer Markt von unseren Gegnern ausgekauft worden. Im Gegensatz zu Bethmann hatte Clemens Delbrück von Anfang an mit einer längeren Kriegsdauer gerechnet. Schon deshalb erfüllte ihn die in den ersten Kriegsmonaten an der Front und in der Heimat getriebene Verschwendung mit schweren Sorgen. Er forderte die sofortige Erfassung und Rationierung aller Lebensmittel, drang aber mit seinen Vorschlägen bei Bethmann Hollweg nicht durch. In Berlin war die unverständige, jedenfalls in hohem Grade gewagte österreichische Ultimatumsaktion zugelassen worden, ohne daß für den Ernstfall Vorbereitungen getroffen wurden. In Paris dagegen hatte schon im Januar 1914 die Stadtverwaltung beschlossen, mit Hilfe namhafter Aufwendungen, in die sie sich mit allen Militärbehörden teilte, die Mehlvorräte von Paris so weit zu erhöhen, daß die Stadt während der 156 „DIE ZEIT DRÄNGT! Verkehrssperre einer eventuellen Mobilmachung keinen Mangel zu leiden brauche. Der Militärgouverneur von Paris, General Michel, erklärte bei diesen Beratungen: „Die Zeit drängt, dieses Jahr ist ein besonderes Jahr. Wir wissen nicht, was es uns bringen kann. Wir wissen nicht, ob wir nicht im März oder April Mobilmachung haben werden." Während Bethmann und Jagow, alles andere eher als kühne Männer, im Die Kriegs- Grunde beide ängsthche Naturen, ihre unvorsichtige Politik mit der Harm- vorbereitung losigkeit von Kindern betrieben, die im Walde Pilze suchen, machten sich in Paris p' ranzosen keine Illusionen über den Ernst der europäischen Gesamtlage. Am 20. Februar 1914 sagte, wie aus den nach dem Kriege erfolgten amtlichen Veröffentlichungen hervorgeht, der französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, zu dem belgischen Gesandten Beyens: Die Mehrzahl der Deutschen wie der Franzosen wünsche in Frieden zu leben, aber in beiden Ländern träume eine mächtige Minorität nur von Schlachten und Eroberungen oder Revanchekämpfen. „Darin hegt die Gefahr, neben der man wie neben einem Pulverfaß leben muß, dessen Explosion durch eine Unvorsichtigkeit hervorgerufen werden könnte." Am 10. März berichtete der belgische Gesandtem Paris, Herr Guillaume, seiner Regierung, es wäre für niemand ein Geheimnis, daß der Sturz des chauvinistischen Kabinetts Barthou dem Präsidenten Poincare peinlich gewesen sei. Der Präsident sehe in dem Sturz von Barthou einen Mißerfolg seiner eigenen, militaristischen und nationalistischen Politik, die er systematisch verfolge seit dem Tage, wo er als Ministerpräsident an die Spitze der Regierung getreten sei. Hand in Hand mit Delcasse, Millerand und einigen anderen, predige Poincare unablässig die militärische und politische Wiederaufrichtung Frankreichs und bemühe sich gleichzeitig, die russische Regierung mißtrauisch gegen Deutschland zu machen und sie für den Gedanken eines gemeinsamen Krieges gegen Deutschland allmählich zu gewinnen. Bei gespannter internationaler Lage konnten wir natürlich gar nicht vorsichtig genug sein, mußte die Berliner Politik mit Umsicht und Besonnenheit geleitet werden. An der Aufrechterhaltung des Friedens hatte kein Land ein größeres Interesse als Deutschland. Baron Beyens, der wie die Mehrheit seiner Landsleute damals den Krieg, und nun gar einen Weltkrieg, sicherlich nicht wünschte, sondern fürchtete, übersandte am 12. Juni 1914 anläßlich des Sturzes des Ministeriums Barthou und der Einführung der dreijährigen Dienstzeit in Frankreich seiner Regierung einen längeren Bericht. Nach einigen tadelnden Bemerkungen über die „schlecht unterrichteten" Herren Poincare und Barthou, die in übereilter Weise die dreijährige Dienstzeit in Frankreich durchgesetzt und damit die in der Welt herrschende Unruhe noch verstärkt, den überall aufgehäuften Zündstoff noch vermehrt hätten, hieß es in diesem Bericht: „Die Mehrheit des fran- FALKENHAYN 157 zösischen Volks will gewiß keinen Krieg, und Deutschland braucht diesen Krieg nicht. In wenigen Jahren wird ein Gleichgewicht der Kräfte zwischen den beiden Nachbarn nicht mehr möglich sein. Deutschland braucht sich nur zu gedulden, braucht nur im Frieden seine wirtschaftliche und finanzielle Macht zu steigern, braucht nur die Wirkung seines Geburtenüberschusses abzuwarten, um ohne Widerspruch und ohne Kampf in Zentraleuropa zu dominieren." Das war eine durchaus zutreffende Beurteilung der Lage, eine Auffassung, von der ich selbst während meiner ganzen Amtszeit geleitet wurde. Unser Interesse war der Friede. Wir hatten bei einem Krieg, und nun gar bei einem Weltkrieg, viel mehr, sehr viel mehr zu verlieren als zu gewinnen. Der von mir erwähnte Bericht des Baron Beyens schloß mit einem erneuten Tadel gegen Poincare und Barthou, die klüger daran getan hätten, mit größerer Kaltblütigkeit die Frage zu prüfen, ob es kern besseres Mittel zur Wahrung des Friedens zwischen Frankreich und Deutschland gäbe als einen solchen Wettbewerb der Rüstungen und eine derartige Erhöhung der Präsenzstärke, deren Lasten Frankreich nicht so lange zu ertragen fähig sei wie Deutschland. Unser armes Deutschland glich, schlecht gesteuert, dem guten Schiff, das nach langer, wechselvoller Fahrt, unmittelbar bevor es den Hafen erreicht, an einer Klippe scheitert und untergeht. Die Sorglosigkeit, mit der Kaiser Wilhelm an dem Gängelband der Wiener Politik in den Weltkrieg hineinstolperte, war nicht geringer als die Sorglosigkeit seines Kanzlers und seines Staatssekretärs des Äußern. Am Abend jenes » n Berlin verhängnisvollen Tages, an dem der Kaiser Österreich volle Unterstützung für seine abenteuerlichen Pläne gegen Serbien zugesagt hatte, informierte der hohe Herr den Kriegsminister von Falkenhayn über die österreichische Demarche und frug ihn, ob das Heer für alle Fälle bereit sei. Falkenhayn bejahte diese Frage, indem er die Hacken zusammenschlug und die Hand an den Helm legte, mit einem strammen „Zu Befehl, Eure Majestät!" Begreiflicherweise erkundigte sich der Kriegsminister gleichzeitig, ob irgendwelche militärischen Vorbereitungen zu treffen wären. Der Kaiser lehnte solche Vorbereitungen ausdrücklich ab und wünschte dem Kriegsminister einen vergnügten Sommer. Am nächsten Tage empfing er, unmittelbar bevor er zum Antritt seiner Nordlandreise, seiner letzten Nordlandreise, nach Kiel fuhr, die Vertreter des Generalstabs, des Admiral- stabs und des Reichsmarineamts und teilte ihnen mit, daß Österreich die Serben wegen des Mordes von Sarajewo zur Rechenschaft ziehen werde. Größere kriegerische Verwicklungen seien aber nicht zu erwarten. Es erübrige sich daher, irgendwelche militärischen oder maritimen Vorbereitungen zu treffen. — Ich habe soeben Wilhelm IL, Bethmann und Jagow mit harmlosen Kindern verglichen, die im Walde Pilze suchen. Noch 158 HORRIBILE DICTU zutreffender wäre der Vergleich mit törichten Knaben, die mit einer Granate 6pielen, ohne zu wissen, daß sie geladen ist und bei täppischer Berührung explodieren kann. Wenn Bethmann die Entschuldigung hatte, daß er tatsächlich von Direktiven Diplomatie und auswärtiger Politik nichts verstand, so konnte der Staats- Jagows gekretär von Jagow nicht einmal diese mildernden Umstände geltend machen. Er gehörte schon an zwanzig Jahre dem diplomatischen Dienst an. Weit entfernt, den Kanzler von ungeheuerlichen Fehlern abzuhalten, bestärkte Jagow seinen Chef durch seine blinde Vorhebe für das „aristokratische" Österreich in allen Dummheiten. Auch Jagow glaubte (horribile dictu) nicht entfernt an die Möglichkeit eines Krieges. Er hatte fünf Tage vor der Übergabe des Ultimatums, am 18. Juli 1914, an den Botschafter in London ein Schreiben gerichtet, um ihn über die gegen Serbien geplante Aktion zu orientieren. Österreich, hieß es in diesem Schreiben, wolle sich endlich und endgültig mit seinem kleinen Nachbarn Serbien auseinandersetzen und habe dies in Berlin zur Kenntnis gebracht. Wir könnten und dürften Österreich nicht in den Arm fallen. Wir müßten aber trachten, den Konflikt zwischen Österreich und Serbien zu lokalisieren. Je entschlossener sich Österreich zeige, je energischer wir es stützten, um so eher werde Rußland still bleiben. Einiges Gepolter in Petersburg werde zwar nicht ausbleiben, aber im Grunde sei Rußland noch nicht kriegsbereit. Frankreich und England würden jetzt auch keinen Krieg wünschen. Nachdem Jagow dann die seit Jahrzehnten bekannten und trotz Bismarck immer wiederholten Scheingründe für einen prophylaktischen Krieg noch einmal ins Feld geführt hatte — Rußland werde in einigen Jahren schlagfertiger sein als jetzt, inzwischen werde die deutsche Gruppe immer schwächer, das Slawentum immer deutschfeindlicher—, erklärte er trotzdem: „Ich will keinen Präventivkrieg; aber wenn der Kampf sich bietet, dürfen wir nicht kneifen. Ich hoffe und glaube auch heute noch, daß der Krieg sich lokalisieren läßt!" Am Schlüsse des Briefes wurde Lichnowsky angewiesen, darauf hinzuwirken, daß die englische öffentliche Meinung sich nicht für Serbien erhitze. Man müsse in dieser Richtung tun, was irgend möglich sei, obwohl von Sympathie und Antipathie bis zur Entfachung eines Weltbrandes doch noch ein weiter Weg wäre. Wenn Sir Edward Grey logisch und ehrlich sei, müsse er der kaiserlichen Regierung beistehen, den Konflikt zu lokalisieren. So Jagow am 18. Juli an Lichnowsky. So derselbe Jagow am selben Tag zum bayrischen Geschäftsträger Schön, dem Neffen des Botschafters, als der Vertreter des zweitgrößten Bundesstaates im Auftrage der bayrischen Regierung ihm mitteilte, der russische Gesandte in München, Herr von Boulatzeff, habe dem Grafen HertHng „ä titre d'ami" durch einen Vertrauensmann wörtlich sagen lassen: „La Russie ne permettra DIE SEKUNDÄREN 159 jamais que la petite Serbie soit mangee par l'Autriche." Der bayrische Geschäftsträger hatte den Eindruck, den er auch pflichtgemäß nach München meldete, daß der Staatssekretär über die Münchener Warnung „gelächelt" habe. Als sich aber das Gepolter in St. Petersburg in den Kanonendonner des Weltkrieges verwandelte, lächelte der kleine Jagow nicht länger. Wie sein Chef Bethmann, verlor auch Jagow vollständig die Nerven. Zu dem Reichstagsabgeordneten Heckscher, der ihn am 2. August besuchte, sagte er, wie dieser mir nicht lange nachher erzählte: „Ich habe das Herz nicht in den Hosen, ich habe es in den Stiefelspitzen." Neben Bethmann und Jagow spielten Zimmermann, Stumm und Bergen eine mehr sekundäre Rolle. Den größten Einfluß übte Wilhelm Das Aus- Stumm aus, weil er der einzige in dem Konsilium war, der London und "> art ig e ^ St. Petersburg aus eigener Anschauung kannte. Als während des Krieges in einer Geheimsitzung der Budgetkommission des Reichstages über die Entstehung des Krieges diskutiert wurde, frug, wie mir später der anwesende Reichstagsabgeordnete Prinz Heinrich Carolath vertraulich erzählte, ein Sozialist die Regierungsvertreter, ob es wahr sei, daß der Wirkliche Legationsrat Wilhelm von Stumm Ende Juli 1914 im Union-Klub in Berlin vor Zeugen geäußert habe: „Bis morgen vormittag habe ich die Russen in die Knie gebracht!" Von Seiten der Regierungsvertreter erfolgte keine Antwort. Daß Wilhelm Stumm nicht wie sein Chef Bethmann aus Einfältigkeit und Ungeschick, sondern mit Übermut den Ernst der Situation verkannte, dürfte leider keinem Zweifel unterhegen. Anders lag die Sache bei dem Unterstaatssekretär Zimmermann. Der war ein wackerer Mann, der, wenn er im Konsulatsdienst gebheben wäre oder im Auswärtigen Amt nur als Arbeitsbiene gewirkt hätte, sich bestens bewährt haben würde. Noch mehr wäre er als Oberstaatsanwalt oder Regierungspräsident in seiner ostpreußischen Heimat am Platze gewesen. Er hätte sich dort allgemeiner Achtung und Beliebtheit erfreut. Wenn er zum Frühschoppen erschienen wäre, würde ihm im Gasthof „Zum Preußischen Adler" oder „Zur Linde" von allen Seiten entgegen gerufen worden sein: „Herr Präsident! Herr Oberstaatsanwalt! Ich komme Ihnen einen Ganzen!" Von europäischer Politik verstand Zimmermann nicht viel, die in Petersburg und Paris, in London und Wien maßgebenden Leute kannte er nicht. Und dabei neigte seine ganze Natur zu „forschem" Auftreten. Durchaus gewissenhaft, im Gegensatz zu Jagow und auch zu Bethmann, ein Feind jeder Intrige, ehrlich und loyal, hat er doch durch seine draufgängerische Art zur Verschärfung der Krise beigetragen. Der Dezernent für die Dreibund-Angelegenheiten, Diego von Bergen, der Sohn eines Pommern, der es im Konsulatsdienst bis zum Vertreter Deutschlands bei einer zentralamerikanischen Republik gebracht hatte, 160 DAS GREMIUM und einer Tochter des fernen Guatemala, wagte während der Ultimatums- Krisis überhaupt nicht, eine eigene Meinung zu äußern. Er hat an einflußreicher Stelle im Hochsommer 1914 nichts verhindert und wollte auch gar nichts verhindern, da es ihm darauf ankam, an keiner Stelle anzustoßen. Es ist ihm in der Tat gelungen, sich während des Weltkrieges nicht nur bei seinen verschiedenen Vorgesetzten, sondern, was für ihn viel wichtiger war, bei dem Abgeordneten Erzberger zu empfehlen. Als im Laufe des Krieges die Macht des Buttenhausers immer höher stieg, erschien dieser fast täglich auf dem Auswärtigen Amt und verlangte die Ein- und Ausgänge zu lesen. Da selbst der schwache Bethmann dem indiskreten, oft völlig hemmungslosen Matthias Erzberger, der noch dazu alles, was er hörte und erfuhr, dem Nunzius in München schrieb, nicht sämtliche Arcana imperü zugänglich machen wollte, wurde der Geheime Legationsrat von Bergen für die Aufgabe bestimmt, Erzberger zu empfangen, ihm möglichst wenig zu zeigen, aber dafür sein Geschwätz und seine Kannegießereien während ein bis zwei Stunden zu ertragen. Bergen benutzte die auf diese Weise mit Erzberger gewonnene Fühlung dazu, durch seinen bei allen Fehlern im Grunde gutmütigen Protektor den Gesandtenposten beim Päpstlichen Stuhle zu erreichen. So war das Gremium beschaffen, das das Deutsche Reich und das deutsche Volk in den Weltkrieg hineinführte. Der größte Fehler dieser blinden Leiter unseres Schicksals war, daß sie, wie ich schon hervorhob, niemanden zu Rate zogen, niemandem einen Blick in ihre Absichten, in ihre verfehlten Schachzüge gestatteten. Ich zweifle keinen Augenblick daran, daß, wenn nach dem Attentat von Sarajewo Bethmann Holl weg und seine Mitarbeiter den damaligen Gesandten beim Päpstlichen Stuhle und langjährigen Unterstaatssekretär Mühlberg oder den Botschafter in Washington, Bernstorfr, oder den Grafen Brockdorff-Rantzau, oder Rosen oder Mumm, oder den erfahrenen, speziell in allem, was England betraf, sehr erfahrenen, die englische Politik ruhig und nüchtern beurteilenden Grafen Paul Metternich um Rat gefragt hätten, alle diese Herren Bethmann und Konsorten in den Arm gefallen wären, ihnen Vernunft gepredigt haben wurden. Wenn ich, der ich seit meinem Rücktritt, seit fünf Jahren, durch Bethmann Hollweg politisch ganz ausgeschaltet war und mich daher im Unglückssommer 1914 in völliger Unkenntnis seiner Absichten und Pläne befand, um meine Meinung gefragt worden wäre, so würde ich zunächst festgestellt haben, ob man in Berlin wirklich einen prophylaktischen Krieg wolle. Wäre diese meine Frage bejaht worden, so würde ich auf den monumentalen Erlaß hingewiesen haben, den am 16. Februar 1887 der Staatssekretär Graf Bismarck im Auftrage des Reichskanzlers an den Leopold Graf Berchtold, österreichisch-ungarischer Minister des Äußern DER VORBEUGENDE KRIEG 161 kaiserlichen Botschafter in Wien, den Prinzen Heinrich VII. Reuß, richtete Bismarck über und in dem es heißt: „Der Herr Reichskanzler hat Ew. Durchlaucht ge- den Präventiv- fälligen Bericht Nr. 99 vom 4. ds. Mts. mit Interesse gelesen und es als kries vollkommen korrekt bezeichnet, daß Ew. Durchlaucht Ihrem russischen Kollegen erklärt haben, wir würden einen Krieg niemals aus dem Grunde führen, weil es früher oder später wahrscheinlich doch zu einem solchen kommen würde. Niemand kann der göttlichen Vorsehung so weit vorgreifen, um dies mit unbedingter Sicherheit zu behaupten. Es können sich im Laufe der Zeit allerhand unberechenbare Vorfälle ereignen, die den Ausbruch eines Krieges verhindern." Im gleichen Sinne hat Fürst Bismarck in einem oft zitierten Immediatbericht gegenüber seinem alten Herrn den Präventivkrieg überhaupt kategorisch und grundsätzlich abgelehnt. „Ich würde", führte Fürst Bismarck aus, „noch heute wie 1867 in der Luxemburger Frage Ew. Majestät niemals zureden, einen Krieg um deswillen sofort zu führen, weil es wahrscheinlich ist, daß der Gegner ihn später, besser gerüstet, beginnen werde. Man kann die Wege der göttlichen Vorsehung dazu niemals sicher genug im voraus erkennen." Ich würde an die Schärfe erinnert haben, mit der, wie ich bei meiner Besprechung des Herbstmanövers in der Rheinprovinz, 1905, ausführbch erzählte, Fürst Bismarck meinen alten Regimentskameraden und Freund, den damaligen Militärattache in Wien, Major von Deines, zur Ordnung rief, als dieser bei ihm in den Verdacht geraten war, die Österreicher zum Vorgehen gegen Rußland zu ermuntern. Als bei Fürst Bismarck der gleiche Argwohn gegen den Chef des Generalstabs, den Grafen Alfred Waldersee, aufstieg, schrieb der große Kanzler an den Chef des Militärkabinetts, den General von Albedyll: die deutsche Politik habe die Aufgabe, den Krieg wenn möglich ganz zu verhindern, gehe das nicht an, ihn doch zu verschieben. An einer anderen Politik würde er, Fürst Bismarck, nicht mitwirken können. Ich würde vor allem immer wieder daran erinnert haben, daß Fürst Bismarck wiederholt einen kriegerischen Konflikt zwischen Österreich und Rußland als die unter mancherlei Möglichkeiten für uns allerunerwünschteste Möglichkeit bezeichnet hatte. Ich nehme an, daß Bethmann und seine Mitarbeiter mir erwidert haben würden, der Gedanke eines prophylaktischen Krieges läge ihnen fern. Sie glaubten aber, daß ein Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien sich „lokalisieren" lassen würde. Darauf hätte ich natürlich entgegnen müssen, daß eine solche Annahme eiue sehr gefährliche Illusion wäre, die nur aus Unkenntnis der russischen, der französischen, der englischen, der ganzen Weltverhältnisse hervorgehen könne. Rußland werde und könne Österreich nicht erlauben, eine Strafexpedition gegen die Serben in Szene zu setzen. Wenn diplomatisch nicht sehr vorsichtig operiert würde, könnte der so geschaffene Antagonismus 11 BUlow III 162 WAS HÄTTE BÜLOW GESAGT? zwischen Österreich-Ungarn einerseits, Rußland und Serbien andererseits zu einer schweren Krisis führen, eine solche zu Rüstungen, das heißt zu akuter Kriegsgefahr. Frankreich werde sich sofort auf die Seite der Russen stellen. Es wäre seit einem Vierteljahrhundert nie zweifelhaft gewesen, daß im Falle eines deutsch-französischen Zusammenstoßes die Russen vielleicht einige Zeit zögern könnten, bevor sie gegen uns gingen, daß aber bei einem russisch-deutschen Konflikt die französischen Gewehre von selbst losgehen würden. Und wenn, hätte ich geschlossen, wir uns im Kriege mit Rußland und Frankreich befänden, wäre es mehr als wahrscheinlich, daß England eine so glänzende Konjunktur benutzen würde, um ohne unverhältnismäßiges Risiko für sich selbst seinen gefährlichsten Rivalen in Handel, Schiffahrt und Industrie abzuwürgen, zumal dieser wirtschaftliche Rivale zugleich der mächtigste Kontinentalstaat wäre, also nach alter englischer Auffassung sein traditioneller Gegner. Ich hätte gefragt, ob wir im Falle eines Krieges der Italiener und Rumänen sicher wären. Ich bemerke ausdrücklich, daß eine solche Sprache von meiner Seite in keiner Weise ein Beweis besonderen politischen Scharfsinns oder auch nur größerer diplomatischer Erfahrung gewesen wäre. Ich wiederhole, daß Metternich, Mühlberg, Brockdorff-Rantzau, Bernstorff, Mumm, Rosen, jeder normale deutsche Diplomat nach meiner Überzeugung im Juli 1914 sich so aussprechen mußte. XIII. KAPITEL Rücktrittsabsichten Bethmann Hollwegs • Heroische Stimmung und Haltung des deutschen Volkes • Bethmanns Kriegserklärung an Rußland, seine Motive • Ungeschickte diplomatische Behandlung Italiens • Rumänien • Gespräch mit Fürst Wedel über die militärische Lage • Die Telephonate Lichnowskys mit Grey • Der Fall Lüttichs General Ludendorff • Die ersten Nachrichten über die Marneschlacht • Der Einfall in Belgien • Der Schlieffensche Plan • Rede Bethmanns über Belgien vom 4. August 1914 Der Fetzen Papier taatsmännern und Völkern, die in ihr Verderben rennen, bietet, wie die Geschichte lehrt, die Vorsehung oft noch eine letzte Möglichkeit, dem 1870 und 1914 Sturz zu entgehen. Fürst Bismarck hat in meiner Gegenwart in den achtziger Jahren einmal ausgeführt, daß, wenn Emile Ollivier und der Duc de Gramont im Jahre 1870 den Verzicht des Erbprinzen Leopold von Hohen- zollern klug und geschickt ausgenutzt hätten, sie dem Kriege ausgewichen wären und gleichzeitig einen starken politischen Erfolg erzielt haben würden. Nach dem Eintreffen, meinte Bismarck, jenes Telegramms des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern, in dem er erklärte, im Namen seines Sohnes, des Erbprinzen Leopold, auf den spanischen Thron zu verzichten, hätte Ollivier sofort in das Corps legislatif gehen und dort etwa erklären müssen: „II y a peu de temps, la candidature d'un prince prussien au trone de Charles-Quint avait surgi. La France a eleve sa voix, la France a ete obeie. Les bons rapports entre la France et sa noble sceur, l'Espagne, n'ont jamais ete troubles. Quant ä ceux, dont les ambitions et les intrigues ont mis en danger la paix europeenne, nous esperons et l'Europe espere avec nous qu'ils ne recommenceront pas." Nachdem Fürst Bismarck ungefähr so die Rede skizziert hatte, die Herr Emile Ollivier hätte halten können, wenn er eben nicht Ollivier, das heißt ein Schwachkopf gewesen wäre, fuhr er fort: „Was hätte ich erwidern können? Ich wäre in eine schwierige Situation geraten. Meine Stellung war damals nicht so fest, wie sie später wurde, weder dem Ausland gegenüber noch im Inland. Mein alter Herr war keineswegs kriegerisch oder auch nur unternehmungslustig, der Kronprinz ebensowenig. Die fürstlichen Damen, die Königin Augusta und die Frau Kronprinzessin, waren gegen mich. Alle meine inneren Gegner, die Demokratie in ganz Deutschland, die norddeutschen Fortschrittler und die n 164 DIE STIRNLOCKE DER FORTUNA süddeutschen UltramoDtanen, hätten gegen den Friedensstörer gezetert. Ich glaube, ich hätte zurücktreten müssen." Im Hochsommer 1914 hatten wir noch am 25. Juli die Möglichkeit, den Die serbische Krieg zu vermeiden. Wir brauchten nur in Wien zu erklären, daß wir unter Antwort an keinen Umständen den Abbruch der Beziehungen zwischen österreich- Österreich Ungarn und Serbien gestatteten, bevor wir selbst die serbische Antwort genau geprüft hätten. Gehe Österreich-Ungarn ohne unsere Erlaubnis militärisch gegen Serbien vor, so tue es dies auf eigene Gefahr, ä ses propres risques et perils; wir würden ihm in diesem Falle nicht zu Hilfe kommen, sondern es seinem Schicksal überlassen. Nach Prüfung der serbischen Antwort mußten wir öffentlich erklären, wir konstatierten mit Genugtuung, daß die serbische Regierung dank den weisen Ratschlägen aller Großmächte fast alle österreichischen Vorschläge angenommen habe. Wir schlügen gleichzeitig vor, die noch streitigen Punkte dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. Damit war 9 gegen 1 der Friede gerettet. Das hat der unglückliche Kaiser Wilhelm IL klarer erkannt als Bethmann und Konsorten. Um sein Probe- und Meisterstück in der diplomatischen Kunst ungestört anfertigen zu können, hatte Bethmann seinem Souverän geraten, die gewohnte Nordlandreise ja nicht aufzugeben. Auch als die Krisis sich immer mehr zuspitzte, bat Bethmann den Kaiser inständig, weder die deutsche Flotte aus den norwegischen Gewässern zurückzuziehen, noch selbst in die Heimat zurückzukehren. Als ihm fern im Norden, in Odde am Utnefjord, die serbische Antwort vorgelegt wurde, schrieb Wilhelm II. ad marginem: Er begreife nicht, was die Österreicher mehr wollten; sie hätten einen schönen diplomatischen Erfolg erzielt. Gleichzeitig telegraphierte im Auftrage des Kaisers der Generaladjutant Plessen an den Chef des Generalstabes, Moltke, daß für Österreich-Ungarn jeder Anlaß zum Kriege fortfalle, da Serbien die meisten österreichischen Forderungen zugestanden habe. Die Alten sagten bekanntlich, daß die Fortuna eine schöne Stirnlocke habe, aber einen glattrasierten, kahlen Hinterkopf; wer sie nicht rasch bei der Locke ergreife, der hielte sie nicht mehr fest. Bethmann und Jagow wußten die Stirnlocke nicht zu fassen. Sie ließen die Österreicher frei gewähren. Sie sahen mit apathischer Ruhe und in völliger Indolenz zu, als der k. und k. österreichisch-ungarische Gesandte, fast unmittelbar nach dem Empfang der serbischen Antwortnote und ohne sie zu prüfen, Belgrad verließ und damit die Beziehungen zu Serbien abbrach. Sie ließen es geschehen, daß Österreich noch am gleichen Abend die Teilmobilmachung gegen Serbien anordnete. Sie wichen, Österreich zu Liebe, um das österreichische „Prestige" zu schonen und den Hochmut Seiner Apostolischen Majestät nicht zu verletzen, beharrlich allen englischen Konferenzvorschlägen aus und belasteten sich und uns mit dem Schein der Ab- BETHMANN BITTET UM SEINEN ABSCHIED 165 geneigtheit gegen jede friedliche Regelung. Würde ein Staatsmann von Ressourcen und Geschick derart alle Möglichkeiten haben vorübergehen lassen, die hereinbrechende Katastrophe zu verhüten ? Meine Antwort ist: Nein! Die deutsche Regierung von 1914 ließ sich vom Strom treiben, ohne auch nur den Versuch zu machen, durch eine Drehung des Steuers im letzten Augenblick der drohenden Stromschnelle zu entgehen — und das stolze Schiff des Deutschen Reiches scheiterte! Als Kaiser Wilhelm endlich am 27. Juli aus Odde nach Berh'n zurückkehrte, richtete er an den ihn mit verstörtem Gesicht und in demütiger Kaiser und Haltung erwartenden Kanzler Bethmann, nur in viel schärferer Form, die Kanzler Frage, die ich einige Tage später in höflicher Tonart an meinen Nachfolger richten sollte: Wie das alles gekommen sei? Der Unmut und die zornige Erregung des Kaisers waren begreiflich, denn Bethmann hatte Seiner Majestät bis zuletzt versichert, daß dem Frieden keine Gefahr drohe und daß er insbesondere mit England in steter Fühlungnahme und in bestem Einvernehmen stünde. Graf August Eulenburg, der dieser Auseinandersetzung des Kaisers mit dem Kanzler beiwohnte, erzählte mir, daß Bethmann Hollweg ganz zerschmettert dem Kaiser erklärt hätte, er habe sich allerdings in jeder Richtung getäuscht und bäte um seinen Abschied. Seine Majestät der Kaiser habe ihm erwidert: „Sie haben mir diese Suppe eingebrockt, nun sollen Sie sie auch ausfressen!" So kläglich unsere diplomatische Leitung im Hochsommer 1914 war, so bewunderungswürdig war die Haltung des deutschen Volkes. Erhobenen Die Hauptes, ohne mit der Wimper zu zucken, entschlossen und einmütig ging militärische die Nation dem Krieg gegen eine Welt von Feinden entgegen. Die eigent- ^ ünrun S liehe Mobilmachung dauerte nur fünf Tage. Sie ging glatt und tadellos vor sich. Dann rollten die Aufmarschtransporte gen West und Ost in langer Folge. Nirgends entstand eine Reibung. Es bedurfte nicht einer einzigen Rückfrage an den Großen Generalstab in Berlin. Genau zur festgesetzten Zeit, vierzehn Tage nach Verkündigung der Mobilmachung, standen die Armeen in ihren Aufmarschräumen. Alles hatte geklappt, um einen militärischen Ausdruck zu gebrauchen. Wie denn überhaupt unser staatlicher Organismus, das Räderwerk des staatlichen Mechanismus bei dieser großen, dieser höchsten Prüfung sich glänzend bewährte. Nur die strategische Führung versagte, wie die diplomatische versagt hatte. Moltke versagte, wie Bethmann Hollweg versagt hatte. Und mit beiden versagte der Kaiser, der es nicht verstanden hatte, an die allerentscheidendsten Stellen die richtigen Männer zu setzen. Mit Recht lehrte schon vor über 2000 Jahren ein griechischer Philosoph, daß ein Heer von Hirschen, von einem Löwen geführt, einem Heer von Löwen überlegen wäre, das ein Hirsch kommandiere. Nie werde ich den Anbück der heldenhaften Jugend 166 DAS ODIUM DES ANGRIFFS von 1914 vergessen, die Begeisterung, den heroischen Trotz, wie sie dem Feind und dem Schicksal die Brust bot. Von allen Seiten strömten jubelnd und singend Freiwillige zu den Fahnen. Noch in meiner Sterbestunde werden mir die Verse im Ohre klingen, die damals das Ver sacrum, der heilige Frühb'ng des deutschen Volkes, beim Ausrücken einer Welt von Feinden entgegensang: Gloria Victoria! Ja, mit Herz und Hand Fürs Vaterland! Die Vöglein im Walde, Die sangen so wunder-, wunderschön: In der Heimat, in der Heimat, Da gibt's ein Wiedersehn. Es gibt im Thucydides, der wie kaum ein anderer Historiker die Gabe hat, ewige Bilder in das Gedächtnis der Menschheit einzugraben, eine wundervolle Schilderung der Abfahrt der Expedition, welche die Athener gegen Syrakus ausgerüstet hatten. Männer und Frauen sitzen auf den Stufen des Parthenon, an den Abhängen des Hymettos und des Pentekkon und sehen der abfahrenden Flotte nach mit Stolz, mit Wehmut, mit freudiger Hoffnung auf den Sieg. So blickte ganz Deutschland auf das Heer von 1914, von dem unser erbittertster Gegner, der französische Marschall Foch, gesagt hat, es sei die beste Armee gewesen, die jemals die Welt gesehen habe, das Heer, das in vier Kriegsjahren an Tapferkeit und Zähigkeit im Schlagen und Ertragen Unvergleichliches und Unvergängliches leisten sollte. Wer jene Augusttage von 1914 erlebte, mußte sich in Ehrfurcht beugen vor der Größe des deutschen Volkes, vor seiner stürmischen Tapferkeit, seiner männlichen Tüchtigkeit, seiner seelischen Reinheit, seinem Idealismus, vor der Armee, dem Volk in Waffen, die diese Tugenden widerspiegelte. Und doch mußte ein einigermaßen erfahrener Beobachter sich sorgenvoll fragen, ob selbst ein Heer wie das deutsche imstande sein würde, die Wirkungen der von dem leitenden deutschen Staatsmann begangenen politischen Fehler zu paralysieren. Fürst Bismarck hatte es verstanden, sowohl 1870 wie selbst 1866, dem Die Kriegs- Gegner die formale Kriegserklärung zuzuschieben. Da nun einmal der erklärung an Schein die Welt regiert und da, wie schon die Griechen sagten, der Schein Rußland Q £ t ^richtigei j s t a i s fc e Wirklichkeit, brachte Bismarck auf diese Art die unendlich wichtigen Imponderabilien in sein Spiel. Bethmann Hollweg war plump und ungeschickt genug, das Odium des Angriffs auf uns zu laden. Wenn es bis zu einem gewissen Grade verständlich ist, daß wir, nachdem wir uns mit Rußland im Krieg befanden, den Stoß gegen Frankreich so BETHMANN DRÄNGT 167 rasch wie möglich führen wollten, so ist es doch unverständlich und völlig unbegreiflich, warum wir Rußland von uns aus den Krieg erklärt haben. Das hat uns, mit Unrecht, aber in schwer zu widerlegender Weise, in den Augen der Welt als die Brandstifter erscheinen lassen. Der Generaloberst Moltke hat mir wiederholt versichert, er habe nicht nur die vorzeitige Kriegserklärung an Rußland nicht gewünscht, sondern es wäre ihm lieber gewesen, wenn wir den Bruch mit Rußland tunlichst hinausgezögert hätten. Ebensowenig hat Tirpitz auf „Losschlagen" gedrängt. Er befand sich während der zweiten Julihälfte überhaupt nicht in Berlin. Er weilte zur Kur in Tarasp. Der preußische Minister des Innern, Herr von Loebell, der gleichzeitig dort badete und Brunnen trank, hat mir später erzählt, daß Tirpitz erschrocken war, als er aus den im Kursaal angeschlagenen Depeschen ersah, daß die vom Kaiser und vom Auswärtigen Amt als harmlos angesehene österreichische Ultimatumsaktion zu einer so ernsten diplomatischen Krisis geführt hatte. Er und Tirpitz frugen sofort beim Reichskanzler an, ob sie nicht nach Berlin zurückkehren sollten. Bethmann antwortete mit der dringenden Bitte, nicht nach Berlin zu kommen, da dies „Aufsehen" erregen könne. Schließlich fuhren Tirpitz und Loebell gegen den Willen des Kanzlers Bethmann nach Berlin, da sie es nicht mit ihrer Dienstpflicht vereinigen konnten, bei derartig bedrohter Lage des Reichs im Engadin, im Ausland zu weilen. Warum erklärten wir schon am 1. August in überstürzter Hast an Rußland den Krieg? Der Grund hierfür wie für manchen anderen falschen diplomatischen Schachzug lag in der innerpoh'tischen Einstellung, richtiger gesagt in den innerpolitischen Ängsten des Kanzlers. Albert Ballin hat mir eine anschauliche Schilderung der Szene gegeben, die sich in seiner Gegenwart am Tage der Kriegserklärung an Rußland im Reichskanzlerpalais abspielte. Als Ballin in den Gartensalon zu ebener Erde eintrat, in dem damals so furchtbare Entschlüsse gefaßt wurden, sah er den Reichskanzler vor sich, den Kriegskanzler, wie man anfing, ihn zu nennen, der mit langen Schritten in großer Erregung im Zimmer auf und ab ging. Vor ihm saß an einem mit Folianten bedeckten Tisch der Geheime Rat Kriege. Kriege war ein fleißiger, ein gewissenhafter, ein eifriger Beamter. Er war, um einen Bismarckschen Ausdruck zu gebrauchen, ein sattelfester Jurist. Aber seine politische Begabung stand nicht auf der Höhe seines juristischen Wissens. Bethmann, so erzählte mir Ballin, richtete von Zeit zu Zeit an Kriege die ungeduldige Frage: „Ist die Kriegserklärung an Rußland noch nicht fertig? Ich muß meine Kriegserklärung an Rußland sofort haben!" Der ganz verstört aussehende Kriege suchte inzwischen nach einem Simile in den bewährtesten Lehrbüchern des Völker- und Staatsrechts von Hugo Grotius „De jure belli ac pacis" bis zu Bluntschli, Heffter 168 BETHMANNS FALSCHE TAKTIK undMartens. Ballin erlaubte sich die Frage an den Reichskanzler: „Exzellenz, warum haben Sie denn eine so eno-o-orme Eile, Rußland den Krieg zu erklären?" Bethmann, die lange Unzulänglichkeit, wie ihn mit Witz der Sozialist Frank genannt hat, antwortete: „Sonst kriege ich die Sozialdemokraten nicht mit." In der psychologischen Erklärung dieser Antwort stimmten Ballin und ich überein: Bethmann hatte erkannt, in welche fürchterliche Lage er das Reich und sich selbst gebracht hatte. Ihm bangte vor der Verantwortung. Instinktiv wollte er vor allem die linksradikalen Elemente beschwichtigen, weil er sie am meisten fürchtete. Er glaubte dies zu erreichen, wenn er dem Krieg, den zu verhindern ihm nicht gelungen war, die Spitze gegen das zaristische Rußland gab. An dieser falschen Taktik hat Bethmann Hollweg bis zu seinem Rücktritt festgehalten. Als am 3. August 1914 unsere Kriegserklärung an Frankreich der Der Krieg Kriegserklärung an Rußland folgte, wurde sie mit Unwahrheiten be- gegen gründet. Es wurde den Franzosen nicht schwer, zu beweisen, daß Frankreich f ranz 5 S j scne Flieger keine Bomben auf die Eisenbahnstrecke Nürnberg bis Ingolstadt abgeworfen hätten. Um den durch die Kriegserklärung an Rußland militärisch notwendig gewordenen Bruch mit Frankreich zu beschleunigen, wurde überdies an Frankreich das Ansinnen gestellt, uns als Pfand Beifort, Toul und Verdun zu überlassen, eine Zumutung, die von der Propaganda der Entente natürlich als Beweis für deutsche Eroberungspläne und deutsche Unersättlichkeit ausposaunt wurde. Der Botschafter Schön kam gar nicht in die Lage, diese telegraphische Weisung auszuführen. Aber das in Rede stehende Berliner Telegramm fiel in die Hände der Franzosen. Es ist traurig, feststellen zu müssen, daß, als der Weltsturm losbrach, nicht nur die Zentrale, Bethmann Hollweg und Jagow, Wilhelm von Stumm und Diego von Bergen, sondern auch unsere Botschaften kläglich versagten. Zu den Fehlern des Juli 1914 gehörte auch unser Versteckspiel gegenüber Italien Italien. Bethmann und Jagow fürchteten, daß Italien in der Ultimatumsangelegenheit das Geheimnis nicht wahren würde und daß so über die gegen Serbien geplante große Aktion etwas nach St. Petersburg durchsickern und dort diplomatische Proteste hervorrufen könnte. Es wäre, nebenbei gesagt, ein „godsend", eine gnädige Fügung der Vorsehung gewesen, wenn die durch das Ultimatum an Serbien eingeleitete wahnwitzige Aktion auf diese Weise im Keime erstickt worden wäre. Um Italien hinter das Licht zu führen, erklärte während der Woche, die der Überreichung des Ultimatums vorausging, der Staatssekretär von Jagow Tag für Tag dem italienischen Botschafter Bollati, der im Auftrag seiner Regierung beständig frug, ob, wie in Bukarest, in Konstantinopel und auch anderswo getuschelt würde, Österreich-Ungarn gegen Serbien etwas im Schilde führe, daß hiervon keine Rede sei. Weder in Wien noch in Berlin trage man sich mit solchen ITALIEN BLEIBT NEUTRAL 169 Absiebten. Es lag auf der Hand, daß die Zentralmächte, wenn sie im Falle einer großen Konflagration, zu der das Ultimatum an Serbien nur zu leicht führen konnte, Italien auf ihrer Seite haben wollten, sich die Kooperation der Apenninischen Halbinsel rechtzeitig sichern mußten. Das ging natürlich nicht ohne Konzessionen von österreichischer Seite. Sie waren nach Lage der Dinge unerläßlich, wenn man Italien nicht in das gegnerische Lager treiben wollte. Da solche Zugeständnisse nicht erfolgten, stand Italien im entscheidenden Augenblick vor dieser Situation: Der Dreibund vertrag war durch die von Österreich ohne vorherige Verständigung mit Italien eingeleitete Aktion nicht nur dem Geiste nach, sondern auch nach seinem Buchstaben verletzt worden. Überdies hatten wir die italienische Regierung bis zum letzten Augenblick in völligem Dunkel gehalten. Endlich erklärten wir von uns aus den Krieg an Rußland und Frankreich und boten dadurch den Italienern die bequeme Handhabe, sich ex nexu foederis zu setzen. Fürst Bismarck hatte alle unsere Bündnisverträge auf die Verteidigung gestellt. Er hielt es für undenkbar, daß ein Kanzler des saturierten Deutschen Reichs, dessen größtes Interesse der Friede war, dumm genug sein könnte, von uns aus den Krieg, sei es an Frankreich, sei es an Rußland, zu erklären. Am 31. Juli entschied sich der italienische Ministerrat für Neutralität. Der einflußreichste und dabei zuverlässigste Freund, den wir in Italien hatten, der damals nicht im Amte befindliche Giovanni Gioütti, erklärte nach Prüfung der Lage dem Ministerpräsidenten Salandra wie dem Minister des Äußern, dem ihm persönlich nahestehenden und politisch befreundeten San Giuliano spontan, er betrachte nach der von Österreich ausgehenden und von Deutschland leider geduldeten kopflosen Aktion gegen Serbien Neutraütät als die einzige für Italien mögüche Haltung. Daß daran Briefe und Telegramme des Kaisers an den von ihm persönlich mehr als einmal brüskierten König Viktor Emanuel nichts ändern würden, war vorauszusehen. Die Neutralitätserklärung Italiens bot Frankreich den ungeheuren Vorteil, alle seine an der italienischen Grenze stehenden Truppen von den Südalpen wegnehmen und sie gegen Deutschland werfen zu können. Das bereitete die Situation für die Marneschlacht. Und diese Schlacht war, wie die rückschauende Betrachtung der militärischen Kritiker des Weltkrieges übereinstimmend festgestellt hat, für das Schicksal des Weltkrieges entscheidend. So furchtbar rächen sich politische Fehler. Und so zweifellos ist es, daß Kriege letzten Endes nicht militärisch, sondern politisch gewonnen oder verloren werden. Nicht die Führer unserer Heere, sondern in erster Linie Bethmann und Jagow haben den Weltkrieg verloren. Gegenüber Rumänien ging es ähnlich. Hier wurde König Carol, der während seiner ganzen Regierung es als seine vornehmste Aufgabe Rumänien 170 KÖNIG CAROL betrachtet hatte, für den Fall eines großen Krieges sein Land an der Seite von Deutschland und Österreich-Ungarn zu halten, in die Unmöglichkeit versetzt, sich uns anzuschließen. Es kam alles so, wie es mir Peter Carp im Frühjahr in Rom vorausgesagt hatte. Ohne rechtzeitige Orientierung, ohne eine mit verständigen Argumenten gestützte Beweisführung, plötzlich mit der Forderung überrumpelt, in einem offensichtlich durch die Leichtfertigkeit der österreichischen und die Schwäche der deutschen diplomatischen Leitung möglich gewordenen Krieg, der ein Weltkrieg zu werden drohte, an die Seite der Zentralmächte zu treten, stand der alte, weise und würdige König Carol vor dem schmerzlichen Seelenkonflikt: entweder nach einer Regierung von fast einem halben Jahrhundert die Krone niederzulegen und seinem Adoptiwaterland den Rücken zu kehren oder als Hohen- zoller, als preußischer Offizier seinem Heimatlande untreu zu werden. An diesem Konflikt ist, wie mir seine Gemahlin, die Königin Elisabeth, nach seinem zwei Monate später erfolgten Tode durch den zu seiner Beisetzung von Berlin entsandten Fürsten Wedel sagen Heß, König Carol gestorben. Während unsere Heere auf Paris marschierten, wurde ich als Fünf- Der undsechzigj ähriger noch einmal von allen Gefühlen bewegt, mit denen ich Vormarsch f as t eui halbes Jahrhundert früher als Jüngling zu den Fahnen geeilt war. auf Paris j cn p r j eg diejenigen glücklich, die ohne politische Befürchtungen und Sorgen in den Reihen der Armee stehen und kämpfen durften, ich wäre glücklich gewesen, mit der Armee ins Feld ziehen zu können. Ich traf mich fast jeden Morgen mit meinem alten, lieben Freunde, dem Fürsten Karl Wedel, der ebenso wie ich empfand. Er sah auf eine lange, mehr als fünfzigjährige militärische Dienstzeit zurück. Er hatte nicht nur reiche militärische Erfahrungen, sondern auch militärischen Blick. Er war überzeugt, daß die Armee sich des alten Ruhmes würdig zeigen, daß sie alles leisten werde, was in menschlichem Vermögen liege. Aber die Heere der Entente wären den Heeren der beiden Zentralmächte an Zahl weit überlegen. Fürst Wedel hatte vor der Abreise des Großen Hauptquartiers eine längere Unterredung mit dem Chef des Generalstabs, dem Generalobersten von Moltke, gehabt. Nach der Berechnung des deutschen Generalstabs stünden etwas über drei Millionen Soldaten der beiden Mittelmächte fast fünf und einer halben Million Franzosen, Russen, Engländer, Belgier und Serben gegenüber. Wedel beklagte es, daß Deutschland trotz der während der letzten Jahre unverkennbar verschlechterten politischen Lage seine militärischen Hilfsquellen nicht besser ausgenutzt habe. Das um 28 Millionen Einwohner ärmere Frankreich träte, dank seiner dreijährigen Dienstzeit, mit annähernd der gleichen Heeresstärke in den Krieg wie das Deutsche Reich. Der Generalstab hatte eine weit größere Militärvorlage gewünscht, als sie 1913 schließlich eingebracht worden war. Aber Moltke, so klagte Wedel, „EIN KURZES GEWITTER" 171 habe nicht die Kraft besessen, seine bessere Einsicht gegen mancherlei Widerstände durchzusetzen. Im Reichsschatzamt 6eien kleinliche und engherzige Ressortbedenken erhoben worden, die in einer solchen Lebensfrage natürlich in den Hintergrund treten mußten. Bethmann Hollweg sei kein Kanzler, der nach großen Gesichtspunkten urteile und seine Entschlüsse energisch durchzudrücken wisse. Bei unserm Alliierten sei noch mehr versäumt worden. Österreich-Ungarn, dem zuliebe wir zum Schwert griffen, sei infolge seiner zerfahrenen inneren Verhältnisse und unter schwachen und immer schwächer werdenden Regierungen mit seinen militärischen Rüstungen und Heeresvermehrungen weit, sehr weit unter der Grenze des Möglichen gebheben. Wedel wies auch schon im August 1914 darauf hin, daß die Entente, die das Meer beherrsche, bessere Möglichkeiten habe, sich zu verproviantieren, als das dicht bevölkerte und auf eine erhebliche Nahrungsmitteleinfuhr angewiesene Deutschland. Die Entente besitze für die Vermehrung und Ergänzung ihrer Heere und ihres Kriegsbedarfs größere und ergiebigere Quellen als Mitteleuropa. Wedel, und ich teilte diese seine Auffassung, glaubte nicht wie Bethmann Hollweg, daß der Krieg nicht lange dauern, daß der nunmehr ausgebrochene Weltkrieg nur „ein kurzes Gewitter" sein würde. Wir fragten uns beide, ob der auf große Warenimporte eingerichtete Bau der deutschen Volkswirtschaft einer langen Kriegsdauer widerstehen würde. Ich gab der Besorgnis Ausdruck, daß bei der Unbeholfenheit und gleichzeitigen Schwäche unserer politischdiplomatischen Leitung Italien, Rumänien und schließlich sogar die Vereinigten Staaten sich unseren Gegnern anschließen würden. Wedel bedauerte auch, daß in so ernster Zeit zwischen Diplomatie und Generalstab die enge Fühlung, die ich wie mit Schlieffen so auch mit Moltke unterhalten hätte, nicht mehr bestände. Das Verhältnis zwischen Bethmann Hollweg und Moltke sei mehr als kühl. Beide seien empfindliche Naturen und schlössen sich mehr als gut voneinander ab. Während seiner Unterredungen mit dem Generalstabschef hatte Wedel mit Besorgnis wahrgenommen, daß dessen Gesundheitszustand nicht der Telegramm beste war. Moltke hatte ihm erzählt, daß er einen schweren Ohnmachts- Lichnowskys anfall erlitten habe infolge eines politischen„Mißverständnisses", das aller- üheT Neutral dings die Kopflosigkeit und das ganze Durcheinander unserer damaligen jg**^^ Leitung in wahrhaft erschreckender Weise zutage treten Heß. Am 1. August, also einen Tag nach Verhängung des „Zustandes drohender Kriegsgefahr" über Deutschland, wenige Stunden vor der Erklärung der endgültigen Mobilmachung, war ein Telegramm des deutschen Botschafters in London eingetroffen. Fürst Lichnowsky hatte in diesem Telegramm gemeldet, England sei bereit, die Neutralität Frankreichs zu garantieren, wenn 172 LICHNOWSKYS MISSVERSTÄNDNIS letzteres nicht von Deutschland angegriffen würde. Diese Meldung war von Kaiser Wilhelm wie vom Kanzler Bethmann nicht nur mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung, sondern mit fast jubelnder Freude aufgenommen worden, die ebenso für beider Friedensliebe wie für ihre politische Ahnungs- losigkeit sprach. Der Kaiser ließ sogleich den Chef des Generalstabs kommen und befahl ihm, den Aufmarsch gegen Frankreich zu stoppen; die ganze Armee solle sofort die Front gegen Rußland nehmen. Als Moltke darauf hinwies, daß durch diesen Eingriff völlige, heillose Unordnung mit unberechenbaren Konsequenzen hervorgerufen und die ganze Mobilmachung gestört werden würde, wurde er vom Kaiser hart angelassen, der einen seiner Flügeladjutanten anwies, der bereits auf Luxemburg marschierenden sechzehnten Division den direkten Befehl Seiner Majestät zu übermitteln, augenblicklich haltzumachen. In Ubereinstimmung mit Bethmann, der triumphierend ausrief, er habe sich also doch nicht in den Engländern getäuscht, richtete der Kaiser ein Telegramm an den König Georg von England, in dem er den englischen Vorschlag mit Freude und Dank annahm. Wenn England sich mit seinen Streitkräften für die Neutralität Frankreichs einsetze, übernehme er, Kaiser Wilhelm, die Verpflichtung, die französische Grenze bis zum 3., abends 7 Uhr, nicht zu überschreiten. In der Nacht vom 1. zum 2. August traf beim Kaiser die Antwort seines Vetters, des Königs von England, ein. König Georg erklärte, daß er die Vorschläge des Kaisers überhaupt nicht verstünde; es könne sich nur um ein grobes Mißverständnis des deutschen Botschafters handeln. In der Tat hatte Fürst Lichnowsky eine telephonische Mitteilung aus dem Foreign Office nicht richtig verstanden. Statt nun, wie es das ABC des diplomatischen Handwerks gebot, so rasch wie möghch Sir Edward Grey aufzusuchen, um sich Gewißheit zu verschaffen, hatte der durch die Krisis der letzten Tage völlig demoralisierte Botschafter ohne weiteres das vermeintliche Neutralitätsangebot Englands nach Berlin gemeldet. Der Kaiser, der, als die Antwort des Königs Georg in Berlin eintraf, schon im Bette lag, wurde mit dem betrüblichen Telegramm seines Vetters durch seinen Leibjäger, den treffhehen Schulz, aus dem ersten Schlummer geweckt. Er ließ sogleich Moltke kommen, empfing ihn in Unterhosen und sagte ibm, daß es mit dem englischen Neutralitätsanerbieten leider nichts sei, die Mobilmachung müsse ihren Fortgang nehmen. Moltke versicherte dem Fürsten Wedel, daß die durch dieses kaum glaubliche Quidproquo hervorgerufene Erschütterung ihm den Lebensnerv durchschnitten habe. Er habe plötzbeh die Empfindung gehabt, vor einem Abgrund zu stehen. Er habe das Gefühl, damals einen Schlagfluß erlitten zu haben. Gewiß eine Übertreibung, aber ein Zeichen, daß der arme Moltke physisch und psychisch ein schwerkranker Mann war. GENERAL LUDENDORFF 173 Fürst Wedel fand den nunmehr begonnenen Vormarsch auf Paris zu stürmisch. Die Anforderungen an die marschierenden Truppen gingen Lüttich nach seiner Meinung über das Maß menschlicher Kräfte hinaus. Aber wir hatten beide, Wedel und ich, den glänzenden Auftakt des Krieges, die Eroberung von Lüttich, mit Jubel begrüßt. Für das Gelingen des Feldzugsplanes im Westen war die möglichst rasche Eroberung der Festung Lütt ich, die unserem rechten Heeresflügel die Straße nach der Hauptstadt Belgiens versperrte, von eminenter Bedeutung. Lüttich mußte fallen, bevor französische oder englische Hilfe eintraf. Ein planmäßiger Angriff hätte zuviel Zeit gekostet. So entstand der Gedanke, vor Beendigung des Aufmarsches, mit vorausbeförderten Truppen, Lüttich im Überfall zu nehmen. Am Abend des 5. August versuchten einige deutsche Brigaden, die vor dem Fortsgürtel von Lüttich standen, in der Dunkelheit zwischen den Werken in das Innere der Festung einzudringen. Der Handstreich wäre fast mißlungen. Die Sturmtruppen kamen nicht vorwärts. Einzelne Teile verloren ihre Führer und gerieten in Gefangenschaft. In diesem kritischen Augenblick stellte sich ein Offizier, der vorübergehend zum Stabe des Führers der Angriffstruppen, des Generals von Emmich, kommandiert worden war, der Oberst Ludendorff, an die Spitze einer Sturmkolonne, der 14. Infanterie-Brigade, deren Führer gefallen war. Den Degen in der Faust, riß er durch sein persönliches Vorbild eine Handvoll tapferer Leute vorwärts und drang durch die Fortlinie in den inneren Raum der Festung. Mit einer einzigen Brigade bemächtigte er sich des durch die noch . von den Belgiern besetzte Fortlinie ganz von der Außenwelt abgeschiedenen Kerns der Festung, deren starke Besatzung vor den wenigen Deutschen das Feld räumte. Deutsche Verstärkungen trafen est nach sechsunddreißig Stunden ein. Die Oberste Heeresleitung atmete auf, denn die Gefahr war beseitigt, daß der deutsche rechte Flügel durch die beiden gewaltigen Maassperren, Lüttich und Namur, in den Raum südlich der Maas zusammengedrängt werden könnte. Namur konnte jetzt von Norden her umgangen werden. Unsere Umfassungsbewegung hatte freie Bahn. Nicht nur bei Wedel und mir, in ganz Deutschland erweckte dieser erste deutsche Erfolg helle Begeisterung. In dem Pulverdampf von Lüttich erblickte das deutsche Volk zum erstenmal den großen General, der sich während vier Kriegsjahren mit Ruhm bedeckte, der um die Fahnen der Armee neuen und reichen Lorbeer winden sollte, der trotz dem Gekläff blinder Demagogen und der kindischen Kritik weit- und kriegsfremder Stubengelehrter, trotz seiner späteren politischen Entgleisungen, so bedauerlich sie auch an und für sich waren, immer eine der großen Erscheinungen der deutschen Geschichte bleiben wird: den General Ludendorff. In den nächsten Tagen freute ich mich mit Wedel der Siege von 174 „BETET FÜR UNS!" Die Mülhausen, Saarburg, Neufchäteau, an der Maas und bei Monts, bei Charleroi, Marneschlacht Maubeuge, Saint-Quentin. Wir hörten, daß die Ulanen schon die Türme von Paris, daß sie schon den Eifelturm vor sich sähen. Aber bald nachher hatte Wedel einen jüngeren Offizier gesprochen, der, als der Vormarsch in Unordnung geraten war, in den ersten Tagen des September dienstlich bei Moltke gewesen war. Er war entsetzt über das Aussehen des Chefs des Generalstabes, der, als er bei ihm eintrat, gebrochen an seinem Tisch saß, das Gesicht in beide Hände vergraben. Als er auf blickte, sah der Besucher in ein bleiches, von Tränen überströmtes Antlitz. Ein oder zwei Tage später hörte Wedel aus der Umgebung der Kaiserin, sie hätte von ihrem hohen Gemahl ein Telegramm erhalten: „Betet für uns!" Es wäre eine Anmaßung von meiner Seite, wenn ich mir in strategischen Fragen ein Urteil erlauben wollte, weil ich einst als Husarenleutnant vor dem Zuge geritten bin. Bei unbegrenzter Liebe und Treue für die Armee, deren Uniform ich ein halbes Jahrhundert trug, bin ich mir meiner Unzuständigkeit in dieser Richtung durchaus bewußt. Ich meine aber, daß auch der Laie das Recht hat, nachstehendes zu sagen: Große Konzeptionen, politische wie strategische, lassen sich nicht im voraus auf dem Papier festlegen, um dann Jahre nachher in die Tat umgesetzt zu werden. Solche Konzeptionen sind keine Heringsware, die man einpökeln kann auf einige Jahre. Das hat niemand häufiger und schärfer betont als Bismarck. Napoleon I. hat nicht selten vorher getroffene Dispositionen geändert, wenn . er, auf dem Schlachtfeld eingetroffen, während das Gefecht schon im Gange war, sich vor eine neue Situation gestellt sah. Kriegs-Führung und Politik wären einfacher und leichter, als sie in Wirklichkeit sind, wenn der zum Handeln berufene Staatsmann oder Feldherr nur eine Schublade aufzuziehen brauchte, um dort ein für jeden Fall passendes und Erfolg versprechendes Rezept zu finden. Der Plan, den der geniale Graf Alfred Schlieffen eine Reihe von Jahren vor Ausbruch des Weltkrieges ersonnen hatte, konnte Anregungen und Fingerzeige, er konnte sogar die großen Richtlinien der Kriegs-Führung geben. Er durfte nicht als ein Ukas aufgefaßt und behandelt werden, der nun blind und mechanisch ausgeführt wurde. Auch hier gilt das Wort des Apostels, daß der Buchstabe tötet und daß nur der Geist lebendig macht und lebendig erhält. Dem Geist des Schlieffenschen Planes aber wurde Moltke II untreu in wesentlichen und lebenswichtigen Punkten, wie dies die militärische Kritik seitdem nachgewiesen hat und wie das auch der Laie begreift. Es zeigte sich, wie berechtigt die Zweifel und Besorgnisse gewesen waren, die der arme Moltke im September 1905 mir gegenüber zum Ausdruck gebracht hatte, als wir um den Wasserturm am Hippodrom ritten, als er mir auseinandersetzte, wie schwere Bedenken er gegen die Übernahme der MACCHIAVELLI 175 für den Kriegsfall mit einer so ungeheuren Verantwortung verbundenen Stellung des Chefs des Generalstabs empfinde. Es zeigte sich, welche Gefahren es in sich barg, daß Wilhelm II. Posten, von deren richtiger Besetzung Sieg oder Niederlage, Aufstieg oder Untergang, Wohl und Wehe des Reiches abhingen, nach persönlicher Sympathie oder Antipathie zu besetzen geneigt war. Ein reiner und lauterer Mensch, mit den besten Absichten, gewissenhaft und pflichttreu, Idealist durch und durch, gehörte der Neffe des großen Schlachtendenkers, des Organisators der Siege von Sadowa und Sedan, in die Reihe jener unglücklichen Feldherren, die von Mardonios und Varus bis zu Benedek und Trochu das Mitleid aller menschlich Empfindenden erwecken, die aber vor dem Richterstuhl der Geschichte nicht bestehen. Als der Rückzug unserer Heere amtlich in der Form zugestanden wurde, daß wir unseren rechten Flügel „zurückgebogen" hätten, machte Belgi sich Fürst Wedel, der manche guten militärischen Verbindungen hatte, keine Illusionen darüber, daß der deutsche Angriffsplan vereitelt worden war. Ich stimmte mit ihm darin überein, daß damit unser Einmarsch in Belgien als ein ungeheuerlicher Fehler erscheinen mußte. Es gibt Aktionen, die nur zu verteidigen sind, wenn sie reüssieren. Dann kann manchmal das Wort des Macchiavelli zutreffen, daß auch eine schlimme Handlung nützlich, segensreich und gut erscheine, wenn sie gelinge. Cosa fatta capo ha! Aber eine zweifelhafte Handlung, die scheitert, ist schwerer zu rechtfertigen. Als es uns weder gelang, den durch das Ultimatum an Serbien provozierten Konflikt zu lokalisieren, wie Bethmann und Jagow dies erwartet hatten, noch mit dem Einmarsch in Belgien den französischen Widerstand rasch und endgültig zu brechen, lag es auf der Hand, daß wir uns moralisch ins Unrecht gesetzt hatten, ohne einen entsprechenden realen politischen Gewinn zu erzielen. „Quand on fait des crasses, il faut cra'elles reussissent", pflegte meine geistreiche Petersburger Freundin Missy Durnow zu sagen. Daß unser Einmarsch in Belgien und damit verbunden die Verletzung der Souveränität und Neutralität Belgiens und von uns unterzeichneter und während eines Jahrhunderts von aller Welt respektierter Verträge ein Schritt von der allergrößten politischen Tragweite war, konnte nicht zweifelhaft sein. Verschärft wurde dieser Fehler durch die ungeheuerliche Rede, die Bethmann Hollweg am 4. August 1914 im Reichstag hielt. Selten oder nie hat ein für die Sicherheit und Zukunft eines großen Volkes verantwortlicher Staatsmann in einem Augenblick weltgeschichtlicher Entscheidung eine ungeschicktere, eine unglücklichere, eine unheilvollere Rede gehalten. Vor dem eigenen Lande und vor der ganzen Welt erklärte der deutsche, nicht etwa der französische oder belgische leitende 176 EIN VERHÄNGNISVOLLES WORT Staatsmann, daß wir mit dem Einmarsch in Belgien ein Unrecht begingen, daß aber Not kein Gebot kenne. Die Stunde, in der ich diese Rede las, wird mir unvergeßlich bleiben, denn selten in meinem Leben habe ich einen solchen Seelenkrampf empfunden. Ich verstand, was die Leute aus dem Volke, was die Kinder meinen, wenn sie sagen: „Das Herz stand mir still." Ich fühlte, daß wir uns mit dieser programmatischen Erklärung a priori alle Imponderabilien verscherzt hatten, daß wir nach dieser unqualifizierbar einfältigen Rede die öffentliche Meinung der ganzen Welt gegen uns haben würden. Und am Abend desselben Unglückstages, des 4. August 1914, bezeichnete der deutsche Reichskanzler in seiner Unterredung mit dem englischen Botschafter, Sir Edward Goschen, die internationalen Verträge, auf denen die Neutralität Belgiens beruhte, als einen Fetzen Papier, un chiffon de papier, a scrape of paper. Seit jenem 15. Juli 1870, wo dem französischen Ministerpräsidenten, Emile Ollivier, im Pariser Corps legis- latif das Wort cceur leger entfuhr, war kein verhängnisvolleres Wort gesprochen worden. Ollivier, der in öffentlicher Parlamentssitzung von dem leichten Herzen gesprochen hatte, mit dem er in den Krieg zöge, blieb nichts anderes übrig, als den, übrigens mißlungenen, Versuch zu machen, sich in einem dickleibigen Buch zu diskulpieren. Für Bethmann Hollweg, der seine Dummheit unter vier Augen von sich gegeben hatte, lag die Sache erheblich einfacher und leichter. Man brauchte wahrhaftig kein Macchiavelli zu sein, um zu begreifen, daß, wenn Bethmann Hollweg seine unselige Äußerung in einem Augenblick seelischen Zusammenbruchs wirklich gemacht hatte, die Staatsräson und die höchsten Interessen der Nation ihm geboten, sie umgehend und kategorisch dementieren zu lassen. Es stand Behauptung gegen Behauptung, der Negation kam der gleiche Wert zu wie der Affirmation. Bethmann durfte das deutsche Volk nicht mit diesem fürchterlichen Wort belasten, das die Entente während des ganzen Weltkrieges und bis zum Frieden von Versailles mit systematischer Ausdauer der öffentlichen Meinung der Welt einhämmerte, um Deutschland als ruchlosen Vertragsbrecher hinzustellen und einem solchen Volke gegenüber besondere Schutzmaßnahmen als notwendig erscheinen zu lassen. Man denke sich Bismarck, man denke sich auch nur Talleyrand oder Metternich in einer solchen Situation! Wie ganz anders war die Haltung, die Fürst Clemens Metternich gegenüber einem Napoleon in der berühmten Dresdener Unterhaltung von 1813 zur Schau trug, wie anders das Auftreten des Fürsten Talleyrand in seiner von ihm selbst in seinem bekannten Bericht an Louis XVIII wiedergegebenen Unterredung mit Kaiser Alexander I. 1814, während des Wiener Kongresses: Metternich ganz der Grandseigneur, der nie aus der Fassung gerät, Talleyrand der geschickte Diplomat, der sich mit Takt, mit Aplomb und in guter Form aus jeder Affäre herauszieht. Übersetzung der englischen Note an Deutschland wegen der Neutralität Belgiens. Durch den englischen Botschafter Sir E. Goschen dem Staatssekretär von Jagow am 4. August überreicht (Zu S. 175) Notiz. Sir E. Goschen ist von Sir Edward Grey benachrichtigt worden, daß S. M. der König der Belgier an S. M. König Georg eine Bitte um diplomatische Intervention zugunsten Belgiens gerichtet hat. Sr. M. Regierung hat auch erfahren, daß die deutsche Regierung an die belgische Regierung eine Note gerichtet und ihr vorgeschlagen hat, wohlwollende Neutralität zu beobachten, die f eien Durchmarsch durch belgisches Gebiet zur Folge haben ivürde, ivührend Deutschland verspricht, bei Friedensschluß die Unabhängigkeit und Integrität des Königreichs und seiner Besitzungen aufrechtzuerhalten, jedoch droht, Belgien im Falle einer Weigerung als Feind zu betrachten. Es wurde verlangt, daß innerhalb zwölf Stunden eine Antwort gegeben werde. Sr. Majestät Regierung hat auch gehört, daß diese Forderung als eine offenkundige Verletzung des Völkerrechts energisch zurückgewiesen worden ist. Sir Edward Grey erklärt, daß Sr. M. Regierung verpflichtet ist, gegen die Verletzung eines Vertrags zu protestieren, den Deutschland gemeinsam mit ihr selbst geschlossen hat, und daß sie eine Zusicherung verlangen muß, daß die an Belgien gestellte Forderung nicht weiter verfolgt werden wird, und daß Deutschland die Neutralität Belgiens achten wird. Sir Edward Goschen ist angewiesen, um eine umgehende Antwort zu ersuchen. Berlin, 4. August 1914. Randvermerk Jagows: „Von Sir E. Goschen heute nachmittag überreicht 4/8. v. J." Der Kaiser vermerkt darauf am gleichen Tage: „7 h. N. M." (7 Uhr nachmittag) und ordnet durch Randverfügung Weiterleitung an den Chef des Generalstabs an. Jagoiv vermerkte auf der Innenseite der Ausfertigung: „Ich habe Sir E. Goschen geantivortet, daß wir die belgische Neutralität aus Notwehr hätten verletzen müssen, ich habe alle unsere zwingenden Gründe auseinandergesetzt und alle in London abgegebenen Versicherungen nochmals wiederholt. Jagoiv." Am gleichen Tage abends 7 Uhr erschien der englische Botschafter aufs neue im Auswärtigen Amt und überreichte dem Staatssekretär von Jagow das englische Ultimatum und verlangte gleichzeitig seine Pässe, da ein Nachgeben von deutscher Seite nicht in Aussicht gestellt werden konnte. Die Note hatte in deutscher Übersetzung folgenden Wortlaut: „Sr. M. Regierung erfährt, daß Deutschland an den belgischen Minister des Auswärtigen eine Note des Inhalts gerichtet hat, daß die deutsche Regierung nötigenfalls mit Waffengewalt Maßnahmen, die sie für unentbehrlich hält, durchzuführen gezwungen sein werde. Sr. M. Regierung hat auch erfahren, daß belgisches Gebiet bei Gemmenich i'erletzt ivorden ist. Unter diesen Umständen und in Anbetracht der Tatsache, daß Deutschland sich geweigert hat, in betreff Belgiens die gleiche Versicherung zu erteilen, die Frankreich vergangene Woche als Antivort auf das gleichzeitig in Berlin und Paris gestellte Ersuchen abgegeben hat, muß Sr. M. Regierung dieses Ersuchen wiederholen und verlangen, daß hierauf und auf die von Sir Edward Goschen früher im Laufe des Nachmittags gemachte Mitteilung bis heute 12 Uhr nachts eine zufriedenstellende Antwort in London eingeht. Andernfalls ist Sir Edward Goschen angewiesen, seine Pässe zu verlangen und mitzuteilen, daß Sr. M. Regierung sich für verpflichtet hält, alle in ihrer Macht liegenden Schritte zu tun, um die Neutralität Belgiens und die Einhaltung eines Vertrages zu sichern, zu dessen Unterzeichnern Deutschland ebenso gehört wie Sr. M. Regierung." -/5?3' n VyLt^r %Us> /. L j^, ■ü <^L> i ^ 4 f l k Aide Memoi: •4 *tyw \vJ Sir Edward Goschen Edward Grey that His Ms Belgians has addressed t appeal for dipjomatic ir Belgium. His Majesty's Gove a Note has beer delivere by the German Government ^7 / entailing free passage t I promising to maintain at independence and integri possessions, threatening ft£« O fti^tsi^-L A l-iU ? Ä ^ tuty*^6\^ 'tr O^ef be« ^etrewlfiabeS ber %xtm % * fcUr^n^ (.hi/v» /tl/iisÄAw -tVu/k eneray in case of refusal. It was requested that an answer might be returned within twelve hours. His Majesty's Government also understand that this request has been categorically refused by. Belgium as a flagrant violation of the Law of Nations. Sir Edward Grey states that His Majesty's Government are bound to protest against this violation of a Treaty to which Germany is a party in common with themselves and that they must request an assurance that the demand made upon Belgium will not be proceeded with and that Germany will respect the neutrality of Belgium. SLr Edward Goschen is instructed to ask for an immediate reply. BERLIN, August 4, 1914. XIV. KAPITEL War der Weltkrieg zu vermeiden? • Warum wurde die Flotte nicht eingesetzt? • Die oberste militärische Führung • Generaloberst von Moltke • Die Mission des Oberstleutnants Hentsch • Die Schlacht bei Tannenberg • General von Falkenhayn Nachfolger Moltkes • Für uns bedenkliche Entwicklung der Dinge in Rom • Der österreichischungarische Botschafter Merey • Passivität des deutschen Botschafters Flotow • Italiens Neutralitätserklärung Nach der unseligen Kanzlerrede vom 4. August 1914 las ich mit trüben Ahnungen in der politischen Chronik der „Revue des Deux Mondes" Francis die Ausführungen, mit denen mein alter Freund, Francis Charmes, ein Charmes guter Franzose und Schüler von Gambetta, aber ein ruhiger und maßvoller " 6e f den Politiker und Publizist, den Ausbruch des Krieges begrüßte. Es hieß in diesem Artikel: „La guerre s'est presentee ä nous dans des conditions telles que, meme dans nos reves, nous n'aurions jamais pu en imaginer de plus favorables. Si une fee tutelaire etait venue nous dire: La guerre est certaine, inevitable, prochaine: comment preferez-vous, comment souhaitez-vous qu'elle s'engage ? qu'aurions — nous pu repondre, sinon en exprimant le desir que, des le premier moment, la Russie, notre alliee, et l'Angleterre, notre amie, marchassent resolument avec nous, que Pltalie, notre sceur latine, desapprouvant l'aggression dont nous aurions ete l'objet refusät de s'y associer et proclamät sa neutralite en attendant mieux; que des puissances, petites par leur territoire mais tres grandes par le cceur, fussent provoquees et envahies au mepris de la foi juree, de maniere ä ce que leur cause se confondit avec la notre et ä ce que l'opinion du monde civihse, se prononcant en leur faveur, mit egalement son espoir en nous ? Nous aurions demande que ces müle ,forces imponderables' dont Bismarck connaissait la valeur fussent de notre cote. Eh bien: tous ce veeux dont la realisation totale paraissait si difficile que nous n'aurions pas ose les exprimer, tous ont ete exauces. Nous ne savons pas ce que sera la suite de la campagne, mais eile ne pouvait mieux commencer. Nous le disons hardiment: toutes les chances sont de notre cote." Eheu! Wir hatten diplomatisch, politisch den Krieg verloren, bevor der erste Schuß gefallen war. In alten Zeiten war in Tierarzneischulen ein Bild zu sehen, das das Gerippe eines Pferdes darstellte. Uber dem Bild stand als Aufschrift: „Das 12 Billow III 178 WAHN kranke Pferd." Auf dem Gerippe waren bildlich alle Krankheiten angegeben, von denen ein armes Roß befallen werden kann, vom Rotz bis zur Strahlfäule. In der Hochschule für Politik, die für die Ausbildung unserer künftigen diplomatischen Beamten vor einiger Zeit ins Leben gerufen wurde, sollte ein Spezialkursus eingerichtet werden, der an den von der deutschen Politik im Hochsommer 1914 begangenen Fehlern den Schülern zeigt, wie Diplomaten es nicht machen dürfen, der die Stümperei von Bethmann Hollweg und Jagow dem diplomatischen Nachwuchs als abschreckendes Beispiel vor Augen führt: Hier seht, wie ihr es nicht machen sollt, wie ihr es nicht machen dürft! Bethmann und Jagow täuschten sich im Sommer 1914 in allem und jedem. Sie täuschten sich in der von ihnen vorausgesetzten Zugkraft der Mordtat von Sarajewo, die, wie sie fälschlich annahmen, alle Mächte an die Seite Österreichs führen würde. Gegenüber der russischen Mentalität war, wie ich dies Bethmann vorausgesagt hatte, diese Zugkraft von vornherein sehr gering. Und auch im Westen versagte sie, als dort die Übertreibungen, die Schroffheit und Plumpheit der österreichischen Forderungen und Pläne zutage traten. Die Leiter unserer auswärtigen Politik täuschten sich in Italien und in Rumänien, die sie zu übertölpeln und zu überrennen dachten, die sich aber mit Rußland und Frankreich hinter sich und gestützt auf den Wortlaut der Dreibundsverträge weder überbsten noch einschüchtern ließen. Bethmann und Jagow täuschten sich vor allem in England. Bethmann hat jedermann, dem Kaiser Wilhelm II. wie dem Bundesrat, dem österreichisch-ungarischen Botschafter wie den deutschen Vertretern im Auslande versichert, wir könnten mit Sicherheit darauf rechnen, daß England wenigstens im ersten Stadium des Krieges neutral bleiben würde. Wahn, überall Wahn. Wie ich schon hervorhob, bestand der wohl allergröbste Fehler der vier oder fünf Personen, die uns ins Verderben führten, darin, daß sie Beschlüsse von solcher Tragweite in der Dunkelkammer des Auswärtigen Amts faßten, ohne irgend jemand um Rat zu fragen, weder erfahrene Diplomaten noch kluge Männer des wirtschaftlichen Lebens, wie Albert Ballin, Arthur Gwinner, Emil Rathenau, Max Warburg, Karl Fürstenberg, Paul von Schwabach. Seufzend sagte mir Albert Ballin im zweiten Jahr des Weltkrieges: „Wenn ich im Sommer 1914 etwas gewußt hätte von dem, was Bethmann Hollweg und Jagow vorhatten, wenn ich eine Ahnung gehabt hätte von dem geplanten Ultimatum und der in Aussicht genommenen Strafexpedition gegen Serbien, so würde ich auf alle Fälle Deutschland wenigstens rechtzeitig mit Getreide vollgepumpt haben." Das Ungeschick, Die Weltkrise mit dem unser Comite — nicht de Salut pubhc, sondern de Catastrophe durch das publique — die durch das Ultimatum hervorgerufene Weltkrisis weiter Ultimatum behandelte, spottete jeder Beschreibung. Die englischen Ver- BERLINER UND WIENER KABINETT 179 mittlungsvorschläge wurden a limine abgelehnt, verschleppt oder sabotiert. Ich wiederhole noch einmal: Nicht als ob die Lenker der deutschen Politik den Weltkrieg gewollt hätten, sondern weil sie sich törichterweise Die Note einbildeten, es werde ihnen gelingen, eine österreichische Strafexpedition an Serb ' e " zur „Züchtigung" Serbiens in Szene zu setzen, ohne daß es zu einem europäischen Kriege käme. Dadurch wurde nicht nur die Gefahr des von Poincare und Delcasse, von Paleologue und Cambon, von den englischen Jingoes wie von dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch und den montenegrinischen Großfürstinnen gewünschten Weltbrandes gesteigert, sondern wir kamen in den unberechtigten und tatsächlich ganz unbegründeten Verdacht, den Krieg gewollt und absichtlich herbeigeführt zu haben. Während das deutsche Volk ehrlich davon überzeugt war, daß es das Opfer eines heimtückischen Uberfalls geworden sei, hielt uns die ganze Welt für den Brandstifter, der mit dem Ultimatum an Serbien die Fackel in das europäische Pulverfaß geschleudert und überdies durch die Verletzung der belgischen Neutralität einen unerhörten Bruch beschworener Verträge wie des Völkerrechts begangen habe. Während wir nicht für eine zugkräftige Parole gesorgt hatten, um die öffentliche Meinung der Welt auf unsere Seite zu bringen, lieferten wir durch unsere ungeschickte Politik unseren Feinden zwei Argumente, mit denen sie die Weltmeinung für sich gewannen: daß das große Österreich das kleine Serbien überfallen und daß Deutschland durch seinen Einmarsch in Belgien das internationale Völkerrecht verletzt hätte. Unsere ungeschickte Propaganda tat das übrige. Wir leugneten, daß wir den Inhalt des Ultimatums gekannt hätten. Nun mußten wir aber selbst zugeben, daß der österreichisch-ungarische Minister des Äußern, Graf Berchtold, am 21. Juli vormittags die Note an Serbien unserem Botschafter Tschirschky zugestellt hatte. Wenn Tschirschky diese Note, deren Tragweite ihm doch nicht einen Augenblick zweifelhaft sein konnte, sogleich durch einen seiner Beamten nach Berlin schickte, so lag sie am 22. Juli vormittags auf dem Tisch des Beichskanzlers und des Staatssekretärs. Wir hatten also noch achtzehn Stunden Zeit, die Übergabe des Ultimatums in Belgrad aufzuhalten, die erst am 23. Juli, nachmittags sechs Uhr, erfolgte. Wobei zweierlei nicht zu vergessen ist: Erstens, daß das Auswärtige Amt den Inhalt des Ultimatums in Wirklichkeit schon früher kannte, wie dies aus dem bekannten Bericht des bayrischen Geschäftsträgers in Berlin, des Legationsrats von Schön, und aus einer ebenso bekannten, gleichzeitigen Äußerung des bayrischen Ministerpräsidenten Hertling gegenüber dem französischen Gesandten in München, Herrn Allize, hervorgeht. Übrigens ist noch die Frage, was politisch der schlimmere 12» 180 GRAF LEOPOLD BERCHTOLD Fehler gewesen wäre: dem Wiener Kabinett die Absendung einer derartigen Note an Serbien in voller Kenntnis ihres Inhalts zu erlauben oder Österreich- Ungarn einen Blanko-Wechsel für seine Politik gegenüber Serbien auszustellen. Der kluge Ballin hat mir mehrmals gesagt, daß er die zweite Alternative für die noch größere Dummheit hielte. Wenn er die Absicht habe, seinem Sozius zu erlauben, ihr gemeinschaftliches Kapital in Monte Carlo auf Rot oder Schwarz, Pair oder Impair zu setzen, so wolle er wenigstens selbst dabei sein, wenn sein Kompagnon den Coup riskiere. Daß er aber seinen Sozius allein nach Monte Carlo reisen lasse und dessen eigenem Ermessen alles Weitere anheimstelle, sei das Allerdämlichste. Noch unverzeihlicher war, ich muß auch dies wiederholen, daß Bethmann und Jagow, nachdem sie Zeit gehabt hatten, das Ultimatum gründlich zu studieren, nicht wenigstens in Wien kategorisch erklärten, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien und gar ein militärisches Vorgehen Österreichs gegen Serbien dürfe keinesfalls erfolgen, bevor wir die serbische Antwort sorgsam geprüft hätten. Im Gegenteil: Je gefährlicher die Situation sich zuspitzte, um so mehr gerieten Bethmann und Jagow, Wilhelm Stumm und Diego Bergen in immer größere, schließhch blinde Abhängigkeit vom Wiener Ballplatz, wo Graf Leopold Berchtold thronte. Bei Jagow spielte hierbei, wie ich schon andeutete, kleinjunkerliche Voreingenommenheit für die „ehrwürdige und heilige" habsburgische Monarchie mit. Den anderen Mitgliedern der Berliner Zentrale, die das waren, was adliger Hochmut „Roturiers" nennt, imponierte ein Vollblutaristokrat, Vliesritter und großer Kavalier wie Berchtold, der einen Rennstall hielt, glänzende Jagden gab und von sich zu sagen pflegte, daß es für ihn als Minister nur zwei wirklich angenehme Augenbhcke gäbe: den Moment seiner Ernennung, wo er als Nachfolger des Fürsten Clemens Metternich und des Fürsten Felix Schwarzenberg die Glückwünsche seiner Standesgenossen entgegengenommen habe, und den Tag, wo er seinen Abschied einreichen werde, um sich nur noch der Jagd und seinem Rennstall zu widmen. Von einem solchen Schwachmatikus ließen sich Bethmann und seine Mitarbeiter in Krieg und Verderben verstricken. Ohne den Krieg zu wollen, nur aus Einfältigkeit. Nur einmal im Laufe jener verhängnisvollen Entwicklung hat sich 1908undl914 Bethmann Hollweg zu einer einigermaßen klaren Verwahrung aufgerafft, als er am 29. Juli von Österreich die Wiederaufnahme der abgebrochenen direkten Besprechungen mit St. Petersburg mit den Worten forderte: „Wir sind zwar bereit, unsere Bündnispflicht zu erfüllen, müssen es aber ablehnen, uns von Wien leichtfertig und ohne Beachtung unserer Ratschläge in einen Weltbrand hineinziehen zu lassen." Nachdem Bethmann, Jagow und mit ihnen leider auch Wilhelm II. von Anfang an Österreich Carte DAS SIMILE 181 blanche gegeben und es in seinem weiteren Vorgeben bestärkt und ermuntert hatten, mußte diese um zehn Tage verspätete Warnung wirkungslos verpuffen. Es scheint, daß Bethmann der Gedanke vorschwebte, meine Taktik während der bosnischen Krisis, die sich fast sechs Jahre vor dem Weltkrieg abgespielt hatte, mit dem Ultimatum an Serbien nachzuahmen. Nun gibt es aber in der auswärtigen Pobtik nichts Bedenklicheres, als, um mit dem Fürsten Bismarck zu reden, nach einem Simile zu arbeiten, denn diplomatische Situationen gleichen sich nie vollständig. Die Umstände, die in Frage kommenden Persönbchkeiten, die Stimmungen und Strömungen sind immer verschieden. Der Polizeipräsident, der eine Verordnung für den Marktverkehr ausarbeitet, mag nach einem Simile greifen. Wer Pobtik treiben will, muß eigene Gedanken haben. Schon Kiderlen war in den Fehler verfallen, mit dem Panthersprung nach Agadir die Pobtik nachahmen zu wollen, mit der ich durch den Kaiserbesuch in Tanger den damals für uns und den Weltfrieden gefährbchsten Gegner, Delcasse, für viele Jahre mattsetzte. Mit Tanger erreichte ich diesen Zweck. Agadir mißlang. Es gbch jenem Vorgang, der sich gelegentbch bei Feuerwerken ereignet: Statt gerade in die Luft zu steigen, fährt die Rakete den Umstehenden zwischen die Berne und richtet Verwirrung und Schaden an. Noch weit verfehlter als der Kiderlensche Panthersprung war der Gedanke Bethmanns, mit seiner Ultimatumspobtik meine Behandlung der bosnischen Krise zu imitieren. Bethmann woUte endbch einmal auch einen politischen Erfolg haben. Wie Sasonow im April 1914 mit Recht an den russischen Botschafter in Rom geschrieben hatte, lagen aber die Verhältnisse 1914 total anders als 1908, sechs Jahre früher. Rußland war 1908 durch eine Reihe von vertraulichen Noten und Verabredungen gebunden, insbesondere durch einen Brief seines Ministers des Auswärtigen, Iswolski, der eine nicht wegzuleugnende Invite an Österreich enthielt. 1908 hatte ich Osterreich fest in der Hand und war sicher, daß es die ihm von mir gezogene Grenze nicht überschreiten würde. Ich verlor weder die Fühlung mit Rußland noch auch die mit Itaben. Um mich französisch auszudrücken: Je jouais sur le velours. 1914 hatte Bethmann keine anderen Atouts in seinem diplomatischen Spiel als die durch die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand erweckte Entrüstung, die sich verflüchtigte, als die eigentbchen Motive und wahren Ziele der Berchtold und Conrad von Hötzendorf zutage traten und damit die Möglichkeit eines Weltbrandes. Si duo faciunt idem, non est idem. Das gilt namentlich für die Pobtik, wo alles fließt. Ich weiß wohl, daß die Meinung weit verbreitet ist, der Weltkrieg würde, auch wenn er 1914 vermieden worden wäre, 1915 oder 1916 doch gekommen sein. Der Weltkrieg wäre ein unentrinnbares Fatum gewesen. Ich halte 182 DAVID UND GOLIATH diese Auffassung für grundfalsch. Ich glaube nicht an die zwangsläufige Entwicklung. Ich halte es mit Napoleon, der einem geschlagenen Unterbefehlshaber erwiderte, der sich mit der „fatalite" entschuldigte: „La fatalite, l'excuse des incapables et des maladroits." Wir konnten mit einer ruhigen und gewandten Hand 1914 ebensogut den Frieden wahren, wie wir ihn 1888, 1905 und 1909 erhalten hatten. Jedenfalls brauchte sich das Deutsche Reich nicht unter einer derartig ungünstigen Konstellation, in so ungeschickter Weise, am Wiener Gängelband in diesen furchtbaren Krieg verstricken zu lassen. Es ist begreif lieh, daß ich, der ich an dem Ausbau unserer Flotte einen Die großen Anteil gehabt habe, ihrer Betätigung im Kriege mit Spannung, mit U-Boot-Waffe hohen Erwartungen entgegensah. Die Tüchtigkeit unserer Matrosen, die Intelligenz und der glänzende Geist unserer Seeoffiziere, die Stimmung in der Heimat, die mit vollem Vertrauen auf unsere blauen Jungen blickte, berechtigten zu stolzen Hoffnungen. Ich war, wie ich schon ausgeführt habe und wie ziemlich allgemein bekannt ist, bei aller Hochachtung für die ungewöhnliche Persönlichkeit des Großadmirals von Tirpitz, sein Organisationstalent und seine Tatkraft doch seit dem Beginn des methodischen Ausbaus der Flotte, der mit der Ernennung von Tirpitz zum Staatssekretär des Reichsmarineamtes und meiner Ernennung zum Staatssekretär des Auswärtigen Amts zusammenfällt, nicht ganz damit einverstanden, daß Tirpitz das Hauptgewicht gar so sehr auf den Bau großer Kampfschiffe legte. Ich hätte es Heber gesehen, wenn Tirpitz, dem ihm vom greisen Bismarck erteilten Rat folgend, mehr Kreuzer auf Kiel gelegt, wenn er später, als die neue Waffe aufkam, rechtzeitig und in möglichst großer Zahl U-Boote gebaut, wenn er eifriger für Flugzeuge gesorgt hätte. Laie auf diesem Gebiet und weit entfernt, in eine mir fernliegende Materie dilettantisch einzugreifen, hatte ich doch das instinktive Gefühl, daß wir mit einem forcierten Bau von Groß- und Schlachtschiffen die Engländer immer mißtrauischer machten, sie schwer reizten, ohne sie doch überflügeln zu können. Das U-Boot erschien meinem Laienverstand als die Schleuder, mit welcher der kleine David, wenn ihm Wagemut und Glück nicht fehlen, den großen Goliath bezwingt. Nach dem Ende des Weltkrieges schrieb der englische Admiral Scott: „Wenn Kaiser Wilhelm im Herbst 1914 den Vorschlag, England durch U-Boote zu blockieren, angenommen hätte, so würde damals eine solche Blockade in kürzester Zeit den Zusammenbruch herbeigeführt haben." Und als im Dezember 1914 der Kaiser den Admiral Ingenohl, der unter sehr günstigen Gefechtsbedingungen den Kampf mit einem englischen Geschwader aufnehmen wollte, zwang, abzudrehen und nach Wilhelmshaven zurückzukehren, schrieb Admiral Scheer, der spätere Sieger von Skagerrak: „Der Eindruck, eine selten günstige Gelegenheit DIE FLOTTE WIRD GESCHONT 183 versäumt zu haben, blieb haften, die Wiederkehr einer solchen Gelegenheit war kaum zu erwarten." Und Tirpitz erklärte direkt: „Am 16. Dezember hatte Ingenohl das Schicksal Deutschlands in der Hand." Woran lag es, daß unsere Schlachtflotte nicht rechtzeitig eingesetzt wurde ? Von Generalstabsoffizieren ist mir versichert worden, daß Schließen Die Nicht- wie Moltke auf eine sofortige und offensive deutsche Kriegführung auf hoher einsetzung der See immer großen Wert gelegt hätten. Der Großadmiral Tirpitz stand auf Schlacht fl°" e dem gleichen Standpunkt und wünschte grundsätzlich eine baldmöglichste Entscheidung zur See, nicht nur, weil er sich von einer solchen vollen Erfolg versprach, sondern auch, um zu beweisen, daß die von ihm geschmiedete Waffe schlagfertig und schlagkräftig sei. Aber der Kaiser, das lahme Auswärtige Amt und der schwankende, ängstliche Reichskanzler dachten anders. Wilhelm II. hatte von Anfang an, seitdem er begann die Flotte zu bauen, der Gedanke ganz ferngelegen, seine Marine kriegerisch zu verwenden. Eine möglichst starke deutsche Seemacht sollte nur eine Schutzwehr gegen Friedensstörungen sein. Sie sollte auch gelegenth'ch die Möglichkeit zu prächtigen Manövern bieten. Mehr nicht. Der Kaiser kannte jedes einzelne seiner Kampfschiffe. Er hatte auf jedem seine besondere Kabine, jede Kabine mit Komfort eingerichtet, mit allen Toilettengegenständen, die ihm sein biederer Leibjäger, Vater Schulz, aufgebaut hatte, mit allen Bildern seiner Lieben an der Wand. Diese seine schönen, ihm ans Herz gewachsenen Schiffe dem Untergang auszusetzen, brachte er nicht über sich. Das kam ihm ähnlich vor, als wenn man einem Rennstallbesitzer vorgeschlagen hätte, seine edelsten Rennpferde vor die Erntewagen zu spannen mit der Gefahr, daß sie lahmgefahren würden. Der Kaiser wollte die Flotte „schonen", Bethmann Hollweg wollte die Engländer „nicht reizen". So begegneten sich beide in der Formel, daß die Flotte bis zum Friedensschluß unversehrt erhalten werden müsse, um dann bei den Friedensverhandlungen in die Waagschale gelegt zu werden. Das Ende war Scapa Flow. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß die Vorwürfe, welche die retrospektive militärische Kritik dem Generaloberst Moltke macht, auch dem- Die Lage jenigen, der nie die karmoisinroten Streifen des Generalstäblers trug, <"> der berechtigt erscheinen. Der Vorwurf, der ihm vor allem gemacht werden Westfront muß, ist, daß er die Zügel am Boden schleifen ließ, daß er die Armeeführung nicht in der Hand behielt, daß sein Standort, erst Koblenz, dann Luxemburg, von dem entscheidenden rechten deutschen Flügel zu weit entfernt war, daß er nicht einmal für bessere Verständigungsmöglichkeiten zwischen sich und den betreffenden Hauptquartieren des rechten Flügels gesorgt hatte. Die einzelnen Armeen leisteten Glänzendes, aber es fehlte die zentrale Leitung, die einheitliche Hand, die alle Einzelhandlungen in Überein- 184 DAS MARNE-WUNDER Stimmung brachte. Als die Lage an der französischen Front immer kritischer wurde, hätte Moltke selbst die drei Armeen des rechten Flügels aufsuchen müssen, um sich de visu über den Stand der Dinge zu unterrichten und die Einheitlichkeit der Kampfhandlung sicherzustellen. Statt dessen entsandte er in der entscheidenden Stunde, am 8. September, einen Abteilungschef seines Stabes, den Oberstleutnant Hentsch, zu den drei Armeen des rechten Flügels, legte die Entscheidung in dessen Hand, erwähnte in seiner letzten mündlichen Instruktion an ihn die Möglichkeit eines Ausweichens, gab sogar Hinweise für die Richtung eines erforderlich werdenden Rückzuges. Von allen Offizieren seines Stabes war Hentsch derjenige, bei dem die angeborene Farbe der Entschließung am meisten von des ängstlichen und schwankenden Gedankens Blässe angekränkelt war. Gerade darum war er dem Chef sympathisch. Als Hentsch, dem das Schicksal der Schlacht, des Feldzuges, der Armee, des Landes in die Hand gegeben war, bei dem Oberkommando der zweiten Armee eine ungünstige Auffassung der Lage vorfand, empfahl er deren Führer, dem Generalfeldmarschall von Bülow, Zurückgehen in nordöstlicher Richtung. Unmittelbar nachher drängte er den Oberkommandierenden der ersten Armee, den Generaloberst v. Kluck, den er inzwischen aufgesucht hatte, gleichfalls zum Rückmarsch. Die Franzosen und Engländer fühlten sich so wenig als Sieger, daß sie den Rückzug der Deutschen nicht störten. Erst später konstruierten französische Ruhmredigkeit und französische Gewandtheit das „Marne-Wunder", „Le Miracle de la Marne", das Frankreich und, wie die Franzosen behaupten, die ganze Welt vor deutscher Raubsucht und Eroberungslust gerettet habe. Wohl mußte den Franzosen, deren Regierung am 2. September, vier- Statt Molikes undvierzig Jahre nach dem Tage von Sedan, fluchtartig Paris verlassen Falkenhayn un( j i üren Sitz nach Bordeaux verlegt hatte, der plötzliche Rückzug der Deutschen wie ein Mirakel erscheinen. Wunderbar, verwunderlich und entsetzlich war aber vor allem, daß der Nachfolger von Moltke I und Schlieffen so gar nicht auf der Höhe seiner Vorgänger stand. Unter dem Druck der auf ihm lastenden Verantwortung war er zusammengebrochen. Seinen kraftlosen Händen war im entscheidenden Augenblick die Führung entglitten. Truppe und Unterführer hatten gesiegt, die oberste Heeresleitung hatte versagt. Moltke soll gehofft haben, daß die Zurücknahme des rechten Flügels nach einigen Tagen durch eine neue Offensive wettgemacht werden könnte. Ich hörte, daß er mit der dritten, vierten und fünften Armee die Vorwärtsbewegung wieder in Gang bringen wolle. Aber schon am 10. September wurde dieser Gedanke wieder aufgegeben, am 11. September erschien ihm sogar das Ausharren dieser Armeen in ihren augenblicklichen Stellungen untunlich, und auch für sie wurde der Rückzug MOLTKES SCHICKSAL 185 angeordnet. Moltke hat mir später mit Tränen in den Augen erzählt, daß die seelischen Schmerzen, die er in diesen Tagen, gleichzeitig körperlich leidend, durchgemacht hätte, „unsägliche" gewesen wären. Der Kaiser, an seinem langjährigen Freund irre geworden und nach seiner Art von einem Extrem in das andere fallend, hatte ihm mit barschen Worten die Leitung der Operationen entzogen und sie dem Kriegsminister General von Falkenhayn übertragen. Nach außen sollte aber der Wechsel vorläufig nicht bekanntwerden, um die Heimat nicht zu beunruhigen. So mußte, de facto völlig ausgeschaltet, Moltke doch pro forma an allen militärischen Beratungen teilnehmen, wurde aber weder gefragt noch gehört noch irgendwie beachtet. Stumm saß er neben seinem bisherigen Rivalen und nunmehrigen Nachfolger. „Ich glaube nicht", äußerte Moltke später zu mir, „daß unter den Qualen der Hölle, von denen Dante in seinem Inferno berichtet, auch nur eine an das seelische Martyrium heranreicht, das ich durchgemacht habe." Die Heimat wurde von diesem Zusammenbruch stolzer Hoffnungen und gewaltiger militärischer Anstrengungen im Westen vorerst nicht be- Die Schlacht rührt, denn sie stand noch unter dem Eindruck des Sieges von Tannenberg, bei Das Städtchen Tannenberg, wo fünf Jahrhunderte früher das deutsche Tannenberg Volk eine der schwersten Niederlagen seiner Geschichte erlitten hatte, war jetzt der Schauplatz eines der größten deutschen Siege aller Zeiten geworden. Der Cannae-Gedanke, den Moltke im Westen zu realisieren versuchte, aber nicht vermochte, war hier mit höchster Kühnheit und zugleich mit genialer Sicherheit verwirklicht worden. Neunzigtausend Russen waren gefangen, noch mehr erlagen dem deutschen Feuer oder ertranken in den Masurischen Seen. Und als die Nebel, die über den Masurischen Seen lagerten, sich verzogen hatten, erkannte das Volk in dem Sieger der Schlacht den General von Hindenburg, einen seiner Großen. Deutsch bis in die Knochen. Deutsch auch in seiner äußeren Erscheinung, der Mann mit den breiten Schultern, dem schweren, festen Gang, den großen, gütigen Augen, der vollkommenen Natürlichkeit, verbunden mit nicht gewollter, nicht beabsichtigter, in seinem Wesen hegender und von seinem Wesen ausgehender Würde. Streng, wo es nottat, aber immer menschlich und gütig, nie eitel, nie persönlich, nie kleinlich. Groß vor allem durch die sittliche Stärke, die den hervorstechendsten Zug seines Wesens bildet, verkörpert der Generalfeldmarschall von Hindenburg alle guten und herrlichen Eigenschaften des deutschen Volkes und insbesondere der preußischen Armee. So steht er in unserer Geschichte als ein ganz Großer. Seine Größe zeigte sich auch in seinem Verhältnis zu seinem Generalstabschef, dem General Ludendorff. Die vollkommene Neidlosigkeit, mit der Hindenburg den genialen, aber oft stürmischen, nicht immer bequemen Ludendorff 186 FALKENHAYN nicht nur neben sich ertrug, sondern ihn hielt und stützte, erinnert an das Verhältnis des alten Blücher zu seinem Gneisenau. Alle vier gehören für alle Zeiten in die deutsche Ruhmeshalle. Der durch den katastrophalen Ausgang der Marneschlacht notwendig War Verdun gewordene Wechsel in der obersten Heeresleitung führte den preußischen ein Fehler? Kriegsminister von Falkenhayn an die Stelle des Generalobersten von Moltke. Erich von Falkenhayn war, was Goethe und nach ihm Spielhagen eine problematische Natur genannt haben, ein Typus, der im französischen, russischen, spanischen, selbst im österreichischen Heere nicht selten, aber in der preußischen Armee, wenigstens an den höchsten Stellen, kaum vertreten war. Sohn einer alten pommerschen Adelsfamilie, mit allen guten Eigenschaften des aus dem Junkertum hervorgegangenen Offiziers, wagemutig, kräftig, nie ängstlich oder gar erschrocken, äußerlich anzuschauen wie ein Kriegsgott, hatte er schon als junger Infanterieoffizier wegen Schulden den Dienst quittieren müssen, war nach China gegangen und hatte sich dort mit der Ausbildung chinesischer Rekruten ziemlich kümmerlich durchgeschlagen, aber sich den Weltwind um die Ohren gehen lassen. Durch den Feldmarschall Waldersee, dem sein gutes Aussehen, seine Anstelligkeit und seine Brauchbarkeit auffielen, nach Deutschland zurückgebracht, machte er von da an eine ungewöhnlich rasche Karriere. Er wurde vom Generalobersten von Moltke protegiert, der sich damit freilich wenn auch nicht gerade eine Schlange am Busen, so doch den zukünftigen Nachfolger erzog. Mit seinen Vorzügen wie mit seinen Schwächen war der General von Falkenhayn ganz der Mann, Kaiser Wilhelm II. zu gefallen. Wenn Moltke, körperlich schon sehr verbraucht, mit starker Neigung zu mystischen Spielereien und zu theosophischem Grübeln, den Kaiser, sobald sich das Glück von uns abzuwenden schien, eher deprimiert hatte, so hob der frische, resolute, nie um eine Auskunft oder einen Ausweg verlegene, forsche Falkenhayn sogleich die Stimmung Seiner Majestät. Da war doch Nervenkraft und Verantwortungsfreudigkeit. Ich enthalte mich eines Urteils über die militärischen Leistungen des Generals von Falkenhayn. War Verdun ein Fehler? War Ypern ein Fehler? Beide kosteten Ströme von Blut, beide brachten keinen durchschlagenden Erfolg. Sicher scheint, daß Falkenhayn, dem die streng sachliche, wohl auch die ethische Größe von Hindenburg abging, durch die Lässigkeit, um nicht zu sagen eifersüchtige Engherzigkeit, mit der er wiederholt das dringende Ersuchen von Ober-Ost um Verstärkung behandelte, eine schwere Verantwortung auf sich genommen hat. Dagegen erfordert die Gerechtigkeit, anzuerkennen, daß Falkenhayn für politische Fragen, Zusammenhänge und auch Gefahren mehrfach mehr Verständnis zeigte als Ludendorff. Niemals darf das deutsche Volk die Helden vergessen, die vor Verdun in einem Höllenfeuer DER WINK ITALIENS 187 aushielten. Ewig wird die Erinnerung fortleben an die Begeisterung, mit der an der Yser und bei Ypern die jungen Korps, meist Studenten, zum Teil Gymnasiasten, mit dem Gesang der Wacht am Rhein und des Deutschlandliedes stürmend dem Tode entgegengingen und mit ihren jungen Leibern die blutgedüngte Walstatt deckten. An diesem Teil der belgischen Nordseeküste, an die jetzt kein Deutscher ohne Wehmut denken kann, hatte ich, wie ich seinerzeit erzählt habe, im Hochsommer 1889, ein Vierteljahrhundert vor den Schlachten an der Yser und bei Ypern, in dem kleinen Nordseebad Nieuport schöne Wochen mit meiner Frau verlebt, nicht ahnend, daß hier einst die Blüte unseres Volkes verbluten sollte. Zu den schweren Fehlern, die sich unsere politische Leitung im Hochsommer 1914 zuschulden kommen ließ, gehört auch ihre Taktik gegenüber Italien Italien. An diesem Mikrokosmus läßt sich nur zu deutüch die Zerfahrenheit und Unbeholfenheit, die Schwäche und Unbesonnenheit, die aus Perfidie Mlttelm ' und Naivität seltsam gemischte Unzulänglichkeit der deutschen Diplomatie von 1914 nachweisen, die unser tüchtiges und friedliebendes Volk in den Krieg hineinstolpern und uns den Krieg verHeren ließ. Wie aus den von den Bolschewisten veröffentlichten Geheimberichten hervorgeht, wurde noch Ende Mai 1914 bei den Beratungen des russischen Admiralstabes über die abzuschließende russisch-englische Marinekonvention von russischer Seite an die Engländer die Forderung gestellt, daß sie, um einen österreichisch- italienischen Angriff auf das Schwarze Meer zu verhindern, den russischen Schiffen die englischen Flottenstützpunkte zur Verfügung stellen müßten. Damals rechneten Russen wie Engländer noch damit, daß Italien im Kriegsfall an der Seite der Mittelmächte bleiben werde. Als das Gewitter des Ultimatums am Horizont aufstieg, erklärte am 14. Juli 1914 der italienische Minister des Äußern, der Marquis San Giuliano, dessen politische Ambitionen von jeher auf die Ausbreitung des italienischen Einflusses im Mittelmeer und insbesondere an der nordafrikanischen Küste gerichtet waren und der deshalb bis dahin ein Anhänger des Dreibundes und auch korrekter Beziehungen zwischen Italien und Österreich gewesen war, in einer Unterredung mit dem deutschen Botschafter Flotow, Italien könne exorbitante österreichisch-ungarische Forderungen an Serbien nicht unterstützen. Drei Tage später wiederholte der Minister dem deutschen Botschafter, Italien werde Österreich territoriale Eroberungen in Serbien nicht erlauben. Statt sich diesen zweifellos auch an die Wiener Adresse gerichteten Wink zur Warnung dienen zu lassen, empfahl der österreichisch- ungarische Botschafter in Rom, Herr von Merey, dem Grafen Berchtold, die italienische Regierung mit der Aktion gegen Serbien zu „überrumpeln". 188 DER SPEISESAAL IN FIUGGI Es war verhängnisvoll, daß sowohl Österreich-Ungarn wie Deutschland vor Beginn des Weltkrieges in Rom schlecht vertreten waren. Herr von Merey hatte sich durch sein kassantes Wesen, seine kaum verhüllte Abneigung und Gereiztheit gegen das neue Italien, seine beständigen Quengeleien und Nadelstiche allgemein verhaßt gemacht. Sein persönliches Verhältnis zu dem weltmännischen, kulanten San Giuliano war allmählich so gespannt geworden, daß beide sich kaum noch sahen und der italienische Minister erwog, ob er die gesellschaftlichen Beziehungen zu dem Vertreter der habsburgischen Monarchie nicht besser ganz einstellen solle. Der deutsche Botschafter Flotow war zu furchtsam, um aggressiv oder Flotow und gar beleidigend aufzutreten. Dafür hatte er sich weder politisch noch sozial Barrere eme Stellung gemacht. Mit einer Vollblutrussin verheiratet, die kaum Deutsch sprach und in ihrem Salon eine große, übrigens schöne Bronzebüste Iwans des Schrecklichen aufstellte, die von biederen deutschen Besuchern für das Konterfei des Alarich, Theoderich oder eines anderen Helden der germanischen Völkerwanderung gehalten wurde, war der deutsche Botschafter gesellschaftlich eine halbkomische Figur geworden, ohne poütischen Einfluß. Dazu kam, daß Flotow, der von jeher ein Malade imaginaire war, sich nicht entschließen konnte, in der Sommerhitze in Rom auszuharren, wie dies 1914 die drei Entente-Botschafter Barrere, Sir Rennel Rodd und Krupenski als Selbstverständlichkeit betrachteten, sondern nach dem ziemlich weit von Rom entfernten Badeort Fiuggi geflüchtet war. Gegenüber seinem Busenfreunde Jagow und dem Kanzler Bethmann hatte Flotow dies damit motiviert, daß er in Fiuggi die beste Gelegenheit habe, San Giuliano zu sprechen. Die Sache lag gerade umgekehrt. Der wirklich kränkliche, ja schwerkranke San Giuliano brachte auf ärztlichen Rat zu seiner Erholung die Nächte in Fiuggi zu, wollte aber dort von neun Uhr abends bis sieben Uhr morgens nicht gestört werden. Jeden Abend versuchte Flotow sich an den für den Minister im Speisesaal reservierten Tisch heranzuschlängeln, wurde aber zur Belustigung aller Badegäste von San Giuliano regelmäßig abgewiesen mit der Bemerkung, er stünde in Rom den ganzen Tag zur Verfügung aller Diplomaten, wolle aber in Fiuggi während der Abend- und Nachtstunden in Ruhe gelassen werden. Während Flotow sich nicht einmal dazu entschließen konnte, in Rom dem Begräbnis des Anfang Oktober verstorbenen San Giuliano beizuwohnen, verließ sein gefährlichster Gegenspieler, der Franzose Barrere, Rom auch nicht eine Stunde, machte den ganzen Tag Besuche, bearbeitete Senatoren, Deputierte, Minister und Journalisten. Obgleich infolge eines Automobil-Unfalls körperlieh schwer leidend, wohnte Barrere der Beisetzung von San Giuliano bei. Er wurde während der Trauermesse ohnmächtig, aber er tat seine Pflicht. ZU „OBERFLÄCHLICHER" KENNTNIS 189 Es stellte sich bald heraus, daß eine Kooperation zwischen Italien und den Zentralmächten nur möglich war, wenn Österreich den Italienern Kom- Die Frage pensationen bot. Ich glaube noch heute, daß es bei Beginn des Krieges mit t * er Kompen- solchen Kompensationen möglich gewesen wäre, Italien zum Vorgehen auf sa l0nen unserer Seite zu bewegen. Unser militärisches Prestige war vor dem Marne- Rückzug gewaltig. Ein großer Teil der maßgebenden Italiener stand mit ihren Sympathien auf deutscher Seite. Wenn Österreich den Italienern damals die Abtretung des Trentino und die Autonomie von Triest zugestanden hätte und wenn wir ihnen gleichzeitig Tunis und Nizza in Aussicht stellten, so hätten wir Italien mitbekommen. Das publizistische Organ von Sidney Sonnino, der später Italien ins Entente-Lager führte, forderte damals täglich mit stürmischer Heftigkeit, daß Italien an der Seite von Deutschland in den Krieg treten müsse, um seine Zukunft zu sichern. Der Florentiner Sonnino mag an den Rat des großen Segretario seiner Heimatstadt gedacht haben, sich immer an den Stärkeren zu halten, denn dort finde man Ruhm, Ehre, Geld und alle guten Dinge dieser Welt. Damals hielt man uns noch für den Starken, für den Stärkeren. Bethmann machte einen schwächlichen Versuch, den Grafen Berchtold zu einer zuvorkommenderen Haltung gegenüber Italien zu bewegen, wurde aber von diesem hochmütig abgewiesen, obwohl wir durch unsere weitere Behandlung der österreichischen Aktion gegen Serbien das denkbar stärkste diplomatische Druckmittel in der Hand hatten. Berchtold wies den österreichischen Botschafter in Rom an, der italienischen Regierung nur „oberflächliche" Kenntnis von den an Serbien gestellten Forderungen zu geben, ohne Bekanntgabe der einzelnen Punkte. Merey entledigte sich dieses Auftrages in salopper, beinahe beleidigender Form. Der italienische Gegenzug war, daß der italienische Ministerpräsident und der italienische Minister des Äußern erklärten, sie mißbilligten das österreichische Vorgehen und behielten sich freie Hand vor. Während diese Erklärung schon in nuce die spätere Neutralitäts- erklärung und die nachfolgende Kriegserklärung Italiens an Österreich enthielt, glaubten die Berliner besonders schlau zu handeln, indem sie Österreich, das doch in seiner Aktion gegen Serbien völlig von uns abbing, gegenüber Italien freie Hand ließen. Inzwischen hatte der Generalsekretär im italienischen Ministerium des Äußern De Martino dem französischen Botschafter gesagt, die italienische Regierung würde die österreichische Note an Serbien nicht gebilligt haben, wenn sie ihr vorher mitgeteilt worden wäre. Gleichzeitig erklärte De Martino dem Botschafter Merey, Italien sei in keiner Hinsicht gebunden, da es von der österreichischen Aktion gegen Serbien nicht vorher unterrichtet worden sei. Durch diese Erklärung nicht belehrt, riet Merey seiner Regierung, alle italienischen Kompensationsansprüche a limine abzulehnen. 190 ITALIEN ENTZIEHT SICH Unter dem Einfluß von Moltke, der eine Verständigung Österreich-Ungarns mit Italien aus militärischen Rücksichten für dringend wünschenswert hielt, fand Bethmann am 26. Juli den Mut zu einem Telegramm nach Wien, beruhigte sich aber bald, als Berchtold ihn kühl und hochmütig abfallen Heß. Der Staatssekretär Jagow, noch austrophiler als sein Chef, erklärte dem österreichischen Botschafter Szögyenyi, Berchtold habe eigentlich ganz recht, den italienischen Forderungen gegenüber die kalte Schulter zu zeigen. Am29. Juli eröffnete San Giuliano dem österreichischen wie dem deutschen Botschafter, daß, wenn Österreich sich nicht sehr bald zu Kompensationen an Italien entschließe, sein Vorgehen Italiens Interessen verletzen und der italienischen Regierung die Unterstützung Wiens unmöglich machen würde. Mit kaltblütiger Offenheit, mit einer „Desinvoltura", die den Beifall des Macchiavelli gefunden hätte, fügte San Giuliano hinzu, Italien könne sich nur von seinen Interessen leiten lassen. Das hätte sich Wien und hätte sich namentlich Berlin von vornherein sagen müssen. Anders hatte sich die italienische Regierung auch während des Deutsch-Französischen Krieges nicht verhalten, wo sie, unbekümmert um früher gegen Frankreich eingegangene Verpflichtungen, die Franzosen im Stiche Heß, als das itaüenische Interesse, das damals die Krönung der italienischen Einheit durch die Besitzergreifung Roms bot, diese Schwenkung empfahl. „Pour un diplomate, il est fort important de savoir retirer ä temps son epingle du jeu", pflegte der kluge Marquis Emiüo Visconti-Venosta zu sagen. Und Bismarck hat es, wie ich schon früher erwähnt habe, als die Pflicht eines leitenden Ministers bezeichnet, sich in tunlichst guter Form den Verpflichtungen eines Bündnisses zu entziehen, wenn durch deren Erfüllung das eigene Staatsinteresse geschädigt würde. An demselben 29. Juli sagte der Privatsekretär Greys, Mr. Tyrrell, warnend dem deutschen Botschafter Lichnowsky, Italien werde sich im Falle einer Ausdehnung des Konfliktes zwischen Österreich-Ungarn und Serbien vom Dreibund abwenden. Vierundzwanzig Stunden später riet der österreichische Botschafter Merey, von Berchtold um seine Ansicht befragt, seinem Chef dringend ab, sich auf irgendwelche italienischen Kompensationswünsche einzulassen. Direkte Telegramme des Kaisers Wilhelm nach Wien und Rom, in denen er gleichzeitig an die Bundestreue des Königs Viktor Emanuel appellierte und dem alten Kaiser Franz Josef Entgegenkommen gegenüber den Wünschen Italiens anriet, blieben ohne Erfolg. Persönliche Kundgebungen des Kaisers Wilhelm II. waren seit sechsundzwanzig Jahren zu häufig bald in dieser, bald in jener Richtung erfolgt, um noch wirken zu können. Unbeeindruckt durch das kaiserliche Eingreifen, erklärte San Giuliano dem Botschafter Flotow, Italien könne den Bündnisfall nicht anerkennen, da das Vorgehen Österreichs gegen Serbien ein SCHROFFER ABBRUCH 191. aggressives sei und somit dem Grundgedanken des Dreibundes widerspräche, überdies auch die italienischen Interessen schädige. Der Minister ließ dabei einfließen, daß auch Rumänien ebenso wie Italien seine Interessen durch das gewaltsame Vorgehen Österreich-Ungarns gegen Serbien bedroht sähe. Am 3. August richtete König Viktor Emanuel ein Telegramm an Kaiser Wilhelm, um ihm endgültig mitzuteilen, daß nach Ansicht seiner Regierung Die der Casus foederis nicht vorhege. Gleichzeitig überreichte der italienische ^ eut Botschafter in Berlin die Neutralitätserklärung Italiens. Der gleiche Schritt erfolgte in Wien, wo Graf Berchtold dem italienischen Botschafter, dem Herzog von Avarna, wutschnaubend erwiderte, Italien treibe eine „unkluge" Politik, die es „bitter" bereuen werde. Es sollte leider umgekehrt kommen. Nachdem wir Rußland den Krieg erklärt hatten, wollte Wien, jetzt der Knochen des Pommerschen Grenadiers ganz sicher, weniger denn je von Kompensationen für Itahen etwas wissen. Graf Berchtold ließ durch den österreichischen Botschafter in Berlin dem Kanzler sagen, die Neutralität Itahens genüge ihm, und er werde über Kompensationen überhaupt nicht mehr verhandeln. Zu dieser schroffen Erklärung hatte ein Telegramm von Merey beigetragen, der nach Wien gemeldet hatte, daß San Giuliano ausdrücklich auf den Italienisch sprechenden Teil von Tirol, das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Trient, hingewiesen hätte. Das deutsche Volk war nicht nur mit Entschlossenheit, sondern mit voller Zuversicht auf Erfolg und Sieg in den Krieg eingetreten. Die stolzen Erinnerungen der preußischen Geschichte, die Erinnerung an den Siebenjährigen Krieg, wo der große König an der Spitze des damals weit kleineren Preußen drei Großmächten widerstanden hatte, an die Erhebung gegen Napoleon, wo nach Jena und Tilsit das geschwächte und ausgesogene Preußen mit heldenhafter Anstrengung die Ketten des korsischen Zwingherrn zerbrochen hatte, vor allem die Erinnerung an die drei siegreichen Kriege der Bismarckschen Ära ließen dauernde Mißerfolge oder eine wirkliche Niederlage der Mehrheit des deutschen Volkes fast unmöglich erscheinen. Trotz des Rückzuges an der Marne und der furchtbaren Opfer vor Verdun und an der Yser blieb die Stimmung der Nation eine hochgemute. Einen schönen Ausdruck gab ihr das Reiterlied von Rudolf Alexander Schröder, dessen erste Strophen lauten: Wir reiten von Wäldern und Schluchten verborgen, Wir traben hinein in den dämmernden Morgen, Deutschland, Deutschland! Es wiehert und stampfet der Scheck und der Schimmel, Es klappert und trappelt der Hufe Gewimmel, Rot leuchtet der Himmel. REITERLIED Und deutet die blutige Röte Verderben, Für dicb will ich leben, für dich will ich sterben, Deutschland, Deutschland! Und wenn sie mit Eisen und Stahl dich umklammern, Wir schlagen die Bresche, wir brechen die Klammern, Deutschland, Deutschland! Wir kommen wie Geier vom Felsen gestoßen, Wir kommen wie Wasser vom Berge geschossen, Wie Hagel und Schloßen! Da klirren der Stahl und das Eisen in Scherben; Für dich will ich leben, für dich will ich sterben, Deutschland, Deutschland! XV. KAPITEL Bülows römische Mission 1914/1915 • Brief Bethmanns, Antwort Bülows • Reise nach Rom Mitte Dezember 1915 • Jagow-Flotow gegeu Bülow • Brief Bullins • Für Bülow freundliche Stimmen aus der Heimat Trotz der patriotischen Haltung der weit überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes und der jedes Lob überragenden Leistungen der Armee Vor Bülows konnten ruhige, welterfahrene Beobachter sich nicht verhehlen, wie unge- Entsendung heuer schwierig die Aufgabe war, vor die, dank einer bereits in ihren ersten Demarchen unglücklichen Diplomatie, Armee und Volk sich gestellt sahen. England, auf dessen Neutralität Bethmann mit der größten Bestimmtheit gerechnet hatte, focht gegen uns. Es entfaltete Kräfte, die weit stärker waren, als dies der arme Moltke angenommen hatte, der nach der englischen Kriegserklärung gleichmütig meinte, er habe die englische Armee lieber vor sich als Gegner, wo er sie mühelos schlagen könne, als in zweifelhafter und lauernder Neutralität. Die Besorgnis, daß Italien und Rumänien, die sich ihrer Bündnispflicht entzogen hatten, schließlich die Waffen gegen uns erheben könnten, griff bei Klarerblickenden mehr und mehr um sich. In weiten Kreisen trat der Wunsch hervor, daß die Regierung mich nach Rom entsenden möge, um einen letzten Versuch zu machen, Italien von einem Vorgehen gegen unsere österreichischen Bundesgenossen abzuhalten. Im Reichstag begegneten sich in diesem Wunsche alle Parteien, von der Rechten bis zu den Sozialisten. Andererseits taten Jagow und Bethmann, was ihnen möglich war, um, ohne sich selbst allzu sehr zu dekuvrieren, meine Entsendung nach Rom zu verhindern. Einem der Führer der Konservativen, dem Grafen Schwerin-Löwitz, der dem Staatssekretär des Äußern meine baldmöglichste Entsendung nach Rom ans Herz legte, erwiderte Jagow mit gespieltem Erstaunen: „Aber gerade aus Rücksicht für die Konservativen war ich gegen die Entsendung des Fürsten, da ein solcher Schritt nach dem Zerwürfnis zwischen dem Fürsten und den Konservativen von Ihnen und Ihren Freunden als ein Affront aufgefaßt werden könnte." Schwerin-Löwitz, ein Patriot und ein Ehrenmann, erwiderte, daß er die Brouille zwischen dem Fürsten und den Konservativen lebhaft bedauere, die Schuld an dem Zerwürfnis aber, wie mancher andere Konservative, 13 Bülow III 194 DAS OPFER nicht dem Fürsten Bülow allein zumesse. Jedenfalls wären die Konservativen zu gute Patrioten, als daß sie sich in Lehensfragen der auswärtigen Politik von innerpoütischen Rankünen leiten Ließen: Die Konservativen wünschten lebhaft und einmütig, daß die Regierung mich nach Rom schicken möge. Jagow schwieg betreten. Auch der Versuch, den Groll des Kaisers neu gegen mich zu beleben und dadurch meine Entsendung nach Rom unmöglich zu machen, hatte keinen Erfolg. Von Parlamentariern und Militärs, von allen Seiten scharf getrieben, Brief entschloß sich Bethmann nach langem Zögern, am 30. November 1914 Bethmanns d en nachstehenden Brief an mich nach Hamburg zu richten, wo ich im Hotel Atlantic weilte: „Als wir kurz nach Ausbruch des Krieges die Verhältnisse in Italien miteinander besprachen, erklärten Sie sich im Prinzip bereit, nach Rom zu gehen und Ihren Einfluß dort zur Geltung zu bringen, sobald sich eine Gelegenheit zu einer besonderen Mission bieten würde. Diese Gelegenheit hat sich jetzt geboten. Unser Botschafter, dessen, wie Sie wissen, an sich nicht starke Gesundheit unter den Aufregungen und Anstrengungen dieses Sommers noch mehr gelitten hat, hat mir geschrieben, er müsse mir pflichtgemäß mitteilen, daß die Ärzte zur Wiederherstellung seiner Kräfte dringend von ihm verlangt hätten, Rom für einige Monate zu verlassen und sich auszuruhen. Ich sehe selbst ein, daß, so gut Herr von Flotow unsere Interessen in Italien bisher vertreten hat, demselben mit einer Ablehnung dieses Gesuches wenig gedient wäre, denn auch das beste Wollen und die besten Fähigkeiten würden durch dasVersagen der physischen Kräfte paralysiert werden. Bei der Bedeutung des römischen Postens im jetzigen Moment könnte natürlich nur eine besonders geeignete Persönlichkeit für die Vertretung unserer dortigen Interessen in Frage kommen. Daß Sie, mein lieber Fürst, infolge Ihrer Stellung in der Welt, Ihrer Lokalkenntnisse und langjährigen Beziehungen diese Persönlichkeit sein würden, brauche ich nicht hervorzuheben. Da ich nun von verschiedenen Seiten höre, daß Sie auch jetzt noch bereit wären, in patriotischer Hingebung eine Mission in Italien zu übernehmen, möchte ich nach Einholung der Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers die Bitte an Sie richten, als außerordentlicher Botschafter nach Rom zu gehen und die Geschäfte unserer dortigen Botschaft ad interim zu übernehmen. Ich hoffe, daß, abgesehen von der Arbeit und Mühe, die eine solche Mission auferlegt, das von Ihnen und der Frau Fürstin zu bringende Opfer im jetzigen Moment auch insofern ein geringeres sein wird, als ja die Jahreszeit gekommen ist, wo Sie in anderen Jahren und unter normalen Verhältnissen Ihren Wohnsitz in der schönen Villa Malta zu nehmen pflegen. Was von Italien überhaupt noch zu erreichen ist, werden Sie jedenfalls erreichen! Darf ich Sie bitten, lieber Fürst, mir telegraphisch Ihre Entscheidung mitteilen zu wollen? Ich würde dann GEMISCHTE EMPFINDUNGEN 195 im Falle Ihrer Annahme Ihnen dankhar sein, wenn Sie zu einer persönlichen Bücksprache während meines kurzen hiesigen Aufenthaltes nach Berlin kommen würden. Da ich während der nächsten zwei Tage fast ganz durch den Beichstag in Anspruch genommen bin, darf ich mir einen Vorschlag über den Tag unserer Besprechung noch vorbehalten. Heute möchte ich nur eines hervorheben: Es ist bereits der Gedanke aufgetaucht, den Krieg durch eine Konferenz zu beenden. Sowohl uns wie unseren österreichischen Verbündeten wäre hiermit, wie Sie selbst am besten erkennen werden, wenig gedient. Es wird Ihnen jedenfalls ein leichtes sein, dem Konferenzgedanken, wenn er in Born Fuß fassen sollte, a limine vorzubeugen. Aber auch hierfür möchte ich mir noch mündlichen Gedankenaustausch vorbehalten. In der aufrichtigen Hoffnung, verehrter Fürst, daß Sie mich keine Fehlbitte tun lassen, sondern bereit sind, dem Vaterland in schwerer Zeit einen großen Dienst zu leisten, bin ich in alter Verehrung Euer Durchlaucht stets ergebenster von Bethmann Hollweg." Ich las diese gewundenen und unaufrichtigen Ausführungen meines Nachfolgers mit gemischten Empfindungen. Zu deutlich sprach für den, der zwischen den Zeilen zu lesen verstand, aus diesem Brief, wie ungern der * Kanzler mich nach Bom schickte, wie er vor allem bestrebt war, den Busenfreund des Staatssekretärs Jagow, den von ihm selbst hochgeschätzten bisherigen Botschafter Flotow zu schonen. Ich sah voraus, daß bei solcher Stimmung der Berkner Zentrale ich in Bom einen schweren Stand haben würde. Nichtsdestoweniger zögerte ich keinen Augenblick, mich zur Verfügung zu stellen. Mehr als das. Auch meinen guten Namen, wie der mir wohlgesinnte König Ludwig III. von Bayern damals zum Grafen Hertling sagte. Ich gedachte anfänglich, Bethmann bei Annahme der Mission schrift- hch darüber aufzuklären, daß ich mir der Schwierigkeit der Situation in Bom wie der Undankbarkeit meiner Aufgabe klar bewußt sei. Mein für den Kanzler bestimmter Brief lautete: „Selbstverständlich folge ich dem an mich gerichteten Buf, die Leitung der Botschaft in Bom zu Antwort übernehmen. Daß ich schon vor einundzwanzig Jahren in Bom als Bot- Bülows schafter wirkte, seitdem während zwölf Jahren unsere auswärtige Politik leitete und neun Jahre Beichskanzler war, fällt für mich in keiner Weise ins Gewicht. Persönliche Empfindlichkeit, Eitelkeit und Ambitionen liegen mir fern. Ich zögere um so weniger, als nach allem, was ich aus Itaben, und zwar von sicherer Seite, höre, wir dort in den letzten zwei Jahren sehr an Boden verloren haben. Die Wahl von Flotow war keine glückliche. Ich darf dies um so offener aussprechen, als ich und meine Frau uns bemüht haben, ihm eine freundbehe Aufnahme in Bom zu bereiten und seine Aufgabe zu erleichtern. Er hat es nicht verstanden, die wünschenswerten Verbindungen anzuknüpfen, Einfluß zu gewinnen und sich eine Stellung zu 13* 196 VERLORENES TERRAIN machen. Als der Krieg zwischen uns und Rußland ausbrach, geriet Flotow als Gatte einer mit allen Erinnerungen, Gewohnheiten und Traditionen eines langen Lebens und auch pekuniär ganz und gar in Rußland wurzelnden Frau und mit einem im russischen Heer gegen Deutschland fechtenden Stiefsohn gegenüber der deutschen Kolonie in eine peinliche, gegenüber der italienischen Gesellschaft und seinen Kollegen in eine mindestens seltsame Situation. Dies und sein Gesundheitszustand, mag es sich nun in letzterer Beziehung um imaginäre oder um reelle Krankheit handeln, haben jedenfalls seine Leistungsfähigkeiten so sehr eingeschränkt, daß er den Schwierigkeiten der Lage nicht gewachsen war. Dies gilt insbesondere von den kritischen Wochen unmittelbar vor und nach der Kriegserklärung, wo es, wie mir von kompetenten Beurteilern versichert wurde, bei größerer Tatkraft und besserer persönlicher Position unseres Vertreters in Rom wohl möglich gewesen wäre, eine aktive italienische Kooperation zu erreichen. Seitdem haben wir fortgesetzt an Terrain verloren. In diesem Sinne haben sich mir gegenüber eine Reihe wirkliche Kenuer der italienischen Verhältnisse mit Bestimmtheit ausgesprochen. Es scheint, daß schon Verhandlungen zwischen Italien und England im Gange, wenn nicht abgeschlossen sind, damit Italien im Frühjahr unter dem Vorwand, der türkische Vormarsch gegen Ägypten gefährde seine Interessen in Erythräa, der Cyrenaika und in Tripolis, der Türkei den Krieg erkläre und so automatisch an die Seite unserer Gegner geführt werde. Ich habe aber nie zu den Schwarzsehern gehört, und wenn ich mir auch nicht verhehle, daß jetzt unter vielfach trügerischer Oberfläche die wirkliche Sachlage in Italien keineswegs eine sichere und erfreuliche ist, so ist das für mich nur ein Sporn und ein Grund mehr, zu tun, was in meinen Kräften steht, um verlorenes Gebiet zurückzuerobern und jedenfalls das Schlimmste abzuwenden. Ich rechne hierbei auf Ihre freundschaftliche Unterstützung und bin in alter Gesinnung Ihr aufrichtig ergebener Fürst von Bülow." Es war Ballin, der, als ich ihm diesen bereits unterschriebenen Brief zeigte, mich beschwor, den ohnehin nur allzu unentschlossenen, furchtsamen Reichskanzler nicht auch noch wegen Italien zu ängstigen und dadurch ganz zu demoralisieren. So begnügte ich mich, Herrn von Bethmann zu telegraphieren: „Brief erhalten. Selbstverständlich bin ich bereit, die Absicht, während der Kriegsdauer im Vaterland zu bleiben, aufzugeben, wenn ich mich in Rom nützlich machen kann. Indem ich dem Ruf, als außerordentlicher Botschafter nach Rom zu gehen, folge, nehme ich an, daß die Dauer nicht davon abhängt, wann sich Herr von Flotow wieder gesund meldet, sondern daß es sich um Mission bis zum Friedensschluß handelt. Zu näherer Verständigung auch über Form und Zeitpunkt der Verlautbarung meiner Mission bin ich jederzeit bereit, nach Berlin zu kommen." GEGENTENDENZEN 197 Den vorher erwähnten Brief an Herrn von Bethmann deponierte ich bei meinem Generalbevollmächtigten in Hamburg, Herrn Heinrich Meinecke, in dessen Safe er geruht hat, bis ich ihn mir jetzt, während ich meine Denkwürdigkeiten diktiere, wiedergeben üeß. Ich will schon hier erwähnen, daß Bethmann und Jagow nur sehr ungern darauf verzichteten, die Rückkehr des Herrn von Flotow auf den römischen Botschafter-Posten dessen eigenem Ermessen anheimzustellen. Am liebsten wäre es ihnen gewesen, wenn Flotow sich nach wenigen Wochen gesund gemeldet und die Zügel der Botschaft wieder in die eigene kräftige Faust genommen hätte. Da dies nicht mehr anging, wurde flotow wenigstens ermächtigt, in Itab'en zu bleiben und alles Weitere in dem milden Klima von Neapel am schönen Posilipo abzuwarten. Von dort hat Flotow während meiner ganzen Tätigkeit in Rom Privatbriefe an Jagow und Bethmann gerichtet. Das Thema seiner Ausführungen war: Italien denke gar nicht daran, zu den Waffen zu greifen. Fürst Bülow schildere die Lage gefährlicher, als sie in Wirklichkeit sei, um sich auf diese Weise einen beememen und leichten Erfolg zu konstruieren. Jagow sekundierte seinem gehebten Freunde nach Kräften. Als unsere gute Kaiserin in Gegenwart ihrer Oberhofmeisterin, meiner Kusine, der Gräfin Therese Brockdorff, am Tage meiner Abreise nach Rom Der Trentino Herrn von Jagow, der eine Audienz bei ihr nachgesucht hatte, die innige Hoffnung aussprach, es werde mir gelingen, Italien neutral zu halten, erwiderte der Staatssekretär des Äußern: „Aber, Euer Majestät, die Aufgabe ist so leicht! Wir haben dem Fürsten Bülow den Trentino in seinem Koffer milgegeben. Damit kann jetzt jeder Italien vom Kriege abhalten." Das war eine Unwahrheit. Wir hatten hinsichtlich des Trentino von Wien noch nicht die geringste bindende Zusage erhalten. Im Gegenteil: Jagow hat auch später, und zwar während der ganzen Dauer meiner Mission, durch mündliche Äußerungen gegenüber dem österreichischen Botschafter in Berlin, durch Briefe an den deutschen Botschafter in Wien und endlich durch die Entsendung des gehässig antiitalienischen und dabei mir, gerade weil er mir früher in unwürdiger Weise geschmeichelt hatte, jetzt doppelt feindlich gesinnten Grafen Anton Monts nach Wien, die Österreicher von einem raschen und ehrlichen Entgegenkommen gegenüber den italienischen Kompensationswünschen abgehalten. Herr von Flotow seinerseits hatte wohl nur im Sinne seines Chefs und Freundes, des Staatssekretärs Jagow, gehandelt, wenn er, bevor er Rom verließ, um sich nach der bella Napoli zurückzuziehen, zu dem Botschaftsrat von Hindenburg, einem vornehm gesinnten, pflichttreuen und wahrheitsliebenden Ehrenmann, wörtlich sagte: „Fürst Bülow hat es durch allerlei 198 DIE BERLINER ZENTRALE Intrigen erreicht, daß er nach Rom geschickt wird. Aber Kanzler und Staatssekretär haben nur ungern dem unvernünftigen Drängen urteilsloser Parlamentarier und Journalisten nachgegeben. Als Ihr Freund mache ich Sie darauf aufmerksam, daß die Berliner Zentrale ein Erfolg des Fürsten Bülow nicht gerade beglücken würde." Als Hindenburg erstaunt und betreten erwiderte, er wisse nicht, wie er diese Äußerung verstehen solle, es sei doch seine Pflicht, Amts- und Anstandspflicht, auch seinen neuen Chef zu unterstützen, meinte Flotow lächelnd: „Sie wollen mich nicht verstehen, lieber Hindenburg! Ich kenne die Welt und spreche als Ihr väterlicher Freund. Surtout pas trop de zele im Dienste des Fürsten Bülow! Es würde dies nicht gerade für Ihre Karriere förderlich sein." Den Italienern sagte FlotoAV, ich hätte mich in Berlin anheischig gemacht, Italien nicht nur neutral zu erhalten, sondern an unserer Seite in den Krieg gegen Frankreich und England zu treiben, d. h. zu einer Aktion, von der nach der Marne-Schlacht nicht mehr die Rede sein konnte, an die in Italien niemand mehr dachte. Es handelte sich, als ich nach Rom geschickt wurde, nur noch um das Dilemma: Fortsetzung der italienischen Neutralität oder kriegerisches Vorgehen der Italiener gegen Österreich. Bevor ich mich von Hamburg, wo mich die Aufforderung des Kanzlers Bülow an Bethmann erreicht hatte, nach Berlin begab, richtete ich an meinen Freund Ballin Albert BaJlin einen vertraulichen Brief, in dem ich der Uberzeugung Ausdruck gab, daß, wenn man mich nach Rom schicken wollte, dies in würdiger Form schon im August hätte geschehen sollen. Seither sei dort viel Terrain verlorengegangen. Man würde mich wohl auch nicht ohne Nutzen in der Zeit zwischen dem Ultimatum an Serbien und unserer Kriegserklärung an Rußland befragt haben, wie man die Sache fingern müsse, um Italien mitzubekommen. Es würde überhaupt nicht geschadet haben, wenn man mich zu jener Zeit über die Gesamtlage befragt hätte. Ich würde dann den Finger auf die Punkte gelegt haben, die im Ultimatum zu modifizieren waren, wenn wir — natürlich in allen Ehren! — um einen so furchtbaren Krieg herumkommen wollten, und ich hätte auch die Wege angegeben, wie wir selbst nach Überreichung dieses Ultimatums ohne Einbuße an Prestige für uns oder für Österreich und sogar mit einem diplomatischen Erfolg (wie 1908/09) den Frieden erhalten konnten. Einen praktischen Erfolg versprach ich mir nicht von diesem Brief, aber ich hatte das Bedürfnis, mir Gedanken und Sorgen, die mich während Monaten gequält hatten, einmal vom Herzen zu schreiben. Albert Ballin, obschon von Hause aus eine optimistische Natur, neigte seit Ausbruch des Krieges zu einer pessimistischen Beurteilung unserer Lage. Er hatte mir vor Antritt meiner Mission geschrieben: „Ich war beim Kaiser und fand ihn zuversichtlich, aber von Zorn erfüllt gegen England, DIE TEMPORÄRE VERTRETUNG 199 eine Stimmung, welche von der Kaiserin besonders verstärkt wurde. Es werden Leidenschaft und private Gefühle in die Politik hineingetragen; das halte ich für sehr gefährlich! Beim Kaiser wie beim Kanzler fand ich eine zu rosige Auffassung unserer militärischen Situation. Meines Erachtens bleibt die Partie ziemlich gleich. Wir haben Belgien, England hat die Nordsee, Rußland hat Galizien, die Japaner haben Kiautschou usw. Es ist ja, selbst wenn man weiß, daß es noch viel besser hätte kommen können, wenn nicht in der Führung Fehler gemacht worden wären, eine großartige Leistung des Heeres, daß es gelungen ist, den Krieg, von einigen kleinen Einbrüchen in Ostpreußen und im Elsaß abgesehen, in Feindesland zu halten, und daß wir überhaupt gegen diese Welt von Feinden immerhin noch so vortrefflich dastehen und durch die letzten Hindenburgschen Erfolge weitere günstige Perspektiven sich eröffnen. Aber wie der Friede gestaltet werden soll, ist mir vorläufig rätselhaft. Natürlich können wir nur auf dem Wege des Separatfriedens mit den einzelnen Parteien vorwärtskommen, und unter diesen Parteien ist Rußland diejenige, welche am leichtesten zu bewegen wäre, sich von den Vereinbarungen mit England loszulösen. Solche Verständigung mit Rußland würde, wenn sie nicht ohne weiteres Frankreich mit sich zöge, uns die Möglichkeit bringen, aus dem Osten Hindenburg und einen großen Teil seiner Armeen frei zu machen und der Sache im Westen ein glückliches Ende zu bereiten. Der ganze Gedanke ist beinahe zu gut, um Wahrheit zu werden, und ich glaube auch deshalb vorläufig nicht daran. Wir werden vielmehr guttun, uns darauf vorzubereiten, daß man uns zwingen wird, diesen Krieg weiterzuführen." In Berlin eingetroffen, fand ich den Kanzler Bethmann in verlegener, zwiespältiger Geistesverfassung. Mein Wiedererscheinen auf der politischen Bülow Bühne war ihm offenbar nichts weniger als erwünscht. Beinahe naiv er- l ' n Berlü kundigte er sich, ob ich die Absicht hätte, vor meiner Abreise nach Rom Abgeordnete und Journalisten zu empfangen, und riet mir in „alter Treue und Verehrung", wie er sich ausdrückte, davon Abstand zu nehmen, um nicht die „leider" noch bestehende Gereiztheit Seiner Majestät gegen mich neu zu beleben. Das wäre ja auch der Grund gewesen, warum er. der Kanzler, meiner Mission nach Rom gern den Charakter einer nur temporären Vertretung des erkrankten Botschafters Flotow habe geben wollen. Daß die Gereiztheit des Kaisers gegen mich, die übrigens von meinem Nachfolger nach Kräften genährt wurde, nicht so groß war, wie er vorgab, ging daraus hervor, daß ich noch in Hamburg ein direktes Telegramm Seiner Majestät erhielt, in dem es hieß: „Ich würde es freudig begrüßen, wenn Eure Durchlaucht baldigst nach Rom gehen und Ihren großen persönlichen Einfluß bei den Italienern in unserem Interesse geltend machen könnten. Viele Grüße an die Frau Fürstin." Andererseits war Bethmann ängstlich 200 LISTIGE HALBHEIT bemüht, mich davon zu überzeugen, daß ich auf seine loyale Unterstützung bauen könne. Den kleinen Jagow fand ich in giftiger Stimmung. Er hatte kurz vorher dem Fürsten Wedel, der bei ihm für meine Entsendung nach Rom plädiert hatte, gesagt, niemand könne von ihm verlangen, daß er seinem hebsten Freunde, Hans von Flotow, bitteres Herzeleid bereite. Mir gegenüber meinte er, ich würde wohl selbst von der mir zugedachten Aufgabe nicht sehr begeistert sein. Besser als Flotow könne es niemand machen, das habe erst kürzlich der „Corriere della Sera" anerkannt und sich für das Bleiben von Flolow ausgesprochen. Als ich erwiderte, daß das genannte Blatt das deutschfeindlichste in ganz Italien wäre, schwieg Jagow und machte dabei ein bis zum Komischen verlegenes Gesicht. Von allen Seiten hörte ich, daß Reichskanzler und Auswärtiges Amt alles ihnen Mögliche versucht hätten, um meine Entsendung nach Rom zu verhindern. So hatte mir der Mitarbeiter des „Berliner Lokalanzeigers" Herr Eugen Zimmermann schon im November geschrieben: „Im Auswärtigen Amt erklärte das Pressebüro auf Anfrage des Scherl-Verlages, Eure Durchlaucht hätten es abgelehnt, die Leitung der römischen Botschaft zu übernehmen; vielleicht sei es auch besser, während des Krieges keinen Wechsel in Rom eintreten zu lassen. Von anderer Seite hörte ich, Jagow habe im Einvernehmen mit dem Kanzler Bethmann sich geweigert, für Euer Durchlaucht Entsendung nach Rom auch nur einen Finger zu rühren. Der Kanzler habe auch den Kaiser in diesem Sinne bearbeitet. Sicher scheint mir, daß man ganz allgemein Angst hat, Fähigere als die augen- bbcklichen Machthaber ans Licht zu lassen. So begreif lieh das menschlich ist, so bedenldich ist es für die Sache und namentlich in so schwerer Zeit! Jeder müßte lieber heut als morgen auf den Platz gestellt werden, auf dem er am meisten helfen und nützen kann, sonst können wir diesen Kampf nicht gewinnen." Um dieselbe Zeit schrieb mir ein damals ganz rechts gerichteter Journalist, Herbert von Berger, der ein im orthodox-konservativen Geist gehaltenes Buch über den konservativen Staatsrechtslehrer Stahl geschrieben hatte, der Wunsch, mich nach Rom gehen zu sehen, sei nun auch in die Presse gekommen. Leider! müsse man sagen, angesichts der Stimmung an maßgebender Stelle, beim Reichskanzler und im Auswärtigen Amt. In der „Frankfurter Zeitung" heiße es offiziös, Fürst Bülow werde ohnehin nach Rom gehen, auch ohne besondere Mission. Darauf wolle man hinaus: meine Rückkehr nach Rom zum gewohnten Winteraufenthalt gegenüber der deutschen öffentlichen Meinung auszunützen und aus ihr möglichsten Vorteil zu ziehen, ohne doch zu offizieller Bekräftigung und Bestätigung zu schreiten. Diese Denkweise in ihrer „listigen Halbheit" sei unendbeh bezeichnend für Bethmann Hollweg und seine Leute. „Euer EIN WITZ ÜBER DEUTSCHE DIPLOMATEN 201 Durchlaucht werden das schon durchschaut haben und auf dem Ganzen bestehen. Und sicherlich wünsche ich, als Euer Durchlaucht treuest ergebener Anhänger, wie jetzt selbst Eurer Durchlaucht alte Gegner, daß bald zu lesen ist, Euer Durchlaucht seien dem Reichsdienst wiedergegeben." Ende November 1914 schrieb mir Fürst Wedel, er habe den Generaladjutanten von Plessen auf die „völlige Unzulänglichkeit" der deutschen Vertretung in Rom hingewiesen. Er habe dabei die „direkt skandalöse Tatsache" betont, daß Frau von Flotow sich in Stockholm verstecke, weil sie sich nicht zu ihrem deutschen Manne zu bekennen wage, daß sie dort in enger Fühlung mit der russischen Gesandtschaft stehe und daß der Stiefsohn unseres römischen Botschafters in den Reihen unserer Feinde gegen uns kämpfe. Jagow sträubte sich noch immer gegen die Abberufung seines „Busenfreundes". Aber die Zeiten wären so ernst, daß alle Mann an Bord gehörten. Loebell schrieb: „Durch Annahme der Berufung nach Rom bringen Sie ein großes Opfer, aber ich bin überzeugt, es wird gern gebracht, denn zu allen Zeiten war das Wohl des Vaterlandes die einzige Richtschnur Ihrer Handlungen. Es will mir scheinen, als ob die Stimmung in Itaüen gerade jetzt wieder viel zu wünschen übrig läßt. Es ist dort gar zu viel verdorben und zu viel Unheil angerichtet worden, was doch hätte vermieden werden können." Mein verständiger und abgeklärter Bruder Alfred schrieb mir, sobald er von der Möglichkeit meiner Entsendung nach Rom hörte, ich dürfe mich trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller gegen mich gerichteten Umtriebe und Intrigen, trotz der Unzuverlässigkeit und Unaufrichtigkeit der Berliner Leitung einem Rufe des Kaisers nicht entziehen. Er fügte hinzu: „Gebe Gott, daß in einer so schwerwiegenden, so ernsten, unser Land und sein Wohl betreffenden Frage bei der Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten nur vaterländische Gesichtspunkte und nicht persönliche Engherzigkeit und Interessiertheit eine Rolle spielen werden! Das wäre unverantwortlich. Übrigens ist die Mißstimmung gegen unsere derzeitigen Diplomaten und das derzeitige Auswärtige Amt in Deutschland eine große. Man macht den Witz: Die französische Regierung hätte sondiert, welche Friedensbedingungen wir stellen würden. Wir hätten erwidert, Regulierung der Vogesengrenze, Schleifung von Toul, Nancy, Verdun usw. Darauf wären die Franzosen eingegangen. Dann hätten wir aber die Forderung gestellt, die Franzosen müßten fünf oder sechs unserer gegenwärtigen hohen Diplomaten übernehmen. Auf diese Bedingung hätten aber die Franzosen erklärt auf keinen Fall eingehen zu können." Über die Erbärmhchkeit der gegen mich gesponnenen Intrigen und die Jämmerlichkeit der Berliner pobtischen Leitung hoben mich die Kund- Vertrauens- gebungen des Vertrauens und der Sympathie hinweg, die mir spontan von Kundgebun- vielen Seiten zugingen. Großherzogin Luise von Baden telegraphierte mir S en 202 DIE LUFT DER INTRIGE nach Berlin: „Darf ich meiner aufrichtigen Freude Ausdruck geben, daß Ihre Mitarbeit in dieser ernsten und schweren Zeit wiederum für die Wahrung unserer vaterländischen Interessen in Aussicht steht." Ernst Bassermann telegraphierte: „Mit freudiger Genugtuung begrüße ich mit allen meinen Freunden, daß Euer Durchlaucht sich erneut an wichtigster Stelle in den Dienst des Reichs stellen." Bald nachher schrieb er mir: „Meiner großen Freude, daß Sie sich entschlossen haben, Rom anzunehmen, muß ich nochmals Ausdruck geben. Italien: das ist und bleibt eine Gefahr, und wenn jemand dort für uns Gutes wirken kann, sind Sie es. Daß Beth- mann die geeignete Persönlichkeit für einen Frieden großen Stils ist, bezweifelt das Volk. Einstweilen stecken wir im Westen in Wasser und Sumpf und kommen nicht weiter. Im Westen fehlt die einheitliche, zielbewußte Führung, das ist mein Eindruck aus vielen Besprechungen. Moltke schied in Uneinigkeit mit S. M.; Falkenhayn ist nicht aus der obersten Generalstabskarriere hervorgegangen, entbehrt der nötigen Autorität, vielleicht auch der Begabung großen Stils. Daneben gehen im Großen Hauptquartier viel Intrigen hin und her. So erfährt man viel Unerfreuliches. Statt an das große Ziel zu denken, wie es unser Volk in rührender Aufopferung tut, ringt man um persönlichen Einfluß. Ich will das Thema nicht vertiefen, da Euer Durchlaucht diese Luft der Intrige leider aus eigener Erfahrung genügend kennen." Meine Jugendgespielin, die Gräfin Christa Eickstedt, die langjährige Freundin des Bismarckschen Hauses, die am Sterbebette des großen Fürsten gestanden hatte, schrieb mir: „Lieber Fürst Bernhard, eben erfahre ich, daß Sie noch einige Tage in Berlin sind, da kann ich's nicht lassen, Ihnen meine innigsten und treuesten Segenswünsche zu senden für alles, was Sie jenseits der Alpen im Dienst unseres geliebten Vaterlandes tun werden. Ich habe mich unbeschreiblich gefreut über Ihre Annahme dieser Mission, und ich glaube, Ihr großer Freund und Vorgänger, der Fürst Bismarck, würde diese Freude teilen — sein Segen möge Sie geleiten — einen besseren Wunsch wüßte ich Ihnen nicht mitzugeben. Ihnen und der Fürstin sendet die herzlichsten Grüße Ihre alte getreue Freundin aus der Kinderzeit Christa Eickstedt." Hocherfreut, daß ich mich bereit erklärt hätte, die Leitung der römischen Botschaft zu übernehmen, trotz aller Schwierigkeiten und der zu erwartenden Intrigen, schrieben mir Schwerin-Löwitz und Clemens Schorlemer. Die Witwe des Reichstagspräsidenten Udo Stolberg gab in einem Brief an meine Frau ihrer dankbaren Freude darüber Ausdruck, daß ich trotz aller Ränke und Widerwärtigkeiten, auf die sie nicht näher eingehen wolle, dieses großes Opfer gebracht hätte. „In dieser großen Zeit bringt jeder gern ein Opfer." Natürlich fehlte der Hoftheologe Adolph Harnack nicht mit einem begeisterten Glückwunsch „aus freudigem Herzen" und in der Hoffnung, daß mir seinerzeit BÜLOW GREIFT EIN 203 auch die Leitung der Friedensverhandlungen übertragen werden möge. Ehrlicher waren die Wünsche des Musikers Engelbert Humperdinck, des Hebenswürdigen Komponisten der reizenden Märchenoper „Hansel und Gretel", der uns während seines zweimaligen Winteraufenthaltes in der „Villa Falconieri" in Frascati ein lieber Freund geworden war. Und am meisten freute mich ein Gedicht, das mir der Schriftleiter des „Kladderadatsch", Paul Warncke, in seinem Blatt widmete. Warncke war mir, wie sein Vorgänger Trojan, ein guter Freund. Der „Kladderadatsch", dessen sämtliche Jahrgänge seit 1848 meine Bibliothek zieren und der meinem großen Amtsvorgänger Bismarck auch über das Grab hinaus die Treue hielt, hat mir, solange ich im Amte war, nach dem Rat des Horaz, ridendo dicere verum, oft lachend die Wahrheit gesagt. Dem Entamtetcn blieb das älteste und beste Organ deutschen Humors und der Berliner Satire wohlwollend und freundlich gesinnt. Ich möchte noch ein Briefchen der Witwe des hochverdienten Ministers Rudolph Delbrück, des Mitarbeiters Bismarcks in großer Zeit, erwähnen, die meiner Frau schrieb: „Groß ist die Freude in allen Kreisen, den Fürsten wieder als unseren offiziellen Vertreter nach Rom gehen zu sehen, gemeinsam mit Eurer Durchlaucht. So ist nun endüch erfolgt, was wir seit langer Zeit für unser Vaterland erhofft und ersehnt hatten, und es drängt mich, meine innige Befriedigung und Freude darüber auszusprechen! Gott wolle Sie beide segnen, zum Wohle Deutschlands und zu Ihrer eigenen hohen Befriedigung in der Arbeit für unser Vaterland!" Walter Rathenau telegraphierte mir: „Hocherfreut, daß Euer Durchlaucht sich entschlossen haben, in schwerer Zeit in die Staatsgeschäfte einzugreifen, vertraue ich alter Kraft und neuem Glück." Die deutsche Presse, ohne Unterschied der Partei, gab ihrer Genugtuung über meine Entsendung Ausdruck. Mit Recht konnte der Leiter der agrarischen „Deutschen Tageszeitung", der Reichstagsabgeordnete Dr. Georg Oertel, mir schreiben: „Ich wünsche von ganzem Herzen, daß die Tätigkeit Eurer Durchlaucht erfolgreich sein möge. Das ist nicht nur mein tiefempfundener Wunsch, sondern der des ganzen Volkes ohne jeden Unterschied der Partei." XVI. KAPITEL Audienz bei Kaiser Wilhelm II. • Abschiedsbesuch bei Moltke • Abreise nach Rom • FIo- tow bleibt in Italien und intrigiert weiter gegen Bülow • Erzbergers Ankunft in Rom, dessen loyales Verhalten • Aus den Akten der römischen Botschaft • Tätigkeit des Fürsten in Rom • Briefe aus Deutschland • Stimmung des Kaisers • Die deutsche Kolonie • Graf Greppi • Ersetzung des österreichisch-ungarischen Botschafters von Merey durch den Freiherrn von Macchio Vor meiner Abreise empfing mich der Kaiser im Schloß Bellevue. Nicht ohne innere Bewegung trat ich durch den alten Park in dies Palais, das so Wilhelm II. viel gesehen hat, wo Prinz Louis Ferdinand vor Saalfeld Abschied nahm im Schloß von semer Schwester, der Fürstin Radziwill, und ihr seine Kinder ans Herz Bellevue } e g te? wo E rns t Moritz Arndt nach Jena die schweigsamsten Wege aufsuchte, um in schwerer Zeit über die Not des Vaterlandes und dessen" Rettung nachzusinnen. Hier sollte, vier Jahre später, als das tragische Schicksal Deutschlands mit dem Scheitern unserer letzten großen Offensive im Westen sieb zu erfüllen begann, Kaiser WUhelm dem General Ludendorff mit harten und barschen Worten den Abschied erteilen. Jetzt war der Kaiser in zuversichtlicher und gehobener Stimmung. Im freundschaft lichsten Tone, als ob zwischen uns niemals Meinuugsverschiedenheiten be standen oder Friktionen stattgefunden hätten, entwickelte er mir seine Auffassung über die Entstehung des Krieges: Sein Vetter, der König von Eng land, und sein Vetter, der Kaiser von Rußland, hätten sich im Mai 1913 während der Hochzeitsfeierlichkeiten anläßlich der Vermählung der Prin zessin Viktoria Luise mit dem Herzog von Braunschweig, gegen ihn ver schworen. Die Geschichte aller Zeiten kenne keine größere Niedertracht Tücke und Verrat im Herzen, hätten die beiden „Vettern und Kollegen' sein armes Kind zu Gottes Altar geführt. Dafür werde sie Gottes Strafe treffen. Als er am Tage vor der Hochzeit im Berliner Schloß unvermutet bei dem König von England eingetreten sei, habe er ihn im Tete-ä-tete mit dem Zaren überrascht. Beide wären erschrocken aufgefahren. Damals hätten sie die letzten Verabredungen für den Überfall auf Deutschland getroffen. Die Undankbarkeit des Zaren, dem er immer ein treuer Freund gewesen wäre und dem er so viele vortreffliche Ratschläge erteilt hätte, schreie zum Himmel. Uber das Benehmen von „Georgie" könne er nur DER ERKRANKTE HELLMUTH MOLTKE 205 sagen, ihre gemeinsame Großmutter, die Königin Victoria, hätte sich sicher im Grabe umgedreht, als ihr englischer Enkel ihrem deutschen Enkel den Fehdehandschuh hingeworfen habe. Es berührte mich schmerzlich, daß selbst die bitteren Lehren der ersten Kriegsmonate WUhelm II. nicht zu sachlicher und nüchterner Beurteilung der Ereignisse hatten bringen können. Als ich darauf hinwies, daß die englische Politik, namentlich seit der Thronbesteigung des Königs Georg V., von den Ministern mit dem Parlament gemacht würde, sah mich der Kaiser einen Augenblick gereizt an, meinte aber dann, wieder mit freundlichem Ausdruck und indem er mich unter den Arm faßte, jetzt wollten wir zu seiner Frau gehen, die sehr wünsche, mich wiederzusehen. Nichts konnte friedücher sein als die Stimmung, in der wir drei einige Minuten später um den Teetisch der Kaiserin saßen, von der eine Atmosphäre der Güte und der Behaglichkeit ausging, die alle Dissonanzen verscheuchte. Einige Tage vor meiner Audienz bei Seiner Majestät hatte ich den Generalobersten von Mol tke aufgesucht. Er war aus dem Schloß in Horn- Bei Molike bürg v. d. H. in das Generalstabsgebäude übergesiedelt, den „roten Kasten" am Königsplatz, gegenüber der Siegessäule, das Haus, an das sich so große Traditionen knüpfen, ein Haus, an dem ich heute nicht ohne melancholische Erinnerungen an eine bessere, eine glückliche und stolze Vergangenheit vorbeigehen kann. Ich fand Moltke im Bett. Er sah krank aus, bleicher als sein Bettuch. Mit melancholischem Lächeln winkte er mir zu: „Erinnern Sie sich noch, als wir zusammen um den Wasserturm am Hippodrom ritten? Ich hatte doch recht, als ich den Posten nicht annehmen wollte." Im übrigen kam aus seinem Munde kein Wort weder der persönlichen Rechtfertigung noch der Anklage gegen andere, sondern nur Äußerungen seiner Besorgnisse für die Zukunft, für das Schicksal des Vaterlandes, seiner heißen Liebe für das Vaterland. Er gab dem lebhaften Wunsche Ausdruck, daß ich an die Stelle von Bethmann treten möge, der zum Steuermann des Reichsschiffes in diesem Weltsturm in keiner Weise geeignet sei. Als ich das Schlafzimmer Moltkes verließ, erwartete mich vor der Tür seine Frau. Sie entstammte der dänisch-schwedischen Linie der Familie Moltke. Sie war eine hübsche, begabte, ihrem Gatten treu ergebene Frau, hatte sich aber leider mit spiritistischem und theosophischem Unfug abgegeben und damit auch ihren Mann angesteckt, der ohnehin zu Mystizismus neigte. Eliza von Moltke, Lizzie, wie sie in der Familie genannt wurde, zitterte vor Erregung über das Schicksal ihres Mannes, vor Entrüstung über diejenigen, denen sie die Schuld an seinem Zusammenbruch zuschob. Der Kaiser habe ihrem Gatten die Leitung der Operationen in dem Augenblick entzogen, wo er im Begriffe stand, auf dem westlichen Kriegs- 206 GRÄFIN MOLTKE BEKLAGT SICH Schauplatz alles wieder in Ordnung zu bringen und zum Guten zu wenden. Der Kaiser und Falkenhayn hätten auch nicht auf die Ratschläge gehört, die ihnen Moltke für die Verproviantierung des Landes gegeben habe. Diese Klage war nicht unbegründet. Moltke hatte mit Clemens Delbrück zu denjenigen gehört, die schon früh erkannten, daß wir beizeiten gegen die uns drohende Hungerblockade Vorsorge treffen mußten. Schon vor diesem Besuch hatte ich mit Moltke Briefe gewechselt. Ich Moltke über hatte dem alten Freund, dessen hartes Schicksal mir naheging, Worte der den Krieg Teilnahme und Sympathie geschrieben. Ich gebe seine Antwort wieder: „Euer Durchlaucht haben mir mit Ihren freundlichen und, wie ich wohl sagen darf, freundschaftlichen Zeilen vom 24. d. M. eine sehr große Freude gemacht. Nicht das, was Euer Durchlaucht über unsern Aufmarsch sagen, ist es, denn dafür gebührt die Anerkennung nicht einem einzelnen, sie gebührt der Gesamtarbeit des Generalstabs, der Pflichterfüllung und Arbeit aller Offiziere, die an dem gewaltigen Werk des Aufmarsches eines Millio- nenheercs beteiligt waren, in erster Linie den über alles Lob erhabenen Leistungen der Eisenbahnabteilung. Die Siege, die dem Aufmarsch folgten, sind aber das Verdienst der todesmutigen Tapferkeit unserer Soldaten und ihrer Führer vom ersten bis zum letzten Mann. Es ist unser Volk selbst, das Volk in Waffen, das diese Siege mit Hingabe seines Herzblutes errungen hat, ihm gebührt die Ehre. Und nicht nur das Volk in Waffen, auch die Gesamtheit der Nation, die tapfer und zu jedem Opfer bereit hinter dem Heere steht, hat ihren Anteil an dem bisher Errungenen. Sie ist es, aus der das Heer sich immer neue Kraft holt, mit der es innig verbunden ist mit Millionen Fäden, die ihren Geist, ihre hochgemute Gesinnung in einem immer belebenden Strom dauernd in das Heer einfließen läßt und ihm Stärke verleiht. Das ganze deutsche Volk führt diesen Kampf um das Heiügste, Avas es hat, um seine nationale Selbständigkeit, um den Schutz des Vaterlandes vor Vergewaltigung und Vernichtung. Und in diesem großen Volksganzen von siebzig Millionen lebt das Bewußtsein, daß es den Kampf nicht nur im eigenen, sondern im Interesse der gesamten Menschheit führt, daß es gilt, für diese das deutsche Geistesleben zu erhalten, das allein die Gewähr bietet, die Menschheit weiter zu führen auf dem Wege geistiger Kultur. Man müßte an jeder Weiterentwicklung verzweifeln, wenn diese höchsten Güter von russischer Barbarei, von englischem Materialismus überwältigt und vernichtet werden sollten. Daher bin ich mit Ihnen der gewissen Zuversicht, daß unser Volk unbesiegbar ist und sein muß. Wie ich Ihre Worte las über die mangelhafte diplomatische Vorbereitung dieses Krieges, mußte ich an so manche Unterhaltung denken, die wir in früheren Zeiten gehabt haben. Seit Euer Durchlaucht die diplomatische Leitung niedergelegt haben, hat nur ein Gedanke dieselbe beherrscht: Erhaltung KRIEG UND DIPLOMATIE 207 des Friedens um jeden Preis! Daß es die höchste Aufgahe der Diplomatie sein muß, den Staat so zu führen, daß er eventuell unter möglichst günstigen Vorbedingungen in einen Krieg eintreten könne, war völlig vergessen. Und doch stand dieser Krieg seit Jahren fast greifbar deutlich vor der Tür. Wir wollten ihn nicht haben, wir wollten ihn nicht vorbereiten, wir wollten ihn nur verhindern. Daß die Weltentwickluug einer neuen Phase zustrebte, daß das Gewitter des europäischen Krieges sich entladen mußte, wurde nicht erkannt. Wie wäre es sonst möglich gewesen, daß 80 schwere Schläge wie das Versagen Rumäniens und Italiens uns unvorbereitet treffen konnten. Ich bin der Uberzeugung, daß der Krieg schon jetzt siegreich für uns erledigt sein würde, wenn es gelungen wäre, diese beiden Staaten an unserer Seite zu erhalten. Daß dies nicht geschehen ist, wird die Geschichte einst als schwersten Fehler verurteilen. Auch über diese Dinge haben wir früher öfter gesprochen. Sie lebten lebendig in Ihnen, Durchlaucht, und die Befürchtung, daß die für das Deutsche Reich von so überragender Bedeutung wichtigen Ziele vergessen werden könnten, war es, die mir das Herz schwer machten, als Sie schieden. Wenn es Gottes Wille ist, daß wir trotzdem siegreich aus diesem Riesenkampf hervorgehen, so wird es vor allem auf eins ankommen: Die ethischen Kräfte, die er in unserem Volk hat aufleben lassen, der hohe Idealismus, der es durch alle Volksschichten hindurch erfüllt, die herrliche Einheit der Nation, die Klassen- und Parteiunterschiede ausgelöscht hat, das alles sind geistige Güter höchster Art. Das brennende Feuer des Schmerzes hat in der Volksseele das Gold höchster idealer Gesinnung herausgeschmolzen, es hat sie von dem materiellen Zug abgewendet, der in den Jahren des Wohllebens und Gedeihens diese Volksseele zu ersticken drohte und der parteiischen Hader, Zwietracht und Neid in die Massen trug. Hier ist durch den Krieg ein Schatz aus den Tiefen des Volkes gehoben worden von allergrößtem Wert und Bedeutung. Wenn der höchste Wille, der die Geschicke der Menschheit leitet, es gut mit uns meint, so gebe er uns Männer, die nicht nur mit materiellen Ergebnissen des Friedens rechnen, sondern die es verstehen, dem Deutschtum das geistige Gut zu erhalten, das der Krieg ihm gegeben hat. Das ist mein heißer Wunsch und zugleich meine Besorgnis. Der Staatsmann, der es jetzt nicht versteht, in die Tiefe unserer Volksseele zu blicken, ihren lebendigen Odem zu spüren, wird das Volk nicht der Bestimmung entgegeuführen, die ihm vorgezeichnet ist. Sie wissen, Durchlaucht, wie sehr ich Sie verehre, aber nicht nur diesem Empfinden entspringt mein sehnlicher Wunsch, daß Sie es sein mögen, der diese Aufgabe zu lösen berufen ist. Ich weiß, daß Sie Verständnis für die hier angeregten Fragen haben. Sie haben schon einmal an den Idealismus unseres Volkes appelliert, und Sie haben den Erfolg unserer damaligen schwierigen Ver- 208 DIE FATALITÄTSTHEORIE hältnisse gehabt. Ich weiß keinen anderen Mann, der Sie ersetzen könnte. Verzeihen Sie die Länge meines Briefes. Ich bin durch meine Erkrankung aus der Mitarbeit am Kriege ausgeschaltet und sitze einsam im alten Homburger Schloß. Aber mein Herz und meine Seele sind verknüpft mit den Geschehnissen dieser großen, heiligen Zeit. Und der heiße Wunsch, daß unser Volk durch Kampf und Nacht zum Licht geführt werden möge, lebt in mir mit heißer Gewalt. Das Wort Vaterland umschließt all mein Denken und Fühlen, und ich weiß, daß in Ihnen dieselben Gedanken leben. Gott gebe uns den Sieg, und er gebe unserm Volk einen Frieden, der ihm seine höchsten Güter wahrt. Ihr treu ergebener Moltke." Ein kritischer Beurteiler des vorstehenden Briefes wird an ihm manches auszusetzen haben: Meinem Nachfolger Bethmann war nicht so sehr vorzuwerfen, daß er den Frieden um jeden Preis gewollt hätte, als das Ungeschick, mit dem er sich in den Krieg hatte verstricken lassen. Es war auch nicht richtig, daß das Gewitter eines Weltkrieges sich notwendig und unentrinnbar entladen mußte. Das war die leidige, die schwächliche Fatalitätstheorie, an die Bismarck ebensowenig glaubte wie an die Notwendigkeit prophylaktischer Kriege. Zutreffend dagegen war die Bemerkung, daß wir den Krieg rasch hätten gewinnen können, wenn wir von vornherein Italien und Rumänien auf unserer Seite gehabt hätten. Daß wir dies nicht erreichten, war tatsächlich die Schuld der Wiener und der Berliner Diplomaten. Im großen und ganzen ist der Brief von Moltke mehr die von hohem Idealismus inspirierte und von edler Weltauffassung getragene Betrachtung eines Professors der Ethik als das Bekenntnis und Testament eines Feldherrn. Aus den Schriften des großen Königs und dem „Memorial de Sainte- Helene" weht ein anderer Geist. Unser Verhängnis hat gewollt, daß bei Beginn des größten aller Kriege die beiden wichtigsten Posten nicht mit tatenfreudigen und tatkräftigen, nicht mit klugen, gewandten, geschickten Männern besetzt waren, sondern mit Philosophen. Ich füge noch hinzu, daß das Urteil der Geschichte, und mit Recht, über Bethmann strenger und härter ausfallen wird als über seinen Schicksals- und Leidensgenossen Moltke. Am 14. Dezember 1914 fuhr ich mit dem Schnellzug nach Rom. Dort Ankunft erhielt ich wenige Tage später den Brief eines dem Auswärtigen Amt nahe- Bülows stehenden Journalisten, der mir schrieb: „Staatssekretär von Jagow sagte m Rom n j er ^ unm ittelbar nach Ihrer Abfahrt von Berlin, jedem, der es hören wollte, Italiens wären wir völlig sicher. Es werde eingreifen, und zwar auf deutscher Seite. Darüber sei kein Zweifel." Die Absicht, mir in die Suppe zu spucken, trat klar zutage. In Rom erwartete mich das Personal der Botschaft an der Bahn, aber ohne den Botschafter Flotow. Ich stieg in meiner Villa Malta ab, nicht im Palazzo Caffarelli, der mich vierzig Jahre früher als Attache ERZBERGER 209 und zwanzig Jahre früher als Botschafter beherbergt hatte. Am Nachmittag Heß sich Flotow melden. Haltung und Ausdruck hätten jedem Schauspieler als Vorbild dienen können, dem die Rolle des Sekretärs Wurm in Schillers „Kabale und Liebe" zugefallen wäre. „Ist mir's doch", meint der redliche Stadtmusikant und Kunstpfeifer Miller in dem „bürgerlichen Trauerspiel" des jugendlichen Schiller über den Haussekretär des Präsidenten von Walter, „wie Gift und Operment, wenn ich den Federfuchser zu Gesichte krieg." Herr von Flotow betonte, daß er mit ausdrücklicher Ermächtigung des Reichskanzlers und des Staatssekretärs Italien nicht verlassen, sondern seinen Urlaub dort verleben und seinen Wohnsitz „bis auf Weiteres" nach Neapel verlegen werde. Wenige Tage später traf der Abgeordnete Erzberger in Rom ein. Seit meinem Zerwürfnis mit dem Zentrum hatte mich kein Mitglied dieser Partei Bekanntschaft schärfer angegriffen als er. Von ihm namentlich war das Märchen aus- mlt Erzberger gegangen, das von dem früheren Regierungsrat Martin und dem Chefredakteur des Pariser „Figaro", Gaston Calmette, weitergesponnen wurde, daß ich den Plan verfolgt hätte, den Kaiser zur Abdankung zu zwingen und mich zum Präsidenten der deutschen Republik proklamieren zu lassen. Die persönliche Bekanntschaft von Erzberger hatte ich noch nicht gemacht. Als er in mein Arbeitszimmer trat, sah ich einen mittelgroßen, untersetzten Mann vor mir stehen, unbeholfen in Bewegungen und Gesten, mit derben Gesichtszügen. „Er sieht aus wie ein Bierstöpsel", meinte eine ungarische Gräfin, der ich ihn bald nachher vorstellte. Aber in der Unterhaltung, die sich nun entspann, trat mir ein Mann von rascher und beweglicher Auffassungsgabe entgegen, nicht geistreich, noch weniger gebildet, aber nicht aufs Maul gefallen. Der Gerber Kleon würde in Erzberger einen ihm verwandten Demagogentypus erkannt haben, bei aller sonstigen Verschiedenheit zwischen dem Athener und dem Buttenhäuscr. Albert Ballin sagte mir einmal von Erzberger, er sei tüchtig, aber es fehle ihm das eigentliche Fundament. Der feingebildete Abt-Primas des Benediktiner-Ordens, Freiherr von Stotzingen, meinte nach einer längeren Unterredung mit Erzberger: „Es fehlen ihm die Humaniora." Papst Benedikt XV. gab, wie ich gelegentlich schon erwähnte, nachdem er ihn in Audienz empfangen hatte, seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß der Signor Erzberger, der im Parlament vielleicht ganz gut am Platze wäre, sich als Diplomat betätigen wolle, wozu er sich in keiner Weise eigne. Matthias Erzberger hat während der letzten Jahre des Krieges und auch nach dem Umsturz viele und schwere politische Fehler begangen. Er hat großen Schaden angerichtet. Um so mehr ist es Pflicht, hervorzuheben, daß sein Verhalten in Rom loyal war, daß er dort gute Dienste geleistet hat. 14 BUIow III 210 ERZBERGERS TRAURIGES ENDE Er fing damit an, mir zu sagen, daß er mich nur aus Parteirücksichten angegriffen, sich aber dabei gar nichts Böses gedacht habe und jetzt Verehrung und Bewunderung für mich empfinde. Ich könne mich vollständig auf ihn und seine Ehrlichkeit verlassen. Bethmann und Jagow hätten ihn aufgefordert, nach Rom zu fahren, ihm auch eine besondere Chiffre mitgegeben und ihm gesagt, er möge über seine Beobachtungen namentlich über mein Verhalten ihnen rückhaltlos berichten. Natürlich wären die Absichten des Kanzlers und des Staatssekretärs bei dieser Aufforderung nicht gerade freundlich für mich gewesen. Er würde aber nach Berlin nichts telegraphieren noch schreiben, was er mir nicht vorher gezeigt hätte. Diesem seinem Versprechen ist Erzberger treu geblieben. Er hat mir alle seine Berichte und Meldungen nach Berlin vorher vorgelegt, mich auch über seine in Rom geführten politischen Gespräche genau informiert. Als er, nicht ohne Grund, für seine persönliche Sicherheit fürchtete, weil seine häufigen Besuche im Vatikan von der italienischen Presse abfällig kritisiert worden waren, forderte ich ihn auf, bei mir in der Villa Malta Wohnung zu nehmen, und zeigte gleichzeitig der Consulta an, daß der Abgeordnete Erzberger von mir der Botschaft interimistisch attachiert worden sei. Der gute Matthias schien dies als eine erfreuliche Vorbedeutung für künftigen diplomatischen Aufstieg aufzufassen. Ich räumte ihm zwei schöne Zimmer im zweiten Stock ein, von wo er einen herrlichen Rundblick auf die Ewige Stadt, die mächtige Kuppel der Peterskirche und die Berge hatte, die Rom umkränzen. Er war mir und meiner Frau ein angenehmer Hausgenosse. Er war natürlich und behaglich, er konnte auch drollig sein, wenn er, gemütlich schwäbelnd, von Berlin erzählte. Er wisse selbst nicht, warum der Reichskanzler einen solchen Affen an ihm gefressen hätte. Er müsse mindestens einmal wöchentlich bei ihm speisen. Neulich habe „der Herr Kanschler" zu ihm gesagt: „Wie fangen Sie es nur an, um so viele gute Einfälle zu haben ? Mir fällt nie etwas ein." Erzberger erzählte das ohne jede Ironie. Als der Arme später ein so trauriges Ende fand, übersandte mir seine Witwe die Traueranzeige mit seinem Bild, das als Unterschrift die Worte des Apostels Paulus trug: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe Glauben gehalten." So erschien er nicht nur seiner Familie, seinen näheren Freunden, seinen Landsleuten in Buttenhausen, sondern auch einem großen Teil des klerikalen wie des demokratischen Deutschland. Ein anderer Teil des Volkes sah in ihm einen Schädling, ja einen Verbrecher. Ein deutscher Gerichtshof, ehrenhafte und in jeder Beziehung hochstehende Richter haben ihm Ausbeutung seiner politischen Stellung für private Erwerbszwecke bescheinigt. Der Advokat seines Gegners Helfferich schlug auf die vor ihm hegende Mappe und rief zu Erzberger gewandt: „Hier ist Material, mit dem jeder Assessor ein Dutzend Prozesse gegen Sie anstrengen und DIE BLANKOVOLLMACHT 211 Zessionen Österreichs gegen Sie gewinnen könnte!" Erzberger schwieg. Vor Immanuel Kant und dessen strenger Moral würde er nicht bestehen. Aber kann er sich nicht auf den Schächer am Kreuz berufen ? Hoffentlich hat er schließlich doch noch ein Plätzchen im Paradies gefunden. Auch in Rom erhielt ich während des schweren Winters von 1914 auf 1915, wo ich, von Berlin schlecht unterstützt, noch weniger von Wien Keine Kon sekundiert, gegen viele feindliche und widerwärtige Einflüsse zu kämpfen hatte, von Moltke ab und zu Briefe, aus denen ebensosehr seine freundschaftliche Gesinnung für mich wie sein Patriotismus sprachen. Ich glaube, daß nur wenige mir so aufrichtig und innig für meine römische Mission Erfolg wünschten wie Hellmuth Moltke. Solcher Wünsche und Gebete bedurfte ich in der Tat. Bei meiner ersten Unterredung mit dem Botschaftsrat Hindenburg verglich ich mich mit dem Arzt, der zu spät an das Krankenbett berufen wird. Dieser Vergleich war zutreffend. Wenn im Juli 1914 die militärische Kooperation Italiens bei geschickter deutscher Politik denkbar gewesen war, vor dem Marne-Rückzug wenigstens volle und sichere Neutralität, so war jetzt selbst die Neutralität nur zu erreichen, wenn Österreich sofort, rückhaltlos und avec un beau geste den Trentino opferte und die Autonomie von Triest konzedierte. Aber weder wollten die Österreicher sich zu den unerläßlichen Konzessionen entschließen, noch ermannten sich Bethmann und Jagow dazu, einen energischen Druck auf das Wiener Kabinett auszuüben. Nachdem wir ohne Zögern, vorbehaltlos unsere Zustimmung zu dem Strafverfahren Österreichs gegen Serbien gegeben und dem Wiener Kabinett die Wahl der anzuwendenden Mittel überlassen hatten, glaubten sich die Österreicher unserer Rückendeckung absolut sicher und uns gegenüber an keine Rücksicht gebunden. Mit unserer Blankovollmacht in der Tasche setzten sie sich an den Spieltisch, wo es leider nicht nur um ihr, sondern auch um unser Geld ging. Wir hatten ihnen ja von vornherein erlaubt, es gegenüber Serbien bis zum Äußersten, bis zum Kriege mit allen seinen Konsequenzen zu treiben. In Rom fand ich bei den Akten einen Brief des Botschaftsrats in Wien, Prinzen Stolberg, der während einer kurzen Abwesenheit seines Chefs, Brief des des Botschafters von Tschirschky, etwa acht Tage vor der Überreichung -P" nzen des Ultimatums, Mitte Juli 1914, nach Berlin meldete: er habe in Aus- 0 er ^ führung des ihm erteilten Auftrages den Grafen Berchtold gefragt, ob das Wiener Kabinett an dem Gedanken festhalte, scharfe Sühneforderungen für den Mord von Sarajewo an die serbische Regierung zu stellen. Auf die bejahende Antwort des Ministers habe er auftragsgemäß weiter gefragt, was geschehen würde, wenn Serbien alle österreichischen Forderungen annähme. Lächelnd (Berchtold wie Jagow Hebten zu lächeln) habe der k. und k. Minister erwidert: er halte es für ausgeschlossen, daß selbst eine 14» 212 DIE STAATSRÄSON Regierung wie die serbische solche Forderungen schlucke. Sollte dies aber doch der Fall sein, so bleibe eben nichts anderes übrig, als auch nach Annahme aller Forderungen Serbien so lange zu reizen, bis Osterreich die Möglichkeit erhalte, in Serbien einzumarschieren. Weiter befanden sich bei den römischen Akten Abschriften zweier Briefe des Staatssekretärs Jagow aus dem Großen Hauptquartier an den Unterstaatssekretär Zimmermann, die mir einen neuen melancholischen Einblick in die Kopf- und Ziellosigkeit des Auswärtigen Amtes vom Sommer 1914 gewährten. In dem einen vor dem Marne-Rückzug geschriebenen Brief ermahnte Jagow das Auswärtige Amt und die Kaiserliche Botschaft in Rom, sich Italien gegenüber nur ja nicht zu engagieren, weder durch Versprechungen und Zusagen noch durch Konversationen über etwaige Kompensationen. Wir dürften uns für die zukünftigen Friedensverhandlungen Italien gegenüber in keiner Weise die Hände binden. Das erinnerte an den französischen Minister des Äußern von 1870, den Duc de Gramont, der, als ihm gemeldet wurde, daß die süddeutschen Staaten mit Preußen gegen Frankreich gehen würden, mit heiterer Ruhe erwidert hatte: „Tant mieux! Nos armees se deployeront ä leur aise dans les plaines de l'Allemagne meridionale, et nous aurons les coudees franches pour les negociations de la paix." Nach dem Marne- Rückzug, einige Wochen später, war ein händeringendes Schreiben desselben Jagow in Rom eingetroffen, in dem er bat, alles aufzubieten, damit Italien sich uns anschließe. Wenn ich, wie jeder, der im öffentlichen Leben steht, bisweilen geirrt Pessimismus habe, vielleicht sogar, wie meine Gegner behaupten, oft irrte, so kann ich Ballins doch mit gutem Gewissen sagen, daß ich nie einem anderen Leitstern gefolgt bin als der Staatsräson. Seit ich als Kriegsfreiwilliger bei den Bonner Königshusaren eintrat und König und Vaterland Treue schwur, habe ich meine körperlichen und seelischen Kräfte, ohne Schonung meiner Person, in den Dienst des Landes gestellt, niemals bewußter und rückhaltloser als während meiner römischen Mission im Winter 1914/15. Gerade weil ich mir keine Illusionen über die lebensgefährliche Lage machte, in die wir fünf Jahre nach meinem Rücktritt durch die Unfähigkeit meines Nachfolgers und seiner Mitarbeiter geraten waren, spannte ich jeden Nerv an, um dem schon von so vielen und starken Feinden umringten, von allen Seiten bedrängten Deutschen Reich einen neuen und nicht zu unterschätzenden Gegner zu ersparen. Was ich aus der Heimat hörte, bestärkte mich in meiner ernsten Beurteilung der Lage. Albert Ballin schrieb mir bald nach meinem Eintreffen in Rom: „Ich vermag der ganzen Situation kein freundliches Gesicht aufzuzwingen. Der Gedanke einer Unterseeboot- Blockade, die, wenn sie glückte, uns die Aussicht schaffen würde, England mürbezumachen, stößt bei den Juristen und den führenden Geistern des ÖSTERREICH UND ITALIEN 213 Auswärtigen Amtes auf hundert Bedenken. In der Türkei sieht es nicht rosig aus. Munitionsmangel, hervorgerufen durch Rumäniens Weigerung, unsere bezüglichen Transporte durchzulassen. Weder am Suezkanal noch in Ägypten irgendein Ziel für eine erfolgreiche Operation. Wie die Lage sich gestalten wird, ist es gar nicht zu verstehen, warum wir nicht mit dem größten Nachdruck in Wien dahin wirken, daß man sich auch unter erheblichen Opfern mit Italien verständigt. Es ist für Österreich eine bittere Notwendigkeit, die an der italienischen Grenze gehaltenen Streitkräfte für die endliche Bewältigung der Serben frei zu machen. Daß es Österreich nicht gelang, schnell mit den Serben fertig zu werden, hat m. E. die militärische Lage für uns sehr verschlechtert. Hätten die Österreicher die Serben schnell zu Boden geworfen, so hätten sie durch Konzessionen diese kleine, tüchtige Macht sich verbünden können und damit eine Situation schaffen, die dem Zaren vielleicht den Vorwand für einen Separat-Frieden gegeben hätte. Gott besser's! Ich gehe bald für einige Zeit nach Berlin und werde Zimmermann zu einer energischen Aktion gegen Österreich zwecks Einigung mit Italien dringend raten. Militärische Erfolge, die wir erreichen, werden den Dreiverbandsmächten zu noch stärkerem Werben in Rumänien und Italien den Anlaß geben. Mih'tärische Mißerfolge w _ erden die ohnehin bestehende Neigung, gegen Österreich vorzugehen, dort und in Bukarest erhöhen. Wir sind also between the devil and the deep sea und sollten suchen, bald einen ehrenvollen Frieden zu machen. Was wir erreichen, ist ja an sich groß! Gegen diese Welt von Feinden den Krieg im Feindesland konzentrieren und sich so glänzend halten, ist sicherlich eine große Leistung." Der Generaldirektor des Scherischen Verlages, der mit dem Großen Hauptquartier enge Fühlung hatte und häufig dort weilte, Herr Eugen Brief i Zimmermann, der drei Jahre später Wilhelm II. bei der Abfassung seines Eugen Buches „Gestalten und Erscheinungen" unterstützen sollte, hatte mir Zimme schon vor meiner Abreise nach der Ewigen Stadt geschrieben: „Über die Kriegslage macht sich allgemein eine pessimistische Auffassung bemerkbar. Es geht sehr langsam und nur mit enormen Verlusten vorwärts. Die Gegner gewinnen viel Zeit, Gegenmaßregeln zu treffen. Russische Artillerie wird durch japanische ergänzt. Die Franzosen ziehen immer mehr Farbige heran. Die Engländer bilden fieberhaft aus. An der Yser verloren wir bis zum 1. November rund lunfzigtausend Offiziere und Soldaten. Fünfzigjährige Oberleutnants und Kompagnieführer sind durchaus keine Seltenheit an der Front. Der Kampf kommt immer mehr auf die Entscheidung durch brutale Gewalt heraus. Die Kriegskunst tritt zurück. Eine operative Überlegenheit ist nicht bemerkbar. Unsere Überlegenheit an Zahl im Westen (zirka dreihundertfünf zigtausend Mann) dringt nicht durch. Trotz allem kann und muß man auf den endlichen Erfolg hoffen. Aber je mehr er der Armee, dem 214 DER UNTERTON Volk, dem einzelnen Mann, je weniger überlegener Führung schließlich zugeschrieben werden müßte, je größer werden die Forderungen der Demokratie nach dem Kriege sein. Wenn man hier Herren der Regierung spricht, ist man entsetzt über die Unkenntnis aller Vorgänge im Volk." Der damals noch auf dem rechten Flügel der konservativen Partei stehende Publizist Herbert von Berger schrieb mir: „Hoffentlich erlebt die heute geborene Generation eine Zeit, in der von der Jugend des preußischen Adels Kopf und Herz und nicht nur das Blut in der Stunde der Not genutzt wird. Mit den wenigen verwundeten Gardeoffizieren, die hier sind, etwa achtzig Prozent sind ja gefallen, bin ich oft zusammen, sie meinen, das stolze Vorrecht, vor dem Feinde zu sterben, dies Vorrecht des Adels wäre ihm reichlicher zugeschoben worden, als notwendig gewesen ist. Ganze Geschlechter sind ja vernichtet. Und bitter fragte mich neulich ein Verstümmelter, ein höherer Offizier, ob vielleicht aus politischen Gründen eine Ausrottimg des preußischen Militär- und Beamten-Adels beabsichtigt sei. Ich mußte dabei unwillkürlich an das geistreiche Wort eines bekannten Historikers denken, daß Rom zu Grunde gehen mußte, weil seine Aristokratie untergegangen war. Es ist überhaupt eigenartig, wie diese Zeit, die das Größte und Beste im Deutschen wieder zu Ehre und zur Geltung bringt, einen trüben, ja verdrießlichen Unterton in den wertvollsten Kreisen hat. Es ist da doch der Mangel an Führung und Führern von Charakter und Kraft zu empfinden. Der eine Hindenburg kann schließlich nicht für alle aufkommen. Und endlich scheint man an den maßgebenden Stellen besorgt zu sein, keinen derer in den Vordergrund zu lassen, die Staatsmann und nicht nur Beamter sein können. Nach Euer Durchlaucht fragen Politiker im Offiziersrock und im Bürgergewand. Es gibt nicht einen nachdenklichen und politisch einigermaßen urteilsfähigen Deutschen, der nicht weiß, daß der gegenwärtige Kanzler bei Friedensschluß versagen wird, wie er bei Kriegsausbruch versagt hat. Und doch steht dieser Mann fest, nur weil er ein bequemer Diener ist. Darf man sich wundern, Avenn in einem Volk, das willig und gern so Ungeheures leistet, allmählich die Frage laut wird, ob es nicht an der Zeit sei, in Erwägung tief einschneidender, verfassungsrechtlicher Änderungen einzutreten, das Ministerernennungsrecht auf eine breitere Basis zu stellen als den monarchischen Willen. Es ist eben nicht zu leugnen: schwache und gedankenarme Minister wie Bethmann und Jagow sind nicht nur eine Gefahr für das Land nach außen, sondern auch für seine Verfassung im Innern." Im Gegensatz zu solchen warnenden und ernsten Stimmen patriotischer Brief des g esor „ n £ g gc^jgj, m j r aus ,j em Schloß Bellevue der diensttuende General- Generai- ° adjutanten adjutant von Chelius über die Allerhöchste Stimmung: „Der Kaiser will v. Chelius noch immer nicht glauben, daß man in Italien Ernst mache gegen Öster- ALLERHÖCHSTE STIMMUNG 215 reich, und hofft, daß Rumänien, wo sich eine Stimmung für die Zentralmächte Bahn zu brechen scheint, Italien von einem verhängnisvollen Schritt abhalten werde. Ganz vertraulich möchte ich noch hinzufügen, daß man hier die Meinung hat, der Papst werde im Frühjahr den Frieden anbahnen und vermitteln. Dieser Gedanke ist Seiner Majestät sehr sympathisch. Natürlich könne das aber nur auf der Basis des militärischen Status quo erfolgen. Dieser Weg wäre denkbar, da ein Friedensbedürfnis in Frankreich und England zweifellos vorhanden sei. England geht man mit der Marine tüchtig zu Leibe, natürlich nicht ohne Gefahr für die eigene Zufuhr, besonders für Belgien. Seine Majestät ist guter Dinge und erwartet mit Zuversicht die Operationen im Osten, die vielleicht einen Wendepunkt militärisch und politisch in sich tragen." Eine große Freude war für mich das Vertrauen, das mir die in Italien lebenden Landsleute vom ersten bis zum letzten Tage meiner Mission entgegenbrachten. Zahbeiche Briefe und Telegramme aus Rom und Florenz, Mailand und Neapel lieferten mir hierfür mich tief rührende Beweise. Aus der deutschen Kolonie in Rom wurde mir telegraphiert: „Ganze Kolonie beglückt und erlöst." Aus Mailand telegraphierte mir der seit langem dort ansässige, angesehene Bankier Joel, ein geborener Danziger: „Mit wärmster Genugtuung begrüßen wir den hochherzigen Entschluß Eurer Durchlaucht, in der zuversichtlichen Hoffnung, daß er segensreiche Folgen für alle Teile haben werde." Der erste meiner italienischen Freunde, dem ich nach meiner Ankunft in Rom auf dem Pincio begegnete, war Graf Giu- GrafGreppi seppe Greppi. Er war damals schon fünfundneunzig Jahre alt. Mailänder von Geburt, war er als siebzehnjähriger Attache 1836 in den österreichischen diplomatischen Dienst eingetreten. Er hatte in Parma bei der Witwe des Kaisers Napoleon, der Kaiserin Marie Louise, gefrühstückt und lobte deren schöne Büste und zierliche Füßchen. Er hatte in Rom im Palazzo Bonaparte, auf dem Corso, gegenüber dem „Gesü", der Mutter des großen Korsen, Madame Mere, die Hand geküßt. Er hatte vor König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und vor dem letzten römischen Kaiser deutscher Nation, vor Franz IL, vor Wellington und vor dem Erzherzog Karl, dem Sieger von Aspern, gestanden. Er war zwei Jahre lang Kabinettschef des Staatskanzlers Clemens Metternich für die itahenischen Angelegenheiten gewesen und schilderte anschaub'ch, wie der damalige Lenker der österreichischen und bis zu einem gewissen Grade der europäischen Politik abends in seinem Salon seinen Untergebenen und den ihn besuchenden Verehrern, an eine Säule gelehnt, in feierlicher Haltung und in feierlichem Ton Vorträge hielt über die großen Prinzipien der Legitimität, der streng monarchischen Ordnung und des weisen Stillstandes, nach denen regiert werden müsse. Solche Vorträge des Staatskanzlers, des „Cocher de l'Europe", wie 216 EIN KABINETTS-CHEF METTERNICHS er von seinen Verehrern genannt wurde, pflegten mit der selbstbewußten Versicherung zu schließen: „Je suis le rocher de l'ordre politique et social." Graf Greppi hatte mit Chateaubriand und mit Alfred de Musset gesprochen, er hatte dem Gesang der Henriette Sontag gelauscht, er sah die göttliche Fanny Elßler tanzen. Als es 1848 zum Kriege zwischen der habsburgischen Monarchie und der von dem Hause Savoyen geführten italienischen Nationalbewegung kam, verließ Greppi den österreichischen Dienst. Einige Jahre später in die italienische Diplomatie aufgenommen, fungierte er als Botschafter des Königreichs Italien in Madrid und St. Petersburg. Er hatte viel erlebt und viel gesehen, ohne sich je in seinem Gleichmut stören zu lassen. Als ich ihn einmal frug, wie er es angefangen habe, um so alt zu werden, antwortete er mir: „Ich habe mich niemals und über nichts geärgert." Mit feinem Lächeln fügte er hinzu: „Einmal, aber wirklich nur einmal, bin ich diesem meinem Grundsatz untreu geworden. Das kam so: Ich befand mich Ende der achtziger Jahre, damals italienischer Botschafter in St. Petersburg, auf Urlaub in Rom. Ich hatte bei Gianette Doria in seinem schönen Palazzo gegessen und sehr gut gegessen. Als ich nach dem Diner das Haus verließ und auf den Corso trat, wurden die Abendzeitungen ausgerufen. Ich kaufte mir die ,Tribuna' und fand an der Spitze der Nummer in gesperrtem Druck die Nachricht, daß der Botschafter in St. Petersburg, Graf Greppi, in den Ruhestand versetzt worden sei. Das war ein brutaler Akt von Crispi, qui n'en faisait jamais d'autres. Er hatte den guten König Humbert das Dekret, durch das ich in den Ruhestand versetzt wurde, unterschreiben und dieses Dekret sofort veröffentlichen lassen, ohne mich auch nur zu informieren. Einen Augenblick, ich schäme mich, es zu sagen, war ich verstimmt, ich ärgerte mich. Aber das dauerte nicht lange. Sehr bald machte ich mir klar, daß ich mich im Ruhestand glücklicher und freier fühlen würde als in den Fesseln des Dienstes und zufriedener in Rom, in Mailand und am Comersee als auf ausländischen Posten. Ne jamais se faire du mauvais sang, voilä la vraie Eau de Jouvence." Greppi ist 103 Jahre alt geworden. Am Nachmittag des Tages, wo er am Abend ohne Todeskampf in seinem väterlichen Palais in Mailand das Haupt senken und verscheiden sollte, hatte er in bester Stimmung den Rennen beigewohnt. An seinem hundertsten Geburtstage, am 26. März 1919, hatte er für die hundert nach seiner Meinung schönsten Damen in Rom ein Diner im Grand Hotel gegeben. Jede Dame fand auf ihrem Kuvert eine prachtvolle Rose. An jenem Dezembertag 1914, an dem ich dem Grafen Greppi nach meinem Eintreffen in Rom auf dem Pincio begegnete, sagte er mir: „Cette gurre est differente de toutes les autres guerres que j'ai vues dans ma longue vie: la guerre de Crimee, la guerre de 1859 entre l'Autriche et la France, vos guerres avec l'Autriche en 1866 et avec la France en 1870, les DAS SYSTEM 217 guerres de la Russie avec la Turquie et avec le Japon, la guerre entre l'Espagne et les Etats-Unis. La guerre actuelle n'est pas ä proprement parier une guerre, c'est un terremoto, un immense tremblement de terre, qui changera non seulement la carte de l'Europe mais politiquement et socialement la face du monde." Als ich die Geschäfte der Botschaft übernahm, war Herr von Merey soeben abberufen worden, da sein persönliches Verhältnis zu den italienischen Ministern allmählich unmöglich geworden war. Sein Nachfolger, der bisherige Erste Sektionschef im Wiener Ministerium des Äußern, Herr Botschafter von Macchio, war ein echter Typus des österreichischen Beamten der Baron alten und ältesten Schule. Langsam in jeder Bewegung und insbesondere Macchio mit jedem Gedanken, durch und durch Formalist, indolent, ohne Initiative, ohne eigene Meinung. In jeder Unterredung, die ich während meiner römischen Mission mit dem Minister des Äußern, Sonnino, hatte, sagte ich diesem, ich würde tun, was in meinen Kräften stünde, damit die Österreicher sich zur Abtretung des Trentino verstünden. Wenn aber der Minister den Baron Macchio, der nach mir bei ihm einzutreten pflegte, frug, ob er ihm etwas über den Trentino zu sagen hätte, erwiderte der k. und k. Botschafter mit steifem Gesicht: er wisse nicht, was der Minister meine. Es war bei Macchio eine Art System, das zweifellos auf Wiener Direktiven zurückging, der italienischen Regierung ungefähr das Gegenteil von dem zu sagen, was ich Sonnino gegenüber ausgeführt hatte. Zu dieser Haltung des k. und k. Botschafters mag auch beigetragen haben, daß, wie ich später erfuhr, Jagow sich ein Vergnügen daraus machte, einige meiner vertraulichen Berichte, in denen ich mich mit pflichtgemäßer Offenheit über die Unzulänglichkeit der k. und k. Vertretung in Rom ausgesprochen hatte, entweder den österreichischen Botschafter in Berlin, den Prinzen Gottfried Hohenlohe, lesen oder durch Tschirschky in Wien bekanntgeben zu lassen. Gegen eine solche Allianz hätte ein Halbgott vergebens gekämpft. XVII. KAPITEL Sidney Sonnino, italienischer Minister des Äußern • Propaganda der Entente in Italien Ausbeutung der Invasion Belgiens von Seiten der Entente • König Vittorio Emanuele III Königin Margherita, vertrauliche Äußerungen der Königin-Mutter zur Fürstin Bülow Botschaftsrat von Hindenburg • Giolittis „Parecchio" • Papst Benedikt • Klägliche politische Zügelführung in Berlin • Brief Bethmanns an Bülow • Flotow taucht wieder in Bom auf • Abschiedsaudienz Bülows beim König Viktor Emanuel III. • Erzbergers Optimismus Am Tage nach meiner Ankunft in Rom suchte ich den Minister des Äußern, Sidney Sonnino, in der Consulta auf. Dieser herrliche Palast, Sonnino dessen einfache, große und schöne Formen so wohl zu dem Charakter der Ewigen Stadt passen, beherbergte damals das italienische Auswärtige Amt, das erst nach dem Weltkrieg in den am Corso gelegenen Palazzo Chigi übersiedelte, den früheren Sitz der Vertretung des inzwischen zertrümmerten habsburgischen Reichs. Oft war ich die zweiarmige Doppeltreppe der Consulta emporgestiegen. In dem großen, mit gelbem Damast tapezierten Empfangszimmer hatte ich als junger Attache im Winter 1874/75 Visconti- Venosta thronen sehen, der sich aus einem Sekretär des Verschwörers und revolutionären Agitators Mazzini in einen politisch ausgesprochen Konservativen, religiös gut katholischen Staatsmann verwandelt hatte, später erblickte ich dort den Grafen Robilant, den Sohn einer preußischen Mutter, einer Gräfin Waldburg-Capustigall. Der hatte als junger piemontesischer Offizier in der Schlacht von Novara am 23. März 1849 einen Arm verloren und den blutigen Stumpf emporgehoben mit dem Rufe: „Viva il Re!" Er wurde in den achtziger Jahren italienischer Botschafter in Wien, wo er eine Österreicherin, eine Tochter des Fürsten Clary, heiratete. Während meiner ersten Botschafterzeit in Rom, von 1894 bis 1897, konferierte ich in der Consulta mit dem feurigen Baron Blanc, dem klugen Marchese Rudini und wiederum mit dem inzwischen zweiundzwanzig Jahre älter und noch vorsichtiger und reservierter gewordenen Visconti-Venosta. Jetzt fand ich hier Herrn Sidney Sonnino. Als ich in das Wartezimmer des Ministers eintrat, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Kolosse des Kastor und Pollux mit ihren Pferden hat, ein Ausblick, nach dem sich Wilhelm von Humboldt noch in BARRERE BEDECKT DIE AUGEN 219 Berlin und in Tegel zurücksehnte, stand ich vor den drei Botschaftern der Entente: Barrere, Sir Rennel Rodd und Krupenski. Ihr Verhalten mir gegenüber war charakteristisch für den Geist ihrer Völker. Der gute Krupenski stürzte auf mich zu und versicherte mir, daß seine persönlichen Gefühle der Freundschaft für mich sich in keiner Weise verändert hätten. Der kluge und feine Rodd reichte mir die Hand mit den Worten: „I wish to shake hands with you and to heg you to give my very best compliments to Princess Bülow." Von den drei Ententebotschaftern war Camille Barrere mein ältester Freund. Aber als er mich erblickte, hob er beide Arme gen Himmel mit dem jedem Franzosen angeborenen schauspielerischen Talent. Er sah mich entsetzt an, dann legte er die Hände vor die Augen und wandte sich ab. „C'etait la France elle-meme qui se dressait irreconciliable devant l'ennemi", würde ein französischer Zuschauer gesagt haben. Mit dem Minister Sidney Sonnino war ich seit vielen Jahren persönlich befreundet. In der Levante als Sohn eines itaüenischen Israeliten und einer Sonninn englischen Mutter geboren, vereinigte er britische Zähigkeit, aber auch britischen Eigensinn mit jüdischer Verstandesschärfe und Dialektik. Es ist, nebenbei gesagt, ein schöner Beweis für die italienische Weitherzigkeit und Großzügigkeit, daß niemand in Italien etwas dabei fand, daß in entscheidendster Stunde die Leitung der italienischen Politik in den Händen eines Juden lag, der zwar als Kind zum Christentum übergetreten war, aber nicht zum Katholizismus, dem die ungeheure Mehrheit der Italiener angehört, sondern zum Protestantismus. Kein italienisches Blatt, nicht einmal das Sprachrohr der Kurie, der,, Osservatore romano", hat je darauf hingewiesen, daß der Minister des Äußern sich zu einer Konfession bekannte, die in Italien bei fast vierzig Millionen Einwohnern kaum hundertdreißig- tausend Anhänger zählt. Noch weniger wurde je die jüdische Abstammung des Ministers releviert. Bei meiner Besprechung der Kaiserreise nach England, 1899, habe ich auf die Assimilationskraft hingewiesen, mit der das englische Volk fremdartige Bestandteile aufsaugt und dabei an das Wort Goethes erinnert, daß die Kraft einer Sprache sich nicht im Abstoßen, sondern im Verschlingen zeige. Das gilt auch für das Verhältnis eines Volkes zu den innerhalb seiner Grenzen lebenden jüdischen Mitbürgern, die es zu assimilieren gilt, nicht abzustoßen. Sonnino hatte sich bei Beginn des Krieges für das Zusammengehen Italiens mit den Zentralmächten eingesetzt. Er wollte vor allem, daß Italien nicht ohne Vergrößerung seines Territoriums aus dem Weltkrieg hervorgehe. Es hatte 1866, es hatte auch 1870 Vorteil aus den Kriegen anderer gezogen, das sollte auch diesmal geschehen. Neben Sonnino spielte der Ministerpräsident Salandra eine verhältnismäßig sekundäre Rolle. Er besaß weder die Geistesschärfe, noch den Ernst, Salandra 220 DAS MINIMUM noch den Charakter des Ministers des Äußern. Er wollte lediglich bei dem großen Wirrwarr der Welt, bei dem ungeheuren Durcheinander, irgend etwas für sein Land profitieren. Seine Stellung im Parlament beruhte darauf, daß er über die Suada des Südländers verfügte, während Sidney Sonnino unbeholfen sprach, meistens, was in den Parlamenten romanischer Völker eine große Seltenheit ist, nicht frei, sondern mit dem Konzept der vorher von ihm ausgearbeiteten Rede in der Hand. Sonnino setzte mir von vornherein seine Auffassung der Situation mit Erklärungen Klarheit und Offenheit auseinander: Die Entente stelle Italien alle von Sonninos Italienern bewohnten österreichischen Gebietsteile als Kriegsziel in Aussicht. Wenn eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Italien und der habsburgischen Monarchie vermieden werden solle, müsse Osterreich auch seinerseits Zugeständnisse machen, in konkreter, in bindender Form. Solche Zugeständnisse müßten auch in anständiger Form erfolgen. Sie dürften Italien nicht hingeworfen werden, wie man einem lästigen Bettler ein Almosen zuwerfe. Sie müßten der Ausdruck des aufrichtigen Wunsches sein, zwischen den alten Gegnern Österreich und Italien ein festes, sicheres, klares und dauerhaftes Freundschaftsverhältnis herzustellen. Sie müßten vor allem so bald als möglich erfolgen. Das Minimum solcher Zugeständnisse wäre der Trentino, der überdies nicht althabsburgischer Besitz sei, sondern bis zum Wiener Kongreß erst ein selbständiges Bistum, dann ein Teil des vom Vizekönig Eugen Beauharnais regierten Königreichs Italien gewesen wäre. Natürlich werde von vielen Italienern die An- gliederung der überwiegend von Italienern bevölkerten Stadt Triest gefordert. Gegen die Vereinigung von Triest mit ItaUen sprächen aber mancherlei Bedenken: entweder würde ein aufblühendes Triest das ihm so nahe gelegene Venedig schädigen, dessen Handel gerade in den letzten Jahren von der italienischen Regierung mit Mühe und beträchtlichen Summen gefördert worden wäre, oder Triest würde verkümmern, das bei der Vereinigung mit Italien sein jetziges Hinterland verlöre. Gegen die Erwerbung von Istrien und noch mehr von Dalmatien spräche die Erwägung, daß in diesen Teilen der habsburgischen Monarchie das italienische Element gegenüber dem serbisch-kroatischen ganz in der Minderheit sei. Die sofortige und vorbehaltlose Abtretung des rein italienischen Teils von Tirol, des Trentino, Autonomie für Triest im Rahmen der habsburgischen Monarchie sowie eine bessere Behandlung der Italiener in Istrien und in Dalmatien seien jedoch unerläßlich. Sonnino erinnerte mich bei diesem Anlaß daran, daß, nicht allzu lange vor dem Beginn des Weltkrieges, österreichische Ungeschicklichkeit mit der plötzlichen Ausweisung zahlreicher italienischer Staatsangehöriger aus Triest in Italien eine Erbitterung hervorgerufen hätte, die beim Beginn des DIE ÖSTERREICHISCHEN HOHENLOHES 221 Weltkrieges noch nachgezittert habe. Tatsächlich war jede österreichische Maßnahme ein betrübendes Symptom für die Zerfahrenheit der österreichischen Politik und die am Wiener Hofe sich durchkreuzenden Intrigen und Ambitionen gewesen. Ich habe schon erwähnt, daß die Verlobung des Erzherzogs Franz Ferdinand mit der hübschen Hofdame der Erzherzogin Friedrieb, der Gräfin Sofie Chotek, der Ausgangspunkt gespannter und unfreundlicher Beziehungen zwischen dem Hofe des Erzherzogs Friedrich und namentheh zwischen dessen Gemahlin, der Erzherzogin Isabella, einer geborenen Prinzessin Croy, und dem Erzherzog Franz Ferdinand, dem künftigen Kaiser, und Soferl Chotek wurde, die inzwischen zur Herzogin von Hohenberg avanciert war und ihren Gemahl völlig beherrschte. Nachdem aus ihrem Plane, ihre Tochter mit dem zukünftigen Kaiser von Österreich zu vermählen, nichts geworden war, akzeptierte die Erzherzogin Isabella als nach ihrer Auffassung ziemlich dürftigen Ersatz den Prinzen Gottfried Hohenlohe. Der gehörte zu jenen österreichischen Aristo- Prinz kraten, die durch Leichtsinn und Unfähigkeit viel zum Sturz des habs- Gott f ri < Hohen burgischen Reiches beigetragen haben. Ebenso ambitiös wie un- 0 en brauchbar, litt er unter der Abneigung des leidenschaftlichen und jähzornigen Erzherzogs Franz Ferdinand, der nicht nur die Erzherzogin Isabella, sondern auch deren Angehörige mit seiner Ungnade strafte. Er sann darüber nach, wie diesem ihn sehr bedrückenden Zustand ein Ende bereitet werden könnte, als ihm ein rettender Gedanke kam. Gottfried Hohenlohe hatte einen Bruder, den späteren Oberhofmeister Konrad Hohenlohe, der damals Statthalter von Triest war. Beide Brüder Hohenlohe kannten die an Idiosynkrasie streifende Abneigung des Erzherzogs Franz Ferdinand gegen das moderne Italien. Darum riet Gottfried seinem Bruder Konrad, die erste Gelegenheit zu ergreifen, um als Statthalter von Triest mit möglichstem Aufsehen und Lärm auf die Itahener zu hauen. Das tat denn auch der Statthalter Konrad Hohenlohe, und zwar gerade in dem Moment, wo die Beziehungen zwischen Italien und Österreich sich wirklich gebessert hatten und von italienischer Seite zu dem Jubiläum der österreichischen Militärakademie in Wiener-Neustadt als besonderer Abgesandter des Königs von Italien ein italienischer General entsandt worden war, der seine militärische Ausbildung in dieser Akademie erhalten hatte und bei der Feier eine für das kaiserliche Heer achtungsvolle und schmeichelhafte Ansprache hielt. Das Vorgehen des Statthalters Hohenlohe unmittelbar nach diesem italienischen Entgegenkommen wurde natürlich in Italien als Affront empfunden und machte böses Blut. Doch der Erzherzog Franz Ferdinand war entzückt über das Verhalten des Statthalters Konrad Hohenlohe. „Das hat der Konrad brav gemacht!" sagte er, während dreier Tage froh gelaunt, zu jedem, dem er begegnete, und seine verbesserte 222 RASCH HANDELN! Stimmung gegenüber der Familie Hohenlohe versetzte diese in Wonne. Aber die politische Konsequenz dieses Knabenstreiches war übel, doppelt übel so kurze Zeit vor der Ultimatums-Aktion. Ich gewann in allen Unterredungen mit dem Minister Sonnino ebenso Bülows wie aus den Äußerungen meiner Freunde und Bekannten in Rom den Intervention Eindruck, daß es vor allem darauf ankäme, rasch zu handeln, wenn es gelingen sollte, ein Vorgehen der Italiener gegen Österreich noch im letzten Augenblick zu verhindern. „Bis dat qui cito dat", wiederholte ich dem österreichischen Botschafter Macchio und in meinen Berichten und Briefen nach Berlin. Ich konnte nicht genau bestimmen, wie weit, und vor allem, wie fest sich Italien vor meiner Ankunft gegenüber der Entente gebunden hatte. Ich fühlte, daß die vorbereitenden Besprechungen und Verhandlungen schon sehr weit gediehen waren, daß aber noch keine endgültige und unwandelbare Bindung vorlag. Es kam also darauf an, baldmöglichst bei den maßgebenden italienischen Staatsmännern die Überzeugung zu erwecken, daß Österreich ohne Hintergedanken das Minimum der italienischen Forderungen erfüllen würde, und gleichzeitig im italienischen Volk eine Bewegung hervorzurufen, die eine Befriedigung der italienischen Aspirationen auf dem Wege friedlicher Verhandlungen dem Würfelspiel des Krieges vorzog. Was ich in diesem Sinne tat, die Entschlossenheit, mit der ich mein persönliches Ansehen einsetzte, um den Ausbruch des Krieges zwischen Italien und Österreich zu verhindern, sollte nicht den Interessen der habsburgischen Monarchie, sondern denen meines deutschen Vaterlandes dienen, das schon gegen so viele Feinde kämpfte. Ich sah voraus, daß ein Krieg zwischen Italien und Österreich uns mit einer schweren militärischen Hilfsaktion belasten würde. Ich bin übrigens noch heute der Meinung, daß Italien, wenn es 1915 nicht in den Krieg gegen Österreich eingetreten wäre, später mehr als eine Gelegenheit gefunden hätte, ohne Kampf, Opfer und Blutvergießen den Trentino, die Autonomie von Triest und eine bessere Behandlung der Italiener in Österreich zu erreichen. Wäre Italien neutral geblieben, so hätte es während des Weltkrieges allen ein Asyl bieten und nach allen Seiten exportieren können. Die Lira stünde dann heute so hoch wie der Schweizer Franken. Ich glaube weiter, daß Italien, als es im Frieden von Versailles aus den Händen der Entente große, von Deutschen und Südslawen bewohnte Gebietsteile entgegennahm, nicht nur gegen das Nationalitätsprinzip verstieß, auf das es sich selbst so oft berufen hatte, sondern auch gegen sein eigenes, wahres und dauerndes Interesse. Ohne das Eintreten von Italien in den Krieg wäre es schwerlich zu dem Frieden von Versailles gekommen, der, wenn nicht die völlige Vernichtung, so doch die Verkrüppelung, eine namenlose Schwächung Deutschlands, der die Aufhebung des europäischen Gleich- DIE BELGISCHE PROPAGANDA 223 gewichts und die Hegemonie Frankreichs auf dem europäischen Kontinent wie im Mittelmeer und in Nordafrika bedeutet. Diese traurigen Folgen des Versailler Vertrages entsprechen nicht dem wohlverstandenen Interesse Italiens. Weder Crispi, noch Minghetti, noch Cavour würden von einem solchen Ergebnis nach den schweren von Italien gebrachten Blut- und Geldopfern befriedigt gewesen sein. Die Propaganda der Entente arbeitete gerade in Rom nicht nur mit Hochdruck, sondern auch mit Geschick. Ihre wirksamste Waffe war und Die Entente blieb die Verletzung der belgischen Neutralität durch uns, unter, wie arbeitet immer wieder hervorgehoben wurde, Nichtachtung und Bruch alter, feierlicher Verträge. Als ich bald nach meiner Ankunft in Rom über die Piazza di Spagna ging, bemerkte ich in dem Schaufenster einer Buchhandlung auf einem in Evidenz gestellten Karton mein Wappen. Die Aufschrift des Kartons in roten Lettern lautete: „Le chiffon de papier!" Als ich näher zusah, handelte es sich um den Abdruck jenes Artikels des Londoner Protokolls von 1831, der die Unabhängigkeit und Neutralität von Belgien stabilierte. Das Abkommen war unterzeichnet von den damaligen Vertretern der Großmächte in London, deren Unterschriften und Wappensiegel folgten. Für Rußland hatte, wenn ich mich nicht irre, Pozzo di Borgo, für Frankreich Talleyrand, für Österreich Apponyi, für Großbritannien Palmerston und für Preußen mein Großonkel, Heinrich Bülow, unterzeichnet. Die belgische Propaganda bediente sich aber auch drastischer, auf die Psyche eines in seinen unteren Schichten naiven Volks berechneter Mittel. So wurden kleine Statuetten der Madonna verteilt, vor der ein Kind mit abgehackten Händen kniet. „Heilige Mutter Gottes, laß mir die Hände wieder wachsen, die mir die barbarischen und grausamen Deutschen abgeschnitten haben." Natürlich hat nie ein deutscher Soldat ein belgisches oder französisches Kind verstümmelt. Ich glaube, daß nie ein Heer strammere Manneszucht hielt, nie ein Heer im innersten Kern humaner und edler war als unser Heer im Weltkriege. Ich hatte am 23. November 1900 gegenüber Angriffen, die von deutschen Sozialdemokraten gegen das Verhalten der deutschen Soldaten in China im Reichstag erhoben wurden, zu Herrn Bebel gewandt erklärt: „Ich stelle fest, daß bei aller Energie der Kriegführung der deutsche Soldat sich auch an Manneszucht und an Menschlichkeit von keinem anderen Soldaten der Welt übertreffen läßt. Dafür bürgt der Charakter des deutschen Soldaten, dafür birgt der Genius des deutschen Volkes, das in seiner tausendjährigen Geschichte noch immer gewußt hat, Humanität mit Heroismus zu verbinden*." Diese Worte gelten für das deutsche Heer in Belgien und in * Fürst Bülows Reden, Große Ausgabe I, 154; Kleine Ausgabe I, 174. 224 „FATTE PRESTO" Frankreich, wie sie für die deutschen Truppen in China gegolten und der Wahrheit entsprochen hatten. Aber unsere Nichtachtung des Vertragsund Völkerrechts gegenüber Belgien, noch verschärft durch die plumpe Bethmannsche Rede vom 4. August 1914 und durch seine tölpelhafte Wendung, daß völkerrechtliche Verträge nur Papierfetzen bedeuteten, hatte uns überall, auch in Italien, unermeßlichen Schaden zugefügt. Es wurde den belgischen Sendboten, unter denen sich gleichzeitig einer der eloquentesten Führer der Sozialisten und ein berühmter Kanzelredner, Pater Jansens 0. S. B., durch ihre Redegabe hervortaten, nicht schwer, Mitleid für das „Überfallene" Belgien und damit Zweifel an der Gerechtigkeit der deutschen Sache zu wecken. Als ich vom König Viktor Emanuel III. zur Überreichung meiner Audiens bei Krcditive empfangen wurde, begrüßte er mich mit den Worten: ,,Si vous König und gtiez reste au pouvoir, toutes ces betises ne seraient pas arrivees." Im ^Af S « n " we,tcren Verlauf der Audienz setzte mir der König mit Ruhe und in rein sachlichem Ton auseinander, daß, nachdem Italien mit der Ultimatums- Aktion überrumpelt worden sei, es für jede italienische Regierung unmöglich gewesen wäre, an der Seite der Zentralmächte in den Krieg zu treten. Überdies hätte Deutschland von sich aus Frankreich wie Rußland den Krieg erklärt, nachdem es schon durch sein Gewährenlassen der österreichischen Aktion den Geist des Bündnisvertrages verletzt hätte. Er wisse wohl, daß von deutscher Seite hierbei keine Perfidie vorgelegen habe. Das hätte auch der bisherige italienische Botschafter in Berlin, Herr Bollati, immer wieder hervorgehoben. Aber in der Politik wirke Ungeschicklichkeit oft noch schädlicher als Bosheit. Der König sprach höflicherweise nicht von „maladresse", sondern nur von einem „certain manque d'habilete". Jetzt komme es darauf an, daß Österreich die nötigen Konzessionen bald mache. „Fatte presto." Am nächstfolgenden Tage wurde ich mit meiner Frau von der Königin- Mutter Margherita empfangen. Vor dem Kriege hatten wir, meine Frau und ich, als Privatleute oft ihre Gastfreundschaft genossen, in ihrem schönen römischen Palais wie in ihrem Schloß Stupinigi bei Turin. Sie Hebte ernste Gespräche. Vor dem Weltkrieg war sie, die Tochter einer deutschen Mutter, einer Prinzessin von Sachsen, einer Schwester der Könige Albert und Georg von Sachsen, ebenso deutschfreundlich wie ihr ritterlicher Gemahl, der König Humbert. Sie sprach und schrieb Deutsch wie eine Deutsche. Aber die Ultimatumsaktion, die Bethmannschen rednerischen Entgleisungen und die Invasion von Belgien hatten nach dem, was ich gehört hatte, ihr sehr mißfallen. Als ich in Rom eintraf, war ihr von alten Dienern ihres Hauses längst gesagt worden, daß sie sich vor allem nicht in Widerspruch zu den italienischen nationalen Aspirationen setzen dürfe. Entwurf eines Telegramms Betlimann Hollwegs n Bülow, dem deutschen Botschafter in Rom (22. Mai 1915) (Zu Seite 235) Wenn Italien seine Beziehungen zu Österreich abbricht und E. D. dann von dortiger Regierung auch Ihre Pässe fordern, bitte ich beim Abschied Baron Sonnino zu erklären: Sie müßten ihn darauf aufmerksam machen, daß überall die österreichischen Heeresverbände mit deutschen Truppen gemischt wären ein Angriff gegen österreichische Truppen sich also zugleich gegen deutsche richten würde. Zu E. D. vertraulichen Orientierung: wir würden auf diese Weise automatisch in Krieg eintreten und vermeiden denselben formell an Italien zu erklären. Das Konzeft stammt von der Hand des Staatssekretärs des Ausivär- tigen von Jagow, trägt am Schluß das Zeichen des Reichskanzlers v. Beth- mann Holhveg und (rechts) das des Unterstaatssekretärs Zimmermann J&T*f } pr< 22. M ai 1915. | o.. ^ 12. -kc^Ji A\ f.* ^ yt^u^^^t^t^, j _ ^C-^l ;u jftv^y.-g^ V ^tv^tv^ tjut^f *b>^&s^~ 6. tw W-» i^/ ifr tUt.ZZ/f. f/'l^ r.istr- (H^x. Deutschland 123 fyh.iC U) 0i Am « X y -A- ^ . i—js - ^jfy — J y%~^ fK * +u + lS~*i''< k ^ T y# vs ^r-^y — s&c* m A V * ~? Sh fl^t~xF_ Sr<^*- l *-v JL. /i t - / ^*^ tr --jtslsjs'l fj( fi^m y_ <4^i 7 JUk ^s^/f* J bvf-iu-*^ _ /t^^l _ <^< .fi-~t^i. * vLa t*-ij jL .s^<\d£+-*-t___ \ߣ-its(*%*~±**.____ <7q-_ A—d^^A m -a _ l J MARGHERITA 225 Als Königin müsse sie noch ehrgeiziger für Italien sein als irgendeine andere Italienerin. Das brauchte der Königin übrigens kaum gesagt zu werden, die ohnehin eine leidenschaftliche italienische Patriotin war. Bei unserer Audienz führte sie die Unterhaltung mit dem Takt und der Liebenswürdigkeit, die ihr eigen war. Über den Krieg bemerkte sie, sie bedaure, daß Heiraten zwischen deutschen Prinzessinnen und Prinzen einerseits, russischen und englischen Fürstenkindern andererseits durch die jetzigen Ereignisse sehr erschwert würden. Ich erwiderte, daß die Politik großer Länder nicht, wie dies früher bisweilen der Fall gewesen sei, durch fürstliche Heiraten bestimmt werden könne. Die Königin erinnerte mich daran, und sie hatte recht, daß fürstliche Heiraten zwischen Deutschland und Rußland, Deutschland und England dem Weltfrieden und auch den deutschen Interessen überwiegend förderlich gewesen seien. Als eine zweite unerfreuliche Folge des Krieges bezeichnete die hohe Frau die Gefahr, daß durch den Weltkrieg vielleicht überall, sicherlich aber in Deutschland, Rußland und Österreich die demokratischen Ideen sehr gefördert werden würden. Sie sei, wie ich wisse, in keiner Weise „una codina", eine Reaktionärin, aber ein weiteres Anschwellen der demokratischen und namentlich der sozialistischen Flut habe doch seine Bedenken. Bevor die Königin Margherita die Audienz aufhob, nahm die Königin meine Frau zur Seite, mit der sie seit ihrer beider Jugend eng befreundet war. Sie sagte zu ihr: „Sage mir die Wahrheit, Maria, ihr habt den Krieg gewollt!" Meine Frau erwiderte, sie könne bei allem, was ihr heilig wäre, bei der heiligen Mutter Gottes schwören, daß weder der Kaiser noch das deutsche Volk den Krieg gewollt hätten. „Dann", erwiderte die Königin, „sind die deutschen Diplomaten und Minister, die im Sommer 1914 im Amte waren, die größten Esel, die je die Welt gesehen hat." Vorgreifend will ich schon jetzt erzählen, daß ich diese Äußerungen der Königin Margherita fast zwei Jahre später bei der einzigen Gelegenheit, die mir von Kaiser Wilhelm seit meiner Abreise nach Rom geboten wurde, ihn zu sehen, Seiner Majestät erzählte. Es war im Herbst 1916. Ich war, mir unerwartet, ohne besonderen Anlaß zum Kaiser in das Neue Palais befohlen worden. Er frug mich nach der Königin Margherita, für die er früher heftig geschwärmt hatte. „Was sagt sie zum Krieg?" Die Bemerkung der Königin über die Vorteile, die fürstliche Heiraten auch in politischer Beziehung haben könnten, erregte nicht den Widerspruch Seiner Majestät. Um so weniger war er mit der Ansicht der Königin einverstanden, daß der Weltkrieg der Demokratie zugute kommen werde. „Das gerade Gegenteil ist der Fall", rief der Kaiser, nicht ohne Gereiztheit mich unterbrechend, „ich höre von allen Seiten, daß die Berliner finden, sie wären nie besser regiert worden als von Isaak. Wenn man das Volk gewähren ließe, so würde es die 15 Biilow m 226 HELFER BÜLOWS Schwatzbude im Reichstag schließen, die Minister für ziemlich überflüssig erklären und bitten, auch fernerhin von Kommandierenden Generälen regiert zu werden." Isaak war der Spitzname des Generals von Kessel, eines besonderen Lieblings Seiner Majestät, der während des Krieges als stellvertretender Kommandierender General des Gardekorps und Gouverneur von Berlin fungierte. Die Zukunft hat leider nicht Wilhelm II. recht gegeben, sondern der Königin Margherita. Eine gute Stütze war mir während der schweren Wintermonate der Hindenburg Botschaftsrat von Hindenburg. Er war ein Sohn des damals schon verstorbenen Generals von Hindenburg, eines alten Gardeschützen, der ein leibbcher Vetter des großen Feldmarschalls war. Durch seine Mutter war der Botschaftsrat von Hindenburg ein Enkel des langjährigen Botschafters in Paris und London, des Fürsten Herbert Münster. Er selbst war vermählt mit einer Engländerin, die sich mit Takt, mit Würde und Herzensgüte in die schwerige Lage fand, in die sie durch den Krieg zwischen ihrer Heimat und dem Lande ihres Mannes geriet. Militärattache war der Major . Schweinitz von Schweinitz, der Sohn des ehemaligen deutschen Botschafters in Wien und in St. Petersburg. Wie viele Hoffnungen wurden durch den Krieg und seine Folge, die Revolution, zerstört! Wilhelm von Schweinitz war ein hervorragend tüchtiger, dabei hochgebildeter Offizier, dem eine schöne Zukunft winkte. Er hätte einen gleich guten Kommandierenden General wie Botschafter, Generaladjutanten wie Oberhofmarschall abgegeben. Wenn ich ihn ansah, dachte ich an das Wort von Goethe, daß die größten Vorteile in der Gesellschaft ein gebildeter Offizier genieße. Wilhelm Schweinitz vereinigte die Vorzüge zweier Rassen. Von väterlicher Seite entstammte er einer alten schlesischen Adelsfamilie und besaß alle guten Eigenschaften des preußischen Junkers. Von seiner amerikanischen Mutter hatte er weiten Blick und praktischen Sinn geerbt. Als Wilhelm von Schweinitz geboren wurde, es war in der ersten Hälfte der siebziger Jahre, hatte der Vater, der damalige deutsche Botschafter in Wien, seinen Schwiegervater, den amerikanischen Gesandten Mr. Jay, indem er auf die Wiege bhckte, in welcher der Knabe lag, gefragt: „Was soll nun der Junge werden, Kaiser von Amerika oder Präsident der deutschen RepubUk?" Die erste Eventualität dürfte ganz ausgeschlossen sein, die zweite nicht wahrscheinlich. Wilhelm Schweinitz und Herbert Hindenburg waren mir loyale und treffUche Mitarbeiter. Vor allem fand ich eine nie versagende Stütze an dem einige Wochen vor meiner Ankunft in Rom der bayrischen Gesandtschaft beim Quirinal zugeteilten bayrischen Kämmerer und Geheimen v. Stock- Legationsrat Franz Xaver von Stockhammern, der mir und dem hammern Vaterlande durch seine Vertrautheit mit italienischer Sprache und Kultur, seine Arbeitskraft und Arbeitslust, noch mehr durch seinen zuverlässigen DAS HAUS SAVOYEN 227 und vornehmen Charakter in meiner in jeder Beziehimg schwierigen und gefährdeten Stellung die wertvollsten Dienste leistete. Die italienische Gesellschaft zeichnete sich durch den Takt und das feine Gefühl aus, die alten Kulturvölkern eigen zu sein pflegen. Während der fünf Monate meiner Tätigkeit in Rom wurde mir von allen Seiten, sowohl von denen, die den Krieg mit Österreich wollten, den sogenannten Guerri- fondaji, wie von den Gegnern des Krieges mit gleicher Höflichkeit und Achtung begegnet. Dem entsprach die Haltung des Volkes. Selbst in den Tagen, wo Presse, Parlament und Straße die Kriegsfrage in der heftigsten und leidenschaftlichsten Weise erörterten, wurde ich bei meinen täglichen Spaziergängen auf dem Corso, in der Villa Borghese oder auf dem Pincio niemals bedroht oder auch nur durch Neugierde belästigt. Wenige Tage vor der italienischen Kriegserklärung an Österreich aß einer der ausgesprochensten Anhänger der Kriegspolitik an meinem Tisch, Gespräch mit der General Graf Morra. Er hatte in der Schlacht von Novara, 1849, als dem General blutjunger Offizier in den Reihen der piemontesischen Armee gekämpft. Morra Er hatte den König Carlo Alberto vor sich gesehen, wie dieser durch die Reihen des Heeres ritt in der schwermütigen Haltung, mit der der Herrscher auf seinem Monument nahe dem Quirinal dargestellt ist. Als der König den jungen Morra erkannte, den Sohn seines Hofmarschalls, reichte er ihm freundlich die Hand und sagte zu dem Jungen, er habe ihm Grüße von seinem Vater zu bringen, dem er Ehre machen möge. Aus dem Leutnant von Novara wurde mit der Zeit ein General, später der Erzieher des Königs Viktor Emanuel III. und endlich der Botschafter in St. Petersburg. Sein Standpunkt, den er gegenüber seinem früheren Zögling und dessen Mutter vertrat und den er auch mir im Winter 1914/15 nicht verhehlte, war: Das Haus Savoyen muß, gleichgültig gegen alle anderen Erwägungen, unbeirrt durch Widerspruch und Zweifel, immer mit der italienischen Nationalidee gehen. In den bangen Tagen, wo Carlo Alberto schwankte, ob er, treu den bisherigen Traditionen seines Hauses, mit den Österreichern gehen solle oder gegen die Österreicher mit der national-revolutionären Bewegung, sagte der zu Melancholie neigende Monarch zu seinem Hofmarschall Morra: „Je suis entre le poignard des Carbonari et le chocolat des Jesuites." Er ging mit den Carbonari, wurde bei Novara besiegt, starb im Exil in einem portugiesischen Kloster, in Oporto, behielt aber doch recht. Und sein Sohn hatte recht, trotz Novara die nationale Politik fortzusetzen. Die Politik von Cavour wurde von dem größeren Teil des piemontesischen Adels und fast der ganzen Geistlichkeit heftig bekämpft. Sie hat uns aber nach Mailand, Florenz, Neapel, Palermo und schließlich nach Rom geführt. Der Einmarsch in Rom stieß auch in Norditalien, und gerade in Piemont, wo seit jeher die Kirche großen Einfluß ausübte, auf Tadel und Widerspruch. Aber trotz 15* 228 .EINIGES" aller Gegenströmungen, Hindernisse und Rückschläge sitzt das Haus Savoyen noch immer auf dem Thron, während die Bourbonen und Habsburger, die sich der italienischen Nationalidee widersetzten, aus Neapel und Florenz, aus Parma und Modena verjagt wurden. So Graf Morra. Es gab übrigens bis zu dem Augenblick der Kriegserklärung, wie ich ausdrücklich hervorheben möchte, nicht nur in der römischen Gesellschaft, sondern auch im ganzen Lande viele gute Patrioten, die für die Aufrecht- crhaltung der Neutralität plädierten. Die kriegerisch gesinnten Elemente machten den größeren Lärm, aber die Anhänger der Neutralitätspolitik waren im Grunde in der Majorität. Noch Mitte Mai 1915 erzählte mir ein befreundeter Abgeordneter, der Minister des Innern habe ihm gesagt, daß bei einer Volksabstimmung die Mehrheit gegen den Krieg votieren würde. Giolitti Der mächtigste Politiker in Italien war seit Jahren Giovanni Giolitti. Er hatte, wie alle unsere Freunde im Ausland, unsere Ultimatumspolitik überaus ungeschickt gefunden. Auch Giolitti wünschte und forderte nach dem Ausbruch des Weltkrieges den Trentino und Garantien für eine bessere Behandlung der Italiener in Österreich. Er hatte in einem an seinen Freund, den Abgeordneten Peano, gerichteten Brief für die italienischen Forderungen die berühmt gewordene Formel vom „Parecchio" (Einiges) geprägt. Aber er glaubte, daß sich diese Forderungen auch ohne voraussichtlich schwere Opfer an Blut und Gut und ein immerhin gewaltiges Risiko verwirklichen lassen würden. Auch er war von Anfang an der Ansicht, daß der Krieg nur zu vermeiden sei, wenn Österreich die nötigen Konzessionen ohne Hintergedanken, in guter Form und rasch mache. Je länger Österreich zögerte, je schwankender, schwächlicher und undurchsichtiger unsere Politik war, um so näher rückte die Gefahr des Krieges. Mit Weisheit und Güte, mit Klugheit und Festigkeit wirkte Papst Papst Benedikt XV., ohne die Grenzen seines geistlichen Amtes irgendwie zu Benedikt XV. überschreiten, für den Frieden, als ein wahrer Vertreter des ewigen Friedensfürsten. Ich werde es mir immer zur Ehre anrechnen, daß Benedikt XV. meine Friedensbemühungen warm unterstützte. Er wünschte die Erhaltung des habsburgischen Reiches, der letzten katholischen Großmacht. Er sah aber vollkommen ein, daß sich der Krieg nur vermeiden ließe, wenn Österreich nicht länger zögere, mindestens den Trentino zu opfern. Der Papst, der Italien hebte, wünschte die Erfüllung der italienischen nationalen Aspirationen bis zu der Grenze, die mit dem Fortbestand des habsburgischen Reiches verträglich war. Er betrachtete es vor allem als seine Pflicht, dem entsetzlichen Blutvergießen des Weltkrieges möglichst bald ein Ende zu setzen und jedenfalls zu verhindern, daß der Weltbrand noch weiter um sich griff. Er beauftragte den Erzbischof von Wien, den Kardinal Piffl, in diesem Sinne mit dem alten Kaiser Franz Josef zu FRANZ JOSEF UND DER KARDINAL 229 sprechen. Der damals schon vierundachtzigjährige Kaiser Heß den Kardinal, der ihm schüchtern und bescheiden den Wunsch des Heiligen Vaters vortrug, gar nicht ausreden. Zornige Röte bedeckte sein Greisenantlitz. Er ergriff den Kardinal beim Arm und schob ihn buchstäblich zur Tür hinaus. Kaiser Franz Josef war ein treuer Sohn seiner Kirche, deren Vorschriften er gewissenhaft befolgte. Aber das fürstliche Bewußtsein war in ihm noch stärker als das religiöse Empfinden. Als das Osterfest sich näherte, übersandte der Papst meiner Frau den Apostolischen Segen und Heß ihr gleichzeitig sagen, er bete für den Erfolg der Mission ihres Gatten. In Erwiderung auf ein Schreiben, in dem ich dem Heiligen Vater meinen ehrfurchtsvollen Dank für die mir gewährte erleuchtete Unterstützung aussprach, erhielt ich von ihm den nachstehenden eigenhändigen Brief: „Eccelenza, Accogliemmo con particolare gradimento Der Papst la pregiata lettera che l'Eccelenza Vostra si compiaceva indirizzarci in data an Bülow de 21 corrente. Teniamo ora a significare personalmente all'Eccelenza Vostra quanto noi abbiamo apprezzato le nobili espressioni, nelle quali si traduceva l'ossequio cordiale che Ella professa alla Nostra persona ed a questa Sede apostolica su cui, in circostanze cosi calamitose, volle il Signore collocarci; manifestazioni dell'animo di Lei grande e delicato, delle quali serberemo caro e perenne il ricordo. L'alta stima, inoltre, che Noi sempre Le portammo ed il riconoscimento delle doti esiemie che L'adornano e delle non poche benemerenze che Ella, nelle lunga Sua vita politica, seppe acquistarsi verso la Sua patria, avrebbero reso a Noi sommamente accetto l'omaggio che l'Eccelenza Vostra, insieme con la degnissima sua Consorte si riprometteva di presentarci personalmente alle Sua partenza da questa citta, qualora le circostanze l'avessero consentito. Ad ogni modo, accetiamo con animo grato l'augurio cortese che Ella, Signor Principe, sul finire della lettera affidava Prowidenza Divina, perche propizzia assista questa Sede, e alla Nostra volta Noi amiamo di volgerla con pieno ricambio del Nostro affetto paterno, alla di Lei Nazione, a Vostra Eccelenza stessa ed alla nobilissima Sua Sposa, Cui altresi concediamo ben di cuore la implorata benedizione apostolica. Benedictus P. P. XV. Roma, 30. Maggio 1915." („Durchlaucht! Wir empfangen mit besonderer Genugtuung das geschätzte Schreiben, das Eure Durchlaucht am 21. ds. Mts. an Uns zu richten die Güte hatten. Wir legen Wert darauf, Eurer Durchlaucht zu bekunden, wie sehr Wir die edeln Gefühle gewürdigt haben, in denen die aufrichtige Huldigung zum Ausdruck kam, die Sie Unserer Person und dem Apostolischen Stuhl darbringen, auf den Uns der Herr unter so beklagenswerten Umständen berufen wollte, eine Kundgebung Ihres großen und feinsinnigen Geistes, der Wir allzeit ein gutes Andenken bewahren werden. Die hohe Achtung, die Wir immer für Sie hegten, und die Anerkennung der 230 EINE HUNDERTJÄHRIGE hervorragenden Talente, die Sie zieren, und der nicht geringen Verdienste, die Sie in Ihrem langen politischen Leben sich um Ihr Vaterland zu erwerben wußten, hätten Uns die Huldigung in hohem Grade genehm gemacht, die Eure Durchlaucht zugleich mit Ihrer verehrten Frau Gemahlin Uns vor Ihrer Abreise aus dieser Stadt persönlich zu erweisen gedachten, sofern die Umstände es gestattet hätten. Auf jeden Fall nehmen Wir dankbar den tiefgefühlten Wunsch entgegen, den Eure Durchlaucht am Schlüsse Ihres Briefes an die göttliche Vorsehung richtete, sie möge gnädig dem Heiligen Stuhl beistehen. Wir Unsererseits erwidern diese Wünsche in väterlicher Liebe für Ihre Nation, für Eure Durchlaucht und für Ihre erlauchte Gemahlin und gewähren gleichfalls aus vollem Herzen den von ihr erbetenen Apostolischen Segen.") Der friedliche und edle Geist, in dem dieser Brief des Oberhauptes der Brief der katholischen Kirche gehalten ist, sprach auch aus einem Schreiben, das die Fürstin Fürstin Leonille Wittgenstein bald nach meinem Eintreffen in Rom Wittgenstein an j^^g Schwiegermutter, Donna Laura Minghetti, gerichtet hatte. Die Fürstin Leonille war damals schon 99 Jahre alt. Sie sollte beinahe ebenso alt werden wie Graf Greppi. Sie starb erst 1918, 101 Jahre alt, in Ouchy bei Lausanne. Dort hatte sie dem heiligen Josef eine Kapelle errichtet und sich daneben eine Villa erbaut. Sie war die Schwiegermutter meines Amtsvorgängers Chlodwig Hohenlohe. Ich war ihr in seinem Hause während meiner Pariser Dienstzeit in der ersten Hälfte der achtziger Jahre oft begegnet. Wir hatten viel und über vieles zusammen gesprochen. Sie war mir eben so gütig gesinnt wie ihr Schwiegersohn. Russin von Geburt, eine Prinzeß Bariatinsky, war sie als Gattin des am Rhein ansässigen Fürsten Louis von Sayn-Wittgenstein unter dem Einfluß rheinischer Kirchenglocken und rheinischer Frömmigkeit zur katholischen Kirche übergetreten und eine sehr treue Katholikin geworden. Sie schrieb an Donna Laura: „Chere et tres charmante Donna Laura, Bonne annee, annee reparatrice! Apres celle-ci effroyable qui finit noyee dans le sang et les torrents de larmes! Je grille de vous dire un mot tout petit, mais tout brülant du sentiment qui l'inspire. Je vous le confie afin que vous le transmettiez ä votre illustre et tres aime gendre le Prince de Bülow. Au milieu du chaos qui bouleverse le monde et creuse des abimes entre les peuples, la reapparition du Prince est un coup de gräce de la Providence et le signe evident de sa predestination ä l'accomplissement, du salut de l'humanite, de sa dignite, de son honneur, et de son equilibre. Je prie Dieu, seul juste, bon et tout puissant de presider aux inspirations du Prince de l'assister et de benir ses efforts. Je vous quitte sur cette pensee et vous embrasse aussi tendrement que je vous aime." In traurigem Gegensatz zu dieser großzügigen Beurteilung der Weltlage stand die Kleinlichkeit der Berliner politischen Leitung. Ein trübseliges „UNANNEHMBAR" 231 Symptom hierfür bot der Brief, den Herr von Bethmann Hollweg am Bethmann 16. März 1915 an mich unter Bezugnahme auf einen Bericht des Militär- an Bühnv attaches von Schweinitz richtete, dessen freimütige und klare Art ihm auf die Nerven gegangen zu sein schien. Er schrieb mir: „Im Begriff, Ihnen zu schreiben, erhalte ich Ihr interessantes Telegramm über Ihre Unterredung mit Herrn Sonnino. Leider scheint die Haltung der italienischen Regierung den Befürchtungen bis zu einem gewissen Grade recht zu geben, die von österreichischer Seite immer wieder geäußert worden sind, nämlich daß ein Eingehen auf die italienischen Wünsche immer steigende Forderungen Italiens zur Folge haben werde. Das Verlangen der sofortigen Mise en effet des Abtretungsvertrages ist natürlich für Österreich-Ungarn und auch für uns — ich betone dies ausdrücklich — unannehmbar. Es gibt auch für die Konzessionen, die wir der in der Geschichte wold ohne Beispiel dastehenden Erpressungspolitik Italiens machen können, eine Grenze, die nicht ohne schwerste Beeinträchtigung der nationalen Würde und des internationalen Ansehens der beiden im siegreichen Kampfe stehenden verbündeten Kaisermächte überschritten werden kann. Ich bin mir bewußt, daß Eure Durchlaucht diesen Standpunkt vollkommen teilen, und ich weiß, daß Sie Ihre ganze Tatkraft und Ihre durch mehr als ein Menschenalter bewährte diplomatische Geschicklichkeit daran setzen, um die italienische Regierung zu einem Verzicht auf ihre Forderungen zu bringen, ohne den, wie ich nicht verkenne, der Anschluß Italiens an unsere Gegner unvermeidlich werden würde. Von hier ist alles Menschenmögliche geschehen, um das Wiener Kabinett dazu zu bringen, den ursprünglich in der Trentino- Frage angenommenen und mit großer Zähigkeit festgehaltenen intransi- genten Standpunkt aufzugeben. Der schließlich erzielte Erfolg beweist die Richtigkeit und die Zweckmäßigkeit des dabei beobachteten Vorgehens. Wenn der Erfolg nicht so schnell eintrat, als das im Hinblick auf die politische Gesamtlage wohl wünschenswert gewesen wäre, so sind Ihnen die Gründe dafür bekannt. Sie lagen in dem bekannten österreichisch-itaheni- schen Gegensatz, der ein Opfer an Italien dem österreichischen Stolz und Hochmut besonders schwer und schmerzlich macht. Es lag an der gänzlich verkehrten und irreführenden Berichterstattung des österreichischungarischen Botschafters in Rom, es lag schließlich an den zu hoch gespannten Erwartungen, die an die militärischen Erfolge der verbündeten Armeen im Osten geknüpft wurden. Bei dieser Lage der Dinge muß es mich um so mehr befremden, daß der Militärattache der Botschaft, Major von Schweinitz, in seiner Berichterstattung über diese Frage eine Kritik an der Wien gegenüber befolgten Politik zum Ausdruck bringt, über deren Kompetenz und guten Geschmack ich mich eines Urteils enthalte, die aber durch Wendungen wie ,mit etwas mehr Energie' oder ,Berlin est faible' 232 BETHMANN BEFREMDET gekennzeichnet wird. Die Sprache des Majors von Schweinitz findet ja vielleicht eine Erklärung in seiner geringen Vertrautheit mit politischen Dingen und dem sich daraus ergebenden fehlenden Augenmaß für das mit Mitteln diplomatischen Drucks Erreichbare. Wir sind in Wien mit unserer Sprache bis an die Grenze dessen gegangen, was bei einem Bundesgenossen zulässig war, den Drohungen schließlich nur dazu gebracht haben würden, die Flinte ins Korn zu werfen und uns den Kampf mit unseren Gegnern allein zu überlassen. Ich habe persönlich in Teschen auf jede Weise auf Baron Burian einzuwirken gesucht, aber meinen Bemühungen konnte damals ein Erfolg um so weniger beschieden sein, als der Standpunkt des Ministers von dem anwesenden Chef des österreichisch-ungarischen Generalstabes nachdrücklich unterstützt wurde, trotzdem er mit seinem deutschen Kollegen der Ansicht Ausdruck gab, daß ein Eingreifen Italiens und Rumäniens auf der Seite unserer Gegner mit dem Verlust des ganzen Krieges für uns gleichbedeutend sein würde. Das scheint auch Herr von Schweinitz zu übersehen, dem Eure Durchlaucht anscheinend von dem Verlauf der Teschener Besprechung Kenntnis gegeben haben, wenn er unter Hinweis auf die Stellungnahme der beiden Generalstabschefs Baron Burian in einem seiner Berichte als unseren größten Feind bezeichnet. Gerade an dem Vorgehen Italiens hat Herr von Schweinitz ein mit Händen zu greifendes Beispiel vor Augen, welche Grenzen der diplomatischen Kunst gezogen sind, wenn sie sich nicht auf den realen Hintergrund verfügbarer militärischer Macht zu stützen vermag. Ich hoffe, daß er in Zukunft seine Aufgabe vornehmlich darin erblicken wird, neben Wahrnehmung seiner rein militärischen Obliegenheiten die politische Aktion Eurer Durchlaucht an Ort und Stelle durch Einwirkung auf die militärischen und gesellschaftb'chen Kreise, mit denen er in Berührung kommt, nachdrücklich zu unterstützen. In alter Verehrung bin ich mit den herzlichsten Grüßen Ihr treu ergebener Bethmann Hollweg." Herr von Bethmann Hollweg fühlte offenbar nicht, welche Verurteilung seiner mit dem Ultimatum an Serbien eingeleiteten Politik darin lag, daß er der Besorgnis Ausdruck geben mußte, Österreich könne im Falle eines zu weit gehenden deutschen Druckes sich bewogen fühlen, „die Flinte ins Korn zu werfen" und „uns den Kampf mit unseren Gegnern allein zu überlassen", diesen fürchterlichen Kampf, in den er uns doch nur wegen Österreich geführt hatte. Und wenn der deutsche und der österreichungarische Generalstabschef übereinstimmend erklärten, ein Eingriff Italiens und Rumäniens auf der Seite unserer Gegner würde für uns mit dem Verlust des ganzen Krieges gleichbedeutend sein, so war es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit des deutschen Kanzlers, einer solchen Eventualität mit allen Mitteln und um jeden Preis vorzubeugen. Papst Bonedikt XV. DER RUBIKON ÜBERSCHRITTEN 233 Ende März erschien unvermutet Flotow aus Neapel in Rom. Er stieg im Palazzo Caffarelli ab, wo er sich meine Berichte vorlegen Ließ und sich v. Flotow auf Grund dieser Berichte Notizen machte, selbstverständlich zu dem in Rom Zweck, meine Ausführungen, Ratschläge und Forderungen in seiner Privatkorrespondenz mit dem Staatssekretär von Jagow kritisieren und zerpflücken zu können. Er stattete auch dem österreichischen Botschafter, Herrn von Macchio, zwei längere Besuche ab und setzte diesem, wie ich bald nachher von Herren der Botschaft, die mit ihren österreichischen Kollegen auf gutem Fuß standen, erfuhr, mit Nachdruck auseinander, daß die italienische Regierung gar nicht den Mut finden würde, dem mächtigen Österreich-Ungarn den Krieg zu erklären. Was Sonnino und Salandra sagten, sei „Spiegelfechterei", die Sprache der italienischen Blätter „Theaterdonner". Herr von Flotow deutete dem k. und k. Botschafter auch an, daß dessen Regierung und insbesondere Seine Kaiserliche und Königliche Apostolische Majestät es ihm nie verzeihen würden, wenn er bei der Abtretung des Trentino an Italien sich beteilige oder auch nur dazu rate. Mich suchte Herr von Flotow während seines zehntägigen Aufenthaltes in Rom überhaupt nicht auf, sondern begnügte sich damit, überaß anzudeuten, daß ich in dem, was ich sagte und täte, gar nicht meine Regierung hinter mir hätte. Ex post finde ich, daß ich einen Fehler beging, als ich gegenüber solchen unqualifizierbaren Treibereien nicht telegraphisch meinen Abschied in Berlin einreichte. Jedenfalls wundere ich mich heute über meine damalige Langmut. Durch meinen verewigten Vater und in der Bismarckschen Schule zu unbedingter Pflichterfüllung gegenüber dem Lande unter Zurückstellung aller persönlichen Empfindungen erzogen, wollte ich, nachdem ich so lange an der Spitze des diplomatischen Dienstes gestanden hatte, auch bei dieser meiner letzten Mission ein Vorbild unbeirrbarer Pflichttreue geben. Ich sah aber die Folgen der Flotow-Jagowschen Haltung voraus und richtete vertraulich ein Zirkular an die kaiserlichen Konsulate, durch das ich die in Italien lebenden Reichsangehörigen auffordern Heß, sich auf die Eventualität eines Krieges zwischen Italien und den Zentralmächten einzurichten. Vierzehn Tage später wiederholte ich diese eindringliche Warnung. Ende April fühlte ich in meinen Gesprächen mit dem Minister Sonnino, daß er den Rubikon überschritten hatte. Ich konnte dafür keinen Beweis erbringen, aber ich hörte es seinen Worten an, ich las es in seinen Augen. Ich gedachte aber des alten Bülowschen Wahlspruches: „Nil desperandum", ich erinnerte mich an das schöne Wort des französischen Seehelden Jean Bart, das auf dessen Denkmal in Dünkirchen steht: So lange noch eine Kugel im Laufe wäre, müsse diese abgefeuert werden. Ich 234 EIN LETZTER APPELL nötigte am 9. Mai den k. und k. Botschafter, Baron Macchio, in einer Unterredung, zu der ich ihn in die Villa Malta einlud, in meiner Gegenwart und unter meinem Diktat eine Erklärung zu redigieren, die der italienischen Begierung noch am gleichen Tage auf vertraulichem Wege zugeleitet wurde und die besagte, Österreich-Ungarn sei bereit, den von Italienern bewohnten Teil Tirols abzutreten, ebenso Gradisca und das westliche Ufer des Isonzo, so weit die Bevölkerung rein italienisch sei; Triest solle zur Kaiserlichen Freien Stadt gemacht werden mit italienischer Universität und italienischer Munizipalität. Österreich anerkenne die italienische Souveränität über Valona und erkläre seine eigene politische Uninter- essiertheit hinsichtlich Albaniens. Es hatte für mich einer starken Pression bedurft, um den ängstlichen Italien Macchio endlich zu einem Schritt zu bewegen, der noch im Januar, als das kündigt den „Parecchio" Giolittis die Situation beherrschte, die gewünschte Wirkung Dreibund- g enaD t hätte. Aber das bekannte Wort des großen Napoleon, daß Österreich Vertrag gtetg £ m Rü^gtande wäre und daß dort alles „trop tard" erfolge, traf wieder einmal zu. Die italienische Begierung hatte sich der Entente gegenüber bereits am 24. April 1915 im geheimen gebunden. Sie hatte acht Tage später durch Note vom 3. Mai den Dreibund-Vertrag öffentlich gekündigt. Der Eindruck der österreichischen Anerbietungen auf die breite Masse des italienischen Volkes war nicht unbeträchtlich, aber doch nicht mehr stark genug, um eine wirkliche Volksbewegung hervorzurufen, zumal die Kriegspartei mit jedem Tage ihre Anstrengungen verdoppelte und nun auch die Straße mobil machte. Es kam hinzu, daß Macchio, nachdem er sich, von mir eingeschüchtert und nur unter meinem persönlichen Druck, zur Veröffentlichung der genannten österreichischen Konzessionen herbeigelassen hatte, seine Nachgiebigkeit bereute, seinen Schritt als ein Mißverständnis hinstellte und insbesondere betonte, das Einverständnis seiner Begierung habe nicht vorgelegen und sei auch inzwischen nicht erfolgt. Die ganze Trentino-Frage würde definitiv erst in dem künftigen Friedensvertrag geregelt werden. Die Sekretäre der beiden österreichischen Botschaften sprachen sich im gleichen Sinne aus, wo immer sich ihnen Gelegenheit bot, ihre Weisheit leuchten zu lassen. Aus Berlin erhielt ich die Weisung, eine nochmalige Audienz bei König Viktor Emanuel nachzusuchen, um ihm ein Schreiben Kaiser Wilhelms II. zu überreichen, in welchem ein letzter Appell an seine Bundestreue und seine persönliche Freundschaft gerichtet wurde. Ich erbat und erhielt sogleich diese Audienz. Der König empfing mich in freundlicher Weise. Er war in ruhiger, aber offenbar ganz entschlossener Stimmung. Es unterlag keinem Zweifel, daß er die Schiffe hinter sich verbrannt hatte. Er meinte, es gebe Situationen, wo ein konstitutioneller Monarch nicht gegen die wohl- UNRUHVOLLE TAGE 235 erwogene Meinung seiner Minister handeln könne, wenn diese nicht nur die Mehrheit im Parlament, sondern auch, wie sie überzeugt wären, die öffentliche Meinung, die Tradition und die höchsten Interessen des Landes auf ihrer Seite hätten. Der König dankte mir für die loyale Art und Weise, wie ich meine Mission erfüllt hätte. „An Ihnen Hegt es jedenfalls nicht, wenn es doch zum Kriege kommt." Inzwischen wollte der österreichische Botschafter, Baron Macchio, noch immer nicht an die Möglichkeit eines Krieges glauben. Als ich ihm in der ersten Maiwoche sagte, die Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn werde zweifellos innerhalb der nächsten vierzehn Tage erfolgen, meinte er: „Ach, die Italiener sind halt immer so aufgeregt! Sie werden sich schon wieder beruhigen." Das Berliner Auswärtige Amt war nicht weniger blind. Wenige Tage vor der Kriegserklärung Itafiens an Österreich-Ungarn wurden mir vom Amt zu meiner Orientierung und Direktive die Reiseeindrücke eines angeblich besonders scharfsinnigen und intelligenten deutschen Reisenden übersandt, der auf seiner ganzen Fahrt von der italienisch-österreichischen Grenze bis nach Neapel nirgends ernsthafte Symptome für kriegerische Absichten der Italiener wahrgenommen haben wollte. Es waren dies die unruhvollen Tage, in denen von früh bis spät große Pferde- und Mannschaftstransporte die Straßen der italienischen Städte durchzogen und in der Hauptstadt ein so reges militärisches Leben herrschte, wie es dem Ausmarsch bei großen Manövern oder einer Mobilmachung vorauszugehen pflegt. Drei Tage vor der italienischen Kriegserklärung an Österreich frug ein höherer Beamter im Wiener Ministerium des Äußern, Graf Nemes, der Vor der soeben aus Wien in Rom angekommen war, telephonisch bei mir an, wann Kriegsei mir seine Aufwartung machen könnte. Ich lud ihn zum Frühstück ein. er ^ ärun Graf Nemes begrüßte mich mit der Bemerkung, er sei sehr perplex. Der österreichische Minister des Äußern, Graf Burian, habe ihn beauftragt, mir seine angelegentlichen Empfehlungen zu übermitteln und mir gleichzeitig seinen Wunsch auszusprechen, ich möge das Opfer bringen, den Sommer über in Rom zu bleiben, um meine „verdienstvolle Friedensarbeit" weiter fortzusetzen. Der Minister zweifle nicht daran, daß es meiner „bewunderungswürdigen Dialektik" gelingen würde, die Italiener nach und nach ganz zu beruhigen. Dies sei die Wiener Auffassung, betonte Graf Nemes. In Rom sei die Stimmung aber offenbar eine andere. Graf Nemes war bei seiner italienischen Schwiegermutter, der Gräfin Gabriele Spaletti, in deren römischem Villino abgestiegen. Sie hatte ihn unter Tränen umarmt und ihn gefragt, was er eigentlich in Rom wolle, der Krieg stünde ja unmittelbar vor der Tür, unter dem sie, als Italienerin und gleichzeitig Mutter einer mit 236 ABSCHIED VON ROM einem österreichischen Diplomaten vermählten Tochter, doppelt leide. Sie riet ihrem Schwiegersohn, seine Koffer gar nicht erst auszupacken. Ich konnte Graf Nemes nur empfehlen, dem Rat seiner Frau Schwiegermutter zu folgen. Der Abgeordnete Erzberger hatte mich nicht nur in Rom durch seine Verbindungen mit dem Vatikan in meinen auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Bemühungen wacker unterstützt, sondern auch in seinen Berichten nach Berlin meine Wünsche vertreten und meine Bemühungen des höchsten Lobes gewürdigt. Seine Absichten waren die besten, aber seine politische Urteilslosigkeit trat auch hier zutage. Auch er wollte nicht an die Möglichkeit des Krieges glauben. Trotz meiner Abmahnung schrieb er nach Berlin, ich hätte den Frieden gerettet, alles sei in bester Ordnung. Als er wenige Tage vor der italienischen Kriegserklärung München passierte, suchte er die dort wohnende Mutter meines ausgezeichneten Mitarbeiters, des Legationsrats von Stockhammern, auf. Wie ein Wirbelwind fuhr er in das Empfangszimmer der Generalin. „Ich bringe Ihnen Grüße von Ihrem Sohn. In zwei Tagen wird er selbst hier sein. Er hat mitgeholfen, den Frieden zu erhalten, der jetzt völlig gesichert ist." Als die kluge alte Dame vierundzwanzig Stunden später in den „Münchener Neuesten Nachrichten" die italienische Kriegserklärung an Österreich las, schrieb sie ihrem Sohn: „Daß ein so konfuser Mensch wie dieser aufgeregte Schwabe jetzt eine große Rolle in Berlin spielen kann, macht mich ganz tiefsinnig." Am 25. Mai verließ ich Rom mit dem Personal der kaiserlichen Bot- Abreise Schaft. Alle Geheimakten hatte ich schon vierzehn Tage früher durch Feld- Bülouis jäger nach Berün geschickt. Meine Abreise erfolgte ohne jeden Zwischenfall. Die Leute, die um die Villa Malta herumstanden und in den Straßen, durch die ich nach dem Bahnhof fuhr, grüßten mich in der höflichsten Weise. Eine Stunde vor meiner Abreise hatte ich Abschied von meiner Schwiegermutter genommen, die ich nicht wiedersehen sollte, deren großes Herz auf der Höhe ihres glänzenden Geistes stand und die mir eine zweite Mutter ' geworden war. Auch von meinem Schwager, dem Fürsten Paolo Camporeale, nahm ich für dieses Leben Abschied. Er starb, wie meine Schwiegermutter, im Laufe des Krieges. Er war das einzige Mitglied des italienischen Parlaments, das gegen den Krieg stimmte. Ich verließ Italien mit tiefem Schmerz darüber, daß es mir nicht gelungen war, den Krieg zwischen Italien und den Zentralmächten zu verhindern. Ich sah rückschauend mit voller Klarheit, daß die Situation, die im Dezember bei größerer Energie und, ich muß leider hinzulugen, bei größerer Loyalität von Seiten Berlins noch zu retten war, durch das Hinundherschwanken Bethmanns, Berchtolds und Burians und die Taktik Jagows und Flotows in die Brüche hatte gehen müssen. Wie bei ZU SPÄT 237 Einleitung der wahnwitzigen Aktion gegen Serbien hatte man auch nach Ausbruch des Krieges, lediglich senilen Empfindlichkeiten zuliebe, die italienischen Bundesgenossen en quantite negligeable behandelt, und erst als Italien durch den Patto di Londra bereits gebunden war, hatte man mir die Hände freigegeben. Es war zu spät. XVIII. KAPITEL Zurück nach Berlin • Diner bei Bethmann Hollweg • Kein Empfang des Fürsten durch den Kaiser • Brief Bethmanns an Bülow • Antwort des Fürsten und Duplik Bethmanns Empfang in Hamburg • Die kriegerischen Ereignisse • Bethmann Hollweg nimmt Stellung zum polnischen Problem mit der Absicht, ein selbständiges polnisches Reich zu errichten Urteile über Bülows Mission I m Berliner Auswärtigen Amt herrschte eine andere Stimmung. Während meiner Amtszeit war unter dem Titel „Kaiser Wilhelm II. und die Schwarzseher" ein Buch erschienen, das manche nicht unzutreffenden Bemerkungen enthielt. Nach dem Kriege wurde eine Neuauflage des Buches veranstaltet. Der Verfasser soll ein angesehener Publizist gewesen sein, ein Herr Nebel, der einerseits im Berliner Auswärtigen Amt verkehrte, andererseits während des Winters 1914/15 mehrere Wochen in Rom geweilt hatte. Ich entsinne mich nicht, ihm begegnet zu sein oder seine persönliche Bekanntschaft gemacht zu haben. In der 1919 publizierten Neuauflage seines Buchs hieß es über meine römische Mission: „Der Geist des Auswärtigen Amtes konnte nicht schärfer gekennzeichnet werden, als daß allgemein behauptet wurde, in der Wilhelmstraße sei man während des ganzen Krieges nie so vergnügt gewesen wie an dem Tage, an dem Italien sich gegen uns gekehrt und dadurch dem Klüngel die Waffen geliefert habe, sich des Fürsten Bülow endgültig zu entledigen, der seine ganze Persönlichkeit und seine ganzen großen Beziehungen in Rom eingesetzt hatte, um Deutschland wenigstens diesen neuen Feind vom Leibe zu halten, und der dabei von der Wilhelmstraße aus den allerpersönlichsten Gründen aufs schmählichste im Stiche gelassen worden war." Nicht mit Unrecht fügt der „Schwarzseher" hinzu, daß das deutsche Auswärtige Amt im Weltkrieg zur Beute eines kleinen Klüngels subalterner Beamter geworden wäre, die einzig und allein darauf bedacht gewesen seien, sich durch Führung der auswärtigen Geschäfte des Reichs persönlichen Einfluß, persönliche Macht, Ehre, Würden und Titel zu verschaffen. Ein französischer Diplomat und Historiker, Raymond Recouly, veröffentlichte nach dem Ende des Weltkrieges unter dem Titel „Das Duell zwischen Bülow und Barrere" eine Betrachtung, in der es hieß: „Das Duell war von sehr großer Heftigkeit. Politisch, das müssen wir heute zugeben, hätte Bülow die Partie vielleicht NUR EIN LOHNDIENER 239 gewonnen, aber psychologisch war sie von vornherein verloren. Gegenüber der von der Wiener und Berliner Diplomatie geschaffenen Lage mußte auch das diplomatische Genie eines Fürsten Bülow ergebnislos verpuffen." Bei meiner Bückkehr nach Deutschland wurde ich bei meiner Durchreise durch die Schweiz an der Grenze von den Schweizer Behörden mit Rückkehr großer Courtoisie begrüßt. In Karlsruhe erwartete mich ein Vertreter der nacn Berlin Frau Großherzogin Luise, um mir ihre Grüße und ihren Dank für meine patriotische Wirksamkeit zu überbringen. In Berlin hatte der Staatssekretär Jagow die Nachricht in Umlauf gesetzt, daß meine Ankunft noch nicht so bald erfolgen würde, um auf diese Weise jede Begrüßung am Anhalter Bahnhof zu verhindern, die ich gar nicht wünschte. Am nächsten Tage ließ das Auswärtige Amt in einigen ihm zugänglichen Blättern höhnisch melden, daß sich zu meinem Empfang außer dem Besitzer des Hotels Adlon nur ein Lohndiener eingefunden hätte. Eugen Zimmermann hatte mir schon früher geschrieben: „Herr Staatssekretär von Jagow sagte bei Erörterungen, die über Ihre mögliche Wiederkehr auf den Kanzlerposten gepflogen wurden, das ginge nicht, weil Ihnen niemand glaube. Das hat er u. a. auch dem Grafen Schwerin-Löwitz gesagt. Diese Torheiten sind um so überflüssiger, als Sie ja gar nicht den Wunsch haben, wiederzukommen. Von dem, was Herr von Jagow über Sie erzählt hat, und zwar nicht um Ihnen zu nützen, möchte ich nur das Amüsanteste herausgreifen: Sie könnten am Tage höchstens eine halbe Stunde arbeiten, die übrige Zeit müßten Sie schlafend auf der Chaiselongue verbringen." Es sei selbstverständlich, fügte Eugen Zimmermann hinzu, daß er solchem Klatsch, wo er ihm begegne, den Stempel der Lächerlichkeit aufdrücke. Es erscheine ihm aber besser, ich wüßte solche Gemeinheiten, als daß ich ihnen wehrlos gegenüberstünde. Die Klatschereien über meine Lebensweise und Gesundheit stammten von Flotow und wurden von Jagow in Berlin verbreitet. In Wirklichkeit habe ich in meinem arbeitsreichen Leben nie mehr gearbeitet, auch nie mehr Menschen empfangen, gesehen und gesprochen als in Rom im Winter 1914/15. Zu den Gegenständen, die ich niemals besessen habe, gehört außer dem Schlafrock die Chaiselongue. Wäre das Gegenteil der Fall, so würde ich mich in keiner Weise schämen, dies einzugestehen. Kein Geringerer als Fürst Bismarck pflegte als älterer Mann nach dem Essen auf der Chaiselongue zu hegen und in dieser Lage behagheh seine Pfeife zu rauchen. In jüngeren Jahren trug er am Vormittag im Hause gern einen Schlafrock, sogar einen geblümten Schlafrock. Ich sehe ihn in diesem Schlafrock noch vor mir. Er sah altvaterisch und dabei doch ebenso gewaltig aus wie im Koller der Halberstädter Kürassiere. Der Botschafter Schweinitz erzählte mir einmal, daß ihn Bismarck unmittelbar nach seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten und Minister des Äußern im Schlaf- 240 EIN ABENDESSEN rock empfangen hätte. Mit den Quasten des Schlafrockes spielend, habe er ihm gegenüber sein damaliges Regierungsprogramm in die Worte zusammengefaßt: „In der inneren Politik bin ich Royalist bis in die Knochen. Wenn es sein muß, gehe ich für den König in die Veudee und fechte für ihn mit den altmärkischen Bauern. In der auswärtigen Politik werde ich auch vor revolutionären Mitteln nicht zurückschrecken. Flecters si nequeo superos, Acheronta movebo." Ich hätte diese meine Niederschrift über die gewaltigen und für Deutschland unglücksschwangeren Ereignisse, die während meiner römischen Mission an mir vorüberzogen, nicht mit der Schilderung unterirdischer Intrigen und der Wiedergabe unwürdiger Klatschereien beschwert, wenn es sich nur um meine Person handeln würde. Aber diese Umtriebe waren nur Symptome eines Übels, das tiefer saß, Symptome einer Verrottung der Gesinnung, die in den Amtsstuben der Berliner Wilhelmstraße um sich fraß und die erbärmlichen Interessen kleinlichen Strebertums vor die Sache des Landes stellte, und das zu einer Zeit, wo an den Fronten Offiziere und Soldaten zu Tausenden und Tausenden ihr Leben heldenmütig in die Schanze schlugen. Am Abend meiner Ankunft in Berlin folgte ich einer Einladung des BeiBethmann Kanzlers Bethmann zum Abendessen. Herr von Bethmann dankte mir mit großem Pathos, fast überschwenglich, für meine „hingebenden Bemühungen". Jagow, der neben meiner Frau saß, sagte ihr, er begriffe nicht, wie ich Österreich zur Abtretung des Trentino habe raten können. Als meine Frau erwiderte, ich sei wohl überzeugt gewesen, daß durch rechtzeitige österreichische Konzessionen der Ausbruch des Krieges zwischen Italien und Deutschland zu verhindern gewesen wäre, meinte Herr von Jagow: „Sie vergessen, daß die Abtretung des Trentino dem ehrwürdigen Kaiser Franz Josef, Seiner Apostolischen Majestät, dem ältesten Souverän in Europa, das Herz gebrochen haben würde. Sie vergessen, daß Österreich der letzte Hort konservativer Prinzipien und wahrhaft vornehmer Traditionen ist, Italien aber ein demokratisches und revolutionäres Gebilde." Nach Tisch näherte sich mir Herr von Jagow, den ich bis dahin nicht beachtet hatte, in krummer Haltung und mit einem verlegenen Gesicht, aus dem ein sehr schlechtes Gewissen sprach. Ich drehte ihm vor allen Anwesenden den Rücken. Ich gestehe, daß ich selten innerlich eine größere Befriedigung empfunden habe. Einem unerfreulichen Menschen die Empfindungen, die er in uns erweckt, auch äußerlich zu erkennen zu geben, ist ein erlesener Genuß. Am nächsten Tage suchte Herr von Jagow meinen Freund, den Fürsten Karl Wedel, unter dem er einige Jahre als Sekretär gedient hatte, mit der Bitte auf, für ihn bei mir ein gutes Wort einzulegen. Er wisse wohl, was er mir zu verdanken habe, nämlich seine ganze Karriere. Eigenhändiger Brief Papst Benedikts XV. an Bülow (Zu Seite 229) Eccellenza, Accogliemmo con particolare gradimento la pregiata lettera che FEccellenza Vostra si compiaceva indirizzarci in data del 21 corrente. Teniamo ora a significare personalmente alVEccellenza Vostra quanto noi abbiamo apprezzato le nobili espressioni, nelle quali si traduceva Vossequio cordiale che Ella professa alla Nostra persona ed a questa Sede Aposlolica su cui, in circostanze cosi calamitose, volle il Signore collocarci; manife- stazioni deWanimo di Lei grande e delicato, delle quali serberemo caro e perenne il ricordo. Ualta stima, inoltre, che noi sempre Le portammo ed il riconoscimento delle doti esimie che L^adornano e delle non poche benemerenze che Ella, nella lunga sua vita politica, seppe acquistarsi verso la Sua patria, avrebbero reso a Noi sommamente accetto Vomaggio che VEccellenza Vostra, insieme con la degnissima sua Consorte, si riprometteva di presentarci personalmente alla Sua partenza da questa cittä, qualora le circostanze Vavessero consentito. Ad ogni modo, accettiamo con animo grato Vaugurio cortese che Ella, signor Principe, sul finire della lettera, affidava alla Provvidenza Divina, perche propizia assista questa Sede, e alla Nostra volta Noi amiamo di volgerlo, con pleno ricambio del Nostro affetto paterno, alla di Lei Nazione, a Vostra Eccellenza stessa ed alla nobilissima Sua sposa, Cui altresl concediamo ben di cuore la implorata benedizione apostolica. Benedictus PP. XV. Roma, 30 Maggio 1915 (Deutsche Übersetzung umseitig) Durchlaucht, Wir empfangen mit besonderer Genugtuung das geschätzte Schreiben, das Eure Durchlaucht am 21. ds. Mts. an Uns zu richten die Güte hatten. Wir legen Wert darauf, Euer Durchlaucht zu bekunden, wie sehr Wir die edeln Gefühle gewürdigt haben, in denen die aufrichtige Huldigung zum Ausdruck kam, die Sie Unserer Person und dem Apostolischen Stuhl darbringen, auf den Uns der Herr unter so beklagenswerten Umständen berufen ivollte, eine Kundgebung Ihres großen und feinsinnigen Geistes, der Wir allzeit ein gutes Aiidenken bewahren werden. Die hohe Achtujig, die Wir immer für sie hegten, und die Anerkennung der hervorragenden Talente, die Sie zieren, und der n icht geringen Verdienste, die Sie in Ihrem langen politischen Leben sich um Ihr Vaterland zu erwerben wußten, hätten Uns die Huldigung in hohem Grade genehm gemacht, die Eure Durchlaucht zugleich mit Ihrer verehrten Frau Gemahlin Uns vor Ihrer Abreise aus dieser Stadt persönlich zu erweisen gedachten, sofern die Umstände es gestattet hätten. Auf jeden Fall nehmen Wir dankbar den tiefgefühlten Wunsch entgegen, den Eure Durchlaucht am Schlüsse Ihres Briefes an die göttliche Vorsehung richtete, sie möge gnädig dem Heiligen Stuhl beistehen. Wir Unsererseits erwidern diese Wünsche in väterlicher Liebe für Ihre Nation , für Eure Durchlaucht und für Ihre erlauchte Gemahlin und gewähren gleichfalls aus vollem Herzen den von ihr erbetenen Apostolischen Segen. Rom, den 30. Mai 1915 Benedictus P. P. XV. t— *L^££&^*^/£*--> -^cz_. 7^n_i2—a-*ia^" 7~yz- ^-^<>-*^«_i>t. -^--r &£c*/£*x. % f < ~2z>-*2-~^\ r^jZ o ^ Sät - J'^-C d""Z-«3c_> —^c.'cp'^k^-*. -j^*" r / £c s^*-^ <^ß^^ <>Txu-sx3t_^^>>t!o *»^f 1 "^«- IP^ «S^^S^e <^2^ &Zs££cc •^*^*CX^ ^V^-V^* • /^£-0-Zs£l^_ X UNTER ABSOLUTER DISKRETION 241 Ich wäre sein „Wohltäter" gewesen, aber Flotow wäre sein „Herzensfreund". Mit diesem Bittgang hatte Jagow bei mir kein Glück. Ich habe ihn auch weiter überall geschnitten, namentlich im Herrenhause, in das ihn der Kaiser auf den Vorschlag von Bethmann berufen hatte, obwohl er in dies Haus und zu dessen patriotischen und großen Traditionen paßte wie Pilatus ins Credo. Bald nach meiner Ankunft in Berlin wurde mir von einem Flügeladjutanten mit der Bitte um absolute Diskretion erzäldt, daß der Kaiser mich nach meiner Bückkehr aus Born habe empfangen wollen, um mir für meine Bemühungen zu danken. Bethmann und Jagow hätten Seiner Majestät aber gesagt, daß mein Empfang und nun gar eine Auszeichnung für mich einen schlechten Eindruck in Wien hervorrufen würde. Es läßt sich unschwer denken, mit welcher Genugtuung der von dem Hofmarschall Beischach ständig auf dem laufenden gehaltene österreichische Botschafter Gottfried Hohenlohe über diese meine Brüskierung nach Wien berichtete und wie sehr die Schwächlichkeit Bethmanns die Dreistigkeit des Wiener Kabinetts ermutigen mußte. In den nächsten Tagen beehrte die Kaiserin meine Frau und mich mit einer Einladung zum Frühstück, bei dem außer uns nur ihre Tochter, die Herzogin von Braunschweig, und deren Gemahl zugegen waren. Die Kaiserin dankte mir in rührender Weise für meine Tätigkeit in Born. Sie verschwieg mir nicht, daß der Kanzler und der Staatssekretär des Äußern ihren hohen Gemahl verhindert hätten, mich zu empfangen. Nicht lange nachher erhielt ich von Bethmann den nachstehenden Brief: „Verehrter Fürst, in der Unterhaltung, die ich unlängst in meinem Hause Bethmann mit Ihnen führen durfte, habe ich einige Details für den Grad des Druckes befürchtet angeführt, den wir im Verlauf der italienischen Krisis auf das Wiener Kritik Kabinett ausgeübt haben. Nach dem Mißerfolg, mit dem die Krisis geendet hat, sucht die politische Diskussion begreiflicherweise nach dem Schuldigen und ist, wie ich höre, geneigt, ihn weder in Wien noch in Born, sondern in Berlin zu finden. Ich fürchte, daß solche Betrachtungen dem Vaterlande nicht zum Nutzen gereichen. Die fest begründete Stellung, die Eure Durchlaucht in der Wertung der öffentlichen Meinung einnehmen, schützt, wie die Haltung der gesamten Presse und der laute vom Beichstag meinen Worten gespendete Beifall zeigt, vor jeglicher Anzweiflung Ihrer rastlosen in Born entfalteten Tätigkeit. Sie bedarf keines Schutzes. Dem Wiener Kabinett sein voll gerütteltes Maß an Verantworthchkeit in der Öffentlichkeit zuzuschieben, verbietet mir und allen offiziellen Persönlichkeiten während der Dauer des Krieges die einfachste politische Bäson. Jetzt kann ich nicht auf die schweren Fehler der österreichischen Politik gegenüber Italien hinweisen lassen, die bis in die letzten Jahrzehnte zurückreichen, 16 BUIow III 242 DAS SCHULDKONTO nicht auf die Grenze, die unseren Druckmitteln auf Wien gezogen war, nachdem Österreich bedeutende Truppenmassen unter Preisgabe Ostgaliziens zum Schutze Schlesiens abgezweigt hatte, nicht auf den Starrsinn der Österreich-ungarischen Minister, die bis in die letzten Tage der Krisis allen unseren Vorstellungen die mit Eurer Durchlaucht Meldungen unvereinbaren Berichte ihrer römischen Vertreter entgegenhalten konnten, nicht auf die schroff ablehnende Haltung Kaiser Franz Josefs, der sich den Briefen und Missionen unseres Allergnädigsten Herrn und selbst dem persönlichsten Einfluß des Papstes unzugänglich erwies. So ist Berlin jetzt verurteilt, auf alle Vorwürfe, die ihm gemacht werden, zu schweigen, bis eine spätere Zeit das Sprechen gestatten wird. Die Schädigungen aber, die der moralischen Widerstandskraft Deutschlands zugefügt werden, wenn sich Kreise bilden, die den italienischen Krieg auf mein und meiner Mitarbeiter Schuldkonto setzen, wachsen sich zu einer Erschütterung aus, wenn die Kritik, den einmal eingeschlagenen Weg verfolgend, mit der gleichen Tendenz bis zur Vorgeschichte des Krieges hinaufsteigt. Behauptungen wie die, daß der Krieg hätte vermieden oder doch in günstigerer Konstellation hätte ausgefochten werden können oder daß er doch nahe an einen Präventivkrieg streife, lassen, wo sie hinfallen, einen Stachel sitzen und schmeicheln sich um so fester bei den weniger Nachdenklichen ein, je mehr sie von den großen geschichtliehen Zusammenhängen absehen. Was der weiter zurückliegenden Vergangenheit angehört, was mit und ohne unsere Schuld zu der großen Koalition gegen uns führte, was bei fortschreitendem Niedergang Österreichs und stetiger Erstarkung der Entente die Kräfte Deutschlands immer bedrohlicher isolierte, was uns seit dem Jahre 1905 in der Marokko-Frage, später in der bosnisch-herzegowinischen Krisis, dann wiederum in der Marokko-Frage zu einer Politik äußersten Bisikos, und zwar eines sich mit jeder Wiederholung steigernden Bisikos, zwang — alle diese Vorgänge gehen in den gewaltigen Eindrücken der Gegenwart unter, bis die Zeit nach dem Frieden allmählich die Ursachen eines Weltverhängnisses klarer erkennen lassen wird, das viel zu gewaltig ist, als daß es singuläre Ereignisse zum Ursprung haben könnte. Daß ich Dinge ausspreche, die Eure Durchlaucht mit Ihren weiten poütisch-historischen Kenntnissen noch klarer und richtiger durchschauen, als ich es vermag, geschieht aus der vaterländischen Sorge, die mir durch mancherlei auch ernste politische Kreise beherrschende Gespräche erweckt wird. Aus der Macht, die Eure Durchlaucht mit Ihrer Person und Ihrem Wort auf die Menschen ausüben, wissen Sie zu genau, wie das Empfinden und Denken des Volkes und der Öffentlichkeit geleitet und gelenkt werden kann. Um so mehr werden Eure Durchlaucht, wie ich hoffe, meine Bitte würdigen, mit dahin zu wirken, daß nicht durch die Vorwegnahme einer Kritik, die jetzt noch nicht offen und frei, EIN PROTEST BÜLOWS 243 sondern nur bruchstückweise und deshalb falsch geübt werden könnte, die Kräfte der Einheit und Geschlossenheit gelähmt werden, deren wir zum siegreichen Durchhalten nicht entraten können. In alter Verehrung bin ich Euer Durchlaucht ergebener von Bethmann Hollweg." Ich erwiderte auf dieses Schreiben, aus dem Empfindlichkeit, noch größere Ängstlichkeit und ein unruhiges Gewissen sprachen: „Verehrter Bülows Freund, Ihrem gestern erhaltenen Schreiben entnehme ich mit Bedauern, Erwiderung daß die Quertreibereien, die mir bereits während meiner vorübergehenden amtlichen Tätigkeit in Rom wiederholt entgegengetreten waren, auch nachdem ich in das Privatleben zurückgekehrt bin, ihren Fortgang nehmen. Ich habe mich seit meinem vor bald sechs Jahren erfolgten Rücktritt einer politischen Zurückhaltung befleißigt, wie sie gewissenhafter und peinlicher nicht möglich ist. Ich habe, wie gerade Sie wissen, an dieser Zurückhaltung festgehalten, als ich der Gegenstand sinnloser und unwürdiger Verleumdungen war. Ich habe auch jetzt bei Gesprächen über die Entwicklung der italienischen Verhältnisse, und ganz besonders soweit Österreich und die österreichische Politik in Frage kommen, in Rom wie hier nichts gesagt, was die Kreise unserer Politik stören könnte. Dafür bürgt nicht nur mein persönbches Taktgefühl, das mich in keiner Lebenslage verlassen hat, sondern auch meine richtige politische Einschätzung unseres Bündnisses mit Österreich, dem, wie Sie mir gern zugeben werden, während meiner Amtsführung nicht nur äußere und bedeutsame Erfolge, sondern auch innerliche Neubelebung und Kräftigung beschieden waren, obschon ich dafür Sorge trug, innerhalb des deutsch-österreichischen Bündnisses der führende Teil zu bleiben. Auch in Rom bin ich nicht nur mit großem Nachdruck für politisch vernünftige österreichische Gesichtspunkte eingetreten, sondern ich habe es als einen wesentlichen Teil meiner Aufgabe betrachtet, Schaden von Österreich abzuhalten und die österreichischen Lebensinteressen sicherzustellen, wenn auch selbstverständlich die preußische und deutsche Staatsräson mein Leitstern war. Das Recht darf ich für mich in Anspruch nehmen, über Vorgänge, die pubüci juris sind und die von allen Kennern der itaÜenischen Verhältnisse, mag es sich um Mitglieder unserer Missionen in Rom, um die Vertreter neutraler Länder, um dauernd oder vorübergehend in Rom weilende deutsche Landsleute oder um deutschfreundliche Italiener handeln, gleichmäßig beurteilt werden, meine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Daß dies immer mit der nötigen diplomatischen Diskretion und dem nötigen diplomatischen Feingefühl geschehen ist und noch geschieht, werden Sie, wie ich hoffe, nicht bei einem Mann bezweifeln, der, Sohn eines Staatssekretärs des Äußern und selbst mit vierundzwanzig Jahren in den diplomatischen Dienst eingetreten, diesem Dienst sechsunddreißig Jahre angehört und zwölf Jahre an der 16* 244 DER ERZIELTE AUFSCHUB Spitze dieses Dienstes gestanden hat. Unter Wahrung dieser Diskretion bin ich der von mir wohlbekannter Seite verbreiteten tendenziösen und unwahren Behauptung entgegengetreten, als ob ich nach meinem Eintreffen in Rom die Verhältnisse zu schwarz gemalt hätte, wenn ich pflichtgemäß auf die Gefahr eines italienischen Vorgehens gegen Österreich hinwies. Die Tatsache, daß es mir trotz der größten Schwierigkeiten und allem, was vor meinem Eintreffen in Rom versäumt und verdorben worden war, gelungen ist, dieses italienische Vorgehen um Monate hinauszuschieben, darf ich wohl als Beweis dafür gelten lassen, daß meine persönliche Position in Rom, die ich rückhaltlos in den Dienst des Landes gestellt habe, eine bessere war, als mündlich und schriftlich von einer anderen, Ihnen ebenfalls bekannten Stelle, vor meiner Entsendung nach Rom verbreitet wurde. Wenn Sie, lieber Herr von Bethmann, auf angebliche Äußerungen von mir über die Vorgeschichte des Krieges hindeuten, so bitte ich, mir diejenige Person zu nennen, die gewagt hat, zu behaupten, daß ich in meinen Worten gerade über diesen Gegenstand Unzutreffendes gesagt und die Grenzen überschritten hätte, die mir mein Patriotismus, meine Vergangenheit und meine persönliche Würde ziehen. Ich weise jede derartige Insinuation mit der größten Entschiedenheit zurück. Es bedarf für mich nicht der Erinnerung, daß in dem furchtbaren Kampf, in den die Nation hineingeführt worden ist, Einheit und Geschlossenheit nottun. Daß solche Geschlossenheit und Einheit die Vorbedingung wie des Sieges so eines würdigen Friedens sind, ist mir wohl bewußt, und wo ich Gelegenheit fand, habe ich gerade dies betont. Wenn Ihnen hinterbracht sein sollte, ich hätte geäußert, dieser Krieg streife nahe an einen Präventivkrieg, u. ä., so ist der Denunziant entweder nicht imstande, die Tragweite einer politischen Äußerung richtig einzuschätzen, oder er sagt bewußt die Unwahrheit. Was aber meine eigene Amtsführung anlangt, so möchte ich hier nicht auf diesen Gegenstand ausführlicher eingehen und beschränke mich auf den Hinweis, daß Sie mit den Vorgängen von 1905 und 1908/1909 naturgemäß m'cht näher vertraut sein können. Ich will hier nur daran erinnern, daß es mir gelungen ist, unter Aufrechterhaltung des Friedens mit Frankreich, Japan und vor allem mit England, guter Beziehungen zu Rußland, unter Erhaltung der österreichischen Machtstellung wie der Integrität der Türkei die Vorbedingungen für den Bau unserer Flotte in zwölf sehr kritischen Jahren zu schaffen, während deren sich Wohlstand und Machtstellung des Reichs zu schöner Blüte entfalteten. Das werden Sie gewiß anerkennen, der Sie während der fünf Jahre zwischen dem Juni 1909 und dem Juli 1914 oft hervorgehoben haben, daß wir trotz gelegentlicher Differenzen in dieser oder jener Einzelfrage in friedlichen und freundlichen Beziehungen zu Rußland wie zu England und sogar zu Frankreich stünden, die in der Begegnung DIE UNGEBROCHENE FRONTSTELLUNG 245 von Potsdam, Ihrer Reise nach Rußland, dem Kongo-Vertrag mit Frankreich und den projektierten Abmachungen mit England ihren Ausdruck fänden und günstige Aspekte für die Zukunft eröffneten. Die Ursache des furchtbaren Krieges, der inzwischen ausgebrochen ist, hegt zum Teil natürlich weit zurück. Der englisch-deutsche Gegensatz mußte sich verschärfen, seitdem unsere Industrie und unser Handel sich in früher nicht geahnter Weise entfaltet hatten, seitdem wir zur See gegangen waren und namentlich seitdem wir uns eine Flotte bauten. Das deutsch-russische Verhältnis war seit der ersten großen Orientkrisis, die zum Berliner Kongreß und zur Zuspitzung der Gegensätze zwischen Österreich-Ungarn und Rußland führte, mancher schwierigen Belastungsprobe unterzogen worden, und vollends der deutsch-französische Gegensatz ließ sich seit dem Frankfurter Frieden und der Annexion von Elsaß-Lothringen nicht mehr aus der Welt bringen. Mit diesem Schwergewicht belastet, hat die deutsche Politik trotzdem während langer Jahre den Frieden zu wahren vermocht. Die Frage, ob es notwendig war, mit dieser Politik zu brechen, wird sich schwerlich für immer ausschalten lassen. Ich stimme mit Ihnen aber ganz darin überein, daß gegenwärtig unser Sinnen und Denken ganz auf den Sieg gerichtet sein muß und auf einen Frieden, würdig so heroischer Anstrengungen und würdig der ungeheuren Opfer, die unser Volk mit bewunderungswürdiger Hingebung bringt. Seien Sie versichert, daß hiervon niemand mehr durchdrungen ist als ich und daß, so weit für mich die Gelegenheit geboten wird, von meiner Seite alles geschieht, um dieses Ziel zu erreichen." Auf dieses Schreiben erhielt ich umgehend von Bethmann die nachstehende Dupb'k: „Eurer Durchlaucht Schreiben vom 12. d. Mts., das ich Bcthmanns gestern erhielt und für dessen eingehende Ausführungen ich meinen auf- Duplik richtigen Dank ausspreche, bestärkt mich in der Gewißheit, daß in dem, was sich mir gegenwärtig als der Kernpunkt darstellt, unsere Ansichten kaum auseinandergehen. Auch Sie wünschen, wie ich es tue, daß die einmütige Hingabe der Nation durch die uns Deutschen so tief im Blut steckende Neigung zur Kritik nicht in einem Zeitpunkt geschwächt werde, der eine ungebrochene Frontstellung unser aller erfordert, und ich kann nur meinen wärmsten Dank dafür aussprechen, daß Eure Durchlaucht in vollem Einklang mit der Stellung, die Sie seit dem Jahre 1909 im nationalen Interesse unter persönlichen Opfern eingenommen haben, auch Ihrerseits allen auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen Ihre tätige Unterstützung leihen wollen. Ihr in aufrichtiger Verehrung treu ergebener von Bethmann Hollweg." Als ich diesen Briefwechsel mit meinem Nachfolger meinem Freunde Albert Ballin vertraulich mitteilte, erwiderte mir der kluge Mann: „Ich bitte um die Erlaubnis, Eurer Durchlaucht in der Anlage die Briefe zurückreichen 246 IN DER ELBPARK VILLA zu dürfen, welche Sie die große Güte hatten mir zur Kenntnisnahme anzuvertrauen. Ich fand den Inhalt ebenso interessant wie bezeichnend für die Gemütsverfassung unserer Berliner Geschäftsführer." Ich hatte schon früher Zustimmung bei Ballin gefunden, als ich meine Eindrücke über unsere Lage in die Worte zusammenfaßte: „Haltung und Geist der Bevölkerung Ia — politische Führung Vb." In Hamburg eingetroffen, wurde ich von dem Regierenden Bürgermeister Herrn von Melle freundlicherweise zu einem Essen eingeladen, zu dem er eine größere Anzahl Senatoren und Mitglieder der Bürgerschaft gebeten hatte und bei dem er mir in zu Herzen gehender Rede im Namen der Stadt Hamburg für meine Tätigkeit in Rom dankte. Nicht lange nachher bezog nfcnthalt ich die Elbparkvilla, wo mir ein schöner Empfang bereitet wurde. Aus Flottbek der ganzen Elbgegend hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Meiner Frau wurden Blumensträuße überreicht. Die Frauen der Flottbeker Kriegerhilfe und eine zahlreiche Kinderschar erfreuten uns mit Gesängen. Der Landrat des Kreises Pinneberg hielt eine Ansprache. In meiner Antwort gab ich der Freude Ausdruck, wieder dorthin zurückzukehren, wo ich das Licht der Welt erblickt hätte, wo ich einen großen Teil meiner Jugend verlebt hätte, wo ich jeden Baum und jeden Stein kenne. Wie oft wäre ich auf der Straße, die an der Elbparkvilla vorbeiführe und die mein verstorbener Freund, der Dichter Detlev von Liliencron, mit Recht die schönste Straße der Welt genannt hätte, am Sonntagmorgen mit meinen seligen Eltern zur Kirche gegangen, elbaufwärts nach Ottensen, oder elbabwärts nach Nienstedten. Als guter Preuße, der ich sei und bis an mein Lebensende bleiben werde, freute ich mich, in Flottbek auf preußischem Boden zu stehen. Ich freute mich aber auch der Nähe Hamburgs. In einer Stunde trüge das Schiff mich nach dem Hamburger Hafen, und ich sähe das Bismarckdenkmal vor mir, das gewaltige Standbild, das dem gewaltigsten Sohn des deutschen Volkes errichtet worden wäre, ich erblickte die hochragenden, spitzen Türme der Stadt, an die mich soviel Erinnerungen knüpften, verwandtschaftliche Beziehungen und warme Sympathien, wo mir treue Freunde lebten, wo ich immer gern weilte, wo sich auch meine Frau wohlfühle, die das Land der Eichen und Buchen geradeso liebte wie ich. Ich dankte den um mich Versammelten, ganz besonders den Kindern, deren Väter im Felde stünden. Mit tiefer Bewegung hätte ich an der Flottbeker Bahnstation die Namen derjenigen Flottbeker gelesen, die in diesem Kriege gefallen wären und mit ihrem Blut die holsteinische Treue für König und Vaterland, für Kaiser und Reich bezeugt hätten. Ich schloß mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König. Die Leistungen der Armee während des Sommers 1915 erfüllten mich mit immer neuer Bewunderung. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz HINDENBURG ERKLÄRT 247 wehrten in der Loretto-Schlacht unsere Truppen trotz ihrer weit geringeren Zahl den mit den größten Mitteln unternommenen Durchbruchsversuch des Marschalls Joffre mit Heldenmut ab. In der Champagne und im Artois blieben alle Vorstöße der Franzosen und Engländer erfolglos. Schwere Sorgen aber erweckte in mir die Haltung des Kanzlers Bethmann in der polnischen Frage. Schon im August 1915 gab er ganz überflüssigerweise in einer Reichstagsrede der Hoffnung Ausdruck, daß unsere Besetzung der polnischen Grenzen gegen Osten den Beginn einer Entwicklung darstellen würde, welche die alten Gegensätze zwischen Deutschen und Polen aus der Welt schaffen und das vom russischen Joch befreite polnische Reich einer glücklichen Zeit entgegenführen würde, in der es die Eigenart seines Nationallebens pflegen und entwickeln könne. Eine solche Entwicklung erschien Herrn von Bethmann als das vornehmste deutsche Kriegsziel. Diese von ihm eingeleitete „glückliche Entwicklung" hat dahin geführt, daß wir uns an unserer Ostgrenze künstlich einen Todfeind schufen und großzogen, der uns weite und reiche, seit über hundert Jahren in deutschem Besitz befindliche Gebietsteile raubte, der die Deutschen ausplündert, mißhandelt und, als Soldknecht Frankreichs, die Hand an unsere Gurgel hält. Ich hörte schon 1915, daß Bethmann seine unvernünftige und unheilvolle polenfreundliche Rede, trotz dem Abraten aller preußischen Minister und den Gegenvorstellungen der Konservativen, der Nationalliberalen und auch einsichtiger Freisinniger und Zentrumsleute, gehalten hatte. Ihrer üblen Gewohnheit entsprechend, haben sich Bethmann und Jagow, als sich nur zu bald die schlimmen Folgen der Errichtung eines selb- Das selbstä ständigen polnischen Reiches herausstellten, bemüht, die Verantwortung dige Polen für ihre kopflose Aktion auf andere, in diesem Falle auf den Feldmarschall Hindenburg und seinen Generalstabschef Ludendorff, abzuschieben. Als sich mein langjähriger Freund und Kollege, der Kultusminister Studt, bei dem Feldmarschall brieflich erkundigte, ob an dieser Entschuldigung etwas Wahres wäre, richtete Hindenburg am 24. September 1917 den nachstehenden Brief an ihn, den ich im Original in der Hand gehabt habe und von dem ich mir mit Ermächtigung des Staatsministers Studt eine Abschrift nahm: „Wie ich höre, hat man in Berlin das Gerücht verbreitet, die Schaffung des Königreichs Polen sei auf meinen und Ludendorffs Wunsch hin erfolgt. Ich bitte, diese Unrichtigkeit gütigst bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu widerlegen. Das Königreich Polen ist am 12. und 13. August 1916 zwischen Bethmann und Burian beschlossen worden. Erst am 29. August wurde ich Chef des Generalstabes und erfuhr daher noch einige Zeit später die Schaffung dieser Mißgeburt, als Beseler zu einer Besprechung nach Pleß herüberkam. Er versprach uns damals bis zum Frühjahr 1917 an 248 250000 POLNISCHE FREIWILLIGE ausgebildeten polnischen Truppen als Folge der Schaffung des Königreichs fünf Divisionen bei freiwilligem Eintritt, eine Million bei allgemeiner Wehrpflicht. Dieser Zuwachs konnte uns für 1917 nur erwünscht sein, und haben wir daher lediglich auf diese Neuformationen wiederholt hingewiesen und gedrückt. Wie sehr Beseler geirrt hatte, beweist die Tatsache, daß in diesem Sommer erst dreitausend Polen in der polnischen Legion standen, die übrigen neuntausend waren von Österreich eingeschmuggelte Galizier, die nur hinter der Front verwandt werden konnten. Für diese Gesellschaft habe ich natürlich gedankt. Das ist meine und Ludendorffs wahre und einzige Beziehung zum Königreich Polen. Die Oberste Heeresleitung wurde immer vorgeschoben, wenn man fühlte, eine Dummheit begangen zu haben. Und forderten wir dann Richtigstellung durch die Presse, dann hieß es: Die 0. H. L. dürfe nicht der öffentlichen Kritik preisgegeben werden." Im Januar 1918 erklärte in einer öffentlichen Versammlung in Hannover der Oberbürgermeister dieser Stadt, der Stadtdirektor Tramm, mit ausdrücklicher Ermächtigung des Generalfeldmarschalls, die Behauptung, daß die Gründung des neuen polnischen Staats auf Wunsch der Obersten Heeresleitung und mit deren vollem Einverständnis erfolgt sei, für „absolut unwahr". Herr Tramm führte weiter aus: „Der politische Vertrag über Polen ist zwischen den Reichsleitungen Deutschlands und Österreich- Ungarns beschlossen worden, mehrere Wochen bevor Hindenburg und Ludendorff an die Spitze der deutschen Heeresleitung berufen wurden. Sie haben nichts davon gewußt. Das einzige, was sie getan haben, ist folgendes: In dem Vertrag war vorgesehen, daß die polnische Nation unserer Armee zweihundertfünfzigtausend Freiwillige zuführen würde, und als sie ans Ruder kamen, sagten sie: ,Wenn das richtig ist, dann können wir sie jetzt gut gebrauchen.' Man stand vor der rumänischen Kriegserklärung, und die Brussilowsche Offensive war im Gange. Da sagten die Heerführer: ,Habt ihr soviel Truppen zur Verfügung, dann schafft sie uns auch heran.' Ich weiß nicht, ob Sie alle das traurige Resultat wissen. Ich kenne die Zahl auch nicht genau, aber ich glaube, es sind noch keine zehntausend Freiwillige eingestellt. Also an dieser Gründung des polnischen Staats war die Oberste Heeresleitung durchaus unbeteiligt." Mit Recht fügte der Stadtdirektor Tramm hinzu: Es könne gar nicht genug nach außen verbreitet werden, daß die Oberste Heeresleitung an der Gründung des polnischen Staats durchaus unbeteiligt sei. Mit der Ausstreuung der gegenteiligen Behauptung werde versucht, an Stelle der Männer, die den Fehler begangen hätten, einen ganz schweren Fehler, die populärsten Männer und Helden unseres Volkes in minderem Lichte erscheinen zu lassen. Nicht scharf genug könne man sich gegen solche Vorstellungen wenden, damit das Bild unserer beiden Heerführer uns klar und rein erhalten bleibe. \ IN POLNISCHEM FAHRWASSER 249 Richtig ist, wie ich meinerseits hinzufügen will, daß der von uns eingesetzte Generalgouverneur in Warschau, der General von Beseler, sich Beseler von den Polen hat umgarnen und einfangen lassen. Er war polnischer Doppelzüngigkeit und List nicht gewachsen. Aber auch Beseler lenkte völlig erst in das polnische Fahrwasser ein, als er vom Reichskanzler Bethmann in jeder Weise in dieser Richtung bestärkt und ermutigt wurde. Beseler mußte seinen Irrtum erkennen und, wie ich hoffen will, bereuen, als, sobald sich das Schlachtenglück gegen uns wandte, die Polen, die ihn bis dahin umschmeichelt hatten, von heute auf morgen in das Lager der Entente übergingen, mit der sie schon seit langem hinter unserem Rücken Fühlung genommen hatten. Und wieder einmal behielt Fürst Bismarck recht, der vom ersten bis zum letzten Tage seiner politischen Laufbahn den Polen als den unverbesserlichen, geborenen und gefährlichsten Gegner des preußischen Staats und des Deutschtums bezeichnet hatte. Ich will übrigens einräumen, daß der arme Bethmann in seiner unsinnigen Polenpolitik von zweien seiner Vertrauten, dem Geheimrat Riezler (alias Ruedorffer) und dem Dr. Hans Delbrück bestärkt und immer weiter vorwärts getrieben wurde. Der Erstgenannte vertrat die Thesis, daß der schlechte Eindruck, den unser völkerrechtswidriger Einmarsch in Belgien in der Welt hervorgerufen hatte, durch die Wiederaufrichtung Polens „moralisch" gutgemacht werden könnte. Dr. Hans Delbrück habe ich schon mehrfach erwähnen müssen. Am besten hat ihn meines Erachtens die arme Kaiserin Friedrich charakterisiert. Sie kannte ihn wohl, denn er hatte mehrere Jahre als Erzieher ihres jung verstorbenen Sohnes, des Prinzen Waldemar, in ihrem Hause geweilt. Es war bei einem Mittagessen im Kronprinzenpalais, zu dem auch ich eingeladen war. Hans Delbrück, der sehr schlechte Manieren hatte, diskutierte mit krähender Stimme über den Tisch hinweg mit seinem Gegenüber. Dabei stemmte er beide Ellbogen auf den Tisch, in der einen Hand hielt er sein Messer, in der anderen seine Gabel. Der damalige englische Botschafter in Berlin, Lord Ampthill, ein kluger, fein gebildeter Mann mit den besten Formen, sah mißbilligend auf den schlecht erzogenen Hauslehrer. Begütigend sagte die Frau Kronprinzessin zu ihm mit leiser Stimme: „He is not a bad man, but he is awfully tactless." (Er ist kein böser Mensch, aber er ist schrecklich taktlos.) Gefährlicher als die gesellschaftb'che Taktlosigkeit des Dr. Hans Delbrück war leider seine politische Direktionslosigkeit, sein Mangel an politischem Feingefühl, politischer Voraussicht und an gesundem Menschenverstand. XIX. KAPITEL Winter 1915/1916 inLuzern • Graf Ledochowski, General S. J. • Initiative des Kaisers für Friedensangebot der Zentralmächte, Verfehltheit dieses ungeschickten Schrittes • Letzte Begegnung des Fürsten Bülow mit Wilhelm II. • Umsichgreifen des Defaitismus in Deutschland • Energie der französischen Begierung gegenüber ähnlichen Erscheinungen in Frankreich • Pamphlet des Fürsten Lichnowsky • Unterredung mit Bethmann Hollweg • Allgemeine Wehrpflicht in England Im Dezember 1915 begab icb mieb mit meiner Frau, der von ärztlicher Seite ein längerer Aufenthalt in reiner Bergluft angeraten worden war, nach der Schweiz ^ CT Schweiz. Den einst von mir so sehr gehebten Genfer See wollte ich wegen der fanatischen, um nicht zu sagen ridikülen Franzosen-Schwärmerei der Waadtländer nicht aufsuchen. Die Mehrheit im Canton de Vaud rühmte sich, noch antideutscher zu sein und die „Boches" noch mehr zu hassen, als dies selbst in Frankreich der Fall wäre: „Paris peut pardonner, Lausanne jamais!" Das Engadin war uns in dieser ernsten Zeit zu unruhig und zu weltlich. Wir entschieden uns für Luzern, an das mich Kindheitserinnerungen knüpften. Zweimal war ich mit meinen heben Eltern als kleiner Junge dort gewesen. Ich erinnerte mich gut der alten Brücke mit ihren Totentänzen, ihren Bildern aus der Stadtgeschichte und ihren treuherzigen Inschriften. Ich erinnerte mich an den Löwen von Thorwaldsen, den ich als Gesamteindruck nur mit dem Hamburger Bismarckdenkmal vergleichen kann. In der gut gewählten Umgebung, an dunkler Felsenwand über dem kleinen Weiher ist der sterbende Löwe, der mit seiner Tatze die Lilie deckt, eine schöne Verherrlichung soldatischer Treue bis in den Tod. Noch immer befuhr den See der alte „Vierwaldstätter", der Raddampfer, den ich schon sechzig Jahre früher erblickt hatte. Ich enthielt mich während unseres Aufenthaltes in Luzern jeder po- Friedens- litischen Betätigung. Die Sorgen, denen sich Bethmann aus angeborener absichten des Ängstlichkeit und auch weil er mir gegenüber kein reines Gewissen hatte, russischen n j n g aDi wa ren unbegründet. Aber ich verfolgte den Gang der Ereignisse mit .. ., Aufmerksamkeit in der großen europäischen Presse. Ich las, um mich über Präsidenten o r Stürmer die Stimmung in England und in Frankreich zu orientieren, die „Times" und den „Temps". Gern sahen meine Frau und ich die Herren der deutschen Gesandtschaft in Bern sowie meinen alten Freund, den früheren Unter- EINE FRIEDENSMÖGLICHKEIT VON 1916 251 Staatssekretär im Auswärtigen. Amt und späteren Gesandten beim Päpstlichen Stuhl, Herrn von Mühlberg, der aus Lugano, wo er sich niedergelassen hatte, öfter zum Besuch zu uns nach Luzern kam. Auch sonst erfuhr man in diesem neutralen Lande, in dem Stimmungsberichtc und Informationen aus allen Ländern zusammenliefen, manches von Interesse.. So erhielt ich auf vertraulichem Wege Nachricht über die Auffassung und das Urteil des Grafen Ledochowski, des Generals der Gesellschaft Jesu, der sich nach Ausbruch des Krieges mit der Zentralleitung seines Ordens in Zizers bei Chur etabliert hatte. Als im Februar 1916 der Zar einen ausgesprochenen Konservativen, das Reichsratsmitglied Stürmer, zum Ministerpräsidenten ernannte, sagte Graf Ledochowski zu einem meiner Schweizer Bekannten: „Jetzt scheint mir eine Friedensmöglichkeit gegeben. Ich höre, daß Kaiser Nikolaus dringend den Frieden wünscht, natürlich nicht aus Liebe für die Zentralmächte, sondern weil er bei weiterer Fortsetzung des Krieges für seinen Thron, sogar für sein Leben fürchtet. Stürmer, der trotz seines deutsch klingenden Namens ein Vollblutrusse ist, teilt die Ansicht seines Souveräns. Auch Stürmer ist überzeugt, daß, wenn der Krieg fortdauert, der Sturz des Hauses Romanow sicher ist." Graf Ledochowski schloß: „Jetzt kommt alles darauf an, daß von Berlin und natürlich auch von Wien diese große Chance schnell und geschickt benutzt wird." Uber die Auffassung des Grafen Ledochowski, dessen Informationen in Berlin verständigerweise sehr hoch hätten bewertet werden müssen, war Herr von Bethmann Hollweg eingehend unterrichtet worden. Das war im Februar 1916. Zwei Monate später, als der neue russische Ministerpräsident sich kaum im Sattel zurechtgesetzt hatte, hielt Bethmann mit dem Eigensinn des unbelehrbaren Doktrinärs am 5. April eine Rede, in der er ausführte: „Das Polen, das der russische Tschinownik, noch rasch Bestechungsgelder erpressend, das der russische Kosak brennend und raubend verlassen hat, das alte von den Russen unterjochte Polen ist ein überwundener Standpunkt. Den Status quo ante kennt nach so ungeheuren Geschehnissen die Geschichte nicht. Selbst die Russen werden anerkennen müssen, daß die Welt sich die Rückkehr des Tschinownik an den Platz, wo inzwischen ein Deutscher, ein Österreicher, ein Pole redlich für das unglückliche Polen gearbeitet haben, nicht vorstellen kann. Niemals wird Deutschland die von ihm befreiten Völker zwischen der baltischen See und den wolhynischen Sümpfen wieder dem reaktionären russischen Regiment ausliefern, möge es sich nun um Polen, Balten, Litauer oder Letten handeln." Auf diesen Fußtritt für Stürmer und dessen unglücklichen Monarchen folgte ein halbes Jahr später am 5. November 1916 die gemeinsame Erklärung Deutschlands und Österreich-Ungarns über die Errichtung eines selbständigen Reiches Polen. Vierzehn Tage später mußte gegenüber der 252 EIN FUSSTRITT durch dieses Vorgehen nicht nur in der Duma, sondern in ganz Rußland hervorgerufenen Erbitterung Kaiser Nikolaus den Ministerpräsidenten Stürmer entlassen. Gegenüber einem ihm nahestehenden, zum Frieden geneigten Russen äußerte, wie ich von zuverlässiger Seite hörte, damals Nikolaus II.: „Apres ce coup de pied de Guillaume la paix devient impossible." Nachfolger des friedlich gesinnten Stürmer wurde ein Anhänger der Kriegspartei, der General Trepow. Als der kluge Graf Ledo- chowski von dieserWendung erfuhr, meinte er: „In Berlin hat man entweder die Nerven oder den Kopf oder vielleicht auch beide gleichzeitig verloren." Ein nicht zu hartes Urteil. Talleyrand charakterisierte bekanntlich die durch Napoleon verfügte Erschießung des Herzogs von Enghien mit den Worten: „C'est pire qu'un crime, c'est une faute." Die Wiedererrichtung Polens, noch dazu in dem Augenblick, wo die Möglichkeit vorhanden war, mit Rußland zu einem verständigen Frieden zu kommen, war einerseits eine namenlose Dummheit, andererseits ein Verbrechen am Vaterland. Von verschiedenen Seiten ist mir später bestätigt worden, daß der Zar und sein Ministerpräsident Stürmer während der Amtszeit des letzteren aufrichtig und ehrlich den Frieden angestrebt hätten. Acht Jahre später hatte ich in Rom den Vorzug, die persönliche Be- Graf kanntschaft des Grafen Ledochowski zu machen. Er bewohnte in der Lcdochowski yj a San Nicola di Tolentino den dritten Stock eines einfachen, nüchternen Hauses, sehr verschieden von den prächtigen Kirchen und Palästen, von den malerischen Klöstern des übrigen kirchlichen Roms. Ein langer Korridor führte zum Appartement des Leiters der S. J. An den Wänden des Korridors Bilder seiner Amtsvorgänger, darunter manch interessanter Kopf. Auch die Vikare, die die Restbestände des Ordens von der Aufhebung 1773 bis zur Wiedererrichtung 1814 durch die Fährlichkeiten der Zeiten hindurchgesteuert hatten, befanden sich dabei. Ein dienender Bruder, der sich als Oberpfälzer zu erkennen gab und seinen Dialekt noch nicht verlernt zu haben schien, führte mich in den schmucklosen Raum, in dem Graf Ledochowski mich empfing. Nur eine Madonna und einige Papstbilder unterbrachen die Einförmigkeit seines Zimmers. Der General ist ein Mann von mittlerer Größe, mit ungewöhnlich klugen Augen, mit den Zügen und der durchgearbeiteten Stirn eines Gelehrten, aber mit den sicheren Allüren eines geborenen Aristokraten. Er sprach sich über die Weltlage in ruhigen und abgewogenen Worten aus, mit Offenheit, ohne Versteckspiel und Finasserien. Er schien über die Verhältnisse aller Länder wie über die treibenden Kräfte innerhalb der Völker ausgezeichnet orientiert. Seine Worte verrieten Scharfblick und persönliches Urteil. Unter seinen Ausführungen frappierte mich die Bemerkung, daß im letzten Ende die Ideen immer stärker seien als alle materiellen Kräfte. Die Gewalt finde bald ihre EIN KAISERLICHES HANDSCHREIBEN 253 Grenze. Ideen setzten sich schließlich durch. Das gelte auch von verderblichen und irrigen Ideen wie der marxistischen. Ich stand unter dem Eindruck, einen Mann von großen Horizonten vor mir zu haben. Und ich begriff, warum noch jeder Jesuitengeneral auf den Purpur verzichtet hat. Diese Stellung ist interessanter, umfassender und einflußreicher als die der meisten römischen Kardinäle. Die Errichtung eines selbständigen Polenreichs, die überdies gerade in diesem Moment die Zerstörung der Aussicht auf einen Sonderfrieden mit Das Friedens- Rußland bedeutete, hat sich bald genug als ein fürchterlicher Fehler heraus- a "g e ^ ot der gestellt. Ich kann ohne Übertreibung sagen: wohl als der größte politische ^* tte te Fehler, den je ein deutscher Minister, den irgendein leitender Staatsmann begangen hat. Unser Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 war inopportun und ungeschickt. Das Handschreiben Kaiser Wilhelms II. an Bethmann vom 31. Oktober 1916, mit dem er den Frieden herbeizuführen hoffte, war nicht schlecht gemeint, aber zu sentimental, zu naiv, beinahe kindisch. Das Kindische ist aber in der Politik selten wie im „Don Carlos" des Dichters „göttlich schön". Das Handschreiben des Deutschen Kaisers klang auch, wie so manche Kundgebung Wilhelms II., zu eitel. ,,Zu einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat und sich Gott verantwortlich fühlt und ein Herz für seine und die feindlichen Menschen, der unbekümmert um Mißdeutungen den Willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien. Ich habe den Mut dazu! Ich will es auf Gott wagen! Legen Sie mir schnell die Noten vor und machen Sie alles bereit." Das war nicht staatsmännisch. Die Freude, die dieses kaiserliche Handschreiben und das am 12. Dezember 1916 erfolgte Friedensangebot der Mittelmächte in Deutschland hervorriefen, die Harmlosigkeit, mit der selbst in Berlin weitere Kreise das Ende des Krieges gekommen wähnten, zeigte einerseits unseren Gegnern, daß in dem bisher für entschlossen, für hart und unbeugsam geltenden Deutschland die Kriegsmüdigkeit und damit die innere Auflösung schon weiter fortgeschritten war, als sie bis dahin angenommen hatten; andererseits war eine öffentliche, wehleidige und melodramatische Kundgebung nicht der Weg, zu einer Verständigung mit kalten, kühlen und entschlossenen Feinden zu gelangen. Ich habe schon erwähnt, daß ich seit meiner Entsendung nach Rom im Dezember 1914 nur einmal die Ehre gehabt hatte, von Kaiser Wilhelm Bülow im empfangen zu werden. Es war im Spätherbst 1916, daß ich die Aufforderung Neuen Palais erhielt, den Abend imNeuenPalaisin Potsdam zu verbringen. Ich hatte mich jedesmal, wenn ich nach Berlin kam, in der üblichen Weise bei Seiner Majestät gemeldet, wurde aber regelmäßig dahin beschieden, daß wichtige Geschäfte den Kaiser zu seinem Bedauern verhinderten, mich zu sehen. Gleichzeitig mußte ich besorgten Äußerungen von Freunden aus der 254 DER KHEDIVE VON BELGIEN Umgebung des hohen Herrn entnehmen, daß er auch in der Kriegszeit sein gewohntes Leben fortsetze, wenig arbeite, sich nach Möglichkeit zerstreue und nur zu viel Allotria triebe. Bei jener einzigen Einladung, die während der letzten vier Kriegsjahre an mich erging, fand ich den Kaiser allein, ohne die Kaiserin und ohne irgendeinen Herrn der Allerhöchsten Umgebung. Außer mir war noch der Generalgouverneur von Belgien, der General der Kavallerie Freiherr von Bissing, eingeladen. Der Kaiser war in guter Stimmung. Ich hatte den Eindruck, daß er mir gegenüber vor allem den starken Mann spielen wollte. Nachdem er, wie ich vorgreifend schon erzählt habe, der Überzeugung Ausdruck gegeben hatte, daß das Volk vom Parlamentarismus nichts wissen wolle, den Reichstag „bis an den Hals" hätte und am liebsten von stellvertretenden Kommandierenden Generälen regiert würde, kam der hohe Herr, angeregt durch die Anwesenheit von Bissing, auf seine Stellung zur belgischen Frage zu sprechen. Er entwickelte dem General von Bissing, der für einen Anhänger der Annexion von Belgien galt und dies wohl auch war, daß er den König von Belgien nicht zu entthronen beabsichtige. Er sei vor allem Legitimist. Er bedaure, daß sein Großvater unter dem Einfluß des bösen alten Bismarck 1866 die legitimen Herrscher von Hannover, Kurhessen und Nassau entthront habe. Ein Monarch von Gottes Gnaden dürfe eigentlich nie abgesetzt werden. Als Bissing und ich den Kaiser erstaunt ansahen, der sich in Hannover seit Jahrzehnten ganz als Herrscher fühlte und Wiesbaden und Wilhelmshöhe mit Vorhebe besuchte, meinte Seine Majestät: „Was geschehen ist, ist geschehen. In Hannover, Hessen und Nassau bleibt alles beim alten. Aber Albert soll in Belgien bleiben, denn auch er ist ein Herrscher von Gottes Gnaden. Natürlich wird er nach meiner Pfeife tanzen müssen. Ich denke mir sein künftiges Verhältnis zu mir etwa sowie das Verhältnis des Khedi ve von Ägypten zum König von England." Das war die letzte politische Äußerung, die ich in meinem Leben von Kaiser Wilhelm II. gehört habe. Dann lenkte der Kaiser die Unterredung auf die angenehmen Eindrücke, die er im Schloß Pleß, der prächtigen Residenz des Fürsten Hans Heinrich Pleß, empfangen hätte. Der Fürst habe alle Waschtische seines Schlosses mit deliziösen Fransen umsäumt, die er, der Kaiser, auf seinen vielen Schlössern auch einführen wolle. Bissing und ich wurden verhältnismäßig früh entlassen. Wir hatten etwa eine Stunde, von neun bis zehn Uhr, im Neuen Palais, der herrlichen Schöpfung des großen Königs, wohl dem schönsten aller preußischen Schlösser, geweilt. Hier war es, wo ich Kaiser Wilhelm II. zum letztenmal sah, mit dem ich im Guten wie im weniger Guten so manches durchgemacht habe. Zum erstenmal hatte ich den Kaiser in demselben Neuen Palais, in demselben Saal, einundvierzig Jahre früher gesehen. Er war FEHLER 255 damals der sechzehnjährige Prinz Wilhelm,ich der sechsundzwanzigj ährige Attache von Bülow. Ich war mit meinen Eltern zum Abendessen ins Neue Palais befohlen. Wie deutlich sehe ich die herrliche Gestalt, die ritterliche und freundliche Haltung, das gütige Auge des späteren Kaisers Friedrich vor mir! Als ob es gestern gewesen wäre, klingt die lebhafte, geistvolle Konversation der Kronprinzessin Viktoria an mein Ohr. Ich höre den Prinzen Wilhelm, der mit lauter, vielleicht zu lauter Stimme und in etwas vorlauter Weise den Anwesenden einen Vortrag über die beiden deutschen Großschiffahrtslinien, den Bremer Lloyd und die Hamburger Paketfahrt- Aktien-Gesellschaft, hielt. Das Interesse für Seefahrt, Seeschiffe und Seemacht war echt in ihm, war ihm angeboren, war vielleicht der stärkste Trieb in ihm. Welch lange Spanne Zeit, wieviel Ereignisse lagen zwischen meinem ersten und meinem letzten Zusammentreffen mit Wilhelm II.! Unter den Deutschen, denen ich in Luzern begegnete, war mir der bayrische General Graf Max Montgelas eine interessante Er- Graf Max scheinung. Aus dem Generalstab hervorgegangen, in dem er bis kurz vor Montgelas dem Ausbruch des Weltkrieges in der Operationsabteilung tätig gewesen war, hatte er im Kriege eine Division geführt, und tapfer geführt. Sein persönlicher Mut war ebenso zweifellos wie sein Patriotismus, daher setzte es mich in Erstaunen, als er mich frug, ob ich ihm einen Vorwurf daraus mache, daß er an den letzten Vorbereitungen für den völkerrechtswidrigen Einmarsch in Belgien teilgenommen habe. Ich erwiderte ihm natürlich, daß, wie man auch über die politische Seite dieser Aktion denken möge, der Soldat lediglich der Fahne zu folgen habe. Noch mehr als für jeden anderen gelte für den Offizier das Wort: „Right or wrong, my country!" Montgelas hatte auch Bedenken gegen die Anwendung giftiger Gase und gegen Zeppelinangriffe. Ich verhehlte Graf Montgelas nicht, daß ich die Erschießung von Miß Edith Cavell ebenso wie die des Kapitäns Fryatt für Akte hielte, deren Nutzen in keinem Verhältnis zu dem dadurch angerichteten Schaden stünde, also für Fehler. Ich gab überhaupt der Meinung Ausdruck, daß die Frightfulneß als Prinzip der Kriegführung große Bedenken habe. Es sei aber Sache und Pflicht der obersten politischen Leitung, Fehlern der militärischen Instanzen entgegenzutreten. Der Reichskanzler habe zu leiten, nicht nur zu leiden, er müsse führen, nicht sich beiseiteschieben lassen. Die Militärs hätten zu kämpfen. Wenn ich richtig beobachtet habe, so hat der General Graf Montgelas im Laufe des Krieges mehr und mehr die anfängliche Blässe des Gedankens überwunden und in seiner Polemik gegen Kautsky den nationalen und patriotischen Standpunkt würdig und mutig vertreten. Es ist betrübend, feststellen zu müssen, daß sich in Deutschland, und nur in Deutschland, eine Anzahl von Leuten fand, die dem eigenen Volke 256 EINE AUSSCHLIESSUNG während seines Kampfes auf Leben und Tod feige und verräterisch in den Rücken fielen. Unter diesen stand in erster Linie Greiling mit seinem von der Entente in Hunderttausenden von Exemplaren im feindlichen und neutralen Ausland und tunlichst auch in Deutschland verbreiteten Buch „J'accuse". Es wäre sehr ungerecht, die Broschüre des Fürsten Lichnowsky Fürst „Meine Londoner Mission" in einen Topf mit derartigen Pamphleten Lichnowsky zu we rfen. Er hat nicht gewollt, daß sie in die Öffenthchkeit gelangen solle. Er hätte aber eine solche Schrift niemals verfassen dürfen, die, von ihrer Gesinnung ganz abgesehen, inhaltlich ohne Wert war. Als das Herrenhaus über die Ausschließung des Fürsten Lichnowsky debattierte, wurden ernste und gewichtige Vorwürfe gegen ihn erhoben. Es wurde aber zu seiner Entschuldigung auch manches gesagt, was sich hören ließ. Am durchschlagendsten wirkte in letzterer Richtung, daß der inzwischen verstorbene Fürst Alexander Münster, der Sohn unseres vieljährigen Botschafters in London und Paris, statt jeder Apologie die Eingangssätze der Lichnowskyschen Broschüre vorlas. Sie fing ungefähr so an: Zu den Fehlern des Fürsten Bismarck in seiner auswärtigen Politik gehöre auch der Berliner Kongreß, ohne den es keinen Weltkrieg gegeben hätte. Den Baron Marschall nach London als Botschafter zu schicken, sei kein glücklicher Einfall des Berliner Auswärtigen Amts gewesen, eine gute Idee dagegen der Gedanke des Kaisers, ihn, den Fürsten Lichnowsky, auf diesen wichtigsten Posten zu setzen. Als Fürst Alexander Münster mit dem Vorlesen des Lichnowskyschen Buches so weit gekommen war, wurde er durch allgemeines Gelächter unterbrochen, und als er mit den Worten schloß, das Haus werde hoffentlich nicht so grausam sein, eine infamierende Strafe über ein Herrenhausmitglied zu verhängen, dessen politische Harmlosigkeit so klar auf der Hand hege, beschloß eine größere Anzahl würdiger Männer, unter denen auch ich mich befand, eine weiße Kugel in die Abstimmungsurne zu werfen. Die Mehrheit hat sich allerdings schließlich doch für die Ausstoßung des armen Lichnowsky entschieden, dem infolgedessen auch das Recht zum Tragen seiner preußischen Militäruniform entzogen wurde. Es war vorauszusehen, daß in Deutschland, einem Lande, das seit jeher DieAnsprüche die Neigung hatte, den Teil über das Ganze, den Fraktionsstandpunkt über der Parteien J as allgemeine Wohl zu stellen, der Krieg, und noch dazu ein so schwerer und lange dauernder Krieg, die Ansprüche der Parteien steigern würde. Dem war nur dadurch zu begegnen, daß alle mit der Salus publica vereinbarten Zugeständnisse sofort erfolgten, daß Angehörige aller Parteien, auch Freisinnige und Klerikale, auch Sozialisten in leitende Stellungen berufen wurden, daß aber von da ab mit fester Hand regiert wurde. Ich hätte es ganz DIE NEUORIENTIERUNG IM INNERN 257 in der Ordnung gefunden, wenn am 4. August 1914 alle Ausnahmegesetze, also insbesondere das Jesuitengesetz und das Enteignungsgesetz, aufgehoben worden wären. Eine derartige Neuorientierung unserer inneren Politik wäre die natürliche Folge und die beste Illustrierung des schönen Kaiserwortes gewesen, daß das Oberhaupt des Reichs, der Führer der Nation, keine Parteien mehr kenne. Gleichzeitig aber mußte, wie dies in Frankreich und in England geschah, allen Bestrebungen, den kriegerischen Geist und den Verteidigungswillen der Nation zu zersetzen, den Umsturz im Innern vorzubereiten, mit großer Wachsamkeit und nötigenfalls mit unbeugsamer Energie entgegengetreten werden. Es mußte ein scharfer Strich gezogen werden zwischen patriotischen Sozialisten, deren es eine große Anzahl gab, und denjenigen Sozialdemokraten, die nur von dem Wunsch erfüllt waren, aus dem Weltkrieg Nutzen für ihre selbstsüchtigen Partei-Bestrebungen zu ziehen. Während Wolfgang Heine, Südekum, David, Noske und manche andere treffliche und tüchtige Sozialisten sich rückhaltlos in den Dienst des Vaterlandes stellten und die große Mehrheit der deutschen Arbeiter mit deutscher Treue undTapferkeit der deutschen Fahne folgte, zeigte sich bald genug, daß es unter den deutschen Sozialdemokraten, und nur unter diesen, nicht unter französischen, englischen, italienischen oder belgischen Sozialisten, Vaterlandsverräter gab. Karl Liebknecht stimmte als einziger Reichstagsabgeordneter am 2. Dezember 1914 gegen die Kriegskredite. Das war damals der isolierte Fall eines Fanatikers. Aber nicht lange danach äußerte der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, der Abgeordnete Haase: „Wir werden die Armee untergraben, um die Weltrevolution in Gang zu bringen." Es ist Haase und seinen Mitschuldigen leider gelungen, bei einzelnen Truppenteilen und auch bei einem Teil der Marine die Disziplin zu untergraben. Die Weltrevolution haben diese Nichtswürdigen nicht herbeizuführen vermocht, sondern schließlich nur ihr eigenes Land vor die Füße französischer Generäle und englischer Admiräle geworfen. Im Februar 1915 erklärte der sozialdemokratische Abgeordnete Stroebel, Redakteur des „Vorwärts", im Preußischen Abgeordnetenhause: „Ich bekenne ganz offen, daß ein voller Sieg des Deutschen Reiches dem Interesse der Sozialdemokraten nicht entsprechen würde." Nie hat im Laufe des ganzen Weltkrieges ein französischer, ein englischer, ein italienischer, ein belgischer Sozialist ein solches Bekenntnis abgelegt, dessen Niedertracht nur von seiner Stupidität übertroffen wurde. Die Erklärungen von Haase und Stroebel erfolgten in derselben Zeit, wo in Frankreich, Belgien, Italien und England die Demokratie mit Einschluß ihres äußersten linken Flügels alle Parteiwünsche und Ansprüche zurückstellte, da es für sie nur noch ein einziges Ziel gab: der volle Sieg des eigenen Landes. 17 Biilow III 258 LIEBKNECHT dcmonstra- lionen Am 20. März 1915 hatten im Reichstag schon zwei Abgeordnete, außer Hunger- und Liebknecht der dem Kommunismus nahestehende Sachse Otto Rühle, ein Friedens- kaum dreißigjähriger Schriftsteller, gegen die zweiten Kriegskredite gestimmt. Im Januar 1916 beschloß die damals noch gut gesinnte Mehrheit der sozialistischen Partei, den Abgeordneten Liebknecht aus der sozialdemokratischen Fraktion auszuschließen. Er rächte sich durch die heimliche Herausgabe der „Spartakusbriefe", in denen er gemeinsam mit der russischen Nihilistin Rosa Luxemburg für die kommunistischen Bestrebungen Propaganda machte. Im Frühjahr veranstaltete Liebknecht auf dem Potsdamer Platz in Berlin eine revolutionäre Kundgebung mit der Parole: „Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!" Er wurde zu zweieinhalbjähriger Zuchthausstrafe verurteilt. Aber seine Anhänger veranstalteten weiter in Berlin und in anderen deutschen Städten Hunger- und Friedensdemonstrationen. Es wurde offen ausgesprochen, daß die Revolution ausbrechen solle, sobald die Lage an der Front bedrohlich würde. Darauf, daß sie baldmöglichst bedrohlich werde, wurde durch Agitation bei den Ersatztruppen, in den Lazaretten und Genesungsheimen, auf der Straße und von Mund zu Mund kräftig hingearbeitet. Von Seiten der Regierung geschah dagegen nichts. Herr von Bethmann Hollweg war nur damit beschäftigt, sich gegen die Broschüren zu verteidigen, die der Generallandschaftsdirektor Kapp und einige andere bedeutungslose Alldeutsche gegen ihn geschrieben und die den empfindlichen Mann völlig aus dem Häuschen gebracht hatten. Er hielt im Parlament gegen die „Piraten der öffentlichen Meinung", wie er sie nannte (der Ausdruck war ihm von Riezler-Ruedorffer souffliert worden, der sich nicht wenig darauf einbildete), die kräftigste Rede, die er je gehalten hat, die einzige, die von einem gewissen Schwung, fast von Leidenschaft erfüllt war. „Bethmann gehört offenbar zu den Ministern", sagte mir damals ein liberaler Abgeordneter, „die nur dann vom Leder ziehen, wenn die eigene werte Haut geritzt wird." Niemals hatte sich Bethmann zu einer so energischen Sprache gegen unsere ausländischen Feinde, geschweige denn gegen die Umsturzbestrebungen im Innern aufgerafft. Zu den Zugeständnissen, die unbedingt sofort nach Ausbruch des Krieges Das gemacht werden mußten, gehörte vor allem die seit langem notwendig allgemeine gewordene, aber von Bethmann seit meinem Rücktritt immer vertagte Reform des preußischen Wahlrechts. Im letzten Jahr meiner Amtsführung wäre eine verständige Umbildung des Preußischen Landtags mit Unterstützung nicht nur der Nationalliberalen, sondern auch der Freisinnigen durchaus möglich gewesen. Nach Kriegsausbruch hätte sofort die allgemeine, geheime Wahl der preußischen Abgeordneten zugestanden werden müssen, vielleicht mit einigen Korrekturen hinsichtlich des Alters für die aktive und Wahlrecht in Preußen DIE RATGEBERIN ANGST 259 passive Wahlberechtigung und der Bestimmungen über die erforderliche Länge des Aufenthaltes am selben Wohnsitz für den Wähler. Bethmann rührte aber in der Frage des preußischen Wahlrechts auch während der ersten drei Kriegsjahre keinen Finger. Erst als ihm im Frühjahr 1917 das Wasser bis zur Kehle stieg, erlebte die Welt das Schauspiel, daß derselbe Staatsmann, der seine Tätigkeit als preußischer Ministerpräsident mit einer pathetischen Philippika gegen die „Verschleppung Preußens in das Lager des Parlamentarismus" und gegen eine bescheidene Ausdehnung des Wahlrechts begonnen hatte, von heut auf morgen das geheime und unmittelbare Wahlrecht für das preußische Abgeordnetenhaus durch eine feierliche ,,Osterbotschaft" des Königs dem erstaunten Lande ankündigte. Wie so mancher andere Entschluß Bethmanns war auch dieser hervorgegangen aus Angst, die nun einmal politisch die allerschlechteste Ratgeberin ist. Bethmann sah in plötzlicher Nachgiebigkeit und völligem Zurückweichen das einzige Mittel, die Sozialdemokraten noch einige Zeit bei der Stange zu halten. Er erreichte aber damit nur, daß die sozialdemokratische „Arbeitsgemeinschaft" sich als „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands" konstituierte, die berüchtigte U. S. P. D., die sofort offen den Kampf gegen die Fortführung des Krieges und für den Umsturz aufnahm und unter den Totengräbern deutscher Macht, Wohlfahrt und Größe in erster Linie steht. Nicht zufrieden mit der „Osterbotschaft", ließ Bethmann ihr noch eine „Julibotschaft" des Königs von Preußein folgen, in der verkündet wurde, daß der Gesetzentwurf für die Abänderung des Wahlrechts zum Abgeordnetenhause auf die Grundlage des gleichen Wahlrechts zu stellen sei. Die Vorlage sei jedenfalls so frühzeitg einzubringen, daß schon die nächsten Wahlen nach dem neuen Wahlrecht stattfinden könnten. Während bei uns die Hals über Kopf gemachten Konzessionen schon deshalb keinen nachhaltigen Eindruck hervorriefen, weil zu deutlich zutage trat, daß sie Bethmann nur machte, um sich noch einige Zeit im Amte zu halten, zogen namentlich in Frankreich die leitenden Staatsmänner die Zügel straff und immer straffer an. Der Geist und die harte Faust des Konvents und des großen Napoleon wurden an der Seine wieder lebendig. Im Mai 1917 waren infolge der verheerenden Wirkung der verunglückten Frühjahrsoffensive des Generals Nivelle, des „Buveur de sang" (des Bluttrinkers), wie ihn seine Soldaten nannten, im französischen Heere ernste Meutereien ausgebrochen. Die Soldaten verweigerten den Gehorsam, bildeten Soldatenräte nach russischem Muster, verschanzten sich in ihren Unterkunftsorten und entfalteten rote Fahnen mit dem Ruf: „Nieder mit dem Krieg!" Die französische Regierung griff sofort ein und mit der größten Energie. Es wurden Massenerschießungen vorgenommen und die Bewegung in kurzer Zeit niedergedrückt. Gleichzeitig brachte die Regierung einen 17« 260 DEFAITISTEN IN FRANKREICH Gesetzentwurf ein, der „die defaitistische Friedenspropaganda" mit den schärfsten Strafen bedrohte. Der Leiter des friedensfreundlichen, sozialistischen „Bonnet rouge", Almereyda, wurde verhaftet und einige Tage später tot im Gefängnis vorgefunden. Wahrscheinlich ist er erdrosselt worden. Der französische Minister des Innern, Malvy, der von Clemenceau beschuldigt wurde, der Friedenspropaganda nicht scharf genug entgegenzutreten, wurde verbannt. Der ehemalige Außenminister und Ministerpräsident Caillaux wurde als Flaumacher eingesperrt und fürchtete längere Zeit nicht ohne Grund für sein Leben. Bolo Pascha, ein in Ägypten zu Vermögen gelangter Bankier, der Bruder eines höheren Prälaten, ein Mann in angesehener Stellung, wurde verhaftet, weil (übrigens mit Unrecht) ihm nachgesagt wurde, er hätte, von Deutschland bestochen, für den Frieden gewirkt. Unter begeistertem Jubel der Zuhörer wurde er vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und vierundzwanzig Stunden später in Vincennes erschossen. Als Herr von Bethmann den Kaiser zum Erlaß der Osterbotschaft Gespräche bewog, sagte mir Albert Ballin: „Der Kanzler Bethmann kommt mir vor mit Bethmann wie ein Kaufmann, der weiß, daß er bankrott ist, der aber seinen Zusammenbruch nicht eingestehen will und deshalb, um nach außen hin noch einige Wochen in der alten Weise auftreten zu können, ein Depot angreift." Ich habe, wenn ich von Flottbek oder auch von einem Besuch bei meiner Frau in Luzern nach Berlin zurückkehrte, regelmäßig Bethmann aufgesucht. Er wußte, daß ich ebenso wie dem Kaiser auch ihm, dem Kanzler, zu jeder Zeit und für jede Frage zur Verfügung stand, hat aber meinen Rat niemals in Anspruch genommen. Seinen Ausführungen, ich sollte eigentlich sagen, seinen Vorträgen, über die Lage war zu entnehmen, daß er immer noch auf ein Einlenken Englands hoffte. „Die Engländer werden doch die ersten sein, die uns kommen!" So hat er mehr als einmal zu mir gesprochen. Ich verhehlte ihm nicht meine abweichenden Ansichten. „Ich glaube", sagte ich ihm, „daß bei richtig geleiteter Politik der Friede mit England aufrechtzuerhalten war. Aber nachdem England in den Krieg mit uns eingetreten ist, wird es nicht von heut auf morgen locker lassen. Der Engländer ist wie sein Bulldog." Der arme Bethmann konnte es nicht lassen, von Zeit zu Zeit Andeutungen über die „schwere politische Erbschaft" zu machen, die er bei seiner Geschäftsübernahme angetreten habe. Ich ließ solche Ge- schichtskMtterung natürlich nicht durch. Ich sagte ihm, es sei vielleicht bequem, aber dilettantisch und ungerecht, die Folgen selbstbegangener Fehler dem Vorgänger zuzuschieben. „Habe ich als Staatssekretär und Reichskanzler gegenüber den Schwierigkeiten, denen auch ich zu begegnen hatte, mich auf Fehler meiner Vorgänger, zum Beispiel das durch die \ DER ERBE BETHMANN 261 Nichterneuerung des RückVersicherungsvertrages herbeigeführte russischfranzösische Bündnis, oder auf die Krüger-Depesche oder den ostasiatischen Dreibund ausgeredet ? Ich trachtete, to make the best of it, mich mit der gegebenen Lage so gut als möglich abzufinden. Übrigens ist, wenn ich nicht irre, vor einiger Zeit von Ihnen, mein lieber Bethmann, in einem an die Presse gerichteten Zirkular darauf hingewiesen worden, daß die auswärtige Politik von Seiner Majestät geführt werde und daß somit eine Kritik derselben sich gegen die Allerhöchste Person richten würde. Ob diese Auffassung an und für sich nicht ihre Bedenken hat, steht dahin. Jedenfalls darf sie nicht zum Schutze eines einzigen Reichskanzlers angerufen werden. Vor allem aber kann ich die sachliche Berechtigung Ihrer Rekriminationen hinsichtlich der von Ihnen angetretenen Erbschaft in keiner Weise zugeben. Mit dieser Erbschaft und dank dieser Erbschaft haben Sie doch noch volle fünf Jahre — und fünf Jahre, mein lieber Bethmann, sind auch im Leben der Nationen ein gewisser Zeitraum — gute Beziehungen zu Rußland unterhalten können, die in der Potsdamer Begegnung und in Ihrer Reise nach Petersburg und Moskau zutage traten und von Ihnen laut gerühmt wurden. Sie haben mir nach dem Abschluß des Marokko-Kongo-Vertrages eine bis zur Möglichkeit einer Entente gehende Besserung der deutschfranzösischen Beziehungen angekündigt, und mit England verhandelten wir unmittlbar vor dem Ausbruch des Krieges über zwei wichtige Fragen: die Bagdadbahn und die portugiesischen Kolonien. Die in Aussicht genommenen Verträge, für welche ich die Grundlage geschaffen hatte, standen Ende Juli 1914 vor ihrer Ratifizierung. Die Besserung unserer Beziehungen zu den Westmächten ist gerade in den letzten Jahren vor dem Kriege von Ihnen mit Emphase proklamiert worden." Bethmann schwieg und machte ein zwar pikiertes, aber mindestens ebenso verlegenes Gesicht, als ich ihn, nach wie vor im freundlichen Tone eines wohlmeinenden Gönners, ersuchte, bei der Rechnungsablegung über den Krieg das eigene Konto nicht dadurch zu entlasten, daß er die Konten anderer Leute zu Unrecht belaste. Sein Gesicht hellte sieh'wieder auf, als ich ihm sagte, ich hielte es leider nicht für ausgeschlossen, daß England sich zur Annahme der allgemeinen Wehrpflicht entschließen würde. Er betrachtete mich mit einem fast teilnahmsvollen Blick, in dem ich den Gedanken las: „Der gute Fürst fängt an recht alt zu werden, er vertrottelt." Dann zu mir gewandt: „Aber mein hochverehrter Fürst, haben Sie nie die englische Geschichte Ihres Hamburger Landsmanns Johann Martin Lappenberg gelesen? Macaulay? Die grundlegenden Schriften von Gneist? Niemals wird sich das englische Volk unter das Joch der allgemeinen Wehrpflicht beugen." Ernsthafte Schweizer Finanzkreise, auch Vertreter der Kurie, die während des Krieges in der Schweiz residierten, hatten damals schon 262 BÜCHERWEISHEIT Informationen erhalten, die dahin lauteten, England werde demnächst zur allgemeinen Wehrpflicht übergehen, und sie hatten, wie ich in Luzern erfuhr, an der Richtigkeit dieser Nachricht nicht gezweifelt. Dem verantwortlichen Leiter der deutschen Politik blieb es vorbehalten, gestützt auf die Weisheit verstaubter Bücherregale, England auch in diesem Wendepunkt des Krieges falsch einzuschätzen. Wenige Wochen nach unserer Unterredung ist die allgemeine Wehrpflicht Gesetz in England geworden. XX. KAPITEL Der U-Boot-Krieg • Unterredung des Kronprinzen mit führenden Männern des Reichstags Rücktritt Bethmanns • Frage der Rückberufung des Fürsten Bülow • Berlin-Wiener Intrigen gegen Bülow • Diplomatische Friedensmöglichkeiten • Unterstaatssekretär Michaelis Reichskanzler • Denkschrift des Grafen Czernin • Friedensresolution des Reichstags • Erzberger • Erste Zersetzungssymptome bei der Flotte in Kiel • Staatssekretär Zimmermann • Ersetzung von Michaelis durch Ilcrtling • Staatssekretär KühJmann • Der Friede von Brest-Litowsk ■ Stimmung in Berlin • Adolf von Hurnack U-Boot-Krieg Herr von Bethmann hoffte, sich durch immer weiter gehende Konzessionen nach b'nks über Wasser zu halten. Dem Kaiser hatte er durch Der un- den eng mit ihm befreundeten Kabinettsrat Valentini einreden lassen, er, der beschränkte Kanzler Bethmann, sei der beste, ja der einzige Deich, der Seine Majestät vor der revolutionären Flut schütze. Am verhängnisvollsten waren die Bethmannscben Schwankungen in der Frage des U-Boot-Krieges. Grade hier galt für seine Haltung das oft von mir zitierte Sendschreiben, das in der Apokalypse an den Engel der Gemeinde zu Laodicea ergeht: „Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde." Die schweren Bedenken, die gegen den U-Boot-Krieg sprachen, lagen auf der Hand. Wenn man sich trotzdem dazu entschloß, mußte wenigstens die Führung des Krieges in die Hand des Schöpfers der Flotte, des Großadmirals Tirpitz, gelegt werden, unserer ersten Autorität auf marinetechnischem Gebiet. Statt dessen führte Bethmann mit Hilfe der verschwägerten Admiräle Müller und Holtzendorff beim Kaiser einen unterirdischen Feldzug gegen Tirpitz, der zu dessen mitten im Kriege in ungnädiger Form telegraphisch durch den Kaiser erfolgter Verabschiedung führte. Als der richtige Augenblick für den Beginn des U-Boot-Krieges verpaßt worden war, erfolgte der gefährliche Schritt nicht nur zu spät, sondern auch in möglichst ungeschickter Art. Als im Schloß Pleß in Abwesenheit des Kanzlers der unbeschränkte U-Boot-Krieg beschlossen wurde, wollte Bethmann, der von diesem Schritt erst post festum erfuhr, seinen Abschied einreichen, ließ sich aber vom Kaiser leicht und gern bewegen, sein Entlassungsgesuch wieder zurückzunehmen. Als die Frage, ob wir uns zum verschärften U-Boot-Krieg entschließen 264 EIN UNGLÜCKSMANN sollten oder nicht, auf des Messers Schneide stand, frühstückte ich mit Albert Ballin im Berliner Hotel Continental. Ballin wurde während unseres Frühstücks herausgerufen und kam erst nach einer Viertelstunde wieder, mit sorgenvollem Gesicht. „Nun ist der verschärfte U-Boot-Krieg doch beschlossen worden. Er ist zu spät beschlossen worden. Wenn man den U-Boot-Krieg wollte, so hätte er früher eingesetzt werden müssen. Dann hätte man auch Tirpitz behalten sollen. Jetzt hat England zwei Jahre Zeit gehabt, durch Bewaffnung fast aller seiner Dampfer, durch U-Boot-Jäger und U-Boot-Fallen, Motorboote, Flieger, Luft- und Horchschiffe, mit Wasser-Bomben und -Minen seine Abwehr zu organisieren." Ich frug Ballin, ob Bethmann unter solchen Umständen, nachdem er seit Jahr und Tag den U-Boot-Krieg bekämpft hatte, im Amte bleiben würde. Die Antwort lautete: „Denken Sie, der Unglücksmann bleibt! Er hat mir soeben sagen lassen, im Interesse des Vaterlandes müsse er weiter ausharren." Herr von Bethmann hat selten oder nie soviel Willenskraft an den Tag gelegt, wie er im Sommer 1917 im Haften am Amt bewies. Ich muß zugeben, daß sich der Kaiser nur sehr ungern von ihm trennte, nicht allein weil ihm eingeredet worden war, daß Bethmann, einzig Bethmann ihn vor Umsturz, Bevolution und Abdankung retten könne, sondern auch in dem Gefühl, einen ihm so unterwürfigen Kanzler nicht leicht wieder zu finden. In der Kronratssitzung, in der die preußische Wahlrechtsreform Der Kampf beraten wurde, begründeten Anhänger und Gegner derselben ihren Stand- i Bethmann p Un l 4 t in längeren Vorträgen. Der Kaiser war so entzückt von den Reden seiner Minister, daß er laut ausrief: „Ich wußte gar nicht, daß ich so kluge Minister habe!" Am verständigsten sprach der Minister des Innern, Staatsminister von Loebell, der die Wahlrechtsreform als einen ernsten und schweren Schritt bezeichnete, der aber, alles wohl erwogen, notwendig geworden sei. Nur möge diese Maßregel nicht von den müden und verbrauchten Händen des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Bethmann durchgeführt werden. Der junge, feurige Wein dürfe nicht in alte Schläuche gefüllt werden. Ich bemerke ausdrücklich, daß Herr von Loebell seine Stellungnahme in der Kronratssitzung in keiner Weise mit mir verabredet oder auch nur vorher mit mir besprochen hatte und daß er ganz aus eigener Initiative handelte und sprach. Er hat mir den Verlauf der Kronratssitzung erst später erzählt. Nach der Aufhebung des Kronrats herrschte die Meinung vor, daß Herr von Bethmann die Partie gewonnen habe. Er selbst nahm im Laufe des Tages die Glückwünsche seiner Freunde entgegen und drückte den ihm weniger wohlgesinnten Kollegen, insbesondere Herrn von Loebell, sein Bedauern aus, sich von ihnen trennen zu müssen. Wer hat schließlich den Anstoß zur endlichen Beseitigung Bethmanns BETHMANNS STURZ 265 gegeben ? Der Kronprinz hatte erkannt, daß wir mit Bethmann weder den Krieg gewinnen, noch mit ihm zum Frieden gelangen würden. Die Oberste Heeresleitung, Ilindenburg und Ludendorff, waren der gleichen Ansicht. Im Grunde dachten auch die Parteien nicht anders. Das hatte der Kronprinz aus einer Reihe von Unterredungen erkannt, die er Anfang Juli mit leitenden Parlamentariern geführt und bei denen er durch seinen Takt und seine klugen Fragen allgemein gefallen hatte. Erzberger hatte bei diesen Konferenzen seine Meinung nicht übel so formuliert: „Bethmann kann sich mit seiner ganz bekleckerten Weste unmöglich an einen Konferenz- oder Friedenstisch setzen." Es ist Matthias Erzberger gewesen, der dem Reichskanzler Theobald Bethmann den letzten, den entscheidenden, den Todesstoß versetzte. Als Bei hmann erfuhr, daß der Kaiser ihn fallen ließe, rief er nicht, wie angeblich Bismarck: „Le Roi me reverra!", sondern seufzte: „Nun ist die Revolution unabwendbar." Als es feststand, daß Bethmann abtreten sollte, sagte der Kaiser zu dem Grafen August Eulenburg: „Gehen Sie zu meiner Frau und sagen Sie ihr, Die Nachfolge daß sie ihren Bülow wiederkriegt." Der Kaiser wußte, daß sowohl seine Bethmanns hohe Gemahlin wie auch sein Hausminister Graf Eulenburg meine Rückkehr zu den Geschäften wünschten. Wäre eine solche ein Glück für mich gewesen ? Oder vielmehr, da es natürlich in keiner Weise auf mein individuelles Glück, sondern lediglich auf die Salus pubüca ankam, hätte meine Wieder- erneunung zum Reichskanzler im Interesse des Landes gelegen? Natürlich würde ich, wieder Reichskanzler geworden, es als meine Aufgabe betrachtet haben, einen annehmbaren Frieden zustande zu bringen. Vor der unsinnigen Wiederherstellung von Polen war ein Separatfriede mit Rußland möglich und damit entweder eine aussichtsvolle Fortführung des Krieges gegen die Westmächte oder noch besser ein guter Gesamtiriede. Ich würde mich vor der polnischen Dummheit keinen Augenblick besonnen haben, mit der russischen Regierung auf der Basis zu verhandeln, daß wir dem Zarenreich alle unsere im Weltkrieg in Polen gemachten Eroberungen wieder herausgaben. Hätte die Wiener Regierung Schwierigkeiten erhoben, so würde ich den Russen auch noch Galizien in Aussicht gestellt und das Weitere abgewartet haben. Mit einem zufriedengestellten Rußland im Rücken waren wir der Rumänen und Italiener sicher. 1917 war die Gesamllage schon viel schwieriger, aber nicht hoffnungslos. Ohne mich in Konjekturalpolitik zu verlieren, will ich hinzufügen: Der Friede war noch 1917 möglich, wenn wir nach außen keine Schwäche durchblicken ließen, also kein allzu sichtbares Friedensbedürfnis, keine kindischen Friedensmauifestationen oder einfältigen Friedensresolutionen. Nach außen mußten wir im vollsten Sinne des Wortes unser Gesicht wahren, ein ernstes und festes, ja trotziges Gesicht, dem unsere innere Entschlossenheit entsprechen mußte. Gleichzeitig 266 EINE BASIS, DIE DENKBAR WAR aber mußten wir durch einen geeigneten Vermittler der Entente unsere Bereitwilligkeit zu erkennen geben, zu einem Ausgleichs- und Verständigungsfrieden zu gelangen. Der beste Friedensvermittler wäre an und für sich der Papst BenediktXV. Der Papst als gewesen, dessen freundliehe Gesinnung für das Deutsche Reich und dessen Vermittler österreichisch-ungarischen Bundesgenossen ebenso unzweifelhaft war wie seine aufrichtige Friedensliebe und seine erleuchtete Weisheit. Nachdem jedoch die italienische Regierung im Patto di Londra, durch den sie ihren Anschluß an die Entente vollzog, die Zusicherung erhalten hatte, daß der Papst keinesfalls zu den Friedensverhandlungen zugezogen werden würde, mußte hiervon abgesehen werden. Es blieb uns aber noch die Wahl zwischen der Königin von Holland, dem Präsidenten der Schweizer Eidgenossenschaft und den Königen von Spanien, von Schweden und von Dänemark. Jedenfalls mußte ein ernsthafter Friedensschritt auf ordnungsgemäßem diplomatischem Wege erfolgen, denn, das will ich hier einfügen, an Versuchen mit Friedensfühlern hat es Bethmann nicht fehlen lassen. Leider waren es durchweg Versuche mit untauglichen Mitteln, d. h. mit politisch und diplomatisch unerfahrenen Mittelsmännern, die durch plumpes Auftreten die Sache, die sie führen sollten, von vornherein kompromittierten. Meine Bedingungen wären etwa folgende gewesen: Völlige Wiederherstellung der belgischen Unabhängigkeit, Integrität und Selbständigkeit, erneute feierliche Bekräftigung der belgischen Neutralität mit großzügiger Entscheidung für Belgien, Abtretung des Trentino an Italien und Autonomie für Triest, Wiederherstellung und erneute Anerkennung der Unabhängigkeit und Neutralität des Großherzogtums Luxemburg. Im Notfall Abtretung von Französisch-Lothringen nach erfolgter Schleifung der Festung Metz. Im äußersten Notfall Konstituierung von Elsaß-Lothringen als selbständiger, völkerrechtlich anerkannter, entmilitarisierter Pufferstaat. Nach zahlreichen Unterredungen, die ich inzwischen mit Neutralen, aber auch mit Politikern der feindlichen Länder gehabt habe, glaube ich, daß auf dieser Basis ein Friede möglich war. Noch sicherer ist mir freilich, daß, wenn ich einen solchen Frieden erreicht hätte, man in Deutschland mit faulen Äpfeln nach mir geworfen hätte. In Hunderten von Leitartikeln wäre ausgeführt worden, daß ich mit der schlappen Feder verdorben hätte, was durch das forsche Schwert ruhmvoll errungen war. Die Leitartikel hätte ich leicht verschmerzt und die faulen Apfel freudig ertragen, wenn nur das Vaterland vor völliger und endgültiger Niederlage, vor Zusammenbruch und Umsturz bewahrt worden wäre. Bevor ich in diesen meinen Erinnerungen von Herrn von Bethmann Abschied nehme, möchte ich die letzte poütische Äußerung wiedergeben, die ich von ihm hörte. Nicht lange vor seinem Rücktritt kehrte ich von einem MICHEL ODER MICHAELIS 267 Spaziergang im Tiergarten in das Hotel Adlon zurück, in dem wir abgestiegen waren. Ich fand Bethmann bei meiner Frau, der er liebenswürdigerweise einen Besuch abstattete. Als ich eintrat, erzählte er ihr und mir das nachstehende Erlebnis während einer Reise an die Front. Er habe in Charleville die brave Bürgersfrau aufgesucht, bei der er im ersten Kriegsjahr im Quartier gelegen habe. „Revenez souvcnt nous voir quand la paix sera retablie", habe sie ihm gesagt, „Monsieur le Chancelier, vous trouverez chez nous des mains pretes ä serrer votre main, des cceurs qui vous estiment et vous aiment." Theobald von Bethmann fügte hinzu: „Das sagte mir mehr über die wirkliche, die innerste Stimmung der Franzosen als alles Zeitungsgerede. Und in England und in Belgien sieht es nicht anders aus." In einem alten französischen Lustspiel heißt es: „Faut de la naivete, pas trop n'en faut." Wie ist Kaiser Wilhelm auf den Entschluß verfallen, in einem hochkritischen Augenblick den Unterstaatssekretär Michaelis zum Kanzler des Michaelis Deutschen Reiches zu ernennen, den, wie ich seinerzeit erzählt habe, der wir( ^ Kanzler Kabinettsrat Lucanus, ein langjähriger und gründlicher Kenner des preußischen Verwaltungsdienstes, wenige Jahre früher der Stellung eines Oberregierungsrates in Breslau nicht für gewachsen hielt ? Von einem Herrn aus der Umgebung Seiner Majestät wurde mir nachstehendes erzählt: „Wir Flügeladjutantcn unterhielten uns im Marmorsaal über die Frage, wer wohl Nachfolger des unmöglich gewordenen Bethmann werden könnte. Es wurde hin und her geraten, da riß der Generaladjutant von Plessen die Tür auf und rief in den Saal: ,Ich habe einen Reichskanzler! Wie er heißt, habe ich vergessen. Michel oder ähnlich. Er macht in Brotlieferungen und hat neulich eine famose Rede gehalten, in der er sagte, er renne jedem den Degen durch den Leib, der ihm in den Weg träte.' Da erhob sich im Hintergrund der Kabinettsrat Valentini, der bis dahin geschwiegen hatte: ,Der Mann heißt zwar nicht Michel, sondern Miebachs, er treibt auch kein Brotgeschäft, sondern ist Staatssekretär für das Ernährungswesen in Preußen. Er hat auch nicht gesagt, daß er jedem den Degen in den Bauch stoßen wolle, sondern er betonte, er halte die Waffe des Gesetzes in der Hand und werde sie rücksichtslos anwenden. Den zum Reichskanzler zu machen, wäre gar kein so übler Einfall. Ich fahre sofort zu Seiner Majestät nach dem Schloß Bellevue. Der Kaiser wird froh sein, wenn ich ihn um die Zurückberufung des Fürsten Bülow herumbringe.' Eine Viertelstunde später stand Valentini in dem historischen Schloß Bellevue vor Wilhelm II. und proponierte Seiner Majestät den bisherigen Unterstaatssekretär Michaelis als Reichskanzler. Der Kaiser erwiderte gut gelaunt: ,Es wird mich sehr interessieren, ihn kennenzulernen. Vorläufig habe ich keine Ahnung, wie und wer er ist.' Sofort herbeigerufen, erschien der zum fünften Nachfolger des 268 GESELLSCHAFT FÜR ENTSCHIEDENES CHRISTENTUM Fürsten Bismarck erkorene Dr. Michaelis. Der Kaiser schüttelte ihm die Hand und Trug, ob er Lust habe, das höchste Amt im Reich zu übernehmen. Michaehs hielt während einiger Augenblicke die Hand vor die Augen, dann mit feierlicher Stimme: ,Ich fühle, dalJ die Unterstützung von oben mir nicht fehlen wird. Ich nehme an.'" Michaehs war ein kreuzbraver Mann. Als Unterstaatssekretär im Finanzministerium war er mir durch seine biedere Art aufgefallen. Ein Unterstaatssekretär nahm an Staatsministe- rialsitzungen nur teil, wenn sein Chef, der Staatsmiuister, am Erscheinen verhindert war. Wenn Dr. Michaelis seinen Minister, den Freilierrn von Kheinbaben, zu vertreten hatte uud ich ihm das Wort erteilte, so erhob er sich und legte beide Hände an die Hosennaht. Dann begann er mit etwas schnarrender Stimme: „Mit gnädiger Erlaubnis Seiner Durchlaucht des Fürsten Reichskanzlers und in Vertretung meines hohen Chefs, Seiner Exzellenz des Staats- und Finanzministers Freiherr von Rhcinbaben, habe ich das Nachstehende ganz gehorsamst zu erklären." Wie Dr. Michaelis in Bundesratskreisen eingeschätzt wurde, zeigt nachstehende kleine Episode. Graf Hertling, der zu jener kritischen Zeit zu Bundesratsverhandlungen in Berlin weilte, speiste mit dem bayrischen Gesandten, dem Grafen Hugo Lercheufeld, und einigen anderen Herren im Restaurant Borchardt, als ein jüngerer Beamter der bayrischen Gesandtschaft sich dem Grafen Lerchenfeld näherte und ihm meldete, Seine Majestät der Kaiser habe den Unterstaatssekretär Michaelis zum Reichskanzler ernannt. Graf Hertling frug seinen Freund Lerchenfeld, was für ein Mann das eigentlich sei, er habe nie etwas von ihm gehört. In seiner bayrischen Art erklärte Graf Lerchenfeld zur allgemeinen Heiterkeit: „Dieser Doktor Michaehs ist, wie wir Münchner sagen, ein Viech mit Haxn. Mehr weiß ich nicht." Der Unterstaatssekretär Michaehs war nicht nur ein korrekter Beamter, sondern auch ein frommer Mann. Er gehörte der Gesellschaft für entschiedenes Christentum an, einer pietistisch gerichteten Vereinigung treuer Christen, die auf ihren Knöpfen und auf ihrem Briefpapier die Buchstaben E. C. trugen. Von auswärtiger Politik, von internationalen Beziehungen und Verhältnissen, von der Welt hatte er keine Ahnung. Der Kaiser verlieh dem Kabinettsrat Valentini zum Dank dafür, daß er nicht auf mich zurückzugreifen brauchte, den hohen Orden vom Schwarzen Adler. Vom Auswärtigen Amt war gegen meine Rückkehr mit besonderem Das Aus- Eifer gearbeitet worden. Zu diesem Zweck wurde Wien in Bewegung gewärtige Amt setzt. Das Auswärtige Amt hatte, sobald Bethmann ins Wackeln geriet, an befragt Wien ^ Wiener Botschaft telephoniert: Erstens: Wünscht die k. und k. Regierung das Bleiben des Kanzlers Bethmann ? Zweitens: Wünscht sie die Zurückberufung des Fürsten Bülow? WECHSEL AM WIENER BALLPLATZ 269 Die Antwort der Wiener, durch den Botschafter Botho Wedel gern übermittelt, lautete: Ad eins: J a! Ad zwei: Nein! Gerade weil in Wien mehr und mehr die Tendenz hervortrat, sich auf unsere Kosten mit der Entente zu verständigen, wünschte man dort nicht meine Rückkehr. Von mir wußte Wien, daß ich dieses Spiel durchschauen und nach Kräften verhindern würde. Sowohl die Allerhöchsten Damen, die seit dem Regierungsantritt des Kaisers Karl die Situation beherrschten, als die k. und k. Minister des Äußern waren mir gegenüber von innerhchem Mißtrauen erfüllt. Die einen, weil sie fühlten, die anderen, weil sie wußten, daß ich Österreich-Ungarn binnen vicrundzwanzig Stunden an die Kandare nehmen würde. Die Mutter des einfältigen Kaisers Karl, die Erzherzogin Maria Josefa, eine sächsische Prinzeß, seine Schwiegermutter, die Herzogin von Parma, und seine Gemahlin Zita waren gleichmäßig von tiefer Abneigung gegen das Deutsche Reich, gegen Preußen und die Hohenzollern erfüllt. Der bajTische Gesandte in Wien, Freiherr von Tucher, der tüchtige und kluge Sohn einer alten Nürnberger Familie, in deren Stammhaus Hans Sachs und Albrecht Dürer verkehrt hatten, ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nahm, charakterisierte mir die nach dem am 21. November 1916 erfolgten Tode des alten Kaisers Franz Josef am Wiener Hofe maßgebend gewordenen drei Damen wie folgt: „Die Maria Josefa ist dumm wie Bohnenstroh. Zita ist eine fesche kleine Intrigantin, und ihre Mutter ist einfach ein Mistviech." Am Wiener Ballplatz, dem alten Sitz der österreichischen Minister des Äußern, war im Laufe des Weltkrieges auf den Grafen Berchtold, der einer Graf Ottokar der Hauptschuldigen bei der Ultimatumsaktion gewesen war, der Ungar Czernin Baron, später Graf Burian gefolgt. Berchtold war ein leichtsinniger und unfähiger Kavalier, Burian ein tüchtiger, gewissenhafter Beamter, aber politisch ein mittelmäßiger Kopf. Im Dezember 1916 wurde Burian durch den Grafen Ottokar Czernin ersetzt, der seine beiden Vorgänger geistig zweifellos überragte. Den Unsinn der Ultimatumsaktion würde er nicht mitgemacht haben. Aus dem intimen Kreise des Erzherzogs Franz Ferdinand hervorgegangen, begriff er die Gefahren, die ein zu starkes Überwiegen des magyarischen Einflusses auf die auswärtige Politik der Doppelmonarchie mit sich brachte. Als mehrjährigem Gesandten in Bukarest war ihm klar geworden, daß Österreich bestrebt sein müsse, die Reibungsfläche zwischen der Doppelmonarchie und Rumänien möglichst zu verringern. Er kannte das „Konglomerat", wie die Österreicher scherzhaft ihr Vaterland zu nennen pflegten, und wußte, wie wenig Verlaß im Grunde auf die Polen, die Tschechen, die Südslawen war. Er wollte baldmöglichst zum Frieden 270 CZERNINS IMMEDIATBERICHT gelangen, aber gemeinsam mit Deutschland. Er hätte es gern gesehen, wenn wir durch die Abtretung von Elsaß-Lothringen an Frankreich die Möglichkeit des Friedens herbeigeführt hätten. Aber den nackten Verrat des Bundesgenossen, der sich für Österreich in den fürchterlichen Krieg gestürzt hatte, wollte Czernin nicht. Er traute weder dem Kaiser Karl noch den fürstlichen Damen, unter deren Einfluß der dümmerliche Nachfolger des alten Kaisers Franz Josef stand. Aber Graf Czernin beging den Fehler, sich, um seinen Friedenswünschen Eingang in Berlin zu verschaffen, der Hilfe des Reichstagsabgeordneten Erzbcrger zu bedienen. Er vermittelte die Einladung des Buttcnhäusers an den steifsten aller europäischen Höfe. Matthias Erzberger war berauscht, als er in der Wiener Hofburg stand. AI* ihm die hübsche Kaiserin Zita, der Graf Czernin gesagt hatte, sie müsse sich für eine kleine Stunde die Gesellschaft des „ordinären Schwaben" gefallen lassen, es Liege das im Interesse des Hauses Habsburg, die Hand zum Kuß reichte, war er überwältigt. Als ihm gestattet wurde, gemeinsam mit den Habsburger Majestäten in der Kapelle der Hofburg einer Messe beizuwohnen, war er vollkommen eingeseift. Czernin hatte kurz vor dem Besuch Erzbergers in Wien in einem Die Friedens- Immediatbericht an seinen Kaiser der Meinung Ausdruck gegeben, daß resolution des Österreich außerstande sei, den Krieg noch lange fortzusetzen. Es habe Reichstags nur ^ ^ahl zwischen baldigem Frieden und völligem Untergang. Der Bericht war nur für Kaiser Karl und durch ihn für Kaiser Wilhelm II. und die deutsche Oberste Heeresleitung bestimmt, um auch sie für einen Verständigungsfrieden zu gewinnen. Es ist so gut wie sicher, daß die Herzogin von Parma den Czerninschen Bericht, der ihr von ihrem Schwiegersohn mitgeteilt worden war, dem Abgeordneten Erzberger zugesteckt hat. Erzberger verlas diesen Bericht in einer Versammlung von Zentrumsleuten, die bald nachher in Frankfurt a. M. stattfand. Obwohl Erzberger hierbei den streng vertraulichen Charakter seiner Mitteilung betont hatte und trotz seines Verbotes, Notizen zu machen, gelang es einigen Zuhörern, Teile des Berichts mitzustenographieren. Diese Abschriften gelangten in die Schweiz und von dort zur Kenntnis der Entente, deren Siegeszuversicht dadurch in hohem Grade gesteigert wurde. Als später der Reichstag mit zweihundert- vierzchn Stimmen des Zentrums, des Freisinns und der Sozialdemokratie gegen einhundertsechzehn Stimmen und siebzehn Enthaltungen eine Friedensresolution annahm, worin erklärt wurde, der Reichstag erstrebe einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker, mit dem erzwungene Gebictserwerbungen, politische, wirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar wären, wurden Frankreich und England endgültig in ihrem Entschluß bestärkt, den Kampf gegen Deutschland bis zu seiner völligen Entscheidung fortzusetzen. Die JAGOW GEHT 271 Friedensresolution von 1917 hat das Terrain für den Frieden von Versailles vorbereitet, der im direkten Gegensatz zu den kindlichen Erwar- tuugen der drei „regierenden" Parteien, der Sozialdemokratie, des Freisinns und des Zentrums, nicht „die dauernde Versöhnung der Völker'* herbeiführte, sondern Deutschland unerhörte, schmerzliche Gebietsabtretungen auferlegte und eine schmähliche politische, wirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigung unseres armen Volkes bedeutete. Schon im Juli 1917 war es zu einer Matrosenmeuterei in der deutschen Flotte gekommen. Es unterhegt keinem Zweifel, daß sie planmäßig seit langem von der U.S.P.D. vorbereitet worden war. Erfahrene und einsichtige Marineoffiziere sind der Ansicht, daß es zu einem solchen Aufstand nicht gekommen wäre, wenn die Flotte sofort nach Beginn des Krieges in den Kampf geführt worden wäre. Die lange Untätigkeit, der langweilige, zum Teil wohl auch mit unnötiger Pedanterie betriebene Friedensdienst während des größten aller Kriege habe den Geist entwickelt, aus dem die Meuterei der Matrosen hervorging und jedenfalls die Wühlarbeit der U.S.P.D., der Haase, Vogtherr und Dittmann, erhebüch erleichtert. In der Leitung der auswärtigen Politik war vor dem Sturz des Kanzlers Bethmann ein Wechsel eingetreten. Gottlieb Jagow war im November 1916 Zimmermann endlich seiner Stellung als Staatssekretär des Äußern enthoben worden, in Staatssekretär der er soviel Schaden angerichtet hatte. Sein Nachfolger wurde der bisherige Unterstaatssekretär Zimmermann. Von den besten Absichten erfüllt und, wie immer wieder betont werden muß, ein Ehrenmann und Patriot, behandelte Zimmermann doch gerade unser immer wichtiger werdendes Verhältnis zu Amerika mit wenig Geschick. Er gehörte zu den Deutschen, die bei reinem Willen und zweifelloser Tüchtigkeit doch nicht begreifen, daß der Diplomat in erster Linie geschickt sein und wissen muß, „wie es gemacht wird". Das sagte vor mir im Januar 1874, drei Monate nachdem ich in das Auswärtige Amt eingetreten war, der Reichskanzler Fürst Bismarck zu meinem Vater, und dasselbe meinte bei einem Diner, zu dem mich in Paris 1879 der gütige Graf Roger du Nord eingeladen hatte, der damalige Abgeordnete Leon Gambetta. Der biedere Zimmermann versicherte dem amerikanischen Botschafter Gerard, daß Deutschland den unbeschränkten U-Boot-Krieg nicht ohne vorherige Verständigung mit Amerika proklamieren würde. Er veranlaßte den Botschafter, auf einem Festessen der amerikanischen Handelskammer in Berlin in einer feierlichen Rede zu erklären, die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika wären nie bessere gewesen als jetzt. „Solange Männer wie Doktor Solf und Helfi'erich, wie Hindenburg und Ludendorff, wie die Admiräle von Müller, von Capelle und von Holtzendorff und der Staatssekretär Zimmermann an der Spitze der zivilen, militärischen und maritimen Verwaltung Deutschlands 272 DAS BÜNDNIS MIT MEXIKO stehen, wird es sicher möglich sein, diese guten Beziehungen aufrechtzuerhalten." Drei Wochen später wurde von uns der unbeschränkte U-Boot-Krieg ohne rechtzeitige Benachrichtigung der amerikanischen Regierung proklamiert. Gleichzeitig richtete der Staatssekretär Zimmermann an den deutschen Gesandten in Mexiko einen Erlaß, in dem er dieser von inneren Kämpfen zerrissenen, ganz oder halb verfaulten Republik, die längst völlig von den Vereinigten Staaten abhing, ein Bündnis auf folgender Basis vorschlug: Mexiko solle die früher an Amerika verlorenen Gebiete von Texas, Neu-Mexiko und Arizona (zusammen fünfhunderttausend englische Quadratmeilen mit fast fünf Millionen Einwohnern) zurückerhalten, dagegen versuchen, Japan für das deutsch-mexikanische Bündnis zu gewinnen; gemeinsame Kriegführung, gemeinsamer Friedensschluß, weitgehende finanzielle Unterstützung Mexikos durch Deutschland. Als dieses groteske Angebot, das zudem technisch mangelhaft redigiert worden war, in die Hände der Amerikaner fiel und von diesen entziffert und veröffentlicht wurde, sagte mir ein Schweizer Freund, mit dem ich, damals wieder vorübergehend in Luzern weilend, am Ufer des Vierwaldstätter Sees spazierenging: „Der Gedanke, den amerikanischen Koloß mit Hilfe des mexikanischen Zwergs zu überrennen, kommt mir gerade so vor, als wenn ich Ihnen vorschlagen wollte, die englische Flotte mit den drei kleinen Dampfern zu vernichten, die vor unseren Augen zwischen Luzern und Flüelen hin und her fahren." Auf Zimmermann folgte als Staatssekretär des Äußern am 5. August Kühlmann 1917 Herr von Kühlmann, der, wie ich anläßlich der Tangerfahrt des Zimmermanns Kaisers erwähnte, durch sein gewandtes Hinauf- und Hinabklettem an Nachfolger e j ner Strickleiter der „Hohenzollern" das Herz Seiner Majestät gewonnen hatte. Die übrigens nur vorübergehende Sympathie des Kaisers für den jungen Diplomaten wurde dessen Unglück, weil sie ihn verführte, seine Tätigkeit als Staatssekretär ganz auf die nicht immer glücklichen Einfälle Seiner Majestät einzustellen. Als sich Michaelis nicht nur unmöglich, sondern geradezu lächerlich gemacht hatte, stand Wilhelm II. wiederum vor der Notwendigkeit des Suchens nach einem neuen Kanzler, dem sechsten seit Bismarck. Der Kaiser, der glücklich gewesen war, Bismarck loszuwerden, der Caprivi keine Träne nachweinte, Hohenlohe gleichgültig und mich mit Vergnügen gehen Heß, trennte sich nur höchst ungern von Michaelis. Im Grunde ist ihm nächst Bethmann Hollweg kein anderer Reichskanzler so sympathisch gewesen. Michaelis gefiel ihm so gut, daß er, wie mir ein Ohrenzeuge erzählt, wenige Wochen nach dessen Erhebung auf den Stuhl von Bismarck zu dem König von Sachsen in freudiger Stimmung sagte: „Zu Michaelis darfst du mir gratulieren! Der ist der beste Kanzler, den ich während meiner ganzen SUCHE NACH DEM SECHSTEN KANZLER 273 Regierung gehabt habe!" Wilhelm II. machte sogar den Versuch, Michaelis wenigstens als preußischen Ministerpräsidenten zu behalten, stieß damit aber auf so allseitigen Widerspruch, daß er den Gedanken aufgab. Aber wer sollte nun an die Stelle des Dr. Georg Michaelis treten, den die „Times" nach seiner Ernennung mit einem Artikel begrüßt hatte, in dem es etwa hieß: „Als Herr von Bethmann mit demselben plumpen (clumsy) Ungeschick, mit dem er in den Krieg hineingestolpert war, aus dem Reichskanzleramt herausstolperte, ließ Wilhelm einen im In- und Ausland völlig unbekannten, mittelmäßigen Beamten kommen, der weder im Parlament noch im Lande irgendwelche Stellung hatte, und sagte zu ihm: Ich ernenne Sie zum Major, mehr bedarf es nicht, damit Sie mit Gottes Hilfe ein ausgezeichneter Reichskanzler werden." Leider hatte die nach seiner Erhebung zum Kanzler in der Tat erfolgte Ernennung zum Major der Landwehr nicht genügt, um Michaelis vor einem frühen politischen Tod zu bewahren. Wieder sollte Wilhelm II. einen neuen Steuermann für das in schwerem Kriegssturm von den Wellen hin und her geworfene Reichsschiff finden. Reichskanzler Wiederum von dem eigensinnigen Wunsch geleitet, um mich herumzu- Freiherr kommen, verfiel der Kaiser auf den bayrischen Ministerpräsidenten Hert- ^ ertiln S ling, an den bereits im Juli 1917 herangetreten worden war, der aber damals mit Rücksicht auf seinen schlechten Gesundheitszustand gebeten hatte, von ihm abzusehen. Es war das derselbe Hertling, den der Kaiser zwei Jahrzehnte früher nur mit Widerstreben auf einem Hofball einer kurzen Ansprache gewürdigt hatte, leider auch derselbe Hertling, von dem am Schauplatz seiner bisherigen Tätigkeit in München seine Kollegen, seine Untergebenen und alle, die mit ihm in Berührung kamen, überzeugt waren, er würde seinem dortigen, nicht allzu aufreibenden Amt, das jedenfalls viel, sehr viel bequemer war als das des Reichskanzlers, nicht mehr lange gewachsen sein. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Hertling war nicht nur bis zum letzten Atemzug ein gewissenhafter, ernster und vornehm gesinnter, sondern auch ein kluger und erfahrener Staatsmann. Aber er war über seine Jahre hinaus gealtert. Er war infolge einer rasch fortschreitenden Arteriosklerose körperlich verfallen. Schon in München war er nicht mehr imstande gewesen, länger als eine Stunde Vorträge entgegenzunehmen. Die Ernennung Hertlings erregte daher dort, wo man seinen körperlichen Zustand kannte, großes Erstaunen. Ich stattete ihm bald nach seiner Amtsübernahme einen längeren Besuch ab, schon weil er der einzige Zentrumsabgeordnete gewesen war, der mir gegenüber, auch nachdem ich politisch mit dem Zentrum zusammengestoßen war, die gesellschaftlichen Formen wahrte. Ich fand ihn geistig klar, physisch völlig verbraucht. Als ich ihm riet, seine schöne Münchener 18 BUlow ni 274 DER BITTERE KELCH Bibliothek nach Berlin kommen zu lassen, damit er, ein großer Bibliophile, seine gehebten Fohanten und Regesten um sich habe, erwiderte er mir: „Bis meine Bücher eintreffen, bin ich ja vielleicht schon in einer anderen und besseren Welt. Ich bin ein schwerkranker Mann." Er erzählte mir dann mit vollkommener Ruhe, daß er schon vor Monaten vou München nach Berlin geschrieben habe, er sei nicht mehr in der Lage, einer etwaigen Berufung zum Reichskanzler Folge zu leisten. Trotzdem sei die kaiserhche Aufforderung an ihn ergangen. Nach seiner Ankunft in Berlin habe ihm Graf Lerchenfeld gesagt, er dürfe dem Kaiser unter keinen Umständen ein Kabinett mit Parlamentariern vorschlagen, davon wolle Seine Majestät absolut nichts wissen. Er habe geantwortet: „Dann werde ich es gerade tun!" Als er in der ihm von Seiner Majestät allergnädigst bewilligten Audienz damit angefangen habe, die Notwendigkeit einer Parlamentarisierung der Regierung zu betonen, hätte der Kaiser erwidert: „Tun Sie, was Sie nicht lassen können." Als er Seiner Majestät weiter gesagt habe, persönlich sei er, gerade weil er ein alter Parlamentarier wäre, im Grunde ein Gegner parlamentarischer Ministerien wie jeder Parteiherrschaft, da beides für Deutschland nicht passe, es bleibe aber nach Lage der Dinge nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen, habe der Kaiser nur genickt und alles Weitere ihm überlassen. Der Kaiser hätte sogar den Vorschlag akzeptiert, daß Hertling sich zunächst der Unterstützung aller Parteien vergewissern solle, eine Idee, die Seine Majestät bis dahin als eine für die Krone unerträgliche Demütigung bezeichnet hatte. Die Rücksprachen zwischen ihm, Hertling und den Parteiführern hätten denn auch stattgefunden. Alle Parteiführer bis auf einen, den Hertling nicht nannte, hätten ihm, dem alten Kollegen, ihre Unterstützung zugesagt. Nur einer habe ihm nicht verhehlt, daß seine Partei bei aller persönlichen Sympathie für den langjährigen Reichstagskollegen ihm politisch werde opponieren müssen. Diesem Kollegen habe er warm die Hand gedrückt mit den Worten: „Sie waren mir persönlich immer heb, sind es mir aber jetzt noch mehr geworden, denn Sie erwecken in mir die Hoffnung, daß der bittere Kelch an mir vorübergehen wird." Er habe dann auch Seiner Majestät sagen lassen, er müsse endgültig auf die Übernahme des Reichskanzlerpostens verzichten, und gleichzeitig die Reichskanzlei gebeten, ihm den Salonwagen, in dem er aus München eingetroffen war, freundlichst für die Rückfahrt wieder zur Verfügung zu stellen. Daraufhin sei der Staatssekretär des Äußern, Herr von Kühlmann, bei ihm erschienen und habe ihm, gemeinsam mit dem Grafen Lerchenfeld, mit solchem Nachdruck auseinandergesetzt, er dürfe den Kaiser nicht im Stiche lassen, es sei Fahnenflucht, wenn er Berlin verlasse, daß er schließhch den Kanzlerposten angenommen habe. Es war Kühlmann, der vor allem die Ernennung von Hertling betrieb. DYNASTISCHE AMBITIONEN 275 Er selbst ist nach ihm nicht in den großen Kasten Wilhelmstraße 77 gelangt. Aber auch in der kurzen Zeit seiner Amtsführung als Staats- Der Friede Sekretär bat er mehr als einmal eine sehr unglückliche Pland bewiesen. Der von Brest- Friede von Brest-Litowsk war ein schwerer Fehler. Es war kein Helden- Litowsk stück, die Bolschewisten zu ganz exorbitanten Zugeständnissen zu bewegen, teils weil sie den Frieden um jeden Preis wollten, um sich ungestört der gründlichen Ausrottung ihrer inneren Gegner widmen zu können, teils weil Trotzki und Genossen sich am Vorabend der von ihnen mit gläubiger Zuversicht erwarteten Weltrevolution glaubten und deshalb jeden Friedensschluß nur als ein Provisorium betrachteten. Der Friede von Brest- Litowsk schadete uns in zwei Richtungen. Er erweckte in der ganzen Welt den Eindruck deutscher Brutalität und Unersättlichkeit. Er gab der französischen und englischen Propaganda die Möglichkeit, mit neuen Scheingründen das Märchen von den deutschen Weltherrschaftsplänen zu verbreiten. Dieser Friedensschluß mit seinen unsicheren Konturen und seinen unbegrenzten Zukunftsmöglichkeiten erweckte gleichzeitig in Deutschland an nur zu vielen Stellen die Hoffnung auf Landerwerb. Der württembergische Herzog von Urach wollte mit Hilfe des ihm befreundeten Matthias Erz- berger König von Litauen werden, ein Gedanke, der dem Abgeordneten für Biberach beinahe ebenso sehr am Herzen lag wie die Feststellung einer neutralen Zone für den Papst zwischen der Cittä Leonina und Civitä- Vecchia zwecks ganz freien Verkehrs des Heiligen Stuhls mit der Außenwelt. Der Prinz Friedrich Karl von Hessen, ein Schwager des Kaisers, bewarb sich um die Krone von Finnland. Kaiser WUhelm, dem man von den prächtigen Auerochsen in den Wäldern von Kurland gesprochen hatte, wünschte für sich selbst als Hausgut und Jagdgrund das Herzogtum Kurland. Der Kaiser zeichnete recht hübsch und hatte schon das Wappen entworfen, das er als Herzog von Kurland führen wollte. Auch im Westen machten sich dynastische Ansprüche geltend: Bayern wünschte die Teilung des Reichslandes Elsaß-Lothringen in der Weise, daß Lothringen an Preußen, Elsaß aber an Bayern fallen solle. Württemberg erklärte, daß es in diesem Falle als Entschädigung den Regierungsbezirk Sigmaringen beanspruche. Sachsen wollte nicht leer ausgehen und ließ durchblicken, daß der Oberelsaß ganz wohl von Dresden aus regiert werden könne. Es war, als ob in den deutschen Fürstenhäusern kurz vor ihrem Zusammenbruch ihre jahrhundertealte Vergrößerungssucht und Leidenschaft des Landerwerbs als später Johannistrieb noch einmal zutage trat. Es betrübte mich, im hinter 1917/18 in Berlin zu beobachten, wie sehr trotz des ungeheuren Ernstes unserer Lage für viele, allzu viele, selbstsüchtige Bestrebungen, kleinhche Ambitionen im Vordergrund standen. Oben und unten: An den deutschen Fürstenhöfen wurden Fürstenhüte ausgeteilt wie an der Tafel 18« 276 BÜLOW WIRD ÜBERWACHT der Wallensteinschen Generäle in Schillers dramatischem Gedicht „Die Piccolomini". In den niederen Sphären des damaligen Auswärtigen Amtes herrschte Aus Bülows kein besserer Geist. Ich entnehme dem Tagebuch, das ich, wenn auch mit Tagebuch Lücken, seit dem Beginn des Weltkrieges führte, die nachstehenden zwei Aufzeichnungen, die ich während meines Berliner Aufenthaltes eintrug: „Frühstückte im Großen Saal des Hotels Adlon. Vor mir ein Tisch mit jüngeren Beamten des Auswärtigen Amtes. Ich höre, ohne es zu wollen, die nachstehende Konversation. A.: Was gibt es denn Neues an der Front ? B.: Hören Sie auf mit Ihrem Quatsch von der Front! Ich möchte lieber wissen, ob Jagow wieder eine Botschaft bekommt! Ein an dem Tisch dieser hoffnungsvollen Jugend vorübergehender älterer Herr, seinem Aussehen nach ein pensionierter General, legt dem Frager die Hand auf die Schulter und meint mit grimmigem Humor: So ist es recht. Sie sind im Bilde!" Eine weitere Eintragung in mein Tagebuch: „X. erzählt mir, ein jüngerer Beamter des Auswärtigen Amtes hätte einen neben ihm frühstückenden Offizier gefragt, ob er wisse, wer am Tage vorher am Tische des Fürsten Bülow gesessen habe. Der Offizier antwortete: Fragen Sie doch den Oberkellner!" Von allen Seiten wird mir erzählt, daß mein Verkehr sorgsam überwacht wurde. Als Tirpitz mir im Hotel Adlon im Winter 1915/16 einen Besuch abstattete, sagte ihm Bethmann am nächsten Tage mit vorwurfsvollem Gesicht: „Sie waren schon wieder beim Fürsten Bülow!" In einer Staatsministerialsitzung zeigte Bethmann dem Minister des Innern, Herrn von Loebell, eine französische illustrierte Zeitung, die ein Bild von mir brachte, wie ich auf dem Luzerner Kai spazierenging. Ein betriebsamer Reporter hatte mich, ohne daß ich es merkte, abgeknipst. Sorgenvoll frug der Reichskanzler seinen Kollegen Loebell: „Wie kommt es, daß die auswärtige Presse sich noch immer mit dem Fürsten Bülow beschäftigt ? Das ist doch im allgemeinen nicht der Fall bei zurückgetretenen Staatsministern." Als Loebell dem Kanzler versicherte, daß ich nicht nach seinem Posten strebe, schüttelte Bethmann melancholisch den Kopf: „Alle wollen sie an meine Stelle, dabei bin ich doch der einzige, zu dem Europa und insbesondere England trotz allem und allem noch immer Vertrauen haben." Ich entnehme meinem Diarium weiter den nachstehenden, in Berlin eingetragenen längeren Passus: „Heute aß das Ehepaar Harnack bei uns. Ich hatte ihn zu Tisch gebeten, weil er eine schmerzliche Enttäuschung erlebt hat. Er strebt seit langem nach dem Kultusministerium. Bethmann hatte ihm in dieser Richtung bestimmte Zusicherungen gemacht. Der Kaiser, dem Harnack andauernder und, die Gerechtigkeit erfordert, es anzuerkennen, feiner und geistreicher schmeichelt als irgendein anderer, war DER WILLE ZUR MACHT 277 einverstanden. Da gelangt durch einen tückischen Zufall ein Brief in die Öffentlichkeit, den Harnack an eine in München lebende, hübsche, aber, wie es scheint, indiskrete Nichte gerichtet hatte. Es hieß in diesem Brief, der Kanzler Bethmann habe ihm, Harnack, anvertraut, daß er gern noch weiter nach links gehen möchte, er fürchte aber, dadurch nicht nur die Konservativen, sondern vor allem den Kaiser zu beunruhigen. Schlimmer war in diesem Brief die Wendung: ,Ich, Adolf Harnack, halte den Willen zur Macht für Sünde.' Dabei hat gerade Harnack alle anderen deutschen Gelehrten während des Krieges an allzu lautem, gar zu übertriebenem Chauvinismus übertroffen." Gewiß, auch andere deutsche Gelehrte haben gesündigt. Ich nenne nur den Professor Lasson, den letzten Vertreter der Hegeischen Philosophie an der Berliner Hochschule. Hegel soll gesagt haben, er habe nur einen einzigen Schüler gehabt, der ihn verstanden habe, und dieser hätte ihn mißverstanden. Ich weiß nicht, ob dieser den Meister mißverstehende Jünger der Professor Lasson war. Des tiefen und umfassenden Hegeischen Geistes hat Lasson jedenfalls keinen Hauch verspürt. Er schrieb bald nach Beginn des Krieges an einen holländischen Gelehrten, der ihm wohlgemeinte Gedanken für eine allmählich anzubahnende Versöhnung der sich bekämpfenden Völker durch einen Verständigungsfrieden unterbreitet hatte, ungefähr so: Wenn er, Lasson, Holländer wäre, würde er sich schämen, einem neutralen, im Wohlstand erstickenden Lande anzugehören. Wegen Deutschlands brauche der Holländer sich nicht zu beunruhigen. Von Kaiser Wilhelm II. gelte, was einst von Kaiser Titus gesagt wurde: Deliciae generis humani. Bethmann sei ein Staatsmann, um den uns künftige Jahrhunderte beneiden würden. Auch der Nationalökonom Werner Sombart hätte meo voto besser getan, seinem Kriegsbuche nicht den Titel zu geben: ,HeIden und Händler'. Mit den Helden sind natürlich wir Deutsche gemeint, mit den Händlern die Engländer. Nun haben zweifellos auch die Engländer in ihrer Geschichte, und noch im Weltkrieg, Heldenmut an den Tag gelegt. Andererseits hat unser Volk Handelsgeist im besten Sinne in den Tagen der Hansa und von neuem seit der Wiedererrichtung des Reiches glänzend betätigt. Die Warnung des weisen Dulders Boethius in seinen ,Consolationes' gilt auch für Sombart: ,,0 si taeuisses, philosophus mansisses." Aber allen seinen Kollegen tut es Adolf Harnack an Großspurigkeit zuvor. Im Höhepunkt des Krieges hielt er in München eine Rede, in der er erklärte, daß nur der Deutsche bereit sei, für den Staat zu sterben, wofür sich die uns feindlichen Völker bedankten. Im Anschluß hieran führte er aus, daß allein der Deutsche eine wirkliche Kultur besitze. Es entbehrt nicht eines gewissen pikanten Reizes, daß ein Mann, der in dieser Weise 278 PROFESSOREN UND RHETOREN nach Art der homerischen Helden den Gegner verhöhnte und herabwürdigte, nicht lange nachher den Willen zur Macht für Sünde erklärte. Die letztere Wendung war übrigens auch an und für sich eine Torheit. „Get thee to a nunnery! Geh ins Kloster, Ophelia!" hätten seine Studenten dem Hoftheologen zurufen sollen. Noch besser hätten sie ihn an ein prächtiges Wort erinnern können, das ein großer englischer Staatsmann, Disraeli, als Führer der konservativen Opposilioa im Unterhause sprach: „Professoren und Rhetoren erfinden Systeme und Prinzipien. Die -wahrhaften Staatsmänner sind nur von dem Instinkt zur Macht und der Liebe zum Vaterland beseelt. Das sind die Gefühle und Methoden, die große Reiche schaffen." So im Parlament Benjamin Disraeli, Earl of Beaconsfield. XXI. KAPITEL Ungünstige Nachrichten aus Österreich • Der dortige deutsche Botschafter Graf Botho Wedel • Rumänien tritt in den Krieg ein • Hindenburg-Ludendorff • Der Gang der militärischen Operationen • Die große Offensive in Frankreich im Frühjahr 1918 • Symptome zunehmender Erschöpfung in Deutschland • Jämmerliche Schwäche der deutschen Regierung • Besuche Ballins in Klein-Flottbek, sein letzter Versuch, Wilhelm II. aufzuklären • Brief Heckschers an den Fürsten über den Zusammenbruch, Bülows Antwort Der Sowjet-Botschafter Joffe Inzwischen stiegen immer schwärzere Wolken am politischen Horizont auf. Die Nachrichten aus und üher Österreich lauteten besonders trübe. Die Sixius- Nur unser neuer deutscher Botschafter in Wien, Graf Botho Wedel, sah ■^ff are nach wie vor alles in rosa. Seine Berichte waren eine fortlaufende Bestätigung der optimistischen Informationen, die er dem ahnungslosen Michaelis und dem überalterten Hertling anläßlich ihrer Besuche am Wiener Hof gegeben hatte und die zum Unglück Deutschlands die verantwortlichen Leiter unserer Politik hinsichtlich der Bundestreue Österreich- Ungarns in Sicherheit wiegten. Wedel war völlig dadurch eingeschläfert worden, daß seine Schwiegermutter, die Gräfin Luise Gröben, als sie ihre Kinder an der schönen blauen Donau besuchte, aus den eigenen Händen der Kaiserin Zita den österreichischen Elisabeth-Orden mit Brillanten erhielt, was, vom höfischen Standpunkt aus, eine seltene Auszeichnung war. Dieser Allerhöchste Gnadenbeweis hatte aber nicht verhindert, daß Kaiser Karl um dieselbe Zeit Deutschland verriet, indem er dem Präsidenten der Französischen Republik Poincare durch seinen Schwager, den Prinzen Sixtus von Parma, versprechen ließ, daß er mit allen Mitteln und unter Einsetzung seines ganzen persönlichen Einflusses die „gerechten" Rückforderungsansprüche, die Frankreich hinsichtlich Elsaß-Lothringens stelle, unterstützen werde. Gleichzeitig hatte Kaiser Karl um einen Sonderfrieden gebeten. Er hat diesen Brief und den Versuch, Deutschland zu verraten, ableugnen wollen, ist jedoch von Clemenceau in voller Öffentlichkeit durch Publikation des Faksimile seines Briefes der dreisten Lüge überführt worden. Dahin hatten die blinde Gefolgschaft von Bethmann und Jagow gegenüber Österreich, die falsch verstandene Ritterlichkeit des Kaisers Wilhelm für den greisen Kaiser Franz Josef geführt. Daß es nicht schon 280 DIE RUMÄNISCHE SCHWENKUNG 1917 zu einem Abfall der Habsburger gekommen war, verdankte Berlin nur der Hartnäckigkeit, mit der Sonnino an der italienischen Forderung des Trentino und der Stadt Triest festgehalten hatte. Kaiser Karl wollte zwar, daß wir Elsaß-Lothringen abtreten sollten, er selbst aber war nicht geneigt, Trient und Triest den „gottlosen" Italienern zu überlassen. Auch der Eintritt Rumäniens in den Krieg hatte die Lage der Zentraler Krieg mächte erheblich belastet. Die ungarische Regierung konnte sich auch nach mit 1914 nicht entschließen, den im Bereich der Stefanskrone lebenden fast Rumänien Millionen Rumänen eine bessere Behandlung und eine einigermaßen ihrer Zahl entsprechende Vertretung im ungarischen Parlament in Aussicht zu stellen. Die Berliner Politik hatte, wie vor einem Jahr gegenüber Italien, 80 auch gegenüber Rumänien versagt. Sie hatte es nicht vermocht, in Wien die unerläßlich gewordenen Zugeständnisse an Italien durchzusetzen; sie war ebensowenig imstande gewesen, Ungarn zu einer freundlicheren Haltung gegenüber Rumänien zu bewegen. Umsonst hatten bis zuletzt der tapfere Carp in Bukarest und der rumänische Gesandte in Berlin, der tüchtige Beldiman, mit direkten Berichten an den König von Rumänien für die deutsche Sache gekämpft. Die Anhänger der Entente, geführt von Take Jonescu und Nikolaus Philipescu, siegten, da sie sich darauf berufen konnten, daß, während die Zentralmächte Rumänien keinerlei Entgegenkommen zeigten, die Entente dem Königreich ganz Siebenbürgen, die Bukowina und das Banat in Aussicht stellte. Auf den italienischen Frontwechsel war die rumänische Schwenkung erfolgt. Am 27. August 1916 hatte der König Ferdinand von Rumänien Österreich-Ungarn den Krieg erklärt. Er, ein Hohenzoller, der im Ersten Garde-Regiment zu Fuß gestanden hatte, verriet Preußen, die Armee, sein Vaterland. Hindenburg und Ludendorff, die achtundvierzig Stunden nach der rumänischen Kriegserklärung endlich von Kaiser Wilhelm II. mit der obersten Heeresleitung betraut wurden, sorgten dafür, daß nicht nur der rumänische Angriff paralysiert wurde, sondern sie gaben der gesamten deutschen Kriegführung neue Impulse. Während, von unseren Staatsmännern unbeachtet, das Geschwür des Verrats in der Wiener Hofburg um sich fraß, während im Innern Deutschlands eine in der Stille, aber mit Zähigkeit betriebene Propaganda an der Kampfkraft der Nation nagte, erfochten die deutschen Armeen unter dem Oberbefehl Hindenburgs auf allen Kriegsschauplätzen unsterbliche Siege. Es war ein tragischer Kontrast, der die Entwicklung des Jahres 1918 für Deutschland kennzeichnete: unvergleichliche militärische Leistungen an der Front, eine unheimlich um sich greifende Entmutigung, eine schleichende Erschöpfung in der Heimat. Die Kriegsgeschichte kennt kaum eine großartigere Leistung als die deutsche Offensive im März 1918, der Hindenburg das Ziel wies, durch eng zusammenhängende Teilschläge das feindliche DIE FRONT 281 Gebäude derartig zu erschüttern, daß es letzten Endes doch einmal zusammenbreche. In stürmischem Siegeslauf brach die deutsche Infanterie unter dem Schutz der vorwärtsrollenden „Feuerwalze" in die englischen Stellungen ein. Sie entriß den Engländern unter Einbringung großer Beute Bapaume, wo ich als junger Husar fast ein halbes Jahrhundert früher gefochten, sie erreichte Montdidier und Albert, wohin ich damals manche Patrouille geritten hatte. Aber bis Amiens kamen wir diesmal nicht. Obwohl zwei engüsche Armeen geschlagen waren, unsere Tapferen fast hunderttausend Gefangene gemacht, über tausend Geschütze erobert hatten, wurde ein strategischer Gewinn nicht erzielt. Zu groß war die Übermacht der Feinde, denen das Menschen- und Kriegs-Material fast der ganzen Welt zur Verfügung stand. Die letzte Entscheidung gaben die nach Europa transportierten amerikanischen Truppen. Gegenüber so heroischen Leistungen des deutschen Heeres verstummt jede Kritik. Ich will jedoch nicht verhehlen, daß ich in jenen Tagen mich oft gefragt habe, ob es richtig war, daß wir an der Somme standen und an der Weichsel, in den Vogesen und in den Karpathen, in Kurland und in der Ukraine, am Isonzo und am Euphrat, daß wir in Rumänien und in Palästina fochten. Ich habe damals wiederholt gesagt und auch nach Berlin geschrieben, daß Napoleon trotz seines Genies und trotz des fast unerschöpflichen Menschenmaterials, das ihm die von ihm unterjochten Völker, die Deutschen und die Italiener, die Holländer und die Belgier, üefern mußten, schließlich doch unterlag, als er Moskau und Madrid, Rom und Amsterdam besetzt hielt. Qui trop embrasse, mal etreint. Es wäre besser gewesen, wenn wir uns aus dem Osten zurückgezogen und ganz auf den Westen konzentriert hätten. Mit äußerster Spannung, mit Herzklopfen verfolgte ich den zweiten deutschen Angriff in Frankreich, die Schlacht an der Lys, den dritten Angriff, die Eroberung von Soissons durch unseren tapferen Kronprinzen. Der vierte deutsche Angriff mit dem Ziele Reims, das durch die Eroberung von Epernay im Westen und Chälons-sur-Marne im Osten umklammert, uns von selbst zufallen sollte, brachte im Juli 1918 die militärische und damit, wie die Dinge lagen, die welthistorische Wende. Der Marne-Ubergang gelang glänzend. Aber die deutschen Pläne waren verraten worden. Der Feind hatte in Kenntnis unserer Absichten die Verteidigung in die zweite Stellung verlegt. Ich hörte sogleich, daß in jenen Tagen sich zum ersten Male Zeichen moralischer Zersetzung im Heere bemerkbar machten. Manche Truppenteile versagten den Gehorsam. Regimenter, die tapfer vorgingen, wurden von sozialistisch verseuchten Truppenteilen, denen sie begegneten, mit dem schmählichen Ruf „Streikbrecher" begrüßt. Es ist allgemein bekannt, daß ein angesehener englischer 282 DIE DEUTSCHE MENTALITÄT General bald nach dem Kriege erklärt hat, das deutsche Heer sei durch den „Dolchstoß von hinten" besiegt worden, nicht durch den vor ihm stehenden Feind. Die deutsche Sozialdemokratie hat gegen diesen Vorwurf lebhaft protestiert, am lebhaftesten gerade diejenigen sozialdemokratischen Führer und Publizisten, die diesen Vorwurf am meisten verdienten. In voller Unparteilichkeit muß gesagt werden: So gewiß es ist, daß die sozialdemokratisch gerichteten Soldaten sich in ihrer großen Mehrheit gerade so tapfer geschlagen haben wie die nichtsozialdemokratischen, so ist doch nicht zu bestreiten, daß wenigstens die Führer des linken Flügels der Sozialdemokratie, die selbst den wärmenden Ofen nie verlassen hatten, sich wesentlich anders benahmen als ihre Genossen an der Front. Diese Radikalen arbeiteten um so bunder auf den Zusammenbruch hin, je näher im Weltkrieg die Entscheidung rückte, um so dreister, je mehr die aufeinanderfolgenden schwachen Reichskanzler die Zügel am Boden schleifen ließen. Während in Frankreich, wie ich schon ausführte, mit Verbannung und Gefängnis, mit Pulver und Blei gegen Defaitisten und Pazifisten vorgegangen wurde, und das von radikalen und sozialistischen Ministern, während in England eine liberale Regierung die irländische Sinnfein- Bewegung blutig unterdrückte, zahlreiche Exekutionen vornahm und den Irenführer Sir Roger Casement im Londoner Tower, dem Schauplatz mancher blutigen Szene der enghschen Geschichte, hinrichten Heß, während in den westlichen Ländern die strafgesetzlichen Bestimmungen nicht nur über Landesverrat, sondern auch gegenüber defaitistischen und pazifistischen Umtrieben fortgesetzt verschärft wurden, trat in Deutschland die Tendenz hervor, die staatlichen Abwehr- und Schutzmittel entweder abzustumpfen oder sie wenigstens mögbehst selten in Anwendung zu bringen. In dieser Richtung überboten sich die ausschlaggebenden Parteien, die Sozialdemokratie, das Zentrum und die bürgerliche Demokratie, mit einem nur bei uns möglichen spießbürgerlichen und weltfremden Doktrinarismus. Es triumphierte in höchster Not, wo es um alles ging, jener „Standpunkt des Philisters", wie Bismarck diese während dreißig Jahren so oft von ihm bekämpfte Mentalität nannte. Der deutschen Menschheit ganzer Jammer erfaßte mich, wenn ich im Pariser „Temps" die Einzelheiten über Verurteilungen las, die erkennen ließen, wie wenig in Frankreich dazu gehörte, um vor das Kriegsgericht zu kommen, während sich bei uns Defaitismus und Pazifismus wie ein ekelhafter Hausschwamm einfraßen. In denselben Tagen, wo dieser Hausschwamm in Frankreich erbarmungslos mit der Wurzel ausgerottet und wie übles Gewürm zertreten wurde, erwiderte mir ein nicht untüchtiger Beamter des Auswärtigen Amtes, dem ich geschrieben hatte, er finde in dieser Zeit höchster Not und Gefahr wohl kaum einen Moment der Muße und des Ausruhens, mit großem Ernst: „Wir haben DIE WAHRHEIT AN DEN KAISER 283 jetzt in der Tat viel zu tun. Wir sind namentlich damit beschäftigt, brauchbare deutsche Vorschläge für den Völkerbund auszuarbeiten, der hoffentlich die beste Frucht dieses Krieges sein wird." In Flottbek, wo ich seit 1915 jeden Sommer mehrere Monate verbrachte, erhielt ich besonders im Herbst 1918 häufige Besuche von Ballin. Er war Ballin Ende August im Großen Hauptquartier gewesen, auf den ausdrücklichen Bülow Wunsch der 0. H. L., die ihn gebeten hatte, Seiner Majestät endlich reinen Wein über den Ernst der Lage einzuschenken, was Hindenburg und Ludendorff bisher nicht gelungen war. Es war aber Ballin nicht möglich gewesen, den Kaiser ohne Zeugen zu sprechen. Die Kaiserin und der Kabinettsrat von Berg hatten jeden derartigen Versuch vereitelt. Herr von Berg war bald nach dem Rücktritt des Reichskanzlers Bethmann als Chef des Zivilkabinetts an die Stelle des Herrn von Valentini getreten. Der letztere hatte durch seine Beschränktheit, mehr noch durch seinen Mangel an Charakter, seinem kaiserlichen Herrn und dem Lande schweren Schaden zugefügt. Der Kaiser trennte sich trotzdem nur ungern von Valentini, der ein frommer Knecht war und in der Furcht des Herrn, dem er grundsätzlich nie widersprach. Auch Herr von Bethmann Hollweg hatte das ihm mögliche getan, um Valentini zu halten, der sein Jugendfreund war, mit dem ihn Seelenverwandtschaft und gegenseitiges Verständnis verbanden. Es war ein Verdienst des Kronprinzen, daß nach dem Rücktritt von Bethmann Hollweg auch Valentini endlich sein Bündel schnüren mußte. Herr von Berg, sein Nachfolger, war ein Altersgenosse und Korpsbruder Seiner Majestät, ein ostpreußischer Junker von der guten Sorte: ein anständiger und aufrechter Mann, der auch dem Kaiser gegenüber kein Blatt vor den Mund nahm, ein tüchtiger Beamter, vor allem ein Mann von sicherem Patriotismus. Er genoß das Vertrauen von Hindenburg und Ludendorff. Aber einer so schwierigen Situation wie derjenigen, in die er sich im Herbst 1918 versetzt sah, war Herr von Berg nicht gewachsen. Ballin, immer verständnisvoll für andere, meinte, als er mir von seinem Mißerfolg im Großen Hauptquartier erzählte: „Ich will weder die Kaiserin noch Berg tadeln. Die Kaiserin ist die beste Frau von der Welt, das Ideal einer deutschen Hausfrau. Berg ist ein anständiger und patriotisch gesinnter Mann. Aber beide sind der Uberzeugung, daß der Kaiser, wenn er die Situation so sähe, wie sie in Wirklichkeit ist, vollständig zusammenbrechen würde, und sie fragen beide: ,Was wäre uns mit einem solchen Kollaps geholfen?' Die Folge ist, daß der Kaiser mehr denn je in a fool's paradise lebt und ein großer, ja der größte Teil des deutschen Volkes mit ihm." Es war bei unserer letzten Unterredung, daß Albert Ballin so zu mir sprach, mit dem ich während zwei Jahrzehnten oft Gedanken ausgetauscht, viel erlebt hatte. Wenige Menschen sind mir so sympathisch gewesen, für 284 BALLINS TOD wenige habe ich. eine so aufrichtige Achtung gefühlt. Ballin war sehr klug, er hatte aber nicht nur einen scharfen Verstand, sondern auch, was in Deutschland seltener ist als in Italien, einen Verstand voll Ressourcen. Er suchte und fand meist einen Ausweg. II etait plein d'expedients, wie der Franzose sagt. Er war durch und durch praktisch, was der Deutsche seltener ist als der Engländer, als der Amerikaner und selbst als der Franzose, und dabei hatte er, ganz Autodidakt, tiefes Verständnis für geistige Kultur. Er hatte vor allem ein goldenes Herz, und groß ist die Zahl derjenigen, denen er mit Rat und Tat geholfen hat, ohne jemals eine Gegenleistung zu verlangen oder auch nur Aufhebens davon zu machen. Ballin ist, wie ich vorgreifend hinzufüge, beim Ausbruch der Revolution Hat Ballin plötzlich gestorben. Man sagt, er wollte sterben. Und doch war nach meiner Selbstmord Überzeugung von einem eigentlichen Selbstmord nicht die Rede. Der Zu- begangen? 8ammen b ruc h d e s Vaterlandes erschütterte ihn bis ins Innerste. Er glaubte, wie mir 6eine hebe und gute Frau nach seinem Tode sagte, sein Lebenswerk sei zerstört. Auch das Schicksal des Kaisers ging ihm nahe, mit dem er nicht immer einverstanden war, dem er aber trotz allem treu ergeben blieb, für den er, ich möchte sagen, väterliche Gefühle empfand. Daß aber Albert Ballin seinem Leben nicht mit Bewußtsein selbst ein Ende setzen wollte, dürfte schon daraus hervorgehen, daß er mir vierundzwanzig Stunden vor seinem Tod einen längeren Brief schrieb, in dem er die Grundlinien für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands, auch auf dem Gebiete der Schiffahrt, in großen Zügen skizziert hatte. Am Vormittag seines Todestages saß Ballin allein in seinem Arbeitszimmer in dem stattlichen, an der Binnenalster gelegenen Hapag-Gebäude, das die stolze Inschrift trug: „Mein Feld ist die Welt." Rohe Matrosen mit roten Schleifen und Kokarden drangen in sein Zimmer und bedrohten den feinfühligen, kränklichen Mann mit körperlicher Mißhandlung. Sie schrien ihm zu, die Republik sei proklamiert, jetzt breche eine neue Zeit an, eine herrliche Zeit, mit ihm, mit dem Kapitalismus und der Hapag sei es vorbei. Ballin, der an intensiver Schlaflosigkeit litt, hatte ein starkes Schlafmittel auf seinem Tisch steben. Als die rohen Einbrecher sich entfernt hatten, leerte er in der furchtbaren Erregimg des Augenblicks den ganzen Inhalt des Fläschchens. Unmittelbar nachher von Reue ergriffen, telephonierte er selbst an seinen Arzt. Dieser erschien, fand den Fall nicht hoffnungslos, erklärte aber, der Magen müsse ausgepumpt werden. Es empfehle sich, daß Ballin selbst mit ihm zu Fuß in seine Klinik ginge, die kurze Bewegung würde ihm guttun. In dem Augenblick, wo Ballin in dem Krankenhaus anlangte, sank er, von einem Herzschlag getroffen, leblos zu Boden. Albert Ballin war am Hamburger Hafen geboren, am Steinhöft. Schon der Blick des Knaben fiel auf „der Schiffe Mastenwald", wie es in dem GRABGELÄUT 285 hamburgischen Liede heißt, das auch ich in meiner Kindheit singen hörte. Ballin entstammte einer seit Jahrhunderten an der Elbe ansässigen jüdischen Familie, die tüchtige Geschäftsleute, auch geachtete Gelehrte hervorgebracht hatte. Er ist dem Glauben seiner Väter immer treu gebheben. Ich habe nicht viele gekannt, die eine solche Kunst der Menschenbehandlung, soviel Sicherheit und Gewandtheit im Verkehr besaßen, die soviel Liebenswürdigkeit mit Würde verbanden wie Albert Ballin. Er war, was seltener ist, ein guter Mann. Wenige Menschen haben in ihrem Leben soviel Gutes getan wie Ballin. Sein Fehler war vielleicht eine gewisse Neigung, es allen recht zu machen. Das wurde ihm von seinen Gegnern als Charakterlosigkeit ausgelegt und gab ihm in der Tat bisweilen etwas Unsicheres. Alles in allem, als Ganzes genommen, war Ballin ein ganzer Mann. Er verkörperte wie kaum ein anderer den kühnen, wagemutigen, immer von neuem sich aufrichtenden, immer vorwärtsstrebenden Genius der mächtigsten deutschen Hafen- und Handelsstadt, des alten und immer jungen Hamburg. Fünf Wochen bevor Albert Ballin aus dem Leben schied, hatte ich in Flottbek den nachstehenden Brief des freisinnigen Beichstagsabgeordneten Dr. Siegfried Dr. Siegfried Heckscher erhalten: „Hochverehrter Fürst! Am 30. Sep- Heckscher tember 1918 ist, auch nach außen hin erkennbar, das deutsche Kaisertum an ßulow Bismarckscher Schöpfung und Bülowscher Entfaltung zu Grabe geläutet worden. Leider hat sich auch die Oberste Heeresleitung einem verhängnisvollen Optimismus in der Beurteilung der gegnerischen Kräfte hingegeben. Aber das Entscheidende war doch die verbrecherisch-schmähliche politische Führung von den Julitagen 1914 an bis zu den letzten Lebenszeichen des Hertlingschen Begimes. Dennoch hätte sich die gefahrdrohende, sausende Fahrt des Beichswagens verlangsamen lassen, wenn wenigstens in den Septembertagen dieses Jahres die Krone von charaktervollen, staatsklugen, besonnenen Männern beraten worden wäre. Aber Herr von Berg hat völüg versagt. Erst war er für Bülow, dann gegen ihn, weil Bülow mit Scheidemann zusammen arbeiten wolle, und Berg empfahl die Diktatur, dann wieder gab er die verfassungsmäßigen Bechte der Krone kampflos preis, und schließlich unternahm er einen dilettantischen Versuch, das unwiederbringlich Verlorene wiederzugewinnen. Das Schicksal des Stuartkönigs, in das ich mich einstmals zu dichterischer Gestaltung hebevoll versenkt habe, trat vor meine Seele. Nur daß sich zu dem Kampfe zwischen dem englischen Parlament und Karl dem Ersten heute die furchtbare Tatsache gesellt, daß wir den Weltkrieg verloren haben. Der Umschwung in Deutschland ist so katastrophenhaft, daß die Leute mit wenigen Ausnahmen den Kopf verloren haben. Zu den Ausnahmen rechne ich den alten Grafen August Eulenburg, der in Haltung und Urteil die Buhe bewahrt hat. Hätte er statt 286 DER INNERE ZUSAMMENBRUCH Berg den Monarchen beraten, so wäre wahrscheinlich das Allerschlimmste vermieden worden. Ich möchte aber auch an dieser Stelle keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß ich ein beherzter Anhänger des parlamentarischen Systems bin und bleibe. Was ich jedoch beklage und worin ich die eigentüche Gefahr erblicke, ist der revolutionäre Charakter, unter dem sich die Einführung vollzogen hat. Morgen wird nun der neue Reichskanzler von der vollzogenen Tatsache, daß wir an Wilson ein Friedensangebot gerichtet haben, dem deutschen Volke und der Welt voraussichtlieh Kenntnis geben, und morgen abend wird sich auf das deutsche Volk die schwere dunkle Wolke nationaler Trauer senken. Hier und dort, wo man das Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorzog, mag eine vorübergehende Entspannung eintreten. Aber sehr bald wird der Schrei nach den Schuldigen ertönen. Und die wahre Gefahr droht erst, wenn die Tapferen aus den Schützengräben in die Heimat zurückfluten und nach Wohnung, Arbeit und Brot suchen. Auf diesen Zeitpunkt müssen schon jetzt alle Besonnenen ihr Augenmerk richten, um den inneren Zusammenbruch zu verhüten. Vor dem Mut des Prinzen Max von Baden verbeuge ich mich, nur muß er sich von nervösen Beratern freimachen, die, wie Konrad Haußmann, rot wie eine reife Tomate, durch die Wilhelmstraße und durch die Wandelhalle des Reichstags rasen und toben. Ohnehin glaube ich nicht an eine lange Regierung des Prinzen Max. Aber ich erwarte in voller Erkenntnis der gegenwärtigen und kommenden Gefahren, daß sich das neue Deutschland in Jahrzehnte langer Arbeit zu neuer Kraft und Größe entfalten wird. Viel hängt von den deutschen Friedensunterhändlern ab. Ich denke dabei an das Frankreich von 1814 und 1815 und an die Ergebnisse des Wiener Kongresses. Aber komme schließlich, was mag: Mehr als vier Jahre haben wir unsere Festung gegen alle Anstürme und gegen erdrückende Übermacht tapfer und ehrenvoll verteidigt — Si fractus illabatur orbis, impavidum ferient ruinae. In namenlosem patriotischem Schmerz bin ich in treuer Gesinnung Euer Durchlaucht ergebener Heckscher." Ich habe seit dem Tode meiner einzigen Schwester, die, ein kleiner Engel, im Januar 1870, kaum zwölf Jahre alt, von dem himmlischen Gärtner in sein Paradies verpflanzt wurde, und vor dem Heimgang meiner über alles geliebten Frau keine Träne vergossen. Als ich den Brief des Abgeordneten Heckscher zu Ende gelesen hatte, wurde ich von einem Weinkrampf befallen. Es war nicht nur die Gewißheit unserer Niederlage, die mich erschütterte, die bevorstehende Kapitulation nach vierjährigem heldenmütigem Kampf, nach solchen Leistungen der tapfersten, der schönsten Armee der Welt, das Erliegen der Armee von Fehrbellin und Leuthen, von Leipzig und Waterloo, von Sadowa und Sedan. Es war noch mehr die blitzschnell in mir aufsteigende Erkenntnis, daß der Tag gekommen sei, wo die DEUTSCHLAND WIRD KAPITULIEREN 287 Befürchtungen sich erfüllen würden, die mich seit neun Jahren beherrschten, die Ahnung, daß der Tag gekommen sei, da die heilige Ilios hinsinkt. Ich kannte unsere Gegner, die Bachsucht, die Machtgier, die sadistische Grausamkeit der Franzosen, französischer Generäle und französischer Advokaten, die kalte Härte der Engländer. Die im Laufe der letzten Wochen aus Washington ergangenen Kundgebungen ließen mich klar erkennen, daß Präsident Wilson den europäischen Verhältnissen und Verwicklungen mit der Naivität und Leichtgläubigkeit des ahnungslosen Huronen in Voltaires unsterblichem „Ingenu" gegenüberstehen würde. Ich kannte den deutschen Parteigeist, die Kleinlichkeit und Selbstsucht, die Erbärmlichkeit unserer Fraktionen, die geringe politische Einsicht des Durchschnittsdeutschen, die Schwäche des deutschen Nationalgefühls zu wohl, um an den Widerstand zu glauben, den ein Teil der demokratischen deutschen Presse für den Tag in Aussicht stellte, wo die deutsche Demokratie die Zügel ergreifen würde. Unter dem Eindruck des Augenblicks schrieb ich am 7. Oktober Herrn Heckscher einen langen Brief, bei dessen nachfolgender Wiedergabe ich Antwort manches fortlasse, was sich auf die Kritik der deutschen Politik während Bülows der letzten Jahre bezog, so berechtigt diese Kritik an und für sich auch war. „Seit vorgestern hegt auf meinem Schreibtisch Ihr Brief, der mir die erschütternde Nachricht brachte, daß Deutschland kapitulieren werde. Sie kennen mich zu gut, als daß ich Ihnen die Gefühle zu schildern brauche, die diese Nachricht in mir hervorgerufen hat. Wollte Gott, daß ich diesen Tag nicht erlebt hätte und abberufen worden wäre, als Deutschland noch seine große Stellung in der Welt behauptete. Als mir im Juli dieses Jahres von informierter Seite gesagt wurde, die Oberste Heeresleitung wünsche die Herbeiführung des Friedens, entgegnete ich, daß in diesem Falle alles darauf ankäme, mit diplomatischer Geschicklichkeit eine Verständigung zu erreichen, solange unsere militärische Lage nach außen noch aussichtsvoll erscheine. Was ist inzwischen in dieser Bichtung geschehen? Oberste Begierungsstellen haben eine Beihe sich untereinander widersprechender Beden gehalten, und wenn diplomatische Schritte und Sondierungen erfolgten, so blieben sie im Sande stecken. Warum hat man unser Volk nicht rechtzeitig auf den in Bulgarien bevorstehenden Erdrutsch vorbereitet und so der durch dieses Ereignis beförderten Panik vorgebeugt? Vor Wochen und Wochen habe ich gehört, König Ferdinand ergehe sich in Bedewendungen, die mindestens darauf hindeuten, daß er sich schwerlich auf dem Thron werde halten können, wenn er am Bündnis mit uns festhalte. Wer einigermaßen im Orient Bescheid wußte, konnte nicht im Zweifel darüber sein, daß schon der Bücktritt von Badoslawow und seine Ersetzung durch Malinow ein ernstes Warnungszeichen war. Was 288 DER SCHWERE WEG mich am schmerzlichsten berührt, ist die Mutlosigkeit, die an vielen Stellen hervortritt, und die allgemeine Kopflosigkeit. Sind wir denn wirklich so weit, daß wir die Flinte ins Korn werfen müssen? Haben die Franzosen nicht mutig weitergefochten, als sie Niederlage über Niederlage erlitten und wir Paris bedrohten? Haben unsere Feinde denn schon das Unke Rheinufer, Elsaß-Lothringen und Baden besetzt, hegen Aachen und Koblenz, Freiburg und Mannheim in Trümmern, wird der Kölner Dom beschossen? Das entspräche doch ungefähr der Lage, in der sich die Franzosen während vier Jahren befanden. Hat nicht selbst das kleine, bei Jena besiegte Preußen weitergefochten? Hat nicht Courbiere, als er von den Franzosen zur Übergabe von Graudenz aufgefordert wurde mit der Begründung, daß es keinen König von Preußen mehr gäbe, geantwortet, dann sei er König von Graudenz ? Wo bleiben die Manen von Arndt und Theodor Körner, von Stein und Schleiermacher ? Hatte der amerikanische Botschafter Gerard recht, wenn er in seinem bösen Buch ,Face to Face with Kaiserism' vor einem Jahr schrieb: ,The nerve of Germany will break. There is a suicide point in the German character'? Wenn die militärische Lage jetzt plötzlich eine so verzweifelte geworden ist, so mußte doch der Wechsel in unserer Haltung nach außen weniger jäh erfolgen. Die Bildung der neuen Regierung scheint mir zweckentsprechend. Besser noch wäre es gewesen, wenn am 4. August 1914, nachdem der Kaiser das Wort gesprochen hatte, er kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche, eine Koalitionsregierung wie in Frankreich, England, Belgien und später in Italien gebildet worden wäre, die uns durch den ganzen Krieg geführt hätte. Sie wissen, daß ich vom ersten Tage an der Meinung war, daß ein Krieg wie dieser nur mit voller Unterstützung durch die breiten Massen, also vor allem der organisierten Arbeiter, unter Berufung der sozialdemokratischen Führer in die Regierung geführt werden könne. Gibt uns die Demokratie die Führer, wie sie Frankreich vor achtundvierzig Jahren in Gambetta und jetzt in Clemenceau gefunden hat, so bin ich der erste, der sie segnet, wenn sie der Nation die Fahne vorantragen. Uber die Aufnahme, die unsere Friedensdemarche finden wird, will ich nicht prophezeien. Am intransigentesten werden die Franzosen sein, denen die Straßburger Kathedrale und der Metzer Dom in greifbare Nähe gerückt erscheinen und denen unsere vierjährige Okkupation auf den Nägeln brennt. Je mehr ich über die Lage nachdenke, je größer wird meine Bewunderung für unser Volk, seine Leistungsfähigkeit und Aufopferungswilligkeit, dieses Volks, daß wir um so mehr heben müssen, je schwerer jetzt sein Weg ist. Und um so brennender sei unser Wunsch, daß ihm einst lichtere Tage und ein besserer Ausblick in die Zukunft beschieden sein mögen." DER KAISER WILL NACH SPANIEN 289 Weiiige Tage später bezog ich wieder in Berlin unser gewohntes Quartier im Hotel Adlon, mit dem Blick auf den Pariser Platz. Als ich am Abend Büloie unserer Ankunft einen Spaziergang Unter den Linden unternahm, war ich ^ er '' n erstaunt, den ersten Stock der russischen Botschaft hell erleuchtet zu sehen, in dessen Gesellschaftsräumen ich Paul von Oubril und Peter Saburow, den einäugigen Fürsten Orlow, den Freund des Fürsten Bismarck, der ein Auge im Krimkrieg, beim Sturm auf Silistria, verloren hatte, meinen Freund den General Paul Schuwalow und, während meiner Amtszeit, den würdigen Grafen Osten-Sacken als Vertreter des Zaren gekannt hatte. Als ich eine Zeitungsverkäuferin frug, was in der russischen Botschaft los wäre, meinte sie: „Da is jroßer Trara bei die Russen for die Brieda von die U. S. P." In der Tat feierten russische und deutsche Kommunisten ein Verbrüderungsfest. Die Beziehungen zwischen beiden waren schon seit einiger Zeit sehr intim geworden. Der rollende russische Rubel, der unter dem Zarentum sich in Frankreich den Weg in so viele Zeitungsredaktionen wie auch in manche Tasche einflußreicher Politiker gebahnt, der auf dem Balkan, auch in Galizien und in Böhmen weite Kreise infiziert hatte, fand unter dem Sowjetstern seinen Weg in die Taschen der deutschen Radikalen, die sich in ihren verbrecherischen Anschlägen seit Monaten durch russische Subsidien unterstützt sahen. Der Gastgeber bei dem erwähnten Fest, der Botschafter Joffe, hat ein Jahr später, in ziemlich rüder Weise, nachdem der Umsturz in Deutschland erfolgt war, den sozialdemokratischen deutschen Reichstagsabgeordneten Oskar Cohn in einem offenen Brief daran erinnert, daß es ohne die von den Bolschewisten gewährte reichliche Subvention kaum möglich gewesen wäre, den Matrosenaufstand in Kiel und die Revolution in München und Berlin zu inszenieren. Eigenartiges hörte ich schon in den ersten Tagen meines Aufenthaltes in Berlin über Haltung und Stimmung des Kaisers. Der Reichstagsabgeordnete Heckscher erzählte mir, er sei in der Königgrätzer Straße dem Kaiser begegnet, der aus dem Garten des Hausministeriums kam, wo er damals fast täglich mit dem Hausminister Eulenburg konferierte. Der Kaiser habe ihn, Heckscher, mit durchbohrendem Blick angesehen und ihm mit pathetischer Stimme zugerufen: „Schützen Sie meine kaiserlichen Rechte!" Seltsamer klang, was mir ein Angehöriger der spanischen Botschaft sub rosa anvertraute. Ein Abgesandter des Kaisers habe in der spanischen Botschaft angefragt, ob Seine Majestät für den Fall, daß er Deutschland verlassen müsse, in Spanien auf eine freundliche Aufnahme rechnen könne. Von seiten der Botschaft war erwidert worden, daß König und Volk in Spanien, die während des Krieges ihre Sympathien für Deutschland nicht verhehlt hätten, dem Deutschen Kaiser die Gast- 19 BUIow III 290 DIE GEFAHREN DER PHANTASIE freundschaft gewähren würden, die dem ritterlichen Geist der spanischen Nation entspräche. Aber wie denke sich der hohe Herr die Reise von Berlin nach Spanien? Den üblichen Landweg über Paris und Hendaye-Irun könne er nicht wohl einschlagen, ebensowenig den Seeweg über Italien und Barcelona. Die Antwort lautete, der Kaiser trage sich mit der Absicht, imU-Bootnach San Sebastian zu gelangen, wie dies nicht lange vorher einem kühnen deutschen U-Boots-Kommandanten gelungen war. Dieser Plan scheint nur eine Seifenblase gewesen zu sein, die ebenso rasch zerplatzte, wie sie sich gebildet hatte. Sicher war, daß der Berliner Boden Seiner Majestät unter den Füßen brannte. Daß es dem Kaiser gegenüber einer präsenten Gefahr nicht an Mut fehlte, hatte er, wie ich seinerzeit erzählte, während der bangen Tage bewiesen, wo er an Wucherungen im Halse erkrankte, was in der Erinnerung an das Krebsleiden beider Eltern so wie anderer Vorfahren auch einen starken Mann umwerfen konnte. Wilhelm II. betätigte seine Unerschrocken- heit beim Reiten, das für ihn bei der Unbrauchbarkeit seines linken Armes immer mit Gefahr verbunden war. Ich bin endlich oft mit ihm in Wilhelmshöhe, in Wiesbaden und Homburg, in Kiel und auf vielen Reisen unbewacht spazierengegangen, ohne daß er die geringste Besorgnis an den Tag legte. Aber bei Wilhelm II. überwog Phantasie, Schillers kühne Seglerin, bisweilen die ruhige Überlegung, die Metis der alten Griechen. Bei einem Dichter wäre das ein Vorzug gewesen, rühmt doch auch der Olympier Goethe als seine Göttin die ewig bewegliche, immer neue, seltsame Tochter Jovis, sein Schoßkind, die Phantasie. Bei einem Regenten hatte eine so rege Phantasie ihre Gefahren. Schon deshalb bedurfte Wilhelm II. so sehr, so dringend ruhiger und besonnener Ratgeber. Möglichkeiten, die ihm seine Phantasie vorspiegelte, rissen ihn entweder zu übertriebenen Erwartungen hin oder versetzten ihn in ebenso übertriebenen Schrecken. Seit dem tragischen Ende des unglücklichen Zaren Nikolaus II. stand der Deutsche Kaiser unter dem Eindruck dieses entsetzlichen Ereignisses. Der Zar sei, so glaubte der Kaiser, daran zugrunde gegangen, daß er zu lange mit seiner Abreise aus der Hauptstadt nach dem Hauptquartier gezögert hätte. Deshalb wäre es den Aufrührern möglich gewesen, ihn unterwegs abzufangen, zur Abdankung zu zwingen und dann abzuschlachten. Der Kaiser übersah den weiten Abstand zwischen russischen und deutschen Verhältnissen, deutscher und ausländischer Mentalität und Tradition. Nie hat ein deutscher Fürst das Schafott bestiegen, wie in Frankreich und England Ludwig XVI. und Karl I., nie war in Deutschland ein Herrscher ermordet worden, wie in Italien, in Schweden, wie mehr als einmal in Rußland. ' Jedenfalls war es ein großer politischer Fehler von Seiten des Kaisers, daß er im Herbst 1918 seine Hauptstadt verließ. Er hätte in Berlin bleiben, THRON UND REVOLUTION 291 die Fühlung mit den Ministern unterhalten, ernste Leute empfangen, die Zügel der Regierung in der Hand behalten und vor allem für die militärische Sicherheit seiner Hauptstadt sorgen sollen. Und im schlimmsten Falle hätte Wilhelm II., dem Rate des Fürsten Bismarck folgend, an den Stufen des Thrones fechtend fallen müssen. Die Revolution war in keiner Weise unabwendbar. XXII. KAPITEL Prinz Max von Baden Reichskanzler • Seine Persönlichkeit, seine Ungeeignetheit zum Kanzleramte • Neuerliche Kandidatur des Fürsten • Die Frage der Abdankung Wilhelms II., seine Flucht nach Holland und sein Brief an den Kronprinzen • Vollzug der Abdankung • Die Spießbürgerlichkeit der deutschen Revolution • Meuterei in Kiel • Die Ereignisse in München • Flucht Ludwigs III. von Bayern • Wie Friedrich August von Sachsen Abschied nahm zum Reichskanzler ernannt Am 3. Oktober 1918 hatte Prinz Max von Baden den Grafen Hertling abgelöst, dessen Verkalkung so rasche Fortschritte machte, daß sein Bleiben von Baden au f aem Kanzlerposten völlig unmöglich geworden war. Als nicht lange vor dem Rücktritt des Grafen Hertling ein Vertreter der O. H. L. in Spa bei ihm erschien, um ihm eine ■wichtige Mitteilung zu machen, die sofortige und energische politische Entscheidungen erheischte, wehte ihm eine Weihrauchwolke entgegen. Der Kanzler hatte eine schwere Ohnmacht erlitten und war auf seinen Wunsch mit den Sterbesakramenten versehen worden. Er ist denn auch vier Monate nach seinem Rücktritt, am 4. Januar 1919, in seinem kleinen Landhause in Ruhpolding in Oberbayern gestorben. Sein Nachfolger, Prinz Max von Baden, verdiente weder die Vorschußlorbeeren, die ihm nach seiner Ernennung zum Reichskanzler überreicht wurden, noch die Invektiven, die nach seinem Rücktritt auf ihn niederprasselten. Um mit dem französischen Dichter zu reden: II ne meritait ni cet exces d'honneur, ni ces indignites. Ich glaube den Prinzen objektiv beurteilen zu können, der mir nie irgendwie imponiert hat, mir aber nicht unsympathisch war und mit dem mich vieljährige Beziehungen verbanden. Prinz Max war vor allem Dilettant, ein fürstlicher Dilettant. Er war ohne besondere Kenntnisse Ehrendoktor der Staatswissenschaften geworden. Er wurde, obwohl er nur ein paar Jahre bei den Gardekürassieren gestanden und dann vorübergehend ein badisches Dragonerregiment kommandiert hatte, General der Kavallerie. Als Prinz seines Hauses zum Präsidenten der Ersten Badischen Kammer erwählt, hielt er in jedem zweiten Jahre, wenn er das Präsidium übernahm, denn der Badische Landtag versammelte sich verständigerweise nur alle zwei Jahre, eine kleine Rede. Der Prinz ließ sich einige Monate vor dem Zusammentritt des Landtags seine Rede von einem Heidelberger oder Freiburger Professor ausarbeiten und hatte DER ROMAN EINER DESZENDENZ 293 immer Zeit genug, sie auswendig zu lernen. Die tadellos aufgesagte Rede, die sich in allgemeinen liberalen Wendungen bewegte, erregte stets den freundlichen Beifall, den diese harmlose Art von Beredsamkeit seit jeher in Deutschland findet. Man denke an Herrn Willy Helpach, der sich nach dem Ableben des biederen Fritz Ebert 1925 schon als Reichspräsident träumte. Während des Weltkrieges hatte sich Prinz Max von Baden der deutschen Internierten in der Schweiz angenommen und dabei im Verkehr mit den Schweizer Behörden wie mit den Internierten aller kriegführenden Mächte hebenswürdiges Wesen und sicheren Takt an den Tag gelegt. Ich glaube noch heute, daß Prinz Max als Führer der Waffenstillstandskommission im Herbst 1918, wenn ihm ein tüchtiger Generalstäbler und ein gewandter Beamter des auswärtigen Dienstes beigegeben worden wäre, seine Sache ganz gut gemacht hätte. Zum Unterhändler mit fremden Diplomaten, Ministern und Generälen eignete er sich weit besser als die „unabhängigen Deutschen", die freiwillig nach Versailles fuhren, wo sie eine klägliche Rolle spielten, oder gar als Matthias Erzberger, den wir in den Wald von Compiegne schickten. Prinz Max hatte ein vornehmes Auftreten, die besten Formen. Er beherrschte gleich gut Englisch und Französisch. Sohn des uralten Zähringer Hauses und Gatte einer Tochter des noch älteren weifischen Hauses, war er gleichzeitig mit dem englischen, dem russischen und dem dänischen Hofe nahe verwandt. Durch seine Mutter, eine Leuchtenberg- Romanowsky, war er ein Urenkel des Kaisers Nikolaus I. Er stammte aber nicht nur von dem großen Autokraten ab, sondern auch vom Vicomte Alexandre Beauharnais, der nach dem Ausbruch der Französischen Revolution sich ihr anschloß, zum Befehlshaber der Rheinarmee ernannt und, weil er Mainz nicht halten konnte, im Monat Thermidor 1794, wenige Tage vor Robespierre, guillotiniert wurde. Wie erstaunt wäre der junge General Beauharnais gewesen, wenn ihm, während er in dem verhängnisvollen Karren zur Guillotine gefahren wurde, eine Seherin erschienen wäre, die priesterliche Jungfrau der Brukterer im heutigen Westfalen, die Velleda, oder ein Seher, wie der Teiresias der griechischen Sage, und ihm verkündet hätte: „Deine hübsche Witwe Josephine wird Kaiserin der Franzosen werden, dein kleiner Sohn Eugen Vizekönig von Italien und Schwiegersohn des ersten Königs von Bayern; dessen Sohn, dein Enkel, wird die älteste Tochter eines russischen Zaren heiraten. Deine kleine Tochter Hortense wird Königin der Niederlande werden und Mutter des dritten französischen Kaisers, der von einem deutschen Kaiser bei Sedan gefangengenommen werden wird. Deine Nachkommen werden auf den Thronen von Schweden, Norwegen, Dänemark, von Brasilien und sogar von Anhalt-Dessau, Kothen und Bernburg sitzen. Deine kleine Nichte Stefanie wird Großherzogin von 294 WIEDER EIN „VERRÄTER" Baden werden und ein Urenkel von ihr der letzte Reichskanzler des kaiserlichen, des großen Deutschlands." George Sand sagt mit Recht, que la vie ressemble plus au roman que le roman ä la vie. Ich wiederhole noch einmal, die mancherlei Beziehungen des „Bademax", wie er bei den Gardekürassieren genannt wurde, sein Wesen und seine Persönb'chkeit eigneten ihn vortrefflich zum diplomatischen Vertreter und Unterbändler auch im großen Stil. Nichts qualifizierte ihn zum Reichskanzler, und noch dazu in der denkbar schwierigsten Situation. Gegenüber Wilson versagte er vollständig, fiel im Bunde mit den ihn beratenden Demokraten auf alles und jedes herein, was aus Washington an Phrasen kam. Als, dem Usus entsprechend, bei dem Großherzog Friedrich II. von Baden, einem sehr verständigen Herrn, von seiten des Kaisers angefragt wurde, ob er seine Ermächtigung dazu gebe, daß sein Vetter, Prinz Max, das Reichskanzleramt übernehme, erfolgte die Rückfrage, ob es sich um ein Chiffre-Verseben handle oder um einen nicht ernst zu nehmenden Einfall Seiner Majestät. Die Antwort lautete, daß ein wohlerwogener Entschluß vorhege. Schon deshalb hatte Wilhelm II. unrecht, wenige Wochen später den von ihm ausgesuchten und ernannten Kanzler mit allen der Zoologie entnommenen Schmeichelnamen zu belegen, die dem Kaiser, wenn er erzürnt war, zur Verfügung standen. Ein langjähriger Freund von mir, der beim Kaiser wohlgelitten war, besuchte kaum zwei Monate nach des Kaisers Flucht die Majestäten im Bentinckschen Schlosse Amerongen. Er erzählte mir, bei einem Abendessen wäre die Stimmung des Kaisers besonders trübe gewesen. Er habe kein Wort gesprochen. Sorgenvoll habe die arme Kaiserin auf ihren hohen Gemahl geblickt. Plötzlich habe Wilhelm II. mit der Faust auf den Tisch geschlagen und laut gerufen: „Der Bademax ist ein Verräter! Ein Schurke!" Da habe die Kaiserin mit einem Seufzer der Erleichterung geflüstert: „Gottlob! Jetzt redet er wieder." Der Vorwurf Seiner Majestät war übertrieben. Der Bademax hätte Seiner Majestät mit Mohere erwidern können: „Tu l'as voulu, George Dandin, tu l'as voulu!" Bei den Besprechungen, die Herr von Berg im Auftrage des Kaisers mit Nochmals den Parteiführern über die Nachfolge des Grafen Hertling abgehalten hatte s Kanzler- — von der Taktik der Überrumpelung des Parlaments war man unter dem f ra S e Druck der Verhältnisse abgekommen —, war, wie ich von verschiedenen Beteiligten, darunter auch vom Abgeordneten Erzberger hörte, auch mein Name genannt worden, da man im Reichstage anzunehmen schien, daß die Erfahrungen, die ich auf dem Gebiete der auswärtigen Pohtik besaß, beim Friedensschluß nutzbar gemacht werden könnten. Herr von Berg wurde durch diese Erörterung in eine peinliche Lage versetzt. Er entgegnete mit sichtlicher Nervosität, er empfände für den Fürsten Bülow aufrichtige EIN DEUTSCHER GAMBETTA? 295 Verehrung, stünde auch persönlich zu ihm in guten Beziehungen. Er halte sogar dessen Ernennung zum Reichskanzler für die richtige Lösung. „Aber", sagte er, „den Fürsten Bülow bringe ich beim Kaiser nicht durch. Das ist völlig ausgeschlossen." Dieser Standpunkt des Kabinettsrats Seiner Majestät war an und für sich begreif lieh. Ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit Wilhelm II. war in dieser gefahrbeschwerten Lage nur möglich bei vollem und rückhaltlosem gegenseitigen Vertrauen. Der Kaiser war von Leuten, die glaubten, ihm damit einen Gefallen zu erweisen und sich seine Gunst zu sichern, in Abneigung und Mißtrauen gegen mich erhalten worden. Die Selbstbeherrschung und das Pflichtgefühl, deren er bedurft hätte, um die fast ein Jahrzehnt lang bei ihm mit allen Mitteln genährte und lebendigerhaltene Ranküne zu überwinden, besaß er nicht. Ich weiß nicht, ob es mir gelungen wäre, Wilhelm II. oder wenigstens die Dynastie zu retten. Daß ich auf Wilsons Propositionen ohne weiteres hereingefallen wäre, wie Prinz Max und Neulinge vom Typ Haußmann und Erzberger, glaube ich nicht. Ich möchte mich gegen den Vorwurf billiger Kombinationspolitik verwahren. Aber für mich wie für jeden anderen braven Preußen und politisch klarblickenden Deutschen war in den Oktobertagen des Jahres 1918 nur noch ein Ausweg möglich. Wir mußten fechten, weiterfechten. Es blieb uns keine andere Wahl. Die Zügel im Innern mußten schärfer angezogen, die Etappe gründlich gesäubert, jeder verfügbare Mann an die Westfront gebracht werden. Es war, wie mir von einsichtsvollen Militärs versichert worden ist, ein Ausharren noch an verschiedenen Stellen möglich, jedenfalls am Rhein. Das habe sich mit voller Klarheit aus den Äußerungen der Regimentsführer ergeben, die in größerer Anzahl aus allen Abschnitten der Front in das Hauptquartier befohlen worden waren, um der Heeresleitung über die Stimmung in der vordersten Kampf linie Meldung zu erstatten. Im Gegensatz zu ihren Oberkommandos hätten sich die Regiments- und Brigadeführer für die Fortsetzung des Kampfes ausgesprochen und sich für den ungeschwächten Kampfgeist ihrer Truppen verbürgt. Daß wir, als unsere Regierung kapituherte, sehr wohl in der Lage waren, weiterzufechten, und sogar unter militärisch nicht allzu ungünstigen Verhältnissen, hat nach dem Ende des Weltkriegs Marechal Foch wiederholt geäußert. In einem Interview, das er im Juli 1928 einem Mitarbeiter der „Wiener Neuen Freien Presse" gewährte, erklärte unser bedeutendster Gegner seinem Besucher, daß Deutschland im September 1918 hinter dem Rhein hätte standhalten können. „Wenn das deutsche Volk einen Gambetta besessen hätte, wäre der Krieg verlängert worden, und wer weiß . . ." Auf den Einwurf, das Beispiel Gambettas hätte bewiesen, daß ein heldenhafter Widerstand eines militärisch besiegten Volks nur dazu diene, den Krieg nutzlos zu verlängern, erwiderte Marschall Foch: 296 DIE ABDANKUNG „Dennoch glaube ich, daß ein Volk, das nicht besiegt werden will, nicht besiegt werden muß. Im November 1918 hatte Deutschland selbstverständlich keinerlei Siegesaussichten mehr. Hätten jedoch seine Armeen hinter dem Rhein standgehalten, hätten viele Dinge eine andere Wendung genommen." Wenn mir General Ludendorff gesagt hätte, er hielte einen weiteren militärischen Widerstand für ausgeschlossen, so würde ich ihm erwidert haben: „Ich begreife, daß nach so großartigen Leistungen, unerhörten Anstrengungen Ihre Nerven einen Augenblick nachlassen. Selbst Napoleon, selbst unser großer König haben solche Augenblicke gekannt. Schlafen Sie sich vierundzwanzig Stunden aus, dann wollen wir weiterreden." Ich bin überzeugt, daß der General nach vierundzwanzig Stunden wieder der alte gewesen wäre, und wir hätten weitergefochten, weitergekämpft, wie Ludendorff und Hindenburg die ganze Zeit, wo die Oberste Heeresleitung in ihren Händen lag, bis dahin gekämpft hatten. Jedenfalls hätte ich den Kaiser gezwungen, nach Berlin zurückzukehren. Ich hätte ihn nicht über die Grenze fliehen lassen. Und ich würde in Berlin für die Aufrechterhaltung der Ordnung gesorgt haben. Wir konnten besiegt werden, aber wir durften nicht zusammenbrechen. Prinz Max war gewiß nicht der Verräter, als der er nicht nur Kaiser Wilhelms IL Wilhelm, sondern vielen Gutgesinnten gilt. Aber auch er war, wie vor ihm Verzicht Bethmann Hollweg, zu schwach, um wirklich aufrichtig zu sein. Er hat invermeidhch zwe jf e ll 08 (Jie Geschäfte mit der Absicht übernommen, den Kaiser über Bord zu werfen, um das Schicksal der preußischen und damit auch der anderen deutschen Dynastien zu retten. Er hatte schon einige Monate vor seinem Amtsantritt dem Kronprinzen Ruprecht von Bayern, mit dem er in dauernder Korrespondenz stand, geschrieben, die Abdankung des Kaisers sei unvermeidlich. König Ludwig von Bayern, der wohl dachte, daß, was mit dem Kaiser angefangen, bei ihm fortgesetzt werden könnte, hatte daraufhin seinem Herrn Sohn einen scharfen Verweis erteilt, daß er eine solche Eventualität überhaupt erörtert habe. Unter dem Druck der immer deutlicher werdenden Anspielungen Wilsons hatte Prinz Max als Kanzler gegenüber dem bayrischen Ministerpräsidenten von Dan dl mit eindeutiger Bestimmtheit ausgesprochen, daß er es als den dringlichsten Teil seiner Aufgabe betrachte, den Kaiser von der Notwendigkeit seiner Abdankung zu überzeugen. Herr von Dandl erstattete über diesen ihn entrüstenden Standpunkt des Prinzen seinem Allerhöchsten Herrn pflichtschuldigst Bericht, was die Stimmung für den Prinzen Max in München nicht verbesserte. Später versuchte Prinz Max, den Großherzog Ernst von Hessen zu veranlassen, den Kaiser zur Abdankung zu bewegen. Der Großherzog lehnte ab unter dem Hinweis darauf, daß er der leibliche Vetter des Kaisers sei, der einen Teil seiner Jugend von Kassel und Bonn aus während seiner DER 9. NOVEMBER 297 Ferien in Darmstadt verlebt habe. Er, der Großherzog, könne sich unmöglich dazu hergeben, Kaiser Wilhelm II. die seidene Schnur zu überbringen. Endlich gelang es dem Prinzen Max, den damaligen preußischen Minister des Innern, Herrn Drews, zu überreden, seinerseits den Versuch zu unter- Der Kaiser nehmen, dem Kaiser klarzumachen, daß er nicht länger bleiben könne. Der * n Sf Minister hatte kaum seinen hierfür sorgsam vorbereiteten Vortrag begonnen, als ihm der Kaiser, bei dem sich gegenüber diesem ziemlich subalternen Bürokraten endlich der fürstliche Stolz aufbäumte, die Tür wies. Daß im Parlament, ja selbst im Schöße seiner eigenen Regierung, auf seine Abdankung hingearbeitet, daß sie als Erleichterung des Friedensschlusses betrachtet wurde, war dem Kaiser auch ohne den letzten Vortrag, den er von seinem Minister des Innern entgegennahm, nicht verborgen geblieben. Als er Berlin verließ, um sich in das Hauptquartier nach Spa zu begeben, wußte er, daß sein persönliches Schicksal ungewiß, das der Dynastie gefährdet war. Er tat aber nach außen, als ob er nicht weichen werde. Noch am 6. oder 7. November erzählte mir der Generaladjutant Löwenfeld, der Kaiser habe ihm aus Spa telegraphiert, er möge „allen Treuen im Lande" sagen, daß der König von Preußen und Deutsche Kaiser „bis zum letzten Blutstropfen" standhalten würde. Als die Meldung von der Revolte in Kiel, von der Revolution in München und in Berlin eintraf und gleichzeitig Gerüchte die Stadt durchschwirrten, daß die Feldarmee im Westen den Gehorsam versage, besuchte mich Graf August Eulenburg und sagte mir: „Nun müssen wir Gott bitten, daß unser Herr den Mut findet, an der Front zu fallen." Das war in der Tat die letzte Möglichkeit, die Lage zu Gunsten der Dynastie zu wenden. Prinz Max, dessen Leistungsfähigkeit von Brom und Chloral abhing, hatte den Rest seiner Nervenkraft eingebüßt und den Kopf völlig verloren. Er hatte unter dem Hinweis auf die Möglichkeit blutiger Zusammenstöße in Berlin telegraphisch und zum Schluß sogar telephonisch in Spa insistiert, daß der Kaiser so rasch als möglich abdanken müsse. Wilhelm II. war nicht mehr in der Lage gewesen, die Angaben seines letzten Kanzlers auf ihre Richtigkeit nachprüfen und feststellen zu lassen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprächen und wie weit sie durch Neurasthenie diktiert waren. Die überstürzt vollzogene Abdankung war in Berlin auf Anordnung des Prinzen Max schleunigst bekanntgegeben worden. Die Nachricht von der Abdankung, welche die noch treugesinnten Heeresteile des obersten Kriegsherrn beraubte, hatte auf den Geist der Front katastrophal gewirkt. Nicht lange nachher traf in Berlin die Meldung ein, daß Wilhelm II. über die holländische Grenze geflohen sei und bei dem Grafen Godard Bentinck in Schloß Amerongen Aufnahme gefunden habe. Von allen Berichten über die Ankunft des Kaisers in Holland scheint mir der wahrheitsgetreuste die 298 AMERONGEN Der Kaiser Schilderung der dem Hausherrn nahe verwandten Lady Norah Bentinck, in Holland Q j e Be i \f ^tJ-H-Mlv^ H " fajy Ltv U ^d^^r^ ^^W^j^A^ a\ %,i ^If^r ; ^^>^>^>^r Aty'+!/r typ^ ^^-w^v. ffart/^-^^^^ % if/^^q^^ ^WJ^^ 7 *- hiUl t^foti?h> ^4is/faf *k^h*i M>) r '^'furiß^ ^ydLi iffL v/t^lhd Pi^i-hh^ f äi^f^^ f& / Jt*w6tod~ / t A ^p^f pJrVvi €W?s>*db* f% ^ V^^*^/ fäf ) ' *S v / / /] /S/0 /Ii-- ^t£/ fr»/ y^cu^.j/f L EIN GEBOT DER GERECHTIGKEIT 325 aller Einsicht keine Macht in Händen hat." Dieser größte Schmerz war i i • t ^ $2?. f&A* tfipd v$fr s/w /M*M^ /uiM^M Uy. ^<>4^wfA m H^tH«' ^ 1 /fc"h,1U J ^V^Ü"" *-s^^i/^^V "vp* — 'M. % 11 Y r Ji* V* rA*At*n d Jy Wfß^ ti^T 2» ;W£r - ^NK 1 en - *^^y^Ä. ^ löst ick- Die Mitschuld gen ^ es alten die S ^ stems gen zu Ge- sen, um irzt ben in bst cht uld en- lrt, hr- .ere ent wie bst *J SU: &7 . /fi* i/fisifa hin^n^l\^ /^t ^/^^^^^^ yfcwft' ern ich an, ch- en, ich 3ht igte, mg erschwindend kleine Zahl von .Parlamentariern, die im früheren Deutschland Minister geworden sind, bestätigen als Ausnahmen nur die Regel. /eÄwA^/^ Itf-, T^ EIN GEBOT DER GERECHTIGKEIT 325 aller Einsicht keine Macht in Händen hat." Dieser größte Schmerz war mir beschieden. Ist der Volksstaat, der durch die Revolution den Obrigkeitsstaat abgelöst hat, befähigt gewesen, die ungeheure Aufgabe zu lösen, vor die der Unglück- Die Mitschuld liehe Ausgang des Weltkrieges ihn gestellt hat ? Ist er befähigt gewesen, ^ es a ^ ten nach dem Zusammenbruch die Geschicke des Reichs mit Energie in die Sy $tems Hand zu nehmen und, aller Welt Achtung gebietend auch in den Tagen nationalen Niederbruchs, der großen deutschen Vergangenheit wert zu sein? Die Antwortet lautet: Nein. Es ist jedoch Gebot abwägender Gerechtigkeit, anzuerkennen, daß die Welt staatlicher und politischer Ideen, in denen das deutsche Volk im friedlichen Bewußtsein seiner Kraft bis zum Ausbruch des Krieges gelebt hatte, zu jäh, zu gewaltsam zusammengestürzt ist, als daß es den Weg zur Neuordnung der Dinge mit der politischen Uberlegtheit hätte finden können, die für die Nationalversammlung in Weimar, die für die ersten Jahre der Republik notwendig war. Sich selbst überlassen, wie sie es in Weimar waren, wußten die Männer, die die Macht an sich gerissen hatten, mit ihr vorerst nur wenig anzufangen. Mitschuld an diesem Zustand war zweifellos das alte System, das dem Parlamentarismus allzu ablehnend gegenübergestanden hatte. Das hatte dazu geführt, daß, wer einem Parlament angehörte, sich dadurch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von hohen Staatsämtern ausschloß. Wer damals Karriere machen, wer Minister werden wollte, tat gut daran, sich vom Parlament fernzuhalten. Die Folge war, daß Regierungskrise und Parlament sich wie abgeschlossene Kasten feindselig und mißtrauisch gegenüberstanden. Selbst verabschiedete Minister, die an sich nichts mehr zu hoffen und nichts mehr zu fürchten hatten, hielten sich von parlamentarischer Betätigung fern. Maßnahmen der Regierung als Mitglieder der Volksvertretung zu kritisieren, die Regierung anzugreifen, wäre ihnen als Fronde gegen Kaiser und Reich erschienen. Das waren nicht subjektive Erwägungen des einzelnen, sondern Erwägungen, die im System begründet lagen. In England und Frankreich greift der abgetretene Ministerpräsident seinen Nachfolger rücksichtslos an, wenn die Interessen des Landes ihm dies zu verlangen scheinen. In Deutschland war der entamtete Minister zum Schweigen verurteilt. Die Erfahrungen, die er sich erworben, die Vertrautheit mit Staatsgeschäften, die er sich angeeignet haben mochte, konnten dem Parlament nicht nutzbar gemacht werden. Das war zweifellos kein gesunder Zustand. Ich habe die Schwierigkeiten bereits erwähnt, mit denen ich als Reichskanzler zu kämpfen hatte, als ich mehr als einmal Wilhelm II. für einen Versuch der Heranziehung von Parlamentariern für leitende Staatsstellen gewinnen wollte. Die verschwindend kleine Zahl von Parlamentariern, die im früheren Deutschland Minister geworden sind, bestätigen als Ausnahmen nur die Regel. 326 DER ERSTE REICHSTAG Als daher das deutsche Volk zur Wahl der Nationalversammlung und Die neuen später zur Wahl des ersten neuen Reichstags schritt, fehlte es an politisch Männer geschulten Köpfen, die aus eigener Erfahrung die Technik der Staatsverwaltung, die Handhabung des staatlichen Machtapparates, die Führung der Staatsgeschäfte kannten. Die Politiker, die dem ersten Werden des neuen Deutschlands das Gepräge gegeben haben, waren durchweg Neulinge, die mit täppischen Händen in die große Maschine des Staats eingriffen. Sie waren bis dahin gewöhnt gewesen, die Fragen des staatlichen Lebens nur vom Standpunkt unfruchtbarer Kritik oder skrupelloser Opposition zu behandeln. Der Staatsgedanke, die Salus publica, kam für diese Homines novi erst nach dem Parteiinteresse, erst nach den Gesichtspunkten, in deren Beachtung sie in der Schule des Parteilebens gedrillt worden waren. Der Übergang zur Macht war für sie zu unvermittelt gekommen. Da das Bewußtsein der Würde des Staates in ihnen nicht lebendig war, fehlte es ihrem Auftreten nach außen, fehlte es zum Teil ihrer inneren Gesinnung an Würde. Sprechender Beweis ist hierfür die schwarz-rot-goldene Fahne, die in Weimar dem deutschen Volke in einer Stunde moralischer Erschöpfung aufgedrängt worden ist. Das alte Reichsbanner, dessen Farben ein halbes Jahrhundert in Ehren in der ganzen Welt sich hatten zeigen können, die Fahne Schwarz- Weiß-Rot, die respektgebietend auf allen Meeren geflattert hatte, wurde dem „Geist von Weimar" geopfert, ohne Verständnis für die Kläglichkeit des Schauspiels, das Deutschland bot, als es das Wahrzeichen seines Glanzes und seines Ruhms in würdeloser Selbstzerknirschung zerriß. Der Eindruck, den die Kabinette der ersten Jahre der deutschen Republik auch auf uns freundlich gesinnte Kreise des Auslandes, insbesondere jene neutraler Länder machten, war kläglich. Bei aller Korrektheit, mit der sich mir aus früherer Zeit befreundete fremde Diplomaten ausdrückten, mußte ich zu meinem Schmerz aus ihren Äußerungen heraushören, daß man im uns gut gesinnten Ausland nicht begriff, wie Deutschland derart arm an Politikern sein könne, die mit Würde die Interessen ihres Landes zu vertreten verstünden, und wie wohlzufrieden man mit diesem Zustand in Paris und in London war. Wenn ich auf Gründung und Ausgang des ruhmvollen Deutschen Reiches Bismarck Bismarckscher Prägung zurückblicke, so drängt sich mir die Frage auf, ob und das d er größte deutsche Staatsmann nicht zu viel Macht im preußischen Parlament Xönigstum und damit im deutschen Kaisertum konzentriert, ob er nicht andererseits dem Parlament zu wenig Einfluß eingeräumt hat. Wie meist, so hat auch in dieser entscheidenden Frage Bismarck sich ein Urteil aus eigener Erfahrung, nach eigener Anschauung gebildet. Durch seine Geburt, durch seinen Lebensgang, durch die Tradition seines Geschlechts wie durch die Umgebung, in der er aufwuchs, war er, vielleicht, noch mehr mit dem WILHELM I. UND SEIN ENKEL 327 Gefühl als mit dem Verstand, durch und durch Royalist, preußischer Royalist. Er hatte als junger Mensch noch vor König Friedrich Wilhelm III. gestanden, hatte viel über ihn gehört, den nüchternen, einsilbigen, pflichttreuen, vorsichtigen Regenten, der im Infinitiv sprach, aber keine Dummheiten sagte, der nach Jena und Tilsit nicht verzweifelte und nach Leipzig und Waterloo nicht übermütig wurde. Bismarck war Friedrich Wilhelm IV. nähergetreten, der phantastisch und unstet war, auch nicht ganz zuverlässig, aber ein Mann von edlem Herzen und tiefer Bildung. Bismarck hat sich oft, allzu oft, mit dem Kronprinzen, dem nachmaligen Kaiser Friedrich, gestritten. Aber er wußte, noch mehr als er dies zeigte, dessen ritterüches Wesen, dessen Lauterkeit und Herzensgüte, dessen vollkommene Furchtlosigkeit zu schätzen. Fürst Bismarck hatte vor allem in fast dreißigjährigem Zusammenarbeiten mit Wilhelm I. einen Fürsten, einen König auf Herz und Nieren geprüft, der wie kaum ein anderer echte Vornehmheit mit innerer Bescheidenheit, strenges Pflichtgefühl mit zarter Güte verband, der nie indiskret, nie taktlos war, der nie vergaß, daß er der Köüig war, und der seine Stellung doch nie mißbrauchte, der nie undankbar war und nie rachsüchtig, dessen heldenmütige Tapferkeit, dessen hochgespanntes nationales Ehrgefühl und dessen treue arbeitsame Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und dessen Liebe zum Vaterland Fürst Bismarck wenige Stunden nach dem Hinscheiden des alten Kaisers mit Recht vor dem Reichstag in einem unsterbbchen Nachruf rühmte. Den Enkel dieses wahrhaft großen Kaisers, den Kaiser Wilhelm II., kannte Fürst Bismarck im Grunde nur ziemlich oberflächlich. Er fand sich nicht zurecht mit diesem eigenartigen Regenten, er konnte sich nicht hineindenken in diesen preußischen König, der von seinem Vater nicht viel, der von seinem Großvater gar nichts, von seinem Urgroßvater auch nichts, der von seiner Mutter manches, der dafür zu viel, allzu viel von seinem Großonkel, dem Herzog Ernst II. von Koburg, geerbt hatte. Die Charakteristik, die der große Kanzler im dritten Band seiner „Gedanken und Erinnerungen" von Wilhelm II. entwirft, zeigt, daß er, den ein Altersunterschied von vierundvierzig Jahren von diesem trennte, in dessen komplizierte Psyche nicht eingedrungen ist. Eine Unreife, wie sie ihm bei Wilhelm II. begegnete, hatte er nicht für möglich gehalten. Auf diesen König und Kaiser war Bismarck nicht gefaßt, als er die Fundamente des neuen Deutschen Reiches legte. Aber selbst wenn Bismarck, in Vorahnung des dritten deutschen Kaisers, die kaiserliche Stellung weniger überragend gestaltet hätte, so würde es ihm doch recht sauer geworden sein, dem Parlament, einem deutschen Parlament, größere Rechte einzuräumen, der Demokratie, der deutschen Demokratie, weiter entgegenzukommen. Seine Geringschätzung für den deutschen Parlamentarier war in mancher Hinsicht nicht unverdient, aber sie ging 328 STATT DER EVOLUTION DIE REVOLUTION zu weit. In seiner Redlichkeit, aber auch in seiner Unbeholfenheit und seiner Weltfremdheit erinnerte ihn der deutsche Parlamentarier an die beiden Typen des politisierenden Deutschlands, an den Professor und an den Kreisrichter, die Bismarck vom ersten bis zum letzten Tage seines politischen Lebenä so wenig schätzte. Fürst Bismarck war der größte aller Junker, aber er war ein Junker, ein märkischer Junker. Er war Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle, er war Offizier bis in die Fingerspitzen, preußischer Offizier. Es war ein Unglück, daß Wilhelm II. sich nach der Entlassung des Die Fehler Fürsten Bismarck nicht entschlossen hat, von nun an sich selbst zurück- Wilhelms II. zuhalten, dagegen unsere politischen Zustände im liberalen und parlamentarischen Geiste auszubauen. Statt dessen wiegte sich der junge Kaiser in dem Wahn, daß er imstande sein 'würde, sein eigener Kanzler zu sein und in Deutschland und vor der Welt die Rolle zu übernehmen, die Bismarck achtundzwanzig Jahre mit echtem Genie und wahrer Größe gespielt hatte. Es war auch ein Unglück, daß Wilhelm II. meine Absicht, nach den siegreichen Reichstagswahlen von 1907 allmählich und vorsichtig, aber stetig durch eine Reform des preußischen Wahlrechts, durch die Ernennung von Parlamentariern zu Staatssekretären und Ministern ein parlamentarischeres Regierungssystem zu ermöglichen und anzubahnen, das Haupt unserer Mutter Germania mit einem reichlicheren Tropfen demokratischen Öls zu salben, nicht verstand und, als ihm eine Ahnung aufdämmerte, wohin ich ihn und das Land führen wollte, sich gegen mich wandte und mit meiner Entlassimg die von mir ins Auge gefaßte, zielbewußte Evolution verhinderte. Statt der Evolution haben wir die Revolution bekommen. Der Weltkrieg, zu dem es die Unfähigkeit Bethmanns und seiner .Mitarbeiter kommen ließ, endete, politisch jämmerlich geführt, mit der Revolution, die uns nach außen mehr isolierte, als wir es je früher gewesen waren, die uns im Innern desorganisierte und aus dem einst best verwalteten Lande in Europa ein schlecht verwaltetes machte. Und doch sollen und müssen wir auch in schwerster Zeit und in schwarzen Tagen mit dem größten der Apostel, mit Paulus, sagen: „Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht!" Blicken wir auf andere Völker: Es ist gerade hundert Jahre her, daß der österreichische Staatskanzler Fürst Clemens Metternich, der damals nickt nur Österreich, sondern in gewissem Sinne Europa regierte, der Cocher de PEurope, wie man ihn nannte, feierlich erklärte, Italien sei kein Staat, es sei auch keine Nation, es sei nur ein geographischer Begriff. Heute hegt die habsburgische Monarchie zerschmettert am Boden. Italien ist eine Großmacht und hat alle seine l •i-.alen Aspirationen verwirklicht. Frankreich wurde vor einem halben Jahrhundert von uns besiegt, sein Kaiser gefangen. Fürst Bülow nach der Bestattung der Fürstin mit Felix von Eckarth SINKEN UNI) EMPORSTEIGEN 329 Es hat, indem es den Rat von Gambetta befolgte, möglichst wenig von der Revanche zu sprechen, aber immer an sie zu denken, nicht nur, ich schreibe es mit tiefem Schmerz nieder, seine Fahne auf dem ehrwürdigen Münster aufgepflanzt, den Meister Erwin erbaute, es bedrängt uns am Rhein und an der Mosel. Polen wurde vor hundertfünfzig Jahren zwischen drei Kaiserreichen, drei Großmächten geteilt, und es ist aus dem Grabe wiedererstanden, es beraubt und quält uns im Osten. Die Balkanvölker, die Serben und Bulgaren, die Griechen und Rumänen, die Armenier wurden während Jahrhunderten unterjocht, mißhandelt, massakriert. Sie haben ihren früheren Zwingherrn überlebt. Im Leben der Völker ist alles in ständigem Fluß. Die Völker sinken, aber sie steigen auch wieder empor. Ich habe nach dem Abschluß der Niederschrift meiner Erinnerungen die Zeitepoche, in die Gott mein Leben gestellt hat, wiederholt an der Hand Rückschau dieser Aufzeichnungen an mir vorüberziehen lassen. Ich habe mich hierbei bemüht, zu prüfen, ob ich in meiner Beurteilung des deutschen Volkes und der Männer, die seine Geschicke vor und nach meiner Amtszeit führten, gerecht gewesen bin, ob ich nicht die Zeit, in der ich die Politik des Reiches geleitet habe, mit weniger kritischen Augen betrachtet habe als die Epoche, die nach mir kam, die zum Weltkrieg führte und mit dem Niederbruch endigte. Ich bin bestrebt gewesen, mich bei dieser Selbstprüfung innerlich von dem Erlebten und Geschauten loszulösen, es objektiv abzuwägen, es von höherer Warte zu betrachten. Der Lebensweg, auf den ich zurückschaue, macht es begreiflich, daß die Freude an der großen Vergangenheit überwiegt, daß die Schatten der Gegenwart schwer auf mir lasten. Meine Erinnerungen, nach rückwärts durch das geistige Erbteil erweitert, das mein Vater mir übertrug, umfassen die Zeiten, da das deutsche Volk uneinig nach innen und ohnmächtig nach außen war, sie umfassen die Schöpfung des Reiches und die Einigung der Nation als Frucht beispielloser militärischer und politischer Erfolge, sie umfassen die Jahrzehnte, in denen das deutsche Volk in friedlicher Ruhe seine wirtschaftlichen Kräfte entwickelte, seine Stellung in der Welt mehrte, sein nationales Empfinden verstärkte, sie umfassen endlich die Jahre, in denen Deutschland nach ruhmvoller Abwehr der gegen uns vereinigten Welt zusammenbrach. Mein Vater, der mir in meiner Knabenzeit ein sorgsamer Erzieher und Geistesbildner gewesen, in reiferen Jahren beratender und belehrender Freund geworden war, hatte im Anstieg des Lebens noch das schwache Deutschland gekannt, er hatte als Mann in der Fülle der Kraft das Jahr 1848 und damit einen Tiefpunkt der neuen deutschen Geschichte erlebt. Er hatte auf der Höhe des Daseins Bismarck nähertreten, hatte dem Großen bald nach Gründung des Reiches als Staatssekretär und vertrauter Mitarbeiter zur Seite stehen dürfen. Aus dem reichen Schatz der Erinnerungen dieses 330 DER ANKERGRDND Mannes fielen in meine Knabenjahre die Schatten schmerzlicher Ohnmacht, in der Deutschland damals daniederlag, fiel in meine Jünglingszeit der Glanz, den Bismarcks gewaltige Gestalt über das neue Deutschland ausgoß. Meine geistige und politische Entwicklung, von meinem Vater mit Ernst und Umsicht gefördert, hat sich in bewunderndem Erleben des herrlichen Aufstiegs vollzogen, den Bismarck im Jahre 1864 für Deutschland einleitete. Das amtliche Wirken meines Vaters hatte im kleinen Kreise begonnen und ihn zum Ende auf einen Posten geführt, dem unter dem alles erspähenden Auge des großen Kanzlers die Geltendmachung der auswärtigen Interessen des jungen Reiches anvertraut war. Die Erweiterung, die die politischen Horizonte meines Vaters, die seine amtliche Tätigkeit erfuhren, war Hand in Hand mit der Vorbereitung der Einigung der Nation, mit der Entstehung des Reichs, mit der Befestigung und dem Ausbau seiner internationalen Stellung gegangen. Ich hatte gewissermaßen im Mikrokosmus des elterlichen Hauses das Werden des Makrokosmus, das Entstehen des neuen großen Deutschlands aus nächster Nähe miterlebt, hatte seine Bedeutung im Maß der fortschreitenden Tage stärker und stärker empfunden. Der Ruhm der Armee, die Größe der Nation, der Glanz der Dynastie, die Zukunft des Reichs waren die Ideale, in deren Pflege ich aufwuchs. Sie haben den Ankergrund meiner Jugendentwicklung gebildet. Sie haben dem Streben des reifenden Mannes Antrieb und Richtung gegeben, sie haben das Handeln meiner zwölf Minister- und Kanzlerjahre bestimmt. Wessen Werden in der ruhmvollen Vergangenheit Deutschlands wurzelt, wessen Leben und Wirken eng mit der Epoche der Macht und des Glanzes verkettet ist, die Deutschland bis zum Zusammenbruch erlebt hat, der kann beanspruchen, nicht lediglich als einseitiger Laudator temporis acti zu gelten, wenn ihm die Größe des Erlebten durch den Jammer der Gegenwart verdunkelt erscheint, wenn ihm das Deutschland der Väter preiswürdiger dünkt als das der Söhne, wenn ihm der Schild des Ruhmes, den das Deutsche Reich von ehedem vor sich hertrug, leuchtender erscheint als die nachlässig gegürtete Toga, in die unsere Demokratie das neue Deutschland gehüllt hat. Ich bin gegen die Fehler des alten Regimes nicht blind gewesen. Sie lagen teilweise, wie ich wiederholt und ausführlieh dargelegt habe, im System, teilweise, wie ich nicht unterlassen habe an geeigneter Stelle hervorzuheben, in den Personen. Die monarchische Staatsform war an sich für das deutsche Volk durchaus geeignet und passend. Ihre Schwäche trat erst unter Wilhelm II. hervor. Nach langen Jahren rastloser Bemühungen um die Hochhaltung des Standes der Armee, um Ausbau und Entwicklung der Marine, um Hebung von Kunst und Wissenschaft, um Förderung der deutschen wirtschaftlichen Interessen, um Belebung und Stärkung des nationalen Geistes im deutschen Volk ist Kaiser Wilhelm II. durch den DER MORGEN DER REPUBLIK 331 Ausbruch des Weltkrieges mit zwei Männern an seiner Seite überrascht worden, deren einer, Moltke, sich selbst als der Stellung des Generalstabschefs im Kriegsfalle nicht gewachsen erklärt hatte und deren anderer, Bethmann, seine Unfähigkeit zur Lösung einer internationalen Krise zum Verderb des Reichs nur zu deutlich geoffenbart hat. Beide waren Männer seiner eigenen, durch Erwägungen der Staatsräson in keiner Weise eingeengten Wahl. Beide haben, jeder an seinem Teil, das deutsche Volk ins Unglück gestürzt. Michaelis und Hertling, einer wie der andere von Wilhelm II. in eigener Verantwortung ausgesucht, haben die Katastrophe beschleunigt, Prinz Max hat sie besiegelt. Was Hindenburg und Ludendorff erfochten, was die Armeen erstritten, das ließen ungenützt, ja vergeudeten die unfähigen Staatsmänner, die der Kaiser einem großen und mündigen Volke hatte aufzwingen können. Es ist andererseits selbstverständlich, daß ich die Unfähigkeit und mehr noch die nationale Würdelosigkeit, die in den Tagen des Niederbruchs in den führenden Kreisen des neuen Deutschlands zutage getreten ist, mit nicht minder ernstem und strengem Maß gemessen habe wie die unheilvollen Folgen, welche die Uberspannung des Herrscherbegriffs durch Wilhelm II. für das Deutsche Reich gezeitigt hat. Die Art, in der die Demokratie, in der Weimarer Koalition zusammengeschlossen, sich in den ersten Zeiten ihres Machtrausches gebärdet hat, mußte mit Schärfe verurteilt werden. Die Güter, die als Heiligtum zu hüten auch einem unterlegenen Volke wohlansteht, hat sie über Bord geworfen. Der Sinn für die stolze Größe unserer Vergangenheit ist von ihr systematisch unterdrückt, die Pflege der Tugenden, die allein uns eine bessere Zukunft verbürgen können, die Hochhaltung der Tapferkeit, der opferwilligen Vaterlandsliebe sind von ihr vernachlässigt worden. Die Gier nach Ämtern und Pensionen, die bei dem ersten halben Dutzend von Regierungsbildungen sich bemerkbar machte, die Brutalität, mit der die Selbstsucht der Fraktionen sich in den Vordergrund des öffentlichen Lebens schob, die üblen Korruptionsaffären, die den Morgen der Republik begleiteten und befleckten, mußten abstoßend wirken. Es entspricht dem Gebot ausgleichender Gerechtigkeit, wenn die beschämenden Seiten des politischen Lebens im neuen republikanischen Deutschland mit Nachdruck gemißbilligt worden sind. Mit Genugtuung habe ich, der ich ein aufmerksamer Beobachter der Zeitereignisse geblieben bin, mit vielen Ausländern im Verkehr stehe und heute noch Tag für Tag die Presse aller Richtungen und aller Länder verfolge, die leisen Zeichen beginnender Besserung wahrgenommen, die in Deutschland auf dem Gebiet des Staatslebens und in der Volkswirtschaft zu beobachten sind. Im Innern treten die Gewässer des Novemberumsturzes allmählich zurück. Der Horizont der auswärtigen Politik scheint sich 332 STRESEMANN UND HINDENBURG aufzuklären. Vernunft fängt wieder an zu sprechen und Hoffnung wieder an zu blühn. Die ernste, im Grunde ruhige und verständige Art des Deutschen gewinnt allmählich die Oberhand über den Strom, der anfangs die Dämme der Ordnung zu zerstören drohte. Die durch Sachkenntnis und Bildung unbeschwerten Typen, die in den ersten Jahren sich um die Macht stritten und sie mit wechselndem Glück in ihren Besitz brachten, sind verschwunden. Sie haben einer Kategorie von Männern Platz gemacht, die Kenntnisse mit Lebensernst verbinden und von denen mancher auch im alten Deutschland für einen Ministerposten wohl geeignet gewesen wäre. Ich nenne unter ihnen an erster Stelle Gustav Stresemann, der es verstanden hat, sich durch seine Führung der auswärtigen Politik unter den schwierigsten Verhältnissen Vertrauen im Ausland und die Achtung bisheriger Feinde zu erwerben und damit für uns die Möglichkeit eines allmählichen Wiederaufstiegs. Seit der große Feldmarschall, der in Hunderten von Schlachten bewährte und ruhmvolle Führer der deutschen Heere, seit Hindenburg die Geschicke des Reiches in die Hand genommen hat, seit er den Glanz seines Namens, die Macht seiner Persönlichkeit für den Wiederaufbau des deutschen Volkes eingesetzt hat, begann sich das Ansehen Deutschlands im Auslande zu heben, hat der deutsche Name wieder langsam Beachtung finden können. Wenn ich im Frühjahr von Rom zur Niederelbe zurückkehre, an deren Ufer ich geboren bin, um den Sommer in Deutschland zu verleben, freue ich mich, feststellen zu können, daß es allmählich wieder besser geht. Ein dauernder und wirklicher Aufstieg ist für uns nur möglich, wenn wir endlich die deutschen Erbfehler ablegen, die Parteiverbissenheit, die doktrinäre Verstiegenheit, die Neigung zu Eigenbrötelei und zu Partikularismus, wenn wir zu der Gesinnung zurückkehren, die unsere Vorfahren groß gemacht hat. Es ist meine tiefe, meine innerste Uberzeugung, daß auch für uns bessere Tage kommen werden, wenn unser Volk sich wieder mit nationalem Geist erfüllt. Es ist unmöglich, daß eine Nation von so ruhmreicher Vergangenheit, ein Volk, das Fridericus Rex gesehen hat und die Erhebung von 1813, Blücher und Scharnhorst und den Reichsfreiherrn vom Stein und ein halbes Jahrhundert später Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich, Bismarck, Roon und Moltke, Düppel, Sadowa und Sedan, ein Volk, das einen so heldenhaften Widerstand geleistet hat wie wir im Weltkrieg, ein Volk, aus dem Luther und Kant hervorgegangen sind, Schiller und Goethe und die Brüder Humboldt, Bach und Beethoven und Richard Wagner, Fichte und Hegel, Schopenhauer und Nietzsche, das der Welt soviel Unvergängliches geschenkt hat, das so große, schöne Eigenschaften besitzt, dauernd unterdrückt, dauernd im Hintergrund bleiben, dauernd Objekt der internationalen Politik sein soll. DEUTSCHLANDS ZUKUNFT 333 Ob ich den Tag noch erleben werde, wo Deutschland wieder den ihm gebührenden Platz in der Welt einnimmt, wo es wieder, wie einst, hoch in Ehren stehen wird, weiß ich nicht. Aber ich werde meine Augen schließen in der Hoffnung und mit der Gewißheit, daß dieser Tag kommen wird. Meine letzten Gedanken, Gebete und Wünsche werden Deutschlands Zukunft gelten. Bernhard Fürst von Bülow 23. Oktober 1923 Das vom Fürsten Bülow genhändig geschriebene Schlußwort seiner Denkwürdigkeiten (Faksimile-Wied ergäbe) 0£ ^ Ao. ^y^^^^J" jj^cJt^ ^ yß^f ^ ^4^/ luteum tfti^, (it^/2^e- / 'c^T-W ^> ^y^4^^^^ tifc^, -*V^ £ vaVT ^-^^ ^^l^ i^C^J^ ^^«^^^i^ <^v^U*<- <^ ^i^^U^- • dLr~*^ft*^y JL & #m# ^ JL3. M^l^ DIE KUNDGEBUNGEN ZU BÜLOWS RÜCKTRITT (Zu Seite 10 des vorliegenden Bandes) Bei meinem Rücktritt bereitete mir besondere Genugtuung die Adresse des Bundesrats, der von meinem Scheiden aus der Stellung des Kanzlers Adresse des und damit aus dem Vorsitz des Bundesrats „mit tiefem Bedauern" Kenntnis Bundesrats nahm. „Zwölf Jahre hat der Bundesrat sich Ihrer Leitung erfreuen dürfen. Diesen ganzen Zeitabschnitt durchzieht die von Erfolgen gekrönte Wirksamkeit, welche Eure Durchlaucht als Berater Seiner Majestät des Kaisers auf dem Gebiet der auswärtigen Politik, in der Ordnung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse und Handelsbeziehungen und in der inneren Gesetzgebung entfaltet haben, nicht minder die sorgliche Pflege, die Sie den Interessen aller Bundesstaaten angedeihen ließen. Wenn sich jetzt das Band gemeinsamer Arbeit löst, so geleitet Euer Durchlaucht das Bewußtsein, daß die glänzende Periode Ihres Schaffens und Kämpfens bei dem Bundesrat, der Ihnen seinen ehrerbietigsten Abschiedsgruß darbringt, in dankbarem Gedächtnis bewahrt bleibt." Alle deutschen Bundesfürsten ohne Ausnahme sprachen mir ihr tiefes Bedauern über mein Scheiden und uneingeschränkten Dank für mein amt- Bundes- liches Wirken aus. Der damals schon achtundachtzigjährige Prinzregent forsten und Luitpold von Bayern schrieb mir, daß die Nachricht meiner Entlassung Bundes ' aus dem Amt des Reichskanzlers ihn mit aufrichtigem Schmerz erfülle: resierun £ „Ich weiß wohl", hieß es weiter in seinem Brief, „die ausgezeichneten Dienste zu schätzen, die Sie Kaiser und Reich während vieler Jahre in aller Hingebung geleistet haben. Mit der Achtung vor den Rechten der Bundesstaaten haben Sie stets volles Verständnis für die Interessen und Anliegen der Einzelstaaten, insbesondere auch Bayerns, verbunden." König Wilhelm von Württemberg schrieb mir aus seinem Schloß Friedrichshafen am Bodensee: „Anläßlich Ihres von mir lebhaft bedauerten Ausscheidens aus dem Dienste des Reichs ist es mir ein besonderes Bedürfnis, Eurer Durchlaucht als deutscher Bundesfürst meinen aufrichtigsten und wärmsten Dank auszusprechen für das, was Sie in einer an Erfolgen reichen, glänzenden Laufbahn als erster Beamter des Reichs zur Wohlfahrt des deutschen Vaterlandes und seiner Glieder gewirkt haben, und nicht minder für die meiner Regierung betätigte bundesfreundliche Gesinnung. Indem 22 EUIow III 338 FRIEDRICH AUGUST — GROSSHERZOG FRIEDRICH ich Ihnen von Herzen eine lange Reihe schöner Lebensjahre wünsche, verbleibe ich in aufrichtiger Hochachtung Ihr dankbar ergebener Wilhelm." Aus Dresden telegraphierte mir König Friedrich August: „Eurer Durchlaucht spreche ich mein aufrichtiges Bedauern aus, daß widrige politische Verhältnisse Ihren Rücktritt notwendig machten. Ich danke Eurer Durchlaucht für alles, was Sie in besonderer Weise für mein Land getan haben. Ich weiß mich eins mit meiner Regierung in der Hochachtung und Liebe für den scheidenden Reichskanzler und in der Ansicht, daß Eurer Durchlaucht Entwurf zur Finanzreform doch der beste und für das Reich wie für die Einzelstaaten ersprießlichste Vorschlag war." Der sächsische Finanzminister Rüger, ein Staatsmann und gleichzeitig ein hervorragender Fachmann, hatte mir schon während der Krisis, die meinem Rücktritt voranging, geschrieben: „Ich bitte, im Namen der sächsischen Regierung das dringende Ersuchen an Eure Durchlaucht richten zu dürfen, trotz der unendlichen Widerwärtigkeiten der letzten Monate auf dem schweren Posten des Reichskanzlers auszuharren. Andernfalls würden die Konservativen und das Zentrum nicht mit Unrecht sich den Erfolg zuschreiben, den Kanzlerwechsel herbeigerufen zu haben, und würden in dem Gedanken bestärkt werden, daß konsequentes Festhalten an ihren Absichten und Plänen ihnen trotz alles Widerstands des Bundesrats zum Siege verhelfen müßte." Großherzog Friedrich von Baden telegraphierte mir aus Stockholm, wo er zum Besuch seiner Schwester, der Königin Viktoria von Schweden, weilte: „Erfahre mit aufrichtigem Bedauern die Genehmigung Ihres Abschiedsgesuchs. Ich gedenke bei Ihrem Scheiden mit warmer Dankbarkeit der hervorragenden Dienste, die Sie unserem Vaterlande geleistet haben, und begleite Ihr ferneres Wohlergehen mit aufrichtigsten Wünschen." Amtlich berichtete der langjährige Gesandte in Karlsruhe, von Eisendecher: „Von allen Seiten höre ich Stimmen schmerzlichen Bedauerns, daß Eure Durchlaucht gezwungen und entschlossen sind, das hohe Amt des ersten Beamten im Reich einem Nachfolger zu überlassen. Die Empörung über den Undank und die verblendete Selbstsucht gerade derjenigen Parteien, die Eurer Durchlaucht nur Dank schulden und solchen Entschluß in erster Linie veranlaßt haben, ist allgemein. Ihre Schuld wird sich in der Folge noch bitter rächen. Immer mehr gewinnt man hier die Überzeugung, daß Eure Durchlaucht dem Reiche ganz hervorragende Dienste geleistet haben, daß Eurer Durchlaucht aufrichtigster Dank gebührt und es schwer halten wird, geeigneten Ersatz zu finden. Alle verständigen Leute sehen mit Besorgnis in die Zukunft, in gewiß nicht unberechtigtem Zweifel, ob der neue Kanzler mögliche Schwierigkeiten und Konflikte in derselben vornehmruhigen, erfolgreichen Weise zu lösen imstande sein werde, wie das Eurer PRINZ MAX VON BADEN 339 Durchlaucht nicht selten gelungen ist. Dabei ahnen sicher die wenigsten, welche Widerstände außerhalb des Bereichs der Öffentlichkeit oft zu überwinden waren und was an politischer Schädigung durch Eurer Durchlaucht Einsicht im stillen verhindert werden konnte. Die Finanzweisheit der Reichstagsmehrheit wird hier im ganzen sehr gering bewertet. Man hält die neuen Steuerprojekte für zu kompliziert, zu kostspielig in der Verwaltung und nachteilig für die wirtschaftliche Entwicklung. Allgemein beginnt die urteilsfähige Bevölkerung einzusehen, daß die ursprünglichen Vorlagen der Regierung als gerechter, bilbger und weniger schädlich bei weitem den Vorzug verdient hätten. Ihre Königbche Hoheit die Großherzogin Luise und Staatsminister von Dusch beklagten mir gegenüber besonders lebhaft Eurer Durchlaucht bevorstehendes Scheiden aus dem Amte. Auch Seine Königliche Hoheit der Großherzog, mit welchem ich noch nicht sprach, hat sich, wie ich höre, in gleichem Sinne geäußert, und die gesamte großherzogliche Regierung hegt ohne Zweifel dasselbe Gefühl aufrichtigsten Bedauerns." In einem an mich gerichteten Privatbrief schrieb mir Herr von Eisendecher eine Woche später: „Eure Durchlaucht wollen glauben, daß ich Ihr Scheiden aus dem hohen verantwortlichen Amt im Interesse des Kaisers und des Reichs auf das tiefste beklage. Möchten Eurer Durchlaucht hervorragende Verdienste um Kaiser und Reich immer mehr allseitig erkannt werden. Das Wörtchen allseitig, in dem die Silbe „ab" zweimal unterstrichen war, zielte natürlich auf Seine Majestät den Kaiser Wilhelm II. Prinz Max von Baden schrieb mir aus seinem Schloß Salem am Bodensee: „Mein lieber Fürst, die langjährigen, mich hoch beglückenden Beziehungen, welche mich mit Eurer Durchlaucht und der Frau Fürstin verbinden, berechtigen mich gewiß dazu, meinem Schmerz Ausdruck zu verleihen über das Scheiden Eurer Durchlaucht. Es will mir so wenig in den Sinn, daß Sie Ihren hohen Posten verlassen, daß ich mir die betrübende Tatsache wieder vergegenwärtigen muß. Doch je mehr ich es tue, um so weniger GefaUen finde ich daran. Meine treuesten Wünsche begleiten Sie auf Ihrem ferneren Lebensweg, in Ihrem unvergleichKchen Heim, der Villa Malta, hinter sich den Kampf und die Macht, vor sich die Schönheit und die Ruhe, der Ihr Geist Bedeutung und Reichtum geben wird. In alter Anhänglichkeit bleibe ich stets Eurer Durchlaucht ergebener Prinz Max von Baden." Die Mutter des Prinzen Max, eine geborene Prinzeß Leuch- tenberg-Romanowsky, eine Enkelin des Zaren Nikolaus L, telegraphierte mir:, Prie accepter l'expression de tous mes regrets sinceres de vous voir quitter votre position et l'assurance que ma vive Sympathie vous entourait tous ces derniers temps. J'espere que les chemins de nos vies se croiseront encore. Mes compbments sinceres ä la Princesse." 22* 340 HAMBURG Der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen telegraphierte: „Es drängt mich, Ihnen meinen Dank für die ausgezeichneten Dienste auszusprechen, die Sie unserem Vaterlande geleistet haben. Möge Ihnen beschieden sein, noch lange Jahre die Früchte Ihrer erfolgreichen Lebensarbeit zu genießen." Der Großherzog von Weimar sprach sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß ich von der Leitung des hohen Amts zurückgetreten wäre, das ich während einer langen Reihe von Jahren „zum Teil unter recht schwierigen Verhältnissen" zum Heil und Segen des Deutschen Reichs verwaltet hätte, und unterzeichnet als „Eurer Durchlaucht stets sehr wohlgeneigter". Auch der dreiundachtzigjährige Herzog Georg von Sachsen-Meiningen, der verdienstvolle Gründer des unter ihm von Ludwig Chronegk geleiteten Hoftheaters, der nicht durch seine Schuld mit Kaiser Wilhelm II. auseinandergekommen war, dankte mir in warmen Worten für die langjährige, verdienstvolle Wirksamkeit, die ich für das Wohl und zur Ehre des Deutschen Reichs entfaltet hätte. Der Herzog von Sachsen-Altenburg dankte mir besonders für das hohe Verständnis, das ich bei der Leitung der Reichsgeschäfte „auch unter schwierigen Verhältnissen" in ausgleichendem Gerechtigkeitssinn stets betätigt hätte, und hoffte, daß das freudige Bewußtsein „treuer und ritterlich erfüllter höchster Pflichten" noch lange meinen Lebensabend verschönen möge. Der Fürst von Lippe-Detmold dankte nicht nur für die „unschätzbaren Dienste", die ich unserem deutschen Vaterlande geleistet hätte, sondern auch für die wertvolle Unterstützung, die ich ihm und seinem Ländchen in schwerer Zeit entgegengebracht hätte, und unterzeichnet als „Ihr dankbar verbundener". Auch der Fürst von Waldeck hob hervor, daß ich oft „unter den schwierigsten Verhältnissen", aber „mit weiser Umsicht" die Geschäfte geführt hätte, und betonte die mir in Deutschland „allseitig" entgegengebrachte Verehrung und Dankbarkeit. Selbst der Fürst von Schaumburg-Lippe, der in dem Streit zwischen Schaumburg-Lippe und Lippe-Biesterfeld unterlegen war, betonte in seinem Schreiben an mich, daß ich in meiner Amtszeit für das Deutsche Reich und die Bundesstaaten Großes und Verdienstvolles geleistet hätte, daß die deutschen Fürsten und Völker mir zu großem Dank verpflichtet wären, daß sie meiner stets mit ehrender Dankbarkeit gedenken würden, und wünschte mir „langjährigen und ungetrübten Genuß der ehrenvoll verdienten Ruhe". Aus Hamburg schrieb mir der Bürgermeister Burchard, der Senat seiner Vaterstadt habe die Kunde von meinem Rücktritt „mit lebhaftestem Bedauern" und in der Überzeugung entgegengenommen, daß mir für mein langjähriges und auf den verschiedensten Arbeitsgebieten erfolggekröntes Wirken „der tiefempfundene Dank des Vaterlandes" gebühre. Insonderheit werde die Geschichte einst rühmend hervorheben, daß bei meinem Scheiden BISMARCKS REICHSBASIS 341 das Deutsche Reich eine an die Zeit des ersten großen Kanzlers erinnernde Machtstellung eingenommen habe. Es gereiche dem Senat zur besonderen Freude, daß ich künftig meine Sommer in Flottbek, in Hamburgs Nähe, zu verleben gedenke. Aus Bremen schloß sich der Präsident des Senats der Hamburger Kundgebung an. Der Bremer Senat empfände „auf das schmerzlichste", daß ich mich genötigt gesehen hätte, von dem Amt des Reichskanzlers zurückzutreten, einem Amt, das ich während langer Jahre „unter zum Teil überaus schwerigen Verhältnissen" verwaltet hätte. Nach außen hätte ich unter Aufrechterhaltung des Friedens das Ansehen des Reichs im Rate der Völker befestigt, im Innern wäre ich als Richtschnur dem staatsmännischen Gedanken gefolgt, die Gegensätze auszugleichen und einer Versöhnung der auseinandergehenden politischen Weltanschauungen die Wege zu ebnen und auf diese Weise darauf hinzuwirken, daß die Parteikämpfe in Deutschland allmählich weniger gehässig würden. Ich verhehle nicht, daß das Vertrauen, dessen ich mich bei allen deutschen Bundesregierungen und bei allen deutschen Fürsten erfreute, daß beider Zufriedenheit mit meiner langen Geschäftsführung mir schon im Hinblick auf das launenhafte, rücksichtslose und am Ende meiner Amtszeit fast ungezogene Benehmen des Kaisers Wilhelm II. eine Genugtuung war, die ich dankbar empfand. Bismarck hat bei der Schaffung des Reichs unsere Einheit und damit unsere Sicherheit und Zukunft mit Absicht und voller Überlegung auf die deutschen Fürsten basiert. War das ein Irrtum? Ging er in seiner Mißachtung für die deutschen Fraktionen und Parlamente zu weit? Sein Vorgehen erklärt sich nicht nur aus den Traditionen, in denen der Jüngling aufgewachsen war, aus dem Gefühl, mit dem der dreiund- achtzigj ährige Greis sich auf seinem Grabstein als treuen Diener seines Herrn bezeichnete. Die Erfahrungen seines Lebens flößten Bismarck großes Mißtrauen gegen alle deutschen Parteien ein, die ihn alle, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, durch Engherzigkeit, doktrinäre Befangenheit und, last not least, durch ihre spießbürgerliche Kleinlichkeit verstimmt hatten. Er vermißte bei allen deutschen Fraktionen den gesunden Menschenverstand, die Achtung vor der Vergangenheit, den Respekt vor Traditionen, hergebrachter Ordnung und bewährter Übung, die seit Jahrhunderten die englischen Parteien auszeichnen. Er vermißte wohl noch mehr den leidenschaftlichen Patriotismus, den jede französische, jede italienische Partei, wenn sie an die Front kommt, an den Tag legt. Er hatte sie alle, die Konservativen und die Liberalen, die Demokraten und die Aristokraten, mehr als einmal und oft vergeblich ermahnen müssen, den nationalen Gedanken über Deutschland leuchten zu lassen. Unsere Kammerhelden, wie er sie ironisch nannte, imponierten ihm nicht. Nach dem Fiasko, das der deutsche Parlamentarismus 1848/49 gemacht, nach den Blößen, 342 PARLAMENTARIER die er sich Bismarck gegenüber während der Konfliktszeit und mehr als einmal auch später gegeben hatte, war das nicht ganz unverständlich. Als Bismarck mit dem Kulturkampf einen großen innerpolitischen Fehler beging, hatten die deutschen Demokraten, Virchow an der Spitze, ihm zugejubelt, um ihn bald nachher im Stich zu lassen. Den richtigsten und genialsten Wendungen seiner Politik, von seiner Stellungnahme zum polnischen Aufstand von 1863 bis zu seiner kühlen Haltung gegenüber der deutschen Begeisterung für Alexander Battenberg, dem Battenberg- Bummel, wie er diesen Enthusiasmus verächtlich nannte, von seiner Behandlung der schleswig-holsteinischen Frage bis zu seinem Übergang zum Schutzzoll hatte dagegen der deutsche Demokrat aus innerster Uberzeugung „voll und ganz" opponiert. Aber Bismarck war der einzige, der mit solcher Mißachtung für Parteien und Parlamente regieren konnte. Als Jahrzehnte später, in einer anderen Zeit, Wilhelm II. ohne die nachhaltige Willenskraft, die Bismarck ausgezeichnet hatte, in unbesonnenen Bedewendungen und mit übermütigen Gesten alle Parteien gleichmäßig vor den Kopf stieß und die Volksvertretung, wo er konnte, brüskierte, war das nicht nur geschmacklos, sondern auch politisch falsch. Ich selbst habe immer Wert darauf gelegt, die Parteien nicht unnütz Die Partei- zu beleidigen, zu kujonieren, sondern die Volksvertretung mit Achtung und fuhrer: Courtoisie zu behandeln. Gerade auf diesem Gebiet schien mir das Suaviter in modo nicht das Fortiter in re auszuschließen. Darum freute ich mich der Anerkennung, die meine Tätigkeit als Beichskanzler bei den National- Eassermann liberalen fand, deren Führer Bassermann mir am 15. Juli 1909 telegraphierte : „Die nationalliberale Beichstagsfraktion, der es vergönnt war, in Jahren langer gemeinsamer Arbeit die Politik Eurer Durchlaucht zu unterstützen, beklagt aus aufrichtigem patriotischem Herzen das Scheiden Eurer Durchlaucht aus dem Amt des Beichskanzlers. Immer das Wohl des Ganzen im Auge, des Vaterlandes Größe und Glück erstrebend und fördernd, war Ihre Tätigkeit von reichem Erfolg gekrönt. Für dies getreue Wirken für unser Volk danken wir Ihnen. Ihr Name und Ihre Tätigkeit wird der nationalliberalen Beichstagsfraktion unvergeßlich sein." Für die Beichspartei sprach mir der Abgeordnete Gamp tiefempfundenes Bedauern darüber aus, daß meine nach innen und außen erfolgreiche Kanzlerschaft ein Ende finden sollte. „Wir werden die hohen Verdienste Eurer Durchlaucht um die Entwicklung des Beichs immer in dankbarer Erinnerung behalten. Es gereicht uns zur besonderen Genugtuung, Ihre Politik stets und bis zuletzt unterstützt zu haben." Einer der klügsten Führer der Frei- Schmidt- sinnigen, ein Bheinländer, der Abgeordnete Beinhart Schmidt-Elber- Elberfeld feld, während mehrerer Jahre zweiter Vizepräsident des Reichstags, schrieb mir: „Das deutsche Volk kann nur gedeihen bei Beteiligung aller TIRPITZ ÜBER DIE ÄRA BÜLOW 343 Befähigten an Gesetzgebung und Verwaltung. Dies zu fördern, lag auf dem Wege Eurer Durchlaucht innerer Politik. Der bürgerliche Liberalismus hat im Block fern von jugendlichem Radikalismus seine Pflicht gegen das Land zu erfüllen gesucht und seine Berechtigung wie Befähigung zur Teilnahme an Gesetzgebung und Regierung erweisen können. Die konservativ-liberale Paarung war zugleich eine geeignete Linie des Bürgertums gegen den Umsturz unserer Gesellschaftsordnung. Daß die Sozialdemokraten 1907 auf die Hälfte ihrer Mandate im Reichstag reduziert worden waren, beweist, wie notwendig es ist, die Volkskraft bürgerlichen Gemeinsinns zu entwickeln. Nur damit ist die Sozialdemokratie zu überwinden. Eure Durchlaucht können in stolzer, ruhiger Sicherheit auf Ihre Arbeit wie auf Ihre verblendeten Gegner zurückblicken." * Wenn ich noch andere Zuschriften wiedergebe, die ich nach meinem Rücktritt von beachtenswerter Seite erhielt, so geschieht dies, um ein Tirpitz möglichst treues Bild der Gefühle und Tendenzen, der Stimmungen zu geben, die in jenem für die weitere deutsche Entwicklung so entscheidenden Jahr 1909 in unserem Volke, namentlich in den politisch und geistig führenden Kreisen, vorherrschten. Der Großadmiral von Tirpitz schrieb mir aus St. Blasien: „Ich habe lebhaft bedauert, Eurer Durchlaucht nicht noch einmal eingehenden Vortrag halten zu können über die Art, wie meines Erachtens der englischen Verstimmung gegen uns am besten entgegenzuarbeiten wäre. Ich glaube, Eure Durchlaucht würden daraus entnommen haben, daß die zwischen uns zutage getretene Verschiedenheit der Auffassung mehr in der Form des einzuschlagenden Verfahrens als in der Sache selbst ihre Ursache hatte. Wenn in nicht ferner Zeit, wie ich zuversichtlich hoffe, der Zweck unserer Flottenentwicklung erreicht und die politische Macht Deutschlands durch dieselbe erheblich gestärkt sein wird, so wird der Dank des deutschen Volks für Eure Durchlaucht, der Sie in erster Reihe bei der Gründung seiner Flotte stehen, nicht ausbleiben und zu dem, was Eure Durchlaucht für Deutschland getan haben, einen weiteren Eck- und Markstein hinzufügen. Die Ära Bülow schließt die Entwicklung der deutschen Seeinteressen und die Erstarkung der deutschen Seemacht in sich ein. Die Zeit, welche das Reichsmarineamt unter Eurer Durchlaucht Leitung für Kaiser und Reich arbeiten konnte, wird mir wie den Offizieren und Beamten meines Ressorts in unvergeßlicher Erinnerung bleiben." Meine Achtung für den feurigen Patriotismus des Großadmirals, meine Bewunderung für seine ungewöhnlichen organisatorischen Fähigkeiten hatten mich nicht verhindert, ihn immer wieder an die Warnung zu erinnern, die ich seit unserem gemeinsamen Amtsantritt im Jahre 1897 so oft 344 BÜLOWS AMTSVORGÄNGER an ihn gerichtet hatte: nicht durch übertriebenen und einseitigen Bau von Großkampfschiffen unser Verhältnis zu England einer allzu schweren Belastungsprobe auszusetzen. Non propter vitam vivendi perdere causas! Daß Tirpitz meinem Wunsch, mit England zu einem Agreement zu gelangen, ausweichend und zögernd gegenüberstand, war auch darauf zurückzuführen, daß er sich bei diesem Widerstand der vollen Unterstützung des Kaisers sicher wußte. Abgesehen davon, daß Wilhelm II. die politischen Nachteile eines forcierten Baus von Großkampfschiffen nicht übersah, benutzte er, seitdem er sich innerlich von mir abgewandt hatte, gern jede Gelegenheit, sich mir unangenehm zu machen. Mein Amtsvorgänger als Staatssekretär des Äußern, der Freiherr von Marschall Marschall, schrieb mir zu meinem Bücktritt: ,, Es drängt mich, Ihnen mit einem schlichten Wort zu sagen, wie sehr ich einerseits die Gründe würdige, welche Ihnen ein weiteres Verbleiben in Ihren Ämtern unmöglich erscheinen lassen, und wie tief ich auf der anderen Seite im Interesse unseres großen Vaterlandes Eurer Durchlaucht Bücktritt bedauere. Obwohl ich nach meinen politischen Gesinnungen der Konservativen Partei, der ich einst im Beichstag angehört habe, nahestehe, so bin ich mir doch darüber vollkommen klar, daß die innerdeutsche Pohtik weder von dem Gesichtswinkel der Konservativen Partei noch von demjenigen eines Bundes derselben mit dem Zentrum auf die Dauer ersprießlich geleitet werden könne und daß besonders Gesetze einschneidender wirtschaftlicher und sozialpolitischer Bedeutung wie die Beichsfinanzreform eine aktive Teilnahme des liberalen Bürgertums gebieterisch erheischen. Möge der Bücktritt Eurer Durchlaucht die Erkenntnis, daß es so ist, auch in diejenigen politischen Kreise hineintragen, welche für denselben die Verantwortung tragen. Nur wenn dies geschieht, wird unser inneres Volksleben vor schweren Erschütterungen bewahrt bleiben. Bei diesem Anlaß ist es mir Herzenssache, Eurer Durchlaucht für die freundlichen und wohlwollenden Gesinnungen, die Sie mir stets entgegengebracht haben, meinen tiefgefühltesten Dank mit der Versicherung auszusprechen, daß die Erinnerung an die Jahre, in denen es mir vergönnt war, unter Ihrer Leitung an den großen Aufgaben, welche das Vaterland stellt, mitzuarbeiten, mir stets teuer sein wird. Euer Durchlaucht blicken auf lange Jahre treuer, mühevoller und auf allen Gebieten erfolgreicher Arbeit zurück. Von Herzen wünsche ich, daß das Otium cum dignitate, welches Ihnen die politischen Verhältnisse vorläufig auflegen, Ihnen die wohlverdiente Buhe bringen wird." Graf Eberhard Solms, mein Vorgänger als Botschafter in Born, der in Graf Solms der Bismarckschen Zeit als jüngerer Diplomat in Wien, später als Botschaftsrat in Paris in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre einen tieferen Einblick in die Weltverhältnisse gewonnen und dem Lande gute Dienste GESANDTE 345 geleistet hatte, schrieb mir: „Sie wollen es verzeihlich finden und mir gestatten, daß ich als alter langgedienter Diplomat mich für kompetent halte, mir über die äußere Politik ein Urteil zu bilden. Da finde ich dann nicht Worte genug, um das tiefe und schmerzliche Bedauern auszusprechen, welches ich bei der Nachricht von dem Rücktritt Eurer Durchlaucht von Ihrem verantwortungsvollen Amt empfunden habe, der gerade in einer Zeit erfolgt, in welcher es Eurer Durchlaucht gelungen war, das Prestige des Deutschen Reichs in einer Weise zu heben, die ihren Ausdruck in dem an Furcht grenzenden Respekt findet, welchen Deutschland seit Bismarcks Zeiten zum erstenmal wieder den Weltmächten einflößt." Vom rechten Tiberufer schrieb mein langjähriger ausgezeichneter Mitarbeiter, in der Bismarckschen Zeit Dezernent im Auswärtigen Amt, später Unterstaatssekretär, jetzt preußischer Gesandter beim Vatikan, Herr von Mühlberg, Herr meiner Frau: „Ich weiß nicht, soll ich mich freuen oder soll ich traurig »• Mühlberg sein. ,Die Wollust der Kreatur ist gemischt mit Bitterkeit', singt Walter von der Vogelweide, dessen freundliches Denkmal uns Deutsche auf dem pittoresken Marktplatz in Bozen so heiter begrüßt. Freuen tue ich mich, Sie in nicht allzu langer Zeit hier in Rom zu sehen. Allein diese etwas egoistische Freude ist doch recht ernstlich getrübt durch das tiefe Bedauern und eine gewisse patriotische Beklemmung, die der Rücktritt des Fürsten in mir nicht ruhen läßt. Diese Beunruhigung machte sich noch stärker fühlbar, als ich heut morgen in den Zeitungen die Veränderungen und die Ernennungen las, die das Scheiden des Fürsten zur Folge hatte. Was soll denn aus der ganzen Sache werden, und wo steuern wir hin ? Durch sämtliche italienische Zeitungen geht nur ein Schrei des Bedauerns. Auch der Papst sprach mir heute morgen seine Enttäuschung und etwas Verwunderung aus. Korrespondenzen aus Deutschland, die mir zugegangen waren, hatten mir seit Monaten keinen Zweifel mehr gelassen über die Minierarbeit gegen den Fürsten. Muß ich das Ausscheiden des Fürsten für einen schweren Verlust für unser gesamtes Vaterland und dessen Ansehen im Auslande halten, so trifft es mich persönlich auch schwer. Denn ich weiß, daß ich oben einen Freund verloren habe, dem ich vieles, wenn nicht alles in den letzten Jahren meiner amtlichen Laufbahn zu verdanken habe, und ich bitte Sie, verehrte Fürstin, dies Seiner Durchlaucht zu sagen." Der frühere sächsische Gesandte in Berlin, spätere sächsische Ministerpräsident, Graf Wilhelm Hohenthal, telegraphierte mir: „Ich beklage es Graf tief, daß Euer Durchlaucht gezwungen worden sind, Ihre kostbare Kraft Hohenthal dem Dienste des Vaterlandes vorzeitig zu entziehen." Die Gräfin Hohenthal schrieb meiner Frau, indem sie auf das Schicksal meines größten Vorgängers hinwies: „Sie persönlich sind vielleicht froh, den Fürsten von der aufreibenden Tätigkeit befreit zu wissen; wir andern hätten gewünscht, daß 346 EIN BRIEF BRAUERS sein Abgang unter anderen Verhältnissen stattgefunden hätte. So ist sein Rückblick auf seine glänzende Laufbahn durch manche schwere Wolke verdüstert und verbittert, und das ist schade für ihn, der dem Vaterlande soviel Zeit und Kraft geopfert hat. Das aber ist das Los von vielen Staatsmännern gewesen. Wir brauchen ja nicht weit zurückzublicken, und damit wird sich der Fürst Bülow trösten." Der leitende Minister in Braunschweig, Exzellenz Otto, schrieb meinem mit ihm seit lange befreundeten Bruder Alfred: „Schmerzlich hat mich das Scheiden Ihres Herrn Bruders aus dem Amt des Reichskanzlers berührt. Ich beklage es um Deutschlands willen tief, daß die Verhältnisse dem Reich diesen schweren Verlust bringen mußten." Graf Max Berchem, unter Bismarck Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amts, schrieb mir: „Als einstiger Soldat der großen Armee blicke ich mit Stolz auf die Führung, welche uns in Fortsetzung des alten Kommandos die schönen Strecken Delcasse und Iswolski neben anderen Erfolgen lieferte. Mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns über Hochderen Rücktritt verbinde ich jedoch die Hoffnung, daß Sie, verehrtester Fürst, mit den Geschicken des Vaterlandes in Fühlung bleiben werden." Arthur von Brauer war einer der besten Köpfe, über die das Muster- Arthur ländle Baden zu verfügen hatte. Erst im Konsulardienst, dann Vor- ■ Brauer tragender Rat im Auswärtigen Amt, wurde er 1890 als Nachfolger des Freiherrn von Marschall badischer Gesandter in Berlin, 1893 badischer Minister des Großherzoglichen Hauses und des Äußern, 1901 badischer Ministerpräsident. Wir waren uns schon in jungen Jahren, im Winter 1875/76 in St. Petersburg, nähergetreten, wo er als deutscher Konsul, ich als Dritter Botschaftssekretär fungierte. Zu meinem Rücktritt schrieb er mir: „Nachdem Ihre Enthebung vom aktiven Dienst nunmehr amtlich bekanntgemacht ist, will ich nicht länger zögern, Ihnen mein tiefstes Bedauern auszusprechen, daß wir fortan Ihrer erfolgreichen Führung entbehren sollen. Ihrer großen Geschicklichkeit war es in diesem Winter und Frühjahr so oft gelungen, Konservative und Liberale wieder zusammenzuführen, daß ich der festen Zuversicht war, Sie würden das schwere Werk einer verständigen Finanzreform zustande bringen. Ich traute den Konservativen, ich will nicht sagen mehr politische Einsicht zu, denn auf,Einsicht' darf man ja in Deutschland bei keiner politischen Partei rechnen, aber ich traute ihnen soviel patriotischen Sinn zu, daß sie uns nicht wegen einer unbequemen Steuer in diese Lage bringen würden. Indessen die einmütige Anerkennung, die Ihrem Wirken von allen Seiten zuteil wird, muß Ihnen zeigen, daß Deutschland weiß, was es an Ihnen verliert. Sie können mit dem Bewußtsein scheiden, Deutschland in der inneren und äußeren Politik auf eine Höhe geführt zu haben, die wir seit Bismarcks Entlassung nicht mehr kannten. Das sage ich Ihnen als alter Freund und Bewunderer." CRAILSHEIM — KARL WEDEL 347 Graf Crailsheim, während vieler Jahre, von 1880 bis 1903, erst bayrischer Minister des Äußern, dann Ministerpräsident, ein Staatsmann, der Graf sich schon des Vertrauens und der Wertschätzung des Fürsten Bismarck Crailsheim erfreut hatte und dessen reichstreue Gesinnung über jedem Zweifel stand, schrieb mir: „Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt Eurer Durchlaucht hat mich mit schmerzlichem Bedauern erfüllt. Wenn mir auch seit sechs Jahren die Freude persönlichen Zusammenwirkens mit Eurer Durchlaucht versagt ist, so habe ich doch die innere und äußere Politik des Deutschen Reiches stets mit Aufmerksamkeit verfolgt und die Erfolge, die Euer Durchlaucht auf beiden Gebieten erzielten, mit hoher Genugtuung begrüßt. Nach dem Rücktritt des auf eine so glänzende Wirksamkeit zu- rückbückenden Staatsmannes sehe ich als deutscher Patriot mit Bangen in die Zukunft. Zu spät werden viele derer, die die jetzige Lage mitverursacht haben, erkennen, was sie, was das Deutsche Reich an Eurer Durchlaucht verloren hat. So traurig mich der Entschluß Eurer Durchlaucht stimmt, so kann ich doch Hochdenselben nur beglückwünschen zu dem glänzenden, wie ich hoffe nur vorläufigen Abgang. Alle wahren Vaterlandsfreunde sehen Euer Durchlaucht mit tiefem Schmerz aus dem Amte scheiden." Aus Stora Sundby in Södermanland, dem schwedischen Schloß seiner Frau, schrieb mir Graf Karl Wedel, der nacheinander und mit Auszeich- Graf nung Militärbevollmächtigter in Wien, Gesandter in Stockholm, dann Karl Wedel Generaladjutant des Kaisers, General der Kavallerie und Gouverneur von Berlin, von 1899 bis 1902 Botschafter in Rom, von 1902 bis 1907 Botschafter in Wien und seit 1907 Statthalter von Elsaß-Lothringen war: „Lieber Bülow, erst jetzt eben erhalte ich in der hiesigen Weltabgeschiedenheit die definitive Nachricht von dem vorgestern vollzogenen Wechsel, der mir keine Überraschung bereitete. Daß ich es für Kaiser und Reich schmerzbeh bedauere, auch persönlich tief empfinde, wissen Sie. Wahrhaft aufrichtig freut es mich, daß, soweit ich bis jetzt übersehe, die Presse aller Parteirichtungen Ihrem Wirken rückhaltlose Anerkennung zollt und Ihre Verdienste in warmen Worten würdigt. In diesem Dank der öffentlichen Meinung des Vaterlandes werden Sie die Genugtuung finden, die Ihnen in so vollem Maße gebührt. Mir aber ist es Bedürfnis, Ihnen heute, wo Sie in das Privatleben treten, meinen herzlichsten Dank für die Freundschaft und das Vertrauen auszusprechen, die Sie mir als Vorgesetzter und Mensch erwiesen, und für die Stellungen, die ich Ihren Empfehlungen und Ihrem Wohlwollen verdanke. Erhalten Sie mir auch, bitte, ferner Ihre kostbare freundschaftliche Gesinnung und seien Sie meiner dauernden aufrichtigen Anhänglichkeit versichert. Der Fürstin küsse ich die Hand." Der Oberstkämmerer Fürst von Solms-Baruth schrieb mir: „Hoch- Fürst Solms verehrtester, teuerster Fürst, nachdem die schwerwiegende Entscheidung B aTUt h 348 SCHORLEMER — HERMANN STOLBERG gefallen ist, die erste Hochflut ungezählter Sympathieempfindungen vorüber, kann ich es mir nicht länger versagen, Ihnen mit wenigen Worten auszusprechen, wie schmerzlich ich diese Wendung der Dinge empfinde und beklage! Konnte ich es doch vielleicht mit am vorurteilslosesten beurteilen, welche Verdienste Sie sich um die Krone, um unsere äußeren und unsere Gesamtverhältnisse erworben haben! Ein Trost bleibt aber Ihnen, sowohl Ihnen wie mir und Millionen treuer Patrioten, das ist die Art Ihres Scheidens, die das Bewußtsein in sich schließt, daß der König und wir alle in ernsten Zeiten mit dem in voller Frische unter uns weilenden best bewährten deutschen Manne noch rechnen dürfen. Über die Kurzsichtigkeit gewisser Leute sich hier zu verbreiten, erübrigt sich. Und da die Dummen nie alle werden, müssen sie und leider noch viele, die weniger dumm sind, am eigenen Leibe erst das erfahren, was sie nicht begreifen können oder wollen. Ihr für alle Zeit treu ergebener Fürst Solms-Baruth." Aus seinem Schloß Lieser an der Mosel schrieb mir Freiherr Clemens Freiherr von Schorlemer, damals Oberpräsident der Rheinprovinz, ein Jahr Schorlemer später preußischer Minister der Landwirtschaft: „Euer Durchlaucht haben nach bewegten Tagen wohlbehalten Norderney erreicht! Ich bitte, die so wohltätige und erquickende Ruhe nach dem Sturme für einen Augenblick stören zu dürfen, um auch meinerseits das aufrichtige und tiefempfundene Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß die Stellungnahme des Reichstags zur Reichsfinanzreform Euer Durchlaucht das längere Verbleiben im Amte des Reichskanzlers unmöglich gemacht hat. Diesen Ausgang der Krisis beklagen auch in der Rheinprovinz nicht nur die zahlreichen Anhänger und Verehrer Eurer Durchlaucht, sondern ebenso mit verschwindenden Ausnahmen die politischen Gegner, dankbar gedenkend an das, was Euer Durchlaucht an leitender Stelle für die Erhaltung des Friedens und der Machtstellung Deutschlands, für die Förderung von Industrie und Landwirtschaft in langjähriger erfolgreicher Tätigkeit geschaffen haben. Daß ich persönlich mit besonders schmerzlichem Empfinden Euer Durchlaucht aus dem Amte scheiden sehe, bedarf wohl nicht der ausdrücklichen Versicherung! Das wohlwollende Entgegenkommen und die verständnisvolle Zustimmung, welche ich in meiner dienstlichen Tätigkeit und für meine Anschauungen in politischen und kirchenpolitischen Fragen bei Eurer Durchlaucht stets gefunden habe, werden immerdar für mich der Gegenstand unvergeßlicher, dankbarster Erinnerung bleiben." " j Aus der Provinz Posen, wo er tapfer und besonnen für das Deutschtum nz Stolberg wirkte, schrieb mir Prinz Hermann Stolberg, ein Sohn des dreizehn Jahre früher heimgegangenen Fürsten Otto zu Stolberg-Wernigerode, der mir einst in Wien ein so wohlwollender Chef gewesen war: „Das Vaterland wird Ihnen nie vergessen, was Sie für dasselbe getan haben. Ich schreibe Ihnen SCHMOLLER 349 das aus der Provinz, der Ihr ganzes Interesse gehört hat." Der Oberhofmeister der Kaiserin, der Freiherr von Mirbach, dessen frommer, aber Freiherr bisweilen die Grenzen politisch gebotener Umsicht überschreitender Eifer Mirbach für religiöse Zwecke ihn öfters in Gegensatz zu mir gebracht hatte, schrieb mir aus Potsdam: „Euer Durchlaucht haben nach langer, schwerer und erfolgreicher Arbeit die Last des mühevollen Staatsdienstes niedergelegt, in welchem Sie Ihre ganze Kraft und Gesundheit für Ihren Kaiser und das Reich in einem Maße und mit einer aufopfernden Hingebung eingesetzt haben, von der sich die große Menge keine Vorstellung machen kann. Ich gehörte zu denen, die immer noch hofften, daß Sie uns länger erhalten blieben. Unsere Zeit ist nach innen und außen furchtbar ernst und gefahrdrohend, und es hilft nichts, wie es viele tun, sich in vergnügtem Leben oder mit Redensarten darüber hinwegzutäuschen. Der Kampf der Parteien untereinander, der dämonische Einfluß des größten Teiles unserer Presse, die Entchristlichung der großen Massen auch in den gebildeten Kreisen erfüllt jeden, der sein Königshaus und sein Vaterland hebt, mit tiefer Sorge. Aber in allem Kämpfen und Toben tritt eines immer klarer und deutlicher hervor, daß es nur einen sichern Fels und festen Grund gibt, der unbeweglich steht, unser Herr und Heiland. Dabei gedenke ich auch besonders Eurer Durchlaucht von mir und meiner Frau so hochverehrten Frau Mutter, deren fester Glaube mir stets vorbildlich war. Nur so, wie sie, kann man in die sturmbewegten Wogen unserer Zeit ruhig und hoffend hinausblicken." Mein langjähriger Freund, der Nationalökonom Professor Gustav von Schmoller, schrieb: „Ich bin überzeugt, daß es ein großes Unglück Gustav für unser Vaterland ist, daß Sie gehen. Das Deutsche Reich braucht gerade Schmoller einen solchen Steuermann, wie Sie es seit einem halben Menschenalter zum Segen Preußens und Deutschlands waren. Sicheres, erfolgreiches Auftreten nach außen, bei größter Kunst, einen Krieg zu vermeiden, und nach innen eine gemäßigt konservative Regierung mit so viel liberalen und sozialen Reformen, wie sie heute unentbehrhch sind, wenn nicht ein jäher Umsturz folgen soll, das war die Signatur Ihrer Politik. Daß das Zentrum Sie bekämpfte, war natürlich, daß die Liberalen nicht immer geschickt operierten, ist begreiflich, daß aber die Konservativen Sie so im Stiche ließen, ist nicht entschuldbar durch den Unverstand ihrer Wähler. Ich weiß kein Beispiel so großer politischer Undankbarkeit einer großen Partei. Mag viele der einzelnen Konservativen ihre politische Unzurechnungsfähigkeit entschuldigen, von den Führern ist es gröbste Felonie und bornierte Kurzsichtigkeit. Millionen der besten Deutschen sind auf Ihrer Seite, aber wie wenige sprechen es aus. Da ich zu denjenigen gehöre, die Ihnen schreiben dürfen, so ertrug ich nicht, ganz zu schweigen." Der Nationalökonom 350 SOZIALPOLITIKER Adolf Wagner Adolf Wagner, ein Franke, in Erlangen geboren, seit 1870 Professor in Berlin, langjähriger Vorstand des Vereins für Sozialpolitik, war, wie man sich damals ausdrückte, ein Kathedersozialist. Ich hatte vierunddreißig Jahre früher mein diplomatisches Examen vor ihm bestanden, und er hatte damals meine Arbeit über die itahenischen Finanzen sehr freundlich zensiert. Jetzt schrieb er mir: „Euer Durchlaucht bitte ich, auch von mir den Ausdruck des tiefsten Bedauerns entgegenzunehmen, daß Sie aus den hohen Ämtern, welche Sie so vortrefflich im Nationalinteresse verwaltet haben, nunmehr geschieden sind. Die Parteikonstellation im Reichstag, welche Sie zu dem Schritt der Bitte um Entlassung bei Seiner Majestät geführt hat, ist für jeden deutschen Patrioten schmerzlich. In den Kreisen der Vertreter der Wissenschaft ist das der allgemeine Eindruck der jüngsten Vorgänge. Wir werden alle Eurer Durchlaucht in aufrichtigster Ergebenheit verbunden bleiben." Gerhart von Schulze-Gaevernitz war der Sproß einer alten Ge- Schulze- lehrtenfamilie, deren Söhne seit länger als einem Jahrhundert Theorie und Gaevernitz Praxis in einer für deutsches Professorentum so ehrenvollen wie charakteristischen Weise zu verbinden verstanden haben. Friedrich Gottlob — in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts Professor in Jena — gab der Landwirtschaftslehre ein nationalökonomisches Fundament. Der Kronsyndikus Hermann war in der Bismarckzeit ein namhafter Staatsrechtslehrer. Mit dessen Sohn Gerhart, Professor der Nationalökonomie in Freiburg i. Br. und gleichzeitig praktischer Landwirt in Schlesien, hatte ich manches für mich anregende und belehrende Gespräch über wirtschaftliche und politische Fragen geführt. Jetzt schrieb er mir: „Ich fürchte, daß heute nicht allzu viele Zeitgenossen sich des großen Gehaltes an Zukunft bewußt geworden sind, welche einem schärfer blickenden Auge die Geschichte Ihrer Amtsführung enthüllt. Was vor zehn Jahren Utopie erschien, ist heute — nicht zum wenigsten dank der Tätigkeit Eurer Durchlaucht — vielleicht noch schwere, aber nicht mehr hoffnungslose Aufgabe. Ich denke dabei an Tatsachen. Erstens: Vor zehn Jahren war es wilde Utopie, von einer Zeit des maritimen Gleichgewichtes zu träumen, in der Deutschland der hoffnungslosen Abhängigkeit von England in allen überseeischen Wirtschafts- und Machtfragen entwachsen sein würde. Heute ist es unsere bewußt verfolgte Aufgabe, auch zur See durch eigene Stärke unser Dasein zu bejahen. Wir dürfen hoffen, unseren britischen Vetter aus dem so verführerischen Angriffsgedanken zu entstricken und — in Frieden— jener Anerkennung und Förderung unserer überseeischen Interessen zuzuführen, wie er sie heute etwa den Vereinigten Staaten entgegenbringt. Euer Durchlaucht waren der gewichtige Vertreter und der beredte Förderer dieses ,zum Frieden starken Deutschlands', wie es sich im Volksbewußtsein EIN BANKIER 351 allmählich durchsetzt. Zweitens: Vor zehn Jahren war es wilde Utopie, von einer positiven Mitarbeit der Sozialdemokratie an unserem monarchischen Staatswesen zu träumen. Dem ,Praktiker' lag alles Heil in gewaltsamer Unterdrückung. Wenn heute die friedliche Hineinarbeitung der Arbeiterbewegung in unser Staatswesen uns als fernes, aber nicht mehr unerreichbares Ziel vorschwebt, so verdanken wir das nicht zum wenigsten der geschickten Behandlung dieses Problems durch Euer Durchlaucht. Sie haben durch eine gerechte Behandlung — zuletzt Reichsvereinsgesetz — die Sozialrevolutionäre Verbitterung gemildert. Sie haben nicht minder durch wohlangebrachten Spott der Sozialdemokratie die Maske des ,wilden Mannes' entrissen, durch welche sie dem deutschen Philister bleichen Schrecken einjagte, sich selbst aber in ein Gefühl der Stärke hineintäuschte, das sie der Gegenwartsarbeit — der Kunst der Kompromisse — entfremdete. Drittens: Vor einem Jahrzehnt schien es wilde Utopie, die agrare Basis der deutschen Nation, welcher überseeische Siedlungsgebiete versagt sind, innerhalb der Reichsgrenzen vorschieben zu wollen. Vielmehr schien der ganze Osten unseres Reichsgebietes und damit die Weltstellung Deutschlands überhaupt durch eine unaufhaltsam vordringende polnische Welle auf das schwerste bedroht. Euer Durchlaucht haben das Verdienst, die ostelbische Ansiedlungsfrage als die wichtigste Daseinsfrage unserer innerdeutschen Politik erfaßt, bekannt und gefördert zu haben. Heute ist es nicht mehr Utopie, sondern eine praktisch zu bearbeitende Aufgabe, den national gefährdeten Osten unserer Monarchie mit deutschen Ansied- lungen zu durchsetzen." Aus den Kreisen der Bankwelt schrieb mir Ernst von Mendelssohn- Bartholdy: „Nunmehr, wo die Würfel gefallen sind, drängt es mich, Ernst Eurer Durchlaucht zu sagen, wie außerordentlich ich die Wendung beklage, *■ Mendels- welche die Dinge genommen haben, und wie ich es geradezu für ein Unglück ^ halte, daß Deutschland die weise und erfolgreiche Leitung des Mannes entbehren soll, der wie kein anderer dafür gemacht ist, das oberste Steuer zu führen. Unendlich viel schuldet die Nation Eurer Durchlaucht an Dank. Wenn es mir am Herzen hegt, als Unus ex multis meine tiefe Trauer zum Ausdruck zu bringen, so darf ich dies vielleicht noch mit besserem Rechte als mancher andere tun, im Hinblick auf die öfteren wichtigen Angelegenheiten, die mir die Ehre verschafften, Eurer Durchlaucht näherzutreten, und die mir in geschäftlicher sowohl wie persönlicher Beziehung unvergeßlich sein werden." Arthur von Gwinner, der Direktor der Deutschen Bank, nebenbei gesagt der Sohn des Freundes und Biographen meines Lieblingsphilosophen Schopenhauer, schrieb: „Euer Durchlaucht wollen mir gestatten, daß ich das freundliche und schmerzliche Wort nachsende, das ich am Lehrter Bahnhof persönlich aussprechen wollte. Die Polizei hatte bei 352 EIN RECHTSKONSERVATIVER Ihrer Abreise so vortrefflich für Ordnung gesorgt, daß es mir wie sehr vielen andern nicht gelungen ist, Euer Durchlaucht auch nur zu sehen. Euer Durchlaucht verlassen den ersten Platz im Reiche, betrauert von allen Urteilsfähigen der Nation, aber unvergessen." Die auf dem Lehrter Bahnhof getroffenen Absperrungsmaßnahmen waren, wie ich vertraulich hörte, auf direkte Weisung des Kaisers erfolgt, der zu einem seiner Adjutanten äußerte: „Ministerwechsel haben sich im stülen zu vollziehen, da sie wenig Bedeutung haben und das Publikum gar nichts angehen." Meine früheren und langjährigen Anhänger konservativer Richtung Graf waren bemüht, die Schuld an dem zwischen uns eingetretenen Bruch von Waldemar s i cn aß un( j m i r zuzuwälzen. Zu den störrischsten Führern der Konserva- Roon tiven gehörte Graf Waldemar Roon, der älteste Sohn des Kriegsministers Albrecht von Roon. Dieser war einer der ausgezeichnetsten Männer gewesen, die der preußische Staat hervorgebracht hat, ein Mann, der seinen Namen mit unvergänglichen Lettern in die deutsche Geschichte eingetragen hat. Albrecht von Roon war der ruhmvolle Waffenschmied für die Siege von 1864, 1866, 1870. Der Sohn glich dem Vater in Lauterkeit der Gesinnung wie in fester, tiefer Vaterlandshebe, aber er war unnachgiebiger und er war nicht so begabt. Er warf mir vor, daß ich mich mit der ,,so gänzlich unzuverlässigen" und in ihrer politischen Brauchbarkeit von mir überschätzten Nationalliberalen Partei zu tief eingelassen hätte. Ich hätte es wie der pommersche Bauer gemacht, der dem guten Hund einen Knochen gab, dem bösen aber zwei. Das heißt, ich hätte die Liberalen auf Kosten der Konservativen bevorzugt. Ich war oft anderer Meinung als Waldemar Roon, ernstlich böse sein konnte ich ihm nicht. Als der Weltkrieg ausbrach, stellte er sechs Söhne ins Feld. Drei von ihnen besiegelten ihre Treue für König und Vaterland mit dem Tod. Die Mutter, eine Blankenburg aus dem bekannten pommerschen Hause, mit dem Bismarck von Jugend auf befreundet war und in dem er für sein Leben, insbesondere für seine religiösen Anschauungen entscheidende Eindrücke empfing, starb an gebrochenem Herzen. Roon selbst mußte noch das schreckliche Ende des Krieges erleben. Nicht lange vor seinem im März 1919 erfolgten Tode erhielt ich einen Brief von ihm, der mit den Worten schloß: „Dies ist wohl das letzte Lebenszeichen, das Sie erhalten werden von Ihrem bis in den Tod betrübten alten und treuen Freunde Waldemar Roon." Für Männer wie Graf Waldemar Roon habe ich trotz aller Meinungs- Oertel Verschiedenheiten über politische Taktik stets tiefe Achtung und warme Sympathie empfunden. Sehr verschieden von Waldemar Roon war der Leiter der agrarischen „Deutschen Tageszeitung", der Reichstagsabgeordnete Georg Oertel, der populärste von den Führern des Bundes der OERTEL — FRIEDRICH DERNBURG 353 Landwirte. Er war berühmt durch seine schlagfertige Beredsamkeit wie durch seinen Humor, den er in seinen Reichstagsreden, in seinen Zeitungsartikeln und auch im persönlichen Verkehr zeigte. Er war noch berühmter durch die immer von ihm getragene weiße Weste, die geradezu den Zeichenstift der Karikaturisten herausforderte, zumal sie sich über einem außerordentlich dicken Bauch spannte. Oertel war ein Kur- und Ursachse und verbarg wie mancher seiner engeren Landsleute unter einer harmlos-gutmütigen Außenseite nicht wenig Schlauheit. Er war mir ebenso wie Graf Roon persönlich treu ergeben. Es war ehrlich, wenn er mir schrieb, daß mein Ausscheiden aus dem Amt die schwerste und schmerzlichste Erfahrung seines politischen Lebens seit dem Rücktritt Bismarcks wäre. Aber er fand, daß ich in der Erbschaftssteuer an die Agrarier eine Zumutung gestellt hätte, die zu erfüllen sie aus sachlichen Gründen außerstande gewesen wären. Wenn ich diesen Standpunkt nicht gelten lassen konnte, so verkannte ich nicht die freundliche Gesinnung, in der Oertel mir schrieb, daß es eine der schönsten Erinnerungen seines Lebens sein würde, im persönlichen Verkehr mit mir gestanden zu haben, und daß er für das ihm von mir zuteil gewordene Wohlwollen immer treue Dankbarkeit bewahren würde. Das war keine leere Phrase. Ich bin Oertel öfter wieder begegnet, und unsere persönlichen Beziehungen blieben die besten. Es würde zu weit führen, die Briefe wiederzugeben, in denen ich die Ausführungen meiner konservativen Freunde eingehend widerlegte. Was ich selbst schrieb, war übrigens kaum so schlagend wie der Aufsatz, den ein freisinniger Publizist, ein Schriftsteller, der durch Geist und Weite des Gesichtskreises sich über die Schablone erhob, Friedrich Dernburg, Friedrich der Vater des Kolonialsekretärs Bernhard Dernburg, zwei Jahre nach Dernburg meinem Rücktritt, als ich schon von der Villa Malta auf die Siebenhügelstadt blickte, im „Berliner Tageblatt" über den Ausgang meiner Reichskanzlertätigkeit veröffentlichte. Es hieß in diesem Artikel: „Wer die politische Laufbahn des Fürsten Bülow unbefangen in das Auge faßt, der wird zugeben müssen: Der Staatsmann, der auf seinen Leichenstein geschrieben haben wollte: Hier hegt ein agrarischer Reichskanzler, war sich immer treu gebheben. Fürst Bülow wollte die Konservativen auf neue und haltbare Grundlagen stellen. Er wollte sie vor sich selbst retten. Er hat hierbei einen weit voraussehenden Blick, Kühnheit und Entschlossenheit zum Handeln gezeigt. Nie ist einem Staatsmann mit größerer Undankbarkeit gelohnt worden als dem Fürsten Bülow von seinen Standes- und Parteigenossen. An ihrer Kurzsichtigkeit und Eigensucht ist der Plan gescheitert, er ist nicht einmal verstanden worden, und man begreift die zornige Verachtung, mit der Fürst Bülow ihnen das Wort zuschleuderte, das seiner Einlösung entgegengeht: Bei Philippi sehen wir uns wieder. Dies Philippi ist im 23 Bülow III 354 MEHNERT Anzug. Die Konservative Partei hat in ihrem Verhalten beim Sturz des Fürsten Bülow aber auch den Beweis geliefert, wie das parlamentarische Treiben imstande ist, die Blicke in die Enge zu bannen, über die großen Züge einer politischen Lage wegzutäuschen, nach kleinen Vorteilen schnappen zu lassen und die Existenz zu riskieren." Der streng konservative Führer der sächsischen Konservativen und Dr. Mehnert Präsident der Zweiten Sächsischen Kammer, Dr. Mehnert, schrieb: „Eure Durchlaucht wollen auch mir gestatten, daß ich am heutigen Tage meinem tiefsten und aufrichtigsten Bedauern Ausdruck gebe, daß Eure Durchlaucht von der Leitung der Geschäfte des Reichs zurücktreten. Es ist für mich ein unsagbar schmerzliches Gefühl, den hochverehrten Mann von der Stellung scheiden zu sehen, in der er so unendlich viel und so wahrhaft Großes für des Reiches Ansehen, für des Reiches Wohl und Förderung getan hat. Es erscheint mir noch nicht möglich, mir vorstellen zu können, wie künftig die Geschicke unseres großen Vaterlandes sich entwickeln sollen. Die Person des Fürsten Bülow ist für mich zu sehr mit der Leitung der Geschäfte im Innern wie im Äußern verbunden und verkettet, als daß ich mir ohne dieselbe deren gedeihliche Fortsetzung denken könnte. Seit Bismarcks Zeiten hat niemand zur Hebung vaterländischer Gesinnung so viel getan und beigetragen wie Eure Durchlaucht — seit Bismarcks Zeiten hat den deutschen Namen niemand so hochgehoben in der Welt, niemand so achtunggebietend gefestigt wie Eure Durchlaucht — insonderheit zuletzt noch durch die glänzende Aktion unserer auswärtigen Politik in diesem Frühjahr! Möchte ein gütiges Geschick es fügen, daß Eure Durchlaucht nicht für immer scheiden." Aus den Kreisen der Sozialreformer schrieb mir Professor Dr. E. Professor Francke: „Im Namen vieler Freunde und Gesinnungsgenossen wollen E. Francke E ure Durchlaucht einem Mann, der still und bescheiden versucht hat, seine Pflicht als nationaler und überaler Publizist sowie als Sozialpolitiker zu tun, gestatten, seinem tiefsten Schmerz Ausdruck zu geben, daß jetzt ein Reichskanzler sein Amt verläßt, der zwölf Jahre hindurch der Wohlfahrt des Reichs mit ruhmvollem Erfolge gedient hat. Seit Jahrzehnten hat Deutschland vor der Welt nicht mit solchen Ehren und solcher Macht gestanden wie heute. Niemals hat unser Volk in Stadt und Land Zeiten stärkerer wirtschaftlicher Blüte gesehen. Der Liberalismus, die freie Gesinnung begannen neu zu hoffen, als Eure Durchlaucht den Druck der Zentrumspartei und der Sozialdemokratie brachen. Und wir Sozialreformer wußten es und freuten uns dessen, daß der vierte Kanzler des Reichs ein Herz für die Armen und Bedrückten und eine bereite Hand für die Strebenden und Kämpfenden hatte. Mit Eurer Durchlaucht Scheiden vom Amt werden viele und teure Hoffnungen vernichtet." ABGEORDNETE 355 Der Obermeister Karl Rahardt, Mitglied des Abgeordnetenhauses, schrieb: „Wenn Millionen guter Deutscher mit wehmütigen und schmerz- M.d.A. liehen Gefühlen ihren langjährigen und hochverdienten Reichskanzler in R"hardt Eurer Durchlaucht scheiden sehen, so erfüllt den Unterzeichneten Bitternis und tiefer Grimm über die Ereignisse der letzten Wochen. Waren es doch in der Hauptsache meine eigenen Parteigenossen, welche den unseligen Ausgang herbeiführten. Wenn der Mittelstand sich von der Konservativen Partei abwendet, so geschieht dies nicht allein deswegen, weil man an Stelle der Erbschaftssteuer eine Menge mittelstands- und verkehrsfeindlicher Ersatzsteuern angenommen hat. Die Erbitterung gegen die Leitung der Konservativen Partei ist auch nicht allein deswegen so groß in den Reihen des Mittelstandes, weil man sich gegen die unnatürliche Bundesgenossenschaft des Zentrums und der Polen wehrt, sondern weil zielbewußt und mit Vorbedacht auf den Sturz des Mannes hingearbeitet wurde, der es verstanden hat wie unser unvergeßlicher Bismarck, sich einen Platz in den Herzen aller guten Deutschen zu sichern. Beim Scheiden Eurer Durchlaucht aus dem verantwortungsvollen Amt des Reichskanzlers will ich es aussprechen, daß gerade der Mittelstand mit unbegrenztem Vertrauen, Liebe und Verehrung auf Euer Durchlaucht gebhekt hat und dankbaren Herzens anerkennt, daß, soweit es das allgemeine Staatsinteresse zuließ, vieles für die erwerbenden Stände im letzten Jahrzehnt geschehen ist. Das hier auszusprechen, ist mir ein Herzensbedürfnis, und Euer Durchlaucht dürfen versichert sein, daß der Mittelstand im allgemeinen und der Handwerkerstand im besonderen seinem hochverdienten vierten Reichskanzler tiefste Dankbarkeit und ein treues Andenken bewahrt." Aus dem Schreiben des Abgeordneten Julius Kopsch, Rektors in Berlin und Vorsitzenden der Parteiorganisation der Fortschrittbchen Volkspartei, M. d. A. sprach die Stimmung, die drei Jahre später zu dem Ergebnis der Wahlen Kopsch von 1912 führen sollte: „Euer Durchlaucht gestattet sich ein schlichter Abgeordneter der Freisinnigen Volkspartei bei Eurer Durchlaucht tief bedauerlichem Scheiden aus dem Amt nachträglich ein Lebewohl zuzurufen in der sicheren Hoffnung, daß in absehbarer Zeit ein Wiedersehen auf dem Reichskanzlerstuhl des Reichstages erfolgt. Herr von Heydebrand und seine Gefolgschaft werden des Sieges nicht froh werden. Die Führung in einer Mehrheit haben stets diejenigen, die über die erforderlichen Arbeitskräfte verfügen. Den Konservativen fehlen die Arbeitskräfte, ihnen fehlt die erforderliche Sachkenntnis. All das Fehlende ist beim Zentrum überreich vorhanden, daher liegt trotz der Worte des Herrn von Heydebrand die Führung bald in den Händen der Herren Spahn und Erzberger. Wer aber das Ränkespiel des Herrn Spahn, die brutale Herrschsucht des Herrn Erzberger in der Budgetkommission kennengelernt hat, der kann, ohne 23* 356 MILITÄRS Prophet zu sein, vorhersagen, daß die ehrlichen Konservativen sich bald zurücksehnen werden nach der Zeit, wo sie mit ehrlichen Liberalen verhandeln konnten. Aus zahlreichen Versammlungen kenne ich die Stimmung des deutschen Volks. Herr von Heydebrand hat in seinem Machtbewußtsein, dem man nicht nur gegenüber der Regierung, sondern auch gegenüber dem Thron seit langer Zeit sehr offen Ausdruck gegeben hat, dem konservativen Gedanken für die Zukunft einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Euer Durchlaucht aber werden bei dem hoffentlich nur vorübergehenden Rücktritt vom Amt begleitet von dankbarer Verehrung und Liebe des größten und sicherlich nicht schlechtesten Teils des deutschen Volkes." Der Gesamtverband der Evangelischen Arbeitervereine trug mir ebenso wie der Bund vaterländischer Arbeitervereine die Ehrenmitgliedschaft an, die ich mit Dank und Genugtuung annahm. Mehr noch als Anerkennung und Zustimmung von politischer Seite erfreuten mein Herz die Zuschriften, die ich bei meinem Scheiden aus den Reihen der Armee erhielt, an der ich mit ganzer Seele hing, seitdem ich im glorreichen Jahr 1870 des Königs Rock angezogen hatte. Der langjährige General Chef des Militärkabinetts, der Generalfeldmarschall von Hahnke, dieses Hahnke Bild eines echten preußischen Gardeinfanteristen, schrieb mir unter dem 14. Juli 1909: „Unter den Unzähligen, die heute am bedeutungsvollen Tage des Niederlegens des Kommandostabes als Reichskanzler Ihnen ihre Verehrung und allergrößte Hochachtung zum Ausdruck bringen, möchte ich nicht fehlen. Wer eine Ahnung davon hat, welche Charakterstärke, welcher Mut, welche Einsicht, welche Erfahrung, weiches Wissen und Können, welche Selbstlosigkeit dazu gehört, als Reichskanzler zu kämpfen für des Vaterlandes Macht, Ehre und Gedeihen und gleichzeitig zu dienen dem Monarchen in Ergebenheit und Treue unter den allerschwersten Bedingungen, der wird heute offen eingestehen müssen, daß Euer Durchlaucht ein Kämpfer, ein Reichskanzler gewesen sind, wie Seine Majestät ihn schwerlich wieder finden wird. Großartig, wie Eure Durchlaucht gekämpft, haben Eure Durchlaucht auch mit Stolz und Würde und voller Ehren das Kommando abgegeben und treten nun in den tausendfältig wohlverdienten Ruhestand." Der alte Feldmarschall wußte besser als irgendein anderer, wie schwer es mir während zwölf Jahren geworden war, die dauernden Interessen des Landes, der Dynastie und des Monarchen selbst gegenüber diesem Monarchen zu wahren. Der damalige General der Infanterie, spätere Generalfeldmarschall Karl General von Bülow schrieb mir am 15. Juli 1909: „Als Vetter und stellvertretender i. Bülow Vorsitzender unseres Familienverbandes darf ich Ihnen warm die Hand drücken in den entscheidungsreichen Tagen, die Sie jetzt durchlebt haben. Für mich, und meiner Überzeugung nach auch für die ganze Bülowsche FRAUEN 357 Sippe, gebe ich der Trauer Ausdruck, daß die Verhältnisse Eure Durchlaucht gezwungen haben, das höchste deutsche Staatsamt niederzulegen, Ihre erfolgreiche und dem Wohle unseres deutschen Vaterlandes dienliche Tätigkeit jetzt hoffentlich nicht zu beendigen, sondern nur zu unterbrechen. Ich weiß, daß Eure Durchlaucht, wenn Kaiser und Reich Ihrer bedürfen — und sie werden Sie später nötig haben —, mit Freuden bereit sein werden, die Bürde des höchsten Amtes erneut auf Ihre starken Schultern zu nehmen. Unvergessen muß es aber heut schon der Familie sein und bleiben, wie Ihr Wirken als Reichskanzler dem Bülowschen Ruhmeskranze ein neues Lorbeerblatt eingefügt hat. Die Bülows sind stolz auf diesen Sohn ihres Geschlechts." Der General der Kavallerie, Graf Hermann Wartensleben, einst Oberquartiermeister der deutschen Südarmee, als sie unter dem Oberbefehl des Feldmarschalls von Manteuffel in ruhmvollen Kämpfen in Schnee und Eis das Bourbakische Korps zum Ubertritt in die Schweiz zwang, schrieb mir: „In meiner ländlichen Abgeschiedenheit natürlich nur unvollkommen unterrichtet, vermag ich nicht alle bestimmenden Beweggründe zu dem folgenschweren Schritt zu beurteilen und kann nur sagen: Ein großer Verlust für das Vaterland, und wer soll Eure Durchlaucht einigermaßen ersetzen?" Die Witwe meines unvergeßlichen Kriegsobersten, des Feldmarschalls von Loe, die Baronin Franziska Loe, geborene Gräfin von Hatzfeldt-Trachenberg, telegraphierte mir: „Ich gratuliere Ihnen und der Fürstin und beklage uns." Aus einer Stätte, in der Idealen gehuldigt wurde, die andere waren als die militärischen, schrieb für sich selbst und ihre Mutter, die schon mehr als Cosima siebzigjährige Cosima Wagner, deren älteste Tochter, Daniela Thode, Wagner meiner Frau: „Verehrte teuere Fürstin Marie, es weüten und weden unsere Gedanken so viel bei Dir und dem Fürsten, Deinem Gemahl, daß es mir ein wahres Bedürfnis ist, dem Ausdruck zu geben und Dir und ihm unsere verehrungsvollsten Grüße zu senden. Mama, welche leider im Augenblick wieder angegriffener ist und größter Ruhe und Schonung bedarf, hat an allen so bedeutungsvollen und ach! so unerquicklichen Vorgängen im öffentlichen Leben den regsten Anteü nehmen können und bittet mich, Dir ihre zärtlichsten Grüße zu übermitteln. Ganz Wahnfried grüßt Dich und den Fürsten in treuster Verehrung." Drei andere Kundgebungen von Frauenhand rührten mich. Die Witwe des zwei Jahre vorher verstorbenen Staatsministers von Bötticher Frau schrieb: „Eure Durchlaucht gestatten wohl, daß ich Ihnen und der Frau v. Bötticher Fürstin, die Sie beide so unbeschreiblich gütig zu mir gewesen sind, beim Scheiden aus Ihrem schweren, dornenvollen Amt Gottes Segen noch in ganz besonderer Weise wünsche. Welch schwerer Schritt es für den Mann ist, von seinem Lebenswerk zu scheiden, weiß ich wohl. Habe ich doch mit 358 ISWOLSKI meinem geliebten Mann im Juli 1897 Ähnliches durchlebt. Wenn Eurer Durchlaucht unendlich viel Liebe, Teilnahme und Freundschaft aus dem ganzen deutschen Volke folgt, so bitte ich, mich auch unter diejenigen rechnen zu wollen, die in Dankbarkeit Ihrer gedenken." Die Tante meines Frau v. Beth- Nachfolgers, Frau Freda von Bethmann Hollweg, schrieb mir: „Sie mann Hollweg haben, teurer Fürst, treu und mit Hingabe Ihrer selbst gekämpft. Das trägt seinen letzten Lohn in sich und wird Ihnen in der Geschichte unseres Vaterlandes unvergessen bleiben! Es sind sicher die schwersten Kämpfe, in denen man die Wunden nicht zeigen kann. Daß der Eintritt meines Neffen in diese schwere Stelle mein Herz sehr bewegt hat und noch beschäftigt, werden Sie sich denken. Gott möge ihm beistehen!" Endlich schrieb mir die vierund- Frau achtzigjährige Mutter meines treuen Mitarbeiters Loebell: „Unvergeßlich v. Loebell i s t m i r di e Stunde, da vor neun Jahren mein heimgegangener Mann und ich Eurer Durchlaucht Ernennung zum Kanzler des Deutschen Reichs, die wir erhofften, begrüßten mit den freudigsten Erwartungen für Kaiser und Reich. Mit dem Bewußtsein der vollen Erfüllung dieser Hoffhungen entschlief mein Mann. Ich aber erlebe nun noch mit tiefschmerzlichem Bedauern den Rücktritt Eurer Durchlaucht, und mein altes patriotisches Herz ist tief verletzt und beklagt bitter die Motive, welche denselben veranlaßten." * Ich hatte, als mein Rücktritt feststand, unsere Vertreter auf unseren wichtigsten Auslandsposten gebeten, den Souveränen, bei denen sie akkreditiert waren, meinen Dank für das mir während meiner Leitung der auswärtigen Geschäfte erwiesene Vertrauen in angemessener Form zu übermitteln. Der russische Minister des Äußern, Alexander Petrowitsch Istvolski Iswolski, erwiderte mir in einem längeren, eigenhändigen Brief: „Le charge d'affaires d'Allemagne, le Comte de Mirbach, m'a fait part de Votre desir qu'au moment oü Vous quittez le poste eleve que Vous avez occupe avec tant d'eclat, je fasse parvenir ä mon Auguste Maitre les sentiments d'attachement et de reconnaissance que Vous portez ä Sa Majeste. Je n'ai pas manque de m'aequitter aupres de Sa Majeste de ce message, et je suis heureux de Vous transmettre les sinceres remereiments de l'Empereur qui m'a ordonne en meme temps de Vous exprimer, combien II a toujours apprecie Votre brillante et feconde activite et Vos efforts en faveur des bonnes relations entre la Russie et l'AUemagne. Le Comte de Mirbach m'a egalement transmis ce dont Vous avez bien voulu le charger personnellement ä mon adresse. J'en ai ete extremement touche, et je tiens ä Vous dire, ä mon tour, que je garderai toujours un Souvenir ineffacable de mes relations personnelles avec Vous, relations qui datent de si loin et qui j'espere vont se continuer pendant de longues annees encore. J'ai la certitude que ces relations ont apporte leur part de grande utilite ä la bonne entente entre nos AEHRENTHAL 359 deux pays. C'est de tout cceur que je partage Votre contentement de ce qui a ete fait en dernier lieu pour raffermir cette bonne entente et pour donner aux rapports entre la Russie et l'Allemagne un caractere d'entiere confiance si conforme aux meilleurs traditions de leur histoire. Vous savez combien je suis desireux de travailler dans ce sens et combien je suis persuade qu'il n'existe, ni ne peut exister, aucune cause directe de malentendus entre nos Gouvernements. Dieu veuille que les causes indirectes qui ont produit tant d'alarmes l'biver dernier ne se reproduisent plus. Laissez moi, mon eher Prince, Vous assurer que mes sentiments de profonde admiration et de vraie amitie Vous aecompagneront dans la nouvelle pbase de Votre belle existence, dans laquelle je Vous souhaite de tout cceur de trouver repos et sante. Veuülez, je Vous prie, me mettre aux pieds de la Princesse de Bülow et agreez pour Vous meme l'bommage de mon devouement le plus sincere." Der beachtenswerte Passus in diesem Schreiben war der Satz: „Dieu veuille que les causes indirectes qui ont produit tant d'alarmes l'hiver dernier ne se reproduicent plus." Dieser Satz bestärkte mich in der Überzeugung, daß die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland und damit des Weltfriedens durchaus im Bereich der Möglichkeit lag. Wir durften aber weder die russischen Kreise gerade an den Dardanellen stören, noch Österreich erlauben, auf der Balkanhalbinsel Rußland in einer Form in den Weg zu treten, die der Zar und das Zarenreich im Hinblick auf hundertjährige russische Traditionen nicht hinnehmen konnten, ohne die Existenz des Zarentums zu gefährden. Bei meiner letzten Begegnung mit Bethmann Hollweg vor meiner Abreise von Berlin habe ich meinem Nachfolger diese Worte aus dem Abschiedsbrief von Alexander Iswolski auf meine Visitenkarte sauber und deutlich niedergeschrieben und als letzte Mahnung zu Vorsicht und Umsicht in die Hand gedrückt. Ich habe wie Kaiser Wilhelm II. so auch Bethmann Hollweg mehrfach vor einer ungeschickten Wiederholung meiner bei der Beilegung der bosnischen Krisis erfolgreichen Politik gewarnt. Ich habe beiden sowohl den alten römischen Rechtssatz „Ne bis in idem" wie das kluge Wort des Lustspieldichters Terenz: „Duo cum faciunt idem, non est idem", wie mir schien, nicht gerade zu ihrem Vergnügen, nachdrücklich eingeschärft. Der, nachdem er dank unserer Unterstützung aus der bosnischen Schwierigkeit gut herausgekommen war, zum Grafen beförderte Aloys Lexa von Aehrenthal Aehrenthal schrieb mir: „Verehrtester Fürst, Szögyenyi berichtet mir, daß Ihr Entschluß, sich zurückzuziehen, unwiderruflich feststeht und daß die kaiserliche Entscheidung demnächst erfolgen dürfte. Mit Bangen habe ich diesem Augenblicke entgegengesehen, und nun, wo sein Eintritt immer näher rückt, erfüllt mich aufrichtiges und wehmütiges Bedauern. Ich muß » 360 TITTONI es mir versagen, in die Erwägung der Gründe einzugehen, die Ihren Schritt veranlaßten. Dieselben müssen zwingender Natur gewesen sein, wenn Kaiser Wilhelm einwilligte, sich von Ihnen nach einer so langen und auf allen Gebieten erfolgreichen Amtsführung zu trennen. Sie können, verehrter Fürst, mit Stolz auf die Ihrem Kaiser und Deutschland gewidmeten Jahre zurückblicken und mit dem Gefühl von dem hohen Posten scheiden, die Entwicklung Deutschlands nach allen Richtungen gefördert und seinen staatlichen Bau gestärkt zu haben. Wir in Österreich-Ungarn sehen Sie mit dem aufrichtigsten Bedauern zurücktreten, weil wir in Ihnen einen überzeugten und bewährten Vertreter des Allianzgedankens zwischen den beiden Kaiserreichen erblickten. In diesem Zusammenhang habe ich mich eines Auftrages meines allergnädigsten Herrn zu entledigen. Seine Majestät Kaiser Franz Josef hat von dem Inhalt des Schreibens Szögyenyis über seine letzte Unterredung mit Eurer Durchlaucht Kenntnis genommen und mir befohlen, Ihnen zu sagen, daß Seine Majestät Ihrer Person und Ihrem treuen Festhalten an dem Bündnis ein herzhches und dankbares Andenken bewahren werde." Der italienische Minister des Äußern, Herr Tommaso Tittoni, richtete Tittoni ein längeres Schreiben an mich, das ich in deutscher Übersetzung folgen lasse: „Teurer Fürst und Freund, ich habe den Brief, den E. D. mir sandten, erhalten. Ihnen für den außerordentlich liebenswürdigen Gedanken dankend, erlaube ich mir in italienischer Sprache zu antworten, der Sprache, die E. D. verstehen und Heben. E. D. hatten die Güte, der wohlwollenden Herzlichkeit, die Sie unseren persönlichen Beziehungen aufgeprägt haben, und der Sympathie, die Sie immer für mein Land zeigten, seit Sie es kannten, noch einmal Ausdruck zu geben. Als Botschafter in Rom, als Minister des Äußern und als Reichskanzler haben Sie stets die Interessen Italiens im Einklang mit denen Deutschlands betrachtet. Deshalb konnte das Bündnis zwischen den beiden Staaten während Ihrer ganzen Amtszeit fortdauern und die Schwierigkeiten mancher delikaten Situation überwinden, weil E. D. in der Festhaltung der Verträge den festen Willen und die Loyalität gesetzt hatten, die Sie auch das Recht hatten von uns zu erwarten und die von uns immer mit nicht weniger spontanem Gefühl und nicht weniger vertrauensvoll erwidert wurden. Nachdem Sie freiwillig Ihren verantwortungsvollen Posten verlassen, begleitet von der Achtung Ihres Souveräns und umgeben von dem Respekt und der allgemeinen Bewunderung, bleiben E. D. die stärkste Persönlichkeit der deutschen Politik, und mein politischer Egoismus bestimmt mich, Sie noch als wertvollen Mitarbeiter zu betrachten, an den ich oder wer auch sonst meinen Posten in Zukunft bekleiden wird, sich vertrauensvoll wenden kann mit der Sicherheit, volle Erwiderung unserer Gefühle zu finden. Der Brief E. D. läßt mich METTERNICH 361 hoffen, daß Sie sich für die beabsichtigte Ruhe nicht nur zu kurzem Aufenthalt in Rom niederlassen werden. Sie werden hier nicht nur Ihre Gewohnheiten wiederaufnehmen und teuere Beziehungen mit Ihrer genialen Intelligenz wieder anknüpfen können, sondern auch unsere Mentalität verstehen und deren Eindrücke zu schätzen wissen. E. D. haben sich nicht nur als Bewunderer unserer Vergangenheit gezeigt, sondern Sie sind auch von der Bedeutung unserer Gegenwart und unserer Zukunft für Deutschland überzeugt. Jetzt unter uns lebend, können Sie Zeuge unserer Bemühungen sein, mit Würde den Frieden zu sichern und die Mäßigung unserer internationalen Tätigkeit wie die Gerechtigkeit unserer Bestrebungen feststellen, die sich nicht nur aus den Akten der Regierung ergibt, sondern auch aus der Haltung des gesamten Volkes. Ich bin sicher, daß die Zuneigung und Achtung, mit der E. D. uns immer beehrt haben, hierbei nur zunehmen können. Ich werde mich beeilen, Ihren Majestäten dem König und der Königin und Ihrer Majestät der Königin Mutter die Gefühle zur Kenntnis zu bringen, von denen Sie wünschen, daß ich sie übermittle. Dem On. Giolitti und unseren zahlreichen gemeinsamen Freunden werde ich Ihre liebenswürdigen Worte überbringen. Als Minister, als Italiener und als Freund sende ich Ihnen einen Gruß dankbarer Erinnerung. Wollen E. D. den Ausdruck meiner hohen Wertschätzung wie meiner unveränderlichen anhänglichen Freundschaft entgegennehmen." Zwei Tage später telegraphierte mir Tittoni: „Leurs Majestes le Roi et la Reine me telegraphient: Nous sommes tres sensibles aux expressions contenues dans la lettre du Prince de Bulow. Nous vous prions de lui exprimer nos vifs remerciments. Sa Majeste la Reine mere me telegraphie: Je vous prie d'envoyer mes salutations des plus amicales et affecteuses au Prince de Bulow pour lequel j'ai toujours eu une estime profonde." Als sich die Parteiverhältnisse im Reichstage in einer Weise verschoben hatten, die meinen Rücktritt in den Bereich der Möglichkeit und selbst der Wahrscheinlichkeit rückten, während ich mich gleichzeitig des Kaisers immer weniger sicher fühlte, hatte ich ein längeres Schreiben an unseren Botschafter in London, den Grafen Metternich, gerichtet, um ihn über Metternich die Lage der Dinge in Berlin zu orientieren. Am Schluß meines Briefes sagte ich: ich bedauerte, daß ich zurücktreten müsse, bevor ich die Möglichkeit gehabt hätte, mit England eine Verständigung über die Flottenfrage herbeizuführen. Ich sei einer solchen Verständigung nicht nur nicht abgeneigt, sondern ich hielte sie unter den Metternich bekannten Voraussetzungen im Interesse beider Länder für nützlich und notwendig. Ich glaubte auch, daß ich bei längerem Bleiben eine solche Verständigung gerade so durchgesetzt hätte, wie ich nach manchen „ups and downs" zu einem befriedigenden Abkommen über Marokko gekommen wäre, das unsere 362 HILL Beziehungen zu Frankreich auf eine gute Basis stelle. Ich sei aber sicher, daß Schön, der von den besten Absichten beseelt sei, die auswärtige Politik in meinem Sinne fortführen werde, und ich übergebe sie ihm in guter Verfassung. Die Annahme, als ob außer den Parteiverhältnissen im Reichstag andere Motive oder Faktoren mich bei meinem Rücktritt beeinflußten, sei nicht zutreffend. Insbesondere hätte ich bis zuletzt das Vertrauen S. M. des Kaisers besessen, der sich ungern von mir trenne. Ich hätte S. M. und Schön in ernster Weise gesagt, daß ich im Interesse unserer Beziehungen zu England beiden nur dringend empfehlen könne, Graf Metternich auf seinem Posten zu belassen. Daß ich in diesem Brief meinen Rücktritt auf die Parteiverhältnisse im Reichstag und nicht auf die Haltung des Kaisers zurückführte, geschah, um gerade gegenüber dem deutschen Botschafter am englischen Hofe die Allerhöchste Person nicht bloßzustellen. Die gute Zensur, die ich dem Staatssekretär von Schön ausstellte, hat dieser durch seine weitere politische Tätigkeit leider nicht gerechtfertigt. Nachdem mein Rücktritt sich vollzogen hatte, bat ich Metternich, dem König und der Königin von England meinen Dank für die freundliche Gesinnung auszusprechen, die mir beide im Laufe vieler Jahre bewiesen hätten. Für Metternich fügte ich hinzu, ich sei persönlich nicht unglücklich, nach zwölfjähriger Amtszeit — nur unser unvergeßlicher großer Bismarck habe länger amtiert, Hardenberg ebensolange, Manteuffel kürzer — an der Elbe und am historischen Tiber als freier Mann meine letzten Jahre zu verleben. Metternich antwortete mir am 19. Juli 1909: „In Ausführung Ihres Briefes vom 9. ds. Mts. habe ich vor einigen Tagen Gelegenheit gehabt, dem englischen Königspaar Ihre dankbare Gesinnung für das Ihnen im Laufe der Jahre bewiesene Wohlwollen persönlich zu übermitteln. Beide Majestäten sprachen mit viel Wärme von den langjährigen persönlichen Beziehungen, die sie mit Ihnen gehabt hatten. Der König bemerkte, Ihre Majestät habe Sie ja schon als Kind gekannt. Beide erkundigten sich mit Interesse nach Ihren zukünftigen Plänen, und ich erklärte und beschrieb ihnen, wo Sie und die Fürstin, voraussichtlich an der Elbe, in Norderney und in Rom in der von Ihnen vor einigen Jahren erworbenen Villa Malta, Ihren Wohnsitz nehmen würden. Bei Beendigung des Gesprächs trug der König mir auf, Ihnen seine besten Wünsche für Ihr ferneres Wohlergehen auszusprechen, und Sie möchten, so wünschte er Ihnen, nun Ihre Freiheit nur recht genießen." Der nach seiner Ernennung zum amerikanischen Botschafter in Berlin Hill von Kaiser Wilhelm II. aus futilen Gründen ungnädig aufgenommene Mr. Hill, den ich meinerseits im deutschen Interesse freundlich behandelt hatte, schon weil er in seiner Heimat Freunde und eine starke Stellung hatte, SZÖGYENYI-MARICH 363 schrieb: „My dear Prince von Bülow, your very kind personal note of fare- well written at the moment of your departure frorn Berlin was fonvarded to me and received at Geneva. I beg your Serene Highness to accept from me my tbanks for our official relations, which bave been to me a source of tbe greatest satisfaction and are not interrupted without a sense of loss and sincere regret. I sball never cease to remember with gratitude tbe cordial reception I received from you upon my arrival in Berbn and I bope to have some occasion to demonstrate tbe sincere affection I feel for tbe great Empire whicb you bave so long and so faitbfully served. Please remember me most kindly to Her Serene Highness Princess von Bülow and beUeve me faithfully yours David S. Hill." Von österreichischer Seite wurde der Botschafter Graf Szögyenyi beauftragt, mir den wärmsten Dank der k. und k. Regierung für meine Szögyenyi bundestreue Gesinnung wie für meine gesamte „erleuchtete" politische Tätigkeit auszusprechen. Der gute Graf entledigte sich dieser Mission mit großer Emphase. Das offiziöse „Wiener Fremdenblatt" widmete mir einen schwungvollen Artikel, in dem es hieß: „Fürst Bülow hat es verstanden, der Mann seiner Zeit zu sein. In seiner äußeren wie inneren Pobtik läßt sich eine Folgerichtigkeit nachweisen, die sich durch alle scheinbaren Wandlungen hindurchzieht. Man weiß in Deutschland, was man an Bülow verliert, aber auch wir nehmen ungern von ihm Abschied." Das feudal-klerikale schwarzgelbe Wiener „Vaterland" schrieb: „Mit dem Fürsten Bülow scheidet ein Staatsmann aus dem öffentlichen Leben, der eine ausgeprägte Persönlichkeit war und auch seiner Politik eine starke persönbcbe Note zu geben wußte. Wir können nur die Hoffnung ausdrücken, daß es seinem Nachfolger vergönnt sein wird, mit Österreich-Ungarn in ebenso gutem Einvernehmen zu amtieren, als dies dem Fürsten Bülow gelang, denn in Deutschlands vernünftiger Außenpolitik hegen die Bürgschaften des europäischen Friedens." Es konnte mir nicht entgehen, daß trotz solcher nach außen zur Schau getragener Verehrung mein Rücktritt in Wien im Grunde mehr Befriedigung als Schmerz hervorrief. Und nicht nur bei militärischen Exaltados wie dem General Conrad von Hötzendorf, die es mir übelnahmen, daß ich ihre Neigung zu einem frischen, fröhlichen Krieg, heute gegen Rußland oder Itaben, morgen gegen Serbien oder Rumänien, stets energisch durchkreuzt hatte, sondern auch bei manchen österreichischen Ministem, Politikern und Diplomaten, und das trotz der von mir der habs- burgischen Monarchie geleisteten guten Dienste. Der Grund lag auf der Hand. Ich war der Doppelmonarchie gegenüber stets des oft von mir zitierten Ausspruchs des Fürsten Talleyrand eingedenk gebbeben, daß jede AUianz dem Verhältnis zwischen Reiter und Pferd gbche. Ich hatte Wert darauf gelegt und es verstanden, bei dem Bündnis- 364 EIN SIEGESBANKETT Verhältnis zu Österreich den Reiter zu spielen. Ich erlaubte Österreich keine rollenwidrigen Seitensprünge und war auch, und gerade während der bosnischen Krise, allen kriegerischen Velleitäten in Wien und Pest scharf entgegengetreten. Ich hatte während dieser Krise die deutsche Politik so geführt, daß ich Österreich schützte und stützte, es aber doch nicht wegen Österreichs und durch Österreich zu einer dauernden Entfremdung oder gar zu einem Zusammenstoß zwischen Deutschland und Rußland kommen ließ. Der österreichische Historiker Fried jung, der trotz seiner Sympathien für Deutschland und seiner deutschen Kultur innerlich ganz Österreicher, schwarzgelber Österreicher war, faßt in seinem Werk über das Zeitalter des Imperiabsmus das Ergebnis des bosnischen Annexionsstreits in die sauersüßen Worte zusammen: „Während nun Österreich-Ungarn aus der bosnischen Krise nicht ohne Einbußen hervorging, war der von Deutschland 1909 errungene Erfolg völlig ungetrübt. Bülow verstand es sogar, mit Iswolski auf fast freundschaftlichem Fuße zu bleiben." Und endbch hatte ich österreichische Versuche, unsere Ostmarkenpobtik zu sabotieren, nicht geduldet. Derartige Versuche erfolgten teils durch den Fürsten Max Fürstenberg direkt bei Kaiser Wilhelm, teils durch den Botschafter Szögyenyi auf gesellschaftbchem Wege. Die geringe Bebebtheit, deren ich mich namentbch bei der jüngeren k. und k. Diplomatie erfreute, trat in beinahe grotesker Weise zutage, als, bald nachdem ich meinen Abschied eingereicht hatte, die Sekretäre und Attaches der österreichisch-ungarischen Botschaft in Berlin sich an einem Diner beteibgten, das aristokratische Mitgbeder der Zentrumspartei zur Feier meines Rücktritts in einem großen Berliner Hotel veranstalteten. Den Vorsitz bei diesem Sieges- und Freudenfest führte der damalige Zentrumsabgeordnete Graf Hans Oppersdorf f, der spätere Überläufer zu den Polen und Landesverräter, der sich für dieses Präsidium in der Tat wie kein anderer quabfizierte. Der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Szögyenyi erschien, sobald er von dieser Taktlosigkeit erfuhr, bei mir, um mir sein Bedauern auszusprechen und mir gleichzeitig zu sagen, daß er den Schuldigen einen strengen Verweis erteilt habe. Aus den nach dem Umsturz von 1918 erfolgten Wiener Pubbkationen ist übrigens zu ersehen, daß nach dem Sturz des Fürsten Bismarck der damalige österreichisch- ungarische Botschafter in Berlin, Graf Emmerich Szechenyi, alles in allem Genugtuung empfand. Ich bin also, was die intimen Gefühle mancher Österreicher mir gegenüber betrifft, in guter Gesellschaft. Aus Wien schrieb mir der Schriftsteller Alfred von Berger, früher Alfred Leiter des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, dann Direktor des . Berger Hof burgtheaters in Wien: „Welch unermeßlichen Schatz von Vertrauen und Bewunderung Sie aus jenen Schichten des deutschen Volkes, die von Partei- LITERATUR 365 leidenschaft und Parlamentstaktik unberührt sind, ins Privatleben mitnehmen, das weiß ich aus ungezählten Äußerungen. Viele werden sich freuen, daß es Ihnen möglich ist, sich in voller Frische zurückzuziehen, weil sie daraus die Hoffnung schöpfen, daß es dem Vaterland in zukünftigen schweren Zeiten, deren banges Vorgefühl sehr viele im Innersten tragen und verbergen, an einem erfahrenen und weisen Berater und Helfer nicht fehlen wird." Aus Blankenese schrieb mir mein Nachbar und engerer Landsmann Gustav Frenssen, der Dichter und Verfasser von „Jörn Uhl" und der Frenssen, „Drei Getreuen": „Euer Durchlaucht will auch ich, dessen Freude es ist, Wilbmndi das Leben tapferer, ernster Menschen zu bedenken und zu erzählen, Dank sagen für das, was Sie für das Land getan haben. In langjähriger Anhänglichkeit und Verehrung bin ich Ihr ergebenster Gustav Frenssen." Ein anderer Dichter-Freund von mir, Adolf Wilbrandt, schrieb: „Lieber, teuerer, verehrtester Freund, ich kämpfe schon so viele Tage mit dem Trieb und Umtrieb, Ihnen zu schreiben. So schwer ward mir nicht oft etwas. Daß es Wahrheit werden sollte, daß wir Sie nicht mehr als Reichskanzler haben — welches Schicksal für uns! Für mich! Denn keiner hat wohl tiefer gefühlt, was Sie uns waren, was Sie uns bedeuten. Was für Konservative haben wir! Oder vielmehr, wie werden sie geführt! Ich bin tief gebeugt. Im tiefsten Innern sagt mir etwas: Sie kommen wieder. Vielleicht in vier, fünf Jahren sind Sie wieder in der Wilhelmstraße! Ich hoffe es!" Auch Gerhart Hauptmann sprach mir in herzlichen Worten seinen Schmerz über meinen Rücktritt wie Sympathie und Freundschaft aus. Hauptmann, Der Bibliothekar der Wartburg, der Dichter Richard Voß, telegraphierte Vo ß meiner Frau: „Mit der Nation spreche ich Ihnen meine tiefbewegte Empfindung aus, daß Deutschland das Unglück hat, seinen Kanzler zu verHeren und Sie scheiden zu sehen." Aus der Schweiz, wo er einen Erholungsurlaub zugebracht hatte, schrieb mir trotz seiner langjährigen nahen Beziehungen zu Wilhelm II. der Generalsuperintendent der Kurmark, der Oberhofprediger Ernst von Dryander: „Euer Durchlaucht wollen es nicht für Unbescheidenheit Dryander halten, wenn ich mir gestatte, aus den Bergen, in die die Ereignisse der Zeit erst einige Tage später gelangen, meine wärmste und zugleich schmerzlichste Anteilnahme an den politischen Ereignissen zum Ausdruck zu bringen. Es drängt mich bei dem mir unverständlichen und meines Dafürhaltens nicht in der Sache selbst begründeten Verhalten der Konservativen Partei, deren Hospitant ich im Herrenhause bin, Euer Durchlaucht meine volle Sympathie und den ehrerbietigsten Dank für die starke und glanzvolle Leitung der Geschäfte des Vaterlandes auszusprechen sowie mein inniges Bedauern, daß die großzügige, von Euer Durchlaucht übernommene Finanzreform mit dem Resultat endet, daß, abgesehen von allen andern, 366 MONOD das Reich der starken und zielbewußten Hand Euer Durchlaucht beraubt wird." Adolf von Harnack, der, seitdem die kaiserliche Gnadensonne, an deren Strahlen er sich so gern wärmte, mir nicht mehr leuchtete, sich langsam und vorsichtig von mir zurückzog, sandte mir, wohl weil ihn meine Frau eingeladen hatte, in der Villa Malta bei uns Wohnung zu nehmen, wenn er im nächsten Winter in Berufspflichten nach Rom kommen würde, einen liebenswürdigen Abschiedsgruß: „Hochverehrter Fürst und Herr! Für alles Wohlwollen, für alles Vertrauen und für die mich beglückende Freundschaft Ihnen aus bewegter Seele zu danken, ist mir ein tiefes Bedürfnis. Und lassen mich Eure Durchlaucht auch dafür danken, daß Sie in unseren Staat mit seinen harten und bürokratischen Formen den Geist der Humanität und der Freiheit hineingetragen haben, jener duldsamen und freudigen Freiheit, die soviel Gutes zu stiften und soviel Widriges zu dulden vermag wie die Liebe. Eben diese Freiheit werden Sie und Ihre teuere und verehrte Frau Gemahlin auch über jedes Geschick triumphieren lassen. Debellantes inimicos ab amicis prodimur (Während wir unsere Feinde niederkämpfen, werden wir von unseren Freunden verraten) ist die alte Regel, nach welcher Helden leiden. Aber Avas Sie geschaffen haben, kann nicht zermalmt werden, sondern wird bleiben, teils schon jetzt, teils als Weissagung für die Zukunft. In treuester Anhänglichkeit und tiefster Verehrung Eurer Durchlaucht ergebenster von Harnack." Meine und meiner Frau Lebensfreundin, die sechs Jahre früher am 26. April 1903 verstorbene Malvida von Meysenbug, hatte, wie alle Leser ihrer so weit verbreiteten „Memoiren einer Idealistin" wissen, eine Adoptivtochter, Olga Herzen, die Tochter des radikalen russischen Publizisten und Agitators Alexander Iwanowitsch Herzen. Der war der Sohn eines russischen Fürsten Jakowleff und eines schwäbischen Mägdeleins, Luischen Haag aus Stuttgart. Herzen war von Kaiser Nikolaus, weil er Hegel gelesen hatte, nach Sibirien verschickt worden. Alexander II. begnadigte ihn, aber nur, um ihn in Nowgorod zu internieren. Von dort gelang es ihm, nach London zu fliehen, wo er die Monatsrevue „Kolokol" (die Glocke) herausgab, die zum erstenmal im Namen der Grundsätze der Französischen Revolution Sturm gegen den Zarismus läutete, der bis dahin nur durch Palastrevolutionen und Adelsverschwörungen bekämpft worden war. Malvida hatte ihre Adoptivtochter Olga Herzen mit einem ausgezeichneten französischen Gelehrten, dem Historiker, Direktor der Revue historique und der ficole Gabriel normale in Paris, Gabriel Monod, vermählt. Ein patriotischer Franzose, Monod war er gleichzeitig aus Gründen der Humanität wie der Vernunft ein aufrichtiger Friedensfreund. Er schrieb an meine Frau: „Nous avons suivi les evenements de la derniere semaine avec une vive Sympathie, Sympathie qui n'etait pas seulement dictee par notre amitie pour Monsieur de Bulow et DR. BREUER — CURTI 367 pour Vous, mais aussi par la conviction que la politique de M. de Bulow etait aussi utile aux interets generaux de la Civilisation qu'aux interets speciaux de l'Allemagne. Beaucoup de mes compatriotes en jugent autre- ment que moi et croient que la politique du Chancelier etait etroitement nationale et inspiree par des sentiments hostiles ä la France et ä l'Angleterre. J'ai toujours soutenu vis-ä-vis des amis qui pensaient ainsi que si M. de Bulow, comme c'etait son devoir, mettait les interets permanents de l'Allemagne au premier rang de ses preocoupations, il regardait le maintien de la paix cornme le premier de ses interets et considerait les bons rapports de la France avec l'Allemagne comme necessaires au maintien de la paix. Bien loin qu'il ait jamais cherche ä troubler ces rapports, je suis persuade que son action personelle a toujours tendu ä eviter les imprudences qui pouvaient la compromettre. Mais toute politique ä part, car chaque pays et chaque ministre a le droit d'entendre ses devoirs ä sa maniere, nous avons constamment pense ä vous pendant cette crise, souffrant pour Vous de ce qu'elle a pu avoir de penible, et nous nous sommes aussi rejoui que M. de Bulow puisse apres ces annees de dur et utile labeur jouir d'un repos bien merite." Im Auftrage der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, dem, wie vordem mein sehger Vater in dem kleinen Großherzogtum Mecklenburg-Strehtz, so auch ich in größerem Wirkungskreis freundlich gegenübergestanden hatte, richtete der Babbiner Dr. Breuer Dr. Breuer das nachstehende Telegramm an mich: „In dem Augenblick, da Euer Durchlaucht nach jahrzehntelangem rastlosem Wirken für das Vaterlandswohl Ihre öffentliche Tätigkeit abschließen, ist es uns Herzensbedürfnis, im Namen der von uns vertretenen religiös-konservativen Judenheit Deutschlands für das von Euer Durchlaucht unseren rebgiösen Interessen betätigte Wohlwollen aufrichtigen Dank auszusprechen. Insbesondere gedenken wir mit inniger Dankbarkeit jener unserem zweiten Vorsitzenden im vorigen Jahre in Norderney in liebenswürdiger Weise bezeigten Würdigung unseres bedeutungsschweren rebgiösen Anliegens in Sachen der Sonntagsruhe. Wir haben diesen gegenwärtig in Norderney weilenden zweiten Vorsitzenden beauftragt, diese dankbaren Gesinnungen und die warmen Segenswünsche der gesetzestreuen Judenheit für Euer Durchlaucht ferneres Ergehen persönlich zum Ausdruck zu bringen." Der Chefredakteur der „Frankfurter Zeitung", Theodor Curti, schrieb mir: „Der Unterzeichnete kann sich nicht versagen, es auszusprechen, wie Theodor sehr er Ihren Bücktritt von dem hohen Amte bedauert. Eine Zeitlang Curti wollte es scheinen, als manifestiere sich in weiten Schichten des deutschen Volkes über die Klüfte der Parteiung hinweg ein starkes Verlangen nach Vermittelung und Verständigung, das zu einem freieren Begime führen 368 EIN UNBEKANNTER werde. Diese große, nun sehr geschwächte Hoffnung war an die Autorität Ihres Namens geknüpft. Persönlich hatte ich auch die Uberzeugung und freute mich darob, daß Ihre so vornehme Bildung, in den Dienst des Staatswesens gestellt, den Wert eines nationalen Gutes besitze. Mit den vielen und gewichtigen Stimmen, die Ihr Scheiden beklagen, glaube ich auch meine Stimme vereinigen zu dürfen, und ich bin mit der größten Hochachtung und Ehrerbietung Ihr ergebenster Curti." Die „Frankfurter Zeitung" hatte mich und namentlich meine wirtschaftliche Politik während meiner Amtszeit oft und bisweilen scharf bekämpft. Ihr damaliger Chefredakteur war von Geburt Schweizer. Vielleicht ist es darauf zurückzuführen, daß er mich und meine Wirksamkeit vorurteilsloser würdigte, als dies bei uns unter politischen Gegnern des Landes der Brauch ist. Ich habe schon früher einen vieljährigen Schweizer Freund erwähnt, der in Paris lebte, aber auch dort an seinen pazifistischen Idealen festgehalten hatte. Er hatte mancherlei politische Verbindungen und nicht nur in Frankreich. Er schrieb mir schon am 1. Juli 1909: „Uber alles das, was in Berlin vorgeht, bin ich um so mehr traurig, weil ich die geheimen Fäden kenne, welche hinter den Kulissen gesponnen sind, weil ich den länger schon gefaßten Entschluß eines mächtigen Faktors kenne, der dermalen noch fast allmächtig in Deutschland ist. Den Fürsten von Bülow kann niemand mit Nutzen für den Staat ersetzen, besonders in einer Epoche, in der große Entscheidungen für die Zukunft der Welt sich vorbereiten. Dii minorum gentium sind in Deutschland viel auf dem Plan, aber kein Politiker, der dem Fürsten Bülow gewachsen ist. Das sollte man an gewisser Stelle erkennen, erschauen." Mit dem in Deutschland fast noch allmächtigen Faktor ist natürlich Wilhelm II. gemeint. Von mir unbekannter Seite erhielt ich am Tage meiner Abreise aus Berlin die nachstehenden Verse: Fürst Bülow. Er scheidet aus dem Amt, des er gewaltet Mit kluger Kraft und einer feinen Kunst. Was er geschaut, gewollt hat und gestaltet, Hoch ragt es über Launenspiel und Gunst. Ein ganzer Mensch! Sein Name wird nicht schwinden Vom Meilenstein der ruhelosen Zeit. Er, dem selbstmörderisch die blöden Blinden Den Lorbeer flochten der Undankbarkeit. Ein Mann des Glücks für seiner Heimat Ehre, Des Glücks für seines eignen Wesens Art, So geht er fort in Waffenschmuck und Wehre, Die Sonne leuchtet seiner Lebensfahrt. DIE KREUZZEITUNG 369 Durch den Blätterwald der deutschen Presse ging nach meinem Rücktritt ein starkes Rauschen. Es ist dem Deutschen nicht gegeben wie dem Die deutsche Franzosen, Italiener und Engländer, jeden Staatsmann, der sich Verdienste P resse um das Land erworben und im öffentlichen Leben eine Rolle gespielt hat, mehr nach seinen Vorzügen als nach seinen Mängeln, mehr nach seinen Erfolgen als nach seinen Mißerfolgen zu beurteilen und ihn so in das Nationalmuseum einzurangieren. Bei uns überwiegt meist die Kritik, oft eine allzu kleinliche, noch öfter eine spießbürgerliche Kritik. Immerhin gestand auch die „Kreuzzeitung", obwohl sie erklärte, meine Meinungsverschiedenheit mit der Konservativen Partei auf das tiefste zu bedauern: „In der auswärtigen Politik fand der vierte Kanzler die gewaltige Aufgabe vor, unsere kontinentale Position gegen die Schwierigkeiten zu behaupten, mit denen schon Bismarck gekämpft hatte, und dazu noch die wegen der Entwicklung unserer überseeischen Interessen, unserer Exportindustrie und unseres Außenhandels schwierig gewordene Aufgabe, gute Beziehungen zu England, Japan und Amerika zu pflegen: das ist ihm meisterhaft gelungen. Kein beachtenswerter Gegner des Fürsten Bülow hat dieses sein Verdienst je zu bestreiten versucht. Von alldeutscher Seite ist es ihm oft schwer genug gemacht worden, gute Beziehungen zu England zu pflegen; in der Marokko-Angelegenheit haben die Freisinnigen mit ebensoviel Eifer wie Ungeschick seine Kreise zu stören gesucht. Die ruhige und umsichtige Art des Kanzlers hat fast immer diese Hindernisse beiseitezuschieben gewußt, so daß seine Führung unserer auswärtigen Politik auch in stürmischer Zeit im Lande selbst den Eindruck absoluter Zielsicherheit machte und ihre Erfolge mehr im Auslande als bei den Deutschen selbst Uber- raschung und Staunen hervorriefen. Man spricht so viel von den ästhetischen Neigungen des Fürsten Bülow, auch von der Kunst seiner Rede und seiner Geste. Ein größerer Künstler war er, wo er schweigend handelte. Da mußte allemal vor dem Resultat auch die grundsätzlich alles besser wissende Kritik verstummen." Wenn ich für Anerkennung von Seiten meiner Landsleute in der deutschen Presse dankbar war, so gereichten mir doch vom Standpunkt des Die englische Argumentum e contrario einige prägnante Äußerungen ausländischer Presse und namentlich großer englischer Blätter noch mehr zur Genugtuung. Das Organ des Foreign Office, die „Morning Post", schrieb bei meinem Rücktritt: „Es ist für die Gegner des Fürsten Bülow nicht angenehm, zu konstatieren, aber es trifft zu, daß Deutschland seit lange nicht so stark und mächtig dagestanden hat wie jetzt." Der Londoner „Daily Telegraph" meinte: Fürst Bülow trete vom Amt zurück, nachdem er mehr als irgendein anderer dazu beigetragen habe, die Geschicke des deutschen Staates durch eine Periode außerordentlicher Schwierigkeiten hindurchzusteuern. Es 24 Bülow in 370 DAS AUSLAND hieß weiter in dem Leitartikel des großen englischen Blattes: „Im gegenwärtigen Moment ist die deutsche Macht wieder verhältnismäßig so vorherrschend in Europa wie in den stärksten Phasen der Bismarckschen Regierung. Es ist vor allem eine Tatsache, daß zur Stunde die Stellung des Deutschen Reiches in jeder Hinsicht glänzender, gedeihlicher und machtvoller ist als zu der Zeit, da Fürst Bülow sein Amt antrat." In englischen Augen, führte das Londoner Blatt weiter aus, wäre es das Merkwürdigste an dem Fürsten Bülow gewesen, daß er, ein Staatsmann ohne parlamentarische Erfahrung, sich sofort als der heste parlamentarische Sprecher des Festlandes mit der alleinigen Ausnahme Clemenceaus betätigt habe. Neben seinem dialektischen Geschick habe er einen Schatz von gesundem Menschenverstand in den Geschäften bewiesen. Der Artikel schloß mit dem Ausdruck der Besorgnis, daß nach dem Rücktritt des Fürsten Bülow die persönliche Initiative des Deutschen Kaisers mehr als früher der überwiegende Einfluß im Staate sein würde. Die persönlichen Beziehungen dieses Kanzlers zu seinem Souverän wären immer schwieriger geworden, was im Interesse des Friedens bedauerlich gewesen sei, denn die vorbeugende Wirksamkeit der Staatsklugheit des Fürsten Bülow würde voraussichtlich einmal als höchst wertvoll zutage treten. Sehr amüsierte mich das nachstehende Porträt, das der Pariser „Figaro" Französische von mir gab: „Ein vollendeter Turnkünstler, Flötenspieler und Seiltänzer, Presse em ausgezeichneter Improvisator, ein offener, aber von keinem Skrupel zurückgehaltener Geist. Eher träge von Natur, aber mit einem durch den Erhaltungstrieb in Spannung gehaltenen Willen, von wunderbarer Geschicklichkeit zur Umkehr. Wenn die Schwierigkeiten kommen, ist er sicherlich nicht derjenige, den die Widersprüche und Schwenkungen in Verlegenheit setzen." Der grundsätzlich sehr deutschfeindliche „Temps", das einflußreichste französische Blatt, schloß nach einer Anerkennung der großen persönlichen Eigenschaften, die den Fürsten Bülow ausgezeichnet hätten, seinen Artikel über dessen auswärtige Politik mit den Worten: „Auch diejenigen, und Frankreich gehört dazu, die sich nicht immer über ihn zu freuen hatten, verschließen die Augen nicht seinen Verdiensten, und sie erinnern sich, daß er wenigstens Schmiegsamkeit genug besaß, um die äußersten Krisen zu vermeiden, die aus geringfügigen Gründen Frankreich und Deutschland aneinandergebracht hätten." Ich hatte nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich die Ostmarkenfrage für die wichtigste Frage der inneren preußischen Politik hielte, daß ich sie als eine Lebensfrage des deutschen Volkes betrachtete und als solche behandelte. Aus keinem Teil des Vaterlandes gingen mir beim Ausscheiden so viele und so herzliche Kundgebungen des Bedauerns zu wie aus dem Osten der Monarchie; freilich auch Zuschriften, bei denen der Unterton der EHRUNGEN 371 Sorge für die Zukunft der Ostmark unverkennbar war. Der Deutsche Ost- Der Ost- markenverein telegraphierte mir: „In der Geschichte des seit Jahrhunderten markenverein währenden Kampfes um die Ostmark wird der Name Fürst von Bülow als treuer Vorkämpfer für das Deutschtum einen erstenPlatz erhalten." Besonders herzlich war die Kundgebung, die ich bei meinem Rücktritt von der Stadt Bromberg erhielt, deren Ehrenbürger ich seit Jahren war. Wie manchmal habe ich im Jammer und Elend der Gegenwart an den Gruß der Bromberger zurückgedacht. Nessun maggior dolore che ricordarsi del tempo felice nella miseria. Die damals blühende, ganz überwiegend deutsche Stadt Bromberg heißt heute Bydgocz. Die deutschen Schulen sind unterdrückt, die deutschen Läden und Geschäfte geschlossen. Hunderte von deutschen Beamten,Lehrern, Kaufleuten und Handwerkern wurden vertrieben, der Kern der deutschen Bürgerschaft mußte ihre einst so blühende Vaterstadt verlassen, die 1772 der große König aus polnischem Elend und polnischer Sklaverei erlöst hatte. Im Gegensatz zu dem Bund der Landwirte, der, zu einseitig auf Agitation eingestellt, der Erbschaftssteuer eine törichte Opposition gemacht hatte, fand ich bis zuletzt die Unterstützung des Deutschen Landwirtschaftsrats, dessen ausgezeichneter Präsident, der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Graf Hans von Schwerin-Löwitz, mich bei meinem Rücktritt der Schwerin- ,unvergänglichen und ungeteilten" Dankbarkeit aller deutschen Land- Läwitz wirte versicherte. Daß bei meiner landwirtschaftsfreundlichen Wirtschaftspolitik Industrie, Handel und Schiffahrt nicht zu kurz gekommen waren, bewies das nachstehende Telegramm, das der Generaldirektor der Hamburg- Amerika-Linie, Albert Ballin, an mich richtete: „Eurer Durchlaucht Ballin Kanzlerzeit hat die stärkste Entwicklung und reichste Blüte von Industrie, Handel und Verkehr gesehen, die Deutschland jemals erlebt hat. Für diese Ihre Fürsorge für Deutschlands wirtschaftliche Interessen daheim und in der Welt bleiben Eurer Durchlaucht die Vertreter von Handel, Gewerbe und Industrie zu unwandelbarer Dankbarkeit verpflichtet. Zum Gedächtnis dessen werde ich der Hamburg-Amerika-Linie vorschlagen, den nächsten größeren Dampfer durch den Namen ,Fürst von Bülow' zu ehren." Die Alma mater Berolinensis sandte dem „treuen Freunde und freisinnigen Jünger der Wissenschaft" ihren herzlichen Abschiedsgruß und „tausend Wünsche ad maltos annos für einen durch die dankbare Anerkennung des deutschen Volkes verschönten Lebensabend". Die Akademie zu Posen bat mich, die Ehrenmitgliedschaft der Akademie anzunehmen, die in mir ihren tatkräftigen Mitbegründer und Förderer verehre. Der Magistrat von Berlin beschloß, dem Babelsberger Platz den Namen „Fürst-Bülow-Platz" zu geben. 24* NAMEN- UND SACHREGISTER FÜR BAND I-III Die römischen Ziffern bezeichnen die Bände, die arabischen Ziffern die Seiten, Kursivziffern verweisen auf die Beilagen NAMENREGISTER Abdul Hamid II., Sultan, 1876—1909 (f 1912). Besuch des Kaisers und der Kaiserin bei ihm, Charakteristik. I 249 ff. Sturz durch die Revolution von 1908. II 330f. Acton, Lord, engl. Historiker. I 340. Adalbert, Prinz von Preußen, Sohn Wilhelms II. I 384, 387. III 303. Adelgunde, Herzogin von Modena, Schwester des Prinzregenten Luitpold. I 478. Adolf, Prinz von Schaumburg-Lippe, Schwager des Kaisers (f 1916). Legt die Regentschaft über Lippe- Detmold nieder, Telegramm des Kaisers an ihn. I 51. Wilhelms II. Prätendent. I 222, 267. Von Philipp Eulenburg als Konkurrent f ürStraßburg gefürchtet. I 506. Bonner Königshusar. I 577. Aehrenthal, Aloys, Freiherr Lexa, dann Graf, Gesandter in Bukarest, dann Botschafter in Petersburg, seit Oktober 1906 österreichisch - ungarischer Minister des Äußern (f 1912). Charakteristik. II 334ff. Droht Rußland mit Veröffentlichung der Geheimdokumente. II 400 f. Das Tuch zwischen ihm und Rußland zerschnitten. II 402f. Unterstützt Bülows Warnungen vor Kriegsdrängen Conrads. II 405 f. Der sterbende Aehrenthal. II 406. Harden über ihn. II 467. Taf. II 332. — Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 359 f. Agliardi, Kardinal. I 621. Albany, Herzogin Helene, geb. Waldeck. I 306. Albedyll,Emilv., General, 1871—1888 Chef des Militärkabinetts. III 161. Albert, König von Sachsen, 1873—1902. Vorsitzender im Schiedsgericht für Lippe-Detmold. I 51. Über die Sozialdemokratie. I 351, 491. Charakteristik. I 489 ff. Über Bismarck. I 490f. Tod. I 551. Tolerant. I 590. Albert (Prince-Consort), Prinz von Sachsen-Ko- burg-Gotha, Gatte der Königin Victoria (f 1861). I 339, 535. Albert, Prinz von Holstein. Gast bei Nordlandreise. I 349, 350. Albert, Fürst von Monaco. I 305, 452, 455, 574. In Kiel (1909). II 512, 514f. Albrecht, Prinz von Preußen (Vater) (f 1872). I 19. Albrecht, Prinz von Preußen (Sohn), seit 1885 Regent von Braunschweig (f 1906). 1 17. In London insultiert. I 17 f. Gegen Mißheiraten. I 20. Mit Waldersee beim Kaiser. I 363, 366. Tod. II 248. Albrecht, Herzog von Württemberg, 1916 Generalfeldmarschall. I 400, 401. Alexander I., Zar. I 89, 90, 367, 631. II 15, 136. III 139, 176. Alexander IL, Zar. I 85, 87, 88, 90, 408, 434, 452, 487, 488, 631. II 143, 160, 161, 333. Alexander III., Zar. I 80, 87, 92, 96, 145, 169, 407, 472. II 43, 133, 143, 175, 240. Alexander, Prinz von Battenberg, 1879—1886 Fürst von Bulgarien (f 1893). I 80, 222, 472. Alexander I. (Obreno- witsch), König von Serbien 1889—1903, im Belgrader Konak ermordet. I 160. Alexander Michailo- witsch, russ. Großfürst. II 7, 161. 374 NAMENREGISTER Alexandra, Königin von England, geb. Prinzessin von Danemark, Gattin Eduards VII. 1 339. II 89. Antideutsch. I 341, 342. Wilhelm II. gewinnt sie. I 507. Bemüht sich, Krieg mit Rußland zu verhindern. II 66. Fragt ihren Vater, ob er England verraten wolle. II 145. Besuch in Berlin. II 419ff. Antwort auf Beileidtelegramm Bülows. III 87. Alexandra Fedorowna (Alice), geb. Prinzessin von Hessen, Gattin Nikolaus II. I 92. Empfangt Bülow. Charakteristik. I 98ff. Ihre Ehe. I 101 f. Antipathie gegen Wilhelm II. I 102. Besuch in Potsdam. I 301 ff. Der Kaiser über sie. I 306. Verleugnet ihre deutsche Herkunft. I 306. Hängt an ihrer hessischen Heimat. I 407, 629. Ihre Schwestern. I 455. Diner in Wolfsgarten. I 633 f. Witte über sie. II 43. Ist verärgert durch naive Präpotenz Wilhelms II. II 130. Schlecht mit Witte. II 131. Tobt gegen den Großfürsten Kyrill. II 176. Ihre Rolle in Re- val. II 325. Alexej Alexandrowitsch, russ. Großfürst. II 7. Alexej Nikolajewitsch, Zarewitsch. II 48. Alexejew, Jewgenij Iwa- nowitsch, russ. Admiral, Statthalter im Fernen Osten, im Russisch-Japanischen Krieg Oberbefehlshaber der Land- und Seetruppen in Ostasien. I 631. Alfons XIII., König von Spanien seit 1902. II 105, 153. Alfred, Herzog von Ko- burg (Edinburgh), zweiter Sohn der Königin Victoria (f 1900). I 366, 488. Seine Gattin. I 395, 488. Alice, Großherzogin von Hessen, Tochter der Königin Victoria. Mutter der Zarin Alexandra Fedorowna (f 1878). I 100, 487, 488. Alize, französ. Gesandter in München. III 179. Almereyda, Leiter des „Bonnet rouge". III 260. Almo d ovar, Herzog, span. Vertreter in Algeciras. II 200. Althoff, Friedrich, Ministerialdirektor im preußischen Kultusministerium (f 1908). I 187. II 286, 287 f. Alvensleben, Friedrich Johann Graf von, 1900 bis 1905 deutscher Botschafter in Petersburg. I 33, 406, 409, 497. Verlobt die Großfürstin Helene mit Max von Baden. I 549. Nicht im Geheimnis von Björkö. II 143. Anastasia, Großherzogin von Mecklenburg - Schwerin, Mutter der Kronprinzessin Cecilie. II 50. Andrässy, Julius (Gyula), Graf (Vater), 1871—1879 österreichisch - ungarischer Minister des Äußern (t 1890). I 90, 143, 160, 161, 162, 166, 252, 544. Andrässy, Julius (Gyula), Graf (Sohn), ungarischer Minister des Innern, 24. 10. bis 1. 11. 1918 österreichisch-ungarischer Minister desÄußern. 1161 f., 163. Angeli, Heinrich von, Maler. I 321. Taf. I 352. Anna, Landgräfin von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen. Vom Kaiser „ausgestoßen". II 98. Antrick, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter. I 594. Aosta, Herzogin von, Gattin des italienischen Prinzen Emanuele. Apponyi, Albert, Graf, ungar. Oppositionsführer, 1917 Unterrichtsminister. I 161 f., 163. Arco, Graf Louis, Legationsrat. I 477f. Arenberg, Prinz Franz, Zentrums - Abgeordneter (f 1907). I 5f., 443, 566, 596. II 13, 14, 52, 207. Rückzug aus der Politik und Tod. 258f. Armour, Milliardär in Chi- kago. I 575. Arnhold, Eduard, Berliner Großkaufmann. I 297. Arnim, Graf Harry, deutscher Diplomat, 1874 verurteilt (f 1881). I 397. Bismarck läßt ihn verhaften. I 497 f. II 451. Arnim-Criewen, Bernd v., 1906—1910 preußischer Landwirtschaftsminister. II 489. Arnim - Kröchlendorff, Malwine v., Schwester Bismarcks. I 231 f. Ihre Tochter, Frau v. Kotze, an Bülow. II 9 f. Arnim-Züsedom, v.,konservativer Abgeordneter. II 95, 271. Asch, v., General, 1893 bis 1905 bayrischer Kriegsminister (t 1906). I 124. II 97. Asquith, Herbert Henry, liberaler engl. Staatsmann, 1908 und 1915 Premierminister. II 202. NAMENREGISTER 375 Schatzkanzler. II 205. Zur Interpellation über den Brief des Kaisers an Lord Tweedmouth. II 325. Metternich empfiehlt Flottenverständig, durch ihn. II 419. Auer, Ignaz, bayrischer sozialdemokratischer Abgeordneter. I 463f. August Wilhelm, Prinz von Preußen, Sohn des Kaisers. I 458f. II 343f. Augusta, Gattin Wilhelms I. I 261. Ihre Feindschaft mit Bismarck. I 284. III 163. Mahnt ihren Enkel. I 300. Auguste Viktoria, Deutsche Kaiserin (f 1921). Mißbilligt König Leopold. I 17. Ihr Urgroßvater. I 63. An der Paradetafel in Homburg. I 129. Ihre Vorfahren. I 177. Dankbrief an Bülow (16. 6. 1898). I 227. Gegnerin Bismarcks. I 230, 263 f. Strafpredigt des Kaisers. I 230. Er habe sich über Abrüstungsvorschlag des Zaren geärgert. I 237. Orientreise. I 244 ff. Verteidigt Mirbach. I 245 f. Besuch im Harem. I 251. Charakteristik. I 261 ff. Brief an Bülow gegen Rhodes und gegen Segeljagd des Kaisers in Cowes. I 290 f. Über seinen Zorn gegen die Konservativen. I 295. Sie verstimmt den Zaren und die Zarin. I 303. Sucht Abreise nach England zu verhindern. I 303. Verhalten in England. I 338. Feindschaft mit Königin Alexandra. I 342. Bittet Bülow, Reichskanzleramt zu übernehmen. I 375. Empfängt ihn in Homburg. I 384. Proburisch. I 398. Philipp Eulenburg über ihren Gemütszustand. I 450 f. Spricht über Politik mit Vorsicht. I 453. Rückkehr des Kaisers zu ihr kritisch. I 456. Szenen. I 458ff. Gegen Reise des Kaisers an das Sterbebett der Queen. I 504 ff. Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter. I 539 f. Über schlechten Schlaf des Kaisers. I 584. Philipp Eulenburg über sie. I 617. Taf. I 248. Brief an Bülow von den schlesischen Jagden. II 63. Brief an ihn über Besuch des Königs von England. II 246 f. Der Kaiser müsse geschont werden. II 270. Antidänisch. II 304. Als Mutter. II 343 f. Über den „gebrochenen" Kaiser. II 377. „Muß denn der Kaiser abdanken ?" II 386 f. „Überglücklich" nach Aussprache zwischen Kaiser und Bülow. II 450. Drückt diesem die Hand. II 476. Gespräch mit der Fürstin. II 529. Abschiedsaudienz. II 530 f. Bei der Einladung von Fürst und Fürstin Bülow nach Potsdam. III 62 f. Jagow zu ihr über Bülows römische Mission. III 197. Zorn gegen England. III 199. Teetisch in Bellevue. III 205. Lädt Fürsten und Fürstin Bülow zu sich ein. III 241. Die Wahrheit darf nicht zum Kaiser. III 283. Erleichtert. III 294. Avarna, Herzog von, ital. Botsch. in Berlin. III 191. d'Azeglio, Massimo, ital. Staatsmann. I 198, 610, II 200. Bachem, Julius, Chefredakteur der „Köln. Volkszeitung". II 14. Balfour, Arthur James, 1902 bis 1905 konservativer Ministerpräsident, 1916 bis 1920 Minister des Äußern(fl930). Amtlicher Vertreter Salisburys. I 278. Drängt nicht auf engeren Anschluß an Deutschland. I 317. Charakteristik. I 317 f. Gespräch Bülows mit ihm. I 318 f. Unterredung mit Wilhelm II. I 336. Seine Tätigkeit. I 419, 421. Für Deutschland erwünschter britischer Außenminister. I 425. Über deutsche Organisation. II 8. Agreement mit Frankreich. II 28 f. Nimmt den Zivillord der Admiralität Lee in Schutz. II 71. Erklärung über Europa. II 205. Wahlniederlage. II 206. Ballestrem, Graf, Führer des Zentrums, 1898—1906 Präsident des Reichstags (f 1910). I 295, 473, 586, 596. Charakteristik. I 592. Brief an Bülow. II 220. Humor. II 266. Stimmt Dezember 1906 für Regierung. II 272, 278. Ballin, Albert, Generaldirektor d. Hapag (f 1918). I 49, 105 f. Beziehung zum Kaiser. I 297. An Bülow. II 10. Kohlengeschäft mit der russischen Flotte. II 132. Beit Ballins Freund. II 190. Angebliche Äußerungen von Sir Ernest Cassel zu Ballin. II 318. Warnt den Kaiser vor Demonstrationen (Oktbr. 1908). II 357. Von Wilhelm II. als Reichsschatzsekretär abgelehnt. II385. Über Brief von Sir Ernest Cassel. II 437. Über den Kaiser. II 495. Taf. II 360. 376 NAMENREGISTER Erwartet Bülow in Hamburg. III 5 f. Betreibt Konferenz Tirpitz- Lord Fisher. III 6f. Über Rathenau. III 41. Der Kaiser hört nicht auf ihn. III 115. Ballin bei Bülow nach Kriegsausbruch. III 142. Erzählt den Abgang der Kriegserklärung an Rußland. III 167f. Nicht um Rat gefragt. III 178. Über Ultimatum. III 180. Verhindert Absendung von Bülows Brief an Beth- mann. III 196. Pessimismus. III 212 f. Über Bülows Korrespondenz mit Bethmann. III 245 f. Über verschärften U- Boot-Krieg. III 264. Über Eindrücke im Großen Hauptquartier. III 283. Sein Ende. III 284f. Bamberger, Ludwig, freisinniger Politiker und Publizist (f 1899). I 193. Begegnung mit Bülow, Charakteristik. I 218f. Kampf mit Bismarck. I 219. Empfiehlt Helffe- rich. I 219. Bänffy, Desider, Graf, 1895 bis 1899 ungarischer Ministerpräsident. I 163, 168. Barckhausen, Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats. I 254. Barrere, Camille, seit 1897 französischer Botschafter in Rom (f 1923), Viktor Emanuel über ihn. I 610. Machinationen für Del- casse. II 115 ff. Zwischenfall mit Monts. II 255. Ausritte mit Bülow in Rom. III 571. Gegenspieler Flotows. III 188. Wendet sich von Bülow ab. III 219. „Duell" Bülow-Barrere. III 238 f. Barth, Dr. Theodor, freisinniger Politiker und Schriftsteller (f 1909). I 59, 593f. II 94. III 104. Barthou, franz. Politiker, März bis Dezember 1913 Ministerpräsident. Sturz seines chauvinistischen Kabinetts. III 156 f. Barzilai, Salvatore, Irredentist. II 400. Bassermann, Ernst, Führer der nationalliberalen Reichstagsfrakt. (f 1917). I 112, 201. Mittlere Linie. I 532. Abgabe einer Denkschrift über d. Monarchie. I 600 f. Interpellation über auswärtige Politik. II 259, 265. Nennt Paasche das „schwarze Schaf". II 281. Etatsredner. II 282. Rede zur Kaiser-Krise. II 365, 369, 370. Unterstützung Bülows bei der Reichsfinanzreform. II 473. Warum nicht Staatssekretär des Reichsjustizamts ? II 509. Briefe an Bülow. III 89. Über Bethmann. III 90. Bülow an ihn. III 111 ff. Bassermann an Bülow. III 202. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 342. Battenberg, Prinz Louis, englischer Admiral. II 25. Battisti, Cesare, Bürgermeister und Abgeordneter von Trient. 1916, im Weltkrieg, von den Österreichern gefangen und gehängt. I 155. Bauer, Gustav,sozialdemo- kratischer Abgeordneter, 1919 Reichsministerpräsident, dann bis März 1920 Reichskanzler. I 86, 431, 481. III 301, 311. Beaulieu, Fräulein v., Kammerfrau der Kaiserin. I 255. Bebel, August, Führer der deutschen Sozialdemokratie (f 1913). I 5, 141, 198. Polemik Bülows gegen ihn. I 416f., 466. Gegensatz zu Bernstein. I 469. Streng im Punkt der Moral. I 594. Gegensatz zu Vollmar. I 600. Bülows Rededuell mit ihm. II 9f. Im Bergarbeiterstreik. II 92. Al- geciras-Debatte. II 212f. Wie immer allzu heftig (Dernburg-Dcbatte). II 268. Nach den Dernburg- Wahlen. II 279. Etatsrede. II 283. Über Kamarilla. II 303. Über Bülows Entlassung. III 65. Beck, Baron Max Wladimir, 1906 bis 1908 österreichischer Ministerpräsident. II 49. Becker, Wilhelm, 1886 bis 1907 Oberbürgermeister von Köln (f 1924). II 286. Begas, Reinhold, Professor, Bildhauer (f 1911). I 174, 230, 540. Beit, englischer Finanzier. I 473. Wilhelm II. über seine Unterredung mit ihm. II 190ff. Beldiman, rumänischer Gesandter in Berlin. III 280. Bell, Zentrumsabgeordneter. III 316. Bclow, Georg v., Prof., Historiker der Universität Freiburg. III 133. Below, Fritz v., Armeeführer. III 323. Benckendorff, Graf Alexander Konstantinowitsch, seit 1903 russischer Botschafter in London (gest. 1917). II 35f., 39f. Besorgt vor innerrussischen Wirren. II 159. Witte gegen ihn. II 173f. Über Politik Iswolskis. II 259 f. : NAMENREGISTER 377 Benckendorff, Hofmarschall des Zaren. II 23. Benedikt XV. (Marchese della Chiesa), Papst 1914 bis 1922. Über Erzberger. II 170. Friedensbemühungen. III 215, 228 ff. Als Friedensvermittler. III 266. Taf. III 232, 240. Bennigsen, Rudolf v., Führer der Nationalliberalen (fl902). Als Redner. I 199, 201. Über Barth. I 593. III 42. B e n z 1 e r, Bischof von Metz. I 612. Berchem, Graf Max, Unterstaatssekret, im Ausw. Amt. I 409, 481, 482. III 346. Berchtold, Graf Leopold, Februar 1912 bis Januar 1915 österreichisch-ungarischer Minister des Äußern. I 327. II 335, 336. Das Ultimatum. III 141. Stellt es Tschirschky zu. III 179. Charakteristik. III 180. Schwächlicher Versuch Bethmanns bei ihm. III 189 f. Wütende Erklärung an Avarna. III 191. Taf. III 160. Beresford, Lord, engl. Admiral (f 1919). II 376. Berg, Friedrich v., Vortragender Rat im Zivilkabinett, seit Januar 1918 Chef statt Valentinis. II 441. III 283, 285. Gegen Bülow. III 294f. Bergen, Diego v., Geheim. Legationsrat, später Gesandter beim Vatikan. III 159f., 168, 180. Berger, Alfred, Freiherrv., Direktor des WienerBurg- theaters (f 1912). II 262, 292, III 50. Brief nach Bülows Rücktritt. III 364f. Berg er, v., Herbert, Journalist. III 200, 214. Berlepsch, Hans Herrn, v., 1890 bis 1896 preuß. Handelsminister. II 286. Bernhard, Erbprinz von Sachs.-Meiningcn, Schwager Wilhelms IL, Herzog von 1914 bis 1918. II 280. Bernhardi, Friedrich v., General, Verfasser von „Deutschland und der nächste Krieg". III 133. Bernhardt, Sarah, Tragödin (f 1923). I 285. Bernstein, Eduard, sozialistischer Schriftsteller u. Abgeordneter, Rückkehr nach Deutschland. I 469. Bernstorff, Johann, Graf, Botschaftsrat in London, 1908 bis 1917 Botsch. in Washington. Auf Reichskanzler - Kandidatenliste. I 182. II 512. Englische Presse. II 156. Bernstorff und die diplomatische Situation von 1914. III 162. Bertaux, französ. Kriegsminister. II 119. Beseler, Maximilian, Dr., Präsident des Oberlandesgerichts in Breslau, 1905 bis 1917 preuß. Justiz- minister (f 1921). II 186, 449. Beseler, Hans Hartwig v., Bruder des vorigen, Generaloberst, Deutscher Gouverneur v. Warschau (t 1921). III 247 ff. Bethmann Holl weg,Theobald v., Oberpräsident v. Brandenburg, 1905 Minister des Innern, 1907 Staatssekretär des Innern, 1909—1917 Reichskanzler (f 1921). Versteht nichts von auswärtiger Politik. 113. Haßt Tirpitz. I 109. Hält Krieg mit Rußland für unvermeidlich. I HO. Seine Verblendung gegenüber dem Flottenkrieg. I Ulf. Schweigt bei Gespräch über Wilhelm II. I 212f. Arbeit Hammanns für ihn. I 217. In der polnischen Frage. I 220. Sein Ungeschick. I 247, 318, 327, 430. In Reden und Worten. I 273. Fatalitätstheorie. I 379. Steckt die Ohrfeige Lloyd Georges ein. I 555. Empfängt Kor- fanty. I 567. Kein Kantianer. II 82. Zum Minister des Innern ernannt. II 103, 181. Scrape of paper. II 109. Wilhelm II. zu ihm über Königreich Polen (1906). II 243, 245. Bethmann von Bülow zur Rede gestellt. II 245 f. Über Bülows Gesundheit. II 262. Vorsichtig zurückhaltend, dann für Reichstagsauflösung. II 270 f. Nachfolger Posadowskys. II 300. Will im Weltkrieg England nicht „reizen". II 320. Rät Bülow, in der „Daily-Telegraph"-Affäre Beamte zu opfern. II 356. Bethmann zur Fürstin Bülow. II 363. Rede im Staatsministerium. II364. Hält Bülow von zweiter Rede zur Kaiser-Krise ab. II 372. Bei der Konferenz im Reichskanzlerpalais. II 431 ff. An Bülow 1909. II 496. Begleitet ihn vor der Abfahrt nach Kiel zum Bahnhof. II 508 f. Der Kaiser entschlossen, ihn zum Reichskanzler zu nehmen. II 511f., 514. Seine Freundschaft mit Valentini. II 515. Besuch bei Bülow. II 517 f. Zum Reichskanzler ernannt. II 522. Taf. II 528. Gegen Konferenz Tirpitz - Lord Fisher. III 7. Mißtrauisch u. gekränkt. III 12. Gespräche Bülows 378 NAMENREGISTER mit ihm. III 13 ff. Abschiedsrede im Staatsministerium für Bülow u. Abschiedsbrief. III 18 ff. Frau von Bethmann über ihren Gatten. III 20 f. Rathenau über Bethmann. III 42. Brief Bü- lows an Bethmann. III 51 ff. Sendung Wahnschaffes nach Norderney. III 55. Antworten Bülows. III 55 f., 56 f. Besuch bei ihm in Berlin. III 62. Kündigt (1910) in Brief an Bülow schärferes Vorgehen gegen Belgien an. III 78 ff. Besuch in Rom. III 82. Verliert in der Agadir-Affäre (1911) die Nerven. III 87. Briefe an Bülow. III 120f. Klagen über sein Amt. III 121 f. Entsetzt über Lichnowsky. III 123. Bülow besucht ihn (Juni 1914). III 139. Unterredung mit Bülow (Aug. 1914). III 148f. Ein Beth- mann-Biograph. III 150. Pausa über Bethmann u. dessen Mitarbeiter. III 151. Henckel-Donners- marck über Bethmann. III 153 f. Die Stirnlocke der Fortuna. III 164. Unterredung Wilhelms II. mit ihm. III 165. Lädt das Odium des Angriffs auf Deutschland. III 166f. Abgang der Kriegserklärung an Rußland. III 167f. Die „lange Unzulänglichkeit". III 168. Rede vom 4.8.14. III 175. Nochmals der scrape of paper. III 176, 224. Stümperei. III 178. Einmalige Verwahrung gegen Wien. III 180. Sucht Bülows römische Mission zu hindern. III 193. Brief an Bülow über die Mission nach Rom. III 194 f. An Bülow wegen des Militärattaches v. Schweinitz. III 231 f. Furcht vor Bülows Kritik, Korrespondenz mit ihm. III 241 ff. Verantwortlich für Polen. III 247. Allgem. Wahlrecht in Preußen. III 258 f. „Bankrott" (nach Ballin). II 260. Gegen Tirpitz. III 263. Abschied. III 265. Taf. III 152, 224, 256. Beust, Friedrich Ferdinand, Graf, sächsischer, dann Österreich. Staatsmann. I 162, 166. Beyens, Eugene, Baron, belgischer Gesandter in Berlin, dann belgischer Minister des Äußern. 1412. „Livre gris." III 80. Cambon zu ihm über die Explosionsgefahr. III156. Bericht über die Möglichkeit des Kriegs. III 156 f. Bigelow, Poultney. I 305. Bihourd, franz. Botschafter in Berlin. II 107. Unterredung Bülows mit ihm. II 119. Billot, franz. Botschafter in Rom. I 306. Birilew, Alexei, russischer Admiral, 1905—1907 Marineminister. II 138. Taf. II 140. Bismarck, Fürst Otto (t 30. 7. 1898). Sarkastische Bemerkungen über Marschall. I 7f., 9. Marschall über die Bismarcks. I 8. Über Bismarcks Entlassung. I 8. Bismarck empfängt in Friedrichsruh Hohenlohe und Bülow. I 21 ff. Monts ihm untreu. I 33. Von Wilhelm II. Handlanger genannt. I 41. Schwarzseher. I 44. Rük- kendeckung für Deutschland durch Rußland. I 45. Gegen Herabsetzung der Getreidezölle. I 58. Liebt die scharfen Konservativen seit den 70er Jahren nicht mehr. I 61 f. Auch die altliberalcn Geheimräte nicht. I 63. Grollt Lucanus. I 63. Über den nächsten Krieg. I 65. Uber August Eulenburg. I 75. „Im Stylus Austria- cus." I 76. Anekdote über Nikolaus I. I 85. Gegner der Demokratie. I 86. Ist 1863 antipolnisch. I 87. Über Griechenland (1878) I 92. Klagt über „Schwadronspatriotismus". 1109. Verfassung des Deutschen Reiches. I 122 f. Über Explosion im russischen Faß. 1130. Für russ. Gesandtenposten in München. I 146. Über Magyaren. I 162. Schweigt zu Manöver-Einladung Wilhelms II. nach Rußland. I 169. Der Redner. I 198f. II 238. Das Bild im „Punch". I 208. Letzter Besuch Wilhelms II. in Friedrichsruh. I 209. Über Bülow und eine Katastrophe nach ihm. I 216. Brief an Professor Kahl. I 228. Telegramm an Bülow. I 229. Tod. 1229. Bestattung in Friedrichsruh. I 229 ff. Trauerfeier in Berlin. I 233 ff. Brief Wilhelms II. an Kaiserin Friedrich über den Toten. I 234 ff. Bülow über den „mißverstandenen" Bismarck. I 272. Lehnt 1885 Besetzung der Karolinen ab. I 282. Über christlich-jüdische Mischehen. I 296. Der Reichstag verweigert ihm Ehrung (1895). I 334. Der Kaiser über „Gedanken und Erinnerungen". 1352. Bismarck über Bülow. I 393. Über den Fehler NAMENREGISTER 379 politischer Weitsichtigkeit. I 397. Über den englischen Bullen. I 429. Kolonien als „künstliche Reibungsflächen" zwisch. Deutschland u. England. I 429. Grund der Schwenkung von 1879. I 434. Über Parlamente. I 446. Vorwände Wilhelms II. für seine Entlassung. I 449 f. Enthüllung des Berliner Bismarck-Denkmals. I 526 ff. Über Handwerk der Politik. I 532. Ostmarken. 562 f. ÜberBündnisse. I 579. Für Bischof Komm. I 589. Taf. I 64, 96. Über Herbert. II 54. Richtlinien für einen künftigen Krieg. II 77 f. Über die deutsche Monarchie. II 85. Die angeblichen Weinkrämpfe. II 147. Für autokratisches Rußland. II 159. Über Angriffskrieg gegen Rußland. II 179. Der Kaiser über den „Beelzebub" Bismarck. II 216. Die Alldeutschen und er. II 231 ff. Bülow über den „mißverstandenen" Bismarck. II 264. Bismarck „wie einPest- kranker" gemieden. III 33. Bülow wird als junger Attache ihm vorgestellt. III 97. Erlaß über den „prophylaktischen" Krieg. III 160 ff. Vermeidet Odium der Kriegserklärungen. III 166 f. Bismarck und die Monarchie. III 326 f. Bismarck, Johanna v., geb. Puttkamer, Gattin Ottos v. Bismarck(f 1894). I 232, III 9. Bismarck, Herbert, Graf, seit 1898 Fürst (f 1904). Das Schreckgespenst für Holstein. I 6f. H. B. und die Kanzleidiener im A.A. 17. Macht Marschall eine grobe Szene. I 9. Leidenschaftlich u. exzessiv (nach Hohenlohe). I 9. „Jung Siegfried." I 33. Frage einer Botschaft für ihn. I 34. Brief an Bülow. I 181 f. Als Staatssekretär. 1190. Brief an Bülow. I 194 f. Briefe an Bülow im April 1898. I 216f. Ignoriert Philipp Eulenburg. I 226. Lehnt Bestattung seines Vaters im Berliner Dom ab. I 230f. Brief an Bülow (Silvester 1898). I 280. Drängt 1885 auf Besetzung der Karolinen. I 282. Über Vaterlandslosigkeit deutscher Prinzessinnen. I 306. Sein Debüt als Staatssekretär. I 334. Gratuliert Bülow zur Reichskanzlerschaft. I 392. Besuch Bülows bei ihm. I 461. Unzufrieden mit Bülows Berliner Bismarck-Rede. I 529 f. Taf. I 392. Tod. II 52 ff. Fürst Bismarck zu ihm über die Hohenzollern. II 85. Seine Liebe zu Elisabeth Carolath. II 102. Bismarck, Graf Wilhelm, Oberpräsident in Königsberg (f 1901). I 37. II 52, 488. Bismarck, Otto, Fürst v., Sohn Herberts. II 348. Bis sing, Moritz Ferdinand, Freiherr v., General der Kavallerie, Generalgouverneur von Belgien (f 1917). III 254. Blanc, Alberto, Baron, italienischer Diplomat. III 218. Bleichröder, Gerson,Ban- kier (f 1893). I 226. Bloch, v., russisch. Staatsrat. I 237. Blumenthal, David, el- sässischer Reichstagsabgeordneter. I 245. Bobrikow, seit 1898 russischer Gencralgouverneur in Finnland, 1904 ermordet. II 29. Bock und Polach, Max von, Kommandierender General des Gardekorps (f 1915). I 373. II 184. III 12. Bodelschwingh, Karl v., preußischer Finanzminister. I 442. Böselager, Karl Freiherr v., Kriegskamerad Bülows 1870. II 14. Bötticher, Karl Heinrich v., 1880—1897 preußischer Staatsminister, bis 1906 Oberpräsident der Provinz Sachsen (f 1907). Hohenlohe opfert ihn ungern. I 10. „Sehr zurückgegangen." I 37, 38. Verabschiedung. I 51. In der Flottenfrage. I 59. Bismarck springt grausam mit ihm um. I 226. Bollati, italienischer Botschafter in Berlin. III 168, 224. Bolo Pascha, Bankier. II 260. Bonaparte, Prinz Louis Napoleon. I 549. Bonghi, Ruggero, italienischer Politiker. 1198. Bonnal, französischer General. I 305, 574. Toast des Kaisers auf ihn in Metz. I 525f. Boris, Kronprinz von Bulgarien, seit Oktober 1918 König als Boris III. I 159. Bosse, Robert, 1892—1899 preußischer Kultusminister (f 1901). I 171 f. Mitverfasser der Jerusalemer Predigt des Kaisers. I 255. Über ihn. I 269, 443. III 308. 380 NAMENREGISTER Boulanger, Georges, französischer General, 1886 Kriegsminister (f 1891 in Brüssel). III 87. Brandenstein, v., Kabinettsrat, dann Regierungspräsident in Hannover, konservatives Mitglied des Abgeordnetenhauses. I 61 f. Szene bei einem Liebesmahl in Hannover. I 62. Brandt, Adolf, Schriftsteller. II 314f. III 26. Brauer, Arthur v., badischer Ministerpräsident. I 392, 409. II 94. Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 346. Braun, Lily, sozialistische Schriftstellerin (f 1916). 1 594. Brefeld, Ludwig, 1896 bis 1901 preußischer Handelsminister. I 522. Breitscheid, Rudolf, Dr., sozialdemokratischer Abgeordneter. III 311. Brettreich, Maximilian Friedrich v., bayrischer Minister. III 303. Breuer, Dr., Rabbiner. III 367. Briand, Aristide, französischer Sozialist, 1909 bis 1911, 1913, 1915—1917, 1920—1921 Ministerpräsident, vielfach Minister des Äußern. I 199. II 8. Brin, Admiral,italienischer Marineminister. I 69. Brockdorff - Rantzau, Ulrich, Graf, 1912 Gesandter im Haag, Dezember 1918 Staatssekretär des Äußern, 1919 in Versailles, 1922 Botschafter in Moskau. II 512. Brockdorff-Rantzau und die diplomatische Situation von 1914. III 162. Friedensunterhändler. III 315 f. Brockdorff, Gräfin Therese, Oberhofmeisterin der Kaiserin. I 246 ff. II 512. III 197. Broglie, Duc de, früherer französischer Ministerpräsident. I 240. Bronsart von Schellendorf, Walter, 1893 bis 1896 Kriegsminister. I 43. II 454. Bryce, James, liberaler Minister für Irland, später Botschafter in Washington (f 1921). II 202, 205. Buch, Leo v., Führer der Deutsch - Konservativen. I 37, 39, 61. II 491. Buchenberger, badischer Finanzminister. I 485, 531. Bucher, Lothar, Mitarbeiter Bismarcks. 1122 f. Buchka, Gerhard v., konservativer Abgeordneter, 1898—1900 Direktor der Kolonialabteilung. I 218. Budde, Hermann v., Generalmajor a. D., Eisenbahnminister (f 1906). II 95 f. III 42. Bueck, Reichstagsabgeordneter (Zentralverband deutscher Industrieller). I 467, 468, 470. B ülow, Bernhard von (f 28. 10. 1929). Zum Kaiser berufen (21. 6. 97). I 3. Empfang durch ihn in Kiel (26. 6. 1897). I 13 ff. Fahrt zum Fürsten Bismarck. I 21 ff. Interimistisch mit Leitung des Auswärtigen Amts betraut. I 22. Neue Fahrt nach Kiel. 156. Abreise nach Peterhof. I 61. Droht dem Kaiser mit Rückzug ins Privatleben. I 82. Programm für Petersburg. I 82. Begrüßung mit Murawiew. 185. Konferenz mit ihm und Hohenlohe. I 86. Audienz bei Nikolaus II. 198 f. Bei der Zarin. I 99. Rückfahrt nach Kiel. I 103 f. Mit Tirpitz in Wilhelmshöhe. I 107 ff. In Homburg. I 130. In Berlin. I 142. Reise nach Budapest. I 149 ff. In Wiesbaden zum Staatssekretär des Äußern ernannt (20. 10. 97). I 170f. Besuch in Schloß Schillingsfürst. I 178 f. Abschied von Rom. I 184f. In Berlin. I 185. Unterredung mit Osten- Sacken. I 185f. Mit Lascelles. I 186. Debüt im Reichstag. I 192ff. Christian IX. von Dänemark über ihn. I 212. Reichstagsreden über Flotte und Kiautschou. I 214. Uber Orientpolitik. I 215. Uber Deutschland und Amerika. I 221 f. Taktik nach Abrüstungsvorschlag des Zaren. I 238. Dreyfus- Affäre. I 240. Orientreise mit dem Kaiser (1898). I 242 £f. Meldet den Abschluß des Afrika-Vertrags mit England. I 274. Reichstagsdebatte über Samoa. I 283. Glückwunschdepesche des Kaisers. I 283. Erwerbung der Karolinen. I 287. Erhebung in den Grafenstand. I 287 f. Mit dem Kaiser in England. I 305 ff. Unterredung mit Chamberlain. I 314ff.Mit Balfour. I 318 f. Audienz bei der Queen. I 321 ff. Briefe an Hohenlohe und Holstein. I 334f. Abfahrt von England. I 344. Brief der Kaiserin Friedrich an ihn. I 345. Rede zur zweiten Flottenvorlage. I 356. Direktive an das Ausw. NAMENREGISTER 381 Amt zur China-Expedition. I 358 f. Besprechungen mit den Botschaftern üher Waldersees Oberkommando. I 367. Bei Wilhelm II. in Hubertus- Stock. I 371 ff. Ernennung zum Reichskanzler I 375 ff. Fahrt mit Lucanus nach Homburg. I 380 ff. Unterredung mit dem Kaiser. I 382f. Bei Hohenlohe. I 383 f. Telegramme an Miquel und Posadowsky. I 386. Rückreise nach Berlin. I 388. Sitzung des Staatsministeriums. I 389 f. Gratulationen. I 390 ff. China- Abkommen mit England. I 398 f. Taufe d. „Deutschland". I 432. Erklärungen vor dem Bundesrat. 1443. Reden im Reichstag. II 464 ff. Rede zur Zwölftausend-Mark-Affäre. I 469 f. Rede über die Buren. I 474 f. Rundreise an die deutsch. Höfe. 1476 ff. Besprechungen über die Zolltarifvorlage. I 485. Schwarzer Adlerorden. I 492. Richtlinien für die deutsch-englischen Verhandlungen. I 509 f. Unterredung mitEduard VII. in Homburg. I 516 f. Unterredung mit Miß Knollys. I 517. Schließung des preußischen Landtags. I 522. Rede zur Enthüllung des Berliner Bismarck-Denkmals. I 526 ff. Regierungsberatungen über den Zolltarif. I 531. Bei der Entrevue in Heia. I 541 ff. Unterredung mit dem Zaren. I 543. Erklärung zu Cham- berlains Rede in Edinburgh. I 553f. Gespräch mit dem Prinzen von Wales in Berlin. I 553 ff. Rede über Ostmarken- Politik. I 565 f. Schlägt nach Zolltarif Fürstenstand aus. I 592f. Erklärungen über die Swinemünder Depeschen. 1596. Brief an den Kaiser. 1601. Unterredung in Rom mit Viktor Emanuel. I 608 ff. In Wien-Neustadt mit Franz Josef. I 625. Gespräch mit Goluchowski. I 626 f. Unterredung mit dem Zaren. I 632. Taf. I 8, 96, 608. Rededuell mit Bebel. II 9. Erklärungen zum Jesuitengesetz. II 12 f. Gespräch mit Eduard VII. in Kiel. II 26 ff. Korrigiert Rede d. Kaisers im Jachtklub. II 31. Gespräch mit Lord Seiborne. II 32. Handelsvertragsverhandlungen mit Witte in Norderney. II 42 ff. Brief an den Vizepräsidenten des Lippeschen Landtags. II 56. Unterredung über Lippe mit dem Kaiser. II 57. Besuch Giolittis bei Bülow. II 58 ff. Unterredung mit Wilhelm II. über Rußland und Japan. II 63 ff. Nach der Absage des Zaren. II 69. Gespräch mit Leopold II. von Belgien. II 73 f. Gespräch mit Schlieffenüber künftigen Krieg. II 76 ff. Brief an den Kaiser über Dänemark. II 79f. Brief an ihn über Japan. II 87. Vermittlung im Bergarbeiterstreik. II 90 ff. Rede zu den neuen Handelsverträgen. II 93. Büste des Kaisers in Marmor. II 95. Erklärung zur englisch-französischen Marokkokonvention. II 107. Rät dem Kaiser zur Landung in Tanger. II 110 f. Beruft sich auf Madrider Vertrag von 1880. II 113. Unterredung mit dem Botschafter Bihourd. II 119. Erhebung in den Fürstenstand. II 121. Setzt Entwurf einer deutsch-russisch. Allianz auf. II 132f. An Holstein überBjörkö. II 138f. Im- mediatbericht mit Abschiedsgesuch. II 139 ff. Zirkular an die Vertreter im Ausland. II 164f. Begegnung mit Witte. II 170 f. Generalmajor. II 180. Brief an Richthofen über Eduard VII. und Wilhelm II. II 190. Reichstagsrede über Al- geciras. II 212. Ohnmacht und Genesung in Norderney. II 213 ff. Schreiben an den Kriegsminister. II 226 ff. Brief an Bülows Bruder Alfred. II 229 ff. Privatissimum für den Kaiser. II 239 ff. Wilhelm II. angeblich zu Bülow über Königreich Polen (1906). II 241, 245. Bülow an Tschirschky üb. kaiserliche Stimmungen. II 257 f. Rede über auswärtige Lage. II 263 ff. Bericht an den Kaiser üher Konflikt mit dem Zentrum. II 269 f. Verkündet Reichstagsauflösung. II 272. Ovation vor dem Reichskanzlerpalais in der Wahlnacht. II 278. Etatsrede. II 282 f. Rede auf dem Bankett des Landwirtschaftsrats. II 284 f. Unterredung mit Iswolski in Swinemünde. II 295 f. Mit Eduard VII. in Wilhelmshöhe. II 296f. Rede über Haager Friedenskonferenz. II 299. Reichstagsrede über den Prozeß Moltke - Harden. II 307. Ernster Vortrag beim Kaiser über die Ein- 382 NAMENREGISTER kreisung. II 318 f. Uber Verlangsam, des Flottenbaues. II 319f. Besprechungen mit Tirpitz. II 320. Zirkular-Erlaß an die Kgl. preußischen Missionen über Reval. II 326(1. Eingang des Artikels für den „Daily Telegraph". II 338 ff. Unterredung mit dem Kaiser über die Balkan-Krise. II 341 f. Rede zur Eröffnung der Interparlamentarischen Konferenz. II 345 ff. Rede bei der Bismarck- Feier in der Regensburger Walhalla. II 347 ff. Der Artikel im „Daily Telegraph" erschienen. II 351 f. Immediatbericht und Rücktrittsangebot. II 353 f. Sitzung des Staatsministeriums. II 363 f. Reichstagsrede. II 367ff. Bülow hindert Veröffentlichung des Kaiser-Interviews mit dem Amerikaner Haie. II 374. Audienz bei Wilhelm II. in Potsdam. II 377. Rede zur Reichsfinanzreform. II 381 ff. Nach Potsdam auf Bitte der Kaiserin. II 386 f. Unterredung mit dem Kronprinzen. II387f. Mit Iswolski über Bosnien und die Dardanellenfrage. II 394 ff. Erlaß an Tschirschky über Möglichkeit eines Kriegs. II 398f. Gespräch mit Szö- gyenyi üb. Kriegsdrängen Conrads. II 405 f. Audienzen in Rom bei König und Papst, Besuche bei Gio- litti und Tittoni. II 407. Empfang in Wien durch Kaiser und Thronfolger. II 407 f. Antwort auf Brief des Deutschen Kronprinzen über Casablanca. II 411 ff. Abfuhr auf seinen Brief über Kiderlen. II 416. Gespräche in Berlin mit Eduard VII. II 420 f. Rede über Annäherung anEngland. II 426 f. Konferenz im Reichskanzlerpalais. II 431 ff. Imme- diatvortrag über sie. II 438 ff. Stellt dem Kaiser die Vertrauensfrage. II 446 ff. Besprechung mit den Führern der Konservativen. II 457 ff. Mit Heydebrand. II 459 ff. Abendtafel in Potsdam. II 464 f. Brief Bülows an Tirpitz. II 465. In Venedig. II 468 ff. Immediat- vortrag beim Kaiser in Wiesbaden. II 475 f. Letzte Rede im Reichstag. II 484 ff. Eriteig- nungsvorlage. II 487 ff., 490 ff. Telegramm des Zaren an Bülow. II 502. Briefwechsel zwischen Bülow und Metternich über Flottenagreement. II 503 f. Anmeldung des Abschiedsgesuchs. II 507. Abschiedsaudienz in Kiel, Dialog mit dem Kaiser. II 511 ff. Demission auf dessen Wunsch vertagt. II 517. Erneuerung des Abschiedsgesuchs. II 520. Entlassung veröffentlicht. II 522 f. Abschiedsdiner für die Minister. II 5 26 f. Kaiser und Kaiserin Bülows Gäste. II 527ff. Abschiedsaudienz bei der Kaiserin. II 530 f. Abfahrt von Berlin. II 531. Taf. II 8, 48, 320, 488, 528. Reise nach Hamburg. III 3 ff. Norderney. III 8. Aufforderung an Schön zu amtlichen Dementis. III 51. Brief an Beth- mann. III 51 ff. Wahu- schaffe in Norderney. III 55. Antworten Beth- manns. III 55 f., 56 f. Briefwechsel mit Knesebeck. III 58 ff. In Berlin. III 61. Besuch Beth- manns. III 62. Wiederbegegnung mit Kaiser und Kaiserin. III 62 f. Reise nach Bern. III 64. In Rom. III 66 ff. Briefwechsel mit Bethmann über Gesandtenwechsel in Brüssel. III 78 ff. Bethmann und FlotowinRom. III 82. Bülowscher Familientag in Doberan. III 96 f. Jahrhundertfeier in Dennewitz. III 99 ff. In Berlin Juni 1914. III 137ff. Besuch bei Bethmann. III 139. Norderney. III 140 ff. Nach Berlin. III 145. Brief an den Kaiser. III 145. Empfang im Berliner Schloßhof. III 146 f. SoU nach Rom ohne Abberufung Flotows. III 146 f. Unterredung mit Bethmann. III 148 f. Brief Beth- manns an Bülow über die Mission nach Rom. III 194 f. Nicht abgesandter Antwortbrief Bülows. III 195 f. Telegramm. III 196. Briefwechsel mit Ballin. III 196f. Besuche bei Bethmann und Jagow. III 199f. Audienz beim Kaiser in Schloß Belle- vue. III 204 f. Ankunft in Rom. III 208. Besuch bei Sonnino. III 218ff. Empfang durch Viktor Ema- nuel. III 224. Durch die Königin-Mutter Margherita. III 224 f. Brief Bethmanns an Bülow wegen des Militärattaches v. Schweinitz. III 231 f. Nochmalige Audienzheim König. III 234f. Abreise von Rom. III 236. Einladung in Berlin zu Bethmann. III 240. Nicht- empfang durch d. Kaiser. NAMENREGISTER 383 III 241. Korrespondenz mit Bethmann, der Kritik fürchtet. III 241 ff. In Klein-Flottbek. III 246 ff. Luzern. III 250 ff. Beim Kaiser im Neuen Palais (Spätherbst 1916). III 253ff. Basis für einen Frieden. III 266. 9. November 1918 in Berlin. III 305f. Kundgebungennach Bülows Rücktritt. III 337 ff. Ehrungen. III 371. Taf. III 8,24,72,328,332. Bülow, Frau v. (Gräfin, Fürstin), Maria, geb.Prin- zessin Camporeale, Stieftochter Minghettis, geschiedene Gräfin Dönhoff (f 26. 1. 1929). I 25. Briefe der Kaiserin Friedrich an sie. I 269f. Königin Victoria über sie. I 321. Loe über sie. I 391. Anwesend bei Enthüllung des Berliner Bismarck - Denkmals. I 529. Porträts. I 538. Taf. I 32, III 16. Leopold II. begrüßt sie. II 74. Im Neuen Palais. II 88. Messe. II 207. Bethmann zur Fürstin Bülow. II 363. Bülow zu ihr nach der November-Audienz. II 381. Vom Papst empfangen. II 407. Gespräch Eduards VII. mit ihr. II 424. Gratulation des Kaisers. II 440. Wilhelm II. ihr Gast. II 450. Abendtafel in Potsdam. II 465. In Venedig. II 468. Der Kaiser als Gast, sein Gespräch mit der Fürstin. II 527 ff. Audienz bei der Kaiserin. II 530 f. Briefe Jagows an sie. III 35. Rathenau über sie. III 43 f. Brief an sie. III 45. Gespräch des Kaisers mit ihr im Neuen Palais. III 63. Silberne Hochzeit. III 108 ff. Brief an den Kaiser. III 145 f. Bei der Königin-Mutter Margherita. III 224 f. Bei der Kaiserin. III 241. Gesellschaftskreis in Luzern. III 250 f. Bülow, Bernhard Ernst v., Vater des Reichskanzlers, 1873-1879 Staatssekretär. Wirken unter Bismarck. Dieser spricht über ihn. I 13, 22, 170. Loe über ihn. I 391, 559. Dänischer Bundestagsgesandter für Holstein und Lauenburg. I 438. Wilhelm L über ihn. II 53. Gespräche zwischen Bismarck und ihm. II 85. III 271. Fürst Bülow über ihn. III 96f. Bülow, Adolf v., Bruder des Fürsten, Flügeladjutant, dann Brigade-Kommandeur in Frankfurt a.M. 14, 75, 177 f. II 76. Tod durch Sturz vom Pferd (1897). 1 180f. Brief Herbert Bismarcks über ihn. I 181 f. Mentor Wilhelms II. I 182. Warnt ihn vor Entlassung Bismarcks. I 183 f. III 299. Von Disraeli erwähnt. I 322. Bülow, Alfred v., Bruder des Fürsten, deutscher Gesandter in Bern. Über Intrigen im Auswärtigen Amt. I 12f. Monts über ihn. I 41, 43. Schweinitz nennt ihn. I 408. Millerand zu ihm. II 8. Brief des Fürsten an ihn. II 229 ff. Brief an den Fürsten über Eulenburg. II 313f. Kaiserbesuch in der Schweiz. II 495. Philipp Eulenburg über Alfred v. B. III 26. Tätigkeit in Bern. III 64f. Fürst Bülow besucht ihn. III 64ff. Bülow, Hans Adolf v., Gesandter in Hamburg. III 121 f. Bülow, Karl Ulrich v., Militärattache in Wien, dann Flügeladjut., Kommandeur der 2. Gardeulanen. I 37 f., II 76, 261 f., 311, 405. Tod III 142f., 146. Bülow, Otto v., Gesandter beim Vatikan (f 1898). I 38, 66. Bülow, Karl v., Kommandeur des 3. Armeekorps, später Feldmarschall (t 1921). II 184, III 184, 323. — Kundgebung beim Rücktritt des Fürsten. III 356 f. Bülow-Bossce, v., konservativer Abgeordneter. II 95. Bülow - Bothkamp, v., konservativer Abgeordneter. II 95. Bulygin, Alexander Gri- gorjewitsch, russisch. Minister des Innern, ermordet 1919. II 161. Bunsen, Josias v., Gelehrter und Staatsmann. I 199. Bunsen, Sir Maurice de, britischer Botschafter in Wien. I 321. Buol-Berenberg, Rudolf v., Zentrumsabgeordneter, 1895—1898 Präsident des Reichstags. I 596. Burchard, Bürgermeister von Hamburg. I 174. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 340 f. Burian, Stefan, Baron (dann Graf), österreich.- ungarischer gemeinsamer Finanzminister, 1912 und 1916, April bis Oktober 1918 Minister des Äußern (t 1922). III 232, 235. Die Wiedererrichtung Polens. III 247. Rücktritt. 269. 384 NAMENREGISTER Bums, John, Mitglied der englischen Arbeiterpartei, 1914 Handelsminister, 1905 Minister. II 205. Busch, Moritz, Verfasser von „Graf Bismarck und seine Leute" (f 1899). Veröffentlicht Bismarcks Entlassungsgesuch. I 233. Wilhelm II. gegen ihn. II 235. Caillaux, Joseph, französischer Finanzminister, 1911—1912 Ministerpräsident. II 260. Calmette, Gaston, Chefredakteur des „Figaro". II 479 f. III 209. C a m b o n, Jules, französischer Botschafter in Berlin (Bruder von Paul). Der Kongo-Vertrag. II 199. Erscheint nicht zur Kieler Woche. II 289 f., 319. Frage an Jagow. III 80 f. Zu Beyens über die Explosionsgefahr. III 156. Wünscht den Weltbrand. III 179. Cambon, Paul, französischer Botschafter in Konstantinopel, dann in London. 1272. Cambridge, Herzog von, britischer Feldmarschall, 1895 Oberbefehlshaber (t 1904). I 309. Campbell - Bannerman, Führer der liberalen Opposition in England, 1905 bis 1908 Ministerpräsident (f 1908). II 71, 202. Bildung eines Kabinetts unter ihm. II 205. Liberale Denkschrift über Rüstungs-Beschränkung. II 307. Capelle, Eduard v., Ad- miral, März 1916 bis September 1918 Staatssekretär des Reichsmarineamts. III 271. Caprivi, Leo v., General, 1890—1894 Reichskanzler (f 1899). I 7, 10. Sein Sturz. I 31 f., 42, 45, 58. „Ce pauvre Caprivi" (Mu- rawiew). I 89. Hält Krieg mit Rußland für unvermeidlich. I 110. Monts über den „minderwertigen Präfekten". I 196. Publizistischer Kampf durch Hammann gegen Bismarck. I 217. Salis- bury über ihn. I 277. Von Holstein aufgehetzt. I 296. Dieser schwenkt zu ihm um. I 363. Kritik an den Kaisermanövern. I 364. Als Kanzler „harthörig und bockbeinig" (Wilhelm IL). I 373. Für Alvensleben als Botschafter in Petersburg. I 407. Ostmarken-Politik. I 563. Liberaler Nachruhm. III 58. Carnegie, Andrew, amerikanischer Großindustrieller. I 575. Carol (Karl), König von Rumänien (f 1914). 1160. II 323. Huldbeweise der Königin Victoria. I 323. Telegramm an Bülow. I 357. Gratuliert ihm zur Reichskanzlerschaft. I 390. Korrekte Haltung in der bosnischen Krise. II 399. Carols-Orden für Bülow. II 502. Über den Dreibund. III 126. Haltung 1914. III 169f. Carola, Königin von Sachsen, Gattin des Königs Albert. I 492. Carolath, Prinz Heinrich, nationalliberaler Reichstagsabgeordneter (f 1920). I 355, 480. II 509. III 159. Carp, Peter, rumänischer Staatsmann (f 1919). III 125f., 170, 280. Carstens,freisinn. Reichstagsabgeordneter. II 277. Casement, SirRoger,Iren- führer (f 1916). III 282. Cassel, Sir Ernest, englischer Finanzier. I 473. II 318, 427. Castro, Cipriano, Präsident von Venezuela, 1908 abgesetzt. I 558. Cavell, Edith, 1915 in Brüssel standrechtlich erschossen. II 22. III 255. Cavour, Graf Camillo, italienischer Staatsmann (f 1861). I 397, 610, 628. II 200, 223. III 113, 223. Cecilie, Kronprinzessin, geb. Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin. Verlobung. II 50f. Trauung. II 121 ff. Entbindung. II 239. Besuch bei Bülow in Rom. III 95. Taf. III 16. Chamberlain, Sir John Austen (Sohn Joseph Chamberlains). Maidenspeech im Unterhaus. I 334. Chamberlain, Houston Stewart. Wilhelm II. liest aus den „Grundlagen" vor. I 172. Chamberlain, Josef, seit 1895 englischer Kolonialminister, Rückzug aus der Politik 1905 (f 1914). Hatzfeldt an Holstein über Chamberlains Vorschlag einer deutsch-eng- lischenAllianz( Juni 1898). I' 275 ff. Verhandlungen nur mit ihm. I 303. Eigentlicher Urheber des Burenkriegs. I 309. Unterredung mit Bülow. I 314ff. Mit Wilhelm II. I 317 f. Befürwortet Zusammengehen von England, Amerika u. Deutschland. I 315 ff. Seine Politik. I 329 f. Rede in Lei- cester. I 330, 337. Er und NAMENREGISTER 385 Gladstone. I 334. Unberechenbar. I 421. Metternich über ihn. I 424 f. Rede in Edinburgh über den Krieg von 1870. I 552 ff. Charlotte, Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, älteste Schwester des Kaisers. I 323. II 280. Charmes, Francis, französischer Publizist. III 177. Chelius, v., Generaladjutant des Kaisers. III 214f. C h i r o 11, englischer Journalist. I 335. Chlumecky, Freiherr v., Minister a. D., Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses. II 409. Christian IX., König von Dänemark (| 1906). I 212. II 68, 79, 138, 144. Christine ,Königin-Regen- tin von Spanien. I 147 f., 220. II 3, 40, 105. Churchill, Winston, britischer Handelsminister, 1911—1915 Erster Lord der Admiralität, dann Munitionsminister und Kriegsminister. II 376. Clemenceau, George,1906 und 1917—1920 franz. Ministerpräsident. I 320, 428, 430. II 8, 104, 290, 467. III 86, 260, 279, 288, 302. Cohn, Oskar, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter. III 289. Colin, Abbe. I 245. Combes, Emile, 1902 bis 1905 französischer Ministerpräsident. I 621. Sein Antiklerikalismus. II 61. Connaught, Arthur, Herzog von, dritter Sohn der Queen. I 305. Seine antideutsche Gattin, geb. Prinzessin von Preußen. I 305f. Taktvoll. I 412. Gespräch mit dem Kaiser. I 502 f. Über Besuch Eduards VII. in Kiel. II 35. Zwischenfall während der Kieler Woche. II 247. Taf. II 304. Conrad, Alfred v., 1901 bis 1904 Vortragender Rat der Reichskanzlei, dann Unterstaatssekretär, 1910—1914 Oberpräsident von Brandenburg. I 562, 567. Conrad von Hoetzen- dorf, Chef des österr.-un- garischen Generalstabs. Argumente für Krieg gegen Serbien, Italien und Rußland. II 404 f. Wahre Ziele. III 181. Militärischer Exaltado. III 363. Constans, Jean Antoine Ernest, französ. Minister des Innern, 1898—1907 Botschafter in Konstantinopel. II 410. Courcel, de, Baron, franz. Botschafter in London. I 418. Crailsheim,Freiherr, dann Graf, bayrischer Minister des Äußern, dann bis 1903 Ministerpräsident. I 34 f., 36, 119, 123, 125, 126. Sprecher im Bundesrat. I 443. Soiree in München. I 479. Er und Hertling. I 480. Nach Bülows Besuch. I 481. Über Bülows Polenrede. I 567. Der Fall der Swinemünder Depesche. I 582 ff. Brief an Bülow. I 596. Abschied. I 599 f. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 347. Crewe, Earl of, Lord-Präsident des GeheimenRats. II 205, 426. Crispi, Francesco, italien. Staatsmann. I 48, 56. II 8, 58, 59, 200. III 216, 223. Cr Omer, Lord, Vizekönig von Ägypten. II 376. Cumberland, Ernst August, Herzog und Prinz (Vater und Sohn). II 49 f. Ausgleich zwischen Herzog und Kaiser und Ehepakt Hohenzollern - Cumberland. II 249f. Cuno, Wilhelm, Generaldirektor der Hapag nach Ballins Tod, 1922—1923 Reichskanzler. III 105. Curti, Theodor, Chefredakteur der „Frankfurter Zeitung". II 221. An Bülow nach dessen Rücktritt. III 367 f. Curzon, Lord, Vizekönig von Indien, 1919 und 1922—1923 Staatssekretär des Äußern. II 306. Czernin, Graf Ottokar, seitl913k.u.k. Gesandter in Bukarest, Dezember 1916 bis April 1918 österr.- ungarischer Minister des Äußern. III 269 f. Imme- diatbericht. III 270. Dallwitz, v., preußischer Konservativer, später Statthalter von Elsaß- Lothringen. Als „Kanalrebell" gemaßregelt. 1297. Dandl, v., bayrischer Ministerpräsident. III 296, 303 f. Dasbach, Kaplan, Zen- trumsabgeordn. I 596. David, Eduard, Dr., so- sialdemokratischer Abgeordneter, 3. 10. bis 9. 11. 1918 Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt. II 505. III 257. Deäk, Franz, ungarischer Staatsmann. I 143, 160, 161, 397. Deines, Gustav Adolf v., General, Freund Bülows (t 1911). I 33, 444. II 177ff., 274. III 161. 25 Bülow III 386 NAMENREGISTER Dclnrey, Jakobus Herklaas, Burcngencral. 1398. Delbrück, Clemens, 1905 preußischer Handelsmini- ster, 1909 Staatssekretär des Innern, 1916 zurückgetreten (t 1921). II 286, 522. Drängt Juli 1914 umsonst auf Getreide- ankäufe. III 154f., 206. Delbrück, Hans, Profcs- sorDr.,Historiker(tl929). I 112. II 285. In der polnischen Frage. I 220, 563. II 464. III 249. Über deutsch - englische Beziehungen 1913. I 327, 413. III 124. Delcasse, Theophile, seit 1898 franz. Minister des Äußern, 1905 gestürzt, 1913 bis 1914 Botschafter in Petersburg, 1914 bis 1915 Außenminister (t 1923). In der Faschoda- Frage. I 272, 301. Besuch in Petersburg. I 302. Sucht Deutschland (1900) von England abzuziehen. I 440. Anweisung für die französischen Kardinäle. I 620. Gegen Combes' Antiklerikalismus. II 61. Vereitelt Bemühungen d. Kaisers um den Zaren. II 69. Ein anglo-russisch- französischer Dreibund. II 80. Sein antideutsches System. II 84f. Teilt die englisch-französische Marokko-Konvention mit. II 107. Riskiert den Krieg mit Deutschland. II 108 f. Wankt. II 114. Sturz. II 119 f. Enthüllung im „Ma- tin". II 167 f. Seine Entsendung nach Petersburg übles Symptom. II 399. III 118. Betbmann über Dclcasses Beseitigung. III 13. Krieg gegen Deutschland. III 87, 156, 179. Depretis, Agostino, ital. Staatsmann. I 610. Dernburg, Bernhard, Direktor der Darmstädtcr Bank, 1906 Direktor des Kolonialamts, 1907 bis 1910 Staatssekretär, April bis Juni 1919 Reichsfinanzminister. II 267. Taf. II 264. Befreundet, dann uneins mit Walter Rathenau. III 39. Dem bürg, Friedrich, Journalist, Vater des vorigen, (t 1911). Artikel zu Bü- lows Rücktritt. III 353 f. Dernburg, Heinrich, Professor, Bruder des vorigen, Rechtslehrer an der Berliner Universität (f 1907). I 595. Derouledc, Paul, Führer^ der französischen Patrio-^ tenliga. I 46. II 16. Deschanel, Paul, 1898 bis 1902 und 1912 bis 1920 Präsident der Kammer, 1920 Präsident der Republik (f 1922). II 114. Devonshire, Herzog von, Führer der Whigs im Unterhaus. Besuch Wilhelms II. bei ihm. I 304. Seine Gattin, geb. Gräfin Alten. I 305. Charakteristik. I 319f. Dewey, George, Amerikanischer Admiral, besiegt 1898 das spanische Geschwader vor Cavite bei Manila. I 221. Düke, Sir Charles, engl. Imperialist. II 266. Dil Ion, Petersburger Korrespondent des „Daily Telegraph". II 144. Disraeli, Earl of Beacons- field, konservativer engl. Premier. I 194, 198, 313, 314, 370. II 223. Über Chamberlain. I 315. Brief über Bülow (1878). I 321 f. Vorliebe der Queen für ihn. I 322. Realpolitik. I 397, 430. Über politische Intrigen. I 532. Bismarck und er. I 544. Über Professoren und Rhetoren. III 278. Dittmann, Wilhelm, Abgeordneter der USPD. III 271. Dittrich, preußischer Zentrumsabgeordneter. I 588 f. Dönhoff- Friedrich- stein, Graf August. I 37, 444, 568 f. III 98. Dönhoff, Graf Gerhard, Hofmarschall des Prinzen Karl von Preußen. II 38. Dörnberg, Baron, 1890 Legationssekretär in Bukarest, Freund Philipp Eulenburgs. I 225. Dohm, Ernst, Redakteur des „Kladderadatsch". I 65. III 72. Dohna-Schlobitten, Richard, Graf, 1900 Fürst. I 288, 546. II 173. Gegen Philipp Eulenburg. I 603. III 30. Dohna, Graf Eberhard. I 288. Dohna-Mallmitz. I 288. Dohm, freisinniger Reichstagsabgeordneter. II 510. Dove, freisinniger Reichstagsabgeordneter. II 510. Drews, Bill, 1917—1918 preußischer Minister des Innern, 1921 Präsident des preußischen Oberverwaltungsgerichts. III 297. Dryander, Ernst v., D., Oberhofprediger (f 1922). Auf der Orientreise. I 244, 249. Von Byzantinismus entfernt. I 387. — Brief an Bülow nach dess. Rücktritt. III 365 f. Dufaure, Jules, französischer Ministerpräsident. II 238. NAMENREGISTER 387 Ebert, Friedrich, ab 9. November 1918 Reichskanzler, 1919—1925 Reichspräsident (f 1925). I 125, 258, 286. III 26, 101, 104f., 293, 306f., 311, 315, 321. Eckardstein, Hermann Freiherr v., 1899—1901 Attache der deutschen Botschaft in London. Beziehung zu Holstein. I 187. Rolle bei den deutsch - englischen Verhandlungen. I 330. Durch Herbert Bismarck protegiert. I 343. Heirat. I 343. Graf Metternich warnt vor ihm. I 343. Berichte aus London. I 420, 421. Zu Wilhelm II. über dessen Reise nach England. I 505. Mitteilungen Chamberlains an ihn. I 509 f. Nicht genügendzuverlässig. 1515. Minister der Preßbeziehungen. I 558. Rät dem Kaiser zu einem Kaltwasserstrahl nach Frankreich. II 16. Freund und Günstling Alfred Rothschilds. II 37 f., 40. Proposition an den Kaiser. II 118. Eduard VII. über ihn. II 297. 478. Vom Kaiser empfangen. II 493. III 46, 73. Eckardt, Felix v., Chefredakteur des „Hamburgischen Corresponden- ten", später des „Hamburger Fremdenblutts". Interview mit Bülow. II 52011. III 6,10, 142. Taf. III 328. Eckardt v., Diplomat, Bruder des vorigen. I 371 f. Eduard VII. (Albert Eduard Prinz von Wales), König seit 22. 1. 1901, f 6. 5. 1910. Beziehungen zu Wilhelm II. 69f., 273. Brief an Kaiserin Friedrich gegen deutsche Flottenvorlage. I 189. Macht boshafte Bemerkungen. I 206. Über die deutsche Frau. I 261. Von der Kaiserin verabscheut. I 261 f. Urheber des Wind- sor-Vertrags mit Portugal. I 274. Gegen Besuch Wilhelms II. bei Lons- dale. I 304. Toast in Windsor. I 308. Spricht Deutsch mit englischem Akzent. I 323. Kein sicherer Träger eines Bündnisses mit Deutschland. I 330. Sagt die Verhandlungen ab (Dezember 1901). I 332. Besuch in Cronberg (Februar 1901). I 335. Besuch Wilhelms II. bei ihm in Sandringham. I 338 f. Charakteristik. I 339 ff. Listenreich. I 414, 453. Wilhelm II. sieht in ihm den Schuldigen am Jame- son-Raid. I 473. Absage für Homburg, Fahrt zur Kaiserin Friedrich nach Friedrichshof. I 509, 516 IT. Danktelegramm auf Kondolenz Bülows. I 540. Taf. I 304. Besuch in Kiel. II 23 ff. Gespräch mit Bülow. II 26fT. Besuch in Hamburg. II 31 f. Eduard VII. und Delcasse. II 84. Schützt ihn bei Loubetund empfängt ihn. II 114. Verstimmung nach Delcasses Sturz. II 127. Onkel Bertie (Eulenburg über ihn). II 172. Bülow empfiehlt ihn als Prinzenpaten. II 239. Begegnung mit dem Kaiser in Wilhelmshöhe. II 296 f. Toast auf Kaiser und Kaiserin in Windsor. II 306. Begegnung mit dem Zaren inReval (1908). II 316 f., 325. Mit Franz Josef in Ischl. II 330. Will Berlin besuchen. II 379. Intrigen in der bosnischen Krise. II 399. Besuch in Berlin (Februar 1909). II 419ff. Trinkspruch. II 420. Dank an Renvers. II 421. Für Gespräche mit Bülow. II 420 f., 424 f. Niederlage in der Balkanfrage. II 467. Taf. II 304. Tod. III 86 f. Eichhorn, Hermann v., General, 1918 in Kiew von russischen Revolutionären ermordet. II 184. III 323. Eickhoff, freis. Reichstagsabgeordneter. II 345. Einem, Karl v., 1903 bis 1909 preußischer Kriegsminister, Oberbefchlshab. der 3. Armee im Weltkrieg. II 217. Schreiben Bülows an ihn. II 226ff. Protestrede im Staatsministerium nach „Daily- Telegraph". II 363. Taf. II 352. Wilhelm II. vertraulich zu ihm. II 382. Einstein, Albert, Mathematiker. I 374. Eisendecher, v., preuß. Gesandter in Karlsruhe. III 37 f. Botschafter in London? III 122. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 338 f. Eisner, Kurt, sozialistisch. Schriftsteller, ermordet 1919 in München. I 125, 599. II 298. III 303. Eitel Friedrich, Prinz von Preußen, zweiter Sohn des Kaisers. I 168. Plan einer braunschwei- gischen Sekundogenitur für ihn. II 249. Elena, Königin von Italien, Gattin Viktor Emanuels III., geb. Prinzessin von Montenegro. Antipathie des Kaisers gegen sie. I 144, 542, 603. II 87. 25« 388 NAMENREGISTER Elisabeth, Kaiserin von Österreich, ermordet in Genf 10. 9. 1898. I 157. Ermordung. I 239. Achil- leion. II 16. Elisabeth, Königin von Rumänien (Carmen Syl- va) (f 1916). III 170. Elisabeth, Königin von Belgien, Gattin des Königs Albert, geb. Prinzessin von Wittelsbach. 1306. Elisabeth Feodorowna, Gattin des Großfürsten Sergei, geb. Prinzessin von Hessen. I 100, 306, 455. II 132. Nach der Ermordung des Gatten. II 161f. Emma, Königin der Niederlande, WitweWilhelms, Besuch in Potsdam. I 300 f. Empfängt den Kaiser in Vlissingen. I 345. Emmich, Otto v., General. III 173. Engel, Pastor, Chefredakteur des „Reichsboten". III 73f. Engelbrecht, Militärattache unter Bülow. I 39. Ernst, Graf zu Lippe- Biesterfeld, 1897 Regent des Fürstentums Lippe (t 1904). Für erbberechtigt erklärt. I 51. Wilhelm II. gegen ihn. I222f., 267. Tod. II 55. Ernst IL, Herzog von Ko- burg-Gotha (f 1893). I 65 ff. III 327. Ernst Günther, Herzog zu Schleswig - Holstein, Bruder der Kaiserin. I 230. Muß vor Wagen seines Schwagers reiten. 1 264. Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen. I 101, 168, 406f., 487f. Scheidung. II 177. Soll den Kaiser zur Abdankung bringen. III 296 f. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 340. Erzberger, Matthias, Reichstags abgeordneter, dann Reichsminister ( f 1921). Kandidiert den Herzog von Urach für Litauen. I 81. Sein politisches Verhalten. I 187. Von Paasche gefeiert. I 203. Verpulverung von Millionen im Nachrichtendienst. I 241. Über sich und Lloyd George. I 251. Reißt Vorsitz in Waffenstillstandskommission an sich. I 357 f. Remüantester Politiker der ersten Revolutionsjahre. I 431, 484. Sein Prozeß. I 468. II 254. Tiefenbacher. I 539. Kein Friedensunterhändler. II 170. Angriffe auf die Kolonialverwaltung. II 187, 257. Auf Dernburg. II 267 f. Gegen Bülow in der Kanzlerkrise. II 494. Artikel in der „Märkischen Volkszeitung". III 47. Will Ein- und Ausgänge des Auswärtigen Amts lesen. III 160. Aufenthaltin Rom. III 209 ff., 236. Ballin und Benedikt XV. über Erzberger. III 209. Gegen Bethmann. III 265. Czernins Immediat- bericht. III 270. Helfer des Herzogs von Urach. III 275. Minister. III 294, 295, 301. In Compiegne. III 314 f. In Weimar. III 324. Esbeck-PIaten, v., Zeremonienmeister. I 64f. Esterhazy (Walsin-E.), französischer Major. I 240. Estournelles de Con- stant, Baron d', franz. Senator, Friedensfreund. II 501 f. Eugenie, Gattin Napoleons HL, Kaiserin der Franzosen. I 628. Eulenburg, Graf August, Ober-Hof- und Hausmarschall, dann Hausmini- ster (f 1921). I 31, 33, 61, 73 ff., 79,141. Für Bülow. I 205. Auf der Orientreise. I 242. Er und sein Bruder Botho. I 373. Gratuliert Bülow. I 394. Der Kaiser lohnt ihn für den diplomatischen Dienst ab. I 495. Beim Fackeltanz. II 122. In Rominten. II 172. Brief an Bülow. II 219f. Wird beim Kaiser vorstellig wegen Donaueschingen. II 364. Der Kaiser lädt sich durch ihn ein. II 450. Um Ausgleich zwisch. Wilhelm II. und Bülow bemüht. III 115. Für den Kaiser bestimmter Brief Bülows an ihn. III 118 f. Zeuge bei Unterredung Wilhelms II. mit Bethmann. III 165. Ruhe. III 285 f. Konferenzen des Kaisers mit ihm. III 289. Besucht Bülow. III 297. Eulenburg, Graf Botho, preuß. Ministerpräsident (t 1912). 131, 33, 37, 122. Bülow empfiehlt ihn dem Kaiser als Reichskanzler (1900). I 373, 380. Ansicht über Philipp Eulenburg. II 292. Eulenburg, Philipp, Graf, 1900 Fürst, 1894—1902 deutscher Botschafter in Wien (f 1921). Unterredung in Frankfurt a.M. mit Bülow. I 3 ff. In Wien inamovibel. I 8. „Troubadour." I 30. Abge- NAMENREGISTER 389 spannt. I 39. Gefühlsmensch. I 42. Beschönigt Ton des Hofes. I 69. Die Bäreninseln. I 81 f. Intimus des Kaisers. I 149. Küßt ihm die Hände. I 167 f. Seufzt um seinen „Seestern". I 176. Chiffrierter Verkehr mit Holstein. I 187. Gnädiges Telegramm des Kaisers an ihn. I 224. Beziehungen zu Bülow. I 224f. Befriedigt über Bismarcks Sturz. I 225. Intrigen gegen Bismarck, dessen Zorn gegen ihn. I 225 ff. Von Herbert Bismarck ignoriert. I 226, 353. Über Wilhelms IL Wahrheitssinn. I 234. Über seinen Rollenneid. I 237. Unterzeichnet Telegramm an Bülow. I 288. Informiert diesen über die Nordlandreisen. I 348 ff. Von Wilhelm II. als Reichskanzler genannt. I 372. Intrigen gegen Bülows Ernennung. I 381 f., 462ff. Seine Briefe. 1402. Unterhält Ranküne des Kaisers gegen Bismarck. I 449. Stachelt ihn gegen die Sozialdemokratie auf. I 450, 458. Intrigen gegen die Kaiserin. I 450f. Spiritist. I 451f., 460. Gegen Herbert Bismarck. I 461. Brief an Holstein. I 498 f. Briefe an Bülow. I 499 f. Über Aufenthalt des Kaisers in England. I 506. Persifliert Viktor Emanuel. I 542. Larmoy- anter Brief an Bülow. I 579. Rücktritt. I 602. Der Skandal Hochberg- Pierson. 1603 ff. Über Rominten und die Nordlandreise von 1903. I 616ff. Taf. I 192. Vermittler einer Heirat Hohenzollern - Cumber- land. II 49 f. War Bülows Freund. II 52. Über Herbert Bismarck. II 55. Brief an Bülow. II 68. Sang an Ägir. II 156. Briefe aus Rominten. II 171 ff. Brief an Bülow über Cumberland. II 249f. Über den Fall Podbielski. II 254. Gibt dem Kaiser gefälschte Berichte über Bülows Gesundheit. II 261 f. Zerwürfnis zwischen Holstein und Philipp Eulenburg. II 290 ff. Angriffe der „Zukunft". II 291 ff. Der Eulenburg- Skandal. II 309 ff. Brief an Bülow (1909). III 26 f. In der Zeit der kaiserlichen Gunst. III 95. Eulenburg, Graf Friedrich, Bruder Philipps. I 224, 451, 605. II 292. Eulenburg, Graf Viktor, Sohn August Eulenburgs, dtsch. Legationssekretär in London. II 37, 40. Falk, Adalbert, 1872 bis 1879 preuß. Kultusminister. I 63. III 308. Falkenhausen, v., General. II 184. Falkenhayn, Erich v., 1913—1915 Kriegsminister, bis August 1916 Chef des Generalstabs (f 1922). Rathenau gegen ihn. III 42. Über Bereitschaft des Heeres. III 157. Nachfolger Moltkes. III 185. Problematische Natur. III 186. Bassermann über ihn. III 202. Fechenbach. II 298. Fehrenbach, Konstantin, badischer Zentrumsabgeordneter, 1920 bis 1921 Reichskanzler (f 1926). I 431,497. II 92. Feilitzsch, Max, Graf, 1881—1907 bayrischer Minister des Innern (t 1913). I 119, 531. Brief an Bülow. II 451f. Fejerväry, ung. Honved- minister und Ministerpräsident. I 163. Ferdinand (Koburg-Co- hary), Fürst von Bulgarien, 1908 bis 1918 König. I 36. Franz Josef über ihn. I 158 f. Er erklärt Bulgarien zum Königreich. II 337. Wilhelm II. über diese Anmaßung erbittert. II 341. Im Weltkrieg. III 287. Ferdinand, König von Rumänien (seit 11. 10. 1914). I 488. Erklärt den Krieg. III 280. Finckenstein - Simnau. I 288. Fischbeck, Otto, freisinniger Reichstagsabgeordneter. II 509. Fischer, Erzbischof von Köln, Kardinal. I 621. Unterstützt die Christlichen Gewerkschaften. II 90. Fisher, Sir John, Ad- miral. Wünscht die deutsche Flotte zu „kopen- hagenen". II 83 f., 194 ff., 320, 433, 434. Ballin will ihn mit Tirpitz zusammenbringen, Bethmann dagegen. III 7. Fitger, Emil, Dramatiker und Lyriker, Chefredakteur der „Weser-Zeitung" in Bremen. III 104f. Fitzgerald, brit. Vizeadmiral a. D. II 158. Flotow, Johannes v., Botschaftsrat in Paris, Personaldezernent Bülows, Gesandter in Brüssel, dann Botschafter in Rom. I 608. II 169, 470. III 35. Charakteristik. 36 ff. Bei Bethmann. III 54f. 390 NAMENREGISTER Wird (1910) Gesandter in Brüssel. III 80. Mit Belh- mann in Rom. III 82. Brief an Bülow. III 82 f. Heirat und Scheidung. III 83 f. Kaisersgeburt s- tagsrede 1914 in Rom. III 124f. Gibt Inhalt von Sasonows Warnung nach Berlin nicht weiter. III 128. Stellung in Rom. III 188. Wird nur beurlaubt. III 194 ff. Über Bülows römische Mission. III 197 f. Jagow will ihm kein Herzeleid bereiten. III 200. Flotow meldet sich bei Bülow in Rom. III 209. Intrigen. III 233. Flottwell, Eduard Heinrich v., Oberpriisidcnt in Posen, dann in Magdeburg. I 562. Foch, Marschall. III 166, 295, 314f., 322. Förster, F. W., Publizist. II 298. Fontane, Theodor. I 375, 624. Fortis, italienischer Politiker. II 8, 400. Francke, E„ Prof. Dr., Sozialreformer. III 354. Frank, Ludwig, Dr., sozialdemokratisch. Reichs- tagsabgeordn., gefallen 1914. III 168. Franz Ferdinand, Erzherzog-Thronfolger, ermordet in Sarajewo 28. 6. 1914. Glaubensinbrunst. I 159. Charakteristik. I 167. Wirkung seines Todes. I 240. Verhältnis zu Wilhelm II. I 400 f. Politischer Ehrgeiz. I 401. Seine Heirat. I 624 f. Baron Beck sein juristischer Beistand bei der Vorbereitung der Ehe. II 49. Antiungarisch, slawo- phil. II 236. Begegnung mit Wilhelm II. (1908). II 350 f. Gespräch mit Bülow. II 407. Der Kaiser an ihn. II 524. Ermordung. III 137 ff. Für Konrad Hohenlohe. III 221. Taf. III 136. Franz Josef I. (f 21. 11. 1916). I 29. Mißbilligt Agitation im russischen Polen. I 91. Audienz Bülows bei ihm in Budapest, Charakteristik. I 150 ff. Verhältnis zu Wilhelm II. I 151 ff. Über Bismarck. I 154. Unterredung mit Bülow (19. 9. 1897). I 158ff. Toast in Budapest. I 164. Gefühle gegen das neue Deutschland. I 166 f. Beim Tod der Kaiserin Elisabeth. I 239. Schriftliche Rechtfertigung Wilhelms II. vor ihm (über Bismarcks Entlassung). I 352. Ernennt Wilhelm II. zum österreichischen Fcldmar- schall. I 364. Dieser über Königgrätz. I 365. Zunehmende Stumpfheit. I 400. Besuch in Berlin. I 445. Beunruhigt durch Bülows Rede über den Dreibund. I 579. Empfängt ihn in Wien. I 627. Balkan-Aktionen liegen Franz Josef nicht. II 236. Begegnung mit Eduard VII. in Ischl. II 330. Annexion Bosniens proklamiert. II 337. Empfängt Bülow (1908). II 407. Setzt Franz Ferdinand und dessen Gemahlin noch im Tode herab. III 138. Stößt den Kardinal Piffl hinaus. II 228 f. Beth- mann über seine schroff ablehnende Haltung. III 242. Fredericksz, Baron, Generaladjutant und Hausminister des Zaren. I 548. Frenssen, Gustav, Pastor, Romandichter. Brief nach Bülows Rücktritt. III 365. Friedberg, Robert, Professor Dr.,nationalliberal. Führer im preußischen Abgeordnetenhaus, unter Hertling Vizepräsident des Staatsministeriums, (t 1920). II 12. Über Nationalliberale u. Wahlreform. II 463. Friedjung, Dr., Heinrich, Österreich. Historiker. I 365, 388. Über die bosnische Krise. III 364. Friedrich III., Deutscher Kaiser, König von Preußen. I 23, 74, 80, 100. Verhältnis seines Sohnes zu ihm. I 173. In seiner Ehe. I 189, 535 f. Szenen in San Rcmo. I 341. Friedrich VIII. König von Dänemark 1906-1912 (f in Hamburg). II 303. Friedrich I., Großherzog von Baden (f 28. 9. 1907). I 137 f. Brouille mit dem Zaren. I 169 f. Telegramm an Bülow. I 196. Brief an Bülnw. I 215f. Stellt dem Kaiser Theodor Herzl vor. I 254. Sympathie für den Bückeburger. I 268. Friktionen mit Bismarck. I 299. Gegen Miquel. I 362. Intrige Philipp Eulen- burgs bei dem Großherzog. I 382. Bülow besonders freundlich gesinnt. I 476. Empfängt ihn. I 486 f. Briefe an ihn. I 520f. Telegramme. I 530. II 93. Brief an den Kaiser gegen Krieg mit Frankreich. II 209. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 338. Friedrich II., Großherzog von Baden, Sohn des vorigen (1907—1918). III 294, 304. NAMENREGISTER 391 Friedrich III., Herzogvon Augustenburg, Vater der Kaiserin Auguste Viktoria. I 262. Friedrich, Erzherzog, österreichisch - ungarisch. Armee-Oberkommandant. Zerwürfnis mit Franz Ferdinand. I 624. III 221. Friedrich August, Kronprinz, dann König von Sachsen. I 589f. II 470. III 49. Entthronung. III 304. — Kundgebung bei Bülows Rücktr. III 338. Friedrich Heinrich Prinz von Preußen. I 549. II 248 f. Friedrich KarlPrinzund Prinzessin Margarete v. Hessen, Schwager (und Schwester) des Kaisers. II 126, 262. Bewirbt sich um die Krone von Finnland. III 275. Friedrich Leopold Prinz von Preußen, Vetter des Kaisers. Auf den russischjapanischen Kriegsschauplatz entsandt. II 98. Am russischen Hof. II 161. Friedrich Wilhelm III. I 45, 63, 89, 562. II 71. III 98, 327. Friedrich Wilhelm rV. I 18, 45. 63, 65, 118, 562. II 71, 164. Leopold v. Gerlach über seine „Fürstengunst". I 288. Trennung von Radowitz (dem Vater). II 201. Nicht zuverlässig. III 327. Friedrich Wilhelm Kronprinz. Seine Erziehung. I 33. Geburt seines ältesten Sohnes. I 281. Mündigkeitserklärung d. Kronprinzen. I 445 f. In England. I 505, 506, 507. Ein energischer Adjutant für ihn. I 617 f. Soll mit einer Cumberland verheiratet werden. II 49. Verlobung mit Cecilie von Mecklenburg - Schwerin. II 50f. Trauung. II 121 ff. Er und sein Vater. II 128. Einladung durch Eduard VII. II 132 f. Abgelehnt. II 155. Betätigung in der Affäre Moltke-Eulenburg. II 307, 311. Für eine „längere Pause" in der Regierung seines Vaters. II 387 f. Für „absolute" französische Genugtuung im Casablanca-Zwischen- fall. II 410 f. Beschwerdebrief an Bülow über Kiderlens Haushälterin. II 415 f. Taf. II 520. Der Kaiser verbietet dem Kronprinzen, Bülow in Rom aufzusuchen. III 95. Gegen Bethmann. III 265. Friesen, Freiherr von, sächsischer Ministerpräsident. I 490. Fürstenberg, Carl, Bankier. II 385. III 178. Fürstenberg, Fürst Max Egon. Freund des Kaisers. I 71, 153f., 305. In Heia. I 542 f. Taf. I 464. Beim Fackeltanz. II 122. Erregt durch Ausdrücke des Kaisers über Eduard VII. II 153 f. Gegen Philipp Eulenburg. II 312. Gastgeber in Donaueschingen (1908). II 351, 364. Gegner Bülows. II 468, 477f. Philipp Eulenburg über einen „gewissen" Max Fürslenberg. III 27, 30. Taf. III 112. Galen, Graf, Zentrumsabgeordneter. I 596. Gambetta, Leon, französischer Staatsmann. I 17, 109, 320, 404. II 115, 124, 223, 238. III 102, 271, 288, 295, 305, 323. Gamp, freikonservativer Reichstagsabgeordneter. II 509. —Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 342. Gapon, Pope. II 160. Georg V., König von England (als Prinz Herzog von York, dann Prinz von Wales). Spricht kaum noch Deutsch. I 323. Sohn des Thronerben. I 336. Erkrankung. I 507. Als Prinz von Wales zu Besuch in Berlin, Gespräch mit Bülow. I 555 ff. Taf. I 304. Uber Besuch Eduards VII. in Kiel. II 35. Gegen antideutsche Agitation. II 158 f. Ruhig, phlegmatisch. III 17. Abweisende Antwort an Wilhelm II.(Augustl914). III 172. Der Kaiser über Verschwörung des Königs mit dem Zaren. III 204f. Georg, König von Griechenland (f 1913). I 182. II 89, 471. Georg, König von Sachsen (t 1904). I 590f. Gegen Aufhebung des Jesuitengesetzes. II 11. Georg, Kronprinz von Sachsen, S. J. II 11 f. Georg IL, Herzog von Sachsen - Meiningen (f 1914). — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 340. Gerard, amerikanischer Botschafter in Berlin. III 271, 288. Gersdorff, Ciaire v., Hofdame. I 246 f. Geßler, Dr., Oberbürgermeister von Nürnberg, später Reichswehrminister. III 303 f. Gibbons, Kardinal. I 610. Giers, Nikolai Karlowitsch v., russischer Minister des Auswärtigen. I 90, 409, 410, 544. II 294. 392 NAMENREGISTER Giers, Michail Nikolaje- witsch, Sohn des vorigen, russischer Gesandter in Peking, München, Bukarest, 1912—1915 in Konstantinopel, 1915—1917 in Rom. I 440. Giesl, österreichisch-ungarischer Gesandter in Belgrad. III 141. Gioberti, Vincenzo, italienischer Staatsmann. I 198, II 200. Giolitti, Giovanni,italien. Schatzminister, 1892 Ministerpräsident, 1901 Minister des Innern, 1905 u. zuletzt 1921 Ministerpräsident. Viktor Erna- nuel über ihn. I 609. Besuch bei Bülow in Homburg. II 58 ff. Charakteristik. II 58f. Über die Irredenta. II 59 f. Italienischer Patriot. II 200. Unterredungen Bü- lows mit ihm (1908). II 319, 407. Ruhe in der bosnischen Krise. II 400. Für Neutralität Italiens 1914. III 169. „Parec- chio." III 228, 234. Taf. III 168. Giron, Andre, Hauslehrer bei den Kindern des Kronprinzen von Sachsen. I 590 f. Giskra, Karl, deutschliberaler Politiker in Österreich. I 156. Gladstone, William E- wart, liberaler englischer Premier (f 1898). I 198. II 223. Abneigung der Queen gegen ihn. I 322. Chamberlain trennt sich von ihm wegen Homerule. I 339. Er und Chamber- lains Sohn. I 334. Gleichen, Graf, britischer Militärattache in Berlin. II 25, 253. Glembocki, v., preuß.- poln. Abgeordn. I 571. Görtz-Schlitz, Graf, Begleiter des Kaisers. I 449. Goldschmidt-Rothschild v., Attache der deutschen Botschaft in London. 1405. Goltz, Graf Karl von der, Generaladjutant. I 50. Goltz, Kolmar von der, Generalfeldmarschall,tür- kischer Pascha (f 1916). I 366, 626. Irrtum über die Türkei. II 184. III 112. Goluchowski, Agenor, Graf, österreich.-ungar. Minister des Äußern 1895—1906 (fl921). 191, 139, 150. Verhältnis zu Franz Josef. I 154. Verurteilt die Umtaufe des Kronprinzen von Bulgarien. I 159. Rät dringend von Forderung Wilhelms II. nach Repressalien gegen Anarchisten ab. I 239, 240. Gratuliert Bülow zur Reichskanzlerschaft. I 390. Franz Ferdinand sein Gegner. I 401. „Fassungslos" über Dreibund- Rede Bülows. I 579. Gespräch mit ihm über Balkanfragen. I 626 f. Gegen Irredentismus. I 627. Wilhelms II. Sekundanten - Telegramm. II 224. Rücktritt. II 335. Goossens, Erzbischof von Mecheln, Kardinal. I 620. Gorki, Maxim. II 160. Gortschakow, Fürst, russischer Staatsmann. I 45, 90, 186, 544. II 333, 334, 395. Goschen, Sir Edward, jüngerer Bruder des folgenden, engl. Botschafter in Berlin. Seine Unterredung mit Bethmann. I 320 f. II 109. III 176. Beth- manns Bündnisangebot. III 154. Taf. III 176. Goschen, G. J., Erster Lord der brit. Admiralität. I 320f., 418f. War Bankier. I 442. Goßler, Gustav v., 1881 bis 1891 preuß. Kultusminister. II 454. III 308. Gothein, Georg, liberaler Reichstagsabg. u. Wirtschaftspolitiker, 1911 Reichsschatzminister. I 202, 591 f. Gotti, Kardinal. I 611, 620, 621, 622. Goudrian, Tets van, niederländischer Gesandter in Berlin, dann niederländischer Minister des Äußern. II 297. Gradnauer, Dr., sozialdemokratischer Abgeordneter. I 576 f. Gramont, Duc de, franz. Minister des Äußern, III 163, 212. Granville, Earl of, englischer Diplomat. I 340. II 86. Gregorovius, Ferdinand, Historiker Roms. III 67f., 72. Greiling, Richard, Verfasser von „J'accuse". II 298. III 256. Greppi, Graf Giuseppe, ehem. italien. Botschafter in Petersburg. III 215. Grevy,Präsident der Französischen Republik. 1285. Grey, Sir Edward, 1905 bis 1916 britischer Minister d. Äußern. Angelt in Schottland während der bosnischen Krise (1908). I 333. Für Deutschland erwünschter brit. Außenminister. I 425. Rede über Marokko-Frage. II 202 ff. 1905 Minister. II 205. Rede über die europäische Politik. II 306 f. Zur Interpellation über den Brief des Kaisers an NAMENREGISTER 393 Lord Tweedmouth. II 325. Über Reval. II 326. Lehnt ab, sich über „Daily- Telegraph"-Interview zu äußern. II 354. Er gehe nicht auf die Isolierung Deutschlands aus. II 376. Will in der bosnischen Krise Bruch vermeiden. II 399. Kontakt in der Flotten - Verständigung. II 503. Weist Beth- manns Bündnisangebot als „Schacher" zurück. III 154. Soll helfen, den österreichisch-serb. Konflikt zu lokalisieren. III 158. Lichnowsky geht nicht zu ihm. III 172. Griesinger, v., deutscher Gesandter in Belgrad. III 139. Gröber, württ. Zentrumsführer. I 415, 484, 596. Rücksprache mit Bülow nach der Dernburg-De- batte. II 268 f. Minister 1918. III 301. Groener, General, Reichswehrminister. III 300. Grolman, v., General. I 562. Grünau, v., Legationsrat. III 300, 306. Gündel, Oberst, Chef des Stabes im China-Expeditionskorps, dann General d. Infanterie. Im November 1918 zum Vorsitzenden der Waffenstillstandskommission bestimmt. I 357. Güßfeldt, Paul, Forschungsreisender. Nährt Abneigung Wilhelms II. gegen klassische Sprachen. I 105. Guicciardini, Marquis, italienischer Minister des Äußern. II 199, 255, 400. Guillaume, belgischer Gesandter in Paris. III 156. Guizot, Francois, franz. Staatsmann. I 198. Gwinner, Arthur v., Direktor der Deutsch. Bank. I 572. III 178. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 351 f. Haase, Hugo, Sozialist. Abgeordneter, Leiter der TL S. P. D. (f 1919). III 257, 271. Hackenberg, nationallib. Landtagsabgeordneter I. 588. Haeckel, Ernst, Professor in Jena, Naturforscher. I 284. Hänisch, Konrad, sozial- demokr. Kultusminister 1918—1921 (f 1925). III 308, 314. Haeseler, Graf Gottheb, Generalfeldmarschall (t 1919). 1366. III 12, 42. Hahn, Dietrich, Dr., agrarischer Politiker. I 532. III 73. Hahnke, Wilhelm v., Generaladjutant, 1905 Generalfeldmarschall, 1888 bis 1901 Chef des kaiserl. Militärkabinetts (f 1912). I 61, 64ff., 72, 79, 599. Hat sich bemüht, Bülow heranzubringen. I 205. Über persönliche Eigenliebe des Kaisers. I 211f. Widerstand in der Militär- Strafprozeß-Reform. I 268. Generalfeldmarschall. I 366. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 356. Haidane, liberaler engl. Politiker, dann Kriegsminister. II 202 ff. 1905 Minister. II 205. Erklärung zum „Daily-Te- legraph"-Interview. II 355. Verständigungsversuche. II 359. Haller, Johannes, Professor in Tübingen. I 430. II 285, 494. III 30. Hammacher, Friedrich, nationalliberaler Reichstagsabgeordneter (f 1904). I 593. Hammann, Otto, Geheimrat, Pressedezernent im Auswärtigen Amt. I 217. II 264, 265. Foyerschnüffelei. II 207. Bei Bülows Ohnmachtsanfall. II 213. „Daily-Tele- graph"-Affäre. II 353, 356, 359. Der Hammann- Skandal. II 442 ff. Gratulation. II 496. Gegen Verleumdungskampagne. III 57. Mit Bülow bei Loebell. III 96. Hammerstein, Ernst v., 1894—1901 preußischer Landwirtschaftsminister. I 522. Hamm er st ein, Hans Freiherr von, Bezirkspräsident in Metz, 1901 preuß. Minister des Innern. I 523. Tod. II 180. Haniel, E. v., Staatssekretär des Auswärtigen Amts. II 79. Über Rathenau. III 41. Hanotaux, Gabriel, französischer Historiker und Politiker. I 198, 302. Harcourt, Sir William, Mitglied des britischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten (f 1904). II 377. Harden, Maximilian, Herausgeber der „Zukunft" (f 1928). Die „Zukunft". I 50. Die Angriffe auf Eulenburg. I 226. II 291 ff. Reichstagsrede Bülows über den Moltke- Harden-Prozeß. II 307 ff., 310, 315. Gegen den Kaiser. II 387. Für Bülow. II 467. Philipp Eulenburg über den Prozeß. III 27, 30. Beziehungen Bülows zu Harden. III 48, 50. 394 NAMENREGISTER Hardinge, Sir Charles, Unterstaatssekretär im englischen Auswärtigen Amt, dann Botschafter in Petersburg und Paris. Unterredung mit dem Kaiser beim Aufenthalt Eduards VII. in Homburg. II 321 ff. Friedlich. 1908. II 399, 431, 434. Kontakt in der Flottenverständigung. II 503. Harmsworth (später Lord Northcliffe), Besitzer der „Daily Mail". II 195, 375. Harnack, Adolf, Professor, Theolog (t 1930). I 144, 249, 430, 526 f. II 57, 285, 288. Nach der Novemberdebatte. II454. Brief an Bülow. III 90. Besuch in Rom. III 93. Sendet Schmollers Memorandum zurück. III 115 f. An Bülow. III 202 f. „Wille zur Macht." III 276 f., 313 f. Hartwig, braunschweigi- scher Staatsminister. II 248. Hassan - Pascha, türkischer Marinerninister. I 250. Hasse, Ernst, Professor, nationalliberaler Reichstagsabgeordneter, Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes (f 1908). I475f. II230f. III 318f. Hatzf el dt-T rächen berg, Hermann,Fürst,l 900 Herzog, Oberpräsident von Schlesien. I 577. II 456. Erzwungener Abschied. II 101 f. Rede zur Kaiser- Krise. II 366 f. Erklärung in der Erbschaftssteuer- Debatte. II 505. III 5. Hatzfeldt, Graf Paul, Staatssekretär des Äußern, seit 1885 Botschafter in London (f 1901). I 177, 187, 190. Unterhändler beim Windsor- Vertrag. I 273. Brief an Holstein. I 276 ff. An denselben über Südafrika. I 293. Briefe an Bülow über die Verhandlungen mit Chamberlain. I 303 ff., 309 ff. Unterredung mit Bülow. I 323 f. Persona gratissima bei der Queen. I 324. Führt die Verhandlungen fort. I 331 f. Brief an Hohenlohe. I 335 ff. An Holstein über Schärfe Salisburys. I 418. Brief an Holstein. I 420 f. Weitere Briefe an Holstein. I 432ff. Tod. I 558. Wilhelm I. über ihn. II 53. Seine Mutter die Freundin Lassalles. II 102. Sein trauriger Gesundheitszustand. II 164. Brief an Bülow. II 221. Hauptmann, Gerhart. I 177. II 378. III 8, 365. Haußmann, Friedrich, süddeutsch - demokratischer Reichstagsabgeordneter. II 371. Haußmann, Konrad, Bruder des vorigen, süddeutsch - demokratischer Reichstagsabgeordneter. II 371. III 286, 294, 301. Heckscher, Siegfried, Dr., freisinniger Reichstagsabgeordneter. II 257, 510. Brief an Bülow. III 285f. Heine, Wolfgang, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, dann Justizminister. II 371, 456. III 257. Heinrich Prinz von Preußen, Bruder Wilhelms II. Evangeliums-Rede. I 196, 203 ff. Briefe an Wilhelm II. auf der Chinafahrt 1898. I 206 f. Brief an Bülow. I 280, 281 f. Briefe an Bülow über Ostasien. I 436 ff. Seine verwandtschaftliche Verbindung mit dem Zaren. I 454 f. In England. I 505. Besuch beim Zaren in Spala. I 547 f. Reise nach den Vereinigten Staaten. I 575 ff. — Auftrag des Kaisers an ihn für Eduard VII. II 23. Kieler Woche. II 33. Privatnachrichten aus Petersburg. II 131 f. FürTirpitz. II 244. Der Kaiser zu ihm über Bülow. II 450. Verläßt Kiel in der Revolution. III 303. Taf. III 138. Helfferich, Karl, seit 1915 Staatssekretärdes Reichsschatzamts, Staatssekretär des Innern, 1918 Ge- sandtcrinMoskau(f 1924). Durch Bamberger und Georg v. Siemens empfohlen. I 219. Prozeß Erzberger. I 219. II 254. III 210. Gerard nennt Helfferich. III 271. Tod. I 219. Taf. III 256. Hellpach, Willy, Dr., badischer Staatspräsident. III 293. Helmholtz, Hermann, Naturforscher. I 25. III 41. Henckel-Donners- marck, Guido, Graf, 1901 Fürst (t 1916). 1393. Über den Kaiser. I 461. Die Kaiserlichen. II 479. Über Bethmann. III 153f. Henderson, Sir Richard, englischer Schiffsreeder. II 318. Henke, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter für Bremen. III 105. Henriette Prinzessin von Schleswig - Holstein - Sonderburg - Augustenburg. I67f. NAMENREGISTER 395 Hentsch, Richard, Oberstleutnant (f 1918). III 184. Herold, Zentrumsabgcord- neter (f 1931). I 596. II 91. Hertling, Freib. v., Zen- trumsabgeordn., später bayriscber Ministerpräsident, dann Reichskanzler (t 1919). I 201, 214, 430, 596. Von Wilhelm II. im Weißen Saal gemieden. I 479. Charakteristik. I 479 f. Über Crailsheims Rücktritt. I 599. Von Leo XIII. gelobt. I 612. Verbraucht. I 632. Arm in Arm mit Dr. Friedberg. II 12. Brief an Bülow. II lOOf. Zweimal Missionen für ihn nach Rom. II 101. Algeciras-Debatte. II 212. Brief an Bülow. II 220. Mißbilligt Wahlbündnis mit Sozialdemokratie. II 278. Rede zur Kaiser-Krise. II 369f. Kandidat für die Vertretung beim Vatikan. II 379. Rede in der Erbschafts - Steuer - Debatte. II 505. Über Inhalt des Ultimatums. III 179. Fragt Lerchenfeld nach Dr. Michaelis. III 268. Ernennung zum Reichskanzler. III 273 ff. Rücktritt. III 292. Tod. III 292. Katastrophe beschleunigt. III 331. Herzl, Dr., Theodor, Zio- nist (f 1904). I 254. Heydebrand, Ernst v. (Klein - Tschunkawe), Führer der Konservativen (f 1924). I 38. Als Redner. I 201 f. Als Parteiführer. I 296, 533. Für Jesuitengesetz. II 12,460. Gegen Bethmann. II 181. Brief an Bülow. II 220 f. Rede zur Kaiser-Krise. II 366. Er stellt die Segel um, Charakteristik. II 456. Besprechung Bü- lows mit ihm. II 459 ff. Totengräber des alten Preußen. II 461. Versuch einer Rechtfertigung. II 519. III 5. Wahl Illusionen von 1912. III 85. Heydebrand, v. (Nassadel). II 96. Heyking, Baron, deutsch. Diplomat. I 37. Heyl, Cornelius, Fabrikant, nationalliberaler Abgeordneter (f 1915). II 91 f., 506. Hill, amerikanischer Botschafter in Berlin. Verwahrung des Kaisers gegen ihn. III 53. — Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 362 f. Hindcnburg, Paul v., Generalfeldmarschall, dann Reichspräsident. Bci t dcr Flucht Wilhelms II. nach Holland. I 77. Familie. II 39. Dem Kaiser nicht genehm (1905) als Chef des Generalstabs. II 184. Natürlichkeit. III 42. Tannenberg. III 185 f. Brief an Studt über Polen. III 247 f. Bankettrede Ge- rards. III 271. Oberste Heeresleitung. III 280. Waffenstillstand - Begehren. III 296. Die Flucht des Kaisers. III 300. Heerführer. III 323. — Reichspräsident. III 332. Taf. III 280, 320. Hindenburg, Herbert v., Botschaftsrat in Rom. III 197f., 211, 226. Hintze, Paul v., deutscher Marine-Attache in Petersburg, Gesandter in Mexiko, Peking, Christia- nia, 1918 Staatssekretär des Auswärtigen. II 244 f. III 299. Hinzpeter, Georg, Erzieher Wilhelms II. Lehrt Wilhelm II. Latein. I 16. Erziehungssystem u. Charakter. I 104 ff. Trügt zu Bismarcks Sturz bei. I 106. Über den Kaiser und den Prinzen Heinrich. I 204f. Für Arbeitnehmer. I 238f. Gratulationsbrief an Bülow. I 393f. Brief an Bülow in dessen Krankheit. II 219. Über Selbstbeherrschung des Kaisers (1908). II 338f. Hirsch, Baron, Bankier (Türkenhirsch). I 218. II 111. II ob recht, Arthur, Oberbürgermeister von Breslau und Berlin, 1878 bis 1879 preußisch. Finanz- minister. I 566. Hochberg, Graf Bolko, 1886 bis 1903 Generalintendant der Berliner Hoftheatcr (f 1926). Die Intrigen Philipp Eulen- burgs. I 603 ff. III 30. Hölz, Max. I 198. II 519. Hoffmann, Adolf, sozialistischer Abgeordneter (t 1931). I 198. III 308, 314. Hoffmann, Kommcrzien- rat, Vizepräsident des Lippeschen Landtags. II 55 f. Hohenau, Fritz, Graf. II 307, 314. Hohenlohe, Prinz Alexander zu H.-Schillingsfürst, Sohn des folgenden, Bezirkspräsident in Kolmar (f 1924). Besuch Bülows bei ihm. I 12. Monts über ihn. I 37, 38. Brief an Gräfin (Fürstin) Bülow. I 492 f. In Ungnade. I 493. Soll wegen der „Denkwürdigkeiten" diszipliniert werden. II 251 f. 396 NAMENREGISTER Hohenlohe, Chlodwig, Fürst zu H.-Schillings- fürst, 1866—1870 bayrischer Ministerpräsident, 1874—1885 Botschafter in Paris, 1885 bis 1894 Statthalter in Elsaß- Lothringen, 1900 Reichskanzler (f 1901). I 7. Besuch Bülows bei ihm. I 9 ff. Verhältnis zum Kaiser und zur Kaiserin. I lOf. Sieht (1897) in Bülow seinen Nachfolger. I 12. Fährt mit ihm (28. 6. 1897) nach Friedrichsruh. I 21 ff. Sein Regime. I 31 f. Monts über ihn. I 37, 38. Fahrt nach Peterhof. I 55. Telegramm des Kaisers an ihn über Handelsverträge. I 56. In Peterhof. I 85. Konferenz mit Murawiew. I 86. In diplomatischer Debatte. I 86 f. Fragt Bülow, ob er den Kaiser für normal halte. I 139 f., 179. Besteht (1895) auf Ausschiffung Kollers. I 156. In Schillingsfürst. I 178f. Holstein intrigiert bei ihm gegen Bülow. I 186. Sein Anteil an Ki- autschou. I 210f. Arbeit Hammanns f. ihn. I 217. Nach Abrüstungsvorschi, des Zaren. I 238. Militär- Strafprozeß - Reform. I 268. Beim Empfang des Kaisers auf der Wildparkstation (nach der Palästinareise). I 268. Ist wieder an Ludwig II. von Bayern erinnert. I 269. Salisbury über ihn. I 277. Aus seiner Pariser Botschafterzeit. I 285. Seines hohen Alters wegen durch Miquel vertreten. I 294. Gegen die preuß. Konservativen. I 297. Billigt Bülows Taktik bei den deutsch-englischen Verhandlungen. I 325. Kondolenzbrief der Queen. I 326. Kavalierperspektive. I 326. Brief Bülows an ihn. I 334 f. Gegen Veröffentlichung der Wilhelmshavener China-Rede des Kaisers. I 358. Kann Hunnenrede nicht vertreten. I 359. Bittet um Abschied. I 372. Über Hohenlohe - Langenburg. I 374. Rücktritt. I 375. Gespräch mit Bülow. I 383 f. Nachsichtig lächelnd (80 er Jahre, Paris). I 412. Vertrauen Bülows zu ihm. I 443. Über Hertling. I 480. Als bayrischer Ministerpräsident. I 484. Briefe an Bülow. I 492, 494. Gegen Oberhofmeister Mirbach. I 500. Leichenpredigt des Dr. Schädler auf Hohenlohe. I 597. Taf. I 128. Die „Denkwürdigkeiten". II 251 f. Hohenlohe, Fürstin Marie, geb. Witgenstein, Gattin des vorigen. I 22. 37, 178f. Hohenlohe, Prinz Gustav, Kardinal (f 1896). Furcht vor den Jesuiten. I 11. Das Leda-Basrelief in Schillingsfürst. I 178f. Über Zurechnungsfähigkeit des Kaisers. I 353. Hohenlohe - Langenburg, Fürst Hermann, 1894 bis 1907 Statthalter von Elsaß - Lothringen (f 1913). Vom Kaiser als Reichskanzler abgelehnt (1900). I 374. Intrigen Philipp Eulenburgs um die Statthalterschaft. I 381 f. Gegen den Prinzen Alexander wegen der Memoiren Chlodwig Hohenlohes. II 252f. Abberufen (1907). II 301. Hohenlohe - Langenburg, Erbprinz Ernst, 1900—1905 Regent von Koburg-Gotha, dann Leiter der Kolonialabteilung, Vizepräsident des Reichstags. I 493 f., 596. II 185 f. Schwacher Vertreter der Regierung. II 218. Abschied. II 266. Hohenlohe-Oehringen, Fürst Christian Kraflt. Zum Oberstkämmerer ernannt. I 298. Nimmt seinen Abschied. I 298. Der Kaiser sein Jagdgast. II 260. Gegen konservativen Parteikurs. II 477, 506. Uber Herrn Bethmann. III 91. Hohenlohe, Prinz Gottfried, österreichischer Militärattache i. Petersburg, 1914 österreichisch-ungarischer Botschafter in Berlin. I 143 f. II 260 f. Gegen Bülow. III 115, 217, 241. Schwiegersohn der Erzherzogin Isabella. III 221. Hohenlohe, Prinz Konrad, Bruder des vorigen, österreichischer Statthalter in Triest, dann Oberhofmeister. III 221 f. Hohenthal, Graf Wilhelm, sächsischer Gesandter in Berlin. I 590. II 389. —Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 345. Holleben, Theodor v., 1891—1893 u.1897—1903 deutscher Botschafter in Washington (f 1913). I 222, 576. Hollmann, Fritz v., Ad- miral, 1890—1897 Staatssekretär des Reichsmarineamts (f 1913). I 68, 113. Wilhelm II. über ihn, KiautschouunddieFlotte. I 210f. Spiritist. I 460. Langweilig. II 173. Spaßmacher. III 114. NAMENREGISTER 397 Holstein, Friedrich v., Geheimrat, 1880—1906 Vortragender Rat imAus- wärtigen Amt (f 1909). Besuch Bülows bei ihm. I 6. Intrigen. I 13. Haß gegen das Haus Bismarck. I 23. „Austernfreund." I 30. Hält Hohenlohe. I 32. „Diplomatie u. feinste Wäsche im Innern." I 32. Einfluß im Amt. I 38. Geringe Gunst des Kaisers. I 38. Beteiligt an der Kündigung des Rückver- Sicherungsvertrags mit Rußland. I 45. Monts über „gewisse Herren". I 127. Quertreibereien in der ostasiatischen Frage. I 186. Seine chiffrierten Telegramme. I 187. Bedauern des Kaisers über Kiautschou-Marginal ihm mitgeteilt. I 211. Wird in Friedrichsruh die „Blindschleiche" genannt. I 217. Verhalten bei Bismarcks Tod. I 229. Mitwirkung bei den Berichten des Konsuls Raffauf (1890). I 233. Brief Hatzfeldts an ihn. I 276 ff. Empfiehlt (1899) Bülow, seinen Abschied einzureichen. I 282. Bülow droht ihm mit Herbert Bismarck. I 283. Hetzt Caprivi gegen Lim- burg-Stirum. I 296. Sein Aide-Memoire für den Kaiser über Verhandlungen mit England. I 311 ff. „Unser guter Holstein" (Hatzfeldt). I 325. Russenfeindlich. I 326. Probritisch. I 327. Argwohn gegen Chamberlain. I 331. Brief Bülows an ihn. I 334 f. Brief Hatzfeldts an ihn. I 335ff. Verfeindet mit Waldersee. I 363. Herbert Bismarck will ihm einen Schabernack spielen. I 392 f. Hatzfeldt an ihn. I 418, 420 f. Über Flottenbau ohne Zusammenstoß mit England als Quadratur des Zirkels. I 431. Für diplomatischen Schritt wegen Marokkos (August 1900). 1435. Erst Intimus, dann Todfeind Philipp Eulenburgs. 1463. Schwärmerische Freundschaft für Radolin. I 496. Anstoß zum Untergang Harry Arnims. I 498. Reigen der Opfer. I 498. Unterhaltungen Richthofens mit ihm. I 512. Gegen Karl Wedel. I 606. Taf. I 224. Für Überfall auf Frankreich. II 80. Magenblutung nach Tanger. II 112. Holstein und Bülows Vater. II 112 f. Über Wilhelms II. Zusage an die Franzosen. II 123. Bülow an ihn über Björkö. II 138f. Unverträglichkeit gegenüber Richthofen. II 168. Abschiedsgesuch und Sturz. II 214ff. Der Kaiser über den „Höllensohn". II 216. Zerwürfnis zwischen Holstein und Philipp Eulenburg. II 290 ff. Dieser über ihn und die Harden-Affäre. II 312f. Holstein gegen Hammann. II 359, 442. Besuch Bülows an Holsteins Krankenbett. II 466. Tod. II 468. Taf. II 416. Eulenburg: Holstein habe ihm das Grab geschaufelt. III 27. Holtzendorff, Henning v., Admiral, 1915 Chef des Admiralstabs (f 1919). I 109. II 320. III 271. Hompesch, Graf, Zentrumsabgeordneter. Abgabe einer Denkschrift über die Monarchie. I 600 f. Huc, Otto, sozialdemokratischer Abgeordneter (t 1922). II 92, 510. Hülsen, Botho v., Hof- theatcr-Intendant in Berlin, Vater der beiden folgenden (f 1886). I 177f. Hülsen, Dietrich v. (dann Graf v. Hülsen-Haeseler), 1901—1908 Chef des Militärkabinetts (f 1908). I 72, 174 f., 404. Sein Konflikt mit Philipp Eulenburg. I 603. Mit dem Kaiser nach Rom. I 607. Gegen Professor Schiemann. I 15. Über Hellmuth Moltkes Ernennung zum Chef des Generalstabs. II 183. Zwang auf Kuno Moltke, Prozeß anzustrengen. II 293. Der Kaiser möchte ihn als Statthalter nach Straßburg schicken. II 301. Tod. II 441. Eulenburg über die Generals-Kamarilla. III 30. Hülsen, Georg v. (dann Graf v. Hülsen-Haeseler), Bruder des vorigen, Intendant des Wiesbadener Hoftheaters, dann General-Intendant in Berlin (f 1922). I 174 f., 456. Von Philipp Eulenburg promoviert. I 603. Huene, Karl Freiherr v. Hoitlingen, Zentrumsabgeordneter (f 1900). I 596. Huhn, v., Vertreter der „Kölnischen Zeitung" in Berlin. 1469. III 73 f., 91. Humbert, seit 1878 König von Italien, ermordet 1900. Gast bei Kaisermanövern. I 128. Antwortrede in Homburg. I 134. Lanza sein Adjutant. I 144. Begrüßt den Kaiser in Venedig. I 242. Seine Ermordung in Monza. I 129. Leo XIII. über das Attentat. I 614. 398 NAMENREGISTER Humperdinck,Engelbert, Komponist. III 203. Hunzinger, Prof., Haupt- pastor an St. Michaelis in Hamburg. III 133. Hutten-Czapski, Graf, Pole, Mitglied des preuß. Herrenhauses. I 566 f. Ilberg, Dr., Generalarzt. I 288. Ingenohl, Admiral. III 182 f. Inouye, Marquis, japanischer Gesandter in Berlin. Demarche bei Bülow. I 629 f. Irene, Gattin des Prinzen Heinrich von Preußen, geb. Prinzessin von Hessen. I 102, 455. II 132. Isabella, Erzherzogin von Österreich, Gattin des Erzherzogs Friedrich, geb. Prinzessin Croy. I 624. III 221. Iswolski, Alexander Pc- trowitsch, 1906 bis 1910 russischer Minister des Auswärtigen, 1910 bis 1917 Botschafter iu Paris (t 1919). II 259 f. Seine Karriere. II 294f. Aussprache Bülows mit ihm. II 295 f. Vertrag mit England (1907). II 316. Von Eduard VII.gewonnen. II 325. Uber Reval. II 326. Geht nach Buchlau. II 335. Fehler auf Fehler. II 393. Seine Reisen. II 393 ff. Unterredung mit Bülow über die Dardanellenfrage. II 394ff. Frühstücksgast des Kaisers. II 397 f. Iswolskis Rückzug. II 399. Aehrenthal droht ihm mit Veröffentlichung der Geheimdokumente.il 400 f. Iswolskis Grimm auf Aehrenthal. II 402. Sein weiteres Schicksal. II 404. Harden über ihn. II 467. In den finnischen Schären.II 480 ff.Beschul- digt Aehrenthal der Chantage. II 482. Taf. II 400. Die nicht wegzuleugnende invite. III 181. — Brief an Bülow nachdess.Rück- tritt. III 358f. Jacobi, Baurat, Direktor des Saalburg-Museums. I 171. II 19. Jacobi, Hugo, Chefredakteur der „Berliner Neuesten Nachrichten". I 393. II 221. Jacobi, preußischer General, Militärbevollmächtigter in Petersburg. I 607. II 260. Jagemann, v., badischer Vertreter im Bundesrat. 1138. Jagow, v., preuß. Konservativer, später Oberpräsident von Westpreußen. Als „Kanalrebell" gemaßregelt. I 297. II 488. Jagow, Gottlieb v., Gesandter in Luxemburg, 1909 Botschafter in Rom, 1913—1916 Staatssekretär des Äußern. I 13, 190. Karriere. III 33 ff. Bülow schlägt ihn dem Kaiser als Nachfolger für Monts vor. III 34 f. Das deutsch- franz.-engl. Abkommen „auf Kosten Belgiens". III 81. Verhängnisvolle Richtung der Kriegspolitik. III 86. Mit Bülow bei Loebell. III 96. Voreingenommenheit für das „feudale" Österreich. III 114. Nennt wirtschaftliche Vorsorgemaßregeln überflüssig. III 155. Seine Direktiven. III 158f.„Das Herz in den Stiefelspitzen." III 159. Die Stirnlocke der Fortuna. III 164. Hinhaltende Erklärungen an Italien. III 168. Stümperei. III 178. Abhängigkeit vom Ballplatz. III 180, 190. Sucht Bü- lows römische Mission zu hindern. III 193. Gegenwirkung. III 197. Ist Italiens völlig sicher. III 208. Erzählungen über Bülow. III 239. Von diesem ignoriert. III 240 f. Abschied November 1916. III 271. Taf. III 176,256. Jameson, Sir Leander Starr, Verwalter von Rho- desia, Urheber des Ja- meson-Raid. I 473. Jatho, protestant.-liberal. Pastor in Köln. III 94. Jaures, Jean, Führer des franz. Sozialismus, ermordet in Paris 31. 7. 14. II 106, 114. Gegen Del- casse. I 167 f. Die „rote Schwalbe". II 263. Jelissaweta Mawrikie- wna, Großfürstin, geb. Prinzessin von Sachsen- Altenburg. I 306. Jencke, stellvertr. Vorsitzender des Zentralverbands deutscher Industrieller. I 467. Jenisch, v., Gesandter, Vertreter des Auswärtigen Amts beim Kaiser. II 242 f., 304, 323, 338, 350, 354, 377, 471, 472. Jenssen, deutscher Konsul in Christiania, Gast bei Nordlandreise. I 349, 350. Joachim Prinz von Preußen, jüngster Sohn des Kaisers. I 451, 459. Joachim, Josef, Musiker. II 111. Joffe, Botschafter d. Sowjet-Republik in Berlin. III 289, 301, 303. Johann König von Sachsen. I 490, 590. NAMENREGISTER 399 Johann (Orth) Erzherzog von Österreich. I 167. Johann Georg Prinz von Sachsen. I 590. Jonescu, Take, rumän. Politiker. III 280. Kämpf, freisinnig. Rcichs- tagsabgeordn., Stadtrat und Stadtältester von Berlin. II 257, 281. Kahl, Wilhelm, Professor, Staatsrechtslehrer. Für d. Recht von Lippe-Biesterfeld. I 228. Brief Bismarcks an ihn. I 228. Kaizl, österreichischer Finanzminister. I 162. Kailay, Benjaminv..öster- reichisch-ungar. Reichsfinanzminister. I 160. Kälnoky, Freiherr (Graf), 1881—1895 österreich.- nngar. Minister d. Äuß. I 90. II 295. Kanitz-Podangen, Graf Hans, Führer der preuß. Konservativen. I 294, 532. II 461, 477, 510. Bedauert den Kampf gegen Bülow. II 507. Tod. III 103. Kaphengst, v., Konservativer. II 477, 506. Kapp, Wolfgang, Vortragender Rat im preuß. Landwirtschafts-Ministerium, Kommissar bei den Verhandlungen mit Rußland in Norderney (1904), Generallandschaftsdirck - tor, Putschist (1920). I 106, 531. II 42f. Konflikt mit Bethmann während des Weltkriegs. II 43. III 258. Kardorff, Wilhelm v., Führer der Freikonservativen (t 1907). I 202, 592. Antrag Kardorff. I 593 f. Bismarck zuKardorff. II 54. Bismarcksche Schule. II 461. III 5. Karl (Karl Franz Josef), 1916—1918 Kaiser von Österreich, König von Ungarn (f 1922). I 157, 159. Schickt Tisza fort. I 161, 590. Düpiert den deutschen Botschafter. III 141. Seine Regierung. III 269, 270. Der Sixtus- Brief. III 279 f. Clcmcn- ccau über Karls Lüge. III 279. Karl Prinz von Dänemark, als Ilaakon VII. König von Norwegen. II 157 f. Karl Alexander Großherzog von Sachsen-Weimar (f 1901). Telegramm an Bülow. I 284. Charakteristik. I 284 ff. Über kleine Verhältnisse. I 483. Karoline Mathilde Herzogin von Glücksburg, Schwester der Kaiserin. I 534. Kärolyi, Michael, Graf, Oktober 1918 ungarischer Ministerpräsident, Jan. bis März 1919 Präsident der Republik Ungarn. I 163. Kautsky, Karl, Sozialist. Theoretiker. III 255. Kayser, Paid, Direktorder Kolonialabteilung(tl898) I 474. Keller, Gräfin Mathilde. I 246, 248. II 280. Keller, Graf Theodor, russischer General. I 246. Keppel, Mrs., Freundin Eduards VII. II 189. Kessel, Gustav v., General ä la suite, dannKomman- deur des Gardekorps, Gouverneur von Berlin (f 1918). I 177. Unterzeichnet Telegramm an Bülow. I 288. Verhalten in San Remo, beim Prinzen von Wales, deshalb unpolitisch. I 342 f. Über Befehle des Kaisers, zu schießen. I 617. Eulenburg über die Generals-Kamarilla. III 30. „Isaak". III 225 f. Ketteier, Klemens Freiherr v., seit 1899 deutscher Gesandter in Peking, 1900 ermordet. I 357f., 438, 440. Khucn-Hederväry. Graf, ungarischer Ministerpräsident. I 163. Khnn, Bela, ungarischer Bolschewist. I 150. Kiderlen-Wächter, Alfred v., Gesandter in Kopenhagen, ab 1900 in Bukarest, 1910 Staatssekretär des AuswärtigenAmts (f 1912). Holstein gegen ihn. I 6. Marschalls intimer Feind. I 7, 8. Intrigen. I 13. Ersetzt durch Jagow. I 13. „Spätzle." I 30. Fährt nicht mit dem Kaiser nach Rußland. I 55. Sucht Lucanus zu ridikülisieren. I 64. Monts über „gewisse Herren". I 127. „Hat ausgespielt" (Wilhelm IL). I 139. Als Gesandter in Kopenhagen. I 212. Die Versetzung nach Bukarest. I 395. Gesinnung gegen Bülow. I 396. „Plumper Schwabe" (Schweinitz). I 409. Gegen die „Hammeldiebe von der unteren Donau". I 626. III 112. Über Rouviers Verständigungswunsch. III 125. Kongo- Vertrag. II 199. VomKai- ser als Nachfolger Richthofens abgelehnt. II 214. Auch als Nachfolger Tschirschkys. II 302. Provisorischer Leiter desAus- wärtigen Amts (November 1908). II 360. Die gelbe Weste. II 371 f. Intrigen wegen seines 400 NAMENREGISTER Privatlebens. II 415 f. Wilhelm II. gegen ihn. II 512. Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 32 f. Verantwortlich für den Panthersprung. III 87. Besuch in Rom. III 88. Tod. III 88. Kiderlen über das „Baby" Lich- nowsky. III 123. Kipling, Rudyard, englischer Dichter. I 558. Kirdorf, rheinischer Industrieller. III 90. Kirschner, Oberbürgermeister von Berlin. II 421. Kitchener, Herbert, Earl of Khartum, Sirdar (t 1916). I 271, 332.1121. Klehmet, Legationsrat. I 36, 38. Bericht über Pläne von Tirpitz. I 188 f. Auf der Orientreise. I 243. „Daily - Telegraph" - Affäre. II 353, 358ff., 360. Kleinmichl, Gräfin Marie, Dame des Zarenhofs. I 96, 246. III 84. Kluck, Alexander v., Generaloberst, seit Oktober 1916 in Ruhestand. III 184, 323. Knackfuß, Hermann, Professor. I 176, 254. II 131, 378. Knesebeck, Bodo v. dem, Kabinettsrat d. Kaiserin. I 73. Auf der Orientreise. I 244, 260. Freundschaft mit Bülow. I 246, 443, 500 f. II 52. Über Redseligkeit des Kaisers. I 453 f. Redigiert Depesche Wilhelms II. an Loubet. II 19. Worte des Kaisers über Bülow. II 449 f. Knesebeck über den Kaiser. II 477. Briefwechsel mit Bülow. III 58 ff. Knollys, Lord, vertrauter Freund Eduards VII. II 504. Knyphausen, Edzard, Graf, 1900 Fürst. II 121, 287. Koller, Ernst Matthias v., 1894—1895 preußischer Minister des Innern, dann Oberpräsident von Schleswig-Holstein, 1901—1908 Staatssekretär für Elsaß- Lothringen. I 32, 37, 43, 156. Koller, Georg v., Bruder des vorigen, Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses (f 1916). II 457. Körner, Direktor der Handelspolitischen Abteilung im Auswärtigen Amt. I 531, 596. Bei den Verhandlungen mit Rußland in Norderney. II 42, 46, 49. Körte, Dr., Oberbürgermeister von Königsberg. III 132. Kokowzow, Wladimir Ni- kolajewitsch, russischer Finanzminister und Ministerpräsident. II 295. Besuch bei Bülow in Rom. III 128 f. K o m u r a, Baron, Vertreter Japans bei dem Frieden von Portsmouth. II 169. Taf. II 168. Konstantin, Kronprinz, 1913—1917, 1920—1922 König von Griechenland, Schwager Wilhelms II. I 148. Versöhnung des Kaisers mit ihm. I 252. In England. II 126. Lärmender Empfang in Berlin (1913). III 105f. Kopp, Dr., Fürstbischof von Breslau, Kardinal. I 566, 589, 612, 619. Brief an Bülow über das Konklave von 1903. I 619ff. Über das Jesuitengesetz. II 14. Gegen Hertlings Mission nach Rom. II 101. Dank des Episkopats. II 259. Brief an Bülow zur Reichstagsauflösung. II 272f., 379. Enteignungsvorlage. II 491. An Bülow. II 502. Kopsch, Julius, Rektorin Berlin, freisinniger Landtagsabgeordneter. III 355f. Korfanty, preußisch-polnischer Abgeordneter. I 566 f. Korum, Felix, seit 1881 Bischof v. Trier (f 1921). I 588f. Koscielski, Josef Theodor Stanislaus v., Führer der preuß. Polen (f 1911). I 305. Kossuth, Franz, ungar. Handelsminister (f 1914). I 156. Kossuth, Ludwig, Vater des vorigen, ungarischer Nationalführer (f 1894). I 156. Kriege, Geheimer Rat. Vertrauensmann Holsteins. II 168f. Abfassung der Kriegserklärung an Rußland. III 167 f. Kriwoschein, russischer Landwirtschaftsminister. III 128. Über Friktionen zwischen Berlin und Petersburg. III 131. Kröcher, Jordan v., Präsident des preuß. Abgeordnetenhauses (f 1918). I 519. II 232, 271. Kropatschek, Dr., Chefredakteur der „Kreuzzeitung", konservativer Abgeordneter. II 95. Krüger, Paul, 1883—1899 Präsident der Südafrikanisch. Republik (f 1904). Seine Abfahrt nach Europa. I 398. Nicht-Empfang durch den Kaiser. I 464, 471,473. NAMENREGISTER 401 Krupenski, Anatol, russischer Botschafter in Rom. III 126 f., 188, 219. Krupp, Friedrich Alfred, Großindustrieller(fl902). Sein Tod. I 584 ff. Kühlmann, Richard v., Geschäftsträger in Tanger, 1917 Staatssekretär des Äußern. I 190. In Bukarest. I 203. Bei der Landung in Tanger. II 111. Staatssekretär. III 272. Betreibt Hertlings Ernennung zum Reichskanzler. III 274. Brest- Litowsk. III 275. Kühn, Reichsschatzsekretär. III 155. Kuropatkin, General, russischer Oberbefehlshaber in der Mandschurei. II 22, 130, 170. Kyrill Wladimiro- witsch Großfürst von Rußland. I 488. Trauung mit Viktoria Melitta. II 122ff. Lacroix, franz. General. I 305, 526, 574. II 123. Lahusen, Prediger an der Dreifaltigkeits-Kirche in Berlin. II 275. Lambsdorff, Wladimir Nikolajewitsch, Graf, 1900—1906 russischer Minister des Auswärtigen. Gratuliert Bülow zur Reichskanzlerschaft. I 390. Ernennung. I 409f. Brüskierung durch Wilhelm II. I. 541 ff. Erhält den Schwarzen Adlerorden in Reval. I 580. Goluchowski lobt ihn. I 626. Sieht sich von den ostasiatischen Fragen ausgeschaltet. I 630 f. Die Großfürstin Wladimir über ihn. II 6. Widerspricht einer russisch-deutschen Defensiv- Allianz. II 133 f. Fehlt in Björkö. II 136 f. Überrascht. II 139. Ist ungewöhnlich guter Laune. II 143. Erreicht Desavouierung. II 144. Vertrauen zu Bülow. II 150. Rücktritt und Tod. I 632. II 293. Langenieux, Kardinal. I 610. Lansdowne, Henry Charles Keith, Marquis of, engl. Kriegsminister,dannVizekönig von Indien, 1900 bis 1905 Außenminister. Drängt nicht auf Anschluß an Deutschland. I 317. Franzosenfreundlich. 1319. Verhandlungen mit Hatzfeldt. I 331 f. Verurteilt antideutsches Gedicht Kiplings. I 558. Er und Graf Metternich. II 37. Preßfehde gegen ihn schädlich. II 189. Erklärung über englische Politik. II 205. Lanza, Graf Carlo, 1892 bis 1906 ital. Botschafter in Berlin. I 144. Erneuerung des Dreibunds. I 580. Gegen Monts. I 606f. Lascelles, Sir Frank Ca- vendish, von 1895 bis 1908 engl. Botschafter in Berlin. I 144. Unterredung Bülows mit ihm über China. I 186. Besucht Bülow in Windsor. I 314. Brief Eduards VII. an ihn. I 332. Muß Vorstellungen in Berlin erheben. I 433. Wilhelm II. überfällt ihn mit dem Feldzugsplan gegen die Buren. I 517. Intervention nach Chamberlains Rede in Edinburgh. I 552 f. Über Vertrauenseinbuße des Kaisers. II 86. Über Delcasses Enthüllung. II 168. Bericht an Eduard VII. über Unterredung mit dem Kaiser. II 187. Vermittler. II 190. Erhofft Besserung. II 208. Zwischenfall. II 305 f. Bei der Entrevue in Homburg. II 322. Lasker, Eduard, Abgeordneter der preuß. Fortschrittspartei, Mitbegründer der Nationalliberalen Partei. I 466. L a s s a 11 e, Ferdinand, sozialistischer Politiker. I 198, 397, 585. II 236. Lasson, Adolf, Professor der Philosophie an der Universität Berlin. I 430. II 285. III 277. Lauff, Joseph v., Major, Autor des Schauspiels „Der Burggraf". I 175 f. II 378. Lazio, Porträtist. Bildnis Wilhelms II. Taf. II 496. Lebbin, Frau v., mit Holstein befreundet. II 466ff. III 137. L e c o m t e, franz. Diplomat. II 312. Ledebour, Georg, sozialdemokratischer Abgeordneter, dann USPD. II 271. Lederer, Hugo, Bildhauer, Schöpfer des Hamburger Bismarck - Denkmals. I 174. Ledochowski, Graf Wlo- dzimierz Halka von Ledo- chow, seit 1915 General der S. J. Die Friedens- Initiative Stürmers. III 251 f. Charakteristik Le- dochowskis. III 252f. Lee, Zivillord der engl. Admiralität. Rede gegen deutsche Flotte. II 71, 158. Legien, Carl, Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften. II 510. 26 Bülow III 402 NAMENREGISTER Lehndorff, Graf Heinrich, General der Kavallerie, Generaladjutant Wilhelms I., dann Landhofmeister in Preußen. I 31, 74. III 98. Lenbach, Franz v., Maler. I 480f., 482. III 42. Lenin, Wladimir Iljitsch (Uljanow), Gründer der Sowjet-Republik. I 96. Leo XIII. (Pecci) Papst 1878—1903. I 589. Besuch des Kaisers bei ihm. I 610 ff. Tod. I 619. Für ital. Republik. II 60. Charakteristik. III 108 f. Leopold II. König der Belgier (f 1909 inLaeken). Sein Besuch in Kiel. I 17. Bietet Wilhelm II. Millionengeschäfte an. I 80 f. Besuch in Berlin (1904) mit stürmischem Abschluß. II 72 ff. Jagow über den Kongo. III 81. Leopold Prinz von Bayern, zweiter Sohn des Prinzregenten Luitpold, 1916 Generalfeldmarsch, u. Oberbefehlshaber Ost. I 483. III 323. Leopold IV., Graf zu Lippe-Biesterfeld, 1904 Regent von Lippe-Detmold, 1905 Fürst, 1918 abgedankt. Telegramm Wilhelms II. an ihn. II 55. Der Kaiser findet sich ab. II 57. Brief des Fürsten Leopold an Bü- low. II 57 f. Lerchenfeld, Hugo, Graf, 1880 bis 1918 bayrischer Gesandter in Berlin und Bevollmächtigter zum Bundesrat. Szene in seinem Haus zwischen Herbert Bismarck und Marschall. I 9. Berichte über die Lage in Berlin. I 35, 36. Nüchterner Menschenverstand. I 124. Über Wilhelm II. I 238. Im Weißen Saal. I 479. Über Dr. Schädler. I 597. Dementiert Nachricht von Verstimmungen zwischen ihm und Bülow. II 518. Über Lichnowsky. III 124. Über Dr. Michaelis. III 268. Zu Hertling. III 274. Lessei, Emil v., Generalleutnant, Kommandeur des China-Expeditionskorps. I 357. Leszczynski, v., Kommandierender General in Altona. III 95. L eut hold, Rudolf v., Leibarzt Wilhelms I. und Wilhelms IL, Generalstabsarzt der Armee. I 457, 616. II 422. Levetzow, Albert v., Landesdirektor der Provinz Brandenburg, Mitglied d. Herrenhauses und des Staatsrats, 1881 u. 1884 u. 1888—1895 Präsident des Reichstags. I 530. Lichnowsky, Fürst Karl Max, bis 1904 Personalreferent des Reichskanzlers, 1912—1914 Botschafter in London (f 1928). Wilhelm II. denkt an ihn als Reichskanzler. I 183. Personalrefcrent. I 195. Erhält 1914 Ratifikation des Bagdad- Bahn-Vertrags. I 253. Der „alte, ehrliche L." (Monts). I 482. Über die Verhandlungen mit England (1901). I 507. Monts an ihn. II 99 ff. Vertraulich aus Slawentzitz. II 260. Über Enteignungsvorlage. II 492. Über Bethmann. III 91. Entsendung nach London. III 122 ff. Holstein über ihn. III 123. Brief an Bülow (August 1914). III 149f. Irrtümliches Telegramm über Neutralitätsangebot Englands. III 171 f. Ausschließung aus dem Herrenhaus. III 256. Taf. III 124, 128. Liebenau v., Hofmarschall, dann Oberhofmar- schall. I 75. Lieb er, Dr. Ernst, seit 1871 im Reichstag (f 1902), Führer des Zentrums nach WindthorstsTod. I 199f., 596. Liebermann, Max, Maler, Führer der naturalistischen Generation. Von Wilhelm II. boykottiert. I 177. II 378. Schwiegervater Dr. Riezlers. III 25. Vetter Rathenaus. III 40. Natürlichkeit. III 42. Liebermann von Sonne n b e r g, deutschsozialer Reichstagsabgeordneter. I 288, 599. Angriff auf Chamberlain. I 554. II 230. Gegen den Kaiser. II 370. In der Erbschaftssteuer-Abstimmung. II 506. Liebert, Eduard v., General, freikonservativer Reichstagsabgeordneter, Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes und des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. II 277. Liebknecht, Karl, sozialistischer Abgeordneter seit 1908 (1912), erschossen am 15. 1. 1919. I 258. III 257, 258, 301, 311 f. Liegnitz, v., Kommandeur des 3. Armeekorps. I 373. Liliencron, Detlev v., Dichter. III 7, 246. NAMENREGISTER 403 Liman von Sanders, Otto, General, 1913 Chef der deutschen Militärmission in der Türkei, 1914 Kommandeur des an den Dardanellen stationierten türkischen Armeekorps. III 129ff. Limburg-Stirum, Graf Friedrich Wilhelm, Gesandter a. D., preußischer Konservativer, Reichstagsabgeordnet, (f 1912). Oppositionell in der Kanalvorlage. I 295. Injurien des Kaisers gegen ihn. I 295. Maßregelung. I 295. Der „Judenabkömmling". 1296. Frühere Disziplinierung unter Ca- privi. I 296. Kritik an der Haltung im Burenkrieg. I 475. Für den Zolltarif. I 533. Abgabe einer Denkschrift über die Monarchie. I 600 f. Über die Bismarcks. II 54. Bis- marcksche Schule. II 461. Lindau, Anna (Saint-Cere, Case). I 403 f. Lindequist, Friedrich v., 1905 Gouverneur von Deutsch - Süd westafrika, 1910—1911 Staatssekretär des Reichskolonialamts. III 133. Lindequist, v., Kommandierender General des 18. Armeekorps. I 373. Linjewitsch, russ. General, Oberbefehlshaber an Stelle Kuropatkins. II 170. Lipton, Sir Edward, Teemagnat, Freund Eduards VII. II 30. Litzmann, Karl, General der Inf., im Weltkrieg Führer der 3. Gardeinfanterie-Division. III 323. Lloyd George, 1905 englischer Handelsminister, 1916 Führer des Koalitions-Ministeriums, Vorsitzender des Kriegsrats, 1908—1909 Kanzler des Staatsrats, im Weltkrieg Munitionsminister, dann Staatssekretär des Kriegs, Vertreter Großbritanniens in Versailles. I 251, 317, 430, 555. II 8, 92. Wird 1905 Handelsminister. II 205. Versuchte Vereinbarung über Rüstungsbeschränkung. II 359. Energie der Kriegführung. III 86. Drohung in der Agadir-Episode. III 87, 118. Lobanow, russischer Minister des Äußern. I 36. Loe, Walter Freiherr v., Kommandeur des 8. Armeekorps, Generaloberst, dann Generalfcldmar- schall (f 1908). 1 118, 366, 443. Brief an Bülow. I 390 ff., 530. Rede an Bülows Geburtstag. I 559 ff. Jubiläum der Königshusaren. I 577. Tod. II 441 f. Taf. II 440. III 42. Loebell, Friedrich Wilhelm v., Chef der Reichskanzlei unterBülow,Ober- präsident von Brandenburg, dann Staatsminister des Innern. II 276f., 350, 353, 356. Der Kaiser zu ihm über Bülow. II 449. Enteignungsvorlage. II 489. Ändert seine Ansicht über Bethmann und Valentini. III 12f. Erinnert Bethmann an Ehrenpflicht gegenüber Bülow. III 74. Besuch Bülows bei ihm in Brandenburg a. H. III 95. Stößt bei Wilhelm II. auf eigensinnigen Widerstand. III 114. Mitarbeiterschaft am Jubiläumswerk 1913. III 132. Heimfahrt mit Tirpitz im Juli 1914. III 167. Brief an Bülow. III 201. Über Wahlrechtsreform und Bethmann. III 264. Bethmann zu ihm über Bülow. III 276. Enthoben. III 313. L o e n, Leopold, Freiherr v., General. I 247 f. Loewenfeld, v., Oberst (dann General), Flügel- adjutant. I 13ff. „Mit Revolver und Degen" auf das „B. T." geschickt. II 98. Soll zur Beobachtung der englischen Flotte nach Swinemünde. II 153. Telegramm des Kaisers aus Spa. III 297. Löwenstein, Graf Aloys, Zentrumsführcr. I 245. Logue, Kardinal. I 620. Lonsdale, Earl of, Freund des Kaisers, bei Eduard VII. mißliebig. I 70 f. Manövergast. I 153. Brief an Wilhelm II. nach Bismarcks Tod. I 234. Ungünstige Wirkung des kaiserlichen Besuchs bei ihm. I 303 f. Wilhelm II. erlebt nicht viel Freude an ihm. 1305,574. Taf. 1416. Eduard VII. verstimmt durch seine Einladung nach Kiel. II 30. Schürt den Antagonismus beider Herrscher. II 155 f. Taf. III 112. Loubet, Emile, 1899 bis 1906 Präsident der Französischen Republik. 1621. Besuch in Rom. II 16, 60. Keine Begegnung mit Wilhelm II. II 16 f. Gegen Combes' Antiklerikalis- mus. II 61. Eduard VII. bei ihm als Schützer Del- casses. II 114. 26* 404 NAMENREGISTER Lucanus, Friedrich v., seit 1888 Chef des kaiserl. Zivilkabinetts (t 1908). I 37, 61, 509. Von Bismarck Wilhelm II. empfohlen. I 61. Sein Charakter. I 63 f. Umstrittene Persönlichkeit. I 72, 79. In Peterhof. I 94 f. Will keine Verstimmung des Kaisers. I 94. Von Bismarck nach dem Sturz gehaßt. I 173. Im Wiesbadener Hoftheater. I 176. Korrigiert Rekruten- Vereidigungs-Rede. 1191. Flüstert bei kaiserlichem Trinkspruch. I 204. Verhindert Unterdrückung der „gepanzerten Faust". I 205. Über Bismarcks Altersbrand. Bismarck sieht in Friedrichsruh über ihn hinweg. I 209. Mitverfasser der Jerusalemer Predigt des Kaisers. I 255. Goutiert den Orient nicht. I 260. Nach Hohenlohe „gehorsamer Diener" Miquels. I 362. Fahrt mit Bülow nach Homburg. I 380 ff. Über Bismarck, Caprivi und Hohenlohe. I 381. Über Intrigen Philipp Eulen- burgs gegen die Kaiserin. I 451. Bestellung des Kaisers durch Lucanus: Teilnahme an Enthüllung des Berliner Bismarck- Denkmals sei unter seiner Würde. I 528. In Heia. I 542. Auf der Marienburg. I 569f. Soll Philipp Eulenburg retten. I 604. Uber den „Allerhöchsten Herrn". II 99. Arbeitet Kabinettsorders aus. II 239. Zwang auf Kuno Moltke, Prozeß anzustrengen. II 293. Lucanus wählt sich Va- lentini zum Nachfolger. II 441. Luccheni, Mörder der Kaiserin Elisabeth. I 239. Lucius von Ballhausen, Robert, 1879 bis 1890 preußischer Landwirtschaftsminister. I 442. II 491. Ludend orff,Erich,Oberst, 1914 Chef des Generalstabs, im Osten 1916 Erster Generalquartiermeister. Angriffe von Hans Delbrück. I 112. Lüttich. III 173. Tannenberg. III 185f. Verabschiedung in Schloß Bellevue (1918). III 204. Das Königreich Polen. III 24f. Bankettrede Gerards. III 271. Oberste Heeresleitung. III280.Waffenstillstands- Begehren. III 296. Heerführer. III 323. Ludwig II. König von Bayern. I 140, 145, 179. Ludwig Prinz von Bayern, 1913—1918 König Ludwig III. (f 1921). I 34, 36, 42. Wilhelm II. öffnet ihm den Wagenschlag. I 133. Gereiztheit. I 141. Dynastische Aspirationen. I 142. Über die Kriegserklärung Englands (1914). I 419. Bü- lows Münchner Besuch. I 481. Ansprache beim 50. Geburtstag des Kaisers. II 476. Gibt seinem Sohn einen Verweis. III 296. Flucht. III 304. Ludwig IV. Großherzog von Hessen (f 1892). I 487. Seine Heirat mit Madame Kolemine. 1488f. Luise Großherzogin von Baden, Tochter Wilh. I. I 169f., 299, 432, 486. III 38, 63 f., 201 f., 239. Luise von Toskana, bis 1903 Kronprinzessin von Sachsen (Gräfin Montig- noso). I 589 f. Luitpold, 1886 bis 1912 Prinzregent von Bayern. I 36. Charakteristik. I 119f., 478f. Wehrtin der Lippeschen Frage ab. I 267. Empfängt Bülow. I 476 f. Swinemünder Depesche Wilhelms II. an ihn. I 582 ff. Handschreiben an Bülow. II 94. Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 337. Luther, Hans, Dr., Oberbürgermeister von Essen, dann Reichsminister und von 1925—1926 Reichskanzler. III 319. Luxemburg, Rosa, sozialistische Politikerin, ermordet 15. 1. 1919. III 258, 301, 311f. Luzzatti, Luigi, italienischer Schatzminister. I 30, 198. Arbeitet für Del- casse. II 115 ff. Lynar, Johannes, Graf. II 307, 314. Lyncker, Moritz v., General, 1908—1918 Chef des Militärkabinetts. I 73. II 441. Macchio.v., Sektionschef im Wiener Ministerium des Äußern, dann Botschafter in Rom. III 217, 222, 233, 234, 235. Mac Kenna, Lord der brit. Admiralität. II 376. Mackensen, August v., 1899 Oberst und Flügeladjutant, im Weltkrieg Generaloberst u. seit 1915 Generalfcldmarschall. I 288. III 323. Makart,Hans,Wiener Maler. I 538, 550. Taf. 132. Malinow, Alexander, 1908 bis 1911 und Juni bis Oktober 1918 bulgarischer Ministerpräsident.111287. Maitzahn- Gültz, v., Reichsschatzsekretär. I 442. NAMENREGISTER 405 Malvy, Louis Jean, 1914 bis 1917 franz. Minister des Innern, 1918 zu fünfjähriger Verbannung ver- urttilt. III 260. Mandel (Rothschild), Kabinettschef Clemenceaus. I 320. Mangin, franz. General, nach der Offensive am Chemin-des-Dames kaltgestellt, zuletzt Kommandant der Rhein-Armee. III 322. Manteuffel, Otto Theodor v., preuß. Ministerpräsident unter Friedrich Wilhelm IV. I 395. II 454. Manteuffel, Otto v., Sohn des vorigen, 1908—1911 Präsident des preußischen Herrenhauses. II 457,460. Manteuffel, Edwin Freiherr v., Feldmarschall, 1879 Statthalter von Elsaß-Lothringen (f 1885). I 434, 589. II 184. Marchand, Jean-Baptiste, franz. Major, Afrikareisender, zuletzt Divisionsgeneral. I 271 f. Mareks, Erich, Professor, Historiker. I 327. III 124. Margherita Königin von Italien, 1868 mit ihrem Vetter Humbert vermählt (f 1926). I 128f. Toast Wilhelms II. auf sie in Homburg. I 132 ff. Über Deutsche und Italiener. I 286. Verehrt den Kardinal Sarto. I 622. Strengkatholisch. II 61. Diner für den Deutschen Kronprinzen. III 95. Fürst und Fürstin Bülow in Audienz bei ihr. II 224f. Maria Königin von Rumänien, Gattin Ferdinands, geb. Prinzessin von Coburg. I 306, 488. Eduard VII. über sie. II 29. Maria Feodorowna (Dagmar), Gattin Alexanders III. (f 1928). I 92, 548. 116,66,89, 130, 131, 173. Maria Josefa, Gattin des Erzherzogs Otto, geb. Prinzessin von Sachsen. I 590. III 141, 269. Maria Pawlowna, Großfürstin, geb. Prinzessin von Mecklenburg, Gattin des Großfürsten Wladimir. I 92 f., 96, 307, 549. Gegen die montenegrinische Clique. II 6. Brief über Revolutions-Gefahr (1905). II 129. Über die russische Dynastie. II 175 ff. Marianne Prinzessin von Preußen. I 19. Marschall von Bieberstein, Adolf Freiherr v., 1890—1897 Staatssekretär des Äußern, dann Botschafter in Konstantinopel, 1912 in London (f 24.9.1912). Sein Rücktritt vom Staatssekretariat. I 5. Marschall und Holstein. I 6. Besuch Bülows bei ihm. I 7 ff. Hohenlohe nennt ihn einen Opportunisten. I 9. Er sei mehr Jurist als Diplomat. I 9. Wilhelm II. über seinen „Verrat". I 15f. „Grobe Hausarbeit." I 32. Marschall u. Holstein. I 37. Groll Marschalls gegen diesen. I 43. Marschall und die Kündigung des Rückversicherungs- vertrags mit Rußland. I 45. Briefwechsel mit Bülow bei Marschalls Abschied als Staatssekretär. I 52 ff. Schwarzer Adlerorden. I 52. In der Flottenfrage. I 59. „Absprechend und schwerfällig" (nach Wilhelm IL). I 81. „Etranger aux affaires"(nachBismarck). I 89. Monts über „gewisse Herren". I 127. Der „süddeutsche Hochverräter" (Wilhelm IL). I 139. Zum Botschafter in Konstantinopcl ernannt. I 170. Auf Reichskanzler- Kandidatenliste. I 182. Als Staatssekretär. I 190. Monts über den „minderwertigen Präfekten". I 196. Herbert Bismarck über den „Kleber aus dem Breisgau". I 216f. Sehr türkenfreundlich. I 251. Auseinandersetzung mit Bülow über Kaiserrede in Damaskus. I 258f. Brief an Bülow. I 279f. Taf. I 160. Die Verbindungstür für Holstein. II 215. Vertreter Deutschlands auf der 2. Haager Friedenskonferenz. II 299. Position in Konstantinopel auch unter den Jungtürken. II 330. Constans zu ihm. II 410. Entsendung nach London. Tod. III 122. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 344. Martin, Rudolf, früherer Regierungsrat. II 478 f., 494, 529. III 57, 73, 209. Martino,de, Generalsekretär im italienischen Ministerium des Äußern. III 189. Marx, Karl. I 200. II 237. III 104. Marx, Wilhelm, Oberlandesgerichtsrat in Köln, Vorsitzender der Zentrumspartei, von 1923 bis 1925 Reichskanzler. III 319. Mary Königin von England, Gattin Georgs V., geb. Teck. I 306, 507. 406 NAMENREGISTER Maschin, Draga, Königin von Serbien, Gattin Alexanders, ermordet im Belgrader Konak. I 160. Mathilde Prinzessin von Sachsen. I 590. Matthieu, Kardinal der Kurie. I 620. Max Prinz von Baden, Reichskanzler vom 3. 10. bis zum 9.11.1918.1357. Charmanter Dilettant. I 493. Entlobung von der Großfürstin Helene. 1549. Wird Reichskanzler. III 286. Charakteristik. II 292 ff. Kriegsende. III 301. Übergabe der Geschäfte an Ebert. III 306 f. Katastrophe besiegelt. III 331. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 339. Maximilian, Erzherzog, Kaiser von Mexiko. 1167. Maybach, Albert v., 1879 bis 1891 preußischer Minister der öffentlichen Arbeiten. III 42. Mazzini, italien. revolutionärer Agitator. II 200. III 218. Mechler, Geheimrat im Auswärtigen Amt. I 363. III 116f. Mehnert, Dr., Führer der sächsischen Konservativen. II 474 f. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 354. Mehring, Franz, Sozialist. Schriftsteller (f 1919). III 104. Meier-Graefe, Julius, Kunstkritiker u. Essayist. II 223. Melle, v., Dr., regierender Bürgermeister von Hamburg. III 145. Mendelssohn, Ernst v., Bankier. II 41. Brief von Frau Witte an ihn. II 174 f. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 351. Mendelssohn, Robert v., Bankier. I 297. Menier, franz. Schokoladefabrikant. II 244, 246. Mensdorff-Pouilly, Albert, Graf, österr.-ungari- scher Botschafter in London. II 35f., 154f. Der Kaiser sehr schlecht auf ihn zu sprechen. II 153 f. Ersatzmann EduardsVII. für Aehrenthal. II 399. Merey, v., österr.-ungarischer Botschafter in Rom. III 187f., 189, 190, 191. Abberufen. III 217. Merkle, Dr., Professor der katholischen Theologie in Würzburg. III 133. Metternich, Graf Paul, preußischer Gesandter in Hamburg, später deutsch. Botschafter in London. Gegensatz zu Tirpitz. I 110. Brief an Bülow. I 343 f. An Bülow über China. I 367 ff. Bericht über Salisbury, Chamber- lain und englische Gesamtpolitik. I 422 ff. Sein Wert als Berichterstatter. I 419. Gegen verlängerten Aufenthalt des Kaisers in England. I 506. Wird Botschafter in London. I 558. Berichte über die Marokko-Frage. II 3 ff. Brief über Quertreibereien zwischen Berlin und London. II 34 ff. An Bülow nach dem Doggerbank - Zwischenfall. II 66. Brief an Bülow über antideutsche Stimmung des englischen Hofs. II 126f. Über den Prinzen von Wales (Georg V.). II 158 f. Frei von persönlicher Ambition. II 164. Briefe an Bülow über Eduard VII. und Wilhelm II. II 187 ff. Über verständigeren Ton in England. II 201 ff. Verhindert in Highcliffe ein Telegramm des Kaisers an Bülow. II 308. Brief über Tempo des deutschen Flottenbaues. II 321, 324. Über die Affäre Tweedmouth. II 325. Berichte. II 330 f. An Bülow über Verlangsamung des Flottenbautempos. II 417 ff. Beim Besuch Eduards VII. i. Berlin anwes. II 419. Der Kaiser will ihn zum Sündenbock machen. II 429. Bei der Konferenz im Reichskanzlerpalais. II 431 ff. Briefwechsel mit Bülow. II 503f. Von Bethmann geopfert. III 122. Metternich und die diplomatische Situation von 1914. III 162. — Briefwechsel mit Bülow nach dessen Rücktritt. III 361 f. Metz, de, franz. General. III 322. Metzsch, Karl Georg v., sächsisch. Staatsminister. I 443, 531. III 49. Meysenbug, Malwida v., Verfasserin der „Memoiren einer Idealistin" (f 1903). Zur Dreyfus- Affäre. I 240. Tod. I 550 f. Ihre Adoptivtochter Olga Herzen. III 366. Michael Alexandro- witsch, Großf. - Thronfolger. I406f. Michaelis, Dr. Georg, Obcrpräsidialrat in Breslau, Unterstaatssekretär, 1917 Reichskanzler. 1430. II 102. Geschichte seiner Ernennung. III 267 f. Abschied. III 272 f. Katastrophe beschleunigt. III 331. NAMENREGISTER 407 Michel, General, Militärgouverneur von Paris. III 156. Milan (Obrenowitsch), König von Serbien. 1160. Millerand, Alexandre, Führer der französischen Sozialisten, dann Kriegsminister, Ministerpräsident und Präsident der Republik. Radolin und Wilhelm II. über ihn. I 598, 600. Zu Alfred von Bülow. II 8. Besuch in Berlin. II 165 f. Militärischer Sozialist. III 116. Krieg mit Deutschland. III 156. Minghetti,Laura, Schwiegermutter des Fürsten. I 79. II 86, 346. Über Holstein. I 186. Über Wilhelm II. I 234 f., 269. Ihr Leben. I 385 f., 482. Über die Siegesallee. I 550. Telegramm Wilhelms IL an sie. I 595. Taf. I 592. Eulenburg über sie. III 28 f. Minghetti, Marco, italien. Staatsmann. I 135, 198, 386, 610. II 30, 58, 223, 238, 303. III 223. Miquel, Dr. Johannes (v.), 1890—1901 preußischer Finanzminister, 1898 Vizepräsident des Staatsministeriums (f 1901). „Vielgewandter Ulysses." I 32. Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums. I 51. Telegramm des Kaisers an ihn über Hochwasser und Flotte. I 53. Der „aalglatte" Miquel (Wilhelm IL). I 138. Auf Reichskanzler- Kandidatenliste. I 182. Während Bülows Jungfernrede. I 194. Als Redner. I 199 f. Seine marxistische Vergangenheit. I 200, 585. Seine Vertretung der Kanalvorlage. I 293 f. Klagt über den Kaiser. I 295 f. Gegen Auflösung des Abgeordnetenhauses. I 297. Hohenlohe über seine Absicht, „Krach" mit dem Reichstag zu inszenieren. I 362. Brief Miquels an Bülow. I 362 f. Von Bülow (1900) als Reichskanzler empfohlen, Protest des Kaisers. I 374, 380. Telegramm Bülows an ihn. I 386. Rede im Staatsministerium. I 390. Hohenlohe über sein „Blindekuhspiel". I 494. Bei der Schließung des Landtags „wie vom Schlage getroffen". I 522. Abschied. I 523. Abschiedsdiner. I 524. Taf. I 528. Seine Fühlung mit Schmoller. II 286. III 42. Mirbach, Freiherr v., Oberhofmeister der Kaiserin. Auf der Orientreise. 1244 ff. Seine Kirchenkollekten. I 244 ff. Über den Prinzen von Wales. I 339. Schreiben an die Berliner Stadtverordneten. I 500 f. — Kundgebung b. Bülows Rücktritt. III 349. Mirbach-Harff, GrafWil- helm, Legationsrat, Gesandter in Athen, Bukarest, seit April 1918 in Moskau. In Moskau ermordet. I 244. Mirbach - Sorquitten, Graf Julius, Herrenhausmitglied, Führer der Konservativen (f 1921). I 37, 244. Taf. I 608. II 461, 491. Briefe an Bülow. III 90, 103 f. Mirski, Fürst, russischer Minister des Innern. II 160. Mittelstadt, Otto, Reichsgerichtsrat. I 51. Mittnacht, Hermann v., württemb. Ministerpräsident (f 1909). I 394. Moberly-Bell, englischer Journalist. II 195. Möller, Kommerzienrat, nationalliberaler Parlamentarier, 1901 preußischer Handelsminister. I 524, 531. Von seiner Partei angegriffen. II 91. Fühlung mit Schmoller. II 286. Moltke, Friedrich v.,Oberpräsident von Ostpreußen, 1907 Minister des Innern. II 300, 457. Moltke, Graf Hellmuth (derNeffe), Generaloberst, Chef des Generalstabs von 1906 bis 14. 9. 1914. Auf Reichskanzler-Kandidatenliste. I 182. Über Wilhelms II. Selbstsucht. I 212f. Militärische Operationen 1914 nach Erklärung des Kaisers Molt- kes Sache. I 365. Bedauernswert. I 370. Über die Kriegserklärung Englands. I 419. Mit dem Kaiser nach Rom. I 607. Moltke und der Durchmarsch durch Belgien. II 76. Antwort an Bülow hierüber. II 78. Zur Nachfolge Schlieffens gezwungen. II 182 ff. Erhält Abschrift von Bülows Brief an den Kriegsministcr. II 228. Philipp Eulenburg wünscht ihn als Reichskanzler. II 262, 262 f. Der Generalstabschef versichert (1908) dem Kaiser, Deutschland sei gut gerüstet. II 324. Bei der Konferenz im Reichskanzlerpalais. II 431 ff. August 1914 im Berliner Schloßhof. III 147. Versagt. III 165 f. Vor Abreise des Großen Haupt- 408 NAMENREGISTER quartiers. III 170f. Gebrochen. III 174. Keine zentrale Leitung. III 183 f. Enthoben. III 185. Bü- low bei dem Kranken. III 205 f. Brief an Bülow. III 206fiF. Moltke, Graf Kuno, Flügeladjutant, Kommandant von Berlin. Über Männlichkeit. I 69 f. Philipp Eulenburg sucht Moltkes Frau für geisteskrank erklären zu lassen. I 451. Persifliert Viktor Emanuel. I 543. Wasser in den Wein der kaiserlichen Freude. II 123. Überbringer der Antwort auf Bülows Abschiedsgesuch. II 149. Angriffe Hardcns. II 291. Wird zum Prozeß gegen diesen gezwungen. II 293. Reichstagsrede Bülows über den Prozeß. II 307 ff. Mommsen, Theodor, Professor, „größter der damals lebenden deutschen Gelehrten". Telegramm an Bülow. I 185. Über Bismarck. I 199. Dem Kaiser als Bismarckfeind sympathisch. II 257. Lektüre. III 72. Monod, Gabriel, französischer Historiker. Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 366 f. Montagu, V. A., englischer Admiral. II 299 f. Montecuccoli, Graf, österrei-chischer Admiral. Taf. III 138. Montgelas, Graf Max, bayrischer General. III 255. Monts, Graf Anton, 1895 preußischer Gesandter in München, 1902 Botschafter in Rom (f 1930). Holstein gegen ihn. I 6. Auch Marschall. I 8. Briefe an Bülow über äußere und innere Verhältnisse. I 27 ff. Unerfreuliche Haltung gegen Bayern. I 125. Briefe an Bülow und dessen Gattin. I 125 ff. „Ich habe nie etwas von Bülow gehalten" (1909 zum Kaiser). I 128. Sucht Bülow in Wien zu schaden. I 151. Reichskanzler in spe. I 183. Beziehung zu Holstein. I 187. Brief an Lichnowsky und Gräfin (Fürstin) Bülow. I 195 f. Bericht an Bülow über dessen Münchner Besuch. I 481. Brief an Gräfin (Fürstin) Bülow. I 482 f. Holstein über sein dreifaches Fiasko. I 483. Der Kaiser werde Bülow nicht lange vertragen. I 499. Brief an die Gräfin Bülow. I 524f. Nach Rom. I 606 f. Über die geplante Begegnung mit Loubet. II 16 f. An Lichnowsky über Bülows Haltung zur katholischen Kirche. II 99ff. Sucht für Delcasse zu intervenieren. II 114ff.Miß- geschick in Mailand. II 254ff. In Venedig. II 468 ff. Jagow entsendet ihn nach Wien. III 197. Morgan, Pierpont, Chef des amerikanischen Bankhauses. I 575. Morier, Sir Robert, englischer Gesandter in Darmstadt. Hat Hinzpeter empfohlen. I 105. Morin, Admiral, italienischer Minister des Äußern. I 608. Morley, John, Gladsto- nianer, von 1905 bis 1910 Staatssekretär für Indien. II 202. Morra, Graf, italienischer General, Erzieher Viktor Emanuels III., Botschafter in Petersburg. III 227 f. Moy, Graf Ernst, bayrischer Reichsrat, I 583. Moy, Graf, Karl, bayrischer Gesandter in Stuttgart. III 88. Mühlberg, v., Direktor der handelspolitischen Abteilung, dann Unter- staatssekretär im Auswärtigen Amt, später Gesandter beim Päpstlichen Stuhl. I 326f., 393, 531; II 104. Bericht an Bülow über Verständigungswunsch Rouviers. II 124f. Vom Kaiser als Nachfolger Richthofens abgelehnt. II 214. Auch als Nachfolger Tschirschkys, II 302, und Schöns, II 512. Mühlberg und die diplomatische Situation von 1914. III 162. In Lu- zern. III 251. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 345. Müller, Georg Alexander v., Admiral, 1906—1918 Chef des Marinekabinetts. I 73. Gegner von Tirpitz. I 109. Ist unter den Verhinderern der Einsetzung der Flotte im Weltkrieg. I Ulf. II 320. Über Ungeduld des Kaisers. II 244. Bei der Konferenz im Reichskanzlerpalais (1909). II 431 ff. Charakteristik. II 440. Gespräch mit Bülow in Kiel. II 511. Bankettrede Gerards. III 271. Müller, Felix v., Gesandter. II 339, 360, 361. Müller, Hermann (Müller- Franken), sozialdemokratischer Parteiführer, auch Reichskanzler. I 390, 431. III 316. NAMENREGISTER 409 Müller, Richard, Vorsitzender des Vollzugsrats. 1198. III 307 f. Müller, Waldemar, Direktor d. Dresdner Bank. II 385. Müller-Fulda, Richard, Zentrumsabgeordneter. I 596. Müller-Raschdau, Kaiserlicher Gesandter. I 37. Münster - Derneburg, Georg Herbert, Graf, 1899 Fürst, deutscher Botschafter in London, dann in Paris (f 1902). Vertreter auf der Haager Friedenskonferenz. I 348. Hochfahrender hannöverscher Aristokrat. I 395. Nachrichten über französische Absichten gegen England. I 421. Verwechselt Namen. I 440. Verabschiedet. I 495 f. Münster, Fürst Alexander, Sohn des vorigen. III 256. Mumm von Schwarzenstein, Legationssekretär in Bukarest, 1900 deutscher Gesandter in Peking, 1906—1911 in Tokio. I 36f., 38. Fahrt nach Peking. I 438ff. Beim Kaiser. III 62 f. Mumm und die diplomatische Situation von 1914. III 162. Munir-Pascha, Sekretär des Sultans. I 249. Murawiew, Graf Michael Nikolajewitsch, russischer Minister des Auswärtigen. Begrüßt Bülow. I 85. Konferenz mit Hohenlohe und ihm. I 86 ff. Charakteristik. I 88 f. Telegramm Osten-Sackens an ihn. I 186. Gibt Abrüstungsvorschlag des Zaren bekannt. I 237. Mit dem Zaren in Potsdam. I 301. Über Delcasse. I 302. Besorgnis vor russischer Revolution. I 302. Über russisch - deutsch - französisches Zusammengehen. I 403. Tod. I 409. Napoleon III. I 135, 372, 453,628. II 332. Bismarck über ihn. I 259. Mexikanische Expedition. I 631. Romantisch - sentimentale Politik. II 232. Natalie (Ketschko) Königin von Serbien. I 160. Naumann, Friedrich, Pastor a. D., freisinn., dann deutsch - demokratischer Parlamentarier. I 202. In der polnischen Frage. I 220. Wahlrechtspolemik gegen Bülow. II 462f. Ballin über ihn. II. 464. Nebel, Heinrich, Journalist. III 237. Nelido w, Alexander, russischer Botschafter in Paris. Witte gegen ihn. II 173f. Vorsitzender auf der Haager Friedenskonferenz v. 1907. II 297. Nemes, Graf, Beamter im Wiener Ministerium des Äußern. III 235 f. Netto, Kardinal. I 620. Nicolson, englischer Botschafter in Petersburg, 1910 Unterstaatssekretär i. Ministerium d. Äußern. Diplomatische Intrigen. II 399, 401, 416. Nigra, Constantino, Graf, italienischer Botschafter in Wien. Gespräch mit Bülow, Charakteristik. I 628 f. Nikita, Fürst, dann König von Montenegro. II 43. Nikolaus I., Zar. I 18, 45, 85, 86, 139, 146, 253, 487, 631. II 39, 44, 137, 175, 333. III 126, 293. Nikolaus IL, Zar. I 46. Will nicht in den Hintergrund treten. I 83. Begrüßung mit Wilhelm II. I 85. Unterredung mit ihm. I 86. Will den Frieden. I 89. Ernennt Wilhelm II. zum russischen Admiral. I 93. Empfängt Bülow. I 98 f. Häuslichkeit. I 103. „Nicky" (Wilhelm IL). 1139. In Darmstadt, vom Kaiser zu Besuch in Wiesbaden gezwungen. I 168 f. In Deutschland „embete". I 170. Sein Schwager Prinz Heimich. I 207. Frostige Antwort auf Kiautschou- Telegramm des Kaisers. I 210. Abrüstungsvorschlag (Sommer 1898). I 237. Brief an Wilhelm II. I 270 f. (Übersetzung im Anhang.) Besuch in Potsdam. 1301ff. Über Kriegsmöglichkeit durch Fa- schoda. I 301. Über russische Tradition auf dem Balkan und die Dardanellen. I 302. Toast des Kaisers auf ihn (zur Haa- gcr Friedenskonferenz). I 348. Stimmt dem Oberbefehl Waldersees „freudig" zu. I 366 f. Gegen den Kaiser gereizt. I 406. Dieser beschimpft ihn. I 454f. Der hessische Hof. I 487. Begegnung mit Wilhelm II. in Heia. I 541 ff. Besuch des Prinzen Heinrich in Spala. I 547 f. Besetzung Koreas durch Japan für Rußland Casus belli. I 548. Begegnung mit dem Kaiser in Reval. I 580. Unterredung Bü- lows mit dem Zaren. I 580 f. Dessen Besuch in Wolfsgarten. I 629. Begegnung mit dem Kaiser in Wiesbaden. I 630. Status quo auf dem Balkan. I 631. Gespräche mit Bülow und mit Wilhelm II. I 632 f. 410 NAMENREGISTER Taumelt in den Krieg mit Japan hinein. II 22 f. Spiritisten-Humbug der montenegrinischen Prinzessinnen. II 43 f. Geburt des Zarewitsch. II 48. Urteile Wilhelms II. über den Zaren. II 63 ff. Absage des Zaren an den Kaiser. II 69. Die Björkö- Affäre. II 132 ff. (bis 151). Der Zar revoziert Björkö. II 150 f. Reden an Arbeiter und Bauern. II 161. Nach der Ermordung des Großfürsten Sergei. II 161. Beauftragt Witte mit Friedensverhandlungen. II 169. Begegnung mit Wilhelm II. in Swinemünde. II 293 ff. Mit Eduard VII. in Reval. II 316 f., 325. Mit dem Kaiser in den finnischen Schären. II 480 ff. Entrüstet über den Fall Liman von Sanders. III 128 ff. Wilhelm II. über Verschwörung mit dem König von England. III 204 f. Der Friedensversuch von 1916. III 251 f. Tragisches Ende. III 290. Nikolaus Nikolajewitsch, Großfürst, russ. Oberbefehlshaber im Weltkrieg. II 169. III 87, 179. Nivelle, französischer General. III 259. Noack, Friedrich, römischer Korrespondent der „Kölnischen Zeitung". III 75. Noailles, Marquis de, französischer Botschafter in Berlin. I 496. Nogi, japanischer General, Eroberer von Port Arthur. II 72. Normann, v., konservativer Reichstagsabgeordneter. II 370f., 457, 460, 464. Noske, Gustav, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, dann Reichswehrminister. III 257, 307. Noussanne, Henri de, franz. Schriftsteller. 1570. II 224. Odescalchi, Baldassare, römischer Fürst. I 611. Oertel, Dr. Georg, Chefredakteur der „Deutschen Tageszeitung". III 73, 203. — Zu Bülows Rücktritt. III 352 f. Oldenburg-Januschau, Elard v., Konservativer. II 492. Olga Königin von Griechenland. I 145. Ollivier, Emile, französischer Ministerpräsident. I 320. III 163, 176. Oncken, Hermann, Professor, Historiker. I 617. III 23, 91. Oppersdorff, Graf Hans. Renegat. 195. Auf Reichskanzler - Kandidatenliste. I 182. Bund der Kaiserlichen. II 419f. Vom Kaiser empfangen. II 493 f. III 46. Freudenfest nach Bülows Rücktritt in einem Berliner Hotel. III 364. Oppert-Blowitz, Pariser Korrespondent d. ,Times\ II 99. Oreglia, Kardinal. I 621. Oriola, Graf Waldemar, nationalliberaler Reichstagsabgeordneter. II 506. 0 r t e r, Sepp, revolutionärer Ministerpräs, in Braunschweig. II 248. Oskar II. König von Schweden. II 158. Oskar Prinz von Preußen, Sohn des Kaisers. I 295, 458f., 625. Osten-Sacken, von der, Graf Nikolaj Dimitrije- witsch, russischer Botschafter i. Berlin. I 145 f. Unterredung mit Bülow über Kiautschou und Port Arthur. I 185 f., 203. Unterredung mit dem Kaiser. I 270. Alte russische Diplomatenschule. I 347, 348. Besprechungen mit ihm. I 514. In Metz. I 525. Über Marien- burger Rede des Kaisers. I 570. Mitteilung über Lambsdorffs Ausschaltung. I 630 f. Über Vorgeschichte des Kriegs mit Japan. II 22. Fürchtet Revolution in Rußland (1905). II 129. Bülow zu ihm über deutsche Kohlenlieferungen. II 134. Vertrauen zu Bülow. II 150. Bei diesem wegen der Geheimdokumente über Bosnien. II 400 f. Otto, v., Dr., braunschwei- gischer Staatsminister. II 248. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 346. Paasche, Hans, Kapitänleutnant (Sohn des folgenden). II 282. Paasche, Hermann, Dr., nationalliberaler Reichstagsabgeordneter, Vizepräsident des Reichstags. I 202f. II 281 f., 505. Paleologue, Maurice Georges, 1913—1917 franz. Botschafter in Petersburg. III 179. P a n s a, Alberto, italienischer Diplomat. III 151. Pape, v., Generaloberst. I 64. Pappenheim, konservativer Abgeordneter. II 95. Parma, Herzogin von, Mutter der Kaiserin Zita. III 141, 269, 270. NAMENREGISTER 411 Parma, Prinz Sixtus. III 279. Pasitsch, serbischer Ministerpräsident. III 113. Passy, Frederic, französischer Politiker. II 346. Paulis, russischer Marineattache in Berlin. I 71, 580. Payer, Friedrich, demokratischer Politiker, 1917 bis 1918 im Kabinett Hertling Stellvertreter d. Reichskanzlers. I 310. II 371. III 301. Persius, Kapitän a. D. I 112. Peters, Karl, Afrikaforscher. II 123. Pfordten, Freiherr v., bayrischer Ministerpräsident 1866. Bei Bismarck in Nikolsburg. I 121f. Philipescu, Nikolaus, rumänischer Politiker. III 280. Philippe, Monsieur, Char- latan am Zarenhof. II 43. Piavi, Patriarch von Jerusalem. I 256. Pichler, Franz Seraph v., Dompropst i. Passau, Zentrumsabgeordneter. 1214. II 97. Picquart, 1895 Oberst, 1906—1909 französischer Kriegsminister. I 428. Pierson, Hofrat. Verleumdungsklage gegen Philipp Eulenburg. I 604 ff. III 30. Pietro, di, Kardinal. I 620, 621. Piffl, Kardinal, Erzbischof von Wien. III 228 f. Pinnow, Kammerdiener Bismarcks, dann Portier in Schloß BeUevue. 1232. Pius X., Papst (s. Sarto). I 120. Giolitti über ihn. II 60. Monts über ihn. II 100. Bülow von ihm empfangen (1908). II 407, 502. Besondere Audienz (1911). III 108f. Planck, Gottlieb, Jurist. I 200. Plehwe, Wilhelm (Wjat- scheslaw) v., 1902 russischer Minister des Innern, ermordet 1904 in Petersburg. Ermordung. II 47 f. Pleß, Herzog von, schlesi- scher Magnat, Oberstjägermeister. Reicht wegen der Disziplinierung der „Kanalrebellen" seinen Abschied ein. I 298. Pleß, Fürst Hans Heinrich XV. (Sohn des vorigen). II 35, 425. Hauptquartier. III 254. Pleß, Fürstin Daisy. II 425. Plessen, Hans Georg Hermann v., Generaloberst. 1892—1918 Kommandant des Großen Hauptquartiers. I 61, 76f., 79. Auf der Orientreise. I 242. Über Aufenthalt des Kaisers in England. 1507. Mit dem Kaiser nach Rom. I 607. Über Wilhelm I. II 53. Will Holland mit Kolonien in die Hand bekommen. II 68. „Mit Revolver und Degen" auf das „B. T." geschickt. II 98. Über Reise des Kronprinzen nach England. II 153. Soll zur Beobachtung der englischen Flotte nach Swine- münde. II 153. Zwang auf Kuno Moltke, Prozeß anzustrengen. II 293. Der Kaiser möchte ihn als Statthalter nach Straßburg schicken. II 301. Gratulationshrief an Bülow 1909. II 496. In Kiel. II 515. Philipp Eulenburg gegen die Generals- Kamarilla. II 30. „Jubelnde Freude" im Berliner Schloß (1913). III 119. Telegramm im Auftrag des Kaisers an Hellmuth Moltke. III 164. Gespräch mit dem Fürsten Wedel. III 201. Kandidatur Michaelis. III 267. Plüskow, v., Oberst. 1607. Podbielski, Viktor v., Generalstabsoffizier, 1897 bis 1901 Staatssekretär des Reichspostamts, bis 1906 preußischer Landwirtschaftsminister. Juli 1897 zum Staatssekretär des Reichspostamts ernannt. I 51. Vorstoß gegen das bayrische Briefmarkenmonopol. I 123. Der Kaiser denkt an ihn als Reichskanzler. I 372. Verdienste als Reichs- postminister. I 442. Zum preuß. Landwirtschaftsminister ernannt. I 524. Zolltarif-Beratungen. I 531. Bei den Verhandlungen mit Rußland in Norderney.II42.Rück- tritt wegen der Affäre Tippeiskirch. II 253 f. Taf. II 252. Podewils, Klemens, Graf, 1903—1912 bayrischer Minister des Äußern und Ministerpräsident. I 120. Er und Hertling. I 480. Brief an Bülow. II 94. Über Lecomte. II 312. Bei der Bismarck-Feier in der Walhalla. II 348 f. Poincare, Raymond, 1912 französischer Ministerpräsident, 1913 Präsident der Französischen Republik. II 104, 120. III 87. Sein Aufstieg. III 118. Erklärungen zu Iswolski über den Fall Liman von Sanders. III 130. Sturz 412 NAMENREGISTER Barthous ein Mißerfolg für Poincare. III 156f. Wünscht den Weltbrand. III 179. Der Sixtus-Brief. III 279. Vcrnichtungs- wille. III 322. Ponti, Graf, Bürgermeister von Mailand. II 255. Porsch, Felix, Zentrumsabgeordneter. I 596. Posadowsky, Graf Ar- tur von P.-Wehner, 1893 Staatssekretär d. Reichsschatzamts, 1897 des Innern. Urteil Hohenlohes und Bülows über ihn. I 10. Nachfolg. Böttichers. I 51. Auf Reichskanzler- Kandidatenliste. I 182. Bülow schlägt ihn vor (1900). I 374, 380. Entlassungsgesuch nach Bülows Ernennung, nicht bewilligt. I 386 f. Die 12000 Mark-Affäre. 1387, 467 ff. Überragende fachliche Leistungsfähigkeit. I 431. Charakteristik. I 470 f. Haßt Miquel. I 522. Zolltarif-Beratungen. I 531. Über Ostmarkenfrage. I 563 f. Arbeit am Zolltarif. I 596. Taf. I 560. Bei den Handelsvertrags-Verhandlungen mit Rußland in Norderney. II 42. Schwierigkeiten als Unterhändler in Wien. II 48 f. Schwarzer Adlerorden. II 95. Nach einer Paradetafel im Berliner Schloß. II 122. Erwartete Bülows Sukzession. II 218. Gegen Reichstagsauflösung (1906). II 270. Verabschiedung. II 300. Konflikt mit R. Martin. II 478. Pourtalcs, Graf Friedrich, ab 1907 Botschafter in Petersburg. I 36, 38. II 302, 330. Praschma, Hans, Graf, Zentrumsabgeordneter. I 596. II 278. Pressense, Francis de, französischer Politiker. II 114, Preuß, Hugo, Dr., im November 1918 Staatssekretär des Innern, 1919 Reichsinnenminister (f 1925). I 123, 500, 535, 545. III 41. Preysing, Konrad, Graf, bayrischer Zentrumsabgeordneter. I 596. Prinetti, italienischer Minister des Äußern. I 579. Prokesch, Anton Graf, österreichischer Botschafter, 1853 und 1854 Bun- despräsidialgesandter in Frankfurt a. M. I 199. Pückler, Graf Karl, deutscher Botschaftsrat in London. I 307 f. Puscyna, Kardinal. I 620, 621, 622. Putlitz, v., konservativer Abgeordneter. II 95. Puttkamer, Robert v., 1881—1888 Minister des Innern. I 156. Quidde, Ludwig, Prof., Autor des „Caligula". II 494 f. Raben, Graf, dänischer Minister des Äußern. II 145. Radolin, Fürst Hugo (Graf Radolinski), preußischer Gesandter in Weimar, 1888 Ober-Hof- und Hausmarschall, deutscher Botschafter in Petersburg, dann in Paris. Bülow bei ihm. I 95f. Hochzeit mit Gräfin Oppers- dorff. I 182. Regt russisch - deutsch - französisches Zusammengehen an. 1403. Nach Paris versetzt. I 495 ff. Über Millerand. I 598. Delcasse teilt ihm Marokko-Konvention mit. II 107. Beauftragter zu Rouvier. II 125. Kleinlich gegen Rosen. II 168 f. Mit Holstein intim befreundet. II 215 f. Radoslawow, bulgar. Ministerpräsident. III 287. Radowitz, Josef v., Botschafter in Konstantinopel, dann in Madrid. I 170. Todfeind Holsteins. I 392. Gratuliert Bülow. I 394. Mit Bülow bei Bismarck (1874). I 497 f. Wilhelm I. über ihn. II 53. Vertreter in Algeciras. II 200f. Bei Holsteins Begräbnis. II 468. An Bülow. III 33. Radziwill, Fürst Anton, Generaladjutant Wilhelms I. I 74. II 506. III 147. Radziwill, Fürstin Marie, Witwe des vorigen. III 147 f., 149. Raff auf, deutscher Konsul in Kiew. Seine Berichte über russische Rüstungen. I 233. Rahardt, Mitglied des Abgeordnetenhauses. III 355. Rampolla, Kardinal- Staatssekretär. I 589. Seine Papstkandidatur. I 620, 621. Das österreichische Veto gegen ihn. I 619, 621, 622, 623. Für italienische Republik. II 60. Über Bülow. II 502. Ranke, Leopold v., Historiker. II 332f. Rantzau, Graf Cuno, Schwiegersohn des Fürsten Bismarck, preußischer Gesandter in München, dann deutscher NAMENREGISTER 413 Gesandter im Haag. I 22. Brief an Herbert Bismarck über Bülow. I 216. Bismarcks Groll über Rantzaus Verdrängung aus München. I 225. Rantzau, Gräfin Marie, Tochter des Fürsten Bismarck. I 209. Von Eulenburg verspottet. I 226 f. Rasputin, Grigorij Jefi- mowitsch, Wundertäter. I 100. Ratazzi, italienischer Politiker. I 610. Rath, vom, Legationsrat. II 525. III 23f., 113. Rathenau, Emil, Generaldirektor der AEG. I 297. III 40, 176. Rathenau, Walter, Sohn des vorigen, Mai bis Oktober 1921 Reichsminister für Wiederaufbau, seit Februar 1922 Reichs- außenministcr, ermordet 24. 6. 1922. Bülow denkt an ihn (1906) als Direktor des Kolomalamts. II 266. Verhandlungen um Philipp Eulenburg. II 292. Als Schatzsekretär vom Kaiser abgelehnt. II 385. Bericht über England (1909). II 427 f. „Pace! Pace!" III 15. Charakteristik. III 39 ff. Freund und Feind Hardcns. III 41, 42. Briefe an Bülow. III 43 f., 91 f. Besuch bei Bülow in Rom. III 93. Über „Deutsche Politik". III 135. Telegramm an Bülow. III 203. Genua. III 319. Taf. III 40. Ratibor, Prinz Karl, Regierungspräsident von Aurich. später Oberpräsident vonWestfalen. III 39. Rauscher, Ulrich, Ministerialdirektor, dann Gesandter in Warschau (f 1930). I 86. Rechberg, Graf Johann Bernhard, österreichisch. Ministerpräsid. u. Außenminister. I 156. Recke, von der, preußischer Minister des Innern. I 43. Hat den Landräten mit Kassation zu drohen. I 295. Recouly, Raymond, französischer Historiker. III 238 f. Redern, Graf Heinrich, Obcrgewandkämmercr. II 38. Redern, Graf Wilhelm, Oberstkämmerer. II 38. III 67. Reischach, Freiherr v., Hofmarschall. I 76, 143. II 127, 478. III 241. Renvers, v., Geheimrat, Freund und Arzt Bü- lows. I 409. Arzt der Kaiserin Friedrich. I 534. Bei Bülows Ohnmachtsanfall. II 214. Intrige Philipp Eulenburgs. II 262. Renvers am Brandenburger Tor. II 263. Renvers und Schön. II 360. EduardVII. dankt Renvers für Behandlung der Kaiserin Friedrich. II 421 f. Der Kaiser leugnet, daß seine Mutter Renvers gekannt habe. II 422. Urteil von Renvers. II 422 f. Tod. II 444 f. Taf. II 444. Eulenburgs Krankheit. III 26. Über § 175. III 28. Reuß, Prinz Heinrich VII., deutscher Botschafter in Petersburg. I 195, 497. Seine Gattin (geb. Prinzessin von Weimar). I 284. Chef Bülows. I 443. Brief an Bülow über den russischen Hof. II 6. Septi. II 50. Brief von Maria Paulowna an ihn. II 175 ff. Tod. II 219. Reuß, Prinz Heinrich XXVIIL, Kandidat für Oberpräsidium von Schlesien. II 102. Revclstoke, Lord (Ba- ring), Londoner Bankier. II 318. Rhcinbabcn, Georg Freiherr von, 1899 preußischer Innenminister, 1901 bis 1910 Finanzminister. Auf Reichskanzler-Kandidatenliste. I 182. Vertrauen Bülows. I 443. Zum Finanzminister ernannt. I 523. Zolltarif- beratungen. I 531. Enteignungsvorlage. II 489. Bethmann warnt vor ihm als Reichskanzler. II 508. Mitarbeiterschaft am Jubiläumswerk 1913. III 132. Chef von Michaelis. III. 268. Rhode s, Cecil, Gründer von Rhodcsia. Empfang durch den Kaiser in Berlin. I 289 ff. Brief der Kaiserin über seinen Besuch. I 290 f. Angriffe der deutschen Öffentlichkeit. I 291 f. Wilhelm II. über ihn. I 351. Ricasoli, Bettino, Baron, italienischer Staatsmann. 1610. Richter, Eugen, Führer der deutschen Fortschrittspartei. I 5, 59, 64. Artikel über Genealogie der Kaiserin, Drohung d. Kaisers. I 177. Als Redner. I 201. Interpellation in der Dreyfus-Affäre. I 240. Gegen Herbert Bismarck. I 334. über Waldersee. I 370. Kritik am Mib'tärsystem. I 405. Polemik Bülows gegen ihn. I 416. Richter über Flottenfrage, für die er zu alt sei. I 417. Für spätere Einberufung des Reichstags. I 465f. Bismarck 414 NAMENREGISTER und Richter. I 466. Debatte zwischen ihm und Kröcher. I 519. Über zwei Seelen der National- liberalen. I 532. Gegen sozialdemokratische Obstruktion. I 593. Gegen Möller. II 91. Gegen Heyl. II 92. Frage des Reichstagswahlrechts für Preußen. II 464. Richthofen- Damsdorf, Karl Freiherr v., konservativer Reichstagsabgeordneter. II 504. Richthofen, Oswald,Freiherr v., Direktor der Kolonialabteilung, dann Unterstaatssekretär, später Staatssekretär im Auswärtigen Amt. I 23. Seine Laufbahn. I 217 f. Läßt bei Bismarcks Tod die Trauerflagge hissen, Beschwerde Holsteins. 1229. Probritisch. I 326. Beschwört Bülow, nicht ohne feste englische Bürgschaften auf Chamber- lain einzugehen. I 326 f. Zum Staatssekretär ernannt. I 393. Denkschrift über die deutsch-englischen Verhandlungen. I 510 ff. Zolltarif beratun- gen. I 531. Arbeit am Zolltarif. I 596. Ernennung zum preußischen Staatsminister. II 95. Über Besuch Millerands. II. 165f. Tod. II 214. Rickert, Heinrich, freisinniger Politiker. I 59, 466. Riedel, v., bayrischer Finanzminister. 1119,123f., 485, 531. Riezler, Dr. (Pseudonym Rüdorffcr). I 563. II 464. III 24ff., 249, 258. Ripon, Marques of, Lord- Geheimsiegelbewahrer. II 205. Roberts, Lord, Earl of Kandahar, brit. Feldmarschall, Besieger der Buren. I 332. Einzug in Pretoria. I 357. Annexionserklärung. I 398. Schwarzer Adlerorden. I 508. Lehnt ab, sich über „Daily - Telegraph" - Interview zu äußern. II 354. Der Feldzugsplan im Unterhaus. II 355, 374, 449. Robilant, Carlo Feiice, Graf, ital. Staatsmann, Botschafter in Wien. III 218. Rodd, Sir Rennel, britisch. Botschafter in Rom. III 131f., 188, 219. Röder, Eugen v., Zeremonienmeister. II 128, 297, 468, 478,494, 495. III46f. R o e r e n, Zentrumsabgeordneter. I 214. Angriff auf Dernburg. II 267f., 271. Roesicke, Dr. Gustav, agrarischer Politiker. I 532. Rohan-Chabot, Prince de. II 289. Roon, Waldemar v., Sohn des Kriegsministers unter Wilhelm I. III 102f. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 352. Roosevelt, Theodore, Präsident der U. S. A. Empfang durch Wilhelm II. in Berlin. I 133, 574f. Der Kaiser erlebt nicht viel Freude an ihm. I 305. Brief Wilhelms II. an ihn zurückgehalten. I 573f. III 52. Bülow empfiehlt ihn als Prinzenpaten. II 239. Taf. II 168. Roschdjestwensky, Ad- miral, Kommandeur des russ. Ostseegeschwaders. II 66, 132. Rosebery, Earl of, 1886 und 1892 brit. Minister des Äußern, 1894—1895 Premierminister. Persönlicher Freund Herbert Bismarcks. I 208. Zerzaust Salisbury. I 423. Kein bequemer auswärtiger Minister. I 425. Gegen Delcasses Provokation. II 110. Liberal-imperialist. II 202. Rosen, Friedrich, Dr., Legationsrat, dann Gesandter in Tanger, Bukarest, Lissabon und dem Haag, 1921 Minister des Äußern. Von Holstein en grippe genommen. II 168. Taf. II 168. Nachdichter des Omar Kajjam. III 8f. Beim Kaiser. III 62 f. Rosen und die diplomatische Situation von 1914. III 162. Rosner, Karl, Schriftsteller. I 76f., 365. Rotenhan, Freiherr v., Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt. Preuß. Gesandter beim Vatikan. I 22f., 38, 211. Ersetzt durch Richthofen. I 217. In der Gesandtschaft in Rom. I 610. Rothe, sächs. Minister. I 531. Rother, preuß. Finanzminister. I 442. Rothschild, Baron Alfred. II 37 f. Rouher, Ministerpräsident Napoleons III. I 372 f. II 22, 301. Rouvier, 1881 franz. Handelsminister, 1887 u. 1905 Ministerpräsident. II 114. Entscheidet gegen Del- casse. II 119. Sein Aufstieg. II 124. Sucht als Finanzmann Verständigung. II 124ff., 165. Fürchtet Überraschungen. II 192. Rosen unterhandelt mit ihm. III 8. NAMENREGISTER 415 Rudini, Marchese, italien. Staatsmann. I 3, 30. II 58, 218. Rudolf, Erzherzog, Kronprinz von Österreich-Ungarn. I 167. Rüger, sächs. Finanzmin. I 531. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 338. Rühle, Otto, sozialdemokr. Reichstagsabgeordn. III 258. Rupprecht, Prinz, dann Kronprinz von Bayern. I 358, 483. Brief des Prinzen Max von Baden über Abdankung des Kaisers. III 296. Armeeführer. III 323. Saint - Rene - Taillan- dier, französischer Gesandter in Fez. II 108. Salandra, Antonio, März 1914 bis Juni 1916 italienischer Ministerpräsident. I 267. Neutralit. Italiens. III 169. Politische Stellung. III 219f. Taf. III 216. Saide rn-Plettenburg, konservativer Abgeordneter. II 95. Salisbury (Marquis), englischer Premierminister in drei konservativen Kabinetten (f 1903). Antipathie gegen den Kaiser. I 207 f., 434. Bewunderer Bismarcks. I 207. Brief an die Queen. I 208. Die Türkei eine „dying na- tion". I 252. Die Frage der portugiesischen Kolonien. I 276. Über Ca- privi und Hohenlohe. I 277. Ausweichend. I 277. Wünscht keine Fortsetzung der deutsch-englischen Verhandlungen. I 278. Verhandlungen ohne seine Kenntnis. I 303. England duldet keine Intervention im Burenkrieg. I 304. Entschlossen, ihn durchzuführen. I 309. Will keine Allianzen. I 310. Sieht russisch-japanischen Konflikt voraus. I 310. Sagt Unterredung mit Bülow ab. I 314. Seine Verhinderung. I 336. Noch nicht politischfertig. 1338. Scharfe Auslassungen bei Diskussion über Marokko. I 418 f. Metternich über ihn. 1422 f. Macht Schwierigkeiten in der Oberbefehlsfrage für China. I 433. Haß des Kaisers gegen ihn. I 461. Tod. II 32. Salm-Salm, Erbprinz Emanuel, Adjutant Bülows. II 40. San Giuliano, Antonio, Marchese de, seit 1910 italienischer Minister des Äußern (f 16. 10. 1914). III 80. Über Bethmann. III 82. Über Agadir. III 87. Kiderlen stellt sich vor. III 88. San Giuliano zieht die Uhr zum Zeichen, daß Italien nach Tripolis geht. III 111. Neutralität Italiens 1914. III 169. Erklärungen gegenüber Flotow. III 187, 190. In Fiuggi. III 188. Tod. III 188. To/, n/208. Sarto, Kardinal, dann Papst Pius X. (s. diesen). I 621—622. Sasonow, Sergei Dmitri- jewitsch, 1910—1916 russischer Minister des Äußern (f 1927). Ausbau der Potsdamer Gespräche verzögert. III 121. Über Coup gegen Serbien, den Österreich vorbereite. III 127. Delcasse sagt im Fall Liman von Sanders äußerste Unterstützung gegen Deutschland zu. III 130. Sasonow will kein. Bruch m. Deutschland. III 130 f. Sassulitsch, Vera, russ. Nihilistin. II 160. Satow, englischer Gesandter in Peking. I 440. Sattler, Dr., nationalliber. Reichstagsabgeordneter. I 475, 594. II 12. Saunders, Korrespondent der „Times" in Berlin. I 319, 335. II 27, 195. Saurma, v., Botsch after in Konstantinopcl, 1897 in Rom. I 170. Savigny, Karl Friedrich v., preuß. Diplomat, seit 1867 Zentrumsabgcord- neter. II 272. Say, Leon, franz. Finanz- minister. II 238. Schädler, Franz Xaver, Domkapitular in Bamberg, Zentrumsabgeordn. I 214. Gegen Goethe- Denkmal in Straßburg. I 355. Interpellation wegen der Swinemünder Depesche. I 596 f. Schäfer, Dietrich, Professor, Historiker. III 114. Schauenburg, Freih. v., Legationsrat. I 589. Sehe er, Reinhard, Admi- ral, Chef der Nordsee- flotte. III 182 f. Scheidemann, Philipp, Sozialdemokrat. Reichstagsabgeordneter, 1919 Reichsministerpräsident. I 198, 202, 431, 539. III 301, 307, 315. Schenck (zu Schweinsberg), Geschäftsträger in Peking. I 37. Scheurer-Kestner, französischer Senator. I 428. 416 NAMENREGISTER Schiemann, Theodor, Professor, Historiker. I 144, 526. II 15, 57, 285. Geisel-Theorie u. „Schie- mannisme". II 80 f. Wilhelm II. zu ihm über „prächtigen Brief" an den Zaren. II 134. Unterredung des Kaisers mit ihm über Rußland und Polen. II 243 ff. Er und Harnack. II 455. III 93 f. Gratulationsbrief an Bü- low. II 496. Gegner. II 523. III 46. Über die „feigen" Engländer. II 529. Artikel der „Kreuzzeitung" über die Novemberreise. III 47, 57. Schlieffen, Graf Alfred, 1891 (nach Waldersee) bis 1905 Chef des Generalstabs, 1911 Generalfeldmarschall (f 1913). Behandlung des Kaisers. I 205 f. Nur ein Jahr jünger als Waldersee. I 364. Generalfeldmarschall. I 366. In Kassel. I 368. Über den „Manöverunsinn" Wilhelms II. I 624. Schlieffens Plan des Durchmarschs durch Belgien. II 76. Gespräch mit Bülow über künftigen Krieg. II 76 ff. Artikel in der „Deutschen Revue". II 78. Ruhestand. II 182. Forderung, Lehren aus 1870 zu ziehen. II 228. Taf. II 184. Natürlichkeit. III 42. Enge Fühlung Bülows mit ihm. III 171. Offensiv-Plan für die Marne-Schlacht. III 174. Schlözer, Karl v., Gesandter in München. III 37. Schmidt, Erich, Professor der Germanistik in Berlin. II 198. Schmidt, Prof., Frankfurt a. M., Halsspezialist. 1634. Schmidt-Elberfeld, Reinhard, Freisinniger, erster, dann zweiter Vizepräsident des Reichstags. II 463 f. —■ Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 342 f. Schmitz, Pater, Lazarist. I 256. Schmoller, Gustav v., Prof. an der Universität Berlin, Nationalökonom (f 1917). Brief an Bülow. II 285 ff. Zu seiner Rede über Krone und Verfassung. II 454, 497. Briefwechsel zwischen Schmoller und Bülow. III 26f. III 42, 110. Memorandum für den Kaiser. III 115. —Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 349. Schön, Wilhelm v., Legationsrat, Hofmarschall in Koburg, Gesandter in Kopenhagen, 1905 Botschafter in Petersburg, 1907 bis 1909 Staatssekretär des Äußern, 1910 bis 1914 Botschafter in Paris. I 299f. Als Vertreter des Auswärtigen Amts bei Nordlandreisen. I 348. Reaktiv] erung im diplomatischen Dienst. I 395. Gesinnung gegen Bülow. I 396. Geheimbericht über Tendenzen des Kaisers gegen Dänemark und Holland. II 66ff., 72. Bericht über Auflösung Rußlands. II 243. Ernennung zum Staatssekretär. II 301 f. Aufzeichnung über Unterredung mit russischem Abteilungschef. II 330. „Daily - Telegraph" - Affäre. II 353, 359, 360. Bei der Konferenz im Reichskanzlerpalais. II 431 ff. Versagen. II 442. Ist furchtsam. II 443. Bülows Zehn Gebote zu seinem Gebrauch beim Kaiser. II 480 f. Wilhelm II. für ihn. II 512. ,,Alpinist"(Eulenburg). III 30. Byzantinisch. III 31 f. Ambitionen nach Paris. III 57. Meldet sich bei Bethmann (August 1914). III 149. Die Verpfändung von Beifort, Toul und Verdun. III 168. Schön, v., Neffe des Botschafters, bayrischer Geschäftsträger in München. III 158f., 179. Schönlank, Bruno, sozialdemokratisch. Reichstagsabgeordneter. I 192. Schönstedt, Karl Heinrich, Dr., 1894—1905 preuß. Justizminister. II 186. Scholl, v., Rittmeister in Darmstadt und Potsdam, dann Flügeladjutant des Kaisers, General ä la suite. I 169, 242f., 255, 352. III 116. Scholz, General, Armeeführer. III 323. Schorlemer-Lieser, Klemens Freiherr v., preuß. Landwirtsch. - Minister, dann Oberpräsident der Rheinprovinz (f 1922). Auf Reichskanzlerkandidatenliste. I 182. Vertrauen Bülows. I 443, 589. II 502. Bethmann gegen ihn. II 508. Brief an Bülow. III 202. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 348. Schräder, Abgeordneter, Mitglied der Freisinnigen Vereinigung im Reichstag. II 257. Schratt, Katharina, Hofburgschauspielerin in Wien. I 151, 157. NAMENREGISTER 417 Schröder, Rudolf Alexander, Lyriker. III 191 f. Schulze-Gävernitz, v., Nationalökonom an der Universität Freiburg. II 383. III 91. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 350f. Schuwalow, Graf Peter, russischer Botschafter in London, zweiter Bevollmächtigter auf dem Berliner Kongreß. I 544. Schwabach, Paul v., Bankier. I 297. III 137, 178. Schwartzkoppen, Erich v., Adjutant Bülows. II 40. Bei Bethmann. III 54 f. Schwarzenberg, Fürst Felix, österreichischer Ministerpräsident. I 155. II 84, 414. III 180. Schweinburg, Viktor, Journalist. I 295, 390. Schweinitz, Hans Lothar v., General, Gesandter u. Botschafter in Wien, bis 1893 in Petersburg. I 61, 74, 100, 535 f. Begegnung mit Bülow (Homburg 1897). I 130f. Brief an Bülow. I 407 fif. Über Bismarck. III 239. Schweinitz, Wilhelm v., Major, Militärattache in Rom, Sohn des vorigen. III 226. Beschwerdebrief Bethmanns über ihn. III 231 f. Schweqinger,Prof. Ernst, Leibarzt Bismarcks. I 35. Schwerin, Graf Ulrich, deutscher Geschäftsträger in Haiti. I 178. Schwerin-Löwitz, Hans, Graf, konservativer und agrarischer Führer, Präsident d. preußisch. Abgeordnetenhauses (f 1918). I 532. II 477. Bedauert d. Kampf geg. Bülow. II 507. Warum nicht Landwirtschafts - Minister ? II 509. Mitarbeiterschaft an dem Jubiläumswerk. III 132 f. Für Bülows Sendung nach Rom. III 193f., 202. — Kundgebung des Deutschen Landwirtschaftsrats. III 371. Scott, englischer Admiral. III 182. Seckendorff, Graf Götz, Kammerherr u. Oberhof- meisterderKaiserin Friedrich. Über Mutter und Sohn. I 152. Wort des Malers Angeli zu ihm über die Queen. I 321. Beziehungen zur Kaiserin Friedrich. I 536 f. Über Stimmung am englischen Hof. II 127. Eduard VII. verbittet sich seine Impertinenz. II 189. Seiborne, Earl of, Erster Lord der britischen Admiralität. II 25. Gespräch Bülows mit ihm. II 32. Denkschrift über Kriegsbereitschaft der englisch. Flotte. II 71. Senden - Bibran, Gustav Freiherr v., Admiral, 1889 bis 1906 Chef des kaiserlichen Marinekabinetts (t 1909). I 61. Stützt Tir- pitz I 68. Zwischenfall mit d. Prinzen von Wales (Eduard VII.). I 69f., 343. Antienglisch, verbunden mit dem russ. Marineattache Paulis. I 71, 79, 81, 580. In Malta. I 266. Widersetzt sich Intrigen gegen Bülow. II 440. Sergei, Großfürst, vierter Sohn Alexanders II. Ermordung (17. 2. 1905). II 161. Seydewitz, Otto Theodor v., Vorsitzender der konservativen Reichstagsfraktion, 1879 bis 1894 Oberpräsident in Breslau. I 62. Siemens, Georg v., freisinniger Abgeordneter, Direktor der Deutschen Bank (f 1901). Empfiehlt Helfferich. I 219. Projekt der Bagdad-Bahn. I 253, 572. Singer, Paul, sozialdemokratisch. Führer (fl911). I 244. II 277. Rede zur Kaiser-Krise. II 365 f., 456. Gegen Sydow. II 518. Skarbina, Franz, Maler, Taf. II 280. Skobelew, russ. General, Sieger im Türkenkrieg (t 1882). II 22. III 87. Sofie, Gräfin Chotek, als Herzogin von Hohenberg Gattin des Erzherzogs Franz Ferdinand. Entgegenkomm. Wilhelms II. 1400 f., 625. Ihre Heirat. I 624 f. Ihr Äußeres. II 408. Ermordung III 137 ff. Solf, Wilhelm, 1911 Staatssekretär des Kolonialamts, Oktober bis Dezember 1918 Staatssekretär des Äußern, 1921 bis 1928 Botschafter in Tokio. II 80. III 271. Solms, Graf Eberhard, Vorgänger Bülows als Botschafter in Rom. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 344f. Solms-Baruth, Fürst Friedrich, Oberstkämmerer am preußischen Hof. I 298. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 347 f. Sombart, Werner, Prof., Nationalökonom. I 428, 430. II 285. III 277. 27 Bülow III 418 NAMENREGISTER Sonnino, Sidney, November 1914 bis Juni 1919 ital. Minister des Äußern (t 1922). I 267. II 8, 58, 400. III 189. Besuch Bülows bei ihm, Charakteristik. III 218 ff. Hartnäckigkeit. III 280. Sophie, Kronprinzessin v. Griechenland, geb. Prinzessin v. Preußen, Schwester des Kaisers. I 252. II 16. Von ihrem Bruder wegen ihres Glaubenswechsels „verbannt". II 97 f. In England. II 126. Sorcl, Alhcrt, französisch. Historiker. III 152. Soveral, Marquis, portugiesischer Gesandter in London. I 274, 275. II 35f., 38f. Spahn, Peter, Dr., Führer des Zentrums, Reichsgerichtsrat, dann Ober- landesgerichlsprösident i. Kiel. I 214, 531 f., 589, 596. Jesuiten-Frage. II 11, 186. Brief an Bülow. II 220. Rücksprache nach der Dernburg-Debatte. II 268 f. Zentrum kandidiert ihn (1907) als Reichstagspräsidenten. II 280. Etatsredner. II 282. Über den Prozeß Moltke-Har- den. II 307, 314. Zu Bülows Rede über Finanzreform. II 445. Speck von Sternburg, deutscher Botschafter in Washington. Roosevelt zu ihm. II 230. Popularität in Amerika. III 64. Speck, Karl Friedrich, bayrischer Zentrumsabgeordneter. II 408. Spce, Maximilian, Graf, Admiral, Chef des Deutschen Kreuzergeschwaders, gefallen in der Seeschlacht bei den Falk- landsinseln. I 112. Spencer, John Poyntz, Lord, Führer der englisch. Liberalen im Oberhaus. II 201. Spitzemberg, Hildegard v., Gattin des Württemberg. Gesandten. I 44. Staal, v., russischer Botschafter in London. Eröffnet die Haager Friedenskonferenz. I 347. Stablewski, Florian v., Erzbischof von Gnesen- Posen. I 30. Stampfer, Friedrich, Redakteur des „Vorwärts". III 311. Stark, Freiherr von, hess. Ministerpräsident. I 488f. Staudy, Polizeipräsident von Posen. I 562. Stead, William, englischer Journalist, tätig in Friedensbewegung und Okkultismus, untergegangen mit der „Titanic". II 299. Stein ,August,Berliner Korrespondent der „Frankfurter Zeitung". I 193, 202, 553. II 265, 496. Stemrich, Unterstaatssekretär. II 322, 353, 359, 360. Stendhal. I 134. II 501. III 74. Stengel, Hermann, Freiherr v., 1903 bis 1908 Reichsschatzsekretär. II 385. Stengel, Karl, Freiherr v., Professor an der Universität München. III 133. Stockhammern, F. X. v., Legationsrat (f 1930). II 349 f. III 226 f., 236. Stöcker. Adolf, Hofprediger, christlich-sozialer Politiker (f 1909). Bismarck über ihn. I 244. Stössel, russischer General, Verteidiger von Port Arthur. II 72. Stolbcrg, Fürst Otto, Präsident des Herrenhauses, 1876—1878 Botschafter in Wien, dann Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums und Hausminister. I 31. Chef Bülows. I 443. III 139. — Kundgebung seines Sohnes bei Bülows Rücktritt. III 348 f. Stolberg, Graf Udo, 1891 bis 1895 Oberpräsident von Ostpreußen, Führer der Konservativen, seit 1907 Präsident des Reichstags. II 207, 221 f. Reichstagspräsident. II 281. Bismarcksche Schule. II 461. Brief über den Kampf um Bülow. II 477, 510. Stolberg, Prinz, Botschaftsrat in Wien. III 211 f. Stolypin, Peter Arkadje- witsch, seit 1906 russ. Ministerpräsident, ermordet 1911 in Kiew. II 239, 260, 483. Stresemann, Dr. Gustav, Reichsminister (f 3. 10. 1929). Als Redner. I 199. Genf und Locarno. III 319. Wiederaufstieg. III 332. Ströbel, Heinrich, sozialdemokratischer preußischer Landtagsabgeordneter. III 257. Struwe. Dr. Peter, Reichstagsabgeordneter. I 112. Studt, Konrad, Unterstaatssekretär in Elsaß- Lothringen, Oberpräsident von Westfalen. 1899 bis 1907 preuß. Kultusminister (f 1921). I 443, 562. Schwarzer Adlerorden. II 218. Rücktritt 1907. II 300. Brief Hin- denburgs an Studt über Polen. III 247 f. NAMENREGISTER 419 St übel, Dr., Generalkonsul in Shanghai, dann Direktor der Kolonial- aLteilung, später Gesandter in Christiania. I 280f. Rücktritt. II 185. Stürmer, Boris Wladi- mirowitsch, Februar bis November 1916 russisch. Ministerpräsident. Seine Friedensinitiative (1916). III 251 f. Stumm, Freiherr Ferdinand v., Gesandter in Darmstadt, 1888 bis 1892 Botschafter in Madrid, (t 1925). I 22, 23, 407. Zerwürfnis mit Holstein. I 408 f. Intervention in Darmstadt. I 489. Botschafter in London? III 122. Stumm - Halberg, Karl Ferdinand, Freiherr v., Bruder des vorigen, Großindustrieller und Reichs- tagsabgeordneter(fl901). II 361. Stumm, Wilhelm v., Wirklicher Legationsrat, 1916 bisl918Unt erstaa tssekre- tär. III 159, 168, 180. Sturdza, Peter, rumän. Staatsmann. II 48. Südekum, Dr. Albert, Sozialdemokrat. Reicbs- tagsabgeordneter. III 257. Sydow, Reinhold, seit Februar 1908 Staatssekretär des Reichsschatzamts, bis dahin Unterstaatssekretär, 1909 preußischer Handelsminister. II 384f., 505. Nicht wendig. II 455. Mißgeschick im Reichstag. II 518. Wird Handels- ministcr. II 455, 522. Szell, Koloman v., Ungar. Staatsmann. I 163. Szipjagin, russischer Minister des Innern. I 581. Szögy enyi-Marich, Läsz- 16, Graf, 1892 bis 1914 österr.-ungar. Botschafter in Berlin (f 1916). I 28. Charakteristik. I 143 f. Franz Josef zu ihm über Bülow. I 150. Szögycnyi über den Fürsten Fürstenberg. I 154. Über Appo- nyi. I 162. Über Frau von Tschirschky. I 406. Sehr unglücklich über Polenrede Bülows. I 563. Erneuerung des Dreibunds. I 580. Zirkular- Erlaß Bülows durch Szö- gyenyi Franz Josef mitgeteilt. II 330. Taf. II336. Über Sarajewo. III 137 f. — Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 363f. Taaffee, Eduard Graf, österr. Staatsmann. 1156. Taine, Hippolyte, franz. Historiker. I 94. II 287. III 72. Takahira, Vertreter Japans bei dem Frieden von Portsmouth. II 169. Taf. II 168. Tattenbach, Christian Graf, 1890 bis 1896 Gesandter in Fez, seit 1900 in Lissabon. Nach Fez entsandt. II 113f. Schlägt Teilung Marokkos in Interessensphären vor. II 125 Vertreter in Algeci- ras. II 200. Brief an Bülow. II 220. Taube, Baron, Abteilungschef im russ. Ministerium des Äußern. II 326, 330. Testa, Dragoman der Deutschen Botschaft in Konstantinopel. I 250, 251, 256. Theotoki, gricch. Ministerpräsident. II 471. Thielen, preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten. I 294. Thielmann v., 1897 bis 1903 Staatssekretär des Reichsschatzamts. I 192, 531. Thiers, französ. Staatsmann und Historiker. I 60, 198, 199, 397, 628. II 223. 332, 451. III 151, 316, 322. Thimme, Friedrich, Dr., Herausgeber der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amts. III 318f. Thoma, Hans, Maler. I 486. Thomas, Albert, französ. Sozialist, im Weltkrieg Minister für Kriegsindustrie. II 8. Tiedemann, Christoph v., Chef der Reichskanzlei, Regierungspräsident in Bromberg, Vorsitzender des Ostmarken-Vereins, Abgeordneter d. Reichspartei. I 562, 567. Tiele-Winkler, Graf, schlesischer Magnat, Kandidat des Kaisers für Oberpräsidium von Schlesien. II 102. Timiriasew, russ. Finanzattache in Berlin, später Handelsminister. II 42. Tirpitz, Alfred v., Großadmiral, 1897 bis 1916 Staatssekretär d. Rcichs- marineamts. Von Senden- Bibran gestützt. I 68. Gegen die „Hydra" der Kabinettschefs. I 73. Wilhelm II. über ihn. I 104. Mit Bülow in Wilhelmshöhe. I 107 ff. Charakteristik. I 108 ff. Verhältnis zu Wilhelm II. I 113 f. Marinevorträge bei den deutschen Fürsten. I 138. Phantastische Überseepläne. 1188 ff. Wilhelm II. über seine Stellung zu Kiautschou. I 210f. Will Manila besetzen. I 221. 27- 420 NAMENREGISTER Über das „Hineinschliddern" in den Weltkrieg. I 241. Beziehungen zu Bülow. I 362. Brief an diesen. I 363. Eifer finden Bau von Schlachtschiffen. I 404. Besprechung Bülows mit ihm über die Gefahrzone. I 413f. Kein Redner. I 414. Überragende fachliche Leistungsfähigkeit. I 431. Philipp Eulenburg über seine „Angst" vor England. I 461. Haßt Miquel. 1 522 f. Taf. 1512. In Petersburg. II 7. Die Entrevue in Kiel mißfällt ihm. II 23 f. Für regeren Anschluß Dänemarks. II 79, 303. Einseitige Energie. II 229. „Mauvais coucheur". II 245. Gegen Reichstagsauflösung (1906). II 270. Entsetzt über Brief des Kaisers an Lord Tweed- mouth. II 324 f. Protestrede im Staatsministe- rium nach „Daily Telegraph". II 363. Metternich zu Tirpitz über Notwendigkeit des Flottenagreement. II 419. Tirpitz soll Flotten-Formel ausarbeiten. II 431. Bei der Konferenz im Reichskanzlerpalais. II 431 ff. Brief Bülows an ihn. II 465. Tirpitz drängt nicht auf „Losschlagen". III 167. Zu wenig Kreuzer, U-Boote, Flugzeuge. III 182. Wünscht Entscheidung zur See. III 183. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 343f. Taf. III 138, 324. Tittoni, Tommaso, italienischer Botschafter in London und Paris und Senatspräsident, 1903 bis 1909undl919Ministerdes Innern. Über Besetzung von Tripolis (1905). II 199. Unterredungen Bülows mit ihm (1908). II 319, 407. Behandlung der bosnischen Krise. II 400. In Venedig. II 468. In Brindisi. II 472. — Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 360 f. Tisza, Stefan, Graf, ungarischer Staatsmann, 1903—1905, 1913—1917 Ministerpräsident, ermordet 31. 10. 1918. I 161, 163. Tocqueville, Alexis de, französischer Historiker. II 126. III 134. Tower, Charlemagne, amerikanischer Botschafter in Berlin. II 211. Tramm, Stadtdirektor, Oberbürgermeister von Hannover. III 248. Treitschke, Heinrich v., Historiker. I 60, 74, 565. II 237, 286. III 101, 144. Trepow, Generalgouverneur von Petersburg. II 160f., 252. Treuberg, Gräfin Hetta. III 311. Treutier, v., Gesandter. II 321. Trieps, braunschweigisch. Staatsminister. II 248. Trimborn, Karl, Zentrumsabgeordneter, 8. 10. bis 9. 11. 1918 Staatssekretär des Innern. III 301. Trojan, Johannes, Chefredakteur des „Kladderadatsch". I 191. Trotha, Lothar v., General, Kommandeur in Deutsch - Südwestafrika, 1903 verabsch. (f 1920). II 21. Trotzki, Leo, Führer des Bolschewismus. III 275. Trubetzkoi, Präsident d. Moskauer Semstwos. II 160. Tscharykow, Gehilfe Is- wolskis. II 397, 402. Tschertkow, russ. Generalgouverneur von Warschau. I 568. Tschirschky u. Bögendorf f, Heinrich Leonhard V., Botschaftsrat in Petersburg, ab 1900 Gesandter in Luxemburg, dann in Hamburg, 1906 Staatssekretär des Äußern, 1907 Botschafter in Wien (f 1916). I 151. Als Vertreter des Auswärtigen Amts bei Nordlandreisen. 1348. NachLuxemburg. I 395. Gesinnung gegen Bülow. I 396. Seine Ehe. I 405 f. Zum Präsidenten Krüger nach Köln geschickt. I 472. In Heia. I 541 f. Der Fall der Swinemünder Depesche. I 583. Die Affäre des Kaisers mit dem Präsidenten Loubet. II 17. In Björkö. II 137, 138, 139. Bericht an Bülow über zunehmende Gereiztheit des Kaisers gegen England. II 152ff. Entschuldigungsbrief für Björkö. II 162f. Konflikt Tschirschkys mit Holstein führt zu dessen Sturz. II 214 ff. Schwacher Vertreter der Regierung. II 218. Abschied als Staatssekretär, Versetzung nach Wien. II 300 ff. Als Botschafter. II 472. Taf. II 140. Zu Wilhelm II. III 31. Das Ultimatum am 21. 6.1914 in seinen Händen. III 179. Taf. III 180. Tschudi, Hugo v., Direktor der Nationalgalerie in Berlin (f 1911). I 176. NAMENREGISTER 421 T u c h e r, Freiherr von, bayrischer Gesandterin Wien. III 269. Turkhan-Pascha. I 270. Tweedmouth,ErsterLord der Admiralität im Kabinett Campbell-Banner- man. II 205. Brief des Kaisers an ihn (März 1908). II 324, 378. III 63. Tyrrell, Privatsekretär Greys. III 190. Uexküll, Graf Alfred, österreichisch - ungarisch. Militärattache in Konstantinopel. I 252. Uhland, Ludwig. Sein Bild im Schlafzimmer Bismarcks. I 231. II 453. Urach, Herzog von. Die Bäreninseln. I 81, 82. Im Weltkrieg Kandidat für den litauischen Thron. I 81. III 275. Valentini,v., Chef des kaiserlichen Zivilkabinetts 1908—1918. I 64, 73. Tirpitz gegen ihn. I 73. An ihn die Briefe des Kaisers von Bülow. II 197. Charakteristik. II 441. Gegen Monts als Nachfolger Bülows. II 469f., 511. Mit Bülow nach Kiel. II 509 ff. Freund Bethmanns. II 515f. Über Verabschiedungsbrief an Bülow. II 523. Rathenau über Valentinis Informationen. III 43 f. Für Michaelis. III 115, 267. Ordens-Auszeichnung. III 268. Abschied. III 283. Van dal, Albert, französischer Historiker. I 47. Vanderbilt, Cornelius, amerikanischer Kapitalist. I 575. Va n n u t e 11 i, Serafino, Kardinal. I 620, 621. Varnbüler, Axel, Baron, württembergischer Gesandter in Berlin. II 291, 309, 312, 313. Vaszari, Kardinal. I 621. V e 1 s e n, v., Oberberghauptmann. II 90. Victoria, Königin von England 1837 bis 1901. 60 jähriges Regierungsjubiläum. I 17. Die „schnapsende Großmutter". I 34. Beschwerdebrief Wilhelms II. I 70. Zentralsonne. I 100. Arrangiert hessische Heirat. I 101. Erwähnt die Rede von der „gepanzerten Faust" nicht. I 206. Respektsperson auch für die Deutsche Kaiserin. I 261. Hat deren Ehe beschlossen. I 263. Pariser Karikaturen. I 292. Entsetzt über Besuch des Kaisers bei Lonsdale. I 304. Beim Bankett in Windsor. I 308 f. Bülow in Audienz bei ihr. I 321 ff. Sie nennt Salisbury einen hervorragenden Staatsmann, erwähnt Chamberlain nicht. I 322. Ihre Ehe. I 322. Vorliebe für Disraeli, Abneigung gegen Gladstone. I 322. Zweifellos friedlich. I 329. Schriftliche Rechtfertigung Wilhelms II. vor ihr (über Bismarcks Entlassung). I 352. Schweigsam zu Fremden. I 453. Annulliert die Ehe Ludwigs IV. von Hessen. I 488 f. Erkrankung. I 502. Tod. I 504. Kammerdiener Brown. I 536. Taf. I 304. Über ihren Enkel. II 526. Victoria, Prinzessin von Battenberg, geb. Prinzessin von Hessen. I 455, 488. II 162. Vigo, Mendez de, spanischer Botschafter in Berlin. I 286. Viktor Emanuel III. König v. Italien seit Juli 1900. I 144. Wilhelm II. über das „Männeken". I 267. Empfang in Berlin. I 400. Vom Kaiser persifliert. I 542 f. Besuch in Berlin und Potsdam. I 602. Franz Josef über ihn und seine Gattin. I 627. Besuch in Paris. II 60. Der Kaiser hat es mit ihm verdorben. II 87. Begegnung in Venedig (1908). II 319. Bülow bei ihm in Rom. II 407. Begegnungen mit dcmKaiser inVenedig (1909) und Brindisi. II 468, 472. Kiderlen stellt sich dem König vor. III 88. Briefe und Telegramme Wilhelms II. an ihn (Juli 1914). III 169. Empfängt Bülow. III 224, 234f. Viktoria (Kaiserin Friedrich), f 5. 8.1901 in Friedrichshof (Taunus). I 15. Gegen August Eulenburg. I 74f. Über ihren Sohn. I 79. Der Fall Battenberg. I 80. Besuch in Paris. I 80. Seekrank. I 83. Rivalität mit ihrer Schwester Alice. I 99 f. An der Paradetafel in Homburg. I 129. Griechisch gesinnt (1897). I 148. Für englische Interessen. I 189f. Besuche bei Fürstin Bülow. 1190. Über den Prinzen Heinrich. I 206. Über persönliche Eigenliebe Wilhelms II. I 212. Brief Wilhelms II. an sie über den toten Bismarck. I 234 ff. Immer Engländerin. I 261. Beschließt die Ehe ihres Sohnes. I 263. Hetzt ihn (1898) gegen den Biesterfelder. 422 NAMENREGISTER I 266. Briefe an Frau von (Fürstin) Bülow. I 269 f. Verweist ihrem Sohn das laute Sprechen. I 309. Besuch Eduards VII. Lei ihr. I 335. Granville üher sie. I 340. Brief an Bülow. I 345. Empört über Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen". I 352. Unbesonnenheiten gegenüber Diplomaten. I 354. Ihre körperlichen Qualen. I 392, 504. Über deutsche Konkurrenz gegen England. I 412. Gegen Philipp Eulenburgs Einfluß. I 452. Fürstin (Gräfin) Bülow bei ihr. I 482. Auguste Viktoria bei ihr. I 505. Tod. I 534. Ihr Schicksal. I 535 ff. Bismarck über sie. I 540. Beisetzung. I 540. Taf. 1352. 1870 gegen Bismarck. III 163. Über Hans Delbrück. III 249. Viktoria Prinzessin von Schaumburg-Lippe, geb. Prinzessin von Preußen, zuletzt Frau Subkow. I 51. Fürst Alexander Battenberg. I 80, 222. Ihr Interesse an Lippe-Detmold. I 266. In Norderney. III 142. Viktoria Luise Prinzessin von Preußen, Herzogin von Braunschweig. I 459. Ehepakt Hohenzol- lern-Cumbcrland. II 249f. II 529. III 204, 241. Viktoria Melitta Großherzogin von Hessen, geb. Prinzessin von Kohurg. I 101,306, 487 f. Trauung mit Kyrill. II 175 ff. Virchow, Rudolf, berühmter deutscher Mediziner. II 257. Visconti-Venosta, Emilio, Marchcse, italienischer Staatsmann (t 1914). I 3. Taunusfahrt mit Bülow (September 1897). I 134f. Bülow in Rom mit ihm zusammen. I 609. Pansa aus seiner Schule. III 151. Über Diplomatie. III 190. In der Consulta. III 218. Vitzthum, Graf Friedrich, sächsischer Oberhofmarschall, Präsident der Ersten Sächsischen Kammer. I 444. II 52, 475. Brief an Bülow über Unterredung mit dem Kaiser. III 47 ff. Vives y Tuto, Kardinal. I 620. Viviani, Rene, französischer Sozialist, Arbeitsminister, dann nacheinander Chef mehrerer Ressorts, auch Außenminister. I 199. Vogtherr, Abgeordneter der U. S. P. D. III 271. Vollmar, Georg v., sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter (fl922). I 598 f., 600. Voß, Richard, Schriftsteller. I 284. III 365. Wagner, Adolf, Professor, seit 1870 Nationalökonom in Berlin (fl917). II 383. III 132f. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 350. Wagner, Cosima (f 1930). Über Wilhelm II. I 550. Über Radowitz. II 200 f. — Kundgebung zu Bülows Rücktritt. III 357. Wahl, General, russischer Gouverneur von Wilna. I 581. Wahn seh äffe, Vortragender Rat, Chef der Reichskanzlei unter Bethmann Hollweg. I 567. II 489 f. III 25. Von Bethmann zu Bülow nach Norderney gesandt. III 55. Telephonate über Abdankung des Kaisers. III 306. Waldeck-Rousseau,1899 bis 1902 franz. Ministerpräsident (f 1904). I 292. II 244. Waldersee, Graf Alfred, 1888—1891 Chef des Generalstabs, dann Kommandierender General in Altona, 1900 Generalfeldmarschall (f 1904). I 31, 32. Kompromittiert bei einem Liebesmahl des Regierungspräsidenten v. Brandenstein. I 62. Mitwirkung bei den Berichten des Konsuls Raffauf. I 233. Entsendung nach China. I 363. Kaiserliche Marginalien über ihn. I 363. Gründe der Ungnade. I 363 ff. Für Ausnahmegesetz. I 364. International. Oberbefehlshaber in China. I 366 ff. Feldmarschallstab vom Kaiser überreicht. I 367f. Eintreffen in China. I 369 f. Charakteristik. I 370 f. Einzug in Peking. I 398. Empfang durch den Kaiser in Homburg. I 540 f. Wilhelm II. braucht keinen Chef des Generalstabs. III 12. Argwohn Bismarcks gegen Waldersee. III 161. Falkenhayn macht Karriere durch ihn. III 186. Über Wahrheitssinn des Kaisers. III 300. Waldow, v., Oberpräsident von Posen. II 488. Waldthausen, v., deutscher Gesandter in Bukarest. III 126. NAMENREGISTER 423 Wallwitz, Nikolaus, Graf, deutscher Gesandter in Brüssel. II 73 f. III 34. Bericht über Artikel Schlicffens. II 78. Durch Bethmann seines Postens enthoben. III 66 ff., 83. Wangen heim, Freiherr v., deutscher Gesandter in Athen, dann Botschafter in Konstantinopel. Auf Reichskanzler - Kandidatenliste. I 183, 259. In der Balkanfrage. I 626. Gegen Kiderlen. II 416. Über Aufenthalt des Kaisers in Korfu. II 470 f. Botschafter in London? III 122. Wangenheim-Klein- Spiegel, Freiherr Konrad v., Vorsitzender des Bundes der Landwirte. I 532. III 133. War bürg, Max, Bankier. III 178. Warncke, Paul, Redakteur des „Kladderadatsch". III 201. Wartensleben-Rogasen, konservativer Abgeordneter. II 95. Wartensleben - Schwir- sen, v., konservativer Abgeordneter. II 95. Wartensleben, Graf Hermann. General der Kavallerie. II 492. — Zu Bü- lows Rücktritt. III 357. Weddigen, Otto, U-Boot- Kommandant. I 112. Wedel, Graf Botho, 1910 Vortragender Rat im Auswärtigen Amt, November 1916 bis Juli 1919 Botschafter in Wien. Intrigen gegen Bülow. III 115. Ahnungslos in Norderney. III 141. Übermittelt Wiener Ablehnung Bülows. III 269. Rosige Berichte. III 279. Wedel, Graf Ernst, Oberstallmeister. I 243 f. Wedel, Graf Karl, 1913 Fürst, General ä la suitc, Gesandter in Stockholm, Botschafter in Rom, 1902 in Wien. 1907 Statthalter in Straßburg (f 1919). I 183. Von Bülow (1900) als Reichskanzler empfohlen, vom Kaiser abgelehnt. I 374, 380. Berufung nach Wien. I 606. Tritt für die Herzogin von Hohenberg ein. I 625. Posadowsky wirft ihm vor, ihn nicht ausreichend unterstützt zu haben. II 49. Über Intrigen Philipp Eulenburgs. II 261 f.Nach Straßburg. II 301. Brief an Bülow (1909). II 497 ff. Zur Beisetzung König Carols entsandt. III 170. Unterredungen mit Hellmuth Moltke. III 170f. Gespräch mit Plessen üb. Unzulänglichkeit Flotows III 201. Jagow bemüht sich bei Wedel. III 240.— Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 347. Wedel-Piesdorf, v., Minister des kgl. Hauses. I 373. Weizsäcker, Karl v., Württemberg. Ministerpräsident. II 388. Wekerle, Alexander v., ungarischer Staatsmann. I 163. Werder, Bernhard Franz Wilhelm v., General, 1892 bis 1895 Botschafter in Petersburg. I 33. Brief an Bülow. I 406f. Berichte aus Petersburg. I 548 f. Wermuth, Adolf, Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, 1909 bis 1912 Reichsschatzsekretär, später Oberbürgerm. von Berlin (f 1927). I 531. Bei den Verhandlungen mit Rußland in Norderney. II 42, 45f., 522. Westarp, Graf Cuno, Führer der Konservativen, Schildknappe Hcy- debrands. II 493, 508. III 5, 85. Wet, de, Burengeneral. I 398. Nichtempfang in Berlin. I 599. Wetterle, Abbe, elsäss. Politiker. II 479 f. White, amerik. Botschafter in Berlin. I 221. Whitman, Sidncy, engl. Journalist. I 334. II 377. Wied, Fürst zu, Präsident des Deutschen Kolonialrats. I 283 f. Wiedemann, v., Generaladjutant des Prinzregenten Luitpold. I 481. Wiegand, Direktor des Norddeutschen Lloyd. I 49, 359, 436. Wiesner, k. k. Hofrat, mit Untersuchung des Attentats in Sarajewo beauftragt. III 139. Wilamowitz-Möllendorf, Ulrich v., Professor der Altertumswissenschaft. II 497. III 42. Wilbrandt, Adolf, Schriftsteller. I 596. II 10, 94, 274. III 70, 90f., 109f. — Brief an Bülow nach dessen Rücktritt. III 365. Wildenbruch, Ernst v., preuß. Dramatiker. II 10. III 11. Wilhelm I. Friedrich Wilhelm IV. über ihn. I 18. Die Zentennarrede seines Enkels. I 40. Sein Erbe an Kredit und Volkstümlichkeit. I 50. Ton an seinem Hofe taktvoll. I 69. Widerspruch gegen 424 NAMENREGISTER das Heiratsprojekt Battenberg. I 80. Taktvollster aller Fürsten. I 106. Stammburg in Nürnberg. 1121 f. Königgrätz. 1444. Strengste Diskretion an seinem Hof. I 453. Bismarck über d. „alten Infanterieobersten". I 490. Autorität. I 520. Erinnerung Bülows. III 63. Wilhelm I. und Bismarck. III 327. Wilhelm II. Charakteristik durch Philipp Eulenburg. I 5. Empfängt Bülow 26. 6. 1897 in Kiel. I 15 ff. Selbstherrlich. I 29. Traurig über die Entfremdung der Engländer. I 34. Verstimmt über die Konservativen. I 34. Hat keine wahren Freunde. I 38. Zentennarrcde (26.2. 1897), auch Handlangerrede. I 40 f. Monts über deren Folgen. I 41 ff. „Völker Europas". I 48. Nervöser Kollaps. I 50. Telegramm an Miquel über Flotte. I 55. An Hohenlohe über Kündigung d. Handelsverträge. I 56. Physischer Mut. 157. Kölner Dreizackrede. I 59, 60. Schnelle Auffassungsgabe. I 61. Abfahrt nach Peterhof. I 61. Erinnert an Ernst II. von Kohurg. I 66 f. Konstruiert Kriegsschiffe. I 68 f. Die Flucht nach Holland. I 77 f. Seine Mutter über ihn. I 79. Beabsichtigt Spekulationen mit Leopold II. I 81. Denkt an Annexion der Bäreninseln. I 81. Seekrank. I 83. Ankunft in Peterhof. I 83. Mimikry. I 84. Will Kiautschou Rußland überlassen. I 86. Russischer Admiral. I 93. Begeistert über seinen Titel eines Real Amirai of the Fleet. I 93 f. Ändert Toast beim Galadiner in Peterhof. I 94. Auf Rückfahrt nach Kiel Privatissimum für Bülow über Flottenpolitik. I 104. Tätigkeitsdrang. I 104f. Hinzpeter über seine Fähigkeiten. I 106. Scharfe Äußerungen Hinzpeters über ihn. 1106. Scheu Wilhelms II., seine Flotte aufs Spiel zu setzen. I Ulf. Verhältnis zu Tirpitz. I 113 f. Säule für die Opfer seiner Ungnade. I 114. Über den „bösen Alten in Friedrichsruh". 1116. Gottesgnaden-Rede in Koblenz. I 118. In Würzburg und Nürnberg. I 119 ff. Kaiser-Manöver in Hessen. I 128 ff. Der Maulesel Gibraltar. I 131. Toast in Homburg auf Königin Margherita. I132ff. Geht allen Fürsten auf die Nerven. I 133. Hat Bismarck wie einen unehrlichen Bedienten fortgejagt. I 133. Ärgernis von oben. I 136. Brief an Philipp Eulenburg (über die Welt disponiert, Kontinentalsperre). I 136 ff. „Bernhard, Prachtkerl". I 138f. Gegen Umsturz. I 139. Hybris. I 140. Inkonsequenz. I 148. Gegen seine Mutter. I 148 f., 152. In Budapest. I 149 ff. Verhältnis zu Franz Josef. I 151 ff. Toast bei der Paradetafel in Ofen. I 164 ff. In Wiesbaden. I 168. Cäsaren-Theater auf der Saalburg. I 171. Cäsaren - Enthusiasmus schmilzt. I 172. Enthüllung des Wiesbadener Kaiser - Friedrich - Denkmals. I 173. Ignoriert dasBismarck-Denkmal in Hamburg. I 173f. Unduldsam in künstlerischen Fragen. I 176 f. Will Eugen Richter zwei Flügeladjutanten schicken, „den Revolver in der Faust". 1177. Velleitäten. I 183. Telegramm gegen das chinesische Heidenvolk (Kiautschou). I 184. Rede bei Rekruten-Vereidigung. I 190 f. Thronrede (30.11.1897). I 191 f. Antwort auf Abschiedsgesuch Miquels. I 200. Rede von der „gepanzerten Faust". I 203 ff. Beschwerdebrief an die Queen über Salisbury. I 208. Letzter Besuch in Friedrichsruh. I 209. Telegramm an Bülow über Kiautschou. I 210. Unzutreffendes Marginal. I 210ff. Hatte er Herz? I 212f. Über den „alten bösen Bismarck". I 211. Seine Mutter über seine persönliche Eigenliebe. I 212. Spanische Sympathien. I 219 ff. Fordert Besetzung von Manila. I 221. Marginal zu Rede Bülows. I 222. Im Lippeschen Erbfolgestreit. I 222f. Lord zu Edenhall. I 223. Rede z. zehnjähri- genRegierungsjubiläum.I 223. Gnädiges Telegramm an Philipp Eulenburg. I 224. Lacht über dessen Pharao-Märchen. I 226. Bei Nachricht von Bismarcks Tod. I 229 f. Bei der Trauerfeier in Friedrichsruh. I 230 f. Die Berichte d. Konsuls Raffauf (1890). I 233. Brief Wilhelms II. an seine Mutter über den toten Bismarck. I 234. (Übersetzung im Anhang.) Der Brief gegen diesen an Franz Josef. I 234, 235. NAMENREGISTER 425 Telegramm an den Zaren gegen Abrüstung. I 237. Trinkspruch in Oeynhausen über Arbeitswillige. I 238. Fordert nach Ermordung der Kaiserin Elisabeth inter- nationalesVorgehen gegen die Anarchisten. I 239f. Orientreise (1898). I 2420". Predigt in der Erlöserkirche in Jerusalem. I 235. Rede in Damaskus über Saladin. I 258. In Malta. I 265 f. Vergebliche Schritte bei den süddeutschen Höfen in der Lippeschen Frage. I 267 f. Ansprache auf der Wildparkstation (26. 11. 1898). I 268. Einzug in Berlin. I 269. Brief des Zaren. I 270 f. Telegramm des Kaisers an Bülow. I 279, 288. Eingreifen in den Kampf um die Kanalvorlage. I 293. Wäscht Miquel den Kopf. I 295. Zorn gegen die Konservativen. I 295. Wütende Telegramme. I 296. Keine generelle Abneigung gegen Judentum. I 297. Bestrafung der „Kanalrebellen". I 297. Bestürzt über den Abfall der „Großen" seines Hofs. I 298. Besuch in Karlsruhe und auf Burg Hohenzollern. I 299 f. Hitzige Rederei üb. den Burenkrieg bei Souper im Neuen Palais. I 301. Besuch von Zar und Zarin in Potsdam. I 301 ff. Reise nach England (No- vemb.-Dezemb. 1899). I 303 H. In Windsor. I307ff. Nennt sich zum Prinzen von Wales alleiniger Herr in der deutschen Politik. I 316. Besuch in Sandringham. I 338. Abfahrt von England. I 344. Toast auf den Zaren (z. Haager Friedens - Konferenz). I 348. Nordlandreise 1899. I 348 ff. Staatsstreichpläne. I 348 ff. Über Rhodos I 351. Über Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" und über ein kaiserliches „Testament an das deutsche Volk". I 352. Will Herbert Bismarck niemals mehr anstellen. I 353. „Jahrhundert-Kniebeuge". I 357. Reden in Wilhelmshaven und Bremerhaven an die China-Krieger. I 358 ff. Nach der Hunnenrede. I 360. Marginalien über Waldersee, Gründe der Ungnade. I 363 ff. Marschallstab. I 365. Oberster Kriegsherr. I 365 f. Waldersees internationaler Oberbefehl für China. I 366. Überreichung des Feldmarschallstabes an ihn. I 367. Empfängt Bülow in Hubertusstock. I 371 f. Bietet ihm Reichskanzlerschaft an. I 372. Lädt ihn telephonisch nach Homburg ein. I 375. Unberechenbarkeit. I 380. Erbittert gegen die Agrarier. I 382. Für Handelsverträge. I 383. Sehr zugunsten der in Südafrika siegreichen Engländer. I 398. Illusionen über Frankreich. I 403. Kein Antisemitismus. I 405. Unterschätzt Englands Ressourcen. I 428. Eigenschaften des modernen Deutschen. II 430. Sucht Salisbury bei der Queen zu diskreditieren. I 434. Marginal über die Allianz - Verhandlungen mit England. I 436. Noch immer die „gelbe Gefahr". I 438. Kein Vertrauen zu ihm möglich. I 443. Hat nie an einen Angriffskrieg gedacht. I444f. Eduard VII. über ihn. I 444. Bramarbasiert. 1445. Toast zur Mündigkeit des Kronprinzen. I 445 f. Gegen den Parlamentarismus. I 447 ff. Über Bismarcks „kolossale Per- fidie". I 419. Der Lotse von Bari. I 454. Beschimpft den Zaren. I 454 f. Korrespondenz mit ihm. I 455 f. „Krach" auf d. Nordlandreise, Schutz- und Tnilzbiindnis mit Japan befohlen. I 456. Beunruhigende Ausbrüche. I 457, 458. Empfängt den Präsidenten Krüger nicht. I 471 f. Reise zu der sterbenden Queen. I 504 ff. Englischer Feldmarschall. I 505. Schwarzer Adlerorden für Roberts. I 508. In Homburg. I 508 ff. Bedeutungsloses Attentat in Bremen. I 518 f. Rede in der Alexander-Kaserne. I 519 f. Schärfe gegen den Zaren. I 521. Diner am Zaren - Geburtstag in Metz. I 525. Enthüllung des Berliner Bismarck- Denkmals. I 528 ff. Am Sterbebett der Mutter. I 534. Empfang des zurückgekehrten Waldersee. I 540 f. Begegnung mit dem Zaren in Heia. I 541 ff. Ritt nach Wysch- tyten. I 546 f. Rede zur Vollendung der Siegesallee. I 550. Rede auf der Marienburg. I 568 ff. Begegnung mit dem Zaren in Reval. I 580ff. Schiffs- goi tesdienst. I 582. Swinemünder Depeschen an den Prinzregenten Luitpold. I 582 ff. Rede beim Begräbnis Krupps. I 586. Denkschrift der Regierungsparteien über die 28 Bülow III 426 NAMENREGISTER Monarchie. I 600 ff. Reise nach Rom. I 607 ff. Besuch bei Papst Leo XIII. I 610 ff. Unterredung mit ihm. I 611 ff. Rominten und Nordlandreise von 1903. I 616 ff. Herbstmanöver 1903, Albert von Sachsen über militärische Befähigung des Kaisers. I 623. Jagd auf den Gütern des Erzherzogs Friedrich. I 624. Begegnung mit Franz Josef. I 626. Mit dem Zaren in Wiesbaden und Wolfsgarten. I 630 ff. Stimmlippen - Operation. I 634. Taf. I 256, 416, 464, 592. Erste Mittelmeerreise. II 14 ff. Keine Begegnung mit Loubet. II 16 f. Rede in Karlsruhe. II 16. „Vive l'Empereur" in Homburg. II 19. Telegramm an Loubet. II 19. Besuch Eduards VII. in Kiel. II 23 ff. Toast im Jachtklub. II 30 f. Gratuliert Bülow zu den Verhandlungen mit Witte in Norderney. II 47. Gegen den Herzog von Cumberland. II 50. Gegen den Grafen Leopold zu Lippe. II 55. Gespräch Bülows mit Wilhelm II. über Lippe. II 57. Ihre Unterredung üb. Rußland und Japan. II 63 ff. Der Kaiser will gegen Dänemark vorgehen. II 67 f. Erhält Absage des Zaren, den er von Frankreich zu trennen sucht. II 69. Bülows Gespräch mit dem Kaiser darüber. II 69. Blaß bei der Defiliercour 1905. II 71. Pour le Merite für Stössel und für Nogi. II 72. Besuch Leopolds II. von Belgien in Berlin. II 72 ff. Nochmals das Vorgehen gegen Dänemark. II 79f. Schaden der Beredsamkeit. II 86. Geht dem Zaren auf die Nerven. II 86. Gottes- gnadentum. II 89. Gegen die „Hundebande vom Zentrum". II 97. Zwei Adjutanten „mit Revolver und Degen" auf das „B. T.". II 98. Parade- Rede in Straßburg. II 98 f. Begegnung mit Alfons XIII. von Spanien. II 105. Mittclmcerreise von 1905. II 106ff. Landung in Tanger. II 111. Überschwang nach Delcasses Sturz. II 123. Zusage an den General Lacroix wegen Marokkos. II 123. Ärgert den Zaren durch naive Präpotenz. II 130 f. Gespräch über ihn mit dem Prinzen Heinrich. II 131 .Besteht auf deutschen Kohlenlieferungen für das russische Ostseegeschwader. II 132. „Prächtiger" Brief an Nikolaus II. II 134. Die Björkö-Affäre. II 136 ff. Erfolgloser Druck auf Dänemark. II 144 f. Antwort auf Bülows Abschiedsgesuch. II 145ff. Wütend über Einladung des Kronprinzen durch Eduard VII. II 152 ff. An den Zaren über die englische Flotte in Swinemünde. II 154. Empfängt Witte in Rominten. II 171 ff. Äußerungen über Eduard VII. in Kiel. II 189. Brief des Kaisers über seine Unterredung mit Beit. I 190ff. Brief zu Silvester 1905 an Bülow. II 197 f. Neujahrsrede im Zeughaus. II 208. Wachsende Nervosität im Verlauf von Alge- ciras. II 209. Besucht Bülow nach dessen Ohnmacht im Reichstagsgebäude. II 214. Sekundanten-Telegramm an Golu- chowski. II 224, 238. Besucht Bülow in Norderney. II 225. Rede in Cuxhaven. II 225. Privatissi- mum Bülows für den Kaiser. II 239 ff. Dieser will die baltischen Provinzen annektieren. II 243. Für Wiederherstellung des Königreichs Polen (1906). II 243. Zwischenfall mit dem Herzog von Connaught. II 247. Der Konflikt mit dem Herzog von Cumberland. II 249 f. Zögert, Amnestie zu bewilligen. II 250 f. Erregung über Hohenlohes „Denkwürdigkeiten". II 251 f. Äußerungen über Bülows angegriffene Gesundheit. II 261. Marginalien zu Worten Bülows gegen persönliches Regiment. II 265 f. Ansprache vom Berliner Schloß aus (nach den Reichstags - Stichwahlen). II 279. Begegnung mit dem Zaren in Swinemünde. II 293 ff. Mit Eduard VII. in Wilhelmshöhe. II 296 f. Die Abreise nach England (1907) und ein Vorspiel. II 305 ff. Besuch in High- cliffe. II 307. Brief an Bülow über den Eulenburg- Skandal. II 311f. Rede in Döberitz über Einkreisung. II 317. Begegnung mit Eduard VII. in Homburg. II 321. Gespräch mit Hardinge über Flottenbau. II 321 ff. Der heimliche Brief an Lord Tweedmouth. II 324f. Der Artikel für den „Daily Telegraph". II 338 ff. Stürmische Wendung des Kaisers gegen Osterreich und Bulgarien. II 341 f. Thronrede über NAMENREGISTER 427 Abänderungen des preußischen Wahlrechts. II 342 f. Rede bei Hochzeit des Prinzen August Wilhelm. II 343 f. Begegnung mit Franz Ferdinand. II 350 f. Unterredung mit Bülow über den „Daily- Telegraph"-Skandal. II 357. Kabarett in Donaueschingen. II 364. Demonstrative Ehrung des „größten Deutschen" Zeppelin. II 365, 373. Das unterdrückte Interview mit d. Amerikaner Haie. II. 374. Audienz Bülows beim Kaiser. II 377ff. Kuß auf beide Wangen. II 381. Wilhelm II. wünscht abzudanken. II 382. Im Berliner Rathaus. II 388. Erholt. II 390. Bülow über die Frage einer Abdankung oder Enthebung. II 413f. Begrüßung Eduards VII. in Berlin. II 419 ff. Brief an Bülow über Flottenverständigung. II 429 ff. Im- mediatvortrag Bülows bei ihm über Zweifrontenkrieg. II 439 f. Bülow stellt ihm die Vertrauensfrage. II 446 ff. Über Bülows Weinkrämpfe. II 450. Abendtafel in Potsdam. II 464 f. Reise nach Venedig. II 468 ff. Nach Korfu. II 470 f. Begegnung mit Viktor Emanuel in Brindisi. II 472. Besuch bei Franz Josef in Wien, Rede in der Hofburg. II 472. Immediat- vortrag Bülows in Wiesbaden. II 475 f. Sängerfest in Frankfurt a. M. II 476 ff. 50. Geburtstag. II 476 f. Begegnung mit dem Zaren in den finnischen Schären. II 480 ff. Zweideutige Haltung gegen Bülow. II 493 f. Rede in Cuxhaven. II 500. Abschiedsaudienz Bülows in Kiel, Dialog mit dem Kaiser. II 511 ff. Wilhelm II. ist entschlossen, Bethmann zu nehmen. II 511 f., 514. Gegen Flotten- Agreement als Demütigung. II 512f. Abschiedsaudienz für Bülow. II 523IF. Taf. II 112, 140, 280, 304, 336, 352, 480, 496. Nach der Trennung. III 46 ff. Gegen Bülow, Har- den u. Holstein. III 487 f. Einladung des Fürsten und der Fürstin Bülow nach Potsdam. III 62 f. Beziehungen von 1909 bis 1914. III 114ff. Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise. III 119. Nachricht vom Mord in Sarajewo. III 138. Empfängt Bülow im Berliner Schloßhof. III 146 f. Der Kaiser hat niemals den Krieg gewollt. III 152. Über die serbische Antwort. III 164. Unwille über Bethmann. III 165. Telegramm an Moltke: Die ganze Armee Front gegen Rußland. III 172. Telegramm an Georg V. III 172. „Betet für uns!" III 174. Telegramme nach Wien und Rom. III 190. Empfang Bülows in Schloß Bellevue. III204f. Die allerhöchste Stimmung. III 214 f. Über Äußerungen der Königin- Mutter Margherita. III 225f. Handschreiben für Friedensangebot der Mittelmächte. III 253. Empfängt Bülow im Neuen Palais. III 25311. Zu August Eulenburg über Bülows Wiederkehr. III 265. Ernennt Michaelis zum Nachfolger Beth- manns. III 267f. Gegen Parlamentarisierung. III 274. Will als Hausgut das Herzogtum Kurland. III 275. Begegnung auf der Straße. III 289. Flucht im U-Boot nach Spanien? III 289 f. Verläßt Berlin. III 290 f. „Der Bademax ist ein Verräter!" III 294. Abdankung unvermeidlich. III 296 f. In Spa. III 297, 306. Flucht nach Ame- rongen. III 297 f. Brief an den Kronprinzen. III 298f. Wilhelm II. vor der Geschichte. III 328. Taf. III 112, 128, 138, 176. Wilhelm II., 1891—1918 König von Württemberg (t 1921). I 267, 484f. II 388, 477. III 304. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 337 f. Wilhelm III., 1849—1890 König der Niederlande. I 300f. Wilhelm Ernst Großherzog von Sachsen-Weimar. I 549. — Kundgebung bei Bülows Rücktritt. III 340. Wilhelmine, seit 1890Königin der Niederlande. Besuch in Potsdam. I 300 f. Empfängt den Kaiser in Vlissingen. I 345. Willisch, Vorsteher des Chiffrierbüros im Auswärtigen Amt. I 394 f. Wilmowski, v. (Vater), Kabinettschef Wilhelms I. 121,72. Wilmowski, v. (Sohn), Chef der Reichskanzlei. I 21, 529. Taf. I 96. Wilson, Woodrow, Präsident der U. S. A. II 298. Friedensangebot an ihn. III 286, 287, 295, 296, 313. 428 NAMENREGISTER Windthorst, Führer des Zentrums, Cegner Bismarcks. I 466, 532. III 42. Winterfeldt, v.. Generaladjutant. I 243. Win tzigerode, Graf, Vorsitzender des Evangelischen Bundes. I 248. Wirth, Josef, badischer Zentrum sabgeordneter, nach 1921 Reichsfinanzminister, Reichskanzler, Reichsinnenminister. I 390, 481, 539. II 251, 463. III 942. Witte, Sergej Juliewitsch, später Graf, russ. Finanzminister, dann Ministerpräsident (f 1915). Bekanntschaft Bülows mit ihm, Charakteristik. I 96 ff. „Einer der merkwürdigsten Staatsmänner" (nach Schweinitz). I 408. Vorwegnahmeeines Worts von Renvers über seinen Tod. I 409. Witte über Rußland u. Deutschland. I 441. Ungnade wegen der montenegrinischen Prinzessinnen. 116. Handelsvertragsverhand- lungeu mit ihm in Norderney. II 41 ff. Über seine Entlassung als Finanzminister. II 431". Begrüßt Plehwcs Ermordung. II 47. Empfiehlt Frieden mit Japan. 11 130. Der Hof fürchtet seine Rachsucht. II 131. Macht nicht zu unterschätzen. II 159. Friedensverhandlungen in Portsmouth. II 169f. In Berlin. II 170 f. Beim Kaiser in Rominten. II 171 ff. Witte überBjürkö. II 174. Brief von Frau Witte an Ernst Mendelssohn. II 174f. Taf.il 168. Kokowzow über ihn. III 129. Wittgenstein, Fürstin Leonille, Schwiegermutter von Chlodwig Hohenlohe. III 230. Wittich, v., Generaladjutant, Kommandeur des 11. Korps. I 373. Witting, Geheimrat,Oberbürgermeister von Posen, dann Präsident der Berliner Nationalbank. III 133. Wladimir, russ. Großfürst. I 93, 97, 549. Über Wilhelm II. II 86f. Warnt vor Revolution (1905). II 129. Vor zu viel Ratschlägen an den Zaren. II 134. Attentat. II 161. Reicht Entlassung ein. II 176. Woedtke, v., Direktor im Reichsamt des Innern. Inder 12000-Mark-Affäre preisgegeben. I 468. Tod. I 470. Woermann, Adolf, Großkaufmann in Hamburg. I 203. Wolff, Theodor, Chefredakteur des „Berliner Tageblatts". III 88f. Wortley, Stewart, englischer Oberst, Besitzer von Highcliffe. II 307, 353, 354, 446. Woyrsch, v.. General. II 184. Muß über Spazierstock springen. II 260f. III 323. Würzburg, Baron, Mitglied der Ersten Bayrischen Kammer. I 120. Wyrubowa, Anna, Gönnerin Rasputins. I 100. Zanardelli, Giuseppe, italienischer Minister und Kammerpräsid. (f 1903). I 608. II 59. Zedlitz, Oktavio v., freikonservativer Abgeordneter (f 1919). I 295, 390. Zedlitz-Trützschler, Graf Robert, preußischer Kultusminister bis 1892, 1898 Oberpräsident von Hessen-Nassau, bis 1909 von Schlesien (f 1914). 1262.11103,454,456. III 308. Zeppelin, Graf. II 324, 365, 373. Rathenau über ihn. III 44. Zetkin, Klara, deutsche Sozialistin und Kommunistin. III 104. Ziegler, Theobald, Professor der Philosophie an der Universität Straßburg (f 1918). III 133. Zimmermann, Eugen, Journalist. II 479. III 200, 213 f., 239. Zimmermann, Arthur, 1911—1916 Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, November 1916 bis August 1917 Staatssekretär. III 159. 212, 213. Als Staatssekretär. III 271 f. Das Bündnis mit Mexiko. III 272. Zita, geb. Prinzessin von Parma, Erzherzogin von Österreich, dann Kaiserin. I 159. III 141, 269, 270, 279. Zorn, Philipp. Professor, Staatsrechtslehrer, Bonn. III 132f. SACHREGISTER Abrüstungskonferenz s. Friedenskonferenz. Ägypten. Ansprüche Frankreichs gegen England. I 418. Ein Kreuz darüber gemacht. II 5, 28. Afghanistan. II 260. Aga dir. Entsendung des Kanonenboots„Panther". I 555. II 212. III 87f., 89, 181. Albanien. Anspruch Italiens. I 608. Noli me tangere auch für Österreich (Giolitti). II 59. Antrag Kanitz. I 37, 39. Bagdadbahn. Projekt von Georg v. Siemens (1898) und Abkommen mit England (1914). I 253, 328. III 261. Erteilung der Konzession (1902). I 572. Balkan (s. Bosn. Frage). Der Status quo. I 627, 631. Mürzsteger Abkommen. I 631. Die habs- burgische Monarchie von abenteuerlichen Aktionen abzuhalten. II 236. Englisches Programm in der Mazedonischen Frage. II 325. Zirkular-Erlaß Bü- lows nach Rcval. II 326ff. Türkische Revolution. II 330 f. Bosnische Krise (s. diese). Ferdinand erklärt Bulgarien zum Königreich. II 337. Balkankriege und Tripolis. III 111 ff. Balkanbund. III 113 f. Der Fall Liman von Sanders. III 129 ff. Belgien. Drohungen Wilhelms II. an Leopold II. II 74 ff. Der Schlicffen- sche Durchmarschplan. II 76 ff. Bismarck erklärt, belgische Neutralität werde von Deutschland nie verletzt werden. II 77 f. Bethmann leitet (1910) schärferes Vorgehen gegen Belgien ein. III 78 ff. Aus Belgien ein „neues Polen" machen. III 80 ff. Bismarck 1870 für belg. Neutralität. III 81 f. Englische Note wegen der Neutralität Belgiens. Taf. III 176. Berliner Kongreß von 1878. I 45, 90, 91, 92. III 245. Björkö. Vertrag von. Tragikomödie. I 80. Die Björkö-Affäre. II 136 (bis 151). Taf. II 140. Blockpolitik. II 453. Bosnische Frage. Reichstatter Vertrag. I 90f. Entwirrung. I 150. Mürzsteger Abkommen. II 336. Krise von 1908-1909. I 215. Ursprünge. II 333 f. Iswolski und Aehrcnthal in Buchlau. II 334ff. Proklamation des Kaisers Franz Josef über Annexion Bosniens und der Herzegowina. II 337. Is- wolskis Mißerfolg. II 393f. Kriegsgerüchte. II 398 f. Iswolskis Rückzug. II 399. Aehrenthals Drohung, die Geheimdokumente zu veröffentlichen. II 400 f. Russischer Druck auf Belgrad. II 401. Vorbehaltlose Zustimmung Rußlands zur Annexion. II 401 f. Taf. II 336. Braun schweigi scheFrage. II 248 f. Burenkrieg (s. Transvaal). I 275. Die Haltung der Mächte. I 292 f. Widerstand der Buren gebrochen. I 332. Annexion der Südafrikanischen Republik. I 398. Dänemark (s. a. Deutsch- Dänischer Optanten vertrag). Wilhelm Il.wünscht dessen Neutralisierung. I 633. Will gegen Dänemark vorgehen. II 67 f. Nochmals 1905. II 79 f. Sucht Dänemark in den Vertrag von Björkö ein- zubeziehen. II 138. Abwehr Christians IX. durch Schritt in London. II 145. Dardanellenfrage. I 47, 82, 91. Der Zar über sie. I 302. Die russischen Wünsche. I 441. II 84. Herzstück des Bismarck- schen Rückversicherungs- vertrags. II 236. Iswolskis Reisen und Versuche. II 393 f., 395 f. Nicht anschneiden. II 481. Ein „heißes Eisen". III 15. Nicht in den Weg stellen. III 84 f. Der Fall Liman von Sanders. III 128fr., 130. Delagoa-Bai. I 420, 424f. Deutsch-Dänischer Optantenvertrag (1907). II 303 f. 430 SACHREGISTER Deutsch-Süd westafrika. Aufstand der Hereros. (1904). II 20 f. Bahn Lüdcritz-Bucht — Keet- manshoop abgelehnt. II 218. Reichstagsauflösung nach Ablehnung desNach- trags-Etats (13.12. 1906). II 272. Dreibund (s. a. Italien). Deutschland und Österreich-Ungarn. I 46. Mehr Versicherungsgesellschaft a. Erwerbsgenossenschaft. I 48. Dreihund und Frage eines deutsch-englischen Bündnisses. I 331. Unveränderte Erneuerung (1902). I 578f. Verletzung des Vertrags durch Sonderaktion Österreichs im Juli 1914. III 169. Italien kündigt den Vertrag. III 234. Dreyfus-Affäre. I 240f. Das Schibboleth. I 428. England (s.a.Flottenbau). Deutschlands Verhältnis zu ihm. I 47. Kündigt den Handelsvertrag mit Deutschland. I 56. Der Afrika-Vertr. m. Deutschland. I 273 ff. Der Wind- sor-Vertrag mit Portugal. I 274, 276. Chamberlain schlägt deutsch-englische Allianz vor (Juni 1898). I 275 ff. Verhandlungen in England. I 314ff. Resume Bülows. I 325 ff. Beschlagnahme der deutschen Postdampfer. I 331, 415, 417. II 232. Fortführung der Verhandlungen bis Sommer 1901. 1331 f. Absage durch Eduard VII. (Dezember 1901). I 332. Phasen der deutsch-englischen Beziehungen. I 411 ff. Die Gefahrzone. I 413f. Bülow über die Voraussetzungen der nicht geschlossenen Allianz. I 435 f., 509 f. Denkschrift des Staatssekretärs Richthofen. I 510ff. Englisch - französischer Kolonialvertrag (1904). II 28 f. Deutscher Flottenbesuch in Plymouth. II 34. Englische Flottendemonstration in der Ostsee. II 152. Entente Cor- diale mit Frankreich. II 205. Englisch-russischer Vertrag über Einflußsphären in Asien (1907). II 316. Bedeutung von Reval (1908). II 326. Der Artikel im Daily- Telegraph. Taf. II 352. Bericht Lichnowskys. Taf. III 128. Note wegen der Neutralität Belgiens. Taf. III 176. Erbschaftssteuer. I 248. Opposition des Zentrums und der Konservativen. II 445 f. Bülow über die Steuer zu den konservativen Führern. II 457 ff. Ablehnung mit 195 gegen 187 Stimmen. II 506. Faschoda - Streit. Der Konflikt zwischen England und Frankreich. I 271f., 421, 424. Flottenbau. Die Aufgabe Deutschlands. I 48. Die Parteien. I 59. Flottenvorlage von 1897/1898. I 115f., 214. Besprechungen zwischen Bülow und Tirpitz. I 412 ff. Flottennovelle von 1900. I 414ff. Bülow für Vcrlangsamung des Flottenbaues (1908). II 319f. Hardinge über das Tempo der deutschen Flottenrüstungen. II 321. Metternich über Verlangsamung. II 417 ff. Versuche eines Agreement. II 427 ff. Konferenz im Reichskanzler-Palais. II 431 ff. Brief Bülows an Tirpitz. II 465. Frankreich. Deutsch-französische Beziehungen um 1900.1 402 ff. Elsaß-Lothringen. I 514. III 245. Ansichten des Kaisers. II 104. Die Frage des endgültigen französischen Verzichts. II 116. Frage eines deutschen Verzichts. II 171. Revanche-Idee nicht erloschen. II 227. Schiedsgerichts-Protokoll vom 29. 5. 1909. II 501. Kongo - Verhandlungen. III 87, 89, 90, III, 118, 245. Elsaß-Lothringen im Sixtus-Brief. III 279. Friedenskonferenz im Haag. Erste von 1899: I 237, 347 f. Zweite von 1907: II 297 ff. Griechisch- Türkischer Krieg (1897). I 147, 148. Haiti, Zwischenfall Lüders (1897). I 178. Handelsverträge (s.Zolltarif). Stellung des Kaisers und Bülows dazu. I 382 f. Holland. Mit Abhängigkeit von Deutschland bedroht. II 68. Indien. I 325, 331, 424, 436, 511, 513, 572. II 140, 141. Irredenta. Giolitti über sie (1904). II 59f. Italien(s.Dreibund). Seine Realpolitik. I 48. Für Salisbury Quantite negli- geable. I 424. Hinhaltung Italiens im Juli 1914. III 168 f. Italien beschließt Neutralität. III 169, 191. Taktik der Mittelmächte. III 187f. SACHREGISTER 431 Frage der Kompensationen. III 189 ff. Italiens selbständige Interessenpolitik. III 190. Keine Kompensationen Österreichs. III 211. Erklärungen Sonninos gegenüber Bülow. III 220 ff. Italien zum Krieg gegen Deutschland und Österreich-Ungarn bereit. III 233 f. Zugeständnisse Macchios. III 234. Italien kündigt den Dreibund - Vertrag. III 234. Kriegserklärung. III 236. Telegramm Bethmann Hollwegs an Bülow. Taf. III 224. Japan. Verschlechterung der deutschen Beziehungen zu ihm. I 48f. Brief des Prinzen Heinrich an Bülow über Entgegenkommen in Japan. I 436 ff. Jesuitengesetz. Hohenlohe gegen seine Aufhebung. I 11. Protestantische Agitation. I 248. Die Aufhebung. II 10 ff. Giolitti darüber. II 61. Kanalvorlage in Preußen (Mittelland-Kanal). Eingreifen des Kaisers. I 293 f. Schließung des Landtags (1901). I 522. Annahme der Vorlage (1905). II 95. Karolinen. Erwerbung der Karolinen-, Marianen- und Palau-Inseln durch Deutschland. I 286f. Kiautschou s. Ostasien. Kreta. Frage des Gouverneurs. I 80 f. Nicht zu sehr engagieren. I 252. Der Kaiser für die türkischen Ansprüche. I 270. Griechenfreundlich. II 471. Nicht anschneiden. II 481. Krüger-Depesche. Marschalls Verantwortung dafür. I 8, 52. Demonstration in London. I 17 f. Monts über sie. I 34, 35, 36. England vor den Kopf gestoßen. I 44. Zerreißen des Schleiers. I 47. Fußtritt für England (Mtira- wiew). I 89. Intempestiv. I 412. Gedichte. I 473f. Lippescher Erbfolgestreit. I 177, 222f. Toast des Kaisers auf die Söhne Bückeburgs. I 238. Neuer Versuch, in Sukzessionsfrage einzugreifen. I 267. Wiederholung des Konflikts nach dem Ableben des Grafen Ernst. II 55 ff. „Lusitania". Versenkung. II 22. Madagaskar. 1424. II 28. Marokko. Bülow an die Deutsche Botschaft in London (Sommer 1899). I 418. Scharfe Auslassungen Salisburys. I 418f. Holstein für vorbeugenden, aber ernsten diplomatischen Schritt (August 1900). I 435. Frankreich proponiert Spanien Teilung Marokkos. II 3. Berichte Metternichs. II 3 ff. England gibt Frankreich Ermächtigungen. II 28. Differenzen zwischen dem Kaiser und Bülow. II 104. Spanisch-französischer Vertrag. II 107. TunisiCca- tion. II 108. Landung Wilhelms II. in Tanger. II 111. Bülow beruft sich auf den Madrider Vertrag von 1880. II 113. Das Wort „Kongo" fällt (1905). II 125. Konferenz von Algeciras. II 199 ff. Vertrag von Algeciras. II 211 ff. Zwischenfall von Casablanca(1908). II 338. Marokko-Abkommen vom 9. 2. 1909. II 410. Ausgleichs-Protokoll vom 29. 5. 1909. II 501. Taf. II 112. Militär-Strafprozeß- Reform. Verständigung mit Bayern. I 268. Militärvorlagen. I 404. Österreich-Ungarn. Verhältnis zu Rußland. I 90. Äußere und innere Situation. I 399 ff. Die Kriegsfrage 1908. II 403 ff. Kriegstendenzen nachher. II 401 ff. Keine Sonderaktion auf dem Balkan. III 85. Ostasien. Deutscher und russischer Hafen an der Küste Chinas. I 82. Kiautschou. I 83, 86, 92. Sühneexpedition dorthin. I 184. Rußland nimmt Port Arthur, England Wai-Hai-Wai. I 186, 203. Dcutsch-chin. Pachtvertrag über Kiautschou. I 210. Der Zar über Port Arthur. I 271. Abgang d. deutsch. China-Expedition. I 357 ff. Brief Paul Metternichs über China. I 367 ff. Deutsch-cngl. Abkommen. I 398 f., 416. England gegen Festsetzen der Deutschen i. Jangtse- Tal. I 421 f., 513. Regt japanische Intervention in China an. I 433. Aspirationen Rußlands auf die Mandschurei. I 507. Ticntsin-Angelegenheit. I 507. Der Zar nennt Besetzung Koreas durch Japan für Rußland Casus belli. I 548. Russisch- Japanischer Krieg (s. d.). Englisch-japan. Bündnis. II 188. 432 SACHREGISTER Ostmarken-Politik (s. Polen). Entwicklung der Ostmarken-Frage. I 562ff. Enteign.-Vorl. (1909). II 487 ff. Parlamentarisierung. Bülow über sie. II 509. Persien. I 424, 513. II 140, 481. Polen. I 47, 91. Bethmanns ungeheurer Fehler. I 563, 565, 569. Demonstrationen in Wrescben und Lemberg. I 565. Wilhelm II. über das polnische Programm (1906). II 243, 245. Bethmanns und Jagows Maßnahmen (1915). II 247. Brief Hin- denburgs an Studt. III 247 f. Portugal. Verpfändet s. afrikanischen Kolonien. I 273 IT. Windsor-Vertrag mit England. I 274, 276, 330, 426. Salisbury über den deutsch - englischen Vertrag. I 419. Verfall des portugiesischen Besitzes. I 425. III 261. PreußischesWahlrecht. Heydebrand gegen jede Veränderung. II 459. Bülow gegen Übertragung des Reichstagswahlrechts. II 462 ff. Allgemeines Wahlrecht in Preußen (1917). III 258f. Reichsfinanzreform (s. Erbschaftssteuer). II 217, 337 f. Beratung im Reichstag. II 381 ff. Zweite Lesung. II 484 ff. Rumänien. I 91. Im Fahrwasser d. Zentralmächte. I 150. Deutsch-rumänischer Handelsvertrag. II 48. Verhältnis zum Dreibund vor dem Weltkrieg. III 125 f. Neutralität 1914. III 169f. Eintritt in den Weltkrieg. III 280. Russisch - deutsche Beziehungen (s. a.Björkö). Die Nichterneuerung des Rückvcrsicherungs - Vertrags durch Marschall. I 8, 52. Die größte Sottise (Hohenlohe). I 9. Geschichte der Nichterneuerung. I 44 ff. Begleitumstände. I 79. Der zerrissene Draht (Murawiew). I 89. Die „schroffe und plumpe" Kündigung (Maria Pawlowna). I 93. Vertrag auch im Interesse Österreich - Ungarns. I 143. Der inkommensurable Fehler. I 449. Kündigung hat russisch-französische Allianz hervorgerufen. II 62. Argumente des Kaisers. II 62. Bülow setzt (1905) Entwurf einer deutsch-russischen Allianz auf, die an Lambsdorffs Widerstand scheitert. II 132ff. Björkö (s. dieses). Russische Revolution (1905). II 160ff. Russisch - französische Allianz. Wird in Toasten erwähnt. I 89. Durch Kündigung des deutschrussischen RückVersicherungsvertrags hervorgerufen. II 62. Russisch - Japanischer Krieg. Der japanische Gesandte fragt bei Bülow an. I 629. Das Ostasiatische Komitee. I 630 f. Ausbruch des Kriegs. II 22 f. Eduard VII. darüber. II 26 f. Der Doggerbank-Zwischenfall. II 65 f. Kapitulation von Port- Arthur. II 71 f. Friede von Portsmouth. II 169f. Taf. II 168. Samoa. 1216. II 232. Streitigkeiten, englisch-amerikanisches Bombardement von Apia, Erwerbung durch Deutschland. I 282 f. Rede Bülows. I 416. Schweden - Norwegen. Kündigung der Union. II 156ff. Sozialdemokratie (siehe Umsturzvorlage, Zuchthausvorlage). Anwachsen bei den Wahlen von 1898. I 228. Staatsstreichpläne des Kaisers gegen sie. I 348 ff. Zuwachs bei den Wahlen von 1903. II 7f. Einbuße 1907. II 278 f. Taf. II 280. Wiederanwachsen 1912. III 85 f. Tirpitz über die Gründe der Erstarkung 1924. Taf. III 324. Spanisch - Amerikanischer Krieg. I 147. Pläne von Tirpitz. I 188 f. Ausbruch und Verlauf. I 219 ff. Swinemünder Depeschen. I 5821T. II 447. III 53. Transvaal. I 216. Türkei. „Dying nation" (Salisbury). I 252. Der „kranke Mann" (Nikolaus L). I 253. Ultimatum an Serbien. I 13, 275, 291. Bülows Taktik dagegen. III 66. Nachricht von dem Ultimatum. III 140 f. Beth- mann sagt, er kenne den Inhalt nicht. III 153. Ja- gow an Lichnowsky. III 158. Die „Lokalisierung". III 161 f. Unterlassene Übergabe an das Haager Schiedsgericht. III 164. Die falsche Prozedur. III 179 ff. Berchtolds Methode. III 211 f. Umsturz - Vorlage von 1894.131. SACHREGISTER 433 Vaterlandsverein (Vaterlandspartei). Gründung durch Tirpitz. I 111. Venezuela - Zwischenfall (1902). I 557 ff. Vereinigte Staaten von Nordamerika. Deutsch- amerikanische Spannung 1898. I 221. Verhältnis der Union zu England. I 425. Walfischhai. I 216. Weltkrieg (s. auch Ultimatum an Serbien). Fehler der deutschen politischen Leitung im Sommer 1914. I 273. Kriegserklärung an Rußland. III 142, 167f. An Frankreich. III 142,168. Kriegserklärung Englands. III 142. Versteckspiel gegenüber Italien. III 168f. Lüttich. III 173. Die Marneschlacht. III 174f., 183 f. Der Krieg zur See. III 182 ff. Tannenberg. III 185. Verdun. III 186f. Loretto-Schlacht. III 247. Friedensinitiative Stürmers. III 251 f. Friedensangebot der Mittelmächte. III 253. Uneingeschränkter U-Boot-Krieg. III 263 ff., 271 f. Friedensresolution des Reichstags. III 270. Brest-Litowsk. III 275. Der Sixtus-Brief. III 279f. Eintritt Rumäniens in den Krieg. III 280. März-Offensive 1918. III 280 f. Militärische Wende. III 281 f. Friedensangebot an Wilson. III 286. Revolution in Kiel. III 302. Waffenstillstand von Compiegne. III 314ff. Friede von Versailles. III 316. Scapa- flow. III 317. Weltpolitik. Interpretation durch Bülow im Reichstag (1900). I 415 f. Deutscher und englischer Imperialismus. II 237. Witu. I 216. Zanzibar. I 216, 420. Zolltarif. Besprechungen Bülows mit den Parteiführern. I 397 f. Die Vorlage von 1901. I 531 ff. Zweite und dritte Beratung. I 591 ff. Zuchthausvorlage (Streikverbot). Oeynhausener Ankündigung durch den Kaiser. I 238. „Verscharrung." I 307 f. Die Zwölf taus. - Mark - Affäre. 1467 ff. Gedruckt im Ullsteinkaus Berlin