Vergleichende Statistik der Eisen Zndu st rie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein. Von Wilhelm Oechelhäuser. s«-?-^ Berlin. Verlag von Veit und 1852. C o m p. Vergleichende Statistik der Cisen-Zndustrie aller Länder und Erörterung ihrer ökonomischen Lage im Zollverein. Von Wilhelm Oechelhäuser. Berlin. Verlag von Veit und Comp. 1852. Vorwor t er Zweck nachfolgender Schrift ist ein doppelter. Der erste Theil verfolgt mit Hülfe der Statistik die Entwicklung der Eisenindustrie aller Staaten, namentlich aber des Zollvereins und seiner Konkurrenzländer Großbritannien und Belgien. Dabei umfaßt die Statistik nicht blos die eigentliche Produktion und Weiterverarbeitung, sondern auch die Ein- und Ausfuhr, sowie die Consumtion des Eisens. Die Zahlenangaben sind überall bis auf die neueste Zeit fortgeführt. Der Verfasser hatte dabei ganz besonders im Auge, zum ersten Mal eine genauere Statistik der Eisenindustrie aller Zollvereinöstaaten aufzustellen, indem über die meisten derselben, namentlich über die kleineren Länder, bisher gar keine oder doch nur ungenaue, auf bloßen Schätzungen beruhende Angaben vorhanden waren. Das Material hierzu ist von dem Verfasser theils in seiner früheren Stellung als Beamter des vormaligen Neichs- handelsministeriums uud der interimistischen Bundes-Central-Commission zu Frankfurt a. M. (1848 bis Ende IV 1850), theils in neuester Zeit auf Privatwegen mühsam zusammengetragen worden, wobei er vielfacher, mit Aufopferung verbundener Unterstützung von Betheiligten und Freunden des Eisengewerbes mit dankender Zlnerkemmng zu erwähnen hat. Der Zweck dieser ersten Abtheilung ist demnach ein allgemein wissenschaftlicher, nämlich die Verbreitung spezieller Kenntnisse über die Verhältnisse dieses alten, ausgedehnten und täglich an Wichtigkeit gewinnenden Industriezweigs. Da sowohl zur richtigen Auffassung der statistischen Daten, als zur Orientirung in den ökonomischen Streitfragen eine allgemeine Bekanntschaft mit den inneren Verhältnissen des Gewerbes unentbehrlich ist, so geht überdies ein kurzer Abriß der Eisenhüttentechnik der ganzen Schrift voraus. Der zweite Theil des Werks umfaßt die Geschichte und Statistik der Eisenzölle, die ausführliche Erörterung der wirthschaftlichen Grundlagen, auf denen die Eisenindustrie im Zollverein und in seinen Hauptkonkurrenzländern ruht, die Apologie der handelspolitischen Maaßregeln, welche der Zollverein zn ihrem Schutz ergriffen hat, die Erörterung der Ursachen und des Thatbestandes der gegenwärtigen Eisenvertheuerung, sowie die Angabe der Mittel und Wege um die Selbstkosten des inländischen Eisens zu erniedrigen und die verlorene Konkurrenzfähigkeit wieder herzustellen. Der Zweck dieses zweiten Abschnittes ist demnach, den Leser aufs Gründlichste in der so viel besprochenen Eisenschutzzollfrage zu orientiren und ihm das umfassendste Ma- terial zur Bildung eines selbstständigen Urtheils zu unterbreiten. Der Verfasser glaubt, seine Aufgabe ohue einseitige Parteinahme für die bloßen Interessen der Produzenten durchgeführt, vielmehr den Standpunkt der Vermittlung entgegenstehender und gleichberechtigter Anforderungen eingenommen zu haben, welcher, wenn auch mit abstrakten ökonomischen Theorien nicht völlig im Einklang, auf dem konkreten Boden des Völker- und Staatenlebens doch der einzig erprobte und haltbare ist. Der Verfasser beansprucht ferner die Anerkennung, überall die wahre Sachlage zur Grundlage seiner Erörterungen genommen und uirgends mit Absicht die Thatsachen entstellt oder die Statistik gefälscht zu haben, >— Kunstgriffe, die leider so häufig in der Polemik über ökonomische Themata vorkommen und sie ihres sittlichen Gehaltes sowohl, als ihrer Beweiskraft berauben. Allerdings ist kein Mensch der Aufgabe gewachsen, solche Erörterungen rein objektiv zu halten; die Subjektivität verschafft sich unwillkürlich ihre Geltung in der Auffassung von Thatsachen, deren Bedeutung vielfach ist oder deren Ursachen problematisch sind. Hierin wird aber auch Niemand Verletzungen der objektiven Treue finden wollen; der Begriff einer Streitschrift ist im Gegentheil untrennbar von einer solchen Auffassung und Behandlung des Gegenstandes. Der Verfasser übergiebt diese Arbeit der Oeffent- lichkeit mit dem Wunsche, daß sie Etwas dazu beitragen VI möge, eine genauere Kenntniß aller Verhältnisse unserer Eisenindustrie in weiteren Kreisen zu verbreiten, auf eine milde und gerechte Beurtheilung ihrer Lage hinzuwirken und die Mittel zu ihrer Hebung, sowie die Nothwendigkeit der Durchführung dieser Mittel klar erkennen zu lassen. Möchten sich insbesondere die Staatsmänner, Abgeordneten und Beamten unserer Vereinsstaaten bewogen fühlen, dem Inhalt dieser Schrift ihre Beachtung zuzuwenden. Berlin, im März 1852. Wilh. Qechelhänser. Inhalt. Paragr- Seite Vorwort .................. — I Einleitung. Kurzer Abriß der Eisenhüttentechnik. (§s. 1 — 5.) Die Eisenerze.............. 1. 1 Roheisen................ 2. Z Gußeisen . . . . . . - ........ 3. k Stabeisen............... 4. 7 lt.! Stahl. , , . - . : : . . .. > it Erste Abtheilung. Statistik der Eisenerzeugung. (s§. 6 — 40.) Der Zollverein. (§§. 6 — 29.) Allgemeine Bemerkungen.......... K. 15 1. Preußen. ) der Zollverein............ 43. 197 Die Eisenzollfrage vom Standpunkt der Theorie . . 44. 207 Der Roheisenzoll. (s§. 45 — 48.) t. Die ökonomischen und kommerziellen Verhältnisse der britischen Eisenindustrie..."....... 4ö. 2t5 2. Die ökonomische Lage der vereinSländischen Eisenindustrie im Verhältniß zur britischen..... 46. 223 t. Preußen.............. — 22k 2. Baiern.............. — 244 3. Sachsen.............. — 247 4. Würtemberg............. — 248 5. Baden............... — 243 k. Churhessen............. — 252 7. Großherzogthum Hessen......... — 252 8. Braunschweig............. — 253 S. Nassau.............. — 254 10. Luxemburg............. — 255 11. Thüringen............. — 25k 12. Die übrigen Gebiete.......... — 25k 3. Das Konknrrcnzverhältniß der vcreinsländischen zur belgischen Eisenindustrie und der Vertrag vom 1. September 1844.............. 47. 257 4. Die Besteuerung des raffinirten Roheisens . . . -48. 2K8 Der Stabeisenzoll. . . . '....... 43. 271 Die Besteuerung der übrigen Eisenfabrikate . 50. 282 Der Eisenzoll und die Eisenconsumenteu. (ZH. 51 — 55.) 1. Vertheuerung des eingehenden ausländischen Eisens . 51. 287 2. Vertheuernng des inländischen Eisens. (§Z. 52 — 55.) -,) Allgemeine Erörterung über den Einfluß der Zölle auf die inländischen Preise........ 52. 230 d) Der Einfluß der Zollerhöhuug von 1844 auf die inländischen Eisen-Preise........ 53. 233 o) Vergleichung der inländischen mit den britischen und belgischen Eisenpreisen........ 54. 300 ) Der Zollanschluß des Steuervereins ..... — 356 d) Der Handelsvertrag mit Oesterreich..... — 359 Schluß................. — 364 Einleitung. Kurzer Abriß der Eisenhüttentechmk. §. 1. Die innigen Beziehungen, welche zwischen der technischen Gestaltung eines Industriezweiges und seiner ökonomischen Lage obwalten, lassen es räthlich erscheinen, der gegenwärtigen Abhandlung einen kurzen Abriß der Eisenhüttentechnik vorauszuschicken. Der Fachmann wird darin wohl nichts Neues finden. Allein der Antheil an den Verhältnissen der Eisenindustrie, — vorzüglich angeregt durch den Streit über die Eisenzölle, — geht heut zu Tage so weit über den Kreis der GewerbSgenossen hinaus, daß jeder wissenschaftlich Gebildete und vornehmlich jeder höhere Beamte und Staatsmann bemüht ist, sich ein eigenes Urtheil in dieser hochwichtigen Frage zu bilden. Ohne die technischen Grundzüge eines Gewerbes zu kennen, wird aber Niemand zu einer klaren Anschauung der volkswirthschafilichen Verhältnisse desselben gelangen. Den Rohstoff sür die Eisenerzeugung bilden die Eisenerze. Von den verschiedenartigen Verbindungen abgesehen, welche das Eisen mit Schwefel, Phosphor, Chrom, Arsenik, Chlor u. s. w. eingeht, und die theils nur allgemein wissenschaftliches Interesse darbieten, theils aber anderweitigen technischen Zwecken dienen (wie dies z. B. mit dem Eisenvitriol, Chromeisenstein, Arsenikkies u. s. w. der Fall ist), bieten nur folgende Gattungen von Erzen, 1 — 2 — in denen das Eisen mit Sauerstoff, bei den beiden letzten auch mit Kohlensäure verbunden, auftritt, ein praktisches Interesse für die Eisenindustrie dar. 1. Der Magneteisenstein, eine chemische Verbindung von Eisenoxyd und Eisenorydul. In Deutschland, Frankreich und England ziemlich selten, kommt er hauptsächlich in Schweden und Norwegen vor, deren berühmtes Eisen aus diesem Material dargestellt wird. 2. Der Eisenglanz, rothes Eisenoxyd. Er kommt am schönsten auf der Insel Elba vor, wo unerschöpfliche Lager davon vorhanden sind, die leider zu wenig ausgebeutet werden. In Deutschland finden wir ihn in Sachsen, im Siegnischen, Ober- Hessen, Nassau u. s. w., jedoch nicht in allzu großen Mengen. 3. Der Rotheisenstein unterscheidet sich nur von dem vorigen durch eine mehr erdige Beschaffenheit. In Deutschland findet er sich ziemlich häufig; namentlich haben Nassau und der Kreis Wctzlar unerschöpfliche Ablagerungen dieses vorzüglichen Materials. Er kommt auch in einem sehr innigen mechanischen Gemenge mit Thon vor, als sogenannter rother Thoneisenstein. 4. Der Brauneisenstein, ein Eisenorydhydrat, von dem vorigen also durch eine chemische Verbindung mit Wasser unterschieden. Er kommt überall in den verschiedensten Gemengen und Mischungen vor, und liefert namentlich in Deutschland wie in Frankreich ren größten Theil des Rohstoffs sür die Eisenindustrie. Mit Thon gemengt bildet er den braunen Thoneisenstein und das sogenannte Bohnerz. Auch gehört zu den Brauneisensteinen das sogenannte Rasen- oder Wiesenerz, welches sehr häufig und in geringer Tiefe unter der Erdoberfläche vorkommt; sein Gehalt an Phosphorsäure macht eS indeß zur Verwendung für Stabeisen, der Kaltbrüchigkeit wegen, wenig geeignet; zu Gußeisen ist es dagegen sehr brauchbar. 5. Spath eisen stein, eine Verbindung von Eisenorydul mit Kohlensäure. Er kommt im Siegnischen (dem berühmten Mü- sener Stahlberg), Steiermark, Tyrol, Thüringen, Sachsen, Sa- voyen, Pyrenäen, dann in Spanien, Schweden u. s. vor, und bildet insbesondere die Grundlage zur Erzeugung des vortrefflichen Rohstahleisenö, woraus der Schmelzstahl oder natürliche — 3 — Stahl dargestellt wird. Er trägt deshalb auch den Namen Stahlstein. 6. Der Sphärosiderit ist gleichfalls ein kohlensaures Eisenorvdul, das chemisch mit dem Spatheisenstein übereinkommt. In reinem Zustand äußerst selten, sehen wir ihn meistens in einem innigen Gemenge mit Thon auftreten. Dieser thonige Sphärosiderit kommt hauptsächlich in den Kohlengcbirgen vor (Kohleneisenstein), theils in dem Thonschiefer, der das Hängende und Liegende der Kvhlenflötze bildet, theils in Lagern zwischen den Kohlen selbst; er bildet das Hauptmaterial für die englische Eisenproduktion. Gewöhnlich ist derselbe, wie er dort vorkommt, schon so weit zersetzt, daß er wenig oder gar keine Kohlensäure mehr enthält und ein Eisenorydhydrat bildet, das mit dem vorerwähnten braunen Thoneisenstein mehr oder weniger übereinkommt. Die Erze, worin das Eisen mit Sauerstoff oder Wasser verbunden vorkommt, werden meistens verschmolzen wie sie auS den Gruben kommen. Die kohlensauren Verbindungen (Spatheisenstein und Cphärosiderite), zuweilen auch die Eisenorydhydrate, unterwirft man jedoch vorher einem einfachen Röstungs- oder Calcinationsprozeß, der Kohlensäure, Wasser und sonstige flüchtige Stoffe entfernt. 8. 2. Die Verwandlung der Erze in Roh- oder Gußeisen geschieht im Hochofen, der von oben mit abwechselnden Schichten von Kohlen und Erzen gefüllt wird, während in dem untern Raume, unter Zuführung der Gebläseluft, der Schmelzprozeß stattfindet. Das Produkt des Hochofenprozesses ist das Rohoder Gußeisen, eine chemische Verbindung des Eisens mit Kohlenstoff, von dem es im Augenblick des Schmelzens einen Theil aufnimmt. In früheren Zeiten stellte man das reine (kohlenstofffreie) Eisen direkt aus den Erzen dar, und noch jetzt ist diese Methode in den sogenannten Luppenfeuern oder katalanischen Oefen in den Pyrenäen, auf Korsika, in Ostindien u. s. w. beibehalten. Den Uebergang auf die Hochöfen bildeten die sogenannten Blauöfen, welche zuerst ein kohlenstoffhaltiges Eisen darstellten und damit die Möglichkeit gewährten, Gußwaaren zu erzeugen, während man früher bloß das Schmiedeeisen kannte. 1" Als Brennmaterial wurden früher ausschließlich, und jetzt noch größtenteils, die Holzkohlen benutzt. Mitunter wird auch bei trockenem oder gedörrtem Holz gehüttet, oder den Kohlen solches zugesetzt (z. B. in Frankreich, Luremburg u. s. w.). In England begann man, da die Holzkohlen immer theurer und seltner wurden, gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts, die Coaks (entschwefelte Steinkohle) hierzu zu verwenden, und bereits gegen das Jahr 1800 war dort die Holzkohleneisenerzeugung so vollständig verdrängt, daß es als Merkwürdigkeit angeführt zu werden verdient, wenn heut zu Tage noch ein Holzkohlenhochofen in Großbritannien, nämlich in Lancashire, eristirt. Lindere Länder eigneten sich diesen Fortschritt früher oder später an, je nach dem Verhältniß ihrer Holzkohlen- zu den Steinkohlenpreisen. In Preußen ward der erste Coakshochofen 1796 angeblasen, in Frankreich um's Jahr 1815, in Belgien 1821. Jedoch wird gegenwärtig noch die bei weitem größte Menge Roheisen bei Holzkohlen erblasen. Die Länder, worin bis jetzt die Coakseisen- erzeugung vorgeschritten ist, sind zuerst Großbritannien, hierauf Belgien, dann Frankreich und Nordamerika, und endlich der Zollverein (Preußen); alle übrigen eisenerzeugenden Länder Hütten noch ausschließlich mit Holzkohlen. Gemische von Holzkohlen mit Coaks oder rohen Steinkohlen werden ebenfalls zur Hochofenfeuerung benutzt (namentlich in Schlesien, an der Ruhr und Saar, in Frankreich u. f. w.). Uebrigens sind die Coaks in Großbritannien in dem letzten Jahrzehnt, seit Anwendung der heißen Gebläselust, vielfach verdrängt worden, und zwar durch den Gebrauch der rohen Steinkohle. Fast das gesammte schottische Roheisen und ein großer Theil des englischen, werden gegenwärtig bei Steinkohlen erblasen. In Wales findet auch die Anthracitkohle eine ausgedehnte Anwendung, desgleichen in den Vereinigten Staaten von Nord- Amerika, insbesondere in Pcnsylvanien. In Frankreich haben die damit angestellten Versuche keinen rechten Fortgang nehmen wollen. Bei der gänzlichen Abwesenheit von Schwefel wird das bei Anthracit erblasene Roheisen von besserer Qualität, als bei der Verwendung von Coaks, während diese wieder ein besseres Eisen liefern als die rohe Steinkohle. Die Holzkohle steht dagegen immer noch weit über dem Anthracit und allen sonstigen Brenn- — 5 — flössen in Erzielung eines reinen, von allen schädlichen Beimischungen möglichst sreien Eisens. So sind die Uebergänge von Holzkohlen auf gemischte Feuerung, auf Anthracit, auf Coaks und endlich auf rohe Steinkohlen, allerdings auf Kosten der Qualität des unmittelbaren Hochofenproduktes vorgenommen worden, die sich indeß durch nachträgliche Verfeinerungsprozesse wieder verbessern läßt, wo es Zweck hat. Immer steht aber so viel fest, daß der reelle Vortheil des Uebergangs von Holzkohlen auf CoakS oder Steinkohlen nicht so groß ist, als die nominelle Differenz der beiderseitigen Produktionskosten ausdrückt; der Qualitätsunterschied nimmt einen nicht unbedeutenden Theil dieses Vortheils weg. Ja für viele Verwendungszwecke muß man bis seht die Beibehaltung der Holzkohlenhütterei und selbst der Holzkohlen- frischerei als nothwendige Bedingung anerkennen, so daß ein völliges Verdrängen derselben noch keineswegs in Aussicht steht. Die wichtigsten Fortschritte bei der Roheisenerzeugung, die seit dem Uebergang auf Coaks gemacht wurden, sind die Einführung der Cylindergebläse statt der früheren Blasbälgc und dann die Anwendung erhitzter Gebläseluft für die Hochöfen. Die Cylindergebläse begann man in England gegen daS Jahr 1780 einzuführen; 1807 wurde das erste in Deutschland gebaut, jedoch erst in den dreißiger Jahren fanden sie allgemeinen Eingang. Die allmälige Vergrößerung der Dimensionen (bis zu 60 Fuß Höhe und 18 Fuß Weite im Kohlcnsack) wie der Produktionsfähigkeit der Hochöfen ward zunächst durch die kräftigen Cylindergebläse ermöglicht. — Die erhitzte Gebläselust, 1827 zuerst von I. B. Neilson auf den ci)6e iro» vvoi'ks bei Glasgow in Anwendung gebracht, hat sich jetzt fast allgemein Bahn gebrochen; ein bedeutend verminderter Kohlenverbrauch und eine entsprechende Vergrößerung der Produktion waren die Resultate. Das Erhitzen der Gebläseluft geschiehet meistens mittelst der dem Hochofen entweichenden brennbaren Gase. Vielfach benutzt man dieselben auch, um die Kessel der Gebläsedampfmaschinen zu heizen; neuerdings legt man dieselben noch häufiger über die Oefen, worin die Steinkohlen verkoakst werden. Auch hat man diese Gase (und zwar zuerst in Wasseralfingen in Würtemberg) zum — 6 — Puddeln, wie zum Raffiniren des Roheisens zu verwenden gesucht. In Bezug auf die erhitzte Gebläseluft ist nachträglich zu bemerken, daß sie in manchen Gegenden, insbesondere in Belgien und Frankreich, für die Erzeugung von grauem Roheisen zum Vergießen in ziemlichem Umfang wieder außer Anwendung gekommen ist, da die Qualität des Eisens vielfach darunter litt. Auch in Wales wird ein Theil des Roheisens bei kaltem Wind erzeugt und in den Preiscouranls nicht unbedeutend höher notirt. Für Eisen zum Verfrischen wendet man dagegen fast überall die heiße Luft an. Die ökonomischen Wirkungen der erhitzten Gebläseluft sind übrigens außerordentlich verschieden, je nach der Qualität des Brennmaterials und der Streng- oder Leichtflüssigkeit der Erze. In Großbritannien, insbesondere aber in Schottland, das viele schwerflüssige Erze hat, (z. B> den sogenannten Blackband), mußten diese Erfolge die in Belgien, Frankreich und Deutschland erzielten weit übertreffen. Der Verbrauch der Hochöfen an Brennmaterial ist sehr verschieden, je nach der Beschaffenheit der Erze und Kohlen. Bei Holzkohlen oariirt er von 4 bis zu 1^ Centner und bei Coaks von 1^ bis 2-^ Centner, oder für Steinkohlen von 2^. bis 4 Centner auf den Centner Roheisen. Beziehungsweise Centner Holzkohlen, 1^ Centner Coaks und 2^ Centner Steinkohlen wird man als Durchschnittszahlen festhalten können, §. 3. Das Roheisen hat zwei Hauptverwendungszwecke: zum Vergießen und zum Verfrischen; ersteres nimmt ungefähr'., letzteres ^ der Erzeugung in Anspruch. In der Auswahl der Erze, wie in der Führung des OsenS, muß ganz besondere Rücksicht auf diese Verwendungszwecke genommen werden, und zerfällt danach daö Roheisen in zwei Hauptklassen: das graue zum Vergießen (lonw w. aus Siegnischem Roheisen dargestellt), hatte großen Ruf, insbesondere für die Fabrikation von Draht, Sägen und anderen Eisenwaaren. Uebrigens ist in allen diesen Fällen das Princip, wonach die Entziehung des Kohlenstoffes stattfindet, dasselbe. Der Holzkohlenverbrauch beim Frischfeuer beirägt 1 bis Centner auf den Centner Stabeisen. Hierdurch, wie durch die geringe Production eines Frischfeuers und die verhältnißmäßig starke Arbeiterzahl kommen die Kosten der Verwandlung des Roheisens in Stabeisen allerdings hoch. Wo es sich jedoch um das beste, zäheste und reinste Eisen handelt, wird noch immer der Mehrpreis gegen das bei Steinkohlen gefrischte und gewalzte Stabeisen gezahlt. Die Steinkohlensrischerei wird in Flammöfen ähnlicher Construction vorgenommen, wie sie zum Umschmelzen deS Roheisens dienen. Man nennt diese Methode daher auch Flammofen-Frischerei, noch häufiger aber Puddling- Frischerei. Sie wurde von den Engländern Cort und Par- ne'll im Jahre 1787 erfunden. Das zu »erfrischende Roheisen wird bei dieser Methode nur der darüber hinstreichenden Flamme brennender Steinkohlen ausgesetzt, während es im Frischfeuer in unmittelbarer Berührung mit den als Brennmaterial dienenden Holzkohlen ist. Die Anwendung von Gebläsen ist beim Pudd- lingofen, wie überhaupt bei allen Flammöfen, ausgeschlossen. Das Entziehen des Kohlenstoffes geschieht vielmehr durch fortwährendes Durcharbeiten und Umwenden des halbflüssigen Roheisens, wodurch möglichst große Flächen der Luft ausgesetzt und so unter Entwicklung von Kohlenoxydgas vom Kohlenstoff be-' freit werden, Von dieser Arbeit wird die Methode Puvdling- frischerei (puäciler, rühren) genannt. Ist der Kohlenstoff entfernt, so wird das Eisen zu kleinen Luppen geballt und vorerst unter einem Hammer zusammengedrückt, (mitunter auch auf sogenannten Luppenmühlen gequetscht oder zwischen den Zänge- walzen gewalzt), um es zu verdichten und die noch gebliebene Schlacke auszupressen. O — 10 — Zugleich mit der Puddlingfrischerei und ebenfalls durch Cort'erfunden, hat nun die Einführung der Walzwerke an der Stelle der Hämmer stattgefunden. Gewöhnlich wird hierbei das unter dem Puddelhammer verdichtete Eisen behufs der mechanischen Weiterverarbeitung zu Stabeisen, Schienen, Kleineisen u. s. w. zunächst zwischen die sogenannten Prä- parirwalzen gebracht, die es zu starken Platinen auswalzen. Diese Platinen werden durch eine Scheere in Stücke zerschnitten, zu Packeten zusammengelegt, diese dann in einem zweiten Flammofen, dem sogenannten Schweißofen, bis zur Weißglühhitze erwärmt, und alsdann zwischen den Reck- oder Feinwalzen zu den gewünschten Formen ausgewalzt. Das Eisen kommt uun so als Stabeisen, Schienen und dergleichen in den Handel, oder es wird zu Blech, Draht u, s, w. weiter verarbeitet. Bei der Puddlingfrischerei wird ungefähr 1 Centner Steinkohlen auf 1 Centner Stabeisen verbraucht, also selbst dem Gewicht nach weniger wie das Frischfeucr von den häufig 3 bis 4fach theureren Holzkohlen erfordert. Die außerordentliche Ersparniß leuchtet hiernach ein; auch ist die Production eines Puddlingofens ungefähr 3 bis 4mal größer als die eines Frischfeuers. — 125 bis 140 Pfd. Roheisen geben 100 Pfv. Stabeisen. Ein großer Theil des CoaksroheisenS wird nicht in dem Zustande, wie es den Hochofen verlassen, in den Puddlingofen gebracht, sondern vorher in einem besonderen Ofen, dem Affi- uirseuer umgeschmolzen, wodurch die das graue Roheisen charak- terisirende Graphitbildung zerstört und überdies jede fremdartige Beimischung entfernt wird. Das Product dieses Prozesses ist daS raffinirte Roheisen oder Feinmetall (tm-metal, lonle maxöe). Das Affiniren (Feinen, Weißen) geschieht meistens bei Coaks, ausnahmsweise auch wohl bei Holzkohlen, ja selbst bei Hochofengasen. Holzkohlenroheisen wird nur in Ausnahmesällen diesem Vorbereitungsprozeß unterworfen. Gewöhnlich werden im Puddlingofen verschiedene Sorten Roheisen unter einander gemischt, theils der zu erzielenden Qualität halber, theils um es besser verarbeiten zu können. Wie schon erwähnt, ist die Puddlingfrischerei keineswegs an die Anwendung der Steinkohle gebunden. Man frischt, wenn auch nirgends in sehr bedeutendem Umfange, bei gedörrtem Holz — 11 — (z. B. in Süddeutschland, Oesterreich), bei Torf (Schweiz, Würtembcrg, Oesterreich, Harz), ja selbst bei Gasen, Letzteres ward zuerst in Wasseralfingen (Würtembcrg) bei den dem Hochofen entweichenden Gasen durch Faber du Faur zu praktischer Anwendbarkeit gebracht, wenn es auch bereits 1812 durch Aub ertöt versucht worden war. Häufiger hat man jedoch in letzteren Jahren die aus Steinkohlen, Torf, Holz, Braunkohlen u. s. w. in besonderen Generatoren erzeugten Gase benutzt; namentlich ist man in Deutschland mit diesen Versuchen vorangeschritten, deren vollständiges Gelingen für die Eisenindustrie vieler Gegenden die entschiedenste Wichtigkeit haben und sie zur Concurrenz mit dem Steinkohlenbetrieb in Stand setzen wird. So wenig als die Steinkohlenfeuerung, so wenig haben auch die Walzwerke einen nothwendigen Zusammenhang mit der Pudd- lingfrischerei. So sehen wir einerseits (namentlich in Frankreich, Süddeutschland, Oesterreich, der Schweiz u. s. w.) Walzwerke mit Holzkohlenfnscherei verbunden, anderseits aber in noch weit größerem Umfange die Steinkohlenfrischerei ohne Walzwerke auftreten. Unter der Benennung mölkods ekgmsisnoiss wird namentlich in Frankreich und in Deutschland (im Siegnischen, Luremburg u. s. w.) die Puddlingfrischerei in ziemlich großem Umfange in Verbindung mit Kleinfeuern (statt Schweißvfen) und Hammerwerken (statt der Walzwerke) betrieben, deren Erzeugnis! dem Walzeisen etwas vorgezogen und insbesondere zu Blech, Draht und Eisenwaaren verwandt wird. Ueberdieß mußten allerorts die Hämmer zur Darstellung solcher sayonirter Gegenstände beibehalten werden, deren Form sich nicht durch das Walzen erreichen läßt. Die von Nasmyth erfundenen Dampfhämmer haben diesem Theil der Eisenindustrie eine sehr wesentliche Verbesserung zugeführt; man wendet dieselben auch häufig als Luppenhämmer an. H. 5. Die eigentliche Eisenindustrie im engeren Sinne schließt mit der Erzeugung von Roh-, Guß- und Stabeisen ab. Wir müssen jedoch schließlich noch der Stahlfabrikation erwähnen. Der Stahl ist seiner chemischen Beschaffenheit nach ein Eisen mit einem Kohlenstoffgehalt, der zwischen dem des Gußeisens und des gefrischten Eisens (das eigentlich ganz kohlenstofffrei — 12 — sein soll, aber selten ist) in der Mitte steht. Eine genaue Grenze zwischen diesen drei Hauptcisensorten läßt sich nicht ziehen und laufen sowohl Frischeisen und Stahl, als Stahl und Gußeisen in einander über. Durch den richtigen Kohlenstoffgehalt, durch die Reinigung von srcmden Beimischungen und die chemischen Bestandtheile des verwandten Eisens wird die Güte des Stahls bedingt; jedenfalls gehören Stahlbereitung und Verarbeitung zu den schwierigsten Zweigen des gesammten Gewerbewesens. Der Stahl wird auf zwei ganz entgegengesetzten Wegen erzeugt; entweder aus Roheisen, indem man demselben einen Theil Kohlenstoff entzieht, oder aus gefrischtem Eisen, indem man demselben Kohlenstoff zuführt. Ersterer wird Roh- oder Schmelzstahl, letzterer Cementstahl genannt. Der Schmelz stahl wurde (von der alten Stahlbereitung durch die direkte Methode unmittelbar aus Erzen abgesehen) bis vor Kurzem ausschließlich in Holzkohlensrischfeuern (Stahlfeuern) dargestellt, ganz in ähnlicher Weise wie das Schmiede-Eisen, jedoch mit dem Unterschied, daß der Frischprozeß unterbrochen ward, wenn erst ein Theil des im Roheisen enthaltenen Kohlenstoffs ausgeschieden war Die Qualität des verwandten Roheisens bedingt wesentlich die Güte des Nohstahls. Am besten eignet sich hierzu das aus Spatheisensteinen erblasene weiße Roheisen, Rohstahleisen genannt, welches häufig beim Bruch glänzende, spiegelnde Flächen zeigt, und dann den Namen Spiegeleisen (ionte miroitgnw) führt. In größeren Mengen und in vorzüglicher Qualität wird der Schmelzstahl in Steiermark, Kärnthen, Tyrol, dem Siegnischen, Schweden, Dauphins u. s. w. erzeugt. Zu den Schmelzstahlsorten gehört auch der berühmte Wooz aus Ostindien. In den letzten Jahren ist indeß auch die Anwendung der Puddlingfrischerei bei Steinkohlen für die Erzeugung von Stahl durchgesetzt worden. Der P uddl ingstahl wird analog dem Puddlingeisen erzeugt, nur daß man ebenfalls den Frischprozeß früher unterbricht, ehe die Entkvhlung des Roheisens völlig vor sich gegangen ist. Versuche, den Stahl aus solche Weise zu frischen, sind schon längst und an vielen Orten unternommen, aber stets wieder aufgegeben worden, weil die Sicherheit fehlte und das Produkt höchst ungleichartig wurde. Allein die rastlosen An- - 13 - strengungen, namentlich mehrerer westphälischen Puddlingwerk- besitzer, haben alle diese Schwierigkeiten besiegt, und wenn sich auch noch nicht völlig absehen läßt, wie weit der gepuddelte den gefrischten Schmelzstahl oder den Cementstahl verdrängen wird, so ist ihm doch bereits in gewöhnlichen Qualitäten ein bedeutender Absatz sicher und steht mit Bestimmtheit zu erwarten, daß allmählig jeder Preisunterschied zwischen gutem Schmiedeeisen und gewöhnlichem Stahl verschwinden wird. Die dem Frischen gegenüberstehende Methode ist die Ce- mentstahlfabrikation. Hierbei werden Stäbe von Schmiedeeisen, mit Lagen von pulverisirter Holzkohle abwechselnd, in einem verschlossenen Ofen aufgeschichtet und längere Zeit der Nolhglüh- hitze ausgesetzt, bis sich das Eisen durch Aufnahme einer genügenden Menge Kohlenstoff in Stahl verwandelt hat. In dem Zustande, wie der Roh- oder Cementstahl auftreten, werden sie nur in geringeren Mengen verbraucht; eine weitere Verfeinerung ist schon deshalb nothwendig, weil das Mischungsverhältniß des Eisens und Kohlenstoffs in allen Theilen der Rohoder Cementstahlstäbe sehr verschieden ist. Diese Verfeinerung geschieht nach zwei Systemen, dem Raffinircn oder Gerben und dem Nm schmelzen. Bei ersterer Methode, die den Raffinir- oder Gerbstahl liefert, wird der Rohstahl bei Holzkohlenseuerung in Pa- queten zusammengeschweißt und unter dem Hammer ausgestreckt; je nach dem zu erreichenden Grade der Feinheit wiederholt man diese Operation zwei-, drei-, selbst viermal. Für den Cementstahl wendet man den Gerbprozeß seltner an, da derselbe einen zu großen Theil seines Kohlenstoffgehaltes dabei einbüßt. Der Raffinirstahl gehörte also in der Regel zur Gattung des Schmelzstahls. Die andere Methode, welche den Guß stahl liefert, verdrängt die Gerbmethode immer mehr. Sie ward 1740 von HandSworth in Sheffield erfunden und wird jetzt in steigender Ausdehnung hauptsächlich in England, demnächst aber auch in Frankreich und Preußen angewandt. Hierbei wird der Cement- oder Rohstahl in Tiegeln in kleinen Quantitäten (bis 30 Pfund) bei einem heftigen Steinkohlenfcuer umgeschmolzen und darauf unter dem Hammer oder der Walze weiter verar- — 14 - beitet. Die Güte des Gußstahls hängt in erster Ordnung von dem verwandten Rohmaterial ab. Die berühmte Sheffielder Gußftahlfabrikation gründet sich auf die Verarbeitung cementirten schwedischen Eisens, wovon sich die Fabrikanten die besten Marken, namentlich (1^ in s kole), durch Pachtverträge gesichert haben. Demnächst wird das norwegische und russische Eisen vorgezogen, von letzterem insbesondere die Marke L L 1^ I) aus Nijni Taguilsk. Auch Frankreich bezieht zur Gußstahl- sabrikation meistens schwedisches Eisen. Im Zollverein und in Oesterreich wird davon fast nichts verbraucht; wohl aber hat man mit großem Glück begonnen, neben der Verwendung inländischen Cementstahls den Gußstahl auch aus Nohstahl darzustellen. In einzelnen Richtungen, insbesondere auch in der so schwierigen Darstellung schwerer Stücke*), Hartwalzen u. s. w. haben wir sogar in letzter Zeit die Engländer selbst übertroffen. Von den sonstigen Methoden den Stahl darzustellen, z. B. direkt aus den Erzen, wie noch in den Pyrenäen, Indien u. s. w. in Gebrauch, serner durch Adouciren von Rohstahleisen, durch Zusammenschmelzen von Roh- und Stabeisen, oder von Stabeisen und vulverisirter Kohle (Combinatstahl) u. s. w. können wir hier absehen. Schon aus dieser kurzen Darstellung wird man ersehen, wie unendlich verschieden die ökonomischen Grundlagen der Eisenindustrie in den einzelnen Gegenden sein müssen und in wie hohem Grade ihre wirthschaftliche Lage und damit das Conkurrenzver- hältniß der verschiedenen eisenerzeugenden Länder durch technische Umgestaltungen im Lause der Zeit verändert worden ist. Der Hinzutritt der Fracht frage bei einem Gewerbe, wo die Rohmaterialien das vier- bis siebenfache Gewicht des Produkts haben und wo überhaupt die Werthe so gering sind im Verhältniß zu den Gewichten, steigert, wie wir sehen werden, die Verwicklungen noch, welchen sich die Eisenindustrie einer Gegend ausgesetzt sehen kann, nachdem dieser oder jener Fortschritt die Bedingungen ihrer bisherigen Eristenz verrückt hat. ') Der von Krupp in Esscn zur Londoner Industrieausstellung gelieferte Gußstahlblock wog uicht weniger als 4,300 Pfund. Erste Abtheilung. Statistik der Eisenerzeugung. ^U. Der Zollverein. §. 6. Die Eisenerzeugung ist eines der ältesten Gewerbe Deutschlands. Schon Tacitus erwähnte ihrer im jetzigen Oberhessen, und mag überhaupt diese Gegend, nebst dem angrenzenden Nassauischen und Siegnischen als der älteste Sitz der deutschen Eisenindustrie zu betrachten sein; demnächst wohl Steier- mark, Kärnthen, Sachsen und der Harz. Jahrhunderte lang fand die Darstellung des Eisens in unveränderter Weise in offenen Heerdfeuern — Luppenfeuern — direkt aus den Erzen statt, und erst gegen Ende vorigen Jahrhunderts sind dieselben in Deutschland vollständig verschwunden. Die Stückösen kamen gegen Ende des 13. Jahrhunderts aus Böhmen nach Sachsen, und die Blauöfen (kleine Hochöfen ohne Gestell und mit geschlossener Brust) finden wir zuerst zwei Jahrhunderte später am Rhein. Noch jetzt eristiren derselben ziemlich viele in Thüringen und Baiern. Im 16. Jahrhundert bestanden bereits in verschiedenen Theilen Deutschlands Blauöfen für Eisengießerei und Ansang des 17. Jahrhunderts wurden in Sachsen und im Harz die ersten Hochöfen gebaut. 1794 erfolgte die erste Anlage eines Coakshochofens zu Gleiwitz in Schlesien. Die - 16 — Einführung der Cylindergebläse, der Puddlingsrischerei, der Walzwerke und der erhitzten Lust fällt in dieses Jahrhundert; in größerem Umfange namentlich von 1830 an. Aehnlich wie in Frankreich ist auch die Eisenindustrie des Zollvereins über dessen ganzes Gebiet verbreitet. Nur in einigen der kleinsten Staaten fehlt dieser Erwerbszweig. Bei den schlechten Kommunikationsmitteln der früheren Zeit, bei dem außerordentlichen Mehrgewicht der Rohstoffe (Erze, Kohlen, Zuschläge u. s. w.) über das daraus hergestellte Produkt und bei dem geringen Preise des Eisens im Verhältniß zu seinem Gewicht, war eine solche Zersplitterung sehr natürlich. Denn in gewissen Entfernungen glichen sich die höheren Produktionskosten eines Distriktes gegen die Frachten des in andern Gegenden billiger oder besser produzirten Eisens aus. So hatte jeder Eisendistrikt sein bestimmtes Absatzgebiet und gewöhnlich fand nur an den Grenzen dieser Gebiete eine ernstliche Conkurrenz der einzelnen Eisendistrikte untereinander oder mit dem Auslande statt. Wir kommen später darauf zurück, wie die Verbesserung der Transportmittel, der Ucbergang vom Holzkohlen- zum Steinkohlenbetrieb und das Entstehen der Eisenbahnen die ehemaligen Grundlagen der örtlichen, technischen und ökonomischen Verhältnisse unserer Eisenindustrie umgestaltet haben, so daß sie jetzt im Begriff ist, dieser neuen Basis gemäß eine wesentlich veränderte Gestalt anzunehmen. Das Resultat dieser Entwicklung wird, außer einer bedeutenden Ausdehnung, eine stärkere Concentrirung der Eisenerzeugung auf bestimmte Punkte, namentlich auf die Steinkohlenreviere sein; einzelne Sitze der bisherigen Holzkvhleneisenproduk- tion werden dieselbe fortsetzen können, andere durch neue Kommunikationsmittel zum Uebergang auf Steinkohlenverwendung in den Stand gesetzt werden, während den ungünstiger gelegenen Werken ein Fortbetrieb aus die Dauer nicht zu garantiren ist. In der folgenden Erörterung werden Umfang und Lage jedes einzelnen Vereinsländischen Eisendistrikts ausführlicher zur Sprache kommen, woraus die allgemeine ökonomische Lage unsrer Eisenindustrie ain deutlichsten erhellt. — 17 — 1. Preussen. §. 7. Ueber die preußische Eisenindustrie, bei weitem die bedeutendste und wichtigste des Zollvereins, sind bereits seit langer Zeit offizielle Nachweisungen vorhanden. Bis zum Jahr 1837 waren dieselben jedoch mangelhaft, theils weil die Produktion der schlesischen Privatwerke nicht kontrolirt, und theils weil zwischen den einzelnen Kategorien (z. B. Gußwaarcn aus Erzen und aus Roheisen) nicht überall genau unterschieden wurde. Wir gehen also mit den detaillirten Nachweisungen nicht weiter als bis 1837 zurück, fügen jedoch die Gesammtproduktion früherer Jahrgänge bei. Das gesammte Berg- und Hüttenwesen, namentlich das erstere, unterliegt in Preußen einer genauen Beaufsichtigung und Kontrole von Seiten des Staates. Er ist zu dem Ende in fünf Hauptbergdistrikte getheilt, von denen jeder wieder in verschiedene Bergamtsbezirke zerfällt. Jene Distrikte sind der Brandenburgisch- Preußische, der Schlesische, der Sächsisch-Thüringische, der West- phälische und der Rheinische. In jedem derselben finden Eisensteinbergbau und Eisengewinnung statt, jedoch in sehr verschiedenem Umfange. Die beiden Hauptdistrikte für Eisenerzeugung sind der Rheinische und Schlesische, während der Westphälische sich zu gleicher Bedeutung zu entwickeln im Begriff steht. Zu bemerken ist übrigens, daß die Begrenzung der Bergdistrikte keineswegs mit der politischen Eintheilung zusammenfällt; so findet gerade die bedeutendste Eisenproduklion des Rheinischen Bergdistrikts in der Provinz Westphalcn (Siegen) und die bedeutendste Produktion des Westfälischen Distrikts in der Rheinprovinz (im Ruhrrevier) statt. Wir lassen nun die Statistik der Eisenerzeugung in den einzelnen Hauptbergdistrikten folgen, nebst einer kurzen Erörterung ihrer wirthschaftlichen Grundlage. g. Hoch ofenproduktion. §. 8. 1. Der Brandenburgisch-Preußische Hauptbergdistrikt. Derselbe hat den größten Flächeninhalt aber bei weitem die kleinste Eisenerzeugung unter den fünf Haupldistrikten. Er umfaßt die Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Ost- 2 — 18 — und Westpreußen. Von den fünf Hochösen, die sich hier in schwachem Betrieb befinden, fast ausschließlich auf Gußwaaren aus Erzen, liegen drei im Frankfurter, einer im Gumbinner und einer im Stettiner Regierungsbezirk. Das Schmelzmaterial besteht bloß aus Rasenerz, das meistens von den Feldern zusammengesucht wird; als Brennmaterial dienen ausschließlich Holzkohlen. An eine weitere Entwicklung der Eisenerzeugung ist in jenen Provinzen nicht zu denken; im Gegentheil haben die Hochösen trotz der seit 1844 eingetretenen Besteuerung des ausläuvi- schen Roheisens der Konkurrenz der Kupolöfen gegenüber, die schottisches Roheisen bei englischen Steinkohlen vergießen, ihre Produktion immer mehr eingeschränkt- Folgende Tabelle wird dies darthun. . Hochosenproduktion des Brandenburg-Preußischen Hauptbergdistrikts. 1. 2. 3. Jahr. Roheisen. Gußwaaren aus Erzen. Summa der Hochosenproduktion. Ctr. Ctr. Ctr. 1837 6,719 16,566 23,285 1838 — 10,056 10,056 1839 s 22,379 22,379 1840 WfMMLKM- 22,116 22,116 1841 — 34,605 34,605 1842 — 32,827 32,827 1843 — 23,056 23,056 1844 — ' , 31,014 31,014 1845 ' — 10,759 10,759 1846 — 12,319 12.319 1847 — 15.774 15,774 1848 — 17,436 17,436 1849 — 9,247 9,247 1850 1,342 8,157 9,499 Die fünf Hochöfen bestehen schon seit längerer Zeit; gewöhnlich sind nur 3 biö 4 davon im Betrieb. Mit Ausnahme — 19 — eines Privathochofens im Regierungsbezirk Frankfurt sind sie in landesherrlichem Besitz. Es betrug die Erzeugung: des AerarS. der Privatwcrkc. 1837 .... 16,566 Ctr. 6,719 Ctr. 1842 .... 25,827 - 7,000 - 1830 .... 8,157 - - 1,342 - 2. Der Schlesische Hauptbergdistrikt.*) Dieser Distrikt umfaßt die Provinz Schlesien. Er zerfällt in den nie- derschlesischcn und obersch lesischen Bezirk. Der erste, die Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz umfassend, hat eine nicht sehr bedeutende Eisenerzeugung. Im Regierungsbezirk Breslau ist es bloß die Grafschaft Glatz, die Roheisen aus den dort vorkommenden Magnet- und Brauneisensteinen erzeugt. 1837 waren dort 3, 1850 2 Hochofen in Betrieb. Im Regierungsbezirk Liegnitz ist dagegen die Zahl großer; sie betrug 1837 gegen 25, wovon 1850 aber nur noch 16 in Betrieb waren; sie liegen über einen großen Theil des Bezirkes zerstreut, hauptsächlich in den Kreisen Sprottau, Rothenburg, Hovers- werda, Bunzlau und Sagan. Das Schmelzmaterial besteht fast ausschließlich aus Rasenerz und werden daher meistens Gußwaaren erzeugt. Die Werke Niederschlesiens werden bei Holzkohlen betrieben, jedoch Hütten gegenwärtig einige der im Regierungsbezirk Liegnitz belegencn Hochöfen bei einer Mischung von Coaks und Holzkohlen, Die Eisenerzeugung ist hier im Rückschritt, wenngleich nicht im Verhältniß der kalt liegenden Hochofen; die steigenden Holzkohlenpreise und die Entfernung von den Steinkohlenrevieren tragen dazu hauptsächlich bei. Oberschlesien, den Regierungsbezirk Oppeln umfassend, ist dagegen der Punkt, wo sich bis jetzt im ganzen Zollverein die Eisenerzeugung am stärksten konzentrirt findet und wo namentlich die Coakseisenerzeugung ihren ältesten Sitz hat und quantitativ am weitesten vorgeschritten ist. Ueber die speziellen Verhältnisse der schlcsischen Eiscnproduktion handeln die ausgezeichneten Schriften des Herrn Wachter, Königl. Hüttenin- spektor in Malapane: „Die Eisencrzcngnng Ober- und Nieder-Schlesiens, Bnsla» 18'l8." 2» - 20 - Wir haben in Oberschlesien den Holzkohlen- und Coat's- eisendistrikt zu unterscheiden. Der erstere umfaßt die waldigen Gegenden im nördlichen Theile des Regierungsbezirks längs der polnischen Gränze. Hier kommen sehr reiche Sphärosideriten (Steinerze, Thoneisensteine) vor, die das hauptsächliche Schmelzmaterial der Holzkohlenhochöfen bilden. Die größte Zahl derselben befindet sich im Kreise Lublinitz. Hier wird auch etwas Rohstahleiscn aus Spatheisenstein erzeugt. — Die Coakshülten dagegen finden sich fast sämmtlich in dem oberschlesischen Steinkohlendistrikt zwischen Gleiwitz und der polnischen Grenze, im Kreise Beuthen, konzentrirt. Unter der Zahl derselben ist die berühmte Königshütte bei Gleiwitz, die zu den am billigsten produzirenden Hütten des ganzen Zollvereins gehört; ferner die Alvenslebenhütte, Laurahütte u. f. w. Sie verschmelzen fast ausschließlich die in nicht großer Entfernung vorkommenden Tar- nowitz-Beuthener Brauneisensteine. Dieselben sind zwar arm (20 — 30 Prozent Eisengehalt), allein ihr Vorkommen in großen Lagern, theilweise dicht unter der Oberfläche, macht die Gewinnung sehr wenig kostspielig. Sie bilden überhaupt nach v. Car- nall") gegen ^ der Beschickung sämmtlicher oberschlesischer Hochösen, indem auch sehr viele Holzkohlenhochöfen dieselben ausschließlich verhütten oder doch die Steinerze damit gattiren. Im Steinkohlengebirge selbst kommen Sphärosideriten vor, die als Zusatz verhüttet werden; jedoch sind die Ablagerungen nicht von Bedeutung. Die dem Steinkohlenrevier näher liegenden Holzkohlenhochöfen sind vielfach zur Verwendung gemischten Brennmaterials übergegangen. Die Erzeugung von Hochofcngußwaaren war in Oberschlesien stets sehr unbedeutend. Daß die schlesische Coakseisenerzeugung unter diesen im Allgemeinen sehr günstigen Verhältnissen sich nicht noch weit stärker entwickelte, muß vornehmlich folgenden Umständen zugeschrieben werden: Dem vorzüglichen Werke des Herrn N. v. Carnall: „Die Bergwerke in Preußen und deren Besteuerung. Berlin, 1850" sind überhaupt viele Notizen über die Eisenindustrie PrcuficiiS entnommen. — 21 — 1) Die beträchtliche Eisensteinfracht, die viele Werke bei den schlechten Wegen zu tragen haben, obgleich die Entfernung der Eisenerzlager nicht groß ist. Die Pferdceisenbahn, zur Verbindung der großen Hüttenwerke im Steinkohlendistrikt mit den Tarnowitz-Beuthener Erzrevieren, welche längst projektirt und nun endlich in der Ausführung begriffen ist, muß demnach bedeutend auf Verminderung der Selbstkosten und Ausdehnung der Produktion OberschlesienS einwirken ; 2) Die eigenthümliche Beschaffenheit der Tarnowitz-Beuthener Brauneisensteine, die meistens aus einer lockeren zcrrcib- lichen Masse bestehen, die sich im Ofen dicht zusammenlegt und den Durchgang des Windes hindert. Hierdurch werden der Anwendung sehr hoher und weiter Oefen, von der ProduktionSfähigkeit der belgischen und schottischen, Schwierigkeiten entgegengesetzt. 3) Die Qualität der schlesischen Kohlen; mit Ausnahme der Königin Louisengrube hat nämlich Oberschlesien nur magere Kohlen. Hierdurch und durch den geringen Eisengehalt der Erze wird das bedeutende Quantum von 2-^ bis 2^ Centner Coaks (etwa 1 Tonne Kohlen) zur Erzeugung von 1 Centner Roheisen erforderlich. 4) Der Mangel eines abgerundeten Absatzgebietes, indem nach Süden und Osten die hermetisch verschlossenen Grenzen Rußlands und Oesterreichs bis unmittelbar an das oberschlesische Eisenrevier stoßen. Alle diese Verhältnisse werden noch mehrfach zur Erörterung gelangen. Oberschlesien hatte 1837 48, 1850 dagegen 67 Hochöfen in Betrieb; die Zahl nahm also in ähnlichem Verhältniß zu, als in Niederschlesien ab. Unter jenen 48 Hochöfen im Jahr 1837 wurden 8 mit Coaks und ungefähr 3 mit gemischtem Material betrieben; 1850 wird die Zahl derer, die Coaks oder gemischtes Brennmaterial verwandten, auf 21 anzunehmen sein. Folgende Tabelle enthält die Statistik der gestimmten schlesischen Hochofenproduktion. — 22 — HochofcnProduktion des schlesischen Hauptbergdistrikts. t. 2. 3. 4. Jahr. Roheisen. Rohstahleisen. Gußwaaren aus Erzen. Summa d.Hoch- ofenproduktion. Ctr. Ctr. Ctr. K.r 1837 625,650 1,138 67,381 694,169 1838 648,523 1,965 77,804 728,292 1839 661,462 3,017 110,159 774,638 1840 774,930 2,122 107,510 884,562 1841 788,338 2,811 41,752 832,901 1842 738,253 4,266 30.055 772,574 1843 732,691 1,110 32,490 766,291 1844 721,715 1,925 50,343 773,983 1845 763,791 1,788 136,851 902,430 1846 988,739 2,637 26,429 1,017,805 1847 866,628 3,000 141,880 1,011,508 1848 917,658 661 98,686 1,017.005 1849 894,643 1,233 71,061 966,937 1850 1,048,095 930 67,319 1,116,344 Von dieser Produktion kommen auf: Niederschlesie». Oberschlesieu. 1837 .... 91,492 Ctr. 602677 Ctr. 1850 .... 84,374 - 1,031,970 - In Oberschlesien sind viele der bedeutendsten Hüttenwerke (z. B- Königshütte, Malapane u. s w.) landesherrlich; die nie, derschlesischen sind sämmtlich in Privatbesitz. Im ganzen schlesischen Distrikt war das Verhältniß der Erzeugung des Aerars und der Privathütten folgendes: Acrariscke Werke. Privatwerke. 1837 . . . 158,810 Ctr. 535,359 Ctr. 1842 . . . 118,692 - 653,882 - 1850 . . . 105,143 - 1,011,201 - Das Aerar hat also seine Eisenerzeugung eingeschränkt. Gegen 85 Prozent derselben besteht aus Coakseisen. Von den Privatwerken ist etwa? in standesherrlichem Besitz. — 23 — Nach dem verwandten Brennmaterial scheidet sich die schlesische Hochofenproduktion folgendermaßen: „ , ^ ,. << Bei Coaks und Bci Coaks und Bei Holzkohlen. . , - ,. ^< ^ Steinkohlen. Holzkohlen. 1837 . . . 509,169 Ctr. 170.000 Ctr. 15,000 Ctr.*) 1842 . . . 461,152 - 311,422 - 41,017 - 1850 . . . 666,706 - 349,638 - 100,000 - ") Zählt man die Produktion bei gemischtem Brennmaterial dem Coakseisen zu, so stellt sich das Quantum im Jahr 1850 auf etwa 40 Prozent der Gesammterzeugung der schlesischeu Hochöfen. Die Coakseisenerzeugung der Privatwerke betrug 1838 erst 53,044 Centner. 1850 dagegen 262,443 Centner. Im Ganzen waren im schlesische» Distrikt 1837 76 Hochofen im Betrieb, worunter 8 auf Coaks; 1850 betrug jene Zahl 86, worunter etwa 23 auf Coaks und gemischtes Brennmaterial. 3. DerSächsisch-Thüringische Hauptbergdistrikt. Die Produktion dieses Distriktes, der die Provinz Sachsen umfaßt, ist nicht von bedeutendem Umfange, obgleich die Eisenindu strie hier seit Jahrhunderten ihren Sitz hat. Im Harz gehen 3 Hochofen, welche die dortigen Roth-, Magnet- und Brauneisensteine verhütten und insbesondere vorzügliche Hochofengußwaaren liefern, worin sich vor Allem die Grast. Stollbergische Hütte zu Jlscnburg auszeichnet. Im Regierungsbezirk Merseburg liegen noch einige Hochöfen zerstreut, die meist Raseneisenstcine verschmelzen. Darunter ist das Gräflich Cinsiedelnsche Werk Lauchhammer gleichfalls durch seine Gußwaarenproduklion ausgezeichnet. Im Thüringer Wald, in den preußischen Enklaven Schleusingen und Ziegenrück, kommen vorzügliche Braun- und Spatheisensteine vor, die aber meistens noch auf ganz veraltete Weise in den sogenannten Blauöfen verhüttet werden, deren jährliche Produktion hier gewöhnlich auf 500 bis 1000 Ccntner pro Ofen zu veranschlagen ist. Die hohen Preise der Holzkohlen, an manchen Punkten auch die bedeutenden Förderkosten der Erze scheinen eine quantitative Entwicklung der dortigen ') Beruht ans Schätzung, da die bergamtlichen Nachweisnngcn dies Quantum nicht in allen Jahrgängen getrennt aufgeführt haben. — 24 — Eisenindustrie, selbst bei rationellerem Betrieb, nicht mehr zu gestatten, indem die innere Concurrcnz von Seiten des schlesischen, westfälischen und rheinischen Eisens bereits zu beträchtlich geworden ist. Nur in so ungewöhnlich günstigen Perioden in Bezug auf Preis und Absatz, wie die von 1845 und 1846, war eine beträchtlichere Steigerung der Produktion möglich, während seitdem eine stärkere Abnahme stattfand, als vielleicht in irgend einem andern deutschen Eisendistrikt. Sämmtliche Hüttenwerke des Sächsisch ^Thüringischen Distrikts sind auf den alleinigen Verbrauch von Holzkohlen angewiesen. Etwa 5000 bis 6000 Centner des im Thüringer Wald aus Spatheisensteinen erblascncn Roheisens werden zur Schmelzstahlfabrikation verwandt, das übrige zu Stabeisen. Am Harz und im Regierungsbezirk Merseburg besteht ein großer Theil der Hochofenproduktion aus Gußwaaren. Hoch ofenproduktion des Sächsisch-Thürin gschen Hauptbergdistrikts Jahr. t. Roheisen. Ctr. 2. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 3. Summa der Hoch- osenproduktion. Ctr, 1837 32,738 2,892 35,630 1838 24,988 6,032 31,020 1839 42,614 25,250 67,864 1840 40,729 36,154 76,883 1841 40,979 35,536 76,515 1842 41,725 39,892 81,617 ' 1843 33,848 38,245 72,093 1844 48,544 43.557 92,101 1845 49,392 59.837 , 109.229 1846 40.840 62,821 103,661 1847 83,222 10,406 93,628 1848 41,847 15,855 57,702 1849 41,572 11,988 53,560 1850 30,304 19,184. 49,488 — 25 — Von der Eisenerzeugung des Jahres 1837 kamen 5670 Centner auf ein ärarisches Hüttenwerk im Regierungsbezirk Erfurt; seit 1842 wird dasselbe jedoch nicht mehr vom Staate betrieben. Dagegen ist jetzt etwa die Hälfte der Werke in stan- desherrlichem Besitz. Die Zahl der in Betrieb befindlichen Hochöfen betrug 1837 sechs und 1850 sieben; von Blauöfen sind fünfzehn vorhanden, davon gewöhnlich aber nur acht bis höchstens zehn gleichzeitig in Betrieb. 4. Der Westphälische Hauptbergdistrikt. Er umfaßt von der Provinz Westphalen die Regierungsbezirke Munster, Minden und den nordwestlichen Theil von Arnsbcrg, und von der Rheinprovinz den Regierungsbezirk Düsseldorf. Auch hier ist die Eisenerzeugung noch zu keinem großen Umfang gelangt; sie geht jedoch einer ganz bedeutenden Entwicklung entgegen. Man hat in diesem Distrikt zwischen den Werken zu unterscheiden, die vereinzelt in der Provinz Westphalen zerstreut liegen und Rasenerz bei Holzkohlen verschmelzen, und zwischen den Hütten im Regierungsbezirk Düsseldorf im Steinkohlenrevier der Ruhr. Bis vor wenigen Jahren war hier die Roheisenerzeugung noch sehr unbedeutend und man verschmolz ebenfalls nur Rasenerze bei Holzkohlen, denen man allmächtig die in der Nahe erschürften Braun- und Thoneisensteine, sowie Notheisensteine von der Lahn, in immer größeren Mengen zuzusetzen begann. Gleichzeitig fing man an die Holzkohlen mit Coaks zu vermischen und 1850 wurde zuerst auf einer, 1851 auf drei Hütten mit bloßen Coaks gehüttet- 1837 hatte der Regierungsbezirk Düsseldorf nur zwei kleine Holzkohlenhochöfen, von denen gewöhnlich nur einer in Betrieb war, 1850 sechs Hochösen, wovon einer auf Coaks, vier auf gemischtes Brennmaterial, und 1851 bereits acht Hochöfen, worunter drei auf Coaks und alle übrigen auf gemischtes Brennmaterial. Immer sind aber sowohl dies Wachsthum als der erreichte Umfang der Produktion noch ganz unbedeutend, wenn man die Grundlagen betrachtet, die hier zur Entfaltung einer großartigen Eisenindustrie gegeben sind. In dem Bassin der Ruhr finden sich vorerst die zur Verhüttung am besten geeigneten Steinkohlen des ganzen Vercins- gebietes, deren Förderungskosten verhältnißmäßig sehr niedrig — 26 — kommen. Außerdem sind nicht blos in den letzten Jahren reiche Lager von Thon- und Brauneisensteinen an der südlichen und westlichen Gränze der Kohlenfelder (bei Mülheim am Rhein, an der bergisch-märkischen und Steele-Vohwinkler Bahn) aufgeschlossen worden, sondern man hat auch zwischen den Kohlenstoßen selbst (bei Dortmund, Sprokhoevel u. s. w.) Ablagerungen von Kohlcneisensteinen entdeckt, ganz ähnlich dem Vorkommen, worauf sich die Größe der schottischen Eisenindustrie basirt. Uebcrdies eignet sich das Ruhrkohlenrevier am besten die reichen und äußerst billig zu fordernden Rotheisensteine der Lahn zu verhütten, indem die Fracht sehr gering ist (von Lahnstein bis Ruhrort etwa 1» Pf. pro Centner) und bei vollständiger Regulirung der Lahnschifffahrt oder nach Ausführung einer Lahneisenbahn noch so viel niedriger kommen muß, daß es voraussichtlich eben so vortheilhaft sein wird, in Duisburg, Mülheim an der Ruhr oder Ruhrort die Lahneisensteine zu verhütten, als die Kohleneisensteine des Steinkohlenreviers selbst. Auf die Verhüttung der Brauneisensteine sind 1851 bereits 2 Hochofen in Betrieb gekommen und einer zu Borbeck an der Köln-Mindener Bahn auf Rotheisensteine der Lahn, während 4 andere Hochöfen ihre Erze damit gattiren. Der Borbecker Hochofen ist bis jetzt der einzige in Deutschland, welcher die höchste Produktion belgischer und schottischer Oefen, 50-60,000 Pfund in 24 Stunden, erreicht hat; der zweite Hochofen kam Anfang 1852 dort in Betrieb. Zur Verhüttung der Kohleneisensteine werden im Laufe des Jahres 1852 die ersten Hochöfen errichtet; die Schmelzversuche damit sind bereits in großem Maaßstab auf der Königl. Sayner Hütte vorgenommen worden. Und was schließlich das Ruhrkohlenrevier so geeignet macht zur Entfaltung einer großartigen Eisenindustrie, dies ist seine geographische Lage und die Vollkommenheit der CommunicationSmittel, wodurch es mit dem ganzen Vereinsgebiet in Verbindung steht und selbst nach den entferntesten Provinzen, Ost- und Westpreußen (per Rhein und Sund) billiger versenden kann, als alle näher gelegenen Eisendistrikte. Daß unter diesen Umständen das Wachsthum der dortigen Eisenindustrie noch ein so geringes war, hat vornehmlich zwei Ursachen. Erstens sind alle die großartigen Aufschlüsse von Erzen — Brauneisensteine, Kohleneiscnsteine wie nassauische Rotheisensteine — fast ausschließlich neueren Datums und bedurften genauer Untersuchungen, ehe so bedeutende und kostspielige Anlagen darauf gegründet werden konnten. Selbst die große Bedeutung und Ausdehnung des Nuhrkohlenflötzes nach Westen und Norden hin kennt man erst seit wenigen Jahren. Und zweitens traten die Ereignisse von 1848 mit der darauf folgenden und selbst jetzt noch nicht gehobenen Geschäftsunsicherheit auf's störendste dazwischen. Im Jahre 1847 war die Gründung einer großen Zahl von Hochosenetablissements im Ruhrrevier theils fest beschlossen, theils bereits in der Ausführung; alles dies gerieth 1848 in's Stocken und erst 1850 und 1851 ist ein verhältnißmäßig kleiner Theil der Unternehmungen wieder aufgenommen worden. Für 1851 wird man deshalb auch das Quantum des bei Coaks oder gemischtem Brennmaterial erzeugten Roheisens bereits auf 200, bis 250,000 Ctr. anschlagen können und hoffentlich beginnt von jetzt an eine umfassendere Ausbeutung der dort gegebenen Grundlagen. Ein sehr großer und das Verhältniß in den übrigen Eisenrevieren des Zollvereins weit übersteigender Theil der bisherigen Eisenerzeugung des Distrikts besteht aus Hochosengußwaaren, während die neuen Coakshüttenanlagen auf Roheisen gehen. Die Produktion seit 1837 enthält nachstehende Tabelle: . Hochofenproduktion des Westphälischen Hauptbergdistrikts. Jahr. 1. Roheisen. Ctr, 2. Nohstahl- eisen. Ctr. 3. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 4. Summa d.Hoch- ofenprodnktion. Ctr, 1837 7,153 98,040 105,193 1838 10,212 — 116,657 126,869 1839 12,157 — 121,162 133,319 1840 4,310 k;»H»?' s 133,790 138,100 1841 13,016 — 147,188 160,204 1842 16,762 — 116,971 133,733 1843 25,815 — 83,792 109,607 — 28 — Jahr. t. Roheisen. (5tr. 2. Rohstahleisen. Ctr. 3, Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 4. Summa d.Hoch- ofenproduktion. Ctr. 1844 26,832 _ 150,647 177,539 1845 37,509 — 152,026 189,535 1846 40,368 156,142 196,510 1847 42,530 — 140,262 182,792 1848 72,534 836 113,273 186,643 1849 63,522 700 84,601 148.823 1850 69,435 735 153,364 223,534 Sämmtliche Werke sind in Privatbesitz. — Nach dem verwandten Brennmaterial scheidet sich die Produktion folgendermaßen: „ Bei Coaks und Bei Holzkohlen. Bei Coaks. Holzkohlen, 1837 . . . 105,193 Ctr. — Ctr. — Ctr. 1842 . . . 133,733 - — - — - 1850... 141,618 - 21,500 - 60,416 - Zusammengenommen wurden also im Jahre 1850 bei Coaks und gemischtem Brennmaterial 81,916 Centner oder 36 Prozent der Gesammtproduktion erblasen. Die Zahl der in Betrieb befindlichen Hochösen betrug im ganzen westphälischen Distrikte 1837 6 Holzkohlenhochöfen und 1850 14 Hochöfen, wovon 9 auf Holzkohlen und 5 auf Coaks oder gemischtes Brennmaterial. 5. Der Rheinische Hauptbergdistrikt. Er umfaßt die Rheinprovinz mit Ausnahme des Regierungsbezirks Düsseldorf und von der Provinz Westphalen den größten Theil des Regierungsbezirks Arnsberg. Dieser Distrikt hat drei Haupteisenreviere, nämlich den BergamtSbezirk Siegen auf dem rechten Rheinufer, und auf dem linken die Bezirke Saarbrücken und Düren. Der siegensche Bergamtsbezirk ist der bedeutendste von diesen dreien und innerhalb desselben hat wieder der Kreis — 29 — Siegen ") die ausgedehnteste Eisenerzeugung. Es ist dies einer der ältesten und berühmtesten Sitze deutscher Eisenindustrie, der sich insbesondere durch seine reichhaltigen und gutartigen Spath-, Braun- und Rotheisensteine auszeichnet. Aus den besten Spath- eisensteincn wird Rohstahleisen (Spiegeleisen) erblasen; der berühmte Müsener Stahlberg liefert insbesondere ganz unerschöpfliche Mengen dieses vorzüglichen Materials. Der Kreis Siegen erzeugt gegen ^ und der ganze Bergamtsbezirk über ^ der ge- sammten Rohstahleisenproduktion der preußischen Monarchie. Ebenso genießen die aus dem siegenschen Roheisen dargestellten Gußwaaren (namentlich Oefen, Netorten, Walzen) ihrer Festigkeit und Feuerbeständigkeit, und die verschiedenen Stabeisensorten ihrer Härte und Zähigkeit halber, großen Rus. Das Brennmaterial besteht im Siegenschen bis jetzt ausschließlich aus Holzkohlen, welche von den nach einer eigenthumlichen Methode bewirthschafteten Haubergen geliefert werden. Im Jahre 1847 wurde bei Siegen ein Coakshochofen angeblasen, konnte aber, obgleich sich der Coaksverbrauch etwa nur auf 12V Pfund pro Centner Roheisen stellte, bei so großer Entfernung von dem Steinkohlenrevier der Ruhr den Betrieb nicht fortsetzen. Der Holzkohlenverbrauch ist übrigens bei den reichhaltigen und leicht schmelzbaren Erzen auf ein Minimum herabgebracht worden, das vielleicht noch nirgends erreicht ist; einzelne Hütten verbrauchen zu 1000 Pfund Roheisen nur 900 bis 925 Pfund Kohlen und erblasen in kleinen Hochöfen bei äußerst schwachen Gebläsen von nur 6 —8 Pferdekrafl bis zu 18,000 Pfd. Roheisen in 24 Stunden. Uebrigens ist im Siegenschen die Zahl der Hochöfen im Verhältniß zu dem Produktionsquantum sehr groß, indem die Hütten von Alters her in einem Verband stehen, der, mit Rücksicht auf die disponiblen Holzkohlen, ihre Betriebszeit auf sehr kurze Campagnen beschränkt. *) Ueber die speziellen Verhältnisse der Eisenindustrie im Bergcunis- bezirk Siegen und insbesondere in den drei Kreisen Siegen, Olpe und Altenkirchen, siehe die lehrreiche Schrift von Klein und Born er: „Denkschrift über die künftige Handelspolitik und Zollvcrfassnng Deutschlands. Nbth, III. Siegen, 1849." — 30 — In den 3 Kreisen Siegen, Olpe und Altenkirchen Hütteten 1840 die 34 vorhandenen Hochöfen durchschnittlich nur 59 Tage im Jahr; daS allmählige Eingehen des Frischfeucrbetriebes und neue Wegeanlagen haben indeß das den Hochöfen zur Verfügung stehende Holzkohlenquantum so erhöht, daß im Jahre 1847 die Campagnen doch mindestens 125 Tage dauerten und 1850 etwa 140 bis 150 Tage. Die genannte Zahl der im Betrieb befindlichen Hochöfen ist seit 1837 ziemlich dieselbe geblieben; davon hat der Kreis Siegen 18, Altenkirchen 10 und Olpe 6. Auf Rohstahleisen gehen gewöhnlich 7 Hochöfen. Die Zukunft der Eisenindustrie in den 3 Kreisen und den angrenzenden Distrikten wird durch die Erbauung einer Eisenbahn nach dem Steinkohlenrevier der Ruhr bedingt. Sie allein wird die Einführung des Hüttcnbetriebs bei Coaks möglich machen, während immer ein Theil der Holzkohlenhochöfen fortbestehen kann, indem sich durch verstärkten Betrieb die Selbstkosten bedeutend ermäßigen. Auch der Cisensteinbergbau würde großen Aufschwung nehmen; die vorzüglichen Braun- und Spatheisensteine dürften ohne Zweifel in großen Mengen nach der Ruhr verführt und dort zur Gattirung der Kohlen- und Brauneisensteine benutzt werden. Im Verhältniß zu den vorhandenen mineralischen Schätzen ist die bisherige Ausdehnung des siegenschen Bergbaus eine sehr geringfügige zu nennen. Von den übrigen Theilen des Bergamtsbezirks Siegen ist vorerst der Norden deö Regierungsbezirks Arnsberg zu erwähnen, wo 10 Holzkohlenhochöfen, meistens auf Gußwaaren, betrieben werden. In der neuesten Zeit sind im Herzogthum West- phalen bedeutende Erzlagerstätten, außer den früher schon bekannten, aufgeschlossen worden. Das Letztere gilt auch von der Enklave Wetzlar, wo zwei Hochöfen betrieben werden. Hier und im Braunfelö'schen hat man die großartigsten Ablagerungen von Rotheisensteinen bis zu 50 Prozent Eisengehalt, wie sie an der ganzen mittleren Lahn vorkommen und einen der reichsten Fundorte von Eisenerzen bilden, die überhaupt in Deutschland eristiren. Bet Besprechung der nassauischen Eisenindustrie kommen wir hierauf zurück. Außerdem hat der Bergamtsbezirk Siegen noch verschiedene Hochöfen am rechten Nheinufer. Darunter befindet sich auch die — 31 — Königliche Savnerhütte, 5er einzige Hochofen, der in diesem Bezirk bis jetzt mit Coaks oder gemischtem Brennmaterial hüttet. Die Coaks bezieht er von der Saar. Der Verbrauch betrug 1847 208 Pfund auf 1 Centner Roheisen; seitdem soll er etwas geringer geworden sein. 1830 betrug die Produktion 41,905 Ctr. — Zwei Hochöfen am Rhein gehen auf Rohstahleisen. Im Ganzen hatte der Bergamtsbezirk Siegen 1837 gegen 50 und 1850 57 Hochöfen, darunter 2 landesherrliche, in Betrieb; 9 gingen auf Rohstahleisen. Die Zahl der überhaupt vorhandenen Hochöfen beträgt 63. Auf dem linken Rheinufer wird die Eisenindustrie in zwei Bezirken betrieben, dem Dürener und Saarbrücken In dem Dürener Distrikt hat die Eisenerzeugung ihren Sitz fast ausschließlich im Schleidener Thal. Von 36 Hochöfen waren 1850 dort 25 in Betrieb und zwar nur bei Holzkohlen. Es wird sehr wenig Gußeisen, meistens vielmehr Roheisen zum Vcr- srischen erzeugt, das man theilweise im Hochofen auf ähnliche Weise hierzu vorbereitet, wie dies sonst beim Coakseisen in den Affinirfeuern geschieht. Die Lage dieses Distriktes ist der von Siegen ganz ähnlich; nur eine Verbindung des Schleidener Eisenreviers mit dem Steinkohlenrevier der Jnde vermag den dortigen Gruben- und Hüttcnbetrieb auf die Dauer aufrecht zu erhalten. In diesem Steinkohlenrevier selbst, in der Nähe von Stollberg, sind auch in neuerer Zeit Brauneisensteinlager entdeckt worden und man muß es überhaupt als eine spezielle Wirkung des belgischen Vertrags betrachten, daß hier noch gar keine Coakshochofenanlagen entstanden, wozu doch die geeigneten Grundlagen offenbar vorhanden sind. Im Saarbrücker Distrikt kommen, außer Brauneisensteinen, hauptsächlich Thoneisensteine vor und zwar zum Theil in nicht bedeutender Entfernung von dem Steinkohlenbezirk der Saar. Früher Hütteten alle Hochöfen, die namentlich im Hundsrück und in der Eifel zerstreut lagen, mit Holzkohlen; seit 6 Jahren hat indeß die Coakseisenerzeugung festen Fuß gefaßt und sind namentlich mehrere großartige Werke an der Saar und Mosel entstanden, z. B. Quint, Als, Mariahütte, Neunkirchen, Dillingen. Auch die Holzkohlenhochösen haben allmächtig Coaks zugesetzt; den im HundSrück belegenen hat namentlich die Rheinpfälzische — 32 — Eisenbahn die Zufuhr der Steinkohlen erleichtert. 1850 Hütteten im Distrikt von 14 Hochöfen nur 3 mit reinen Holzkohlen, 4 mit Coaks und 7 mit gemischtem Brennmaterial. Die Listen für 1850 gaben nur 54,265 Centner Roheisen bei Coaks und 48,842 Centner bei gemischtem Brennmaterial erblasen an; von den Hochofengußwaaren fehlt die Angabe. Man wird im Ganzen 60,000 Centner bei Coaks und 30,000 Centner bei gemischtem Brennmaterial annehmen können, was zusammen 70 Prozent der Gesammtproduktion des Saarbrücker Distrikts ausmacht. Die Saarkohle ist nicht so gut als die Ruhrkohle, jedoch besser als die schlesische zum Verhütten geeignet. Der Hüttenbetrieb ist hier jedenfalls noch großer Ausdehnung fähig. Der Umstand, daß alle Kohlengruben des Saarbrücker Reviers in Händen des Staates sind, welcher die Preise weit höher hält als sie bei concurrirenden Privatwerken stehen könnten, hemmt diese Entwickelung bedeutend. Auf dem linken Rheinufer sind alle Hüttenwerke in Privatbesitz. Die Produktion des gesammten Rheinischen Hauptbergdistrikts seit 1837 enthält folgende Tabelle: Hochofenproduktion des Rheinischen Hauptbergdistrikts. Jahr. 1. Roheisen. Ctr. 2. Rohstahl- cisen. Ctr. 3. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 4. Summa d.Hoch- ofenproduktion. Ctr. 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1845 1846 1847 1848 1849 i 1850 774,112 655.979 758,620 727,281 735,241 706,605 732,109 595,826 694,333 725,385 1,072,736 952,788 886,958 1,021,823 149,003 120,585 152,179 152,293 121,073 102,401 124,791 138,685 107,303 82,877 133,981 125.712 117,898 105,207 152,590 144,143 158,060 168,051 148,226 132,355 136,536 114,405 115,769 136,649 169,899 129,217 92,522 97,988 1,075,705 920,707 1,068,859 1,047,625 1,004,540 941,361 993,436 848,916 917,405 944,911 1,376,616 1,207,717 1,097,378 1,225,018 — 33 — Nach den drei Haupteisenrevieren im Rheinischen Distrikt scheidet sich die Eisenerzeugung folgendermaßen: Siegen. Düren. Saarbrücken. 1838 . . . 619,965 Ctr. 176,358 Ctr. 124,384 Ctr. 1850 . . . 853,238 - 180,929 - 190,851 - Die sämmtliche Rohstahleisenerzeugung entfällt auf dem Siegenschen Distrikt. Auf landesherrlichen Werken, sämmtlich im Bergamtsbezirk Siegen gelegen, wurden erzeugt: 1837 . . . 39,487 Ctr. 1842 . . . 34,701 - 1850 . . . 49,413 - ES fand also auch hier keine wesentliche Steigerung der ärarischen Produktion Statt und ist überhaupt ihr Umfang unbedeutend. Von den 49,413 Centnern im Jahre 1850 wurden 41,905 Centner bei Coaks erzeugt. Nach dem verwandten Brennmaterial scheidet sich die Hochofenproduktion folgendermaßen, wenn man dabei von den oben festgehaltenen Annahmen ausgeht: -n > ^ , . Bei gcmisä'tem Bei Holzkohlen. Bei CcakS. ^ . , , ^ Brennmaterial. 1837 . . . 1,075,705 Ctr. — Ctr. — Ctr. 1842 . . . 941.311 - — - — - 1850 . . . 1,033,113 - 101,905 - 90,000 - In Summa wurden also 1850 bei Coaks und gemischtem Brennmaterial crblasen: 191,905 Centner oder 15 Prozent der Gesammtproduktion des Rheinlandes. Die Zahl der im Jahre 1850 in Betrieb befindlichen Hochöfen betrug 96, worunter 12 mit Coaks oder gemischtem Brennmaterial. Im Jahre 1837 mag sie 90 gewesen sein. H. 9. Faßt man vorstehende Angaben über die Eisenerzeugung der einzelnen Hauptbcrgdistrikte zusammen, so ergeben sich für die ganze preußische Monarchie die in nachfolgender Tabelle angegebenen Produktionsquanta. ES sind dabei auch die Angaben aus einigen früheren Jahrgängen^) nach Karsten ") 1798, wo der größte Theil des Rhcunsck'c» AergdistriktS »och nickt z» Prcnsien gehörte, ward die Eiscnprvdnktion der Monarchie auf 3K8,vl» Ctr. angegeben. 3 — 34 — und Anderen aufgenommen, die indeß nur annähernd richtig sein können, indem vor 1837 die Produktion der schlesischen Privathütten nicht controllirt ward, auch in den amtlichen Berichten aus den andern Distrikten die Scheidung zwischen Gußwaaren aus Erzen und aus Roheisen nicht immer genau festgehalten worden ist. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Schätzungen etwas zu niedrig gehalten sind; insbesondere dürfte dies bei dem angegebenen Produktions - Quantum für 1826 der Fall sein. Hochofenproduktion der Preußischen Monarchie. 1. 2. 3. , ...-4. Jahr. Roheisen. Rohstahleisen. Gußwaaren aus Erzen. Summa d.Hoch- ofenproduktion. Ctr. Ctr, Ctr. Ctr, 1826 — — 845,345 1831 — -— — 1,241,665 1834 — — — 1,507,000 1835 , ^cy -''-"^ ' — -— 1,589,000 1836 —175 —- ^s. 1,778,000 1837 1,446,372 150,141 337,469 1,933,982 1838 1,339,702 122,550 354,692 1,816,944 1839 1,474,853 155,196 437.010 2,067,059 1840 1,547,250 152,415 467,621 2,167,286 1841 1,577,574 123,884 407,307 2,108,765 1842 1,503,345 106,667 352,100 1,962,112 1843 1,524,463 125,901 314,119 1,964,483 1844 1.392.977 140,610 389,966 1,923,553 1845 1,545,025 109,091 475,242 2,129,358 1846 1,795,332 85,514 394,360 2,275,206 1847 2,065,116 136,981 478,221 2,680,318 1848 1,984,827 127.209 374,497 2,486,533 1849 1,886,695 119,831 269,419 2,275,945 1850 2,170,999 106,872 346,012 2.623,883 Von der Gesammtproduktion kamen auf die landesherrlichen Hüttenwerke.- — 35 — 1837 . . . 220,533 oder 11 pCt. 1842 . . . 179,220 - 9 - 1849 . . . 169,357 - 7 - 1850 . . . 162,713 - 6 - Die Eisenerzeugung des Aerars ist also ' immer mehr eingeschränkt worden. Nach dem verwandten Brennmaterial scheidet sich die Produktion folgendermaßen: „ Bci Coaks uud Bci Holzkohle». Bn CoakS. H^ohlen. 1837 . . . 1,748,982 Ctr. 170,000 Ctr. 15,000 Ctr. 1842 . . . 1,609,673 - 311,422 - 41,017 - 1849 . . . 1,669,332 - 387,740 - 218,873 - 1850 . . . 1,900,424 - 473,043 - 250,416 - Bei Coaks und gemischtem Brennmaterial zusammengenommen wurden demnach erblasen: 1837 . . 185,000 Ctr. oder 9-^ pCt. der Gesammtprodukrion. 1842 . . 352,439 - - 18 - - 1849 . . 606.613 - - 26 - - 1850 . . 723,459 - - 28 - - Bei der Produktion der landesherrlichen Hütten geht übrigens der Antheil des Coakseisens weit über diese Durchschnitte hinaus. Von den 162,713 Centnern im Jahr 1850 waren vielmehr 127,281 Centner oder 78 Prozent bei Coaks erblasen, und wie überhaupt die ersten CoakShochöfen in Deutschland von der preußischen Regierung gegründet worden sind, so ist sie hierin stets mit gutem Beispiel vorangeschritten, ohne dabei der eignen Produktion einen Umfang zu geben, wodurch der Privathütten- betricb wesentlich beeinträchtigt wird. Die Anzahl der in Betrieb befindlichen Hochöfen betrug 220 im Jahr 1850, worunter 14 Blauöfen. Da vor 1847 nicht die Zahl der Hochösen, sondern bloß die der Hüttenwerke mitgetheilt ward, so läßt sich keine genaue Begleichung anstellen. Man kann sie aber für 1837 bis 1844 auf 200 bis 210 annehmen, von wo sie bis 1847 auf etwas über 220 stieg. Die Zahl der überhaupt vorhandenen betrug nach den Gewerbetabellen von 1846 239 Hoch- und Blauöfeu; 1850 mag sie auf 245 anzunehmen sein. Es lägen demnach durchschnittlich 25 3* — 36 — Hochöfen kalt. Wahrscheinlich ist indeß diese Zahl zu gering, und dürfte immer noch ein Theil von den in den amtlichen Nachweisen aufgeführten Hochöfen außer Betrieb gewesen sein. Von den 220 Hochöfen im Jahr 1850 wurden gegen 39 mit Coaks oder gemischtem Brennmaterial betrieben. Die Zahl der neuerbauten Hochöfen ist natürlich weit größer wie die Differenz der 1837 und 1850 in Betrieb befindlichen. Die Hochöfen, welche kalt liegen, sind meistens älterer Konstruktion und von kleinen Dimensionen, von denen ein Theil als gänzlich aufgegeben zu betrachten ist. Die Steigerung der Produktion kommt demnach weniger auf Vermehrung der Hochofenzahl, als Verstärkung des Betriebs der einzelnen Werke. Bringen wir für die Produktion der 14 Blauöfen durchschnittlich 8000 Centner in Abzug, so sind von den einzelnen Hochöfen jährlich erzeugt worden: Bei CoakS und qe- Bei Holzkohle». 1837 . . . 9.410 Ctr. 1842 . . . 9,100 - 1850 . . . 11,330 - Mit Berücksichtigung, daß die Zahl der in Betrieb befindlichen Holzkohlenhochöfen zu hoch gegriffen sein mag, darf man indeß wohl 12 bis 13,000 Centner für 1850 rechnen. Die außerordentlich geringe Produktion der Holzkohlenhochöfen entfällt hauptsächlich auf Rechnung der kurzen Campagnen, welche die meisten von ihnen machen, indem die tägliche Produktion verhältnißmäßig weit größer ist, ja bei einzelnen bis 18,000 Pfund im Tage steigt, was bei einer 300tägigen Campagne gegen 50,000 Centner im Jahre machen würde. Nicht blos die frühere glänzende Lage des Geschäfts, sondern weit mehr noch die Rücksicht auf die disponibeln Holzkohlen, auf die Erz- und Kohlenfrachten und auf den mehrmonatlichen Wassermangel der kleinen Gebirgswässer haben die verhältnißmäßig große Zahl von Holzkohlenhochöfen und überhaupt die große Zersplitterung des Eisenhüttenbetricbs hervorgerufen. Die ökonomischere Benutzung von Brennmaterial, die Einführung der heißen Gebläseluft, das durch die eingehenden Frischfeuer vermehrte Holzquan- tum und die Anlage von Gebläsemaschinen, deren Kessel durch mischtem Material. 16,820 Ctr. 17,620 - 18,550 - - 37 — die Gichtgase geheizt werden, haben indeß seit 6 — 8 Jahren die Ausdehnung des Betriebs der einzelnen Holzkohlenhochöfen und somit die Erzielung besserer Resultate möglich gemacht, so daß 162 Holzkohlenhochöfen im Jahr 1850 gegen 300,000 Centner mehr produzirten, als 178 im Jahre 1842,. Die fortschreitende Beschränkung des Frischfeuerbetriebs, sowie namentlich auch das weitere Eingehen von Holzkohlenhochösen oder deren Uebergang auf Coaks werden es vielen der übrigbleibenden gestatten, in der Betriebserweiterung noch viel weiter, ja bis aufö dreifache, fortzuschreiten und somit ihre ökonomische Lage wesentlich zu verbessern und die Produktionskosten zu ermäßigen. Die verhältnißmäßig geringe Leistung der CoakShochvfen rührt daher, daß in dieser Rechnung viele Holzkohlenhochösen von geringer Produktionsfähigkeit einbegriffen sind, die auf eine Mischung mit Coaks übergingen, ohne die bisherigen Dimensionen ihrer Oefen oder die Kraft ihrer Gebläsemaschinen zu vergrößern. Die wirklichen Coakshochöfen erzeugen weit mehr als diesen Durchschnitt und kann man sie von 30 — 60,000 Centnern im Jahr annehmen. Die längsten Campagnen kommen in Schlesien vor; dort hättet z. B. der Nedenofen auf Königshutte bereits im 11. Jahr. Dagegen ist oben bemerkt, aus welchen Gründen die Produktionöfähigkeit der schlesischen Oefen keine sehr große ist. Das höchste Quantum, welches die besten belgischen und schottischen Hochöfen darstellen, dürfte in ganz Deutschland zum ersten Mal im Jahr 1851 von dem Borbecker Hochofen im Regierungsbezirk Düsseldorf erreicht worden sein. Von den Umständen, die in den verschiedenen Perioden auf die Entwickelung wie auf den Rückgang der preußischen und überhaupt der vereinsländischen Eisenindustrie eingewirkt haben, wird in der zweiten Abtheilung dieser Schrift noch mehrfach die Rede sein. Wir verlassen demnach hiermit die eigentliche Eisengewinnung, welche das unmittelbar aus den Erzen dargestellte Produkt umfaßt, und wenden uns zu den Hauptzweigen der Weiterverarbeitung des Eisens. — 38 — d. Gußwaaren aus Roheisen. §. 10. Da, wie wir gesehen, die Gußwaarenerzeugung aus Erzen sich seit Jahren nicht mehr ausgedehnt, sondern eher verringert hat, so ist die Befriedigung des bedeutend gesteigerten Consum'S in diesen Waaren, den namentlich die Maschinenfabrikation, die Eisenbahnen u. s. w. veranlaßt haben, lediglich den Cupolo- und Flammofengießercien anheimgefallen, welche bei Coaks oder Steinkohlen, mitunter auch bei Holzkohlen oder Holz, das von den Hochöfen gelieferte graue Roheisen um- schmelzen. Die Leichtigkeit mit welcher derartige Anlagen zu errichten und dem größeren oder geringeren Bedarfe und allen Schwankungen desselben anzupassen sind, so wie der verhältnißmäßig geringe Kohlenverbrauch und Verlust beim Umgießen, mußten das Emporkommen dieser Gießereien, insbesondere in den von den Eisendiftrikten entfernteren Gegenden, erleichtern. Der größte Theil dieser Gußwaaren wird zur Zeit aus ausländischem, hauptsächlich grauem schottischen Steinkohlen-Roheisen (Nr. 1.) dargestellt, dem man aber gewöhnlich inländisches Eisen von besserer Qualität zusetzt. Wir geben im Folgenden die Produktion der einzelnen Hauptbergdistrikte an, und fügen der Uebersicht halber nochmals die im vorigen Abschnitt bereits ausgeführten Hochofen-Gußwaaren bet. Es leuchtet dabei ein, wie verschieden die ökonomischen Grundlagen dieser beiden Zweige der Eisengießerei sein müssen, da den Hochofengußwaaren der Eisenstein, den Cupol- und Flammosengußwaaren dagegen das Roheisen als Rohmaterial dient; vom kaufmännischen Standpunkt aus gehören dagegen die Erzeugnisse beider Branchen in dieselbe Kategorie. 1. Der Brandenburgisch-Preußische Hauptbergdistrikt. Hier hat sich, zuerst angeregt durch die im Jahr 1814 durch den Grafen Reden errichtete Königliche Eisengießerei und fortgebildet durch die feit zehn Jahren mächtig aufblühende Maschinenfabrikation von Berlin, die Gießerei in verhältnißmäßig kurzer Zeit zu einem größeren Umfange entwickelt, als in einem der eigentlichen Eisendistrikte. Der Polizeibezirk Berlin allein zählte 1850 17 Cupol-, 15 Flamm- uud 21 Tiegelöfen (letztere für Kunstguß). Die übrigen Gießereien, fast ausschließlich Cu- — 33 - polöfen, sind in den Hauptstädten der Provinzen Preußen, Pommern, Posen und Brandenburg zerstreut. Das verwandte Roheisen ist etwa zu ^ schottisches. Als Zusatz wird neben altem Brucheisen vornehmlich schlesisches und auch etwas schwedisches Holzkohlenroheisen benutzt. Gußwaarenerzeugung im Brandenburg-Preußischen Hauptbergdistrikt. t. ?J 2. ! 8. 75? t Jahr. Aus Alls Erzen. Summa Roh eisen. (s. Tab. Z. 8,) der Gußwaaren. Ctr, Ctr, Ctr. 1837 42 195 16,566 58,761 1838 44. 314 10,056 54,370 1839 62, 408 22,379 84,787 1840 131, 162 22,116 153.278 1841 90, 720 34,605 125,325 1842 111 903 32,827 144,730 1843 121 690 23,056 144 746 1844 158 581 31,014 189,595 1845 332, 118 10,759 342,877 1846 303,584 12,319 315,903 1847 261,970 15,774 277,744 1848 172,758 17,436 190,194 1849 170,219 9,247 179,466 1850 189,649 8,157 197,806 1850 betrug die Zahl der Eupolöfen 55 und der Flammöfen 17; daneben 35 Tiegelösen. Die außerordentliche Abnahme der Erzeugung seit 1848 läßt darauf schließen, wie stark die Maschinenfabrikation unter den politischen Unruhen gelitten hat. 2. Der Schlesische Hauptbergdistrikt. Hier ist die Gießerei zu keiner Ausdehnung gelangt, die dem Umfange der eigentlichen Eisengewinnung entsprechend wäre. Es wird sasi ausschließlich schlesisches und nur sehr wenig ausländisches Roheisen vergossen. - 40 — Gußwaarenerzeugung des Schlesischen Hauptberg- distriktö. 1. 2. ! MiM?lN-6s;r>N Jahr. Aus Aus Erzen. Summa Roheisen. (s. Tab. §. 8.) der Gußwaaren. Ctr. Cir. Ctr, 1837 32,257 67,381 99,638 1838 38,269 77,804 115,073 1839 47,752 110,159 157,911 1840 57,831 107,510 165,341 1841 127,718 41,752 169,470 1842 153,244 30,055 183,299 1843 148,424 32,490 180,914 1844 101,704 50,343 152,047 1845 174,689 136,851 311,540 1846 164,173 26,429 190,602 1847 116,931») 141,880 257,811 1848 89,914 98,686 188,600 1849 86,317 71,061 157,378 1850 86,436 67,319 153,755 1850 betrug die Zahl der in Betrieb befindlichen Kupolöfen 17 und der Flammöfen 10; außerdem 2 Tiegelöfen. 3. Der Sächsisch-Thüringische Hauptbergdistrikt. In den Jahren 1839 bis 1846 fand hier eine verhältnißmäßig geringe Gnßwaarenerzeugung bei Roheisen und eine stärkere ans Erzen statt; von 1847 an ist jedoch erstere wieder gestiegen und letztere gefallen. Etwa ^ der Erzeugung kommt auf ausländisches Roheisen. ') Hierbei sind 50.322 Gußstücke rou Priratwerkcu auf 40,000 Ctr. geschaßt, da die GcwichtSaugabe fehlte. — 41 — Gußwaarenerzeugung des Sächsisch-Thüringischen Hauptbergdistriktes. Jahr. 1. Au6 Roheisen. Ctr. 2. Aus Erzen, (s. Tab. §. 8.) 3. Summa der Gußwaaren. Ctr. Ctr. 1837 31,464 2,892 34,356 1838 32,865 6,032 38,897 1839 11,653 25,250 36,903 1840 3,280 36,154 39,434 1841 5,722 35,536 41,258 1842 5,362 39,892 45,254 1843 4,850 38,245 43,095 1844 6,519 43,557 49,076 1845 7,325 59,837 67,152 1846 9,490 62,821 72,311 1847 34,275 10,406 44.681 1848 37,525 15,855 53,380 1849 35,660 11,988 47,648 1850 46,223 19,148 65,371 Im Jahr 1850 betrug die Zahl der Kupolöfen 11, nebst 1 Tiegelofen. 4. Der Westphälische Hauptbergdistrikt. Die Gießereien dieses Distrikts stehen hauptsächlich mit der Maschi- uenfabrikation des Regierungsbezirks Düsseldorf in Verbinduug und haben sich demgemäß iu der neueren Zeit sehr entwickelt, während sie andrerseits auch die Einwirkung der Krisis von 1848 hierdurch um so stärker mitempfanden. Es wird zum größten Theil graues schottisches Roheisen, jedoch unter Zusatz von inländischem, vergossen. — 42 — Gußwaarenerzeugung des Westphälischen Hauptbergdistrikts- Jahr. 1. Aus Roheisen. Ctr. 2. AuS Erzen, (s. Tab. Z. 8.) Ctr. 3. Summa der Gußwaareu. Ctr. 1837 15 491 98,040 113,531 1838 11 534 116,657 128,191 1839 27 522 121,162 148,684 1840 12 055 133,790 145,845 1841 9 116 147,188 156,304 1842 11. 490 116,971 128,461 1843 42, 417 83,792 126,209 1844 54, 144 150,647 204,791 1845 73. 489 152,026 225,515 1846 74. 739 156,142 230,881 1847 118, 426 140,262 258,688 1848 43,759 113,273 157,032 1849 51,559 84,601 136.160 1850 88,975 153,264 242,339 Die Zahl der 1850 in Betrieb befindlichen Cupolöfen war 49 und der Flammöfen 10, nebst 20 Tiegelöfen. 5. Der Rheinische Hauptbergdistrikt. Auch in diesem Distrikte hat eine Ausdehnung des Gießereibetriebes stattgefunden, namentlich in Cöln und Aachen, wo die Maschinenfabrikation sich immer mehr ausdehnt, demnächst auch an der Mosel, im Siegenschen u. s. w. Beinahe die Hälfte der Gußwaaren wird aus grauem schottischen Roheisen dargestellt; auch von belgischem wird etwas verbraucht. — 43 — Gußwaarenerze ugung des Rheinischen Ha distrikts- uptberg- 1. Aus Roheisen. Cir. s. 3. Summa der Gußwaaren. Ctr. Jahr. Aus Erzen, (s. Tab. Z. 8.) Ctr. 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1845 184k 1847 1848 1849 1850 12,623 29,599 56,931 63,225 82,181 96,73? 72,906 80,935 132,345 152,444 135,184 122,588 97,623 170,453 152,590 144,143 158,060 168,051 148,226 132,355 136,536 114,405 115,769 136.649 169,899 129,217 92,522 97,988 165,213 173,742 214,991 231,276 230,407 229,092 209,442 195,340 248,114 288,093 305,083 251,805 190,145 268,441 Die Zahl der Cupolöfen betrug 1850 68 und der Flammöfen 12, nebst 8 Tiegelöfen. Die gesammte Gußwaarenerzeugung des Königreichs Preußen ergiebt sich aus folgender Zusammenstellung: Gußwaarenerzeugung des Königreichs Preußen. Jahr. i. Aus Roheisen. Ctr. 2. Aus Erzen. (s. Tab. §. 3.) Ctr. 3. Summa der Gußwaarm. Ctr. 1837 134,030 337,469 471,499 1838 156,581 354,692 511,273 1839 206,266 437,010 643,276 1840 267,553 467,621 735,174 1841 315,457 407,307 722,764 — 44 — Jahr. lNß?INl!!>( Alls Roheisen. Ctr. K dss2nllUH1! Aus Erzen, (s, T«l'. Z 9.) Ctr. .i,z,l,,lAi<, 13,500 - 1846 1847 , 6,300 - 1848 6,148 - 1849 6,148 - 1850 . . . . . . 8,970 - 5. Der Rheinische Hauptbergdistrikt. Mit dem Siegnischen Bergamtsbezirk und insbesondere mit den Kreisen Siegen, Olpe und Altenkirchen beginnend, so fand dort früher ein bedeutender Frischereibetrieb bei Holzkohlen statt, der aber seit 10 Jahren rasch abnahm, und sich seit einigen Jahren, insbesondere seit der Roheisenhandel nach der Ruhr stockt, durch die Entstehung vieler kleiner Puddlingwerke zu ersetzen beginnt. Bei den meisten derselben sind die Puddlingöfen nicht mit Schwciß- öfen und Walzwerken, sondern ähnlich der rnetkoäe ekampenoise, mit Kleinfeuern und Hämmern verbunden. In den nördlichen Theilen des Regierungsbezirks Arnsberg finden ziemlich gleiche Verhältnisse statt, wiewohl dort die Holzkohlenfrischerei noch in größerer Ausdehnung betrieben wird. Am Rhein eristirte die 4* — 52 — Puddlingfrischerei schon länger, insbesondere ist Rasselstein bei Neuwied eine der ältesten Anlagen dieser Art im Zollverein. ^ des im Bergamtsbezirk Siegen erzeugten Stabeisens wird gegenwärtig bei Steinkohlen gefrischt; 1837 höchstens Im Dürener Bezirk hat eine ganz ahnliche Entwicklung stattgefunden wie in dem westphälischen Distrikt. Während ein Theil des Roheisens des Schleidener Thals noch bei Holzkohlen gefrischt wird, sind im Jnde-Kohlenrevier die großartigsten Pudd- lingwerke entstanden, sast ausschließlich auf den Verbrauch belgischen Roheisens berechnet. Insbesondere sind hier die beiden großen Puddlingwerke vvn Hösch Söhne und von Michiels und Comp., beide bei Eschweiler belegen, welche sich der vorerwähnten Hermannshütte und Oberhausen anschließen. In Len- dersdorf bei Düren sind die ersten Schienen in Deutschland gewalzt worden. der Stabeisenerzeugung des Dürener Bezirks werden jetzt bei Steinkohlen dargestellt. Obgleich unmittelbar im Steinkohlenrevier gelegen, hat man doch hier (insbesondere aus Eschweiler Aue) die Versuche zur Benutzung von Braunkohlengasen in großartigerem Maaßstabe als vielleicht irgendwo auf dem Continent unternommen. Bestimmte Resultate scheinen auch hier noch nicht gewonnen zu sein. Im Saarbrücker Bezirk bestehen in den Waldungen der Eifel und des Hundsrücks noch ziemlich viele Holzkohlenfrische- reien. An der Mosel dagegen hat sich mit Benutzung der Saarkohlen die Puddlingfrischerei ziemlich ausgedehnt, indeß nicht auf ausländisches Roheisen, sondern, den schlesischen Verhältnissen ähnlich, in unmittelbarer Verbindung mit den Hochofenanlagen. Drei der dortigen Puddlingwerke walzen auch Eisenbahnschienen. Das großartigste Werk dieser Art im Saarbrücker Bezirk ist Quint bei Trier. Blech wird hauptsächlich im Siegnischen und im Saarbrücker Revier erzeugt, darunter der bei weitem größte Theil der Weißblechproduktion des Zollvereins; Draht im Siegnischen (noch zur Altenaer Drahtfabrikation gehörig) und im Dürener Revier (Gemünd und Umgegend). — 53 — Produktion des Rheinischen Hauptbergdistrikts an Stabeisen, Blech und Draht. Jahr. t, Stabeisen. 2. Blech. 3. Draht. Str. Ctr. Ctr. 1837 524,710 59,942 2,727 1838 492,720 53,053 3,182 1839 556.353 52,493 8,350 1840 628,786 54,374 13,921 1841 665,977 79,825 11,135 1842 672,303 84,921 20,058 1843 739,451 102,703 25,092 1844 698,958 109,071 50,658 1845 971,154 121.229 30,100 1846 1,135,505 114,941 34,723 1847 1,501,406 144,329 20,257 1848 901,593 63,474 33,036 1849 797,700 71,261 31,267 1850 1,069,970 109,648 45,115 Die Betriebsvorrichtungen bestanden im Jahr 1850 für Stabeisen aus 186 Frisch- und Reckseuern und 124 Puddling- öfen, für Blech aus 11 Hämmern (Saarbrücker Revier) und 15 Walzwerken, für Draht aus 4 Walzwerken und 232 Drahtzügen. Den drei Bergamtsbezirken nach schied sich die Stabeisen- Produktion folgendermaßen: Siegen. Düren. Saarbrücken. 1838 .. . 201,511 Ctr. 235,053 Ctr. 56,156 Ctr. 1850 . . . 397,609 - 488,195 , 184,166 - Dem ve-rwandten Brennmaterial nach schied sich die Stabeisenfabrikation: Bei Holzkohlen. Bei Steinkohlen. 1837 .. . 241,424 Ctr. 183,286 Ctr. 1838 . . . 284,723 - 207,997 - 1839 . . . 229,333 - 227,020 - 1840 . . . 365,699 - 263,087 - — 34 — 1841 . . Bei Holzkohle». . 328,629 Ctr. Bei Steinkohlen. 337,348 Ctr. 1842 . . . 289,044 - . 315,176 - 383,259 - 424,275 - 1843 . . 1844 . . . 293,343 - 405,615 - 1845 . . . 331,139 - 640,015 - 1846 . . . 244,080 - 891,425 1847 . . . 290,712 - 1,210,694 - 1848 . . . 180,033 - 721,560 - 1849 . . . 171,963 - 625,737 - 1850 . . . 219,318 - 850,652 - 1839 . . 20,592 Ctr. oder 10 pCt. 1850 . . 310,967 - - 79 - 1839 . . 149,332 - . 63 - 1850 . . 439,368 - - 90 - 1839 . . 57,096 - - 49 - 1850 . . 100,317 - - 59 - Während also 1837 der Antheil des gepuddelten Eisens an der Gcsammtproduktion nur 35 Prozent betrug, stieg dies Verhältniß 1850 bis auf 80 Prozent. In den drei Bergamtsbezirken betrug das bei Steinkohlen gefrischte Eisen: Siegen . . Düren Saarbrücken Unter dem angeführten Blech befanden sich folgende Quantitäten Weißblech: 1843 ...... 24,029 Ctr. 1844 ...... 23,020 - 1845 ...... 27,392 - 1846 ...... 27.656 - 1847....... 33,040 - 1848 ...... 8,328 - 1849 ...... 26,529 - 1850 ...... 36.550 - Im ganzen Königreich Preußen ergiebt sich hiernach folgende Produktion an Stabeisen, Blech und Draht. — 55 — Produktion des Königreichs Preußen an Stabeisen, Blech und Draht. j. 2. 3. Jahr. Stabeisen. Blech. Draht. Ctr. Ctr. Ctr. 1837 1.141,356 113,573 65,561 1838 1,242.424 111,770 70,821 1839 1,348,466 117,159 79,272 1840 1,465,572 132,672 92,955 1841 1,537,454 156,325 107,429 1842 1,541,462 162,962 116,350 1843 1,711,791 190,550 141,664 1844 1,755,296 214,908 176,519 1845 2,288,213 248,283 194,002 1846 2,520,301 223,731 152,486 1847 3,081,043 263,842 126,767 1848 2,248,480 153,648 94,998 1849 2,087,333 163,785 116,359 1850 2,534,018 252,296 192,748 Für 1834 lassen sich 950,000 Ctr. Stabeisen annehmen. Die Betriebsvorrichtungcn bestanden im Jahr 1850 für Stabeisen aus 720 Frisch- und Reckfeuern und 285 Puddelöfen (mit 144 Schweißöfen); für Blech aus 22 Hämmern und 46 Walzwerken, und für Draht aus 15 Walzwerken und 775 Drahtrollen. Obgleich seit 1847 die Produktion geringer blieb, hat sich doch die Zahl der Puddlingöfen (insbesondere durch die Anlagen im Siegenschen) vergrößert, da sie in jenem Jahr nur 262 (mit 150 Schweißöfen) betrug. Für 1837 war die Zahl der Puddlingöfen etwa 60, wovon etwas mehr als die Hälfte auf Schlesien, die übrigen auf Rheinland und Weftphalen. Nach dem verwandten Brennmaterial schied sich die Stabeisenproduktion: Bei Holzkohlen, Bei Steinkohlen. 1837 . . . 778,070 Ctr. 363,286 Ctr. 1842 . . . 932,022 - 609,440 - 1847 . . . 916,813 - 2,164,230 - 1849 . . . 786,380 - 1,300,953 - 1850 . . . 922,870 - 1,611,148 - - 56 — Von der Gesammtproduktion an Stabeisen trug somit das Puddlingeisen 1837 32 Prozent und 1850 63 Prozent, 1847 aber, wo die Produktion am höchsten stand 70 Prozent. Das außerordentlich rasche Steigen von 1844 an und das bedeutende Sinken feit 1843 kommt nur auf Rechnung deö bei Steinkohlen gefrischten Eisens; die Ursache liegt in dem bis 1847 rasch zunehmenden und von da ab bedeutend verminderten Bedarf an Eisenbahnschienen. Erst 1851 dürfte die Höhe von 1847 wieder erreicht sein. Von Weißblech betrug die gesammte Erzeugung Preußens, die in obiger Tabelle einbegriffen ist: 1842 ...... 34,007 Ctr. 1847 ...... 39,340 - 1850 ...... 45,550 - Von der geringen Produktion Schlesiens ist dabei abstrahirt. ä. Stahl. §. 12. Zuletzt erwähnen wir des Stahls, der in Preußen nur zum bei weitem kleineren Theil ein Produkt der Weiterverarbeitung des Stabeisens (durch den Cementationsprozeß) ist, vielmehr in überwiegender Menge durch den Frischprozeß aus Nohstahleisen dargestellt wird und also neben dem Stabeisen aufgeführt werden muß. Die preußische Stahlerzeugung gründet sich zu mehr als auf das Nohstahleisen des siegnischen Bergreviers, das meist in den Rohstahlfeuern des Regierungsbezirks Arnsberg gefrischt wird. Der bei weitem größte Theil wird raffinirt und zwar an der Vollme (.bei Hagen), mittleren Ruhr und Ennepe, sowie in Remscheid und Solingen, wo er der dortigen ausgedehnten Fabrikation von Stahlwaaren als hauptsächlichste Grundlage dient. Ein Theil dieses Stahls wird auch in rohem oder raffinirtem Zustand erportirt, was jedoch bedeutend abgenommen hat, insbesondere seit Erhöhung der französischen Stahlzölle. Der Hauptsitz der Gußstahlfabrikation ist vas Kohlenrevier der Ruhr (Essen und Hagen) und demnächst die Saargegend. Der Brandenburgisch-Preußische Distrikt erzeugte früher etwas Rohstahl; gegenwärtig werden dort 4 Cementiröfen betrieben. — 57 — In Schlesien findet eine höchst unbedeutende Rohstahlerzeugung statt; eine etwas größere in Thüringen. Folgende Tabelle giebt die Stahlproduktion Preußens an; außerdem die Hauptprodukte der Weiterverarbeitung, Rasfinir- und Gußstahl, so weit die amtlichen Liften darüber Aufschluß geben, die oft das Rohprodukt und das Fabrikat getrennt, oft zusammen aufführen, auch mitunter statt der "Centnerzahl nur den Geldwerth angeben. Stahlproduktion des Königreichs Preußen. Jahr. t. Rohstahl. Ctr. 2. Raffinirter Stahl. Ctr. 3. Gußstahl. .Ctr. 1837 103,938 42,472 682 1838 101,820 60,308 818 1839 100,526 56,309 727 1840 97,930 68,602 636 1841 100,697 69,496 909 1842 95,926 61.483 909 1843 107,730 60,794 909 1844 100,642 68,391 1,500 1845 109,427 70,480 1,750 1846 81,966 47,449 1,223 1847 112,672 54,209 4.357 1848 105,276 51,644 5,069 1849 88,040 53,661 11,121 1850 107,674 68,379 17,645 Unter dem Rohstahl sind auch kleine Mengen von Cementstahl einbegriffen, die im brandenburgisch-preußischen Distrikt erzeugt wurden; im Uebrigen ist die Cementstahlfabrikation unmittelbar mit der Gußstahlfabrikation verbunden, soweit dazu nicht Rohstahl verwandt wird. Die eigentliche Stahlerzeugung (Col. 1.) müßte somit noch um das Quantum Cementstahl vermehrt werden, welches in dem Gußstahl (Col. 3.) enthalten ist; es mag ein Drittel davon ausmachen. - 58 — Die Summe deS Raffinirstahls wird durchschnittlich um 4000 Centncr erhöht werden können, die preußisch Thüringen und Schlesien darstellen. Die Betriebsvorrichtungen bestanden 1830 für Rohstahl aus 143 Nohstahlseuern, für Cementstahl aus 7 Cementiröfen: ferner für Raffinirstahl aus etwa 105 Raf- finirwerken und für Gußstahl aus 58 Gußstahlöfen, An der Produktion von 1850 waren betheiligt: der brandenburgisch-preußischc Distrikt mit 3,160 Centnern Cementstahl ; der schlesische mit 1,630 Centnern Rohstahl; der sächsisch-thüringische mit 4,918 Centnern Rohstahl; der westphälische mit 41,261 Centnern Rohstahl, ferner 57,220 Centnern Raffinirstahl und 17,336 Centnern Gußstahl; der rheinische mit 56,705 Ctrn. Nohstahl, ferner 11,159 Ctrn. Raffinirstahl und 309 Centnern Gußstahl. Von der gesammten Stahlproduktion von 1850 wurden 94,259 Centner oder 87 Prozent aus Rohstahleisen des Berg- amtSbezirks Siegen dargestellt. Wir sehen demnach die Erzeugung von Roh« und Raffinirstahl feit langen Jahren ziemlich dieselbe bleiben, während die Gußstahlfabrikation in bedeutendem Fortschritte begriffen ist. Von 1850 an tritt überdies der Puddlingstahl als ein neuer Faktor auf und somit dürfte die Produktion des Stahls binnen wenigen Jahren eine ganz bedeutende Erweiterung und überhaupt eine Umgestaltung der früheren Verhältnisse zeigen. 2. Saiern. §. 13. Von Preußen wenden wir uns zu den übrigen Vereinsstaaten, wie sie nach Rang und Größe auf einander folgen. Dabei ist im Voraus zu bemerken, daß nur die wenigsten derselben eine genaue offizielle Statistik der Eisenerzeugung aufstellen, so daß der größte Theil der folgenden Notizen, namentlich was die älteren Jahrgänge betrifft, mit vieler Mühe auf den Grnnd von privativen Erhebungen zusammengestellt worden ist. Mit Baiern beginnend, so ist in dem Verwaltungsjahr - 59 - 48^ zum ersten Mal von Seiten der Königl. Bergwerks- und Salinen-Administration eine genaue Statistik der Eisenerzeugung nach dem Schema der preußischen aufgestellt worden; über die früher stattgefundene Produktion eristiren keine vollständig zuverlässigen Mittheilungen. Sowohl die Erzeugung als Weiterverarbeitung des Eisens finden sich in Baiern sast über daS ganze Gebiet zersplittert, nirgendwo aber zu einem bedeutenden Umfang concentrirt. Im eigentlichen Baiern, rechts des Rheins, besteht das Schmelzmaterial hauptsächlich aus braunen und rothen Thoneisensteinen, die in der Regel ziemlich arm sind und 33 Prozent Eisengehalt nicht überschreiten. Ueberhaupt hat Baiern keinen Ueberfluß an Eisenerzen. Die stärkste Produktion findet in den Bergrevieren Bergen in Oberbaiern und Königshütle in der Oberpfalz und demnächst in Steben im Obcrmainkreis, sowie in Oberfranken Statt, während alle übrigen Bezirke, darunter auch Ober- und Niederbaiern, ebenfalls einige Hüttenanlagen besitzen. In der Oberpfalz, namentlich bei Amberg und am Fichtelgebirge, eristiren auch noch viele Blauösen. Im Allgemeinen haben die meisten Oefen in Baicrn rechts des Rheins sehr geringe Dimensionen und werden schwach betrieben. Nur eine verhältnißmäßig kleine Zahl, darunter z. B. das ärarische Werk Bergen und das Herzoglich Leuchtenbergische Werk Eichstädt, sind den technischen Anforderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet. Im Fichtelgebirge und an der Grenze gegen Thüringen findet auch einige Rohstahleisenerzeugung Statt. In der baierischen Pfalz, links des Rheins, ist zwar die Zahl der Hochöfen klein, dieselben sind jedoch von weit größerer Produktionsfähigkcit und sehr gut eingerichtet. Hier werden, außer mageren Thoneiscnsteinen, meistens nassauische Rotheisensteine verhüttet; auch Erze aus dem Großherzogthum Hessen. Das Brennmaterial bestand bisher in ganz Baiern ausschließlich aus Holzkohlen; jedoch hat es in letzterer Zeit die Ludwigshafen-Saarbrücker Eisenbahn den meisten Hochöfen in der Pfalz möglich gemacht, auf Coaks oder gemischtes Brennmaterial überzugehen. — 60 — Die Hochofenproduktion betrug 18^*): Rechts Links Summa i.Königr. des Rheins. des Rheins. Baiern. Roheisen....... 222,702 Ctr. 41,430 Ctr. 264,132Ctr. Rohstahleisen..... 1,517 - — , 1,517 - Gußwaaren aus E rzen 35,755 - 16,310 - 52,065 - Summa . . . 259,974 Ctr. 57,740 Ckr. 317,714 Ctr. Die Produktion früherer Jahre anlangend, so kann man sie für 1834, beim Zusammentritt des Zollvereins, zu 250,000 Centnern annehmen (Nebenius giebt sie 1832 auf 251,000 Centner, Hasse 1830 zu 250,000 Centnern an). Für 1842 ist sie auf 300,000 Centner zu schätzen. Von da ab überstieg die Produktion das oben angegebene Quantum von 18^, insbesondere im Jahre 1847, wo die Eisengewinnung der Pfalz doppelt so hoch war; sie betrug nämlich nach zuverlässigen Privatangaben an Roheisen 104,000 Centner und an Hochofengußwaaren 10,500 Centner, also im Ganzen 114,500 Centner. Wenn nun auch in Baiern, rechts des Rheins, die Produktion seit längerer Zeit ziemlich stabil geblieben ist, so muß doch schon mit Rücksicht auf die Pfalz für 1847 ein Quantum von 400,000 Centnern als Erzeugniß sämmtlicher baierischer Hochofen angenommen werden, wovon es bis 1849 auf das obengenannte Quantum herabsank, während für 1850 etwa 350,000 Centner anzunehmen sein dürften. Der Antheil des Aerars an der Hochofenproduktion von 18^ betrug 75,911 Centner oder 24 Prozent der Gesammt- erzeugung, 1842 etwa 60,000 Centner; die betreffenden Werke liegen sämmtlich rechts des Rheins. An Betriebsvorrichtungen waren nach der amtlichen Aufnahme Ende 1846 82 Hoch- und Blauöfen vorhanden, wovon 6 auf die Pfalz. Nach den Nachweisungen von 18^ gab es deren 77, wovon 5 in der Pfalz. Unter den 72 Oefen rechts des Rheins befanden sich 55 Hochöfen und 17 Blauöfen (davon ') Der baierische Centner ist hierbei im Verhältniß 12:11 (eigentlich 119,7:110) auf preußisches Gewicht reduzirt; die Differenz des Zollzentucrs (worin sich die Produktion der Rheiupfalz augegeben findet) ist jedoch unberücksichtigt geblieben, wie dies auch bei Baden, Luxemburg u. s. w. geschehen wird. — 61 — llO im Revier Amberg); in Betrieb befindlich waren jedoch nur 48 Hochöfen und 14 Blauvfen. Für die letzteren ein Quantum von 10,000 Centnern in Abzug gebracht, so ist die jährliche Produktion eines baierischen Hochofens rechts des Rheins 5,680 Centner gewesen oder ungefähr die Hälfte eines preußischen Holzkohlenhochofens, Einzelne Werke weichen natürlich weit von diesem Durchschnitte ab; so erzeugte das Königliche Werk Bergen im Jahre 18^ mit 1 Hochofen 27,467 Centner. Links des Rheins betrug dagegen die jährliche Erzeugung eines Hochofens 11,560 Centner, also ungefähr soviel als der Durchschnitt in Preußen; 1847 kamen sogar 114,500 Ccntner auf 6 Hochöfen, also auf einen 19,080 Centner. Wie die Gußwaarenerzeugung aus Erzen verhältnißmäßig gering ist, so findet das Gleiche in Bezug auf Gußwaaren aus Roheisen Statt. Sie betrug 18-^ rechts des Rheins 14,213 Centner, in der Pfalz 462 Centner, also zusammen 14,675 Centner. Nach den Gewerbctabellen von 1846 waren 19 Cupolofen und 40 Flammöfen vorhanden, davon aber, nach den Nachweisen von 18^, nur 10 Cupolofen und 4 Flammöfen in Betrieb; die Produktion wird demnach in günstigeren Jahren viel bedeutender sein. Die Flammöfen werden meist mit Holz, wohl auch mit Torf geheizt; die Cupolofen meistens mit Holzkohlen. Aus Nassau, Hessen und Nheinpreußen werden übrigeus viele Gußwaaren eingeführt. Die Stabeisenproduktion findet in Baiern, rechts des Rheins, zum größten Theil in Heerdseuern bei Holzkohlen Statt; jedoch entstehen in den letzten Jahren immer mehr Puddlingösen, worin die ärarischen Werke voranschreiten. In der Rheinpfalz werden dagegen nur noch wenige Frischfeuer für die ganz feinen Eisensorten, z. B. Gewehreisen, betrieben; im Uebrigen ist die Puddlingfrischerei bei Saarbrücker Steinkohlen eingeführt, meistens in unmittelbarer Verbindung mit den Hochofenanlagen. Die Stabeisenproduktion betrug laut der amtlichen Listen von 18^ und einer vorläufigen Zusammenstellung des Betriebs von 18^: Rechts Links Summa i.Köingr. des Rheins. des Rheins. Baiern- 18^4 . . . 188,175 Ctr. 69,081 Ctr. 257,256 Ctr. 18^§ . . . 204,000 - 79,636 - 283,636 - — 62 - Auch etwas Blech- und Drahtfabrikation findet Statt, nämlich im Jahre 18^: Blech. Draht. Rechts des Rheins . . . 7,182 Ctr. 3,971 Ctr. Links des Rheins. . . . 6.230 - 2,371 - Summa . . . 13,412 Ctr. 6,342 Ctr. Die Stabeisenerzeugung geht hiernach über das eigene Er- zeugniß an Roheisen hinaus und wird insbesondere nassauisches und hessisches Roheisen am Main verfrischt. An Betriebsvorrichtungen zur Stabeisenerzeugung waren Ende 1846 vorhanden: 167 Frischfeuer und 30 Puddlingöfcn, wovon 8, beziehungsweise 11 auf die Pfalz. Nach den Listen von 18^ war das vorbemerkte Quantum dargestellt worden auf 166 Frischfeuern und 37 Puddlingöfen, darunter 9 Frischfeuer und 23 Puddlingöfen auf die Pfalz. Gegenwärtig wird die Anzahl der Puddlingöfen gegen 45 bettagen. Die bei Steinkohlen stattfindende Stabeisenerzeugung ist jedoch nur auf 55,000 Centner oder 20 Prozent anzunehmen, indem rechts deö Rheins meistens bei Holz oder auch bei Torf gepuddelt wird, namentlich in der Oberpfalz. Die Rohstahlerzeugung Baierns beträgt gegen 1400 Centner im Jahr. Es waren 1846 2 Nohstahlfeuer und 6 Raffinirfeuer vorhanden, letztere zum Theil für steyrischen und tyroler Rohstahl. Auch 3 Cementirofen enstiren in Oberbaiern, die den Cementstahl für eine Gußstahlfabrik von 3 Oefen liefern. 3. Sachsen. K. 14. In Sachsen findet von Alters her Eisenerzeugung statt, hauptsächlich im oberen Erzgebirge und im Voigtlande. Die zur Verhüttung gelangenden Erze bestehen meistens aus Roth- und Brauneisensteinen, jedoch sind außerdem bedeutende Lager von mulmigen Brauneisensteinen (ähnlich denen von Tarnowitz in Oberschlesien) und von Magneteisensteinen vorhanden, die bisher fast gar nicht ausgebeutet wurden. Vor 1842 fand nur Holzkohleneisenerzeugung statt. Seitdem sind 3 Coakshochöfen errichtet worden, einer im Plauenschen Grunde und zwei in dem Steinkohlenrevier bei Zwickau. Dieselben sind indeß erst in den — 63 - letzten Jahren zu regelmäßigem Betriebe gelangt und zwar vorzugsweise die beiden letzten. Ohne Zweifel ist die Coakshütterei in Sachsen noch großer Entwickelung fähig, während die Holzkohleneisenindustrie bei theuren Erzen und bei immer steigenden Holzpreisen eher einer Einschränkung als Erweiterung entgegen geht. Eine Eisenbahn aus dem obererzgebirgischen Eisenstein- und Hütlenrevier nach dem Zwickauer Steinkohlendistrikt ist nothwendige Vorbedingung, um die Holzkohleneisenproduktion zu erhalten und die Coakshütterei dem Erz- und Kohlenreichthum entsprechend ausdehnen zu können. Folgende Tabelle stellt die sächsische Eisenprodukrion seit 1836 zusammen. Dieselbe beruht auf genauen Erhebungen, wie sie die Königliche Bergakademie zu Freiberg jährlich anstellen läßt. Hochofenproduktion des Königreichs Sachsen. Jahr. 1. Roheisen. Ctr. 2. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 3. Summad.Hoch- ofenproduktion. Ctr. 1836 71,963 27,464 99,427 1837 63,920 38,966 102,886 1838 59,880 40,408 100,288 1839 58,290 34,536 92,826 1840 74,500 31,243 105,743 1841 70,129 37,791 107,920 1842 78,942 38,411 117,353 1843 83,464 32,478 115,942 1844 79,455 35,876 115,331 1845 81,954 41,205 123,159 1846 78,933 42,069 121,002 1847 81,162 49,902 131,064 1848 104,720 36,452 141,172 1849 96,381 33,939 130,320 Für 1834 wird die Produktion auf 80,000 Centner und für 1850 auf 140,000 Centner anzunehmen sein. Seit 1836 bis jetzt haben 19 Hochöfen in Sachsen bestanden, damals sämmtlich auf Holzkohlen gehend, gegenwärtig 3 davon auf Coaks. — 64 — Die Zahl der in Betrieb befindlichen hat zwischen 15 und 19 gewechselt. Im Jahre 1849 waren 15 in Betrieb, darunter 2 Coakshochöfen. Die 13 Holzkohlenhochöfen erzeugten 96,825 Ctr., also einer nur 7450 Centner. An Coakseisen wurden 1842 17,000 und 1849 33,495 Centner erzeugt, was 25 Prozent der Gesammterzeugung ausmacht. 1850 betrug die Produktion 36,000 und 1851 40,000 Centner; 1852 sollen die 2 Hochöfen in Zwickau zugleich betrieben werden, während sie bisher im Betrieb abwechselten. Die Erzeugung von Gußwaaren aus Roheisen ist nicht unbedeutend, insbesondere für Maschinenfabrikation, die in Sachsen ausgedehnt betrieben wird. 1846 waren 21 Cupol- und 25 Flammöfen vorhanden. Davon waren 1849 in unmit, telbarer Verbindung mit den Hüttenwerken 16 Kupolöfen in Betrieb, die 23,124 Centner Gußwaaren lieferten. Die Gesamtproduktion im ganzen Königreich mag 45,000 Centner betragen haben. Für Stabeisenerzeugung wurde 1836 erst 1 Puddling- ofen nebst 59 Frischfeuern betrieben; 1849 war letztere Zahl auf 49 gesunken, erstere auf 6 gestiegen. Die Zahl der vorhandenen Betriebsvorrichtungen ist indeß weit größer; Ende 1846 eristirten neben 84 Frischfeuern 12 Puddlingöfen und 1851 ist die Zahl der letzteren auf 14 anzunehmen. Dieselben frischen bei Steinkohlen und zwar lediglich sächsisches Roheisen. Auf der großartig eingerichteten Königin-Mariahütte bei Zwickau werden gegenwärtig auch Eisenbahnschienen gewalzt. Die Produktion an Stabeisen, Schienen :c., so wie an Blechen war: Stabeiftn. Blech. 1836 . . . 45,310 Ctr. 5,721 Ctr 1837 . . . 44,070 - 5,958 - 1838 . . . 41,328 - 8,495 - 1839 . . . 41,891 - 7,491 - 1840 . . . 37,684 - 8,139 - 1841 . . . 42,447 , 8,771 - 1842 . . . 46,042 - 8,231 - 1843 . . . 45,939 - 7,432 - 1844 . . . 42,087 - 7,290 - — 65 — Stabeisen. Blech. 1843 . . . 38,993 Ctr. 9,718 Ctr. 1846 . . . 44,540 - 10,984 - 1847 . . . 44,067 - 10,945 - 1848 . . . 59,007 - 7.943 - 1849 . . . 77,536 - 7,553 - Für 1850 sind 80,000 Centner Stabeisen und 10,000 Centner Blech anzunehmen. Unter dem Blech ist auch etwas Weißblech einbegriffen. Auf die Erzeugung von Stabeisen bei Steinkohlen kamen 1842 gegen 5000 Centner und 1849 16,256 Centner oder 21 Prozent der Gesammtproduktion. Die Produktion an Draht betrug: 1845 ... 100 Centner, 1849 ... 252 - Im Ganzen bemerken wir bei der sächsischen Eisenproduktion ein geringes Fortschreiten, sowohl in neuen Anlagen als in Ausdehnung des Betriebs der bestehenden. Bis zur Ausführung der erwähnten Eisenbahnverbindung zwischen den obererzgebirgi- schen Eisenstein- und den Zwickauer Kohlenrevieren, dürfte die Concurrenz Schlesiens, das unter weit günstigeren Verhältnissen arbeitet, keine Erweiterung zulassen. Die eigenthümlichen Beschränkungen des Betriebs, die bedingten Concesstonsertheilungen und die hohe Besteuerung von Seiten des Staates, trugen ebenfalls das Ihrige dazu bei, den Fortschritt der sächsischen Eisengewinnung zu hemmen. Erst seit kurzer Zeit sind Erleichterungen in dieser Beziehung eingetreten. 4. Würtemberg. §. 15. In Würtemberg ist sowohl der Gruben- und Hüttenbetrieb, als auch der größte Theil der Gießereien und Frischereien landesherrlich. Die dortigen Werke haben sich schon von alten Zeiten her durch vorzügliche Einrichtung und tüchtige hüttenmännische Leitung ausgezeichnet, insbesondere Wasseralfingen, wo Faber du Faur zuerst die Benutzung der Hochofengase zum Erhitzen der Gebläseluft wie zum Feinen und Puddeln durchsetzte und überhaupt in allen Richtungen fortschritt. Die 5 — 66 - Erze sind meistens Thoneisenstcine, nicht reichhaltig, jedoch billig zu gewinnen; demnächst Bohnerze und auch etwas Brauneisenstein. Als Brennmaterial der Hochofen dienen nur Holzkohlen. Den direkten Mittheilungen des Königlich Würtembergischen Bergrathes verdanken wir folgende Produktionsnachweise: Hochofenproduktion des Königreichs Würtemberg. Jahr. 1. Roheisen. Ctr. 2. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 3. Summa d.Hoch- ofenproduktion. Ctr. 18^ 63,403 46,275 109.680 18^ 68,778 47,719 116.497 18^- ^ >! 7 61,713 38,235 99,948 18^2. ^ >I 8 77,133 58,348 135,481 18^ s 66,181 56,934 123,115 48»-°- to 61,355 60,754 122,109 18^ l 85,321 54,600 139,921 18^ 80,261 56,015 136,276 18^ 84,830 63,034 147,864 18^K 44 103,242 67,841 171,085 18^ ^^4 s 103,961 62,745 166,706 18^ ^"4 e 99,371 63,484 162.855 18^ ^"47 87,170 66,857 154,027 18^ ^^4 8 100,751 63,267 164.018 18^8. ^^4 S 99,221 56.225 155,446 18^ ^"s? 106,580 46.904 158.484 Die Zahl der Hochöfen betrug bis 1840 fünf, von da bis 1845 sechs und seitdem sieben, wovon indeß immer nur sechs gleichzeitig in Betrieb. Für 18^ kommt demnach auf einen Hochofen eine jährliche Produktion von 26,420 Centnern, oder mehr als doppelt so viel als die preußischen, mehr als dreimal so viel als die sächsischen und fast fünfmal so viel als die alt- baierschen Hochöfen durchschnittlich liefern. Schon im Jahre 18^ erzeugte ein Hochofen 21,940 Centner jährlich. Unter dem Roheisen befindet sich ein Theil Rohstahleisen, — 67 — das zu Schmelz- und Gußstahl weiter verarbeitet wird. Man kann durchschnittlich hierauf 4000 Centner rechnen. Ueber den Umfang des Gießerei-Betriebes liegen keine genauen Data vor und sind überdies die Gewerbe-Nachweise von 1846 von Würtemberg noch nicht eingeliefert worden. Es sind 10 bis 12 Cupol- und Flammöfen vorhanden, Auf den Königl. Werken wurden an Gußwaaren aus Roheisen erzeugt: 8,576 Centner. 263 620 697 761 4.509 3,664 - 789 383 - 10,961 26,816 15,563 15,383 - 12,928 - Die Flammöfen wurden mit Holz und Torf betrieben. Unter den Erzeugnissen der Gießerei sind die Geschütze und Hartwalzen hervorzuheben. Für die Gußwaarenerzeugung der Privat- werke lassen sich in den letzten Jahren 5 — 8000 Ctr. annehmen. Der Frischereibetrieb findet theils in Heerdfeuern bei Holzkohlen, theils in Puddlingöfen bei Holz, Torf oder Gasen statt. Ueber den Umfang desselben fehlen uns die genaueren Angaben. Man kann jedoch mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß alles im Königreich dargestellte Roheisen, soweit es nicht vergossen wird, sür die Stabeisenfabrikation Verwendung findet; das Roheisen, welches hierzu von außen bezogen wird, gleicht sich ungefähr gegen die Quantitäten aus, welche Würtemberg selbst in diesem Zustande versendet. Hiernach ist die Summe des gefrischten Eisens zu veranschlagen auf: 1834 . . . 50,000 Centner. 1842 . . . 60,000 1850 . . . 70,000 5* 18^ 18^ 1855 1 -^75 18^ 1 1855 18^ 48^ 18^4 ^ 18^ 18^ 18^ 1844 — 68 — Es sind gegen 40 Frischfeuer und 3 Puddlingöfen vorhan- den, wovon mehr als die Hälfte dem Staat gehören. An Blech werden jährlich gegen 12,000 Centner dargestellt. Auch etwas Drahtfabrikation findet in Würtemberg statt; man kann sie auf 5000 Ctr. jährlich veranschlagen. Bei 3 Rohstahlfeuern werden gegen 3000 Centner Schmelzstahl im Jahr erzeugt. Auch die Eußstahlfabrikation ist in der Entwicklung begriffen. 5. Laden. §. 16. Das Großherzogthum Baden besitzt ebenfalls eine Eisenindustrie von dem ungefähren Umfang der Sächsischen und Würtembergischen. In erster Ordnung sind es mehr die großen Waldungen des Schwarzwaldes, als Eisensteinreichthum, welche hier — wie auch in vielen Theilen Oberschlesiens — aus die Eisenindustrie hingeleitet haben, indem sich kein anderes Mittel bot das Holz zu verwerthen. Bohnerze und Brauneisensteine bilden das Schmelzmaterial; der Reichthum davon ist nicht allzu groß, und steigern sich durch die Kosten des Waschens, welches in der Regel erforderlich ist, die Erzpreise bedeutend. Baden und Sachsen dürften in Deutschland so ziemlich den theuersten Eisenstein verhütten. Der Hochofen zu Pforzheim bezieht viele Erze von der Lahn. Die Hochofen werden sämmtlich mit Holzkohlen betrieben. Es sind deren 9 vorhanden, wovon 5 im Oberrheinkreis, 3 im Seekreis und einer im Mittelrheinkreis. Der letztere, zu Pforzheim gelegen, ist in Privatbesitz; von den übrigen werden 5 vom Aerar und drei von der Fürstlich Fürstenbergischen Standesherrschaft betrieben. Nach den erhaltenen Mittheilungen") über den Betrieb der *) Bei einem Hochofen ist allerdings das Erzeugnis! eines zugehörigen Kupolofens einbegriffen, was aber die Summe nnr wenig alterirt. Ueber den Prwathocbofcu standen zwar keine genauen Notizen der Produktion jedes Jahres zu Gebote; nach zuverlässigen Mittheilungen hat sie sich von ,tö bis ans 25,000 Centner im Jahre 1847 gehoben. — 69 — badischen Hochöfen betrug deren gestimmtes ProduktionSquan- tum") an Roheisen und Gußwaaren aus Erzen: 1834 . . . . 79,931 Centner. 1835 . . . . 112,222 1836 . . . . 108,068 1837 . . . . 94,463 1838 . . . . 94,459 1839 . . . . 131,190 1840 . . . . 121,454 - 1841 . . . . 83,642 1842 . . . . 87,352 1843 . . . . 133,959 1844 . . . . 149,749 1845 . . . . 155,386 1846 . . . . 134,553 1847 . . . . 134,815 1848 . . . . 140,527 1849 . . . . 102,107 Im Jahr 1850 dürfte die Produktion wieder etwas gestiegen sein, jedoch unbedeutend, indem der neue schweizerische Grenzzoll seit 1. Febr. 1850 den Absatz dorthin hemmt. Man kann 110,000 Centner annehmen. Die Menge der von den Hochöfen produzirten Gußwaaren ließ sich aus den Mittheilungen nicht immer genau ersehen. Sie ist jedoch mit ziemlicher Zuverlässigkeit anzunehmen: 1834 zu 25,500 Ctr., 1842 - 31,500 - 1849 - 22,300 - Die bestehenden 9 Hochöfen waren indeß niemals zugleich im Betrieb, z. B. 1841 und 1842 nur fünf, 1849 sechs, im Durchschnitt von 1834 bis 1849 sieben. Die jährliche Produktion eines Osens war demnach im Jahre 1849 17,020 Centner, oder die Hälfte mehr als die preußischen, dagegen die Hälfte weniger als die würtembergischen Hochöfen liefern. Auf der Fürstlich Für- stenbergischen Amalienhütte erreichte der Hochofen im Jahr 1845 ') Nebenius giebt für 18Z-: 127,000 Ccntner, v, Reden für IS«: 1^0,000 Centner an, was mit unsern Angaben ziemlich übereinstimmt. — 70 — die Produktion von 28,002 Centner, worunter fast 10,000 Ctr. Gußwciaren. Von der Gesammtproduktion entfielen auf den Antheil des Aerars: 1834 . . . 34,075 Ctr. oder 42 pCt. 1842 . . . 22,292 - - 26 - 1849 . . . 46,743 - - 45 - Für den Gießereibetrieb eristirten 1846 vier Cupol- und fünf Flammöfen. Man wird darauf etwa 8000 Centner jährlich rechnen können, da sie schwach betrieben werden. Die Zahl der in Betrieb befindlichen Frischfeuer war früher weit beträchtlicher, indem in den waldigen Gegenden des Schwarz- und Odenwaldes nicht blos badisches, sondern auch nassauisches, pfälzisches und hessisches Roheisen verfrischt ward. Dies ist jedoch im Abnehmen begriffen. Die ärarischen und standesherrlichen Werke, theilweise mit Walzwerken versehen, gehören zu den besteingerichteten Holzkohlenfrischereien in Deutschland und erzeugen ganz vorzügliches Slabeisen und Blech, wofür noch immer sehr hohe Preise gezahlt werden, gerade wie für das schweizerische Eisen, dem das badische an Qualität ganz gleichkommt. Neuerdings sind auch einige Puddelöfen bei Holz, zeitweise auch bei Holzgasen, in Betrieb gekommen, insbesondere auf den Fürstlich Fürstenbergischen Werken. Von den ärarischen und standesherrlichen Werken, die etwa 40 Frischfeuer besitzen, liegen die genauen Produktionsnachweise aus direkten Mittheilungen vor. Obgleich sie nur die Hälfte der überhaupt vorhandenen Frischfeuer umfassen, erzeugen sie doch weit mehr als ^ der gesammten Stabeisenproduktion und kann man den Antheil der Privatwerke auf höchstens 25,000 Centner schätzen, von welchem Durchschnitt seit 1834 keine wesentlichen Abweichungen stattgefunden haben werden, indem der stärkere Betrieb einzelner Feuer durch das Eingehen anderer aufgewogen ward. Nach diesen Annahmen stellt sich die Stabeisenproduktion Badens folgendermaßen: 1834 . . . . 1835 . . . . 1836 . . . . 1837 . . . . 65,902 Centner. 75,221 71,349 76,151 - 71 — 1838 . . . . 72,419 Centner. 1839 . . 71,673 1840 . . . . 74,649 1841 . . . . 70,706 1842 . . . . 84,239 1843 . . . 94,140 1844 . . . . 98,745 1845 . . . . 98,201 - 1846 . . . . 104,058 - 1847 . . . . 100,438 1848 . . . . 85,280 1849 . . . . 72,066 Für 1850 sind 80,000 Centner anzunehmen. 1846 bestanden in Baden 79 Frischfeuerz 1849 sind gegen 50 Frischfeuer und 1 Puddlingofen in Betrieb gewesen. Seit 1841 findet auch Schwarzblechproduktion statt. Sie betrug: 1841 .... 973 Centner. 1842 .... 3,701 1843 ... 3,643 1844 .... 2,751 1845 .... 2,415 1846 .... 2,919 1847 .... 5,116 1848 .... 4,575 - 1849 .... 2,200 Auch 2 Drahtwerke und 1 Rvhftahlfeuer sind vorhanden, über deren Erzeugung jedoch die Nachweise fehlen. 6. C hur Hessen. H. 17. In Churhessen ist die Eisenindustrie sehr alt, jedoch nicht von bedeutendem Umfang. Seine Hochöfen, die sämmtlich bei Holzkohlen betrieben werden, sind über das ganze Gebiet zerstreut; davon gehören Veckerhagen an der Weser, Holzhausen bei Homburg, Schönstein bei Jesberg und Bieder bei Gelnhausen dem Staate; Neuenschmidten bei Wächtersbach ist in standesherrlichem Besitz und nur die Blauöfen in der Thüringischen Enklave Schmalkaldm werden gewerkschaftlich betrieben. Die letzteren haben sehr reiche und gutartige Erze, hauptsächlich — 72 — Spath- und Brauneisensteine, wovon jene auch ein zur Stahlbereitung vorzüglich geeignetes Roheisen liesern. Die Holzkohlen beschränken dagegen den Hüttenbctrieb in Schmalkalden, indem sie vcrhältnißmäßig selten und theuer sind. Andere Werke im eigentlichen Churhessen, z. B. Bieder, in der Nahe der großartigen Waldungen deS Spessart gelegen, haben wieder umgekehrt sehr billige Holzkohlen, aber die dort vorkommenden Brauneisensteine sind selten und ziemlich arm. Die übrigen Hütten haben meistens ziemlich theuere Erze (Gelb-, Braun- und Thoneisensteine, auch Rotheisensteine aus dem Wetzlar'schen) und ziemlich theuere Kohlen. Dennoch ist der Betrieb bisher durch die Anstrengungen einer einsichtsvollen Direction im Ganzen mit Gewinn für die Staatskasse betrieben worden. Im Folgenden geben wir eine genaue Zusammenstellung der Eisenproduktion Churhessens") aus ganz zuverlässigen privativen Mittheilungen geschöpft. Hochofenproduktion Churhessens. Jahr. t. Roheisen. Ctr. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 3. Summa der Hoch- ofenproduktion. Ctr. 1834 1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1845 1846 1847 1848 1849 48,869 52,145 58,385 57,729 63,490 57,878 70,950 62,811 70.349 81,719 75,955 61,857 73,176 81,805 83.556 91,998 10,936 7,191 10,297 11,791 11,500 9,459 17.361 16,672 10,125 16,094 8,815 4,650 36,299 9,611 24,460 23,777 59,805 59.336 68,682 69,520 74,990 67,337 88,311 79,483 80,474 97,813 66 770 66,507 109,475 91,416 108,016 115.775 ') Hasse giebt 1836: 55,000 Ctr., v. Reden 1843: 83,000 Ctr., Müller 1845: 70,000 Ctr. an. — 73 — Für 1850 sind gleichfalls 115,000 Centner anzunehmen. Die Produktion hat sich also seit Anfang des Zollvereins fast verdoppelt, die Zahl der Hochöfen jedoch nicht vermehrt. Insbesondere tritt seit 1846 der Einfluß des Eisenbahnbaus hervor, wozu indeß die Schienen aus Belgien bezogen wurden. Beim Roheisen sind durchschnittlich etwa 3300 Ctr. Schmal- kaldener Rohstahleisen einbegriffen. Der Antheil des Aerars an der Gesammtproduktion betrug: 1834 . . . 33,719 Ctr. oder 56 pCt. 1842 . . . 38,510 - - 48 - 1849 . . . 70,110 - - 60 - Das im Jahr 1849 im eigentlichen Churhessen producirte Quantum ward bei 6 Hochöfen erblasen; 7 sind überhaupt vorhanden. Nach Abzug des auf Schmalkalden entfallenden Quantums von 43,419 Centner hat also ein Hochofen 12,060 Centner im Jahr erzeugt, etwas mehr als der Durchschnitt in Preußen beträgt. In Schmalkalden eristiren 6 große Blauöfen, die von allen Thüringischen am stärksten und besten betrieben werden. Ueber den Umfang der Gußwaaren er zeugung aus Roheisen fehlen die genauen Angaben. Auf einzelnen ärarischen Werken werden zeitweise statt der Hochöfen nur die Kupolöfen betrieben. 1847 waren im ganzen Churfürstenthum 8 Cu- pol- und 2 Flammöfen vorhanden. Die durchschnittliche Erzeugung mag zu 12,000 Centner anzunehmen sein. Die Produktion Churhessens an Stab eisen findet bis jetzt blos bei Holzkohlen und auf Hammerwerken statt. ES sind zwar einige Puddlingöfen auf die Benutzung von Braunkohlengasen angelegt und die Versuche mit großer Ausdauer verfolgt worden, jedoch ist es, wie wir hören, bis jetzt noch nicht gelungen, in größerer Ausdehnung zu regelmäßigem Betrieb zu gelangen. Da Churhessen zu weit von den Westphälischen oder Thüringischen Steinkohlenrevieren liegt, um dieses Material anwenden zu können und seine Holzkohlenfrischerei auf die Länge nicht im bisherige» Umfange zu erhalten sein wird, so wäre es außerordentlich wünschenswert!), wenn seine bedeutenden Schätze von Braunkohlen sich in solcher Weise nutzbar machen ließen. Die Stabeisenproduktion betrug! — 74 — 1834 . . . . 28,465 Centner. 1833 . . . . 27,742 1836 . . . . 28,969 1837 . . . . 29,927 1838 . . . . 29,085 1839 . . . . 33,047 1840 . . . . 34,324 1841 . . . . 34,037 1842 . . . . 33,609 1843 . . . . 37,052 1844 . . . . 34,746 1845 . . . . 37,644 - 1846 . . . . 34,423 1847 . . . . 42,988 1848 . . . . 40,133 1849 . . . . 41,270 Für 1850 kann man 42,000 Ctr. annehmen. Die Zahl der vorhandenen Frischfeuer betrug 1847 20, wovon 5 in SchmalkaldeN) jedoch sind durchschnittlich höchstens 15 in Betrieb gewesen. Die Rohstahlproduktion Schmalkaldms > 1834 .... 3,000 Centner. 1835 .... 3,000 - 1836 .... 3,000 >L s!?'!^ 1837 .... 2,900 » 1838 .... 2,900 s 1839 .... 2,550 ? 1840 .... 2,500 s 1841 .... 2,680 » 1842 .... 2,320 - 1843 .... 2,140 - 1844 .... 1,930 - 1845 .... 2,411 s 1846 .... 1,976 - 1847 . . . . 2,980 - 1848 .... 2,457 ' 5.»n-' 1849 .... 2,743 - ES sind dazu 3 Rohstahlfeuer in Betrieb gewesen. — 75 — 7. Grostherzogthum Hessen. §. 18. Die Eisenproduktion des Großherzogthums hat ihren Hauptsitz in der Provinz Oberhessen und insbesondere in dem sogenannten hessischen Hinterland (Regierungsbezirk Bieden- kopf). Oberhessen hatte 1834 fünf, 1842 sieben und seit 1846 acht Hochöfen, von denen indeß seit 4 Jahren nur 5 bis höchstens 6 in Betrieb sind. Die Werke liegen sämmtlich nicht weit von der nassauischen Grenze und ein großer Theil der vorzüglichen und reichen Roth- und Brauneisensteine, welche die hauptsächliche Beschickung der hessischen Hochöfen bilden, kommt von den Gruben dieses Herzogthums. Selbst die weit davon entfernt liegenden beiden Hochöfen der Provinz Starkenburg, bei Michelstadt im Odenwald gelegen, verhütten zu ^ nassauische Erze, trotz der enormen Frachtbelastung, die bis zum fünf-, sechsfachen des Haldenpreises der Erze steigt; das übrige Drittel besteht aus Thoneisensteinen des Odenwaldes. Die hessischen Hütten werden sämmtlich bei Holzkohlen betrieben; sie sind fast ohne Ausnahme vorzüglich eingerichtet und werden sehr gut betrieben. Mehrere davon, namentlich die Ludwigs- und Hizenhainer Hütte, sind mit Maschinenfabriken versehen. Die Hirzenhainer und Friedrichshütte, nebst den oben im preußischen Kreise Wetzlar erwähnten Hochöfen und mehreren Hütten- und Hammerwerken im Nassauischen sind im Besitz derselben Firma (I. W. Buderus Söhne), die demnach zu den stärksten Eisenproduzenten des Zollvereins gehören. Das Fabrikat der hessischen Eisenwerke genießt gleichen Ruf wie die angrenzenden nassauischen und siegenischen Eisendistrikte. Die Erzeugung von Gußwaaren aus Erzen ist seit längeren Jahren von gleichem Umfang geblieben; der Fortschritt der Produktion kommt auf Roheisen zum Verfrischen, das meistens nach den Puddlingwerken des Nuhrkohlenreviers verführt wird. Die große Entfernung von diesem Revier und die mangelnden Com- municationsmittel zum Bezug von Steinkohlen bilden das größte Hinderniß einer weiteren Entwicklung der hessischen Eisenindustrie. Neber den Umfang der gesammten hessischen Eisenerzeugung stehen uns nur von 2 Jahren, 1840 und 1847, genaue Nachweisungen von sämmtlichen Eisenwerken zu Gebot, die 1848 aus — 76 - die Anfragen des volkswirtschaftlichen Ausschusses der Frankfurter Nationalversammlung einliefen. Darnach betrug die Hochofenproduktion*) des Großherzog- thumö Hessen: ^ , Gußwaaren ans ^. Roheisen. Summa. 1840 . . . 79,340 Ctr. 36,558 Ctr. 115,898 Ctr. 1847 . . . 116,624 - 36,861 - 153,485 - Für 1834 wird man 80,000 Centner annehmen können; von 1840 bis 1847 fand ein allmähliges Steigen statt, insbesondere seit 1844. Das Quantum von 1847 ward bei 8 Hochöfen erblasen; auf einen kommen demnach 19,190 Eentner im Jahr, oder die Hälfte mehr als in Preußen. Seit 1847 dürfte die Produktion ziemlich stabil gewesen sein, indem sich der verstärkte Betrieb des Michelstädter Werkes durch die Betriebseinstellung zweier Hochöfen im hessischen Hinterland ziemlich ausgleicht. Sobald aber günstigere Zeiten kommen, wird schon bei den jetzigen Anlagen die Produktion sofort über 200,000 Centner steigen. Für Gießerei sind 8 Cupol- und 3 Flammöfen vorhanden, wovon jedoch die meisten nur gelegentlich den Hochofengießereien zur Sluöhülfe dienen. Die jährliche Produktion ist nicht über 6000 Centner anzuschlagen. Die Stabeisenproduktion wird noch zur Hälfte bei Holzkohlen betrieben; es sind dazu 22 Frischfeuer vorhanden, meistens im Odenwald belegen, deren Gesammtproduktion 45,000 Centner Schmiedeeisen betragen mag. Es wird übrigens auch im Odenwald nassauischcs und churhessisches Roheisen verfrischt. In den letzten Jahren ist übrigens auch mit dem Bau von Pudd- lingösen auf Steinkohlen vorgeschritten worden, trotz der großen Entfernung von den Revieren der Ruhr oder Saar. 1847 eristir- ten 8 Puddlingöfen, wovon 4 in Oberhesscn und 4 im Odenwald; die ersteren werden übrigens sehr schwach betrieben, die letzteren, womit ein Walzwerk verbunden ist, weit stärker; man kann jetzt im Ganzen auf 45,000 Centner Puddeleisen rechnen. ') Nach der „Minerva" 1833: 100.000 Centner, nach Hasse 1836: 70,000 Centner, nach v. Reden 1843: 143,000 Centner. — 77 — Im Ganzen beträgt also die Stabeiscnerzcugung gegenwärtig gegen 90,000 Centner. Früher war die Holzkohlenfrischerei von stärkerem, die Puddlingsrischerei dagegen von geringerem Umfange und wird sich im Ganzen für 1834 ein Quantum von 50,000, für 1842 von 70,000 Centner annehmen lassen. 8. Draunschmcig. K. 13. Auf das Herzogthum Braunschweig entfällt ein nicht unbedeutender Theil der Eisenproduktion des Harzes, die sich zwischen ihm, Preußen, Hannover und Anhalt-Bernburg theilt. Die verhütteten Erze bestehen größtenteils aus Rothund Brauneisensteinen, auch etwas Bohnerzen, deren Gewinnung und Transport durchschnittlich ziemlich theuer kommen. Als Brennmaterial dienen ausschließlich Holzkohlen. Der größte Theil des Hütten- und Grubenbetriebs ist ärarisch; von den vorhandenen 10 Hochöfen ist nur einer seit 1845 in Privathänden, 8 gehören dem herzoglichen Aerar und einer Braunschweig und Hannover gemeinschaftlich, nämlich die Kommunionhütte Gittelde. lieber die Produktion der herzoglichen Werke sind uns ganz genaue, über die der beiden andern mindestens annähernd richtige Angaben zugegangen. Ueber die gesammte Eisenindustrie des Harzgebirgeö muß hier bemerkt werden, daß die vorhandenen ökonomischen Grundlagen es nicht gestatten, ihr ein günstiges Prognostikon für die Zukunft zu stellen. Weder für den Hütten- noch den Frischereibetrieb läßt sich ein Ucbergang auf Steinkohlen, der großen Entfernung von den Kohlenrevieren halber, durchsetzen. Dabei ist die Gewinnung der Erze theuer und die Holzkohlenpreise werden eher steigen als fallen. Um so rühmenswcrther ist die außerordentliche Thätigkeit der Besitzer und Techniker, den Betrieb so ökonomisch als möglich zu leiten und durch Qualität des Schmiedeeisens und Schönheit der Gußwaaren höhere Preise zu erzielen. Dies gilt fast von allen Hütten im preußischen, braunschweigischen, hannöverschen uud anhaltinischen Harz. Die Produktion Braunschweigs-) (inel. Gittelde) betrug: ") Der Brannschwcigcr Centner ^ 100 Pfd. Cvln. ist hierbei iu Prciiß. Centner k IM Pfd. verwandelt. — Nach Hasse erzeugte Braunschweig gegen 1834- kl,150Ctr., nach Nebeiilus 1842: 75,000 Ctr., nach v. Reden 1343: 76,000 Ctr. — 78 — Hochofenproduktion Braun schweig s. Jahr. 1. Roheisen. Ctr. 2. Gußwaaren aus Erzen. Ctr, 3. Summa d.Hoch- ofenproduktion. Ctr, 1840 52,425 28,920 81,345 1841 41,619 28,696 70,315 1842 36,097 23,972 60,069 1843 38,772 21,042 59,814 1844 45,304 23,636 68,940 1845 29,193 12,962 42,155 1846 31,793 19,441 51,234 1847 50,508 24,744 75,252 1848 36,909 21,469 58,378 1849 48,407 26,486 74,893 Für 1834 kann man 60,000 Centner annehmen; für 1850 75,000 Centner. Die Produktion ist also ungefähr seit 1840 auf der gleichen Höhe geblieben. Die Leistung eines Hochofens war sehr gering, nämlich 7,490 Centner im Jahr 1849. Auf den Antheil des braunschweigischen und hannöverschen Aerars kamen: 1842 . . . 52,069 Ctr. oder 86 pCt. 1849 . . . 66,893 - - 89 - und auf das braunschweigische Aerar allein: 1842 . . . 42,069 Ctr. oder 70 pCt. 1849 . . . 56,893 - - 76 - Die Hütte Gittelde erzeugt jährlich gegen 1000 Centner Rohstahleisen, die in obigen Angaben mitbegriffen sind. Für die Erzeugung von Gußwaaren aus Roheisen sind überhaupt 8 Cupolöfen vorhanden, wovon 6 in Verbindung mit den Hüttenwerken. Die 5 dem braunschweigischen Aerar gehörigen erzeugten in den 10 Jahren 1840 bis 1849 durchschnittlich 9,075 Centner; im Ganzen wird man gegenwärtig auf 13,000 Centner rechnen können. Das übrige Roheisen wird^aus den Hüttenwerken verfrischt. Es sind 23 Holzkohlenfrischftuer vorhanden, wovon 20 dem - 79 — braunschweigischen Aerar gehören. Das gefrischte Eisen wird theils unter dem Hammer, theils auf einem Walzwerk weiter verarbeitet. Die gesammte Stabeisenproduktion betrug: 1840 ... . 33,066 Centner. 1841 .... 31,041 1842 .... 27,679 1843 ..... 28,228 1844 .... 26,630 1845 .... 28,327 1746 .... 31,219 1847 .... 32,654 1848 .... 33,017 1849 .... 34,276 In der Stabeisenproduktion ist also ebensowenig ein Fortschritt bemerkbar. Für 1834 ist sie als von gleichem Nmsang anzunehmen, etwa 30,000 Centner. Der Antheil des braunschwei- gischen und hannöverschen Aerars an dieser Erzeugung war: 1842 . . . 24,679 Ctr. oder 90 pCt. 1849 . . . 31,276 - - 92 - und des braunschweigischen Aerars allein: 1842 . . . 22,679 Ctr. oder 81 pCt. 1849 . . . 29,276 - - 86 - Auch ein Rohstahlfeuer wird vom Aerar betrieben; es lieferte an Nohstahl: 1840 . . . . 539 Centner. 1841 . . . . 558 1842 . . . . 399 -- 1843 . . . 510 - 1844 . . . . 388 7::- 1845 . . . . 318 - 1846 . . . 414 - 1847 . . . . 284 - 1848 . . . . 632 ? 1849 . . . 501 - Der Rohstahl wird auf den ärarischen Werken raffinirt. — Blech- und Drahterzeugnng finden in Braunschweig nicht statt. 9. Nassau. H. 20. Die Eisenproduktion des Herzogthums Nassau hat mit der des Königreichs Baiern fast gleichen Umfang. Namentlich mit Bezug auf die große Zukunft des dortigen Bergbaues ist es nächst Preußen das wichtigste Land für die Eisenindustrie des Zollvereins und deren Zukunft. Es besitzt 20 Hochofen, von denen 12 in der Mitte des Landes, nahe an der Lahn, die übrigen aber im nördlichen Theil des Herzogthums, im Dillthal, gelegen sind. Nassau hat einen unerschöpflichen Reichthum von Eisensteinen, insbesondere den vorzüglichsten Notheisensteinen von 40 bis 50 Prozent Ausbringen, demnächst auch von Braun- und Spatheisensteinen. Erst in den letzten 6 Jahren, insbesondere seit der Konsum für die Eisenbahnbauten so bedeutend stieg und vereint mit der 1844 eingeführten Besteuerung des fremden Roheisens einen mächtigen Impuls zur Ausdehnung des inländischen Hüttengewerbes gab (den leider die Ereignisse von 1848 in seinem besten Aufschwünge wieder lahmten), ist der enorme Erzreich- thum Nassaus, vollständiger aufgeschlossen werden, als man ihn früher gekannt hatte. Das Eisen aus den nassauischen Erzen ist von der vorzüglichsten Qualität, sowohl zum Zweck des Vergießens als des Ver- frischenö. Die Erze, insbesondere die Rotheisensteine, vereinigen die allerbesten Eigenschaften-, sie sind frei von schädlichen Beimischungen, äußerst reichhaltig und leichtflüssig und was gleich wichtig ist, sie kommen in so großartigen Lagern und Gängen vor, daß die Gewinnung ganz außerordentlich billig ist. Sie steht häufig nur auf 1^ Sgr. für den Centner, und 2^ bis 2H Centner genügen zur Herstellung eines Centners Roheisen. Wenn deshalb auch der Hochofenbetrieb in Nassau selbst sich nicht mehr erweitern sollte, so werden doch sicherlich die Erze in immer großartigerem Maaßstabe nach den Revieren transportirt werden, wo die Steinkohlen billig sind. Der Umfang, welchen diese Erz- ausfuhr trotz der äußerst mangelhaften Schiffbarkeit der Lahn bereits gewonnen, gestattet den sichersten Schluß auf die Zukunft des nassauischen Bergbaues. Man verhüttet bereits Lahnerze in Oberhessen und Churhcssen, im Kohlenrevier der Ruhr und der Saar, in der Rheinpfalz, im Elsaß, im Odenwald und am Main, — 81 — also in einem Kreise, dessen größter Durchmesser bis zu 6(1 Meilen beträgt und wo theilweise zu den Wasserfrachten von 30, 40 Meilen noch Landfrachten bis zu 10 Meilen hinzutreten, so daß die Erze beim Verbrauch mitunter das Sechsfache des Haldenpreises kommen. Der Hauptpunkt aber, wo die nassauischcn Erze im Großen zum Verbrauch gelangen werden, bleibt das Nuhrkohlenrevier, wohin die Fracht jetzt schon billiger ist, als manche Hütten, die nur einige Meilen von den Gruben entfernt liegen, bei schlechten Landwegen zu tragen haben- Allerdings ist die Kanalisirung der Lahn, oder vielmehr die Erbauung einer Eisenbahn von Gießen nach Koblenz, die nothwendige Vorbedin- dung zur völligen Entfaltung des nassauischen Bergbaus. Denn abgesehen davon, daß jetzt die kurze Fahrt auf der Lahn das Zwei- bis Dreisache an Fracht kostet, als die weitere Verschiffung auf dem Rhein auf dreifach längere Strecken, so wären auch große Quantitäten mit den bisherigen Transportmitteln gar nicht zu beschaffen, indem die Schiffsahrt auf dieser Wasserstraße oft 8 Monate des Jahres gehemmt ist. Die nassauische Eisenerzeugung findet ausschließlich bei Holzkohlen statt; auch dürfte es künftighin in der Regel vortheilhafter bleiben, die dortigen Eisensteine nach den Steinkohlenrevieren zu schaffen, als umgekehrt im Herzogthum selbst bei CoakS zu Hütten. Fast alle nassauischen Werke, so wie die anliegenden von Wetzlar und Oberhessen sind sehr günstig in Bezug auf die Erze gestellt. In anderer Beziehung wird dieser Vortheil dagegen vielfach ausgeglichen. So bildet bei den Hütten im Dillthal, obgleich diese überdies die Holzkohlen nicht allzutheuer haben, die große Entfernung und die hohe Landfracht bis zu dem Hauptabsatzgebiete, den westphälischen Puddlingwerken, das größte Hemm- niß, während wieder die Hütten näher an der Lahn und am Rhein zu hohe Holzkohlenpreise haben, indem in der Nähe solcher Kommunikationsmittel und dichtbevölkerter Gegenden der Werth des Holzes bedeutend steigen muß, auch von den sinkenden Eisenpreisen weniger berührt wird, als in solchen entlegeneren Distrikten, wo der Holzverbrauch und also auch der Holzpreiö zum großen Theil durch die Lage der Eisenindustrie bedingt werden. Nach den auf Privatwegen unternommenen Zusammenstellun- 6 - 82 — gen des Umfangs der nassauischen Eisenproduktionhat sich dieselbe seit 1828 folgendermaßen entwickelt. Dabei ist zu bemerken, daß die genauen Nachweise nur bis 1847 reichen, während für die drei letzten Jahre die Schätzungen eines mit den dortigen Produktionsverhältnissen genau bekannten Hüttenbcsitzers substituirt sind. Hochofenproduktion Nassau's- Jahr. 1. Roheisen. Ctr. 2. Gußwaaren aus Erzen. Ctr. 3. Summa der Hoch- ofenproduktion. Ctr. 1828 206,560 31,181 237,741 1831 184,067 26,792 210,869 1834 241,250 27,470 268,720 1835 281,448 27,184 308,632 1836 292,007 35,938 327,945 1837 271,702 38,209 309,911 1838 270,062 46,233 316,295 1839 288,015 50,299 338,314 1840 267,173 40,080 307,253 1841 302,865 41,36? 344,232 1842 231,670 50,566 282,236 1843 243,047 42,991 285,038 1844 182,547 46,073 228,620 1845 212,867 30,382 243,249 1846 233,781 40,739 274,520 1847 274,689 72,509 347,198 1848 266,000 58,000 324,000 1849 242,000 52,000 294,000 1850 250,000 60,000 310,000 Die Eisenproduktion des Herzogthumö hat sich also in ihrem Umfange verhältnißmäßig wenig ausgedehnt, wovon vor allem ') Nach NebeniuS 1842: 350,000 Cenincr, »ach v. Reden 18»3: 323,000 Centner. — 83 — die Konkurrenz des belgischen und schottischen Roheisens Schuld ist, die überhaupt am schärfsten in die Absah- und Preisverhältnisse des nassauischen, siegenischen, westphälischen und schleidener Eisens eingegriffen hat. Wie bedeutend sich übrigens der Grubenbetrieb über die Versorgung der eigenen Hütten hinaus ausgedehnt hat, geht daraus hervor, daß 1834 nur 811,473 Cent- ncr Eisensteine gefördert wurden, 1847 dagegen schon 1,900,945 Ecntner. Ersteres Quantum entspricht dem Umfange der damaligen Eisenproduktion, letzteres geht um mehr als das Doppelte darüber hinaus. Wenn übrigens jetzt bereits außerhalb des Herzogtums 3 biö 400,000 Centner Roheisen aus nassauischen Erzen dargestellt werden, so ist dieS immer nur als ein unbedeutender Anfang zu einer künftigen, dem vorhandenen Erzreichthum entsprechenden Entwicklung zu betrachten; für das zehnfache Quantum sind hier Erze auf Jahrhunderte hin vorhanden. Das hier Gesagte findet in gleicher Weise Anwendung auf die Gruben der Preußischen Enklave Wetzlar mit der Standesherrschaft Brannfels, welche einen der erzreichsten Theile des Lahngebietes umfassen. Das nassauische Aerar besitzt mehrere Hütten, die jedoch sämmtlich an Private verpachtet sind. In den letzten Jahren haben 18 Hochöfen in Betrieb gestanden; es kommen also auf 1 Hochofen 18,250 Centner oder stark die Hälfte mehr als in Preußen. Für Gußwaaren aus Roheisen waren 1847 5 Kupolöfen und 1 Flammofen vorhanden; man kann indeß hierauf nicht mehr als 6000 Centner jährlich rechnen. Der größte Theil des nassauischen Roheisens wird in den Kohlenrevieren der Ruhr und Saar verpuddelt, vielfach als Zusatz zu ausländischem Coakseisen. Im Herzogthum bestanden 1847 noch 28 Frischseucr, von denen indeß nur 17 und theilweise noch dazu in schwachem Betriebe standen. Außerdem sind in der neuern Zeit mehrere Puddlingsöfen angelegt worden; 1848 waren 2, 1849 3, und 1850 6 in Betrieb. Dieselben feuern mit Saar- oder Ruhrkohlen, einzelne wohl auch mit Braunkohlen des Westerwaldes. Die Lage des größten Theiles derselben, insbesondere der Niesterthaler Hütte bei Hachenburg, ist für die Steinkohlenfrischerei ziemlich ungünstig; nur eine Cisen- K" — 84 — bahn nach dem Ruhmvier (Verlängerung der von Hagen nach Siegen projektirten Bahn) kann ein günstigeres Verhältniß herbeiführen. Die nassauische Stabeisenproduktion betrug: 1834 . . . . 25,191 Centner. 1833 . . . . 35,348 - 1836 . . . . 36,200 - 1837 . . . . 28,291 - 1838 . . . . 29,784 - 1839 . . . . 24,668 - 1840 . . . . 37,415 1841 . . . . 43,404 - 1842 . . . . 47,800 - 1843 . . . . 43,592 - 1844 . . . . 36,065 - 1845 . . . . 33,964 -- 1846 . . . . 46,698 - 1847 . . . . 57,161 - 1848 . . . . 37,900 - 1849 . . . . 42,500 1850 . . . . 61,200 - Auf die Erzeugung der Puddlingösen entfielen 1850 37,200 Centner oder 61 Prozent. Bis 1838 fand auch Drahtfabrikation, jedoch in geringem Umfange statt. 10. Luxemburg. K. 21. Im Großherzogthum Luremburg findet eine nicht unbedeutende Eisenerzeugung statt. Das Schmelzmaterial besteht hauptsächlich aus Alluvialerzen, wie solche auch in Belgien und im nordöstlichen Frankreich sehr häufig sind. Das daraus er- blasene Eisen (ler tenclre) bildet ^ bis ^ der gesammten Produktion. Es ist kaltbrüchig und von geringerer Qualität als das rheinische und westphälische Roheisen. Ein besseres Eisen (fer fort) wird aus Braun- und Thoncisensteinen erblasen. Als Brennmaterial dienen ausschließlich die Holzkohlen; theilweise wird auch gedörrtes Holz zugesetzt. Eine Eisenbahn nach der Saar würde hier den Coakshüttenbetrieb möglich machen. — 85 — Ueber die Produktion variirten bisher die Angaben außerordentlich: die meisten blieben viel zu niedrig,") Folgendes sind die Resultate ganz genauer Erhebungen, die auf Privatwegen angestellt worden sind; sie umfassen die gcsammte Hochofenproduktion, die bis auf etwa 15,000 Centner Gußwaaren nur aus Roheisen besteht: 1840 . . : 107,520 Centner. 1841 . . . . 107,260 - 1842 . . . . 116,720 1843 . . . . 109,240 1844 . . . . 109,260 1845 . . . . 126,540 1846 . . . . 142,680 1847 . . , . 243,440 1848 . . . . 181,010 1849 . . . . 191,340 1850 . . . . 131,920 Für 1834 werden sich 80,000 Centner annehmen lassen. Man sieht hieraus, wie bedeutend sich seit Luxemburgs Anschluß an den Zollverein im Jahr 1842 die dortige Produktion gehoben hat, gleichzeitig aber auch, welche nachtheilige Einwirkung die übermäßige Konkurrenz des belgischen Roheisens seit 1848 ausgeübt hat. Vor 1840 bestanden 10 Hochöfen, deren seitdem 6 neue hinzugefügt worden sind, wovon 4 in den zwei günstigen Jahren 1846 und 1847. Von diesen 16 Hochöfen waren 1851 nur 7 in Betrieb. Die Produktion von 1850 ist bei 8 Hochöfen erblasen; auf einen kommt demnach ein jährliches Quantum von 16,490 Centner. Das luxemburgische Roheisen hat seit dem Zollanschluß seinen Absatzkreis immer weiter ausgedehnt und ist sogar bis zu den westfälischen Puddlingwerken vorgedrungen. Sein Hauptabsatz ist übrigens nach den Puddlingwerken der Saar und Mosel. Neber die Erzeugung von Gußwaaren stehen uns keine Notizen zu Gebot. Der Umfang der St ab eisen Produktion ist nicht sehr bedeutend. Er betrug: Nach Hasse 1836: 40,000 Ctr.; nach Dieterici 1843- 148,000 Ctr. — 86 — 1840 . . . . 41,260 Centner, 1841 . . . . 42,480 - 1842 . . . . 46,060 1843 . . . . 59,440 1844 . . . 60,370 1845 . . . 61,680 1846 . . . 70,000 1847 . . . 70,000 1848 . . . . 60.000 1849 . . . 52,800 1850 . . . 43,200 Die Hälfte davon, wird bei Holzkohlen in Frischfeuern, die andere Hälfte bei Steinkohlen im Puddlingofen gefrischt. Walzwerke sind keine vorhanden. Die schon erwähnte Eisenbahn nach der Saar würde eine bedeutendere Entwicklung der lurembur- ger Puddlingfrischerei zur Folge haben. 11. Thüringen. §. 22. Von den zum Thüringischen Verbände gehörenden Gebieten haben wir bereits die preußischen und kurhessischen Enklaven (Schleusingen, Ziegenrück und Schmalkalden) in Bezug auf ihre Eisenindustrie besprochen. Allein auch in den meisten der übrigen thüringischen Fürstenthümer findet Eisenproduktion statt, worauf sich hauptsächlich die in ziemlichem Umfange im Thüringer Wald betriebene Eisen- und Stahlwaarenfabrikation gründet. Die in Thüringen vorkommenden Eisensteine sind von sehr guter Qualität. Darunter zeichnen sich besonders die Spath- eisenstcine und namentlich die Kamsdorfer und Lobensteiner aus, die ein zur Schmelzstahlbcreitung vorzüglich geeignetes Rohstahleisen liefern. Außerdem kommen gute Roth- und Brauneisensteine, auch Magneteisensteine vor. Vielfach ist jedoch die Gewinnung kostspielig und fast überall durch hohe Abgaben und die verschiedenartigsten Betriebsbeschränkungcn von Seiten der Regierungen erschwert. Auch die Transportkosten der Erze sind durchschnittlich sehr hoch. Die wenigsten thüringischen Hüttenwerke entsprechen in ihrer — 87 — technischen Einrichtung den Anforderungen der Neuzeit, Statt Hochöfen sind meistens nur kleine Blauösen zum Schmelzen der Erze vorhanden, mit außerordentlich geringer Produktionsfähigkcit- Dieselben gehen indeß immer mehr ein. Regelmäßig betriebene Werke vermögen sich sicherlich auf manchen Punkten Thüringens so gut zu halten als irgendwo. Uebrigens bestehen noch einige derselben. Als Brennmaterial wurden bisher bloß Holzkohlen verbraucht. In den letzten Jahren hat eine durch Herrn I. Meyer in Hildburghausen begründete Aktiengesellschaft die Errichtung einer großartigen Coakshochofenanlage im Meiningenschen und Nudolstädti- schen unternommen, um die Eisenerze dieser Reviere bei den Coaks des Neuhauser Kohlenseldes zu verschmelzen. Ueber die bisher erreichten Resultate fehlen uns die näheren Notizen, so wie die nöthigen Anhaltspunkte, um über die Zukunft einer thüringischen Coakseisenindustrie ein Urtheil abgeben zu können. Ueber den Umfang der thüringischen Eisenproduktion fehlt es bis dahin sehr an genauen Angaben*). Er ist indeß nicht so bedeutend, als daß folgende Ausführungen nicht genügen sollten, die sich zum Theil auf die Beantwortungen der 1848 von dem volkswirthschaftlichen Ausschuß der Frankfurter Nationalversammlung ausgeschriebenen Fragen stützen. a. Sachsen-Weimar-Eisenach. Dieses Großherzog- thum besaß 1847 drei Blauöfen, von denen indeß seit längeren Jahren keiner in Betrieb ist. Früher rechnete man 4000 Centner Roheisen jährlich*"). Jetzt findet nur Frischereibetrieb in geringem Umfang statt. d. Sachse n-Coburg-Gotha. Die Produktion betrug hier früher bei einem Hochofen bis 8000 Centner;"**) 1847 war sie 4,500 Centner. Gegenwärtig ist, glaubwürdigem Vernehmen nach, auch dort der Hochofenbetrieb eingestellt. ") Alle Bemühungen des Verfassers, um auf Privatwegcn zu genauen Notizen über Umfang uud Lage der thüringischen Eisenproduktion zu gelange», waren vergebens. ") Nach der „Minerva" von 1833: 3,800 Centner; nach Hasse 183ii: 4,000 Centner; nach v. Reden 1843- 3,000 Centner. »') Nach Hasse 1836- 8,000 Centner. — 88 — c. Sachsen-Meiningen hat 8 Hoch- und Blauöfen. Die Produktion betrug 1840: 18,000 Centner, und 1847: 31,000 Centner an Roheisen nnd Gußwaaren aus Erzen"). ci. Schwarzburg-Rudolstadt hat einen gut eingerichteten Hochofen (Katzhütte) und 2 Blauöfen. Die Produktion des ersteren betrug 1840 .... 3,312 Ctr. Roheisen. 3,245 - Gu ßwaaren. 0,557 Ctr. 1847 .... 7,540 Ctr. Roheisen. 5,642 - Gu ßwaaren. 13,182 Ctr. Die Produktion der beiden Blauöfen mit 4000 Centnern hinzugerechnet, macht für 1840 10,557 Centncr und für 1847 17,182 Centner*"). e. Schwarzburg-Sondershausen*"*) hat gleichfalls 1 Hochofen, der 1840: 3000 und 1847: 6000 Centner Gußwaaren producirte; außerdem 2 Blauöfen zu 3000 Centner jährlich. In den beiden genannten Jahren betrug die Erzeugung also 6000 Centner und 9000 Centncr. s. Die reußischen Fürstenthümer besitzen 8 bis 10 Blauöfen. Ueber die Produktion wechseln die Angaben von 18 bis 20,000 Centnern 7). Man wird 19,000 Centner im Durchschnitt festhalten können. Hier findet auch etwas Schwarz- und Weißblechfabrikation statt. Hiernach würde sich die Summe der thüringischen Hochofen- Produktion-^) (mit Ausschluß der preußischen und churhessischen Gebietstheile) auf 1840 . . . 65,500 Ctr., 1847 . . . 80,700 - «) Nach Hasse 18-z: 25,000 Ctr.; nach V.Reden 1843: 15,500 Ctr.; nach Andern bis über 40,000 Ctr. '») Nach Hasse 1836: 17,000 Ctr.; nach v, Reden 1843: 1K,000 Ctr. Nach Hasse 1836: 9,500 Ceniner. -!-) Nach Hasse 183k: 18.800 Ctr,; nach v. Reden 1843: 19,000 Ctr.; nach Müller 1845: 20,000 Ctr. -j-j-) Die Schrift- „Das europäische Eiscnhüttengcwerbc. Leipzig 1850" nimmt 70,000 Centner an. — 89 — belaufen; letzteres Quantum ist als das Erzeugniß von 4 Hochöfen und 19 Blauöfen anzusehen, während im Ganzen gegen 6 Hochöfen und 26 Blauöfen vorhanden sind. Es befinden sich darunter gegen 16,000 Centner Gußwaaren aus Erzen und von dem eigentlichen Roheisen dienen etwa 15,000 Centncr zur Schmelzstahlbereitung. Die Erzeugung von 1848 bis 1850 wird der von 1847 ziemlich gleichstehen. Für 1834 bis 1839 wird man gleichmaßig 60,000 Centner annehmen können und für den Zeitraum von 1840 bis 1847 ein allmähliges Steigen Von 65,000 auf 80,000 Centner. Seit 1848 hat, wie überall, ein Rückgang der Produktion stattgefunden, so daß nur 70,000 Centner anzunehmen sind. Etwa ^ der thüringischen Eisenproduktion ist landesherrlich; gegenwärtig also ungefähr 26,000 Centner. Die Erzeugung von Gußwaaren aus Roheisen findet nur in beschränktem Umfange statt. 1847 waren 3 Cupolöfen und 1 Flammofen vorhanden, die gegen 4000 Centner Gußwaaren erzeugt haben. Das thüringische Roheisen wird bei Holzkohlen weiter verfrischt. 1847 waren gegen 26 Frischfeucr und 7 Rohstahlfeuer vorhanden.' Man kann auf eine ungefährliche jährliche Erzeugung von 40,000 Centnern Schmiede-Eisen und 12,000 Centnern Nohstahl rechnen. Ein nicht unbedeutender Theil des thüringischen Stabeisens diente stets zur Gewchrfabrikation, die hier in großem Umfange betrieben wird, insbesondere in den preußischen Enklaven. Eignet es sich aber auch hinsichtlich seiner Festigkeit sehr gut hierzu, so hat es doch in letzterer Zeit größtenteils dem westphalischen Puddlingeisen (aus dortigem Holzkohleneisen dargestellt) weichen müssen, indem dasselbe reiner ist und weniger Poren oder Risse zeigt, als das mittelst sehr unvollkommener Methoden erzeugte thüringer Schmiede-Eisen. Auf die Erzeugung von Eisenblech, größtenteils unter Blechhämmern dargestellt, kann man für ganz Thüringen etwa 8,000 Centner annehmen und gegen 1000 Centner Weißblech. — 90 — 12. Die übrigen klemm Staaten und angeschlossenen Gelnctsthcile. K. 23. Auch in mehreren der kleinen Staaten und Gebietstheile, die nicht selbstständige Glieder des Zollvereinverbandes sind, sondern zunächst mit einem größeren Staate in engerem Verbände stehen, findet Eisenproduktion statt. g. Die angeschlossenen hannöverschen Gebietstheile, Grafschaft Hohenstein und Amt Elbingerode. Dieser im Harz belegene Distrikt hat 2 Hochöfen, die dem hannöverschen Aerar gehören. Dasselbe besitzt im Ganzen 8 Hochöfen. Veranschlagen wir also die Produktion der auf Zollvereinsgebiet belegenen 2 Hochöfen zu ^ der gesammten ärarischen Eisengewinnung Hannovers, so stellt sie sich (in preußischen Centnern) auf: 1834 . . . 16,500 Ctr. 1840 .. . 33,300 - 1847 . . . 39,400 - An Stabeisen werden bei 9 Frischfeuern und etwa 2 mit Holz oder Gasen betriebenen Puddlingöfen gegen 15,000 Ctr. jährlich erzeugt. b. Anhalt-Bernburg besitzt das schön eingerichtete Hüttenwerk Mägdesprung im östlichen Harz mit 1 Hochofen. Die jährliche Produktion ist seit 1834 von etwa 10,000 bis auf 14,000 Centner gestiegen. Ein Theil derselben besteht aus Gußwaaren; das Roheisen wird auf 4 Frischfeuern und zugehörigem Walzwerk weiter verarbeitet, etwa 8000 Centner jährlich. Auch wird ein Puddlingöfen zeitweise mit Torfgasen betrieben, wie man sich überhaupt auf Mägdesprung außerordentlich bemüht hat, diese wichtige Neuerung praktisch durchzuführen. Das Herzogthum besaß auch 1847 5 Kupolöfen. e. In Waldeck wird 1 Hochofen zu Berich an der Eder betrieben. Nach Mittheilung des Besitzers betrug dessen Produktion in den 17 Jahren von 1834 bis 1830 im Ganzen 11,002,806 Pfund, was 5905 Centner im Jahre ausmacht; in früheren Jahren war der Betrieb etwas stärker, seit 1848 schwächer und 1851 hat der Ofen kalt gelegen. In dem Fürstenthum waren 1847 14 Frischseuer vorhanden, wovon indeß durchschnittlich nur 8 in Betrieb. Ihre jähr- — 91 — liche Erzeugung beträgt nach zuverlässigen Privatuachrichicn nicht über 8,800 Centner im Jahr, wozu ein Theil Roheisen aus dem angrenzenden hessischen und westphälischen verwandt wird. Das Eisen geht zum Theil nach Altena, da es sich gut zur Drahtfabrikation eignet. ä. Das oldenburgische Fürstenthum Birken selb im Süden der Rheinprovinz im Hundsrück belegen und seit 1837 zum Zollverein gehörig, hat 1 Hochofen. Die Produktion") desselben betrug: 1834 . . . . 9,781 Centner. 1835 . . . 9,377 < 1836 . . . 6,049 , 183? . . . 11,838 - 1838 . . . 10,560 s 1839 . . . . 10,754 - 1840 . . . . 10,640 - 1841 . . . . 7,943 - 1842 . . . . 13,961 - 1843 . . . . 5,185 - 1844 . . . . 4,957 - 1845 . . . . 10,028 - 1846 . . . . 12,915 - 1847 . . . 9,415 !- 1848 . . . . 15,611 -- 1849 . . . . 7,199 - 1850 . . . 7,880 - In den Jahren 1834 — 1837 (vor dem vollständigen Anschluß an den Verein) fand blos Roheisen-, 1843 und 44 dagegen blos Gußwaarenerzeugung statt. Der Durchschnitt des Gußeisens betrug seit 1838 6000 Centner, meistens aus Munition bestehend. Ein Cupolofen wird nur zeitweise betrieben. Es sind 3 Frischseuer vorhanden, wovon indeß seit längerer Zeit nur 2 in Betrieb, die jetzt gegen 4000 Centner Schmiedeeisen jährlich erzeugen""). ') Nach v. Reden 1843: 12,000 Eentner. ") Die meisten Statistiker führen auch eine Eifcnprodnktion des angrenzenden Amtes Meisenhcim auf; es findet dort indeß weder Hütten- noch Hammervetrieb statt. — 92 — e. Hohenzollcrn-Sigmaringen, jetzt zu Preußen gehörig, hat 2 Hochöfen, in standesherrlichem Besitz, der eine Fürstlich Fürstenbergisch (Thiergarten), der zweite dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen gehörig (Laucherthal), Von beiden liegen uns genaue Produklionsnachweise vor, wonach die Eisengewinnung betrug: 1834 . . . . 23,464 1835 . . . . 28,266 1836 . . . . 30,720 1837 . . . . 30,507 1838 . . . . 30,524 1839 . . . . 30.090 1840 . . . . 25,177 1841 . . . . 20,184 1842 . . . . 16,420 1843 . . . . 19,446 1844 . . . . 20,716 1845 . . . . 35,690 1846 . . . . 49,152 1847 . . . . 21,697 1848 . . . . 18,981 1849 . . . . 16,242 Für 1850 sind mit ziemlicher Sicherheit 23,000 Centner anzunehmen. Etwa 4000 Centner davon sind Gußwaaren, das übrige Roheisen wird verfrischt, wozu 6 Frischfeuer und 1 Puddlingofen vorhanden sind, letzterer mit Holzgasen betrieben. Die Stabeisenerzeugung in Hohenzollern beträgt in den letzten Jahren durchschnittlich 14,000 Centner. Früher war sie bedeutender; gegen 1840 betrug sie stets über 20,000 Centner. Das Stok- ken des Absatzes nach der Schweiz seit Anfang 1850 wird noch weitere Reductionen zur Folge haben. Es sind mit beiden Sig- maringenschen Eisenhütten sehr gut eingerichtete Walzwerke verbunden. An Blech wurde erzeugt: ') Nach Hasse 1836: 10,000 Ctr,; nach v. Reden 1843- 18,000 Etr. — 93 — 1845 ... 909 C ^ ^> ^ r^" D i?^ 8 <^> c^> ci- i ^ HO ^ ^ ^ -z,IZH,S,ZIl>ZK ^. -u-^jlx^zliuv'Il ^ " uZi»v^Z>»zu>z>z W UZviaizn z>-^<^^^>^.ci> ^^^^^^Q^ -sr^o»MW0VM^ KAAZßAZAK (^avizuZ'ipjilj-S . ^- 'Znlx'n'ßi»aü'q ^ " a-zuv) u>>Z»>^ KS zzlxjivuun^x 888888^8 ^^^-^^^s^c^ ^>Q<^^>-^.^>^>>^!^ <^>^>^>-^c?i>^^!^ 00' »»' c^" c^" cn" ci-" -sc^!>i>i>«z!>-!>e- 'LanqluzailJ . S uuch; Z -LoiazWciZjI r^-^Q^-c^-c^s^ Ä^>-^ci?^^i>z»> ^ ^k?" clz" i>" «Z«z«zo-M^^^ 116,720 109,240 109,260 126,540 142,680 243,440 184,010 191,340 131,920 -nv!jvW °> umh,öi>WH >s ßss^AAAAA 286,236 285,038 223,620 274^520 347,196 324,000 294,000 310,000 . öisaMuiimss; ^ " mn^öaiasH W -usIjsH. >un^ -Lsw^aiG Q -r- -I- -2 ci-' «z cv ^>S^<^«z^>>^-^>s<^>-^u?S-^>>^ ^ ^ <^ <^ «z ^ <^ ^ ^ --z^ >^ cn>^ ^ 'UZljzH umhi -uz^anjZllhZ -uzqvM u»chi -Lc,i«ci!joZG 'öa^zmzftngx u ippaölucizj' ^ 'us^cpvZ) ^iz,tiiuoI' ^ 'uazivM hnsaömazx ^ s >^> -i> ' uz" ci^ ?4 ^ c2> c^i ^ ^ ll- ^ ?a -I- -2- i> «z ?a »i S -2- ^: ^ ^> ci- ^> >^> ^> 8" 8" İ 8° 8 8 8 8 2 8 Q ^> -iz t> <^> 8" 8" 8" 'UZgnszxj; u PzzaöluaZ' ^ >ahvx -2- ^> D u? M 1» W A Ä c« ^ -»z «) ^ Ä 0-' Q -0" ^ «Z cv Ä M W W 8 8 Ä A M Ä M « ^ ^ m Ä W W W !8 - 96 — Wir lasse» hier zur Berglcichung die Angaben anderer Statistiker über den Umfang der vereinsländischen Eisenproduktioueu in verschiedenen Jahrgängen folgen: 1. 2. 3. 4. Vercinsstaaten. 183k. 1843. , 1844. 1847. Ctr. Ctr. Ctr. Ctr. 1,650,000 2,434,839 1,923,553 2,600,000 2) Baiern....... 250,000 300,000 300,000 300,000 85,000 136,150 152,000 180,000 4) Würteuiberg .... 140,000 128,000 120,000 120,000 5) Baden....... 20,000 140,000 190,000 190,000 6) Churhessen..... 55,000 83,000 85,000 80,000 7) Grcßhcrzogth. Hesse» 70,000 143,000 30,000 30,000 8) Braunschwcig . - , » 61,150 76.000 80,000 80,000 9) Nassau....... 100,000 323.000 322,200 325,000 ' 40,000 116.000 145,000 150,000 11) Thüringen..... 82,300 53,500 70,000 100.000 12) Die übrigen Gebiete 37.400 62,700 10,000 18,600 ^ „ > l ->. 2,489,700 3°"^"'" 1>. 2.590,850 3,996,189 3,427,753 4,173,600 ->S 1. Diese Angaben stammen von Hasse. Unter s. ist die Produktion im damaligen Umfange des Vereins, also ohne Brannschwcig und Lnrcm- burg, aufgeführt; unter I>. dagegen alle Staaten, die der Zollverein gegenwärtig umfaßt. Die Angaben sind ungefähr x Million Centner zu niedrig, was sich am auffallcudstcu auf Badeu, Nassau und Luxemburg vertheilt. aä 2. In diesen Angaben des Freiherrn v. Reden (worin die fehlende Produktion von Luxemburg uach vorstehender Tabelle ergänzt wurde) ist die preußische Produktion um 470,356 Centncr zu hoch angegeben. Unter Substituiruug der richtigen Zahl, reduzirt sich die Gcsammtsumme auf 3,525,833, also etliche 40,000 Ctr. mehr als in unserer Tabelle. ->ll 3. Diese Angaben stammen ans dem Werke: „Das europäische Hütten- gewcrbc, Leipzig 1850." Das Resultat stimmt fast gauz genau mit unserer Tabelle überein, obgleich bei den einzelnen Staaten bedeutende Abweichungen vorkommen, z. V. beim Großhcrzogthnm Hessen, dessen Produktion um ^ zu niedrig angegeben ist. Ferner ist darin von der Produktion aller klciueu Gebiete nur die von Anhalt-Bcruburg aufgeführt, die der andern aber unberücksichtigt geblieben. In der That ist die Produktion der angeschlossenen hannöverschen Gebietstheile von allen Statistikern seilher übersehen worden. nä 4. Aus Hartmanns schätzenswerthem Werke: „Fortschritt der Eisenhüttenkunde, Berlin 1851." Das Resultat ist um ungefähr 400,000 - 97 — Centncr zu niedrig, was sich hauptsächlich auf Baicrn, Lurcmvurg, Hesse» und die kleinen Gebiete vertheilt. Als Durchschnitt sür 18ZZ stimmen die Summen besser übcrein. Wir kehren nun zu der von uns gegebenen Zusammenstellung der vereinsländischen Eisengewinnung zurück. Darnach trugen im Jahr 1847, wo die höchste Erzeugung stattfand und von welchem die Angaben am genauesten vorliegen, zu der Gesamtproduktion bei: 1. Preußen........ 58,5 M. 2. Baiern........ 8,8 - 3. Sachsen......^. . 2,8 - 4. Würtemberg...... 3,4 - 5. Baden......... 3,0 - k. Churhessen...... 2,o - 7. Großherzogth. Hessen . 3,z - 8. Braunschweig1,6 - 9. Nassau........ 7,k -- 10. Luremburg...... 5,3 - lt. Thüringen...... 1,7 - 12. Die übrigen Gebiete 2,o - 100 pCt. Preußens Antheil betrug: 1834 .... 56,o M. 1842 .... 57,5 - 1847 .... 58,5 - 1850 .... 60,9 - Im Jahr 1851 dürste der Antheil Preußens an der Ge- sammtproduktion in noch stärkerem Verhältniß gewachsen sein und 63 Procent überstiegen haben. Der Antheil der landesherrlichen Hüttenwerke an der Ge- sammtproduktion betrug: 1842 . . . 556,750 Ctr. oder 16,3 pCt. 1849"). . 641,500 - - 16,2 - In den einzelnen Staaten betrug der Procentantheil der ärarischen Produktion im Jahre 1849: ') Wir müssen mitunter das Jahr 1843 statt 1850 festhalten, weil über die Produktion von 1850 noch nicht von allen Staaten die detaillirtcn Nachweise zn erhalten waren. 7 — 38 — 1. Preußen........ 7 pCt. 2. Baiern......... 20 - 3. Sachsen........ — - 4. Würtembcrg...... 100 - 5. Baden......... 45 - 6. Churhessen....... 60 - 7. Großherzogth. Hessen. . — - 8. Braunschweig..... 89 - 9. Nassau . . . :..... - - 10. Luxemburg....... — - 11. Thüringen....... 33 - 12. Die übrigen Gebiete . . 61 - In Preußen allein hat seit längerer Zeit eine Abnahme, in allen übrigen Staaten dagegen, wo landesherrlicher Hüttenbetrieb stattfindet, eine-Zunahme desselben stattgefunden. Nach den drei Hauvtkatcgorien der Hochofenerzcugnisse scheidet sich die Gesammtproduktion in den 4 Jahren 1834, 1842, 1847 (dem Jahre der höchsten Erzeugung) und 1850 folgendermaßen, wobei zu bemerken ist, daß für 1834 die Zahlen nur als annähernd richtig zu betrachten sind. 1834. Ctr, 1842. Ctr. 1847. C«r, 1850. l5tr. Roheisen..... Rohstahleisen . . Gußwaaren aus Erzen..... 1,930,756 160,000 600,000 2,579,217 131,467 699.208 3,543,119 161,981 878.115 3,470,399 132,872 709.916 Summa (Col. 13,1.,) ^2,690,756 3,409,892 4,583,215^4,313,187 Der Antheil des Rohstahleisens an der Gesammtproduktion betrug also 1834 6 Procent und 1850 3 Procent; der Gußwaaren aus Erzen aber 1834 22,3 Procent und 1850 16,5 Procent. Der Fortschritt der Produktion entfällt demnach auf das Roheisen. Von der gesammten Rohstahleisenerzeugung des Zollvereins kamen 1850 auf den Bergamtsbezirk Siegen allein 79 Procent. Von der Gesammterzeugung der Hochöfen wurden erblasen bei CoakS oder gemischtem Brennmaterial? 1834 . . . 120,000 Ctr. oder 4,5 pCl. 1842 . . . 369,000 - - 10,8 - 1850 . . . 765,000 - - 17,7 - Für 1851 lassen sich 900,000 Centner annehmen. Die Coakseisenerzeugung fallt fast ausschließlich auf Preußen. Vorhanden sind gegenwärtig im Zollverein gegen 402 Hochöfen und 63 Blauöfcn, von denen indeß selten mehr als ^ gleichzeitig in Betrieb stehen. 1850 gingen 40 bis 42 Hochöfen auf Coaks oder gemischtes Brennmaterial. So weit sich die Produktion von 1851 abschätzen läßt, dürfte dieselbe das Jahr 1847 nicht unbedeutend überschritten und das Quantum von 4,700,000 Centner erreicht haben, worunter gegen 900,000 Centner oder 19 Prozent Coaksroheisen. Z. 25. Wir rekapituliren in der Kürze auch die Erzeugnisse der auf die Weiterverarbeitung des Roheisens gegründeten Industrien. Neber die Erzeugung von Gußwaaren aus Roheisen fehlen von vielen Staaten die genaueren Nachweise, insbesondere aus früheren Jahren. Wir stellen sie im Folgenden mit der Produktion von Hochofengußwaaren zusammen, wie dieselben bereits im vorigen Paragraphen, als zur Eisenproduktion im engern Sinne gehörig, angegeben sind. Für 1834 kann allerdings die Schätzung keine sehr genaue sein, wie denn überhaupt die Statistik der Gußwaaren aus Roheisen mangelhafter ist, als die irgend eines andern Zweiges der Eisenindustrie. Gußwaarcn aus Gußwaaren aus Roheisen. Erzen. Summa. a. 135,000 Ctr. 480,000 Ctr. 615,000 Ctr/) ' Iz. 150,000 - 600,000 - 750,000 - 1842 ..... 450,000 - 699,208 - 1,149,208 - 1847 ..... 810,000 - 878,115 - 1,688,115 - 1850 ..... 719,000 - 709,916 - 1,428,916 - Auf Preußen entfiel 1850 ein Antheil auö der Gußwaarenerzeugung aus Roheisen von 81 Procent. In Preußen über- :>. ist die Produktion des Zollvereins in seinem damaligen Umfange, Ii. die Produktion sämmtlicher Staaten, die seit 1842 den Verein in seinem jetzigen Umfange bilden. 7* — 100 — wiegt die Cnpolofengießerei bedeutend; allein die Mehrproduktion der übrigen Staaten an Hochofengußwaaren gleicht dies wieder aus, so daß gegenwärtig die Erzeugung beider Branchen sich das Gleichgewicht hält. Ein ferneres Fortschreiten ist indeß nur bei den Gußwaaren aus Roheisen zu erwarten. An Betriebsvorrichtungen für die Eisengießerei waren 1849 gegen 297 Kupolöfen, 136 Flammöfen und 70 Tiegelöfen vorhanden. Der Antheil der aus ausländischem, insbesondere grauem schottischem Roheisen dargestellten Gußwaaren ist mit ziemlicher Genauigkeit auf ^ bis ^ anzunehmen. Ueber die Stabeisenproduktion des Zollvereins, worin das inländische und das eingeführte ausländische Roheisen ihre Hauptverwendung finden, stehen uns wenigstens etwas genauere Angaben zu Gebot, als über den Gießereibetrieb, und wo die mangelnden Mittheilungen durch Schätzung ergänzt werden mußten, kann deren allenfallsige Abweichung von der wirklich stattfindenden Produktion die Bedeutung der Gesammtzahlen nicht wesentlich beeinträchtigen. Stabeisenproduktion des Zollvereins. Staaten. 1834. Ctr. 1842. Ctr. 1847. Ctr. 1850. Ctr. 1. Preußen. . . 950,000 1,541,462 3,081,043 2,534,018 2. Baiern. . . . 180,000 250,000 300,000 283,636 3. Sachsen . . . 40,000 46,042 44,067 80,000 4. Würtemberg. 50,000 60,000 75,000 70,000 5. Baden. . . . -65,902 84,239 100,438 80,000 6. Churhessen. . 28,465 33,609 42,988 42,000 7. Großh. Hessen 50,000 70,000 80,000 90,000 8. Braunschweig »30,000 27,679 32,654 35,000 9. Nassau. . . . * 25,191 47,800 57,161 61,200 10. Luremburg. . * 30,000 46,060 70,000 43,200 11. Thüringen. . 40,000 40,000 45,000 40,000 12. D.übr.Gebicte 45,000 60,000 75,000 70,000 Zollverein 1,383,465 I rem. ' ib, 1,534,558 2,306,891 4,003,351 3,429,054 — 101 — Es ist klar, daß diese Quantitäten nicht bloö aus inländischem Roheisen dargestellt sein können. Es wurden 1850 an Roheisen im Inland produzitt. ................... 3.470,399 Ctr. Dazu vom Ausland eingeführt...... 2,217,726 - also in Summa . . . 5,688,125 Ctr. Daraus wurden dargestellt: Gußwaaren aus Roheisen........... 719,000 Ctr. Gefrischtes Eisen.....'........... 3,429.054 - Summa . . . 4,148,054 Ctr. Dazu waren erforderlich gegen 5,390,000 Centner Roheisen. Gegen 300,000 Centner waren in diesem Jahre, in Erwartung einer Erhöhung der Zölle auf belgisches Eisen, zu viel eingeführt worden; mit Berücksichtigung dessen gleichen sich beide Summen aus. Der Antheil der einzelnen Staaten an der Stabeiscnproduk- tion des Zollvereins im Jahre 1847 betrug: 1. Preußen........ 77,» pCt. 2. Baiern........ 7,ö - 3. Sachsen........ 1,1 - 4. Würtemberg..... 1,» - 5. 2,5 - 6. Churhessen...... 1,1 - 7. Großherzogth. Hessen. 2,o - 8. Braunschwcig..... 0,8 - 9. Nassarl......, . 1,4 - 10. Luxemburg...... 1,7 - 11. Thüringen...... 1,1 - 12. Die übrigen Gebiete . 1,9 - 100 pCt. Preußens Antheil betrug: 1834 ...... 62,1 pCt. 1842 ...... 67,0 - 1847 ...... 77,o - 1850 ...... 73,9 - Das bedeutende Steigen bis 1847 und das verhältnißmäßig stärkere Fallen seit 1848 erklärt sich aus dem Stocken der Eisenbahnbauten, welches hauptsächlich die preuß. Puddlingwerke berührte. — 102 — Abstrahiren wir von den verhältnißmäßig geringen Quantitäten, die zwar im Wege der Puddlingsrischerei, nicht aber bei Steinkohlenfeuerung, sondern bei Holz, Torf, Braunkohlen, Gasen u. s. w. dargestellt sind, und halten nur die beiden Kategorien der Holzkohlen- und Steinkohlenfrischerei fest, so scheidet sich hiernach die Produktion folgendermaßen: Bei Holzkohlen Bei Steinkohlen gefrischt. gcpuddelt. 1834 . . . 1,284,558 Ctr. 250,000 Ctr. 1842 . . . 1,677,451 - 629,440 - 1847 . . . 1,725,121 - 2,278,230 - 1850 . . . 1,644,126 - 1,784,928 - Das bei Holzkohlen gefrischte Stabeisen bestand bis auf unbedeutende Quantitäten aus inländischem Holzkohleueisen; das Puddlingeisen dagegen wurde bisher mehr als zur Hälfte aus ausländischem Coaksroheisen dargestellt. Der Antheil der Steinkohlenfrischerei an der gesammten Stabeisenproduktion betrug demnach: 1834 ...... 16,z pCt, 1842 ...... 27,4 - 1847 ...... 56,7 - 1850 ...... 52,5 - Der Antheil Preußens an der Steinkohlenfrischerei betrug: 1834 ...... 100 pCt. 1842 ...... 97 - 1847 ...... 95 - 1850 ...... 90 - Von dem bei Steinkohlen gefrischten Quantum sind 1850 über 300,000 Ctr. in Puddlingöfen mit Kleinfeuern und Hammerwerken verbunden (metlwclö ckampenoise) dargestellt; das übrige ist Walzeisen. Auf die mit Holz, Torf, Braunkohlen oder Gasen betriebenen Puddlingöfen dürfte für 1850 ein Quantum von 50,000 Ctr. zu rechnen sein. Die Zahl der 1850 in Betrieb befindlichen Frischfeuer betrug gegen 878-), der Puddlingöfen 250. Ueberhaupt sind *) Hierbei ist ungefähr ^ der in den preußischen und baicrischcii Listen angegebenen Zahlen für die einbegriffen?» Reck- »nd Klcinfcner in Abzug gebracht. — 103 — etwa an Frischfeuern 1300 und an Puddliugofen 360 vorhan- den; die Zahl der außer Betrieb befindlichen ist also sehr bedeutend. Die Blechproduktion des Zollvereins betrug im Jahre 1850 gegen 303,000 Ctr., wovon 76 pCt. auf Preußen fallen. Die Wcißbl echproduktion ist in vorstehenden Angaben mitbegriffen; sie beschränkt sich fast ausschließlich auf die oben §. 11. bei Preußen angeführten Quantitäten. Die Drahterzeugung betrug 18S0 gegen 212,000 Ctr., wovon 91 pCt. auf Preußen fallen. An Rohstahl wurden 1850 erzeugt: 127,200 Ctr., wovon 89 pCt. in Preußen. Hierunter befindet sich eine kleine Quantität Cementstahl. Faßt man schließlich die Produktion aller außer-preußischcn Vereinsstaaten zusammen, so verhält sich hierzu, in Prozenten ausgedrückt, der Antheil Preußens im Jahre 1850 folgendermaßen: Preußen. Die übrig. Staate». Hochofenproduktion...... 61 pCt. zu 39 pCt. Gußwaaren aus Roheisen... 81 - - 19 - Gefrischtes Eisen....... 74 , - 26 - Blech............. 76 - - 24 - Draht............. 91 « - 9 - Rohstahl. ........... 89 - - 11 - Anzahl der in der veremsländischen Eisenindustrie beschäftigten Arbeiter. K. 26. Im Folgenden versuchen wir eine Berechnung der in der veremsländischen Eisenindustrie beschäftigten Menschenzahl zu geben. Wir wählen zum Anhaltspunkt das Jahr 1847, wo seither die stärkste Eisenproduktion statt fand. Zuerst haben wir es mit der eigentlichen Eisengewinnung, der Hochofenproduktion, zu thun. In Preußen, wo die Zahl der beschäftigten Berg- und Hüttenarbeiter in den amtlichen Nachweisen vermerkt wird, betrug dieselbe in dem genannten Jahre: « — 104 — Eisensteingewinnung .... 10,210 Arbeiter. Roheisengewinnung .... 4,225 - -) Rohstahleisengewimnmg . . 78 - Gußwaaren auö Erzen . . . 5,077 - Summa . . 19,580 Arbeiter. Zu dieser Zahl der direkt Beschäftigten gehören aber noch: erstens die zum Schlagen und Kohlen des Holzes, beziehungsweise zum Fördern der Steinkohlen, und zweitens die zum Anfahren der das Gewicht des Roheisens um das 4 bis 7 fache übersteigenden Erze, Zuschläge und Brennmaterialien verwandten Arbeiter; außerdem das Nerwaltungspersonal. Angaben hierüber sind in den amtlichen Nachweisen nicht enthalten. Man kann deren Anzahl ungefähr der direkt bei der Eisensteinförderung beschäftigten Arbeiterzahl gleichstellen, wodurch sich also obige Summe auf mindestens 30,000 Seelen vermehrt. Vielleicht noch richtiger wird man aus dem in dem Werthe der Hochosenvroduklion enthaltenen Arbeiterlohn auf die Zahl der Arbeiter schließen können. Nach genauen Berechnungen von Ober- Bergrath Lossen und H. Klein sind in dem Preise des Centners Roh - und Gußeisen 74,43 pCt. Arbeitslöhne enthalten. Nun betrug nach den amtlichen Angaben der Werth der Hochosen- produktion von 1847: 6,518,461 Thlr.; der Arbeitswerth stellt sich also nach obigem Prozentsatz auf 4,852,029 Thlr. Da man nun mit ziemlicher Sicherheit 140 Thlr. jährlichen Lohn auf einen direct bei den Gruben oder Hütten beschäftigten Arbeiter rechnen kann, so ergiebt sich durch Diviston die Zahl von 34,657 Menschen; also 4,657 mehr als nach unserer Annahme, Wir halten gleichwohl die niedrigere Zahl fest, welche die untere Grenze der in Wirklichkeit bei der eigentlichen Eisengewinnung beschäftigten Menschen angeben dürfte. Die Hochofenproduktion des Jahres 1847 betrug 2,680,318 Centner; es kamen mithin auf einen Arbeiter 89 Ctr. jährlicher *) Da in den Hütten, die auf Roheisen und auf Gußwaaren gehen, die Zahl der Arbeiter nicht dein entsprechend getheilt ist, so kaun hier uur der Summe der bei den Hochöfen beschäftigten Arbeiter eine Bedeutung zukomme». Mitgetheilt in der Broschüre: „Die Eisenindustrie Preußens. Berlin 1S50" S. 17. — 105 — Erzeugung von Roheisen, Nohstahleisen und Gußwaaren aus Erzen. Was die übrigen Staaten betrifft, so sind nur von wenigen genauere Nachweise vorhanden. Baiern führt seit 18^ die amtlichen Listen genau nach dem preußischen Schema. Darnach waren beschäftigt: Eisensteingewinnung . . . 1,077 Arbeiter Hochofenbetrieb...... 3.086 - Summa . . . 4,103 Arbeiter. Bei der Eisensteingewinnung ist zu berücksichtigen, daß der größte Theil der in der Pfalz verhütteten Erze aus Nassau kommt; desgleichen führt Würtemberg Erze nach Altbaiern. Andererseits ist aber auch in obigen Zahlen ein Theil der bei den Kupolöfen und Frischfeuern beschäftigten Arbeiter einbegriffen. Unter Berücksichtigung dieses Verhältnisses und Hinzurechnung der in den Holzkohlen, Fuhren, Zuschlägen u s. w. enthaltenen Arbeitslöhne, läßt sich die Gesammtzahl auf 5,500 Arbeiter annehmen. Da nun die baierschen Hochöfen im betreffenden Jahrgange 317,714 Centner produzirten, so kommen auf einen direkt beschäftigten Arbeiter 57 Centner. — Für 1847 sind im Verhältniß der Mehrproduktion gegen 18^: 7,000 Arbeiter anzunehmen. Aus Sachsen liegen uns die Mittheilungen der Königl. Bergakademie Frciburg von 1849 vor, welche mit großer Genauigkeit auch die Holzhauer, Köhler, Fuhrleute u. s. w. umfassen. Die Gesammtzahl ergiebt 4,069 direkt beschäftigte Arbeiter, worunter indeß auch diejenigen mitbegrifsen sind, welche auf den zum Hochofenbetriebe konzessionirten Werken zur Weiterverarbeitung des Roheisens verwendet werden, und wofür den Nachweisen zufolge im Marimum 1,569 in Abzug zu bringen sind. Auf die Holzhauer, Köhler u. f. w. kommen 562, auf das Ansahren der Rohmaterialien 541*), auf die Cisensteingewinnung 1,026 Arbeiter und Officianten. Bei 2,500 Menschen auf die Hochofenproduktion jenes Jahres, die 130,320 Centner betrug, kommen 52 Centner jährlicher Produktion auf einen Arbeiter. — Die Erzeugung von 1847 steht der von 1849 so nahe, daß der Unterschied unberücksichtigt bleiben kann. *) Das Verhältniß der Köhler, Fuhrleute u. s. w> ist also hier noch stärker als wir bei Preußen und Baiern annahmen. — 106 — Die verhältnißmäßig stärkere Arbeiterzahl Sachsens und BaiernS im Vergleich zu Preußen und Würtemberg erklärt sich ganz natürlich durch den mehr zersplitterten und nur ausnahmsweise in großartigen Bergwerks- oder Hüttenanlagen konzentrirten Betrieb. Die geringere Produktion der einzelnen Hochöfen (s. 8Z. 13. u, 14.) steht hiermit ganz im Verhältniß. In Sachsen kommt außerdem der starke Antheil der Gußwaaren aus Erzen an der Hochofenproduktion hinzu; übrigens spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß in Preußen die Annahme der Arbeiterzahl von 30,000 etwas zu gering gegriffen ist. In Würtemberg waren 18^ bei den Königl. Gruben und Hütten 1,040 Arbeiter beschäftigt. Nach dem bei Sachsen stattfindenden und bei Preußen angenommenen Verhältniß ist diese Zahl durch Köhler, Fuhrleute u. s w. auf 1,500 zu erhöhen. Nach der Produktion jenes Jahres von 154,027 Ctr. macht dies auf einen Mann 103 Ctr, jährlich, also noch mehr als in Preußen und fast doppelt soviel als in Baiern und Sachsen, was auch mit der hohen Produktion der würtembergischen Hochöfen und der Leichtigkeit, mit der die Erze dort gewonnen werden, in Uebereinstimmung ist. Rechnen wir nun für die Produktion der übrigen Staaten, über deren Arbeiterzahl uns die Angaben fehlen, im Durchschnitt 60 Centner aus einen Mann, so ergiebt dies auf 1,189,288 Centner 19,800 Arbeiter. Wir haben also für den ganzen Zollverein: Preußen....... 30,000 Arbeiter Baiern........ 7,000 - Sachsen........ 2.500 - Würtemberg...... 1,500 - Die übrigen Staat en . 19,800 - - Summa. . . 60,800 Arbeiter, welche bei der eigentlichen Eisengewinnung direkt und ständig beschäftigt wurden. — Berechnet man die Arbeiterzahl nach dem oben angeführten Satz von 75 pCt. Arbeitslohn vom Werthe der Hochofenproduktion, der nach Analogie der preußischen Werthangaben im Jahre 1847 für den ganzen Verein 11,140,000 Thlr. betrug, so ergiebt sich eine Gesammtzahl von 60,000 Menschen — 107 — (für Preußen allein kam die Zahl verhältnißmäßig höher), was mit obigem Resultat fast ganz genau übereinkommt. Die Familien der Berg- und Hüttenleute bestehen nach den Preußischen Listen aus ungefähr 3^, nach den baierschen aus 3^ Personen. Man wird indeß 4 Personen, den Durchschnitt der Familien in Deutschland, rechnen können, da die Zahl der ganz jungen Leute beim Bergbau und Hüttenbetrieb, Köhlerei, Fuhrwesen ic. verhältnißmäßig geringer ist, als fast bei allen andern Gewerben. Hiernach fanden im Jahre 1847 im Zollverein 243,200 Menschen ihren direkten Unterhalt durch die Eisengewinnung. Für Ermittelung der Zahl von Arbeitern, welche mit der Weiterverarbeitung von Roheisen zu Gußwaaren, Stabeisen, Stahl, Blech und Draht beschäftigt sind, besitzen wir nur in den preußischen Listen Anhaltspunkte; in den baierschen sind sie nicht genau von den Hüttenarbeitern getrennt. Uebrigens kommen hier auch keine solche Verschiedenheiten der auf ein Individuum entfallenden Produktion vor, als bei der eigentlichen Eisengewinnung, wo in der Förderung der Eisensteine, in den Frachten, in der Art des Hochofenbetriebs (auf Gußwaaren oder Roheisen) u. s. w., die außerordentlichsten Abweichungen begründet sind, so daß sich die höheren Produktionskosten eines Distriks gegen den andern oder gegen das Ausland sast vollständig in die einer größeren Arbeiterzahl zu zahlenden Mehrbeträge an Arbeitslohn auflösen. In Preußen waren 1847 lautden amtlichen Uebersichten direkt beschäftigt: bei Gußwaaren aus Roheisen . 4,744 Arbeiter Hierunter sind nun weder die zur Beschaffung der Brennmaterialien (Holz- oder Steinkohlen), noch zu den Fuhren der Kohlen und des zu verarbeitenden Eisens verwandten Arbeiter berücksichtigt, wodurch sich obige Summe wie bei der Eisengewinnung noch um etwa die Hälfte, also auf 28,300 ") erhöht. ") C> Losscn und H. Klein rechnen in der oben erwähnten Broschüre auf Stabeisen-, Blcch- und Rvhstahlfabrikation im Jahr 1847 2KF40 Arbeiter, also zuzüglich der in den Gußwaarcn beschäftigten ans etwa 32,W!Z Arbeiter. Stabeisen Blech. . Draht . Rohstahl 11,604 - 625 - 1,266 - 658 - Summa .... 18,897 Arbeiter. Ä Wir können diese Verhältnisse für die ganze Vereinsländische Produktion festhalten; nur beim Stabeisen muß man rechnen, daß in den außerpreußischen Vereinsstaaten die Arbeiterzahl verhältnißmäßig um mindestens ^ größer ist, weil in Preußen die Steinkohlen frischerei und der Walzwerkbetrieb überwiegen, in den übrigen Ländern dagegen die eine weit größere Menschenzahl in Anspruch nehmende Holzkohlenfrischerei und die Hammerwerke. Im Jahre 1847 sind hiernach für die Weiterverarbeitung des Roheisens zu Gußwaaren, Stabeisen, Blech, Draht und Rohstahl an direkt beschäftigten Arbeitern anzunehmen: in Preußen.......... 28,300 in den übrigen Staaten. . . . 9,300 Summa . . 37,600 Für die Fabrikation von'Klein-, Zain-, Schmiedeeisen (insoweit sie nicht beim Stabeisen einbegriffen war), so wie von Raffi- nir- und Gußstahl, können wir noch im Ganzen eine Zahl von 7,400 Menschen hinzurechnen, wonach also auf die Eisenfabrikation, ausschließlich der Eisengewinnung, 45,000 Arbeiter kommen. Die Familienglieder eingeschlossen, erhöht sich diese Summe auf 180,000 Seelen. Für die Eisenindustrie im engeren Sinne (also mit Ausschluß der gesammten Weiterverarbeitung des Stabeisens, Blechs, Drahts, Stahls zu Eisen- und Stahlwaaren, Maschinen u. s. w.), ergiebt sich also zusammengenommen im Zollverein eine direkt beschäftigte Arbeiterzahl von 105,800 Seelen im Jahre 1847. Zuzüglich der Familienglieder sind es demnach 423,200 Menschen, die ihren Lebensunterhalt aus der Eisenindustrie ziehen; es macht dies 1,43 pCt. der vereinsländischen Bevölkerung aus. Dabei ist zu bemerken, das; alle Angaben auf der untersten Grenze gehalten sind und die Wahrscheinlichkeit für eine noch größere Zahl spricht. Seit 1848 hat, wie die obigen Nachweise (§§. 24. u. 25.) ergeben, fast in allen Zweigen der Eisenindustrie eine bedeutende Abnahme der Produktion, folglich auch der Arbeiterzahl, stattgefunden. In Preußen führen die Listen für die Eisenindustrie, soweit sie statistisch beobachtet wird, folgende Zahlen der Arbeiter und ihrer Familienglieder auf: 1847 . . . 103,660 Personen 1848 . . . 95,893 - oder 7,767 weniger als 1847 — 109 — 1849 . . . 88,812 Personen oder 14,848 weniger als 1847 1850 . . . 95,799 - - 7,861 - - — Nach den oben stattgehabten Erörterungen vergrößerte sich die wirkliche Zahl der außer Beschäftigung Gekommenen noch um etwa 50 Prozent (Köhler, Steinkvhlcnbergleuie, Fuhrleute u. s. w.), hat also 1849 über 22,000 betragen. Erst 1851 dürfte die Zahl von 1847 wieder erreicht worden sein. Der wirkliche Schaden an Verminderung der jährlichen Gütererzeugung und deS Einkommens der arbeitenden Klassen ist indeß noch weit größer, als das Verhältniß der gänzlich außer Beschäftigung gekommenen andeutet. Versuchen wir in der Kürze eine Berechnung. Im Durchschnitt der 3 Jahre 1848 — 1850 lassen sich annehmen die Preise von Roheisen zu 1 Thlr. 17-^ Sgr., Nohftahl- eisen zu 2 Thlr. 15 Sgr. und Hochofengußwaaren zu 3 Thlr. 5 Sgr. pr. Centner. Nach dem Verhältniß der von jeder einzelnen Gattung dargestellten Quantitäten läßt sich die Prodnction der Hochöfen im Durchschnitt zu 1 Thlr. 22^ Sgr. pr. Centner veranschlagen. — Der Preis des Stabeisens ist pr. Centner zu 4 Thlr. anzunehmen. Da es sich hier indeß um Berechnung der durch die Weiterverarbeitung geschaffenen Werthe handelt, so muß der Preis des darin enthaltenen Roheisens (jedoch ohne Frachtbeträge) in Abzug kommen, wornach für den Centner Stabeisen nur etwa 2 Thlr. als Aequivalent der Werthvermehrung durch die Arbeit übrig bleiben. In ähnlicher Weise berechnen wir nach Abzug des Werths des verwandelten Roh- resp. Stabeisens für Gußwaaren aus Roheisen 3 Thlr., für Blech 3 Thlr., für Draht 3^ Thlr. und für Rohstahl 4 Thlr. pr. Centner. Wenn die Produktion von 1848, 1849 und-1850 auf der Höhe von 1847 blieb, so wäre in jenen drei Jahren mehr erzeugt worden als wirklich geschah: an Roheisen u. s. w....... 1,217,754 Ctr. - Gußwaaren aus Roheisen . 650,000 - - Stabeisen.......... 3,163,000 - - Blech............ 296,000 - - Draht ........... 47,000 - ^ - Stahl............ 41,000 - » — 110 - Diese Mindererzeugung*) repräsentirt folgende Verminderung des nationalen Einkommens in jenen drei Jahren: bei der Produktion der Hochöfen . 2,131,069 Thlr. - Gußwaaren aus Roheisen. . . 1,350,000 - - Stabeisen........... 6,326,000 - - Blech............. 888,000 - - Draht............. 164,500 - - Stahl.............. 164.000 - Summa . . . 11,623,569 Thlr. Hierbei ist noch von der Verminderung des Werthes ab- strahirt, welchen die Verfeinerung des Frischeisens und Stahls zu Kleineisen, Naffinirstahl u, s. w. darstellt und die sür jene 3 Jahre auf mindestens 2 Millionen Thaler zu veranschlagen ist, wodurch sich also die Summe des verminderten Einkommens auf etwa 13,623,000 Thaler oder für 1 Jahr auf 4,541,000 Thaler erhöht. Nimmt man an, daß in dem Werth der Hochosenvroduktion 75 Prozent Arbeitslöhne enthalten sind, sowie in den Gußwaaren, im Stabeisen, Blech, Draht und Stahl durchschnittlich 33^ Prozent des Werthes oder 66^ Prozent der durch vorstehende Rechnung dargestellten Werthsvermehrung, so berechnet sich der Verlust an Löhnen, welchen die Berg- und Hüttenarbeiter (also die Eisen- und Stahl Waarenfabrikation ausgeschlossen) in den 3 Jahren 1848 bis 1850 erlitten haben, auf nicht weniger als 9,259,600 Thlr-, oder auf 1 Jahr 3,086,533 Thlr.! Wenn eine solche Verlustsumme auf eine Arbeiterzahl entfällt, die nur 1,43 Prozent der Bevölkerung des Zollvereins beträgt, so läßt sich ein Schluß ziehen, wie enorm der Gesammt- verlust der nationalen Erwerbskräfte gewesen sein muß. Allerdings ward die Eisenindustrie verhältnißmäßig stärker betroffen, als vielleicht irgend ein anderer Erwerbszweig. Allein der relative Verlust ist vielleicht noch weit größer. Denn ohne die Ereignisse von 1848 dürfte die Eisenproduktion nicht blos auf der Höhe von 1847 geblieben sein, sondern sich ") Für Draht rechnen wir nur die Mindererzengung von 1848 und 184V, da das Quantum von 1850, des Bedarfs für Telcgravhendrähte wegen, die Prodnktion von 1847 überstieg. — 111 — vielleicht noch um soviel weiter ausgedehnt haben, als sie nun geringer geworden ist. Der wirkliche Verlust für die arbeitenden Klassen, zuzüglich des entgangenen Mehrgewinns, beträgt also in den genannten 3 Jahren vielleicht das Doppelte obiger Summe. Dies ist der Erfolg gewesen, den die Revolution von 1848 für unsere Eisenarbeiter gehabt hat! Er ist um so mehr zu beklagen, als die Berg- und Hüttenleute überall den revolutionären Unternehmungen fern geblieben sind. Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, auch dem belgischen Vertrag vom 1. September 1844 einen Theil der Schuld an der traurigen Lage unserer Eisengewerke und Arbeiter aufzuladen. In den 3 Jahren 1848 bis 1849 sind noch gegen 6 Millionen Centner Eisen und Eiscnsabrikate aus dem Ausland eingeführt worden, wovon fast die Hälfte aus Belgien. Waren die Normalzollsätze auf Roh- und Stabeisen auch sür Belgien in Kraft, so wurde ein guter Theil jener Einfuhrmengen durch die inländische statt durch die ausländische Arbeit dargestellt und der Nothstand unserer Eisenindustrie konnte eine solche Höhe nicht erreichen. Eisenemfuhr des Zollvereins. §. 27. Die Verhältnisse der Eise nein fuhr haben sich seit Begründung deö Zollvereins bedeutend verändert, und zwar in der Richtung einer außerordentlichen Vermehrung der Bezüge ausländischen EisenS. Zwei Ursachen wirkten hierbei zusammen: der durch die Eisenbahnen in außergewöhnlichem Verhältniß steigende Eisenverbrauch und die sinkenden Preise des ausländischen, namentlich englischen und belgischen Eisens. Bei dem Zusammenhang dieses Gegenstandes mit der im zweiten Abschnitt behandelten Zollfrage, beschränken wir uns hier darauf, die Stati- stick der stattgefundenen Eingangsverzollung den amtlichen Kom- merzialnachweisungen gemäß, mitzutheilen. Es ist dabei zu bemerken, daß von 1834 bis 1839 der preußische Centner a 110 Pfund, von da ab aber der Zollcentner ü 106,g Pfund den Verzollungslisten zu Grunde liegt. — 112 — Eingangsverzollung fremden Eisens im Zollverein. Jahr. Roheisen. Stabeisen, Schienen und Stahl. spN5, k, Klein- und Fasonciscn, Blech, Draht >c. Gußwaaren. c,m-.6. s.i., Grobe Eise«- und Stahlwaaren. s>>N5. «, s. 2.1 FeineEi- sen- und Stahl- waarcn. lsws.k,^,) 1834 207,203 143,433 16,628 26,123 10,663 1,887 1835 211,700 135,367 21,328 14,332 11,688 1,842 1836 95,876 173,742 20,800 30,267 15,224 2,138 1837 153,821 156.452 23,577 28,359 18,948 2,270 1838 277,058 377,217 31,261 43,403 27,876 2,306 1833 301,451 340,287 38,661 32,236 33,227 2,320 1840 735,314 437,074 47,111 42,700 34,946 2,866 1841 336,373 554,034 49,521 30,016 28,373 2,890 1842 1,135,325 333,538 53,3S3 28,584 30,430 3,378 1843 2,658,555 384,038 75,106 40,715 32,702 3,943 1844 1,416,348 1,517,883 60,203 38,146 33,144 3,662 1845 427,430 382,636 86,189 50,730 41,330 3,822 184k 1,577,716 1,025,087 120,292 43,734 42,160 3,715 1347 2,238,705 1,044,818 143,823 43,673 43,206 3,864 1848 1,424,300 633,926 68,800 32,378 23,038 7,929 1843 823,833 162,046 36,745 22,668 17,926 6,269 1850 2,217,726 137,773 81,357 32,982 21,995 4,886 Anmerk, In den 3 Jahren 1334 bis 1836 ist das Kleineisen (jetzige pos. 6. e.) uuter dem Stabeisen (pos. 6. l>.) mit aufgeführt. Die in der 2. Col. angegebenen Quanta sind demnach in jenen Jahren um 10 bis 14,000 Ceutner zu hoch, in der 3. Col. zu niedrig angeführt. Mit Ausnahme einer von jährlich 10 bis 40,000 Centnern wechselnden Quantität von Holzkohlen-Roheisen aus Russisch- Polen und 5 bis 10,000 Centner, die im Grenzverkehr aus Ga- lizien, Oesterreich und der Schweiz importirt werden, so wie von etwas schwedischem Roheisen, besteht die Roh eise neinfuhr auS britischem und belgischem Steinkohlen- und Coakseisen. Ersteres kommt zu ungefähr ^ aus Schottland und ^ aus Wales, während wir aus Staffordshire und Norkshire wohl Stabeisen aber kein Roheisen beziehen. Von der Einfuhr aus Großbritannien ist ungefähr die Hälfte graues Roheisen, welches in allen Theilen deö Zollvereins, meistens jedoch in der Rhemprovinz, — 113 — Brandenburg, Pommern und Preußen, unter Zusatz inländischen Roheisens oder Brucheisens durch Nmschmelzung im Cupol- oder Flammofen zu Gußwaaren oder Maschinentheilen verbraucht wird. Die andere Halste, halbirtes, weißeö und raffinirtes Roheisen, wird auf den Puddlingwerken von Rheinland und Westphalen zur Stabeisenfabrikation verwandt, in der Regel mit Zusatz inländischen Holzkohleneisens. Die Roheiseneinfuhr aus Belgien hat seit dem Vertrag vom 1. September 1844 und zwar hauptsächlich in Folge der darin stipulirteu ermäßigte» Eisenzölle in bedeutender Progression zugenommen. In der zweiten Abtheilung dieser Schrift werden diese Verhältnisse genauer besprochen werden, weshalb wir dieselben hier verlassen. Die Einfuhr von Stabeisen und Eisenbahnschienen findet zum größten Theil aus England, insbesondere aus Wales, statt. Die außerordentliche Steigerung der Einfuhr von 1841 bis 1847 kommt zum größten Theil auf Rechnung von Eisenbahnschienen; sie hat seitdem aber fast ganz aufgehört, da die inländischen Walzwerke jetzt weit mehr als den Bedarf zu liefern vermögen. Die Einfuhr aus Belgien ist nur in den 4 Jahren 1844 bis 1847 gelegentlich einiger Schienenlieferungen von Bedeutung gewesen. Auch aus Schweden geht etwas Stabcisen in die östlichen Provinzen Preußens ein. Von Stahl werden bedeutende Quantitäten importirt, zum Theil aus englischem (Sheffielder) Gußstahl, zum Theil aus stei- rischem Schmelzstahl bestehend; von letzterer Sorte geht auch einiges aus Schweden ein. Leider hält unsere Statistik den Stahl nicht vom Stabeisen getrennt. Die Gesammteinfuhr ist durchschnittlich auf 40 bis 50,000 Centner im Jahr anzunehmen. Auch iu Kleineisen, Fayoneisen, Blech, Draht u. s. w, kommt fast der ganze Import aus Rechnung Englands. Das bedeutende Steigen der Einfuhr in ven Jahren 1843 bis 1847 hängt mit den Eisenbahnbauten zusammen; es wurden damals namentlich viele Tyres (Radkranzeisen) und Achsen eingeführt. Von Blech gehen starke und große Kesselbleche, dann Gußstahlbleche und Weißbleche ein; in Draht meistens feine Sorten, insbesondere Kratzendraht, Stahldraht für Nähnadelfabrikatiou, Klaviersaiten u. s. w. 8 — 114 — Die Einfuhr von groben Gußwaaren besteht meistens aus Maschinentheilen. Obgleich die Maschinen im Tarif unter der folgenden Position ausgeführt sind, werden doch alle gußeisernen Theile als grobe Gußwaaren verzollt, wobei auch ein guter Theil schmiedeeiserner Theile, die an dem Guß befestigt sind oder für Gußeisen geHallen werden, mit unterläuft. Die eingeführten Maschinen sind Lokomotiven, Werkzeugmaschinen, Maschinen für Spinnerei und Weberei, Krahnen, Papiermaschinen, dann Dampfund Schiffsdampsmaschinen, von welchen letzteren indeß ein großer Theil in Folge der Stromschifffahrts-Konventionen von Zöllen frei ist und in den Listen gar nicht als Einfuhr bezeichnet wird. Fast die Hälfte der Einfuhr kommt aus England; alsdann folgen Belgien und die Schweiz: auch aus Frankreich findet einige Einfuhr statt. An der Einfuhr grober und feiner Eisen- und Stahlwaaren ist wiederum England am stärksten betheiligt. Außer den schmiereeisernen Maschinentheilen und Dampfkesseln liefert eö uns namentlich Gußstahl- und sonstige Feilen, Rasiermesser, po- lirte Werkzeuge und HandwerkSgeräthe, Cirkulir- und Gußstahlsägen, Schneideisen und Kluppen, feine Schlösser, große Scheeren u. f. w. Aus Oesterreich (Steiermark) gehen bedeutende Quantitäten Sensen, Sicheln, Strohmesser, Ahlen, Blechlöffel u, s. w. ein. Auch Belgien, Frankreich, die Schweiz und Hannover haben ihre Spezialitäten in dieser Waarengattung, worin sie nach dem Zollverein zu erportiren im Stande sind. Die ungewöhnlich starke Einfuhr der letzten zwei Jahre bestand zum großen Theil aus Waffen und war Belgien hierbei besonders stark betheiligt. Seit 1845 enthalten die Kommerzial-Nachweisungen (obgleich nicht in dem der Oeffentlichkeit zugänglichen Theile) Zusammenstellungen der Gesammteinfuhr, nach den Grenzländern geordnet, wie wir sie hier unten folgen lassen, obgleich sich hierdurch immer nur erst mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit auf das Land der Herkunft schließen läßt. Zu bemerken ist dabei, daß die Totalsummen mit den in der vorigen Tabelle aufgeführten nicht übereinstimmen können, weil sie den Gesammt- ein gang, gleichviel ob zum Verbrauch im Zollverein oder zum Transit bestimmt, angeben, während jene Tabelle die Quantitäten — 115 — enthält, welche wirklich zum Eingang verzollt oder schließlich abgefertigt worden sind, sei es bei den Eingangs-Aemtern, sei cö aus Niederlagen u. s. w,, mit einem Worte, Waaren, die in den freien Verkehr übergegangen sind. Je nachdem also mehr oder weniger in die Entrepots gebracht oder aus denselben entnommen und verzollt oder wieder ausgeführt worden sind, wird die Summe des Gesammteingangs großer (oder auch kleiner) sein, als die Summe der in den inneren freien Verkehr übergegangenen Waaren. So ist namentlich die Gesammteinfuhr in Klcineisen, Blech, Draht, Gußeisen, Eisen- und Stahlwaarcn ganz bedeutend größer als die Eingangsverzollung und hat man also die in der vorigen Tabelle angegebenen Summen zu vergleichen. Die als Einsuhr aus Rußland und Polen bezeichneten Quanta sind sämmtlich polnischen Ursprungs. Ueber Krakau kommt auch polnisches oder galizisches Eisen. Was über die Grenze von Galizien, Oesterreichs-Schlesien, Böhmen, Oesterreich und Tyrol eingegangen, ist sämmtlich als Fabrikat des österreichischen Kaiserstaats (insbesondere Steiermarks) zu betrachten. Bei der Einsuhr aus der Schweiz ist etwas Eisen französischen Ursprungs (insbesondere Maschinen aus dem Elsaß) einbegriffen. Die Einfuhr aus Frankreich gehört lediglich der Pro> duktion dieses Landes an. Bei Belgien, das die Durchfuhr fremden Roh- und Stabeisens prohibirt hat, ist das Gleiche der Fall; nur unter den Eisenwaaren befindet sich ein Theil englischen Ursprungs. Die Einfuhr über Holland gehört dagegen in Roheisen zu bis ^ der englischen und ^ bis ^ der belgischen (via Maas und Rhein), in allen übrigen Eisensorten aber fast ausschließlich der englischen Produktion an. Mit Ausnahme von etwas Stangeneisen und Eisenwaarcn ist auch sast die ganze Einfuhr aus Hannover britischen Ursprungs; der Eingang findet meistens über Bremen statt. Die Einfuhren über Mecklenburg, die Nord- und Ostsee sind ebenfalls britischen Ursprungs, mit Ausnahme einer Quantität schwedischen Roh- und Stabeisens und Stahls, so wie einiger Eisenfabrikate, z. B. gußeiserne Geschütze. Schließlich ist noch zu bemerken, daß auch einige Einfuhr von Eisenerzen aus Frankreich, Oestreich u, s> w. stattfindet, die aber nur unbedeutend, auch in den Kommerzial-Nachweisungen nicht von den andern Erzen und Stufen (pc>s. 7.) getrennt aufgeführt ist. 8* S c?v Qv 0V m ? W L S T — 116 — Z ^ ° A Z Z L L? ^? -»MZ. ^^IU? >^^^^^-?^S^^MM^S^«)^^A'-<-A >^ KKKÄS ÄZKZÄ KSKZZ SZ^i c ^ - - ? SZIH « ^^-«^^ K^BK? Z^^Z^ ^KKZZ Z^^VZ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ s «z ^ ^ ^ K ^ " Z dS S Z - " S «zu? fco-»-» ! —1 >u?-^c^^-^<^^M^Sk?A^Z^->Zu?^^-^^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ -5u?00W5?I>I>^"?!>05^-^^^ k^.^.^^.'-< u?" ^ ^-^-^S I> -» ^< ^> ^ ^ >s ^ L " ^ ^ A 'T L S K -5 <^-«Zi^-^-o > > > ! ^>^->iu?-^ l^--o o <^c> u???c>, ^ > > ! ! ^^o^^u? AKAYA -»^-^ L GZ-?. cs> > > > > >is?^r>»^^u?-»!VQ^^u?<^^>I>Su?mc^^ M^^^.?? ^->--?ci:—-^»^ -^i -X c^u?c»z^!->»^. . c??. ^ lH ? A Ä Z ZV I " ^ Z « ' > > «) I > I ->1 ! ! ! u?u? . u?c^Ml» . ^>c^u?«Z > S >>K>> !!! ^lKZ^z^!^^!^ ^ - K^M^ »! ^ . L - ^ L Z ^ Z H LZ s ^> u? . l> ^ ^ l o-u? <^ ^ ^ u? r-->-»> 5-W ->?c^^>^> ->i -» c>i ^ c-: -» ^ S -?z «Z ^ Q uz c» , >2 ^^ ^ ^ ^> >^> ^ ^ ^ ^ ^ A A I Z A ^ ^ A ^ j ^ u^^co"^-,"^ co" ^ cx"?^-»- ao"-«"!^c'z'-s' ?^ Jahr. u?^c^«zs- u?cOt>c/Z?- u? IXIO ^ u?cs»oos- u? I> W ^ AAAAA ÄIAAA MZAAA Z> M -» Moo M «> co «c« «z M «z W M Eingang über die Grenze gegen: 1. Rußland und Polen. . > 2. Krakau.........« Schlesien und Böhmen ^ 4. Oesterreich und Tyrol . 5. Schweiz........ ^ 117 — ^^^^^^^-^^^^^^^ ^>XOl ???>?M^^A5i^Ä^ !> « -»< ->i ^ ^ ^ I^Ä-" 8 ?8 ? Ä s>z W ?^ ?^<8 IO <^ so -» ^ ^ ?^ Ä ^ ^ ? ?^ MW WWW MW WWW WWWWW WWWWW WWWWW WWWWW W'-^c-?' ^ ^ M ^ W ÄÄ ^ ÄÄ K A Ä A WWWWW e°; W ll? W ö'Z K » - .L Z Belgien . . Holland - . Hannover . Mecklenburg Die Nordsee des direkten t> «5, o- 2Z !N' ! L S -z G « K Eisenausflchr des Zollvereins. §. 28. Die Ausfuhr von Eisen und Cisensabrikaten ist in Roheisen, Stabeisen, Stahl, Blech und Draht (pos. 6. g. bis e.) bedeutend geringer, dagegen in Guß- und Eisenwaaren, namentlich in letzteren, weit stärker als die Einsuhr. Nach den Kommerzial-Nachweisungen stellt sich die Ausfuhr von Eisen vereinsländischen Ursprungs seit 1834 folgendermaßen: Eisenausfuhr des Zollvereins. ^ S ioheiscn. Stabcisen, Schienen und Stahl. Klein- und Fa^oneise», Bleeb, Draht ,c. Gußwaaren. Grobe Eisen- und Stahlwaaren. FeineEi- sen- und Stahlwaaren. l! spus. 6. >>>) 183» 18,689 34,787 7,133 28,976 87,979 12,161 1835 33,721 33,840 8,539 23,469 96,436 15,588 1836 1837 44,547 43,654 45,312 54,462 7,897 10,316 23,287 36,922 106,424 99,608 19,496 16,425 1838 32,118 46,252 13,368 37,317 88,277 11,585 1839 1840 52,862 32,543 41,110 7,046 8,208 49,092 106,699 12,321 60,570 44,502 115,804 12,115 1841 66,062 48,828 10,666 42,413 115,456 17,051 ^ 1842 78,623 42,162 10,867 34,503 91,307 11,863 1843 50,363 47,715 9,562 36,708 94,864 12,299 1844 31,821 43,372 16,297 41.953 104,209 11,303 1345 35,326 48,318 12,916 44,757 104,261 17,768 184k 32,783 48,108 17,848 49,835 97,201 20,605 1847 25,859 42,852 8,387 59,352 115,657 2l,975 1848 14,254 43,630 8,229 37,285 82,413 14,649 1849 10,553 43,860 10,331 33,751 107,596 18,515 1850 10,332 51,773 22,718 40,739 131,693 32,408 An merk. Was bei der vorigen Tabelle hinsichtlich der Rubrizirung des Klcineiscus in den Jahre» 1834 bis 1836 gesagt ist, gilt auch hier. Desgleichen die Bemerkung von der Annahme des Zoll- centuerS seit 1840. Von dem ausgeführten Roheisen gehört ungefähr die Hälfte der Produktion der angeschlossenen hannöverschen Gebietstheile (Grafschaften Hohenstein und Elbingerode) an, welches nach den Hammerwerken des Mutterlandes geht. Die andere Hälfte des im Ganzen so unbedeutenden Quantums geht nach der Schweiz (von den badischm Hüttenwerken) und Frankreich. Nach letzterem Lande wurde früher sehr viel Rohstahleisen von rheinischen und westfälischen (siegenischen) Hütten ausgeführt, was aber allmälig fast ganz aufgehört hat. Die außerordentlich hohen Einsuhrzölle auf Roheisen und Stahl und die in Frankreich bedeutend gesteigerte Cementstahlfabrikation tragen hievon die Schuld. Von den unter pos. K. !?. verzeichneten und ebenfalls sehr geringen Ausfuhrquantitäten kommt wohl nur die kleinere Hälfte auf Stab eisen, die größere aber ans rheinischen und westphä- lischen Roh- und Raffinirstahl. Das Stabeisen geht nach der Schweiz, Frankreich, Holland und Hannover; der Stahl meist nach Frankreich, etwas auch nach Belgien, Holland und Hannover. Der Umstand, daß er mit großer Härte eine außerordentliche Zähigkeit verbindet, sichert ihm, trotz der enormen Eingangszölle Frankreichs und trotz der Konkurrenz des französischen und englischen Gußstahls, immer noch einen kleinen Absatz auf dritten Märkten, der freilich sehr abgenommen hat. Das ausgeführte Kl ein eisen besteht meistens aus Nagel- und Bandeisen, die von den badischen Eisenwerken nach der Schweiz gehen. Blech und Draht gehen, jedoch gleichfalls in kleinen Quantitäten, nach der Schweiz, dem Steuerverein, den Hansestädten, Holland u, s. w. Die Ausfuhr von Gußwaaren, meistens Oefen und Pot- terien, in letzterer Zeit auch Maschinen und Maschinentheiie, geht hauptsächlich nach dem Steuerverein, Holland, Oesterreich und der Schweiz; einiges gelangt auch über die Hansestädte zum überseeischen Ervort. Von Eisen- und Stahlwaaren geht etwa die Halste der Ausfuhr nach dem Steuerverein, Holland, Belgien und der Schweiz, während die andere Hälfte theils in direktem Verkehr, theils durch den Zwischenhandel der Hansestädte, sowie der holländischen, belgischen und selbst englischen Hafenplätze nach allen Theilen der Welt versandt wird. Die Levante und Nord-Amerika sind besonders gute Abnehmer dieser Waaren, die fast ausschließlich bergischen und märkischen Ursprungs sind, namentlich von Solingen, Remscheid und Enneper Straße. Der Erport feiner Eisen- und Stahlwaaren ist im Zunehmen begriffen; bei den Waaren mittlerer Gattung ist dies weniger bemerkbar. Die Richtung der Ausfuhr von 1845 bis 1849 folgt umstehend: — 120 — « D ii: ^ « i??' «z ^ >rv ^ ov >^ « Q « L >s -v> « ^> ^ «> s « c: W r: L ^AiS c?! L X- V «-^ ^ Z sLL — L ^ TSZ-?. ^ « » « L " Z sZ S tß ^ R - T K K ^ ?! L L ««^^ -L KZ G Z ^ n ^ ^ ^ ^ L ^S >S G Z Q - Z ^ ° Z ?K ^MM."' 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Nach dem, was vorstehend über die Richtung der Aussuhr gesagt ist, bedarf es nicht erst der Erwähnung, daß von dem Erport über Belgien, Holland und Hannover ein großer Theil über See nach allen Welttheilen verführt wird. Von den Ausfuhren nach der Nordsee wird ein Theil in den Hansestädten verbraucht oder nach dem Steuerverein, Holstein und Meklenburg geführt; die Hälfte etwa geht über See. Was die Ostseehäfen ausführen, geht nach Dänemark, Schweden und den baltischen Ländern. Eisenverbrauch des Zollvereins. §, 29. Aus vorstehenden Nachweisen über Produktion, Ein- und Ausfuhr läßt sich leicht der Gesammteisenverbrauch des Zollvereins berechnen. Zu dem Ende muß die Einfuhr zur inländischen Eisenerzeugung aus Erzen fHochofenvroduktion) addirt werden, nachdem zuvor das verarbeitet eingeführte Eisen (Stabeisen, Blech, Draht, .Eisenwaaren u. s. w.) auf Roheisen redu- zirt worden ist, um zu gleichartigen Größen zu gelangen. Es bedarf keiner Erwähnung, daß es gänzlich unstatthaft ist auch die im Anlande fabrizirten Quantitäten Stabeisen, Gußwaaren zweiter Schmelzung und sonstiger Cisenfabrikaie in Rechnung zu bringen, wenn deren Rohmaterial ^ das Roheisen — bereits als inländisches Produkt oder als Einfuhr aufgeführt worden war*). ') Und doch sind uubegreiflicherweise viele, und darunter namhafte Statistiker, wie z, B, Geh. Rath Dieterici, iu diesen Fehler verfallen, indem sie das Fabrikat zu dem Rohmaterial, woraus es gefertigt ward, addiren! Ueber- dies versäumen fast alle Statistiker die Reduktion der eingeführten Eiscnfabri- kate auf Roheisen vorzunehmen; die Gewichtsunterschiede sind hier zu bedeutend, um unberücksichtigt bleiben zu können, wenn die Berechnung mir einigermaße» ans Genauigkeit Anspruch machen will. - 123 - Wir geben in Folgendem zuerst eine Berechnung des allgemeinen Eisenverbrauchs*), also derjenigen Quantität von Roheisen, welche erforderlich ist, um alle Eisenfabrikate herzustellen, deren der Zollverein zur Deckung des inneren Konsums und der Ausfuhr bedürftig ist. Es versteht sich von selbst, daß hierbei nur von der Produktion und Einfuhr der im betreffenden Jahre wirklich zum Verein gehörigen Staaten die Rede sein kann. Da derselbe nun erst seit 1842 in dem jetzigen Umfange besteht, indem Baden, Nassau und Frankfurt erst 1836, Braunschweig, Luxemburg und Lippe erst 1842 beitraten, so beginnt die Geltung der Summen als Verhältnißzahlen für das Wachsthum des Konsums eigentlich erst mit dem letztgenannten Jahr. Gesammtbedarf des Zollvereins an Roheisen für innern Konsum und Ausfuhr. n Hockofen- produktion des Zollvereins, lTab. 8. 21. Col. IZ.-,) Etr. Einfuhr vom Ausland in den Zollverein. «, Roheisen. Ar. >>. Alle übrigen Eisenfabrikatc <>>.6.b.biSS,k,Z,) i.V-rli.ioo-l-io aufRoh-iscn rcdujirl. Elr. c. Summader Einfuhr auf Roheisen redu> Zlrt. Nr. Z. Gesummt- vcdarfdeSZoll Vereins an Roheisen. lSumma von i. und 2. >-.) C«r. 1834 1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1845 1846 1847 1848 1849 1850 2,202,105 2,309,216 2,981,319 3,112,010 3,052,057 3,347,141 3,459,654 3,413,163 3,409,892 3,483,753 3,422.908 3,696,260 3,977,225 4,583,215 4,264,754 3,953,950 4,313,187 207,203 211,700 95,876 153,821 277,058 301,451 735,314 986,373 1,195,925 2,658,555 1,416,948 427.430 1,577,716 2,298,705 1,424,900 829,839 2,217,726 286,727 343,303 339,039 329,848 674,888 625,423 790,575 930,860 1,469,220 1,591,112 2,314,260 1,630.659 1,729,067 1,798,154 1,080,899 343,935 475.437 493,930 555.003 434,915 483,669 95.,946 926,874 1,525.889 1,917,233 2,665,145 4,249,667 3,731,208 2,058,089 3,306,783 4.096,859 2,505,799 1.173,774 2,693,163 2,696,035 2,864,219 3,416,234 3,595,679 4,004,003 4,274.015 4,985,543 5,330,39t 6,075,037 7.733,420 7,154.116 5,754,349 7,284,008 8,680,074 6,770,553 5,127,724 7.006.350 ") Da die Produktion stets, und auch die Ein- uud Ausfuhr von 1334 - 124 — In Prozentantheilen des Gesammtverbrauchs ausgedrückt, verhielten sich Produktion und Einfuhr folgendermaßen: Produktion. Einfuhr. 1834 ...... 82 - 18 1833 ...... 80 : 20 1836 ...... 88 : 12 1837...... 87 : 13 1838 ...... 76 : 24 1839 ...... 78 : 22 1840 ...... 70 : 30 1841 ...... 64 : 36 1842 ...... 57 : 43 1843 ...... 45 : 55 1844 ...... 48 : 52 1845 ...... 64 : 36 1846 ...... 54 : 46 1847 ...... 53 : 47 1848...... 63 : 37 1849 ...... 77 - 23 1850 ...... 61 : 39 In den Jahren 1843 und 1844 hat also die Einfuhr die innere Produktion sogar überstiegen. Die Zollmaaßregeln von 1844, verbunden mit den bedeutend gestiegenen Eisenpreisen in England, reduzirten dies Verhältniß wieder einigermaßen zu Gunsten der inländischen Produktion. In der folgenden Tabelle ist die Berechnung enthalten, wie viel Roheisen zur Befriedigung des inneren Verbrauchs im Zollverein erforderlich war; zu dem Ende mußte also das zur Ausfuhr gelangte Eisen vereinsländischer Produktion von dem Gesammteisenbedarf in Abzug gebracht werden. Wenn man überhaupt im Allgemeinen von dem Eisenconsum eines Staates spricht, so hat man dabei die Resultate von Berechnungen, wie sie in nachstehender, nicht wie sie in vorstehender Tabelle aufgestellt sind, im Auge. bis 1839, in vrenß. Centnern ä 110 Pfd., von da ab aber Ein- und Ausfuhr in Zollcentnern -> 106,9 Pfd. aufgeführt sind, so findet von 1840 bis 1830 eine kleine Nngenauigkeit statt, die aber nicht beachtenswerth ist, da ihre Berücksichtigung die Totalsummcn höchstens bis 1 Prozent verändern würde. — 125 — Verbrauch des Zollvereins an Roheisen für den inneren Bedarf. i. Gesummt- 2. Ausfuhr aus dem Zollverein. z. Noheisenvcr- bedarfdeSZoll- rereins an Roheisen. a. Roheisen. >>. Alle übrigen Eisenfabrikate Ok.d,biS6.k,3.) i.Verb, I00:IS» c. Summadcr Ausfuhr auf 'Itoheisen redn- brauch für den innern Bedarf. . (Differenz zw. 's >N (S. vor. Tab. Col ».) cp°- ° ° ' auf Roheisen reduzirt zirt. I. und 2. c.) Ctr. Ctr. Ctr. Ctr. Ctr. 1834 2,696,035 18,689 256.554 275,253 2,420,782 1835 2,864/219 33,72« 266,808 299,529 2,564,690 1836 3,416.234 44,547 303,624 347,171 3,069,063 1837 3,595,679 43,654 326,599 369,253 3,226,426 1838 4,004,003 32,118 295,198 327,316 3,676,687 1839 4.274,015 52,862 324,402 376,264 3,897,751 1840 4,985,543 32,543 361,799 394,342 4,591,201 1841 5.330,396 66,062 351,621 417,683 4,912,713 1842 6,075,037 78,623 286,053 364,676 5,710,361 1843 7,733,420 50,363 301,722 352,085 7,381,335 1844 7,154,116 31,821 325,701 356,522 6,797,594 1845 5,754,349 35,826 342,030 377,856 5,376.493 1846 7,284,008 32,788 530,396 563,184 6,720,824 1847 8,680,074 25,859 372,334 398,193 8,281,881 1848 6,770,553 14,254 279,309 293,563 6,476,990 1849 5,127,724 10,553 321,079 331,632 4,796,092 1850 7,006,350 10,332 418,996 429,328 6,577,022 An merk. Beider Einfuhr ist das verarbeitete Eise» im Verhältniß 100 :140, bei der Ausfuhr jedoch im Verhältniß 100:150 auf Roheisen reduzirt, weil diese größtcntheils aus Eiseuwaaren, jene meistens aus Stabeisen besteht, folglich zur Herstellung einer gleichen Gc- wichtSmenge der Ausfuhr mehr Roheisen verwandt worden ist, als bei der Einfuhr. In Wirklichkeit hat begreiflicherweise in den einzelnen Jahren kein solches Schwanken im unmittelbaren Verbrauch stattgefunden, wie es sich aus der Addition der Produktion und der Einfuhr ergiebt. So stellt sich z. B- der Eisenverbrauch von 1845 nur scheinbar niedriger als der von 1842 bis 1844; es waren vielmehr in diesen Vorjahren, in Erwartung der am 1. September 1844 vorgenommenen Zollerhöhung, bedeutende Quaw — 126 - titäten Roh- und Stabeisen importirt worden, die zum großen Theil erst 1844 zum wirklichen Verbrauch gelangten. Im Jahr 1848 fand aber allerdings ein so plötzliches Fallen des Consums statt, als es die Tabelle ergiebt; ja es war in Wirklichkeit noch stärker, indem die Hüttenwerke in diesem Jahre sehr stark auf Vorrath arbeiteten, der theilweis erst jetzt zum wirklichen Consum gelangt. In den folgenden Durchschnittszahlen wird sich das Verhältniß, in welchem der Verbrauch wirklich stattfand, richtiger darstellen, indem sich dabei die Schwankungen der einzelnen Jahre besser ausgleichen. Nur erscheint darnach die Konsumtion des Zeitraums 18^ noch etwas zu niedrig, und die des vorhergehenden, in welchem der bevorstehenden Zollauflegung halber viel Roheisen auf Spekulation eingeführt ward, um so viel zu hoch. Auch die Consumtion von 18^ ist in Wirklichkeit etwaö niedriger, indem die bevorstehende Erhöhung des Zolls auf belgisches Roheisen im Jahr 1830 zu einer Einfuhr über Bedarf Veranlassung gab. Für die Jahre 1834 und 1835 ist ein zweijähriger und für die folgenden ein dreijähriger Durchschnitt festgehalten. Es trifft dies sehr genau mit der Abgrenzung der verschiedenen Geschäflsperioden zusammen, die unsere Eisenindustrie seit jener Zeit durchgemacht hat. Mittelpreise; Nachfrage und Angebot im Verhältniß. Die Con- kurrenz des Auslandes wenig fühlbar. - Günstige Periode. Hohe Preise, gesteigerte Nachfrage. Normales Geschäftsverhältniß. Gegen Ende der Periode tritt die Conkurrcnz Scbotilands zum ersten Mal ernstlich hervor. Seit 1841 rasches Sinken der Preise, trotz des steigenden Consums für den Eisenbahubau; 1843 und 1844 vollständige Krisis, durch die sä'ottisckcn Preisverhältnisse hervorgerufen; tiefster Stand der Preise; enormes Steigen der Einfuhr; Einschränkung der Produktion- 1. Sept. 1844 Zollerhöhung; Steigen der eng- liftben Preise. Sehr günstige Periode; Steigen der Produktion und Consumtion; Gegen Herbst 1847 beginnt die eingetretene allgemeine Finanzkrisis, verbunden mit der Ueberproduktiou in Schottland, die Preise rasch herabzudrücken. Erneute Krisis, durch das Stocken des Verbrauchs in den Revolutionsjahren, verbunden mit dem Hervortreten der übermäßigen Conknrreuz Belgiens, vollständig ausgebildet. 1849 schlimmste Periode; bedeutende Einschränkuug der Produktion Erst 1859 tsz;. isZz- lStt, 18-Z. >!«^ S Z Pf°. 4. ^ Ä Z ^ K L !^ o. W Pfd. 5. ^ o ^ s. L Z«s AS Pfd. 1854 23,621,000 10,50 2,44 12,94 1,34 11,60 26,066,000 12,8k 2,63 15,49 1,47 14,02 18^ 27,146,000 13,80 5,90 19,70 1,60 18,10 18^ 28,465,000 13,29 13,34 26,63 1,34 25,29 18^5- 7 29,440,000 15,26 11,46 26,72 1,62 25,10 i84z 29,803,000 15,42 7,63 23,05 1,26 21,79 Anmcrk. Die bedeutend geringere Bevölkcrungszimahme in der letzten Periode, erklärt sich aus den Einwirkungen der revolutionären und kriegerischen Ereignisse. Das im Jahr 4847 erreichte Verbrauchsmarimum geht weit über den Durchschnitt von 18^; der Gesammtverbrauch (Eol. 3.) betrug in diesem Jahr 32,15 Psund, und der innere Consum (Col. 5.) 30,07 Pfund pro Kopf. Ueberhaupt war in der Periode 18-^ das wirklich zum Verbrauch gekommene Quantum um etwa 1^ Psund pro Kopf größer, und in der Periode 18ss entsprechend kleiner, weil gegen 1-z Million Centner Roh- und Stabeisen, die in den Jahren 1843 und 1844, wie schon oben bemerkt, auf Spekulation eingeführt wurden, erst 1845 zum Verbrauch gelangten. Man wird hiernach richtiger den inneren Consum (Col. 5.) für I85Z auf 23,79 Pfund und 18^ auf 26,60 — 129 — Pfund pro Kopf annehmen können. — 18^-K war ebenfalls der wirkliche Verbrauch kleiner, als er sich nach obiger Rechnung herausstellt, theils wegen der ungewöhnlich starken Einfuhr belgischen Roheisens im Jahr 1850, theils wegen der bedeutenden Vorräthe, welche die inländischen Werke aufgespeichert haben. Den bedeutendsten Faktor der Verbrauchszunahme des Eisens seit 10 Jahren bildet der Eisenbahnbau. Wir wollen im Folgenden eine Berechnung des dazu verwandten Eisens geben. Von den 7 Meilen Pferdebahn für Anfuhr der Saar- und Ruhrkohlen abgesehen, die bereits 1826 gebaut wurden, sind in den 5 dreijährigen Perioden von 1836 bis 1850 im Zollverein folgende Eisenbahnlängen vollendet und in Betrieb gesetzt worden: 1836 — 38 . . . 6 Meilen 1839 — 41 . . . . 84 - 1842—44 . . . . 121 1845 — 47 . . . . 269 - 1848-50 . . . . 182 - Summa . . . 662 Meilen, die Ende 1850 in Betrieb waren. Doppelgleisig sind davon nur 100 Meilen, wovon etwa 20 von 1842—44, 50 von 1845 — 47 und 30 von 1848—50 vollendet wurden. Der Haupteisenverbrauch bei Erbauung der Eisenbahnen liegt in den Schienen. Dieselben sind im Laufe der Zeit immer schwerer gemacht worden; man kann für 18^°- 18 Pfund und für jede folgende Periode 1 Pfund mehr, also 18^ 22 Pfund als Gewicht eines Fußes Schiene annehmen. Auch im Uebrigen ist der Eisenverbrauch mindestens im gleichen Verhältniß gestiegen. Nimmt man nun als Minimum an, das sonst erforderliche Eisenquantum für Ausweichgeleise, Stühle, Drehscheiben, Nägel, Lokomotiven, Maschinen, Wagen, Bauten zc. betrage halb so viel als das einfache Schienengewicht (in England, wo weit mehr Eisen aufgewandt wird, beträgt es mehr als das Doppelte), so wurde für die Meile eingeleisiger Bahn in jeder der 5 Perioden verbraucht: 18Sz . . 11,782 Ctr. oder auf Roheisen reduzirt 16,494 Ctr. 18^- . . 12,436 - - - - - 17,410 - 18^ . . 13,091 - - - - - 18,327 - I855 - - 13,745 - - - - , 19,243 - I8z^ . . 14,400 - - - - - 20,160 - 9 — 130 — Für das zweite Geleise 1^ des Schienengewichts angenommen, ergiebt pro Meile ein Gewicht von: 18^ . . 10,909 Ctr. oder auf Roheisen reduzirt 15,272 Ctr. I855 - - ^,454 - - - - , 16,035 - 18^-z . . 12,000 - - - - - 16,800 - Hiernach sind im Ganzen bis Ende 1850 zur Erbauung der ein- und zweigeleisigen Bahnen des Zollvereins an Roheisen verbraucht worden: 1836—38 .... 98,964 Ctr. Roheisen. 1839 — 41 .... 1,462,440 - 1842—44 .... 2,523,007 - - 1845 — 47 .... 5,976,117 - 1848—50 . . . . 4.173.120 - Summa . . . 14,233,648 Ctr. Roheisen auf 662 Meilen, oder 21,501 Ctr. auf eine Meile. Nun muß man aber mindestens 5 Prozent des zur Anlage erforderlichen Eisens oder gegen 1000 Centner pro Meile und Jahr*) auf die Instandhaltung der Bahnen rechnen. Dies macht in Summa von 1836 bis 1850: 3,354,000 Centner; es sind also im Ganzen für Eisenbahnen im Zollverein 17,587,648 Centner verbraucht worden. Nach dem jährlichen Durchschnitt betrug also in jeder der 5 Perioden der Roheisenbedarf: Für neue Eisen- Für Unterhalt, d. bahnbauten. bestch.Bahnen.") Summa. 18Z4 . . . 32,988 Ctr. 3,000 Ctr. 35,988 Ctr. 18^ . . . 487,480 - 48,000 - 535,480 - 18^z . . . 841,007 - 150,500 - 991,507 - I855 - - - 1,392,039 - 345,500 - 2,337,539 - 18^ . . . 1,391,040 - 571,000 - 1,962,040 - ') In England, wo die Eisenqualität der Schienen durchschnittlich geringer und dabei die Eiscnbahnfreqnenz ungleich stärker ist. rechnet man mehr als das Doppelte, ja bis zum Bierfachen dieser Summen. Es ist hier die Unterhaltung der ungefähr nin die Mitte jeder Periode in Betrieb befindlichen Bahnen in Anschlag gebracht; für 13zZ sind demnach nicht KL2, sondern nur S71 Meilen angenommen u. s. f. Für die doppelgeleisigen Strecken ist kein höheres Quantum angenommen, da hier auch die Abnutzung geringer ist, als bei eingeleisigcn Bahnen. > — 131 — Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet sich hiernach ein durchschnittlicher jährlicher Roheisenbedarf für Erbauung und Unterhaltung der Eisenbahnen: N5Z)>W)S .-,,«NÄÄN»5 tt?-z-<5Mkv^mui 5chw 5^ .55 18^...... 0,ts 18^...... 2,ik I855...... 3,8? ...... 8,73 184z----.. 7.24 Von dem übrigen Eisenbedarf entfallen etwa bis zur Hälfte auf die Landwirthschaft, deren Verbrauch also dem der Eisenbahnen in den Jahren 18^-Z- beinahe gleich steht. Dagegen verbraucht die Landwirthschaft fast ausschließlich mittlere und feine Qualitäten; namentlich findet das inländische bei Holzkohlen erblasene und gefrischte Eisen den zum bei weitem größten Theil seine Verwendung in der Acker- und Feldwirthschaft. Für die Eisenbahnen dagegen, insbesondere für die Schienen, werden gewöhnlichere Sorten verwandt und sind letztere, so weit sie überhaupt vom Inland bezogen wurden, zu ^ bis ^ aus belgischem und schottischem Coaks-, beziehungsweise Steinkohleneisen dargestellt; in der Regel besteht nur die obere Lage aus inländischem Holzkohleneisen. Der übrige Theil des Eisenverbrauchs vertheilt sich auf die unzähligen Bedürfnisse des Maschinen- und Schiffbaues, der Hanswirthschaft, des Häuserbaues, des Fabrik- und Handwerkbetriebes, des Fuhrwesens, der Waffen u. f. w. An Anhaltspunkten, das Verbrauchskontingent für die einzelnen Erwerbszweige zu ermitteln, fehlt es jedoch durchaus. 9* — 132 — «. Die nicht zum Zollverein gehörenden deutschen Staaten. 1. Hannover. §. 30. Die hannöversche Eisenindustrie ist nicht von bedeutendem Umfange. Die Hütten liegen im südlichen Theile des Königreichs, meistens im Harze, dann im Solling und bei Osnabrück. Mit Ausnahme von 2 Hochöfen gehören sämmtliche Hüttenwerke dem Staate. Braun- und Thoneisensteine bilden den Haupttheil der Beschickung der hannöverschen Hochösen, welche ausschließlich mit Holzkohlen Hütten. Nach den mehrerwähnten Enqueten des Jahres 1848 betrug die Eisengewinnung im Königreich (abgesehen von dem Antheil an der Kommunionhütte Gittelde) in hannöv. Centnern 5 100 Pfund- Gußwaaren Summa d. Hoch- Roheise». ^ Erzen. ofenproduktion. 1840 . . . 119,494 Ctr. 48,673 Ctr. 168,167 Ctr. 1847 .. . 137,402 - 64,908 - 202,310 - Die Erzeugung des Aerars betrug: 1834 .... 72,564 Ctr. 1840 .... 146,667 - 1847 .... 173,310 - Faßt man indeß die Abgrenzung der Zollgebiete in's Auge, so muß von der Produktion des Königreichs Hannover der Theil in Abzug kommen, welcher in den dem Zollverein angeschlossenen Gebietslheilen erzeugt wird und dort bereits (siehe §. 23. 1.) in Anrechnung gebracht worden ist. Hiernach bleibt für das Steuer« vereinsgcbiet nur eine Eisenproduktion von 129,000 Centnern im Jahr 1840 und 159.000 im Jahr 1847. Der Gießereibetrieb ist in Hannover nicht unbedeutend, insbesondere seit sich dort die Maschinenfabrikation gehoben hat, deren Hauptsitz in Linden bei Hannover ist. Es sind etwa 10 Kupolofen vorhanden, die meistens graues schottisches Roh- — 133 — eisen verschmelzen. Auch im Oldenburgischen sind gut eingerichtete Gießereien, z. B. in Varel. Auf die Stabeisenerzeugung kann man gegenwartig 70,000 Centner im Jahre rechnen, außerdem gegen 200 Centner Blech, 1000 Centner Draht und 500 Centner Rohstahl. Die Frischerei findet bei Holzkohlen statt; im Harz werden vielfache Versuche gemacht, das Puddeln bei Gasen durchzuführen. Bei Gelegenheit der Besprechung der hannöverschen Zollanschlußfrage kommen wir auf die Lage der dortigen Eisenindustrie zurück, wollen hier jedoch in der Kürze eine Berechnung des Eisen-Consums im Steuerverein (Hannover u. Oldenburg) geben, der außer den hannöverschen Hütten keine Hochösen weiter besitzt. Die Einfuhr betrug dort im Durchschnitt der zwei Rechnungsjahre von Mitte 1846 bis Mitte 1848 416,000 han- növersche Centner; die Aussuhr alten Eisens und Guß- und Eisenwaaren (vorzüglich nach Holland) ist zu 30,000 Centner zu veranschlagen, bleibt also Mehreinfuhr 386,000 hannöv. Centner, worunter gegen 60,000 Centner Roheisen"). Die ganze Mehr- einfuhr auf Roheisen reduzirt ergäbe demnach 460,000 Centner; zuzüglich der hohen Produktion des Jahres 1847 von 139,000 Centnern**) stellt sich also der ganze Eisen-Consum des Steuervereins auf 619,000 hannöv. Centner, oder bei einer Bevölkerung von 2,050,000 Seelen, auf 30,2 Pfund pro Kopf. Seitdem ist die Einfuhr ähnlich wie im Zollverein gesunken (18^ nur noch 395,000 Centner), so daß gegenwärtig die Consumtion etwa 3—4 Pfund pro Kopf niedriger stehen mag, als 1847. Im Zollverein fanden wir für den Durchschnitt 18»^ 26,6 Pfund und speziell für das Jahr 184 7 30,67 Pfund. Der Eisenbahnbau hat in den letzten Jahren im Steuerverein noch etwas mehr Eisen pro Kops in Anspruch genommen, als im Zollverein, nämlich für etwa 8 — 9 Meilen jährlich (1847 fast das Doppelte), zuzüglich der Unterhaltung, gegen 9 *) Hiervon etwa 10—12,000 aus den dem Zollverein angeschlossenen hannöverschen Gebietstheilen. ") Die Produktion der dem Zollverein angeschlossenen Theile kaun hier natürlich nicht in Betracht kommen, da der Theil davon, welcher nicht im Zollverein bleibt, bei der Einfuhr in Anschlag gebracht ist. — 134 — Pfund pro Kopf der. Bevölkerung. Außerdem ist der Eisenverbrauch für Schiffbau verhältnißmäßig stärker als im Zollverein; für die Landwirthschaft steht er ganz gleich und für die sonstigen Verwendungszwecke ist er geringer, 2. Oesterreich. §. 31. Die Eisenindustrie ist in Oesterreich ein sehr ausgedehntes und sehr altes Gewerbe, das fast in allen Provinzen des Reiches betrieben wird. Man kann indeß drei Hauptgruppen für die Eisengewinnung unterscheiden. Die erste und bedeutendste ist die Alpengruppe und darin vor Allem Steiermark, der Hauptsitz der österreichischen Eisenindustrie mit Erzlagerstätten, die zu den wichtigsten des ganzen Continents gehören. Den Mittelpunkt derselben bildet der berühmte Erzberg, aus dessen Spatheisensteinen ein sehr großer Theil des Rohmaterials für den berühmten steirischen Stahl gewonnen wird. Fast mit einem gleichen Erzreichthum schließt sich Kärn^ then, ebenfalls einer der Hauptsitze der Schmelzstahlfabrikation, an Steiermark an. Auch Krain, Tyrol, die Lombardei haben nicht unbedeutende Eisenproduktion; weniger Ober- und Nieder- Oesterreich. Die zweite Gruppe besteht aus Böhmen, Mähren und Oesterreichisch-Schlesien. Böhmen hat davon die bedeutendste Eisenerzeugung; es verhüttet hauptsächlich Roth- und Brauneisensteine. Die Qualität seines Eisens steht übrigens dem steirischen und Kärnthner Produkt nach. Die dritte Gruppe wird durch Ungarn und die Karpathenländer überhaupt gebildet. Die Haupteisenerzeugung findet dort am südlichen Abhang der Karpathen statt. Auch Galizien, Siebenbürgen und die Militärgrenze produziren etwas Eisen. Seit 1841 sind zwar in Mähren und Böhmen einige Coaks- hochöfen angelegt worden, allein, wie wir hören, noch nicht zu regelmäßigem Betrieb gelangt, so daß also die ganze österreichische Produktion bei Holzkohlen dargestellt wird, zu einem kleinen Theil auch unter Zusatz von Holz, Braunkohle oder Torf. Obgleich nun in den letzten Jahren, namentlich angeregt durch die Erwei- — 135 — terung des Verbrauchs für die Eisenbahnen, die Fortschritte Oesterreichs in der Eisenhüttentechnik ganz unverkennbar sind und neue Werke von vorzüglicher Einrichtung entstanden, so hat es doch im Ganzen noch einen weiten Weg zurückzulegen, bis es, was Umfang und Ausbildung der Produktion, so wie Erniedrigung der Produktionskosten und Preise betrifft, auf den Standpunkt gelangt, den es bei dem vorhandenen Mineralreichthum und der Kultur seiner Bewohner längst hätte erreichen sollen. Die Eisenpreise stehen 50 bis 75 Prozent höher als im Zollverein. Eine einseitige Handelspolitik, welche durch vollständige Prohibition des fremden Eisens jeden zum Fortschritt anregenden äußeren Einfluß fern hielt, und überdies eine beschränkende Gewerbegesetzgebung, welche das freie Spiel der inneren Konkurrenz hemmte, tragen die hauptsächliche Schuld, daneben die hohe Besteuerung des Bergbaues, der Mangel an Kommunikationsmitteln u. s. w. Insbesondere ist es zu beklagen, daß hierdurch die Durchführung des Coakshüttenbetriebes verhindert und somit die Grundlage, auf der die Fortentwicklung der Eisenindustrie stattzufinden hat, noch gar nicht erforscht und festgestellt ist. Denn für die Holzkohleneisenerzeugung eines europäischen Staates kann es sich im Wesentlichen nur noch um Erhaltung des Bestehenden handeln, und diese Erhaltung ist in Oesterreich, insbesondere bei den in Steiermark und Kärnthen vorhandenen Grundlagen, unschwer durchzuführen, da selbst eine weit stärkere Konkurrenz von außen gut eingerichteten Hüttenwerken den gewinnreichen Fortbetrieb gestatten wird. Wenn man aber auch künftighin die Versorgung des inneren Marktes vorzugsweise der eigenen Industrie vorbehalten will, so liegt es doch im Interesse der Allgemeinheit neben dem Ueberfluß in der Erzeugung guter und theurer Eisensorten auch dem Mangel an billigem und ordinärem Eisen abzuhelfen, was einzig die Coakseisenindustrie vermag. Leider ist bei dem bisherigen Absperrungssystem noch nicht einmal soweit fortgeschritten worden, daß man mit Sicherheit zu beurtheilen vermag, inwieweit Oesterreich Hoffnung hat, eine Coakseisenindustrie, die mit der Zeit die Konkurrenz Belgiens und Englands ertragen könnte, emporzubringen. Denn es entscheidet hier nicht bloß der Reichthum von Erzen und Steinkohlen an und für sich — beide sind in Oesterreich in Fülle vorhanden, — sondern die Lage der Eisen- und Kohlendistrikte zu einander, die Möglichkeit beide mit geringen Transportkosten zusammenzuführen, demnächst auch die Qualität der Steinkohle und andere Umstände mehr. Die Wahrscheinlichkeit ist indeß vorhanden, daß Oesterreich allerdings auch in dieser Richtung entwicklungsfähig sei und dürften namentlich die SteinkohlenbassinS von Mähren und Böhmen sich ökonomisch am besten für Hervorrufung des Coakshüttenbetriebs eignen. Der österreichische Fiskus betreibt mehr als den vierten Theil der Eisenwerke des ganzen Kaiserreichs. Statt der Privatthätigkeit eine solche Konkurrenz zu bereiten, sollte die österreichische Regierung das Beispiel der Preußischen nachahmen und überall, wo die nöthigen Grundlagen vorhanden find, mit der Durchführung des Coakshüttenbetriebs voranschreiten. Die Eisengewinnung des österreichischen Kaiserstaats ist in folgender, der offiziellen Statistik") entnommenen Tabelle enthalten, wobei zu bemerken ist, daß der österreichische Centner beinahe im Verhältniß 11: 12 schwerer ist als der Preußische. Hochofenprodukion Oesterreichs. 1. 2, 3, Jahr. Roh-u. RohGußwaaren aus Summa der Hochstahleisen. Erzen. ofenproduktion. W, Ctr. W. Ctr, W. Ctr. 1830 1,435,215 158,209 1,593,424 1835 1,775.413 218,192 1,993,605 1840 2,052,201 338,213 2,390,414 1841 2,192,630 364,130 2,256,770 1842 2,314,567 335,065 2,649,632 1843 2,359,671 366,630 2,726,301 1844 2,524,917 392,962 2,917,879 1845 2,475,376 464,809 2,939,185 1847 3,134,535 498,704 3,633,239 1848 3,217,046 443,871 3,660,917 j ') Die lieuestcn Angabe» pro 1848 sind den Noten des officiellcn österreichischen Preiskatalogs der Londoner Industrieausstellung entnommen. — 137 — Auf die einzelnen Landestheile vertheilte sich die Eisengewinnung des Jahres 1847 folgendermaßen: Gußwaarcn aus Oesterreich u. d. Ens. 28,576 W. Ctr. — W.Ctr. - o. d. Ens. 50,746 - 3,221 - Steiermark...... 844,072 !- 25,978 - Kärnthen und Krain. 660,757 « 23,651 - Tyrol......... 60,810 - 11,004 - Böhmen....... 356,333 - 179.466 - Mähren und Schlesien 293,968 - 148,680 - Galizien....... 64,904 S 22,964 - Lombardei....... 114,910 - 18,960 - Ungarn........ 605,415 - 50,262 - Siebenbürgen..... 23,119 s 1,389 - 19.865 - 13.129 - Summa . . 3,134,535 W. Ctr. 498,704 W. Ctr. Der Antheil der ärarischen Erzeugung betrug nicht weniger als 750,749 Centner oder 21 Prozent der Gesammtproduktion. Das zur Stahlbereitung verwandte Roheisen betrug 1848 368,000 Centner, also gegen 10 Prozent der gesammten Hochofenproduktion. Die stärkste Erzeugung von Hochofengußwaaren findet in Böhmen und demnächst in Mähren und Schlesien statt. 1841 waren in der ganzen österreichischen Monarchie 226 Hochöfen (darunter 12 Blau- und 21 Stücköfen). 1848 dagegen 257 Hochöfen vorhanden. Auf preußische Centner reduzirt stellt sich die Produktion von 1848 auf 3,993,727 Centner; für 1850 ist sie auf die gleiche Zahl oder in runder Summe auf 4 Millionen Centner zu veranschlagen. Die Eisengießerei durch Umschmelzen von Roheisen ist in Oesterreich außerordentlich schwach entwickelt. 1841 eristirten 32 Cupolöfen und 1848 37 Cupol- und 9 Flammöfen. 1848 betrug deren Erzeugung an Gußwaaren 136,000 Centner. In der Stabeisenfabrtkation sind die Fortschritte der letzten Jahre am bemerklichsten hervorgetreten; insbesondere sind mehrere Puddlingwerke auss Vorzüglichste zum Walzen der Schie- - 138 - nen u. s. w. eingerichtet worden, was der ganzen Industrie einen neuen Impuls gegeben hat. Es wurden an Eisenbahnschienen produzirt: 1837 .... 8,798 W.Ctr. 1840 .... 84,290 1844 .... 150,785 1847 .... 277,391 - ») Die Hauptpuddlingwerke für Schienenfabrikation sind Wil- kowitz und Zöptau in Mähren, Prevali und Franzschach in Kärn- then und Neuburg in Steiermark; neuerdings auch Josephhütte in Böhmen. Trotzdem wird der weit überwiegende Theil des erzeugten StabeisenS noch bei Holzkohlen gefrischt, vielfach mit bedeutender Verschwendung an Brennmaterial. Die Puddling- srischerei kam zuerst in den dreißiger Jahren in Mähren auf; sie wird dort und in Böhmen meist bei Steinkohlen betrieben. In Kärnthen dagegen wird vorherrschend mit Braunkohlen oder Holz und in Steiermark mit Holz gefeuert, nebenbei auch wohl mit Steinkohlen oder Torf. Die Versuche zur Benutzung von Steinkohlen-, Holz-, Braunkohlen- und Torfgasen zum Pudd-- ling- und Schweißofenbetrieb sind überdieß in Oesterreich vielfach und in großartigem Maaßstabe, vielleicht auch mit besserem Erfolg als irgendwo ausgeführt worden, indem hier bereits seit Jahren auf mehreren Puddlingwerken ein regelmäßiger Betrieb bei Gasen stattfindet. 1841 betrug die Zahl der Eisen- und Stahlhämmer in der österreichischen Monarchie 1385, der Puddelöfen 54. Für 1848 ist jene Zahl ungefähr gleich hoch, diese auf das Doppelte anzunehmen. Die Produktion an gefrischtem Eisen betrug: 1841 .... 1,375,659 W. Ctr. 1848 .... 2,343,000 Darunter mögen 1848 gegen 600,000 Centner oder etwa ^ im Wege des Puddlingfrischprozefses dargestellt sein, wovon jedoch nur der geringere Theil bei Steinkohlen, der größere bei Holz und Braunkohlen. ') Im Zollverein betrug 1847 die Erzeugung von Eisenbahnschienen gegen 1'z Milliouen Centner. — 139 — An Blech wurden, aus obigem Quantum gefrischten Eisens, dargestellt: 1841 .... 102,702 W. Ctr. 1848 .... 264,000 Darunter befanden sich 1848 gegen 14,000 Ctr. Weißblech. Nächst dem Stabeisen ist die Hauptverwendung der Hochofenproduktion für die Schmelzstahlerzeugung. Es wurden an Rohstahl dargestellt: 1841 .... 207,971 W. Ctr. 1848 .... 287,300 Davon werden durchschnittlich 80 — 90,000 Centner in rohem oder raffinirtem Zustande erportirt und der Rest im Jnlande verbraucht. Die Cementstahlfabrikation ist unbedeutend, 1848 etwa 2500 Centner, Dasselbe ist mit der Gußstahlsabrikation der Fall; 1848 wurden 4200 Centner erzeugt, größtenteils aus Rohstahl., Die außerordentliche Güte des steirischen Stahls, insbesondere wo es sich um Nerv und Dehnbarkeit handelt, ist in der ganzen Welt anerkannt. Nächst Schweden findet hiernach in Oesterreich die bedeutendste Schmelzstahlfabrikation statt! dann folgen Preußen und Frankreich. Bei den bisherigen Prohibitivzöllen war es nicht anders möglich, als daß sich Konsumtion und Produktion in einem, wenn auch von Seite , der ersteren ziemlich unfreiwillig zugestandenen, Gleichgewicht befunden haben; denn wenn Preise von Eisenbahnschienen, wie.es bei der Wien-Gloggnitzer Bahn vorgekommen, bis 8^ Thaler, pro Centner steigen können, während sie gleichzeitig in Preußen nur etwas mehr als die Halste, in England wenig über ^ davon kosteten, so läßt sich daraus in der That auf eine stattfindende empfindliche Beschränkung deS Konsums durch das bisherige Zollsystem schließen. — Wir wollen im Folgenden ganz kurz die Mengen der Ein- und Ausfuhr angeben, und dann eine Verbrauchsberechnung aufstellen: Im Durchschnitt der 5 Jahre 1843—47 betrugen Einfuhr und Ausfuhr von Eisen und Eisenwaaren: — 140 — Einfuhr. Ausfuhr. Roheisen........ 24,557 W. Ctr. 5,110 W. Ctr. Gußwaaren...... 1,374 - 10,852 - Stabeisen....... 28,674 -*) 53,297 - Schwarzblech...... 4,008 , 3,137 - Weißblech....... 2,800 - 100 - Stahl......... 767 - 87,120 - Draht......... 612 - 3,719 - Eisen und Stahlwaaren 3,809 - 92,284 - Schlosserwaaren .... 17 - 1.756 - Summa . . . 66,618 W. Ctr. 257,365 W. Ctr. In Fe.'len und Messerwaaren ergiebt sich gleichfalls ein Uebergewicht der Ausfuhr über die Einfuhr, umgekehrt jedoch bei den Maschinen. Hiervon wurden eingeführt im Werthe von 857,500 Gulden C.-M. und ausgeführt nur für 74,000 Fl. Mit Berücksichtigung dessen ist überhaupt das Mehrgewicht der Eisenausfuhr über die Einfuhr etwa auf 160,000 Centner jährlich zu veranschlagen. Der Eisen-Consum Oesterreichs ist also noch um diesen Betrag — auf Roheisen reduzirt etwa 220,000 Centner — kleiner als die Summe des gewonnenen Eisens. Für 1848 kann man das gleiche Verhältniß der Ein« und Ausfuhr festhalten, so daß in diesem Jahre der Consum gegen 3,440,000 Wiener oder 3,752,000 Preuß. Centner betrug. Auf den Kopf einer Bevölkerung von 36 Millionen macht dies 11^ Preuß. Pfund Roheisen, also weniger als die Hälfte des im Zollverein und Steuerverein stattfindenden Eisenverbrauchs. Auf den Bedarf der Eisenbahnen entfällt in Oesterreich verhältnißmäßig nur etwas mehr als ^ des Bedarfs im Zollverein, also etwa 2^ Pfund pro Kopf. Oesterreich besaß 1850 200 Meilen Eisenbahnen, der Zollverein 662. ') Worunter 27,375 Centner Bahnschienen. v. Die außerdeutfchen Staate» Europa's. 1. Großbritannien. §.32. Die britische Eisenindustrie ist nicht bloß die be« deutendste an Ausdehnung und Ausbildung, sondern auch an Einfluß auf die Konjunktur dieses Gewerbszweiges in allen übrigen Ländern. Obschon sie dort seit den Römerzcitenheimisch war, namentlich in den Grafschaften Kent und Susser, so lag doch in dem Umstände, daß sowohl zum Schmelzen der Erze, als zum Frischen des Roheisens Holzkohle verwendet werden mußte, ein hemmendes Moment für jede großartige Entwicklung dieser Industrie. Ja durch schlechte Bewirthschaftung der Forsten und durch den steigenden Bedarf an Holz zum Schiffbau gerieth die Ausdehnung der englischen Eisenindustrie gegen Ende des 16. Jahrhunderts in einen solchen Konflikt mit allgemeineren und höheren Interessen, daß sich das Parlament im Jahr 1581 veranlaßt fand, die Anlagen neuer Eisenwerke innerhalb 22 Meilen von London und 14 Meilen von den Themseufern zu verbieten, auch die Eisenproduktion auf den Verbrauch von kleinem Holz einzuschränken. 1637 wurden noch schärfere Bestimmungen hinsichtlich des FällenS von Bauholz erlassen, auch die Ausfuhr von Eisen nur auf vorhergängige besondere Erlaubniß gestattet. In Irland ging die früher in großer Ausdehnung betriebene Eisenerzeugung aus Mangel an Holz völlig ein. Es war natürlich, daß sich unter solchen Verhältnissen und bei dem stets wachsenden Bedarf an Eisen, die Aufmerksamkeit der Industriellen auf die in unerschöpflichen Lagern vorhandenen Steinkohlen lenken mußte, und daß zahlreiche Versuche gemacht wurden, sie an der Stelle der Holzkohlen zum Schmelzen der Eisenerze wie zum Frischen zu verwenden. Authentischen Nachrichten zufolge ist dies auch bereits ») ?onn->nt's VVsIes. l.on6on 1810. Vol. I. psg, 89. — 442 — im Jahre 1619 dem Lord Edward Dudley gelungen*). Allein bei den außerordentlichen Schwierigkeiten, von denen wir noch heutzutage die erste Einführung der Coakshütterei in manchen Distrikten begleitet sehen, war es nicht zu verwundern, daß sich Hülfsmittel und Kenntnisse der damaligen Zeit zur vollständigen Durchführung der neuen Erfindung noch als unzureichend erwiesen. Erst als gegen Anfang des vorigen Jahrhunderts die öffentliche Meinung sich dahin auszusprcchen begann, daß die gänzliche Unterdrückung der britischen Eisenindustrie ein kleineres Uebel sein würde, als die fortgesetzte Verminderung des Waldbestandes, und als die Eisenproduzenten durch die steigenden Holzpreise ihr Geschäft in die traurigste Lage gebracht sahen, wurden die Versuche Lord Dudley's von Neuem aufgenommen. 1740 ward in Colebrook Dale (Shropshire) das erste brauchbare Roheisen bei Coaks erblasen. Von da an bis zum Ausbruch des amerikanischen Freiheitskrieges im Jahr 1775 konnten die Holzkohlenhochöfen von Kent und Susser noch den Kampf mit den CoakShütten bestehen. Als aber zu jener Zeit die Zufuhren von Außen stockten und die Nachfrage nach Eisen bedeutend stieg, machte die Ausdehnung und Ausbildung des Hochofenbetriebs mit Coaks binnen kurzer Zeit solche Fortschritte, daß der Betrieb mit Holzkohlen allmälig bis auf ein Minimum herabgebracht ward, während sich gleichzeitig die ganze Industrie von ihren früheren Sitzen in den südlichen holzreicheren Gegenden nach den Steinkohlendistrikten und namentlich nach Wales, Staffordshire, Shropshire, Lancashire, Aorkshire, sowie später nach Schottland verpflanzte. Es ist bereits in der Einleitung gesagt, wie allmälig auch die Verwendung des Anthracits und der rohen Steinkohle zum Schmelzen der Erze in Aufnahme kam. Die Erfindung Cort'S, auch beim Frischen deS Eisens die Holzkohle durch die Steinkohle zu ersetzen (Puddlingmethode), vervollständigte den Umschwung in der Technik des Eisenhüttcn- betriebes, den Lord Dudley eingeleitet hatte. So nachtheilig bisher das waldarme England der Konkurrenz anderer Länder gegenüber gestanden hatte, so sicher ging seine Eisenindustrie auf ") >I»c Lulloek, Account ok tko brittisk Lmpirs. l,onilon 1847. Vol. I. P!IA. KOK. — 143 — der neu gewonnenen Basis des Steinkohlenbetriebes der großartigsten Entwicklung entgegen. Außer den unerschöpflichen Lagern der besten Steinkohlen kam ihm hierbei der Umstand zu Statten, daß sich Ablagerungen von Eisensteinen (Sphärosideriten und Thoneisensteine) in unmittelbarster Nähe der Kohlenminen, ja theilweise im Hangenden und Liegenden der Kohlenflöze selbst vorfanden. Wo aber das Vorkommen nicht ganz so günstig war, entstanden schnell die vollkommensten Transportanstalten, Wege, Kanäle und später Eisenbahnen, und nicht allein zum Zusammenführen der Rohstoffe, sondern auch zur Abfuhr des Fabrikats nach den Häfen wie nach den innern Märkten. Die erste Eisenbahn Englands diente der Eisenindustrie. Hierbei machte die Aufhäufung so großer Kapitale den Engländern die großartigsten Ausführungen im Wege der Privat-Association möglich, die bei uns nur durch Beihülfe der Gesammtheit entstehen können. Mit der Puddlingmethode brachte Cort auch den Vorbereitungsprozeß des Raffinirens (Herstellung des Feinmetalls) in Aufnahme und führte, statt der bis dahin gebräuchlichen Behandlung des gefrischten Eisens unter dem Hammer, das Walzwerk ein. Schon gegen 1780 hatte man, anstatt der Blasebälge, Cylindergebläse eingeführt, wodurch die Produktion der Hochöfen bedeutend gesteigert ward. In noch stärkerem Verhältniß wirkte hierauf die Anwendung erhitzter Gebläselust ein, die I. B. Neil- son in Glasgow im Jahr 1827 zuerst versuchte und die seitdem allgemein eingeführt wurde. Theils durch die sinkenden Eisenpreise selbst, theils durch das Fortschreiten der anderen Gewerbe veranlaßt, eilte der Verbrauch an Eisen der steigenden Produktion immer noch voraus, so daß von Außen her die Anregung zu fortschreitender Ausdehnung und Ausbildung nicht ausblieb. In dieser Beziehung macht insbesondere die Erfindung der Eisenbahnen und Loco- motiven Epoche in der Eisenindustrie und hat in der ganzen Konjunktur dieses GewerbszweigeS Umwälzungen hervorgebracht, die vielleicht von gleicher Bedeutung sind, als die gesammten technischen Umbildungen, die er im Laufe dieses und des vorigen Jahrhunderts erlitt. Vornehmlich hat Schottland, welches die geringsten Qualitäten produzirt, dem Bedarf an Eisenbahnschienen das rasche Wachsen seiner Eisenindustrie zu danken. Wir kommen — 144 — auf diesen Gegenstand später zurück, bei Besprechung seines Einflusses auf die Gestaltung der Konkurrenzverhältnisse zwischen britischem und deutschem Eisen. Aus folgenden Angaben, die den besten Quellen (A. Ure, Mac Culloch, Porter u. s. w.) entnommen sind, erhellt die rasche Zunahme und der jetzige riesenhafte Umfang der großbritannischen Eisenproduktion. Wir beginnen mit dem Jahr 1740, wo man zuerst anfing Coaks zu verwenden, und geben nur die Jahre, in welchen genauere Ermittlungen stattgefunden haben; für die letzten 2 Jahre sind die aus privativem Wege erhaltenen Schätzungen eines der größten Londoner Eisenhändlers sub- stituirt. 1740 . 17,350 Tons') 1835 . . 1,000,000 TonS 1788 . 86,300 - 1840 . 1,396,400 - 1796 . 124,879 s 1842 . 1,046,428 - 1802 . . 170,000 - 1843 . . 1,200,000 - 1806 . . 250,000 - 1844 . . 1,400,000 - 1820 . . 400,000 s 1845 . . 1,330,000 - 1823 . . 442,066 s 1847 . . 1,999,608 - 1825 . 581,367 - 1848 . . 2,093,736 - 1828 . 702,584 « 1849 . . 2,000,000 - 1830 . 653,417 - 1850 . . 2,250,000 - Letztere Summe ist gleich 45,000,000 Centner. Für 1851 schätzte man gegen Mitte des JahreS die Produktion auf 2,500,000 Tons oder 50 Millionen Centner Roheisen. Vollständig mag diese Summe indeß nicht erreicht worden sein. Die Produktion von 1740 ward von 59 Holzkohlenhochöfen dargestellt. 1788 bestand dieselbe bereits zu ^ (55,200 von 68,300 Tons) aus Coaksroheisen und von Ende vorigen Jahrhunderts ab erhielten sich nur noch einige Holzkohlenhochöfen mühsam in Betrieb. 1851 eristirte nur noch ein der Firma Harri- son, Ainsley u. Co. in Lancashire**) gehöriger Hochofen, ») Die Tonne zu 2,167 Pfd., also beinahe 20 Ctr., die wir in runder Summe für die englische, sowie auch für die belgische und französische Tonne -. t,000 Kil. festhalten. *') Aus dem amtlichen Bericht über die Londoner Industrieausstellung. Berlin 1852. I, Band §> 17. — 145 — der Rotheisensteine bei Holzkohlen verschmolz. — Die Zahl der in Betrieb befindlichen Coakshochöfen betrug: 1796 .... 121 1840 .... 402 1806 .... 159 1847 .... 433 1825 .... 259 1848 .... 452 Die Zahl der außer Betrieb befindlichen war: 1806 ...... 68 1840 ...... 88 1848 ...... 174 Die Gesammtzahl der Hochöfen betrug demnach 1848 626. Die jährliche Erzeugung eines Hochofens war bei Holzkohlen im Jahre 1740 5,880 Centner und 1782 10,830 Centner. Ein Coakshochöfen lieferte dagegen: 1782 .... 18,410 Ctr. 1806 .... 31,440 - 1825 .... 47,730 - 1840 .... 69,450 - 1848 .... 92,640 - In Schottland insbesondere geht die Erzeugung der einzelnen Oefen noch weit über diesen Durchschnitt hinaus. Nach dem Cirkular von Robinows, Marjoribanks in Glasgow vom 31. Dezember 1851 ist für dieses Jahr die Produktion eines Hochofens auf 138,320 Centner zu veranschlagen gewesen. Im Jahre 1848 vertheilte sich die Produktion unter die Haupteisendistrikte folgendermaßen: Nord-Staffordshire. . 67.080 Tons. Süd-Staffordshire. . 465.920 - Shropshire...... 111,020 - Derbyshire...... 78,000 - Uorkshire....... 59800 - Newcastle....... 94,380 - Nord-Wales..... 22.256 - Süd-Wales..... 631.280 - Schottland...... 564.000 - 2,093,736 Tons. Im Jahre 1851 ist jedoch Schottland selbst über Süd- Wales hinausgeschritten. Ueberhaupt hat hier die Entwicklung mit einer unglaublichen Schnelligkeit zugenommen und zwar haupt- 10 i — 146 — sächlich seit Neilson's Erfindung der heiAn Gebläseluft und seit Anwendung der rohen Steinkohle, welche Fortschritte mit dem Aufkommen der Eisenbahnen in den dreißiger Jahren zusammenfielen, von wo die eigentliche Ausdehnung der schottischen Eisenindustrie danrt. Schottland erzeugte: 1796 ... . 16,086 Tons. 1823 .... 24,500 - 1830 .... 37,500 - 1840 .... 241,000 - 1847 .... 539.968 - 1848 .... 564,000 - 1849 ... . 692,000 - 1850 .... 630,000 - 1851 .... 775,000 - 1851 betrug also das Quantum 15,500,000 Centner oder das 3-5 fache des ganzen Zollvereins. Vor 1830 war der Fortschritt der Eisenindustrie in Süd- Wales weit stärker, seitdem aber schwächer als in Schottland. Es wurden dort produzirt: 1823 .... 182,325 Tons. 1830 .... 277,643 , 1840 .... 505,000 - 1848 .... 631,280 - Staffordshire ist demnächst der bedeutendste Eisendistrikt; sein Eisen ist von besserer Qualität als das von Wales und Schottland. Es wurden hier erzeugt: 1823 .... 133,590 Tons. 1830 .... 212,604 - 1840 .... 427,650 - 1848 .... 433,000 - Der Fortschritt stockte also hier im letzten Jahrzehnt, woran theils die höheren Produktionskosten gegen Schottland und Wales, theils der sich auf einigen Punkten fühlbar machende Mangel an Kohlen und Erzen Schuld sind. Von den übrigen Distrikten ist insbesondere Aorkshire, nicht wegen der Quantität, wohl aber wegen der vorzüglichen Qualität seines Eisens zu erwähnen; den Mittelpunkt der dortigen Industrie bildet das berühmte Werk Low Moor. — 147 — Die britische St ab eisen Produktion stieg in gleichem Verhältniß wie die Roheisenerzeugung. 1843 ward sie auf 800,000 Tons geschätzt; für 18«^ ist sie zu 900,000 Tons oder 18 Millionen Centner anzunehmen; das übrige Roheisen dient zur Gußwaarenerzeugung, so weit es nicht erportirt wird. In ebenso kolossalem Maaßstabe entwickelten sich alle übrigen Branchen der Eisenfabrikation. Daß sich bei einem solchen Entwicklungsgange die Stellung der britischen Eisenindustrie zu der des Auslandes gänzlich umgestalten mußte, liegt auf der Hand. Zm 14. Jahrhundert ward England von Spanien und Teutschland mit Eisen versorgt. Im 18. Jahrhundert ward Roheisen von den britisch-amerikanischen Kolonien (den jetzigen Vereinigten Staaten) und Stabeisen bis zu 1^ Millionen Centnern jährlich aus Schweden und Nußland eingeführt. Wenn aber letztere Einfuhr auch jetzt noch nicht aufgehört hat, so liegen doch ganz andere Verhältnisse dabei zu Grunde. Damals bedürfte Großbritannien dieser Zufuhren zur Befriedigung seines gewöhnlichen Bedarfs, dem die eigne Produktion bei Weitem nicht genügte. Jetzt dagegen, wo es bis zu 18 Million Centner Eisen nach andern Ländern ausführt, bezieht es nur von jenen nordischen Staaten bestimmte Qualitäten, die es selbst nicht erzeugt. Namentlich dienen ihm das schwedische und demnächst das russische Eisen als Grundlage seiner berühmten Gußstahlfabrikation. Die Eiseneinfuhren haben in Summa betragen:*) 1806 . . . 27,411 Tons. 1842 . . . 14,741 Tons. 1823 . . . 9,667 - 1843 . . . 12.069 - 1825 . . . 14.977 - 1844 . . . 21,599 - 1828 . . . 13.984 - 1845 . . . 30,840 - 1835 . . . 17,571 - 1846 . . . 30,539 - 1836 . . . 18,920 - 1847 . . . 28,264 - 1840 . . . 13,263 - 1848 . . . 20,437 - 1841 . . . 17,653 - 1849 . . . 26.537 - Diese Einfuhr besteht in letzteren Zeiten fast ausschließlich aus schwedischem und russischem Schmiedeeisen zur Gußstahlfabrikation, so daß also die gestiegene Einfuhr mit deren Fortschritt -- - ") Nach ?oi'ter's ?rc>Aress ok tli« IMion. konilon INI. 10" — 148 — als identisch zu betrachten ist. Uebrigens wird außerdem immer mehr Stabeisen aus Aorkshire und dem englischen Norden zur Cement- und Gußstahlfabrikation benutzt, wenn auch nur zu den geringeren Sorten. Rohstahl vom Continent wird wenig verbraucht. In welchem großartigen Maaßstabc dagegen die Ausfuhr stieg, zeigt folgende Tabelle: Eisenausfuhr aus Großbritannien. Jahr. Summa der Ausfuhr aller Eiseu- sorten. Tons. Darunter an Roheisen. Tons, begriffen: an Stalicife». TonS. 1806 36,325 2,549 4,194 1823 46,413 7,543 33,138 1825 34,372 2,815 25,613 1828 65,139 7,826 51,108 1835 199,007 33,073 107,715 1836 192,852 33,880 97,762 1840 268,328 49,801 144,719 1841 360,875 85.866 189,249 1842 369.398 93,851 191,301 1843 448,925 154,770 198,774 1844 458,745 99,960 249.915 1845 344,963 77,361 153,813 1846 424,858 159,163 145,475 1847 539,922 176,086 214,874 1848 619,230 175,650 321,134 1849 701,396 161,775 376,118 Die Ausfuhr von 1849 betrug also 14,027,920 Centner. 1850 betrug sie sogar über 800,000 Tons und 1851 über 950,000 Tons. Der Hauptabnehmer englischen Eisens ist Nord-Amerika, demnächst die Kolon ien, der Zollverein und Frankreich. Der Rest zersplittert sich über alle Länder der Welt. — Die Roheisenausfuhr fällt zunächst auf Schottland und hiernach auf Süd-WaleS, — 149 — der Erport an Stabeisen und Schienen auf Wales und demnächst auf Staffordshire. In obigen Summen ist die bedeutende Ausfuhr von Eise n- und Stahlwaaren (Hardwares) nicht mit eingeschlossen. Sie betrug: 1806 .... 4,629 Tons. 1825 .... 10.980 . 1835 .... 20,197 « 1840 .... 14,995 - 1845 .... 20,754 - 1849 .... 23,421 - Letztere Summe ist gleich 468,420 Centner. Außerdem findet noch eine sehr bedeutende Aussuhr von Maschinen und Maschinentheilen statt, die sich in den letzten Jahren auf 30,000 Tons veranschlagen*) läßt. Hiernach läßt sich der jährliche Eisenconsum Großbritanniens leicht berechnen. Derselbe hat seit 1847 keine Einbuße erlitten, sondern ist eher noch etwas gestiegen. Die Eisengewinnung betrug im Durchschnitt von 18^ 2,031,000 Tons jährlich; der Ueberschuß der Ausfuhr von Eisen und daraus hergestellten Fabrikaten über die Einfuhr war 695,000 Tons, wozu an Roheisen 905,000 Tons erforderlich waren. Also bleiben für den Konsum Großbritanniens 1,126,000 Tons oder 22,520,000 Centner Roheisen, was bei einer Bevölkerung von 29 Millionen Einwohner 85 Pfund auf den Kopf ausmacht. Die Eisengewinnung selbst macht nicht weniger als 154 Pfund auf den Kopf. 1825, ehe Eisenbahnen gebaut wurden, betrug die Eisengewinnung bei einer Bevölkerung von 22 Millionen auf den Kops 58 Pfund und der innere Consum 54 Pfund; derselbe ist also seitdem um 31 Pfund gestiegen. Großbritannien hatte Ende 1849 5,996 engl. Meilen Eisenbahnen. Rechnen wir 600 Centner Roheisen"-) auf die jährliche Unterhaltung und 10,000 Centner sür ') Die officicllen Listen geben blos die Werthe an. ") Porter giebt an, daß zur Unterhaltung einer engl. Meile 61 Tons (1220 Ctr.) Roheisen erforderlich seien, was indeß total falsch ist, da hiernach die bloße Unterhaltung 27 Pfd. pro Kopf oder fast die ganze Differenz des Verbrauchs von 1825 und 1849 ausmachen würde; ebenso unrichtig ist seine Berechnung, daß 711 Tons s14,220 Ctr.) Roheisen für den, Bau einer - 150 — den Bau einer Meile/ wovon 200 nach dem Durchschnitt der letzten Jahre ausgeführt wurden, so beträgt der jährliche Eisen- bedarf der großbritannischen Eisenbahnen 5^ Millionen Centner Roheisen oder 21 Pfund auf den Kopf der Bevölkerung. Von der Verbrauchszunahme seit !l82? zn 31 Pfund pro Kopf würden also ^ auf die Eisenbahnen fallen; das übrige ^ kommt hauptsächlich auf Rechnung der eisernen Schiffe und des vermehrten Eisenverbrauchs beim Häuserbau. Von den Eisenpreisen und überhaupt den kommerziellen Verhältnissen der englischen Eisenindustrie wird in der zweiten Abtheilung dieser Schrift, bei Erörterung der Konkurrenzverhältnisse, noch mehrfach die Rede sein. 2. Belgien. Z. 33. Obgleich nach Großbritannien nicht Belgien, sondern Frankreich die größte Eisenindustrie unter den europäischen Staaten besitzt, so behandeln wir jene doch zuerst, weil sie höher ausgebildet ist, weil ihre Verhältnisse den britischen am ähnlichsten sind und weil beide gemeinsam als Konkurrenten der vereins- ländischen Eisenindustrie auftreten. Wir haben hier das interessante Schauspiel, den Entwicklungsgang, welchen die englische Eisenindustrie durch den Uebergang zum Coakshüttenbetrieb schon im Jahr 1740 begonnen, in den Zeitraum von wenig mehr als 20 Jahren zusammengedrängt zu sehen. Wenngleich die Belgier hierin nur als Nachahmer der in England erfundenen und ausgebildeten Methoden auftreten, so ist doch nicht zu verkennen, daß trotzdem Schwierigkeiten und Hindernisse genug zu besiegen blieben, um ihrer Raschheit, Ausdauer und Thätigkeit den vollsten Anspruch auf Anerkennung zu sichern. Wie Großbritannien und fast alle übrigen Länder des Kontinents, betrieb auch Belgien schon in früheren Jahrhunderten die Eisenproduktion bei Holzkohlen. Der verhaltnißmäßig größere englischen Meile Eisenbahn gebraucht würden, obgleich allerdings der Materialaufwand dort mehr als das Doppelte der meist eingelcisigen Bahnen des Kontinents betragen mag. - 15t — Holzreichthum seiner östlichen Provinzen und der geringere Bedarf für den Schiff- und Häuserbau, ließen indeß hier die Nothwendigkeit eines Uebergangs auf Coaks weit später hervortreten als in England und gestatten noch heutzutage, in nicht unbeträchtlichem Umfange die Eisenerzeugung bei Holzkohlen neben der bei Steinkohlen fortzusetzen. Die großen Grundbesitzer von Waldflächen in dem belgischen Theile von Luxemburg und in Namur betrachten (ähnlich wie in manchen Gegenden Schlesiens, in Baden u. s. w.) die Eisenerzeugung nur als ein Mittel, ihr Holz zu verwerthen, dessen Absatz zu sonstigen Verwendungen theils durch die Frachten, theils durch die Konkurrenz mineralischer Brennstoffe erschwert ist. Die Holzkohleneisenerzeugung würde sich noch weit besser halten können, wenn in den holzreicheren Revieren bessere Qualitäten von Eisensteinen vorkämen, was leider selten der Fall ist. Die Erze Belgiens bestehen zu einem großen Theil aus jener Gattung von Brauneisensteinen, die man Alluvialerze nennt. Die Hauptlager sind zwischen Maas und Sambre. Jedoch werden immer mehr Thon- und selbst Rotheisensteinlager ausgeschlossen. Die Erze kommen zum Theil, insbesondere in der Provinz Lüttich, ziemlich weit von den Steinkohlendistrikten vor, welches jedoch die bewunderungswürdigen Kommunikcmonsmittel Belgiens ausgleichen. Die Verwendung der Steinkohlen für Roheisen- und Stabeisenerzeugung, worauf die gegenwärtige Größe und die ganze Zukunft der belgischen Eisenindustrie beruht, ward durch den berühmten John Cockerill in Aufnahme gebracht, dessen Unternehmungsgeist der damalige König Wilhelm mit bedeutenden Kapitalien zu Hülfe kam. 1821 wurde in Seraing der erste Coakshochofen erbaut und bis zum Jahr 1830 waren in der Nähe von Charleroi, Lüttich und Namur 1l) derselben, nebst mehreren Puddlingwerken, in Betrieb gekommen. Das Kohlenbassin der Maas ist überhaupt der Sitz der neuen belgischen Eisenindustrie; ein Theil der Anlagen befindet sich in der Gegend von Charleroi, ein anderer bei Lüttich. Durch die Ereignisse von 1830 in ihrem Fortschritte unterbrochen, nahm sie insbesondere in den Jahren 1835 und 1836 einen neuen Aufschwung, worauf auch hier wie in England die Eisenbahnan- — 152 — lagen den günstigsten Einfluß übten > demnächst auch- die Banken und die Gesetze über industrielle Associationen, Die sinkenden Preise des englischen Eisens veranlaßten gegen Anfang der vierziger Jahre einen bedeutenden Rückgang der belgischen Produktion; von der im April 1843 erfolgten Zollerhöhung an stieg sie dagegen rasch wieder, wozu auch der ein Jahr später abgeschlossene Vertrag mit dem Zollverein bedeutend mitwirkte. Im Jahre 1845 ward die Höhe der Produktion von 1836 wieder erreicht und ging bis 1847 weit darüber hinaus. Von da ab sank sie wieder, insbesondere im Jahre 1849 und ist auch gegenwärtig noch nicht wierer über 1847 hinausgekommen. Da mehr als zwei Drittel des belgischen Eisens erportirt werden, so ist erklärlich, wie ungünstige Geschäftsverhältnisse im Ausland ganz bedeutend auf die dortige Eisenproduknon rückwirken müssen. Fast die ganze belgische Eisenindustrie, namentlich die auf Steinkohlenverbrauch gegründete, ist in den Händen großer Aktiengesellschaften. Bloß in den drei Jahren 1835 bis 1838 belief sich das von anonymen Gesellschaften für Eisenwerke verausgabte Kapital auf 47 Million Franken und wurden außerdem Anleihen im Betrage von 12 Millionen Franken kontrahirt"). Das Gesellschaftskapital einzelner Vereine, z. B, der Soeietö Alsr- einells et Louillet beträgt bis zu 12 Millionen Franken. Uebcrhaupt stehen die belgischen Hüttenwerke an Großartigkeit den englischen am nächsten. Die Regelmäßigkeit und Oekonomie des Betriebes, sowie die Güte des Eisens scheinen Anfangs in Belgien durch eine zu genaue Nachahmung der englischen Einrichtungen und Methoden beeinträchtigt worden zu sein, während die Qualität der belgischen Erze und Kohlen manche Abweichung hiervon forderte. Allein in ununterbrochenem Fortschreiten haben die Belgier alle Hindernisse zu besiegen gewußt. Während noch vor wenigen Jahren die belgischen Produktionskosten bedeutend höher waren und die Qualität des belgischen Coakseisens dem schottischen und walliser nachstand, scheint jetzt jener Unterschied weit mehr ausgeglichen, und auch die Qualität hat sich so verbessert, daß man bei glei- ^) ?. OsIIs. Industrie — 173 — Reich im Ganzen 14,909,000 Pud oder 4,969,000 Centner, also nur etwas mehr als der Zollverein. Auf die Produktion des Ural kommen hiernach mehr als ^ der gesammten Eisengewinnung. In Polen hat die Regierung in neuerer Zeit viele Anlagen in's Leben gerufen, darunter auch an der Grenze gegen Schlesien einige Coakshochösen, während im übrigen Rußland ausschließlich mit Holzkohlen gehüttet wird. Diese ärarischen Werke — 22 Hochöfen mit vielen Frischfeuern und Puddlingöfen — sind indeß meistens als ganz verfehlte Anlagen zu betrachten, theils unzweckmäßig eingerichtet, theils unrichtig placirt. Sie erzeugen gegen 216,000 Centner Roheisen. Die Privatwerke, meistens im Gouvernement Sandomir belegen, sind bedeutender. 39 Hochöfen erzeugen dort 440,000 Centner Roheise». Im Ganzen hat Polen demnach 61 Hochöfen. Im ganzen russischen Reiche ist die Zahl auf 500 anzuschlagen. An Stab eisen wird nach der nämlichen Quelle die Produktion veranschlagt auf 8,120,000 Pud oder 2,707,000 Centner, worunter Polen mit 264,000 Centner. Nach einer amtlichen Zeitungsnachricht (Allgem. Zeit, vom 25. Juli 1851) wird diese Erzeugung für 1848 auf 8,513,673 Pud oder 2,837,891 Centner angegeben, waS ziemlich genau übereinstimmt. — Im Königreich Polen werden etwa 60 Puddlingöfen, zur Hälfte mit Steinkohlen, zur Hälfte mit getrocknetem Holz betrieben. Im übrigen Reiche findet fast nur Frischfeuerbetrieb bei Holzkohlen statt. Die Eiseneinfuhr ist unbedeutend. In Maschinen betrug sie den russischen Liften zusolge dem Werth nach: 1847 .... 1,884,238 Silb. Rubel. 1848 .... 1,837.657 was im Jahr auf etwa 100,000 Centner zu veranschlagen sein mag. Außerdem geben die englischen Listen als Ausfuhr an Eisen und Eisenwaaren nach Rußland für 1849 das Quantum von 201,171 Centnern an, was zum größten Theil eingeschmuggelt wird und demnach mit den russischen Zolllisten nicht stimmt. Die Eisen aus fuhr, die zum größten Theil nach England") ") Man unterscheidet hier insbesondere 4 Sorten und Marken des besten russischen Eisens: kourivlr, ärcl-unZel, ?8I und eeiVV; die letzte wird so theuer bezahlt als das beste Danncmora-Eisen. zum Behufe der Gußstahlfabrikation stattfindet, besteht fast nur aus geschmiedetem Stabeisen; nach Schlesien geht etwas polnisches Holzkohlenroheisen. Sie betrug nach den amtlichen Listen: 1841 . . . 317,875 Ctr. 1845 , . . 262,600 Ctr. 1842 . . . 264,600 - 1846 . . . 222,180 - 1843 . . . 251,980 - 1847 . . . 285,020 - 1844 . . . 251,060 - 1848 . . . 212,260 - Es ist demnach eher eine Abnahme als Zunahme der Ausfuhr bemerkbar, worauf die Konkurrenz Schwedens einwirkt. In früheren Zeiten war die Eisenausfuhr Rußlands jedenfalls viel bedeutender. Nach Mac Gregor betrug sie 1793 nicht weniger als 1,011,083 Centner, worunter 834,586 Centner Stabeisen; noch 1835 stand sie auf 416,093 Centner. Die innere Consumtion ist indeß in noch stärkerem Maaße gewachsen als die Ausfuhr abnahm. — Das russische Eisen wird zur größeren Hälfte aus dem Hafen von Petersburg verschifft; demnächst von Archangel aus. Die Frachten bis zu diesen Verschiffungsplätzen vcrtheuern das Eisen außerordentlich, so daß es die Konkurrenz mit Schweden, das weit günstiger situirt ist, nur schwer ertragen kann. Wollen wir auch hier eine Berechnung der Consumtion versuchen, so muß zu der Produktion von 4,969,000 Centnern der Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr mit etwa 150,000 Centnern oder 71,000 Centnern Roheisen addirt werden, was 5,040,000 Centner Roheisenverbrauch für eine Bevölkerung von etwa 65 Millionen Einwohner oder 8^ Pfund auf den Kopf ausmacht. Es ist keine Frage, daß die russische Eisenindustrie, insbesondere im Ural und in Polen, noch sehr entwicklungsfähig erscheint, wenn nur bessere subjektive Grundlagen vorhanden wären. 6. Die übrigen europäischen Staaten. 8. 37. Die Eisengewinnung der übrigen Staaten Europas ist theils unbedeutend, theils fehlen alle Anhaltspunkte, um eine Statistik aufstellen zu können. Wir berühren sie deshalb nur ganz kurz, mit dem Norden beginnend und nach Süden und Osten fortschreitend. — 175 — a. Dänemark erzeugt nur ganz unbedeutende Quantitäten Roheisen aus Raseneisenstein bei Rendsburg, Kopenhagen u. s. w. Die eigene Produktion Dänemarks kann höchstens zu 15,000 Centner jährlich veranschlagt werden. Es bezieht seinen Eisenbedarf fast ausschließlich aus Schweden und England. Von letzterem Staate wurden 1849 226,340 Centner Eisen und Eisenwaaren dorthin verführt. d. Holland hat blos Eisenhütten im Luremburgischen, deren oben (§. 21.) beim Zollverein gedacht ist, wozu dieser Landestheil seit 1842 gehört. Holland bezieht seinen Eisenbedarf meist aus England und demnächst aus Belgien; auch Guß-, Eisen - und Stahlwaaren aus dem Zollverein. c Die Schweiz besitzt im ganzen 12 Holzkohlenhvchöfen, die meistens deu Anforderungen der Neuzeit vollkommen entsprechend eingerichtet sind. Insbesondere gehören einzelne Frischereien, mit Walzwerken versehen, zu den best eingerichteten, die eristiren. Das schweizerische Eisen ist von ganz vorzüglicher Qualität, vor Allem das im Nordwesten des Landes im Jura (Canton Bern und Solothurn) aus Bohnerzen dargestellte. Es hat eine außerordentliche Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit, was die glücklich durchgeführte Verwendung für die feinsten Sorten Kratzendraht beweist. Unter Napoleon wurde viel schweizerisches Eisen, insbesondere aus Untervilliers im Jura, zum Behufe der Gewehrfabrikation, nach Frankreich bezogen. Die übrigen Eisenwerke liegen in den Cantonen Wallis, St. Gallen und Schaffhausen. Die Frischerei wird fast ausschließlich bei Holzkohlen betrieben; im Jura macht man neuerdings auch Versuche in Puddling- ösen bei Torf oder Gasen zu frischen. Es sind 30 Frischfeuer vorhanden. Die Angaben über die Produktion sind verschieden. Müller rechnet 130 — 140,000 Centner, Franözini 200,000 Centner, Herzog 240,000 Centner, Hartmann 288,000 Centner. Man wird indeß die jährliche Produktion eines Hochofens keinen- falls über 20,000 Centner annehmen können, und da durchschnittlich von den 12 vorhandenen 10 Hochöfen in Betrieb sind, so dürften 200,000 Centner als Marimum der Eisengewinnung zu betrachten sein. Die Produktion wird mit geringen Ausnahmen zur Stabeisenfabrikation verwandt. — 176 — Bei den täglich steigenden Holzpreisen und einem in manchen Gegenden, besonders im Jura, bereits fühlbar gewordenen Holzmangel, sowie bei der ungünstigen Lage für die Anwendung von Steinkohlen zum Hütten- und Frischereibetrieb hat die schweizerische Eisenindustrie keine große Zukunft zu erwarten. Indeß möchte die neue am 1. Februar 1850 ins Leben getretene Centralisation des Zollwesens für die.nächste Zeit wenigstens den bestehenden Anlagen ihre Lage erleichtert und sogar zu einer Ausdehnung des Betriebs Veranlassung gegeben haben. Denn hierdurch sind die Transit-, Ein- und Ausfuhrzölle weggefallen, womit der Bezug der Erze und Kohlen aus anderen Cantonen seither belastet war und zwar mitunter bis zu Beträgen von einigen Tausend schweizer Franks für den Jahresbetrieb eines Hochofens. Die Schweiz bedarf eines bedeutenden Zuschusses von Eisen aus dem Auslande. Die Gesammteinfuhr an Eisen und Eisenwaaren") betrug: 1843: 235,836 Ctr., darunter 163,290 Ctr. Roh- und Gußeisen. 1844: 242,196 - - 168,698 - - - - 1845: 191,198 - - 127,6L3 - - - ^-^ 1846: 234,136 - - 169,230 - - - 1847: 156,310 - - 93,434 - - - Durchschn. 211,937 Ctr., darunter 144,454 Ctr. Roh< und Gußeisen. Das eingeführte Roheisen ist hauptsächlich graues schottisches, demnächst auch etwas belgisches zum Behufe des Vergießen», größtenlheilS für die Maschinenfabriken von Zürich. Nur wenig französisches und badisches Roheisen wird zum Verfrischeu bezogen. Die übrige Einfuhr besteht zum größten Theil aus Eisenwaaren englischen und zollvereinsländischen Ursprungs und demnächst aus Blech, meist englischen Kesselblechen. Aus Baden gingen insbesondere Stabeisen, Guß- und grobe Eisenwaaren nach der Schweiz. Die seit dem 1. Februar 1850 eingeführte, wenn auch an und für sich nicht hohe Grenzbesteuerung, hat dem Absatz badischen Eisens sehr bedeutend geschadet. Die Schweiz führt aus: etwas Draht, einige Eisenwaaren nnd insbesondere Maschinen (Schiffsmaschinen und eiserne Schiffe, ') Himmler sind circa 25V Ctr. Eisenerz jährlich einbegriffen. — 177 — Turbinen, Spinn- und Papiermaschinen). Die Gesammtausfuhr ist auf mindestens 40,000 Centner jährlich zu veranschlagen. Um den Consum für den Durchschnitt von 1843 bis 1847 (im letzteren Jahre war er der innern Unruhen halber sehr niedrig) zu berechnen, haben wir zu einer Produktion von 200,000 Centner einen durchschnittlichen Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr von 172,000 Centnern, wozu (da sie größtenteils aus Roheisen bestand) 185,000 Centner Roheisen verwandt waren, zu addiren, wonach der innere Verbrauch 385,000 Centner oder auf den Kopf einer Bevölkerung von 2,200,000 Seelen (1850: 2,395,178 Seelen) 19^ Pfund auSträgt. Die Produktion macht 10 Pfund pro Kopf. 6. Portugal. Hier findet nur eine unbedeutende Eisengewinnung nach der direkten Methode in katalanischen Luppen- seuern statt. Das gewonnene Stabeisen wird auf 6000 Centner geschätzt. Portugal bezieht seinen Bedarf an Eisen und Eisenwaaren fast ausschließlich aus England. Die Einfuhr von dort betrug: 1841 .... 209,700 Ctr. 1843 .... 190,880 - 1849 .... 233,680 , Die Hälfte davon besteht aus Stabeisen. e. Spanien. Der außerordentliche Reichthum dieses Landes an mineralischen Schätzen aller Art ist bekannt. Die dortigen Lager der vorzüglichsten Spath-, Roth-, Magnet- und Brauneisensteine gehören zu den reichhaltigsten Europas und sind insbesondere aus dem Grunde beachtenswerth, weil sie eine äußerst billige Förderung gestatten und vielfach in solcher Nähe der spanischen Steinkohlendistrikte, in Afturien, Leon, Villanueva u. s. w- vorkommen, daß es nur eines regen Gewerbfleißes bedarf, um in Spanien eine großartige Eisenindustrie, die mit England kon- kurriren kann, in's Leben zu rufen. Seither war der Hauptsitz der spanischen Eisenproduktion in den Pyrenäen und den übrigen Gebirgszügen des Nordens. Das Eisen ward ausschließlich und auch jetzt noch zum größten Theil in katalanischen Luppenfeuern erzeugt. Die ersten Hochöfen sind 1828 bei Marbilla*) in Granada auf die Verhüttung ') Die Europäische Eisenhüttenkunde. Leipzig 1850. S. Sk, 12 — 178 - der Magneteisensteine von Ronda angelegt worden. Wenn übrigens auch heute deren Zahl noch nicht bedeutend ist, so trat doch in den letzteren Jahren, seit die bürgerlichen Kriege und inneren Unruhen sich einigermaßen gelegt haben, ein industrieller Fortschritt in fast allen Zweigen der spanischen Industrie unverkennbar hervor. So bestehen bereits einige Coakshochöfen und Pudd- lingwerke, worüber bei Gelegenheit der Londoner Industrieausstellung verschiedene Notizen zu erlangen waren. Das Hüttenwerk San Pedro de Arraya, Provinz Alava, hatte dort graues und weißes Holzkohlen- und Coaksroheisen, so wie Feinmetall und Puddlingeisen ausgestellt. Ferner die Palentina Leonesa Gesellschaft in Sabero, Provinz Leon, aus Braun- und Thoneisenstein dargestellte graue und weiße Coaksroheisensorten zum Preise von nur 26^ Sgr. pro engl. Centner, ein Beweis, wie niedrig die dortigen Produktionskosten stehen müssen. Die Grubenpreise der verwandten 30 — 40prozentigen Erze wurden zu 4 Sgr., 5^ Sgr., 6^ Sgr., 8 Sgr. und 28 Sgr. pro 20 Centner angegeben, also die theuersten selbst noch außerordentlich billig. Gepuddeltes Stabeisen hieraus dargestellt, war zum Verkaufspreis von Thlr, 4. 27 Sgr. pro Centner ausgelegt; der Angabe des Direktors zufolge betrugen indeß die Selbstkosten nur Thlr. 2. 25 Sgr. Die Pedroso-Eisengesellschaft, Provinz Sevilla, besitzt 3 Holzkohlenhochöfen, die jährlich 47,000 Centner Roheisen erzeugen, und 9 Puddling- und Schweißöfen; letztere verbrauchen Steinkohlen von dem nahen Villanueva. — Diese Data werden genügen, um darzuthun, daß die spanische Eisenindustrie in der That eine Aera des Fortschritts begonnen hat. Die Durchschnittspreise deS in den katalanischen Oefen dargestellten Stabeisens gab der offizielle spanische Preiskatalog auf Thlr. 4. 25 Sgr. bis Thlr. 5. 17^ Sgr. pro engl. Centner an, einzelne Sorten auch zu Thlr. 8. Die vorzügliche Qualität des spanischen Eisens, wie auch des direkt aus den Erzen dargestellten Schmelzstahls ist bekannt. Die Eisengewinnung Spaniens ward früher auf 200 bis 250,000 Centner geschätzt. Der erwähnte offizielle Katalog giebt sie indeß für 1846 auf 606,450 englische (den preußischen fast ganz gleich kommende) Centner an, was der Wahrheit näher — 179 — kommen mag. Seit dem ist sie nicht unbeträchtlich gewachsen und gegenwärtig wohl auf 750,000 Centner anzunehmen. Die dortigen Fortschritte verdienen es, mit Aufmerksamkeit verfolgt zu werden. Die spanischen Zölle erlauben keine bedeutende Zufuhr von Außen. Was eingeführt wird kommt fast ausschließlich aus England, welches 1849 an Eisen und Eisenwaaren 175,220 Centner dorthin versandte, zur Hälfte aus grauem Roheisen bestehend. f. Italien. Die Eisengewinnung der Lombardei ward bereits oben (ß. 31.) unter Oesterreich besprochen. In dem übrigen Italien sind es blos Sardinien und Toskana, wo die Eisenindustrie einigermaßen den technischen Anforderungen der Neuzeit gemäß betrieben wird. In fast allen übrigen Theilen Italiens findet sie nur in katalanischen oder korsikanischen Luppenfeuern, die in den Gebirgen und Wäldern zerstreut liegen, in geringerem Umfange statt. In statistischer Beziehung liegen fast nirgends Anhaltpunkte vor. Das Königreich Sardinien hat in Piemont (insbesondere im Thal von Aosta) und Savoyen 44 Hochöfen»), und 50 Luppenfeuer, welche meistens Spatheisensteine der italienischen Alpen verschmelzen und daraus — ähnlich wie auf der andern Seite der Alpen in der Dauphins — neben Stabeisen auch ziemlich bedeutende Quantitäten Schmelzstahl herstellen. 113 Eisen- und Stahlfeuer sind dort vorhanden. Längs der Küste, so wie auf der Insel Sardinien verschmelzen die Luppenfeuer meistens Eisenglanz von Elba. Die Angaben über die gesammte Eisenproduktion des Königreichs Sardinien wechseln bei den verschiedenen Statistikern von 70,000 bis 250,000 Centner. Man wird letztere Zahl als Minimum festhalten können; denn wahrscheinlich ist die Erzeugung noch größer. In Toskana eristiren 4 Hochöfen nebst verschiedenen Luppenfeuern, die ihre Erze sämmtlich von den berühmten Lagern der Insel Elba beziehen. Leider ist diese Ausbeutung der Naturschätze jener Insel immer nur eine verhältnißmäßig ganz unbedeutende zu nennen. — Die Jahresproduktion Toökana's wird auf 120 — 140,000 Centner geschätzt. ') Das Europäische Eiftnhüttcngewerl-c. Leipzig 1850. S. 86. 12» — 180 — In den übrigen italienischen Staaten, Modena, Parma, dem Kirchenstaat, Neapel und Sicilien, ist die Zahl der Luppenfeuer (die gleichfalls fast nur Erze von Elba verschmelzen) und deren Produktion ganz unbekannt. Die Schätzungen weichen ab von 80,000 bis 300,000 Centner, wovon auf Neapel und Sicilien- Letztere Zahl dürfte der Wahrheit am nächsten kommen. Wir hätten demnach für das gesammte Italien, mit Ausschluß der Lombardei und Venedigs, eine jährliche Eisengewinnung von 690,000 Centnern. Was Italien außerdem an Eisen bedarf, erhält es fast ausschließlich von England. Dessen Ausfuhr dorthin betrug 1849, den offiziellen Listen zufolge, 848,860 Centner, worunter die Hälfte Stabeisen und ^ Roheisen zum Vergießen. Fast das halbe Quantum dieser Aussuhr geht nach dem Königreich beider Sicilien. Z. Die Türkei hat Hüttenwerke in Macedonien, Thessalien und Bosnien. Man schätzt die jährliche Erzeugung indeß nur auf 70,000 Centner. In Serbien, in der Nähe Belgrads ist man, nach den Ooeumens 8ur Is cvmmercs extvrieur, neuerdings mit der Errichtung von Hüttenwerken beschäftigt. Auch in der Moldau und Wallache! kommen Eisenerze vor. Die Türkei bezieht ihren Eisenbedarf großtentheils aus England. 1849 betrug dessen Ausfuhr dorthin in Eisen und Eisenwaaren 441,980 Centner. Griechenland hat keine Eisenproduktion. Aus England bezog es 1849 60,620 Centner. In den übrigen kleinen Staaten Europas, die hier nicht besonders erwähnt sind, findet entweder gar keine oder doch nur ganz unbedeutende Eisengewinnung statt. Zusammenstellung der Eisenproduktion sämmtlicher Staaten Europa's. Z. 38. Wir geben in Folgendem eine Zusammenstellung der Eisenproduktion sämmtlicher Staaten Europa's mit Einschluß des asiatischen Rußlands.*) ES sind dabei, wo die genauen ') Es geschieht dies schon der Vcrgleichmig halber, indem die ältere» Statistiker die auf die asiatischen Besitzungen Rußlands fallende Eisenproduktion stets der europäischen hinzurechneten. - 18t — Nachweise vorlagen, die neuesten Jahrgänge bis zum Jahre 1850 festgehalten worden. Wo indeß einige Jahre weiter zurückgegangen werden mußte, kann dennoch das Gesammt-Resultat für 1850 als richtig gelten, indem, England ausgenommen, fast kein Land Europa's von 1847 bis 1850 Fortschritte in der Eisengewinnung gemacht hat, vielmehr 1850 das Quantum von 1847 erst wieder erreicht sein dürfte. 1851 dagegen ging die Erzeugung fast aller Länder wieder über die von 1847 hinaus. Großbritannien (1850) . . 45,000.000 Ctr. Frankreich (1846)..... 10,670,000 - Russisches Reich...... 4,969,000 - Zollverein (1850)..... 4,313,000 - Belgien (1847)...... 4,000,000 - Oesterreich (1848) .... 3,994,000 - Schweden (1847)..... 3,541,000 - Spanien.......... 750,000 - Italien........... 690,000 - Norwegen......... 215,000 - Schweiz.......... 200,000 - Steuerverein (Hannov.) 1847 159,000 - Türkei........... 70,000 - Dänemark......... 15,000 - Portugal...... 6,000 - Europa . . 78,592,000 Ctr. Diese Summe kann mit ziemlicher Genauigkeit für die Eisengewinnung von 1850 gelten. Im Jahr 1851 wird man, namentlich mit Bezug auf die Mehrproduktion Englands, das gesammte Quantum auf ^^Millionen Centner veranschlagen können. In Prozenten ausgedrückt trugen demnach im Jahr 1850 zur Gesammtproduktion Europas bei: Großbritannien...... 57,z pCt. Frankreich......... 13,6 - Russisches Reich...... 6,3 - Zollverein......... 5,5 - Belgien.......... 5,1 - Oesterreich......... 5,1 - Schweden......... 4,5 - - 182 — Spanien.......... 0, pr-uß, Pf°. Roheisen .................... Thlr. —. 10 Sgr. (Aus Belgien seit 1. Jan. 1L52: 7^ sgr.) Gußwaaren ')................. - 1. — - Stabeisen und Eisenbahnschienen...... - 1. 15 - (AusBelgiens.I.Jan. 1852: rtl.l.llisgr.) Kleineiscn unter z lH" Querschnitt ..... - 2. 15 - Stahl..................... - 1. 15 - Fa^oneisen und Schwarzblech........ . - 3. — - Weißblech und Draht............. - 4. — - ^ kro Hannöv. Ctr. 2. Steuerverein. -isoPfd. Roheisen................^ . . . frei. Gußwaaren.................. Thlr. —. 22; Sgr. Stabeisen"). ................. - 1. 1i - Stahl...................... - 1. tt - Schwarzblech.................. - —. 12z - Weißblech ................... - — 22z - Draht ^ ... - - 2. 2z - *) Unter den Gußwaaren sind hier stets nur die groben Erzeugnisse der Eisengießerei verstanden. "') Sckienen zu den Staatsbahnen gehen seit 1S48 frei ein. In dem nordwestlichen Theil des Steuervereins werden Schmiede- und Nageleisen zu bedeutend ermäßigten Sätzen zugelassen. — 132 — 3' Oesterreich, Wiener C.r. ». Seitheriger Tarif: z ng,? x«uß. Pfd. Draht..................... Fl.6, —Kr. CM. Cement - und Gußstahl........ . . . . - 3. 30 - - Alle übrigen Eisen- und Stahlsorten .... verboten. Ii, Neuer Tarif, seit 1. Februar 1852: pro Zoll-Ctr. Roheisen.................... Fl.-. 45 Kr. C.M. (Ueber die südliche Grenze 1 Fl.) Gußwaaren................... - 2. — - - Stabeisen................... - 2. 30 - - (Neber die südliche Grenze Fl. 3. 30 Kr.) Eisenbahnschienen............... - 3. 30 - - Stahl.......",»Z^«5.M5K» - 4. — - - Eisenblech, schwarzes............. - 4. — - - Weißblech, Stahlblech und Draht ....... 5. - - - 4. Großbritannien. Verarbeitetes Eisen und Maschinen..... 10 pCt. v. Werth. Alles übrige Eisen.............. frei. pro metr. Ctr. s. Belgien, (vroit integral.) «) ä looKil. (2lZ,8Pfd. Roheisen.................... Francs 5. — Cts. Roheisen, raffinirtes (Feinmetall)...... - 13. 40 - Gußwaaren.................. - 13. 40 - Stabcisen................... - 12. 70 - Stahl..... - —. 80 Schwarzblech.................. - 25. — - Weißblech................... - 25. - - - öl .xDraht'. (^.'1 ... ............ l K- 9V - 6. Frankreich, (vroit integral.) ") i-r° m-tr. Ctr. Roheisen.................... Francs 7. — Cts. Roheisen, raffinirtes.............. - 12. — - Gußwaaren.................. verboten. Schmiedeeisen, nach den Dimensionen . . von Francs 15. — Cts. bis - 41. 20 - Walzeisen, nach den Dimensionen.... von - 18. 75 - bis « 41. 20 - Stahl, Roh- und Ccmcntstahl . ^ . . . ^ . - 60. — - Stahl, Gußstahl..... - 120. — - Schwarzblech ^ ..... ^ ^ ^ . ^ .'. . - 40. — - Weißblech . . . . .' .' .'.' / .'.' ^ . .' .' ' « 70. - - Draht. .................... . - K0. - - ") Bei der Einfuhr zu Land oder unter nicht begünstigter Flagge erhöhen sich diese Sätze verhältnißmäßig. ") Wie bei Belgien; außerdem tritt die vecime n-Mtioimelle hinzu. — 193 - 7. Schweden. ?r<> Schisspst. -zMr. Roheisen.................... verboten. Gnßwaare».................. 25 pCt, v, Werth. Grob, ise»....................Rthlr. 3. — Sch. Kleincisen................... - 5. — - Stahl, Noh- und Ccmcntstahl........ verboten. Stahl, Naffinirstahl . .............Rthlr. 15. —Sch. Stahl, Gußstahl................. - k. - - Bleck...................., . verboten. Blccl'platten..................Rthlr. 9. — Sch. Draht...................... verboten. >z n, ^< >. ?ro Pud ^ Rußland. -Z°,r°uß.Pfd. Roheisen zur See ............... vcrboicn. Roheisen zu Land............... Rub. —. 50 Kop. Gußwaaren zur See.............. - —. S0 - Gußwaaren zu Land ............. - —.50 - Stabeiscn zur See.............. verboten. Stabcisen zu Land............... Rub. —. 50 Kop. 5 ,. Stahl..^, -. .V. , ., . ..^ , j ^ I'sj5>!-7^?^?'^U ,^M'ch. . . ..s/!« . , ?- -7„.«,'s' - Mht...''.^^ -'^^t«'8^ l ? WH? llKZNZ?KijjkIÄKl>))<»!' „ ^ . _ kro C-r. din. 9. Dänemark. - io° x„uß. Pfd. Roheiten . ................... ftei. Stabcisen................... Rbthlr.-. 3K Sch. Scbwarzblccb, starkes............. - —. 3K - Sclwarzbleä', dünnes............. - 1. 43 Weißblech...... ^ ^ ^ ^ . 2. 32 - ,„ ^ „ . ?r» Holland. <5tr. ^'^ Holland. ä 1°5^ xr.uß. Pfd. Roheisen.................... 1 pCt. v. Werth. Gußwaaren........... ....... k - - Stabeisen. . . . ?............... 1 - - Stahl...................... Fl. —. 20 Kr. Blech...... ................... k"pCt. v. Werth. Draht..................V. . Fl. t. 50 Kr. , < ^ . > Z°-Etr. Schweiz. - io°,g p„uß. Pf». Roheisen . . . ................. Fl. —. 8 Kr. Gußwaare», v . ^. . : . : .. . i'. 1 . ? . —. 2V » Stabcisen, gcwalzteS.............. - —.20 - Stabcisen, gcscbmiedetes............ - —.40 - Eisenbahnschienen............... - —. 8 - Scbwarzblech.........von 8 Kr. bis - —. 40 - Weißblech . .... /. . . . ^ ! - —.- 13 - 194 — 12. Vereinigte Staaten von Nord-Amerika. Eisen und Stahl............... 30 pCt, v, Werth. Anmerk. Die angeführten ausländischen Münzen betragen in Preußischem Courant: Französische Francs s 100 Cent. . . Thlr. —. 8. — Pf. Schwedische RcicbSihaler » 12 Sänll. ---- - —. 17. 1 - Russische Rubel it 1U0 Kopeken . . - 1. 2. 3 - Dänische Ncichsbankthlr. -> 3K Schill. - —. 22. 6 - Holländische Gulden........ . - -. 16. 10 - ................ . ^ , . ^ Entwickelungsgeschichte der Eisenzölle. .m!a6n«l UVr^:^s. .....,.>>.. Z?T »z^oy,«. Ä. Die auswärtigen Staaten. §. 42. Die Zollsätze des Steuervereins bestehen ziemlich unverändert seit dessen Zusammentritt. Nur ist nachträglich erst die Steuerfreiheit. der Eisenbahnschienen ausgesprochen worden. Ueberdies zahlt Schmiedeeisen in den nordwestlichen Theilen deS Stcuergebietes statt des Normalsatzes von 1 Thlr. nur 7^ Sgr. -- Durch den Zollanschlußvertrag vom 7. September 1851 verpflichtet sich Hannover vom 1. März 1853 an die Eisenzölle des Zollvereinstarifs einzuführen. Die wesentliche Aenderung, die im Augenblick in dem österreichischen Zollsystem vor sich geht, wird in Bezug auf die Eisenzölle aus vorstehender Zusammenstellung der bisher und der in Zukunft gültigen Sätze klar. In den verbotenen Artikeln wurde allerdings auch bisher schon die Einfuhr auf besondere Erlaubnißscheine gestattet, es traten aber alsdann folgende hohe Sätze in Wirksamkeit: Roheisen ^ , V . '. Fl. 2. 24 Kr. C. M. ,ä!7,W .t-Oußwaaren.. ,..,.„ 5. 24 „ „ 0.'. .1 Grobeisen .... „ 4. 12 „ „ Stabeisen .... „6. — „ ,, - Rohstahl.....„ 6. - „ „ Schmelzstahl ... „ 7. 12 „ „ Schwarzblech.....„ 9. 36 „ „ Weißblech .... „15. 36 „ „ Bei einem solchen Zollsystem, das bereits seit langen Zeiten Unverändert in Geltung war, blieb natürlich das österreichische - 195 — Eisengewerbe vollkommen isolirt, umsomehr als Eisen ein Artikel ist, der sich nicht wohl mit Gewinn einschmuggeln läßt. Bei den Eisenzöllen des neuen Tarifs ist dagegen schon eine bedeutendere Mitbewerbung des Auslandes mit Sicherheit zu erwarten. In Großbritannien war die Roheiseneinfuhr bis zum Jahre 1825 gänzlich prohibirt und nur ausnahmsweise von 1750 bis 1775 den britisch-amerikanischen Kolonien die zollfreie Einsuhr gestattet. Die Zolle auf Stabeisen betrugen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts L 2. 16 sd. pro Ton, wurden aber allmälig erhöht und zwar bis auf L 6. 10 sk. im Jahre 1819. Dabei war allerdings das inländische Eisengewerbe mit ziemlich bedeutenden Produktionssteuern belastet. Die handelspolitischen Reformen Huskissons, wozu das preußische Zollgcsetz von 1818 die Anregung gegeben halte, brachten eine bedeutende Aenderung in diese Verhältnisse. 1825 ward Roheisen auf 1 L und Stabeisen auf 3 L pro Ton herabgesetzt, während die Zölle der andern Eisenfabrikate enlsprechenve Reduktionen erlitten. Fernere Herabsetzungen brachten die Tarife von 1841 und 1842, nämlich Roh-isen auf 10 sk. und 5 sk., Stabcisen auf L 1. 10 sd. und 1 L pro Ton. Im Jahr 1846 endlich erfolgte die gänzliche Aufhebung aller Eisenzölle, mit Ausnahme derjenigen, welche verarbeitetes Eisen und Siahl betreffen; diese betragen auch jetzt noch 10 Prozent vom Werthe, also etwa von 15 Sgr. bis 20 Thlr. pro Centner. In Belgien war bis zur Lostrennung von Holland Roheisen mit 55 Cent., Stabeisen mit 9 Fr. pro 100 Kilogr. besteuert. 1831 ward ersterer Zoll auf Fr. 2. 10 Cent., letzterer auf Fr. 12. 70 Cent, erhöht, gleichzeitig vom Roheisen das sogenannte Feinmetall (lorite msc^s) ausgeschieden und mit dem Satze von Fr, 13. 40 Cent, pro 100 Kilogr. belegt. Die sinkenden Preise des englischen Eisens veranlaßten im April 1843 eine abermalige Erhöhung des Roheisenzolls von Fr. 2. 10 Cent, auf den in vorstehender Zusammenstellung erwähnten Satz von 5 Fr. In Frankreich waren im vorigen Jahrhundert die Eisenzölle ziemlich niedrig. Die Erhöhung auf das ungefähre Niveau der jetzigen Zollsätze erfolgte durch das Gesetz vom 21. December — 196 — 1814. Mehrere im Jahre 1822 vorgenommene Erhöhungen wurden 1836 wieder beseitigt. Die neue Tarifirung des Eisens datirt vom 25. Juni 1845; im Ganzen sind indeß seit 1814 keine Aenderungen vorgekommen, die von wesentlichem Einfluß auf die Lage der Eisenindustrie gewesen wären. In Nuß land sind die vorstehend angegebenen Satze erst durch den neuen Tarif (Ukas vom 10 November 1850) seit dem 1. Januar 1851 eingeführt, der jedoch, was die Eisenzülle betrifft, keine bedeutenden Aenderungen der früheren Sätze anordnet. Eine bedeutende Einfuhr ist bei diesen Sätzen unmöglich. Die Maschinen gehen meist ganz frei ein- Die bei der Schweiz angegebenen niedrigen Zollsätze sind erst seit dem 1. Februar 1850 in Kraft. Bis dahin zahlte das Eisen an eidgenössischer Grenzsteuer nur 4 Kr., und feinere Waaren 8 Kr. pro Centner. Außerdem erhob aber jeder einzelne Canton seine besonderen Zölle, was jetzt weggefallen ist. In den übrigen europäischen Staaten, wovon in vorstehender Zusammenstellung die Eisenzölle mitgetheilt worden sind, bestehen dieselben theils seit langer Zeit unverändert fort, theils kann es kein Interesse gewähren, deren Entwicklung zu verfolgen. In den Vereinigten Staaten Nord-Amerikas haben vielfache Schwankungen der Zollsysteme stattgefunden. Von 1804 bis 1812 betrug der Zoll 15 und von da bis 1816 30 Prozent vom Werth. Von da ab stieg Roheisen erst auf 10 Doll. und 1828, wo überhaupt alle Eisenzölle am höchsten standen, auf Doll. 12. 50 Cent, pro Ton. Walzeisen stieg von 1816 bis 1828 von 30 Doll. bis 37 Doll.. und Schmiedeeisen von 9 Doll. auf Doll. 22. 40 Cent. Von da traten nun stufenweise Ermäßigungen ein (beim Walzeisen alle 2 Jahre um 3 Doll. pro Ton), Ende 1842 zahlte Walzeisen nur 7^ Doll, pro Ton (etwa 14 Sgr. pro Centner) mehr. Von da ab stiegen die Zölle wieder und stehen gegenwärtig auf 30 Prozent des Werthes. Es geht hieraus hervor, daß gegenwärtig folgende Staaten bei der Besteuerung des Eisens vom Prinzip des Schutzes der einheimischen Industrie geleitet werden: Zollverein, Oesterreich, Belgien, Frankreich, Rußland, Schweden und die Vereinigten Staaten. Bei den übrigen Ländern liegen nur finanzielle Tendenzen zum Grunde. — 197 — b. Der Zollverein. §. 43. Die geschichtliche Entwicklung der Eisenzvlle Preußens und des Zollvereins geht aus folgender gedrängten Darstellung hervor*). Das Roheisen ging in Preußen stets frei ein und ebenso im Zollverein bis zum 1. September 1844. In den meisten der 1834 zum Verein betretenden Staaten hatten zwar Roheisenzöllc bestanden, die jedoch nur in Sachsen von einiger Bedeutung waren. Sie betrugen dort vor 1834 7^ Sgr. pro Centner, im baierisch-würtembergischen Verein 12^ Kr. pro baier. Centner und in Baden 5 Kr. pro Zoll-Centner. Da nach den Prinzipien der preußischen Zollgesetzgebung von 18l 8 Rohstoffe gar nicht und Halbfabrikate nur dann mäßig besteuert wurden, wenn ein besonderes Schutzbedürfniß vorlag, so war es unter den damaligen Konkurrenz-Verhältnissen erklärlich, wenn man ein Halbfabrikat, wie das Roheisen, gleich seinem eigentlichen Rohstoff, den Erzen, zollfrei eingehen ließ. Diese Verhältnisse erlitten indeß, seit dem Zusammentritt des Zollvereins, wesentliche Veränderungen. Die erste lag in dem raschen Sinken der Selbstkosten und Verkaufspreise des britischen und belgischen Cvakseisens, während diese früher den deutschen Preisen ziemlich gleich standen; die zweite in dem allmäligen Uebergang der inländischen Stabeisenfabrikation von der Holzkohlenfrischerei und den Hammerwerken ^auf die Steinkohlenfrischerei und die Walzwerke. Die erstere Methode schloß die Benutzung des schlechten ausländischen Cvakseisens fast gänzlich ans; folglich lag in dem Stabeisenzoll gleichzeitig ein Schutz für die Roh- eisenindustrie, indem nämlich die Stabeisenfabrikation, so lange jene Methode befolgt ward, vornehmlich auf die Verarbeitung inländischen Roheisens beschränkt war, das ausländische also nur in dem Verbrauch für Gießereien konkurrirte. So wie sich aber die Puddlingfrischerei entwickelte, die sich hauptsächlich auf Hierüber siehe auch die Schrift: Der Zollverein. Seine Verfassung, sein handelspolitisches System und die Entwickelung der Tarifsätze seit ISIS. Von W. Oechelhäuser. Frankfurt a> M. 1851. Z. 9. — 198 — den Bezug ausländischen Roheisens zu stützen begann, fiel jener indirekte Schutz, der im Stabeisenzoll sür den inländischen Hochofenbetrieb lag, von selbst weg, und der Einfluß hiervon mußte sich bald um so empfindlicher geltend machen, als zugleich das erwähnte außerordentliche Fallen der ausländischen Preise und Selbstkosten stattfand. Auch die Eisenbahnen, obgleich sie den Eisenverbrauch so außerordentlich steigerten und also unter normalen Verhältnissen die Lage des Gewerbes hätten bessern müssen, erleichterten die Bedrängniß des inländischen Hochofenbetriebs nicht, indem zu ihrer Anfertigung im Wege der Puddlingfrischerei fast nur ausländisches Coakseisen verwandt wurde. Diese thatsächlichen Aenderungen der ökonomischen Lage unserer Eisenindustrie im Verhältniß zum Ausland muß man im Auge behalten, indem sich hieraus ergiebt, daß die Auflegung des RoheisenzollS, eine der wichtigsten Aenderungen, die seit 1818 im Zollvercinstarif vorgenommen wurden, durchaus nicht etwa auf Rechnung einer gestiegenen Schutzzolltendenz zu setzen ist. Nach den Prinzipien des Tarifs von 1818 und der bei der ersten Feststellung der Zollsätze befolgten Praris, mußte konseanenterweise eine Besteuerung deS Roheisens, so gut wie es beim Kupfer, Blei, Zink u- f. w. geschah, Platz greifen, wenn in den objektiven Verhältnissen damals schon eine solche Veranlassung dazu vorlag, wie sich seit 1340 ergab. Die mit den sinkenden Preisen des ausländischen Roheisens steigende Nothlage der inländischen Eisenindustrie hatte namentlich seit 1840 zu Klagen der Hochofenbesitzer Veranlassung gegeben, die nicht länger zu überhören waren. Im Frühjahr 1842 ward von der preußischen Regierung eine Konferenz von Eisenproduzenten und Eisenhändlern zur Berathung über diese Frage zusammenberufen. Obgleich nun damals die Preise schon so weit gewichen waren, daß graues schottisches Roheisen zu Thlr. 12. 28 Sgr. pro 1000 Pfund nach Berlin bezogen, und obgleich auf's evidenteste nachgewiesen wurde, daß man in Schottland und Wales wirklich im Stande sei, zu solchen Preisen noch mit Nutzen zu verkaufen, so glaubte sich doch die Mehrheit der Königlichen Kommissare gegen die Auflegung eines RoheisenzollS aussprechen zu müssen. Die Motivirung hob vom Standpunkte des Freihandels aus das Uebergewicht der bei der Konsumtion scher die bei der Produktion betheiligten Interessen hervor; sie — 199 - bezweifelte ferner, daß die Einfuhr des ausländischen Coaks- eisens das in Qualität so weit abstehende inländische Holzkohleneisen verdrängen oder dessen Preise wesentlich Herabdrücken könne; sie betrachtete endlich die damalige Lage des ausländischen Eisengeschäfts als eine nur vorübergehende Krise, wie solche von Zeit zu Zeit bei jedem Geschäfte vorkämen. — Die kontroverse über den ersten Punkt, also über die prinzipielle Zulässigkeit von Eisenzöllen dauert noch heute fort. Was dagegen den zweiten und dritten Punkt betrifft, so wird heut zu Tage Niemand mehr geneigt sein, jene Behauptungen zu vertreten, indem eine zehnjährige Erfahrung sowohl die Abhängigkeit unserer Preis- und Ab- satzverhältiiisse von dem schottischen und belgischen Eisenmarkt, als auch namentlich dargethan hat, daß bei Preisen, wie sie damals bestanden, für Schottland von keiner Krise im Eisengeschäft die Rede sein konnte. Denn in den 10 Jahren seit 1842 haben die schottischen Preise nur 3^ Jahre lang, von Mitte 1844 bis Ende 1847 höher, dagegen von 1843 bis Mitte 1844 und wieder von 1848 ab bis gegenwärtig, also 6^ Jahre lang, noch niedriger gestanden als zur Zeit jener Konferenz, und fand dabei noch die großartigste Erweiterung der dortigen Produktion statt, — ein Beweis, daß der Betrieb bei diesen Preisen noch lohnend war. Ein Minoritäts-Erachten der Königlichen Kommission sah diese Entwicklung schon damals richtig voraus und beantragte einen Roheisenzoll von 10 Sgr. pro Centner. Dem Majoritätserachten gemäß stimmte Preußen gegen die Einführung des Roheisen- und Erhöhung des Stabeisenzolls, als diese Fragen im Herbste desselben Jahres auf der fünften General-Konferenz zu Stuttgart zum ersten Mal zur Verhandlung kamen. Würtemberg, Baden, Churhessen und Nassau, unter Beitritt mehrerer thüringischen Staaten, beantragten einen Roheisenzoll von 15 Sgr., Sachsen und Großherzogthum Hessen von 10 Sgr. pro Centner. Braunschweig und Baiern waren mit Preußen dem Roheisenzoll entgegen; eventuell war Baiern bereit, einem Satze von 5 Sgr. seine Zustimmung zu geben. Uebrigens wurde von Preußen anerkannt, daß eine längere Fortdauer der eingetretenen Preisverhältnisse die Auslegung eines Roheisenzolls nöthig machen werde. Im Herbst 1843, auf der sechsten General-Konferenz zu — 200 — Berlin, wurden die betreffenden Anträge auf's Dringendste erneuert. Da nun inzwischen das Fallen der Preise ununterbrochen fortgedauert hatte (1842 war der Durchschnittspreis zu Glasgow 50 sk., 1843 sogar nur 40 «n. pro Ton), so erklärte sich Preußen mit dem von Sachsen und Hessen-Darmstadt beantragten Satze von 10 Sgr. einverstanden. Auch Braunschweig und Baiern stimmten bei, letzteres allerdings nur mit Vorbehalten, die es aber auf der nächsten Konferenz fallen ließ. Sonach würde die Einigung auf diesen Satz erfolgt und derselbe vom Beginn der neuen Tarifperiode, dem 1. Januar 1844 an in Gültigkeit getreten sein, hätten sich nicht über einige andere Punkte der Eisentarifirung Anständc gefunden, die aus Mangel an Instruktionen im Laufe der Konferenzen nicht mehr erledigt werden konnten. Preußen hatte nämlich, gegen das Ende der Konferenz, eine neue Fassung der ganzen Eisenpositivn in Vorschlag gebracht, dieselbe, welche der heutige Tarif erhält. Es blieb also nichts übrig, als die Sache im Korrespondenzwege zu erledigen. Gleich- zeilig verflochten sich in diese Angelegenheit die mit Belgien wegen eines Vertrages angeknüpften Unterhandlungen. Das Benehmen der belgischen Regierung im Frühjahr 1844 war im Begriff, einen Handelskrieg mit dem Zollverein zu entzünden, und schon war diesseits angeordnet worden, daß vom 1. September 1844 an das belgische Eisen einer um 50 Prozent erhöhten Eingangssteuer unterworfen werden sollte, als das plötzliche Nachgeben von jener Seite in sehr kurzer Frist zu dem Abschluß des bekannten Vertrages führte. Mit dem 1. September 1844 ward hiernach im Zollverein ein Normalzoll auf Roheisen von 10 Sgr. eingeführt, für belgisches Erzeugniß derselbe aber auf 5 Sgr. ermäßigt. Ursprünglich galt dieses Zugeständniß nur für die Ueberfuhr auf der belgisch-preußischen Landgrenze; es ward aber bald darauf auch auf den Weg über Maas und Rhein ausgedehnt, eine Concession, die es allein dem belgischen Eisen möglich gemacht hat, selbst auf dem rechten Rheinufer und in Westphalen mit dem schottischen erfolgreich zu konkurriren. Wir werden im Verlaufe dieser Abhandlung ausführlich auf diesen für den ganzen vereinsländischen Hochofenbetrieb so ominösen Vertrag zurückkommen. Wie schon erwähnt, bestehen die jetzigen Eisenzölle unverän- — 201 — dert seit dem 1. September 1844. Inzwischen wiederholten Nassau, Baden, Churhessen und auch Sachsen 1845 auf der siebenten General-Konferenz in Karlsruhe den früheren Antrag auf einen Roheisenzoll von 15 Sgr. Auch 1846 auf der vorletzten Konferenz zu Berlin ward dieser Antrag von Nassau eingebracht, eventuell die Ausscheidung und höhere Besteuerung des Feinmetalls vorgeschlagen. Allein die übrigen Staaten konnten sich ebensowenig auf dieser wie auf der letzten (Wiesbader) Konferenz von 1851 zu einer Abänderung der bestehenden Sätze entschließen. Nach den im Jahr 1848 von dem volkswirtschaftlichen Ausschuß der Nationalversammlung angestellten Enqueten grup- piren sich die eingelaufenen Anträge der Sachverständigen und Produzenten hinsichtlich des Roheisenzolls in einer Weise, die in ziemlich richtigem Verhältniß zu dem wirklich stattfindenden Schutzbedürfniß der einzelnen Eisendistrikte des Zollvereins stehen dürste. Die Hüttenbesitzer Schlesiens erklärten sich mit dem Satz von 10 Sgr. befriedigt, ebenso die im preußischen, braunschweigischen und anhaltinischen Harz. Im Königreich Sachsen sprach sich das Königl. Ober-Bergamt Freiburg für eine Erhöhung auf 15 Sgr. aus; die einzelnen Interessenten gingen in ihren Anträgen theilweise noch viel weiter. Ebenso sprachen sich die thüringischen Eisenproduzenten aus. In Süddeutschland, insbesondere Wür- temberg, wo der Hüttenbetrieb vollständig, und Baden, wo er größtentheils in Händen des Aerars ist, so wie auch in Rhein- baiern, verlangte man dringend die Erhöhung auf 15 Sgr. Nassau und beide Hessen verlangten einen Rvheisenzoll von 15 Sgr. unter Ausscheidung des Feinmetalls zu 20 Sgr. Das Königl. Ober-Bergamt Bonn sprach sich für den Satz von 15 Sgr. aus, indem derselbe sowohl der Lage der Roheisenproduktion entspreche, als mit dem Stabeisenzoll von Thlr. 1. 15 Sgr. in richtigerem Verhältniß stehe. Die Hnttenbesitzer der Rheinprovinz, Westphalens und des Siegerlandes endlich beantragten die Beibehaltung des Satzes von 10 Sgr. für alles graue (vornehmlich zum Vergießen bestimmte). Roheisen, während nicht blos das Feinmetall, sondern auch alles weiße und halbirte Roheisen auszuscheiden und mit 15 Sgr. pro Centner zu belegen sei. Neber- dies beantragten alle Roheisenproduzenten von Rheinpreußen, — 202 — Westphalen, Nassau und Hessen in erster Linie die Aufhebung jeder Begünstigung des belgischen Eisens. — Beachtenswerth ist überdies, daß die Nvthwendigkeit einer Besteuerung ausländischen Roheisens auch von den Stabeisen-, Gußwaaren-, Eisenwaaren- und Maschinenfabrikanten fast einstimmig anerkannt wurde, worüber in den Frankfurter Akten zahlreiche Dokumente vorhanden sind. Die Geschichte des Stab eisen zolls ist ganz in die des Roheisenzolls verflochten. Die Gesetzgebung von 1818 betrachtete das Stabeisen schon mehr als Ganzfabrikat und belegte es daher, den Prinzipien des angenommenen Schutzsystems gemäß, mit dem genügenden Zollsatz von 1 Thlr. pro Centner (in den westlichen Provinzen von 1818 bis 1821 nur 15 Sgr.) Vor dem Zusammentritt des Zollvereins zahlte Stabeisen im baierisch- würtembergischen Verein Fl. 3. 20 Kr. pro baier. Centner, in Baden Fl. 2. 5 Kr. pro Zoll-Centner, und in Sachsen 20 Sgr. pro Centner. Obgleich nun sowohl bei den Anschlußverhand-- lungen mit Würtemberg und Baden als auch 1836 auf der ersten General-Konferenz des Zollvereins zu München von jenen Staaten, unter Hinzutritt von Nassau, Anträge auf Erhöhung des Satzes von 1 Thlr. gestellt wurden, ergab sich doch nicht eher eine Chance für deren Annahme, als bis sich die Nothwendigkeit einer Zollauflegung auf Roheisen herausstellte. Als Aequivalent für diesen Zoll von 10 Sgr. trat demnach mit dem 1. September 1844 der Satz von Thlr. 1. 15 Sgr. für Stabeisen in Kraft. Dagegen ward belgisches Stabeisen nur mit Thlr. 1. 7^ Sgr. belegt. — Von den im Jahre 1848 eingelaufenen Anträgen und Gutachten, sprach sich die weit überwiegende Zahl für Beibehaltung der Stabeisenzölle aus, unter Wegräumung jedoch der Begünstigung Belgiens. Stabeisen in kleineren Dimensionen ging von 1818 bis zu Ende 1836 zum gewöhnlichen Satze von 1 Thlr. pro Centner ein. Von da ab wurden Rundeisen unter ^- Zoll Durchmesser, Quadraieisen unter ^ und Flacheisen unter Zoll Stärke mit dem Zollsatze des Eisenblechs von 3 Thlrn. belegt. Bei der neuen mit dem 1. September 1844 in Wirksamkeit tretenden Tarifirung ist alles Stabeisen unter ^ Quadratzoll Querschnitt auf Thlr. 2. 15 Sgr. herabgesetzt worden. Fayonirtes Eisen trug von 1818 bis zum 1. Septem« — 203 — der 1844 nur den Stabeiscnzoll von 1 Thlr. Mit diesem Termin ward es ausgeschieden und mit 3 Thlrn. belegt. Ausgenommen blieben jedoch die Eisenbahnschienen, die noch jetzt den Stabeisenzoll von Thlr. 1. 15 Sgr, tragen. Ja eS ward sogar im Jahre 1843 auf der sechsten General-Konferenz von mehreren Staaten heftig bekämpft, die Schienen nur an der Erhöhung des gewöhnlichen Stabeisenzolls von 1 Thlr. auf Thlr. 1. 15 Sgr. theilnehmen zu lassen, indem damals noch sehr wenige inländische Werke auf deren Erzeugung eingerichtet waren. Schwarzblech und Eisenplatten zahlten nach dem Tarif von 1818 in den östlichen Provinzen Preußens Thlr. 2. ?H Sgr., in den westlichen 2 Thlr. Von 1822 bis 1831 waren sie mit 3 Thlrn., von 1832 bis 1836 mit Thlr. 3. 20 Sgr., von 1837 aber bis jetzt wiederum mit 3 Thlrn. besteuert. Weißblech zahlte 1818 in den östlichen Provinzen 4 Thlr., in den westlichen nur Thlr. 2. 15 Sgr. Von 1822 bis 1836 trug es dieselben Zölle wie Schwarzblech, ward jedoch 1837 wieder ausgeschieden und mit dem noch jetzt gültigen Satze von 4 Thlrn. belegt. Anträge, die Frankfurt und Würtemberg auf mehreren Zollkonferenzen wegen Herabsetzung des Weißblechzolles stellten, wurden abgelehnt. Die von dem volkswirthschaftlichcn Ausschuß der Nationalversammlung 1848 angestellten Enquöten ergaben dagegen vielfache Anträge von Seiten der Produzenten auf Erhöhung nicht blos, der Zölle des Weißblechs, sondern auch der dünneren Sorten von Schwarzblech unter h Pfund pro Quadratfuß. Eisen - und Stahldraht sind im Tarif von 1818 mit Thlr. 2. 15 Sgr. für die östlichen und 2 Thlrn. für die westlichen Provinzen belegt; von 1822 an besteht derselbe Zoll sür Draht wie für Weißblech. Auch in Bezug hierauf sind sehr viele Anträge auf Erhöhung des Zolles der feineren Nummern (des Kratzendrahtes) eingegangen, so wie auf Beseitigung der Einfuhrbegünstigungen auslandischen Drahtes für die Kratzen- sabriken. Die Stahlzölle haben im Vereinstarif ein eigenthümliches Schicksal gehabt. 1818 nahm der Stahl im preußischen Tarif eine besondere Position ein; Rohstahl zahlte in den östlichen Pro- — 204 - vinzen 1 Thlr., in den westlichen 15 Sgr. und Raffinirstahl gleichmäßig 22^ Sgr. Schon von 1822 an wurden jedoch alle Stahlsorten der Stabeisenposilion einverleibt, trugen also bis zum 1. September 1844 1 Thlr. und von da ab Thlr. 1. 15 Sgr. Dabei blieben aber ausfallenderweise mit Ansang 1837, wo das Kleineisen ausgeschieden und mit 3 Thlrn. belegt ward, die entsprechenden feineren Stahlsorten von dieser Erhöhung ausgenommen. Um diese offenbare Versäumnis; nachzuholen, brachte Preußen schon auf der folgenden General-Konferenz den Antrag auf Gleichstellung des Stahls mit den entsprechenden Dimensionen des Stabeisens ein und wiederholte denselben auf der dritten, fünften, sechsten und siebenten Konferenz aufs Dringendste. Von allen übrigen Vereinsstaaten unterstützt, scheiterten die Anträge gleichwohl an dem beharrlichen Widerspruch Baierns. Es ist dies einer der auffallendsten Vorgänge in den Verhandlungen der Vereinsstaaten, wo eine von allen übrigen Regierungen erstrebte Maaßregel durch den Widerspruch einer einzigen undurchführbar wurde und hier um so auffallender als selbst die früheren Stahlzölle des baierisch-würtembergischen Vereins höher als Thlr. 1. 15 Sgr., nämlich auf Fl. 3. 20 Kr. gestanden hatten. — Die Ausscheidung und Erhöhung der Sätze aus Stahl ist seit Jahren ein Gegenstand der lautesten Wünsche der Eisenindustrie gewesen. In den Zöllen auf Eisenfabrikate sind nur wenige Veränderungen vorgenommen worden. Grobe Eisengußwaaren zahlten nach dem Tarif von 1818 in den östlichen Provinzen 1 Thlr., in den westlichen 15 Sgr. Von 1825 an gilt der noch jetzt bestehende Satz von 1 Thlr. Eine Erhöhung dieses Zolls ward zwar bei Gelegenheit der Auflegung des Roheisenzolls zur Sprache gebracht, jedoch nicht für unumgänglich nothwendig erachtet; auch sind von Seiten der Betheiligten keine sehr dringenden Anträge in dieser Richtung eingelaufen. Die bedeutungsvollste Aenderung, welche in Bezug auf diesen Satz erfolgt ist, betrifft die gußeisernen Maschinentheile. Dieselben sind nämlich im Wege der Berichtigung des Waarenverzeichnisses in diesen Satz zu 1 Thlr. verwiesen worden, obwohl sie nach der Fassung von p08. 6. s. 2. unter die gewöhnlichen Eisenwaaren mit dem Zolle von 6 Thlrn. gehören. Gegen drei Viertheile der .?iD-ZIok °'i — 205 — eingeführten Maschinen und Maschinentheile sind auf diese Weise im Zollverein zu dem Satze von 1 Thlr. eingeführt worden. Sehr häufig wurden überdies noch weiter gehende Zollnachlässe bewilligt, früher auf allgemeine Rechnung des Vereins, jetzt dagegen nur noch zu Lasten des betreffenden Staates. Die gewöhnlichen Eisen- und Stahlwaaren zahlten 1818 in den östlichen Provinzen Preußens Thlr, 6. 17-z Sgr., in den westlichen Thlr. 5. 2^ Sgr.; seit 1822 gilt unverändert bis jetzt der Satz von 6 Thlrn. Feine Waaren dieser Gattung trugen 1818 den Satz der groben kurzen Waaren mit Thlr. 24 I3tz Sgr, resp. Thlr. 20. 10 Sgr. Seit 1822 gilt dagegen der Satz von 10 Thlrn. Anträge Sachsens auf Erhöhung dieses Zolls, sowie Churhessens und Würtembergs auf Ausscheidung und höhere Besteuerung der Gewehre, beziehungsweise der lakir- ten Blechwaaren, fanden auf den General-Konferenzen keine Berücksichtigung. Nur wurden 1845 auf der siebenten Konferenz die Nähnadeln auf Antrag Preußens ausgeschieden und den kurzen Waaren zu 50 Thlrn. pro Centner zugetheilt. — Die mehr- erwähuten Enqueten des volkswirthschaftlicheu Ausschusses in Frankfurt ergaben namentlich von Seiten der bergischen, märkischen untz thüringischen Eiseuwaarenfabrikanten die dringendsten Anforderungen hinsichtlich genauerer Klassifizirung und höherer Besteuerung der feinen Artikel, die der Satz von 10 Thlrn. offenbar ganz ungenügend und theilweise kaum mit 5 bis 10 Prozent des Werthes schützt. Ausgangszölle bestehen für Erze und Roheisen; jene zahlen 5 Sgr., dieses 7^ Sgr. pro Centner, jedoch mit vielfachen Ausnahmen auf verschiedenen Grenzstrecken. Die gegenwärtige, seit dem 1. September 1844 in Kraft befindliche, Tarifirung des Eisens, nebst den gültigen Ausnahme- Bestimmungen, ergiebt sich aus folgender dem amtlichen Tarif entnommenen Zusammenstellung: ^, ^ >, ^ ^. > », kro Zoll-Ttr. kos. e, E.sen Uttd Stahl, ü I0K,9 r-r-uß. Pfd. a) Roheisen aller Art; altes Brucheiscn, Eisenftile, Ham- merschlag. Thlr.—. 10 Sgr. Ii) Geschmiedetes und gewalztes Eisen (mit Ausnahme des faconirten) in Stäben von j Quadratzoll Prcuß, im Querschnitt und darüber; desgleichen Luppeneisen, Ei- — 206 — Zoll-Ctr. ä ios,g prcuß. Pft. senbahnschiencn, auch Noh- und Cementstahl, Guß- und raffinirter Stahl..................Thlr. t. 15 Sgr. c) Geschmiedetes und gewalztes Eisen (mit Ausnahme des fa^onirtcn) in Stäben von weniger als H Quadratzoll preuß. im Querschnitt............... „ 2. 15 „ il) Fa^onirteS Eisen in Stäben; desgleichen Eisen, welches zu grobe» Bestandtheilen von Maschinen und Wagen (Kurbeln, Achsen nnd dergl.) roh vorgcscbmiedet ist, insofern dergl. Bestandtheile einzeln einen Centner nnd darüber wiegen, auch Pflugscharencisen; scbwarzcS Eisenblech, rohes Stahlblech, rohe (unpolirte) Eisen- und Stahlplatten; Anker, sowie Anker-und Schiffsketten „ 3. — » e) Weißblech, gefirnißtes Eisenblech, polirtes Stahlblech, polirte Eisen- und Stahlplatten, Eisen- und Stahldraht „ 4. — „ An merk. 1. An den Zollgrenzen der preußischen westlichen Provinzen, dcsgl, von Baiern, Würtemberg, Baden, Kurhesscn nnd Lurcmbiirg sind die unter ?os. a. genannten Gegenstände beim Ausgange zollfrei. 2. Von Nohstahl, seewärts von der russischen Grenze bis ,ur Wciebselmündung einsäiließl. eingehend, wird nur die allgemeine Eingangs- Abgabe von 15 Sgr. erhoben. 3. Geknoppertcs Zaincisen kann in Baiern auf der Grenze von Hindelang bis Freilassing zu dem Zollsatze von Thlr. (2 Fl. 37i Kr.) . pro Centner eingehen. 4. Radkranzeisen zu Eisenbahnwagen wird nach ?v8, rl. verzollt. k) Eisen- und Stahlwaaren: 1. Ganz grobe Gußwaaren iu Oefeu, Platten, Gittern ,c. ,, 1.— „ 2. Grobe, die ans geschmiedetem Eisen oder Eisenguß, aus Eisen nnd Stahl, Eisenblech Stahl - nnd Eisendraht, auch in Verbindung mit Holz gefertigt; in- gleieben Waareu dieser Art, die gefirnißt oder verzinnt, jedoch nicht polirt sind, als: Aerte, Degenklingen, Feilen, Hämmer, Hecheln, Haspeln, Holzschrauben, Kaffeetrommeln und -Mühlen, Ketten (mit Ausschluß der Aukcr- und Schiffskettcn), Maschinen von Eisen, Nägel, Pfannen, Plättcisen, Schaufeln, Schlösser, grobe Ringe (ohne Politur), Schraubstöcke, Sensen, Sicheln, Stemmeisen, Striegeln, Thurmuhren, Tuchmacher- und Schnciderschceren, grobe Waagebalken, Zangen >c. . - 6. — „ 3. Feine, sie mögen ganz ans feinem Eisenguß, polirtem Eisen oder Stahl, oder aus diesen Urstoffen in Verbindung mit Holz, Horn, Knochen, lohgarem Leder, — 207 — pro Zoll-Ctr. - I0S,9 prcuß. Pfd. Kupfer, Messing, Zinn (letzteres polirt) und anderen unedlen Metallen gefertigt sein, als: Gußwaaren (feine), Messer, Scheeren, Streichen, Schwerdtseger- Arbcit u, s. w, (mit Aussä'lnß der Näh- und Stricknadeln); lackirte Eisenwaaren; auch Gewehre aller Art..........................Thlr, 10. — Sgr. Die Eisenzollfrage vom Standpunkte der Theorie. §. 44. Ehe wir daran gehen, die Eisenzölle des Vereinstarifs zu vertheidigen und die Nothwendigkeit ihres vorlaufigen Fortbestandes nachzuweisen, erscheint es unumgänglich nothwendig den wissenschaftlichen Standpunkt zu bezeichnen, welchen diese Vertheidigung einnimmt. Dies berührt eine der größten Schwierigkeiten, welche der Behandlung handelspolitischer Delailfrazen entgegen stehen, Der Freihändler erkennt die Voraussetzungen nicht an, worauf die Beweisgründe des Schutzzollanhängers fußen und umgekehrt verhält es sich ebenso. Dabei ist es wiederum praktisch unmöglich, sich jedesmal in eine erschöpfende Beweisführung von der Richtigkeit seines ökonomischen Systems einzulassen, indem soust jede Besprechung einer konkreten handelspolitischen Frage zu einem die ganze Wissenschaft der National-Oekonomie umfassenden Lehrbuche erwachsen müßte. Die hierin liegende Schwierigkeit kann nur dadurch verringert werden, indem man erstens den eigenen Standpunkt scharf zeichnet und ihn zweitens dem gegnerischen so sehr als möglich nähert. Versuchen wir dies in der vorliegenden Frage. Der Eisenzoll wäre gerichtet, wenn seine Vertheidigung die Anerkennung der Grundsätze des Merkantilsystems zur Voraussetzung nähme. So gut wie die unbedingten Anhänger des Freihandelssystems, verwerfen auch wir die Lehre vom Geldreichthum, von der Handelsbilanz, von der absoluten Verringerung deö National-Vermögens durch die Einfuhr fremder oder seiner Vermehrung durch die Aussuhr inländischer Waaren. Wir erkennen die Richtigkeit des Grundsatzes: „da zu kaufen, wo es am wohlfeilsten ist," in gbstr3eto an und ebensosehr, daß die Werthverhältnisse nicht an einem durch künstliche Preissteigerung konkur- rirender Güter geschaffenen Maaßstabe, sondern an dem der freien — 208 — Konkurrenz zu bemessen sind. Dem Merkantilsystem lag eine große Idee zu Grunde, nämlich die Begründung wirthschaftlicher Einheit und Selbstständigkeit einer Nation. Allein die Mittel, welche es dazu vorschlug, waren falsch gegriffen und beruhten auf einer unrichtigen Vorstellung von der Erzeugung des Reichthums und dem Wesen des Verkehrs überhaupt. Wir verläugnen auf der anderen Seite ebenso bestimmt die abstrakte Theorie des laissex sgire; wir vindiziren dem Staate nicht blos das Recht, sondern auch die Pflicht, die Gesetze und Bedingungen, wovon die Wohlhabenheit und die materielle Eri- stenz der Staatsangehörigen abhängig sind, zu überwachen und nach Gutbkfinden überall einzugreifen, wo der Einzelne mit seinem Willen, seiner Thätigkeit und seiner Befähigung nicht Meister werven kann.*) Wer seine Freihandelsgrundsätze bis zu dieser Spitze treibt, hat sich prinzipiell der Einwirkung aller Gründe unzugänglich gemacht, welche zur Vertheidigung eines Schutzzolles aufgestellt werden können; sür diese äußerste Fraktion der Frci- handelspartei schreiben wir nicht. Allein ein so gänzliches Verkennen des Wesens und der Aufgabe des Staates, eine so unbedingte Verneinung der Bedeutung, welche dem Thatsächlichen, Gegebenen und insbesondere dem Traditionellen im Staatsleben und in der Gesetzgebung zukommt, darf man auch nur bei dem kleinsten Theile jener Partei voraussetzen. Darüber mag Meinungsverschiedenheit sein, ob es in einem gegebenen Falle zweckmäßig sei, daß der Staat Zölle aufhebe oder einführe, ob überhaupt der Zweck des allgemeinen Wohlergehens besser durch eine Maaßregel im Sinne des Schutzzoll- oder im Sinne des Freihandelssystems gefördert werde. Allein man fasse den Unterschied zwischen einem Freihändler in solchem Sinne und zwischen demjenigen im Auge, welcher prinzipiell das Recht des Staates zu irgend einem Eingreifen in die Verhältnisse des Verkehrs und der Gütererzeugung in Abrede stellt und hierin die absolute persönliche Freiheit des Individuums anerkannt wissen will. Die Konsequenzen dieses sehr wohl von dem Freihandelsprinzip trennbaren Systems führen - ') Ueber das Verhältniß des Staates zu den ökonomischen Prinzipicn- sragen vergleiche man die meisterhafte Abhandlung von A. Christ: Ueber den gegenwärtigen Stand der Frage der Schutzzölle. Tübinger Vierteljahrs- schrist, Jahrgang 1S51. — 209 - zur Bekämpfung der Existenz des Staates, indem sie demselben Theil für Theil seiner Aufgabe, seines Berufes, wie der Bedingungen seiner Nothwendigkeit wegnehmen. Denn wenn man dem Staate das Recht der Fürsorge für den materiellen Besitz und den Erwerb der Staatsangehörigen abspricht, weshalb spricht man ihm nicht auch die Berechtigung ab, Straßen und Eisenbahnen zu bauen, eine bewaffnete Macht zu unterhalten, die Gemeindeverwaltung zu beaufsichtigen, den Schulunterricht zu regeln, Religionsangelegenheiten zu überwachen, — kurz, weshalb erklärt man sich nicht überhaupt gegen den Staat als solchen und gegen jede Regierung? Denn begreift etwa daS Güierleben nicht eben sowohl wie alle andere Momente des Staatslebens Aufgaben in sich, die der Einzelne, ja Massen von Einzelnen nicht zu erfüllen im Stande sind, wo also die Mitwirkung der Gesammtheit, des Staates unumgänglich nothwendig wird, wenn die Aufgabe überhaupt gelöst werden soll? Oder greifen etwa die materiellen Interessen weniger tief in's Staatsleben ein, als die rein geistigen? Hat der materielle Besitz nicht einen innigen, unlösbaren Zusammenhang mit der Bilrung und Gesittung der Individuen, mit staatlicher Freiheit und Ordnung überhaupt? Oder soll etwa die Aufgabe des Staates blos die sein, an den Symptomen zu ku- riren, sich dagegen von jeder Einwirkung auf die eigentlichen Grundursachen der Erscheinungen fern zu halten? Adoptirte man diesen Gruudsatz, nun so müßte man ebensowohl von der staatlichen Fürsorge für Schule und Kirche abstrahiren, als wie von Maaßregeln für den Handel, für Kommunikation, für den Geldumlauf u. dergl. Man nehme nur einen den handelspolitischen Maaßregeln ganz verwandten Gegenstand der Staatssorge, nämlich den Eisenbahnbau, so zeigt die einfachste Betrachtung die UnHaltbarkeit jener Marime. Wenn der Staat z, B. eine Eisenbahn für 40 Millionen Thaler baut, greift er da nicht in gleicher Weise in die Verwendung der Kapitalien und Kräfte ein, wie wenn ein Schutzzoll z, B. so viele Millionen der Spinnerei zuwendet? Muß hier nicht ebenfalls die Gesammtheit, und zwar mit einer schwächeren Garantie, daß die Opfer nur temporäre sein werden, zu Gunsten eines Theils der Gesammtheit Anstrengungen machen? Die Anhänger dieser abstrakten Doktrin von der Nichtberech- 14 — 210 — tigung des Staates sind es auch, welche den Zusammenhang des Schutzsystems mit dem Communismus entdeckt und die Polemik über ökonomische Prinzipicnfragen mit den bekannten Phrasen von Raub und Diebstahl, von Ausbeutung der Armuth zu Gunsten einer Handvoll Fabrikanten u. s. w., bereichert haben. Mit diesem Theil der Freihandelspartei, wie gesagt, rechten wir nicht. Allein hie prinzipielle Opposition gegen jegliche handelspolitische Maaßregel entspringt bei einem anderen Theile der Freihandelspartei, zwar nicht auS Zweifeln an der Berechtigung, wohl aber an der Befähigung des Staates, die allgemeine Wohlfahrt besser fördern zu können, als dies der natürliche Erwerbstrieb der einzelnen Individuen thut. Dieser Ansicht ist nun auch keineswegs absolut entgegen zu treten; so ist z. B. beim Staate selbst die höchste Befähigung zum Betriebe des Handels, des Ackerbaues oder einzelner Gewerbe sicherlich nicht vorauszusetzen- Die Errichtung von Musteranstalten etwa ausgenommen, sollten sich in der That die Regierungen selbst mit Handel oder Gewerben nicht befassen, noch in der Weise wie Colbert that, durch Bestimmungen über technische Methoden, Umfang der Geschäfte, Preise u. dergl. in das Innere des Gewerbebetriebs und Handels eingreifen wollen. Der Unterschied zwischen einer Einmischung des Staates in solchem Sinne und zwischen der Tendenz und Wirksamkeit eines bestimmten Schutzzolles ist aber auch zu einleuchtend, um in den Augen des denkenden Menschen der näheren Auseinandersetzung zu bedürfen. — Welche Anomalie ist es aber andererseits, auf dem gesammten wirthschaftlichen Boden dem Individuum die Unfehlbarkeit zuerkennen, dem Staat dagegen alle Urtheilsfähigkeit absprechen zu wollen? Der Einzelne mag ein spezielles Gewerbe besser führen können als der Staat, allein die allgemeinen Gesetze der Entwicklung eines nationalen Güterlebens, die Umstände, welche seine gegenwärtige Lage und seine Zukunft bedingen, lassen sich sicherlich von einem höheren, dem Getriebe der Privatinteressen entrückten Standpunkt besser und richtiger beurtheilen. Wie manche Maaßregel aber, die von der Gegenwart Opfer fordert, stellt sich durch die Rücksicht auf die Zukunft als nothwendig dar, — Rücksichten, die dem einzelnen Individuum fern liegen und zu denen es sich aus eigenem Antrieb nicht bequemt. So wenig überhaupt auf irgend einem Gebiet ein voll- — 211 — kommener Parallelismus zwischen den Bestrebungen der einzelnen Individuen und den höheren Staalszwecken stattfindet, so wenig kann dies auch in der Volkswirthschast behauptet werden. Der Trieb, Geld zu verdienen und reich zu werden mag intensiver sein als irgend eine andere menschliche Neigung; allein daraus folgt durchaus noch nicht, daß er stets die richtige und den Gesammtintc- ressen entsprechende Richtung einschlagen werde. Ja, wenn selbst das freie Gewährenlassen aller dieser individuellen Kräfte zu Resultaten führte, die vom abstrakten Standpunkte der National- Oekonomie als die günstigsten zu bezeichnen wären, so hat der Staat immer noch ganz andere Rücksichten zu nehmen. Er hat die Einwirkungen auf die bisherigen Erwerbsverhältnisse der einzelnen Gegenden, auf Ruhe und Ordnung, auf die Wehrkraft und Selbstständigkeit des Landes, auf Sittlichkeit oder Gesinnung der Bewohner, aus Verhältnisse zum Ausland u, dgl. im Auge zu behalten, Rücksichten die dem Oekonomen fern liegen. Eine gewisse Menge von Kapitalien und Kräften mag ganz gleichviel zur jährlichen Gütervermehrung der Nation beitragen, ob sie in diesem oder jenem Gewerbe angelegt waren; vom rein volkswirtschaftlichen Standpunkt, der blos diese gleichen Resultate ins Auge faßt^ müssen alsdann beide Gewerbe als gleich vorteilhaft betrachtet werden, während vom Standpunkte des Staates Rücksichten hinzutreten mögen, welche den Betrieb des einen Gewerbes unendlich vortheilhafter für die Gesammtheit erscheinen lassen, als den des anderen. Und hier soll dem Staat die Befähigung abgesprochen werden, zu beurtheilen, was der Gesammtheit frommt, oder das Recht, Maaßregeln zu ergreifen, um Kräfte und Kapitalien in die erwünschtere Richtung zu lenken! Kurz, so wenig die Eristenz und der Zweck eines Staates gerade um des Wohles der einzelnen Staatsangehörigen willen es zulassen, daß nach irgend einer Richtung hin der absoluten Willkür des Individuums freier Spielraum gelassen werde, so wenig ist dies auch auf dem rein wirthschaftlichen Gebiete zulässig. Und wie man in allen anderen Zweigen des Staatslebens der Regierung nicht blos das Recht, sondern auch die Befähigung zuerkennt, aus dem Widerstreit der verschiedenen Interessen und Meinungen das herauszufinden und zur Anwendung zn bringen, was dem Ganzen und somit auch 14* — 212 — dem Einzelnen frommt, so kann man konsequenterweise die Sorge für die materiellen Interessen hiervon nicht ausnehmen. Nur der Anhänger der Freihandelslehre, welcher die Richtigkeit dieser Ansichten über Recht, Pflicht und Befähigung des Staates, und über die Verschiedenheit der Aufgaben des Oeko- nomen und des Staatsmannes prinzipiell einräumt, kann sich überhaupt in einen Streit über einzelne Tariffragen einlassen. Die Vertheidigung eines bestimmten Schutzzolles kann also nur sür die geschrieben sei», welche anerkennen, daß die National-Ökonomie keine Wissenschaft ist, welche von gegebenen Verhältnissen abftrahiren kann. Indem wir also auf der einen Seite allen Argumentationen zu Gunsten des Eiseuzolles entsagen, die sich auf die Prinzipien des Merkaiuilsystems stützen, andererseits aber auch von den Gegnern verlangen, daß sie die thatsächlich vorliegenden Verhältnisse als den Boden anerkennen, auf dem in jeder einzelnen Zollsrage der Streit zwischen Freihandel und Schutzzoll zur Entscheidung gebracht werden muß, dürfte für die Behandlung dieser ein Standpunkt gewonnen sein, auf den auch alle diejenigen Gegner folgen können, welche nicht von einer abstrakten Theorie blind eingenommen sind. Dieser Standpunkt wird sich noch genauer zeichnen, indem wir, die allgemeine Erörterung verlassend, uns zu der vorliegenden Frage selbst wenden. Wir erkennen die universelle volkswirthschaftliche Wichtigkeit des Eisens, d. h. des Eisenverbrauchs aufs unumwundenste an; sie ist so klar, so unbestritten, daß es überflüssig wäre, hierüber nur ein Wort zu verlieren. Wir erkennen serner an, daß eben diese große ökonomische Wichtigkeit des Eisens in erster Ordnung nicht für, sondern gegen die Eisenzölle spricht. Sie rechtfertigen sich nur, wenn sie als absolut nothwendige Bedingung auftreten, bestehende Besitz- und Erwerbsverhältnisse vor allzu plötzlichen Erschütterungen zu bewahren und sie durch eine Entwicklungsperiode, in welcher durch vereinte Kräfte des Staats und der Einzelnen die entgegenstehenden Hindernisse beseitigt worden, auf eine neue sichere Grundlage hinüberzuführen. Wir verlangen dagegen, daß man auch von der anderen - 213 — Seite die hohe volkswirtschaftliche Wichtigkeit des Eisengewerbes anerkenne, und zwar nicht blos die allgemeine Wichtigkeit, wie sie jedem Gewerbe zukommt, das ebenso viele Millionen an Kapital und ebenso viele Hunderttausende von Menschen beschäftigt, sondern auch seine besondere Bedeutung vom Standpunkte des Staates. Das Eisengewerbe vereinigt Alles in sich, was dem Staate einerseits den Ackerbau und andererseits die Industrie im Allgemeinen wichtig und wünschenswert!) machen muß. Es läßt sich so wenig als der Ackerbau vom vaterländischen Boden ablösen, und gewährt eine fast noch größere Leichtigkeit, zu einem an den Grund und Boden gefesselten Besitze zu gelangen. In allen Zweigen des Eisengewerbes verwerthen sich die verwendeten Menschenkräfte außerordentlich hoch. Es zieht ein kräftiges, kerniges Geschlecht zum Dienste des Vaterlandes heran, dem die Beschäftigung in den großen Werkstätten der Natur einen ernsten, sittlich-religiösen Charakterzug einimpft. Bergbau und Eisenindustrie gewähren, wie fast kein anderer Erwerbszweig, auch dem Mittelstände die Möglichkeit, festen Fuß zu behalten, anstatt zu bloßen Arbeitern oder Angestellten der Reichen herabzusinken. Und weil eben das Eisen unentbehrlich, weil es kein Luxusartikel ist, dessen Verbranch von der Mode abhängt, so lassen sich in keinem Gewerbe leichter jene Krisen verhüten, die Lohnherabsetzungen, Entlassungen in Masse und damit Unruhen, Elend und Entsittlichung der Arbeiterklassen im Gefolge haben. Die Geschichte der Cisendistrikte seit Jahrhunderten bietet dem Staatsmanne in dieser Beziehung ein Material, welches wohl zu Zweifeln über die Richtigkeit der freihändlerischen Lehre anregen dürfte, daß nämlich der Staat sich nichts darum zu kümmern habe, ob die wirthschaftlichen Kräfte der Nation diese oder jene Richtung nehmen. Muß es nicht, so fragen wir im Gegentheil, für die Gesammtheit das höchste Interesse haben, ein solches Gewerbe erhalten und unbenutzt liegende Kapitalien und Kräfte vorzugsweise in diesen Kanal geleitet zu sehen? Und muß sich diese Bedeutung nicht unendlich steigern, wenn wir die enorme Entwicklung des Eisenverbrauchs ins Auge fassen, die der Eisenindustrie für die Zukunft einen Umfang verheißt, in welchem vielleicht kein anderes Gewerbe Kapitalien und Menschenkräfte zu verwenden im Stande sein wird! — 214 — Wer aber mit uns nicht blos die hohe volkswirthschaftliche Wichtigkeit des Eisens, sondern auch des Eisengewerbes anerkennt, der würde mit sich selbst in Wiederspruch gerathen, wollte er im Falle eines eingetretenen Konfliktes zwischen den Interessen der Eisenkonsumtion und Eisenproduktion die Entscheidung, anstatt im Sinne einer Vermittlung dieses Konfliktes, durch alleinige Berücksichtigung dieses und vollständige Unterordnung jenes Interesses, oder umgekehrt, herbeiführen. In diesem Widerspruch ist aber der größte Theil der Gegner der Eisenzölle befangen. Allein befinden sich nicht die Vertheidiger der Eisenzölle in dem gleichen Irrthum, wenn auch entgegengesetzter Art? Kann man in den Eisenzöllen wirklich die Tendenz einer Vermittlung zwischen den streitigen Interessen der Konsumtion und Produktion erkennen? Tragen sie nicht vielmehr den Charakter einer einseitigen Berücksichtigung des Produktions- Jnterefses? Wer uns auf den Standpunkt, von dem diese Beweisführung ausgeht, gefolgt ist, wird zugeben, daß diese Fragen zu Gunsten des Eisenzolls entschieden werden müssen, sobald sich nachweisen läßt: g. daß er zur Erhaltung der bestehenden und zur Ermöglichung der ferneren Ausdehnung des Eisengewerbes absolut nothwendig war; b. daß die in der gegenwärtigen NebergangSperiode von der Gesammtheit der Konsumenten zu tragenden Opfer im Verhältniß zu dem erstrebten Zweck nur geringfügig sind, und daß bei Aufhebung der Eisenzölle und Beschädigung der inländischen Eisenindustrie die Konsumenten, in ihrer Eigenschaft als Produzenten anderer Vcrbrauchsartikel, ungleich mehr zu leiden haben würden; e. daß ein genügender Schutz die Erhaltung und fernere Ausdehnung der Eisenindustrie auch wirklich zur Folge haben wird; 6. daß theils im natürlichen Wege der durch den Schutzzoll getragenen Ausdehnung und Entwicklung, theils durch anderweitige Maaßregeln von Seiten des Staats wie der Einzelnen die Produktionskosten sich so reduziren lassen, daß die verloren gegangene Konkurrenzfähigkeit des inländischen Eisens vollkommen wieder gewonnen wird. — 215 — Läßt sich alles dies mit einiger Sicherheit nachweisen, so ist, unsrer Ansicht nach, der Eisenzoll gerechtfertigt, indem er alsdann den entstandenen Konflikt der Produktion und der Consumtion in der That vermittelt. Denn eine Vermittlung kann nur dann liegen, sowohl das Eisengewerbe zu erhalten, als auch durch billige Preise den Konsumenten gerecht zu werden. Sie läge aber nicht darin, wenn man einseitig nur die Vortheile der billigen Preise, die jetzt das Ausland bietet, in's Auge faßte, und darüber das inländische Eisengewerbe zu Grunde gehen ließ und auf seine Entwicklung verzichtete. Sie läge ebensowenig darin, wenn man diese Erhaltung und Ausdehnung auch für den Fall erstrebte, daß der Schutzzoll voraussichtlich das Eisen um seine vollen oder den größten Theil seines Betrages dauernd vertheuern und uns niemals zu einem so wohlseilen Eise», als das Ausland jetzt bietet, gelangen lassen würde. I. Der Roheisenzoll. 1. Die ökonomischen und kommerziellen Verhältnisse der britischen Eisenindustrie. §. 45. Nach Anleitung der vorausgegangenen Erörterung wird sich also die Vertheidigung der Eisenzölle zuerst auf den Nachweis zu stützen haben, daß sie zur Erhaltung und zur Ermöglichung der ferneren Ausdehnung des Eisengewerbes unumgänglich nöthig sind. Die Frage leitet auf eine Erörterung der Konkurrenzverhältnisse in- und ausländischen Eisens und zunächst des Roheisens. Die bei Normirung der Eisenzölle von 1844 für die Nothwendigkeit, sowie für die Höhe der Zölle leitend gewesenen Gründe stützten sich vor Allem auf das Verhältniß der großbritannischen uns insbesondere der schottischen zur vereinsländischen Eisenindustrie. Die Bedeutung der belgischen Konkurrenz kam damals noch weniger zur Sprache und werden wir sie daher auch getrennt behandeln. Wir haben also zum Behufe des Vergleichs zuerst den Thatbestand der schottischen Preisverhältnisse festzusetzen. Denn es sind in erster Ordnung die Verkaufspreise und nicht die Produktions, kosten des Auslandes, worauf es uns ankommen muß. Wären — 216 — Letztere z. B. noch so niedrig, während sich die Preise hoch hielten, so möchten wir ein Konkurrenzverhältniß ganz erträglich finden, welches unerträglich sein müßte, sobald jene Preise auf das Niveau der Produktionskosten herabgehen. Es ist also nur insofern von Wichtigkeit, auch über Letztere genau unterrichtet zu sein, als sich daraus schließen läßt, ob das Ausland bei einem bestimmten Preise mit Nutzen oder mit Schaden arbeitet, ob also die Preisnotirungen von Dauer sein können, oder ob ihnen nur der Charakter einer vorübergehenden Konjunktur beizumessen sei. Wie schon erwähnt, sind seit etwa 15 Jahren, seit bei uns die Puddlingwerke aufkamen und ausländisches Roheisen zu »erfrischen begannen, die schottischen Preise für den deutschen Markt leitend gewesen. Seit 1830, von wo die eigentliche Entwickelung der schottischen Eisenindustrie beginnt, stellten sich die Durchschnittspreise für die Ton (2167 preuß. Pfund) Roheisen in gemischten Nummern Nr. 1. und 4 Nr. 3.) frei an Bord in Glasgow*) folgendermaßen: 1830 . . . L5. - slr. > 10 „ 1841 . . . L3. — 5l>. 1831 . . - , 4. 1842 . . . „ 2. 10 »' 1832 . . - „ 4. 10 „ 1843 . . . ,. 2. — » 1833 . . - „ 4. » 1844 . . - „ 2. 15 » 1834 . . . ., 4. 5 1845 . . . „ 3. 16 » 1835 . . . „ 4. 10 „ 1846. . . - „ 3. 12 1836 . . . „ 6. 15 „ 1847 . . - „ 3. 5 >< 1837 . . . ., 4. // 1848 . . . ., 2. 4 >/ 1838 . . . „ 4. » 1849 . . . „ 2. 6 1839 . . . .,4. 10 „ 1850 . . - „ 2. 4 1840 . . - „ 3. 15 „ 1851 . . - „ 2. „ Gehen wir bis Ansang dieses Jahrhunderts zurück, so stellt sich nach fünfjährigen Durchschnitten die Tonne Wales-Roheisen (das schottische war damals für den Markt noch gar nicht maßgebend) folgendermaßen. Die Angaben sind Seriverror's llistor^ of ins iron triräö entnommen. 18^ ... L 7. 12 8k> 18zz ... L 8. 4 sk. 18^... „ 8. - „ 18^... „6.10,, 18^ . . . 8. - „ 18z-z ... „ 6. - „ ') Nach dem '1'rsäe circulsrs von Robinows öc Marjoribanks in Glasgöw. .P»m.lylu?MW.,K'W,.55 M'i?'>/' >K' n^liv? — 217 — Es ist nicht blos dieses stufenweise Sinken der Preise, sondern auch das außerordentliche Schwanken derselben, welches in's Auge gefaßt werden muß. Von dem hohen Stand von 1836, L 6. 15 sk>, sehen wir binnen 7 Jahren den Preis auf fast ^ jenes Betrags sinken, indem 1843 der Durchschnittspreis 2 L, die niedrigste Notirung sogar nur L 1. 16 sk. betrug. Hierauf ging der Preis schnell wieder auf fast den doppelten Betrag, L 3. 16 sk. im Jahr 1845, in die Höhe, um bald darauf zu den Notirungen von 1848 herabzusinken, welche bis zum Jahre 1851 allmälig so tief sanken als bei der Krisis im Jahre 1843. Selbst innerhalb weit kürzerer Perioden ergaben sich die großartigsten Schwankungen. In den einzelnen Monaten des Jahres 1845 stellten sich z, B. die Preise folgendermaßen: Januar . . st,. 60. - ä. Juli.... . sk. 65. — cl. Februar. . 70. 6 „ August . . . „ 62. 6 » März. . . 100. „ September. . „ 75. — l» April. . . . 100. -, Oktober . . . „ 80. 8 » Mai . . . I„ .' 85. », November . - „ 75. — >? Juni . . . ' /, 63. -, December . . ., 75. — >? Durchschnitt: L 3. 16 sti. Innerhalb zwei Monaten stieg also der Preis von 60 aus 100 sk., um in den nächsten drei Monaten wieder auf 63 herabzusinken und etwas später, im Verlaufe von nur Monaten, abermals von »k. 62. 6 6. auf sd. 80. 8 6. zu steigen. Die ganze Handelsgeschichte unseres Jahrhunderts, trotz der Krisen, welche die vollständigste Umgestaltung der technischen Grundlagen so vieler Gewerbe im Gefolge haben mußten, weist doch kein Beispiel auf, wo der Preis einer Waare so enormen Schwankungen unterworfen gewesen wäre, einer Waare, die sich früher gerade durch Stabilität der Preise auszeichnete. Die Ursachen, welche das stufenweise Sinken der britischen Eisenpreise zur Folge hatten, sind bereits oben in Z. 32. angegeben. Es waren im Allgemeinen- die Vergrößerung der Dimensionen der Hochösen, die Anwendung stärkerer Cylindergebläse, die Einführung der heißen Gebläseluft, die Benutzung der rohen Steinkohle anstatt der Coaks, ferner die Aufschlüsse neuer Kohlen- und Erzlager und die Rückwirkung der durch den Verbrauch — 218 — für Eisenbahnen ermöglichten außerordentlichen Erweiterung des Betriebs und der verstärkten inneren Konkurrenz. Was dagegen die Preisschwankungen anbetrifft, so haben sie — von den kriegerischen Ereignissen zu Anfang dieses Jahrhunderts, den Erschütterungen der letzten Jahre und den Rückwirkungen übertriebener Speculationen oder finanzieller Krisen abgesehen, — nur einen Hauptgrund, nämlich die Entstehung der Eisenbahnen. Was gewöhnlich als Ursache des außerordentlichen Sinkens der Preise mit Anfang der vierziger Jahre angegeben wird, nämlich das Stocken des Absatzes nach den Vereinigten Staaten, war in der That nichts mehr als ein Anstoß, welcher den Ausbruch einer bereits vorbereiteten und unvermeidlich gewordenen Krise etwas beschleunigte. Denn wenn auch bei einem ziemlich regelmäßigen Absatz Englands nach Nord-Amerika von etwa 96,000 Tons Eisen im Durchschnitt der fünf Jahre 48zz, dieses Quantum sich im Jahre 1843 plötzlich auf 38,000 Tons verminderte, so konnte doch eine Differenz von 58,000 Tons unmöglich den Ausschlag geben, wo es sich um die Verwerthung einer jährlichen Produktion von mehr als 1-'z Millionen Tons handelte. Der bedeutende Mehrabsatz nach Deutschland überstieg zudem jenen Aussall schon fast um das Doppelte. Ueberhaupt war der Absatz im Jahre 1843 stärker als in den Vorjahren. Allerdings war das eingetretene Sinken der Preise eine der Ursachen, weshalb das Ausland mehr Eisen bezog, allein auch bei den Durchschnittspreisen der vorhergegangenen Jahre, hätte der Export sicherlich das frühere Durchschnittsquantum erreicht. Es sind also keine äußern Verhältnisse, die jenes unerhörte Sinken der britischen Eisenpreise veranlaßten, sondern es lag lediglich in einer noch über den gestiegenen Bedarf hinausgeeilten Erzeugung. Hierzu hatten aber die Eisenbahnen' die unmittelbare, ja, wir dürfen sagen, die nothwendige Veranlassung gegeben. In der kurzen Frist weniger Jahre trat hierdurch ein so plötzliches Steigen des Eisenbedarfs ein, wie wir ähnliches noch selten in einem Industriezweig erlebt haben. Von einem Eisenbedarf Großbritanniens von etwa 50 Pfund pro Jahr und Kopf zur Zeit der Erbauung der Bahn von Liverpool nach Manchester im Jahre 1829 hat sich derselbe binnen zwanzig Jahren auf — 219 — 86 Pfund vermehrt und von dieser Zunahme entfallen über ^ auf den Consum der Eisenbahnen. Das frühere Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch ward durch diese plötzlich eröffnete Absatzquelle von Grund aus gestört. Die erste Folge hiervon war ein Vorauseilen der Consumtion. Die Produktion konnte nicht schnell genug folgen und die gesteigerte Nachfrage führte zuletzt zu dem Preismarimum des Jahres 1836, welche die damaligen Produktionskosten mindestens um das Zweifache überstieg. Bei den unerschöpflichen Vorräthen an Erzen und Kohlen, bei dem Unternehmungsgeist und dem Kapitalbefitz der Britten konnte aber ein solches Verhältniß nicht von Dauer sein, und zwar im gegenwärtigen Fall um so weniger, als gleichzeitig die Technik und Oekonomie des Hüttenbetriebs (in Struktur der Hochöfen, Anwendung erhitzter Gebläseluft u. f. w.) ungemein fortschritt und so die Befriedigung des erhöhten Eisenbedarfs erleichterte. Allein es ist in der Natur des Handels und der industriellen Entwicklung begründet, daß die nachfolgende Ausgleichung der gesteigerten Produktion mit der gesteigerten Consumtion keine ganz allmälige sein konnte. Nach denselben Gesetzen vielmehr, welche die Physik und Mechanik wie den Handel und die Industrie beherrschen, hielt die früher zurückgebliebene Erzeugung in ihrem nunmehrigen raschen Fortschreiten nicht inne, als sie mit dem Verbrauch wieder auf gleicher Linie war; sie ging vielmehr weit darüber hinaus, bis endlich das Angebot die Nachfrage so weit überstieg, als es vorher hinter derselben zurückgeblieben war. Die Preise des JahreS 1843, wo selbst die günstigst belegenen Werke mit reinem Verlust arbeiteten, bezeichnen den Endpunkt dieser zweiten Periode. Wie der durch einen kräftigen Anstoß in Bewegung gebrachte Pendel nach Einer Schwingung noch nicht zur Ruhe kommt, wohl aber bei jeder folgenden der Ausschlag immer kleiner wird, so sehen wir auch nach dem Jahre 1843 das gleiche Spiel, jedoch in kleinerem Maaßstabe wiederkehren. Ende 1845 waren die Preise auf dem doppelten Betrag von 1843 angelangt, und Anfang 1848 wieder um fast ebenso viel gesunken. Seit jener Zeit sind sie fast stabil aus dem niedrigsten Standpunkt geblieben, den die schottischen Produktionskosten gestatten, von Mitte 1851 ab aber noch unter dieselben herabgegangen. Da die Hauptquelle — 220 — der Schwankungen in den Eisenpreisen, wie oben erwähnt in den Eiscnbahnanlagen liegt, diese aber noch keineswegs bis zu einem Punkte durchgeführt sind, von wo an sich eine gewisse Regelmäßigkeit des künftigen Verbrauchverhältnisseö absehen ließe, so wird man die Ursachen dieser großen Stabilität und des äußerst niedrigen Preises der Hauptsache nach in den politischen Krisen und der dadurch so bedeutend verminderten Eisenconsumtion zu suchen haben. Günstigere Zeiten werden voraussichtlich wieder einmal ein Steigen der Preise veranlassen und dies Spiel sich noch manchmal wiederholen; auch mag, nachdem für die Eisenbahnen eine größere Regelmäßigkeit des Bedarfs eingetreten ist, eine neue Veranlassung das Gleichgewicht der Consumtion und Produktion stören, und so die normalen Schwankungen, welchen die Preisverhältnisse aller Waaren unterworfen sind, vergrößern. Schwerlich werden aber nochmals die Schwankungen in fo großartigem Maaßstabe stattfinden, als in diesen zwanzig Jahren, und noch weniger ist zu erwarten, daß die Preise sich wieder einmal so weit über die Produktionskosten heben, als es mehrfach in jener Periode der Fall war. Denn ein nochmaliges Zusammentreffen so außerordentlicher Verhältnisse wie hier im Spiele waren, läßt sich bei einer Berechnung zukünftiger Konjunkturen nicht unterstellen. Wir haben hier nun vorerst, aus diesen Preisschwankungen heraus, den Anhaltspunkt zu entwickeln, welcher zur Vergleichung mit der vereinsländischen Eisenindustrie und zur Beurtheilung der Zollfrage nothwendig ist. Denn wie bereits oben erwähnt, bestimmt sich zwar das Konkurrenzverhältniß selbst nur nach den ausländischen Preisen; eS ist aber gleichwohl für die Zollfrage von entscheidender Wichtigkeit, zu wissen, welche Unterläge diese Preise in den Produktionsverhältnissen haben, da der Schutzzoll gerade die Tendenz hat, die hierin bestehende Ungleichheit zweier Länder temporär auszugleichen. Die niedrigste Angabe der Produktionskosten von schottischem Roheisen macht Scrivenor im Jahre 1840, nämlich 40 st,, pro Ton oder Thlr. 6. 9 Pf. pro 1000 Pfd. Bei den Verhandlungen der Berliner Commission von 1842 gab der General-Consul Hebeler aus London, auf genauere — 221 — Nachforschungen gestützt, diese Selbstkosten ans 43 sk. 9 c>. pro Ton an, was Thlr 6. 27 Sgr. pro 1000 Pfd.") ausmacht. Gegen Ende 1848 wurde das Handlungshaus Robinows und Marjoribank's in Glasgow aus Privatwegen zur Anstellung genauer dcsfallsiger Ermittlungen veranlaßt. Sie legten denselben die durchschnittlichen Erzeugungskosten von 48 Hochöfen der Werke Gartsherrie, Coltneß, Blair, Carnbroe, Glengawork, Omoa und Forth zu Grunde, wonach sich die Ton auf sk. 43. 6 ö. oder Thlr. 6. 25 Sgr. stellte. Neuere Untersuchungen, auf direktem Wege die Produktionskosten zu ermitteln, sind unsres Wissens nicht angestellt worden. Es herrscht übrigens nur eine unbedeutende Abweichung zwischen diesen Angaben. Aus der Verschiedenheit der Zeit, in welcher diese ziemlich übereinstimmenden Resultate sich ergeben haben, geht übrigens deutlich hervor, daß im Allgemeinen seit längerer Zeit (seit der allgemeinen Einführung der heiße« Gebläseluft, stärkerer Gebläsemaschinen und größerer Dimensionen der Oefen), keine wesentliche Reduzirung der Selbstkosten in Schottland mehr stattgefunden haben kann. Nur bei einzelnen Werken, die früher in den technischen Einrichtungen zurückgeblieben waren, mag dies der Fall gewesen sein. Bei manchen andern haben sich im Gegentheil die Produktionskosten gesteigert, indem der große Gewinn, welchen dieselben realisirt hatten, den Grundbesitzern Veranlassung gab, bei Erneuerung von Pachtverträgen mit den Eisenwerk- Besitzern, einen weit höheren Zins für die Ausbeutung der auf ihren Territorien gelegenen Steinkohlen^ und Eisenerzgruben in Anspruch zu nehmen. Diese Abgaben an den Grundbesitzer haben bei einzelnen Werken eine Höhe bis zu 10—15 Prozent des Eisenstein - und Kohlenwerthes erreicht, wiewohl sie allerdings sür den größeren Theil äußerst gering sind, und z. B. die Produktion nicht annähernd bis zu dem Grade belasten, wie dieß die Bergwerksbesteuerung in den meisten deutschen Staaten thut. Einen besseren und namentlich für eine handelspolitische Berechnung brauchbareren Anhaltpunkt, als auf dem Wege einer ") Der Livrc Sterling wird in diesen Rechnungen stets zu Thlr. 6. 25 Sgr-, der Schilling zu 10; Sgr. und die Tonne (slwrt vvviAky zu einem Gewicht von 21L7 Pfund Preuß, angenommen. — 222 — direkten Ermittlung der schottischen Selbstkosten, erlangen wir aus einer Betrachtung des Einflusses, welchen die sinkenden Preise auf den Umfang der Produktion ausgeübt haben. Denn wir dürfen als eine Regel hinstellen, welche den ganzen Gewerbebetrieb beherrscht, daß der Fabrikant seine Produktion einschränkt, sobald er trotz aller Mühe und Anstrengung nicht mehr zu den Preisen produziren kann, wozu er verkaufen muß. Auf der andern Seite ist es aber ebenso sicher, daß der Fabrikant, so lange überhaupt Absatz zu finden und eine baldige Besserung des Marktes zu hoffen ist, diese Einschränkungen nicht eher vornimmt, als bis er auch wirklichen Schaden leidet, d. h. gar keine Zinsen des Anlage- und Geschäftskapitals mehr erzielt. Verringert sich der Ertrag selbst bis unter das Niveau des üblichen Zinsfusses, (den also das in der Fabrik verwandte Capital beim bloßen Ausleihen ertragen haben würde) so kann darin vorerst noch keine Ursache zur Betriebseinschränkung liegen; im Gegentheil wird sich in der Regel der Fabrikant eher zu einem verstärkten Betrieb entschließen, um durch eine Vervielfachung des gebliebenen geringen Nutzens, ein günstigeres Verhältniß deS Ertrags zum aufgewandten Capital herzustellen. Beim Bergbau und Hochofenbetrieb wird er hierin um so eher bis zur äußersten Grenze gehen, als dabei das Einstellen und Wiederaufnehmen, sowie überhaupt jeder Wechsel des Betriebes ganz besonders schwerfällig und mit außergewöhnlichen Ausgaben verbunden ist. Fassen wir hiernach die thatsächlichen Produktionsverhältnisse ins Auge, so ergiebt sich, daß in den Jahren 1842 und 1843 die Eisenerzeugung Großbritanniens nicht blos in ihrem bisherigen raschen Fortschreiten aufhörte, sondern sogar um das bedeutende Quantum von 4 bis 5 Millionen Ctr. sank, ein Beweis, daß die damaligen Preise der Mehrzahl der Werke einen gewinnreichen Betrieb nicht mehr gestatteten. Für Schottland speziell ergiebt sich, daß seine Eisenerzeugung verhältnißmäßig günstiger gestellt ist, als die von England; denn während hier die Einschränkung des Betriebs schon mit Anfang 1842 begann, steigerte Schottland denselben noch fast das ganze Jahr hindurch, und erst von Ende 1842 bis Ende 1843, wo die Preise zwischen 44 und 36 sk. s>r» Ton schwankten, bliesen auch viele schottische Werke aus. Wir dürfen also annehmen, daß Schottland blos im Jahr 1843 — 223 — bei dem Durchschnittspreis von 40 sk. mit Schaden gearbeitet hat. Einen zweiten Schluß auf die dortigen Erzeugungskosten gestatten die letzten Jahre, daß nämlich bei Preisen, wie sie seit Ansang 1848 bis Mitte 1851 bestanden, also bei 44 sri. pro Ton immer noch einiger Nutzen heraus kommen muß. Denn es hat, wenn auch in Schottland die Produktion von 1850 (in Folge einer durch eine Arbeiter-Koalition verursachten Bctriebseinstellung vieler Werke) gegen die von 1849 um etwa 1^ Million Ccntner fiel, dennoch seit 1848 im Ganzen noch eine ansehnliche Steigerung stattgefunden. In England selbst war daö Steigen noch bedeutender, bei Preisen, die 1842 ein Sinken der Produktion zur Folge gehabt hatten. ES zeigt dies einestheils, daß England, welches bis 1843 in den neueren Einrichtungen (namentlich Einführung der heißen Gebläseluft) hinter Schottland zurückgeblieben war, jenen Vorsprung einzuholen gesucht hat; anderentheils kommt es aber auch auf Rechnung veränderter ökonomischer Anschauungen der Eisenwerkbesitzer. Dieselben bilden nämlich Vereine, welche periodische Versammlungen zur Festsetzung der Eisenpreise abhalten, und worin zugleich die Fragen von der Steigerung oder Einschränkung der Produktion besprochen werden, Während sich nun früher die Tendenz kund gab, den Betrieb schon einzuschränken, wenn die Preise den Gewinn bis auf den einfachen Zinsertrag reduzirt hatten, bricht sich gegenwärtig die Ansicht immer mehr Bahn, durch verstärkten Betrieb das Gewinnminimum zu vergrößern, und ihn erst bei effektivem Schaden einzustellen oder zu reduziren. Die Betriebssteigerung von 1851 hat speziell ihren Grund in der gehegten Erwartung einer bevorstehenden günstigen Con- junktur, die ohne die Ereignisse in Frankreich auch höchst wahrscheinlich bereits eingetreten sein würde. Einen dritten allgemeinen Schluß auf die Produktionsverhältnisse Schottlands gestattet der Umstand, daß kaum ein einziger Eisenwerkbesitzer den stattgehabten Krisen erlegen ist, und daß es kaum jemals einen Industriezweig in Großbritannien gab, wobei weniger Fallimente vorgekommen sind. Aus allen diesen Vorgängen, verglichen mit den direkten Angaben, läßt sich schließen, daß für Schottland die Grenzen des effektiven Schadens und eines die Zinsen des Anlage- und Be- — 224 — triebskapitals übersteigenden Nutzens zwischen 42 und 45 sri. pro Ton Roheisen liegen mögen.*) Zuverlässige Privatmittheilungen bestätigen diese Annahme, und können die Werke, welche so günstig situirt sind, daß sie bei 42 sd. noch Nutzen oder so ungünstig, daß sie bei 45 sli. noch Schaden machen, nicht wohl in Anschlag kommen. Neberdies gleichen manche Hütten, namentlich die auf der Ostküste Schottlands belegenen, die höheren Selbstkosten durch bessere Qualität aus, wie denn z. B. das Forth- Eisen durchschnittlich um 1 sli> pro Ton höher bezahlt wird als das Produkt der Werke bei Glasgow. Seit den letzten 1V Jahren haben die Preise gemischter Nummern frei an Bord Glasgow, ungefähr 2 Jahre lang niedriger als 42 slr. (Thlr. 6. 19 Sgr. pro 1000 Pfd.), und ungefähr 4 Jahre lang niedriger als 45 slr. (Thlr. 7. 2 Sgr. pro 1000 Pfo,), gestanden. Nehmen wir also in runder Summe 7 Thlr. pro 1000 Pfd. (etwa 44^ sk. pro Ton) an, um das Konkurrenzverhältniß zu Deutschland in bestimmte Zahlen fassen zu können, so wird Jedermann zugeben, daß hierdurch die Differenz der beiderseitigen Erzeugungskosten sich noch kleiner herausstellen muß, als sie in der That ist. Wir haben bereits oben angedeutet, daß das schottische Roheisen, welches die geringste Qualität darstellt, die überhaupt in den Handel kommt, den Vergleichungen zu Grund gelegt werden muß, weil es das billigste ist, weil seine Preisnotirungen aus den ganzen Eisenmarkt am stärksten influiren und weil seine Mitbewerbung die Preisdifferenz der besseren Qualitäten gerade am stärksten vermindert hat. Hierauf wirkte insbesondere der Umstand ein, daß sich jenes Roheisen mit einem Kostenaufwand von etwa 2 Thlr. pro 1000 Pfd. in Feinmetall verwandeln läßt, und hierdurch, wenn auch nicht gleich gut, doch zu vielen Zwecken ebenso verwendbar wird, wie unser Holzkohlenroheisen, so daß es, als in direkter Konkurrenz damit stehend, betrachtet werden muß. Das Roheisen aus Süd-Wales (die übrigen englischen Eisendistrikte erportiren nur Stabeisen oder Gußeisen) bedrängt thatsächlich unsere deutsche Eisenindustrie weniger, als das schottische. Die Differenz von 3 sli, pro Ton entspricht auch ziemlich genau dem Betrage, welchen die Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals in der Pro- diiktionsbercä'iiung des schottischen Roheisens ausmachen. - 225 — Allerdings ist dessen Abbrand (Verlust beim Vergießen und Verfrischen) geringer und die Qualität besser; allein die Produktionskosten und Preise stehen auch nicht unbedeutend höher. 2. Die ökonomische Lage der Vereins ländischen Eisenindustrie im Verhältniß zur britischen. §. 46. Da wir die belgische Eisenproduktion im nächsten Paragraphen besonders ins Auge fassen, und die Besteuerungs- srage überdies in dem Verhältniß zu dem hauptsächlichsten Conkurrenten ihre Entscheidung finden muß, so lassen wir hiermit die Erörterung der vereinsländischen Preise und Selbstkosten, und die darauf gegründete Ermittlung des Schutzbedürfnisses, unmittelbar auf die Besprechung der schottischen Eisenindustrie folgen. Es geht bereits aus der ersten Abtheilung dieser Schrift hervor, wie außerordentlich verschieden die Grundlagen sind, auf welchen die Eisenindustrie der einzelnen Gegenden deS Zollvereins ruht. Dieß liegt schon in der Natur des Hüttenbetriebs bei Holzkohlen, welcher auf eine Zersplitterung der Anlagen hindrängt, während die Coakshütterei umgekehrt deren Concentrirung in den Steinkohlenrevieren veranlaßt. Denn hier findet sich das Brennmaterial, auf verhältnißmäßig kleinen Flächen, in uneingeschränkten Mengen, so daß also selbst die größte Nachfrage höchstens momentan eine kleine Preissteigerung des Brennmaterials verursachen kann, während die Holzkohlenhochöfen die für jeden einzelnen zur Beschaffung des Holzes nothwendige Bodenfläche nach Quadratmeilen messen müssen, und die beschränkten Quantitäten, welche zur Disposition sind, bei gesteigerter Nachfrage sofort zu unverhältnißmäßigem Steigen der Kohlenpreise Veranlassung geben. Zwischen den Selbstkosten des Roheisens auf einer Coaks- hütte, die unmittelbar neben den Steinkohlen- und Erzlagern errichtet ist, und denen eines Holzkohlenhochofens, welcher sich die Eisensteine und Holzkohlen auf meilenweite Entfernungen und auf schlechten Gebirgswegen herbeiholen muß, liegt ein solcher Abstand, daß man in einem Gebiet wie der Zollverein, wo alle Uebergänge auS dem einen Ertrem ins andere repräsentirt sind, vergebens nach Durchschnittszahlen sucht. Aber nicht bloß in dem Fracht-Coefficienten, so bedeutend derselbe auch auf die Selbstkosten 15 — 226 — einwirkt, sondern auch in den Preisen der Rohmaterialien selbst, liegen die enormsten Differenzen. Hier ein armes Mineral, das durch schwierigen Bau aus dem festen Gestein gewonnen wird, dort ein reichhaltiges, welches nur höchst geringe Förderungskosten in Anspruch nimmt; hier Kohlen, die ohne die Eisenhütte gar nicht zu verwerthen wären, und deren Preise bis auf den Betrag der Schlag- und Köhlerlöhne herabgedrückr werden können, dort ein Holzpreis, der von dessen Verwendung für andere Zwecke abhängig ist, und den also die sinkenden Eisenpreise wenig oder gar nicht berühren können. Berücksichtigt man alles dies und noch dazu die sonstigen Ungleichheiten in den Nebenposten der Produk- tionskostenberechnung, und dann andererseits wiever die Preisver- schiedenheit, welche'die geographische Lage der Hüttenwerke und der Unterschied der Qualitäten bedingen, so leuchtet ein, daß es ganz bedeutungslos und oberflächlich sein würbe, eine Durchschnittsberechnung der Selbstkosten deutschen Roheisens aufstellen zu wollen. Bei Schottland oder Wales war so Etwas eher möglich, denn hier findet mitunter auf einigen Quadratmeilen und unter ganz gleichartigen Verhältnissen, eine jährliche Eisenproduktion von mehr denn 4 Millionen Centner statt, wie sie im Zollverein auf den aller ungleichartigsten Grundlagen über 85W Quadratmeilen zersplittert ist. Eine Vergleichung der Lage unserer Eisenindustrie mit der des Auslandes, muß also nothwendig in die Verhältnisse der einzelnen Haupteisendistrikte eingehen, in deren Innerem die Verschiedenheiten immer noch sehr groß sind. Wir beginnen mit der preußischen Eisenindustrie. 1. Preussen. s. Was zuerst die geringfügige Produktion des brandenburgisch-preußischen Distriktes betrifft, so hat es kaum einen Zweck, deren Verhältnisse zur ausländischen Konkurrenz zu untersuchen, indem handelspolitische Maaßregeln nur auf allgemeinere Grundlagen gestellt werden können. d. Dagegen findet sich im sch lesischen Hauptbergdistrikt und namentlich in Oberschlesien, eine großartige Eisenerzeugung konzentrirt, deren Verhältnisse bei der Entscheidung der Eisenzoll- — 227 - frage sehr in Anschlag zu bringen sind. Wie bereits oben (Z. 8.2.) bemerkt, besteht ungefähr der Beschickung schlesischer Hochöfen aus mulmigen Brauneisensteinen, vorzüglich aus den Kreisen Tarnowitz und Beuthen, die sehr leicht zu gewinnen sind, während das übrige Viertel aus verschiedenen Arten Thon- und Spath- eisenstein u. s. w, gebildet wird, deren Förderung schwieriger ist. Nach den Enquüten des volkswirthschaftlichen Ausschusses der National-Versammlung stellen sich die Preise der Brauneisensteine auf verschiedenen Hüttenwerken folgendermaßen) die Tonne dieser Erze wiegt etwa 5 Ctr. und der Eisengehalt wechselt von 20 bis 30 Prozent): Malapane...........20 bis 21 Sgr. pro Tonne, Gleiwitz............20 „ 21 „ „ Laurahütte...........20 „ 22 „ „ Herz. Ratibor'sche Werke ... 19 „ 33 „ „ Slawentzizer Werke......... 26 „ „ Schreckendorfer Hü tte........ 27 „ _ „ Durchschnitt..... 22,9 Sgr. pro Tonne. Die als Zusatz verhütteten 30 bis 45 vrozentigen Thoneisen-- steine kosten pro Tonne 6^ Ctr.) zwischen 1 Thlr. und 1 Thlr. 15 Sgr., also im Durchschnitt 1 Thlr. 7^ Sgr. Die Erze würden nach dem angegebenen Mischungsverhältniß gegen 17 Sgr. auf den Ctr. Roheisen kosten. Dieß ist etwas höher, als die amtlichen Angaben. Hiernach hatte im Durchschnitt der fünf Jahre 18^§ die Hochofenvrodukiion 983,137 Ctr. jährlich betragen, während der Werth des geförderten Erzes an der Grube nach demselben Durchschnitt zu 239,849 Thlr. angegeben wird. Hiernach betrugen die Kosten für den Eisenstein aus den Centner Roheisen 7,32 Sgr; da nun in Schlesien nach v. Carnall*) die Erzfracht nach den Hütten im Minimum aus 1-^ Sgr. pro Ctr. Erz, oder 6 Sgr. pro Ctr. Roheisen anzunehmen ist, so würden sich diese 7,32 Sgr. auf 13^ Sgr. erhöhen. Abgesehen davon, daß diese Erzfracht wohl zu gering gegriffen ist (Malapane giebt an: 8 bis 30 Sgr., Gleiwitz 7 bis 13 Sgr., Slawentzig 5 bis 30 Sgr. pro Tonne; Laurahütte _ 5) Die Bergwerke in Preußen und deren Besteuerung. Von R. v. Car- nall. Berlin, 1850. S. 22. 15* - 228 — 2 Sgr., die Herzogl. v. Ratibor'schen Werke 2 bis 3 Sgr. pro Ctr. Erz) und im Durchschnitt gewiß 7 Sgr. (der Hüttenpreis des ErzeS auf den Ctr. Roheisen folglich 14^ Sgr.) beträgt, so richtet sich der amtliche Tarpreis mehr nach den wirklichen Förderungskosten, und läßt die Verkaufspreise unberücksichtigt. Letztere betragen nach v. Carnall bei den maaßgebenden Brauneismerzen im Durchschnitt 9 bis 10 Sgr. pro Tonne auf der Grube, also gegen 16 bis 17 Sgr. auf der Hütte, was mit obiger Berechnung stimmt. Da nicht alle Hütten eigene Eisensteingruben besitzen, so muß — wenn man den Thatbestand der gegenwärtigen Lage feststellen will, — dieß Verhältniß mit in Anschlag kommen. Während also, wo Hütten und Gruben vollständig in einer Hand sind, wo also kein besonderer Gewinn auf die Crzförderung berechnet wird, das zu einem Centner Roheisen erforderliche Erz in der Regel nur 14^ Sgr. kosten mag, wird man doch im Durchschnitt mindestens 16 Sgr. annehmen müssen, da gegen ^ des verhütteten ErzeS angekauft wird. Die günstigst belegenen Werke und Gruben stehen nicht unbedeutend unter jenem Durchschnitt, Auf Königshütte z. B. kostete, nach den der Conferenz von 1842 gemachten amtlichen Mittheilungen, das Schmelz-Material auf den Centner Roheisen im Durchschnitt der drei Jahre 18^ 11 Sgr. 9 Pf. (gegenwärtig wohl nur 10 Sgr. mehr), während es auf einem großen Theil der ober- und niederschlesischen Werke bis 20 Sgr. und darüber zu stehen kommt. Nach der Enqusle von 1848 kosteten auf Laurahütte die zu 1 Centner Roheisen verwandten 3 verschiedenen Erzsorten 14 Sgr. 5 Pf., und mag dieß darthun, wie jener Durchschnittpreis von 16 Sgr eher zu niedrig, als zu hoch gegriffen ist, indem Laurahütte weit besser liegt, als der größere Theil der schlesischen Werke. — Die Holzkohlenbochöfen haben durchschnittlich die Erze noch theurer als die Coakshochofen. Der schlesische Eisensteinbergbau ist durch besondere Abgaben nicht belastet. Was nun die Kosten des Brennmaterials betrifft, so haben wir zwischen Holzkohlen und Coaks zu unterscheiden. Bei ersteren, wobei immer noch der größte Theil des schlesischen Roheisens erblasen wird, hat es die größten Schwierigkeiten, einen Durchschnittspreis anzugeben. Nicht bloß in der außerordentlich — 229 — verschiedenen Höhe der Frachten, sondern auch in dem Umstand, ob der Hüttenbesitzer die Kohlen kaufen muß oder ob er zugleich Waldbesitzer ist, und in letzterem Falle wieder, ob und zu welchem Preise er Gelegenheit hat, das Holz anders zu verwerthen, liegen ganz außerordentliche Differenzen. Die Holzkohlen-Preise, welche der mehrerwähnten Enquüte zufolge im Durchschnitt der letzten 10 Jahre von verschiedenen schlesischen Hüttenwerken bezahlt, beziehungsweise verrechnet wurden, stellten sich im Durchschnitt auf 12 Sgr. pro Tonne Nadelholzkohlen. Dieser Preis befindet sich in ungefährer Uebereinstimmung mit einem Holzpreis von 1^ Thlr. bis 2 Thlrn, pro Klafter, was etwa einen Ertrag von 25 Sgr. bis 1 Thlr. für den Morgen Waldboden gleich käme. Als die äußersten Grenzen der Holzpreise Schlesiens darf man 1 Thlr. bis 3 Thlr. pro Klafter annehmen. Zwei Tonnen Nadelholzkohlen (120 Pfv.) auf den Ccntner Roheisen gerechnet (die meisten Werke verbrauchen 2^ bis 2^), macht 24 Sgr. Zuzüglich 1k Sgr. für den Eisenstein und 10 Sgr. für Generalkosten*), Hüttenlöhne, Zuschläge, Unterhaltung und Abnutzung der Maschinen, Verwaltung, Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals u. s. w., würden sich hiernach die durchschnittlichen Selbstkosten des schlesischen Holzkohlenroh- eisenS auf 1 Thlr. 20 Sgr. pro Ctr. stellen, wozu aber nur die Werke produziren können, welche in der technischen Einrichtung und Betriebsführung nicht zurückgeblieben sind. Auf der Konferenz von 1842 berechneten die schlesischen Hüttenbesitzer diese Selbstkosten zu Thlr. 1. 26. 5 Pf. Auf der landesherrlichen Hütte Malapane standen sie im Durchschnitt von 18^ auf Thlr. 1. 27. 2 Pf., und auf den verschiedenen v. Brandenburgischen Werken von Thlr. 1. 23. 9 Pf. bis zu Thlr. 2. 1. 10 Pf. Die mit am billigsten produzirenden Slawentzizer ') Die von den verschiedensten Hüttenwerken uns vorliegenden Berechnungen der nach Abzug der Erz- und Kohleupreise in den Selbstkosten des Roheisens enthaltenen Nebenposten, müssen natürlich bedeutend von einander abweichen, je nach dem Umfange der Produktion und der Dauer der Campagnen, Art der Verwaltung, Betrieb mit Dampf- oder Wasserkraft, Preis der Zuschläge u. s. w. Die niedrigsten geben 8 bis 3, die höchsten (die ärarischen Werke) 11 bis 12 Sgr. an, wonach 10 Sgr. als der ungefähre Durchschnitt gelten mag. — 230 — Hochöfen liefern den Centner wohl zu Thlr. t. 17 Sgr. oder noch billiger. Abgesehen davon, daß seit jenem Zeitraum die allgemeinere Einführung der heißen Gebläseluft (die übrigens, wie schon §. 2. erwähnt, bei den in Deutschland vorhandenen Grundlagen der Eisenerzeugung weit geringere ökonomische Erfolge mit sich bringen mußte als in England) und andere technische Fortschritte die Selbstkosten nicht unbedeutend und sicherlich um 4 — 5 Sgr. pro Centner erniedrigt haben, so kann selbst der vorstehend ermittelte Satz von Thlr. 1. 20 Sgr. noch nicht als die äußerste Grenze angesehen werden, bis wohin sich die Erzeugungskosten reduziren lassen würden. Bei einem Werke, welches alle Kohlen kaufen muß, ist vielleicht die Möglichkeit einer solchen Herabbringung der Selbstkosten ganz abgeschnitten, wenn nämlich der Waldbesitzer Gelegenheit hat, den Preis, welchen er von dem Hüttenwerk erhielt, auch bei anderen Verwendungsarten des Holzes zu erzielen. Wo aber — wie dies in Schlesien sehr häufig ist — Hüttenwerk, Wald und wo möglich die Erzgruben noch dabei in einer Hand sind, und die Eisenproduktion gleichsam nur das Vehikel zur Verwerthung des sonst werthlosen Holzes bildet, da können die Eisenpreise noch unter jenen Satz herabgehen, ehe man die Hochöfen kalt legt. Denn man wird selbst die geringste Wald- Rente lieber mitnehmen, als gar keine. Es ergiebt sich aber hieraus, daß die ganze Eisenzvllangelegenheit ebensowohl eine Frage für den Grund- und Waldbesitzer, — also für die Agrikultur — wie für den Eigenthümer der Hütten ist. Daß es unter diesen Verhältnissen sehr schwierig wäre, einen bestimmten Preis für schlesisches Holzkohleneisen festzustellen, und aus dessen Vergleichung mit den brittischen Eisenpreisen die Höhe des erforderlichen Schutzzolles zu bestimmen, leuchtet ein. Denn die gefundenen Selbstkosten von Thlr. 1. 20 Sgr. haben nur eine relative Richtigkeit, indem sie einen willkürlich gegriffenen Holzpreis von Itz bis 2 Thlrn. pro Klafter voraussetzen. Auch kann es in erster Ordnung der Zweck des Schutzzolls nicht sein, allen Capitalien, welche gegenwärtig der Hütten-, Gruben- und Waldbesitz repräsentirt, einen bestimmten Werth und eine bestimmte Rente für alle Zukunft sichern zu wollen. Der Zweck einer solchen Maaßregel geht vielmehr direkt nur aus Erhaltung und Weiter- - 23t — bildung der Eisenindustrie im Allgemeinen, und da überdies im Betrieb bei Coaks die Zukunft des Eisenhüttengewerbes liegt, so stellt sich auch deren Entwicklung als Zweck dar, und die Beschränkung der Holzkohleneisenindustrie, welche als Folge der inneren Konkurrenz und zu Gunsten der steigenden inländischen Coakseisenerzeugung eintritt, darf nicht beklagt werden. Der Schutzzoll wäre vielmehr gerichtet, wenn es seine Tendenz oder Wirksamkeit wäre, den technischen und ökonomischen Fortschritt zu hemmen. Es liegt aber auch gar nicht im Bereich der Wirksamkeit mäßiger Schutzzölle, den inneren Verlauf eines solchen Prozesses aufzuhalten, selbst wenn dies die Absicht des Gesetzgebers oder die Hoffnung der Betheiligten gewesen wäre. So gestattet z. B. die innere Konkurrenz dem schle- stschen Holzkohleneisen nicht, sich durchschnittlich mehr als 5 Sgr. pro Centner über dem Preis des Coaksroheisens zu halten; keine Zollbestimmung, selbst keine Prohibition würde dieses Verhältniß mehr ändern können. Allerdings verknüpft man mit dem Schutzzoll auch die weitere Absicht, eine Industrie vorzugsweise den Gegenden zu erhalten, wo sie bisher sich eingebürgert hatte. Allein hierauf kann eine Maaßregel der äußeren Handelspolitik immer nur indirekt wirken. So haben unsere Holzkohleneisendistrikte, wo die Produktionskosten nicht bereits so niedrig sind oder die Qualität deö Eisens so hoch bezahlt wird, daß der Fortbetrieb auf die Dauer ohnedies gesichert erscheint, von dem Schutzzoll zunächst nur das zu erwarten, daß der Betrieb fortgesetzt werden kann, bis diejenigen Einrichtungen, Wege- oder Eisenbahnbauten u. dgl. durchgeführt sind, welche ihnen die Möglichkeit gewähren, bei Holzkohlen fortzuhütten oder auf den Betrieb mit Coaks überzugehen, oder wenn beides nicht geht, mit möglichst geringem Verlust die Kapitalien aus dem Eisengewerbe herauszuziehen und ein anderes Gewerbe zu ergreifen. Und selbst diesen indirekten Einfluß auf die Lage unserer Holzkohleneisenindustrie ist der Schutzzoll nur auf eine beschränkte Zeit zu üben im Stande. Man kann den Zweck und die Wirkung des Schutzzolls in Bezug auf die Holzkohleneisenindustrie dahin erläutern, daß er ihre nöthige Umgestaltung, Beschränkung u. s. w. durch die Konkurrenz des inländischen und nicht des ausländischen Coakseisens bewirken will. Die Eisenindustrie des Zollvereins naht sich mit starken Schritten — 232 — dem Stadium, wo die Holzkohlenhütten die Durchführung der Maaßregeln, wodurch ihre Selbstkosten erniedrigt werden können, dringender um der inneren als um der äußeren Konkurrenz willen bedürfen. Wir kommen überhaupt später darauf zurück, wie wenig einem großen Theil unserer Eisenindustrie mit dem Schutzzoll allein geholfen ist. Von dieser Abschweifung auf das allgemeine Gebiet zu den konkreten Verhältnissen Schlesiens zurückkehrend, so ergiebt sich, daß die Höhe des erforderlichen Schutzes vernehmlich auch auf die Verhältnisse seiner Coakseisenerzeugung gegründet werden muß, welche allein für die Zukunft seines Holzkohlenhüttenbetriebs maaßgebend ist. Einzelne Distrikte Niederschlesiens ausgenommen, darf im Allgemeinen von der schlesischen Eisenindustrie gesagt werden, daß sie verhältnißmäßig sehr günstig situirt ist, um denselben Gegenden, wo die Holzkohleneisenerzeugung untergeht oder beschränkt werden muß, in der steigenden Coakseisenerzeugung ein Aequi- valent bieten zu können. Wie bereits oben (§. 8. 2.) erwähnt, sind die schlesischen Steinkohlen meist sehr mager, so daß, in Verbindung mit den geringhaltigen Eisenerzen, auf einen Centner Roheisen ungefähr doppelt soviel (nämlich gegen 2z Centner) Coaks erforderlich sind, als z. B. an der Ruhr. Dabei sind indeß die Fvrderungskosten in Schlesien nicht hoch. Die am günstigsten belegene Königshütte verbrauchte nach dem Durchschnitt von 18§s an Brennmaterial für 9^- Sgr. auf den Centner Roheisen. Die EnquSte von 1848 ergab Preise von 9z bis 13^ für die Tonne Coaks auf die Hütte, wobei Frachten von 5- bis 4z Sgr. eingeschlossen sind. Die Tonne Coaks wiegt in Oberschlesien gegen 240 Pfd.; 1^ Tonnen kann man als Durchschnittssatz für einen Centner Roheisen annehmen, deren Mittelpreis auf den Hütten mindestens zu 13 Sgr. zu veranschlagen ist. Der größere Theil der Werke zahlt mehr. Die durchschnittlichen Selbstkosten von einem Centner bei Coaks erblasenem Roheisen betragen demnach: Für Erze........ Thlr. —. 16 Sgr. „ Coaks........ „ -. 13 „ „ Generalkosten :c. . . „ —. 10 „ Summa . . . Thlr. 1. 9 Sgr. 233 — Zur Begleichung diene die Selbstkostenberechnung der landesherrlichen Königshütte, welche am günstigsten unter allen deutschen Hüttenwerken gelegen ist. Nach dem Durchschnitt von 18^ und unter Hinzurechnung von 2^. Sgr. sür die nicht angesetzten Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals, kostete der Centner Coaks- roheisen Thlr. 1. 3^ Sgr., und zu Gleiwitz Thlr. 1. 11 Sgr., 1848 standen sie in Königshütte Thlr. 1. 5. 5 Pf. Die Produzenten berechneten auf der Eonferenz von 1842 die Selbstkosten auf Thlr. 1. 22. 2 Pf.; v. Oynhausen nahm Thlr. 1. 15 Sgr. an. Diese Daten mögen dafür sprechen, daß die aufgestellte Selbstberechnung die unterste Grenze halt, wozu Schlesien gegenwärtig mit aller Anstrengung zu produziren im Stande ist, und zwar nur auf denjenigen Hütten, welche gut gelegen und eingerichtet sind und ökonomisch betrieben werden. Um nun das Schutzbedürfniß der vereinsländischen, gegenüber der großbritannischen Eisenindustrie in Zahlen auszudrücken, wählte man vor 1844 den Weg: auf bestimmten Konkurrenzorten, z. B. Berlin, Breslau, Cöln, die beiderseitigen Preise, unter Hinzufügung der Frachtbeträge zu den Produktionskosten, festzusetzen, deren Differenz nach Abzug des Mehrwertes sür bessere Qualität des inländischen Eisens, den nöthigen Zollschutz ausdrücken sollte. Es fußte diese Ermittlungsmethode auf der Voraussetzung, daß der Zollsatz dem inländischen Eisen gestalten würde, sich um diesen Betrag höher im Preise zu halten, wenn das ausländische Eisen auf die Selbstkosten herabgesunken sei. Diese Voraussetzung hat sich nur beim Coaksroheisen einigermaßen, beim Holzkohleneisen dagegen fast gar nicht bewahrheitet. Denn thatsächlich besteht seit 4 Jahren ungefähr dieselbe Differenz der in- und ausländischen Loco-Preise wie 1843, obgleich die letzteren seitdem durch den Zoll vertheuert worden sind. Wir brauchen aber um so weniger gegenwärtig an der früheren Methode zur Ermittlung des Schutzbedürfnisseö festzuhalten, als es sich jetzt nicht um Einführung eines neuen Zolls, sondern um Constatirung des thatsächlichen Einflusses eines bestehenden Zolles handelt. Die Ver- gleichung kann im vorliegenden Falle um so sicherer angestellt werden, als die maaßgebenden Preise Schottlands seit 4 Jahren durchschnittlich auf 7 Thlr. pro 1000 Pfd., was wir als Niveau der Produktionskosten bezeichneten, gestanden haben. — 234 — Bei diesen Preisen, erhöht durch den Eingangszoll von 10 Sgr. pro Centner (Thlr. 3, 3. 5 Pf. pro 1000 Pfd.), hat sich nun allerdings das schlesische Coaksroheisen zu Loco-Preisen von durchschnittlich Thlr. 1. 10 Sgr., das Holzkohlenroheisen aber nur zu Thlr. 1. 15 Sgr. erhalten können. 1843 stanven die Preise in Schottland und Schlesien ganz ebenso. Der im Jahr 1844 aufgelegte Zoll hat also thatsächlich keine absolute Vertheuerung verursacht, wohl aber dürfte er ein weiteres Sinken verhütet haben, als ohne Zoll seit 1848 eingetreten sein würde. Indem der Satz von 10 Sgr. also das Festhalten eines Preisverhältnisses gestattete, wobei (die zu ungünstig gelegenen oder schlecht eingerichteten Hütten abgerechnet) noch ohne effektiven Schaden produzirt werden konnte, darf man ihn, als für die Verhältnisse Schlesiens genügend, ansehen- Allerdings ist es nicht möglich gewesen, selbst zu diesen niedrigen Preisen gehörigen Absatz zu erzwingen. Allein dies war offenbar Folge der Verbrauchsverminderung und überhaupt der Geschäftsstörung, welche die politischen Unruhen von 1848 im Gefolge gehabt haben. Niemand aber wird von einer handelspolitischen Maaßregel erwarten, daß sie derartige Handelskrisen abhalten oder ihre Folgen vollständig Paralysiren könne. Jedenfalls wird die Wiederkehr günstiger Handelsverhältnisse die traurige Lage der schlesischen Eisenindustrie in ungleich höherem Maaße verbessern, als Zollerhöhungen dazu im Stande sein würden. Am Schlüsse dieser Schrift wird übrigens erörtert werden, wie sehr gerade bei der schlesischen Eisenindustrie die geographische Lage des Produktionsgebietes an den Grenzen zweier dichtverschlossenen Gebiete — Oesterreich und Rußland — ihr Schutzbedürfniß steigert, und wie sich hier gerade durch handelspolitische Maaßregeln, die in entgegengesetzter Richtung von Zollerhöhungen liegen, eine ungemeine Besserung ihrer Verhältnisse erzielen ließe. Es muß hier schließlich noch bemerkt werden, daß es eine Täuschung wäre, der Frage des Roheisenzolls in Schlesien eine geringere Wichtigkeit beizulegen, wie für andere, z. B. die rheinischen und westphälischen Eisendistrikte. Allerdings bringt Schlesien verhältnißmäßig wenig Roheisen in den Handel; der bei weitem größte Theil wird auf den mit den Hüttenwerken verbundenen Gießereien, Holz- und Steinkohlensrischereien weiter — 235 — verarbeitet, und kommt also als Gußwaare, Stabeisen, Blech und dergleichen zum Verkauf. Man hat hieraus schließen wollen, daß Schlesien zunächst nur an den Zöllen für diese Artikel ein näheres Interesse habe. Allein die Konkurrenz, welche von den rheinischen und westphälischen Puddlingwerken aus in den früheren Absatzkreis des schlesischen Eisens eingedrungen ist und die einzig durch den billigen Bezug schottischen uns insbesondere belgischen Roheisens möglich wurde, giebt einen thatsächlichen Fingerzeig, daß es auch sür Schlesien in erster Ordnung die Roh- eisenzölle sind, wovon das Schicksal seiner gesammten Eisenindustrie abhängt und daß z. B. der belgische Vertrag, obgleich er auf der ganzen nördlichen Grenze den Normalzoll von 10 Sgr. unberührt ließ, seine nachtheiligen Einwirkungen auf die inländische Eisenproduktion indirekter Weise auch bis nach Schlesien fühlbar werden ließ. Als Resultat dieser Erörterung ergiebt sich also, daß der Zoll von 10 Sgr. auf Roheisen für die schlesischen Verhältnisse genügt, aber auch nicht eher erniedrigt werden darf, als bis dort breitere Grundlagen zu einer wohlfeileren Eisenerzeugung gewonnen sind. Wir kommen darauf zurück, ob und wie dies zu erreichen möglich ist. Bei Besprechung der Lage der folgenden Haupteisendistrikte werden wir den gleichen Gang verfolgen, können uns aber, auf die ftattgefundenen Erörterungen verweisend, kürzer fassen. e. Den dritten preußischen Hauptbergdistrikt, den sächsisch- thüringischen betreffend, so gestatten seine Verhältnisse im Allgemeinen der dortigen Eisenindustrie keine günstigen Aussichten in die Zukunft, da ihr die innere Konkurrenz von Schlesien und den Rheinlanden her zu mächtig wird und bereits eine verhältnißmäßig bedeutendere Einschränkung des Hüttenbetriebs verursachte (siehe die Tabelle H. 8. 3.), als in irgend einem andern deutschen Eisenreviere. Es rührt dies zum Theil auch von der in Aufnahme gekommenen Verwendung des Puddling- eisens zur Gewehrfabrikation her, wozu früher nur thüringisches Material — namentlich das Erzeugniß der Blauöfen — benutzt wurde. Von 109,229 Centnern im Jahr 1845 ist die Produktion auf 53,560 Centner im Jahre 1849 gesunken. Im Durchschnitt der fünf Jahre 18^ wurden dort 83,556 Centner Roh- — 236 — eisen und Gußwaaren aus Erzen erblasen; die dazu erforderlichen Erze kosteten, den amtlichen Angaben zufolge, nach dem gleichen Durchschnitt, 44,524 Thlr. oder 15,89 Sgr. pro Centner Roheisen, was mehr als das Doppelte des schlesischen Haldenpreises ausmacht. Dazu sind die Erze mit Abgaben belastet, denen die schlesischen nicht unterliegen und stehen die Frachten nach den Hüttenwerken fast eben so hoch. Allerdings sind auch die Erze des Harzwaldes und Thüringens reicher als die schlesischen. Wenige Werke werden ihr Schmelzmaterial unter 20 Sgr. auf den Centner Roheisen beschaffen können. Dabei sind die Holzkohlen nicht wohlfeil und ein Uebergang auf Coaksbetrieb ist unmöglich. Auch ist kein solches Sinken der Holzpreise zu erwarten, wie dies in Schlesien eintreten wird, ehe man die Produktion bei Holzkohlen ganz aufgiebt, indem in dem dichtbevölkerten Sachsen und in Thüringen das Holz durch andere Verwendungen zu hoch im Werthe gehalten wird. Die Produktionskosten der dortigen Eisenwerke stehen zwischen Thlr. 1. 20 Sgr. und 2 Thlr. pro Centner, und werden trotz aller Anstrengungen nicht sehr tief unter diesen Betrag herabzubringen sein. Dabei sind sie der Konkurrenz Großbritanniens und Belgiens noch mehr ausgesetzt als Schlesien, und wenn auch die Qualität des Eisens vorzüglich ist und es mindestens um 3—4 Thlr. höher als schottisches Roheisen bezahlt wird, so leuchtet doch ein, daß es zur völligen Gleichstellung mit der fremden Konkurrenz eines höheren Zolles als 10 Sgr. bedürfen würde. Dies gilt selbst von den besser gelegenen und vorzüglich eingerichteten Hütten am Harze; Ansprüche, die sich auf die Eisenerzeugung der veralteten Blauöfen im Thüringischen stützen wollten, würden noch viel weiter zu gehen haben. — Ueber Thlr. 1. 20 Sgr. pro Centner Roheisen, was die unterste Grenze der Produktionskosten auf den am günstigsten gelegenen Werken ist und wobei der größte Theil effektiven Schaden leidet, sind in den letzten 4 Jahren dort nicht zu erlangen gewesen. Der Zoll von 10 Sgr. 'möchte dürftig schützen; allein die Einwirkung der Konkurrenz des zu 5 Sgr. eingehenden belgischen Eisens beeinträchtigte dessen Wirksamkeit hier schon allzusehr. 6. Im vierten, dem weftphälisehen Hauptbergdistrikt betrug die Produktion im Durchschnitt der fünf Jahre 18^ — 237 — 180,860 Centner. Von dem zu 32,270 Thlr. angegebenen Werth der im Distrikt geförderten Eisensteine (meistens Rasenerz) läßt sich indeß noch kein Schluß auf die Kosten des zu 1 Ccnt- ner Roheisen erforderlichen Erzes ziehen, indem fast die gleichen Quantitäten an Braun- und Rotheisensteinen von der Lahn und dem Rhein her bezogen wurden. Die wenigen in dem östlichen Theile des Bergdistrikts zerstreuten Holzkohlenhochöfen arbeiten unter sehr verschiedenen, durchschnittlich indeß nicht unvortheilhaften, Verhältnissen. In dem westlichen Theile, namentlich an der Köln-Mindener Eisenbahn und der untern Ruhr, wo mit Coaks oder gemischtem Brennmaterial gehüttet wird, ist aber offenbar eine der vorlheilhafiesten Lagen, welche die Eisenindustrie in Deutschland hat. Es ist dieö oben (§. 8. 6.) schon im Allgemeinen dargethan worden. Abgesehen von den Kohleneisensteinen, die in den letzten Jahren im Hangenden und Liegenden der Kohlenflötze selbst entdeckt worden sind, so wie von den Rascnerzen-, Braun- und Thoneisensteinen, die sich in der Nähe finden, liegt auch in dem billigen Bezug der reichen nassauischen Erze, das genügendste Fundament für eine großartige Coakseisenindustrie. An den gelegensten Stellen des Ruhrkohlenreviers können jetzt bereits diese Erze zu 13 —15 Sgr. auf den Centner Roheisen bezogen werden. Dabei eignen sich die Ruhrkoaks außerordentlich gut zum Verhütten und erfordern ohnedies die reichhaltigen, leicht schmelzbaren Lahnerze wenig Brennmaterial. Wenn also auch an der Ruhr die Fettkohle etwas mehr kostet, als die magere Kohle Oberschlesiens, so ist auch in letzterem Distrikt eine ganze, an der Ruhr etwa nur ^ Tonne Steinkohlen auf 1 Centner Roheisen erforderlich, so daß das Brennmaterial bedeutend billiger als in Schlesien kommt. Unter diesen Umständen bedarf es keiner besondern Berechnung, um nachzuweisen, daß der Zoll von 10 Sgr. für die Verhältnisse deö westvhälischen Bergdistriks vollkommen genügt. Ja, wenn es sich im Zollverein blos um diesen Distrikt Handelle und weiter keine Verhältnisse zu berücksichtigen wären, so könnte sogar der Satz von 5 Sgr., wie er bis 1. Januar 1852 gegen Belgien bestand, als genügend erachtet werden. e. Der fünfte preußische Hauptbergdistrikt, der rheinische, produzirte im Durchschnitt der fünf Jahre 18^z 1,108,785 Ctr. — 238 - an Roheisen, Rohstahleisen und Gußwaaren aus Erzen. Sehen wir von der verhältnißmäßig geringen Ein- und Ausfuhr von Erzen ab, so hat jene Hochofenproduktion nach der amtlichen Schätzung für 334,382 Thlr. Erze jahrlich konsumirt, was 41,57 Sgr. auf den Centner Roheisen ausmacht. Nach einer Durchschnittsberechnung erhöht sich dieser Betrag durch eine Erz- sracht von K Sgr. auf 17^ Sgr. Eine Schätzung des Ober- Bergamtes zu Bonn vom Jahre 1848 stimmt hiermit überein, indem sie 18tz Sgr., mit Einschluß der BergweMbestcuerung, annahm, die bis zum 1. Februar 1851 mindestens 1 Sgr. und jetzt etwa noch H Sgr. auf den Centner Roheisen ausmacht. Mit dem ihm an Bedeutung zunächst stehenden Bergdistrikt, dem schlesischen verglichen, stellt sich sowohl der Preis des Erzes als auch der Kohlen etwas höher, allein dies wird ungefähr durch die bessere Qualität und verhälinißmäßig höheren Preis, sowie durch die günstigere kommerzielle Lage ausgeglichen, so daß von einer nachtheiligeren Stellung im Allgemeinen wohl nicht die Rede sein kann. Mindestens liegt in den ökonomischen Grundlagen der rheinischen und schlesischen Eisenindustrie kein solcher Unterschied begründet, wenn erstere auch thatsächlich durch handelspolitische Maaßregeln, — den belgischen Vertrag — in stärkerem Grade benachlheiligt worden ist als letztere. . Der rheinische Bergdistrikt ist indeß so ausgedehnt und die Lage der einzelnen eisenerzeugenden Gegenden so verschieden, daß eine allgemeine Vergleichung kaum zulässig erscheint. Wir beginnen demgemäß mit dem Bergamtsbezirk Siegen. Bis vor 12 Jahren, wo die Konkurrenz des ausländischen Coakseisens sich fühlbar zu machen begann, war die Lage des Holzkohleneisendistriktes der Kreise Siegen, Olpe und Altenkirchen eine der besten in Deutschland. Dies Verhältniß hat sich seitdem bedeutend geändert und in den kritischen Jahren 1842 bis 1844 machte sich die Nothwendigkeit einer Roheisenbesteuerung hier um so stärker geltend, als mit dem allmäligen Eingehen der Holz- kohleufrischerei fast die ganze Produktion als Roheisen nach den Puddlingwerken des RuHrkohlenreviers verführt werden mußte, wo sie auf's Schärfste mit dem schottischen und belgischen Coaks- eisen zu konkurriren hatte. Erst in den letzten Jahren ist durch die Errichtung von Puddlingöfen die Stabeisenproduktion und — 239 — damit der Roheisenverbrauch im Siegnischen selbst wieder gestiegen. Soweit übrigens durch Zollmaaßregeln dem Gewerbe einer Gegend geholfen werden kann, ist der Satz von 4V Sgr. als genügend sür diesen Distrikt anzusehen. Wie bei allem Holzkohleneisen, ist es auch hier sehr schwierig, die reinen Produktionskosten zu berechnen, da die Kohlenpreise zwischen 20 — 30 Thlr. pro Wagen, a 25 Tonnen, wechseln"). Dabei fällt und steigt wohl der Preis der Kohlen mit dem des Eisens; allein daS Fallen hat wieder seine bestimmte, schwer festzustellende Grenze, wo es durch den Werth des Holzes sür andere Verwendungszwecke aufgehalten wird. — Nach ziemlich übereinstimmenden Angaben darf der Preis des zu einem Centner Roheisen erforderlichen Erzes auf 47 Sgr. angenommen werden; die Grenzen der Erzpreise sind von 20 Sgr. bis 2 Thlr. pro Tonne. Als Mitteldurchschnitt der Kohlenpreise in den letzten 40 Jahren sind 25 Thlr. pro Wagen, ä 25 Tonnen, oder 4 Thlr. pro Tonne anzunehmen, was einem Holzpreis von etwa 2 Thlrn. pro Klafter Eichen- und Buchenholz entspricht. Die Tonne Laubholzkohlen zu 400 bis 404 Pfund genügt nun, bei der außerordentlichen Leichtschmelzbarkeit und Reichhaltigkeit der siegnischen Erze, zum Schmelzen von 4 Centner Roheisen. Die Generalkosten sind im Siegnischen, soweit die Verwaltung auf gemeinschaftliche Rechnung geht, sehr niedrig, außerordentlich hoch dagegen, wenn die Zinsen der Anlage- und Betriebskapitale und die Aufsichtskräfte der Einzelnen mit in Anschlag kommen, indem jeder Betheiligte die Förderung und Anfuhr der Erze, den Ankauf der Kohlen, die Beaufsichtigung des Betriebs während seiner Hüttenzeit und den Verkauf des Produktes auf eigne Rechnung betreibt- 40 Sgr. pro Centner dürften nicht genügen. Die Selbstkosten stellen sich hiernach bei einem Preis von 25 Thlrn. pro Wagen Holzkohlen auf ') Auf der Hainer Hütte, in der Mitte des sicgnisckien Eisendistriktes belegen, sind folgende Holzkohlenpreise pro Wagen s 25 Tonnen (gegen 2500 Pfd.) Laubholzkohlen gezahlt worden: 183k . . . 18 Thlr. 1841 . . . 2i> Thlr. 1846 . . . 29 Thlr. 1837 . . . 25 ., 1842 . . . 24 „ 1847 . . / 23 ' 5 ^ 1838 . 23' 1843 . . . 22 „ 1848 . . . 20 ., 1339 . - - 24^ „ 1844 . . . 23 „ 184g . . . 20 „ 1840 . - - 25 ., 1845 . . . 25 ., 1S50 . . - 22 „ - 240 — Thlr. 4. 27 Sgr. pro Centner oder Thlr. 17. 8 Sgr. pro 1000 Pfund. Klein und Börner (Abth. II. S. 20. des mehrerwähnten Werks) nehmen Thlr. 17. 15. 6 Pf. an- Die bei der Konferenz von 1842 gelieferten Berechnungen wechselten für die einzelnen Hüttenwerke des Bergamtsdistrikts zwischen Thlr. 18. 8z Sgr- und Thlr. 20. 23z Sgr. pro 1000 Pfund, v, Carnall berechnet sie für jenes Jahr übereinstimmend mit der aufgestellten Rechnung zu Zhlr, 1. 27^ Sgr., wobei die Hüttenkosten etwas geringer, die Kohlen, deren damals noch mehr verbraucht wurden, etwas höher gegriffen sind. Nach den Erfahrungen der Jahre 1842 und 1843, sowie von 1848 bis jetzt, läßt sich nun der Kohlenpreis durch die Eiscn- preise nicht weiter als bis etwa 20 Thlr. pro Wagen herabbringen. Bei 20 Thlr. statt 25 Thlr. pro Wagen würde sich also der Centner Roheisen auf etwa Thlr. 1. 19z Sgr. pro Centner oder 15 Thlr. pro 1000 Pfund stellen; nur wenige Hütten dürften in den letzten Jahren noch etwas billiger produzirt haben. Die Konkurrenz mit dem Ausland konzentrirt sich für das Siegerland auf den Puddlingwerken der oberen Ruhr. Die Fracht dorthin nur zu Thlr. 2. 15 Sgr. pro 1000 Pfund gerechnet, erhöht jenen niedrigsten Selbstkostenpreis auf Thlr. 17. 15 Sgr. Das schottische Eisen zu 7 Thlr. hat nun bis dahin eine durchschnittliche Fracht von Thlr. 4. 10 Sgr. zu tragen (3^—3^ Thlr. bis Ruhrort und 20 Sgr. bis 1 Thlr. bis an die obere Ruhr) und kommt also der Preis zuzüglich des Zolles von Thlr. 3. 3z Sgr. auf Thlr. 14. 13z Sgr. Das siegensche Eisen steht also noch etwa 3 Thlr. im Nachtheil, wird aber auch seiner Qualität wegen um ungefähr soviel höher bezahlt. Bei einem Zoll von 10 Sgr. pro Centner ist es also, wie oben erwähnt, diesen Eisendistrikten in ihrer gegenwärtigen Lage möglich, mit Schottland zu konkurriren, und wäre die Bedeutung jenes Zolles nickt durch den belgischen Vertrag zum größten Theil aufgehoben, so würde ihre Lage nicht so außerordentlich gedrückt sein, als sie seit 1848 war. Es ist speziell den Wirkungen der belgischen Konkurrenz beizumessen, wenn seit 4 Jahren das Marimum des Loco-Preises für 1000 Pfund siegensches Holz- kohleneisen 14 Thlr., der Durchschnitt Thlr. 13. 15 Sgr. (Thlr. 1. 15 Sgr. pro Centner) war, ein Preis, wobei selbst — 241 — die günstigst gelegenen Hütten keine Zinsen des Geschäftskapitals mehr erzielten und alle übrigen effektiven Schaden litten. Ein höherer Zoll als 10 Sgr. würde übrigens diesen Eisendistrikten nichts mehr helfen. Nur eine Eisenbahnverbindung mit der Ruhr, die ihr die Kohlen wohlfeil zuführt und den Uebergang auf Coaksbetrieb möglich macht, kann der siegnischen Eisenindustrie eine Zukunft sichern. Die bisherigen Erörterungen galten zunächst den 3 Kreisen Siegen, Olpe und Altenkirchcn. Von den übrigen Hütten im Bergamtsbezirk Siegen sind mehrere der im Herzogthum West- phalen liegenden, durch billige Erze und billige Kohlen nicht unvortheilhaft gestellt. Die nach dem Rhein zu belegenen Werke haben jedoch außergewöhnlich hohe Kohlenpreise, welche sich weit weniger als sonstwo nach den sinkenden Eisenvreisen richten, da in jenen dichtbevölkerten Gegenden und an einer so bedeutenden Wasserstraße zu vielfache Gelegenheit ist, das Holz für andere Zwecke zu verwerthen. Dort liegt auch auf der Königl. Saynerhütte bei Coblenz der einzige Coakshochofen deö Bergamtsbezirks Siegen. Die Coaks werden von der Saar bezogen. Im Jahr 1847 verbrauchte man auf 1 Centncr Roheisen gegen 208 Pfund Coaks, die etwas über 1 Thlr. kosteten; gegenwärtig wird man dafür 25 Sgr. rechnen können. Die Betriebsverhältnisse sind also ziemlich ungünstig. Noch ist in dem genannten Bergamtsbezirk des Roh stahleise nS zu erwähnen, wovon der überwiegende Theil der ge- sammten zollvereinsländischen Produktion hier erzeugt wird. Bet den Eigenthümlichkeiten dieses Produkts und der darauf gegründeten Methode der Stahlbereitung durch den Holzkohlen-Frischprozeß wurde es früher durch die Konkurrenz des ausländischen Roheisens verhältnißmäßig weniger berührt. Es waren weit mehr die sehr ungenügenden Zölle auf fertigen Stahl, welche auf Preis- und Absatzverhältnisse des Rohstahleisens wirkten. In der letzteren Zeit jedoch hat die in Westphalen aufgekommene und bereits zu nicht unbedeutender Ausdehnung gelangte Methode der Stahldarstellung durch den Puddlingfrischprozeß bei Steinkohlen, das Nohstahleisen mit dem ausländischen Roheisen in 16 — 242 — direkte Konkurrenz gebracht, indem auch graues Coakseisen und insbesondere auch Wales Anthraciteisen verpuddelt worden sind. Offenbar ist nun der Puddelstahl aus Rohstahleisen ein weit vorzüglicheres und werthvolleres Fabrikat als der aus den letzterwähnten Roheiscnsorten dargestellte. Allein nach Analogie so vieler Industrien, deren theureres Fabrikat trotz der ungleich besseren Qualität den Kampf mit dem geringeren aber wohlfeileren Produkte nicht bestehen konnte, ist hier wohl genügender Grund zu der Besorgniß vorhanden, daß die Rohstahleisenerzeugung in Zukunft von der Konkurrenz des ausländischen Roheisens noch mehr als von der des fertigen Stahls bedrängt werden dürste, und wenn sich auch bei der Neuheit der Puddlingstahlfabrikation die Verhältnisse noch nicht vollständig übersehen oder in Zahlen feststellen lassen, so fordern doch die Erfahrungen der jüngsten Zeit auf's Dringendste auch vom Standpunkte der Rohstahleisenproduktion zur Erhaltung des Roheisenzolls auf. Auf dem linken Rhcinufer haben wir im rheinischen Hauptbergdistrikt der Dürener und Saarbrücker Eisenbezirke zu erwähnen. Im Dürener Bezirk liegen für die Roheisenerzeugung die Verhältnisse ganz ähnlich wie im Siegenschen Distrikt, nur stehen die Kohlenpreise wohl durchschnittlich um 4 bis 5 Sgr. pro Tonne oder pro Centner Roheisen billiger. Dort wie hier beruht die ganze Zukunft der Industrie auf der Erbauung einer Eisenbahn nach den Steinkohlendistrikten, um aus den Betrieb mit Coaks übergehen oder die Erze nach den Steinkohlen deö Jnde- und Wormreviers verführen zu können. Bis diese ausgeführt ist, genügt wohl ein Zoll von 10 Sgr. pro Centner zur Erhaltung des gegenwärtigen Bestandes, allein bei der geographischen Lage zu Belgien hat dieser Normalzoll nie die mindeste Bedeutung für die Eisenindustrie des Dürener Distriktes gehabt. Daß aber der Zoll von 5 Sgr., wie er gegen Belgien besteht, die Wirkung eines Schutzzolles vollständig verfehlt hat, dies beweist erstens der Rückschritt der Holzkohleneisenerzeugung, und zweitens das gänzliche Zurückbleiben des Coakshüttenbetriebs, wofür doch — selbst abgesehen von den Bezirken, wo bis jetzt mit Holzkohlen gehütlet wird — im Stollberger Kohlenrevier die vorzüglichsten Grundlagen vorhanden sind. Das Schleidener — 243 — Roheisen hat in den letzten 4 Jahren höchstens Thlr. 1. 45 Sgr. für sein Roheisen erzielt, ein Preis, zu dem nur einzelne, wenige Werke im Stande gewesen sind, ohne reinen Schaden zu produ- ziren. Dabei stockte der Absatz ganz außerordentlich, so daß die Lage des Distrikts eine der allertraurigsten ist. Mit dem Saarbrücker Eisendistrikt, dessen Hauptwerke an der Saar und Mosel liegen, gelangen wir nächst Ober-Schlesien und der unteren Ruhr zu dem dritten Steinkohlenrevier in Preußen, wo Roheisen bei Coaks erzeugt wird und eine großartigere Ausdehnung dieser Industrie zu erwarten steht. Die Grundlagen der Eisenindustrie, wodurch die Selbstkosten bedingt werden, sind hier nicht ungünstiger als in Oberschlesien; die Coaks sind zwar (trotz der Ermäßigung von etwa 22 Prozent, welche den Hütten- bcsitzern von den Tarpreisen der Königl. Gruben gewährt wird) etwas theurer als dort*), dagegen ist der Verbrauch zur Eisenerzeugung auch geringer. Für den Coakshüttenbetrieb, der an der Mosel und Saar fast ausschließlich mit Puddlingfrischerei verbunden ist, genügt ein Roheisenzoll von 10 Sgr. vollkommen; erfahrungsmäßig hat sich aber gezeigt, daß das Stabeisen mit demjenigen nicht zu konkurriren vermag, welches auf den Werken der rheinischen Eisenbahn aus belgischem, nur mit 5 Sgr. besteuertem Roheisen dargestellt wurde. Daher auch die verhältnißmäßig geringe Ausdehnung, welche die Coakseisenerzeugung hier noch gewonnen hat. — Die in den Gebirgen des südlichen Theils der Rheinprovinz zerstreut liegenden Eisenwerke mischen gegenwärtig die Holzkohlen meistens mit Coaks. Ihre Lage ist weit bedrängter als die der Coakshütten an der Saar und Mosel, der hohen Kohlenpreise und Frachten halber. Allerdings hat in letzterer Zeit die Eisenbahn von Saarbrücken nach der baierischen Pfalz mehreren Hütten im Hundsrück wesentliche Vortheile gebracht. Wir hätten hiermit die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse in den einzelnen Eisendistrikten des Königreichs Preußen erörtert. Hiernach wechseln in den Selbstkosten von einem Centner Roheisen die Kosten für den Eisenstein von etwa 12 bis zu ') Wir hören (Anfang 18S2), daß das Königl. Preuß. Handelsministerium beabsichtige, in der Kürze eine bedeutendere Reduktion der dortigen Koh- lcnpreise eintreten zu lassen. 16* — 244 — 20 Sgr., und für Brennmaterial von 10 Sgr. bis 1 Thlr.-, auch in den Generalkosten (worunter hier überall die Kosten für Flußmittel, für Rosten der Erze, die Löhne, Zinsen u. s w. einbegriffen sind) liegen Differenzen von 8 bis zu 12 Sgr., je nach der Ausdehnung der Werke. Vielfach trifft nun allerdings mit den höheren Selbstkosten auch eine bessere Qualität des Roheisens zusammen, die aber höchstens eine Ausgleichung bis zu 7? Sgr. pro Ctr, bewirken kann. Als Resultat ergiebt sich, daß der Normalsatz von 10 Sgr. bei gleichmäßiger Geltung genügt haben würde, daß aber unter Einwirkung der niedrigeren Besteuerung belgischen Eisens die Holzkohleneisenerzeugung in den letzten 4 Jahren sast durchgängig mit effektivem Schaden betrieben worden ist, während für die Coakseisenindustrie mindestens der Anreiz zur weiteren Ausdehnung abgeschnitten wurde. Ebenso wenig wie aber unsere Zollgesetzgebung in der angeordneten Besteuerung des Roheisens von 10 Sgr. pro Ctr., über die durchschnittliche Gleichstellung der in- und ausländischen Conkurrenz hinausgegangen ist, ebenso wenig hat sie die Tendenz verfolgt, der inländischen Produktion auch in den Gegenden des Zollgebiets den Absatz zu sichern, welche für den Bezug vom Ausland besonders günstig und sür die inländischen Eisendistrikte besonders ungünstig liegen. Hierhin gehören im Zollverein ganz besonders die Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen, wo es natürlicherweise eines weit höheren Zolles als 10 Sgr. bedürfen würde, um schlesisches mit britischem Roheisen gleichzustellen. 2. Saiern. Gehen wir nach dieser Besprechung der Eisenerzeugung Preußens zu den übrigen Vereinsstaaten über, so finden wir, daß sie zwar in ihrer geographischen Lage und der dadurch bedingten höheren Fracht des ausländischen Eisens, einen stärkeren Schutz gegen die Mitbewerbung Großbritanniens und Belgiens genießen, daß dieser Vorzug sich aber im Ganzen durch ungünstigere Produktionsverhältnisse mehr als ausgleicht. Es ist um so schwieriger, die Lage der Eisenindustrie in den außerpreußischen Vereinöstaaten zu untersuchen, als sie sich sehr selten in bestimmten Distrikten konzentrirt findet. Die meisten - 245 — Werke liegen vielmehr ganz zerstreut im Lande umher, wie sie gerade der Holzüberfluß oder das örtliche Bedürfniß zu einer Zeit hervorgerufen haben, wo noch von einer ausländischen Con- kurrenz keine Rede war, und in den schlechten Kommunikationsmitteln für jedes einzelne Werk gleichsam ein Schutzzoll gegen die Mitbewerbung anderer inländischer Werke lag. Die Verhältnisse der Eisenerzeugung in Baiern rechts des Rheins sind bereits oben kurz besprochen. Die Hüttenwerke in Mittel- und Ober-Franken und Oberpfalz arbeiten theilweise nicht unter ungünstigen Verhältnissen, und haben namentlich die Holzkohlen nicht übertheucr (die Holz-Preise sind allerdings im Steigen begriffen), allein die technischen Einrichtungen sind mit Ausnahme weniger Werke ziemlich zurückgeblieben, so daß die Selbstkosten des Produkts doch sehr hoch kommen. Von manchen Hütten ist zu erwarten, daß ihre Besitzer sie mit der Zeit eingehen lassen werden, anstatt sie mit großen Kosten umzubauen, und dürfte zu Letzterem auch nicht überall zu rathen sein, indem bei der Unmöglichkeit, auf Coaksbetrieb überzugehen und bei voraussichtlichem weiteren Steigen der Holzpreise, auch bei den größten Anstrengungen und unter Voraussetzung der besten Einrichtungen und der vorzüglichsten Leitung, die Fortsetzung des Betriebs nicht allen Werken möglich sein wird. Berechnungen über die Höhe des Schutzbedürfnisses würden auf einem so ungleichen Boden ohnedieß schwierig sein. Wir verzichten indeß speziell darauf, um nicht den Vorwurf zu verdienen, Verhältnisse zum Anhaltpunkt genommen zu haben, die zu einem guten Theil durch ein Zurückbleiben hinter den technischen Anforderungen der Neuzeit verschuldet worden sind. In Baiern links des Rheins sind die Werke fast ohne Ausnahme nach den neuesten Methoden eingerichtet. Das-Schmelzmaterial kommt hier durchschnittlich sehr theuer; die ziemlich mageren Thoneisensteine der Pfalz kosten auf den Hütten durchschnittlich 7-5 Sgr. pro Ctr., und die nasfauischen Rotheisensteine, die man zur Verbesserung der Qualität zusetzt, bis zu 13 Sgr. pro Ctr. Es folgt hieraus, daß das Schmelzmaterial im Durchschnitt gegen 24 Sgr. und noch mehr auf den Centner Roheisen kosten muß. Dazu hat kein Werk die Holzkohlen unter 20 Sgr. auf den Centner Roheisen, so daß man die Selbstkosten im Mi- — 246 — NIMUM auf Thlr. 1. 24 Sgr. pro Centner oder Thlr. 1k. 11 Sgr. pro 1W0 Pfd. annehmen kann. Diesen Preis hat aber kein rheinpfälzisches Werk seit 4 Jahren erzielen können; ja im Durchschnitt kaum 15^ Thlr., trotz seiner guten Qualität. Allerdings konkurrirt die baierische Pfalz, sowie überhaupt ganz Süddeutschland weniger direkt mit dem ausländischen Eisen; auch wird ihr Fabrikat nur ausnahmsweise als Roheisen auf den Markt gebracht, in der Regel aber auf den Hüttenwerken selbst zu Gußwaaren oder Stabeisen weiter verarbeitet. Allein nichtsdestoweniger ist es nicht der Zoll auf Stabeisen, sondern in erster Linie der Roheisenzoll, welcher die dortige Conjunktur bestimmt, indem hiervon der Preis des in Süddeutschland hauptsächlich konkurrirenden aus ausländischem Roheisen dargestellten rheinischen und westphä- lischen Puddlingcisens zunächst abhängt. Es zeigt sich also auch hier, daß für die Produktion des Stabeisens aus inländischem Roheisen der Stabeisenzoll erst dann eine Bedeutung hat, wenn er von einem genügenden Roheisenzoll begleitet auftritt. Ganz das Gleiche gilt von der Erzeugung der Gußwaaren aus Erzen; später wird nochmals die Rede darauf kommen. Wenn wir aber in Rheinbaiern einen der Eisendistrikte sehen, welche bis jetzt mit am theuersten produziren und wofür der Roheisenzoll von 10 Sgr. als das Aeußerste erscheint, wobei die Werke besteheil können, wo also auch die Herabsetzung des Normalzolles durch den belgischen Vertrag die schädlichsten Wirkungen äußern mußte, so dürfte doch gerade die Eisenindustrie dieser Gegend mehr wie die irgend eines andern Distriktes von Süddeutschland zu einer künftigen Entwicklung befähigt sein. Den Träger dieser Entwicklung bildet die Eisenbahn, welche den Eisendistrikt der Pfalz auf der einen Seite mit dem Steinkohlenrevier der Saar, auf der andern mit Mannheim und dem Rhein in Verbindung setzt und so den Uebergang vom Betrieb bei Holzkohlen auf Coaks ermöglicht, und nicht bloß die Frachten aller Rohmaterialien bedeutend erniedrigt, sondern auch die des fertigen Produkts. Bereits ist die Frischerei bei Steinkohlen als Vorläufer der Einführung des Hochofenbetriebs bei Coaks in ziemlicher Ausdehnung zur Anwendung gebracht. Auch setzen einige Hochöfen schon Coaks den Holzkohlen zu. — 247 — 3. Sachsen. Zm Königreich Sachsen befindet sich die Holzkohleneisenerzeugung in einer noch ungünstigeren Lage, als in Süddeutschland, und nur der Umstand, daß sich hier die Einwirkungen des belgischen Vertrags und die innere Conkurrenz von Rheinland und Wcstphalen empfindlicher geltend machten als in Sachsen, hat dieß bisher weniger sichtbar hervortreten lassen. Die Holzkohlen stehen zwar in dem Erzgebirge ziemlich niedrig und kommen durchschnittlich nicht über 20 Sgr, pro Centner Roheisen, auf den mit Kohlholzabgabe aus StaatSsorsten konzessionirten Hütten; dagegen sind die Erze ganz außerordentlich theuer, theils der schwierigen Förderung und des zersplitterten Grubenbetriebs, theils der hohen Frachten aus schlechten Gebirgswegen und der enormen Besteuerung halber. Das Fuder (25 Cubikfuß oder 15 bis 22 Ctr.) Noth- und Brauneisensteine von etwa 33^ pCt. Ausbringen kommt den Hüttenwerken auf 4 Thlr. bis Thlr. 5. 15 Sgr. zu stehen, so daß man auf den Centner Roheisen den hohen Betrag von ungefähr 25 Sgr. für Schmelzmaterial rechnen kann. Thlr. 1. 25 Sgr. pro Centner oder Thlr. 16. 20 Sgr, pro 1000 Pfd. ist die geringste Schätzung der Selbstkosten des sächsischen Holzkohleneisens, welche gegenwärtig angenommen werden darf. Es kommt wenig sächsisches Roheisen in den Handel, sondern wird meist von den Hültenbefitzern weiter verarbeitet. Die sür Gußwaaren und Stabeisen seit 4 Jahren erzielten Preise, gestatten es aber nicht den darin enthaltenen Roheisenpreis höher als 15 Thlr. bis höchstens 15^ Thlr. anzunehmen. Nach Leipzig z. B. kann schottisches Roheisen bei 10 Sgr. Zoll um etwa 4 Thlr. pro 1000 Pfd. billiger geliefert werden, als obercrzgebirgisches Holzkohleneisen, welche Differenz durch den Mehrpreis der bessern Qualität bei weitem nicht ausgeglichen wird. Nur der örtliche Absatz im Erzgebirge, wobei ein ziemlich beträchtlicher Theil gleich zu Eisenfabrikaten weiter verarbeitet wird, konnte unter Krisen wie die seit 1848 eingetretene, die sächsische Eisenproduklion erhalten. Das Gutachten des Frciburger Bergamts im Jahre 1848, daß ein Roheisenzoll von 15 Sgr. zur Erhaltung der sächsischen Eisenindustrie nothwendig sei, rechtfertigt sich hierdurch; überhaupt — 248 — hat sich fast aus keinem Theile des Zollvereins der Ruf nach Erhöhung der Roheisenzölle dringender vernehmen lassen, als aus dem sächsischen Erzgebirge. Dagegen wird kein Schutzzoll auf die Dauer etwas helfen, wenn nicht die Eisenbahn nach dem Zwickauer Steinkohlenrevier baldigst zur Ausführung gelangt. Nach vielfach gescheiterten Bemühungen darf man es jetzt als entschieden ansehen, daß in den Steinkohlenrevieren selbst, insbesondere in der Umgegend von Zwickau, eine sächsische Coaks- eiseninduftrie festen Fuß fassen wird. Allerdings lag der Hauptgrund von der bedrückten Lage der Holzkohleneisenindustrie weniger in den Kohlen-, als in den Erz-Preisen. Allein auch in Bezug auf die Erze sind vielfache neue günstige Aufschlüsse in größerer Nähe des Steinkohlenreviers gemacht worden. Die neuen Coakshochöfen beziehen die zu einem Centner Roheisen erforderlichen Erze zu 15 Sgr. und die Coaks zu 17^ Sgr., so daß also die Produktionskosten auf etwa Thlr. 1. 12-^ Sgr. oder 3^ Sgr. mehr als in Schlesien kommen. Dagegen ist die Lage Sachsens mindestens um den gleichen Betrag günstiger für den Absatz, als die Oberschlesiens, so daß die innere Conkurrenz der größeren Entwicklung einer sächsischen CoakSeisenindustrie nichts in den Weg stellen wird- Auch schützt der Zoll von 10 Sgr. diese Entwicklung in ganz genügender Weise, und nur für die Holzkohleneisenerzeugung erscheint er nicht ganz zureichend. 4. Würtemberg. Im Königreich Würtemberg ist wie oben (§. 15.) erörtert der ganze Hüttenbetrieb in den Händen des Aerars. Als Brennmaterial werden bloß Holzkohlen verwandt; da es nicht unwahrscheinlich ist, daß die Holzkohlenpreise mit der Zeit noch mehr steigen werden, als dies bisher in dem dichtbevölkerten Lande bereits statt fand, ein Uebergang auf Coaks aber bei den großen Entfernungen von den rheinischen Steinkohlenbezirken nicht möglich ist, so erscheint die Zukunft des würtembergischen Hüttenbetriebs allerdings etwas gefährdet. Die würtembergischen Hüttenwerke sind bekanntlich gang vorzüglich und nach den neuesten Methoden eingerichtet, und werden sehr gut verwaltet und be- — 249 — trieben. Wenn dennoch in den letzten Jahren mit Schaden gearbeitet worden ist, so beweist dieß mindestens die Unzulänglichkeit der Besteuerung ves belgischen Roheisens von nur 5 Sgr. pro Centner. Auf ihre Betriebsresultate gestützt, hält die wür- tembergische Regierung selbst den Normalzoll von 1t) Sgr. pro Centner für zu niedrig, und hat wiederholt auf fast allen Konferenzen dessen Erhöhung auf 15 Sgr. beantragt. Aus den of- ficiellen Daten, die über die würtembergische wie über die badische ärarische und standesherrliche Produktion zu Gebote stehen, ergiebt sich überhaupt, daß die Schutzbedürftigkeit der süddeutschen Eisenindustrie, obgleich durch ihre geographische Lage der Konkurrenz Englands und Belgiens weniger ausgesetzt, dennoch größer ist als die der meisten norddeutschen Eisendistrikte, und daß also ein Zoll, der hier vollkommen genügt, in Süddeutschland nur mühsam das einstweilige Fortbestehen der Werke sichert. . Anderseits muß wieder bemerkt werden, daß auch bei einem höheren Zoll die Conkurrenz des inländischen Coakseisens den süddeutschen Werken schwerlich mehr eine Erhöhung der jetzigen Preise oder eine Erweiterung ihres Absatzes gestatten würde. 5. S a d e n. Im Großherzogthum Baden bieten die offiziellen Daten, welche uns über den Betrieb der landes- und standesherrlichen Werke zu Gebot stehen, einen weiteren Anhaltpunkt zur Bestätigung des ausgesprochenen Urtheils über die schwierige Lage der süddeutschen Eisenindustrie, dem um so mehr Gewicht beizulegen ist, als anerkanntermaßen die badischen Eisenwerke vorzüglich geleitet werden und mit den neuesten und besten Betriebsvorrichtungen versehen sind. Auf den fünf ärarischen Hüttenwerken stellten sich, offiziellen Mittheilungen zufolge, die Selbstkosten des Centners Roheisen im Durchschnitt folgendermaßen: ") Ein badischer Centner ist gleich einem Zoll-Centner ---- 106,9 preußische Pfund. — 230 - 1834 . . Fl. 3. 42,12 Kr. 1842 . Fl. 4. 37,07 Kr. 1835 . „ 3. 43,14 „ 1843 . „ 4. 38.21 „ 1836 . „ 4. 4,63 „ 1844 . „ 4. 31,75 „ 1837 . „ 4. 26,ok „ 1845 . „ 4. 32,35 „ 1838 . „ 4. 35,66 „ 1846 . „ 4. 31,22 „ 1839 . „ 4. 35 „ 1847 . „ 4. 30,55 „ 1840 . „ 4. 20,60 „ 1848 . „ 4. 28,45 „ 1841 . 4. 28,74 „ 1849 . „ 4. 23,58 ., Durchschnitt von 18Z^: Fl. 4. 23,07 Kr. oder Thlr. 2. 15. 2 Pf. pro Zoll-Centner oder Thlr. 23. 25. 5 Pf. pro 1000 Pfd. Das günstigst gelegene Werk (Kandern) hat nach diesem Durchschnitt zu Fl. 3. 41,95 Kr. oder Thlr. 2. 3. 5 Pf., das ungünstigst gelegene (Albruck) zu Fl. 5. 10,io Kr. oder Thlr. 2. 28. 7 Pf. produzirt. Im Durchschnitt von 18^ betrugen die Selbstkosten von Kandern Fl, 3. 44,6 Kr. oder Thlr. 2. 4. 2 Pf., in welcher Rechnung die Erze mit Fl. 1. 33,07 Kr. oder 26 Sgr. 7 Pf,, die Holzkohlen mit Fl. 1. 57,54 Kr. oder Thlr. 1. 3 Sgr, 7 Pf. aufgeführt sind, wonach 14 Kr. oder 4 Sgr. für Zuschlage und Generalkosten übrig bleiben. Unter denselben sind nicht einmal die Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals und die Verwaltungskosten mit eingerechnet, um deren Betrag mit etwa 5 Sgr. also die mitgetheilten Selbstkostenbeträge noch erhöht werden müssen. Es muß übrigens bei diesen Berechnungen wiederholt darauf hingewiesen werden, was oben bei Schlesien über Selbstkostenberechnungen von Holzkohleneisen gesagt ist, daß nämlich die Holzkohlenpreise, da wo ihre Höhe lediglich oder doch hauptsachlich durch die Eisenpreise bedingt wird, nicht als feststehende Rechnungsfaktoren behandelt werden dürfen. Von den ärarischen Hüttenwerken Baoens wird z. B. ein Theil des Holzbedarfs aus herrschaftlichen Wäldern bezogen, dessen Preise noch weit niedriger normirt werden könnten, ehe man von wirklichem Schaden bei der Eisenerzeugung sprechen dürfte und den Betrieb einstellen würde. Andere Werke dagegen müssen das Holz aus Privatwaldungen kaufen; durch die steigenden Preise desselben erhöhen sich also die Selbstkosten in der That. Die Fürstlich Fürstenbergischen Eisenwerke sind im Ganzen, was die Kohlen betrifft, günstiger gelegen, als die ärarischen — 251 — Werke. Denn in den tiefen Wäldern des Schwarzwaldes wäre das Holz meistens gar nicht zu verwerthen, und bilden hier, ähnlich wie in Oberschlesien, Luremburg u. s. w., die Hochöfen nur das Mittel zu jenem Zweck. Die ärarischen Werke sind dagegen meist an Orten belegen, wo auch ohne die Eisenindustrie das Holz seinen Preis — wenn auch einen niedrigern als jetzt — haben würde. Nimmt man an, daß die mitgetheilten Selbstkosten der ärarischen Werke durch billigere Berechnung des herrschaftlichen Kohlholzes auch von Thlr, 23. 25. 3 Pf. auf etwa 20 Thlr. pro 1000 Pfd. zu reduziren seien, so ergiebt sich doch immer noch die außerordentlich ungünstige Lage der badischen Eisenindustrie, indem schottisches Roheisen zu 7 Thlr., beim Zoll von ?hlr. 3. 3^ Sgr. pro 1000 Pfd. (10 Sgr- pro Ctr.), und einer durchschnittlichen Fracht von Thlr. 5. 15 Sgr., bis in die Mitte des ihres Absatzbezirkes zu Thlr. 15. 18^ Sgr. geliefert werden kann, und die Konkurrenz von Rheinland und Westphalen her verhältnißmäßig wohl noch schärfer ist Allerdings ist die Qualität des badischen Eisens ganz vorzüglich, und es erzielt stets die höchsten Preise. Allein so bedeutende Unterschiede, wie sie bei den meisten Eisenwerken jener Gegend — namentlich den ärarischen — vorliegen, vermag der Mehrpreis doch nicht auszugleichen. Es ist hier übrigens, wie überhaupt bei fast allen süddeutschen Eisenwerken, zu bemerken, daß sehr wenig Roheisen als solches in den Handel kommt, sondern entweder aus dem Hochofen vergossen oder auf den mit den Werken verbundenen Frischereien weiter verarbeitet wird. Ein Uebergang auf den Betrieb mit Coaks steht in Baden wohl nicht zu erwarten, obgleich die elsäßischen Kohlenreviere manchen Werken nicht allzufern liegen. Im Allgemeinen ergiebt sich, daß Baden wohl von allen Vereinsstaaten am meisten des Roheisenzolles bedarf und am dringendsten eine Erhöhung des bestehenden Satzes wünschen müßte. Eine besondere Benachtheiligung gegen jene Länder lag noch für Baden in den Umstand, daß es den Wirkungen des belgischen Vertrags weit stärker ausgesetzt war; ohne die Konkurrenz von Belgien aus, dürsten auch in den letzten Jahren die badischen Eisenpreise auf dem Niveau der Selbstkosten geblieben sein. — 25? - 6. Churhessen. Die wenigen landes- und standesherrlichen Werke in Churhessen arbeiten unter sehr verschiedenen Verhältnissen. Einzelne davon, z. B. die im Spessart belegenen, erzeugen sicherlich ein so wohlfeiles Eisen, wie wenige Holzkohlenhütten des Continentö und wären befähigt, auch unter einer weit stärkeren Konkurrenz des fremden Coakseisens den Betrieb fortzusetzen. Andere dagegen, namentlich die im nördlichen und westlichen Theil belegenen, haben theurere Erze und Kohlen, so daß selbst bei der vorzüglichsten Leitung der Zoll von 10 Sgr. vor der Hand eine nothwendige Bedingung ihres Fortbetriebs ist. Daß er soeben genügt, beweist der Umstand, daß auch in den letzten Jahren, wenn auch mit höchster Anstrengung, noch ein kleiner Gewinn von dem Betrieb der ärarischen Werke erübrigt ward, obgleich die Roheisenpreise pro 1000 Pfd. um 1 bis 1^ Thlr. tiefer gesunken sind, als sie selbst in dem kritischen Jahre 1843 standen. Der Uebergang auf den Hüttenbetrieb bei Coaks ist voraussichtlich für Churhessen undurchführbar. 7. Grosiherzogthum Hessen. Im Großherzogthum Hessen haben die Eisenwerke der Provinz Oberhessen meistens große Vortheile in den außerordentlich reichhaltigen leichtschmelzbaren Roth- und Brauneisensteinen, die in dem Lande selbst oder in dem benachbarten Nassauischen gefördert werden. Die Kosten der Erze auf den Centner Roheisen mögen durchschnittlich nicht über 14 Sgr., bei einzelnen nicht über 10 Sgr. kommen. In dieser Beziehung sind also wenige Werke in Deutschland gleich günstig gestellt. Die Holzkohlen dagegen sind theuer und kommen gewöhnlich bis zu 1 Thlr. pro Centner Roheisen; einzelne Werke im hessischen Hinterland bezahlen als Minimum etwa Sgr. Die Erze zu 13 Sgr., Kohlen zu 26 Sgr. und sonstige Kosten zu 10 Sgr. angenommen, betragen also die durchschnittlichen Selbstkosten eines Centners Roheisen Thlr. 1. 19 Sgr., welcher Preis aber seit 1849 nicht mehr erzielt worden ist. Aller- — 253 — dings stehen seit jener Zeit auch die Holzkohlen billiger, so daß die Selbstkosten nur zu Thlr. 1. 17 Sgr. anzunehmen sind; allein auch hierzu konnte nur ausnahmsweise verkauft werden. Die hessischen Werke setzen das Eisen, was nicht in näherer Umgebung verbraucht wird, in derselben Richtung — nach der Mark und dem Bergischen — ab, wie der oben besprochene siegensche Eisendistrikt. Durch die Mehrfracht dorthin gleicht sich wieder aus, was sie sonst in den reinen Produktionskosten vor dem Siegerland voraus haben, so daß sie sich in Beziehung zur Zollfrage mit diesem Distrikt ungefähr auf gleichem Boden befinden. 10 Sgr. pro Centner wäre genügend; 5 Sgr. dagegen, wie sie der belgische Vertrag stipulirt hat, durchaus unzureichend. Im südlichen Theil von Hessen befindet sich blos das Michel- stadter Hüttenwerk. Die Erze sind hier ganz bedeutend theurer als im Oberland; die Thoneisensteine des Odenwalds kommen auf der Hütte etwa 20 Kr., die nassauischen Braun - und Rotheisensteine, welche den größten Theil der Beschickung bilden, sogar zu 45 Kr. pro Zoll-Centner. Auf einen Centner Roheisen kommen somit gegen Fl. 1. 40 Kr. oder 28^ Sgr. für das Schmelzmaterial, also das Doppelte wie in Oberhessen. Dagegen sind die Holzkohlen im Odenwald weit billiger, und kommen kaum auf 20 Sgr. auf den Centner Roheisen. Die Schutzbedürftigkeit ist hier offenbar noch größer als in Oberhessen und ganz ähnlich wie in Rheinbaiern. 8. Sraunschroeig. Im Herzogthum Braunschweig ist wie in Sachsen und Thüringen die Förderung der Erze kostspielig, und kommt deren Preis auf 20 bis 25 Sgr. für den Centner Roheisen. Die Kohlen sind bis jetzt in den Harzwaldungen verhältnißmäßig billig und stehen nicht viel über 20 Sgr., der Centner Roheisen im Ganzen also etwa auf Thlr. 1. 20 Sgr., oder die 1000 Pfv. auf Thlr. 15. 4^ Sgr. Dagegen ist ein ferneres Steigen der Holzpreise wahrscheinlich. Die in den letzten Jahren erzielten Preise haben kaum gestattet, den Betrieb ohne reinen Schaden fortzusetzen, indem Schottisches Roheisen zu Thlr. 7. mit Thlr. 4. Fracht und Thlr. 3. — 254 — Sgr. EingangSzoll, in Braunschweig etwa Thlr. 14. 3^ Sgr. stand, wo das Eisen aus dem Harz durch die Fracht erhöht mindestens 18 Thlr. kostet. Ein Zoll von 10 Sgr. muß also für die Braunschweiger Verhältnisse als Minimum angesehen werden- 9. Nassau. Die Eisenerzeugung deS Herzogthums Nassau ist gleichfalls nur auf die Verwendung der Holzkohle beschränkt. Die im nördlichen Theile, ick Dillthale, gelegenen Hütten arbeiten unter ähnlichen Verhältnissen wie das Siegerland und Oberhessen, und verführen auch den größten Theil ihrer Produktion an Masseleisen nach der gleichen Richtung, nämlich den Puddlingwerken der Ruhr. Die Erze sind hier durchschnittlich billiger; dagegen ist die Lage in Bezug auf den Absatz ungünstiger als die von Siegen, indem durchschnittlich 4 bis 5 Meilen Landsracht mehr zu tragen sind. Der vorzüglichen Qualität des nassauischen Eisens halber zahlen indeß die Abnehmer in der Regel denselben Loco-Preis wie in Siegen. Ja auf den Werken näher am Rhein, von wo die Frachten niedriger sind, erhält der Produzent wohl noch 1 Thlr. pro 1000 Pfd. mehr als in Siegen. Die Hütten im südlichen und westlichen Theil, namentlich an der Lahn, haben hohe Holzkohlenpreise. Dabei bringt es ihre Lage in der Nähe schiffbarer Flüsse und in dichtbevölkerten Gegenden mit sich, daß die Kohlenpreise sich sehr wenig nach den sinkenden Eisenpreisen richten, indem der Preis des Holzes von den sonstigen zahlreichen Verwendungszwecken bestimmt wird und ziemlich stabil ist. In Siegen z. B., wo die Forstkultur zu einem großen Theil auf den Hüttenbetrieb fußt, besteht eine weit größere Elasticität der Holzkohlenprcise. Bei steigenden Preisen steigen sie allerdings, und lassen so dem Hüttenbesitzer einen verhältnißmäßig geringeren Nutzen, allein bei sinkenden Eisenpreisen fallen sie ebenfalls — wenn auch nur bis zu einem gewissen Punkt — und lassen den Haubergbesitzer den Schaden mit dem Hüttenbesitzer theilen. In diesen Verhältnissen ist es hauptsächlich begründet, wenn man die Lage der nassauischen Hütten, trotz der sehr billigen und reichhaltigen Eisensteine, für nachtheiliger erklären — 255 — muß, als die der benachbarten preußischen Eisendistrikte, und daß die von Nassau ausgegangenen Anträge auf Erhöhung des Roheisenzolls in den Verhaltnissen wohl begründet waren. In den letzten Jahren war die Lage der nassauischen Roheisenproduzenten um so trauriger, als die Einwirkung der belgischen Konkurrenz ihnen nicht blos die Preise enorm herabdrückte, sondern auch das gewohnte Absatzgebiet nach den rheinischen Puddlingwcrken fast ganz abschnitt. Dieser Nothstand hat im vorigen Jahre zur Gründung eines nassauischen RoheisenvereinS geführt, von dem sich die Theilhaber günstige Einwirkungen auf den Absatz und die Erzielung eineS Preises versprechen, der wenigstens die Selbstkosten deckt. 10. Luxemburg. Im Großherzogthum Luremburg sind die Grundlagen der Holzkohleneisenerzcugung im Allgemeinen denen ähnlich, welche in dem belgischen Theile des Großherzogthums bestehen. Die Gewinnung der Erze kostet sehr wenig. Nur stehen die Holzkohlen im deutschen Theile bedeutend höher als dort, indem bei dem geringen Ausfuhrzoll von 2^ Sgr, pro Centner der ErPort nach Frankreich sehr bedeutend geworden, ist und die Preise gesteigert hat. Auch sind überhaupt in dem belgischen Theil von Luremburg größere und dichtere Wälder, bei verminderter Gelegenheit das Holz zu verwerthen. Der deutsche Theil ist überdies höchst ungünstig in Bezug auf Absatz seines Fabrikats gelegen, und da nun auch das luremburgische Eisen aus den mmergis cl'glluvion seiner Qualität halber geringer bezahlt wird, als sonst bei Holz- kohleneiscn durchschnittlich der Fall ist, so steht die Eisenproduktion im deutschen Theile des Großherzogthums, trotz des Zolles von 5 Sgr., keineswegs günstiger als im belgischen Theile, wo sie mit dem Coakseisen frei konkurriren muß. Die Preise standen 1845 bis 1850 für kr fort 14 Fr. pro 100 Kil. (Zhlr. 17. 13 Sgr. pro 1000 Pf?.) und ler tencire Fr. 11. 40 Cent. (Thlr. 14, 5 Sgr. pro 1000 Pfd.); im Jahre 1851 noch niedriger. Nur wenige Werke vermögen dazu das Roheisen herzustellen. Dabei war nicht einmal Absatz zu finden, so daß man sogar zu weit billigern Prei- — 256 — seil bis nach Weftphalen hin verkauft hat, während sonst die Saar und Mosel die Hauptabsatzpunkte sind. Ein Zoll von 10 Sgr. würde dagegen für die luxemburgischen Verhältnisse vollkommen genügen. 11. Thüringen. Die in den thüringischen Fürstenthümern zerstreute Holzkohleneisenindustrie hat durchschnittlich tkeuere Erze, und der Preis der Holzkohlen, obgleich früher billig, ist im Steigen begriffen. Der dortige Hüttenbetrieb erhielt sich bisher hauptsächlich durch seine Verbindung mit dem lokalen Bedarf der Eisen- und Stahlwaaren und Gewchrfabnkarion, Augenscheinlich ist die thüringische Eisenindustrie in ihrer gegenwärtigen Lage im höchsten Grade schutz- bedürflig, Eine Berechnung soll aber auf deren Verhältnisse nicht basirt werden, indem meistens ein höchst unökonomischer Betrieb bei ganz veralteten Einrichtungen stattfindet. Gut eingerichtete Hochöfen produziren keineswegs unter ungünstigeren Verhältnissen als Schlesien oder die Rheinprovinz, und können beim Zoll von 1l) Sgr. bestehen. — Es ist schon oben erwähnt, daß uns keine sicheren Data zu Gebote stehen, um über die Verhältnisse einer in Thüringen ins Leben zu rufenden Coakseisenindustrie urtheilen zu können. In kommerzieller Beziehung wenigstens wäre ihre Lage sehr günstig. 12. Die übrigen Gebiete. Von der geringen Produktion der übrigen kleinen Staaten des Zollvereins, Waldeck, Anhalt, Birkenfeld u. f. w., kann im Allgemeinen gesagt werden, daß ihre Verhältnisse keineswegs günstig, indeß auch nicht vorwiegend ungünstig sind. Hiermit die Erörterungen über die gegenwärtige Lage der verschiedenen Vereinsländischen Eisendistrikte schließend, wird jeder mit den Verhältnissen Vertraute anerkennen müssen, daß alle Berechnungen der inländischen Selbstkosten eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sind, und daß nirgends auf die Konkurrenzunfähigkeit Rück- — 257 - ficht genommen ist, die in schlechtem Betrieb oder veralteten Einrichtungen ihren wesentlichsten Grund hat; daß ferner die Ansprüche auf Schutz, nie über das Maaß der bloßen Gleichstellung mit der ausländischen Konkurrenz hinausgeführt sind. Rekapitu- liren wir nun die Resultate dieser Erörterungen, so ergiebt sich, daß der Zoll von 10 Sgr. pro Centner überall als genügend für die Entwicklung und Beschützung einer inländischen Coakseisenindustrie, für die Holzkohlen- eisenindustrie aber nur als die unterste Grenze des absolut nothwendigen Schutzes angesehen werden kann. Namentlich hätten die Verhältnisse Süddeutschlands, Sachsens und Nassaus dringend wünschen lassen, daß der Zoll von vorn herein auf 15 Sgr. normirt worden wäre, während es gegenwärtig zweifelhaft ist, ob eine solche Erhöhung noch von fühlbarer Wirkung begleitet sein dürfte, indem die innere Konkurrenz des Coaks- eisens bereits zu weit gediehen ist. 3. Das Konkurrenzverhältniß der vereinsländischen zur belgischen Eisenindustrie und der Vertrag vom 1. September 1844. Z. 47. Die vorausgegangene Erörterung fußte auf den Verhältnissen der inländischen zur schottischen Eisenindustrie, welche die wohlfeilst produzirende ist. Wenn sich nun hier ein Zoll von 10 Sgr- swc> Centner als das äußerste Maaß darstellte, wobei die inländische Eisenindustrie bestehen und ihre Entwickelung vollenden kann, so bedarf es keiner näheren Auseinandersetzung wie schädlich jede Zollmaaßregel wirken mußte, die jenen Normalzoll in seiner Bedeutung beeinträchtigte und dem inländischen Eisen eine noch stärkere Konkurrenz bereitete. Eine solche Maaßregel aber war, wie wir im Allgemeinen schon im vorigen Paragraphen gefunden haben, der Art. 19. deS Vertrages vom 1. Sept. 1844 zwischen dem Zollverein und Belgien, welcher gleichzeitig mit dem gesetzlich angeordneten Normalzoll von 10 Sgr., einen Ausnahmesatz von nur 5 Sgr. für Roheisen belgischen Ursprungs einführte.*) ") Die in der folgenden kurzen Erörterung enthaltenen Daten sind einer im Juli v. I. als Manuskript gedruckten ausführlichen Denkschrift entnommen, 17 Man kann als unbestritten annehmen, daß es bei dem Ver- tragöschluß keineswegs die Absicht der Zollvereinsregienmgen war, dem inländischen Eisengewerbe durch diesen Unterschiedszoll eine stärkere Konkurrenz von Seiten Belgiens zu bereiten, als das schottische Eisen zum Normalzoll eingehend ausübt. Es sollte darin vielmehr nur eine Ausgleichung für die höheren Erzeugungskosten Belgiens liegen, um dasselbe auf dem Vereinsländischen Markte mit Großbritannien gleichzustellen. Man sah diese Zollermäßigung als eine Belgien gewährte Begünstigung an, die wohl unsere Zolleinnahme schmälern, nicht aber die Entwicklung und den Bestand der inländischen Industrie gefährden könne. Obgleich nun für Belgien schon in der durch die geographische Lage bedingten Frachtcrsparniß ein Vorsprung von etwa 2 Thlr. pro 1000 Pfd. gegen die großbritannische Konkurrenz — mindestens für die Versorgung des westlichen und südlichen Theils des Ver- einSgebiets — gelegen ist, so darf doch zugegeben werden, daß sich zur Zeit des Vertragsschlusses die Preis- und Produktionsverhältnisse Belgiens noch nicht derartig entwickelt hatten, um bei einer geringfügigen Begünstigung des über die Landgrenze eingeführten belgischen Eisens große Gefahr für die inländische Industrie erwarten zu dürfen. Der Unterschied der schottischen und belgischen Eisenpreise war damals weit größer als jetzt. Allein nicht bloß wurde die ursprünglich bewilligte Begünstigung der Einsuhr über die Landgrenze, auch auf die Einfuhren über MaaS und Rhein ausgedehnt, sondern es sind auch im Laufe deS Vertrags die belgischen Produktionskosten und Preise in Folge der stattgehabten, durch den Vertrag selbst wesentlich geförderten, Entwicklung der dortigen Eisenindustrie bedeutend gesunken, so daß gegenwärtig, selbst bei vollkommen gleichen Zöllen, das belgische Eisen mit dem schottischen in Rheinland und Westphalen konkurriren kann. Ein Blick in die Statistik und Geschichte des Vertrags wird diese Behauptungen bestätigen. In den 3 dem Vertrage vorhergehenden Jahren*), betrug die den Titel führt! „Denkschrift über den Vertrag des Zollvereins mit Belgien und die Lage der vereinsländischcn Eisenindustrie. Von W. Occhel- haeuscr. Frankfurt a. M, Gedruckt bei Horstmann 135i." Von dem Verkehr im letzten Quartal 1ö4t, wo der Vertrag schon in Kraft war, ist hier abgesehen. — 259 — die gesammte Eingangsverzollung an Roheisen und der Antheil Belgiens daran Gesammteinfuhr: Darunter aus Belgien: 1842 . . . 1,195,925 Ctr. 200,080 Ctr. oder 16 pCt. 1843 . . . 2,658,555 - 477,060 - - 18 - 1844 . . . 1,416,948 - 440,060 - - 31 - Durchschnitt . 1,757,143 Ctr. 372,400 Ctr, oder 22 pCt. Die Angabe der Einfuhr ist den belgischen Erportliften entnommen, und ungefähr um 12,000 Centner (Transit nach der Schweiz und Frankreich) höher als wirklich im Zollverein verbraucht worden sind. Der Durchschnitt des von uns in den Jahren 18 j ^ konsumirten belgischen Roheisens reduzirt sich darnach auf 360,000 Centner oder 20 pCt. der Gesammteinfuhr. In den 6 Jahren, die dem Vertragsschluß nach den Commer- zialnachweisungen folgten, war das Verkehrsverhältniß deö Zollvereins folgendes: Gesammteinfuhr: Darunter aus Belgien: 1845 . . . 427,430 Ctr. 247,690 Ctr. oder 58 pCt. 1846 . . . 1,577.716 - 356,917 - , 22 - 1847 . . . 2,298,705 - 985,392 - - 42 - 1848 . . . 1,424,865 - 595,906 - - 42 - 1849 . . . 829,839 - 426,942 - - 51 - 1850 . . . 2,217,726 - 1,517,132 - - 69 - Durchschnitt . 1,462,713 Ctr. 688,329 Ctr. oder 47 pCt. Die Zufuhr von belgischem Roheisen hat sich also absolut um 328,329 Centner jährlich, und relativ um etwa das 2^ fache des früheren Antheils an der Gesammteinfuhr vermehrt. Ja die Verdrängung des englischen Eisens tritt noch augenfälliger hervor, wenn man bloß die Einfuhr in die westlichen Landcstheile betrachtet, auf welche sich die Bevorzugung belgische» Eisens beschränkt. 1850 wurden über den Rhein und die belgische Grenze eingeführt im Ganzen 1,733,639 Centner (also über der Gesammteinfuhr in Roheisen); von dieser Menge entfielen 1,517,132 Centner auf die belgische und nur 216,507 Ccntner oder 14 pCt, auf die britische Erzeugung. Man kann sagen, daß Letzteres von dem belgischen Eisen, bis auf den Absatz an die Gießereien, vom Zollvereinsmarkt verdrängt worden ist. Nur der außerordentliche 17* - 260 - Preisabschlag in Schottland im Jahre 4851, hat die Zufuhren von dort wieder etwas gehoben. Wie bedeutend aber die Wirkung des belgischen Vertrags durch das ursprünglich gar nicht darin aufgenommene, und erst nachträglich ohne alle Gegenleistung Belgiens gemachte Zugeständ- niß einer Ausdehnuug jener Begünstigung auf die Einfuhren über Maas und Rhein verstärkt worden ist, zeigt folgende Tabelle: Einfuhr belgischen Roheisens. Ueber die Landgrenze: Ueber Maas und Rhein: 1845 ..... 212,023 Ctr. 35,667 Ctr, 1846 ..... 288,100 , 68,817 - 1847..... 862,136 - . 123,256 - 1848 ..... 400,009 - 195,897 - 1849 ..... 292,149 - 130,684 - 1850 . . . . . 920.467 - 594.665 - _ Durchschnitt .... 495,814 Ctr. 191,498 Ctr. Von 14 Prozent der ganzen Einfuhr belgischen Roheisens im Jahr 1845 ist also die Einfuhr über Maas und Rhein auf 39 Prozent im Jahr 1850 gestiegen. Nur durch dieses Zugeständnis) ist dem belgischen Eisen die Verdrängung des schottischen Eisens auch auf dem rechten Rheinufer und nach Westphalen möglich geworden, indem der Unterschied in den Frachten von Lüttich nach Ruhrort über MaaS und Rhein und über die rheinische Eisenbahn gegen 1 Thlr. pro 1000 Pfund zu Gunsten ersteren Bezugswegs beträgt. Das aus den mitgetheilten Zahlen ersichtliche relative und absolute Steigen der belgischen Einsuhr innerhalb der Vertragsperiode, beweift schon an und für sich die seit dem Abschluß desselben wesentlich veränderte Bedeutung der belgischen Konkurrenz im Vergleich zur schottischen. Ein Blick auf die wirklichen Preisverhältnisse wird dies bestätigen. Eine Begleichung ist hier um so leichter möglich, als einestheils die schottischen, belgischen und deutschen Eisenpreise seit ungefähr 4 Jahren fast ganz stabil geblieben sind und anderntheils das ausländische Coakseisen — soweit es zum Verfrischen bestimmt ist — fast ausschließlich auf zwei Punkten des Vereinsgebietes zur Verarbeitung gelangt. Diese beiden Punkte sind die Gruppen von Puddlingwerken, — 261 — welche links des Rheins an der rheinischen Eisenbahn und rechts des Rheins im Steinkohlenrevier der Ruhr liegen. Vor dem Vertrage von 1848 ging belgisches Roheisen nur in höchst unbedeutenden Quantitäten nach dem rechten Rheinufer. Die Puddlingwerke an der rheinischen Eisenbahn verarbeiteten es aber damals schon fast ausschließlich und es war mehr Ausnahme als Regel, wenn schottisches Eisen wohlfeiler dorthin zu beziehen war als belgisches von Lüttich. Schon die geographische Lage gewährte also Belgien einen Vorzug in der Versorgung dieser Werke, so daß es keines besonderen Unterschiedszolles bedürfte, um es hier mit der britischen Konkurrenz gleich zu stellen. Auf dem Wege über Antwerpen möchte schottisches Eisen allerdings besser konkurrirt haben, allein diesen Bezug verhinderte das höchst ungerechtfertigte belgische Transitverbot fremden Eisens, so daß die erwähnten Puddlingwerke britisches Eisen nur über Köln beziehen konnten. Was dagegen die Puddlingwerke auf dem rechten Rheinufer betrifft, so kam denselben vor 1844, im Vergleich zu den linksrheinischen Puddlingwerken, das belgische Eisen um so viel theurer und das schottische um so viel wohlfeiler, daß sich im Durchschnitt eine Differenz von 1 Thlr. bis Thlr. 1.15 Sgr. zu Gunsten des letzteren herausstellte. Wie also zur Zeit des Vertragsschlusses das Sachverhältniß lag, mußte die vorgenommene Begünstigung belgischen Roheisens demselben sofort für den Absatz nach dem linken Rheinufer einen unbedingten Vorzug und zwar um den vollen Betrag des Unterschiedszolles von 5 Sgr. pro Centner (oder Thlr. 1. 16^ Sgr. pro 1V00 Pfund) vor der britischen Mitbewerbung sichern, während für den Absatz rechts des Rheins diese Begünstigung die Konkurrenzverhältnisse ungefähr ins Gleichgewicht brachte oder doch Belgien nur unbedeutend bevorzugte. Die drei ersten Jahre, welche dem Vertragsschluß folgten, waren der Eisenindustrie günstig. Die Wirkungen deS Vertrags ließen sich zwar augenscheinlich in dem steigenden Verhältniß der Zufuhren aus Belgien erkennen, allein da die Eisenpreise im Allgemeinen hoch standen, so hatte dies auf die Entwicklung und kommerzielle Lage der diesseitigen Eisenindustrie keine nachtheilige Einwirkung. Die Gelegenheit zur Probe, ob der Vertrag vom 1. September 1844 der inländischen Eisenindustrie keine wesentlich schärfere und ihre Entwicklung beeinträchtigende Konkurrenz bereitet habe als sie von Schottland beim Zoll von 10 Sgr. ausgeht, gab aber bald darauf das Jahr 1848, wo die Preise wieder auf das ungefähre Niveau des Jahres 1843 fielen. Die Erfahrung hat nun unwiderlegbar bewiesen, daß die Unterstellungen, welche jene Begünstigung belgischen EisenS motivirt hatten, unrichtig waren, beziehungsweise daß sich eine thatsächliche Aenderung der früheren Verhältnisse der belgischen Konkurrenz zur schottischen entwickelt hat. Betrachten wir die Preisverhältnisse, wie sie seit 4 Jahren bestehen. Belgische tonte o"k>llm»Ak! kostet frei in Lütlich auf die Waggons gelegt 7 z bis 7z Fr. pro 100 Kil. oder Thlr. 9. 1 Sgr. bis Thlr. 9. 16 Sgr. pro 1000 Pfd. Zuzüglich des Eingangszolls von Thlr, 1. 16^ Sgr,, und einer durchschnittlichen Fracht (nebst Spedition, Abladekosten u> s. w.) von 26 Sgr., stellte sich demnach das Roheisen auf den Puddlingwerken der rheinischen Eisenbahn von Thlr. 11. 13Z Sgr. bis Thlr. 11, 28^ Sgr. pro 1000 Pfd. Als Durchschnittspreis, der seit 3 bis 4 Jahren von jenen Werken gezahlt worden ist, darf man Thlr. 11. 20 Sgr. annehmen. — In Glasgow wechselten seit Anfang 1848 bis Februar 1851 (seitdem stehen sie niedriger) die Preise für gemischte Nummern von 42 bis 46 sk. pro Ton oder von Thlr. 6. 19 Sgr. bis Thlr. 7. 8 Sgr. pro 1000 Pfd. Die Frachten von dort nach Holland haben in den letzten Jahren von 12z bis 18 «I>. pro Ton, und von Holland nach Cöln (Rheinoctroi einbegriffen) von 5 Fl. bis 9 Fl. von der Last gewechselt. Nimmt man dort 14 sk. und hier 6 Fl. als Durchschnitt, und rechnet ungefähr 10 Sgr. pro 1000 Pfd. für holländische Speesen, Assekuranz u. s. w. hinzu, so stellt sich die Beförderung von Glasgow nach Cöln auf etwa Thlr. 3, 12z Sgr., und nach den Puddlingwerken an ver rheinischen Eisenbahn auf mindestens Thlr. 4. 5 Sgr. pro 1000 Pfd. Zuzüglich des Eingangszolls von Thlr. 3. 3z Sgr. (10 Sgr. vom Zoll-Centner) stellte sich also hier das schottische Roheisen auf Thlr. 13. 27z Sgr. bis Thlr. 14. 16z Sgr., oder im Durchschnitt auf etwa Thlr. 14. 7z Sgr. Da nun belgisches Roheisen, wie vorerwähnt, gleichzeitig nur Thlr. 11. 20 Sgr. kostete, — 263 - so betragt der Unterschied zu Gunsten des letzteren auf Thlr. 2. 17-l- Sgr. oder etwa noch 1 Thlr mehr als der Unterschiedszoll (Thlr. 1. 16^ Sgr pro 1000 Pfd.) ausmacht, während man vor 1844 die Begünstigung nur auf den einfachen Betrag der Zolldifferenz veranschlagen konnte. Ein entsprechender Wechsel der Verhältnisse ergiebt sich aus einem Preisvergleich in Ruhrort, dem Stapelplatz des ausländischen Roheisens für die Puddlingwerke rechts des Rheins im Nuhrkohlenrevier. Die Fracht von Lüttich über Maas und Rhein, einschließlich der holländischen Durchgangs- und Flußzölle, betrug in den letzten Jahren 10 Fl. pro Last oder Thlr. 1. 12^- Sgr. pro 1000 Pfd., wozu etwa 7^- Sgr. für Spedition, Assekuranz ?c. hinzutreten. Zuzüglich des erniedrigten Eingangszolls von Thlr. 1. 16§ Sgr., erhohen sich demnach die vorbemerkten Lütticher Preise von Thlr. 9. 1 Sgr. bis Thlr. 9. 16 Sgr., in Ruhrort auf Thlr. 12. 7^- Sgr. bis Thlr. 12. 22^- Sgr. pro 1000 Pfd. Zu dem Durchschnittspreis von Thlr. 12. 15 Sgr. übernehmen die belgischen Werke schon seit längerer Zeit die Lieferung frei aufs Lager in Ruhrort. — Für schottisches Roheisen betrugen die Bezugö- kosten (nach ähnlicher Berechnung wie oben bei Cvln) Thlr. 3. 10 Sgr.; mit dem vollen Zoll von Thlr. 3. 3z Sgr erhöhen sich also die Glasgower Preise von Thlr. 6. 19 Sgr. bis Thlr. 7. 8 Sgr., in Ruhrort auf Thlr. 13. 2z Sgr. bis Thlr. 13. 21z Sgr. pro 1000 Pfd. Als Durchschnitt der letzten Jahre kann schottisches Roheisen in gemischten Nummern loeo Ruhrort zu Thlr. 13. 15 Sgr. angenommen werden. Für belgisches fanden wir den Preis von Thlr. 12. 15 Sgr.; es ergiebt sich also gegenwärtig eine Differenz zu Gunsten des letzteren von 1 Thlr. pro 1000 Pfv., während vor der Zeit des Vertrages die Zollermäßigung von 5 Sgr pro Centner nur eine ungefähre Gleichstellung bewirken konnte. Das nämliche Verhältniß fand und findet natürlich auf allen Verbrauchsorten statt, welche sich der gleichen Bezugswege für das belgische und schottische Roheisen bedienen. Das belgische Roheisen kostete demnach in den letzten Jahren auf den Puddlingwerken links des Rheins Thlr. 2. 17z Sgr. und rechts des Rheins 1 Thlr. pro 1000 Pfd. weniger, als schottisches Roheisen von gleicher Qualität. Im Durchschnitt stellt sich diese Bevorzugung auf Thlr. 1. 23z Sgr., also selbst noch 6^ Sgr. mehr, als der Differenzzoll von Thlr. 1. 1K-^ Sgr. pro 1000 Pfd. ausmacht. Würde man denselben gänzlich aufheben, und den Normalzoll von 10 Sgr. gleichmäßig einführen, so stände nach den Preisvcrhältnissen der letzten Jahre Belgien für den Absatz links des Rheins immer noch um etwa 1 Thlr. im Vortheil, rechts des Rheins dagegen um etwa 15 Sgr. im Nachtheil. Selbst bei gleicher Besteuerung würde also durchschnittlich die belgische Konkurrenz immer noch schärfer wirken als die schottische. Erst durch den noch weitergehenden Preisabschlag in Glasgow, seit Frühjahr 185t, der indeß nicht von Dauer sein kann, stellt sich bei gleichen Zollsätzen die Konkurrenz Belgiens und Schottlands ungefähr aufs gleiche Niveau. Diese Aenderung der früheren Konkurrenzverhältnisse erklärt sich einfach durch den Hinblick auf die zur Zeit des Vertragsschlusses noch mitten in der Entwicklung begriffene Eisenindustrie Belgiens. In Schottland hatte sie dagegen diese Entwicklungsperiode bereits durchgemacht, und war zu einem Ruhc- punkt gediehen. Die bedeutende Zollerhöhung vom April 1843 (von Fr. 2. 5 Cent, pro 100 Kil. auf 5 Fr.) war unbestreitbar das Hauptmoment, wodurch in Belgien jene Entwicklung gefördert wurde. Der sichtbare Einfluß, den diese Maaßregel hauptfächlich auf Bildung großer Aktiengesellschaften und Erweiterung der Thätigkeit aller Eisenwerke ausübte, ist ganz unmöglich in Abrede zu stellen. Dazu traten anderweitige direkte und indirekte Unterstützungen von Seiten der belgischen Regierung, z. B. schnelle Vollendung der vorzüglichsten Kommunikationsmittel, Herabsetzung der Frachtsätze auf den Staatsbahnen, Abschluß des in Rede stehenden Vertrags, wodurch sich der Erport verdoppelte u. s. w. Die immer fortschreitende Vereinigung der Hüttenwerke mit der Ausbeutung von Kohlen- und Erzlagern durch die gleichen Gesellschaften, ließen überdies immer weitergehende Preisermäßigungen zu, und ermöglichten den Fortbetrieb, selbst wenn ein einzelner Zweig des Geschäfts für sich nicht einmal die Zinsen abwarf. Dann prvduziren viele Werke billiger, weil ein großer Theil des Anlagekapitals getilgt, oder doch abgeschrieben wurde, andere, weil die Aktien zu niederen Kursen in die Hände ihrer jetzigen Besitzer gelangt sind, wodurch also die Produktion nur noch von einem Theil der Zinsen des ursprünglich verwandten Kapitals belastet — 265 — wird. Zudem sind in den letzten Jahren neue mächtige Eisensteinlager näher bei den Kohlendistrikten entdeckt worden, wodurch eine große Anzahl von Werken zu billigeren und reicheren Eisensteinen gelangte, und von den schwankenden Preisen der durch Gräberarbeit gewonnenen Erze unabhängig ward. So erklärt sich jene gesteigerte Konkurrenz Belgiens auf ganz natürliche Weise. Ihre Einwirkung auf den Umfang der diesseitigen Produkion und die Rentabilität des Betriebs konnte nicht ausbleiben. Seit 4 Jahren muß das rheinische, westphälische und nassauische Holz- kohleneisen zu Preisen von 13^ bis 14^ Thlr. pro 1000 Pfd. verkauft werden, wozu es nach den gelieferten Prvduktionsnach- weisen unmöglich, oder doch nur von einzelnen ganz ausnahmsweise günstig gelegenen Werken dargestellt werden kann. Obgleich nun, wie später noch genauer nachgewiesen werden soll, die Preise des inländischen Eisens, namentlich der besten Sorten, keineswegs um den Betrag der Zolle vom 1. September 1844 höher als die des Auslands gehalten werden, so liegt es doch auf der Hand, daß beim Normalzoll von 10 Sgr. ein so abnormes Sinken der Preise und eine solche Absatzverminderung nicht hätte stattfinden können, wie sie seit 4 Jahren eingetreten sind. Wäre die Wirkung des Zolls von 10 Sgr. nicht durch den belgischen Differentialzoll größtentheils illudirt worden, so konnte unmöglich ein Preisverhältniß des inländischen Eisens zum ausländischen wiederkehren, wie es vor dem Zoll bestand. Dies ist aber thatsächlich der Fall. Seit 1848 stehen die inländischen Eisenpreise noch niedriger als 1843, obgleich das schottische Eisen seitdem um den Betrag des Zolls vertheuert worden ist, und in Glasgow eher höher als niedriger wie 1843 stand. Was also im vorigen Paragraphen aus einer Berechnung der Erzeugungskosten hergeleitet worden, bestätigt sich auch durch einen Blick auf die thatsächlichen Preisverhältnisse, daß nämlich jede Konkurrenz, die intensiver ist als die des schottischen Eisens bei einer Besteuerung von 10 Sgr., eine inländische Eisenerzeugung nicht mehr mit Nutzen zu betreiben gestattet, und auf die ganze Entwicklung des Gewerbes den nachtheiligsten Einfluß haben muß. Wenn auch Zollmaaßregeln nicht im Stande sind, alle Krisen von einem Geschäfte fern zu halten, so vermögen sie doch vielfach helfend einzugreisen. So lag in der seit 1848 über — 266 — die Eisenindustrie hereingebrochenen Krisis eine Hülfe allerdings im Bereiche der Möglichkeit, Trotz des im Ganzen so bedeutend zurückgegangenen Eisenverbrauchs, wurden doch von Roheisen im Durchschnitt von 18zz 1,488,733 Ctr. jährlich eingeführt. Hätte nun der belgische Differentialzoll die Wirkung des Normalzolls von 10 Sgr. nicht beeinträchtigt, so würde, statt der 844,624 Ctr., die von jener Gesammteinfuhr aus Belgien entfalle», höchstens die Hälfte eingeführt worden sein, und die inländische Produktion hätte sich, trotz der gesunkenen Consumtion, auf ihrer Höhe vollständig erhalten, ja noch ausdehnen können. Es würde aber eine große Täuschung sein, wollte man, wie unsere Gegner rechnen, den Gewinn aus der Einfuhr billigeren Eisens gegen jene Einbuße an der inländischen Erzeugung als ausgeglichen betrachten. Dies möchte der Fall sein, wenn anzunehmen wäre, daß die durch Einschränkung der Eisenproduktion überflüssig gewordenen Kapital- und Menschenkräfte sofort und bis zur Beendigung der Krisis auf einen anderen Zweig der Gütererzeugung übergegangen wären. War dies aber etwa der Fall, oder liegt so Etwas nur im Bereiche der Möglichkeit? Sicherlich nicht. Diese Verminderung der Gütererzeugung war also ein reiner Ausfall in dem jährlichen Einkommen der Nation, und selbst wenn sich der Gewinn, den Andere an der vermehrten Einfuhr ausländischen Eisens machten, vollständig dagegen kompensirte, so bliebe eS immer noch zu bedauern, daß der Gewinn denjenigen nicht zufloß, deren Kapital und Thätigkeit einmal in der inländischen Eisenproduktion fest liegen. Es wird sich in einem späteren Abschnitt aus einer Betrachtung, welche die Zollmaaßregeln auf die Ausdehnung und Entwickelung der inländischen Produktion gehabt haben, noch klarer herausstellen, wie traurig der belgische Vertrag eingewirkt hat. Aus der oben stattgehabten Erörterung über die bestehenden Preisverhältnisse, in Verbindung mit den gelieferten Nachweisen über die untere Grenze der Selbstkosten, geht aber schon soviel hervor, daß die vollständige und nicht blos theilweise Beseitigung der Begünstigung belgischen Eisens eine dringende Nothwendigkeit sür unsere Eisenindustrie ist, und daß die am 1. Januar 1852 vorgenommene Erhöhung von 5 auf 7^ Sgr. zwar dankbar anerkannt, aber dennoch nur als eine ungenügende Maaßregel betrachtet werden muß. — 267 — Sollte aber mich Belgien lieber den Vertrag auflösen wollcn, als in eine Aufhebung der bisherigen Begünstigung belgischen Eisens willigen, so wäre erstere Eventualität dem diesseitigen Interesse ungleich mehr angemessen, als die Fortdauer eineö Verhältnisses, das eine unserer ältesten und wichtigsten Industrien aufs stärkste beeinträchtigt, ohne anderen dagegen Nutzen zu bringen. Der eventuellen gänzlichen Aufhebung des Vertrags dürften um so weniger ernstliche Bedenken entgegenstehen, als die bisherigen Gegenzugeständnisse Belgiens weder für die Industrie, noch den Handel des Zollvereins irgend eine Bedeutung hatten, theils weil die Begünstigungen der Einfuhr diesseitiger Erzeugnisse zu unbedeutend sind, theils weil sie von Belgien auch auf die Einsuhren aus Frankreich ausgedehnt wurden, theils weil viele Bestimmungen (z. B. hinsichtlich der Transitsreiheit, Rückerstattung des Scheldezolls u. s. w.) eigentlich gar keine speziellen Zugeständnisse sind, sondern bereits von dem Vertrag als Akte der inneren Gesetzgebung Belgiens ins Leben getreten waren. Das Mißverhältniß im Gewicht der beiderseitigen Zugeständnisse ergiebt sich am deutlichsten aus folgender Zusammenstellung des Verkehrs in den begünstigten Artikeln, nach dem Durchschnitt der 3 Jahre vor und der 6 Jahre nach dem Vertragöschluß. 1) Zugeständnisse des Zollvereins an Belgien. Jährliche Durchschnittswerthe: ») der begünstigten Einfuhr im Zollverein. Bor dem Vertrag. Während d. Vertrags. Roheisen. . . . 2,430,000 Fr. 4,539,000 Fr. Stabeisen. . . 922,000 „ 793,000 „ Käse . . . 82,600 „ 106,800 „ 3,434,600 Fr. 5,438,800 Fr. b) der begünstigten Ausfuhr aus dem Zollverein. Wolle. . . . . 4.133,200 Fr. 4,476,200 Fr. Summa . 7,567,800 Fr. 9,915,000 Fr. Zunahme der begünstigten Verkehrsbewegung 2,347,200 Fr. oder 31 Prozent. — 268 — 2) Gegenzugeständnisse Belgiens. Jährliche Durchschnittswerts: a) der begünstigten Einfuhr in Belgien. Vor dem Vertrag. Während d, Vertrags. Weine...... 315,400 Fr. 273,700 Fr. Seidenwaaren . . . . 1,260,000 „ 1,257,000 „ Nürnbergerwaaren 128,800 „ 129,300 „ Werkzeuge .... 35,500 „ 28,300 „ Modewaaren, . . 152,000 „ 92,500 „ Baumwollwaaren. 136,000 „ 172,000 „ Leinengarn.... 185,100 „ 102,900 „ 2,212,800 Fr. 2,055,700 Fr. b) der begünstigten Ausfuhr auS Belgien. 195.600 Fr. 279,900 Fr. Summa . . 2,408,400 Fr. 2,335,600 Fr. Abnahme der begünstigten Verkehrsbewegung 72,800 Fr. oder 3 Prozent. 4. Die Besteuerung des rasfinirten Roheisens. §. 48. Wir beschließen die Erörterung der Roheisenzollfrage mit einem Hinblick auf die Besteuerung des sogenannten Feinmetalls. Als Produkt eines Verfeinerungsprozesses zwischen dem Roheisen und Stabeisen stehend, müßte es konsequenterweise auch zu einer höheren und dem Mehrwerthe entsprechenden Besteuerung herangezogen werden, wie dieß seit langen Jahren der Antrag verschiedener Negierungen auf den Zollvereinskonferenzen und die Bitte der bedrängten Hüttenbesitzer von Rheinland, Westphalen, Nassau, Hessen und Süddeutschland gewesen ist. Aus der Vergleichung der diesseitigen mit den ausländischen Selbstkosten ging hervor, daß das inländische dem größten Theile nach bei Holzkohlen erblasene Roheisens, stets einen Mehrwerth gegen das ausländische Coakseisen behauptet. Es sind also verschiedene Sorten, die hier mit einander konkurriren; von derselben ordinären Qualität, wie das belgische Coakseisen und namentlich wie — 269 - das schottische bei roher Steinkohle erblasene Eisen, wird noch sehr wenig im Zollverein erzeugt. Nun ist es einerseits klar, daß wie in allen Waarenkategorien, so auch hier das billige Fabrikat dem theueren in Preis und Absatz Eintrag thut, selbst wenn der Qualitätsabstand weit größer ist als die Werthdifferenz. Indem sich also das billige, wenn auch schlechte ausländische Coakseisen in den Verwendungskreis des inländischen Holzkohleneisens eindrängte, verringerte sich die Nachfrage nach letzterem, und um Absatz zu behalten, mußte sein Preis herabgehen. Allein der Einwirkung einer solchen Konkurrenz bleibt immer doch in den Bedürfnissen des Verbrauchs eine bestimmte Grenze gezogen, indem die Verwendung des schlechten wohlfeilen Eisens an der Stelle des besseren theueren nicht vollkommen willkürlich geschehen kann, und für viele Verbrauchszwecke schon deshalb das letztere genommen werden muß, weil ein schlechtes Eisen die erforderliche Bearbeitung nicht aushalten würde. Es ist daher klar, daß eine Konkurrenz in den besseren Qualitäten weit direkter auf Verdrängung des inländischen Holzkohleneisens und Herabsetzung seiner Preise hinwirken muß, als die Mitbewerbung der schlechteren Roheisensorten. Nun ist zwar das schottische und belgische Feinmetall an Qualität unserem Holzkohleneisen noch keineswegs gleichzustellen, allein es wird thatsächlich an dessen Stelle verbraucht, ja mitunter vorgezogen, weil es sich sehr gut im Puddelofen verarbeitet. Die allmählig stattgefundene bedeutende Verminderung der früheren Preisdifferenz zwischen ausländischem und inländischem Roheisen kommt hauptsächlich auf Rechnung des Feinmetalls. Noch vor 10 Jahren wurde das beste Holzkohleneisen auf unsren Puddlingwerken bis zu K Thlr. höher als belgisches oder schottisches CoakSroheisen, und 3 Thlr. hoher als Feinmetall bezahlt, während gegenwärtig jener Unterschied um fast die Hälfte heruntergegangen und dieser beinahe ganz verschwunden ist; ja das Holzkohleneisen hat mitunter in den letzten Jahren um nur Absatz zu finden zu noch billigeren Preisen als ausländisches Feinmetall weggegeben werden müssen. Welchen Antheil man auch an der Verminderung der Werthdifferenz zwischen den guten und schlechten Sorten der Krisis der letzten Jahre zuschreiben will, immer muß die Hauptursache in der Mitbewerbung des Feinmetalls gesucht werden, welches durchschnittlich nur um 2? bis 3 Thlr. — 270 — höher steht als die entsprechende Sorte ausländischen Roheisens. Die Quantitäten, welche davon eingehen, sind sehr bedeutend; sie betragen mindestens 15 Prozent von den Einfuhren über den Rhein und die belgische Grenze, also etwa 150,Ol)v Centner jährlich. Der Verbrauch geschieht fast ausschließlich auf den Pudd- lingwerken von Rheinland und Westphalen; was davon in die östlichen Theile des Zollvereins eingeht, ist unbedeutend. Der größte Theil des Feinmetalls kommt bis jetzt aus Belgien, also seither zum Zoll von 5 Sgr., uud von jetzt an zu 7^ Sgr. pro Centncr. Die nachtheiligcn Wirkungen des Zollsatzes von 5 Sgr. mußten sich zwar auch dann geltend machen, wenn das Feinmetall ausgeschieden und höher besteuert worden wäre, allein sicherlich in geringcrem Grade, Eine höhere Besteuerung des Feinmetalls erscheint daher prinzipiell gerechtfertigt und geboten. Allein wir dürfen dabei nicht verkennen, daß sich, vom Standpunkt der Zollabfertigung aus, Bedenken gegen eine solche Trennung zwischen Feinmetall und Roheisen geltend machen, die in der That nicht leicht zu entkräften sind. Bis jetzt werden beide in Formen eingeführt, die sich wohl äußerlich erkennen und unterscheiden lassen. Allein eine Differenz in den Zollsätzen würde die ausländischen Produzenten sofort veranlassen, das Feinmetall in solche Formen zu gießen, daß es sich äußerlich nicht mehr mit Sicherheit vom Roheisen unterscheiden ließe. Sobald man diese Möglichkeit zugiebt, muß eine Trennung für die praktische Zollabfertigung als äußerst schwierig erscheinen. Allerdings bietet eine frische Bruchfläche ziemlich sichere Kriterien der Unterscheidung dar, nämlich den feinkörnigen, weißglänzenden, strahligen Bruch, und die Poren und Blasen unter der Oberfläche. Aber es würde beim bisherigen Abfertigungsmodus des Roheisens schwierig bleiben, bei so groben, in außerordentlich großen Mengen eingehenden Gegenständen, die Bruchfläche der einzelnen Stäbe untersuchen zu wollen. Nicht leichter, nur noch schwieriger würde die Aufgabe, wollte man — wie dieß der Antrag der meisten rheinischen, westfälischen und süddeutschen Hüttenbesitzer gewesen ist — außer dem Feinmetall auch alles weiße und halbirte, somit alles zum Berfrischen bestimmte Roheisen, ausscheiden und höher besteuern. Denn der Uebcrgang von grauem auf halbirtes und weißes Roh- — 271 - eisen ist so allmählig, daß die Aufstellung bestimmter Anhaltspunkte für eine solche Unterscheidung rein unmöglich erscheint. Allerdings findet eine solche Trennung zwischen Feinmetall und Roheisen auch in den Tarifen Belgiens und Frankreichs statt, deren, IVotes explieatives überdieß sehr treffende Bemerkungen über die beiderseitigen Unterscheidungsmerkmale enthalten. ES wäre höchst wünschcnSwerth, wenn diesem Gegenstand von Seiten unsrer Behörden Aufmerksamkeit geschenkt und ein Auökunfts- mittel getroffen würde. Es würde, wenn sich eine solche Ausscheidung mit Sicherheit bewerkstelligen ließe, um soviel früher an eine Reduzirung des normalen Roheisenzolls gedacht werden können. So lange sich aber nicht absehen läßt, wie die Ausscheidung und höhere Besteuerung des Feinmetalls praktisch durchführbar zu machen ist, so wird wenigstens zugegeben werden müssen, daß der Zoll von 10 Sgr. um somehr als das Minimum des dringend nothwendigen Schutzes für unsere Eisenindustrie festzuhalten ist, als so bedeutende Quantitäten eines verfeinerten Produkts zu dem gleichen Satze mit eingehen. II. Der Stabeisenzoll. Z. 49. Wir gehen zu der Frage vom Stab eisen zoll über. Es liegt aus der Hand, daß man behufs dessen Festsetzung nicht in das Detail von Produktionsberechnungen eingehen kann, die sich schon beim Roheisen schwierig, aber doch immer noch mit einiger Zuverlässigkeit aufstellen ließen. Denn beim Stabcisen ist die Zahl der thcilweise unbestimmbaren NechnungSfaktoren noch viel größer, und außerdem zersplittert sich je nach Qualität oder Form das Fabrikat in so viele Sorten von den verschiedensten Preisen, daß eine Vergleichung äußerst schwierig wird. Als Anhaltspunkt ist jedoch zunächst das Stabeisen in den gewöhnlichen Dimensionen (etwa ^ bis 2" kantig oder rund), festzuhalten. Wie das Roheisen von Glasgow, so sind es das Stabeisen und die Eisenbahnschienen von Wales, welche zunächst auf die diesseitigen Eisenpreise einwirken. Das einmal geschweißte Wales Stabeisen ist von außerordentlich geringer Qualität und kann — 272 — nur da gebraucht werden, wo es bloß auf den Körper, die Masse und weniger auf die absolute Festigkeit ankommt, und wo es sich nicht um Weiterverarbeitung handelt; dennoch hat es, analog den oben beim Roheisen entwickelten Verhältnissen, den entscheidendsten Einfluß auf die Preise im Allgemeinen, sowie insbesondere auf Verminderung der Preisdifferenz zwischen gutem und schlechtem Eisen gehabt. Das gewöhnliche englische Kaufmannseisen aus Staffordshire, Shropshire und dem Norden kostet etwa 1 L. pro Ton mehr als Waleseisen, ist aber immer noch bei weitem nicht so gut als das in Deutschland im Handel befindliche gewöhnliche Puddlingeisen aus einer Mischung von ausländischem Coakö- roheisen und inländischem Holzkohleneisen; noch viel weniger kann es den Vergleich mit unserem reinen Holzkohleneisen aushalten. Wie oben beim Roheisen, so lassen wir auch hier beim Stabeisen die Durchschnitts-Preise seit 1830 folgen, und zwar von den drei Sorten, Wales-Eisen, gewöhnliches englisches Kaufmannseisen (en^lisl, merckant Kars) und Wales-Eisenbahnschienen (schweres Modell), welche den Eisenmarkt hauptsächlich bestimmen.-) Die Preise verstehen sich frei an Bord in den nächstgelegenen Häfen. 1830 . . . 1831 . . . 1832 . . . 1833 . . . 1834 . . . 1835 . . . 1836 . ... 1837 . . . 1838 . . . Wales Stabeisen. Ton. L 5. 10 sk. 5. 5 V ?/ 5. -— 6. 6. 10 V V 5. 15 ?/ 10. — 8. 15 f/ 8. 15 ?, Englisches Stabeisen, Ton. L 6. 12 sk. „ 6. 5 „ „ 6. 5 „ „ 6. 5 „ „ 7. 15 „ „ 6- 10 „ „ 10. 10 „ „ 10. - „ „ 9. 15 „ Wales Eisenbahnschienen. Ton. L 7. 5 sk. „ 6. 18 „ „ 6. 15 „ „ 7- 10 „ „ 8- — „ „ 7- 10 „ „ 11- 15 „ „ 10. - „ „ 10. 10 „ *) Diese Preisliche» sind theils Scrivenor, Mac Gregor und Porter, theils den kaufmännischen Cirkularen bedeutender Eiscngrossisten entnommen; es ist übrigens klar, daß dergleichen Durchschnittszahlen, trotz aller Gewissenhaftigkeit des CompilatorS immer nur annähernd als richtig gelten können, namentlich bei einer Waare, die sich, wie Stabeisen, in soviele Sorten lind Qualitäten zersplittert. — 273 — Wales v englisches Wales Eiscn- Stabeise n. Stabeisen. bahnschienen. Ton. Tou. To». 1839 . . . L 9. — sk. L 10. 5 sk. L 10. 10 sli. 1840 . . -! 'V ! 8. — ?/ V 9. », ?/ 9. t2 „ 1841 . . 6. 10 ?/ V 8. ?, 8. » 1842 . . 6. — KU>" 6. 10 „ -5 v 7. 15 „ 1843 . . 5. — '/ 5. 5 „ V 6. 10 „ 1844 . . V 4. 10 » ?/ 4. 15 „ ?/ 5. 15 „ 1845 . . » 6. — ?/ ?/ 6. 10 „ 8. ?/ 1846 . . ?, 8. 10 9. 15 „ »/ 11. 10 „ 1847 . . ?/ 8. 15 »/ ^ V 10. " ' » 1/ 11. » 1848 . . j ^A- 6. 10 » < »/ 8. 1/ 8. 1849 . . ^ V 5. 5 V » 6. ^ .. v 7. 1850 . . ' . 5. — » »/ 5. 15 „ ?/ 6. ' ' ?/ Gehen wir bis Anfang dieses Jahrhunderts zurück, so stellen sich die Stabeisenpreise in der mittleren Sorte nach fünfjährigen Durchschnitten folgendermaßen: 18^ ^^05 18^ ^"l o 18-!-^ ^"ls 18^ 0 18^ ^^2 2 18^ ^"zo L 16. „ 15. „ 13. „ 11. „ 9. .. 8. 10 sk. 14 „ 13 „ ^ 13 „ 18 .. Man sieht hieraus die enorme Preisreduktion seit 50 Jahren und gleichzeitig die großen Schwankungen, welche in oben erörterter Weise durch die Wechselwirkung des, plötzlich eröffneten Absatzes an Eisenbahnschienen, und der hierdurch angeregten kolossalen Steigerung der Eisenproduktion verursacht wurden. v. Oynhausen berechnete bei der Conferenz von 1842 die englischen Produktionskosten von 1 Ccntner ord. Stabeisen auf 1 Thlr. pro Ccntner höher als den Preis des dazu verwandten Roheisens. Beim oben angenommenen Normalpreis des letzteren von 7 Thlrn. pro 1000 Pfd., würde Stabeisen also etwa 16 Thlr. kosten. Nun ist es Thatsache, daß in den Jahren 1843 und 1844, wo Stabeisen auf oder unter 5 L. pro Ton stand, alle Puddling- werke mit Schaden gearbeitet haben; die große Einschränkung des Betriebs beweist dieß hinlänglich. Eine gleiche Einwirkung macht 18 sich bemerklich seit Mitte vorigen Jahres, wo die Preise wieder auf 5 L gesunken sind. Jedenfalls ist dieser Satz als die unterste Grenze anzunehmen, wozu nur die günstigst gelegenen Werke in Wales oder Schottland das ordinaire Stabeisen herzustellen vermögen. 5 L pro Ton macht Thlr. 15. 23 Sgr. pro Ton, was so mit obiger Angabe v. Oynhausen's fast genau stimmt. Zuzüglich 4 Thlr. Fracht als Mittelsatz für die Hauptkonsumtionsorte des Zollvereins ist also Wales Stabeisen gegenwärtig für etwa 20 Thlr. pro 1000 Pfd. zollfrei zu beziehen. Wenden wir uns zu den Verhältnissen der deutschen Stabeisenproduktion, so bedarf es nur einer einfachen Rekapitulation der vorhergegangenen Berechnungen über die Selbstkosten des Roheisenö, um darzuthun, wie weit wir noch von dem Ziele entfernt sind, ein so billiges Stabeisen zu erzeugen, wie es in England den Gegenstand des massenhaftesten Verbrauchs bildet und aus die Preis- und Absatzverhältnisse der feineren Sorten den wesentlichsten Einfluß übt. Die Schutzbedürftigkeit der Stabcisenfabrikation liegt also zunächst schon in dem theureren inländischen, beziehungsweise dem durch Zoll und Fracht vertheucrten ausländischen Roheisen. Dieselben Ursachen aber, welche die Selbstkosten des Roheisens zur Zeit noch höher halten (theureres Brennmaterial, höhere Frachten, Besteuerung u. f. w.) kommen bei seiner Verwandlung in Stabeisen oder sonstige Eisenfabrikate abermals zur Sprache, so daß der Stabeisenzoll nothwendig eine weit höhere Potenz des Roheisenzolls darstellen muß- Wie schon vorerwähnt, muß es indeß aufgegeben werden, einen Ausgleichungszoll für Stabeisen in ähnlicher Weise durch die Ermittlung der beiderseitigen Produktionskosten aufzufinden, wie wir dieß beim Roheisen versuchten. Auch kann dieses Fabrikat, das nur zu einem Theil als Halbfabrikat für weitere Verarbeitung dient, nach den Prinzipien unserer Zollgesetzgebung sicherlich einen genügenderen und nicht bloß wie Roheisen die äußerste Grenze des nothdürstigen Schutzes beanspruchen. Dieser Grundsatz ist mich stets bei uns leitend gewesen, und hat der von 1818 bis 1844 bei freier Einfuhr des Roheisens gültige Stabeisenzoll von 1 Thlr. einen ebenso genügenden und vollständigen Schutz — 275 — gewährt, als der gegenwärtige Satz von Thlr, 1. 15 Sgr. beim Roheisenzoll von 10 Sgr, In ihrer Stellung zur Zollfrage muß man wesentlich zwischen zwei Branchen der inländischen Stabeisenfabrikation unterscheiden : 1. diejenige, welche durch geographische Lage oder Besitzverhältnisse auf die Verarbeitung inländischen Roheisens hingewiesen ist und 2. diejenige, welche ausschließlich oder doch vorzugsweise ausländisches Roheisen verfrischt. Die erstere Klasse zerfällt wieder in drei bestimmt getrennte Nnterabtheilungen: !>. Frischerei inländischen Holzkohlenroheisens bei Holzkohlen; d. Frischerei inländischen Holzkohlenrvheisens bei Steinkohlen; c. Frischerei inländischen Coaksroheisens bei Steinkohlen. So sehr diese drei Unterabtheilungen unter sich in ökonomischen und technischen Verhältnissen und damit im Grade der Schutzbedürftigkeit verschieden sind, so laufen doch die Interessen der gesammten auf inländisches Roheisen basirten Stabeisenfabrikation darin zusammen, daß für sie der Stabeisenzoll erst wirksam und bedeutungsvoll wird, wenn er von einem angemessenen Noheisenzoll begleitet ist. Wir deuteten dieß oben schon an. Der Roheisenzoll muß den Regulator der Konkurrenz zwischen der auf inländisches und ausländisches Roheisen basirten Stab- eiscnfabrikation bilden, und wie früher, ehe man die Puddling- werke hatte und ausländisches Roheisen verfrischte, in dem Stab- eiscnzoll ein Schutz für die inländische Roheisenerzeugung lag, so bildet umgekehrt der Roheisenzoll gegenwärtig das Fundament des Schutzes für die eigentliche inländische Stabeisenfabrikation. Bei dem Zoll Von nur 5 Sgr. für belgisches Roheisen ist nun thatsächlich die innere Konkurrenz der Werke, welche sich dieses Rohmaterials bedienten, eine überwiegende gewesen; im Zoll von 1l) Sgr. dagegen dürste sowohl für die inländische Roheisenerzeugung eine Ausgleichung gegen die direkte Konkurrenz des Auslandes liegen, als er auch die auf inländisches Roheisen basirte Stabeisenfabrikation auf ungefähr gleichen Fuß mit den Puddling- werken, die ausländisches Roheisen verarbeiten, bringen wird. Die zweite Klasse, nämlich die inländischen Puddlingwerke 18" — 276 — welche ausländisches Roheisen verarbeiten, haben jenes direkte Interesse am Roheisenzoll nicht. Ja es hat auf den ersten Blick den Anschein, als wäre derselbe ihrem Interesse entgegen, indem die freie Einsuhr des inländischen Roheisens sie in Stand setzen würde, desto leichter mit dem in- und ausländischen Stabeisen zu konkurriren. Wir werden übrigens weiter unten erörtern, wie kurzsichtig eine derartige Auffassung wäre, indem die Zukunft der Werke, welche bis jetzt ausländisches Roheisen verarbeiten, lediglich in ihrer unmittelbaren Verbindung mit der Roheisenerzeugung zu suchen ist. Allerdings bleibt aber das Interesse der ersten Klasse in weit intensiverer Weise mit dem Roheisenzoll verbunden als das der zweiten- Daß nun der Stabeisenzoll von Thlr. 1. 15 Sgr. bei einem Noheisenzoll von 10 Sgr. vollkommen genügt, ja, daß er unver- hältnißmäßig höher schützt, bedarf nicht erst der Erörterung. Die rasche Entwickelung unserer Stabeisenfabrikation und ihr Vorauseilen über den durch die inländische Roheisenerzeugung bedingten Umfang bezeugt dieß im Allgemeinen. Als ein charakteristischer Beleg dafür, ist auch das Aufkommen der Steinkohlenfri- scherei in vielen Holzkohleneisendistrikten zu betrachten, während der Uebergang zum Coakshüttenbetrieb dort noch nicht stattfinden konnte. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, daß neue Hochofenanlagen nicht so schnell entstehen können als Frischereien, und daß dieser Umstand ebenfalls auf das langsame Fortschreiten der ersteren eingewirkt hat. Es sind Gründe genug vorhanden, die es bedauern lassen, daß man nicht schon im Jahre 1844, oder schon früher, durch höhere Normirung des Roheisenzolls der Entwickelung der Eisenindustrie eine veränderte Richtung zu geben suchte, indem es weit naturgemäßer erscheinen muß, den Hochofenbetrieb bei Coaks der Steinkohlenfrischcrei voranschreiten zu lassen, als umgekehrt- Allein da unsere ganze Vertheidigung der Eisenzölle gerade das Gegebene, Vorhandene zur Voraussetzung hat, so können wir die Argumente auch nur den thatsächlichen Verhältnissen entlehnen. Wie sich nun in Folge des bestehenden Verhältnisses zwischen dem Roh- und Stabcisenzoll die Roh- und Stabeisenerzeugung in der That entwickelt haben, läßt sich nicht in Abrede stellen, daß gegenwärtig (natürlich unter vollständiger Beseitigung des belgischen — 277 — Differentialzolles) das Festhalten an dem Status quo der normalen Eisentarifirung, welche die stattgehabte Entwickelung getragen hat, als das Räthlichste erscheinen muß.") Es muß übrigens für jetzt noch als ebenso unräthlich erscheinen, durch Herabsetzung des Stabeisenzollcs ein anderes Ver- haltiß zum Roheisenzoll herstellen zu wollen. Betrachten wir zu dem Ende die Lage der Puddlingwerke> welche ausländisches Roheisen verarbeiten, zu dem bestehenden Stabeisenzoll. Es ist klar, daß die Produktion dieser Werke gegen die der ausländischen mit Hochofenanlagen unmittelbar vereinigten Pudd- lingwerke im Nachtheil steht: g) um den Betrag des Eingangözolls vom Roheisen; b) um den Mehrbetrag der Roheisenfracht gegen die des fertigen Stabeisens und o) um die sonstigen Mehrkosten stheureres Brennmaterial zc.) bei der Verwandlung des Roheisens in Stabeisen, sä a. 1400 Pfd, britisches Roheisen auf 1000 Pfd. Stabeisen gerechnet, so beträgt der Zoll zu 10 Sgr. vom Centner Thlr. 4. 10 Sgr. acl b. Die Durchschnittsfracht von Schottland nach unsren Hauptverbrauchsplätzen wie oben zu 4 Thlr. gerechnet, so macht die Mehrfracht von 1400 Ps. Roheisen gegen 1000 Pfd, Stabeisen ..... „ 1. 18 „ sä e. Diese Kosten für das gewöhnliche Stab- eisen in Großbritannien zu 9 Thlr. angenommen, stehen bei uns selbst auf den bestgelegensten Puddlingwerken mindestens auf 9 Thlr-, also M ehrkosten . „. 3. - „ Summa Thlr. 8. 28 Sgr. Da nun der Zoll Thlr. 1. 15 Sgr. pro Centner oder Thlr. 14. pro 1000 Pfd. beträgt, so schien es hiernach als ob ') Die am 5. Mai 1851 in Kassel gestiftete große Vereinigung der Vertreter aller Zweige der vereinsländischen Eisenindustrie sprach sich in gleichem Sinne für vollständige Beseitigung aller Begünstignilgen Belgiens und Wiederherstellung der normale» Tarifirung aus. — 278 — die Produktion unsres Puddlingcisens aus ausländischem Roheisen schon mit etwa 9 Thlrn. pro 1000 Pfd. oder 1 Thlr, pro Ccntner hinlänglich gegen die ausländische Konkurrenz geschützt wäre. Allein hierbei kommt noch Zweierlei in Betracht. Erstens wird das englische Stabeisen zu 4 Thlrn. Fracht auf die inländischen Hauptverbrauchsplätze geliefert, während das dazu verwandte Roheisen mit Thlr. 5. 18 Sgr- Fracht erst bis zu. den Puddlingwerken gelangt ist. Von hier kann man aber für das daraus gefertigte Stabeisen mindestens noch einen Frachtbetrag von 2 Thlrn. pro 1000 Pfd. bis nach denselben ConsumtionS- orten rechnen, wohin das englische Stabeisen direkt zu Thlr. 4. geliefert wird. Das Zollbedürfniß erhöhte sich also hierdurch noch um weitere 2 Thlr. also auf etwa 11 Thlr. — Zweitens ist in Betracht zu ziehen, daß die ausländischen Puddlingwerke fast ohne Ausnahme unmittelbar mit Hochofenanlagen vereinigt sind, also das Roheisen regelmäßig zum Selbstkostenpreise haben. Bei den in Rede stehenden inländischen Puddlingwerken ist dieß Verhältniß natürlicherweise ein ganz anderes, indem sie ihr Roheisen in Belgien oder Schottland zum laufenden, die dortigen Selbstkosten oft um das 2 bis 3 fache überschreitenden Preise kaufen müssen, woraus schon folgt, daß unsre Werke bei hohen Stabeisenpreisen keineswegs solche Gewinne erzielen können, als jene ausländischen Puddlingwerke, während sie in den Krisen gleich viel, oder noch mehr zu leiden haben. Nun würde dieser Umstand allerdings nicht auf die Zollfrage influiren, wenn das Verhältniß zwischen den ausländischen Roh- und Stabeisenpreisen immer dasselbe blieb, wenn das Fallen oder Steigen immer gleichmäßig und gleichzeitig vor sich ginge. Allein dieß ist keineswegs der Fall, wie schon ein Blick auf die mitgetheilten Tabellen der Noh- und Stabeisenpreise zeigt. Eine gewisse Uebereinstimmung wird sich zwar naturgemäß über kurz und lang immer wieder herausstellen, allein die Roheisenerzeugung wird, namentlich in Schottland, in zu großer Ausdehnung ohne Verbindung mit Ctab- eisenproduktiou betrieben, um nicht anderseits eine gewisse Selbst- ständigkeit der Conjunktur zu begründen. Die oben mitgetheilten Preise von Schottischem Roh- und Wales Stabeisen differiren z. B. in den letzten 10 Jahren pro Ton um: — 279 - 1841 .... 70 sri. 1842 .... 70 „ 1843 .... 60 „ 1844 .... 35 „ 1845 .... 44 „ 1846 .... 98 sk, 1847 .... 110 „ 1848 .... 86 „ 1849 .... 59 „ 1850 .... 56 „ Durchschnitts-Differenz 69 sk. pro Ton oder Thlr. 10. 23 Sgr. pro 1000 Pfd. Diese Verhältnisse sind für unsre Puddlingwerke die entscheidenden, indem sie das ausländische Roheisen zu den laufen' den Preisen einkaufen müssen. Die Differenz stellt sich aber für den brittischen Stabeisenprodnzenten der zugleich Hochofen besitzt, ganz anders. Bei ihm kommen keine oder (je nach dem Stande der Löhne für die Grubenarbeiter u. s. w.) doch nur unbedeutende Schwankungen der Selbstkosten des Roheisens vor. Nehmen wir dieselben wie oben zu Thlr. 7. pro 1000 Pfv. oder etwa 44 sk. pro Ton an, so stellt sich die Differenz zwischen dem festen Produktionspreise und dem Glasgower Marktpreise des Roheisens wozu es der diesseitige Puddlingwerkbesitzer kaufen muß, zu Un- gunsten des letzter» folgendermaßen: 1841 ... 16 su. . 1846 .... 28 sk. Durchschnitts-Differenz 11 sk. pro Ton oder Thlr. 1. 22 Sgr. pro 1000 Pfd. Da nun 140 Pfv. Roheisen zu 100 Pfd. Stabeisen erforderlich sind, so steigern sich diese Thlr. 1. 22 Sgr. auf Thlr. 2. 13 Sgr., um welche der deutsche Puddler im Durchschnitt der letzten 10 Jahre das zu 1000 Pf. Stabeisen erforderliche Roheisen theurer bezahlt hat als der brittische Puddler, welcher selbst Hochofen besitzt. Wenn also auch unter normalen Verhaltnissen ein geringerer Zoll wie 14 Thlr. (etwa die vorstehend berechneten 11 Thlr.) schon jetzt für unsre inländischen Puddlingwerke genügen würde, so reicht dieß doch für solche Perioden nicht aus, wo der Marktpreis des ausländischen Stabcisens verhältnißmäßig niedrig und der des Roheisens verhältnißmäßig hoch steht. Erst wenn unsre 1842 ... 6 1843 . . . — 1844 ... 11 1845 ... 32 1847 .... 21 „ — 4sk. 1848 .... 0 „ 1849 .... 2 „ 1850 .... 0 „ — 280 — Puddlingwerke mit Hochofenanlagen verbunden sein werden fällt diese Ursache der Schutzbedürftigkeit hinweg und wird überhaupt die Periode eintreten, wo wesentliche Ermäßigungen des bisherigen Stabeisenzolls von 14 Thlrn. durchgeführt werden können. Hierin liegt auch die Ursache, weshalb die Ausdehnung der inländischen Coakshütterei so sehr im Interesse auch derjenigen Puddlingwerke ist, die bisher ausländisches Roheisen verfrischen, weshalb folglich der Roheisenzoll ihnen nicht feindlich ist, sondern erst die Möglichkeit gewährt, eine sichere Basis der Konkurrenzfähigkeit für alle Zukunft zu gewinnen, die sie bis jetzt keineswegs besitzen. Indem wir nachgewiesen haben, daß der Stabeisenzoll von 14 Thlrn. selbst für jene Puddlingwerke nicht überflüssig hoch ist, bedarf es keiner besonderen Vergleichung mehr mit den Verhältnissen der auf inländisches Roheisen gegründeten Stabeisenproduktion, denn die in Schlesien und an der Saar gelegenen mit Coakshochöfen verbundenen Puddlingwerke haben thatsächlich theurer produzirt als die vorher in Rede stehenden Werke, so lange dieselben belgisches Roheisen zu 5 Sgr. Zoll und zu so außerordentlich niedrigen Preisen wie seit 1848 beziehen können; erst mit dem gleichmäßigen Zoll von 10 Sgr. wird für beide eine gleichmäßige Grundlage erreicht sein. Daß aber die Puddlingwerke in den Holzkohleneisendistrikten und überdieß die Holzkoh- lenfrischereien, die im außerpreußischen Zollverein immer noch das Uebergewicht haben, in noch nachtheiligerer Lage sind, liegt auf der Hand. Hierbei steigen die Erzeugungskosten noch bis zu 5 Thlrn. vom Centner und wenn das Holzkohlenstabeism auch weit theurer bezahlt wird, ja bei Zollfreiheit in gleicher Qualität nicht wohlfeiler vom Auslande bezogen werden könnte, so schmälert ihm doch schon die innere Konkurrenz des Puddlingeisens dergestalt den Absatz, daß die Frischfeuerzahl sich täglich vermindert. Bei dem außerordentlich mäßig zugemessenen Roheisenzoll von 1V Sgr. geht diese Auflösung einer uralten Industrie ohnedieß so rasch vor sich, daß es unverantwortlich wäre, durch einen ungenügenden Stabeisenzoll diesen Prozeß noch mehr zu beschleunigen. Es ist übrigens durch die Preisverhältnisse gerechtfertigt, die Eisenbahnschienen in diese Categorie aufzunehmen, wiewohl das sonstige fa?onirre Eisen 3 Thlr. zahlt. — 281 — Wir haben hier schließlich noch des Differentialzolles auf Stabeisen zu erwähnen, welchen der mehrerwähnte Vertrag mit Belgien vom 1. September 1844 festsetzte. Der Herabsetzung des Roheisenzolls von 5 Sgr. entsprechend, ist der Zoll für belgisches Stabeisen gleichfalls von Thlr. 1. 15 Sgr. auf Thlr. 1. 7^ Sgr. ermäßigt worden. Stehen auch diese Herabsetzungen beider Zölle an sich in ungefähr richtigem Verhältniß, so liegt es doch auf der Hand, daß die absolute Höhe der stehengebliebenen Zollsätze von 5 Sgr- und Thlr. 1. 7^ Sgr. außer allem Verhältniß ist, indem der erstere fast gar nicht, der letztere überflüssig schützt. Die Einfuhr belgischen Stabeisens liefert dafür den Beweis. Sie betrug in den drei Jahren vor dem Vertrag: 1842 ...... 340 Centner. 1843 ...... 440 „ 1844 ...... 188,600 und in den Jahren seit dem Vertragsschluß: 1845....... 119,863 Centner. 1846 ...... 72,314 „ 1847 ...... 114,672 „ 1848 ...... 866 1849 ...... 3,533 1850 ...... 10,812 „ Im Durchschnitt macht die Einfuhr aus Belgien seit 1845 gegen 6 Prozent der Gesammteinfuhr an Stabeisen aus. Die Ermäßigung des Stabeisenzolls hat also nicht einmal annähernd zu solchen nachtheiligen Resultaten geführt, wie die des Roheisenzolls, obgleich die Entwicklung der belgischen Stabcisenfabrikation in gleichem Maaße fortgeschritten ist. Nach den Verkaufspreisen der letzten Jahre läßt sich schließen, daß die ordinärste Sorte von belgischem Stabeisen (dem Walliser an Qualität etwa gleichstehend) zu 15 Fr. pro 100 Kil., oder etwa 19 Thlr. pro 1000 Psd. hergestellt werden kann, da die Preise theilweise noch niedriger standen. Mag man nun auch in Wales noch um etwa 3 Thlr. billiger produziren, so ist doch Belgien für einen großen Theil des Vereinsgebiets in den Frachten im Vortheil, so daß, wie beim Roheisen so auch beim Stabeisen, die belgische Konkurrenz an Intensität der britischen ungefähr gleich steht, folglich — 282 — auch hier ein gleicher Zollsatz gegen beide Länder sich empfiehlt. Seit dem 1. Januar 1852 ist der Stabeisenzoll gegen Belgien auf Thlr. 1. 11^ Sgr. erhöht, steht also jetzt nur noch Sgr. niedriger als der Normalsatz. Indem wir also die vorläufige unveränderte Beibehaltung des bestehenden Stabeisenzolls für die gegenwärtige Entwicklun gsperiode als gerechtfertigt erachten, wollen wir schließlich noch auf eine Anomalie in der jetzigen Ta- rifirung aufmerksam machen. Es betrifft dies das alte Schmiedeeisen, welches bisher wie Roheisen nur 10 Sgr. zahlt, während doch Luppeneisen den vollen Stabeisenzoll von Thlr. 1. 15 Sgr. trägt. Seit die alten zum Umwälzen bestimmten Schienen in so bedeutenden Mengen vorkommen, erscheint es nothwendig und folgerecht, das alte Schmiedeeisen ebenfalls mit dem Satz für Stabeisen zu besteuern, falls man ihm nicht etwa mit dem Luppeneisen (wovon indeß nur sehr unbedeutende Einfuhr stattfindet) eine Mittelstellung zwischen Roh- und Stabeisen, anweisen will. INI. Die Besteuerung der übrigen Eisenfabrikate. K. 50. Obgleich das Hauptinteresse der Produzenten sowohl als der Consumenten sich auf die Roh- und Stabeisenzölle beschränkt, soll doch die sonstige Besteuerung der Eisenfabrikate ebenfalls kurz besprochen werden. Was zuerst das Kleineisen unter ^ Quadratzoll Querschnitt betrifft, das seit dem 1. September 1844 Thlr. 2. 15 Sgr. zahlt, während es früher bald mit dem Grobeisen nur 1 Thlr., bald mit dem Faxoneisen 3 Thlr. zahlte, so bedars es keiner weiteren Erörterung, daß dieser Zollsatz überflüssig hoch ist und verhältnißmäßig noch weit mehr als der Stabeisenzoll schützt. Umgekehrt verhält es sich mit den Zöllen auf Stahl. Daß alle Sorten, vom Rohstahl an, der etwa das Doppelte, bis zum feinen Gußstahl, der das Vier- bis Sechsfache des gewöhnlichen Stabeisens kostet, den gleichen Zollsatz mit diesem tragen, ist an und für sich die größte Inkonsequenz. Vollkommen widersinnig wird es aber, den Stahl in kleineren Dimensionen von der vor- — 283 — genommenen Ausscheidung und Zollerhöhung des Kleineisens auözunehmen, folglich niedriger selbst als Eisen zu besteuern. Wie schon im tz. 43. bemerkt, sind fast auf allen Zollkonferenzen Anträge gestellt worden, diesen schreienden Mangel unserer Zollgesetzgebung zu ergänzen, allein sie sind an dem unbegreiflichen Widerspruche Baierns gescheitert. Die Ersahrungen der neuesten Zeit, die auf der Londoner Industrie-Ausstellung allgemein bewunderten Fortschritte unserer Stahlfabrikation, die folgenschwere Erfindung der Stahlerzeugung im Wege des Puddlingfrischprozesses, verbunden mit dem vorzüglichen, Deutschland eigenthümlichen Rohstoffe, dem Nohstahleisen, sollten sicherlich überall die Ueberzeugung erwecken, daß der Zollverein ein passender Boden für die Entwicklung einer großartigen Stahlproduktion sei, wenn man auch England vor der Hand noch die Superiorität in einzelnen Sorten, zu deren Herstellung das Dannemora-Eisen besonders geeignet ist, zugestehen muß. Daß diese Entwicklung bisher so langsam vor sich ging, muß hauptsächlich dem ganz unbedeutenden Zolle zugeschrieben werden. Der doppelte Satz könnte ohne Bedenken für die Consumtiou angenommen werden. Denn auf Steigerung der inländischen Preise hätte dies sicherlich nicht den mindesten Einfluß, so wenig der bestehende Zoll von Thlr. 1. 15 Sgr. den Preis des deutschen Stahls über dem Niveau des ausländischen hält. Im Gegentheil würde der erweiterte Markt sofort zu einer größeren Ausdehnung der Produktion und damit Verstärkung der inneren Konkurrenz und Verminderung der Selbstkosten führen. Die Zölle aus saxonirt es Eisen mit 3 Thlrn. pro Centner sind ganz genügend, namentlich sür Walzeisen; desgleichen genügen sie sür, roh vorgeschmiedete Maschinentheile in Stücken über 1 Centner. Was davon eingeht, sind meistens Stücke von ungewöhnlichen Dimensionen, wofür in Deutschland aus dem einfachen Grunde die Betriebsvorrichtungen fehlen, weil der Verbrauch verhältnißmäßig noch zu gering ist, als daß sich solche Anlagen rentircn könnten. Schwarzblech ist gleichfalls mit 3 Thlrn. hinlänglich besteuert, mit Ausnahme etwa der ganz dünnen Knopfbleche unter ^ Pfund pro Quadratfuß, sowie der dünnen Stahlbleche. Weißblech hat beim Zoll von 4 Thlrn. immer noch eine — 284 — starke Konkurrenz von England her auszuhalten; vennoch muß der Zollsatz mäßigen Anforderungen genügen. Hierbei ist übrigens zu bemerken, wie außerordentlich nachtheilig es im Jahre 4842 eingewirkt hat, daß beim Anschlüsse Braunschweigs das Weißblech und überhaupt die Eisenfabrikate aus dem Nachsteuertarif weggelassen worden waren. Bei der großen Differenz der Steuervereins- und Zollvereinstan'se konnte es nicht fehlen, ?aß große Mengen auf Spekulation eingeführt wurden. Daß die Rechnungen der Spekulanten theilweise fehlschlugen und die Preise um mehr als die Differenz der Zollsätze herabgingen, vermehrte nur die traurige Lage der diesseitigen Weißblechfabrikation, indem ihr Absatz und Preise auf lange Zeit hin verdorben wurden. Wir bringen dieses Faktum umsvmehr hier in Erinnerung, als mit dem Anschluß Hannovers, wo von jeder Nachsteuer auf gemeinschaftliche Rechnung Abstand genommen ist, ein gleicher Nachtheil für unsre Finanzen und unser Gewerbe in noch erhöhtem Maaße wiederkehren kann, falls nicht Mittel ergriffen werden, der massenhaften Anhäufung englischer Fabrikate im Steuervereinsgebiet zuvorzukommen. Denn der Abstand der bisherigen Besteuerung — gegen Thlr. 3. 7^ Sgr. pro Centner Weißblech — ist zu groß, um nicht zu derartigen Spekulationen zu reizen. Für Draht ist der Zollsatz von 4 Thlrn. genügend, mit Ausnahme des feinen Kratzendrahtcs und Stahldrahtes, wo der Schutz bei den feineren Nummern keine 10 Prozent des Werthes mehr beträgt. Insbesondere dürsten die Fortschritte der Fabrikation feinerer Drähte in Altena, Gemünd u. s. w. genügende Veranlassung bieten, die bisherige, auf privative Rechnung gewährte, Ermäßigung des Eingangszolls auf Kratzen- und Stahldrähte aufzuheben. Der Zoll auf grobe Gußwaaren mit 1 Thlr. pro Centner ist zwar, bei gleichem Werth dieser Artikel mit Stabeisen, verhältnißmäßig weit geringer. Allein bei der Natur dieser Erzeugnisse ist auch die Konkurrenz des Auslandes hauptsächlich nur in solchen Artikeln zu fürchten, die, wie z. B. Schienenstühle, in sehr großen Quantitäten verbraucht werden, während im Uebrigen die Gußwaare sich in unzählige Sorten und Formen zersplittert, auch der Absatz der Gießereien größtentheils auf lokalen Verhältnissen beruht und die Nähe derselben für die Consum- — 285 — tion in der Regel ein solches Bedürfniß ist, daß selbst bei größeren Preisunterschieden dennoch kein starker Bezug aus dem Ausland erfolgen würde- Bei den Gußwaaren stellt sich übrigens wieder ganz dasselbe Verhältniß zur Zollfrage heraus, welches wir bei den zwei Klassen der Stabeisenfabrikation erörterten. Hierbei stehen sich nämlich gegenüber: 1) die Gießereien, welche inländisches Eisen verbrauchen, und zwar entweder: g) unmittelbar aus den Erzen (Hochofengußwaaren), oder b) durch Umschmelzung inländischen Roheisens; 2) die Gießereien welche ausländisches Roheisen verbrauchen. Es ist klar, daß das Interesse der Anstalten sud 1. in erster Ordnung einen genügenden Roh eisen zoll erfordert. Denn selbst der höchste Zoll auf Gußwaaren würde sie nicht schützen, wenn die Gießereien sud 2. das ausländische Roheisen zollfrei beziehen könnten. Das Verhältniß, in welchem sich beide Klassen von Gießereien entwickelt haben, gestattet hier abermals einen Schluß wie der Roheisenzoll von 10 Sgr. die unterste Grenze des sür Erhaltung unserer inländischen Gießereien nothwendigen Schutzes gewährt. An der außerordentlichen Ausdehnung der Gußwaarenerzeugung hat nämlich die Produktion unmittelbar aus Erzen seit langer Zeit keinen Theil mehr genommen, sich im Gegentheil nur mühsam bei bem bisherigen Bestände behauptet, wonach also die ganze Zunahme lediglich auf die Gußwaaren durch Umschmelzung von Roheisen entfällt. Die zweite Klasse von Gießereien, die ausländisches Roheisen verbrauchen, hat natürlich jenes Interesse am Roheisenzoll nicht. Für viele derselben wird es zwar, gerade wie bei den Puddlingwerken, von großem Vortheil sein, inländische Cvakshoch- öfen in ihrer Nähe entstehen zu sehen. Andere dagegen, z. B. die in den nordöstlichen Provinzen belegenen Cupolöfen werden voraussichtlich in dem Bezug von Schottland, auch bei einer weiter fortgeschrittenen inländischen Hochofenproduktion, den größeren Vortheil finden. Daß aber sür deren Bestehen und Entwicklung der Zoll von 10 Sgr., so lange er beibehalten werden muß, nicht störend wirkt, zeigt der thatsächliche Fortschritt, den sie gemacht, und der mit der Auflegung des Roheisenzolls im Jahr 1844 — 286 — nicht etwa in's Stocken kam, sondern umgekehrt seitdem weit über das srühere Verhältniß hinausging. Bei der Gußwaarenposttion müssen wir schließlich noch der ganz ungerechtfertigten Maaßregel erwähnen, wodurch nämlich alle Maschinen und Maschinentheile aus Gußeisen aus dem Satz von 6 Thlrn. in die Position zu 1 Thlr. verwiesen und damit ^ dieser Einfuhr der uormalmäßigen Besteuerung entzogen worden sind. Der größte Theil der unter der Gußwaarenposition stattstndenden Einfuhr besteht aus Maschinenteilen. Für unbearbeitete grobe Maschinenthcile mag der Satz von i Thlr. genügen, so wie überhaupt für bearbeitete guß- und schmiedeeiserne Theile statt des Satzes von 6 Thlrn, auch ein Mittelsatz von 3 oder 4 Thlrn, hinreichend wäre. Für bearbeitete Maschinentheile dagegen einen Satz von nur 1 Thlr. festzuhalten, der nur von 4 bis höchstens 10 Prozent des Werthes beträgt, ist gänzlich ungerechtfertigt und geben die Leistungen unserer Maschinenfabrikanten sicherlich der Gesetzgebung keine Veranlassung, die Einfuhr ausländischer Maschinen durch eine solche Ausnahmsmaaßregel zu erleichtern. Ohnedies sind einzelne Theile der Maschinenfabrikation durch die Gesetzgebung benach- theiligt, z. B. der Bau von Schiffsmaschinen und eisernen Schiffen durch die Bestimmung zollfreien Eingangs von Schiffen auf dem Rhein und anderen konventionellen Flüssen. Außerdem werden für Maschinen häusig Freipässe ertheilt, und ist dabei keineswegs gesorgt worden, durch Veröffentlichung der Zeichnungen und Beschreibungen die inländische Nachahmung solcher aus dem Ausland eingeführten neuen Maschinen zu erleichtern und dadurch die Einfuhr weiterer Eremplare überflüssig zu machen. Unsere Maschinenfabrikation ist hiernach in der That durch die Zollgesetzgebung und die Verwaltungspraris sehr stiefmütterlich behandelt und darf erwarten, daß in ihrem Interesse baldmöglichst eine Reform der betreffenden Bestimmungen durchgeführt werde. Wir kommen schließlich zur Bestimmung der groben und feinen Eisen- und Stahlwaaren, Diese Sätze mit 6 Thlrn. und 10 Thlrn. sind im Ganzen genügend; nur macht der unverhältnismäßig hohe Werth einzelner Artikel theils eine Versetzung aus jener ersten in die zweite Klasse, theils eine Ausscheidung und höhere Besteuerung dringend wünschenswert!). Aus der - 287 — Klasse zu 6 Thlrn. in vie zu 10 Thlrn, sollten namentlich alle Bohrer, Sägen, feinere Feilen und Raspeln, Sensen, Sicheln, Zirkel u. s. w, versetzt werden, während die Ahlen, Angelhaken, stählerne Fingerhüte, Feder- und Nasirmesser, Gewehre und Ge- wehrtheile, Grabstichel, Kratzen, Kunstgußarbeiten, Pack- und Stricknadeln, Nhrmacherwerkzeuge u. s, w., — lauter Gegenstände von 100 bis 200 Thlrn. pro Centner an Werth — mit 6 Thlrn. oder 10 Thlrn. ganz ungenügend besteuert sind und für sie eine besondere Position zu mindestens 20 Zhlrn. gebildet werden müßte- Die Nähnadeln sind jetzt in der Klasse der kurzen Waaren mit 50 Thlrn. besteuert; Stahlfedern, Uhrfedern u. dgl- würden gleichfalls in dieser Kategorie ihre Stelle besser finden als unter den Eisen- und Stahlwaaren. Blicken wir hiernach auf die geschehene Erörterung der Eisenzölle zurück, so müssen dieselben im Ganzen— die vollständige Beseitigung der Differentialzölle für belgisches Eisen vorausgesetzt — als genügend erscheinen, wenn auch der Noheisenzoll nur die untere Grenze des dringend Nothwendigen einhält, und wenn auch für Stahl, Maschinen und einige sonstige Eisenfabrikate Veränderungen wünschenswerth erscheinen. Wie der stalus czuo der Eisenzölle aber einerseits für die Eisenindustrie genügt, so werden wir anderseits zeigen, daß die Interessen der Consum- tion dabei nicht gefährdet werden, indem die temporären Opfer nur gering sind, die Entwicklung der inländischen Industrie aber auf dieser Basis in einer Weise fortschreitet, die schließlich den Verbrauchern weit größere Vortheile oerheißt, als selbst der zollfreie Bezug aus England. Der Eisenzoll und die Eisenconsumenten. 1. Vertheuerung des eingehenden ausländischen Eisens. Z. 51. Nächst dem gelieferten Beweis, daß die Lage unsrer Eisenindustrie für die nächste Zeit eine Aufrechthaltung unsrer gegenwärtigen Zölle bedingt, wollen wir nun darthun, daß die Opfer, welche den Consumenten dadurch auferlegt werden, vcr- hältnißmäßig sehr gering sind, während zuletzt zu beweisen bleibt, — 288 — wie in Folge der Entwicklung der inländischen Produktion die Opfer allmählig aufhören, und sich für die Verbraucher selbst in dauernde Vortheile umwandeln werden. Wir haben wesentlich zu unterscheiden zwischen der Vertheue- rung des eingehenden ausländischen und des im Inland produ- zirten Eisens. Die Abgabe, welche der Konsument von ersterem zu zahlen hat, fließt direkt in die Staatskasse. Es sind seit Bestehen des Zollvereins durch die Eingangsbesteuerung ausländischen Eisens folgende Beträge aufgekommen. Zollertrag aus der Eingangsbesteuerung ausländischen Eisens. i. 2. s. -i. Jahr. Vom Roheisen. Vom Stabeisen Von d. übrigen Eisenfabrikaten Summa 1 — 3. ll>o-. 6. ».) (PO-, S. d.) (p.S.c.biS ö.k.Z.) Tblr. Tblr, Tblr. Tblr 1834 _ 349,493 169,870 119,363 1835 skitM'Ti^pmi 195,367 181,739 377,106 1836 >iW -rrnn-i^ 163,961 196,119 360,080 1837 — 146,759 240,139 616,318 1838 — 376,175 301,331 677,506 1839 — 338,868 344,104 682.972 1840 ^ nlGWüö! 435,497 380,575 816,072 1841 — 552,166 362,753 914,919 1842 ,,.1 5,»^ 931,139 374,852 1,305,991 1843 - 980,822 502,411 1,483,233 1844 49,088 1,652,688 464,656 2,166,432 1845 101,076 1,442,244 591,777 2,135,097 1846 466,419 1,519,029 643,230 2,628,678 1847 602,003 1,537,363 782,428 2,921,794 1848 375,649 957,636 459,470 1,792,755 1849 205,456 241,185 298,597 745,238 1850 486,386 293,441 452,203 1,232,030 Aus die so bedeutende Vermehrung des Ertrages aus den Eisenzöllen, wirkte zuerst von 1840 an der Eisenbahnbau und überdieß von 1844 ab die vorgenommene Zollerhöhung ein. Schon diese sehr ansehnliche Zunahme thut dar, daß auch vom Finanz- — 289 — standpunkt aus die Besteuerung des Eisens zur Erzielung einer möglichst hohen Einnahme ziemlich passend normirt sein muß, so wie überhaupt das außerordentliche Steigen der Einfuhr den that« sächlichen Beweis geliefert hat, daß unsre Eiscnzölle sehr weit vavon entfernt sind, prohibitiv zu wirken. Das bedeutende Fallen der Einnahme seit 1848 ist dagegen die natürliche Folge der bekannten Ereignisse. Nach den in §. 29. bei der Berechnung der Eisenkonsumtion festgehaltenen Perioden, stellt sich der jährliche Zollertrag im Durchschnitt folgendermaßen: 18^4 Ms 18^ 18^ 18^ 7 18^-K ^"5 » Jährlicher Zollertrag vom Eisen: 348,234 Thlr-. 551,301 „ 804,654 „ 1,651,885 „ 2,561,856 „ 1.256.674 .. Auf den Kopf der Bevölkerung: 0,44 Sgr. 0,KZ „ 0,89 „ 1,74 „ 2, kl „ 1,26 „ Die Eisenzölle haben demnach für die Finanzen des Zollvereins eine sehr große Wichtigkeit. Sie ertrugen von der Brutto- Einnahme aus sämmtlichen Ein-, AuS- und Durchgangszöllen: 1834 . . . . 2,2 pCt. 1842 . . . . 5,6 pCt. 1835 . . . . 2,3 „ 1843 . . . - 6,7 „ 1836 . . - - 2,o „ 1844 . . . - 8,4 „ 1837 . . . . 3,5 „ 1845 . . . . 7,8 „ 1838 . . . . 3,4 „ 1846 . . . . 9,g „ 1839 . . . . 3.4 „ 1847 . . . - 10,7 „ 1840 . . . . 3,8 „ 1848 . . . - 8,0 „ 1841 . . . . 4,t „ 1849 . . . - 3,2 „ 1850 . . . . 5,4 pCt. Es liegt auf der Hand, daß diese Besteuerung keinen direkten Beitrag für die inländische Eisenindustrie bildet. Die Erträge fließen in die Staatskasse und es wird dafür an direkten Steuern soviel weniger bezahlt. Auch ist bei dem universellen Gebrauch des Eisens keine Steuer zu denken, die sich gleichmäßiger auf die Bevölkerung nach dem Maaßstab des Einkommens und Verzehrs vertheilte, als diefe. Das Verhältniß in welchem sie von den Eisenhändlern, Stabeisen- oder Maschi- nenfabrikanten, Gießereibesitzern, Eisenbahnaklionären u. s. w. vor- 19 — 290 — gelegt wird, ist allerdings sehr verschieden. Allein die Vorlage entscheidet nichts, indem sie, wie die ausgelegte Grundsteuer, Gewerbesteuer u. s. w,, beim Verkauf der Erzeugnisse ratenweise wieder von der Gesammtheit der Consumenten eingezogen wird. Somit entscheidet der unmittelbare Eisenverbrauch keineswegs über den Grad der Besteuerung eines bestimmten Gewerbes durch die Eisenzölle. Allerdings liegt aber einiger Unterschied der Belastung in der geographischen Lage der Consumtionsorte zu den Produktionsgebieten, und es ist nicht in Abrede zu stellen, daß diejenigen Gegenden, welche so günstig für den Bezug vom Ausland, als ungünstig für den Bezug von inländischen Eisenrevieren gelegen sind, z. B. die Provinzen Ost- und Westpreußen, stärker zu dieser Steuer als andere Gegenden beitragen. 2. Vertheuerung des inländischen Eisens. g. Allgemeine Erörterung über den Einfluß der Zölle aus die inländischen Preise. Z. 52. Ehe wir an die spezielle Erörterung der Opser gehen, welche die Eisenzölle dem Verbraucher zu Gunsten des Ei seng e- werbes auferlegen, gilt es die Falschheit des Prinzips aufzudecken, worauf unsre Gegner die Vertheuerungsberechnungen zu gründen pflegen. Hiernach soll nämlich der Zoll sowohl die Tendenz als die Wirkung haben, das inländische Fabrikat um seinen vollen Betrag zu vertheuern, gerade als wenn es vom Ausland einginge, und nur mit dem Unterschied, daß dort der Ertrag in die Staatskasse, hier in die Taschen der Eisengewerken fließe. Die Vertheuerungsberechnungen der meisten Freihandelsorgane geschehen nur nach der einfachen Formel: die Centnerzahl der inländisch en Produktion mit dem Zoll - betrag zu multipliziren. Wer dieses Dogma nicht fahren lassen, seine prinzipielle Unrichtigkeit nicht eingestehen will, auf den kann allerdings die folgende Beweisführung keinen Eindruck machen: Allein die große Mehrzahl der Unparteiischen wird sicherlich einer auf Thatsachen gestützten Berechnung größere Geltung einräumen, als den Resultaten einer grundsatzlosen theoretischen Formel. Man kann vorerst keineswegs vom Zoll im — 291 — Allgemeinen sagen, daß seine Tendenz eine Vertheuerung um den Zollbetrag sei. In erster Ordnung soll vielmehr die Vertheuerung der auslandischen Waaren nebst den Finanzzwecken eine Sicherung des inländischen Marktes für die inländische Industrie bewirken, während erst in zweiter Ordnung eine vorübergehende Vertheuerung des inländischen Erzeugnisses, und zwar auch nur in solchen Ausnahmefällen bezweckt wird, wo die Anstrengungen der einzelnen Industriellen nicht ausreichen, das vorangeschrittene Ausland ohne Zeitverlust wieder einzuholen. Dieß ist die Tendenz des Schutzzolls. Sie wäre freilich für die Praris bedeutungslos, wenn dessen Wirkung eine andere wäre, wenn thatsächlich eine Vertheuerung des inländischen Produkts um den Zollbctrag, und wenn überhaupt auch eine Vertheuerung solcher Erzengnisse stattfände, deren Selbstkosten im Anlande nicht hoher wie im Auslande stehen. Allein man vergleiche die in- und ausländischen Waarenpreise, ob dieß dann auch der Fall ist. Wie eklatant hat nicht neuerdings die Londoner Industrieausstellung den Satz von der Vertheuerung um den Zollbetrag Lügen gestraft, namentlich auch in Bezug auf den Zollverein! Fast in allen couranten Waaren liefern wir gleich billig, ja theilweise billiger als irgend eine andere Nation, mögen unsre Zölle darin hoch oder niedrig stehen; ja unter den höchst besteuerten Artikeln gehören viele zu den allerbilligsten. Haben nicht die Kritiker aller Nationen gerade die außerordentliche Billigkeit aller couranten Waaren als den hervorspringendsten Zug der zollvereinsländischen Industrie bezeichnet? Das Eisen ist unter den wenigen Artikeln, worin der Zoll allerdings noch eine relative Vertheuerung bewirkt, und selbst hierbei haben sich bereits viele aus den besseren Eisensorten dargestellte Fabrikate, z. B. Waffen, Maschinen, Scheeren, Sägen, Werkzeuge u. f. w. zu vollkommener Conkurrcnzfähigkeit auf dritten Märkten erhoben. Allein auch abgesehen von den thatsächlichen Preis-Verhältnissen, auf die wir zurückkommen, kann das Dogma von der Vertheuerung und den vollen Zollbetrag auch der einfachsten theoretischen Erörterung nicht Stand halten. Diesseits wie jenseits der Zollschranken reguliren sich alle Waarenpreise durch die Konkurrenz, durch das Verhältniß von Nachfrage zum Angebot. Nun können 19" — 292 — die Zölle auf diese Konkurrenz unter Umständen sehr bedeutend, unter Umständen gar nicht einwirken. Man unterstelle, ein Artikel werde im Inland gar nicht, sondern bloß im Ausland angefertigt; in diesem Falle kann selbstredend von keiner Verteuerung einer inländischen Produktion die Rede sein. Das Gleiche ist der Fall, wenn ein Artikel ausschließlich im Inland erzeugt wird; selbst die Prohibition kann dann keine Vertheuerung bewirken. Bei den Artikeln aber, die theils im Inland, theils im Ausland produzirt werden, ist natürlicherweise jeder Grad der Vertheuerung vom unbedeutensten Betrag an bis zur Höhe des vollen Zollsatzes möglich, je nach dem Grade der Konkurrenz und den subjektiven und objektiven Grundlagen der Gütererzeugung diesseits und jenseits der Zollschranken. Sind diese Grundlagen günstig und ist die innere Konkurrenz stark, so mag die Zollhöhe ganz bedeutungslos für den Waarenpreis sein, während im umgekehrten Falle allerdings die Möglichkeit einer Vertheuerung bis zum Niveau des durch den Zollbetrag vertheuerten Preises der ausländischen Waaren gegeben ist. Die Einwirkung des Zollsatzes auf den inländischen Waarenpreis ist also nicht bloß bei jedem Gewerbszweig, sondern auch zu jeder Zeit verschieden. So kann ein Zoll anfangs die Waare um den vollen Betrag vertheuert haben, während mit der Zeit gerade durch diese Vertheuerung die innere Konkurrenz stärker wird, als vorher die innere und äußere zusammengenommen, und somit der frühere Einfluß des Zollsatzes aus eine Vertheuerung gänzlich aufgewogen oder die Waare gar noch billiger wird, als sie zollfrei aus dem Ausland zu beziehen wäre, kscla lo^uuntur! Es ist somit nicht bloß thatsächlich falsch, sondern auch ganz unwissenschaftlich, die etwanige Vertheuerung einer Waare aus dem Zollbetrag berechnen zu wollen, der nur die obere Grenze darstellt, bis zu der eine Preissteigerung möglich ist. Es ist gerade, als wenn man die Höhe eins Ufers mit dem Wasserstande identifiziren wollte. Es ist purer Unsinn, eine allgemeine gültige Formel auffinden zu wollen, um von dem Zoll- bctrag auf den Preis eines Fabrikats schließen zu können; nur die empirische Beobachtung des zu jederZeit thatsächlich stattfindenden in- und ausländischen PreiSver- hältnisseS kann zu richtigen Resultaten führen. — 293 — Es folgt schon aus dieser Auseinandersetzung, wie bedeutungslos fast alle Angriffe auf die Eisenzölle sein müssen, die ein so total falsches Prinzip zur Grundlage ihrer Berechnungen nahmen. b. Der Einfluß der Zollerhöhung von 1844 auf die inländischen Eisenpreise. §. 53. Gehen wir nun auf die Berechnung des thatsächlichen Einflusses unserer Zölle auf die Eisenprcise ein, so haben wir dabei zwei Anhaltpunkte: 1) den Einfluß der Zollerhöhung.von 1844 und 2) das Verhältniß der ausländischen zu den inländischen Eisenpreisen. Wir beginnen mit Erörterung des ersten Punktes. Was zunächst das Roheisen betrifft, so hatte die Zollauflegung von 1844 allerdings neben einer Sicherung des Absatzgebietes auch die Tendenz eine Steigerung des Preises zu bewirken, um die beiderseitige Konkurrenz ins Gleichgewicht zu bringen, wenn die ausländischen Preise auf die Selbstkosten herabgegangen sein würden. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die Vertheuerung, wenigstens für das Roheisen zum Verfrischen, nicht über 5 Sgr. pro Centner, als den Betrag des belgischen Differentialzolles steigen konnte, indem dieser, wie §. 47. unwiderleglich nachweist, das eigentliche Konkurrenzverhältniß zum Auslande entschieden hat. Nun ist nicht in Abrede zu stellen, daß ohne jenen Zoll die inländischen Roheisenpreise vielfach noch niedriger stehen würden, als es gegenwärtig der Fall ist. Dennoch kann von einer stattgesundenen allgemeinen Steigerung unserer Roheisenpreise um 5 oder gar 10 Sgr. durchaus nicht die Rede sein. Wie dieß die thatsächlichen Preisverhältnisse beweisen, so läßt es sich auch ganz einfach erklären. Das Roheisen (und noch mehr das Stabeisen), zerfallen nämlich in sehr viele Sorten von verschiedenen Qualitäten und Preisen. Wie nun z. B. bei den Baumwollenwaaren die ordinären Drucknessel im Preise steigen können, während dieß die Mousseline gar nicht berührt, oder wie die Surate Baumwolle ganz unabhängig von der Sea-Jsland steigen oder fallen mag, so hat auch jede Eisensorte einigermaßen ihre eigene Konjunktur. Nun — 294 — geht wie früher nachgewiesen, die Konkurrenz des Auslandes gerade von den allerordinärsten und nicht von den unserem Holzkohleneisen in Qualität gleichstehenden Sorten Roh- und Stab- eiscns aus. Der Zoll mußte also zunächst auf Preissteigerung der ganz entsprechenden inländischen Sorten hinwirken, und steht unser Coaksroheisen auch durchschnittlich um sast 5 Sgr. höher im Preise, als ausländisches zollfrei zu beziehen wäre. Allein je weiter sich die Qualitäten von diesen Sorten entfernen, je mehr muß jene Einwirkung sich abschwächen. In der That ist bis jetzt bloß in Coaksroheisen eine schwache innere Konkurrenz, während beim Holzkohleneisen das Angebot eher den Bedarf übersteigt. So hat, trotz der Zollerhöhungen von 1844, die starke innere Konkurrenz der feineren Eisensorten thatsächlich gar keine Preissteigerung zugelassen. Es wird dieß durch die einfache Thatsache erwiesen, daß das Holzkohlenroheisen jetzt so niedrig, ja theilweise noch niedriger steht als 1843 (13^ bis 14^ Thlr. pro 1000 Pfd.), während doch die schottischen Preise im Durchschnitt der letzten Jahre noch etwas höher (18^ 44 sk., 1843 nur 40 sti.), und die belgischen gleich hoch wie damals (auf Fr. 7^ bis 7^ pro 100 Kil.) stehen. Die seit dem 1. Sept. 1844 dazwischen getretene Vertheuerung des ausländischen Roheisens um 5 resp. 10 Sgr., hat also dieß Verhältniß gar nicht geändert. Von einer absoluten Vertheuerung des Roheisens seit 1844 kann demnach beim Holzkohlenroheisen gar keine Rede sein, wenn auch nicht abgesprochen werden soll, daß ohne den Roheisenzoll außer einer Beschränkung des Absatzes auch eine noch etwas weiter gehende Verminderung der Preisdifferenz zwischen guten und schlechten Qualitäten vor sich gegangen sein dürste. Da derartige Beweise durch das Eingehen in konkrete Verhältnisse am sichersten geführt werden, so wollen wir hier die Preisangaben folgen lassen, wozu in den sechs Jahren vor und nach der Zollauflegung in verschiedenen Theilen des Zollvereins das Holzkohlenroheisen loeo Werk verkauft worden ist.*) 1. Ein oberschlesisches Hüttenwerk mit mehreren Hochöfen (Mittel-Qualität); °) Diese Mittheilungen sind den Büchern der aufgeführten Werke entnommen und kann ihre Richtigkeit also verbürgt werden. — 295 — 2. die Hainerhütte, als Mittelpunkt des siegenischen Eisen- distriktes (seine Qualität); 3. das Fürstlich Fürstenbergische Hüttenwerk Amalienhütte in Baden (feinste Qualität).") g) Vor der Zollauflegung: 1. 2. Z. Preuß. Ctr. Preuß. Ctr, Zoll-Ctr, Thlr. 1. 25. — Pf. Thlr.2. 5. 6 Pf. Fl.5. 7 Kr. „ 2. 10. - „ „ 2. 5. 6 „ 2. 5. — „ „ 2. 5. 6 ,, 1. 20. — „ „ 2. - 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1. 12. 6 1. 22. 6 8 > 1. 22. 2 1. 22. 2 4 44 » ^- » „ 4- 4? „ „ 4. 45 „ „ 4. 32 „ .. 4. 30 .. Durchschn. Thlr. 1. 25. 10 Pf. Thlr.2.—. 3 Pf. Fl.4. 44Kr. Großer Durchschnitt: Thlr. 2. 5. 9 Pf. b) Nach der Zollauflegung:' 1845: Thlr. 1. 25. — Pf. Thlr. 2. 1. 10 Pf. Fl. 4. 29 Kr. „ 4. 28 „ „ 4. 13 „ „ 4. 6 „ „ 3. 56 „ 1. 18. - .. .. 1. 18. 6 .. .. 3. 52 1846: „ 2.10.— „ 1847: „ 2.10.- „ . 1. 20. - „ ^ 1. 15. - .. 1848: 1849: 1850: 2. 7. 11 1. 25. 9 1. 16. 1 1. 20. 11 1. 18. 6 Durchschn. Thlr. 1. 26. 5 Pf. Thlr. 1. 25. 2 Pf. Fl.4. 11 Kr. Großer Durchschnitt: Thlr. 2. 1. 1 Pf. Hiernach hat also blos das schlesische Werk im Durchschnitt 18^ eine Preissteigerung um den geringen Betrag von 7 Pf. pro Centner gegen 18§^ erzielt, während das siegenische Werk eine Preisvermindernng von 5 Sgr. 1 Pf. und das badische sogar von 33 Kr. oder 9 Sgr. 5 Pf. erlitten hat. Im Durchschnitt hat die absolute Preisverminderung 4 Sgr. 8 Pf., unter Hinzurechnung des Jahres 1851 aber, wo die Preise noch nie- ') Wie überhaupt in Süddeutschlaud sehr wenig Roheisenhandel stattfindet, so sind diese Preise nicht als eigentliche Verkaufspreise anzusehen, sondern ist das Roheisen zu diesen Sätzen den eigenen Hammerwerken berechnet worden. Da der Abschlag dieser Preise dem Sinken der Stabeisenpreise entspricht, so haben die Angaben gleichwohl ihre volle Bedeutung. — 296 — driger als 1850 standen, mehr als 6 Sgr. betragen. Es ergiebt sich überdieß aus jener Begleichung noch zweierlei: erstens, daß der belgische Vertrag nachtheiliger auf den rheinisch - westfälischen und süddeutschen, als auf den schlesischen Hültenbetrieb eingewirkt hat, und zweitens, daß gerade in den feinsten Qualitäten der Preisabschlag am größten, beziehungsweise die Einwirkung des Zolls auf Aufrechthaltung der Preise am geringsten gewesen ist. Relativ aber (im Verhältniß zur ausländischen Konkurrenz) haben sich die Preise jener drei Werke gegen schottisches Steinkohlenroheisen folgendermaßen gestellt: g) Vor der Zollauflegung im Durchschnitt von 18^. Schottisches Roheisen in Glasgow 62 sk. pro Ton oder 32 Sgr. pro Centner. Differenz gegen inländisches Holzkohlenroheisen: 1. 2. 3. Thlr. —. 23. 10 Pf. Thlr. —. 28. 3 Pf. Thlr. 1. 19. 2 Pf. Durchschnitts-Differenz Thlr. 1. 3. 9 Pf. b) Nach der Zollauflegung im Durchschnitt von 18^. . Schottisches Roheisen 58 sli. pro Ton oder 30 Sgr. pro Centner. Differenz gegen inländisches Holzkohlenroheisen: 1. 2. 3. Thlr. —. 26. 5 Pf Thlr. —. 25. 2 Pf. Thlr. 1. 11. 9 Pf. Durchschnitts-Differenz Thlr. 1. 1. 1 Pf. Relativ ist also die Differenz ebenfalls nur bei dem schlesischen Werk um eine Kleinigkeit, nämlich um 2^- Sgr. oder etwa ^- des Rvheisenzolls von 10 Sgr., größer geworden, kleiner dagegen bei dem siegenischen Werk um 3 Sgr. 1 Pf. und bei dem badischen um 7 Sgr. 5 Pf., so daß im Durchschnitt die Preise inländischen Holzkohleneisens nach der Zollauflegung von 1844 noch um 2 Sgr. 8 Pf. näher bei den Glasgower Preisen gestanden haben als vorher. Wenn nun auch die Krisen seit 1848 auf die relative wie absolute Preisverminderung mit eingewirkt haben, so stellt es sich doch als Thatsache heraus, daß die Einwirkung des Rvheisenzolls auf die inländisch en Preise sich stufenweise verliert, wie unsere Roheisensorten sich an Qualität von dem hauptsächlich konkur- — 297 — rirenden schottischen und belgischen Steinkohlen- und CoakSeisen entfernen. Bei dem geringsten inlandischen Coaks- roheisen") mag sich deshalb in den letzten Jahren der Preis ungefähr um den Satz von 5 Sgr, gegen belgisches Roheisen höher als bei Zollfreiheit gehalten haben, während das feinste Holzkohleneisen kaum die mindeste Einwirkung davon verspürt hat, ja nicht einmal das stufenweise Sinken der Preise aufgehalten worden ist. Dies sind keine leeren Behauptungen, sondern Thatsachen, und es ergiebt sich daraus, wie falsch und haltlos eine Berechnung ist, die das Opfer der inländischen Consumenten durch eine Multiplikation des vollen Zollbetrags mit dem Quantum der inländischen Produktion finden will. Gehen wir vom Roheisen zum Stab eisen über, so liegt es auf der Hand, daß die Zollmaaßregeln von 1844 für alle Puddlingwerke, die ausländisches Roheisen verarbeiten, eine Steigerung der Selbstkosten um den (im Verhältniß des Abgangs potenzirten) Roheisenzoll bewirken mußte. Trotzdem hat selbst in diesen Stabeisensorten kein Steigen, sondern ein bedeutendes Fallen stattgefunden, in Folge der seit 1844 so sehr verstärkten innern Konkurrenz. Untersuchen wir demnach, welche Folgen die Erhöhung des Stabeisenzolls von 1844 auf die Preise des StabeisenS gehabt hat, so ergeben sich ganz ähnliche Resultate wie oben beim Roheisen, nämlich eine absolute wie relative Verminderung. Die nachstehenden Verkaufspreise für den Centner Stabeisen in den sechs Jahren vor und nach der Zollerhöhung gelten für folgende Werke und Stabeisensorten: 1. Eins der größten Puddlingwerke am rechten Rheinufer; das Stabeisen besteht zu etwa ^ aus ausländischem Coaks- roheisen und ^ rheinischem Holzkohleneisen; gute Qualität. 2. Puddlingwerk in Oberschlesien; das Stabeisen besteht zu ^ aus inländischem Coaks- und ^ Holzkohlenroheisen; gewöhnliche Qualität. *) Wir können davon keine Vergleichung der Verkaufspreise geben, wie vorstehend beim Holzkohlenroheisen, weil lins keine zu Gebot stehn, auch vom inländischen EoakSroheisen mir unbedeutende Quantitäten in den Handel gelangen, das meiste vielmehr unmittelbar auf den mit den Hochofen-Anlagen verbundenen Gießereien oder Puddlingwerke» weiter verarbeitet wird. — 298 — 1839 1840 1841 1842 1843 1844 3. Frischem in Oberschlesien; das Eisen bei Holzkohlen er- blasen und gefrischt; feine Qualität. 4. Fürstlich Fürstenbergisches Werk Hammereisenbach in Baden; Eisen bei Holzkohlen erblasen und gefrischt; feinste Qualität. g) Vor der Zollerhöhung. ' ' ^ ^ A '. .^''"A"'' Preuß. Etr. Preuß. Ctr. Preuß. Ctr. Zoll-Ctr. TH.5. 11. -pf. TH.4. -. -pf. TH.4. 20. -ps. Fl.11. 8Kr. 5.11.-,, ., 4.12.6,, „ 5. 5.-,, „ 10.23 „ „ 5. 5. 1 „ „ 4. 15. - „ „ 5. 15. - „ „ 10.10 „ „ 4. 28. 6 „ 4. 2. 6 „ „ 5. 5. - „ „ 10. 5 „ 4. 25. 2 „ „ 3. 1?. 6 „ „ 4. 15. - „ „ 9. 59 „4.12.-,, „3.12.6., „4.10.-,, „ 9.41 Dmä'sch.TH.5.—. 6ps. TH.4. —. -pf. TH.4. 26. 8pf. Fl.10. l4Kr. Großer Durchschnitt: Thlr. 4. 28, 2 Pf. b) Nach der Zollerhöhung. 1845: TH.5. 1. 9pf. TH.3. 25. - pf. TH.4.15. -pf. Fl.9. 29Kr. 1846 1847 1848 1849 1850 5. 8.5 »/ 4. 15. - » » 5. —. " „ 9. 30 ?/ 5. 11. - » > 4. 20. - » » 5. —. " ?/ 9. 18 », 4. 12. - » . 4. —. - »/ >, 4. 15. " » »/ 9. 4 /, 4. 8.8 » »? 3. 12. 6 » » 4. 15. " V 8. 35 » 3. 22. 2 » » 3. 10. - » 4. 10. " » » 8. 30 ,? Durchsch.TH.4.20. 8pf. TH.3. 28. 9pf. TH.4. 19. 2pf. Fl.9. 4Kr. Großer Durchschnitt: Thlr. 4. 18. 6 Pf. Es hat demnach seit der Zollerhöhung von 1844 eine absolute Preisverminderung auf den Centner Stabeisen stattgefunden: bei Nr. 1. um Sgr. 9. 10 Pf. ?> 1 ^ /, ,/ i/ » ^ " » 7 K » » ^ i/ ' ^ » ^ 2g _ Durchschnitt: Sgr. 9. 8 Pf. Man sieht also auch beim Stabeisen, daß die innere Konkurrenz auf eine fortwährende gleichmäßige Herabdrückung der Preise hingewirkt hat, daß also auch ohne Hinzutreten einer direkten Konkurrenz entsprechender Sorten des Auslands, die Holz- — 299 — kohlenfrischerei mit raschen Schritten der Betriebseinschränkung entgegengeht. Im Vergleich zu den oben mitgetheilten Preisen von Wales Stabeisen ergeben sich folgende Preisdifferenzen: g) Vor der Zollerhöhung im Durchschnitt von 18^. Wales Stabeisen in Newport oder Cardiff L 6. 10 sti. pro Ton oder Thlr. 2. 8 Sgr. pro Centner. Differenz gegen inlandisches Stabeisen: ' '''i7 5mMjj ?U1) »xm-.»l?- nn: .,M»!»'ttn«- itt»»!-.r^Zs,.>7. Th. 2. 22. 6 pf. Th. 1. 22. — pf. TH.2. 18. 8 pf. TH.3. 17. 5pf. Durchschnitts-Differenz: Thlr. 2. 20. 2 Pf. b) Nach der Zollerhöhung im Durchschnitt von 18^. Wales Stabeisen L 6. 13 sti. pro Ton oder Thlr. 2. 10 Sgr. pro Ccntner. Differenz gegen inländisches Stabeisen: 1. 2. 3. 4, TH.2.10. 8 pf. Th. 1.18. 9 pf. Th, 2. 9. 2pf. Th. 2. 25. 5 pf. Durchschnitts-Differenz: Thlr. 2. 8. 6 Pf. Relativ haben sich also ebenfalls sämmtliche Preise, selbst bei Nr. 1. trotz des vom Roheisen entrichteten Zolles, bedeutend ermäßigt. Der Preisunterschied unsres guten Eisens gegen Wales Eisen hat sich demnach seit 1844 vermindert: bei Nr. 1. um Sgr. 11. 10 Pf. i k,^>.i^!,..q Lv.,',,.,, -,,i,»«q> -,!», »/ >/ ^' » »/ " " ?/ >z q k » /, " ,/ /, " „ ^ _ / , » _ ,/ oder im Durchschn. um Sgr. 11. 8 Pf. pro Centner. Vergleicht man aber schließlich die Preise von 1851 mit denen von 1844, so kommen noch ganz andere Differenzen heraus; hiernach steht nämlich Roheisen gegen 14 Sgr. und Stabeisen 27z Sgr. pro Centner (oder 4-^ und 8^ Thlr. pro 1000 Pfd.) niedriger als 18Z^, was beziehungsweise 21 Prozent und 19 Prozent der damaligen Preise ausmacht. Daß aber die Reduktionen mit der Ermäßigung der Selbstkosten noch weiter fortschreiten werden, bezweifelt wohl Niemand ernstlich. Wir dächten, ein solcher Entwicklungsgang sollte jeden billigdenkenden Eisenverbraucher befriedigen und wegen der Zukunft beruhigen. — 300 — e. Begleichung der inländischen mit den britischen und belgischen Eisenpreisen. §. 54. Aus dem vorstehenden Beweis, daß das Stabeisen nach 1844 absolut wie relativ niedriger gestanden hat als vorher, folgt allerdings noch nicht, daß der Stabeisenzoll überhaupt keine Opfer koste, denn vor 1844 bestand bereits der Satz von 1 Thlr. pro Centner. Um wieviel der Zoll also das inländische Fabrikat absolut vertheuert, läßt sich nicht auf gleiche Weise berechnen, wie die Einflüsse der Zollmaaßregeln von 1844; renn es liegen durchaus keine Daten vor, wie die inländischen Preisverhältnisse sich ohne den Zoll von 1 Thlr. gestalten. Worauf aber schon die Analogie der vorstehenden Rechnungen über die Roh- und Stabeisenpreise hin weist, daß nämlich die Vertheuerung des Fabrikats durch den Zoll nach den feineren Sorten hin abnimmt, und zuletzt ganz verschwindet, dieß wird die folgende Tabelle über die ausländischen Preise der verschiedenen Eisensorten und Qualitäten belegen und erklären. Sie wird zugleich den oberflächlichen Angriffen auf die Eisenzölle ein schlagendes Dementi geben, welche bei der Vergleichung der diesseitigen und ausländischen Preise die Qualitäten gar nicht berücksichtigen, und z. B. die Preise des Wales-Stabeisens, welches allerdings auf der Börse und bei den Eisenspekulanten die Hauptrolle spielt, für die Normalpreise britischen Eisens ausgeben oder dessen Preise direkt mit denen unseres Holzkohleneisens vergleichen, und die gefundene Differenz für das Maaß der stattfindenden Vertheuerung ausgeben. Die nachfolgenden Preisnotizen sind, was England betrifft, dem im Frühjahr 1851 ausgegebenen Preisverzeichniß eines der ersten Londoner Häuser entnommen, und was Belgien betrifft, den durchweg sehr niedrig gehaltenen Angaben der Produzenten im belgischen Preiskatalog der Londoner Industrie-Ausstellung. Die englischen Preise sind frei an Bord des nächstgelegenen Verschiffungsplatzes, die belgischen frei auf die Waggons der nächstgelegenen Station verstanden. Beim Roheisen ist noch zu bemerken, daß in Großbritannien im Wesentlichen nur Schottisches und Walesroheisen in den Handel gelangt, und dabei von Letzterem fast nur bessere Sorten; es wird dort zwar auch ein ebenso wohlfeiles und an Qualität eher — 301 — noch niedriger stehendes Eisen erzeugt wie in Schottland, allein dieß gelangt fast ausschließlich am Erzeugungsort zum Aerfrischm und wird daraus jene mehrerwähnte billigste Sorte von Stabeisen erzeugt. Dagegen konkurriren im Stabeisenhandel noch viele andere Distrikte Großbritanniens, außer Wales und Schottland. Den britischen Stabeisenpreisen lassen wir die Preise russischen und schwedischen Eisens in London folgen. Alle Eisensorten wobei nicht das Gegentheil besonders erwähnt ist, sind bei Steinkohlen oder Coaks dargestellt. Eisensorte N. Preise. Roheisen. g) Britisches ?ro Ton. ?r.1000pr.Pfd. 1. Schottland, Glasgow . Verfrischen L 2. 4 sli. Tlr. 6. 28 sgr. 2. do. do. z. Vergießen „2. 4z „ „ 7. — „ 3. do. Gartsherrie dp.. . "2. „ „ 7. 6 „ 4. do. Ostküste do. ,.2. 6 „ „ 7. 8 „ 5. do. Feinmetall z. Verfrischen „ 3. 2 „ „ 9. 23 „ K. Wales, graues zum Vergießen . . . ,, 3. 5 -„ „10. 7 „ 7. do. do. bei kaltem Wind crblasen „5 15 ., „ 11. 25 „ 8. do. weißes zum Verfrischen . . „3 - „ „ 9. 14 „ 9. do. Anthracit-Roheisen..... „3.10 „ „11. 1 „ 10. do. Keinmetall „4.— „ „ 12. 18 I-) Belgisches. «. Coaksroheisen. ?ro 100 Kil. 11. konis 6'kiklinsAe . . . . Fr. 7. 25 Cts. „ 9. 1 „ 12. Feinmetall Nr. 1..... „ 9. 50 „ „ 11. 16 13. do. Nr. 2..... „ 10. — „ „ 12. 14 14. ?onle cle moulsxe Nr. 4 „ 11- 6 „ 15. do. Nr, 3 „10.— „ „ 12. 14 „ 16. do. Nr ? „ 11. -- -„ „ 13. 2t „ 17. do. Nr 1 „ 12. — „ „ 14. 29 „ /Z. Holzkohlenroheisen.*) 18. kante 6'srlingAe . . . . „14.- „ ., 17. 13 „ „14.50 „ ., 18. 2 „ 20. do. do. Nr 1 „ 15. — „ „ 18. 21 „ ') Ordinäre Qualitäten von luremburglschem Holzkohlenroheisen standen gegen 1 Thlr. pro 1000 Pfd. billiger. — 302 — E i s e n s o r t e n. Pre ise. S t a b e i s e n. (Gewöhnliche Dimensionen, etwa bis 5 Quadrat- Zoll Querschnitt.) °) Britisches. ?ro Ton. ?r.1000pr.Pfv. 1. Wales . L 5. --K. Tlr.15. 23 sgr. 2. Nord-England........... „ S. 5 „ „ 16- 17 „ 3. do. „ k. 5 „ „ 19. 21 „ 4. Schottland...... . . .... . ., 5. 10 „ „ 17. 10 „ k K^n fs^ri,ss,ir? ........ " ^ " " 22. 2 „ 7. do. Krone, Lbwe u. andere „ 7. 5 „ 22. 26 „ 3. do. do. feines . „ 8. 15 „ „ 27. 18 „ g. do. do. crtraftin ., 9. 5 ., ., 29. 5 „ 10. do. Holzkohlencisen . . . „ 14. 15 „ „ 4K. 15 ., 11 ülorkshire. Low Moor........ ,, 14. — ., „ 44. 4 „ 12. do. Marke....... .. 17. - ., „ 53. 18 „ 13. do. l^IIi do........ „20. — „ „ K3. 2 „ l>) Fremdes Eisen in London. Holzkohlcncisen.) 14. Schwedens............. „ 11. 15 „ „ 36. 22 „ 15. Rnßlan „ 13. 10 „ „ 42. 17 „ 1k. do. „14. 10 „ „ 45. 21 „ 17. do. ?8I Marke ....... 15. - „ „ 47. 9 „ 18. do. oeiVI) Marke...... „ 18. - „ „ 56. 23 „ < Belgisches. ?i-o 100 Kil. 19. Lütticher Pnddlingciscn Nr. 1..... Fr. 15. 50 Cts. „ 19. 9 „ 20. do. do. Nr. 2. . / ., 17.5» „ „ 21. 24 „ 21. do. do. Nr. Z. . . . „ 19.50 „ „ 24. 9 „ 22. do. do. aus Holzkohlenroheiscn „ 24.50 „ „ 30. 16 „ 23. Feines Hclzkohlenschniiedceisen'. .' „ 35. — „ „ 43. 18 „ Kc s s e l b l e ch e. (Gewöhnliche Dimensionen, Gewicht unter Z Ctr. die Platte.» ->) Britische. ..... ?ro Ton. 1 Schottland L 8. 5 sli. _ ^ „ 8. 10 „ „ 26. 24 „ ") Die feineren (Monopol-) Sorten schwedischen EiscnS, welche ans- fthließlich zur Verwendung für Glißstahl nach Sheffield gehen, stehen uoch um 50 bis 75 Prozent höher. Die erwähnte Sorte zu Thlr. 36. 22 Sgr. ist gewöhnliches schwedisches Eisen für Anker, Ketten, Draht u. s. w. — 303 — E i s e n s o r t e n. Preise. ?ro Ton. ?r.1000pr.Pfi>. L 8. 10-k. Tlr.26. 24 sgr. 3- 15 ., 27. 18 „ „ 9. S „ „ 23. 5 „ ., 10. 5 „ „ 32. 9 „ 7. Yorkshire, Lew Moor-Marke. .... „ 18. — „ 56. 23 „ I>) Belgische. ?ro 100 Kil. 8. Lütticher aus Coakseisen, Nr. 1. ... Fr. 28. — Cts. „ 34. 26 „ 9. do. do. Nr. 2. . . . 31. - „ ., 38. 14 „ 10. do. do. Nr. 3. . . . „ 36. — „ ., 44. 26 „ 11. do. aus Holzkohleneisen.... .,48.- „ 59. 24 „ Eisendraht. (Nr. 00 bis Nr. S. englisch.) ?r<> Bündel ->) Britischer. s 63 Pkd. 1. Gewöhnlicher englischer Eiscndraht . sk. 6. 6 (I. „ 35. 8 „ 2. Feiner do. do. . . „ 8. 6 „ „ 46. 4 „ 3. Feinster aus Holzkohleneisen do. . . „ 10. 6 „ „ 56. 23 „ b) Belgischer. ?ro 100 Kil. 4. Gewöhnlicher für Drahtstift?..... Fr. 36. — Cts. ., 44. 26 ., ., 44. — „ ,, 54. 25 „ 6. Feinster aus Holzkohleneisen für Federn „ 51. — „ „ 63. 17 „ Die Durchschnittspreise der verschiedenen inländischen Eisensorten, die bei uns in den Handel kommen, waren dagegen in den gewöhnlichen Dimensionen für 1851 loeo Werk folgende: Roheisen. 1. Coaksroheisen zum Verfrischen von der Ruhr, Saar r,o iooo Pfd. und Obcrschlesien...... ........... Thlr. 12. 7^ Sgr. 2. Coaksroheisen zum Bergießen............ „ 13. 10 „ 3. Holzkohlenroheiseu, schlesisches............ „ 14. — „ 4. do. siegenischcs........... „ 14. —- „ 5. do. luxemburgisches, ker tendrs . . „ 13. 25 „ 6. do. uassauischeS......, . . von „ 14. 15 „ bis ,^ 15. 15 „ 7. do. süddeutsches').......von „ 16. — „ bis „ 18. - „ ') Der höhere Preis des süddeutschen Roh- und Stabeiscns erklärt sich — 304 — S t a b e i s e n. «. Bei Steinkohlen gefrischt: i>«> 1000 Pf«, t. Ordin. Qualität, ganz aus ausländischem Coakseisen') (rheinische und westphälische Puddlingwerke) . von Thlr. 2ö. — Sgr. bis „ 27. — „ 2. Ordinäre Qualität aus inländischem Coaksrohcisen (schlesische und rheinische Puddlingwerke) . . . von „ 28. — „ bis „ 30. — „ 3. Verschiedene Qualitäten aus Mischungen von Coaks- und Holzkohlencisen...............von „ 3l). — „ bis „ 32. — „ 4. Feine Qualität aus inländischem Holzkohleneisen von „ 32. — „ . / bis „ 34. — „ ö. Feinste Qualität aus siegeuischem oder nafsauischem Holzkohlenroheisen...............von „ 34. — „ bis „ 33. — „ /Z. Bei Holzkohlen erblasen und gefrischt: 6. Schlesisches Schmiedeeisen.............. „ 39. — „ 7. Westphäliscbes und nassauisches Schmiedeeisen ... »42. — „ 8. Süddeutsches Schmiedeeisen............. „44. — „ K e s s e l b l e ch e. 1. Ordin. aus ausländischem Coakseisen....... ,, 4ö. — „ 2. Feinste Qualität aus Holzkohleneisen ^....... „ 54. — „ Draht. (Nr. oo. bis 6. englisch), t. Ordin. a»s Puddlingeisen.............. „ 49. — „ 2. Mittel-Qualität aus Holzkohlen eisen bei Steinkohlen gefrischt..................... „ öö. — „- 3. Feinster Springfederdraht aus nassauischem Eisen bei Holzkohlen erblasen und gefrischt.......... „63. — „ Diese Zusammenstellung der in- und ausländischen Preise weist auf's Schlagendste nach, daß die feinsten Qualitäten inländischen Eisens nicht theurer, sondern eher wohlfeiler als die ausländischen sind, und daß eine Vertheuerung blos mit der Ab- allcrdings zum Theil aus dessen vorzüglicher Qualität; sonst aber aus der größeren Entfernung von den Konkurrenzländern. Die Preise sind überdies nur beim Absatz im Kleinen zu erzielen. ') Solches Eisen, der Qualität der ordinären Wsles bsrs entsprechend, wird bis jetzt nur sehr wenig im Inland angefertigt und verbraucht; meistens wird wenigstens etwas Feinmetall oder Holzkohleneisen zugesetzt. — 305 nähme der Qualität eintritt, sonach die ordinärsten Eisensorten trifft. Das luremburgische Roheisen sehen wir z. B. noch wohlfeiler als das belgische. Ja für das theuerste, deutsche Roheisen, das badische, bieten die Preise der anliegenden Schweiz — mit kaum nennenswerthen Zöllen — den Beleg, daß der Zoll zur Vertheuerung nichts beitrug; denn das schweizerische Eisen kostet loco Werk durchschnittlich eher mehr als weniger, wie das badische. — Dabei ist überdies zu berücksichtigen, daß unser gewöhnliches inländisches Coaksroheisen immer noch an Qualität die ordinären schottischen oder belgischen Ionte8 6'»stmgAö weit übertrifft und weit geringeren Verlust beim Verfrischen erleidet. Unser absolut wohlfeilstes ist also relativ das theuerste Eisen. Bei der ganz aus ausländischem Roheisen dargestellten Stabeisensorte Nr. 1. steigt der Unterschied gegen Wales Stabeisen auf Thlr. 9. 5 Sgr. pro 1000 Pfund. An den Consumtionsorten stellt sich dagegen die Differenz höchstens auf 7 Thlr., da mau auf den meisten Punkten des Vereinsgebiets die Fracht von den nächstgelegenen inländischen Stabeisenwerken um mehr als 2 Thlr. pro 1000 Pfund billiger hat, als vom Ausland. Und ferner kommt von diesen 7 Thlrn. in Abzug, wie viel Zoll von dem verwandten ausländischeil Roheisen an die Staatskasse entrichtet worden war. Beim Bezug aus Schottland waren dies (von 1400 Pfund) Thlr. 4. 10 Sgr. und aus Belgien Thlr. 2. 5 Sgr. Als äußerste Grenze der Vertheuerung zu Gunsten des inländischen Eisengewerbes blieben also im ersten Fall Thlr. 2. 20 Sgr., im zweiten Thlr. 4. 25 Sgr. pro 1000 Pfd. (Sgr. 8. 10 Pf. resp. Sgr. 15. 11 Pf. pro Ctr), von wo ab die Vertheuerung stufenweise abnimmt und bei den feinsten Qualitäten ganz verschwindet. Bei den ordinären Kesselblechen ist der Mehrpreis sehr bedeutend; doch sind seit 4 Jahren die Preise in solchem Abnehmen begriffen, daß die Differenz immer kleiner wird. Ueberhaupt sollen die noch bestehenden Differenzen keineswegs als unbedeutend dargestellt werden. Nur so viel stellt sich evident heraus, wie wenig die Zollhöhe mit einer Vertheuerung des inländischen Eisens gleichbedeutend ist und wie man sich folgerichtig zum Behuf der Erhaltung gewisser Verhältnisse für die Nothwendigkeit eines bestimmten Zollsatzes aussprechen kann, ohne 20 — 306 — damit eine entsprechende allgemeine Lerthcuerung, geschweige denn eine dauernde, zu beabsichtigen. Für die besseren Qualitäten hat im Wesentlichen der Zoll nur die Folge gehabt, durch Vertheue-- rung der ordinären Sorten ihnen einen verhältnißmäßig größeren Absatz zu sichern; immer aber blieb die innere Konkurrenz stark genug, nicht blos jeder Preissteigerung zuvorzukommen, sondern sogar die Preise noch immer weiter herabzudrücken. Selbst ohne Zoll würden jetzt die Preise dieser Qualitäten nicht mehr wesentlich herabgehen können, wie die gleichstehenden ausländischen Preise darthun (von denen nur einzelne weit theurere Sorten schwedischen und russischen, so wie Norkshire Eisens als besser wie unser bestes deutsches Eisen zu betrachten sind); wohl aber würde eine außerordentliche Betriebsbeschränkung plötzlich vor sich gehen, die wir im Wege der inneren Konkurrenz auf langsamere und für die betroffenen Gegenden und Besitzer weniger empfindliche Weise durchgeführt zu sehen wünschen. Die Zollmaaßregeln von 1844, indem sie nur die Preise der mit dem ordinärsten ausländischen Eisen direkt konkurrirenden Sorten höher hielten, als sie ohne diese Zollerhöhungen stehen würden, die Preise der feinsten Qualitäten inländischen EisenS aber unberührt ließen, haben sonach die Verminderung der Preisdifferenz zwischen guten und schlechten Qualitäten zur Folge gehabt. Die weitere Folge hiervon war, daß der Consument verhältnißmäßig mehr gutes Eisen verbrauchte, als bei größerer Preisdifferenz der Fall gewesen sein würde. Mancher wählt z, B. jetzt ein Holzkohleneisen, der Coakseisen vorzöge, wenn die Differenz statt 6 vielleicht 10 Thlr. pro 1000 Pfund betrüge. Da aber nun erfahrungsmäßig, wie bei den meisten Waaren so auch beim Eisen, die Werthdifferenz der guten Sorten) durch größere Festigkeit, geringere Abnutzung, längere Haltbarkeit u. s. w,) gewöhnlich größer ist, als die Preisdifferenz, so ist noch lange nicht immer gesagt, daß Jemand durch die Vertheuerung der, unteren Qualitäten einen reellen Nachtheil erlitten habe, wenn er deshalb die beste, theuerste Sorte wählte, bei größerem Unterschied aber vielleicht die schlechtere, wohlfeile verbraucht haben würde. Bei den bisherigen Verbrauchsverhältnissen im Zollverein besteht nur der allerkleinste Theil aus solchen Sorten, wobei es auf die Qualität wenig oder gar nicht ankommt, während in England und Belgien der stattfindende Mehrverbrauch gerade hauptsächlich auf solche Sorten entfällt. Selbst bei den untersten Sorten aber finden wir die Ver- theuerung durchschnittlich bei Weitem nicht so weit gehend, als der Zollbetrag. Nur beim Absatz nach bestimmten, für den inländischen Bezug besonders ungünstig, den ausländischen günstig gelegenen Punkten (z B. den nordöstlichen preußischen Provinzen) kann sich ausnahmsweise in einzelnen Perioden der Preis des inländischen Eisens bis zum Niveau des Zollbetrages erheben, und selbst da kommt immer noch eine Qualitätsdifferenz oder der Betrag des vom Roheisen entrichteten Zolls in Abzug. Wir wollen, wie schon gesagt, weder die Vertheuerung noch die Vcrbrauchsverminderung der unteren Sorten gering schätzen. Allein der Zoll hemmt diese Entwicklung auch nicht; er läßt sie nur in solcher Weise fortschreiten, daß das Bestehende nicht plötzlich und gewaltsam zerstört, sondern der Bau der ganzen inländischen Eisenindustrie ohne zu starke Erschütterungen auf den neuen, technisch und ökonomischen umgestalteten Boden verpflanzt werde. Was jetzt als Hinderniß der Entwicklung, als temporärer Nachtheil erscheint, dies wird sich mit der Zeit im gegentheiligen Lichte darstellen, sobald die durch den Zoll hervorgerufenen neuen inländischen Werke anfangen, billiger zu Produziren, als das Eisen zollfrei vom Ausland bezogen werden könnte. Wir kommen später hierauf zurück. ä. Spezielle Vertheuerungsberechnungen. tz. 55. Nächst einer Erörterung des thatsächlichen Einflusses, welchen die Zollmaaßregeln von 1844 auf die diesseitigen Eisenpreise gehabt haben, so wie einer Vergleichung der in- und ausländischen Notirungen der verschiedenen Sorten und Qualitäten, wollen wir schließlich noch die Opfer, welche der Eisenzoll den Consumenten auflegt, durch ein näheres Eingehen in konkrete Verbrauchsverhältnisse zu erörtern suchen. Die Resultate werden die früheren Behauptungen rechtfertigen. Nächst den Eisenbahnen ist der bedeutendste Eisenverbraucher im Zollverein die Landwirthschaft, und gerade hierbei haben 20* - 308 — unsre Gegner sich am stärksten bemüht, die nachtheiligen Folgen der Eisenzölle darzuthun. Wir wollen die Uebertreibungen, deren man sich hierbei schuldig gemacht hat, auf ihr richtiges Maaß zurückführen *). Nach der in Z. 29. gegebenen Berechnung entfallen auf die Landwirthschaft des preußischen Staates (von der uns allein die Angaben über die bewirthschaftete Bodenfläche zu Gebot stehen) etwa 900,000 Centncr Roheisen jährlich. Nun besitzt Preußen nach v. Leng erke**) 47,753,000 Morgen Landes, die als Aecker oder Gärten bewirthschaftet werden. Hiernach kommen also auf den Morgen 2,07 Pfund Roheisen jährlich, welcher Verbrauch natürlich in den einzelnen Fällen, je nach dem Boden, Art der Bewirthschaftung u. s. w. sehr verschieden ist. Da das Roheisen nicht als solches, sondern als Stabeisen, Blech, überhaupt in verarbeitetem Zustande zur Anwendung gelangt, so mag das reine Gewicht dieser Geräthschaften zu 1,48 Pfund pro Morgen angenommen werden***). Wollen wir nun den Zollbetrag — als die oberste Grenze der möglichen Vertheuerung — berechnen, so ist vorerst das Verbrauchsverhältniß festzustellen, in welchem die verschiedenen Eisenfabrikate bei der Landwirthschast zur Verwendung kommen. Die folgenden Angaben enthalten das Durchschnittsresultat verschiedener Erhebungen. Es kommen von dem Gesammteisenverbrauch der Landwirthschast zur Verwendung-j-): ') Die folgende Darstellung ist im Wesentlichen einer im Jahre 1850 vom Verf. d. veröffentlichten Denkschrift: Ueber den Einfluß der Eisenzölle auf die Landwirthschast, Hamburg 1850, entnommen, die diesen Gegenstand ausführlicher behandelt. ") A. v. Lengerke, Beiträge zur landwirthschaftlichen Statistik des preußischen Staates. Berlin 1347. Direkte aufs sorgfältigste angestellte Ermittelungen bestätigen die annähernde Richtigkeit dieser Annahme. So hatte eine nassauische Ackerwirth- schast von 700 nass. (K8ö vreuß.) Morgen im Durchschnitt der letzten 10 Jahre an verschiedenen Eisensorten und Waaren 346 Pfd. oder 1,33 Pfd. pro preuß. Morgen verbraucht. Ein rheinischer Gutsbesitzer rechnete auf einem Gut von 10,000 Morgen nur 1 Pfd. pro Morgen. 5) Es ist klar, daß z. B. bei Huf- und Radbeschlag und sonstigen örtlichen Verwendungen nur der Zoll des vom Hufschmidt verwandten StabeiseiiS — 309 — 1) als Stabeisen, Stahl:c. . . 45 pCt. oder 0,67 Pfd. pro Morg. 2) „ Kleineisen.......10 „ „ 0,iö „ „ 3) „ Faeoneisen,Achsen,Blech:c.15 „ „ 0,22 „ „ 4) „ Weißblech, Draht zc.. - 5 „ „ 0,07 „ „ 3) „ grobe Gußwaaren ... 10 „ „ 0,15 „ „ 6) „ Eisen-und Stahlwaaren 15 „ „ 0,22 „ „ Summa . . 1,48 Pfd. Werden diese Gegenstände vom Ausland bezogen, so müssen sie nach den gegenwärtigen Sätzen deö Tarifs an Zoll entrichten : von Nr. 1. d Thlr. 1. 15 Sgr. pro Ctr. . . . 3,38 Pfen ?, „ 2. » 2. 15 >"»/"^ - » . 1,26 „ ,, „ 3- » 3. — »/ » » ° . 2,22 „ ,/ /, ^ i. !>:H6,^ 4. — »/ -'^"»^ » » . 0,34 „ 4 // ^» '»^^ 1. — ,^ ^ V' ' ' ' . 0,S0 „ ,/ » 6. >^ 6. — », » ' ' . 4.44 „ Summa . . 12,74Pfennige. Dieser Betrag von 12,74 Pfgn. pro Morgen ist also die oberste Grenze der Vertheuerung, dieüberhaupt möglich ist und die nur dann statthaben kann, wenn man diese Gegenstände sämmtlich aus dem Auslande bezieht. Da aber erwiesenermaßen das inländische Eisen bei weitem nicht um den Zollbetrag vertheuert wird und gerade für die Landwirthschaft am wenigsten, weil sie fast ausschließlich der feinsten Eisensorten bedarf, die bei uns gleich billig sind als im Ausland, so kann die wirkliche Preiserhöhung durch den Zoll nur einen Bruchtheil von jenem Marimalsatz betragen haben. Dieser Theil wird natürlich um so größer sein, je ungünstiger eine Gegend für den Bezug von inländischem Eisen liegt; sie beträgt sonach z. B- für die Provinz Preußen bedeutend mehr als für Schlesien, Rheinland und Westvhalen. Mit Berücksichtigung dieser verschiedenen geographischen Lage einerseits und des Verbrauchsverhältnisses an inländischem und imvortirtem Eisen anderseits dürfte sich in Wirklichkeit die Bela- maaßgebend sein kann, indem sie in keiner andern Form zu beziehen sind. Es ist lächerlich, den Zoll auf Eisenwaaren hierbei in Anschlag bringen zu wollen, wie unsere Gegner häufig thun. — 310 — stung der Landwirthschaft in den verschiedenen Provinzen Preußens folgendermaßen gestalten: >, , U.^^,,. ^ ».»^ Provinzen. Acker- und Gartenland. Morgen. VertheurungS- Quote pro Morgen. Pfennige. Summa d- Belastung. Thlr. Pommern .... Brandenburg . . Schlesien .... Westphasen . . Rheinland.... 9,360,000 4,660,000 4,750,000 6,765,000 5,430,000 8,030,000 8,425,000 4.333,000 9 7 6 ^ -6 , 6 4,5 4,5 4.5 240,667 90,61t 79,167 112,750 . 90,500 . 100,375 . 55,312 54.162 Königr. Preußen 47,753,000 6,oi 803,544 Von dieser Belastung von 6,oi Psgn. pro Jahr und Morgen bleibt aber etwa nur die Hälfte als Beitrag zur Förderung der inländischen Eisenindustrie, indem das übrige von der stattgefundenen Einfuhr an die Zollkasse entrichtet, also an direkten Staatssteuern um so viel weniger bezahlt worden ist. Selbst wenn die Erhaltung und Ausdehnung der inländischen Eisenindustrie nicht das mindeste Interesse für unsere Landwirthschaft hätte, wenn die Gestattung freier Eiseneinfuhr die Consumtionsfähigkeit der Hunderttausende, die in der Eisenindustrie beschäftigt sind, gar nicht oder doch nur temporär schwächte, so muß Jeder einsehen, daß es sich hier überhaupt nicht um Summen handelt, die von irgend einer Bedeutung für die Lage der Agrikulturbevvlkerung sind. In der That haben auch die im Jahre 1848 angestellten Enquöten") ergeben, daß sich die Landwirthe aus allen Theilen der Monarchie fast ohne Ausnahme mit den Eisenzöllen einverstanden erklärten und in jeder Beeinträchti- ") Diese Gutachten der verschiedenen landwirthschaftlichen Vereine sind im Frühjahr 1851 durck Herrn vr. Glaser in der „konstitutionellenZeitung" mitgetheilt worden und haben wesentlich dazu beigetragen, das öffentliche Urtheil über diesen Gegenstand zu berichtigen. — 311 — gung der Existenz oder Entwicklung unsrer Eisenindustrie eine weit stärkere Gefährdung ihrer Interessen erblicken, als in der winzigen und vorübergehenden Besteuerung durch die bestehenden Zölle. Stärker noch als der Verbrauch der Landwirthschaft ist in Preußen, wenigstens in den letzten Jahren, der Bedarf für Eisenbahnbauten gewesen. Hier ist auch das Opfer verhältnißmäßig größer, weil meistens ordinäre Eisensorten zur Verwendung kommen, die verhältnißmäßig stärker durch den Zoll verteuert sind, als die besseren. Nach den von Herrn v. Reden mitgetheilten und auf anderen Wegen gesammelten genauen Nachrichten über die Preise der Schienen der bis Ende 1846 im Zollverein erbauten Eisenbahnen ergiebt sich, daß die von England gelieferten, aus die Bahn gelegt, aber ohne Zoll, im Durchschnitt Thlr. 3. 10 Sgr. (die theuerste Lieferung Thlr. 5. 14 Sgr., die billigste Thlr. 2, 15 Sgr.) pro Centner gekostet haben und die belgischen Schienen Thlr. 3. 25 Sgr. Die im Zollverein selbst sabrizirten Schienen haben dagegen auf die Bahn gelegt im Durchschnitt Thlr. 4. 15 Sgr. gekostet (1851 nur noch Thlr. 3. 10 Sgr. loeo Werk). Als Durchschnitt der Vertheuerung kann man, da von Belgien verhältnißmäßig wenig bezogen ward, 1 Thlr. pro Centner annehmen. Von dieser Summe ist indeß das Aequivalent der besseren Qualität abzuziehen. Denn wenn auch verhältnißmäßig wenige Schienen gänzlich aus inländischem Holzkohleneisen bestehen, so enthalten doch sast alle Kontrakte mit inländischen Werken die Bedingung, daß die obere Lage, theilweise auch die untere, aus dem besten Holzkohleneisen bestehen muß. Hierzu ist aber, wenn die Bedingung wirklich erfüllt wird, kein ausländisches Walzwerk ohne eine Erhöhung der gewöhnlichen Schienenpreise von mindestens 10 Sgr. im Stande. Weiterhin beruht ein Theil der Vertheuerung in dem Zoll, welcher von dem verwendeten ausländischen Roheisen in die Staatskasse gezahlt worden ist und den man für den Centner Schienen auf mindestens 7^- Sgr. veranschlagen kann, da sie durchschnittlich etwa zu ^ aus belgischem und britischem Roheisen hergestellt sind. Die wirkliche Vertheuerung der Schienen, zu Gunsten der inländischen Eisenindustrie, reduzirt sich somit auf höchstens 12^ Sgr. pro Centner. Daö gleiche Verhält- — 312 - niß kann für den übrigen Eisenbedarf der Bahnbauten gelten, den die Maschinen, Wagen, Stühle, Nägel u. f. w. erfordern. Die eingeleisige Meile zu 12,000 Centner Eisenbedarf gerechnet, betrüge demnach die reine Vertheuerung zu Gunsten der inländischen Eisenindustrie 5000 Thlr. Da nun die bis Ende 1846 in Deutschland erbauten Bahnen im Durchschnitt 334,821 Thlr. pro Meile gekostet haben, so macht die Vertheuerung etwa 1^- Prozent des Anlagekapitals aus. Nur die großartigste Uebertreibung kann somit die Eisenzölle als ein Hinderniß der Entwicklung oder der Rentabilität unsrer Eisenbahnen darstellen. In England kosten die Bahnen 1,094,800 Thlr., in Belgien 519,140 Thlr. pro preuß. Meile; die zollvereinsländischen kommen somit eben nur auf ^ der letzteren und nur der ersteren. Die belgischen Schienen haben überdies nach offiziellen Berichten bis Ende 1847 auf die Bahn gelegt im Durchschnitt Fr. 31. 50 Cent, pro 100 Kil. oder Thlr. 4. 9^ Sgr. pro Centner (die theuersten Thlr. 6. 2. 2 Pf., die billigsten Thlr. 2. 26. 9 Pf.) gekostet, also nur 5^ Sgr. weniger als im Zollverein. Man sieht hieraus, wie wenig die Eisenzölle, ja die Gesammtkosten für Eisen, bei Bahnanlagen den Ausschlag geben. Noch eklatanter zeigte dies das Beispiel der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. Die Schienen sind dort durchschnittlich mindestens noch 20 Prozent theurer gewesen als im Zollverein, und doch hat dieses Land sowohl relativ wie absolut eine weit größere Eisenbahnlänge ausgeführt und überhaupt einen weit stärkeren Eisenconsum als selbst Großbritannien. In der That ist von den vier Ländern, die mehr Eisen auf den Kopf verbrauchen als der Zollverein, nur eins — Großbritannien — das wesentlich niedrigere Eisenzölle hat, als der Zollverein. Belgien und Frankreich haben weit höhere Sätze, und der Zoll von 30 Proz. in den Vereinigten Staaten ist zwar bei einigen Eisensorten niedriger, bei andern aber auch so viel höher als der unsrige. Wie im vorigen Paragraphen erörtert, haben solche spezielle Vertheuerungsberechnungen allerdings keine entscheidende Bedeutung, indem sich die wirkliche Belastung nach dem Maaße des Verzehrs und Einkommens auf die Individuen vertheilt. Allein sie gewähren dennoch einen Schluß auf das überhaupt stattfindende Vertheuerungsverhältniß und dessen Unverfänglichkeit für — 313 — die verschiedenen Gewerbe, die gerade vorzugsweise viel Eisen verbrauchen. Es läßt sich aber, außer durch solche direkte Ermittlungen, noch von anderer Seite her ein Schluß auf die geringe Vertheue- rung der inländischen Eisen-Produktion machen. Es beweist dies die Konkurrenz-Fähigkeit eines so großen Theils unserer Eisen- und Stahlwaaren, Die Solinger und Rem- scheider Waaren konkurriren in aller Welt mit den Englischen, und sind fast durchgehends noch billiger als diese. Insofern solche Waaren aus ganz ordinärem Eisen dargestellt werden können, sind die Engländer allerdings noch im Vorzug, allein wo gutes Material erforderlich war, konkurriren wir vollständig, ein Beweis, daß unser gutes Eisen gar nicht oder doch nur unbedeutend theurer sein kann, als die entsprechende Qualität von englischem Eisen. Der Eisenconsum des Zollvereins wird (s. Z. 29.) seit 10 Jahren beinahe zur Hälfte durch die Zufuhren vom Auslande befriedigt. Wie aus H. 51. hervorgeht, hat die Belastung von dieser eingeführten Hälfte im Durchschnitt von 18^ 1,87 Sgr. pro Kopf der Bevölkerung betragen. Lassen wir nun auch der Phantasie unserer Gegner freien Spielraum, um wieviel die andere im Inland produzirte Hälfte vertheuert worden ist, ob weit weniger (wie dieß natürlicherweise unsere Ansicht ist) oder ob gleich viel, so mögen die Betheiligten urtheilen, ob sie sich in ihren Erwerbsinteressen empfindlich verletzt fühlen, wenn sie diesen, in starker Abnahme begriffenen, Beitrag zur Erhaltung und Weiterbildung unserer Eisenindustrie noch auf einige Jahre entrichten. Unmöglich kann auch der Eisenverbrauch stärker zurückgehalten sein, als sich für diese winzige Summe an Eisenfabrikaten einkaufen ließe. Wie thöricht wäre es aber zu glauben, daß die Opfer zu Gunsten unserer Eisenindustrie reine Verluste seien, daß es nur der Abschaffung der Eisenzölle bedürfe, um sich davon zu befreien! So stände wohl die Frage, wenn noch gar keine inländische Eisenindustrie eristirte, wenn man eine Rechnung anzustellen hätte, ob man sie um den Preis jener Vertheuerung einführen solle oder nicht. Allein wo einmal die Eisenindustrie wie seit Jahrhunderten in Deutschland einheimisch ist, da läßt sie sich nicht mehr aus dem wirthschaftlichen Leben der Nation herausreissen, oder - 314 — auch nur gewaltsam erschüttern, ohne eine Mitleidenschaft aller andern Organe hervorzurufen. Was würde es dem Landmann nützen, das Eisen zollfrei etwas wohlfeiler zu beziehen, wenn er durch die schlimme Lage des Eisengewerbes, die verminderte Con- sumtionsfähigkeit von mehreren Hunderttausenden, sei es auch nur um einen Pfennig weniger für den Scheffel Getreide bekäme? So liegt aber die Sache; alle einseitigen Vertheuerungs- berechnungen, die nicht gleichzeitig die Einwirkung auf die Einnahmen des Zahlenden außer Augen lassen, alle jene abstrakten Trennungen in Produzenten und Konsumenten, wo doch beide Funktionen in jedem einzelnen Individuum sich vereinigen, sind ganz bedeutungslos und unwissenschaftlich. Wir behaupten nicht, daß unsere Eisenzölle dem Bauer, dem Handwerker einen absoluten Vortheil bringen, wir geben im Gegentheil den Nachtheil zu. Allein wir behaupten, daß er sich durch eine sofortige Aufhebung der Eisenzölle diesen Nachtheil nicht vom Halse schaffen kann, indem der Zustand, in welchen diese Aufhebung die inländische Eisenindustrie versetzen würde, ihm voraussichtlich einen noch weit größeren Schaden brächte. Ja geben wir auch zu, die Noth, die verminderte Consumtionsfähigkeit aller im Eisenfach beschäftigten Kapitalisten, Unternehmer und Arbeiter werde nur vorübergehend sein; mit der Zeit würden sie andere Gewerbe anfangen und wieder gleiche Werthe produziren und consumiren, nun so bleibt doch immer die Frage: wird diese Uebergangsperiode die kürzere und die weniger nachtheilige für die Allgemeinheit sein oder steht nicht vielmehr zu erwarten, daß die Periode bis zur völligen Wiederherstellung der temporär Verlornen Konkurrenz-Fähigkeit unserer Eisenindustrie rascherund bei geringeren Opfern der Konsumenten verlaufen werde? So lange sich nicht die Industrien am grünen Tisch ausstreichen und durch andere ersetzen lassen, wird man aber in Fällen wie der vorliegende stets nur die Wahl zwischen diesen beiden Alternativen haben. Den Ausschlag wird in letzter Ordnung die Erwägung geben, ob eben diese Konkurrenz-Fähigkeit in der That wieder zu erlangen ist. Mit diesem Beweis werden wir dann auch die vorliegende Arbeit abschließen. — 315 ^ Der Einfluß der Eisenzölle auf Ausdehnung und Ausbildung der Eisenindustrie. §. 56. Wir haben nun noch den Eisenzoll gegen einige häufig aufgestellte Einwände zu vertheidigen, daß nämlich alle diese Opfer zu nichts führten, daß er die Ausdehnung der inländischen Produktion nicht fördere und dabei den technischen Fortschritt hemme. Den einfachsten Beweis des Gegentheils liefert vorerst der Hinblick aus die Entwicklung der Eisenindustrie in anderen Staaten, die überall wo sie zu irgend einer Höhe und Bedeutung gelangt ist, unter dem Schutz von genügenden Zöllen stattfand. Freilich lassen sich hieraus nicht immer bestimmte Anhaltpunkte für unsern Beweis entwickeln, wenn nämlich die Zölle seit langen Zeiten eristirten, so daß der primitive Einfluß ihrer Auflegung nicht mehr verfolgt werden kann. Auch hat man sich zu hüten, solchen Maaßregeln zu viel Gewicht in dem einen oder in dem andern Sinne beizulegen, indem in den objektiven und subjektiven Grundlagen, die das Gewerbe in jedem Lande vorfindet, die eigentlichen Bedingungen seiner Entwicklungsfähigkeit gegeben sind, so daß man namentlich da dem Zollschutz keine Wirkung zuschreiben soll, wo derselbe als überflüssig erscheinen mußte. Will man sich nicht in Hypothesen verlieren, so muß man bei Beurtheilung dieser Frage sich aus die Beobachtung der Folgen stützen, welche bestimmte Veränderungen in den Zollmaaßregeln thatsächlich nach sich zogen. Im Ausland haben wir nun namentlich zwei Fälle, die in dieser Beziehung vorliegen. Der erste ist dis allmählige Herabsetzung und Aufhebung der Eisenzölle in England, die so vielfach als Beweis für die Wirksamkeit des Freihandels auf Entfaltung der Industrie angeführt wird. Dieß Argument ist nichtig. Denn Huskisson hob zwar 1825 die Prohibition auf, aber nicht den Zoll; es blieb vielmehr noch 15 Jahre lang der Satz von 10 Sgr. pro Centner, oder 30 bis 40 Prozent der dortigen Erzeugungskoften bestehen, und dann erst folgte die allmählige Herabsetzung und 1846 die vollständige Aufhebung. Die ganze großartige Ausdehnung und Entwicklung der britischen Eisenindustrie hat also thatsächlich unter Zöllen statt- gefunden, wie wir sie als die für unsere Verhältnisse passenden befürworten. Uebrigenö sind wir weit entfernt jede gewerbliche Entwicklung, die unter der Herrschaft eines Zollsatzes stattfand, gerade dessen alleiniger Einwirkung zuschreiben zu wollen. Bei der günstigen natürlichen Grundlage, welche die Coakseisenerzeu- gung in Großbritannien hat, bei dem Unternehmungsgeist der Nation und ihrem großen Kapitalbesitz, dürfte auch wohl unter etwas veränderten Zollmaßregeln ziemlich dasselbe Resultat herausgekommen sein. Auch kann ein Zoll nur da wirken, wo er nothwendig ist, und dieß war bei der Lage der britischen zur kontinentalen Eisenindustrie schon vor der geschehenen Reduzirung der englischen Eisenzölle kaum mehr der Fall. Nur brauche man den Hinweis auf die Entwicklung der englischen Eisenindustrie nicht als Beweis gegen die Wirksamkeit von Zöllen, wie wir sie vertheidigen; denn eine solche Behauptung ist thatsächlich falsch. Der Prohibition aber reden auch wir das Wort nicht, bezeichneten sie vielmehr bei Oesterreich als eine der Hauptursachen der zurückgebliebenen Entwicklung des Eisengewerbes. Die außerordentliche Entwicklung der belgischen Eisenindustrie ist man dagegen berechtigt zum grüßten Theil als direkte Folge der Zollerhöhungen von 1843 zu bezeichnen. Die Krisis hörte dort sofort auf, während sie für Deutschland noch bis Ende des nächsten Jahres dauerte, und als unmittelbarste Folge der Zollerhöhung bildete sich eine Aktiengesellschaft nach der andern und brachte so binnen wenigen Jahren die belgische Eisenindustrie auf ihre jetzige Höhe, wo sie sicherlich den Eisenconsumenten, der Gesammtheit, größeren Nutzen gewährt als den Eisenwerkbesitzern selbst. Dieß Faktum ist vernünftigerweise gar nicht in Abrede zu stellen. Unter den deutschen Verhältnissen war nun gar nicht zu erwarten, daß die Entwicklung so rasch vor sich gehe, daß die Consumenten in so außerordentlich kurzer Zeit wie in Belgien jeden Beitrags zur Förderung der inländischen Eisenindustrie überhoben würden. Und dennoch kann die seit 1844 stattgesnndene Entwicklung nur befriedigen, wenn man die hemmenden Einwirkungen mit in Anschlag bringt. Wir haben seit jenem Zeitpunkte zwei Perioden zu unterscheiden. Die erste geht von Ende 1844 bis 1847, wo die Zoll- — 317 — erhöhung zugleich mit den steigenden ausländischen Preisen eine äußerst günstige Conjunktur herbeiführte, und letztere Ursache namentlich die Einflüsse der zu geringen Besteuerung belgischen Eisens aufhob. Das stärkste Steigen der Fabrikation fand in Stabeisen und Schienen statt. Während in Preußen die Produktion des Jahres 1844 nur um 217,842 Centner höher war als die von 1841, überstieg die Produktion von 1847 die von 1844 um 1,325,747 Centner, also etwa das sechsfache Wachsthum. Im ganzen Zollverein war das Verhältniß natürlicherweise nicht so auffallend, indem der Fortschritt der Steinkohlen- frischerei anheimfiel, wofür Preußen die geeignetsten Grundlagen bietet. Allein dies spricht gerade wieder für den Schutzzoll, dem man den Vorwurf macht, den technischen Forlschritt zu hemmen, auf Beibehaltung alter Methoden hinzuwirken. Allerdings beabsichtigt gerade der Zoll unv hat auch sicherlich diese Wirkung gehabt, ein langsameres Eingehen des alten Frischereibetriebes dieser ausgedehnten Jahrhunderte alten Industrie eintreten zu lassen, namentlich da in so vielen Fällen der Uebergang auf Stein- kohlenfrischerei gar nicht von der Intelligenz, dem Unternehmungsgeist der Besitzer bedingt ist, sondern die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einfach von der geographischen Lage abhängt. Die innere Konkurrenz der Steinkohlenfrischerei vollbringt diese Aufgabe etwas langsamer, aber auf die Dauer ebenso sicher. So hat die Zollerhöhung von 1844 thatsächlich die neuen Methoden, denen die Zukunft gehört, rascher eingeführt und ausgebreitet, als es ohne dies geschehen wäre, geschehen konnte, während er gleichzeitig die fortschreitende Einschränkung der alten Anlagen, die Entwerthung des damit verbundenen Besitzes in wohlthätiger Weise verzögert. Man sollte in der That denken, daß jedem billig Denkenden und namentlich jedem unparteiischen Staatsmann dieser Umgestaltungsprozeß im Innern unsrer Eisenindustrie mit den tiefeingreifenden Aenderungen in Vermögens-, Verdienst- und Arbeitsverhältnisse schnell genug vor sich ginge, wie er bei uns vorwärts schreitet. In der Roheisenproduktion konnte die Wirkung des Zolls auS ganz natürlichen Gründen nicht gleich rasch, wie bei der Stabeisenerzeugung, vor sich gehen, und dennoch ist hier der Fortschritt unverkennbar. So war in Preußen die Hochofenpro- — 318 — duknon von 1841 bis 1844 um 181,212 Centner gefallen, während sie von 1844 bis 1847 um 756,765 Centner stieg. Im ganzen Zollverein (siehe H. 24.) fand ein ähnliches Vorwärtsschreiten statt. Auch hier kommt, wie bei der Stabeisenfabrikation, der Fortschritt fast ausschließlich auf die Coakseisenerzeugung. Zugleich spornte das zurückgekehrte Vertrauen in die Zukunft des Eisengewerbes zu technischen und ökonomischen Betriebsverbesse- rungen an, und alle die vielfachen Umbauten der Hochöfen, Anlagen verbesserter Gebläsemaschinen, Benutzung der Hochofengase für Erhitzung der Gebläselust wie für den Maschinenbetrieb ?c. sind während der günstigen Periode der gemilderten Konkurrenz von 1845 bis 1847 entstanden. In der Krisis von 1841 bis 1844 stand dagegen — ein thatsächliches Dementi der Lehre von den Wirkungen der unbeschränktesten, intensivsten Konkurrenz — fast aller Fortschritt still. Fast aus allen Werken haben' sich die Produktionskosten seit 1844 bedeutend erniedrigt, und dadurch war allein die Möglichkeit gegeben, die neue Krise seit 1848 noch in solcher Weise ertragen zu können, wie dies geschieht. Uebrigens würde man die günstigen Einwirkungen der Zollmaaßregel von 1844 viel zu gering schätzen, wollte man sie einzig in der Centnerzahl der vermehrten Produktion suchen. Wo die Grundlagen der Coakshütterei noch so wenig untersucht waren, da konnte diese nicht mit einem Mal emporschießen. Aber gerade diese großartigen Vorarbeiten und Untersuchungen, welche in jener Periode eingeleitet wurden und denen wir namentlich den vollständigen Aufschluß des nassauischen Erzreichthums, der Kohleneisensteine im Ruhrrevier u s. w. verdanken, sind unmittelbare Folgen jener handelspolitischen Maaßregel. Ohne die durch den Roheisenzoll eröffneten Aussichten dachte kein Mensch daran, jahrelange Arbeiten und immense Kosten aus solche Versuchsarbeiten zu verwenden. Als man aber eben im Begriff stand auf diesen Grundlagen fortzubauen, als namentlich im Ruhrrevier — diesem Hauptplatz für die künftige Entwicklung unserer Eisenindustrie — die ersten Coakshochöfen in Bau kamen und große Gesellschaften sich für Hüttenanlagen gebildet hatten, da trat zuerst gegen Ende 1847 die bekannte Geldkrisis ein, die Eisenpreise begannen rasch zu fallen und der Hinzutritt der Ereignisse von 1848 bildete den Nothstand vollständig aus. Es war natürlich, daß hierdurch alle - 319 — jene Unternehmungen ins Stocken geriethen, während ohne diese Unterbrechung jetzt wahrscheinlich schon kein Roheisen mehr vom Ausland bezogen zu werden brauchte. Die zweite Periode von 1848 bis heute war wiederum der Eisenindustrie so ungünstig, als die von 1845 bis 1847 ihr günstig war. Die Wirkungen des Zolles sind aber auch hier unverkennbar. Beim Stabeisen war die Produktion im Jahre 1847 bis zur vollkommenen Befriedigung des inneren Bedarfs gestiegen, und da nun die Wirkung eines Zolles nicht über den inneren Markt hinausgeht, so konnte der Schutzzoll nicht mehr daran hindern, daß mit dem verminderten Eisenverbrauch auch die inländische Eisenerzeugung zurückging, und zwar in Preußen im Jahre 1847 von 3,081,043 Ctr. auf 2.248,480 Ctr., also um fast ein volles Drittel des gewonnenen Umfangs. Im übrigen Deutschland war, wie seit 1844 daS Steigen, so auch seit 1844 das Fallen der Stabeisenerzeugung verhältnißmäßig geringer (siehe H. 24.), indem namentlich der vermehrte resp, verminderte Consum der Eisenbahnbauten, der Vorzugsweise von den preußischen Puddlingwerken befriedigt wurde, die Veranlassung zu dem Wechsel gegeben hatte. Beim Roheisen dagegen war das Verhältniß zum Zoll ein anderes. Hier war die Produktion im Jahre 1847 noch keineswegs bis zur Befriedigung des inneren Bedarfs gestiegen. Trotz des stark gefallenen Eisenverbrauchs bedurften seit 1848 unsere Puddlingwerke und Gießereien noch eines Zuschusses von mehr als einer Million Centner über die höchste Produktion hinaus, die im Jahr 1847 stattgefunden hatte. Von einem Zoll, der die inländische Konkurrenz mit der ausländischen ins Gleichgewicht bringt, ließ sich unter diesen Umständen erwarten, daß er nicht blos die inländische Erzeugung auf ihrer gewonnenen Höhe von 1847 erhalten, sondern sogar ihr normalmäßiges Fortschreiten möglich machen werde. Dies ist aber nicht geschehen; in Preußen sank die Hochofenproduktion von 2,680,318 Centner im Jahre 1847 aus 2,486,533 im Jahr 1848 und ging 1849 noch weit mehr zurück. Beim Zollsatz von 10 Sgr. fand ein solcher Rückgang sicherlich nicht Statt. ES ist unverkennbar, daß gerade der Differentialzoll von 5 Sgr. auf belgisches Roheisen (obgleich immer noch günstiger wirkend als wenn gar kein Zoll eristirte), dieses Re- — 320 — sultat verschuldet. Wir haben nachgewiesen, daß jeder Theil des Zollvereins direkt oder indirekt von seiner Einwirkung berührt und also die Bedeutung des Normalsatzes von 10 Sgr. für den ganzen Umfang des Gebiets wesentlich beeinträchtigt worden ist; allein die intensivste Wirkung mußte sich doch in den zunächst angrenzenden Distrikten kund geben. Es dürften der rheinische Bergdistrikt, nebst Nassau und Luxemburg verhältnißmäßig am stärksten, Schlesien und Sachsen am geringsten von der Konkurrenz belgischen Roheisens berührt worden sein. Dies drückt sich auch bemerklich hier und dort in den Produktionsverhältnissen aus. So fiel z. B. die Hochofenproduktion von 1847 auf 1848 im rheinischen Bergdistrikt sofort von 1,376,616 Ctr. auf 1,207,717 Ctr. und in Luxemburg sogar von 12,172,000 Kil. auf 3,051,000 Kil., während sie in Schlesien von 1,011,508 Ctr. auf 1,017,005 Ctr. und im Königreich Sachsen von 131,064 Ctr. auf 141,172 Ctr. stieg. 1849 schritt im rheinischen Distrikt die Betriebseinschränkung bis auf 1,097,378 Ctr., und 1850 im luxemburgischen sogar auf 6,596,000 Kil. oder etwa die Hälfte der Produktion von 1847 vor, während in Schlesien 1849 gleichfalls ein Sinken eintrat, die Produktion von 1850 jedoch die von 1847 sogar wieder überstieg. In den Preisen hat sich das gleiche Verhältniß wie in der Erzeugung heraus gestellt; das rheinische, nassauische, luxemburgische und süddeutsche Eisen ist verhältnißmäßig stärker im Preis heruntergedrückt worden als das schlesische und sächsische, wie schon die Tabellen §. 52. ausweisen. Wir gelangen hiernach wiederum zu dem Schluß, daß bei gleichmäßiger Einführung des Roheisenzolls von 10 Sgr. die Konkurrenz des Auslandes selbst in kritischen Perioden erträglich wird, während ein niederer Satz die Zwecke eines Schutzzolls keineswegs erfüllt, auch durch Verlängerung der inneren Entwicklungsperiode die Opfer der Con- sumenten nur scheinbar verkleinert, ja in der That eher vergrößert. Hat man einmal das Ziel als richtig erkannt, so muß man auch die geeigneten Mittel wollen. Ueber die Mittel zur Verringerung der Selbstkosten des inländischen Eisens. s. 57, Wie nun unsere Eisenindustrie seit 1844 thatsächlich auf dem richtigen Wege der Entwicklung ist und auch auf demselben, was Ausdehnung der Produktion und technische Entwicklung betrifft, so rasch fortgeschritten ist, als es bei den bekannten Hemmungen erwartet werden konnte, wie namentlich die Produktionskosten und Preise sich schon bedeutend vermindert haben, so bleibt nun schließlich der Beweis zu führen, daß dieser Weg auch weiterhin bis zur vollkommenen Konkurrenzfähigkeit führen könne und werde. Man hat früher von gegnerischer Seite erst noch einen Vorbeweis verlangt, daß nämlich unser Reichthum an Eisenerzen und Kohlen genügend sei, um den inneren Bedarf nachhaltig zu decken. Es hieße indeß eine große Unkenntniß mit unseren geo- gnostischen Verhältnissen und namentlich auch mit den seit 1844 gewonnenen Aufschlüssen voraussetzen, wenn man heutzutage noch eine derartige Erörterung für nöthig halten würde. So viel steht fest, daß der Zollverein an Eisenreichthum England und Belgien nichts nachgiebt, ja daß einzelne unsrer Eisenreviere, z. B. Nassau, Siegen, Schlesien, für sich allein hinreichen, den doppelten Eisenbedarf des ganzen Zollvereins auf Jahrhunderte hinaus zu decken. Jener Einwand ist also nichtig, wird heutzutage auch nur selten mehr gehört. Desto mehr aber der übrigbleibende und in letzter Instanz entscheidende: daß wir nie durch den Schutzzoll zu einer Ermäßigung der Selbstkosten des Eisens gelangen würden, um mit dem Ausland frei konkurriren zu können. Durch den Schutzzoll selbst werden wir allerdings nie dahin gelangen. Der Zoll ist nur ein Palliativmittel, während die Radikalkur unsrer kranken Eisenindustrie nur in der Wegräumung der Ursachen liegt, welche bis jetzt unser Eisen vertheuern. Der Zoll soll eines- theils anreizen, vorhandene günstige Grundlagen zur Erweiterung der Industrie zu benutzen, andererseits den bestehenden 21 / — 322 — Anlagen die Frist gewähren, das zur Neduzirung ihrer Selbstkosten Nöthige vorzukehren. Indem wir näher in dieses Thema eingehen, wird sich ergeben, daß die allgemeineren und Hauptursachen der bisherigen Vertheuerung des Eisens solcher Natur sind, daß weniger von den einzelnen Hüttenbesitzern, als vielmehr von den Associationen und vor Allem vom Staate die Mittel zu ihrer Neduzirung durchgeführt werden müssen. g. Neduzirung der Frachten. Z. 58. Den Hauptposten in den Selbstkosten unseres Eisens, der fast durchgängig einer bedeutenden Neduzirung fähig ist, bildet der Frachtbetrag von dem Transport der Rohmaterialien (Kohlen, Erze und Zuschläge) von den Fundorten nach den Hochöfen. Es eriftirt kein großer Industriezweig, dessen Konkurrenzfähigkeit in gleicher Weise von diesem Umstände abhängig wäre, wie die Eisenerzeugung. Während bei den Baumwollen-, Wollen-, Leinen-, Papier-, Leder- und sonstigen Manufakturen das Gewicht der erforderlichen Rohstoffe und Hülfsmaterialien vielleicht das 1^- bis höchstens 1^fache des Gewichts der fertigen Waare beträgt, steigert sich bei der Eisenindustrie dies Verhältniß aus's Vier- bis Siebenfache, und potenzirt sich also die Belastung des Fabrikats durch Frachtspeesen um das gleich Vielfache der einfachen Fracht von den Fundorten der Erze und Kohlen nach dem Hochofen. Hierin liegt auch die Begründung, daß jeder Nachtheil in der Lage eines Eisendistrikts gegen den andern sofort in Prozenten von dem Werthe des Produkts ausgedrückt, als sehr hoch erscheinen muß. Andrerseits folgt daraus, daß eine Verringerung dieser Frachtkosten eine verhältnißmäßig weit bedeutendere Verringerung der Selbstkosten des Fabrikats zur Folge haben muß, als bei irgend einem andern Gewerbe damit zu erzielen wäre. In der That ist der Hauptsache nach unsre gegenwärtige Konkurrenzunfähigkeit in der Frachtfrage des Rohmaterials begründet. Der Umstand, daß Belgien, Schottland, Wales billiger wie wir produziren, liegt vornehmlich daran, daß Kohlen und Erze sich entweder dicht bei den Hüttenwerken finden, oder mit- — 323 — telst außerordentlich billiger Transportmittel zusammengeführt werden. Die Thatsache einer gewissen geographischen Entfernung zwischen Kohlen - und Erzlagern entscheidet an und für sich noch nichts gegen die Konkurrenzfähigkeit. Denn es ist klar, daß in besserer Qualität, größerer Reichhaltigkeit und Leichtschmelzbarkeit der Erze in der Brennkraft und Beschaffenheit der Kohlen und in sonstigen Umständen eine vollkommene Ausgleichung für einen Frachtbetrag liegen kann, den andere Gegenden, wo Kohlen und Erze dicht zusammen liegen, wo aber deren Beschaffenheit ungünstiger ist, ersparen. Die ausgezeichneteren Spath- und Rotheisensteine aus älteren Formationen finden sich z. B. nur selten in der Nähe von Steinkohlenlagern. Nimmt man nur an, daß ein Centner Roheisen aus solchen Erzen 2^- Sgr. mehr werth und daß überdies weniger Brennmaterial erforderlich sei, als für die Erzeugung von 1 Centner Roheisen aus Sphärosideriten oder Thoneisensteinen des Kohlengebirges, so ist klar, wie beide gleich konkurrenzfähig sein können, selbst wenn im ersteren Falle 5 bis 7^ Sgr. mehr für Fracht der Rohmaterialien zu tragen waren. So beziehen z. B. mehrere der größten und am billigsten produzirenden Hüttenwerke in der Nähe von Lüttich den größten Theil ihrer Eisensteine auf 10 bis 2O Meilen Entfernung von der oberen Sambre und Maas; auch in Wales und Schottland kommt es häufig vor, daß bei der Förderung von Kohlen und Erzen aus demselben Schacht der Abbau zur Gewinnung beider Mineralien so viel kostspieliger wird, daß ändert Werke, wo beide meilenweit auseinander liegen, jedoch durch Kanäle oder Eisenbahnen verbunden sind, effektiv billiger Produziren. Hiermit soll keineswegs gesagt werden, daß nicht das Vorkommen der Erze und Kohlen in möglichst geringen Entfernungen oder dicht bei einander durchschnittlich als die vortheilhafteste Grundlage einer Eisenindustrie zu betrachten sei; dies wird vielmehr in der Regel allerdings der Fall sein. Allein es soll der oberflächlichen Beurtheilung entgegengetreten werden, welche nichts als die Thatsache einer bestimmten geographischen Entfernung zwischen Erz- und Kohlenlagern in's Auge saßt, um sich berechtigt zu halten, das Anathem ewiger Konkurrenzunfähigkeit über eine darauf gegründete Eisenindustrie auszusprechen. Wir citiren nur als Beispiel der Borbecker Hochöfen im Ruhrkohlenrevier; schwerlich produzirt bis jetzt ein Hüt- 21" — 324 - tenwerk des Zollvereins, billiger und schwerlich bezieht dabei eins seine sämmtlichen Erze aus einer größeren Entfernung, nämlich mehr als 30 Meilen weit aus dem Nassauischen. Es ist also nicht die geographische Entfernung zwischen Erz- und Kohlenlagern an und für sich, welche hier entscheidet, wohl aber die Höhe der Frachten. Ein Eisendistrikt, wo die Frachten der Rohstoffe 15 Sgr. auf den Centner Roheisen ausmachen, mag ohne den Schutzzoll nicht bestehen können, während eine Reduzirung auf 5 Sgr. ihm die Konkurrenzfähigkeit wieder giebt. Aus den in Z, 46. gemachten Mittheilungen über die Selbstkosten des Roheisens geht bereits zur Genüge hervor, mit welchen Frachtbeträgen die verhütteten Erze und Kohlen belastet sind. In Schlesien nahmen wir als Durchschnitt 7 Sgr, Frachtkosten für Erze auf den Centner Roheisen an, welcher Betrag für viele Werke bis zu 15 Sgr. steigt. In dem Betrage für Brennmaterial ist weiterhin bei Coaks ein Frachtbetrag von ^- bis 6 Sgr., und bei Holzkohlen von 4 bis 9 Sgr. enthalten. Von den Frachten der Zuschläge wollen wir dabei ganz abstrahiren. In den Selbstkosten von 1 Centner Coaksroheisen machen daher die Frachten des Rohmaterials mindestens 10 Sgr., beim Holzkohleneisen 13^- Sgr. aus, was gegen 25 Prozent des Roheisenwerthes beträgt; bei einem großen Theil der Werke steigt dieses Verhältniß bis zu 33^- Prozent. Im rheinischen Hauptbergdistrikt kann nach oberbergamtlicher Schätzung die Erzfracht pro Centner Roheisen im Minimum auf L Sgr. angenommen werden; sie steigt aber in einzelnen Distrikten bis auf's Doppelte. In den Holzkohlen ist ein Frachtbetrag von 3 bis 12 Sgr. und noch mehr enthalten, so daß man auch hier mindestens 25 Prozent der Selbstkosten des Roheisens auf Erz- und Kohlensrachten rechnen muß. In Mittel- und Süddeutschland wird dies Verhältniß gewöhnlich noch überstiegen; wir sehen z. B. die nassauischen Eisensteine nach einzelnen Punkten von Rheinbaiern, Baden, Hessen u. s. w. auf Entfernungen bis zu 20, 30 Meilen verführen, wo der Betrag der Wasser- und Landfrachten auf den Centner Erz bis zu 7^- Sgr. ausmacht, im Centner Roheisen demnach, wenn man sie ausschließlich verhütten wollte, etwa 17^ Sgr. ausmachen würde. 5 — 325 — Im großen Durchschnitt wird man bei den bestehenden Werken im Zollverein den Frachtbetrag der zu 1 Centner Holzkohlenroheisen erforderlichen Rohmaterialien auf 15 Sgr. oder 30 Prozent der Selbstkosten veranschlagen können; beim Coakseisen etwa auf 10 Sgr. oder 25 Prozent. Berücksichtigt man nun, welche außerordentliche Differenzen in den Frachtsätzen je nach Art und Mittel des Transports belegen sind, so wird man erkennen, wie beinahe die ganze Frage von der Schutzbedürftigkeit unserer Eisenindustrie in die Frage von der Erniedrigung des Frachtkoizfficienten eingeschlossen ist. Bei kurzen Entfernungen und schlechten Waldwegen kostet der Transport 1 Sgr. und darüber pro Centner und Meile. Ja die Kosten erhöhen sich vielfach noch ganz bedeutend, indem der Zustand der Wege (wie dies in Schlesien, Sachsen u. s. w. häufig ist) blos einige Monate im Jähr das Ab- und Ansahren der Erze und Kohlen gestattet, wo also auf den Hütten großartige Vorräthe aufgehäuft werden müssen, deren Zinsen die Produktion vertheuern. Bei mittleren Entfernungen auf gewöhnlichen Chausseen können wir 9 Pf. pro Centner und Meile rechnen. In den Eisenbahnfrachttarifen sind für Erze und Kohlen Differenzen von 3 bis herab auf 1^- Pf. pro Meile. Bei Wasserfrachten finden wir Sätze von 2 bis zu 1 Pf., ja bei der Thalfahrt auf weitere Strecken und als Rückladung kaum ^ Pf. pro Centner und Meile. Nehmen wir also 5 Centner Rohmaterialien auf 1 Centner Roheisen an, deren Transport auf gewöhnlichen Waldungen 15 Sgr. gekostet habe, so kann hier die Anlage von Chausseen eine Verminderung bis auf 10 Sgr. bewirken. Die Anlage einer Eisenbahn dagegen für ein Revier, das bisher blos Chausseen und Kommunalwege hatte, würde einen Frachtbetrag von 15 Sgr. auf etwa 4 Sgr. reduziren, eine Differenz, die den Normalzoll von 10 Sgr. noch übersteigt. Die gewöhnliche Chausseefracht von 9 Pf. pro Centner und Meile wird sich als unterste Grenze der bisher von den Eisenwerken getragenen Transportkosten annehmen lassen. Denn die auf Waldwegen zu weit höheren Frachten beförderten Massen sind unverhältnißmäßig bedeutender, als diejenigen, wofür ein Wasserweg oder eine Eisenbahn zu Gebot stand. — 326 — Allerdings ist die Möglichkeit, eine solche Verringerung der Transportkosten herbeizuführen, durch den Umstand bedingt, daß die Bedeutung eines Eisendistriktes zu den Kosten der Wege- oder Eisenbahnanlagen in einem bestimmten Verhältniß stehe. Wo die Hüttenwerke einzeln zerstreut oder wo nur wenige zusammen liegen, da wird oft — falls keine anderen Gründe des allgemeinen Verkehrs hinzutreten — nicht einmal die Umwandlung gewöhnlicher Waldwege in Chausseen, geschweige denn die Ausführung von Eisenbahnen oder Kanälen, möglich sein. Wie nun früher geschildert, ist in der That ein großer Theil unserer Eisenindustrie in einzelnen Anlagen über das Vereinsgebiet zersplittert, wie denn überhaupt der frühere schlechte Zustand aller Transportmittel ebenso auf Vereinzelung hindrängte, als deren Verbesserung auf die Concentration in den günstigst gelegenen Distrikten wirken muß. Nichtsdestoweniger ist in fast allen Haupteisendistrikten allerdings die Möglichkeit gegeben, durch Verbesserung der Transportmittel, insbesondere durch Anlage von Eisenbahnen, die Frachtkosten der Rohmaterialien ganz bedeutend zu vermindern, was in mancher Beziehung günstig, mitunter freilich auch ungünstig auf die nicht berührten Eisenwerke zurückwirken muß. Einer kurzen Erörterung der Transportfrage in den Haupt- eisendistriklen muß die Bemerkung vorausgeschickt werden, daß es nur die Erze und Steinkohlen (Coaks) und weniger die Holzkohlen sein können, auf deren Frachtreduktion hauptsächlich Rechnung zu machen ist. Der Bezug der letzteren geschieht erstens nicht aus großen Entfernungen; die Anfuhr findet aus den Waldungen von allen Richtungen her in verhältnißmäßig geringen Quantitäten statt, so daß selbst von einer den Distrikt durchziehenden Eisenbahn nur wenig Benutzung für Holzkohlen gemacht werden könnte. So kann eine Eisenbahn für einen Hvlzkohlen- eisendistrikt im Wesentlichen immer nur die Tendenz haben, den Uebergang aus den Coakshüttenbetrieb möglich zu machen, so wie überhaupt die ganze Aufgabe, welche vom Standpunkte des Transportwesens für die Eisenindustrie vorliegt, sich dahin zusammenfassen läßt: Verbindung der Eisenstein- und der Steinkohlenreviere. Dabei müssen die Lage der bereits bestehenden Werke, die Gewichtsverhältnisse der Erze und Kohlen, die Absatzrichtung des Fabrikats u. s. w. in jedem einzelnen Falle den Ausschlag geben, ob man besser die Kohlen zu den Erzen oder diese zu jenen führt; in der Regel wird Letzteres das Vortheilhaftere sein. Betrachten wir hiernach die Eisendistrikte, wo der Umfang des Gewerbes einerseits und die geographische Lage anderseits die Anlagen von Eisenbahnen zwischen den Erz- und Kohlenlagern ausführbar erscheinen lassen, so muß dieß zuerst von Oberschlesien gelten. Die Coakshochöfen liegen hier in dem Steinkohlenrevier zwischen Gleiwitz und der polnischen Grenze ziemlich dicht zusammen; sie verhütten meist Tarnowitzer und Beuthener Brauneisensteine. Eine Verbindung der Hauptsteinkohlen- und Erzgruben mit den Hüttenwerken, und dieser mit der großen die Provinz durchziehenden Bahnlinie durch eine vielfach verzweigte Pferdeeisenbahn, war langst projektirt und wird jetzt in der That durch die oberschlesische Bahndirektion in Angriff genommen. Nimmt man im Durchschnitt an, daß bis jetzt die betreffenden Hüttenwerke eine Erzfracht von 7 Sgr. auf den Centner Roheisen zu tragen hatten, so wird diese durch die Eisenbahn auf etwa 2 Sgr. herabgebracht. Berücksichtigt man außerdem, daß den meisten Hüttenwerken durch die Bahn auch die Steinkohlen noch etwas billiger werden, und daß namentlich der Bezug der fetten bakenden Kohlen dadurch zunehmen muß, und faßt endlich die Frachtersparniß beim Versand des Produkts im Auge, so läßt sich behaupten, daß diese Eisenbahnanlage für sich allein die Produktionskosten der betreffenden Werke um einen, dem Roheisenzoll fast gleichkommenden Betrag reduziren wird. Eine zweite Anlage, die gleich dringend nothwendig und durch die Bedeutung der vorhandenen Grundlagen gleich gerechtfertigt erscheint, ist die Eisenbahnverbindung zwischen dem Zwik- kauer Kohlen- und dem Obererzgebirgischen Eisensteinrevier im Königreich Sachsen. Hier beträgt die Entfernung zwischen den großartigsten Lagerstätten beider Mineralien nur 4 bis 5 Meilen in einem höchst geeigneten Terrain, wodurch gleichzeitig die Verbindung mit der sächsisch-baierischen Eisenbahn hergestellt und also der Absatz der Eisenfabrikate nach allen Theilen des Zollgebiets außerordentlich erleichtert würde. Diese Bahn") ') Ueber die Nothwendigkeit dieser Bahnaulage zur Erhaltung der sächsischen Eisenindustrie handelt eine meisterhaft geschriebene Abhandlung des — 328 — liegt sowohl im Interesse der bisherigen Holzkohlenhütten, denen sie den Zusatz von Coaks und die Anwendung der Steinkohlen zum Frischereibetrieb nebst billigerer Abfuhr ihrer Fabrikate er- möglichen, als auch im Interesse der Coakseisenindustrie im Zwickauer Kohlenrevier, die sich sehr bald an diesem für den Absatz nach Süddeutschland so günstig gelegenen Punkte, in großartigsten Maaßstabe entwickeln würde. Eine dritte Eisenbahn von höchster Wichtigkeit wäre die Verbindung des Ruhrkohlendistriktes mit den Eisenrevieren des Siegenschen und der Kreise Olpe, Altenkirchen, sowie des nördlichen Theils von Nassau und Oberhessen. Die Verwerthung der außerordentlichen Schätze jener Gegend an vorzüglichen und reichhaltigen Eisensteinen, war bisher durch das zu Gebot stehende Holzkohlenquantum beschränkt, und die Entfernung von 14 Meilen vom Steinkohlenrevier, hinderte den Uebergang zum Coakshüttenbetrieb. Die einzige Hütte, welche dieß versuchte, stellte nach einer kurzen Campagne den Betrieb wieder ein, wiewohl sich äußerst günstige Resultate in Bezug auf geringen Kohlenverbrauch ergeben hatten. Nur bei hohen Holzkohlenpreisen und ungewöhnlich niedrigen Steinkohlenfrachten, ließe sich bis jetzt im Siegenschen ausnahmsweise bei Coaks so billig als bei Holzkohlen Hütten. Bei einer Eisenbahn würde sich dagegen das Verhältniß ganz anders gestalten. 1^ Centner Coaks auf den Centner Roheisen, tragen bis jetzt an Fracht etwa 15 Sgr., auf der Eisenbahn dagegen, zu 2 Pf. pro Centner und Meile, würde sie von 1^ Centner nur 3^ Sgr. ausmachen. Die Differenz in den Produktionskosten betrüge also, von jeder wohlfeileren Anfuhr der Erze und Zuschläge, von den durch den vergrößerten Betrieb verminderten Verwaltungskosten und Zinsbelastungen u. s. w. ganz abgesehen, blos in den wohlfeileren Kohlen gegen 11^ Sgr., also weit mehr als der Roheisenzoll beträgt.*) .'m,l,?smtT , nzMtMgoF, mHtzittk-Haig , u?Asi(ttz y Königlich Sächsischen Obcrberghauvtmanns F. C. Freiherrn von Beust: „Die Eisenbahnverbindung zwischen Zwickan und dem Obererzgebirge, als Mittel gegen den Verfall der dasigen.Eisenindustrie. Freiberg 1852." ") In dem mehrfach citirten Werk von Börner und Klein, Abth, II. S, KS. u. ff., würde nach Erbauung der in Nede stehenden Bahn das sie- gensche Roheisen nach den Puddlingwerken des Bergischen nnd Märkischen zu Thlr. 13. 13 Sgr. pro 1000 Pfd. geliefert werden können. — 329 - Die Bahn würde in gleichem Maaße für den Transport der reicheren Erze nach, dem Steinkohlenrevier dienen. Das Gewicht der Erze znm 2^- fachen des daraus erzielten Roheisens veranschlagt, so gleicht sich die Fracht davon vollkommen gegen die Fracht vom 1^ fachen Gewichte des Coaks, zuzüglich des einfachen Gewichtes des Roheisens aus, wenn man annimmt, daß letzteres am vortheilhaftesten im Steinkohlendistrikt selbst weiter verarbeitet werde. Außerdem würde die Eisenbahn hier wie in allen ähnlichen Fällen die Anwendung der Dampfkraft bei der Förderung und Wasserhaltung der Gruben möglich machen, während bis jetzt die hohen Kohlenpreise davon abhielten. Jeder Tiefbau war sonach undurchführbar; die reichsten Erzlagerstätten mußten unter der Stollensohle, verlassen werden, während auch der Abbau der höher gelegenen durch die kostspieligen Grundstollen vertheuert ward. Eine bedeutend billigere Förderung der Erze und eine stärkere Concentrirung des Grubenbetriebs auf die hauptsächlichsten Gänge oder Lagerstätten der Erze, wird die Folge einer solchen Anwendung der Dampfmaschienen sein. Die Sieg-Ruhr-Bahn ist seit fast zwei Decennien von den Betheiligten wie von der Preußischen Regierung als ein unum- gänzliches Erforderniß anerkannt worden, die Erwerbsfähigkeit der betreffenden Gegenden aufrecht zu erhalten. Sie ward bereits vor längeren Jahren auf Staatskosten vermessen, und eben jetzt (Ansang 1852) findet die definitive Festlegung der zweckmäßigsten Linie und die genaue Veranschlagung statt. Dagegen sind die Kosten der Unternehmung zu bedeutend, als daß es den Betheiligten oder den beim Anschluß interessirten Eisenbahngesellschaften möglich wäre, ohne Beihülfe des Staates das Werk durchzuführen, auf welche Hülfe jene Gegenden mit Sehnsucht warten. Die Bahn würde von Hagen (Station der Bergisch-Märkischen Bahn und Anfangspunkt des Nuhrkohlendistriktes) nach Siegen führen, von wo eine Fortsetzung durch das nassauische Dillthal projektirt ist, dem sie bis nach Wetzlar ins Lahnthal folgen und dann bei Gießen in die Main-Weser-Bahn einmünden würde. Die Verbindung mit Oberhesfen dürfte entweder durch eine Zweigbahn oder durch Ausführung der von Marburg nach Deutz (Cöln) projektirten Linie zu bewerkstelligen fein. — 330 — Auf dieser letzten Strecke (von Wetzlar bis Gießen) fällt diese Hagen-Siegen-Gießener Bahn mit einem weiteren Projekt zusammen, das ebenfalls für die deutsche Eisenindustrie von außerordentlicher Bedeutung ist, nämlich die Lahnbahn von Gießen nach Koblenz, welche die großartigen Lagerstätten von Rothund Brauneisensteinen aufschließen würde, die längs dieses Flusses im Preußischen (Wetzlar und Braunfcls) und im Nassauischen bis zur Rheinmündung hin vorkommen, und jedenfalls von der höchsten Bedeutung für die Zukunft der deutschen Eisenindustrie sind. Die Lahn selbst ist zwar einigermaßen schiffbar gemacht, allein nur wenige Monate des Jahres vermag sie einem so großartigen Verkehr zu dienen, wie ihn die an ihren Ufern aufgeschlossenen Erzlagerstätten bedingen, so daß die Ausführung einer Eisenbahn sich hier als dringendes Bedürfniß herausstellt. Sicherem Vernehmen nach ist auch bereits von der nassauischen Regierung eine Concession hierauf ertheilt worden, und darf man sich somit wohl der Hoffnung auf eine baldige Durchführung überlassen. Betrachtet man den jetzigen Absatzkreis der nassauischen Erze und die Frachtbeträge, mit denen sie bei ihrer Verhüttung belastet sind, so läßt sich ein sicherer Schluß ziehen, welcher Entwicklung sowohl als welcher Reduzirung der Selbstkosten eine hierauf gegründete Eisenindustrie noch fähig ist. Jene Erze werden versandt bis mitten ins Ruhrkohlenrevier, bis zur Saar, die Rheinpfalz, Elsaß, Odenwald, Spessart u. s. w., und während man den Haldenpreis auf 1^ bis 3 Sgr. pro Centner (3^ bis 7z Sgr. pro Centner Roheisen) annehmen kann, verhüttet man sie noch wo die Frachten jenen Preis bis aufs Vier- und Sechsfache gesteigert haben. Man sieht, daß hier die Frachten solche bedeutende Posten der Selbstkosten darstellen, daß gegenwärtig der größte Theil der Hütten, welche Lahncisensteine verbrauchen, des Roheisen- zolleö dringend nöthig haben mag, während Ermäßigungen der Frachten, selbst um einen höheren als den Zollbetrag, und damit die vollkommene Konkurrenzfähigkeit gegen das Ausland sicherlich als erreichbar zu betrachten sind. Die Lahnbahn bildet hiernach zwar keine direkte Verbindung eines Erzreviers mit dem Kohlendistrikt; wohl aber führt sie die Erze nach der großartigen Wasserstraße des Rheins, von wo sie nach allen Richtungen hin billig weiter befördert werden können. Das Ruhrkohlenrevier wird sich sicherlich mit der Zeit zum Hauptabsatzgebiet der Lahuerze gestalten. Wenn übrigens die Verlängerung der Cöln-Mindener Bahn über Deutz nach Wiesbaden zu Stande kommt, so durchschneidet sie das nassauische Eisenrevier in der Mitte und werden die Frachten nicht allmhoch (nicht über 1 Pf. pro Centner und Meile) gestellt, so kann sie spater, neben der Sieg-Ruhrbahn und dem Wasserweg, ebenfalls zum Transport der Lahnerze nach den Ruhrkohlen dienen. Eine fünfte Bahnanlage, die einem alten bedeutenden Eisendistrikt die Konkurrenzfähigkeit wieder geben und eine große Ausdehnung der Produktion zur Folge haben müßte, wäre die Verbindung des Schleidener Eisendistrikts mit dem Jnde- kohlenrevier durch eine Zweigbahn der rheinischen Eisenbahn von Düren nach Wallenthal. Die Verhältnisse liegen dabei ähnlich wie im Siegenschen, und würde hier gleichfalls sowohl der Uebergang der Schleidener Holzkohlenhochöfcn auf Coaksbetrieb, als der Transport der Erze nach dem Kohlenrevier durch die Bahn ermöglicht. Im Luxemburgischen würde ebenso eine Eisenbahnverbindung mit dem Saarkohlenrevier der dortigen Eisenindustrie eine neue Basis geben, und sie großer Entwicklung entgegenführen. Der Einfluß der Eisenbahnen auf Ermäßigung der Erz- oder Kohlenpreise wird sich durch den Anschluß von Chausseen und Communalwegen zur An- oder Abfuhr der Materialien vervollständigen. Blos die Ausführung der erwähnten Eisenbahnen würde unmittelbar auf die Reduktion der Selbstkosten von etwa 2 Millionen Centner Roheise», oder fast der Hälfte der gesammten Erzeugung des Zollvereins einwirken, und zwar zu einem Betrage, der durchschnittlich eher über als unter der jetzigen Verlheuerungs- differenz steht. Es ist dabei keine sanguinische Unterstellung, sondern darf als vollkommen sicher betrachtet werden, daß schon in wenigen Jahren die Eisenerzeugung dieser Distrikte sich verdoppeln oder verdreifachen, daß also das Verhältniß der wohlfeiler gewordenen zu dem Theile der Produktiv», dessen Selbstkosten sich wenig oder gar nicht ermäßigen lassen, ganz überwiegend, und damit ein — 332 - allgemeiner Preisabschlag, soweit ihn die besseren Qualitäten nicht aushalten, nothwendig eintreten würde. Auch die Opfer, welche die Gesammtheit durch den Bau oder die Zinsgarantie solcher Anlagen bringt, und die anfangs einen Theil des Gewinns aus dem billiger gewordenen Eisen kompensiren, fallen mit der weiteren Ausdehnung und Entwicklung der Eisenindustrie von selbst weg, indem sie zugleich^der künstigen Rentabilität dieser Eisenbahnen die allersicherste Grundlage geben. Es bedarf der Erwähnung nicht, daß die Preise des Stabeisens und der sonstigen Eisenfabrikate der Reduktion des Roheisens in dem noch stärkeren Verhältniß folgen würden, welches durch den Abgang des Roheisens bei der Weiterverarbeitung bedingt ist. Ein Preisabschlag von 10 Sgr. beim Roheisen wird also einen solchen von 13 bis 14 Sgr. pro Centner beim Stabeisen zur Folge haben. Außerdem spielen aber häufig die Frachten auch bei der Umwandlung des Roheisens in Stabeisen noch eine bedeutende Rolle. Während allerdings viele Holzkohlen- wie Steinkohlenfrischereien dicht bei den Hochöfen liegen, also keine nennenswerthe Roheisenfracht zu tragen haben, tritt bei anderen eine mehr oder minder bedeutende Entfernung dazwischen. Die äußerste Grenze derselben stellen wohl die westphälischen Puddling- werke dar, welche britisches Roheisen verstrichen und wobei das zu 10W Pfd. Stabeisen erforderliche Roheisenquantum bis zu 5 Thlr. an bloßer Fracht zu tragen hat, — ein neuer Beleg der obigen Behauptung, daß die bisher auf ausländisches Roheisen gegründeten Werke blos durch die engste Verbindung mit inländischer Roheisenproduktion zur Konkurrenzfähigkeit, den ausländischen Puddlingwerken gegenüber, gelangen können. Aus dieser ganzen Darstellung muß erhellen, wie entscheidend die Frachtfrage für die Konjunktur der Eisenindustrie eines Landes ist, und welche weitgehende Verminderung der Produktionskosten des deutschen Eisens durch eine Verbesserung unserer Communi- kationsmittel noch zu erzielen ist. Wir haben bisher blos die Distrikte im Auge gehabt, deren Konkurrenzfähigkeit durch eine Erniedrigung der Frachten von Erzen oder Kohlen wieder hergestellt werden kann. Allein außerdem sind jetzt bereits Grundlagen der Entwicklung gewonnen, auf denen unmittelbar, und ohne erst die Herstellung großartiger Ver- — 333 - bindungsmittel abzuwarten, eine große Ausdehnung der Eisenindustrie stattfinden kann. Dies gilt insbesondere von dem Steinkohlenrevier der Ruhr, wo man im Kohlengebirge selbst Eisenerze erschürft hat, wahrend in unmittelbarer Nähe Braun- und Thoneisensteine vorkommen und Lahnerze auf dem Wasserwege bezogen werden können. Nach vorliegenden Produklionsberechnungen kann jetzt schon (also ehe die Lahneisenbahn, die Sieg-Nuhrbahn oder die Fortsetzung der Minden-Cölner Bahn durchs Nassauische ausgeführt sind) an günstig gelegenen Punkten des Reviers aus Lahnerzen das weiße Roheisen zum Verfrischen zu etwa 9 Thlr., und daö graue zum Vergießen aus ungefähr 11 Thlr. pro 1000 Pfd. hergestellt werden.-) Die Selbstkosten der ans die Brauneisensteine am südlichen Rande des Kohlenreviers angelegten Hochöfen werden nicht höher stehen. Die im Entstehen begriffenen Hochofenanlagen bei Dortmund, Svrockhövel u. f. w., welche die Kohleneisensteine, die sich in den Kohlenflötzen selbst vorfinden, verhütten wollen, werden wahrscheinlich noch billigeres Eisen liefern, was gar keines weiteren Nachweises bedarf. Die Konkurrenz sorgt dann schon von selbst dafür, daß die Preise sich nicht auf lange Zeit ungebührlich hoch über de>5 Produktionskosten halten, hieran ist wohl kein Zweifel. Ueberhaupt mag die bloße Thatsache des Entstehens dieser Werke den Eisenconsumenten die Garantie geben, daß sie sehr - *) Nach einer uns vorliegenden genauen Ncutabilitäts-Berechnung einer Hochofenanlage zu Duisburg oder Mülhcim a. d. Ruhr auf Lahuerze stellen sich die durchschnittlich wohl noch zu hoch gegriffenen Selbstkosten folgendermaßen : Pfd. Roheise » zum Frischen! zum Vergießen: 1. Zinsen des Anlagekapitals Thlr. —. 7. 8 Pf. Thlr. —. 10. 8 Pf. 2. do. Betriebskapitals „ —. 8. 9 „ „ —. 12. 3 „ 3. Reparatnren und Betriebs- - kosten.......... . ., —. 13. 7 „ „ -. 13. 11 „ 4- Erze............ „ 4. S. — „ „ 4. 17. 10 „ 5. Coaks........... „ 2. 23. 2 „ „ 3. 25. 2 „ 6- Kalksteine........... — 17. 1 „ „ —. 17. 1 „ n. 5 ->,,.^, n 7. Arbeitslöhne....... „ —. 11. 3 „ „ —. 15. S „ 8. Vcrwaltungskostcn...... 5. 10 „ „ —. 8. 3 ., Summa . . . Thlr. !). 2. 4 Pf. Thlr. 11. 5. 11 Pf. — 334 - bald im Stande sein werden, gleich billig ja noch billiger zu liefern, wie das Eisen zollfrei vom Ausland bezogen werden kann. Denn so wenig sie entstehen würden, stände der Schutzzoll nicht aus mehrere Jahre in Aussicht, so wenig rechnet ein Unternehmer heut zu Tage auf eine ewige Dauer der Eisenzölle. Ja es steht nicht bloß zu erwarten, daß die inländische Produktion vollkommen so wohlseil liefern wird als das Eisen zollfrei vom Ausland bezogen werden kann, sondern daß die Preise noch tiefer sinken. Denn wenn England und Belgien auch für die Versorgung der nördlichen und westlichen Grenzländer sehr günstig gelegen sind, so ist doch durchschnittlich die Fracht von den inländischen Eisenwerken nach den Verbrauchsorten weit geringer, als die Fracht von jenen Staaten aus- Sowie also Belgien theurer produzirt als Schottland, und doch der billigeren Frachten halber demselben für einen großen Theil des Vereinsgebietes in der Konkurrenz vollkommen gleichsteht, so mögen die durchschnittlichen Produktionskosten des inländischen Eisens immer etwas höher als die des ausländischen bleiben, während jenes doch dem Konsumenten billiger zu stehen kommen wird als dieses. Würden z. B. di« Selbstkosten des Coakseisens im Ruhrrevier nicht unter 9 Thlr. pro 1000 herabzubringen sein, (wiewohl aus der Hand liegt, daß dieß geschehen wird) so ständen sie allerdings noch 2 Thlr. höher als die des schottischen Roheisens, und doch würde letzteres, mit Hinzurechnung der Fracht von Glasgow, selbst bei zollfreiem Bezug in dem Absatzgebiet der Ruhrhütten um mehr als 1 Thlr. theurer kommen, als das inländische Roheisen. Wenn deshalb die Gegner der Eisenzölle die Interessen der Konsumtion durch den freien Bezug ausländischen Eisens am besten gewahrt glauben, so mag dieß wohl für die nordöstlichen Küstenländer seine Richtigkeit behalten, im Allgemeinen aber sicherlich nicht. Gerade der verhältnißmäßig geringe Werth dieses gewichtigen Halbfabrikats weist jedes Land darauf hin, wo möglich das eigne Bedürfniß durch die eigne Erzeugung zu decken, während bei leichteren beziehungsweise theueren Erzeugnissen die Frachtfrage verhältmßmäßig an Bedeutung verliert. So mag z. B. die Jserlohner Bronccwaaren-Fabrikation eine ganz gesunde Basis haben, obgleich ihr Kupfer meist aus Falun oder aus dem Ural herbeigeschafft wird, während für die Ennever-Straße, für - 336 — Solingen und Remscheid die Verbindung mit nahegelegenen in« ländischen Eisen- und Stahldistrikten die Cardinalfrage ihrer Konkurrenzfähigkeit bleibt. Das temporäre Opfer, welches die Schutzzölle auferlegen, wird also nicht blos aufhören, sowie die inländischen Werke den Consumenten das Eisen zu gleichen Preisen liefern, wie sie es vom Ausland beziehen könnten, sondern ein dauernder Ersatz tritt dafür ein, sobald die inländischen Preise — und sei es auch nur für einen Theil des Zollgebiets — noch unter diese Grenze fallen. Daß dieß aber geschehen wird, läßt sich nach allen Regeln des Gewerbelebens mit apodiktischer Gewißheit voraussagen Denn selbst wenn jene günstigsten Verhältnisse (einer billigeren Produktion als der zollfreie Bezug vom Ausland) nur an einem Punkt des Vereins, z. B. im Ruhrrevier oder in Schlesien vorkämen, so müßte hier die Erzeugung so wohlfeilen Eisens bald einen solchen Umsang gewinnen, daß ver Vortheil davon, theils direkt in dem Bezug des dort produ- zirten Eisens, theils indirekt in dessen Einwirkung auf eine allgemeine Preisreduktion, dem größten Theile des Vereinsgebieteö zu Gute käme. In der einfachen Thatsache, daß im Inland die Basis der Erzeugung eines gleich billigen oder noch billigerm Eisens gegeben ist, als es zollfrei aus dem Ausland zu beziehen wäre, liegt die letzte Rechtfertigung des Roheisenzolls. Wäre nun keine Rücksicht auf die bestehenden Werke zu nehmen, deren Konkurrenzfähigkeit erst allmählig und mit Opfern (z. B. Eisenbahnanlagen) wieder zu erlangen ist, nun so möchte man wohl den Versuch machen, ob es gelänge, diese neuen Anlagen auch ohne das Reizmittel des Schutzzolls hervorzurufen. Allein wer nur die belebenden und anregenden Einwirkungen der Zollmaaßregeln des Jahres 1844, wer ferner die depressiven Einwirkungen der belgischen Konkurrenz seit 1848, und wer überhaupt — und hierin allein läßt sich zu entscheidenden Anhaltspunkten gelangen — die Einflüsse beobachtet hat, die solche handelspolitische Vorgänge auf den Entschließungen des einzelnen Unternehmers und Kapitalisten thatsächlich ausüben, für den bedarf es einer solchen Probe nicht, da er die Wirkung im Voraus berechnen kann. Bei einem Volke, wo der Geist der Mitbewerbung so ausgebildet ist wie bei den Engländern, und wo dabei bedeutendere Geldmittel zu niedrigeren Zinsen zu Gebote stehen, möchte dies anders sein — 336 — und der Zoll von 5 Sgr. Reiz genug gewähren. Allein weil eben die Menschen keine Automaten sind, weil je nach den verschiedenen subjektiven Grundlagen die Wirkungen derselben Maaßregel auch mit Nothwendigkeit verschieden sein müssen, deshalb kann es weder allgemeine Regeln noch Formeln geben, um für ein zu erzielendes Resultat ein allgemein gültiges Mittel aufzufinden. Wie in Belgien, so tritt es auch bei uns unzweifelhaft hervor, daß trotz der vorhandenen die künftige Konkurrenzfähigkeit ganz sicher stellenden Grundlagen, die deutsche Eisenindustrie nur unter Beihülfe des Schutzzolls ihren Entwicklungsgang durchmachen wird. Betrachten wir nun das LooS, welches der Theil der bestehenden Werke zu erwarten hat, wo je nach der Lage oder der geringen Produktion eines Eisendistrikts von Eisenbahnanlagen u, dergl. keine Rede sein kann, wo also die in den Selbstkosten enthaltenen Frachtbeträge keine oder doch nur unbedeutende Verminderungen mehr zu erwarten haben, so werden diese durch das Fortschreiten der inneren Coakseisenerzeugung in zwiefacher Weise berührt. Die direkte Einwirkung der steigenden Produktion und der sinkenden Preise des inländischen CoakSeiscns kann nur nachtheilig auf ihre Preise und ihren Absatz einwirken, ganz analog der ausländischen Konkurrenz; ja die Einwirkung wird noch darüber hinausgehen, sobald (und dies steht schon in den nächsten Jahren zu erwarten) die inländische Mitbewerbung stärker als die ausländische geworden ist. Allein auf der andern Seite steht zu berücksichtigen, daß die inländische Coakseisenerzeugung nicht blos im Wege ganz neuer Anlagen vor sich geht, sondern zu einem großen Theil durch Umwandlung der bestehenden Holzkohlen-Hochöfen; die projektirten Eisenbahnanlagcn zur Verbindung .der Erz- und Kohlenreviere haben in erster Ordnung diese Tendenz. Nehmen wir das siegensche Revier nach Vollendung der Sieg-Nuhrbahn zum Beispiel, so wird hier allerdings das Coakseisen um 10 Sgr. vielleicht billiger erzeugt werden können, als früher das Holzkohleneisen. Allein hierdurch werden für die in weit geringerer Zahl fortbestehenden Holzkohlenhochöfen größere Quantitäten Brennmaterial zu den billigsten Preisen disponibel; indem man nun die kurzen Campagnen verlängert, und die jährliche Produktion eines Hochofens verdoppelt, sinken die — 337 — Selbstkosten des Holzkohleneisens mindestens um einen Theil der Ermäßigung, welche die Eisenbahn direkt für die Coakseisener- zeugung bewirkt hat. Aber noch einen andern Vortheil hat diese Umwandlung der Holzkohlen- in Coakshochösm, indem sie nämlich den Umfang der Holzkohleneisenproduktion verkleinert, folglich die innere Konkurrenz dieser Eisensorte verringert und ihr um so leichter die Behauptung eines angemessenen Preises gestattet, so daß das Sinken des CoakSeisens ein gleich starkes Sinken des Holzkohleneisens sicherlich nicht zur Folge haben wird. Der oben gelieferte Nachweis, daß in England und Belgien die feineren unserem Holzkohleneisen gleichstehenden Sorten so theuer sind als bei uns, beziehungsweise, daß die Preisdifferenz der ordinären und guten Qualitäten dort weit größer ist als im Zollverein, läßt mit ziemlicher Sicherheit auf die Entwicklung eines ähnlichen Verhältnisses hoffen. Die Eisenbahnen, die den sächsischen, schleidener, siegner, nassauer und luremburger Holzkohlenhütten den Uebergang auf Coaks gestatten, kämen somit indirekt auch der süddeutschen Holzkohleneisenerzeugung zu Gute. Aus diesem Grunde verdienen sicherlich die Eisenbahnen, welche zu diesem Zwecke projektirt sind, die ganz besondere Aufmerksamkeit aller Regierungen. Nur hierdurch kann unter dem temporären Schirm des Schutzzolls die Holzkohleneisenindustrie ohne allzutraurige Krisis in eine bessere Lage hinübergeführt werden, während das bloße Aufkommen neuer Coakshütten in den Steinkohlendistrikten, wodurch also die Holzkohleneisenerzeugung nicht gleichzeitig vermindert wird, die volle zerstörende Wirkung der freien ausländischen Konkurrenz — wenn auch einige Jahre später — ausüben müßte. Dies gilt freilich nur im Allgemeinen; einzelne Werke, die besonders ungünstig gelegen sind oder deren Qualität (denn die Holzkohlenfeuerung bedingt ja die Qualität nicht allein) sich nicht zu sehr von der des Coakseisens unterscheidet, werden dem Untergang nicht zu entreissen sein; der Schutzzoll will und wird sie nicht am Leben erhalten, sondern ihnen höchstens den Uebergang auf andere Erwerbszweige erleichtern. Der außerordentliche Einfluß, den die Frachtermäßigung der Rohstoffe auf Reduktion der Selbstkosten des Rohmaterials ausüben kann, vervollständigt sich noch für die wirklichen Consumen- ten durch die Herabbringung der Frachten für das fer- 22 lige Fabrikat. Die neuen Anlagen, welche obigen Zwecken dienen, werden in der Regel auch hierauf günstig einwirken, um- somehr als die Versendung des Eisens, wenigstens so lange es als Halbfabrikat zu betrachten ist, fast ausschließlich nach den Kohlenrevieren hin stattfindet. So wird z. B. eine Eisenbahn von Hagen nach Siegen zuerst das Eisen um den Betrag der Frachtermäßigung der Coaks billiger machen, außerdem aber den Consumenten an der Lenne, Ruhr, Wupper u. s. w. noch um so viel wohlfeiler zuführen, als die Differenz der früheren Transportkosten gegen die Eisenbahnfracht beträgt. Auf 14 Meilen z. B. macht dies gegen 8 Sgr. pro Centner aus. Die Schutzbedürftigkeit eines Distriktes vermindert sich also nicht blos im Verhältniß der Reduktion der eigentlichen Selbstkosten, sondern auch um den Betrag den das Produkt den Consumenten billiger als bisher zugeführt werden kann. Auf diesem Gebiet kann bereits bei den bestehenden Transportmitteln viel geschehen, Die Frachtsätze für so schwere, massige Gegenstände als Eisen, Kohlen u. dgl. sind auf den meisten Bahnen noch unverhältnißmäßig hoch und nur ausnahmsweise geht in letzterer Zeit eine oder die andere Bahngesellschaft (z. B. die Königl. Verwaltung der schlesischen Bahnen) mit Herabsetzung solcher Frachtsätze vor. Auch abgesehen von den Eisenbahnen ist die Belastung des gewöhnlichen Landtransportes aus Chausseen häufig eine überhohe. So sind z. B. im Großherzogthum Hessen sehr viele schone Wegeanlagen gemacht worden und zwar mit Vermeidung aller nur irgend beträchtlichen Steigungen. Hierdurch wurden aber allerdings in den gebirgigeren Gegenden mitunter bedeutende Umwege nothwendig, und da nun das Chausseegeld nach der durchfahrenen Wegestrecke erhoben wird, so kommen gegenwärtig die Frachten manchen Hütten noch ebenso hoch als früher der unbelastete Transport auf den schlechten aber weit kürzeren Landwegen. Wir hören, daß im Großherzogthum Hessen die landwirtschaftlichen Produkte einen bedeutenden Rabatt vom Chausseegeld genießen; warum nicht auch die Rohstoffe und Fabrikate der so schwer gedrückten Eisenindustrie? Wir können diese Betrachtungen über den Einfluß der Frachten auf die Konkurrenzfähigkeit nicht ohne die dringende Mahnung — 339 — schließen, daß die Regierungen wie die Bahndireklionen bei der Anlage neuer sowohl als bei der Ausbeutung bestehender Bahnen der inländischen Industrie eine systematische Beachtung zuwenden mochten. Bei unseren Bahnen hat die Rücksicht hierauf bisher nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt; man hat sie meistens mit Rücksicht auf den Zwischenhandel in der Richtung der sogenannten Haupthandelsstraßen angelegt, und bei dieser vorherrschenden Beachtung des reinen Handelsinteresses ist es dann gekommen, daß die Bahnen in höherem Grade den Bezug ausländischer wie den Bezug inländischer Waaren erleichtert haben, so daß die bis jetzt ausgeführten Anlagen die Schutzbedürftigkeit mancher inländischen Gewerbe vergrößert, statt vermindert haben. Eine Ergänzung des nationalen Transportnetzes, sowie eine Negulirung der Frachtsätze im Sinne der Hebung und Entwicklung der inländischen Eisenindustrie ist ein ganz unabweisbares Bedürfniß geworden, dessen Befriedigung anfangs den Regierungen und Aktionären einige Opfer kosten mag, ihnen aber sehr bald zu erhöhtem Vortheil verhelfen muß. Der verhältnißmäßig so außerordentlich geringe Frachtverkehr, und dadurch die geringe Rentabilität der meisten deutschen Eisenbahnen werden nur dadurch verschuldet, daß sie noch viel zu wenig in Verbindung mit der inländischen Industrie getreten sind. Auf der Vollkommenheit des inneren Transporlsystems beruht Englands und Belgiens industrielle Größe; man erwarte nicht, daß der deutsche Boden gleiche Früchte zeitige, bis man ihm eine gleiche Grundlage gegeben hat. b. Reduktion der Bergwerksbesteuerung. Z. 59. Wenn auch zunächst in den Frachten die Möglichkeit einer bedeutenden Verminderung der Selbstkosten unseres Eisens gegeben ist, so bleiben doch auch noch anderweitige Ver- theuerungsursachen. Hierher haben wir zunächst die Bergwerks- besteuerung und -Gesetzgebung zu rechnen. Es wird heut zu Tage keines besonderen Beweises mehr bedürfen, wie hemmend .eine derartige Produklionssteucr auf die Entwicklung eines Gewerbes einwirkt; sie kann aber gar nicht ungerechtfertigter, nicht prinziploser auftreten, als wenn sie einer Industrie auferlegt wird, deren Erzeugniß nicht Gegenstand des Lurus, sondern des drin- 22* — 340 — gendsten Bedarfes ist, und die überdies mit einer intensiveren Konkurrenz des Auslands zu kämpfen hat, als irgend ein anderes inländisches Gewerbe. Den Rechtstitel des Staates auf Erhebung solcher Abgaben wollen wir nicht bestreiten; allein kann man dessen Aufrechterhaltung wollen, wenn er in solcher Weise die Entwicklung der wirthschaftlichen Kräfte beeinträchtigt und durch die Schwächung der allgemeinen Steuerkraft selbst der Staatskasse indirekt mehr schadet, als direkt nützt? Nur einen Titel giebt es, unter dem sich eine Besteuerung der Bergwerksprodukte rechtfertigen läßt. Es ist dies die Entschädigung für die aus der Ausübung der Bergwerkspolizei entstehenden Kosten. Nicht blos die Besteuerung selbst, sondern auch das Aufsichtsrecht und die weitere Einmischung der Behörden in den privativcn Bergwerksbetrieb reduzire man bis aus jenes Maaß, dann hat man unserem Bergwesen und insbesondere unserer Eisenindustrie den größten Dienst geleistet, und ihre Bedeutung als Quelle zur Vermehrung des Volksreichthums in ungleich höherem Grade gesteigert, als das bisherige reine Einkommen auö der Bergwerksbesteuerung für die Staatsfinanzen von Bedeutung war. Das Anstößige und Schädliche der Bergwerksbesteuerung liegt erstens in der großen Ungleichheit der Belastung, die von völliger Befreiung bis zu einer Besteuerung von vielleicht 20 Prozent des Werths der Rohstoffe ansteigt, und zweitens in der durchnitllichen Höhe dieser Abgabe. Wir geben im Folgenden eine kurze Darstellung der Besteuerungspraris im Zollverein. Die Angaben sind, soweit sie Preußen betreffen, dem schon mehrerwähnten vortrefflichen Werke des Geh. Bergrathes v. Carnall") und was die übrigen Vereinsstaaten betrifft, den Angaben der Bergwcrksbesitzer oder Behörden entnommen, welche auf die im Jahr 1848 ausgeschriebenen Fragen des volkswirthschaftlichen Ausschusses der frankfurter Nationalversammlung einliefen. Vor dem neuen preußischen Bergwerksbesteuerungsgesetz vom vorigen Jahre herrschte in der Monarchie die höchste Ungleichheit in der Belastung des Eisensteinbergbaues, gerade weil man im ") R. v. Carnall, die Bergwerke in Preußen und deren Besteuerung. Berlin 1S50. — 34t — Allgemeinen die Verhältnisse der Eisenindustrie berücksichtigt und zu ihren Gunsten vielfache Ausnahmen von der bestehenden Gesetzgebung gemacht hatte. In Schlesien fanden gar keine landesherrlichen Abgaben statt; im Siegenschen waren die Zubußzechen vom Zehnt befreit, während ihn die in Ausbeute befindlichen voll zu tragen hatten; in den westphälischen Bezirken wurde statt des Zehnten nur ein geringer jährlicher Canon, und auch in den sächsischen Bezirken nirgends der volle Zehnte erhoben; auf der linken Rheinseite endlich gilt das französische Gesetz von 1810, wonach nur 5 Prozent des Reinertrags (nebst einer festen jährlichen Abgabe von Thlrn. 2. 20 Sgr. von 1 Quadrat Kilometer und Grundrechten von 3 bis 3 Pf. pro Hectare) zu entrichten find. Die Grenzen dieser Belastung waren also auf der einen Seite die völlige Befreiung, auf der anderen (wo der volle Brutto- Zehnte nebst Quatember-, Fahr- und Receßgeldern u. f. w. entrichtet werden mußten) gegen 2^ Sgr. vom Centner Roheisen. Bei dem Coakshüttenbetrieb trat hier nun die Besteuerung des Steinkohlenbergbaues hinzu. In Schlesien konnte man dieselbe bei einem Kohlenverbrauch von 4 Centnern zu etwa 1^ Sgr. auf den Centner Roheisen, und im Ruhrkohlenrevier bei einem Verbrauch von 2^ Centner ungefähr ebenso hoch annehmen. An der Saar werden etwa 3 Centner Kohlen auf den Centner Roheisen gebraucht; die Belastung läßt sich hier nicht in gleicher Weise abschätzen, da die Kohlengruben, mit Ausnahme einer einzigen, landesherrlich sind; allein trotz der Preisermäßigung von etwa 22 Prozent, welche den zum Verhütten bestimmten Kohlen zu Theil wird, stehen die Mosel- und Saarhütten noch bedeutend nachtheiliger als die in Schlesien oder an der Ruhr. Der Staat verkauft durchschnittlich die Kohlen um den doppelten Betrag der Förderkosten; wären die Gruben in Händen verschiedener Privaten, so würde deren Konkurrenz den Preis sehr bald um die Hälfte bis ^ des jetzigen enormen Gewinnes Herabdrücken, was auf den Centner Coaksroheisen mindestens 3 Sgr,, ja noch mehr, austrüge.*) Im Durchschnitt konnte man im Jahr 1847 *) Da die 4851 eingetretenen Ermäßigungen der Bergwerksbestenerung das hier vorliegende Verhältniß direkt nicht berühren, so ist um so dringender zu wünschen, daß die Tarpreise auf den Königl. Gruben baldigst bedeu- — 342 — in Preußen die Besteuerung der zu einem Centner Coaksroheisen erforderlichen Steinkohlen und Erze auf den verhältnißmäßig bedeutenden Betrag von 2^- Sgr. oder 25 Prozent des Roheisenzolls von 10 Sgr. (50 Prozent des Differentialzolls gegen Belgien) annehmen. Welche Fessel dies der Entwicklung der Coaks- hütterei anlegen mußte, liegt auf der Hand. Die Betheiligten werden es mit höchstem Dank anerkannt haben, daß das mit dem 12. Mai 1851 in Kraft getretene neue preußische Bergwerksbesteuerungsgesetz mindestens einen bedeutenden Schritt in der zu erstrebenden Richtung thut, indem der Brutto- Zehnte auf den Zwanzigsten herabgesetzt, auch die übrigen Abgaben ermäßigt wurden.*) Doch wird immer noch die durchschnittliche Belastung eines Centners Holzkohleneisen zu 9 Pf. und Coaksroheisen zu 1^ Sgr. (15 Prozent des Roheisenzolles von 10 Sgr.) anzunehmen sein. Die mit dem Bergwesen zusammenhängenden Verwaltungskosten deS Staats (nach Abzug des auf den Betrieb der Königlichen Werke entfallenden Antheils) betragen in Preußen 250,000 Thlr.**) Nimmt man den Produktenwerth als Maaßstab an, so würden hierzu die Eisenerze (1850 im Werth von 801,122 Thlrn. von der Gesammtsumme der Bergwerksprodukte zu 11,618,961 Thlr.) nur 18,000 Thlr. oder nicht ganz 3 Pf. pro Centner Roheisen beizutragen haben, und auf die hierzu erforderlichen Steinkohlen kämen noch nicht voll 2^ Pf. Man sieht hieraus, wie bedeutend, trotz der eingetretenen Erleichterung, die Belastung noch immer über die Entschädigung für Ausübung der Bergwerkspolizei und Oberaufsicht hinausgeht. In Baiern rechts deö Rheines wird der Regel nach noch der Brutto-Zehnte erhoben, doch finden auch Ausnahmen statt; tend ermäßigt werden möchten. Dem Vernehmen nach liegt dies auch in der Absicht des Königl. Preußischen Handelsministeriums. *) Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, darauf hinzuweisen, wie die bei Berathung des neuen Bergwerksbestcueruugsgesetzcs in den preußischen Kammer» von verschiedenen Seiten ausgesprochene Ansicht: „eine Reduktion der Besteuerung werde nur den Grubenbesitzern nnd nickt dem Publikum zu Gute kommen," ein schlagendes Dementi erhalten hat, indem sofort die Kohlenpreise um den vollen Betrag der Ermäßigung herabgingen. ") Siehe das mehrerwähnte Werk von v. Carnall, S. 36. — 343 - in der Rheinpfalz gilt das französische Gesetz von 1810. Die durchschnittliche Besteuerung ist also ungefähr wie die preußische vor 1851. In Würtemberg betreibt der Staat den Bergbau ausschließlich; wo er behufs auszuführender Erze Privaten gestattet wird, müssen diese den Brutto-Zehnten entrichten. Sachsen hatte nach den Enqueten von 1848 im Ganzen die höchste Bergwerksbesteuerung. Nach den Angaben des ober- erzgebirgischen und voigtländischen eisenhüttenmännischen Vereins betrugen die Zehnten, Ladegelder, Bergamtsgebühren u. s. w. auf 10,000 Ctr. Roheisen nicht weniger als 700 Thlr. oder 2,1 Sgr. pro Centner. Nach anderen genauen Mittheilungen hat das Fuder Erz (25 Cubiksuß, 15 bis 22 Eentner an Gewicht) an Zehnten 9,4 Sgr. und an sonstigen Bergamtsgebührm 2,g Sgr. zu entrichten; nimmt man an, daß aus dem Fuder Erz 6 Centner Roheisen erblasen werden, so kommt diese Angabe mit der vorstehenden fast ganz genau nbercin. Da, wie in §. 46. dargethan, in Sachsen die Produktionskosten des Roheisens fast am höchsten im ganzen Zollverein stehen, so war hier die hohe Besteuerung am allerwenigsten gerechtfertigt. Mit Anfang 1852 ist denn auch eine Erleichterung inS Leben getreten, und zwar eine noch weitergehende, als das neue preußische Gesetz von 1851 anordnet. Es werden von jetzt an nur eine Grubenfeldsteuer von 3 Sgr. für die Maaßeinheit (1000 Quadratlachter) und überdies 5 Prozent vom Reinertrag und wiedererstatteten Verlag erhoben. — Der Steinkohlenbergbau ist in Sachsen von Seiten des Staates gar nicht belastet; doch müssen den Grundbesitzern schwere Abgaben, gewöhnlich der Zehnte, entrichtet werden. In Churhessen kommen besondere Bergwerksabgaben nicht vor, da die Eisenindustrie fast ausschließlich in den Händen des Aerars ist; nur in dem Kreis Schmalkalden wird der Brutto- Zehnte erhoben, und finden daselbst auch noch anderweitige empfindliche Beschränkungen des privativen Bergbaues statt. In Baden findet keine Besteuerung zu Gunsten des Aerars statt, sondern nur Entschädigungen an Private und Gemeinden, die aber oft höher sind als sie bei einer rationellen Bergwerksgesetzgebung getrieben werden könnten. Im Großherzogthum Hessen ist die Praxis der Besteuerung — 344 — sehr verschieden; manche Gruben sind ganz frei, manche entrichten den Zehnten; der größte Theil baut 10 Jahre lang ganz frei und trägt von da ab den Brutto-Zwanzigsten. Luxemburg hat nur Abgaben an den Grundeigenthümer, die durchschnittlich nicht allzu hoch sind. In Nassau ist der Brutto-Zehnte bereits seit 1816 aufgehoben und werden die Bergwerke nach dem reinen Einkomminen besteuert, im Marimum zu 5 bis 10 Prozent des Reinertrags. In den thüringischen Fürstentümern wird der Bergbau theilweise vom Aerar betrieben. Der privative Bergbau ist meistens sehr hoch belastet, und außerdem zu Gunsten des Aerars vielfach im Betriebe gehemmt und beschränkt. Im Meiningenschen findet wohl die höchste Besteuerung des Erzes statt; sie beträgt nach genauen Mittheilungen mindestens 17 Prozent des Bruttowerthes der Erze, was gegen 3^ Sgr. aus den Centner Roheisen trägt. Dies kommt 32^ Prozent des Eingangszolls auf schottisches und 65 Prozent der bisherigen Besteuerung belgischen Eisens gleich. Man sieht aus dieser gedrängten Darstellung der Berg- werkSbesteuerung im Zollverein, daß sie noch immer einen nicht unbedeutenden Theil des Roheisenzvlls in Anspruch nimmt, daß derselbe also keineswegs in seinem vollen Betrag die inländische Industrie schützt, sondern zu einem Theil nur als Aequivalent der inneren Besteuerung anzusehen ist. Beim Stabeisen und den sonstigen Eisenfabrikaten steigert sich natürlich dieser Einfluß noch um den Betrag des Abbrandes beim Frischen des Roheisens, sowie um die Belastung der Steinkohlen, die zum Verpuddeln und zur Weiterverarbeitung gebraucht werden. Es ist übrigens nicht blos die unmittelbare Besteuerung, wodurch die Entwicklung der Eisenindustrie von Seiten des Staates vielfach gehemmt wird. Während in einzelnen Ländern und Distrikten die Einmischung der Verwaltung in die Betriebsleitung nicht weiter geht als es die Handhabung der Grubenpolizei erfordert, und als es das Interesse der Gewerken selbst wünschenswert!) macht, wird in andere Gegenden diese Grenze vielfach überschritten, und der Bau und die Ausbeutung der Gruben bedeutend kostspieliger gemacht, als nöthig wäre. Dieser Einfluß läßt sich schwer in Zahlen fassen und noch weniger nach einem Durch- — 345 — schnitt auf die gesammte Eisenerzeugung ausschlagen; er ist indeß erwiesenermaßen in vielen einzelnen Fällen so bedeutend, daß er über die Ertragsfähigkeit ganzer Anlagen entscheidet. — Außerdem bestehen in manchen Gegenden, z> B. im Braunfelsschen, in einzelnen Distrikten Thüringens u. s. w-, landes- oder standesherrliche Vorrechte, wonach der Bergmann, welcher glücklich fündig geworden ist, nur dann eine Belehnung erhält, wenn die Herrschaft es nicht vorzieht, gegen Rückerstattung der Kosten die Grube selbst zu übernehmen. — Vielfach ist die Erlangung von Concessionen äußerst kostspielig und zeitraubend, so namentlich auf dem linken Rheinufer. — In Thüringen wird zu Gunsten bestehender Gruben der Betrieb neuer vielfach erschwert oder in der Ausdehnung beschränkt. — Sodann werden, wie schon erwähnt, viele Gruben, insbesondere Kohlengruben, durch den Staat selbst ausgebeutet, der die Preise viel zu hoch festsetzt, — Auch die Festsetzung der Kohlenpreise gewerkschaftlicher Zechen durch die Bergbehörden, hemmt die Wirkung der inneren Konkurrenz. Aus diesen Mittheilungen folgt, daß im Interesse unserer Eisenindustrie nicht blos die Besteuerung, sondern überhaupt die gesammte Bergwerkgesetzgebung des Zollvereins dringend der Reform bedarf. Bedenkt man, daß bisher blos in Preußen 14 verschiedene und zum Theil auf ganz abweichenden Principien fußende Berggesetze und Beiordnungen in Kraft waren, die theilweise schon vor Z00 Jahren erlassen wurden, so begreift sich leicht, welch einen chaotischen Anblick die Legislatur des deutschen Bergwesens darbieten muß, während anderseits allerdings auch die -) 1) Die revid. B.-O. für Schlesien und Glatz v. 5. Juni 1769; 2) die revid. B.-O. für Magdeburg u. s. w. v. 7. Decbr. 1772; 3) die chursächsische B.-O. v. 12. Juni 1583; 4) die chursächsiscke Stollen-Ordnung v. 12. Juni 1749; 5) die EiSleben-ManSfeldsche B.- O. v. 28. Octbr. 1673; 6) die Hennebergische B.-O. v. 15. Decbr. 1566. 7) die revid. B.-O. für Cleve und die Mark v. 29. April 1766; 8) die churköluische B.-O. v, 2. Jan. 1669; 9) die jülichsche B.-O. v. 21. März 1719; 10) die nassauische Bergsreiheit und B.-O. v. 1. Sept. 1559; 11) die uassauische kleine B.-O. v. 22. Mai 1592; 12) die hom- burg-wittgensteinsche B.-O. v. 25. Jan. 1570; 13) die churtriersche B.-O. v. 22. Juli 1564; 14) das französische Bergwerksgesctz v. 21. April 1810. (Vergl. v. Earnall, die Bergwerke ic. Einleitung S. IX.) — 346 — Schwierigkeit einleuchtet, so festgewurzelte Verhältnisse nach Einem leitenden Grundsatz umzugestalten. c. Reduktion der Betriebskosten. Z. 60. Wahrend in den Frachten und sodann in den Berg- werksabgaben die zunächst liegenden Ursachen der höheren Produktionskosten des vereinsländischen Eisens im Verhältniß zu England und Belgien zu suchen sind, und nur der bei weitem kleinste Theil unsrer Eisenindustrie in der Verfassung ist, keine wesentlichen Ermäßigungen mehr in dieser Richtung erwarten zu können, ist die Möglichkeit weiterer Reduktionen auch noch in mancher andern Beziehung gegeben. In der eigentlichen Technik des vereinsländischen Hüttenbetriebs ist für eine allgemeine Verringerung der Eisenpreise nicht viel Spielraum mehr. Es ist zwar keine Frage, daß gar manche Hütte in technischer Beziehung noch nicht genügend fortgeschritten ist. Allein dieß findet sich bei jeder Industrie in der Welt und die Betreffenden haben durch Verkürzung ihres Gewinnes darunter zu leiden. Im Allgemeinen ist die Eisenindustrie, soweit nicht objektive Hindernisse entgegenstanden, die der Einzelne nicht zu bewältigen im Stande war, eins unserer am meisten ausgebildeten Gewerbe. Namentlich haben aber, den Behauptungen der Theoretiker von den erschlaffenden Wirkungen des Schutzzolles ein thatsächliches Dementi gebend, gerade die Zollmaßregeln von 1844 den augenfälligsten Anstoß gegeben, überall mit den neuesten Einrichtungen und Methoden vorzugehen, wo man seither zurückgeblieben war, so daß in ökonomischer Beziehung, insbesondere durch den geringen Verbrauch von Schmelzmaterial mitunter Resultate erzielt worden sind, wie sie noch niemals erreicht sein mögen. Oberflächlicherweise hat man häufig den Fortbestand unsres Holzkohlenhüttenbetriebs überhaupt mit einem unzeitgemäßen Festhalten am Veralteten identifiziren wollen. Dabei hat man nicht bedacht, daß dieser Betrieb in einem Gebiete, das wie der Zollverein etwa 40 Millionen Morgen Waldung besitzt, eine ganz andere Grundlage hat als z. B. in Großbritannien, mit nur ^ dieser Waldfläche. Ueberhaupt ist ja die Frage: ob Coaks oder - 347 — Holzkohlen zu verwenden, keine Frage des eigentlichen technischen Fortschritts, sondern eine rein ökonomische; man verwendet ganz einfach das Brennmaterial, welches am wohlfeilsten ist. Käme es thatsächlich vor, daß die Hüttenbesitzer fortführen, mit Holzkohlen zu Hütten, während ihnen billigere Coaks zu Gebote stehen, dann allerdings machten sie sich einer großen Nachlässigkeit schuldig und der Schutzzoll wäre gerichtet, ließen sich solche Resultate auf sein Conto bringen. Allein ist dieß etwa der Fall? Sicherlich nicht, oder doch nur in einzelnen Ausnahmesällen, wie sie unter jedem handelspolitischen System vorkommen. Wo heut zu Tage ein Holzkohlenhüttenbesitzer im Nebergang auf Coaks zögert, da ist blos schuld, daß sie noch theurer sind; kein Mensch kann ihm ein Zurückbleiben vorwerfen, wenn er wartet, bis Eisenbahnen oder sonstige Transportmittel die Coaks billiger gemacht haben oder wenn er — falls dieß nicht zu erwarten steht — sich am Holzkohlenbetrieb hält und für dessen Eristenz kämpft, so lange es eben noch geht. Einen andern Vorwurf hat man von technischem Standpunkte aus der verhältnißmäßig geringen Produktion unserer- Hochöfen ableiten wollen. Allein es ist geradezu unvernünftig, zwischen der Produktion von Coaks- und Holzkohlenhochöfen eine derartige Parallelle ziehen zu wollen. Die Letzteren produzirten weder in England noch in Belgien oder Frankreich ansehnlich mehr als bei uns. Sie sind und waren überall durch das disponible Holzkohlenquantum beschränkt, und es mußte gerade aus ökonomischen Rücksichten sehr häufig vortheilhafter erscheinen, eine größere Zahl kleinerer Hochöfen an verschiedenen Punkten zu erbauen, oder kürzere Zeit zu Hütten, als für große Oefen mit langer Hüttenzeit die Holzkohlen von soviel weiter herbei zu holen. Denn man vergesse nie den Unterschied, daß auf einem einzigen Punkte, aus einem Schacht, soviel Steinkohlen gefördert werden können, daß der Holzbestand von 2l) und mehr Quadratmeilen nicht hinreichend wäre, ein gleiches Quantum Erze auf die Dauer zu verhütten. Hierin liegt die natürliche Erklärung, weshalb es erst durch den Coakshüttenbetrieb ökonomisch vortheilhaft geworden ist, möglichst große Hochöfen zu erbauen. Was aber unsere Coakshochösen betrifft, so sind die schlesischen wegen der Beschaffenheit der dortigen Brauneisenerze und Kohlen nicht in sehr großen Di- — 348 — mensionen gebaut worden; die neuen Oefen an der Ruhr produ- ziren aber gleichviel wie die größten schottischen und belgischen. Im Allgemeinen darf übrigens aus der Steigerung der Produktion einzelner Werke allerdings noch eine erhebliche Verminderung ihrer Selbstkosten erwartet werden, wie dieß in Schottland und Belgien ebenfalls eine der Ursachen ihres Uebergewichtes ist. Ueberhaupt fällt jegliche Erweiterung des Betriebs oder jede Vermehrung der Zahl bestehender Anlagen nothwendig mit einer gewissen Erniedrigung der Selbstkosten oder der Preise zusammen, und alle Mittel — also auch der Schutzzoll — welche jenen Zweck erreichen, dienen auch diesem. Bei der Berechnung der Selbstkosten nahmen wir oben (§. 46.) außer den Kosten sür Erze und Kohlen noch 10 Sgr. auf den Centner sür Generalkosten an, welche zum größten Theil aus Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals, Löhnen, Kosten der Verwaltung, Zustellung, Füllung u. s. w. bestehen. Bei größerer Produktion fällt hiervon natürlich ein geringerer Antheil auf den Centner; bei einem neuen Coakshochofen z.B. der 50,000 Pfv. täglich produzirt, werden diese Posten höchstens auf 6 Sgr. zu veranschlagen sein. Desgleichen haben solche Holzkohlenhütten eine Verminderung der Generalkosten zu erwarten, welche durch das Eingehen anderer Hütten, beziehungsweise durch deren Uebergang auf Coaks, mehr Holzkohlen disponibel erhalten und demnach längere Campagnen machen können; die Benutzung der Hochofengase zum Betrieb von Gebläsemaschinen, hat dies jetzt auch den Hütten möglich gemacht, die früher weniger des Kohlen- als des Wassermangels halber nur kurze Zeit Hütteten. Das Siegerland ist namentlich eine der Gegenden, welche in dieser Beziehung von verstärktem Betrieb der einzelnen Werke eine ansehnlichere Verminderung der Selbstkosten erwarten können*); daß diese Betriebsausdehnung (welche durch die Ausführung der Sieg-Ruhr-Eisenbahn bedingt ist) nicht jetzt schon durchgeführt wird, kann aber Niemand den betreffenden Eisengewerken zur Last legen oder überhaupt als Vernachlässigung der technischen oder ökonomischen Betriebsleitung qualifiziren wollen. In der mehr erwähnten Denkschrift von Börner und Klein (II. S. 93.), wird die Differenz der Generalkosten bei Campagnen zu 1W Tagen und zu 250 Tagen auf 3,82 Sgr. pro Centuer Roheisen berechnet. — 349 — In der rein kaufmännischen Betriebsleitung ließen sich überdies an manchen Orten noch Einrichtungen treffen, wodurch die Selbstkosten reduzirt, beziehungsweise die Verhältnisse der Ge- werbtreibenden verbessert würden. Vielfach bestehen noch in der Verwaltung der Hütten veraltete Einrichtungen, die bei den Ren- tabilitäts-Verhältnissen früherer Zeiten nicht blos durchführbar waren, sondern auch, indem sie dem weniger Bemittelten zu gewerblicher Selbstständigkeit verhalfen und den Gewinn unter Viele vertheilten, die erfreulichsten socialen Erscheinungen im Gefolge gehabt haben. Dahin gehört z. B. der gewerkschaftliche Hüttenbetrieb im Siegenschen, wo jeder Theilhaber seine bestimmten Tage hat, an denen er mit eigenen Erzen und Kohlen hüttet und das gewonnene Roheisen auf eigne Rechnung verkauft. Diese Betriebsweise unter den jetzigen Umständen, wo der Gewinn so außerordentlich reduzirt und die Konkurrenz so enorm gestiegen ist, noch festhalten wollen, hieße einen erfolglosen Kampf gegen übermächtige Verhältnisse unternehmen. Die Technik des Betriebs litt zwar hierunter nicht so sehr, wie vielfach angenommen zu werden pflegt! denn wenn auch neue Fortschritte gewöhnlich etwas später adoptirt wurden, wie bei Werken in Einer Hand, so wirkte doch andrerseits die Menge der speziell an den Betriebsresultaten der einzelnen Tage betheiligten Gewerken auf die Erzielung eines möglichst großen ProduktionsquantumS und eines möglichst ökonomischen Betriebs. Dagegen führte diese Zersplitterung andererseits zu einer immensen Verschwendung an Betriebskapital und Aufsichtskräften, zu einer höchst unvortheilhaften Ausbeutung der Bergwerke und zu einer ganz unnöthig verstärkten Konkurrenz beim Einkauf der Kohlen und beim Verkauf des Roheisens, die dort den Preis der Rohstoffe heraufschraubte, hier den des Fabrikats herabdrückte. Ein wirklich gemeinschaftlicher Betrieb mit einheitlicher Verwaltung der Hütten und Gruben, des Ein- und Verkaufs, würde nicht blos die allgemeine Rentabilität der Anlagen, also den Gewinn jedes Betheiligten erhöhen, sondern auch, da die Summe der bisher verwandten Aufsichtskräfte und Geschäftskapitale künftighin nur zum kleinsten Theil mehr erforderlich wäre, dem Einzelnen gestatten, seine Thätigkeit und sein Kapital noch in anderer Weise rentbar zu machen*). ') Die Beibehaltung einer weiteren Bestimmung der siegenschen Hütten- — 350 — Allein auch über die Regelung des Betriebs der einzelnen Werke hinaus, läßt sich im Wege gemeinschaftlichen Zusammenwirkeng der Betheiligten noch gar Vieles thun, insbesondere durch gemeinsame Stapel für den Einkauf der Rohstosse und für den Verkauf der Fabrikate. Wir haben mit Letzteren keine sogenannten Verschwörungen der Produzenten gegen die Konsumenten, behufs übermäßiger Preissteigerung der Fabrikate, im Auge, wie es denn überhaupt die allgemeine» Gesetze, die den Handel und Verkehr regeln, nur in Ausnahme- sällen möglich machen, ein solches Attentat erfolgreich durchzu- führen, falls es wirklich beabsichtigt ward. Wir meinen damit nur die Vereinigungen, wodurch der Einzelne an Zeit, Mühe und Betriebskapital spart, während die stets disponiblen Vorräthe die festen Preise und die Kontrole über die gute Qualität der zum Stapel gelieferten Erzeugnisse selbst dem Abnehmer solche Vereinigungen eher vortheilhaft als nachtheilig erscheinen lassen müssen. Als Muster solcher Vereinigungen kann u. A. das seit langen Jahren bestehende Krombacher Rohstahllager (Kreis Siegen) dienen. In dieser Richtung noch weiter gehend, gelangen wir zu den Mängeln unserer Geld- und Kredit-Institute überhaupt. Verfolgen wir aber auch hier dies Thema nicht genauer, weil dieser Boden allen Gewerben gemeinschaftlich ist, so können wir doch nicht unterlassen, auf den sichtbaren Einfluß hin- und Hammerordnuug, welche die Zahl und die Hütteuzcit der Werke in bestimmter Weise beschränkt, ist ebenfalls jener Gegend vielfach zum Vorwurf gcmaä't worden. Erkennt man aber auch jenes Prinzip der Beschränkung unbedingt für ein falsches an, welches dem Siegerland selbst bedeutend mehr Schaden als Nutzen gebracht hat, so würde doch die Aufhebung heutzutage wenig mehr als eine leere Form sein, ohne Einfluß auf die gewerbliche Entwicklung jener Gegend. Denn über die disponibelcii Holzkohlen konnte die Produktion doch nicht hinaus? dieses Quantum wird aber von den bestehenden Hütten so vollständig aufgebracht, daß viele noch nicht einmal die volle Zeit Hütten, die ihnen nach der H. und H.-O. zusteht. — Die Eisenbahn uach der Ruhr ist die einzige Bedingung der gewerblichen Zukunft dieses Eisendistrikts. Wird sie ausgeführt, so stürtzt der morsche Bau veralteter Formen von selbst; bleibt sie dagegen unausgeführt, uun so bricht mit der Form auch der Inhalt der dortigen Erwerbsthätigkeit zusammen. Eine weitere Alternative liegt dort nicht vor. — 351 — zuweisen, den das schottische Bankwesen auf die Entwicklung der schottischen Eisenindustrie gehabt hat und dringend zu einer näheren Untersuchung dieser Verhältnisse auffordern. Bleibt demnach auch nicht allein in Frachten und Bergwerksabgaben, sondern auch in dem technischen, ökonomischen und kaufmännischen Theil des Eisengewerbes die Möglichkeit von Reduktionen der Selbstkosten gegeben, so ist deren Durchführung doch theils von der Zustimmung des Staates (z. B. Abschaffung der Bergwerkssteuer, Erlaß eines Berggesetzes, Verbesserung der Geld- und Kredit-Institute), theils von der Durchführung kostspieliger Anlagen unter Znsammenwirkung des Staats und der Privatassociationen (Erbauung von Eisenbahnen, Regelung der Frachttarife), theils von der Hinwegräumung von Einrichtungen und llsancen abhängig, die mit den socialen Verhältnissen einzelner Gegenden seit Jahrhunderten verwachsen waren. Darin eben, daß alle diese Veränderungen nicht mit einem Schlage geschehen können, daß sie Zeit zu ihrer Durchführung brauchen, darin liegt die Begründung der zeitlichen Nothwendigkeit des Schutzzolles, während seine prinzipielle Rechtfertigung wieder in dem Nachweis gelegen ist, daß das Schlußresultat der unter dem Schirm des Zolles stattfindenden Entwicklung die vollständigste Wiederherstellung der Konkurrenzfähigkeit, das Sinken der inländischen Preise selbst bis unter das Niveau des frei bezogenen ausländischen Eisens sein wird und muß. Es folgt aber eben hieraus, daß der Schutzzoll selbst die Wunden unserer Eisenindustrie nicht heilt, sondern daß er blos den Nothverband bildet, und es folgt ferner, daß die Abnahme der Schutzbedürftigkeit schneller oder langsamer vor sich gehen muß, je nachdem die Durchführung der zur Reduktion der inländischen Selbstkosten erforderlichen Maaßregeln schneller oder langsamer vorgenommen wird. Daraus nun, daß einestheils die Hinwegräumung jener Hindernisse nicht systematisch oder nicht kräftig genug in Angriff genommen wird, und daß andrerseits die Ausdehnung der Industrie da keine rascheren Fortschritte macht, wo bereits die Grundlagen der Konkurrenzfähigkeit gegeben sind, daraus ließe sich allerdings ein Vorwurf herleiten, der aber die Regierungen ebensowohl trifft, als die einzelnen Kapitalisten und Industriellen. Billigerweise muß man aber dabei berücksichtigen, daß der 352 — vollständigere Aufschluß der Grundlagen zukünftiger Größe unsrer Eisenindustrie erst von neuerem Datum ist. Noch vor b Jahren hätte Niemand die Behauptung auszusprechen gewagt, der heutzutage Niemand mehr wiederspricht, daß nämlich im Zollverein gleich günstige Grundlagen zur Entwicklung einer Coakseisenin- dustrie gegeben sind, wie in Belgien und Großbritannien. Und außerdem hat man den Einflüssen des Jahres 1848 Rechnung zu tragen, welche die erfreulichste Periode des Fortschrittes, die unsre Eisenindustrie jemals gehabt, plötzlich unterbrachen. Bei der noch fortwährend so außerordentlich gedrückten Lage des Eisengeschäfts überhaupt, sowie bei der fortdauernden politischen Gährung im Auslande, bei der Ungewißheit über die Zukunft des Zollvereins u. f. w. konnte der Fortschritt noch nicht recht wieder in Zug kommen; die Ungewißheit, die zwei Jahre lang hinsichtlich des belgischen Vertrags obwaltete, trug auch ihr Theil dazu bei. Uebrigens kann es die Eisenindustriellen nicht speziell treffen, wenn überhaupt in Deutschland der gewerbliche Unternehmungsgeist noch nicht so ausgebildet erscheint, wie in Großbritannien oder Belgien. Die Konsumtion hat sich übrigens im vorliegenden Falle sicherlich nicht zu beklagen. Denn dieselbe Ursache, welche seit 1848 den Unternehmungsgeist lähmte, hat auch die Verkaufspreise des Eisens so herabgedrückt, wie es unter normalen Verhältnissen von der stärksten Weiterentwicklung der inneren Konkurrenz in so kurzer Frist kaum zu erwarten gewesen wäre. Ueberhaupt hat der größte Theil der bestehenden Eisenindustrie, bis sie wieder einen neuen Boden der Konkurrenzfähigkeit erlangt hat, noch so viele Opfer zu bringen, so viele innere Umgestaltungen, so viele Reduktionen der bisherigen Werth- und Ertragsverhältnisse zu erleiden, daß der Staatsmann ein etwas verzögertes Fortschreiten dieses Umgestaltungsprozesses sicherlich nicht so sehr bedauert, als es vom abstrakten Standpunkte der Nationalökonomie aus geschehen könnte. Mögen aber von jetzt an, wo doch die Zukunft gesicherter vor uns liegt, Regierungen, Associationen und einzelne Industrielle um so kräftiger daran gehen, alle der Entwicklung der Eisenindustrie entgegenstehenden Hemmnisse schleunigst wegzuschaffen und die vorhandenen oder neu gewonnenen Grundlagen entsprechend auszu- ^ — 353 — beuten. Man fasse den Kampf gegen die Eisenzölle als Kampf gegen die Ursachen, von denen sie bedingt werden, auf, dann ist der Streit darüber aus der Welt geschafft und das Interesse des Consumenten mit dem des Produzenten versöhnt. , «chgns-güi«) .»-.". ,!-'. s ?nu A '.'litt 5ls.?i?(jliin5'siV All! lMiR Das Interesse der vereinsländischen Eisenindustrie an den Fragen der auswärtigen Handelspolitik. NSit ni chjlDchss cho(> ss,i v« .HMktZi tiüßy»Hz!ißtti>'!S??tt §. 61. Nicht bloß durch Maaßregeln der inneren Handelspolitik und Gesetzgebung vermag ein Staat seine Gewerbe zu schützen und zu heben, sondern in der Regelung der Verhältnisse zum Ausland liegt ebenfalls ein weites Gebiet für Entfaltung der segensreichsten Thätigkeit. Bei der geschilderten Lage unsrer Eisenindustrie liegt es auf der Hand, daß für Roheisen, Slabeisen und gröbere Eisenfabrikate eine bedeutendere Ausfuhr nach neutralen Märkten, wo keine Bevorzugung vor Belgien und England in den Zöllen stattfindet, nicht eher zu erwarten steht, als bis der innere Entwicklungsgang weiter fortgeschritten ist, die Produktion sich ausgedehnt hat und die Selbstkosten noch weiter gefallen sind. Wenn wir erst auf diesem Punkte industrieller Selbstständigkeit angelangt sein werden, dann wird die besondere Fürsorge des Staates, Abzugskanäle nach dem Auslande zu eröffnen, entbehrlicher. Allein in dem gegenwärtigen Stadium gerade kann die auswärtige Handelspolitik die einflußreichste Rückwirkung auf Verbesserung der Lage unsrer Eisenindustrie, auf Beschleunigung ihres Entwicklungsganges und auf Verringerung der Opfer unsrer Consumenten ausüben, so daß derartige Maaßregeln gleichsam ein Komplement der Akte innerer Gesetzgebung bilden, wodurch die äußere Konkurrenz abgehalten und die Selbstkosten des Fabrikats erniedrigt werden. In der angedeuteten Richtung haben die Regierungen, abgesehen von der allgemeinen Fürsorge für Belebung des Ausfuhrhandels, zwei Aufgaben zu lösen, erstens: differentielle Benachtheiligungen vereinsländischen Eisens bei der Einfuhr in andere Staaten abzuwenden, und zweitens: 23 — 354 — differentielle Bevorzugungen imWege vonHandels- Verträgen zu erstreben. In ersterer Beziehung bieten die neueren Vorgänge in der Schweiz den Regierungen Gelegenheit dar, die Fürsorge für die Interessen unserer Eisenindustrie zu bethätigen. Während früher Eisen und Eisenfabrikate dort nur 4 und 8 Kreuz. Eingangszoll zahlten, wurden sie seit 1. Febr. 1850 durch den neuen schweizerischen Zolltarif auf weit höhere Sätze (siehe §. 41.) gebracht. Bleibt nun auch die Regelung des Tarifwesens eine innere Angelegenheit jedes Staates, so lag doch sicherlich in den bedeutenden differentiellen Begünstigungen, die der Zollverein seit 1834 einer großen Zahl schweizerischer Produkte ohne alle Gegenkonzessionen eingeräumt hatte, eine Verpflichtung für jenen Staat bei Aenderungen seines Zollsystems hierauf gebührende Rücksicht zu nehmen. Allein gerade umgekehrt, ordnete der neue Tarif differentielle Benachtheiligungen unseres Eisens an, indem er englisches Erzeugniß bedeutend bevorzugte. So zahlten englisches Stabeisen und Blech nur 8 und 20 Kr., während alles übrige 40 Kr. zu tragen hatte. Erfolgte nun auch auf die diesseitigen Vorstellungen hin die Erklärung, daß mit der Bezeichnung „englisch" nicht das Produktionsland, sondern nur gewisse Sorten gemeint seien, und ist auch demnächst jenes Wort aus dem Tarif entfernt worden, so hat dies doch den eigentlichen Stand der Sache nicht verrückt. Denn man hat jetzt eine bestimmte Preisgrenze gezogen, so daß billigeres Eisen den niedrigen, theureres den hohen Zollsatz zahlen muß. Da aber nun die Preise des diesseitigen Fabrikats — namentlich die feinen Qualitäten badischen Eisens, die bisher hauptsächlich eingingen — über diese Grenze fallen, so hat die vorgenommene Aenderung lediglich eine formelle Bedeutung, und unser Interesse bleibt nach wie vor in gleicher Weise verletzt. — Die vorgenommene Suspension aller früheren Begünstigungen, welche der Zollverein der Schweiz gewährte, zeugt von dem Ernste der Regierungen, unser Interesse in dieser Beziehung zu wahren. Hoffen wir, insbesondere für die hartbedrängte Eisenindustrie Badens und Sigmaringens, daß ein nicht blos formell, sondern auch thatsächlich zufriedenstellender Erfolg errungen werde. Was die zweite Aufgabe unserer ausländischen Handelsvo- — 355 — litik betrifft, nämlich im Wege von Händelsverträgen dif- ferentielle Bevorzugungen des diesseitigen Fabrikats in den Einfuhrzöllen anderer Länder zu erstreben, so kann hierbei die gegentheilige Tendenz, welche dem belgischen Vertrag vom 1. Sept. 1844 zu Grund lag, als Richtschnur dienen. Wie dieser Vertrag die Einfuhr ausländischen Eisens diffe- rentiell begünstigte, um andern diesseitigen Jndustriecrzeugnisscn Vortheile — wie sich noch dazu herausgestellt hat, chimärischer Natur — bei der Einfuhr in Belgien zu verschaffen, bietet sich umgekehrt der weiteste Spielraum dar, dem inländischen Eisen solche Vortheile zuzuwenden. Wir sind dabei nicht der Ansicht, daß dieß auf Kosten anderer Industriezweige zu geschehen habe; hierzu liegt auch gar keine Nothwendigkeit vor, obgleich der größte Theil derselben in der Lage ist, die Konkurrenz des Auslandes wenig mehr zu scheuen. In den Zollsätzen auf Verzehrungsgegenstände, Fabrikmaterialien, Colonialwaaren u s. w. ist hinreichender Stoff gegeben, Begünstigungen, die das Ausland unserem Eisen zuwenden will, zu erwiedern. Mit Ausnahme von Großbritannien, Belgien und Schweden ist kaum ein Land, wo unsere Eisenindustrie keinen Vortheil aus derartigen Verträgen zu erwarten hätte, auch wenn sie auf direkter Gegenseitigkeit beruhten, d. h- dem jenseitigen Eisen die gleiche Bevorzugung bei uns einräumten. Bei Nußland wie den Vereinigten Staaten, bei Dänemark und Holland wie bei Brasilien, bei Spanien wie bei Italien, überall würde uns ein kleiner Vorzug in den Zöllen zu einer Erweiterung unserer Eisenausfuhr die Möglichkeit darbieten, sei es auch vor der Hand bei den entfernteren Ländern nur für feinere Eisensabrikate. Zunächst bleiben es indeß immer die Grenzländer, wo sich — namentlich bei so verhältnißmäßig wohlfeilen und schweren Waaren — die vortheilhaftesten Aussichten eröffnen. Treten wir nun in das konkrete Gebiet der schwebenden handelspolitischen Fragen ein, so sind es vornehmlich zwei derselben, welche sowohl vom Allgemeinen, als vom speziellen Standpunkt der Eisenindustrie aus, unser höchstes Interesse in Anspruch nehmen. Es sind dies die Fragen von dem Zollanschluß des SteuervereinS und von dem Abschlüsse eines engen Handelsvertrags mit Oesterreich. 23» — 356 — a. Der Zollanschluß des SteuervcreinS, !?'Z»D stislsslzgllltguz'l??;E zil^itlii^f Während die Frage von der Gestaltung des künftigen Verhältnisses zu Oesterreich noch vollständig im Schweben ist, dürfen wir den Zollanschluß des Steuervereins mit dem 1, Januar 1854 als gesichert betrachten, da der Vertrag vom 7. Septbr. 1851 allseitig ratifizirt und sanktionitt worden ist. Mit diesem Vertrag ist dem großen Werke, welches Preußen im Jahre 1818 durch die Zolleinigung seiner bisher getrennten Provinzen begann und welches stufenweise zu der Zolleinigung mit den Enklaven, zu dem preußisch-hessischen Verein von 1828, zu dem Vertrag mit dem baicrisch-würtembergischen Verein von 1829 und zu dem Zollverein von 1834 führte, der Schlußstein eingefügt und in dem Gewinn der Nordsee^) die handelspolitische Selbstständigkeit des zollgeeinten Gebietes errungen. Zn Bezug auf die Eisenindustrie stipulirt der Vertrag (Anlage zu Separat-Artikel 11.), daß die Einführung der vereins- ländischen Eisentarifirung mit dem 1. März 1853 ins Leben treten solle. ^) Als Ausnahme wird serner (Separat-Art. 5.) die zollfreie Einfuhr der zur Vollendung der hannöverschen Staatö- eisenbahnen noch erforderlichen Schienen von Seiten Preußens zugestanden. Im Interesse der inländischen Schienenwalzwerke können wir letztere Stipulation natürlicherweise nur bedauern. Ueberdieß giebt die Bestimmung (Art. 13.), daß im Steuerverein keine Nach- ') Eine engere Verbindung mit den großen Seestädten der Ostsee, Hamburg nnd Bremen, wird allerdings die Bcdcntung der Zolleinigung mit dem Stcucrvercin erst vollständig hervortreten lassen. Allein es ist auch Wohl nicht mehr zu zweifeln, daß es baldigst, wenn auch vor der Hand nicht zur vollständigen Zolleinignng, so doch zur Errichtung vereinsländischen Entrepots in den Hansestädten kommen wird. ") Es verlautet allerdings mit Bestimmtheit. (Anfang 1852) daß Hannover auf der bevorstehenden Coufcrcnz der Zollvcrcinsstaaten, abweichend von der durch Separat-Artikel 11. bereits eiugegaugcnen Verbindlichkeit, die Abschaffung des Rohcisenzolls und die Reduktion aller übrige» Eisenzölle beantragen werde. Es läge hierin, namentlich in dem ersteren Postulat, eine schwer zu begreifende Nücküchtlosigkeit grgen die dringenden Bedürfnisse und Wünsche der meisten Vcrcinöstaateu. Wir hegen übrigens die feste Erwartung, daß sich wenige oder gar keine der übrigen Vcreinsglicder solchen Forderungen anschließen werden, wenn sie wirklich auftauchten. — 357 — steuer erhoben werden soll, zu großen Befürchtungen Anlaß, indem die Differenz der bisherigen und der künftigen Besteuerung (siehe 8. 41,) namentlich beim Nagcleisen, Schwarz- und Weißblech u. s. w. zu bedeutend ist, um nicht die Spekulation zur Aufhäufung großer Quantitäten Eisen in Hannover zu reizen, und so die Finanzen des Zollvereins zugleich mit der inländischen Industrie zu benachtheiligen. Die Erfahrungen beim Anschluß Braun- schwcigs, wo trotz der vereinbarten Nachbesteuerung so bedeutende Waarenvorräthe in den hiervon ausgenommenen Artikeln aufgehäuft worden waren, fordern in der That zur höchsten Borsicht in dieser Beziehung auf Hoffen wir, daß die hannöversche Regierung schon im eignen Interesse Veranstaltungen treffe, solchen Spekulationen zuvorzukommen. Hiervon abgesehen ist der Anschluß von Hannover ein für die diesseitige Eisenindustrie äußerst erfreuliches Ereigniß, Wie schon im K, 30. erwähnt, deckt die dortige Eisenindustrie den Bedarf nur zum kleinsten Theil. Es wurden im Steuerverein eingeführt in hannöverschen Centnern ä 100 Pfv,: I85?. IS; Roheisen......... 65,000 Ctr. 60,000 Ctr. Stabeisen und Schienen.. 231,929 „ 268,987 ,, Stahl........... 5,875 „ 7.360 „ Schwarzblech....... 13,418 „ 13,844 „ Weißblech......... 4.643 „ 3,990 „ Draht........... 2.684 „ 2,412 „ Gußwaaren........ 23.318 „ 19.878 „ Eisen- und Stahlwaa ren . 30,015 „ 18,756 „ Summa . . . 436,882 Etr. 395.22? Ctr. Zu dieser Einfuhr lieferte der Zollverein nur: 18!5 iSzz. Roheisen.......... 10.000 Ctr. 8,000 Ctr,*) Stabeiscn......... 7,850 „ 8,347 „ Stahl........... 2,136 „ 2,731 „ Schwarzblech ....... 340 „ 383 „ Weißblech......... 8 „ 28 „ Draht........... 365 „ 274 „ Gußwaaren........ 15,539 „ 11,535 „ Eisen- und Stahlwa aren . 2,970 „ 2,849 Summa . . . 39,208 Ctr. 34,214 Ctr. ') Diese Quanta werden von den ärarischen Werken in den angeschlossenen hannöverschen Gcbictstheilcn »ach dem Mutterlandc geführt. - 358 — Der Antheil des Zollvereins betrug also nur etwa Gesammteinfuhr. Selbst dieser geringe Antheil wäre noch um kleiner geblieben, wenn nicht seit dem Vertrag vom 16. Oktober 1845 unsere Gußwaaren bereits zu dem erniedrigten Satz von 7^- Sgr., statt 20 Sgr., eingingen. Hätten übrigens die Begünstigungen schwedischen Schmiedeeisens und des Nageleisens bei der Einfuhr in den nordwestlichen Theil des Steuervereins nicht stattgefunden, so würde unsere Ausfuhr bedeutender gewesen sein, da in Hannover die Preisunterschiede der besseren Eisensorten unter gleichen Verhältnissen nur wenig oder gar nicht zu unserem Nachtheil stehen. Es ist zu erwarten, daß nach erfolgter Zolleinigung der Steuerverein S seines Bedarfs, oder etwa 310,000 Centner Eisen und Eisenwaaren aus dem Zollverein beziehen wird, also bedeutend mehr, als wir bis dahin überhaupt nach dem gesammten Ausland erportirten. Die außerordentliche Wichtigkeit dieses Anschlusses leuchtet hiernach ein. Auch wird voraussichtlich eine so ausgedehnte Erweiterung des Absatzes nicht blos auf die Werke, denen die Versorgung des Steuervereins unmittelbar anheimfällt (namentlich die Werke an der Ruhr), sondern indirekt auch auf die gesammte Lage der diesseitigen Eisenindustrie den günstigsten Einfluß üben. Was nun die hannöversche Eisenindustrie selbst anbetrifft, so bringt auch ihr diese Umgestaltung der Verhältnisse nur Vortheile. Denn erstens wird die gefährliche Konkurrenz Englands in stärkerem Maaße beseitigt, als die sreie Konkurrenz des Zollvereins, dessen Eisenindustrie im Wesentlichen gleiche Verhältnisse hat, nachtheilig einwirken könnte, wie denn überhaupt die hannö- verschen Hütten am Harz durchschnittlich billiger produziren als die braunschweigischen und preußischen. Zweitens aber eröffnet sich ihnen ein weit vortheilhafteres, nach allen Seiten offenes Absatzgebiet, während sie bisher theils vom Zollverein enklavirt, theils hart an der Grenze belegen, in ihrem Absatz, sowie in dem Verkehr der Eisenwerke unter einander aufs allerempfinrlichfte beschränkt waren. In diesem Umstand allein ist ein ganz neues Entwicklungsmoment für die hannöversche Eisenindustrie gegeben. Vom Standpunkte der Cvmsumtion aus hätte eine Erhöhung der Eisenzölle unter Beibehaltung des bisherigen Umfangs des '.-.-»!"- ^l/L Mi (»Kl ll5ll»MM»G'n^-m» «,n»s 359 — Steuervereins, allerdings ihr sehr Bedenkliches gehabt, wie denn überhaupt Schutzzölle für kleine Gebiete mehr uachtheilig als vortheilhaft wirken müssen. Allein mit der Erweiterung des Zollgebietes auf das Fünfzehnfache der früheren Ausdehnung zusammenfallend, müssen alle diese Bedenken verschwinden. Es liegt auf der Hand, daß in dem vollständigen Wegfall jeder bisherigen Belastung der Einfuhren aus dem Zollverein eine weit größere Erleichterung für die Konsumenten gegeben wird, als der Unterschied zwischen den bisherigen und den künftigen Zollen auf der Grenze gegen das Ausland austrägt. b. Der Handelsvertrag mit Oesterreich. Hq^ 'jyi'V D'Zls »iTsji >..':!>. Zlltsl Wir halten die folgende Erörterung des Interesses unserer Eisenindustrie an der Ermäßigung und dem eventuellen gänzlichen Wegfall der österreichischen Eisenzölle ganz unabhängig von der schwebenden Streitfrage über die künftige Gestaltung des handelspolitischen Bündnisses zwischen dem Zollverein und jenem Staate.*) ') Der Verfasser hat bereits vor einem Jahr seine Ansichten hierüber in einer Broschüre: „Der Fortbestand des Zollvereins und die Handelscinigung mit Oesterreich. Von W. Occhelhäuser. Frankfurt a M. 1851," ausführlicher entwickelt. Er darf in Anspruch nehmen, der Erste gewesen zu sein, welcher vor der Oeffentliebkeit den Nachweis führte, daß der ökonomische Zweck der österreichischen Vorschläge — die Herstellung der inneren Vcrkchrsfrcihcit zwischen beiden Zollgebieten — nicht bloS im Wege einer wirklichen Zolleinigung, sondern auch im Wege eines bloßen Vertrags (also mit Ausschluß der einheitlichen Leitung, der Revenüenge- meinschaft, der gemeinsamen Tarifgesetzgcbung, einheitlicher Zoll- und Handelspolitik gegen das Ausland, kurz aller wesentlichen Attribute eines einheitlichen Zollvereins) vollständig erreichbar sei, und wie nur ein solches Verhältniß, sowohl für jetzt als für die Zukunft, den politischen, handelspolitischen und finanziellen Interessen PrcnßenS und der übrigen ZollvereinSstaatcn entsprechen könne. Als Grundlage einer solchen Verbindung des Zoll- und StencrvercinS stellt diese Schrift den Vertrag vom 27. Mai 1829 hin, wodurch die Vcrkehrsfrcihcit zwischen dem preußisch-hessischen uud dem baierisch- würtcmbcrgischen Verein hergestellt wird, ohne im Mindesten die Gleichheit der Tarife, Ncvcuücngcmeinschaft, überciustimmeude Zollgesetzgebung und Gemeinsamkeit der Verhältnisse zum Ausland zu iuvolvireu. Und gegen diese Punkte allein, nicht aber gegen die ökonomische Seite der österreichischen Vorschläge, richten sich die diesseitigen Bedenken. Eine Vermittlung der seitherigen Differenzen liegt also vollständig im Bereiche der Möglichkeit und die Interessen beider Zollgebiete drängen darauf hin. — 360 — Vor der Hand ist überhaupt nur vom einem Handelsvertrage die Rede, wo;u man von allen Seiten geneigt ist; wie sich das Verhältniß künftig zu gestalten hat, das findet sich im Laufe der Zeit von selbst. Nach den stattgehabten Erörterungen über die Lage und das Entwicklungsstadium der diesseitigen Eisenindustrie im Verhältniß zur österreichischen bedarf es des besonderen Nachweises gar nicht mehr, daß wir die dortige Konkurrenz durchaus nicht zu scheuen haben, sondern im Gegentheil in Oesterreich ein weites Absatzgebiet für alle Sorten Eisen und Eisenfabrikate finden würden. Bedürfte dies noch eines Beweises, so läge er sicherlich in dem Umstand, daß die mit dem 1. Februar d. I. in Kraft getretene neue Besteuerung, trotz ihrer immer noch sehr hoben Sätze, doch schon den Abschluß ziemlich bedeutender Lieferungsverträge für Eisenbahnbedarf, sowie einen Absatz in verschiedenen Eisenwaaren nach Oesterreich zur Folge gehabt hat. In den Enquöten des volkswirthschastlichen Ausschusses der frankfurter Nationalversammlung war speziell an die diesseitigen Eisenproduzcnten und Fabrikanten die Frage gerichtet worden, welchen Einfluß sie von der Herstellung der Verkehrsfreiheit mit Oesterreich erwarteten. Mit Ausnahme des Königlichen Bergrathes zu Stuttgart und verschiedener Eisen- und Eisenwaarenfabrikanten Würtembergs, der Oberpfalz und Nheinbaierns, sowie mehrerer Stahlproduzenten, versprachen sich alle Betheiligten einen weit überwiegenden Nutzen von einer solchen Maaßregel. Sie würde aber offenbar für keine Gegend segensreicher wirken, als für die schlesischen und sächsischen Eisendistrikte. In Schlesien ist eine Grundlage für die Eisenindustrie, insbesondere für den Betrieb bei Steinkohlen gegeben, wie sie in Oesterreich (Mähren und Böhmen) auch vielleicht vorhanden, allein noch gar zu keiner Entwicklung gebracht ist. Die Schutzbedürftigkeit und das verhältnißmäßig geringfügige Wachsthum des schlesischen Eisengewerbes kommen zum größten Theil auf Rechnung des außerordentlich ungünstig gestalteten Absatzgebietes, und liefern damit den Beweis, wie sehr die Handelspolitik der Nachbarstaaten auf die Nothwendigkeit von Schutzzollmaaßregeln hindrängen kann. Am äußersten Ende der, zwischen zwei der Eisenindustrie hermetisch verschlossenen Zollgrenzen eingekeilten, Provinz belegen, — 361 — ist der Absatz an Eisen nur nach nordwestlicher Richtung hin möglich, und das von Norden eindringende englische Eisen muß durch Besteuerung soweit zurückgehalten werden, um dem schlesi- schen Fabrikate ein eben hinreichendes Absatzgebiet offen zu lassen. Es ist klar, daß eö der schlesischen Eisenindustrie gleichgültiger sein könnte das ausländische Produkt noch viel weiter vordringen zu sehen, wenn ihr dagegen ein Abfluß nach Süden gestaltet würde. Namentlich gilt dies von Industrien, die so schwere und verhältnißmäßig billige Erzeugnisse liesern, wie Roh- und Stabeisen u. dergl., wo also die Frachten gleich einen so bedeutenden Prozentsatz des Werthes ausmachen. Man sieht hieraus, welche Wechselwirkung zwischen der geographischen Gestaltung eines Absatzgebietes und der Schutzbedürstigkeit der darin ansässigen Gewerbe stattfindet, und wie sehr Maaßregeln der auswärtigen Handelspolitik diesen Zustand zu verbessern und damit auch den Konsumenten Erleichterungen zu verschaffen im Stande sind. Wenn Oberschlesien nach Oesterreich hin debouchiren kann, dann dürsten keine wesentlichen Gründe mehr entgegenstehen, den Ostseeprovinzen, falls noch keine allgemeine Reduktion stattfinden kann, doch wenigstens eine differentielle Ermäßigung der Eisenzölle zu gewähren. Der diesseits bestehende Ausgangs zoll auf Roheisen von 7^ Sgr. pro Centner war bisher für Schlesien etwas ziemlich gleichgültiges. Seitdem aber die Möglichkeit einer Ausfuhr nach Oesterreich gegeben ist, darf es wohl als selbstredend betrachtet werden, daß die Aushebung jener Maaßregel schleunigst erfolge. Für die sächsische Holzkohlen- und Coaks-Eisenindustrie gilt ganz dasselbe was von Oberschlesien gesagt ist. Insbesondere würde das Zwickauer Kohlenrevier einer der günstigsten Punkte für die Entwicklung einer ausgedehnten Eisenindustrie werden, welche Deutschland aufzuweisen hätte. Uebrigens würde auch die rheinische und westphälische Eisenindustrie, namentlich mit Benutzung des Donau-Main-Canals, zum Absatz nach Oesterreich ihr Contingent beitragen können, wie überhaupt in direkter oder indirekter Weise die Einflüsse einer so außerordentlichen Erweiterung des Absatzgebietes bis nach den fernsten Eisendistrikten sich geltend machen müßten. Und wie schon in der Betriebserweiterung selbst ein Hauptmoment für Beschleunigung des inneren Entwick- — 362 — lungsprozesses und Reduzirung der Selbstkosten gegeben ist, so würden die diesseitigen Consumenten an den Vortheilen der Produzenten in gleichem Verhältniß partizipiren. Stellen wir uns nun in dieser Frage auf den Standpunkt des rein österreichischen Interesses, so haben wir bereits oben (§. 31.) ausgesprochen, daß der dortige Konflikt zwischen Produktion und Consumtion viel weiter geht als im Zollverein, und daß dort in höherem Grade subjektive Ursachen im Spiele sind. Die nothwendige Vermittlung dieses Confliktes kann aber weit besser, als durch künstige Bemessung der Zollsätze gegen die übermächtige Industrie Englands und Belgiens, durch Zulassung der Konkurrenz eines Nachbarstaates bewirkt werden, wo die Grundlagen der Eisenindustrie nicht günstiger, sondern nur etwas weiter bereits entwickelt sind. Ein solcher gleichmäßiger und ganz erträglicher Druck durch die Konkurrenz deS Zollvereins wird die Entwicklung der österreichischen Eisenindustrie nicht hemmen, sondern nur fördern. Ueberdieß läßt sich noch ein solches Steigen der Eisenconsumtion in Oesterreich voraussehen, — vermehrt sie sich um 5 Millionen Centner jährlich, so hat sie verhältnißmäßig noch nicht einmal die jetzige Höhe der Zollvereinsconsumtion erreicht — daß selbst der bedeutendste Absatz vereinsländischen Eisens, und sei eS mehr als eine Million Centner jährlich, die quantitative Entwicklung der dortigen Industrie nicht beeinträchtigen wird. Aber auch vom Standpunkt der österreichischen Produzenten aus, bietet sich sofort ein Aequivalent für die diesseitigen Vortheile des Absatzes in Eisen. Wenn nämlich bei den jetzigen Sätzen des Zollvereinstarifs (Thlr. 1. 15 Sgr, pro Centner) jährlich 16 — 20,000 Centner steirischen Schmelzstahls aus Oesterreich eingeführt werden konnten, so steht natürlicherweise eine außerordentliche Steigerung zu erwarten, wenn diese Belastung weggeräumt ist. In der That hatten die diesseitigen Ctahlproduzcnten zu den gegen die Verkehrsfreiheit mit Oesterreich geäußerten Bedenken ganz trifftige Gründe, während die meisten von ihnen allerdings einsahen, daß die allgemeinen Vortheile einer solchen Maaßregel den Nachtheil, den sie speziell zu erwarten hätten, mehr als ausgleichen müßte. Uebrigens steht, uach den neuesten Fortschritten, die Krupp in Essen, Huth und Comp. in Hagen und andere Fabrikanten jener Gegend in der 363 — Fabrikation feiner Gußstahlsorten gemacht haben, wohl mit Grund zu erwarten, daß sich hierin ein nicht unbedeutender Absatz nach Oesterreich finden lassen werde. Auch der Puddlingstahl hat Aussichten dazu, so daß also selbst im Schooße der Stahlindustrie sich einige Ausgleichung für die Einfuhr steierischen SchmelzstahlS ergeben möchte. Aus dieser kurzen Darstellung wird man entnehmen, wie sehr auch auf dem Gebiete der auswärtigen Handelspolitik für die Interessen der vereinslandischen Eisenindustrie gearbeitet werden kann, wie sich auf solchen Wegen deren traurige Lage verbessern, die Schutzbedürftigkeit vermindern, die Entwicklungsperiode bis zur vollen Konkurrenzfähigkeit abkürzen und die Opfer der Konsumenten verringern lassen. <- ^ , . . s ch l u st. ES giebt zwei Wege eine Krankheit zu beseitigen: entweder man schlägt den Kranken todt, oder man kurirt ihn. Den bestehenden Conflikt zwischen Eisenverbrauch und Eisen- gewerbe durch sofortige Wegschaffung oder wesentliche Herabsetzung der Eisenzölle lösen wollen, das heißt sich für erstere Alternative aussprechen. Ihr Zeit zur Genesung gönnen, zur Kur die Hand mitanlegen, die Ursachen der Vertheuerungskrankheit wegschaffen, das ist die andere Lösung. Daß aber der Kranke die Kurkosten werth, daß die Krankheit keine unheilbare und keine chronische, sondern nur akuter Natur, daß der Organismus selbst ein gesunder sei, dieß sollte der zweite Abschnitt dieser Schrift beweisen. Dem Urtheil aber aller Unparteiischen, und vornehmlich dem Urtheil der deutschen Staatsmänner, geben wir anheim, ob dieser Beweis geliefert worden ist oder nicht. Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.