Vorakademische OncHdrncKerHeschichte bei' Eine Festschrift Gustav -S ch w e t s ch K e. Mit einem Anhange: I. Ehren - ZIcttiing des sächsischen Mcrscburg, als dcs DruckortS „IN ars i]i olis " und „Merstborg" oon 1473, und mithin als der ältesten norddeutschen Drurkstättc. 11. EupplcmcntarischcS 311 Hain, Ebert , Tchaab n»d Wett«». Zwei Tafel» Abbildungen. Halle, Gebaucrschc Bnchdruckcrci und Buchhandlung. 1840. I D o r W o r t. ic Halle im Hcnnegau an Justus Lipsius^) und die gleichnamige schwäbische Stadt an Johann Peter von Lndewig^) berühmte Lobredner «nd Annalisten gefunden, so darf auch unser Halle ausgezeichneter Geschichtschreiber sich rühmen, unter welchen Johann Christoph von Drey- Haupt, der Verfasser der diplomatisch-historischen Beschreibung des Saal-Creyscs 3 ) die erste Stelle einnimmt. 1) ZZgl. „Diua Virgo Hallensia. Beneficia eius et miracula hon-X sule atque ordine descripta« Antaerpiae, cx ofilc. Plantin., ap. Moret. 4. 1004. 2) In „Halarum nobilis ac lib. S. K. 1. civitatis eneomium, in gymnasio patrio scriptnm et publice in tloctoruni pancgvri recilatum, 1G88.", uilb: Commentaria politica reriun Halensium S. R. I, liberae civitatis, 1099." 3) Siuci Theile. Fol. Halle. 1749. 17.10. -scM iv #ß> Ungeachtet so höchst bedeutender Leistungen ist jedoch die ältere Bibliographie unserer Stadt ein fast gänzlich vernach- lässrgter Theil der Hallischen Chronik geblieben, so daß eine neue umfassende Bearbeitung der hiesigen Buchdrnckergeschichte früherer Zeit, bei dem Herannahen des große» typographischen Säcular - Festes, doppelt angemessen erscheinen durfte. Mehrere Freunde und Forscher des vaterländischen Alter- thums haben mich bei diesem Nntcrnchmen durch willkommene Beiträge erfreut, und ebenso ist mir hierzu die Benutzung hie- sigcr und auswärtiger Bibliotheken mit höchster Liberalität gestattet worden, wofür ich besonders dem Herrn Geh. Rath und Professor Dr. Voigtel, Ober - Bibliothekar der hiesigen Universitäts- und Vorsteher der Marien-Bibliothek, den Hrrn. Ober - Bibliothekaren Dr. Falkenstein und Dr. Gersdorf in Dresden und Leipzig, und Hrn. Dr. G. Friedländer, Custos der Königl. Bibliothek zu Berlin, zu angelegentlichem Danke mich verpflichtet fühle. Dem Wunsche, daß die gegenwärtige Schrift der bevor- stehenden Feier eine immer größere Theilnahme gewinnen und zugleich den Monographiec» sich anreihen möge, welchen der -sA V ^>5ß> letztgenannte verdiente Bibliograph (in den Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik. 183!). Nr. So.) eine so höchst günstige Aussicht eröffnet, habe ich, mit Bezng ans den ersten Anhang, nur noch hinzuzufügen, daß ich mich der Ehren - Ncttung i unserer Nachbarstadt Merseburg um so lieber unterzogen, als es ja dem Ruhme eines Namens galt, welcher schon einmal in großem Kampfe gegen einbrechendes Barbarthum siegreich voranleuchtctc. Halle, am ss. März 1840. G. K> Inhalt. Einleitung: Verbreitung der Buchdruckerkunst im fünfzehnten Jahrhundert........ Seite l Hallische Zustande beim 2Cu£gmige des fünfzehnten Jahrhunderts............ „ 4 Die angeblichen Sermones Fratrnm Bohemornm . „ 7 Der pfeudo-hallische Lucan von 1472 ..... „ 9 Leiinbach'S Practtca von 1499 ^...... „ 15 Die ersten Decennien des sechezehnten Jahrhunderts „ 18 Das Werzeichniß der Heiligthümcr des Neuen Stifts. Gedruckt zu Halle im Jahre 1520 .... „ 20 Die Hallische Typographie in den Jahren 1521 bis 1541............... „ 27 Hans Frischmuth und die Jahre 1642 bis 1672 „ 36 ~'V o-M VII M»- Cap. X. Die LieSkau'schc Buchdruckern. 1572 .... Seile 44 „ XI. Urban Gaubisch (G-ubis i us). 1578 ... „ 49 ,, XII. Die Bachdruckerei zu Glaucha. 1579 .... „ 53 „ xiii. Paul Gräber. 1590 ......... „ 58 „ xiv. Wolfgang Meißner. 1597 ....... „ co „ XV. Hans Bockstedt. 1598 ......... „ 62 „ XVI. EraSmue Hynitzsch (Hynitzins). 1603 . . .. 63 „ XVII. Christoph Bißmarck. 1611 ...... „ 65 „ XVIII. Peter Schund, alias F ab er. 1615 ... „ 67 „ XIX. Die Salfeld'scheu Buchdruckcreicn. 1625 . . „ 68 „ XX. Die Oelschlcgcl'scheu Buchdruckercieu. 1627 . „ 71 „ XXI. Johann 3?appoldt. 1650 ....... „ 73 „ XXII. Christian Bester. 1662 ........ •,; 74 „ xxill. Carl Walther. 1673 ......... „ 75 „ XXIV. Josua Steg mann.......... „ 76 „ XXV. Samuel Spörel, Joh. Bauer, Christian Ficke, Hallische Buchdrucker?...... „ 77 „ XXVI. Der artistische und wissenschaftliche Standpunkt der Hallischen Typographie und der Einfluß peliti- scher Verhältnisse auf dieselbe...... „ 79 „ XXVII. Typographische Namen in Halle und namhafte Typographen aus Halle gebürtig..... „ 83 „ XXVIII. Die typographischen Säcularfeste in Halle . . ,.89 -*# VIII 9P3> Nachträge. 1. EtneMallisch« LÄterie - Änkünvt^itng aus dcr Zcit des Erz- bischoft Ernst. (Zu Capp. V. und VI.) . . (Seite 103 2. E b c t I) n t t Gurr c m l' c r c, von H a l l c 1518. (Zu Eap. XXVII.) ........... ,, 106 Anhang. I. Ehre» - Rettung des ftchsischen Merseburg, alt- hcS Druck- »rtS „Marsipolis" und „Merßborg" von 1473, und niiifni! als der ältesten norddeutschen Druckstättt............. „ 109 II SupplemenrarischeS z» Hain, El'ert, Schaa^ und Wcttcr............. „ 122 Cap. I. Einleitung: Verbreitung der Bnchdruckerkunst im fünfzehnten Jahrhundert. ÄMMaum hatte die von dem unsterblichen Johann Guten- berg erfundene Kunst des Bücherdruckes aus Peter Schöffcr's Hand die letzte technische Weihe empfangen, als sie mit mächtigem Schritte ihren Weltgang begann. An mehr als 200 Orten finden wir noch während des funs- zehnten Jahrhunderts über 1300 Officinen, viele freilich nur sehr vorübergehend, thätig, aus welchen wohl gegen 20,000 größere und kleinere Druckwerke gefördert wurden *). Obgleich die meisten jener J) Hai» giebt in seinem Rcpcrloriuni bibliogeaphicum 16,299 Nlljnern. Welche Nachlese aber möchte, besonder? an kleineren Druckstncken, dazu gehalten werden können! ^Qi^^N ->^, ^ tj^ typographischen Werkstätten den bedeutenderen Städten Italiens und Frankreichs, vorzugsweise Bologna, Florenz, Lyon, Mai- land, Neapel, Paris, Pavia, Rom und vor Allen Venedigs) angehörten, so erfreute sich doch auch die neue Kunst in Deutschland, besonders in dem südlichen und mittlern Theile, einer willkommenen Aufnahme und Pflege. Außer den Ofsicinen des Ersindungsortes Mainz und der räthselhasten Presse Albrecht Pfister's zu Bamberg (welche schon um das Jahr 1460 nach Mainz die allerersten Erzeugnisse lieferte) erblicken wir Cöln, Straßburg, Augsburg, Nürn- berg, Basel und andere ansehnliche Städte jener Gegenden bald iin rüstigen Schaffen begriffen, während in dem Norden unseres Vaterlandes Leipzig allein eine den bezeichneten Orten nahekom- inende großartige Wirksamkeit (der ersten bereits vor 1480 gegrün- deten Ofsicin folgten bald gegen 9 Anstalten) entwickelte. Neben Leipzig aber sind im nördlichen Deutschland nur noch unser nahes Merseburg, wo Lucas Brandis aus Delitzsch 2) Die berühmten glcichzcirijZc» Versc Sannazar's zum Lobc Vciicdigi, dürften kaum noch der Uebertreibung geziehen werden, wenn man erfährt, daß leite Stadt bis zum Ende des 15. Jahrhunderts vor allen übrigen Orten die meisten, nämlich gegen 200 Officinen zählte, welche gewiß weit über 3000 Werke (Panzer führt deren 2835 an) zu Tage förderten. <<« V^^ytP schon 1473 thätig war 3 ); dann das handelsmächtige Lübeck, wohin Lucas Brandis de Schaß im Jahre 1475 die Kunst verpflanzte; ferner die Metropole des deutschen Primats, Mag.de- bürg, welches 1483 die Kunst empfing, mit den Buchdruckern Albert Rauenstein, Joachim Wcstval, Simon Koch und Mauritius BrandiS, und endlich die Städte Rostock feit 1476, Stendal feit 1488, Hamburg feit 1491 und Lüncburg feit 1493, aufzuführen, wiewohl es einen nicht geringen Grad von Wahrscheinlichkeit hat, daß, gleich dem Kloster Zinna bei Jüter- bogk und vielleicht noch einigen anderen Orten, auch unser Halle sich rühmen darf, Jncunabeln im engern Sinne, d. h. Druckwerke des 15. Jahrhunderts, hervorgebracht zu haben *). 3) Bgl. den Ersten ?lnhang. 4) Außer der bedeutenden nachmainzischen Wirksamkeit der gesammtcn Niederlande (eine frühere hollcindiscbe Typographie ist weder erwiesen, noch auch wahrscheinlich), und den zahlreiche» Pressen Spaniens, sind noch die wenigen Officincn Englands und Portugals, die in Böhmen, Oesterreich, BreSlau, Ofen und Krakau, so wie endlich die ii» nördlichen Europa errichteten zu Stockholm (1483), Schleswig (1486) und Copcnhagcn (1490) schließlich ;u erwähnen. Cap. II. Hallische Zustände beim Ausgange des fünfzehnten Jahrhunderts. Wem Zeugnisse eines früheren Schriftstellers, des sonst wohlver- dienten Johann Georg Kirchner zufolge, wäre es zwar 1) Zoh. Georg Kirchner schrieb ali Collega quartus des Hallischen Gymnasiums einen historischen Vorbericht zu de» „OeffeMichen Jubelzeug- nissc»" über dciS iin Jahre 1740 hier begangene Säcularfest. In einem durchschossene» Exemplar, welches Hr. Justizrath Dr. Dryander besitzt, hat der Verfasser, der sich auch sonst um die Geschichte unserer Stadt verdient machte und als ArchidiaconuS an der Marienkirche im Jahre 1772 starb, mehrere schätzbare Notizen nachgetragen. — Dreyhaupt giebt in dem Capitel über die hiesige» Buchläden, Buchdrucker ». (Th. II. S. 55 fgg.), mit Ausnahme der Nachricht über Frischmuth, nur höchst Dürftiges und meist aus Kirchner Entlehntes. Dasselbe gilt von der Darstellung in „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst", Leipzig, bei Geßncr 1741, 3r Theil S- 289 fgg., welche fast ganz aus Kirchner entnommen ist. Iu Olearii Halygrapliia, Leipzig 1607, uud Halygr. aucta et contiu., Halle 1679, wird die Geschichte der Hallischen Buchdruckerkunst ganz Übergängen, und i» Stiebritz's Auszug und Forlsetzung der Drey- haupt'schen Chronik, 2 Bande, Halle 1772, 1773, ist die kurze Nachricht bei Dreyhaupt nicht einmal vollständig abgeschrieben. -«Hz 5 4r^> außer Zweifel, daß unsre Stadt schon in den letzten Dccennicn des fünfzehnten Jahrhunderts einer bedeutenden typographischen Thätigkeit sich zli erfreuen gehabt habe; jene Angabe ermangelt jedoch gänzlich jeder näheren Begründung, so daß sie nur als der Ausfluß eines zu weit getriebenen Eifers für den Ruhin und den literarischen ^ Namen der Vaterstadt zu betrachten ist. Allerdings genoß Halle schon seit Jahrhunderten eines nicht unbedeutenden Ztnsehens und eines vorzugsweise durch seinen Salz- Handel blühenden Wohlstandes, aber gerade die Hallischen Zustande damaliger Zeit waren in keiner Weise geeignet, einwandernden Typo- graphen Aussicht auf gewinnreiche oder nur ungestörte Betreibung ihrer Kunst darzubieten, wahrend der benachbarte Universitätsort Leipzig, mit welchem Halle überdies einen langjährigen, wiewohl unblutigen Zwist wegen des.Neujahrsmarktes nährte, ungleich größere Vortheile gewähren konnte, was auch von Seiten des unfern gelegenen Magdeburgs der Fall gewesen seyn muß; der Nähe der Univer- sitätsstadt Erfurt und des bischöflichen Sitzes Merseburg, wo, wie spater anzuführen, wahrscheinlich ganz besondere Umstände die so frühe Errichtung einer Officin veranlaßten, nicht zu gedenken. Vorzüglich wareil es in Halle innere Zerwürfnisse, eine bis zum Aeußcrsten, sogar bis zu gewaltsamer Einmischung der erzbischöf- lichcn Regierung gediehene Spaltung zwischen Rath und Pfännerschaft, und dann die Persönlichkeit des Landesherrn, des jungen Erzbischofs Ernst, so wie der beinahe die letzten Decennien des 15. Jahrhunderts <8 6 #»* ausfüllende Prachtbau eines neuen Schlosses, welche hemmend oder mindestens nicht fördernd auf jedes bedeutendere Unternehmen einwirken irntfjtem Der Regent, ein geborner Herzog zu Sachsen, war 1-176 in dem Alter von 12 Jahren zum Erzbischof von Magdeburg (bis zum Jahre 1489 regierte er als Administrator) gewählt worden; und obgleich er eine so große Vorliebe für Halle hegte, daß er diese Stadr daS „Herz des Erzstifts" zu nennen pflegte und auch hierher in die von den Jahren 1484 bis 130Z erbaute Moritzburg seine Residenz aus dem Schlosse Giebichcnstein übertrug, so giebt doch nichts davon Zeugniß, daß er oder seine Umgebungen darauf bedacht gewesen, den fürstlichen Aufenthalt auch durch besondere Pflege der Wissenschaften zu schmücken. Aus mehreren bekannt gewordenen Umstanden seines Privatlebens, so wie aus der Verfassung der Geist- lichkeit bei der kurz nach seinem Tode begonnenen Reformation, ist vielmehr zu entnehmen, daß ein die strengereu Schranken überschreitendes Wohlleben in seiner Hofhaltung und äußerer Prunk den sonst löblichen und wohlwollenden Fürsten vielleicht allzusehr beschäftigt habe. Aus allem Vorangeführten erklärt es sich denn auch, wie nur wenige, zusammen drei, bestimmter lautende Angaben auf eine typo- graphische Thätigkeit unserer Stadt im 15. Jahrhundert hinweisen. Die Erörterung jener Anführungen folge zunächst. Cap. in. Die angeblichen Sermones Fratrum Ilolicmortun. dem historischen Vorberichte zu der Hallischen Buchdrucker- Jubelschrift vom Jahr 1740, S. 14. erzählt I. G. Kirchner, daß „ihm ein geneigter Gönner (der Assessor 0. Johann Georg „Francke, Bibliothecarius) versichern wollen, es fanden sich aus „hiesiger Bibliothek bei der Kirche zu U. L. Fr. einige Sermone« „von den fratribus Bolieniorum in fol., welche bereits im 15. Sae- „culo allhier zu Halle gedruckt seyen; die er (K.) aber wegen „Kürze der Zeit nicht aufsuchen können." Nach einer bereitwilligst mir gestatteten Durchmusterung jener Sammlung ist aber nicht das Mindeste davon aufzufinden gewesen, und eben so wenig hat sich aus den Katalogen irgend näher darauf Bezügliches ergeben, so daß obige Angabe, welche überdies einer Zeit angehört, in welcher für die Ersindungs- und Verbreitungsgeschichre der Buchdruckerkunst kaum die ersten Vorarbeiten geschehen waren, <8 ty 8 wohl unbedenklich als eine völlig grundlose, ans einer Verwech- seimig mit andern dort häufigen alten Drucken 1 ) beruhende zu betrachten ist, i) Sie Anzahl der Jncuncibcln aus dem fünfzehnten Jahrhundert beläust sich in vcr gedachten Bibliothek, welche im JahÄ 1560 von dem Pastor Primär, und Superintendenten M. Sebastian Boötius gestiftet und durch deden- leude ?lnkäufe und Legate vergrößert wurde, auf ungefähr 300 Siummi. Außerdem besitzt sie »och einige Blätter in Holzschnitt, Kupferstich Und ge- schrotcncr Arbeit aus jenem Zeitraum. Eine besondere, bis zur Errichtung der Universität reichende Mitthci- lung über diese und frühere hiesige Bibliotheken, so wie eine Geschichte des hiesigen Buchhandels, ein Berzcichniß sämmtlicher hier erschienenen Schrift tcn und ein Supplement zu DreyhauptS GeschichtS-Quellen und Hallischer Gelehrten - Geschichte jener Zeit, wozu die Materialien großentheilS vorhanden sind und wodurch die gegenwärtige Schrift eine wesentliche Erläuterung erhält, folgen vielleicht später und würden so eine vollständige vorakademische Bibliographie der Stadt Halle bilden. ■■■■■■MHHHHHr Cap. iv. Der pseudo - hallische Lucan von 1472. CÜvaf Rewiczky, welcher unter dem Namen „Periergus D cltopliilus" einen Katalog seiner werthvollen Sammlung grie- chischcr und römischer Klassiker (Berlin 1784; 3. Ansl. ebendaselbst 1794) herausgab und unter den Ausgaben des Lucanus auch folgende aufführt: „Lucanus. 4. Halac 1472. litt gotfi. v. m.", sagt in der Beschreibung derselben: j: CcUo editiou est incorniuc a tous les bibliographes", und fügt am Schluß Hinzu: — „on lit a Ia fin cette souscription: Finis. Halae „M. CCCCLXXII. L'on voit apres cette souscription les Hallifch« vnchdruckerg«schi cM c. 2 1 „In the third place, whoever cxamines thc Datc atlen- „tivcly, niay sce that it is, in all probability, introduced „separately, and subscquently to thc printing of the body „of the work. Thc M and C are materially different; „and there is a smcarcd bungling appearance about this „line, forming thc dato, very different from that of thc „gcneral workmanship of thc volumc. The printcr, too, „would hardly have inscrted his device so closely bcneath „thc line of the dato. „The presont eopy is in very indifferent condition: in „calf binding." Ebert endlich enthüllte mit seinem selten fehlenden Schars- blick die ganze Fälschung, wie der nachstehende Artikel fllv. 12322 seines Bibliographischen Lexikons zur Genüge darthut: „LttcÄNI Piiarsaliv. Halae 1472. 4. got/t. „Das obige Datum des Rewiczkyscben, jetzt Spen- „cersch. Ex. ist entschieden falsch und von einem Betrüger hinzugefügt. Nach der Beschreibung desselben „in bibl. Spenc. II, 143. ist es augenscheinlich, dass es „nichts anders sei, als die Ausg. * cum praef:'Pt. Aeolici „o. 0. u. J. (Lps. Mi. Herbipolensr, um 1496), 4. goth. „218 Bll. mit 19 Zcil. und der Sign. A —NN (statt I- „steht unrichtig A?). Damit fällt die Vermuthung, dass „1472 ein Druckfehl. statt 1522 sei, von selbst nieder. 13 tK> ^eP 8> „Uebrigens ist der Text dieser Leipz. Ausg. bloss aus „der Brixiana 1486 abgedr." Ein eignes Spiel des Zufalls aber ist es, daß die von Dib- din so genau beschriebenenZnsignien des Druckers, des Baccalaurcus Martin Landsberg von Würz bürg, welcher gegen das Ende des 15. Jahrhunderts eine Osficin in Leipzig gründete, mit den beiden Wappen von Halle (das altere zeigt ein Kastell, das neue einen Halbmond zwischen zwei Sternen) sast ganz übereinstimmen; weshalb wir, da Martin Landsberg überdies noch einmal in genauer Beziehung zu der Hallischen Buchdrucker- geschichte vorkommt, die Scuta jenes Typographen diesem Abschnitt voranstellten. Schließlich muß noch eines Druckfehlers erwähnt werden, welcher, durch diesen Lucan veranlaßt, sich bei dem Namen Ilalac in das erste Orts-Register bei Panzer (im 5. Band) eingeschlichen hat. Dort wird nämlich die Jahreszahl 1482 mit Berufung auf den 4. Bd. S. 494. hinzugefügt, wo allerdings in der Uebcrschrift zum Lucan fälschlich MCCCCLXXXII. steht. Dieser Druckfehler ist aus Panzer wieder in den Inder zu Hain's Repertorium bibliographicurn übergegangen, da ich auf eine an den Herausgeber der nach Hain's Tode erschienenen letzten Abtheilung gerichtete Bitte um Auskunft über die Stelle im Inder: i 5 ßm m i *SI >X .-c./^^ "I /I o . 14 >M ' „llalae (1482)* Sine typogr. noni." die Mittheilung erhielt, daß sich dieselbe auf den Lucan beziehen solle. Auch Henry Cvttvn hat den Druckfehler 1482 in seinen „Typographical Gazetteer", ein bei einer großen Menge geographischer und bibliographischer Unrichtigkeiten doch höchst verdienstliches Werk, (2. Auflage 1831, Oxford, at the university press) aus Panzer mit hinüber genommen. Cap. v. Leimbach's Practica von 1499. IPie dritte und mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein Hallisches Druck-Erzeugnis; des 15. Jahrhunderts hinweisende Angabe ist in dem von Joh. Georg Gesner herausgegebenen „Verzeichnis! der aus der öffentlichen Bibliothek zu Lübeck befindlichen vor 1500 gedruckten Schriften" enthalten. Nach der mir vorliegenden, von Ludwig Suhl neu bearbeiteten Ausgabe (Lübeck 1782) lautet die bezügliche Stelle sauf welche auch Panzer in seinen Annalen der deutschen Literatur S. 244. sich stützt) S. 72. folgendermaßen: „27!). Practica deutsch Georgii Lcimbachs disies jarcS nach Christi vnsers Herr» geburt. »I. CCCC. XCIX. Sto. Zu .*>nl(c in Sachsen wi« die Somfcc ?ciflct. ES sind mit 3 Sogen." Meine Bemühungen, diese höchst dürftige Angabe durch eigne Ansicht des Buches zu erganzen, und namentlich zu ermitteln, ob «8# 16 «§S8> Halle wirklich der Druckort l ) oder vielleicht nur der Absas- sungsort desselben gewesen, sind leider ohne Erfolg geblieben, da eine von mir veranlaßte Nachsuchung in der Lübecker Bibliothek er- geben hat, daß das Schriftchen wahrscheinlich verloren gegangen ist und so das Schicksal mehrerer Werke getheilt hat, welche Suhl selbst (vgl. dessen Vorrede S. 17.) nicht aufzufinden vermochte. Möglicherweise ist es auch einem andern Werke beigebunden und so den Nachforschungen unzugänglich geblieben "'). 1) Panzer o. a. O. hält, was auch aus der in dem GeSner-Suhl'schen ÄZcvzeichnisse üblichen Fassung wohl anzunehmen ist und wie Hain ebenfalls thut, Halle für den Druckort, indem er von dem Buche sagt: „Ist nur 3 Bogen stark und besage der Borrede zu Halle in Sachsen gedruckt." Im Widerspruch mit dieser?lnnahme steht, daß Panzer in demselben Werke dav „Verzeichnis! der Hciligthümer K. von 1520" (vgl. Cap.VII.) den ersten Hallische» Druck nennt. Hrn. Sie. Dr. Forstem a n n gebührt das Verdienst, auf jenen Widerspruch zuerst (in den Provinzial- Blättern für die Provinz Sachsen, Jahrg. 1838. Nr. 101.) aufmerksam gemacht zu habe». Zu bedauern ist, daß der von dem eben genannten namhaften Forscher unseres vaterländischen Alterthums begonnene Aufsatz über die „Aeltere BuchdruHrgeschichte der Provinz Sachsen" (vgl. Prov.- Blätter 1839. Nr. 72. und mehrere folgende Stücke) noch nicht fortgeführt worden. Das bisher Gegebene bezieht sich nur auf die Typographie Erfurts. 2) Sollre sich diese Vermuthung bestätigen, so wäre dies ein neuer Beweis dafür, wie wünschenSwerth und oft ganz nothwendig bei Citaten seltener U»d namentlich kleinerer Schriften die ?lngabc der Bibliothek-Signatur ist. <0# 17 #8> Bon demselben Leimbach (oder Veymbach) erschien früher ein „Tudicium pro a. 1498" (vgl. Hain' s Rcpcrt. Nr. * 10064.), worin derselbe sich einen „ Baccalariurn alnic vniucrl'itatis Cra- couiensis olim scrcnissirai principis Ducisquc Henrici Gloczcn- fis aftrologum et phisicum" nennt, und welchem er eine „cura de niorbo queni vulgus rnalurn francol'um appellat" angehängt hat. Dieser letztere Umstand mochte seine Beziehung zu dem Druck- oder Abfassungsort der ein Jahr darauf erschienenen Praetka sehr erklärlich machen, da Erzbischos Ernst bekanntlich „ein vornehmer Pa- tiente" jenes Uebels (wie ein hiesiger Chronist sich ausdrückt) war, und Leimbach's, des frühern fürstlichen Leibarztes, Hülfe wahr- scheinliä) nun für seinen Zustand (vgl. auch Drey Haupt I. Th. S. 180.) in Anspruch nahm. Immerhin hat die Annahme, daß die Praetica für 1499 auch hier erschienen sei, dadurch einen nicht unwesentlichen Halt gewonnen, wogegen der Umstand, daß unsere Stadt in dem nächstfolgenden zwanzigjährigen Zeitraum kein weiteres Druckdenkmal aufzuweisen hat, nicht unbedingt sprechen darf, da ähnliche Erscheinungen in der Geschichte der Buchdruckerkunst häusig und namentlich später auch hier vorkommen. Cap. vi. Die ersten Decennien des sechszehnten Jahrhunderts. Die Regierung des Erzbischoss Ernst, welcher im Jahre 1513 auf der Moritzburg seine Tage beschloß, hat außer dem oben erwähnten, wenn auch nur zweifelhaften Druck, kein weiteres Denkmal einer hier geübten typographischen Thätigkeit zurückgelassen; jedenfalls könnte die- selbe auch nur von geringer Bedeutung gewesen seyn, da jener Prälat sein Breviarium (im Jahre seines Todes) an einem auswärtigen Orte, zu Leipzig bei Melchior Lotter (vgl. Dreyhaupt I. Th. S. 687.), drucken ließ. Dasselbe geschah im Anfang der Regierung seines Nachfolgers, des Erzbischoss Albrecht, eines geborenen Markgrafen zu Branden- bürg, der später auch das Erzbisthum Mainz und die Kardinal- würde erhielt. Dieser übergab im Jahre 1514 den Druck seines Breviariums ebenfalls einem Fremden, dem Buchdrucker Georg Stuchs in Nürnberg (vgl. Dreyhaupt a. a. £).), und nur erst •#cg> 19 cg>«> nach dem Verlaufe eines vollen Lustrums schien, wie für Halle selbst, so auch für die hiesige Typographie ein neuer, glänzender Zeitraum anzubrechen. Der Erzbischof Albrecht (oder, wie er gewöhnlich genannt wird, der Kardinal Albert) hatte nämlich den schon von seinem Vorgänger gefaßten Plan zur Errichtung einer Kollegiatkirchc zu Halle in Ausführung gebracht und diese unter dem Namen des „Neuen Stiftes" bekannte Kathedrale mit einer Menge der kostbar- stcn Reliquien begabt, was die nächste Veranlassung zu dem Druck- werke wurde, welches mit voller Bestimmtheit als das älteste Denk- mal der hiesigen Typographie bezeichnet werden kann. Cap. vii. Das Verzeichnis der Heiligthü,»er des Neuen Stifts. Gedruckt 5» Halle Im Jahr« 1520. Wchon ältere Schriftsteller des 17. und 18. Jahrhunderts 1 ) haben dieses in mehrfacher Hinsicht merkwürdigen Verzeichnisses Erwähnung 1) Es besprechen diese Schrift u. 2C. Paul Röber in seiner unter Wolfg ang FranziuS gehaltenen „Disjnitatio tlieol. jubil. de !n- dulgentiis pontificiis, Vitebergae MDCXVII. Tlies. CXXIV sqq."; Wolfg. FranziuS in feiner „Erzehlung der beyden Heiligthümer, eines, so in der Schloßkirche zu Wittenbere, zn Anfang der Reformation vorhanden gewesen; des andern, so um solche Zeit zu Halle gemacht worden. Witt. 1618"; Gottfr. OleariuS in seiner „Halygrapliia topo-clirono- logica Cap. 10. S. 43. 235."; Andr. Christoph Schubart im „Denkmaal der Kirchen zu St. Moritz in Halle (welches seiner „Geistlichen Catechi?mMust, Halle 1670", mit angehängt ist) S. 1264 sgg."; Joh. Mich. Heinecciut' in seiner historischen Vorrede zu dem „Hnndertjahri- gen Denkmal der Reformation zu Halle" (1718) §.VI. S. 12 sgg.; Joh. Peter v. Sud ewig in dem „Müntzwesen mittler Zeiten" S. 127 sgg. «s fj-'»» Das vollständige Werk besteht aus 130 Blättern S ) in klein 4to, von welchen die Iste Seite des Isten Blattes folgenden Titel enthält: V'orzeichnus vnd zceigung Ves Hochlov- wirdigen heiligthumvs der StiMircyen der heiligen Sanct Moritz vnd Marien Magdalenen zu Walle. Auf der Rückseite des Isten Blattes befindet sich das Portrait Kardinal Albert's von Albrecht Dürer in Kupfer gestochen mit erklärender lateinischer Ueber- und Unterschrift. Die Iste Seite des Stcn Blattes stellt die Darreichung der neuen Stiftkirche durch die Erzbischöfe Ernst und Albert in Holzschnitt dar. Beide Prälaten, mit St. Johannes Ev> und St. Tho- mas zur Seite, reichen die Kathedrale empor zu den Schutzheiligen des neuen Stifts, nämlich zu dem Patron des ganzen Erzstifts 5) Panzer zahlte ohne das erste Titelblatt nur 117, Areytag 118 Blätter. Die Zählung nach dem hiesigen Exemplar crgicbt ohne das erste Titelblatt 119 Blätter. \ Da der Drucker des Werkes, welches gewiß aus Veranstaltung und auf Kosten des Kardinals erschien, sich nicht genannt hat, so möchte die Annahme, daß ein auswärtiger Typograph eigens nur zur Ausführung dieses Verzeichnisses hierher berufen worden, nicht verwerflich erscheinen; ja der Verfasser einer Leipziger Jubelschrift vom Jahre 1740, Joh. Heinr. Leichsagt von der Ofsicin Martin Landsberg's (vgl. oben Cap. IV.) ausdrücklich „I-Ialac ad Salarn per tcmpiis floruisse" und unterstützt diese Behaup- tung durch folgende Note: „Exstat Sacrarum rellqularum urbis Ilalae descripiio, patrio scrrnouc, cius typis irnprcssa Ilalac an. 1520. 4to." Ware jedoch, was kaum zu bezweifeln, die Be- schaffenheit der Typen das einzige Beweismittel dafür, daß Martin Landsberg, welcher bei Panzer zuletzt in den Jahren 1517, 1530, 1531 und 1522 als Leipziger Buchdrucker vorkommt, und der allerdings schon gegen das Ende des 15. Jahrhunderts jene Schrift- art anwendete, auch unser Verzeichniß gedruckt habe, so stände es mit der Behauptung Leich's in der That sehr schwach; denn die fraglichen Typen 8 ) finden sich bereits gegen den Ausgang des 7) BSejl. Dc örigine et iuerernentis typograplüae Lipsiensis über Singularis caet. (Auctore jo. Heiir. Leichio Lips.) Lipsiae, in aeüi- luis B. Clir. Breitliopsii anno typogr. sccul. III. 4to. pag. 18. 8) Es ist ik sogenannte Schwabacher Schrift, welche, fortwährend vielfach angewender, noch vor wenigen Jahre», gcuan nach dem ursprünglichen Muster, in Dentschland üblich war. Vgl. das Facsimile der Schlnßschrift H-Msch- ZZllchdruiIcrzischich!-. 4 <8# 26 #«> 15. Jahrhunderts, und gleichzeitig mit unserer Jncunabel auch in den Dmcken anderer Ofsicincn °). zu dem „Verzeichnisse" auf unserer Tab. u. und die in dem Text oben mitgetheilte Schlußschrist, welche aus gewöhnlichen Schwabacher Lettern der Gebaucr'schcn Officin gesetzt ist. 9) So ist u. a. ein Druck von Mauritius Brandts in Magdeburg von 1495, so sind Drucke von Wolfgang Stocket in Leipzig von 1519 und 1520 und von Johann Grünenbergk in Wittenberg von 1520 aus derselben Schrift, wobei jedoch zuweilen Versalien (namentlich C, E und O) nach doppeltem Muster vorkommen. Selbst bei einem Lands- bergischen Werke aus dcm Ende des 15. Jahrhunderts ist dies der Fall, wo das O ganz von dem in unserm Verzeichniß angewendeten abweicht. Bei den erwähnten Wolsgang Stocket'sehen Drucken von 1519 und 1520 findet sich überdies auch genau unsere große gothische Titelschrist (vgl. das Facsimile auf unserer Tab. II.« welches leider nicht nach dem Original genommen wcrden konnte, sondern der offenbar schlecht gerathenen Uebertragung bei Drcyhaupt nachgezeichnet wurde), wodurch die ausschließliche Annahme für Landsbcrg immer schwankender wird. Bei Vergleichung der obigen Schwabacher Typen fand ich dieselben u. a. auch noch in Drucken von Nicolaus Schmidt in Leipzig, 1529 und 1531, von Michael Blum ebendaselbst 1532, von Johann Hanaw in Frankfurt a. d. Oder 1532 und in einem gleichzeitige» undatirtcn Nürnberger Drucke. Daß die Schrift zu unserm Verzeichniß in Leipzig gegossen worden, möchte eher wahrscheinlich seyn. Cap. viH. Die Hallische Typographie in den Jahren 1521 bis 1541. ei der hohen Geneigtheit und der wahrhaft fürstlichen Munisiccnz, mit welcher Kardinal Albert die Stadt Halle zu schmücken und zu einem Orte von gelehrter Bedeutung zu erheben bemüht war 1 ), ist es in der That unerklärlich, daß auch nicht ein namhafter Typo- graph hier eine bleibende Stätte zu gewinnen versucht hat. War auch die Rivalität der Leipziger und Wittenbergcr Pressen in mehrfacher Hinsicht zu befürchten, und mochte die der begonnenen 1) Kardinal Albert beabsichtigt« bekanntlich dem Neuen Stift auch eine Universität („Studium generale in qualibet licita facultate et scientia", oder ,, universitas stiidii", wie es in dem wirklich erfolgten Sriftungt-briefe des päpstlichen Legaten vom Jahre 1531 heißt) hinzuzufügen. 4* <*# 28 Reformation entschieden feindliche Gesinnung des Kardinals a ) manchen Anhänger der neuen Lehre zurückschrecken, so konnte doch für einen unternehmenden und dem Landesherrn ergebenen Kunstgenossen wenigstens der Versuch zur Gründung einer größern Ofsicin keines- wegcs zu gewagt erscheinen. Aber auch dieser Versuch fand nicht Statt; denn nur wenige, und, mit Ausnahme eines einzigen Buches von 1335, überdies noch zweifelhafte Druckwerke geringern Umfanges hat unsre Stadt in den zwei nächsten Zahrzehenden auszuweisen, während mehrere von größerer Bedeutung auswärtigen Ofsicincn von hier aus übertragen wurden. So besorgte u. a. Melchior Lotter in Leipzig im Jahre 1527 den Druck eines Psalteriums für das Neue Stift, und zwar, wie es in der Schlußschrift heißt: „irnpensis optirni Rev. et illustr. princ. et dorn. Alberti caet." 3 ); so gab Joh. Crotus, Kanonikus derselben Kollegiatkirche, eine Rechtfertigungsschrift für den Kardinal wegen Aufhebung des Klosters zum Neuen Werk im 2) I» besonderem Bezug auf Halle findet man außer anderen zahlreichen Belegen einen genügenden Beweis dafür in Suther'S „Trostschrift an die Christen zu Halle, vom 20. April 1528." (Vgl. Suther'S Werke. Hall. Auvg. X. Th. S. 2730 fgg.) 3) Ein Exemplar dieses Prachtwerkes ans Pergament befindet sich in der Marienlnbliothek suh sign. P. 1. (i. „.( -ÖN Ost ^ft» ^ £tf ^yl> Iahie 1531 zu Leipzig heraus; so ließ der Propst des Stifts, Michael Vehe, im Laufe der dreißiger Jahre mehrere seiner Schriften (unter diesen auch das bis jetzt für einen Hallischen Druck 5 ) 4) Diese Schrift führt den Titcl: „Apologia, qua respondeWü temeritati calumniatorum, non vcrentium, coufiotis criminibus in populäre odinm protraliere Albertum R. E. Cardiualem A E P. Magst" Bgl. Drey- hciupt I. Th. S. 703. 5) SntK'm wir uns w Betreff fca tför 1537 Erschienenen Behe'schen Schriften (deren einige bic Marienbibtiothek besitzt) nur kurz auf J. P. iic Ludewig Ccmsil. ilalens. Jareconsoltor. Halao 1734. (Borbericht zum 2. Theil: Hifwvie dcr Friedrichs-Uuivcrsitär), auf die Wöchcutl. Hallt scheu ?C n ö c i o c n 1733. Nr. 20. S. 308. und auf Dr er, Haupt I. Th. S. 830. beziehe«/ können wir nicht umhin, uns über Vchcn's Gcfang« buch von 1337 (11 Bogen 8vo.) ausführlicher zu verbreiten. Dieses höchst seltene und als deutsches katholisches Gesangbuch das zweite Werk feiner Gattung (das erste unter dem Titel: „Alle Kirchengesang und gebcth des ganzen jarS" ist von Christoph Flurhcim aus Kitzingen verfaßt und in 8vo. 1329 zu Leipzig gedruckt) wird nicht nur in den Wöchcutl. Hall. ?lnz., so wie von Dreyhaupt a. a. O. (der überdies II. Th. S. 091 fg. die ganze Dedikation an den eifrig katholischen Raths- meister Kaspar Quer ha mm er abdrucken ließ) für einen Hallische» Druck gehalten, sondern auch der bekannte Hymnolog, 3oh. Christ. Olearius, spricht in feinem Evangelische» Lieder-Schatze 2. Th. Jena 1703. S. 108. von „Midi. Velien's Gesangbuche, E d!t. Hall. Sax. 13 37- 8vo." t Offenbar aber hat hier eine Verwechselung des AbfassnugsorteS (die Dedikation schließt: „Datun» zu Halle in Sachsse» 1337") »nr «Kg> 30 #B> gehaltene deutsche Gesangbuch von 1537) ebendaselbst erscheinen, und auch das Brcviarium sccundum consuetudincm Ecclesiae dem Druckort stattgefnnde», welcher letztere Leipzig ist, wie der nachfol- gcnde Titel des Buches, von welchem mir Hr. Superintendent Fuldn, Ol'erpfcirrer cm der hiesigen Kirche zu U. Fr., eine?lbschrift mittheilte, klcirlich zeigt. Der Titel lautet- Et« New Gesang- bnchlin Gjcnftlidjcv Licdcr vor alle gutthc Eliristc» »ach orde- rning Ehristlichcr fischen. Ordcnnng »nd ©cbrnitch der Gcystlichcn Lieder, so in diesem bnchlin begriffen synt, sin- dest du am ende dis- Bnchlins. Ephc. 5. Werdet voll des hcyligcn gcystcs und redet unter einander von Psalmen und geystlichcn Lobgesen- gc», Syngct lob dem Herrn i» cwrcm hcrve». Gedruckt zn Lcipg, nahm die ?lbschrift von einer andern in der graflichen Bibliothek zu Wcrnigcrode snIj sign. 11. XXVI. L. IV. Nro. 1. befindliche» Kopie, welche im Jahre 1749 »ach einem gedruckten, vom Königl. Bibliothekar Scheidt von Hannover zugesandten Exemplare angefertigt worden ist. Collegiatc Hallensis 8vo. •) wurde im Jahre 1534 einer dortigen Ofsicin zum Druck übergeben. Was dagegen unserer Stadt theils mit völliger Zuverlässigkeit, theils mit einiger Wahrscheinlichkeit in jenem Zeitraume zugesprochen werden kann, ist Folgendes: 1) Eine deutsche Nebersetzung von Melanchthon's locis tlieologicis 1323. Strob el führt diese, für die Hallische Typographie höchst merkwürdige Schrift in seinem „Versuch einer Litterär- Geschichte von Ph. Melanchthon's locis tlicologicis, als dem ersten Evangelischen Lehrbuche, Altdorf und Nürnberg, bei Schüpfel, 1776." S. 164. in nachstehender Weise an: „6* ©ernenne antveissung ynn die h. Gütliche schrifft, „durch Georg Spalatinnm verdeutscht. Zum an- „dernmul vbersehen. Wittemberg 1323. Am Ende „aber steht: Gedruckt zu Hall ynn Sachffen 1323 in 8. „von 146 bezeichneten Blattern ohne Register, oder 39 Bögen. „Diese Ausgabe ist schon von manchem für eine Wittcnbcr- „ger gehalten worden, der nicht auf das Ende gesehen hat. „Die Seiten des ersten Bogens sind sehr verdruckt, indem 6) B.^l. DrcyHaupt I. Th. S. 5. anno 1540; vgl. auch Dreyhaupt I. Th. @. 971.) besagt, daß Kardinal Albert de» Rath habe befehlen lassen „vleißig achtung darauf zu geben daS nicht neue gedruckte matcria (vorzüglich mit Bezug auf Luther'sche Schriften und Gesänge) feile gehabt würde oder sonst in Stadt Halle gebracht werde, cS wehre den zuvor» durch unsern Official besichtiget und überlesen und darnach zugelaßeu, welches dan der vorige Rath vleißig gehalten hatt u. f. w." **Kes y 33 ^y' J 2) Eine Ausgabe von Luther's Nener Fabel Esopi 1328. Dieses Büchlein wird von Koch in dem Compendium der deut- scheu Literatur-Geschichte, Berlin 1790. S. 113. ausgeführt als „Ein neu Fnucl Esopi, Halle 1538. 4." Da aber eine Leipziger Ausgabe dieser Fabel von demselben Jahre«) vorhanden ist, so wäre es möglich, daß Koch den Ort der Abfassung jenes Schristchens (am Schluß steht: „Gegeben zu Halle, in meiner Herberge, Sonntags nach Mauritii, im 1528. Jahr"; vgl. Hall. Ausgabe XIV. Theil S. 1348.) für den Druckort angenommen habe; eine Vermuthung, welche durch den Umstand unterstützt wird, daß keine weitere gleichzeitige Hallische Ausgabe irgend einer Luther'schen Schrift bekannt ist ,J ). Vielleicht aber gehört das Buch doch der Presse an, aus welcher der eben erwähnte Spangenbergische Druck von 1525 hervorging. 8) „Eine Neu Fabel Esopt. (Mit Holzschn.) Seipzig 1528." Unter diesem Titel kani ein Exemplar in der Bater'schen Zluction zu Halle im Jahre 1826 unter Nr. 4955 vor. Rotermund hat in seinem Vcr- zeichniß der Luther'schen Schriften, Bremen 1813, weder die Hallische, noch die Leipziger Ausgabe. 9) Röterm und führt S. 58. nur einen Hallischen Druck, nämlich „EccIc- siastes Saloniouis ciirn (Lutlieii) annotatt. Halae 1536. 8." auf, welche» jedoch uach Panzer Annal. Vol. VII. p. 117. Hall in Schw a- be» ist. HaMsch« Buchdruck-rg-schicht«. c rg), f. 1537, möchte wohl eher ei» Druckfehler anzunehmen seyn, da eine der späteren Editionen der G es n er'sehen Bibliotlieca nur Kölner Ausgaben der Schenck'schen Schriften nennt. Auf einem Mißverständnis' beruht es aber endlich wohl unzweifelhaft, wenn die 1539 zu Hall in Schwaben herausgekommenen: Openirn II elii Eohani Hessi farragines dnae. 8vo. (vgl. Ebert Bibl. Lexicon s. v. Eo ha n iis Hessus * 0739), in den „Unschuldigen Nachrichten" 1732. S. 1011. als eine zu Halle in Sachsen 1559 erschienene Edition ausgeführt werden. Eap. ix. Hans Frischmuth und die Jahre 1542 bis 1572. AAcichdcm so für die Höllische Typographie ein Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren in durchaus unerheblicher Wirksamkeit, zum Theil wohl in völliger Unthätigkcit verflossen, erscheint im Jahre 1542 nach einem aktenmaßigcn Zeugnisse der erste namentlich bekannte Buchdrucker unserer Stadt, Hans Frischmuth, welcher noch kurze Zeit vorher in Wittenberg seine Kunst geübt hatte. Das von Dreyhaupt (II. Th. S. 36.) 1 ) zuerst, obschon mit unrichtiger Nebenbeziehung angeführte Dokument ist in den noch 1) Dreyhaupt sagt von Hans Frischmuth, daß derselbe „2se. 1539 und 1540 Buchdrucker zu Wittenberg gewesen, gleich nach dem Anfange der Reformation Zlo. 1542, ohnzweifel auf Veranlassung I). J usti Jon ae, sich nach Halle gewendet und besage der Gerichtsbücher in selbigem Jahre allda Bürger geworden; was er aber für Bücher gedruckt, sey unbekannt." -s# 37 As» vorhandenen Gerichtsbüchern der ehemaligen BerAgerichte -) enthalten und lautet nach einer von mir genommenen genauen Abschrift folgendermaßen: Nun enthält abcr weder das betreffende Dokument auS den ©mcht« hüchern (welche zu Austlahme derartiger Akte gar nicht bestimmt waren), noch auch die Hallische Bürger »Matrikel eine Erwähnung, daß Frisch- muth hicr Bürger geworden; und ebenso wird die jedenfalls aus „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst Th. III. S. 376." entlehnte und früher von Zelrner in dein „Leben Hans Lufft'S S. 10." vorgebraclite Bemerkung, daß Frisch niuth'sche Drucke nicht aufzüweisen, sattsam dadurch widerlegt, daß bei Frischmuth zu Wittcnberg u. a. schon 1538 eine deutsche Uebcvsetzung der Loci cornniuiics, in demselben Jahre eine Schrift über den JleichStag zu Nürnberg mit Luther's Vorrede und endlich Luther's Erklärung des 16. Cap. Johannis, verf. 1525 (bei Frischmuth ohne Druckjahr), erschienen sind. Das eben angeführte Handbuch der Buchdruckerkunst giebt übrigens im IV. Th. S. 231. selbst eine Widerlegung der obigen Annahme, indem es dort das Buchdruckerzeiche» Frischmuth'S, die Buchstaben H. F. in einem weißen Schilde, beschreibt. 2) Diese Gerichtsbücher befinden sich unter der Verwahrung des hiesigen ÄS* niglichen Land- und Stadt-Gerichts im Locale des ehemaligen Königlichen Gerichrs-AmtS auf hiesigem Rathhausc. Der Band, aus welchem das fragliche Dokument (auf Fol. 356^.) mitgetheilt ist, umfaßt die Jahre 1539 bis einschließlich 1544. Dankbar muß hier die rühmenSwerthe Sorge der Behörde anerkannt werden, welche jenes für die Geschichte unserer Stadt schätzbare Archiv den Antastungen vandalischen ZerstörungSsiuueS bisher entzogen hat. 38 ^|f)B> Hans Frischnmth Buchdrucker vnd Thomas höen 3 ), von leipczk Ich Wolffgaug Wchsener, Schultcis des gerichts vfm Berge, vor dem Nolandc zu Halle, Bekhcunc öffentlich vnd thue Jhwttt mit discm bricffc, das heut dato vor mir, In kegenivart des gcrichts Notarien vnd froncbotcn persönlich erschienen ist, Hans srischmuth, Buchdrucker itzo zu «lOicr-o Halle, vnd hat öffentlich bckhant vnd ansigcsagt, Das Ime Thomas höen von leipczigk, eine schrifft, zur druckcrcy, gehörig, vorkaufft vnd zngcstalt, Darane er da» Imc hent dato darüber. Sechs Iochims (d.i. Srostf.en) thalcr, erleget, vnd noch ix fl vnd ix -Q£ zucnthrichte» hindcrstellig vorblieben, Welche er vf folgende tagcczcit, als In xiiij tagen, den ncchsten folgende», 4 fl, (d, i. Sr-sch-n) vnd v fl vnd ix danach vff schirstfolgcnde Weinachten bemcltem Thomasen höen kegen Lcipczigk, vff sein vnkhost znschickcu, Oder Im falle, das er darane vff bestimpte tagcczeit scumigk wirdet, alsidau die ewlichc hulffe, au allen seinen gütcrn, an welchem orte die antroffen, hie oder andersiwo, als wcren disclbigcn, mit wehr erstanden vnd erclagct, ane 3) Ob der im Jahre 1647 verstorbene Leipziger Buchdrucker Ti mothcus Hön, von Orlamündc gebürtig, vielleicht mit diesem Thomas Höen, welcher nur Schriftgießer gewesen zu sevn scheint, verwandt war? 4) Das Wort alhicr ist am Rande nachgeschrieben. <»# 39 #«> Weigerung, zudulden vnd leiden bewilliget, vnd Zugesagt, welchs er, mir obbcnantcm Schulteiscn, vchstigklichcn zuhalte«, mit Hände vnd munde, ange- lobt vnd zugesagt. Des zu Urkhunde vnd waren bckhcnthnus, hob Ich meins Ampths Jngcsiigl, vndeu ausf discu bricff, wissentlich thilcn drucken, da geben ist vnd geschehen, zu Halle, Dornstages nach vrsule Anno -9*2. Wie aber schon aus diesem Aktenstücke die Dürftigkeit der ganzen Anlage erhellen möchte, so findet sich auch, mit Ausnahme eines einzigen Büchleins, kein Druckwerk, welches der Ofsicin Hans Frischmuth's oder irgend einer andern Hallischen Buchdruckern in dem Laufe der nächsten dreißig Jahre mit einiger Bestimmtheit zu- geeignet werden könnte, und es ist demnach wahrscheinlich, daß jene Anstalt bald wieder eingegangen ist, oder nur ganz Unbedeutendes hervorgebracht hat. Das eben erwähnte Büchlein wird in einem Aufsatze von H. B. Wagnitz: „Wie sich der öffentliche Gottesdienst in den drey Pfarrkirchen zu Halle gebildet hat" (im Journal für Prediger, Halle 1788. 20. Bd. S. Stück S. 130 fg.) folgendermaßen be- sprechen: „Jonas ließ auch selbst 1543 einen Spangcnbcrgischen Cate- „chismus von 1541 für Halle abdrucken, unter dein Titel: „Des kleinen Catechismi und der Hanstafel kurzer „Begriff, wie man sie in der Gemeine zu .Halle für „die Kinder handelt — der aber gar nicht bekannt worden „ist, vermuthlich weil er bald zu Cöln in einen papistischen „verwandelt ward/' n. s. w. W a g n i tz citirt hierzu Feueilirii Bibliotli. symbol. Parsl. p. 372. Nr. 59*, (Norimb crgae 1768), welche Stelle so lautet: „Des kleinen Catechismi nnd der Haustafel kurzer „Begriff, wie man sie in der Gemeine zn Halle für „die Kinder handelt, durch Joh. Span, (genberg) „mit einer Vorrede D. Juftns Jonas. Auffs „uew ausgangen vnd verbessert, 1549, 8. Witt. „durch Veit Creutzer. ,, Pi aes. Spange ii bergii scripta est NorcIJinsae 1541; J n s t i „ Jonac autem H a I ac , a. 1543. llic Catecbismus in papisticum catechismum transformatus edeuatur a Casp. Gennepj typographo Colon., quem ideo graniter reprehen- „dit filius Cyriac. Spangen borg in libro mifeet die böse Sieben „ iltä TenffelS fiornöffclfpirf, 1562, 8, sect. penult." Hier wird zwar nur einer neuen, zu Wittenberg erschie- neuen Ausgabe des Hallischen kleinen Catechismus Erwäh- nung gethan; dagegen führt Joh. Georg Kirchner in dem Abriß einer Hallischen Catechismusgeschichte, welchen er der von ihm besorg- ten dritten Auflage von Baumgarten's Erläuterung des kleinen Catechismi (Halle, 1764) vorangestellt hat, die erste Ausgabe S. 18. mit folgenden Worten an: <8<§3 41 45 cg>8> Wie wir ihn hier für auswärtigen Verlag thatig erblicken, so mag er auch schon in den sicbenzigcr und achtziger Jahren mehrere in Halle erschienene und ohne Angabc des Druckers und Verlegers aufgeführte Werke 2 ) aus seinen Pressen gefördert haben. Von dem 2) Außer den 3 (vielleicht 4) Hallischen Drucken von Urban Gaubisch au» dein Jahre 1578 und dem Drucke der Glaucha'schcn Officin von 1579 (s. Capp. XI. u. XII.) finden sich überhaupt nur noch folgende Drucke unse- rcr Stadt aus den ficbcnziger und achtziger Jahren: Chronica vieler gcdenckmirdiger sachcn vom anbegin der Welt biß auff das 1576. Jar kurtz begriffen. Hall in Sachsen, 1577. 8. (Frankfurter Mcf--Kataloge. — Nach einer andern Angabc lautet der Ti- tel: „Chronica oder Handbüchlcin vieler gedcchtuußwirdigcr Geschichten" -c.) M. Georgii Waltheri Beicht vnd Bcttbüchlcin, dann Schöne Fragen vnd Antwort au? D. Suthcri Catcchismo gezogen, bcgrieffen. Hall in Sachssen, 1581. 8. (Elenclms libror. ab a. 1568 — 1593 irnpressor. Erfurt, 1593. 8.) Tilem. Hesliusii de justiflcatione liominis coram Deo Iibri IV. Halae, 1587. f. (Georgi'S Bücher-Sexicon.) Ioh. OleariuS, 600 Irrthümer, Siigcn und Gottes-Lästerung aus der Papisten Schriften aufgesucht. Halle, 1588. 8. (Catal. bibl. Ludewig. p. 154.) Du exorcisinu in actione baplismi epistolae tres; quarum iluae a Tilem. Hesliusio, tertia a D. Pliilippo Mel ane Ii t li on e uomine Academiae Wittenbergensis Anno 1558 est soripta. Halae Saxon um, Achat, hi scan. 1589. 4. (Bgl. unsern Text S. 47 fg.) >-sHz 46 4y 2 Jahre 1589 an bis 1594 (wo er namentlich für den hiesigcn Buch- Händler Karl Francke 3 ) druckte) sind Werke seiner Officin, unter Testament und Bckcntnil' D. Tilcmanni Hcshusii kurtz vor seinem Endc mit eigener Hand geschrieben. Hall, 1589. 8. (Elencli. libr. caet. Erfurt, 1593.) Parcntalia reverendi et clarissimi Viri Du. D. S. Tlieol. Tilem. Ilcsliusii, memoriae soceri, imo parentis efr-praeceptoris sui dicata a Jo. Oleario, cura adiunctis aliis aliorum Epicediis. Halae, Achat. Liscan. 1589. 4. (Frankfurter Meß-Kataloge.) L. Simon. Gcdicci tzeichpredigt, auf den Margg. Rnsp. Rath, Audr. M u ß in a n, gehalten, excnsa Hall, apud Acliat. Eies- kau. 1589. (Olear. Halygr. Contiii. p. 61.) Simon ©cHccus (Hofprcfcigcf) Trost-Predigt bey Beerdigung des Geh. Rath MußmannS Wirtwc, Halle, 1589. 4. (D.reyHaupt II. Tsi. S. 619.) Müntzordnung Niedersächsischen Kreises gemein Mnntz Edict, welcher Gestalt auff der Rom. Key. Mt. vnd gemeiner Stände deß H. Reichs hiebevor außgangener Müntzordnung hinfüro an diesem Kreiß die groß vnd kleine Sorten gemüntzt werden sollen. Hall in Sachsen, 1589. 4. (Frankfurter Meß -Kataloge.) Mit dem Beginne der neunziger Jahre werden nun die Hallischen Drucke häufiger und mit dem Anfange des sicbcnzehnten Jahrhunderts wach- sen sie bald zu einer nicht unbeträchtlichen Zahl an. 3) Karl Francke, ein Sohn des namhaften Magdeburger Buchhändlers Johann Francke, wird nicht nur in dem Hallischen Bürgerbuche, 47 # 9> welchen jedoch keines von größerer Bedeutung, nachzuweisen; später erscheint er nicht wieder. Ein Druck von 1589 erinnert, wenigstens in Betreff des Papiers, an die besseren Erzeugnisse jener, der Anwendung des schlechten Druckpapiers nahe liegenden Zeit. Außer Achatins Liscanus wird bei Dreyhaupt auch ein Petrus Liscanus mit der Jahreszahl 1590 aufgeführt. Diese Angabc stützt sich jedenfalls auf eine Stelle in dem Catalo- gus librorum Jo. Pctr. de Lud ewig pag. 344., wo I o h. Dav. Michaelis, welcher jenen Katalog mit Anmerkungen heraus- gab, in einer Note mehrere Hallische Drucke des 16. Jahrhunderts namhaft macht und dabei bemerkt: „ex n. 1717. typograpliis pris- cis Halensibus addi poterit Petras Liscanus" *). Jene Nmner 1717. aber nennt „Tilcrn. Hesliusii et Phil. Mc- Ianthonis epistolae III de exorcismo. Hai. Sax. 1590.", ein Buch, welches, wie das Exemplar in der Marienbibliothek sub sondern auch in Grc | s t » S Annalen genannt. 23eibe Qucllcn hat Dvcnh.iupt, in dessen auch sonst sehr mangelhafter Buchhändler-Liste jener Raine fehlr, offenbar für unsern Zweck unbenutzt gelassen. (Vgl. über das Bürgerbuch unten Cap. XIII.) 4) In den Wöchentlichen Hallische» An zeigen 1745. Nr. 5. gab I. D. Michaelis als Probe des Lud ewig'scheu Katalogs u. a. dieselbe Stelle. ■^Xy 48 < $>V > sign. T. 1. 55. nachweist, „ex osficina typographica Achatij Liscani. Anno 1589 " Hervorging. Daß unter diesen Umständen bei Michaelis eine Verwechselung nicht nur der Bornamen, sondern auch der Jahreszahl statt- gefunden, möchte, wenn man nicht annehmen will, daß vielleicht einige Exemplare der kleinen Schrift (2% Bogen) mit späterem Datum und dem Namen eines Sohnes gedruckt worden, fast außer Zweifel seyn. Wenigstens wird Petrus Liscanus nicht weiter angetroffen. Cap. xi. Urban Gaubisch (O-uMsius). 1578. Dieser durch eine (ttnge, verdienstliche Wirksamkeit ehrenvoll bekannte Typograph wurde 1502 zu Ortrandt im Meißnischen geboren, erwählte den geistlichen Stand und blieb bis zum Jahre 1539 in dem August!nerkloster zu Großenhayn, aus welchem er, als ein Anhänger der neuen Lehre, mit einem andern Ordensbruder sich entfernte. Von Luther, mit welchem er zusammentraf, wurde er ver- anlaßt, in Leipzig bei Jacob Berwald die Buchdruckerkunst zu erlernen. ■ Nach spater unternommenen längeren Reisen begab er sich gegen 1551 wieder nach Leipzig und verehelichte sich dort mit der Schwägerin seines Lehrherrn. Von den Grafen zu Mansfcld nach Eislebcn berufen, errichtete er daselbst im Anfange der sechsziger Jahre eine Buch- {nsfisrtc Bin$brtl# 51 #> „Des; heyligen Catechismi oder Leycn Bibel, nütz vnd „Hoheit. Aus) den Geistreichen Büchern D. Mar- „tini Lutheri deß Manns Gottes, in Frage vnd „Antwort verfasset durch M. Conradum Porta, „Pfarrherrn zu Einleben. 8. zu Hall in Sach- „sen bey Vrban Gaubifch. 1978." Da nun zugleich I. G. Kirchner die, wie es scheint, auf eigne Ansicht der Drucke gestützte, handschriftliche Notiz giebt, daß eine Leichenprcdigt Cyriaci Nicolai auf die Gräfin von Mansfeld Dorothea 1578 in 4to. und M. Hieron. Mencelii zwo Pre- digtcn auf ebendieselbe, auch 1378 in 4to. (beide Schriften enthält jener Katalog ebenfalls, jedoch blos mit der Bemerkung: „zu Hall in Sachsen") von Urban Gau bisch hier gedruckt worden; so möchte daraus unzweifelhaft hervorgehen, daß der letztere seine Ofsicin in jener Zeit nach Halle verlegt oder vielleicht eine Filial- Buchdrucke- rci Hierselbst errichtet habe; eine Vermuthung, welche auch dadurch eine fernere Bestätigung erhält, daß der Willer'sche Gesammt- Katalog von 1564—1592 Mencelii Summarien über die Sonntags- und vornehmsten Fest-Evangelien mit „Eißlcben 1576 (der Erfurter Elenclius hat 1575) in 4to. Item Hall in Sachsen 1578 in 8vo." aufführt 2 ). 2) Der AugSburger Buchhändler Georg Willer, der Gründer der deutschen Meß - Kataloge, deren erster im Jahre 1564 zu Frankfurt a. M. 52 Eine solche Veränderung der Ofsicin scheint jedoch nicht von langem Bestand gewesen zu seyn, denn nicht nur war noch im Jahre 1577 eine Predigt desselben Mencclius zu Eisleben gedruckt erschienen, als wir auch Urban Gaubisch von 1580 an alljährlich wieder in voller Thätigkeit an letzterem Orte antreffen. erschien, führt die Schrift ohne Namen de» Bcrfnsserö auf, welchen ich aus dem Portenbach - Lutzifchen Verzeichnisse ergänzte. Ueberhaupt ist Willer auch mit ?cngabc des Druckers und Verlegers (wie z. B. auch bei Porta's Katechismus) sehr sparsam. Cap. xii. Die Bllchdruckerei zu Glaucha. 1379. H?o viel bekannt, ist nur ein Werk aus dieser Ofsicin hervor- gegangen, welches den Titel führt: LOCORVM COMMVNIVM PIIILOSOPHICORVM, QVIBVS VETERVM GRAECAE LATINAEQVE LINGVAE SCRIPTORVM, EXPLICATIONIS RATIO ET VIA: EIVSQVE vna vsus, in antiquissimo laudatissimoquc priscac memoriac scriptorc Hcrodoto re- texto, praeeundo demonstratur: TOMVS PRIMVS: QVO .CONTIXENTVR LOCI TH2 AOriKHS, GRAMMAT1CI, MALECTICl, RHETORICI, ad quatnor Partes Liberalissimoram stndio- rum, ut snntj AYSCVLTATIO, REPETITIO, MEDITA- TKT, ET EXERC1TATIO: Turn, ad cnltnm, non modo PYBLICAE DOCTR1NAE, in institaenda adold'centia: sed etiam PRIVATI studij, domesücacque educationis ACCOM- <& <©2 54 H>s> MODATI, TABVLISQVE DIAGRAMMATVM DELINEA- Tli ac ntmc primüm ad vtilitatcm IVVENTVTIS SCHO- LASTICAEj opera Laboris ct Diligentiae : IOANNIS RIVII, ATTHENDORIENSIS F. EDITI GLAVCIIAE , suburbio SALINARVM SAXONICARVM. ANNO M.D.LXXIX. Das Werk ist in Folio und zählt 372 Seiten Text, welcher in Tabellenform mühsam und kunstfertig gesetzt ist. Sowohl aus den Worten des Titels „nunc primum cditi", wie. aus einem auf der Rückseite des Titels befindlichen „Autor typographis", einem an den Administrator Joachim Friedrich gerichteten, 26 Seiten füllenden „Prooemium" und endlich aus einem am Ende des Buches hinzugefügten „Lcctori bcnigiio" von 3 Seiten geht hervor, daß eine angebliche frühere Ausgabe dieses Werkes von 1570 (wie schon bei Cap. IX. bemerkt) nicht vorhanden seyn könne *). l) Kirchner in den ZubelzeZgnissep S. 15. und nach ihm Dreyhaupt II. Th. S. 56. führen die Edition von 1570, welche nebst anderen alten Hallischen Drucken ersterem „nur beyläufig zu Gesichte gekommen (?)", au. Jedenfalls aber hat sich Kirchuer wohl durch eine, auch von ihm citirte, .-c6^ ^ ■=b^y OJ ^yB» Da in dem, jetzt auf hiesigem Rathhausc aufbewahrten, un- bedeutenden Archiv der früheren Land- und Amtsstadt Glaucha (von Nivius suburbiurn genannt und erst in dem gegenwärtigen Zahr- falsche 2Ciig0~, Ehri st oph Btßmar 1611, Pctcr Schmidt 1615, Ehristoph Iahlf-ld 1632, t5arl Walt her 1673. ■*# 59 #<> ^Paull Gräber vnchdrucker von Kottbus" anführt, zum ersten Male auf dem Titel von Anioldi dc Rcygcr Processus judiciarius genannt. Dieses Buch, welches dort jedoch die Jahreszahl 1597 trägt, nach dem Catal. bibl. Ludewig. Part. II. p. 437. nr, 3492. aber wirklich 1596 erschien, druckte er für Io- hann Franckcn zu Magdeburg, welcher ihm im folgenden Jahre ebenfalls mehrere Werke übertrug a )i Auch für Hcnnig Groß in Leipzig, den Begründer des großen Leipziger Meß-Kataloges, war er 1597, so wie im folgenden Jahre für eignen Verlag thatig. Im Jahre 1600 kommt er auf einem Drucke für den hiesigen Buchhändler Joachim Krusicke, welcher hier zuerst ein größeres Vcrlagsgeschäft errichtete, und im folgenden Jahre selbständig, wieder vor. , Es ist nicht wahrscheinlich, daß er noch längere Zeit nach seiner Gelangung zum Bürgerrecht sein Geschäft hier fortgetrieben habe. 2) „Olcarii Warnung wider den Greuel der Verwüstung i» des Fürsten- khumS?l»halt Kirchen k. 1597", welches Kirchner schlechthin als Halli- scheu Druck anführt, wurde zwar in Paul Gräbcr'S Offirin gedruckt, erschien aber in Verlegung Johann Franckens zu Magdeburg. 8* Cap. xiv. Wolfgang Meißner. 1397. An dem Catalogus Bibliolh. Heiuecc. pag. 276. ar. 74. wird aufgeführt: Duri de Pascolo Aulicus politicus [divcrsis regulis pracccplisve instructus]. Halae Saxon. 1597. typis Wolffgang Mcisncr. in länio, ein Werk, welches auch in einem Fastenmeß-Katalog von 1598 vor- kommt, woselbst die oben eingeklammerten Worte hinzugefügt sind, am Schlüsse des Titels aber nur steht: „Halae, in 12. 1598." Außer diesem Buche ist von Wolfgang Meißner ein Hallischer Druck nicht weiter vorhanden und man darf wohl mit Gewißheit annehmen, daß jener Buchdrucker kein anderer ist, als der Wirtenberger Typograph desselben Namens, welcher in den Jahren von 1593 bis 1616 (vgl. „Die so nöthig als nützliche Buchdrucker- kunst -c." I. Th. K. E. S. 78. 108. und III. Th. S. 379.) in der 61 letztgenannten Stadt vorkömmt und im Jahre 1606 mit sechs anderen Kunstgenosscn eine Innung dort aufrichtete. Vielleicht, daß er in Halle auf kurze Zeit nur sich niederließ, was er auch, unverbürgten Nachrichten zufolge, in Leipzig gethan haben soll. CÄp. xv. Hans Bockstedt. 1598. Mn der Bürger-Matrikel kommt unter obigem Jahre vor: „Hans Bockstedt Ein buchdrucker Und burgerssohn alhier." Ein Weiteres ist über denselben nicht bekannt, und es fragt sich, ob er wirklich ein eigenes Geschäft hier besessen habe. Cap. xvi. Erasmns Hynitzsch (Hynitzius.) 1603. Wieser Typograph, welcher in der Bürger-Rolle vom Jahre 1607 „ E r a ss m « s Hynitzsch der Buchdrucker von Wurtzen" genannt wird, erscheint 1603 zum ersten Mal auf Bücher-Titeln. Eines derselben druckte er für den hiesigen Buchhändler Joachim Krusicke 1 ), für welchen er auch spater, namentlich bei den ohne Censur erschienenen Werken Valentin Weigel's (vgl. Hallische Anzeigen 1737. Nr. 36. S. 602.), thätig war. Auf Anordnung und Befehl des Rathes gab der bekannte Arzt, Stadt-Physikus Matthias Untzer, 1607 eine Nachricht über die Pestilenz, welcher 1610 eine Schrift gleichen Inhalts folgte, in 1) Es ist Velhofcr'v Zwci Lchr- und Trostbüchlcin und bcfindct sich in der Bibliothek dcS hiesigen Schöppenstuhls snb Nr. 218. 8vo. v^jü 64 Hynitzschens Officin, heraus. Nach diesem Jahre erscheint der letztere nicht wieder. Ob und wie der in den 1630er Jahren zu Nord hausen vorkommende Buchdrucker Johann Erasmus Hynitzsch, ferner ein in Halberstadt gegen das Ende des 17. Jahrhunderts thätiger Buchhändler und Buchdrucker Hynitzsch und endlich ein Buchdrucker gleichen Namens zu Erfurt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, mit ihm verwandt gewesen, ist unbekannt. Cap. xvii. Christoph Bißmarck. 1611. „Christoff Bis)»rar von Thalewerschlebe» Ein« Buchdrucker wie die Bürger-Matrikel von 1611 angiebt, erscheint von 1613 an bis 1630 auf Drucken, welche er zum Theil für Krusickc (auch Weigel'sche Schriften lieferte seine Officin) ausführte. Eignen Verlag scheint er ebenfalls gehabt zu haben, wie es z. 33. auf dem Titel von Tilemanni Heshusii commentarias in Esaiam (1617. fol. 183 Bogen) nur heißt: „E typographeo Christoph. Bis m a r c i." Bißmarck's Znsignc stellte den Jüngling Ganymcd dar, den Jupiter in der Gestalt eines Adlers (zwischen dessen Klauen ein 13 befindlich) emporträgt. Roth-Scholz hat auf dem ersten Blatte seiner Insignia bibliopolarurn et typographorum, Nürnberg 1730, dieses Zeichen wiedergegeben. HaNstH« Biichdruckcrgcschichte. 9 -*# 66 #o Bißmarck's Wittwe (oder Tochter, wie Dreyhaupt will, womit jedoch die in Christ. Salfeld's Grabschrist vorkommende Bezeichnung „Fr. Ursula Bißmarckin" nicht wohl stimmen möchte) hcirathete Christoph Salfeld 1625, an welchen so die Bißmarck'sche Ofsicin, in welcher Salfeld gelernt hatte, über- gegangen zu seyn scheint. Cap. xvm. Peter Schmid, alias Faber. 1613. Im Jahre 1615 wurde „Peter Schmidt vou Gommern ein buchdrncker" in Halle zum Bürger aufgenommen. Nach der damaligen Sitte gebrauchte er seinen Namen, der von 1616 bis 1645 aus vielen Drucken vorkommt, häufig latinisirt und auch bei deutscher Schrei- bung sehr ungleich (Schmid, Schmied). Kirchner legt ihm das Prädikat „Fürstl. Magdcburgischcr Hofbuchdrucker" wohl mit Recht bei, denn aus seiner Officin erschienen u. a. die von dem Administrator Christian Wilhelm zur Feier des evangelischen Jubelfestes 1617 angeordneten Bestimmungen Auch für das Gymnasium druckte er (z.B. 1640), so wie früher für die hiesigen Buchhändler Joachim Krusicke, Michael Oelschlegel und dessen Erben. l) I» der Marienbibliothek «u>> sign. n. l. 2'j. Cap. xix. Die Salfeld'scheu Buchdruckereien. 1625. Ein auf hiesigem Gottesacker errichtetes Epitaphium, welches Olea- rius in seinem „ Coemeterio Saxo-IIallensi" S. 103 fg. beschreibt, verkündigt, daß Christoff Salfeld, kunstbcrühmter Buchdrucker, Rathsverwandtcr und Achtmann zu St. Moritz allhicr, im Jahre 1599 zu Quedlinburg geboren, 1625 mit Fr. Ursula Biß- marckin und 1651 mit I. Marien Radicken verehelicht, Vater von 4 Söhnen und 1 Tochter den 1. Sept. 1670, seines Alters 71 Jahr, auf JEsum selig entschlafen. Dieser Christoph Salfeld, oder, wie ihn die Bürger- Matrikel von 1632 nennt: „Christoff Snhlseld von Quedlinburg Buch- drucker" war der Gründer einer Ofsicin, welche, späterhin mehrfach verzweigt, lange Zeit im Besitze der Salfeld'schen Familie verblieb und teilweise auch durch guten Verlag sich auszeichnete. -»O 69 Christoph Salfeld selbst schcinr in letzterer Hinsicht wenig gethan zu haben, denn wir begegnen seinem Namen in den Meßver- zeichnissen nur zweimal (1664 und 1669), dagegen beschäftigte er sich wohl mehr mit dem Druck von fremden Verlagswerken, so wie von Lokalschristen (die Hallischc Katechismus-Bibel von 1641, in der Marienbibliothek Oelh. 8vo. ZI., erschien u, a. bei ihm) und mit Arbeiten für die Regierung, in deren Auftrag er u. a. die Ertzstiff- tische Magdeburgische Kirchen Agenda 1663 druckte. Seine Wittwe scheint die Ofsicin, welche bei seinem Tode, einem in dem Dryander'schen Exemplare der Ocffcntlichen Jubel- zeugnisse enthaltenen Trauergcdichte zufolge nur drei Gehülfen zählte, selbstständig fortgesetzt zu haben, denn nach einer Angabe bei Kirchner erlernte Johann Grünert 1682 die Kunst in der Buch- druckcrei von Christoph Salfeld's Wittwe, wohin Grüne rt 1694 wieder zurückkehrte. Diese Salfeld'sehe Ofsicin ist es wohl auch, welche Friedrich Andreas Hübner 1704 erkaufte und mit welcher er von hier wegzog. Christoph Salfeld's ältester Sohn, David, geb. den 1. März 1652 und gestorben den 14. Mai 1686, war Fürstlich Magdcburgischcr Hofbuchdrucker und kommt in den Meß-Katalogen nur einmal (1676) vor. Er druckte u. a. Olearii Halygraphia aucta et continuata 1679 für den hiesigen Buchhändler Sim. Joh. Hübner. 70 #o Ein jüngerer Bruder, Christoph, geb. den 6. Nov. 1653, Churfürst!. Brandenburgischer Hof- und (Magdeburgischer) Regie- rungsbuchdruckcr (nach Dreyhaupt seit 1686), brachte die, wie nach letzterer Zeitangabe zu vermuthen, von seinem Bruder David nachgelassene Officin auch durch namhaften Verlag, wohin besonders viele Schriften von Christian Thomasius zu rechnen sind, in Flor. In dem Hallischcn Adreß-Kalender von 1707 kommt seine Wittwe, wohnhaft auf dem Neumarkt in ihrem Hause, als Inhaberin der Regierungsbuchdruckcrei vor. Kirchner und Dreyhaupt erwähnen auch, ohne nähere Angaben, seines Sohnes, Christoph Salfeld. Wahrscheinlich war es dessen Wittwe, deren Erben die Druckerei seit 1736 fortsetzten. Beim Jubiläum 1746 erschienen noch diese letzteren, von welchen Joh. Christoph Mich. Bester im Jahre 1757 die Druckerei erkaufte. Mit dem Tode einer unverheirathetcn Tochter 1759 scheint die Salfeld'sehe Familie hier erloschen zu seyn. Der vierte Sohn des Stifters der Salfeld'schcn Buch- druckerci, Johann Andreas, geb. den 15. Januar 1665, hat um das Jahr 1760 hier eine eigne Officin gehabt, welche nach seinem Tode Stephan Orban 1707 erkaufte. Gap. xx. Die Oelschlegel'schen Bnchdruckereien. 1627. „Melchior Oehlschlegell Bonn der Neustadt ahn der Orle, ein Buchführer", im Jahre 1627 zum Bürger von Halle aufgenommen, wahrscheinlich ein Bruder des schon 1618 hier Bürger gewordenen Buchführers Michael Oehlschlegel, ebenfalls aus Neustadt a. d. O., ver- band mit seiner Handlung eine Buchdruckerei, wie u. a. die Firma auf dem Titel von Necker's lebendigem Regenten-Spiegel 1633 zeigt, wo es heißt: „Gedruckt zu Halle in Sachsen, Bey vnd in Vorlegung Melchior Oelschlegels, Buchführcrs zum Güldenen Schloß" ') l) Diese? gegenwärtig noch zum Theil in seiner alterthümlichen Gestatt vor- handene, in der Schmcerstraße bclcgcnc Gebäude wurde im Jahre 1471 von Lorcnz Prelwicz gegründet und beherbergte im August 1545 den theuern Mann Gottes, Dr. Martin Luther. In dem hiesigen Wochenblatt 1807 ®. 166 fgg. hat Herr Inspektor Bullmann eine Beschreibung des HauseS, so wie die daran befindliche "^8"^^ Mehrere seiner Verlagswerke sind in Meß - Katalogen von 1630 an aufgeführt; in dem von 1634 erscheint er mit Johann Birckner in Erfurt auf zwei Titeln zusammengenannt. Nach Dreyhaupt wäre er im Jahre 1649 gestorben, aber bereits auf Titeln von 1645 (bis 1648) kommen seine Erben vor. Von einem Sohn, der ebenfalls den Vornamen Melchior führte und den Dreyhaupt in die Jahre 1653—1666 setzt, wogegen Kirchner handschristlich noch die Jahre 1670, 1677 hinzu- gefügt hat (in den Meß-Katalogen erscheint er nur ein Mal 1665), mag dann die Ossicin in wenig erheblicher Weise fortgeführt seyn. Auf Welcher Oelschlagcrs Buchdruckers zu Halle Hoch- zeit stehet ein Gedicht in M. Balth. Kindermanns Buch der Redlichen. Cüstrin, 1663. S. 519 fg. • In „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst" ic. I Th. K. E. S. 79. wird unter Wittenbcrg „1656 Melchior Ocl- schlagcrs Wittib" aufgeführt. Wohl eine Verwechselung. Inschrift lintgcrhcitt, zu welche?: Hr. Dr. Förstcmann in derselben Zeit- schrist 1835 S. 371 svjg. eine Ergänzung lieferte. Auf unserer Tab. I. geben wir ein Bild dc» Hauses in seiner jetzigen Gestalt. Sap. xxi. Johann Rappoldt. 1650. 4^on diesem Buchdrucker, welcher nach Dreyhaupt im Jahre 1650 fg. vorkommt (Kirchner ergänzt handschriftlich: bis 1654), ist mir nur bekannt „Gottfr. Olcarii Thesaurus salutis ortho- doxus, Schatz der Seligkeit" ic. , auf dessen Titel ohne Ortsangabt steht: „Gedruckt bey Johann Rappoldtcn/' Das Buch, welches Georgi mit dem Ort: „Halle" anführt, befindet sich in der Marienbibliothek. H.illii'cbe Buchdr!iclcrgcsch!cl'te> 1V Cap. xxn. Christian Bester. 1662. Mach einer handschriftlichen Ergänzung Kirchner's druckte Bester, der früher mit dem Jahre 1670 angeführt war, schon 1662. In seiner Officin, und vielleicht von ihm selbst verfaßt, erschien ohne Jahr, aber jedenfalls erst nach 1666: „Löbliche Buchdrucker-Kunst nach dcro ursprünglichen Er- „sindilng, eigentlicher Zubereitung, vielfältiger Nutzung, „dem der Bnchdruckcrey hochbefördcrlichcu Leser zu unter- „ dienstlicher AufWartung zu Halle zusammengetragen „durch einen Kunst-Buchdruckerey Verwandten." eine Schrift von 1 Bogen in 4to, welche in Wolfii Monument, typographic. Part. II. pag. 495 sqq. in lateinischer Uebersetzung, aber mit einem deutschen Schlußgedicht wieder abgedruckt ist. Ein Weiteres ist von ihm nicht bekannt. Eap. xxm. Carl Walther. 1673. „Carl Walther, B»lchdrucker Bürgers Sohn", wie ihn die Matrikel von 1673 nennt, scheint bei Christoph Sal- fcld die Kunst erlernt zu haben, denn zu den oben angeführten Trauergedichten auf Salfeld lieferte ein Carl Walther, seinem gewesenen Lehrherrn zu letzten Ehren, einen Beitrag. Kirchner erwähnt Walther's in einem handschriftlichen Nachtrag, worin er sagt: „Carl Walter, Buchdrucker zu H aII in Sachsen, ums Jahr ,,1680. 1681. (vid. Practorii Programm, natal. a. 1680. „it. Progr. Pentecost. a. 1681.) Anderswo heißt er E. E. „Hochw. Raths zu Hall in Sachsen Buchdrucker." 10* Eap. xxiv. 3 ; o f n a Stegmnn n. Dieser von Kirchner ohne Angabe des Jahres, aber in dem Zeiträume vor Errichtung der Universität genannte Buchdrucker, dessen DrenHaupt in gleicher Weise gedenkt, wird sonst nirgends erwähnt, und es findet sich nur bei Kirchner später noch die Bemerkung, daß Johann Jacob Krebs, welcher 1716 hier verstorben, Josuä Stcgmann's Druckerei käuflich an sich gebracht habe. Cap. xxv. Samuel Spörel, Joh« Bauer, Christian Ficke, Hallische Buchdrucker? M-ußer den in den vorigen Abschnitten genannten Hallischen Buch- druckern erwähnt Kirchner und nach ihm Dreyhaupt auch eines Samuel Spörel 1666, welcher, einer handschriftlichen Bemerkung Kirchner's zufolge, „Steph. Joh. Slephanii Colloquia cd. II." (für dm Hiesigen Buchhändler Christoph Mylius) in jenem Jahre gedruckt hat; jedenfalls aber ist dieser, sonst in Bezug auf Halle nicht weiter vorkommende Typograph kein anderer, als der Leipziger Buchdrucker Samuel Spörel, welcher von 1665 bis 1680 daselbst erscheint. Diese Vermuthung wird um so wahrscheinlicher, als Mylius auch sonst in Leipzig drucken ließ und Kirchner in seinen handschriftlichen Zusätzen überdies noch zwei Leipziger Buchdrucker (einen wohl ohne allen Zweifel) als unserer Stadt angehörig aufführt. «rfV-Ö. Lettern, durch fast graue Farbe und ein übel gewähltes Format unvortheilhast genug sich darstellenden Werke. Wenn demnach auch von dem artistischen Standpunkte aus unsere Typographie eine besondere Beachtung in keiner Weise in Anspruch nehmen darf, so ist sie in Betreff ihrer wissenschaftlichen Bedeutung dazu um so mehr berechtigt. Denn von ihrem ersten um- fassende«:: Beginne an hat sie der Unterstützung vieler Gelehrten, welche seit Ende des 16. Jahrhunderts unsere Stadt schmückten und dem hiesigen Gymnasium besonders einen ehrenvollen Ruf gründeten, fort- während sich zu erfreuen gehabt. Zoh. Olcarius sen. und sein berühmtes Geschlecht, Paul 9? ob er, Arnold Mengering und andere namhafte Theologen bis auf August Hermann Francke, die Schulmänner Christoph Cäsar, Johann Aeschardus, Sigismund Evenius, Christian Gueintzius, Friedr. Cahlenus und der auch als Literarhistoriker bekannte Martin Lipcnius, die Aerzte Balthasar Brunner, Matthias Untzer und Friedr. Hoffmann (Vater), die Chronisten Gottfried und Johann Gottfried Olearius und Hohndorff, ein Conrad Bavarus, Caspar von Barth, Johann Ochlhafen, Gottfried von Jena, und außer so vielen Anderen, deren Leben und Wirken Dreyhaupt mit bcwun- dernswerthem Fleiße aufgezeichnet hat, der große Christian Thomas!us, mußten dem litcrarischcn Verkehr der Stadt Halle c-O- b^y 81 und ihrer Typographie schon vor Errichtung dcr Universität eine nicht geringe Bedeutung verschaffen. Daher konnte im Jubeljahr 1640 dcr Nector der Leipziger Thomasschule, M. Georg Cramcr, wohl mit Recht Halle unter den Städten nennen, welche eine besonders dringende Veranlassung zur Begehung der Feier hätten*), und eben an jene vor- theilhasten literarischcn Verhältnisse knüpfte sich auch zwanzig Jahre später Christian Vester's Wunsch in Bezug auf seine neu errichtete Officin Inter llt Hallenser nniros sapicnüa sloret, Nostraque sie vircat Clialcographia, precor! Aber auch außcr dieser gelehrten Beziehung war ein besoit- derer Umstand unserer Typographie günstig, — das Verweilen der Landesfürstcn in unserer Stadt. Ncit geringen Unterbrechungen war Halle seit der Erbauung dcr Moritzburg durch Erzbischof Ernst fortwährend die Residenz dcr Magdcburguchcn Erzbischöfe und Administratoren, und der Hauptsitz der Landesvcrwaltung gewesen, und selbst nach dcm im Jahre 1689 erfolgten Ableben des letzten Admini- strators, des Herzogs August zu Sachsen, blieb Halle noch bis zum Jahre 1714 der Sitz der Landesregierung des Herzogtums l) Dic bezügliche Stelle folgt ciuc-führlicl, in Cap. XXVIII. Note l. Höllische Vi'chdruckcrgcschichtc> il GO ^r» CK- "- „Iobst Schäffcrn und seinen Vettern, seines Vaters Brüdern „Jacobs Söhnen in einem sub dato Wien den 1. Aug. 1569 „ ausgefertigten -Wapenbriefe ertheilet." Außer den vorerwähnten Gutenberg's, Fust und Schef- fcr findet sich in der Liste der neuen Bürger von 1537 ein Conrad Kachelofen, bekanntlich der vollständige Name eines Leipziger Buch- druckers, welcher gegen das Ende des 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts, zum Theil auch in Freiberg, thätig war. Eben so wenig aber, wie sich in Betreff auf letztern eine Beziehung zu Halle nachweisen läßt, ist dies hinsichtlich der Abstammung des Buchdruckers Johannes Leoviller de Hallis (auch Joh. de Hallis und Joh. Leov. de Hall), aus unserer Stadt der Fall, da der Name dieses Typographen, welcher nach Panzer (Annal. Vol. III. p. 121. 241. 258. u. 489.) in den Jahren 1476, 1487, 1488 und auch sine nota anni zu Venedig druckte, in Geschichtsbüchern unserer Stadt nicht vorkommt; dagegen dürfen wir uns eines ausgezeichneten Leipziger Typographen, nämlich des AI. Conradus Bavarus, als des Unsrigen rühmen. Dieser Gelehrte, aus Halle gebürtig, war erst Rector zu Danzig und später Professor Poeseos zu Leipzig, woselbst er um die Jahre 1618 und 1620 eine Buchdruckerci besaß, welche er in letzterem Jahre durch Andreas Oßwald führen ließ. Er schrieb das Jubel- Gedicht zu der Säcular-Feier der Leipziger Universität, war zweimal, 1611 und 1635, lleclor Magnisicus und zuletzt Senior derselben, 87 und starb endlich, nach Halle zurückgekehrt, am 27. November 1643 im 72. Lebensjahre. Daß er, wie das Register in dem II. Th. von „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst" berichtet, auch hier gedruckt habe, ist durch nichts, auch selbst nicht durch die Stelle, worauf der Index Bezug nimmt, weder erwiesen noch wahrscheinlich gemacht i) Obgleich fcic vorliegende Schrift nur den Zeitraum vor Etrichtttng der Universität besprechen soll, so können mit es uns doch nicht versagen, in dem folgenden Abschnitt auch der glänzenden, im Jahre 1740 in unserer Stadt begangenen Jubel-Feier, und hier an dieser gewiß ganz geeigneten Stelle der Verdienste eines ebenfalls aus Halle stammenden, ausgezeichneten neuere» Typographen ehrend zu gedenken. Wir bringen diesen Zoll schuldiger An- erkennung den Manen des verewigten Friedrich Vicweg zu Braun- schweig, welcher nicht nur durch geschmackvolle typographische Leistungen, sondern ganz vorzüglich durch die Anwendung des weißen Druckvelins, wenigstens im nördlichen Deutschland, zuerst die Bahn des Fortschrittes betrat. H £ :Ö "S « u «^» S <* A U Ä. T m I « ^ <-* V l> M X X u «s-j '4- H O K N "5 8 J> 3 83 ' «> § © S f » c c K £ :S '■< K! ' i» £ A ® 5 S? Ö , 5 «5 erj * G c K Z A Ü ö >-» * © o 2? c L >S © | K G a ~ ta G t> Q i „- A z~9. 5 * ■ «i 1 i i» U f 5 ® & Q 8 © d=- IZ «*if°*Ii B-5« H . . ffB-S g fcs; S- B « SS|j; Z |"|| I ei J * " ' 1 "1 s.KsK . £ s f at-S rg? a»il = © B w •-•<* E « gj = - G Iv . . © & G £ u X £ ö a* «S |«i Z s « 2 = N ^ -e : g ® © # ?Z g «z © => 00 ® t § 0 s ® ' ä '■' i& : "b v "S g 2 c 11 1 5 p © 'S 68 c T3 s ^ i L 0 § © § S 'S ©> Jlfltl &S «3 85 bei g un N ___> ^ irz Eap. xxviii. Die typographische« Säcular - Feste in Halle. An der ersten Säcular-Feier der Erfindung der Buchdruckcrkiinst im Jahre 1340, welche, so viel bekannt, nur in Wittenberg, durch den berühmten Bibcldrucker Hans Luft lind drei seiner dor- tigen College», am Johannistage begangen wurde, hat Halle wohl um so weniger Theil genommen, als höchst wahrscheinlich die Kunst damals hier nicht geübt wurde. Um so naher und dringender ward hundert Jahre später für unsere Stadt eine solche Veranlassung, da wenigstens drei Ofsicincn, die von Peter Schmid, Christoph Salseld und Melchior Oclschlegel, im Jahre 1640 hier thätig waren; eine nicht unbeträchtliche Zahl, wenn man bedenkt, daß Leipzig in jener Zeit nur süns und Jena nur vier Buchdrücke- reicn hatte. Obgleich nun Nachrichten über eine hier stattgefundene Feier fehlen, so möchte es doch kaum einem Zweifel unterworfen seyn, daß dieselbe wirklich begangen wurde, wofür außer dem eben erwähnten H.islischc 9u<9brucfergef<§l'c§te. 12 <&# 90 -K«> Umstände noch Folgendes spricht. Die Einladung, welche Leipzig schon im Monat April an benachbarte und auch entfemtr ansehnliche Städte zum Jubelfest hatte ergehen lassen, war gewiß auch an Halle gerichtet worden, da nicht nur der damalige Rector der Thomasschule Halle unter den Städten von typographischer Bedeutung nennt *), sondern auch der Rector des hiesigen Gymnasiums eine Gratulations- schrift an die Leipziger Buchdrucker einschickte 2 ), abgesehen davon, 1) In dem poetischen?lnha»ge zu der Leipziger Iubclschrift von 1640, welcher auch im I. Theile der Wolf'sche» Monumenta typ.ograpb.ica abgedruckt ist, befindet sich p. 951 sqq. ein Gedicht von M. Georg Er am er, Rector der Leipziger Thomasschule, aus welchem wir die auch auf Halle bezügliche Stelle herausheben: „Maginirn DEI MAGNI doinirn GERMANIA Agnoscc qvaeso: Tiiqve Jena, Lipi'ia, Vitobcrga, Lnnaebargum, Dresda, Erpliordia, Hala Saxonum, Prancofnrtnm, Rintelium, Nutrixqve nostra qvondain, nota flumine Holtlicm Urbs ALUEItTI, tuqve JVLIA Urbs, Giessa, Marpnrgum, Harn bürg um, Tvqve Hafuia, Lubeca, Brenta, Dantiscum, Goslaria, Tubinga, Mägde bar ga, et tu Vinaria, Vienna, Praga, Noriberga, Leidaqve, Et qvotqvot infelbc tonet Germania." 2) Von Christian Gueintzius, 9tectot des Hallischen Gymnasiums, wurde ein teutsches Gratulatiousschreiben nebst einem deutschen Gedicht an die Leipziger Buchdrucker eingeschickt, welche beides in ihre Jnbelschrift 91 #s> daß ein geborner Hallenser, der das Amt des Professor Eloquen- liae an der dortigen Universität bekleidete, den lebhaftesten Antheil an der Feier nahm s ). Daß aber die Kunstgenossen unserer Stadt unter diesen Vcr- Haltnissen, wenn auch nicht der Einladung, doch gewiß dem Beispiele Leipzigs zu folgen kaum Anstand nehmen konnten, möchte wohl außer allem Zweifel liegen, wenn auch die Feier, gleich der in Jena und Wittenberg in jenem Jahre stattgefundenen, wegen drücken- austlahmen. Wolf hat in seinen Moiium. typogr. (Tom. 1. p. 1040 sU.) nur das erstere und zwar lateinisch wiedergegeben, von dem Gedicht aber (Tom. II. p. 1083) nur die Ucberschrist und die zwei ersten Strophen. 3) ?lndreaS Rivinus, alias Bach mann, geb. 1600 zu Halle und im Jahre 1040 Professor in Leipzig, gab zur Feier des Buchdrucker-Jubi- läumS eine Ilecatornba laudiirn et gratiarum, welche eine zwei Jahre früher von ihm gehaltene Declamatio de typograpliia mit einigen zeitgemäßen Zusätzen umfaßt, heraus. Wolf ließ dieselbe nebst einer andern von RivinuS deutsch geschriebenen und in der Leipziger Buchdrucker-Jubel- schrift mitgetheilten ?lbhandlung über denselben Gegenstand, letztere jedoch in lateinischer Uebersetzung, in den Mouum. typögr. Tom. i. p. 809 sqq. et p. 1031 sqq. wieder abdrucken. Sowohl die Leipziger Buchdrucker - Jubelschrift von 1040, wie Rivini Hecatomba, befinde» sich in der hiesigen Marienbibliothek in einen Band, sub sign. A. 3. 35., zusammengebunden, welcher auch Rinckart'S Drucker Gedenck Rinck und Pocken Gedenck und Dancklied, Leipzig 1040, in den Originaldrucken enthält. <# 92 4r<> der Kricgsnoth vielleicht nur in den Ofsicinen selbst oder durch einen schlichten Rede-Aktus in dem Gymnasium geräuschlos begangen wor- den. Denn Wunder müßte es in der That nehmen, wenn von Seiten des letzteren, welches noch zwei Monate früher den hierher berufenen Superintendenten Arnold Mengering in einer Druck- schrift beglückwünscht *) und dessen Rector den Leipziger Typographen eine Gratulation eingesandt hatte, worin die größte Theilnahme an der Feier ausgesprochen wird**), der festliche Johannistag so ganz 4) Die vom 24. April 1640 datirrc und von Petcr gab er in 4to gedruckte, 1 Bogen starke GratulationSschrist befindet sich in der Maricnbibliothek unter den Mengeringiauis sul) sign. S. 1. 4. Eine Andeutung aus daS Buchdrucker - Jubiläum kommt darin nicht vor. 5) Gucintziuö sagt, nachdem er der Buchdrnckerkunst die größten Lobsprüche ertheilt, ausdrücklich: „Wann dann dcrohalben billich dem allmächtigen Gott für solche hohe vnd grosse Wolthat zu dancken — Bnd an diesem Johannes-Fest, Johannes Guttenbcrgcrn, den vollkömlichen Erfinder, zum rühmlichen Atideucke», dav Jubel Fest gehalten wird, da sich Gefreunde vnd Nachtbarn, wie sonsien, vermöge des Fest-Text?, mit frewen vn verwundern;" - und in dem angehängten Gedichte fordert er ?llle, welche irgendwie mit der Kunst in Verbindung stehen, auf: „Wolauff an diesem Tag, wolauff begeht dijj Fest, Mit Frewden danckt vnd lobt den grossen GOTT auffS best." An keiner Stelle kommt aber auch nur die leiseste Hindeutung auf die hiesige Tvpographie, welche Gueintzins doch selbst erst wenige Wochen früher (vgl. oben Note 4.) in Anspruch genommen hatte, vor. ^b^y 93 unbeachtet vorübergegangen seyn sollte. Eine kirchliche Feier hat aber wohl bestimmt nicht stattgefunden G ). Können wir demnach auch nicht auf ein, wenigstens durch größere Festlichkeiten ausgezeichnetes Jubiläum im Jahre 1640 hinweisen, so dürfen wir auf daS vor einem Jahrhundert hier begangene mit desto größcrem Stolze blicken, da Halle bei jener Säcular- Feier unter allen Städten Deutschlands nach Leipzig die mei- sten Officinen zählte 7 ) und von Seiten der erleuchteten Regierung 6) Weber das Archiv der Kirche zu U. i'. Fr>, noch das zu St. Ulrich enthält eine Notiz über eine geistliche Feier; auch Gottfried Olearius, damals Pastor der letztgenannten Gemeinde, erwähnt in seiner Halygra- nliia im chronologischen Register des Jahres 1640 nichts von einem Jubi- läum, unter welchem Worte das Haupt-Register ebenfalls nur auf die Reformationv- Feste von 1617 und 1641 verweist. Am 20. Juni 1640 hatte sich, nach Olearius, ein Unglücksfall, in Folge dessen ein Mensch sein Leben verloren, ereignet; dann aber findet sich für die nächstfolgenden Wochen gar nichts bemerkt. 7) Schon mit der Errichtung der Universität im Jahre 1694 fanden sich zwei auswärtige Buchdrucker, Christi au Henckcl aus Witte nberg und Christoph Andreas Zeidler aus Frankfurt an der Oder, hier ein, und im Jahre 1707 waren, nach dem hiesigen Adreß - Kalender, bereits folgende 7 Officinen in Thätigkeit: Sah tit. 1. Die Königl. Magdeburgische Regierung: „Rcgierungs-Buchdr. Herrn Christoph SalfeldS Witwe, wohnet aufm Neumarkt in ihrem Hause." < st/1 fövct> »4t » Friedrichs des Großen, so wie der hiesigen gelehrten Notabilitäten einer so glänzenden Theilnahme an dem Feste sich zu erfreuen Hab tit. iv. £k Königl, Preuß. Friedrichs - Universität in Hcillc: „UniversitätS-Buchdr. Hcrr Christoph Andreas Zeitler, wohnet in seinem Hause am alten Markte. Herr Christian Hcnckcl, wohnet in seinem Hause am Moritzkirchhofc. Herr Joh. Jacob Krebs, wohnet in des Schneiders SaalbachS Hause in der kleinen Steinstrasse. Herr Joh. Grunert, wohnet an der Halle in seinem Hause. Herr Johann Montag, der Königl. Societät der Wissenschaften zu Berlin Factor, wohnet in der großen Clausstraße in seinem Hause. Herr Joh. ?lndreas Saalfeldt, wohnet am alten Markte in des Sattlers Schmidts Hause." Bei der Jubelfeier 1740 befanden sich hier folgende 16 Buchdruckereicn (mithin nur eine weniger als in Leipzig): 1) Johann Montag, 2) Georg Jac. Lchmann'S Witwe, 3) Joh. Christian Hendel, 4) Joh. Christian Hilliger, 5) Joh. Friedr. Krottendorf, 6) Joh. Gottfr. Kittler, 7) Joh. Friedrich Grunert, 8) Joh. Christian Grunert, 9) Joh. Hcinrich Grünert, 10) Joh. Gottsried Meyhe, 11) Joh. Justinus Gcbaucr, «ttgi 95 -ß>8> hatte ^), wie deren keine Stadt sich bisher rühmen durste; obgleich 12) Christian Ludwig Sympher, 13) Christoph Snlfcld'S Erben, 14) Die Buchdruckcrci deS WciiscnhciuscS, 15) Sie Orientalische Buchdr. deS Professor I. H. Cnllenberg, 1b) Die Buchdruckerci der Can stein'scheu Bibclanstalr. Bon diesen Officinen bestehen unter den früheren Namen gegenwärtig noch fünf, nämlich die Gebaucr'sche (jetzt auch verbunden mit einer Schriftgießerei und Stereotypie), die Gruncrt'schc, die Hcndcl'sche und die Buchdruckcreicn des Waisenhauses und der Canstcin'schen Bibel an st a lt (letztere jetzt im Besitz von 3 Schnellpressen, 9 Handpressen und einer Stereotypie). — ?l»ßer diesen Officinen sind noch vier, die Dictlcin'schc, Plötz'sche, Schimmclpfennig'schc (verbunden mit einer Lithographie) und die Scmmler'sche gegenwärtig hier vorhanden. 8) Ueber die Feier von 1740 hat bereits Hr. Dr. Eckstein, Oberlehrer am hiesigen Königlichen Pädagogium, welcher sich um die Geschichte unserer Stadt durch mehrere schätzbare Beiträge verdient machte und von welchem wir die Fortsetzung des Drcyha upt' sehen Werkes zu hoffen haben, in dem hiesigen Wochenblatt (Nr. 7. d. I.) berichtet. Wir geben, besonders in Betreff der Theilnahme der Universität, noch einiges Nähere. ?lußer dem von Johann Iunckcr, als damaligem Prorcctor, erlassenen und von Joh. Hcinri.ch Schulze, als Professor Eloqiicntiae, verfaßte» Prograrnina sacculare acadcniicuin, lieferte Se. Magnificenz noch selbst, dann der Kanzler Johann Peter von Lud ewig, der Dircctor Iustus Henning Bochmcr, der Senior der Universität Friedrich Hoffmann und die meisten übrigen Professoren, nainentlicli Ioachiin Lange, Christian Bcncdict MichaeliS, Siegmund -s-K 96 #«> auch an anderen Univerfitäts-Orten, wie in Altorff, Erfurt, Jena, Jacob Bnumgarte», Bened. Gottlob ClauStvitz. Joh. Georg Knapp, Joh. Gottl. HeinerciuS, Sim on P cte i © a f f cc, Jac. Gabr. Wolf, Carl Gottlieb Knorre, Joh. Gerh. Schütte, Joh. Samuel Friedr, Boehmcr, Marti» Schmeißet, J.E. Zschackwitz, Joh. Tob. Carrach, Mich. ?llberti, Joh. Joach. Lange, Da». Strahler, Thcod. Christoph UrsinuS, Just. Israel Beyer und Joh. Friedrich Sticbritz Gratnlatio»S-?lbl>and- lungcn oder Gedichte, unter welchen ersteren besonders zwei von dem Kanzler von L udcwig, die von Sieg»!. Ia c. Bau»!garten, Joh. ©ottl. Heineccius und von dem Hcraldiker Mart. Schnieitzcl vcr- faßten ausführlicher sich verbreiten. Die Jubelpredigt bei der Universität hielt Bcncd. Gottlob Clanswitz und die Jubelrede Joh. Heinrich S ch u l z e. Außer diesen in den „Ocffentlichen Jubelzeugnisscu" abgedruckten Schriften und Reden und dem schon früher erwähnten Historischen Borbericht Joh. Georg Kirchner'S, enthalt die gedachte, in der Gcbauer'schen Officin gedruckte Jubelschrift noch eine Predigt und zwei Predigt-Auszüge, Glückwünsche hiesiger Lireraten und Kunstverwandten und die Beschreibung der Feier, welche übrigens wegen des a»i 31. Mai erfolgten ?lblebens König Friedrich Wilhelm'S I. nicht am 24. Juni, sondern am 25. Juli begangen wurde. Der um das Fest besonders verdiente Kanzler von Lud ewig hatte schon im Mai durch einen Aufsatz: „ Vom Keyserlichcn General-Superintendenten aller Buchdrucker des Römischen Reichs" (.peilt. Anz, 1740. Nr, XXI.) auf die Feier hingewiesen und Joh. Georg Kirchner in demselben Blatte über einen Actus orfttorius auf dem lutherischen Stadt - Gmnnasimii berichtet, dessen Rector Joh. Mich. Gasser cine EinladnngSschrift dazu die Hallische Typographie bis aus die nächste Gegenwart thätig gewesen, und ob, trotz der verminderten Zahl der Ofsicinen, ihre Wirksamkeit nicht vielleicht eben so umfassend und erfolgreich, wie früher, sich dargestellt, das mag der Beurtheilung Anderer überlassen bleiben; hier sei nur zu sagen vergönnt, daß unsere Stadt nicht unrühmlicher, als ein Jahrhundert zuvor, an der Schwelle des Festes stehe, und daß sie auch für das althcrrliche Athen der Elbe, welches ja seinen Namen jetzt so eng mit dem von Halle verknüpft, eine Vertretung zu üben berechtigt erscheine. Denn, wie einst von den Pressen Mittendergs aus das lautere Wort Gottes und die Schriften des Praeceptor Germaniae zuerst und zumeist an das Licht gefördert wurden, so schafft und wirkt jetzt hier in unerreichter Großartigkeit die Anstalt, welche das Bibelwort Luther's jährlich vieltausendfach in alle Welt verbreitet, und eben so gehen aus Hallischen Ofsicinen die Schriften Melanthon's in umfassendster Sammlung, so wie die Blätter des ersten kritischen Institutes Deutschlands und zahlreiche Werke des gelehrtesten Fleißes hervor; wobei auch die neuesten wichtigsten Erscheinungen im Gebiete der Kunst, Schnellpressen und Stereotypen, eine vielfache Anwen- dung finden. So begrüßen denn auch wir mit Freudigkeit die vierte Säcular-Feier der unsterblichen Kunst Gutenberg's; einer Kunst, welche Martin Luther „sumnnirn et postremum Dei donum" «iy 99 4y%-- nannte 10 ), welche Kaiser Friedrich III. 11 ) mit hohen Ehren schmückte und welche, gleich Kaiser Joseph II. auch viele andere fürstliche Häupter 13 ) und Männer von gelehrtem Ruhm — 10) Der Lobsprüche nicht zu gedenken, welche die größten und aufgeklärtesten Geister älterer und neuerer Zeit, ein Eravmus RoterodamuS, ein MarquiS von Poinbal und Männer ähnlichen Gepräges der Kunst fortwährend ertheilt haben. 11) Siegmund von Bircken sagt in seinem „Spiegel der Ehren des Erb- Hauses Oesterreich" (Nürnberg 1668), daß Kaiser Friedrich III. (reg. von 1440 bis 1493) „die Buchdrucker Gold zu tragen, auch sonsten, dem Adel und Gelehrten gleich, befrcyct, und insonderheit den Schriftsetzern einen Adler, den Druckern aber einen Greif mit den Druckerballcn in einer Klauen, und beide Wappen mit ofncm Helm verliehen." 12) Wir verweisen auf einen in den Berlinischen Nachrichten von Staats?'und gelehrten Sachen (Jahrgang 1839, Nr. 258.) enthaltenen ?lufsatz, welcher die Uebcrschrift „Kaiser Joseph als Typograph" trägt, und welchem zufolge noch jetzt die Presse und die Sctzerinstrnmente, deren sich der kaiserliche Künstler bediente und die sich früher in dem Kabinette des Monarchen befanden, in dem Schreibzimmer des rühmlichst bekannten Wiener Buch- druckers Anton Strauß aufgestellt sind. 13) Unter den zahlreichen Hof- und Fürstlichen Buchdruckcrcicn älterer Zeit erwähnen wir nur die des Herzogs Ernst zu Gotha, des Herzogs August zu Wolfcnbüttel und des Fürsten Ludwig zu Köthen, in welchen die erlauchten Besitzer auch das Amt der Korrektoren übernahmen. Unter den noch bestehenden Instituten dieser Art verdient vor Allen die Königliche Druckerei in Paris, über welche das „Ausland" in den ____1________ 13 * «§> 100 O-s> wir nennen hier nur die Namen Fr oben, Aldus, Stephanus und Plantin 14 ) — übten. Dürfen wir noch erwähnen, daß Nrr. 2 —5. d. I. einen höchst interessanten Aufsatz giebt, Erwähnnng. Dic genannte Offici», welche ihr Entstehen Franz I. zu verdanken hat, ist gegenwärtig das größte Etablissement ihrer Art iu Europa und besonders im Fach der orientalische» Typographie, als deren Conservator u. a. Syl- vcstcr de Sacy angestellt war und wozu die Druckerei der Propaganda in Rom erzwungen Beitrage gab, unübertroffen, wie sie denn überhaupt, neben officicllen ?lrbeitcn, auch besonders kostspielige wissenschaftliche Werke liefert. DaS Beamten - Personal besteht aus dein Direktor, dessen Bureau und 37 anderen fixirten Angestellten; die Gießerei beschäftigt 00 Arbeiter, die Druckerei 330, das Broschiren, Trocknen, Binden u. s. w. 240, zusammen 650 Arbeiter • an Pressen zählt die Anstalt 125 Hand - und 2 Dampf- pressen; der gewöhnliche Lettern- Vorrath beträgt 900,000 Pfund und gegen 0000 stehende Formen; die jährliche Einnahme berechnet sich auf etwas mehr als 2 Millionen Francs. Von der Masse der dort disponibel« Kräfte mag folgender Vorfall zeugen. Der König gab im letzten Jahre dem Director der Druckerei die Hand- fchrift von Memoiren feines verstorbenen Bruders, des Herzogs von Mont- pensier, um 2 Uhr Nachmittags zum Druck; den andern Morgen um 12 Uhr brachte il)m der Director die Handschrift und ein Exemplar von zwei Ausgaben deS BnchS, die eine M Quart, die andere in Octav, gedruckt, gepreßt und gebunden. „Ich kann", so schreibt der Berichterstatter, „leider die Zahl der Bogen nicht angeben, eS waren aber Bände von gewöhnlicher Stärke." 14) An diese Namen, als die der Hauptvertretcr der ältern gelehrten Typographie Deutschlands, Italiens, Frankreichs und der Niederlande, <•# 101 Staatsmänner, wie Franklin ^), und Feldherren, wie der Mar- schall Brune, derselben angehörten, daß zu ihrer überaus reichen Literatur die bedeutendsten Gelehrten, ein Schöpf!in, Meer- mann, Würdtwein, Denis u. a., ihre Beiträge lieferten, daß in den höchsten Kreisen der conventionnellen Gesellschaft, und vor- zugsweise in denen der stolzesten Aristokratie der Erde, der britischen, der Geschmack für seltene und sonst werthvolle Erzeugnisse der Typographie eine lange Zeit fast ausschließlich selbst zur Modesache gcwor- den war 16 ); so genügen wohl diese Hindcutungen, um zu zeigen, reihen sich zahlreich die Namen anderer gelehrter Buchdrucker; derjenigen Officinen nicht zu gedenken, welche, wie die Ad Insigne Piims zu Augsburg, von Gelehrten-Vereinen errichtet wurden. 15) Bon der Anhänglichkeit Franklin'S an die von ihm geübte Kunst zeugt die Grabschnft, welche er sich selbst bestimmte, und welche lautet: „Hier liegt der Leib Benjamin Franklin's, eines Buchdruckers (gleich dem Deckel eines alten Buches, au» welchem der Inhalt herausgenommen und der seiner Inschrift und Vergoldung beraubt ist), eine Speise für die Würmer; doch wird das Werk selbst nicht verloren seyn, sondern (wie er glaubt) dermaleinst erscheinen in einer neuen schönern Ausgabe, durchgesehen und verbessert von dem Verfasser/' 16) Wir erinnern hier nur an die Herzöge und Grafen: dc la Valliöre, Mac Carthy, Cassano - Serra, Devonshirc, Roxburghe (dem nach ihm genannten Clubb folgten Bibliophilen-Vereine in England und Frankreich), Spencer (die kostbare Bibliothek des Grafen beschrieb •*# 102 von welchen verschiedenen Standpunkten aus die Kunst Theilnahme angeregt und erfahren; ohne daß dadurch jedoch leerer Kuriositäten- Krämerei oder gehaltlosem Standes -Vorurtheil hier auch nur entfernt das Wort geredet seyn soll. Denn immer nur wird die Kunst, „deren unermeßliche Wirksamkeit für geistige und gesellschaftliche Bildung", um mit Wachter's Worten zu reden, „nicht dankbar genug gefeiert und nur von lichtscheuen Vertretern selbstsüchtiger Willkühr verkannt und geschmäht werden kann", immer nur wird sie da ihr Fest würdig begehen, wo sich Geister zusammenfinden, welche die Wahrheit frei gemacht hat. Dibdin) n. n. — Lord Stanhope beschäftigte sich eifrigst mit dcr Technik dcr Typographie und ward Erfinder einer Presse; auch die Grafen Sinzcndorf und Schlabrcndorf versuchten sich auf dem technischen Gebiete der Stereotppie. Wachtriige. 1. Eine .Hallische Lotterie - Ankündigung aus der Zeit des Erzbischofs Ernst. (Zu Capp. V. und VI.) ährend des Druckes der gegenwärtigen Schrift wurde mir durch die Güte des Herrn Dr. Förstemann, Secretairs des Thüringisch- Sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Alterthums, ein interessantes typographisches Erzeugniß mitgetheilt, welches Herr Pastor Leitzmann zu Tunzenhausen bei Weißensee der Bibliothek der genannten Gesellschaft (jetzt daselbst sub Nr. 799.) als höchst dankenswcrthes Geschenk verehrt hat, und das in nächster Beziehung zu der Buchdruckergeschichte unserer Stadt steht. I) In Sisch'S Gcschichte dcr Buchdruckcrkunst in Mcckclnburg bis 1540, Schwerin 1839, Scitc 149. wird eine ähnlich« Lotterie - ?lnkündignng von Rostock au» dem Jahre 1518, gedruckt daselbst durch Ludwig Dich, aufgeführt. -sH 104 #«=■ Es ist dies eine Hallische Lotterie-Ankündigung aus der Zeit des Erzbischofs Ernst, auf der einen Seite eines Bogens in Diplom - Format gedruckt. Dieselbe beginnt mit den Worten: „Mit gunft willen vnd wissen des Ernwirdigistcn in got „vatcr Jrlanchte hochgcbornc Fürsten vn Hern Hern Ernc- „stes Ertzbischoffs tzu Magdcbnrgk Primatis in gcrmanien. „administrator der kirchcn tzn halberstat Hcrtzogcn tzu sach- „ficn lantgraffen in dornigen vnd margkgrasfen tzu meyssen »Ist bestympt vii angchabc ein cyulage yn topff oder Haffen „yn seiner fnrstlichen gnade stat Halle vmb ctzliche silberne „vnd vorgolte reynliche darbey auch andere erliche clcyno- „ten ic. zc" Diese Kleinode, welche am Schluß der Anküudigung vcrzcich- net sind, bestanden meist in Trinkgeschirrcn, Pelzwerk und Kleider- stoffen. Der Einsatz betrug „cyn groschen, der einvndtzwentzigk eynen rcynischen gülden gelden" und es wird die gewissenhafteste Werloosung und Ausantwortung, auch an fremde Thcilnehmcr, versprochen, zu welchem Ende fürstlicher Seits besonders dazu Verordnete mit der Leitung der ganzen Angelegenheit beauftragt waren. Die Benachrichtigung an das Publikum ist aus einer Schwa- bacher, das Verzeichniß der Preise aber aus einer Missal (Gothisch) gesetzt. Die erstere Schriftart weicht besonders in den Versalien M und H und in dem kleinen ck, welches die obere Spitze zuweilen <# 105 O)H> in einer Schleife nach der Mitte zu senkt, von der Textschrist des Verzeichnisses der Heiligthüiner von 1320 ab; die Missal dagegen ist genau dieselbe Wie aus der Titulatur des Erzbischofs ersichtlich, ist die Zeit des Druckes zwischen die Jahre 1489 bis 1513 zu setzen; leider aber ist aus keinem Umstände auch nur eine Andeutung herzunehmen, wo der Bogen, in dem übrigens die schriftliche Unterzeichnung der fürst- lichcn Verordneten, auf welche in dem Text hingewiesen, sehlt, gedruckt seyn könne. Dürfen wir demnach dieses inrercssante Druckstück auch nicht mit Bestimmtheit als eine Hallische Jncunabel, vielleicht sogar des 15. Jahrhunderts, ansprechen, so trägt sein Vorhandenseyn doch wesentlich dazu bei, die Gcsner - Suhl'sche Annahme über-den Dmckort Halle bei Lcimbach's Practica von 1499 2 ) zu unterstützen, und unserer Stadt die Ehre, noch im Säculum der Erfindung die Typographie geübt zu haben, mit immer größerer Wahrscheinlichkeit zuzutheilen. 2) Aus im Druckfehler - Register des Gcsncr - Suhl'scheu Verzeichnisses tragen wir noch nach, daß es in dem Sitet von Lelmbach'S Practica nicht „geburt", sondern „gepurt" heißen muß. Hallisch« Buchdrull-rz-schich!-. 14 2. Eberhart Gnttemberg von Halle 1318. (Zu Cap. XXVII.) Wurch dieselbe Hand, welcher ich die vorstehende Mittheilung ver- danke, kam mir eine sehr willkommene Ergänzung zu den von mir gegebenen Nachrichten über die Hallischen Gutenberge zu, nämlich die, daß nach einer in Raumer's Codex diploni. Brandenburg, contin. T. II. pag. 252. befindlichen Urkunde des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg vom Jahre 1518 Hr. Eberhart Guttemberg von Halle, in der Ertzney Doctor ic,., in Ansehung seiner Lehre und Schicklichkeit an der Universität zu Frankfurt als Ordinarius der Ertzney - Facultät aufgenommen worden. Auch als ein Nachtrag zu Dreyhaupt's Hallischer Gelehrten- Geschichte schätzbar. Hinter den bekannten Drucken des 15. Jahrhunderts befinden sich drei, welche nach Panzer's Meinung dem sächsischen Merseburg, nach Ebert, der jedoch nur zwei derselben namentlich aufführt, dem schwäbischen Mecrsburg zuzusprechen wären. Diese Werke sind folgende: 1. Augustini lilier de quacstionilms Orosii. Marsipoli 1*73. Das Buch, gedruckt in Quarte Format, mit gothischen Lettern, ohne Signatur, Custoden und Paginazahl, 28 Zeilen auf der Seite und 30 Blatter stark, beginnt auf Fo!. l a : Incipiunt qnestiones Orosij ad beatii Aus gnstinü Episcopuro. yponcnsej Prologus. enthalt auf Fol. 29 b folgende Schlußschrist des Druckers^ Fiuit lilier Iieati Angnstini ypo; ncnsis epifcopi dc qnestionibns «8$ HO #«> orosy A lnca brandis ex opido delczsch pgenito Nunc aiit vrbe marsipoli commanenti. arte impf foria in medium feliciter deditus Anno a partu uirginis salutifero Millefimoquadringentesimo sep tnagcsiraotercio Nonas nero au gusti quinto Deo Gratias. unb endigt auf Fol. 30 a mit einigen Versen über das Sacramcnt der Messe^ Aristotelis et alionim Lapidarius et lilber de pliysiognornia regia. Mersslborg 14« 3. Das Werk ist in 4to gedruckt und zerfallt in 3 Theile, deren 1. und 2. über Beschaffenheit ic. der Steine, der letzte aber „de ipsainct phisouornia" Handelt und folgendermaßen schließt: Diuina igitnr annueiite gratia inulta inqnisicione habita ex plnriljus libris philoi'opliorum hunc üb. qui Phisonornia regia intitulatur collegimiis, in perpetnain rnernoviam Excellentiff. Principis Dom. Wenceslay Secuudi regis Bohemornm. Explicit über de Phisonornia Anno dni. Millesimo qtiadringentefimo septuagesimo tercio in vigiüa XI. miliiim virginum Completnin est presens opus in ciuitate Merssborg. 111 #ß> 3. Isidori Hispalensis Soliloquia scu Synonyma tle lioiuiiie et rationc. Marsinoli HJ9, Das Werk ist nach Frey tag's Angabe in 8vo, nach Hain (f. unten) in 4lo gedruckt, mit gothischen Lettern, ohne Signatur, Custoden und Paginazahl, mit 24 Zeilen auf der Seite und ent- hält 40 Stattet. Auf Fol. 40 a steht folgende Schlußschrift: Sancli Ifidori Ispalenais archiepi sinonima explichmt . . anno dni cte. Mcccclxxix Marsipö lis (sie) Sabbatö anle tliome. Vernehmen wir min zuvörderst die Stimme Panzer's für unser sächsisches Merseburg. Im II. Theile pag. 10 sq. der Annalcs führt Panzer die obigen 3 Drucke unter der Rubrik: „Marsipoli (Merseburgi in Saxonia)" auf. Bei Nr. 1., welche er aus Denis SuppJ. p. 81. Gesner p. 29. entnahm, bemerkt er hinter Marsipoli in der Schlußschrift: „(Merscburg. Sax.)" und fügt unten mit Bezug auf den Drucker hinzu: „Idem est sine dubio Luc. Brandis, qui postea Lubecae irnpressit." Zu Nr. 2. bemerkt er: „3IaiU. Ind. II. App. p.5-15. ex Marcli. bist. p. 63. Biincrnann. Catalog. MS Ct. p. 14 seq. ubi libro huic rarissirno preüurn 18 tlialerorum statuitur. Lcich. p. 127." Ji*. <•# 112 #o Der Nr. 3. fügt cr das Citat: „Freytag. Adpar. II. p.1183." und die Worte hinzu: „Et liunc librum Martisburgi in Saxo- nia, noii vero Martisburgi in Suevia, ut Frcytagio placere videtur, impressum fuisse, probabile cst." 2 ) Kurz und bestimmt lautet dagegen Ebert's Votum für das schwabische Meers bürg in nachstehender Weise. Bei Nr. 1., in dessen kurzgefaßtem Titel Ebert nach dem Namen Lucas Brandis die Geburtsstadt Delitzsch übrigens nicht erwähnt, heißt es (Bibliogr. Lcricon Nr. 1385.): „Erstes zu Mers- purg in Schwab, (nicht in Sachs.) gedr. Buch." Bei Nr. 3. (Bibliogr. Lericon Nr. 1056-1): „Der Druckort ist Mersburg am Bodensec, nicht Merseburg in Sachsen." Aus welchem Grunde Ebert die Nr. 2. unerwähnt gelassen, ist schwer zu begreifen, er müßte denn, wie Ha i n ^) , das ^Merßborg" 1) Freytag, welcher nur ein Excmplcir dieses Buche» mi» der Bibliothek von Schulpforta kannte, sagt, daß über den Druckort etwa» Genaue» sich nicht bestimmen lasse, daß cr aber, wenn einmal eine Vermuthung aufgestellt werde» solle, sich für da» schwäbische Meer »bürg entscheiden würde, obgleich Bünemann, welcher ein Exemplar von Nr. 2. besaß, der säch- fischen Stadt diese Ehre zuzuerkennen scheine. — Von dem Vorhandenseyn unsercr Nr. 1. wußten die beiden eben erwähnten Bibliographen nicht». 2) .ö niii, der trotz der ganz unbcstimmt lautcnden Schlußschrifr von Nr. 3. Marsipolis für den Druckort nimmt, sagt bci Nr. 2. (vgl. Repertor. 113 Gc> nicht für den Driickort gehalten haben, wogegen aber spricht, daß (der von Panzer nicht citirte) Schöttgcn^), der Nr. s. allerdings bibliograpli. Nr. 1777) kurz: „sine Ioci, anni et typogr. not." Nicht nur ist nba - das „presens opus" und da? „complctnm" eine bei Jncu- »abeln öfter vorkommende Formel für die Druck-Beendigung des eben vor- liegenden Buches (vgl. Hai» selbst u. a. über über cornpletus und opus completum bei Nr. 10329 — 31, 10333, 10347), sondern ev ist ja auch gar nicht unwahrscheinlich, daß, wenn wie durch Nr. 1. festgestellt, am 1. ?lugust (oder sollte der Drucker wohl nicht den 2. August, qu&rtß Nonas, gemeint haben, da es sonst Caleudis Aiigusti hätte heißen müssen?) zu Merseburg ein Werk erschien, am 20. Oktober desselben Jahres ein anderes, im Umfange von wenigen Bogen, daselbst »achfolgen konnte. 3) Christian Schöttgen, S?eetor der Schule zum Heil. Creirtz, schrieb eine Vorrede zu „Der löblichen Buchdrucker - Gesellschafft zu Dresden Jubel-Geschichte, 2l. 1740, den 24. und 25. Junii. Dreßden, gedruckt auf Koste» der Buchdrucker - Societat." Zu diesem Vorwort handelt er besonders von früheren sächsischen Buchdruckcreicn, wobei er zuerst der, der Stadt Merseburg zugeschriebenen, gedenkt, einen Bericht über Nr. 2. und 3. der Merscbnrger Drucke giebt und ausdrücklich äußert, daß, hätte der Drucker seine» Nanicn gemeldet (Nr. 1. kannte er nicht), man schließe» dürste, an welchem Orte diese zwei Stücke eigentlich hcrauSgckontmen, die er nun gegen Bünemann's und Seich's Annahme und „ohncracht er seinem Vaterlande diese Ehre gern gön»cn möchte", dem „Merseburg in Schwaben, woselbst der Bischoff von Costnitz cfft zu residiren pflegt", zuspreche» zu müssen glaubt. „Die Ursachen dieser Muthniaßung" — schreibt er weiter — „sind folgende: 1. Weil Brotuff und andre „Merseburgische Chronicauten, welche die benleldten Zeiten fast erreicht QalTfjfy 3iic[ibriirfergi-scmtf;te. 15 ««A 114 #e* für einen Meersburgischen Druck nahm, hauptsächlich wohl Ebert's Urtheil für die schwäbische Stadt bestimmt haben mag. Sollte jedoch auch diese letztere Vermuthung die richtige nicht seyn, so wird schon aus der nachfolgenden Untersuchung hervorgehen, daß Ebert bei seinem Votum für das schwäbische Meersburg überhaupt nicht nur ohne die gewohnte Kritik verfahren, sondern auch bei dieser Sache in Widerspruch mit sich selbst gerathen ist. „haben, davon im geringsten nichts gedencke». Wiewohl ich auch gestehe, „daß dieser Beweiß an und vor sich, und allein genommen, nicht „sehr binde. 2. Das Stifft Merseburg hat, so viel man zur „Zeit Nachricht hat, nur ein eintzigeS Meß - oder Agenden-Buch drucken „laßen, welches zu Leipzig a. 1504 geschehen (s. Krcysig'S Hist. „Bibliothek von Ober-Sachsen i>. 494.). Darzu hat sich nur unlängst „noch eine» gefunden, a. 1501 ohne Benennung des OrtS gedruckt, welches „eigentlich vor das Srifft N aumbürg eingerichtet, es stehet aber dabey, „daß es auch vor daS Stifft Merseburg mit zu gebrauchen wäre (Mis- „Cale Niimburgcnse, qvod ctiam deserviet Ecclel'iae Merscburgcnsi. „1501. sol.). Run schließe ich also: Die Stiffrer Meißen und Nanin- „burg haben keine besondere Druckereien gehabt, und gleichwohl ihre Meß- „Bücher in ziemlicher ?lnzahl zu Mayntz, ?lugspurg, Basel und „Leipzig drucken laßen. Hätte nun da» Stifft Merseburg sich eine „besondere Druckerey gehalten, so solte man ja wohl meinen, eS würde „wohl vor allen Dingen dergleichen brauchbare Bücher der Preße anvertrauet haben. Da aber dieses nicht geschehen, so ist zu schließen, daß zu „Merseburg keine Druckern? gewesen." <8 ■^r 115 ^ e> Daß aber der Vorwurs unkritischer Behandlung der Angelegenheit auch seinen Gegner Panzer, so wie sämmtliche Vorgänger desselben trejft, ist ebenfalls nicht in Abrede zu stellen. Die Gründe, welche für unser sächsisches Merseburg sprechen, sind nachstehende: 1) Nur für das sächsische Merseburg, welches seinen Namen von Mars herleitet nicht aber für das schwäbische, von seiner Lage benannte Meersburg Ö ), kommt die lateinische 4) Trotz dieser von sämnttlichcn ciltcrcn Annalisten, u. a. auch von dem Bischof Ditmar angenommenen und in dem ebenfalls gebräuchlichen Martis- bnrgum deutlich hervortretenden Herleitung, ist die gewöhnliche, auch in offiziellen Dokumenten gebräuchliche, lateinische Schreibung Merse bürgn in mit geringen Abweichungen. — Vgl. über den Namen der Stadt überhaupt „v. Medem Beitrag zur Geschichte der Stadt Merseburg", (in den Neuen Mittheil. des Thüring.-Sächs. Vereins f. Erforsch, d. vaterl. Alterth. Herausg. von Forste mann. Halle 1836. II. Bd. 3. Stück, S. 390.) und „Bischoff's und Möller's Wörterbuch der alten, mittleren und neueren Geographie, Gotha 182g", s. vocc. Marsibnrgarn und Mersabnrgnm. — In den folgenden Noten 7 und 8 geben wir dazu noch einige Nachträge. 5) CrusiuS sagt in seinen Aniiales Suevici, Francof. 1595. Tom. I. 11.291. von Merspurgiim (denn so, oder in der früheren deutsche» Form Merspurg, schreibt er es durchgängig, nur einmal kommt, jedoch, wohl bemerkt! im Register, Mersbiirgum vor) „sie ä profmiditatc aqaarnm, quac Ibi sunt, dictiun." Dieses Gewässer war aber der 15 «acgj 116 #b> Form Marsipolis 6 ), so wie alle übrigen mit polis zusam- Bodcnscc, Klare Suevicuni, weshalb in späterer Zeit Meersburg auch Marisbnrgain latinisirt wurde. Diese letztere Schreibart hat u. a. Wegelin iu seinein Thesaurus rerrim Süevicarurii, Liiidaviae 175G. Vol. I. p. 301., 1700. Vol. IV. i>. 388. (das sächs. Merseburg nennt Wegelin Mcrseliiirgiiin); ferner Marti» Gerbert im lter ale- mannicum, Typis San - Blasianis 1765. p. 248. und p. 254., wo der Bischof von Constanz selbst Mas isburgi datirt. Bischoff und Möller haben nur: „Mersoburgum, Mers- purgum; Merburg (siel), kl. St. in Schwaben, am Costnitzer- See"; eine ziemlich reichhaltige Europa Latina, Quedlinburg, bei Ernst, nennt blos Marspurgurn; da» Taschenwörterbuch mit Ebert'S Vorrede (s. die folgende Note) hat es gar nicht. Daß Frey tag und Panzer dem Marti sbiirgiirn in Saxonia ein Martisburgurn in Suevia entgegenstellen, muß (eben so wie bei Schöttgen da» Merseburg in Schwaben) als eine rhetorische Licenz neuerer Zeit angeschen werden, und darf nicht bei einer Namenforschung in Betracht kommen, welche ja in dem gegenwärtigen Falle von jenen Schriftstellern ganz unberücksichtigt gelassen worden. b) In dem Lateinisch - deutschen Taschenwörterbuch der neueren Geographie, Leipzig 1821, welches unter Ebcrt's ?lufsicht bearbeitet worden und das er in der von ihm selbst geschriebenen Borrede als „einen nothwendigen und wesentlichen Anhang seines bibliographischen LcriconS betrachtet zu sehen wünscht", wird sowohl Marsipolis, wie Martisburgurn schlcchtweg durch „Mcrscburg" (warum hicß eS nicht anch hier Mcrspurg oder Mcrsburg, da Ebert doch sclbst die Schreibung Merseburg nur für die sächsische Stadt anwendet?) über- setzt, der schwäbische Ort aber nirgends erwähnt. 117 #8> mengesetztcn Formen, als Martipolis 7 ), Martiopolis, M a r t i n 0 p 01 i s 8 ) , vor. 2) Die Form „Merßborg" kommt gleichzeitig buchstäblich für die sächsische Stadt vor»), welche ihre letzte Sylbe überdies häufig mit dem Vocal 0, stets aber im Aufauge mit b bildet, während die ältere Form für den schwäbischen Ort wohl ausschließlich Merspurg 10 ) ist. 7) In einem Glossar, tlicotisc. See. XII. (hinter Gerbert'S Uer aleman- nic.) steht unter den Civitates Saxoniae auch: „Martipolis, Mer- feburc." — Diese lateinische Form fehlt bei Bi sch 0 ff und Möl ler. 8) Sch edel'S leider cronicariim, Norimb. 1493, führt bei der Länder- beschreibung die sächsische Stadt an und bemerkt: „rnartinopolis in honorem inartis a veterilnis conilita merselnirgiiim liodie vocant." — Brotuff, der in seiner Merseburgischen Chronik (Leipzig, bei Georg Hantzsch 1557) durchgängig affectirt genug „Marsburg" schreibt, nennt ebenfalls nur die lateinische Form „Martinopolis." 9) Bgl. Dreyhaupt I. Th. S. 145., wo in einer Urkunde vom Jahre 1454 «Ern Harm an Westual, pherner zu Deltzsch", mit Zauderen „pherncrn" als „phaffen der stiffte Magdeburg, Mentz vnd Merßborg" erscheint. 10) Diese Form kommt u. a. in der Beschreibung des Concils von Costnitz, Augsburg, gedr. durch ?lnton Sorg 1483, Bl. 72b dreimal vor. — Der Gebrauch des p in purg ist auch der damaligen oberdeutschen Schreibweise (wie bei Ravenspurg, ?lugspurg u. s. w.) eigenthümlich, und erst in neuerer Zeit ist statt des früheren -MerSpurg und Mörspurg, das Mcrsburg, Mörsburg und MeerSburg üblich geworden. ««O 118 #-> 3) Der Geburtsort des Druckers Lucas Brandis, die Stadt Delitzsch, gehörte zu dem Bisthum Merseburg und liegt in nur geringer Entfernung (5 kleine Meilen) von der Stadt des letzteren Stamms. 4) Sowohl hinsichtlich ihrer Größe, als ihrer sonstigen Bedeutung übertrifft die sächsische Stadt den schwäbischen Ort, der selbst in ersterer Beziehung der Stadt Delitzsch nachsteht, beträchtlich . 11) So wenig bei einer Untersuchung, wie der vorliegenden. Beweis i Mittel, wie die sub 3) und 4) beigebrachten, an und für sich zulässig seyn können, so wichtig werden sie unter den besonderen hier obwaltenden Umständen. Meersburg hatte allerdings von jeher eine Beste; die Residenz des Bischofs von Constanz wurde aber erst im sechszehntcn Jahr- hundert dorthin verlegt, und an Umfang stand es wohl schon früher, wie »och jetzt der Fall, dem Städtchen Delitzsch, geschweige denn unserem sächsischen Merseburg, welches überdies fortwährend Sitz des Bischofs war, nach. Wie nahe liegt es nun, daß LucaS Brandis sich das letz- rere zum Aufenthalt wählen, und im Gegensatz zu seinem als oppidum bezeichneten Geburtsorte, die Metropole desselben mit den dieser zukommen- den Prädikate» uste und civitas begrüßen »lochte, was bei der schwä- bische» Stadt, wenigstens damals, wohl schwerlich der Fall gewesen seyn dürfte. Sowohl Crusius als Gerbert nennen Meereburg anch nnr oi>i>i(lurn, und in Schedel's gleichzeitiger Chronik (vgl. Note 8.) wird wohl die sächsische „statt Merseburg" (so nach der deutschen Ausgabe), keineswegs aber die schwäbisehe aufgeführt. <&# 119 #*• 5) Beinahe gleichzeitig mit dem Mcvseburger Braydis komincn mehrere Drucker desselben Namens, jedoch nur im nördlichen Deutschland vor W, 12) So finden wir schon 1473 in tülnd einen LucaS Brandts dc Schaß, in den achtzig« Jahre?! cbendaftlbst einen Matthäus BrandiS, ferner um dieselbe Zeit einen Marcus Brandts in Leipzig und einen Mau- ritius Brandis in Magdeburg; ein Zusanunentrcffen, welches wohl schwerlich nur zufällig seyn kann, sondern vielmehr auf einen verwandtschaftlichen Znsammenhang hinweisen möchte. Vielleicht, daß LucaS Brandis von Delitzsch mit LucaS Brandis de Schaß, wie auch Panzer meint, eine und dieselbe Person war, und in seiner ersten Officin zu Merseburg seine Brüder oder sonstigen Familien-Mitglieder in der Kunst unterrichtete, dann, während einer oder mehrere dieser Verwandten das Geschäft in der genannte» Stadt forttrieben, nach Lübeck sich wandte, wo er auch nur schlechthin als Lucas Brandts vorkommt. So wird er u. a. genannt in einer merkwürdigen Schlußschrift zu einem Missale Mag- (lelnirgeiise von 1480, welches er mit Bartholom acuS Gethan gemeinschaftlich druckte und wozu er entweder den Letternguß oder den Schriftsatz lieferte, da es von ihm heißt: — lucas brandis operarn dedit arte preclarns, de cuiiis mauibiis apienm deslnxerat amnis. Eine Vergleich»»., der Brandis'schen Typen, so wie auch der der Merseburger Drucke unter einander, anzustellen, verhinderte die vorgerückte Zeit, jedenfalls aber ist bedeutend, daß Nr. I. und 2. scncr Jncunabeln in der Bibliothek zu Lübeck (f. das GeSncr-Suhl'sche Verzcichniß S. 29.) sich befinden. — Woher übrigens der Beiname de Schaß, möchte schwer zu ermitteln seyn; eine schon 1484 wüste Dorfstätte Zascht, Schascht, Die Bibliothek des Dom-Kapitels zu M ersebur g, welche überhaupt nur eine unbeträchtliche Anzahl Jncunabcln aus dem 15. Jahrhundert bewahrt 15 ), entbehrt leider der erwähnten Schris- ten, welche jeder Sammlung alter Drucke zu einer kostbaren Zierde gereichen müssen. (Lcimbcrti fiel auf Freitag dcn 17. September) statt, und der Jsidor erschien ajtNfcabbato ante Tliome (jedenfalls wohl der Tag des Apostels Tho- was, der 21. December), so daß demnach die Druckerei oder wenigstens ihre Utensilien unzcrstört geblieben; immerhin aber konnte jenes den Wohl- stand der Stadt bedeutend gefährdende Ereigniß doch zur Auswanderung der Typographen beigetragen haben. 15) Die ganze Bibliothek umfaßt, nach einem vom Rcctor Hennicke im Jahre 1808 aufgenommenen Verzeichnis 132 Manuskripte und 1000 und einige gedruckte Bücher. Höllisch- Bnchdrull-rg-schichl- II 4Üu dem von Ludwig Hain, dem würdigen Nachfolger eines Maittaire, Mercier de St. Leger, Denis und Panzer, herausgegebenen Repertoriurn bibliographicurn omnium librorum ab arte typographica invcnta usquc ad annum MD. lypis expressorum sind außer mehreren undatirten Drucken auch die nachfolgenden vier datirten, als in jenem Verzeichnis fehlend, von mir ermittelt worden. 1) Bartholornaci de Concordio summa de casibus couscicntiae, vulgo Magistrutia sive Pisanella. 1483. (Coloniae, typis Udalr. Zell). Fol. in gespaltenen Columnen; mit Signatur und Blattzahlen, welche sich jedoch stets auf der Rückseite des Blattes befinden; zusammen 353 Blätter. Die Jahreszahl 1483 steht auf der Rückseite von Bl. CCCXLII. Col. 2. (In der hiesigen Marien- Bibl. s»b sigu. I. 2. 6.) -sO 123 #3> 2) Ciceronis Laelius s. de amicitia. 1493. Lipsiac (sine typogr. not.) Fol. Mit weit aus einander gerückten Zeilen. (Marien-Bibl. sub sign. P. 3. 8.) 3) Interpretaüo scolastica uovae logicae Aristotelis. 1499. Coloniac, Henr. Quentel. Fol. (Marien-Bibl. sub sign. M. 3. 41.) 4) Bernardini dc Busti Mariale de cxcellentiis interneralac Dei genitricis. 1500. Lugduni, Io. Cleyn (cum insign. typogr.) Fol. min. (Marien-Bibl. sub sign. Q. 1. 102.) Von dem im Jahre 1457 zu Mainz durch Joh. Fust und Peter Schöffer gedruckten Psalterium, bekanntlich dem ersten Buche, welches mit Anzeige des Druckjahres, des Druckortes und der Drucker an das Licht trat, sind überhaupt 5 Ausgaben vorhanden, deren zweite 1459 bei denselben Druckern, die dritte und vierte 1490 und 1502 bei Peter Schöffer allein und die letzte 1516 bei Johann Schöffer erschien. 16* 124 #3> Sämmtliche Ausgaben dieser kostbaren Jncunabel ersten Ranges sind im Wesentlichen mit gleichen Lettern gesetzt, weichen aber nicht nur in ihrer typographischen, sondern auch häufig in ihrer innern Einrichtung von einander ab, was selbst von den einzelnen Exemplaren ein und derselben Ausgabe gilt. In Betreff der Seltenheit folgt nach der Ausgabe von 1516, welche nur in s Exemplaren vorhanden ist, die Ausgabe von 1490. Nach Ebert (Bibl..Lexic. Nr. 18154.) kannte man von letzterer nur 1 Exemplar auf Pergament (in der Königl. Bibliothek zu Paris) und 2 Papier-Exemplare (bei Lord Spencer und in der Bibliothek zu Eise nach); nach Schaab (Gesch. d. Erfind, d. Buchdruckerkunst. I. Bd. S. 536 fgg.) dagegen außer den zwei zuerst genannten Exemplaren nur noch 1 Papier- Exemplar, welches im Jahre 1803 der Stadt-Bibliothek zu Trier durch ihren Bibliothekar Wyttcnbach erworben wurde. Indem nun zuvörderst hier mitgetheilt werden kann, daß das Eise na eher Exemplar, welches Schaab der dortigen Gymnasial- Bibliothek entfremdet und für das Pariser Pergament-Exemplar halten zu müssen glaubte, wirklich noch in Eise nach befindlich ist *), 1) Schon der Umstand, daß Eckhard in ftincn (auch bei Schaab cttitten) Nachrichten von einigen seltenen Biichcm der Eisenacher Gymnasial-Bibliothek S. 116 und 117. ausdrücklich sagt, das dortige Exemplar sei aus Papier gedruckt, mußte gegen die Annahme Schaab'S sprechen, welche durch eine «*# 125 #*- und daß demnach zusammen vier bereits anderweitig ermittelte Exemplare der Ausgabe von 1490 vorhanden sind, gereicht es mir zur Freude, noch ein fünftes Exemplar dieser Edition durch ein von mir aufgefundenes Fragment eines zweiten Pergament- Exemplars nachzuweisen. Dieses Fragment, welches zu einer Buchdecke diente, besteht in der oberen Hälfte eines Blattes, das auf jeder Seite 12 ganze und eine halbdurchschnittene Zeile, aus dem 10. und 11. Psalm, enthalt. Sowohl Breite, als Inhalt der Zeilen trifft genau mit dem Eise na eher Exemplare zusammen, bei welchem jedoch, wie wahrscheinlich bei allen Papier-Exemplaren^ der große Anfangsbuchstabe des 11. Psalms I(n UNO röfido cact.) ganz roth ist, während derselbe in dem hiesigen Fragment eine unbestimmte bläulich - grüne Farbe hat und von rothen Verzierungen umgeben wird a ). im Anfangs dieses Jahres mir zugekommene Mittheilung de» Hrn. Professor und Bibliothekar Briegleb in Eisenach jetzt vollständig widerlegt werden kann. 2) Die berühmten mehrfarbig gedruckten Initialen des Psalteriunii' finden sich nur in den drei ersten Ausgaben, und zwar bei den Editionen von 1457 und 1459 blau und roth, bei der von 1490 grün und rotli. <•# 126 #*> Wie zur Vervollständigung der bei Ebert und Schaab befindlichen Angabe,: über das Psalterium von 1490, kann die hier gegebene Mittheilung auch als Nachtrag zu Wetter's Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst (S. 516.) dienen. Das, mir zugehörige, Fragment erhält durch solche Beziehungen einen dreifach erhöhten Werth. zr>-drich Richt-r, Stktr. S-INi-b 85s*. Diull-r. UZUlhUUSMO mjMlHdesholhlob imrdtMhMchmnbs der SttNlmchm derhciligm ZsuttNond vndGa- rtmMgdaltnm zuhMe. Gedruckt yn der löblichen stadt Halle r Nach Christi Unsers Herngeburt Funffyehenhffdert VMmfc Im Zcwenttyigejtenu Ihare. ertheilt vom ^