Dritte Kriegsanleihe Dr. Helfferich Staatssekretär des Reichsschatzamts über Deutschlands Finanzen (Reichstagsrede vom 20. August 1913) Berlin 1913 ^ tsche Buchdruckerei und Verlagsanstalt SV,, wilhclmstraße ZZ, Meine Herren, nach den Ausführungen Ihres Herrn Berichterstatters wi'irde ich auf eine Begründung des Nachtragsetats, der Ihnen vorliegt, verzichten können: denn ich glaube, die Sache, die ich hier zu vertreten habe, bedarf in diesem Hause keiner Verteidigung mehr. (Sehr richtig!) Wenn ich trotzdem um Ihre Erlaubnis bitte, den neuen ^iriegskredit mit einigen Worten erläutern zn dürfen, so tne ich dies, weil ich — und Wohl im Einklang mit Ihnen — das Bedürfnis empfinde, an der Schwelle des zweiten Kricgsjahres vor diesem hohen Hause, vor dem deutschen Volke, vor den Verbündeten, vorder neutralen und anch der feindlichen Welt in kurzen Zügen ein Bild zu gebeu, wie sich im ersten Kriegsjahr die Finanzlage des Reiches gestaltet hat, nnd welche Erwartuugeu wir be- rcchttgterweise auf die Zukunft setzen dürfen. Ich gehe gleich in msäi-is rss und rekapituliere. Bewilligt siüd von Ihnen für den Krieg bisher folgende Beträge: zweimal 5 Milliarden Mark, einmal im Nngust, das zweite Mal im Dezember vorigen Jahres, dann 10 Milliarden Mark im März dieses Jahres, also zusammen 20 Milliarden Mark. Mit dem Ihnen jetzt vorliegenden Nachtragskredit wird die Gesamtsumme der für den Krieg angeforderten Mittel auf den gewaltigen Betrag von 30 Milliarden Mark gebracht werden. Meine Herren, man hat mitunter den Eindruck, daß in diesem Krieg die Welt die Schätzung für große Zahlen einigermaßen verloren hat. (Sehr richtig I) ^ s» " , ^ / - 2 - NA Wffen nach anderen Maßstäben suchen, und um JyW^Mls^DWWAAMW zu geben, darf ich erwähnen, daß die bisher bereW'bewilligten 20 Milliarden ungefähr den Wert des gesamten deutschen Eisenbahnsystems mit allen Anlagen und allem rollenden Material darstellen. (Hört! hört!) Trotzdem bedarf dieser gewaltige Kredit heute der Auffüllung. Obwohl wir schon im März mit sehr hohen Summen rechneten, sind unsere Schätzungen durch die tatsächliche Gestaltung der Kricgsausgaben noch übertroffen worden. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Die ungeheure und sich immer uoch steigende Anspannung aller Kräfte in diesem unerbittlichen Kampf um Leben und Zuknuft unseres Volkes muß notwendigerweise auch in den Zahlen der Kriegsausgaben ihren Ausdruck finden. Ich erwähne nur die wichtigsten Pnukte. Es kommt in Betracht die Aufstellung immer neuer Formationen und deren Ausrüstung, die Verpflegung nnd Bekleiduug unseres Millianenheeres bei steigernden P^ism für alle Lebensmittel und für alle Rohstoffe, der alle bisherigen Vorstellungen weit übersteigende Verbrauch au Material uud an Munition, die Instandhaltung, die Vermehrung uud die Verbesserung unserer Kriegswerkzeuge zu Land, zn Wasser uud in der Lust, die Organisation der Verkehrsmittel hinter unseren Fronten, der Ban von Wegen, von Brücken, von Eisenbahnen in den besetzten feindlichen Gebieten. Das alles tritt täglich als Geldbedarf an den Leiter der Reichsfinanzeu heran und verdichtet sich zu Monatssnmmen, die heute den Betrag von ungefähr zwei Milliarden Mark erreicht haben. (Hört! hört!) Dieser Betrag von zwei Milliarden Mark, den wir jetzt in einem Monat für den Krieg aufwenden müssen, ist um ein Drittel höher als die Gesamtkosten des Krieges von 1870,71. (Hört! hört!) Meine Herren, wir wollen diesen Zahlen und wir wollen der Wahrheit klar und unerschrockenen Blicks in die Augen sehen; wir wollen uns über die Größe der Leistung, die noch zu verrichten ist, über die Schwere der Opfer, die noch zu bringen sind, keiner Selbsttäuschung hingeben. Es, ist eiue furchtbar schwere Zeit, die dem deutschen Volke und unserem Erdteil auferlegt ist. Wir wären dieser Zeit nicht würdig, wenn wir uns — inors (Z^llieo — mit leichten Worten über ihren Ernst hinwegzutäuschen versuchten. (Beifall.) Wir wollen uns nüchtern nnd klar Rechenschaft darüber geben, daß in dem zweiten Kriegsjahr das Durchhalten nicht leichter, sondern vielfach schwerer sein wird als im ersten. (Sehr richtig!) Wir wollen uns klar darüber sein, daß neue Aufgaben entstehen und daß alte Aufgaben größer werden; wir wollen uns namentlich Rechenschaft darüber geben, daß nene große Anstrengungen erforderlich sein werden, um unserer Bevölkerung im Innern das Durchhalten zu erleichtern, (sehr richtig!) daß noch größere Mittel als bisher aufgewendet werden müssen, um gegenwärtige Not zu lindern, um drohendem Elend vorzubeugen und um Schaden für die Zukunft unseres Volkes abzuwehren. (Bravo!) Ich möchte hier ausdrücklich wiederholen, was der Herr Berichterstatter aus den Verhandlungen der Budget- konnnission bereits mitgeteilt hat, daß nämlich die verbündeten Regierungen sich diesen Aufgaben, so schwer sie sind, nicht entziehen werden. Ich wiederhole insbesondere, daß die Neichsfinanzverwaltung, einer in der Budgetkommission gegebenen Anregung entsprechet, aus dem — 4 - tttttkn Kredit einen Betrag von 200 Millionen Mark bereitstellen wird, um den Fonds zu verstärken, der im Dezember vorigen Jahres geschaffen worden ist zur Unterstützung von Gemeinden uud Gemeiudeverbäudeu aus dem Gebiete der Kriegswohlfahrtspflege, namentlich aus dem Gebiete der Familiennnterstützung und der Erwerbslosen- sürsorge. Meine Herren, so schwer die materiellen Opfer sind, die das deutsche Volk, neben deu uoch größeren und schwereren, in diesem Kriege bisher gebracht hat und weiter bringen wird: jeder Deutsche wußte von Anfang an, warum wir diese Opfer bringen, und jeder Deutsche weiß heute, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht werden. (Bravo!) Ich brauche deshalb, wie ich schon eingangs sagte, nicht viele Worte zu machen, um die Kreditvorlage, die Ihnen vorliegt, zu begründe». Ihre durchschlagende Begriinduug ist — der Herr Berichterstatter hat das bereits hervorgehoben — der einmütige Wille des deutschen Volkes, den uns aufgezwuugenen Krieg bis zum siegreichen Ende durchznhalteu, bis zu einem Frieden, den wir vor uns selbst, den wir vor Kindern und Enkeln verantworten können. (Lebhaftes Bravo.) Aber, meine Herren, so weit sind wir heute noch nicht. Noch wollen unsere Feinde nicht zugestehen, daß ihr Frevelmut sich übernommen hat, als er sich vermaß, uns mit Überzahl und Waffengewalt niederzuzwingen; noch wiegen sie sich in dem Selbstbetrug, daß es ihnen gelingen könnte, uns durch Ermüdung und Erschöpfung niederzuzwingen; noch sträuben sie sich, obwohl schwer getroffen, gegen den Gedanken, daß ihre Sache verspielt ist, daß die vernünftige Abwägung aller Aussichten sie zwingen mnß, deu Fchlschlag ihres Unternehmens einzngestehen, für sich zu retten, was zu retten ist, und uns Sühne und Sicherheit sür die Zukunft zu bieten. (Bravo!) Solange die Feinde sich nicht bequemen, ans unserer Unbesiegbarkeit und aus unseren Siegen die Folgernugen zu ziehen, sind die Waffen unser einziges Mittel, ihn zn überzeugen; (sehr richtig!) so lange wollen und müssen wir weiterkämpfen und jedes Opfer bringen, das der Krieg uns auferlegt. (Bravo!) Meine Herren, was nun die Aufbringung der Mittel anlangt, die Sie in dem Nachtragsetat bewilligen werden, so soll auch dieses Mal wieder der Weg der Anleihe beschritten werden. Ich hatte mir bereits im März erlaubt, hier an dieser Stelle auszuführen, welche Gründe die Verbündeten Regierungen veranlassen, von der Einbringung von Kriegssteuern, solange es angängig ist, abzusehen. Diese Gründe bestehen heute uoch fort. Wir wollen während des Krieges die gewaltigen Lasten, die unser Volk trägt, nicht dnrch Steuern erhöhen, solange hierfür keine zwingende Notwendigkeit vorliegt. Eine stärkere Besteuerung des Verbrauchs würde bei den ohnedies hohen Preisen Wohl ebensowenig hier und im Volk auf Gegenliebe stoßen wie eiue stärkere Belastung des Verkehrs. Die direkten Steuern werden, ganz abgesehen von der grundsätzlichen Frage, heilte unter dem Zwange des Krieges von den Kommunen nnd teilweise auch von den Einzelstaaten ohnedies schon in erhöhtem Maße herangezogen. Zn alledem kommt, daß wir im Wege der Besteuerung auch bei der stärksteu Anspannung gegennber den gewaltigen Klriegsausgabeu, die ich Ihucu geuauut habe, nur wenige Prozente des ^riegobedarss flüssig machen könnten. Meine Herren, Sie werden in diesem Zusammenhang wohl einWort über die vielbesprochene Kriegsgewinnsteuer erwarten. Es ist Ihnen bekannt, daß in dieser Frage bei der Zusammenkunft der Herreu Finanzminister -der Einzelstaaten, die am 10. Jnli hier in Berlin stattfand. — 6 — ein grundsatzliches Einverständnis erzielt worden ist. Zu einer Gesetzesvorlage ist die Angelegenheit, die genau durchgearbeitet werden muß, noch nicht reis. Wir sind auch der Ansicht, daß die Erhebung einer solchen Steuer erst nach Abschluß des Krieges stattfinden kann. Ich sage ausdrücklich: die Erhebung der Steuer; denn erst nach Abschluß des Krieges wird es für die Betroffenen möglich sein, die finanzielle Wirkung, die der Krieg für sie mit sich gebracht hat, zu übersehen, llber die Grundsätze, hinsichtlich derer bei den verbündeten Negierungen heute schon Übereinstimmung besteht, kann ich folgendes mitteilen: die verbündeten Negierungen sind einerseits überzeugt, daß die einwandfreie Feststellung des Begriffs des Kriegsgewinns eine steuertechnische Unmöglichkeit ist. Andererseits sind die verbündeten Regierungen der Ansicht, daß alle diejenigen, die während der Kriegszeit, im Gegensatz zn der großen Masse ihrer Volksgenossen, in der Lage waren, ihr Vermögen in erheblicherem Umfange zu vermehren, anch imstande und verpflichtet sind, in höherem Maße als im Wege der gewöhnlichen Besteuerung zu den Lasten des Krieges beizutragen. (Sehr richtig!) Damit, meine Herren, ist die Anlehnung an die Neichsvermögenszuwachsstener gegeben. Wie weit im einzelnen für die Bemessung der Steuersätze die Veränderungen des Eiukommens in der Kriegszeit herangezogen werden können, unterliegt ebenso wie eine Reihe anderer Fragen noch der Prüsnng. Übereinstimmung besteht darin, daß der Vermögenszuwachs durch Erbgaug von der Sondersteuer befreit bleiben soll. Wir sind ferner darüber einig, daß in Rücksicht auf den besonderen Zweck dieser Steuer, Zur Entlastung der Kriegsansgaben des Reichs beizutragen, die Steuer nicht nur in barem Gelde, sondern anch in Kriegsanleihen soll entrichtet werden können. Die Erwartung der Kriegsgewiunstener darf also niemand abhalten, aus Kriegsanleihen zu zeichnen. (Heiterkeit.) — Meine Herren, Sie lachen. Aber die Angelegenheit hat ihre sehr ernste Seite. Ich habe eine ganze Anzahl von Briefen von Leuten bekommen, die fragen: wie sollen wir künftig Kriegsauleihen zeichnen, wenn wir nicht wissen, ob wir nicht nach Ablauf des Krieges einer schweren und vielleicht koufiskatorischen Steuer unterliegen? Wir dürfen nicht in die Lage kommen, eventuell mit großem Kursverlust für die Steuerzahlung Papiere verkaufen zu müssen, die wir heute anschaffen. — Aus diesen Erwägungen heraus müssen wir darauf bedacht seiu, daß eine Steuer, wie wir sie in Aussicht genommen haben, auch in Kriegsanleihen gezahlt werden taun. (Zuruf: Znm Nennwert?) — Selbstverständlich zum Nennwert! Wenu wir demnach, solange wir hoffen können, daß unser ordentliches Budget balanciert, ohne daß wir neue Einkommenanellen erschließen müssen, auf neue Steuern verzichten, so stehen wir damit nicht allein in der Welt nnd unter den Kriegführenden da. Sogar England, das sich in dem ersten Mouat des.Krieges stolz zn der guten, alten Tradition bekannte, daß Kriege zn einem erheblichen Teile durch Steuern finanziert werden müßten, hat sich unter dem Zwange der Tatsachen zu einer anderen Ansicht bequemen müssen. - Noch im letzten Herbst lockte den damaligen Schatzkanzler dasVorbild der napoleouischeu Kriege, bereu Kopien zu mehr als 40 Prozent durch Steuern und zu weniger als 60 Prozent durch Anleihen gedeckt worden sind; aber es ist bei der damals, im Herbst, in England beschlossenen Erhöhung der Einkommensteuer, der Biersteucr nnd Teesteuer geblieben, bei Steuercrhöhuugeu, deren Ertrag nach jetzt vorliegenden englischen Schätzungen nur etwa !? Prozent des Geldbedarfs'des ersten Kriegsjahres ausmacht. Ein zweiter Versuch, Steuererhöhuugeu durchzusetzen, ist im Frühjahr dieses Jahres sang- und klanglos wieder aufgegeben worden. Und wenu neuerdings die englische Negieruug mit dem Gedanken spielt, im Wege der Besteuerung neue Mittel dadurch zu beschaffen, daß sie auch die bisher freie» Arbeitslöhne zur Einkommensteuer heranzieht, so ist sie damit heute schon auf so großen Widerspruch gestoßen, daß das Schicksal dieser neuen Idee hente kaum mehr zweifelhaft sein kann. Meine Herren, wie die Dinge liegen, bleibt also vorläufig mir der Weg, die endgültige Regelung der Kriegskosten durch das Mittel des Kredits auf die Zukunft zu schieben, auf den Friedensschluß uud auf die Fricdenszeit. Und dabei möchte ich auch hente wieder betonen: wenn Gott uns den Sieg verleiht und damit die Möglichkeit, den Frieden nach unseren Bedürfnissen und nach unseren Lebensnotwendigkeiten zu gestalten, dann wollen und dürfen wir neben allen anderen anch die Kostenfrage nicht vergessen; (lebhafte Zustimmung) das sind wir der Zukunft unseres Volkes schuldig. (Sehr wahr!) Die ganze künftige Lebenshaltung unseres Volkes muß, soweit es irgend möglich ist, von der uugeheureu Bürde befreit oder wenigstens entlastet werden, die der Krieg anwachsen läßt. (Sehr wahrl) Das Bleigewicht der Milliarden haben die Anstifter dieses Krieges verdient; (sehr richtig!) sie mögen es durch die Jahrzehnte schleppen, nicht wir. (Sehr gnt!) Meine Herren, ich verkenne dabei nicht, daß die nngehenre finanzielle Schwächung, die der Krieg in seinem bisherigen Verlaufe bereits über unsere Gegner gebracht hat, die Aufgabe, die ich eben bezeichnete, zu einer ganz besonders schwierigen gestalten wird. (Sehr richtig!) — 9 — Aber was nach dieser Richtung hin geschehen kaiin, das wird getan werden, (Bravo!) Die Bewilligung der Kriegskredite hat als Gegenstück die Realisierung dieser Kredite durch die Begebung der Anleihen. Sie wissen, nnd die Öffentlichkeit weiß, daß die Ausgabe eiuer neuen, einer dritten Kriegsanleihe bevorsteht. Unsere Vorbereitungen sind zum großen Teil bereits getroffen, sie stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Ende dieses Monats, also iu wenigen Tagen, werden die Zeichnungseinladnngen ans die dritte Kriegsauleihe ausgegeben werden. Wir müssen durch die neue Anleihe die großen Summen hereinbringen, die wir bereits jetzt über die 13l/z Milliarden der ersten beiden Kriegsanleihen hinaus verausgabt haben. Zum Teil siud ja diese Summen durch den Kricgsschatz nud durch die bei Kriegsausbruch vorhandenen bereiten Bestände der Reichshauptkasse gedeckt worden. Diese Deckung hat weiterhin eine Erhöhung erfahren durch deu Überschuß der Rechnung des ordentlichen Etats für das abgelaufene Finanzjahr. Ich habe diesen Überschuß hier auf Grund vorlänfigcr Berechnungen und Schätzungen im März dieses Jahres auf 38 Millionen Mark veranschlagt. Der endgültige Rechnungsabschluß hat ergebe», daß der Mn'schusz des ordentlichen Etats für 1914/15 sich ans 219 Millioneil beläuft. (Hört! hört!) Zusammen mit den anderen Posten, die ich erwähnte, kiriegsschatz und bereite Bestände, ist das immerhin eine ganz erkleckliche Summe, die aus dem ordentlichen Etat zn dem Fonds für die Kriegskosten hinübcrfließt. Aber die Summen, die wir vorläufig aus anderem Wege über den Ertrag der Anleihe hinaus aufbringe» mußten, sind doch uoch außerordentlich viel großer. Dieser andere Weg ist die Diskontierung von Neichsschatzanweisungen bei der Neichsbank und bei den große» deutscheu Baute». Die auf diesem Wege ausgegebene» Schatzailweisunge» müssen - lg ^ wir aus dein Erlös der bevorstehenden Anleihe konsolidieren, und die uene Anleihe muß uus darüber hinaus einen recht erheblichen Überschuß an freiem Geld für die Wetterführung des Krieges bringen. Meine Herren, ich bin des Erfolges sicher; denn alle sittlichen und materiellen Kräfte, die unseren ersten beiden Kriegsanleihen einen über alle Erwartungen hinausgehenden Erfolg verschafft haben, stehen heute stark und fest wie je, (Bravo!) Die ungeheuren Summen, die das Reich für den Krieg verausgabt hat, sind bis auf verhältnismäßig unbedeutende Beträge im Lande geblieben, Sie sind nnseren Soldaten, sie sind unserer Landwirtschaft, sie sind unserer Industrie — Arbeiten: und Unternehmern — zngnte gekommen und zugeflossen. Sie haben als Einzahlnng auf die letzte Kriegsauleihe gedient und sich darüber hinaus zu neuem Sparkapital iu der Zwischenzeit verdichtet. Sie können den Prozeß an der Entwicklung unserer Darlehnskassen verfolgen. Znr Zeit der ersten großen Einzahlnng ans die zweite Kriegsanlcihe haben die Ausleihungen unserer Darlehuskasseu einen Betrag von 1 Milliarde 500 Millionen Mark überschritten. Der Betrag ist seither längst unter 1 Milliarde Mark wieder heruntergegangen. Bon den Ausleihungen der Darlehns- kassen kamen im Höchstbetrag 536 Millionen Mark ans Borschüsse, die zum Zweck der Eiuzahluug auf die zweite kriegsanlcihe gegeben worden sind. Dieser Betrag hat sich inzwischen auf 292 Millionen Mark vermindert.' Das sind uicht viel mehr als 3 Prozent des Betrages von u Milliarden Mark, der heute auf die zweite Kriegsauleihc eingezahlt worden ist. (Hört! hört!) — Meine Herren, Sie rnfein „Hört! hört!". Ich wünschte, daß unsere Feinde auch „Hört! hört!" riefen; (Bravo! und Heiterkeit) - 1l — denn gerade den Punkt, den ich eben erwähnte, wollen sie unter keinen Umständen begreuen. (Sehr richtig!) Sie verbreiten mit einer geradezu nnbelehrbaicn Hartnäckigkeit die Behauptung, daß nnsere Kriegsanleihen überhaupt mir Mache seien, daß sie finanziert seien mit dein Papier der Darlchnskassen. (Heiterkeit.) Gerade heute morgen — ich habe die Zeitung hier — ist mir ein Ausschnitt ans dem „Daily Telegraph", der sonst doch ein relativ anständiges Blatt ist, (Heiterkeit) vorgelegt worden. Hier lese ich zu meinem Erstaunen die alte Mär noch einmal. Ich lese sie mit einigen pikanten nnd interessanten Zutaten. Es wird hier erzählt, daß die Darlchuskassen bei uns geradezu alles beleihen, was ihnen überhaupt gebracht wird, bis zum Zahnstocher (Heiterkeit) nnd bis zum Kohlenbecken. So ist es hier zn lesen. Das gehört mit in das Thema, das gestern der Herr Reichskanzler berührt hat. (Sehr richtig!) Man kam? darüber lachen. Aber auf der anderen Seite müssen wir uns darüber klar sein, daß diese systematische und fortgesetzte Herabsetzung unserer Fiuauzkraft, diese Berlemudnng dessen, was in Deutschland geschieht, »ns bisher im Laufe dieses Krieges unendlichen Schaden getan hat. Wir haben alles Interesse daran, daß aiich dieses Lügengewebe, daß auch die Verleumdung auf dem «Miete?es Finanzwesens ganz energisch zerrissen wird. (Sehr gnt!) Meine Herren, von den Darlehnskassen komme ich zu den Sparkassen. Unsere Sparkassen dürfen — das - IS - kann ich hier aussprecheu — wirklich der Stolz des deutschen Volkes sein. (Sehr richtig I) Sie haben im Jahre 1913, also in dem Jahre vor dem Kriegsausbruch, mit ihren Einlagen um ruud eine Milliarde zugenommen, und im Jahre 1914 haben sie trotz der fünf Kriegsmonate eiue Zunahme an Einlagen zu verzeichnen, die sich insgesamt auf 900 Millionen Mark belief, obwohl auch im Jahre 1914 schon erhebliche Einzahlungen für die erste Kriegsanleihc aus Sparkasscuguthaben geleistet worden sind. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1915 hat sich der Zugang bei den Sparkassen auf nahezu 1 500 000 000 Mark belaufen. (Lebhafte Rufe: Hört! hörtl) Dieser Zugang ist allerdings vollständig aufgebraucht worden für die gleichzeitigen Einzahluugeu auf die Kriegsanleihe, auf die bei den Sparkassen ein Betrag von 1 800 000 000 Mark gezeichnet worden ist. Aber schon hente, und erst recht, wenn noch die drei Monate hinzukommen von Ansaug Juli bis zu der ersten Einzahlung auf die nene Kriegsanleihe, kann man sagen, daß unsere Sparkassen wieder vollkommen intakt sind, daß sie mit einem Eiu- uahmebestaud von wesentlich mehr als 20 Milliarden Mark stärker sind als jemals vor Kriegsausbruch. (Lebhaftes Bravo.) Ähnlich günstig stehen die Dinge auch bei unsere» Banken, soweit meine Informationen reichen. Auch hier habeu die Depositen nach der starken Inanspruchnahme durch die Einzahlungen ans die zweite Kriegsanleihe sich wieder aus ihren alten Stand gehoben. Ja, sie haben teilweise die bisherigen höchsten Zahlen überschritten. ' .Die Flüssigkeit des Geldes und das Gefühl der finanziellen Stärke und Gesundheit hat sich stellenweise sogar in spekulatives Treiben an den Börsen umgesetzt. Aber wie Ihnen bekannt ist, hat ein leichter Wink genügt, - !Z - »m hier Einhalt zu gebieten und die Einsicht wieber überall zur Geltung zu bringen, da es für die Verwendung des freien Geldes jetzt eine bessere Bctätignng gibt als die Effektenspekulation. (Sehr wahr! und Heiterkeit.) Heute gehört alles verfügbare Geld dem Vaterland. Heute sind die Kriegsanleihen das Anlagepapier. (Bravo!) Der freie Verkehr an den Börsen hat seine gute Berechtigung auch in der Kriegszeit, wenn und soweit er mittelbar und unmittelbar dazu dient, diese eine große Aufgabe zu erfüllen. Es spricht für die Einsicht nnd Vaterlandsliebe unseres Bankierstandes, daß der freie Börsenverkehr bisher sich im wesentlichen in diesen Schranken gehalten hat, nud daß die erste Warnung sofort auf volles Verständnis und bereitwilligste Unterstützung gestoßen ist. Meine Herren, wir wollen jetzt bei der dritten Kriegs- anleihe unsere finanzielle Kraft, die ich Ihnen eben als Symptom geschildert habe, voll in Bewegung nnd Wirksamkeit setzen. Zn diesem Zwecke haben wir die Organisation, die sich bei den ersten beiden Anleihen so gut bewährt hat, noch weiter ausgestaltet. Vor allem werden wir diesmal sämtliche Postanstalten im ganzeu Deutschen Reich zur Zeichnung mit heranziehen, um so für jedermann die bequemste Gelegenheit znr Zeichnung zu verschaffen. Wir wollen feruer diesmal auch für die kleinen Zeichnungen unter 1000 Mark Teileinzahlnngen gestatten nnd wollen dabei bis zu dem Betrag von 100 Mark herabgehcn. (Sehr gut!) Wir hoffen ferner, nach einigen sehr interessante!! nud wirksamen Beispielen bei der letzten Kriegsanlcihe die Arbeitgeber dafür zu gewinnen, daß sie ihren Arbeitern und Angestellten durch Vorlagen die Zeichnung von kleinen Beträgen ermöglichen. Für'die großen Zeichner werden — 14 — wir das Einzahlungsgeschäft vereinfachen, indem wir noch nicht fällige unverzinsliche Schatzauweisungcn des Reichs, die in der Zwischenzeit ausgegeben worden find, mit einem Abschlag von 5 Prozent in Zahlung hereinnehmen, also zu dem Satze der Kriegsanleihe, um auf diese Weise die Geldbeweguug uud die Störungen des Geldmarkts nach Möglichkeit einzuschränken. Ferner, meine Herren, werden wir dieses Mal auf Grund der Erfahrungen bei der letzten Anleihe Zwischenscheine ausgeben, damit der Zeichner der Anleihe sobald wie möglich etwas in die Hand bekommt. (Sehr richtig!) Ich stehe nicht an, anzuerkennen, daß die Unterlassung der Ausgabe von Zwischenscheinen bei der zweiten Kriegsanleihe zu Mißständeu geführt uud vielfach Mißfallen erregt hat. Wir konnten damals nicht annehmen, in welchem enormen Umfange gerade kleine Stücke gezeichnet werden würden. Es ist die Ausfertigung von weit über sechs Millionen Stücken notwendig. Dabei möchte ich Sie und möchte die Öffentlichkeit bitten, zu berücksichtigen, unter welchen schwierigen Verhältnissen heute die Neichs- schuldeuvcrwaltuug arbeitet. Ein großer Teil ihres ausgebildeten Personals steht im Feld. Die Arbeit ist dort, obwohl Tag und Nacht mit Ausdauer gearbeitet wird, kaum zu bewältigen; uud obenhiu getan werden kauu sie natürlich auch nicht. Dazu sind die Objekte, nm die es sich handelt, zu wertvoll. (Sehr richtig!) Die Werbetätigkeit für die Kriegsauleihe wollen wir dieses Mal in noch größerem Umfange betreiben als die beiden letzten Male. Allerdings, auf die sensationelle Reklame, die England bei seiner letzten Kriegsanleihc aufgeboten hat — in gleichem Stil übrigens wie für die Werbung zum Kriegsdienst —, glauben wir verzichten zu können und verzichten zu müssen. (Sehr gut!) — 1b — Es entspricht nicht dem deutschen Geschmack, den Stil der Zirkusreklame auf den Ernst des Krieges in Anwendung zu bringen. (Bravo! — Heiterkeit.) Wir haben auch' nicht nötig, nach englischem Vorbild den Zeichnern zu sagen, daß sie ihrem Vaterlande msro^", eine Gnade erweisen, wenn sie auf die Anleihe zeichnen. Das Deutsche Reich bettelt nicht, und der Deutsche gibt seinem Vaterlandc kein Almosen, er erfüllt seine Pflicht. (Lebhafte Zustimmung.) Aber die lebendige Mitwirkung aller, die durch Amt und Beruf, durch Stellung uud Ansehen belehrend und beratend auf die weitesten Volkskreise einwirken können, wollen wir nicht missen. Gemeindevorsteher, Geistliche und Lehrer haben uns das letzte Mal schon wacker geholfen. Ich bin überzeugt, sie werden diesmal ihre Anstrengungen verdoppeln. Vor allem, meine Herreu, rechne ich in dieser Beziehung auf Sie, auf Sie als die gewählten Mitglieder und Vertranenspcrsonen des deutschen Volkes. Weuu Sie jetzt nach Ihrer Heimat zurückkehren, dann haben Sie Gelegenheit, in Ihrem Kreise durch Belehrung uud durch Appell an das patriotische Gewissen für die uene Anleihe zu wirken und zu ihrem Gelingen beizutragen. Soweit die Neichsfinanzverwaltnng Ihnen dabei mit Material oder sonst irgendwie zur Verfügung stehen kann, wird das von meiner Seite gerne geschehen. Ich komme nuu zu der Ausstattung der neuen Anleihe. Wir wollen iu bezng auf die Ausstattung der neuen Anleihe nach reiflicher uud genauer Überlegung auf dem geraden und einfachen Wege bleiben, der uus bei den letzten beiden Anleihen den großen Erfolg gebracht hat. Die ö prozentige Kriegsanleihe ist hente das volkstümlichste Papier, das es in Deutschland jemals gegeben hat. Ohne Not wollen wir von diesen bewährten Bahnen nicht abgehen. Nur den Ausgabekurs werden wir im Gefühl unserer gefestigten Finanzkraft etwas höher setzen. Im — IS — übrigen: Probieren und tsUpcnmeMieren, verschlungene Ftncmzkunststücke und sensationelle Reizmittel überlassen wir denen, die sich unsicher fühlen. (Bravo! — Heiterkeit.) Der Starke nützt seine Kraft in der Einfachheit. (Bravo!) Meine Herren, wenn etwas in der Welt unsere Zuversicht und Selbstsicherheit zu steigern vermag, dann ist es der Vergleich mit den Finanzverhältnissen und Finanzmaßnahmen unserer Gegner. Ich darfSie deshalb noch um etwas Geduld bitten, um Ihnen hierüber noch einiges zu sagen. Vorausschicken möchte ich hier eine Schätzung der Gesamtkosten, die dieser ungeheure Krieg verursacht. Nach genauen Untersuchungen ans Grund des Materials, das hier in Deutschland überhaupt zu erreichen ist, belaufen sich setzt die täglichen Kriegskosten der sämtlichen beteiligten Mächte ans nahezu 300 Millionen Mark. (Hört! hört!) Die mouatlicheu Kriegskosten übersteigen 8 Milliarden Mark, und für das Jahr kommen wir insgesamt auf ruud 100 Milliarden Mark. Diese 100 Milliarden sind uugefähr der dritte Teil des ganzen beweglichen und unbeweglichen, des ganzen öffentlichen nnd privaten Volksvermögens in Deutschland. Meine Herreu, das ist die größte Wertzerstörung und Wertverschiebung, die jemals die Weltgeschichte gesehen hat. (Sehr richtig!) Ich muß dabei sagen, daß von den einzelnen Ländern Deutschland bis vor wenigen Monaten die schwerste Last getragen hat, nnd auch heute ist wohl die Gesamtsumme der bisher aufgelaufenen Kricgsausgaben in Deutschland größer als iu irgendeinem anderen Land. Aber was ich im März bereits kommen sah, ist inzwischen eingetreten: in der Höhe der laufenden Kriegsansgaben hat England nns jetzt überholt. Es scheint, daß dort die Kricgsansgaben pro Tag jetzt den Betrag von 4 Millionen Pfnnd, d. h. von 80 Millionen Mark, überschritten haben. (Hört! hört!) Meine Herren, wir wollen den Engländern, denen ja der Begriff des Rekords so außerordentlich viel sagt, diesen Vorsprang gönnen, (Bravo! und Heiterkeit) zumal die Engländer selbst das Gefühl haben, daß wir mit kleineren Mitteln bedeutend mehr ausrichten als sie selbst. Noch kürzlich hat ein englischer Lord, ciu Mitglied dcS Oberhauses, im Parlament gesagt, er habe den Eindruck, daß in Deutschland mit einem Pfnnd mehr ausgerichtet werde für den Krieg als in England mit dreien. (Znrnf links: Der Mann hat recht!) — Ob der Mann recht hat, wage ich nicht zn entscheiden: aber ich könnte Ihnen allerdings einzelne Beispiele nennen, bei denen der Lord das Verhältnis noch ganz bedeutend unterschätzt hat. (Heiterkeit.) Auf die Gesamtheit der beiden Gruppen, die sich gegenüberstehe», verteilen sich die Kriegskosten nngefähr so, daß ans die Koalition unserer Feinde nahezu zwei Drittel, auf uns uud unsere Verbündeten etwas mehr als ein Drittel der gesamten Kriegskosten entfallen. Von den kriegführenden Ländern haben Deutschland, England nnd Österreich-Ungarn allein bisher einen nennenswerten Teil ihrer Kriegskosten durch langfristige konsolidierte Anleihen gedeckt. England hat in seinen beiden Kriegsanleihen 18 bis 1ö Milliarden MM aufgebracht, von dcueu heute etwa 12 bis 13 Milliarde» Mark eingezahlt sein dürften. Wir halten heute auf — 18 — einem eingezahlten Betrag von etwa 13 Milliarden Mark, und mit der bevorstehenden Kriegsanleihe werden wir, wie ich zuversichtlich hoffe, auch hinsichtlich der gezeichneten und damit für die weitere Kriegführung gesicherten Summe wieder allen anderen voranstehen. Unser Verbündeter Österreich-Ungarn hat dnrch langfristige Anleihen bisher nahezu 8 Milliarden Kronen aufgebracht, eiue Leistung, die angesichts des Standes der Wirtschaft und des Volkswohlstands iu Osterreich-Uugarn die allergrößte Anerkennung verdient. (Sehr gut!) Wenn Ihnen das klar werden soll, brauche ich Ihnen nur als Gegenstück Frankreich zu ueuueu. Frankreich bleibt hinter den Ziffern, die ich bisher genannt habe, weit zurück. Der Neinertrag seiner langfristigen Anleihe, der „OdliAations clk 1a dsköNZis natlonlUk", wie sie stolz genannt wird, erreicht bis heute kaum 2 Milliarden Francs. (Hört! hört!) Das ist etwa der vierte Teil dessen, was Österreich-Ungarn auf dem Gebiet der langfristigen Anleihen geleistet hat. Den ganzen großen Nest seiner Kriegsausgaben hat Frankreich bisher nur im Wege des kurzfristigen Kredits beschaffen können. Es hat rund 8 Milliarden Francs an kurzfristigen Schatzwechseln begeben, es hat 6'/, Milliarden bei der Bank von Frankreich entnommen und es hat sich von England unter recht drückenden Bedingungen einen Kredit von IV? Milliarden Francs bewilligen lassen. Von Rußland, Italien und den kleinen Ententegenossen will ich nicht reden. Man soll auch gegen Feinde nicht ohne Not grausam sein. (Große Heiterkeit.) Meine Herren, für die Bewertung der bisher erzielten Erfolge uud der weiteren Aussichten der finanziellen Kriegsführung ist nicht nur die Höhe der aufgebrachten Summe« — 19 — entscheidend, sondern auch das Wie der Aufbringung. Ich glaube ohne llberhebung sagen zu können, daß wir in diesem Punkte die unbestrittene Überlegenheit besitzen, Frankreich, das Land der Rentner, hat es bisher überhaupt nicht zu einer regelrechten Anleihe gebracht; denn die Obligationen, von deuen ich vorhin sprach, sind nicht zu einer einheitlichen nnd ordnungsmäßigen Zeichnung aufgelegt worden, sondern sie werden, ebenso wie die Schatzscheine, Tag für Tag verkaust. Neuerdings wird sogar die Ausgabe von verzinslichen Papierscheincn von 20Francs und 5 Francs — mit Zinsen! — angekündigt, um die Ergiebigkeit der Geldquellen etwas zn steigern. Von Zeit zu Zeit spricht man auch vou einer großen Kraft- anstrcngung, vou einer konsolidierten Anleihe. Aber zu einer solchen Operation hat man in Frankreich bisher immer noch nicht die Zeit für gekommen gehalten. Ich komme zn England. Das Land der 2V-Pro- zentigen Konsols hat es zuerst mit einer Z'/.prozcntigcn Anleihe versucht. Das Zeichnnngscrgebnis war mit nahezu sieben Milliarden Mark äußerlich gut; aber die zu 95 Prozent ausgegebene Anleihe sank alsbald von dem ersten Tage ihrer Notierung unter den Ansgabekurs uud hat sich seither unter dem Ausgabekurs gehalten, ein Zeichen dafür, daß die Anleihe schlecht untergebracht war. Ju einer schwachen Stunde hat der Börsenbcrichterstatter der „Times" kürzlich ausgeplaudert, man habe damals vor Schluß der Zeichnung so viel von einem glänzenden Erfolge der Anleihe gesprochen, daß die Herren Kapitalisteil es uicht für uötig gehalten hätten, eineu besonderen Eiser an deu Tag zu !eg'eu; auf diese Weise sei die Situation entstanden, daß unmittelbar vor dem Zeichnnugsschlnß die große» Banken sich zu einer besonderen Anstrengung hätteu verstehen müssen, um deu äußeren Erfolg zn retten. Das ist also das Bild der augeblich so stark überzeichneten englischen ersten Kricgsanleihe! Aus dieser falschen Situation hat sich dann die weitere Entwicklung in England ganz natürlich ergeben. Nachdem der Markt mit einer unverdauten Anleihe belastet war, konnte an eine weitere nicht herangegangen werden, und dies auch dann nicht, als sich zeigte, daß diese Anleihe, die eigentlich bis zum Juli dieses Jahres reichen sollte, schon Ende März ausgebraucht war. Man half sich mit der täglichen Begebung von Schatzwechseln, nach französischem' Vorbild. Die Summe wurde täglich größer, aber der Andrang der Käufer nahm täglich ab. Schon um Ostern herum war von einer weiteren Anleihe die Rede gewesen. Die Sache war vertagt worden, nnd erst in der allerletzten Zeit ist man zu der neuen großen Anleihe- emission geschritten. Inzwischen war der Mann der „silbernen Kugeln", Lloyd George, doch Wohl an der Richtigkeit seiner Zuversicht, daß im Zeichen dieses Metalls er des Sieges sicher sei, einigermaßen irre geworden; denn wie Ihnen bekannt ist, hat er das Schatzamt verlassen und hat sich der Herstellung von Munition aus etwas härterem Metall zugewendet. (Große Heiterkeit.) Sein Nachfolger hat die nene Anleihe aufgelegt. Ich brauche mich hier über die Einzelheiten nicht zu verbreiten. Sie wissen, daß der Zinssatz um 1 Prozent auf4Vz Prozent heraufgesetzt worden ist, daß die Anleihe mit weitgehende» Zinsjonissanceu,Konversionsrcchten usw. ausgestattet worden ist, die den wirklichen Zinsfuß auf mehr als 5 Prozent dringen. Sie wissen ferner, daß die Anleihe, die nach der von dein britischen Schatzkanzler im Unterhanse ausgesprochenen Hoffnung deu englischen Kriegsbedarf bis zum Ende des laufenden Finanzjahres, also bis März 1916, decken sollte, etwas weniger als 600 Millionen Pfnnd gebracht hat — der größere Teil dieser Snmme ist vorgegessenes Brot —, so'daß der Ertrag dieser Anleihe bereits im September wieder aufgezehrt sein wird. Auch dieses Ergebnis wurde uur dadurch erreicht, daß am Tage vor dem Zeichnnngsschluß — ich beziehe mich hier gleichfalls ans das gänzlich unverdächtige Zeugnis der „Times" — die großen Banken sich entschlossen haben, freiwillig — so - 21 - freiwillig wie man im Lande der NaZna, OK-z-rta. libsr- wwin Kriegsdienst tut und Munition fabriziert — (Heiterkeit) daß sich also dieBankeu gauz freiwilligeutschlosseu haben, ihre Zcichnnngen auf deu doppelten Betrag derjenigen Summe zu bringen, die sie — auch ganz freiwillig — bet der ersten Kriegsauleihe gezeichnet hatten. Von deu nicht ganz 600 Millionen Pfund Gesamtergebnis der englischen Kriegsanleihe kommen rund 200 Millionen Pfund auf Banken- zcichnnngen, und dies, nachdem der englische Schatzkanzler vorher erklärt hatte, er wolle diesmal keine Bankanleihe, sondern eine Volksaulcihc. Das Schicksal dieser Anleihe können Sie jeden Tag in den Zeitungen verfolgen: der Ansgabekurs war xa-ri, die Anleihe notiert heute 98 und etwas darunter — dies wenige Woche» nachdem sie zur Notierung zugelassen worden ist. Sie können ferner den Erfolg daran beurteilen, daß in den Verlegenheiten der englischen Regierung kaum eine Atempause eingetreten ist, daß die Zeitungen heute schon offeil von der Notwendigkeit einer weiteren, großen, diesmal 5prozeutigeu Anleihe sprechen, und daß die „Times" eine große Anleihe in deu Vereinigten Staaten für „unvermeidlich" erklärt. Meine Herren, ich stelle diesem Verlaufe der Diugc in Frankreich und Euglaud die einfache Tatsache gegenüber: bei uns sind die beiden Kriegsanleihen keinen Augenblick, an keinem einzigen Tag unter den Ansgabekurs heruntergegangen, ihre Kurse haben sich vielmehr stets über dem Ausgabekurs gehalten; wir konnten unsere zweite Kriegsanleihe um 1 Prozent höher auflegen als die erste, und wir werden bei der dritten Kriegsanleihe mit dem Snbskriptionsknrs gleichfalls wieder um etwas höher gehen. Weuu also iu diesem Weltkrieg das Wort: kaot^ lo^nnnwi- noch seine Bedeutung hat, dann müßten selbst die verbohrtesten nnter unserm Feinden sehen, wie die Dinge ans dem finanziellen Kriegcichanplahe stehen. — W — Das finanzielle Kräfteverhältnis, wie es in den Erfolgen der bisherigen Kriegsanleihen so drastisch zum Ausdruck kommt, spiegelt sich wider in allen anderen Erscheinungen, die mit dem öffentlichen Kredit und dem Geldmarkt im Zusammenhang stehen. Ich will nur die wichtigsten Puukte kurz erwähnen. Wenn Sie die vor dem Kriege maßgebenden Staats?apiere in England, Frankreich nnd Deutschland nehmen, so werden Sie finden, daß die Zprozentigc französische Rente gegenüber dem Kurse von etwa März 1914 nm runde 20 Prozent zurück- gegangen, ist. In England sind ja Mindestkurse vorgeschrieben für die 2>/zp'rozeutigeu Kousols. Der Miudest- kurs ist 65 Prozent; nach dem Urteil der englischen Finanzpresse ist er um mehrere Prozent zn hoch. Aber gleichwohl stellt auch dieser Kurs von 65 Prozent einen Rückgang von 11 Prozent dar. (Hört! hört!) Unsere deutscheu Staatspapiere zeigen eiueu Rückgang von K bis 9 Prozent. Also auch hier, so groß die Entwertung ist, schneiden wir am besten ab. Allerdings leistet sich die Londoner Börse von Zeit zu Zeit den Scherz, unsere deutsche Zprozcutige Neichsanleihe, für die ja vor dem Kriege dort eiu Markt bestand, zu notieren. Sie hat sie noch kürzlich notiert mit 49^/- Prozent. 50 Prozeut wäre offenbar zu rund gewesen, um glaubhaft zu sein. (Heiterkeit.) Ich habe mich vergeblich bemüht, auf dem Umwege über neutrale Märkte zu diesem Kurs von 49^/. Prozent deutsche Reichsanleihe in London zu kaufen; (große Heiterkeit) abgesehen von meinem Interesse an dem Sachverhalt schon deshalb, weil sich eine solche Gelegenheit zn einer billige» Schuldentilgung für das Reich wohl nie wieder finden wird. (Große Heiterkeit.) — A — Aber ich muß Ihnen mitteilen, es ist mir nicht gelungen, auch nur ein einziges Stück zu bekommen. (Heiterkeit.) Wir wissen, wie die Dinge stehen. Aber solche Dinge werden ja nicht gemacht für uns und nicht für die Engländer. Die Engländer glauben es ja auch nicht. (Sehr gut! — Heiterkeit.) Sie sind gemacht für die anderen, namentlich für die Herren Franzosen. Dort ist der Kurs von 49^/z Prozent sofort mit Heller Begeisterung aufgenommen worden. (Heiterkeit.) Die Zeitungen schreiben — ich zitiere hier wörtlich den „Ganlois" —: Auf finanziellem Gebiete hat also, wie auf allen übrigen Gebieten, das deutsche Debacle angefangen. (Heiterkeit.) Ein ähnliches Debacle, wie dieser Knrs von 49^ Prozent für unsere Staatspapiere, ist in den Angen unserer Feinde — es ist nicht zn glaube», aber wahr — unsere Reichsbank. Die Reichsbank hat seit Kriegsausbruch ihren Goldbestand um mehr als eine Milliarde erhöht, (hört! hört!) ein Beispiel, dem die Engländer nnd Franzosen bisher vergeblich annähernd Gleichwertiges znr Seite zn stellen gesucht haben. Die Golddeckung der Reichsbank für ihre sämtlichen Berbiudlichkeiteu, die vor dem Kriege ungefähr gleich gnt war, wie die Golddeckung der Bank vou England, nnd um 9 Prozent ungünstiger als bei der sehr gut mit Gold ausgepolsterten Bank von Frankreich, ist heute um 5,4 Prozent besser als in Frankreich und um 8 Prozent besser als in England — (hört! hört!) — 24 — trotz der große» Einzahlungen auf die letzte euglischc Kriegsanleihe. Die Zahlen der Golddeckung nach deu letzten Bankausweisen sind: bei uns 33,7 Prozent, in Frankreich 28,3 Prozent und in England 25,3 Prozent; (hört! hört!) sie war aber dort schon niedriger als 20 Prozent. Aber, meine Herren, auch diese Zahle» nützen nichts. Ein Londoner Finanzblatt erklärte kürzlich schlechtweg unser Gold in der Reichsbank für Papier; (Heiterkeit) und die französische Presse spricht dies gläubig uach. Warum? Weil die Darlehnskassenscheine uebeu dem Metall bei uns Notendeckung sind. Das genügt für die auswärtige Finanzkritik, unser Gold glattweg für Papier zu erklären! Daß diese Darlehnskassenscheine Zusammen mit deu Neichskassenscheinen in jedem Ausweis der Neichsbank getrennt von dem Metall und getrennt von dem Golde ausgewiesen werden, daran stößt man sich nicht. Neuerdings hat ein ganz kluger Mann noch eine andere Entdeckung gemacht. — Ich bringe diesen Fall, wie die anderen, nur deshalb hier vor, um Jhueu zu zeigen, wie von unseren Feinden gearbeitet wird; nicht wegen des „Temps" oder der „Times" oder irgendeiner sonstigen Stelle, von der solche Ausstreuungen ausgehen, sondern wegeu des Systems. Also ein gmn Kluger, der im „Temps" sein Wesen treibt, hat neulich die Entdeckung gemacht, die Zunahme des Goldbestandes in der Neichsbank komme daher, das; wir nns den Goldbestand der Österreichisch-Ungarischen Bank nnter der Hand angeeignet hätten. (Große Heiterkeit.) Hier scheint der brave Franzose von den eigenen Erfahrungen auf andere zu schließen; er scheint die Neichsbank mit der Bank von Eugland zu verwechseln. '(Sehr gnt!) — 25 — Die Bank von England hat ja bekanntlich nicht nur auf die ägyptische Goldreserve und ans die indische Goldreserve die Hand gelegt nnd fürsorglich den Goldbestand der belgischen Nationalbank an sich genommen, sondern sie hat sich auch von Nußland und von Frankreich mit klingendem Gold für ihre Kreditgewährung bezahlen lassen. (Hört! hört!) Diese neueste Legende, die gegen nns in die Welt gesetzt wird, ist mir gar nicht unwillkommen; denn sie gibt mir Gelegenheit zu einer Feststellung, die mir am Herzen liegt: Wir stehen allerdings unseren Verbündeten anch finanziell znr Seite, wie dies guter Waffenbrüderschaft entspricht. Unsere deutschen Banken haben mit der österreichisch-ungarischen Monarchie gewisse finanzielle Transaktionen, im Einverständnis mit der Ncichsleitung, abgeschlossen. Außerdem haben wir gegenüber deu Türken, die sich so ausgezeichnet schlagen, (Bravo!) die Pflichten des finanziell stärkeren Bundesgenossen bisher erfüllt und werdeu diese Pflichten weiter erfüllen. (Zustimmung.) Geschachert haben wir mit unseren Bundesgenossen nicht; Gold haben wir ihnen nicht abgenommen. (Sehr gut!) Treue Verbündete, die Schulter au Schulter mit uns ihr Blut vergießen, als Objekte geschäftlicher Ansbentnng zu behandeln, das ist nicht deutsche Art, das ist britischer Stil; das überlassen wir den Engländern! (Lebhaftes Bravo.) Nun, meine Herren, zu dem letzten Punkte dieser finanziellen Übersicht, zu dem Punkte, deu ich im Monat März hier als den einzigen Wunden Punkt in unserer Finanz- I — « — Verfassung bezeichnen mußte: ich meine die Gestaltung der auswärtigen Wechselkurse. Ich habe mich damals bemüht, Ihnen zu zeigen, auf welchen Zusammenhängen der Rückgang unserer auswärtigen Wechselkurse während dieses Krieges beruht. Sie bestehen, kurz zusammengefaßt, in der starken Unterbindung unseres Exports und in der Sperrung unserer Kapitalanlagen im Auslande. Die Dinge haben sich auf diesem Gebiete für uns nicht erheblich gebessert, aber auch uicht verschlechtert. Die Sache ist heute ungefähr auf demselben Stande, auf dem sie im Monat März gewesen ist. Das ist, nachdem man ei» weiteres halbes Kriegsjahr hinter sich hat, immerhin schon ein Fortschritt, im Gegensatz zu dem im allgemeinen zutreffenden Sprichwort, daß Stillstand Rückschritt bedeutet. Dagegen ist den Franzosen und den Engländern der Spott über diesen Punkt inzwischen doch vergangen. Das stolze England, dem die Meere offen stehen, das über eigenes nnd fremdes Vermögen verfügt, kämpft einen verzweifelten Kampf um die Anftechterhaltung des Sterlingkurses gegen die immer größer werdende Entwertung. Der Sterlingkurs ist in letzter Zeit in New Jork bis 5 Prozent unter die Parität heruntergegangen, ein Zustand, wie er sich seit den Napolconischen Kriegen nicht ereignet hat. Frankreich, dessen Valuta noch im März die volle Parität hatte, bezahlt heute für 100 Schweizer Franken 110 französische Franken, (hört! hört!) und in New Dort ist die gestern herübergekabelte Notierung des Franken etwa 16 Prozent Disagio. Die französische Valuta steht also in New Aork jetzt schlechter als die deutsche. (Lebhafte Rufe: Hört! hört!) Aber auch hier haben die Franzosen ihren Trost leicht bei der Hand. Herr Ribot, der französische Finanzministcr, hat kürzlich Kammer und Land über den Valntarückgang mit folgenden Worten beruhigt — ich spreche französisch, damit mau nicht sage» kann, die Übersetzung übertreibe —: — 27 — H n'^ Ä ÄULiiQS 6s^zrkoig,tioii äs notrs oi-s,^si'. (Heiterkeit.) Das heißt auf deutsch: Eine Entwertung unseres Kredits liegt in keiner Weise vor; es bestehen einfach nur gewisse Schwierigkeiten im Bezahlen. (Große Heiterkeit.) Meine Herren, mit Ihrer Heiterkeit stellen Sie sich in einen gewissen Gegensatz zur französischen Kammer; denn nach dem Bericht über die Sitzung sind diese Worte des französischen Finanzministers von der Kammer allseitig mit Rufen: /I'i-ös Klon! 1>i-Ss disn!" applaudiert worden. (Erneute Heiterkeit.) Nun, meine Herren, lasseu Sie mich vou deu einzelnen Erscheinungen, die ich mir erlaubt habe Ihnen vorzuführen, auf das Ganze und auf das Wesentliche zurückkommen, auf den Kern, in dem das Geheimnis unseres Erfolges ans dem finanziellen Kriegsschauplatz liegt! Das ttchcimnis liegt nicht in dem, was man gemeinhin Reichtum neuut. Darin ist nns das britische Weltreich und ist uns, auf deu Kopf der Bevölkerung gerechnet, auch Frankreich unbestreitbar überlegen. Der Reichtum, dem wir den Erfolg verdanken, ist nicht etwa nur die Summe von geldwerten Ersparnisse». Er umfaßt vielmehr unseren gesamten wirtschaftlich-technischen Apparat, er besteht vor allem in der lebendigen Arbeitskraft unseres Volkes, die im Krieg und für den Krieg wirkt und schafft. (Lebhafte Zustimmung.) Was der Krieg verzehrt, das ist nicht etwa unser Stock rollenden Geldes; das ist die Summe von Kriegsmaterial und Unterhaltsmitteln, die unser Volk — Gott sei Dank ans eigenem Boden — in Anspannung aller Energie stets aufs neue gewinnt und erzeugt. Das Geld wird dabei — SS - gebraucht, aber nicht verbraucht. Das Geld steht hier ähnlich wie die Eisenbahnen, die unseren Trnppeu die zum Lebeu und Kämpfen notwendige» Dinge zuführen. Wie die Eisenbahnwagen wohlgefüllt zn den Fronten hinausrollen und dann wieder uach deu heimatlichen Arbeitsstätten zurückkehren, so rollt das Geld aus der Neichskasse hinaus bei der Bezahlung der Kriegsausgaben, und so kehrt es zurück, muß es zurückkehren im Wege der Einzahlung auf die Kriegsauleihen. Ein wohlgeordnetes und gnt funktionierendes Geld- uud Finanzwesen ist für die Durchführung des Krieges ebenso wichtig wie ein leistungsfähiges Eiscnbahnsystem. Aber auch das beste Eisenbahnsystem hilft nichts, wenn nichte zum Transportieren da ist, und das beste Geldsystem muß versagen, wenn die Arbeit des Volkes nicht die Dinge schafft, die zum Lebeu und Kriegführeu notwendig sind. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um draußen durch Ankauf von Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln die mangelnde innere Erzeugung zu ergänzen, da rollt es uicht so leicht zurück, da treten die Stockungen ein, die wir bei unserm Gegnern beobachten. Darum, meine Herren, mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren (Heiterkeit und sehr gut!) und dabei noch so sehr auf unser Vorbild schauen; nutzen wird ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft und unserer Industrie, (Vravo!) weuu sie uns in allen lebenswichtigen Produktionszweigen unsere Unternehmer und unsere Arbeiter nachmachen; (Bravo! nud sehr richtig!) uud das köuucu sie uicht. Das könneu sie so wenig, wie sie uns unser Heer nachmachen können, (sehr richtig!) denn dazu gehört eben doch etwas mehr als die ans der Not des Augenblicks geborene Einsicht. Dazn gehören - SS - Generationen langjähriger Schulung und Zusammenarbeit, dazu gehört die eiserne Erziehung zu Pflicht uud Disziplin, dazu gehört das in tausendjähriger Geschichte zu Stahl zusammengeschweißte Volkstum. (Lebhaftes Bravo.) ^ Darum mögen sie uns Vernichtung und Zerstückelung ansagen? au diesem stahlharten deutschen Volkstum wird ihre Zahl und Macht, ihr Geld und ihre Tücke zerschellen. (Bravo!) Wir tragen den Sieg in uns. Wir fühlen die Verheißung des Sieges doppelt stark in diesen Tagen, wo unter den Douuerschlägen unserer festungsbezwingenden Geschütze Schwankendes Gestalt gewinnt, wo jeder das Herannahen großer Eutscheiduugen spürt, wo der Flügelschlag der Weltgeschichte, des Weltcnschicksals in der kleinsten Hütte hörbar wird. Wir wissen in diesen Tagen Heer und Volk durchdrungen von dem Bewußtsein, daß es abermals gilt, alle Kraft einzusetzen; wir wissen, daß es in jedem Deutschen zuckt, mit Hand anzulegen bei der großen Entscheidung, draußen in der Feldschlacht und im Festungskrieg, daheim im wirtschaftlichen nnd im finanziellen Ringen. Deshalb, meine Herren, vertraue ich: der Kredit, deu Sie jetzt bewilligen werden, wird vom ganzen Volke durch die Beteiligung an der neuen Kriegsanleihe gutgeheißen. Keiner wird sich ausschließen. Große und Kleine werden ihre Pflicht tun. Die Daheimgeblicbeuen werden abermals den kämpfenden Brüdern draußen ihren Dank abstatten und sich ihrer würdig erweisen. (Bravo!» Die Daheimgebliebeneu werden dazu beitragen, mit einem neuen durchschlagenden Erfolge uns näher zu bringen an Sieg und Frieden, an den deutschen Frieden, der uus die Vollendung des Werkes von 1812 und 1870 seiu wird an den Frieden, der uns und unseren Verbündeten dauernde — 3V — Sicherheit vor Begehrlichkeit und Qberfall gewährleistet, an einen Frieden, der unsere Gegner aus dem Fluch irregeführter Leidenschaft und künstlich gezüchteter Wahnidee zur Selbstbesinnung zurückleitet, der den blutenden Völkern die Rnh^und Entwicklungsfreiheit bringt, deren unser Erdteil bedarf, um in der Welt seinen Platz zu behalte» und seine Mission zu erfüllen. (Stürmisches anhaltendes Bravo und Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen.)