Karl helsserich ?um 6edAchtn>5 Mutter und Karl zum Gedächtnis 1^ ^X/IODI^X/I! Mutter und Lohn. Heimat, umhülle Dein Haupt Mit des schwärzesten Schleiers Dichte. Verbergend den Schrecken, Der Deinem Äug' entglomm, Als Du die Kunde des Grauens vernahmst. Heimat, umhülle Dein Haupt Mit des Trauerflors Düster An dieser Doppelbahr'! Mutter und Lohn! Welch schrecklich-rührendes Bild, Tod. Hast Du in ihr Geschick verwoben! Sohn, hast Du wollen Stütze und Leuchte Äuf ihrem Weg der Mutter sein Durch's dunkle Tor des Versinkens? Mutter, hat Dich die frühe Gewohnheit, Nicht von der Hand zu lassen Dein Kind, Nochmals erfaßt im Äugenblicke, Da sein Weg in noch nie betretenen Neulands Ionen hinabglitt? Sohn — die Mutter aus Erdennot, Kommenden Mers Beschwer, Hast aus dem Schatten Jn's Licht Du geleitet? Mutter — den Sohn vor lauernder Unbill, Drohendem Hinterhalt wollt'st Du erretten, Die vielleicht ihn tückisch gefällt? Breite, Heimat, die Schleier, die schwarzen Ueber die Düsternis des Geschehenen, Breite sie über die Fragen aus, - Die das „Warum" uns marternd umkreisen. Weihe dem Lohn den Kranz der Ansterblichen, Weihe der Mutter den Kranz der Liebe: Ädelt' des Sohnes Leben die Mutter, Zie verklärend in Zonnenglanz, Schimmert unendlicher Abglanz im Tode Mondengleich von Mutter auf Zohn. Zo gegenseitig verklärt stell', Heimat, Ztolz vermählend dem Zchmerz um die Toten, Beider Bildnis im Pantheon aus! Z, Dacque, 4 Ansprache des Herrn Pfarrer Iickeis bei der Trauerfeier im Hause am 2. Mai lS24. Gffsnbarung Zohann-s 2, l0! Lei getreu bis III den Tod. l. Johann-s 4, >S: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibet, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Aer Geist der Stille geht durch dieses Haus. Des Hauses Herrin ist von ihrer Reise heimgekommen. Weit war die Reise und der Heimweg hart, so hart wie selten eine Frau ihn je gegangen. Nun ist sie heimgekehrt und ruht und schläft. Und mit der Mutter kam der Lohn. Er hatte sie hinweggeholt ins fremde Land. Sein dankbar Zohnesherz wollte die Mutter froh sehen dort in seinem Heim in all der Herrlichkeit jener märchenschönen Gotteswelt. Dort sollte sie Liebe empfangen, die so viel Liebe stets gegeben hatte, dort ihre nimmer müde Liebe spenden in dem frohen Kreis. Und nun ist er mit ihr heimgekehrt und ruht und schläft, wo er in seinen Kindertagen so manchmal schlief, von Mutterliebe treu bewacht. Drum laßt es stille sein im Haus und weckt den Zchlaf der müden Toten nicht. Wie kam es doch? Ist nicht das Heute nur ein schwerer Traum? Kann auch ein Raum so eng und klein die Liebe einer Mutter tot umschließen! War es nicht schon einmal, daß Einer tot im Grabe lag, tot, wie die Welt es meinte? Der Seinen Äugen waren wie mit Finsternis umschlossen — dann fiel die Hülle ihnen von der müden Zeele, sie sahen ihn lebendig vor sich stehen uno hatten ihn viel fester, als sie ^ jemals ihn gehabt. Nun wußten sie das, was sie nie verstanden noch geglaubt: Er ist nicht tot, er lebt und lebt mit uns und wir mit ihm. Wie war es doch? Durch diese Türen schritt sie aus und ein und waltete des heiligen Amtes einer Frau. Dort auf dem Stuhl war sie gesessen, die Unvergeßliche im grauen Haare mit den treuen Äugen und mit der Stimme, die von Herzen kam und stets zu Herzen ging, und freute sich, wenn eines von den Kindern oder Enkeln zu ihr kam, war stolz auf alle und war stolz auch auf den großen Lohn. Den durfte sie nur selten bei sich haben. Das war ihr Schicksal so und seines auch. Dem Vaterland hat er gehört und seinem Volke. Die können ihre Männer nicht der Mutter lassen. Das ist das Los der Führer, daß sie dort stehen müssen, wo die Würfel fallen um Gegenwart und Zukunft ihres Volkes. Wer nur mit halbem Herzen bei der Zache steht, der ist nicht treu. Die Gaben, die ihm Gott verliehen, hat er gebraucht mit seltenem Fleiß und seinen Zielen nachgestrebt mit eiserner Beharrlichkeit. Er hat nicht Kampf und Haß von Tausenden gescheut. Was ihn beseelte, hat er rücksichtslos verfochten, weil er sich klar war, daß sein Kampf der Kampf ums Beste war. Lein Volk, sein Vaterland und seine Heimat waren ihm ins Herz geschrieben. Am ihretwillen hat er sich geopfert Jahr um Jahr, und auf dem Weg für sie sein Leben hingegeben. And doch! Nicht Geist und Kraft und Tat allein war seine Art, ihm schlägt ein Herz voll Liebe auch in seiner Brust. Das haben Frau und Kind erfahren und Geschwister, das hat die Mutter dankesfroh gemacht, wenn er in stillen Stunden bei ihr saß und ihre Hand streichelte, die Hand, die ihn gepflegt und groß gezogen und seiner Kindheit Tage treu bewacht. Nun ruh' und schlafe fern vom Welt- gebrause in der Heimat! Wir danken Dir für das, was Du uns warst. Durch unsere Seele zieht das heil'ge Wort: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben." Wie war es doch, als noch die Mutter lebte und ihres Ämtes waltete in diesen Räumen? Da schritt der Geist der Liebe und der Güte durch das Haus und hat es Euch zum Heiligtum geweiht. Gb Ihr hier gewohnt und des edlen Vaters Werk in steigender Entfaltung fortgebaut, ob dort, wo unseres Volkes Geschicke sich gestalten, ob überm weiten Meer, wo fremde Völker wohnen, eins hielt Euch alle umschlungen: Der Mutter Herz, das für Euch alle in gleicher warmer Liebe schlug. And einer Mutter Liebe höret nimmer auf. And ihre Liebe war nicht eng und klein, davon weiß unsere Stadt und Bürgerschaft zu sagen. Ähre Güte hat für die Bedürftigen bei Euch die Hand zum Nehmen aufgehalten und von dem fernen Sohn die reichen Schätze beigeholt, womit sie Hunderten in harter Not geholfen und vielen andern auch das Herz erfreut. 8 Das hohe Lied der Liebe hat sie fromm gelebt. And solche Liebe stirbst nicht. Nun ruh' und schlafe! Wir falten betend unsere Hände über Dir. Durch unsere Seele zieht das heil'ge Wort: „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm/ Ämen. s Eine Mutter. Ein feiner Mairegen rieselte nieder. Still lag die Gasse in nächtlichem Dunkel. Hier und dort niedrige langgestreckte Bauten. Dann ein stattliches Haus, behäbig und bodenständig, neuzeitlicheren Stils. Gegenüber ein großer Garten, aus dem der zarte Duft voll erblühter Bäume und Ziersträucher von kühlem Westwind getragen zu seinen Jenstern drang, deren drei des oberen Stockwerkes offen standen. Gb das wohl ihre Iimmer waren? Zm nahen Weinbergshang schlug verträumt eine Ämsel an, dann schluchzte leise eine Nachtigall, schwieg, klagte wieder, lauter, eindringlicher — verstummte jäh, als erschrecke sie über den eigenen Lang. Nichts rührte sich. Todesstille. Stille des Todes — ja, die war es. Hart wuchtete sie auf der verödeten Gasse, grausig lastete sie über des Hauses Dach, hüllte sein Massiv in schwarze Nebelschleier, durch die nur die blanken Scheiben blinken, an denen Regentropfen wie Tränen der Trauer schmale Linien, zitternde Zurchen zogen ohne Unterlaß. Gft hatte sie an einem dieser Fenster gestanden, sinnend hinausgeblickt in die leuchtende Sonne, die hinter Giebeln zur Rüste ging. Sonne um sich und Wärme, weil sie selbst Licht und Liebe in sich trug. And wer einkehrte bei ihr, dem gab sie davon. Den Freunden, den Verwandten, und aus vollem heißem Herzen dem Eigenen, dem Mann, den Kindern, den Enkeln. Keiner schied von ihr, ohne zu empfangen, jedem wurde eine Gabe. Man hat sie gepriesen als Wohltäterin der Armen; Reichtümer aber verschenkte sie aus nimmermüden Händen an jene, denen ihre mütterliche Sorge galt. Still lebte sie ihren Pflichten. Je ernster sie waren, um so wortloser erfüllte sie jene. Wenn es galt, dem Ehegefährten, den Kindern ebene Wege im eigenen Heim zu schassen, Steine beiseite zu räumen, war sie die erste, welche sich bückte. Ueberall empfand man ihre ordnende Hand, ihren ausgleichenden Sinn, ihr eigenes, Ruhe spendendes Wesen. Sie war der Mittelpunkt der großen Familie. Von ihr ging alles aus, zu ihr kehrten !0 alle wieder zurück, sei es in Freud oder Leid. Mit ihren klaren, klugen Äugen sah sie bis in die Tiefe der Seele der Ihrigen, wußte ihnen immer Rat und Trost, so oft und so beschwert sie auch zu ihr kommen mochten. Und weithin mußten ihre Gedanken spinnen, denn selbst in fernen Ländern weilten einzelne ihrer Lieben, mit denen sie sich freute in ihrem Glück, um die sie bangte, wenn trübe Tage nahten. Ihr Heim war ihr Reich. Dort war sie Königin, von liebender Ehrfurcht umgeben, Herrscherin in schlichter Einfachheit, und doch alle, die sich ihr nahten, bezwingend kraft der Vorzüge der echt deutschen Irau, der Tugenden der deutschen Gattin und Mutter. Ruhe herrschte in ihrem Machtbereich, aber die Ruhe, die aus der inneren Ausgeglichenheit quillt, dem frohen Abend gleicht mit seinen erquicklichen Freuden, die kein Tageslärm von außen mehr zu stören vermag. So floß ihr Dasein nach mancherlei Stürmen des Lebens, von denen Keiner verschont bleibt, in arbeitsamer, immer für andere sorgender Tätigkeit dahin. Zelten nur hörte man sie sagen: das tue ich für mich. Fast immer aber: das tue ich für die Meinen. Ihnen galt ihre Schaffenskraft; wenig bloß blieb davon für das eigene Ich übrig. Ihre echte, reine Weiblichkeit erhielt Kraft und Stärke durch einen festen Willen und ein energisches Wollen, bei dessen Vollbringen sie weder sich selbst, noch den Ihrigen Konzessionen machte oder gestattete. So hat sie ihre siebenzig Daseinsjahre rüstig an Geist und Körper überschritten, ging behenden Fußes den Achtzig entgegen. Und immer noch war Arbeit in sorgender Liebe ihr Lebensinhalt. Rasttage, frohe Feste kannte sie bloß dann, wenn ihre Kinder und Kindeskinder aus der Nähe, aus der Ferne bei ihr Einkehr hielten. Besonders ihr Aeltester, ihr ganzer Stolz! So war die Mutter Karl Helfferichs! An ihrer sorglich führenden, hütenden Hand trat er ins Leben. An seiner Hand ging sie mit ihm aus dem Leben. Mutter und Sohn, Auge in Auge im letzten innigen Blick der Dankbarkeit und Liebe, im letzten Herzensschlag vereint! n Karl Helfferich zum Gedächtnis „Was vergangen, kehrt nicht wieder; Aber ging es lenchtend nieder, Leuchters lange noch zurück!" Druck: Hempel Co. G. m. b. H., Berlin SW. 68, Zimmerstraße 7/8. Reden am Sarge in Mannheim am 5O. April 1924. Konsistorialrat Alfred Fischer, Pfarrer an der Jerusalemer Kirche in Berlin: Phil. V 15. „Vielleicht ist er darum eine Zeitlang von dir kommen, daß du ihn ewig wieder hättest." Herr, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden, und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit; der du die Menschen lässest sterben, und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf; gleich wie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blühet, und des Abends abgehauen wird, und verdorret. Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn und Heiland Jesus Christus! Amen! Liebe Trauergemeinde! Diese Majestät Gottes, die uns das Psalmwort vor Augen stellt und sein heiliger, ewiger Wille haben uns hier um die letzten Lager zweier treuer Menschenkinder zusammengeführt. Sie gehörten zusammen, dieser deutsche Mann und seine Mutter. Einst hat sie ihn groß gezogen in tiefer Treue und heiligem Ernst. Dann hat sie an seinem Aufstieg und Wirken sich gefreut, nun war sie mit ihm in Tagen stiller Ruhe zu 7 herzlicher und inniger Gemeinschaft mit seinem Weibe und seinem Kinde vereint. Sie hat sein Kind auf den Knien gehalten, und strahlenden Angesichts stand der frohe Vater zur Seite neben seinem glücklichen Weibe. Um Stunden hat er gegeizt, daß er sein Glück festhielte und noch ein wenig bei ihnen bliebe. Dann haben sie sich aufgemacht, Mutter und Sohn, um ein jeder wieder an seine Arbeit zu gehen, er fürs weite deutsche Vaterland und sie für ihr schlichtes deutsches Haus. Da hat der Allmächtige mit seinem ewigen Willen eingegriffen, er hat sie zu sich genommen in seinen ewigen Frieden. Und wir beugen uns in Demut vor seiner Majestät. Wir sind nicht hierhergekommen, um uns in die Schrecken der letzten Tage zu versenken; Christen rechnen und hadern nicht mit ihrem Gott. Wir wollen versuchen, verstehen zu lernen, was der Ewige uns und unserm Volke sagen will durch solches Schicksal, und dabei helfe uns das Wort des Apostel Paulus, das er einmal von einem Menschenkinde gesagt hat: „Vielleicht ist er darum eine Zeitlang von dir kommen, daß du ihn ewig wieder hättest." Was haben wir doch an diesen Menschenkindern gehabt, ehe sie von uns gekommen sind? Dem Manne, der schon als Knabe mit Hellem Blick rasch in die Gebiete des Wissens eindrang, der dann als Jüngling immer neue Gebiete an sich zog, sie zu beherrschen; der den Sachen auf den Grund ging, weil er die Wirklichkeit erfassen wollte in ihrer Wahrheit. Eine der wichtigsten, aber auch geheimnisvollsten Mächte des Lebens aller Völker wollte er durch die Erkenntnis ihres Wesens und Waltens beherrschen: das Geld. Und er ist seiner kundig geworden, ein Wissender nicht nur für unser deutsches Vaterland, sondern auch für die weite Welt, die bei ihm sich Rat holte. Nicht nur in leblosen, trockenen Zahlen und Worten hat er dieseMacht in seine Erkenntnis gezwungen, er hat ihr leb endiges Wirken und Walten geistig geschaut in dem großen Lebensbilde, das er von einem der mächtigsten Persönlichkeiten im 8 Wirtschaftsleben (Georg v. Siemens) gezeichnet hat. Nicht ums Wissen, nicht um den Ruhm des Gelehrten war ihm zu tun, denn ihm setzte sich sein Wissen um in Willen, und dieser Wille barg in sich eine wundervolle Kraft zu gestalten und zu formen. Ergriffen ward er von der Herrlichkeit der in immer neuen Formen sich gestaltenden Natur; jeder Ausblick aus dem Fenster gestaltete sich ihm zum Bilde, das er mit geschickter Hand festhielt. Wenn eine neue große Frage des wirtschaftlichen und politischen Lebens sich ihm entgegentürmte, fand er am Flügel in Meister Beethovens Werken die Stille und Überlegenheit, ihrer Herr zu werden. Rastlos arbeitete sein Hirn, seinem Willen die Wege zu suchen, der niemals die Dinge hinnahm, wie sie waren, sondern alsbald um Mittel sich mühte, von der Tiefe her Hindernis und Schwierigkeit zu überwinden. So war's sein rechter Platz, als man damals, als unser deutsches Volk in furchtbarstem Kampfe rang, ihn an die Spitze des Deutschen Reiches rief, und doch begann im gleichen Augenblick die Tragik seines Lebens. Was er auch wollte und für wahr erkannte, wofür er kämpfte, arbeitete und rang, — Kleinheit, Enge, Unwissenheit — banden ihm Arme und Hände — und er mußte sehen, wie das Deutsche Reich in Trümmer sank. Obgleich er mit furchtbar klarem Blick den festen Willen der Feinde erkannte, uns zu vernichten, obgleich er nicht sich blenden ließ vom Gerede des Tages, noch von dem, was die da draußen versprachen — einer der Ersten war er, die zum Aufbau riefen, einer der Unermüdlichen, die furchtlos an ihm arbeiteten. Er faßte jenen kühnen Gedanken zur Schaffung des deutschen Geldes aus eigener Kraft des Volkes, daß unser Leben wieder sauber wurde und uns die alte Sicherheit kam zur Arbeit und zum Leben. Aber das Gewonnene machte ihn nicht schlaff. Noch in den letzten Tagen, als wieder mit allerlei freundlichen Aussichten die Feinde uns zu täuschen versuchten, hat er mit harter Wahrhaftigkeit und tiefbohrender Klugheit auf die Gefahren dieser Feindespläne hingewiesen. Ja, er war ein 9 Mann rücksichtsloser Offenheit und rastlosen Kampfes für das, was er für wahr erkannte, aber das alles aus tiefster Sittlichkeit und reinster Gesinnung. Nicht Ehrgeiz trieb ihn, sondern jenes innere Wissen und Können ließ ihm keine Ruhe, er mußte wirken; nicht Eitelkeit verblendete ihn bei seinen Erfolgen, er wußte, wer Erfolge hat, für den wächst die Verantwortung fürs Ganze. Nicht Gewinnsucht hat ihn je berührt, rein war er von solchem Schmutz, dieser deutsche Mann, bis in die letzten Fasern seiner Seele. Der tiefste Antrieb alles seines Wirkens und Schaffens war die brennende Liebe zum Vaterlande, denn dieser Mann war nicht nur klar in seinem Hirn, sondern heiß in seinem deutschen Herzen. Das haben die gewußt und gespürt, die seiner Führung sich anvertrauten, in jubelnder Begeisterung ihm zustimmten und felsenfest auf sein Wort vertrauten. Das haben seine Freunde erfahren, denen er ein wahrer, tiefer, ernster Freund gewesen ist mit gutem Rat und sicherer Tat. Das wißt ihr, die Geschwister, von den Kindertagen her, die Schwester, die jahrelang treulich mit ihm gelebt hat, der Bruder, der heut nicht hier sein kann, weil er in fernem Lande weilt, wo ihm der Bruder half zu eigenen Wegen und zu eigenem Wirken. Das war der Mutter Glück und Freude, daß, was er auch galt und ward in der Welt, er immer ihr Sohn geblieben ist. Das ist der Jubel und der Dank, das ist das tiefe, bittre Leid seines Weibes, mit dem er eine tiefe, innere Seelengemeinschaft hatte. Spät hat der ernste Mann, der so viel auf seinem Herzen und Gewissen trug und keine Zeit hatte für sich selbst, der Mann, der in der Eltern Ehe ein ideales Leben geschaut und so oft Jammer fand und Kümmernis in Ehen der Menschenkinder, spät hat er sich entschlossen, die, die er längst schon kannte, sich zu eigen zu nehmen, und als er es tat, hat er an ihr die ebenbürtige und treue Gefährtin gefunden, die ihm folgte auf allen seinen Wegen, die ihm beigestanden, die ihn betreut und behütet hat in mancher schweren Stunde, die ihm daheim ein stilles 10 Glück gebaut, in dem er Frieden fand. Er war ein treuer Vater ihrer Kinder, sie hat ihm den Sohn geschenkt, über dem sein Auge leuchtete und strahlte, bei dem er selbst im Spiel mit ihm zum Kinde werden konnte, dessen Werden und Wachsen in Ernst und Scherz er in Vaterliebe beobachtete, dem er die letzten glücklichen Stunden seines Lebens gab. Als solch einen Menschen hat ihn Gott uns geschenkt, und nun, meine Freunde, ist er von uns gekommen, wir haben ihn nicht mehr hier auf Erden, nicht mehr sein Volk, nicht mehr sein Weib und sein Kind. Aber wenn er nun für diese Erdenzeit uns entrückt ist, — das ist das Geheimnis Gottes — Heller und lichter und deutlicher werden die Züge seines Wesens, die Lehren seines hohen Geistes, wird das Bild dieses ernsten Mannes von tiefem Wesen, von reichem Wissen, von festem Willen und treuester Vaterlandsliebe in uns und unserem Volke wirksam werden. Eine Zeit von uns gekommen, wird sein Volk und werden die Seinen ihn ewig wiederhaben. Nun aber, da uns das Bild seines Wesens so stark und deutlich vor die Seele tritt, ist's euch nicht so, die ihr die Mutter gekannt, als ob durch dieses Bild die schlichten Züge seiner Mutter euch begegnen? War nicht Wahrheit und Wahrhaftigkeit auch ihre Art? Ist nicht auch ihr Leben rastlose Arbeit gewesen, in unermüdlicher Treue bei Tag und bei Nacht? Hat nicht der Opfersinn ihres Herzens in Selbstvergessenheit im Glück des Gatten und der Kinder die einzige Aufgabe sie sehen lassen, wozu sie geschaffen und bestimmt war? Nun ist sie von euch gekommen für diese Erdenzeit, aber immer deutlicher werdet ihr und Heller der Mutter Bild lebendig werden sehen, ihr werdet spüren, wie sie euch segnet auf allen euren Wegen. Ihr habt kein Vaterhaus mehr, ihr sieht allein, aber in der Mutter und in des Vaters Geist schlingt ihr um so fester das Band der Gemeinschaft umeinander und nehmt die mit hinein, die des Heimgegangenen Bruders Liebstes war und sein Kind, das euern Namen trägt. So erfahrt ihr es. ii daß sie darum eine Zeitlang von euch gekommen ist, daß ihr sie ewig wieder hättet. Wohl hat der Ewige seiner Gattin das Leben, das so reich war durch des Gatten weites Schaffen und tiefes Denken nun enger, stiller und einsamer gemacht, aber in diesem Leben lebt sein Kind und die Fülle der Erinnerungen und der Gaben und Kräfte, die der Heimgegangene ihr geschenkt. Beides wird sie wahren, in heiliger Treue und in dankbarem Aufblick zu dem Gott, der das kurze reiche Glück ihr geschenkt, der dies Kind ihr anvertraut, daß es hineinwachse in des Vaters Geist und Sinn. Wir andern aber, wir vom deutschen Volk, das in diesem Augenblick nichts nötiger braucht als Männer der Kraft, Männer des Wissens, Männer aufopferungsvoller Vaterlandsliebe, wir bitten unseren Gott: Herr, der du durch deinen heiligen Willen uns diesen Mann genommen hast und seine Hilfe in harter Zeit, Herr, sei du uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns, das Werk der Arbeit und Treue für unser Vaterland, wie er es getan, das Werk der Gattin an seinem Kinde und Erben, o, fördere das Werk der deutschen Frau am deutschen Haus. Ja, Herr, all solch Werk, das du uns anvertraust, wollest du fördern! Amen! 12 Reichsminister der Finanzen Dr. Luther: Den letzten Gruß der Reichsregierung bringe ich für Dr. Karl Helfferich, der während des Krieges als Schatzkanzler das Amt geleitet hat, dem ich heute vorstehe, und später als Staatssekretär des Innern und dann als Vizekanzler dem Reich in schwerster Zeit gedient hat. Was er an der Spitze des Reiches geleistet hat, was er später als Führer der Opposition geleistet hat, als Mitarbeiter der Regierung von der Bank der Opposition aus, das gehört der Weltgeschichte an und in seiner vollen Bedeutung wird es gewürdigt werden vor dem unbestechlichen Urteil rückschauender Geschichtsbetrachtung. Wir Mitlebenden aber haben vor den späteren Beutteilern voraus die Kenntnis der Persönlichkeit. Wir haben den Verstorbenen gekannt als einen Mann schöpferischen Denkens, als einen Mann des Wollens, der Tat, als einen Führer. Und wir haben ihn gekannt vor allem als einen Deutschen, als einen Deutschen, dem Deutschsein eine Leidenschaft war und der durch solche Leidenschaft in den harten Zeiten, die wir durchleben, ein Vorbild jedes Deutschen war. Die Reichsregierung steht mit den Angehörigen voll Trauer an der Bahre dieses vottrefflichen Deutschen und nimmt in diesem Sinne Anteil an dem Verlust auch der Mutter, der Mutter dieses Sohnes, die in Gemeinschaft mit dem Sohne einem schrecklichen Verhängnis zum Opfer fiel. Dem aber von Dr. Karl Helfferich, was sterblich ist, rufe ich namens der Deutschen Reichsregierung zu: Schlafe wohl in deutscher Erde! Vizepräsident des Reichstags Dietrich: Der Deutsche Reichstag war in den letzten vier Jahren das Hauptarbeitsfeld Helfferichs und zwischen zwei Wahlperioden führt das Präsidium des Reichstags seine Geschäfte weiter. So erwächst ihm das Recht und die mit innigster Anteilnahme geübte Pflicht, dem Heimgegangenen heute letzten Gruß und Dank zu sagen, Dank zu sagen für die un-- iZ ermüdliche Arbeit, für die reichen Früchte, die seine immer wieder von neuem bewunderte herrliche Begabung, sein rastloser Fleiß, seine nie versagende Arbeitskraft getragen hat, für das, was er mit der Erneuerung der Grundlage unserer Wirtschaft geschaffen hat, aber auch für seine Arbeit an dem, was immer von neuem aufs tiefste unsere Herzen bewegt: In dem Gedanken an die nationale Freiheit und Unabhängigkeit unseres Vaterlandes hat er unsere Politik in klarer Erkenntnis unserer wirklichen Lage zu führen gesucht, zuletzt noch in dem Kampfe aller Parteien um die Zukunft seiner geliebten pfälzischen Heimat. Nach feststehender Übung legt der Reichstag am Sarge seiner Heimgegangenen Mitglieder einen Kranz nieder mit der einfachen Inschrift: „Der Deutsche Reichstag". Aber diesem Kranze möchte ich gewiß in Übereinstimmung einer großen Überzahl der Mitglieder des Reichstages und aus dem Empfinden weitester Volkskreise heraus, die täglich von neuem den Segen seiner letzten geschaffenen großen Tat empfinden, die Deutung geben: Das Vaterland in Dankbarkeit seinem bis zum Tode getreuen Sohn. Regierungpräfident der Pfalz Dr. Matheus: Die Bayrische Staatsregierung und die pfälzische Kreis- regierung sprechen durch mich der Familie Helfferich, die von einem grausamen Schicksalsschlage getroffen wurde, ihre tiefste Teilnahme aus. Ich darf aber auch sagen, daß ich der Dolmetsch der pfälzischen Bevölkerung bin, wenn ich der Familie, die seit vielen Jahrzehnten hochgeachtet als eine der ersten Familien unserer Heimat gilt, das aufrichtigste Beileid bekunde. Wir Bayern und Pfälzer sind stolz auf den großen Sohn, den uns die hier vor uns liegende Mutter geboren. Wir sind stolz auf das, was er tat und was wir von ihm hörten aus den 14 erschütternden Worten des Herrn Geistlichen und aus dem berufenen Munde des Herrn Reichsfinanzministers und des Herrn Reichstagspräsidenten, der uns ins Gedächtnis rief, daß eine seiner letzten Taten die war, für seine Heimat, für die Pfalz einzutreten. Wenn er heute noch einmal die Augen auftun und zu uns sprechen könnte, so hörten wir wohl die Worte: Klaget nicht, wirkt für die Befreiung meiner Heimat, arbeitet am Wiederaufbau unseres heißgeliebten Vaterlandes, auf daß es zu neuer Blüte, neuer Größe komme! Wenn wir in solchen Gedanken von ihm Abschied nehmen und danach handeln, schaffen wir in seinem Sinne und ehren sein Andenken am würdigsten; so dienen wir aber auch am besten uns selbst und unserm Vaterlande. Dies sei die Mahnung, die uns diese beiden Särge geben! Bürgermeister Forthub er, Neustadt: Im Namen der Stadtverwaltung Neustadt a. d. Haardt überbringe ich den beiden Toten der Heimat letzte Grüße, auf der langen Reise in die Heimat zurück. Unsere letzten Grüße unserm Ehrenbürger Dr. Karl Helfferich und seiner Mutter Frau Auguste Helfferich, der Witwe unseres Ehrenbürgers Kommerzienrat Friedrich Helfferich, der gütigen, stillen Wohl, täterin unserer Stadt und ihrem Sohne, dem Mann mit dem hartenWillen, ihnen beiden mit der treuen Liebe zum Vaterlande und zur Heimat. Die Heimat erwartet ihre Kinder in einem wahren Blütenmeer und verspricht ihnen ewigen Schutz nach dem Kampfe, sie verspricht ihnen Frieden ihrer Asche und ein dauerndes Gedächtnis. Dr.pkü.K.c. Emil von Stauß,DirektorderDeutschenBank: Mit dem deutschen Vaterlande beklagt die ganze deutsche Wirtschaft das grausige Geschick, das uns nicht nur den hochragenden Staatsmann, sondern auch einen der bedeu- 15 tendsten Männer der deutschen wirtschaftlichen Welt geraubt hat, der wie kaum ein anderer mit verständnisvoller Liebe und Klarheit von der hohen Warte, auf der er stand, die Entwicklung unseres Wirtschaftslebens verfolgt und seine Bedürfnisse und Sorgen erkannt und betreut hak. Das haben gerade in diesen Tagen meine Berufskollegen aus allen Kreisen und Männer der Wirtschaft aller politischen Richtungen anerkannt, wenn wir von dem seltenen Mann sprachen und den kommenden großen Aufgaben, für deren Lösung wir den großen Führer der Finanzwissenschaft und Finanzwirtschast ebenso nötig hatten, wie für die geniale Arbeit, die er im vergangenen Jahre für unsere Rettung vor weiterem Währungsverfall geleistet hat. Und tief im Herzen empfinden den Verlust des lieben Freundes seine früheren Kollegen und Mitarbeiter in der Deutschen Bank, die ihn durch fast ein Jahrzehnt seines wertvollen Lebens mit Stolz in ihrem Kreise wirken sahen. Was er da, erst auf schwierigstem Auslandsposten in der Türkei, der diplomatische und kaufmännische Gaben in gleichem Maße verlangte, und was er später in Verfolgung dieser und anderer größerer Aufgaben im Vorstand unserer Bank in Berlin geleistet hat, gehört der Geschichte der Bank an, mit der unser verstorbener Freund um so enger verbunden ist, als er in der Lebensbeschreibung seines großen Schwiegervaters Georg von Siemens nicht nur das Meisterwerk über den Aufbau der Deutschen Bank, sondern ein Meisterwerk deutsch er Wirtschaftsgeschichte überhaupt geschrieben hat. Und wenn wir damals und in seiner weit ausgreifenden späteren Laufbahn seine umfassenden Kenntnisse im Finanzwesen, seine wundervolle Klugheit, seine unermüdliche Geisies- und Nervenanspannung dankbar bewunderten, so haben die menschlichen Eigenschaften des herrlichen Mannes uns so fest an ihn, ihn so fest an uns gefesselt, daß wir nie aufhörten, ihn als unseren besten, wertvollsten Freund zu verehren. i6 Nie habe ich bei einem kristallklaren Verstand einen kristallhelleren Charakter, nie habe ich bei einem so kritischen Geist eine so große Herzensgüte gefunden, wie Karl Helfferich sie allen denen mitgeteilt hat, denen sein Wesen aufzuschließen er der Mühe wert hielt. Auch in den Kreisen unserer Beamten, die mit ihm gearbeitet haben, war die Achtung und Verehrung für einen solchen Chef ungeteilt und unvergänglich. Seine Siemens- Biographie und seine Bücher über den deutschen Volkswohlstand, über das Geld und andere, die er mit seiner unversiegbaren und unbesiegbaren Arbeitskraft nebenbei in seinen Mußestunden verfaßte, sind immer die begehrtesten in unserer Beamten-Bücherei gewesen, und nie habe ich unsere Angestellten, die mit ihm gearbeitet haben, in tieferer Ergriffenheit und Trauer gesehen, als auf die Kunde von dem tückschen Geschick, das unseren Helfferich erschlagen, als jedes brave deutsche Herz diesen tapferen deutschen Mann verloren hat, dem die Freude an der Arbeit ihr schönster Lohn war. Sein Bildnis wird zum unauslöschlichen Gedächtnis in der Bank stehen zur Erinnerung an den Mann, der an ganz großen Eigenschaften des Herzens und des Geistes, an Treue zu seinen Freunden von wenigen erreicht, an Schärfe des Verstandes und an Arbeitsleistung im Diensie seines glühend geliebten Vaterlandes von niemand übertroffen wurde. Das sei der Abschiedsgruß, lieber Freund, mit dem die Deutsche Bank den Lorbeer treuer Dankbarkeit und Verehrung an deiner und deiner Mutter Bahre niederlegt. Wer dich gekannt, hat dich geschätzt, wer dich erkannt, hat dich geliebt! Justizrat Röhrig, Frankenthal: Die Deutsche Volkspartei der Pfalz hat an der Bahre des Verblichenen einen Kranz niedergelegt, geschmückt mit den Blumen des pfälzischen Frühlings, den er leider nicht mehr 17 in seiner schönen Pracht sehen konnte, mit der Schleife in den Farben, unter denen sein Lebenswerk stand. Aus dem engen Gesichtspunkt einer Partei läßt sich das Wesen und Wirken dieses deutschen Mannes nicht würdigen; aber gerade unsere Partei hat alle Veranlassung, wo in der Pfalz eine Parteigruppe seiner Art nicht besteht, wo aber die Deutsche Volkspartei als Partei der vereinigten Rechten auftritt, an seiner Bahre zu erscheinen und einige Worte des Gedenkens zu sagen. Er stand unter uns als großes Vorbild, als Pfälzer und als treudeutscher Mann, als Mann der Wissenschaft, als Mann des Wollens und der Tat. Bei der Tragik seines Todes haben wir im Anschauen dieser Frühlingsblumen und der Farben, unter denen sie sprießen, die eine gemeinsame Bitte, daß unserm Reich der von ihm so lebhaft ersehnte Frühling baldigst anbrechen möge. In Fortführung des Schlußgedankens, den vorhin der Herr Geistliche aussprach, lassen wir unsere Bitte ausklingen in den Worten: Herr, mach uns frei! Der Reichsführer derBismarckjugend derDeutschnationalen Volkspartei H. O. Sieveking: Auch die Bismarckjugend der Deutschnationalen Volkspartei im ganzen Reiche steht trauernd und erschüttert an der Bahre dieses Einzigen, den ein unbegreifliches Geschick uns allzufrüh genommen hat. Du solltest uns Führer sein am Tage deutscher Freiheit, als Wegbereiter deutscher Freiheit wardst Du uns bereits genommen. „Hör uns, Du Toter, wir sind wach und schreiten Zum Ziel, an das Du einst wie wir geglaubt. Und das kein Teufel unserem Volke raubt." Das ist das Gelöbnis deutscher Jugend an diesem Grabe. 18 General der Infanterie Wild von Hohenborn, Exzellenz: Im Namen des Landesverbandes Hessen-Nassau der Deutschnationalen Volksvartei! Helfferich war unser Abgeordneter und sollte es wieder sein. Als ich ihn vor Monaten bat, uns in dem nächsten Wahlkampf die Fahne wiederum voranzutragen, da schrieb er mir: „Wenn der Wahlkreis mir die Treue hält, dann halte ich auch ihm die Treue, Treue um Treue." Mit diesem Wort des großen Toten, Treue um Treue, lege ich unseren Kranz nieder. Treu werden wir ihn allezeit lieben, den edlen Menschen Helfferich, und treu wollen wir wieder weiter arbeiten für die Ideale, für die der Staatsmann Helfferich lebte und wirkte. Treu wollen wir festhalten wie er am Glauben ans Reich, an der Liebe zum Reich und an der Hoffnung auf ein einst wiedererstehendes großes und freies Reich. Staatsminister Wallraf, Exzellenz: Der Ausklang dieser tiefernsten und doch so weihevollen Stunde sei der Abschiedsgruß, den die Deutschnationale Partei durch meinen Mund ihrem toten Freund und Führer entbietet. Um uns die Majestät des Todes, aber in uns der Glaube, und aus den Gräbern sprießt der Lenz. Der, dessen sterbliche Hülle wir heute im Zeichen des Kreuzes den Flammen übergeben, war ein Großer im Reiche des deutschen Geistes. Offen und schlackenrein liegt sein Leben vor unseren Augen. Schnell empor gestiegen, erprobt und bewährt auf jeder Stufe, getreu bis in den Tod, ward er an der Seite seiner geliebten Mutter uns entrissen, auf der Höhe seines Schaffens, an der Schwelle einer durch ihn mit genesenden besseren Zeit. Karl Helfferich war ein Wissender. Wenn er über die großen Fragen der Wirtschaft sprach und schrieb, lauschte seinen Worten nicht nur das eigene Land, nein, diese Worte drangen weit hinaus, bis über die Weltenmeere hinweg. iy Er war ein Mann der Pflicht. Trotz aller Hemmungen seiner schwankenden Gesundheit hat er rastlos und unermüdlich geschaffen, nicht für sich, für das Vaterland, dem seine glühende Seele ihr bestes gab. Die kargen Stunden der Muße aber gehörten den Seinen, vor allem der innigen, vornehmen Frau, von der er in seines Herzens Tiefe sich sagte: „Ich hab" einen Kameraden, einen besseren gibt es nicht!" sie gehörten seinem Freundeskreise, dem er gern in unvergeßlichen Stunden den Reichtum seines Geistes und seines Herzens erschloß. Und er war ein mutiger Mann. Verlästert von Unverstand, umbrandet von törichtem Haß, stand er aufrecht und wankte nicht, unbeugsam wie sein Wille war sein Glauben an ein Ostern des geknechteten Vaterlandes. Heute, da die Flammen verzehren, was an ihm sterblich war, schaut die deutschnationale Sinnesgemeinschaft, soweit die deutsche Zunge klingt, trauernd auf diese Stätte. Sie klagt um den unersetzlichen Führer, ihren Stolz in vergangener, ihre Hoffnung in heraufdämmernder Zeit. Unvergänglichen Dankes Künder und Dolmetsch stehe ich hier, in innigstem Mitgefühl mit den Hinterbliebenen, vor allem mit Ihnen, hochverehrte Frau, die sein alles war, in der wir die Erbin seiner Gedanken, und die Erbin unserer Liebe und Verehrung erblicken. Helfferichs Name lebt fort, sein Geist wird alle Zeit mit uns sein. Nach seinem Gebot den Älick vorwärts nicht rückwärts gewandt, nehmen wir Abschied von seinem Erdenrest mit den Worten, die einst zur Weise des integer viwe ein deutscher Dichter sang: „Schlaf", doch wir andern wollen weiter wandern. Durch Kampf zum Frieden." 20 Rede des Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei Staatsminifter Hergt, Exzellenz, bei der Trauerseier in der Philharmonie zu Berlin am 27. April 1924. „Und so lang du das nicht hast Dieses: Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde!" In München war es am z. September 1921, wenige Tage nach dem Erzberger-Morde, als Helfferich auf sich selbst diesen Goethe-Spruch anwandte — dieses Wort aus seinem Goethe, den er so liebte und als treuen Freund in tausend Versen stets im Gedächtnis führte, zu dem er sich aus des Tages Last und Arbeit hinüberrettete, wenn es galt, die Seele zu erfrischen und zu erheben. Die Wogen der Erregung gingen damals hoch; Helfferich hatte Drohungen und Warnungen bekommen; man hatte ihn in Jugenheim aufheben wollen und wir, seine Parteifreunde, sorgten um sein Leben. Da antwortete er mit den Worten: „Wer in solcher Zeit am Augenblicke hängt und um sein Leben bangt, ist Spreu im Sturmwind des großen Werdens!" und er fügte jenes Goethe-Wort vom „Stirb und Werde" hinzu. Für ihn nicht bloß ein Zitat, sondern ein wahres Glaubensbekenntnis! Es war, als ob er schon damals vorahnend an einen plötzlichen Tod geglaubt hätte und sich aufs Sterben hätte einrichten wollen, um zu werden. Nun hat sich seine Ahnung, wenn es damals eine Ahnung gewesen ist, erfüllt; er ist uns genommen, aber wie ist er gestorben? Wenn wir sonst einen geliebten Toten zu Grabe tragen, so sehen wir trotz allem Traurigen und Schweren doch auch Versöhnendes und Weihevolles im Lebensabschluß des Dahingeschiedenen und in Ehrfurcht beugen wir uns vor der Majestät des Todes. Hier aber erbeben wir tief im Innersten vor diesem furchtbaren Ende! Hier schließen wir gewaltsam die Augen vor dem Grausigen, das wir zu sehen nicht ertragen können; hier 2Z fliehen angstlich die Gedanken, und rat- und fassungslos, wie uns das sterbliche Fühlen und Denken läßt, bleibt uns nur eines übrig, uns gläubigen Herzens in den unerforschlichen Ratschluß Gottes zu ergeben und über all das Grausige hinweg den Blick auf die lichtvolle Verklärung des Jenseits zu wenden, wohin jetzt unser geliebter Freund hinübergegangen ist. Nicht allein ist er gegangen, die Mutter war bei ihm! Wie oft hat Helfferich im vertrauten Kreise von dieser seiner innigst-- geliebten Mutter erzählt! Wie bitter hat er es beklagt, daß ihm der Zutritt zu ihr, zu seiner Heimat überhaupt, durch die feindliche Besatzung der Pfalz verhindert sei, und wie besonders schmerzlich war es ihm, daß er in den vergangenen Monaten nicht an das Krankenbett der Hochbetagten nach Neustadt eilen konnte. Nun hatten sich Mutter und Sohn in liebendem Zusammensein in Stresa wiedergefunden, sie hatte ihm die Heimat mitgebracht — sie hatten sich aber nur gefunden, um, wie sie im Leben einander stets am Herzen gehangen hatten, nun auch in gemeinsamer Todesnot aus diesem Leben zu scheiden. Wie unsagbar traurig und doch auch wie zu Herzen gehend ist es, daß die letzten Lebensaugenblicke unseres Helfferich von der angstvollen Sorge und von rührend kindlichem Bemühen um seine alte Mutter ausgefüllt gewesen sein mögen! Uns aber, die wir uns trauernd heute versammelt haben, drängt sich mit elementarer Gewalt das Bild des Lebens auf, das dem Tode unseres heißgeliebten Freundes vorausgegangen ist. Ein Leben, so reich an Wollen und Können, so reich an Heldentum, so reich an Edlem und Großem, wie es wohl selten einem Menschenleben beschicken ist. O du mein unglückliches deutsches Vaterland, wie bist du doch arm an Helden und an Großen, wie bitter not sind dir die Führer, die dich aus deiner Einsamkeit und Zerrissenheit zu großen Zielen emporheben, dich einen und begeistern können! Nun hast du in deiner Armut auch diesen noch verloren, der einer deiner allerbesten und hoffnungsreichsten Söhne war! Du sahst ihn 24 seit langen Jahren im Kampfe stehen, gerüstet mit der heiligen Lanze der Erkenntnis und der Wahrheit, den Schild gespickt mit Pfeilen der Gegner, du sahst ihn immer aufrecht für deutsches Recht und deutsche Freiheit streiten; du hattest ihn aber noch nicht als Sieger, als Erfüller und Vollender gesehen, und nie sind seine tiefsten und innersten Gedanken und Pläne, die turmhoch über das Niveau des Alltags hinausführten, vor dir enthüllt worden: Ahnst du es wohl, was dir entrissen worden ist? Was war das für ein Mann von seltensten Geistesgaben! Was für eine ungewöhnliche Klarheit und Schärfe des Verstandes, was für eine blendende Redegabe, eine unerbittliche Logik, ein erstaunliches Gedächtnis, und andererseits was für ein zäher Wille, ein ungestümes Vorwärtsdrängen! Wie seine Natur so doppelseitig veranlagt war, so rangen auch in seinem Lebensschicksal die zwei Gewalten um die Palme des Sieges: das Streben nach rein geistiger, wissenschaftlicher Betätigung auf dem Wege des Forschers und Denkers, und andererseits der Drang nach politischer Betätigung, der Drang, mit allen Fibern und Fasern seines Herzens sich einzusetzen für die Machtentwickelung des Vaterlandes und sich zu diesem Zwecke selbst zur politischen Geltung zu bringen. Sein Lebensweg schien ihn ursprünglich dem ersteren Ziele zuzuführen. In jungen Jahren Dozent geworden, erschien er wie ein aufflammender Komet an einem Teile des wissenschaftlichen Himmels, der bisher von strahlenden Gestirnen noch nicht erleuchtet war, und seine Bücher über das Geldwesen enthielten eine unendliche Fülle unwandelbarer Wahrheiten, die wie eine Offenbarung wirkten und ihrem Autor die rückhaltlose Anerkennung des Inlandes wie des Auslandes errangen. Von nun an galt Helfferich nicht nur als bester Kenner des Geldwesens in seinem Heimatlande, sondern auch als einer der besten Kenner in der Welt überhaupt. Noch einmal wiederholte er später den großen Schlag, daß er durch 2? ein Erstlingswerk den dunklen Schleier zerriß, der über einem wissenschaftlichen Stoffe bis dahin schwebte. Ein kleines Hestchen nur, das Werk über „Deutschlands Volkswohlstand", das er im Jahre 1914 erscheinen ließ; aber die Zahlen, die er darin gab, sind Anfang und Ende aller Betrachtungen geworden, die seitdem bis zum heutigen Tage über unser Volksvermögen und unsere Leistungsfähigkeit angestellt worden sind. Wenn Helfferich Zahlen gab, so waren es nicht nüchterne oder gar tote Zahlen; sie lebten und webten, sie sprachen eine flammende, ja wo es sich um Anklagezahlen handelte, eine furchtbare Sprache. Man sollte meinen, daß die schriftstellerische Fruchtbarkeit Helfferichs in den Jahren seiner politischen Sturmund Drangperiode von 191? ab aufgehört oder abgenommen hätte; aber dieser Publizist von Gottes Gnaden, dem die Gedanken spielend zuflössen, kannte nicht Rast noch Ruhe, sein großes Werk über den Weltkrieg, das geschöpft war aus der Fülle von lebendigen Eindrücken, wie sie nur einem Manne in Helfferichs Stellung und von Helfferichs übermenschlicher Arbeitskraft zuteil werden konnten, das er mit seinem Herzblut geschrieben hat als wuchtige Verteidigungsschrift in eigener Sache, gibt wohl die erschöpfendste und sicherlich eine der anschaulichsten Darstellungen des gewaltigen Geschehens jener Zeit. Und dann die liebenswürdigste seiner Schöpfungen, die Erinnerungen an seinen Schwiegervater, Georg von Siemens, die keineswegs, wie sie Helfferich selbst betitelt hat, nur ein einfaches „Lebensbild aus Deutschlands großer Zeit" bedeuten, sondern zugleich ein gewaltiges Stück aus Deutschlands großer Wirtschaftsgeschichte brachten. Wenn wir heute angesichts der Totenbahre mit Vorliebe mit den rein menschlichen Zügen des Verstorbenen uns beschäftigen, wie muß es uns dann sympathisch berühren, wie er hier die Kunst übt, sich der Ideenwelt eines anderen anzupassen, wie er die schöpferische Gestalt des Oberhauptes der Familie seiner angebeteten Gattin herauswachsen läßt, wie er mit so hingebender Liebe 26 sich dieser Persönlichkeit widmet, daß der Eindruck entsteht, als ob er selbst schon seit Anbeginn ein Zugehöriger zu dessen Familienkreise gewesen sei. Zwei Worte aus dem Buche lassen Sie mich wiedergeben. Das erste ein Spruch des greisen Vaters von Georg Siemens aus seinem Tagebuch von 1876, ein Spruch, der es Helfferich besonders angetan hatte und den er deshalb an der Spitze des Abschnitts „Haus und Familie Siemens" zitiert: „Laß die breitgetretnen Plätze, Steig nach unten, klimm nach oben, Reiche Nibelungenschätze Liegen rings noch ungehoben!" Ist es nicht, als ob der alte Siemens dies vorahnend auch für den Gatten seiner Enkelin, für unsern Helfferich als Motto seines Lebens geschrieben hätte? Und dann einen Satz von Helfferich selbst: „Wahre Größe in schöpferischer Tätigkeit zeigt sich auf allen Gebieten praktischen Wirkens vorzüglich in der Fähigkeit mit anderen, die auch über die Kraft des Gestaltens verfügen, zusammenzuarbeiten, ihnen zum Vorteil des gemeinsamen Werkes in unlösbarer Wechselwirkung zu geben und von ihnen zu empfangen." Wer fühlt da nicht mit Stolz, wie der große Helfferich zugleich sich so einfach und bescheiden geben konnte, wie er von brennendem Ehrgeize, vom Neide auf die Größe anderer so völlig frei war! So sehen wir ihn als Schriftsteller vor uns. Wissenschaftliche Arbeit muß eigentlich, wenn sie Großes und Schöpferisches bringen soll, eine ruhige Feiertagsarbeit sein; fern vom Tagesgetriebe soll der Verfasser in beschaulicher Sammlung von höherer Warte aus die Stellung zu seinem eigenen Werke nehmen können. Hier aber schuf Helfferich seine Werke unter dem Dröhnen und Hämmern der politischen Maschine, an der er 27 selbst als einer der unentbehrlichsten Maschinisten arbeitete, und die Stunden, die er für das Siemensbuch und für die Neuauflage seines Buches über „Geld und Banken" erübrigte, sind mühsam seinem politischen Tageswerke abgerungen worden. Ich sehe ihn noch, wie er im Plenum des Reichstages neben mir auf dem Platze, der nun verwaist ist, am Manuskripte jener Werke arbeitete, während gleichzeitig die wichtigsten politischen Verhandlungen sich abspielten, und er, alle Zeit schlagfertig, trutzig und sprungbereit durch Zwischenrufe den Abwehrkampf gegen die Angriffe der gegnerischen Redner führte. Und doch, welche Abgeklärtheit zeigen die unter solcher Unruhe entstandenen Geisteserzeugnisse, wie stolz hebt sich zum Beispiel der Bau des Siemensschen Lebenswerkes auf dem Boden des ruhelosen Lebens unserer Zeit ab! Eine wahrhaft schöpferische Begabung lag in diesem Theoretiker Helfferich, und ahnend können wir ermessen, welcher Genius der deutschen Wissenschaft er hätte werden können, wenn er sich die wissenschaftliche Betätigung zur alleinigen oder Hauptaufgabe seines Lebens gemacht hätte. Aber das Schicksal und sein eigenes Naturell wollten anders. In dem Ringen beider Naturen Helfferichs gewann die politische Veranlagung die Oberhand, und damit begann die wahre Größe seines Lebens, aber auch die Tragik seines Lebens. Denn die politische Natur unseres Helfferich war zugleich eine ausgeprägte Kampfnatur. Sein Bildnis steht heute hier unter uns und zeigt den Typ für eine solche Kampfnatur: Helfferich war sein eigener Typ! Unter Tausenden mußte er erkannt werden, denn so und nur so mußte der Mann aussehen, der falkenartig mit Blitzesschnelle zupacken konnte, der nie einen Angriff auf sich sitzen ließ, ohne ihn nicht nur zu parieren, sondern mit ungestümem Gegenangriff zu erwidern, der seinen Gegnern keine Ruhe gab, bis sie sich zuletzt doch selbst als überwunden erklären mußten. Es konnte nicht ausbleiben, daß ein solcher Mann auf Millionen 28 eine beispiellose suggestive Anziehungskrast ausübte und daß die von ihm geprägten Parolen zu Glaubenssätzen für eine unzählige Gefolgschaft wurden, daß aber auch andere Millionen ihm Abneigung entgegenbrachten, daß er sich stets in schärfster Kampfesstellung zu seinen persönlichen Gegnern befand, eine Welt von Feinden gegen sich vereinte und das Ziel zahlloser Angriffe und Verleumdungen wurde. Aber unbekümmert um Freund und Feind sehen wir ihn seinen eigenen Weg dahinziehen. Wie ein sprunghafter Wechsel mögen manchemdie einzelnen Stadien seines politischen Aufstiegs erscheinen. In dieser Laufbahn war aber von Anfang an die große Linie. In kurzer Episode durchlief er die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes. Vielleicht hätte man erwarten können, daß diese amtliche Stelle zu seiner dauernden Heimat werden würde. Denn wer ihn so kannte, wie seine nächsten Vertrauten ihn kannten und wie ihn insbesondere ich selbst in unserer jahrelangen so wundervoll befriedigenden Zusammenarbeit kennengelernt habe, der weiß, daß er der geborene Diplomat war, vielleicht noch vielmehr der geborene Diplomat als der geborene Finanzmann und daß es für ihn nichts Lieberes und Erfolgversprechenderes gab, als die Kundgebungen der ausländischen Diplomatie und der ausländischen Presse zu erforschen und zu ergründen und für die deutsche Gegen- einsiellung Form und Inhalt zu finden. Die außerordentliche Anziehungskraft, die Helfferich jederzeit für Angehörige des Auslandes gehabt hat, die sich mit Erkundigungen und Fragen an ihn wandten, und das Verhalten der ausländischen Presse, die nach Erklärungen aus seinem Munde geradezu gehungert hat, beweisen, wie diese seine diplomatische Veranlagung auch dort eingeschätzt wurde. Aber es wäre ein Unglück gewesen, wenn Helfferich in der gewohnheitsmäßigen Laufbahn des Kolonial- oder Auswärtigen Amtes geblieben und damit vielleicht erstarrenden und bureaukratischen Einwirkungen des 2? Behördentums verfallen wäre. Er mag wohl selbst gefühlt haben, daß er besser täte, seine diplomatische Zukunft einer späteren Zeit der größeren Reife vorzubehalten. So fand er den Weg zur Anatolischen Eisenbahn und zur Deutschen Bank, wo er als Pionier des Deutschtums mitten im Zentrum einer großen wirtschaftlichen Ex- pansionsbewegung stand und sich den weiten Blick und den großzügigen Sinn des deutschen Kaufmannes aneignen konnte. Und von nun an sieht auch die Außenwelt klarer, wie sich das große Ziel seines Lebens herausarbeitet, nämlich: die Macht des Vaterlandes zu stärken und vermehren zu helfen, ein Ziel, das dann stets sein Leitstern geblieben ist. Die Zeiten, die er im Diensie der Deutschen Bank bis zum Kriegsbeginn verbrachte, waren für ihn vielleicht noch Wilhelm Meisters Lehrjahre. Die ersten Kampfjahre des politisch gereiften Mannes folgten, als er im Jahre 1915 von Bethmann-Hollweg als Leiter ins Reichsschatzamt berufen wurde, von wo er dann zum Staatssekretär des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers hinüberwechselt. Ich habe ihn in dem zweiten Teile seiner Minisierperiode persönlich als Kollegen im preußischen Staatsministerium kennengelernt, und was wir dort zu meiner Zeit erlebten, wird sich gewiß schon vorher ganz ebenso abgespielt haben, der Jüngste von uns allen, ein Minister von ungewöhnlich jugendlichem Alter und doch ein Meister auf all und jedem Gebiete, schlagfertig und sicher in seinem Urteil, von geradezu beispielloser Arbeitskraft und stets der tonangebende, führende Kopf. Er beherrschte die Kabinette in so hohem Maße, daß man wohl von einer Helfferich-Politik des Reiches in jenen Zeiten reden möchte, und später, als der damaligen Reichspolitik der Erfolg versagt geblieben war, als, wie es im Helfferichschen Buche über den Weltkrieg heißt, wir alle vom Rathause klüger nach Hause gekommen waren, hat man ja auch nicht verfehlt. ZO X Helfferich und ihn allein für die angeblich so falsche Finanz- und Kriegsanleihepolitik und für sein wechselndes Verhalten in der Frage des unbeschränkten U-Bootkrieges, vor dem er eindringlichst gewarnt hatte, den er aber am Schlüsse doch als Stellvertreter des Reichskanzlers mit vertrat, verantwortlich zu machen. Erst Hosianna und dann: Kreuzige, kreuzige ihn! Und doch gab es in Wahrheit keine Helfferich-Politik in diesem Sinne. Denn die letzte Verantwortung und die letzte Entscheidung für die Geschicke Deutschlands trug nicht er, und, so weit er beteiligt war an diesen Entscheidungen, unterlag auch er unüberwindlichen Hemmungen von dritter Seite, über die er sich selbst noch manchmal bis in die letzte Zeit hinein in vertrauter Aussprache mit uns aufs bitterste beklagt hat. Diese Hemmungen, die seine eigene Politik durchkreuzten, sind unmißverständlich in seiner Verteidigungsschrift „Der Weltkrieg" von ihm wiedergegeben; sie lagen vornehmlich in der Abneigung des Parlamentes, die Kriegsfinanzierung durch Anleihen auf dem Wege einer stärkeren Besteuerung zu ergänzen, in der Uneinheitlichkeit der deutschen Gesamtpolitik und der Schwierigkeit des bundesstaatlichen Apparates, der sich damals den Kriegszeiten noch nicht anzupassen gewußt hatte. Von dieser schriftlichen Verteidigung abgesehen, ist mir aber unvergeßlich eine andere Verteidigung, zu der Helfferich aus zufälligem Anlasse im Reichstage Gelegenheit fand und die sein Verhalten in der U-Bootfrage betraf. Es war am 2z. Juni 192z, als er von der Tribüne des Reichstages aus die Ereignisse behandelte, die ihn veranlaßt hatten, in jener Frage äußerlich von einem Saulus zum Paulus zu werden. Bethmann-Hollweg habe ihn unter Berufung auf eine Szene zwischen Bismarck und dem alten Kaiser am Portepee genommen und ihm gesagt: „Sie sind auch nur ein Mensch, Sie stehen jetzt, nachdem sich alle anderen bekehrt haben, allein. Wollen Sie mit Ihrem doch auch nur menschlichen Verstände sagen, daß Sie allein Recht haben? Es geht nicht vor dem 31 Auslande an, daß Helfferich den Degen einsteckt und nach Hause reitet!" Und darauf habe er, Helfferich, sich dann entschlossen, weiter mitzumachen. Helfferich schloß damals, wie einst ein Größerer vor ihm mit den Worten schloß: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, mit dem Satze: „Das habe ich getan, nun werfen Sie Steine auf mich!" Und die Wirkung dieser Rede war eine ungeheure. Der stenographische Bericht verzeichnet stürmischen, anhaltenden Beifall bei den Deutschnationalen, bei der Deutschen Volks- partei und den deutschen Demokraten. Aber auch das Schweigen der andern war eine beredte Sprache; niemand ist damals aus dem Saale gegangen, der nicht gesagt hätte: Hier sprach ein ganzer Mann! Hier sprach ein Mann aus seinem übervollen Herzen! Und wenn uns dieser Mann auch noch so oft schon Packendes und Interessantes genug gesagt haben mag, das Schönste war doch, daß wir ihn heute so in seinem Herzen erkannt haben, als einen echten deutschen Mann, der nichts kennt, als die Heißesie Vaterlandsliebe und die Pflicht dem Staate gegenüber! So kannten wir, seine deutschnationalen Parteifreunde, ihn schon längst, und damit komme ich zur zweiten Periode, den Kampfjahren Helfferichs, die er bei uns verbrachte. Denn er war unser. Auf demselben Parteitage in München, den ich schon einmal erwähnt habe, sprach Helfferich zu uns das Wort: „Ich halte es gegenüber alledem (nämlich gegenüber allen Angriffen und Drohungen) mit Ulrich von Hütten und seinem Bekenntnis: „Die Wahrheit muß Herfür zu gut Dem Vaterland! Das ist mein Mut! Kein ander Ursach ist noch Grund, Drum hab ich aufgetan den Mund!" Das war^s, was ihn zu uns geführt hat und was ihn dann als unsern Führer bei uns so groß hat werden lassen, uns Z2 selbst aker wiederum durch ihn so groß gemacht hat: der mutige Kampf für die Wahrheit. Was auch das Ausland an Lügen über uns zusammenbraute, was es Unerträgliches an Forderungen und Zumutungen offen oder verschleiert gegen uns erhob, was es an raffinierten Plänen gegen uns in Bewegung setzte, was an Gefahren für die deutsche Zukunft daraus sich erhob, durch Helfferichs Mund ward allezeit die Wahrheit kund! Er war der Interpret von allen diesen Geschehnissen für das deutsche Volk, soweit es überhaupt zu hören gewillt war. Er war auch oft der Interpret und Helfer für die deutsche Regierung selbst, obwohl er doch in Opposition ihr gegenüberstand. Was sich im Jnlande an Verschleierung und Vertuschung, an falschen Hoffnungen und Versprechungen breit machte, durch Helfferich ward es rechtzeitig aufgedeckt. Sein persönlicher Kampf, den er gegen einzelne Gegner geführt hat, weil er in ihnen ein Unheil für das deutsche Vaterland erblickte, ist niemals ein Kampf mit vergifteten Waffen gewesen, sondern nur immer ein sachlicher Kampf um die Wahrheit. Andere haben wohl das goldene Kalb der Illusionen aufzurichten versucht, um welches das deutsche Volk tanzen sollte, ohne Rücksicht darauf, ob es dann an der nachfolgenden Enttäuschung zusammenbrach. Helfferich aber schuf das Wahrheitsbild von der deutschen Not, ein kaltes, vielfach grauenhaftes und doch für das Ausland wie für das Inland so bitter nötiges Gemälde. Und aus dem Kampfe um die Wahrheit wurde zugleich der Kampf ums deutsche Recht, von dem Helfferich kein Pünktchen hergab, um deutsche Ehre und um deutsche Freiheit — nicht eine Scheinfreiheit, sondern die wahre deutsche Freiheit. Für uns Deutschnationale waren das die großen Parolen, die wir von diesem unserem Führer als unser Glaubensbekenntnis und unser Feldgeschrei übernahmen. Aber auch die Gegner, mochten sie Helfferich noch so stark befehden, wußten doch, was sie an diesem überragenden Sachkenner besaßen; sie lauschten seinen Worten und beugten 33 sich vor der unerbittlichen Folgerichtigkeit seiner Darlegungen. So war Helfferich, wie sein Name es sagt, ein rechter Helfer, und er hätte ein Retter für das deutsche Volk werden können. Denn nur für dieses sorgte er und niemals für seine eigene Person; für die Armen und Beladenen, für die Notleidenden opferte er Zeit und Kraft und zuletzt noch die Gesundheit, die durch Operationen gefährdet und bis zu seinem Tode noch nicht ganz wiederhergestellt war. So sehr er mit der Partei verankert war, sein Ziel war doch ein höheres, als es durch ein Parteiprogramm hätte ausgefüllt werden können. Als wahrhaft großer Führer stand er letzten Endes über den Parteien und wies ihnen allen den Weg zum gemeinsamen Staatsgedanken über die augenblicklichen Parteigegensätze hinaus. Manches Wort, das er im Reichstag sprach, hat von dieser abgeklärten Einstellung Kunde gegeben, und noch heute wird uns allen das Wort in den Ohren klingen, das er einmal zur Frage der Staatsform, ob Monarchie oder Republik, und über die Einstellung der Deutschnationalen Volkspartei zu dieser Frage gesprochen hat und das damals seiner eigensten Initiative entsprang, das Wort nämlich, daß in dieser Zeit der höchsten Not wir Deutschnationalen das Vaterland verteidigen wollten, so wie es ist. Die Tragik seines Lebens war nicht etwa, daß ihm Gegner entstanden, die ihm hätten gefährlich werden können, sondern daß ihm von dritter Seite Steine auf den Weg geworfen wurden und dieser sein Weg zu einem Kreuzesweg für ihn gemacht worden ist. Die Wahnsinnstaten, an die ich nicht weiter zu erinnern brauche, die sich gegen Persönlichkeiten richteten, die Helfferich in sachlichem Kampfe bekämpft hatte — Taten, die ihm böswillig als intellektuellen Urheber zur Last gelegt wurden, haben auch sein Leben vergiftet und furchtbar schweres Leid über ihn gebracht. Und eine andere Tragik war es, wie ich dies schon oben angedeutet habe, daß ihm durch seinen jetzigen Unglücksfall die Möglichkeit zur Erfüllung und 34 Vollendung seines Werkes genommen worden ist. Gewiß, er schuf Großes auch als Oppositionsführer. Noch nie wohl hat ein Mann der Opposition so viel an Positivem, Neuem und Wertbeständigem zu Gesetzesvorlagen beigetragen, als dies von Helfferich geschehen ist, und seine letzte Großtat, die Arbeit an der Rentenmark, für die er in Zeiten körperlichen Leidens von seinem Tuskulum in Stresa aus das bahnbrechende Projekt herstellte, wird ihm im deutschen Volke unvergessen bleiben. Aber zur Durchführung seiner letzten Ziele konnte er in oppositioneller Stellung außerhalb der Regierung nicht gelangen, und schwer mag er darunter gelitten haben, daßihmso die Möglichkeit zu positivstem Schaffen versagt geblieben ist, nach dem er doch mit allen Fibern seines Herzens drängte. Vielleicht war die Zeit schon nahe, ja, wir Deutschnationalen sind überzeugt, daß sich die Zeit schon bald erfüllet hätte, wo ihm die Möglichkeit, an weithin sichtbarer Regierungssielle sich führend zu betätigeu, erschlossen worden wäre. Das Schicksal hat es anders gewollt. Er hat dem deutschen Volke nicht beweisen dürfen, wie recht er mit seiner Einstellung gehabt hat und wie Großes noch in ihm ruhte; die Feinde jenseits unserer Grenzen können aufatmen, nun sie den besten deutschen Kämpen nicht mehr als Gegner und künftigen Führer Deutschlands vor sich sehen; das uns gewogene Ausland wird aber mit tiefer Trauer feststellen, daß ein gewichtiger Faktor für die Rettung und Erstarkung Deutschlands mit ihm dahingeschwunden ist. Das deutsche Volk jedoch, auch die, die sich nur widerwillig Helfferichs Genius gebeugt haben, hat eine Zukunftshoffnung verloren, wie es schon andere Große, die vor unserem Helfferich dahingegangen sind, nunmehr entbehren muß. Wir Deutschnationalen aber verlieren mehr. Denn er war unser! Nie hat es ein schöneres Freundschaftsverhältnis gegeben, als zwischen diesem Großen und seinen Freunden und Gefährten. 35 Nie aber auch hat einer unter uns geweilt, der mehr als dieser Große von der Notwendigkeit der Autorität innerhalb der Partei überzeugt gewesen wäre, und immer wieder hatHelfferich, so oft es einmal not tat, den Freunden durch sein leuchtendes Vorkild wie durch seine flammenden Worte eingehämmert, daß Zucht und Selbsterziehung das oberste Grundgesetz einer Organisation wie der unserigen sein müßten und daß nur, wer sich selber zur Pflicht erzogen hat, von anderen Gehorsam und Gefolgschaft fordern kann. Die Welt sah nur das politische Werk von unserem Helfferich, wir sahen seine Arbeit und seine Motive, und um dieser Arbeit und dieser Motive willen haben wir ihn geliebt! Wir sahen seine Selbstlosigkeit, seine Treue den Freunden gegenüber, seine hilfreiche Hand, wo immer es galt, die Not zu lindern, seine Hochanständigkeit, die ihn z. B. lieber auf den Hauptteil seiner Pension verzichten ließ, damit nur ja nicht der Verdacht entstehen könnte, als wolle er sich einen unverdienten Groschen vom Staate auszahlen lassen. Um alles dessentwillen haben wir ihn geliebt; noch heute aber an seiner Bahre danken wir vor allem es dem Verstorbenen, daß er uns auch Einblick in sein Familienleben mit seiner überreichen Fülle an edelsten Empfindungen hat nehmen lassen. Wir sahen die treue, jetzt zum zweiten Male durch ein ähnliches Geschick zu schwer geprüfte Gattin auf unseren Tagungen unter uns, wie sie aufging in ihres Gatten Arbeit, wie sie sein Leben in innigster Seelengemeinschaft miterlebte, wie sie ihm helfend zur Seite stand, wie sie sich niemals, auch nicht in Gefahren, von ihm trennen wollte, und wie sie in all den schweren Zeiten, die ihr nicht erspart geblieben sind, tapfer die Sorgen auf sich nahm, die ihren Mann bedrückten. Wir sahen, wie unser Freund Helfferich wieder jung wurde in seinem Söhnchen, das ihm ein gütiger Himmel beschert hatte, und es ging ein Raunen unter uns, daß jeder die Sorgenfalten und Sorgenlinien, die etwa anstrengende Arbeit oder die Folge der Erkrankung auf dem 36 Antlitz unseres Freundes zogen, wegzaubern könnte, sobald er nur die Frage nach Jung-Helfferichs Ergehen an ihn richtete, denn dann leuchteten seine Augen und sein Mund floß über von Erzählungen über die kindlichen Erlebnisse des Kleinen, den er so gern auf seinen Knien schaukelte. Wir ließen uns die Bilder von Frau und Kindern zeigen, die Helfferich stets bei sich trug und die ihn wohl auch in den Tod begleitet haben. Wir sahen so den gütigen, lieben Menschen in ihm, und wir haben ihn deshalb um so mehr geliebt. Und alles dies ist nun dahin! Ich, der ich selbst die innigste Seelengemeinschaft mit ihm gepflogen habe, der alle seine Pläne und Gedankengänge schon in den Uranfängen kannte, der nie ein Geheimnis vor ihm gehabt hat, wie auch von seiner Seite nie ein Geheimnis mir gegenüber existierte, der alle Sorgen, Hoffnungen und Wünsche mit ihm durchsprechen durste, ich habe auf ihn als Träger unserer Zukunft gebaut, und ich weiß nicht, wie jemals die Lücke ausgefüllt werden soll, die uns durch seinen Tod gerissen ist. Und mit mir stehen die Millionen der Parteifreunde nicht bloß in tiefster Trauer, sondern in tiefem Bangen vor diesem Schicksalsschlage, der uns betroffen hat. Aber doch haben wir eins, wovon wir zehren können, wir haben sein Vermächtnis. In den Sielen ist er gestorben; die letzten Wochen und Tage sind ausgefüllt gewesen mit Ausarbeitungen, die die gegenwärtige Schicksalsfrage des deutschen Volkes betreffen, und noch am Tage, als hier sein Tod bekannt wurde, ging uns von Stresa ein Kapitel über die Gefahren zu, die Deutschland durch die von ihm geforderte Regelung bedrohen. Auf dem Wege zu Versammlungen, in denen er seinem bedrängten Herzen Luft machen und die Aufklärung ins deutsche Volk tragen wollte, hat ihn der Tod ereilt. Aber was er uns zu sagen hatte, das lebt in uns fort, und je furchtbarer uns sein Schicksal trifft, um so heiliger und teurer wird uns die Aufgabe, in seinem Geiste weiter zu wirken. Das Unglück hat uns, die wir seine 37 Kampftruppe waren und seine Ideen verfochten, schwer heimgesucht; wir aber rufen: Und im Unglück nun erst recht! Die großen Ziele, die sein Leben ausgefüllt haben, der Kampf für Wahrheit, Ehre, Recht und Freiheit, sie sollen uns auch erfüllen und zu edler Tat begeistern. Dankbarkeit, Treue und Ehrfurcht, so sagten wir in unserem schriftlichen Nachrufe, errichten ihm in unserem Herzen ein Denkmal aere xsrennws. Aber schöner als dieses Denkmal der bloßen Erinnerung würde ihm selbst das Denkmal der Tat erschienen sein. Wenn er heute noch unter uns weilte, so würde er in diesem Augenblick mit seinem Goethe zu uns sagen: „Denn ich bin ein Mensch gewesen, Und das heißt, ein Kämpfer sein!" Darum laßt uns das Gelöbnis sprechen, daß wir alle Kämpfer sein wollen, wie er einer gewesen ist. Und laßt uns dieses Gelöbnis also gleich erfüllen! Denn wir haben keine Zeit mehr zu verlieren! Ich sehe seine treuen Augen aus dem Jenseits auf uns ruhen, und ich höre, wie er hinweisend auf sein eigenes furchtbares Schicksal uns das Mahnwort zuruft: Noch ist der Tag! „Noch ist der Tag, da rühre sich der Mann! Die Nacht tritt ein, da niemand wirken kann!" 38 Telegramm. Doorn, den 27. April 1924. Tief erschüttert durch die Nachricht von dem jähen Ableben Ihres Gatten und seiner Mutter versichern wir Sie unserer wärmsten Teilnahme; auf das Schmerzlichste empfinden wir den unersetzlichen Verlust, den mit Ihnen das deutsche Volk erlitten hat. Vorbildlich stellte der allju früh Heimgegangene sein reiches, umfassendes Wissen, seinen klaren, scharfen Blick und seinen zähen, sieghasten Willen in den Dienst des Vaterlandes, dessen Befreiung von Schuldlüge, Versailler Diktat und unerträglicher Fremdherrschaft, dessen Wiederaufrichtung in nationaler Freiheit und Selbstbestimmung ihm heilige Lebensaufgabe war. Unsere Verehrung und Dankbarkeit für seine bis in den Tod bewährte, opferfreudige Treue ist diesem kerndeutschen Mann für alle Zeit gewiß. Gott stärke Sie in Ihrem herben Schmerze und schütze Sie mit Ihrem Sohne, meinem lieben Patenkinde. Prinz Oskar wird uns bei der Trauerfeier vertreten. Hermine, Wilhelm. Telegramm. O els, den 25. April 1924. Tief bewegt und erschüttert über den unsagbar schweren, für das Vaterland unersetzlichen Verlust, gedenken wir Ihrer mit Versicherung innigster Anteilnahme. Wilhelm, Cecilie. Berlin W 62, den 26. April 1924. Euer Exzellenz, Tieferschüttert von dem furchtbaren Geschick, daß Ihren von mir so hoch verehrten Herrn Gemahl Ihnen und uns allen so unfaßlich plötzlich entrissen hat, bitte ich zum Ausdruck bringen zu dürfen, welch tiefen Anteil ich an Ihrem Schmerz nehme. Gebe Gott Euer Exzellenz Kraft, das Furchtbare zutragen. Gottes Hand ruht schwer auf unserem Vaterlande, daß er ihm in dieser Notzeit seinen besten und treuesten Sohn entriß. 41 Möge es Euer Exzellenz ein kleiner Trost sein, daß das ganze deutsch denkende Volk in tiefer Trauer an der Bahre Ihres Herrn Gemahls steht. Ich persönlich werde seiner stets nur in größter Verehrung und Dankbarkeit gedenken, dankbar auch besonders für die Stunden, die ich in seinem Hause verbringen und zuhörend von ihm lernen durfte. Darf ich Euer Exzellenz auch das von Herzen kommende Beileid meiner Frau aussprechen, die zurzeit in einer Klinik in Halensee nach einer Operation liegt und daher nicht selber schreiben kann. Was sind oder vermögen Worte bei solchem Schmerz; seien Euer Exzellenz nur versichert, daß ich unentwegt Ihrer in treuester Anteilnahme gedenke. Es küßt Ihre Hand Ihr aufrichtig mittrauernder Oskar, Prinz von Preußen. Schloß Baden, den 26. April 1924. Sehr geehrte Frau Staatsminister Helfferich! Mit tiefster Bewegung empfing ich die schmerzliche Bestätigung, daß Ihr hochverehrter Herr Gemahl, Staatsminister Helfferich gemeinsam mit seiner Mutter bei Bellinzona den Tod gefunden hat. Zugleich im Namen der Großherzogin Ihnen und den Ihrigen unsere herzlichste Anteilnahme an diesem namenlos erschütternden Trauerfall auszudrücken, ist mir ein warmes Anliegen. In ernster Kriegszeit die Bekanntschaft des nur allzu früh Heimgegangenen machend, bedauerte ich, daß die veränderten Verhältnisse keine späteren Begegnungen ermöglichten. Aber auch noch in der Stille verfolgte ich mit Bewunderung das mutige selbstlose Wirken des Dahingeschiedenen für unser armes deutsches Vaterland, das ihm zuletzt noch den genialen Plan zur Rettung unserer Währung verdankte. Gott hat ihn nach menschlichem Ermessen vorzeitig uns entrissen. Er lohne ihm alles, was er fürs Vaterland getan, lehre uns, in die unerforschlichen Ratschläge 42 der Vorsehung uns zu schicken und gebe Trost und Kraft den schwergeprüften Hinterbliebenen. Das Andenken des hochverdienten Entschlafenen wird dankbar bewahrt bleiben. Ihr ergebener Großherzog von Baden. Telegramm. Kissingen, den zo. April 1924. Mit inniger Teilnahme traure ich mit Ihnen um den unersetzlichen Verlust. Gott schütze Sie. Großherzog Friedrich August. Heinrichs», den zo. April 1924. Sehr verehrte Exzellenz! Es drängt mich, Ihnen zu sagen, wie tieferschüttert ich über den schweren und unfaßlichen Schicksalsschlag bin, der Sie betroffen hat, und Ihnen zu versichern, daß ich mit wärmster Teilnahme Ihrer gedenke und mit Ihnen fühle. Ich lernte Ihren Herrn Gemahl in den Kriegsjahren auf der Wartburg kennen, und der Heimgegangene Großherzog wie ich auch hatten stets eine aufrichtige Verehrung für ihn, sein klares, zielbewußtes Wollen, sein mannhaftes, tapferes und kluges Auftreten und den rücksichtslosen Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit für das, was er verfocht. Nun hat ein unbegreifliches Geschick seinem an Taten und Erfolgen reichen Leben ein jähes Ziel gesetzt in dem Augenblick, als sein Volk kaum einen so brauchte wie ihn. Die Hoffnung vieler Millionen nationalempfindender Deutscher ist ins Grab gesunken. Wir alle fühlen eine Lücke, die sich nicht schließen wird. Möchte das Gefühl und die Gewißheit, daß der Entschlafene mit seinem überragenden Wissen, Können und Verstand Unvergängliches geleistet hat, daß er durch sein letztes großes Werk die erste feste Stufe zu einem Wiederaufstieg und zu einer Wiedererstattung seines Vaterlandes gelegt hat 43 und daß sein Geist und sein Wille fortleben werden, Ihnen ein Trost sein in Ihrem schweren Schmerz, den mit Ihnen, sehr verehrte Exzellenz, trauernd empfindet Ihre sehr ergebene Feodora, Großherzogin von Sachsen. Telegramm. Karlsruhe, den 2?. April 1924. Tief erschüttert gedenke ich teilnahmsvoll Ihres namenlosen Verlustes. Prinz Max von Baden. Hannover, den 27. April 1924. Hochverehrte, gnädigste Frau! Tief bewegt durch die so unendlich betrübende Nachricht vom plötzlichen Ableben Ihres Herrn Gemahls finde ich kaum Worte, meinem warmen Mitempfinden Ausdruck zu geben. Was der Verewigte dem Vaterlande war, brauche ich hier nicht besonders darzulegen; er kann uns in der gegenwärtigen schweren Zeit durch keinen anderen ersetzt werde». Und was Sie verloren haben, glaube ich ermessen zu können. Mir endlich war der Vorangegangene ein treuer Freund geworden, den ich auf das Schmerzlichste vermissen werde. Gott sei Ihnen Trost und Stütze und gebe Ihnen die Kraft, seinen unerforschlichen Willen ergeben hinzunehmen; Er segne den teuren Entschlafenen, den ich nie vergessen werde, in seinem Frieden! Auch meines lieben Patchens gedenke ich in innigem Mitgefühl, ebenso Ihres Fräulein Schwägerin, der dies gütigst gelegentlich mitzuteilen ich sehr bitte. Ihnen, gnädigste Frau, die Hand küssend, verbleibe ich Euer Exzellenz treu ergebener mit Ihnen trauernder Hindenburg. Kann ich Ihnen in irgendeiner Weise nützlich sein, so bitte ich, ganz über mich zu verfügen. 44 Telegramm. Mergentheim, den 24. April 1924. Sehr verehrte gnädige Frau! Die Nachricht, daß Ihr Herr Gemahl und seine Mutter dem furchtbaren Eisenbahnunglück in der Schweiz zum Opfer gefallen sind, hat mich tief ergriffen. Ich bitte Sie, die Versicherung meines herzlichen Beileids entgegenzunehmen. Möge die allgemeine Teilnahme, die dieser Schicksalsschlag findet, Ihnen einigen Trost in Ihrem Unglück bringen. Ebert, Reichspräsident. Telegramm. Berlin, den 24. April 1924. Tief ergriffen erfahre ich, daß Ihr Herr Gemahl durch das Bahnunglück am Gotthard den Tod gefunden hat. Aufs neue ist Deutschland eines seiner fähigsten Köpfe und bedeutendsten Führer beraubt worden. Während des Weltkrieges hat er seine ungewöhnliche Arbeitskraft, seine überragenden Kenntnisse und Fähigkeiten restlos in den Dienst seines über alles geliebten Vaterlandes gestellt. Die Geschichte, deren Blick nicht durch den Kampf der politischen Tagesmeinung getrübt ist, die vor allem Ziel und Wollen des Schaffens prüft, wird in dem Verblichenen einen Mann sehen, der mit seiner ganzen Persönlichkeit das Glück seines Volkes erstrebte. Mit ihm persönlich verband mich besonders die Liebe und Sorge für das besetzte Rheinland, dessen Söhne wir beide sind. Ich bitte Sie, die Versicherung meiner und der Reichsregierung aufrichtigen Trauer entgegenzunehmen. Reichskanzler Marx. l'eleAramin. Lerlin, äen 25. ^pril 1924. I^a, k'reAv cli aeLOAlisre 1s mie Lviriinosse Lonäo^Iia,n?e per lg, peräita clsl illustre Luv eonsorts pel c^uale avevo serisi cli sirieere ^miLi^ia e cli Araricls ammirÄ^ions. Vosäarj, amdassÄtars ä'ItÄlia. 4? Telegramm. Bremen, den 25. April. Der schreckliche Tod, den Ihr Gatte erlitten hat und der Verlust eines so schöpferischen Geistes für das deutsche Volk bewegen mich tief. Als Leiter der Reichsfinanzen, denen der Verstorbene in schwerer Zeit vorgestanden hat und aus persönlicher aufrichtiger Verehrung des Mannes, der seine ganze große Kraft in den Dienst des Vaterlandes stellte, spreche ich Euer Exzellenz mein herzlichstes Mitempfinden aus. Reichsfinanzminister Luther. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Berlin, den 28. April 1924. Euer Exzellenz! Es ist mir zwingendes Herzensbedürfnis, als früherer Fraktionskollege Ihres Herrn Gemahls, Ihnen zum Ausdruck zu bringen, wie tief mich der grausame Schicksalsschlag, der Sie und das ganze deutsche Volk mit dem Ableben Ihres Gatten betroffen hat, bewegt und erschüttert. Ganz abgesehen von meiner persönlichen großen Verehrung, vermag ich es gerade vom Standpunkt des Reichsressorts, welches ich amtlich zu vertreten habe, ganz besonders klar zu übersehen, welch unersetzlichen Verlust die deutsche Volkswirtschaft mit dem Tode dieses großen deutschen Mannes erlitten hat. Als im vorigen Oktober die Ernährung wegen Fehlens wertbeständiger Zahlungsmittel versagte, war es nur auf der Basis des damals bereits vorliegenden, von Ihrem Herrn Gemahl in der ihm eigenen, präzisen Schärfe ausgearbeiteten, großzügigen Planes einer Währungsstabilisierung möglich, die deutsche Rentenmark so schnell zu schaffen, daß eine völlige Stockung der Ernährungszufuhr, ja sogar eine Ernährungskatastrophe vermieden werden konnte. 46 Es wird die Zeit kommen, in welcher das deutsche Volk in allen seinen Teilen einsieht, was es seinem Helfferich zu danken, was es in ihm verloren hat. Gnädigste Frau, ich weiß, daß menschlicher Trost Ihnen heute wenig sein kann; möge Ihnen jedoch die Tatsache, daß alle Deutschen, die durch den parteipolitischen Kampf noch nicht vollends verwirrt sind, in tiefster Trauer an der Bahre dieses überragenden Mannes stehen, eine stolze und berechtigte Genugtuung sein, die gestärkt und gehoben werden muß durch die trotz Ihres furchtbaren Schmerzes helleuchtende Gewißheit, daß Sie das Leben dieses seltenen Mannes durch weitgehendstes Verständnis und aufopfernde Liebe derart verschönt haben, ihn derart glücklich gemacht haben. Die Kraft, das weitere Leben ohne Ihren Herrn Gemahl tragen zu müssen, wird Ihnen sein Vermächtnis geben, seinen von ihm so innig geliebten kleinen Sohn in seinem Geiste aufzuziehen, so daß er ähnlich wie sein Vater ein Großer seines Volkes werden möge. In tiefster Anteilnahme Ihr ergebenster Graf Kanitz. Telegramm. Berlin, den 2?. April 1924. In Erschütterung über das tragische Geschick, das Ihnen den Gatten, dem Vaterlande den glühenden Patrioten, dem Parlament den allzeit bedeutenden und aufrechten Streiter, der bayerischen Pfalz den begeistert kämpfenden Sohn nahm, bitte ich Euer Exzellenz, meine tiefste Teilnahme versichern zu dürfen. Hamm, Reichswirtschaftsminisier. Telegramm. Berlin, den 2?. April 1924. Herzlichstes Beileid Ihnen und Ihren Angehörigen zum jähen und traurigen Tode Ihres Herrn Gemahls, in dem mit mir als einem Landsmanne, die mit den besetzten Gebieten 47 an Rhein, Saar und Ruhr von ihm so warmherzig verteidigte Pfalz ihren getreuen Sohn und einen bedeutenden Vorkämpfer Deutschlands ehrte. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Höfle. Telegramm. Berlin, den 25. April 1924. Tief erschüttert durch den jähen Tod Ihres hochverehrten Gatten, bitte ich namens meines Ministeriums, an dessen Spitze er in schwerer Zeit gestanden hat, den Ausdruck herzlichster Anteilnahme anzunehmen, der ich mich in aufrichtiger Trauer um den hochverdienten Vorkämpfer deutschen Rechtes und Lebens anschließe. Reichsminister Dr. Jarres. Telegramm. Berlin, den 25. April 1924. Bei dem grausamen Schicksalsschlage, von dem Sie und Ihre Familie betroffen wurden, versichert Sie innigster und aufrichtigster Teilnahme Reichsverkehrsminister Oeser. Telegramm. Berlin, den 24. April 1924. Anläßlich des in so grausamer Weise erfolgten Todes Ihres Herrn Gemahls, des früheren preußischen Staatsministers Helfferich, spreche ich Ihnen zugleich namens des preußischen Staatsministeriums meine warme Teilnahme aus. Braun, Ministerpräsident. Der Bayerische Ministerpräsident. München, den 25. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Ein unendlich tragisches Geschick hat Sie Ihres in voller Schaffenskraft stehenden Herrn Gemahls beraubt. Mit der bayerischen Regierung nehme ich an Ihrem Schmerze herzlichen 48 Anteil und erlaube ich mir, Ihnen, gnädige Frau, das tiefste Beileid zum Ausdruck zu bringen. Der Verlust eines solchen Mannes reißt eine unausfüllbare Lücke, nicht nur für die nächsten Angehörigen, sondern auch für das ganze, von ihm über alles geliebte Vaterland. Möge die Versicherung, daß weiteste Kreise an Ihrer Trauer aufrichtigen Anteil nehmen, Ihnen ein kleiner Trost in Ihrem großen Leide bilden. Mir vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Dr. v. Knilling, Bayerischer Ministerpräsident. Berlin-Wilmersdorf, den 26. April 1924. Hochverehrte Exzellenz! Gegenüber dem Ansturm von Teilnahme, die sich in diesen für Sie so furchtbar schweren Tagen an Sie herandrängt, muß sich der einzelne wohl bescheiden, zu Worte zu kommen. Ich kann mich aber nicht entschließen, ganz zu schweigen und möchte Ihnen nur kurz sagen, wie tief ich erschüttert bin, sowohl wegen des fast zermalmenden Schlages, der Sie betroffen hat, als auch wegen des unersetzlichen Verlustes, den Ihres Gatten Tod für unser armes, so schwer geprüftes Vaterland bedeutet. Ich habe jahrelang das Glück gehabt, mit ihm — ich darf sagen in voller Harmonie — zusammen zu arbeiten und hatte große Hoffnungen auf seinen Eintritt in die leitende Stellung des Reiches gesetzt. Ich habe es aber auch als ein besonderes Glück empfunden, daß ich außerhalb der Amtstätigkeit bis zuletzt mit ihm in Fühlung geblieben bin und mich immer wieder an seinem reichen Geiste und seiner liebenswerten Persönlichkeit erfreuen durfte. Um so mehr verstehe ich aber auch die Größe des Verlustes, der Sie so jäh und unerwartet getroffen hat. Möge Ihr Sohn zu Ihrer Freude heranwachsen als ein würdiger Sproß eines solchen Vaters. Indem ich das Beileid meiner Tochter in das meinige einschließe, bin ich in vorzüglicher Hochachtung Ihr stets ergebener Sydow, Staatsminister. 49 Telegramm. Bückeburg, den 26. April 1924. Tief erschüttert spreche ich Euer Exzellenz mein innigstes Beileid ans zu dem jähen furchtbaren Tode Ihres Gatten. Ihren Schmerz teilen alle Patrioten, welche in dem an Geistes, und Willenskraft wie an Vaterlandsliebe Unerreichbaren den einstigen Erretter des Reiches erblickten. von Breitenbach, Staatsminister. Berlin NW 40, den 26. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Tieferschüttert über den unersetzlichen Verlust, den Euer Exzellenz, Ihre Familie, die Deutschnationale Partei und das Vaterland durch den entsetzlichen Tod Ihres Herrn Gemahls erlitten haben, spreche ich Ihnen und den Ihrigen, auch im Namen meiner Frau innigste Teilnahme aus. Mit Ihnen trauere ich tief um den lieben Kollegen, den weitblickenden Staatsmann, den kampfesfreudigen Streiter für nationale Ehre und Würde, den Mann, auf den wir alle noch so große Hoffnungen für das Vaterland gesetzt hatten. Ratlos und ohne Verständnis steht man bei diesem tragischen Geschick vor den unerforschlichen Wegen der Vorsehung. Der Beste und Tüchtigste wird uns in einer Zeit genommen, die ihn so bitter notwendig brauchte. Als jüngsten Geheimrat im Kolonialamt lernte ich Ihren Herrn Gemahl kennen, von da an habe ich ihn schon hochgeschätzt und war ihm in Freundschaft zugetan. Unsere Arbeit hat uns oft zusammengeführt, während des Krieges waren wir jahrelang Ministerkollegen. Ich kann deshalb wohl aus eigner Kenntnis beurteilen, was wir an ihm verloren haben. Meine Trauer ist tief, ich werde ihn nie vergessen. Aber was ist unsere Trauer gegen das Leid, das Sie, gnädigste Exzellenz, und Ihr Kind betroffen hat. Jedes Menschenwort des Trostes versagt, Gott sei mit Ihnen in ?o Ihrem großen Schmerz. Auch der Familie Ihres Mannes, die Mutter und Bruder verlor, gedenke ich in wärmster Teilnahme. Anerkennung, Verehrung, Liebe folgen dem Heim, gegangenen über das Grab hinaus: möchten sie später dem Sohne die Wege ebnen. In größter Verehrung Euer Exzellenz aufrichtig ergebener von Loebell, Staatsminister. Berlin-Westend, den 2?. April 1924. Sehr verehrte Exzellenz! In diesen Tagen, in denen wir alle unter dem Eindruck der erschütternden Tragik des Unglücks von Bellinzona stehen, werden Ihnen so zahllose Beweise der Teilnahme an Ihrem unersetzlichen Verluste zugehen, daß der einzelne darunter völlig verschwindet. Und doch kann ich es mir nicht versagen, Ihnen auszusprechen, wie sehr der Tod Ihres Herrn Gemahls auch mich berührt — und wie schwer er das Vaterland trifft! Stand ich doch insofern in besonders enger Beziehung zu dem Entschlafenen, als ich sein unmittelbarer Vorgänger in der Leitung des Reichsschatzamtes war und daher, wie kein anderer, zu beurteilen vermag, welche gewaltigen Aufgaben seiner beim Wiedereintritt in den Reichsdienst harrten und was er für uns geleistet hat. Das arme deutsche Volk scheint bestimmt zu sein, den Kelch seines Leidens bis zur Neige zu leeren: das Schicksal rafft — in den Jahren der schlimmsten Not! — einen nach dem anderen der Männer, von denen wir noch Großes zu erwarten berechtigt waren, in der Fülle der Kraft durch einen plötzlichen unvorhergesehenen Tod dahin und läßt uns trauernd und einsam an ihren Gräbern zurück. Wie bitter hart nun erst dieser Todesfall und die jähe Art des Dahinscheidens diejenigen treffen muß, die dem Heimgegangenen die Nächsten und Liebsten in diesem Leben waren, — ich glaube, hochverehrte Exzellenz, es Ihnen nachfühlen zu können und bitte, auch mir Unbekannten die Versicherung meiner überaus herzlichen Anteilnahme an dem Schmerze der Hinterbliebenen gütigst gestatten zu wollen. In größter Verehrung Ihr sehr ergebener Kühn Staatsminister und Staatssekretär des Reichsschatzamtes a. D. Aumühle, Bez. Hamburg, den 25. April 1924. Sehr verehrte, gnädige Frau! Es war mir unmöglich, für den Ausdruck meiner Teilnahme an dem furchtbaren Schicksal Ihres Gatten es bei meinem Telegramm nach Stresa bewenden zu lassen. Ihr Gatte hat mir seit nahezu einem Jahrzehnt in seinem Leben und in seiner Arbeit zunächst als Vorgesetzter, dann als Freund so nahe gestanden, daß es mir ein Bedürfnis ist, Ihnen auch durch diese Zeilen auszusvrechen, wie namenlos ich unter dem Verlust mit Ihnen leide. Sein offner Blick für das Notwendige, seine Bereitwilligkeit, unter Zurückstellung eigener Wünsche und der Ziele seiner Partei, seine reichen Gaben in den Dienst des Allgemeinwohls zu stellen und seine absolute Zuverlässigkeit haben mir in mancher schweren Stunde meiner Amtszeit die Arbeit erleichtert und ihn mir auch über diese Zeit hinaus in aufrichtiger und dankbarer Freundschaft innerlich verbunden. Meine Hoffnung war, ihn nach den Wahlen an verantwortlicher Stelle für das Vaterland wirken zu sehen. Es hat nicht sollen sein! Und wie schwer der furchtbare Verlust, der daraus unserem Lande entstanden ist, von weitesten Kreisen mitempfunden wird, höre ich stündlich aus den Äußerungen aller Schichten der Bevölkerung, mit denen ich in Berührung komme. Um wieviel mehr müssen Sie den Verlust empfinden, die Sie nicht nur Zeuge seiner rastlosen, von reiner Vater- 52 landsliebe erfüllten Arbeit waren, sondern in ihm den besten Gatten und Vater beklagen. Meine Frau und ich haben dank Ihrer Gastfreundschaft einen so tiefen Einblick in Ihr Familienleben tun dürfen, daß wir Sie ganz verstehen und in Würdigung Ihres großen Schmerzes davon absehen, Ihnen Worte des Trostes zu sagen, wo es keinen anderen Trost gibt als den, daß die Vorsehung alles zum Besten bestimmt. Die Dankbarkeit und Freundschaft werde ich dem Verstorbenen über das Grab hinaus unverbrüchlich bewahren und als sichtbares Zeichen dieses Versprechens bitten meine Frau und ich, die Freundschaft auf Sie und Ihre Kinder übertragen zu dürfen und über uns zu bestimmen, wo immer Sie glauben, daß wir Ihnen irgendwie behilflich sein können. Ihr in aufrichtiger Verehrung ergebener Cuno. Berlin W 9, den 27. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Die Nachricht von dem furchtbaren Tode Ihres Herrn Gemahls hatte mich so erschüttert, daß ich bisher nicht imstande war, Ihnen zu schreiben. Worte sind so entsetzlich schwach in solchen Augenblicken. Erst die heutige erhebende Trauerfeierlichkeit hat die innere Beklemmung so weit gelöst, daß ich es versuchen darf, auch meinerseits Ihnen meine und meiner Frau innigste Teilnahme zum Ausdruck zu bringen, und Ihnen zu sagen, wie sehr wir Ihren unersetzlichen Verlust mitempfinden. Ich habe, wenn auch nur kurze Zeit, in so enger Arbeitsgemeinschaft mit dem Entschlafenen gestanden wie vielleicht wenige. Als Ihr Herr Gemahl als Vizekanzler seinen Abschied nahm, wurde ihm die Vorbereitung des Friedensvertrages übertragen, wie man ihn sich bei uns in der Erwartung eines, wenn nicht siegreichen, so doch nicht unglücklichen Ausganges des Krieges dachte. Ihr Herr Gemahl suchte damals aus den Beamten des Reichsamtes des Innern mich zu seiner Unterstützung 53 aus. Das Verhältnis war somit nicht ein rein dienstliches, sondern trug den Stempel freiwilliger Mitarbeit. Dadurch, sowie infolge der sich schnell verdüsternden Situation hatte ich die Ehre, Ihrem Herrn Gemahl in engster Zusammenarbeit nahe zu treten. Diese Zeit wird immer unauslöschlich in meiner Erinnerung bleiben. Ich habe Gelegenheit gehabt, seine überlegene geistige Potenz in nächstem Umgange kennen zu lernen und zu bewundern. Tiefer aber noch war der Eindruck seiner ehrlichen, bei aller Überlegenheit schlichten und bescheidenen Persönlichkeit, die andere immer anhörte und gelten ließ. Ich werde dem Entschlafenen ein dankbares und treues Andenken bewahren. In aufrichtigstem Schmerze und Mitgefühl bin ich, gnädige Frau, Ihr ergebener H. F. Albert, Reichsminister a. D. Berlin, den 25. April 1924. Verehrte gnädige Frau! Ganz erschüttert von dem grausigen Unglück und kaum eines anderen Gedankens fähig als des furchtbaren Verlustes, der Sie und unser armes Vaterland getroffen, dem in beängstigender Folge die wenigen überragenden Männer, die es besitzt, geraubt worden, sende ich Ihnen den Ausdruck der tiefsten Anteilnahme an Ihrem wahrhaft tragischen Geschick, das Ihnen zum zweiten Male ein neu aufgebautes Leben zerbricht. Ein blindwütender Zufall, dem weder mit Glauben noch mit Verstand und Nachgrübeln eintröstendes oder versöhnendes Moment zu entnehmen ist und der nur menschlich, vaterländisch, politisch eine Lücke reißt, die nie ausgefüllt werden kann. Die ein inhalb Jahre, die ich n nächster Mitarbeit mit Ihrem teuren Gatten verlebt, die unerschöpfliche, quellende Geisteskraft, die jede mit ihm verlebte Stunde bedeutend und wertvoll machte — wie deutlich stehen sie vor meiner Seele — das treuste An- 54 denken werde ich diesem ganz ungewöhnlichen Manne, diesem leidenschaftlichen Patrioten bewahren. Auch Ihrer Frau Mutter gedenke ich in tiefstem Mitgefühl. Möge Gott Ihnen Kraft geben, sich Ihren Kindern, den zweimal verwaisten und Ihrem Söhnchen zu erhalten. In tiefem Schmerze und Mitempfinden Ihr ganz ergebener Lewald, Staatssekretär a. D. Lüneburg, den 2. Mai 1924. Sehr geehrte gnädigste Exzellenz! Worte kann ich nicht finden, die der Tiefe des Schmerzes Ausdruck geben könnten, den ich mit Ihnen, verehrte Exzellenz, über den jähen Verlust Ihres Mannes empfinde. Was er für das deutsche Volk, für unsere Partei gewesen, geht durch aller Mund, es drängt mich aber, mit einigen Worten zu sagen, welch schmerzlichen Verlust ich auch persönlich im Innern empfinde. Der Verstorbene war mir durch sein umfassendes Wissen, durch seine tiefgründige Sachkenntnis, durch seinen unermüdlichen Fleiß, durch sein tiefes Verantwortungsbewußtsein und nicht zuletzt durch seine glühende Vaterlandsliebe ein leuchtendes Vorbild. Bei unserm Zusammenarbeiten im Staatsministerium und später in der Partei habe ich mich immer hingezogen gefühlt zu diesem großen Genius und sein stets gleichbleibendes freundliches Wesen habe ich immer dankbar empfunden. Ich werde ihm die Treue bewahren im Herzen! Gottes Hand hat sich schwer auf Sie, gnädigste Exzellenz, gelegt, aber der Gedanke an Ihren Sohn und die hohe Aufgabe, ihn im Geiste des Entschlafenen zu erziehen, möge Ihnen Kraft geben. Euer Exzellenz aufrichtig ergebener Heinrichs, Kgl. Unterstaatssekretär a. D. ?? Telegramm. Berlin, den 24. April 1924. Unter dem furchtbaren Eindruck von dem Hinscheiden unseres unersetzlichen Freundes, Führers und Vorkämpfers der Zukunft, Hoffnung unseres Vaterlandes, das seiner Besten und Größten einen in ihm verliert, gedenken wir in mitfühlendem Schmerze Ihres unendliches Leides. Gott schütze Sie und Ihre Kinder. Möge Helfferichs Sohn einst im Geiste seines unvergeßlichen Vaters wirken und die Früchte der Lebensarbeit des Ihnen und uns zu ftüh Entrissenen reifen sehen. Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei Hergt, Staatsminister. Berlin, den 2?. April 1924. Tief erschüttert und fassungslos stehen wir Deutsch- nationalen dem grauenvollen und rätselhaften Schicksal gegenüber, das unsern Besten, unseren Freund Helfferich plötzlich aus unserer Mitte riß. Er wird uns genommen in einem Augenblick, in dem wir hoffen durften, daß ihm nunmehr endlich die Möglichkeit gegeben werden würde, sein überragendes Können, seinen unermüdlichen Fleiß, seine heiße, hingebende Liebe zu seinem Volk und Vaterland an leitender Stelle für dieses Volk einzusetzen. Nicht nur wir Deutschnationalen verlieren Helfferich, nein, dieser Verlust trifft unser ganzes Volk. Auf ihn sahen die Mühseligen und Beladenen, die gebeugt und zerbrochen durch die Jahre der Prüfungen und Qualen, wie sie noch keinem Volke auferlegt waren, ihre Hoffnungen an ihm immer wieder aufrichteten. Auf ihn sahen auch seine politischen Gegner, die zwar den unerschrockenen, schneidigen Kämpen fürchteten und vielleicht zuweilen haßten wie kaum einen anderen, in schicksalvollen Stunden aber doch immer wieder seinem überlegenen Können und seinem genialen Gestalten sich beugten und seinen Rat nicht entbehren konnten. 56 Auf ihn aber sah schließlich auch die außerdeutsche Welt, wenn sie in Deutschland nach Männern suchte, die den Mut und die Fähigkeit besaßen, das Schicksal unseres Volkes durch eigene Kraft wieder aus der Tiefe zur Höhe zu führen. Ich schweige in dieser Stunde von dem, was wir an Helfferich verloren haben, die gemeinsames Wollen und gemeinsames Kämpfen ihm auch menschlich näher brachten. Wir durften erfahren, daß Helfferich nicht nur der rücksichtslose, zielsichere Kämpfer war, sondern auch ein Mensch mit weichem, hingebenden Herzen, der Freundschaft gab und deshalb Freunde fand. Ich schweige von allen Gefühlen tieferschütterter Mittrauer, die uns im Gedanken an die ferne Gattin erfüllen, der ein jähes Schicksal zum zweiten Male den Lebensgefährten von der Seite riß, dem sie wie kaum je eine Frau Mitarbeiterin bei allen seinen Werken war. Machtlos und heute noch ratlos beugen wir uns vor dem furchtbaren Schicksal. Helfferichs Tod reißt eine Lücke in unseren Reihen, die keiner von uns zu schließen vermag. Der Mann ging von uns, sein Werk aber soll in uns und mit uns weiter leben. Dankbarkeit, Treue, und Ehrfurcht errichten ihm in unsern Herzen ein Denkmal: aere perenniug. Sein Leben und Wirken galt seinem Volke und Vaterlande. Wir ehren sein Andenken, indem wir weiter kämpfen auf den Bahnen, die er uns wies. Der politische Beauftragte der Deutschnationalen Volkspartei von Lindeiner-Wildau. Telegramm. Frankfurt a. M., den 25. April 1924. An dem erschütternden Tode Ihres Herrn Gemahls nimmt die Deutschnationale Partei, Frankfurt a. M., be, sonderen Anteil. Die für ihn angesetzte Versammlung, von 57 Tausenden besucht, wurde zu einer Gedenkfeier, die überwältigende Liebe und Verehrung bewies. Heldmanv, Senatsprästdent. Charlottenburg, den 29. April 1924. Liebe, liebe Exzellenz! Eigentlich habe ich kein Recht, Sie so anzureden, aber ich weiß, daß Sie es mir glauben, wenn ich Ihnen sage, daß das unbegreifliche Geschehen von Bellinzona mich nicht nur als Deutsche, die den überragenden Führer, den Retter des Vaterlandes mit so vielen verlor, sondern auch als Einzelwesen, das Ihrem Gatten so von Herzen dankbar war, unsagbar erschüttert hat. Mitten in der Wahlreise erfuhr ich das Unfaßbare, und seitdem denke ich so viel in wachen Stunden der Nacht Ihrer und des Heimgegangenen. Er hat den Tod überwunden wie Jmmelmann und Bölcke und all die tapferen Kämpfer der Luft. Und er war der Tapfersten einer! Was soll aus uns, was aus Deutschland werden, ohne diesen Führer? Mir graut vor dem Reichstag. Zu Ihnen kann niemand das rechte Trostwort sagen. Ihr Leid ist zu groß für Menschenwort. Und von Gott dem Herren, kann man bei diesem Geschehen nur das Bibelwort tastend gebrauchen: Gott will im Dunkeln wohnen. Wenn Sie die Ergriffenheit und Trauer der Heimarbeiterinnen in unserer Hauptvorstandssitzung erlebt hätten, so wüßten Sie, daß alle ehrlichen Deutschen ihn verloren haben und mit Ihnen trauern. Gott sei mit Ihnen und Ihren Kindern! Mit seinem Bub, auf den er so stolz war und der mit dem Vater auch die liebende Großmutter verlor! Es gedenkt Ihrer in treuer Fürbitte Ihre traurige Margarete Behm. ?8 Berlin, den 26. April 1924. Sehr verehrte gnädige Frau! Zu dem Heimgange Ihres Herrn Gemahls spreche ich Ihnen zugleich im Namen des Reichslandbundes unsere aufrichtige Anteilnahme aus. Sein Hinscheiden bedeutet für unser Vaterland einen unersetzlichen Verlust. Die Hoffnungen, welche die Vaterlandsfreunde auf ihn gesetzt hatten, sind vernichtet. Er war aber auch ein wahrer Freund der deutschen Landwirtschaft, deren Interessen er stets auf das wärmste vertreten hat. Wir beklagen tief den Verlust dieses verehrten, trefflichen, unerschrockenen Mannes und Kämpfers, den gemeinsame Arbeit und Freundschaft mit unserem vor kurzem Heimgegangenen großen Führer Dr. Rösicke verbanden. Sein Andenken wird von uns über das Grab hinaus in hohen Ehren gehalten werden. Möge die warme Anteilnahme, die dieser Schicksalsschlag im ganzen deutschen Vaterlande findet, Ihnen in Ihrem schweren Unglück zum Trost gereichen! Mit der Versicherung meiner und des Reichslandbundes tiefer Trauer verbleibe ich, verehrte gnädige Frau, Ihr sehr ergebener Graf Kalkreuth. Telegramm. Berlin, den 26. April 1924. Fassungslos über das namenlose Eisenbahnunglück, das Ihnen Ihren Herrn Gemahl und unserer Partei den besten und fähigsten Führer entrissen hat, stehen wir tief erschüttert in der schwersten Stunde Deutschlands im Geiste an der Bahre des Heimgegangenen. Wir bitten Sie, unsere herzlichste Anteilnahme und unser tiefstes Beileid entgegenzunehmen. Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Deutschnationaler Arbeiterbund, Wischnövski. 59 Goldebee, den 27. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Die erschütternde Nachricht von dem grausamen Schicksal, das Ihren, von mir wie von allen aufrichtigen Deutschen hochverehrten Herrn Gemahl so plötzlich und unter so tragischen Umständen ereilt hat, ist auch mir schmerzlich nahe gegangen. Habe ich doch jahrelang als Fraktionskollege mit meinen bescheidenen Kräften an seinem von tiefer Vaterlandsliebe getragenen Wirken teilnehmen und seine unübertreffliche schöpferische Arbeitskrast bewundern dürfen; und auch als sich unsere Wege parteipolitisch getrennt haben, hat sich dadurch in meiner Verehrung des überragenden Staatsmannes und des unerschrockenen politischen Kämpfers nichts geändert. Mit vertrauensvoller Genugtuung erfüllte mich noch gerade in diesen Tagen die zielsichere Kritik, die er unmittelbar vor seinem Heimgange an dem schmachvollen Sachverständigenabkommen so rückhaltlos geübt hat und die wie ein wegweisendes Vermächtnis warnend hinüberklingen muß in die nächsten politischen Kämpfe, zu deren Führer er berufen schien. Voll aufrichtigster Teilnahme stehen ich und meine engeren politischen Freunde der Trauer gegenüber, die Sie, hochverehrte Exzellenz und Ihre Kinder erfüllt. Möge die Vorsehung an dem Sohne zu Ihrem Trost und Stolz erfüllen, was dem so früh Heimgerufenen zu vollenden nicht beschieden war. Mit dem Ausdruck größter Verehrung verbleibe ich Euer Exzellenz gehorsam ergebener ^ ^ Graefe-Goldebee. Nationalliberale Vereinigung ^ 24. April 1924. Hochverehrte Exzellenz! Tief erschüttert von der furchtbaren Nachricht, daß Seine Exzellenz Ihr Gemahl tödlich verunglückt ist, darf ich bitten, Ihnen mein und meiner Partei tief empfundenes Beileid auszusprechen. Ich kann es nicht fassen, daß Exzellenz Helfferich 60 nicht mehr unter den Lebenden weilen soll. Das Vaterland wird den Verlust dieses großen Sohnes nur auf das Schwerste überstehen können. Die unermüdliche Arbeitskraft in allen vaterländischen Fragen, das heiße Kämpfen zu jeder Stunde, bei jeder Gelegenheit, für alle nationalen Ziele wird den Namen von Exzellenz Helfferich niemals verklingen lassen. Möge sein großer deutscher Geist in diesen schweren Zeiten mit uns sein. Ich habe in Krieg und Frieden viel und oft die Ehre gehabt, mit seiner Exzellenz dienstlich und außerdienstlich zu tun zu haben und kann daher doppelt den unersetzlichen Verlust, den Sie, gnädige Frau, und den wir alle mit seinem Heimgang erlitten haben, beurteilen. Möge Gott Ihnen in Ihrem Schmerze beistehen. Mit nochmaligem Ausdruck unseres tiefen Mitfühlens und aufrichtigster Trauer habe ich die Ehre zu sein, hochverehrte Exzellenz, Ihr sehr ergebener Freiherr von Lersner. Telegramm. Berlin, den 25. April 1924. Das furchtbare Schicksal Ihres Gatten erfüllt uns mit innigster Teilnahme. Wir sagen Ihnen unser herzlichstes Beileid. Vorstand der Deutsch-Demokratischen Partei Erich Koch. Wiesbaden, den 4. Mai 1924. Sehr verehrte Exzellenz! Heute, wo hier noch einmal alles sich vereint, um den Namen Helfferich sich vereint, um für unsere deutschnationale Sache zu kämpfen, bitte ich endlich darum, Ihnen sagen zu dürfen, wie unendlich schwer uns alle hier dieser unerfaßliche Schicksalsschlag getroffen hat. Wären nicht allzuviel Kräfte 61 uns hier durch die Ausweisung entrissen, so hätte ich versucht, selbst nach Mannheim zu kommen, um im Namen unseres Arbeitsbezirkes ein Zeichen unseres Dankes und unserer Trauer niederzulegen. Unsere Gedanken haben Sie begleitet, verehrte Exzellenz, von dem Augenblick, wo die erste halbzweifelnde Trauerkunde hier eintraf, durch alle die schweren Stunden hindurch, die nun hinter Ihnen liegen, voll tiefster Teilnahme und herzlichstem Mitgefühl. Ganz besonders ich, der ich ja wußte, welche Opfer das Leben schon von Ihnen forderte und in welch großem Glück Sie lebten, kann nicht mit Worten sagen, wie erschütternd diese Nachricht war. Es war ergreifend, wie in allen den Versammlungen der letzten Tage, in denen ich suchte ein Bild zu geben, nicht nur von dem Politiker, sondern auch von dem Menschen Helfferich, alle Gegensätze schwanden und alle sich erschüttert fühlten von diesem unbegreiflichen Schicksal. Mußte unser armes Volk auch diesen Mann noch verlieren, ihn, von dem gerade wir im Westen immer wußten, daß er einer der unseren war, daß er innerhalb der Partei immer der sein würde, dem wir unser Schicksal mit voller Ruhe anvertrauen könnten? Tausende und Tausende haben so gefragt hier in diesen Tagen und in ihrer aller Namen darf ich versprechen, daß wir suchen werden unseren Dank für und unsere Trauer um den so jäh genommenen Führer zu beweisen durch Einsatz aller unserer Kräfte. Sie waren, hochverehrte Exzellenz, so eng mit seiner Arbeit und seinem Wollen verbunden, daß es Ihnen vielleicht doch ein wehmütiger Trost ist, zu wissen, wie sein Geist und seine Vaterlandsliebe auch hier, trotz aller Absperrungen und Verhinderung persönlicher Berührung unvergänglich gewirkt haben. Möchten Sie die Kraft finden, durch all das Schwere hindurch zu gehen! In aufrichtiger Verehrung bin ich stets Ihr ergebenster L. Fresenius. 62 Aachen, den 25. April 1924. Sehr geehrte gnädige Frau! Angesichts des furchtbaren Schicksalschlages, der Sie, gnädige Frau, Ihr Kind und die Ihrigen durch den jähen Verlust Ihres hochgeschätzten Gatten betroffen hat, gestatten Sie mir, den seit dem Abgang von der gemeinsamen Schule landsmännische und freundschaftliche Beziehungen durch Jahre hindurch mit ihm verbunden hatten, Ihnen zugleich im Namen meiner ihm als pfälzische Nachbarin ebenfalls nahegestandenen Frau unser tief empfundenes Beileid aussprechen zu dürfen. Ich schweige von der Trauer, die in Ihre Familie getragen worden ist. Gott stärke Sie, sie zu ertragen. Aber für uns Leute im besetzten Gebiet war Ihr Gatte, ich möchte fast sagen, die Stütze, mit deren Hilfe wir aus den unerträglichen Zuständen herauszukommen hoffen konnten. Es gibt kaum einen Menschen seines Schlages und Geistes heute in Deutschland, der ihn, was unermüdliche Arbeitskraft, umfassendes Fachwissen und selbstlose Hingabe an vaterländische Aufgaben anbelangt, ersetzen könnte. Durch seinen Heimgang ist das deutsche Volk und insbesondere dessen linksrheinischer Bestandteil in gleichem Maße geschlagen als seine engere Familie. Möge Ihnen, gnädige Frau, die allgemeine Anteilnahme und die allgemeine Anerkennung der großen Verdienste Ihres Gatten ein, wenn auch in Ihrem Sinne nur schwacher Trost sein für den unersetzlichen Verlust, der Sie betroffen hat. Genehmigen Sie, gnädige Frau, den Ausdruck vorzüglichster Hochachtung, mit der ich die Ehre habe zu sein Ihr sehr ergebener Kranzbühler, Konteradmiral. Nationalverband Deutscher Offiziere, Hauptvorstand. Berlin, den 24. April 1924. Hochzuverehrende gnädige Frau! Euer Exzellenz wollen zu dem überaus schmerzlichen Verlust, der Sie, gnädigste Frau, und Ihre Kinder durch den 6z plötzlichen und unerwarteten Heimgang Ihres auch von uns hochverehrten Herrn Gemahls betroffen hat, die allerwärmste Anteilnahme des Nationalverbandes deutscher Offiziere entgegennehmen. Tief erschüttert stehen wir an der Bahre dieses vortrefflichen Mannes, dieses treuen Mitkämpfers für die Wiedererringung deutscher Freiheit und Größe. Mit dem Entschlafenen ist dem gesamten Deutschen Volke ein Mann von seltener politischer Bedeutung, von vorbildlicher Arbeitskraft und von ganz besonderer Willensstärke im Kampf um die Gesundung und Wiedererhebung Deutschlands entrissen worden. Sein Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust und reißt eine Lücke in den deutschen Volkskörper, die kaum zu schließen sein wird. Die hohen Verdienste Ihres Heimgegangenen Herrn Gemahls für das deutsche Vaterland in Friedens- und in Kriegsjahren und insbesondere auch in der Nachkriegszeit werden auch in unsern Kreisen unvergessen bleiben. Euer Exzellenz wollen sich versichert halten, daß die im Nationalverband Deutscher Offiziere vereinigten Kameraden, Seiner Exzellenz dem königlich preußischen Staatsminisier Helfferich einunauslöschlich ehrendes Andenken bewahren werden. Mit der Versicherung ritterlicher Verehrung drückt Ihnen, gnädigste Exzellenz, in mitfühlender Teilnahme ehrerbietigst die Hand, Euer Exzellenz sehr ergebenster Nationalverband Deutscher Offiziere von Schröder. Berlin W i?, den 2?. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Tieferschüttert und in wärmster Anteilnahme gedenke ich Euer Exzellenz in Ihrem großen, unsäglichen Schmerz. Ein treues, verehrungsvolles Andenken bewahre ich dem so jäh und unter so furchtbaren Umständen dahingerafften vortrefflichen Mann und unersetzlichen Führer in unserer deutschen Sache. 64 Eine wehmutsvolle Erinnerung ist es, wenn ich daran denke, wie an einem Abend bei Freiherrn von Stein der Verstorbene Sie als seine unermüdliche, tapfere Mitarbeiterin pries. In herzlichem Beileid Euer Exzellenz teilnahmsvoll ergebener Scheuch, Generalleutnant und Kriegsminister a. D. Berlin W i?, den 26. April 1924. Hochzuverehrende gnädige Frau! Euerer Exzellenz fühle ich das tiefe Bedürfnis, aus aufrichtigem Herzen meine innige Teilnahme auszudrücken an dem unersetzlichen Verlust, der Sie und Ihren Sohn durch den schwer zu ergründenden Ratschluß Gottes betroffen hat. So ganz kann ich ermessen, was Ihnen durch die Wegnahme des neben seiner unerreichten Größe so grundgütigen Gatten genommen ist. Gott gebe Ihnen Kraft und Mut, das zu überwinden. Es ist ein schlechter Trost, wenn man dabei versichern kann, daß das deutsche Volk bis weit in die Reihen seiner politischen Feinde mit Ihnen, verehrte Exzellenz, trauert. Die geniale Größe Ihres Mannes machte ihn gerade in der jetzigen Zeit zur Hoffnung des Vaterlandes, und entsetzt stehen wir vor der Lücke, die in unsere Hoffnungen gerissen. Es bleibt uns nur die feste Entschlossenheit, zu versuchen wenigstens die Bahnen zu verfolgen, die sein Geist uns mutvoll gewiesen hat. Er starb im Kampf um die Errettung seines von ihm schwärmerisch geliebten Vaterlandes. Der Name Helfferich ist wohl nicht nur für uns, die wir uns seine Freunde nennen durften, sondern für jeden wahren Deutschen unvergeßlich und unvergänglich. In teilnahmsvoller Verehrung Euer Exzellenz sehr ergebener Freiherr von Watter, Königl. Württ. Generalleutnant a. D. 6? Berlin NW40, den 24. April 1924. Euer Exzellenz! Das furchtbare Unglück drängt mich, Ihnen, hochverehrte gnädige Frau, zum Ausdruck zu bringen, wie tief und schmerzlich mich der Tod meines lieben Jugendfreundes ergreift und wie warm und aufrichtig der Anteil ist, den ich an Ihrer Trauer nehme. Ich kann es noch gar nicht fassen, daß der hochbegabte, geistvolle und liebenswürdige Mann nicht mehr unter uns weilt, dessen Lebenswerk ich in treuer freundschaftlicher Anhänglichkeit seit mehr als zo Jahren beobachten, dessen glänzenden Aufstieg ich in aufrichtiger, neidloser Verehrung bewundern durfte. Unser deutsches Vaterland, dem von Jugend auf seine leidenschaftliche, uneigennützige Liebe galt, in dessen Dienst er von je und je seine ungewöhnliche Begabung, seine reiche Sachkenntnis und seine volle Schaffenskraft gestellt hat, hat einen seiner besten und Hervorragendsien Männer verloren. Ich verbleibe in aufrichtigster Verehrung Ihr ganz ergebenster Dr. Hermann Geib, Staatssekretär des Reichsarbeitsministeriums. Berlin, den 4. Mai 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Eineinhalb Jahre habe ich im Reichsamt des Innern unter Ihrem Gemahl in seiner nächsten Umgebung in schwerster Kriegszeit arbeiten und lernen dürfen. Das meiste freilich ließ sich nicht erlernen, denn er war einer unserer Großen. Was mir Ihr Unglück aber zu eigenstem und tiefstem Erlebnis macht, das ist die Klarheit und Reinheit seines Wollens, seine Uvantastbarkeit, sein Abscheu vor allem Schmutz und seine hohe Begeisterung für alles, was uns wieder groß machen kann. Sein Bild, das er mir mit seiner Unterschrift am 14. November 1917 schenkte, steht vor mir. In meinem 66 Herzen aber ruht und wirkt das Bild des Kämpfers und Mannes, das ich versuchen will, auch meinen Kindern zu übermitteln. Helfen kann ich Ihnen nicht. Ich kann nur mittrauern und geloben, seine Erbschaft dem Volke erhalten zu helfen. In dieser Hoffnung bin ich, gnädigste Frau, Ihr herzlich ergebener M. Freiherr v. Braun, Regierungspräsident z. D. Königliche Friedrich-Wilhelm-Universität. Berlin C2, den 26. April 1924. Euerer Exzellenz spreche ich, tief erschüttert durch das grausame Schicksal, das nicht nur Sie persönlich, sondern unser ganzes Vaterland so schwer betroffen hat, das ernste Beileid der Friedrich-Wilhelm- Universität aus, der Karl Helfferich durch nahezu ein Dezennium in jugendlicher Kraft als Lehrer angehört hat. Es war dem Verewigten immer beschieden, im Kampf zu stehen. Auch als er sich hier habilitierte, entbrannte um ihn ein Kampf der Meinungen; aber schon damals hat Gustav Schmoller es mit Nachdruck ausgesprochen, daß es sich um ein ganz großes, verheißungsvolles Talent handle, dem er Zukunft mit Sicherheit prophezeite. Ihr Herr Gemahl ist der reinen Wissenschaft sehr schnell durch die gewaltigen Anforderungen der Politik und des Wirtschaftslebens entzogen worden, denen er seine außerordentliche Kraft nicht versagen durfte. Aber wer sein mächtig aufsteigendes Leben mit unbefangenem Blick verfolgt hat, dem ist es nicht verborgen geblieben, daß in seiner Seele, wie die heiße Liebe zum Vaterlande, auch die reinigende Flamme der Wissenschaft weiter brannte, die ihm die sittliche Kraft gab, überall, unbeirrt durch den Zwist der Parteien und den Kampf der Interessen hindurch, mit reinem Willen der Sache und der Wahrheit zu dienen. 67 Ein unbegreifliches Schicksal hat unserem armen Volke diesen Mann in einer Stunde entrissen, da nach menschlicher Voraussicht es ihm beschicken gewesen wäre, Erkenntnisse und Anschauungen in Taten umzusetzen, die der ganzen deutschen Zukunft zugute kommen sollten. In der deutschen Geschichte wird sein Name fortleben, und auch die Friedrich-Wilhelm- Universität, der seit ihrem Beginn so viele Namen des besten vaterländischen Klanges angehört haben, wird stolz darauf sein, daß Helfferich ihr einst angehört hat. Ich bin Euer Exzellenz in lebendigem Mitgefühl ganz ergebener Gustav Roethe, Rektor der Universität. Verein der Freunde der Preußischen Staatsbibliothek. Berlin NW.7, den 29.April 1924. Sehr geehrte Exzellenz! Im eigenen Namen sowie im Namen des Vereins der Freunde der Preußischen Staatsbibliothek möchte ich Ihnen die innigste Teilnahme an Ihrem so schweren und schrecklichen Verluste aussprechen. Wir betrauern in dem so jäh dahingerissenen, ausgezeichneten Mann einen Anhänger unserer Bestrebungen, der seit Begründung des Vereins demselben angehört hat und waren stolz auf seine Mitgliedschaft. Mit bester Empfehlung Ihr sehr ergebener Prof. Dr. L. Darmsiädter, Vorsitzender. Kungl. Vetenskapsakademien. Stockholm, den 12. Mai 1924. Gnädige Frau! Die Königl. Schwedische Akademie der Wissenschaften, welche mit tiefgefühltem Schmerze die traurige Nachricht von dem jähen Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls entgegen- 68 genommen und den Verlust ihres berühmten und hochgeschätzten Mitgliedes bitter empfunden hat, erlaubt sich hierdurch, Ihnen, gnädige Frau, ihre aufrichtigste Teilnahme zu bezeugen. Im Auftrage der Königl. Akademie H. G. Söderbaum, Ständiger Sekretär. Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin, den 28. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Euer Exzellenz bitte ich den Ausdruck des tiefsten Beileides der Deutschen Kolonialgesellschaft entgegennehmen zu wollen zu dem unersetzlichen Verluste, der in so grausamer Weise unser unglückliches Vaterland, vor allem aber Sie selbst, getroffen hat. Tausende Kolonialdeutscher haben zu Ihrem Gatten aufgesehen als zu dem Manne, der unser Vaterland wiederaufrichten und auch ihnen die Erfüllung ihrer sehnlichsten Hofstmng bringen sollte. Mitten in der Gedenkfeier zum 24. April 1884, an dem zum ersten Male die deutsche Flagge in Südafrika gehißt worden war, traf uns wie ein Blitzschlag die Nachricht von dem Tode Ihres Gatten. Was ich selbst an Ihrem Gatten, mit dem ich jahrelang in treuer Freundschaft gearbeitet und gekämpst habe, verliere, kann ich gar nicht sagen. Das aber weiß ich, daß ich meine ganze Kraft daransetzen werde, nun in seinem Sinne auch über den Kreis der kolonialen Fragen hinaus zu wirken. Und wenn es für Sie in dieser Tragik des Schicksals einen Trost gibt, möge es der sein, daß die Freunde Ihres Gatten das Werk, das er ihnen unvollendet als Vermächtnis hinterlassen hat, mit Aufbietung aller Kräfte weiterführen werben. Ersetzen allerdings kann ihn keiner, darüber sind wir uns alle klar, die ihn gekannt und geliebt haben. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung Ihr ganz ergebener Seitz. 69 Staatliche Museen in Berlin. Kaiser-Friedrich-Museum. Berlin C 2, den 1. Mai 1924. Hochgeehrte gnädige Frau! Gestatten Sie, daß ich Ihnen, tieferschüttert von dem unter so tragischen Umständen erfolgten und für das Vaterland so verhängnisvollen Tode Ihres Herrn Gemahls meine herzliche Teilnahme ausspreche. In den verschiedensten Epochen seines reichen Lebens habe ich seit über 2? Jahren in Konstantinopel und in der Heimat Gelegenheit gehabt, mit Ihrem Herrn Gemahl zusammenzutreffen und in freundschaftlichen Beziehungen seine reiche Persönlichkeit kennenzulernen. Vor allem war es das gemeinsame Interesse für die Kunst des mohammedanischen Orients, das uns zusammenführte, und es war mir eine besondere Freude, wenn ich ihm gelegentlich bei Ankäufen behilflich sein konnte. Dieses Interesse für die orientalische Kunst, für deren Schönheit er ein feines Verständnis hatte und deren Erforschung ihm am Herzen lag, hat Ihr Herr Gemahl auch dadurch bestätigt, daß er bei der Deutschen Bank für die Unterstützung der Ausgrabungen von Samarra eintrat, um die ich gebeten hatte, und der mir unterstellten Museumsabteilung ein Geschenk zuwies. Auch aus diesen Gründen werde ich die Erinnerung an den Verstorbenen stets in Ehren halten und ihm ein treues Andenken bewahren. Mit dem wiederholten Ausdruck herzlicher Teilnahme, dem sich auch meine Frau anschließen zu dürfen bittet, bin ich, hochgeehrte gnädige Frau, Ihr ganz ergebenster F. Sarre. Deutsches Museum. München, den 28. April 1924. Sehr verehrte gnädige Frau! Den schweren Verlust, den das ganze deutsche Volk mit Ihnen durch den tragischen Tod Ihres Gatten erlitten, fühlen 70 wir auf das Schmerzlichste mit. Der Verlust unseres verdienten Mitgliedes und ehemaligen Ehrenpräsidenten bedeutet für uns eine fühlbare Lücke. Wollen Sie freundlichst den Ausdruck unserer aufrichtigsten Teilnahme entgegennehmen. Mit vorzüglicher Hochachtung Deutsches Museum, Dr. von Miller. Stuttgart, den zo. April 1924. Euer Exzellenz! Mit all den vielen, die tief erschüttert an der Bahre des Mannes stehen, der für unser armes Deutschland die einzige große Hoffnung für kommende bessere Zeiten war, spreche ich Euer Exzellenz meine herzlichste Teilnahme an dem unersetzlichen Verluste aus. Was das zerquälte Vaterland an ihm als Politiker verlor, will ich nicht ausführen; ich betraure als Verleger gleichermaßen auch den Mann der Wissenschaft, den Kopf, der allein in Deutschland das finanzielle Elend zu übersehen imstande war. Mit ihm ist der Kenner unseres Geldwesens ins Grab gesunken. Zurückgeblieben ist aber als ehernes Standbild sein Werk „Das Geld". Dieses geistige Kind werde ich, das dürfen Euer Erellenz versichert sein, immer hoch in Ehren halten und will dadurch versuchen, mit beizutragen, den Dank dem teuren Entschlafenen abzustatten, den wir ihm für sein früheres Tun und insbesondere für seine letzte große Tat, die Schassung unserer jetzigen stabilen Währung schuldig sind. Irgendwelchen Trost gibt es in solch schwerem Leiden nicht. Vielleicht kann das Bewußtsein, daß das geistige Werk Helfferichs weiter leben und Gutes schaffen wird, dazu beitragen, den großen Schmerz zu mildern. Die Zusammenarbeit mit Seiner Exzellenz während all der Jahre, in denen das „Geld" in sechs Auflagen seinen Sieges- zug durch die Welt machte, wird mir eine bleibende Erinnerung 71 sein, wie auch die Stunden persönlichen Meinungsaustausches, die erfüllt waren von dem hohen Geist, der Dr. Helfferich jederzeit beseelte. In aufrichtiger, tiefer Trauer bin ich Euer Exzellenz stets ergebenster ^ ^lt^ Kohlhammer C. L. Hirschfeld Verlag. Telegramm. New Aork, den 25. April 1924 Das Deutschtum Amerikas, wie das Deutschtum der ganzen Welt, betrauert den unersetzlichen Verlust, der Sie und Deutschland betroffen. In tiefer Trauer und inniger Teilnahme. George Sylvester Viereck. I5nireä 8tates I^ines 8. 8. Leoi-Ae ^VaskinAton ^nril 2y. 1924. 6ear ^Vlrs. klelklsricn, ^ vag Areatl^ 8noel!ec1 at tne ne^vs receivecl wirele88 ol tne acciäent tc> Dr. Helkkeriek. It 18 a calainit^ ol univer83l iniluenee. ?rom tne tiine 8vc>rlä c>n linancial and monetÄr^ nrc>dlem8. In later ^LÄr8 ne NÄ8 6eve1c>ve6 1ikevvi8e a volitical in- ilnence ok ver^ Are^t imoort. In time8 like tne vrs8ent, vvnen (^erman^ need8 tne ver^ Ke8t IcnowIeclAe AncI and tnouANt an6 patriotie 8pirit to aiä in drinZinA ner out c>k ner 6iüieu1tie8, tne Iv83 01 a man like Or. I^elLsried i8 one c>k reall^ vvvrldvvide si^nmcance. In tne ^ssr8 tnar nave vÄ88eä since I kir8t inet nim, I nave trieä to keev in tonen witn ni8 vvork8 anä 72 ÄLkisvements, and cZurinA l^st visit tc> QermÄN^ I nacl, 28 ^c»u kno^v, rnucn nelp krom Kim in tr^in^ to unäsrst^ncl tne pressnt Lomplicatecl Situation. I kesl tnat I NÄvs pei-sonÄlI^ Ic>8t Ä Aä krienä anä kelpkul Lvunsellczr. I nope ^on will permitt ms to expres8 mv 6espest s^lnvatn^ witli ^ou in )^c>ur Areat loss. Ver^ sinLerel^ ^our8 ^ersirlian ^V. ^snks. Reichsbankdirektorium Berlin, den 26. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! An der Trauer der weitesten Kreise unseres Vaterlandes um Ihren, durch ein entsetzliches Unglück, Ihnen und uns so früh entrissenen Gatten, nimmt auch die Reichsbank von ganzem Herzen teil. Wir betrauern in dem Verewigten nicht nur den großen, durch reichste Geistesgaben ausgezeichneten, von reiner Vaterlandsliebe beseelten Staatsmann, sondern auch den bewährten und treuen Freund der Reichsbank. Schon vor langen Jahren hat er uns in heftigen bank- und währungspolitischen Kämpfen mit Wort und Feder auf das Nachdrücklichsie und Wirksamste unterstützt. Während seiner Tätigkeit als Direktor der Deutschen Bank in den Jahren 1910 bis 1914 war er gleichzeitig Mitglied unseres Zentral- ausschusses und stellvertretender Deputierter. Seinem einsichtigen und umsichtigen Rate verdankt die Reichsbank in diesen Jahren wichtiger und folgeschwerer Entscheidungen viel. Als Stellvertreter des Reichskanzlers in der Leitung der Reichsbank stand er in den Jahren 1916 bis 1917 an der Spitze der Bankverwaltung. Seine dem Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft gewidmete, unausgesetzte und unermüdliche Tätigkeit ist in aller Erinnerung. Durch die wahrhaft geniale Kombination des Rentenbankprojektes hat er der deutschen Volkswirtschaft Rettung aus größter Not gebracht. 73 Aber nicht nur seiner unvergeßlichen Verdienste gedenken wir heute, sondern auch der langen freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen ihm und vielen aus unsern Kreisen bestanden und die sich aus dem amtlichen Verkehr im Laufe der Zeit entwickelten. Wir haben neben der Schärfe seines Geistes auch die Tiefe seines Gemütes, seine persönliche Güte und seine große Liebenswürdigkeit kennen, schätzen und lieben gelernt. So empfinden wir sein Hinscheiden auch rein persönlich als einen schweren, unermeßlichen Verlust. Möchte Gott der Allmächtige Ihnen in dem furchtbaren, über Sie verhängten Geschick mit seinem gnädigen Trost nahe sein und möchte der tiefe, sich überall kundgebende Schmerz um den Dahingeschiedenen Ihren Schmerz in etwas lindern. Reichsbankdirektorium. Berlin, den 26. April 1924. Hochverehrte Exzellenz! Zu dem furchtbaren Verluste, der Sie und Ihre Kinder so jäh getroffen hat, spreche ich Ihnen auch im Namen meiner Frau unsere innigste und wärmste Anteilnahme aus. Das Herz krampfte sich uns zusammen, als wir die erschütternde Trauerkunde erfuhren. „Unser armes Vaterland und die arme, arme Frau und ihre Kinder!" das waren die ersten Worte, die sich bei uns losrangen. Was hat unser am Boden liegendes Vaterland mit Ihrem Herrn Gemahl verloren! Er war der einzige Mann, der die Gaben, die Tatkraft und den selbstlosen Mut dazu hatte, es zu führen und wieder hochzubringen. Er war seit Jahren meine Hoffnung. Seit Bismarcks Tode haben wir keinen so großen Verlust erlitten wie diesen. Ich wage das zu behaupten, denn ich habe Ihren Herrn Gemahl in jahrelanger, gemeinsamer Arbeit als Staatsminister genau kennen und bewundern gelernt und hinterher seine Arbeiten und Taten mit dem freudigsten Interesse verfolgt. Wie schicksalsschwer 74 ist es für Deutschland, daß ihm in seiner höchsten Not gerade dieser Mann genommen ist! Sein Tod hat unübersehbare Folgen, er ist ein Unglück ohnegleichen. Den allergrößten Verlust haben aber Sie erlitten. Ihr Herz ist zerrissen und blutet aus tausend Wunden. Trostesworte verfangen da nicht. Aber vielleicht lindert es in etwas Ihren Schmerz, wenn Sie aus der ganzen Welt erfahren, daß viele Millionen Deutscher mit Ihnen trauern. Möchten Sie die Kraft erhalten, das unbeschreiblich große Herzeleid zu tragen. Die Aufgaben Ihren Kindern gegenüber verhelfen Ihnen hoffentlich dazu. In tiefer Mittrauer und aufrichtigem Mitgefühl Ihr verehrungsvoll ergebener Lentze, Staatsminister und Präsident der Deutschen Rentenbank. Telegramm. Berlin, den 25. April 1924. Tief erschüttert durch das entsetzliche Unglück, dem Ihr Gatte und seine hochverehrte Mutter so tragischerweise zum Opfer fielen, sprechen wir Ihnen, gnädigste Frau, innigstes Beileid aus. Karl Helfferich war lange Jahre einer der Unseren. Wir haben in ihm nicht nur den durch außerordentliche Befähigung und tiefes Wissen ausgezeichneten Mitarbeiter, sondern auch den stets bereiten Freund gefunden, der uns freundschaftliches Gefühl auch in seiner späteren Wirksamkeit bewahrt hat. Mit weiten Kreisen des deutschen Volkes trauern wir mit Ihnen um den Verlust einer Persönlichkeit, die in seltener Uneigennützigkeit seine ganze Kraft zum Wohl des von ihm heißgeliebten Vaterlandes einsetzte. Sein Andenken werden wir für alle Zeiten in Ehren halten. Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank Steinthal, Gwinner, Blinzig, Fehr, Hermann, Michalowsky, Schlitter, Schröter, Stauß, Wassermann. 75 Telegramm. Berlin, den 25. April 1924. In tiefster Erschütterung über den jähen Heimgang Ihres teuern Gatten versichern wir Sie unserer aufrichtigen Teilnahme. Das deutsche Volk hat einen seiner fähigsten Führer in Politik und Wirtschaft in der Stunde schwerster Gefahr durch grausame Schicksalstücke verloren. Unser Bank-- und Finanzwesen muß den unersetzlichen Verlust eines seiner besten Männer betrauern. In fernste Zeiten bleibt sein Andenken als leuchtendes Vorbild unserem Volke erhalten. In innigstem Mitgefühl die Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft. CentralverbanddesDeutschenBank und Bankiergewerbes (E.V.) Berlin NW, den 2?. April 1924. Hochgeehrte Exzellenz! Die Nachricht von dem unermeßlichen Verlust, der Sie und Ihr Haus, darüber hinaus aber auch das gesamte Vaterland betroffen hat, hat uns aufs tiefste bewegt und erschüttert. Dankbar erinnern wir uns der Zeit, in welcher der so jäh aus diesem Dasein Abberufene zu den Unsrigen gehörte und seine glänzenden Geistesgaben, seine bewundernswerte Arbeitskraft der Sache unseres Berufes gewidmet hat, und aufs schmerzlichste beklagen wir es, daß der deutschen Wirtschaft in den Sorgen und Kämpfen der kommenden Jahre eine Persönlichkeit fehlen muß, die an Fülle des Wissens, an Kraft des Wollens und an Schwung der Gedanken ihresgleichen nicht hatte und die in der Überwindung unlösbar scheinender Schwierigkeiten ihre höchste Freude fand. Die Verehrung, die wir dem Dahingegangenen bewahren werden, gilt aber nicht zuletzt auch seinen hervorragenden menschlichen Eigenschaften, die wir, seit Jahrzehnten Zeugen seines beruflichen Wirkens, sich stets von neuem betätigen sahen und denen, wie wir überzeugt sind, eine un- 76 parteiische geschichtliche Würdigung seiner Lebensleistung volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Wir bitten, Ihnen, hochgeehrte Exzellenz, unsere aufrichtige Teilnahme und Mittrauer zum Ausdruck bringen zu dürfen. In größter Hochachtung Centralverband des Deutschen Bank- und Bankier- gewerbes (E. V.) Telegramm. Berlin, den 25. April 1924 Das tragische Ende Ihres von mir hochverehrten Gatten, dem ich auch persönlich aufrichtig zugetan gewesen, erfüllt mich mit tiefer Trauer. Ich bitte Sie, gnädige Frau, zugleich namens meiner Frau den Ausdruck unseres herzlichen Mitgefühls entgegenzunehmen. Paul Schwab ach. B erlin N 65, den 8. Mai 1924. Hochgeehrte gnädige Frau! Es ist uns ein aufrichtiges Herzensbedürfnis, anläßlich des durch das furchtbare Eisenbahnunglück bei Bellinzona herbeigeführten Todes Ihres von uns so hochverehrten Herrn Gemahls Ihnen unsere wärmste Anteilnahme auszusprechen. Vom Jahre 1912 bis zu der im Jahre 1915 erfolgten Berufung zum Reichsschatzsekretär gehörte Ihr Herr Gemahl dem Aufstchtsrat unserer Werke sowie demjenigen unserer Tochtergesellschaft, der Bergmann - Elektrizitäts-Unterneh- mungen A.-G. an. Wir haben in den Jahren gemeinsamer Arbeit seine außergewöhnlichen Geistesgaben, seine umfassenden Kenntnisse und seine mannhafte Persönlichkeit kennen und hochschätzen gelernt. Eine besondere Freude war es für uns, als Ihr Herr Gemahl trotz der auf ihm lastenden, vielseitigen politischen und wirtschaftlichen Aufgaben erneut das Amt eines Aufsichtsrates unserer Werke im Jahre 1922 annahm 77 und seine umfangreichen Erfahrungen und sein ganzes Können, von dem wir noch viel erwarteten, neuerdings in den Dienst der Interessen unserer Werke stellte. Diesen Hoffnungen hat die furchtbare Katastrophe von Bellinzona, welche Ihren Gatten inmitten einer Laufbahn von ungewöhnlicher Be- deutung ereilte, ein allzu vorzeiüges Ende bereitet. Sein Tod hat in das wirtschaftliche und politische Leben Deutschlands eine unausfüllbare Lücke gerissen. Voll inniger Anteilnahme empfinden wir mit Ihnen den harten Schicksals, schlag in seiner ganzen Schwere. Möge die Zeit, welche alle Wunden heilt, auch Ihnen Kraft geben, das Ihnen widerfahrene Leid zu tragen. In dankbarem Gedenken werden wir stets den Namen Ihres Gemahls in hohen Ehren halten. In aufrichtiger Anteilnahme Bergmann-Elektrizitäts-Werke, Aktiengesellschaft Der Aufsichtsrat: Die Generaldirektion: Stauß Bergmann Hissink. Telegramm. Berlin, den 2?. April 1924. Der unerwartete Tod Ihres hochverehrten Herrn Gemahls hat uns aufs tiefste ergriffen. Wir bitten Sie, unsere aufrichtige Teilnahme entgegenzunehmen. Der unersetzliche Verlust, der Ihnen als Gattin durch das Unglück bereitet wurde, wirkt sich auch im deutschen Wirtschaftsleben aus, wo der Verstorbene ein hervorragender Führer und Denker war. Reichsverband der Deutschen Industrie, Bücher. Verband Pfälzischer Industrieller E. V. Neustadt a. Haardt, den zo. April 1924. Hochverehrte gnädige Frau! Im Austrage des Vorstandes des Verbandes pfälzischer Industrieller erlaube ich mir, Ihnen zu dem erschütternden 78 Verlust Ihres Herrn Gemahls das aufrichtige und tief empfundene Beileid zum Ausdruck zu bringen. Die zahlreichen Beziehungen Ihres Herrn Gemahls zu den Kreisen der pfälzischen Industrie schufen ein Band, das uns nicht nur Ihren Herrn Gemahl als Politiker und Wirtschaftsführer erkennen ließ, sondern ihn uns nahe brachte mit seinem persönlichen Denken und Wollen. Über das Grab hinaus dankt die pfälzische Industrie ihm für sein unermüdliches Eintreten für die Pfalz und für seine Einfühlung als Sohn des pfälzischen Landes für dessen Leiden und Nöte. Wie kein anderer in politisch exponierter Stellung hat er in den unseligen Zeiten des pfälzischen Separatismus seine überragenden Fähigkeiten in den Dienst seiner Pfälzer Heimat gestellt. Vielleicht vermag Ihnen, hochverehrte gnädige Frau, die Versicherung Trost gewähren, daß mit Ihnen die pfälzische Industrie wohl den größten Mann betrauert, der aus ihr hervorgegangen ist. Seine Persönlichkeit und sein außerordentliches Lebenswerk sichern ihm in uns ein ehrendes und lebendiges Bild. Verband pfälzischer Industrieller Der Vorstand: Hans Marx, i. Vorsitzender. Telegramm. Bremen, den 29. April 1924. Anläßlich der Beisetzung Ihres so jäh aus dem Leben geschiedenen Herrn Gemahls möchte ich Euer Exzellenz nochmals zum Ausdruck bringen, daß nicht nur wir, die wir dem Heimgegangenen persönlich näher standen, sondern auch weiteste Kreise Deutschlands die hingebungsvolle Arbeit, die der Verblichene für Reich und Heimat geleistet hat, unauslöschlich in ehrendem Gedächtnis halten werden. Gott sei mit Ihnen in dieser namenlos schweren Stunde. Geheimrat Stimming, Norddeutscher Lloyo. 79 Berlin, den 26. April 1924. Euer Exzellenz! Zu dem schier unfaßbaren Unglück, das Euer Exzellenz bettoffen hat, erlaube ich mir als Vorsitzender der deutsch- nationalen Studentenschaft einem tief empfundenen inneren Zwange folgend, meine herzlichste Anteilnahme und meine Trauer um den aus unserer Mitte Gerissenen auszusprechen. Viel haben Euer Exzellenz an diesem Tage verloren, aber größer noch und unersetzlich ist der Verlust, den unser gesamtes deutsches Vaterland zu beklagen hat. Das Volk ruft seit langem immer lauter nach dem Führer. Dr. Helfferich war ein solcher Führer, der, von uns verehrt, von weiten Kreisen des Inlandes trotz politischer Gegensätze geachtet, vom gesamten Ausland anerkannt und zum Teil — und das mit Recht — gefürchtet wurde. Unbestimmter und unheildrohender denn je liegt die Zukunft vor Deutschland, denn der Mann, der berufen und ausersehen war, unser Führer im Ringen gegen unsern Todfeind Frankreich und die von diesem beherrschte Reparations-- kommission zu sein, ist nicht mehr. Furchtbar schwer ist dieser Schlag für uns alle, aber wir wären nicht würdig, einen Mann wie Herrn Dr. Helfferich vor unseren Reihen gehabt zu haben, wenn wir nun den Kopf hängen ließen. Wir werden unsern Weg weiter schreiten, nun erst recht! Dazu aber darf ich Euer Exzellenz die Versicherung abgeben, daß wir deutschnationalen Studenten uns in ernstem Streben bemühen werden, im Sinne des großen Toten zu arbeiten. Unsere Losung heißt: Zusammenstehen und kämpfen in einer Front, von einem einzigen helligen Willen beseelt, auf ein einziges hehres Ziel hin: Deutschlands Freiheit! Das ist der Sinn Dr. Helfferichs. Ich habe die Ehre zu sein, Euer Exzellenz ergebener Vorsitzender der deutschnationalen Studentenschaft. Cesar. 80 Dahlem, den 25. April 1924. Liebe Tante Annette! Verzeih, wenn ich den Berg der Briefe und Telegramme, der sich jetzt vor Dir aufhäuft und der Dich im Grunde doch nicht berührt, noch vergrößere. Denn ich fühle gut genug, so wenig wie die Beileidsbezeugungen Außenstehender dem, was wir engeren Verwandten um Onkel Karl und um Dich empfinden, gerecht zu werden vermögen, so wenig können wir Deinen Schmerz ermessen. Ich will Dir nur sagen, was mi ch bei diesem erschütternden Ereignis bewegt, nicht weil ich Dich verstände, sondern weil Du mich verstehen wirst. Onkel Karl ist einer der ganz wenigen Männer der älteren Generation gewesen, die ich verehrt habe. Wir jungen Leute stehen ja — leider — zur Gesamtheit dieser älteren Generation nicht in dem natürlichen Verhältnis ununterbrochener Tradition, das gesund wäre. Das ist keine Ideologie, sonst hätte ich mich da längst wieder frei gemacht. Der Verlauf der letzten 15 Jahre scheint uns ja auch recht zu geben. Das ist schmerzlich, denn ein junger Mensch bedarf einer heldischen Gestalt, der er nachlebt, — ohne Romantik. Onkel Karl war einer der ganz wenigen, denen man bedingungslos, ohne Einschränkung das Recht des Führers gab. Er war ein ganzer Mann — mehr noch ein Führer, und es ist ein schlechter Trost für uns zu wisse», daß sein Platz offen bleibt, die wir leere Hände und einen guten Willen haben und die Erkenntnis, aus eigner Führung noch nichts zu vermögen. Wir fügen uns demütig in den Willen Gottes, den zu verstehen uns Menschen nicht gegeben ist, und auf unsern jungen Schultern liegt die Last der Verantwortung in erhöhtem Gewicht. — Das ist, was mich bewegt und was ich Dir sagen wollte. An das, was Dich bewegt, zu rühren, vermesse ich mich nicht. Dein Gerhard Wieg and. 81 „Wir aber hofften, er sollte das deutsche Volk erlösen!" War er der Letzte, Einzige? Ohne Schwanken Schritt er den geraden Weg, durch Drohen und Hassen, Beworfen, nicht befleckt vom Kot der Gassen, Ein Kämpfer, eisenfest, wo alle wanken. Nun reifte seine Zeit. Den Tatgedanken Erfüllung schien zu nahen. Da — wer kann^s fassen? Oh Gott, mein Gott, hast du uns ganz verlassen? Muß dieses Ende diesem Manne danken? Ist so das deutsche Schicksal? Gn jähes Halt auf abgrundnaher Bahn — Nun fühlen wir erst ganz die bittre Not. Den Haufen ohne Führer, blick ihn an, Zeig deinen Willen uns, du dunkler Gott! Du weißt noch Wege — führ du uns hinan! 25. April 1924. Frida Vocke. 82 Helfferich. Ich klage an dich, blöder Sensenmann, Daß sinnlos — ziellos deines Amts du waltest; So viele, viele stehen stchelreif, Was mußtest du den einen Einzigen mähen, In dessen Hand das Schicksal Deutschlands lag? Ihn, dessen Geist und Herz wir blind vertrauten. Der Führer werden sollte unserm Volke, Wenn es in ernster Stunde frei sich sprach? Nun da sie naht die heißersehnte Stunde, Dünkt's uns unfaßlich, daß sein Feuergeist Sie nicht erleben soll mit uns im Bunde! Vor Gottes Thron erhebe ich die Klage — Ach — ohne Antwort bleibt die bange Frage Warum, o Herr, ließt dieses du geschehen? Stuttgart, den 25. April 1924. Magda von Martin. 8z Dem Heimgegangenen Führer. Dein Herz hat für uns geschlagen, solang' es schlug; Dein Herz hat Nöte getragen wie keines trug. — Auf Erden krönt alle Größe viel Dornennot, Bis bittrer Wunden Blöße still deckt der Tod. — Du Ritter ohn' Furcht und Tadel! Trotz Hohn und Neid Leuchtet sieghaft dein Adel in jedem Streit. Ob sie dich siebzig mal sieben, geschmäht, gebannt. Unverloren rang dein Lieben ums Vaterland. — Nun senkst du die reinen Waffen vorm Herrn der Zeit; Doch leuchtet, was du geschaffen, in Ewigkeit. — Es bleibt uns heiliges Mahnen, ganz unverzagt Zu folgen den alten Fahnen, bis daß es tagt. — Doch wer immer von uns Jungen die Freiheit schaut. Der weiß auch: was wir errungen, Du Hast's gebaut! den 25. April 1924. Bernita Maria Moebis. 84 Helfferich. Der Satan sprach zum Chaos: „Triff mir den! Ich kann den Menschen nicht mehr kämpfen sehe«, Den keine Niederlage je zerbricht. Der immer sich erhebt zu neuer Pflicht, Dem in der Seele loht ein Feuerbrand: Der Eifer um sein liebes Vaterland! Der sachlich, fachlich alle übertrifft. Im Wort vernichtend, weisend in der Schrift, Der aus dem Untergange geistige Waffen Und aus dem Nichts ein gutes Geld geschaffen — Den Helfferich, den mein ich: diesen triff!" Das Chaos hob die Tatze hoch zum Griff, Und schob mit tückisch falschgestellter Weiche Zwei Gegenzüge brausend auf das gleiche Geleise. Lachte. Und es war geschehen! Ein deutscher Held ging heim zu Gott in Flammen, Erhaben über Rühmen und Verdammen. Ihr werdet selten seinesgleichen sehn! Burte. 8? Gedächtnisrede gehalten am 29. April 1924 in Breslau von Landrat a. D. Dr. von Goßler Mit tiefer Trauer im Herzen haben wir uns zusammen, gefunden, das Gedächtnis eines großen Mannes zu feiern. Die Deutschnationale Volkspartei hat ihren größten, ihren klügsten und mutigsten Mann, ja, ich darf es ohne Übertreibung getrost sagen: Deutschland hat seinen besten Sohn verloren. Helfferich lebt nicht mehr! Durch ein grausames, entsetzliches Geschick ist er in der Vollkraft seiner Jahre, auf der Höhe seines Lebens und Wirkens dahingerafft worden, gerade in dem Augenblick, als aller Augen, nicht nur die seiner Parteifreunde, mit den höchsten Erwartungen und Hoffnungen auf ihn blickten. Es ist ein entsetzlicher Gedanke, sich zu vergegenwärtigen, welche Unsumme von Fähigkeit, Wissen und Erfahrung, von Energie, Schaffensfreudigkeit und Tatkraft, von Mut, Charakterstärke und Seelengröße in diesem Manne mit einem Schlage vernichtet worden ist; eine für uns Deutsch- nationale verzweifelte Vorstellung, was dieser Mann mit seinen 52 Jahren noch für uns, für unser Vaterland geleistet haben würde. In ihm war alles vereint, was nicht nur den großen Staatsmann sondern auch den sittlich hochstehenden Menschen kennzeichnet. Die außergewöhnlichen Anlagen des Geistes und Herzens, die ihm auf den Lebensweg mitgegeben waren, die Schärfe seines Verstandes wie die Reinheit des Herzens, die zwingende Macht seines Willens wie die Lauterkeit des Charakters, sie waren zur höchsten Stufe menschlicher Entwicklung, zur feinsten Blüte persönlicher Kultur vervollkommnet. Nichts Falsches war an ihm, alles war echt: seine glühende Vaterlandsliebe wie sein heiliger Zorn im Kampfe gegen Volksverrat und Korruption; der Mut, mit dem er stets in erster Reihe dem Ansturm seiner Gegner die Stirne bot und die unerschütterliche Festigkeit, mit der er seine ganze Person für seine Überzeugung einsetzte. Keiner hat tiefer wie er die Schmach seines Vaterlandes empfunden, keiner so unerschrocken mit so blanker und scharfer Waffe gegen die Jämmerlichkeit seiner Zeit gefochten, und auf Niemand gründete sich deshalb 89 so stark und tief die Hoffnung aller wahren Vaterlandsfreunde als auf ihn, in dessen Person wir die vollendetste Verkörperung deutschen und nationalen Wesens und Wirkens erblickten. Eitelkeit, persönlicher Ehrgeiz und Eigennutz lagen ihm fern, immer stand ihm die Sache über seiner Person und nur ein einziger Gedanke beherrschte ihn: wie er sein geknechtetes Vaterland wieder aufrichten könnte. Dabei blieb er immer, auch im schärfsten Kampfe, in Wort und Schrift, der vornehme Mann, und so schneidig und gefährlich für den Gegner auch seine Klinge war, er hat sie stets ritterlich geführt. Als Redner war er allen überlegen, nicht in Schwung und Glanz der Worte, aber in Gründlichkeit des Wissens, Logik der Gedanken und Klarheit des Ausdrucks. Schlicht im Auftreten, ein Feind jeder Pose, jeder Halbheit und jeden unechten Scheins, von gewinnender Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr, so zwang er Jeden, der mit ihm zusammenkam, in den Bann seiner überragenden Persönlichkeit. Das ist in kurzen Strichen gezeichnet sein Bild, wie der es festhalten wird, dem es vergönnt war, diesem seltenen Manne persönlich näher zu treten. Andere haben ihn anders beurteilt. Daß er in den Jahren nach der Revolution zum bestgehaßten Mann des neuen Deutschland wurde, konnte bei seiner ausgeprägten Kamvfes-- stellung gegen die neue Zeit und ihre Vertreter nicht ausbleiben, und gerade das wird für alle Zeiten sein größter Ruhm bleiben. Man hat ihn aber gründlich verkannt, wenn man ihn für einen blinden Draufgänger, einen Katastrophenpolitiker gehalten hat. Eine Kampfnatur war er freilich, stets bereit, den Kampf für Recht und Wahrheit aufzunehmen und bis zum letzten Ende durchzuführen. Kühl und nüchtern aber wog er die Lage und die Chancen ab, ehe er zu Felde zog und niemals, auch im hitzigsten Augenblick, verließ ihn die Besonnenheit; immer stand ihm als Maßstab allen Denkens und Handelns das vaterländische Interesse vor Augen. Auch 90 diejenigen tun ihm Unrecht, die in ihm nur einen Mann der Kritik, nicht aber des positiven Schaffens sehen. Wenn es einen Mann der Tat gab im neuen Deutschland, so war er es ganz gewiß. Zwar waren ihm durch die politischen Verhältnisse die Hände gebunden und die volle Auswirkung aktiven Schaffens versagt. Aber allein schon die Schaffung der Rentenmark müßte für alle Zeit genügen, in ihm den gestaltenden Geist zu erkennen. Viele seiner früheren Gegner haben sich schon zu seinen Lebzeiten in immer steigendem Maße von seiner überragenden Bedeutung überzeugt, vor seiner Größe gebeugt, und jetzt nach seinem tragischen Ende wird es auch aus den Blättern der anderen Parteien, den Stimmen des In- und Auslandes, offenbar, was Deutschland, ja was die ganze Welt verloren hat! Helfferich ist schon jetzt eine geschichtliche Persönlichkeit geworden, die nur im Rahmen der letztverflossenen Jahre richtig gewürdigt werden kann. Ich würde der Aufgabe, ein Lebensbild des Verstorbenen zu zeichnen, nicht gerecht werden, wenn ich mich nur auf die Wiedergabe seiner persönlichen Eigenschaften beschränken wollte. Seine eigenen Taten sollen reden und die Zeit, in der er lebte und der er vielfach den Stempel seiner starken Persönlichkeit aufdrückte. Sein erster Anstieg war ein buntbewegtes Leben. Privatdozent, mit noch nicht zo Jahren ordentlicher Professor, Vortragender Rat im Kolonialamt, Legationsrat mit wichtigen finanzpolitischen Verhandlungen im Ausland, Direktor der anatolischen Bahn, Direktionsmitglied der Deutschen Bank, Delegierter der deutschen Regierung bei der internationalen Finanzkonferenz zur Regelung der Balkanfragen in Paris, dazwischen Verfasser von mehreren Büchern über Geld und Wirtschaft, die schon in jungen Jahren die Augen der Welt auf ihn lenkten. Das alles bis zu seinem 42. Lebensjahre, bis zum Ausbruch des Krieges. Diesem vielseitigen Entwicklungsgange verdankte Helfferich die Grundlagen seiner umfassenden. 91 überragende» Kenntnisse auf finanz-- und Wirtschafts politischem Gebiet. 1915 Reichsschatzsekretär, 1916 Staatssekretär des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers — Bethmanv und Michaelis —, also auf verantwortungsvollstem Posten mitten im Getriebe der Kriegs- und Parlamentspolitik. Diese Zeit schuf in ihm den Realpolitiker, den Staatsmann. Das Mißtrauen, das anfangs in konservativen Kreisen bei seinem Antritt geherrscht hatte, verschwand sehr rasch. Man erkannte bald genug in ihm den Mann, der für eine kraftvolle, zielbewußte Politik eintrat, den Minister, vielleicht den einzigen, der sich gegen das parlamentarische System verwahrte und der schon damals gegen die Sozialdemokratie so kräftige Töne fand, wie es kein anderer Minister wagte. Aus den persönlichen Erlebnissen jener Zeit stammt Helfferichs scharfe Einstellung gegen das schamlose Treiben eines Erzbergers, gegen die parlamentarische Mißwirtschaft und die Erfüllungspolitik, deren erste Ansätze sich damals im Zentrum und in der Sozialdemokratie zeigten. Seine finanz-- und steuerpolitische Tätigkeit als Reichsschatzsekretär ist verschieden beurteilt worden, eine spätere Zeit wird ihm vielleicht darin eine gerechtere Würdigung und allgemeine Anerkennung finden lassen als jetzt. Was er tun konnte, um den Siegeswillen aufrecht zu halten, das hat er ganz gewiß getan; als aber die in der Wilhelmstraße, im Reichstag herrschende Stimmung sich immer weiter hiervon entfernte, als das dem parlamentarischen System schon vollkommen verschriebene Kabinett Hertling austrat, glaubte er dies nicht mehr mitmachen zu können und verließ 1917 den Reichsdienst. Der Zusammenbruch kam und damit rückte Helfferich in den Vordergrund der Zeitgeschichte als der kenntnisreichste, erfahrenste, gewandteste und mutigste Vorkämpfer nationaler Politik, der turmhoch seine Zeit überragte. Wie ein Fels im Meer, so stand er in der Brandung der roten Flut, immer höher und fester hinausragend und immer mehr Leuten zum 92 Signal und zum Halt werdend, als der getreue Ekkehard seines Volkes. Ich hab' mich bemüht zu allen Zeiten Mit der Zeit gehörig fortzuschreiten. Doch als die Zeit zur Erbärmlichkeit schritt, Da hielt ich an und schritt nicht mit. Dies Dichterwort bezeichnet treffend den Platz, auf dem Helfferich stand. Er, der feurige, seiner Zeit immer vorauseilende Geist, er hielt an und er nahm den Kampf auf, den Kampf gegen Revolution und Korruption, den Kampf gegen den Marxismus, den Parlamentarismus, den Materialismus, vor allem: den Kampf gegen die Erfüllungspolitik dieser 5 Jahre. Diesen Kampf führte er mit der ganzen Leidenschaftlichkeit seiner Seele, er ist ihm Inhalt und Zweck seines zu früh beendeten Lebens geworden, und dieser Kampf ist daher auch ein getreues Spiegelbild der hinter uns liegenden Zeit geworden. Es ist die Zeit des Höhepunktes, aber auch, Gott sei Dank, des Abstiegs des Marxismus. Die Idee der Volksgemeinschaft, für die Helfferich bei jeder Gelegenheit in wirksamster Weise eingetreten ist, hat, so hoffen wir wenigstens, den Gedanken des Klassenkampfes, der jahrzehntelang das deutsche Volk vergiftet und gelähmt hat, im Wesentlichen überwunden. Gegen den pazifistischen Gedanken des Marxismus ist der deutsche Machtwille des Volkes aufgestanden; kaum ein anderes Wort ist unter dem Druck unserer Sklavenketten so volkstümlich geworden, als das Wort: Wehrhaftmachung. Und gegen das schamlose und törichte internationale Treiben unserer Sozialdemokratie hat Helfferich ebenso sehr den erstarkten nationalen Gedanken wie den gesunden Menschenverstand aufgerufen, der es nicht begreifen kann, daß es Leute gibt, die immer noch auf die Hilfe der roten Internationale hoffen, trotz aller Enttäuschungen und Mißerfolge, wie sie noch in letzter Zeit wieder mit der englischen Arbeiterregierung erlebt worden sind. ?z < Besonders wirksam war Helfferich im Kampfe gegen den Parlamentarismus und die furchtbare Mißwirtschaft, die dieser im Gefolge hatte, im Kampfe gegen die politische Korruption. Sein Sieg über den vielgewandten, gewissenlosen und verantwortungslosen Erzberger, diesen Hauptzerstörer des Deutschen Reiches, ist wohl eine seiner glänzendsten, verdienstvollsten Taten. Helfferich und Erzberger, die Vertreter zweier verschiedener Welten, die sich wie Feuer und Wasser trennen. Erzberger, der Mann mit dem weiten Gewissen und dem frivolen Charakter: „erst mach Dein Sach, dann trink und lach", und dagegen Helfferich, der in allen Dingen pflichttreue, ernste, gewissenhafte Mann, der niemals, so viel er auch in der Welt herumgekommen war, ein unsauberes Geschäft berührt habe würde. Aus dem Tiefstande des heutigen Parlamentarismus heraus- zuragen, ist am Ende nicht schwer. Bei Helfferich aber war es doch noch etwas Besonderes. Wenn er im Reichstag sprach, da erhob sich sofort die Debatte zur höchsten Höhe, jeder Satz eine Erfahrung oder eine kluge Schlußfolgerung oder eine vernichtende Abfuhr des Gegners. Bei aller grundsätzlichen Ablehnung des parlamentarischen Systems hat Helfferich es doch verstanden, so oft er mitsprach und mitarbeitete, praktische Arbeit zu leisten, besonders in finanz- und Wirtschafts politischen Kommissionsberatungen. Schmerzlich werden wir oft genug in kommender Zeit seinen bewährten Rat und Verstand bei der Bekämpfung der wirtschaftlichen, besonders der Kreditschwierigkeiten vermissen, die wie ein drohendes Gespenst vor uns stehen und Handel und Wandel lahmzulegen drohen. Nicht nur unserer Partei, sondern ganz Deutschland ist der erprobte Führer auf diesem Gebiete genommen worden, wenigstens glaube ich, daß nicht allzu Viele sein werden, die, wenn sie ehrlich sein wollen,Herr»Schacht mehr zutrauen als Helfferich. Als Schöpfer der Rentenmark wird er, und nicht Stresemann oder Schacht, weiterleben im Herzen des Volkes, auch wenn ihm noch so viele Neider erstehen 94 sollten, die ihm seinen Ruhm streitig machen. Vielleicht hat er durch diese Tat mehr wie alle anderen zusammen dazu beigetragen, daß die Zeit des Materialismus, des Schieberrums, des Tanzes um das goldene Kalb, um den Dollar, aufgehört hat und daß der Sinn für Einfachheit und Sparsamkeit im Volke wieder geweckt worden ist. Sein Bestes und Größtes aber hat Helfferich auf dem Gebiete der Außenpolitik geleistet. Hier ist er schlechthin unersetzlich. Wer wird künftig dieErfahrung haben, aufden vielverschlungenen tückischen Pfaden der ErfüllungsPolitik sich so, wie er, zurechtzufinden, und wer wird, so wie er, die unbedingt anerkannte Autorität besitzen, die dazu gehört, das harmlose, gutgläubige deutsche Volk rechtzeitig zu warnen? Von Versailles an über London, Oberschlesien, Spa, Ruhrbesetzung bis zu den Sachverständigen-Gutachten der letzten Tage: immer war er es, der die Arglist des Feindes und die Arglosigkeit — um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen — der eigenen Regierung zuerst sah; der dem Feinde die Maske vom Gesicht riß und mit messerscharfer Kritik in die Dinge hineinleuchtete, die die Regierung am liebsten im Dunkeln gelassen hätte. Und wenn es ihm auch, Gott sei's geklagt, nicht gelang, dem Schicksal zu steuern: das hat er doch erreicht, daß dem deutschen Volke allmählig die Augen aufgegangen sind, daß es gemerkt hat, wohin der Weg führt und daß Scham und Empörung über die eigene Ehrlosigkeit erwacht sind. Sein letztes Werk am Vaterlande war sein Warnungsruf bei den Sachverständigen-Gutachten, durch die wir endgültig in ewige Sklaverei versetzt werden sollen. Gebe Gott, daß der Ruf noch aus dem Grabe das deutsche Volk wachrüttelt, ehe es zu spät ist, und daß endlich in höchster Not und im letzten Augenblick das laute Nein erschalle, das allein uns vom Untergange retten kann. Der 4. Mai mrd unser Schicksal sein! An dem politischen Bilde Helfferichs, das ich in kurzen Umrissen zu geben versuchte, würde ein wesentlicher Zug fehlen, 95 wenn ich nicht seine Stellung zu dem die Gegenwart beherrschenden völkischen Gedanken erwähnen wollte. Seine Gegner in dem sogenannten deutschvölkischen Lager haben ihn jum Juden stempeln wollen und er hat mehrfach, im höchsten Ekel über das Treiben dieser Leute, sich dagegen wehren und seine rein arische Abstammung nachweisen müssen. Wenn einer in diesen Jahren deutsch dachte, deutsch fühlte und deutsch handelte, so war es Helfferich. Oder kann ein anderer genannt werden, der unter Einsetzung seiner ganzen Person so viel getan hat fürs deutsche Vaterland, wie er? Aber freilich, das ist richtig, gegen die Auswüchse, gegen allzu weitgehende Forderungen der extremen Deutschvölkischen hat er ständig und entschieden Stellung genommen. Und sind nicht die heutigen Verhältnisse nur allzu sehr geeignet, für die Richtigkeit seiner Ansicht zu zeugen? Sind wir nicht schon so weit gekommen, daß der erhabene deutschvölkische Gedanke zum parteipolitischen Schlagwort herabgewürdigt worden ist? Sind wir nicht durch die Methoden der deutschvölkischen Separatisten in die Gefahr völliger Zersplitterung der nationalen Kräfte geraten? In die Gefahr, daß nicht nur der Kampf gegen das Judentum gelähmt, sondern daß auch der Kampf für das Deutschtum, für Deutschlands Ehre und Deutschlands Befreiung zu Grunde gerichtet wird? Auch hierin ist uns Helfferich ein kluger Mahner und Warner gewesen. Helfferich hat den Aufstieg seines Vaterlandes, die Wiedererrichtung des alten kaiserlichen Deutschlands, für die er mit heißem Herzen stritt, nicht mehr erlebt, der Führer ist vom Kampfplatz abberufen worden, ehe sich der Sieg entschieden hat. Werden wir den Aufstieg, den Sieg erleben? Das ist die ernste, die furchtbar ernste Frage, vor der wir uns befinden. Wir stehen mitten im Wahlkampf: lassen wir uns nicht mutlos machen durch den Tod des Führers, sondern setzen wir uns mit doppeltem Eifer ein für das Vermächtnis, das er uns hinterlassen hat! Seinem Sinne entspricht es ganz gewiß 96 nicht, wenn wir rückwärts blickend nur Worte der Klage finden, sondern wenn wir, das Auge vorwärts gerichtet, mutig und entschlossen den Kampf zu Ende führen. Unsere Aussichten sind gut. Die Wandlung, die in diesen vier Jahren im Volke vor sich gegangen ist, ist unverkennbar. Enttäuschung über die unerfüllten Versprechungen, Ekel über die Mißwirtschaft, Not, Sorge und Verzweiflung treiben die Leute in unsere Reihen. Doch das sind äußere Merkmale, es wäre um unsere Sache, unsere Hoffnung schlecht bestellt, wenn sich das Volk nicht auch tief im Innersten gewandelt hätte: Das deutsche Gewissen ist erwacht, der nationale Gedanke regt sich mit Macht und rüttelt an den Ketten, der geschichtliche Sinn im Volke hat den Zusammenhang mit seiner großen Vergangenheit wiedergefunden! Wie ein Rauschen geht durch deutsche Lande wieder die Erinnerung an Friedrich den Großen; aus ihren Gräbern steigen die Gestalten eines Wilhelm I., eines Bismarck, Roon und Moltke und weisen dem Volke den Weg, den es zu gehen hat. Man spricht wieder von deutscher Ehre und deutschem Heldentum! Freilich wissen wir nur zu genau, daß wir waffenlos sind. Die Revolution hat uns wehrlos gemacht und seitdem haben sich ja, Gott sei's geklagt, genug deutsche Schufte gefunden, die die letzten Waffen dem Feinde verraten haben. Einen Krieg können wir nicht führen, auch Helfferich würde der letzte gewesen sein, der das deutsche Volk in eine Politik planloser Unbesonnenheit hineingeführt haben würde. Wir verlangen aber, wie er es so oft in Wort und Schrift getan hat, eine Politik deutscher Ehre und Würde; wir vermögen es nicht einzusehen, daß es der politischen Weisheit letzter Schluß sein soll, dem Feinde das Beileid beim Untergang der „Dixmuiden" auszusprechen. Wir fordern, daß nichts mehr unterschrieben wird, was wir nicht erfüllen können, ohne unsere Nachkommen auf ein Jahrhundert in Sklaverei zu bringen, und wir lehnen den Appell an die Feigheit im deutschen Volke ab, mit dem die 97 jetzige Regierung glaubt, ihre Wahlaussichten verbessern zu können. Helfferich hat sich stets an den Mut, an die alten germanischen Tugenden gewandt; nun soll der 4. Mai darüber entscheiden, ob Feigheit oder Mut, ob Sklaverei oder Freiheit das Schicksal des deutschen Volkes sein wird. Wir Deutschnationalen gehen mit gutem Gewissen zur Wahl, als die einzigen, die kein Volksgericht zu erwarten haben. Fest und unerschüttert sind die Grundlagen, auf denen wir stehen, Deutschtum, Christentum, Staatsautorität, mit dem unverrückbaren Ziel vor Augen: Die Wiederherstellung der Monarchie. Der Weg zu diesem Ziele wird vielleicht noch lang, jedenfalls dornenvoll und steinig sein. Dazu brauchen wir den unbeugsamen Mut, den starken Glauben und den festen Willen, den Helfferich, unser Führer, besessen hat. Diesen Mut, diesen Glauben, diesen Willen als heiliges Vermächtnis in unserem Herzen zu bewahren, das wollen wir ihm in dieser weihevollen Stunde geloben, das sei unser heißer Dank für sein Leben, seine Arbeit! Ein Mann, wie er es war, stirbt nicht, auch wenn seine leibliche Hülle vernichtet wird; sein Geist lebt weiter und wirkt fort, auch wenn er selbst nicht mehr unter uns weilt. Sein Geist lebt fort und wird auch uns geleiten auf dem schweren Wege, der vor uns liegt. Und wenn dermaleinst die deutsche Kaiserkrone in neuem Glänze erstrahlen wird, dann wird ein Strahl dieses Glanzes auch hinauf zu ihm dringen, hinauf zur Walhalla Deutschlands großer Söhne, in die seine unsterbliche Seele eingezogen ist! 98 Nachruf von H. E. v. Lindeiner gen. v. Wildau. Helfferich. Ganz Deutschland, ja mehr, die Welt sieht unter dem Eindruck des grausigen Todes eines Mannes, der von den einen geliebt und hochgehalten wie kaum ein anderer, von den anderen gefürchtet, ja gehaßt wie kaum ein anderer seinen Weg durch Deutschlands Not und Deutschlands Schicksal ging. Einen Weg, der ihn früh aufHöhen führte, der ihn so innig mit seines Volkes Erleben verband, daß dieses Volkes Niederbruch auch ihn aus der Bahn geworfen zu haben schien. Der aber gerade im Zusammenbruch zeigte, daß er stärker war als dies Volk, das heute noch suchend und klagend in der Irre geht. Karl Helfferich ließ sich nicht erdrücken, er ging unbeirrt seinen Weg, einen Weg, der ihn wieder in die Höhe führte und der jetzt seinem Gipfelpunkt sich zu nähern schien. Helfferich hat nie in seinem Leben für sich gearbeitet. Mögen haßerfüllte Gegner ihm auch gerade dies noch in der Todesstunde unterstellt haben. Dieser Sohn der Pfalz liebte sein Volk mit einer so völligen und glühenden Hingabe, wie man sie nur recht vielen in Deutschland wünschen möchte, die sich gern als Vater des Vaterlandes preisen lassen. Und gerade diese, den ganzen Mann und sein ganzes Werk durchtränkende Liebe machte ihn hellsichtig gegen die Fehler und Irrwege dieses seines Volkes. Um dieser Liebe willen ward er zu jenem schroffen und rücksichtslosen Kämpfer, als den ihn die anderen nur kennen. Um dieser Liebe willen warb er um seines Volkes Zukunft, um dieser Liebe willen setzte er immer wieder seine Person ein, sprang er immer wieder in die Bresche, weil er im stolzen und berechtigten Selbstbewußtsein wußte, daß er mehr konnte als die anderen, die ihm die Wege zur Rettung, die sein klarblickendes Auge erkannte, verlegen und verbauen wollten. Um seines Volkes Lebenswillen legte er, aus Pflichtgefühl und wahrlich nicht aus Besserwissen, immer wieder den Finger auf die eiternden Wunden unseres Volkes, nicht um diese Wunden 101 damit zu reizen und zu vertiefen, sondern um das heilende Werk des Arztes zu vollbringen. Helfferich hat seit Jahren in banger Sorge erkannt, daß unser Volk in die Irre ging, daß der Weg, auf dem es vorwärtstaumelte, in den Abgrund führen mußte. Er wollte der mahnende, getreue Eckard dieses Volkes sein und mußte immer wieder erleben, daß er verkannt wurde, daß man seine Stimme nicht hören wollte. Dies Schicksal der leidahnenden Liebe hat ihn hart gemacht. Ich kann es verstehen, daß der Vorhang, den er selbst vor sein eigentliches Ich in diesen schweren Jahren gezogen hat, den Menschen Helfferich dem Blick der anderen verbarg. Sie alle kannten nur den Politiker, sie kannten nicht die tiefsten, reinen Motive all seines Handelns. Sie sahen nur den unermüdlichen Kämpfer, der ihnen innerlich fremd war, weil sie nicht hinter der Maske des Kämpfers den Menschen erblicken konnten. Nur einmal riß dieser Vorhang auseinander, das war in jener mir unvergeßlichen Stunde am 2z. Juni 1922, am Vorabend der Ermordung Rathenaus, im Reichstage. Man hatte gewagt, seine persönliche Ehre anzugreifen, man hatte gewagt, die reinen Motive seines Handelns in Frage zu stellen, man hatte gewagt, ihm Haltlosigkeit vorzuwerfen und Kleben am Amt auf Kosten seiner inneren Überzeugung. Da trat er in später Abendstunde vor diesen Reichstag, der ihn umheulte und umtoste, diesen Reichstag, der vorgab, die Vertretung des Volkes zu sein, dem Helfferichs Leben und Denken von Anbeginn bis in die Todesstunde gehörte. Da zeigte er ihnen die furchtbaren Seelenqualen, die er an den Wendepunkten des großen Krieges durchgemacht, als er — der allzu klar Sehende — erkennen zu müssen meinte, daß seines Volkes Schicksal sich dem Niedergang zuneigte. Er gedachte jener Stunde, als man von ihm das letzte und höchste Opfer, das ein Mann bringen kann, das Opfer der inneren Überzeugung verlangte, und als er dieses letzte seinem Volke hingab. Nun mußte er sehen, daß er eben um dieses Opfers willen auch noch verdammt werden sollte. 102 Dagegen bäumte sich der Mensch Helfferich mit seinem ganzen heißen süddeutschen Temperament, mit der ganzen Wucht gekränkter und verschmähter Liebe auf. So wurde jene Stunde, in der Helfferich vielleicht das einzige Mal in der Geschichte seiner parlamentarischen Tätigkeit sich nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen des Deutschen Reichstages eroberte, jene Stunde, die auch die Thersitesse dieser Volksvertretung durch die adlige Größe einer deutschen Seele, die sich ganz vor ihnen enthüllte, zum Schweigen brachte. Wir andern aber, die er hinter den Vorhang seines Wesens schauen ließ, wir dursten ihn ganz so kennen lernen, wie jene ihn nur einmal, nur in dieser Stunde, sahen. Helfferich trat zum erstenmal politisch in unsere Kreise auf unserem ersten Reichsparteitage in Berlin im Juli 1919. Die meisten von uns kannten seinen Namen, kannten seinen für das Deutschland der geordneten Beamtenlaufbahn ungewöhnlichen Aufstieg und Lebenslauf. Wir Jüngeren aber besonders, die wir die Kriegsjahre im Felde verlebt hatten, wußten wenig von ihm und seinem Wirken. Die Tausende, die damals in der Philharmonie zusammen waren, an jener Stelle, an der ihm vor wenig Tagen der letzte Scheidegruß seiner Freunde nachklang, standen alle sofort im Banne dieses Mannes, in dem sie instinktiv den alle überragenden Könner und Kenner fühlten. In eine persönliche Beziehung zu Helfferich aber traten wir damals noch nicht. Dann kam sein Kampf gegen Erzberger. Mögen andere, wie es leider auch noch nach seinem grausigen Tode geschah, ihn um dieses Kampfes willen verleumden und schmähen; wir wissen, daß dieser Kampf nicht dem einzelnen Menschen Erzberger galt, sondern daß es ein Ringen um die Reinheit unseres Volkes war, dem er zeigen wollte, in welche Abgründe der Verleugnung deutschen Wesens es zu versinken drohte. Helfferich wurde zum vielumjubelten Helden weiter Volkskreise; nicht sein Kampf, nicht das Ziel seines Kampfes war es zuerst, was die anderen für ihn begeisterte, nein, es 10z war das Gefühl: Endlich wieder ein Mann in dieser Zeit derSchatten und Schemen! Es kamen die Reichstagswahlen des Jahres 1920. Fast jeder deutschnationale Wahlkreis bot Helfferich das Spitzenmandat an, drei Wahlkreise entsandten ihn in den Deutschen Reichstag. Er entschied sich für Hessen- Nassau, weil dieser Wahlkreis der größte war und deshalb am meisten Arbeit von ihm verlangte. Es kam unser Münchener Parteitag. Helfferich führte seine junge Gattin in unseren Kreis. Seitdem lernten wir den Menschen Helfferich kennen und lieben. Wer je in seinem Hause war, wer ihn mit seinem Sohn zusammen sah, wer das strahlende Leuchten in seinen Augen erblickte, wenn er von seinem Jungen sprach, dem wurden diese Stunden zum Erlebnis, der verehrte in Helfferich nicht mehr allein den Führer, der liebte in ihm den Menschen. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, daß Tausende aus unseren Reihen für diesen Mann, der den anderen nur als der kalte Rechner erschien, freudig in den Feuertod gegangen wären, den ein unerforschliches Schicksal ihm bestimmt hatte. Ich denke dann an jene Stunden in Hamburg vor wenig Wochen, als Helfferich zum letztenmal, aus dem fernenStresa, wo er Erholung suchte, herbeieilend in unseren Kreis trat. Ich habe ihn nie mit einem so heiligen, erschütternden Ernst sprechen hören, wie dort nach der Rede seines Freundes Hergt. Er stand unter dem Eindruck des siegerhoffenden Jubels, den Hergts Worte bei den Tausenden ausgelöst hatte. Es war, als ob er fürchtete, unsere Siegeshoffnungen könnten uns den furchtbaren Ernst der Aufgabe vergessen lassen, zu denen uns der ersehnte Sieg führen sollte. Da trat er noch einmal vor uns alle und erhob seine mahnende Stimme. Nicht als ob er uns abhalten wollte, Verantwortungen zu übernehmen, sein ganzes Leben stand ja unter dem Dränge, Pflichten und Verantwortungen übernehmen zu können. Aber er wollte uns warnen vor Geringschätzung der Aufgaben und die ganze Partei mit jenem, ich möchte sagen, religiösen Ernst 104 erfüllen, der im tiefsten Grunde stets Triebfeder seines Handelns war. Ich denke jener Abendstunde des Hamburger Reichs- parteitages, als zehntausend deutsche Frauen und Männer zu einer letzten Kundgebung versammelt waren, bevor sie in den Wahlkampf hinauszogen. Helfferich hatte eigentlich nicht sprechen wollen, er litt wieder unter den Kopfschmerzen, die ihn seit einigen Monaten kaum verließen. Da sah und hörte er, daß all die vielen, die zusammengeströmt waren, gerade von ihm ein Wort des Trostes und der Hoffnung erwarteten. Er überwand sich und sprach zu uns. Ich glaube kaum, daß je wieder ein deutscher Politiker von solchem Jubel, von solch hingebender Begeisterung umtost worden ist wie Helfferich in dieser Abendstunde. Und dieser Jubel schien ihn fast zu erdrücken, weil er wußte, wie unendlich schwer die Aufgaben seien, und wieviel geschehen müsse, um auch nur einen Teil dieser gläubigen Hoffnungen zu erfüllen. Sein Blick glitt über die Massen, glitt über diese verhärmten, gebeugten Gestalten, die sein Wort und seine Person auf Minuten aus dem Dunkel dumpfer Hoffnungslosigkeit herausgerissen, denen er einen Blick in ein lichteres Morgen eröffnet hatte. Sein Blick glitt über die deutschen Jünglinge, die, die jungen Fäuste um den Schaft der schwarz-weiß-roten Fahnen gepreßt, jauchzend zu ihm emporschauten, in dem sie den Führer ahnten, nach dem ihr junges Herz sich sehnte. Da brach das Eis, und über Helfferichs Wangen rollten die Tränen. Da hatte er nur das eine Wort für uns: „Wenn Ihr schon „Heil" rufen wollt, dann gelte es nicht einem Menschen, dann gelte es unserem Vaterlande!" Das war das Bekenntniswort des deutschen Mannes Helfferich! Ahnte Helfferich, daß diese Feierstunde seine Abschiedsstunde von uns war, sagte ihm eine innere Stimme, daß er uns noch ein gutes Wort mit auf den Weg geben müsse? Wir wußten es nicht, wir können es heute noch nicht glauben, er wurde von uns gerissen in jener Stunde, als er ganz unser 105 eigen wurde. Hat der ewige Lenker der Schicksale der Menschen und Völker diese letzte Stunde, in der wir ganz eins wurden mit ihm und er mit uns, uns noch schenken wollen, damit sein Andenken in ihr sich uns verkläre? Wir danken dem Schicksal für diese letzte Gnade. Wenn dies furchtbare Ende ihm schon bestimmt war, wenn er schon von uns gehen mußte im Morgendämmern des Tages, an dem alle Hoffnungen, die sich mit ihm verknüpften, zur Wirklichkeit werden sollten, dann soll er in uns fortleben als der Helfferich der Abendstunden von Hamburg, der Helfferich, dem die Not seines Vaterlandes und die Liebe zu seinem Volke die Träne ins Auge trieb. Nicht die Träne ohnmächtigen Jammers über Verlorenes, sondern die Träne der 'gläubigen, sich selbst opfernden Liebe. Jener Liebe, die zürnen kann, die aber der Zorn nicht erstickt und ertötet zum Haß, sondern die die heiße Sehnsucht des Helfens umsetzt in errettende Tat. 106