MMIIMllMMIIMMlMMUIIlllMNMVWNIMllW s^eds über Wirtschaftskrieg und V^irtscbaktskrieden gekalten von Staatsminister Or. k)e!fferick vor dem Verband des Cinkukrkandels om 16. März !9!3. ^ ^ v ' ^ F j >^ ' - " V ^ Verlag von Ssorg Stilke, Berlin NM? kofbuckdSndler Sr> kalserl. und KSnigl. kodsit des kro?>.pklnzeu lN8 Meine Herren! Es ist mir eine große Freuds, gerade in Ihrem Kreise zunk erstenmal nach meinem Rücktritt von meinen früheren Staats-» ämtern öffentlich sprechen Zu dürfen, in einem Kreise vion .hervor--, ragenden Kaufleuten, die von der Erkenntnis der Notwendigkeit des Wiederaufbaus unserer wirtschaftlichen Außenbeziehungen zusammengeführt ävorden sind. Die Jahre meiner eigenen Zugehörigkeit zum kaufmännischen Beruf haben mir Gelegenheit gegeben, auf dem weiten Felde unserer Auslandsinteressen, dem Ihr Verband seine besondere Aufinerksamkeit widmet, tätig zu sein, und diesen Jahren verdanke ich zum wesentlichen Teil das Rüstzeug, 'mit dem ich in dieser großen und schweren Zeit an de°r Führung der Reichsgeschäfte habe mitarbeiten dürfen« Ich bin deshalb gern und dankbar der Einladung Ihres ver-' ehrten Herrn Vorsitzenden nachgekommen, bei Gelegenheit Ihrer Jahresversammlung vor Ihnen über eine Frage zu sprechen, die Ihre Berufsarbeit so nahe berührt, — frei und rückhaltlos^ als unabhängiger Privatmann, der unter keiner anderen Verantwortlichkeit spricht als seiner eigenen. M. H.! Ich zweifle nicht daran, daß Sie in der Frags Wirtschaftskrieg und Wirt.sch aftsfrieden mit mir in den Grundforderungen übereinstimmen. Ich bin auch nicht etwa hierhergekommen, um Sie zu belehren oder zu überzeugen« Denn ich weiß, daß es ein zwar Seauem!es> aber unfruchtbares Geschäft ist, Bekehrten zu predigen. Wenn ich mir trotzdem von dieser Stunde — vielleicht unbescheidener Weiss — einigen Nutzen glaube versprechen zu dürfen, so liegen die Gründe auf einem anderen Feld. Sie alle stehen in der Arbeit und dem Kampf des Tages. Die nächste Sorge hat das erste Recht, und das ist gut so. Aber es ist auch' gut!und notwendig, von Zeit zu Zeit haltzumachen und über die nächsten Sorgen hinaus den Blick auf den großen Zusammenhang der Dinge zu richten« Goethe sagt im West-östlichen Divan: „Wer nicht von dreitausend Jahren Sich weiß Rechenschaft zu geben, Bleib' im Dunkeln, unerfahren, Maig. von Tag zu Tage leben!" M. H.! Erschrecken Sie nicht vor den dreitausend Jahren! Ich biu kein Poet und werde es deshalb billiger machen. —- Aber ernstlich gesprochen! Wir leben in einer Zeit entscheid A dungsschwerster Weltgeschichte. Was wir erleben, hat tiefe Wurzeln in der Vergangenheit und wird gewaltig hineinwachsen in die Zukunft der Völker. Die Einzelhandlungen und Einzelvorgänge, die wir mit dem Wort „Wirtschaftskrieg" zusammen-, fassen, sind ein untrennbares Stück in dem großen Geschehen und erhalten in ihnt erst ihre volle Bedeutung. Deshalb lassen Sie Mich versuchen, Ihnen diese Dinge in einem etwas, weiter gespannten Rahmen zu zeigen. Und dann ein anderes! Unsere Uebereinstimmung hier ist schön und gut. Aber wir sind nicht allein auf der Welt mit unsern Ansichten und unsern Bestrebungen. Ich! denke dabei nicht nur an unsere Feinde, deren Willen naturgemäß anders gerichtet iist al!s der nnsrige. Ich denke dabei auch an große Teile unseres eigenen Volkes, denen die volle Bedeutung der wirtschaftlichen Friedens fragen für unsere nationale Zukunft noW nicht aufgegangen ist< Wenn man liest und hört, was heute bei uns geschrieben jund gesprochen wird, wenn man dagegenhält, was unsere Feinde sagen, und vor allem, was unsere Feinde tun, dann überkommt einen manchmal das beklemmende Gefühl, daß die hellere Einsicht in unsere Lebensinteressen bei unsern Feinden ist. Die große Masse unseres Volkes denkt noch heute euro.- päisch-kontinental, inmitten eines Weltkrieges, der als Weltkrieg nie und Nimmer entstanden wäre ohne das Wachsen unserer weltwirtschaftlichen Interessen; der aus gefochten wird—< nach Rußlands Ausscheiden mehr denn je zuvor — um unser« künftige Geltung in der Weltwirtschaft. Der Engländer hat Nie kontinental gedachjt; ein treffendes Wort sagt von ihnt! „er denkt in Kontinenten". — Der siebenjährige Krieg ist für uns Deutsche Preußens Selbstbehauptung gegen-, über einer gewaltigen Uebermacht von Feinden und damit diej Erhaltung der Wurzel, aus der das neue Deutsche Reich gv» wachsen ist. — Was ist er für England, Preußens damaligem Verbündeten? — Ich spreche mit den Worten des großen PitL:. „Die Eroberung Amerikas lauf deutschem Boden"; und ich svreW mit den Worten Thomas Carlyle's; „das Hüteramt der Freiheit der Meere, und zu diesem weisen Zweck die Herrschaft: über die Meere." Und die napoleonisch!en Kriegs? — Für uns: die Wahrung des nationalen Daseins, die Befreiung vom! Joch der Fremdherrschaft; für England: die endgültige VerniH-, tung der Seegeltung Frankreichs, der Mederaufbau des durch den Abfall der Union schwier getroffenen Kolonialreichs, der MMau! und die Sicherung der Herrschaft über Indien, die Eroberungj des Kaplandes, — von Malta, Ceylon und anderen belang-, loseren Kleinigkeiten ganz zu schweigen. — Nebenbei bemerkt! Als im siebenjährigen Krieg England sein Ziel erreicht hatte mit Hilfe des großen Preußenkönigs, der Frankreich am Kopfe hielt, während England ihm seinen überseeischen Rock auszog — da ließ England den schwer bedrängten Bundesgenossen, schmählich im Stich und machte hinter seinem Rücken auf seine kosten Friedensangebote. Und nach den napoleonischen Kriegen, wo blieb der Dank für unsere Waffenbrüderschaft? Wo blieb die Erinnerung an Belle Alliance? — Die Geschichte des Wiener Kongresses gibt die Antwort! — Das hat freilich Herrn! Balfvur, den weit über das englische Durchschnitts maß philosophisch und historisch gebildeten britischen Staatsmann, nicht gehindert, in seiner letzten Rede die Dankbarkeit zu ver-, missen, die angesichts der Rolle Englands im Siebenjährigen Krieg und den napoleonischen Kriegen Deutschland den Briten für ihre Bemühungen schuldig sei. — — Der Brite ist eben so gradlinig in seinem politischen Denken, daß er nur sein ei Ziele sieht;, er ist sich Zweck der Weltgeschichte und alle anderen Nationen sind ihm nur niedere Werkzeuge, die England selbst dafür dank schulden, daß es sie für seine Zwecke benutzt und dann wegwirft. Wir Deutschen sind weniger großzügig! Unsere Geschichte, seit Jahrhunderten ausgefüllt mit dem Ringen nach innerer Einheit und mit der Verteidigung gegen kriegslustige und beutegierige Nachbarn, hat unser Volk gezwungen, den Blick auf den nahen Raum einzustellen. Unser Volk ist erst im letzten halben Jahrhundert allmählich aus der kontinentalen Enge herausgewachsen, ohne sich selbst dessen voll bewußt zu werden. Wer Deutschland Nicht nur von innen,, sondern auch von außen sah, wer an der. Kenntnis der Verhältnisse anderer Länder einen Maßstab hatte .für die Kraft und das Wachstum des eigenen Volkes, der konnte sich des Gefühls nicht entschlagenz, wie klein und eng wir uns selbst sahen. Als ich nicht allzulang vor dem Kriegsausbruch in einer Keinen Schrift die beispiellose wirtschaftlich« Entwicklung Deutschlands darstellte, als ich dabei unser Volis- vermögen vorsichtig auf etwas mehr als 800 Milliarden urch unser jährliches Volkseinkommen auf 42 Milliarden veranschlagte, als ich feststellte, daß wir wirtschaftlich und finanziell !iedein anderen Lande gewachsen seien, da sah ich manches ^ F i VchWeln des KopM. Noch auf dem Ban?iertag in München Lm Jahre 1912 mußte ich — und konnte ich aus ehrlicher Ueberzeugung — der Auffassung entgegentreten, die dort nicht etwa vom ersten besten geäußert wurde: Deutschlands Finanz--? und Kreditverfassung stehe auf so schwachen Füßen, daß wir, ii,N Rücksicht darauf in der Marokkokrisis hätten klein beigeben müssen« — Im Ausland hörte man damalsdie Mär von unserer inneren Schwache nur gar zu gerne und saugte daraus eine verhängnisvolle Zuversicht. Heute haben wir nahezu 80 Milliarden allein an'Kriegsanleihen, aufgebracht.. Bei der bevorstehenden achten Kriegsanleihe tvird Teutschland abermals seine Schuldigkeit tun; ihr Ergebnis wird sich würdig dem! der sieben ersten An? leihen anschließen und aufs neue unseren Feinden beweisen, daß jede Spekulation aus unsere wirtschaftliche und finanzielle Erschöpfung eine FehlrechuunH ist!./ Was von der engen Beurteilung unserer wirtschaftlichen und finanziellen Kraft im allgemeinen gilt, das gilt in gleichem Maße von dem Bild!, das unser Kolk im großen Ganzen sich! von, der Ausdehnung! unserer weltwirtschaftlichen Stellung Machte. Wir erbauten uns Wohl an hübschen Zahlen, die, uns aufzeigten, wie unser Handel mächtig in die Höhe ging ; und der einzelne, der mit dem Auslande Geschäfte machte, freute sich der Mehrung seines Wohlstandes, des Erfolges seiner harten Arbeit. Aber Hand aufs Herz, meine Herren! Wie wenige auch von denen, die mitten drinnen standen im großen Getriebe der Weltwirtschaft, waren sich Aar darüber, was diese Entwickelung als Ganzes im Prozeß der Weltgeschichte bedeutete, wasZ sie an Verschiebung in der Gleichgewichtslage der Völker alli°> mählich aber sicher herbeiführte, was sie an Neid und Eifersucht^ an ernster Besorgnis und an politischem Gegendruck auslöste! Ich will Sie nicht mit allbekannten Zahlen aushalten- Alle- Welt weiß, daß vor dem Kriege unsere Kaufleute durch größere Arbeitsamkeit, Beweglichkeit und Rührigkeit den Engländern aus den Märkten der Welt immer mehr einen erfolgreichen Wett-, bewerb machten; daß wir auf wichtigen Gebieten der Industrie technisch die Engländer überflügelt hatten. Wir hatten EuglanU vor dem Krieg! in der KohlensKrderung fästi erreicht? wir hatten es in der Roheisen- und Stahlerzeugung «»-»< N illut ewa das Doppelte Wertroffen, und UnsÄe MuZfuyA wa« der englischen hart aufgerückt. Bei drr Ausfuhr lassen Sie mich einen Augenblick verweilen! Den richtigen, Maßstab für eine Beurteilung des deutsch-englischen Wettbewerbs gibt nicht die Ausfuhr in ihrer Gesamtheit, sondern die Ausfuhr nach den Märkten, die für beide Teile die gleichen Bedingungen bieten, die vor allem territorial weder zu dem' einen noch dem anderen der beiden rivalisierenden Länder gehören; also die Ausfuhr nach den'Ländern außerhalb des britischen Imperiums (einschließlich Aegyptens) und außerhalb Deutschlands und seiner Kolonien. Nach dieser handelspolitisch neutralen Welt hat sich die Ausfuhr Deutschlands und Englands wie folgt entwickelt: Im Jahre 1889 England 3809 Mill. M., Deutschland 2526 Mill. M. .. .. 1910 „ 4151...... 3632 „ „ .. 1913 .. 7122 „ .. „ 8187 „ Teutschland hatte also mit feinem Absaß nach denjenigen Gebieten, die Englands Territorialhoheit nicht unterstehen, int Jahre 1913 England um eine Milliarde Mark überholt. Englands Vorsprung in der Gesamtausfuhr beruhte ausschließlich aus seinem Export nach seinen Dominions und Kolonien., Dort» hin exportierte England im Jahre 1913 Waren im Werte von 4344 Mill. ^S., während Deutschland nach diesen britischen Herrschaftsgebieten nicht viel mehr als den zehnten Teil, nur 454 Mill. ^, ausführen konnte. Englands Ausfuhr hielt also ihre Ueberlegenheit nur noch, wo England die politische Herrschaft ausübte, dort allerdings mit einem ganz gewaltigen Vor- fprung; auf den neutralen, beiden Teilen in gleicher Weise und Zu gleichen Bedingungen osfenstehenden Märkten aber hatte vor Kriegsausbruch Deutschlands Export dem englischen bereits einen erheblichen Vorsprung abgewonnen. Eine ebenso wichtige Wie in Teutschland wenig bekannte und beachtete Tatsache^ Was uns kaum recht zum Bewußtsein kam, das sah und Interessant ist. daß Deutschlands Einfuhr aus den britischen Kolonien uns Dominions simmer einschließlich Aegyptens) sich im Jahre 1913 aus 1333 Millionen Mark stellte, gegenüber einer Ausfuhr dorthin in Höhe von nur 454 Millionen Mark. Unsere Handelsbilanz mit den britischen Kolonien und Dominions zeigte also einen Passitzsaloo in Höhe von 879 Millionen Mark. Dagegen hatte das großbritan- insche Mutterland selbst aus seinem Kolonialreich eine Einfuhr von 4230 Millionen Mark gegenüber einer Ausfuhr von 4344 Millionen Mark, was einen Ausfuhrüberschuß von 114 Millionen Mark ergibt. Während unsere Ausfuhr nach dem britischen Kolonialreich nur etwa den zehnten Teil der englischen Ausfuhr ebendahin erreichte, machte unsere Einfuhr von dort fast den dritten Teil der englischen Einfuhr aus. ^ 7 -. .fühlte der Brite. 'Seine Augen sind seit Jahrh'underten auf die Weite gestellt. Er hat der Reihe nach den Spaniern und Portugiesen, den Holländern, den Franzosen in den schwersten Wuchsen, die bisher die Weltgeschichte füllten, die Herrschaft über die Meere und den ersten Platz in der überseeischen Welt Abgerungen. Es hat bis in unser Jahrhundert hinein seine, Weltherschaft befestigt und ausgedehnt, auf friedlichem Wege, wo es anging, mit Waffengewalt, wo man die Britenherrschaff nicht als Völkerfreiheit gutwillig aufnahm. Der Brite sah unser wirtschaftliches Wachstum, sah insbesondere unsere weltwirtschaftlichen Fortschritte, anfangs wohl mit einer gewissen Geringschätzung, zeitweise verbunden mit einem gönnerhaften Wohlwollen, später mit wachsender Unruhe« Er sah in unserer Entwickelung schließlich eine Gefahr für seine schwer erkämpfte Weltstellung, eine Bedrohung, die auf unserer Seite jedenfalls der Absicht aller derer fernlag, deren Arbeit wir unser Vorwärtskommen zu verdanken haben. Denn der deutsche Kaufmann und der deutsche Industrielle sind von Natur aus friedlich. Sie sind es gewöhnt, sich mit anderen zu vertragen, schon deshalb, weil Machtmittel, wie sie der Brite in seinem gewaltigen überseeischen Derritorialbesitz und in seiner allgegenwärtigen Flotte zur Verfügung hatte^.^em deutschen Kaufmann — trotz der von den Engläi^ern vielberufenen Ver- wehrung unserer -Flotte — nur in beschränktem Maßie oder überhaupt nicht zur Verfügung standen. Aber -mochte auch bei uns niemand an einen Anschlag gegen das britische Imperium denken, der Brite, seit. JaHrhunderten« gewohnt, seinem Handel mit dem Schwert Voranzugehjen, konnte! sich kaum vorstellen, daß dem deutschen Handel das Schwert Nicht wenigstens folgen sollte. Das war der Alpdruck, der auf England lastete! Der wachsende Erfolg unserer friedlichen Arbeit hat uns meh!r als alles andere bei den Engländern, deren ganze Geschichte Imperialismus vom reinsten Wasser ist, in den Ruf gewalttätiger Imperialisten M bracht! Noch in seiner letzten Rede hat Balfour den Deutschen eine „Leidenschaft für allgemeine Expansion" zugeschrieben und die „ausgespro chene Absicht, nicht nur .Deutschland zu einem großen Reiche zu machen, sondern den Rest d er zivilisierten Welt zu seinen Füßen kriechen zu lassen!" Das sind d-ie Worts dsZ MrtrÄ-eM derjenigen NaÄSH ^- 8 - für die „Handel, Krieg und Piraterie" immer zusammen gehört haben, die mit den Waffen in der Hand sich Wer alle Weltteile ausgedehnt, sich! mit den Waffen in der Hand an allen wichtigen Meeresstraßen festgesetzt und das größte Weltreich geschaffen, hat, das je von der Sonne beschienen worden ist. Das sind die Worte eines' britischen Staatsmannes g!egeik-. 'über dem deutschen Volk, das die gewaltige Ausdehnung seines Welthandels ausschließlich der friedlichen Arbeit verdankt, das seit Jahrhunderten die Waffen nur zu Zwecken der Verteidigung gezogen und niemals Zu Zwecken der Expansion einen Krieg gegen einen zivilisierten Dtaat geführt hat, dessen Kaiser! L6 Jahre lang unter oft schweren Herausforderungen den Frieden gehalten hat und reinen höheren Wunsch! kannte, als! sein Friedenswerk in Frieden zu vollenden. Nber einerlei! Die menschlichen Entschlüsse, die die Ge-» schichte machen, werden nicht bestimmt von den Dingen wis sie sind, sondern von den Dingen, wie sie von den Völkern! und den handelnden Personen gesehen werden. Was der Eng-, länder sah, auch wenn man von der albernen Furcht vor einer bewaffneten Bedrohung absieht, war für ihn eine zu starte Versuchung, sich die wirtschaftliche Weltstellung mit den Macht-« Mitteln zu erhalten, die sie geschaffen hatten. Die HofsnuMsfreudigen, die gern an die nahe Verwirklichung der Menschheitsideale glauben, wiegten sich — trotz! des Burenkrieges und anderer militaristisckMmperialistischer Manifestationen des Britengeistes — in der Zuversicht, daß die Zivilisation auch dem britischen Löwen die Klauen be-, schnitten habe, daß England friedfertig und duldsam geworden sei. — Heute wissen wir, daß der Geist der Cromwell,; Elive und Warren Hastings höchstens geschlafen hat, aber jnicht gestorben war. Seit dem Beginn dieses Jahrhunderts wa« Englands Politik planmäßig gegen Deutschland orientiert. England hat Frankreich nach der Züchtigung von Faschoda, Rußland nach der Abstrafung durch Japan in seine Kreise gezogen, es hat in allem und jedem sich auf eine bewaffnete Auseinandersetzung, mit Deutschland eingestellt, mit Deutschland, das im Laufe der Jahrhunderte oft genug mit England gemeinsam gefochten, das nie mit England die Waffen gekreuzt hat, und das auch jetzt nur als wirtschaftlicher Rivale Englands vor d-ie Sonne trat. - Z Der Weltkrieg ist unmittelbar entstanden aus dem rus-^ sis ch-serbis chen Konflikt, in dem Serbien als vorgeschobene Pichpe des großen slavischen Bruders figurierte. Aber für England war der Krieg 5?on Anfang an ein Wirtschaftskrieg zur Niederwerfung des deutsrlzen Wettbewerbes. Die Heuchelei ist bekanntlich die Huldigung des Lasters vor der Tugend. In diesem Sinne hat England es vorgezogen, statt unter der Flagge des Wirtschaftskrieges, unter der Flagg e der belgisch enNeutralität in den Krieg einzutreten^ Es hätte sich, wie aktenmäßig, feststeht, mit der bereits etwas zerschlissenen Flagge der Aufrechterhaltung des euro-, päischen Gleichgewichtes begnügt, wenn wir Belgien! nicht angerührt hätten. Diese Flagge lag zur Entfaltung bereit. Laut Ausweis des' englischen Blaubuches hat Sir Edward Grey am 2. August, als die belgische Frage noch offen war, dem französischen Botschafter die formelle Zusage- gegeben, die britische Flotte werde, sobald die deutsche Flotte auslaufen sollte, um die französische Flotte zu beunruhigen (!), intervenieren in der Art, daß von diesem Augenblick an England und Teutschland sich im Kriegszustand befinden würden.- — "Es hätte also unsere „Verletzung" der von England und Belgien selbst schwer kompromittierten belgischen Neutralität! gar nicht bedurft, um mit England in Krieg zu kommen.- England war entschlossen, unter allen Umständen einzugreifen; denn jetzt hatte es die sorgfältig vorbereitere Gelegen- heit, im Bunde mit einer starken Uebermacht und folglich mit guter Aussicht auf einen raschen Erfolg über uns herzufallen^ Das Verfahren ist in der englischen Geschichte keineswegs- !neu, es ist traditionell., England hat nie gerne den Frieden! gestört; dazu ist seine politische Erziehung zu gut! Es hat auch im Spanischen Erbfolgekrieg, im Siebenjährigen Krieg, in den napoleonischen Kriegen abgewartet, bis andere aus ganz unenglischer Veranlassung, aber nicht immer ohne unterirdische britische Aufmunterung, den Krieg angefangen hatten, um dann die gute Gelegenheit für die Niederkämpfung eines Rivalen und zur Erweiterung seiner maritimen, kolonialen und wirtschaftlichen Vorherrschaft wahrzunehmen, Englands Angriff auff Deutschland schließt sich also auch in den Formen durchaus! seinen früheren Wirtschafts-- und Kolonialkriegen an: er erscheint als getreue und folgerichtige ^rtsetzung ehrwürdiges britischer TrsckÄwnKw, 10 Und lals Kolonial- und Wirts >ch asts? rie g dachte England den Krieg von Anfang an zu führen. Eine Beteiligung britischer Truppen auf den: Kontinent war nur in ganz geringem Umfange beabsichtigt. 200 000 Mann iodcr fo etwas. Dafür übernahm es 'England, Subventionen an geldschwache Verbündete zu. zahlen, das Meer von unsern Schiffen zu reinigen, unsere fast wehrlosen Kolonien zu überfallen, unsere friedlichen Handelsniederlassungen über See auszuplündern oder sich anzueignen. England gedachte wemg zu bluten, nicht allzuviel zu bezahlen, überseeische Eroberungen und gute Geschäfte zu machen. JH erinnere an das Wort von „business as usuä'I > vom Geschäft wie 'gewöhnlich, das während des Krieges weitergehen sollte; an das Wort VoM „mg.QukacziuriQA xrill s ? vom industriellen Teilhaber, dessen unblutige und gewinnbringende Rolle England sich im Kreise seiner Verbündeten vorbehalten wollte; und schließlich an den verblendeten Ausspruch Sir Edward Drey«,'s, England werde, wenn es dem Krieg fernbleibe, kaum weniger leiden, als wenn es am Krieg teilnehme. Tiefe Worte werden den britischen Staatsmännern in Zeit Und Ewigkeit ebenso anhängen, wie dem Franzosen Ollivier das Wort von dem „leich'ten HerAen", mit dem er 1870 die Verantwortung für den Krieg mit Deutschland übernahm.^ i Es ist ja manches 'anders gekommen, als England es sich dachte. Wir haben die Briten gezwungen, für das, was sie angerichtet haben, nicht nur nnt ihrem Geld — !und mit viel, viel mehr Geld, als England jemals sich träumen ließ — sondern auch Mit Strömen kostbaren Britenblutes zu zahlen. Wir haben England härter Mgesaßt, vls es ihm in Jahrhunderten geschehen ist. Wir haben mit dem U-Boot-Krieg unsere Hand an die Wurzeln von Englands Kraft gelegt> ungleich! Wirksamer als Napoleon mit seiner Kontinentalsperre; und aus dem Krieg, in dem England leichtes Spiel, aus dem es billigen Gewinn zu haben glaubte, ist für England der bitterernste Kampf ums Dasein geworden. Aber alles das darf uns nicht das Auge dafür trüben, wie planmäßig und wie erfolgreich England das Programm seines Wirtschaftskrieges bisher durchgeführt hat. Es Kst wohl niemand unter Ihnen, meine Herren, der das nicht am ir ^ eigenen Leibe spürt. Mancher von Fhnen ist Wohl in seiner! Lebensarbeit und seiner Existenzgrundlage auf das härteste getroffen Ich kann mich deshalb kurz fassen und brauche Ihnen nicht im einzelnen aufzuführen, wie England durch den Bruch allen Kontrebande- und Blockaderechts uns vom Seeverkehr mit der Außenwelt in Einfuhr und Ausfuhr abgeschnitten hat, wie es durch Schwarze Listen und Kontrollen, durch Einschüchterung und Vergewaltigung, wie es schließlich durch die Daum schrauben des Hungers auch unseren neutralen Nachbarn den Wirtschaftsverkehr mit uns verschränkt hat, wie es durch Sequestrationen und Zwangsliquidationen, durch Aufhebung von Verträgen, durch Patentraub, durch Zerstörung unserer Niederlassungen und Verschleuderung unserer Warenvorräte, durch jede Art der Schikane und Drangsalierung überall im Bereiche seiner Gewalt unsere wirtschaftlichen Werte Zu vernichten bestrebt ist., Weit über das britische Weltreich und die Gebiete seiner ursprünglichen Verbündeten hinaus hat England die Tätigkeit der Zerstörung unserer Niederlassungen und unseres Handels ausgedehnt. Es hat Nationen in den Krieg gelockt oder in den Krieg gezwungen, mit denen wir nicht die geringsten Difße-- renzen hatten und die 'militärisch nicht einen Schuß Pulver zum Kriege gegen uns beitragen. Denken Sie an China und Brasilien, an Siam, an Honduras und Guatemala und wie diese „Feinde" alle heißen. Sogar die Negerrepublik Liberia hat man nicht vergessen. — Wo liegt hier der Zweck? — Ausschließlich im Wirtschaftskrieg, ausschließlich in der Wegnahme wirtschaftlicher Werte, ausschließlich! »in 5er 'Zerstörung deutschen Geschäftes, in der Vernichtung der Früchte deutscher Wirtschafts-- und Kulturarbeit! Wir würben uns täuschen, M. H., wenn wir in diesen Maßnahmen An Kriegsmittel sehen wollten, das mit Beendigung des Krieges gewissermaßen von selbst verschwindet« Gewiß handelt es sich! um ein Kriegsmittel, wenn England imZ durch die Voreuthaltuug von Nahrungsmitteln aushungern, durch die Vorenthaltuug kriegswichtiger Rohstoffe wehrlos pmchen will. Aber die L7u:ßirahine» sind- nicht nur Kriegs6 Imittel, sie sind noch viel mehr Kriegszweck. Die Engländer gehen darauf hinairs. den deulsiZxen Handel und die drutscheNrbei! nutSwnrps und Stiel auszurollen, mit ewemVandQÜsumS, ds-.' Kr-n Gras mehr wachsen lallen will. England führt den Krieg, UM uns als Wettbewerber ein für allemal zu erledigen, mit der ganzen grünblichen und sachlichen Vollständigkeit, deren nur die Engländer fähig sind. Die Beschlüsse der Pariser Wirtschaftskonferenz und die Art und Weise, wie der „Freihändler" Asquith sie vor dem baltischen Parlament vertreten hat, sind> ein Eingeständnis, das an Offenheit nur zu überbieten ist durch Earson's Aeußerung, unser ganzer Handel müsse in Grund und Boden bombardiert werden. England möchte, um uns auch nach -dem Krieg wirksamer niederzuhalten, den Wirtschaftskrieg gegen uns im Bunde mit seinen heutigen Alliierten fortsetzen unb vertiefen. Die Verweigerung der Meistbegünstigung, die differentielle Behandlung unseres Handels und unserer Schiffahrt sind die Mittel, die auf der Pariser Wirtschaftskonferenz erörtert und im Prinzip — wenigstens für eine unbestimmte Unzahl von Jahren nach dem Friedensschluß — gebilligt worden sind. Nehmen Sie darüber hinaus die Maßnahmen, die bestimmt find, uns dauernd den Bezug wichtiger industrieller Rohstoffe zu erschweren oder unmöglich zu machen! Ich verweise vor allem auf das, was auf dem Gebiet des Metallhandels vor sich geht, in dem vor dem Krieg deutsche Firmen sich durch ihre Tüchtigkeit eine ansehnliche, für die deutsche Volkswirtschaft sehr nützliche Stellung erworben hatten. Um den deutschen Kaufmann und Industriellen von dem Geschäft in den Rohmetallen dauernd auszuschalten und die Grundlage für eine britisch-amerikanische Kontrolle des gesamten Metallhandels zu schaffen, hat die britische Regierung kürzlich im Parlament ein Gesetz zur Annahme gebracht, das die Betäti- gnng in der Erzeugung, dem Handel und der Verarbeitung der Metalle von der Erteilung einer Lizenz abhängig macht. Die- Lizenz darf nicht gegeben werden, zunächst bis fünf Jahre nach Friedensschluß, an Angehörige feindlicher Staaten und an Gesellschaften, an denen feindliche Staatsangehörige direkt oder indirekt beteiligt sind; den feindlichen Ausländern sind dabei gleichgestellt naturalisierte Engländer, falls sie selbst oder ihre Borfahren zurück bis zur zweiten Generation die Angehörigkeit eines feindlichen Staates besessen haben. Das Beispiel ist schlagend. Es zeigt mehr als alle Ministerreden, wohin die Reise geht< Au all dem kommt der unerhörte Feldzug der Lügv und Verleumdung, durch! den unsere Feinde — England anch hier allen voran — 13 — kns in den Augen der ganzen Welt als Barbaren und WüteriHe AU diffamieren gesucht haben, als Aussätzige, von denen kein Hund mehr ein Stück Brot nehmen darf. Hat sich doch ein Wann wie Lord Robert Cecil nicht geschämt, der ebenso albernen wie scheußlichen Erfindung von der industriellen Verwertung Unserer Soldatenleichen ein Relief zu geben! — AuH dieser Verleumdungsfeldzug ist Kriegsmittel und — in seiner Wirkung — Kriegszweck: unsere wirtschaftliche Absperrung soll durch den moralischen Boykott wirksamer gemacht werden. Ebenso hat England in militärischer Beziehung die 'Methoden seiner alten Kolonial- und Wirtschaftskriege verfolgt, so groß auch die Anstrengungen sind, zu denen wir es auf dem Kontinent gezwungen haben. Es hat sich auf unsere Kolonien gestürzt und eure nach der andern, trotz der heldenhaften Gegenwehr unserer schwachen Besatzungen, erobert. Es hat für die .Dardanellen und Saloniki, für Syrien und Mesopotamien stets Truppen übrig gehabt, trotz mancher Beschwerden seiner im eigenen Lande hart bedrängten Bundesgenossen und trotz mancher heftigen Kritik im eigenen Haus. Gegenüber dem Obersten Nepington, dem jetzt gemaßregelten und wegen Hochverrats angeklagten früheren Militärkritiker der! Times, der die Konzentration Äller verfügbaren Kräfte auf dem französisch-belgischen Kriegsschauplatz verlangt, hält sich Lloyd George mit seinen Außenexpeditionen an die alte Tradition. Er hat neben den Mißerfolgen an den Dardanellen und in Saloniki die recht ansehnlichen Erfolge in Palästina, in Südmesopotamien und Persien zu verzeichnen. Und das Ergebnis? — Während kein einziger der europäischen Bundesgenossen Englands — außer den Portugiesen — den Feind außerhalb seines Landes hat halten können, während Nußland, Rumänien, Serbien, MontenegrozuBodenliegen und Frankreichs wertvolle Nordprovin-en seit 3-/- Jahren fest in unserer Hand sind, hat England' keinen 'Fußbreit eigenen Landes verloren. Dagegen hat es unsern gan'zen Kolonialbesitz und wertvolle, längst heiß begehrte Gebiete unseres türkischen Blind es genossen, die eine nicht zu unterschätzende Abrundung seines Kolonialreichs bilden, in seine Gewalt gebracht. — Ganz wie im Siebenjährigen Krieg! Ganz wie in den napole- onijchen Kriegen! Trotz allen Einsatzes nnd aller Opfer ist auch ^— 14 - heute n'oU Europa für England, was den KriegsMeck anlangk/ ein Nebenschauplatz, freilich mit der einen wichtigen Ausnahme der französisch- und belgischi-flandrischen Küste. Sind etwa die überseeischen Eroberungen für England nur Kriegsmittel? Welchen Einfluß auf die militärische Entscheidung kann die Wegnahme unserer Kolonien, kann der Vor!-, Marsch britischer Truppen in Syrien und Mesopotamien bejt/n- falls ausüben? ^Lm, der Zweck der Uebung liegt jenseits des Krieges l Wie England unsere überseeischen Beziehungen und Nieder-, lassungen nach jeder Möglichkeit dauernd zerstören will, soi will es von seinen Eroberungen in Afrika, Asien und der! Südsee dauernd behalten, was für die Abruudung und Er-, Weiterung seines Weltreiches brauchbar ist. Ueber die britischen Absichten mit unseren Kolonien hat kürzlich General Smuts gesprochen. Unser Kolonial-Staatsselretär Dr. Solf hat in vortrefflicher Klarheit geantwortet; ich brauche nichts weiter darüber zu sagen. Ueber Palästina und Mesopotamien ist in England alle Welt mit Llloyd George und Bonar Law vollkommen einig: Kann nicht an die Türkei zurück-- gegeben werden, muß nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker Autonomie bekommen, d. h. muß ägyptisicrt werden^ M. H.! Wenn wir klar sehen wollen, dann dürfen wirj WH nicht an tönende und blinkende Worte, dann müssen wir unH ausschließlich an die konkludenten Handlungen der Politik und Kriegsführung unserer Feind« halten. Und diese konkludenten Handlungen — ich! glaube das Weisst zu haben ^- gestatten keine Illusion: Unsere Feinde wollen alle Vorteile, die sie überuns oder unsere Bundesgenossen errungen haben, behalten; ich habe bis heute noch keinen gehört, der ernstlich etwas herausgeben will. Sie wollen ebenso alle Nach-« teile aufrecht erhalten, die sie uns zugefügt haben, mit dem ausdrücklichen Borbehalt, uns durch Fortsetzung des Wirtschaftskrieges weiter zu schädigen und zu drosseln, Bon unsj ver langen sie, daß wirnns aller Vorteile und Pfänder entäußern, die wir erkämpft haben, daß wir alle ihnen zugefügte Nachteile wieder «gutmachen, und darüb er hin aus, daß wir gutes! d«»t!che-Z Ha«5>« das fi« juzts mit allem An^ wand an Blut umd Eisen nicht abnehmen konnten, freiwillig! auf dem Altar des Völkern friedens opfern sollen. Was unsere Feinde wollen, ist klar. Die Frage ist nur, hb unsere Feinde, ob insbesondere England kann, was, es will, joder — vom anderen Ende gesehen — ob wir einsichtig, entschlossen und stark genug .sind, Englands Absichten zuschanden zu machen. Daran wird sich Teutschlands Schicksal für die Jahrhunderte entscheiden. Meine Herren, wenn wir in den weitesten Schichten unseres Volkes für die nötige Einsicht sorgen, dann wird die Entschlossenheit niemals fehlen. Die Kraft ist da; sie hat sich bisher in den Taten und Opfern unseres Volkes glänzend geoffenbart und sie wird sich weiterhin bewähren, solange oi« Feinde uns zwingen, das Schwert zu führen. Was not'tut, das ist, daß unser Volk in seinen weitesten Schichten begreift, daß die Lebensfragen, um die in diesem Kriege gerungen wird, weit hinausgreifen über alles, was wir in früheren Kriegen zu verteidigen hatten. Das deutsche Volk, das im Juli 1914 gezwungen wurde, das Schwert zu ziehen, hatte und hat heute noch! mehr zu verteidigen und zu sichern! als seine Grenzpfähle; auch mehr als seinen überseeischen Kolonialbesitz. Wir sind in den Jahrzehnten seit der Reiche gründung mit tausend Fasern in die Weltwirtschaft hineingewachsen. Ein stattlicher Bruchteil unserer fast 70 Millionen Einwohner fand in wachsendem Maße seine Arbeit und gewann sein Brot aus ^unseren auswärtigen Wirtschaftsbeziehungen. Was England als Bedrohung seiner wirtschaftlichen Vorherrschaft empfand, das war bei uns nicht Ehr-, sucht, nicht Machtkitzel, nicht kapitalistische Gier nach Gewinn und Reichtum, nicht Militarismus! und Imperialismus, sondern bare und blanke Lebensnotwendigkeit. Die Hebung unserer Lebenshaltung, die Zunahme unserer Bevölkerung, unsere Stellung unter den Völkern der Welt — kurz Ausmaß und Zuschnitt unseres Volksdaseins ist unzertrennlich verbunden mit unserm Platz in der Weltwirtschaft; ein wesentlicher Teil der Voraussetzungjen unseres Daseins als Volk und Reich liegt in uuseren — ich möchte sagen: territorial Nicht materialisierten Auslandsbeziehungen und Auslandsni-ederlafsungen, Das - 16 — größere Deutschland, das wir heute wieder herzustellen^ zu verteidigen und zu sichern haben, ist überall, wo vor dem Krieg ehrliche deutsche Arbeit gewirkt und gewaltet hat. — Und wie wir nicht ans Uebermut 'und Habsucht zu diesem größeren Deutschland herangewachsen sind, so ist seine Verteidigung nicht etwa eine Sache, die nur die Herrschenden und Besitzenden, die nur den Kapi-> ta listen und Kaufmann angeht. Es handelt sich um an?, deres als um Prozente und Pfefferfäcke. Es geht um das Größte und das Geringste. Das ganze deutsche! Molk ist im Spiel. Diese Erkenntnis muß in alle Köpft gehämmert werden, wenn anders der kommende Friede uns' die Erholung von den Verlusten und Leiden des Krieges und den Wiederaufbau eines erträglichen Daseins gestatten soll.> Erfreulicherweife macht diese Erkenntnis Fortschritte. Die Brutalität, mit der unsere Feinde in den letzten Monaten ihre Absicht, uns nach dem Kriege wirtschaftlich zu strangulieren, vor aller Welt kundgegeben haben, hat manchem die Augen geöffnet^ der vorher nicht sehen wollte. Als vor einigen Wochen der französische Handelsminister Element el seine wirtschaftskriegerischen Pläne allzu deutlich enthüllte, da schrieb sogar der ,,Borwärts": „S!o lange die Ententeregierungen ernstlich' solche Ideen vertreten, kämpft der deutsche Arbeiter im Kampf gegen sie um sein tägliches Brot." — Genau so ist es! Der Krieg geht nicht nur um unsere Grenzen, er geht um unser! tägliches Brot. Wir mögen heute unsere Grenzen behaupten und sichern: wenn uns der Friede nicht wieder bringt, was draußen in der Welt unsre Feinde uns genommen haben, wenn er uns draußen in der Welt nicht die Freiheit unserer Arbeit Und unseres Unternehmungsgeistes wiederherstellt, dann haben wir, trotz aller glänzenden Siege unserer Waffen, den Krieg verloren, dann ist das deutsche Volk für absehbare Zeit zum! jKrüppel geschlagen. Dann werden wir unsere Bevölkerung und unsere Lebenshaltung unter unsagbaren Zuckungen und Leiden zurückschrauben müssen; dann wird der Deutsche wieder Kulturdünger für andere glücklichere Nationen werden; dann werden Kvir zurückgeworfen in das ohnmächtige Elend, aus dem unsere Väter und Großväter unser Volk in einer in der Weltgesch.iHte beispiellosen Wiedergeburt herausgeführt haben. Ist 'solcher Rückfall nicht ebenso schlimm' wie territoriale« Verstümmlung? — Ist die Gegenwehr gegen solchen Rückfall tMt ebenjo gut Verteidigung wie die Wacht an unseren — 17 — Grenzen? — Ist der uns aufgezwungene Kampf um das tägliW Brot unseres Volkes weniger heilig, weniger gebieterische Notwendigkeit als der Kampf um den vaterländischen Boden? Ich wünschte, daß Jedermann im Deutschen Reich bis zum bescheidensten Arbeiter sich diese Fragen vorlegte. Ich wünschte, daß alle Blätter, die in den arbeitenden Schichten unseres! Volkes gelesen werden, täglich im Sperrdruck die Mahnung enthielten: „Deutscher Arbeiter, der Krieg gehi um dein käglichesBroi!" Meine Herren! Wenn die Einsicht in diese Zusammenhänge Gemeingut des deutschen Volkes wird, dann ist mir nicht bange um den Wirtschaftssrieden. Dann wird das deutsche Volk trotz! aller furchtbaren Opfer und aller schweren Leiden des Krieges die Entschlußkraft finden, weiter zu kämpfen und durchzuhalten, bis unsere Feinde sich bequemen, uns die Gleichberechtigung auf dieser Erde und damit das Recht auf Dasein und Entwicklung zuzugestehen. Auf diesem Standpunkt sind unsere Feinde heute noch ni'ckjr^ weder die Regierenden, noch die Regierten, weder die Protektio- nisten noch die Freihändler, weder die Unternehmer noch die Arbeitermassen. Balfour hat neulich aus die weit entgegenkommende, Versöhnliche Rede unseres Reichskanzlers geantwortet, er könne noch keinen Schimmer einer Hoffnung auf Frieden erblicken.^ Ich kann daraus nur die Bestätigung dafür entnehmen: Das England von heute will diesen Krieg nach Art seiner Kriege gegen Spanien, Holland und Frankreich zu Ende führen, es will gutwillig iricht aus seine Ziele verzichten, die für ein lebensfähiges und aufstrebendes Deutschland in der Welt keinen Raum lassen. Und hie Völker der Ententeländer, auf deren Friedenswille so mancher bei uns gerechnet hat? — Ich brauche hierüber nicht viel zu sagen nach den schlagenden Ausführungen, die der Herr Handelsminister dieser Tage im Preußischen Abgeordnetenhaus gemacht hat. Aber ich habe einen noch unverdächtigen Kronzeugen, abermals den „Vorwärts". Er hat vor etwa vierzehn Tagen zu dem Programm der Interalliierten Sozialisten geschrieben: „Es kann insofern eine Gefahr für den Frieden werden, als die Staatsmänner der Entente geneigt sein könnten, es als eine Art volkstümlichen Mindestprogramms aufzufassen. Es wäre ein Fortschritt, wenn die Interalliierten Sozialisten erklären ^ 18 — -wdttten, ihre Forderungen hätten nur regulative V'edeukung, sie seien ebenso wie die deutschien Sozialdemokraten mit einen: Frieden einverstanden, der ihren eigenen Völkern nichts nimmt." Der „Vorwärts" hat bei den Entente-Sozialisten bisher kein Verständnis gesunden. Er hat im Gegenteil nach der letzten -Kriegsrede Clemenceaus feststellen müssen, daß „der Kriegswille unserer westlichen Feinde nicht nur Angebrochen, sondern in der letzten Zeit noch gesteigert ist." — Und dieser Kriegswille geAt auf unsere Vernichtung. Das ist der nackte Sachverhalt, Alles' andere sind Redensarten! Wenn z. B. der britische Schatzkanzler Bonar Law nvLH in! seiner letzten Budg.etre.de zum hundertsten Mal mit dem ewig! jungen Brustton der Ueberzeugung als einheitliches und unabänderliches Kriegsziel der Alliierten „die Vernicht itung des deutschien Wilitarismus" proklamierte, soi «antworte ich ihm: Es lebe das deutsche Volksheer: Unserem straff organisierten Volksheer und seinen großen Führern verdanken wir es, wenn wir als Volk und Reich heute noch das Leben haben, wenn wir uns gegen eine Uebermacht, wie sie die Geschichte noch Nicht gesehen, sieg-, reich behauptet und in den eisernen Wall der Feinde eine klaffende Bresche geschlagen haben, wenn heute der Zweifronten-? krieg zu Ende ist und wir — tzum erstenmal in diesem Krieg jmit «freiem Rücken in die Endentscheidung hineingehen. Den Beweis !für die Berechtigung und die Notwendigkeit unseres ^Militarismus" hat die Weltverschwörung unserer «Feinde erbracht. Aber schon vor dem Weltkriege hat ein klassischer Zeuge britischer Nationalität diese Berechtigung und Nor- iwendigkeit in folgenden Worten anerkannt: „Die deutsche Armee ist eine Lebensnor-1 wendigkeit nicht nur für das Reich, sondern «Uch für die Existenz und Unabhängigkeit des deutschen Volkes, da Deutschland von zwei Staaten flankiert ist!, deren jeder eine der deutschen etwa gleichkommende Armee unterhält. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß, während wir eine Ueberlegenheit von 60°/< Mer die Seestreitkräfte Deutschlands for- dk-LK- h»NKichtliK leine-s HeereZ keinen AnspruD auf einen Aweint'AMe-VkcLir« darb macht." Der Engländer, der zu Anfang des Jahres 1914 zu Engländern diese vernünftigen Worte gesprochen hat, tvarz Llvyd George, heute der lauteste Rufer in! Streit gegen das, was' er deutschen! Militarismus und Imperialismus nennt. Derselbe. Lloh,H George, der vor drei Tagen vor den „fvsien Kirchen" Englands den Namen der Freiheit blasphemierte, der es dort zuwege gebracht hat, in dem Augenblick des ungeheuerlichen! Ultimatums an Holland die „Freiheit der Völker^ als sein Gott wohlgefälliges, Kriegsziel anzurufen! — M. H.! Das sind die Engländer! Praktische Leute! Leute, die es immer verstanden haben, den Idealismus der «U-i deren vor ihren Wagen zu spannen! — Durch alle Verbrämung und Bemäntelung bleibt für unZ der Sachverhalt bestehen: Den Frieden, den wir brauchen, vor, allem den Wlrtschaftsfrieden, ohne den es keinen Frieden für uns gibt, müssen wir erst noch erkämpfen. Das klingt bitter und hart nach fast vier Kriegsjahren; aber es ist die Wahrheit, und ein Feigling, wer sich! nicht traut, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen! Den: bisher ungebrochenen Kriegswillen unserer Feinde können wir nur die eigene stahlharke Entschlossenheit zu Kennof und Sieg entgegenstellen. Das letzte und schwerste Ringen — Gott weiß, es gibt Niemanden in Deutschland, der nicht mit heißem Herzen gewünscht hätte, es möchte dem hartgeprüften deutschen Kolk und der blutenden Menschheit erspart bleiben. Aber wenn es sein muß, so wird das deutsche Volk auch diese äußerste Probe bestehen. Das ist unser aller Zuversicht. Und diese Zuversicht steht auf dem Felsengrund LeP Tatsachen. Der Krieg wird mcht in den fremden Weltteilen entschieden, in denen England heute im Borteil ist. Die Entscheidung wird fallen auf den Schlachtfeldern Frankreichs und im Seekriegsgebiet um England. Alles andere tritt zurück. Wo sind heute Englands silberne Kugeln, mit denen Lloyd George sich vermaß, den Krieg zu gewinnen? —> Verschossen und platt zur Erde gefallen. >- W ^ Wo ist bis russische Dampfwalze? —' Zhr AW iF schweigen. Wo ist der Hunger krieg? — Bei unseren U-Booten, deren- eisernen Umklammerung. England vergeblich sich, zu entwinden sucht. Und ich frage: wo ist Hindendurg? — Er steht W Westen, mit unserem zum erstenmal auf einem einzigen, Kriegsschauplatz vereinigten deutschen Gesamtheere, mit der stärksten Streitmacht, die je dies Welt gesehen, zum Schlage bereit! Den neuen Entscheidungen leuchtet voran, sichtbar für alle Welt, das gewaltige Flammenzeichen des AusammenbruchI des russischen Weltreiches. Die Hoffnungen, die unsere Gegner noch! aufrechterhalten/ heißen: Amerika; und mehr noch: Deutscher Kleinmut und deutsche Uneinigkeit. Die amerikanischen Hoffnungen hängen am Schiffsraum, den unsere U-Boote in unermüdlicher und todesmutiger Arbeit Tag für Tag um Tausende von Tonnen verkürzen. Sie werden ihr Werk vollenden, auch wenn England durch unerhörte Gewaltakte und Erpressungen gegen wehrlose Neutrale den fatalen Termin-Hinauszuschieben sucht, durch Gewaltakte, -die ahnen lassen, wie hoch denen drüben das Wasser bereits gestiegen ist. Und die Hoffnung auf unser moralisches Versagen? — Sie ist unbegründet, das weiß jeder, der den Pulsschlag des! deutschen Volkes spürt. — Ob wir selbst nicht einiges dazu getan haben, diese Hoffnung bei unseren Feinden zu nähren? — Ich will darüber nicht rechten. Jetzt, wo neue schicksalsschwere Entscheidungen sich zusammenballen, sei Kleinmut und Z,tme?? tracht verbannt! Da gibt es nur eine einzige geschlossene und stegesgewUe Front! Dann werden wir die Stunde sehen, in der auch unsere westlichen Feinde bekennen müssen: es geht nicht mehr! — Während draußen unsere Feldgrauen und blauen Aungens ihr bestes tun, um uns durch Sieg zum Frieden zu führen, heißt es für uns in der Heimat, den Wivkschaflsfrieden z« U«staVen und die Wiederaufnahme der FriedenR- arbeit vorzubereiten. Hier muß sich der deutsche Kaufmann rühren und mit Hand ans Werk legen. Ihrem Verbände, in dem W die av der Einfuhr, beteiligten Kreise von Kandel unW >- 21 Industrie zusamwengeschlossen haben, erwächst dabei eine Aufhabe von besonderer Wichtigkeit. Keine Regierung würde es übernehmen wollen, diese gewaltigen Probleme innerhalb der Schranken ihrer administrativen Einsicht zu lösen. Es ist Ihnen bekannt, daß mein früherer Mitarbeiter, jetzt mein Nachfolger- in dem einen wichtigen Teil meines früheren Pflichtenkreises, der Staatssekretär des Reichswirtschaftsamts Freiherr von Stein, entschlossen ist, zur Bewältigung dieser Aufgaben die von mir seinerzeit bei der ersten Organisation der Uebergangs- tvirtschaft geschaffenen Anfänge auszubauen und die sachkundige Mitarbeit der praktischen Geschäftswelt im weitesten Maße heranzuziehen. Ich bin überzeugt, daß es auf diesem Wege gelingen wird, die größen Schwierigsten zu überwinden, die immer noch vorhanden sein werden, auch wenn der Kriegswillie unserer Feinde gebrochen ist. Das Vertragsprogramm des Wirtschaftsfriedens steht in den grundsätzlichen Punkten fest. Es hat int Frieden mit Rußland bereits Gestalt gewonnen. Es enthält die Wiederherstellung der durch Kriegsgesetze beeinträchtigten Privatrechte, die Freigabe der beschlagnahmten Vermögenswerte, die Rücküber- tragungdereingezogenenoderz wangsweise veräußerten Grundstücke und Unternehmungen, den Ersatz der durchKriegsgesetze und völkerrechtswidrige Handlungen der staatlichen Organe oder der Bevölkerung verursachten Schäden. Es enthält ferner den Ausschluß aller weiteren Maßn ahnten, dieindasGebietdesWirtschaftskriegesgehören, verbunden mit den Verpflichtungen, solchen Maßnahmen, wenn sie von dritter Seite, von Privaten etwa in der Form des Boykotts, ausgehen sollten, innerhalb des eigenen Machtbereichs nach Möglichkeit zu bekämpfen. Der betreffende Artikel ink deutsch-russischen Friedensvertrag, der Wohl auch für die übrigen Friedensverträge das Muster liefern wird, lautet: „Die vertragschließenden Teile sind sich darüber einig, daß Mit dem Friedensschluß die Beendigung des Krieges auch auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet erfolgt. Sie verpflichten sich, weder direkt noch indirekt an Maßnahmen teilzunehmen, die auf die Weiterführung der Feindseligkeiten auf wirtschaftlichem oder finanziellem Gebiet abzielen, und innerhalb ihres Staatsgebietes solche Maßnahmen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern." ^ SS Darüber hinaus ist jede Differenzierung unseres Handels', Unseres Gewerbebetriebes, unserer Schiffahrt ausgeschlossen. EH sind uns vernünfti geBedingungen sürunsere wirtschaftliche Betätigung, es ist uns die Meistb egünsti- gungmit drittenNationen und in wichtigen Punkten die Gleichberechtigung mit den Inländern gesichert. Den Westmächten gegenüber werden diese Abmachungen noch weiter auszugestalten sein. Ich verhehle mir nicht, daß sie in der Durchführung mancherlei große Schwierigkeiten bieten werden, namentlich soweit die Wiederherstellung der Privatverträge und die Wiedereinsetzung in den durch Konfiskation und Zwangsverüußerung entzogenen Besitz in Frage kommt. Hier stehen wir infolge der unerhörten Maßnahmen unserer Feinde vielfach vor Trümmern, die an der Möglichkeit des Wiederaufbaues fast verzweifeln lassen könnten, und fast überall vor einer Verwirrung aller Fäden, die nur in der smühsamsten Arbeit und mit ebenso entschlossen zugreifenden wie geschickten Händen auH nur einigermaßen zu lösen sein wird. Dazu kommt dann das große Problem der Sicherung des Nohstofforzuges für unsere Industrie. Aier ist die Lage, abgesehen von allen staatlichen und staatlich beeinflußten Maßnahmen unserer Gegner, ohnehin schon eine außerordentlich schwierige angesichts der Entblößung aller Industrieländer von Rohstoffen, angesichts der fast durchweg knappen Bestände in den Erzeugungsländern, angesichts des! Mangels an Schiffsraum, mit dem wir in den Frieden hineingehen werden, und schließlich! angesichts gewisser Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Valuta. Ihr eigentliches Gepräge aber erhält die Lage durch! die Tatsache, daß unter englischer Führung die feindlichen Staaten wichtige Rohstoffe mehr oder weniger wirksam unter ihre Kontrolle gebracht haben und weiter zu Dringen versuchen, vielfach durch Verträge und Gebilde privater Urt« Diese Bindungen «und Organisationen, die uns die Rohstoffe Viorenthalten sollen. Müssen in den Friedensverträgen gesprengt werden. M ist eine Brot- und Lebensfrage für unsere Be^ vSrkerung, daß die Friedensverträge, nötigenfalls ergänzt durH gleiiäUeitigs Abmachungen kommerzieller Natur, die Deckung Mlseves Rohstoffbedarfs für eine nicht zu knapp bemessene Zeit ausreichendem Umfang und Au angemessenen Bedingungen sichern. Die tätige und ausgiebige Mitwirkung der praktischen GesKästswelt, vor allem Ihrer Kreise, meine Herren, ist für eine befriedigende Lösung dieser Aufgabe m. E> unerlWiA. Das Programm des Wirtschaftsfriedens heißt also in kurzen Worten: Wir verlangen für Kechksbruch und ZerstörungWreder- Herstellung, für Schaden Entschädigung. > Wir begegnen der Absicht der Differenzierung mit der Forderung der Meistbegünstigung und Gleichberechtigung, Der Nbsrch! der Ausschließung mit der Forderung der offenen Tür und des freien Meeres, Der Drohung der Rohltoffsoerre mit der Fordrnmg der Kvtzlkofflieferung. Der Wirtschaftsfriede, meine Herren, wird immer nur ein Teil des Gesamtfriedens sein und in diesem seine Verankerung Haben. Er wird nur dann seinen Zweck erfüllen, wennder dem Deutschen Reich politisch, wirtschaftlich' und finanziell eine Stellung unter den Völker"n sichert, die in sich selbst ausreichende Gewähr bietet gegen eine Bedrohung und für ein gedeihliches Arbeiten an unserem wirtsKaftl-ich en Miede r a u f b a u. Auch dann, das wollen wir uns nicht verhehlen, istcht der deutschen Volkswirtschaft eine schwere Zeit bevor, die von den führenden Köpfen das Höchste fordern wird. Insbesondere Jhr Beruf, der die Faden des Verkehrs mit Neutralen ujndj Feinden wieder anzuknüpfen hat, wird auch! beim besten Frieden nicht auf Rosen gebettet sein. Mancher Faden ist rettungslos zerrissen. Nur langsam wird die Flut von Haß und Erbitterung abebben, in die dieser Krieg die Welt getaucht hat. Die große geographische Umschichtung, die unser Außenhandel im Krieg erfahren hat, wird in manchem Punkte sich als dauernd erweisen. Ganz abgesehen von der Lösung, die das große mitteleuropäische Problem der wirtschaft-, lichen Annäherung finden wird — wie ich hoffe in einem positiven Sinn — werden die im Krieg neuerschlossenen und erweiterten Berkehrsbeziehungen einen Ausgleich bilden müsse« für die Einbuße, die unser Handel naH andern Seiten hin erleide. Auch die inneren Voraussetzungen für den fuhr Handel werden auf großen Gebieten stark verändert sein gegenüber dem Stand vor Kriegsausbruch. Die uns aufgezwungene Isolierung hat uns zur Unabhängigkeit erzogen^ Mancher „Ersatz" wird sich als bleibender Fortschritt entDltzpeM Grsamtfriede M Wie die Zkonttnentalfperre den entscheidenden Anstoß fTr-ve« Ersatz des exotische Rohrzuckers durch unseren heimischen! Rübenzucker «gegeben hat, so wird aus diesem Krieg die heimische- Kolkswirrschaft mit gewaltigen technischen Errungenschaften her-i vorgehen, die unsere vol?swirtfck)aftliche Unabhängigkeit steigern/ damit aber auch unvermeidlich die Grundlagen unseres Außenhandels verschieben. Der Einfuhrhandel wird vielfach der Leidtragende sein; aber er wird sich mit der neuen Lage sicher überall abfinden, wo es das Wohl des Ganzen verlangt. Er wird seine Anpassungsfähigkeit aufs neue beweisen und für daS Verlorene «einen Ausgleich finden in schövferischem Neubau.^ Dazu, meine Herren, muß Ihnen allerdings eines wieder-, geigeben werden, was Sie jetzt schmerzlich vermissen: Die Bewegungsfreiheit. Mrv wer sich frei bewegen kann, vermag sich anzu-" passen, vermag neu zu schaffen. Die außerordentlichen Verhältnisse des Krieges haben die staatliche Zwangs-, regelung unserer Wirtschaft nötig gemacht. Wir kennen ihre Notwendigkeit für den Krieg, wir kennen aber auch ihre Nachteile. Ich bin überzeugt, daß »nicht nur -der Handel, der unter dem Zwangssystem am schwersten gelitten hat, sondern daß alle erwerbstätigen Stände bis auf ganz verschwindende Ausnahmen der Ansicht find, daß die staatliche Zwangsregelung! des Wirtschaftslebens nicht länger aufrechterhalten werden darf, als es die unbedingten Notwendigkeiten des Uebergangs in die Friedenswirtschaft erfordern. Die offeneTürundfreie Bahn, die wir vom Ausland verlangen, werden nur dann mehr sein als Floskeln und Phrasen, wenn wir auch! im Innern die wirtschaftliche Freiheit so bald wie irgend möglich wieder Herstellen. Freiheit im Innern ünd Freiheit nach außen! — in diesem Reichen wird die deutsche Volkswirt-, ßchM die gewaltigen Schäden des Krieges überwinden und zu '!UL?"5? Blülie gedeihen. Das deutsche Volt hat seit seiusr' nationalen. Wieder-- gevwrt in fast 5Mhriger Friedenslarbeit einL überschäumende L^bensrraft gezeigt; es hat sich im größten Krieg der Welt in allen Schichten und Ständen, in Heer und Heimat über alle Begriffe und alle Bewunderung groß erwiesen. Dieses Volk wird sich den Frieden erkämpfen, den es braucht und den es! verdient hat; dieses Volk wird in ungebrochener Kraft auch den großen Aufgaben des kommenden Friedens gerecht werden, ' M> P««»«mlH's, '».»>H„ SkÄvWl,?"