Der Deutsche Krieg politische Klugschriften Herausgegeben von Ernst Läckh Deutsche Berlags-Anstalt Stuttgart - Berlin so pfg. 8. XIII. Der Deutsche Krieg politische Flugschristen Ernst Jacks, preis jedes Heftes 50 Pfennig Bisher sind erschienen: 5. Paul Rohrbach, Warum es der Deutsche Krieg ist! 2. Friedrich Aaumann, Deutschland und Frankreich 3. Prof. vr.E. H.Becker, Deutschland und der Islam 4. Gottfried Traub, Der Krieg und die Seele 5. M. Erzberger, M. d. IN., Die Mobilmachung 6. Prof. vr.H. Oncken, Deutschlands Weltkrieg und die Deutschamerikaner I.Axel Schmidt, Die russische Sphinx s. Geheimrat Prof.Dr.Rudolf Eucken, Die weltgeschichtliche Äedeutung des deutschen Geistes 9.prof.vr.G.Roloff, Deutschland u.Rußland im Widerstreit seit 20oZahren 5o.Oberflnanzratprof. Dr. Hermann Losch, Englands Schwäche und Deutschlands Stärke 55. vr. Paul Nathan, Die Enttäuschungen unserer Gegner 52. Geheimrat Prof. Dr. O.Binswanger, Die seelischen Wirkungen des Krieges 53. Dr. Carl Anton Schäfer, Deutsch-türkische Freundschaft 54. vr. Fritz Wertheimer, Deutschland und Ostasien 55. Dr. Gertrud Räumer, Der Krieg und die Frau 56. Graf Ernst zu Reventlow, England, der Feind 57. Prof. Friedrich Q'enhard, Das deutsche Elsaß 5S. Prof. Dr. Arnold Oskar Meyer, Worin liegt Englands Schuld? 59. Geheimrat Prof. Dr. Erich MarckS, Wo stehen wir? 20. Prof. Dr. Gustav E.pazaurek, Patriotismus, Kunst und Kunsthandwerk 25. Prof. Dr. Georg Kamvffmeyer, Nordwestafrika und Deutschland 22. Richard Eharmah, Oesterreich-Ungarns Erwachen 23. vr. Alfons paquet, Nach Osten! 24. Dr. Ernst Läckh, Die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft 25. Anton Fendrich, Der Krieg und die Sozialdemokratie 26. vr. Hugo Nötiger, M.d.R., Das Geld im Kriege 27. Leonore Niessen-OeiterS, Krieg, Auslanddeutschtum und Presse 2S. Prof. Dr. Arthur Binz, Die chemische Industrie und der Krieg 29. Prof. v. Martin Rade, Dieser Krieg und das Ehristentum 30. /35. vr. Norbert Stern, Die Weltpolitik der Weltmode 32. Geheimrat Prof. G. v. Schulze-Gaevernih, M. d.R., Freie Meere! 33. Dr. Eugen Lewicky, Die Ukraine, der Lebensnerv Rußlands 34. Prof. Dr. Raimund Fr.Kaindl, Deutsche Siedlung im Osten 35. vr. Richard Hennig, Der Kampf um den Suezkanal 36. vr.G.Stresemann,M.d.R.,EnglandsWittschastskrieg gegen Deutschland 37. Schulrat Karl MuthesiuS, Das Äildungswesen im neuen Deutschland 3S.prof.vr. E. F. Lehmann-Haupt, Von Waterloo bis Antwerpen 39. Staatsanwalt a.D.L. Trampe, Der Kampf um die Dardanellen Fortsetzung auf der Z. Umschlags«»-! e^L- ^e^«,^ Der Deutsche Krieg politische Flugschriften Herausgegeben von Ernst Zäckh Sechsundachtzigstes Heft Deutsche Verlags.Ansialt Stuttgart und Äerlin 5956 Vaterländischer Hilfsdienst Reden zur Vorlage des Gesetzes im Reichstag (29. November ^9il6) von Reichskanzler Dr. von Seihmann Hollweg, General von Siein, Staatssekretär vr.Helfferich und Generalleutnant Gröner Deutsche Verlags.Anstalt Stuttgart und Äerlin ii9^6 Alle Rechte vorbehalten Druck der Deutschen Verlage-Anstalt in Stuttgart Papier von der Papierfabrik Salach in Salach, Württemberg Das siegeswillige Hindenburgprogramm hat seinen politischen Ausdruck in dem „Gesetzentwurf betreffend den vaterländischen Hilfsdienst" gefunden. Der Deutsche Reichstag hat dieses Gesetz mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die einzigartige Bedeutung dieser Organisierung der Heimarmee rechtfertigt die Wiedergabe der Begründung, wie sie in der Reichstagssitzung vom 29. November die Regierung vorgetragen hat. 5 Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg: Meine Herren, das Gesetz, das Ihnen vorliegt, werden meine Nachbarn, der Herr Staatssekretär des Innern und der Herr Kriegsminister, näher begründen. Mir gestatten Sie nur einige wenige Worte der Einführung. Der unersättliche Krieg rast weiter. Ansere Feinde wollen es so. Sie feiern diesen Sommer als einen für sie siegreichen. Haben sie etwa ihren Willen durchgesetzt? Ansere Linien sind ungebrochen, und Rumänien, das den großen Amschwung bringen sollte, zahlt seine Buße. (Bravo!) Gott hat bis hierher geholfen, er wird weiter helfen. (Erneutes Bravo.) Die fast übermenschlichen Taten unserer Truppen, an die keinWort des Dankes heranreicht, (lebhafte Zustimmung und Beifall) und das gute Gewissen, daß wir als die ersten und die einzigen bereit waren und bereit sind, den Krieg durch einen unser Dasein und unsere Zukunft sichernden Frieden zu beenden, gibt uns das Recht zu dieser Zuversicht. Aber, meine Herren, wir wollen über diesem Recht unsere Pflicht nicht vergessen. Ansere Feinde wollen den Frieden noch nicht. An Menschenzahl sind sie uns weit überlegen, und fast die ganze Welt liefert ihnen Kriegsmaterial. Was das heißt, das 5 zeigen die Kämpfe an der Somme. Industrie und Organisation werden mit jedem Tage, den der Krieg länger dauert, immer entscheidender für das Ende. (Sehr richtig!) Jede Äand, die daheim Geschütze und Geschosse schafft, ersetzt einen Mann, schützt ein junges Leben im Schützengraben. Jede Äand, die daheim feiert, hilft dem Feind. Das ist die Mahnung, die uns jeder Heeresbericht zuruft, die uns ins Äerz und Gewissen dringt. Die Motive dieses Gesetzes sind nicht am grünen Tische erdacht, sie sind draußen im Trommelfeuer der Fronten geboren. Meine Herren, wir haben den Grundgedanken des Gesetzes und die Organisation, zu der das Gesetz führt, mit Vertretern der beteiligten Berufskreise, dann mit dem Äauptausschuß dieses hohen Hauses durchgesprochen und beraten. Der hingebenden und gründlichen Tätigkeit des Äauptausschusses verdanken wir die wertvollste Vorarbeit, die uns zu einem baldigen und erfolgreichen Abschluß führen möge. Je tiefer die Arbeit in den Gegenstand eindrang, um so klarer trat die Größe der Aufgabe hervor, die gesamte Volkskraft für die Kriegswirtschaft zu organisieren. Gewaltig sind die Eingriffe in das Wirtschaftsleben. Aber sind sie nicht gering gegen die Gewaltsamkeit dieses Krieges? (Sehr richtig!) Die Möglichkeit des Zwanges mußte vorgesehen werden. Eherne Notwendigkeit verlangt eisernen Willen. Die Möglichkeit des Zwanges soll den festen Boden geben, auf dem wir stehen müssen, um hinter den kämpfenden Armeen organisch eine Armee der Arbeit aufzubauen. Gelingen aber kann das Werk nur, wenn es sich darstellt als das Ergebnis nicht des Zwanges, sondern der freien Überzeugung des ganzen Volks, (sehr richtig! rechts, im Zentrum und links) wenn Industrie und Landwirtschaft, wenn Arbeiter und Unternehmer und vor allem ihre bewährten Organisationen (Bravo! links) sich ihm freiwillig hingeben und widmen. (Lebhafte Zustimmung rechts, im Zentrum und links.) Daß dies eintreten wird, meine Äerren, auch das dürfen wir mit Zuversicht erwarten, dafür bürgt uns der Sinn, mit dem sich das ganze Volk seit dem ersten Tag auf den Krieg eingestellt hat, dafür bürgen uns die großen Leistungen, die dieser Sinn doch schon 5 bisher hervorgebracht hat. Der Geist, der alle im Lande zu Beginn des Kriegs beflügelte, mitzuwirken und mitzuhelfen, wo es auch sei —, dieser Geist wird aufs neue aufgerufen, und, meine Herren, jeder unter uns weiß, daß er sich dem Rufe nicht versagen wird. Wenn' draußen Hunderttausende in der Verteidigung des Vaterlandes verbluten, dann wird der Mann daheim nicht das letzte Opfer gebracht zu haben meinen, wenn er tatenlos die Mühen erträgt, die der Kriegszustand mit sich bringt. Dann wird er es als seine Pflicht vor dem Vaterlande, vor den Kämpfern, vor den gefallenen Helden betrachten, seine Kraft an dem Platze einzusetzen, wo sie für den Kriegszweck am nützlichsten wirkt. Meine Herren, über die Einzelheiten des Gesetzes mögen die Meinungen auseinandergehen, mag der eine dieses verurteilen, der andere jenes vermissen. Aber dieses Gesetz, für die Kriegszeit geschaffen, soll doch ein Zeugnis dafür sein, daß wir sür alle Zeit festhalten wollen den Geist gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Hilfsbereitschaft, der uns in der schwersten Not unseres Volkes zusammengeführt hat, und auf dem allein sich eine Zukunft auf- bauen kann, stark nach außen und frei nach innen. (Bravo! rechts und links.) Im Namen der verbündeten Regierungen bitte ich Sie, meine Herren: helfen Sie an dem Werk, das uns neue Kraft bringen und uns damit dem Sieg und dem Frieden zuführen soll. (Lebhafter Beifall im Zentrum und links.) Kriegsminister General v. Stein: Das vorliegende Gesetz soll unseren schwer kämpfenden Truppen Unterstützung und Stärke bringen. Am meisten betroffen sind die Truppen, denen es bis jetzt nicht vergönnt war, die seelische Erhebung im Kriege zu erleben, die ein siegreiches Gefecht mit folgender Verfolgung mit sich führt, wo man alles das Schwere, die Verluste, die fallenden Freunde hinter sich lassen konnte. Gerade die sind am meisten betroffen, die, gebannt an eine Stellung, gegen eine Übermacht kämpfen müssen, und neben denen sich alle die Opfer vollziehen durch das Fallen ihrer nächsten Kameraden, ihrer Freunde, mit denen sie gelebt und gekämpft haben. And dieser Eindruck ver. wischt sich nicht. Wer als Führer dort draußen mit seinen Truppen gelebt und gefühlt hat, dem ist es etwas außerordentlich Schweres 7 gewesen, wenn er überall und zu jeder Zeit, wo er sich in dem ihm zugewiesenen Raume bewegte, mochte es bei Tage oder bei Nacht sein, mochte er in der Arbeit sein oder sich zur Ruhe anschicken, mußte er in der vorderen Linie sein oder hinten die Einrichtungen beaufsichtigen, immer nur den fast zur Eintönigkeit gewordenen Donner der Geschütze hörte, der nicht eine Sekunde unterbrochen wurde. Natürlich waren es die Geschütze von beiden Seiten. Meine Herren, da konnte man sich das Äirn zermartern: wie willst du helfen, wenn man sich immer dessen bewußt war: jetzt, wo das Feuer dröhnt, da kostet es manchen deiner Braven das Leben oder die Gesundheit. And versucht hat man nach bestem Wissen und Gewissen innerhalb der Grenzen, die einem gesetzt waren durch die gebotenen Mittel, zu helfen. Diese Mittel zu verstärken und auf ein solches Maß zu bringen, daß das kostbare Blut, das dort fließt, vermindert wird in seinem Verluste, den Zweck hat das Gesetz. Meine Äerren, nicht nur wir haben dort darunter gelitten. Das würde einseitig sein. Der Feind litt auch durch unsere Tätigkeit. Die Belege, die mir in die Äände gefallen sind, geben dafür Zeugnis. Es hat mir lange ein sehr energischer französischer General gegenübergestanden; die Befehle, die wir von ihm in die Äand bekommen haben durch Gefangene und Tote, lauteten für uns etwas unverständlich. Wir sahen daraus, wieviel Todesurteile an den eigenen Leuten vollzogen wurden. (ÄörtI hört!) Bei den vielfachen Angriffen auf den oft genannten Ort Thiepval lautete ein Befehl: Ich habe den Wald von Thiepval mit einem Drahtzaun umzogen und dahinter Maschinengewehre aufgestellt; (Äört! hört!) wer beim Angriff auf Thiepval zurückgeht, wird von ihnen empfangen werden. (Äört! hört!) And selbst ein englischer Befehl, den ich eigentlich nicht erwartet hatte, ist mir noch zu Ohren gekommen, allerdings nur durch Gefangenenaussagen; ich habe keine schriftlichen Belege dafür. Bei den Angriffen, die gerade in den letzten Tagen noch eine Rolle gespielt haben gegen die Äöhen südlich Grandcourt, haben dort gemachte Gefangene ausgesagt, es sei ihnen vorher ein Befehl 8 bekannt gemacht: wer vor dem Angriff zurückginge, der würde erschossen. Meine Äerren, uns sind derartige Befehle unverständlich. (Bravo I) Die Tapferkeit, die Treue, die Pflichttreue unserer Leute berechtigt uns, daß wi.r überall dort, wo wir nicht unter gleichen, sondern auch noch unter allenfalls erträglichen Verhältnissen mit den Feinden uns zu messen haben, niemals versagen werden. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren, aber gerade diese Hingebung und diese Selbstentäußerung unserer tapferen Truppen macht es mir als ihrem Vertreter zur besonderen Pflicht, Sie dringend zu bitten, dieses Gesetz, das ihnen Äilfe und Verstärkung bringen soll, anzunehmen. Ehe ein Gesetz in Wirkung tritt, braucht es eine gewisse Wirkungsdauer. Es wird einige Zeit kosten, ehe sich seine wohltätigen Folgen sür unsere Truppen da draußen erkenntlich machen. And auch alle die, die dort tapfer und mit Selbstverleugnung kämpfen, sehnen sich doch nach diesem Beweise des Willens der Äeimat und ihres Volkes, ihnen starke und ausreichende Äilfe zu bringen. Deswegen, meine Äerren, weil es ohnehin einige Zeit kosten wird, ehe die Wirkungen des Gesetzes in Kraft treten werden, vereinige ich die Bitte der draußen kämpfenden Truppen, für die ich mit verantwortlich bin, mit meiner eigenen Bitte: nehmen Sie nicht nur das Gesetz an, sondern nehmen Sie es bald an! (Lebhafter Beifall.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Meine Äerren, das Gesetz, das die verbündeten Negierungen Ihnen vorgelegt haben, wird mit ehernem Griffel geschrieben. Es ist ein Gesetz des Krieges und ein Gesetz der Not, ein Gesetz des eisernen Willens und — niemand im In- und Auslande zweifelt daran — ein Gesetz der eisernen Tat. Das Gesetz schafft neues Recht für die Äeimat, aber hinter seinen Paragraphen rollt der Donner der Sommeschlacht. Äeimat und Feldheer reichen sich in diesem Gesetz die Äand in unauflöslichem Bund zu Kamps und Sieg. Neben die allgemeine Wehrpflicht tritt mit diesem Gesetz die allgemeine Pflicht zum vaterländischen Hilfsdienst, neben die Dämpfende Truppe tritt die organisierte Äeimarmee. 9 Meine Äerren, wir ziehen mit diesem Gesetz die letzten Folgerungen der Gestaltung dieses ungeheuerlichen Krieges. Nie zuvor hat Kriegsgerät und Munition den Erfolg der Kampfhandlung auch nur annähernd in der Weise bestimmt, wie das jetzt der Fall ist. Deshalb bedarf der Arm des Kämpfers draußen des Armes des Arbeiters in der Keimat. Kanonen, Granaten, Maschinengewehre, Minen, Minenwerfer, Unterseeboote, Torpedos — das alles wächst uns nicht auf der flachen Äand, das alles muß geschaffen werden. Das alles heißt Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit. Ansere heimatliche Erde birgt in ihrem Schoß die Schätze, die wir für die Kriegführung brauchen. Aber diese Schätze müssen gehoben und geformt werden. „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte." Dieses Wort galt vor hundert Iahren dem deutschen Volke, es gilt ihm heute wieder, und es wird ihm gelten in alle Ewigkeit. Meine Äerren, dieser Krieg um unser Dasein und unsere Zukunft ist nicht nur ein Kampf der Waffen, sondern auch ein Kampf der Wirtschaft, nicht nur ein Kampf der bewaffneten Streitkräfte, sondern ein Kampf der ganzen Völker. Die hundertjährigen Bestrebungen edelgesinnter Geister aller Nationen, den Krieg auf die kämpfenden Truppen zu beschränken, seine Schrecken von der nicht- kämpfenden friedlichen Bevölkerung fernzuhalten, diese Bestrebungen und alle bisher erzielten Erfolge sind zunichte geworden an der Verachtung allen Völkerrechtes, mit der England, die Seele des feindlichen Machtverbandes, seinen Wirtschafts- und Äunger- krieg eingeleitet hat und bis auf den heutigen Tag führt. And nicht nur gegen uns und unsere Verbündeten, sondern auch gegen die Neutralen, gegen die kleinen neutralen Völker, deren Schutz die Staatsmänner Englands im Munde führen, während ihre Äand sie mit der Anterbindung der notwendigsten Zufuhr, mit Postsperre, mit Äandelsspionage, mit dem Boykott der schwarzen Listen schlimmer quält und schädigt, als je ein Feind den Feind gezüchtigt hat. (Sehr richtig!) Meine Herren, in diesem Äunger- und Wirtschaftskrieg stehen wir mit unseren Verbündeten im wesentlichen auf uns allein. Dem Feinde steht die weite Welt offen. Nehmen Sie die Milliarden von Waren, die unsere Gegner heute noch über See einführen. Nehmen Sie, daß England nach den Angaben seines Schatzsekretärs allein in den Vereinigten Staaten wöchentlich für 12 Millionen Pfund 10 Sterling einkaust — das sind mehr als 12 Milliarden Mark im Jahre —, nehmen Sie, daß Frankreichs Einfuhrüberschuß in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sich auf nahezu 12 Milliarden Franken beziffert hat! Sie sehen, die halbe Welt arbeitet für unsere Feinde. Sie läßt es sich gut und teuer bezahlen, aber sie steht ihnen zu Diensten. Für uns gibt es keine nennenswerte überseeische Zufuhr, für uns arbeiten keine fremden Äände; wir sind auf unsere eigene Arbeit angewiesen. Was wir für die Kriegführung und die Volkserhaltung brauchen, müssen wir mit unserer eigenen Arbeit täglich schaffen. Auch hier hilft uns die heimatliche Erde. Wie für die Kriegführung, so gibt sie uns auch für die Volksernährung das, was wir brauchen; aber sie läßt es sich hart und schwer abringen. Das Wort „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" — ist neue Wahrheit geworden. Auch hier heißt es also: Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit! Meine Herren, der Mobilmachung der Arbeit gilt das Gesetz. Wir wollen und müssen aus der Arbeitskraft des deutschen Volkes das Letzte herausholen für die Kriegführung und Selbsterhaltung. Die Mobilmachung der Arbeit, meine Äerren, wird mit dem Gesetz nicht begonnen, sondern vollendet. Ich glaube, es ist nicht wenig, was bisher geleistet worden ist, aber es ist jetzt nicht mehr genug. Die deutsche Volkswirtschaft hat sich vom ersten Tage des Krieges an im einigen Zusammenwirken aller Berufsklassen, im Zusammenwirken des werktätigen Volkes mit Behörden auf Krieg und Kriegsbedürfnisse eingestellt. Wir leben jetzt bald seit 2^ Iahren in der Kriegswirtschaft; wir leben in Verhältnissen, die vor 2^ Iahren jeder von uns für undenkbar, für untragbar gehalten hätte. Sie sind heute unser tägliches Brot. In der Gewöhnung des Tages verliert sich der Blick für das Außergewöhnliche dieser Zeit. Am Ihnen das vor Augen zu rücken, möchte ich folgendes anführen: Wir haben einen Außenhandel von 23 Milliarden Mark jährlich verloren, eine Einfuhr, die uns die notwendigsten Stoffe für die Volksversorgung und die gewerbliche Arbeit zuführte, eine Ausfuhr, die Millionen von Äänden Arbeit und Verdienst gewährte. Wir haben weiter Millionen und aber Millionen der besten und kräftigsten Arbeiter aus allen Berufen herausgeholt und gegen den Feind gestellt. Seit fast 2^ Iahren erleben wir eine sich fortgesetzt steigernde Einziehung von Arbeitskräften, der gegenüber der !l stärkste Generalstreik, den sich jemand nur vorstellen kann, ein Kinder spiel ist. (Sehr richtig!) Wenn es gelungen ist, unsere Wirtschaft dieser ungeheuerlichen Verschiebung in ihrer ganzen Grundlage anzupassen, so heißt das gleichzeitig, daß eine Umgruppierung der Arbeitskräste erfolgt ist, so gewaltig, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Große Berufszweige sehen sich in ihrer Tätigkeit eingeschränkt oder gar stillgelegt. Andere Berufszweige — alles, was für den Krieg arbeitet — entwickeln sich in einem Niesenausmaß. Neue Industrien sind aus der Erde gestampft worden. Es galt, die Arbeitskräfte aus den feiernden Berufen in diejenigen überzuführen, die ihre Kräfte bis zum Äußersten anspannen mußten und weiter anspannen müssen. Es galt, Ersatz zu schaffen für die Millionen von Männern, die der Krieg zu den Waffen gerufen hat. In diesen wenigen Sätzen ist die Größe der Aufgabe, die bisher zu bewältigen war und noch zu bewältigen ist, nicht erschöpft. Es trat von Anfang an eine große Schwierigkeit, eine ernste Sorge mit hinzu, die gebieterisch Rücksicht verlangte. Der Krieg brachte mit einem Schlage eine schwere Stockung in unser ganzes Wirtschaftsleben, eine Stockung, die nur langsam überwunden wurde, während die eigentliche Kriegsarbeit erst allmählich heranwuchs. Meine Äerren, ich erinnere Sie an die ersten Kriegstage. Da richtete sich vor uns allen drohend das Gespenst der Arbeitslosigkeit auf. Für uns alle entstand die Frage: wie können wir der Arbeitslosigkeit vorbeugen, wie können wir die Folgen der Arbeitslosigkeit abmindern? Sehr kluge Leute haben damals Vorschläge gemacht, Notstandsarbeiten allergrößten Stils auszuführen, ohne Rücksicht auf den wirtschaftlichen Nutzen, nur um Beschäftigung für die feiernden Arbeitskräfte zu finden und zu schaffen. Die Sorge war nicht unbegründet. Zuerst der Alpdruck des ungeheuerlichen Geschehens und der Ungewißheit der Zukunft, dann in einzelnen Industriezweigen der Rohstoffmangel, der inzwischen fortgesetzt gewachsen ist, die Einziehung des leitenden Personals, der Offiziere und Unteroffiziere des wirtschaftlichen Lebens — die Sorge wurde also zur Wahrheit. Ich gebe Ihnen einige Zahlen: Von 10t) Mitgliedern der Fachverbände waren arbeitslos im Juni 1914 2,5 Prozent, im Juli 1914 2,9 Prozent, dagegen im 12 August 1914 22,4 Prozent. Im September, nachdem der erste Schreck überwunden war, betrug der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit immer noch 15,7 Prozent, und erst im Juni 1915 wurden die 2,7 Prozent, das Niveau vor dem Kriege, wieder erreicht. Es hat also ein volles Jahr gedauert, bis das Friedensniveau in dem Verhältnis von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage wieder hergestellt worden ist. Dann hat es sich vom Juni 1915 bis Juni 1916 ungefähr auf derselben Äöhe gehalten. Seitdem ist es weiter heruntergegangen, bis auf 2 Prozent im September. Die Entwicklung war natürlich sehr verschieden bei den Männern und bei den Frauen. Bei den männlichen Arbeitern stand den auf Arbeitslosigkeit hinwirkenden Tendenzen die Einziehung zahlreicher männlicher Arbeitskräfte gegenüber. Trotzdem ist auch hier zunächst eine starke Arbeitslosigkeit eingetreten. Die Arbeitsnachfrage bei den Arbeitsnachweisen bietet ein Bild dafür. Auf 100 offene Stellen kamen im Juni 1914 bei den männlichen Arbeitern 158 Arbeiter, also ein starker Überschuß des Angebots an Arbeitskräften. Im August 1914 waren es 248 Arbeitsuchende auf 100 offene Stellen. Der Satz ging dann zurück auf 125 im Januar 1915. Im April 1915 ist der Ausgleich erreicht: 100 Angebote auf 100 offene Stellen; dann im Oktober eine Verminderung bis 85 Angeboten auf 100 offene Stellen. Vom Oktober an haben wir dann eine gewisse Stabilität bis zum April 1916, dann eine Verminderung auf 77 im Juli und auf 64 im Oktober. (Äört! hört!) Bei den weiblichen Arbeitskräften kam erstens keine Einziehung zum Äeere in Betracht, zweitens eine Einschränkung und Stillegung gerade solcher Betriebe, in denen weibliche Arbeitskräfte stark beschäftigt waren. Ich erinnere nur an die Textilindustrie usw. Es ist also selbstverständlich, daß bei den weiblichen Arbeitskräften die Entwicklung der Dinge nicht parallel gelaufen ist mit der Entwicklung bei den männlichen Arbeitskräften. Bei den Frauen kamen auf 100 offene Stellen imIuli 1914 99 Angebote, also ein kleines Unterangebot. Nach Kriegsausbruch kamen im August 1914 202 Angebote auf 100 offene Stellen. Dann trat eine Verminderung ein auf 167 Angebote im Juni 1915 und auf 165 im Juli 1915, dann kam eine neue Steigerung auf 182Angebote im Oktober 1915, die erklärlich ist durch die wachsende Einschränkung in der Textilindustrie. Es folgte ein weiterer Rückgang bis zum April 1916 auf 162 An- 13 geböte, der Juli 1916 zeigt 154, schließlich im Oktober 1916 — die letzte Zahl, die uns zur Verfügung steht — waren es noch 135 weibliche Angebote auf 199 offene Stellen. Sie sehen also, daß bei den weiblichen Arbeitskräften eine schwere Krisis, die der Krieg brachte und die lange anhielt und sich zeitweise verschärfte, heute im wesentlichen überwunden ist. Aber ganz im Gegensatz zu den männlichen Arbeitskräften, wo das Angebot an Arbeitskräften um ein Drittel hinter der Nachfrage zurückbleibt, haben wit bei den weiblichen Arbeitskräften immer noch ein Arbeitsangebot, das die Nachfrage um ein Drittel übersteigt. Dabei wirkte bei den Frauen als heilsames Gegengewicht gegen die Arbeitslosigkeit die Möglichkeit der Einschiebung in die bisher von Männern besetzten Arbeitsstellen. Diese Möglichkeit ist bei der Industrie und Landwirtschaft in allerweitestem Amfange verwirklicht worden. Ich habe die Zahlen einer beträchtlichen Anzahl von Betriebskrankenkassen daraufhin zusammenstellen lassen. Danach hat der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte an der Gesamtzahl der Arbeiter vom Juli 1914 bis Juli 1916 sich folgendermaßen erhöht: in der Hüttenindustrie, der Metallbearbeitung, der Maschinenindustrie von 7 auf 19 Prozent, in der chemischen Industrie von 7 auf 23 Prozent, in der elektrischen Industrie von 24 auf 55 Prozent. Meine Äerren, das gibt Ihnen ein ungefähres Bild davon, in welchem Amfange der Ersatz männlicher Arbeit durch weibliche Arbeit in den für den Krieg arbeitenden Industrien heute schon durchgeführt ist. Äber die Landwirtschaft brauche ich nichts zu sagen. Sie wissen alle, in welchem Maße die Frau, von der kleinen Bauersfrau bis zur großen Gutsherrin, heute schon ihre Arbeitskraft der Landwirtschaft widmet, in welchem Maße heute schon die Frau der Rückhalt und die Stütze unserer landwirtschaftlichen Betriebe ist. (Sehr richtig! rechts.) Aber auch hier muß ich sagen: wir müssen noch weiter gehen als bisher! Jede Frau, die heute Männerarbeit verrichtet, sei es in der Landwirtschaft oder der Industrie, sei es an der Drehbank oder in der Schreibstube, jede Frau, die heute einen Mann freimacht für das Feld oder für die Schwerarbeit, jede solche Frau ist heute soviel wert wie der Mann, der draußen im Schützengraben vor dem Feinde steht. (Sehr richtig! rechts.) 14 Nun lassen Sie mich zurückgreifen auf die Verhältnisse, wie sie im ersten Abschnitt des Krieges entstanden und sich entwickelten. Diesen Verhältnissen, d. h. der zunächst bestehenden Arbeitslosigkeit, mußten sich alle Maßnahmen der Behörden und des Wirtschaftslebens anpassen. Wir haben, um der Arbeitslosigkeit zu steuern, eine Reihe vonMaßnahmen ergriffen, die, für sich genommen, das Gegenteil einer rationellen Ausnutzung der Arbeitskräfte sind. Es ist den Äerren bekannt, daß wir für gewisse Betriebe, namentlich für die Textilindustrie, die Verwendung von arbeitersparenden Maschinen verboten haben, daß wir für gewisse Tage in der Woche die Arbeit untersagt haben, daß wir für die übrigbleibenden Tage die Arbeitszeit verkürzt haben — das alles zum Zweck, um die Arbeit zu „strecken", um für diese Betriebe, die in erster Linie durch die Arbeitslosigkeit betroffen waren, namentlich durch den Rohstoffmangel, den Arbeitern nach Möglichkeit die Existenz zu erhalten und zu ermöglichen. Dazu kam dann die Rücksicht auf den künftigen Äbergang in die Friedenswirtschaft. Äier handelte es sich darum, diesen Industrien den notwendigen Stock von Arbeitskräften zu erhalten. Das waren Rücksichten, die wir bisher nehmen konnten, aber heute können diese Rücksichten nicht mehr bestehen. Äeute ist Krieg das Losungswort. Heute ist es nichts anderes als die eine Rücksicht darauf, wie wir unseren Kämpfern draußen an der Front das notwendige Kriegsgerät verschaffen, und wie wir in der Äeimat die Arbeit besorgen, damit das Volk die nötige Ernährung hat. Äeute dreht sich alles um die Frage: wie schaffen wir Munition und wie schaffen wir Proviant? Meine Äerren, ich habe Ihnen vorhin angedeutet, in welchem Maße unsere gesamte Wirtschaft sich bisher diesen großen Aufgaben angepaßt hat. Selbstverständlich haben sich die verbündeten Negierungen genau überlegt, ob man von dem bisherigen System der Freiwilligkeit zu einem System gesetzlichen Zwanges übergehen soll; aber bei gewissenhafter Prüfung haben sich die verbündeten Regierungen überzeugen müssen, daß allein mit den bisherigen Mitteln der Freiwilligkeit die Aufgaben nicht zu lösen sind, die uns die jüngste Entwicklung, die uns namentlich die Verwirklichung des sogenannten Äindenburg-Programms in bezug auf Muni-- tionserzeugung stellt. Wir sind darauf angewiesen, jeden, der arbeiten kann, mit dem Kopf oder mit der Äand, für das Vaterland mobil zu machen, ob er will oder ob er nicht will. Es darf in dieser 15 Zeit niemand mehr geben, der müßig geht, weil er nicht arbeiten will oder weil er auf Grund seiner Einkommensverhältnisse nicht zu arbeiten braucht. Heute gehört jeder Arm und jeder Kopf dem Vaterlande. (Sehr richtig!) Meine Herren, das Gesetz drückt dies in seinem ersten Paragraphen folgendermaßen aus: Jeder männliche Deutsche vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 60. Lebensjahre, soweit er nicht zum Dienste in der bewaffneten Macht einberufen ist, ist zum vaterländischen Hilfsdienst verpflichtet. Der Begriff des vaterländischen Hilfsdienstes selbst ist umschrieben in H 2 des Gesetzes. Es ist der Dienst bei Behörden und behördlichen Einrichtungen, in der Kriegsindustrie, in der Landwirtschaft, in Betrieben und Beschäftigungen jeder Art, die für die Kriegführung und Volksversorgung unmittelbar oder mittelbar von Bedeutung sind. Meine Herren, ich unterstreiche die Worte „unmittelbar und mittelbar", um zu zeigen, daß der Kreis dessen, was wir als vaterländischen Hilfsdienst ansehen und behandeln wollen, sehr weit gezogen ist. Ich möchte auf Grund von zahlreichen Anfragen, die an mich herangetreten sind, gleich hier erklären, daß wir den Begriff der Volksversorgung nicht im engen materiellen Sinne auffassen, sondern daß wir auch geistige Bedürfnisse mit einbegreifen. Wir sehen zum Beispiel auch in der Presse einen für die Kriegführung und Volksversorgung bedeutungsvollen Beruf. Dasselbe gilt von der Geistlichkeit und der Lehrerschaft, dasselbe gilt für die Berufsorganisationen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die uns in diesem Kriege so vortreffliche Dienste geleistet haben, (sehr richtig!) es gilt für die Organe der sozialen Versicherung und für ähnliche Einrichtungen. Wer in diesem so weit umschriebenen Kreise arbeitet, wird als in der Ausübung seiner Hilfsdienstpflicht tätig angesehen; wer es nicht tut, wird durch das Gesetz angehalten, sich eine solche Tätigkeit zu suchen. Meine Herren, das Gesetz beschränkt sich auf die Männer. Den Frauen wird eine gesetzliche Verpflichtung nicht auferlegt. Ich will das kurz begründen. Einmal würde die Verwirklichung der allgemeinen Hilfspflicht, die wir den Männern unter Zurückstellung aller anderen Rücksichten auferlegen können, bei den physisch anders 16 organisierten Flauen doch auf gewisse Bedenken und erhebliche Schwierigkeiten stoßen, auf Bedenken, die jedermann ohne weiteres klar werden, wenn er die Sache einmal zu Ende durchdenken will. Dann aber liegt die Frage des Bedürfnisses doch bei den Frauen wesentlich anders als bei den Männern. Ich habe Ihnen vorhin die Zahlen der Arbeitsnachweise vorgeführt. Sie haben daraus, ersehen, daß heute bei den Männern auf Ivl) offene Stellen 64 Arbeitsangebote kommen, bei den Frauen immer noch 135. Beim Manne heißt es also: woher bekomme ich Arbeitskräfte für die Arbeit, die zu verrichten ist? Dagegen heißt es bei der Frau: wie schaffe ich Arbeit für die Frauen, die heute immer noch zu einem großen Teil vergeblich nach Arbeit suchen? Am die Frage beim Manne zu lösen, dafür haben wir das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst; die Lösung bei der Frau dagegen liegt ausschließlich auf dem Gebiete der praktischen Maßnahmen, in der zielbewußten und tatkräftigen Fortsetzung dessen, was bisher schon zum Ersatz der Männerarbeit durch Frauenarbeit geleistet worden ist. Meine Herren, auch bei den Männern sind wir uns ganz klar darüber, daß wir mit dem Zwange des Gesetzes allein nicht auskommen werden. Dazu gehört noch etwas anderes. Der Generalfeldmarschall v. Hindenburg hat es neulich in einem anderen Zusammenhange ausgesprochen: „Ohne Zwang geht es nicht; aber hinzukommen muß die tatkräftige, von vaterländischem Pflichtgefühl geleitete Pflichterfüllung eines jeden einzelnen." Dieses Wort gilt auch für das vorliegende Gesetz. Deshalb stellen wir auch in der Durchführung des Gesetzes den Zwang nicht an den Anfang, sondern wir stellen den Zwang an das Ende. Jeder, der zum vaterländischen Hilfsdienst aufgerufen wird, soll sich zunächst freiwillig nach Arbeit umsehen, und erst wenn er innerhalb einer bestimmten Zeit keine Arbeit gesucht oder gefunden hat, kann ihm im Bereich des vaterländischen Hilfsdienstes eine Arbeit zugewiesen werden, die er dann annehmen muß. Aber, meine Herren, so sehr wir auf die Freiwilligkeit rechnen, und wenn auch jeder einzelne noch so sehr durchdrungen ist von dem, was er dem Vaterlande in den schicksalsschweren Stunden schuldig ist, auch damit reichen wir nicht aus. Wir brauchen außer der Pflicht und dem guten Willen eine ordnende und organisierende Tätigkeit allergrößten Stils, eine Steigerung alles dessen, was bis- VaterlSndtscher Hilfsdienst » !7 her auf dem Gebiete der Umstellung unseres Wirtschaftslebens, der Anpassung unserer ganzen Volkswirtschaft auf die Kriegsverhältnisse geleistet worden ist. Wir wollen uns keiner Täuschung hingeben, als ob die Zahl derjenigen, die heute müßig gehl, eine ansehnliche wäre. Sie ist nicht allzu groß. Gewiß, Nichtstuer machen sich da und dort aufdringlich und in einer zu dem Ernste der Zeit nicht passenden Weise breit. Aber die Müßiggänger sind keine Reservearmee, mit der wir unsere wirtschaftlichen Schlachten schlagen können. Wir sind darauf angewiesen, die Arbeitskräfte aus Betätigungen herauszunehmen, die für die Kriegführung und Volksversorgung von geringerer Wichtigkeit sind, oder auch aus solchen Betrieben, die an und für sich für die Kriegführung und Volksversorgung notwendig sind, die aber mit Arbeitskräften übersetzt sind. Das letztere gilt zum Beispiel für die Textilindustrie. Aus Gründen der Sozialpolitik, die ich vorhin andeutete, aus Rücksicht auf unsere Zukunft haben wir dort die Maßnahmen getroffen, von denen ich vorher sagte, sie sind das Gegenteil einer rationellen Ausnutzung der Arbeitskräfte. Wir haben ferner durch die Unterstützung von Reich, Einzelstaaten, Kommunen, Unternehmern dazu beigetragen, daß die Arbeiter in diesen Betrieben weit über das Maß hinaus festgehalten wurden, das der zu leistenden Arbeit entspricht. Meine Herren, so berechtigt die Motive des bisherigen Vorgehens sind: die Fortsetzung des bisherigen Systems können wir uns nicht gestatten. Wir werden darauf hinwirken müssen, daß die zu schaffende Arbeit nicht mehr Arbeitskräfte bindet, als zu ihrer Erledigung strikt notwendig ist. Daß wir dabei mit Schonung und Vorsicht vorgehen werden, daß wir nicht daran denken, zum Beispiel die Unterstützungen, die bisher für die Textil-, Lederindustrie usw. gewährt worden sind, nun zu entziehen, ehe für die Arbeiter neue Arbeit und neuer Verdienst gefunden ist, ehe sür sie eine andere Existenzgrundlage gefunden ist, das, glaube ich, versieht sich von selbst. Ich will es aber ausdrücklich hier feststellen, weil doch Besorgnisse über diesen Punkt zu mir gedrungen sind. , Im ganzen Gesetze und in den Richtlinien, die ihm beigegeben sind und die nach Ihrem Wunsche wohl in das Gesetz hineingearbeitet werden, ist keine Rede davon, daß irgendeine Instanz ermächtigt sein soll, die Stillegung oder Zusammenlegung von Betrieben ohne weiteres zu dekretieren. Es handelt sich in dem Gesetz 18 immer nur um die Frage, ob aus einem Betriebe Arbeitskräste für den vaterländischen Hilfsdienst herausgenommen werden können oder nicht. Darüber sollen die vom Kriegsamt zu schaffenden Ausschüsse entscheiden, natürlich in allerengster Fühlung mit den Interessenten, Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Aber über die Zusammenlegung und Stillegung von Betrieben soll im gütlichen Einvernehmen entschieden werden. Die Industrien, die heute Reserven für Arbeitskräfte enthalten, die für solche Reserven noch in Betracht kommen, sind großenteils organisiert und stehen mit dem Kriegsamt, dem Kriegs Ministerium schon deshalb in engster Fühlung, weil sie heute in der Hauptsache sür die Bedürfnisse der Heeresverwaltung arbeiten. Schon allein durch die Auftragserteilung hat also hier die Heeresverwaltung ein Mittel in der Hand, um dort einzuwirken, wo es etwa notwendig werden sollte. Was nun die kleineren Leute anlangt, die kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden, so glaube ich, auch hier ist viel unnötige Besorgnis verbreitet. Das Kriegsamt wird durch die von ihm ressortierenden Stellen im Lande draußen den einzelnen Fall genau ansehen lassen und auch da, wo eine unmittelbare Beziehung zum Krieg und zur Volksversorgung nicht vorliegt, prüfen, ob das, was an einzelnen Arbeitskrästen etwa gewonnen wird, im Verhältnis steht zum wirtschaftlichen Schaden, der durch die Zerstörung selbständiger Existenzen angerichtet wird. Zum Kapitel der schonenden und gleichzeitig rationellen Durchführung des Gesetzes gehört auch ein weiterer Punkt, der wichtig genug ist, um von mir erwähnt zu werden. Es wird in vielen Fällen leichter und einfacher sein, die Arbeit zu den Leuten zubringen als umgekehrt die Leute zu der Arbeit. Die Erfahrungen, die mit der Umwandlung von Friedensbetrieben in Kriegsbetriebe, zum Beispiel von Spinnereien in Munitionsfabriken, bisher gemacht worden sind, zeigen, was auf diesem Gebiete geschaffen werden kann. Wenn wir die Arbeiter von ihrer Arbeitsstelle, von ihrem Wohnort weg an andere Orte verpflanzen, so haben wir eine Reihe von besonderen Schwierigkeiten zu überwinden. Wir müssen erstens einmal die Arbeiter aus ihren gewohnten Verhältnissen herausnehmen. Das tun sie nicht gern, sie gehen nicht gern heraus. Wir müssen an dem neuen Orte für Unterkunft sorgen, auch ein Problem, das nicht einfach zu lösen ist. Das kostet neue Bauten, kostet Arbeit und Material, und beides ist heute rar und teuer. Wir müssen neue Fabrik- IS gebäude errichten, für die dasselbe gilt wie für den Bau von Wohnungen. Das alles ersparen wir uns, wenn wir die Arbeiter dort lassen, wo sie sind, und wenn wir die Arbeit zu ihnen bringen. Wir haben den weiteren Vorteil, daß bei solchen Fabriken in der Regel auch größere Kraftanlagen, Wasserkräfte, Dampfkraftanlagen und ähnliche sich befinden, die ohne weiteres in den Dienst einer neuen Kriegsindustrie gestellt werden können. Wir haben den Vorteil, daß die größeren Fabriken über Reparaturwerkstätten und über Facharbeiter verfügen, die einen Grundstock für das bilden, was dort neu zu schaffen ist. Das alles müssen wir in der rationellsten Weise ausnutzen, um dadurch zur ausgiebigsten Verwertung der vorhandenen Arbeitskräfte beizutragen und gleichzeitig die Durchführung des Gesetzes so schonend für die Arbeiter und Unternehmer wie nur irgend möglich zu gestalten. Aber, meine Herren, auch bei aller Schonung und Rücksicht der Durchführung ergeben sich aus dem Gesetze doch notwendig die weitestgehenden Wirkungen. Die Pflicht zur Arbeit im vaterländischen Hilfsdienst bedeutet, auch wenn wir hoffen, daß sie in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle freiwillig übernommen wird, eine wesentliche Beschränkung der persönlichen Freiheit. Die Verpflichtung zur Übernahme einer zugewiesenen Arbeit bedarf ferner zu ihrer Ergänzung einer Erschwerung des Verlassens der Arbeit, des Arbeitswechsels. Nach der Absicht des Entwurfs soll zum Zwecke des ArbeitsWechsels dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber ein Abkehrschein ausgestellt werden. Damit werden alle diejenigen, welche heute schon im Bereiche des vaterländischen Hilfsdienstes tätig sind, dem Gesetz unterstellt, sie werden in die große, neu zu schaffende Heimarmee eingereiht. Diese Beschränkung der persönlichen Freiheit macht einen sorgfältigen Ausbau der zur Durchführung des Gesetzes bestimmten Organisationen nötig. Es kommt viel, um nicht zu sagen, alles darauf an, wie die Ausschüsse, die Organe zusammengesetzt sind, die in diesen Fragen die praktischen Entscheidungen zu treffen haben. Das gilt natürlich ebenso für die Organe, die über die Kriegswichtigkeit der einzelnen Betriebe zu befinden haben, über die Frage, ob aus einem Betriebe Arbeitskräfte herausgenommen werden dürfen oder nicht. Ich hoffe, daß es gelingen wird, diese Organe so zu gestalten, daß sie ihrer großen und schweren Aufgabe gewachsen sein werden. Ausdrücklich möchte ich hier bestätigen, daß für die zu 20 treffenden Entscheidungen im weitesten Maße die sachkundige Beratung der kommunalen Behörden, der Handels-, Gewerbe-, Handwerker- und Landwirtschaftskammern und der Berufsorganisationen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern herangezogen werden soll. Aber neben den entscheidenden Organen bedarf es eines Systems von Beschwerdeinstanzen, bedarf es eines Rechtsschutzes für diejenigen, die durch Ausführung dieses Gesetzes in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt und in ihrem Vermögen vielleicht geschädigt werden. Solche Beschwerdeinstanzen sind in den von den verbündeten Negierungen gebilligten Richtlinien vorgesehen. Über die Aufnahme des Rechtsschutzes in das Gesetz und über seinen Ausbau werden die verbündeten Regierungen mit sich reden lassen. Meine Herren, zu den weitergehenden Wünschen, die in der Vorbesprechung des Gesetzentwurfs im Reichshaushaltsausschuß hervorgetreten sind, kann ich in diesem Augenblick namens der verbündeten Regierungen noch keine Stellung nehmen. Ich hoffe aber, daß aus Ihren Beratungen eine Gestaltung des Entwurfs hervorgehen wird, die die Zustimmung der verbündeten Regierung findet, die die großen Zwecke des Gesetzes sicherstellt und die unvermeidlichen Härten, die ein solcher Eingriff in die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse zur notwendigen Folge hat, auf ein Mindestmaß einschränkt — ein Entwurf, der schließlich auch die Zustimmung des deutschen Volkes findet, an das er sich mit seinen großen Anforderungen wendet, des deutschen Volkes, das in ernster Zeit nie versagt hat, wenn das Vaterland Hingabe und Opfer von ihm verlangte. Meine Herren, wenn diese Erwartung sich erfüllt, dann werden wir mit diesem Gesetz ein Gewaltiges zum Siege beitragen. And nun, meine Herren, lassen Sie mich Ihren Blick auf das Ganze lenken. Das gewaltige Aufgebot, zu dem das deutsche Volk durch dieses Gesetz aufgerufen wird, geht nicht hervor aus Bedrückung und Kleinmut, wie mancher unserer Gegner es darstellen möchte. Nein, meine Herren, im Gegenteil, die Stimmung, aus der heraus dieses Aufgebot ergeht, ist die siegesgewisse Kraftanstrengung eines selbstsicheren Volkes, (Bravo!) eines Volkes, das in 2^ Iahren unerhörten Ringens gewaltige Schläge ausgeteilt und den Anstürmen der Massen und Maschinen der halben Welt immer und immer wieder siegreich und unbe- zwungen getrotzt hat. (Bravo!) 2t And nicht nur unsere braven Truppen haben gesiegt und standgehalten. Nein, meine Herren, auch die Heimarmee, die jetzt in dem neuen Gesetz feste Gestalt gewinnt, hat in den Stürmen des Weltkrieges gute und brave Arbeit getan. Sie hat bisher schon im Wirtschafts- und Hungerkrieg ihren Mann gestanden. (Sehr richtig!) Es ist wahr, der Feind hat uns von der Welt abgeschnitten; das hat er erreicht. Aber in der Wirkung hat er sich geirrt. (Sehr richtig!) Auf heimischem Boden haben wir uns den Ersatz erarbeitet für alle die Notwendigkeiten und Hilfsmittel, die uns vor dem Krieg die Außenwelt zuführte. Auf uns allein gestellt, haben wir Leistungen vollbracht, die unsere Feinde mit der Gütererzeugung der ganzen Welt nicht zu überwinden vermochten. (Sehr richtig!) Meine Herren, ich glaube, es ist keine tote Statistik, es sind lebensvolle Zahlen, die unsere Kohlen- und Eisengewinnung, die Grundlagen unserer Kriegsindustrie, widerspiegeln. Ich darf Ihre Geduld noch einen Augenblick in Anspruch nehmen, um Ihnen diesen Gesamtüberblick über unsere Verhältnisse zu geben. Ansere Steinkohlenförderung erhielt durch den Kriegsausbruch im ersten Augenblick einen schweren Schlag: von 16^ Millionen Tonnen im Juli 1914 ging sie zurück auf 8^ Millionen Tonnen im August, also auf die Hälfte. Heute ist sie wieder auf 90 Prozent der höchsten Friedenserzeugung gestiegen. (Hört! hört!) Ansere Braunkohlengewinnung ist im Kriege weit über das Höchstmaß der Friedenserzeugung hinausgewachsen. Llnsere Erzeugung an Flußstahl wurde durch den Kriegsausbruch von 1 628 000 Tonnen im Juli 1914 auf 567 000 Tonnen im August geworfen, also auf ein Drittel der Friedenserzeugung. Sie steht jetzt wieder auf rund 1 400 000 Tonnen; das sind 85 Prozent der höchsten Friedenserzeugung. Diese Erzeugnisse wurden erreicht — man muß immer wieder daran erinnern —, während Millionen und aber Millionen der kräftigsten Arbeiter gerade aus diesen Industrien herausgenommen worden sind. Meine Herren, ich will die ungeheuren Anstrengungen, die England gemacht hat, namentlich im letzten Jahre, nicht einen Augenblick verkleinern. Aber immerhin darf ich daran erinnern. zz daß Englands Kohlenerzeugung, die in Friedenszeiten stets größer war als die unsrige, für das laufende Jahr kaum irgendwie wesentlich höher sein wird als die Kohlenförderung Deutschlands. Ich darf daran erinnern, daß die Stahlerzeugung Englands, die wir in Friedenszeiten bereits beträchtlich überholt hatten, auch jetzt im Kriege trotz der großen englischen Anstrengungen erheblich hinter unserer Stahlerzeugung zurückbleibt. Dabei arbeitet England ebenso wie seine Bundesgenossen mit Chinesen und Malaien, mit Niggern und mit anderen farbigen Völkerschaften, während uns, außer den Gefangenen, im wesentlichen nur unsere eigene Arbeitskraft zur Verfügung steht. Aber, meine Herren, ich will nicht nur von Zahlen sprechen. Anter dem Druck der Kriegsnotwendigkeiten hat unsere Industrie Fortschritte erzielt, die weit über den Notbehelf hinausgehen, dauernde Errungenschaften, deren volle Entfaltung sich erst im Frieden ausnutzen lassen. In ungeahntem Maße haben wir gelernt, Material und Kraft zu sparen, teures und ausländisches Material durch billiges und inländisches Material zu ersetzen. Die Kräfte unserer Industrie sind in diesem Kriege gewachsen wie niemals in Friedenszeiten innerhalb eines gleich kurzen Zeitraums. In Monaten wurden gewaltige Anlagen geschaffen, für die man in Friedenszeiten Jahre veranschlagt hätte. Die Schule der Binnenwirtschaft, die wir jetzt durchmachen, wird bleibend und dauernd unsere wirtschaftliche Kraft, unsere Selbständigkeit und unsereWeltstellung stärken. Meine Äerren, ich will die Landwirtschaft nicht vergessen. In zwei schweren Iahren hat sie gezeigt, daß sie mit Anspannung aller Kräfte unsere Volksernährung sicherzustellen vermag. (Bravo! rechts.) Ansere Ernährungsgrundlage sür das laufende Erntejahr steht außerhalb jeder Bedrohung durch die Feinde. Trotz der schlechten Kartoffelernte können wir angesichts der guten Ernte an Körnerfrüchten und an Futtermitteln besser, zuversichtlicher und sicherer als im vorigen Jahre in die Zukunft blicken. (Sehr wahr! rechts.) Wir stehen auch in dieser Beziehung besser und sicherer als vor einem Jahr. Aber, meine Herren, keine Illusionen, weder hier noch draußen im Volke! Wir bleiben knapp. Die sorgfältigste Wirtschaft und peinlichste Sparsamkeit, ja selbst empfindliche Einschränkungen und 23 Entbehrungen sind und bleiben unerläßlich. Ich weiß, es ist ein schlechter Trost, wenn andere gleichfalls leiden. Aber wenn diese anderen unsere Feinde sind, mit denen wir in tödlichem Ringen liegen, dann wird dieser Trost schon etwas besser. In einem Kriege, der die ganze Wirtschaftskraft der Völker gegeneinander ansetzt, ist es keine müßige Frage, wie der andere steht. Genau wie sür den Feldherrn das Maß der eigenen Streitkräfte für sein Arteil, für die Entscheidungen, die er zu treffen hat, nicht allein ausschlaggebend sein kann, genau ebenso steht es im Wirrschaftskriege. Gewiß, meine Herren, vom Kunger der anderen ist noch niemand satt geworden. Aber in diesem Wirtschaftskriege ist es uns nicht gleichgültig, zu wissen, ob unsere Feinde im Äberfluß schwimmen oder ob sie darben. (Sehr richtig I) Darum gestatten Sie mir einen ganz kurzen Äberblick, einige ganz wenige Zahlen, die diese Verhältnisse beim Feinde beleuchten. Von unseren Gegnern ist England für drei Viertel bis vier Fünftel seines Bedarfs an Brotgetreide bekanntlich auf die überseeische Zufuhr angewiesen. Aber auch Frankreich und Italien haben auf Grund der letzten Ernte einen nicht unerheblichen Ausfall. Das Hauptversorgungsgebiet für unsere Feinde ist der Norden des amerikanischen Kontinents, die Vereinigten Staaten und Kanada; daneben kommen Argentinien, Indien und Australien in Betracht. Rußland scheidet ja erfreulicherweise aus; die Dardanellen haben die anderen nicht aufbrechen können. Die Ernte in Nordamerika war nun im vorigen Jahre eine Rekordernte von nie gekannter Höhe. Dieses Jahr hat sie einen Absturz von gleichfalls nie bekannter Heftigkeit erlebt. Die Weizen- crnte der Vereinigten Staaten und Kanada betrug im Jahre 1915 Millionen Tonnen, im Jahre 1916 nur 21 Millionen Tonnen. Das sind 16 Millionen Tonnen weniger als im vorigen Jahr. Die Gründe sind ja bekannt: schlechte Witterung, Getreidekrankheiten, Mangel an Kalidüngung. Zu dem Ausfall in der Menge kommt noch der Ausfall in der Güte, so daß in Wirklichkeit das Ergebnis für unsere Feinde noch viel ungünstiger ist, als es nach diesen Zahlen den Anschein hat. Meine Herren, die Vereinigten Staaten und Kanada haben bisher in der Hauptsache die Zufuhr für Westeuropa bestritten, auf die Anion und Kanada kamen von der großbritannischen Zufuhr, die uns ja in allererster Linie interessiert, im Jahre 1914/15 nicht 24 weniger als 74 Prozent, im Jahre 1915/16 88 Prozent. Die diesjährige Ernte macht aber eine Ausfuhr aus der Anion so gut wie unmöglich, eine Ausfuhr kann nur stattfinden aus den alten Beständen, die sich rasch erschöpfen. Auch Kanada ist in seiner Exportfähigkeit schwer getroffen. (Äört, hört! rechts.) England, Frankreich, Italien brauchen also zu ihrer Versorgung den Rückgriff auf Argentinien, auf Indien und Australien, die zusammen im vorigen Jahr nur 11 Prozent der englischen Einfuhr stellten. In Argentinien sind die Ernteaussichten gleichfalls schlecht, man spricht bereits — ob mit Recht oder Anrecht, kann ich nicht entscheiden — von der Möglichkeit eines Ausfuhrverbots für Getreide aus Argentinien, ein Faktum, das in der Geschichte noch nicht da war. Vor allem aber fallt in Betracht, daß die Zufuhr von Getreide aus diesen Ländern, aus Indien, Argentinien und Australien, zwei- bis dreimal solange dauert wie die Zufuhr aus dem nordamerikanischen Kontinent, (sehr richtig! rechts) daß die Zufuhr aus diesen Ländern infolgedessen in entsprechendem Maße mehr Schiffsraum verlangt. Das wichtigste aber ist, daß auch bei günstigem Ausfall der Ernte in Indien und Australien die Länder, die hier in Frage kommen, den Ausfall der Ernte von Nordamerika kaum werden wettmachen können. Sachverständige schätzen, daß aus der neuen Ernte dieser Länder insgesamt 4^ bis 5 Millionen Tonnen zur Verfügung stehen, dazu 2 Millionen Tonnen aus der neuen Ernte der Anion und Kanadas, also zusammen 6^ bis 7 Millionen Tonnen Ausfuhrmöglichkeit aus der neuen Welternte, gegenüber einem Einfuhrbedarf von ungefähr 16 Millionen Tonnen für unsere Feinde (hört! hört! rechts) und die europäischen kleinen Neutralen. Das ist ein Defizit von 9 bis 10 Millionen Tonnen, das aus alten Beständen entnommen werden muß, und so groß sind die alten Bestände nicht entfernt. Die Wirkung dieser Verhältnisse zeigt sich in der panikartigen Beunruhigung, die die Getreidebörsen nicht nur in England, sondern auch in Nordamerika ergriffen hat. Der Weizenpreis in Chikago ist seit Ende August bis Anfang November von 145 Cents bis auf nahezu zwei Dollar in die Äöhe gegangen gegenüber einem 25 Preise von 90 bis 120Cents im vorigen Jahre. (Äört! hört! rechts.) In Argentinien liegen die Verhältnisse ähnlich. In England ist der Weizenpreis heute, wenn ich den gegenwärtigen Kurs zugrunde lege, doppelt so hoch wie in Deutschland, (hört! hört! rechts) und auch wenn ich den alten Sterlingkurs zugrunde lege, dann steht einem Preise von 260 Mark bei uns ein englischer Preis von 370 bis 380 Mark gegenüber. (Äört! hört! rechts.) Meine Äerren, Sie sehen, daß in diesem Erntejahr der Äunger, den England gegen uns als Bundesgenossen mobil machen wollte, seine dürre Äand gegen unsere Feinde erhebt. Während im vorigen Jahre die anderen schadenfroh und siegesgewiß den Monat und Tag ausrechneten, an dem wir verhungern müßten, haben sie jetzt allen Grund, sich selbst die größte Sorge zu machen. And unsere wackeren Anterseeboote tun das ihrige, um diese Sorge für unsere Feinde von Tag zu Tag zu vergrößern. (Bravo! rechts.) Wenn also unsere eigene Ernte dank der bewundernswerten Leistung unserer Landwirtschaft uns davor bewahrt, aus Äunger kapitulieren zu müssen, so dürfen wir das als einen ganz wichtigen, für uns günstigen Punkt und gegenüber dem Vorjahre günstiger gewordenen Punkt in der Kriegslage ansehen. Der Feind hat seinen Vorsprung, den er auf diesem Gebiet uns gegenüber hatte, für das laufende Erntejahr endgültig verloren. (Sehr richtig! rechts.) Ich habe geglaubt, Ihnen diese Ausführungen vortragen zu sollen, um Ihnen die Gesamtlage vor Augen zu rücken. Aus dieser Gesamtlage heraus haben wir den großen Wurf des vaterländischen Hilfsdienstes gewagt, um alle Kräfte für die große Entscheidung in diesem Kriege zusammenzufassen. Aus dieser Lage und aus dem Vertrauen auf das deutsche Volk entnehmen wir unsere Zuversicht. Das deutsche Volk steht in einer Probe auf Kraft und Moral wie nie ein Volk in der Weltgeschichte. Wir müssen die Probe bestehen, und wir werden die Probe bestehen. (Beifall.) Wir werden sie bestehen, wenn jeder Mann und jede Frau in der Äeimat Stunde für Stunde derer gedenken, die draußen im Trommelfeuer der Schützengräben mit ihren Leibern für unsere Zukunft Wacht halten. 26 Meine Herren, der Herr Reichskanzler hat ausgeführt: kein Wort reicht an die Größe dessen heran, was unseren Truppen draußen zugemutet wird, was unsere Truppen willig dulden und leisten. Andere, in ihrer Art vielleicht nicht geringere Opfer und Leistungen werden von unserer Heimat verlangt, Opfer und Leistungen bis zur Selbstentäußerung, bis zum Aufgehen des Einzellebens und des Einzelschicksals in dem höheren Daseinszweck der Gesamtheit. Aber jeder Kampf und jede Arbeit, jedes Opfer und jede Entbehrung wird geheiligt durch den Gedanken, daß wir alle, die wir arbeiten und kämpfen, Grundsteine und Bausteine herbeischaffen für eine bessere und stärkere Zukunft unseres Vaterlandes. (Bravo!) In diesem Geiste, meine Herren, wird das deutsche Volk — das hoffen wir zuversichtlich — das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst aufnehmen und durchführen. (Beifall.) Nach Ausführungen der Vertreter verschiedener Parteien nahm das Wort Generalleutnant Gröner, Chef des Kriegsamts: Als Chef des neuen Kriegsamts, dem die Leitung des vaterländischen Hilfsdienstes obliegen soll, habe ich die Pflicht, Ihnen, meine Herren, meine Auffassung über dieses Gesetz darzulegen. Älber die Notwendigkeit des Gesetzes brauche ich nichts zu sagen. Wer lesen kann und wer sehen kann, der liest es jeden Tag und sieht es jeden Tag. Llnsere Industrie, die sich in geradezu glänzender Weise auf die Bedürfnisse des Krieges eingestellt hat, gibt uns die Zuversicht, daß wir die Zwecke, die wir mit dem Gesetz verfolgen, unter allen Amständen erreichen werden. Ansere Industrie steht in in dem Konkurrenzkampf mit der Industrie der ganzen Welt. Was das heißen will, meine Herren, das weiß jeder; darüber ist kein Wort zu verlieren. (Sehr richtig!) Aber was tun unsere Feinde außer dem, daß sie Waffen und Munition in einer ungeahnten Weise fabrizieren unter Anterstützung der gesamten neutralen Welt? Sie Hetzen auch noch die fremden Völker in den Krieg, wo sie irgendwie können. Wir haben es vor kurzem noch erlebt, daß sie durch den Eintritt Rumäniens in den Krieg uns wieder die letzte Kraft herausholen wollten, und daß sie gehofft 27 haben, durch den Eintritt dieser neuen Menschenmassen den Sieg zu erringen. Was haben sie erreicht? Das Gegenteil, dank der glänzenden Leistungen unserer und unserer Verbündeten Truppen. (Lebhaftes Bravo!) And so, meine Herren, soll es den Engländern und der ganzen Gesellschaft gehen. (Stürmisches Bravo!) Aber, meine Äerren, wenn man das große Ziel erreichen will, muß man vorausschauen und muH vorausschauend arbeiten. Das soll mit diesem Gesetz gemacht werden. Äber die Ziele des Gesetzes brauche ich mich nicht weiter auszusprechen. Es ist nicht geeignet, nun ganz plötzlich mittels dieses Gesetzes alle möglichen wunderbaren Maßnahmen in die Welt zu setzen, mit einem Schlage alles das zu schaffen, zu erreichen, was wir zum Ziele haben. Es bedarf einer langsamen, wohlüberlegten organisatorischen Arbeit und einer organisatorischen Entwicklung der ganzen Sache. So liegt, meine Äerren, nicht im Gesetz die Hauptbedeutung, nicht im Gesetz der Schwerpunkt, sondern in seiner Ausführung. (Sehr richtig!) Sie mögen in das Gesetz hineinschreiben, was Sie wollen, es kurz fassen, lapidar, wie wir es vorgeschlagen haben, Sie mögen den Mantel — es ist ja ein Mantelgesetz — mit allen möglichen Zieraten, mit Tressen, Kantillen und allen möglichen anderen Sachen versehen — es nutzt Ihnen alles nichts, wenn wir das Gesetz nicht vernünftig ausführen. (Sehr richtig!) Denken Sie doch an die Verhandlungen im Reichshaushaltsausschuß, wo Sie mit der größten Äberlegung und der größten Amsicht versucht haben, alles zu finden, was die nötige Sicherheit für den Arbeitgeber und Arbeitnehmer schafft, daß ein Nechtsverfahren eingehalten wird! Die Materie ist so außerordentlich schwierig — das wird jeder zugeben —, so außerordentlich vielseitig und so außerordentlich gefährlich, daß wir nichts erreichen, wenn nicht das Kriegsamt und alle die vielen, vielen Organisationen, die geschaffen werden müssen, vernünftig sind und vernünftig arbeiten. (Sehr richtig! und sehr gut!) Eine militärische Aushebung ist ja ganz ausgeschlossen; wir denken nicht daran, überhaupt nicht an ein derbes und gewaltsames Zugreifen. Wir brauchen zur Organisation — wie zu jeder Organisation — Freiwilligkeit. Die Äerren müssen sich in den Dienst der Sache stellen: wenn man die Leute überhaupt mit dem Kant- 28 haken heranholen soll, ist nichts zu machen; die Leute müssen vom ersten bis zum letzten freiwillig kommen. Selbstverständlich gehört in allererster Linie, wenn man die Produktion steigern will, dazu die freiwillige Mitarbeit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer; es gehört dazu der Anternehmergeist der Arbeitgeber und die Arbeitsfreudigkeit der Arbeiter. (Bravo!) Der Zwang steht als ultirna rario dahinter, oder wie Sie es nennen wollen; ich werde später noch ausführen, wie ich mir den Zwang denke. Für die Ausführung durch das Kriegsamt muß nun die Organisation geschaffen werden. Das ist das allerwichtigste. Das Kriegsamt hat alle möglichen Aufgaben: es hat für den Äeeres- ersatz zu sorgen — dazu haben wir unsere militärische Organisation — es hat für das innige Zusammenarbeiten mit der Industrie eine Organisation zu schaffen, die alle Industrien im ganzen Deutschen Reich mit einem weiten Netz umspannt. Nun kommt die Mobilisierung der Arbeitskräfte und alles, was damit zusammenhängt. Dazu brauchen wir eine Organisation, und diese soll das Gesetz uns geben. Ich möchte auf einige wenige allgemeine Gesichtspunkte eingehen, um Ihnen ein Bild zu geben, wie ich mir die Tätigkeit denke. Es ist so viel geschrieben worden von der Stillegung von Betrieben. Die Leute fürchten nun, es würde der Befehl kommen: vom l. Dezember ab machst du deine Bude zu und du deine Bude zu. (Heiterkeit.) Das sind alles Phantastereien, das ist vollkommen unmöglich. Ich denke mir dieses Herausziehen der Arbeitskräfte aus den Betrieben so, daß die Betriebe selbst zu uns kommen, sich uns auf Grund freiwilliger Vereinbarung und Verständigung anbieten und zweckmäßige Vorschläge machen. Diese Vorschläge wollen wir genau prüfen und dann die Entscheidung treffen. Auf Grund dieser Entscheidungen gehen die Richtlinien und Anhaltspunkte an unsere Organisationen draußen ins Land hinaus. Damit dort vernünftige Arbeit geleistet wird, müssen auch in diesen Kriegsamtstellen und in diesen Aus schlissen, die draußen zu errichten sind, Leute sitzen, die etwas von der Sache verstehen, die auch wissen, wie wir es meinen, nicht Leute, die sich nicht in unsere Gedanken hineinleben können. Selbstverständlich muß die einzelne Existenz, insbesondere bei dem Mittelstand und den kleinen Betrieben, geschont werden. Wir 29 dürfen nicht mit rauher, unerbittlicher Hand dazwischenfahren, um Existenzen zu vernichten; das ist ja nicht der Zweck des Gesetzes. Auch das Verpflanzen der Arbeiter kann nicht so erfolgen, daß morgen ein Befehl hinausgeht: von Pirmasens gehen soundsoviel Schuster dahin und von Plauen soundsoviel Textilarbeiter dahin. Auch das Verpflanzen kann nur als ult.ima ratic» in Betracht kommen. Wir werden in erster Linie bestrebt sein müssen, die Arbeit zu den Arbeitern hinzubringen. Das ist zuallermeist eine Maschinenfrage. Gelingt es, die nötigen Werkzeugmaschinen zu schaffen, so können wir das, gelingt das unserer Werkzeugmaschinenindustrie nicht, so müssen wir andere Maßregeln ergreifen, und dann kommt auch das Verpflanzen von Arbeitern in Frage. Dabei spielt die Wohnungsfrage eine besondere Rolle, die Fürsorge für Kinder und andere Wohlfahrtseinrichtungen. Das sind alles Aufgaben, die das Kriegsamt lösen muß in Verbindung mit der allgemeinen Aufgabe, die Industrie mit den nötigen Arbeitskräften zu versehen. Auch das Herausziehen der Kilfsdienstpflichtigen muß erfolgen aus Grund freiwilliger Meldungen, und wir denken wirklich nicht daran, nun einen Künstler aus einem Theater herauszuziehen und irgendwo in einen Betrieb hineinzusetzen, wo er höchstens zur Unterhaltung der Arbeiter dienen kann, (Heiterkeit) wo er aber nicht in der Lage ist, eine Granate zu drehen, oder auch irgendein gelehrtes Haus, (Heiterkeit) das aber furchtbar unpraktisch ist, irgendwohin zu stecken, wo es mit seinen unpraktischen Händen nur schaden kann. (Sehr gut!) Wir beabsichtigen auch nicht, eine Registrierung der Hilfsdienstpflichtigen ähnlich wie bei der Aushebung; wir sehen keine Einschreibungen vor. Dazu wären ja viel zu viel Kräfte nötig. Wir würden uns ja eine unendliche Arbeit aufladen. Wenn wir später einmal, nach vielen Monaten, wenn sich die Sache erst eingelebt und weiter entwickelt hat, zu einem derartigen Verfahren kommen werden, so ist das etwas ganz anderes. Von vornherein werden wir aber nicht einfach sagen: Hier sind soundso viele Hilfsdienstpflichtige — her damit! —, wir stecken dich in irgendeinen Beruf hinein, gleichviel, ob du willst oder nicht! Eine besondere Aufgabe im Rahmen des Gesetzes wird es sein, wie auch im Laufe der Debatte schon erwähnt ist, Wehr- 30 Pflichtige freizumachen für ihren eigentlichen Beruf und an Stellen, wo Äilfsdienstpflichtige dasselbe leisten können, Wehrpflichtige aus den Betrieben herauszunehmen und nach vorn zu schicken. Aber da muß ich sofort eine Einschränkung machen: ohne Facharbeiter können wir die ganze Aufgabe nicht lösen. (Sehr richtig!) Nun, meine Herren, es sind ganz gewaltige Eingriffe in die Volkswirtschaft, die hier eintreten sollen, und mancher scheut davor zurück; denn was es uns ermöglicht hat, den Krieg bisher so glänzend durchzuführen, das ist unsere durch und durch gesunde Volkswirtschaft, und diese zu stören und zu schwächen wäre ja geradezu Tollheit. Also bei dem ganzen Versahren muß doch als Ziel vor Augen schweben und muß dauernd beachtet werden das Bestreben, die Volkswirtschaft, die Kriegswirtschaft zu stärken und nicht zu schwächen. (Sehr richtig!) Daß dabei der eine oder der andere Zweig allerdings notleiden wird und Opfer bringen muß, das liegt in der Natur der Dinge; aber insgesamt muß unsere Volkswirtschaft im Kriege gestärkt werden. Wir wissen ja gar nicht, was die Zukunft bringen wird, welche neuen Aufgaben an uns herantreten, welche neuen Schändlichkeiten unsere Feinde ersinnen werden, um uns zu schaden. (Sehr richtig!) Meine Äerren, deswegen muß die Sache ganz groß angefaßt werden, weil man ja gar nicht weiß, was noch kommt. (Sehr richtig!) Wenn ich die Gesamtwirkung unseres Gesetzes zusammenfasse, meine Äerren, so handelt es sich erstens darum, die materiellen Kräfte zu stärken, vor allem Waffen, Munition, Äeeresersatz herbeizuschaffen, und zweitens darum, die moralischen Kräfte zu stärken, die Willenskraft des Volkes zu stärken, und darin — das geht mir aus vielen Zuschriften hervor, die ich aus dem Felde erhalten habe — sehe ich eine ganz besondere Wirkung auch auf das Äeer. Das Äeer, das draußen kämpft, das Gut und Blut und Leben einsetzt, muß wissen, daß es in der Äeimat ein Volk hinter sich stehen hat, das einmütig eintritt, ebenso wie vorn unsere Kämpfer mit Leib und Leben, so in der Äeimat mit der Arbeitskraft, zur Erreichung des einen Zieles: zur Erringung des Sieges. (Lebhaftes Bravo!) 31 So muß das ganze Volk ein Heer darstellen, im harmonischen Verein der Kräfte, wobei keiner widerstreben darf, weder der Mann am Schraubstock und an der Drehbank, noch der Bauer hinter dem Pfluge; keiner darf widerstreben, alle müssen sie mitmachen! (Sehr gutl) And was das Gesetz will, meine Herren? Die allgemeine Arbeitsgemeinschaft ohne politischen Anstrich! (Lebhaftes Bravo!) Nun, meine Herren, unsere Feldgrauen draußen im Felde stärken jeden Tag ihren Mut im Kampfe in einer Weise, die die Seelenstärke unserer Feldgrauen geradezu bewundern läßt. (Sehr richtig! — Bravo!) Diesem Heldenmut gegenüber sollte in der Heimat nicht das bißchen Entschlossenheit gegenüberstehen, das wir von Ihnen verlangen? Es würde ein Verzweifeln an unserem Volke sein, meine Herren. Eine unbeugsame Entschlossenheit in unserer Heimat zur Arbeit im Dienste des Vaterlandes, das will das Gesetz, und das müssen wir erreichen. Das Gesetz soll das lebendige Gewissen werden von uns allen, von dem Kriegsamt in erster Linie natürlich, aber von dem ganzen deutschen Volke. Nicht ein Zwangsgesetz ist es. Wir machen keine Zwangsarbeit jetzt im Kriege. Es geht um die höchsten Güter unseres Volkes. Also weg mit diesem Begriffe, mit diesem Ausdruck von dem Zwange! Das Gesetz will die höchste Freiheit im höchsten Sinne, im sittlichen Sinne. Es muß jedem einzelnen Deutschen in Kopf und Herz hineingehämmert werden, daß er seinen eigenen Willen unter den Willen des Vaterlandes unterzuordnen hat, (Bravo!) und wenn wir das mit diesem Gesetz erreichen, dann haben wir eine Gewähr dafür, daß Deutschlands Zukunft gesichert ist, eine Zukunft, die beruht auf Freiheit, auf Wohlfahrt und auf Gesittung. (Bravo! rechts.) Es ist also ein sittliches Gesetz und nicht ein Zwangsgesetz. (Bravo! rechts.) Aus diesem Saale, meine Herren, muß nun der Geist hinausziehen in die weiten deutschen Lande, der jeden einzelnen Deutschen erfüllen muß, der uns im Kriegsamt in allererster Linie erfüllen muß. Sorgen Sie, daß der richtige Geist hinauszieht! Dann machen Sie mir die Arbeit leicht, meine Herren. (Lebhaftes Bravo!) 32 40. Dr. Hans Freiherr von Soden, Bismarcks Glaube 45./42. Staatssekretär des Reichsschahamts Dr. K. Helfferich, Kriegsflnanzen 43. Prof. Carl von Aoorden, Hygienische Betrachtungen über Volksernährung im Kriege 44.Otto Hoehsch, Oesterreich-Ungarn und der Krieg 45. Prof. vr. W. Gerloff, Der wirtschaftliche Imperialismus und die Frage der Zolleinigung zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn 46. Geheimrat Prof. vr. Otto von Gierke, Der deutsche Volksgeist im Kriege 47. Prof. Dr. Kurt von Rümker, Mit Schwert und Pflug! 4S. Erich Meyer, Deutschland und Aegyvten 49. Wilhelm von Massow, Wie steht es mit Polen? 50. Geheimrat Dr.-Ing. Hermann Muthesius, Die Zukunft der deutschen Form 55. Dr. Hans Rost, Deutschlands Sieg - Irlands Hoffnung 52. N. Goldmann, Der Geist des Militarismus 53. Levin L. Schücking, Der englische Volkscharakter 54. Geh.Medizinalrat Prof. vr.Neisser, DerKrieg u.die Geschlechtskrankheiten 55. Theodor von Sosnosky, Irredenta-Politik 56. Prof. vr. Robert Liefmann, Bringt uns der Krieg dem Sozialismus näher? 57. Richard Kiliani, Der deutsch-englische Wirtschastsgegensah 5S. Theodor Heuß, Kriegssozialismus 59. Moeller van den Brück, Belgier und Balten 60. Prinz OlgierdCzartoryski, Müssen Deutsche u. Polen sich immer befehden? 65. Jakob Schaffner, Die Schweiz im Weltkrieg 62. vr. Franz Bachmann, Der Krieg und die deutsche Musik 63. vr. Hermann von Staden, Indien im Weltkriege 64. Alfred Hettner, Die Ziele unserer Weltpolitik 65. Diplom-IngenieurRolandEisenlohr, Flugwesen und Flugzeugindustrie der kriegführenden Staaten 66. vr. M. Llevelhör, Frankreichs finanzielle Oligarchie 67. vr. George von Graevenih, Die militärische Vorbereitung der Iugend in Gegenwart und Zukunft 6S.vr.P.Gast, Deutschland und Südamerika 69. Staatssekretär d.ReichSschahamtS vr.K. Helfferich, Kriegsflnanzen. 2. Teil 70. vr. mecZ. H. paull, Die neue Familie 75. vr. Hans Siegfried Weber, Anfledlung von Kriegsinvaliden 72. vr. Karl Kumpmann, Imperialismus und Pazifismus in volkswittschast- licher Beleuchtung ?3.vr.M.L.Vodmer, Ein neuer Staatenbund und das Ostjudenproblem 74. Ludwig Herz, Kriegskosten und Deckung 75. vr. Freiherr von Mackay, Der Vierbund und das neue europäisch-orientalische Weltbild 76. vr. L. Lulves, Die Stellung des Papsttums im Weltkriege 77. vr. Adrian Molin, Schweden und der Weltkrieg 7«. vr. Paul Rache, Wofür kämpfen die Engländer? 79. vr. W. Goehe, England, Dänemark und Griechenland so. Geh. Iustizrat vr. H. Oswalt, Wirtschaftliches Durchhalten S5./82.O. von Alvensleben, Unterseebootskrieg und Völkerrecht 53. Gotthard Würfel, Der Sieg der deutschen Volksgesundheit im Weltkriege 54. Georg Bernhard, Land oder Geld 55. vr. W. H. Solf, Die Lehren des Weltkriegs für unsere Kolonialpolitik 56. Vaterländischer Hilfsdienst i-^d, '4-^(5 ^ ^b. Zwei Bücher von Prof. vr. C. L. Schleich dem ausgezeichneten Chirurgen, feinsinnigen Dichter und Philosophen Aus Asklepios' Werkstatt Plaudereien über Gesundheit und Krankheit Geheftet M 3.—, gebunden M 4.— Als ausgezeichneter Chirurg, als origineller, philosophisch geschulter Denker und als Schriftsteller von fesselnder, dichterisch starker Eigenart ist C.L. Schleich eine der vielseitigsten und interessantesten Persönlichkeiten der modernen deutschen Medizin. In dieser glücklichen Vereinigung seiner Begabung tritt uns Schleich auch in diesem neuen Band wieder entgegen, der so recht geeignet ist, den weiten Kreis von Laien, der für medizinische Fragen Teilnahme und Wißbegier hat, sowohl über grundlegende Allgemeinbegriffe der modernen Medizin wie über zahlreiche Einzelfragen zu unterrichten und aufzuklären. Das Buch bietet aber nicht nur Belehrung und Aufklärung in anregender, künstlerisch anmutender Form; es ist auch besonders geeignet, Lebensmut und Willen zur Gesundheit zu fördern. Es ist ein feines tiefes Buch, zu dem der gebildete Laie gern zu wiederholter Lektüre zurückkehren wird. Zwei Jahre kriegschirurgischer Erfahrungen aus einem Berliner Lazarett Gehestet M 1 — Dies kleine Buch wird jedem nicht nur mannigfache Belehrung, sondern auch Freude und Trost bringen: Freude über das von einem Berufenen hier abgelegte Zeugnis von der körperlichen Widerstandsfähigkeit und der sittlichen Tüchtigkeit unseres Volkes in Waffen; Trost aus der Sicherheit, daß deutsche Wissenschaft alles aufbietet, um denen, die im Dienst des Vaterlandes ihre Gesundheit Hingaben, Kilfe, Genesung und, wo es nötig und soweit es möglich ist, Ersatz für dauernde Einbuße zu bringen. Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart