ß - ^ vi. Karl Falkenstein's Geschichte der Buchdruckerkunst. Geschichte der Puchdruckerlmnst in ihrer Entstehung und Ausbildung von Dr. Karl FalKenstein, Ein Denkmal der Erfindung der Typographie. Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafcldruckc, Nachbildungen ron Typen alter berühmter Ofsicincn und Proben von Kunstdrucken nach den ncnesten Lrfindungcn unserer Zeit. LeiWg, Verlag und Druck von B. G. Tcnbncr. 1840. X V Sr. Majestät dem Allerdiirchlauchtigsten, Großmächligsteii Fürsten und Herrn, Herrn iebrich (MRH«st Könige von Sachsen, dem erhabenen Beschützer r Wissenschaft und K « n st in tiefster Elirfurchr gewidmet vom Verfasser I>>. Karl FliiKenstein und Verleger Äenevietus Gottheit' Tenlnirr. Inhalt. Scll- Subscribenten-Verzeichnis;................. 1 Vorrede......................... ix Einleitung . . . . . ............... 1 Grste Abtheilung. Die Erfindung der Buchdruckerkunst. Vorgutenbcrgische Druckversuche .... 12 Holztafeldrucke im Allgemeinen.................. 15 Die Holztafcldruckc nach der muthmaßlichen Zcitfolge ihrer Entstehung....... 19 Einzelne xylographische Blätter mit Tcrt, welche dem fünfzehnten Jahrhunderte angehören . öl Zusammenstellung der verschiedenen Ansichten vom wahren Erfinder der Buchdruckerkunst . . 67 Zweit Die Verbreitung der Buchdrucker! Druckverfahren mittelst der Presse und Europa. Deutschland....... Italien........ Frankreich ....... Belgien und die Niederlande Schweiz........ Ungarn »nd Siebenbürgen . . . Großbritanicn und Irland . Spanien....... Portugal....... Böhmen........ Schweden und Norwegen Dänemark....... Polen und Litthanen .... Rußland....... Türkei........ Griechenland...... Asien. China........ Japan ... . . . . . Privatdruckercicn .... e Abtheilung. UN st ü bewcgli Scitc 91 208 238 255 268 279 280 291 295 296 293 301 303 308 310 313 314 317 b er cher den Erdkreis. — Typen...... Ostindien . . . Hinterindicn. . . Asiatische Inseln Pcrsicu .... Syrien .... Armenien und Grnsicn Asiatische Türkei . Amerika. Südamerika . Westindicn . . Nordamerika Britische Colonien . Afrika. Nordafrika . . . Wcstafrika . . Südafrika. . Afrikanische Inseln Australien. Festland. . . Australiens Inseln 91 318 323 324 326 327 328 328 329 330 331 339 340 341 342 342 343 343 345 / / VIII Inhalt. Dritte Abtheilung. Kurze Geschichte des Mechanismus und der technischen Ausbildung des Buchdrucks .... Presscnbau .... Stempelschueidckunst und Schriftgießerei . Stereotypie . . . Logographie Gold- und Silberdruck Farbendruck . . . Congrevednlck . . . Seite 353 360 364 366 366 363 370 Jrisdruck . . Hochdruck . Guillochirkunst . Facsimiledruck . Lithotypographic Tylotypographie Clichirkunst Polytypie . . Anwendung der Typographie auf besondere Zweige der Künste und Wissenschaften..................... Seite > Notendruck ...... 376 ! Botanischer Druck . . . , Typometrie...... 377 Ektypographie..... Mathematischer Druck .... 380 l Alphabetisches Verzeichnis) der Drucker bis 1500 ......... Chronologisches Verzeichniß der Druckorte bis auf die neueste Zeit . , Typen schau. Seite 353 371 371 372 372 373 374 374 375 376 3S0 381 383 394 Vorwor t. einahe kein Zweig der Kunst- nnd Literaturgeschichte hat so viele Federn in Bewegung gesetzt, als die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst. Vier Nationen machen auf die Ehre, den Erfinder erzeugt zu haben, Anspruch und das Bestreben der Vertreter derselben, einer jeden die Palme des Ruhmes zu ^ erkämpfen, hat seit dritthalb hundert Jahren zahllose Werke nnd Streitschriften von sehr verschiedenem Werthe hervorgebracht. Mit der zunehmenden Masse derselben sind die Thatsachen eher in Dunkel gehüllt als durch das Licht der Kritik erhellt worden. Die meiste Schuld an diesen Sünden gegen die unbestechliche Gerechtigkeit der Geschichte tragt mißverstandener Patriotismus, welcher die Liebe zur Wahrheit der Liebe zur Heimcith zum Opfer brachte. Diesen Widerstreit der Meinungen, zumal zwischen Holland und Deutschland, zu schlichte», jenen Schleier, den hier Vorurtheil oder Absicht, dort Unknnde der Quellen oder Einfalt des Herzens über die historische Forschung ausgebreitet hält, nach Kräften zu lüften und dem Leser einen Faden in die Hand zn geben, der ihn aus dem Labyrinthe der Behauptungen vor den Areopag der Kritik führe, um nach Abhörung der Parteien alsdann selbst das Richtcramt zu üben, schien bei der vierten Säcnlarfeier der Buchdruckerkunst dem Studicnkreise des Bibliothekars angemessen und der Bemühungen deS Literaturfreundcs nicht unwerth zu sein. Daß ein solches Führeramt kein leichtes sei, ja sogar in der angewiesenen kurzen Zeit die Kräfte des Einzelnen überbiete, konnte dem Verfasser beim Rückblicke auf sich selbst nicht entgehen, und kaum würde er es gewagt haben, durch Uebernahme desselben dem Wunsche des Verlegers zu entsprechen, hatte ihn nicht der Gedanke ermuthigt, daß Jeder, der sich der Wohlthaten der Typographie erfreut, einen Stein zn dem Ehrentempel herbeischaffen müsse, den die dankbare Nachwelt der größten aller Erfindungen baut. Der Nachwelt, das ist, unserer Gegenwart, schien es vorbehalten, an den Manen des Erfinders den Undank der Mitwelt zu sühnen. Nicht wie Rafael Sanzio eine Apotheose erlebend, wurde Gutenberg erst nach seinem Tode die Bewunderung des Erdballs. X Vorwort. DaS mnthmaßliche Jahr der ersten Anwendung beweglicher Typen 1440 wurde ein Jubeljahr für die ganze gebildete Menschheit. Jedes Jahrhundert feierte nach seiner Art das Andenken des großen Mannes. Arnold von Bürgcl, selbst ausübender Typograph, der längere Zeit als Correetor gewirkt hatte, besang im sechszehnten, wie M'Creery im neunzehnten die ewig junge Kunst durch ein Lneomion clluIonFra^uiae. DaS erste Jubelfest wurde im Jahre 1540 am 24. Jnnius, am Tage des Lichtverkünders Johannis des TauferS, vor allen deutschen Starten hauptsächlich in Witteuberg, der bescheidenen Hochschule Sachsens, von wo nur wenige Jahre zuvor die Kirchenresorm, von der Presse begünstigt, ausgegangen war, von den damaligen fünf Buchdruckern: Hans Lufst, Georg Rhaw, Peter Scitz, Michael Lother und Hans Kraft nebst ihren Gehülfen nnd Freunden in stiller Beschauung gefeiert. Sie hatten nach Angäbe des Eölner Chronisten das Jahr 1440 als dasjenige der Erfindung angenommen uud zur Begehung des Festes neben der Berücksichtigung des Umstandes, daß 1440 gerade zwischen dem Jahre der ersten Versuche 1430 und dem Erscheinen der ersten Druckgcgenstände an Abcdarien, Donaten und dergleichen (1420) steht, aus drei Gründen den St. Johannistag gewählt: einmal, weil er von alten Zeiten her allen Deutschen besonders heilig war und in die schönste Jahreszeit der Sommer- Sonnenwende fällt; zweitens, weil er nicht nur Gntenberg's, sondern auch Fust's Namenstag ist, und drittens, weil das Evangelium dieses Tages (LucaS I, 13. 63. 64.) gleichsam prophetisch die kommende Wohlthat verkündet. Gerade dieser längste Tag des Jahres, wo das Sonnenlicht am hellsten strahlt, erschien mit Recht als der passendste Festtag dcS geistigen Lichtes. Er mnßte in seiner Symbolik höhere Gefühle anregen, die Erinnerung an Gutenberg wecken, znr Nacheiferung crmuntern uud zu einer Menge passender Lobreden auf den Helden des Festes und auf die universal-historischen Folgen seiner Kunst Veranlassung geben. Bei der zweiten Säcularfeier im Jahre 1640 war der Enthusiasmus gestiegen. DaS Fest wurde schon in mehreren Städten unseres Vaterlandes, besonders in Leipzig, Hamburg, Witteuberg, Dresden, Jena, Brcslau und Straßburg gefeiert, in letzterer jedoch nicht am Johannistage, sondern am 18. und 25. -August und am 1. September an drei nacheinander folgenden Dienstagen. Die traurigen Verhältnisse, welche der 30jährigc Krieg in seinein Gefolge führte, hatten auffallender Weise gerade in derjenigen Stadt, wo dereinst die Wiege der jungen Kunst stand, die Schwingen der Begeisterung gelähmt. Still und prnnklos begingen die Zunftgenossen das Fest durch Aufnahmen in die Kunst-Innung nach dem jetzt veralteten Brauchthumc des Postulats, wobei die Cor nuten gute Lehren empfingen. Das dritte Jubeljahr 1740 erregte eine fast allgemeine Theilnahme durch ganz Europa. Ein hochbegabter aufgeklärter Fürst, Freund des LichteS, war so eben auf den Thron eines der mächtigsten deutschen Reiche gestiegen und hatte einer neuern lichtvolleren Zeit die Pforten geöffnet. DaS JohanniSfest jenes Jahres war ein Tag des Jubels und der Freude und wurde in allen größeren Vorwort. XI Städten Deutschlands und der Nachbarstaaten mit besonderer Festlichkeit begangen. An manchen Orten dauerten die Ceremonien drei Tage hindurch, indem man daS Gutenbergsfest durch eine Vor- und Nachfeier verherrlichen zu müssen glaubte. Unzahlige Denkschriften, Programme und Gedichte wurden gedruckt, Predigten und Reden in fast allen Sprachen gehalten, feierliche Festzüge in bunten Talaren mit Fahnen und allen Jnstgnien der Kunst-Innung veranstaltet und überall der Jubel mit einem heiteren Festmahle beschlossen. Viele Denkmünzen wurden geschlagen, als zu Altorf, Anspach, VrcSlan, Erfurt, Gotha u. s. w.; die Stadt Nürnberg ließ für sich allein deren vier ausprägen. Diejenigen Städte Deutschlands, welche sich durch eine besondere Feier ausgezeichnet haben, sind.' Leipzig, Nürnberg, BreSlau, Frankfnrt, Berlin, Erfnrt, Ulm, Gotha, Angöbnrg, Basel, Zürich, St. Gallen, Straßburg, Halle, Jena, Danzig, Hamburg, Weimar, Coburg, Grinnna, Sorau, Stargard, Görlitz und Bcmzen. WolsS ^loriumenta t^paFra^Ilic^^ enthalten die wichtigsten Jnbelschriften, die bis zum Jahr 1740 erschienen sind. Wer aber die wcitlanstige Literatur derselben, sowie der Erfindungsgeschichte bis auf unsere Tage keimen lernen will, den verweisen wir, da der Mangel an Raum deren Anführung in diesen Blattern nicht gestattet, auf ZV-uruir, „ IZidlioFi-g^Ins picküen>zrÄpIiiLa-lIi^IomÄt!c<,-di^IiiiI>)^iIe tipnFrslieo ?arma, presso 1^ Vedov^ 1818. 2 Voll, in 4.; ^u>>iin t^n^ra^Iiis etc.1?sris 1837. 8.; ^olinsan, „ l'^pogr^iliis en tlie Printers inst, uctor I^onclon 1824. 2 Voll, in 12.; und besonders Hansarä, „ l^ngi-aplna distorical slcetcll os tlie origin anil pioAress of ^rintinA, ^vitli practicsl clirections ior conclueting everv clepartment in an nMce etc." Lonclon 1335. gr. 3.; serner das „Handbuch der Buchdruckerkunst", Franlfurt 1827. und Haspcr, „Handbuch der Buchdruckerkuust", Carlsruhe 1835. 3. Ju diesen findet der Kunstjüngcr Auskunft über alle artistische Zweige seines Faches. Für den Gelehrten und Litcraturfreund aber schien die Geschichte des allmäligen Fortschritts auch ohne detaillirte Beschreibung und ein summarisches Hindeuten auf die neuesten Erfindungen im Pressenbau, der Stcmpelschncideknnst, der Schriftgießerei, Stereotypie, dem Congreve-, Farben-, Gold-, Silber- und Bronze-Druck, in der Clichir- uud Gnillochir-Kunst; ferner ein Blick auf die Anwendung der Typographie ans Kunst uud Wissenschaft als i Notendruck, mathematischer Druck, botanischer Druck, auf Ektypographie für Blinde, auf Holzschneidc- und Metallstichkunst in Verbindung mit dein Buchdrücke, sowie endlich die neueste franzosische Erfindung der Lithotypographic u. s. w. zu genügen. Das vorliegende Werk in dem Zeitraume eines Jahres an das Licht treten zu lassen, konnte nur einer Offiein, wie die Teubner'sche in Leipzig, möglich werden. Im Monat Juli 1839 kam des Verlegers Gedanke, das Buchdrucker-Jubiläum durch eine dem innersten Wesen der Knnst analoge Festgabe verherrlichen zu helfen, in Ausführung. Der Verfasser schrieb im Monat August einen Prospect und begann die Sichtung und Verarbeitung des allgewaltigen Materials. Hievon unterrichtet, bereitete sich der Verleger auf die Ausführung deS Stichs der betreffenden Holztafcln, Typensaesimiles u. s. w. vor, deren weit über hundert nothwendig erschienen. Im Monat Februar dieses JahreS nahm der Druck seinen Anfang uud wurde mit ungewöhnlicher Kraft begonnen und fortgesetzt. Es wurden nach und nach die Grabstichel der Graveurs für den Zweck der Holztafcln in dem Atelier des Verlegers verdoppelt, verdrei- und vierfach:, um Schritt zu halten mit den Sendungen des Manuscripts. Vorerst waren die Graveure Krctzschmar, Gcorgy, Wolss, Granl, Wartig, Veit, Flegel :c. thatig. Als aber das Material ergiebiger wurde, leisteten Nühle, Krug, Kastner und sämmtliche Mitglieder der Graviranstalt der Herren NieS ^ Comp. in Magdeburg neue Hülfe, so daß durch die Thätigkeit von 21 Graveurs in einem Zeiträume vou vier Monaten an 130-14V der gelungensten Producte der Holzschneidekunst auS ihren Händen hervorgingen. Rüstig hielt die Osficin des Verlegers unter der trefflichen Leitung ihres Chefs, dessen kunstsinnigen Schwiegersohnes Eduard Koch und der musterhaften Factorcu Ackermann und Heyne mit dem Herausgeber Schritt und es verdient zu den seltenen Beispielen deutscher Einrichtung und deutschen Vorwort. XIII Kunstfleißes gezahlt zu werden, wie in einem Zeitraume von kaum vier Monate» ein Werk geschaffen wurde, dessen Herstellung — nach dem flüchtigen Blicke des Kenners — unter andern Umstanden mindestens die Zeit von zwei Jahren erfordert haben würde. Der Verfasser aber glaubt sich der freudigen Hoffnung überlassen zu dürfen, seine gewiß nicht leichte Aufgabe in jener kurzen Zeit auf eine Weise gelöst zu haben, die ihn nuter Berücksichtigung der Verhältnisse vor den Gerichtshöfen allzustrenger Kritik freispricht, indem es ja vor allem dem Zeitpunkte galt, in welchem dies Buch erscheinen mußte. Von sich absehend, fühlt er sich gedrungen, hier öffentlich das Bekenntniß abzulegen, daß die Leistungen des Verlegers ihm Erstaunen einflößten und daß es nur. einer Ofsiein, wie der seinigen, möglich war, in wenigen Monaten so viel zu schaffen. Selbst der wackere Sohn desselben, Richard Teubncr, hat durch sein schönes poetisches Talent zur Verherrlichung des Ganzen beigetragen, indem der Tert zu der vom k. s. Kapellmeister Reissiger componirtcn Musikbeilage als Probe des Notendruckes, aus dessen Feder stammt. Um jedem Verdienste seine Krone zu Theil werden zu lassen, sei es vergönnt, die Namen derjenigen Kunstgenossen zu nennen, die an dem Werke thätig gewesen sind und somit zur Feier des Jubelfestes beigetragen haben: die Lettern haben die Gehülfen Thiele und Wallstab unter der Aufsicht des thätigen Factors Mönch gegossen. Setzer des Werkes: Lindncr, Jlling, Utlmann, Selle, Bergmann und Metzlcr. Drucker: Klöber und Höhnhold, Böhme und Große (für den Kunst- und Farben-Druck), Zwicker und Sander, Gottschalk und Wischmeyer, Müller und Fricke, Planer und Hieronymus (für den Typendruck). Es befinden sich unter den vorgenannten Kunstgenosscn ein großer Theil sonstiger und noch dermaliger Zöglinge der Offiein des Verlegers, die ohne Ausnahme einen großen Werth darauf legten, ihre Thätigkeit unserem Werke widmen zu können. —- Als Correctoren desselben haben sich verdient gemacht die Herren Äl. Volbeding und Candidat Täschner. Eine nicht geringe Zierde des Buches ist der Schluß desselben, die möglichst vollständige „Typ cnschau", welche ans Verwendung des Hohen Ministcrinms der auswärtigen Angelegenheiten in der königlichen Druckerei zu Paris gesetzt und gedruckt worden ist. Der Verleger zog es vor, die orientalischen Schriften, obgleich er diese in Deutschland hätte erlangen können, aus der Originalguelle >— der größten und berühmtesten Druckanstalt der Welt — zu beziehen, weil dieselben, nach dem Urtheile der Sachkenner, als nach orientalischen Handschriften gebildet, den eigenthümlichen Charakter des Morgenlandes am treuesten wiedergeben. XIV Vorwort. Noch habe ich mein Bedauern darüber auszusprechen, daß einige wichtige Schriften znr Geschichte der Bnebdruckerkunst, wie I^eon de I^Kurds, „I^ouvelles reclierclies snr I'origine berA clsus cette Ville et sur le proces <^ui Ini fut intente en 1439 Ä cette occssion", ?i»ris 1840. 8. — Ferner' .7. Narie (^uicuarcl, Motive sur le specul^mi Kumanse sslvatioriis ^, ?sris 1840. 8. und O. nieuwlings ontllekt exeui^Isr vsii >iilos. in Halle. — Birks, P., Buchdrucker iu Rastadt. — Birucr, Bnchdr.-Besitzer in Bayrcnth. Hrn. Black und. — v. Brandcustcin, Staatsminisicr, Erccllcuz in Oldenburg. — Bräunig, N. K. F., Supcrint. in Zwicke.». — Braut, Director des Gymnasiums und erster Professor an demselben in Brandenburg. — Brchmc in Leipzig. — Brcndcl, C. F., Maschincu-Tir. in Frcilcrg. — Brenneckc, Buchdr.-Gehülfe in Hildesheim. Herr Bretschneidcr, vr. K. G., Gen.-Supcr. u. Dir. des h. Ober-Cousistor., Mag«, in Gotba. — Br ettner, Professor in Brcölau. — v. Brcza, Graf Fr. Aug., in Dresden. — Brecher, I. G., Schriftsetzer in Stettin. Hrn. Brockhaus >8, Avenarins, Buchhändler in Leipzig u. Paris. HcrrBrockhausen, Franz, OLGNcf. in Münster. — v. Broizcm, Geh. Kncgsrath in Dresden. — Brölmann, ThieM), aus Lyon. — Brück, F. W., Buchdrucker in Leipzig. — Bruus, I. C. C., in Minden. — Bube, Ad., Obcr-Consist.-Secrctair in Gotha. —> v. Buddenbrock, Landrath in Hcilöbcrg. — Buddcus, Reg.- u. Cousistorialrath iu Leipzig. — Budill, Anton, Setzer in Wien. — Bunge, Gust. Adolph, Schriftsetzer in Leipzig. — v. Burgsdorf, L., Kr.-Tir.-Ref. in Bautzcn. — Busch, Chr., Schriftsetzer in Quedlinburg. Mr. Ansehe, G. P., L-c,. in London. Hcrr Bnfiler, H., in Berlin. — Büttel, P., Schriftsetzer in Leipzig. — Butter, C. C-, Banquier in Leipzig. — Calbcrla, Mor., Fabriicnbcsitzer in Dresden. — Cannot, Rcgicrungs-Rath in Danzig. — Carl, H. G., Buchdr.-Faetor in Quedlinburg. Frau v. Carlinska, Gräfin in Dresden. Herr v. Carlo Witz, Staats-Mi»., Erc. in Dresden. Löbl.C ast'sche, I. F., Buchhaudl. in Stuttgart. Herr Cerutti, vr. u. Prof. in Leipzig. — ChalybaeuS, Th., Privatgcl. in Dresden. — v. Chanowsky, Baron, k. k. Kämmerer nnd Hauptmann auf Niemtschitz in Böhmen. — Choinanus, Heim. Aug., Gcrichts-Dircctor in TcichwolframSdorf bei Greiz. — Choulant, vr., Hofrath n. Prof. in Dresden. — v. Ciccicrsky, Graf Stephan, in Berlin. — Ciliar, Lndw., Schriftsetzer in Leipzig. — Clamor von dcm B n6 sche-H ünn cfcld, Freiherr zu Hünncfcld. — Clauß, Pct. Otto, Fabrikbesitzer in Chcmnitz. Löbl. Clossius' schc Buchdruckcrci in Hermannstadt. Herr Cölcr, Aug., Buchdr.-Bes. in Fraukenhausen. Die Cominerzbibliothck in Hamburg. Löbl. Coppenrath' sche Buch- u. Kuusth. inMünster. Herr Cotta, Bernhard, vr. pliii. in Tharandt. — Cotta, O.Forstr. u. Dir. d. Forstak. in Tharandt. — Crcdner, Friede. Aug., Geschäftsführer in der Hochmcistcr'schcn Buchh. iu Hermauustadt. — Cru si u s, W. L., vr. der Rechte in Leipzig. — Culc in a nn, F. G. H., Vchdr.-Bes. iu Hannover. Löbl. Culeman n' sche Buchdruckerei iu Hannover. Herr Dahl, I., Buchhdlr. in Christiania. Subscribenten -Verzeichnis). ^HcrrDähne, Adolph, in Leipzig. — Daimer, Beruh., Schriftsetzer iu München. — DalkowSki, E. F., Buchdr. in Königsberg. — Dänckcr, F., Schriftsetzer in Zürich. — Daniel, W., Gcschäftsf. in der Ribler'schcn Hofbuchdr. u. Hofbuchh. in Hcchingen. — D a »t h e n d e y, W. L. O., Schrifts. in Leipzig. — Decckc, vr. Ernst, Lehrer in Lübeck. — Decker, Geheime Rath in Berlin. — Deetz, Oberbürgermeister n. Mitgl. der Haupt- Vcrwalt. der Staatsschulccn in Berlin. — Degen, G.A.L., Krämern.ConditorinLeipzig. Die Deputation der Buchhändler in Leipzig. Hcrr D e schlcr, Joh., Buchdr. - Besitzer in d. Ane in München. — Dcnbel, C., Buchdrucker in Leipzig. Löbl. Dietcrich' sche Vnchhandlnng in Göttingcn. Hcrr D ietz, Carl Fr., Hosbuchdruckcr in Coburg. — Dittincycr, W., Buchdrucker in Magdeburg. — Döltz, KarlFcrd., Buchdrucker in Leipzig. — Dorfmcistcr, Aug., Corrector in der I. P. Sollingcr'schcn llniv.-Buchdruckcrci in Wien. — Dorn, Fabriken - Commission? - Rath in Berlin. Hrn. D riemcl, Fr., »i g, Ludw., Stciuhancrmcistcr in Zciiz. — E h rcnberg, vi. n. Prof. iu Berlin. — Cichho r n, wirkt. Geh. Leg.-Rath in Berlin. — Einhorn, W., Firma: E. F. Steinackcr, Buchhändler in Leipzig. — v. Einsicdcl, Graf, Cabiucts-Minister, Erc. in Dresden. — v. Einsicd cl, Hcinr. Graf, des alten Reichs- imd Johaniiitcr-Rittcr in Dresden. — Eisenstnck, Ober-Stencrprocnr. in Dresden. — Eizingcr, Georg, Setzer in Ried in Ober- Oesterreich. — Elbert, C. E., Buchdrucker in Leipzig. — v. Elterlcin, Karl Ludw., Hamincrwerksbcs. vom Pfcithainmcr i» Pöhla bei Schwarzenbcrg. — Eltcrm a n n, A., Buchdr.-Gch. in Osnabrück. ^ — v. Eltz, GrafC. W., in Eltville. Hrn. Elwcrt' s, N. G., akad. Buchdr. in Marburg. 1! Herr v. Ende, Freih., Kammcrhcrr in Dresden. 1 — v. Ende auf Niedcrjahua. 1 — Endlü h e r, Frz., Schrifts. in Laimg a. d. Wien. 1 — Engel, Felir, Schriftsetzer in Rcgcnsbnrg. 1 Frau Engclhardt, Ch., Buchdr.-Bes. in Gotha. 1 Herr Engelmann, Will)., Buchh. in Leipzig. 1 — Entleutner, J.,Bnchdr.inLuckauind.Lausitz. 1 Erhard, vi^. H. A., Archivar in Münster. 1 — Erhard, Heinr., Besitzer der Mctzlcr'schcn Bnchhandlniig in Stuttgart. 2 — Eric, Joh. Phil., Buchhdlr. iu Hamburg. 1 — Erinler, Ed., Typograph in Brcslau. 1 — Escher im Berg, Caspar, in Zürich. 1 — Ettinger, Carl, in Gotha. 2 — Eupel, Fr. Aug., Buchh. iu Soudcrshauscn. 2 j Hrn. E n r i ch, Fr., >K Sohn, Buchdr. u. Buchh. iu Linz. 1 Mr. Evelyn, Particulier in Dresden. 1 Herr Eysienhardt, A., Buchhändler in Berlin. 1 — Fabel, A., Buchdrucker in Magdeburg. 1 — Fabcr, Kanfmann in Leipzig. 1 — v. Fabricc, Oberstailmcister in Dresden. 1 — Fabritius, C. W., Buchdrucker-Gehülfe in Kopenhagen. 1 — Fackler, F., Buchdr.-Factor in Augsburg. 1 — v. Falkcnstcin, vi., Krcisdircctor in Leipzig. 1 — Falken stein, Eduard, Artillerie - Hauptmann u. Polizei-Dircctor in Solothuru. 1 — Fastl, Peter, Buchdrucker in München. 1 — Fanlma n n, I. F., Mcchanitus iu Leipzig. 1 — Faust, Fr., Buch- u. Steindr.-Bcs. iu '.'teuwied. 1 — Feilnrciter, Lcop., Setzer in Wien. 1 — Feister, Carl, Buchvruckereibesitzcr iu Berlin. 1 — Feller, vr. F. E., Lehrer in Leipzig. 6 Löbl.F erstl'sche Bnchh. (I. L. Greiner) in Grätz. 1 ^ Herr v.Fi scher, Frhr., Obcr-Stcncrdir. in Dresden. 2 — Fischer, Theos., Buchhändler in Casscl. » 1 — Fischer, Hcinr., Buchdrucker iu Coburg. 1 — Fischer, C. E., Buchdr.-Besitzcr in Leipzig. I. — Fischer, Moritz, Buchh.-Bestissencr in Leipzig. 1 — Fischer, Fcrd., Schriftsetzer in Leipzig. 1 — Fischer, königl. Superintendent in Winzig. 1 — Fleischer, Friedr., Buchhändler in Leipzig. 1 — Fleischer, Gerh., Buchhdlr. in Dresden. 1 — Flügel, I. G., Consul der Verein. Staaten n. vr. gliiius. in Leipzig. — Forbes, bevollm. Minister GroßbritaunieuS f. Sachsen, Erc. in Dresden. 1 — Förstemann, H., Buchh. in Nordhauscn. 1 — Förster, Gerichts-Dircctor in AugnstuSburg. 1 — Förster, Karl, Professor in Dresden. 1 — Förster, Carl, Buchdrucker in Dresden. 1 — Frauckc, vr. Aug., Consistorialr. n. Hofpred. in Dresden. 4 Subscrilicnten - Verzeichnis. Herr Fr anckc, I. G., Schriftgießcrcibcs. in Berlin. — Fränckcl, C., in Olkcnburg. — Franke, Dr. H. L., Hof- u. Mediciualrath u. Leibarzt in Dresden. — Franke, Joh. Gottlob, Buchdruckcr in Leipzig. — Frankcl, Dr. Z., Ober - Rabbiner in Dresden. — Fra n tzcn, E., Buchhändler in Riga. — Franz, Schriftsetzer in Mainz, — Franz, G., Buchhändler in München. — Frauenlob, Nud., in der Fr. Schultheß'schcn Vuchdruckcrci in Zürich. — Frcge, G., Commerz - Rath ». k. dän. Consnl in Leipzig. — Frei, Dekan in Tropen. — Frenkel, Aug., Buchdrucker in Leipzig. — Frcnzcl, Joh. Gottfr. Abraham, Borstchcr der köuigl. Kupferstich-Galerie in Dresden. — Freund, Lcop., Buchdruckercibes. in Brcölau. — Freyer, Angnst, Buchdrucker in Leipzig. — Frey tag, Kaufmann in Berlin. — Fricht in a ycr, M., Buchdr.-Factor iu München. — Fricke, G. H., Schriftsetzer in Leipzig. — Fricderici^iin., Frz., vr.d. Rechtem Leipzig. — Fricdländer, M., Buchhänvler iu BreSlau. — Friedrich, G. G., Ukv. ->I. in Leipzig. — Friedrich's, Wilh., Bnchh. in Siegen. — Friedrich, Lndw., Congreve-Drucker i» der I. P. Soltiugcr'scheu Osstcin in Wien. — V.Friesen, Freiherr Herrn., k. s. Kammcrh. u. Ccremonieniiicister in Dresden. — v. Friesen, Freih. H. A., k. s. Kammcrjmikcr in Dresden. — v. Friesen, H., k. s. Kammcrh. in Dresden. — Fritzsche, Emil, Kaufmann in Leipzig. — Fritzsche, vr., Apotheker in Ncustadt-Stolpeu. — Fröbcl, G., Besitzer d.Hosbuchdr. in Rudolstadt. — Frommann, Fr. Johs., Bnchh, in Jena. — Fuchs, Th., Setzer in Wien. — Fuhr, Carl, Schriftsetzer in Leipzig. — Fünfer, Joseph, Drucker in Linz. — Furcht, Fcrd., Schriftsetzer in Rcgcnsburg. — v. Gablcnz, Freiherr Ant., in Dresden. — Gall, F. A., Schriftsetzer in Wien. — Gcingloff, C., Schriftsetzer in Leipzig. — Gärtner, C., Buchdr.-Besitzcr in Dresden. — Garzarolli, vr. E., Edler von Thurnlack, k. k. Landrath in Tricst. — Gätz s ch m nun, M. F., Prof. b. Bergbauknnst an d. köiiigl. Berg-Akademie in Freibcrg. — Geb an er, Apotheker in Döbeln. — Gcbhardt, I. M., Buchhändler in Grimma. — Gehe, Ed., Hofrath in Dresden. — Geist, G., Schriftsetzer in Leipzig. Herr Gelbkc, L., Kanfiiianu iu Leipzig. — Geutzcn, L., Schriftsetzer aus Hamburg. — Georgi, Carl, Buchdrucker in Bonn. — Georg», Dircctor der k. sächs. Blindcu- Anslalt in Dresden. — Georgy, Wilh., Graveur iu Leipzig. — Gerhard, Fr. Sam., Bnchhdlr. in Danzig. — Gcrickc, Vorsteher einer Lehr- n. Erzichuugs- Anstalt in Berlin. — Gerlach, Fricdr. Const., Besitzer der Craz- u. Gerlachschc» Bnchh. u. Buchdr. iu Frciberg. — Gcrncr, A'av., Schriftsetzer in Viüuchcn. — Gcrold, Carl, Buchdr. u. Buchh. in Wien. — v. GcrSdorf, Ernst Gustav, Krciovircctor ». Präsident iu Budissi». Die Ger st enbc r g' sche Buchh. iu Hilveshcim. — Gesellschaft, Oberlausitzischc, der Wisscu. schaften i» Gbrlitz. Herr Gcudtncr, C. F., Kaufmaun i» Freibcrg. Die Gewerbeschule, höhere, in Hauuovcr. Herr Gcysinc r in Danzig. Hrn. Edler v. Ghclcu' sche Erben, Buchdrucker u. Verleger der Wiener Zeitung in Wien. Herr Giescckc, Ch. F., Schristgiestcreibcs. iu Leipzig. — GieszkowSki, St., in Krakau. — Gilg, Franz Tav., Buchdr.-Factor iu München. — Glaser, Franz, Buchdrucker iu Leipzig. — v. Globig, F., Geh. Rath in Dresden. — Glock, I. P., Banquier in Brcsla». — Glocke, Franz Jnl., Bnchh.-Gch. in Leipzig. — Glönner, Mar, Bnchh.-Geh. in Augsburg. — Gö decke, G.Adolph, Kaufmann in Leipzig. — Goedschc, F. W., Buchhändler iu Bicisicu. Hrn. Goedschc .8, Co., Buchhändler in Chcmnitz. Herr Goldberg, Albcrt, Schriftsetzer in Dresden. — Gold st ein, Wilhelm, Factor iu Altcuburg. — Goldstcin, M., Schriftsetzer in Berlin. — Gollhard, I., Buchdr.-Fact. in Frankfurt a/M. — Gorbc, Robert, Buchdrucker in Dresden. — Gotsch, C. T., Buchhändler in Lübbcu. — Gottfried, M., Schriftsetzer in Ncgcnsburg. — Gottschalck, Moritz, Buchdr. in Leipzig. — Gottschick, Gustav, Firma: Stnhr'sche Buchh. in Potsdam. — Grabcrg, Friedrich, Schrlftgicstcr in Zürich. — Grabmayer, J.M., Schristsctzcrin Münchcn. — Grä f, F., Buchdr.-Factor iu Augsburg. — Gräf, Carl, Diaconus in Rudolstadt. Hrn. Gräff's, W., Erben iu St. Petersburg. — G räffe, l>r. weil. u. pralt. Arzt in Dresden. Hcrr Gräsze, Theodor, vi. pliil. in DrcSvcn. — Grau, G. A., Buchhändler in Hof. — Grauert, Dr., Prof. and. Akademie in NÜinsicr. Suvscribrnten-Verzeichnis. Herr Graul, L., Graveur u. Xylograph in Leipzig. — Greis, Georg, Buchdrucker in Königsberg. — Gricbsch, Julius, Typograph in Brcslau. — Griem, I. M., Buchhändler in Entin. — Grien Wald, I. M., Factor in Wien. — Griesenbeck, Eduard, Buchhandl.-Geh. in Cleve. — Grimm, M., Schriftsetzer in München. Löbl. Grimmcr'schc Buchhandlung in Dresden. Herr Grbbel, Chr. E. Aug., Rcctor d. Krcuzschule in Dresden. — Grol), Buchdrucker iu Berlin. Löbl. G r o o s' sche Buchhandlung in Karlsruhe. Herr Groos, Karl, Buchhändler in Heidelberg. — Gross, vr., Geh. Justizrath n. Bürgermeister in Leipzig. — Große, G., Buchh. u. Buchdr.-Bcs. in Stcndal. — Großer, Vincenz, Drucker in Wien. — Großmann, vi-., Superintendent in Leipzig. — Großmann, G. F., Bnchhdlr. in Wcißensee. — Grübeling, L., iu Haniburg. — Grub euer. F., Schriftsetzer in Berlin. — G rnmbach, G., Typogr. in Frankfurt a/M. — Grützucr, Gustav, Buchdrucker iu Dresden. — v. Guaita, Carl, Dr. Hur!« iu Frankfurt a/M. — Gumtciu, C., Schriftsetzer in Leipzig. — Günther, Dr. Carl Fr., Domh. n. Ordinarius der Juristcufacultät in Leipzig. — Gü nthcr, Ernst, Buchhändler in Lissa. — Güntz, Fr., Stadtrath u. Adv. in Dresden. — Gurlitt, AI., SiachmittagSprcd. zu St. Pctri in Leipzig. — Gutbier, Adv. iu Dresden. Löbl. Gy ld endal'sche Buchhandlg. in Kopenhagen. Die Gymnasialbibliothek in Coblenz. — Gymnasialbibliothek in Nanmburg. — Gymnasialbibliothck, herzgl., in Wcilburg. Herr Haas, Tircetor in Kaiserslautern. — Haas, Mich., Buchdr.-Bcs. in Wels n. Stcyr. — Haase, vr., Appell.-Rath in Leipzig. — Haasc, Will). Ed., Snvc. Hur. n. Appcllat.- Gerichts - And. in Leipzig. Haase, G., Bnchh.-Lehrling in Heidelberg. — Hahn, Fr. H. Ludw., Hofbuchh. in Hannover. — Hahn, H. Wilh., Hofbnchhdlr. in Hannover. — Hahn, H. Beruh., Firma: Hahn'sche Verl.- Buchhaudl. iu Leipzig. — Halberstadt, G., Kanfiuann in Leipzig. — Haller, B. F., Buchdruckcreibcsitzcr in Bern. — Hamann, Aug., erster Amalgamirprobircr beim Amalgamirwcrle in Halsbrücke. — Ham m erich, I. F., Buchhäudl. in Mona. — H a m merschmidt, Ant., Corrcctor in Wien. 1 1 1 1 Z 1 1 2 1 1 1 1 1 1 1 1 1 I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 !0 1 1 1 1 Herr Hand er, Carl Gotil., Dr. der Philos. und Schuldircctor in Leipzig. — Häuel, Ed., Hofbnchdruckcr u. Schriftgicßerei- besitzer in Berlin. — Hänel, Appcllationsrath in Dresden. — Hänel, G.,Hofr., vr. u. Prof. d.R. in Leipzig. — Häusel, Juslizamtmanu in Kamenz. — Harkort, Gust., Kaufmann in Leipzig. — Härtel, Hcinr., Schriftsetzer in Wien. — Hartleben, C. A., Buchhändler in Pesth. — Hartmann, vr. Karl, Herzog!, braunschw. Berg - Commissair in Braunschweig. — Hartmann, Wilh., in Pfaffcndorf. — Hartog, I. R., Schriftsetzer in Berlin. — Härtung, G. F., Hofbuchdr. in Königsberg. — Hase, H., Hofrath in Dresden. — Häßler, vr. N. D., Professor in Ulm. — Haubcil, I. F. C., Schriftsetzer in Leipzig. — H a y n, A. W., Buchh. u. Buchd.-Bes. inBerlin. — H a y n e in a n n, Sceretair in Lübbeu. Fräulein vou H az a in Paris. Hrn. Hazenbcrg L Co., H.W., Buchh. in Lcyden. Herr Heberlc, I. B., Buchdrucker in Biberach. — Hecht, Jnl., Schriftsetzer in Leipzig. — Hedcnus, vr. inecl. in Dresden. — Hcerbrandt, G. F., Buchh.-Geh. in Ulm. — H ein, Rob. C., Schriftsetzer in Riga. —- Hciucke, C. W., Kaufmann m Leipzig. — Heine, Hosprcdigcr-Supplcnt in Dresden. — V. Hcintl, Ritter, Landstand, K. K. Hofcou- cipist u. Herrschaftsbcamter in Wien. — Heitmann, Wilh., Tischler in Leipzig. — Helbig, K. G., Oberlehrer an d. Kreuzschnle in Dresden. — Helfer, H., Buchdrucker iu Leipzig. — Heller, I. L., Buchdr.-Bes. in Frankfurt a/M. — Hellgoth, Schriftsetzer in Bielefeld. — Hellriegel, F. A., Schriftsetzer in Dresden. — Hcllwig, I. G., Buchdrucker in Leipzig. — H endest, C. G., Buchhändler in Cösliu. —> Henne, Aug., Schriftsetzer iu Marburg. — Henning, Georg, Schriftsetzer in Mainz. — Hennings, Th., Buchhändler iu Neisse. — Hentschcl, Christ. Fricdr., Kramermcistcr u. Kaufmann iu Leipzig. — Hcntze, Fr., Buchhändler iu Berlin. Hrn. Herlc «X- Co., Buchdr.-Bcs. in Paderborn. Löbl. Her in nun' sche Bnchhdlg. in Frankfurt a/M. Herr Hermann, Beruh., Buchhändlerin Leipzig. — Hermann, vr., Prediger in Züllichau. — Hermes, Wilh., Buchh.-Geh. aus Berlin. — Herold, A., Buchh.-Commis in Würzburg. — Hertel, Assessor in Nürnberg. Subscribenten-Verzeichnis. Hcrr Herz, Heinrich, Dr. pliilos. in Dresden. 6 Herz, Carl, Sctzcrlchrling in Quedlinburg. 1 — Hessenbcrg, G.W., vr.^.inFraiikfnrta/M. — Hcßling, A., Rittergutsbesitzer in Leipzig. 1 — Heyer, G. F., Vater, Bnchhändl. in Gießen. 1 — H e y m a n n, vr., Consistor.-Rath u. Snpcrint. 1 in Dresden. 1 — Heymann, Carl, Buchhdlr. in Berlin. 1 — H e y n e, C. T., Privatgclehrter in Leipzig. i — Heyne, Fr. Aug., Buchdr.-Factor in Leipzig. — Heyne m ann, Ed., Buchhändler in Halle. — v. H eynitz, Kammcrhcrr auf Miltitz. 1 — Heyse, I. G., Buchhändler in Bremen. 1 — Hildcbrand, L. F. A., Schrifts. in Berlin. 1 — Hilfen berg, Ludw., Bnchhändl. in Erfurt. 1 — H imm er, I. P., Buchhändler in Augsburg. 1 — Hind, H. N-, Handl.-Schülcr aus Nottingham 1 in Leipzig. 1 — V. Hiuka, Jos., königl. nngar. Statthaltcrci- 1 und Hofkamiiicr-Agent in Ofen. 1 — Hinkcl, Carl, Particnlicr in Brcslau. — Hinterreither, Jos., Schrifts. in Passan. 1 — Hipfel, PH., Schriftsetzer in Würzbnrg. 1 — Hirschfeld, Schriftsetzer iu Dresden. 1 — Hirsch ina n n, Louis, Kaufm. in Warschau. 1 — Hirt, Fcrd., Buchhändler in Brcslau. ^ I — v. Hochberg, Hans Graf, Majoratöbesitzcr 1 auf Fürstcuslcin iu Schlesien. — Hoch h anscn, C., Buchhändler in Jena. 1 Die Hofbibliothek, großhcrzogl., in Karlsruhe. 1 — Hof- u. Staats-Bibliothck, königl., in I München. Hcrr H off, Hcinr., Buchhändler in Mannheim. 1 — Hoffmann, C., Factor in Bern. 1 — Hoffmann, Carl, Typograph in Würzbnrg. — Hocflc, Jos., Buchdrucker in München. — Hocflcr, A. H., Schriftsetzer in Leipzig. 1 Hrn. Ho ff mann 6 Campe, Buchh. iu Hamburg. Hcrr Hofmann, W. Jnl., Schriftsetzer in Altona. 1 — Hof m a n u, Kl. Fr. G., Privatgcl. in Leipzig. 1 — v. H o h c n t h a l - K ö n i g s b r ü ck, Graf, Stau- 1 dcshcrr, k. s. Kamiiicrhcrr anfKönigsbrück. 1 — >.'. Hohcnthal, Graf, Rittergutsbesitzer, 1 ans Dölkau bei Leipzig.' 1 — Hö h r, S., Buchhändler in Zürich. 1 — Holseldcr, A., Zcit.-Erped. in Magdeburg. — v. Holleben, Magnus, herzogl. nass. Hanpt- 1 luann a. D. in Rndolstadt. — Holler, A., Setzer in Wien. 1 — Hölzel, Ed., Bnchh.-Gehülfc in Würzburg. — Holzhauscr, Joh., Schriftsetzer in Linz. 3 — Hörling, Buchdrucker in Halbcrstadt. 1 Löbl. Horvath' schc, C. Chr., Bnchh. in Potsdam. 1 Hcrr Host, Andr. Fr., Buchhdlr. in Kopenhagen. — ti. Houwald, Ritter Freiherr, Landsyndicus in '.lieuhauS bei Lübbcn. — Hubbc, G., Buchdr.-Besitzer in Magdeburg. Hrn. Huber >K Co., Buchhändler in Bern. Herr H ü bler, Bürgermeister in Dresden. — Huhlc, Carl, Buchdrucker in Dresden. — Hühlc, Ferdinand, Graveur in Dresden. — v. Humboldt, Frcih. Alcr., wirll. G. Rath, königl. Kammerh. u. Mitglied der Akad. d. Wisscuschafteu, Erccll. in Berlin. — Huth, E. Fr., Buchdr.-Bcs. in Göttiugcn. — Hütter, Moritz, in Erdmauusdorf. — v. Hnttner, Oberpostamtsdircct. in Leipzig. — Jablonski, Cajetan, in Lcmbeig. — Iabtoi! ski, Martin, in Lcmbcrg. — Jäck, königl. Bibliothekar in Bambcig. — Jäckel, Artadins, Buchdrucker in Dresden. — Jacobi, Dr., Ob.-Consistor.-Nath in Gotha. — Iacobs, Fr., Ob.-Bibliothckar u. Geh. Hofr. in Golha. — Jacobson, 0r. I., prakt. Arzt in Bcrli». Lbbl. Jäger'sche Buchhandlung in Franksnrt a/M. Herr Iahn, Robert, Schriftsetzer in Dresden. — Jähnc, Eduard, Buchdrucker in Leipzig. — Zähnigen, Geh. Obcr-RcvifionSr. in Berlin. — Zandl, Martin, Ober-Factor d. k. k. Lotto- Dircction in Wie». Hrn. Jan ecke, Gcbr., Hofbuchdr. in Haimovcr. Hcrr Jd clcr, vr. L., k. Astron. u. Prof. in Berlin. — v. Jena - Slcttelb eck, Kammcrhcrr auf Ncttclbcck. — Jcnni.C. A., Vater, Buchdr.-Bes. in Bern. — Jcntsch-Kämpfe, C. R. Th., Catcchct an der St. Salvator-Kirchc u. Lchrcr an dcr Töchterschule in Gcra. — Jllgen, Dr., Domherr u. Prof. d. Thcol. in Leipzig. — Illing, Carl Gnst., Schriftsetzer in Leipzig. — Jllmcr^iii., Th. Andr., Schrifts. in Leipzig. — Jmm c, I. A., Bnchdruckcrci-Factor in Halle. Löbl.Jnstitut, bibliograph., in Hildbinghausen. — Institut, litcrar. - artistisches , in Bambcrg. Hcrr John, Joseph, Schriftsetzer in Wien. — Jonghaus, G., Besitzer dcr Hcycr'schcn Hofbnchh. in Darmstadt. — Jörg, vr. Joh. Christ. Gottfr., königl. sächs. Hofr. u. Prof. d. Gcburtshülfc in Leipzig. — r>. Jtzenplitz, Graf, tön. Kammcrhcrr und Obcr-Negicinngsrath in Berlin. — Jügcl, Carl, Buchhändler in Frankfurt a.M. — Iulien, F. A., Buchhändler in Sorau. — Julius, Rnd., Bnchdr.-Gchülsc in Nnoolstadt. Subscrilienten -Verzeichnis. Herr Jung, Wilhelm, Kaufmann in Elberfeld. - Jüngken, Dr. I. C., köu. prcuß. Geh. Mc- diciualr. n. ord. öff. Prof. d. Hcilk. in Berlin. - Z »ngm c ister, Ober - Landcsgerichtsi ath in Naumburg a. d. Saale. - Justi, !>.-. C. W., Snperint.,Ob.-Consistor.- Rath, Prof. u. Ritter in Marburg. - Kallmeyer, F., Nittcrgutsbcs. auf Schmolz in Schlesien. - v. Kal 6 S, M., Prof. in Dcbrctzin. - K ä m m crcr, Dr., Professor in Rostock. - v. Klirolyi, Stcph., Landes-Adv. u. Bes. der Trattncr-Kürolyi'schcn Buchdruckcrci in Pcsih. - Karsten, Hr., Gcrichtsrath in Schönberg im Fürstenthum Ratzcburg. - Käser, Buchdrucker in Linz. - Käuffcr, Dr. J.E. R., Cousistorialrath und Hofprcdigcr in Dresden. - Keck, Jos., Buchdrucker in Wien. - Kecs, Christian Friede., Hofrath in Leipzig. - Kcserstcin, Papicrfabi ikaut in Halle. - Kchr, L. C., Buchhändler in Krcuznach. - Keil, I),'. Joh. Georg, Ritter, Domdcchant u. Hofrath in Leipzig. - Kcllcr, W., Schriftsetzer in Frankfurt a/M. Kcrksicg, E. F., Haudlungsschüicr aus Osnabrück in Leipzig. - K c ß ler, Slndr., Typograph in Frankfurt a/M. - Kcsiler, Herm. Joh., in Frankfurt a/M. - K c ß m a n n, I. G., Buchdr. - Factor in Chur. - Kcttcmbcil, G. F., in Frankfurt a/M. - Kicckcbnsch, Emil, Buchhalter in Berlin. - icscwcttcr, Buchdrucker in Berlin. - Kicßling, Consisiorial- und Schulrath in Hildburghauseu. - Kilian «c»., Georg, Buchhändler in Pcsth. K! r b a ch, Alcr., Vuchh.-Lehrling in Breslan. Hrn. Kirchner >K Schwctschkc, Buchhändler in Leipzig. Hcrr Ki stn cr, I. F. A., Schriftsetzer u. Stempcl- schncioer in Hannover. - Kistncr, Fricdr., Musikalienhdlr. in Leipzig. - Kitz, Johann, Factor in Wien. - Kins, Buchdrucker in Hannover. - Klang, Jgn., Buchhändler in Wien. - Klein, Buchdriickcrci - Faetor in Berlin. - Klein, Gehülfe d. Factors d. kais. Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. - v. Kleinmayer, Jgn. Edler, Buchhdlr. n. Buchdrucker in Laibach. - KIemanii, Carl I., Buchhändler in Berlin. - Klcppcrbein, C. G., Kanfm. in Dresden. - Klietsch, Georg, Factor in Landshut. Herr Klindw orth, Fr., Bes. d. Lammiuger'schcn Buchdruckcrci in Hannover. — Klinkhardt, Julius, Buchhändler in Leipzig. Hrn. Klinkicht, C. E-, 6 Sohn, Buchh. in Meißen. Herr Klöber, Joh. Friedr., Buchdrucker in Leipzig. — Kliige, C. G., aus Grüiihaiincheu. — Knippcnberg, C-, Buchdr.-Vorsteher in Osnabrück. — Kuittcl, Alb., Bes. d. Braun'schcii Hofbuch- handlung in CarlSruhc. — Knoblau ch, Hofrath in Berlin. — Koch, August, Schriftsetzer in Marburg. — Koch, Pastor in Stralsund. — v. K b ck ritz, Landes -Acltester auf Sürchcn. —. Köhler, Präsident in Berlin. — Kbhler, K. F., Buchhändler in Leipzig. — Köhler, F. H., Buchhäudlcr in Stuttgart. — Kohlhardt, R., Schriftsetzer in Leipzig. — Kolbe, Schriftsetzer in Dresden. — Kollmann, Fr., Nathmann in Aschcrslebcu. — v. Konen, Geh. n.Ob.-Mcdicinälr. in Berlin. — v. Köniicritz, Staatsmin., Erccll. in Dresden. — Korschcfsky, F. W., Buchdr.-Besitzer in Mühlhcim a. d. Ruhr. — Kortc - Icsscn, I. C., Buchh. in Flcusburg. — Koscky, F. W-, Buchdr.-Bcs. in Frankfurt a/O. — Kracke, Ad. Fried., Schriftsetzer in Hannover. — v.Kraft, Geh. Rath, Ercell. in Mciningcn. — Kraft, Dr., Dir. d. JohaiiucumS iu Hamburg. — Krampe, Ed., Buchdr. in Braunschwcig. — Kränzl, Math., Buchdr. u. Buchhdlr. in Ried iu Ober-Oestreich. — Kraukling, K. Const., Dir. d. bist. Museums ii. ehem. kbn. Bibliothekar in Dresden. — v. Krause, I., iu Dresden. — Krebs, Bcnj., Buchdr.-Bcs. in Frankfurt a/M. — Krebs, Phil., Bes. d. Buchh. Frz. Varren- trapp in Frankfurt a/M. — Kr einer, F. C., Buchdr.-Bes. u. Bcrl.-Jnh. d. AugSb. Post-Zeitung in Augsburg. —- Krempc, F., Buchdrucker in Leipzig. — Krctschniar, A.Moritz, Bnchdr. in Leipzig. — K r c t sch m a r, C., Holzschncidekstlr. in Leipzig. — Krcnzcr, I., Buchdr. - Bes. in Stuttgart. — Krcy, W., Schriftsetzer in Leipzig. — Krcyssig, KI., Professor in Meißen. — Kriebizsch, Geh. Cabinctsrath in Dresden. — Krüger, Elias, Schriftsetzer in Leipzig. — Krüger, kön. prcuß. Rcgier.-Rath in Blinden. — Krüll'schc Niiivcrs.-Buchhdlg. in Laudshut. — Krumsicg, H. F. A., Schrifts. in Stettin. — Kuhl, vr. Karl Aug., Prof. d. Chir. in L eipzig. — Kuhn, Fried. Adolph, Advocat in Dresden. 8 Sul>scribcntcn -Verzeichnis. Herr Kühn, Christian, Buchdrucker in Leipzig. — K ü h n e, Geh. Ober - Finanz - Rath in Berlin. — Kühnel, Wilhelm, in Dresden. — Kümmel's, C. A., Sort.-Buchh., (G.C. Knapp) in Halle. — Kummer, Ed., Buchhändler in Leipzig. Der K u « st - u. H a n d w. - B e r c i u in Altcuburg. Herr Kunz e, C. G., Buchhändler in Worms. — K u p f e r b e r g, Fl., Buchh. iu Mainz. Hrn. Küster's, I. T., Wittwe, Br.chdr.-Bcsitzerin in Bielefeld. Hcrrv. Ladenbcrg, wirkl. Geh. Staats-Minister, u. Chef der zweiten Al'thcil. des köuigl. Haus- Ministcrii, Excellenz in Berlin. — Lamarche bei der cidgcuöss. Cauzlci in Zürich. Hrn. Lampart — Log es, Buchdrucker in Hildcshcün. — Löhde, Gustav, Buchdr.-Gchülfc iu Hamburg. — Loose, F. Coru., Hauptiuannv.d. Armee, n. königl. Rcnt- u. Magazin-Bcaintcr in Leipzig. — Loria, Herz, Buchdr.-Gch. in Kopenhagen. — v. L o t t n m - W y l i ch, Graf, General d. Ins., wirkt. Geh. Staats- u. Schatz-Minister, Erc. iu Berlin. — Löwe, vr. Mar. Lp., Professor d. Philos. a. d. chir>-mcd. Akademie in Dresden. — Löwcnstein, Johö., Inhaber der Firma: I. Löwenstcin .8. Co. in Elberfcld. — Lncas, I. C., Architekt in Dresden. — Lncas, Samuel, iu Elberfcld. — Lucas, Erzieher d. Prinzen v. Ligny in Münster. Hrn. Lu chtma n S, S. <^ I., Buchhdlr. iu Lcydcn. Herr Lud ewig, E. H., Adv. in Dresden. — Ludolff, I. Hcinr., in Haniburg. — Lühcr, H., Schriftsetzer iu Lübeck. — Luno, Bianco, Buchdr.-Bes. iu Kopenhagen. — Lnno, Buchdrucker in Kopenhagen. Hrn. Luno'S, Bianco, Officin in Kopenhagen. Herr v. Lüttich au, Kammcrhcrr auf Bäreustcin. — Macklot, C., Buchh. u. Buchdr. in Carlsrnhc. — Mader, Ferdinand, Typograph in Würzbnrg. Die Magistrats-Bibliothek in Berlin. Hcrr Maindl, Joseph, Schrifts. in NegcnSbnrg. — Mainzer, Buchdrnckercibcsii;er in Coblcnz. — v. Malignon, Franz, in Bcrlin. — Mangelsdorf, C. Sieg»,., Firma: Kühu'sche Buchh. in Leipzig. — Manz, G. Joseph, Bnchh. iu Rcgenöburg. — Marbach, Gotth. OSW., vr. xl.II. u. akad. Doccut iu Leipzig. — Marcu s, Adolph, Buchhändler in Bonn. — Marescotti, I. W., in Csakathurn. — Marlc, Aug. dc, Buchh. z. Zeit in Liege. — Marlc, Theodor dc, Buchhändler iu Leipzig. — Martin, C. B., Schriftsetzer in Leipzig. — Martini, Emil Otto, 8u»t. ^>r!ü, iu Leipzig. — Martins, vr., praktischer Arzt in Bcrlin. — Masch, Past.inDcmcrnimFürsteuth.Ratzcburg. — Matthcs, I. H. I., Schriftsetzer in Bcvlin. — Matzebach, E. Fr., Typograph iu Frankf.a/M. Subscribenten - Verzeichnis). Herr Mau ermann, Dr., Präses des katholischen Consistoriums in Dresden. — M a ycr, Ad., jun., Banquier in Leipzig. — Mayer, Will)., Kupferstecher in München. — V.Mayer, vr., auf Liesika, Landesbeftalltcr der Obcrlansitz in Nnppersdorfbei Hcrrnhnth. — Mayer - Frcge, Partienlicr in Leipzig. — Meder, A., Buchdr.-Factor in Bielefeld. — Meier, C. G., Kaufmann in Frciburg. — Meinhold, Hofbnchdruckcr in Dresden. — Meißner, Joh. Ang., Buchdr. u. Verlags- dnch Händler in Hamburg. — Mei sin er, Ludwig, Buchdrucker in Leipzig. — Mclzer, C. P., Bnchdrnckercibcsitzer und Buchhändler in Leipzig. — Mcnck, Fr. W. Chr., Buchdr.-Bcs. in Hamburg. — Merb ach, Dr. u. Geh. Neg.-Nath in Dresden. — Mertcn, k. pr. Magazin-Ncnd. in Paderborn. — V! ctzgcr, Graveur n. Xylograph in Leipzig. Löbl. Metzler'sche Bnchhandlnng in Stuttgart. Herr v. Metz sch, Carl, k. sächs. Kammerhcrr auf Reichcubach im Noigtlandc. — Mensel, G., Banquier in Dresden. — Mensel, C. A., Rittergutsbesitzer auf Knhua bei Görlitz. Hrn. MenselLSohn, Buchh. in Coburg. Herr Meyer, Joh. Hcinr., Verl.-Bnchh. n. Buchdr. in Branuschwcig. — Meyer, E. I. I., vr. meä. u. prakt, Arzt iu Dresden. Löbl. Meyer' sche Buchdruckerei iu Luzcrn. Hrn. Meyer l>'. Keeve — Schipetkow, Adolph, Drucker in Riga. — Schlemm, Dr., ord. Prof. an der Universität in Berlin. — Schletter, H., Kanfmanu in Leipzig. — Schlosser, Fr., Rath in Frankfurt a/M. — Schmaltz, C., Buchhändler in Quedlinburg. — Schmcrber, S., Bnchh. in Frankfurt a/M. 12 Subscrioenteil-Verzeichnis). Herr Schi» idcl, vr. Chr. Th., aus Rittergut Zchmcn l'ci Leipzig. — Schmidt, O. F. E., Schriftsetzer in Berlin. — Schmidt, Will)., Buchdr.-Ves. iu Berlin. — Schmidt, Ch. A,, Hoskcllcrmcister in Dresden. — Schmidt, A., Buchh. - Geh. in Heidelberg. — Schmidt, M.A., stnä. pliilol. in Heidelberg. — Schmidt, I. G., Schriftsetzer in Leipzig. — Schmidt, G. C., Nathsbuchdr. in Lübeck. — Schmidt, Ernst, Buchhändler in Planen. — Schmidt, Carl, Jnspcctor d. Hosbuchdrnckcrci in Rudolstadt. — Schmidt, Jos., Buchdr.-Factor in Wels. Hru. Schmidt <^ Grucker, Buchh. in Straßburg. — Schmidt's Bibliothek in Dresden. Herr Schmitzdorff, H., Buchh. in St. Petersburg. — Schmuck, I. G., Holzhändlcr iu Dresden. — Schmülling, Domcapitular, kath. Geistlicher- n. Schnlrath, Prof. d. Thcol., Regens des bischöfl. Priester-Seminars in Münster. — Schnecbcrgcr, Joh., k. k. Obersactor der Staatsdruckerci in Wien. — Schneider, Carl Fr. H., Buchdr. in Berlin. — Schneider, Eduard, Drucker in Marburg. — Schober, A. B., Buchdrucker iu Leipzig. — Schober, Joh. Bapt., S. k. k. Maj. Rcgier.- Nath, Mitglied des PrälatcnstandcS und Abt des Stiftes in Wilhcring in Ober-Oestreich. — v. Scholz, Carl, in Dresden. — v. Scho nb crg - Roth S ch ö nbcrg, Obristl. in Dresden. — S chonekat, M. H-, Bnchh. in Amsterdam. — Schöne m ann, I. C., Buchdr.-Factor in Riga. — Schoenfcldt, P. S., Buchdr.-Bcs. inJtzehoe. — Schönherr, Kaufmann in Leipzig. Löbl. SchöpSi sehe, I. D., Buchh. iu Zittau. — S chorner'sehe Buchhandlung in Straubiug. Herr Schon, C. I., Buchdr.-Factor in Kopenhagen. — Schrcckeubergcr, vr.E.F., Appcllations- gerichtsrath in Leipzig. — Schreiber, C., Lithograph in Bielefeld. — Schreiber, C. F. N., Buchdr. in Leipzig. — S chreiner, I. H. C., Buchh. iu Düsseldorf. — v. Schröder, russ. kais. Gesandter, Erccllcnz in Dresden. — Schröder, Friedr., Buchdrucker in Leipzig. — Schröter, Louis, Scnsal iu Leipzig. — Schubert, Friedrich, Buchdrucker iu Leipzig. — Sehnender, Joh., Bnchdr.-Geschäftsführer in Linz. Die Schulbibliothek in Frciberg. — Schnlbibliothck in Wcrdan. — S ch n lb! bli othek in Zwickau. Herr Schnitze, Gustav, Banquier in Dresden. — Schnitze, C. H., in Potsdam. — Schnitze, Carl Fr., Buchdr.-Factor in Zürich. — Schulz, vr.David, Consist.-Rath, Prof. der Theologie au der Universität Breslau. — Schulz, d. Mcd. u. Chirurgie in BreSlan. Hrn. Schulz — Stein, Franz, Buchdrucker iu Saarlouis. — v. S t c i n k ü h l, M., Bchh.-Conim.i.Würzbnrg. — Steinmetz, Stcindruckerci-Besitzcr in Meißen. Löbl. Stettin' schc Bnchh. in Ulm. Herr S tettner, Ed., Geschäftsführer der Craz L Gcrlach'schen Buchhandlnng in Frcibcrg. — Stettner, I. Th., Buchhändlerin Lindau. — Stcudel, St., Schriftsetzer in Leipzig. — Stiemcke, Kaufmann in Berlin. Die Stiftsbibliothekin St. Gallen. — Stiftsbibliothek in Zcitz. Herr Stipp, Eberhard, in Glandorf. — Stöhr, Ulrich, Schriftsetzer in München. — Stoye, vr. A. G., PrivatgclchrterinLeipzig. — Straß, vr. Carl Fr. Hcinr., Kreis - Justiz- Rath u. Justiz-Commissarins in Berlin. — Stratzer, vr., Buchdruckereibcs. in München. — Sträub el, Aug., vr. xliil. in Gotha. — Strcubcl, Carl Traug., Hofr. in Dresden. — Str i ese, I. G., Bnchhdlr. in Königsberg. — Strödel, lVI. Th., Pastor in Burgstädt. -— Strohbach, N., Diakon, in Dippoldiswalde. — S t üb e l, Otto Mor., vr. M-is in Dresden. Löbl. Stuhr' schc Buchhandlung in Potsdam. Herr Sud er, Kil., Buchdr.-Factor in Mainz. — Suer, vr., Donidcchant in Münster. — Süßcnguth, Land- u. Stadtgcrichts-Dircctor n. Kreis - Justizrath in Lübben. — Sntter, U., Bnchdruckcrei-Gchülfe in Chnr. — v. Szepessy, Franz, Magistrats - Rath d. k. Frcistadt Pcsth. — üel'ariio^vslci, 1. t'el. Lomte, -rvresäs. — Täschner, H. A., Apotheker in Leipzig. — Täschner, H. A., Land. I^ev. Aliu. in Leipzig. Herr Tanchnitz jun., B., Buchhändler n. Buchdr.- Befitzcr in Leipzig. — Tanchnitz, Karl, Bnchh. u. Buchdr.-Besitzcr in Leipzig. — Tau scher, N., Privatgelchrtcr in Chemnitz. — Teubern, Oswald von, vr. jur. in Leipzig. — Teubncr, Karl M. I., Buchdr. in Chemnitz. — Tcnbner, Heinrich, Buchh.-Gch. in Leipzig. — Tcuscher, C., Kanfmann in Leipzig. Löbl. Thcin'sche, Fr.E., BuchdruckerciiuWürzbnrg, Herr v. Thielan, Rittcrgutsbcs. ans Lampcrsdorf bei Frankenstcin. — Thicme, Franz, Buchbinder in Leipzig. Löbl. Thicrry 'schc, H.W., Bchh. in Herrmannstadt. Herr Thome, Wilhelm, Buchhändler in Berlin. — V.Thun, Franz Graf, Sohn, auf Tekschcn. — Ticck, vr. L., Hofrath in Dresden. — Tiedge, C. A., in Dresden. — Tischler, Friedrich, Schriftsetzer in Leipzig. — Todt, Karl, Bürgermeister u. Adv. in Adorf im Voigtlandc. — Torf, Drucker in Stettin. — Traßler, Adolph, Buch- und Stcindrncker, und Buch- n. Knnsthäudlcr in Troppan. Hrn. Treuttel L Würtz, Buchh. in Straßburg. Herr Trier, Buchdrucker in Kopenhagen. — Trübner, J.N., Buchh.-Gch. in Göttingen. — v. Tschirschky, Geh. Ober - Tribunal - Rath in Berlin. — Türke, Ant., Accidcnzsctzer in Wien. — Uhden, Geh. Justiz-Rath in Berlin. — Ukert, Professorin Gotha. — Ullmann, I. T., Schriftsetzer in Leipzig. — Ullrich, Ferd., Buchdrucker iu Wien. — Ulrich, Moritz, Schriftsetzer in Lcipzig. — Ulrich, I. G. F., Schriftsetzer in Stettin. Ungenannter. Ungenannter, k. k. Staatsbeamter am Trannsce. — Unger, Gebr., Buchdruckereibcs. in Berlin. — Unger, vr. Fr. A., Supcrintcnd. in Chemnitz. Die Universitätsbibliothek in Heidelberg. — Universitätsbiblioth ek, königl., in Kiel. — Universitätsbibliothek in Rostock. Herr Unzcr, A. W., Buchhändler in Königsberg. — Warrentrapp, Georg, vr. mo, Buchdruckcreibcs. in Würzburg. 1 — Zwicker, Aug., Buchdrucker in Leipzig. !6 Geschichte der Pnchdruckertmnst. Einleitung. NMM- uther nannte in seiner < bezeichnenden ticsträftigen ^ Sprache die Erfindung der Buchdrnckerknnst „das .letzte Auflodern vor dem Erlöschen der Welt." In der That hat diese Königin der Erfindungen, um bei des großen Reformators Gleichnisse stehen zn bleiben, eine Fackel entzündet, welche in nie verlöschendem Flammenlichtc den Erdkreis erleuchtet und selbst in Gegenden, wo tansendiahrige Nacht ihre Fittige ausgebreitet hielt, nach und nach die Sonne der Gesittung heraufgeführt. Sie hat allen denen, die lesen können, zu ihren beiden Angcn cm drittes geschaffen, mit dem sie über Berg und Thal in die weiteste Ferne schauen, ein Ohr zu ihrem Ohrenpaar, mit dem sie die Weissagungen der Vorzeit, die Geisterstimme der Gegenwart und das Flüstern der Zukunft vernehmen, einen Mund, mit dem sie über das Weltmeer hinweg sowol in die Wolken- regioncn der Andes und des Himalaya als in die Ebenen der Pampas und der Sahara hiucinrufeu können. Sie ist nach dem Ausspruche eiues geistreichen Pariser Typographen für die menschliche Gesellschaft das, was die Elemente für die Natur. Sie umfaßt Alles, wie die Luft, und belebt hier, wahrend sie anderswo tödtet; gleichwie das Feuer erleuchtet und wärmt, so erhellet oder sengt ihre Flamme; sie gleicht sowol dem sanstcn Wiesenbach, der befruchtet, wie dem Waldstrom, der niederreißt. Für das geistige Auge aber ist sie der unsichtbare Engel der Menschheit, der nun Plötzlich mit einem sichtbaren Gewände bekleidet hernicdcrstcigt und, jc nachdcin die Stimme der Tugend oder des Verbrechens ruft, hier rettet uud sühut, dort warnt oder straft. Der Mann, in dessen Wirksamkeit sich alle früheren und gleichzeitigen Versuche der Truckkunst sowol am Rhein als an der Regnitz gleich einem Mittelpunkte vereinigen, — Gutenbcrg war von der Vorsehung auserkoren, die Wissenschaft aus dem Wintcrschlafe der Kindheit zn wecken und in die Region eines immerwährenden Geistesfrühlings einzuführen. Er ist der Schöpfer einer neuen Aera in der Bildungsgeschichte der Menschheit. Obschvn die Frucht der Erfiuduug noch bei Lebzeiten deS Meisters ihre volle Reife erlangt hatte, so erkannte doch erst die Nachwelt sein hohes Verdienst nnd Gntenberg theilte das Loos mit vielen andern großen Männern, deren Unsterblichkeit erst nach ihrem Tode erkannt worden ist. Der große Hanfe seiner Zeitgenossen staunte, ohne weiter nachzudenken, über die neue Art, Bücher zu vervielfältigen; Einige lächelten, Andere zweifelten, Viele beneideten, die Meisten aber hielten das Unbegreifliche für Wirkuug zauberischer Kräfte im Bunde mit höllischen Machten und nur wenige AuScrwahlte er- kanntcn den Genius und dessen große Idee als einen AnSflnß des Göttlichen im Menschlichen. Nicht wie Raphael Sanzio eine Apotheose erlebend wurde Gutenberg erst nach seinem Tode die Bewunderung des Erdballs. Die Nachwelt sühnte den Undank der Mitwelt. Den kommenden Geschlechtern spaterer Zeiten war es vorbehalten, die 2 Einleitung. ewige Schuld der Dankbarkeit mit lauter Anerkennung und treuer Nacheisernng zu tilgen. Wenn nun der Zweck dieser Blatter ist, bei Gelegenheit des vicrhundcrtjährigcn Jubiläums der Erfindung der Buchdruckerkunst, welche als eine wahre Gcistessonne die Nebel scholastischer Schulweisheit zerstörte nnd über den Gesichtskreis der gesitteten Menschheit einen allgegenwärtigen Tag verbreitete, die Fortschritte der Typographie unsern Lesern in verständlichen Bildern vor die Augen zu führen: so muß der erste Abschnitt nothwendiger Weise der Erfindnngsgeschichte dieser in ihren Wirkungen noch unübertroffenen Kunst gewidmet sein. Wie einst im Alterthume sieben Städte sich um die Ehre stritten, den unsterblichen Sänger der Jliade und Odyssee unter ihren Mitbürgern zu zahlen, so kämpften schon seit Jahrhunderten mehr als siebenzehn Städte Deutschlands, der Niederlande und Italiens: Mainz, Straßburg, Bamberg, Würzburg, Lübeck, Nürnberg, Augsburg, Schlcttstadt, Basel, Nnssembnrg, Harlem, Dortrccht, Antwerpen, Brügge, Florenz , Rom, Venedig, Feltre und Bologna um den Nuhm, den Erfinder der vorzüglichsten aller Künste geboren zn haben. Nach den genaueren kritischen Forschungen einer neuern Zeit kann aber in dem Kampse um die Ehrenpalme nur von den vier Städten: Harlem, Straßburg, Mainz und Bamberg die Rede sein. Alle übrigen Ansprüche treten in den Hintergrund. Dominico Mauni läßt in seiner Schrift: „Delta prima promul- güxivne . 352-574." diesen Nnhm der Stadt Antwerpen nnd nennt Ludwig von Vaelbecke, um 1300, als Erfinder. Giuseppe Vcrnazza in I^e/.imie svnra la stiimpa in Oggü-iri. 1778. 8. streitet für Würzburg. Ghcsquiere de Cambray: Lsxrit es) zu einer einzigen Platte umgebildet und somit durch die Stereotypie das ganze Versahren auf die ursprüngliche Einfachheit zurückgeführt, von der aller Druck ausgegangen. Eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Methoden des Stereotypirens und Abklatschens wird iu der dritten Abtheilung dieses Werkes, wo von der Technik der Typographie die Rede ist, mitgetheilt werden. Die Typographie (Bnchdrnckcrkunst) ist wie die Xylographie (Holzschneidekunst), Chalko- graphie (Knpferstechknnst) und Lithographie (Steindrnckerei) im Wesentlichen nur durch die verschiedene Beschaffenheit und Einrichtung der Drncksorm verschieden und verdankt, so wie die genannten Schwestern, ihre Entstehung dem Bedürfnisse, Schrift oder Bild durch Farbdruck zu vervielfältigen. Hier darf vor Allem der Unterschied zwischen Farbdruck und trockenem Abdruck uicht außer Acht gelassen werden. Letzterer bezeichnet den Abdruck eines erhabenen Körpers in einem weicheren, von dem durch die Natur gebotenen Fnßstapsen der Menschen uud Thiere im Schlamme oder Sande bis zu der kunstmäßig entweder erhaben oder vertieft ausgearbeiteten Form und deren Abdruck iu eine weichere Masse, so daß der in der Form vertiefte Gegenstand im Abdruck erhaben, der erhabene dagegen vertieft zum Vorschein kommt. Ein solches Druckverfahren bei Töpferzeichen, Münzstempcln, Gemmen, Siegeln u. s. w. ist uralt, war fast von Anbeginn alten civilisirten Völkern bekannt, und obgleich mit ersterem nahe verwandt, doch, als ausschließlich der Plastik angehörend, nicht geeignet, hier zur Entscheidung der Frage mitzuwirken. Der Farbdruck dagegen, wie schon der Name andeutet, wird hervorgebracht, wenn eine mit irgend einer beliebigen Farbe benetzte Form auf ein ebenes Material, sei dies nun Stein, Holz, Pergament oder Papier, abgedruckt wird. Diese Form kann nun eine doppelte sein, entweder daß eine darauf geschuittene oder gezeichnete Darstellung, bestehe diese nun in einem Bilde oder in Schrift, entweder vertieft oder erhaben sich zeigt. Doch ist hier die Darstellung nur eine lincarische auf ebener Fläche, nicht aber, wie bei dem trockenen Abdruck, eine halbrunde oder je nach dem Schnitt in beliebiger Körperform bald über, bald unter der Ober- flache der Ebene eingegrabene. Xylographische und typographische Produete entstehen, wenn die Linien und Theile der Zeichnung oder Schrift erhaben über die Ebene und Form dergestalt heraustreten, daß alles dasjenige des Materials, was als weißer Grnnd oder leerer Zwischenraum erscheinen soll, bis auf eine gewisse Tiefe hinweggenommen ist. Der Kupfer- und Stahlstich dagegen stellt die Gegenstände in die Platte eingegraben gleichsam unter der ebenen Oberfläche der Form dar. Damit nun die zu bedruckende Fläche den Abdruck der Farbe gleichmäßig aufnehme und dem Auge wiedergebe, mnß auch in der Form das Dargestellte in einer uud derselben ebenen Fläche liegen. In dieser technischen Abweichung ist der Unterschied zwischen Tafel- und Letterndrnck begründet. Ersterer wird durch Formen oder Platten hervorgebracht, die aus Stein, Holz oder Metall bestehen, wie bei der Lithographie, Xylographie uud Chalko- graphic; letzterer aber durch einzelne erhabene Buch- stabcnstempel (Lettern), welche mittelst Schrauben uud Nicgcl oder Kcilrahmcn in eine Druckform künstlich zusammengesetzt sind, wie bei der Typographie. Ist Kunst im Allgemeinen die Geschicklichkeit eines vernünftigen Wesens, sich im Augenblicke des Bedürfnisses der mancherlei Regeln, welche die AnSübung derselben bedingen, bewußt zu werden uud demgemäß zu handeln, müssen also Idee und Ausführung sich gegenseitig bedingen, um ein Kunstvroduct zu liefern: so ist Bnchdruckerkunst im Einleitung. 5 weitesten Sinne zwar die Fertigkeit, der Idee eines Buches materielle Formen zn verleihen, und dieses kann sowol durch ganze Tafeln, wie bei den Chinesen, oder durch bewegliche Typen, wie bei den Europäern geschehen. Nach Erwägung dieser kurzen, über die Technik deS Druckversahrens im Allgemeinen vorausgeschickten Notizen aber wird es einleuchten, daß man unter Bnchdruckcrkuust im eigentlichen Sinne nicht die Vervielfältigung von Bildern und Schriften aus festen Holz- oder Me- talltaseln, die allerdings schon sehr frühzeitig vorhanden war, sondern die Verwirklichung des solge- reichen Gedankens verstehen müsse: „mit einzelnen beweglichen Buchstaben Worte, Zeilen und ganze Seiten zusammen zu setzen und das Bild der Idee, die Frucht des Nachdenkens, ans dem Papiere festzuhalten und die wohlgeordneten Gcistcswerke in Büchern der Nachwelt zu überliesern." Fragt man nun: zu welcher Zeit und an welchem Orte entsprang dieser schöpferische Gedanke, dessen Wirkung in kurzer Zeit so riesengroß war und dessen Folgen schon jetzt unberechenbar sind, zuerst iu dem Geiste eines Menschen? ''o führt uus die historische Forschung iu das sunfzehnte Jahrhundert an die Ufer des Rheins und deutet auf die Städte Straßburg und Mainz, von denen letztere schon im früheren Mittelaltcr den Beinamen die „Goldene" (^.»rea Aloxnntlk) in ihrem Siegel führte, und ans ihren Mitbürger, den einfach großen Patricier Henne (Johann) Gensfleiscb, der nach dem Erbtheile seiner Mutter Elfe (Elisabeth) zum Gutenberge allgemein unter dem Namen „ Guten- berg " bekannt ist. Mainz ist der classische Punkt in unserm schönen Vatcrlandc, auS dem unter Winfried dem Wohlthater (Bonifacius) die heilige Lehre unsers Glaubens, und unter Arnold Waldpod (Waldbott) dnrch Stiftung des großen rheinischen Städtebuudcs Sicherheit und Wohlstand über Deutschlands Gauen und 1440 durch Johann Gutenberg und Peter Schöffcr aus Gernsheim ein neues Licht über die ganze Welt ausging. Jene tausendmal ausgestellte uud tausendmal iu Schriften aller Zungen nacherzählte Ansicht, als haben die Chinesen schon vor Jahrtausenden die Bnchdruckerkuust erfunden, verschwindet vor dem weiter oben mitgetheilten Begriffe von dem Wesen der Typographie. Uebrigens kommen nach Abel- Re'musat, dem kompetentesten Richter in dieser Sache, die ersten mit Holztaseln gedruckten Bücher bei den Chinesen erst im zehnten Jahrhundert vor. Nichts destowcniger kann, so wenig es anch europaischer Eitelkeit jenem oft verlachten uud geistig auscheiucud verknöcherten Volke gegenüber zusagen mag, den Bewohnern des himmlischen Reichs die Priorität des Holztafeldruckes, sowie in vielen andern der wichtigsten Erfindungen, als Coinpaß, Schiesipulvcr, Papiergeld u. s. w., der Vorrang eingeräumt werden. Ueber das Letztere siehe Klap- roth'S interessante Abhandlung im „^ourmvl i^ntti- cjus« 1S22. I. 25L. Nur der, welcher den Gedanken, mit beweglichen Einzelbuchstaben Bücher zusammen zu setzen, zuerst erfaßte, ist der Unsterblichkeit ganz und so werth, daß kein anderes Verdienst würdiger derselben erscheint, kein anderer Rnhin den scinigen überstrahlt und kein Name mit größcrem Rechte nnter den gefeiertesten Namen der größten Männer aller Zeiten glänzt. Jenes in sich abgeschlossene Stereotypvolk druckt noch heut zu Tage, wie vor tausend Jahren, seine Schriften nicht in einzelnen Buchstaben, sondern in Zeichen ganzer Wörter, die aus Holztafeln eingefchnittcn werden. Es ist in der That auffallend, daß sich schon bei den frühesten Völkern des Alterthums Spuren zeigen, welche die Erfindung dieser Kunst sehr nahe legten. Schon die Assyrer uud Babylonicr trugen Siegelringe, welche sie nach Hcrodot VIl, 69. SPy^F«; nannten. Sie waren meist mit kostbaren Steinen geschmückt, in welche man einen Kops oder ein Sinnbild oder einen Namenszug vertieft einschnitt. Anch in den ägyptischen Grabgewölben findet man häufig ähnliche Ringe von I^->i>is I^-»?»!!, Carneol, Sardonyr oder von jener porzellanartigen Masse, aus welcher die unzähligen, den Mumien beigegcbcnen Skarabäcn und Götzenbilder gemacht wurden. Diese Ringe gaben in der Folgezeit Anlaß zur Anfertigung von großen Siegeln uud Petschaften. Schon die Alten verstanden die Knust, Na- menSunterschristcn mittelst eiuer Patrone oder eines 6 Einte VlcchblättchcnS, in welchem die Buchstaben ausgeschnitten waren, ,und über welche man einen in Farbe getauchten Pinsel oder Schwamm hinwegführte, auf den zu bezeichnenden Gegenstand, anS welchem Stoffe derselbe immer mochte bestanden haben, lesbar überzutragen. Die Griechen nannten derartige Patronen „'^oyy^.u^ol", die Römer „I^ilmliine ittteri asiles. " Ans diese Weise unterzeichnete nach Procopius c 5. Kaiser Justin I. seine Briefe und vollzog nach NalesiuS lÄxcorxt. p. 669. Theodorich der Große seine Edictc. In v. Murr's Journal zur Kunstgeschichte Th. II. S. 183. ist ein aus Tri- stan'S histor. Comment. III. x>. 681. entnommenes Kupfertäfelchen ans der Zeit des Konstantins abgebildet, in welchem folgende Worte ausgeschnitten sind: ^ IM L0?<81'^1'10 ^vv 8LAI?IZR. viero^i. Die Römer bedienten sich nach Quintilian Instit. orat. I, 2. solcher ausgeschnittener Patronen, um den Kindern die Formen der Buchstaben einzuprägen und sie schreiben zn lehren. Der Griffel wurde durch diese Einschnitte wie durch Furchen hingeführt und konnte nicht, wie auf den mit Wachs übcrstrichenen Täfelchen, über die Vorschrift hinausfahren, weil die Ränder des Blechblättchens den in der unsicheren Hand des Kindes schwankenden Griffel zurück hielten. Diese merkwürdige Stelle im Quintilian verdient aus mehr als einer Hinsicht nachgelesen zn werden. Aehnlicher Patronen bedienten sich im Alterthume die MagistmtSpcrsoncn uud im Mittelalter die Notare häufig zu dem Körper der Notariats- zeichcn ans den von ihnen abgefaßten Urkunden, die sie alsdann durch Schrciberzügc aus freier Hand vervollständigten, sowie die Kaiser von Karl dem Großen an die von dem Kanzler vorgeschriebenen Monogramme durch Vollendung irgend eines Striches vollzogen und der Urkunde Kraft und Gültigkeit verliehen haben. In der Geschichte des Orients kommt zwar eine ebenso sonderbare, als den despotischen Geist seiner Beherrscher charakterisirende Art der Urknndcnvoltziehuug vor. Muhammed tauchte nämlich laut der Sage seine flache Haud in rothe Farbe und drückte sie auf das Pergament. Nach itung. ihm thaten die Chalifcn, seine Nachfolger, ein Gleiches, und wie Hammer in feiner „Geschichte des oSmanischen Reiches" erzählt, ward dieser Gebranch noch von den mongolischen Kaisern, sowie von dem tartarischcn Welterobercr Timurleug oder Tamcrlan ausgeübt. Die Alten hatten auch metallene Stempel zum Zeichnen der Sklaven, des Viehes (Oolumolla VII, 9. 12.), des Brodes und der Töpferwaaren. In diese „l'esser-w sixnatorigs" waren die Worte in verkehrter Richtung erhaben eiugeschuittcn. Wollte man einen widerspenstigen Sklaven bestrafen uud von dem Davonlaufen abhalten, so wurde der Stempel glühend gemacht und auf d!e Wange oder Stirne gedrückt, gleichwie man vor noch nicht allzulanger Zeit selbst in dein gesitteten Europa Missethäter brandmarkte und in Afrika noch heut zu Tage Sklaven bezeichnet. Auch irdenen Gefäßen und Ziegelsteinen wurden häufig solche Buchstaben, Worte und Zahlen eingedrückt, entweder um den Namen des Verfertigers oder den Inhalt anzuzeigen, wie bei den Aerzten oder Apothekern, und solche Stempel gehören in Antignitätensammlungen nicht gerade zu den Seltenheiten. Die uralte Sitte der Aegyptier, die Hieroglyphen auf die Statuen ihrer Gottheiten und auf die Särge ihrer Todten vertieft oder erhaben cinzuschnciden, ahmten die Griechen und später die Römer nach. Plutarch erzählt in seinem „ Solon", wie die Gesetze dieses Weisen in hölzerne Tafeln eingcgra- ben im Prytanenm zu Athen aufbewahrt wurdeu. Jedermanu, der die römische Geschichte gelesen, kennt die in zehn ehernen Tafeln eingcgrabenen Gesetze der Dccemvirn und weiß, daß schon Roms zweiter König, Numa Pompilins, seine gottes- dienstlichcn Anordnungen, auf Holztafeln geschnitten, in dem Tempel aufstellen ließ. Kann man gleichwol den Schild von Holz, auf welchem der Vertrag des Tarquinius Superbus mit den Gabiern in altcrthümlichen Charakteren geschrieben war und den man zu Rom im Tempel des Jupiter Fibius als eine Reliquie aufbewahrte, aus dem Grunde nicht zu den xylographischen Denkmälern zählen, wie mehrere Bibliographen gethan haben, weil der Schild nach Dionysius von Einleitung. 7 Halikarnaß ^ntiq. liom. IV, 7. mit einer Stier- Haut überzogen war und demzufolge die Inschrift darauf mußte geschrieben gewesen sein: so mag doch nach der bekannten Stelle in der Jliade VI, 168. das Einschnciden von Schristzeichen in Holztäfelchcn den Griechen schon vor Homer bekannt gewesen sein. Zn denjenigen Spuren von Druckversuchen im Alterthume, welche die Erfindung dieser Knust unserem Ermessen nach sehr nahe legen mußten, gehört auch die Erzählung Plutarchs in den lakonischen Sentenzen, daß Agesilans, König der Spartaner, daS -Abdrucken verkehrter Schrift mit scharfünnigcr Berechnung zur Belebung dcS Muthes seiner Soldaten auf folgende Weise in Anwendung gebracht habe. Vor dem Beginne einer entscheidenden Schlacht ließ er das Opfcrthicr zubereiten, schrieb sich heimlich mit Farbe das Wort (Sieg) verkehrt auf die flache Hand, trat dann zum Altare, um, wie es Brauch war, den Ausgang des Kampfes in den Eingeweiden zu lesen, ergriff begeistert die Leber des Thieres, drückte sie mit der Hand und schien in tiefes Nachdenken versunken, als er plötzlich aus der stummen Verzückung zu erwachen sich anstellte und mit trinmphirendcr Miene und mit dem Blicke eines Sehers das Wort „Sieg" aus der Leber zeigte, als ein glückliches Omen, das die Götter seinem Volke beschicden. Wahrlich ein sehr alteS Beispiel des Farbdruckes einer Schrift, und dennoch wurde selbst von dem gebildetsten Volke der alten Welt, von den Griechen, der anscheinend so leichte Schritt vorwärts nicht gethan! Des Sparterkönigs Absicht war nur für den einen Fall berechnet; es fehlte also die Hauptsache, das Erkennen des großen Zweckes : Verviclfältiguug durch Wiederholung und Zusammensetzung einzelner Buchstaben zn willkürlicher Veränderung. —- Der h. Hieronymus, der zu Ende deS vierten Jahrhunderts lebte, gab in einem seiner Briefe der edlen Römerin Läta zur Benutzung bei dem Unterrichte ihrer Tochter Paula folgende Lehre: „Man gebe dem Kinde Buchstaben von Buchsbaum oder Elfenbein geschnitten als Spielzeug iu die Hände, damit das Spiel selbst zum Unterricht werde. Gut ist es, wenn man die Buchstaben oft unter einander wirst, die letzten unter jene aus der Mitte und diese wiederum nuter die ersten', so wird sie daS Kiud nicht nur dem Namen, sondern auch der Forin nach keimen lerne»." Wenn Cicero in seinem Buche über daS Wesen der Götter II, 20. dcu Stoiker Balbus dem Epi- curäer Vellejus entgegnen läßt: „Wer sich einbildet, daß eine Anzahl von festen und untheilbaren Körpern durch Schwerkraft znfammengehallen nnd aus ihrem zufälligen Zusammentreffen eine ord- nungSvollc und wunderschöne Welt gebildet werden könne: von dem begreift ich nicht, warum er nicht auch glauben sollte, daß, wenn man eine ungeheure Anzahl der einundzwanzig Buchstaben, entweder aus Gold oder sonst einem Stoffe, zusanunenwürsc, aus den auf der Erde verbreiteten Formen die Annalen des EnniuS lesbar zusammengesetzt werden könnten. Ich wenigstens zweifle, daß der Znfall auch nur in einem einzigen Verse so viel zn bewirken im Stande sei": so muß man sich in der That wundern, daß in den aufgeklärtesten Zeiten des alten Roms, wo Cicero'S Schriften in den Händen aller Gebildeten waren, Niemand auf den Gedanken fiel, mittelst einzelner Buchstaben Wörter zusammenzusetzen, sie fest mit einander zu verbinden und abzudrucken. Viele Gelehrte haben diese gewiß ohne alle Absicht hingeworfene Aeußerung Cicero's für eine der Erstlingsspuren der großen Erfindung gehalten, und fast alle Geschichtschreiber der Buch- druckerkunst bis auf uusere Tage sprechen einander nach, der große Redner RomS habe schon eine Ahnung jener unvergleichlichen Kunst gehabt. Eine Stelle dcS älteren Pliuius XXXV, 2. wo es heißt: „ Wie groß bei ihnen einst die Liebhaberei der Bildnisse gewesen, das bezeugt sowol jener Atticus des Cicero, als Marcus Varro, welcher die wohlthätige Erfindung gemacht hat, daß er seinen reichhaltigen Schriften nicht nur die Namen von 700 berühmten Mäuueru, sondern auch deren Bildnisse einverleibte. Er wollte nicht, daß die Gestalt irgend eines berühmten Mannes verloren gehen, oder daß die Zeit wider den Menschen etwas vermögen sollte, wahrlich eine selbst den Göttern beneidenSwerthc Erfindung! Denn er gab den Menschen nicht nur Unsterblichkeit, sondern sandte sie auch in alle Welt, so daß sie aller Orten " Einleitung. gegenwärtig sein können u. s. w." hat sogar einen Forscher, wie Karl Ottsried Müller (Handbuch der Archäologie der Kunst, Breslau 1830. 8. S. 396. Note 8.) zu der Vermuthung verleitet, sie könne auf den Holzdruck oder einen ahnlichen Kunstzweig Bezug haben. Jede Erfindung ist die Tochter ihrer Zeit, darum muß auch jede im Zusammenhange mit dem Geiste der Zeit und mit dem eigenthümlichen Gepräge des Volkslebens jener Nation, aus welcher sie hervorgegangen und deren Höhenmesser der Cnltur sie abgiebt, betrachtet werden. — Das Alterthum hatte bei dem Vorherrschen des öffentlichen Lebens vor dem Stubenleben (denn fast Alles verhandelte sich auf dem Forum, unter den Vorhallen der Tempel und StaatSgcbäudc, oder auf offener Strafte) in einer Zeit, wo mehr gehandelt als geschrieben wurde und der nothwendige Verkehr mehr dnrch das lebendige Wort, als durch den todten Buchstaben betrieben wurde, bei der Eigenthümlichkeit seines religiösen Cultus, bei der Abgeschiedenheit seiner Staude uud endlich bei der Ocffentlichteit der StaatSvcrfassung kein so großes Bedürfniß allseitiger Mittheilung, abgesehen davon, daß das ägyptische, aus dem in den Nilsümpfen wildwachsenden e^perus xax^rns verfertigte Papier (?rä?r^yos) kein so geeignetes, Wohlseiles und so allgemein verbreitetes Material wie unser seit dem vierzehnten Jahrhunderte bekanntes Leincn- papier darbot. 11m die anscheinend am nächsten liegende Erfindung ins Leben zu rufen, oder wenigstens den in manchem vorhandenen Gebrauche schlummernden Keim zu weckeu, ist eiu Bedürfnis?, ein Hindrängen der Zeitumstände auf dieselbe nöthig, welches dem Forschergeiste nachdenkender Männer gerade diese Richtung giebt. Auf dieses Zusammentreffen gewisser dnrch die Zeit bedingter Verhältnisse kommt beim Entdecken und Erfinden mehr an, als anf das Nahe- und Fernliegen der Hilfsmittel, welche der menschliche Scharfsinn, hat erst einmal der Fnnke gezündet, dann bald zu ergreifen und zu seinen Zwecken zu gebrauchen versteht. Ein solches Bedürfniß war nie dringender vorhanden, als zu der Zeit, in welcher die Erfindung der Buchdruckcrkunst gemacht worden ist. Man bezeichnet gewöhnlich das vierzehnte Jahrhundert, das Zeitalter eines Dante, Boccaccio, Petrarca, eines Wiclef als die Epoche des Wiedererwachens der Wissenschaften, weil in jener Periode die classischen Werke des Alterthums aus dem Staube der Klöster hervorgezogen und Gegenstand der Forschung uud Bewunderung geworden sind, als eine Wiedergeburt der Künste nach einem schmachvollen Scheintode, den die Barbarei wilder Horden über die unvergleichlich schönen Denkmäler von Griechenland und Rom herbeigeführt. — Der Mangel an freiem Austausche der Ideen, an einer zusammenhängenden uud verglichenen Erfahrung des Menschengeschlechts hatte bis dahin Europa mit einem düsteren Schleier umnachtct. Der Klerus, welcher aus Wissenschaft und Kunst damals ein Monopol zu machen wußte, verwendete seine geringen Kenntnisse nur aus Homilicn, Postillen, Chorgcsänge und Zcitbücher, dnrch deren unkritische Einrichtung eine pragmatische Geschichte des Mit- telaltcrs zur Unmöglichkeit gemacht worden ist. Eiu mönchischer Geist umhüllte Philosophie und Moral. Aller Geschmack war aus den Klosterschulen verbannt. Gelehrte Gefechte voll der elendesten Spitzfindigkeiten, ausgerüstet mit falsch verstandenem aristotelischen Witze, hielt man für die höchste Aufgabe der Weisheit. Man stellte alles Ernstes Untersuchungen an über die Zahl der Engel und Erzengel, über deren Herrschaft und Throne, über das Wesen der Seraphe und himmlischen Geister, über Satans Vollkommenheiten vor seinem Falle, über dessen Streit mit dem Erzengel Michael, ja selbst über die Frage: Wer von unsern Voreltern am meisten gesündigt habe, Adam oder Eva? Der ^ berühmte Dominicaner Albert ans dem Geschlechte der schwäbischen Grafen von Bollstadt (1205-1280) bekam wegen seiner Stärke in dergleichen Snbtilita- ten den Beinamen „der Große" (Albertus IVI-ixn»»). Der mit Wiclef erwachte, dnrch Huß fortgepflanzte, durch Luther in der Oeffentlichkeit vertretene und von seineu Fesseln entbundene freiere kirchliche Geist war der entschiedene Gegner der Scholastik. Von der Zeit der ersten Anfänge der Buchdruckerkunst ab ist die philosophische Periode zu Einleitung. l> setzen, mit welcher das tiefere Eindringen in das Wesen der Dinge, das Erforschen der Gründe in der Ueberzeugung und das Streben nach systematischer Einheit in der Erkenntniß beginnt. Schwache Privatmänner im einsamen Studirzimmcr oder im bescheidenen Hörsaale zündeten die Leuchte an, deren Strahlen siegreich die Finsterniß durchdrängen. Die Edleren und Bessern, ob hoch oder gering, als durch ihre Natur schon dem Lichte verwandt und befreundet, sammelten sich sofort um dasselbe und pflegten seiner als des kostbarsten Gutes. Aber die Wissenschaft, wiewol die Tochter des freien Geistes, ist ebenso wie die Kunst eine zarte Pflanze, die nur unter freundlicher Pflege gedeihet. Die Hnld liberaler Fürsten ist die Sonne, an welcher das Samenkorn der geistigen Entwicklung zur Blüthe und Frucht gedeihet. Die Hauser Medici in Italien und Burguud in den Niederlanden bildeten daS Doppclgestirn, durch dessen belebende Strahlen sich der frei gewordene Geist entfaltete. Cosmuö, der Bater deS Vaterlandes, der Begründer des unsterblichen Mediceerruhms, stiftete am Arno eine Akademie für die platonische Philosophie, gründete eine Gesellschaft sür Naturkunde, legte Bibliotheken an und gewahrte den durch die Osmanen ans ihrer Heimath vertriebenen Griechen Aufnahme, Schutz uud Freundschaft. Durch die gelehrten Byzantiner Manuel Chry- soloras, Johannes Argyropulos, Demstrius Chal- kondylas, Johann und Konstantin LaSkariS, Theo- dorus von Gaza, Hermonymns n. A. wurde sowol im Umgang als Unterricht und hauptsächlich durch Uebersetzuug classischer Schriften die Bekanntschaft mit der hellenischen Literatur im Abciwlaude begründet. Talentvolle Schüler Italiens und Deutschlands eiferten ihren griechischen Lehrern nach. Einer der gelehrtesten Jünger dieser Schule war Lorenzo von Medici, der würdige Zögling Johannes Argyropulos, welcher der Universität Pisa ein kräftigeres Leben gab, durch Laskaris alte Klassiker in Griechenland nnd Asien sammeln ließ, die Uebcr- setznng Plato'S durch Marsiglio Ficino (Mui-«!!!»-; z?!,ciiui-i) veranlaßte, und sich so den ehrenvollen Beinamen „ Vater der Musen " erwarb. Andere Fürsten Italiens eiferten den Mcdiceern nach. So die Brüder Lioncl und Borso von Este in Ferrara, Philipp Maria Visconti uud Franz Sforza in Mailand. — In Flandern nnd Brabant sammelten die Herzöge Philipp der Gute nnd Karl der Kühne von Bnrgnnd die talentvollsten Männer Frankreichs und Hollands an ihrem Hofe. Uebertragnngen römischer Schriftsteller in die französische Sprache entstanden unter ihren Augen uud die Brüder Johaun und Hubert van Eyck öffneten der neuern Knust im Abendlande die Pforte. Um dieselbe Zeit wnrde von Pctrarcha'S Freunde und Gönner, dem Lurem- burger Karl IV., die weltberühmte Universität zu Prag nach dem Muster jener von Paris mit der Einthcilnng in vier Facultäten und in vier Nationen errichtet. Der letztere Umstand veranlaßte unter Karl's ausgeartetem Sohuc, König Wenzel, der die böhmische Nation vor den drei andern begünstigte, eine große Zerrüttung der Einheit in der Lehre uud der Eintracht unter Lehrern und Schülern. Die Folge davon war eine allgemeine Auswanderung fast aller ausländischen Professoren uiw Studirenden. Diesen oder ähnlichen Umständen verdanken die ersten deutschen Universitäten, als Wien (1365), Heidelberg (1386), Cöln (1388), Ersurt (1392), Würzbnrg (1402) und besonders Leipzig (1409) ihre Entstehung. Auch das Ausland ward von dem gewaltigen Umschwünge neuer Ideen und eines kräftigen See- lcnstrcbens mächtig ergriffen. Es entstanden im benachbarten Frankreich Hochschulen zu Bordeaur, Angers, Eahors, Caeu, BonrgeS; Spanien sah in Hucsca, Valencia, Toledo und Alcala dc Hennares Hochschulen erblühen; Portugal eröffnete einen Sammelplatz sür Gelehrte zn Coimbra; die schottischen Schulen zu St. Andrew, Glasgow und Aber- decn wetteiferten mit den englischen Emporien der Wissenschaft zn Orford nnd Cambridge; Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen und der uralte skandinavische KönigSsitz Upsala eröffneten der wißbegierigen Jngend deS Nordens die Hallen der Weisheit, gleichwie die Reiche Polen und Ungarn mit ihren Universitäten zn Ofen uud Kratau keineswegs hinter den übrigen Staaten Europa's zurückblieben. Wenn das vierzehnte Jahrhundert auf dein Gemälde der geistigen Entwicklung deu im Morgenlichte 2 1» Einleitung. schimmernden Hintergrund bildet, so stellt sich im Vordergründe das fünfzehnte Jahrhundert als die UebergangSbrücke dar, welche das Mittclalter mit der neueren Zeit verbindet, und der stützende Pfeiler dieser Brücke ist die Buchdrucke rkunst. — Was die Zunge dem Gedanken, das ist die edle Kunst dem Worte. Diese große Erfindung, durchweiche, wie Herder ebenso wahr als kraftig sich ausdrückt, die Gesellschaft aller denkenden Menschen in allen Wclttheilen eine einzige und zwar sichtbare Kirche geworden ist, trat zu dem glücklichsten Zeitpunkte der jugendlich kräftigen, frcndig aufstrebenden GcisteSthätigkeit der europaischen Völker ins Leben, in einer Periode der Gahruug uud Krisis, aus der sich die großen Begebenheiten des folgenden JahrhuudcrtS: der Untergang des Lehn- und Nitterwesens, das völlige Wiederaufleben der altclassischen Literatur, der Aufschluß Amerikas und Indiens entwickelten, geradezu einer Zeit, als es galt, die kostbarsten schon errungenen Schatze in Sicherheit zu bringen und den Grnnd zn weiteren entscheidenden Fortschritten zu legen. Ware die Himmelspflanze früher aufgeblühet, so würde die übermachtige geistliche und weltliche Zwingherrschast sie durch vereinte Kraft erdrückt oder für sich unschädlich gemacht haben; Ware sie spater cmporgcsprossen, so hatte in der verhängnisvollen Periode des Hauptkampfes zwischen Gewissenszwang und Glaubensfreiheit die juuge Blume jenes Lichtes ermangelt, welches alles organischen Lebenö Bedingnist ist und mehr als alles Andere sein Wachsthum sichert. So aber war der Anfang des vierzehnten Jahrhunderts die rechte Zeit. Aus dem in den letzten Zügen liegenden griechischen Reiche flüchteten sich nach der Eroberung von Con- stantinopel durch die Osmauen 1453 die Ueberreste alter Gelehrsamkeit nach dein Abcndlande, die Liebe für die althellenischc Sprache erwachte durch geflüch- tete Griechen zuerst iu Italien, die Literatur, bisher nur in der lateinischen Zunge gepflegt, ging in die Landessprachen über, Theologie und Jurisprudenz konnten ihre bisherige Alteinherrschaft nicht mehr behaupten, der Geist streifte feine Fesseln ab uud erwachte zu lebendiger Natnranschauung. Der scholastische Autoritätsglaube des Mittelalters mußte dem Selbstdcnkcn weichen. Dem Fleiße öffneten sich allenthalben nie zuvor geahuete Bahnen kritischer Forschung. Die Sphäre der Wißbegier erweiterte sich schrankenlos nach allen Richtungen des praktischen Lebens hin, eine völlig neue Welt ging dem Genie ans, die schreibende Kunst war für den unaufhaltsam anschwellenden Strom der Mittheilung ein zu enges Bette geworden, die Buchdruckcrkunst brach ihm die Bahn und er ward frei. Bei den Alten konnte die Vervielfältigung der Bücher nur durch Abschrift geschehen. Zu diesem Geschäfte Ware» die Sklaven oder Freigelassenen bestimmt, die jeder Antor dazu halten und ein- übeu mußte. Später-gab es wol auch schon bei vcn Römern Schreiberschulen nnd Verkäufer von Abschriften, welche auf ihre Rechuuug berühmte Werke abschreiben ließen uud damit Handel trieben. Die Sosier beim Horaz sind für dieses Gewerbe bezeichnend geworden. Im Mittelalter waren sast ausschließlich die Mönche, denen es zuweilen ihre Ordensregel, wie bei den Benedictinern, zur Pflicht machte, mit Abschreiben uud Malen der Bücher beschäftigt. In einigen Klöstern wurden sogar besondere Schreiber- schnlen errichtet, in welchen die jüngeren Brüder Unterricht in der Zubereitung des Pergaments, in dem Schreiben, Jlluminircn, Einbinden n. s. w. erhielten. Oft wurde die Arbeit getheilt. Der Eine schrieb, der Andere malte und ein Dritter band das Buch ein. Es gab sogar eigene Nubricatoren. Mehre Klöster wetteiferte», durch kalligraphische Kunstfertigkeit und Ausschmückung der Handschriften durch Miniatnrgemälde den Preis sich streitig zu machen. DaS Wiederanfblühen der Malerei in Italien und den Niederlanden hatte anch die Büchcr- malerei vervollkommnet. Von hier aus verbreitete sich dieser Kuustzweig nach und nach über Frankreich, die Schweiz, das westliche Deutschland bis nach Britanien. Endlich blieb diese Thätigkeit auf den eigeuen Klosterbedarf nicht mehr beschränkt. Universitäten uud andere Lehranstalten wurden errichtet. Auch Laien lernten Latein. Fürsten fingen an, es sich zur Ehre zu schätzen, wenn sie durch Anlegung von Büchersanimlungen mit den Klöstern, Abteien und Kathedralen in die Schranken treten konnten. Einle Noch lange vor Erfindung der Buchdruckerkunst versahen von Italien nnd hauptsächlich von Florenz aus zunftmäßige Schreiber die Bibliotheken der Medieecr und anderer Fürsten, wie des Königs Matthias Corvinus in Ungarn, von Flandern und Brabant ans die Büchersammluugen der Herzöge von Burgund, der Herzöge von Cleve, der Könige von Frankreich und der englischen Großen mit Prachthandschriften auf Pergament, welche meist in Sammt mit reichen goldenen Buckeln und Klausuren gebunden in den Schatzkammern bei den Kron- juwelcn oder in den Armarien aufbewahrt wurden. Die Wissenschaft blieb daher ausschließend nur das Eigenthum der Fürsten, Klöster und Stifter. Wie hätte der Privatmann die Summen zu einer nur mäßigen geschriebenen Bibliothek zu erschwinge» vermocht! —- Wer über die Preise der Abschriften nnd über den Werth der Bücher in damaliger Zeit Belehrung sucht, der lese Denis, Einleitung in die Büchcrknndc Th. I. S. 84. u. folg. Eber-t, Zur Haudschriftenkunde I, 108-114. I>ambinet, vrigwe t»i'nm pretio. ^'i-gnoof. ». V. 1767. 4. Außer den kunstgcübten Miniatoren und Kalligraphen, welche sich nur mit Anfertigung von Prachthandschriftcn für gekrönte Häupter nnd vornehme Bücherlicbhaber, sowie die Scriptoren und Nubricatoren nur mit dem Bedarf für Universitäten und weltliche Gelehrte beschäftigten, gab es aber auch eine geringere Classe von Schreibern, die mehr handwerksmäßig für den gewöhnlichen Hausbedarf des Bürgers an Schul- und AndachtS- büchern sorgten. Dies war im frühesten Mittelalter die einzige dem Volke bekannte Literatur. Später kamen Kalender, Arznei- und Volksbücher hinzu. Letztere, meist in gcbnudener Sprache abgefaßt und auch zum Singen berechnet, wurden, wenn es der Gegenstand erlaubte, mit rohen Federnmrisscn, die mit Wasserfarben schlecht und meist ohne Schatten ausgemalt waren, auf wohlfeilerem Papier in abenteuerlichem Style geschmückt, auf Jahrmärkten seil gehalten oder auch hausirend zum Kaufe angeboten. Neben diesen Gebet- und poetischen Volksbüchern fertigten sie auch Heiligenbilder, Spielkarten und U kleinere schriftliche Mittheilungen, die außerhalb des uotariellcu oder Kauzlcikreises lagen. Diese Znnftgenossen nannte man „Bricfmaler" von dem lateinischen Worte „vi-eve", nämlich 8cr!i>tum, welches im mittelalterlichen Latein jede kürzere Schrift im Gegensatze von ganzen Büchern bezeichnete. Alles, was selbstständig ans einem einzelnen (fliegenden) Blatte bezeichnet oder später gedruckt wurde, mochte es nun ein bloßer Schrift- tert oder ein Bild oder beides zugleich sein, wurde ein Brief genannt. Der Begriff wurde noch weiter und zwar im Allgemeinen auf fede zu einer Knndmachnng abgefaßte Schrift ausgedehnt, z. B. auf Urkunden, Diplome, welche Bedcntnng sich in „Lehrbrief", „Frachtbrief", „Capcrbricf", „geschworner Brief" (in der Schweiz die Acte, wodurch das politische Verhältniß zwischen Bürger und Regierung bestimmt und von den Gemeinden bescbworen ward) und iu dem ebenfalls noch in der Schweiz unv in den angrenzenden deutschen Ländern üblichen Worte „Gültbricf" für Schuldverschreibung erhalten hat. So verstand man im kaufmännischen Leben unter „Bricfinhabcr" Besitzer von Wechseln uud uuter „geinachten Briefen" trassirte Wechsel. Schon die ähnliche Form war hinreichend, gewissen Gegenständen diesen so beliebten Namen beizulegen. So sagte mau- „ein Brief Nadeln", „ein Brief Tabak" für ein Päckt- chen Tabak. Die allgemeinste Anwendung hatte das Wort ans „ein Spiel Karten." Ueber diesen für die Vorgeschichte der Typographie nicht unwichtigen Gegenstand sind vielfache Nachforschungen angestellt worden. Man vergleiche I/.H.bbe R,ive, eel!ureI»5emeM5 I>l5tl)r!,erelis5 Ii!«tor!cj»e5 et litei'-llres sur >es llanses cle« morts et sur >'nr!g!ne e5 into tlie Iilstoi')' ok?I»xi»^ Oni'i!,?. I^nn- >I»^bi>e lacob ) , I'oi'Igine de» ezrtes ä Houer. , 1837. 8. In diesen Hauptwerken findet man die anderwciic Literatur über den Ursprung der Spielkarten. Grste Abtheilung. Wie Erfindung der DuchdrnckerKunst. Vorgutenbergische Druckversuche. ei den Vricfmalern und Kar- tenvcrfertigern ist die erste Erfindung der 'Anwendung der Druckkuust zu suchen. Das Bedürfniß einer leichteren Vervielfältigung ihrer, zumal bei Spielkarten, durch deu taglichen Gebrauch sich schnell abnutzenden Verkaufsartikel mußte sie nothwendig auf ein technisches Erleich- terungsmittel führen. Sie schnitten die Figuren in Metallvlattcn auS uud bedienten sich eben so vieler dieser Patronen, als sie verschiedene Farben aufzutragen nöthig hatten. — Mit dem Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts findet man Spuren, daß die Spielkarten und Heiligenbilder, welche bisher nur gemalt worden, durch Abdruck von gestochenen Holztafeln vervielfältigt wurden. Jrrthüm- lich und meistens aus Verwechslung der Begriffe und Beschäftigungen des „Bildschnitzers" mit dem „ Formschncider " wird der Anfang der Holzschneidekunst iu das vierzehnte Jahrhundert hinaufgerückt. Tiefen Irrthum theilen die zwei neuesten Geschichtschreiber der Erfindung der Buchdruckerkunst.- Schaab und Werter. Letzterer leitet ihn aus den Klöstern her, die aber weder Beruf noch Bedürfniß zu einem solchen lediglich handwerksmäßigen Hilfsmittel antrieb. Die Vervielfältigung von Schrift und Bild hatte sich schon aus den Klöstern cman- civirt uud war zu eiucm weltlichen Gewerbe geworden. Es entstanden förmliche Zünfte von Holz- schueirern, welche bald Bricfmalcr, Briefdruckcr, Formschncider, bald blos Drucker, oder auch in den Gegenden am Rhein Printers genannt wurden. Man findet sie von dem zweite» Decennium des fünfzehnten Jahrhunderts an abwechselnd bald unter diesem, bald unter jenem Namen in den Bürgerbüchern uud Znnftregistern sowol deutscher als niederländischer Ortschaften. In dem Steuerbuche der Stadt Nördlingen kömmt nach Beyschlag, Beiträge I, 12. schon 1423 ein Wilhelm Kegler als „ Wilhelm prüfftrucker " vor. Zu den Ausgezeichneteren dieser Zuustgenossenschast im fünfzehnten Jahrhundert gehörten außer ihm: „Dybold Läbcr zu Hagenow, Der schreibcr, der di linder lert", Hans Sporcr, der sich selbst in der von ihm besorgten Ausgabe der „^rs morleimi" (von 1473) „prüffmoler" nennt, wol eine uud dieselbe Person mit Juughannfi in Nürnberg, Herausgeber des „Entkrist" von 1472?, Henne Cruse vom Menze (1440) Drucker, uud Haus vou Pfedersheim zu Frankfurt am Main (1459), Peter Schott zu Straßburg (1464), Ludewig von Ulm, Vcrfer- tiger einer der 13 xylographischen Ausgaben der ,,^,rs moriencli" und Johann Valdenaer oder Vel- dener am Rhein und in den Niederlanden; Ulrich Nawh Pyldsnytzer (1413), Hans Remlin (1464), EraSmus Goldemuut, Erhart Stein, Valentin und Albrecht Wohlgemut, Hans Hylprant, Hans Swind, Sebald Gallendorser, Niclas Vinck, sämmtlich zu Nürnberg, deren Namen iu den Bürgerlisten und Gcrichtsbüchern des fünfzehnten Jahrhunderts vorkommen. Vorgutcubcrgische DrucKvcrsuchr. 1^'. Der Laienbruder Luger aus dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts, dessen Namen der Bibliothekar Beyschlag zuerst in dem 0dItii»r!>im oder Nekrolog des Franziskanerklosters zu Nördliugcn mit den Worten „VII. 16. ^UAlistl odiit. f,->ter K. I^nxer Ia)c»s oxitimus inelsor ü^noium" angegeben fand, kann nicht, wie dies so oft geschehen ist, als ältester documentirter Beweis der Holzschneidekunst angeführt werden; denn er war ein Bildschnitzer. Die Wörter s«->ch,tor und inelsor wurden häufig verwechselt uud selbst in Büchern des sechszehnten Jahrhunderts findet man Seul^tor in der Bedeutung eines FormschneiderS. Die Erzählung Papillon's, daß ihm ein Schwci- zerosficier in Bagneur bei Mont-Nonge ein sehr altes Buch gezeigt habe, dessen mit einem Holzschnitt und gothischen Ornamenten verzierter Titel besagte: „wie die adeligen ZwillingSgeschwister Cunio zu Ravcnna die Thaten Alerandcr's des Großen nach ihren eigenen größeren Gemälden auf acht Holztafeln geschnitten, abgedruckt, uud dem Papste Ho- noriuS IV. zugeeignet hätten", ist von Männern, wie Bottari, Tirabvschi, Marictte und in neuester Zeit von dem größten Kenner xylographischer Denkmäler, Sotzmann in Berlin, als unhaltbar erwiesen worden, wie sehr sich auch der Abbate Zani, Scotti, und selbst Ottley bemühten, Papillon's Erzählung I wieder zu Ehren zn bringen. Die früheste in das dreizehnte Jahrhundert fallende Beschreibung des Farbdrucks, welche Marco Polo in seiner Neiscbeschreibung „!I Hlilivne" gibt (s. Namusio, Kaccolts, 1583. II, 29.), wo es von dem Großkhan («i-.-», e->» iu^ui vol^».-«", einein Gemisch von Italienisch, Provenxalisch und Französisch dictirt, welches um so weniger auffallen kau», da mehre Schrifsteller desselben Jahrhunderts, wie z. B. Brunetto Latini, sich der französischen, als damals gewöhnlichsten Sprache bedient haben: „parce^ue I<'i'»uc!Ü8 est ^Ins ltelitulile« Iiui^iixes et 1>I»5 commun« ^n« t»u« sutres." Wenn daher für die Erfindung der xylographischen Druckkunst daS Ei des Kolumbus, der eigentliche Grundgedanke, in dem Bewnßtwcrden der Absicht lag, Schrift und Bild, oder im Geiste der Zeit beides zugleich, durch Farbdruck von einer stehenden Form zu vervielfältigen: so ist eS keinem Zweifel unterworfen, daß es zu Anfang dcS fünfzehnten Jahrhunderts die „Briefmaler" waren, bei denen dieser Gedanke zuerst Wurzel faßte. AuS den Briefmalern und Kartcnmachern entstanden Briefdrucker und Formschneider. Diese bildeten schon gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts zunft- mäßigc Genossenschaften. Die bedentcndstcn dieser Gilden fanden sich in Angspnrg 1418, Nördlingcn 1428, Nürnberg, Frankfurt am Main, Mainz, Cöln und Lübeck. In Ulm findet man „Kartcn- maler" und „Kartcnmacher" von 1402 an häufig in den Steuerregistern, dagegen „Formschneidcr" erst vom Jahre 1441 an, wenn man nämlich Jäger's etwas verdachtige Angabc im „Kunstblatt" sür 1830 S. 355., daß schon 1398 ein solcher angeführt werde, anSnimmt. Aehnliche Jnnnngen kommen zu derselben Zeit in den Niederlanden vor; denn nach dem Privilegium der St. Lucasgilde zu Autwerpeu vom Jahre 1442 (s. ^s. Xoninx, Vei-I-cm- >; »IcKnn«t, »-»lein, 18lg. 8. 21.) gehörten sowol Bildschnitzer als Maler (Schilders), Klaömacher (Glasmaler), Jlluminircr (Berlich- ters) uud Drucker (Printers) zu dieser Corporation. Sotzmann setzt diese Vereinigung in das Jahr 1557. 14 Vorgutenbcrgische Druckversuche. Wer erkennt unter den beiden letzten Benennungen nicht unsere deutschen „Bricsmaler" und „Briesdrucker" wieder? — Zu Brügge in Flandern bestand schon 1454 eine Brüderschaft „St. Jo- hanniS des Evangelisten", zu welcher Schreiber, Schulmeister, Buchhändler, Buchbinder und Bil- dcrmacher (BeeldemakcrS), Bildschnitzer ( Honte- BildsuydcrS), Illuminatoren, Holzdrucker, Form- schncider (Plaatsnydcrs oder Figuersuydcrs) und Brieforucker (Beeldekenpriuters) gehört haben. In Frankreich geschiehet der Letzteren erst im sechSzehnlcn Jahrhundert unter dem Namen „ ?->!>- leurt. et im^>ilmeurs «l'Iiistoireii et Kxure«" Erwähnung, wo sie mit den „ vominotier«", Verfer- tigern von bunten Papieren, verbunden waren. Noch weniger sind sie in Italien zu finden, bevor die Typographie durch Swcynhcim und Pannartz, NicolanS Jenson, Johann von Speyer, Ulrich Han, Johann Nnmeister u. A. aus Deutschland dahin verpflanzt wnrde. Sowol in Deutschland als in den Niederlanden blieben die bloßen „Bricforucker" oder „Printers", wenn sie auch kleine Bücher xylographisch druckteu, dennoch von den nachmaligen „Buchdruckern" abgesondert, und traten, da sie mit den Letzteren nicht zu einer und derselben Gilde schwören durften, meist mit den Malern zn einer Innung zusammen. In den Verhandlungen der Antwerpner Gilde zum h. Lncas wurden die Bricfdrnckcr „ Printers" genannt, zum Unterschiede von den Buchdruckern, die man unter dem Namen „Drucker" aufführte. — Die sogenannten „Bildbricfe" bestanden bis zu Anfang des sechszehnten Jahrhuuderts fast ausschließlich in Spielkarten und in Andachrs- und Heiligenbildern. Ein Volk durchschreitet in seiner geistigen Entwicklung dieselben Stadien im Großen, wie das Kind im Kleinen. Die Karte war in Ermangelung würdiger, von geistiger Cultur bedingter Gestaltung des geselligen Verkehrs das Mittel, die Zeit zu kürzen. Aus ihr bildete Frömmigkeit den Gegenstand, der in seiner Ausführung balb der Heiterkeit des Lebens, halb dem deutungSschwercn Ernste der Religion angehörte, das Heiligenbild, welches, aus dem Bedürfnisse ahnungsvoller Erhebung entsprungen, mächtig dem Geiste der Zeit entsprach. Die gewöhnlichsten und frühesten Darstellungen waren: Christus am Kreuze, oder an der Säule mit der Dornenkrone (IZcce Iwmo), oder der leidende Heiland mit den Marterwerkzeugen umgeben, wie er dem h. Gregor während dem Meßopfer erschienen war, die Verkündigung, die h. Juugfrau als Himmelskönigin mit dem Jesuskindlein, Maria und Johannes am Kreuze betend, der h. Christoph n.s.w. Später stellte ein jedes Land und eine jede Stadt, je nachdem ein Heiliger hier oder da mehr verehrt worden, den Landes - oder Stadtpatron dar. Die zahlreichen Abdrücke der Holztafeln verbreiteten sich schnell unter dem Volke, denn jeder Fromme liebte seinen Schutzheiligen wenigstens in einer Abbildung in Händen zu haben, oder ihn an der Thüre seines Hauses zum Segen für die Eintretenden oder auf die Jnseite des Deckels eines Bnches znr öftern Beschauung und besseren Aufbewahrung anzukleben. Später setzte der Künstler einige erklärende Worte, einen Bibeltext, oder ein kurzes Stoßgebet unter die bildliche Darstellung. Oft wurden Anzeigen über den Ablaß, der mit der Andacht vor solchen Bildern, besonders an Wallfahrtsörtern, verbunden war, hinzugefügt. Doch erschienen die in Form eines Bandstreifens vom Munde des Heiligen ausgehenden Sprüche, oder die meist innerhalb des Bildrahmens eingeschnittenen Tcrte nur als Nebensache und als Zugaben. Von einzelnen Heiligenbildern gingen die Formschneider, in den Niederlanden Plactsnydcrs (Tascl- schneider) genannt, zur Darstellung ganzer Geschichten in einer Reihe von vielen Blättern über, woraus die Bilderbücher entstanden. Endlich gelangte man dahin, zur Erklärung der Bilder ganze Seiten voll Te,rt auf eiue besondere Tafel einzu- schneidcn und auf ein besonderes Blatt, der Vorstellung gegenüber, abzudrucken. Hol)taseldrucke im Allgemeinen. /N^^fie xylographischen Druckvenkmäler, diese ^) mögen in Büchern mit Bildern ohne Schrift, oder in Büchern mit Bildern und Schrift oder endlich aus bloßem Terte bestehen, überschreiten kaum die Zahl von ungefähr dreißig verschiedenen Werken, theils geistlichen, theils weltlichen Inhalts, die ihrem Umfange nach nur selten 50 bedruckte Seiten enthalten. Die meisten derselben sind in klein Folio und anopistographisch, daS ist, nur auf der einen Seite jedes Blattes gedruckt. Zwei solcher Blatter wurdeu alsdann mit dem Rücken an einander geleimt, so daß sie mir ein Blatt bildeten. Die frühesten Drucke sowol der einzelnen Bilder, als der Tert- oder Bilderbücher wurden nicht mit einer Presse, sondern, wie cS noch zum Theil bei den Kartenmachern der Brauch ist, mittelst des Reibers bewerkstelligt. Dieser Umstand aus der Wiegenperiode der Kunst verdient wegen der daraus zu eutuchmeudeu Folgeruugeu Beachtung. Das Verfahren jener Erstlingsversuche war folgendes: Man legte das befeuchtete Papier auf die mit einer leichten Erdfarbe, spater mit einer aus Lampenruß und Oel gemischten Druckerschwärze bestrichcne Form und fnhr auf der Rückseite des Blattes mittelst eines sehr straff mit Pserdchaaren und Sahl- leisten ausgestopften Ledcrballens (Reibers) mit großer Kraft hin und her, wodurch die Umrisse der Figuren und Buchstaben sich tief in das Papier eindrückten. Die dadurch entstandene Glätte, verbunden mit den theilweisen Erhabenheiten machten daS Abdrucken auf der Rückseite des Papiers unmöglich. Das älteste, mit einer Jahrzahl bezeichnete Druckdenkmal dieser Art ist der h. Christoph, welchen der berühmte Kunsthistoriker v. Heinecken in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Bibliothek der ehemaligen Karthause Burhcim bei Mcm- mingen, auf die Juscite der hintern Decke einer Handschrift vom Jahre 1417 („l.-ms V!rx!n!«" betitelt) geklebt aufgefunden hat, jetzt eine Zierde der Lord Spencer'schen Bibliothek zu Althorp. Die ganze Aufschrift des Codcr lautet: „ Zl,!l>er iste Virgin!« intltulatus continet leetione» m^tiilinale» aeeomcxlatas okkcio L. V. i>I»r!ke zier slngulos !>nnl llies, ijims lzuill-lin lüartusianus ^non^. nikr
  • on<:ei-I->n^" I, 3. Heller, „Geschichte der Holzschneidekunst" S. 40. und im verkleinerten Maßstabe 1»0>e mxrien ^ E» rouwe horst mm sinen sonden Dii wner unliie dat ^ or- conden Dar die. iaer »stnets heeft Die hcin die paus ^ gregorius geest Eü noch. i,j. muise dats umerhede Die daer ^ «zauen nstaet mede Eii rl bisscopen des gelike Dit mach ^ verdienen arm eü rilie i OüuKelkPÜI Keemomim ?»I'S Iiiemkll«" eingeklebt gewesene Blatt, welches die h. Dorothea, den h. Alerius und die Kreuztraguug darstellt mit der geschriebenen Jahrzahl 1443, von denen die Nachrichten nicht zuverlässig genug sind, übergehen, so begegnen wir dem x> ^ Solztalrldrnmc im Allgemeinen. 17 „Heiligen Bernhardin" mit der Jahrzahl 1454, einem die sogenannte geschrotene Arbeit nachahmenden Holzschnitte, früher in Van Praet's Besitz, und jetzt wohl in der unvergleichlichen Pariser Sammlung? Unter dem Bilde stehet ein lateinisches Gebet: „)hs. sempcr. sit in ore meoz" In dem aufgeschlagenen Buche: „nivc lege Äulcc nö" (nnmen). Auf einem mitten durch den Körper gehenden Bande: „Sancty linardin-,." Ein Facsimile dieses merkwürdigen Alterthums in geschrotener Manier, wo der Tert weiß auf schwarzem Grunde erscheint, liefert Dibdin in seiner L!Ilvxtlc-te, oder „das buch der haymliche Vffenbarunge Kant Johans", wovon drei Ausgaben mit 50 Tafeln und eben so viele mit 48 Vorstellungen bekannt sind, enthalt die Visionen des LieblingSjüngerS Jesu auf Patmos, untermischt mit abenteuerlichen, dem Inhalte des Ganzen entsprechenden Bildern aus seiner Leidensgeschichte. Die Holzplatten sind meistens durch ciueu Horizontalstrich in zwei Hälften getheilt. — Der Text der Offenbarung ist auf Spruchzeddeln in Form von fliegenden Bändern zuweilen auf Tafeln über,, unter, oder neben den Figuren angebracht. Alle Exemplare sind blos auf einer Seite mit dem Reiber gedruckt, so daß je zwei Blatter einander gegenüber stehen. Der Ursprung dieses vortypographischen Products, welches schon Maittaire, und späterhin Ko- ning wegen der Rohheit seiner Ausführuug für das älteste der auopistographischen d. h. nur auf der einen Seite jedes Blattes gedruckten Bilderbücher hält, dürfte ebenso, wie die schon genannten Holzschnittwerke in Holland zu suchen sein, obwol sehr bald in Ober- und Nicdcr- deutschlcmd Copien entstanden sind, die man an der roheren Arbeit erkennt. Eine vergleichende Zusammenstellung der fünf verschiedenen Ausgaben lieferte V. Heinecke», „Idee xener-cls s Du sehe» wietz das saltu schrnven." Dieses seltene Werk findet sich noch in den Bibliotheken zu Hartem, Wien, Berlin ( zweite Ausgabe und desect), Münster, Stuttgart (Bl. 1 und 47 fehle»), Heidelberg, Passau, Kloster Gottweyh, Frauksurt, München, Wolsenbüttel, Orsord, Paris, London, sowie im Privatbesitze mehrer englischer und französischer und deutscher Sammler, unter andern auch in derjenigen des knnstliebenden Buchhändlers und Pro- clamators I. A. G. Weigel in Leipzig. Was die „Geschichte des h. Johannes des Evangelisten oder dessen apokalyptischer Visionen" nicht nur von der Armenbibel, von welcher weiter unten die Rede sein wird, sondern auch von den meisten andern xylographischen Büchern unterscheidet, ist der Umstand, daß die Lagen, aus denen das Werk zusammengesetzt ist, ans acht Blattern bestehen, wahrend bei den übrigen ein jedeS Blatt seine eigene Lage bildet. ES setzt diese Anwendung schon eine gewisse Geschicklichkeit deS Druckers voraus, indem derselbe ans dem ersten Blatte die erste und scchSzehnte Tasel, auf dem nächstfolgenden das zweite und fünfte Bild und in gleicher Weise alle andern mit sorgfaltiger Aufmerksamkeit einlegen mußte. Die Ausgabe, welche Hcinecken als die erste bezeichnet, zahlt drei solcher Lagen je zu acht Blattern, die nur auf einer Seite bedruckt sind und 48 Darstellungen enthalten. Die erste Halste der Blatter hat die Signaturen AU C und so weiter, die andern aber ermangeln derselben. Die zweite Ausgabe unterscheidet sich in Zeichnung und Schnitt wesentlich von der ersten, der h. Johannes hat auf dem mit A bezeichneten Blatte keine Glorie und ertheilt den Segen mit der linken Hand. Ein Götzendiener tragt in der rechten Hand eine Art, wahrend er in der ersten Ausgabe mit einer Hellebarde bewaffnet ist. Auf dem Blatte D gehen drei Flammen vom Haupte des Erlösers aus, wahrend dort ein Heiligenschein dasselbe umgiebt. Aus dem Blatte D erblickt man das Pferd mit aufgebundenem Schweife, in der ersten Ausgabe aber erscheint er in seiner naturgemäßen Lage. Die dritte Ausgabe unterscheidet sich von den beiden ersten schon durch das Hinzukommen von zwei neuen Blattern, wenn mich nicht sowol Schrift als Figuren einen andern Künstler verriethen und stets je zwei sich gegenüber stehende Bilder nicht eine und dieselbe Signatur hätten. Die vierte Ausgabe zeigt nur 48 Darstellungen und zwar ohne EinfassungSlmien, jedoch die nämlichen Abweichungen wie die vorhergehende. Die fünfte endlich weicht von der dritten nur in den Tertworten und in der Anordnung der Buchstaben ab, welche die Blätter bezeichnen. Die Zeichnung trifft aber bis auf wenige Ausnahmen so genau damit überein, daß sie fast durchgängig als treue Nachbildung erscheint. Einige wenn auch nicht ganz genügende Facsimiles mehrer Blätter der Offenbarung, welche v. Heinecken bei dem sehr geschickten Holzschneider Papillon in Paris anfertigen ließ, finden sich in dessen „lilög gvnerals ll'unv oollectloii «l'estampeii" x. 350. in desselben „Nachrichten von Künstlern und Kunstsachcn" II, 158. 178. 182. und bei Olbcli», IZibl. 8^>enc. Vol. I. vill. x. xi. xn. xv. Man vergleiche darüber die Werke eines Heinecken, Illve, S. 334-375. Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen II, 158-189. Lambinet, S. 64-66. Santander III, 23-25. I'lloinas Lartnell Horns II, ü^ienll. V. Vibllin, Lilil. Kpeno. I, vn-xv. Einen anschaulichen Begriff von diesem merkwürdigen Denkmale alter Drnckknnst wird das zur Seite stehende Facsimile geben, welches dem achtzehnten Blatte, wovon das Original in der königlichen Bibliothek zn Dresden vorhanden, nachgebildet ist. Die lateinischen Inschriften lauten: „Et jace- bunt rorpora eorum i» plnteis et non sinent poni in monumcntis." — „Cum finierunt Enoch et Hetnas testimonium suum bcstia quae asccuoit de abnsso faciet contra cos bcllum et vincrt cos et oecioct illos." Ars memorimdi. H Die „Kunst, die Erzählungen der vier Evangelisten im Gedächtnisse zu behalten", ^rs memoraiM norabili-j per tiguras Lnimxelistarum etc., eine Art von Mnemonik durch Zusammensetzung derjenigen Hauptgegenstände, welche in den Evangelien vorkommen, um den Inhalt der Letzteren nach Folge der Capitel dem Gedächtnisse einzuprägen. Die Grundlage der höchst sonderbaren bildlichen Darstellung ist jedesmal das Symbol des entsprechenden Evangelisten, z. B. bei Johannes der Adler, bei MarcnS der Löwe, bei LucaS der Ochs und bei Matthäus der Engel. Die Figuren dieser Attribute find stehend abgebildet. Die dabei angebrachten Ziffern bedeuten die Capitelzahl der Evangelien. Zur Probe beschreiben wir das erste Bild: Der Adler mit aus- gespreitzten Beinen und Flügeln, daneben die Inschrift: „Prima Hgo (im^o) Johannis." Ihm auf dem Kopfe ein Vogel (Taube) uud zu beiden Seiten hervorragende Köpfe nebst der Ziffer 1, weil das erste Capitel von der Dreieinigkeit handelt. Auf der Brust der Figur eine Laute mit der Ziffer 2 in Bezug auf die Hochzeit von Cana. An der Laute hängen drei Geldbeutel, um die Wucherer im Tempel anzudeuten. Zwischen den Beinen deS Adlers ein Wassereimer mit der Ziffer 4, weil im vierten Capitel Jesus am Brunnen zu trinken verlangt. Auf der rechten Schwinge ein Fisch, Symbol des Teiches BetheSda im fünften Ccwitel. Auf der linken zwei Fische, fünf Brode und eine Hostie, das Wunder der Speisung nnd die Eucharistie bezeichnend, weil Christus im sechsten Capitel sagt: „Ich bin das Brod des Lebens." — Das nur Deutschland allein angehörende Werk bestehet aus 15 Bildtafeln in äußerst rohen mit blasser Farbe durch den Reiber gedruckten und meist illuminirten Holzstichen und aus 15 Blättern mit Tert, alles anopistographisch. Johannes beginnt; ihm sind 3, dem Marcus ebenfalls 3, dem Lncas 4, und dem Matthäus 5 Bilder nnd eben so viel Blätter Tert gewidmet. Die Technik der Arbeit laßt ans eine nahe Verwandtschaft mit der ,>^rs morisudi» schließen. Schon aus den fünf Eremplaren der königlichen Hof- und Staatsbibliothek in München und den beiden der dasigen NniversitätS-Büchersammluug gehet hervor, daß anch uuter der Originalausgabe Verschiedenheiten des Abdruckes vorkommen, nnd man daher mehre Auslagen annehmen muß, z. B. bei Xylogr. Vlll. Bl. 8. fehlt zu Anfang deö 25. Capitels das „V" (Vice«im»m !- tulum) nnd ist durch einen schwarzen Fleck ersetzt, während dieser Buchstabe in Xylogr. XI. der nämlichen Ausgabe durch eiu verziertes Versal „V" ersetzt ist, in dessen Mitte sich das Monogramm vorfindet. In der ersten Ausgabe licset man in der 17. und 18. Zeile auf der Rückseite deö ersten Blattes: „tolle arabatum tuum et ambula", während die späteren (offenbare Nachschnitte) haben: „tolle grabntü tuum et mido." IIe!necI«ic etc. 1771. 8. p. 394-399.; ferner in Heller's Geschichte der Holzschneidekunst, Bamberg 1823. 8. S. 364-368. und eine ebenso gediegene als ausführliche Beschreibung des Gothaischen Exemplares gab Jacobs in seinen und Ukert's „Beiträgen zur älteren Literatur" :c. Leipzig 1835. 8. S. 65-67. Ziemlich gute Nachbildungen des Anfangs nnd des Schlusses des ersten Tertblattcs von verschiedenen Ausgaben, sowie ein Facsimile der letzten Bildtafel der ersten Ausgabe in der Größe des Originals findet man bei Hcinecken, am angeführten 22 Ars moriendi. Orte Seite 396. und bei VIdi ordinis (ÄrtKusi»nensIs 6s arte bsns niorienäi" damit verwechselt werden dürfen. — Keines der xylographischen Bücher ist ft oft wiederholt worden, als die „^.rs morienäi", wobei das holländische Original znm Vorbild diente. Man kennt bis jetzt gegen dreißig Ausgaben, darunter mehre in deutscher, holländischer, englischer und sogar auch eine in französischer Sprache, die wahrscheinlich aus einer flandrischen Officin hervorgegangen ist. Von einer bis dahin noch unbekannten Ausgabe hat Champollion, einer der Bibliothekare im Departement der Handschriften an der königlichen Bibliothek zu Paris, in seinem Werke: „?-üeo- Araptiis 6es Llsssics Iktins apres Iss plus be-mx monumsns tls la Lidliotliehue Kanals le (l'unr: collectiv!! cl'estampes, I^eixs. 1771. 8. p. 399-428., wo fünf Blatter wohlgclungcner Facsimiles die Sache erläutern, bei Heller, Geschichte der Holzschneidekunst, Bambcrg, 1823. 8. S. 368-375. und bei Ebert, Bibl. Ler. 5io. 1251. Facsimiles einzelner merkwürdiger Darstellungcu der ersten oder zweiten Ausgabe finden sich bei Dilxlül, IZit>I. Sponc. I, xv-xxiv. und bei Hcinecken, I-Iös ^»«al« x. 402. 406. 410. 414. 422. Die zur Seite befindliche Nachbildung der ersten Bildtafel ist dein Dresdener Ercmplare entnommen. IV Der „Entkrist", oder die im Mittelalter so sehr verbreitete uud selbst fetzt noch in katholischen Ländern beliebte Legende vom „Antichrist", dem vom Satan gesendeten falschen Messias, dessen Erscheinen das nahe Ende der Welt verkündet, bestehet aus 26 Blättern in klein Folio, deren jedes nur auf einer Seite bedruckt ist. Ueber die Lehre vom „Antichrist" uud den Glauben an denselben siehe Wilhelm Grimm in der Einleitung zum „Bridank" S. 71. und Corrodi, Geschichte des Chiliaömus, II, 400-444. Die neuesten Bibliographen Ebert, Dibdin nnd Sotzmann führen dieses Druckdcntmal einzeln auf, während von Hcinecken und Panzer dasselbe mit dem nachfolgenden als ein Werk betrachten. ^4 Der EntKrist oder Antichrist. Die vordere Seite deS ersten Blattes ist leer. Die Rückseite enthält die Vorrede in 32 Zeilen, welche ansangt: „Hie hebt sich ann von dem cnt- Iirisl gcnomen l»id getzogen aus ^ ril piichern wn rnd von wem er geporn soll werden." Das zweite Blatt hat die Überschrift: „Hne sitzet des Endfrist Vater vnd unrbet vmb seyn leidliche tochter in lippikeyt." Auf dem dritten Blatte sangen die Abbildungen an. Es zerfallt in zwei Abtheilungen: a. Jacobs Weissagung an seinen Sohn. I,. Wie der Antichrist empfangen wird. Blatt 4. a. Geburt des Antichrist's. l>. Ausschweifung desselben zn Bcthsaida. Blatt 5. a. Veschncidung des Antichrist's zn Jerusalem. b. Die Juden beginnen die Wiederherstellung des Salomonischen Tempels. Blatt 6. ». Antichrist mit Adepten: „Der Cndt- Krist hat bey im maister. Die in lernen gold machen. Vnd ander zanberey vnd piis listh. Vnd das beschicht in der Stat genant Lo- rosaym." d. Er reiset von Capernaum nach Jerusalem: „Hie gar der LnndtKrist von Capharnaym. gen Jerusalem. Vnd hat sich da ausgeben er sei hailig." Blatt 7. a. Die Propheten Elias und Enoch besuchen den Antichrist, b. Elias predigt gegen denselben. Blatt 8. a. Enoch predigt gegen den Antichrist. l>. Der Antichrist spricht allen Gesetzen Hohn. Blatt 9. ». Der Antichrist predigt eine neue Lehre. b. Er erfindet eine neue Methode, die Welt zu verführen. Er wirkt Wunder, laßt z. B. einen Niesen aus einem Ei, einen Hirsch aus einem Baumstamm hervorgehen. Blatt 10. a. Er befiehlt dürren Bäumen zu blühen. l>. Er thut allerlei Wunder. Blatt 11. s. Er bezeichnet die Juden mit einem Maale auf der Stirne, b. Er sendet Boten in die Welt. Blatt 12. g. Ein Abgesandter des Antichrist's predigt dem Könige von Aegypten. b. Ein Anderer predigt dem Beherrscher von Lybien. Blatt 13. a. Ein Bote predigt dem Könige von Aethiopien. b. Ein Anderer „ der Königin von Aina- son und den rothen Juden, die Ale- rander in den Gebirgen Caspio beschlossen hat." Blatt 14. s. Ein anderer Sendling predigt der ganzen Christenheit, b. Die ganze Welt und alle Könige bekennen sich zum Antichrist. Blatt 15. Der König von Aegypten und der König von Lybien. b. Der Antichrist giebt denen, die an ihn glauben, Gold uud Silber. Blatt 16. s. Der Antichrist wirkt Wunder und treibt Zauberkünste, b. Die Könige von Aegypten und Lybien nebst allen ihren Völkern werden mit einein Maale bezeichnet. Blatt 17. s. Der König von Lybien will dem Antichrist nicht gehorchen, b. Endlich glaubt der König und sein Volk an den Antichrist. Blatt 18. s. Die Sendboten des Antichrist's führen ihm große Schaaren von Jüngern zu. b. Alle diejenigen, welche nicht an ihn glauben, werden gefangen fortgeführt. Blatt 19. ü. Der Antichrist befiehlt, sie zu martern. b. Die Menschen verbergen sich aus Furcht vor den Qualen. Blatt 20. -u Hier ist der Antichrist in seiner größten Majestät. b. Er befiehlt, die Propheten Elias und Enoch zu tödten. IV. Der E n t k r i st. Die fünfzehn Zeichen des jüngsten Gerichts. 2,'> Blatt 21. s. Die Lehrer glauben sich unwürdig und predigen nicht mehr, d. Der Antichrist fällt zur Erde nieder wie todt. Von diesem Blatte gab vlbäin, Sibl. Spene. I, XXXIII. ein Facsimile. Blatt 22. s. Auferstehung des Antichrists am dritten Tage. b. Er bewirkt durch die Macht d»s Teufels und durch Zauberei, daß daS Feuer des Himmels seine Schüler verzehrt. Blatt 23. Antichrist bescheidet alle Fürsten und Herren, die an ihn glauben, an den Oelberg und verspricht gen Himmel zu fahren. Dieses Blatt ist, so wie die vier folgenden, nicht getheilt, sondern enthält nur eine Vorstellung. Blatt 24. Antichrist's Versprechen wird von dem Geiste des Herrn, dem Erzengel Michael, vereitelt. Blatt 25. Er wird von dem Cherub mit flammendem Schwert zurück geworfen und von den Teufeln in die Hölle gestürzt. Blatt 26. Nach dem Verschwinden des Antichrist's leben seine Diener, die nun keinen Herrn haben und auch von Gott nichts wissen, in grober Sinneslust, doch sind ihnen fünf und zwanzig Tage znr Neue gegeben. Das letzte Blatt lehrt, wie Elias und Enoch zurückkommen und die Betrogenen wieder znm Christenthume bekehren, worauf Reue und bange Erwartung des jüngsten Tages folgt. Das letzte Blatt enthält nebst der Darstellung 13 Zeilen und die Ueberschrift- „So der CnotKrist sein leben in aller poshait voll- endet vno «in pös ennd gcnom- men hat." Bei der Beschneidung des Antichrists auf Blatt 5. ». wird außer dein Ompenäium l'lwvlnAiae zum erstenmale ans die „Glos über Avoc»li)vsis" verwiesen, worunter Haymon'S, Bischofs von Can- terbnrh, IZxpositio super ^ocnl^psi» loll»»!« ^I>o- «toll zu verstehen ist. Letzterer lebte um die Mitte des eilftcn Jahrhunderts. Kopien von einzelnen Blättern des „Entkrist" findet man in v. Hei- necken's Nachrichten II, 194. in der „Ien- cerlüna I, xxxm. Die zur Seite stehende getreue Nachbilduug der sechsten Tafel, wovon das Original ans Heincckcn'ö Sammlung sich in der königlichen Bibliothek zu Dresden befindet, wird znr Beurtheilung des Bild- und Schriftcharakters hier nicht unwillkommen sein. V Die „fünfzehn Zeichen des jüngsten Gerichts" stehen dem uralten Volksglauben gemäß mit der Geschichte des „Antichrist's" in der engsten Verbindung, uud machen in gleicher Weise, wie dieselben in den Klosterbibliotheken gewöhnlich in einem Bande zusammengebunden vorkommen, mit diesem eigentlich nur ein Werk von 33 Blättern mit deutschem Tert aus, deren jedes nur auf einer Seite bedruckt ist uud wovon 26 Blätter auf deu „Entkrist" und 12 Blätter auf die „fünfzehn Zeichen" kommen. Sämmtliche Blätter bilden eine Lage, uud je zwei uud zwei derselben haben einen und den nämlichen Buchstaben zur Signatur, der zwischen Beiden aufgedruckt ist, so daß das erste uud 33., das 2. und 37., das 3. und 36. Blatt zusammengehören. Jedes der Blätter hat zwei Vorstellungen, über denen die deutsche Erklärung stehet, das 35. ausgenommen, welches nur eine hat. Jede Seite ist mit einer starken Linie eingefaßt und uacli der Sitte der damaligen Zeit fast immer mit Gummifarbcn ans- gemalt. Man kennt bis jetzt nur zwei xylographische Ausgaben, davon ist die zweite vom Briefmaler und Briefdrucker Jung-Hanß in Nürnberg 1472 herausgegeben. Die Gothacr Bibliothek besitzt davon ein schönes Eremplar. Auf der ersten Seite 4 26 Die fünfzehn Zeichen liefet man unter einer Schristtafel von 32 Zeilen folgende Worte in nachstehender Anordnung: „Der zunghannj? vriff maler hat das puch zu uurenberg." o. A (!. °. .u.no ) L ( »72 kecit.) Die auf derselben Seite befindliche Vorrede beginnt: „Hie heiit sich an von dem EnKrist genomen und gezogen aus vil pücher» w>) und von wem er gevoren soll, werden." Nach dein Leben deS „Entkrist" folgen die „fünfzehn Zeichen" des jüngsten TageS nebst einer schriftlichen Einleitung von 15 Zeilen auf dem 27. blatte. Die ersten Worte sind: „Wie und in welichcr weis und form die fünfzehn Leichen Komen vor dem jüngsten tag wil ich hicnach. sagen." Die Darstellungen sind nach dem Speucer'schen Eremplare folgende: 1. Zwei Manner, am Ufer eines Flusses harrend. 2. Zwei Manner im Gespräche; ein Dritter kommt in einiger Entfernung langö dem Ufer eines Flusses cinhergegcmgen. 3. Zwei Männer an einem Strome, in welchem eine Seejungfrau uud Mecrungeheuer. 4. Drei Mäuner am Ufer eines FcucrstromS, aus welchem Flammen emporlodern. 5. Zwei Männer und fünf Vögel. 6. Zwei Manner, auf der Erde liegend, und drei Thiere in der nämlichen Stellung. 7. Zwei Männer in einem Feucrregeu. S. Drei Manner und ein Thier suchen Schutz in einer Höhle; denn Steine fallen vom Himmel. 9. Drei Männer zwischen einem Hirsch, einem Löwen und einem Bär. 10. Drei Todtcngerippe entsteigen einer Gruft uud verfolgen zwei davon laufende Mäuner, eiueu Kreis und einen Jüugliug. Die Ueberschrift lautet: „Das zchent zei- chcnist («ic) das sich all grelier auff thun von den ^ aufgang der suunen biß an den nndergang der sunnen vnd ^ wy dn toten ersten aus; den grellern das es dy leben- tigen ^ sehen." des jüngsten Gerichts. 11. Feurige Sterne fallen aus den Wolkeu; zwei Männer fliehen nach der rechten Seite. 12. Ein Mann liegt auf dem Rücken; ein Anderer ist im Begriffe, ans sein Antlitz zu fallen; drei Thiere liegen ebenfalls auf dem Rücken. 13. Feuer fallt vom Himmel und Feuer cutströmt der Erde. 14. Zwei Engel blasen die Posanne; der Tod steigt aus der Gruft; zur Rechten ein rings von Flammen umgebenes Skelett, gleichsam das Vorspiel des jüngsten Gerichts! Die fünszehn Zeichen, welche dem jüngsten Gerichte vorangehen, sind nach dem Gothaischen Eremplare: ». Das Meer wird sich im Sturm bis zu einer Höhe von 40 Ellen erhebe». Ii. Das Meer wird ruhig iu seine Schranken zurücktreten. c. Man wird die Fische und Seeungehcuer schreien hören. . Alle Steine werden vom Sturmwinde in die Lüste gehoben werden. i. Die Menschen werden von den Bergen Herabkommen. K. Die Gräber werden sich öffnen. I. Die Sterne werden vom Himmel fallen, m. Die Menschen werden plötzlich todt zur Erde fallen. n. Das Firmament wird brennen und das ganze Weltall in Flammen aufgehen, o. Alle Berge und Hügel werden zerfallen und die ganze Erde wird geebnet sein, x. Himmel und Erde werden sich erneuen und alle Menschen aus den Ton der Posaune aus ihren Gräberu auferstehen. Hierauf folgt auf Blatt 36 das jüngste Gericht in einer einzigen Vorstelluug. Den Beschluß machen V. Die fünfzehn Zeichen. Vililia Pauvcrum. ^7 zwei Blätter Tert (Bl. 37 und 33)-> das erstere mit 38, das andere mit 39 Zeilen. Jenes fängt mit den Worten an: „Als ml piichcr sagen vnÄ sunÄerlich das mich ComvenÄium Theoloie in dem siedenden teil u») himcl vnÄ crd prenncn werd." Das 38. Blatt beginnt: „VnÄ wn gros? srruÄ vnd wollust in das ist von dem Vater der selig- Keit"; und schließt: „so schrey ich miscrere mei drus got ervnrm dich vbcr mich sprach ich zu Äem rnÄc vnd d>) silicn psalm oft in latein." DaS oben angeftchrte Co>ni>«nitlum tlieologic^e verlwt.1« wird von den Schriftstellern des Mittcl- alterS bald dem Roger Baco, bald dem Albertus Magnus, bald dem Bischof Haymon von Can- tcrbnry, mit dem meisten Rechte aber dein Hngo von Straßburg, Hugo ^i-gentinensis, zugeschrieben. Mit diesem Werke aber darf die gleich betitelte Schrift des Thomas Dorniberg nicht verwechselt werden. Weiterhin wird erzahlt, der h. Hicronymus habe diese fünfzehn Zeichen aus griechische» Büchern entnommen und in Latein gebracht, wie dies geschrieben stehe im Anfange des BucheS: „I^exeiläk siuict! kratris lacobi or6!n!s ?r»eclica- torum kllio nomius I>)stoii^ lomburcüca." Hierunter ist des ^l-obus Äs Vorsglue (geb. UM 1230, gest. 1298) I>sxLUlIa Siünctorum verstanden, welche nach dem Verfasser häufig auch Listori-t Zlwiiwm-ülcii genannt wurde. Die zweite Ausgabe unterscheidet sich von der ersten dadurch, daß jedes Blatt mit einem Buchstaben bezeichnet uud das erste Bild, wie des Ent- krist's Vater um seine leibliche Tochter wirbt, weggelassen ist. Vgl. L-»t>ve>l Horns, Introcwctlan ete. II, ^.ppenÄlx 8. Es giebt anch mehre mit beweglichen Lettern gedruckte Ausgaben, darunter eine von Matthäus Maler zu Erfurt vom Jahre 1516. Eine Kopie des „zehent zeichen" der ersten Ausgäbe siehe bei vilxlin, Liblivtlleca Snenveilüns I, XXX-XXXI. Von dem „ fünfzehent zeichen " oder der 36. Tafel des ganzen Werkes giebt beifolgendes Facsimile nach dem Dresdener Originalblatte eine deutliche Vorstellung. VI „Biblia ?auperum" oder „Armenbibel." Ein Cyklnö neutestamentlicher Vorstellungen von der Geburt der h. Jungfrau au, durch das Lcbeu und Leiden Christi bis zum jüngsten Gericht, mit beständiger Hinwcisung auf das alte Testament, welches einem uralten Glauben gemäß dem neuen stets Typus und Vorbereitung war, besonders mit Beifügung der Propheten oder anderer, die Zukunft des Weltheilandes verkündender, Schriftsteller des alten Bundes. Der Name „Armenbibcl", welchen man früher von der uutcrsteu Volksclasse, der die Anschaffung einer ganzen Bibel zn kostbar gewesen, herleiten und den Zweck unterlegen wollte, diese als Bilderbuch zu ersetzen und somit dem gemeinen Manne noch anschaulicher zu machen, ist dahin zu deuten, daß die geringeren Ordensgeistlichen, b'ratrss ml- nores, als die Franziskaner, Karthänser und Kapuziner, sich selbst häusig p-niperes ein-Isti uanntcn und sich bei ihrcu Kanzclvorträgen dieses BuchcS als homiletischen Hülfsmittels bedienten, um die Geschichten des alten Bundes auf die des ncncn anzuwenden und Letztere durch symbolische Deutung der Ersteren zu bekräftigen. Von sechs bis jetzt entdeckten Ausgaben bestehet eine aus 5V Blättern, während die übrigen füns nur 40 Blätter zählen. Sie ist wegen der Verwandtschaft mit der Schriftform der angeblich Koster'schen Presse unstreitig niederländischen oder wenigstens nicdcrrheinischcn Ursprungs. Zwei dieser ganz xylographischen Ausgaben in deutscher Sprache sind schon mit der Presse nnd auf beiden Seiten des Papiers gedruckt, von denen die eine vom Jahre 1470 die Briefdrucker Friedrich Walther und Hans Hnrning zu Nördlingcn als Vcrfertiger nennt, die andere mit dem Monogramm von Hans Sporer das Jahr 1477 als Zeitpunkt der Entstehung angiebt. Anch Albert Pfister zu Bamberg hat bald nach 1460 zwei typographische Ausgaben geliefert. Die Vorstellungen der Originalausgabc von 50 Blättern, von welcher das einzige Ercmplar früher in Wolfenbüttel war, aber nach Paris entführt, nicht wieder dahin zurück gekehrt ist, haben in Zeichnung und Schnitt mit denen zum 28 Nidlia Pauperum. „Heilspiegel" eine auffallende Aehnlichkeit und unterscheiden sich jene hollandischen Kunsterzeugnisse von den deutschen durch schärferen, feineren Schnitt uud durch Eigenthümlichkeit des Costumc's auf das Entschiedenste. Die älteste unter diesen ist nach Sotzinann diejenige, welche Heinecken (läös 292-306.) und Ebert (Bibl. Ler. I. 2361.) als die zweite angeben. Die Anordnung der Bilder ist nach Handschriften entnommen, von denen einige sogar, wie diejenige des ehemaligen Klosters Tegernsee, deren Gemälde dem geschickten Mönch Wernher, welcher zwischen 1061-1031 lebte, zugeschrieben werden, und in der königlichen Bibliothek zn Paris sogar bis ins eilfte Jahrhundert hinaufgehen. Sie sind durch deu stehenden Charakter ausgezeichnet, daß die Hauptdarstelluug mit ihren typischen Nebenbildern in der Mitte wie auf einein geöffneten Flügelaltar erscheint, über und unter welchem die Propheten mit Spruchzeddeln stehen. Ein leoni- nischer Vers und ein oben und unten angebrachter Tert, meist homiletischen Inhaltes, deutet die Beziehung der Nebenbilder auf das Hauptbild an. Die mittlere Vorstellung ist stets aus dem Leben Jesn, von der Verkündigung der h. Jungfrau an bis auf das Pfingstfest, entnommen. Diese Bilder finden sich von dem ersten bis zu dem sünf und dreißigsten Blatte. Auf den übrigen fünf Blättern erblickt man die Krönung der Maria, das jüngste Gericht, die Hölle, das Paradies uud die Krönung der Seligen. Die Nebenvorstellungen rechts und links sind Vorbilder auf Christus und seine Zeit, sämmtlich dem alten Testamente entnommen. Unter und über der Hauptvorstellung sind immer zwei Brustbilder von den verschiedenen Verfassern der biblischen Bücher angebracht. Neben der oberen ist der leere Raum mit einem Bibelterte ausgefüllt, welcher die unten stehende Abbildung erklärt. Jedes Blatt ist zwischen den beiden obersten Brustbildern in der Mitte mit einem Buchstaben bezeichnet, die erste Spur der nachmals allgemein angewendeten Signaturen, nämlich Bl. 1. mit einem großen „t msnuanci e nUe:^nannm mea^eftdnader^i»^ vers llfeeLpk MklsnmecvealM ^eamlwnltlMla Mvcclet! MtGE earrqme etus^SlM WpwMMWlMtta^ nleeblM^leeMoM^ l^chMa^lrlb ^mve^ MsM«emaMljM loqm^cü omemMLltvbw' mavteK MMdurtpuk^ wn^tzMjKlPMMz ^ l«I ^ ^ -5? ?em^m Mieli'M)'w. ÄbrcM glMuLrtfföMvv.. k>iuIi«lolKr^ mlgrtus mn ZM detMPöchuu^düesm Kkew mmm.Km.Kw^ueV ZbwbklM c^clt? 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Bilderbibel sei, ist, so artig sie auch durch die Bildwerke in dem Dom zu Bremen unterstützt wurde, so gut als aufgegeben, seitdem der scharfsinnige Lessing (Werke Th. IX. S. 120-127.) sie cmf ihren wahren Werth zurückgeführt hat. Noch ist der eigentliche Urheber unbekannt; denn die weit spätere „Biblia pauveruin s (loinino Lonaventnra cclitk omnibus nrediostoribus perutilis ", eine mit beweglichen Lettern gedruckte Ausgabe von 1490, darf nicht damit verwechselt werden. Dieser vons- Ventura, auch „voctor Lor-lvnicus " genannt, War im Jahre 1221 geboren, wurde General seines Ordens und Cardinal. Eine genaue Beschreibung der verschiedenen Ausgaben und deren Abweichungen findet sich in v. Hci- necken's „I. 7-15»; l'Iivmss L»rt»eII Horns, sn Intro) e speculü hüane saluacöis." Hieraus folgen 58 Blätter mit je zwei für jene Zeit trefflich gezeichneten und gut geschnittenen Vignetten, welche stets durch eine Mittclsänle getrennt, aber von demselben Bildrahmen umschlossen sind. Z. B. Blatt 4>-. als erste Darstellungen, links Lucifers Fall, darunter „ Casus Fuciferi", rcchtS die Schöpfung Eva's; darunter „d's c'auit hoiez ad ymagiez il similituoiez suS." Die zweite Ausgabe beginnt mit den Worten: „(I)Tlcipit speculü humane saluarionis In quo patz casy hois K modi) rexäciöis In hoc speculo polest Homo cösioerare." im Ganzen 26 Zeilen, darunter „genesis pmo ral°." 30 Speculum humaime salvationis. Die Ausgaben in niederländischer Sprache habein „Irr beghint oat spcghel der. menschelikcr behou- denisse og>'apliicso, v. Heinecken in seiner Idee gener^le ll'uiie collectiv» o"e«tsinxes, 1-e!j>L. 1771. 8. ri. 444., Iliumas Härtn eil Horns, lm Introduction to tbe KtUtl)' vk Lidliugril^Ii)', II, ^ripenä. x., vttle>, iiuMi')' etc. I, 158. 160. 166. 169. 171. uud 1-lcIison, ü treatiüe on noo<1 IZiiAr-lvinx p. 119. 120. 121. mehr oder weniger genaue Facsimiles geben, bauen die Holländer den Hauptbeweis der Priorität der Erfindung ihres Lorenz Koster. — Die Uebersetznng in deutscher Sprache ist öfters gedruckt worden; die älteste dieser Ausgaben ist diejenige, in welcher der lateinische Tert den deutschen begleitet. Sie ist ohne Ort, Jahrzahl und Drucker ungefähr um 1471 mit Typen von Günther Zaincr in Folio ausgeführt; die andere aber ist zu Basel 1476 von Bernhard Nichel ebenfalls in Folio gedruckt. Von der französischen Uebersetzung hat man eine zu Lyon im Jahre 1483 gedruckte Ausgabe, welche später auch in Paris ohne Datum Nicklas Dcsprez für Jean Petit ausführen ließ. — Die wichtigste mit gegossenen Lettern ausgeführte Ausgabe ist: „De Spieghcl onser behon- denissc: van Cnlenvurch l>n mn Johim Veldener, in't .juer ons Herrn m. crcc. en Äe lrrriij. des Znterdnges vost muthei „postoli." in 4. Dieser Drucker hat zwar die nämlichen alten Holztafeln der bildlichen Darstellungen benutzt, dieselben aber, um sie bei seinem kleineren Formate gebrauchen zu können, in der Mitte bei der Säule cutzwei gesägt und überhaupt anders angewendet, ja sogar das Buch mit zwölf früher noch unbenutzten, obschon gleich alten Hvlztafelbildcrn, bereichert. Die verschiedenen selbst mit beweglichen Typen gedruckten Ausgaben hat Heinecken in seiner Idee xener-de von Seite 432-479 kritisch gewürdigt und seine Gründe mit Facsimiles unterstützt. Nach Mcermann 0r!- gines tz'noxr^dilcae I, 101. soll der Bcnedictiner- mönch Johannes in der Abtei St. Ulrich zu Augsburg im vierzehnten Jahrhundert der Verfasser sein. Nach Heinecken aber war er blos der Urheber eines lateinisch-deutschen Auszugs, einer sogenannten Summiüa. Der Versasser des «i«-cuwm ist noch unbekannt. Die beifolgende Nachbildung giebt ein treues Bild dieses vielbesprochenen Drnckdenkmals. VII. Spieghel der menscheliker Behondenisse. (Hxeeulum Kumanse 8glvstioms.) t^'Z5ußKrswl ' i- cNüdceiepSmMeMGdeel^Mlckenicre Zer besillt die spieghel Kr^ ünergecd^ en^lz wijf is üeSMvSSnbde^ mmlij)UkerbehourenMV iesllapetemäs'.KliStsenmeckMhaerSm? eemach» wermtien weln i nSVv ettiS^miln gegeuS^oev eSmeie witlswanwbedlüchMxt! S leUmnewelKeviaertMewMmhaergo > ÄlMhoelloümtts öberm geuencervMaLlMSWner,merenljadü Probe des Holztafeldruckes von der lateinischen Ausgabe. LtMtAW laplSlwblewaxsMiexteenit MytsiaeWAimndtt ihssrxflm ^nlP taluwHUls lluSmVttMnmidllM IMS avKlASWie Mlemaulb; Das hohe Fird oder Historia V. Marine. 31 VIII Das „hohe Lied", Historia seu ?i'ovitlsntia L. Viigiuls ZVIariae . IX. §. 5. p. 228 ff. schreibt dieselben den späteren Versuchen der Koster'schen Presse zu und sucht seine Behauptung unter andern auf die von dem deutschen Ductus gäuzlich verschiedenen Bnchstabencharaktcre zu stützen. Der Vollständigkeil wegen und zur eigenen Beurtheilung der Leser mag das von Meermann Taf. VIII. entlehnte Facsimile dieses in jeder Hinsicht wichtigen Drnckrenl- maleS, welches obwol unvollständig, statt 16 nur 9 Blätter, noch heut zu Tage im Rathhause zu Harlem als kostbare Reliquie aufbewahrt wird, hier eine Stelle finden. Nlt lMevMckMelMMMML M MW MdB MM gehetsm lüch taa Sechs ans dem ersten Bilde mit landwirth- schastlichen Arbeiten beschäftigte Mönche geben der Vermuthung Raum, daß die erste Idee dieser Darstellungen, sowie derjenigen in der Armenbibel, aus eiuem Minoriten- oder Franziskanerkloster hervorgegangen sei. Da dies Werk zn den rohesten, aber auch seltensten Tafeldrucken gehört und nur noch in sehr wenigen Eremplaren vorhanden ist, so dürfte eine genaue Angabe der Vorstellungen uach dem Spenccr'schen Cremplare hier nicht am unrechten Orte sein.- 1. Links: Eine Gruppe von vier Personen: die gekrönte Braut (Maria) mit einer Glorie um das Haupt, an der Seite des Bräutigams (Christus) mit dem Nimbus, hinter ihnen zwei Jungfrauen. Das Spruchbaud der Maria lautet nach dem ersten Vers des ersten Capitels im Hohen Liede: „Vseuletur me osculo oris sui q'a (cniia) mcliorcr sunt über« tu>l vino." Im Mailänder Ercmplare soll stehen: „osculetur mc osculo oris sui quia mcliora sunt über« tu« viro." Dasjenige des Heilandes: „Vcnr in ortü 32 Das hohe Lied oder Historik U. V. Klariae. meü soror mea spösa messui ^ mirhö mcä cü aromatili.) mc»s." In andern Ausgaben stehet statt mcssui mcssim und statt mirha mirra. — Rechts: Ein umzaunter Garten, in welchem Mönche mit Erntearbcit beschäftigt sind, zum Beispiel mähend, Garben bindend, Garben tragend, dreschend, mit einer Handmühle mahlcnd, in einem Mörser stoßend, die letzten Beiden sitzend vor der Scheune. Darunter befindet sich zwar auf dem nämlichen Blatte, aber in einem andern Bildrahmen: 2. Die h. Jungfrau von einer Flammcnglorie umgeben, drei Francn zur rechten nnd eine zur linken Seite in bittender Stellung. Sprnchband über den drei Jungfrauen: „Caput tuü vt ranne!) collü tuü sicut turris eburncci." — Sprnchband über den Flehenden: „Uigra sü sd formosa silie ih: tm sicut tab'nnclä. rcdar sicut pell' Kalo- möis." 3. Eine Gruppe von vier Frauen, darunter Maria und die Kirche: „Trahe mc post te, vost te rurrcmus in ooorem ungucntorum tuorum." 4. Drei sitzende Francn, eine vierte stehend, die Rechte in die Höhe gehoben: „En dilcctus meus loquitur mihi." 5. Drei Frauen, welche der Maria folgen: „Clualis est oilectus tuus" etc. 6. Die sitzende Kirche, in deren Schoofie die schlafende Jungfran den Kopf legt; drei Weiber knieen in einiger Entfernung, im Hintergrunde einige Hirsche: „Adiuro vos silie Jerusalem" etc. 7. Maria und die Kirche sitzen und essen Weintrauben. Ein Weinberg im Hintergrunde, drei Weiber zur rechten Seite mit empor gehobenen Handen: „Scrunt verba tua sicut botri vinee" etc. 8. Die Jungfran im Hintergrunde eines mit Wallen umgebenen Gartens, in dessen Mitte sich ein Brnnnen befindet. Vier bewaffnete Engel auf den Wallen. Zur Rechten im Vordergründe ein Engel mit dem Kreuze, links an der Eingangspforte die Kirche: „Vrtus conclusus est" etc. (Der Buchstabe „H" vor ortus ist durchgangig weggelassen, sowie der Diphthong „ae" stets durch ein einfaches „o" ausgedrückt ist.) 9. Die Kirche bietet der h. Jungfrau einen Lilienstengcl an, welchen diese mit der rechten Hand in Empfang nimmt. Drei Begleiterinnen: „Dilectus meus mihi et ego illi oui pascitur intcr lnlia." 10. Zur Linken drei stehende Frauen mit aus- drucksvollcr Geberde. Znr Rechten die schlafende Jungfrau, ihr Haupt auf den Sckooß der Kirche gelegt: „Pulchre sunt gene tue" etc. 11. Die h. Jungfrau pflückt Blumen und überreicht dieselben in einem Korbe der Kirche: „Ctue Habitus in ortis" etc. 12. Die Jungfrau im Bette liegend, das Haupt auf die rechte Haud gestützt, von beiden Seiten Personen mit Körbchen. Am Fuße des Bettes eine Figur mit aufgehobener Hand. Zur Rechten zwei bewaffnete Engel, der Eine mit Pfeil und Bogen, der Andere mit Schwert und Schild anf einem Walle. Unten Maria mit der rechten Hand den Wall berührend; darüber die Kirche in einem Stichle sitzend, das Ganze innerhalb einer von vier Engeln getragenen Glorie: „. e origln imvooc»,Voo6 IZngrsvinA, l.on6oii, 1839. gr. 8. x>. 89. 90. — Was die technische Ausführung betrifft, so können wir v. Heinecken's Meinung nicht theilen, der dies Werk „ I« plus gotbi^ue «I. Marine. virgo non generarct." Ein Bruuuentrog, an welchem drei Männer stehen; in dem Wasser ein Gefäß: „Si mersum fontem gocie lapis mor rlaret, rur petram rM rrlicem Virgo non gene- rarrt." Tafel m. (0): 1. Albeston (besten) si Archadie semx ordere clorrt, quare inusta venere virgo non generaret. Augg. de civi. dei ra° v^°, aus dem Werke des h. Augustin: „. Oomitii bovem reichen und führen nur noch die mit der Signatur „-e ^»^als S. 379-384. unter dem irrigen Titel: „Historik Iieittav Alariae Vir^Ims ex Lvaugelistls et ?atritius excerptk et ^er siguras äemonstr-tta" ausführlich beschreibt, beginnen die Darstellungen, deren vier auf einer Tafel stehen, mit den vier Kirchenlehrern und dann erst nehmen die historischen Bilder ihren Ansang. I. 1. Der h. Gregor und 2. Der h. HieronymuS. 3. Der h. Augustin und 4. Der h. Ambrosius. DaS Gothaischc Exemplar zeigt auf Tafel I. das Einhorn, welches einer sitzenden Jungfrau auf den Schoosi springt. II. 1. Die Verkündigung Maria mit der Inschrift: „Hic transire rave: nisi prius dircris ave, Hac non vade via, nisi prius dircris, Ave Klaria — gratia vlcna." 2. Ein Vogel (Papagei) mit dem Wort: „Ave"; darunter: Vtisacus (statt ?8iti><)Uj>) a natura" etc. 3. Ein fliegender Bauer „Si ventus virum rusticum" etc. 4. Ein Mann mit einer Winzerharke „Vitis, si de ilire" etc. III. 1. Arion, die Harfe spielend, im Hintergründe ein Schiff auf dem Meere. 2. Zwei Personen vor einem Altare. 3. Circe und eine Frau. Im Gothaischen Exemplare sitzt Circe am Ufer, gegenüber ein Schiff voll Thiere; Ulysses auf dem Vordertheil bedroht sie mit einem Lilicn- stengcl. 4. Ein Kind, das von einer Hündin gesäugt wird. IV. 1. Die Geburt des Heilandes. 2. Ein Mann, der seine Fackel in einem Brunnen auslöscht. 3. Ein Mann und ein Kalb in den Lüsten. Defcnsorium inviolatac virginitatis I>. «Mariae. V. I. König Hiskias krank. 2. Eine schlafende Königin (Danae — Diana?) neben sich ein Halbmond. 3. Die Ruthe Aaron's. 4. Der Than fällt ans Muscheln. VI. 1. Der brennende Dornbusch. 2. Gidcon uud das Vlies. 3. Eine Stute und ein Mönch. 4. Ein Mann, vor einer verschlossenen Pforte knicend. VII. 1. Claudia, die ein Schiff an sich zieht. 2. Ein Kranker im Bette, vor ihm ein Vogel (eine Misteldrossel oder Calan- derlerche). Im Mittelalter herrschte nämlich der Glaube, daß ein Kranker, wenn er von diesem Vogel angeblickt worden, von den schwersten Leiden genesen und selbst dem Tode entrissen werden könne. 3. Ein Magnet, welcher in Gegenwart eines Mannes und einer Frau ein Kästchen an sich zieht. Im Gothaer Eremplare liegen zwei Frauen und ein Mann auf den Knieen, betend und staunend. 4. Ein Pelikan und eine Frau. VIII. 1. Ulysses mit seinen Gefährten und die ! Sirene. 2. Ein Mann unter einem Baume, auf welchen Thau fallt. Im Gothaischcn Ercmplare fallen Eisen- stücken vom Himmel; ein Mann liefet sie auf, ein anderer fahrt sie auf dem Schiebekarren weg. 3. Ein Mann und ein Vogel. Im Gothaischcn Ercmplare hält ein sitzendes Frauenzimmer cincn Eisvogel auf der Hand. 4. Ein Schiff auf dem Meere. IX. 1. Ein Mann, der einen Ochsen tödtet. Im Gothaischcn Ercmplare stehet ein Stier vor dcm Stadtthore und über ihm schwebt ein Zeddel mit Schrift, wovon aber nur „rom" verkehrt zu lesen ist. 2. Der Vogel Strauß, vor ihm ein Ei, welches die Sonne ausbrütet. 3. Eine Frau, welche einer Andern Blumen anbietet. Im Gothaischcn Ercmplare nur Bäume und cin Fluß. 4. Zwci Fraucn, welche Thau in Säcke sammeln. Im Gothaischen Ercmplare sammeln zwei Männer vom Himmel fallende Fruchtkörner. X. I. Zwei Männer, deren Einer seinen Stock ins Wasser hält. 2. Eine Frau, mit einem Kinde auf dem Schooße, von einem Manne begleitet. Im Gothaischen Exemplare öffnen zwei nackte Kinder, zwischen denen eine Frau sitzt, an zwei Thüren die Schlösser. 3. Ein Salamander im Feuer nebst einem Manne. 4. Ein Mann neben einem brennenden Thurme. Im Gothaischcn Ercmplare schüren zwei Manner ein Feuer an, welches vor einem Thurme lodert. XI. 1. Eine Frau neben einem Baume mit Vogelnest. Im Gothaischen Eremplare steht ein bärtiger Mann an einem Wasser, auf dem drei Vögel nebst einem rothen Zweige, einein Corallengewächse ähnlich, schwimmen. 2. Ein Bär mit seinen Jungen. 3. Danae und der Goldregen. Im Gothaischcn Eremplare steht ein Mädchcn hinter einem vergitterten Fenster und wird von den goldenen Strahlen des Halbmondes beschienen. 4. Die Gefährten Diomed's, in Vögel verwandelt. XU. 1. Der Phönir und cin Mann. Im Gothaischen Eremplare stürzen sich zwei grüne Vögel in ein loderndes Feuer, zwei andere sitzen darin. X i« «D»l s «»M W ^ « SS «M !« «M» ^ »M s «Mi d« ^ 9 SS Z o «M> » s s «Ml M< s !« s °L ^ 9 Defensorium invioiatae viroinitatis 1>. Mariac. 2. Eine Frau, welche Wasser in einem Siebe trägt, von einem Manne begleitet. Im Gothaischen Eremplare hat die Jungfrau keinen Begleiter. 3. Eine Löwin mit ihren Jungen. 4. Eine Stute. XIII. 1. König und Königin an einer Tafel. Im Gothaischen Eremplare sitzen vier Männer verschiedenen Alters an einem gedeckten Tische. 2. Zwei Vögel, die sich schnäbeln. 3. Zwei Manner, welche von einem Söller herab einen Fluß betrachten. Im Gothaischen Eremplare ist eine ansehnliche Stadt und ein rother Fluß dargestellt, aber keine menschliche Figuren. 4. Ein Einhorn, welches einer Jungfrau in den Schooß springt. XIV. 1. Der Phönir in Flammen. 2. Eine Frau (Emilia), welche ein Tuch inS Feuer hält. Im Gothaischen Eremplare wird das Tuch von einer rothgekleideten Jungfrau und einem Manne über das Feuer gehalten, mit ganzlicher Verkennung der Scene, die in dein Tempel der Vesta sein soll, deren heiliges Feuer durch die Nachlässigkeit einer Vestalin erloschen war. 3. Vögel auf einem Baume und Enten im Wasser. 4. Ein Geier; vor ihm zwei Eier. XV. 1. Ein Mann voll Verwunderung vor einem Gebäude, wo an einem offenen Fenster eine brennende Lampe hängt. Das Gothaische Exemplar zeigt einen prächtigen Tempel, auf dessen Höhe ein Feuer brennt; vor ihm zwei Männer. 2. Ein Mann (Seien«»-, wohl richtiger 8e- loilites?) blickt nach dein Monde, dessen Bild sich ans der persischen Erde spiegelt. Das nebenstehende Facsimile vergegenwärtigt Tasel XV. des Pariser Ercm- plarcS. Im Gothaischen Eremplare halten zwei Personen mit den Händen einen Selc- nitstein, auf den der Mond hcrabscheint. Die Gothaische Ausgabe unterscheidet sich von den beiden übrigen, welche v. Hcinecken am angeführten Orte und Ebert im bibliographischen Lerikon 5ic>. 9815. beschrieben haben, hauptsächlich dadurch, daß sie zwei Vorstellungen auf seder bedruckten Seite, und zu Anfang eine, am Ende aber drei ganze Tertseiten hat. Jedes Blatt ist überdies noch in der Mitte zwischen den beiden Einfassungslinien mit einem Signaturbuchstaben des großen lateinischen Alphabets bezeichnet. A und K kommen doppelt vor. Hieraus kann man auf den Inhalt und die Beschaffenheit des ganzen so höchst eigenthümlichen Werkes schließen, welches gleich der vibüa ?->»- perum aus einzelnen bei den älteren Kirchenvätern zerstreuten Elementen zusammengesetzt und von dem ehemaligen Professor der Theologie an der hohen Schule zu Wien, Franziskns von Retza, in gegenwärtige Ordnung gebracht wordeu ist. Es bestehet anS 16 Blättern in klein Folio, von denen jedes einen Buchstaben als Signatur hat. Am Schlüsse nennt sich auch der Drucker: „Johannes cnscnhut imprcssor anno al> incar- mrcöis Äince quadringcntesimo scptua- gcsinio ein Name, den man in den Verzeichnissen von Druckern vergebens sucht. Das nachstehende Facsimile dieses Colophons liefert zugleich eine Probe des Schriftcharakters. Mannes y>Knbüe nnpteKn >^nno ad incarnacow vnice ^ cio dc imrabililius rat" (Quävis contra cunctor2^ hom. roncevcionis" «tc. (14 Zeilen). Unten rechts ist das Monogramm des Formschneiders Friedrich Walter nebst Jahrzahlen in Holz geschnitten: f.1V.).H/V(Z. ^ Blatt 2. die hh. Hieronhmus nnd GrcgoriuS. Das letzte Bild stellt zwei sagende Manner zwischen zwei KönigS- bildern vor mit der Legende: „Homo s, ,» lnoiÄc vi ecl: pi'ngi valet. Cur almi spüs oxe virgo non gn^arct Albertus ^° minoralium tractatu z^" cal° Das Ganze ist von roher Arbeit und in dem Charakter des „Entkrist" gehalten. Der königl. preuß. Geheime Staatsrath und General-Postdirector von Nagler besaß in seinen reichen Sammlungen ein von der Empfängnis) handelndes Holzschnittwerk von acht auf Ochsenkopfpapier gedruckten Blättern in Querfolio, welches jetzt Eigenthum der königlichen Bibliothek zu Berlin ist. Jede Seite hat acht (die erste jedoch nur vier) Holzschnitte mit Ueberschriften. Auf der ersten Seite unten stehet: F. U>. (Fr. Walter 1470). Es ist dies wahrscheinlich ein unvollständiges Eremplar dieses höchst seltenen Werkes und außerdem noch durch den Drucker verschieden. Siehe Ebert, bibliographisches Lerikon No. 9315. Ein schönes vollständiges Eremplar besitzt die königliche Hof- und Staatsbibliothek zu München, früher Eigenthum des Klosters Noth; ein unvollständiges besaß die Bibliothek zu Helmstädt. Siehe BrunS, Beiträge ic., St. I. S. 54 u. folg. In einigem Zusammenhange damit stehet das seltene französische Werk des M. P. Fabri: „IZn su^t mix petit tr-ücte disloxue iait en IKöneur üs ' regum" darunter die Worte: „PNimo libro regum rap'lo vrimo legitur quod fuit vir unus nomine helchana" etc. Die Tinte ist jene bei den frühesten Druckversuchen mit ganzen Holzplatten übliche blaßbraune Wasserfarbe. Die k. k. Hofbibliothek zu Wien besitzt das einzige bis jetzt bekannte Eremplar. Siehe: Vibäin, Liblioxr. sntiiz. sn6 pietur. lour in Trance snil itr. 6Xs Lach Les«^^ von dev han^> b«w^Ü^ . r^^ O«wv ^M> d^räi dew^Fkcvi S >---< < . . . . ^» ^ ^ reiche»« V^L^C^^m^- ^ daSistLeschche^ ^tN^gch ^ttcMS^^X»iV^L^ >as^w«ft4^^ vnd vndcrul^ tz^esdm ^abtt^s^d^tt^ck^Kt^ ^o^crft^ schaL^^^^ hab achi- WKSV^M »R Hartlieb s Chiromantie. E r st e s T e r t b l.1 t ^KWWAÄÄSSsh« >.^^» »«>»«I>I^«»I^^«s^M»«^» ^ ^ .. ----^ ^» ^ x v»w M d»v«hKui>v ^ m^chv»«M M»^^ de»»l^qA Reichs« KöchKl«>wr jKHkn t,«tzV0WviG hertzV baSe v>HLmsfe^ vM^- s das ÄLeschehe^ av^ SÄN^uh ^tto^^^Xy^^^o^'^^^ ^ ^ To^vU^aS^m. »v«ft v»id tz»^d», ^^^Nma»^'vv» vs^ ^M«^ Xxmcrft-jlo SSM-S-SSZU ^a^ ^KÄ^I es", p. 469.; in Panzer's deutschen Annalen, Seite 5.; in v. Aretin's Beiträgen, V, 173.; in bansen, r!g!nlZ 6o la gravui-s on bois I, 115.; Oilxlm, Vecam. I, 143-147. — Facsimiles gaben Ileineclcen, Irisn sntl pictueescme ?oiir etc. Vol. III. IZ. 286. zwei dieser Blätter in einem guten Facsimile. Darunter solgeude Texte: „Hie fiirt man die mord< vö danne vn wil schleiffe vn rcdern die rappen volget alle zit hin nach vn stechet sn." und: „Hie redert man peter vnd richart lit vff dem rad vn die rappen bisset si allzit vntz daz si sterblt." Das erste dieser Blätter befindet sich in getreuer Abbildung auf der Nebenseite. Mit diesem Druckdenkmale hangt einer der ältesten uud berühmtesten Kupferstiche von dem unbekannten Meister mit dem Monogramm E S und der Jahrzahl 1466 innig zusammen. Es ist die „Engelweihe zu Einsiedeln" (Bartsch Nr. 35.) mit der Inschrift: „Pis ist die Engclwichi." Das in Rede stehende Blatt ist wahrscheinlich von einem Schweizerkünstler zum Andenken an eine Pilgerfahrt nach dem Kloster Einsiedcln im Canton Schwytz, jenem nächst Rom und St. Jacob in Compostella berühmtesten aller Wallfahrtsorte, gestochen, dessen Fest, die Engelwcihe, im 1.1466 gefeiert wurde, wie dies jedesmal zu geschehen pflegt, wenn Kreuzcserhohung anf einen Sonntag fällt. Vor der h. Jungfrau knieen Mann und Fran in Pilgertracht; wahrscheinlich der Künstler und seine Gattin. Eine zweite Vorstellung in kleinerem Formate, wo die beiden Pilger und andere Nebenfiguren weggelassen, läßt vermuthen, daß die XII. Die Legende vom h. Meinrad. XIII. Die acht Schalkheiten. 'ZH Km diebl^ü^ttettea^bvA m bsrts vndetLen-^aS ^ch^inb ÄttSützW^f sl^ oevk^ M KÄ M ^ i ^ Die acht Schalkheiten. — Symliolum apostolieum. 4! Stiftsherren diese zweite Platte bestellt hatten, um Abdrücke davon an fromme Pilger zu verschenken, so wie sie auch die oben erwähnte Legende des h. Meinrad, des Gründers der dortigen Kirche, zn gleichem Zwecke hatten in Holz schneiden lassen. xm Die „acht Schalkheiten." Dieses allen Bibliographen und Kunstkennern unbekannte xylographische Werkchcn bestehet aus acht Blattern von 6 Zoll Höhe und 4 Zoll 3 Lin. Breite, deren jedes sowol eine bildliche Darstellung, als einen auf die Figuren Bezug habenden Tert von mehreren Zeilen und zwar in fortlaufenden oberdeutschen Reimen »insaßt. Der Inhalt ist die im spateren Mittelalter so allgemein beliebte allegorische Satyre und in der Denk- und AnsdrnckSweise dem „Narrenschiff" verwandt. Die Reihenfolge der Darstellungen ist: 1. der Unterhändler, 2. der Lügner, 3. der Betrüger, 4. der falsche Goldschmied, 5. der betrügerische Kaufmann, 6. der Kirchendieb, 7. der betrügerische Seiler, 8. der Eisen für Stahl verkaufende Grobschmied. Der auf jedem Blatte über dem Bilde fortlaufende Reimtcrt füllt bei der ersten bis vierten, sechsten und siebenten Tafel vier Zeilen, auf dem fünften und achten Blatte aber fünf Zeilen. Die nicht ohne künstlerischen Werth in bloßen Umrissen ohne alle Schraffirung gefertigten Holzschnitte sind mit dem Reiber in lichtbranner sepia - ähnlicher Wasserfarbe gedruckt, aber nicht, wie so viele Werke dieser Art, mit dem Rücken zusammengeklebt. Das einzige bis jetzt aus dem Staube einer süddeutschen Klosterbibliothek ans Licht gezogene Eremplar ist in dem Besitze des kenntnißreichen Buchhändlers T. O. Weigel in Leipzig, welcher nach kaum gemachter Erwerbung mit edler Un- cigennützigkeit mir die gegenwärtige Mittheilung mit den Worten machte: „Mir ist kein einziges xylographisches Werk mit Tert im hochdeutschen Dialekt bekannt, und da dieses Werkchcn sowol im Schnitt, Papier, brauner Druckfarbe, als im Alter der Sprache und dem ganzen TypnS sein hohes Alter zeigt, erscheint es um so interessanter, als eS Deutschlands Ansprüche an die früheste Ans- führung der Holzschneidekunst bestätigt und unsere Blicke vom Niederrheine zur Wiege dieser Kunst, nach Schwaben, Baiern und Franken hinlenkt." Die vorstehende Nachbildung ist von dem ersten Blatte der Reihenfolge genommen und giebt einen Begriff von der sprachlichen und technischen Ausführung des Ganzen. Das Papier ist weiß nnd körnig und hat als Wasserzeichen den Ochsenkopf mit der Lilie auf der Stange. XIV Das ,, 8^mboluin ^.pvstvülium" »der „das Apostolische GlaubenSbekeuutniß" mit beigefügtem Terte der Glaubensartikel (Oe). Dieses xylographische Werk bestehet aus sieben Blättern in kl. 4., die nur auf einer Seite mit dem Reiber gedruckt und aneinander geleimt sind. Das Ganze ist dnrch zwölf Holzschnitte geziert und hat keinen andern Tert als zwei bis drei Zeilen Erläuterungen, welche sich uuter den Bildern befinden, z. B.: Blatt 4. b. unter der Vorstellung Gott Vaters im Augenblicke der Schöpfung: „ Ego sum Alfha K V." — Unten: „(I)r wert all anrvfsende ^ vater der himel vnd ^ erd gemacht hat.^ (I)ch gel»vl> in got vater! al- mcchdig schrffver j himel vnd der erden." Blatt S. a. Christi Taufe. Oben: „Hie est fi- lins nie-) dilect^." Unten: „(D)cr Herr hat gesprochen" n. s. w. t>. Christi Geburt, darüber die Verkündigung: ,,'Uemvt war ein ivckfra wirt swangcr" u. s. w. Blatt 6. n. Kreuzigung, darunter Grablegung: „Nach sichenciz tagen." t>. Auferstehung, unten Höllenfahrt: „O tod ich wirtt den tod." Blatt 7. ». Himmelfahrt: „Lr pauct sein auff- gancit in den himel." b. Jüngstes Gericht: „An de gericht ge mir zv euch." K 42 Der Peichtspiegel. Blatt 8. a. Pfingstsest: „Ich wird avz gießen von meinem gaist." b. Papst, oben Christus: „Sn !>' de all nu riibe de i»nnen dez Herrn." Blatt 9. Kirche: „Per her wird hin dmi all nnser missctad Al'laz der funden." d. Auferstehung der Todten: „Ich wird mein oolk fieren auz de grebrn Vrstend dez flcisc." Blatt 10. ->. Der Hinunel im Kreise: „Sn wer- den all leben" u. s. w. Ans dem Blatte, welches die Auferstehung darstellt, sind die durch die Nnndform des Bildes entstehenden vier Ecken des Blattes durch Engel, welche die Posaune blasen, ausgefüllt. Die beiden untersten derselben sind durch thurmähnliche Nahmen, in denen man zwei Halbfigurcu, „Zachnryaz" und „Judas", erblickt, gleichsam durchschuitten; doch scheint der Künstler ein Versehen begangen zu haben, indem unter der Figur, welche durch die rückwärts gebogene Haltung, mit der rechten Hand wie beschämt die Augen verbergend, unzweifelhaft Judas darstellen soll, das Wort „Zilcharnaz" zu lesen ist und unter dem mit einem Heiligenschein umgebenen Manne „Judas" stehet. Ein Facsimile dieses Holzschnittes giebt Dibdin in seinem Uibüoxr. anticz. snct pict. I'onr etc. Vol. III. p. 284. Das einzige bis jetzt bekannte Exemplar, welches aus dem ehemaligen Kloster Tegernsce stammt, besitzt die Hof- und Staatsbibliothek zu München. Nebenstehende Nachbildung des neunte» Blattes, welches die Auferstehung der Todten darstellt, giebt einen deutlichen Begriff von dem Charakter des ganzen Werkes. XV Der „Beichtspiegel" oder „lüonkessio- nkle." Eine Anleitung, sich nach Maßgabe der zehn Gebote zu der Beichte gehörig vorzubereiten. Das Ganze bestehet aus acht Blattern in kl. 4., welche weder Signaturen, noch Eustoden, noch Seitenzahlen haben. Name des Versassers, Titel, Druckort, Drucker und Jahrzahl fehlen auch hier, wie bei fast allen ahnlichen Werken. Als Unter- scheiduugszeicheu ist mir der Punkt und - vorhanden. Auf der ersten Seite befindet sich ein Holzschnitt, welcher einen IZcce Iwmo mit aufgehobenen Handen, blos im Umrisse, darstellt. Fast alle Striche sind von gleicher Starke, zuweilen gegen eine Linie breit. Der Heiland tragt die Dornenkrone auf dem Haupte, welches ein aus zwei Kreisen gebildeter Heiligenschein mit einem Kreuze umgiebt, das in der Mitte schwarz gehalten ist. Hinter ihm hangt mittelst Ringen und Stricken an einer Stange ein mit Blumcuarabesken und Franzen verzierter Vorhang, dessen Gruud weiß, die Zeichnung darauf aber durch 1 bis 2 Linien breite schwarze Striche gebildet ist. Er stehet auf einem mit kleinen Quadraten ausgelegten Fußboden, welcher schon einigermaßen, obwol noch unrichtig, perspektivisch nach dem Augenpunkte laufend ist. Die Höhe betragt mit dem Einfassungssiriche 5 Zoll, die Breite 3 Zoll 8 Lin. Das nämliche Bild ist auf der cilftcn Seite noch einmal abgedruckt. Das zweite Bild auf der vierten Seite stellt den Heiland ebenfalls stehend mit aufgehobenen Händen und den fünf Wunden dar, nur mit dem Unterschiede, daß die Brustwunde hier auf der rechtem Seite ist. Die Dorueukrone siehet mehr einem gewundenen Stricke ähnlich und in dem Nimbus ist die zweite nach innen laufende Linie gezackt. Oberhalb seiner linken Hand erscheint Gott Vater mit den Gesetztafeln in dei: Händen, rechts der h. Geist in Gestalt einer Tanbe (mit Heiligenschein). Unten knieet links Moses, rechts ein Mann und eine Frau in betender Stellung; alle Figuren blos in Umrissen gezeichnet, nur die Schuhe des MoseS und kuieeuden Mannes sind schwarz. Die zweite Seite ist leer. Aus der dritten fangt der Tert mit folgenden Worten an: „Ich armer sündiger Mensch bekenne mich gölte myne hcrre." Der Tert nimmt zwölf Seiten ein, worauf noch einmal das erste Lccs Komo-Bild folgt. Sechs Tertblätter (3, 6, 7, 8, 9, 12) entHallen 20 Zeilen; die 13te 21, die 5te 19, die lote 10, die 14te 17, die löte 10 und die I6te 9 Zeilen. Die Schrift gleicht derjenigen, welche Albrecht Dürer die alte nicht mehr gebräuchliche Tcrtur nennt. XIV. Das Apostolische Glaubensbekenntniß oder 8^mbo1um ^pvstolieum. Der Peichtspiegel. 4,>; W^MMmd«-/ AdwZMWWhaAmM. 44 Der Todtentanz. Die Höhe einer gedruckten Seite beträgt 5 Zoll, mit den oben hinausragenden Anfangsbuchstaben uud den unten befindlichen Schreibcrzügcn 5 Zoll 7 Lin., die Breite 5 Zoll 7 Lin. Dieses xylographische Product ist noch fast ganz unbekannt. Eine knrze Beschreibung davon befindet sich in Heller'S „Geschichte der Holzschneidekunst", Bamberg 1823. 8. S. 335., im Morgenblatt 1323, Ko. 28. und in I. M. v. Rei- dcr'S Bcrzeichniß von Büchern ans dem Nachlasse des Freiherr» Stephan v. Stengel, welche im Juli 1823 iu Bamberg versteigert worden sind. Aus der Steugel'schen Auction erstand Dr. Kloß in Frankfurt a. M. dies seltene Werk uud nach dessen Tode bei der in London stattgcsnndenen Verstcigeruug seiner Bibliothek 1>>-. Buttler in Shrewöbury. Letztere Schilderung floß ans der Feder dcS fränkischen MalerS nnd Formschneiders F. K. Nupprecht. Ein Facsimile von Bild und Schrift siehe bei vitiili» , Keniiiiiüoences uk il littsrar^ Ii5e. 1336. II, 962. Beides mag die auf vorstehender Seite befindliche Nachbildung vergegenwärtigen und Folgendes alö Testprobe dienen. „Ich gibc mich schuldig in dem v.j ^ geböte, das ich vnkeusch dosten. ^ »nid vnlie»schc wcrck vn- gel'ürlich ^ in der «5 mit mancherlei) weise. ^ schlafende, oder wachende, vollen ^ bracht h»n. lind vrsnch nit gcmit ^ tcn ha», vnd ander per- sonen lirsl, ^ chr durch wort wundel. vnd werk ^ gegel'cn hau: Kienach volgct das vij gcbote." XVI Der „DotenDantzmitfiguren.clage und antwort schon von allen staten der werkt." Diese im Mittelalter und besonders in Deutschland so beliebte Darstellung dcS Todes, wie er unter allerlei Gestalten, wornnter aber immer das Beingerippc verborgen ist, mit den Menschen aus allen Ständen und Lebensaltern tanzt und sie zu Grabe leitet, beruhet aus der Grundidee der hierarchischen Lehre, daß der Tod mit seinen Schrecknissen ebenso unvermeidlich als die Hölle mit ihren Tcuseln sei, wenn nicht das Krcnz vermittelnd dazwischen tritt. Daher der grelle Abstand von jener heitern Ansicht der alten Griechen, das Ende irdischer Dinge durch eine der Pnppe enteilende Psyche (Schmetterling) oder durch einen die Fackel senkenden Genius zu versinnbildcn. Man liebte den Tod mit grinsendem Schädel, mit Stundenglas nnd Hippe in den schroffsten Gegensätzen zn allen Blüthen des Lebens, Herrschermacht und Hcldengröße, zn Reichthum uud Jugendfrische, Franenschönheit und Conrtoisie darzustellen. Dieses höchst merkwürdige xylographische Denkmal, von dem die Heidelberger Bibliothek das vollständigste ganz in Holz geschnittene Eremplar, die Hosbibliothek zu München aber ein Eremplar mit handschristlichem Texte besitzt, enthält 27 Blätter in klein Folio. Der „Todtentanz" in der königl. Bibliothek zu München (Xylogr. 39.) enthalt 26 illnminirtc Holzschnitte. Der erste und letzte, den Prediger vorstellend, hat ein etwas größeres Format, als die übrigen 24 Bilder, welche ursprünglich fortlaufende Nnnuncrn haben, um dadurch die Ordnung, in der sie den Versen angepaßt sind, zn bestimmen. Denn daß diese Holzschnitte für den Tert verfertigt worden und nicht der Text für die Bilder, sieht man theils aus den beiden Figuren des Predigers zu Anfang und zu Ende, die in einem blos figurirtcn Todtentanze überflüssig und zwecklos wären, theils aus dem Umstände, daß der Versertiger der Abschrift die eine Seite jedes Blattes für die hiuzuzusctzeudeu Figuren offen ließ, von denen sich weder in der zweiten Münchener, noch in der von Fr. Adelnng in der „Fortgesetzten Nachricht von den Heidelbergischen Mannscripten in der Vatikanischen Bibliothek" Seite 317 angezeigten Handschrift eine Spur findet. So wie der Text überhaupt, welchen B. I. Docen im Neuen literarischcn Anzeiger 1306. Ko. 22. S. 343 u. folg. vollständig mittheilt, durch deu bekannten Baseler Todtentanz (der Sage nach nm das Jahr 1439 zum Andenken an die Pest, die damals wüthete, gemalt) veranlaßt wurde: so mögen anch diese Holzschnitte, wenn auch nicht unmittelbar nach jenem Originale, doch vielleicht aus einer dunkeln Erinnerung gefertigt wordcu sein. Die Zeichnung ist äußerst roh und deutet XVI. Der Todten tanz. Facsimile aus einem deutschen ganz xylographischen Todtentauz in der Heidelberger Bibliothek. Deutsche Handschriften No. 433. LntuH^cmsu^mifi^tantzenLnn A ^ ^rre 6e ^nr^drr ^ne^n <^ j^il^nran ^eut^c^ Hö^nnKu nnchnro ^orkm suvnfuSutz tcmszenimö^m nochinHgan Per Todtcntanz. 47. eben so wie die technische Ausführung ans einen wenig geübten Künstler. Die Druckfarbe ist mehr grau als schwarz, wie bei den meisten xylographischen Denkmalern. In dein Münchener Eremplare ist aus der ersten Tafel der Papst sitzend mit einem Bnche in der Linken und einem Stäbe in der Rechten abgebildet, neben ihm sitzt der Tod auf einer Sackpfeife blasend. Das 23. Bild stellt ein Kind in der Wiege vor, welches, indem der Tod sich ihm nähert, beide Hände ausstreckt. In dem Heidelberger Eremplare hingegen ergreift der in einen Mantel gehüllte Tod, die Kapuze über den Schädel gezogen, das volle blühende Kind mit seiner Rechten und führt es hinweg, wie das znr Seite befindliche Facsimile anzeigt. Im Münchener Eremplare spricht der Tod: „Kreuch her, du mußt.je tanzen lern W»in oder lach, ich hör dich gern, Hättest du den dutten in dem mund Es huls dich nit an dieser stund, das Kind: !ct. I'our III, 279. gegeben; ein anderes befindet sich im c»taloguIr. I,et>er, ?sri« 1S39. I. x. 209. Wie sehr aber gerade in dieser Darstellung das Münchener Eremplar von dem Heidelberger abweiche, mag nachfolgendes Facsimile beweisen, dessen Mittheilung wir der Güte des Herrn Geh. Ober-Finanzraths Sotzmann in Berlin zu danken haben. Oben liefet man den Spruch des Todes, unten den des Kindes. Die Idee des Todtentanzes ist uralt und verliert sich in die frühesten Jahrhundertc des deutschen Mittelalters. Schon im „Vridank" kommt Vers 252. eine Anspielung darauf vor, wo es heißt: „Gott habe wohlgethan, als er dem 46 Die ^fabel vom Kranken Löwen. — Das geist- und weitliche Rom. Menschen verbot, seinen Tod vorher zu wissen; denn wäre dies der Fall, so würde der Tanz mir eine kleine Schaar gewinnen." Der Originaltext lautet nach Wilhelm Grimm's Ausgabe, Seite 175.- „E>ot tct wol daz er verbot daz nieman wciz sin selbes tot: wistcn in die liutc gar der tanz gewüiine Kleine schar." Bekanntlich wurde jenes altdeutsche Spruchgedicht vor dem Jahre 1250 geschrieben. xvn Die „Fabel vom kranken Löwen." Dieses noch fast ganz unbekannte Werk bestehet aus zwölf Blattern in Folio, aus beiden Seiten beschrieben oder bedruckt, mit neun Holzschnitten von ganzer Blattgröße, ohne Titel. Diese neun xylographischen Bilder sind Darstellungen ans dem Fabclkrcise dcS Neinecke Fuchs. Der Text selbst ist theils auf den leeren Seiten der Holzdrucke, theils auf eingelegte» Blattern geschrieben und ebenfalls in neun Abschnitte oder Materien getheilt. Er findet sich abgedruckt in Jakob Grimm's „ Reinhart FnchS", Berlin, Reimer, 1834. S. Seite 332-342. BloS der dritte Holzschnitt, kleiner als die übrigen, hat rechts daneben 16 Zeilen xylographischen Text mit der Klage des WolfeS. Die Spruchzeddel in den Bildtafeln haben deutsche Inschriften. Das einzige bis jetzt bekannte Exemplar dieses Holztafcl- drnckeS besitzt die Heidelberger Bibliothek, wo es dem Pergament-Miöccllancoder eeoexxxvlll. ans dem fünfzehnten Jahrhundert, von Blatt 151-163. bcigebnndcn ist. Der Text dieser Handschrift, in oberdeutscher Mundart, weicht, was die Rechtschreibung betrifft, von dem Grimm'schen sehr ab, dessen Sprachsorm sich mehr dein niederdeutschen nähert. In dem Heidelberger Codex cexei. liefet man Blatt 100».- „ Ei» leb in einer scuchen lag Vnd hat gelegen manigcn tag Des ruefft er für sich unld Die tycr aus dem Wald." Da von diesem seltenen Drnckdenkmale noch in keinem bibliographischen Werke eine Abbildung vorhanden ist, so dürste das nachstehende Facsimile hier nicht unwillkommen sein, um wenigstens eine Idee vou dem Charakter des Ganzen zu geben. — Der im Bette liegende Thicrkönig spricht: „Ir scckt ich bau rzu molc sich (siech) Dorume bete ich euch flelSitlich Alczumolc rzu desir stüt Wy ich möge werde gcsuut." Der Wolf antwortet: „Wir müßen gehen in cnne rot Solle wir euch helfen aws der not." XVIII DaS „gcist- und weltliche Rom." Ein Legcndenbuch zum Gebrauche der deutschen nach Rom wallenden Pilger verfaßt, 92 Blatter von kleincrem Formate als die übrigen xylographischen Denkmäler, von beiden Seiten des Papiers mit der Presse gedruckt. Die Höhe betragt nicht mehr als 5 Zoll und 5 Lin., die Breite 4 Zoll. Auf der Rückseite des ersten Blattes erblickt man einen Geistlichen mit der Tonsur, der das Schweißtuch der h. Vcronica vor sich halt; ueben ihm zwei Knaben mit brennenden Kerzen; im Vordergrunde ein Haufe gen Himmel blickenden Volkes. Der Tert beginnt mit den Worten: „Item in dem puechlein steht geschrieben wie ^ Rom gcpauet ward und l>ö dem erste s Kunig und vo uclichcin Kunig zu Nome ^ wie sie geregicrrt haben. Vnd das auch die romcr ^ Kanne Kunig mere wollen haben vnd salzten aus in haublcut und biirger- maistcr lange Zeit" etc. (20 Zeilen). Der zweite Holzschnitt zeiget rechts eine Burg auf einer Höhe, links stehet ein kleiner Tempel, unter dem eine gekrönte Person (wahrscheinlich Rhca Sylvia) betet; im Vvrgrunde die Wölfin mit den saugenden Zwillingen. Die Profangeschichte fangt auf dem dritten Blatte an, welches durch eine längs dem Rande hinlaufende Blnmcn- arabcske und drei Wappenschilde geziert ist; in der Mitte die gekreuzten Schlüssel mit der dreifachen Krone, rechts der doppelte Adler, darüber: /^//^/v/f/ (Imperium), links ein Schild mit U° >» Kyndt der eugel tet ir Kundt ob sy wolt ewiglich verloren werden oder zu weltlichen schände Komcu Dor vmb das sie nicht verloren würd erwclt sy ir dy schaud do sie ging in pabstlichem wesen mit alle» de Car- dinalen in der Processe vnd vil Volkes Pci) der Knrch da genast sie des Ilyndes Do stet noch nn» stann hat man ir pild mit aunen Knnd angchawe." Der Schluß auf der Rückseite des 91. Blattes lautet: LttS'^ttfVMAM ?raeseii8. ?rssterltum. Futurum. Die Buchstaben gleichen der Schrift, die man auf den ältesten Holztafeln der „Armenbibel" antrifft. Wollte man auch annehmen, daß keine Holztafeln zum Grunde lagen, so waren es doch zuverlässig in Holz geschnitzte Typen, denn sie sind ganz abgestumpft und keine kommt mit der andern überein. Jacobs, Beiträge I, 77., erklärt sich gegen Panzer mit Bestimmtheit für ganze Holztafeln. Gegenwärtiges Buch darf nicht mit der kleineren Schrift: „«1!n, ^e6«8 ^Itlwrp. Vol. II. p. 18S. welchem untenstehende Nachbildung eutnoinmen ist, um dem Leser einen Begriff von der Eigcnthüm- > lichkeit des Buches zu geben. ItzPVKl Gmc^cm^6/ctt^ <<^p<^^n^ V^s evchegn^e ^v^veld c^e«^ 1?^ö l- tanÄMMa- ^ erp^e^crvö^m öe^ ß^Mhem ^m^vimd 5^ fier/>en^ohew A ^ci»^öÄ ^Me^ slAl ch^^ dem^T^Le «ast- O^a^öre u^io vno^nce^ Das Fritglu'cklein. 49 XIX Das „Zeitglöcklcin" bestehet auS sechs- zehn Blättern in kl. Octav, oben Bild, uuten Tert, deren Größe zwar die nämliche, aber Verstellung und Unterschrift verschieden ist. Der Inhalt dieses von keinem Bibliographen, als von Heller, Geschichte der Holzschneidekunst, Bamberg, 1823. 8. S. 379. erwähnten xylographischen Werkes wird durch die hier folgende Abbildung mit den sechs Zeilen Tert, welche der Stirnseite des ersten BlattcS zur Erläuterung dienen, nm besten charaktcrisirt. Da es noch fast gar nicht bekannt ist, so dürfte eine ausführlichere Beschreibung dem Leser nicht unwillkommen sein. Unter dem Bilde nämlich, das einen mit dem Nimbus umgebenen Priester am Altare knieend und eiuen Cardinal, einen Zweig in der Hand, hinter ihm stehend zeigt, lieset man die Worte: „Die rriii^. Stund des wereks vnser erlösuug vn des lendcs rpr mit rriii^ sigürlin gctailt ! t die Sibcn tagtzent vn ums m»n betten sol oder betrachte zu einer yrgklichen tagt- zent. " Auf der Rückseite des nämliche» BlatteS erblickt man daS Jesuskind mit dem Heiligenschein, in der rechten Hand einen Hammer, um damit auf die oben hängende Glocke zn schlagen, in der Linken einen Zeddel, worauf geschriebein „Ich stce vnnd Klopfte." Darunter in einem Cirtel die acht Stunden der Nacht mit der Umschrift: „Für die comvlet vi^; — für die Mette rriii^; — für dir laudes v; — für die prmn vi^j"; — worauf die Abbildungen Bezug haben. Die zunächst folgende Darstellung zeigt Christnö mit sieben seiner Jünger am Tische sitzend, oben rechts daS wahrscheinlich auf den Formschneidcr sich beziehende Zeichen und zwar weiß auf schwarzem Gruude. Unter dem Bilde in vier Zeilen die Worte: „Für die complet sprich siben vater vnser vn betracht vmb vij dos abents das ist die erst stiid d' nacht dz figürlich »achtmal." Auf der Rückseite erblickt ma» die Zußwaschimg mit der dreizeiligen llnterschrift: „Vmb die viij des abc»tz betracht die demütig fuß umschlinge der Jünger." Blatt 3. ». Tas Abendniahl mit de»:Terte: „Vm ir des abcnts betracht des sacra- mcnts a»ffsetzu»g." ti. Christus am Oelberge »üt der Untcr- schrist in vier Zeilen: „Für die Klette sprich rriiij vntder vnser vnd betracht vnib. r. vor mit- ternacht dz drinaltig gcbett Im garten." Blatt 4. ». Die Gefangennehmung: „V»>b r^j. betracht die valsch vcrriittung vnd fahung vn hertt bindu»g." l>. Christus vor dem hohen Priester: „Vm ri^j betracht die fürnng vor Annas vü herrte bnckrnllags." Blatt 5. a. Verleugnung des PetruS: „Für die l»»des sprich fünlf vntt' vnser vn betracht vm eins nach mitt'nacht d' jünger abuicychüg vn prtcrs v'lä- gung." 7 5>i» Das Feitglöcklein. Blatt 5. >>. Christus vor Kaiphas: „Vmb iZ. nach Mitternacht betracht vor . Drei Kricgsknechtc verhöhnen den Heiland, welchem die Augen verbunden sind: „Vmb ii.j nach mit- trrnacht lictracht die vcrbindüg seines hailigen angesichts." >>. Christus vor Mains: „Für die priM Sprich vij vatt' vnser vn betracht vm iii.j nach Mitternacht die zusürüg vnd erst anklag vor pnlntus." Blatt 7. ». Christus vor Herodes: „Vmb fünff nach Mitternacht betracht die pcin- lich sendung zn herodes." b. ChristnS vor Pilatus mit einem weißen Spottkleid: „Vmb vj nach Mitternacht betracht die wider- bringug zu pnlato » spott mit eim wnsse elaid." Blatt 8. n. Christus als Kind, ohne Bekleidung, mit beiden Händen an einer Glocke ziehend mit den Worten: „Ich stce v» leut." Unten sind die Stunden des Tages in Forin eines Uhrblattes mit lateinischen Ziffern geschrieben. Außen herum stehet: „Für die Terz vij ^ Für die Sert vij ^ Für die Vonc vij j Für die Vesper ri.j ^ " welches aus die folgenden Abbildungen Bezug hat. l>. Die Geißelung: „Für die Tcrtz sprich vi^j vatte' vnser vnd betracht vm vij des morgens die schmcrtz- lich gaijilüg." Blatt 9. s. Christus mit der Dornenkrone: „Vm vii^j des morges betracht die nn- trumung der dornen Krön vnd spottlichen anbettüg." b. Die Ausstellung des Herrn: „Vmb jr betracht dz mitlendig außfürcn vnnd zaigung des heren. Ecce Homo." Blatt 10. a. Pilatus wäscht sich die Hände: „Für die Sert sprich vij vntter vnser vn betracht vm. r. das valsch urtail vber dz vnschuldig blut Cristi Zhesu." l>. Die Krcuztragung: „Vm betracht die auß fürung vnd zu gcsellung der schächer." Blatt 11. ->. Die Kreuzigung: „Vmb ri^ betracht die schmertzlich anneglung an das rreutz." b. Die Verspottung am Kreuze: „Für die none Sprich Siben vatter vnser vnd betracht umb eins nach mittag die Verspottung am Crcutz." Blatt 12. a. Johannes und Maria neben dem Kreuze: „Vmb ij nachmittag be- tracht die Vollendung der hailigen Siben wort." b. Longinus öffnet die Seite des Heilandes: „Vmb iij nach mittag ist die zr Stund des tags betracht die auffgebung seines gaist's vnd auffthuung seiner seytten." Blatt 13. s. Die Abnahme vom Kreuze: „Für die vespcr sprich riH vatter vnser vnd betracht vm iiij. nach mittag die abncmung vom crutze." b. Die weinenden Fraueu: „Vmb v nach mittag betrachte die schmertz- lich Klag marie." Blatt 14. a. Die Grablegung: „Vmb vi. nach- mittag betracht die bcgrebnuß Christi Ihesu." d. Der h. FranziSkus, wie er die Wundmale empfängt: „Sancty sranciscus in seiner rcgel am dritte rapitel spricht die lane sollet spreche für die mcttc rriiij vntt' vnser für die laudes v für die prym Crrz Sert none. Für negklich gctzcyt vi^j. Für die vesp. vij. Für die rom- plet vij. vnnd söllent bette» für die totten." Die Auslegung des Vaterunsers. 7.1 Blatt 15. s. hat diesen in achtzehn Zeilen bestehenden Tcrt: „Wiltu aber nit es tagznt spreche So sprich «in vattcr unser Aber so die glogg schlecht thun scnlich blicken in das lendcn rp'r sprich oder gcdenck Herr Ihesu rpe mach mich tailhnfftig des verdiensts deins Hai- ligcn leydens dz Du in dieser oder der stund gelitten hast. Wiltu Dein Vedett und'wertigkcit oder lcnde auffopfern sprich oder gedenk: O herre Ihn rpe mach mir fruchtbar das gebett die undcr- niertigbeit oder das leyde durch den ucrdienst deins heilige leides. Wiltu dein buf? auffopfern Sprich oder gcdenck: V herre Ihn rpe Was der buj? zu wcuigk das crfolle mit dem ver- dienst deins hailigen leides und mit deiner gütlichen gnad vnnd barmhcrtzigbeit der himlisch Hof. der der himlisch Nosenbranz mit r. vatter unser vn zum ersten Sprich ain glauben darnach: E»ot vater Sun hailiger gaist ain marer got Erbarm dich mein. Criste ein Sun gots ein erloser der welt Erbarm dich mein. Hai- ligc maria ain mute Vots ein Junckfrnme aller Junckl'rome ^Zitt gott für mich. St michahrl mit alle hailige engeln und gciste, Aitte g. f. m." Blatt 16. a. Das letzte Tertblatt nimmt achtzehn Zeilen ein: „Sant Johanes ein tcuffer rpr mit allen hailige Patriarchen und prophetc bitte got f. m. Sant peter und pauls mit allen hailigen apposteln vü Jüngern rp'r Uitte got für mich. Sant Sebastian mit allen Hai- ligen martern N'tte g. f. m. Sant Franciß mit alle hailige bcnchtigeril bischoffen vn gottli- chen lerer» Litten g. für m. Sant Vrsula mit allen ir' gscll- schalt und allen hailigen Junck^ sramcn Mitten got für'mich. Sant anna mit allen hailigen nntmcn und Eelcutten ^itte G. f. m." Die Rückseite des nämlichen Blattes enthalt den Beschluß in sechzehn Zeilen: „Der frid unsers herre Ihesu rpr un die brafft un ucrdienst scins hailige leydens un das znichcn dcs hailige crütz die gcntzigbeit der erlichste Junckfrowcn marien v» die schirmung aller heilige enget die gesegnung und sürbctt aller hailigen patriarche pphetetcn apo- steln Klnrttrcr beychtige Iuuck- frowe, witwcn und eelcutte vü aller ausscrwcltcn scycnt zmischc mir vn allcn mcincn vcinde sicht- barlich und unsichtbarlich uetzunt und in der stund unsers todcs." Das einzige bis jetzt bekannte Exemplar dieses Formats befindet sich in der Bamberger Bibliothek. Ein Facsimile des ersten Blattes gab Heller in seiner Geschichte der Holzschneidekunst, Bamberg 1823. 8. S. 379. XX Die „Auslegung des Vaterunsers", IZxorcitlum super piiter Iioster. Unstreitig eines der wichtigsten und ausser von La Scrna-Santander und Ebert von keinem Bibliographen erwähntes xylographisches Werk. Es bestehet aus zehn nur auf einer Seite gedruckten Blattern mit bildlichen Darstellungen, aber ohne andern Tert als die wenigen Worte, welche znr Erklärung unter den Bildern sich befinden. Das erste zeigt zwei Figuren mit den Ueberschristen: „Fratcr" n»v „Vratio." Der Vrndcr hat eine Bandrolle, auf der mau liefet: „Dne doce nie orare." Die Figur, welche das 7,^ Die zch» Gebote Gottes. Lieber darstellt, spricht: „Veni doccbo te Pater nostcr." lieber Beiden stehet: „Lrercitiü super Pater nostcr." Hierauf folgen vier Zeilen Tcrt, in welchem gesagt wird, daß die Figur, welche den Name» „Oeiiet" tragt, deshalb mit Flügeln dargestellt sei, um die Freiheit des Betenden darzustellen, daß die Weiße Farbe ihres Kleides die Reinheit des HcrzenS nnd die am Gürtel Hangenden Täfelchcn die Aufmerksamkeit andeuten sollen. — Auf dem zweiten Bilde siehet man znr Rechten den himmlischen Bater, der spricht: „Pctitc et accipictis") sein Sohn JesuS EhristnS tnieet vor ihm nnd sagt: „Pntcr Sliiictc pro eis rogo"; im Hintergrnnde der Fratcr nnd Grntio ebenfalls kniecnd mit dem Spruchzeddcl: „Patcr »ostcr oui es." Das Ganze hat die Überschrift: „Pater noster qui es." — Die dritte Tafel stellt Gott Vater auf dem Throne dar mit der Inschrift: „Adhuc sustincte modicü tepus doncc implentur mnnerus frntrü ucotro- rum." Unter demselben mehre Personen, welche „ Snnetno - Sanctus - Sanctus " anSrnfen. Zur Rechten die h. Inugfrau, welche ihm eine Krone darreicht, nm damit die Gemahlin seines SohneS, die Kirche, zn krönen, welche am Fnße des himmlischen Throne? knieet. Hinter der Maria erblickt man eine andere Figur, die „treue Seele"; zur Linken drei Engel, ganz unten den Bruder und das Gebet mit dem Sprnchzeddel: „In relis snn- ctificctur uomeil tuum", welche Worte zugleich wieder die Ueberscbrist deS Ganzen ausmachen, dann vier Zeilen erklärenden Tertes. Die Schilderung dieser drei Blatter mag genügen, um von diesem so höchst interessanten und noch fast ganz unbekannten Tafeldrucke eine Vorstellung zu erlangen. Eine vollständige Beschreibung findet man in „Oe I^a 8erna-Zantanüec, VIetionnaIce I>il>IIogr!>n>>!cjue" et«. II. x. 402-407. Siehe ferner Tani, IZnczclop. Vol. II. ?. VI. x. 185. und Hart>vell Ilorno, Introiluction Vol. II. ^i^end. vn. k?o. 5. XXI Die „Zehn Pott für die ungelernte lcnt." Zehn nur ans einer Seite gedruckte Blatter, zum aneinander Leimen, je zwei und zwei mit den gegenüber stehenden leeren Seiten, so daß ein vollständiges Eremplar vier Doppelblatter und vorn und hinten ein einfaches Blatt zahlt. Die Gebote werden durch Figuren sinnbildlich dargestellt, z. B. die Trägheit durch einen Esel, neben dem Langohr sitzt ein Mönch, der einen Baner absolvirt. Jedem derselben ist eine Blattscite gewidmet, so daß ein complettes Werk auch zehn Holzschnittbilder hat. Ausfallend ist eS, daß das Gebot: „Du sollst nicht Unkcuschheit treiben" hier nicht die sechste, sondern die siebente Stelle einnimmt. Ein anderer Tcrt, als der von den Figuren ausgehet, ist nicht vorhanden. Das einzige bis jetzt bekannte Eremplar dieser Ausgabe wird in der Universitätsbibliothek zu Heidelberg aufbewahrt. Die Größe dieses mit doppelten EinsassnngSlinicn, wovon die äußere starker als die innere, versehenen Xylographischen ProdnctS betragt 7 Zoll 10 Lin. in der Höhe und 5 Zoll 8 Lin. in der Breite. Eine andere Ausgabe, welche v. Aretin im Kloster Tegernsee aufgesunden und in seinen Veitragen (I, ir, 69.) nur ganz kurz angeführt hat, bestehet aus sechs auf beiden Seiten bedruckten Blättern mit den Nummern I. bis X. bezeichnet, und mit eingedrucktem Te.rte, mit Vorstellungen, wie der Teufel den Menschen zur Ucbcrtretung der Gebote zu verführen sucht. Das erste Blatt enthalt folgende Legenden: „Hon habcbis deos nlios Erodi rr." „Du solt anbeten einen Zot alz her Pir geboten hat." Der Teufel spricht: „Was hostu gonmn tzu schaffen los beten monchc vnd pfaffcn." Diese Ausgabe scheint von derjenigen zu Heidelberg ganz verschieden und mit den von Aretin a. a. O. gleichfalls erwähnten „Fünf Sinn" und den „Sieben Todsünden" in einen Tractat vereinigt gewesen zu sein. Zum größten Bedauern der gelehrten Welt ist aber dieses Kleinod ganzlich verschwunden, und in München, wo alle übrige in den bäuerischen Klöstern aufgefundene Xylographische Bücher sorgfältig ansbcwahrt werden, keine Spur mehr davon zn finden. Ein großer Die sieden Todsünden. —> Kalender des Johannes dc mun)" zu leseu, folglich das zweite „a" vom Holzschneider vergessen worden ist, zeigt nicht die dem Monate entsprechende Beschäftigung, sondern König Janus an einer wohlbesetzten Tafel sitzend. In den vier Winkeln der Vignetten stehen oben die Bilder der Sonne und des Mondes slI und uud unten 54 Kalender des Johannes de Gamundia. arabische Ziffern, welche die Dauer der Tage und Nachte bestimmen. Die Zahlen unter der Sonne bezeichnen die Stunden des TageS, die Zahlen unter dein Monde die Stunden der Nacht. Die Ucberschrift eines jeden Monats giebt hinter den jedesmal wiederholten Buchstaben »KI.» (d. h. x-üeuditelum) die Zahl der Tage an, z. B.: „Innuri? ht (nabet) rrrz d (v" nicht nur in deutschen Namen, z. V. „^Villielmi, >VM- b.Mi", sondern auch das Wort „ IZv-mxelisw " (wie bei der ^is memorancli) überall mit einem " geschrieben ist, so scheint eS merkwürdig, daß in dem Alphabete zur Bezeichnung des periodischen Mondlaufeö daS „n" gänzlich fehlt uud das „u" hinter „v" stehet, dagegen aber vor und nach „2" ein Zeichen eingeschaltet ist, welches „et" bedeutet. Der noch vorhandene auf beiden Seiten geschnittene Originalholzstock ist anderthalb Zoll dick, zehn Zoll drei Linien hoch und vierzehn Zoll drei Linien breit, und gehört zu der merkwürdigen Sammlung altdeutscher Originalholzplattcn, welche vom verstorbenen Hanptmann von Derschau in Nürnberg aufgefunden worden sind, und von denen R. Z. Becker in den Jahren 1306-1816 einen Theil in drei Lieferungen: Gotha, Becker'schc Buchhandlung, in Jmvcrialsolio herausgegeben hat. Ein großer Theil jenes insbesondere hinsichtlich der Mannigfaltigkeit der Meister und Gegenstände einzigen deutschen Kunstschatzeö ist noch unerforscht. Die Sammlung von mehr als 1400 Platten und Münzstöcken, von denen eine ganze Reihe in die Zeit vor Erfindung der beweglichen Lettern fallt, gehört jetzt den Erben N. Z. Becker'S in Gotha, welche den Wiederabdruck der Originalhölzplatte in diesem unseren Werke wohlwollend gestattet haben. Geistreiche Bemerkungen über den viel zu wenig bekannten ersten deutschen Astronom des Mittcl- cilters, über dessen Verdienste und Lcbensverhältnisse sowie über diesen Kalender selbst ans der Feder Sr. Ercellenz, des königl. sächs. StaatSministers von Lindenau finden sich in v. Zach's monatlicher Korrespondenz, Gotha, 1803. Bd. 18. S. 583-593., ferner eine kurze Notiz von Moltweide ebendaselbst 1809. Bd. 19. S. 196. und eine erklärende Beschreibung von Grotesend in dem nämlichen Bande S. 284-292. 6 Hamuncka). ^5^6 .5^ ZtM O!O UM-d^ WZlMUS^ ch HMWMlM .r v e "i >« .''t.. !SSk^ öMkiiuvirWS ^ikMkwtonvn uns scmi«i^,^.^ MM!Sl- chMU;S MN ^ZW^jMMMVN!^ NÄ^Ä ?sMmÄ.^ kplSMwchilA l» WimnM "«^^ >L> c- iiMch^l ^NSMZ ^ mamÄ./AW W A^! ly mMnu l pt^ g MiI ssrfißmM _'r r s Ij> W^tmumepl- ^5ZW!' owinpswami t O«d^-z «lX^» ? I ^>^iv»»«-«»^»-t < s»»» j v meöüM Gi »4^ m MlsKm MNZte P KmAseMl^ u i'si u ^ ,»»»«.» MM.WW^WSWSSSSS LMW uMwA j g S^i^ S^M^MSii ^ZUlW -MMS ^^MMc^W^MW^ s?l 'UM mnnn. ' --^^7^- - L^^-WM^^gs^—! Z^. )^^^Mi1k?^^^/z^^^i ^ j ^^z^ ^ VMW-UVSP5!.g! 9 SAuautzMiv z aZMWWUVct ) H ocitlumiotml ^ !M. b AMSUM^ltU^ ^ ^ ^^?MVMlDowcheevnU b lMtlMl ^baüKÄ r l^M .e> Müch x ^xW_ ^ l vM^v UZ Ml e e HmMWürWN M Z w!üldlV^-^I/jK l^uMüaÄ jp Sls ^ ! e j tSSN AVM ^tl'ÄÄb Mmwteums b j MBW MjärM M! W kMneeMpnalr iK^ Ml! ^,MM §5chpMI l ! Ä !S iflMttZ NVN'ttN S ' V F iÄMwVsp M _M^Fly' e! Wwnev!n . i" I_!^l' AllMStxz ! B !k !MZ chuuyT Mwi -^-K > > . . . ____ « . F e !^ r/2"> HMM, b ^EtMel ^MÄ^z lL- ZMs sn ^-tt^» ^>^--i. 5555- WlaaAnchZ^ N Y tlHmqMli__ ?!ch mMtM! pe^ ^? ^ KemlMs >^ MZMNZ ____ ttwmü./^D ^ ——^ ' "V . i 5v V^V/> K Z r ttnm ^ UmnMsW ^ W ^wlüv^mml!t ^ ^! 81 ? ^ v ^ ^ ll W cr j ^> >»^->» U V»»»_ a)MMM sü ^mmzMZNA L bnsKm hvnite ^ ^MmMW ,^ ^^7-^^^"-^^«^--^ UMLl jj, l! W SMZ^iF^ S UUttom oW^! ^'^MWlMi^Mj^j U. ^lM^KSM^j ^ MF Y Ylw^Wg^ UW^^lIXlZI^MZS^M ^uohckUhcwiM^; ^^lMM "aj v > MM ou^M I I ,K! -rchlObW!ch!a>'gs AyciMUtrx j^j llM! Ml maLs?uN^« iu»mn^I5f 0, w^oöMMi^ qI l gmwlSisUI^ jq^ mL!y!^mopsz?i a. ^ TMpwtZM .'SvM >H l^jMMMMMMlZ VEtt^ ^ llM^ a Ml WZ »ZW0> j ^ j j n zch m^uLt-I? i lQFj^ IckSAM MlplZ M MV V a WMV^ZZS«WLWW>WWML^WWW>WM! ÄiFia,' MWKMU^ a MmwhDAS! Ml h L N5j Mz ? WUUAMötsKU s SWzzrvtzpvtv ^!MH MSWMMcb )! T octtlumioml ^! lUÄ. lb V»szsum)uu^5 9 ^< !^ goMyltv!lZWt?i xxm Kalender des Johann von Gmünden (lokaimes Ä6 6»inun°^7^ Kttninnovttu lö xN ö WlmMZM^ e jp!lrKmwmmie t BlüPM'leefft dtÄlwmM ^ A TDDhM MMiödln k Z^jDsiZWtwWß gMütN. b imliMl ^ -Mll ^ k s e o^t 6M5wü KüU K H WNi e ^ W^IWMVemrMS b e e DowiheevvL MvMzsM -vly je Hs!^!MHbaüler ^ UVl S 1? eMtM Äü- ih Z,uk!zPSpe lLMmWt elmis ! lj !dV hÄWMwbl ^ UV Znümm em K b,Agnp?S5ch?oA!! ! Ä d i stmevnvnun s HM W GMieWprMLr i^ LK I ^^WknudriMS A F iÄMvwfpep !-_MjFlt/' e! L'oesne'din !GlttZm^ ^Zy 1d j'Smcxucy AÜi' pkrpewektNmt jlz 'M K ^ ^ HMMWLtMN S0MV55? ^ Ä MYZN t «Z-grÜM erptülZ ezu ÄKU Güwltm^ jpjLWyjFjB rmltt ftplmxMw^ > 5 njM b L S! Mttlmndbid AN !w? lhj tyedaM _ M lvwthom iWk !r i !Ä jS^ ^mrmny nw s !k 1p !^üMetwMWs !D ^WVwcnmnm^lS ju 5 HQ?Ulck! mr vnimttZNltt- MlimtiSwr AUKMNLM» Ps'll^Wttq M E S'lSMZwlSeM m t M' «« Vy WMMN !d M.-c Ky !t a^rescmy ÄztMe^G. leZwAi^^T^ HKUZP tvM chmno lMMMwr ^M^nhpawi SerkruMe ^ ^ ,^ ^l^Ätwrl ^ ^ Gmemmime Twmoche;ktfLZs lIlMY d! s' ^it^-^Hztz^^ t-1 Kö mmn ? b i LZK- Wl ÄstM.- ^o kW MkZ ^ c ß 2seGNm^ÄM^ t s e MjeMetmmnir M j ^!_WLoleph mck!^ iuÄ <5uchb(rt^ ^.1 Iv.!^i^?VANNMSZ fj^MzrspÄM bl_^ t!M S n 52 ^ GKW!?zS OziwlnAn WlepKm Äspollam W 0 SnUoMiKsnM^ NW ^McklÄlwS MM d t jMIWMlZ-ptS S MmmÄmmm'ie l!7 -ln !r b! A slilL lsezm ^ jd OiZAÄtmr WS 1^ ^j^d 'vzrttmLpWe _ ' ^ ^^S? MlKncim5b8 it in'r K ZMmeVF le i^zmüRch rpe !k^^z^MV iZ'! Peirzilid 6 > .-^ !.<^, . >-^7I^^— PSßMMZZ» Wüi wopet^zK ' MzchZsk ^IlZ ilj A^! ^! ch mMtmz pe^ ^«^^^ ö ^-^^ egNgvW ttMmü/Z M? !I-ssDßMW A. W ^lttnm ^:^ d r w Z DMlMNjW em lU ^M^i W Smwnf^^M' !/l)L^MyA Rtt- H er- M U/SlüMseM «WMUXi? Mdminb tylMltewW Dyolwn M ,S U Ä ^.!k ^ ! .sb 5 Zm iiMdtM !d DFt mdml selMl > d Wmevn^ MW TAoayNMze MM I c ! ^türm; ^rKtUmoÄmc^ "l^rli s ^ !k!^tRlZÄwl- ^ iK NÄUW MIttw S^W^M^ M M>^i!KeimlMg ÄlM _^^c VViV Mlycmntm zstjlrisMe__ K l ÄumllmTlwl A^ !b> ichcmlSNPAck >«-t < »»»» ^ tlTmS chnsMt!se^N!te r t E t - u MiijW VnKltt WttyöKnw> V volmansW Id ^ M^Z Wl ynrr? ä)5UTZ^ erml^n^chä bzvuM AZd/utt lttv e ? F !) s AGme^A g'sso hisms dichte . I^i ikUFy sin! Kepw wunswü >o l^eoms "vH!p ^ttnttpaulüPt !q P MÄY" lttstp^ ?I mm _ rsoWo !ölmr ^ V '.^u^ 5^1 V ^^^^^^ e -Ml ÄiKNouebttM d! WlDtMutiMdl a Ä I GimlKuttsp _k iLn sMMZtMÄ e m, tpr f OlM5N?WM t MM A Hmttiwem r y ttStts epl ^mUH S 'iev ^Oe lF HlVmK tP^ MZitm W M j t' s:lsocT0 ' l i a^mUüs hyPlb llDeoKt M !V ^ülZbrsÄl. r 'k !N K W N AZMM!^ m ,c AyMb lAe ^üülv!v S v M IM OtMMllMKP zHzmmnplöis tM!jiM5 M!hMÄ)M Ä h L tOM o?nl ÜZ^ MMM^ (MMlUMWNi! Karttmesil psm SWtt IM wnmi M M ö j ^ i > °> Zü n VT 5 HowaW /VAHürevttMS :)>iMy epz Mwl^ep, zOMiM MWtre L Y t ^ l M kl ? 0 uwuK,^ x^>jr li^.^ tSlK MMTZA^ WL- Kttdkch'vzdue MdmudiiMS n »cw j^j_je VM d pntnno W/me CmilfMVö LIMttMöipe / !S 1^ ^ A .0. MMtMlwM ^ ^ m e k ^ q lzZKl ir Y'lNLMGD.^^ Ilzne^lÄ^ M wmüj <^Kir MiMMNW- V I'ÄMmemKne N d ltthKN l^MMie Mu-ckaZÄl. b irmcnntWS u .. o. ._____.. i^» N V ^ r b irmcniitWS ^ d?e pljenm ep! !c MomeaM iu inn jt ^SmLNiSMv ^ MLMSM'b !K< j F Smi ttZt)^ jb XXIV. (Kalender des Magister Johann von Knnsperk. l.loltÄnnes K<;»i0lnoiit!»»us.) pöMK Ä Kalender des Ncgiomontanns. — Folge der siebe» Planeten. 5>5> XXIV „Magister Johann von kuusperk's (Königsberg) oder ^oIlann. New md fünf vnd sechezig tagen Ftl»g ich mich durch czcichen tragen." Auf dieselbe Art folgen Lima, Saturuuö, Jupiter, Mars, VcnnS und Mercurius. Die Holzschnitte geben nur die Umrisse mit wenigen Schattenstrichen, diese aber tief und scharf. Die Farbe ist ein blaßbraunlichcs in den Scpiaton übergehendes Schwarz; oft scheinen die Holztaseln fast trocken, aber scharf und tief in das Papier eingedrückt zu sein, damit dieses um so leichter die mir sparsam darauf gesetzte Farbe cmnchmen möge. XXVI „Historie Lanctkiz Orncis." Ein Werk von mehreren, wenigstens sieben Bogen, da ein Fragment daraus, welches sich gegenwärtig im Besitze des feingebildeten Buchhändlers I. A. G. Weigel in Leipzig befindet, auf dem zweiten Felde des Bogens den Buchstaben „G" zur Signatur hat. Diese überaus seltene Reliquie, über welche in keinem bibliographischen Werke auch nur die geringste Notiz vorkommt, verdient der Eigenthümlichkeit ihrer Beschaffenheit wegen, obgleich der einzige noch vorhandene Bogen durch das Alter in zwei Halsten zerfallen ist, an diesem Orte eine etwas ausführlichere Beschreibung. Der Bogen ist in sechs Felder getheilt, von denen aber jedesmal drei zusammenhangende historische Darstellungen darbieten. Sichtbar sind diese sechs Bilddarstellun- gcn mit sechs Tafeln und ebenso vielen Tertholz- stöcken gedruckt, denn mehrere der Letzteren sind in dem Abdrucke verschoben und die Schrift erscheint doppelt, ohne daß man in den zwei Bildern ein Verschieben der Tafeln bemerken kann. Das Ganze scheint nur ein Versuch oder Probedruck gewesen zu sein. Beim Abdruck mittelst des Reibers hat sich der obere Theil der Platte verschoben, so daß sowol Bilder als Inschriften der drei obersten Felder wie doppelt erscheinen. Unter der ersten Darstellung, die wegen dieses Uebelstandes fast gar nicht zu entrathseln ist, kann man nur die Worte „Sie rcgina" lesen; die Unterschriften der beiden übrigen Bilder der oberen Abtheilung dürften, wenn nicht ein zweites Eremplar zu Hülfe kommt, ebenso wenig je vollständig entziffert werden. Die Darstellungen der unteren Felder sind: ». Die Kreuzabnahme mit der Unterschrift: „Dir vcnerunt Joseph et nncodcmus deponctcs ^ cormis rpi o crure e rrur mansit ibi stans." d. Drei Apostel, von denen der vorderste das Kreuz in der linken Hand halt; davor kniccn fünf Figuren, unter welchen auch eine weibliche mit einem Heiligenscheine. Die Unterschrift scheint zu lauteu: „hic apostoli predicavcrunt rü ^ rruce K muiti iudei creunt." e. Drei Kreuze; vor dem mittleren knieen zur linken Seite fünf, zur rechten vier Personen, Calendaire in srimzös. Sprache. — Das Leiden Christi. 57 darunter ans einer jeden Seite eine Frau ! mit dem Nimbus; in der Lust schweben um das Mittelkreuz kleine Tcufelchen. Unterschrift: „Sie Sanctus Paulus Übe- rat a Daemone — rum eruec bene- Äicta." Die Druckfarbe ist grau und das Wasserzeichen dcö Papiers ein einfacher Anker ohne Ring, der mit einem Stäbe endigt. Der Plattcurand zur Linken scheint abgeschnitten zu sein. Die Höhe des Bogens beträgt 9 Zoll 8 Liu., die Breite 14 Zoll. Noch ist dieses höchst seltene xylographische Druckdeukmal ganz unbekannt und von keinem Bibliographen erwähnt, vielleicht auch einzig und allein nnr von Sotzmann, Leon de Laborde und Baron Nnmohr gesehen. Möchte es dem kenntnisreichen Besitzer recht bald gefallen, dasselbe im zweiten Theile seiner tresslichen „Aehrenlese auf dem Felde der Kunst" durch Nachbildung zur Kenntniß des büchcr- uud tnnst- liebendcn Publicums zn bringen! Unterrichtend müßte ein Vergleich dieses xylographischen ProducteS, weun irgendwo noch ein vollständiges Exemplar vorhanden, mit der „Ge- schiedenis van het heylighe Crnys", Cnlcnborch, Jan Veldcncr, 1483. in kl. 4. sein, einem ebenfalls höchst seltenen typographischen W-rke, welches 33 Blatter und 66 Holzschnitte enthalt, unter deren jedem vier Verse in hollandischer Sprache zu lesen sind. Eine ausführliche Beschreibung dieses wichtigen Veldencr'schen Druckes findet man bei vldllin, L!d>ic>tl>e>!!v K^encei'iüiiiv, ?om. III. p. 348-378., wo Alles zusammengestellt ist, was Heineclcen, itles gvuer^Ig p. 461. und der tressliche Katalog der Crevenna'schen Bibliothek, Th. I. S. 36. darüber sagen. Dibdin erläutert seine Beschreibung dnrch sechs Facsimiles. XXVII „Lalenäaire." Ein Kalender in französischer Sprache ohne Drnckort, ohne Jahrzahl und Drucker in 12. Nebst der weiter oben schon beschriebenen „I^rt au morier" wol das erste xylographische Product, welches in Frankreich entstanden j und bis ans Didllln, ^eLsio v. >l. ^ssu eiirist!). Siebcnzchn xylographische Blätter, welche geistliche Darstellungen, besonders von dem Leiden Christi enthalten, mit eingedrucktem Erklärungen. EineS der wenigen bis jetzt bekannten Exemplare besitzt die Universitätsbibliothek zu Heidelberg, wo es in den deutschen Handschriftencodcr cLLexxxviII, Bl. 141 bis 151 mit eingebunden ist. 8 58 Dir zehn Gebote i» Veimen. — Alphabet von Anfangsbuchstaben. XXIX Die „zehn Gebote in Reimen." Ein einziges Blatt in groß Folio, Moses hinter den Gesetzestafeln darstellend, wie er mit dem Zeigefinger der rechten Hand ans das erste Gebot hin- zcigt, wahrend er mit der Linken die zweite Tasel halt. Die Figur des Gesetzgebers ist durch letztere fast ganz verdeckt. Ans einein Querbalken unter den Strahlenhörncrn seines HaupteS stehen in fast 1 Zoll hohen Missalbuchstaben die Worte: „i.)"lt. die gepot. Gepeut dir got." Unter dem Barte lieset man anfeinem Brustläfelchen „moises", dicht darunter auf einer Bandrolle: „Wer will eingien in das ewig leben spricht got Per soll hie ganz behalten diese zwey gebot. Von zehen Worten do mit gnntz ein. Die zehen gepot beschlossen sein." Anf der rechten Tafel mit der Ueberschrift.- „Das erst" sind folgende fünf Gebote eingefchnitten: „Fieb hoste und glaube nn einen got. Den Anbei v»d halte seine gebot. V o t des noinen hab allezeit in eren. Vicht »nntzliche» solt du bey im schweren. Deinen s>ncrt»g heickig flel,ss'iglil,'ch. Got zu lob mit »»dacht demiitiglilich. Kern die dir vorsten und die di'ch leren. Vater v»d mlltcr die solt du cren. tSenczlich behalt ni deiner gedccht. Viem»nt solt du todten wider recht." Auf der linken Tafel, welche die Ueberschrift: „Das »»der" tragt: „Vnd es sey d»n dein eli'ch w»n oder weich. Vicht milleiilche du i»lt lieniein andern trrich. Deinen gleichen den got ersch»ffen h»t »ls du Vicht ni'me lin sein guet noch ere vurcehtlich. V ech st e n durch lieb. g»b. fcnitschnst oder peni. Vicht solt du falscher zcng noch richter sein. Als zu milieuscheit oder zu nndern vnercn. Vicht solt du deines nechsten gein»hels begercn. Dich mensch mensch verlobe ich nicht also spricht got. "Nicht begere nnrechts guets. halt d/c gepot." llnter der ersten Tafel, welche durch einen mit Erelsteinen und Perlen eingelegten Nahmen eingefaßt ist: „Lieb got deinen herreu genczlich. Vmb sei» srlbs Darnm willen cntlich. Da er ist vnd pleibt ewiglich. Das allerhöchst g»t vnaußsprechlich." Unter der zweiten gleich geschmückten Tafel: „Fieb deinen nächsten »ls dich. Vmb gots willen. Doruinb priidcrlich. Der in besch»ffcn und erlost hat als dich. Vnd berufst mit im zu lebe» ewiglich." Dieses höchst seltene xylographische Blatt befindet sich mit den gewöhnlichen Wasserfarben jener Zeit ausgemalt iu der königlich sächsischen Galerie der Kupferstiche und Handzeichnungen zu Dresden. Die in den Geboten in doppelt so großer als der übrige Tcrt geschnittenen Anfangsworte sind abwechselnd bald roth, bald grün colorirt. XXX „Alphabet von Anfangsbuchstaben, welche aus menschlichen Figuren in den verschiedenartig st en Stel l ungc u z u - sammengesetzt sind." Wahrscheinlich das Werk eines niederländischen oder französischen Formenschneiders aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Weder v. Hciuecken, uoch Breitkopf, noch v. Murr oder Meermcinn hatten Kenntniß davon. Dies wichtige Product der frühesten Druckversuche scheint selbst dem Kennerblicke cincS Dvnce entgangen zu sein, obwol das einzige bis setzt bekannte Eremplar in der Bibliothek deS britischen Museums sich befindet. Die Höhe dieses aus 21 Blattern bestehenden ABCVuches betragt 6 Zoll, die Breite 3» Zoll. An dem vollständigen Alphabete fehlen die Buchstaben S, T und V. Der Buchstabe A ist beschädigt. Das Ganze ist auf sehr dickes Papier und in einem sehr blassen Sepiatone, der bald mehr ins Gelbe, bald mehr ins Braune fällt, mit dem Neiber gedruckt. Die Arbeit gehört sowol in der Zeichnung als iiii Holzschnitte zu dem Vollendetsten, was die Literatur der rj'lographischcu Druckreukmäler bis jetzt auszuweisen; ja man kann sogar behaupten, daß sie nicht nur alle Holztafeldrucke, sondern auch alle Holzschnitte vor 1500 oder bis auf Dürer Alphabet von ^ufangsliuchstnl'cn. 59 übertrifft, mit Ausnahme der in der italienischen Rhapsodie „II^MerotoiiiÄelük" des PoliphiluS (Francesco Colonna 1437-1527) befindlichen Holzschnitte, welche nach Zeichmingen von Francia oder Mantegna, oder gar von Leonardo selbst gefertigt sind. Dies merkwürdige Bnch, von dem weiter unten bei d>-n Fortschritten der Typographie in Italien die Nede sein soll, wurde zu Venedig im Jahre 1499 von Aldus gedruckt und gehört zu den schönsten Leistungen jener mit Recht so berühmten Druckerfamilie. Zwei auf dem Blatte, welches den Buchstaben L darstellt, geschriebene englische Worte, deren Züge auf den Anfang des 16. Jahrhunderts hindeuten, verführten Ottley zu der Behauptung, dafz jenes Werk das Product eines englischen Künstlers sei, wahrend schon ein Blick auf die Composition des Ganzen darthut, das? es seinen Ursprung Frankreich oder den französischen Niederlanden zu verdanken habe, wenn auch nicht der kniecnde Liebhaber im Buchstaben K in seiner ganzen Haltung, besonders aber in der Art, wie er der Geliebten einen Ring anbietet, und die Worte „mon^ >n>cs" auf der Schriftrolle, die er iu der linken Hand halt, auf französischen Ursprung hindeutete. Hier sei es vergönnt, den neuesten Historiographen der Holzschneidekunst John Jacksou zu berichtigen, der den in der Mitte der zwei Worte durch ein Herz ausgedrückten „Rebus" nicht beachtet hat, und sonderbarer Weise statt mon ^ nvcs „mon nmc" liefet. Eine genaue Bcschreibuug dieses höchst seltenen, noch in keinem bibliographischen oder kunsthistorischen Werke angeführten xylographischen Prodnctcö mit Bezeichnung aller der Figuren, aus welchen die Buchstaben zusammengesetzt sind, giebt John Jackson in seinem mit wahrem Lurus bei Samuel Bentlcy (IZiuiMi- II»»««, Stioe 1ii»i; b!ütoi-!c)!i! !uul jx'üotlciil. ^Vitll »p>v!>^«l« ot tbre« iIIuLt.i'ilt.ivi>5, en>;>'!tvell 011 >vooll. 1,oiillc>n, Lluirles K»I^tit, 1839. xr. 8. p. ^31-139.", wo man auch die Buchstaben K, L und Z, sowie daS mit großer Freiheit gezeichnete Blumenornament des letzten Blattes abgebildet findet. Ein genaues Facsimile des ebenso geistreich als abenteuerlich zusammengesetzten Initialen K möge hier eine Stelle finden. In der Idee damit verwandt, aber weit armer an Phantasie und in der AnSführnng ganz untergeordnet ist das sowol Heinecken als Bartsch unbekannt gebliebene „ Alphabet in der v. Derschan'schen Sammlung von Originalholzplatteu " alter deutscher Meister, welche N. Z. Becker iu Gotha in gelungenen Abdrücken in grosi Folio 1316 herausgegeben hat. Jeder Buchstabe ist durch eine oder zwei menschliche Figuren gebildet uud von Blumen - und Bandeinfassungen umgeben. Das Monogramm des Künstlers I. Alphabet von Ansnngsl'nchstabcn. Mitte. Dieses wunderlich gezeichnete, aber fein geschnittene Blatt ist 10 Zoll 2 Lin. hoch und 13 Zoll 7 Lin. breit. Was die Franzosen auf dem Wege der Lithographie in dem Gebiete der Bnchstabeuvcrzicrung geleistet, ist allbekannt. Hier möge nur der Alle dat opt Äerden-novewksgyemsece lyoetwederttraerden endewo^denaect v diebikect. tgheboe ovs heren Sz> luteters yuaechezit-inhouerde gekaect Die tcnder ver^etl^ep b > nv lit enblsece Si ho merde ghe taect-int ervich verzeren God wilde weeren-die ueghmcozen (5vde tci'epmeteren> adsm al voien Endeommel'yno^boLeu'eukdaer aser G?ho^enrade - endetviantS lpo:m Äuamenrvx wde tcade 'vmteKne verlobe phantasiereichen Buchstabenbildung Victor Adam's in Paris gedacht werden, dessen vielbewunderte Alphabete auf ähnlichen Ideen beruhen. Für xylographische Trucktcnkmaler wurden früher selbst von ausgezeichneten Bibliographen nachstehende Werke gehalten, bei denen aber eine neuere Forschung dargethau hat, daß sie mit beweglichen Typen gedruckt sind i 1) „Knasts tires , bil>I. mitüj. -u»t pict. ^our, III, 230. Es ist aber von Albert Pfister zn Bamberg gedruckt. Die in Wilsou's „Liitalogue I'»isonn6 ok tlie colloctlun (ik «Iigi ^vingÄ vk »n.Vmi^- teur, I^onüon, 1828. 4." augcsührten „Versuchungen des Satans und die sieben Todsünden" sind nicht, wie dort angegeben wird, ein selbststandigeS xylographisches Product, sondern nichts anders als das von Koning mitgetheilte Blatt der niederländischen ..Vi'-i moi'!e») hat liestetigt vnbst ^ clcmcns selig sin alle dn rs vas verkünden dy haben ^ rriij tnusent iar apvlas des helff vns got Amen." Diese Holzschnitttafel der herzoglichen Bibliothek zu Wolsenbüttel ist dem alten Ablaßbilte, im Besitze des Herrn Buchhändlers I. A. G. Weigel zu Leipzig, von welchem schon weiter oben Seite 44 die Nede war und wovon in dessen „ Aehrenlese ans dein Felde der Kunst: Erste Abtheilung, Leipzig, 1836. 8." am Schlüsse ein Faesimile sich findet, zwar in der Hauptsache ähnlich, doch im Einzelnen sehr verschieden. Jenes deutet durch Zeicbnung und Schrisltert offenbar in die Gegend des Niederrheins, wahrend diese zuverlässig oberdeutschen Ursprungs ist. Das Wolfciibüttler Bild, gerade so breit als Weigel's Eremplar hoch ist, hat 15 Zoll Höhe und 10 Zoll Breite. Wol der älteste von allen Ablaßdrncken, die bis jetzt aufgetaucht sind, dürfte derjenige sein, welcher sich seit ganz kurzer Zeit im Besitze des Herrn Nndols Weigel, Anstalt für Kunst und Literatur, iu Leipzig befindet. Das Blatt, welches die Madonna mit dem Christuskinde ans einem verzierten Ruhesitze darstellt, verrath sowol in der Auffassung als besonders in der Ansführnng des Knnststyls einen neugriechischen oder altitalienischcn Meister. Es ist ein alter Abdruck auf Baum- wolleupapicr von einer Metallplattc oder Metall- sculptur auS dem letzten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts. Der Hintergrund ist punctirt, der Rand bestehet aus abwechselnden Arabesken, oben liefet man in, durch den Abdruck verkehrter, Schrift: c.vuniv^rs. ^ncmiZi'isüoi'i. r?. rri. coxivi.iut^'xi' ^ is?i. rvci.r. vn. ^nnos. xi-v. vixs. ixor?l.orxc! ^ ii:. r-r. x. K.^NIiK^S. IXSVI'. VXS. XICVI.^IIS. ?.^I'^. ^ im>). nizni? ^xxv^l. i?. xi.. r>ii:s. n.vs- ixxocxx ^ Lins, i-^i-^ im), xi.. virs- 62 Einzelne xylographische Platter mit Text. iiizc. lüsnri^vi^vcc.i. v ^ vu.^r. o^ixi- üvs. rrs?lvi?^?iuvs. s^ci-iz. zi ^ xun-, i^i'. ix. nm. ni^n io^cioxis. i^? i'i'ii. c>ci^ ^ v^s. r^uv^i. sv>l^i^. ixnvi.- v^xciiz. snx-r. ! viil. ^xni. x?. i.xxxv. viLS. r?. x. i^nni^x." Die Höhe beträgt 14 Zoll » Lin., die Breite 8 Zoll 7 Liu. Augenscheinlich hat diese Metall- tafel einer Kirche angebört. Die beiden genannten Papste (Jimocentius IV. saß von 1243-1254 und NicolanS I V. von 128«-1292 ans St. Peters Stuhl) deuten ohne Zweisel ans die Zeit ihrer Entstehung hin. In Dr. Kist'S trefflichem Aufsatze über den päpstlichen Ablaßhandel, besonders in den Niederlanden, in dem „.Violiiv vom- i«?>1. 2715. 1«!. impr. Vonetli« ctie 23. 8eptel>r!» 1492.", welches ehemals im Besitze Hartmann Schedel'S, des berühintcn Weltchronisten war, von dem eigenhändige Briefe mit eingeheftet sind, findet sich ein Drnckblatt mit der Inschrift: „Her opern ficnt in ovpido Tluremberga gcr- manie ductn Joannis de Klontcregio." Alles astronomisch. Der Kalender wird angeführt und sein Almanach aus 32 Jahre. Nach einem leeren Blatte folgt „Ein großer Knochenmann" mit der Ausschrift- „Anathomia ossium eorporis hnmani." NechtS stehet, sie sei nach Nicardus Helo Tlurimberge /L-^-^> Der auf dein Deckel des BncheS eingeklebte kleine Adcrlaßmann mit rothem deutschen Eindruck scheint nicht zn diesem ersten Versuche anatomischer Darstellung zu gehören, sondern vielmehr Negiomontan's Kalender entnommen zn sein. Die „.^n-ltliomi-v" aber ist im Münchener Kataloge der Holztafcldrncke unter Xylogr. 40". eingetragen. Ä. „St. Minus, alö Patron der mit der Lustseuche behafteten Kranken." Der Heilige, in der rechten Hand einen Pilgerstab, in der linken eine Sichel haltend, ist wandernd dargestellt. Neben ihm knieen zu beiden Seiten sowol männliche als weibliche Sieche, welche zu ihm beten und von denen die zur Rechten des Heiligen mit Geschwüren behaftet sind. Unten stehet in MönchS- schrift die GebetSformel - „Almcchtigcr barmherziger ewiger got sich uns an mit den äugen deiner barmhcrtzigkeit und uerleich uns das wir durch dz fnrbitten und uerdinen des heiligen ueichtigers sancti Mlinr uor der sörgklichcn Krnnckhcit der blättern barmhcrtziglich werden beschirmet durch eristnm unsern Herren Amen. Der heilig bcichtiger Sunctus Klinns wirt in welische lande nngcrnft't und gebettcn für die grausamlich Kranclcheit der blättern in welisch genant maln frantzoza. WolfgangK hamer." DaS Blatt ist 9 Zoll 3 Lin. hoch und 5 Zoll 6 Lin. breit. Der Formenschneider Wolsgangk Hamer, welcher am unteren Ende seinen Namen einge- schnitten hat, ist ein Vorfahr deS Nürnbergischen Formenschneiders Stephan Hammer, der im sechszehnten Jahrhunderte eine Menge schlechter Blätter Einzelne rylogniphischc Llntter mit Tert. ^ serit presentis tempore vite ^ hoc sibi mesois rrit dum dicetnr ite venite." 8. „Ablaßtafel" mit Crncisir und 14 Zeilen deutschen Tert, welcher in Gebetform beginnt: „(!) hcrrc ihcsu rriste ich nnpete dich" u. f. w. Alle drei iu der Beckcr'schen Sammlung. i). Die „h. Jungsrau mit dem Jesuskinde alsHiin mclskönigi» " aus dem Halbmonde stehend, von Flammen und Strahlen umgeben. In den vier Winkeln anbetende Engel; um daS ganze Bild hangt ein zierlicher Rosenkranz. Unten ist der paraphrasirte englische Gruß, lateinisch und deutsch mit Mönchsschrift (im Missalcharakter) iu die Tafel geschnitten. Auf der ersten Colnmnc liefet man: „Ave snnctissimn Marin mnter dei rcginn ccli portn pnradisi. domin» müdi. Tu es oingulnris mrgo pnrn. tu eöceptn sine peecato coneepisti Jesum sine mnculn. tu pepcristi creatorem saluntorem mundi. in nuo ego non dnbito. (!)rn pro ine Jesum dilcctum filium tuum öc libern me nb oinnibus mnlis Aiueu." Die zweite Spalte füllen die Worte: „Gegrisset seyest du nllrrheiligstc Marin du mutier gottes du I.ünigin des himels du port des pnrndcnß ^ du r»m (statt srnw) der weit ^ du bist eine besundere reine .julisrn (statt zungfrnw) du Host empfange .jcs.u» on fund, du holt gebor» den schopfter und belialter der weit ^ darn» ich nit zwift'el. ^itt für mich zrsttm dein liebe sn» vü erlas» mich von olle übel. Amen." Der mit Schreiberzügen verzierte Initiale „ Tertzeilen gehört dem sechszehntcn Jahrhunderte an und scheint einem Missale entnommen zn sein. 13. „Christus am Kreuze", welches an den Ecken mit den Symbolen der Evangelisten verziert ist, drei Engel fassen das Blut auf, links Maria mit dem Schwerte in der Brust, oben rechts Sonne, links Mond. Am Kreuze die Worte.- „Golmithil rnllmryn quo jient»nuin locus." Schwach mit Wasserfarben colorirt; 13 Zoll 6 Lin. hoch uud 9 Zoll 3 Lin. breit; früher in der graflich Sternberg'schen Sammlung, s. Frenzel's Katalog, Bd. II. S. 3. 1l». Der „h. HieronymuS" im bifchöf- lichen Mantel und Hut, stehend mit dem Kreuze, rcicl't dem links aufspringenden Löwen eine Blnme. Oben znr linken Seite eine Bandrolle mit: „San- ctus Bi>orliiii)inns." 14 Zoll 6 Lin. hoch und 8 Zoll 9 Lin. breit. 17. Der „h. Alerius uud die H.Agnes" auf einem Blatte nach Art der Spielkarten neben einander und zwar nur mit Lampenruß mittelst des Neibers gedruckt und mit Wasserfarbe durch die Patrone illunünirt. 18. Das „jüngste Gericht." Christus auf dem Himmelsbogen sitzend, die Hände zum Segnen ausgestreckt, umgeben von den Patriarchen und Heiligen, unter ihnen Maria nnd Joseph. Zu beiden Seiten Engel, die Posanne blasend, mit Sprnchzeddeln, worauf man liefet „S'nrnitc mor- tut" und „Meinte ad.judicium." Ueberall öffnen sich die Gräber, denen Todte entsteigen. Rechts fuhrt der h. Petrus die Enten hinweg, links werden die Bösen von Teufeln mit Harken und Rechen verfolgt und von der Hölle in weit aufgerissenem Nachen verschlungen. Eigenthümlich ist die Darstellung des Heilandes, von dessen Halse zur linken Seite ein Schwert und zur rechten ein Oelzweig ausgebet, wol zum Sinnbild der Strase und der -Rettung. Die oberen Ecken füllen zwei' Engel, von denen der zur rechten Seite das Kreuz, der zur linken aber die Dornenkrone und die Marterwerkzeuge in den Handen hält! Die Unterschrift, weiß auf schwarzem Grunde, lautet: „Wies illa dies ire. dies calamit^ K miserie. dies nmn,na K mimra müde." Die Höhe beträgt 1 Fuß 2 Zoll, die Breite 10 Zoll. IN. „Kreuzigung." NcchtS am Fuße des Kreuzes der Hauptmann mit dein Sprnchbande: „vcre filius dei ernt istc." 20. „Eine große Katze", die ihr Junges im Spiele mit Mänsen zu unterrichten scheint, mit der Unterschrift: „Kurt vich vor den Knttzcn. dn vorn lecken vnde hindrn Krattzen." Unstreitig einer der ersten Vcrfnche der Holzschneidekunst. 21. „Banernkalcndcr." Zwei Blätter, davon eines in klein-, daS andere in groß Folio. Blatt 1. oben liefet man: „Saturn^ — Mlars Seind hcrre dis,jars." Blatt 1. unten: „Oetruckt zü Negensvur«." Jedes Blatt hat 12 Zeilen mit schwarzen Zacken, die Feste sind roth gedruckt und über den Heiligcntagen erblickt man kleine rohe Bilder. I» der königlichen Hosbibliothek zu München Xylogr. 42. und 42". 22. „Kalenderfragment." Eine halbe Seite sehr schöner kleiner Holzschnitt in 4. mit der Jahrzahl /^.AI. und dem Namen des Künstlers „ (I) org GlogKendon." In der königlichen Hofbibliothek zu München Xylogr. 44. Die meiste Aufmerksamkeit von allen diesen Blättern verdient die Ablaßtafel uuter No. 8., mit 14 Zeilen Unterschrift im Missalcharaktcr nnd in oberdeutscher Mundart, von deren Originalholzstock ein Fragment in der Vccker'schcn Sammlung zn Gotha noch vorhanden ist uud ein Abdruck davon sich in dem großen Holzschnittwerke Lieferung I, Classe ^, Bild 5 befindet. Hier sind Spuren des höchsten Alters sichtbar. Die Schrift ist den frühesten Donaten verwandt und aus dem Grunde höchst merkwürdig, weil sich die zarten Endstrichc am Schlüsse der Wörter, zumal beim „t", wie bei den niedcrrheinischen und holländischen Wiegendrucken zeigen, während der Tcrt in sprachlicher Hinsicht unbczweisclt nach Franken oder Schwaben hinweiset. 23. „Erdkugel", dessen Horizont der Kalender bildet. Die geographische Darstellung beschränkt sich auf wellenförmige Striche für das Meer, in welchem rnndc oder ovale leere Nänmc die Länder mit fabelhaften Menschengestalten ver- sinnbilden. Man lieset z. B. „hic gentes habrnt S «i'i Einzelne xylographische Ulöttcr mit Tcrt. duo rovito. — „in »mono, gcntes adornnt sole loco dri" etc. Wol das älteste Beispiel einer gedruckten Landkarte. Zwar dein sechzehnten Jahrhunderte angehörend mag doch nachstehendes Blatt der Seltenheit und eigenthümlichen Sprache wegen eine Stelle finden: 24. „Menschliche Mißgeburt mit zwei Köpfe» und vier Armen." Oben die Worte: „Elsbeth Elisabethen", zur Seite zwei Wappen. Unterschrift: „Anno dni MCCCCL" vnd vi.i vssden rr tag des? hemonets ist diß num- derbnrlich geburt geboren In ninem dorfs crtan- gen l») rüdlingcn »n der thonow gelogen in der tödlichen herre land zn mcrdenbrrg itö oberhalb de girtel ij hövtcr vn isd jedes bcsunder ij hend hinterm rucken den sy vor dem ganzen Kcrppcl in ir nirgend aber die andrrn i.j hend hcrforne vnd sind also oberhalb der girtel ij menschen vnd nn- derhalb dem nobel nit mer don nin mensch mit ij schenbeln nit me dun den j orss vnd j fetzlin (Schaam) ze M. Siglin." Ein Bogen in Folio. AlleS mit grancr Wassersarbe und mit dem Neiber gedruckt. Von denjenigen Werken, die als „Lylogra- phnm und Jncnnabel" zugleich betrachtet werden können, mag hier nur die >,^r« «t modus contem- plxtivas viws" des Thomas von Aqnino eine Stelle finden. 3V Blätter, darunter 6 einseitige Holzdruckblatter und 24 Blatter schöner doppelseitiger Letterndruck. Blatt 1"., 2". und 2". haben je vier runde Schilder mit Bildern von der Schöpfung an und einen kurzen ebenfalls in Holz geschnittenen Ter't, z. B. auf der Rückseite des ersten Blattes, links oben bei der „Schöpfung Eva'S": „Nccor- datio Theologie, «Lrlorum Elementorn — Creacio spirituum Elcincntntorü — Soviencia — Aoni- tas — Ncdempcio." Die Bilder sind durch drei Kreise eingefaßt, von denen zwei sehr nahe an einander, der dritte aber etwas entfernter gezogen ist. Blatt 3->. blos TM: s. Fortsetzung der „ Vigintinuino?: dignita- trs dei": d. „Contemvlacio ihn sub: ountuordccim actibus eompressa." Blatt 4-23». Doppeldrnck mit beweglichen Lettern. Nürnberg 1473. „haue figüram reterarum omninm vti- lissinmm Comvosue ^ runt dortorcs Atme vniucrsitotis Parisiensis Ad cruditi ^ onem multorü." Blatt 28". (oder 24stes Druckblatt) Schluß: „Sequitur orbor." Holzschnitt, dazu Stammbanm zur Predigt. —- Zwei einseitige Holzschnittbilder mit gleicher in die Holztafel cingeschnittener Zeitschrift wie Blatt 1. und 2., 3. nnd 4. Die königliche Hosbibliothek zu München verwahrt diese Seltenheit unter ihren Holztafeldrucken, mit der Nnmmcr: Xylogr. 38. Von einzelnen xylographischen Heiligenbildern und andern Blättern mit und ohne Tert, wie wir deren beispielsweise schon S. 15-17 angeführt haben, besitzt die königliche Hofbibliothek zu München eine sehr große Anzahl, welche v. Aretin, Docen und Bcrnhart sammelten, und die meist auf den Jnseitcn alter Bücherdeckel aus Klosterbibliotheken eingeklebt waren. Davon nennen wir nnr: Die h. Veronica mit dem Schweißtnche nnd der Jahrzahl 1473. Die Schmerzensmutter Maria. Der gekreuzigte Heiland. Christns mit der Dornenkrone (IZcos Homo). Ii'igui'0, K. ZZucli-u-istlae. Eine Beichttafel mit der Jahreszahl 1431. Die ausführlichsten Verzeichnisse solcher einzelner xylographischer Blatter dcö fünfzehnten Jahrhunderts, wenn sie gleichwol noch lange nicht vollständig genannt werden können, liefern Bartsch im ?c!ntro (Zi'avsur, Joseph Heller im praktischen Handbuch für Kupferstichsammler und vor Allen Nndolf Weigel in seinem mit großer Sachkenntniß und Genauigkeit redigirten Knnstkataloge, von dem bis jetzt (1840) die achte Abtheilung erschienen ist und dessen Fortsetzung noch viel des Trefflichen erwarten läßt. Gewiß sind noch in manchen älteren Bücher- saimulungen Schätze dieser Art verborgen und harren auf den Zeitpunkt, wo umsichtige Bibliothekare oder Kunstfreunde sie heben. I u s a m in e n st e l l n n g der verschiedenen Ansichten von dem wahren Erfinder d c r Buchdruck erknnst. iainz ist von den gewichtigsten Stimmen deutscher Gelehrten nnd Geschichtsforscher, sowie den meisten ^'Bibliographen deß Auslandes als die Wiege und Gutenberg als der Erzenger jener großen Erfindung anerkannt worden. Doch haben Jahrhunderte hindurch, wie dereinst im Alterthume sieben Städte um die Ehre des Geburtsortes des Homer stritten und zur Zeit des dreißigjährigen Krieges siebeu christliche Gemeinden Ansprüche auf deu berühmten Grotius machten, vier Lander und viele Städte mit mehr oder weniger Glück um jeue Ruhmespalme sich beworben und triftigere oder schwächere Gründe zu ihrer Berechtigung aufgestellt. Das hohe Interesse, welches eine Knust gewahrt, deren Wirkungskreis heut zu Tage so unermeßlich ist, entschuldigt anch srnchtlose Bemühungen, ihre Geschichte aufzuklaren. Es dürste nicht uuangeuehm sein, die verschiedenen Ansichten über die Entstehung der Buchdruckertuust hier zusammengestellt zu sehen. Wir übergehen die Zeugnisse der Alten über Eiugrabuugeu von Buchstaben in Stein, Holz, Elfenbein und andere Stoffe, sowie deren thcil- weisen Abdruck in Wachs als Siegel oder Gedenktafeln, un? in Thon zur Bezeichnung der Töpfer- gefaße, Ziegel uud HauSgerathe, in denen einige Gelehrte die Uranfänge der Drucktuust wahrnehmen zu müssen glaubten. Wunderbar bleibt es immerhin, daß man schon im frühesten Alterthum der Sache so uahe gekommen war und dennoch die Erfindung nicht machte. Vornehme Personen aller jener Völker, die zuerst Cultur annahmen, wie der Acghpter, Assyrer, Mcdcr, Jndier, Babylonier und Araber trugen nach dem Zeugnisse Hcrodots, dieses Vaters der Geschichte, an ihren Handen Siegelringe, je nach ihrem Stande, bald von Gold, mit kostbaren Steinen geschmückt, bald von weniger edlem Metalle, in welche man bald ein Brustbild bald ein Monogramm erhaben oder vertieft einschnitt uud in eine weiche Masse abdrückte. Die übrigen classischen Stellen, welche bei Griechenlands und NomS Schriftstellern nachgelesen zu werden verdienen, sind: Ilomei i Hins VI. 168. „?rk»?rk ^iv v4v,l/»zvZx, noykv 6' o-/x <7^u^'rv! ^o«i/>«S Tr/^cvxt Trrvurc? Äv/ivPÄoytt ?ro^,cn Lykia hin und tninn.ic Zeichen Gab er ihm, Todcöwmke geritzt aufgefaltetem Täflem." ?IutarcI>i v!t. r-ural. Kolon, (ed. Lii«il. 1560. lol.) p. 66. IHusdem opp. mor. (eI!c->rn. ilnti-j. rvm. Hb. I. st IV., wo eines im Tempel des Jupiter Fidius aufbewahrten hölzernen SckildcS uud eines Dreifußes vou hohem Alterthum erwähnt wird, auf welchem Inschriften cingcgrabcn Ware»; i>. i. I»I. 21., Vli^üii xeorg. üb. III. v. 158., Lvlnmellit VII. 9. 12. Zwei alte Kirchenschriststcllcr, Ehprian in seinem Werkchen über die Götzenbilder nnd Minncius Verschiedene Ansichten über die Erfindung. Fclir im „Octavius" sagen, Saturn habe zuerst in Italien die Bnchdruckerkuust gelehrt: „l!cer->s im- prüneie et si^nsre nuinmvs." Pomponius Lätus sollte durch diese Stelle beweisen, daß die Vuch- druckerkunst ihren Ursprung in Italien erhalten habe, und Peutiuger nahm sogar die Mühe auf sich, diesen sonderbaren Einfall im vollen Ernste zu widerlegen. Dr. Kramer treibt die Einfalt des Herzenö so weit, dasi er alles Ernstes den alttesta- mentlichcn Dulder Hiob für den Erfinder halt. Man sehe dessen Schrift: „Des heiligen Jobs bleyen Schreibtäflcin zu Lob der edlen Druckerkuust erkläret. Alten-Stettin, 1611. 4." Dr. Ludo- vieo Eoltelliui aus Cortoua folgert auS einein gebrannten Steine, der sich noch im Jahre 1761 in dem Besitze dcS Malteserrilters Giovanni Sernini Cucciati befand, nud auf dem eine Aufschrift in etruskischer Sprache stehet, die nicht nach der gewöhnlichen Art dieser Monumente, sondern dnrch Fonnen von einzelnen Buchstaben hervorgebracht Worte», daß die Kunst, mit Buchstaben zu drucken, schon den alten Ctruökern bekannt gewesen sei. Zur Bekräftigung dieser Ansicht führt er an, ein jeder Buchstabe müsse mit einer besonderen Form eingedrückt worden sein, weil man immer ebendenselben Buchstaben mit seinein unterscheidenden Merkmale wiederfände, welches nicht sein könnte, wenn man nicht dazu denselben einzigen Buchstaben gebraucht hatte. Der Englander John Toland schreibt dieselbe dem großen Römcrcousul Eicero zu, weil ihm in dessen Abhandlung vA> »^>I>!ue inveil- Uoue" und in der: „ Lolleetion ok sevei'ick siieces ok 5. 1'olin.it." I.»n. 595-607. behauptet, schon Karl der Große habe die von ihm gesammelten deutschen VolkSgefange nud seine eigenen Lieder in Holz schneiden nnd mittelst einer Tinte aus Pergament und auf Papier abdrucken lassen, wovon er ein Eremplar als in der k. k. Hofbibliothek zu Wien vorhanden bezeichnet. Der gelehrte Bibliothekar Lambeccius aber zahlt die Bücher, von denen Licimander am angeführten Orte spricht, unter die Wiener Handschriften. Augclus Roccha, Paneirolus, Maffei, Acosta, von Murr und Du Halde behaupten, der Druck von Büchern mittelst fester Tafeln sei schon über tausend Jahre vor Christi Geburt oder wenigstens schon zur Zeit AlercmderS des Großen den Chinesen bekannt gewesen. Ersterer giebt in seiner Lidllo- tlieea Vilülüniiv illustrütu, Uvinne, 1591. 4. 419. eine ziemlich ausführliche Beschreibung des Verfahrens mittelst zweier Bürsten von länglich viereckiger Form, von denen die eine zum Auftragen der Farbe, die andere aber znm Reiben des ans die geschwärzte Holztafel gelegten Papieres bestimmt ist. Letzterer führt im zweiten Theile seiner vescii^tion !u Verschiedene Ansichten über die Erfindung. Dominico Manul nennt in seinem Werke: „Oellil piima ^>rom»I>;!>.ii(i>ie eü!»»v !«torien." I''Ireniie, ?. L. Vivisni, 1761. 4. den im Jahre 1412 geborncn Goldschmied Bernardo Eennini als Erfinder der Kunst, Buchstaben erhaben in Stahl zu schneiden, um damit Schrift zusammen zu setzen und zu drucken. DieS Verfahren habe er um die nämliche Zeit, als Johannes Fnst zn Mainz die Buchdruckerkuust erfunden, seinen Söhnen Dominico nnd Pietro gelehrt. Ans diese Weise sei daS „Leben der h. Katharina von Siena" von 1471 nnd der „VirgiliuS" mit dem Commcn- tare deS Servins von 1472 herausgegeben. Nur in Bezug auf das letztgenannte Werk ist diese Nachricht begründet; das Erstere ging 1472 durch die Predigermönche Dominico de Pistoja nnd Pietro de Pisa anS der Klosterdrnckerei znin h. Jakob von Nipoli zu Florenz hervor. Die Uuterschrist nach der Vorrede dieses Werkes scheint den ganzen Irrthum der Ansicht Manni'ö durch fehlerhafte Auslegung hervorgebracht zn haben. Keine Schlnßschrift der frühesten Druckwerke beschreibt so offen und deutlich die ersten Wege der Knust, als dies bei der I^exeinta llell» mlr-chils Ver- xine deittii (^lmtei-iii-1 e VII. Illus I>?l)vemt>rls meeeei.xxi. 1Zoi'tt!ii'ires»!s ante eulllie eliar^etecibiiÄ et »c j>>'Imum Im^ires- .tr!>n>»i tui'iiu>i'U»>>j»e e»neoi°n ^Vur!i1>urxense welches ohne Angabe des Ortes, deS JahreS und TrnckerS in Folio herauSkaiu, sür daS älteste datirte Buch und beruft sich auf daS Zeugniß des ThcatinerS P. Pacciauti. DaS älteste in Würzburg gedruckte Buch ist nach Ludwig Hain, lispertorlmu didlioxrapliieum Vol. I. ?->rs I. 533. das „ Lrevi-nlum llerbi^vlense'- von Stephan Dold, Jeorius Ryser und Johann Bekenhnb genannt Maintzer, 147S. in Folio. Jean Des Noches setzt die Erfindung um ein ganzes Jahrhundert früher hinaus und schreibt dieselbe einem gewissen Ludwig van Vaekbecke in Antwerpen zn. Die Gründe für seine Behauptung nimmt er ans der Chronik von Brabant des Nico- laus ClericuS (?) vom Jahre 1318, welche anfängt: „Dit Nocli wacrt begonnen noorwaer Da man screes Ihesus Chr'stus jaer Perthicn hondert achttien mede At tc Antwerpen in die Siede." und unter andern Begebenheiten anch erzählt: „In deser int stiert' menschelyc Die goede Vedelurc Fodewyc Die de beste was die voor dien In de werclt ije ums ghesien Van mnliene ende inetter hant Vnn VnclbeKe in Urabnnt Also was hy ghenant. Kn was d' eerste di v»nt Van Stampien dir Manieren Die inen nogh hocrt nnticrcn." Demnach wäre die Buchdruckerkuust, sogar mit beweglichen Lettern, schon im vierzehnten Jahrhundertc erfunden worden, ohne darum allgemein bekannt zn sein. Des NochcS, von Geburt ein Franzose, verwechselte vas acht niederländische Wort „Stainvne", welches ein Getöse bedeutet, daS mau durch Stampfen mit dem Fnße hervorbringt, mit dem italienischen „Stciin^ü" und dem französischen „lZ«t->mi,e" und vergaß, daß hier, wo von einem „Vedelaere" das ist Fivler oder Geiger, in der Gesammtbedentung aber Musiker ! überhaupt die Nede ist, nichts anders gemeint sein ! kann, als daß jener „ Ludwig van Vaelbecke" die Kunst des Taktschlagens oder des TakttreteuS erfnn- dcn hat. Wäre dies nicht der Fall und wollte man das Wort „Stamvnen" mit der Idee des DruckenS in Verbindung bringen, so müßte offenbar der Schlußvers lauten: „die man noch sieht hantieren" statt „hört hantieren." Verschiedene Ansichten über die Erfindung. 71 Abbe Ghesgttiere widerlegte zwar die Ansicht des Des Rochcs, stellte aber die Behauptung auf, man habe von 1445 an zn Brügge in Flandern Bücher „jetes en moule", worunter „Taseldrncke" gemeint sind, wie z. B. das „ Voctrln-Ue " uud „1,!ber tacetlsrum Cocons mores Iiomnnini" verkaust, uud nannte Jan dc Brit oder Jean Briton, welcher um 1450 lebte, als den ersten Drucker. Dieser Name findet sich aber in keiner einzigen Unterschrift eines BuchcS aus dem fünfzehnten Jahrhunderte uud der gelehrte Van Pract hat hinlänglich nachgewiesen, daß Colard Mansion gegen 1472 der Stifter des BücherdrnckS zu Brügge in Flandern war. Ognibcne de Lonigo, nach dem Branche jener Zeit OmnibonnS Leoniccnns genannt, behauptet in der Vorrede zur Ausgabe des Quintilian von 1471, daß Nicolaus Jenson die Buchdruckerkunst im nämlichen Jahre zu Venedig ersunden habe, nicht beachtend, daß Johann von Speyer schon im Jahre 1469 in jener berühmten Seestadt die seit dreißig Jahren erfundene Kunst eingeführt hat. Das oft besprochene Werk „vecor pnellarum. Ven. lensoii, 1461." gehört, da die Schlußschrift bekanntlich auf einem Druckfehler beruhet, dem Jahre 1471 an. Die bekannten Schlußverse des Campanus, welche den meisten Ausgaben des Ulrich Hau, lateinisch: vd-Ui-icus !s (?onstre>isres, <^!>IIus clecllllt, »Itor »liest 176-lIiicns (ZüIIus, nv sniem posenntur in usum Die iinno, sn^enio Iiaud nocens, vmnili v!nc!t bomo." gaben einigen Gelehrten zu der Meinuug Anlaß, als habe der Deutsche Ulrich Han anS Jngolstadt, nachmals Bürger von Wien, die Bnchdruckertunst zn Rom crsnnden. Rmnus, Zwinger uud Paul Pater lassen Johann Müller aus Königsberg, Johannes Re- giomontanuS, die herrliche Kunst iu Nürnberg entdecken und berufen sich dabei auf die Tabellen des Mathematikers Penrbach, wo es aber blos heißt, jenes wohlthatige Gestirn sei zur Zeit des NegiomontannS über dem Horizont ausgegangen. Paulus vou Prag, Versasser eiueS lateinischen Glossariums vom Jahre 1459, welches im Manuskripte iu der Bibliothek zu Krakau aufbewahrt wird, ncuut bei dem Artikel „I^Itn-In^us" die Stadt Bambcrg als Wiege der Buchdruckerkunst. Franz Friedlieb oder FranciscuS Irenicns behauptet iu seinem Werke: „IZxexeseos «Zei'mnniae, Ilt>. II. 0»I>. 47." 1l->L- 1518. 5»!., die ersten Bücher seien in Rnssembnrg, einem Dorfe im Elsaß gedruckt, aber sogleich nach Mainz gebracht worden. Gil- bcrtuS Eognatns laßt in seinen „Svlv.ie n-,rr»t!o- n»m." L-.sU. 1567. 8. p. 273. Peter Schöffer in AngSburg geboren werden uud ihn dort die Erfindung des Typcngusses machen. Peter Bienewitz oder Apianns sagt in seiner 1524 gedruckten „CoSmographic", daß die Buchdruckcrkunst im Jahre 1453 zu Maiuz erfunden worden sei. Victorins macht in seinen Schriften, anS Mißvcr- standniß einer Stelle bei EraSmns, dcS Letzteren Freund und Zeitgenossen Dietrich GreSmnnd, l'Iiecxloi'Icinn (ZiesimiNlllum anch oft nur 1'Iieo- «loricmn IVIoLuntimim, zum Erfinder der Typographie, die lange vor ihnen nicht nur erfunden sondern anch ausgeübt worden war. Matthias Juder, einer der frühesten Geschichtschreiber der unvergleichlichen Kuust, welcher schon 1566 ein Werk nnter dem Titel: Oe t^noizi-ünlilae !nven- tlone et a I»»- Inventüm in tZermsniic !tl>I>!nc annls ce calcogrs^Inam . . . !mmo>!>t»" etc. 1<'!i'»II>mi cle redn« memvrab. tit III. üb. 2." mit der uamlicheu Ansicht auf, schreibt die Ehre dem Faust zu, welcher gegen 1440 ein ABEbuch und einen Donat mit Holztaseln gedruckt haben soll, bis sein Geselle Peter Schöffer metallene Typen goß. Gutenberg war seiner Meinung nach nichts, als ein reicher und gewinnsüchtiger Mann, der einen Theil seiner Capitalien auf Faust's Gewerbe legte. Samuel Palmcr zog hundert Jahre spater in seiner „ k!(!»I lllstoi')' ok^rlutinx, I^omlon 1732. in 4." diese Meinung wieder hervor, halt Gutenberg für einen Wucherer uud treulosen Verbündeten, dessen Name in keinem einzigen Buche den Namen der zwei wahren Erfinder beigcdruckt sei. Polhdor VergiliuS laßt iu seiner Schrist: „v. 421." „Um diese Zeit (1440) ist die Vuchdruckerkunst nicht in Italien, sondern zu Mainz durch Johann Guttcmbergcr erfunden worden. Da dieser sich durch sein Unternehmen zu Grunde gerichtet sah, half er sich durch die Rathschläge und das Vermögen des Johann Fust, ebenfalls Bürgers zu Mainz, wieder empor, um es fortsetzen zu können. Den Anfang machten sie mit Buchstaben, welche in hölzerne Tafeln geschnitten waren; auf diese Weise druckten sie das „Catholikon." Da aber diese Buchstaben eingeschuitten und unbeweglich waren, konnte man sie zu keinem andern Werke benutzen und so gericthcn sie auf den Einfall, metallene Buchstaben in Matrizen abzugießen. Noch standen ihnen aber die größten Schwierigkeiten in dem Wege. Nachdem sie eine Bibel zu drucken angefangen hatten, war kaum das dritte Heft oder die 48. Seite vollendet, als sich die Kosten schon auf 4000 Gulden bcliefcn. Zum Glücke erfand Petrus Opilio (Peter Schafer oder Schöffer) anfänglich Famulus und nachher Tochtermann des Johann Faust, eine leichtere Art, Buchstaben zu gießeu." Trithcim fügt dieser Erzählung, welche er aus dem Munde Peter Schöffers selbst erhielt, noch die Bemerkung hinzu, daß die drei ersten Erfinder in Mainz im Hause „Zum Jungen" arbeiteten, welches später den Namen „Das Bnchdrnckerhans" erhielt, und daß die Kunst durch Arbeiter gar bald nach Strafiburg und in andere Städte Deutschlands und Europa's verbreitet worden sei. Sebastian Münster stimmt in seiner I>!a imiversaüs, lib. HI. eax. 180. dieser Ansicht bei. Mehrere andere Schriften, welche ganz unhaltbare Gründe zu Gunsten der Städte Basel, Bologna, Dordrccht, Florenz, Lübeck und Schlettstadt anführen, übergehend, fasten wir nun, nachdem wir die meisten für Deutschland sprechenden Zeugnisse vernommen, zunächst Holland in's Auge; denn unter den Städten verdienen Harlc m, Straßburg, Mainz und Bamberg, und unter den als Erfinder angegebenen Männern: Laurenz Janszoon, das ist Lorenz, des Johann's Sohn, genannt Koster (Küster), Gutenberg, Faust und Schöffer, Mcn- tclin und Albrecht Pfister die meiste Aufmerksamkeit. Ansprüche dcr Stadt Hartem. PeiniS Scriverius, welcher am Ende des sechszehnten Jahrhunderts zu Harlem geboren ward, ist der Erste, der nach Verlauf von mehr als hnndert Jahren in dem „Laure Crans voor Laurenz Koster van Hacrlcm", welche Schrift hinter dessen „Be- schryvingc ende Los der Stad Hacrlcm. Hacrlem 1628. 4." abgedruckt ist, seiner Vaterstadt die Ehre der Erfindung zu erringen sich bemüht. Außer dem Zeugnisse des Stadtarztes und GymnasiumvorstcherS Adrian dc Jonghe oder AdrianuS Junius, von welchem weiter unten die Rede sein wird, führt er die Aussagen des Buchdruckers Theodor Volckard Cooruhert in dessen Dcdication der holländischen Übersetzung von Cicero's Pflichten von 1561 an den Stadtrath von Harlem, nnd Lndovico Gnic- ciardini's „Oesci'Iüi'vnv v. 1567" als Beweisstellen für seine Behauptung an. In letztcrem Werke wird aber nichts anderes gesagt, als bei dem Artikel Hartem erwähnt, „in dieser I« 7-t Ansprüche der Stadt Hartem. Stadt herrscht eine alte Sage, die durch Zeugnisse mehrer Schriftsteller unterstützt uud durch Denkmäler bekräftigt wird, daß die Buchdruckerkunst zu Hartem erfunden uud von da durch einen Arbeiter des Erfinders nach Mainz verbreitet worden sei." Zuvörderst bedauert Scriver den Verlust eines BuchcS, welches Johannes van Zuhren, der im Jahre 1594 starb, über den Ursprung der Vuch- druckerkunst geschrieben hatte, woraus er Bruchstücke und zumal die Vorrede zu Gunsten Harlems anführt; dann prüft er die Ansprüche der Städte Mainz, Augsburg, Basel und Rom, woraus er folgert, daß Mainz die ältesten Druckcrzeuguisse auszuführen habe, daß sich aber diese doch nicht über das Jahr 1450 zurückerstreckeu, wahrend die Bilderbücher, welche Lorenz der Küster zu Hartem druckte, scho» im Jahre 1430 erschienen wären. Doch bezeichnet er letztere alle, mit Ausnahme des „8i>ecu>uin Inunanüe «!>lvat!oiiis " sür Holztasel- drncke. Le Petit, geboren 1546, in seiner „Oln-o- n!i«serwt!o I!a I>a>lj>erum" und der „^xoc-llvpse" das höchste Alter zu. Als ein Beweis der gänzlichen Verwirrung der Begriffe, die durch Entfernung und Zeit hervorgebracht wurde, mag der Bericht des Natalis Comes in seiner 1581 zu Venedig gedruckten „Historie universal!«" gelten, in welcher es unter Anderem heißt: „Die Stadt Harlem kann wegen der beinahe göttlichen Erfindung, Bücher zu drucken, für merkwürdig gehalten werden, welche Erfindung zuerst von Johannes Gutenberg ausgedacht worden ist. Dieser hatte, als er zuerst eine rohe Manier crsuudcn, einen verschmitzten Diener, welcher seinem Herrn das Geheimniß ablauschte und nach dessen Tode nach Mainz ging und die Kunst verbesserte. Daher hat sich die Sage verbreitet, die Erfindung gehöre dieser Stadt an." Georg Braun Von Cöln in seinem Werke: „ Llvltates ordis ter- rarum, Lolon. 1575.", Michael Eytzinger, ein österreichischer Edelmann, in seiner „ Beschreibung der Niederlande, Cöln 1584." und Matthias O-uadus Pictor ans Jülich in seinem „ec»nr>en- !Iosopl>!c!iI tiiliis^ctlons Irom tlie ve^r 1700 to tlie ve-tr 1720, kdriltgell -uul . II. p. 11-26." Ellis giebt gar keinen neuen Aufschlnß; Bagford aber leitet den Ursprung der Typographie von den Siegeln und Müuzstem- pcln der Römer her und hält bei den jüngern Völkern die Spielkarten für die ersten Versuche derselben. Im Jahre 1740 bei Gelegenheit der dritten Jubelfeier der Buchdruckcrkuust trat I. C. Seitz für Holland in die Schränken und nahm in seiner Ansprüche der Schrifti „Her derde jubeljaar der uitgevondene boekdruckkonst, beheizende een bekuopt historisch verhaal van dc uitvinding der edele boekdrtickkonst, Harlcm 1740. 8." die Ehre für Lorenz den Küster von Hartem in Anspruch. Der gelehrteste Vertheidiger der Koster'schen Sache im vorigen Jahrhunderte war Gerhard Mccrmann durch sein berühmtes Werk: „Orixines ^poN'^iIiicso, Hsgae comitum, 1765. II. Vol. 4.", Welches er in neun Capitel eintheilt. Das erste handelt vom Tafeldruck, daS zweite von Koster's Abstammung und Lebensverhältnisscn, daS dritte von den Zeugnissen deS Ulrich Zell in der Kölner Chronik von 1499, des alten Buchbinders Cornelius in dem Werke des Adrian JnniuS und der von Roccha angeführten handschriftlichen Erklärung des Maria Angelus Rccnrsius, welche AtkynS zuerst bekannt machte. Im vierten Hauptstücke berichtigt Meermann die Erzählung deS JuniuS, welche dem Koster metallene Typen zuschreibt und räumt demselben blos hölzerne ein; ebenso hält er, statt wie Jener den Johann Faust, einen Johann Gensfleiseh, den er aber von Gutenberg unterscheivet und als dessen Bruder ausgiebt, für den EntWender des Geheimnisses und schränkt überhaupt den vermeintlichen Diebstahl auf einige Modelle ein. In einem Briefe an seinen Freund Wagenaar, welchen Santandcr im „ vlctionnaire dibliogr. I, 14-18." in französischer Uebersetzung bekannt macht, äußert er sogar Zweifel über die Koster'sche Erfindung und nennt die von Seit; in seiner oben angeführten Jubelschrist bekannt gemachte Erzählung einen „Roman." DaS fünfte Capitel spricht von Koster's Drucken und besonders von dessen erster Außgabe des „Spieghcl mrnschcUIicr bchou- dcnisse" im flamändischen Idiom. Dem Verfasser znfolge ist sie daS älteste typographische Erzeugnis; und mit beweglichen hölzernen Buchstaben gedruckt. DaS sechste Capitel enthält die Geschichte der Typographie von Hartem unter Koster's Nachfolgern vom Jahre 1440 bis 1472, das ist vor Ankunft des Buchdruckers Märtens und seiner Gesellen in Flandern. Im siebenten Hanptstücke wird Guten- berg's Wirksamkeit zu Mainz besprochen, der zuerst Lettern auS Metall schnitt, welches Verfahren Stadt Harlrm. 75> Peter Schöffer durch den Gnß verbesserte. Das achte Capitel ist der Stadr Straßburg und deren Ansprüchen gewidmet, welchen letzteren aber der Verfasser nicht beipflichtet, sondern vielmehr annimmt, daß Gutenbcrg in Mainz seine ersten Werte zu Stande brachte. Im neunten und letzten Abschnitte ist von dem Tafeldrucke, das heißt von dem Druckverfahren mit ganzen Holzplatten die Rede, deren früheste Anwendung Meermann den Chinesen im zehnten Jahrhunderte, die Erfindung der eigentlichen aus Oel und Lamvcnruß verfertigten Druckerschwärze aber Koster'n zuschreibt. Demzufolge wäre seiner Meinung nach der Harlcmer Küster der Erste in Europa, welcher den Holzschnitt ans ganzen Platten zur Darstellung der Schrift anwendete nnd somit späterhin der Erfinder der Druckkunst mit bewegliche» Typcu wurde, die er beim „Spieghcl onzcr behouÄcinsse" zuerst in Anwendung brachte. Dies sind die Ergebnisse von Meermann's Untersuchungen, die, wenn gleich von der falschen Voraussetzung einer bloßen Sage ausgehend, dennoch als ein reicher Schatz von historischer und bibliographischer Gelehrsamkeit betrachtet werden müssen. Schon Heinecken hat Meermann ohne Vorurtheil und gründlich widerlegt. Ein AuSzug aus des Letzteren Werke ist Jac. Visser's „Uitvinding der Boekdrnckkunst. Amst. 1767. 4." Nur über die flandrischen Officincn verbreitet sich Lain- binet in seiner „O^ANIS üe I'lmpi'imeris, ?ür. 1810. 8." Die neuesten Vertheidigungen der holländischen Ansprüche sind folgende: W. H. I. Baron Westrennen van Tiellandt „ Verhandcling van het Uitvinding der Boekdrnckkuust. S' Haage, 1809. 8." Der Verfasser wollte die reiu historischeu Thatsache«, gesondert von allen Vermuthungen, darlegen. Enthält diese Schrift auch nicht viel Neues, so findet man darin doch eine bündige Zusammcn- stetlnng des hier und da Gesagten. Das Ergebniß fällt dahin aus, daß vor dem Jahre 1436 die Kunst mit in Holz geschnittenen Lettern zu drucken in Holland erfunden worden sei; er wagt nicht die Stadt der Erfindung zu bestimmen. Entschiedener äußerte sich der Aufsatz: „ Verhandeling over het Uitvinding der Boekdruckkuust door Koster te 76 Ansprüche der Haerlcm", inTydeman'S und van Kämpen'S „Mne- mosync. Stück l. Dvrtrecht, 1815. 8." Endlich setzte die Harlemer gelehrte Gesellschaft sür Kunst und Literatur einen Preis auf die beste Vertheidigung Kostcr's und krönte die Abhandlung des Amsterdamer Stadtschreibers Jacob Koning's „Verhande- ling ovcr den Oorsprong, de Uitvinding, Verbetcring en Volmaking der Voekdruckknnst. Haerlem, 1816. 8." Bald darauf folgten desselben Verfassers „ Bydragen tot de GeschiedeniS der Voekdruckknnst. Haerl. 1818-1823. 8." 3 Stücke, als Supplemente zu obiger Preisschrist. Unstreitig ist Koning's Arbeit die verdienstvollste und gediegenste in dieser Sache und er nebst H. W. van Oosten de Brühn, HarlemS Geschichts- schrciber (man sehe dessen „GeschiedeniS der stad Haarlein" S. 252 u. folg.), sind die besten Sachwalter der holländischen Angelegenheit. Er hat dem Znsammenhange der ältesten Druckversuche mittelst Holztascln mit denjenigen durch bewegliche Typen zucrst die gehörige Aufmerksamkeit geschenkt nnd die Entstehung der sogenannten Koster'schcn Drucke aus eigener Wurzel in Holland überzeugend dargclhan, worin ihm die gleichzeitigen Urtheile des Briten Ottley in seinem Werke über den Ursprung und die srühcre Geschichte der Holz- und Kuvfcrstechkuust: ,,^>i i»^u!r^ iuto llle Or!^!u -u«1 ei^rl)' Iilstor)' ol engi'^vmjz u>,o>i cc»ji>ier »nd »006, Ii/ ?Ilomi>8 Voiuix 0ttle>. I.oi><1. 1816. 4. II Voll.", welcher sich auf die Meiuuug seines Freundes Douce beruft, und des ausgezeichneten Bibliographen Friedrich Adolf Ebert in der Zeitschrist „Hermes", Jahrgang 1823. Stück IV., in der Hallc'schcn allgcm. Literaturzeituug, Jahrgang 1823. ZVo. 128., in dem dazu gehörigen Jntelligenzblattc vom Februar 1825, im IV. Bande der Encyklopädie von Ersch und Grnber S. 224-226., in seinen „Ueberlieferungen zur Geschichte, Literatur und Knust der Vor-, Mit- und Nachwelt, Dresden 1826. Bd. I. St. 2. N». 13. S. 120-139.", sowie im Brockhausischcn ConversationSlcrikon nnd in dcr Vorrede zn Kaiser'S deutscher Vücherkuudc bestätigend und unterstützend zur Seite treten. Die Zcuguisse dieser drei in der Kenntniß alter Drucke tief bewanderten AnSlander, welche in den Stadt Hartem. ersten nachweisbaren Produkten der hollandischen Presse nach 1470 eine Stammverwaudtschaft mit dem Koster'schcn Originalcharakter erkannten, waren schon aus dem Gründe, weil sie als NichtHolländer die Sache HarlemS vertheidigten, die Glanzpunkte in Koning's Beweisführung. Letzterer stützte sein Gebäude, wie die meisten seiner Vorgänger, auf die alte Harlemer VolkSsage, daß die Buchdrucker- kuust daselbst schon vor ihrer Einführung aus Deutschland von Laurenz Janzoon oder Janssocn, (Johanns Sohn) dem Küster an der großen Parochialkirchc, erfunden, aber aus Mangel an gehöriger Pflege im Auslande erst zur Reife gediehen sei. Diese Sage wurde zuerst an das Licht gezogen, als die Bnchdrucker Jan van Zuyrcn und Theodor Volckard Koornhcrt um das Jahr 1560 zu Hartem nach einer Unterbrechung von 74 Jahren zuerst wieder eine Druckerei errichteten. Die ausführlichste Gestalt aber gab ihr Hadrian de Jonghe oder Juuius, eiu gelehrter Arzt, der von den Staaten von Holland zu ihrem Historio- graphen bestellt wurde, in seiner zwischen 1562 und 1575 geschriebenen und zu Leiden 1588 in Folio gedruckten „Batavia", einem Werke über die holländische LandeSgcschichte. Die Sage von Harlem n a ch Hadrian Junius. Auf der Seite 253 hebt er also an: „Ich kehre zu unserer Stadt (Harlem) zurück, welcher, wie ich behaupte, der Ruhm der Erfindung der Buch- druckcrkunst vor allen zuerst als Eigenthum und Erbgut gebührt; allein unserer Verherrlichung stehet, als einziges Hinderniß, jene eingewurzelte gleichsam cnkaustisch iu die Gemüther eingeschriebene uud auf Wurzeln von solcher Tiefe, daß weder Hacke uoch Spaten sie auszurotten vermögen, ruhende Meiuuug entgegen, welcher gemäß sie hartnäckig glauben und sich auf das Höchste überzeugt halten (<1»i>, pertlu-vclter cre!>-. C. A. Schaab: de gcschicdcnis der Uitvinding van de bockdruckkunst (Utrecht, 1832. 8.), im „Geschied en lettcrkundig Mcngclwcrk, Utrecht 1834", im „Levcns-schets van L. I. Koster" und in dem anonymen Schristchen: „Der Geist Ansprüche der Stadt Strasiluirg. Guteuberg's cin Schaab", Utrecht, 1835. 8. manche neue Ansicht aufstellte, hartnackig vertheidigt worden, bis ihn im Jahre 1835 der Tod vom Kampfplatze rief. Schaab antwortete darauf in den „Randglossen zu den Phantasiern nnd Träumereien des Pseudo- geisteö Guteuberg. Mainz, 1836." Schon im Jahre 1831. war sein auf Urkunden gegründetes mühevolles Werk.- „Die Geschichte der Erfindung der Buchdruckcrlunst durch Johann GenSfleisch, genannt Gutenberg, zu Mainz" in drei Octav- bänden erschienen, welchem I. Wetter in seiner „Kritischen Geschichte der Erfindung der Bnch- druckertuust durch Johann Guteuberg zu Mainz, begleitet mit einer, vorhin noch nie angestellten Prüfung nnd gänzlichen Beseitigung der von Schöpflin nnd seinen AnHangern verfochteucn Ansprüche der Stadt Straßburg und einer neuen Uutcrsuchuug der Ansprüche der Stadt Hartem uud vollständige» Widerlegung ihrer Verfechter JuniuS, Meerinaun, Koning, Tibrin, Ottley und Ebert. (Mit dreizehn großen Tafeln voll sehr genauer Facsimiles.) Mainz, 1835. 8." im Allgemeinen beipflichtet, darin aber auch manches Unhaltbare widerlegt. Er läßt die Vnchdruckerkunst noch ausschließlicher als selbst Schaab nur in Mainz allein, gleichsam wie einen veum ex maclnnk, mg Leben treten, indem er nicht nur bestreiket, daß sich Gntcnberg schon in Straßburg damit beschäftigt habe, soudcru auch, gleich seinem LandSmanne und Vorgänger, die Erzählung des JuniuS von der Erfindung des Koster in Hartem alö cin Mährchen in ihrem ganzen Umfange verwirft. Nichtsdestoweniger hat sein Werk als eine reiche Sammlung historischen und bibliographischen Materials, welche durch die Zeugnisse nnd Urkunden in der Originalsprache vervollständigt wird, ein entschiedenes Verdienst und macht alle vor ihm über diesen Gegenstand erschienenen Schriften entbehrlich. Aber auch durch dieses mit nicht genug anzuerkennender Gründlichkeit verfaßte Werk, dessen inneren Werth cin Heft mit trefflichen Nachbildungen alter Druckoeukmale noch erhöhet, wurde vor dem unbefangenen Nichterstnhle einer unbestechlichen Kritik der literarische Nechts- handel nicht völlig spruchreif gemacht, noch viel weniger zur definitiven Entscheidung in letzter Instanz hinausgeführt. In den Schriften beider Parteien hat die polemische Natur, die hier mehr, dort weniger vorherrscht, selbst den Gedanken an die Möglichkeit einer Coincidenz der Erfindung zn gleicher Zeit in mehreren Köpfen und an verschiedenen Orten — nicht einmal aufkommen lassen. Um die Uebersicht der Literatur dieses Streites, welche Schaab in dem dritten Bande seines oben angeführten Werkes mittheilt, zu vervollständigen, sind endlich noch zwei andere kleine Schriften zu erwähnen, welche über Peter Schüffer's Antheil au der Erfindung der Buchdruckerkunst zwischen dem Domcapirular I. Konrad Dahl, Mainz 1832. 8. und dem ältesten Richter am großherzoglich hessischen Kriegsgerichte, Dr. C. A. Schaab, ebendaselbst 1333. 8., gewechselt wurden. Ansprüche der Stadt Straßbnrg. Straßburg kommt auf zweierlei Wegen dazu, für den Geburtsort der Buchdruckerknnst gehalten zu werden, indem man entweder Johann Mentel (Mentclin) zum Erfinder macht, oder behauptet, Guteuberg habe in dieser Stadt die ältesten Versuche seiner Kunst ins Leben gerufen. Für die erste Meinung entschied sich Adam Schräg im Jahre 1640 in seiner „Geschichte der Typographie", welche Sncksdorf ins Lateinische übersetzte. Er stützte seiue Ansicht auf die Zeugnisse Daniel Speckle's, Gebwiler's uud Spiegel's, welche zu Anfaug des scchszehnten Jahrhnnderts ihre Chroniken schrieben. Diese Behauptung wurde von Joh. Heinrich Böcler und Joh. Schmid (s. ^VolKi monumentcl II, 58-183.) in den Lobreden auf die Buchdruckerknnst bei Gelegenheit des zweiten Jubiläums ohne allen näheren Beweis wiederholt. Ebenso wenig gründlich urtheilten die anderen Vertheidiger der Straßburger Sache: Jakob Wimphe- ling, Jakob Mentel, Arzt zu Paris, cin Nachkomme des ersten Straßburger Druckers, Daniel Ansprüche der Stadt Mainz. ^> Wilhelm Möller, Ernst Christian Schrödter, ! Johann Adam Schräg, Johann Stohr, Laurenz Norrmann, Wilhelm Ernst Tentzel, Paulus Pater, Peter Paul Feckno, Johann Philipp Bockcuhofer und andere, bis der gelehrte Schöpflin in seinen „ViiMcliw tvpogrgplncse, ^Vrx. 1760. 4." zwar der Stadt Hartem und ihrem Loren; Koster die Erfindung des Tafeldruckes, der Stadt Mainz und Peter Schöffern diejenige der gegossenen Lettern zuerkennt, für Straßburg und Gutenberg aber die erste Idee der hölzernen beweglichen Buchstabe», mithin die ältesten Producte der eigentlichen Bnch- druckerkunst in Anspruch nimmt. Jakob Obcrlin pflichtet dieser Anficht in seinem „ Lxerclcs pudüc ile Litiüogiitpliie on essai ü'snnales llv I-> vie 6s «utemtzsrx, Strasb. an X. (1301.) in 8." sast in allen Punkten bei und giebt eine mit Beweisstellen begleitete Chronologie von Gutenberg's Leben. Johann Friedrich Lichtenberger in seinem gediegenen Werke „Initla tvpoxr-Pliic-v, ^Ig. 1811. 4." und in der vier und zwanzig Jahre spater geschriebenen „Geschichte der Erfindung der Buchdrnckcr- kunst zur Ehrenrettuug Straßburgs und vollständigen Widerlegung der Sagen von Hartem, mit einem Vorberichte von Joh. Gottfr. Schweighäuser, Straßb. 1825 . 8." nennt Straßburg die Wiege, Mainz die Erzieherin der Kunst, Hollands Ansprüche aber mahrchenhafte, von einem irregeleiteten Patriotismus erfundene Sagen. Ansprüche der Stadt Mainz. Für Mainz haben fich schon vor Jahrhunderten nicht nur der unbekannte Verfasser der „Cronica van der hilliger Star vii Coilc", die Chronisten und Schriftsteller RiccobalduS de Fer- rara, Philippus de Lignamine, Matthaus Palme- rins de Pisa, Fortsetzer der Chronik des Eusebius, Jakob Philipp von Bergamo (Lerg->mi-os", Giambattista Natolini von Udine in seiner italienisch geschriebenen Abhandlung „8uIIa tvxoxr-ln-t, V-I!ne, 1606. 5»I." und der Verfasser der 1517 zu Leyden gedruckten „Divisie-chron-ick van Kollanot, Zcctnndt rndc Vricslandt" theilen diese Ansicht. Die meisten Schlußschriften der frühesten Jn- cunabeln, wie z. B. des „e^tliolicon des 1o»nnis 6vt- mic-T" von 1468, des von Jakob Medinbach gedruckten „Hortus Süiilwtis" von 1491, des Peter Schöffer'schen „ZVl!»«»!« Lr.icoviens!« l!u-«ilii ad InxliLn" als auch in der schon oben erwähnten „I?i>it<>me rorum xermnni- csrum" zn lesen ist; Letzterer in seinen „Liln-is nmoium (>sorimd. 1502)" in der ersten Elegie des zweiten Bnchcs. Wimpheling behauptet ausdrücklich: „die Buchdruckerkunst habe zwar 1440 11 ,^ Ansprüche der Stadt Uamberg. zu Straßburg begonnen, die gegossenen Lettern aber seien eine spätere Erfindung Gutenbergs, deren Ehre der Stadt Mainz gebühre." Der älteste Buchdrucker Großbritanicns William Carton sagt in der 1432 zn London erschienenen Fortsetzung der Chronik des Nauulph Higdeu znm Jahre 1457: „Um diese Zeit ist die Buch- druckerkuust zu Mainz erfunden worden", „^Vlso !>I«»vto tlu's t)',ne tlie ciiilto vf emj>i-)>M) NA« ^vas tir«t suuiiclo i» AlnAoiuiee i» ^VInmAiie." Diesem Urtheile folgen Robert Fabian in seinem „c.'l>ro- nico miglicano" und Robert Aldrydgc im „LIacK- dook ur K^gister ol tbe gm'tvr." DaS gerichtliche Justrumeut des Notar's Ulrich HelmaSpcrger, das Lobgedicht des Bergellanus, die handschriftliche Chronik der Stadt Nürnberg, welche Joh. Friedr. Fanst von Aschaffenburg in der Einleitung zn seinem Berichte über die Erfindung der Bnchdrnckerkuust anführt, Gassari in seinen bis znm Jahre 1576 fortgeführten AugS- bnrger Annalen und das Zeugniß deS MariangclnS AeeursinS entfcheideu sich ausdrücklich für das Jahr 1450 als Zeitpunkt der Erfindung beweglicher Lettern. Das wichtigste Zeugniß aber bleibt Abt Trithcim (geb. 1462 gest. 1516), ein Zeitgenosse und Freund Peter Schöfser'S, welcher in seinen Annalen des Klosters Hirschau (II, 421.) bei dem Jahre 1450 einen kurzen aber gediegenen, ans dem Mnnde des Letzteren geschöpften Bericht über die Entstehung der Knnst giebt. In neuerer Zeit haben nicht nur die gelehrten Franzosen Naude, Lacaille, Chevillicr, Cathcrinot, Oudin, Maittaire, Mercier, Abbe de St. Leger, Dauuou, Bau Praet, Lambinct, Peignot und Andere, sondern ganz besonders auch Deutschlands Bibliographen, als: Bernhard von Malin- krodt in Münster, Christian Heinrich Senkenberg, Georg Christian Joannis und Stephan Alerandcr Würdlwei» in Mainz, Georg Wolfgang Panzer in Nürnberg, Chr. Gottl. Schwarz in Altorf, Johann David Köhler in Göttingeu, der große Kunstkenner von Heiueckcn zu Dresden und selbst Prosper Marchand im Haag nach unparteiischer Prüfung der Quellen sich auf das entschiedenste für Main; ausgesprochen. Diesen Ansichten traten bald darauf Joh. Gottl. Jmmannel Breitkopf, Abhandlung über die Geschichte der Bnchdrnckerkuust, Leipzig, 1779. 4.; Zapf, älteste Bncli- druckergeschichte von Mainz 1790. 8. und Gotthclf Fischer IZssai sur les inonumons t)r><>Al'!>>>I>i^>ie8 ete. AI»)once, »n X. 4. und in seiner Schrift „Typographische Seltenheiten" mit triftigen Gründen bei, und in neuester Zeit lieferten anßer den kleineren Schriften eines Dahl und der beiden Mainzer Stadtbibliothekare Lehne und Külb, der vr. der Rechte C. A. Schaab in seiner aus drei Bänden bestehenden „Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann Gensflcisch, genannt I Gutenberg, pragmatisch aus den Quellen bearbeitet, mit mehr als dritthalb hundert noch unge- ^ druckteu Urkunden u. s. w., Mainz, 1830. 8." und besonders Joh. Wetter in seiner „Kritischen ! Geschichte der Erfindung der Bnchdrnckerkuust, Mainz, 1836. 8." (mit 13 Tafeln Facsimiles) unumstößliche Beweise für die Sache Gutcnbcrg's. Der neueste Vertheidiger des Letzteren und zugleich Koster'S entschiedener Gegner ist John Jackson, Welcher in seinem „ l^eatlse on >Vovil IZnxr-»v!nx, liistvi'ickl llnll practic»!, liondon, 1839. Ar. 8." allen und jeden 'Anspruch Hollands mit vorgefaßter Meinung und großer Heftigkeit bekämpft. Ansprüche der Stadt Bamberg. Für Bamberg, als Wiege der Buchdrucker- knnst, findet sich schon sehr frühe und zwar ein gleichzeitiges Zeugniß von dem böhmischen Polyhistor vr. Paul von Prag, einem Juden von Geburt, welcher vo» 1453 bis 1463 zu Pilsen im größten Maugel und ohne alle literarischc Hülfsmittel ein Werk über den „Menschen und dessen Verhältnisse" geschrieben hat, wovon sich der Originalcod» in der Universitätsbibliothek zn Craean befindet. Darin giebt er unter andern auch eine Beschreibung des Formschncider-, Brief- drnckcr-, Briefmaler- und Buchbindergewerbes, Endergebnis! der Ansprüche Hollands und Deutschlands. 5r- tinin lidri, o-lcovias, 1835. 8." Der Versasser halt das Wort „^ieij>!l^ns" sür gleichbedeutend mit „ ei>»IcoLr->pIius", weil man zum Ueberziehen der Kupserplatten Wachs nöthig hat. Sotzumnn aber erblickt darin nichts anderes als eblropegu« aus bibliopegus, durch Unterlegung von clliro- graxluun statt blvllvn verstümmelt, wodurch der „Buchbinder" bezeichnet wird, welches Gewerbe in jener Periode mit demjenigen der Briefdrucker und Briefmaler sehr nahe verwandt, ja oft identisch war. Lange Zeit hindurch blieb Bamberg vergessen, bis Camus zuerst wieder in seiner „l^otice 6'un llvre imr-rlme » LnniberA en 1462 par widert?Kster et rollten» Iiotl>e- l!«g»uin (^>>ro»i«(>n Uelj>ic»m, welches bis 1474 Bericht erstattet, »och die bis 1479 reichenden „^Iinsles derlei" des Aegidius von Roya, noch endlich die bis zum Jahre 1517 fortgesetzten „Kes Ij-lwv-te" des Rainer Snys irgend ein Wort von der Erfindung der Buchdruckerkuust zu Hartem erwähnen. Selbst Johann Vcldener, welcher den hollandischen „Heilsspiegel" mit den nämlichen Bildtafeln 1483 zu Cuilenbnrg in Geldern wieder gedruckt hat, scbweigt ganzlich von Koster. Ja sogar einer der grössten Gelehrten jener Zeit, Erasmuö von Rotterdam, dem man gewiß nichts weniger als unpatriotische Gesinnung vorwerfen kann, sagt noch in einem im Jahre 1530 zn Leyde» gedruckten Werke (in der Anmerkung znm sünsten Briefe des h. Hieronymus) von Mainz: „Dieser Stadt sind alle, welche den Wissenschaften obliegen, großen Dank schuldig wegen jener herrlichen und sast göttlichen Erfindung, mit zinnenen Buchstaben Bücher zu drucken, welche dort inö Leben getreten ist." Faßt man aber die frühesten Druckversuche, die xylographischen Bücher, welche ungefähr mit dem Jahre 1440 beginnen und gegen 1480 aufhören und die .sowol in Hinficht aus Zeit als Ort der Entstehung nur durch Verglcichnng von Bild, Schrift nnd Druckart unterschieden werden können, prüfend in das Auge: so verratheu die ersten Ausgabe» der hauptsachlichsteu dieser Bücher als die Armenbibel, das hohe Lied, die Apokalypse und der Heilspicgel offenbar hollandischen Ursprung oder weisen zum wenigsten entschieden auf den Niederrhein hin. Knnst nnd Gcwerbthatigkeit stände» damals in dem blühende» b»rg»»dische» Reiche, namentlich in Brabant, Flandern und Holland uud in dem mit jenem Fürstenhanse dnrch die Bande der Verwandtschaft so enge verbuudeuen Hcrzogthnm Cleve auf der höchsten Stufe. Der Siun der bildlichen Darstellung war durch die neue Richtung der Kunstschulen eines Johann uud Hubert van Eyck, eines Hemling und Anderer geweckt, welche großen Meister es nicht uutcr ihrer Würde hielte», ebenso wie sie die Altare der Kirchen mit großen Gemalven zierten, auch die Licbliugsbücher ihrer fürstliche» Gebieter, oder der Bischöfe, Aebte und Prälaten (der einzigen Sterblichen, welche in jenen Zeiten Bücher sammelten) durch die herrlichsten Miniaturen zu schmücken. Durch daS Beispiel von Oben angeregt fühlten anch die Mittclclassen das Bedürfniß nach geistiger Bildung. Es galt, ohne zu große Kosten die Schulen und die wißbegierige Jugend mit den nöthigen Hülfsmitteln znm Studium zu versehen. Vervielfältigung der Bücher war nothwendig. Getreue Nachahmung und Wohl- fcilheit war der nächste Zweck der ersten Druckversuche. In dem Zeugnisse der Cölner Chronik werden als Repräsentanten einer ganzen Gattung von Druckwerken die „ Donate" wol nnr deshalb allein genannt, weil diese Grammatik der lateinischen Sprache damals das beliebteste Schulbuch und in der Sphäre der Briefdrucker fast das einzige Erzeugniß war, welches blos aus Schrift ohne Bilder bestand. Wenn nun bis jetzt nach und nach eine Anzahl von nngesahr zwanzig nndatir- ten alten Druckdcukmalern entdeckt worden, welche durch die Verschiedenheit ihrer Type von allen deutschen uud daher entlehnten, durch ihre Uebereinstimmung mit dem Dnctus in niederländischen Bücherhandschriften des fünfzehnten Jahrhunderts, besonders aber durch die bei ihnen mehr als bei andern Jncunabeln auffallende Nohheit ganz isolirt in der alteren Bibliographie dastehen und endlich durch solchen höchst eigenthümlichen Schriftcharakter eine von Mainz uuabhüugige Primitivität außer allein Zweifel setzen: so ist nichts natürlicher, als daß der Klarheit uud Wahrheit suchende Geist nach dem Urheber dieser Erzeugnisse sorscht. Siehe! da tritt ihm Laurens Janszoon (Johann's Sohn) Hoster (Küster) aus Hartem, der denkwürdige Mann entgegen, welcher von Einigen als fabelhafter Held eines Mahrchens verlacht, von Andern aber nicht nur als einer der vornehmsten Bürger, Schöffe und Kämmerer der Stadt, sondern anch als erster Drucker überhaupt dargestellt wird, dem man von 14M ab Alles zuschreibt, was von xylographischen Büchern oder Lnurcns Jiniszoon Kostcr aus Harlcm. überhaupt von den frühesten Jncuuabeln holländischen Ursprungs ist. Den Harlemer Stadtbüchern zufolge war Koster zweimal vcrhcirathet und hinterlicsi eine Wittwe und eine Tochter aus erster Ehe. Als die Sage in Ausnahme gekommen war, hatte sich bald eine angesehene Familie der Stadt gefunden, welche es sich zur Ehre rechnete, von dein Erfinder abzustammen. So war zwischen 1550 und 1560 ein noch vorhandener handschriftlicher Stammbanm entstanden nnd der Küster, nm Gntenbcrgen in nichts nachzustehen, zum Edelmanne nmgestempelt. Die Classe der altholländischen sogenannten Koster'schen Drucke, deren mehrere erst seit Ko- ning's Prcisschrift von Engländern nnd Deutschen entdeckt worden sind, ist bis jetzt noch viel zn wenig beachtet worden und doch verdient sie es um so mehr, als sie an Zahl und Wichtigkeit, wenn man die größeren Werke der 42zeiligen und 36zciligen Bibel ansnimint, den typographischen Denkmälern eines Gutcnberg und Pfister nicht nachsteht. Die wichtigsten derselben mögen daher auch hier, wo von Hotlands Ansprüchen die Rede ist, als am passendsten Orte, eine Stelle finden. ^. Holztafeldrucke. 1. Apocalnpsis, sivc historia S. Joannis. 2. Dibtia Pittlpcrum. 3. Ars moriendi. 4. Kistorin seu Providcuti» V. FNariae. 5. Sprculum hunmmir Salvntionis. 6. Puuntus. 7. Sorarium. v. Drucke mit beweglichen Typen. 8. Horarium. 9. Doimtus in mehreren AnSgabcn. 10. Spirghcl on,U'r bchondenissc. It. Zweite Ausgabe dieser holländischen Bearbeitung. 12. Spcculum humonae Sollmtionis. 13. Zweite Anögabe in lateinischer Sprache. 14. Cutonis disticha. Eine Beschreibung der Donate giebt Nceeruiann in seinen Ori^Ines t)'^NA> ^^»Iilcae, V,,I. I. c. I., e. III. 4., c. IV. 9. 14., c. V. 16-18.; V»>. II. 215-218. Ferner Vn» ?r->et, Oatnlogna i- vres im^rlmes sur Velin 61: Ilv IZit>Iiv^l><:i l!oi IV, 7.; Xoning, VerI>i,i«Iienc-!> Inna, IV, 474. bekannt gewordene altholländische oder Kostcrsche Princcps von Cato's Distichen wird nnS durch gegenwärtiges Facsimile vor das Auge geführt. MMsMFiSWMMs SS e L ßt MM k m!M res ^Wm^leboSs D WtMhM^iittSlK MMp WM s^eKsgsetWio aVwMtttM ^Atdilws M^MÄ2 ssttilMemlle jkkMsMsi,ndjsW5ckHere M K PrvmMK KnC KtU Msshwl^ GWltö KmwM MisÄtM MtS 86 Laurens Janszoon Koster aus Hartem. Der berüh>ute Schriftgießcr Johann Euschede entdeckte im Jahre 1751 zu Harlem, in einem Gebet- buche eingebunden, die schon vonJunius dem Koster zugeschriebenen „Kurzen Sentenzen", welche Jener zum Unterrichte seiner Enkel gedruckt haben soll unv gab dieselben unter dem Titel i „Asbealding van't A. B. E. t' Pater Noster, Ave Maria, t' Credo nnd Ave Salus Muudi door Laurcns JanSzoen te Harlem ten behoeven van zyne dochterS Kinderen inet bewegbaren Lettcreu gedruckt" u.stw., Harlem, 1768. als Facsimile heraus. Dies Wcrkcheu ist in der „Korto Beschriiving der Bocken door Laurcns Jauözoen Koster te Harlem tusschen de jaren 1420 en 1440 gedruckt", die bei dem Jubelfeste 1823 herauskam, unter dem Titel „^beee6srium" aufgeführt. Koster's Erben und Nachfolgern wurden zugeschrieben: 15. Laurrntins Vnllcr „facecie moralcs." Eine Sammlung von 33 Fabeln, über deren Schriftcharakter das nachstehende Facsimile Belehrung giebt. FamKipMSkLlsyeeMii bslkvüs Hf5eÄpu5K:ems pee dicwm^Mtt MttMatttS nttiMttv 16. Luoomcus dc Voma „Singlnria in cau- sis criminlibus", mit einer von der vorhergehenden sichtlich abweichende Type gedruckt. ZInchW KuyMa m tattüsMMIseto, .^Iex!u«Isr lZnllus uud Petrus HIsp-niu» sollen nach dem iu der Christnacht vor Koster'S Todesjahr 1439 begangenen Diebstahle, dessen die Sage des Junius erwähnt, von dem EntWender Johannes ( ob Gutenberg oder Faust bleibt dahingestellt!) zu Mainz mit Koster'- schen Typen gedruckt worden sein. Bekanntlich hat man, wie schon Ebert in Ersch uud Grubers Encyclopädie, Theil XIV. Seite 227. angicbt, eine in Holland gedruckte Ausgabe des „ voctrinals " in neuer Zeit wieder ausgesundcn, die als wirklich mit den Lettern des „hemio exM Ze tjbsmakrrijs ^AiltoW? SiM" /D^----^ Ä ^diligrttr'lioc^emiüxveauduttiq Ein Blick ans die Armenbibel, auf den Heilspiegel, der damit so nahe verwandt ist, daß beide ihrem Inhalte nach fast einerlei Werk sind, auf das hohe Lied, die Apokalypse und die Kunst zu sterben, welche letztere in der Originalausgabe, von der I. A. G. Wcigel in Leipzig ein unvergleichlich schönes Exemplar besitzt, sowol in der Komposition und dem Ausdrucke des Ganzen, als in der Zeichnung nnd Kleidertracht der Figuren den niederländischen Ursprung keineswegs verkennen laßt, wird jedem nnbefangenen Beurtheiler die Ueberzeugung gewahren, daß hollandische Briefdruckcr, völlig unabhängig von oberdeutschem Einflüsse, nicht nur, wie Ulrich Zell in der Kölner Chronik bezeugt, die ersten xylographischen Tonate, sondern auch spater die ersten xylographischen Bilderbücher gedruckt und die vorgedachte Reihe von typographischen Druckwerken zwischen 1450 bis 1470, zum größten Theile aber schon vor dem Jahre 1462, der allgemein angenommenen Verbreitnngsepoche der Mainzer Erfindung, zu Stande gebracht haben und daß demnach auch die wichtigste Vervollkommnung deS Druckverfahrens überhaupt, jenes einflußreiche Geheimniß des Letterngusses in Holland oder in den Gegenden am Niederrhein in selbstständigeu Versuchen aufgefunden worden sein müsse. Diese Ansicht bestätigt der Umstand, daß sämmtliche Originalausgaben der genannten Bildtaselbüchcr, die einzige Apokalypse ausgenommen, einen Text in hollandischer Sprache zum Grunde haben. Wenn gleichwol um das Jahr 1470 jede Spur jener Brief- und Buchdruckerofficinen verschwindet und erst zu einer Zeit, als die vervollkommnete Typographie von Mainz, Cöln und Bamberg aus in die Niederlande eingewandert war, einige Holztafeln des Heilspiegels abgenntzt und theilweise auseinandergejagt in den zu Utrecht im Jahre 1481 gedruckten Episteln und Evangelien, sowie zwei Jahre spater in der von dem nämlichen Drucker zu Culcnborch in Geldern veranstalteten neuen Ausgabe des 8i?e- euluni 8->Iutis wieder zum Vorschein kommen: so möchte keineswegs, wie dies bei Wetter Seite 629 Faurcns Janszoon Koster aus Karlem. 89 geschieht, daraus gefolgert werden, daß der Ko- ster'scl'e Heilspiegel nicht lange vor 1483, nämlich zwischen 1470 und 1480 gedruckt worden, sondern vielmehr aus einen längeren Gebrauch der Bildtafel», welche aus einer Werkstatt in die andere übergegangen waren, zu schließen sein. Die örtliche Sage von Hartem, welche zuerst wieder in dem sechsten Jahrzehend des sechszehnten Jahrhunderts durch einen van Znyren und Coorn- hert und dann durch Adrian Junius ins Leben gcrusen worden, ist also durch solche unwiderlegliche Beweise von Originaldrucken in der Hauptsache wohl begründet und berechtigt durch ihr Hinzutreten zu jenen typographischen Zeugen das vielfach angesochtcne Hartem eben so gut als Mainz, Bamberg nnd Straßbnrg für eine der Geburrsstät- ten des sogenannten „ Vriesdruckes " und des daraus entstandenen primitiven Buchdruckes anzuerkennen. DaS bis gegen 1470 hinabreichcnde Alter mehrerer dieser holländischen Druckwerke ist durch ihre eigene innere Natur der successiven Entstehung zu einer so uuabwcislichcn Gewißheit erhoben, daß sich schon Koning in die Nothwendigkeit versetzt sah, nach Koster's Tode eine Fortdauer der Werkstatt durch seine Nachkommen anzunehmen und ihr zum wenigsten deren fünfzigjähriges Bestehen anzuerkennen. Daraus solgt aber, daß der Koster, den die Sage ursprünglich vor Augen hatte, nicht der adelige Rathsherr und Kirchenvorstcher Laurens JanSzoon, der schon im Jahre 1439 starb, gewesen sein kann. Wenn daher aus der einen Seite die neuesten Vertheidiger HarlemS, Koning und Scheltema, daS Wesen und die Natur der VolkSsage, welche der als HauptbewciSquelle angeführten Erzählung des Junius zum Grunde liegt, nicht mir verkannt uud den Koster'schen Drucken durch allerlei Gründe ein viel zu weit hinaufgeschraubtes Alter zugedacht, sondern auch den edeln Gutenberg ungerechter Weise beschuldigt haben, nur durch eiuen Diebstahl in der Harlemer llr- osficin zum Geheimniß des Letterngusses gelangt zusein: so können doch auch die Vertheidiger von Mainz, Straßburg und Bamberg, wenn sie gleichwol die ganze Harlemer Sage als ein Mährchen verwerfen, den historischen Beweis der Drnckvenkmäler selbst, als gänzlich verschieden von allen oberdeutschen Erzeugnissen dieser Art, nicht hinwegräumen, noch vermögen sie die selbstständige Erfindung in ihrem allmäligen Fortschreiten vom einfachen Drucke mit Holztafeln zn jenem mit beweglichen Mclalliypen, der in Holland zwischen 1450 und 1470, ob nun durch Koster und seine Kinder oder durch Individuen anderen Namens, ausgeübt worden ist, vor dem unbefangenen Nich- terstuhle der Kritik in Abrede zu stellen. Der Grund jedoch, daß Holland nicht, wie Deutschland, eine Pstanzschule der ueucn Kunst wurde, von wo aus sie in alle Reiche und Staaten Europas ihre Wurzeln trieb, sondern vielmehr den Niescn- forischritten der Mainzer Officinen uud deren Zweigwerkstätten weicben mußte, liegt in dem Unvermögen der Harlemer Typographen, die Schwierigkeiten eines kleineren Letterngusscö, als ihre alterthümliche scharfkantige Missallype war, zu besiegen und die Vervollkommnung der Kunst dnrch stählerne Patrizen und kupferne Matrizen sich anzueignen. Das Wahre der ganzen hollandischen Ansprüche dürste nun sein, daß ein Küster zu Harlem, den die Sage „Lorenz, Sohn des Johann" nennt und welcher das zu jeuer Zeit einträgliche Gewerbe eines Briefdruckers betrieb, bald nach 1440 nicht nur auf selbstständigcm Wege Bücher in Holztafcln schnitt, sondern cmch metallene Lettern zum Drucke anwendete, nnd daß die bis zum Jahre 1470 in Holland erschienenen undatirtcn xylographischen und topographischen Denkmäler, deren mau eine -Anzahl von ungesähr 20 kennt, wenn nicht sämmtlich seine eigenen Werte, doch wenigstens die Arbeiten seiner Schüler sind. Alles Uebrige aber, namentlich was in der bekannten Erzählung bei JuniuS hinzugekommcn, verdient weniger Glauben, weil es theils mit anderen Thatsachen nicht in Uebereinstimmung stehet, theils Mißverstandniß und Untnnde verräth. So scheint der Verfasser der „Batavia" mit der vorangegangenen Xylographie gar nicht vertraut gewesen zu sein. Wozu bedürfte es jener zufälligen spielenden Veranlassung beim Spaziergange im Harlemer Waldchen, da Koster, wie sein „Spieghcl onzcr liehouoenisse" 12 0«» Faurens Innszoon Koster aus Hartem. zeigt, von Hause aus Briefdrucker gewesen sein muß. Am wenigsten haltbar erscheint der Zusatz von dem untreuen Diener Johann uud dessen Diebstahl. Denn abgesehen von der physischen Unmöglichkeit, dasi ein einzelner Mensch iu einer einzigen Nacht und zwar nur wahrend der einstüudigeu Dauer des Gottesdienstes die Geräthschaftcn einer ausgedehnten, mehrere Gehülfen beschäftigenden Druckerei unentdeckt hatte entwenden und fortschaffen können: so würde der untreue Diener, eingeweiht in die Geheimnisse seines Herrn, wie er war, diese doch gewiß eher in seinem Kopfe mit sich fortgenommen und anderwärts neue Lettern gemacht, als sich durch das Stehlen derselben die Flucht erschwert und durch Wiedcrauwendung des Gestohlenen der Entdeckung uud Bestrafung sich ausgesetzt haben. Die Gegner Harlems schließen auS dem Umstände, daß die identischen Holztafeln des „Heilspiegels" in der Hans Veldener'schcn Ausgabe von 1483 entzwei gesagt und ganz abgenutzt wieder zum Borschein kommen und aus den kleinen Schriften des Laurentius Valla, des Aeneas SylvinS und des CardiualS Torgnemada ('l'iiirecicmal.i), deren Todesjahr zwischen 1464 und 1467 fallt, es können alle diese Drucke erst nach der allgemeinen Verbreitung der neuen Kunst von Mainz aus (1462) entstanden sein. Allein die Berücksichtigung, daß vor 1470 Guteuberg's Erfindung in den Niederlanden ganz unbekannt war und daß die Mainzer Typographie erst mit uud uach diesem Jahre in Flandern zu Aalst uud Brügge und in Holland am frühesten zu Utrecht nachgeahmt wurde, ferner daß sowol das ABCdarium als der Donat n»v (5ato, vor allem aber das „8i>el-»Iuin" mindestens in die Zeit von 1440 bis 1470 fallen und daß die althollandi- sche (Koster'sche) Officin mit dem letzteren Jahre unserem Ange entschwindet, verscheucht nicht nur die Zweifel wegen der Todesjahre der oben genannten Gelehrten, sondern giebt auch der fast zur Gewißheit gesteigerten Bcrmuthuug Raum, daß jene Bücher nicht das Erzeugnis? bloßer Nachahmung, sondern die Prodncte einer, fern von Mainz, auS eigener Wurzel entstandenen gleichzeitigen Erfindung seien. So finden wir denn auch hier bei der wichtigsten aller Erfindungen bestätigt, was Goethe so treffend sagt: „JcdeS Zeitalter schwebt in einer Atmosphäre gemeinsamer Gesinnungen und Gedanken, und ist es ebenso natürlich, daß dieselben Entdeckungen von verschiedenen Personen ungefähr um dieselbe Zeit selbstständig gemacht werden, als daß in verschiedenen Garten Früchte einerlei Art zu gleicher Zeit vom Baume fallen." Hatten die Verfechter der holländischen Ansprüche die Harlemer Sage auf ihreu ursprünglichen Kern zurückgeführt und sich auf die Vertheidigung einer primitiven typographischen Presse in Harlem von gleichzeitiger Entstehung, wie die des Johann Gutenbcrg in Mainz, beschränkt: so würde es ihnen besser gelungen sein, dem Mitanspruche Harlems ans die Ehre der Erfindung der Typographie auch anderwärts Eingang zu verschaffen. Statt dessen suchten sie die auf unvollständige Sachkunde gestützte Erzählung des Juuius in allen ihreu Einzelnheiten zu retten, zogen es vor, eher Alles aus das Spiel zu setzen, als das Geringste aufzugeben, uud verscherzten sich auf diese Weise sowol bei den Deutschen, als bei anderen Nationen zum großen Theile die Glaubwürdigkeit ihrer Behauptung. Da jedoch die holländische Erfindung für sich abgeschlossen ohne weiteren Einfluß auf die Nachbarstaaten blieb, ja zum Theil in sich selbst versank, oder in den Niederlanden von den deutschen Zuuftgeuossen überflügelt sehr bald sowol in der Forin, als in der Anwenduug der Typen diesem Einflüsse zu weichen begann, wahrend die deutsche Entdeckung mit unglaublicher Schnelligkeit nach allen Richtungen hin fast in allen Staaten Europas sich verbreitete: so tritt jene mit ihrem Koster in dem großen EntwickluugSbilde der neuen Knust bescheiden in den Hintergrund uud Mainz und sein Gutenberg bilden den Glanzpunkt des Gemäldes. Seitwärts im halben Lichte erscheint ein rathsel- hafter Mann von deutscher Abkunft, der als dritter Mitbewerber um die Ehre der Erfindung der beweglichen Lettern Anspruch auf eine ihm bisher allzulang verweigerte Anerkennung macht. Es ist Albrecht Pfister, Formenschneidcr uud Briefdrucker in Bamberg, welchem in diesen Blättern an seinem Orte ein besonderer Abschnitt gewidmet werden soll. Zweite Abtheilung. Die Erfindung der Buchdruckerkunst. mittelst der Presse und beweglicher Typen. ie xylographische Buch- druckerkunst, deren Geschichte so umständlich, als es der Zweck des gegenwärtigen Buches gestatten wollte, vorgeführt worden, unterscheidet sich von der Typographie oder Buchdruckerkunst im eigeutlichen Sinne dadurch, daß bei ersterer die verkehrt geschnittene Schrift in der Ebene der Holztafeln stehen bleibt und die Zwischenränmc anSgeticft werden, während bei letzterer der Tert aus einzelnen nach demselben Principe geformten Vuchstabenstempeln, Lettern genannt, zusammengesetzt wird. Es liegt schon in dem natürlichen Fortgange vom Leichteren zum Schwereren, vom Einfacheren zum Zusammengesetzteren, daß der Tafeldruck dem Lctterndrucke vorangegangen sein muß. Daß man aber schon im Ausgange des vierzehnten und zu Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts die Holzschneidekunst gewerblich betrieb, und Zeichnung und Schrift nicht blos in Spielkarten und einzelnen Heiligenbildern, sondern in ganzen Büchern durch Abdruck vervielfältigte, ist schon in dem vorhergehenden Abschnitte nachgewiesen worden. Aber der Druck war im höchste» Grade unvollkommen und zu größeren Werken nicht geeignet. Selbst bei übergroßem Kostenanfwande würden die Tafeln doch mir zum Abdruck eines und desselben Werkes haben dienen können. Nur ein Mittel gab es, diese Schwierigkeiten zu besiegen und dadurch Zeit und Geld zu sparen; man mußte die Kunst erfinden, „ mit einzelnen, ans jede Weise zn bewegenden nnd zu versetzenden Buchstaben mittelst einer Presse alles Beliebige zu druckcu." Diese Idee lag nahe, sehr nahe und doch schlummerte sie selbst bei den gebildetsten Völkern des Alterthums, welche schon den Abdruck trockener Stempel kannten, Jahrtausende hindurch den Embryonenschlaf des uuciit- wickelten Daseins, bis in dem erfinderischen Hanpte eines Mannes, der vom Himmel zum Wohlthäter der Menschheit bestimmt war, der göttliche Funken zündete, der Gedanke zur That sich verkörperte uud die einflußreichste aller Künste inS Leben trat. Wenn die nämliche glückliche Idee, von einem gleichen geistigen Bedürfnisse erzeugt, um eine und dieselbe Zeit, vielleicht ebeusowol auch in Harlem bei Kostcr, wie zn Vamberg bei Pfistcr sich verwirklichte: so blieb sie dort aus Mangel an Pflege unentwickelt und hier durch ein Zusammentreffen minder günstiger Umstände unbekannt. In beiden Orten wirkten in bescheidener Zurückgczogcnhcit schlichte Bürger aus dem Stande der „Briefdrucker", die in ihrer uutergcorductcn Sphäre wenig Unterstützung fanden. In Mainz aber ging diese Idee von einem Manne aus, der schon durch seine Geburt auf einen höheren Standpunkt als den des Handwerks gestellt, durch Neigung und Verhältnisse getrieben, sein Streben auf die Lösung einer Hauptaufgabe, die Vervielfältigung des ''2 Johann Gensfleisch, genannt Gntenberg. „Buches der Bücher" richtete und voll uner- müdeter Beharrlichkeit in einer mit den besten Manuscriptcn jener Zeit wetteifernden Ausführung durchsetzte. Jetzt erstaunte die Welt vor dem unerwarteten Erfolge, wie einst die Begleiter des Kolumbus vor dem stehenden Ei. Die Gebildeten sahen beschämt in stiller Bewunderung versunken ans den Niesenfortschritt des Genies, der große Hanfe aber hielt Alles für Zauberspuk im Bunde mit höllischen Geistern. Der Mann, welcher von der Vorsehung berufen war, vor allen andern Druckern zuerst die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf die neue sinnst zu leuken, in dessen Person, als dem Hauptrepräsentanten derselben, in der öffentlichen Meinung alle gleichzeitigen typographischen Bestrebungen gleich einem Mittelpunkte sich vereinigten, war der unsterbliche Johann Gensfleisch, genannt Guteu- berg, ein Sprößling der berühmten Familie der „Genöfleische" zn Mainz. Johann Gensfleisch, genannt O u t e » t> e r g, geboren 1397, gestorben 1468. Unter den wahrend des Mittelalters in der freien Stadt Mainz blühenden Patrieiergeschlechtern war dasjenige der Genssleische eines der ausgezeichnetsten. Bei den unaufhörlichen Streitigkeiten zwischen den Patriciern und Plebejern standen sie fast immer an der Spitze der Ersteren. Bei dem großen Aufstande der Zünste in Mainz gegen den Adel im Jahre 1332 spielte Frielo (Friedrich) Gensfleisch, der Urgroßvater des Erfinders, die erste Rolle, und wurde nebst einigen Anderen von, Adel am 27. Januar 1332 durch Kaiser Ludwig den Baier zu Frankfurt in die Reicl'Sacht erklart, weil sie bei dem Zwiste der beiden Gegenerzbischöfc, Balduiu und Heinrich, auö Widerwillen gegen den von der Geistlichkeit gewählten und unterstützten Balduin und anS Anzüglichkeit für den vom Papste ernannten Heinrich, welcher ihre Neigung durch Zollprivilcgien zu erwerben gewußt hatte, den Klerus mit den Waffen in der Hand befehdet und Klöster uud Kirchen zerstört hatten. Von seinen Söhnen setzte Peter die Hauptlinie des Geschlechtes fort, wahrend Elaus eine Seitenlinie stiftete, die spater den Beinamen von Sulge- loch, anch Sorgcnloch und Sörgeloch, wahrscheinlich von dem Hause „zum Sorgenloch" in der BctzclSgasse zu Mainz, nicht aber von dem Dorfe „Sorgcnloch" angenommen hat, indem keine Urkunde nachweiset, daß je die Familie der Gensfleisch ein Lehen gleiches Namens besessen habe. Da dieser Stamm am längsten dauerte, so hielt man ihn in neuerer Zeit für den Hauptstamm. I. Wetter hat dargethan, daß Johann Gutenberg zu dem älteren gehört und daß alle Urkunden, auf deren Grund man ihm so oft den Beinamen „ von Sorgenloch" zuschrieb, erweislich falsch sind. In den letzten Jahren des vierzehnten Jahrhunderts zwischen 1393 und 1400 oder, wie Rotteck in seiner allgemeinen Geschichte, Freiburg 1836. 8. Bd. II. S. 605 bestimmt anSspricht, im Jahre 1397 zu Mainz geboren, verlebte er seine Kindheit im väterlichen Stammhause, welches gegenwärtig unter dem Namen „Wambolder Hof" Eigenthum der Familie Läutern ist nnd die Ecke der Pfandhausstraße und der EmmeranSgasse (v. 55) ausmacht. Ueber seine Jugendjahre und früheste Bildung liegt ein Schleier ausgebreitet, welchen a»S Maugel au authentischen Nachrichten selbst die gewissenhafteste Forschung nicht zu lüften vermocht hat. Nur aus dem Schicksale seiner Familie läßt sich einigermaßen auf das seinige schließen. Alles, was man weiß, ist, daß sein Vater Frielo, ein Enkel des erwähnten Peters, die Erbtochter des mit ihr erlöschenden PatriziergeschlechteS derer znm Gnten- berg, Else (Elisabeth) znm Gntenberg (a6 bomim muntern) zur Gattin nahm und mit ihr zwei Söhue, Frielo und Henne (Johann), zeugte, welcher Letztere der Erfinder der Bucbdruckertunst wurde und von dem Stammhanse seiner Mntter den Beinamen „Gntenberg" angenommen hat. Der Hof zum Gntenberg lag auf der Stelle des gegenwärtigen EasinogebäudeS und stieß an St. ChristoffelS Kirchhof. Man mnß jedoch diese Familie ebcnsowol von Johann Genssleisch, der im dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderte ebenfalls blühenden Dhnastenfamilie von Guden- berg, welche das Erbtammcreramt des ErzstiftS Main; besaß, als von der freihcrrlichen Familie von Guttenberg in Franken unterscheiden, welche letztere mit obigen Mainzer Geschlechtern nichts gemein hat. Als im Jahre 1420 der ucncrwählte Kurfürst Conrad III. mit dem Kaiser Ruprecht einen feierlichen Einzug in die erzbischöstiche Residenz hielt, eilten Adel und Bürgerschaft den hohen Herren entgegen, nm sie würdig zu empfangen, wie es die Sitte der Zeit erheischte. Die lauggeuährte Eifersucht beider Staude äußerte sich bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich in schlimmer That. So auch diesmal. Die Bürger aus den Zünften und die Herren von Adel ritten in abgesonderten Hansen. Die beiden Bürgermeister waren ans beiden Theilen des Volkes gewählt und wetteiferten jetzt um die Ehre, ein Jeder zuerst den Kaiser zu bewillkommnen. Die Patricier aber hatten mit ihren schnelleren Pferden einen Vorsprung vor den Abgeordneten der Zünfte gewonnen und verhinderten dadurch, daß sie sich um den Knrfürst drängten, den Bürgermeister in ihrer Mitte, seine Anrede auzubringeu. Darüber entbrannten die Bürger in solcher Wuth, daß sie sich sogleich nach der Abreise des Kaisers zusammenrotteten, die Hanser der Patricier erstürmten nnd ihnen so harte FriedeuSbe- dingungeu vorschrieben, daß diese dadurch ihre Ehre verletzt, ihr Vermögen benachteiligt und ihre Rechte gefährdet glaubten und lieber auswanderten, als sich auf Uuterhandlungen eiuließeu. Die Meisten wählten Frankfurt oder Oppenheim, sowie die nächsten Orte nm Mainz zu ihrem Ausenthalte. Die angesehensten der ausgewanderten Familien waren - die Fürstenberg, die GcnSfleisch, die Gelthuß, die Molsberg, die Hninbracht nnd die znm Jungen. Johann Gensfleisch, genannt zum Gutcuberg, war mit unter den Auswanderern; dies gehet ans dem zwischen den Patriciern nnd Zünftigen erst nach zehn vollen Jahren unter Vermittlung des Erzbischofs Conrad und der Städte Frankfurt, Speicr, Worms abgeschlossenen Vergleiche hervor, welchen Letzterer in seiner „ Rachtung" vom dritten genannt Gntenberg. 9.? Tage nach dem Sonntage I^ewi-« (18. März) des JahreS 143» bestätigte, demzufolge „etliche von den 'Alten mit Ziamcn Herrmauu Zürsteuberg, Hennen Hirtzen, Henchen zum Gudcuberg, Otto Rudolf seligen son zuer Eyche, Hcynze Neyscn u. s. w. in der süne vnd rachtnng sin vnd sich der gcbrucben solten on geverde." Wohin sich damals Gntenberg begeben, ist unbekannt. Wahrscheinlich nahm er seinen Aufenthalt in Eltvill oder Ellfelv im Rheingau, wo seine Familie nicht unbedeutende Güter besaß nnd wo sein Bruder Friclo noch im Jahre 1434 wohnte. In demselben Jahre aber finden wir ihn in Straßburg, wo er folgende, noch jetzt in dem dortigen Archive vorhandene Urkunde ausstellte: „Ich Johann Gensesleisch der Junge, genannt Gntenberg, künde mit diesem briefe, Als die Ers, wisen Bürgermeister vnd Rat der Stadt zu Mentze mir jcrlichS cttliche zinsse vnd gülte verbnn- den sind zu geben, nach innhalt der briese, die da unter andern lnter innhaltcn: wern deß sie mir mine zinsse uit richtetent vud bezahleteu, daß ich sie dann mag angriffen, betümberu vnd pfendcn. Wenn mir nun ettwie vil vergessener zinsse von der obgenannten Statt Mentze ussestaut vud mir von inen nntzhar (bisher) nit bezahlet werde» tüuteu, darumb so habe ich meiner berlicher notdnrfft halb zu Herrn Niclause Stadtschriber zu Mentze griffen, vnd er hat mir gelobet vnd geschworen, drü hundert vnd r gnter Nhiniscber gnlden zu geben, zu wahren vnd zu antwurten geu Oppenheim in den hoff znm Lamparten meiner vettern Ort Geldhnß binnen untz Pfingsten schirrest komen. Bekenne ich mit diesem Briefe, daß die Meister vnd Rat der Etat Straßburg so serrc mir gcredt haben, daß ich inen zu eren vnd zu live denselben Hern Niclansen den Statrschriber solichcr Behäbung vud gcfeugnisse vnd auch der iij vnd r gülden willcclich ledig gefeit habe. Datum nff Sonntag nach St. Grcgorientag des H. Pabsts (15. März) ->». 1434." Gntenberg hatte nämlich von seiner Vaterstadt eine jährliche Rente zn beziehen. Da er aber von der Erlaubniß, heinizukehren, keinen Gebrauch gemacht, wurde sie ihm nicht mehr ausgezahlt, wodurch er natürlich in die größte Verlegenheit gerathen mußte. Da sührte ihm der Zufall den '»4 Gutcnbcrg in Strastburg. Stadtschreiber von Mainz in seine Hände, welchen er bis zn Austrag der Sache gefangen nehmen ließ. Der Bürgermeister und Nath zn Straßburg aber verwendete sich lange für den Stadtschrcibcr Niclaus, daß er ihn frei gab und obige Urkunde ausstellte. Gutenberg in Straßburg vou 1436 bis 1444. Ob Gutenberg nach der Beilegung dieses Zwistes seine Vaterstadt besuchte, um das Geld in Empfang zu uchmcn, oder ob er sich mit dem Magistrate zu Mainz ans der Ferne verglich, laßt sich ans Mangel authentischer Quellen nicht mit Bestimmtheit nachweisen. Keinem Zweifel unterliegt es aber, daß er im Jahre 1436 wieder zu Straßburg wohnte; denn aus den alten Naths- protokollen dieser Stadt, welche der berühmte Schöpflin im Jahre 1745 in den dortigen Archiven aufgefunden hat, gehet hervor, daß er in dem Jahre 1436 einem Straßburgcr Bürger Namens Andreas Dritzehn den Vortheil, Steine zu schleifen, gelehrt und in dem nämlichen Jahre mit diesem Andreas Dritzehn einen Vertrag abgeschlossen hat, wodurch er sich verbindlich machte, seinen Schüler gegen Bezahlung einer gewissen Summe noch in mancherlei gewinnbringenden Künsten zu unterrichten. Als aber dieser Andreas Dritzehn schon gegen Ende des Jahres 1438 gestorben war, wurde Gutenberg von dessen Brüdern wegen verweigerter Mitaufnahme in die Gesellschaft vor Gericht belangt. Dieser Proceß veranlaßte in der Folge ein großes Zeugcuverhör, in dessen Protokollen vielfach von einer Presse, von Formen und von Drucke n, obwol in nnznsammenhängen- dcn nnd dunkeln Ausdrücken die Rede ist. Die dürftige und abhangige Lage, in welche sich Gntenberg durch seine Auswanderung versetzt sah, mag ihn zu dem Entschlüsse geführt habeu, sich durch Erlernung und Ausübung mechanischer Künste auch in der Fremde ein unabhängiges Leben zu begründen. Wie er als Edelmann z» der Neigung für gewerbliche Industrie und Spekulation uud endlich zu den technischen Kenntnissen, von denen er in Straßbnrg seinen Unterhalt zu gewinnen suchte, gelangt sei, ist ebenso dnnkel, wieseine Jugcndgeschichte. Vielleicht hatte er auf Reisen Italien und die Niederlande besucht? Vielleicht haben dort in Venedig die weltberühmten Glasfabriken, hier zn Antwerpen und Hartem daS junge aufblühende Gewerbe der Bricfdrnckcr seine Aufmerksamkeit erregt uud seinen schöpferischen Geist zur Nachahmung angespornt? Die Zcngcnverhöre in jenen Gerichtsactcn geben uns den chronologischen Faden an die Hand, Gntcnberg's Thätigkeit in Straßbnrg von Jahr zn Jahr verfolgen zu können. Wir führen daher den Leser sogleich in den Straßbnrger Gerichtssaal ein, um einen jeden Zeugen selbst reden zu hören nnd ans deren Aussagen die Schlußsolgc selbst zu ziehen. 1436. Der Goldschmied Hans Dünne sagt bei dem Verhöre vom Jahre 1439 aus, daß er bei Hans GcnSfleisch, genannt Gutenberg, von Mainz vor drei Jahren (1436) gegen 100 Gnlden verdient habe, blos für Sachen, die znm Drucken gehören. Die Worte des Originalprotokolls lauten: „Item Hans Dünne der goltsmyt hat gefeit, das er vor drycn joren oder doby Gntcmberg by den hundert Guldin abe verdienet habe alleine das zu dem trucken gehöret." 1436 und 1437. Etliche Jahre vor 1439 lehrte Gutenberg den Andreas Dritzehn die damals ebenso seltene als einträgliche Kunst, Steine zu schneiden nnd zu schleifen, welche Kunst der Letztere mit Vortheil angewendet und benutzt hat: „ Dann Andres Dritzehn hatte sich vor ettlichen joren zu Im gefüget vnd vnderstandcn Mich knnst von im zu leren vnd zu begriffen, deß hett er In nu von siner bitt wegen geleret stein bolliren, das er mich zu den ziten wol genossen hctte." Im Jahre 1437 wurde Gntenberg, wie Schöpflin in seinen „Vinllicil« t^oxr-ipliivis" Seite 17 meldet, von einem adeligen Fräulein „Enncl zur Gütenberg in Straßburg. !>5, jserin Thür" (Anna zur eisernen Thüre), der letzten ihres Geschlechtes, wegen eines angeblich ihr gegebenen Eheversprcchens bei dem bischöflichen Nichter zu Straßbnrg verklagt. Da die Klägerin nachher in den Registern des „Helbelingszolles" (Pfennigzolles) zu Straßburg vom Jahre 1443 unter dem Namen „Enucl Gutenbergin" vorkommt, als habe sie den Weinzoll richtig bezahlt: so ist zu vermuthen, daß er sich spater mit ihr vermahlt, obwol sich nirgends eine Spur findet, daß er mit ihr gelebt habe. 1438. Ungefähr ein Jahr spater (1438) machte Gutenberg mit Hans Riffe, Vogt zu Lichtem», einen Vertrag zur Ausübung einer anderen geheimen Kunst, mit deren Erzeugnissen sie gemeinschaftlich die Wallfahrtsmesse zu Aachen im Jahre 1439 zu beziehen gedachten. Die Sitte dieser Wallfahrt hat sich bis auf die neueste Zeit erhalten und fand selbst noch in unseren Tagen 1837 und 1839 statt. Gutenberg sollte zwei Dritttheile, Riffe ein Dritttheil des Gewinnes erhalten. Kaum hatte dies der schon erwähnte Dritzehn erfahren, als er nicht eher rnhete, bis man ihn auch zur Theilnahme am Unterrichte in die Gesellschaft aufnahm. Dieselbe Bitte richtete Anton Heilmann, von welchem die Genossen wahrscheinlich Geld geliehen hatten, für seinen Bruder Andreas Heilmann an Gntenberg, was ebenfalls gewährt ward, vbschon Letzterer fürchtete, dessen Verwandten möchten die Sache für Gaukelwcrk halten. Die Gesellschaft bestand jetzt aus vier Theilnchmern: Guteubcrg, Riffe, Dritzehn und Heilmann. Der Lehrer sollte die Hälfte, Riffe ein Viertheil und die beiden Uebri- gen zusammen das letzte Vierthcil des Ertrages erhalten. Als Lehrgeld sollten Dritzehn und Heilmann jeder achtzig Gulden bezahlen. Hier dringt sich unwillkürlich die Frage ans.- Worin bestand denn eigentlich die Kunst, mit deren Erzengnissen die Gesellschaft die WallfahrtSmcsse zu Aachen beziehen wollte, und von der sie sich so hohen Gewinn versprach? Hören wir, waS Anton Hcilmann als Zeuge iu dem Processe, welchen Georg Dritzehn nach dem Tode seines BruderS Andreas gegen Guteubcrg führte, hierauf selbst zur Antwort giebt: „ Item Her Anthonie Heilmann hat geseit AIS er gewar wurde das Gntenberg Andres Dritzchen zu einein driten teil wolte nemen in die Ocher heil- tnmS vart (Aachener HeiligthnmSfahrt) zu den spiegeln do bete er jn gar flisscclich das er Andres sinen Brnder ouch darin neme, wolte er znmol gern umb jn verdienen." Im Herbste deö Jahres 1438 hatte Gutenberg noch nicht angefangen, seine Gesellschafter in der Kunst zu unterrichten. Diese hielten sich zwar sehr oft im Kloster zu St. Arbogast dicht vor deu Thoren StrasiburgS auf und waren so emsig in der Arbeit, daß sie öfters bei ihrem Lchrherrn aßen und tranken. Um dieselbe Zeit, nach der Ernte, drängte Andreas Dritzehn seinen Schuldner, den VancrSmann Hans Niger zu BischofSheim und andere seiner LandSlente um Zahlung der Ziuscu, „indem er etwas im Werke habe, wo er nicht Geld genug auftreiben könne." Auf die Frage, was er denn zu schaffen habe, antwortete Dritzehn: „Ich bin ein Spiegelmachcr." Während die Genossen bei Gntenberg fast täglich aus und ein gingen, bemerkten sie, daß er noch andere Küuste trieb, die er aber sorgfältig vor ihnen verbarg. Da er aber laut des früheren Vertrages nicht verbunden war, sie in etwaS anderem, als der Kunst „Steine zu schleifen" und „Spiegel zn belegen", zu unterweisen: so ließen sie nicht eher ab, bis er 1433 einen neuen Coutract auf fünf Jahre mit ihnen abschloß, in welchem er sich verbindlich machte, sie alle Künste, die er verstehe und alle Geheimnisse und Vortheile zu lehren. Dafür mußten ihm Beide zusammen noch ein Lehrgeld von 250 Gulden bezahlen, und zwar ein Jeder sogleich 50 Guldcu baar, die übrigen 50 Gulden aber in bestimmten Terminen. Heilmann bezahlte seine 50 Gulden sogleich, Dritzehn aber nur 40 Gulden abschläglich, so daß nach seinem zu Ende des Jahres 1438 erfolgten Tode noch der Rückstand mit 10 Gulden und die Hälfte der 200 Gulden mit 100, also im Ganzen 110 Gulden zu entrichten waren. Statt des Verstorbenen verlangte nun dessen Bruder, Georg Dritzehn, daß Gntenberg an die Stelle seines BruderS Andreas nun ihn selbst nebst seinem anderen Brnder Nicolaus in -> dieselben stncke solt er dann in die presse oder uff die presse legeu so kuude darnach uienmn gesehen noch utgemerken." Das Nämliche erklärte auch der Mann dieser Fran und fügte hinzn: „Also gieng claus Dritzehn vnd suchete die stücke do vaut er uutzit." (da saud Resultat der Straßburger Ansprüche. 97 er nichts.) Damit trifft auch die Aussage eines andern Zeugen, deS Conrad Sahspach, Verser- tigers von Gutenberg's Presse überein: „Item Cunrad Sahspach hatt geseit das Andres Heilman zu einer zit zu hine komin sy inn Kremer Gasse vnd sprach zu jme lieber cunrad als andres Dritzehn abgangen (gestorben) ist, Da hastu Die Pressen gemacht vnd weisst vmb Die sache, do gang dohin vnd nym Die stücke uß der Pressen vnd zerlege sü von einander so weiß nhemand was es ist; Da nun Diser gezüge das tun wollte vnd also suchete Das were uff sanct steffanuStag nehst vergangen Do was das ding hinweg." Von Anton Heilman erwähnt das Verhör' „Dirre gezüge hat onch geseit das er wol wisse das Gutenberg vnlange vor Wihnahten stnen kneht sante zu den beden Andresen, alle formen zu holen, vnd würdent zurlossen daß er es sehe (in seiner Gegenwart zerschmolzen) vnd jn joch ettliche formen rüwete." Dies ist das Wesentlichste der Zeugenaussagen vor dem großen Rathe zu Straßburg. Letzterer erließ am 12. Christmonat 1439 einen Urtheilsspruch, welcher bei Wetter Seite 63-72. nach dem noch vorhandenen Originale wortgetreu abgedruckt ist und den wir als ein merkwürdiges Denkmal der alten Fassung solcher Rechtserkenntniffe daselbst nachzulesen empfehlen; ihn hier in seiner ganzen AuSrehnung mitzutheilen, verbieten die Grenzen gegenwärtiger Säcularschrist. Das Resultat der Verhandlungen und der Entscheidung war: „DaS Gericht, welches sich nur um die rechtliche, nicht um die technische Natur des Geschäftes bekümmert, halt sich lediglich an die vorhandene Pun- ctation, an „Gutenberg's Worheit wider Jörge Dritzehn in bywesen (Anwesenheit) Franz Berners und Böschwilers", laßt die überlebenden Theilneh- mer beschwören, daß der Geseltschaftsvcrtrag in der angegebenen Art wirklich verabredet worden und zur Contraetausfertigung gelangen sollte, fordert alsdann auch von Gutenberg den Schwur, daß er an seinem Theile das Versprochene geleistet und daß Dritzehn ihm von der vertragsmäßigen Zahlung noch 85 Gulden schulde. Da dieses alles geschehen, spricht er den Klagern allen Anspruch an ihn und die Genossenschaft bis auf 15 Gulden ab, welche sie ans die Entschädigung von 100 Gulden, nach Abzug der von dem Verstorbenen schuldig gebliebenen 85 Gulden noch herauszubekommen haben." Resultat der Straßburger Ansprüche. AuS den Erklärungen sowol der Kläger und des Beklagten, als der Zeugen, deren Verhörprotokolle 2. D. Schöpflin im Jahre 1745 in einem Gemache deS Pfennigthurmes zu Straßburg (dieser wurde im Jahre 13Z1 als Schatzhaus der Stadt gebaut; hier bewahrte man die kaiserlichen Diplome, die Stadtbanner, die öffentlichen Maße und Gewichte u. s. w., welche, als der Thurm 1745 größtcn- theils abgetragen wurde, in das Archiv der Stadt gebracht worden sind) entdeckte, ganz besonders aber ans dem so eben mitgetheilten Urtheilsspruche des Rathes in diesem Processe, dessen Originaldokument der Ammeister uud Vorsteher des Raths- archivs Jakob Wenker schon einige Jahre früher (1740) anfgefnnden hatte, gehet nun hervor: 1. Die Bestätigung alles dessen, was wir von den geheimen Künsten Gntenberg's in Strasiburg und den Verhältnissen zwischen ihm und seinen Gesellschaftern bereits oben erzählt haben. 2. Daß Gntenberg von Conrad Sahspach eine Presse habe anfertigen lassen, die er zum Drucken von vier Stücken, welche auseinander gelegt werden konnten, angewendet hat, deren Bestandtheile er aber so geheim gehalten, daß er sogleich nach seines Theil- nehmers Andreas Dritzehn's Tode, voll ängstlicher Besorgnis,, es möchte Jemand diese Stücke sehen, Alles aufgeboten hat, dieses so schnell als möglich durch Zerlegung derselben zu verhindern. Laßt sich hieraus zwar immer noch nicht, wie die Vertheidiger der Straßburger Ansprüche, ein 13 !^ Resultat der Straßlmrgcr Ansprüche. Schöpslin, Oberlin, Lichtenberger und Schaab behaupten, mit voller Gewißheit schließen, daß jene „Presse" eine Buchdruckerpresse, und jene „Stücke" bewegliche Buchstaben gewesen seien: so ist es doch mehr als wahrscheinlich, daß jene Zeugenaussagen aus die ersten Anfange eines Druckapparates mit beweglichen und zwar gegossenen Lettern hindeuten. Schon die Idee, statt des in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts bei den sogenannten „Briefvrnckern" üblichen Reibers eine Presse sür den Tafeldrnck anzuwenden und diesem selbst durch ein so wesentliches Hülssmittel eine größere Ausdehnung zu geben, gehört dein Erfindnngsgeiste Gntenberg'S an, und ist als der erste Schritt zur Ausbildung des BücherdruckenS zu betrachten. Alle früheren xylographischen Werke sind nicht opisto- graphisch, das heißt „nicht anf der Rückseite" bedruckt, was bei dem Gebrauche deö Reibers unmöglich war. Je zwei Blatter sind immer mit ihrer weiß gelassenen Rückseite aneinander geklebt. Die Presse allein machte möglich, daß man den Papierbogeu mit einem Male auf beiden Seiten zu gleicher Zeit zu drucken im Stande war. Zum größten Bedauern der Wissenschaft sind die über den Proceß gepflogenen Gerichtsverhandlungen so unvollkommen, daß die Kritik es mehr vcrmnthen kann, als es mit Bestimmtheit anszn- sprechen wagen darf, Gutenberg habe schon zu Straßburg mit beweglichen, wenn gleich auch nur hölzernen und bleiernen Buchstaben gedruckt. Die Ursache jeuer Dunkelheit liegt darin, daß die Zeugen entweder selbst nicht wußten, welche Bewaudtuifi es mit Gutcnberg'S typographischen Versuchen hatte, oder sowol dnrch ein Gelübde, als durch ihr eigenes Interesse znr Geheimhaltung sich aufgesordert fühlten. Zndem legten die Richter bei dem UrlhcilsPruche auf die technische Natur des Geschäftes keinen Werth. Indessen kann jedoch auch nur leidenschaftliche Befangenheit in Parteiansichten so weit gehen, in jenen Verhandlungen nicht einmal eine Spnr von Büchcr- druck überhaupt erkennen zu wollen. Der neueste sonst so gründliche Forscher in der Gesckichte der Erfindung I. Wetter vermochte bei allem Scharfblick seines Geistes nicht, die Fesseln eines zu weit gctriebeuen provinziellen Patriotismus abzustreifen nnd die Verhältnisse seines LandSmannes Gutenberg ohne Vorurtheil ins Auge zu fassen. Nichts desto weniger aber hat er auch zur Bekräftigung seiner Meinung wichtige Gründe angeführt. Diese mit den AuSsprüchen eines Schöpflin, Lichten- berger nnd Schaab gewissenhaft abzuwägen, schien heilige Pflicht. Ohne die Aechtheit der Verhör- actcn, wie Dibdin in seinem „L!oI!oxi^I>icaI vs- osmoron", I>on. 328. uud in seiner „ Llliliog, !l^>ll!c!tl, anticjiiai-ilm !»ul I>!oture8hv.'i!nil)L -nid (Zei-MlUi)'", I^oixlvn 1821. 8., Vol. III. 53. gethan hat, nur im geringsten in Zweifel ziehen zu wollen, können wir nach sorgfältiger Prüfung der Quellen nicht umhin, bis auf einen gewissen Punkt den Ansichten Wetter'S beizustimmen , welcher den Folgerungen Schöpslin's und der übrigen Vertheidiger der Strafiburger Ansprüche aus wirkliche Anwendung beweglicher Typen einige Bedenken entgegen stellt. Erstens nennen alle Zeugen die unter der Presse befindlichen Gegenstände mir „Stücke", nicht aber „Blattseiten" oder „Kolumnen". Jener Ausdruck bedeutet schon an und für sich etwas Ganzes und ist mit dem jetzt noch üblichen Worte „Stock" verwandt, worunter man eine mit Arabesken oder anderen bildlichen Darstcllnngen versehene Metallplatte, deren sich die Buchbinder zur Verzierung der Bücherdcckcn bedienen, sowie einzelne zum Abdrucke bestimmte Hvlztafeln verstehet. Zweitens befahl Gutenberg nur, die vier Stücke aus der Presse zu nehmen und auseinander zu legen; von einem nochmaligen Zerlegen dieser Stücke in kleinere Theile sagte er kein Wort. Da man aber ans den glaubwürdigsten Zeugnissen eines Theodor Bibliandcr, Angelns Rocha, Heinrich Spiegel, Siegmund von Birken, Joh. Friedr. Faust von Aschassenburg nnd Paulus Pater aus Danzig weiß, daß anfangs die einzelnen Buchstaben oben durchbohrt uud entweder durch einen Bindfaden oder Draht zusammengehalten wurden: so konnten, wenn man also die zwei Schrauben an der Presse aufdrehte, immer nur die vier ganzen Stücke auscinaudcr- fallcn und Guteuberg hätte, wenn die sogenannten „Formen" aus beweglichen Lettern zusammengesetzt Resultat der Straßburgcr Ansprüche. 99 gewesen wären, dem Dritzchn sagen lassen müssen, er solle dieselben Stücke nochmals in ihre Bestandtheile zerlegen. Nicht weniger Beachtung verdient die Aussage des Zeugen Anton Heilman selbst: „Item dirre Gezüge hat ouch geseit, das er wol wisse, daß Gutenberg vnlange vor Wihnahten sincn kncht scmte zu den beeden Andrcsen, alle „Formen" zu holen" u. s. w. Unter diesem Ausdrucke verstand man damals feste Tascln von Holz oder Metall, auf welche man Bilder einschnitt, um sie mittelst des Reibers abzudrucken. Die Verfertiger solcher Tafeln hießen, wie bekannt „Formschncidcr" und bildeten im fünfzehnten und scchszehnten Jahrhunderte eigene Zünfte. Nach Tritheim's Annalen des Klosters Hirschau (St. Galler Ausgabe, 1690. t°I. Bd. II. S. 421.) werden von Peter Schöffer, welcher in der Werkstatte deS Erfinders zu Mainz jeden Tag die von Letzterem gebrauchten Knnstausdrücke hörte und den ganzen Hergaug der Sache dem Abte, seinem gelehrten Freunde, erzählte, die festen Tafeln, mit welchen Gutenberg noch zu Mainz druckte, Formen genannt. Daß man im fünfzehnten Jahrhunderte uuter dem Worte „Formen" nicht sowol Buchstaben als feste Holzstöcke verstanden habe, beweiset die Urkunde, in welcher der Shndicus der Stadt Mainz , Conrad Humery, die von Gutcuberg hiuter- lasscneu Werkzeuge und Geräthschaften als sein Eigenthum anspricht und in welcher die Begriffe: „Formen" und „Buchstaben" ausdrücklich geschieden werden. Die Worte der Urkunde bei „lo-mnis 8c>ipt. rer. Noxunt." Vol. III. x. 424. und bei Köhler, „Ehrenrettung Gutenberg's" Seite 101. lauten: „Etliche lormen, Buchstoben, instrumont, gezugc und Anders zu dem truckwerk gehörende." Der Ankauf von Blei kann nicht als ein für sich allein ausreichender Beweis für „Lctternguß" gelten, iudem es ja schon aus dem „8pecu!»m »»- turale" deS VincentiuS Vellovaceusis (Vineent 6e IZeiuiv-ns), welcher in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts lebte und darin sagt: „inter omnl^ inelnis est Speculuin ex vitro et pwmbo" sowie ans der „?ersx>ect,Iv-i, cvmmunis" des gleichzeitigen englischen Schriftstellers Peckham, der da sagt: „Lnieculii consueta vitreü sunt plumbo obcluet^", und besonders aus Raymundus Lullus, welcher die Bereitung der Spiegel ausführlich beschreibt, hervorgeht, daß bei der Anfertigung von Spiegeln Zinn und Blei nothwendig ist. Das Belegen der» selben wird bewerkstelligt, indem man ein Blatt Staniol (gestrecktes oder gewalztes Blei) ans eine glatte Steiutafel ausbreitet, es mit Quecksilber verquickt, die Glastafel darauf legt uud diese mit Gewichten beschwert. Die bei AndrcaS Dritzchn befindliche Prcsse diente vielleicht auch dazu, dergleichen Bleisolieu glatt zu pressen oder die auf solche dünue Staniolplattcn gelegten GlaStafeln fest aufzudrücken. Ganz anders verhalt es sich mit dem am Schlüsse deS Verhörs vorkommeudeu Zeugnisse des Goldschmid's Hans Dünne: „Item Hans Dünne der Goltsmyt het gefeit das er vor drycn jorcn oder Doby Guteinberg by den hundert Guldin abe- verdieuct habe alleine das zu dem truckcn gehöret." Hier können wir der Ansicht I. Wetter's durchaus nicht beistimmen, indem er keinen andern, als bloßen Tafeldruck annehmend, in der Nachrede zum dritten Nachtrage endlich auf Schcltema's Seite tritt, und mit diesem alles, waS in den Proccß- acten von „Druckerei" vorkommt, lediglich auf Spiegclrahmen angewendet wissen will. Was er von dem Neliefdrucke iu weiches oder erweichtes Holz vorbringt, bedarf noch gar sehr, so scharfsinnig und fleißig anch das Material znr Beweisführung herbeigeschafft ist, in Hinsicht der Möglichkeit einer solchen Pressung, des Ausspruchs sachverständiger Künstler. Seine Meinung, als tonnten allerlei Gegenstande mittelst heißen Einprcsscns metallener Formen auf Holz abgedruckt werden, gleich wie es bei Lcdcrbandcn der Fall soll gewesen sein, beruhet selbst vor dem Auge des technisch Unerfahrenen insoweit aus einem Irrthume, als die mit warmgcmachten Mctallstöckcn auf pergamentene oder lederne Bücher- dccken gedruckten Ornamente erst mit Anfang des sechSzehntcn Jahrhunderts eine allgemeinere Anwendung sandcn. Kleinere Vcrzicruugen mit Filoctcn hatten die Buchbinder allerdings schon früher hier und da angebracht, doch bestand der gewöhnliche Einband der Bücher zu Gutenberg's Zeit aus dicken 100 Resultat der Straßburger Ansprüche. Eichcnholztafeln, die mit weißgegerbtem SchweinS- lcder oder mit Schaffellen überzogen waren, denen man meist eine einfach braune oder rothe Farbe gab; an allen vier Ecken, sowie in der Mitte eines jeden Deckels schützten messingene oder silberne Beschläge mit hohen Buckeln das Buch, das mit Klausuren aus starken Lcdcrriemen geschlossen war und statt des spater auf dem Nucken augebrachten Titels eine kurze Jnhaltsauzeige auf der Stirnseite der Decken trug, vor jeder Beschädigung. Denn damals wurden die Bücher, da ihre Zahl uoch äußerst gering war, nicht wie jetzt zn geschehen Pflegt, in lothrechten Nepositorien auf die Kaute gestellt, sondern ihrer ganzen Flache nach auf schiefe Pulte gelegt, weshalb denn auch der Schutz der Buckeln nöthig war. Die Hauptstelle der Zeugenaussagen ist von I. Wetter ebenso wie von seinen Vorgangern, Meermann und Schöpslin, mißverstanden worden; es ist die, wo Heilman vor Gericht zu Protokoll giebt: „Daß Gntenberg unlange vor Wihnachten sincn knccht saute zu den beden Andresen alle formen zn holen vnd wurdent zurlossen („zerlassen" heißr noch hent zu Tage in allemannischer Muudart soviel als „zerschmelzen") daS er es sehe vnd jn joch ettliche Formen ruwete." Das letztere Wort, welches Wetter für „ruhen, bleiben, verbleiben" erklärt, heißt nichts anderes als „reuete." Noch jetzt spricht das Volk im Elsaß, auf dem Schwarzwalde und in der Schweiz die Sylbe „en" in „Feuer" mit etwas gedehnter Betonung wie „Füwr", „Euch" wie „ üwch " und „ Euer" wie „ üwcr" aus. Der Sin» des gauzeu Benehmens ist ganz einfach dieser: Gutenbcrg sah voraus, daß die Brüder Dritzehn's, wenn dieser sterben sollte, entweder Ersatz wegen Scl'inälerung ihres ErbeS, Theilnahme an dem Gesellschaftsvertrage nnd Miteigenthum am Werkzeuge, sowie an jedem zu hoffenden Gewinne in Ansprncl' nelunen würden, nnd daß bei etwaiger gerichtlicher Untersuchung daS Fabrikgeheimniß verrathen zn werden drohete. Er sendete daher voll Unruhe über den Gedanken, daß Dritzehn sterben könnte, seinen Diener Beildeck in die Wohnung des Kranken, nnd ließ die Stücke oder Formen abholen, anSeinander nehmen, und theilweise vor seinen Augen einschmelzen, welches ihm aber Reue verursachte. Von gleicher Besorgnis; getrieben, hat auch der andere Theilnehmer zn gleichem Zwecke den Verfertiger der Presse dahin gesendet, um dieselbe zu zerlegen, um somit nichts von der Eigenthümlichkeit des Verfahrens bekannt werden zu lassen. Hatte Letzteres nun in nichts anderem bestanden, als mit festen Holztafeln Bilder oder Bücher zu drucken, wozn bedürfte es einer so angstlichen Vorsicht, der Enthüllung des Geheimnisses vorzubeugen, indem Gntcnberg alsdann ja nichts anderes gethan haben würde, als was vor ihm und zu gleicher Zeit mit ihm nicht nur in Holland, sondern in fast allen Landern Deutschlands, zumal aber in Schwaben, Franken und am Rhein alle Form- schncider und Briefdrncker gethan haben, deren Werkzeuge und Arbeitsmethode allgemein bekannt sein mußten, da dieselben ihr Gewerbe zunftmaßig betrieben? Da aber Gutenberg nicht zu dieser Gilde gehörte, mußte seinem schöpferischen, mit allen Künsten der Mechanik vertrauten Geiste von Hause aus eiu eigenthümlicher höherer Zweck vorschweben, welcher nicht wol ein anderer sein konnte, als der, den Schristdrnck so zu erleichtern, daß die Vervielfältigung jeder Art von Büchern durch denselben das weit mühsamere und mit größeren Kosten verbundene Abschreiben derselben ganz entbehrlich machte. Zu dem Ende hatte er eine Presse ersunden, um den Druck nicht nur geschwinder, sondern auch gleichmaßiger und auf beiden Seiten des Papiers zu bewerkstelligcu. Kann man endlich den vom Goldschmid Dünne vor Gericht eingestandenen Verdienst von hundert Gnlden, den ihm Guteuberg für „Sachen, die zum Drucken gehören" ausgezahlt, nicht leicht, ohne sein Urtheil gefangen zu nehmen, mit Wetters Spiegelrahmen in Verbindung bringen: so bleibt nichts übrig, als jenen Lohn auf Metallformen und Bnchstabenstcmpcl zu beziehen, welche Dünne geschnitten haben mag, ein Geschäft, welches zu einer Zeit, wo es noch keine Stcmpelschneider nnd Schriftgießer gab, fast ausschließlich nur von den in der Gravir- und Ciselirtnnst erfahrenen Gold- und Silberarbeitern betrieben wurde. Resultat der Straßdurger Ansprüche. 101 Schwerlich dürste es sich aber, wenn nicht noch andere schriftliche Documcntc aufgefunden werden, zur Gewißheit bringen lassen, ob sich Gntenberg solcher Stempel schon in Straßbnrg zum Setzen und Drucken, oder nur, um Matrizen darüber zu gießen, bedient habe. Die Entscheidung der Frage, ob ihm hier überhaupt schon irgend ein Druckwerk gelungen sei, liegt noch ebenso im Dunkel begraben, denn vergebens siehet man sich nach Spuren desselben um, sei es, daß sie sich im Laufe der Zeit völlig verloren haben, oder weil sich die Lettern zur Vollendung eines ganzen Buches nicht brauchbar bewiesen, oder weil der Proceß die Ausführung deS ganzen Planes ins Stocken brachte. Der neueste Vertheidiger der holländischen Sache, der zu früh verstorbene Jakob Scheltema in Utrecht, hat in seiner Beurtheilung des Schaab'schen Werkes „Geschichte der Erfindung der Buchdruckerknnst, Mainz 1830 und 1831, drei Bande in Octav", die seit Schöpflin allgemein angenommene Beweiskraft obiger Proceßacten durch den AuSspruch zu erschüttern gesucht: „Wenn der Name Gntenberg nicht von Schöpflin und seinen Nachtretern in jenen Verhandlungen wäre gefunden worden, so würde Niemand auf den Gedanken gekommen sein, diesen Proceß in irgend eine Verbindung mit der Buchdruckerkunst zu bringen." Diesen Satz suchte er damit zu unterstützen, daß eine Summe von 250 Gulden für die Einrichtung einer Officin und für die Mittheilung eines so wichtigen Geheimnisses zu gering, die Anstalten aber nicht von der Art gewesen, wie sie die Bewahrung des Letzteren erfordert hatte und daß endlich die Gcrichtsprotokolle nur vom Steinschlcifen und Spiegclmachen sprechen, dem zufolge das „Drucken" lediglich vom Bedrucken der Spiegelrahmen zn verstehen sei. Er hat jedoch unerwogen gelassen, daß sowol der Tafel- als Holztypendruck, seiner Natur nach, nur auf kleine Schriften von wenigen Bogen anwendbar, keinen allzu großen Geldaufwand erforderte, der Druck von Bildern und sogar von Bildern mit Text als von den Vricfdruckern allgemein ausgeübt kein Geheimniß war, letzteres also lediglich in einer neuen Zusammensetzung der Druckformen und in ihrem vervollkommneten Abdrucke mittelst einer Presse lag. Zudem war Gutenberg, als nicht zur Zunft der Formschneidcr und Briefdrncker gehörend, auch uicht iu der Kategorie der Schutzverwandlen und zum Verkauf seiner Producte nicht berechtigt, weöhalb er ans die Aachener Handelsmesse sein Absehen richten mnßte. Aus der unbefangenen Prüfung uud genauen Abwägung der Für- und Gegengründe dürfte daher ohne Vorliebe und Vorhaß das Resultat festzustellen sein, daß Gntenberg schon in Straßburg Versuche mit beweglichen Lettern gemacht uud wahrscheinlich die Idee gefaßt habe, ein „Heilthnmsbüchlein" für die uach Aachen wallfahrenden Pilger zu Stande zu briugcu, von dem er sich bei der zahlreich besuchten Messe einen starken Absatz versprechen durfte. Jedermann weiß, daß Lcgendenbücher als die zu jener Zeit beliebteste Lectnre, für die Wallfahrer nach Nom (IMi-ill-ill-i urdis Komas) und nach dem Kloster Emsiedcln im Canton Schwytz (Leben des h. Meinrad) xylographisch gedruckt worden sind und wie selten selbst die späterhin typographisch ausgeführte» Heiligthum- bücher von Trier, Wien, Bainberg, Halle, Wittcn- berg und anderen Orten im Laufe der Zeit geworden sind. Hatte er einmal den Gedanken an die Vervielfältigung eines Buches gefaßt, waS lag näher, als ein solches legendarisches Schriftchen für die Aachener Hciligthumsfahrt und die damit verbundene Messe ins Werk zu setzen? Dieses sollte ohne Zweifel, wie alle Erstlingsdruckc dieser Art in Holz geschnittene Bilder nebst beigefügtem erklärendem Te.rte enthalten. Die Formen, von denen in den Proceßacten die Nede ist, konnten daher ebensowol feste Holz- oder Bildtafeln, als mit beweglichen Typen zusammengesetzte Tertformen sein, dem zufolge eS auch nur etliche, nämlich die letzteren waren, auf die sich das Auseinandernchmcn, was Gutenberg nnr nothgedrungen und nicht ohne Reue that, zu beschräukeu hatte. Gestehet man ans diese Weise der Stadt Straßburg die Ehre zu, daß in ihr vor allen deutschen Städten die ersten Versuche der eigcutlichen Buchdruckerknnst, obwol freilich nnr in ihren rohestcn Anfängen gemacht worden sind: so bleibt ihrer Nebenbuhlerin Mainz um nichts desto minder der Ruhm, die unvergleichliche Kunst durch große 102 Erfindung der Puchdruckerllunst und Schriftgießerei in Mainz. — Gutenderg in Mainz. bewnnderuugswürdigc Leistungen zuerst ius Leben treten gesehen zu haben und somit auch die Wiege der Typographie zu sein. Erfindung der eigentlichen Buchdruokerkunst und Schriftgießerei i n M a i n z. Ob Gutenberg noch nach dem Processe mit den Genossen Riffe und Heilman den Tafeldruck und andere geheime Künste fortsetzte nnd namentlich auS der wesentlichen Vervollkommnung des Ersteren durch Anwendung der Presse Vortheil zog, ist unbekannt. Die Geschichte sagt nichts hierüber und bis jetzt ist noch keine neue Urkunde aufgefunden, welche über seine Arbeiten in den Jahren 1440 bis 1444 zuverlässige Nachrichten mittheilte. Nicht einmal weist man mit Bestimmtheit, ob er die „HcillhumSfahrt" nach Aachen angetreten nnd die Gesellschaft überhaupt ihre Erzeugnisse dahin zu der berühmten Handelsmesse gebracht hat. Großen Gewinn trugen ihm die Arbeiten keinenfatls ein, denn in den Jahren 1441 und 1442 kam er immer noch in die Verlegenheit, Geld aufnehmen zu müssen, nachdem er sein noch übriges Vermögen vollends zugesetzt hatte. Dies uud das Mißlingen seiner daselbst gemachten Versuche, vielleicht auch die Noth bewogen ihn endlich, in seine Vaterstadt zurück zu kehren, wo er zur Ausführung seines großen Vorhabens von seinen reichen Verwandten und anderen Personen auf Unterstützung rechnen konnte. Noch am St. Georgentage, den 23. April 1444, findet sich sein Name in dem HelbelingSzollbnche der Stadt Straßburg, woraus man ersiehet, daß er die Gebühren für Wein bezahlte, den er zu seinem eigenen Gebrauche einführte. Zu Ende des nämlichen Jahres aber, oder Anfangs 1445 langte er mit seinem treuen Diener, Lorcnz Beildeck, in Mainz an, ohne in Straßbnrg einen förmlich ausgebildeten Schüler der Typographie oder ein Product seiner Kunst zurückgelassen zu haben. Gutcnberg in Mainz von 1444 bis 1468. Womit sich Gutenberg in den ersten fünf Jahren seines Aufenthaltes in Mainz beschäftiget habe, ist mehr zu vermuthen, als mit historischer Gewißheit zu ermitteln und auszusprcchen, indem authentische Zeugnisse für diese Periode seines Lebens bis jetzt noch ganzlich fehlen. Man weiß nur, daß sein Oheim Henne (Johann) GenSflcisch der Alte bereits am 28. Octobcr 1443 von Orten zum Jungen, einem Mainzer Patricier, den auf der Stelle des heutigen Casinogebaudes gestandenen „Hof zum Jungen" gemiethet und im darauf folgenden Jahre den aus Straßburg Heim- gekehrten Neffen darin aufgeuommcn hatte. Von da an ist von Gutcnberg nichts bekannt bis znm 6. October des Jahres 1448, an welchem Tage er ein Capital von 150 Gvldgnldcn borgte, welche sein Vetter Arnold Gelthuß zum Echtzeller bei zwei Edelleuten, dem „Ryhard Brumsar" ans dem Geschlechte der „Brömser von Rüdesheim" und „Hennchin von Rodenstein" zu seinem Gebrauche ausgenommen und dafür die ihm gehörigen Renten von mehreren Häusern zu Mainz verpfändet hatte. Die auf einem großen Pergamentbogen in die Breite geschriebene Originalurkunde aus dem Nachlasse des Archivars Bodmann befindet sich jetzt in der Stadtbibliothek zn Mainz und ist in Schaab's „Geschichte der Buchdruckerkuust", Theil II. S. 253-258. zum erstenmale gedruckt erschienen, die daran befindlich gewesenen fünf Siegel find verloren gegangen. Es gehet hieraus hervor, daß Gutcnberg in seiner Vaterstadt wie in Straßburg genöthigt war, Schulden zu machen, um seine Unternehmung zum Ziele zu fördern, ohne daß es ihm jedoch mit diesen Mitteln gelungen wäre. Nach der Analogie seiner gewohnten, bereits an den Tag gelegten Thätigkeit kann man auch ohne urkundliche Beweise als gewiß voraussetzen, daß sein erfinderischer Geist, der, wie jedes Genie, keine Ruhe kannte, mit der Anfertigung neuer Werkzeuge und mit der Fortsetzung seiner Versuche, den Tafeldruck mit Letterndruck zu vereinigen, oder sogar diesen von jenem ganz frei zn machen, welche er schon während seines Vereinigung Gutenberg's mit Johann Fust. 103 Aufenthaltes in Straßbnrg begonnen, zur endlichen Ausführung seiner großen Idee fort und fort beschäftigt war. Nur seine bei der Wichtigkeit des Gegenstandes wol verzeihliche Acngstlichkeit, es möge Jemand von seinem Geheimnisse etwas erfahren, mag Ursache sein, daß wir so wenig von seinem Treiben in dieser Zeit mit Bestimmtheit wissen. Wie aus dem 109. Verse von Arnold von Bürgers (^.rnvl6us Ler^elliliius) im Jahre 1541 zu Mainz gedruckten lateinischen Lobgedichte auf die Buchdruckerkunst : „ <üum'i Versuchen und Erfinden aber, sagtDcnis, sind so wenig einerlei, als Suchen und Finden. Straffburg hat selbst von den Erstlingsversuchen nicht ein einziges Druckfragment aufzuzeigen. Daß Gutcuberg überhaupt vor seiner Bibel von 42 Zeilen auch nur ein kleines Buch mit beweglichen Lettern wirklich zu Stande gebracht habe, Abecedarien, Horarien, Kalender und Donate allein vielleicht anSgcnommen, ist unwahrscheinlich, auch keine Spur davon auszuweisen. Bei allen großen Erfindungen sind Entdecken, Verbessern und Vollenden die drei verschiedenen Bestandtheile, ans welchen das große Ganze zusammengesetzt ist. Beginnt aber die Erfindnng erst dann, wenn sie sichtbar wird und für Jedermann kenntlich ins Leben tritt, und trennt man in der Erfindnng der Bnchdruckerknnst diese drei Hauptepochen gehörig von einander: so wird Mainz nur einen Theil der zweiten Epoche mit Straßburg theilen, die erste und wichtigste aber, das Erfinden, sowie die letzte, daS Vollenden, ihr allein zum Ruhme bleibe», denn aus ihreu Mauern sind, was Deutschland betrifft, die ersten beglaubigten Denkmäler der neuen Kunst hervorgegangen. -Außer dem Tafeldrucke, der nur bei kleinen Büchern anwendbar, bedienten sich aber Gntcnberg und Fust auch gleichzeitig beweglicher Buchstabe», die aus Holz geschnitzt waren. Schon der Mainzer Dichter Arnold v. Bürge! oder Bergel, der um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts in der Buchdruckerci des Franz Böhme als Corrcctor angestellt war, sagt in seinem Lobgedichte ans die Typographie von Guteuberg und Fust: „Sie schnitten ans leichtem Holze die ersten Buchstaben, welche Jeder auf verschiedene Art gebrauchen konnte; ihnen kam Peter mit dem Zunamen Schöffer zu Hülfe und wurde im Stechen bald gewandter, als die Anderen." Von diesen hölzernen Buchstaben haben sich mehrere bis ans unsere Zeit erhalten. Schon der erwähnte Dichter hatte deren zwischen 1525 und 1540 gesehen, wie er in der Zueignung seines „Lncomion" an den Erzbischof Albert von Brandenburg erzählt. Ein gleiches Zeugniß giebt Theodor Biblicmder in seiner 1548 zu Zürich gedruckten „ Oommentatio ;"»nim" Seite 80. AngeluS Noccha bestätigt in seinein 1591 zu Rom erschienenen „>^>i> Noxunt. I, 37.) führt nn, daß er um das Jahr 1604 zn Mainz bei dem Buchdrucker Albinus in dem alten Hause zum Seulöffel die ersteu Werkzeuge dieser Kunst gesehen habe. Paulus Pater aus Danzig sagt in seiner 1710 erschienenen Abhandlung über die Typographie Seite 10, daß er sich erinnere, zu Mainz solche hölzerne, noch aus der Guteuberg - Fust'schen Werkstätte herrührende Buchstaben gesehen zu haben, welche in der Mitte durchlöchert wareu, damit man sie mittelst einer Schnur zusammenreihen konnte. Der Mainzer Professor Bodmann hatte dergleichen noch im Jahre 1781 in der Druckerei des G. Ales in Mainz gefunden, in dessen am Flachsmarkte gelegenem Hanse die von Jvo Schöffcr gegen das Ende des scchs- zehnten Jahrhunderts hinterlassene Druckerei ausgestellt worden war und ohne Unterbrechung bis 1800 verblieb. Sie waren von Virnbaumholz etwa anderthalb Zoll hoch, viereckig, sehr durch die Würmer uud den Gebrauch beschädigt und hatten oben ein Loch, um sie an einen Faden oder Draht reihen zu können. Dies Verfahren war bei den späteren gegossenen Buchstaben ebenso nothwendig als bei den hölzernen, weil weder jene noch diese so genau, wiukelrecht und scharfkantig gearbeitet waren, um sich fest und genau an einander zu schließen. Zn letzterem Zwecke wurden bald eiserne Rahmen angewendet und die Lettern mittelst Schrauben zusammengehalten. Von nun an wurde 1Ä 100 Gutenlierg's erste Drucke. das Einfädeln und Zusammenschrauben zugleich angewendet. Die Ursache, warum diese Arten von Buchstaben selbst in Mainz setzt zu den größten Seltenheiten gehören, ist der Gebrauch, der ehedem dort bestand, daß jedem Buchdrnckerjungen, der ausgelernt hatte, bei seiner Loösprcchnng einer dieser Gulenbergischen hölzernen Buchstaben zum Beweise seiner erlangte» Fähigkeit und zum Andenken übergeben wurde, wodurch sich ihre Zahl nothwendig mit jedem Jahre vermindern mußte. Die Möglichkeit, mit solchen hölzernen Typen zu drucken, haben CamuS und Wetter durch die That selbst bewiesen, indem sie eine Anzahl Buchstaben anS Holz schneiden und damit drucken ließen. Nur ist zu bedauern, daß Letzterer nicht eine kleinere Schrift, etwa von dem Kegel der Nota- oder Catholikon-Type, statt der modernen Tertfractur mit einem so ungewöhnlich breiten Kegel gewählt hat, wie dies in allen alten Drucken ohne Beispiel ist. Aus solche Weise würde sich genügender haben darthnu lassen, ob er oder Enschede und Fournier Recht behalte, von denen Ersterer eine Type, wie von den alten die Koster'- sche und von den neueren Tertcorpus, Letzterer aber jede kleinere als „(Zios Komaln", die unserer Tertia entspricht, schon zu klein für den Presscn- druck hält. Nach Sotzmann's tiefer Forschung über diesen Gegenstand kommt es überhaupt weniger darauf an, durch die That zu zeigen, daß mit beweglichen Holzbuchstaben überhaupt gedruckt werden könne, als die Grenzen der Schriftgröße festzustellen, innerhalb deren dies im Großen und nicht bloS zeilenweise möglich sei. Ihm zusolge sind die bewährtesten Formenschncider und Schriftgiesser darüber einig, daß große Schrift mit mobilen Holzlettern gedruckt werden kann, daß eS aber bei kleinerer und gewöhnlicher Druckschrift unmöglich ist, selbst mit der feinsten Sage aus einer Uhrfeder die einzelnen Buchstaben aus einer in Holz geschnittenen Schrifttafel so regelrecht und von so gleichförmigem Caliber herauszuschneiden, daß sie in der Wicderznsammensetzung genan quadriren. Die Holzbuchstaben, deren sich Wetter Behufs cineS Probedruckes bedient hat, werden jetzt auf der Stadtbibliothck zu Mainz aufbewahrt. Gutenberg's erste Drucke so wol mit ganzen Holztafeln als mit beweglichen hölzernen Buchstaben. Diese gelungenen Versuche in unseren Tagen gelten als Beweis, daß die Benutzung hölzerner Typen im größeren Maßstabe damals möglich war und die Prüfung der ältesten Truckvenkmaler deutet darauf hin, wenn sie anch nicht außer allem Zweifel setzt, daß namentlich die frühesten derselben durch solch ein Verfahren entstanden sind. Als erste Versuche mit dem Tafcldrucke und mit beweglichen hölzernen Lettern gingen aller Wahrscheinlichkeit aus Gutenberg's und Fust's Werkstatte hervor: 1. „Abcdarien" oder kleine lateinische ABC-Bücher zum Gebrauche für Schulen, von welchen sich aber nur einige wenige Fragmente bis auf uns erhalten haben. 2. „Horarien" oder kleine Gebetbücher, etwa das Vater Unser, das Ave Maria, den Glanben uud etwa einige besondere Gebete zu Ehren des jedesmaligen Stadt- oder LandpatronS enthaltend, die nach Verbreitung der Buchdruckerkunst gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts ihres schnellen Absatzes wegen allenthalben in zahlreicher Menge gedruckt wurden, von denen aber bis jetzt kein einziges vollständiges Eremplar mehr bekannt ist. 3. „ Confessi onalien" oder sogenannte B e i ch tsp i e g c l, welche ein Verzeichniß aller möglichen nur immer denkbaren Sünden enthalten, die ein Mensch begehen oder begangen haben kann. Diese Sündenregister, die nur den Raum von ! wenigen Seiten füllen, häufig von den gläubigen Christen auf Reisen und anderswo mit sich herumgetragen wurden, konnten natürlicher Weise der Zerstörung nicht entgehen. Nur wenn sie zufällig mit anderen Schriften zusammengebunden wurden, konnten sie sich bis auf unsere Zeit erhalten. MariangcluS Accursius, der bekannte neapolitanische Gelehrte, welcher zu Anfang des sechszehntcn Jahrhunderts am Hofe Kaiser Karl's V. in Deutschland lebte, fand einen solchen Bcichtspiegcl, der an einen auf Pergament gedruckten Donat angeheftet war, und schrieb die Worte darauf: „ImpressuZ Erfindung der Schriftgießerei. 107 imtem est Iilc Donstns et conke«sinn->>Ia ^>rlnnim om»ium anno 1450." So berichtet ?lngelus Noccha in seinem „Anhang znr Vaticanischen Bibliothek, Rom, 1ö91." S. 410. Da nun die Bibliothek des berühmten Druckers Aldus Manutius, in welcher AngelnS Roccha den Donat des AccursiuS sah, das Eigenthum der Akademie von Pisa geworden ist: so darf man die Hoffnung nicht aufgeben, daß dieses für die Geschichte der Typographie so wichtige Document dort noch einmal aufgefunden werden könnte. Ein ahnliches vonkessiousle befand sich ehedem in der St. Genovevabibliothck zu Paris, 24 Seiten stark in 4., mit welchem ein Donat und Nyder's Abhandlung >,I!a littin-t viilxaw, welche, als das heiligste aller Druckwerke, die erste Frucht ihrer Erfindung sein sollte. Welches andere Bnch hatten sie im Interesse der Menschheit, sowie in ihrem eigenen, diesem Buche der Bücher, j nach welchem die meiste Nachfrage war, vorziehen können? Das übereinstimmende Zeugniß zweier Gewährsmänner, wie Ulrich Zcll, wahrscheinlich früher Gehülfe in Guteubcrg's und Fust's Werkstatt, der Erste, welcher die neu erfundene Kuust von Mainz nach Cöln verpflanzte, dessen Zeugniß in der 1499 daselbst in Folio gedruckten „ Croniea der hissiger stat vä Cölle" auf Blatt 311". niedergelegt ist, und Abt Tritheim, Freund Peter Schöf- fcr's, dessen Erzählung: „daß man im Jahre 1450, welches ein Jubeljahr gewesen, angefangen habe zu drucken und das erste Buch, welches mau gedruckt, eine lateinische Bibel gewesen, die mit einer groben Schrift nach Art der Meßbücher ausgeführt worden sei", in diesem Punkte mit der Kölner Chronik vollkommen übereinstimmt, setzt den Druck der Bibel durch Gutenberg und Fust außer alleu Zweifel. Welches aber diese erste undatirte Ausgabe der heiligen Schrift gewesen, soll weiter unten bei der Sckilderung der „Wiegendrucke" mit beweglichen Mctalltypcn näher erörtert werden. Ob die 42zeilige oder die 36zeilige Bibel daS erste Er- zcngniß der Gutenbergpresse sei, darüber sind die Meinungen der neuesten Bibliographen, selbst derjenigen, welche die 36zcilige Bibel nicht Albrecht Pfister, sondern dem großen Mainzer Patrizier zuschreiben, ebenso verschieden als über die Epoche ihrer beiderseitigen Erscheinung. Hier fassen wir einstweilen der Klarheit wegen nur die Erstere ins Schriftgießerei. Auge. Die Meisten setzen, nach dem Zeugnisse der Cölncr Chronik, den Anfang ihreS Druckes in das Jahr 1450, die Beendigung derselben aber erst in den Monat November 1455. Einige nehmen als Anfangsepoche das Jahr 1452 an, weil Johann Schöffer in der Schlusischrist von ?ritl>emü Com- I>en Hcnricum <5remer etc." Erwägt man, wie lange das Ausmalen der verzierten Anfangsbuchstaben, das Einschreiben der Rubriken, Summarien und Blattzahlen bei einem so umfangreichen Werke dauern mußte, so ist die Annahme einer Frist von acht bis neun Monaten nicht unwahrscheinlich. Der Druck dieser Bibel wurde daher gegeu das Ende des Jahres 1455 vollendet, nachdem er wol drei bis vier Jahre früher begonnen hatte, und kam somit erst nach Verlauf von nahe nn fünf Jahren, nach unzahligen Versuchen und großen Bemühungen, in zwei Foliobänden von beinahe 650 Blättern zu Stande. In diesem zwar nicht genug zu bewundernden, aber im Petcr Schö'ftcr von Gernsheim. 111 Vergleiche mit Fust's und Schöffer's Psalter noch unvollkommenen Erstlingswerke liegt der für die Geschichte der Fortschritte der Typographie nicht uninteressante Beweis, daß Gutenberg, nachdem er selbst bis zu dein Gedanken, Lettern zu gießen, gelangt war, noch viele und große Hindernisse zu überwinden hatte, daß in der Ausführung dieses Vorsatzes und in Erforschimg der zweckmäßigsten Mittel dazu erst die Hauptschwicrigkeit lag, daß es überhaupt unzähliger höchst kostbarer und mühevoller Versuche bedürfte, von den gegossenen zu den geschlagenen, von den bleiernen zu den kupfernen Matrizen, sowie von den hölzernen Buchstabeu- stempeln zu stählernen Patrizcn zu gelangen und ferner das geeignete Metallgemisch sür den Letternguß und endlich diejenige Einrichtung der Gießform zu finden, welche einer Schrift von der kleinsten Dimension das genaueste Gleichmaaß verschafft. — Kann es daher befremden, wenn der Erfinder einen Zeitraum von zehn Jahren, ungefähr von 1440 bis 1450, zu Versuchen und Vorbereitungen aller Art nöthig hatte, um endlich den Zielpunkt seines Strcbcns zu erreichen und die große Idee, welche gleich einem leitenden Sterne sein ganzes Leben hindurch vor seiner Seele stand, ins Werk zu setzen, mit eiuem Worte, um sich zur Unternehmung eincS Bibeldrnckes geschickt zn machen? Hatte er damit gleichwol die letzte Stufe der Vervollkommnung des Letterngusfes noch nicht erstiegen, so war doch der erste entscheidende Schritt gethan nnd der Weg dahin gebahnt. Einem Anderen war es vorbehalten, diese Höhe zu erklimmen. Dieser Mann, welcher daS Erfinder-Triumvirat vollständig machte, war Peter Schvffer von Gernsheim, der Verbesserer der Buchdruckerkunst. Die neucrfundene Kunst hatte in dem kurzen Zeitraume von etwa fünfzehn Jahren Nicsensort- schritte gemacht. Die Schriftgießerei war erfunden; man hatte also die Mittel in Händen, jedes handschriftliche Werk nach freier Willkür zu vervielfältigen, allein die aus gegosseneu Mutterfor- mcn hcrvorgegangcnen Typen fielen häufig ungleich und stumpf aus. Da nämlich die Matrize durch den oft wiederholten Einguß deS glühenden Bleies nicht selten selbst zu schinelzeu begann nnd sich nach und nach mit einem kleinen Schlackenansatz füllte, kamen nur die zuerst gegossenen Lettern scharf und gleichförmig ans der Mutterform hervor, während die zuletzt gegossenen wegen ihrer rohen Stumpfheit die feineren Punkte, Striche, Kanten nnd Formen nicht genau wiederzugeben im Stande waren. Dies ist die Ursache, warum die ErstlingSdrncke, welche aus der Gutenberg-Fust'schcn Osficin hervorgingen, an Ebenmaß, Schönheit nnd Eleganz den spateren Erzeuguisseu der Mainzer Presse nachstehen. Den Uebelstand fühlend sannen Gutenberg und Fust unermüdct auf neue Mittel der Vervollkommnung. Sie fingen in ihrer Verbesserung mit dem Schnitte oder der ganzen Form der Buchstaben an und kamen natürlich auf die Nothwendigkeit, einen.geschickten Schreiber sowol zur Anscrtiguug der Patrizcn, als auch zur Verzierung der gedruckten Bücher durch bunte, oft vergoldete Anfangsbuchstaben, durch Nandgcmälde und durch Nubricirung im Allgemeinen für ihr Geschäft zu gewinnen. Da führte der Zufall einen tüchtigen Schönschreibcr, in der Kunst des „Jltuminirens" und „Nubricireus " sehr erfahren, der lange im Auslande, znmal in Paris gelebt hatte, in seine Heimath zurück und zwar in das HauS und in den Dienst des reichen Johann Fust. Es war Peter Schöffer, der sich manchmal auch Schoyfser und Schoiffer schrieb, von Andern aber öfters Schoffer, Scheffer, Schäfer, lateinisch Opüio, zuweilen auch Petrus (Zerns- I>eimens!s (von seiner Vaterstadt) genannt wurde. In dem ehemals kurmainzischen jetzt großhcrzoglich hessischen Landstädtchcn Gernsheim aus dem rechten Ufer des Rheines zwischen 1420 bis 1430 geboren, hatte er sich schon frühzeitig durch eine schöne Handschrift und das Talent, Bücher mit Gemälden, Initialen und Schreibcrzügen zu verzieren, ausgezeichnet. Ueber seine Eltern und Jugendverhältnisse ist nichts Zuverlässiges auf uns gekommen, weil bei der Verheerung der Pfalz im Jahre 1689 durch die Franzosen seine Vaterstadt nnd mit ihr die alten Kirchenbücher ein Raub der Flammen geworden sind. Aus einem in der Stadtbibliothek zu Straßburg aufbewahrten, von ihm geschriebenen 112 Pctrr Schofler von Gernsheim. und mit großen schonen Initialen, die mit denjenigen des Psalters von 1457 viele Aehnlichkeit haben, verzierten Mannscriptc, welches von Paris aus 1449 datirt ist, lernen wir, daß er sich in seiner Jngend wahrscheinlich humanistischen Studien, ja sogar eine Zeit lang auch der Jurisprudenz gewidmet und spater sein eutschiedeues Talent für Kalligraphie zu seinem Fortkommen benutzt habe. Er scheint iu den Jahren 1450 oder 1451 nach Mainz zurückgekehrt und von Fnst als „Famulus" in den Dienst genommen worden zu sein; denn noch wahrend der Vereinigung Gutenberg'S mit Fust zur Betreibung eines gemeinschaftlichen Drnckgeschastes lebte er in dem Hanse des Letzteren, nm, wie sich vermuthen laßt, die abzudruckenden Manuscripte ins Reine zu schreiben, die gedruckten Bücher mit zierlichen Anfangsbuchstaben zu schmücken und den Formenschneidern die Stempel zn den Initialen und Versalbuchstaben vorzuzeichucn, wol gar um selbst Typen in Holz oder Stahl zu schneide»; denn gerade seine Geschicklichteit im Schönschreiben mag die Ursache gewesen sein, daß man ihn, den Fremdling, in daS Geheimniß zog. Schöffer'S Scharfblick übersah gar bald sowol die Vortheile als die Mangel des bis jetzt beobachteten Verfahrens. Als Schönschreiber gewohnt, nur schöne gleichförmige Buchstaben mit seiner Feder zu bilden, konnten ihm die steisen, plumpcu und unvollkommenen Buchstaben von Gutenberg'S Druckschrift, welche das Auge verletzten und das Lesen erschwerten, unmöglich gefallen. Es waren dieS die damals gothischen und halbgothischen Buchstaben, welche Schöffer durch gefälligere Formen zu ersetzen sich bemühte. Um zu diesem Ziele zu gelangen, bedürfte eS einer zweckmäßigeren Mischung der zum Guß auzuweudenden Metalle, einer härteren Compo- sition der Matrize, stählerner Stempel nnd gehöriger Adjnstirnng der darin verkehrt eingestochenen Buchstaben. Seinem Scharfsinne gelang cS endlich, das Mittel aufzufinden, welches noch jetzt als daS beste und allein ausreichende bei der Schriftgießerei seine Anwendung findet. Statt nämlich die Matrizen, wie es früher geschah, zu gießen, schlug er sie mittelst eines Stahlstempels, Pnnze genannt, woraus der auszudrückende Buchstabe erhaben geschnitten war, in dünne Kupfer- oder Mcssmgplattchen. Durch dieses ebeuso leichte als sinnreiche Verfahren erzielte er nicht nur einen schnelleren Guß, sondern auch völlige Gleichheit, Scharfe und Schönheit der Buchstaben. In, welchem Jahre Schöffer diese für die Vervollkommnung der Buchdruckcrkunst höchst wichtige Erfindung gemacht, welches Buch zuerst mit solchen nach der ueueu Methode gegossenen Lettern gedruckt wordeu, laßt sich ebenso wenig mit Gewißheit angeben, als behauptet werden kann, der geschickte Schönschreiber sei durch Siegelabdrücke uud durch das Schlagen der Münzen mittelst der Münzstempel, denn letztere wurden damals noch nicht durch Druckwerke, ein Versahren, welches erst im Jahre 1617 dnrch Briot erfnnden worden ist, geprägt, sondern wie im Alterthume mittelst des Hammers und eines Stempels geschlagen, auf diese Jd»'e hingeleitet worden. Dem sei wie ihm wolle. So viel ist gewiß, daß schon die Lukanier in Großgriechenland bei den Münzen neben den vertieft geschnittenen auch erhaben geschnittener Stempel sich bedienten. Ihre ältesten Münzen, wie diejenigen von Metapont nnd Kroton, zeigen auf der einen Seite ein erhabenes, auf der andern aber ein vertieftes und zwar ganz verschiedenes Gepräge. So haben die Müuzeu von Metapont ans der einen Seite eine erhabene Aehre, auf der andern einen vertieften Stierkopf, uud die von Kroton einen erhabenen Dreifuß nebst einem vertieft eingeschlagenen Adler. Bei den Bracteaten des Mittclalters wurde Bild uud Schrift auf einem Stahlstempel geschnitten uud dieser iu Silbcrplattchcn eingeschlagen, welche demnach eigentliche Matrizen waren, aus denen man Müuzen mit erhabener Schrift und Pcrsonendar- siellung hatte gießen können. Demzufolge entbehrt jene Voraussetzung nicht aller Wahrscheinlichkeit. Noch aber hatte die Druckerschwarze, die nur aus Lampenrnß mit Wasser und Leim zubereitet war, weder Glauz, noch Kraft, noch Haltbarkeit, wurde durch jede Feuchtigkeit aufgelöset und fiel mit der Zeit ab. Schöffer's erfinderischer Geist, dem man auch die schönen und feinen in Holz geschnittenen Initial- und Versalbuchstaben verdankt, die wir im Psalter von 1457 bewundern, wußte durch einen Znsatz von Oel auch diesen Mangeln Rechtsstreit Fust's mit Outenbcrg. 113 abzuhelfen. Daß aber alle diese Verbesserungen nicht aus einmal geschahen, ist leicht zu begreifen. Gewiß gingen mehrere Jahre darüber hin, bis sie nach vielen und mannigfaltigen Versuchen endlich zu Stande gebracht wurden. Wie sehr Gutenberg nnd Fust von der Wichtigkeit des neuen Gußverfahrens und so mancher anderer Verbesserungen der neueu Kunst, die dadurch erst zur Typographie erhoben wurde, durchdruugen waren, gehet schon daraus hervor, daß Fust dem Schöffer aus Freude darüber seiue Tochter Christum zum Weibe gab. Johann Friedrich Faust von Aschaffenburg, der, als Abkömmling jenes Miterfinders, ans authentischen Familienpapieren zu schöpfe» so glücklich war, schildert sie in seinem schon so oft erwähnten Berichte in LerSner's Frankfurter Chronik Seite 9-11: „ Wie man die Buchstaben in Bunzen schneiden, nachgießen und also vielmals mannigfaltigen könne und nicht jeden Buchstaben oftmals einzeling schneiden müsse. Dieser hat insgeheim eine Buntzeu vou einem ganzen Alphabet geschnitten und seinem Herrn sammt dem Abgnß oder N^trlcibus gezeyget, welches dann seinem Herrn Johann Fansten so wohl gefallen, daß er vor Fremden ihme sobald seine Tochter LKristi- n-vm zur Ehe zu geben versprochen nnd balden nachmalen auch solches wirklich vollzogen." Dieser Bericht aus deu Faust'schcn Familien- papieren trifft mit Schöffer's eigener Aussage bei Tritheim II, 421. genau überein, wo es heißt: „l'unL lamuliis postea Aener Io-uu>!s I^ist." Wie lange nach diesem Versprechen das Ehebündniß vollzogen worden, darüber fehlen die Nachrichten. Dieses scheint jedoch in den Jahren 1454 oder 1455 stattgefunden zu haben, indem schon in der ersten Autlage des Psalters von 1457 unter der Schlußschrist die Wappenschilder Fust's und Schöffer's mit einander verbunden vorkommen. Zu welcher Zeit indessen es auch immer geschehen sein mag, so laßt sich doch aus dem Charakter Fnst's, sowie aus seines Urenkels Erzählung schließen, daß derselbe sogleich den Plan gefaßt habe, Schöffern durch die engsten Bande der Verwandtschaft an sich zu fesseln, um dessen Erfindung und den daraus zu erwartende!? Gewiun gemeinschaftlich mit demselben auszubeuten. Rechtsstreit Fust's mit Gutenberg. Klage — Trennung — Folgen. Offcubar glaubte der klug berechnende Mann, den Erfinder einer so wichtigen Verbesserung nicht bleibender an sich sesseln zu köuuen, als wenn er ihm seiue einzige Tochter zur Gattiu gab. Die Vortheile, welche er mit prophetischem Seherblicke nicht nur sür sich, sondern auch für seine Enkel aus dieser Vervollkommnung des Druckverfahrens erblühen sah, würden aber natürlicher Weise sehr verringert worden sei», wenn die neue Arbeitsmethode in den sämmtlichen Hand- nnd Kunstgriffen auch dem Urheber der Haupterfiuduug, Gutenberg, bekannt und noch während der Verbindung mit demselben, wol gar vor seinen Augen, in Anwendung gebracht worden wäre. Johann Fust, gcwiuusüchtig und unredlich, wie wir ihn aus dem oben erwähnten uud von Joh. Wetter in seiner „Kritischen Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkuust. Mainz, 1836. 8. S. 284-290." vollständig mitgetheilten Instrumente des Notars Helmassperger kennen gelernt, hatte wahrscheinlich schon beim Abschlüsse des Vertrages mit Guteuberg deu Entschluß gefaßt, dein gcldarmen Erfinder durch Vorschüsse das Geheimniß der Kunst zu entlocken und sich dann den Lohn sremder Mühe nnd Arbeit gemächlich zuzuwenden. Kaum war die Vervollkommnung der Kunst ge- , lnngen und mit diesem Gelingen eine sichere Aussicht auf Gewiun eröffnet, so wurde die ueue Methode dem eigentlichen Erfinder der Typographie sorgfältig verheimlicht, „damit solch edle Gab Gottes in Geheimb verbleiben möge haben Schwäher und Tochtermann ihre Gewerken mit Eidpflichten verbunden, solch Sachen all in höchster Geheim und Verschwiegenheit zu halten." Fust ergriff überdies den ersten besten Vorwand znr Trennung von Gntenberg, um mit seinem Eidam eine eigene Officin zu errichten, und ihm durch schönere Druckwerke, als mittelst dessen Drnckweise hervorgebracht werden konnten, die Möglichkeit der Concnrrcnz abzuschneiden. Zudem wußte er nur zu gut, daß Gutenberg den Rest seines Vermögens in das gemeinschaftliche Geschäft verwendet hatte und nicht im IS 114 Rechtsstreit Fust's mit Gutcnberg. Stande war, die ihm vorgeschossenen Gelder auf der Stelle zurückzuzahlen. Auf dieses Unvermögen des aller finanziellen Hülfsmittel entblößten Guteu- berg's gründete Fust seinen ehrlosen Plan. Den Schcinvorwand lieferten die Kosten der lateinischen Bibel. Es lag jedoch in Fnst'S Interesse, so lange mit der Ausführung zu warten, bis der Druck jenes Werkes, auf welches schon so große Suinmeu verwendet worden, seine Voltendung erreicht haben würde. Darum trifft auch der Proceß und die ungestüme Rückforderung der geliehenen Gelder merkwürdiger Weise mit dein Zeitpunkte zusammen, wo, nach den Folgerungen, welche das Pariser Eremplar mit der Unterschrift des Mainzer Vica- rius Cremer an die Hand giebt, der Druck der Bibel seinem Ende nahe war. Schon im October des Jahres 1455 hatte Fust eine Klage gegen Guteuberg eingereicht, ihn vor Gericht gefordert uud von ihm ». die Znrückbe- zahlung seiner zu zwei verschiedenen Epochen in das Geschäft dargelieheneu 1600 Gulden; d. die Zinsen davon vom Zage deS Darleihens den 22. August 1450 und 6. December 1452 bis 9. November 1455 zu 6 vom Hundert mit 390 Gulden; endlich die Zinsen von Zinsen, welche er (Fust) selbst au Juden und Christen habe zahlen müssen (an 36 Gnlden), also eine Summe vou 2026 Guldcu dringend verlangt. Daß dieser Plan schon früher in dessen Seele geschlummert habe, beweiset der Umstand, daß er, obgleich einer der reichsten Bürger von Mainz, das Geld zu dem gemachten Darleihen absichtlich bei Juden aufgenommen, um seinen vorgehabten Wucher zu beschönigen und eine unerlaubte Zinsforderung von 6 Procent durchzusetzen. Gutcnberg vertheidigte sich vor Gericht und gab zn Protokoll: -l. daß Fust versprochen habe, ihm jahrlich 300 Gulden zur Bestreitung der Kosten herzugeben und den Gesindelohn, den HanSzinS, sowie die Ausgaben sür Pergament, Papier, Schwarze u. s. w. vorzustrecken; b. daß die ersten 800 Gulden zur Anschaffung des DruckwerkzengeS dargeliehen worden; c. daß er diese Summe aber nicht, wie der „Zettel" (die Schuldverschreibung) besagt, auf einmal erhalten habe; . wenn sich daraus ergebe, daß er mehr Geld empfangen als ausgegeben und nicht zu Beider Vortheile, sondern zu eigenem, so solle er daS an Fust herauSzahlen; c. Fust habe durch ciueu Eid oder rechtliche Kundschaft darznthun, daß er da6 auge- - gebene Geld selbst gegen Zinsen aufgenommen und nicht aus seinem eigenen Vermögen vorgeschossen habe. Könne er das erweisen, nnn so solle ihm Gutenberg diese Zinsen auch bezahlen laut Inhalt des „ Zettels " (Vertragsurkundc). Das Schiedsgericht hatte den 6. November 1455 als Termin anberaumt, an welchem beide Theil- nehmcr Rechnung ablegen, Fust aber die Wahrheit seiner Aussage und daS Recht seiner Forderung beschwören sollte. Letzterer erschien an jenem Tage zwischen eilf Uhr und Mittag in dem seinem Hause gegenüber gelegenen Barfüßerkloster (man pflegte zu jener Zeit gerichtliche Vertrage und Schlichtung von Streitigkeiten in Klöstern vorzunehmen) uud legte iu dem großen „Refender" (Hekectoi-Ium oder Spcisesaal) im Beisein des Psarrers Chünter von St. Christoph, des Jakob Fust, Peter Schöffer's von Gernsheim, Heinrich Keffer's und Bcrtolf's von Hanan (letztere zwei in Gutenberg's Dienste, welche statt seiner erschienen waren) und anderer Zeugen den ihm vom Gerichte auferlegten Eid in die Hände des Notars Ulrich HelmaSsperger ab, " >,^"- > V -»' »' - > ." Druckwerke Gutenberg's in Verbindung mit Fust. 115 und erhielt hierüber die verlangte Abschrift seines Rechtshandels. Da mm, wie wir bereits wissen, Gntcnberg außer Stand war, die seinem Gegner gerichtlich zugesprochene Summe zu bezahlen, so säumte Letzterer nicht, aus die Auslieferung des ihm verschriebenen Unterpfandes anzutragen, welches ihm auch überantwortet wurde und zwar nicht nur die Presse sammt allen Druckwerkzeugen, sondern auch die schon gedruckten Bogen der lateinischen Bibel und alles vorräthige Pergament und Papier, welches gemeinschaftlich war und worauf Fust kein Pfandrecht gehabt. Gutenberg scheint die Gültigkeit dieser Forderung bestritten und dem AuSspruche des Gerichtes keiue Folge geleistet zu haben, wcShalb sogar noch die Nachkommen Fust's den Proceß mit den Verwandten des kinderlos verstorbenen Guteu- berg fortgesetzt haben. Das Urtheil des Gerichts, welches wahrscheinlich auf die einflußreiche Familie der „Fuste" Rücksicht nahm, entsprach keincsweges den Begriffen von Recht und Billigkeit und mußte seiner Natur nach die Fortsetzung dcS ProeesseS veranlassen; denn daS damals landesübliche Gesetz verbot bei Darlehen sechs vom Hundert und Wucherzinsen oder Zinsen von Zinsen zn nehmen. Gutenberg hatte hauptsachlich darin gefehlt, daß er den Vertrag nicht auf einen bestimmten Zeitraum abgeschlossen, wodurch er dem Fust Gelegenheit gab, ihn nach Belieben zn brechen und sein Geld jeden Augenblick zurückzufordern. Durch das schandliche Benehmen seines Mit- gescllschafters und das parteiische Urtheil des weltlichen Gerichts zu Mainz sah sich nun der arglose Gutenberg um alle Früchte seiner großen Erfindung und aller seiner Anstrengungen betrogen. Fust und Schöffer aber hatten ihren Zweck erreicht. Die Gesellschaft war aufgelöst und die Druckerei in ihren Händen. Die Trennung fand zu Ende des Jahres 1455 statt und Fust sah sich nicht nur im Besitze des ihm von Gutenberg auvertrautcn Geheimnisses, sondern hatte auch eine mit den nöthigen Werkzeugen versehene Werkstatt, die er bald durch den Fleiß und die Geschicklichkeit seines Schwiegersohnes zu einem sehr einträglichen Geschäfte zu benutzen hoffen durfte. Gutenberg hatte zwar sein Vermögen, aber nicht seinen Mnth verloren. Dies geht ans seiner späteren bis an seinen Tod unanSgesetzten Thätigkeit hervor. Wir verlassen ihn jetzt, um einen Blick auf diejenigen Werke zu thun, welche auö seiner Presse während der Verbindung mit Fust hervorgegangen sind. Druckwerke Gutenberg's in Verbindung mit Fust. In chronologischer Beziehung nehmen die verschiedenen Ausgaben des Donat's die erste Stelle ein. Von diesen bibliographischen Kleinodien besitzt die königliche Bibliothek zu Paris den reichsten Vorrath, obgleich mit Ausnahme eines einzigen vollständigen Ercmplarcs, wie allerwärts nnr in Bruchstücken. Sie verwahret seit 1784: zwei Holztafeln in Quart, die zu ciucr und derselben, wahrscheinlich Gutenberg's ersten Ausgabe gehören. Die eine derselben, Blatt 24'. ist wohlerhalten, hat 20 Zeilen auf der vollen Seite und die Signatur C; die zweite ist unten abgesägt und enthält nur noch 16 Zeilen. Die Buchstaben haben Achnlichkeit mit der kleineren Missaltype des Psalters von 1457. Sie wurden vom StaatSrath Foncanlt unter Ludwig XIV. in Deutschland gekauft, kamen alsdann in die Bibliothek des Herzogs von La Balliere und nach dem Verkaufe von dessen Büchersammlung in die Libllotlii-rnis , oc0L5SK?^00pQ.^S<-V ^ abccid^gdiielmnopqv^ru^x^? /isilssin,, pwlioio «MS nutu intANtium UNEIte K ,mt vlssree.Qm cv nüok?pe x!»tt!is ix:uelat q^os l^pientikus cel^t. lÄc lider «gratzius^c^tdoNccm. Snio? mc^rnaoonis anms «rcc!x >^lm<»ii> uv be^i^zunttn» narionis mclit« Term^nicc-.Quam dti cisniencia tam Alw mgeni) wmme vono qz^ witv cs^-is derra^ nacionidus pveknmi.ilw^t^vz li autpsnn« sMr^ p<»twNS14 KzVma^ cg sVNt2 Daß Letzteres im Jahre 1460 vollendet worden, sagt die Schlußschrist, welche auf der Stirnseite des vorletzten Blattes gedruckt ist und in deutscher Uebersetzung lautet: „Unter dem Beistände des Allerhöchsten, ans dessen Wink die Zungen der Kinder beredt werden, und der oft den Kleinen offenbart, was er den Weisen verbirgt, ist dieses vortreffliche Buch Catholicon im Jahre der Menschwerdung des Herrn !>icoeci.X in der guten der rnhmwürdigcn deutschen Nation angehörigcn Stadt Mainz, welche die Gnade Gottes mit so hehrem Geisteslichte und freiem Gnadengeschenke den andern Völkern der Erde vorzuziehen und zu verherrlichen gewürdigt hat, gedruckt und zu Stande gebracht worden und zwar nicht mittelst des Rohres, des Griffels oder der Feder, sondern durch das bcwundcrnswerthe Zusammenpassen, Verhältniß nnd Ebcnmaaß der Patronen (Patrizen) und Formen (Matrizen)." Obgleich Guteuberg hier nicht als Drucker genannt wird, so ist es dennoch nicht im mindesten zweifelhaft, daß er der Schöpfer dieses Werkes sei; denn im Jahre 1460 bestanden zu Mainz nur zwei Druckereien, die seinige und die Fust- und Schöf- fer'sche. Das Catholicon ist aber mit Buchstaben gedruckt, welche in keinem einzigen der von Fust uud Schöffer gedruckten Bücher vorkommen, während sie ganz genau sich in dem „ Vocativl-u-ium latlno-teutomcum" wiederfinden, welches laut der Schlußschrist Heinrich und Nicolaus Bechtermünze im Jahre 1467 zu Eltvil (einem Stadtchen im Rheingau, drei Stuudcu unterhalb Mainz) gedruckt haben. Daß aber diese Druckerei in Eltvil nur von Gutenberg herrühreu könne, erhellet aus dem Umstände, daß Kurfürst Adolph II. von Nassau, welcher, nachdem er den rechtmäßigen Kurfürsten Diethcr aus dem Hause Jsenburg mit Hülfe der Nheingauer verrätherischer Weise überfallen, die Residenzstadt iu Brand gesteckt und geplündert hatte, aus Furcht vor den Mainzer Bürgern, deren 500 bei der tapfern Gegenwehr gefallen waren, sein Hoflager daselbst aufgeschlagen, Johann Gutenberg aber durch ein Decret vom 18. Januar 1465 in die Zahl seiner Hofleute aufgenommen hat, wodurch Dies Joannis de Jan»« Catholiron. 121 Letzterer die Veranlassung erhielt, seinen bisherigen Aufenthalt in Mainz mit dem in Eltvil zu vertauschen und die Druckerei entweder ganz auszugeben, oder unter den Namen von Andern fortzusetzen. Dazu kommt, daß Heinrich Bechtcrmünze im Jahre 1464 seine mit Grethe von Schwalbach' erzengte Tochter Elsbeth an einen Vetter Gnten- berg's, Jakob GenSsleisch von Sorgenloch zu Eltvil verheirathet hatte; wodurch Gutcuberg mit Bech- termünze in Verwandtschaft gekommen und ohne Zweifel auch bestimmt worden war, seine Druckerei geradezu an diesen abzutreten, jedoch nur micth- zinslich, da selbige dem vr. Hnmery in Mainz, welcher zn deren Errichtung das Geld vorgeschossen hatte, als Eigenthum verschrieben war. Mit den Typen des „ Catholicon" hatte Gutenberg im Jahre 1461 noch einen Ablaßbrief von demselben Jahre gedruckt, welchen Ban Praet in seinein „ e-lwloxlw ?s dibliotbehues pudli- izues et particuüeres I, 218." beschreibt. Die Urkunde über Gutenberg's Anstellung im Hosvienste Adolph's von Nassau findet man bei ^oünnis ( Kcriptores Ker. Alogiint. I'. III. 424.) abgedruckt. Sie lautet: „ Wir Adolf erwelter vnd bestetigtcr Ertzbischof zu Mentze bekennen das wir haben angesehen annemige vnd willige Dinst, die vns vnd vnserm stift vnser lieber getruwer Johann Gudcnberg getan hait zc.; darmnb vnd van bcsnn- dern gnaden wir ine zu vnserem dhiner vnd hoff- gesind uffgenommen vnd empfahen. Wir sollen vnd wollen ime auch solichen Dienst, diwilc erlebet, nit uffsagen, vnd uff daß er solichs Dienstes deste bas genesen möge, so wollen wir ime alle jar vnd eins jeglichen jars, wan wir vnsere gemeinen hoff- gesind kleyden zu iglichcn zyten glich vnsern Edelen kleyden vnd vnsser hofflleydung geben laissen, vnd alle jare eins iglichen jars zwcntzigk malter korns vnd zwey fuder wins zu gcbrancbnng stnes husses, doch das er die nit verkauffe oder verschcngke, fry ane ungelt, nyderlage vnd weggclt in vnser stadt Mentze ingehcn laissen, ine auch diwile er lebet vnd vnsftr dhiener sin vnd bliben würdet, Wachens, volge Ka Dienst, schatzung vnd ander in gnaden erlaissen. Vnd hat vns darüber der egen Johann Gudcnberg in trüwcn gelobet. Eltvil am dornstag sant Antonicntag mcccclrv." — Alle Jahre ein neues Kleid, gleich dem übrigen „gemeinen Hof- gesind", zwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein waren also die Belohnung des Erfinders der Buchdruckerkunst! Ob ihm die Gnade des Kurfürsten, welche er mit vielen nichtswürdigen Gesellen theilen mußte, als Belohnung der von ihm ins Leben gerufenen ^'nnst, oder wegen anderer geleisteter Dienste, welche nicht bekannt sind, zugeflossen war, laßt sich nicht einmal mit Gewißheit ermitteln. Nur soviel ist gewiß, daß Gntenberg das sorgenfreie Leben, welches ihm durch die Gunst Adolph's von Nassau, als ein nach so vielen Opfern uud Widerwärtigkeiten wahrlich höchst bescheidenes Glück, so spat zu Theil geworden, nur kurze Zeit genossen hat. Schon am 24. Februar 1468 war er nicht mehr am Leben, wie aus einer unter jenem Tage ausgestellten Urkunde des „Stadtpfaffen und Cancellcrs Hnmery" hervorgehet, in welcher Letzterer, der auch oft der „Stadthalter" oder „S/iiäieus pi-I»i-n-!u8" genannt wird, sich gegen den Erzbischof von Mainz Adolph von Nassau verpflichtet „etliche Formen, buchsta- ben, instrumcnt, gezuche (Werkzeuge) vnd anderes zum Druckwerk gehörende", die Gutenberg nach seinem Tode zurückgelassen habe, und die sein (Hnmery's) Eigeuthum seien, nur iu der Stadt Mainz und sonst nirgends zum Drucken zn gebran- chen; im Falle aber, daß er sie verkaufen wolle, und ein Mainzer Bürger so viel dafür böte, als ein Fremder, dieselben vorzugsweise dem Bürger zu überlassen. So lange Gntenberg lebte, konnte seine Druckerei nicht dem Dr. Hnmery vom Kurfürsten überlassen werden, da sie erst nach des Ersteren Tode an den Letzteren überging. Gntenberg mußte also bei Ausstellung des obigen Reverses todt sein. Da er indessen am Erscheinuugstage des „ Vocabu- larium's" noch gelebt, muß also sein Todestag in die Zeit vom 4. November 1467 bis zum 24. Februar 1468 falten. Naher ist derselbe nicht mehr zn bestimmen. Daß er den Druckapparat an den in Eltvil lebenden Mainzer Patricier Nicolaus Bech- termünze, dessen Bruder Heinrich schon im Monat Julius 1467 als Führer der von Gntenberg selbst in dem Stadtchen Eltvil eingerichteten Druckerei 1V 122 Fust's und Schlisser's Druckerei. gestorben war, abgetreten habe, erhellet daraus, daß derselbe inl Jahre 1469 eine zweite Auflage des „ Vvcaduliifliinl IZx <^uo" ganz mit den nämlichen Lettern, wie die erste, gedruckt und mit seinem Namen versehen, herausgegeben hat. Dieser Nicolauö Bechtermünze setzte in Verbindung mit Wicgand Spieß von Ortenberg die Drnckarbeilcn bis zum Jahre 1477 fort. Der große Mann starb arm und kinderlos. Für die unendlich vielen Opfer, die er seiner Idee gebracht, und für die rastlose Anstrengung, mit der er dieselbe ausgeführt, wurden ihm nur Undank nnd Verfolgung zu Theil. Seine schönsten Hoffnungen blieben im Leben unerfüllt und sein Tod erregte kein Aufsehen bei seinen gleichgültigen und undankbaren Zeitgenossen. Er theilt daS Schicksal so vieler großer Menschen, deren Andenken die Nachwelt mit Liebe und Bewunderung verehrt, wahrend sie von der Mitwelt verkannt und vernachlässigt waren. Wir würden nicht einmal wissen, wo seine Asche ruht, wenn nicht die gleichzeitige Grabschrist, welche einer seiner Verwandten, Adam Gelthuß zur jungen Aben, ein Mainzer Patricier auS dem Geschlechte „Zum Jungen", ein Sohn deS Adam Gelthuß und der Margarethe von Fürstenberg, zn dessen Andenken verfaßt hat, zufällig erhalten worden Ware. Sie ist in Wimphelings: „msmvi'ilve i>l!>i'!jllii!lb Indien" (Heidelberg, 1493) zu lesen und lautet i ?. O. M. S. Joanni Gens fleisch artio iiiijiressoriae repertori, de omni nutione et tilinml ovtime mcrito, in nominis sui me- moriam immortnlem Adam Gelthus posuit. Ossa cjus in erclesin D. Francisei moguntina feliciter cubant. das ist zn deutsch: „ Dem nm alle Nationen und Sprachen hochverdienten Erfinder der Buchdruckcrtunst Johann Gensfleisch hat Adam Gelthuß dieses Denkmai zum unsterblichen Andenken seines Namens gesetzt. Seine Gebeine ruhen im Frieden in der Kirche des h. FranziskuS zu Mainz." Aber diese Kirche ist langst nicht mehr vorhanden. Sie wurde im Jahre 1577 den Jesuiten übergeben, welche dieselbe, da sie ganz baufällig geworden, im Jahre 1742 ganz abreißen nnd daneben eine neue erbauen ließen, die bei der Belagerung von Mainz im Jahre 1793 ebenfalls zu Gründe ging. Von einem Deukmale Gntenbergs war nirgends eine Spur zu finden. Johann Gutenberg war der Letzte seines Stamin- zweigeS, wahrend der Stamm „der GenSsleische von Sorgenloch" noch fast zwei Jahrhuuderte lang sortblühte und endlich in Frankfurt, wohin derselbe später ausgewandert war, um die Mitte deS sieben- zchnten Jahrhunderts erlosch. Lebte Gutenberg gleichwol in der dankbaren Erinnerung aller Gebildeten fort, so fehlte dem großen Manne dennoch ein Denkmal. Schon langst hatten Männer, wie Leibnitz, Faber, Steigentesch, Sickingen, Penzel, Horir, Georg Forster, Frank, Johannes v. Müller, Heinse, Schunk, Kindlinger, Bodmann, Niklas Vogt, Gotthelf Fischer, Weitzel, Lehne ein solches in Anregung gebracht. Unsere Zeit hat die alte Schuld getilgt. Seit dem 14. August 1837 erhebt sich zu Maiuz auf dem Gutenbergsplatze des großen Erfinders Standbild nach ThorwaldsenS Modell von Crozatier in Erz gegossen mit der einfachen Inschrift: ro^xvrzi vküisi'i.Xlgcii vv'rxnLiZnv i-^inicivm sluvvücrixvÄi ^izniz i>Dn, 'roi^iu I!VIi.0?^»l COI-I^I/o I>0SVIU!.II?i1' LIVLS zuncccxxxvii. Fust's und Schöffer's Druckerei. Fust und Schöffer legten nach der Trennung von Gutenbcrg im Jahre 1455 auf eigene Hand ein gewinnreiches Geschäft an und hatten durch bedeutendere Geldmittel, mit welchen sie das vorhandene Werkzeug zu vermehren und eine vollständig eingerichtete Druckerei herzustellen im Stande waren, besonders aber durch Schöffer's größere mechanische Fertigkeit den Erfinder bald überflügelt. Sie hatten Guteubcrg's Druckerei auS dem Hofe „ Zum Zungen " in Fnst's neu erworbenes Haus „Zum Hnmbrecht" in der Quintinsgasse verlegt, welches nun ebenfalls P»s Psalterium von 1457. 123 „ Das Druckhaus" genannt worden ist und diesen Namen bis ans die späteste Zeit beibehalten bat. Im Besitze aller znm Drucke -der lateinischen Bibel gebrauchten Lettern und anderer, nach Peter Schöffer's verbessertem Verfahren gegossenen Typen brachten sie schon achtzehn Monate nach ihrer Trennung von Gutenberg ein Werk zu Staude, das noch jetzt als das größte Meisterstück der Bnchdruckerkunst von keinem andern an Schönheit, Genauigkeit und ! Pracht übcrtroffen, als daS herrlichste Denkmal der kaum erfundenen Kunst die Bewunderung aller Kenner erregt. Es ist dies das berühmte nnd allen Bibliographen bekannte Psalterium von 1457, das erste Druckwerk der Welt, welches sowol durch die Namhastmachuug des Druckers uud des Drnck- ortes, als durch die Bezeichnung des Jahres und Tages seiner Erscheinung nicht nur eine vollständige Datiruug, sondern anch die frühesten eingedruckten Initialen enthalt, und an Schönheit nur von wenigen typographischen Erzeugnissen unserer Tage übertroffen wird. Dieses kostbare Document der ungemein raschen nnd nie genug zu bewundernden Fortschritte der Buchdruckcrkunst ist bekanntlich nicht sowol ein eigentlicher Psalter, als vielmehr ein Breviarinm, und enthalt weder eine vollständige Sammluug der Psalmen noch diese in ihrer gewöhnlichen Ordnung, sondern mit Antiphonicn, Respon- sorien, Collecten n. s. w. vermischt nnd nach der Folge der Sonn- nnd Festtage, an welchen sie im Chöre abgesungen wurden. Obgleich zu damaliger Zeit der Gebrauch des Linueupapiers schon allgemein war, und die Buchdrucker in der Regel nur weuige Ercmplarc ihrer Druckwerke ans Pergament abziehen ließen, so mußten Fust und Schöffer bei dem Drucke des Psalter's auf seinen taglichen Gebrauch im Chöre der Kirchen Rücksicht nehmen und zu diesem Buche das dauerhaftere Material wählen. Die gcmze Auslage ist auf schönes Pergament in großem Foliosormate mit fortlaufenden Zeilen gedruckt, deren die erste Seite 19, alle andere 20, die 274. aber 21 enthalt. Die erste Seite fängt, wie alle Jncnnabeln ohne weitere Titelübcrscbriftcn mit dem ersten Psalm an: „Le-Miti V!r cjiii iion ndiit in vonsillo im>>!»i'»m vt !» «i>I,!>e5!lIin-»-iim) codcr »enustatc tLapitulium dcco- ! rntus Nul>rieiitionii>uSl>ue sufficienter distin- ctno, xAoiiilicntionc nrtisiciosa imprimendi et e»ractrriz»»di »bscjue calami ulla rrarationc sie csfigintus, Lt ad eusedinm Dei industric rst ronsuniumtus Per Johannem fust Civem mognntinum Ct Petrnm Schöffcr oe Gernsz- heim. Anno domini Millcsimo cccclvij. In liigilio. Assnmcionis." Ju der wörtlichen Uebersetzung: „Gegenwärtiges Buch der Psalmen, durch die Schönheit der Hauptbuchstabett geschmückt und mit unterscheidenden Rubriken hinlänglich versehen, ist durch die kunstreiche Erfiuduug zu Drucken nnd Buchstaben zu bilden, ohne irgend eine Schrift der Feder so ausgeführt und zur Verehrung Gottes mit Fleiß zu Stande gebracht worden durch Johann Fust, Bürger zu Mainz und Peter Schöffer aus Gernöheim im Jahre des Herrn 1457 am Vorabende des Maria Himmcl- fahrttages" (das ist am 14. August). Die Kosten, welche dieses prachtvolle selbst heutiges Tages noch schwer zn übertreffende Meisterwerk verursachte, müssen höchst bedeutend gewesen sein nnd der Ankaufspreis damaliger Zeit, den man jedoch jetzt nicht mehr genau keimt, mag mit dem heutigen Werthe im Einklänge stehen. Das Psakterium von 1457 gehört zn den Biblio- theksschätzcn ersten Ranges und wird wegen seiner Seltenheit, da gegenwärtig nur noch sechs Erem- plare bekannt sind, mit den höchsten Preisen bezahlt. So wurde das einst von Schöpflin den Vorstehern des St. Victorstiftes zn Mainz abgeschwatzte, im Jahre 1754 für 2000 Livres verkaufte Eremplar nach mehrfachem Wechsel der Besitzer endlich im Jahre 1817 bei der Versteigerung der ausgezeichnete» Vüchersammlung des Grafen Mac-Carthy in Toulouse, obgleich sechs Blatter an demselben fehlen, von dem Könige von Frankreich um 12,000 Franken für die königliche öffentliche Bibliothek zu Paris erworben. Das zweite Exemplar, aus dem St. Victorstifte zu Mainz, ziert jetzt die grofiherzogliche Bibliothek zn Darmstadt. DaS dritte Eremplar ist dasjenige, welches im Jahre 1643 auf dein Singechore der Domkirche zu Freiberg aufgefnuden wurde und gegenwärtig, ob- wol es nicht ganz vollständig ist, einen Hauptschatz der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden ansmacht. Ihm sind die beigefügten Nachbildungen entnommen. DaS vierte Eremplar, früher Eigenthum der Prämonstratenserabtei Roth bei Memmingen, wo es Schelhorn um 1768 entdeckte, wnrde im Jahre 1798 von Lord Spencer für 3000 Rheinische Gulden erkauft. Das fünfte, jetzt in der Nesidcnzbibliothek zu Windsor, war früher Eigenthum des Klosters der Ursulinerinncn zn HildeSheim, dann des Hofrathcs Duve iu Hannover, von wo es in die Göttingcr Bibliothek kam, welche es nachmals dem Könige von England abtrat. Das sechste, schönste und vollständigste Eremplar, welches sich früher ans dem kaiserlichen Schlosse Ambras in Tyrol besand, wo es Lambeccius 1665 entdeckte, und das niemals zum wirklichen Chor- gesaugc gedient hat, wcShalb cö anch ohne Gcsang- noten und handschriftliche Abänderungen ist, schmückt gegenwärtig die k. k. Hofbibliothek zu Wien. Ein siebentes, früher in der Domkirche zu Mainz, wo es 1787 Würdtwein auffand, dann zu Aschaffenburg und Ein achtes Eremplar, ehedem in der Stadt- bibliothck zu Maiuz, sind während des französischen Ncvolntionskrieges spurlos verschwunden. Eine getreue Nachbildung der merkwürdigen Schlnßschrift, welche das früheste Datum eines größeren Druckwerkes cuthält, wird zum Vergleich mit der Kostcrschcu, Gutenbcrgischcn und Pfister- schcn Type hier nicht unwillkommen sein. Dieses Kunstwerk, welches den geschriebenen Psalterien, Brcviarien und Antiphonarien zum ^ ^ -s ^ « s « -v> »-» L 'S ^ ^ s M^. H G G « O ^ ^» » s ^«S ^ tZ^ts s «5 S B T Z«U5.S- ZZZÄ^SZ ^TZ^^ds^^ ^ « ^x? /« ss ^» 2 « ^ ^ SN ^ ^ ^ ^ « «^ ^ »«W^ - SWZZ ZU UZZZ^KZ A «'S ^ ^« s.s« ^ LG^i «Z ^ ?s Z A » « ^ » »> Z-Z Z<2 Ll! ^ Bs^Z^'s>B ^^W^Z'S M » S « >^ ^ >ll W Das Psalterium von 1459. — Des Guillelmi Durandi Nationale Kc. Täuschen treu nachgebildet ist und verhältuißmäßig doch weit weniger kostete, war gar bald vergriffen. Es zeigte sich schon nach zwei Jahren eine neue Ausgabe als dringendes Bedürfniß. Es erschien daher schon am 29. August 1429 das Psalterium in zweiter Auflage von 1459. Ebenfalls ganz auf Pergament, mit den nämlichen Initialen uud den schön verzierten bunten Versalbuchstaben gleichwie mit den nämlichen größeren und kleineren Missaltypen, kurz ebenso prachtvoll als die erste, nur in einem etwas größeren Formate, weil die Eremplare der ersten Auflage in den meisten Kirchen für die hohen Lesepulte im Chöre zu kurz wareu. Die mit der größeren Typengattuug gedruckten Seiten haben 23 Zeilen, jene mit der kleineren dagegen 25 und 26. Auch die innere Einrichtung ist verschieden; es folgen hier z. B. 150 Psalmen nach der Ordnung der Bibel uud fülleu mit dem sie begleitenden Hymnen und Gebeten die ersten 102 Blätter. Die noch übrigen 34 Blätter, denn diese zweite Auflage zählt deren im Ganzen nur 136, enthalten die Vigilien, die Vesper und die Gebete der vornehmsten Jahresseste, welche sämmtlich mit den kleinen Choraltypcu gedruckt sind. Die Seiten, wie die Zeilen sind länger als in der ersten Auflage; man zählt auch nur 293 mit Holzstöcken gedruckte Anfangsbuchstaben, deren sich in der ersten 306 befiudeu. Die Schlußschrist hat ebenfalls einige Veränderungen, z. B. ist der Druckfehler „spalmorum" vermieden; statt der Worte: „ad ruscbiam Dci industricest consuminatus" etc. steht: „ad landein Dei ac honorem Sancti Jacolii est consuminatus per Johanne»! Fust, einem mo- guntinum et Petrum Schoiffer dc Gernszhcim rlericum. Anno Domini miilesimo CC. Gruß, d. Ablasiformcl für das Leben, c. Formular des Ablasses für deu Fall des Todes. Die Anfange dieser Formeln, sowie die Worte: „17»iver«!»" und „?i>n!i»»5" in der ersten Abtheilung sind mit Missalbnchstaben, alles Uebrigc aber mit kleiner Schrift gedruckt. Für deu Namen des Kaisers und des Ortes und Tages, an welchem der Ablaß ertheilt wurde, ist im Drucke ein weißer Raum gelassen, welchen man alsdann mit der Feder auSzusülleu pflegte. Die Jahrzahl ist mit römischen Zahlzeichen gedruckt. Bis jetzt sind nahe an zwanzig solcher Ablaßbriefe, von denen Schaab und Wetter mir sechs zn kennen scheinen, nach nnd nach aufgefunden worden, aus deren Vergleich sich vier verschiedene Ausgaben herleiten lassen: ->. zwei mit 30 Zeilen, davon die eine die Iahrzahl 1454, die andere 1455 hat, und b. zwei mit 31 Zeilen, welche ebenfalls wieder durch die Jahrzahlen 1454 und 1455 von einander unterschieden sind. Erstere, deren größere Buchstaben mit den Typen der heiligen Bibel übereinkommen, gehört ohne Zweifel Mainz an und die davou bekannten Erempmre sind größtentheils aus Städten am Rhein oder der Umgegend datirt; der Ort, den Wetter Seite 442 Nüssen nennt, ist Neuß bei Cöln. Die Ausgaben b. mit 31 Zeilen verdanken Bamberg ihren Urspruug, denn die großen Buchstaben decken die Pfistcr'schen Tvpen der 36zciligcn Bibel. Merkwürdiger Weise sind sämmtliche davon bekannte Ercmplare in Franken, Thüringen und Niedersachsen, sogar bis nach Kopenhagen hin ausgefertigt. Da die kleineren Buchstaben sowol der Mainzer als der Bam- berger Ablaßbriefe nirgend anders vorkommen, und es nebenbei unglaublich ist, daß sowol hier als dort eine eigene Type gegossen worden, um damit nichts weiter als dreißig Zeilen zn drucken, da ferner das „V" in dem Anfangsworte „Vnivcrsis" über den folgenden Buchstaben überhängt nnd das „p" in „vaulinus" absichtlich abgekürzt ist, um sür das gerade darnntcr stehende „ss" in „Sactissim^" Platz zu gewinnen: so kann man als ausgemacht annehmen, daß die älteren unter denselben sämmtlich Taseldrucke sind. Einer der ältesten, wo nicht der älteste ist derjenige in der Kasseler Bibliothek 17 IM Milhnung der Christenheit wider die Türken. vom 2. Januar 1454, für eine Familie Heger zu Eimbeck ausgefertigt. Er stimmt bis auf das Datum selbst in den geringsten Kleinigkeiten mit den beiden Exemplaren der Leipziger Universitätsbibliothek überein und ist außerdem noch mit dem wohl erhaltenen ursprünglichen Siegel versehen. Der gelehrte Kunstfreund uud berühmte Reifenve Graf Leon de Labvrde hat ihn getreu auf Steiu copirt uud von dem Siegel eine genaue Abbildung der Kasseler Allgcm. Zeitung 18Z6. lVo. 11. S. 4. beigegeben. Eine gewisse Berühmtheit hat auch der Schelhoru-Meermann'sche vom 15. November 1454 erlangt, welcher für Johann Kellner, Priester zu Erfurt, und für Katharina Mathildis daselbst bestimmt war. Ein dritter vom 26. Januar 1455, dem Priester Gottfried Becker von Werden ertheilt, war früher in Breitlopf's Besitz. Zwei andere vom 7. März 1455, wovon der eine für Heinrich Denppcrt und seine Fran bestimmt war, der andere noch mit Paulin Chappe's Siegel versehen ist, werden unter den Kleinodien der Bibliothek des Lords Spcneer zu Althorp verwahrt. Eiu Facsimile der Absolutionsformel giebt Dibdin in der 1!il>!l»tliecü K^encei'iuna I, XI.IV. Ein sechster lind siebenter vom 24. März 1455, für Friedrich Schnle in Nürnberg bestimmt, sind Zierden der Leipziger Universitätsbibliothek. Ein achter vom 29. April 1455, dem Heinrich Mais zu Neuß ausgestellt, früher in Neigebauer's uud Dr. Kloßen's Besitz, gehört jetzt dem britischen Bücherfreunde Heywood in Bristol. Von beiden letzteren hat I. Wetter getreue Abbildungen gegeben, welche Stoff zu mannigfachen Bcrglcichnngcn darbieten. Da Wetter's verdienstvolles Buch in allen Bibliotheken und in den Händen aller Bücherfreunde sich befindet, so dürfte ein Facsimile des einen oder des anderen dieser Jndul- gcnzbriefe hier nicht vermißt werden. Eyn manüg cristeheit widd' die DurK e, von 1454 bis 1455, ist der Titel eines von dem ehemaligen königlich baicrischen Hofbibliothekscriptor Docen in dem Jesuitenkloster zu Augsburg aufgefundenen Büchleins, welches aus 9 auf sehr starkes Papier gedruckten Qnartseitcn von 20 bis 21 Zeilen bestehet und uebst den Ablaßbriefen unstreitig den ersten Rang unter den ältesten datirten Druckdenkmälern eiuuimmt. Es ist eine Art von Kalender für daS Jahr 1455 mit einer geistlichen Mahnung gegen die Türken, welche gerade damals Constantinopel erobert hatten und das christliche Europa zu überschwemmen drohten. Man könnte dieses Druck- denkmal ein Neujahrslied auf 1455 nennen, worin ! gewünscht wird, daß Papst Nicolaus V. die Fürsten und Völker der Christenheit wider ihre Erzfeinde waffnen und vereinigen möge. ES stehet daher mit den Judulgenzbricfen, durch welche der Papst dem bedrängten Könige von Cypern gegen die Osmanen zu Hülfe kam und durch Ablafiverkauf Geld schaffte, in der genauesten Verbindung. Dieser Kalender ist mit ähnlichen aus höchst unvollkommenen Matrizen ! von Blei gegossenen Typen, wie die sogenannte Z6zcilige Bibel, aller Wahrscheinlichkeit nach um das Ende des Jahres 1454 von Albrecht Pfister in Bamberg gedruckt worden, und befiudet sich gegenwärtig in der Hof- und Staatsbibliothek zu München. Er beginnt mit einem Gebete zu Gott, welches obige Ueberschrift hat; darauf folgt die Mahnung in zwölf Abtheilungen, deren jede mit dem Namen eineS Monats überschrieben ist. Die erste Abtheilung unter der Ueberschrist „Hartiimndt" (Januar) enthält einen Aufruf an den Papst, die folgenden aber an den Kaiser, die Könige, Erz- bischöfe, Bischöfe, Herzöge und freien Städte. Die letzte mit dem Monate „December" überschrieben? Abtheilung liefert ein Gemälde der Gefahren, welche der Christenheit dnrch die ungläu- bigeu Sarazenen drohen und schließt mit dem Wunsche: „Eyn Gut heilig nuwe Jahr." Die höchst unvollkommenen Typen sind den Missalbnch- staben der Leipziger uud Spcucer'schen Ablaßbriefe so ahnlich, daß sie sich fast durchgängig decken, nur an den Ecken und Kanten etwas mehr abgestumpft. Dies früheste datirte Druckdcukmal ist für den Tl'pcnverglcich mit den ältesten Mainzer Jneunabeln zu wichtig, als daß ein treueS Facsimile der ersten Blattseite hier nicht seine Stelle finden sollte. Mahnung der Christenheit mider die Türke». »LNl MMüg S nikrhärwidl» Zne dmki fs /tllNkchtiK König in hnnels mnl ^ ^sec okk Mcich ein dzme rcone l-Zn tin ünn banrr vo bluderoltSashrilU mwt m KcchmV norSrlv hm Wrage -uo in an geois 19n ie bicki tot narkr vn vlms D ar an umv mmttchiich heil VcklttM ms w mit rrtoiKvn erttnär M im dvtc tpmit uV wüttn tyüff uns vordas in allr KutrnwMvnlcckyndr V imkm vn hnden Mach c myren bolm Mwalt wie Senke zu Mannlwvrl in Imrchelam Mn manche mNmemtche begsange haue MKchm marckvnwt Nage vn ülmche Nlsien apoüeln vor Äs« lltgetchlln t5mb im xy Alckedes hrilgm glautttM tyalt xiidiegulttu Lslemhul ftttchwkrdmdisjarxn nu- wrc lchm Vilittnn die xif?nchrtts lnm mels din stts ms mltt noch vin Mutt MnbarM*lccc-tv»isr 132 Der Kalender mit der Iahrzahl 1457. Die Thatsache, dasi Papst Nicolaus, an welchen der erste Aufruf mit den Worten gerichtet ist: „Wollm, Stnthalter unsers Herren ^jhesus du hrilger miter b»I>st Tlicolaus", schon am 24. Marz 1455 starb, widerlegt Lichtcnberger's, Bernhards und Ebert'ö Behauptung, daß diese Malniung erst 1472 gedruckt sei, schon für sich allein, wenn auch nicht die Anrufung au Gott mit den Worten endigte: „Als im, zele noch die gel»,rt .'ffenl»ir MCLtLLLV j.,r." Facsimiles haben sowol v. Aretin in seiner Schrift über die uuivcrsalhistorischeu Folgen der Buchdruckerkuust, München 1808, als I. Wetter auf Tafel IV. seiner typographischen Nachbildungen geliefert. Der zweite Rang unter den bis jetzt viel zu wenig beachteten datirtcn Druckwerken, welche mit aller Wahrscheinlichkeit aus Pfister's Presse hervorgegangen sind, gebühret dem von Gotthelf Fischer im Jahre 1A0 zn Mainz entdeckten Kalender mit der Iahrzahl 1457. Dieses zur Aufklärung mancher Zweifel in der Erfindungsgeschichtc überaus wichtige Denkmal bestehet aus einem einzigen Folioblattc, ist mit der sogenannten kleineren Missallype, ahnlich derjenigen der „Zözciligen Bibel" und der „Vier Historien", nur auf einer Seite gedruckt, und hat ehedem als Umschlag einer Prabcndenrechnnng des St. Gan- golfftifres in Mainz gedient. Der Umstand, daß dieses typogr Kleinod in Mainz gefunden worden, hat I. Wetter veranlaßt, es auch für ein Mainzer Erzcugniß zn halten. Allein der Fundort eineö Werkes kann niemals, ohne durch andere Gründe unterstützt zu werden, durch sich allein für seinen Ursprung entscheiden. Die „Mahnung gegen die Türken" wurde in Augsburg auS jahrhundertlanger Verborgenheit ans Licht gezogen und doch ist es noch keinem Bibliographen eingefallen, dieselbe deshalb für einen AugSburger Druck zu halten. Wetter irret daher ebenso sehr, wenn er Seite 509 die Mahnung dem Gutcuberg beilegt, als wenn er den Pfister'schen Kalender von 1457 dem Fust und Schöffer zuschreibt. Ein Blick auf gegenwärtiges Facsimile, ltömckoZs? oMkrowlollSttlunt armwms rltck't nrcnö diesZ meöieis lsraams lummdis In snno dm Mrccc WMm?Il lradnüslis M» sm^msimemÄMixetldsmileÄkmurcenttS ona dies welches den Anfang des Kalenders treu wiedergiebt, wird dies bestätigen. Die Jahreszahl „1457" befindet sich sowol geschrieben von der Hand des Vicarius Johannes Keß, welcher die Rechnung führte, als gedruckt an der Stirne des Blattes. Die Buchstaben sind fast identisch mit jenen der „Mahnung wider die Türken" zu nennen. Die ersten sechs Monate des Jahres sind am Rande nnter einander gedruckt und bei den sechs folgenden noch die wechselnden Stellungen der Sonne nnd des Mondes, der SonntagSbuchstabe und die goldene Zahl angegeben. Dieses merkwürdige Druckvenkmal befindet sich jetzt in der königlichen Bibliothek zu Paris. Unter Pfister's typographischen Leistungen zeichnet sich als das wichtigste vor allen aus: Die lateinische sechs und dreißig- zeilige Bibel, zwischen 1456 und 1460 gedruckt. Dieses aus drei Foliobanden bestehende Werk ohne Angabe des Druckers und deS DrnckorteS, mit 881 Blattern und zwei Columncn auf jeder Seite zu Die sechs und dreisiigzcilige Vibel., zwischen 1456 und 1460. 133 36 Zeileu (woher ihr Name), übertrifft an Größe und Vollendung der Lettern die Gutenbergische 42zeilige Bibel. Daß dieses Meisterstück wirklich der Presse Pfistcr's und nicht jener Gutcnberg's angehöre, ist znletzt von I. Wetter, S. 452-457, durch schwer zu widerlegende Gründe nachgewiesen worden. Die hauptsächlichsten derselben liegen in der vollkommenen Gleichheit der Typen mit denen des „Boner'schen FabelbnchS" vou 1461 uud der „Vier Historien" von 1462, welche Psister's Namen tragen. Jaeck'S Behauptung aber, daß diese Bibel die erste sei, ward von Wetter mit unverwerftichen Gründen widerlegt und dargethan, daß sie ungefähr sünf Jahre spater als jene erschienen ist. Das hier beigefügte Faesimile nach dem unvergleichlich schönen Eremplarc der Leipziger Universitätsbibliothek mag znnl Vergleiche mit der heiligen Bibel Guteuberg's, S. 117, auffordern. nmanhötMt V «am pluw nws dies M oLtimulKi- __tts nö nick- MtMMmfKcsa ei Kmi lm. lSutcam^ dno noKco rttsi aw Irtmimla vir^lllkn lltt mm re- M^r koumt tu dormmmnn ü- ttu suo^tt mltfacmt dnm tirm retsf. 184 Koncr's Edelstein Sie heißt auch die Schelhorn'sche Bibel, weil dieser Gelehrte dieselbe zuerst beschrieben und durch ein Facsimile veranschaulicht hat. Ercmplarc besitzen ansicr den Büchersammlnngcn der Könige von Frankreich, England und Würtemberg die Universitätsbibliotheken zn Leipzig und Jena, die herzogliche zu Wolfenbüttel, Lord Spencer uud Charles Jenkinson in Grvßbritanien. Bamberg selbst hat nur zehn Blatter davon aufzuweisen, welche der verstorbene Bibliothekar Schmötzer von alten Stadtgerichtsacten abgelöset hat, wo sie alö Umschlage benutzt waren. Sie enthalten die letzen Capitel des Eroduö. Boner's Edel st ein oder F a l> c l l> u ch in deutschen Reiaie», vom Jahre 1461. Dieses erste deutsche Buch mit voller Bemerkung des Ortes und Jahres bestehet aus 88 Blattern ohne Titel, Anfangsbuchstaben, Blattzahlcn, Cu- stodcn nnd Signaturen. Jede ganze Blattseite enthalt 25 Zeilen. Ueber seder Fabel, deren 83 sind, stehet ein Holzschnitt, der auf den Inhalt derselben Bezug hat nebst einer männlichen Fignr, die in völlig gleicher Zeichnung sich jedesmal wiederholt. Die Verse sind nicht abgesetzt, sondern laufen wie Prosa fort. Unter dem ersten Holzschnitte lieset man: „Ainsinnls ei» afse Kam gcrant. Wo er l'il guter misse vant. Der hcttc er gesscn gerne. Im was gesagt von dem Kerne. Der wer gar lustiglich undc gut. Reswert ums sein thumcr mut. Do er der pittrrkcit ciitpfant. Der schalen darnach zu hant. Pegreiff er der schalen hcrtikcit. Von den missen ist mir gcscit. Sprach er das ist mir worden Kunt. Si haben mir verhonet »leinen munt. Hyn warsf er sie zu derselben fort. Der Kerne der nusse im nne wart." vom Jahre 1461. Die ebenfalls gedruckte Schlnßschrift lautet: „Au liamlierg dis? vnchlcy geendet ist Nach der gepurt unsers herre ihesu rrist Do man zalt tausent unde vierhundert jar Nnd ym ein und sechzigsten das ist war. An sant valenteins tag Got behüt uns vor seiner plag. Amen." Daß dies Fabclbnch im Jahre 1461 erschienen sei, ist lange lebhaft bestritten worden. In dem „Neuesten aus der anmuthigen Gelehrsamkeit" wird Seite 563 das Jahr 1461 von Gottsched als das Druckjahr dieses Werkes mit dictatorischer Bestimmtheit angegeben. Nach lleiüeclcen, 16>-tümpDerli ernelernuuejm npewsn« 8>m telbm abensem gleich-Oeidc sung swi ontc relch.StednrchliurzepMt1ieit'Vermlmchelgn- ye suKlmt.Wmne mä osskeurrenÄMtemü' Lo witt lesrauchesdickzu M Derchur einem in im sugm me wm man dsr^u bleler mee» Mh es en - 136 Die sieben Freuden FNariö. befunden haben und ist vielleicht das nämliche, welches Franz Xaver Stöger in München gegenwärtig noch besitzt. ES wnrde lange Zeit auch für das älteste deutsche Buch mit Holzschnitten gehalten. Allein in dieser Hinsicht gebührt nach dem gegenwartigen Standpunkte bibliographischer Forschung, bis vielleicht eine neue Entdeckung auch diese Annahme wieder unistößt, die Priorität uustreitig den „Sieben Freuden Maria" und der gleichzeitigen und damit verwandten „Leid e ns geschichte Iesn", zweien von einander unabhängige» und ganzlich verschiedenen, wenn auch dem Inhalte nach homogenen Druckschriften, welche, als „unica", zu den ersten Kleinodien der Münchener Hosbibliothek gehören und bis auf Dibdiu, der sie jedoch irrthümlich für ein einziges Werk und zwar für eiueu Holztafcldruck halt, gänzlich unbekannt geblieben waren. Seit Dibdiu ist derselben zwar hier und da, jedoch nie aus Autopsie, sondern stets nur uach diesem ctwaS flüchtigen Beobachter ebenso flüchtig als unvoll- standig Erwähnung geschehen, bis Stöger in seiner Schrift: „Zwei der ältesten deutschen Druckdeuk- mälcr, München, 1833. 8." sowol eine ausführliche Beschreibung als theilwcise Nachbildung geliefert hat, ohne jedoch eine bestimmte 'Ansicht über die Zeit der Entstehung oder der Drucke auSzu- sprechcu. Beide wegen der Gleichheit der Buchstaben zuverlässig sür Thpeudrucke zu haltenden Werke können keinem Drucker des fünfzehnten Jahrhunderts mit größerem Rechte zugeschrieben werden, als Albrecht Pfister in Bamberg, mit dessen Erzengnissen die Gestalt der Typen die meiste Aehn- lichkcit hat, wenn gleichwol die bildlichen Darstellungen von den Holzschnitten dieses Formschncidcrs sowol in Charakter als Ausführung gänzlich abweichen, ja dieselben bei Weitem übertreffen. Letztere gehört der sogenannten „geschrotenen" Manier an, wo das Bild mittelst des Bunzens in eine Metallplatte eingetrieben wird. Bei Stöger findet man den Anfang eines jeden dieser Werke sowol in einem Facsimile der Schrift als jedes ersten Bildes getreu nachgeahmt, bei Didil!», Ijit>Iiox>-^>I>iL»I 1'our in Trance snä (Zermtm/, III, Wo. aber ist das Blatt 5". abgebildet, wie Judas den Heiland verräth und Petrus dem einen Knechte das Ohr abhaut. Die Form und der Charakter der Typen muß hier mehr bestimmen, als die Holzschnitte, indem diese ja, unbeschadet der Pfistcr'schcn Presse, von einem andern Künstler herrühren können. Die sieden Freuden Maria, ein Werkchen, von dem ebenso wenig, als von dem andern ein zweites Eremplar bekannt ist, und das, wie alle alten Druckdenkmäler, keine Aufschrift hat (die gegenwärtige ist nur aus dem Inhalte entnommen), bestehet aus 9 Blättern von gleicher Größe, deren 5 den Tert, die übrigen 4 aber aus beiden Seiten 8, Spielkarten ähnlich illnminirte Holzschnitte enthalten, von denen ein jeder die ganze Seite einnimmt. Die Größe, welche Dibdin irrig mit 5 Zoll Höhe und 4 Zoll Breite angiebt und das Format mit „klein Quart" bezeichnet, beträgt 4 Zoll 7 Lin. in der Höhe und 3 Zoll 5 Lin. (Pariser Maß) in der Breite nnd entspricht demnach unserem Duodez. Der Te,rt beginnt ans der Rückseite des ersten Blattes mit dem Gebete: „Im noinen der heiligen vnd s vngctailtcn trnuiltilunl he- ^ den sich di siben fremd ^ der hachgelobten Knin- gin ^ nnd Junckfraw marin mit der wir sy an- dechtiglich ^ eren sulien V mnria t'rew ^ dich um» du vist reich in al j tcm wolüst" n. s. w., füllt auf jeder Seite 15 Zeilen, mit Ausnahme des neunten oder letzte» Blattes, welches nur 14 Zeilen hat, uud ist so eingerichtet, daß stets Schrift und Bits sich einander gegenüberstehen. Wenn die Zeilen durch die Worte nicht ausgefüllt werden, so sind die leeren Räume durch Punkte ersetzt. Die Abbildungen beurkunden einen im Zeichnen nicht ungeübten Künstler, obwol die Perspektive fehlt. Sie haben grobe Umrisse, äußerst wenig Schatten und sind mehr silhonettenartig gehalten. Dabei aber athmen sie einen einfachen frommen Sinn, der ein empfängliches Herz nicht ungerührt läßt. Blumen und Arabesken bilden die Zwischcnräume zwischen den Figuren. Das Ganze ist in der sogenannten „geschrotenen" Manier ausgeführt. Die Reihenfolge der Darstellungen ist: Die Leidensgeschichte Jesu. — Auch der vier Historien von 1462. 137 a. Maria mit dem Jesuskinde in der Strahlcn- sonne aus umgekehrtem Halbmonde. b. Die Verkündigung. c. Maria bei Elisabeth. 6. Die Geburt des Heilandes, s. Die Anbetung der Könige, k. Die Bcschneidnng Jesu. S. Christus lehrt im Tempel. t>. Der Tod der Maria. Die Leidensgeschichte Zesu bestehet aus 21 Blättern, von denen 11 die Holzschnitte und 10 den Tcrt enthalten. Wie in dem vorigen Werke ist die Stirnseite des ersten Blattes sowie die Rückseite des letzten leer gelassen nnd jedes dieser Blatter zeigt nur ein Bild, wahrend Blatt 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 17 und 10 jedes zwei Holzschnitte umsaßt, deren Zahl steh mithin auf 20 beläuft. Wie in den „Sieben Freuden" dcrTert daS Ganze eröffnet, so wird hier mit einem Holzschnitte der Ansang gemacht. Die Lettern, womit der Text gedruckt ist, sind gegossene Missalbnchstabcu der kleineren Art, aber von vorzüglicher Schärfe. Jede volle Seite hat 14 Zeilen, mit Ausnahme von Blatt 2 nnd 20, wo nur IS Zeilen gezählt werden. Die leeren Räume am Ende der Zeilen, die bald um etwas hervorragen, bald nm etwas zurückbleiben, sind nicht, wie im vorigen Werke, mit Punkten ausgefüllt, sondern ganz leer gelassen. Die weiß ausgesparten Bilver auf schwarzem Grunde sind,' Der Einzug in Jerusalem. d. DaS Abendmahl nnd die Fnßwaschung. c. Christus betet am Oclbcrgc. . Christus vor Herodes. i. DaS Schweißtuch mit dem h. Antlitze. K. Die Krenztraguug mit Simon von Cyrene. I. Der Heiland wird ans Kreuz geheftet. m. Christus am Kreuze. n. Der Leichnam des Herrn auf dein Schooßc der Mutter. o. Die Grablegung Christi. 1>. Die Erlösung ans der Borhölle. lj. Die Auferstehung. r. Der Heiland erscheint Marien Magdalcncn alö Gärtner. s. Die Himmelfahrt Christi. t. Die Mittheilung deS h. Geistes. n. Das jüngste Gericht. Das Erscheinen dieser beiden höchst merkwürdigen Denkmäler der ältesten Druck- und Holzschueiretuuft dürfte nicht später als in die Jahre von 1450 bis 1-t60 zu setzen sein. Dibdin hält dieselben irnhüm- lich für xylographische Prodnete, während nencrc Forschungen ergeben haben, daß beide zuverlässig mit beweglichen Lettern gedruckt sind. In der 1j!liI!ngranl>!<^I, :u>tI>ni!N'Ii»> ^>Ictu> jii». WO. hat der Spcncer'sche Bibliothekar ein Facsimile von der Gefangennchmung Jesn geliefert. Such der vier Historien von 1462. Dieses höchst seltene Werk enthält die biblischen Geschichten von Joseph, Daniel, Esther und Jndith, ist mit 61 Holzschnitten versehen und bestehet auS 58 gedrucktem Blättern in klein Folio. ES beginnt wie das „Fabelbuch" ohne allen Titel mit einem illuminirtcn Holzschnitte (Jakob auf einem Stuhle sitzend, vor ihm Joseph und seine Brüder), unter welchem die Worte stehe»: „Hie hebt sich an die historii von .josrvh." Die Geschichte Joseph'S umfaßt 14 Blätter und 14 Holzschnitte. Ans dem 15. Blatte liefet man unter einem Holzschnitte, welcher Nebnchadnczar im Bette schlascnd und Daniel an einen Pfeiler gelehnt darstellt, die Worte.- „Hie hebt sich an die historii daniclis." Diese Geschichte süllt 15 Blätter und ist durch 18 Holzschnitte geziert. Hierauf folgt ebenfalls auf 15 Blättern, aber nur mit 14 Holzschnitten: „Hie hebt sich an die historii Judith." DaS Ganze beschließt die „historii Hefter" aus 14 Blättern mit 15 Holz- ! schnitten, und endigt mit dem poetischen Coio- ! Phon: 18 138 Die Allegorie auf den Tod. „Ein ittlich mensch von herzen gcrt. Das er wer weiß vnd wol gclert. An meistcr vn schritt das nit mag sein. So Kun wir all auch nit latein. Dnrausf hau ich ein deil gedacht Vnd vier historiz zu samrn prncht. Joseph daniel vn auch judith. Vnd hester auch mit gutem sith. Die vier hct got in seiner Hut. Als er noch nc de gute» thut. Dar durch wir veßern vnser lebe. De vuchleiu ist sein ende gebe. Czu bnmbergK in der selbe stat. Das albrecht pfistcr gcdruckct hat. Do mn zalt tausent vü vierhudert jar. Im zwciund sechzigste das ist war. Die vns wol gnad erlierbcn mag. Frid v» das ewig lebe. Das wolle vns got alle gebe. iot!tiuiUll>: (livlnorum »sticlvriim gedruckt. Zwei Jahre spater vollendeten sie Donifoeius VIII Fiber Sertus Derrcta- limn. Mainz, 17. December 1465. Eine Fortsetzung der ans Befehl Gregor'S IX. gesammelten sünf Bücher der Dccrctalcn uud heißt deswegen „silier Sextus". Das ganze Werk zählt 141 Blätter in Folio und hat weder Signaturen, 142 Mainz. — Peter Schösfer nach Fust's Tode. Eustodcn noch Seitenzahlen. Fast zu gleicher Zeit ging die erste Ausgabe eincS Elassikers Ml. T. Cicero oc officiio Libri III. Pa- radora et Versus XII. Sapientium. Mainz, 1465. aus ihrer Presse hervor. Es ist in klein Folio, ebenfalls ohne Signaturen, Cnstoden und Seitenzahlen auf 83 Blattern mit den Typen des „vur-mäi I^tion-lls" sowie mit durchlaufenden Zeilen ohne andere Unterscheidungszeichen als den Puukt gedruckt. In den griechischen Sentenzen der Paradoxen erschienen die ersten gedruckten griechischen Buchstaben, welche dieses Umstandes wegen hier nachgebildet sind: ^-i-i-nKcac- oi'ixoXox i-oic.ÄA vXsi's^oX. o-k-lXt>?j, i-oKaAoXA-s-A^ox. oi'icAT'ä «xspi^aXAi-A lcs^i'Äi'c^'s'oiXA. Die erste Auflage war so schnell vergriffen, daß schon am 4. Februar 1466 die zweite folgte. Nachdem bald darauf die höchst seltene Grammatica uetus rhytmira auch „Rudi- mentir grammatices" genanut, Mainz, 1466. 11 Blatter in Folio, von welcher man nur noch zwei Eremplare kennt (in der köuigl. Bibliothek zu Paris aus Brienne's Auctiou für 3300 Franken und im Besitze des Lords Spencer ans der Stadtbibliothek zu Frankfurt am Main für 1900 Gulden erkauft), erschienen war, reisete Fuft zwischen den Monaten März und Julius des Jahres 1466 zum zweiten Male nach Paris, um da seine Verlagswerke zu verkaufen. Schon nach Beendigung des Druckes der 42zei- ligeu Bibel war er zum erstenmale nach Paris geeilt, um sie dort, da die Kuust zu drucken noch nirgends bekannt war, für Handschrist auszugeben, und auf diese Weise eiueu höheren Preis dafür zu erzielen. Eine handschriftliche Note am Ende eines Exemplares des „eicero (lll oMcl!-;", daS sich in der Bibliothek zu Genf befindet, liefert den Beweis, daß Fust dies Buch im Monat Juli 1466 dem Ritter Louis de la Vcruade, Kauzler des Herzogs von Bourbon und Auvergue, geschenkt habe, welcher Präsident deö Parlaments von Toulouse und Mitglied jeuer Ligue der öffentlichen Wohlfahrt gewesen war, die mehrere unzusriedene Prinzen gegen Ludwig XI. gebildet hatten. Da nun von dieser Zeit an nichts mehr von ihm verlautete und die Pest in den Monaten August und September 1466 zu Paris mehrere tausend Menschen hinwegraffte, so ist mit größter Wahrschciulichkeit zu vermuthen, daß Fust daselbst ebenfalls ein Opfer dieser Krankheit geworden sei. Durch ein altes Pfarrregister der St. Quin- tinskirche zu Mainz, aus welchem Würdtwcin in seiner IZibliotliec-l ZVIoxnnt. voc. 231. und 232. Auszüge liefert, wird erwiesen, daß Fust, der 1464 noch unter den zwölf Kirchengeschwornen aufgeführt wird, im Jahre 1467 todt und durch eiuen audereu ersetzt worden war. Peter Schöffer nach Fust's Tode. Schöffer setzte nach dem Tode seines Schwiegervaters das Geschäft mit uuermüdctem Eifer fort. Schon am 6. März des Jahres 1467 ging S. Thomae Anuinntis secunda sccundae. mit der Schlußschrift.- Ervlicit prima pars snme sanrti fratris Thome de aisno: . . . ohne Signaturen, Enstoden, Blattzahlen und Anfangsbuchstaben mit Lettern der Bibel von 1462 aus seiner Presse hervor. Dann am 8. October des nämlichen Jahres die zweite Auflage von Clementis V. pout. mar. Constitutionrs. Mainz. — Pctcr Schofler nach Fuft's Tode. 143 Ferner am 24. Mai 1468 die Princeps des berühmten RechtSbuchcs: Justiniani Institutiones rum glossa. Was Peter Schösser aus Achtung für Gutenberg oder Furcht vor Fust bei deren Lebzeiten nicht laut auSzusprcchen wagte, das sagte er nach Beider Tode in den lateinischen Versen, die er diesem Werke bcidruckte, nämlich: daß die beiden Johannes (Gntenberg und Fust) zwar die ersten Buchdrucker (?roto - Lai-ilgm-ltici) gewesen, daß aber er, Peter Schöffer, dieselben in der Knust, die Buchstaben zu schneiden und zn gießen, übertreffen habe. Dabei sührt er ein Gleichnis) aus der Bibel (Joh. 20, 3-8.) an, wie Petrus und Johannes mit einander znm Grabe des Erlösers eilten, Johannes vorauslies aber nicht hineinging, Petrns dagegen zwar später nachkam, aber sogleich hincintrat. Dieses Beispiel scheint ihm die zufällige Gleichheit der Taufnamcn zwischen ihm und Gntenbcrg eingegeben zu haben. Von der Eigenthümlichkeit der Schöffer'schen Type mögen gegenwartige Facsimiles Zeugniß geben, welche von dem unvergleichlichen Pergamentercm- plare der Leipziger Universitätsbibliothek entnommen sind und den Künstler in drei verschiedenen Schriftgrößen kennen lehren. HDiis ml^ttutionü pcl^ni opus/^im^ m vrbe magH- NNAmcliwuacow ^erma^ m ce. qu A dnclemeuatam sln Mjseny lummedonoqz ZNttnto.ceterls trrmi^na-- vowk) p^rreiltus^rareqz d»Ftus el^«nö atramto om. no pium^ii cananestt«ta.)y:.aureoy.Ut.sp>s-> v »4 ^ ^ 5 V G » L ^ S ^ H !^ ^ T A Z 6? ^ S ^- ^5 ^ S S " L ^ R N G L Z s » ^. Z ^ .L ^ ^> iL>. Z ^ N S x: « 6^? Z >t^ «, L 6 S'L ^ Z^s Z S^ ^Z'Z <^"^ O Z ^-5 Ä ^ e s; L O-.s <2 O Z'^ ^ ? ^ D ? W'.tt ^ Q.>> L^t- r- L ' 5 Z ^-^'^ ^ ^ 55 s ^» ^-rS L v» SU 8 s-v.-z L S L ^- « V ^Z^Z ^ ^ ^ A-^^ ß^-.^ ^^5"Z ^ ^ Z ^ « ^ U c> ^ ^ ^ Zs L'^^ ffZ^HZDS^^Z « ^ ^- ^ ^ ^ v ^ ^- ^ ^'Z-?L^?^^8s '«-s.I^'D-S ^ s n Z Z e^-Zö ^ s O.^ 'R'v >Q 'Z ^ S ^ ^ ^ <-k» ^ >^ dv^ ^ Z ?z 5i S^S ds'T Z S- L O ^ >Q ^ L s ^ L ^ 3 L/^ -2 K'- Z Z'-S Z>^< s-ß ^L'^Z S.^^ f/) Z'?'--- 2^ ^2--Z^L^^ Z ^ S^-L^Z^ Z2.^^?I^A 5S ^ L L'^L ^ ^ ^ ^ ^. ?z Q< L »- ^» HI-L'ö'S^ Z^Z.s'ßßZ Z Z-ZLH^PZ Z « Z's^ U L.". ' ^ Z^.-^ ^H-ZK L'Z i-L^) ^-Z S'.S'Z ^ ^ ^ A-^^H'Z^ dv-Z ^^^^ L!'«^ Z A^Z^L^^ Z ^"-^L^IQ ^^LZLZLsös^H ^c: X ^ ? ^> ^ ^ ^> <2 Mainz. — Peter Schösscr nach Fust's Tode. 145 Noch in dem nämlichen Jahre 146S erschien ebenfalls: Grammaticir vetus rhntmicn. als zweite Auflage derselben von 1466, in zwei Theilen, wovon der Erste 17, der Zweite 26 Blätter enthalt und ein Commeutar über den Ersten ist. Hierauf folgten schnell nach einander: 1470. «Zonisacii VIII liber scrtus decretalium. in Folio, zweite Auflage mit Io. Andrä's Apparate. — S. Hieronnmi epistolae. zwei Bände in gr. Folio. — Mammotractus. (ein Wörterbuch der damaligen geistlichen Literatur) in gr. Folio. 1471. Valrrius marimus, liber snctorum etc. iu Folio. — Cleincntis V constitutiones. dritte Auflage. — S. Thomae de Auuino, pars prima Secunde. ^j>!lrt!ü 8unu»^e ilieolv^Icae.) — ^iblia sucra lutimr. zwei Bände in gr. Folio. 1472. Gratiani decrrtum etc. 412 Blätter in gr. Folio. — Justiniani institutiones. gr. Folio zweite Auflage. 1473. Aonifacii VIII liber sertus decretalium cnm appnratu Io. Andrae. gr. Folio dritte Auflage. — S> Aunustinus, de civitate dei. gr. Folio. — Gregorius IX: nova compilatio decretalium. iu Folio. 1474. Joh. de TurrecrematK: ervositio drevis et utilis super toto psaltcrio. in Folio. — Henrici Hnrp (Herx) ord. min. sperulum aureum dcccm pracceptorum. in Folio. 1475. Justiniani eodrr eum glossis. gr. Folio. — Pcrnardi Cl»rel>allcnsis sermones. in Folio. In diesem Jahre finden wir den unermüdeten Peter Schöffer in Paris. Gleich nach Fust's Tode hatte er nämlich nach Frankreichs Hauptstadt einen Factor, Namens Hcrm-m von Stathoen, aus dem Bisthum Münster gebürtig, abgesendet, um die von seinem Schwiegervater hinterlassenen Bücher in Empfang zu nehmen nnd den Buchhandel fortzutreiben. Als nun auch dieser mit Tode abgegangen war, ohne ein Naturalisatiouspatent, und mit demselben das Recht zn testircn erlangt zn haben, trat das gegen jeden Fremden in Frankreich übliche Heiinsallsrccht (äroit 6'^ul>i»:»e) in Wirksamkeit nnd königliche Lommissaire uahmeu vermöge des Rechtes, die Fremden zu beerben, alle in dem Magazine dieses fremden Buchhändlers befindlichen Bücher im Namen deS Königs in Beschlag. Peter Schöffer reisete, als er davon Kenntniß erlangt, mit hohen Empfehlungen und Fürschrciben von Kaiser Friedrich III. und dem Kurfürsten von Mainz versehen, in Begleitung seines Gesellschafters Conrad Henlif sogleich nach Paris, legitimirtc sich als Eigenthümer der in Beschlag genommenen Bücher nnd verlangte die Aushändigung der noch vor- haudenen nnd zugleich eine Entschädigung für die bereits für königliche Rechnung verkauften Werke. Seinem Ansuchen wurde entsprochen. König Ludwig XI. befahl durch eine vom 21. April 1472 datirte Ordonnanz: „ daß in Berücksichtigung der Sorgfalt, mit der die Neclamanten die Kunst des Vücher- druckes gefördert und des Nutzeus, welcher auS dieser Kunst dem gemeinen Wesen dnrch Verbreitung der Wissenschaft erwachse, die völlige Entschädigung für den ganzen erlittenen Verlust mit jährlich 800 Livres, vom 1. October 1475 an gerechnet, ausgezahlt werde bis die ganze Forderung in dem Betrage von 2425 Goldthalern nnd 3 Sols getilgt sei." Dieses merkwürdige Decret ist bei Wetter S. 501-503. wort- und schristgetreu abgedruckt. Nachdem Schöffer seiucu Zweck erreicht, ließ er Courad Henlis, der in der königlichen Ordonnanz stets HanneauiS genannt wird, zur Betreibung seines Buchhandels in Paris zurück, begab sich wieder nach Mainz und setzte sein Druckgeschäft mit erneueter Thätigkeit fort. Beweise sind eine lange Reihe von Druckwerken, welche wir aber aus Mangel an Raum hier übergehen zu müssen glauben. Nur Cr. Botho'S „ «Lroneckcn der Sassen" vom Jahre 1492 in niederländischer Sprache, mag wegen der ganz eigenthümlichen Initial- nnd Versaltypen hier besonders aufgeführt und der Knnstcharakter der Letzteren durch eine getrene Nachbildung der Buchstaben D. F. und I. auf der folgenden Seite angedeutet werden. 1» 146 Mainz. — Peter Schöffer nach Fust's Tode. Schöffer kann zugleich als der erste deutsche Buchhändler gedruckter Werke augesehen werden, denn er handelte auch mit den Ausgaben anderer Drucker. In der königlichen Bibliothek zn Paris befindet sich ein Exemplar von Joannis Scoti in quartum librum senten- tiarum opus anglicanum, Aiirnb., Ko- burger, 1474. in Folio, auf dessen letzter Seite er mit eigener Hand schrieb: „Ego Petrns Schocsser imprcssor tibrorum mo- guntinus recognosco me rccepisse a vcnera- bile magistro Joanne Henrici cantore xisicnsi (psrislensi) tria scnta pro pretio hu^us libri quod zirotestor manu nropria." das heißt: „Ich Peter Schöffer, Buchdrucker von Mainz, bekenne von dem ehrwürdigen Herrn Johann Henrici, Cantor in Paris, drei Thaler als Preis dieses Bnchcs erhalten zu haben, was ich eigenhändig bekräftige." Dieser Geschäfte halber hielt er sich auch öfters in Frankfurt a. M. auf, woselbst er im Jahre 1479 als Bürger aufgenommen worden. Schöffer druckte Manches ohne seinen Namen zn nennen und erwarb sich cmch als Schriftschncidcr und Gießer durch unausgesetzte Thätigkeit bis an sein Ende große Verdienste. So gingen nach dem Urtheile Einiger Bernhard von Brcydenbach'S „heilige Nensen" unter Ncuwich'S Leituug aus seiner Osficin hervor. (Siehe das Nähere weiter nnten bei „Nenwich".) Er kann auch als Erfinder der bis auf die neneste Zeit angewendeten „Schwabacherschrist" angesehen werden. „Drei)- dcnlmchs Neisen" und die „Croncckcil der Sassen" sind die ersten Bücher, welche mit dieser Typcn- gattung gedruckt worden sind. Von dem Jahre 1493 an erschienen gegen die frühere Zeit anffallend wenige Druckwerke aus Peter Sehöffer's Osficiu. Wahrscheinlich gestattete ihm sein von dem Kurfürsten zu Mainz ihm übertragenes Nichteramt nicht, sich so thätig, wie vorher, mit der Druckerei zu befassen. Vielleicht hatte ihm wol auch die von dem Kurfürsten Bert- hold im Jahre 1486 eingeführte Censur das Druckgeschäft weniger angenehm und einträglich gemacht. Mainz. — Johann Schöffer. 147 Ucberdies zählte Schöffer schon zwischen 70 und 80 Jahre und seine Lebcnstage neigten sich zn Ende. Das letzte Bnch, welchem Peter Schöffer seinen Namen untergesetzt hat, ist die vierte Auflage des prächtigen Psalters von 1457. Merkwürdig bleibt eS immerhin, daß jenes nämliche Meisterwerk, durch welches er seine Kunsttalente zum ersten Male knnd that, auch die Lausbahn seines langen und thätigen KünstlerlebenS schloß. Er beendigte dies Werk am Vorabende des h. Thomaötagcs, 21. December 1502. Daß er im Laufe der nächsten drei Monate gestorben sein müsse, erhellet aus der Schlußschrift des am 27. März 1503 beendigten FAercnrius Trismegistus, wo sein Sohn Johann Schöffer als Drucker angegeben ist. Genauer läßt sich sein Sterbetag nicht nachweisen. Ja, man weiß nicht einmal, wo seine sterbliche Hülle beigesetzt worden, und ebenso wenig kennt man den Sterbetag und die Grabstätte seiner Gattin, Christiane Fnst. Die alten Kirchenbücher der Mainzer Pfarreien wurden bei der Eroberung der Stadt durch die Schweden im Jahre 1631 geflüchtet und kamen nicht mehr zurück. Hat Peter Schöffer auch keinen Theil an dem Nichme der Erfindung der Buchdruckerkunst, so gebührt ihm doch die Ehre, ihr erster Verbesserer gewesen zu sein. Mit Recht muß man daher bedauern, daß in den Basreliefs des „Gutenbcrg- denkmals" zwar dem Fnst, nicht aber dein Schöffer eine Stelle gegönnt worden, obwol diesem die Mainzer Erfindung erst ihren Schlußstein verdankt. Indessen hat ihm seine dankbare Vaterstadt Gernsheim noch früher, als Mainz seinein Guteuberg, ans ihrem schönsten Platze in einem kolossalen Stand- bilde ans Sandstein am 9. Juni 1836 ein Ehrcn- dcnkmal errichtet. Die Statue in doppelter Lebensgröße ist nebst dem Picdcstal aus einem einzigen Steinblocke aus der Gegeud von Heilbronn durch den großherzogl. hessischen Hofbildhauer I. B. Scholl in Darmstadt mit Kunst und Geschmack bearbeitet und trägt auf der Vorderseite des Fufigcstclles in gothischen Buchstaben die Inschrift: „Dem Andenken Peter Schoffcrs von Gcrns- heim, weltlichen Richters zn Mainz, dem «Mitcrfinder der buchdruckerkunst, der durch seinen ^orschungso,eist diese Kunst ticrnoll- Kommnet und mit dem thätigste«. Eifer ver- breitet hat, weiht diesen Denkstein seine Vaterstadt das dankbare Gernsheim im Jahre des Seils 1836." Der ehrenfeste Drnckerherr, im besten ManncSaltcr aufgefaßt, stehet da in einem laugen mit Pelz verbrämten Ueberwnrfe, sinnend, eine Tafel mit Matrizen in der linken Hand, mit der Rechten bedeutungsvoll darauf hinweisend. Die Schriftcharakterc bilden die Worte: „Matrizen" und „Patrizcn" und die Jahreszahl 1450. Ein eisernes Geländer umzirkt daS herrliche Mouumeut. Seine Verdienste hat C. Dahl in einem besondern Werke: „Peter Schöffer, Miterfiudcr der Buchdruckerkuust, Wiesbaden, 1814. 8." und in der Schrift: „Die Buchdruckerkunst crfuuden von Johann Guteuberg, verbessert und zur Vollkommenheit gebracht durch Peter Schöffer von Gernsheim, Mainz, 1832. 8." und ve. H. Küuzel in „Peter Schöffer von Gernsheim, der Mitcrfinder der Buchdruckerkunst, Darmstadt, 1336. 8." historisch gewürdigt. Johann Schöffer druckte von 1502 bis 1532. Peter Schöffer hinterließ zwei Söhne, von welchen der Aclterc nach seinem Großvater mütterlicher Seite Johann, der Jüngere aber nach seinem Vater Peter genannt wurde. Beide widmeten sich der Buchdruckerkunst. Johann blieb im Besitze des väterlichen DruckhauseS uud Geschäftes, Peter aber erhielt das Haus „Zum Korbe" in der Korbcngasfe, welches an jenes „Zum Humbrecht" grenzet nnd noch heut zu Tage in seiner alterthümüchen Gestalt vollkommen erhalten dastehet, zu seinem Erbautheilc. Im Jahre 1512 sah er sich gcnöthiget, dieses Haus zu verkaufen und Mainz zn verlassen; worauf er in Worms eine Werkstatt errichtete, und von 1527 mehrere Werke daselbst druckte. Er folgte ganz der Z! ! 148 Mainz. — Johann Schiiffcr. — Jvo Schöffer. Sitte jener Zeit und wanderte mit seinem Druckapparate von Ort zn Ort, wohin ihn Aussicht ans Gewinn oder erhaltene Auftrage riefen. Von WormS zog er nach Straßburg, wo er im Jahre 1532 Lieglrri Si)ria, Palncstina und Araliia druckte. Im Jahre 1541 finden wir ihn zu Venedig, in welcher Stadt er eine lateinische Bibel und „Marcardi epistotas medicinnles" an das Licht treten ließ. Johann Schöffer gehörte zu den angesehensten Bürgern seiner Vaterstadt. Er war Mitglied des NalheS und Eigenthümer von drei Häuser». Durch die Druckwerke, die in dreißig Jahren seines Künst- lerlcbeuS, vou 1502 bis 1532 ans seiner Officin hervorgingen, hat er seinen Namen auf die Nachwelt gebracht. Das erste Werk, welches bald nach seines Vaters Tode unter seiner Firma erschien, war FUercurins Trismeo,istus, >>I»s. 1503. kvl. Noch in dem nämlichen Jahre folgte: Infornmtio de gencalogia !>. Virginis rpi sponse Jinrbare, !n 4. Als eine seiner bedeutendsten Leistungen kann man die erste deutsche Uebersetzuug der römischen Geschichte des Titus LiviuS Römische Historie uß Tito liuio gezogen, Mentz, 6. Marz 1505 in Folio, betrachte». Charakteristisch sind die Holzschnitte, auf welchen »ran die römischen Senatoren in spanischer Tracht und die Krieger in der ritterlichen Rüstung des MittclaltcrS erblickt. Die Stelle der Mauerbrecher, Bassisten und Katapulte» ersetze» Karthannen, Mörser n»d Kanonen. Das Werk ist dem Kaiser Marimilian 1. zugeeignet. In der Dedication sagt Johann Schöffer, indem er von Mainz spricht: „in welcher Stadt nnfiingl.lich die wunderbare Kunst der Druckerei), r>nd im erste» von dem Kunstreichen Johan Guttcnberg, do »mn znlt nach Christi vnsers Herrn Geburt tausend vierhundert nnd fünfzig Jare, erfunden und darnach >»it oleiß, Kost vnd arbeit Johann Fausten und Peter Schöffers zu mentz gebessert vnd beständig genmcht ist worden." Hier gab er also der Wahrheit die Ehre, aber nicht immer finden wir ihn ebenso aufrichtig; denn schon in dem am 1. April 1509 erschienenen Enchiridion seu Nrcviarinm behauptet er in der Schlußschrift, sein Großvater Johann Fust habe diese Kunst zuerst erfnndc». Durch ein gleiches Vorgeben snchtc er i» Vorrede» oder Schlußschristen seiner späteren Drucke, deren man noch gegen hundert zahlt, dem verdienstvolle» Gntenberg die Ehre zu rauben und seinem mütterlichen Großvater zuzuschreiben. Er verbreitete somit im 16. und 17. Jahrhunderte, bis 1690 die „Annalen des Klosters Hirsclmu" erschienen, über die wahre Geschichte der Buchdruckerkunst ein tiefes Dunkel, welches die Städte Straßbnrg und Hcirlem benutzten, um sich den Ehrenkranz anzueignen. Unter den zahlreichen Erzcngnisscn seiner Presse lieferte er im Jahre 1516 eine neue Auflage des Psalters (die fünfte und letzte); 1518 eine lateinische Ausgabe des Livius; 1519 bis 1523 mehrere Werke von Ulrich von Hütten und von Erasmns von Rotterdam. Sein letztes Werk war die dritte Auflage der „Bambergischen HalSgerichtSordnnng". Da diese mit vollständiger Datirung am 20. Mai 1531 und im Monat Angnst des nämliche» Jahres das erste Druckwerk seines Nachfolgers und Neffen Jvo Schöffcr's „Vitalis de Furno «Lardinalis pro conservanda sanitate" erschien: so ist nicht zu bezweifeln, daß er in dieser Zwischenzeit gestorben sei. Er hinterließ vier Kinder: Johann, Anna, Ursula und Hildegard, von denen nichts weiter bekannt ist, als daß sie 1535 noch Eigenthümer des Druckhanses waren, ohne jedoch an dem Geschäfte selbst Antheil zn haben. Jvo, der Sohn Peter Schöffcr's des Jüngeren, setzte dasselbe bis zum Jahre 1552 sort. Das letzte von ihm gedruckte Buch ist „des h. Römischen Reichs Ordnungen" vom 20. Januar 1552 datirt. Gerade ein Jahrhundert früher hatte sein Großvater Peter Schöffer begoimc», wirksame» Antheil an der Förderung der Bnchdruckerkunst zu nehmen. Jvo starb kinderlos. Seine Wittwe verehelichte sich mit einem Doctor Philipp Kolgc» von Schweppciihausen, die Druckerei aber ging an Balthasar Lips über, welcher seine Officin ans dem Hofc „Z»m Hnmbrccht" in ein Haus am Flachsmarkte, jenem „Zur Wetterschcllcn" gegenüber verlegte. Mainz. — Erhard Ncwich oder Ncuwich. — Jakob Meydriibach. — Potcr Fricdbcrg. 149 Johann Schöffer der Jüngere errichtete in Herzogenbusch eine Druckerei, wo er sich mit Anna Botteliuans vermahlte und 1565 starb. Er nannte sich Jan JauSzoen (das ist Johann Johann's Sohn) Schöffer. Noch siehet man daselbst in der Hauptkirche St. Johannis sein Grabmal. Ein Sohn gleiches Namens ward von König Philipp II. von Spanien znm Hofbuchdrucker in Herzogcnbusch ernannt und druckte 1580 die berühmte „Achtserklärung gegen den Prinzen Wilhelm I. von Oranien." Mit Jvo Schöffer starb zwar die Fust-Schöf- fer'sche erste Buchdruckcrsamilie in Mainz anS, doch sollen nach Dahl heut zu Tage noch Schöffer oder Schcscr zu GernSheim in drei Stammen leben. Es bestanden aber seit 1486 in Mainz mehrere Ofsieinen nebeneinander. Die dritte errichtete im Jahre 1^86 Erhard Rewich oder Reuwich, von 1436 bis 1488, auS Utrecht gebürtig, ein überaus geschickter Zeichner und Maler, welcher nebst Johann Grafen zu SolmS nnd Ritter Philipp von Vicken den Mainzer Domdechanten nnd Kämmerer Bernhard von Brey- dcnbach zu Breitenstein im Jahre 1483 auf seiner Neise nach Palastina begleitet hatte und 1486 seines GönnerS „hcylige reyssen gen Jherusalem", welche gleichzeitig auch in lateinischer Sprache unter dem Titel I „ 8ii»ct!>i'iim ^vl'LAi'Iiiktlminm in niontem 8)011 ll>1 vnuIoriim !u I>>L>'»«iilem o^nis- culum" erschienen sind, nicht sowol mit eigenen, als von Peter Schöffer erborgten Typen gedruckt hat. Es sind letztere die Vorbilder jener einst so beliebten und zum Theil jetzt noch angewendeten Schriftgat- tnng, die unter dem Namen „Schwabacher" bekannt ist. Ties Buch kann in mancher Beziehung ein Meisterstück genannt werden. (5. F. v. Numohr sagt in seiner Geschichte und Theorie der Formenschneidekunst Seite 77: „Die Formcnschnitre sind der Art, daß, ans den Büchern genommen und sür sich ausgelegt, man bezweifeln könnte, ob überhaupt einer so frühen Epoche sie angehören." Das Vorblatt in ganz Folio, enthaltend eine Figur, Wappenschilder, gothische Beiwerke, ist erstaunenswert!) geschnitten und bestätigt den deutschen Ursprung. Die Prospecte der Städte, auf großen Holztafeln ausgeführt, sowie die ethnographischen Darstellnngen athmen eine Wahrheit nnd Naturtreue, wie sie selbst in spaterer Zeit nur von wenigen Neisebeschrcibern erreicht worden, so daß Ditxiin, LiKiioU«^ Spen- ceriana III, 227., sie Canaletto's Pinsel würdig nennt. Ans keinem anderen Werke kommt Ncwich's Name vor. Man könnte daher annehmen, daß er bei obigem Buche nur das Technische der künstlerischen AnSstattnng durch die Holzschnitte n. s. w. geleitet, Schöffer aber dasselbe gedruckt habe. Heinrich Lempcrtz in seinen „Beitragen znr alteren Geschichte der Buchdruck- und Holzschneidekunst, Heft I, zweite Auflage, 1839. 4." halt ihn nnbc- zweifelt für den Drucker sowol der lateinischen als der deutschen Ausgabe von 1486, sowie ebenfalls der niederländischen von 1488 und leitet seine Beweisgründe von der Ueberschrift zn Anfang der zweiten Reise her, wo es heißt: „By diesen Herrn vnd andern yrcn Knechten was der Maler Erhard Newich geheiffen von Vtricht geboren, der all diß gcmclt in diesem buch hatt gcmalet. Vnd die Truckerey in synem Hnß volfüret." Jakob Meydenbach, von 1491 bis 1496, ein Sohn oder Enkel des bekannten Meydenbach oder Medinbach, welcher nach dem Zeugnisse Sebastian Münster'S Kosmographie III, 180. Kutcn- bcrg's Gehülsc war nnd nach v. Mnrr's Journal II, 139. die Anfangsbuchstaben des Mainzer Psalters von 1457 geschnitten haben soll, errichtete 1490 die vierte Werkstätte. Ihm verdankten der „Hortus " und die „ IZxpImiktlo best! (Zrexorii" ihre Entstehuug. Peter Friedberg, von 1494 bis 1498, vermuthlich von Friedbcrg in der Wctterau, kann als Begründer der fünften Druckerei in Mainz angesehen werden. Aus dessen Officin gingen von 1494 bis 1498 vierzehn Druckwerke hervor. 150 Mainz. — Friedrich Hewinnmi. — Pamberg. Friedrich Hewmann, von 1503 bis 1535, aus Nürnberg, der im Jahre 1503 den „Brüdern deö gemeinsamen Lebens" (I'^atres comnmnls viwo) zn Marienthal im Nheingane, auch „Kogclherren" (von ihren hohen Hüten) genannt, die von den Bechtermünzischen Erben erstandene nenc Guten- bergischc Druckerei abkaufte, begründete zn Mainz im Hause zum Sewlöffel (Saulöffel) iin Kirschgarten die sechste Offiein, in welchem Hause der Buchdrucker Albiuus hundert Jahre spater (1604) dem Jesuiten Serrarius alte Holzbuchstaben und Druckformen (moclloli) zeigte. Mit dem Beginne des sechzehnten Jahrhunderts hatte sich die edle Kunst schon fast in alle Theile Europas verbreitet und wurde natürlich auch in Mainz, als ihrer eigentlichen Vaterstadt, sehr lebhaft betrieben. Wir nennen daher nur Peter Jordaus von 1532-1530: Franz Böhme oder IZoIiemins, in dessen Druckerei Arnold von Bergel, der Versasser des Lobgedichtes aus Guteubcrg und seine Erfiuduug, als Corrcctor angestellt war, von 1540-1552; Theobald Spengel von 1554-1558; Caspar Böhme, des Obigen Sohn, von 1563- 1586; Heinrich Brehm von 1586-1598; Johann Albinus von 1594-1620; Balthasar Lipp, Hermann Moresius, Niclas Heil, Philipp Schreiber, Triburtius Drcyfeldcr, Reinhard Elz, Theobald Schönwetter, Johann Volmar, Johann Strohhacker, HierouymuS Emser, Johann Baptist Schön- wettcr, Johann Peter Zubrod, Christoph Kügler und schließen somit die Reihe mit dem Ende des siebenzehntcn Jahrhuuderts. In unseren Tagen haben Florian Kupferberg sowol durch seine Schriftgießerei als trefflich eingerichtete Bnchdrnckerei und mit ihm der Hofbuchdrucker Theodor von Zabern den alten Ruhm der ebrwürdigeu Hln^imtm aufS Neue belebt. Diesen folgten Wilhelm Seifert und die Reuling'schc Officiu unter der Leitung Heinrich PriccartS mit rühmlichcin Eifer nach. Ueber die frühere Periode siehe: G. W. Zapf, älteste Buchdruckergeschichte von Mainz, Ulm, 1790. 8. Wenn gleichwol, mit Ausnahme von Mainz und Bamberg, die frühesten datirtcn Drucke in Italien zum Vorschein kommen, indem die edle Kuust noch in dem sechsten Dcccnnium des fünfzehnten Jahrhuuderts durch Deutsche zuerst in das Kloster Subiaco, dann nach Nom, Venedig, Mailand u. s. w. verpflanzt wurde: so kehren wir doch zu unserem deutschen Vaterlande zurück, um dem einmal festgesetzten Plane getreu die Fortschritte der Typographie je nach den Fingerzeigen der Lander, in denen sie Eingang gefunden, systematisch zu verfolgen. Hier treten uns mit dem Schlüsse des sechsten und mit dem Anfange des siebenten Jahrzchends auf einmal sechs Städte: Bamberg, Eltwyl oder Ellfeld (im Rhcin- gau), Cöln, Augsburg, Nürnberg und Straßbnrg, entgegen, in welchen die Buch- druckerkuust fast gleichzeitig ihreu Anfang genommen hat. Bamberg. Die außerordentlichen Leistungen Albrecht Pfister's von Bamberg, der dem ersten Erfinder der Kunst zur Seite stehet, der Johann Fust an Edelsinn und Peter Schöffer an Gelehrsamkeit übertraf, sind schon bei Schilderung der frühesten Mainzer Drucke als nothwendige Episode einer merkwürdigen gleichzeitigen Nebenbuhlerschaft mitgetheilt worden. Pfister war „Briefmaler" und druckte wahrscheinlich schon in dem fünften Jahr- zcheiid des fünfzehnten Jahrhunderts mit festen Taseln. In eine nicht viel spatere Periode sällt wahrscheinlich auch seine 36zeilige „Kiblia sacra latina" in Folio und die weiter oben ausführlicher beschriebenen „Sieben Freuden.Maria'" und die „Leidensgeschichte Jesu." Vergleicht man diese Erzeugnisse, welche ans jeden Fall wenigstens gleichzeitig mit dem Psalterium von 1457 sind, mit den frühesten Mainzer Drucken: so wird man finden, daß sie nicht nur völlig eigeuthüm- lich in Hinsicht der Form sind, sondern zugleich auch von einer solchen Vollkommenheit des Guß- werkS zeugen, daß sie in dieser Beziehung denen des Psalterium nicht im Geringsten nachstehen Uamberg. — Johann Sensenschmid. — Heinrich Petzensteiner. 151 und technisch vielleicht selbst vorgezogen zu werden verdienen. Von der schönen Bibeltype mag hier ein Facsimile des Anfangs der Genesis Zeugniß geben. UVMMPttlllMMMSAlLl mcmn»NcmMtMt mams « emusm tmMr mit tnx ritm MNm Mit^ dnckttw turlÄMssM' Sein erster datirter Druck ist die Sammlung der Boner'schm „Fabeln" von 1461. Darauf folgte, wahrscheinlich in dem nämlichen Jahre, der „deut- sche Aelial" nnd der „Rechtsstreit zwischen Tod und Menschen" und im Jahre 1462 die „bibli- sche Geschichte von Joseph, Daniel, Esther und Judith", die „AZiblia panperum latina", die deutsche „Armenbibcl" und die zweite AuSgabc des „Rechtsstreites mit dem Tode." Nach dem Jahre 1462 tritt in Bambergs ältester Buchdrucker- gcschichte eine merkwürdige Pause ein. Ohne Zweifel gehörte Pfister zu den sogenannten „fahrenden Druckern" ohne bleibenden Aufenthalt; denn wie ließe es sich erklaren, daß Bamberg volle IS Jahre hindurch mit keinem neuen Drucke hervortrat, wenn es eine bleibende Officin gehabt haben sollte? Erst mit dem Jahre 1431 erscheint wieder ein zn Bamberg gedrucktes Buch: „Das Fäden der natür- liehen Meister", eiue gereimte Uebersetznng der vit-xz ?I>!IosopIwrum 65 poetlli'um des Engländers Walter Burley, Lehrers des Königs Eduard IV. Es ist dasselbe, obgleich der Drucker nicht genannt wird, aller Wahrscheinlichkeit nach von nachfolgendem Typographen gedruckt. Johann Sensenschmid, von 1482 bis 1490, aus Eger gebürtig, von welchem weiter unten bei der Buchdruckergeschichte der Stadt Nürnberg ausführlicher die Rede sein wird, weil er dort seine Künstlcrlaufbahn begonnen, hatte im Jahre 1478 diesen sciueu Wohnort auS unbekannten Gründen verlassen und war nach Bamberg gekommen, um für den Abt Ulrich III. auf dem Michelsbcrge das „Missale ordinis S. Penedicti", 1481. in Folio zu drucken, ein Meisterstück, welches dem Anstund Schöfser'schen Psalter an die Seite gesetzt werden kann. Die metallene Missaltype, welche in der Mitte des Buches vorkommt, wird wol schwerlich von irgend einer anderen an Größe nnd Schönheit übertroffen werden. Im folgenden Jahre vollendete er in Gesellschaft von Heinrich P e tz e n st e i n e r, von 1482 bis 1490, ein Brevier für das Biöthum Frcistngen. Im Jahre 1484 gab er mit demselben Gehülfen die „Tageszeiten" (I^Iber Iwe-irum) für das Domstift zn Bamberg in zwei Foliobanden und spater wiederum in zwei Octavbändcn heraus. Sein nächstes Werk war nun ein großes Missale ccclcsiae Natisvonensis. Er wurde nämlich im Jahre 1435 nach NcgcnSburg berufen, um dort mit Beihülfe des Johann Bcckeu- haub für das Hochstift das erste Meßbuch zu drucken, welche Arbeit er zur größten Zufricdeuheit des Bischofs und des Capitels vollzogen hat. Den Canon dieses BucheS mit den besonders großen Buchstaben vollendete er zu Bamberg, wie am Schlüsse desselben zu ersehen ist, wo mit rothen Lettern „er vnlienlirrga" stehet. Das Regensburger Missale 15)2 Aaml'crg. — D»»ns (Spor- er) ^Zriefmalcr. — Cöln. hatte ihm einen st' hohen Rnf begründet, daß er bald viele Aufträge dieser Art erhielt, und 1487 sowol das „Missale rcclcsiae Frisingensis " als das Meßbuch für Olmütz druckte, und zwar letzteres allein, auf Kosten und uach besonderer Anweisnng Peter Drach's von Spcyer. DaS Bamberger Missale von 1490 hat er wieder in Gesellschaft Petzen- steincr's gedruckt. Er muß schon in diesem oder zu Anfange des nächstfolgenden Jahres gestorben sein; denn am 20. Mai, an welchem Tage der Druck der „Statut,! synodal!»" 1491 vollendet wurde, wird keiu Drucker namhaft gemacht; wol aber werden im Monate Angnst bei Beendigung der „Pambcrgcr Agende" sowol Lanrcnz Seuscuschmid (wahrscheinlich ein Sohn des Vorigen) als Johann Pscyl und Heinrich Petzcusteiner als Verfcrtigcr aufgeführt. Nebst den Genannten verdient noch Erwähnung Hanns (Sporer) „Briefmaler", von 1487 bis 1494, ein Formenschneidcr aus Nürnberg, zufolge der Sitte damaliger Zeit uur durch seinen Taufuamen und durch sein Gewerbe bekannt, welcher nach Bamberg gezogen war und hier meist kleinere Volksbücher und Lieder bekannt machte, auf denen er sich häufig „meistcr Hauus puchtrucker" oder auch „puoch Drucker zu Bamberg Hiuder sant MartiuSkirchcu " uenut. Unter den vielen Schrift- chcn dieser Art, von denen wir uur „Fcben vnd Wunderzcycheii saut Scbnlts", „Keiscr Karls recht", „Die histori von !>cm grasen iir dem pflüg", „Vom luinig im pad", „Von dem mann im garten", „Pie rrschöpfüng des ersten menschen Adams", „Lucifers mit seiner gcsellschaft Val" beispielsweise anführen, hat „Lin Spottlied" auf das fehlgeschlagene Ansnchen des Herzogs Albrecht von Sachsen, seinen Sohn Friedrich zum Coadjutor von Würzburg Wahlen zu lassen, das meiste Aufsehen erregt. Nach einer bei Marimilian 1. angebrachten Klage wurde diese Schrift allenthalben aufgekauft und öffentlich verbrannt; der Drucker mußte flüchtig werden uud scheint sich nach Erfurt gewendet zu haben; denn da begegnet uns wieder ein HannS Sporer, Buchdrucker. Noch verdienen unter BambergS Typographen des fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts eiuer ruhmvollen Erwähnung Johann Pfeyl vom Jahre 1497 bis 1500, Georg Erlinger (Erlanger), anch Formschneider, die ebenfalls in Augsburg druckten uud Marx Ayrer, einer jener reifenden Künstler, welche ihre Werkstätte bald da bald dort aufgeschlagen haben. So begegnen wir ihm 1487 zu Nürnberg, 1497 zu Jngolstadt und 1498 zu Erfurt. Eiuer der wichtigsten Drucke dieser Zeit und dieser Stadt und Pfeyl's Hauptwerk ist „Die Pamber ^ gische halsigcrichts ordenüg" (1507) mit dem fast die ganze Stirnseite des ersten Blattes einnehmenden Holzschnitte , der Schwert, Galgen, Rad uud alte Torturinstrumente damaliger Zeit darstellt, die erste äußerst seltene Ausgabe eines in jeder Hinsicht sehr merkwürdigen BucheS, welches als die Quelle jener fürchterlichen „Carolina" angesehen werden kann, die seit 1533 einer unzähligen Menge Menschen in Deutschland Leib, Leben, Gut uud Ehre, vou Rechtswegen, abgesprochen hat. Eine genaue Beschreibung des Buches liefert Placidus Sprenger Seite 70-72. Nach Georg Erlinger's Tode, über dessen Wirksamkeit Joseph Heller im „Leben Georg Erlinger's Bamberg 1837.8. neue Ausschlüsse giebt, kam seine mit neuen Typen versehene Druckerei an den sürstbischöslichen Hof. Im alten Schlosse wurde eine ofsicielle Werkstatt errichtet nnd Hanns Müllner erscheint von 1544-1555 als erster Hoftuchdrucker. Seiue Nachfolger waren: Hanns Hetzer von 1556- 1576; HannS Wagner von 1577-1581; AntonHoritz von 1581-1621. Von nun an hat keiner der Bamberger Drncker durch bedeutendere Leistungen sich ausgezeichnet. -Man vergleiche Placidus Sprenger, älteste Buchdruckergeschichte von Bamberg bis 1534, Nürnberg, 1800. in 4. und Joachim Heinrich Jaccks bibliographische Schriften. C ö l n. Wenn in der hier aufgestellten chronologischen Reihenfolge der Städte, in denen die neue Kunst zuerst geübt wurde, nach Mainz und Bamberg nicht sogleich Straßburg folgt, wie dies bei den meisten Ciiln. — Ulrich Zoll. 153 Bibliographen der Fall ist: so mag der Grund darin zu suchen sein, daß nur die durch eine typographische Jahrzahl beglaubigten Druckwerke, nicht aber auch solche, die blos nach der Analogie der Typensorm oder der zufällig angebrachten handschriftlichen Notiz eines Rubricators, wie bei der Eggesteyu'schcn und Mentelin'schen Bibel, einer früheren Periode zugeschrieben werden, eine ganz zuverlässige Richtschnur darzubieten schienen. Cöln, diese vor Christi Geburt von den Ubiern angelegte und 50 Jahre nach Christus auf Befehl der Julia Agrippina, Gemahlin des Kaisers Claudius, zu eiuer römischen Kolonie erhobene älteste Stadt am Nhcin war schon im frühesten Mittelalter das Emporium der Künste und Wissenschaften, welche nach Errichtung der Universität im Zahre 138S unter Erzbischos Nupert, einem Sohne des Pfalzgrafen Ludwigs, als Hauptsitz der scholastischen Theologie und Philosophie in ihrer höchsten Blüthe stand nnd die AnHanger der Lehren eines Albertus MagnnS, Thomas von Agnino nnd Tuns Seotus aus allen Ländern in ihre Hallen zog. Kein Wunder also, daß auch die neue Kunst in ihren Mauern eine der ersten Zufluchtsstätten fand. Den gefeierten Namen eines Pfistcr, Egge- steyn, Mentclin, Günther nnd Johann Zainer, >K v c d L j5 6 K> I gedruckte lateinische Schriften, meist theologischen Inhalts, zuerst hervorgegangen sind, die aber weder mit Zeit - noch Ortsangabe bezeichnet, schwer nach ihrer richtigen Reihenfolge zu bestimmen sein dürften. Eines der frühesten Erzeugnisse ist die Dulla rrtractiomim Pii II. 36 mit kleiner gothischer Schrift gedruckte O-uart- blätter von 27 Zeilen, ohne Signatur, Custos und Seitenzahl, aber mit dem Datum „Rom 16. März 1463" versehen, in welchem Papst Plus II., aus dem Hause Piccolomini, Alles widerruft, waS er unter dem Namen Aeneas Sylvius, besonders über das Vasler Concil gegen Papst Engen IV. je geschrieben, wo unter andern die merkwürdige Stelle vorkömmt: „Soni mngis qu«m zuvrni rrc- ditc, nec privatum homincm pluris facite, quam ! Swevnheym und Pannartz, Johann und Wendelin von Speyer, Ulrich Han, Numeister und Anderer, welche am frühesten zur Verbreitung der Typographie beigetragen haben, reihet sich würdig an Ulrich Z e l l, von 1466 bis 1492, auch Tzell und Zel aus Hanau in der Wctterau, ein gelehrter Schönschrciber, Illuminator nnd Rubri- cator, in der Sprache der damaligen Zeit eier!<-us, wahrscheinlich früher Gehülfe der ersten Mainzer Officinen. Er hat die Künstlerbahn eröffnet, auf welcher Cölus Typographen seit mehr als sieben und dreißig Decennien ruhmvoll fortgeschritten. Er ist der erste Buchdrucker, durch den, wie die „Cronica vä der hilligcr stat vä Cölle" sagt: „die tnnst vnrs (zuerst) is zu Coellcn komcn." Seine Talente und Kenntnisse verschafften ihm bald die Gnnst der Herren von Lyskirchen, welche ihm das nahe an der nach dieser altadeligcn Familie benannten Kirche gelegene, jetzt „znr schönen Aussicht" genannte Haus zum Betriebe seiner Kunst einräumen ließen. Sehr thätig wirkte hier Zell's Presse, aus welcher manche kleinere mit der Mainzer Urofsiein analogen Typen ^ j!)0pc;ks«cv^ ! Pontifircm. Acncam rc^icite, Pium rccipite!" Wenn gleich dieser Bnlle auch die Princeps von Cicero's Schrift c hanau i rlcricum dioccsis Maguntincnsis. Anno dmni millcsimo o,undriu«.entrsi»io scragesimo serto." j 10 Blätter mit 33 Zeilen in klein Quart als der 20 154 CLln. — Arnold Der Horrnc». — Johann Korlhos aus Lübeck. — Tlicolaus Götz. früheste Cölner Druck anzusehen. Vor Aufsindung dieses kleinen Wertteils wurde allgemein der 1467 erschienene Augustinus dc vita christiana. Item de singularitato clericorum. 85 Vll. mit 27 Zeilen in Quart, als Zell'S erster datirter Druck angesehen und zn übermäßig hohen Preisen bezahlt. Ebert führt beide unter verschiedenen Nummern aus, doch haben neuere Untersuchungen dargethan, daß sie beide zusammen gedruckt sind, da die Endblatter des ersteren mit den 'Anfangsblättern des folgenden an einander hangen. Als Probe von Ulrich ZeN's Typenschnitt wird gegenwärtige treue Nachbildung des Eolophons dieses vielbesprochenen Buches hier nicht unwillkommen sein. tzrplieit^iberbeai«Auguflim'epj.tesi,iguls «Kate elertwwm-P er me Olricü;el debs< nauclericu diow5 ^0Zuntmey.^nnoq5. se^genmosevtimo- Ans den vielen Meisterwerken seiner Presse verdient die ohne Ort und Jahr, wahrscheinlich 1470, in zwei Großsoliobänden erschienene lateinische Bibel vorzugsweise genannt zu werden. Im Jahre 1494 schloß der Meister mit „Gc- rnrdi Kurdcroici comnientarii in omittuor libros nonc lojiice Albcrti inngni", wo es am Schlüsse heißt' „per udnlrinu» zcll xpc FysKirchrn imprcs- soric »rtis in snncta rolonicnsi rimtatc ptoma- gistrum fnbrc charactrrizati." seine typographische Lausbahn. Arnold Tcr Hoernen, von 1470 bis 1483, auch Arnold Therhornen, ein geborner Niederlander, ist der zweite Drucker, welcher in dieser Hauptstadt des Niedcrrheius mit einem datirten Buche seiner Presse erscheint, und schon deshalb merkwürdig, weil er im Jahre 1470 in dem Scrmo ad popnlum vracdicalnlis. In festo jiscntacionis. Ueatissime maric scmprr v'ginis. 12 Bll. init 27 Zeilen in O-nart. das erste Beispiel von Blattzahlen gab. Seine Typen sind ziemlich dieselben, welche die Kogcl- hcrren oder K'ratre« l-mmum»'-, vit-is zu Brüssel brauchten, und eben so wenig deutsch, als die der Letztereu, im Gegentheile mit dem Duett,!- in ursprünglich hollandischen Handschristen aus merkwürdige Weise übereinstimmend. Johann Koclhof ans Lübeck, von 1470 bis 1500. Der dritte Drucker vou Bedeutung in jenem alten Emporinm niederdeutscher Kunst und Wissenschaft ist Johann Koelhof (anch Colhossuud Kohlhoff) aus Lübeck. Sein erstes Werk ist „Lar- tholoinacus, dc proprirtatidus rcrum." 1470 in Folio. Besondere Erwähnung verdient uoch der Umstand, daß Koelhos derjenige Drncker ist, welcher in „I. Tlidcri prncccptorium divinae lcgis" vom Jahre 1472 zuerst die Signatur angewendet hat. Unter vielen schönen und bedeutenden Werken verdankt ihm auch die Cronica vir drr hilliger S'tat vä Lölle. 1499 in Folio, ihre Entstehung, welche mehr noch wegen jener so oft citirten ältesten Nachricht über die Erfindung der Buchdruckerknnst (Blatt 311 und 312) als wcgeu ihrer Seltenheit eine so hohe Berühmtheit erlangt hat. Nicolaus Gvtz, von 1474 bis 1478, von Schlettstadt oder Schletzstadt verdient als muth- maßlicher Drucker der ersten zn Coln gedruckten I niederdeutschen Bibel hier erwähnt zu werden. Dieses berühmte Erzeugnis? der Kölner Presse, sowvl für den Sammler als für den Linguisten Cöln. — Heinrich (Quentcll. und Theologen von hohem Werthe, ist von Bü- neiuann, Element, Le Long, Harzhcim, Götze, Panzer und Niesert zum Gegenstande fleißiger Untersuchungen geinacht worden, aber erst im Jahre 1839 hat Heinrich Lempertz mit ziemlicher Gewißheit dargcthan, daß Nicolans Götz, nicht aber, wie allgemein angenommen war, Heinrich Omentell, oder Bartholomaus dc Unckel der Urheber derselben sei, weil sie in Format, Druckart, Papier und Wassermarke mit dem ersten datirten Prodncte ans dessen Officin „Futholphi Carthusiani Pita Ihcsu Christi" von 1474 am meisten übereinstimmt, obwol die Type netter und scharfer ist. Seinen Druckapparat laufte Heinrich Qnentcll, von 1479 bis 1500. Der Stammvater der berühmten gleichnamigen Typographenfamilie schließt sich, ein eben so einsichtsvoller als fruchtbarer Buchorncker, den drei Obigen an und wird mit Recht Eölns berühmtesten Typographen aus dem fünfzehnten Jahrhnndertc beigezählt. Er hat zwar in verschiedenen Büchern, welche aus seiner Presse hervorgingen, seinen Namen verschwiegen, aber doch den nämlichen Holzschnitt (einen Leser vorstellend, der vor einein geöffneten Buche vor dem Pulte sitzt) beibehalten, auS dem man ihn leicht errathen kann. Seine Familie hat die edle Kunst noch lange nach ihm ehrenvoll fortgesetzt. Unter Cölns Buchdruckern des fünfzehnten Jahrhunderts verdienen noch mit Auszeichnung geuanut zn werden: Conrad Wintcrö von Homburg (Lv'.irittliis sovesi!ln»s) und Johannes Gymnich (vvmiucu«), dessen zahlreichen Werken sowol der Vater der Bibliographie, Conrav Gesner aus Zürich, psndecwe 1c>t. 237 ssjsj. als ^I-littiuie, ^nn. t)j>o>;r. II., 585. eine ausführlichere Beurtheilung gewidmet haben. In neuester Zeit haben ein Joseph Dümont-Schauberg, I. Bachem, F. I. H. Greven, Büschler und Tietz, Franz Xaver Schlösser, Gobel, und ganz besonders Peter Schmitz, welcher mit der Buchdruckerei eine Schriftgießerei verbindet, den hohen Nnhm ihrer Vaterstadt wieder aufzufrischen gestrebt. Die in der Jncunabelnkunde so viel Aufmerksamkeit erregenden schönen Drucke mit der sonderbaren, in dem nachstehenden Facsimile vergegenwärtigten Form des „N", Aiiu keciti^eus czuicucD au clie^itieoricle^^ilzi. ^ut-sucZ 2-^. l^uis A-u Eltwyl oder CllfelS. 1 4 6 7. die srüherhin fast allgemein dem Johann Mentel in Straßbnrg zugeschrieben wurden, halten neuere Bibliographen, darunter auch Ebcrt, für Erzengnisse einer unbekannten Kölner Presse. Eöln hat in der Geschichte der Buchdruckerkuust das eigenthümliche Schicksal, einer Menge erotischer, sotadischer und religiös- und politisch-verdächtiger Schriften, welche das Licht der Wahrheit scheuten, wider seinen Willen den Namen geliehen zn haben. Wer kennt nicht jene Erzeugnisse mit dem pseudoni'men Druckortci „Colonnc, chcz Pierre Martcau?" welcher bei Büchern in deutscher Sprache nicht selten in „Deutschland bei Peter Hammer" umgewandelt worden ist? Ueber Eölns älteste Topographie siehe H. Lempertz, Beiträge zur Geschichte der Buchdruck- und Holzschneidekunst, Eöln 1839. 4. Dieses kleine Städtchen im Nheingan, drei Stunden unterhalb Mainz, gehört nebst Mainz, Bambcrg und Eöln zn den vier ersten Orten in Deutschland, wo die herrliche Kunst geübt wurde. Gutenberg war im Jahre 1465 in die Hofrienste des Erzbischofs Adolph von Nassau getreten, welcher seine Residenz von Mainz nach Eltwill verlegt hatte. Hier druckte der Mainzer Patrizier Nico- lauS Bcchtermünze, ein Verwandter Gutcnberg'S/ dem Letzterer seinen Druckapparat käuflich überlassen hatte, im Jahre 1467 das „Vokabularium latiiioteutonicum" mit den Typen des „Catho- licon", welches Werk einen so allgemeinen Beifall fand, daß es schon 1469 wiederholt werden mußte. Augsburg. — Günther L aincr. — John»» Schiiscker. 1^7 Am 12. März 1472 und am 19. December 1477 lieferte derselbe Drucker, der sich mit Wicgand Sphetz (Spieß) von Orthenberg verbunden hatte, noch zwei Auflagen des nämlichen Buches mit einer von den ersten Ausgaben verschiedenen, jedoch ahnlichen Schrift. Noch kennt man zwei kleine von Bcchter- münze ohne Angabe deö Jahres gedruckte Werke, welche jetzt eine Zierde der königlichen Bibliothek zu Paris ausmachen: „Tractatus rntionis et con- sciencic de sumvcione uabuli salutiferi corporis Dom. n. Jesu christi" und „S. Thomae dc suino s»»n»a de articnlis fidei ct ccctesiae sacramentis." Veire in Quartformat und in langen Linien, ersteres mit den Typen des „Vom- bularium er quo" von 1467, letzteres mit jenen der AnSgabe von 1472 ausgeführt. Augsburg. Günt h er Z a i ii e r, von 1468 bis 1475. Was Cöln in Hinsicht geistiger und industrieller Entwickelung für Niederdentschland nnd die Nhein- gegend, das war Augsburg für Oberdeutschland. Hier war im späteren Mittelalter der Sitz des Handels, der Wissenschaft und Kunst, und nur Nürnberg vermochte der alten Augusta deu Rang streitig zu machen. Der erste Buchdrucker, der in Augsburg erscheint, ist Günther Zaincr (auch Einthcr Zevner oder Zeincr) aus Rentlingen, wahrscheinlich Schüler oder GeHülse Fust's und Schöffer'S, aus dessen Presse als erstes zu Augsburg gedrucktes Buch: S. Ponaventurae meditationes rite domini nostri Jesu Christi, 1463. 71 Blätter mit 35 Zeilen in Folio, hervorgegangen ist. Unter den vielen trefflichen Werken seiner Officin hat „das guldilr lpicl" (1472) eine historische Merkwürdigkeit erlangt, weil dieser Druck die früheste Nachricht von dem Ursprünge der Spielkarten enthält. Tit. V. heißt cs nämlich: „Aun ist das spil vol vntrcw. im als ich gelesen hair so ist cs Komen in tcntschland der ersten in dem zur da man zalt »>on erist geburt tausend dreihundert i»r." Ebenso verdanken wir ihm zwischen 1470 uud 1472 die erste Ausgabe eiueS BucheS, welches nebst der Bibel unstreitig am häufigsten gedruckt worden ist, der unter dem Namen des h. ThomaS a Kcmpis allbekannten „Tlach- folguug Christi." Dessen frühester Titel war: „Fibellus ronsolatorius ad instruetionem deva- tur. ruius urimum cnvitnlum cst de iniitatione Christi." Fol. Als Verfasser ist in der Scbluß- schrist genannt: „Thomas, inontis S. Agnetis in Trajccto regularis canonicus." Güuther Zainer's Hauptwerk ist: Joannis dc Aalbis de Janua summa imae voeatur Catholicon, welches im April 1469 erschien und den Gnten- berg'schen Drnck deS nämlichen Bnches an Schönheit übertrifft und demselben an Seltenheit beinahe gleich steht. Ihm gebührt der Ruhm, iu seinem Isiclorus in Deutschland zuerst (1472) die römische Type (^iiti^u-l) eingeführt zn haben, statt der vor ihm allgemein üblichen gothischen oder Mönchsschrift oder Missallypc. Doch waren ihm hierin schon die in Italien arbeitenden Trucker mit ihrem Beispiele vorangegangen. Io h a n n Schüßler, von 1470 bis 1472. Günther'» Zaincr zunächst steht Joh. Schüßler, der die erste Ausgabe von des jüdischen Gcschicbt- schreiberS „Flavius Josevhns, antiquitat. .judai- rar. lid. XX. et de bello ^udaico lidri VII. 1470." Zusammen 237 Blätter in zwei Columnen nüt 50 Zeilen lieferte. Sein letztes Buch war „Iaeobi dc Thernmo consointio vecratornm VI. Tlon. 1472." Nach seinem in dem näinlicl'en Jahre ersolgten Tode kanstc das Neichsstift St. Ulrich und Afra seine Druckerei (fünf Pressen für 73 rheinische Gulden) und gab unter dem gelehrten Abt Melchior von Stainham (Stcinheim) „Iaeobi Januensis, Compendium moralc"? „Antonii Namvigotlis, Nepertorium Uililir"; „Sermones 15)3 Augsburg. — Johann Iiamler. — Auto» Sorg. oundragevimales",' „Historia Friderici 7. Imvc- ratoris", und „Snlomonis Episrovi Constant. glossarium latinnm" heraus. Auch druckte das Kloster im Jahre 1474 mir Anton Sorg'schen Typen daS „Svcculum historialc" des Nincenz von Beanvais. Merkwürdiger und in allen seinen Unternehmungen großartiger als Schüßler war sein Zeitgenosse, der als geschickter Bücherschreiber und Rnbricator berühmte I o s) a tt n B ä m l e r, von 1472 bis 1492. Ihm gebührt daS Verdienst, in der Zeit des ersten AuskeimenS der Bnchdruckerkunst in seiner Vaterstadt die meisten Werke in deutscher Sprache herausgegeben und somit nicht wenig zur Veredlung seiner unstudirtcn Mitbürger beigetragen zn haben. Er stand bei den Bibliographen von jeher in so hohem Ansehen, daß ihm mehrere derselben, wie Peter Scriver, Martin ErusiuS, Melchior Adam, Löscher nnd Pseisfer, eine lateinische Bibel zuschreiben, welche er bereits im Jahre 1466 oder 1467 zu Augsburg gedruckt haben soll. Die Nichteristenz derselben ist jedoch langst erwiesen. Seine wichtigsten Leistungen sind: „Pic Summa Johannis", „Das buch Arlial genannt", „Vom Anfang des bcrg vnd bürg Andechs", „Histori vö de grosse Alcrand'", „Von den sieben Weisen meistern", „"Nützlich böchlein FUelibus genannt", „ein Plenari", „Der born der gesivvten fruntlchast", „Line schöne historia, wie TroM die Köstlich Statt erstöret umrd", „Der Heiligen leben", „Das vuch der natur", „ordnnng der gesunt- hcit", „Crouica vö allen Kaisern vn Königen, die seyder rpi gepnrd gcNcgicrt vii gercichsznct habe", „Die histori des Königes Avollonii", „Hystorie von der Kreuzfahrt Gottfrieds von Bouillon", „hilstorn vö einer edlen .jungen frawen Sigis- inunda genannt", „Hie vahet an die (Lronica wie got geboren ward got in seiner eungkeit, nach seiner grossen miltigkeit, der molt in selber nit behalten allein den schacz der ewigen wunne itc." Viangel an Raum gestattet nicht, auch die lateinischen Werte dieses Druckers hier anzuführen. A >i t o n Sorg, von 1475 bis 1498, ein Bürger von Augsburg, welcher eine große Anzahl nicht unerheblicher Druckwerke lieferte. Sein erstes Buch ist: Joannis Oallensis summa collcctionum, vom Jahre 1475. in Folio. Sein letztes war nach Maittaire IV, 679. Henrici de Saronia, Alberti FNagni dis- rivuli liber de secretis mulierum. Sorg hat sich ein ganz besonderes Verdienst um die Herausgabe von Bibeln (1477 und 1480) erworben und nebenbei nicht nur die Kirchenvater, sondern auch das deutsche Recht ius Auge gefaßt. Von dem Ersteren zeugt „Ambrosii erpositio in Lucac rvangclium" nnd von Letzterem daS „Weichbild" und das „Fehnrecht". Was aber uuter seinen Erzeugnissen außer den Ausgaben der heiligen Schrift die meiste Aufmerksamkeit verdient, ist Ulrich Rei- chenthaler's Concilium buch geschehen zu Costencz, vom Jahre 1433. in Folio, in welchem alle merkwürdigen Ereignisse jener welthistorischen Kirchenversammlnng (1414) chronikenartig verzeichnet sind. Die ersten eilf Blatter geben eine Uebersicht der anwesenden Prälaten: „Hienach ist zu dem erste» verschribcn wie die Cardinal vnd erczbischös turstcn vnd herre gen rostcntz zn dem roncilio eiurittcnd." Auf der Rückseite des eilfteu Blattes ist ,,W' a»tang des ronciliüs zu costcnecz." Den Beschluß macht die Geschichte der Verurthcilung des Johann Huß. Es ist dies zugleich das älteste gedruckte Wappenbuch, das wir besitzen, indem Johann Sorg die Wappen (1200 an der Zahl) sämmtlicher Anwesenden in Holz schneiden ließ, um damit sowie mit anderen Vorstellungen sein Werk zu schmücken. Da zu jener Zeit die vornehmsten Männer der ganzen Christenheit in Konstanz beisammen waren, so ist dieses Wappenbuch auch ziemlich vollständig. Auf Anton Sorg, in dessen Werken man schon vier Typengattungcn unterscheiden kann, folgen in chronologischer Reihe mehrere Drucker, welche nur sehr wenige Bücher als Zeugen ihrer Thätigkeit Augsburg. — Erhard Ratdolt. — Hanns Schönsperger der Aeltere. hinterlassen haben, wie z. B. der „Fürsprech" (Advocat) Jodocus Pftauzmann; Johann Wiener „Vuilleriin postilla 1475" nnd „ Gritsch, Gua- drngcsimale 1477"; Johann Ketter „Vocabula- rius rermn", dessen eigenthümliche Typenforni nachstehendes Facsimile vergegenwärtigt: Amt loocal^mKemSWrtM Scossierrn ZojZiskLUev in ^uFilKa.» /^imo om W^eeeeÄMih. Ainbrosius Kelter „Aristotelis phnsica 1479." Bemerkenswerth ist, daß dieser Drucker stets neben dem großen Anfangsbuchstaben einige Zeilen mit Versallettern beigedruckt hat. Eiue Probe davon gab Zapf S. 53. Hermann Käßlin (1481-1434); Johannes Vlaubirer „Eusebii Historie vom großen Alexander 1478" (1481); Anna Nügerin „Spc- rulum Saronicum 1482" nebst ihrem Gemahle Thomas Rüger; Johann Schobser (1488-1493); Peter Berger „Febril drr Allvater, Spiegel menschlicher behaltnuß" (1488-1489); Christoph Schaitter „Doctrinal gemeiner lauen" (1493); Johann Forschauer (1494-1507); Lucas Zeissen- mayr (1495-1502). Ganz besondere Aufmerksamkeit aber verdient Erhard Ratdolt, von 1487 bis 1516, ein gcborncr AugSburger, welcher zuerst in Venedig vom Jahre 1475 bis 1487, und hernach in seiner Vaterstadt von 1487 bis 1516 mit solcher typographischer Vollkommenheit gedruckt hat, daß seine Werke allen anderen den Rang streitig machen. Sein erstes hier vollendetes Buch ist oaö „Rituale" oder „Vbsequiale" für die Augsburgische Diöcese vom Jahre 1487. Sein muthmaßlich letztes Werk ist das „Constanzer Krevier" mit der Unterschrift: „Kalendarinm: Psalterium: Hymni: Previarium: Loinmune Sanctorumjurta chorum Errlcsiae Con- stantiensis. 1516." Ratdolt gehört der Classe der „fahrenden" oder „wandernden Buchdrucker" an, welche, je nachdem sie einen Ruf erhielten, ihren Wohnsitz bald da bald dort aufschlugen. Der Ruhm, den er in Venedig erworben, ertönte weit über die Lagunen jener adriatischcn Braut und über die Mauern seiner Vaterstadt hinaus. Er wurde in verschiedene andere Städte, Stifter uud Klöster berufeu, um dieselben mit seinen schönen, meist durch rothen und schwarzen Druck ausgezeichneten Kirchenbüchern zu versehe». Da er seine vierzigjährige Künstlerlaufbahn in Venedig begonnen uud daselbst die herrlichsten seiner Werke hervorgebracht hat, unter denen wir hier nur den „Apvnm" von 1477 und den „Euclid" von 1482 erwähnen, so würd bei der Schilderung der Fortschritte der Typographie in Italien ausführlicher vou ihm die Rede sein. Nebst Ratdolt ragt als Stern erster Größe aus dem fünfzehnten in das sechzehnte Jahrhundert hinüber Hanns Schönsperger der Aeltere, «oll 1481 bis 1523. Seine trefflichen Leistungen wahrend einer Laufbahn von zwei und vierzig Jahren haben Zapf nnd Panzer würdig geschildert. Wenn Nur bei der großen Reihe von Druckwerken den Leser darauf verweisen zu müssen glauben, heben wir nur Anfang und Ende, das „Regimen Sanitatis" von 1481 und daS „Reue Testament" von 1523 hervor und machen besonders auf die Krone von Allem „ Den Theuerdanli" aufmerksam. Dieses nie genug zu bewundernde Meisterstück der Buchdruckertunst, welches den Titel führt: „Die geuerlicheiten und eins teils der geschieh- ten des lobliche» strci)tvare» vnd hochberiimbtc» Helds l>nd Nitters Tewrdn»clchs" wurde zwar zum ersten Male im Jahre 1517 durch „Hannscn Schönsperger Bürger zu Angspurg in der Kaiserlichen stat Nürnberg" gedruckt, wohin er berufen war, um das Werk unter den Augeu des Dichters Melchior Pfinzing zu vollende»; doch hat er es zwei Jahre später (1519) in seiner Vaterstadt unverändert wieder herausgegeben. Weniger die poetische Ansführnng des allegorischen Nittcrgc- dichtes, dessen Hauptstoff die Abenteuer ausmachen, welche Kaiser Maximilian I. zu bestehe» hatte, 100 Augsburg. —- Kanus Schönsperger der Aeltere. ehe er zum Besitze der schönen und reichen Erbin von Burgund, Maria, Tochter Karls des Kühnen, gelangen konnte, als vielmehr die eigenthümliche artistische und typographische Ausstattung ist es, welche das Buch zu einem wahren Bibliothekschatzc erhebt. Lange hielt man das Ganze, wenn nicht durchgangig für Tafelvruck, doch wenigstens für das Erzeugnis! von in Holz geschnittenen Type». Jetzt sind die neuesten Forscher darin übereingekommen, dasi der Druck in der Hauptsache mit beweglichen gegossenen Buchstaben bewirkt worden sei, die irre- gulaireu oder über die Linie und den Text hinausragenden Initial - und Versalbuchstaben aber, sowie die kleinen und großen Schreiberzüge in Holz aus- gefübrt seien. Siehe daS nebenstehende Facsimile! Der Tvpenschuitt ist ein ganz eigenthümlicher und wurde vo» Hanns Schönsperger zuerst im „Diunilllc s. Über prccum" im Jahre 1514 angewendet, einer Druckschrift, welche nur in wenigen Exemplaren als ein bloßer Probedruck für deu Kaiser Mariuiiliau abgezogen worden zu sein scheint. Zuletzt findet man die nämlichen Lettern in der ersten Ausgabe vou Nürner's Turnierbnch, Simmern , 1530. in Folio. Nach Panl von Sterten's .^nnst- und HandwerkSgeschichte, Seite 29, besaß HannS Schönsperger neben der Druckerei auch eine eigene Papiermühle, welche sich durch gutes, starkes und weißes Papier empfohlen hat. Sein Sohn gleiches Namens, der auf einigen Büchern mit dem Zusätze „der Jüngere" erscheint, war mehr Buchhändler als Buchdrucker, denn Johann Otmar, den wir bei Rentlingen wieder finden werden, druckte eigentlich für ihn. Außer den bereits angeführten Buchdruckern waren seit Anfang des scchSzehnten Jahrhunderts noch besonders thatig und mehr oder weniger dnrch gute Leistungen ausgezeichnet: Jakob Wacker vou Salzburg, Georg Nadler, bei welchem Wolfgang Airinger Eorrector gewesen, Erhard Oeglin (Ocel- Iiu-i), kaiserlicher Typograph, der zuerst iu Deutschland bebraische, und HanS Müller der Erste, welcher griechische Bücher herausgab, Johann Rainmann, zugleich berühmter Schristgießer, von dem sogar AltuS in Venedig seine ersten Lettern erkauft haben ^ ?M ''^s -L Z^H MKfiS V ^ soll, Johann Sittich nnd Hans Froschower, welcher in dem „Filium Musicä plami" dcS Michael KienSbeck das älteste gedruckte musikalische Werk geliefert hat, wo aber die Noten aus geschnittenen Holzstöcken bestehen. Ihnen folgten Heinrich Steiner (Silieeus), Alexander Weiscnhorn und "Nürnberg. — Joh Philipp Ulhard. Auch dcr Nector Paul Aeinil bei St. Ursula verdient hier ehrenvoll genannt zu werden. Selbst Privatpersonen, welche nicht gelernte Drucker waren, übten nicht ohne Erfolg die herrliche Kunst. So nennt die AugSburger Geschichte den gelehrten Arzt Siginnnd Grimm von Zwickau, nebst dem reichen Kansmanne Marr Wirsung als gemeinschaftliche Besitzer einer Ossicin, welche sie durch den geschickten Factor Sympert Rns führen ließen. Ganz besondere Erwähnung aber verdient die Bncl'drnckcrei „»6 ius!^»« ?i>uis", die eine ganze Gesellschaft: Marr und Matthäus Weiser, Karl Nehliuger, Bouaveutura von Bodcck, Kaspar uud Melchior Erhard, Johann Georg Oestreicher, Johann Hubherr und Melchior Emekofen unterhielten, bei welcher der berühmte David Höschel als Corrector wirkte, David Frank aber nebst Michael Manger und Johann Prätorius das Geschäft als Kunstgenossen leiteten. Eine Schriftgießerei war mit dieser für damalige Zeit gewiß bedeutenden Anstalt verbunden. Mamn'gfache Ausgaben der besten griechischen und römischen Elassi- kcr, aus guten Handschriften sorgfältig abgedruckt, sind sprechende Zeugen ihrer Verdienste, welche G. W. Zapf in einer besonderen Schrift, Augsburg 1804. 8., gewürdigt hat. Wohl hat in der alten .^.ugustiv Vlnüelicorum die typographische Wirksamkeit nie aufgehört, sondern wnrde, wie fast alle Zweige der Kunst, selbst während der Störungen des dreißigjährigen Krieges fleißig fortgesetzt, doch war sie durch schlechtes Papier, unreine Lettern und Uncorreetheit in das Handwerksmäßige herabgesnnken, bis zu Eude des vorigen Jahrhunderts Christian Deckardt und in gegenwärtigem die großartige Anstalt des um die Literatur und Kunst so hochverdienten Joh. Friedrich Freiherrn von Cotta den alten Ruhm aufs Neue belebten. Des Letzteren Wirksamkeit ist in der gelehrten und Buchhäudlerwell zu bekannt, als daß sie hier noch einer weiteren Ausführung bedürfte. ES genüge die Andeutung, daß Eotta im Jahre 1824 hier die erste Dampfschnellpressc in Baiern errichtete, mit welcher die allgemeine Zeitung, die parteiloseste und zuverlässigste Geschichtsquelle unter allen Journalen unseres Vaterlandes, täglich gedruckt wird. ann Sensenschmid. 161 Die Stadt Augsburg gab Deutschland im Jahre 1564 durch ihren Buchhändler, damals Buchsührer genannt, Georg Willer den ersten Meßtawlog. Man sehe G. W. Zapf, Augsburgs Buchdruckcrgeschichte von 1468-1530. Augsburg 1788. 2 Theile in 4. Nürnberg. Johann S c n se li sch mid, von 1473 bis 1478. Dieser außerordentliche Mann, der seine Künstlerbahn in Nürnberg begonnen, in Bamberg fortgesetzt und in Negensbnrg geendigt hat, war in Egcr geboren und gehörte zu den gelehrten Buchdruckern, wie dies die Correctheit der aus seiner Presse hcr- vorgcgangenen, größtentheils sehr prächtigen Werke beweiset. Er kann als der Schöpfer jener nachmals so berühmt gewordenen Nürnberger Typographie angesehen werden. Sein erstes Werk und zugleich der erste Nürnberger Druck ist: „Fraiicisci de Netzn Comeslorium uitiormn Kc. Tlurcmbcrge »nno ic lrr°." in groß Folio. Zum Gehülfen hatte er Heinrich Kefcr von Mainz, einen Arbeiter aus Gutcuberg's Werkstätte, dessen Name mit dem Seinigcn auf „Ncnncri Summa scu Pantheolo- gia 1473" vorkommt. Vier Jahre später verband er sich mit dem gelehrten Andreas Frisncr aus Wnnsiedcl und gestand ihm sogar einen Antheil an der Druckerei zu. Der Name des Letzteren, welcher in Leipzig studirt hatte uud dort Magister geworden war, erscheint zuerst in der Schlußschrift von: „P. Thomac Aquinatis «Quodlibet« duodccim", W0 er „!mnr!m-. Hartmann Schedcl'S Buch der Chroniken nnd Geschichten" (1493. in Folio) mit sehr vielen Abbildungen von Wohlgeinnth's und Pleydenwurfs kunstgeübten Händen. Anton Koberger starb im Jahre 1513. Von zwei Gattinnen wurde er mit sechs und zwanzig Kindern gesegnet. Sein Sohn gleiches Namens setzte die Handlung seines Vaters sort und ließ anch, wie dieser, auswärts z. B. in Hagcnan bei Anshelm, in Straßbnrg bei Grüningcr und in Lyon bei Jakob Sacon und bei Johann Marion drucken. Auch seines Bruders Sohn, Hans Co- bnrger (wie er sich gewöhnlich nannte), ließ bis 1543 daselbst mehrere Werke auf seine Kosten ausführen, weil seine Pressen zn sehr beschäftigt waren. Die Thätigkeit dieses außerordentlichen Mannes hat G. E. Waldau trefflich geschildert in: „Leben Anton Eoburgcr'S u. s. w. Dresden und Leipzig, 1736. 8." Friedrich Creußner, von 1472 bis 1496, trat gleichzeitig, wo nicht früher alö Cobnrgcr, in Nürnberg auf. Seine beiden Ausgaben des „ lateinischen Psalters" und sein „Donat", welche beide mit schönen Missalbnchstaben ausgeführt siud, verrathen ein hohes Alter. Albrecht von Eyb's Buch: „Vl> einem Mann sey zu »einen ein elichs Weib oder nit?", das 1472 aus seiner Presse hervorging, ist die erste Druckschrift, welcher er am Schlüsse seinen Namen „Fricz Lreusmer" beisetzte. Er hat in der Folge fast bis zn Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verschiedene nicht unbeträchtliche deutsche und lateinische Werke, meistens mit schönen Typen und großer technischer Sorgfalt, vollendet. Eines der interessantesten und seltensten ist unstreitig „Das puch des edel» Ritters vn landt sarcrs Marcho Polo" (1477) in Folio, von welchem nur sehr wenige Eremplare bekannt sind, in der Hofbibliothek zn Wien, im Besitze Lord Spencer's und T. O. Weigel's in Leipzig. I^rAirvs vitse eommiini^ von 1479 bis 149l. Von den Kogclherrn, oder Brüdern des gemeinschaftlichen Lebens, von denen weiter oben schon einige 1«4 Nürnberg. — Eonrnd Zeningcr. — Georg Stuchs. Male die Nedc gewesen, hat man mehrere Drucke, vom Jahre 1470 bis 1491, ans welchen sie sich meist nur „ Brüder deS Ordens vom h. Augustin " nennen. Conrad Zeuinger, voll 1480 bis 1482, aus Mainz gebürtig hat zwar nur wenige Schriften, aber mit einer wahrscheinlich von ihm selbst geschnittenen eigenthümlichen kleinen Type gedruckt. Seine wichtigsten Leistungen sind das deutsch - lateinische Lcriko», welches unter dem Titel: „ Vocnbularins theutonicus" bekannt ist und „Hanns Tucher's Wailsart und Reise in das gelobte A'and", „Tnictiltus de Turcis" und das „Büchlein genant die Pürdc der Zeit", sämmtlich in Quartformat. Georg Stuchs, von 1484 bis 1515, aus Sulzbach iu der Obcrpfalz gebürtig, der sich in den Schlnßschristcn seiner Werke auch „Stochs" und „Stöchs" nennt, erwarb sich mit seinem ersten Drncke, einem schönen „Missale" vom Jahre 1484 so allgemeinen Beisall, daß er bald sehr viele kirchliche Auftrage erhielt und von Anton Kobergcr dem Aeltcren vorzugsweise beschäftigt wurde. Seine Officin scheint besonders zum Drucke von Meßbüchern, Brcviaricn nnd Psalterien eingerichtet gewesen zu sein. Noch verdienen unter Nürnbergs Buchdruckern deS fünfzehnten Jahrhunderts genannt zu werden: Peter Wagner, der nach der Sitte jener Zeit seinen Namen zuweilen latinisirte nnd sich dann „ Currifer" nannte (1483-1498); Conrad LeontorinS; Marr Ayrer (1487-1488), welcher unter andern das höchst seltene Werkchcn: „Lruder Claus" oder die Geschichte des berühmten Einsiedlers NicolauS von der Fluc 1488, ein Jahr nach dessen Tode heranSgab, und den wir als wandernden Typographen zu In- golstadt und Erfurt wiederfinden werden; Peter Bischer; Hauus Hofmann; Hanns Mair; Caspar Hochfeder, welcher von 1491-1498 sich in Nürnberg aushielt, aber nur wenig druckte, im Jahre 1499 aber zn Metz die „Sistorn von der hohen lieb des Ku- niglicheir fürstcn Florio und seiner lieben Aian- cestora" herausgab, und Hieronymus Hölzel von Trauustaiu, der im Jahre 1500 mit einigen kleineren Schriften seine Knnst zu üben ansing und dieselbe spater mit großem Fleiße fortsetzte. Friedrich PcypuS, Hanns Weissenburgcr, Leonhard zn der Aych, Johann Berg, Johann Otto, Kaspar Wcidlin, Leonhard Milchlhaler, Hans Cra- mer, Ulrich Ncnber, Joachim Lochner, Andreas Obcrmcicr, Nicolans Koler, Georg Endter, Hans PoPP, Veit Freyhell, Leonhard Fischer, Erhard Haycr und Philipp Dietrich, wie so viele Andere gehören theils spateren Zeiten an, theils ist es schwer zn behaupten, ob sie als Buchhändler blos drucken ließen, oder die Kuust selbst ausgeübt haben, weil aufanglich beide Geschäfte fast unzertrennlich waren. Ebenso zweifelhaft ist es, ob HanS Folz oder Bollez der „barbyrcr", der ans einigen Druckschriften, wie z. B. „Ein teutsch wahrhaftig poetisch nstori, oon luamien das heylig Römisch reiche seinen vrsprüg erstlich hab" 1480. 4. als Trucker genannt ist, wirklich ein Zunftgenosse war. Auch -Albrecht Dürer wird wegen der Herausgabe seiner herrlichen „Passion", „ÄpoKalypse" und „Leben Maria" 1511. in Folio von vielen unter Nürnbergs Typographen aufgeführt, obgleich sich nicht nachweisen läßt, daß er je eine Officin gehabt habe. Zu Ende der 1498 im größten Laudkartenformat erschienenen: „Heimlich Offenbarüg johanis des Znielffbotcn l»id rimuigclisten" lieset man: „Gc- druckt zu Tlürnbcrgli durch Albrecht Dürer maler." Aller Wahrscheinlichkeit verdanken der prachtvoll geschnittene Titel: „Anocalipsis en figuris" in der größten und schönsten Fracturschrist mit Schrei- berzügcn, von dem nebenstehendes Facsimile hier seinen Platz finden mag, nebst den Initial - und Versalbuchstaben seiner knnstgeübten Hand ihre Entstehung. Unter den spateren Typographen verdienen genannt zn werden: Jobst Gutkuecht, Johann Köler, Conrad Agricola, Simon Halbmaier, GabriclHayn, Leonhard Hcnßler, Christoph Hcnßler, Michael Arnold , Wolsgang Eberhard, Jo. Jonathan Felsecker, Wolfgang und Michael Endter, Hans Hergott, "Nürnberg. — Georg Stuchs. 165i 166 Nürnberg. — Johann Pctr^us. — Strichburg. — Hrinrich Eggestoi)». Hans Güldcnmund, Johann Daubmann, Valentin Fuhrmann und Andere. Diese alle überragte an Kenntnis, und Thätigkeit I o h a II II Pctrei » s, von 1526 bis 1550, welcher von sämmtlichen Büchern, die ans seinen Pressen hervorgingen, mit der größten Genauigkeit die Eorrccturen selbst besorgte und denselben somit jene Vollkommenheit verlieh, welche sie vor allen andern gleichzeitigen Ausgaben beliebt machte. Außer durch Correcthcit suchte er auch durch Schönheit seine Werke zu zieren. Damit Alles genau nach seinem Willen ausgeführt wurde, verfertigte er sogar mit seltener Geschicklichkcit alle Druckgcrathschastcn selbst und suchte sie eigenhändig ans die zweckmäßigste Weise einzurichten. Im Jahre 1604 begründete Georg Endter die berühmte, Jahrhunderte hindurch blühende Officin und ward der Stammvater einer gesegneten Familie, die mit den Typographensamilien Dümlcr und Felsecker wetteiferte. Straßburg. Heinrich Eggesteyn, von 1471 bis 1472. Schon seit dem Jahre 1466 (nach beglaubigten Handrubriken) war Strafiburg obwol uur mit undatirten Drucken in die Schranken getreten und zwar zn gleicher Zeit mit zwei Officinen, der Egge- stcyn'schen und Mentclin'sehen, deren Typen nicht uur unter sich, sondern auch von denen der Mainzer uud Bambcrger Drucke völlig verschieden sind. — Heinrich Eggestehn oder Eckstein, der sich Magister der Künste und Philosophie nennt, wetteiferte mit dem als „ Goldschreiber" rühmlich bekannten Johann Mentel oder Mentelin in Ausübung der neuen Kunst und lieferte, wie Dieser, viele Bücher ohne Anzeige des Jahres, Orteö und des Druckers. Dein Plane unseres historischeu Werkes getreu müssen wir uns streng an das Positive des Ucbcr- lieferten halten und bei unserer chronologischen Reihenfolge die Datirung der Jncunabeln zur Richtschnur nehmen. Demgemäß gebührt dem Magister Heinrich Eggesteyn vor Mentel der erste Platz in der Buchdruckergeschichte Strcißburgs. Im Jahre 1471 lieferte er die zwei ersten zu Straßburg mit Angabe des Ortes und Druckers erschienenen Werke, nämlich das „Dccrctum Gratiani" mit der Glosse, in zwei großen Foliobänden, und die „«Lonstitutiones Clrmentis V.", ebenfalls in groß Folio, in welchem letztern Buche er sagt: „ er habe schon unzahlige Bände vom göttlichen und menschlichen Rechte gedruckt." Unter diesen ist die „Deutsche Bibel" ohne Jahr, Ort uud Drucker, die mit der Mentelin'schcn von 1466 um den Vorrang streiten kann. Man vergleiche die Nachbildung der ersten Zeilen der „Genesis" mit dem gleichen Terte bei Mentel nach dem Facsimile ans Seite 163. dLäiiS-mF KelcKWgst den Kpinelvn^die eröe-wsn v ^ d ie erde nsz eMl vn lere - vn ^ vinl>er waren «ml? dem ant- l/He de.-i abgrundes: vn der // u Mlt 50h nz^rv Fettste a«5 // Diewasser. VnZ-otv ^?acl? Werde MMäclid-Vnv vAsIseLbt ivarv Z-emael?^ vn Z'ot d lAclx dz liecizt das es roaid FÜt-vn ei' teilt, d) lierktvo»i> der v», Ker: vn d) tit^ et) er de tZS - vn die vm tt^vi'e naci.^ > Strasiliurg. — Johann Mentel. 167 Einem Exemplare dieser Bibel sind sogar zwei Endschristen bcigcschrieben, denen zufolge dieselbe von Faust gedruckt und an dem nämlichen Tage des nämlichen Jahres wie seine lateinische Bibel (1462) vollendet worden sein soll. Steigenberger hat in seiner Schrift: „Ueber die zwei ältesten deutschen Bibeln" München, 1487. 4. die Unrichtigkeit dieser Angabe nachgewiesen. Eggesteyn druckte auch drei Ausgaben der lateinischen Bibel ohne Jahr, Ort und Drucker. Von einer dieser Ausgaben ist ein Eremplar ans der Johannitcr Bibliothek zu Straß- bnrg in die dasige öffentliche Bibliothek gekommen, dessen Rubricator zu Ende des ersten Bandes geschrieben hat: „Erplicit Psalterium per FUngi- strum Heinricum Eggestein anno lrmi.j." Noch besitzen die Bibliotheken zu Wolsenbüttcl und München mit Handrubriken versehene Exemplare der lateinischen Bibel mit der Jahrzahl 1466. Sämmtliche Eggesteyn'sche Drucke, zu dcuen im Jahre 1472 anch „Ciceroni» officia" und „Justi- niani institutiones" mit den „ Eonsuetudines Feuoorum" und 1474 der ohne Angabe des Ortes und Druckers erschienene „Julius Caesar" hinzukamen, sind mit einer Unvollkommeuheit ausgeführt, welche weder einen Mainzer, noch irgend einen fremden Einfluß verräth, sondern sür einen eigenthümlichen Tiipenguß, und was Straßburg betrifft, für Priorität spricht. Nach 1472 findet sich sein Name nicht mehr, während man von den Jahren 147Z, 1474, 1475 nnd 1478 Drucke mit Lettern aufweisen kann, deren sich derselbe bedient hat. ' Ioh a IIII M entel, von 1473 bis 1478, auch Mcntellin oder Mentelin, gewann als ein sehr geschickter Drucker, Rubricator und Goldschreiber eine weit größere Berühmtheit und erwarb sich durch seinen Kunstsinn und Unternehmungsgeist ein ansehnliches Vermögen. Wenn auch nicht mit Gewißheit nachgewiesen werden kann, daß er, wie Meermanu vermuthet, um das Jahr 1450 von Gutenberg nach Mainz bcrufcu worden sei, um desseu Druckwerke mit den Capitalbnchstabcn und Rubriken zu verschen, daß er daselbst die Kunst erlernt und nach Straßburg gebracht habe: so ist doch nicht in Abrede zu stellen, daß er lange vor 1473, als in welchem Jahre sein erstes Werk mit beigedruckter Jahrzahl nud mit Hiuzufüguug des Namens, das hier im Facsimile xxpUQi- - Lbcv uvö. p^s. specvu - ni- siDki^is. vi^cäncu. mpiW5^' ^ek-io- ttöl^Lbl.dieUT-KI^M- der Typenform nach charakterisirte „Spcculum historialr" des Vincenz von Veauvais erschien, mit großer Fertigkeit Bücher gedruckt habe, wie dies Johaun Philipp dc Lignamiuc, Johann Schott, HieronymuS Gebwiler, Peter Scriver und Schöpflin bewiesen haben. Das Colophou eines seiner frühesten Drucke, von dem Schöpflin in den V!nu"ic!is t7ooL>'!lp>>ic!s Tafel III. ein Facsimile gegeben, welches auch Gotthelf Fischer in seinem „IZssai sur les moinimenH tvi>«g>'!>pliiie« erA, s i>I^enc) orte impssorio x lienerainlein virü Johäne meutell in argcntinn" ist nämlich nach dem Worte „o,uaorin- grntesimo" eine Corrcctur zu bemerken, ans deren noch übrig gebliebenen Schriftrcsten man deutlich sehen kann, daß früher „o,uinn,»asimo" dagestanden habe. Unter den undatirteu Drucken ist die (zweite) deutsche Bibel (von 1466) sein Hauptwerk. Das Stuttgarter Ercmplar, welches aus dem St. Margarethenkloster zu Straßburg stammt, trägt folgende Unterschrift des Nubri- cators: „Dieses Buch ist im Jahre 1466 durch Johann Mentel zu Straßburg gedruckt." Auch in dem Münchener Ereinplare hat eine Hand des 1«8 Strasil'iirg. — Johann Mcntel. fünfzehnten Jahrhunderts eingeschrieben: „1466, 27. Juni ward dies Bnch gekauft nncingcbunden in» 12 Gulreu." Das nachstehende Facsimile wird zum Vergleich mit dem Eggesteyn'schen Typencharakter hier nicht unwillkommen sein. d-m snegang FescKieif gvt dm l?im vi»v die erd«..warm die. erde was i»ii cvi- stolac", „Augnstiiii cpistolac" uud „cont'cs- sioncs", „Valcrius Marimus", „Virgil" und „Tcrcnz ". Die beste Uebersicht gewahrt seiu eigenes, auf einen: Octavblattchen in 19 Zeilen gedrucktes Druckvcrzeichniß vom Jahre 1471, wovon ein Erem- plar bis auf uns gekommen ist und noch jetzt in der Hofbibliothck zu München aufbewahrt wird. Der Bibliothekar I. B. Vernhart hat dasselbe im „Neuen literarischen Anzeiger" 1807. ^'o. 19. S. 301 bis 304 abdrucken lassen. Es verdient als erster VerlagSkalalvg schon an und für sich die Aufmerksamkeit der Bücherfreunde und verbreitet über einen dunkeln Gegenstand beinahe ebenso viel Licht, als mancher dickleibige Folioband, gefüllt mit Eonjectnrcn. In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde Mentelin 1468 von Kaiser Friedrich 111. in den Adelsstand erhoben. Dieser Umstand gab wahrscheinlich zu dem so oft angeführten, aber nirgends urkundlich nachgewiesenen Berichte von der Verleihung adeliger Wappcnrechte an die Gesammtgcnossenschast der Buchdrucker die nächste Veranlassung. Er starb im Jahre 1473 und wurde im Münster zu Straßburg begraben. Bei seiner Bestattung wurde ihm die damals viel geltende Ehre des Gelautes mit der großen Glocke zn Theil. Die ziemlich hausig vorkommenden Drucke mit dem sonderbar geformten „N" werden von den meisten Bibliographen dem Johann Mcntel zugeschrieben, obgleich einige, uud darunter anch Ebert, deren Ursprung in Eöln suchen zu müssen glauben. Mit Bestimmtheit aber gehört ihm die lateinische Bibel ohne Angabe des Druckortcs und der Jahrzahl, mit zwei Columncn, 49 Zeilen und 427 Blättern an, deren Typen das nachstehende Facsimile getreu wiedergiebt. 1?NH cipio creanid densccl.u ed diram 1 ^ervkaudem emt mannet vacna.:edde?iek?re er wvsu^acieaKM ^usdulfesebaclu^en «Hs.^>r^dq;yens. ^iab lu^.Otfaclne ln^e. K'trMnirg, — Hulincr. — Flach. — Knolilochzcr. — Schott. — Prüß. — Grüiiinger. 1K9 Georg H n ß n e r, von 1473 bis 1498, der sich in den Schlußschriften seiner Werke, die er meist mit Hülfe des gelehrten CorrcctorS Johann Beckenhnb (Beckenhanb) vollendete, auch häufig „Jeorius HuSner" nennt, trat in Mentel's Fußstapfen und druckte viel, zumal Neligionsbücher. In mehreren seiner Werke schildert er die von den damaligen Buchdrucker» gebrauchten Typen mit den Worten: „Tlon pcnnis ut pristi (sie) quiocm scd litrris sculptis „rtisicialr crrtc conatn cr cro rcmota nemve iiidagine", wodurch er nichts anderes als in Metall gegossene Lettern bezeichnen will. M artitt Fla ch, von 1475 bis 1500, aus Basel gebürtig, der auch als „ Martinus Flac- cus" und als „ Martinns SimnS" erscheint, begann seine ruhmvolle Laufbahn im Jahre 1475 mit „Ro- deriri speculum vitac huumnae", die er erst nach einer Reihe von 25 Jahren vollendet hat. Er hat in seinen zahlreichen Druckschriften wesentlich zur Verbesserung des Typcnschnittes beigetragen und schien selbst stolz auf sein Verdienst zn sein, denn am Schlüsse des ersten Theiles von des gelehrten Pariser Kanzlers Johann Gerson Werken fragt er: „Nosrerr forte volrs quis sculpserit hoe opus ere Prcssrrit h,is chnrtas quisvr lharactcribus" etc. Anch hierdurch wollte er sicherlich auf Gußlcttern hindeuten. Heinrich Knoblochzer, von 1478 bis 1483, welcher zwar im Jahre 1478 den verdeutschten Belial zn Straßbnrg mit Holzschnitten herausgab, aber seit 1479 seine Knnst in Heidelberg fortsetzte, wo wir ihn wieder finden werden, hier nur kurz erwähnend, gehen wir auf Martin Schott, von 1481 bis 1493, über, welcher nicht nur viele, sondern meist anch treffliche Werke aus seiner Presse hervorgehen ließ. Besonders schön druckte er die „Epistolae" und „ Larmina" des gelehrten Chorhcrrn Peter Schott mit Wimphelings Vorrede. Er war ein Verwandter des würdigen Ammeisters Peter Schott, ans dessen Betrieb vr. Johann Geiler von KaiserSperg, der sich den berühmten Pariser Theologen Johann Gerson zum Muster gewählt hatte, im Jahre 1478 zum ersten Prediger in dem Münster ernannt wnrde. Der selbst im sechzehnten Jahrhunderte uoch vorkommende Johann Schott ist wahrscheinlich dessen Sohn. I o h a n n Prü ß, von 1483 bis 1499. Unter den zahlreichen Werken dieses Meisters, welcher unter Andern auch die Schriften Johann Gerson'ö unter der Leitung des berühmten vr. KaiserSperg druckte, ist der 1437 und 1488 erschienene „Fasciculus tcmvorum" merkwürdig, wo auf das Jahr 1457 gesagt wird: „Um diese Zeiten wnrde die zuvor unerhörte Buchdruckerkuust zu Mainz crsnnden." Den höchsten Ruhm eines wesentlichen Vcrbes- serers der neuen Kunst unter allen Straßburgcr Druckern verdient Johann Grüninger, von 1483 bis 1528. Seilt eigentlicher Name war Johann Reinhard. Er nannte sich aber zufolge der Sitte der damaligen Zeit nach seinem Geburtsorte in Schwaben und kommt auch hier und da als „Grcninger" vor. Man kennt 44 Werke, welche aus seiner Presse hervorgegangen sind, von denen die meisten wegen ihrer charakteristischen Holzschnitte noch heut zu Tage sehr geschätzt werden. Wir nennen hier nur seinen von Sebastian Vrant besorgten „Trrrnz" von 1496, mit dem Commentare des 0r. I. Asccn- sius, von dem schon im Jahre 1499 eine zweite Auslage erschien, uud seinen „Horaz" von 1493, welcher den gelehrten Jakob Cochcr znm Herausgeber hatte. Wenn sich dessen meisten Werke durch äußere Eleganz auszeichnen, so sind dieselben doch nicht immer frei von Druckfehlern. Zwei Bücher 22 170 Speyer. — Peter Drach. — Conrad und Heinrich Hist. haben durch cin solches Versehen in den Annalen der Buchdruckcrgcschichte Epoche gemacht: Die „Pivlia aurra orteris et novi tcstamenti", welche die Jahrzahl 1466 statt 1496 hat, und „Das Uuch Eirurgia. hantmirllung der wnndarzney von Hie- roninno ^Zrunschwig", wo auf der Stirnseite deS IWsien Blattes die Jahrzahl 1397 statt 1497 steht. Die zu Straßburg 1485 erschienene deutsche Bibel ohne Meldung des Druckers ist mit Grüninger'S Type» in der „Passio der vier Evangelisten" von 1504 ausgeführt. Als sein Hauptwerk kann der „PtolemauS" von 1525, mit vielen Holzschnitten, angesehen werde». Von gleichzeitigen uud spateren Strasiburgcr Druckern verdienen noch genannt zu werden: Johann Schott (Martin'S Sohn), Mcutel'S Enkel, Matthias Schnrcr, Crato Mylius, Conrad Wolfach, Jakob Eber, Christian Müller, Heinrich Jngwiler (Jnguiler), Johann Knoblouch, Wilhelm Schaf- stncr, Paul Götz, Neichart Bcck, Bartholomeß (sie) Küstler, Jost Martin, Peter Attendorn, Anton Bertram, Bernhard JobinnS, Wolfgang Köpfet, Matthias Hupfnß, Georg Ulrichcr, Wendelin Nichel und dessen Söhne JosiaS uud Theodos güchel, LazaruS uud Eberhard Zctzuer, Johann Friedr. Spoor, JosiaS Stadel, Christoph von der Heydcn und Johann Heinrich Heitz, welche Firma in Ururenkcln noch heute sortbesteht. Von den neuern Drucker» sind Silbcrmann, Dannbach und Nevcreau ausgezeichnete Künstler, so wie Levranlt als Schriftgiesier berühmt. Ueber die frühere Geschichte der Typographie in Straßburg geben die öfters in diesem Buche erwähnten Schöpflin, Oberlin und Lichtenberger Aufschluß. Speyer. 14 7 1. Peter Drach, von 1477 bis 1504. Durch die Schlußschrist au dem Buche „Postilla schoiastica super Apoealyvsin et super Cantica Canticorum" in Quart, wo eS heißt: „Imjissa Spire nnno I^XXI." ist es erwiesen, daß die alte Stadt mit den Kaisergrüften schon im Jahre 1471 eine, wo nicht mehrere Druckereien in ihren Mauern zahlte. Ob Peter Drach oder Conrad Hist (Hyest) der Erste war, welcher mit diesem Werke die neue Kunst in Speyer einführte, ist nicht mit Bestimmtheit nachzuweisen, indem das Buch ohne Namen des Druckers erschienen ist. Von den meisten Bibliographen wird diese Ehre dem Peter Drach zugeschrieben. Seine erste Leistung mit Angabe des Namens uud des DruckorteS ist: „ Vocabularius zuris utriusone", 1477. Fol. Er druckte sehr viel und ließ selbst bei Andern, z. B. bei Scnscnfthmid, drucken. Sein Hauptwerk ist das „Missale mo- jzuntinense" von 1497. gr. Folio. Er hat das -Amt eines „Dreizchncrherrn " (Mitglied des beständigen Rathes) bekleidet, uud in manchen Schluß- schrifteu neuut er sich selbst „Vir consularis." Eines seiner Hauptwerke ist das „Missale Spi- rense", 1484. Folio, besonders was die Schönheit des Druckes betrifft; in Hinsicht der Größe aber verdient die „Summa Antonii de Florcntia", vier Foliobande, den Vorzug. Sein Sohn gleiches Namens setzte das Geschäft vom Jahre 1504 bis 1517 eifrig fort, so daß Beide allein bis zum Jahre 1517 schon vier und fünfzig Bücher herausgegeben haben. Letzterer war wirklicher Stadtschultheiß und druckte selbst auf diesem Ehrcuposten 1527 die Sammlung der NeichSab- schiede. Auch er hatte einen Sohn, der ebenfalls Peter Drach hieß und Canonicus am St. Guidostifte war. Conrad und Heinrich Hist, von 1483 bis 1515, ' zwei Brüder, trugen viel zur Verbreitung der Kunst in ihrer Vaterstadt bei, und waren nebst der Familie Drach die frühesten Ausüber der Typographie in Speyer. Beide setzten die Druckerei bis zu Anfang des XVI. Jahrhunderts fort und druckten bis 1515 allein achtzehn Werke. Man hat einen Druck von ihnen („Speculum eonscientie") vom Jahre 1446, in welchem sie ein 1. statt e setzten (5ieecexil>vi statt 5ieeeexevi), wahrscheinlich Lllm. — Ludwig Hohenwang. — Johann Zayner. — Leonhard Hol. 171 wurde das Buch im Jahre 1496 gedruckt. Noch verdienen Hartmann Biber, Hans Eckhardt und Anastasius Nolt mit Anszeichnung genannt zu werden. Von hier stammen die berühmten Buchdrucker Johannes uud VindclinuS de Spira, welche mit Nicolans Jenson zuerst die Knust ans Deutschland nach Venedig verpflanzt haben und von denen weiter unten die Rede sein wird. Ueber Speyer's „älteste Bnchdruckergeschichte" stehe v. (.'!>. li-mr, primitive t^oKi^>l>I^e s^ironsis. Deutsch, Speycr 1764. 8. u l m. 1 4 7 3. Ludwig Hohenwang, aus dem Elchingerthale, kann als der erste Buchdrucker Ulms betrachtet werden, dieser merkwürdigen alten Reichsstadt, welche gar bald mit Mainz, Straßburg, Bamberg, Augsburg, Nürnberg und Speycr in Ausübung der neuen Kunst wetteiferte. Er war zwar mehr Briefdrncker und Formschneider als eigentlicher Typograph. Man kennt eine xylographische „Ars moricndi" mit seinem Namen „Ludewig ze ulm." Doch hat er auch eiuige Werke mit beweglichen, aber grosienthcilS nur geschnittenen Typen und zwar erst ans einer Papicr- seite ausgeführt. Das vierzigjährige Wirken dieses Schwäbischen Gutenberg's, dessen Familie hier verbürgert war, hat Dr. Konrad Dietrich Haßler in seiner „Geschichte der Bnchdruckerkunst zu Ulm", 1840. 8. auS urkundlichen Quellen geschildert, woraus hiermit verwiesen wird. Johann Zayner, von 1473 bis 1475, auch Zaincr, Tzainer, Zeiner und Czeyner, anS Reutlingen, wahrscheinlich ein Bruder des Augsburger Druckers Günther Zainer, sührte hier 1473 den Druck mit gegossenen Lettern ein. Das früheste Werk seiner Presse ist: „Gpus dc misterio missc. Domini sris Albcrti Filngni: quondam episcopi Natisvonensis." Am Schlüsse: „In opido imocr. Vlm. per Joh. Czenncr dc Nentlingen summa cum diligcntiir impr. A". a nntiuitate diii »iec:ec:i.XXVI1 die XXIX incnsis )ß- hrit" von 1483 uud „Die guldiil Pull" von 1484. Conrad Dlnckmut, von 1483 bis 1492, druckte, wie Haus Zainer, meist nur in deutscher Sprache. Wir nennen nur sein „Artz neu buch" von 1482 in Folio. Heinrich Steinhöwel „von der Pestilenz" von gleichem Jahre, das „pleimri" von 1483 in Folio, die „Suina Johannis" von 1484. ThomaS Lircr'S Chronik von 1486, die deutsche Übersetzung dcö „Eunuchs des Poet Thcrcncins" von 1486 uud das „Zeitglöckleiir des Febens und Leidens Christi" von 1493. I oha n ii Reg e r, von 1486 bis 1499. Seine Hauptwerke sind die auf Kosten des edlen BcnetianerS ZustuS de Aibano veranstalteten zweiten Ausgaben der CoSmographie deö PtolemanS vom Jahre 1486 in gr. Folio; Initialen uud Holzschnitte sind die nämlichen, wie bei Leonhard Hol; die Schriften dcö Wilhelm Caornsin über Nhodus; die „kiger) die Juden zu widerlegen versncht hatte, zumal in dessen „Tractatus contra pcrfidos Judaeos" (1475 Folio) uud in der erweiterte» Bearbeitung „Auch welichs wirt gcnöt der stcrn meschiah" 1477 in Quart. Eine Vorstellung dieser ersten hebräischen Type mag nachstehendes Facsimile geben. Da aber von ein Paar Worten bis zu einem ganzen Buche ein großer Abstand ist (nur die beiden ersten Worte der „Genesis" und das „hebräische Alphabet" sind mit hebräischen Typen gedruckt, alle übrigen vorkommenden hebräischen Redensarten aber mit lateinischen), so gebühret nicht Deutschlaud, sondern Italien die Ehre des ersten hebräischen Druckes, nämlich „S'aloinonis Jarehi Comment, in Penta- tenchum, Neg. Calabr. die IV.Ador 5235" (1475) kl. Fol. Ebenso ist seine Ausgabe von Jo. Gerson'S „CoUectorium super magnificat" das erste Buch nach dem Psalter von 1457, welches mit Typen gedruckte musikalische Noten enthält. Von Eßlingen ging Fyner nach Urach im Würtembergischen, wo er 1481 daS „Plcimri nach (Ordnung der heiligen rristlicheir Kirchen" in kl. Fol. druckte. Er nennt sich selbst in den Schlnßschriftcn,' „discretus et industrius vir Conradus Fyner d'gerhusscii artis imprcssorie Magister." Johannes Hug von Göp- pingen, welcher am Schlüsse des mit Fyuer'schen Typen ohne Angabe deS Jahres gedruckten „ntous, 1482. in 4. mit römischen Typen (Antigna) erschienen ist. Lnb e ck. 14 7 5. Lucas Brandts, von 1475 bis 1499. In Norddcutschland ist die alte ehrwürdige Hanseestadt Lübeck derjenige Platz, wo die typographische Kunst zuerst Wurzel sasite und sich bald darauf, ein machtiger Baum, langS der Nordsee ausbreitete und besonders in ihren Schwestcrstadtcn eine thatkraftige Pflege fand. Das erste von Lucas Brandis mit dem Zunamen „ e Voß" im Jahre 149S gedruckt, von welchem das einzige für jetzt bekannte Eremplar in der Bibliothek zn Wolfenbüttel verwahrt wird. Man sehe hierüber Flögel's Geschichte der komischen Literatur III. 53; Scheller'S sassische Bücherkunde, Seite 140; I. Grimm's Reinhart Fuchs, 1834, Seite 177; Deecke, Nachrichten von den im fünfzehnten Jahrhundert zn Lübeck gedruckten niedersachflschen Büchern, 1834, Seite 24. Nach BrandiS zeichnete sich sein Zeit- und Zunftgenosse Bartholomäus Ghotan, von 1480 bis 1492, vorzüglich aus, welcher in Gemeinschaft mit ihm das „Missale ecclesie FNagdeburgensis" im Jahre 1430. in Folio und spater die „Nrvelationcs rele- stes S. Brigitte de Swcciir" 1492. in Folio, sowie mehreres Andere für sich allein ausgeführt hat. Fi'ibcck. — Stephan Stephan A r u d e s, von 1487 bis 1500, auch Arus, Arms, Arnd und Arnt, war der dritte Buchdrucker von Bedeutung zu Lübeck. Er war aus Hamburg gebürtig und gehörte zu der Classe der wandernden Typographen; denn zuerst druckte er zu Pe'rouse in Frankreich (1481), dann zu Schleswig (1486). Sein frühestes Werk in Lübeck ist: „Die Summn Johnnnis »an Vrnborch öcc. van latinc in dnt dudesche gcmnket" 1487 in klein Folio, welchem bald der „Spegel der Sachtmö- digkeit" und der „Spegel der Lonscicntien", zwei Gebetbücher von 1487 inOctav, das „PoeK der Prophccien" (1483) und mehrere lateinische Schriften folgten. Seine Hauptwerke sind: „Dat Passioimel: unde dnt lcuend der Hi)lghen", welches in den Sommer- und Wintertheil zerfällt und sich von der hochdeutschen Uebersetznng durch Hinzufügung mehrerer dort mangelnder Heiliger unterscheidet (das Werk ist sehr schön gedruckt und mit Holzschnitten versehen), ferner: „De Piblie mit vlitigher achtinge; im dem Fntnne in Düdesck nucrghesettet" von 1494 in Folio. Sie hat verschiedene sonderbare Glossen, z. V. bei den Worten (I. B. Mos. III, 16) „vn he schall auer Dy her- schopcn", d. i.: „nnd er soll dein Herr sein" lieset man noch die Glosse: „Pn vakene to vnneghende vn to slnde", d. i.: „Dich oft zu Peinigen und zu schlagen." Noch verdient unter den Lübecker Druckern des fünfzehnten Jahrhunderts Georg Nicholff und im nachfolgenden der zum Sprichwort gestempelte Johann Ballhorn (1531-1599) Erwähnung, der seine Berühmtheit dadurch erlangte, daß er ein ABCbuch herausgab, auf dessen Titel er druckte: „vermehrt und verbessert durch Johann Ballhorn", wahrend diese Vermehrung in nichts Anderem als in den Doppelbuchstaben ff, ll, tt und ss bestanden hat, und ferner durch eine Fibel, auf deren letzter Seite er das bis dahin übliche Bild eines an den Füßen gespornten Hahnes in dasjenige eines unge- spornten, dem ein Paar Eier zur Seite liegen, verwandelte. Nicht minder: Ahasver Kröger von 1574-1591, Hans Sachs von 1539-1593, Lorenz Arndrs. — Rostock. 177 Albrecht von 1599-1607, Hans Witte (AlbinuS), Johann Wols, Valentin Schmalherz, Christoph Jager nnd Johann Nicolaus Green. Vgl. Johann Heinrich von Seelen „ Nachricht von dem Ursprünge und Fortgauge der Buchdruckerei zu Lübeck, 1740. 8." uud ganz besonders Dcecke „Nachrichten von den im fünfzehnten Jahrhunderte zu Lübeck gedruckten nicdcrsachsischen Büchern, 1834. 8." R o st o ck. 147 6. Nach Lübeck war Rostock die erste Stadt im nördlichen Deutschland, wo die edle Knnst heimisch ward. Das Verdienst, dieselbe hier eingeführt zu haben, gebührt den sogenannten „Kogclherrcn" oder „I>'ratres viwe communi-i", einem von Gerhard Grovt (i>i'iI»8 Aluxiius) um 1470 gestifteten Mönchsorden unter der Regel des h. Augustin, deren Hauptgeschäft war, die Schriften der Kirchenvater zu copiren und die h. Schrift zu verbreiten, sowie im Allgemeinen den christlichen Voltsnntcr- richt zn verbreiten. Durch die nenerfundene Bnch- druckerkunst veranlaßt legten sie Osficinen an und druckten zuerst in Marienhausen im Nheingau (1474), dann zu Rostock (1476), zu Brüssel (1476), zu Nürnberg (1479) u. a. O. Die neuesten Werke über die Brüder vom gemeinsamen Leben sind: G. H. M. Delprat „Verhandeling over dc Broe- derschaft van Gerard Grote en over den Jnvlocd der Fraterhuizcn u. s. w. Utrecht, 1830." (eine gekrönte Preisschrift) und Ullmann „Johann Wessel, ein Vorganger Luther's, Hamburg, 1834. 8.", wo besonders die erste Beilage Seite 389 bis 443 diesem Gegenstände gewidmet ist. Ueber diese Brüderschaft im Kloster zn St. Michael in Rostock, sowie überhaupt von den ersten Drucken daselbst giebt Ä. (5. F. Lisch in der „Geschichte der Buchdrnckerkunst in Mecklenburg bis zum Jahre 1540, Schwerin, 1839. 8." Seite 1 bis 63 ausführliche Nachricht. Ihr erstes Werk in Rostock nnd zugleich der früheste Druck in Mecklenburg ist: „Factantii Firmiani opern" 1476. in klein Folio, an dessen Schlüsse sie 23 >< 178 LichstnÄt. — Michael Aenscr. — Georg Nci)ler. — Wiirzburg. — Georg Neyser. sich selbst „Untres presbiteros rlericos con- giegnlionis oomns viridis orti (I>ort!) nd S. Michnelcm in opido AostoeKeensi pnrtinm inse- rioris Selinne" nennen. Sie druckten daselbst noch während des ganze» fünfzehnten Jahrhunderts. Anser ihnen ist in jener Zeit kein Drucker bekannt. Es kommen sogar noch Drucke von ihnen im Jahre 152» vor. Spatere Typographen Rostocks sind i Hermann Barthuse», Stadtsccrctair zn Rostock, eigentlich mehr Privatdruckerei, von 1505-1512, Günther Winter von Erfurt vou 1510- 1522, welcher von dem gelehrten vi. Nicolaus Marschalk, der schon um 1500 eine Privatdruckerei zu Erfurt besessen hatte, dahin berufen worden war, Ludwig Dietz auö Speycr von 1510-1559, Stephan Myliander von 1560-1580, Jakob LncinS von 1567- 1569, August 5erber, der Vater, von 1575-1595, -August Fcrbcr, der Sohn, von 1583-1596, Caspar NeuS- ner von 1597-1612. AuS dem siebenzehnten Jahr- huudert verdienen noch genannt zn werden: Joachim Fließ (l>e), Augustin Ferber, Joh. Neusucr, Michael Medcr, Nicolans Kehl (Kiliug), Johann ,'NlinS der Sohn, Johann Richel der Jüngere, Daniel Walther, Jakob Nichelius, F. Keilenbcrg, I. Wepling, 0k. Schwiegcrau, I. I. Adler, M. Waruiugck und in neuester Zeit Adler'S Erben (Fr. Behm). C i ch st ä d t. 14 7 8. A! i ch a c l 9t e y s e r, ven 1478 bis 1494. Die ans Rostock folgende Stadt in der chronologischen Reihe der allmaligen Entwickelung ist Eichstadt, wo sehou 1^78 Henrici dr Segusio s. dc S. Pnrtholo- mneo milgo ^.iostiensis summn super titulis Dreretnlium" in Folio, ein Werk in zwei Banden und drei Theilen, die Preffe verlassen hat. Der Drucker hat sich nicht genannt, ist aber ohne Zweifel Michael Neyser odcr Nhser, welcher sehr viel und meist in lateinischer Sprache druckte. Georg R e y se r, von 1484 bis 1500. Nach ihm und znm Theil schon gleichzeitig mit ihm übte Georg Nehser, welcher in Gesellschaft des Johann Beckenhnb, genannt Mcntzcr, und Stephan Dold schon 1479 zu Würzburg erscheint, die typographische Kunst uud half dieselbe vou Eichstadt aus, wo mehr als in den meisten frankischen Städten, Nürnberg anSgeuommen, gedruckt worden, durch einen eigenthümlichen und eine Zeitlang beliebten Typenschnitt (unter dem Namen Neyser'sche oder Eichstadt'sche Type bekannt) wesentlich verbessern. Leider ist Eichstadt in der Folgezeit in seinem Eifer erkaltet und hat wahrend der drei letzten Jahrhunderte nichts geleistet, was der Erwähnung werth Ware. Die Reyserschen Drucke zeichnen sich in der Regel dnrch schöne große in Holz geschnittene Initialen aus, z.B. „Albertus Mngnus dc secretis mulicrum" s. i>. in Quart. W ü rzbi» rg. 1 479. G e v r g R e y se r, von 1479 bis 1500. Das erste Druckvcukmal, welches zu Würzburg an das Licht trat: Drevinrium Dioces. Hcrliipolcnsis. 1479. in Folio, und am Schlüsse die uns schon von Eichstadt her bekannten Meister „Stephan Dold, Jcorius Reyscr und Johann Beckenhub, genannt Mcntzcr", als dic Vcrfcrtigcr angicbt, ist zugleich das erste in Deutschland erschienene Buch mit einem Kupferstiche. (Das früheste mit Kupferstichen vcrschcnc Werk im Allgemeinen ist „II monte Snncto di Dio" des Antonio Bettini, zu Florenz bei Nicolo ?lrach. — Eonrnd Fimcr. — Leipzig. 179 di Lorcnzo dclla Magna im Jahre 1477 in 4. gedruckt). Georg Ncyser hat noch Mehrcres mit und ohne seinen Namen gedruckt nnd zwar meistens Meßbücher. Seine Genossen aber erscheinen nicht wieder. Urach. C o u r a d F y u e r, 14 8 1. Diese kleine Vergstadt und ehemalige Residenz der Herzoge von Würtemberg war einer der ersten Orte in Oberdeutschland, wo die nene Kunst sich heimisch fühlte. (5ourad Fhncr oder Feyner aus Gerhausen hat das Verdienst, sie daselbst eingeführt zu haben. Nachdem er mehrere Jahre hindurch in Eßlingcn gedruckt hatte, begab er sich nach Urach, wo er unter Anderem das seltene Werk: cinl vlcnnri nach orduung der heiligen rristlichen Kirchen in dem man gc- schrieben findet all cpiftcl und runn- gclicn ^c. im Jahre 1481 in klein Folio herausgab, welches statt des Titelblattes einen Holzschnitt, Christinn am Kreuze, daneben Maria und Johannes, oben die vier Evangelisten mit ihren Sinnbildern darstellt. F. L. Bührlen führt in: „Stuttgart und seine Umgebungen" Seite 135 unter den ErstlingS- druckeu der königlichen öffentlichen Bibliothek daselbst Das Luch der Piispel drr alten Weisen (soll von Herzog Eberhard im Bart selbst aus dem Italienischen übersetzt worden sein) als im Jahre 1480 zu Urach gedruckt au, nennt aber dabei weder den Drucker, noch die Quelle, woraus er die Notiz schöpfte. Sollte wirklich schon vor Fyner eine Druckerei in Urach eristirt haben? Wahrscheinlich beruhet diese Angabe ans einem Irrthume. Urach spielte nebst Tübingen um die Mitte deS sechszchnten Jahrhunderts in der Geschichte des slavischen Bücherdrnckes eine bedeutende Rolle. Hans Ungnad Freiherr von Sonneg ließ hier durch den bekannten Nürnberger Punzenschneider Joh. Hartwach nnd den Schriflgießer Simon Auer eine cigeue Offieiu mit slavischen nnd namentlich e'N'illischen Schriften anlegen, in welcher zwischen 1561 und 1563 unter der Leitung des Primus Trüber, Stephan Consnl nnd Anton Dalmata oder DalmatinuS mehrere setzt höchst seltene Werke in kroatischer und wendischer Sprache gedruckt worden sind. Nach dem Tode jencö großmüthigen Beschützers (1564) gcrieth die Urach'sche Druckerei iuö Stocken und die Typen wurden von dem Kaiser Ferdinand >>>. der „Propaganda" zu Rom als Geschenk übersendet. Ein Näheres siehe weiter unten bei „Tübingen" uud in Schnurrer's Schrift: „Slavischer Bücher- druck in Würtemberg. Tübingen, Cotta, 1799.8.", wo die sämmtlichen Urachcr Drucke in slavischen Sprachen verzeichnet sind. Leipzig. 1481. Das jetzt als Hauptstapelplatz des deutscheu Buchhandels alle übrigen Städte des BaterlandeS weit überstrahlende Leipzig nahm die edle Knust zwar später als mauche andere weit kleinere Stadt in ihre Mancrn ans, aber nicht, wie dort so häufig geschah, nin nach kurzer Wirksamkeit entweder zn verschwinden oder zur Uubedeutcudheit herabzusinke», sondern um von Jahrzehcnd zn Jahrzehend glorreicher emporznblühen und selbst mit den Hauptstädten der Welt, London und Paris, iu die Schranken zn treten. Hier war sie nicht daS Kind deS Augenblicks, bedingt von der zufälligen Anwesenheit eineö oder des anderen reisenden Bnchdruckcrs, sondern die Tochter deS geistigen Bedürfnisses, erzeugt von dem Fortschritte der Zeit, empsangen im Schooße der Wissenschaft und gepflegt von den Männern des Lichtes, Johann Neuchlin und Eonrad Eeltes. Dies ist die Ursache, warum unter den ältesten Producten der Leipziger Presse nichts von den zusammengerafften Stellen der Kirchenväter oder der scholastischen Methode, womit ehedem die Philosophie nnd Theologie vorgetragen ward, anzutreffen ist, sondern daß die ersten Drucker die Schriften der Alten, oder wenigstens solche, die 180 Leipzig. — A. Frisncr. — M. ZZrand'. — M. Urnndis. — L. Aachelofrn. ihnen an die Seite gesetzt zu werden verdienen, die Frucht ihrer Bemühungen sein ließen. Aber nicht mir durch inneren Werth, sondern auch durch äußere Schönheit konnten jene Wiegendrucke mit allen anderen, welche damals in Deutschland herauskamen, nm den Vorrang streiten. Nächst der Wahl des Inhalts wnrde bei den Büchern auch der Eorrcctheit derselben eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Lehrer der Hochschule und akademische Bürger übten das ehrenvolle Amt der Typographen und gelehrte knnstverwandte Männer waren Cor- rcctoren. Der erste, welcher die Buchdruckcrkunst in Leipzig cinsührtc, war Andreas F r i s n e r, 14 8 1, auch Frießner, aus Wunsiedel im Fichtclgebirge, eiu Maun von großer Belescnheit, welcher schon 1473 bei Johann Sensenschmid in Nürnberg als Eorrector, nicht nur des Druckes selbst, sondern hauptsachlich auch der fehlerhaften Lesarten der Manuscripte gewirkt und späterhin in Bereinigung mit demselben manches treffliche Werk geliefert hat, kehrte 1479 nach Leipzig, den Ort seiner Studien, zurück und wirkte drei Jahre als Privatdocent und später als öffentlicher Lehrer der Theologie, in welcher Eigenschaft er im Jahre 1482 daS Amt eines Keetvr M!>i;»ikr!»» verwaltete. Kann man gleichwol kein Buch anführen, welches unter seinem Namen aus seiner von Nürnberg mitgenommenen Presse hervorgegangen ist, so dürfte doch der älteste bis jetzt bekannte datirtc Leipziger Druck: Ionnnis Anii (X!>»»i-;) Vitcrbicnsis „Glosa sup Apo- caliipsim d' vtnlu ecclic Ab ano salutis piiti scz mcccclrrr^ vsqz ad sine müdi Et dc pclaro ic gtosisso triüpho rpi,»ör2z tcc. Impressum lipczk mceeclrrr.j." in klein 4., Niemanden Anderem als Friöner zuzuschreiben sein, von dem man weiß, daß er nach seinem 1^04 zu Rom erfolgten Tode den ganzen Druckapparat testamentarisch dein Prcdigcr- conventc in Leipzig vermachte. Diese Vermuthung wird durch den Unistand bestärkt, daß bis 1484 hier kein anderer Buchdrucker vorkommt. In dem erwähnten Jahre aber trat M a r c u s B r a n d', 1 4 8 4, auch Braudis oder Brander, mit dem „Vctula- rius" oder „Regimen sanitatis" des Erzbischofs von Prag auf, dem einzigen Buche aus seiner Officin, das bis jetzt bekannt geworden. Er wird von Einigen mit Moritz Brandts, von 1433 bis 1493, nicht nur verwechselt, sondern für eine und dieselbe Person gehalten, weil Brand mit einem Apostroph ebenso gut Brander als Brandis heißen könne. Maittaire schreibt ihm unter andern auch des „Priami Capotii Siculi Filnvactani Frideri- reis", das bekannte Heldengedicht auf den Herzog Friedrich von Sachsen, zu, und Samuel Senfs in seinen „Jubel- und Kirchengeschichtcn des Amtes Stölpen, Bautzen, 1718. 8." Seite 24 berichtet, in der Bibliothek zu Stolpcn ein aus alten Schriften zusammengetragenes Werk des Meißner Licentiaten ValentinuS „de arte moriendi" gesehen zu haben, welches die Schlußschrift haben soll „A. D. 1489. imprcss. per Klauricium Prandiss A^tzK." Es ist demnach eher anzunehmen, daß Beide zu gleicher Zeit gelebt haben, als daß ein und derselbe Drucker sich bald Marcus, bald Moritz nannte. Conrad Kachelofen, von 1489 bis 1509, welcher von dem Geschichtsschreibcr der Bnchdrucker- kunst in Leipzig als der erste Drucker dieser Stadt angesehen und dessen Ausgabe von „Johannes undnmnn's von Eger zMcystcr's In denn freyen Künsten zu leyptzick - Pchcde vnd hübsche Necke- nung auf allen Kausfinaiischilfft. Gedruckt In der Fürstlichen Stath Fcipczick durch Conradü Kachelofsen. Im 1489 Jarc." als der erste Leipziger Druck bezeichnet wird, würde demnach den vierten Platz in der chronologischen Reihenfolge von Leipzigs Typographen einnehmen. Erst auf dem Psalter von 1492 erscheint Kachelofen's Name Leipzig. — M. Fandsberg. — M. Stocket. — M. Lotther. — I. Thanucr. — V. Schumann. 181 zum wiederholten Male. Um das Jahr 1495 hat er sich der Pest wegen nach Freibcrg gewendet nnd dort die erste Officin eingerichtet. Martin Landsberg, von 1490 bis 1512, ans Würzburg, der sich selbst häufig nur Alartimis Herbipolensis nennt, gehört zu den gelehrten Typographen seiner Zeit und war in Ausübung seiner Kunst vorzüglich für die Verbreitung der classischen Literatur, vor allem Anderen aber des Aristoteles thatig. Sein erster Drnck soll des Johannes von Valz oder Paltz „hümnetisch Funtgrub" von 1490 gewesen sein. Spater hat er sich zu Halle an der Saale niedergelassen. ° Wenn wir Georg Wehrmann, Gregor Böttgcr und Arnold von Cöln, von welchem Ersteren wir kaum etwas mehr als den Namen, von den beiden Letzteren aber nur einige Schulbücher keimen, hier übergehen, so tritt uns Wolfgang Stocke!, von 1495 bis 1519, auch Stöcklin und Molitor, aus München entgegen, ein Erfurter Baccalaurcus, welcher an Grösie und Pracht seiner Leistungen mir wenigen der deutschen Znnftgenossen seiner Zeit nachstand, weshalb ihn Herzog Georg der Bartige, nachdem er einige Zeit hindurch seine Kunst auch an der neu begründeten Hochschule zu Witteuberg ausgeübt hatte, im Jahre 1519 als Hosbuchdrucker nach Dresden berief. Seine Leistungen hat der gelehrte Nector Moller zu Freiberg 1726 in einem Programme über die dasige Bibliothek bekannt gemacht. Melchior Lotther, voll 1497 bis 1518. Ein Zeitgenosse und Nebenbuhler Stöckel's gab seinem Vorgänger an Unternehmnngsgcist und Cor- rcctheit der Ausführung wenig nach. Er hat durch den Druck von Luther'S Schriften, den er von 1518 bis 1524 in Wittenberg mit Vorliebe betrieb, wesentlich znr schnelleren Verbreitung der Reformation beigetragen. Im Jahre 1525 zog er mit seinem Bruder Michael Lotther, der ihm tren beigestanden, nach der über Beide anSgebrochencn Ungnade des Kurfürsten Johann wieder nach Leipzig zurück, wo er sein Geschäft noch gegen zehn Jahre betrieben haben soll. Sein Bruder Michael begab sich 1529 nach Magdeburg. Ucberdies gebührt ihm der Nnhm, in den Leipziger Offieincn die römischen Lettern eingeführt und der Erste in seinen Drucken angewendet zn habe», indem er sich der damals üblichen gothischen Schrift nur noch bei deutschen Werken bediente. Auch machte er sich in des heiligen Bernard von Clairvanr Homilicn, welche er nach einem schönen Manuskripte der Altzcllischcn Bibliothek 1516 herausgab, schou um den N oten- druck verdient. Als sein Meisterstück kann das Vi->t!cum von 1502, eine Art Missale mit doppeltem Psalter und dem Leben der Heiligen, betrachtet werden. Jakob Thanner, von 1498 bis 1528, von Würzbnrg, der sich selbst hier und da auch Jacolms Abiegnus nannte, hat besonders durch gute Schulausgaben der Classiker, wie des Virgil, Florus, Ovid, Lucian, Plautus u. a. für die Verbreitung der classischen Literatur uuter der studi- rendcn Jugend gewirkt. Melchior Bärnius uud Courad Baumgarten, als mindcrbedentend, übergehen wir, um Valentin Schumann, von 1515 bis 1535, schon ans dem Grunde mit gebührender Achtung zu nennen, weil er in der durch den gelehrten Briten Richard CrocuS besorgten Grammatik des Theodor von Gaza 1516 Leipzigs ersten griechischen Druck geliefert nnd spater zn einer Zeit, wo der gelehrte Aldus Mauntius von Venedig aus die Meisterwerke 182 Leipzig. — N. Wolnib. — A. Gnubisch. — E. Vögelin. — I. Stcinmann. — A. Lamberg. der Kriechen mitzutheilen begann, in Deutschland aber, wenn griechische Worte in einem gedruckten Buche vorkamen, diese durch die Haud eines Schreibers ausgefüllt werden mußten, zur allgemeinen Verbreitung jeuer Literatur uicht wenig beigetragen hat. NicolanS Wolrab, von 1539 bis 1542, hat sich mehr durch seine Eontroversschriften gegen Lnlber, aiö durch seine 1541. Heransgegebene Bibel oder andere Werke einen Namen gemacht, sowie denn auch Urban Gau bisch, von 1551 bis 1555, ein Augnstinermöiick', mehr wegen seines romantischen Zusaunueutreffeus mit jenein großen Reformator, welcher den entsprungenen Klosterbruder mit sich uach Leipzig genommen und bei dem Buchdrucker Jakob Berwald iu die Lehre gethan hatte, wegen seiner besonderen Schicksale uud des llmstan- des, daß er Luther's Tischreden zuerst herausgab, merkwürdig, als wegen anderer Vorzüge seiner Kunst ausgezeichnet ist. Ebenso werden anch sei» oben genannter Lehrer, Jakob Berwald von 1539-1570, Valentin Papa von 1541-1589, Wolfgang Günther ans DippoldiSwalda um 1559, Georg Hantsch von 1552-1565, AndrcaS Schneider von 1558-1574, und Jobann Nhamba auö Burtehude nur, nm die Reihe der Leipziger Drucker nicht unvollständig zu lassen, hier namentlich aufgeführt. Als ein Stern erster Größe aber glänzte am topographischen Horizonte seiner Zeit in unserem Vaterlande E r n st VögcIi n, von 1559 bis 1578, aus Eonstanz. Er war 1528 geboren, stndirte zu Leipzig nm 1550, ward 1552 Bacealaurens der Philosophie, 1554 Magister nnd 1555 Liccntiat der Theologie. Wahrscheinlich hat seine im Jahre 1557 erfolgte Berheirathnng mit der Tochter dcS verdienten Leipziger Typographen Valentin Papa ihn veranlaßt, sich von 1559 an ganz dem Geschäfte seines Schwiegervaters zn widmen, welchen sowie alle seine deutschen Zeitgenossen er sehr bald verdunkelte. Er kann sowol in Bezug auf Correcthcit als technische Nollcuduug seiner Werke mit Recht der deutsche Aldus geuauut werden. Statt aller Beispiele sei es vergönnt, nur die von Richard EneliuS besorgte Ausgabe des Jsokrates von 1567, nnd die von Camerarins erläuterten kroMmn-ism-tt-i des AphthoninS von 1570 namhaft zn machen. Was Amcrbach für Erasmns, war Vögelin für Eamerarius. Seine Drucke sind den Leistungen eines Ginnta, GryphiuS, Plantin und Elzevir an die Seite zu stellen. Außer der Druckerei hatte er auch einen Buchhandel errichtet, starb jedoch, nachdem er 1578 sich aus Furcht, gleich sciuem mit ihm in die krypto-calvimstischen Streitigkeiten verwickelten Freunde Andreas Frci'hnb, eingekerkert zu werden, nach Heidelberg geflüchtet, im Jahre 1590 daselbst, ohne anderes Vermögen als sein Geschäft, welches seine Söhne, Gotthard, Philipp und Valentin, noch lange fortsetzten, zu hinterlassen. I o h a n li Stci n m cr n n, von 1561 bis 1588, druckte anfänglich mit Vögclin's Typen, legte alsdann 1573 eine eigene Werkstatt an, konnte aber eben so wenig als seine Zeitgenossen Andreas Richter, Johann Beyer, Georg Dcfner, Zacha- rias Berwald und Michael Lantzenbcrg mit Ernst Vögelin, ja nicht einmal mit dessen ältestem Sohne in die Schranken treten. Der Einzige, der hier einer besonderen Erwähnuug verdieut, ist Abraham Lamberg, von 1587 bis 1629. Im Jahre 1558 zu Leipzig geboren und nach sorgfältiger häuslicher Erziehung in der Schulpforte wissenschaftlich gebildet, trat er bei Berwald in die Leipzig. — Abrahmn Fumbcrg. 183 Lehre und bereisete alsdann die wichtigsten typographischen 'Anstalten Teutschlands. Im Jahre 1587 in seine Vaterstadt heimgekehrt, erwarb er sich durch seine ausgebreiteten Bekanntschaften mit den berühmtesten Gelehrten seiner Zeit sehr bald einen umfangreichen Wirkungskreis. Die von ihm gelieferten Drucke sind meistens gut, wenn auch nicht ausgezeichnet. Im siebenzchnten Jahrhunderte Wirkren Jakob Gaubisch oder Gubisius, Nincenz Strach, Franz Schnclboltz, Nievlans Nerlich, Jakob Popporeich, Hcnnig Große, Jakob VerWald, Valentin am Ende, Christoph und Nicolaus Nerlich, des Obigen Söhne, Johann Hermann, Lorcnz Cober, Tobias Beyer, Wolsgang Meißner, Jnstns JansoninS, Nicolaus Ball, Melchior Göppener, Friedrich Lanckisch, Johann Glück, Conrad Beyer oder Bavarus, Augustin Jung oder Jungius, Zohaun Hilvebrand, Carl Luntzmann, Andreas Mamitsch, HieronymnS Rauscher, Andreas Oßwald, Paul Schetler, Gregor und Timothens Nitzsch, von denen besonders der Letztere nicht nur alle übrigen Zunftgenossen weit übertraf, sondern auch zu den gebildetsten Mannern seiner Vaterstadt gehörte, Albert Mintzel, Georg Liger, Matthias Götze, Henning Köhler, Timo- theus Hön, Johann Wittigan, Johann Bauer, Friedrich Lanckisch, welcher durch vielseitige Gelehr- tenbilduug ausgezeichnet nach ehrenvoll bestandener Disputation die philosophische Doctorwürde erlangt und dnrch die allbekannte Bibclconcordanz sich einen bleibenden Namen erworben hat, Christoph Cella- rius, Erich Hahn, Christian Michaelis, Samuel Spörl, Christoph Fischer, Christian Fick, Eliaö Fiebig, Andreas Nichter, Christoph Uhniann, Christian Scholvin, Wilhelm Krüger, Michael Voigt, Christian Günther, Justus Brandt, Gal- lus Niemann, Christian Bankmann, Christoph Fleischer, Justus Neinhold, Christian Götze, Heinrich Richter, Andreas Vall, Balthasar Lange, Andreas Zeidler, JmmanuclTietzc, Andreas Zschan, Augnst Fornefeist und Andreas Barthel. Keiner unter denselben aber hat sich bei dem in ganz Deutschland wahrend des dreißigjährigen Krieges eingetretenen Stillstande der Künste und Wissenschaften auch mir über die Mittelmäßigkeit erhoben. Selbst zu Anfang deS achtzehnten Jahrhunderts verdienen Johann Knauth, Johann Caspar Müller, Christoph Friedrich Numps, zugleich auch Maler und Dichter, Johann Samuel Fleischer, Iobau» Heinrich König, August Samuel Eruciger, Gottsried Rothe, O-uiriuus uud Johaun Gottlieb Bauch, Andreas Martin Schare, Johann Christian Krüger, Johann Christian Sebolvin, Johann Gottfried Lange uud Matthias Schlegel mehr der Vollständigkeit, als ihrer Verdienste wegen hier genannt zu werden. Eine neue Periode beginnt erst mit Heinrich Christoph Talke, der sich durch einen zahlreichen Vorrath orientalischer Schriften, einer zu damaliger Zeit in Deutschlaud noch sehr seltenen Sache, einen Namen erworben, mit Christoph Zuuckel, dem Drucker von Lcupold's ,, l'lx^t.i-um iniiclnnnrmn", und besonders mit Bernhard Christoph Breitkopf, dem Begründer des noch setzt blühenden und unter der Firma „Breitkopf und Härtel" durch ganz Deutschland geachteten Geschäftes, welcher 16S5 in der hannöverschcn Bcrgstadt Clausthal geboren und bei dem Buchdrucker Georg Dnncker in Goolar gebildet, im Jahre 1740 nach Leipzig kam. Nachdem er bald daraus die Wittwe des Buchdruckers und Schriftgießers Johann Caspar Müller's heirathete, wußte er beide Zweige der Kunst mit seltener Umsicht zu vervollkommnen, weshalb Gottsched seine und der deutschen Gesellschaft Schriften bei ihm drucken ließ. Ein Zeugniß seines Fleißes ist deS Heinec- cius griechische und lateinische Bibel und Starken's „ 8)>ii»i>«l!> t>il?liotl»zc!«z >xstic»e i» I^vvum 1>«tÄ- inontiim." Wenn Wir seine Zeit- und Znnstge- nossen, Johann Georg Schniebs, Georg Saaibach, Friedrich Köhl, August Samuel Cruciger, Christian Benjamin Bittorf, Johann Christian Langenheim, Gabriel Trog, Christoph Barthel, Adam Heinrich Holle, Michael Hennig, ZacbariaS Heinrich EiSfclv, Johann Georg Nößler und Christian Friedrich Gcßner, von denen sich mir der Letztere durch seine „so nöthig als nützliche Buchdruckertnnst uud Schriftgießerei)", welche bei Gelegenheit des dritten Jubiläums 1740 erschienen ist, einen bleibenden Namcu gegründet hat, hier mit Stillschweigen übergehen , verdient 184 Leipzig. — Johann Gottlob Jinmanue! ArcitKops. Iohaiiil Gottlob Ziniuauuel Bn'itkvpf, von 1754 bis 1794, dcs Vorigen Sohn, die dankbarste Anerkennung, denn mit ihm beginnt in der Geschichte der deutschen Typographie eine neue Aera. Im Jahre 1719 zu Leipzig geboren und auS LiebliugSueiguug durch akademische Studien ausgebildet, widmete er sich gegen den Wnnsch seines VaterS hauptsächlich der Mathematik. Albrecht Dürer's Werk: „Vnder- mei)sung der Messung mit dem zirKel" u. s. w., in welchem der nie ruhende Geist des berühmten Meisters bekanntlich auch die Buchstaben ans mathematische Grnndlehren zurückführen wollte, um ihueu eine regelrechte schöne Form zu geben, wendete ihn dem Studium der Bnchdrnckertunst zu, deren Fortbildung er nun mit einem Erfolge, wie es noch keinem seiner LandSlente znvor gelungen war, zum Hauptgeschäfte seiueö Lebens machte. Er ward der Wiederhersteller des guten Geschmackes und der typographischen Schönheit in unserem Vaterlande. 2hm verdankt man die Erhaltung der deutscheu oder Fraeturschrift, welche als von der ursprünglichen, schon von Gutcuberg, Schöffer und Psister angewendeten gothischen Type ausgehend, seit Jahrhunderten unserer Nation znr ganz eigenthümlichen Zierde gereicht; denn, als man sast allgemein die deutschen Letteru als geschmacklos durch lateinische verdrängen wollte, erklärte er sich mit Lebhaftigkeit dagegen und bildete durch Verbesserung ihres Schnittes, dem er mehr Nundung und schönere Verhaltnisse der Höhe zur Stärke verlieh, einen kräftigeren Widerstand, als jede schriftliche oder mündliche Demonstration zu gewähren vermocht hätte. Mehrere der wichtigsten Erfindungen im Gesammtgcbiete der Typographie, als seit 1754 ein besserer Druck der Noten oder vielmehr die Kunst, musikalische Werke mit beweglichen Typen zu drucken, chinesische Bücher, statt mit sesten Holztafeln, durch cigendö geschnittene Metallcharaktere zu vervielfältigen, seit 1760 der Versuch, mathematische Figuren, Landkarten und geographische sowie militärische Situationen, ja selbst Portraits mit besonderen willkürlich an einander zu reihenden Zeichen zu drucken, vor Allem aber manche Vervollkommnung im Schnitt der Buchstaben sind sein Verdienst. So gelang es endlich seinem uner- müdeten Nachdenken, die Metallmasse zn den Typen oder in der Kunstsprache „ den Letternzeug" durch größere Härte dauerhafter zn machen, das Schmelzen und Gießen der Schrift durch eine neue Methode zu erleichtern und an den Pressen manches zu verbessern. Das Wenigste aber genügte ihm selbst, denn noch weit strengere Anforderungen, als er an Andere zu machen pflegte, stellte er zum Zielpunkt seines eigenen Strebens aus. Wiewol ihm die Pariser Akademie für die Beweglichkeit der chinesischen Schrift ihren Beifall zollte und der Papst ihm Glück wünschen ließ, gab er denselben sowie den Landkarten - und Bildnißdruck als ungenügend ans, legte anßer der von seinem Vater geerbten Bücher- druckofficiu, welche über 400 verschiedene Alphabete zählte, noch eine Schriftgießerei von zwölf Oefcn, eine Musikaliendruckerei, eine Spielkartenfabrik, eine Tapeteudruckerei nebst Buch - und Musikalienhandlung an und gab gegen 150 Menschen Gelegenheit znr Ausbildung und zu Broderwcrb. Nebenbei beschäftigte er sich bis zum Ende seines thätigen Lebens mit historischen Forschuugcu über das Wesen seines schönen Berufs. Früchte dieser eifrigen Studien waren die noch jetzt unübertroffenen Werke: „Ueber die Geschichte der Erfindung der Buch- druckerkuust, Leipzig 1779. 4." „Versuch, den Ursprung der Spielkarten, die Einführung dcs Leinenpapiers und den Anfang der Holzschneidekunst in Europa zu ermitteln, Leipzig 1784. 4." „Ueber Bibliographie uud Vibliophilie, ebendaselbst 1793. 4." und „Geschichte der Schreibe-, sowie der Schönschrcibeknnst und der Bildschnitzerei, Malerei und Mosaik, herausgegeben von I. C. F. Roch, ebendaselbst 1801. 4." Letzteres ist freilich mir eine fragmentarische Materialienlese aus zwar reichhaltigen, aber gänzlich ungeordneten Papieren. Zn einer ausführlichen Geschichte der Typographie, welche in drei Bänden erscheinen sollte und zu deren Ausarbeitung er mit den vorzüglichsten Gelehrten unseres Baterlandes, wie mit einem Lcssing, Küstner, Bcck- mann, Forster und mit den ersten Bibliographen seiner Zeit, als Schclhorn, Würdtwein, Panzer, Zaps, Mecrmann, Freitag, v. Mnrr, Mensel u. A. Leipzig. — Karl Christoph Trangott Tnuchnitz. 185 einen lebhaften Briefwechsel unterhielt, hatte er sowol den Plan entworfen, als auch den Stoff gesammelt, schrieb dieselbe aber mir bis zum siebenten Bogen, als ihn an? 28. Januar 1784 der Tod ereilte. Die Anstalt führte sein Sohn Christoph Gottlob, welcher mit Friedrich Nochlitz 1798 die erste musikalische Zeitung in Deutschland begründet hatte, uuter Mitwirkung Gottfried Christoph Härtel's, eines überaus thätigen und einsichtsvollen Geschäftsmannes, bis zu seinem Tode (1800) fort, von welchem Zeitpunkte alsdann der Letztere als alleiniger Eigenthümer derselben mit gleichem Ruhme vorstand. DaS Geschäft, unter der Leitung der Brüder Raimund und Dr. Hermann Härtel, der Söhne dcS Vorigen (Firma: Brcitkopf und Härtel), von deren Kunstfertigkeit die zur Verherrlichung des vierten Buchdruckerjubiläums von den Brüdern Otto und Georg Wigand veranstaltete Prachtausgabe des Nibelungenliedes mit Holzschnitten nach „Bcndcmann's uud Hübner'S Originalzeichnungcn" den sprechendsten Beweis liefert, hat in neuerer Zeit sowol an Inhalt als Ausdehnung gewonnen und vereinigt außer einer bedeutenden Anzahl von Handpressen auch zwei Schnellpressen, mehrere Zweige der Typographie, des Buch- und Musi- kalicnhandelS, für welchen letzteren Zweck eine Stein- nnd Zinndruckerci in stetem Gange sind. Nicht minder verdient die Fabrik musikalischer Instrumente, die mit den vorzüglichsten Anstalten des In- uud Auslandes in die Schranken tritt, eine ehrcnwerthe Erwähnung. Dem gefeierten I. G. I. Breitkopf stehet in der Reihe der deutschen Männer, welche in der Veredlung der typographischen Kunst ihren schönsten LebenSbernf fanden, Karl Christoph Traugott Tauchnitz, von 17S6 bis 1836, am nächsten, und auch auf ihn kann man anwenden, was Vrcitlopf's Biograph, HausiuS, von Ersterem sagt: „ Er ist als der Vater typographischer Kunst und Schönheit in Deutschland anzusehen." Als der Sohn eines armen Schullehrers in dem Dorfe Großpardau am 29. October 1761 geboren, vermochte er die Mittel zum Studiren, wohin seine erste Neigung ging, uicht zu gewinnen, er wählte daher einen mit der Literatur am nächsten verwandten LebenSbcrus, die Vuchdrnckcrknnst, ging bei dem rühmlich bekannten Typographen Sommer zn Leipzig in die Lehre nnd vollendete seine Ausbildung bei dem als Buchdrucker nnd Holzschneider gleich berühmten Unger in Berlin. Nachdem er bis zu seinem füns und dreißigsten Jahre in mehreren der vorzüglichsten deutschen Officiueu gearbeitet, und, nach Leipzig zurückgekehrt, wieder eine Zeitlang als Facwr in der typographischen Anstalt seines frühe- ren Principals gewirkt hatte, gelang es ihm durch den Ankauf eiuer kleinen Buchdruckerei, die nicht mehr als eine gangbare Presse zählte und keine große Auswahl von Schriften besaß, sich selbstständig zu machen. Seine ihm ganz eigenthümliche Umsicht, verbunden mit persönlicher Lebendigkeit des Geistes und Körpers, halfen die ihm ertheilten Austräge mit eben so feinem Gcfchmacke, als großer Pünktlichkeit erfüllen. Sein Geschäft wuchs mit jedem Jahre. Er blieb bei dem bloßen Drucke nicht stehen, sondern gründete 1800 eine Schriftgießerei, die späterhin durch die verschiedenartigen schönen, zumal orientalischen Schriften einen unverkennbaren l Einfluß auf die deutsche Typographie ausgeübt hat. Die Fortschritte des Auslandes benutzte er durch eifrige Betreibung der Stempelschneidekunst. Die von Bodoni, Didot lind BaSkerville verbesserten Formen der lateinischen Typen wurdeu durch seine Schriftgießerei zuerst in Deutschland eingeführt. Er war der Erste, der eine Stereotypengicßerei nach der Methode des Lord Stanhopc in Deutschland errichtete uud jcucs Verfahren bei seinen in unzähligen Eremplarcn auf beiden Hemisphären verbreiteten griechischen und lateinischen Autoren, im Jahre 1819 auch bei mehreren Vibelausgaben mit großen: Vortheile anwendete. Später machte er auch den vor ihm noch von Niemand gewagten Versuch, die Stereotypie ebenfalls in die musikalische Literatur eiuzuführeu, wovon Friedrich Schneider's Elavier- auSzüge des Mozart'schen „Don Juan" und des „Tancred" von Rossini gelungene Proben sind. 24 18« Fcipzig. — Karl Christoph Traugott Tauchnitz. Die großen Fortschritte, welche Tauchnitz im Gesammtgebicte der Typographie gemacht hat, lassen sich nicht besser erkennen, als wenn man seine im Jahre 18^5 erschienenen Schriftproben mit denen von 1806 und 1816 vergleicht und dabei berücksichtigt, das; er noch in den letzten Jahren seines bewegten LebcnS dnrch Bildung neuer hebräischer, syrischer und arabischer Schriften einem vor ihm in Dentschland nur von wenigen Typographen gepflegten Geschäftszweige ein neues Feld ruhmwürdiger Thätigkeit eröffnet hat. Vernehmlicher als Worte des Lobes sprechen seine Werke selbst. Wer kennt nicht seine Stercotypansgabe des Homer, bei welcher er, um möglichste Eorrectheit herzustellen, mit seltener Liberalitat für Auffindung jeden Druckfehlers den Preis eines Ducatens aussetzte, seinen Cicero uud TacitnS, die ebenfalls stereotypirte hebräische Bibel in zwei Ausgaben, den von Flügel besorgten „Koran" in der Originalsprache, und die prachtvollen Pergamentdrucke von Szafieddin's Gedicht au den Sultan Abulniekarem (arabisch, lateinisch uud deutsch) und der Kuhn'schen Hymne an Se. M. den König Friedrich August am Tage seiner Jubelfeier, wovon die Stereotypplatten in der königlichen Bibliothek zu Dresden verwahrt werden. Ebenso große Bedeutung, wie seine Druckosficin, erlangte das von ihm begründete VerlagSgcschäft. Mitten in neuen Unternehmungen, z. B. einer vom !)>-. Julius Fürst umgearbeiteten Ausgabe der hebräischen Bibelcoucordanz von Burtors, einer neuen 'Ausgabe der Vulgüt», dem Grundierte gegenüber, nnv neuer „orientalischen Schriftproben", rief der Engel des Todes den lebenshcitern rüstigen Greis am 14. Januar 1836 im Schlafe von seinem T agewerke ab. Das Geschäft, welches zu den vorzüglichsten in Leipzig gehört, wird von seinem Sohne Karl Tanchnitz mit großem Eifer fortgesetzt. Letzterem gebührt das gewiß nicht unerhebliche Verdienst, im Jahre 1839 auf Betrieb des würdigen amerikanischen Missionars, 1>>-. Smith, die schönsten bis jetzt bekannten arabischen Ti'pen nach besonderen von den berühmtesten jetzt lebenden Kalligraphen in Constantinopel eigends zu diesem Zwecke geschriebenen Vorbildern geliefert zu haben, welche die amerikanische MissionSgesetlschast aus ihre Kosien in Leipzig schneiden und gießen ließ. Sie übertreffen an Schönheit und acht orientalischem Ductus die berühmtesten sowol französischen, als englischen Leistungen dieser Art. Unter den jetzt lebenden Typographen Leipzigs ragen in Beziehung auf den Umfang ihrer Officincn und der damit verwandten Branchen die Firmen F. A. Brockhaus und B. G. Teubner hervor. Die meisten Pressen, darunter auch drei Schnellpressen, welche letztere durch eine Dampfmaschine in Bewegung gesetzt werden, sind in der Offiein des Ersteren im Gange und werden größtentheils dnrch eigene Verlagsunternehmungen, als z.B. die Allgemeine Leipziger Zeitung, das Couversationslcricon der Gegenwart, die Blätter für literarischc Unterhaltung, Gersdorf'S Repertorium der dentschen Literatur und viele andere Artikel in Anspruch genommen. Auch in typographischer Beziehung hat sich die Osficiu vortheilhaft ausgezeichnet. Wir erinnern nur an die neueste DruckauSsührung der Prachtausgabe von Franz Kugler, „Geschichte Friedrichs des Großen", mit Holzschnitten nach Originalzeichnungen von A. Menzel (Leipzig, bei I. I. Weber) und an die von Gersdors und Espe revidirte Jubel- ^ Prachtausgabe des „ Neuen Testaments." Die Thätigkeit der beiden Brüder Friedrich und Heinrich Vrockhaus findet sast täglich in neuen zeitgemäßen Unternehmungen Stoff zu einer immer ausgedehnteren Wirksamkeit. So besitzen dieselben in Vereinigung mit Eduard AvcuariuS und Georg Hartmann Friedlein eine Buchhandlung iu Paris, uud iu Weimax auf alleinige Rechnung die trefflich eingerichtete, von dem berühmten Walbaum gegründete Schriftgießerei, welche mit den ersten Anstalten dieser Art in Deutschland wetteifert. Nicht minder uiinmt die von ihnen in Leipzig gegründete Stereotypie einen ehrenwcrthen Platz in der Reihe ähnlicher Anstalten Deutschlands ein. Auf derselben Stufe steht die Officin deS wackern Verlegers dieses Buches, die in Folge der Verzweigung ihrer Branchen zu den ausgcdehntcsteu Deutschlands gezählt werden mag. Nächst zwei Schnellpressen vereinigt sie in dem dazu sehr praktisch eingerichteten neuen Geschäftshaus,: (wovon die bei- gegebcnc Abbildung eine Veranschaulichung giebt) !)->< liüt'x« "1 ^ ^! ^ . > ?//>^/ ^ /<^/>/^///////' '«//^ ^/v/^//. Dii<<^ I.l.iLt. X^il,- I'.ln'it'. ^///.»/^// //i!^ ^ ^ />>/!»!>^//. N.___.....1. > ^ - ^1^//// ./^/^! . _ _'_QV."I^I".'_"^??IIIIIQ.V.V."IIZ.' .i 'cii ^ ^ .t^///'/'///^'/-^'///////// ///// /^iV/^/^./^// ^ > v///. ^ ///// ^////^»^///^// .^///v/// ^< /, /,^ ' 1. ! ^! I. l'.ixlc ///// /^^//^//^/^i^>///^ ......^>_... »....^.. .» .»..-'" --» .- l ^ > ^ > ' ! ! 1^ > l Leipzig. — Karl Christoph Traugott Tauchn,'!,,. 187 Alles, was zum Gesammtgcbiete der Buchdrncker- kuust in der vollsten Ausdehnung des Wortes gehört: Stempelschneiderei, Schriftgießerei, Stereotypie, Xylographie oder Holzschneidekunst, Congreve-, Gold-, Silber-, Bunt-und Hochdruck, verbunden mit einer iu Deutschland in solcher Vollendung noch einzigen Guillochirmaschine. Außerdem unterhalt sie noch ein Zweiggeschäft in Dresden von nicht unbedeutendem Umfange, in welchem außer mehreren Handpressen auch eine Schnellpresse thatig ist. Wie K. C. T. Tanchnitz, ja in noch classischerer Gediegenheit, hat auch die Verlagshandlung B. G. Tcubner die Autoren der Griechen und Römer in anständigen Ausgaben durch Mitwirkung der berühmtesten Philologen Deutschlands diesseits und jenseits des Oceans verbreitet, und durch die wohlfeilsten Preise selbst einer weniger bemittelten Jugend zugänglich gemacht. Die Richtung der übrigen Verlagswerke erstreckt sich vorzugsweise auf das Gebiet der Philologie und Pädagogik und die bis jetzt erschienenen Bände des Oorpus gramm^tlcoi-um latinorum, von Lindemann, welche bereits an 300 Bogen ausmachen und fortgesetzt werden, liefern den Beweis, daß der Kreis des Verlags von classischem Charakter ist. Außerdem verdienen die in demselben Verlage seit 1826 erscheinenden Jahrbücher der Philologie und Pädagogik, von welchen der fünfzehnte Jahrgang, sowie das Archiv für Philologie und Pädagogik, von welchem der sechste Jahrgang unter der Presse ist, gebührende Anerkennung. Eine ehrenvolle Erwähnung und Anerkennung verdienen, außer den bereits Genannten, nachstehende in alphabetischer Reihe auf einander folgende Leipziger Buchdrucker: Fr. Audrae. Fr. Chr. Dürr, der ehrwürdige Altmeistsr und Senior der Leipziger Typographen, früher Inhaber einer bedeutenden Officin, seit mehreren Jahren aber wegen vorgeschrittenen Alters blos auf den Druck seines eigenen Verlags sich beschränkend. Fr. Heinr. Elbcrt. Carl Ed. Fischer. Joh. Friedr. Glück. Carl Ludw. Hirschfeld, aus dessen ansehnlicher Officin, verbunden mit einer Schnellpresse, Stereotypie u. s. w., viele vorzügliche Prachtwerke in Gold-, Silber- und Buntdruck hervorgehen. Die auf Veranlassuug des ! Buchhändlers A. G. Liebeskiud ganz in Gold gedruckten Prachtexemplare des Werkes: „Dur, das ewige VcrsöhuuugSopfer", Leipzig, 1839, können zu den gelungensten Leistungen deutscher Typographie gerechnet werden. Fr. Höhin und Höhm'S Witwe. C. PH. Mclzer, dcrmaliger Vorsteher der Vuchdruckerinnung, beschäftigt ein starkes Personal und hat zugleich eine Buchhandlung. I. H. Nagel. C. G. Naumann. Fr. Nies, außer einer ansehnlichen Vnchdrnckcrei, eine mit großer Umsicht uud Thätigkeit erschlossene Schriftgießerei und Stereotypie, in welcher, außer allen currentcn Schriften, die meisten orientalischen und nach Angabe des Professors Seyffarth, selbst auch die Hieroglyphen- charaktere auf die gelungenste Weise heimisch geworden sind. E. Polz, ebenfalls Inhaber einer Ver- lagShandluug. PH. Ncclam jm,., zugleich Besitzer einer VerlagShaudlung. Fr. Nückmann, außer einer Schnellpresse, noch mehrere Handpressen. Wilhelm Staritz, UniversitätSbuchdruckcr. Sturm und Koppe. Beruh. Tauchnitz, Neffe und Schüler dcS berühmten K.C.T. Tanchnitz, selbstständig ctablirt, besitzt eine Officin von größerem Umfange, mit einer Schnellpresse und Stereotypie versehen, sowie er als Ver- lagSbuchhäudler eine rühmliche Thätigkeit entwickelt. Joh. Carl Vater beschäftigt seine Officin vorzugsweise mit Druckaufträgen von kaufmännischen Gegenständen. Als Holz - und Formcnschneidcr finden seine Leistungen verdienten Beifall. F. Ch. W. Vogel, außer einer mit den vorzüglichsten orientalischen und andern Schriften versehenen Officin, eine durch ihren classischen Verlag berühmte Buchhandlung. Die Schrift- und Stereotypengiefierei von J. G. Schelter und Chr. Fr. Gieseckc, deren Leistungen in der dritten Abtheilung dieses Buches (Geschichte des Mechanismus und der technischen Vervollkommnung der Buchdruckerkunst) mit gebührendem Lobe gedacht werden soll, ist unter Deutschlands beste Anstalten dieser Art zu zählen. Viel wäre noch über Leipzig's weltberühmten Buchhandel zu sagen, welcher ursprünglich auch hier wie allcrwärts in den Händen der Buchdrucker lag, später aber, als die Büchermcsse um die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts von Frankfurt am Main dahin verlegt worden war, gar bald eine 188 Mnnmingr». — A. Kuniic von Auderstadt. — Paffau. — C. Stahcl. — I. AtaKraw. solche Ausdehnung gewann, daß Leipzig, jetzt der größte Büchermarkt Europa's, als Druckort nur den beiden Weltstädten London und Paris nachstehet ; allein der Zweck dieser Blatter gestattet nur von den Fortschritten der Typographie zn sprechen. Wenn selbst Letzteres hier noch ausführlicher als bei den übrigen Städten Enropa's geschehen, so mag die Wichtigkeit des Platzes und der Umstand entschuldige», daß Leipzig in unserem Jahrhunderte das Emporium der Drncktuust ist und das Jubiläum vor allen anderen Städten Deutschlands in seinen Mauern besonders feierlich begangen wird. triebt „1. II. I^eicli, ">I>Nli>o I^>üivn«!ü l!l>er Singularis ete., I^>s. 1740. in 4." mehr über die literarischcn Verdienste der berühmten Universität und deren Lehrer, als über die Leistungen der Presse Auskunft, so muß Gcrsdors's binnen Kurzem erscheinende „ Geschichte der Buchdruckerkuust in Leipzig", welcher die Schilderung der Jubclfeierlichkeiten beigefügt wird, um so willkommener sein, als ans solch' einer Feder, bei so vielseitig dargebotenen Hülfsmitteln, ein den Gegenstand erschöpfendes Gemälde zn erwarten ist. Mit dem Jahre 1482 hat die Buchdruckerkunst in sechs Städten unseres Vaterlandes zugleich Fuß gefaßt' in Memmingen, Passau, Wien, München, Neutlingcn nnd Erfurt, und wurde in den vier Letzteren bis auf unsere Zeit ruhmvoll mit mehr oder weniger Glücke sorrbctricbcn. Wir nennen zuerst: Memmingen. 14 82. Albert Kunne von Dnderstavt, von 1482 bis 1500. Memmingen, eine kleine Stadt im Landgerichte Ottobenern im baierischen Oberdonankreise, hat die neue Knnst schon 1482 und in ununterbrochener Thätigkeit bis zur Mitte des sechszchnten Jahrhunderts ausgeübt. Ihr erster bedeutender Drucker war Albert Kunne von Dnderstadt, welcher seine Lausbahn 1475 zu Tricnt in Türol begonnen nnd hier mit einer Menge gediegener Werke fortgesetzt hat. Man zählt deren einige fünfzig, die mit oder ohne seinen Namen erschienen sind. Das erste derselben ist: „Wcrncri Aolevinckii Fasci- culus tcmm'rum 1482" mit Holzschnitten in Folio, ein zu jener Zeit allgemein beliebtes, fast in alle Sprachen übersetztes und unzählige Male gedrucktes Buch. Er scheint selbst Schriftgießer gewesen zu sein und bediente sich in seinen Werken fast durchgängig der gothischen Minuskel. Von den ersten Buchdruckern der ehemaligen Reichsstadt Memmingen hat der dasige Superintendent nnd berühmte Bibliograph Schclhorn in seinen „Beiträgen zur Erläu- tcruug der Geschichte der schwäbischen Kirchen u.s.w., Memmingeu, 1772. 8. Seite 76-79." Nachricht ertheilt. Passan. Cour ad Stahel, von 1482 bis 1486. Von Memmingen wanderte die Kunst die Donan entlang nach Passau, wo Courad Stahel, ein „fahrender Buchdrucker" sie zuerst übte. Hier druckte er im Verein mit Benedict Mayr als Erstlingsversuch: „Epistola b. Euscbii, S. Hicron>i»n discipuli, dc murre gloriosi Hicronyini" 1432. in Quart, mit gothischen Lettern, welche denjenigen ähnlich sind, deren sich zu gleicher Zeit Conrad Zcningcr in Nürnberg bedient hat. Wahrscheinlich ist Letzterer zugleich Schriftschneider und Schriftgießer gewesen nnd hat seine ihm eigenthümlichen Typen auch anderen Znnftgenossen überlassen. Eonrad Stahcl erscheint später wieder zu Venedig (1434) und zu Brünn in Mähren (1436 und 1491). I o h ci lt n A lakra w, von 1432 bis 1492. Ebenfalls ein „wandernder Drncker", verband sich nach Stahclö Abgang mit dem uämlichen Benedict Mayr, in dessen Genossenschaft er das „Spc- culum m„»u»le Saccrdotum" dcs Augustinermönchs Hermann Schilditz und das „Intcrrona- torium seu Confcssionalc" deS Bartholomäus de Wien. — Johannes Winterburger. — Hieronimius Victor. 189 Chaymis (beide Werke 1482) und drei Jahre später nach der Mainzer Ausgabe von 1484 den mit sauberen Pflanzcnabbildnngen in Holzschnitt gezierten „Herbarius" 1485 in 4. auf rühmliche Weise vollendete. Im Jahre 1484, in welchem lein Passauer Druck von ihm erschienen ist, erblicken wir Johann Alakraw zu Wintcrbcrg in Böhmen, wo er „Albcrti -Milgni Summa de Eucharistia" in Folio und deS h. Augustinus „^iber Soliloquiorum" in Quart herausgab. Schon 1485 wieder nach Passau zurückgekehrt, druckte er für sich allein bis 1492. Noch verdienet Johann Petri wegen seiner fleißigen Bemühungen im Missaldrucke (1491 und 1492) und wegen seines regen Interesses, welches er an der neuen Knnst nahm, hier ehrenvoll genannt zu werden. Seine Wirksamkeit gehört mehr der Schweiz und Italien, als Deutschland an. Wir finden ihn wieder unter dem Beinamen „deLangcn- dorf" zu Basel bei Frobcn (1494 und 1498). Wien. Die edle Kunst hatte schon in vielen mittelgroßen und selbst in einigen kleinen Städten unseres Vaterlandes Aufnahme gefunden, ehe sie iu der Kaiserstadt Wien heimisch geworden war. Denn obwol Kaiser Friedrich III. schon Fust's Erben wegen des durch des Letzteren Tod zu Paris in Anwendung gekommenen Heimsallrcchtes gegen die französische Behörde in Schutz nahm: so ist es doch erst im Jahre 1482 gelungen, eine Officin zu begründen, aus welcher „Guidonis de montc Notherii mnnipulus tLuratorum." Impr. Wieunc, 1482.4. und „Joannis Mcygcr, Tractatus di- stinctionum." Wicnne (sie) 1482. 4. durch ciuen unbekannten, wahrscheinlich „fahrenden Drucker", hervorgegangen ist. Derselben Werkstatt mag auch die „Legende vom h. Nochns" mit der Schlußschrift: „Die Hnstori Ist von malisch auf Tcuchß pracht. In der löblichen Stat zm mieiur In i Gsterrcych nach Christi gepurd mecectrrriH zar und da selbst auf gedruckt dem heilige Sund Noceus zu eren des heiligen leben vud verdie- neu bey got: noch wenig bys auf dise zeit in den lundeu bechand m»s." acht Blatter in O-nart, angehören. Zu Anfang ein Holzschnitt: der h. Rochus stehet im Pilgerkleidc neben dein Bette eines Kranken, darüber siehet Jemand mit der Aufschrift „Viucentius" dnrch ein Fenster herein. Der erste Drucker, dessen Name ans Büchern erscheint, ist Johannes Winterlnirger, von 1492 bis 1519, welcher zufolge der Sitte jener Zeit nach seinem Geburtsorte unweit Kreuznach in der Grafschaft Sponheim sich nannte und die Kunst wahrscheinlich in Mainz erlernt hatte. Seine meisten Arbeiten sind liturgischen Inhalts, wie z. V. die Meßbücher von Salzburg (1506), Passau (1507) uud Strigau (1508) u. s. w. Sein wichtigstes Werk aber ist: „Georgii Peurlmchii Cabulae ecelypsium, 1514." wobei ihm der geschickte Mathematiker Johann Michaelis von BreSlau als Corrcctor diente. Seine Osficin war schon reichlich mit großen und kleinen, gothischen und römischen Schriften uud selbst auch mit Choralnotcn versehen. Hieronymns Victor (Binder?), von 1509 bis 1531, aus Licbcnthal im schlesischen Fürstenthnme Jauer gebürtig, weshalb er sich in seinen Unterschriften auch zuweilen „Hieronhmus Philovallis" nennt, kommt 1509 in der Schlnßschrift von: „Pauli Crosncnsis Nutheni carmina ad Fadislaum Nc- gcm" etc. in 4. mit Hans Wintcrburgcr zugleich und zwar als Verleger dieses Werkes vor. Im solgcndcn Jahre (1510) begann er selbst zn drucken, welche Knnst er aller Wahrscheinlichkeit nach bei Haller in Krakau, seinem früheren Aufenthaltsorte, erlernt hatte. Bald darauf trat er mit Johann Singricncr (Singreniuö) in Gesellschaft und lieferte mit diesem, mit und ohne NamcnSbczeichnnng, manches schöne Werk. Vom Januar 1515 arbeitete Victor wieder für sich allein und uutcrzcichncte sich 1528 „l'^iograplms Hexius." Nach ein und 190 Wien. — S'ilijirienrr. — Carbo. — A.iuila. — Limmrrmann. — Hofhalten zwanzigjähriger Thätigkeit in Wien begab er sich nach ^cratan, wo er seine Kunst fortsetzte und 1546 starb. Seine griechischen und lateinischen Typen wurden schon zu ihrer Zeit von mehreren Gelehrten gerühmt. Die besten seiner Leistungen sind: „Nicrnrdi Unrtholini Odoparicon" ete. Vienn-ie, 1515. in 4. und der „Diodorus Siculus" in der Uc- bersetznng des Ang. Cospus von 1516. in toi. Rudolf Agricola scheint ihm als Corrector gedient zn haben. Johann Singriener, von 1510 bis 1545, auch Singryener und Singrcnins, der wahrscheinlich bei Hieronymns Vietor gelernt hatte, übertraf, wenn nicht als Drucker, doch als Schriftgicßer seinen Lehrer, indem sich die meisten seiner Leistungen (nur wenige finden sich noch mit gothischer Schrift) dnrch eine schöne römische Type, häufig auch durch geschnittene Frontispicicn nnd überhaupt durch größere Mannigfaltigkeit der Formen auszeichnen. Er druckte uicht nur deutsch und lateinisch, sondern auch französisch, griechisch uud hebräisch. Einige Bücher zierte er mit Figuren und 1522 setzte er das erste Mal Ort, Jahr und seinen Namen vorn auf das Titelblatt. Man hat von ihm Ausgaben vom Folio - bis znm Duodezformat. Seine schönsten Werke sind: „pomponlus HIelk" 1517. iol. „LlMllini sententiüe tbeoloLlc!«-" 1519. toi. „ Julius «oümis " 1520. 4. und „ Cicero, vratio pro lexe !>I-»iiI!a" 1522. 4. Er war fünf nnd dreißig Jahre lang unausgesetzt thätig nnd starb 1545. Seine Söhne Matthaus und Johannes setzten zwar das Geschäft ihres Vaters fort, aber weder mit demselben Geiste noch mit derselben Thätigkeit. Sie wurden bald von Johannes Carbv, von 1549 bis 1552, verdunkelt, welcher sich in deutschen Auflagen „Hanus Khol" nennt und zn den „reisenden Druckern" gehörte. Dieser rüstige Mann, der sich durch eine große deutsche und eine kleine lateinische Cursivschrist auszeichnet, auch griechische und hebräische Bücher druckte, wanderte mit seinem Kunstzeugc von Ort zu Ort, zuerst nach NegcuSburg, dann nach Heidelberg, wo wir ihm wieder begegnen werden. Doch auch Carbo ward von Aegidins Aqnila, von 1549 bis 1552, oder Adler, einem gebornen Niederländer, der eine kurze Zeit mit ihm gemeinschaftlich arbeitete, an Zahl und Schönheit der Ausgaben übertrofscn. Besonders gut ist neben seiner hebräischen Type die große Cursivschrift. Leider starb er schon 1552, viel zu früh für seine Kunst. Michael Zimmermann, von 155Z bis 1565, der sich auch Cymbermannns nennt und Acsuila's Wittwe geheirathet hatte, druckte nicht nur außer den gewöhnlicheren deutschen, griechischen und lateinischen anch italienische und spanische Bücher, sondern in „ (Zuliielini postelii etc. 6e lingUcle plioe- nicis «ive Iiedraicse exoellenti«, etc ?nneg^i!s. Viciunte, 1554. 4." die ersten zwei Verse des 31. PsalmS arabisch mit einer großen und fetten arabischen Type. Ihm gebührt nebenbei das Verdienst, der allererste Drucker zu sein, welcher in dem „liiber s-icrossnoti I^vsnAsIii Oe >1esu Lliristo Domino et Veo nostro. Viennas, 1555. 4." syrische Charaktere angewendet, zu welchen Caspar Kraft von Elwangen die Bunzen verfertigt hatte. Seine Ausgaben zierte er mit vielem Roth nnd oft mit mancherlei, auch illnminirten Figuren uud Landkarten. Er starb 1565. Wir schließen die Reihe der früheren und bedeuteudercn Bnchdrncker Wiens mit Raphael Hofhalter, von 1556 bis 1560, eigentlich Skrzetuski, aus adeligem polnischen Stamme, der vermuthlich der Religion wegen sein Vaterland verließ, seinen Namen aus Vorsicht mit einem deutschen vertauschte, sich zuerst in den Niederlanden aufhielt, dann zu Wien in Gemeinschaft Wien. — Joh. Thom. Edler v. Tratncrn. — Jos. v. Kurzbcck. — Jos. Vincciiz Dcgcn. 191 mit dem Schriftgießer Caspar Kraft und zuletzt in Ungarn für sich allein, sowol zu Debreczin als zu Lindva in der Saladergespannschast seine Kunst ausübte. Durch Mißverständnis? der in Schlußschristen alter Drucke gewöhnlichen Form „Ductu", welches „unter Leitung" oder „auf.Veranlassung" bedeutet, wurden auch Conrad Celtes, der erste deutsche gekrönte Dichter, welcher 1497 und 1500 den obenerwähnten HannS Winterburger beschäftigte, und Theobald Feger, ein Bürger und Buchhändler zu Ofen, welcher 1488 die „Thuroczische Chronik" bei Erhard Natdolt in Augsburg auflegen und andere Werke bald da, bald dort drucken ließ, vonMaittaire und andern Bibliographen für wirkliche Buchdrucker gehalten und als solche an ihrem Orte aufgeführt. Im sechszehnten Jahrhunderte ziehet nur noch die Officin der Jesuiten unsere Aufmerksamkeit auf sich. Nachdem nämlich Kaiser Ferdinand I. diese OrdenSleute im Jahre 1551 nach Wien berufen und ihnen daselbst 1554 das verlassene Carmeliter- kloster eingeräumt hatte, fiel der damalige Rettor P. Johann Victoria, von Geburt ein Spanier, auf den Gedanken, in dem neuen Kollegium zum Besten „der Religion und armer Studirender" eine Druckerei zu errichten. Schon 1559 begann das Werk unter Leitung des erfahrenen Wilhelm Sulenius Columna aus Geldern. Doch hat diese Anstalt nur vier Jahre gedauert und der Apparat wurde hernach an den Generalvicar von Gran, NicolauS Telegdi nach Tyrnau verkauft, welcher sich desselben zur Herausgabe seiner Schriften bediente. Die Typographie sank im folgenden Jahrhunderte in der Kaiserstadt, wie fast allerwärtS in Landern katholischen Bekenntnisses, von einer freien Kunst zu einer dienstbaren Magd des Klerus herab nnd ihre Leistungen beschrankten sich fast ausschließend nur auf polemische und ascetische Schriften. Während des siebenzehnten Jahrhunderts hat die Typographie in der Kaiserstadt keine wesentlichen Fortschritte gemacht. Die veraltete Schriftform, die geschmacklose Anordnung des Satzes, die Ueberladung mit Randverzierungeu, Einfassungen, Or- ^ ncuncnten uud Röschen und mangelhafte Manipulation dcS Druckes blieben bis auf Joh. Thomas Edlen v. Trainern, von 1748 bis 1798, welcher eine ans fremden Mitteln erkaufte Druckerei durch Redlichkeit und Genie nach und nach bis zu 24 Pressen erweiterte, damit 2 Papiermühlen und 5 Filialosficinen zu Agram, Pesth, Innsbruck, Liuz und Trieft nebst 8 Buchhandlungen und 18 Büchcr- niedcrlagen (nicht nnr in den k. k. Erblandcn, sondern auch zu Warschau und Frankfurt am Main) verband und somit der vernachlässigten Kunst in seinem Vaterlande eine größere Vollkommenheit verleihen half. Ihm folgte unmittelbar Joseph v. Knrzbeck, ein nm die neuere hebräische Typographie hochverdienter Mann, welcher sich mit vielen Kosten die mit Recht allgemein geschätzten Amsterdamer Stempel und Matrizen verschaffte und einige sehr wichtige und voluminöse Werke auflegte, wie z. B. den „Talmud, Mischnojoth nnd Machsorim", wodurch er allgemeinen Beifall erntete. Auf seine Veranlassung schnitt Mamisfeld geschmackvollere Schrift- stempcl, welche unter dem Namen „ Mannsfeld'sche Schriften" bekannt sind. Der Kupferstecher Alberti vereinigte sich mit MannSfeld und Beide lieferten von 1739 bis 1794 gemeinschaftlich Werke, welche damals wenigstens allen inländischen Produkten dieser Art an typographischer Eleganz gleichkamen. Diesen folgten von 1794 bis 1800 Bauer, Hra- schansw, Matthäus Andreas Schmidt und Anton (jetzt Edler v.) Schmid. Doch blieb die Kunst auf der gewöhnlichen durch ganz Deutschland mehr oder minder mechanisch verfolgten Alltagsbahn. Nnr erst zu Anfang dieses Jahrhunderts nahm sie durch die Thätigkeit eines Joseph Vincenz Degen einen nenen Aufschwung. Früher ausgezeichneter Buchhändler brachte er im Jahre 1800 die treffliche Albcrti'sche Bnchdruckcrci an sich und legte zugleich eine Schriftgießerei an. Seinem Eifer und Auf- wande gelang eS, die veralteten Typen dnrch neue, die mit den schönsten des Auslandes wetteifern 192 «München. — Johann Schnurr. — I ohnnn Schobser. — Andreas Schobser. konnten, zu verdrängen und musterhafte Drucke herzustellen. Seine Prachtausgaben des deutschen Dichters Uz, 1804. 2 Bande; von Wieland's „Mnsarion" mit 3 Kupfern von John, 1808.; von Bondi's Werken, 18VS. und des D'Elci'schcn „Lucan" mit 1v Kupfern, 1811. sprechen laut für seinen Ruhm und weisen ihm einen Ehrenplatz unter den ersten Typographen der neuern Zeit an. Die Errichtung der t. k. Hof- und StaalSärarial- druckerei war Degen's Werk. Er ward Director derselben und der Kaiser belohnte seine Verdienste durch den AdclSstand mit dem Prädicate „Ritter von Elsenau." Degen starb zu Wieu am 5. Ju- nius 1327. Unter den neueren Buchdruckcreieu verdienen diejenige des thatigen Buchhändlers Carl Gerold, die der v. Ghclcn'schcn Erben, in welcher die k. r. priv. Wiener Zeitung auf drei vou Fr. Hclbig in Wien erbauten Schnellpressen gedruckt wird, jene von A. Edlen von Schmid, welche vorzugsweise hebräische Arbeiten liefert, die von I. P. Sollingcr mit Schnellpressen, wo auch der jetzt so beliebte Congrevedrnck in großer Vollkommenheit erzeugt wird, und endlich diejenige der Buchhändler I. B. WalliShauser, Autou Strauß, I. F. Sollingcr und der Mechitaristeucougrcgation (letztere mehr ihrer AnSdchnnng als ihrer anderweitcn Trefflichkeit wegen) rühmliche Auszeichnung. Diese Geistlichen besitzen jetzt auch eine eigene Buchhandlung. Ihr neuestes Werk- „Die Nachfolgung Christi, 1839." erfreut sich selbst auch in technischer Beziehung eineö verdienten Beifalls. Wiens Buch- druckergcschichte haben Michael DeniS und K. F. O. von Khautz bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts geschildert. München. Johann Schauer, von 1482 bis 1494. Der erste Buchdrucker, welcher die nene Kunst in Baicrns Hauptstadt ausübte, war I. Schauer, der schon früher in Augsburg gedruckt hatte, und den Zapf irrig mit Johann Froschaner identificirt. Er druckte hier im Jahre 1482 mit Günther Zai- uer's Lettern die vorher und späterhin öfters aufgelegten „Mlirabilia urbis Noinae", welches bei den Nömerpilgern so allgemein beliebte Werk zuerst als Holztaseldruck ohne Angabe des Druckortes, des Jahres uud des Künstlers unter dem Titel„ Das geist- und weltliche Rom" erschienen ist, worin uuter Anderem auch ein Zeugniß von der Papstin Johanna vorkömmt. Es ist dieses Product der Schaucr'schen Presse zugleich das erste in Müuchcu gedruckte Buch. Johann Schobser, von 1497 bis 1520. Einer der frühesten Drucke dieses MauueS, welcher als Hofbuchdrucker der Herzöge von Baiern von Augsburg nach München berufen, hier die landesfürstlichen Verordnungen u. f. w. bekannt machte, ist: „Pauli Wann (Quadragesimale. Klonaci. s. a." in Folio. Von seinen vielen Leistungen nennen wir nur „Dir güloin Uull des röm. Kaiser Karelis des VierÄten", erschienen 1515 in Folio und ist davon bis jetzt nur ein Erem- plar des Klosters Polling bekannt, und die allererste Wahl- und Krönungsbeschreibung, die in deutscher Sprache erschienen ist, nämlich „Von der Chur- und Wahl des großmächrigstcn K. Karls. 1519. 4." Andreas Schobser, von 1520 bis 1531, Johann Schobser's Sohn, setzte das Geschäft seines Vaters fort, welchem nach einem kurzen Zwischenraume Adam Berg und Philipp Ulhart, welcher Letztere auch längere Zeit in AugSburg druckte, in manchem gelungenen Werke nacheiferten. Zwei der ältesten nnd bisher fast ganz unbekannt gebliebenen Buchdrucker Münchens sind: HannS Ostndorfner, Maler, und Matthäus Zeys- siuger, Goldschmied, welche Panzer'S Forschcrblicke entgangen waren nnd zuerst von Arctin in den Beiträgen 1, ii, 71. angeführt wnrdcn. Sie druckten: Rentlingen. — Joh. Otmar. — Mich. E-renfs. — Erfurt. — Paul Wider von Hornbach. 193 „Leichenbegängnis; Herzog Albrechts IV." 1509. Folio. „Kopie N. K. M. des baicrischen Kriegs- Fandfrieds Störung." 1505. Folio. „Kopie eines Kriefs papsts Jutii II. nn den Kaiser", 1509. „Lied non Ungehorsam der Renediger." „Ein hübscher Spruch vom miirtcmbergischen Kriege" und mehrere andere kleine Schriften. Von spateren Druckern nennen wir nur: Hein- ricus und -Adam Berg, welche sich zu Ansang des siebenzchnten Jahrhunderts durch einige Prachtdrucke ausgezeichnet haben, wie z. B. deS Letzteren Ausgabe von: „Kurze doch gegründete Beschreibung des Aeitagers des Durchlauchtigen icc. Fürsten Wit- Helm Pfalzgraf bei Rhein mit Frewlein Renata Herzogin von Fothringrn." 1503, in Folio, mit 14 großen Holzschnitttafeln, Turniere, Gesteche und Nennen darstellend. Besonders schön sind die Initialen und Schlußverzierungen der Capitel. In unseren Tagen verdienen die Hofbuchdruckerei G. Jaauet'S, die Magistratsbuchdruckerei des Dr. Wolf und die Offieincn eines I. G. Fleisch- mann, G. Franz, I. Gieser, F. S. Hübschmann, Pöschenbccher, Jos. RöSl und des Ccntralschnlbü- cherverlagS, vor allen aber die literarisch-artistische Anstalt deS Freiherrn von Cotta genannt zu werden. Reutlingen. Unter den kleineren Städten Süddcutschlands, in welchen die Buchdruckerkuust von frühester Zeit an mit Einsicht und Beharrlichkeit bis aus unsere Tage, in diesen leider aber mehr auS Gewinnsucht, als aus Eifer für die Wissenschaft, gepflegt wurde, nimmt Rentlingen die erste Stelle ein. Bis zum Jahre 1500 allein kennt man etliche fünfzig zum Theil datirte, zum Theil undatirte Drucke von namhaften Künstlern. Der früheste derselben ist Johann O t m a r, von 1482 bis 1495, welcher im Jahre 1482 hier zuerst „Summa Risani cum supplemento Rirolar de Ausmo" in Folio, und „Earoli Riruli cpistolae" in Quart herausgab, nach Verlaus von einigen Jahren aber seine Vaterstadt verließ und sich nach Tübingen wendete, wo er ebenso wie in Rentlingen in der Herausgabe vieler trefflicher Schriften Beweise seines Kunstsinnes und seines Fleißes hinterließ. Michael Gr e y f f, von 1486 bis 1496, auch Michael Gryff, wetteiferte mit Otmar in Ausübung der typographischen Kunst und suchte seinen Vorganger, wenn auch nicht in der Anzahl , doch durch Auswahl der Leistungen, meist Werke der altclassischen Literatur, zu übertreffen. Unter i seinen deutschen Drucken verdient „Der Spiegel menschlicher behaltrnissc", 1492. in Folio, Beachtung. Mit innigem Bedauern wendet sich der Freund der Gelehrsamkeit von Neutlingcn ab, wo der Nachdruck, dem Kaufer zwar zum Scheine nützlich, in der That aber die Blüthen der Literatur zerstörend, seit den frühesten Zeiten sich eingenistet hat und selbst noch im aufgeklarten neunzehnten ^ Jahrhunderte unter der freisinnigen Regierung eines Wilhelm von Würteinberg drei literarische Flibustier: Mücken, Enslin und Fleischhauer, ihr Unwesen treiben. C r f u r t. Paul Wider von Hornbach, von 1482 bis 1435. Der früheste Drucker, welcher in der ehedem so berühmten Universitätsstadt Erfurt erscheint, ist Paul Wider, welcher 1482 des dasigeu Professors Johannes de Lutrea, (Quaestiones in tibros Aristotclis de anima. in Quart, als erstes Erzeugniß der Erfurter Presse herausgab. Zwei andere Schriften ohne Angabe des Druckers: „(Aristeae) Tractatus de I^XX intcrpretibns", in Quart, und „Andrcac Kundorn, Ars episto- landi", in Quart, sind aller Wahrscheinlichkeit nach von dein nämlichen Künstler. 194 Magdeburg. —- Albert Navenstein. — Joachim Westphal. — Simon Koch. Erfurts bedeutendste Typographen des fünfzehnten Jahrhunderts sind außer Paul Wider: Hederich nud Mar.r Ayrcr, welchen wir schon als „reisenden Drucker" 1487 und 1483 zu Nürnberg erblickt haben nnd ihn 1497 zu Jngolstadt wieder finden werden, Woifgang Schenk, Melchior Sachs, Martin von Dolgen, Wolfgang Stöcke!, Günther Winter, Johann von Torsten, Matthias Maler, Hanns Knapp, HannS Sporcr, dessen schon weiter oben bei Bambcrg unter dein Namen „HannS Briefmaler" Erwähnuug geschehen. Ob der am Ende des kleinen Tractats: „Von Sanctn Anna. Vnd von dem Tau V sant anna hilft' selb tryt." „Erffort zn den eynsydeln bey sant Vcitt" genannte „Hanfi Buchdrucker von nyrenberg" identisch mit HannS Sporcr oder ob darunter Hans Berneckcr zu verstehen sei, kann nicht mit Gewißheit angegeben werden. Doch möchte ich für die erstere 'Annahme stimmen, indem die zweite Ausgabe des Schriftchens: „Von dem grasten in dem pflüg." 149ö, iu Quart, „Hansen sporer bey sante Veit zu dem eynfydel" als Drucker ueunt. Auch kommt eine Officin „zv Erffort In sant Panls pfar. zv den weisscn lilligen Berge" im Jahre 1498 vor. Der Drncker ist aber Niemand anderes als der schon öfters erwähnte HannS Sporer, der sich selten nennt nnd deshalb in der ältesten Geschichte der Druckerkunst zu vielfachen Mißverständnissen Veranlassung gegeben hat. In dem „bewert Kunstbuchlin das den menschen gar nützlich zu haben ist" u. s. w. 1499, in Quart, hat er, wahrend er sich sonst nnr „HanuS Bnochdrucker" oder uach seiner Wohnung uaunte, den Zunamen am Schlüsse bestimmt angegeben, wo eS heißt: „Gedrucket tzu Lrftort durch Johannsen sporcr tzu den wissen tilgen berge bey sant Pauls psarr. Im 99. zarc." Der gelehrte Prosessor Dr. Nieolans Marschalk aus Noßla in Thüringen, der sich deshalb anch Thurius nanute und spater in Wittenberg uud Rostock wirkte, hat zwischen 1490 und 1502 in seinem Hause eine eigene Privatdruckerci gehabt, indem mehrere Schriften vorkommen, wo es am Schlüsse heißt: „Imprcs- SUIN Lrphordiae in nedibus FUnrsealci." Sein Drucker War I^inleus Sin-toriu-, LImicnpolitaniis, das ist, Heinrich Schneider aus Vlankenbnrg. Im vorigen Jahrhunderte blüheten Johann Wilhelm Ritschl von Hartenbach, Johann Christian Heringen, Joh. Mich. Funke, Joh. Dav. Jungnicol und Joh. Heiur. Nonne. In der neuesten Zeit hat I. Ritschl von Hartenbach der Jüngere sowol als Schriftschncider, wie durch seine Kupser-, Messing - und Congreveplatten- stecherei und sein xylographisches Institut die Typographie ungemein gefördert. Nach ihm verdienen LossinS, Cramcr, Gerstenbcrg, Hennings und Gopp, Müller nnd Ohlenroth, Rudolphi, Stenger, Uckermann nebst Meyer und Böhme eine ehrenvolle Erwähnung. > Magdeburg. Albert Rcivensiein, von 14S3 bis 1434. Als erstes Vnch, welches in Magdeburg gedruckt wurde, verdient das „Gfficium Misse, impr. in inclnta civitnte Magdeb. per Albertmn Naven- stein et Joachim Westvnl." 148Z, in Quart, genannt zn werden, welchem gar bald andere, meist theologische Werke folgten. Ueber den Drucker Ravcnstein ist sehr wenig bekannt geworden. Er erscheint stets in Gesellschaft mit Jvachim Westphal, von 1483 bis 1434, welcher aber nach der Sitte der damaligen Zeit - seinen Namen aus seinem Geburtslands entnahm und sich statt „Westphal" nach der Schreibart des fünfzehnten Jahrhunderts „ Westual" nnterzeichnete. Er kommt nie für sich allein als selbstständigcr Drucker, sondern stets nur als Thcilnehmer mit Ravcnstein vor. Simon Ko ch, 1 4 8 6, ist der dritte ausgezeichnetere Magdeburger Drucker, dem wir unter andern ein schönes „Missale, sccundum morcm ecclesiarum Magdeburgcnsis, Magdeburg. — Sim. Klentzer. — iccc.ei^xxxv. Fol. Ob Friedrich Misch oder Heinrich ^inoblochtzer dieses aus 235 Blattern bestehende Werk vollbracht habe, ist nicht mit Gewißheit zn entscheiden, da der Name des Druckers in dem Buche fehlt. Von Santcmder und Arctin wird gegen Panzer für Friedrich Misch entschiede». Aloys Schreiber (Heidelberg und seine Umgebungen. Heidelberg 1811. 8. S. 107 und 173) nennt Hans von Landcnbach den ersten Buchdrucker Heidelbergs. Als erste Druckschrift führt er, wahrscheinlich auf Senkenberg's (Lors>. i'ur. xerm. Vol. 11. §. 8.) Autorität hiu den „Spiegel Kcyserlichcr und gemeiner lantrecht" oder den sogenannten „Schmabensvicgel" vom Jahre 1472 an, dessen Eristenz Panzer Seite 69 196 Heidelberg. — Heinrich Knoblochtzer. — Hicronnmus Commelinus. — Rcgensburg. nicht zu behaupten wagte und Wnndt in der badi- schen Wochenschrift Jahrgang 1307. Seite 773 sogar bekämpfte. Der zweite datirte Druck beginnt mit dein Jahre 1483: „Johonnis de Magistris icdc snch in recht." 1490. in Quart. Wol die älteste in deutscher Sprache gedruckte Proccßordnung! Hieronymns Comm eli nus, vo» 1587 bis 1597. Im Jahre 1587 kam der berühmte HieronymuS Commelinuö, aus Touay in Flandern gebürtig, von dem Rufe der damals bedeutendsten Bibliothek in Deutschland angezogen, nach Heidelberg, müderen Schatze zu benutzen. Seine Ausgaben griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen besonders die von Athanasius und Ehrysostomuö geschätzt werden, stehen den Stephanischen und Aldinischeu mit Recht so bewunderten Drucken mir wenig oder gar nicht nach und können unter die Meisterstücke der typographischen Kunst gezahlt werden; sowie denn seine Anmerkungen über den Heliodor, Apol- lodor, Euripides und die lateinischen Mythologen unvergängliche Zeugnisse seiner Gelehrsamkeit sind. Die Commelin'sche Offiein wurde nach seinem Tode von JndaS Vonnutius fortgesetzt und erscheint noch als solche im Jahre 1603 und 1604. Nach Eommelin verdienen noch Nuthger Spcy (1583), der nebst Matthias Harnisch zu Neustadt an der Hardt der erste Typograph unseres Vaterlandes war, welcher mit arabischen Lettern druckte, ein Johann Lancellot (1599) und AI. Ernst Vögelin aus Constanz, der schon früher durch seine in ^ Leipzig gedruckten schönen und correcten Ausgaben j berühmt geworden, jene Stadt aber, weil er krypto- calvmistische Schriften bekannt geinacht hatte, verlassen mußte, zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts, sowie um die Mitte desselben die Walthcr, Adrian, Wyngarden und die Schönwetterischcn Erben, Beachtung. Vielleicht daS Vorzüglichste, was ans Heidelbergs Pressen hervorgegangen, sind, wenn man nur die technische Ausstattung inö Auge faßt, die römischen Geschichtschreiber von Haurisius. Erst in neuester Zeit hat hier die Typographie durch Engelmann, C. Groos, Engelhard, I. Gutmanu, G. Reinhard und A. Oßwald wieder einen Aufschwung genommen. Regensbnrg. 1 485. Diese alte berühmte Reichsstadt gehört zwar zu denjenigen Ortschaften unseres Vaterlandes, von denen man noch im fünfzehnten Jahrhunderte entstandene Zeugnisse des Buchdruckes bewahrt, und Negensliurg. — v. Gouda. — Munster. — Stendiü. — Westunl. — Sageimu. — Gran. 197 muß demzufolge nach dem Plane dieses Werkes hier eine Stelle finden; doch kann sie keineswegcs, wie Mainz, Augsburg, Bamberg, Nürnberg, Straß- bnrg, Ulm u. a. zu den Beförderinnen der edeln Kunst gerechnet werden. Das erste hier gedruckte Buch ist: „Filier missalis secundum jirevmrium erclesiae Natisbonensis." 1485. in gr. Folio. Es wurde durch Johann Sensenschmid und Johann Beckenhaub, welche Bischof Heinrich von Bamberg nach RegenSbnrg rufen ließ, auf Kosten dieses Prälaten mit bekannter Meisterschaft ausgeführt. Unter den bleibenden Druckern hat sich Jakob von Gouda, von 1490 bis 1493, zuerst hier niedergelassen und durch manches schöne Druckwerk hervorgethan. Hier wurde wahrscheinlich in einer Privatdruckerei daS höchst seltene Werk „Fes actcs de tu ^ounree impcriale tenue en la rite de Negespourg aultrement dicte Natisbone. 1541. in 8." gedruckt, dessen Inhalt durch die Analogie mit den Ncligionswirren unserer Zeit von hohem Interesse ist. Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts thaten sich als Typographen hervor: HanS Burger, BartholomäuS Gras, Christoph Fischer, Paul Dallensteiner, Joh. Georg Hoffmann, Joh. Caspar Memmel, Joh. Conrad Pretz, Christ. Gottl. Seiffart, August Haukwitz, Joh. Ernst Franz, Joh. Heinr. Krüttinger, Hieronymus Lenz, AegidiuS Raith, Joh. Baptist Lang, Joh. Caspar Memmel; und in nenerer Zeit Brenk, Neubauer, Pustet, Reitmayr und Notcrmund. M ü n st e r. 1 4 8 6. Westphalens Hauptstadt, von wo aus ein nicht geringer Theil des Lichtes ausging, das sich im fünfzehnten Jahrhunderte über die schöne Literatur von Norddeutschland verbreitete, verdankt die Einführung der Buchdruckerkunst den Bemühungen deS gelehrten Domherrn Rudolf von Langen, dessen lateinische Gedichte auch zu dem ersten daselbst erschienenen Buche Veranlassung gaben. (Siehe über diesen Gelehrten I. Niesert's Aufsatz: „Rudolfs von Langen, Domherrn zu Münster und Probsten im alten Dome, literarische Verdienste" in Dr. A. Malinkrodt'S Neuestem Magazin für Westfalen, Heft I.). Im Jahre 1486 nämlich druckte Johann Limburg „NhoÄolphi Langn, rir. Monastericns. Carmina." in 4. Die in Münster eingeführte Druckanstalt hat sich nie zu Werken von größerer Bedeutung erhoben und selbst LimburgS Nachfolger: Laurenz Bvrn- mcmn, Theodorich Tzwivel, Gregor OS aus Breda, Lambert Naeöfeld, Johann Gymuich auö Cöln, Michael van Dalen haben ihren Vorgänger nicht einmal erreicht. Die früheren Erzeugnisse sind meist mit schlechten gothischen Typen ausgeführt. Dies ist auch die Hauptursachc, daß so viele Schriften Münster'scher Gelehrter im Auslande gedruckt worden sind. Ju neuester Zeit verdienen die typographischen Bemühungen eines Coppenrath, Regcns- berg und Aschcndorsf (Joh. Heinr. Hüffer) alle Anerkennung. S t e n d a l. Joachim Westual (Westfael), 1 4 3 8. In dieser kleinen Stadt der Altmark druckte 1488 Joachim Westfael, wahrscheinlich ein reisender Typograph, den wir schon zu Magdeburg in Gemeinschaft mit Albrecht Navenstcin getroffen haben, den „Sassenspiegel" in niederdeutscher Sprache, in Folio, eine jetzt so selten gewordene Ausgabe, daß sie weder Gärtner, noch Pütter und Selchow kannten. Nach Bewerkstelligung dieses Druckes scheint Joachim Westfael diesen damaligen Hauptort der Altmark wieder verlassen zu haben. H a g e n a u. Heinrich Gran, von 1489 bis 1500. Die kleine Stadt Hagcnan im Elsaß hat bis zum Jahre 1500 gegen 50 verschiedene und zum Theil -i ^ U 198 Kugcnini. — Aniimami. —> Ingolstadt. — Kachelofen. — Anrer n. Wyrffel. — Hamburg. nicht unbedeutende Drucke auszuweisen. Der erste Tüpograph, welcher die neue Kunst in dieser Nachbarstadt deS alten Straßburg einführte, ist Heinrich Gran und sein frühestes Werk: „(Lornutus ma- gistri Joaunis dc Gnrlanoria. 1489. in 4." Viele seiner Leistungen erschienen ohne seinen Namen unter bloßer Anführnng des Druckortes. Die wichtigere» Drucke, auf denen er sich nannte, sind: „Aoetiuo dr eonsolatione Philosophie." 1491. in 4. „Commentum öce. in Petri Hyspani tracta- tns." 1495. in 4. „Aleranori de Villa Dei Doctrinale." 1495. in 4. „Michaelis Fochmair Sermones." 1497. in Folio. „Stellarium Co- ronc l>. Mariae v." 1498. in Folio. Johannes Ryn m ann, von 1497 l'is 1500. Johannes Nynmann ließ zuerst auf seine Kosten bei Heinrich Gran drucken, errichtete aber später selbst eiue Officin, ans der mehrere durch Corrcct- heit sich auszeichnende Werke, ohne seinen Namen, hervorgegangen sind. Er kann als der hauptsächlichste Beförderer der Typographie seiner Vaterstadt betrachtet werden, welche zwar nur in der früheren Periode ihrer Entstehung allda geblühct hat, späterhin aber fast ganz vernachlässigt worden ist. Jngolstadt. Diese einst berühmte Universitätsstadt BaicrnS verdient auch iu der Geschichte der Typographie in mehr als einer Beziehung erwähnt zu werden. Kann gleickwol uicht, wie Viele glaubten, „PauliFe- schcri Nhctorica", indem sie die Vollendung des Bnches mit dem Drucke desselben verwechselten, in das Jahr 1487 gesetzt werden, so hat doch schon 1490 eine Presse daselbst ihre Thätigkeit entwickelt. Johann Kachelofen, 1 4 9 0, den man nicht mit Eonrad Kachelofen, dem bekannten Leipziger Typographen, verwechseln darf, lieferte hier in „Iaeobi Locheri Philomusi poete Rosarium eelcstis ruric et patrie triumvhantis. 1490. kl. Folio", den ersten Druck. Ihm folgten in dem edlen Geschäfte Marx Ayrer und Georg Wyrffel, 1 4 9 7. Dem Ersteren, als einem wandernden Buchdrucker, sind wir schon in den Städten Nürnberg und Erfurt begegnet. Beide gaben hier unter Anderen die „Flores genuin ant rongcrics aucto- ritatum Juris rivilis." 1497. in 8. heranS. Hier hatte auch der berühmte Peter Bienewitz oder Apia- uus eine Officin errichtet und unter Anderen das mit trefflichen Holzschnitten ausgestattete Prachtwerk: „Inscriptioiies sncrosanctac vetustatis ote. 1534. Folio" herausgegeben, wovon das Nähere in der dritten Abtheilung dieses BucheS unter der Aufschrift „Privatdruckereien" zu ersehen ist. David Schneider (SartoriuS), welcher um die Mitte deS sechSzehutcn Jahrhunderts zu drucken anfing und sein Geschäft bis zu seinem 1592 erfolgten Tode fortsetzte, ist der letzte Typograph von Bedeutung. Später gerieth die Buchdruckerkunst in die Hände der Jesuiten, welche meist nur ascetische uud kasuistische Werke, nebst Schulbüchern zum Gebrauche iu ihren Kollegien, ans ihren Pressen hervorgehen ließen. Adam Sartorius, David's Sohn, war der Erste, auf dessen Werken daö Sinnbild der Gesell- schaft Jcsn I^sH als Bnchdruckerzeichen erscheint. Im vorigen Jahrhunderte verfiel hier die Kunst immer mehr und mehr und in neuester Zeit verdient Jngolstadt keine Erwähnung mehr. Hamburg. 14 9 1. Die alte Hansestadt Hamburg, die in der Geschichte des deutschen Handels eine so ausgezeichnete Rolle spielt, hat nur einen einzigen Druck aufzuweisen, welcher dem fünfzehnten Jahrhunderte angehört. Es ist: „Landes bcnte Marie rirginis", Frciburg. — Kilian Piscator. — Friedrich Niedrer. — Füncluirg. 199 welches Buch von den zwei Brüdern Johann nnd Thomas Borchardi mit einer großen gothischen Type im Jahre 1491 ausgeführt wurde. Nichts desto- weniger verdient sie alle Aufmerksamkeit, weil sie die Kunst bis auf die neueste Zeit unausgesetzt gepflegt hat. Joachim Lew ist der bedeutendste Drucker des sechszehnten Jahrhunderts. Im siebenzehnten lag die -Kunst hier, wie asserwärts in deutschen Landen, wegen des verheerenden Krieges darnieder. Unter den Typographen deS achtzehnten Jahrhunderts verdienen genannt zu werden: Rudolf Benccke, Johann Anton Hiltemann, Philipp Ludwig Stromer und Heinrich Christian Hülle. Noch gegenwärtig sind zu Hamburg nicht weniger als 27 Ofsicinen beschäftigt, nämlich: I. B. Apel, Berg, FabriciuS und Natjen, Fischer, Hartmeyer, Hartwig und Müsser, Hermann, Kaiser nnd Frankcl, Kniesch, Kumpel, Dr. Langhoff, Meißucr (NathSbuchdrucker), Melden,, Menck, Meyer, Müller, Nestler und Messe, Otto, Pforte und Lange, Philippccmr, Voigt, Wagner, Wichcrs, Wolf, Wöriner der Aeltere, Wörmer der Jüngere nnd die Erpedition der neuen Zeitung. Vcrgl. vr. Lappcnberg's Säcularschrift, Hamb. 1340. 8. Freibnrg. Killn n Piscator, von 1493 bis 1495. Kilian Fischer, oder nach der Sitte der damaligen Zeit latinisirt „PiScator", wahrscheinlich ein Schüler des gelehrten „wandernden" Buchdruckers und Correctors Johann Beckcnhub, dessen wir nnter diesem Namen oder als „Mentzer" schon öfters gedacht haben, kann als Frcibnrg's erster Drucker angeschen werden. Ihm verdankt man: „S. Aoimvcnturae pcrlustratio in IV. libros scntcntiarum." 1493. in Folio, das früheste in dieser Stadt gedruckte Bnch. Im darauf folgenden Jahre gingen mehre andere lateinische Werke, wie z. B. „Augustinus, dc civitatc Dei, — de tri- nitlltc etc." aus seiner Ofsicin hervor, und gleichzeitig erhielt er an Friedrich Niedrer, von 1493 bis 1499, einen thätigen Nebenbuhler. Dieser gab 1493 den „Spiegel der waren Rhetorik" in Folio heranS, welchen er in der Vorrede nach damaliger alemannischer Mundart auch „leer briefcnscherpractic" nennt, ein Werk, daS als eines der ersten deutschen gerichtlichen Formularbüchcr betrachtet werden kann. Niedrer scheint sich auf dieses von ihm selbst „vsi M. Tnssio C. vnd andern getütschten mit Iren gli- dern cluger reden Sandbriefen vnd formen, meni- cher contract, scltzam RegulicrtS TnischS vnd nutzbar eremplirt mit fugen uff göttlich vnd kciserlich schrifft vnd rechte gegründt", viel zu gute gethan zu haben; denn cS erschien von ihm noch: „Frnucisci Ninri opuoculum scribendi epistolas." 1499. 4. und „Thomc ^Nurncr Trnctntus perutilis de phyto- nico rontractu." 1499. 4. Da Frciburg in späteren Jahrhunderten in der Druckkunst sich nicht vor anderen Städten hervorgethan hat, so müssen die Zuustgenossen jener früheren Periode, die sich meist nur mit der Verbreitung honuletischer und aScetischer Schriften beschäftigten, hier unerwähnt bleiben. In unseren Tagen entwickeln die Universitätsbuchdrucker Gebrüder Groos und der unternehmende BartholomäuS Herder, Besitzer zweier Handlungen (Kunst- und Buchhandlung nnd VcrlagShandlung), sowie einer Lettern- und Steindruckofficin, große Thätigkeit. Lnneburg. 1 4 9 3. In Niedersachsen war nebst Lübeck und Hamburg Lüueburg die dritte Stadt, in welcher die neue Kuust zuerst Aufnahme gefunden. Sie mag daher, der chronologischen Neihefolgc wegen, hier eine Stelle finden, obgleich sie in typographischer Beziehung weder mit ihren Vorgängerinnen, noch mit anderen Städten unseres Vaterlandes wetteifern kann, die viel später als sie Druckwerkftätten in ihren Mauern errichtet haben. 200 Oppenheim. — Freisingen. — I. Schä'fsler. — Vssenburg. — Tübingen. — I. Ottmar. DaS erste in Lüneburg gedruckte Buch ist: „Thomas a Kempis, de imitatione Christi" etc. 1493. kl. 8., welches von Hans Lucas oder Luce mit gothischen Lettern ausgeführt wurde. In spaterer Zeit hat sich die Typographenfamilie Stern besonders hervorgethan, deren Stammvater Johann Stern aus Anerkennung seiner Verdienste von Kaiser Ferdinand III. in den Adelstand erhoben worden. Oppenheim. 1 4 9 4. Im gleichen Verhaltnisse, wie Lüneburg in Norddeutschland, stehet Oppenheim in Mitteldeutschland zur typographischen Kunst. Diese wurde schon am AuSgauge des fünfzehnten Jahrhunderts in jener einst sehr wohlhabenden Stadt mit ziemlichem Eifer ausgeübt, aber in den darauf folgenden Jahrhunderten immer mehr und mehr vernachlässigt, so daß sie für die gegenwärtige Zeit kaum noch Erwähnung verdient. DaS erste hier gedruckte Buch ist: „Wigandi lienlie!mensis Mll-ziüter." In spaterer Zeit verschwindet dieser Ort sast ganz aus der Geschichte der Typographie. Fr eisin gen. 14 9 5. Auch diese kleine Stadt in Baiern muß unter den Wiegenstädten der typographischen Kunst auf- ! geführt werden, obgleich Letztere hier späterhin sich keiner besonderen Pflege zu erfreuen hatte. Ihr erster Buchdrucker war Johann Schäffler, 1 4 9 5, welchen wir schon dnrch seine Leistungen in der freien Reichsstadt Ulm und zwar in den Jahren 1493 -1499 kennen gelernt haben. Das erste Buch, welches von ihm zu Frcisingen gedruckt wurde, ist: „Lompenoiosa materia nro zuvenum intorma- tione" etc. 1495. 4. Spater hat sich diese Stadt in typographischer Beziehung niemals zu einiger Bedeutung erhoben. Offen bürg. 1 4 9 6. Auch die kleine Stadt Offenburg, der Geburtsort des Aristoteles der neueren Zeit, Oken's, und deS großen Musikers Andre letzter Wohnsitz, gehört zu den Wiegenpunkten der Typographie. Schon 1496 war hier eine Presse thatig, aus welcher „Noberti de Ficio Vuadragcsimale" in 4. hervorgegangen ist. Man muß um so mehr bedauern, daß man den Namen deS Druckers nicht kennt, als dieses mit kleinen gothischen Typen ausgeführte Buch keineSwegeS in technischer Vollkommenheit zu den geringsten seiner Art gehört. In späteren Jahren haben andere Industriezweige die Buchdruckerkunst verdrängt. Tübingen. Die Universitätsstadt Tübingen, seit der auf Anrarhen der drei großen Lehrer Johannes Reuchlin (Capuio), Gabriel Viel und Johannes Vergenhauß (Nauclcrus), vou Eberhard im Bart, Herzoge zu Würtemberg, 1477 gestifteten Hochschule vor vielen Akademien ausgezeichnet durch den gründlichen, ächt wissenschaftlichen Geist ihrer Gelehrten, die nicht nach auffallenden neuen Systemen und Theoriccn haschten, sondern mit deutschem Fleiße mehr im Stillen wirkten, gewährte zwar erst 1498 der edlen Kunst ein Asyl in ihren Mauern, hat aber bis auf unsere Tage niemals aufgehört, dieselbe nach Kräften zu Pflegen. Johannes Ottmar, 1 4 9 8, der freien Künste Magister, aus Reutlingen, ist als der erste Tübinger Drucker bekannt geworden. Tübingen. — Johannes (!)ttm»r. 201 Da man damals mit den Pressen umherzog, um erhaltene Auftrage und Bestellungen auszuführen, so laßt eS sich nicht genau bestimmen, wann er seinen Sitz hicher verlegte; wahrscheinlich geschah dieses schon vor 1498, denn in diesem Jahre erschienen auf einmal zwei Werke mit seinem Namen, älS: „Pauli fratris oro. minor. lertnra de obscr- vantia" in Folio. „-M. Conrnoi Summcnhnrt !>c Calw oratio fnnrbris ziro Dom. Eberhards ducc" in Quart, und zwei andere ohne seinen Namen, aber offenbar mit seinen Typen: „Drnctntus bivartitus o,uod Aeus Homo fieri volucrit" etc. in Quart. „Tractatulus crhortatorins super X dcfrrtilnis virorum monasticorum" <-tc. in Quart. Beide aus der Feder des um die neue Universität hochverdienten Lehrers Conrad Summenhart. Die neue Kunst haben Wcndelin Stcinbach (Stainbach) als Corrector und Friedrich Meynberger als Buch- handler, auf dessen Kosten die ersten zn Tübingen gedruckten Werke erschienen sind, nicht wenig gefördert. Würde eö auch zu weitlänftig sein, alle nachfolgenden Leistungen der Tübinger Werkstatten hier aufzuführen, so darf doch der höchst merkwürdige Umstand nicht mit Stillschweigen übergangen werden, daß um die Mitte deS sechzehnten Jahrhunderts Bücher in windischcr, croatischer nnd dalmatischer Sprache mit glagolischer und cyrillischer Schrift im Lande Würtembcrg und zwar in den Städten Urach und Tübingen ihr Dasein erhielten. Hierzu gab die Reformation die erste Veranlassung. PrimuS Trüber, im Jahre 1508 auf der Rastzhitz, einem damals freiherrlich Auerspcrg'schen Dorfe unweit Laibach in Crain geboren, zu Salzburg und Wien gebildet und 1531 zum Domherrn in Laibach erwählt, ward von Luther'S Lehre so mächtig ergriffen, daß er den Genuß des heiligen Abendmahles unter einer Gestalt öffentlich mißbilligte nnd daS Verbot der Pricstcrehe als unrecht tadelte. ES konnte nicht sehlen, daß nach solchen Vorgängen ein landesherrlicher VerbannungSact erfolgte und er aus eine Landpfarrc, später nach Trieft versetzt und endlich aus Furcht vor Verhaftung znr Flucht genöthigt wurde. So kam er nach Obcrdcutscbland. In Nürnberg fand er an Veit Dietrich einen Freund, dessen Empfehlung ihm eine Predigerstelle zu Notenburg an der Tauber und später (1552) zu Kempteu verschaffte. Als Trüber noch in seinem Vatcrlande in wendischer Mundart das Evangelium verkündigte, regte sich oft der Wunsch lebhaft in seinem Herzen, Gott möchte des armen gutmüthigen Volkes sich erbarmen und es mit der Wohlthat begnadigen, daß seine Sprache, wie diejenige anderer Völker, geschrieben und gelesen und daß die Bibel in wendischer Uebcrsetzung gedruckt werden könnte. Nach mehreren selbstgemachten Versuchen überzeugte er sich von der Ausführbarkeit, wenn man z. B. „V" für ein gelindes „II" für gelten läßt und die Vocale sowie die Zeichen „8I>, 1«I>, vxl>" n. s. w. nach der Mundart der Wenden ansspricht. Das Erste, waS Trnber verfaßte, war ein Katechismus und ein ABEvarium, daS Eine mit lateinischen, das Andere mit deutschen Buchstaben. Der Versuch erhielt Beifall. Der Verfasser fand aber mit seinem besten Willen viele Schwierigkeiten. Zu Nürnberg nnd später zu Schwäbisch-Hall wurde der Druck angeblich wegen des Interims verweigert, wahrscheinlich aber, weil man bcfürchtcte, in der unbekannten Sprache könnten Dinge enthalten sein, die mit dem lauteren Worte GottcS nicht über- ' einstimmten. Es blieb daher nichts übrig, als den Druck heimlich bewerkstelligen zn lassen. Dies geschah denn auch 1550 zn Tübingen, und zwar, ! wie sich vermuthen läßt, unter Begünstigung des Johann BrentiuS. Aus Veranlassung des ehema- > ligen Bischofs von Eapo d'Jstria, Paul Vergcrius, welcher sich der Religion halber ebenfalls geflüchtet nnd in Graubündten niedergelassen hatte, verfertigte er eine windischc Uebersetzung des Evangeliums Matthäi. Die Morhardiscbe Druckerei zu z Tübingen übernahm auf Kosten deS Herzogs Ehri- ^ stoph von Würtemberg den Druck. Weil aber Vergcrius wegen der mittlerweile in Tübingen aufgebrochenen Pest besorgt war, so mußte eine Presse nach Rentlingen verlegt werden, nnd Trüber von Kempteu aus dahiu kommen, um die Eorrectur zu besorge». So erschien also noch vor Ende des Jahres 1555 das erste Evangelium in windischer Sprache und im Herbste 1557 war der ganze erste 26 202 Tübingen. — Lvhanncs «Ottmar. Theil dcS Neuen Testaments im Druck vollendet, welches den Titel führt: l'a ^ervi mg!. AI. v. I.X. 4. Hierbei war ihm ein anderer Priester, Stephan Consnl, ein geborncr „Histerreicher", sowol bei der Uebersctzung, als bei dem Drucke behülflich. Als Hanptbeförderer des slavischen Bücherdruckes muß hier auch Hans Ungnad Freiherr von Sonnegg genannt werden, welcher einen betrachtlichen Theil seines Vermögens zur Bestreitung der Kosten verwendete. Er schickte unter Andern den schon erwähnten Stephan Konsul im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem bekannten Bunzen- schncidcr Johann Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Aucr nach seiner Anweisung croa- tische d. i. glagolischc Druckschrift fertigen zu lassen. Ebenso berief er den Anton Dalmata als croatischen Dolmetscher im Jahre 1561 zu sich uach Nrach und schickte ihn nach Tübingen, wo Consnl die croatische Druckerei bereits eingerichtet hatte. Hieraus ließ er die beiden Nürnberger Meister Hartwach und Auer zu sich nach Urach berufen, wo mittlerweile (1461) Trüber Pfarrer geworden war, um auch hier unter seinen Augen und unter Anleitung Consul's uud Dalmata'S die sogenannte „Cyruliza" d. i. die cyrillischen Schriftcharakterc schneiden, gießen und überhaupt eine eigene Officin anlegen zu lassen. Unter den hier wirkenden Personen werden außer den Obigen noch zwei nSkokische Priester, Poponichy und Maleschcwaz, genannt, der Eine aus Scrvien, der Andere ans Bosnien gebürtig, nebst einem Gehülfen zum „Transferiren, Confcriren und Cor- rigircn", Georg Jnritzschitsch mit Namen, ebenfalls ein Geistlicher. Wenn für windischen, glago- lischen und cyrillischen Druck nicht hinlängliches Mannscript vorhanden war, so wurde aucb in italienischer Sprache gedruckt, uud zwar meist Ucber- setzuugen protestantischer Schriften, als der AngS- burgischen Coufession, des Luther'scheu Katechismus u. s. w. Nach des Freiherr» von Ungnad Tode (1564) gcricth die Urach'sche Druckerei ins Stocken und die croatischen Typen, nach der entscheidenden Schlacht bei Nördlingcn von den kaiserlichen Truppen oder von Jesuiten aufgefunden, wanderten als ein Geschenk des Kaisers Ferdinands III. nach Nom in das „ Oollexlum 60 propag-»noci communss", croatisch in cyrillischer Schrift. 1562. 4. „ Hlelanclnlwn, ll-oci commune« croatisch in glagolischer Schrift. 1562. 4. „AngS- burgische Coufession", in windischcr (Crainer) Sprache. 1562. 4. „Postilla", in croatischer Sprache und glagolischer Schrift. 1562. 2. Das nämliche mit cyrillischer Schrift. 1563. 4. Diese beiden Ausgaben sind mit nicht unfeinen Holzschnitten geziert. Dr. Match. Anlber's (Hofprcdigcrs zu Stuttgart) Predigten vom Hagel, in croatischer Sprache mit glagolischer Schrift. 1562. 4. „Beneficinm Christi", croatisch mit glagolischen Typen. 1562. kl. 8. „Geistliche Lieder", windisch, unter dem Titel: „ Lneclvliovne peisn!, iiat«rs so sl^vs! ^rimosliä l'rulieria vta slsuenski z esilc." 1563. kl. 8. „ AugSburgische Coufession", croatisch mit lateinischer Schrift. 1563. 8. „ L-ttecliijimus I^ntlleri", croatisch mit lateinischer Schrift. 1563. 8. „Kirchcnordnnng ", wiudisch mit lateinischer Schrift. 1563.4. „Kirchcnordnnng", croatisch mit glagolischer Schrift. 1564. 8. „Kirchenordnung", croatisch mit lateinischer Schrift. 1564. 8. „Apologie der AngSburgischcn Coufession, croatisch mit lateinischer Schrift. 1564. 8. Das nämliche, croatisch in glagolischer Schrift. 1564. 8. „ Der Psalter ", windisch. 1566. kl. 8. „?Vi>vixa Vest-lment-v puslellni voll — oinent — «Icusi ?r!mosa l'ulieri.i (^rniiiü» li-istxlnülierig." 1582. 8. „I'a äruxi Deil novix-l test-nneiitii et<:." 1582. 8. Daß auch die Concor- dienformel in windischcr Sprache in Tübingen gedruckt worden, vermuthet Schnurrer S. 126; es ist dies jedoch nicht mit Bestimmtheit nachzuweisen, Fr»nlisurt n. M. — Christian Egciwlph, wohl aber, daß Primus Trnber's Sohn, Felician Trüber, „die Hauspostille Luther's", 1595. Folio, in windischer Sprache daselbst herausgegeben habe. So viel von dem in der Geschichte der Typographie unseres Vaterlandes so höchst merkwürdigen slavischen Bücherdrucke. Alle diese genannten Werke gehören jetzt zu den Seltenheiten. Man sehe hierüber Ch. Fr. Schnurrer's „ Slavischer Bücherdruck in Würtemberg im 16. Jahrhundert", Tübingen, Cotta, 1799. 8. Tübingen gebührt außerdem der Ruhm, in den Bußpsalmen, die der Gelehrte Reuchlin 1522 herausgab, den ersten hebräischen Druck in Deutschland geliefert zu haben. Eine neue Epoche in der Geschichte der Tübinger Typographie beginnt mit Johann Georg Cotta, dessen Familie, aus eiuem altitalicnischen Adelsge- schlcchte abstammend, schon zur Zeit der Reformation in Eisenach und Dresden geblühet hatte. Um das Jahr 1640 verließ er Sachsen und gründete in Tübingen die berühmte Buchhandlung, die schon zu Ansang des achtzehnten Jahrhuuderts zwanzig Pressen beschäftigte und gegenwartig in drei Zweige vertheilt, zn Stuttgart, Augsburg und München, jedem Institute dieser Art in Deutschland den Rang streitig macht. Die alte Handlung nebst der Druckerei war durch verschiedene Schicksale sehr herabgesuuken, als im Jahre 1789 der geniale Johann Friedrich Cotta, nachmals Freiherr von Cottcndorf, nn deren Spitze trat und sie mit einem mühsam aufgetriebenen Capitale von 500 Enlden durch glückliche Speculatiouen und eine unermüdete Thätigkeit bald zum ersten bibliopolischen Institute seines Vaterlandes erhob. In Tübingen saßte er 1793 den großartigen Plan zur „Allgemeinen Zeitung" und gewann ans knrze Zeit Schiller'n sür dieses Unternehmen. Als aber Letztcrem eine schwankende Gesundheit die Leitung nicht mehr länger gestattete, wurden die „Hören" begründet und manch' andere literarische Werke vorbereitet. Die „Allgemeine Zeitung" trat hierauf unter Posselt's, später unter Huber's Redaction ans Licht, wnrde aber 1798 nach Stuttgart und 1803 nach Augsburg verlegt. Nach den älteren UniversitätSstatutcn durften nur vier Buchdruckereien in Tübingen geduldet j werden; da letztere zu Anfang dieses Jahrhunderts > unter das Stadtforum kamen, so wurde die Errichtung mehrerer Officinen gestattet. Man zählt deren gegenwärtig sieben, nämlich: G. Bähr, E. T. Eifert, C. F. Fues (alle drei zugleich Buchhändler), C. Hopfcr de l'Orme, Reich, Richterund Schönhart, eine im Verhältnisse zur Größe der Stadt ! gewiß nicht uubedeutendc Anzahl. Hier und da werden noch die Städte: Constanz, Schwäbisch-Hall, Liegnitz und Wittenbcrg als Wie- ^ genorte der Buchdruckerkunst geuauut, allein deren sämmtliche Ausgaben aus dem füufzehuteu Jahrhundert sind apolryphisch. Tübingen ist die letzte Stadt in Deutschland, welche uoch im fünfzehnten Jahrhunderte die neue Kunst in ihre Mancrn aufnahm und bis auf die neueste Zeit pflegte. Mit ihr schließen wir, dem ursprünglichen Plane dieses Werkes, die Drnckwcrtstätten nur bis zum Jahre 1500 zu verfolgen, getreu, die chronologische Uebersicht ! der allmäligen Verbreitung in unserem Vaterlands, indem der Raum der gegenwärtigen Jubclschrift nicht gestattet, das von Jahr zu Jahr mehr und ^ mehr zunehmende Wachsthum der Typographie bis auf unsere Tage fortzuführen. Nur diejenigen Städte mögen hier eine Stelle finden, welche, wenn gleich etwas später als andere, doch wesentlich zur Ausbildung der Typographie ^ beigetragen haben. Frankfurt a. Nt. Der erste Buchdrucker der alteu KrönuugSstadt der deutschen Kaiser, den man nach Ucbcrgchuug des zweifelhaften Hans Pctersheim mit Gewißheit nennen kann, ist Christian Egenolph, von 1513 bis 1555. Christian Egenoloph oder Egenolff, anS Hada- mar im Westerwalde gebürtig, welcher in einer lateinischen Inschrift auf dem Eckstein seines Hauses am Kornmarkte.' ,,. ilivkotii bnic >»bi 8rimo 1'^- swgi'-^ibl» XIII. 1)om»m Iiiinc (Si-!»tic»iU5 I^AS- nolplius UallllMllilcn. extrui a". 0'". IVIDI^XIII." 2U4 Frankfurt a. M. — Christian Egenolph. sich selbst als den Pinführer der Kunst nennt nnd daö Jahr 1513 als die Epoche bezeichnet. Von der Natur mit ungewöhnlichen Anlagen begabt, erwarb er sich im Umgänge mit gelehrten Männern, unter welchen auch der berühmte Arzt Adam Lonicer, einen großen Schatz von Kenntnissen. Sein Briefwechsel mit Philipp Melanchthon und anderen ausgezeichneten Litcratorcn giebt Zeugniß von der allgemeinen Achtung, die er genoß. Er war sehr thatig; dies beweiset die Menge seiner mit großer Sorgfalt ausgeführten Werke. Die vollkommensten sind seine lateinischen Drucke, doch verdient mich die deutsche Bibel von 1535 alles Lob. Zcicht minder bedeutend war er als Schristgicßer, denn von ihm bezogen die meisten damaligen dent- schen Officinen ihre Tvpen. Von seinem Schwiegersöhne Jacob Sabon rührt die grobe Fractnrschrifl oder sogenannte „Sabon" her, wie weiter unten ausführlicher gezeigt werden wird. Er starb 1555 und ward auf dem St. PeterSkirchhofe begraben. Nächst ihm verdienen in der Zeitfolge Peter Brnbach welcher meist griechische Werke lieferte, Johannes Lucyenberg und Paul Steinmcher (um 1571) Erwähnung. Einen mehr ausgebreiteten Nnf aber erwarben sich Andreas Wechcl, Sohn des berühmten Pariser Buchdruckers Christian Wechel, welcher, als sein Vaier wegen Verbreitung protestantischer Schriften anS Paris Vertrieben worden, seine Zuflucht zu dem Grafen von Hanan nahm und sich um 1573 in Frankfurt niederließ. Seine Drucke zeichnen sich, wie diejenigen seines Vaters, durch ungewöhnliche Eorrectheit aus, von welchen bekannt ist, daß oft das Erratenvcrzeichniß eines großen FoliobandeS nicht mehr als zwei Fehler enthielt. Die Druckerei wurde späterhin durch seine Schwiegersöhne Elande Manch oder Elaudc de Marne und Jean Aubry unter dem Namen der Wechel'schcn Ofsicin in gleichem Geiste sortgesetzt. Zu der Genauigkeit der typographischen Leistungen Wechel's wirkten besonders die Gelehrten Friedrich Sylbnrg und Vinccnz Opsopäus und der unermüdliche Freund des Hauses Jungcrmann als Korrektoren mit. Ueber die vielen auS dieser Anstalt hervorgegangenen Bücher hat man einen besonderen 15S0 zu Frankfurt in Octav gedruckten Katalog. Seine Officin bezeichneten die über der Thüre des Eckhauses der Schäfergasse angebrachten Jnsignien: „PegasnS und Füllhorn." Fast gleichzeitig und bis zum Ende des sechs- zehntcn Jahrhunderts wirkten der gelehrte Zacharias Palthen, Sigiömnnd Feyerabend, ebenso geschickt als Typograph, wie als Buchhändler und Holzschneider, wie die Abbildungen beweisen, welche in der 1567 gedruckten deutschen Bibel befindlich sind; Johann Spies, Christoph Corvinus, Wigcmd Gallus (Hahn), Hicronymus Feyerabend, Sieg- mnnd's Sohn.', Wendel Hnmm, Panl Humm, Johann Lechlcr, welcher unter andern die „wahrhaftige Beschreibung der Moscowiter" (1576. in Folio) und „Fronsperger's Kriegsordnung und Regiment" (1564. in Folio), beide mit vielen Bildern geziert herausgegeben hat, Nicolans Basser oder Bassäus, Sicgmuud Latomius, David Zäpflin (ZephcliuS), Peter Faber, Johann Schmidt und Georg Nab (Corvinus), deren Leistungen hinlänglich bekannt sind. Zn Anfang uud um die Mitte des siebcnzehnten Jahrhunderts erwarben sich Johann Bringer und Balthasar Christoph Wnst einen wohlverdienten Nnhm. Weniger bedeutend waren Nicolans und Joh. Wolfgang Hoffmann, Joh. Friedrich Weiß, Johann Sauer (Acetus), Egenolph Emmel, Johann Hofer, Erasmus Kempfcr, Paul Jacobi, Cafpar Rötel, Johann Nicolans Stoltzenbergcr, Johann Georg Sperlin, Aegidins Vogel, Nicolans Knchenbecker, Hiervnymus Pollich, Johann Görlin, Johann Nicolans Humm, Heinrich Friese, Blasius Jlßner und Nicolans Weinmann. Anszeichnung aber verdient der Stifter der Andrca'schen Vuch- druckerci, Johaun Andreä, welcher schon 1667 ein noch jetzt in der nämlichen Familie blühendes Geschäft begründet hat. In neuester Zeit stehet Frankfurt im Schöndrucke keiner Stadt in Deutschland nach und wetteifert selbst in der Schriftschnei-- dcknnst und Schriftgießerei mit Leipzig. Es bedarf blos der Nennung von Officinen, wie die von Dreßler und Nost-Fingerlin, Andrea, NieS, Baner, Brenner und Niebsamen, um die letztere Behauptung zu rechtfertigen. WaS die Ausübung der typographischen Kunst selbst betrifft, so haben Wittcnberg. — I. tSruncnbrrg. — M. Lotther d. I. — G. Nhau. — H. Lusst. 205 die Firmen: Andrea (Bcnj. Krebs), Brönncr, I. D. Sauerländer der Jüngere, Th. F. Saner- länder der Aeltere, Bayrhoffer, Diehl, Gerhard, Hauck, Heller und Rohm, Kancr, Naumann, Sicdctopf, Stockmar, Streng und Schneider, Weber, Schrön, Osterrieth, Wcnner nnd Wesche, einen anerkannt guten Klang in unserm Vaterlande. UnS gebricht es an Raum, ihre schönen Leistungen selbst nur andeutungsweise bekannt zn machen. Die Naumann'sche Officin verdient wegen ihrer vorzüglichen Leistungen im Hoch -, Bunt- und Congreve- drnck hier eine besonders ehrenvolle Erwähnung. Der Andreä'schcn Buchhandlung gebührt der Ruhm in ihrer eigenen Osficin das beste „Handbuch der Vuchdruckerkunst" (in deutscher Sprache), Frankfurt ci. M. 1827. 8. bekannt gemacht zn haben, welches zwar von W. Hasper's ähnlichein Werke (CarlSruhe und Baden, 1835. gr. 8.) durch Neuheit und äußere Eleganz, nicht aber an innerem Werthe und an Brauchbarkeit übertroffen wird. W ittenb erg. Im scchSzehnten Jahrhunderte wurde in keiner deutschen Stadt die Buchdruckerkunst schwunghafter betrieben, als iu Wittcnberg, der Wiege der Reformation. Der Einfluß eines Luther, Melan- chthon, Bugenhagcn, Justus Jouas, Georg Major u. A., verbunden mit der neugegründeten, durch eben diese Männer schnell emporblühenden Universität, konnte sowie auf den Geist der Zeit, auch auf die Trägerin desselben, die Typographie, nicht ohne Wirkung bleiben. Der Erste, welcher die Kunst in der nachmals so berühmt gewordenen Stadt ausübte, mag Hermann Trebelius gewesen sein, von dem man die daselbst erschienenen Predigten des Peter von Navenna vom Jahre 1505 kennt. Alts ihn folgte Johannes Grunenberg, von 1509 bis 1522, nach der Sitte damaliger Zeit von seinem Geburtsorte Grünberg in Schlesien auch häufig VIiü6!moi>- wnus genannt. Berühmter aber als Beide war Melchior Lotther der Jüngere, von 1519 bis 1525, Sohn des Leipziger Buchdruckers gleiches Namens, welcher unter andern zwei verschiedene Auflagen von Luther'S Uebersetzung des ueuen Testamentes, ob- wol ohne dessen Namen, und mehrere andere Schriften des großen Reformators mit Typen gedruckt hat, wozu er die Matrizen von dem berühmten Froben in Basel mitbrachte, wie Luther selbst in seinen Briefen an Spalatin mit großer Freude bemerkte. Nach Melchior und Michael Lotthers, seines BruderS, Weggange von Witteuberg nach Leipzig nnd Magdeburg, genoß nebst Nicolaus Schirlentz uud Joseph Kluge der 1483 geborne, ehemalige Cantor an der ThomaSkirche zu Leipzig, Georg R h a n, von 1520 bis 1548, oder nach der Orthographie der damaligen Zeit „Nhawe", den ausgezeichnetsten Ruf. Nachdem er schon 1521 einige kleinere Schriften Lnther'S und 1531 dessen großen Katechismus, nebst „Unterricht von Beicht und Absolution", zum erstenmal gedruckt hatte, vertraute ihm Melanchthon die Herausgabe seiuer meisten Werke an. Dieser Umstand, verbunden mit eigener schriftstellerischer Thätigkeit im Fache der Theologie und Musik, hatte ihm die Achtung seiner Mitbürger in so hohem Grade verschafft, daß sie ihm das Amt eines Rathsherrn übertrugen. Noch größere Verdienste um die Verbreitung des reinen Evangeliums durch seine Kunst nnd daher cmch einen weit auSgcbrcitetercn Nuhm erwarb sich noch zu desseu Lebzeiten Hans L u f f t, von 1525 bis 1584, ein wandernder Vnchdrnckcrgcscll, der im Jahre 1495 geboren, später von dem Prior des Augusti- ncrklosterS zn Wittcnberg, Eberhard Brißgcr, bald hichcr bald dorthin geschickt worden war, um kleinere Drucke auszuführen, cmch wol einige Zeit bei Melchior Lotther gearbeitet hatte. Seine im Jahre 1525 begründete Officin gewann jedoch erst im Jahre 1534 einen lebhaften Aufschwung, als Luther 2» Jahrhunderte geben G. Friedlander's Beiträge zur Buchdruckergeschichte Berlins, Berlin, 1834. 8. treffliche Ausschlüsse. Unger's Verdienste werden später bei Schilderung der Schriftgießerei gewürdigt werden. In neuester Zeit leisten zu Berlin Decker, Hänel, Hayn, Schade, Starke, Mittler, Bätsch, Reimer, Amelang, Gubitz, Spener, BrandeS, Feister Ausgezeichnetes. Zn Bonn arbeiten Baaden, Georgi, Möster und Ncusser mit rastlosem Eiser. Zu Braunschwcig hat die typographische Kunst in dein Vrüdcrpaare vr. Heinrich und Johann Heinrich Meyer in literarischer und technischer Hinsicht ihre ersten Vertreter gefunden. Hier conccntriren sich in dem vielgelesenen Journale sür Buchdruckerkunst die neuesten Nachrichten über die Vervollkommnung dieses großen Industriezweiges; hier wird „Gutenberg/s Album" die Fortschritte der Kunst bis auf die spateste Nachwelt verkündigen. Nicht minder ausgedehnt ist der Geschäftskreis von Krampe, Otto, Reinhardt und ganz vorzüglich von Vieweg und Sohn. In Carls ruhe verherrlicht sich die Kunst durch Haspcr, Braun, Müller, Herder, Maklot und Grooö. Zu Cassel wirken Arnold, Gaeh, Nuhl und Sohn, und vor allen Hotop mit ungewöhnlichem Eifer. In Darmstadt verdienen Gobel, Heller, Schmidt, Stahl und Becker, besonders aber Leske für den Bücherdrnck und Psnorr sür die Ver- bessernng des Typenschnittcs und der Lithographie die vollste Anerkennung. Dresden, Göttingen, Gotha, Jena, Hannover und Bremen schreiten rüstig vorwärts, während die ehrwürdigen Firuicn „Buchhandlung des Waisenhauses, Eansteinische Bibelanstalt und Gebauer" (jetzt C. C. Schwetschkc Vater und C. G. Schwetschke Sohn) zu Halle und Graß, Barth K Comp. (jetzt unter Leitung des ebenso thätigen als kenntnißreichcn Barth) zu Breslau ihren alten Ruhm zu bewahren, und das neu errichtete bibliographische Institut des unermüdlichen Meyer in Hildburghauscu mit fünf Schncssvressen, sowie Dennig, Finck K Eomp. in Psorzheim und H. A. Pierer in Altenburg sich einen dauernden Nnf zu begründen verstehen. Nicht minder verdienen die Firmen: Metzlcr, Hall- berger, Maklot, Brodhag, Stcinkopf, Schwcizerbart und vor allen die großartige v. Cotta'sche Anstalt in Stuttgart eine ehrenvolle Erwähnung. Seit dem Jahre 1823 wird zn B o n n auf August Wilhelm von Schlegel'S Betrieb auch in Sanskrit und Hindoustani gedruckt, wozu die Typen auS Paris verschrieben wurden. Ein Gleiches geschiehet auch zu Berlin und eS läßt sich voraussetzen, daß beide Officinen einen nicht unbedeutenden Einfluß auf das Gedeihen der asiatischen Studien in Deutschland ausüben werden. ^ jW Italien nter Italiens mildem Himmel, wo die ^X^^/ Strahlen eines schönen MorgcnlichteS, wunderbar vorbereitet während der finstern Zeit des Mittelalters, um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts mit Plötzlich Hellem Scheine die Welt begrüßten, hat die junge Kunst früher, als in irgend einem anderen Lande, diejenige Wurzelkraft erreicht, welche ciucn kraftigen Staunn und gesunde Früchte verheißt. Das alte Byzanz, die stolze Kaiserstadt Con- stantinovcl war gefallen. Am 29. Mai 1453 trat dcS Sultans der OSmanen Mnhammed's II. eiserner Anß auf die rauchenden Trümmer des unermeßlichen Palastes der Komncnen und rief selbst tief erschüttert über den Wechsel dcS Schicksals die Worte des persischen Dichters auS: „Die Spinne hat ihr Gewebe aufgehangen iu dem kaiserlichen Palast und der Eule Nachtgcsang tönt durch die Thürine Afra- siabs." Die edlen Griechen, das Joch der ungläubigen Barbaren scheuend, flohen nach dem Abendland«? und zunächst nach Italien und verbreiteten da mit den Strahlen ihres eigenen Geistes oder des Geistes ihrer großen Vorfahren durch Umgang und Unterricht, durch Mittheilung und Nebcrsetznng classischer Schriften überall Geschmack und Wissenschaft. Die Namen eines Kardinals Bessarion, Manuel Ehn'soloraS, Theodor von Gaza, Johannes Argl'ropnloS, KallistoS, DenictriuS Chalkondy- laS, Johannes und (5onstamin LaSlariS sind allen Arennden der classischen Literatur bekannt. Durch diese Männer wurde die Liebe zur griechische» Sprache rege im Auslande, durch sie der Durst nach den in derselben enthaltenen Schätzen geweckt. Die einmal gewonnene Erkenntniß von der Vor- trefflichkcit der alten Schriftsteller sowvl Roms als Griechenlands hatte ein heißes Verlangen nach allen ihren Werken erzeugt. Männer vom Abendlande, wie der geistreiche Francesco Poggio, Angelo Politicmo, Jacopo Sannazar, JnliuS Pomvonius Laetus, Jovian PontannS, LaurentiuS Valla, Hcrmolaus Varba- rus und selbst die Deutschen: Johann Müller aus Königsberg in Franken, genannt Regiomontanns, Rudolf Agricola, Johann Neuchliu, Conrad Eeltes und Andere suchten au dem Lichte jener Geister ihren eigenen Geist zu uähreu und dem Flnge ihreS Genius mit eigenen Schwingen nachzustreben. Die großen Mediceer Fürsten, EoSmns und Lorenzo, stifteten zu Florenz eine Akademie, die erste Bildnngsanstalt dieser Art nach dem Wiederaufleben der Wissenschaft, legten Bibliotheken au, ließen durch LaskariS alte Mannscripte classischer Autoren in Griechenland und Asien sammeln und Plato's Werke durch Mar- siglio Ficiuo übersetzen. Diesem edlen Beispiele j folgten andere Fürsten Italiens nach, so Lionel und > Borso von Este in Fcrrara, so der letzte ViSconti Filippo Maria in Mailand und dessen Nachfolger FranceSco und Ludovico Moro Sforza, in Mantua die Gonzaga und in Nom der gelehrte Papst Nico- lanS V., schon als Tommaso von Sarzano, Bibliothekar der Florentiner Bibliothek, durch seinen Eifer für die Wissenschaft berühmt, der als Oberhaupt der Sulnuc?. — L7onrnd Swrynhcnm und Arnold Panimrtz. 209 Christenheit seinen größten Ruhm darin fand, den Grund zu der unschätzbaren Vüchersammlung des Vatieans gelegt zn haben. Einer der reichsten Fürsten, Pico della Mirandola, warf Rang und Bcsitzthum hinter sich, um im Kreise und taglichen Umgange mit gelehrten Männern Nahrung für seinen Geist zu schöpfen und diese unvergänglichen Schatze mit der gleichen Liberalitat auS den unerschöpflichen Fundgruben seines bewunderungswürdigen Gedächtnisses alsdaun seinem Freunde Angelo Politiano mitzutheilen. Kann es noch befremden, daß, durch solche Umstände begünstigt, die Typographie, als treue Dienerin der Wissenschaft, in keinem Lande eine bessere Aufnahme fand als in Italien? Bis znm Jahre 14S0 war die Buchdruckerkunst schon in vierzig Orten jenes classischen Bodens eingeführt, während dieselbe in Deutschland nur erst in fünfzehn Städten heimisch geworden. Aber Deutschland gebührt der Ruhm, die ersten Zweige dieses setzt Alles überschattenden Baumes dahin verpflanzt zu haben. S u b i a c o, von 1464 bis 1467. Bald nach der Einnahme von Mainz und der dadurch veranlaßten Auswanderung der Druckergehülfen in andere Länder sehen wir unter dem Pontificate und unter dem Schutze Papsts Paul II. zwei Deutsche in dem nahe bei Rom gelegenen Kloster Subiaco ihre Pressen aufschlagen. Conrad Sweynheym und Arnold Paunartz, wahrscheinlich Schüler und Gehülfen Gutenbcrg's oder doch Wcrklcute aus Fust und Schöffer's Ofsicin, fanden hier nicht nur ein Asyl, sondern anch Beschäftigung. Sie druckten zuerst, aber ohne Angabe des Jahres und des Druckortcs den Donat, wie sie sich in dem von Maittaire im ersten Bande der typographischen Annalen Seite 48-51 mitgetheilten Briese an den Bischof Johann Andreas von -Aleria selbst ausdrücken „pro xuerulls" sür die Schulknaben, von welchem aber kein einziges Blatt bis auf uns gekommen ist. Hierauf ging im Jahre 1465 das erste in Italien gedruckte Buch aus diesem Kloster und aus diesen dcntschcn Pressen hervor, nämlich ,,1>uc!u» Loeliu« I>!»:t!ui l^ir- mlöims, >; librl septom" etc., ein überaus seltenes Werk, in welchem nebst dem Schöffcr'schen Cicero cc)va'tt.Seo.vs'XvL'öl ^eo'^ovs'ß.ia.iovd!i>I ... iidver-m» c^ilimniliitorom ^latonis Illiri V", daß sie von den Brüdern Marimi großmüthig unterstützt worden. Die Jahreszahl ist diesem Buche zwar nicht beigesetzt, doch laßt sich anS einem Briefe Bessarion'S an Marsiglio Ziciuo entnehmen, daß es im Jahre 1469 gedruckt wurde. Paunartz und Swe^niheym verstanden es meisterhast, den damals in Italien für Handschristen üblich gewesenen rein römischen DuctuS nachzubilden, der den deutschen Osfieinen noch fremd war. Ihnen gebührt der Ruhm, die Antiguatype oder die kleinere lateinische Schrift, die bereits in den Manuseripteu deS achten und ueuutcu Jahrhunderts angewendet worden war, zuerst iu der Quartausgabc von Cicero's Briefen von 1467 in Rom eingeführt zu haben, bei welcher, sowie auch bei der schönen Ausgabe des Aulus Gellius die Eigenthümlichkeit bemerkbar ist, daß auf dem i kein Punkt und überhaupt keine Diphthongen, zu Ende der Wörter aber stets lange « vorkommen. Sie haben in einem Zeiträume von sieben Jahren, wie aus dem angeführten Briefe, worin sie ihre Druckwerke der Zahl nach namhaft machen, hervorgehet, nahe an 12,460 Bande geliefert. Was dem ausgezeichneten Verdienste dieser Männer die Krone aufsetzt, ist, daß sie sich meistens mit dem Drucke altclassischer Werke, als der Schriften eines Lactanz, Cicero, Apulejus, Plato, Cäsar, Livins, Mrgil, Lucian, Strabo, Quiutilian, Sueton, Ovid u. s. w. beschäftigt und auf diese Art das Studium derselben wesentlich befördert haben. Nichts desto weniger verfielen sie bei der damals schon sehr großen Con- cnrrcnz in Armnth, wie aus einem Briefe an den Papst Sirtus IV. hervorgehet, worin sie sich über Maugel an Verdienst uud die hoheu Ausgaben beklagen uud denselben um Hülfe anflehen. Swcynhcym verschwindet mit dem Jahre 147Z ans der Reihe der Drucker uud scheint sich von nun an ganz der Kupferstecher- uud Gravirkuust gewidmet zu haben. Nachdem er sich von Paunartz getrennt hatte, geriet!) er auf den Gedanken, Landkarten zum Theil mittelst der Typographie herzustellen. Die Princeps des Ptolemaus, welche sieben und dreißig Landkarten enthalt, auf denen die Schrift wahrscheinlich mit stählernen Stempeln (Patrizen) in die Mctallplcitte eingeschlagen wurde, da sie die hier sichtbare durchgängige Gleichheit durch dcn Stich mit freier Hand nicht erlangen konnte, liefert hiervon den Beweis. Das Verfahren wird in der dritten Abtheilung dieses BuchcS, wo von dem geographischen Drucke die Rede ist, ausführlicher geschildert werden. Sweynhcym und der Herausgeber des Ptolemaus, Domiticm Caldcrinns, starben, ohne das Werk selbst nach dreijähriger Anstrengung zu vollenden. Ein anderer deutscher Kupferstecher, Arnold Bucking, nahm sich der Arbeit an und brachte sie im October dcs Jahres 1478 in Rom glücklich zu Stande. Pannartz druckte, obwol allein, fort bis 1476. Was aber die Ausübung der Typographie in der ewigen Roma angehet, so gebührt der oft bestrittene und früher fast allgemein dem Genossenpaare Sweynhcym uud Paunartz zugeschriebene Ruhm der Priorität einem anderen Deutschen Nom. — Ulrich Kau. — Georg Lauer. -— I!otI>ec->, K^eiicerlang, II, 305. wol keinem Zweifel mehr unterworfen sein. Ihm wird sogar der früheste Guß griechischer Typen zugeschrieben, die er im Quintilian von 1470 zuerst iu Anwendung gebracht hat, indem die im Licero ec!meii t)^><>gr!>^IiiaL romniiivv «»«zc. XV. Kom-t« 1773. 8. und in ^. L. .^uäMredl, eatulox. lom-lii. erimciie liov.ile" zu Paris, der „Universilatsdruckerei" zu Orford (^I-irendon?res«) nnd den bewnndernngSwürdigen Officinen eines Bulwer, Bensley, Pickering, Hansard nnd Clowes zu London, unstreitig die größte Anstalt dieser Art in der Welt, nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Die Congregation zur Ausbreitung des Glaubens, „rop!>L!ui« ^ nunle si chionm Peror j Pnel- larum: Zoe Honorc ^ dc Le Donzcllc: La ouale ^ Da Negola Forum E modo j Ac Stnto De Le Honcstc Donzclle " nnd seiuem Busenfreuude Giovanni di Dio zugeschrieben wird, hat wegen der Schlußschrift nnd Jahrzahl unter den Bücherfreunden große Kontroversen veranlaßt, worüber Lichten- bergcr in seinen Initia l'^oxr. 170 und 171 ausführlich berichtet. Diese lautet: Anno a Christi inrarna- tione MCCLLLA'I per Magi- strum Aicoloum Ionson Koc opus miod Puella- rum Drcor dicitur fclici- ter imvrrssum cst. Fnus Dco. Sie gab dem Abbate Boni Veranlassung, in seinem 1793 gedruckten „ «Znadeo ciitico tii>ogr!>pl>!co " Nico- laus Jenson zum ersten Buchdrucker Venedigs zu machen. Daß Letzteres jedoch nicht der Fall sein könne, bewies der gelehrte Bibliothekar der Mar- ciana, Jacobo Morelli, durch das Privilegium, welches die 8!j;nor!^ di Venexi-V am 18. Sept. 1469 dem Johannes dc Spira ertheilte, demzufolge ihm fünf Jahre lang allein in Venedig zn drucken erlaubt wird, worin es ausdrücklich heißt: „Inäucta, est in >>!>n<: nostram inrl)t-»n civit»tem »r« im>iriinenöi libros, in 6iescterid>i5 Veuetlü impi e«snm Nomae 1>er IZucliai'ium Lilder -»Iliis I^rauvlc snno (^rlslumko SsiMls AILLVVXLV i>rid. Kai. Novemd. " Christoph Waldarfer, von 1470 bis 1472, auch Valdarfer, Valdafcr nnd Valdorfer ans Ne- gcuSburg, uicht minder ausgezeichnet als seine Vorgänger, lebte zwar nur kurze Zeit in Venedig, hat aber nichts desto weniger durch Bcirath sciues Freundes Ludovico Carbone, der sich durch Vergleichuug von Handschriften und Durchsicht deS Satzes vor dem Neindrucke nicht geringe Verdienste erworben, bis 1472 Treffliches geleistet. Es genügt, die Reden des Cicero, den Virgil, nnd vor allem den höchst seltenen Decamerone des Boccaccio von 1471, welchem letzteren vil-d!», IMIiotlieca 8pencer!ana IV, 75. eine ausführliche Beschreibung widmet, hier 216 Venedig. — Erhard Natdolt. zu nennen, um einstweilen hier bei seinem ersten Erscheinen auf ihn aufmerksam zumachen, bis sich späterhin mit dem Jahre 1474 seine Wirksamkeit zu Mailand in noch höherem Maße entfaltete. Wo dieser merkwürdige Mann die neue Kunst erlernt habe und von wo er zuerst nach Venedig gekommen, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Weuu man den blos mit dem Tanfnamen Adam in der Schlnsisehrift der schönen Ausgabe des Laetanz von 1471 vorkommenden Drucker, welchen DcniS Adam von Notwcil, Gerckcn aber Adam von Ammergau oder Ambergau (Ambcrg?) nennt, nebst einem Clemens von Padua, dem ersten gebornen Italiener, welcher sich, obwol Geistlicher, der Typographie mit großer Vorliebe gewidmet hatte, ferner Bartholomäus von Cremona, Leonhard Achates aus Basel, Jacopo Rossi oder NübeuS, auch de Rubels, Gabriel Petri oder di Piero, Christoph Arnold, Leonhard Wild oder Aurl von RegenSburg, NieolauS von Frankfurt, Franz Renner von Heilbronn, Johann Hammann, genannt Herzog, Filippo Pinz aus Mantua, Ludovico de Sale, Jacopo de Fivizauo, Albert von Stcndal, Bartolomeo de Carlo, Lorcnzo de Aquila, Sybillinus Umber, Filippo Petri, bekannter unter dem Namen Philip- pus Condam Petri, welcher anfanglich mit Gabriel di Piero gemeinschaftlich druckte, Antonio de Bologna, Andrea de Cathara oder de Paltasichis, Marcus de Comitibus, Gerhard AlerandrinnS, Andrea de Corona, Andreas de Bonotis ans Pavia, Bernhard Maler oder Pictor von Augsburg und Peter Löslin als weniger einflußreich übergehet: so tritt uns ein deutscher Mann entgegen, den wir schon als den vorzüglichsten Typographen seiner berühmten Vaterstadt Augsburg keimen gelernt haben, Erhard Ratdolt, von 1476 bis 1486. auch Nathold, welcher mit den beiden Letztgenannten das deutsche Buchdrucker-Triumvirat ausmachte. Sie druckten in Gemeinschaft bis 1480, in welchem Jahre Ratdolt allein erscheint. Eines der schönsten Werke, welches aus den Pressen dieser Dreimanncr hervorging, wo Löslin das Amt eines Correctors ausübte, ist der Appiau von 1477, eine Ausgabe, welche selbst der Princeps des Wendelin von Spcyer von 1472 wegen ihrer Schönheit den Rang streitig macht. In seinem Euklid, welchen er 1482 allein druckte, ist die Kunst sür jene Zeit auf den höchstmöglichen Gipfel gesteigert und er hat sich dadurch einen so bedeutenden Namen erworben, daß von Deutschland und Italien aus fast allen Städten und Stiftern die ehrenvollsten Rufe an ihn ergingen. In einigen Eremplarcn dieses schönen Werkes, wie z. B. in demjenigen der Stadtbibliothek zu Augsburg , welches der gelehrte Drucker im Jahre 1490 selbst den Carmelitern bei St. Anna daselbst verehrte, ist die Zueignnng an den damaligen Dogen von Venedig, Giovanni Moceuigo, mit Goldschrift gedruckt, in einigen anderen strahlen wenigstens die Anfangsbuchstaben der Dedication und der Vorrede in Gold — das früheste Beispiel dieser Art von Prachtdrucke. Zu gleicher Zeit ist es die erste gedruckte Geometrie und das erste mit mathematischen Figuren versehene Buch, welches je eine Presse verlassen hat. Sein Corrector bei diesem, sowie bei allen anderen mathematischen Werken, war Johann Engel oder AngeluS, von Aichach in Baiern gebürtig, einer der ersten Astronomen, Mathematiker und Redner seiner Zeit. Im Jahre 1486 wurde er von dem Bischöfe Johann von Werdenberg in seine Vaterstadt zurückberufen, woselbst er bis 1516 druckte, also im Ganzen seine Kunst vierzig Jahre ausübte. Ihn: wird von den Bibliographen Mar- chand und Maittaire die Erfindung der mit Blumen verzierten oder aus Blumen zusammengesetzten Anfangsbuchstaben „ INorentss litteiss " zugeschrieben. Die Aufmerksamkeit aller Bücherfreunde verdienen seine aus allerlei Gegenstanden des praktischen Lebens gebildeten Initialen, welche in den Werken des Jacobus Publicius, Venedig, 1485. in Quart des Verfassers mncmonischc Lehren in der ^rs memora- tivk versinnbildcn, wovon Dibdin in der Libl!otl>eca Spencerigna Vol. III. p. 475-483 gelungene Facsimiles mitgetheilt hat. Die Gegenstände erscheinen weiß ans schwarzem Grunde. Auf Ratdolt folgen mehrere Typographen, deren Namen nnr durch einige wenige Werke ans uns gekommen sind, als: Antonio PasPiilino, Theodor Venedig. — Scotus. — Santritter. — von Neyusperg oder NeynSbnrg, auch Regensburg, Reynald de Noviomago, Douünik Silibrand oder SiliprandnS, Juvenis Gnerinus, Wilhelm Hahn oder Gallus, Pietro de Baruta, Gerhard von Flandern, Brunus Valla und Thomas de BlaviS von Alerandrien, Boninus de BouiuiS, Antouellus de Moncta, Martinus Saraceuus, Bcrnardo de Celeri de Luere und Beruardino de Novaria, Georg Walch, Nicolaus Girardeugus, Nicolaus Nubrus, Pietro de Piusis oder Blasius von Cremona und Bartholomäus Vlavius aus Alerandrien. Octavian Scotus, von 1480 bis 1500, aus Monza, gehört in die Reihe der berühmteren Buchdrucker und Verleger von St. Marcus Stadt, der außer seinen eigenen Pressen noch eine Menge anderer Typographen, wie z. B. Johann Leoviller aus Halle, Johann Hamann, genannt Herzog, von Landau, Albertin von Verzcllis und Andere beschäftigte und als reicher und überaus rechtlicher Buchhändler in hohem Ansehen stand. Es ist nur zu bcdaueru, daß die Auswahl seiner Bücher in wissenschaftlicher Beziehung keine glückliche genannt werden kann und er auf Schönheit der Lettern wenig Aufmerksamkeil verwendete. Johann Lucilius Santritter, von 1480 bis 1489, aus HcilSbronn im AnSbachischen, der sich zuweilen auch <1<; Voiiigi»« 1^;I()^M0I()7^0^ Aldo Pio Manutio, von 1494 bis 1516. Auch Mannzio, Manuzzi und Manucci, gewöhnlich ^läus, der klettere, Stammvater einer berühmten Typographenfamilie und der bedeutendste aller italienischen Buchdrucker, wurde zu Basfiano, einem Städtchen in dem Herzogthnme Sermonctta in der Nachbarschaft der pvntiiüschen Sümpfe, um 1447 geboren, studirte zu Ferrara, ward Erzieher des jungen Fürsten Alberto Pio zu Carpi, der ihm neben anderen Gunstbezeugungcn den Namen PinS ertheilte, und legte sich erst im Mannesalter zu Verona und zu Rom auf das Studium der griechischen Sprache. Aus besonderer Vorliebe für die Wissenschaften begab er sich im Jahre 1483 nach Venedig, um da eine Buchdruckern zu begründen, welche sehr bald sowol an Umfang als an Eorrcct- heit der Unternehmungen alle Officinen Italiens übertraf. Vorzüglich waren cS classische Autoren der Griechen, denen er seine ganze Aufmerksamkeit und allen seinen Fleiß widmete. Seine ersten Drucke waren I „ d!vn»t»nt.!n I^a«e!»'i«, I^ioleninta" und „ Hlus»eu!i" von 1494. in 4. Den ersten Versuch des griechischen Typcnschnittes bei der Ausgabe des .' „ l>Iusi>eus, grkec. et lat., Ven. 8. a. " in 4., Welchen die Officinen zu Orford und Cambridge noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nachahmten, obgleich er die Schönheit der Jenson- schen Type beim Anlus Gellius und MacrobiuS nicht erreicht, mag beifolgendes Facsimile vergegenwärtigen. IHD xxvtztto^ Mze<«A7vj)tb /^^OV^S-ÄZV' ?Lc^ »e ce^ Von n,ln an waren seine Pressen unausgesetzt beschäftigt bis zum Jahre 1506, wo im Erscheinen seiner Druckwerke eine Pause eintritt, da er sich das ganze Jahr hindurch auf Reisen befand. Von 1494 bis 1508 druckte er allein und seine Ausgaben tragen vom Jahre 1500 an gewöhnlich die Aufschrift: »p»ll ^I-lum Romünum oder ex ^lili Ko- m-mi ^oaäeml-t, oft sogar nur: ex Kescaäem!». Den ersteren Beinamen „Kom-mus" gab er sich, weil er in Rom seine Studien gemacht und den größten Theil seiner Jugend da zugebracht hatte. Die letztere Bezeichnung seiner Werkstatt legte er sich deshalb bei, weil er in seinem Hause eine Art kleiner Akademie gestiftet hatte, deren Mitglieder größtentheilS bei ihm wohnten. Diese Gesellschaft von Gelehrten hat sich nebst ihm um die Wissenschaft sehr verdient gemacht. Hier wurden Mannscripte kritisch beurtheilt, von ihren fehlerhaften Lesarten 220 Venedig. — Paolo Mtanutio. gereinigt, zum Drucke befördert und wenn dieselben die Presse verlassen hatten, bogenweise durchcorri- girt. Auf diese Art gelang es ihm, die typographische Kunst auf eine Weise zu vervollkommnen, wie Niemand vor ihm gethan. Ihm verdankt man die I5ec»e" von 1499, überhaupt Großpapiere lieferte („I>I>!Io5tr»tus") und einige seiner Classiker, wie den „Huimlliau" und die „liibi-I 6i»i<1 ^.Ii»ies-uirus iinguae arme- mcsv " und die vom Pater Baptista Aucher herausgegebene „Chronik des Eusebius" in armenischer, lateinischer und griechischer Sprache. Von der Wichtigkeit der alten armenischen Handschrift dieser Chronik für die gelehrte Welt überzeugt veranstaltete man eine Quart- und eine Folioausgabe aus schönem Weißen Druck - und Velinpapier; ferner das „ visionär!» si-meiio - lettersle " V0N 1749 in O-nart und Peters und Pauls Cäsarowitsch aus Constantinopel „ Beschreibung der Stadt Calcutta " von 1832 in klein Folio. Als Probe der Vielseitigkeit ihrer Typen kann die hier 1837 erschienene Ausgabe der „preces Sancti ferset!« ^rmeniorum I^tri-li-cli-xz" in 24 Sprachen gelten. Die Verdienste Venedigs um die Typographie haben Paitoni, Pellegrini und Kiuderliug geschildert. Mailand. — Filippo oe Lavagna. — A. Zaroto. — C. Waldarfer. — o5 lidrl IV, 1470. und auf einer undatirten Ausgabe der Briefe des Cicero als Mitwirker nennt. Außer diesen zwei Drnckdcnkmälern aber ist kein Buch-bekannt geworden, welches seinen Namen trägt. Nnmeister aber druckte von nun an allein und ihm verdankt man die Princeps der Oomecomiom!><)Ilia cl'Omero ti-itdolta i» <.e!'üa i'imk 8 sillges laits psr les Italiens en IZspcixne oAi'atia üel secolo XV etc. Ven. 1805. in 4. Bologna. 14 7 1. Ein Druckfehler in der KoSmographie dcS Pto- lemaus von Dominico de Lapis, wo in dcr Schlußschrist statt 1482, 1462 zu lescn ist, hat lange Zeit die irrige Meinung verbreitet, daß die Buchdrucker- kuust vor alleu andern Städten Italiens hier zuerst eingeführt worden. Balthasar Azzognidi, von 1471 bis 1430, oder de Azzoguidis ist der erste Typograph dieser seiner Vaterstadt, welcher in den von Francesco Puteolano commentirten und dem großmüthigen Maccn der Wissenschaften, Cardinal Franccsco Gon- zaga, gewidmeten „Ovid" von 1471 ein Werk geliefert hat, welches allen Bibliotheken selbst dann noch zur größten Zierde gereichen würde, wenn diese Ausgabe auch nicht den Vorzug hatte, die voltständigste zu sein, die man von Ovids Werken bis dahin besaß. Er druckte mit einer schon sehr voll- kommncn Antiquaschrift, die noch jetzt mit Recht bewundert wird. Heinrich von Coln, von 1478 bis 1485, oder Hcnricus de Colonia, einer der vielen wandernden Buchdrucker, welche damals von Deutschland Ferrara. —> Andreas Dclfortis. — Neapel. — Sirius Niessinger. 227 aus die Kunst in Italien verbreiteten, hatte schon zuvor in BreScia gearbeitet, wendete sich dann nach Siena bis 1489, von da nach Lucca, endlich 1491 nach Nozaui und zuletzt 1493 nach Urbino. Manches schöne Werk ging aus seinen Pressen hervor. Noch verdienen besondere Erwähnung: Heinrich von Nördlingen und Heinrich von Harlein, welche von 1432 bis 1485 in Gemeinschaft zuerst in Bologna, dann in Venedig und Siena, Letzterer auch bis 1499 in Lucca und Nozani druckten; Andrea Portilia aus Parma, 1473; Ugone Ruggcri oder Rugerius, 1473-1498; Doninus Vertochus, 1474; Tominico de Lapis, 1476-1482; Joannes Seriber oder Schribcr, das ist Schreiber, 1478; Balthasar de Ruberia oder Hvrubcria, 1481 nnd 1486; Dominica de Silvcstro de Eini, 1482; Peter von Heidelberg, 1482; Matthäus Cresceutius, 1435; Johann Walbeck, mit Heinrich von Hartem nnd Bartolomeo Trajccti, 1485-1495; Plato de Bene- dictiS, 1487-1500; ein von demselben gedruckter Proper; von 1487, mit der Schlußschrift „in eom- munc a Nrncdicto Hectoris Fibrario et Nlntone de Pcnedictis impressorr", ist wol das früheste Beispiel, daß Buchhändler nnd Buchdrucker auf einem Werke genannt werden. Dionysio de Berto- chis, 1487; Bacilierins de Bacilieriis, 1437-1493; die Bruder de Eampii, 1490; Hector Faelli, 1492 und 1500; Giovanni de Fontanetis, 1492-1495; Jacopo und Girolamo de Benedictis, 1492; Giro- lamo de Pnllis und Giovauni de Marochis, 1492; Hcrcvle Nani, 1492-1494; Dionysio HectoriS, 1494; Ealigula Bazalerins, 1495-1499; Justiuian de Nuberia, 1495-1499; Giacomo de RagazonibnS, 1495; Giovanni de Reggio, 1497; Gentilis Ehar- tarius, 1497; Girolamo, Viucenz nnd Giovanni Antonio Platonidcs de Benedictis. Nahe an vierzig Typographen druckten bis zn Anfang deS sechs- zchnten Jahrhunderts in Bologna; unter diesen war Hugo Nuggeri der fruchtbarste. Auch von dem berühmten jüdischen Drncker Abraham Ben Chaiim ans Pesaro wnrde 1482 der Pentateuch in hebräischer Sprache ans Pergament herausgegeben. Später hat derselbe auch in Ferrara, Mantua und Soncino schöne hebräische Drucke geliefert. Ferrara. 14 7 1. Das erste Buch, welches iu Ferrara, diesem durch seine hochgebildeten Fürsten aus dem Hause Este uud durch Torquato Tasso und Ariost so berühmt gewordenen Mnscnsitze, an das Licht getreten, ist der „Martin!" von 1471. Der Drucker war Andreas Belfortis, von 1471 bis 1493, ein Franzose von Geburt, deuu er 'selbst nennt sich in den Schlusischriftcn bald GalluS, bald GallicuS. Im Jahre 1475 ging auch die berühmte und höchst seltene Ausgabe der „Teseide des Boccaccio", das erste in italienischer Sprache gedruckte Gedicht, wahrscheinlich aus dessen Pressen hervor. Noch verdienen geuauut zu werde»: Augustin Earnerius, Sohn deS Bernardo Agostini, 1474-1476; Pietro de Aranceyo und Giovanni de Tornaco, 1475; Johannes Picarous, Severino de Ferrara, 1475 uud 1476; Lorcnzo Nossi oder de Nubeis aus Valencia, 1585-1500, mit welchem Andrea Grassi oder de Grassis von 1492 bis 1493 in Gemeinschaft druckte. In dem „Filium mediciime" von 1486 findet man schon die Anwendung sogenannter „Custodeu". Schou in dem siebenten Deccunuim deS fünfzehnten Jahrhunderts wnrde anch eine jüdische Werkstatt von dem oben bei Bologna erwähnten Abraham Ben Chaiim in Ferrara errichtet, anS welcher 1476 nnd 1477 zwei W.'rke hervorgegangen sind. Diese Officin scheint aber alsdann geruhet zu haben, bis um die Mitte des nachfolgenden Jahrhunderts die berühmte sogenannte „spanische Bibel" von 1553 in zwei Ausgaben, die eine für Juden, die andere für Christen bearbeitet, in's Leben trat. Eine ausführliche Beschreibung davon gab I. B. de Rossi in seiner classischen Schrift: „>Ie tvi>ozzi'.i^>I>iu I'.'I-raeo- I^err-U'lensl etc." Parma 1780. 8. Neapel. Sirius Niessinger, von 1471 bis 1479, anck' Rusinger, Nassinger, Rcsius, aus Strasiburg gebürtig, der sich auch zuweilen ElericuS MoguntinuS 228 Pavia. — Florenz. nennt, führte wahrscheinlich von Mainz kommend die ncne Kunst zuerst im Jahre 1471 mit „N»rl»li de Saroserrato lertura in libros rodicis VI-IX." in dem reizenden Parthenope ein und druckte nach und nach mehrere Schriften des Justinian und einiger beinahe ganzlich vergessener Juristen des Mittelalters. Durch Kenntnisse und gute Aufführung erwarb er sich in so hohem Grade die Liebe des Königs Ferdinand, daß dieser ihm cinBisthum antrug, um ihn für seine Staaten auf immer zu gcwiuncu. Er verließ jedoch Neapel nm 1480 und man glaubt, daß die von einem Drucker NamenS Sirtuö in Verbindung mit Georgius AlemannuS in den Jahren 1481 und 1483 zu Rom gedruckten Bücher sein Werk seien. Endlich kehrte er nach Strasibnrg zurück, trat daselbst in ein geistliches Amt nnd starb in hohem Alter. Arnold von Brüssel, 1472-1477, und Matthias von Olmütz, unter dem Namen Matthias Moravus durch eine Reihe trefflicher Leistungen bekannt, 1475-1490, welcher Letztere schon zuvor in Genua seine Kunst geübt halte; Berthold Riging oder Ni- ching anö Slraßburg, 1475-1477; Jodocus Haven- stein aus dem Speyerischeu, 1475; Francesco de Tupo, 1475-1480, der sich in den Schlußschriften Soi'Idn, re^?8 I''er. 93, als sei das Doctrinale des Alexander von Villedien das erste Buch, welches auS der Werkstatt des Cennini hervorgegangen. Metro Cennini scheint als Gelehrter mehr dem Studium, als der Ausübung der typographischen Kunst gelebt und bei seinem Vater nur als Corrcctor gearbeitet zu haben. Nach dieser Künstlerfamilic thaten sich durch schöne Leistungen hervor: Nicolaus Lorenz, ein Deutscher aus der Diöcese BreSlan, 1477-1486; Donünico de Pistoja und Pietro de Pisa errichteten eine Officin im Kloster zn St. Jacob vor ver Porta St. Niccolo zu Florenz, wo sie von 1476-148Z verschiedene Werke druckten; Antonio Bartolomeo Miscomini, 1481-1495; FranceSco de Dino, der früher zn Neapel wirkte, 1481-1496; Francesco Buoucorso oder Bonacursius, 1485-1496; Antonio Franceschi, auch de Consortibus genannt, aus Venedig, 1487-1492; Bartolomeo di Francesco, 1487-1497; Jacopo Caroli, 1487-1489; Pietro Honofrii, 1488 und 1489; DemetrioS Chalcondy- las ans Creta, dessen Kunstfertigkeit man die schöne Princeps des Homer von 1488, 2 Bande in Folio, verdankt, welche Maittaire I. x. 183 ausführlich beschreibt und nicht genug loben kann; Lorenzo Matthai de Morgianis und Johannes Petri aus Mainz, 1490-1496; der Priester Bartholomäus aus Florenz, 1492-1497, dessen Familienname unbekannt geblieben ist; Lorenzo FranceSchi de Alopa, 1494-1496; Gerhard von Harlem, 1498; Leonardo de Arighi aus Gesoriaco, 1499; und Andrea Ghyr aus Pistoja, 1500. Unter den Letztgenannten zeichnete sich vor allen Lorenzo, Sohn des Franz von Alopa, durch seine prachtvolle und wahrhaft bewunderungswürdige Ausgabe von des Planudcs ^S0^01^ ^SOI'KiV LMI^W^ZNN' vom Jahre 1494, mit griechischen Scholien von Jo. Lascarls aus, welche ganz in Capitallettern gedruckt ist und zu dem Schönsten gehört, waS die griechische Typographie je geleistet hat. Noch machte sich in den Jahren 1497 nnd 1498 eine Gesellschaft von Typographen durch zwei Werke bekannt, bei denen sie sich als Sociows e»>>idri oder Vgi,g unterzeichnete. Den höchsten Grad von Berühmtheit erlangte die Familie Giunta oder Junta, auch Zonta, in der vielfachen Zahl Ginnti oder Juntae genannt, welche für Florenz dasjenige war, was die Aldi oder die Manntier für Venedig. Sie stammte nicht, wie man behauptet hat, aus Lyon, sondern aus der kunstlicbcndcn Arnostadt und begründete ansanglich zu Venedig und Florenz, spater zu Lyon, endlich zn Burgos, Salamanca und Madrid sowol Buchhandlungen als Druckwerkstätten. Filippo Giunta, von 1497 bis 1517, wahrscheinlich ein Bruder des Luc-Antonio, welchem wir schon in Venedig begegneten, nnd ein Schüler des berühmten Christoph LandinuS, kann als Begründer der Florentiner Officinen dieses Namens betrachtet werden. Sein erster Versuch war ein kleines griechisches Werk von 66 Blattern in 4.: „Llenodii ?rovei-dia " vom Jahre 1497 mit den Typen des 1488 in Folio erschienenen storentinischen Homers. Nach dessen Tode 1517 setzten zuerst seine Söhne Benedctto und Bernardo und nach ihnen deren Erben die Druckerei mit großer Thätigkeit und gutem Erfolge noch über ein Jahrhundert fort. Der letzte Druck dieser Familie waren die ,,IUm«" des Michel Angclo Buonaroti, 1623. 4. Die Typen dieser Officin dürfen den Vergleich mit den Aldinischen nicht scheuen; nur an Mannigfalligkcit möchten sie diesen nachstehen, ihre Cursiv aber verdient sogar den Vorzug; besser hingegen ist bei den Aldns das Papier, die Schwarze uud die Gleichheit des Druckes. Die von den Ginnti's herausgegebenen Klassiker werden noch jetzt von Bücherfreunden 230 Lremonil und Fivizaiis. — Padmr. — Mantua. und Bibliotheken unter dem Namen „Juutinen" in Sammlungen vereinigt. Zm Jahre 1557 brannte nach Tiraboöchi VII , I, 248. die Druckerei der Giunti ab nnd so gingen viele Werke zu Grunde, deren Verlust tief zn bedauern ist. Ueber die Leistungen dieser Familie geben .4. AI. vi>»nx>">i>>>iile 1791. gr. 8. genaue Anskunft; Dibdin vermehrte diese Nachrichten im I)e. 257-280. nnd Ebert lieferte im bibliogr. Lericon B. I. S. 1063-1175. ein vollständiges Verzeichnis? ihrer Drucke. Vergl. '1'in>I>0!^>n, nul!/!» !«toiicliö «»^I'!> I» «Uimsieiiit dl 'l'i I^ol!, lu li ^»«»iuio serviro »II' illii^ti'ilxiune tlvl!» «tor!» tl^l^eiltii)» 1<'I»rentüw. 1<'iieni!e 1781. in 4. Ueber die berühmte Officin des Lorenzo Tor- rentino siehe 1. 1>. Kloreni, ^mnlli <1eII» ti^>»^r!,sia b'ivient,!»» lli I^vienxo '1'orientiiio. 1^'ii'. 1811. 8. Cremona und Fivizano. 1 4 72. Diese zwei kleinen Städte sahen schon 1472 die typographische Knnst und zwar durch einheimische Künstler in ihren Manern erblühen, wenn gleichwol bald darauf ein Stillstand eintrat und diese selbst in der neueren Zeit hier keine wesentliche Unterstützung fand. Die ersten Cremoncser Drucker waren : Dionys de Paravesiiw und Stefauo de Merlinis, 1472; Bcrnardino de Misintis aus Pavia und Caesare de Parma, 1492; nebst (5arolo de Darleriis, 1495-1500. Der einzige bis jetzt bekannte Druck aus Fivizano, einem Städtchen oder vielmehr Flecken in Toscana ist der Virgil von 1472, als dessen Vcrfcrtigcr sich in dem Colophon drei anderweit unbekannte Manner - Jacobus, Alerandcr nnd Baptista SacerdoS, der Priester, nennen. P a d u a. 1 4 7 2. Hier fand die Kunst um die nämliche Zeit Aufnahme und zwar ein bleibendes Asyl. Die Fia- metta des Boccaccio, von Bartolomeo de Valdezochio und Martinns de Septem Arboribns 1472 vollendet, ist der Wiegendruck dieser berühmten Universität. Auf jene Männer folgten: Lorenzo Canozzi, 1472; Leonhard Achates aus Basel, 1473; Albrecht von Stendal, 1476; Peter Mauser aus Rheims, der schon früher in Venedig druckte, 1474-1479; Nico- laus Pctri aus Harlcm, 1476; Johannes Magnus Hcrbvrt aus Seligenstadt in Franken, 1475-1480; Bernardinus Celerius de Luere, 1473; Matthias ^ de Cordonis ans Windischgratz, 1481-1487; und Girolamo Dnrantis oder de Durantibus, 1473-1497. Im siebenzehnten Jahrhundert zeichnete sich Giuseppe Comino durch große technische Fertigkeit in seiner Kunst aus und wurde dadurch Veranlassung, daß die zwei gelehrten Brüder Gcrctano und Giovanni Antonio Bolpi im Jahre 1717 eine große Officin zur Herausgabe classischer Schriftsteller des Alterthums errichteten und ihm die Leitung derselben übertrugen. Die Cominischcn Ausgaben der Klassiker, deren man zwanzig kennt, sind sowol wegen ihres gefalligen Aenßcren als wegen der Correctheit des Tertes sehr gesucht. Ein Verzeichnis; derselben findet man bei '1'l>. n. Horns, !U> introdnctlon to tlie »tnil^ uk IZil>liogranI>)', l'.II. »^iienü. l.xxxvi. Man Vergleiche 1^. I''reilei ici, !U»I!>I! ^l»K» Voli>!- (^omliiiiuni eolle notixio intorno I» vit» e^Ii stu6i 6' kratelli Volpi. paclov» 1809. ->sien>lice 1817. S. antu a. 14 72. Der erste, welcher die neue Kunst in dieser Stadt ausübte, ist Pictro Adamo Micheli oder de MichaelibuS. Schwer aber dürste zu entscheiden sein, ob der „Docameron dcs Poccuccio" oder der „Tractntus mnlcficorum", beide vom Jahre 1472, der erste Mantnaner Druck genannt werden könne. Die nachfolgenden Typographen waren meist Deutsche: Georg und Paul vou Putzbach aus der Mainzer Diöcese von 1472-1474, Thomas von Hermannstadt und Johann Wurster von Kempten von 1472-1474, Johann Schall, Doctor der Medicin, von 1475-1479, der Jude Abraham Chaiim oder Konath 1476, Alvirius (Ludwig oder Aloys) de Siliprandis 1480 und Vincenz Bcrtochus aus Reggio 1494. Der hier gedruckte „Petrus de Abano, dc Vcuenis " 1472 liefert durch seinen auf Montercale. — Jesi. — Parma. — Viambattista Vodoni. 231 dem ersten Blatte befindlichen Initialen den Beweis, daß die Kupferstecherkuust schon 1472 ausgeübt nnd znr Vücherverziernng angewendet worden sei. Man sehe „1^,. <ü. Volt-t, s-lLgio »toiil-o critieo «n»!l tl^io- gr!>süt ^liiiitoviuia I?ilelto" 1473 der Begründer und Giam- battista Bodoni der Vollender der Typographie in ihren Mauern. Ersterer druckte von 1473-1481. Nach ihm zeichnete sich Stephan Eorallns anö Lyon von 1473-1477, die Brüder der Karthanse zu Parma 1477, Deiphöbus de Olivcriis 1483, und Augelo Ugoletto von 1487-1499 besonders auS. Ueber Parma'S frühesten Bueberdruck giebt ^. .-VIV«, sn;;^!« <>^>'n6» l'ui'ttieiis« tlel XV. ?!,>'»>!! 1791. in 4. näheren Aufschluß. Was aber Parma in typographischer Hinsicht einen unsterblichen Ruhm erwarb ist die Vervollkommnung, welche die Kunst in ihren Mancrn erlangte. Giambattista Bodoni, von 1766 bis 1813, der Sohn eines armen BnebdruckerS aus Saluzzo in Piemont, geboren den 16. Februar 1740, ist der Maun, der durch Geist, Kenntniß, Geschmack und nnermüdctc Thätigkeit für sich allein die Buch- druckerkuust zu einer Höhe emporhob, die vor ihm kein Typograph zu erreichen im Stande war nnd die in Bezug auf einfache, aber großartige Eleganz der CulminationSpunlt derselben genannt werden kann; denn alle Verbesserungen, die der neuesten Zeit angehören, haben mehr die Leichtigkeit des Verfahrens und eine dadurch bezweckte Schnelligkeit der Vervielfältigung ins Ange gefaßt. Schon als Knabe im Holzschncidcn geübt, fand er nach beendigter Lehrzeit in Rom in der Druckerei der Propa- gauda als Setzer eiucn Dienst. Hier fand sein hoch- strebcndcr Geist, dem die blos technische Ausübung seiner Kuust nicht genügte, im Erlernen srcmdcr, besonders orientalischer Sprachen die reichste Nahrung. Sein tadelfreies Betragen erwarb ihm bald das Zutrauen der Vorgesetzten in so hohem Grade, daß man ihn vor allen Mitarbeitern auswählte, die in Uuordnnng gerathenen Stempel vieler morgcn- ländischer Alphabete jener großartigen Anstalt zu reinigen nnd wieder in Ordnung zn bringen. Diese Arbeit führte ihn ans den Gedanken, selbst Lettern zn schneiden nnd zn gießen. Um sich weiter cms- znbildcn, beschloß er 1766 nach England zn gehen, eine schwere Krankheit aber, die ihn befiel, vereitelte diesen Plan. In Parma hatte gerade um jene Zeit Herzog Ferdinand nebst andern wissenschaftlichen Anstalten auch eine Druckerei nach dem Muster 232 Rrcscm. — ma, Viti! del OÄVilliere (Zi-unbsttisw Loäoni, ?arma 1816. zwei Bände in Quart, wo seine sämmtlichen Werke chronologisch verzeichnet sind. B r e s c i a. 1 4 7 3. Thomas Fcrrand und Pictro de Villa begründeten hier die ersten Osficinen. Die „Statuts Uririae", 1473. in Folio, des Ersteren und der Virgil und Juvcnal von 1473 des Letzteren sind die frühesten Wiegendrucke dieser nicht unbcdeuteuden Stadt der Lombardei. Später zeichneten sich unter BreScia's Typographen aus: Heinrich von Cöln von 1474-1476, Eustach Gallicus vou 1474-1475, Boninus de BouiuiS aus Nagusa vou 1480-1491, ein thätiger Künstler, dein wir schon zu Venedig und Veroua begegnet siud, Gabriel Petri aus Tre- viso uud Paul Petri, desscu Sohn, Bartolomeo de Vercelti, Miniato dcl Sera, Jacobus Britanicus, Angelus Britanicus de Paltazolo, Baptista de Far- fcugo, Bernardino Mistnta aus Pavia, Cäsar de Parma, Filippo de Misiuta, AruuduS de Aruudis und der Nabbi Gerson Ben MoyseS genannt Mentz- lan aus Soncino, welcher 1490 eine jetzt ungemein seltene hebräische Bibel in kl. 8. gedruckt hat, deren sich unter Andern Luther bei seiner Uebersetzung des alten Testaments bediente. Mefsina. 14 7 3. Diese durch das beklagenswerthe Ereignis; vom 5. Februar 1783 berühmte Stadt in Sicilien ist der zweite Ort, wo die neue Kunst auf jener Insel eiu Asyl gefunden. Heinrich Alding, ein Deutscher, kam mit seinen Gehülfen aus Rom schon 1471 nach Catanca, schlug aber, als es ihm daselbst nicht gelingen wollte, 1473 in Messina seine Werkstatt auf uud druckte später auch noch in Neapel. Außer ihm verdienen Andreas von Brügge und Wilhelm Schombcrg aus Frauksurt genannt zu werden, welche am Schlüsse des fünfzehnten Jahrhunderts hier mehrere Werke Herausgaben. Simt'-Llrsino. — Piccnza. — Como. — Genua. — Turin. — Suvoua. — CagU. — Cnsolc. 233 Sant - Urfino. 1 4 7 3. Ein Flecken unweit Viccnza hat drei oder vier Drucke aus dem siebenten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts auszuweisen. Hanns vom Rhein oder Johannes de Rheno, ein Deutscher, druckte 1473 „I. Puns Scotus, super tcrtio scntcntinrnm " in Folio. -Auf ihn folgte Leonhard Achates ans Basel. Beide aber vertauschten diesen Aufenthalt sehr bald mit Vicenzo, 1 4 7 4, wo sie nebst Johann und Stephan Koblinger aus Wien, Nicolaus Pctri vou Harlem und Hermann Lichtcnstein (I^evilap!-;) anS Eöln die einheimischen Künstler Leonardo Lvngo, Enrico de Sancto llrso, Dionysio Vcrtochus aus Bologna, der spärer zu Treviso, Neggio und Modena druckte, Enrico de Ca' Zcno oder de Easa Zeno, Jacopo de Tnsa, Filippo Albino, Simon de Gabis genannt Bevil- agua und Gngliclmo de Papia verdunkelten. C o m o. 1 4 74. Ambrosio de Orcho und Dionysio de Parnvisino ft'ihrten die Kunst in das reizende Städtchen am gleichnamigen See im Herzogthume Mailand ein, wo sie 1474 „Io. Ant. de S. Gcorgio trnctatus !>r »ppeUationil'us" in Folio Herausgaben. Letzterer verließ, als er seine Stelle durch Balthasar de Fossato ersetzt wußte, Como und druckte zu Mailand die griechische Grammatik des LaSkaris. G e n n a, 1 4 74, die Stadt der Paläste, von den Italienern aus eben diesem Grunde La Snpcrba genannt, muß in der Geschichte der Buchdruckerkunst an Bedeutsamkeit ihrer Leistungen manchem kleineren Städtchen weichen. Hat Matthias von Olmütz, gewöhnlich Matthias Moravus „der Mahrer" genannt, nebst Michael von München (de Monacho oder Mona- censis) milder „Summa Pisanclla" deö Nicoians de Asumo gleichwol schon 1474 die Typographie hier eingeführt, so machte Letztere doch nicht die Fortschritte, welche von einem solchen Handelsplatze zu erwarten waren. Außer deu genannten zwei deutschen Truckern errichtete 1480 der Earmeliter- mönch Baptista Eavalns im Kloster Maria dclla Croce eine Werkstatt, aus der jedoch nichts von Bedeutung hervorgegangen ist. Tn ri n. 1 4 7 4. In gleichem Verhältnisse zur typographischen Knnst steht die Hauptstadt von Piemont. Der Franzose Jean Fabre de Langrcs oder Lingoncnsiö nebst Giovanni de Petro eröffneten hier mit dem „Dreviarium Nomauum" von 1474 die Bahn. Ersterer, den man nicht mit dem Lyoncr Drucker I. Fabri verwechseln darf, ging später nach Easole bei Sicna, von wo er erst 1491 wieder zurückkehrte. Jacobinus Suigus, welcher früher zu Nercelli uud in Civasso seine Knnst geübt, druckte hier vou 1487- 1494 und wählte znletzt Lyon und Venedig zum Schauplatz seiner Wirksamkeit. Man hat Bücher, welche er in Gemeinschaft mit Nicolauö de Benc- dictis ans der spanischen Provinz Katalonien zwischen 1490 und 1500 vollendet hat. Noch verdient Francesco de Silva von 1496-1497 Erwähnung. S a v o n a, 1 4 7 4, ! im Genuesischen, hat das einzige Druckwerk: „ Poe- thius de eonsolatione Philosophien " von Giovanni Bono 1474; das kleine Städtchen C a g l i, 1 4 7 5, lateinisch e->!>ium, im Kirchenstaate, dagegen, wo Robert de Fano mid Beruardino de Bergamo die Buchdruckcrkuust eingeführt haben, drei bis vier Drucke auszuweisen, von denen „Mafei Vegii de inortc Astiuactis opus jocuuoum et mioerabile" 1475. in 4. das erste ist. Casole, 1 4 7 5, eine kleine Stadt im Großhcrzogthume Toscana, welche bald unter dem Namen Easscllae, bald unter 30 234 Perugia. — Pieve di Sacco. — Piacenza Ins Ascoli. — Fucca. — Palermo. Cassilia vorkommt und eben deshalb die Vermuthung veranlaßte, daß Casscl, die Hauptstadt des hessischen Kursürstcuthuius, oder Easale, derHanpt- ort von Montferrat, ja sogar CaShcl in Irland darunter verstanden sei, hat 1495 durch Jeau Fabre die „Vitae et rrhortationes SS. Patrum" und „c arte gramnmtica opuseulum" 1475. in 4. entstehen, ohne daß mit Bestimmtheit nachgewiesen werden kann, welcher der drei Deutschen, die hier ihre Werkstätten aufgeschlagen hatten, ob Heinrich Klein (auch Clayn) aus Ulm, Johann Vydenast, oder Stephan Arnt oder Arndcs auö Hamburg diesen Wiegendruck bewerkstelligt habe. Letzterer ist wahrscheinlich kein Anderer als der bekannte Lübecker Drucker, der früher iu Italien sich aufgehalten hat. Vergl. 1. Ii. Veimi^IIvii!, oN°iiiii> ^en»^!n-> 6el «ecolo XV. xeiu^ii», « 1820. 8. Pieve di Sacco. 14 7 5. Diese kleine Stadt im Gebiete von Venedig lieferte schon 1475 einen hebräischen Druck: „Nabln Jacob Leu Ascher, Arbnh Turim" in Fol., welcher aus der Presse des gelehrten Rabbiners MeScullam mit dem Zunamen Kosi oder Kotzi hervorgegangen ist. Piacenza, 1 4 7 5, hat im ersten Jahrhunderte der neuerfnndencn Knust nicht mehr als drei bis vier Werke aufzuweisen, von denen die lateinische Bibel deS Pietro dc Fer- ratiS aus Crcmona von 1475 in 4. das älteste ist. Neggio, 1475, in Ealabrien, verdankt die Einführung der Typographie einem Juden, Namens Garton Bcn Jsaae Abraham, welcher hier des Rabbi Salomon Jarchi Kommentar zum Pentateuch, 1475. in Folio, in hebräischer Sprache herausgegeben hat. Dieses Neggio, lateinisch Helium lulii, dars mit der gleichnamigen Stadt Hegiuin Iiexiäi im Gebiete von Modena nicht verwechselt werden. IStoden a, 1 4 7 5, wo Hans Wurster aus Kemptcn (c Siincto Isidoro" und durch Platina's Werk „de honest« valnvtntc", beide in Quart, einige Bedeutsamkeit erlangt. Man sehe „ 8. U-n-wU»!, Silvio <^>I«toi!>i'k «0j>!^ liv ti^>liit c Castro tcctura in scrtum rodicis", 1484. Fol. Luca Martini war sein Gehülfe und Genosse. Nach diesen machten sich Heinrich von Hartem, Johann Walbecke und Sicgmund Nost um die typographische Knust verdient. Bedauern aber muß man, daß so ausgezeichnete Männer Mühe und Unkosten auf Drucke gewendet haben, die bald nach ihrem Erscheinen wegen innerer Gehaltlosigkeit vergessen und nicht wieder cmfge- snnden worden sind. Ch amb ery. 1 4 84. Die Hauptstadt von Savoiicn hatte an Antoinc Ncyrct, welcher von 1484-1486 druckte, einen sehr thätigen Topographen. Sein erstes Werk uud zugleich Savoyens erstes Drnckdenkmal ist: „Le Fivrc de N»udo>>n Comtc !>c Flandrc 1484." in Folio. Hat die Typographie hier niemals gänzlich aufgehört, so ist sie in neuester Zeit doch meist nur auf AndachtSbüchcr beschränkt. Soncin o, 1 484, die kleine Stadt im Gebiete von Cremona, ist als einer der frühesten hebräischen Drnckorte berühmt, welcher von 1484 bis 1500 manches bedeutende Werk dieser Art geliefert hat. Die Namen der Drucker sind: Josua Salomon, Israel Nathan nebst dessen Sohn Zosna und Gerson, Sohn des Moses. Ueber die srühcste Druckerei zu Soncino, sowie über hebräische Drucke Italiens im Allgemeinen, hat I. B. Nossi in mehreren Schriften ausführlich Nachricht gegeben. N o v i, 1 4 84, im Genuesischen, verehrt in der „Summa R"pli- stimm", von Niccolo Girardengo 1484 in Quart ausgeführt, den ersten Drnck. Später hat sich dieser Bischofssitz in typographischer Hinsicht nicht über die Mittelmäßigkeit emporgehoben. P e s c i a, 14 8 5, hingegen beschäftigte gleich Anfangs mehrere Pressen. Francesco Conni ans Florenz, welcher mit der „Confrssionc di S. Arrnardino dc Sicna" im Jahre 1435 die Knnst einführte, zog bald mehrere Arbeiter nach sich, denen Lorenzo und Francho Eonni, wahrscheinlich dessen Neffen, dann Sebastian und Naphael, Söhne des Gherardo de Orlandi nnd Siegmnnd Nodt nacheiferten. u d i ,t e, 1 485, kleine Stadt in Friaul, hat ans der früheren Kunstepoche nichts als die Grammatik des Nicolo Perotto, von Gerhard von Flandern 1485 in 4. gedruckt, auszuweisen. Ob die bekannte Lobrede auf den Cardinal Grimani, welche 1498 zwar in Udine gehalten worden, anch daselbst aus der Presse hervorgegangen sei, Casalnmggiorc. ist noch zu entscheiden. Vergl. „8. /V. vüi-tnllm, ej>!«toli>l'.' i>leillci (letto !I ^lügniliro." I^irvNüe, 1825. 4 Bände in gr. Quart, ein wahres Meisterstück des DrnckeS mit Bodoni'schen Lettern. Giovanni Marenigh offenbarte in der „ (Zei'us^Iemme übel^til 6! 1'»r>jtt»tc> Issso." I?'lren?.L, 1820. 2 Bände in gr. Folio, so Wie in den „Alomimeiis si-pulcraux ddrll)l>e s)!u cnsMNie ll! Veuex!», >m!i»r»tv !IIu- «trat« ! mcmdiv lluliit Venet» Ii<>!>!« ^clxlemliv !»>» (noch unbccndigt) und die Brüder Mattiuzzi durch die ebeu so schöne als corrccte Ausgabe von „^s. V!- tiuvli I>x r^ci'u^IoiK! co»II>n» »»tlü^juc? novi««!m!5 In.iiini^ ?ole»i ; 8»!>t!oo." Dj>p!li'ü>l ?ei'A!lmensis epistolarurll opus i» 4." als dem ersten französischen Drucke hervortreten. Die Type ist, wie das Facsimile zeigt, genau dem DuctuS der damalige» Handschrifteu nachgebildet. tzFpAr'mi- perMmenKs clacMmi. orato^ n^eptHolayL ^ber koeli-nter iml^rd« Naebdeiu Fichet von Paris abgereiset war, um sich zum Papst Sirtus IV. nach Rom zu begeben, HannS von Stein oder Lapidarins aber sich in die Karthause nach Basel zurückgezogen hatte, verließen auch sie die Sorbonne und mietheten ein Haus unter dem Namen „zur goldenen Sonne". Von nun an vollendeten und datirten sie ihre Werke gemeinschaftlich, bis 1477 Martin Crantz und Michael Friburger entweder aus dem Geschäfte schieden, oder die Ausübung der Topographie ganz und gar aufgaben. AuS dieser Frühperiode der französischen Topographie stammt die „vibüa >!tt!na vulx-tt»" von 1475. in Folio, deren von obigem schon etwaS abweichenden Typcnschnilt beisolgcndeS Facsimile anschaulich macht. Hnopit^usttHeKü feckm 9Va«^eü' Iw'SensrAtöisrelrl öKnftl.Kij ab-^ 1)am.^bzaKamgemM ^ia acL^iaae skt genM^coh. laccib mck Kemütiuäa^ im Paris. 239 Genug druckte 1478 allein, von 1479 an aber mit Guillaume Maynyal und 1484 mit Bartholomans Ncmboldt. Seine frühesten Bücher sind in Antiqua ausgeführt, späterhin aber huldigte er dem Geschmacke der Zeit und wählte gothische Typen. Ihm wird die Einführung der Signaturen durch numerirte Buchstaben, wozu er sich der arabischen Ziffern bediente, zugeschrieben. Petrns Caesaris, wahrscheinlich ebenfalls ein Deutscher Namens Kaiser, druckte, von Gering unterrichtet, 1473 den „Mnnipulus Curatorum" für sich allein, verband sich aber 1474 mit Johann Stol, errichtete in der Straße Saint-JacgneS eine Officin, die bis 1479 thatig war. PaSgnier Bonhomme gab 1476 die „Chroniques de France", anch „Chro- niqucs dc Saint Dcnys" genannt, heraus. Die zwei bcrühmtcfteu Typographen am Ende deS fünfzehnten Jahrhunderts aber waren: Antoine Ve'rard uud Gcoffroy dc Marnef, von denen ein jeder für sich von 1480 bis 1500 eine Menge ausgezeichneter Werke lieferte. Von Ersterem kennt man sogar mehrere Pcrgamenldrncke. Einer seiner seltensten und gesuchtesten Drucke ist „Gyron lc Courtuys" Paris, ohne Angabc deS Jahres, iu Folio, mit charakteristischen Holzschnitten und eigenthümlicher Typenform, wie das gelungene Facsimile anzeigt. 5 Äuecquee taöenisdöes armes Le tone fee chwa- üersdetataßki:onöe. Antoine Ve'rard gehört nebst Grüninger in Straßburg , Koburger in Nürnberg und den beiden Zainer in Augsburg und Ulm, zn denjenigen Typographen, deren Erzeugnisse sich durch einen ungewöhnlichen Reichthum von Holzschnitten auszeichnen. Ans seiner Presse sind nebst liturgischen Büchern und vielen Nebersetzungeu lateinischer Schriftsteller über hundert Bande französischer Romane hervorgegangen. Das auf der folgenden Seite stehende Facsimile anS dem Bolköbuchc „Frs Prophccics de Merlin", Paris 1498. in klein Folio, giebt die Eigenthümlichkeit von Bc'rard's Typcncharaktcr wieder. Einen noch einmal so großen Anfangsbuchstaben aus Ve'rard's Ausgabe des Volksbuches „La mer des histoircs" hat Dibdiu im Dccamcron II, 27. als Facsimile mitgetheilt. Brnnet nnd Francisque Michel nehmen an, er sei nur Buchhändler, aber nicht Buchdrucker gewesen; dagegen aber spricht die Schlußschrift der „Chroniqucs dc France" von 1493. Ve'rard und Marnef zunächst stehet an Verdienst Jean du Pre, auch de Prato oder de PratiS, dessen Thätigkeit zwischen 1481 und 1495 fällt. Au diese schließen sich Antoine Eaillant und Louis Martinean, 1483-1485; Denis Janot, 1484; George Mitelhus, 1484-1500; Jeau Bouhommc, Bruder des Pasguier, zugleich einer der vier großen Buchhäudlcr der Universität Paris; HanS Higmann und Wolfgang Hopyl, 1484-1500; Philipp Pi- gouchet, 1434 und mit Engelbert und Geoffroy Marnef, 1491. Pigonchet verdient wegen der schönen mit gothischer Schrift für Simon Vostre ausgeführten „Ueui-ss", deren Ränder mit geistreichen Figuren geziert sind, die besondere Beachtung der Bücherfreunde. Nobinet Mace, 1486; Jean Driart, 1486- 1498; Pierre Levet, 1486-1500; Guyot Mar- chant, 1486-1500, welcher den ersten französischen Todtcntanz „ vanss IVIscsdrs " 1486 druckte; Jean Carnaghi, 1487; Pierre Le Rouge oder Rubens, 1487- 1490, von da an in Gemeinschaft mit'Antoine 240 Paris. Ne'rard; Felir Balliganlt, 1433-1500; Michel Le Noir, 1489-1500; Pierre Caron, 1489-1494, aus dessen Presse die „Vigilcs Äe la mort du ftu Noy Charles VII." und die Gerson'sche Uebcrsetznng dcS „Aiguillon !>e l'amour divin" des h. Bonaventura hervorgingen; Durand Kerlier, 1489-1500; der gelehrte deutsche Magister Georg Wolf, 1489-1500; Guillaume Caron und Jean Belin, 1489-1492, von da an der Letztere für sich allein; DeniS Nose oder Rosse, 1490-1500; Jacques Maillet oder Malie- tus, seit 1490; Gilles und Germain Hardouin, Galliot Dnpre, welcher Letztere nieist juristische Werke druckte; Laurcnt Petit oder Parvus Lanren- tius, 1491-1499; Gittet Couteau und Jean Me- nard druckten meist für Rechnung Antoine Vc'rard's; Jean Trepperel und Jean Lamb-rt, 1493-1496 (meist Nitterromane und Volksbücher, die am Hofe Lndwig's XII. und Franz I. sehr beliebt waren); Jean Manrand druckte 1493 mit oder für Antoine Ve'rard und 1494 mit Gerlier; Guillaume Enstale, Johann Philipp von Creuznach, Claude Jaminar, Fransois Regnault, Jean Longis, Pierre Sergent, Pierre Dru, Pierre Pouillac, Jean Bouyer und Guillaume Voucher, Andre Boccard, Jean Richard, Jean Alerandre, Antoine Denidel, Alerandrc Aliat, Kmervy! L^MssenlKspmjHeoies notmetivmetttimpÄme a^ans fay mieM^.W.^Mq)0ttrattHvine Semrt Demc^ant i^röepMtno^ ^re Same at^agelaint «ÄKkiste M avpaünisalH^ewier Mier Qemmt ta cyapette on Sey rhanck ta messe messeignems Departement. Paris. 241 Thielman Kervcr, Poniet Lepreur, FranxoiS Fra- din und Jean Pivard, Jean Poitevin, NieolanS Wolf, NicolaS de la Barre, Michel de Tolosa und Robert Gourmont, von dessen eigenthümlichem Typenschnitte das seltene Buch „Vliamp Keur?", Paris 1529. in 4. Zeugniß giebt. Jean Le Petit oder Parvus war von 1496 bis 1533 thätig und der Schöpfer vieler ausgezeichneter Druckwerke, doch gleich Antoine Ve'rard und Simon Vostre mehr Buchhändler als Drucker. Gilles Gourmont ist der Erste, welcher auf Frauxois Tissard'S ans Amboise Betrieb im Jahre 1507 griechische und 1508 hebräische Werke druckte. Von dem Charakter französischer Druckwerke jener Zeit im Allgemeinen nnd derjenigen des Jean Petit insbesondere mag gegenwartiges Facsimile von dessen zweiter Ausgabe des „Lancrlot du Lnc" Paris 1520. in klein Folio eine Vorstellung geben. Lznem/er Volume ve wncelotvtl lac -Kouucllcmcntlmpzüne a Mrw Kannnlcmq Lens etM. 31 242 Paris. — I. padius. — C. Kadius. — M. vascosnn. — F. Morel I--F. Morel II. Besondere Aufmerksamkeit verdienen: Iodocus Badius, von 1493 bis 1535, oder Josse Bade, geboren 1462 zu Asch bei Brüssel, woher der latinisirtc Name Ascensius, unter welchem die meisten seiner Werke erschienen. Er nannte seine Werkstatt „ I^elum ^scens!->num Die Vorträge im Gebiete der schönen Wissenschaften und alten Sprachen, welche er schon zu Brüssel gehalten, setzte er als Lehrer der Universität zu Paris fort und lieferte als Typograph ebenso corrccte als geschmackvolle Ausgaben der griechischen uud römischen Classiker, die er mit gelehrten Anmerkungen bereicherte. Um die typographische Kuust mit seiner Familie auf das innigste zu verbinden, verhcirathete er seine drei Töchter Pctronclla, Johanna und Katharina an drei der berühmtesten Typographen seiner Zeit: Michel Vascosan, Jean Noigny und Robert Elienne. Seine eigene Ofsiein aber hinterließ er seinem Sohne Conrad Badius, von 1535 bis 1549, der nicht minder ausgerüstet mit wissenschaftlichen Kenntnissen als Drucker und Gelehrter ganz in die Fußstapfen seines Vaters trat. Harte Verfolgungen des KleruS gcgeu die Reformirtcn, denen er nach seinem Glaubensbekenntnisse angehörte, nöthigten ihn Paris im Jahre 1549 zu verlassen uud iu Genf, wo sich seit 1541 auch Calvin befand, eine Zufluchtsstätte zu suchen. Hier schrieb er mehrere Werke, unter anderen anch eine Uebcrsetzimg der berüchtigten Schrift des Erasmus Alberus „der Barfüßer Mönche Eulcnspicgel und Alkoran" ins Französische und veranstaltete sehr schöne Ausgaben anderer Werke von Bedeutung, welche, sowie diejenigen seines Vaters unter dem Namen der „ Ascensiancn " noch immer hochgeschätzt uud gesucht sind. Sein Schwager Michel Vascosan, von 1530 bis 1576, aus Amicns, erwarb sich durch Correctheit und schöne Ausstattung seiner Druckwerke, als des Theodor Gaza, Thucydides, Quintilian, Cicero, Livius, Cäsar, Veltejus Paterculus, Horaz, Ovid, Terenz u. s. w., aus fast allen Fächern des Wissens nicht weniger den Beifall der Gelehrten als durch Bildung und Rechtlichkeit die Achtung seiner Mitbürger. Im Jahre 1553 wurde er geschworner Buchdrucker und Buchhändler der Universität und 1566 königlicher Typograph. Einer seiner beliebtesten Drucke ist Amyot's Uebersetznng des Plutarch. Er starb unter der Negierung Heinrich's 111. 1576 in hohem Alter, nachdem im Verlaufe seiner 44jährigen Wirksamkeit nicht weniger als 297 verschiedene Ausgaben, ohne die Menge von oft wiederholten Auflagen, aus seiucr Officiu hervorgegangen sind. Er ist einer der ersten Typographen Frankreichs, welcher die gothische Type mit der Antiqua vertauschte; denn obwol Gering sein erstes Werk: „die Briefe des Gaspar de Barzizo, von 1470" niit römischen Lettern druckte, war doch die gothische Schrift in Frankreich die beliebteste geworden. Seinen Rnhm, Geschäftstakt und nnermüdeten Eifer für die Kunst vererbte er auf seinen Schwiegersohn Friedrich Morel I., von 1571 bis 1583, oder Morelli, aus einem edeln Geschlechte in Capua stammend, welcher bei Jakob Tnsanus und in der Druckerei der Carola Guillard gebildet, durch Kenntniß der alten und neuen Sprachen zuerst zum königlichen Dollmetscher uud nachher zum Hosbuchdrucker ernannt wurde und in beiden Aemtern viel Treffliches leistete. Er starb 1583. Der große Ruf, den er sich errnugcn hatte, ging auf seinen Sohn Friedrich Morel II., von 1583 bis 1630, über, der mit seltener Gelehrsamkeit ausgestattet voll glühenden Eisers das wohlbegründete Werk des Vaters fortsetzte. Als sein Vater im Jahre 1576 die von Matthäus Toscanus aus dem Hebräischen ins Lateinische übertragenen Psalmen Davids herausgab, begleitete er dieselben mit einem noch jetzt bewunderten Commcntare. Die Erzeugnisse seiner Presse sind sowol durch eine sorgfältige Wahl, als durch würdevolle Ausstattung Muster der Kunst und wahre Paris. — Guiliamne «Morel. — Heinrich Ätiennc I. — Aobert Stephan»« I. 243 Zierden einer Bibliothek, sowie er die Zierde der Typographen genannt werden kann; denn nie hatte Einer vor ihm mehr Ehrenamter im Staate mit größerer Würde versehen. Er lebte so ganz den Wissenschaften, daß er dieselben sogar bei der Wahl seiner Gattin zu Rathe zog, indem er Jsabcllen, der hochgebildeten Tochter des berühmten Professors Leodcgar a Querin seine Hand anbot. Mitten in dieser bis ins hohe Alter rüstig sortgesetzten Thätigkeit überraschte ihn 1630 der Tod. Außer ihm haben sich noch Claude Morel, sein Bruder, als Herausgeber der Werke des h. Basilius, Cyril- lus, Gregors von Nazianz und Nyssa, Epiphanius, Dionysius Arcopagita, des Justinus, Eusebius, Archimedes und Philostratus, sowie dessen Söhne, Charles und Gilles, als geschickte Drucker ausgezeichnet. Ob Balthasar Morelli (1580 und 1590), zu der Familie der Vorhergehenden gehörte, ist ungewiß. Aus ganz anderem Geschlechte stammte Guillaume Morel, von 1547 bis 1564, in dem Flecken Le Tilleul in der Normandie von armen Eltern geboren, in der Officin des Jean LoniS Tilctan gebildet, Anfangs Corrector bei dem Letzteren, dann Gesellschafter mit Jacques Bogard und Jacques Turnebe oder Turnebus und 1551 königlicher Typograph. Er ist durch seinen gelehrten Commentar über Cicero'S Bücher „ 6s Knidus" und mehrere andere Schriften, sowie durch seine Noten zu Hyginuö, Diouystus Areopagita, Hippolyt, JgnaiiuS, Basilius, Cyrillus und Cyprian als Gelehrter bekannt, und durch diese aus seiner Presse hervorgegangenen Schriften, sowie durch die schönen Ausgaben des Plato, Aristoteles, Ausonius und Terenz als Buchdrucker berühmt. Beinahe ein ganzes Jahrhundert blnhete der Name Morelli unter den ausgezeichnetsten Typographen von Paris. Der Ruhm der Gelehrsamkeit, sowie der Kunst war gleichsam ein Erbstück, welches von den Vätern auf die Söhne und Enkel überging und sich von 1557 bis 1646 fortwahrend in ihrer Familie behauptete, mit der sich in dieser Hinsicht nur diejenige der Eticnnes vergleichen kann. Das Haupt der Letzteren war Heinrich Etienne I., von 1509 bis 1520, der seinen Namen nach der Sitte jener Zeit in „StephannS" verwandelte, in den ersten Jahren des sechszehntcn Jahrhunderts eine Officin begründete und von 1509 bis 1520 manches bedeutende Werk zn Tage förderte. Seine Wittwe hcirathctc den Buchdrucker Simon de Colincs oder ColinauS, welcher durch sie in den Besitz von dessen Druckapparat gelangte. Er hinterließ drei Söhne: Robert, Franz nnd Karl, von denen sich aber besonders Robert Stephanus I., von 1526 bis 1559, durch tiefe Kunde der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache auszeichnete. Bei seinem Stiefvater ColinauS in der Kunst unterrichtet, gab er mit diesem vereint das Neue Testament in größerer Correctheit heraus, als es bis dahin erschienen war, welches deshalb auch von den Neformirten begierig gekauft wurde, um Beweisgründe für ihre neue Lehre daraus zu schöpfen. Um 1526 trennte er sich von seinem Stiefvater und ließ einige Jahre, nachher die schöne Ausgabe der lateinischen Bibel von 1532 mit neuen geschmackvollen Lettern ans Licht treten, welche ihm die Verfolgnng der Sorbonne zuzog, wogegen ihn nur der Schutz des Königs Franz I. und das Versprechen, ohne Zustimmung der theologischen Facultät keine religiösen Schriften mehr zu drucken, zu sichern vermochte, denn schon hatte man sein Bildniß öffentlich in Paris verbrannt. Von nun an verwendete er die größte Mühe nnd Sorgfalt auf die Herausgabe griechischer und römischer Klassiker, die er mit gelehrten Vorreden und Anmerkungen begleitete. Um dabei keine Druckschler zu übersehen, gab er kein Werk aus, ohne zuvor Bogen für Bogen zur öffentlichen Correctur ausgc- hangen zu haben, wobei er für jeden entdeckten Fehler eine Belohnung versprach. Im Jahre 1534 erschien sein bewunderungswürdiger 1'I>ei>»uru!> li»- Auas latinÄS, welcher bald darauf dem Gesncr'schen und nach diesem vielen anderen Werken ahnlicher -Art zur Grundlage diente. Von Franz 1.1539 zum Hofbuchdrucker ernannt, ließ er anf dessen Antrag 244 Paris. — Heinrich Stephanns 17. — Paul Stephanns. die schönen lateinischen und hebräischen Typen anfertigen, die noch jetzt in dcr königlichen Buchdruckerei aufbewahrt werden. Nach den wegen ihrer Correctheit beliebten Drucken dcS Qnintilian, Pli- uiuS, Justin, Cäsar, Eutrop, Lncan, Ammian Mareellin, Sneton, Herodian, Valerius MarimuS, Horaz, Virgil, Juvcnal, Euscbius und Dio Cas- sius erschien 1545 die nene Ausgabe seiner Bibel, welche ihm so viele Anfechtungen der Geistlichkeit zuzog, daß er sich endlich 1552 genöthigt sah, Frankreich zu verlassen. Er begab sich nach Genf, trat daselbst znr resormirten Kirche über, begründete eine neue Ofsicin und gab zum Theil allein, zum Theil mit seinem Scbwagcr Conrad Vadins, noch viele treffliche Werke heraus. Er starb zu Genf 1559 und hinterließ daS Geschäft seinem ältesten Sohne Heinrich Stephanus II., 1 5 5 7, der seinen Vater ebcnsowol in dcr Kunst als an Gelehrsamkeit noch übertraf. Unter Peter DanesiuS, Jakob Tusanus und Adrian Turnebus in den gelehrten Sprachen gebildet, gab er schon in seinem zwanzigsten Jahre Anmerkungen zum Horaz heraus, lernte hierauf die Typographie bei Colinäus, machte zur Vervollkommnung darin Reisen nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel, später nach Großbritamen und die Niederlande, von wo er mit reichen literarischen Schätzen heimgekehrt, durch den Augsburger Patrizier Ulrich Fugger unterstützt 1557 eine eigene Werkstatt begründete und die zahlreichen griechischen und römischen Autoren herausgab, die fast allen späteren Ausgaben zum Grunde gelegt worden sind und noch jetzt die Zierde der Bibliotheken ansmachcn. Unter den von seinem Vater geerbten Papieren befanden sich anch treffliche Vorarbeiten znr Herausgabe eines griechischen Wörterbuchs. Die großartigen Anlagen dieses Werkes setzte Heinrich mit ebenso großem Eifer als tiefer Sachkenntniß fort und gab 1572 den bis jetzt noch unübertroffenen und selbst in neuester Zeit in London und Paris wieder in verbesserter, dem gegenwärtigen Standpunkte dcr Wissenschaft angepaßter Form erschienenen „l'bs- L-mrus üngiias gr»voae" hxrems^ ein Werk, welches ihm sowie einen unsterblichen Namen gcwiß anch cine unabhängige Lage würde verschafft haben, wenn er nicht durch seinen treulosen Gehülfen, Johann Scapnla, um die wohlvcrdieutcn Früchte seiner Mühe und Arbeit betrogen worden wärc. Dieser gab wenige Jahre darauf ohne Norwissm seines Principals ans demselben das Nützlichste nnd Branchbarste für Studirende heraus, welches einen so nachtheiligcn Einfluß auf das Originalwerk übte, daß der Verfasser, der nicht einmal die gehabten Auslagen und Kosten bestreiten konnte, in die tiefste Armuth gerieth. Um sich neue HülsSquellen zu eröffnen, durchrciscte Heinrich Stephanns einen ^ Theil von Deutschland und hielt sich balv zn Frank- i surt, bald zu Orleans, Geuf oder Lyon auf und starb 1598 am letzteren Orte geistig zerrüttet im öffentlichen Krankenhanse. Sein Sohn Paul Stephanus, von 1593 bis 1626, welcher zu Genf den Unterricht dcr gelehrtesten Männer seiner Zeit genossen und sich auf Reisen gebildet hatte, trat in seiner Gebnrtsstadt als Typograph und Schriftsteller in die Fußstapfcn seines Vaters und veranstaltete von 1593 bis 1626 trcff- ! liehe Ausgaben altclassischer Autoren, besonders der Dichter und Redner. Seine Schwester Florentia hatte den berühmten Jsaak CasanbonuS zum Gatten. Von den siebenzehn Mitgliedern dieser großcn Buchdrnckcrfamilie, deren Genealogie der e-ttslogus oIii'onoloKlcjue des librllires et ->sto- I'llliiv l>I»>irIoiisieuinachmals Ludwig XVIII. erhielt. Wer kennt nicht seinen für diesen hohen Gönner 1785 gedruckten „ relem^ue ", zwei Bande in 4., seinen Lucan, Anacharsis und Thomas a KempiS? Er starb am 7. December 1795. Pierre Didot, Sohn FraneoiS Ambroise Didot's, geboren 1761, übernahm schon 1789 von seinem berühmten Vater die Druckerei, vollendete zuerst die von jenem angefangene Sammlung für den Dauphin, faßte aber hierauf, von dem Schwungrads der Zeit getrieben und begeistert von dem Gedanken, Frankreichs Vodoni zu werden, 1795 mitten in den Wirren der Revolution den Plan zu Prachtausgaben von Frankreichs Klassikern, welche den Ruhm der Nation anch in Bezug auf technische Vollendung auf einen Punkt steigern sollten, der in den Annalen der Typographie noch unerreicht dastand. Um seine Werke mit allem nur denkbaren Glänze der zeichnenden Künste auszustatten, zog er die ersten Maler und Kupferstecher in sein Interesse und scheute keine Kosten, das Ganze seines und des französischen Namens würdig auszustatten. Sein Virgil von 1793, sein Horaz von 1799, noch mehr aber sein Racine in drei Bänden von 1801-1805 wurden von einer in Paris niedergesetzten Kunstjury sür das schönste Erzeugniß typographischer Kunst aller Länder und aller Zeiten erklärt. Von den vielen wahrhaft eleganten Druckwerken, welche später aus seiuen Pressen hervorgegangen, gestattet der Raum dieser Säcnlarschrift nicht, hier ausführlich zu handeln und ein jedes derselben nach Verdienst zu würdigen. Dem Bücher- und Kunstfreunde sind gewiß ebenso wenig Lafontaine's „Idoles" als Denon's „Vo^age clsns Ik büsss et Is Imute IZxvpts", Visconti's „ IcoiiogrÄpIus grscizue" als desselben „ Icono^i'->pl>ie romaiue " uud die „Oeuvres" des Boileau, als die „Hem-i-täe" des Voltaire aus der Didot'schen Officin unbekannt geblieben. Seine Leistungen in der Schriftgießerei, man verdankt ihm allein 18 verschiedene Typcngattungen, sollen an ihrem Orte geschildert werden. Als Schriftsteller machte er sich durch sein „L«ssi äs kables nouveUes" schon im Jahre 1786 bekannt, einem Buche, welches wegen der zahlreichen technischen Bemerkungen für die Geschichte der Typographie nicht unwichtig ist. Er schrieb die lateinischen Vorreden zu seinem Virgil und Horaz und lieferte Uebcrsetzuugen von Lieblingsgesängen aus Paris. — Firmiir Didot. — Henri Didot. — Jules Didot. 247 diesen Dichtern. Alle Regierungen seines Vaterlandes, von der Republik bis aus Karl X. haben durch Ehrenbezeigungen seine Verdienste anerkannt. F i r m i n D i d o t, Bruder des Vorhergehenden, erhielt von seinem Vater 1789 die Leitung der Schriftgießerei, die er bald durch Erfindungsgeist, Geschmack und Fleiß zu einer vor ihm noch unerreichten Vollkommenheit emporhob. Die aus seines Bruders Pressen hervorgegangenen Prachtdrucke verdcmken ihre Vorzüge den von ihm gegossenen Schriften. Seine Verdienste um den Stempelschnitt, Letternguß, Stereotypie und Typomctrie, sowie um alte Zweige der Technik seiner Kunst werden weiter unten bei Schilderung des Mechanismus im Druckverfahren ihre Beurtheilung finden; doch zeigen auch Werke, wie Dom Joze Maria de Souza-Botelho's „vs I^usisllos" des Camoens von 1817. klein Folio, und Daunou's Ausgabe der „ Henrike" von 1819. in 4., sowie sein Sallust und Catull in gr. Folio, was er als Drucker zu leisten im Stande ist. AIS Uebersetzcr des Tyrtaus und als Verfasser der „Notes -l'un vo^!>gr!- meurs - Marions, oder Buchdruckcreibesitzern, die kein 248 Paris. — Wie Iwiiiglichc Druckerei. eigenes Patent haben, aber auf den Namen eines Brevctii'tcn arbeiten, von dem sie ihre Officin in Pacht haben, jevc einzeln zu schildern und deren Fortschritte zu würdigen. ES genüge, deren Namen hier zu findein Agasse, Bachclier, Bailly K (5., Baudouin, Banle Iubin, Belin, Be'lhnne Plon, Boudon, Boule, Bonrgogne il Martinct, Brun, (5asimir, Ehassaignon, Cordier, Cosse ^ Lagnionie, Eosson, Deconrchant, Dclacombe, De- lagnette, Delalain, Dentu, Delanchy, Dncessois, Dnpont, Dupuis, Fain, Gmtiot Gros, Gra- tiot (5., Guyot K Scribc, Henry, Herhan, Hiugray, Hnzcird, Lacrampe C., Lange Levy ti (5., Lebeguc, Leclcrc, Lenormant, Lottin de St. Gerinain, Malteste, Maulde !i Renou, Mevrel, Miguerrct, Moequet ^ C., Moessard, Moreau !i Bruneau, Moronval, Pihan Delaforest, Pillct, Poltet (5., Porthmann, Pousfielgue, Pousfin, Pronr C., Nignour, Saintin, Sapia, Smith, Stahl, Tcrzuolo, Thomas, Thomassin, Tilliard, Tronssel, d'lltnrbie, Vinchon, Vrayet de Surcy, Wornis ^ C. und Wittcröheim. Wir beschranken uns daher auf die Königliche Druckerei, im ehemaligen Hütel Cardinal, Ilu« vivMe ! 'rem^lv 89, nebst den gleichartigen Instituten zu London, der l'^oxriiü» <1'!tii>-e) 22 Sätze und 30 verschiedene Garnituren von Initialen nebst einer großen Menge Vignetten, Zeichen, Ornamenten, Verbindungszügen u. s. w. vorhanden, im Ganzen über 4300 Stempel und 14,600 Matrizen. Der chinesische Satz, welcher unter Ludwig XIV. gravirt worden, enthält allein 126,000 Gruppen oder Bcgriffzeiehen; dazu kommen zwei andere Sätze von 86,000 Gruppen, welche im Jahre 1838 in Ehina selbst auf Kosten der Regierung geschnitten wurden und endlich ein erst kürzlich vollendeter Satz nach einem ganz neuen Systeme, womit man mittelst 5-6000 Zeichen alle Elemente der chinesischen Sprache in der Typographie getreu wiedergeben kann, indem eine jede der Gruppen aus beweglichen Zeichen besteht, welche sich nach Willkür zusammenfügen, auseinander nehmen und verändern lassen. Außer zwei durch Dainpsmaschinen in Bewegung gesetzten und blos für den Druck der Gesetze bestimmten Applegath - K Eowper'schen Schnellpressen sind täglich 130 Handpressen der verschiedenartigsten Bauart im Gange. Die Fra- pie'schen Gußeisenpressen und die von Gaveaur verbesserten Stanhopeprcssen verdrängen die noch vorhandenen Holzpressen mehr und mehr. Zur Darstellung von Querlinien auf den Tabellarien werden neun Maschinen von Mädchen bedient und außerdem noch sünf Trocken - und eine Beschneide- maschine angewendet. Erstere sind den in den Cat- tunfabriken gebräuchlichen ähnlich; die gedruckten Bogen werden auf denselben zwischen Tüchern über kupscrue mit Dämpfen erhitzte Cylinder weggeführt und somit denselben fast augenblicklich die Feuchtigkeit entzogen. Da diese Riesenoffiein vorzugsweise mit dem Drucke der Gesetze, Reglements und Ordonnanzen, sowie aller Arbeiten für die öffentliche Administration und der unter königlicher Autorität erscheinenden Schriften, wie der „ ülemvi, 6e I'I»«titut tle ^r-nice" u. s. w. beschäftigt ist, so scheint im Ganzen mehr auf Schnell- und Viel-, als auf Schöndruck geachtet zu werden. Doch sind auch Paris. — Die Königliche Druckerei. 24V einige Pressen in abgesonderten Localen mit wirklichen Prachtarbciten beschäftigt. Unter den typographischen Meisterwerken dieser Art verdient das „^.Ibum 6s I'Im^>rimsris" für 1830 Erwähnung, welches unter der Administration des Baron Villebois und unter Duverger's Leitung einen Monat vor der Julirevolution bei Anwesenheit des Königspaars beider Sicilien gedruckt worden ist. Das Album enthalt außer der Zueignung an jenes Herr- schcrpaar einen Abdruck sämmtlicher in der Officin befindlichen Schriftcharaktere solcher Sprachen, zu denen man sich romanischer Lettern nicht bedient. Man findet darin nahe an fünfzig verschiedene Alphabete von den mannigfachsten Größen, deren Schriften zusammengenommen 16,500 Patrizeu, 20,000 Matrizen und hundert vollständige typographische Sätze bilden. Die darin aufgenommenen Charaktere von den ostasiatischcn Sprachen sind: Sanskrit, Pali, bengalisch, tibetanisch, birmanisch, japanesisch, mongolisch und Mandschu; von westasiatischen.- hebräisch, rabbinisch, samaritauisch, palmirisch, persepolitanisch, syrisch, nestorianisch, estrangelisch, altarabisch, vulgärarabisch, persisch, türkisch, armenisch und georgisch; von afrikanischen Idiomen: Hieroglyphenschrift, coptisch und äthiopisch; von europäischen Sprachstänunen: etruSkisch, griechisch, mösogothisch, angelsächsisch, glagolisch oder slavonisch, russisch und Rnnen-Charaktere. Ferner eine chinesische Uebersetzung des Vaterunsers, welche nicht, wie noch jetzt in China gebräuchlich, mit Holztafeln, sondern mittelst eigends nach Klap- roth'S Vorzeichnung gravirten und in Gruppen zusammengesetzten Typen ausgeführt ist, dazu ein besonderer Titel in Grün, Roth und Gold auf schwarzem Glanzpapier, sowol in der Anordnung der architektonischen Ornamente, als im Drucke ausgezeichnet. Drei geographische Karten nach Duverger's typometrisch gebildeter Composition nebst Musitalien nach desselben neuem Systeme, die Notcnköpfe blau auf goldenen Linien folgen den Schriftproben und Verzierungen aller Art in Gold-, Silber-, Bronze- und Farbendruck nach den Zeichnungen des Architekten Chcnavard nebst den Abzügen einer gnillochirten Platte, welche zwiefach, nämlich ans der Kupfer- und auf der Buchdruckerpresse erzeugt wurden, bei denen also die eine die Zeichnung in weiß auf dunklem Grunde, die andere in schwarz ans weißem Grunde liefert, machen den Beschluß d-'s Ganzen. Den Haupttitel dcS Werkes ziert ein Holzschnitt, welcher die Attribute der KönigSwürde inmitten einer Strahlcnsonne darstellt. Unter den Ornamenten befinden sich einige in Clairobscnrdruckcn, z. B. das Bildniß Karl's X. im Medaillenstyle und zwei grauen Schattiruugen in schwarzer, blauer uud weißer Einfassung mit goldenen Nandzeich- nungen, Portraits anderer Mitglieder der Familie Bonrbon im pompejanischen Geschmacke schwarz, Gold und Bronze, oder im Medaillenstyle in drei grünlichgrauen Nüancen ans Vronzehintcrgrund, von gelbröthlichcn Emblemen umgeben; das letzte der Ornamcniblätter enthält eine Zusammenstellung der bonrbonischen Wappen in zwei grünen Schatti- rungen auf hellgrünem Papiere. Dies einzige Beispiel zeigt zur Genüge, was jene großartige Anstalt selbst auch in den sogenannten „Lllltions iLtoi-i?!> Alaniiücrlts 6-- la Lldllotllöizus «tu Koi, l'om. I. 1787." Hieraus folgten diejenigen, deren sich Abel-Nemusat zu seiner Grammatik bediente, dann die Klaproth'schen, welche große Ansprüche auf Eleganz machen, aber doch wegen ihres unangenehmen Aussehens nur 32 ^x--^- 250 Paris. — Verzeichnis der vorzüglichsten Druckwerke der Königl. Puchdruckerei. zum Drucke weniger Seiten gedient haben, und endlich die neueren, welche mit Recht große Erwartungen erregen. Die Bibliothek der königlichen Druckerei, in der alle seit 1528 von ihr ausgeführten Werke niedergelegt werde», umfaßt gegenwärtig (Ostern 1840) 960 Werke, welche zusammen 2300 Bande ausmachen. Gcgeu 400 Werke, welche ebenfalls ans den königlichen Pressen hervorgegangen, aber zur Zeit ihrcS Erscheinens daselbst nicht aufbewahrt worden, sind jetzt Gegenstände fleißiger Nachforschung. Außer dieser Bibliothek befindet sich bei der Anstalt noch eine Niederlage sämmtlicher seit der Begründung daselbst gedruckten Verordnungen und anderer StaatSschriften. Nachfolgende Uebersicht ihrer Leistungen wird, da sie noch nirgends mitgetheilt worden, hier nicht unwillkommen sein. Verzeichniß der vorzüglichsten Druckwerke der königl. Buchdrucker« zu Paris von ihrer Begründung bis 1839. (Mitgetheilt von dem Director derselben, StaatSrath Lcbrun, Pair von Frankreich.) In Folio: 1544. IZccIeswstica Instvria. Kol>. 8te^>I>anus. 1 Vol. 1548. Ilioiiis Kvnnuwi'iim tiistl»'!ü. 11ol>. 8ts^>I>. 1 Vol. 1550. Kovum 1. Ll>. ^estamentum. I<»1>. 8te^il>. IVol. 1551. ^i>1>i!">i .^lex-uilliini rom. Iiist. celtica. 1 Vol. 1552. pliilonis luäaei in lidros Klosls etc. 1 Vol. 1556. I>oet!>e ^i-.iec! j,i-!nc!nes etc. 1 Vol. 1570. »üoiiciuiies sive orationes ex xr. bist, excerptae. 1593. Isocratis orationes et e^>istolae. 1 Vol. I 620. Straboius rerum xeo^ri^>I>. iidri XVII. 1 Vol. 1624. plut-n'clil Oliaeronensis opera. 1 Vol. 1625. Xenoplwntis ?>lil»so»Iii etc. onera. 1 Vol. 1629. ^ristoteiis onera omnia xr. et I-rt. 2 Voll. 1640. I'lwm-ls -v Xempis äe inntatione lüliristi. 1 Vol. 1641. !<',. llv 8->lIes, introcluctlun » la v!e 6evots. 1641. ?ul>>ii Virgilii ülaronis opera. 1 Vol. 1642. Uvi'niu'll! «livi opers. 5 Voll. 1642. (Ü!,>nl>Iii '1'eventii comoslliae. 1 Vol. 1642. Lill'll. Ijurderini, Ilrbaiii >,»nae VIII. poemata. 1642. Livlia s-lc, s. 3 Voll. (wahre Prachtausgabe.) 1644. I). 1u»ii lavenalis satirae. 1 Vol. 1644. lor^uato l'asso, l.a tZierussiemms liberats. 1644. Loncililv generalia et provincialia. 37 Voll, 1644. L!l>I. lielir. cllalll. sam. svr. lat. et arab. 10 Voll. 1648. Kcriptores lilstoriae ö)^anti»as. 29 Voll. 1658. Histoirs 6es Lonnsstadles etc. lls Trance. 1662. Ouurses 6e ketes etc. I-lites par le Rov. 1 Vol. 1673. 1>es ^lalsirs 6e l'Isle oncliantes etc. 1 Vol. 1679. Relation äe I-» kets lle Versailles 1668. 1 Vol. 1696. lacolii Kiimonlli opera etc. 5 Voll, 1715. ^.cta (üoiiciliorum etc. 12 Voll. 1716. «allia Olirlstiana etc. 13 Voll. 1723. Orllvnnanco« lies Rois cls Trance. 21 Voll. 1729. Hecueii ä'sstamx. llu Leinst lln Kov. 3 Voll. 1750. Lawlogno 6e la Lililiotb. lln Kov. 10 Voll. 1752. 1,a (Valerie t!on lls I'IZxvpte etc. 23 Voll. 1813. Oe (Zuignes, Oictionnaire Irancais clünois et latin. 1 Vol. 1815. Kelation 611 Kacis 6s I^azivleon. 1 Vol. 1328. Alonuments iueäits ll'antiguite üxurev grscc>ns, etrussjiie st romaine. 1 Vol. avec ^lanelies. 1836. I/Iiistoire lies Älongols 6e la ?erse tra6uits ^iar IZtienne Hnatremere. 1839. I?erlolil. 1840. l-e LInlgavSt^I'nräna, poems Sanscrit, tr-tänit par Eugene Lurnouk. Diese drei Werke gehören zn der „Lollsction orienwle", welche aus dem Handschriftcn- schatze der königlichen Bibliothek auf Louis Philipp's Befehl in einer mit Vignetten und Randcinfassilngcn reich verzierten Prachtausgabe erscheint, von der sogar einige Eremplare mit goldenen und bunten Ornamenten abgezogen werden. In Quart: 1717. Listoirs !sto!re n^tui eile gen. et p»rt. 33 Voll. 1768. Klemoires our servir ä I'etude des documeuts iuedits sur I'Kist. de I''rauce. In Octciv: 1792-1839. IZuIIetiu des arrets de !-> oour de Las- sstion de 1792 s 1839. 104 Voll. 1794 -1839. Bulletin des 1,ois du ro)-uime deKranes depuis sou or!-;iue juscju's 1839. 121 Voll. 1817. ?»storet, liistoire de la I^egislation. 11 Voll. 1818-1339. ^nnales maritimes et eoiouiales. 65 Voll. 1826-1339. (Zlarac, Älusee de Seuluture. 2 Voll. 1830. L-ülle, Vo^axe ä ?imbonctou. 3 Voll. 1833. 8ac/, ^Ik^^-a, a Keli^Ion des vru?es. 2 Voll. 1839. perirds de Klareieu d'Uvraelee par IZ. Miller. 1839. r!»r. 1779. UNd ?roces cl'Ltienne Dolet, ?ar. 1836. Iecin Barbou, der Stifter einer berühmten Bnchdruckerfamilie. Ans seiner Officin ging die schöne und corrccte Ausgabe der „Oeuvres Aa»^ Pimosh ^5ap welche die Mitte zwischen Gothisch und der „grosse vawrde" hält, der Tert des Gedichtes aber ist in einer schönen Antiqua gedruckt. Von der Einführung und Fortbildung der Typographie in Paris haben Chcvillier, de GuigneS, Greswcll, Capelle, Crapclet uud Taillandicr mehr oder weniger gründliche Nachricht gegeben. Die -Abhandlung des Letzteren ist wegen der auf die Buchdruckerkuust Bezug habenden, früher gröfiten- theils noch ungcdrncklcn Verordnungen der Könige von Frankreich wichtig. Nachrichten oder Auskunft über die gegenwärtigen Leistungen der französischen Typographie geben die periodischen Blätter: >, ^nnales . konderie, de la gravure, de Is libiairie et de la püpeterie." ?sr., impr. ds l^orjuin. 1838. 4. „ l-'lmpi imerie, vi gans des interets »rtisti- c^ues et materiels des ouvriers tvpngraplies, eclio des Ateliers de ?aiis et dv Is?roviuce." ?ar., impr. de IZetliiins 1839. 4. „Revue Liblioglapbisjue. Journal de Lil>liolog!o, d'Iiistoire litteraire, d'imprimerie et de lidrairies, riublis psr deux diblioiilüles." ?ar., vldot, 1839. „Nr. Leuoliot, IZidliograpliie ds Is pi sncs. " „ kodier, vulletin du IZililio^Iiile." Belgien und die Niederlande enn auch Koster und seine Erben, was (Z nach den neuesten vorurteilsfreien Untersuchungen wol als erwiesen anzunehmen ist, um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts zu Hartem nicht nur mit Holztaseln, sondern auch mit beweglichen Typen gedruckt haben, so ist doch Aalst in Qstflandern, 1 4 7 3, der erste Ort der Niederlande, wo die seit fast einem zwanzigjährigen Zeitraum schlummernde oder durch den deutschen Einfluß überflügelte uud momeutcm unterdrückte Kunst zuerst wieder mit vaterlandischer Selbststandigkeit ins Leben trat. Der früheste Drucker aber, dem das Verdienst gebührt, dieselbe in Belgien eingeführt zu haben und auS dessen Pressen hier durch NamcuSunterschrift und Jahrzahl beglaubigte und mit beweglichen Typen gedruckte Bücher hervorgingen, ist Dierik Mariens, von 1473 bis 1476, oder Theodorich Maertens, auch Mertcns, der mit der classischen Literatur wohlvcrtraute Freund eines Erasmus von Rotterdam, Adrianus Barlaudus und Martin Dorpins. Seine ersten Drucke vom Jahre 1473 sind: „Dionysii de Fenwis alias NiKel, Spcculum convcrsionis pecratorum" in 4. und „Taliularc fratrum ordinis Deisrre Virg. . 97-170." ausführlich gehandelt. Antwerpen, 1 4 7 6, eröffnete zwar etwaS spater als andere niederländische Städte seine Pressen, hat jedoch sehr bald alle überflügelt und kaum zwanzig Jahre nach dem Tode jenes Dierik Mariens, welcher von Aalst und Löwen aus die neue Kunst 1476 mit der „Practica mrdi- cine que thcsinirus pnuvcrum nuncupatur" hier einführte, die Aufmerksamkeit der Gelehrten in so hohem Grade in Anspruch genommen, daß diese von allen Theilen Enropa's hier zusammenströmten, um ihre Werke dem Drucke zu übergeben. Nach Dierik (Theodorich) Mariens war Matthias van dcr GoeS, von 1482 bis 1494, der Erste, welcher seine Kunst hier ausübte. Ein Druckfehler in dessen flammändischer AnSgabe des Tundalus „Act Poeck »»>» Tondalicns -llisiocn", wo in der Jahrzahl »lcccei.XXU ein X ausgelassen ist, gab der irrthümlichen Meinung Raum, als sei die Typographie schon zehn Jahre srüher daselbst eingeführt worden. Achnliche Verstöße gegen die richtigen Jahrzahlen hat Santander I, 172. und 348. zusammengestellt. Gerhard Leeu oder Leew, von 1484 bis 1492, welcher schon seit 1477 seine Kunst zn Gouda in Holland mit großem Erfolge ausgeübt, schlug im Jahre 1484 seine Pressen in Antwerpen auf und erwarb sich durch zahlreiche, meistens mit Holzschnitten verzierte Werke auch hier einen nicht geringeren Ruhm, unter welchen die älteste niederdeutsche Uebersetzung der Fabeln des Aesop von 1485 sich auszeichnet. Der große Erasmus von Rotterdam, der sich damals in dem benachbarten Kloster Stein aufhielt, beehrte ihn mit seiner Freundschaft. Claas, d. i. Nieolaus Leeu, wahrscheinlich ein Sohn des Vorigen, von 1437 und 1488, Adrian van Liesvelt, von 1494-1499, Michael van Hoog- straten 1495, Gottfried Back 1496, Heinrich Eckert aus Homburg 1496, den wir 1498 in Delft wieder finden, und Nicolans de Grave 1500 haben sich im fünfzehnten Zahrhnnderte mehr oder weniger ausgezeichnet. Um die Mitte des nachfolgenden aber hat Christoph Plautiii, von 1555 bis 1589, nicht nnr alle seine Vorgänger in Antwerpen, sondern selbst alle seine Zeitgenossen in Holland und Belgien so sehr verdunkelt, daß seiue großartige Officin als achtes Wunder der Welt angestaunt wurde. Zu Montlouis unweit Tours in Frankreich um 1514 geboren, mit Sprachkenntnissen nnd andern Wissenschaften ausgerüstet, erlernte er wahrscheinlich in einer der berühmten Pariser Wertstätten die Typographie, machte alsdann, um sich darin noch mehr zu vervollkommnen, viele Kunstreiscn und errichtete endlich in dem damals durch Handel und Gewerbfleiß blühenden Antwerpen um 1555 eine Werkstatt, welche bald einen solchen Umfang gewann, daß ihr gleichzeitig keine ähnliche an die Seite gestellt werden tonnlc. Die Anzahl seiner Pressen belief sich auf zwanzig und der Lohn für seine Arbeiter täglich über hundert Ducaten. In allen damals iu Europa bekannten Sprachen konnte bei ihm gedruckt werdcu, da die Lettern bei Plantin sämmtlich zu finden waren. Seine Drucke gehören noch jetzt zn den typographischen Meisterwerken und zeichnen sich sowol durch äußere Eleganz hinsichtlich der Typen, der Farbe uud des Papiers, als auch durch die größte Correctheit aus. Um den Tert möglichst fehlerfrei herzustellen, gewann er die gelehrtesten Männer für die Durchsicht der 33 258 UriijM. Probebogen, unterwarf jene, nachdem schon eine wiederholte Privatcorrcctnr gelesen war, nochmals einer öffentlichen Revision, indem er einem Jeden, der einen Fehler aufzufinden im Stande war, eine ansehnliche Belohnung anbot. Während des in den Niederlanden aufgebrochenen, Alles verheerenden Krieges, der unter Herzog Alba's eisernem Com- mandostabc bis zum höchsten Grade der Ungerechtigkeit uud Grausamkeit geführt wurde, zog sich Plautin mit einem Theile seiner Druckerei nach Lcyden in Holland zurück und übergab die Führung des andern zu Antwerpen seinem Schwiegersohne, dem gelehrten Franz Naphelengh. Spater kehrte er zurück und sandte jenen nach Leydcn. Das herrlichste Denkmal der Knnst lieferte er in der acht Foliobande starken „vidli^ polx^Iotw« von 1569- 1572, über deren Druck der gelehrte spanische Theolog Montanas die Aufsicht führte, welche ihm zwar von Philipp II. den Titel eines königlichen Proto- oder Architypographen, aber keinen Ersatz für den ungeheuern Kostenaufwand verschaffte. Es heißt zwar, das! er den Druck dieser hebräisch-chaldäischen uud griechisch-lateinischen Bibel durch Verwendung des CardinalS Grcmvclla auf Kosten des Königs unternommen habe; allein es scheint die königliche Muni- ficcnz hauptsachlich auf Verleihung obigen Titels und einen Geldvorschnß sich beschränkt zu haben, dessen Wiedererstattung ihm nicht geringe Sorgen verursacht haben soll. Nichts desto weniger hinterließ er nach seinem Tode 1589 seinen drei Töchtern eben so viele Druckereien zu Leyden, Antwerpen und Paris. Die erstere erhielt mit der ältesten Tochter jener berühmte Franz Napheling oder Naphelengh, Lehrer der morgenläudischcn Sprache an der Hochschule zu Leydeu, wo er 1595 mit einer reichhaltigen Probe seiner neugeschaffenen Typen „ 8i>ecimon «na- racterum -»'Äbicvi'uiu olkcinno ?l5>M!niiui!> von den Vocalen i und u unterschied. Alle drei Eidame Plantin'S, besonders aber Naphelengh und Moretns mit seinem Sohne bestrebten sich, durch treffliche Leistnugcu den gefeierten Namen auch in ihren Nachkommen in gesegnetem Andenken zu erhalten. Unter seinen Zeitgenossen zeichnete sich weniger durch großartige Unternehmungen als durch eigenthümlichen Typcnschnitt Matthäus MeseuS ans, von dessen holländisch-gothischer Cursiv nachstehendes Facsimile auS der Mitte und vom Schlüsse des wenig bekannten Werkes: „Loun)s Porquiil, den wtcrsteir Wille. ThanÄtwcrpcn 1582" hier eine Stelle finden mag. ^ 1 H^sswttLVe-/ ^ ^Ke^/ v^AttbL ^tts5>/"tl^/ >-lis^,lv^FA9 LtzLrae^ <^HÄ>5N5N 6f"Ka^seÄp^/V- . U^nA ^on»i M«E-vvtmanH.- I^L^. Brügge. 1 4 7 6. Dieser berühmte Handelsplatz in Flandern und als Residenz mehrerer kunstliebenden Herzöge aus dem Hause Burgund zugleich der Sitz der Wissenschaften und Künste, wo die Begründer der niederländischen Malcrschule Johann und Hubert van Eyck ihre schönsten Gebilde schufen, erhielt das kostbare Geschenk der Vuchdruckerkunst durch Ariiggc. — Colard Mansion. 259 Colard Mansion, von 1476 bis 1484, aus Frankreich stammend, ein Mitglied der schon in der Einleitung erwähnten St. Johannisgilde oder der Zunft von Schnllehrern, Abschreibern, Nubri- catoren, Briefmalern und Briefdruckern, Formschneidern, Buchbindern u. s. w., in deren Registern nach Van Praet sein Name schon zwischen 1454 und 1468 vorkommt. Die Ursache, warum er von letztcrem Jahre bis 1471 in jenen Zunstbüchern nicht mehr erscheint, war wol keine andere, als daß er in Mainz oder Cöln die Drnckkunst erlernte, die er dann im Jahre 1476 in Brügge und zwar meist mit Werken, die er selbst in das Französische übersetzt hatte, einführte. Sein erstes Werk ist: „Fc znrdin de dcvotion" mit dein Colophon: „Primum opus imorossum per Lolaroum Mansion. Urngis. Fau- octur omliipoteils." ohne Angabe dcS Druckjahrcs. Sein erster datirter Druck von 1476 führt nach der Sitte der damaligen Zeit keinen Titel, sondern beginnt sogleich mit der ersten Colnmnc: „<5n commence Jehan bocacc dc crrtnld son liurc.jntitulc oc in Nunno !>rs nobles hommos et scinmcs." Seiu letzter datirter Druck von 1484: „Die Metamorphosen des Ovid, erklart (mo>-üisues) von Thomas Walchs und ans dein Lateinischen in daS Französische übersetzt von Colard Mansion", soll in dein Eolophon eine Probe seiner aus den französischen Handschriften jener Zeit entlehnten eigenthümlichen Type, von den Franzosen ecl'iuirs grosse l>!lt!»'<1e" genannt, dem Leser vor die Augen führen: KaitgjmMmewiKmo M vMe ey fvan YMM L^o^rt mauftoy cikoiey W j(M ou moie N Gax tay wgmw mit qua? tre censnij.Mny. Doch behielt er anch in einem seiner Werke die semigothische Type bei, wie gegenwartiges Faeflmile ans ^n üoutitüei''« gr. Folio, beweiset. , Lomme i'Ui'llle 1479. in Kne fouim^ tural comxMe par leldan bouMer cmiköiLier du ro^ ias. N imp2iwess beuAes xs-r (Ämd MÄnticmtÄN nnl.eccc.lMp. Das Leben und Wirken dieses merkwürdigen Mannes hat der gelehrte Pariser Bibliothekar Van Praet geschildert in „Kotico «m- c!ol-n-ris, 1829. 8." Er kann zugleich auch als der einzige Drucker in Brügge wahrend des fünfzehnten Jahrhunderts betrachtet werden; denn Ghesqniere'S Meinung, es habe Jean Vriton, ein geschickter Kalligraph, daselbst die Buchdruckerknnst erfunden und ausgeübt, ist schon weiter oben bei Auseinandersetzung der verschiedenen Ansichten über die Erfindung der Typographie sattsam widerlegt worden. 260 Brüssel. — Peventer. — Gouda. Ein Näheres über diesen Irrthum findet man bei Santander I, 323-356. In der Folgezeit that sich Hubert Goltz ebenso durch seine Geschickiichkcit iin Bücherdruck, wie in der Kupferstecherkunst hervor. AnS seiner Officin besitzt die Literatur der Numismatik kostbare Werke, wobei nicht nnr die gelehrte Abhandlung, sondern Alles, Zeichnung, Abdruck und Kupfer, nur ihm allein den Ursprung verdankt. Brüssel's, 1 4 7 6, früheste Drucke gehören jenem um die Wissenschaft sehr verdienten, von Geert (Gerhard) Groote gestifteten Mönchsorden der „Brüder zum gemeinsamen Leben" an, die wir schon 1474 zu Maricnthal im Rheingau, 1476 zu Rostock und 1449 zu Nürnberg mit dem Bücherdrucke beschäftiget sahen. Ueber diese sowie andere damit verwandte geistliche Genossenschaften, als die der Bcgharden, Lollharden und der Beghincn, hat (Z. II. 51. verrat, Vei1,!ln6Llin>; over 'i^telluiiiien etc. I7ti-e«bt, 183t). 8. eine gekrönte Preisschrift geliefert. Wem daS Vnch nicht zn Gebote steht, der lese Ullmann's „Johann Wessel", Hamburg, 1834. Seite 389 - 443, wo, durch Delpral's Werk angeregt, manches Treffliche darüber gesagt ist. Das erste mit der Jahrcsangabc versehene zu Brüssel gedruckte Buch ist: „Arnoldi Geilhoveni Gnotosolitos" von 1476. in Folio. Dem Typcncharakter nach zu urtheilen, mnß man annehmen, daß einige der Brüder zn Cöln bei Ther Hoernen in der Lehre gewesen oder von ihm wenigstens die Lettern bezogen haben, wie gegenwärtige Nachbildung derselben andeutet. AV^QA^RVUlYA? est e6 sacvsta, KZolu M sta^er m>V ^ Hütus et du adhne esse Vmc5 w W5Z?6 Z/rrt ^ yrmn NglM la^ 5 obpnatHi? «öwL^ ^ns sollet elabzta^w^lle opLwb^mwe^ slÄ Äimo dm 9^ s^meI tymj D e v e n t e r, 1 4 7 7, Hauptstadt der Provinz Overhssel, wo Geert Groote den Orden der Brüder vom gemeinsamen Leben, diese hohe Schule ächter GeisteSbeschauung, aus der auch der gottesfürchtige Thomas Hammerkcn oder Hämmerlein von Kempen (-v Xomni«) hervorgegangen, gestiftet, wo der berühmte Alerander HcginS einst den Grnnd' zu dem jetzt noch blühenden Kvmnasium gelegt hat, konnte die außerordentliche Kunst nicht lange entbehren. Richard Paffroct oder Paffroed aus Cöln eröffnete hier mit „k>. ?etr! IZerUwrii, I>ict!tv. 0,6. S. Lsnetl. !>Ioi!l!!üat!on." die Bahn. Dieser berühmteste aller Drucker in Holland hat in seiner ununterbrochenen Thätigkeit von 1477 bis 1500 eine Menge ausgezeichneter Druckwerke geliefert, von denen zwei der frühesten christlichen Dichter Prndentins und Juvencus, 1490, hervorgehoben zu werden verdienen. Jakob von Breda schlug hier 1487 ebenfalls seine Pressen auf und druckte bis an das Ende des Jahrhunderts- G o tt d a, 1 4 7 7, von den Franzosen Tergon genannt, eine bedeutende Stadt in Südholland, verehrt in Gerhard Lceu oder Lccw ihren frühesten Typographen. Ihm gehören unbestritten: „Alle die cpistelen cn ewniigelien Delft. - xAmoll und Tlimmeucn. — Andenardc. 2li1 van den gheheele» jaerc ende oer medc die pro- phecieir", mit der Schlußschrist: „Pit is vollei)»- dct int Mer ons Herrn 1477." etc. Folio, das erste in holländischer Sprache gedruckte Buch. Alle von Prosper Marchand und anderen Bibliographen angegebenen Goudadrucke von früherer Zeit sind uner- wiescn. Leen druckte daselbst von 1477-1485, wo er diesen Ausenthalt mit Antwerpen vertauschte und zwar da wie dort Werke von höchstem Interesse, von denen wir nur die bekannte „ Goudsche Chromi>>,je" von 1478 und eine Sammlung sinnreicher Fabeln in lateinischer Sprache „Dialogus crentnrarum" von 1480 erwähnen. Von diesem letzteren, dem Nicolaus von Bergamo zugeschriebenen und spater noch sehr oft gedruckten Werke giebt nachstehendes Facsimile eine wohlgelungene Typenprobe. Zielens Wer DxüloM cresturammoppellatuö wcundis kabuw vknuß Pergerardumleenm opido ssudmK mcepty Mmere dtikimtus eltAunodomimmilleKtÄ yusÄ?mgmtt< Kmv 0tMWeKmo«MÜSmußdle terrck G IlLCY Gleichzeitig mit Gouda erhielt auch die Stadt D e l f t, 1 4 7 7, durch Jakob Jakobszoon aus dem ansehnlichen Geschlechte der van der Meer uud MauritS Uemant- zoon aus Middelbnrg die seltene Gabe. Beide druckten in Gemeinschaft und schenkten 1477 ihren Landsleuten die erste Bibel in der Mutterfvrache: „Dc ^»bel dat uwe Testament" in Folio, in welcher jedoch die Psalmen und das Neue Testament fehlen. Eine genaue Beschreibung dieser bibliographischen Seltenheit in I^e l^oux, Loelc-ZI-ial, p. 365. Obigen zwei Künstlern folgten Christian Snellaert, 1495 und 1496, und Heinrich Eckert von Homberch im Druckgcschäfte. Noch kommt auf einigen Jncu- nabeln von Delft und Antwerpen der Name „Henrick Lettersnyder " vor, welcher nicht mit diesem Heinrich Eckert von Homberch verwechselt werden darf, indem sein Geburtsort, wie er in der Schlußschrist von „T'boeK min den Houte", Antwerpen, ohne Jahr (1496 oder 1500?) in klein Octav selbst angiebt, Rotterdam ist. Zwoll und Nimwegen. 1 4 7 9. Ein paar Jahre spater wurde die Typographie, von wem? ist noch nicht ermittelt, sowol in Zwoll in der Provinz Overyssel, als in Nimwegen (holländisch „Nymegen") am Rhein eingeführt. Pieter van Oö aus Breda und Johannes de Vollehoe sind die bekanntesten Drucker dieser Städte wahrend des fünfzehnten Jahrhunderts. Von nun an verbreitete sich die Buchdruckerkunst immer mehr und mehr in dem wissenschaftliebeudcn Holland. Schon 1480 erblicken wir Pressen in dem nahe bei Zwoll gelegenen Stadtchen Hassclt, die jedoch niemals zu einiger Bedeutsamkeit gelangt sind. Ganz anders verhält es sich mit der kleinen Stadt A n d e n a r d e, 1 48 0, wo Ahrcnd (Arnold?) und Pieter van Kcyzer, lateinisch <1>!!»- -zraplilciue« sne rjuo>eicl>e5 Iiistorisjiies et diblinxv.i^liliniss sur la I>!!>l!ot!u>>u>e ni«toria sünews ci'iieis) " 1483. in 4. ausgeführt, von der schon weiter oben S. 57 die Rede gewesen nnd welcbe Olbilln, Libliotliec-i K^encei'Illiia III, 348-377 ausführlich beschreibt und durch Facsimile's jener Holzschnitte erläutert. Von der Type mag gegenwärtige Nachbildung der Schlußschrist eine Vorstellung geben. Dttis AMeltizi dleHoeK Atzvay KM KMAmiaerone hwes M*<5GCA HlMiK ^WMMchpW Mger^sxALMptt^ncy Auffallend bleibt eS immerdar, daß in Hartem, einer der Wicgenstädte der Typographie, nach langer Unterbrechung mir erst mit dem Jahre 1483 datirte Drucke, als' „Der Fondaarcn troost, Summe le Voy, Per Zielen troost, Act PorK des gülden throons und die Formular Novitiorum u. s. w. vorkommen. Der erste Typograph, dem wir hier begegnen, ist Jan Andrieszoon (Johann, des Andreas Sohn), nach Meermann I, 54. ein Abkömmling aus der Familie des Lorenz Koster. Jakob Veillaert auS Zierickzec gebürtig, hat hier 1485 die erste Art von methodischer Encyklopädie „Lartholo- müus (den Engels,»»») vnn de vrovrirtritcn der Dingen " herausgegeben. Leyden fing zwar später als manche andere Stadt zu drucken au, pflegte aber mit nm so größcrem Nnhme die Kunst bis auf die neueste Zeit. Der früheste Druck dieser berühmten Universität ist die bekannte „CroniKe min Kollunt, Seeland ende Nricslond ", 1483. in 4. Die ältesten Typographen sind Heinrich Hcynrici und Hugo Jaussocn von Woerdcn. Zu den schönsten Wcrkcn gchört die „N^ckia dat is dc gantschc h. Schrifturc von Paul Aertsz van Navrsteyn". 1642. Fol. Anch Friesland hatte schon um 1480 in dem Dorse Anjnm bei dem Städtchen Dokkum eine Presse, inittelst welcher Hidde Cainmiuga „Hot Njnechtdorck fen nlrc fryM Frerzcna FricsKa Fandrjuecht" die ältesten Gesetze und NechtSgewohnheitcn der Friesen druckte, von welchem höchst seltenen und merkwürdigen Buche nur zwei Eremplare übrig sind. Del- prat in seiner Schrift „ over 'U>i»st in üe v)-tt!e»6e en ?estien«ts eeinv, ?e Utrecbt, 1820. 8." Seite 137 setzt diesen Druck nach einer Handrubrik von dem berühmten friesländischen Geschichtschreiber Simon AbbeS Gabbema auf dem einen Eremplare in der Büchersammlung dcs Barons Thoe Schwartzenberg und Hohcnlansberg, Kammcrherrn des Königs der Niederlande, sogar schon in das Jahr 1460. Hertogenbosch in Brabant hat drei Werke auS der früheste» Periode vou Gerhard de Leempt's Pressen auszuweisen, darunter „TondalusVnsioen" von 1484. Hier hatte sich um die Mitte dcs sechszehnten Jahrhunderts ein Nachkomme Peter Schöf- fer's von Gernsheim niedergelassen, dessen Familie Leyden und Amsterdam. — Louis Elzevir. — IjaaK Elzevir. die Kunst von 1540-1736 in ununterbrochener Reihenfolge ausübte. Noch sind einige Drucke des Klosters zu He ein bei Schoenhoven von 1495-1500 zn erwähnen. Bemerkcnswerth ist, daß Amsterdam, obwol in der unmittelbaren Nachbarschaft von Har- lem, erst mit dem Beginne des sechszehntcn Jahrhunderts eine Buchdruckerwerkstatt und zwar die früheste in der „ Engeleuburg" unter der Aufsicht des Dodvcn PieterSzoon erhielt. Einer der frühesten und seltensten Amsterdamer Drucke ist das „^orcrkc voor ce yegclirkcn Kerstene mcnsce hocme den durch vä Caluarien op climme sal", von CorneliS van Pcpinghen um das Jahr 1500. in kl. Octav. Baron van Westreenen vanTiellandt nennt in seinen „Xorts Sclwts Ltc. In'« (Zi^venli-lxv 1829. 8." Seite 27 die theologische Abhandlung „Dir- ^v-uiäelinglw ^ ^-e^H^v M^ne^ Hav Dyftf-andt^A ^nd^^n ^§56. Eines der schönsten typographischen Denkmäler, welche Holland geliefert hat, ist die Dortrcchter Bibel von 1636. in Folio. Leyden und Amsterdam sind nebst Utrecht die beiden Städte, in denen die typographische Kunst die höchste Blüthe erreichte. Den Grund zu diesem bis auf unsere Zeit fortdauernden Ruhme hat eine Typographeiifamilie gelegt, welche das Feld der Buchdruckerknnst an hundert Jahre emsig bebaute und für Holland das gewesen ist, was für Italien die Geschlechter der Aldus und Giunta's, für Belgien und Frankreich diejenigen der Plantin und Etienne waren, die ruhmwürdige niederländische Familie der Elzevire, die vorzüglich zn Amsterdam nnd Leyden, aber auch an anderen Orten ihre Pressen ansgeschlagcn nnd von 1592-1680 eine große Anzahl der schönsten Druckwerke geliefert habeu. Ihr gewöhnliches Buchdruckerzeichen war ein Adler, der in seiner Klaue ein Bündel von sieben Pfeilen hält mit der Devise.' „ Ooncordla rc« smrvas oroücunt Louis Elzevir, von 1592 bis 1617, der Stammvater der Familie, war Buchhändler und zugleich Pedell bei der hohen Schule zu Leydeu. Er war der erste Buchdrucker, welcher bei seiueu Ver- lagSwerkcn den Vocal u von dem Consonantcn v in der Form unterschieden hat. Sein Name kommt zuerst aus eiuer Ausgabe des Eutrop vom Jahre 1592 vor. Er hinterließ zwei Söhne, Mat- thys uud Aegidius. Jeuer erscheint als Buchdrucker in Leyden, dieser betrieb den Buchhandel im Haag. Die vier Söhne des MatthyS, dnrch welche der berühmte Name dieser Familie recht eigentlich begründet worden ist, waren: Jsaak, Abraham, Vonaventnra und Jakob. Jsaak Elzevir, von 1617 bis 1628, druckte anfänglich für sich allein auf eigene Rechnung nnd von 1617 ab verschiedene classische Werke, unter welchen sich auch diejenigen deö Constanti» Porphyrogenetus befinden. Mit dem Jahre 1618 erschienen mehrere Bücher unter der Bezeichnung „ ilpu<1 IZInevIeo« " oder „ex otkcina KI?. Welches beweiset, daß eine Handelsgesellschaft zwischen mehreren Brüdern oder Verwandten der Familie Elzevir bestand. Jsaak bezeichnete seine Drucke, unter deuen die Odyssee von 1619, in klein Quart, Aufmerksamkeit verdient, einige Zeit hindurch mit der Devise seines Oheims LouiS; spater wählte er j eine Ulme, nin deren Stamm sich eine Nebe schlingt, ! mit dem Einsiedler und den Worten „»on «olu«", welches Zeichen auch seine Nachfolger führten. Auf einigen Ausgaben kommt als Titelvignette ein angezündeter Holzstoß vor, wahrscheinlich eine Anspielung 264 Fcydrn und Amsterdam. — <Ä. und U. Elzevir. — I. und D. Llzevir. auf den Namen, welcher im Holländischen soviel als „Ulmcnfener" bedeutet, von Elze (Ulme) und vüür oder yier (Feuer). Jsaak's letzter Druck ist „ l'Iior!»«, ?l) »uuiü 'I'->li»cI, 1628. in 4." Abraham und Bonaveutura Elzevir, von 1622 bis 1652, erhielten unterm 15. Mai 1626 von den Generalstaaren von Holland das Privilegium für ihre „kleinen Republiken" und von dieser Epoche datirt sich der Rnbm der Elzevirc. Können ihre Ausgaben dein Porwurfe der Incorrectheit, welcher besonders den Virgil von 1636 trifft, gleichwol nicht entgehen, so stehen sie doch an Eleganz der Typen, Schönheit des Papiers und Anordnung deö Satzes, wenn man die griechischen und hebräischen Drucke des Stepha- uuS in Paris auSnimmt, keinen Büchern nach, die zn gleicher Zeit und zu gleichem Zwecke in anderen Landern erschienen sind. Ihre letzten Ausgaben sind von 1652, in welchem Jahre beide Brüder starben. Johann und Daniel Elzevir arbeiteten seit 1652 als UuiversttätSbuchdrucker gemeinschaftlich. AnS dieser Periode stammt „l'bo- »i!>s K Kemnis, r! cm^tuor" ohne Datum, nnstreitig eines der schönsten, seltensten und beliebtesten Werke der Elzcvire. Aber schon 1655 löscte sich ihre Gesellschaft auf. Johann, Abrabam's Svhu, führte die Druckerei zu Leydeu allein fort und verherrlichte sie durch mehrere Prachtausgaben, starb jedoch 1661 in der Blüthe seiner Jahre, ohne im Stande gewesen zu sein, die vielen Plane seines regsamen Geistes anSzusühren. Daniel, Bonaventnra's Sohn, begab sich nach Amsterdam, verband sich daselbst mit Ludwig, Jsaak's Sohn, der sich ansanglich dem Secdienste gewidmet hatte, gab in Gemeinschaft mit ihm die meisterhaft gedruckte französische Bibel von 1669, zwei Bande in Folio, heraus, löscte aber nach kurzer Zeit diese Verbindung wieder ans, druckte für sich allein und nahm erst 1680 Abraham Wolfgang Elzevir zum Genossen und Thcilnehmcr des großartigen Geschäftes an. Allein noch in dem nämlichen Jahre erlag der thätige Manu dem Ungcmache des verheerenden Krieges, der ihm, wie seinem unglücklichen Vatcrlande, alle Hossnnngen raubte. Seine Wittwe, Anna Bowing, vermochte nicht länger als ein Jahr die Officin in Wirksamkeit zu erhalten, worauf sowol die VerlagS- artikel als später selbst auch der Druckapparat an Adrian MozinS im Haag übergingen. WaS Daniel Elzevir den Vorrang vor allen Mitgliedern seiner Familie verschafft, sind die beiden bewunderungswürdigen Ausgaben des „ Lur»»« Im-i»" in Octav und Folio, von welchen besonders die letzte zu den schönsten Erzeugnissen der Typographie gehört. Minder berühmt, als die Genannten, waren Jakob Elzevir, ein Sohn des Matthys, welcher von 1626-1629 zu Leyden druckte, und Pieter Elzevir, ein Enkel jenes Matthys, der als Buchhändler und Drucker zu Utrecht lebte, wo er unter Andern Benjamin Priolo'S Werk: „!a" des Thomas Morus, Boeealiui's „?ietia 6vl pui-ux»"«-" und dessen „ Sscretsrio
  • ibl!o^r^l>iIus precleuses et les ^>Ius reellem- cl.ee«. 1822. 8." (Vergl. Götting. gcl. Anz. 1823. St. 128. p. 1273-78.) nnd „Collier, l'I.eoris lies edltions IZlseviriennes " ill den „Klellliixes tires 6'iule petitv l>idlivtlieronl. Ceremonies retigieuses llo tous >es neuntes anorum. ?emnte lvvi» 6 en Latesbv, 1)e uittanu^ebe Vngsten, bescbrs- j ven ctoor !>l. Houttuvn, 9 cleeten in 4. inet ntaten. ^. Le b'ranen^ v. UerKbev, i>iatnrl. bist, van Holland. Houttuvn, ^.kboelding van in-en uitlandselie Honten. Van Hoogstraten, (Zrotbist. Wvorilenlioetc, 10 Seelen. La Sainte Lible, von David Martin, 1707. Fol. 2 Bde. >V. tZ.Xnorr, ZeldüaamKedon 6. Outline, 3 ueelen in tot. Valentin, IZesclievving van Onlenissen, 4 llseten inkol. 1'eommins IVvderlandscbe Ooneordantio, 3 deelen inkol. Lau en Kobeltus , (Zroot ?Iacaatboelv, 9 cleeten in sol. V»n Xinsbergen, bet groote ool<. Ileroilotns et Oiodoeus Kioiilus ed. Wess., 3 Volt, in toi. pullux oilents Uemsterlniisio, 2 Volt, in lol. 1>innaeus, Katnurtilcs bistorie, 37 deelon in 8. Ovid von Burmau, Ovid von Verbürg und Baincr. Im neunzehnten Jahrhunderte. i^osemann, Lssebr) ving soo6t, Opera oinnia; die anatomischen Werke des Ne- salins, Albinns und Boerhavc: Morcri's, Baylc's und Chausevie'jZ historische Wörterbücher! die Thesauren des GracviuS und Gronovins; der HesychiuS von Albcrti und Livius von Drackcnborch; das Schaaf- und Lcusde'schc Neue Testament in syrischer Sprache in 4. vom Jahre 1708, eine Stcrcotypansgabc von Lnchtmans. Im neunzehnten Jahrhunderte. Broer's, Mnller's und Sandisort's anatomische Werke, Lecman's archäologische Schriften über das ägyptische Museum zu Lcyden, Tcmmink's zoologische und ornitho- logischc Werke; van der Palm's Bibel; Hamclsvelo und Vpcy's Algemccne kcrkclyke Gcschicdcnis der Christeneu; von Sicbolv'S und Blume's uatnrhistorischc Werke über Japan oder Nivvou und Java u. s. w. Utrecht lieferte im achtzehnten Jahrhunderte «wart, Homeinscbe gesobieäenissen; ?ocoetIsnis van 6e cl>r!stel)leeltlln-; tasereel in 2 ^t^eelinxen, ter (Zsls- ^enlieiä van's X»n!ngs ver^'aarclag en vvkent>ventig- ^jurixe regerinx ." H a r l e m: Klcemau's holländische Uebcrsctzung von Rosel's Jnsectcn- belnstigungcn, „1>e Unis van lltreellt", mit den Ori- ginalbuchstabeu uud Faesimile's der Unterschriften gedruckt; Zimmcrman's und van Kampen's „De Aardc en harc dcwouers "; das Alte und Neue Testament in malaischcr Sprache nnd mit malaischen Lettern. Lecuwarden lieferte das schöne „a6elvlc wanen- 1>oe>c van 6e i?even nrnvineien ", A r »heim: Nyhofs's „ (Ze6enI<^vaer6!Al>e6en uit 6e gescl>ie6en!s van (Zel- 6erlan6", Dordrecht: Knorr's und Müller's „veli- cias naturas selectae ok uitxele^en Iinet van natuurl!i6ü!>am>>e6en K!6eel<, IZe«eIirvv!n<> van ne6er!an6sc!ie en I^Iee^elie ou6>ie6en", >Vei- Ian6's „ ne6er6n!ti-e>> taallvnor6enl>oc^" Uttd Van ^V) I< „ al>;voor- dendoelc"; Breda: Vpev's und Vermont's „;I>e „ <^escli!e6enis 6er inensc>6>ei6 naar 6en Lvdel" und Hogen6»rn's „Lv6ragen tot 60 Iniislwuckin-; van Ktaat in I>et Iconingrvlc 6er IVe6erIan6en Zutfen: I>iierr>ven- Imis „ alxcmeen >voo> 6«nboel< van Icnnsten en v> eten- sclianen " uud Oats, „ ^VerKe "; Ka m Pcn: Llinmel „al^emeen Iiu!s>wn6el)Ic natuur-ne6eIoel<^e voor 6en doel»xs 1839. 3." besitzt das Königreich der Niederlande 146 Buchdruckereien, wobei aber natürlich die Buchhandlungen, Stcmdruckereicn und ähnliche Ofsicincn nicht mitgerechnet sind; davon kommen ans Amsterdam 27, ans Leydeu 4, auf Utrechts, auf Gröuingcu 8, auf die Residenzstadt Haag 3, nnd anf Rotterdam 14. Hollands berühmteste Typographen unserer Tage sind: (5. A. Spin, A. Zwcesaardt, Elir und (5omp. zn Amsterdam; I. Brill, besonders reich mit Lettern für morgciilandische Sprachen versehen, Drucker deS „^Varneriaanseli I^e<;nat van Oxstersclie letterloinile", D. Du Mortier und Sohn, Ilnd Z. G. La Lan zu Leydm; L. E. Bosch und Sohn zn Utrecht; I. Oomkcns, akademischer Drucker zu Groningen (Congrevepressen); Brüder Ginnta d'Albani, A. D. Schinkel, I. Noering nnd die „LandSdrukkcry". im Haag; Meusiug und Van Westrccncn, M. Wyt und Söhne in Rotterdam; I. Euschcde uud Söhne (Stereotyp- und Javanische Druckerei) in Hartem; G.F.N. Suriugar in Leeuwardeu ; Gebrüder Abrahams in Middclbnrg; W. E. I. Tjecnk Willmk in Zwoll; C. A. Thicme und I. A. Nyhoff in Arnhcim; H. Palier und Sohn in Herzogcnbnsch; F. Bury Lefcbvre iu Mastricht; van Houtvyre und Bredius in Dortrccht; W. A. Oukoop und Brocse !i Comp. zu Breda; I. de Groot in Delft; I. de Lange in Deventer; I. F. Thiemc und C. A. Vieweg in Nymwegen; W. I. Thieme in Zutfen; I. Van der Vclde Olivier in Zicrikzee. Es bestcheu gegenwartig in den Niederlanden drei Schriftgießereien: von I. EnSchede und Sohne zu Harlcm, Elir K Comp. zu Amsterdam uud Brocfe !i Comp. zu Breda. Die erstgenannte ist die beste und wetteifert mit den gleichartigen Instituten anderer Lander. Ueber die altere Vuchdruckcrgeschichte von Holland und Belgien giebt außer den öfters angeführten Werken nnd Abhandlungen von Meermann, Des Rochcs, Lambinct, Koning, Schcltema, Westrccncn van Tiellandt, Du Puy de Montbrun, I.. «. Vissclier, Lv6r->xen tnt ile »ude 1,etterleHam he MM? ieldvKen- Lsnoniemn UcckKe vtlle Mwnenüs m M M MMwie caKmu ^^araciamMgil^taM Mr wü ZtPiltM Dubw mwstwne öommi WiMma- Ä^mdnuMtetimn HeMM Kwo-deo lamee glms^ per m kmitatemls AulommAm? V ArchtlWle MehchelPrm? M U propuMawp wKer- Basel, 14 74, ist nicht nur für die Geschichte des Buchdrucks in der Schweiz, sondern für die altere Geschichte der pasel. — U. Aodt oder Not. — U. Aichcl. — M. wenßlcr. — I. Frobcn. 269 Typographie im Allgemeinen eine der berühmtesten Städte. Ein Druckfehler in dem „ Nefornmtorium ritae moruml>ue rlcricorum", wo in der Schlnß- schrist „Uasilcac 1444." statt 1494. zn lesen ist und worüber in den „ HIemolre« cls Irevnux, !,MK>e 1764, füllet, ^>-lA. 103-137 ausführlich gehandelt wird, gab zu der Meinung Veranlassung, daß Basel in der Erfindnngsgeschichte den Städten Mainz und Strnßburg den Rang streitig machen könne. Diese Ansicht aber ist längst gründlich widerlegt und dasür angenommen, daß Berthold Rvdt oder Rot auS Hanan, nach Heidegger wahrscheinlich früher Gehülfe in der ersten Druckerei zu Mainz, um das Jahr 1470 daselbst die erste Presse errichtet habe. Sowol die Gründung der Universität Basel im Jahre 1460, als eine alte Sage, es sei die Knust kurze Zeit uach der Erfindung in ihren Mauern ausgeübt worden, unterstützen diese Annahme. Bernhard Richel, von 1474 bis 1486, ist der Erste, dessen Name auf den Incuuabeln zugleich mit der Jahreszahl erscheint. Sein „Sassen- svicgel" von 1474. in Folio, kann demnach als der früheste datirte Baseler Druck betrachtet werden. Auszeichnung verdienen zwei lateinische Bibelausgaben von 1475 und 1477, sowie die deutsche Uebersetzuug dcS I?usc!<-ulu« temi>ormn von Werner Nolevink mit der Schlusischrist- „Gedruckt aber gerecht subcr und rein durch Hrrnmnster Pcrnhart Nichet Uurger zu Kascl als man znlt nocht der Geburt Christi mcccctrrrj Jor." Sein Nebenbuhler in der Kunst und kurze Zeit hindurch sein Druckergenosse war Michael Wenßler, von 1476 bis 1487, ebenfalls ein Baseler Bürger, welcher durch treffliche Leistungen den Ruhm seiner Vaterstadt crhöhetc. Außer Nichel hatte er auch Friedrich Viel zum Gesellschafter. Sein Name war so geschätzt, daß er von dem Abte des berühmten Klosters Cluguy nach Frankreich berufen wurde, um dort 1493 ein Missale des Benedictiner Ordens auszuführen. Seine Nachfolger waren: Johann Amerbach und Eberhard Fromoll von 1481 bis gegen das Ende des Jahrhunderts. HauS Bcsicken oder Besikein druckte hier nnr knrze Zeit und begab sich nach Nom. Peter Kolligker oder Kollicker und Hanö Meister vollendeten 1484 gemeinschastlich daS „Previarium Li- stcrciensc", verschwinden aber alsdann ans der Reihe der Baseler Typographen, während Nicolans Keßler von 1486, Jakob von Psortzcn (Pforzheim) von 1488 und Michael Furter von 1490 allda die Kunst bis 1500 übten, verhällnißmäßig aber nnr wenige Denkmäler ihrer Thätigkeit hinterließen. Die höchste Stufe des Ruhmes erreichte sowol durch die Trefflichkeit als die Zahl seiner Werke Johannes Froben, von 1491 bis 1527, im Jahre 1460 zu Hammclburg in Franken geboren und ans der hohen Schule zu Basel gebildet, ansäng- lich Corrector in den Officincn Johann Amerbach's und Hans Petri's von Langendorf, welcher, einer der Ersten in Deutschland und der Schweiz, Geschmack nnd Genauigkeit der technische» Ausführung mit glücklicher Auswahl guter Schriftsteller zu verbinden wnßte. Zeugniß hievon geben seine verschiedenen Ausgaben der lateinischen Bibel, das von seinem Freunde Erasmus von Rotterdam besorgte griechisch-lateinische Neue Testament in Folio, Quart und Duodez, sein Augustin und mehrere andere Kirchenväter und Klassiker. Zu Titeleinfassuugeu uud Raudverzierungen seiner Bücher, zu den Initialen n. s. w. bediente er sich der besten Künstler in der Holzschneidekunst, besonders Hans Holbcin's, welcher nach dem AuSspruche dcö genialen Kunstkenners von Rumohr nicht nur die Zeichuungcn lieferte, sondern selbst das Schneidemesser nnd den Grabstichel führte. Frobeu's Hans, schon damals wie noch jetzt nnter dem Namen „ zum Luft" bekannt, war der Sammelplatz aller gebildeten Männer von Basel. Mehrere der ausgezeichnetsten Gelehrten beehrten ihn mit ihrer Freundschaft. Erasmus, dessen Werke er in 9 Foliobänden herausgab, hatte sogar seine Wohnung bei ihm genommen nnd feierte nach dessen durch den Sturz von einer Büchcrleiter im Jahre 1527 herbeigeführten Tode sein Andenken 270 — Johannes Pcrgmnnir von Vlpe. — Johann Vporinus. durch eine Grabschrist in lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache, die in Marmor cingehanen noch heut zu Tage über seiner Gruft in der St. Peterskirche zu lesen ist. Sowol als Mensch ausgezeichnet durch liebenswürdigen Charakter, wie auch als Litcrator, Buchdrucker und Buchhändler, in welcher Eigenschaft er die Frankfurter Messe häufig besuchte, erwarb er sich bei seinen Zeitgenossen die höchste Achtung und begründete sich für die Nachwelt einen unsterblichen Ruf. Nicht mit Unrecht nennt ihn DeniS, hindeutend auf die mannigfaltigen Verbesserungen in der Typographie und seine sauberen und corrccten Arbeiten, den „AldnS" der Deutsche». Von Froben's drei Söhnen setzte Hicronymns gemeinschaftlich mit dessen Tochtermann, NicolauS Episcopius (Bischof?) von Montdidier in Frankreich, die Druckerei und den Büchervcrlag auf eine ihres Vorgangers würdige Weise fort. Seine Wittwe heiraihete den geschickten Baseler Buchdrucker Hcerwagen. Johannes Bergmann von Olpc, von 1494 bis 1499, hat schon bei seinem ersten Austreten in Basel dnrch die mit merkwürdigen Holzschnitten und schönen Raudcinsassnngen gezierte erste Ausgabe von Sebastian Brant'ö „ Narrcnschiff" 1494. 4. großes Aufsehen erregt und die dadurch hervorgerufenen Erwartnngcn auch durch seine späteren Leistungen gerechtfertigt. — Zu den berühmtesten Buchdruckern Basels gehört Froben's Corrector Johann Oporinus, von 1549 bis 1566, eigentlich Herbst oder Herbster, welchen Namen er nach der Sitte jener Zeit in das Lateinische „Oporinu«" übersetzte. Im Jahre 1507 zu Basel vou ganz armen Aeltern geboren erwarb er sich ans der Schule zu Straßbnrg, sowie später in seiner Vaterstadt, durch Abschreiben und Unterricht der Kinder seinen Lebensunterhalt. Auf Anraihen seines Freundes Oecolampadius widmete er sich dem Studium der Medicin und Physik und ward Famnlus deS berühmten Theophrast'S Bombast von Hobenheim genannt ParacclsnS. Da Letzterer sein Versprechen, ihm das Geheimniß seiner Wunder- curen, besonders der Landanumtinctur mitzutheilen, nicht hielt, bewarb er sich um eine Professur der griechischen Sprache und errichtete, nachdem er diese Stelle wieder niedergelegt hatte, eine Bnchdruckerei, wo er anfangs in Gemeinschaft mit Nicolans Vry- linger druckte, und später mit seinem Schwager Robert Winter, dem Professor Thomas Platcr und Balthasar Ruch, einem geschickten Setzer, eine Vuchdrnckergesctlschaft begründete. Sie kauften Cratandcr's Officin. Oporin und Plater besorgten die Wahl der herauszugebenden Bücher und Ersterer bezog damit die Frankfurter Messe. Da aber der Verlag fast immer mehr kostete als einbrachte, trennte sich endlich die Gesellschaft und der Druckapparat wurde getheilt. Oporin und sein Schwager blieben zusammen; allein die Vereinigung des „Herbstes" mit dem „Winter" war weder glücklich noch von langer Dauer. Ebenso wenig günstig waren seine hanslichen Verhältnisse. Er hatte vier Gattinnen, die ihn durch Eigensinn quälten und durch Verschwendung seines Vermögens beraubten; die erste war die Wittwe seines FrenndeS XylotectnS, eines zur reformirten Religion übergegangenen ehemaligen Eanonicus von Luzern, die i dritte war die Wittwe deS Buchdruckers Herwagen und die vierte eine Enkelin des berühmten Typographen Amcrbach, deren Bitten er endlich nachgab und sich von den Geschäften gänzlich zurückzog. Er starb 1568 an den Folgen eines Schlagftusses. Unter den vielen trefflichen Werken seiner Presse zeichnet sich vorzüglich aus: „^inlreae VessIII ->-a> zn Carougc. S n r s e e. 1 5 0 0. Diese kleine Stadt am Sempacher See des Cantons Lnzern hat zu Anfang des sechSzehntcu Jahrhunderts eine Drnckwcrkstatt besessen, aus der Schradin's poetische Beschreibung des Schwabcn- kriegs unter dem Titel: „ChronigK dess Kriegs, gegen dem Allerdurchleuchtigisten Herrn Vom- scheu Iivuig als Ertzherzogen zu Vsterich und dem schwedischen pundt dero sich des henlig Römisch Nich angenommen hat, cinsteilsi und stett vnn lcnder gemeiner eidgcnoschast des andern", mit der Schlnßschrift: „GedrugKt vnd vollendet Inn der Foblichen Statt Kurse im Lrgow uff zinstag vor sank Anthengentag Im rvcc Jar" (1500) in 4. mit 42 Holzschnitten hervorgegangen ist. 3 » r i ch. 1 5 04. Das früheste bis jetzt bekannt gewordene Druckstück dieser alten berühmten Stadt ist die Ankündigung eines Armbrustschießens vom 6. Jenner 1504, 272 Zürich. — Christoph Froschauer. ein Foliobogen, der in der Bürgerbibliothek aufbewahrt wird. Die ältesten Typographen sind Hans am Wasen und Hans Hager. Der Erstere begann seine Laufbahn 1503 mit einem Kalender, der ohne allen Titel auf der ersten Seite mit dem Verse anfangt: „Im ncniier trinck ich guten unn Verstau ich vßder meister sin." Der Letztere druckte von 1520 bis 1530 mehrere Schriften Zwingli'S. Auf anderen Werke» erscheint sein Name nicht. Die Namen beider Drucker verschwinden bald aus den Bürgcrbüchern der Stadt. Der wichtigste Typograph uud für Zürich das, was Froben für Basel, war Christoph Frvschauer, oder, wie er sich in seinen Briefen öfters selbst unterschrieb, Christoffel Froschoner, auch Froschover und Froschawcr, wahrscheinlich ein Sohn deS Buchdruckers Hans Froschaner, der zwischen 14S4 und 1507 in AngSbnrg gewirkt hat. Er stammte aus Neuburg bei Oettingen in Baiern. Ueber des SohneS Jugendzeit fehlen die Nachrichten ganzlich und diese beginnen erst 1519 mit seinem öffentlichen Auftreten in Zürich, wo er das Bürgerrecht erhielt. Die ersten Spuren seiner nachmals so bedeutenden Wirksamkeit finden sich 1521 in einigen Verdeutschungen von Erasmus Schriften- „Ein Klag des Fry- dls durch meister Fco Jud liitpriestcr des gotshuß Einsndrl" und „Ein nutzlichc viioeruieisung eines christlichen Fiirste wol zu regieren." Von nun an findet'sich sein Name als bestandiger Gefährte von Zwingli's schriftstellerischen Arbeiten, die er, der Reformation eifrig zugethan, beinahe alle druckte. Durch ihn gelaugte Zürich in literarischer Beziehung zu jenem Flor, dnrch welchen es sich bis jetzt vor anderen Schweizerstädtcn so rühmlich auszeichnet. Aus seinen Pressen ging 1524 die erste in der Schweiz gedruckte Ausgabe der ganzen Bibel hervor, die er überhaupt in 21 verschiedenen Ausgaben iu allen Formaten, 16 in deutscher und 5 in lateinischer Sprache, verlegte, die fast ebenso zahlreichen Editionen des Neuen Testaments nicht mitgerechnet. Sein Nnf war so groß, daß er sogar von England ans Auftrage für seine Presse erhielt. AnS dieser ging nnter Andern die erste englische Bibel „l'Iw Lible (b^iVIoses Lovsiilale) ?r^nte8 siiodosos. Ladas Helv. 1511. 4." und „Erklärung auf das neue Büchlein Hausschcins (0oIZ!t>!!a >>!.^>!>n!ca" von 1569, die sogenannte Bärenbibel (von dem einen Bären darstellenden Buchdruckerstock) zuschreibt- Während von 1803 bis 1830 in diesem großen Cantone nicht mehr als drei Officinen bestanden, zahlt man in der Stadt Bern allein fünf, die von 35 274 Tleuenlinrg. — Wandt oder Pans de Veaur. — Nougcmont. — Fausaiine. Haller, Stampfli, Ratzer, Jenni und Fischer. Zu Pruntrut (?oirent,-»^) druckte schon 1594 ein Jean Faibvre; gegenwartig liefern daselbst V. Michel, seit 1832, nnd Spahr meist nur Gebetbücher. Neustadt (Nonveville) hat seit 1699 eine Werkstatt besessen, wo I. P. Marolf 1708 die schönen „?Ü»I>NK» «<:r!t" und die Zeitschrift: „Die neue Schweiz" herauSgiebt. Nenenbnrg. 1 5 3 5. Ist die Buchdruckerkunst vielleicht schon 1530 in dieser Stadt, welche die Franzosen „Ncufchatcl" nennen, gleichwol heimisch gewesen, so bleibt doch die von Olivetan in das Französische übersetzte Bibel, deren Druckkosten von der Waldenserge- meinde bestrittcn wurden, „Neuchastel pur Pierre de Vingle dict Pirat picard 1535." in gr. Folio (mit gothischen Typen und feinen in Holz geschnittenen Anfangsbuchstaben), das erste Werk von Bedeutung, das nicht eigentlich in der Stadt, sondern in dem nahen Dörfchen Serrierres gedruckt ist, weshalb sie von den Bibliographen auch „ 1^ Mdls lte 8e,'i-ii>re8", genannt wird. Jetzt wirken hier C. H. Wolfrath ans Hessen seit 1814 und K. Attin- ger aus Würtemberg seit 1831; im Dorfe Locle Philipp Eourvoisier; iu La Chaur de Fonds hat der Buchhändler Lesguereur seine Offieiu seit 1834 an Fischer K Comp. in Bern verkauft. Waadt oder ?ci^8 ll« Veaux. 1 5 3 6. Nougeino » t, Cistercienserkloster in der ehcinaligcn Grafschaft Grnhcrz oder dem Hochlande des Cantons Waadt, welches die Bewohner selbst „I^vs Ludovico Grueric comiti magni- fico", schon in diesem Jahre eine Druckerei gehabt, die meisten Bibliographen sind jedoch der Meinung, daß dieser Möuch nur der Herausgeber, nicht aber der Drucker war. Demzufolge hat Lausanne, 1 5 5 6, durch Jean Nyver im Jahre 1556 die erste Presse erhalten, welchem 1571 Jean Le Prcur nacheiferte. Von nun an wurde viel, aber meist nur Bücher, die an innerem Gehalte und äußerer Ausstattung ohne Bedeutung waren, gedruckt. In neuester Zeit hat die Kuust sowie die Wissenschaft einen Aufschwung genommen, welcher zu schönen Erwartungen berechtigt. Die gegenwartigen Drncker sind: Hignon -uns, Louis Vincent, Vlambard irere«, Samuel Delisle seit 1830 und Marc Duclour, welcher die Offiein von „ k'iv-ls KIs" in M'erdon erworben hat. Der erwähnte Le Prenr vertauschte den Aufeuthalt in Lausanne mit demjenigen von Morsce oder Morges, wo er unter anderen auch Jacomot's Schrift über die Morduacht zu Genf druckte nnd deshalb von dem Landvoigt zn Baden zur Ausstellung am Pranger verurtheilt wurde, wobei man die Schrift dnrch den Scharfrichter in dessen eigenen Handen verbrennen ließ. ZuIferten (Vve>IioKi-apI>io >I!a iliaeti^" druckte, Schleins oder auch Celino, Strada, romanischer Grenzort gegen Tyrol, Reichen au 1676, Cumbels, romanisches Dorf im Luguetzcr Thale 1684, Chilt- jadira oder Nossa Douua bei dem Dorfe Truns 1689, B onaduz seit 17V8, Stift DisentiS seit 1729, dessen Drnckapparat bei der Einäscherung des Klosters durch die Franzosen im Jahre 1799 zu Grunde ging; die Masse der geschmolzenen Lettern wnrde sodann zu Orgelpfeifen in die St. Marlins- kirche des Fleckens DisentiS verwendet; seitdem ist keine Osfiein mehr im ganzen obern Bunde vorhanden; Cellerina in Ober- Engadin, wohin einige Geistliche einen Setzer und Drucker aus Bergamo kommen ließen, welche den nöthigen kleinen Lettcrn- vorrath in einem Ranzen auf dem Rücken mit sich trugen, die schlechte hölzerne Presse aber einem Esel aufpackten, weil damals noch kein sahrbarer Weg von Eleven oder Ehiavcnna in das Ober-Engadin führte. Hier wurden die Regale und Kästen auf dem Bodeu eines Heustalls vom Zimmcrmann auf- geschlageu, als Gehülfe an der Presse der Stall- bursche gebraucht, welchem neben seinem Druckergeschäfte auch die Abwartung des im unteren Stockwerke logirten EselS übertragen war. Sobald der Winter hereinbrach, kehrte der Typographenvercin aus gleiche Weise wieder iu die srcundlichcrc italienische Heimath zurück, um im Frühjahre die Wanderung und das Druckgeschäft aufs Neue zu beginnen. So entstand eine merkwürdige Celle- riner Sammlung geistlicher Lieder in romanischer Sprache, welche noch jetzt im Engadin das allgemein gebrauchte Kirchengesangbuch bildet. Eine Zeitlang wurde auch in Malans, Marsch lins, Luz ein im Prättigau, Sins im Unter-Engadin und z^l Vicosoprano im GotteShauSbunde gedruckt. Gegenwärtig ist Strada der einzige Ort außer Ehur, wo ein Engadincr Buchbinder, Namens 276 Schaffhiiusni. — St. Galle». — Freiburg. — Willis. Florian Janett Sciarplatz, ganz wie in den ersten Jahren der Erfindung, bald Bücher druckt, bald einbindet, je nachdem es verlangt wird. Er ist alsdann Setzer und Drucker in einer Person und bedarf keiner anderen Hülfe, als derjenigen seiner Gattin. Die Buchdruckerkunst wurde iu Granbünden bis auf die neueste Zeit ineist nur von wandernden Typographen ausgeführt, woraus hervorgeht, daß ihre Zahl kaum halb so groß ist, als diejenige der Druckorte. Einer der fleißigsten Wanderdrnckcr war Nuot Schukan, dessen „pr-uica 6el ?iet»t" noch jetzt zu den beliebtesten Gebetbüchern der Enga- diner gehört. Schafft) an son, 1 5 7 7, verehrt in Hans Conrad Waldkirch um 1577 seinen ersten Typographen, dessen Beispiele in neuerer Zeit Franz Hurter, auch Eigenthümer der in der zweiten Halste deö vorigen Jahrhunderts von Schwarz errichteten „Buchdruckerci zum Kessel", Murbach und Gelzcr und Conrad Seiler mit mehr oder weniger Erfolg nachzustreben versuchen. St. Gallen. 1 5 7 8. Die erste Officin errichtete 1578 Lconhard Sträub, „Burger und Formschneider daselbst", von welchem die GelcgcnheitSschrift „Die Buch- druckcreieu der Schweiz, St. Gallen 1836. 8." Seite 2 bis 47 ausführliche Nachricht giebt, der auch unter der fingirten Schlußschrift „Rorschach" druckte. Nach ihm verdienen Bartholomäus Schnell nm 1606, Johann NöSler 1618 und Johannes Schröter 1621 genannt zu werden. Das berühmte Stift St. Gallen mit seiner herrlichen Bibliothek hatte seit Anfang des siebenzchnten Jahrhunderts seine eigene Druckerei, welche sich Anfangs indem Kloster Neu St. Johann im Thurthale von Obertoggenburg befand, 1641 aber iu die Abtei selbst versetzt uud wahrend der helvetischen Ceutralregic- rung theilwcise nach Fraucnfeld in dem nengebilde- tcn Canton Thurgau geschafft, theilweise aber samt dem Locale dem Buchdrucker Zollikoser in Pacht gegeben und endlich ihm und seinem Genossen Züblin käuflich überlassen wurde. Der Canton St. Gallen besitzt außerdem noch Pressen inBeng, einem zwischen St. Gallen nnd Arbon gelegenen Dorfe, wo in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts BeatuS Hiltcuspcrgcr von Zug als Formschneider und Typograph lebte; Rapperswyl, wo 1802 Freuler eine Werkstatt gründete, welche Wegclin und Bosch 1832 erneuten, aber nicht fortzusetzen ! im Staude waren; seit 1823 im Dorfe Ebncit im Toggenbnrgischcn, von wo aber der Begründer, Schullehrer Abraham Keller, 1827 nach Lichtensteig wanderte, welchen Wohnsitz er jedoch 183Z nebst seinem Schwager Heinrich Egli mit Herisau im Canton Appenzell vertauschte, wohin sich auch Caspar Steiger, der eine Zeitlang in Flawyl gedruckt hatte, begab. Noch unlängst wurde auch im Dorfe Bündt bei Wattwyl von Nicolaus Kappler das politische Blatt „Der Toggenburgcr ^ Bote" gedruckt. F r e i b n r g. 1 5 8 5. Abraham Gamperlin aus Coustauz und Wilhelm Maß führten um 1585 die Kunst in diesem Canton ein, wo sie aber uic eiucn höheren Aufschwung genommen. Selbst die Hauptstadt, der einzige Ort, wo sie ausgeübt wird, beschäftigt mir nothdürftig zwei Werkstätten: von Piller uud Schmid. W a l l L s. 16 17. Halter erwähnt in seiner Schwcizerbibliothek, Theil I, 5lo. 1576, eines Buches, welches 1617 zu Sitten (8Ion) im Jahre 1617 in deutscher Sprache gedruckt worden sein soll. Dies ist die älteste Spur typographischer Thätigkeit des Cantons. Im vorigen Jahrhunderte nennen die Annalen der Typographie Michael Meyer und Sebastian Natterer, obwol nur vorübergehend, als Zunftgenossen. Gegenwartig > besitzen der Advocat Anloine und die Buchhändler Calpini und Holdcrmann zwei fast ausschließend nur ! mit dem Drucke von Andachtsbüchcrn beschäftigte Werkstätten. Solothurn. — Schwyz. — ^ug. — Appcnzcll. — ^lntcrnialdcn. 277 Solothurn, 1 6 58, hat ebenso wenig jemals auf größere Leistungen Anspruch gemacht. Hafner erzählt in seinem Solo- thnrner Schamplatz beim Jahre 1658: „Billich soll man an diesem Ort in kein Vergeß stellen, das? die erste Solothnrnische Truckerey ans Johann Jakob Bernharts Bürgers daselbst eygenen Kosten durch den Kunsterfahrnen Michael Wehrlin vonHüttwylen Jttingisch als Factoren glücklich angerichtet vnd bißher rühmlich continuirt worden." Die jetzigen Officinen sind: Gasimann, von dem geistreichen Herausgeber deö „Solothurner Wochenblattes" und des „ schweizerischen Hudibras " Franz Joseph Gaß- mann in den 1780er Jahren begründet, und Vogelsang seit dem zweiten Decennium des laufenden Jahrhunderts. S ch w y z. 1 6 64. Die als Wallfahrtsort weltberühmte Abtei Einsiedeln erhielt 1664 durch Abt Placidus Raymann die früheste Officin, von deren Productcn?. Paul Bctschart's „ Chronik von Einsiedeln " in lateinischer Sprache von 1671 und Seiler's „Heiliges Thurgau" 1671. 12., sowie das „ ^»t!plion-lr!um inouksticui» v einer Bleiche, den ersten Drncker. Christian Beycl aus dem Canton Zürich setzt das Geschäft seit 1834 unter der Firma „Fehr'sche Buchdruckerei" fort und hat seit 1831 in dem Buchbinder Kolb nur einen schwachen Nebenbuhler. Zu gleicher Zeit wurde von I. K. Brenner zu Weinfelden zur ^ Herausgabe des ZeitungSblatteS „der Wächter" eine besondere Werkstatt begründet. G l a r u s. 1 7 9 8. Die nächste Veranlassung zur Eiuführuug der ersteu Buchdruckerei in diesem Cantone war die schweizerische Staatsumwälzung von 1798. Der Buchbinder Frenler folgte dem Rufe der Regierung des damaligen Ccmtons „Linth" und druckte mehrere Flugschriften. Seil 1828 widmet sich Fridolin Schmidt mit seiner ganz neu errichteten Officin mehr dem Buch - und Kimsthandcl, als der Druckerei. Zu Anfang des Jahres 1840 zahlte man in der Schweiz 112 Buchdrnckereien, von denen 47 dem westlichen und nordwestlichen, 40 dem mittleren und südlichen nnd 25 dem östlichen Theile derselben angehören. Haller in Bern war der Erste, der eine in Paris gefertigte Stanhopepresse in seiner Officin aufstellte. Ihm folgten Meyer in Trogen und Nätzer in Bern. Druckmaschinen oder mechanische Schnellpressen besitzen Orelt, Füfili K Comp. und Sauerländer in Aaran. In der Schriftgießerei ragen W. Haas in Basel und Fr. Graberg in Zürich hervor. Aus alle dem gehet hervor, daß die Typographie nnr im sechszehnten Jahrhunderte und mir zn Basel, Zürich nnd Gens Großes leistete, daß die Schweiz in dieser Beziehung den meisten Ländern Enropa's nachsteht und die hohe Kunst in neuester Zeit daselbst weniger zum edlen Dienste der Wissenschaft uud Kunst angewendet, als vielmehr in den meist unwürdig redigirten Volksblättern zur Fröhnnng eines kleinstädtischen Parteigeistes gemißbraucht wird. Vergl. P. W. (egelin) „die Bnchdrnckereien der Schweiz", St. Gallen, 1836.8. Ungarn und Siebenbürgen. ngarn gehört zu den Ländern, wo die typographische Kunst am frühesten eine gastfreundliche Aufnahme, wenn auch nicht immer eine fortgesetzte Pflege gcfuuden hat. Ofen, 1 4 7 3, zur Zeit der Erfindung der Vnchdruckerkuust die Nesidcuz des Königs Matthias Corvinus uud durch diesen großartigen Herrscher zum Emporinm der Wissenschaft im Ungarlande erhoben, konnte eine so einflußreiche Kuust uicht lauge entbehren. Der Freund uud Kanzler des Königs, Ladislaus Gereb, berief 1472 einen Deutschen Andreas Heß, 1 4 7 3, aus Italien, wo er damals arbeitete, nach Ofen, um daselbst auf Kosten des Hofes die höchst seltene „Olironlca llunx-ii-vl'm», Lu 1575; Papa in der Vesprimer Gespanschaft 1577, 1628 und 1750; Neusohl 1578 und 1785; Tyr- nau 1578; Bartpha 1579; Detrekö 1582; Gissiug oder Ne'met-Üjvar 1582; Vilägos- Var 1582; Galgocz 1584; Rohrbach oder Rarbock 1584; Großwnrdcin 1585, 1640 und 1745; Eber au oder Monyorokerek 1589; Visoly 1590; Szervestie in Jllyricn unweit KarauscbeS 1591; Deutsch-Schützen oder Ne'met-Schitz 1593; Krcutz oder Ne'met-Kercsztur 1593; Ka- schau 1610; Posonyban 1610 bis auf unsere Zeit ohne Unterbrechung; Lentschau 1614; Cse- pregh oder Tsäpring 1628; Trcntschin 1640; Sommerein oder Somorja 1650; SciroS- Pataki 1650; Eperjesin 1656 und 1776; Weissenbnrg in Siebenbürgen 1657; Zolna 1665; Nag y - Eny edi in Siebenbürgen 1672 und 1767; Oedcnburg 1673; Kloster Czikie in Siebenbürgen 1681; Zagrab oder Agram in Croatien1696; Udvarhely in Siebenbürgen 1700; Ke'smark 1705; Pukhö 1725; Raab 1727; Komaromb 1740 und 1789 ; Kolocz an der Donau 1749 und 1765; Pesth 1755; Erlau 1756; Blasendorf oder Balasfalva in der Karlsburger Gespanschnft Siebenbürgens 1761; Gran 1762; Medwisch in Siebenbürgen 1764; Te- meswar 1769; Vacz 1770; Fünfkirchen 1772; Großward ein 1774; Esscck, Haupstadt Slavoniens, 1776; Bistricz oder Beszterezc in dem von den Sachsen bewohnten Distrikte Siebenbürgens 1779; Szakolcz 1788; Diöszeg 1789; Szom- ! bathely 1789; Schemnitz 1789; Vesprim 1789; Maros - Väsarhely 1790; Neusohl in Oberungarn 1790; Neusatz oder Ujvide'k 1791; Comorn an der Donau 1795; Stuhlweissen- burg oder Alba Regia 1802; Eisenstadt 1802 und Szigeth 1804. Eine Geschichte der allmäligen Verbreitung und Ausbildung der Typographie in Ungarn lieferte Johannes Nemeth in seiner „Nsmoria Ivpoxra. I>Ililu»m incl)ti regn! Ilunxai-iltiz et Mclgni I>i'!nc!- patu« l'rnnssilv-lnias." ?estl>ini, 1. I'i ^ti.ner, 1818. 8. Ueber die Buchdruckereien in Preßburg siehe „G. von Gyurikovics in I. von Hormayr's Archiv ?c. 15. Jahrg. Wien 1824. 4. " Großbritanien und Irland. L o n 1 4 ^)^nglands Literarhistoriker und zumal die- jenigen, welche entweder im fünfzehnten Jahrhunderte oder diefem zunächst lebten, schreiben die Einführung der Buchdruckerkunst William Carton, einem Bürger und Kaufmanne von London, zu. Eine zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen der Gesellschaft der Stationers, Buchdrucker, Buchhändler, Papicrvcrkänfer u.s. w., und einer unter der Autorität der Krone druckenden Privatperson niedergesetzte Commission trat nach ernster Prüsuug der Für- und Gegengründe dieser Ansicht bei. Da ward .1642 in der öffentlichen Bibliothek zu Cambridge ein düuncr Quartband mit dem Datum Orsord 1463 aufgefunden und von diesem Augenblicke an als das früheste in England gedruckte Buch angesehen. Letzteres bestehet nur auS 41 Blättern uud hat die Schlusischrift: „Erpo- sitio simcti Jeronimi in simbolo apostolorum ad jiapam laurecium Imprrssa Grame rt finita Anno domini m. rrcc. lrviij." Der Drucker sollte Friedrich Corsellis, einer der Gehülfen Kostcr's gewesen sein, der unter König Heinrich VI. auf Veranlassung des ErzbischofS Bourchicr das Geheimniß zuerst nach England brachte. Obwol nun Richard Atkyns in seiner Schrift: „l'Ke Origliüü and xro^vtb ok ^>r!ut!n^" etc. 1664. und nach ihm viele andere Bibliographen jener Annahme beistimmten, so hat doch seit „ »liildleton, vissert-l- tion concorninx tbs ori^in »k pi'illliiig in IZu^tancl, eamdr!6g>?, 1735. 4." eine neuere Forschung dar- gcthan, daß die Jahrzahl 1468 ein Druckfehler für 1478 ist, wie deren in der frühesten Geschichte der d o n. 7 4. Typographie eben nicht wenige bekannt sind. Der Vater der britischen Druckkunst ist William Carton, von 1474 bis 1491, geboren um 1412 und bei William Carge, einem reichen Kaufmann zn London, in allen Zweigen des merkantilischen Verkehrs unterrichtet. Im Jahre 1442 wurde er als dessen Agent nach den Niederlanden gesendet und zeichnete sich durch seiue Gewandtheit so sehr ans, daß König Edward IV. ihn nebst Richard Whetenhall beauftragte, einen Handelsvertrag mit dem Herzoge Philipp von Burgund abzuschließen. Währeud seines Aufenthaltes an diesem glänzenden und gebildeten Hofe veranlaßte ihn die Gemahlin Karls des Kühnen, Margarctha von Dork, König Edwards Schwester, die damals sehr beliebte Sagensammlung des Hofkaplans Naoul Le Fevre „Kecueü 6b ok St. Lriäe's" fortführte. Seine Druckwerke, deren man 408 kennt, gewannen den Beifall der Zeitgenossen. Er ist als der erste Verbesserer des Typenschnittes in England zu betrachten und ihm verdanken seine Landsleute die Einführung von verschiedenen Größenfolgen der Schriftleitern. Richard Pynson, von 1493 bis 1531, oder Pinson, aus der Normandie gebürtig, war ein Zeitgenosse der Genannten und es ist nicht unwahrscheinlich, daß er ebenfalls mit Carton in Verbindung stand. Sein Name erscheint jedoch erst mit dem Jahre 1493, von welcher Zeit er sich bis 1531 durch 210 verschiedene und sür ihre Zeit trefflich gelungene Werke so allgemeinen Beifall errang, daß Heinrich VII. ihn zu seinem Hofbuchdrucker ernannte und des Königs Mutter Margarethe und andere hohe Personen nur ihm ihre Aufträge ertheilten. Julian Notary, von 1499 bis 1503, hatte seine Werkstatt anfänglich zu Westminster in Kingsstreet, verlegte dieselbe mit Anfang des sechs- zehnlen Jahrhunderts nach St. Clement's Pfarrei „>vitliout lempls Lsr" unter dem Zeichen der „Drei Könige" und später findet man ihn am St. Paulökirchhofe. Mau weiß über sein Leben wenig mehr, als daß 23 Bücher aus seiner Presse hervorgegangen sind. London. — N. Grafton. — N. Wolfe. — I. Day. — N. Junge. — Th. Vautroliier. 283 Von 1500 an machte die Kunst, welche mittlerweile auch in Orford, Abtei St. Albans, Canter- bury, Cambridge, Tavistock, Worcester, Jvswich und in anderen Städten eine günstige Aufnahme gefunden, rasche Fortschritte in der Hauptstadt deS Landes. Unter den Typographen jener Periode zeichnen sich aus: William Faques, welcher mit Pynson die ParlamentSacte im 19. Jahre der Regierung König Heinrich's VII. druckte; John Scott, 1506-1534; Thomas Godfray, 1510-1532; John Rasteli, Schwager des berühmten Thomas Morus, 1517-1536; Robert und William Copland, 1515- 1561; John Butler, 1520; Robert Wyer, 1524; Robert Redman, 1525-1540; Richard Banks, 1540; Laurcnce Andrew, JohnNicolas, Alexander Lacy, Thomas Marsh, John Whitechurch, John Reyncs, Thomas Berthelet, Richard Fawkes, John Haukyns, William Rastell, John Toye, John Byddle, Thomas Gibson, John Gowgh, William Marshall, Roger Latham, Richard Grafton, eben so berühmt durch seine Bildung, als durch seine typographischen Arbeiten, unter denen sich theologische Werke nnd Chroniken auszeichnen. Eine seiner schönsten Leistungen ist die sogenannte „Cranmcr Bibel" von 1540, in Folio, die nnter Aufsicht des Erzbischofs Craumer entstand und deren verzierte Initialen: „II. K. («enricus Kex), K. «. (Richard Grafton), L. >v. (Edward Whitechurch) und ^V. (William Tindall)" Beachtung verdienen. Er wirkte unter Heinrich VIII., Edward VI., Maria der Katholischen und unter der Königin Elisabeth. Bei dem Regierungsantritte der Letzteren lieferte er in „Hle Passage ok our most iliacl Soveraigne li-^u/ tjneen !ZI)2ÄoetIi tlnougb tbe cit)' ok 1,on6on to >Vestminster tbs »l»)' bekors bei' coronation anno 153S.« schon eine Art von Prachtdruck. Edward Whitechurch, Thomas Petyt, John Wayland, Mi- chell Lobley, John und Anthony Malert, William Middleton, John Hertford, Robert Toy, Richard Lant, Reynold Wolfe, ein gelehrter Schweizer, der bei Heinrich VIII. und dem Erzbischos Cranmer in hohem Ansehen stand nnd sich außer den typographischen Leistungen durch eine Sammlung von Zeitbüchern zur Geschichte von England berühmt machte, welche späterhin von HollingShed herausgegeben wnrdcn; John Day, der erste, welcher mit der sogenannten Sachsentype druckte, die griechischen, sowie die Cursivlcttern vervollkommnete nnd seine Werke mit einer schönen Auswahl mathematischer Figuren und Karten verzierte uud die noch jetzt sehr geschätzten „ ^cts and Monuments" oder „ I^ox'jj liuolc ok ZVIill^rs" druckte, 1544-1583; Richard Day, desseu Sohu; Henry Smith, Nicholas Hill, Richard Jugge, Hofbuchdrucker der Königin Elisabeth und durch seine Bibelauögabeu berühmt; John Wally, William Powcl, Hugh Siugleton, Robert Crowlcy, welcher das von neueren Bibliomanen so sehr gesuchte Buch : „ l'be vision ok?eireo ?Io>vm»n" 1550 herausgab; John Cawood, Drucker der Königinnen Maria uud Elisabeth, Rowland Hall, Richard Tathille oder Tottel, William Norton, Henry Byn- ncman, früher Reynold Wolfe's Gehülfe; Thomas Vautrollier aus Roucn, der berühmte Drucker von Giordano Bruno'S jetzt so seltenen Werken, 1574-1488; Robert Waldegrave, John Wolfe, Buchdrucker „ok llie Iiononriible clt)' ok1i0»o Xin^ ok I<)i>xIil,i 1825. gr. 8." Seite 237-234 abgedruckt findet. Zu dieser Genossenschaft gehörten aufanglich Abschreiber, Nubricatoreu, Kalligraphen, Illuminatoren, Vriesmaler, Papicr- machcr, Kunst - und Buchhändler, sowie hauptsächlich die Buchdrucker, und noch jetzt gehört in London -Alles, was in diesem Fache Handel und Gewerbe treibt, zu der Stationer Company. Im siebeuzehnteu Jahrhunderte trat in Grosi- britanie», wie in allen Landern, ciue Periode des Stillstandes ein und erst nm die Mitte des vorigen nahm die Bnchdruckerkunst wieder einen lebendigen Aufschwung. Wenn wir James Tonson, den Drucker des berühmten Elarke'schen Cäsar von 1712, in Folio, William und NicolaS Bowyer, Vater und Sohn, von denen sich Letzterer durch seine Gelehrsamkeit auszeichnete, uud Johu Brindley, dessen AnSgabenreihe der Klassiker mehr bekannt als geschätzt ist, hier mit Stillschweigen übergehen: so begegnen wir zwar nicht in der Hauptstadt, sondern in Englands berühmtestem Jndustrieplatze Birmingham einem Manne, welcher auf die typographische Kunst von dem höchsten Einflüsse war. Eine neue Aera für London sowie für das ganze Land beginnt mit John Baskerville, von 1757 bis 1775, ursprünglich Schrciblehrcr und Lackircr in Birmingham, welchem die veraltete meist unregelmäßige und geschmacklose Type nicht mehr genügte. Er faßte ' daher 1750 den Gedanken, sich im Schristschneidcn zu versuchen. Seiner Beharrlichkeit gelang es, die mannigfachen Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens zu besiegen uud in diesem ncuerwahltcn Beruse zu einem Resultate zu gelangen, welches nicht uur deu Beifall der Kenner gewann, sondern selbst auch seinen eigenen strengen Anforderungen cntspracb. Die Universität Cambridge, das Genie deS Mannes erkennend, unterstützte sein Bestreben uud so kam denn 1757 sein Virgil in Mediangnart zu Stande, welcher allgemeine Bewunderung erregte. Diesem folgten bald mehrere lateinische Klassiker, . von denen der'Juvcnal und Persius von 176 l und ^ ganz besonders der Horaz von 1762 und 1770 herausgehoben zu werden verdienen. Diesen folgte bald die vr. Newton'sche Ausgabe des „Milton", die Bibel in englischer Sprache und endlich als sein letztes Werk der „Orlando Im-ioso" des Ariost, vier Bande in gr. 8. auf Kosten der Brüder Molini gedruckt uud mit 47 Kupfern von den ersten Zeichnern uud Kupferstechern Frankreichs geziert. Seine Schriften vereinigen mit einer schönen Form eine große, man möchte sagen elegante Einfachheit und bedürfen weder des Kupferstiches noch des Holzschnittes zur Verzierung. Auch findet man in Bas- terville'S Erzeugnissen, mit Ausnahme der einfachen Kupfer im letzteren Werke, nichts von den sonst üblichen Ornamenten, Vignetten, Initialen, Röschen und dergleichen Verzierungen. Er galt lange Zeit hindurch alleu seinen Nachfolgern als einziges Vorbild. In der lateinischen Cnrsiv oder Jtalica ist er unerreicht. Solch' eine Feinheit, Eleganz und vollkommene Symmetrie sucht man vergebens bei Aldus und Colinäus. Er wußte mit der Eleganz der Plautinschen Type die Nettigkeit der Elzevir- schen zu verbinden, welcher ein sanfter Purpur- schimmcr eigen ist. Ueberall, wo er in seinem Fache Verbesserungen anbringen konnte, wie z. B. in der Fabrikation und Glattuug deS PapierS, der Zubereitung der Druckerschwärze, geschah dies gerauschlos und ohne jeneS pomphafte Gepränge, welches so oft daS Geringfügige zur Wesenheit zu stempeln sich bemüht. Kann man seinen Lettern gleichwol Magerkeit und allzugroße Lange vorwerfen, welcher Mangel besonders bei seiner englischen Bibel in Folio inS Auge sallt, und stehen seine Drucke auch den Prachtwcrkcu eines Bodoni uud Didot nach: so darf man nicht vergessen, daß diese Männer seine Nachfolger waren und deshalb jene Fehler um so leichter vermeiden konnten. Nach seinem 1775 erfolgten Tode kaufte eine literarische Gesellschaft in Paris, an deren Spitze der geistreiche Beaumarchais stand, seine Schriftvorräthe und Letzterer druckte damit zu Kehl die Prachtausgabe von Voltaire's Werken. Bei großer Rechtlichkeit hatte der seltsame Mann die entschiedenste Abneigung gcgeu allen äußeren Gottesdienst, den er unter jeder Form für Aberglauben erklärte. Er machte es daher auch seinen London. — John Hughs. — Luke HansurÄ. — William Stroh,»,. 285 Erben ausdrücklich zur Pflicht, seine sterbliche Hülle nicht auf dein Kirchhofe und unter kirchlichen Gebrauchen, sondern ohne alle Ceremonien im Garten unter einer zu diesem Zwecke erbauten Pyramide zu begraben. Neben ihm zeichneten sich aus: John BaSket, Tookey, Woodfall, ein Name, der über ein Jahrhundert hindurch in den Annalen der Typographie rühmlich Prangt; Samuel Nichardson, Verfasser der „Pamela" und vieler anderer Schriften; Wilde und Palmcr, in dessen Officin der große Benjamin Franklin eine Zeitlang gearbeitet hat; George Nicholson und Dodsley. John H il g h s, von 1730 bis 1771. Zu Thane in Orfordshire geboren und im Eol- leginm zu Eaton erzogen, begann er 1730 seine Laufbahn mit den zahlreichen und wcrthvollen Bekanntmachungen der Dodsleys. Im Jahre 1740 zog er sich durch den Druck der >, e»n«i»'s Inn l''!eli>tei-- noster ?ress". Er hat sich außer durch eine Menge trefflicher in sein Fach einschlagender Leistungen cmch noch als Schriftsteller durch ein umfassendes Werk über die Bnchdruckerkunst „l^pv^i-uplüii, iu» Iiiüto- rical «Icetoll ok tliv ol'i>;iii pi'vgre!;!, »5 p>'!m!ii>;, London 1825. gr. 8." einen ruhmvollen Namen erworben, wenn gleichwol das, waS er über die Fortschritte der Typographie sagt, nur in Hinsicht auf England genügen kann. Die beiden jüngeren Söhne, JameS und Lnke, Thomas Eurfon's Brüder, setzten, schon früher Theilnehmer am vaterlichen Geschäfte, seit 1328 die ParlamcntSdruckerei, in der alle Verhandlungen dcS HanseS der Lords und der Gemeinen uutcr dem Titel „I^n-KuneM-u-v jourmtl»" gedruckt werden, aus eigene Nechnnng und mit solchem glücklichen Erfolge fort, daß sie deshalb mancherlei Anfechtnngen zu erdulden haben und in neuester Zeit (1840) mit dem Buchdrucker Stockdale in einen merkwürdigen ParlamentSproccß verwickelt sind. Die Glieder der Familie Hanfard haben die Anwartschaft, Großbritaniens Elzevire zu werden. William Stra h a u, von 1769 bis 1785, geboren zn Edinburgh 1715, widmete sich frühzeitig der Kunst, zeichnete sich durch Geschicklichkeit, Fleiß uud höchst moralisches Betragen so vortheilhaft aus, daß der königliche Buchdrucker Charles Eyre, in dessen Officin er lange Zeit arbeitete, ihn 1769 zum Oberanffeher seiner großartigen Anstalt machte und 1770 ihm sogar daö Patent abtrat. Sein thatiger Geist nahm regen Antheil an der Politik. Im Jahre 1775 wurde er für MalmeSbury in Wiltshire zum Parlamentsmitgliede ernannt, von welcher Zeit an 286 Fonoo». — Thomas Ucnsley. — «Miller Nitchie. — William Kulmer. er mit dem berühmten Charles James For eine Freundschaft schloß, die bis zn seinem Tode 1785 fortdauerte, gleichwie er mit Benjamin Frcmllin, der in seiner Jugend mit Strahan zugleich in einer und derselben Werkstatt bei Palmcr in Bartholomew- Close zu London als Setzer gearbeitet hatte, fürs ganze Leben verbunden blieb und mit demselben einen ununterbrochenen Briefwechsel unterhielt. Sein ältester Sohn William, der die Kunst eine Zeitlang zn Snow Hill ausgeübt hatte, starb 1781; der jüngste mit Namen Andrew trat ganz in die Fuß- stapfen des Vaters, wurde als Gesctzdrucker paten- tirt, von 1802-1818 mehrmals in das Parlament gewühlt und auf alle Weise ausgezeichnet. Anfanglich ließ er seinen Oberfactor William Preston an dem Geschäfte Theil nehmen, seit dessen Tode aber übergab er die Leitung der Osficin, einer der größten in London, seinen beiden Neffen Andrew und Robert Spottiswoode. Als er 1831 starb, hinterließ er mehr als eine Million Pfund Sterling. Schon ein Jahr darauf folgte ihm Robert Spottiswoode in die Gruft und Andrew leitet jetzt allein das ungeheure Institut der königlichen Druckerei. Thomas Bensley, nebst Bnlmer Englands berühmtester Typograph der neueren Zeit, der Sohn eines Druckers in der Nahe deö Strands zu London, machte sich zuerst durch die Ausgabe der englischen Ucbersetznng von Lavater's „physiognomischen Fragmenten, London, 1789. 5 Bde. 4." bekannt und schritt auf dem rühmlichst betretenen Wege mit seltenem Glücke fort. Die schönsten Erzeugnisse seiner Officin sind: Die Macklin'sche Prachtausgabe der englischen Bibelübersetzung, 1800-1815, 7 Bde. in Folio, und die Prachtausgabe von Hume's liiswr^ »k IZnxlsnd, 1806. 10 Bde. in Folio. Künstler wie Reynolds, West, Opie, Fnßly, Northcote, Hamilton u. A. verherrlichten seine „Poet's c?!>>Ier>" und „l'Iiomson's «easons" 1797. in gr. Folio, sind ein Beweis, daß er keine Kosten scheute, um das stbönc Monument vaterländischer Poesie auch durch ein würdiges National - Druckdenkmal zu verherrlichen. Unter seinen Werken in kleinerem Formate zeichnen sich die Ausgaben deö Shakespeare in 7 Banden und des Hume in 10 Bänden (1803) aus. Ihm gebührt das Verdienst, mehrere Pergamentdrucke geliefert und bei Elliotson's englischer Uebersetzung von Blu- menbach's „Physiologie", London, 1818. zuerst die von den beiden Deutschen König und Bauer erfundene Schnellpresse aus den Vücherdruck in Anwendung gebracht zu haben. Der Umstand, daß er mit den Erfindern in Gesellschaft trat, hat bei seinen Landslentcn die irrige Meinung veranlaßt, als habe er selbst jene höchst wichtige Erfindung gemacht, wahrend dieser Ruhm doch einzig und allein dem Sachsen Friedrich König gebührt. Bensley hatte das Unglück, zweimal seinen ganzen Druckapparat durch Feuer zerstört zu sehen, am 5. November 1807 und am 26. Junius 1819. Doch dies vermochte nicht, seinen Mnth und Unternehmungsgeist zu brechen. Er übte unausgesetzt seine Kunst, bis der Tod am 11. September 1835 gewaltsam seine Laufbahn hemmte. Miller Ritchie, von 1785 bis 1823. Durch Baskerville's Beispiel zur Nacheiferung angespornt, nahm Miller Ritchie, aus Schottland gebürtig, sich vor, ein zweiter Vater der neuenglischen Typographie zu werden und den Satz jederzeit mit dem Drucke und diesen wiederum mit der Zubereitung des Papiers in den innigsten harmonischen Zusammenhang zu bringen. Wie sehr ihm dieses gelungen, beweisen sein Sallust, Plinius, Tacitus, Curtius, Cäsar und Livius, seine Bibel von 1795 in zwei Banden und die prachtvoll ausgeführten Memoiren des Grafen Grammont. Sein Bildniß hat Hansard Seite 610 mitgetheilt. William Bulmer, geboren zu Newcastle - upon - Tyne, Bensley's Nebenbuhler, druckte zuerst in seiner Vaterstadt, wo er von frühester Jugend an mit dem berühmten Holzschneider Thomas Bewick ein Freundschaftsbündnis; für daS ganze Leben geschlossen hatte, kam dann nach London und erregte durch den Druck der Bell'schcn Miniaturausgaben der englischen Dichter und durch seinen PerstuS von 1790 so viel Aussehen, daß ihn George Nicol, Buchhändler Georg's III., London. — William Clowcs. 287 dem Könige vorschlug, die beabsichtigte Prachtausgabe von Shakespeare'S Werken zu fertigen. Der Vorschlag sand Genehmigung. G. Stecvens und Jsaak Reed übernahmen die Revision des Textes und Vulmer besorgte den Druck. Dies Meisterwerk, von welchem seine Ofsicin den Namen „ 8bsKesi»zarVorKs ok^olm Mlton", 17S3-1797, 3 Bande in Folio, welche Viele, wie Dibdin u. A., selbst der Ausgabe des Shakespeare vorziehen; die „ Poems ok Qoldsmitb »n<1 p-^rnell", mit Holzschnitten von Vewick, die als noch unübertroffene Meisterstücke bewundert werden; 1796 „l'lls eiiass b)'Sommervüle"; 1796, nicht minder reich ausgestattet, Nuseum >VorsIe^iinum", auf welche Ausgabe der reiche Besitzer die ungeheure Summe von 27,000 Pfund Sterling verwendet hat; die auf Kosten des SultanS Seliin III. gedruckten und in der ganzen Auflage an die hohe Pforte eingesendeten „Portraits ok tlis l'urliisb Empire", mit biographischem Te.rte in englischer und französischer Sprache von John Uoung; C. Murphy's ,,^nti- ^uities ok tlle .^.rilds in 8^>a!n", 1816. in gr. Folio, ein Werk, welches an Größe des Formats und an Pracht der Ausführung mit Denon's „ I>es<-riz>t!on 6s I'IZx/pte" wetteifert; endlich als Supplement zu demselben „ ?I>e Iiistor^ ok tke ^.rsbs in 8n!lii," und des Bibliographen Dibdin's allbekannte zahlreiche Werke. Durch alle diese Leistungen wurde Bulmer ein Liebling der britischen Bibliomanen, weshalb er anch die meisten Drucke für den Rorburghe-Club besorgte und von dessen Mitgliedern fast ausschließend erhoben wurde. Der unbefangene Beurtheiler wird ihn indessen nur neben, nicht über Bensley stellen und bei voller Anerkennung seiner ausgezeichneten Kunstfertigkeit nicht übersehen, daß es seinen Drucken bei aller Schönheit der Typen und Vortrefflichkeit der selbstgcfertigten Schwärze, sowie des unvergleichlichen Whatman'schen Papiers, an jener inneren Harmonie fehlt, welche ein typographisches Erzeugnis! erst zu einem geschmackvollen Ganzen erhebt. Schon 1819 zog Bulmer sich von dem Geschäfte zurück und übergab die Leitung desselben dem Sohne seines Freundes William Nieol, der es ganz indem Geiste des Begründers fortführt. Die Werke der weitgepriesenen „ 8Ii->><,esne!>re Press" hat Dibdin in seinem „ vecsineror, II, 384-395" ausführlich geschildert. Bulmer starb am 9. December 1830, doch sein Name wird fortleben in alle Zeiten. Zu den bedeutendsten Typographen der neuern Zeit gehören John Nichols, Schüler Bowyer's, Herausgeber des „(Zentlemim's »I-ixilüine " und der „I.itersi'x ^necdotos", Joseph Coopcr, Henry nud Samson Woodfall, John March, Joseph Coopcr, Smellin, Faulkuer, John M'Crcery, durch sein Gedicht „l'bs Press" auch als Schriftsteller ausgezeichnet, starb 1832, A. I. Nalpy, Thomas Davison, Deodatus Bye, Joseph Dowues, John Wheble, Samuel Rousseau, Neffe des berühmten Jean Jacques, durch große Sprachgclchrsamleit auszeichnet, Benjamin Wright, W. E. Andrews und Henry Fisher, dessen „ Anglisb I^Kes; 8^r!-c; Vevonsbire; . St. berechnet. Das Gewicht derselben soll sich nach „ 1'imperle/, a victio- nar^ et'Printers ->n.^i sne- culum inoiilüum «juaeslionum in ^Vi'istnteüs I5tl>!cüm" in 4. hervorging. Joseph BarncS war der Drucker. Nach Begründung des Shcldoii'schen Theaters im Jahre 1669 wurden fünfzig Jahre hindurch treffliche Ausgaben der Classiker in dieser Werkstatt, als der eigentlichen Officin der Hochschule, vollendet. Erst 1759, nachdem Clarendon's DruckhauS schon 46 Jahre bestanden hatte, verschwindet auf den Orfordcr Büchern der Beisatz: l'lieatro 8l>el- ." Das erste aus der Clarendon-Presse hervorgegangen? Blatt war der Bogen mit der Signatur „2" im dritten Alphabete von 1.elan6's collect-inek, welche der gelehrte Hcarne herausgab. Noch heute behauptet die Anstalt ihren alten Ruhm, dies beweiset die Orford-Bibel von 1807, 2 Bande in 3. Eine neue großartige Druckanstalt unter dem Namcn „Duiversit.^-I'ress" ist 1830 im nordwestlichen Theile der Stadt errichtet worden, deren erste größere Leistung „v-»-i-o>v's l'Iievlogic-il ^Voi-Ks, 1830." 3 V»>. in 8. gewesen, und die bis auf den heutigen Tag, besonders was Corrccthcit anbelangt, mit den schönsten Werken der Londoner Presse kühn in die Schranken treten kann. St. Alb«»,», s, 1480, kleine auf der Stelle des alten Vernlamium erbaute Stadt, hat nebst Westminster und Orford zuerst in seiner von König Offa begründeten prachtvollen Abtei die typographische Kunst gepflegt. Man kennt sechs Werke ans dem 15. Jahrhunderte, deren Drucker sich aber nie mit seinem Namen, sondern nur als „Schulmeister von St. Alban" bezeichnet. Nach dem Jahre 1486 trat eine fast 50jährige Pause ein, bis John Hertford 1534 die schlummernde Thätigkeit der Klostcrpressc wieder ins Leben rief; allein nach wenigen Leistungen wurde letztere mit dem geistlichen Stifte von König Heinrich VIII., der die Reformation annahm, aufgehoben und der Drucker genöthigt, seinen Wohnsitz in London zu nehmen. Was späterhin an diesem Orte in typographischer Hinsicht geleistet worden, ist ohne Bedeutung. Cambridge. 15 11. John Siberch, Freund des Erasmus von Rotterdam, errichtete hier mit des Letztern Hülse 1521 die erste Presse. Ihm folgten: Thomas Thomas, John Legate, Chantrell Lcgge, Thomas Bnck und ! Noger Daniell, John Ficld, John Haycs, Edward Hall, Cornelius Crownsield, Joseph Bentham, John Archdeacon, Burgcß, Richard Watts, Smith n. A. als Universitätsbuchdrncker. Mit dem Beginne des sechszehnten Jahrhunderts verbreitete sich die Kunst nicht so schnell, wie in Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden über alle Theile des Reichs. Uork 1509, dessen erster Typograph Hugo Goes war, welcher auch zu Beverley druckte; Southwarl 1514 durch Peter von Trier (>-ves); Tavistock 1525 durch Thomas Rychard, einen Mönch des gleichnamigen berühmten Klosters, wo die angel- i sächsische Sprache bis zur Reformation wissenschaftlich gelehrt und betrieben wurde; Jpswich 1538, wo Cardiual Wvlsey durch John Oöweu eine Werkstatt einrichten ließ, in der später auch John Overton und Anthony Scoloker arbeiteten; Winccstcr 1545; Worcester 1548, wo John Oswen sich von, Vpswich hingewendet hatte; Canterbury 1549; Greenwich 1564; Glouccster, Norwich, Bristol, Hull, Liverpool, Manchester, Fawcley, Warrington, Coventry, New- castle - upon - Tinc, Nochester und Birmingham waren diejenigen Städte, in denen nebst den obengcnauuten die Kunst am frühesten heimisch ward. An letzterem Orte hat der Vater der neu- englischen veredelten Typographie, Baskervillc, wie schon weiter oben gezeigt worden, dnrch verfeinerten Typenschnitt eine ncne Schule begründet, die in allen Ländern Verehrer und Nachahmer fand. 37 290 Schottland. — Edinburg. — Abcrdeen. — Glasgow. Nach Ossian'S poetischer Heimath Schottland kam die Kunst erst 1507 und wurde zuerst in der Hauptstadt Edinburg (in gälischen Büchern „Dun-Endain") nnter dem Schutze Jakobs VI. durch Wetter Chepman, einen Kaufmann, nnd Andrew Myllar, einen Handarbeiter, ausgeübt. Bis zum Jahre 1576 kannte man daselbst noch keine griechischen und hebräischen Lettern; kamen imTerte welche vor, so wnrde der Nanm dafür frei gelassen und mit Tinte ausgefüllt. Die von Arbuthnot und Bassendine gedruckte Bibel von 1576-1579 ist das erste Buch, worin (Hevel-tt. XII, 18. Note) dergleichen vorkommen. Nichts desto weniger gebührt Edinburg der Nuhm, die ersten Versuche der Stereotypie ins Leben geruseu zu haben. Wer kennt nicht William Ged's ans diese Weise gedruckten Saltust von 1736 in 12.? Das hier angewendete unvollkommene Verfahren wird in der dritten Abtheilung geschildert werden. Seine beiden Söhne, ebenfalls Buchdrucker, starben in Jamaica. In neuester Zeit wetteifert Edinburg mit London, Orford und Cambridge und läßt an Vollkommenheit seiner Leistungen die dritte Hauptstadt des britischen Reiches, Dublin, weit hinter sich zurück. Einer der gelehrtesten Buchdrucker Schottlands war Thomas Nud- diman, der zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Cdinbnrg thätig war. Außer demselben verdienen noch James Walson, George Namsay, Eolin Macfarquhar, Sir David Hunter, Blaicr und Bruce Erwähnung. Ab erde en, 1 5 52, durch seine 1494 gestiftete Hochschule wissenschaftlichem Streben anheimgegeben, erhielt die Pflegerin derselben vor allen andern Städten Schottlands. Wer das früheste Buch, des Erzbischofs und Primas John Hamilton S Katechismus von 1552 in 4., hier gedruckt hat, ist unbekannt. Nach langer Unterbrechung wurde die Kunst erst 1633 zuerst wieder von Barron und nach ihm von Naban bis 1649, dann von James Brown bis 1662, und endlich von John Forbcs bis 1700 geübt. Letzterer hat sogar einige musikalische mit Typen gedruckte Werke und den ersten Almanach in Schottland für 1677 unter dem Titel: Iie^v I^ognostication »üücuted lor I>lm-tb Lriwin" herausgegeben. Während der bürgerlichen Unruhen lag die Presse fast ganz darnieder und erst um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts brachte sie JameS ChalmerS, der Herausgeber der ersten schottischen Zeitschrift „l'lw ^bei'lleen ruurnul", nxizil ein Bericht über die Schlacht von Cullodcn 1746 die Veranlassung gab, wieder zu Ehren. Gegenwärtig hat Aberdeen drei Officinen. Glasgow. Im vorigen Jahrhunderte leisteten in typographischer Beziehung wenige Städte mehr als diese blühende Stadt mit ihrer von Jakob IV. um 1494 gestifteten Universität. Zwei Brüder, Robert und Andreas Fonlis, von denen der Erstere anfänglich Barbier, der Andere französischer Sprachlehrer gewesen, gaben hier von 1743 bis 1774 eine Reihenfolge classischer Autoren heraus, die derjenigen von Barbou und Bodoni an die Seite gesetzt zu werden verdient. Die vorzüglichsten sind: Cicero von 1749, 20 Bde. in 12., das Neue Testament in griechischer Sprache von 1750, Homer von 1756 - 58 , 4 Bde. in Folio, Thucydides mit der lateinischen Uebcr- setzung von 1759, Herodot von 1761 und Xcnophon von 1762-57. Gänzlich frei von allen Druckfehlern ist ihr Horaz von 1744, da sie die Probcbogen, wie einst die Etiennes in Paris gethan, öffentlich aushängen ließen und für jeden Fehler eine bedeutende Summe bezahlten. Der große Eifer, die schönen Künste durch die Begründung einer Kunstakademie in ihrem Vaterlande emporzubringen, führte die beiden Brüder ihrem Rnin entgegen; Andreas starb 1774 und Robert sah sich genöthigt, seine Gemäldesammlung, deren Katalog drei Bände füllte, in London um sehr niedrige Preise zu verkaufen. Einer ihrer Nachkommen lieferte noch bis 1306 gute Ausgaben von Klassikern, namentlich einen Virgil in zwei Bänden 1778 und Aeschylos von 1795 in Folio. Auch in neuester Zeit wird hier die Kunst in großer Vollkommenheit geübt. Irland. — Spanien. — Valencia. 291 Irland war einer der letzten Staaten Europa's, in welchem die Buchdruckerkunst heimisch wurde. Es scheint nicht, als wenn dieselbe vor dem Jahre 1551 hier geübt worden Ware. Das früheste Werk ist König Edward's VI. von Humphry Powell in Dublin (in der irischen Sprache ,,^tba eiiatK") gedruckte „Lommoir Prnyer UooK", 1551. in Folio, ein wörtlicher Nachdruck vou Whitchurch'ö Ausgabe von 1549. Powell wendete in seiner fünfzehnjährigen Thätigkeit meist nur die gothische Type an. Nach Dublin that sich in früherer Zeit besonders Waterford hervor, wo die Thätigkeit mit dem Jahre 1555 begann. Drucke mit irländischen Typen wurden erst 1571 durch N. Walsh und John Kearney eingeführt. Ein Katechismus, von dem Letzteren in das Irländische übersetzt, war das erste mit dieser Schrift gedruckte Buch um 1577. Außer einigen Andachtsbüchern wurde bis 1700 AMs, was in Irland von einiger Bedeutung geschrieben worden, zum Drucke nach London, Paris, Antwerpen oder Donay gesendet und selbst noch vor vierzig Jahren erstreckte sich die Thätigkeit der irischen Presse auf wenig mehr als auf den Nachdruck englischer Werke im verkleinerten Maßstabe. Irlands merkwürdigste Typographen waren William Farmer, John Francton, Robert Wilson uud George Fanlkner; doch haben auch sie ihre Lettern ans London bezogen. Ueber Großbritanicns Leistungen auf dem Gebiete der Typographie vergleiche man die Werke eines Ames, Herbert, Lewis, Middleton, Dibdin, I Hansard, Luckombe, Cotton und Timperley. -K p l! panien hat sich zwar frühzeitig durch (?^o) Pflege der Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet, wie uns die literarhistorischen Werke eines Andreas SchottnS, Ricolas Antonio, Raphael und Pedro Nodriguez Mohedano, Don Saverio Lampillas und Vincente Ximeno belehren, aber doch später als andere Länder, und zwar wie diese durch Deutsche, das Geschenk der Typographie erhalten. Valencia, 1 4 7 4, lieferte in den „ Vliros o Trobcs los quales tracten dc las hors dc la S. Vcrge Maria, por Pernardo Frnollar" 1474. in Quart das erste in Spanien gedruckte Buch. Es ist dies eine Sammlung von 36 Gedichten zur Ehre der h. Jungfrau, von denen 4 im castilischen, 1 im italienischen und die übrigen im limnsinischen Dialekte abgefaßt sind. Der Drucker ist unbekannt. Hierauf folgt ein „Sallust" von n i e n. 1475. in 4., „Comprchensorium", ein lateinisches Wörterbuch, 1475. in Folio und die Bibel in limu- stnischer, damals zu Valencia üblicher Muudart, aus deren Schlußschrift man zuerst die beiden ältesten Buchdrucker iu Spanien keuucu lernt. Es sind Alfonso Fernandez Cordova und Lam- bert Pelmart oder, wie ihn die Spanier schreiben, Palomar, ein Deutscher, welche Beide jenes Werk im Jahre 1478 auf Kosten Philipp Vizlcmt's, Kaufmanns von Jsny in Schwaben, vollendet haben. Ersterer, ein ausgezeichneter Astronom, erscheint auf keinem anderen Druckwerke und giebt daher znr Vermuthung Anlaß, daß er den deutschen Genossen mehr mit seinem Rathe, als durch Händcarbeit unterstützt habe. Letzterer aber setzte sein Geschäft bis 1494 fort. Der gleichzeitig mit ihm vorkommende JacobuS de Villa, 1493- 1495, scheint mehr Buchhändler als Buchdrucker gewesen zu sein; Peter Hagembach und Lconhard Hut, auch Hutus und Hurus, zwei 292 Zaragoza. — Sevillo. — Parcelonir. Deutsche oder Schweizer, übten die Kunst gemeinschaftlich nnd gaben ans Kosten des Ersteren Gugliclmo de Podio's „Ars musicorum" 1495. heraus. Hagembach begab sich hierauf nach Toledo. Lope de Roca, Peter Triucher, Alphous dc Ort«, Nicolaus Spindler aus Sachsen nnd ein anderer Deutscher, Namens Christoph, der als Christo- phorus de Alemanuia bezeichnet wird, gehören zu den wandernden Buchdruckern, die Valencia wieder verließen nnd bald in Barcelona, bald in Murcia ihre Kunst ausübten. Zaragoza. 1 4 7 5. Hier gab Matthias Flander oder Venderell, nebst Jakob de Villa der früheste Buchhändler Spaniens, „Guidonis de Monte-Nothcrii mnnivulus rura- torum" 1475. in Folio mit gothischer Schrift heran?. Nach ihm erschienen hier als Typographen Paul HnruS ans Konstanz von 1435-1499, Georg Cocus von 1500-1531, Lconhard Butz nnd Wolf (LupuS) Appcutegger, letztere Beide aus Deutsch- ! land gebürtig. In spaterer Zeit verwaiset« jedoch die typographische Kunst in der heldenmüthigen ! Hauptstadt von Aragon nnd hat sich selbst in unseren Tagen nicht über die Mittelmäßigkeit erhoben. S e v i l l a. 1 4 7 7. Drei einheimische Künstler, Antonio Martinez de la Talla, Bartholomeo Segura und Alfonso del Puerto, haben durch die Herausgabe des „Sakramental por Elemente Sanchez de Vercial", eine Art KatcchisinuS, mit der Schlußbemcrknng „en la mui) noblee muy leal Cibdad de Sevilla . . 1477. in Folio der Buchdrnckerkunst den Eintritt in die Hauptstadt Andalusiens gebahnt. Sie setzten ihre Thätigkeit längere Zeit fort und den Namen des Zweiten findet man noch auf der Priuceps der „Cronica de Espaim abrcviado por Diego de Valero." von 1432. in Folio. Nach ihnen zeichneten sich zwei Franzosen, Pierre Le Brun und Jean Gcutil, von 1435-1492 ans, wurden aber von den deutschen Typographen Paul von Cöln, Johann Pegnitzer aus Nürnberg und Thomas, der sich von seinem Vaterlande gewöhnlich nur Alemannus nannte, übertroffen. Sie wirkten von 1490 bis 1499. Gleich ihnen betrieben Meinhard Ungut und Stauislans der Pole (Polonus) die Kunst gemeinschaftlich mit großer Thätigkeit nnd mit glücklichem Erfolge von 1491 bis 1500. Letzterer verließ mit Anfang des nenen Jahrhuuderts Sevilla und begab sich nach Alcala, wo er das Geschäft bis 1502 fortsetzte. Jakob Cromberger wurde bald der bedeu- teudste Typograph dieser Stadt uud wetteiferte durch geluugcnc Leistungen mit allen Zunftgenosscn in Spanien. Juan Thomas Favario de Lumello aus dem Gebiete von Pavia nnd Jicobus Villaguia scheinen mehr als Buchhändler, denn als Buchdrucker gewirkt zu haben. Mit dem Beginne des sechszehnten Jahrhunderts begründete daS höchste Gericht der Inquisition eine eigene Druckerei, aus welcher schon 1500 die „ Vrdomnices" des Diego Deca, damaligen Großinquisitors vou Spanien, hervorgegangen sind. Barcelona. 1 4 7 8. Sowol Nicolas Antonio als Prospcr Marchand, Maittaire als Serna - Santander irren sich in ihren anderweit höchst verdienstvollen bibliographischen Schriften über die wahre Epoche der Einführung der Buchdruckerkunst in die Hauptstadt von Cata- lonien. Francesco Mendez und I. Fr. Nee de la Rochelle bezeichnen „D. Thoinae dc Aauino Com- mentarii in libros ethicorum et politicorum nuu' 1485." in O-nart das erste daselbst gedruckte Buch. Der Name des Typographen aber ist unbekannt. Erst gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts finden sich Lconardus Alemanns und Lupus Sanz de Navarra in Schlußschristcu angegeben, welche auf Kosten dcö Antonio Barredo mehrere Werke ausführten. Spaterhin thaten sich Diego del Puerto 1504, Haus Gysser 1505-1509, Juan de Porras 1510-1515, Lorenzo de Leon de Rey 1512-1516, Alsonso de Porras 1524 nnd Juau dc Junta 1534 rühmlich hervor. Als einer der schönsten Drucke aus der mit Recht berühmten Salamaneaprcsse wird die lateinische Bibel von 1584 in Folio angesehen. Nach dieser Stadt, in welcher die Kunst bis auf uusere Tage eiue dauernde Pflege gefunden, verdienen herausgehoben zu werden: Zamora im Königreiche Leon mit Antonio dc Ceutencra's „Vita Christi" 1482. in Quart; Giroua in Eatalo- nien 1483; Jchar oder Hirar in Aragouien 1485, wo mehrere Werke des Nabbl Jakob Ben Ascher, sowie der Pentateuch in hebräischer Sprache gedruckt wurden; Bnrgos, die Hauptstadt von Altcastilicn, wo Friedrich Biel anS Basel, der gelehrte und mit einem bewunderungswürdigen Gedachtnisse begabte Freund und frühere Genosse Michael Wensler's daselbst die Kunst geübt uud späterhin mit Philipp de Juuta gewirkt hat; Toledo in Ncucastilien 1486, wo der Priester Juan Vasqui, Juau Tcllez, Peter Hagembach, Juan de Villaznirant, GaSparc de Avila, Ncmondo dc Petras uud Juan de Avala thatig waren. Um dem Leser eine Idee von der altspauischcn Typenform zu geben, mag hier das Facsimile des „Missale Klozarabrs", das seiucn Namen von den alten Kirchcngebräuchen erhalten hat, die einige Stamme der früheren gothischen Bewohner »ach dem Einfalle der Mauren im Geheimen ausübten und denselben auch noch uuter Alphons VI., dem Vertreiber der Araber, unerschütterlich treu blieben, also gewissermaßen ein Gegensatz von „Miesalc Nomanum", welches Peter Hagembach 1500 zu Toledo gedruckt hat, auf der folgenden Seite zu Anfange seine Stelle finden. 294 Murci». — Valladolid. — Granada. — Joachim Ibarra. MMeMMWserödm re guKmbeatlMLzmlvtttM Wlsarabes. Murcia 1487, wo Juan und Lope de la Roca wirkten; Pampelona in Navarra 1489, wo der zn seiner Zeit bcrühinteste Typograph Spaniens, Arnold Wilhelm de Brocario, seine Laufbahn begann, welcher spater vom Cardinale FranceSco Ximenes de CisneroS nach Alcala de Hcnares berufen, die daselbst neu begründete Universität mit trefflichen Büchern versah, unter denen sich die Polyglottenbibel von 1514-1517 in sechs Foliobanden heraushebt. Juan de Brocario strebte seinem Vater, und diesem wieder der treffliche Miguel d'Egnianach; Valladolid in Altcastilien 1493, wo A. W. de Brocario, der 1496 auch zu Pampelona und 1512 zu Alcala druckte, nebst Juan de Villaquiran ebenfalls eine Officin aufgeschlagen hatte; Montercy in Gallizien 1494 mit Juan de Porres oder Porras; Granada, der alte Fürstensitz der Mauren, 1496 mit Meinrad Nngnt und Hans von Nürnberg, genannt Pcgnitzcr, hat zugleich das Verdienst, die erste arabische Grammatik, auch überhaupt das erste über das Wesen der arabischen Sprache gedruckte Werk hervorgebracht zu haben ; doch ist Alles mit spanischen Buchstaben ausgedrückt und selbst ans dem Titel stehet „Vocnl'ulistl, oravigo cn letra castcllaim." Tar- ragona in Katalonien 1499 mit Johannes Nosen- bach ans Heidelberg; das berühmte Kloster Nue- stra Senhora de Monteserrato, auch San- Cucufatc del VallicS genannt, 1499, wo Hans Lnsch- ner druckte, sowie cudlich Jaen in Andalusien uud Madrid, die Hauptstadt des Reiches, 1500, wo die Könige, nachdem sie hier ihre Residenz aufgeschlagen , auch die Kunst in ihrem Gefolge hatten. Noch verdienen Cordova, Cadir, Ali- cante, Badajoz, Gnadalarara, Mcdina, Merida, Xe'res de la Frontera und Bilbao genannt zu werden. Die typographischen Leistungen der Spanier im siebenzehntcne Jahrhundert als unerheblich übergehend mag nnr noch der berühmte Chorage der neueren Zeit Joachim Jbcirrci, geboren 1726 in Saragossa und gestorben 1785 zu Madrid hier eine Stelle finden. Diesem Manne von ungewöhnlichem Geiste gelang es nach langem vergeblichen Streben nach dem Bessern der Reformator der Typographie in Spanien zu werden und die Kunst auf eine Stufe der Vollkommenheit zu erheben, von welcher man in seinem Vaterlande bis dahin noch keine Ahnung gehabt hatte. Sein Geschmack und VerbcsseruugSsinn verdient um so mehr Bewunderung, als er nnr wenig oder keine Gelegenheit fand, sich mit dem, was das Ausland in dieser Beziehung leistete, vertraut zu machen. Er war der Erfinder einer Tinte, welche unbeschadet ihrer Schwarze nach Belieben verdickt oder verdünnt werden konnte. Anch führte er in Spanien die Kunst ein, die gedruckten Bogen nach dem Abdrucke zu glätten, um ihnen durch Bcnehmuug jeder Unebenheit ein gefalligeres Ansehen zu geben. Zur Belohnung seiner Verdienste ernannte ihn Karl III. zum Hofbuchdruckcr. Aus seinen Pressen gingen die Prachtausgaben der lateinischen Bibel von 1780, die „Geschichte Spaniens" von Mariana, 1780, 2 Bde., des „Don Quichote" 1780, 4 Bde. und der spanischen Uebersctzung des Sallust 1772, welche den Jnfanten Don Gabriel zum Verfasser hatte, so wie Fr. Perez Bayer's Abhandlung über das Alphabet der Phönicier, sämmtliche Werke in Folio, Portugal. — Lissabon. — Airin. 295, als ebenso viele Perlen der Kunst hervor, welche noch jetzt den gepnefenstcn Meisterwerken eines Baskerville, Bnlmer, Bensley, Bodoni, Didot und Degen rühmlich zur Seite stehen. Seine Witwe setzte das Geschäft sort und wußte durch , mehrere gediegene Werke, wie das „ vlcewnarlo aI- ler», 6s primü, tv^oxr-lplllue Iiisnruiieae aet»te szieei- men. Homae 1793. 4. I''r!»neescu Nende?, 1^>o- xr-lpl>!» e«rmi>ol!>, o lustorla de In inti-odneelon, pronüK-leion ^ pro^resos del arte de la Imn^enta e» 15,^>!>i>!>. IZn 1>l!ldrid, viuda Ib-niü 1796. in 4. 1. I?r. ?Iüt,»,'iI>i- rzue en IZsnaxnv et en I'oitu^al. ?ariii, 183t). 8. ^Uvurges, 1831. 8.). Vi»eent 8»>va, Lataloxue ok8»aui«I> and ?oitu-;ue«e boolcs ete. London, 1826- 29. 2 Bande in 8. Manche gute Notiz zur Geschichte der spanischen Typographie findet sich in von loaiz. I^or. Villanuevs, Viaxe literario a la iglesla» as fruchtbare alle Schätze der Natur in fassende Land Böhmen, das man nicht mit Unrecht Europa's Peru zu nennen Pflegt, hatte unter den Königen aus dem Hause Lurcmburg und zwar gerade zur Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst einen so hohen Grad geistiger Ausbildung erreicht, daß es nicht befremden darf, wenn eS auch in der Ausübung der neuen Kunst allen Staaten der jetzigen östreichischen Monarchie, in deren Krone es als Juwel glänzt, vorausgeeilt ist. Pilsen. 14 76. Diese kleine, aber in der Geschichte der Hussiten und Utraguisten berühmt gewordene Stadt führte die ersten böhmischen Druckveukmalcr ins Leben. Wenn gleichwol Hussen's Brief aus Kostuitz an den Priester Hawlick ?c. von 1459, wegen des Druckfehlers statt 1495 nur als eine literarische Kuriosität hier angeführt wird und die Uebersetznng von Guido de Colonna'S „trojanischem Kriege" mit der Jahrzahl sie niemals über die Mittelmäßigkeit sich emporgeschwungen. Ueber die Anfänge der Bnchdruckerkunst in Portugal vergleiche außer Diego Barbosa Machado's Nationalwcrk ,, Uidliotlieea I^nsltan!^" den bibliographischen Aufsatz dcS Antonio Nibeira dos Santos ,,?>Iemoria sobrs oi-igens 6a, '1')nog>aÜ!^ ein ?or- tugal no seculo XV" in den „ Älemoi-iiis 6s 1-itterg,- tiii-s, nortuAiiexk i>udl!cas scienc!->s 6e I^isboa, ?om. VIII. I>. I. (Lisboa 1812)" und die schon bei Spanien erwähnte Schrift von Nee de la Nochclle; über die neueren Erzeugnisse aber „Vincent Salvll, Latsloxue ok S^>ll»I«K snll ?»ltu>^>iese bo»Ivit>> orcssioniil liteiai-^ mnl d!l>Iio- xrsvlncal rvm-^rks, I^onä. 1826-1829." 2 Bde. in 8. m e n. 1463 mehr auf das Alter der Handschrift als des Druckes hindeutet: so sind doch die selteue Princeps des neuen Testamentes in böhmischer Sprache, 1475, die „Statut« SnnoÄnlm Ernesti" von 1476 und das „Missale Pragense" von 1479 unbestrittene Erzeugnisse der frühesten Pilsener Presse. Die Guido'sche Chronik von Troja ist dadurch ausgezeichnet, daß man den unbekannten Setzer und Drucker der vielen offenbaren Fehler wegen für einen Lehrling, den Schriftschncider und Schriftgiesser aber sür einen Meister in der Kunst halten muß. Letzterer scheint der nämliche zn sein, der auch die Typen zum böhmischen Pnssional oder den Legenden der Heiligen von 1475-1479 genau nach den Vorbildern damaliger Manuskripte gefertigt hat. Prag. 1 4 7 8. Die alte Hauptstadt des Landes, welche ihre Wirksamkeit mit dem „Statuum utraquisticorum orticulis" von 1476 in Folio begann, hat Pilsen Wintcrliorg. — Kuttcnbcrg. — Altcnbcrg. 297 sehr bald überflügelt, ihre Pressen niemals rnhen lassen, wie dies in den spateren Jahrhunderten bei Böhmens kleineren Drnckorten der Fall war, nnd in neuester Zeit sogar Ausgezeichnetes geleistet. Außer den böhmischen Psaltern von 1437, sind besonders noch Aesop's Fabeln in slavischer Mundart von 1487 oder 1483, die zum ersten Male in der National- sprachc erschienene Bibel von 1438, wo Johann Pitlick, Severin Kramarz, Johann von Störchen (od' rapuoui) und Matthias vom weißen Löwen (od' b.jleholma) als Unternehmer, ob Verleger oder Drucker ist unbestimmt, genannt werden, die „Kiartymiann " oder die römische Chronik Veneß von Horzowitz in böhmischer Sprache von 1438 und das „Aouiy LaKon" oder Neue Testament von 1498, das erste böhmische Buch ans dem fünszehutcu Jahrhunderte mit einem gedruckten Titelblatte, der Aufmerksamkeit der Bücherfreunde werth. Mit Anfang des sechszehnten Jahrhunderts findet man auch eine eigene wohleingerichtetc hebräische Druckerei zu Prag, sowie in den Jahren 1517-1519 eine von Dr. Franz Skorina übersetzte russische Bibel daselbst ihren Ursprung erhielt. Von spateren Druckern mögen hier G. Mclantrich, Severin, Strauß, KosorSky, Nigri- nus, Peterle, Dacziezky, Caper, Ottmar, Sedesan, Czerny, Waldek, Bock, Avam von Weleölawina, Arnold von DobroSlaw, Karl Nosenmültcr, Wcntzel Snchy, Julius Gerzäbcck, Norbert Fitzky, Karl Hraba, Georg Labaun, Matthias Kaudelka, Verg- schmidt, Ritter von Schönfeld, Spuruy und ganz besonders die uuteruchmendcn G. Haase, Söhne, die nnn auch nebst der Schriftgießerei nnd Stereotypir- anstalt eine Papierfabrik begründet haben, ehrenvoll genannt werden. Hier sind eine Doppelschnellpresse, drei einfache Druckmaschinen, zwölf Stanhope- und vierzehn gewöhnliche Buchdruckerpressen im Gange und täglich über 200 Menschen beschäftiget. Winterberg, 1 484, ein gcwerbtreibcndcs Städtchen im Prachincr Kreise, sah in seinen Mauern schon 1484 „Albrrti M»,,ni Summa Äe Lucharistia" uud „P. Auguvtini libcr soliloauiorum" entstehen, deren Trucker Haus Alacraw aus Passau war. Knttenb erg. 1 489. Diese königliche freie Bergstadt im CzaSlaucr Kreise hatte schon 1489 eine Osfiein, aus welcher die zweite vollständige Bibel in böhmischer Sprache „M'l.j LesKa" mit Holzschnitten, welche sich von der ersten (Prag 1488) in der Anordnung der Bücher Esdrä unterscheidet, hervorgegangen ist. Als Drucker nennt sich am Schlüsse Martin von Tißnowa. Dieser wurde später wegen seiner Gelehrsamkeit Magister und 1495 sogar Dccan der philosophischen Facultät auf der Universität zu Prag. Mit ihm scheint auch die Druckerei dahiu gewandert zu sein. Die Aehulichkeit des Namens gab schon Georg Crüger'n (Sacr. riwmvr. regn! voll. I^!tvmi«lil 1664. 4. 35) zn der lächerlichen Angabc Veranlassung, als sei Gutcnberg hier geboren nnd nach dieser Stadt benannt worden, und selbst noch im Jahre 1840 haben sich JaroSlaw Wrtatko im „Wlastimil" (Volksfrcnnd) uno I. Pesice in der Prager Zcitnng durch mißverstaudenen Patriotismus alles Ernstes zn einer ähnlichen Beweisführung verleiten lassen. Altenberg, ein Dorf im Czaslaucr Kreise an der mährischen Grenze, spielt in den Annalen der Vnchdrnckcr- knnst von Böhmen eine nicht unerhebliche Rolle. Dr. Caspar StolShagcn, ein gekrönter Dichter und Prediger an der Jglancr St. JakobStirchc, brachte einen Druckapparat ans seiner Vaterstadt Stendal mit und da er ihn zn Jglau uicht unterbringen konnte, legte er in diesem Dorfe eine Werkstatt an, in welcher die von StolShagiuS gedichteten Werke: „v!>^lin!s oder Acloxil xarenticklj-" (auf den Tod des Freiherrn Heinrich von Walkstein) 1589. in 16. uud „ Lollu^uuim cui'iüü et «pil'iUiü" 1593. in 12. durch Venedict Frei) gedruckt wurden. Vergleiche Tlabaez's Bericht in deu neueren Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, B. III. S. 140-161. -Aus anderen kleineren Städten kennt man Drucke zuPoczatek 1552; Litomischl 1535; Köni - gingrätz 1618; Lcitmeritz 1626. 38 298 Mlähren. — Schweden und Norwegen. — Stockholm. M üh re n. In Mähren nehmen Brünn, Olmütz, Schloß Kralitz und Prosnitz, wo die Juden im sicbenzehntcn Jahrhunderte manche Presse beschäftigten, unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Erstere Stadt begann ihre Druckthätigkeit mit der „Agenda sccundum chorum Olomuceiisem, ^rnnime 1486.4.", die zweite mit dem „Tractatus contra hcresiin Wnldensium Aunustini de Vlomnoz nd Johmi- nein Aygrum, per Conrodum Aoiiinatheil 1500.4." Auf dem Schlosse Kralitz aber ließ der Besitzer, Freiherr von Zerotin, von den böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache, welche in Verse und Capitel abgetheilt ist, unter dem Titel „Livlj crske d,jl' vrmn^sstesty" 1579-1593 in sechs Qnart- banden drucken. Sie hat in Rücksicht der Sprache und Orthographie classisches Ansehen und ist öfters aufgelegt worden. Ueber Böhmens früheste Buchdruckereien siehe I. Dombrowsky in den Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen, Bd. III. S. 228 u. Bd. V., G. I. Dlabacz in: „ Neuere Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft", Bd. III. S. 140., K.Ungar „ Neue Beitrage zur alten Geschichte der Bnchdrucker- kunst in Böhmen :c." Prag, 1795. in 4. Schweden und Norwegen. Stockholm. 1 4 8 3. kandinavien ist das einzige Land Europa's, o^o^l dessen Bewohner von den ältesten Zeiten her nicht uur auf Pergament nnd Papier geschriebene Bücher, sondern, wie einst Griechenland in der parischcn Marmor-Chronik, in ihren Runensteinen nnd Nunenstaben gewissermaßen Chroniken und Zcitbüchcr besaßen. Einem an schriftliche Ueberlieferung gewöhnten Volke, wie die Schweden und Norweger, mußte es Bedürfniß sein, sich die Vortheile der ueueu Kunst der Büchervervielfältigung baldigst zn eigen zu machen. Die Hauptstadt Schwedens ist zugleich der Ort, wo auf des Erzbischofs Jakob Ulphon's und des Statthalters Sten Sture's Betrieb Johann Snell znerst eine Presse errichtete und in dem „Dnnlogus creaturnruin inorolizatus" im Jahre 1483 den frühesten Wiegendruck des Nordens lieferte. Ihm folgte Johann Fabri mit dem „Dreviarium Stregncnse" 1494, dessen Drnckgc- schäft, nachdem er schon im daraus folgenden Jahre gestorben war, seine Gattin Anna Fabri fortsetzte und das begonnene „Areviarium Upsalense" 1496 vollendete. Nach einer Unterbrechung von etwas mehr als fünfzig Jahren erschien Amund Laurentins znerst wieder mit dem Neueu Testamente in schwedischer Sprache 1549. Von nun an faßte die Typographie festen Fuß iu Schweden, um nicht wieder aufzuhören. Stockholms merkwürdigste Drucker waren Tobernns Tiedemann 1576, Andreas Tor- stam 1578, Andreas Gntterwitz 1587, Christoph Nenßner, der schon früher in Rostock eine Officin hatte, 1608-1640, Ole Olafson oder Olaus Olai, der sich aber bald von Stockholm nach Westeräs in Wcstermannland gewendet, 1618-1621, Ole Olafson Enäus, welcher später Stregnäs in Südermannland zu seinem Aufenthalte wählte, 1622; Heinrich Kehser, ein geschickter Formschneidcr und Kupferstecher (Formschnidare och Kopparstickare), erhielt von dem tapsern Könige Gnstav Adolf eine erbeutete Officin zum Geschenke, weil er unter dessen Befehlen in Deutschland gedient hatte. Eine seiner Wadsteim. — Npsala. — SnÄcrlnüping. 299 schönsten Arbeiten sind die „InslAnia nobülwtis sus- cnnse" mit trefflich in Holz geschnittenen Wappen. Da er sich aber in der Hoffnung der daraus zn ziehenden Belohnung getäuscht sah, hat er in einem Anfalle von Unmuth die Platten zerstört, so daß dies Werk jetzt nngemein selten ist. Wahrend der Minderjährigkeit seines Sohnes hat der Factor Lorcnz HanSson Wall das Geschäft fortgesetzt, Heinrich Keyser der Jüngere aber späterhin die Typographie auf eine damals in Schweden noch nicht erreichte Stufe der Vollkommenheit erhoben, wie dies die von ihm begonnene, aber erst nach seinem Tode 1699 durch den Geschäftsführer Ernst Balvuiu vollendete schwedische Bibel beweiset. Im Jahre 1626 ist Peter von Selou von dem heldcnmüthigen Könige Gnstav Adolf aus Deutschland berufen worden, mn mehrere moSkowirischc Schriften mit russischen Lettern zu drucken. Nach ihm zeichneten sich durch mehr oder weniger gelungene Arbeiten aus: Johann Georg Ebcrdt 1672- 1687, Lorenz Jansson Wall 1676-1694, Johann Billingsley 1688-1698, Georg Gottlicb Burckhardt, eigentlich mehr Buchhändler, welcher aber eine eigene Druckerei besaß und viele Bücher durch Jakob Tide's und Johann Jakob Genath's Hülfe ausführen ließ, Arel Werner, JulinS Georg Mat- thia, Nalhanael Goldcnan, Michael Laurelius, Peter Nyström, Karl Köpkc, Ludwig Grefing, Heinrich Merkel, Heinrich Keyser, Enkel Heinrich Keyser's des Aeltcren und Aaron Holm, dessen Stiefsohn. Das Beste der schwedischen Typographie aber leistete die königliche Druckerei, welcher Amund Olasson 1594, Jgnaz Meurcr aus Thüringen 1616- 1672, Georg Hantschen 1666-1663, Nicol Wankif aus Schonen 1669-1689, Matthias Syngmann, Olans Enans, Johann Heinrich Werner ans Lünc- burg und Johann Lorenz Horn, ein durch große Reisen und viele Erfahrungen geprüfter Mann, vorgestanden haben. W a d st e n a, 14 9 1, oder Wadstcin, das berühmte Kloster, war der zweite Ort in Schweden, wo sich noch im fünfzehnten Jahrhunderte Spuren typographischer Thätigkeit finden. Die Druckerei wurde hier um daS Jahr 1491 begründet, wirkte aber nur vier Jahre, indem 1495 ein Brand alle Pressen zerstörte, die nie wieder hergestellt worden sind. u p s a l a. 15 10. Der uralte KönigSsitz und die früheste Residenz der Beherrscher Skandinaviens zur Zeit des Heiden- thumcs war frühzeitig ein Asyl der Wissenschaft, wie dies der blühende Znstand der dasigcn Universität selbst noch in unseren Tagen beweiset. Paul Grüs hat hier 1510 die Typographie eingeführt, wo sie bald eine so günstige Aufnahme fand, daß König Karl Gustav dem ersten Buchdrucker daselbst die Einkünfte eines Rittergutes nebst freier Wohnung zugestand. Diejenigen Männer, welche sich noch durch ihre Knust am meisten hervorthaten, waren: Vartholomaus Fabri 1525, Georg Nicholf von Lübeck 1537, AmandnS OlauS 1604, Eschilus Matthia 1614-1657, Johann Pauli, Peter Jansson. Heinrich Cnrio von Erfurt, Gustav Frediani, Andreas Kiellberg, Heinrich Keyser der Sohn, Heinrich Keyser, der Enkel des obenerwähnten Stockholmer Typographen, Johann Heinrich W.'rner, Johann Hoher. Noch müssen in Upsala die Privat- drnckereien dcS vr. Lorenz Wall, nachmals Bischof von StregnäS, welcher Erich Wald vorgestanden, diejenige deS Erzbischofs Lorenz Paulinus unter der Leitung des Amandus Grcfwo oder Grefandcr und endlich die des berühmten OlauS Nndbeck, in welcher das in vollständigen Eremplarcn höchst seltene Werk „.^tlantica «Ive !>Iiui>».>im", 3 Bände in kl. Fol., nebst einem AtlaS in gr. Folio, gedruckt worden. Siehe hierüber Ebert's bibliographisches Leriton IX». 19539. Süderkiöping, 15 11, hatte schon um das Jahr 1511 eine Presse, deren Besitzer Johannes Brastii war, aber späterhin um 1527 diesen Aufenthaltsort mit Malmoe vertauschte. 300 . Haehii I. C, ct consilinrii ^ianariei Domini ct nmici vct. plurimumliuc rolrndi Lonr. Ccltcs vic rr Martii 1490", woraus hervorgeht, dasi der Druck wenigstens in diesem Jahre, wenn nicht früher, muß stattgefunden haben. Nach Gottfried von Ghemen, dessen frühester dänische Druck oder überhaupt das erste Buch in dänischer Sprache „Wen DansKc NiimKriiniKe" von 1495 ist, erwarben sich folgende Männer mehr oder weniger große Verdienste: MelchiorBlune und Peter Brand 1520, Johann Weingarthner oder Ninitor aus Stuttgart, 1539-1551; Ludwig Dietz aus Rostock, 1550, welcher in diesem Jahre die erste vollständige Bibel in dänischer Sprache druckte; Johann Barth, 1560; LorcnzBcnedict, 1563-1588; Johann Xylandcr, 1564; Andreas Gntterwitz, 1576- 1581; Matthias Vinitor, 1587-1597; Jens Stockelmann, 1592-1597. Im siebcnzehntcn Jahrhunderte: Heinrich Wald- kirch, Nicol Michaelis, Georg Hantzschius, Jens Albert, Salomon SartorinS, Andreas Kock, Heinrich Krnse, Georg Lamprecht, Peter Hachins, Peter Jcnssen, Matthias Jürgcnsen, Christ. Wering, Cornificins Luft, Philipp Bochcnhofer, Adolf Barmann, Justiu Hoep, Tycho Nicolscn, Melchior Martzau, Heinrich Gödianus, Georg Gödiauus, Matthias Godichc, Eonrad Hartwig Ncuhof, Daniel Eichhorn. 302 Island. In dcm achtzehnten Jahrhunderte: Jens Born- Heinrich, Wilhad Jersin, Jnlins Franz Klnge, Georg Matthissen Wering, Sebastian Martini, Jens Laureussen, Joachim Wieland, Joachim Schmitgcn, Peter Nörwig, Jens Christoph Brand, Jens Paul Phönirberg, Johann Georg Höpsner nebst dessen Sohne Niels Christian Höpsner, welche nach dem verheerenden Brande der Residenz Kopenhagen von 1728 gewissermaßen als Wiedcrhersteller der auch in Dänemark, sowie in anderen Landern wahrend des siebenzehntcn Jahrhunderts gesunkenen Typographie angesehen werden können; Ernst Heinrich Berliug, welcher im Jahre 1733 eine Ofsicin begründet, deren ruhmvoller Name noch heute bestehet; Andreas Hartwig Godiche, Niels Hansen Möller, Jens Lynow uud Andreas Birch, welcher den sehr schönen Druck der vier Evangelien in griechischer Sprache, 1788 in Folio lieferte. In neuester Zeit stehen die Gebrüder Berliug au der Spitze der Genossenschaft, denen sich Grobe »nd Sohn, Gyltendal, J.H. Schulz, A. Seideliu, Fabricius de Tengnagel lind die Gebrüder Rostock würdig anschließen. Die Kunst blieb lange auf die Hauptstadt con- ccntrirt, verbreitete sich aber nach und nach über die anderen Theile des Reiches und ward zuerst in Ripen in Jülland 1508; Aarhns 1519; Wi- borg 1523; in Röskild, dem alten Königssitzc auf der Juscl Seeland, 1534; Uranien bürg, Schloß auf der Insel Huen mit der Sternwarte Thcho Brahe's, von diesem Astronomen zur Bekanntmachung seiner Werke mit einer Privatprcsse versehen, 1576; in Hclsingoer 1603; in Frederikstadt 1624; Sorve auf der Insel Seeland 1627; Kiel 1665; FlenSbnrg 1675; Ploen 1692; Odensec 1698; Nyeborg ans der Insel Fnnen I7V7; NiSbcnhavcn 1780; Meldorf in Süddithmarschen 1788; und an anderen Orten ausgeübt. Früher aber als alle diese Platze des dänischen Contincnts hatte die Insel Island, dieser uralte Sitz germanischer Cultur, aus innerem Durst nach Wissenschaft die edle Kunst gepflegt. Schon im Jahre 1531 gab Jens Areson, Bischof von Holum in diesem Hafen an der Nordküste, durch seinen Eeheimschreiber, den Schweden Mat- thiesson, das „öreviniium l>si, llt Alüvteins ^.I-Iioc><1-!)II(!" folgten, eine vierte tragt die Jahrzahl 1745. Noch gingen auS dieser Presse hervor: 1580 die Sprüchmörter Salomonis, 1609 das 9ccue Testament und 1619 die Psalmen. Von hier wurde dieselbe nach Skalholt verlegt, von wo sie aber 1704 nach einem Stillstände von mehr als hundert Jahren wieder nach Holnm zurückgebracht wurde. Als der früheste Skalholter Druck, deren man 41 kennt, wird ein Gradnale oder ein Psalnienbuch von 1686 in lang 8. angesehen, welchem 1637 eine Evangelien- Harmonie in islandischer Sprache folgte. Im Jahre 1799 kam diese wandernde Werkstatt, nebst einer anderen, seit 1773 auf dcm kleinen Eilande Hrappseya im Breidafiord an der Westküste errichtet gewesenen Osficin in die Hände der islandischen literarischcn Gesellschaft und wurde von derselben nach Leira oder Leyragördum in dem Borgar - Fiord - Sysscl ans der Südwestküste verlegt, wo sie noch gegenwartig sich befindet und in Thätigkeit ist. Schon nahe an hundert Werke sind auS ihr hervorgegangen, die sowol der GotteSgelehrtheit, als der Rechts - und Arzneiwissenschast, der Naturkunde »nd Landwirth- schaft angehören. Sie befindet sich in einer kleinen Hütte von Holz, hat nicht mehr als acht Schriftsatze, zwei antiqua und sechs gothisch, ncbst einer kleinen Anzahl griechischer Lettern. Zwei Mann, ein Setzer Polen und Fitthauen. — Krakau. 303 und ein Drucker, bilden daS ganze Personal; doch sind die Leistungen für die Mangelhastigkeit der hölzernen Presse nach alter Bauart bewunderungswürdig nett und corrcct. Eine Uebersicht der Geschichte sämmtlicher dünischer Buchdruckereicn ans der Feder des großen Lite- ratorS Nyerup findet sich in Seidelin's „Lüsendcs Aarbog for 1801." Seite 1-133, einzelne treffliche Notizen in seinem „KpeclleL'mm diblloxi'a^Iiicum", in Thura's „Geschichte der dänischen Literatur", in C. F. Wadskiaer, „Norre Jyllandsie bogtrykkcries pröve, eller noglc Liucnmeuteraf Bogtt!üerto»stens Historie i Dannemark." Wiborg 1738. in 4., in Ii. ^t!r>ii>xoru8, „scl>ea >>i!;>.»lic!^ t)^o^i!>^l>Iae nat-Tlibus in vania," tt-isnias 1787. in 4., im „Danske Magazin" Theil 1. Seite 28 und folg. und in Grnndtvig's „Daunevirkc" Band IV. Seite 175. Polen und Litthauen. (^v^ olen erkennt in dem fünfzehnten Uttd Jahrhunderte sein goldenes Zeitalter. Die Gunst edler Fürsten war auch hier, wie überall, wo einst Wissenschaft und Kunst blühcten oder noch blühen, die Sonne, deren wärmende Strahlen die Keime jener großen Geisteskräfte weckte, die in der einst machtigen und jetzt tiefgebeugten Nation schlummern. Der von König Kasimir III., dem Stadtccrbaucr uud Gesetzgeber, ausgestreute Same höherer Bildung trug unter den Königen SigiSmnnd Augnst und Stephan Balhory die schönsten Früchte. Ersterer erhob die von Wladislaw Jagcllo gestiftete hohe Schnle von Krakau zur Universität mit vier Fa- cnltaten; Letzterer bereicherte die von dem Bischof Valcrian ProtaSzowiez gegründete Akademie zu Wilna. Dem Beispiele der Könige folgten die Magnaten, wie Jan Zamoyski, der in Zamosc eine BildungSschnle junger Gelehrten in Form einer vaterlandischen Akademie anlegte, Jan Diu- gosz oder LonginuS, ernannter Erzbischof von Lcm- berg, der mit Meisterhand die Thaten seines Volks schrieb, Jan LaSki, Erzbischof von Gncsen, der die Gesetze seines Vaterlandes sammelte, und spater der Fürst von Ostrog und die Familien Ehodkicwicz, Lubranski, Czacki u. s. w. Solche Bestrebungen konnten ans die Typographie nicht ohne Einfluß bleiben. Krakau ist die erste Stadt jenes damals machtigen Reiches, wo die ncnc Knnst zuerst Aufnahme fand und bald mit der Wissenschaft Hand in Hand ging. Lange Zeit wurde als das erste hier gedruckte Buch: „Lonstitutiones ct Statut» proiiineinlia iiuliti rcgni Polunie" um 14S1, ohne Angabc des Ortes, deS Jahres nnd des Druckers angesehen, und Johann Haller ans Nürnberg, ein Schüler Anton Kobur- ger's, als der früheste Pfleger der Kunst angenommen, welchem nicht nur das genannte Werk, sondern noch mehrere anonyme Drucke des fünfzehnten Jahrhunderts zugeschrieben wurden. Allein der gelehrte Bibliothekar Bandtke hat bewiesen, daß dieser Ruhm dem Swiytopole Fiol oder Swaybold Frank gebühre, von welchem eine zu Krakau 1491 gedruckte polnische Uebersetzung des „Octoerhos" des Johann von Damaskus in der Nhedinger'schen Bibliothek vorhanden ist, die mit den Worten beginnt: „S. Uohom uosziiimiatsm Vsmogkasnill Tworcnic przepodolillaho (iXta imvzeho Ioilim Dam>,slu)lia Kc." Bandtkc's Ansicht stimmte der große slavische Sprachforscher Joseph Dobrowsky bei. Wahrscheinlich ist jene undatirte Ausgabe der „Eonstitutilinrs ct Statuta" in Leipzig gedruckt. Die sehr seltene Ausgabe von des „Joannis dc Turrocrcnmta rrpositio lirrvis et utilis super toto psnltcrio Craris imprcssa", ohne Angabe 304 Kralm». des Jahres und Druckers mit gothischer Schrift, von welcher die königliche Bibliothek zu Dresden ein schönes Eremplar von dem Grafen Titus Dzia- tynSki zum Geschenk erhielt, wurde von Zapf als ein um 1465 von Günther Zainer zu Krakau gedrucktes Werk, von Beruhart iu Aretiu's Beitragen V, 49. aber als von dem wandernden Buchdrucker Johauu Schauer zu Greiz im Voigtlande ausgeführt augeseheu. Wir stimmen mit Bandtke um so mehr für Krakau, als diese Stadt auf alten Wiegendrucken sehr verschieden, bald Cracovia, bald Grachovia, von den Juden sogar Kroke, Kraka und Krota genannt wird. Wahrscheinlich ist auch Haller der Drucker dieses Buches, sowie er überhaupt vor und nach 1500, dem Beispiele seines Lehrherrn Koburgcr'S folgend, viele Werke theils ohne seinen Namen ausgeführt hat, theils von anderen Typographen, wie von Florian llngler uud Hicrouymus Vietor, drucken lies«. Seine wichtigsten Werke sind daS „Commune ineliiti Poloniae regni privilc- gium" von 1506. in Folio, welches der Reichskanzler Jobann von Lasco gesammelt uud veranstaltet hat, DlugoSz's Leben deS h. StaniSlaus von 1511, des Mönchs Auselm's Beschreibung deS heiligen Landes von 1514 und das Krakauer Missale von 1515. Als seine Gehülfen werden Georg Stuchs und Caspar Hochfeder genannt. Im Jahre 1517 haben mich die Juden mit dem „Soplier Ililbdlicliur" den hebräischen Druck begonnen, der in der Folgezeit mit der diesem Volke eigenthümlichen Spannkraft sortgesetzt wurde. Gleichzeitig wirkte Hicronhmus Vietor aus Wien von 1518 bis 1545, wo nach seinem Tode die Wittwe das Geschäft fortsetzte. Seine Nebenbuhler waren Florian Ungler und Paul Helic, welcher Letztere 1540 das von dem getaufteu Juden Johann Hartugh ius Hebräische übersetzte Neue Testament heranSgab, ferner Bernhard Woiewodka, ein Schüler deS CraSmus von Rotterdam, welcher spater auch in Brzesc-LitewSti druckte, Matthias und Hieronymus MareuS, StaniSlaus und Nicolaus Scbarfenberg. Letzterer hat sich besonders durch seine den Königen SigiSmund August, Heinrich von ValoiS und Stephan 1. gewidmeten Bibeln in polnischer Sprache von den Jahren 1561, 1574 uud 1577 uud durch die für den Buchhändler Andreas Lazaröz besorgte neue Auflage der „Consti- tutiones, stntuta öl privilrgill in romitiis rcgni" berühmt gemacht. Dieser war, wie einst Koburger in Nürnberg und Plantin in Antwerpen, selbst ausübender Typograph und mit LazarSz Andrysso- wicz der Begründer jeuer berühmten Ofsiciu, welche durch die Menge und Trefflichkeit der Leistungen mit derjenigen des Aldus verglichen werden kann. AnS ihr gingen 1551 die „Artyliuln pranm .Mag- vcburslncgo" oder der in daS Polnische übersetzte Sachsenspiegel hervor, welcher dem Grafen Johann Christoph TarnowSki, Castcllan von Krakau und Grosifeidherr, gewidmet ist. Sein Sohn Johann JanuSzowSki gehörte zu den angcsehnstcn und gelehrtesten Mannern seiner Zeit. Er war abwechselnd Gesandter seiner Nation bei Kaiser Mari- miliau 11. und Geheimschrciber des Königs Sieg- mnud August, bis er sich endlich von den StaatS- geschaften zurückzog, um nur der Wissenschaft zu leben und die Typographie zn pflegen. Polen verdankt seiner Feder eine Menge classischer Schriften und seinen Pressen eine nicht minder bedeutende Anzahl Werke aus allen Zweigen der Wissenschaft. Matthans und Jakob Siebeneycher, sowie Matthäus Garwolczyk oder Garvoliuius, der geschickte Herausgeber von „Lxrthosz Paprocki's Kerbn rncerstnm polslnego, 1582." in Folio, mit vielen Holzschnitten, und Albert Kobylinski gehörten zu den angesehensten Buchdruckern Krakau's im scchs- zchuteu Jahrhunderte. Unter der großen Anzahl jüdischer Typographen zeichnete sich Jfaak - Ben - Aaron - Prostitz, von seinem Geburtsorte in Mähren so genannt, besonders ans. Schon 1530 wurde der Peutateuch mit dem Megilloth hebräisch gedruckt, uach welchem das Sepher Mizvoth 1550, Agudda oder Collectaueen aus dem Talmud 1571, die hebräische Bibel mit RaSchi's und MoscS Nachmaridcs Commcntar 1587, endlich der babylonische uud jerusalemischc Talmud 1603-1609 die meiste Aufmerksamkeit verdienen. Im siebcnzehnten Jahrhunderte gerieth die Typographie auch in Polen, wie allcrwärts, inS Stocken, doch verdienen Männer, wie- Aleris Rodecki und ^amoisc. — Szamotuli). — Dublin. — ArZ^c- — ^linezliw. 30', Sebastian Stcrnacki, Andreas Pctrowicz, Vater und Sohn, Simon Kempinius, Hanibal Zangoyski, Johann Szeliga, Nicolans Lobius, Basilius Skalsti, Matthias und Andreas Andrzejowski, Martin Harter, Anton Wosinski, Lucas Kupisz, StanislanS Bertutowicz, Martin PhilipowSki, Christoph Sche- del, Stanislaus Pietrkowcz»k, Valerian Pi-ztkowski, Albert Gorecki, Albert Siekielowicz, Christoph und Johann Domanöki, Jgnaz Anton Hebanowsti, Do- minik SzarkowSki, Michael Diazcwski, Johann Ja- sinski und vor Allen Matthias Wierzbienta, der in Krakau die Poesien von Rcy aus Naglowice und vieler anderer Dichter herausgegeben hat, hier ehrenvoll genannt zn werden. Der berühmteste Buchdrucker jener späteren Zeit ist Franz CäsariuS, wahrscheinlich von deutschem Ursprung mit Namen Kaiser, welcher die Lazars'sche Officin an sich gekauft und auf seinen Sohn gleiches Namens vererbt hat, so daß die Familie Cäsar über hundert Jahre im Besitze derselben blieb. A a in o i s c. 1 5 5 7. Diese von dem Großkronfeldherrn Jan Zamoyski unter Stephan I. erbaute feste Stadt erhielt durch diesen Maccn der Wissenschaften und durch Georg ZamovSki, Bischof von Chelm, gleichzeitig eine Akademie nebst einer Officin znr Verbreitung nützlicher Schriften. Gelehrte Manner, wie Martin Lenski, Simon Niciolkowicz, Andreas JastrzybSki und Jan Rntowski standen abwechselnd an der Spitze derselben. Jan Herbnrt's de Fulstiu „Staruw lieZni poloniae" traten hier zu wiederholten Malen an das Licht. In Zamoisc erschien 1601 anch „S^eculum Saxonum" von Jaskier, dessen erste Ausgabe bei Victor in Krakan gedruckt war. Ferner „ vi-llectica eiceronis" von Burski und verschiedene lateinische Gedichte von Simon Simonides Bendonski. Szamotnly, 1 5 5 8, oder Sambor, in Großpolen erhielt mit Genehmigung des Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn Andreas Grafen von Gorka durch eine Gesellschaft mährischer Brüder die erste Buchdruckerwerkstatt in Großpolen, in der Alerander Aridczdecki für Verbreitung von theologischen Schriften im Geiste Socius thätig war. Doch blühte hier die Kunst nur kurze Zeit. Lnv li n, 1 5 5 9, in Kleinpvlen, war ehedem durch eine gelehrte Schule der Juden nebst Druckerei und als Sitz der Svcinianer für die Geschichte der Topographie nicht ohne Bedeutung. Unter den Ersteren verdienen KalonymuS Ben Mardochai Japhe, Nabbi Josua Bar Israel, Abraham Ben ^ialoninnns Japhe nnd Zevi Ben Kalonymns wegen gut ausgeführter hebräischer Druckwerke ehrenvolle Erwähnung. Von den Christen thaten sich Georg Dal- matins, Panl Conrad, Jan Wieczkowic und im sicbenzehntcn Jahrhunderte die Typographie des da- sigen JesnitcncolleginmS hervor. B r z e s c, 1 5 5 9, Hanptort der gleichnamigen Woywodschaft in Lit- thancn, erlangte durch die Thätigkeit gelehrter Juden, welche hier eine hohe Schnle hatten, sowie durch die Begünstigung des Palatins Nicolans Radziwill frühzeitig ein hohes Ansehen. Letzterem verdankt Brzeöc auch die Einführung der typographischen Knust. Hier wurde die von socinianischcn Geistlichen in Pinczow aus dem Hebräischen und Griechischen übersetzte „Lidlia sniyts" 1563 von Bernhard Woicwodka, der eigens von Krakau ^ Hieher berufen ward, auf Kosten des Fürsten Radziwill in Folio gedruckt nnd mit vielen Holzschnitten geziert. Ucbersctzung nnd Drnck sollen eine Ausgabe von 10,000 Gulden veranlaßt haben. Sie ist noch jetzt unter dem Namen „Radziwill-Bibel" sehr gesucht. Nach dein Tode des Fürsten 1565 ging die Officin eine Zeitlang in die Hände der böhmischen Brüder über. Pinczow, 1 5 5 9, Stadt in Klcinpolen, wo jene Brüder im Jahre 1550 zuerst eine öffentliche Synode hielten, wurde 3» 306 Kozmin, Wygrow »no Zuslaw. —- KosKo. — Poznan. — Wilna. — Vstrog. sehr bald die Zufluchtstätte aller Dissidenten, nnd weil sich viel gelehrte, hellsehende Männer unter ihnen befanden „Athen der Sarinaten" genannt. Bei einem solchen Zusammenflüsse geistiger Kräfte tonnte eine Buchdruckerwcrkstatt nicht fehlen. Ihre ersten Leistungen unter Daniel I.cnczycki beginnen mit dem Jahre 1559. Kozmin, W?grow und Zasraw, 1561, 1570, 1572, drei kleine Städte in Großpolcn, Podlachien und Litthauen, verdanken ihre litcrarische Bedeutsamkeit den böhmischen Brüdern, Lutheranern und Rcfor- mirtcu. Als VcrsammlnngSorte ihrer Synoden hatten sie wohlcingcrichtetc Officinen, aus denen in den Jahren 1561, 1570 und 1572 Werke des neucu religiösen Bekenntnisses hervorgingen; darunter nennen wir nur die zu ZaSlaw gedruckte socinianische Bibel von Budry, deren Drucker Daniel Wicliczta war. K o s k o, 1 5 7 3, in Litthauen, verdankt ebenfalls der Abweichung vom katholischen Glauben und dem Ncligionseifer des reichen Jan Kiszka von Ciechanowice die Errichtung einer Presse, welche Daniel Lenszycki, der vorher schon in Zaslaw druckte, und nach ihm Johann Karcan leiteten. Sie war von 1573 bis 1586 in ununterbrochener Thätigkeit. P n. o z n a 1 5 7 7. Posen, die Hauptstadt Großpolcns begann seine bis ans unsere Zeit fortgeführte typographische Wirksamkeit mit dein Jahre 1577 nnd wetteiferte in dieser Beziehung mit den größeren Städten Wilna, Krakan und Lcmberg. Die vorzüglichsten Drucker waren: Melchior Neringk, Johannes Wolrab, Vater und Sohn, Martin Wolrab, Jan Nossowöki, Albert NeguluS und dessen Sohn, mit dem Zunamen Mlodwicwicz und Albert Latalski. Auch die Juden, sowie die Akademie oder das Collegium Lubranski und die hohe Schule der Jesuiten hatten ihre eigenen Werkstatten, welche Letztere sogar zur „königlichen Typographie" erhoben und von August III. in ihren Privilegien bestätigt worden war. Die übrigen kleineren Städte, wo ehedem die edle Kunst Aufnahme gefunden hat, sind: Grod- zisko in Großpolcn, wo 1579 Melchior Neringk druckte; Nieswicz in Luthaucn, der Stammsitz der Fürsten Nadziwill; Nakow in der Woywod- schaft Sendomir, Hauptort der Unitarier, unter dessen Buchdruckern Männer glänzen, wie Aleris Nodecki, Gottlieb AdamoviuS (wahrscheinlich pseu- douym für Stcruacki?), Sebastian und Paul Stcr- nacki, Vater und Sohn. Wilna. 1 5 8 0. Die Hauptstadt von Litthauen war nicht minder eine Zufluchtstätte der Neugläubigen, wo die Typographie anfänglich der religiösen Ueberzeugung, später der Wissenschaft diente, jetzt aber, ungeachtet der großen Anzahl gelehrter Männer, welche da leben, politischer Verhältnisse wegen sich nicht frei bewegen kann. Unter den Druckern aus früherer Zeit nennen wir: Jacob Markowicz, Christoph Radziwill's Typograph, Wasilji Malachowicz, Christoph Wol- bramezyk, Salomon Sultzer, Leo Mamonicz, Johannes Karcan oder Kartzauus, Joseph Kartzauuö, dessen Sohn, und Peter Blast. Die Jude» und Jesuiten hatten ihre eigenen Officinen, von denen diejenige der Letzteren bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts blühete. Nahe bei dieser Stadt liegt das Dorf Evic, wo nach Hendcrson in den Jahren 1611, 1635 und 1641 drei verschiedene Ausgaben des slavonischen Neuen Testaments gedruckt worden, die jetzt zu den größten Seltenheiten gehören. O st r o g, 1581, Stadt und Kloster in Volhynicn, hat durch die auf Kosten des Fürsten Constantin von Ostrog, Palatins von Kiew, im Jahre 1581 hier von Johann Theodor dem Jüngeren in Folio gedruckte Bibel in altrussischer Sprache, die jetzt zu den größten Seltenheiten gehört, eine gewisse Berühmtheit erlangt. Zu dieser Lwow. 307 Ausgabe hatte der Patriarch Jercmiaö von Constan- tinopel die Hand geboten nnd dem Fürsten nicht nur die besten Codices, sondern auch gelehrte Männer gesendet, welche aus der von Iwan Wasstljewitsch, Großfürsten von Moskau, mitgetheilten ältesten Handschrift der cyrillischen Version unter Verglei- ckmng der Scptuaginta eine slavono - russische Uebcr- sctznng der h. Bücher zu Stande brachten, die noch heut zu Tage die Bewunderung der Kenner ans sich ziehet. Gleich ausgezeichnet ist der Druck zu nennen nnd das Ganze Ware ein typographisches Meisterstück, wenn das Papier diesen inneren und äußeren Vorzügen entspräche. Der Typenschnitt ist, wie gegenwärtiges Facsimile zeigt, genau dein slavischen Manuscrivtenductus und wahrscheinlich dein Moskauer Coder nachgebildet. 6ei^5» ,,n»F^» 9^ 1^ - N«K^1/cö Element hat in seiner „ IZIdliotbe^ue cm-Ieuss" vol. III. p. 441-445 und Dibdin in der „Lidllotbec-l Spencei-i-ma", I. 90-94, dieses bibliographische, jetzt nur noch in wenigen Bibliotheken vorhandene Kleinod ausführlich beschrieben. L w o w, 1 5 9 3, oder Lemberg, erhielt das Geschenk der einflußreichen Kuust am Schlüsse des sechszehnten Jahrhunderts durch Matthäus Bernhart, welcher 1593 die von Jeremias WoynowSki gefertigte Nebersetzung von Plutarch'S Leben des Hannibal und Scipio des Afrikaners druckte und auch später in der Auswahl seiner Schriften der classischen Literatur treu blieb. Außer Vernhart verdienen noch Paul Zelazo und Jan Szeliga, welcher zuerst zu Krakau, dann zu Dobromil und Jaroslaw und endlich in Lemberg die Kunst ausgeübt hat, eine ehrenvolle Erwähnung. Im siebenzchnten Jahrhunderte haben die Jesuiten alle Pressen in Gallizien beherrscht. Einer ihrer bekanntesten Drucker war Sebastian Nowogorski. Zu dieser Zeit wurde auf Veranlassung hochgebildeter Männer, wie eines Georg Ossolinski von Tenczin, eines Matthias Kasimir Sarbieski (8»--- bievius) und Anderer, auch in kleineren Städten, als: zu Zeymy in Samogitien, zuPaniowce in Podolicn, zu Dabrowa in der Woywodschaft Sendomir, zu Kalisz, der ältesten Stadt in Großpolen, zu Dobromil, Laszczow und Jaroslaw in Rothrußland, zu O s z in ian a in Litthauen, zu Leszno oder Lissa im Gebiete von Posen, zu Klein in Weißrußland, zu Zeymy und Siucko in Litthauen, 1605 und 1674; zu Luklawice, einem Dorfe bei Krakan, wo die Socinianer von 1548 bis 1572 mehrere ihrer Schriften bekannt machten; zu Wschowa oder Fraustadt in Grofipolen, zu Schlichtingshciin im Posenschen, zu Sendomir in Kleinpolcn, zu Czenstochau, zu Zolkiew in Rvthrufilaud, wo die Juden im sicbenzehnten Jahrhunderte eine Presse hatten, zu Suprasl, einem Kloster bei Grodno und zu Baranow in der Woywodschaft Sendomir ziemlich emsig gedruckt, wo aber jetzt alle Pressen ruhen. 308 Warschau. — Rußland. — Tschernigow. — Moskau. Wir schließen die Geschichte der polnischen Typographie mit der Hauptstadt W a r f ch a n, 1 5 8 0, wo nach Niesiecki's Zeugniß im Jahre 1580 die Oden des berühmten Jan KochanowSki ans die Belagerung von Polock erschienen sind. Der König Stephan Bathory führte auf seinen Fcldzügen eine Handpresse mit sich und ließ im Lager seine Armeebefehle, Bulletins n. s. w. drucken. Hierauf trat eine Pause ein; denn erst mit dem Jahre 1625 beginnt die neue und von nun an nnnnterbrochene Reihe von Druckern, unter denen Jan Nossowsky, Jan Trelpinski, Peter Elert nnd Karl Schreiber, sowie die Kollegien der Piaristen und Jesuiten und in neuester Zeit die Druckosficin nebst Stereotypen- gießcrci von Glücksberg hervorgehoben zu werden verdienen. Ueber Polens Typographie haben Hoffinann, Bentkowski, Lclewel und ganz besonders Bandtke Nachricht gegeben, ans deren Schriften hiermit verwiesen wird. N u ß nßland, dem Umsange nach nebst China ^L^)das größte Reich der Welt, steht, was den Einfluß der Literatur und ihrer Dienerin, der Bnchdrnckerknnst, auf die allgemeine Gesittung der Menschheit betrifft, bis jetzt noch den meisten kleineren Staaten Europa's nach. Die ersten slavonischen Drucke erschienen außerhalb der Landcsgrcnzen zu Krakan durch die Bemühnngen des slavischen Buchdruckers Swentopolk Viol 1481-1491, welche Werte für die trausdauubischcn Slaven bestimmt waren. Darauf wurden in Prag, Wilna, Venedig, NieSwicz, Tübingen, Urach n. s. w. russische Bücher gedruckt, z. B. in ersterer Stadt die Bibel nach der Uebersetzung des Franz Scarin. Nach „llenr)' (üottnn, didliogr^ilncal Agüotvei-, Oxtorä 1831." 8. pax. 296 soll Tschernigow, 1 4 9 3, alte befestigte Stadt an der DeSna, im gleichnamigen Gouvernement und Sitz eines griechischen Metropoliten, schon 1493 in seinen Mauern „1o.-»in!« vkmiisvcni Octolclms" in illyrischer Sprache mit cyrillischen Schriften durch Georg Czcrnoewic an l a n d. das Licht haben treten sehen. Im siebenzehntcn Jahrhunderte wurden hier auch russische Lettern eingeführt und gegenwärtig ist das Druckgeschäft in den Handen eines Priesterseminars. Moskau, 1 5 5 3, oder Moskwa, die alte Zaarenrcsidenz und bis 1721 Sitz des russischen Patriarchats und das Emporinm slavischer Gelehrsamkeit, sah unter dem Großfürsten Iwan Wassiljewitsch um 1553 die erste Presse in seinen Mauern errichten, mittelst welcher der Diakon Iwan Feodorow und Timofe'ew Mstislavzoff oder MstiSlauzew unter der Aufsicht des Dänen Hans Hansen im Jahre 1564 die Apostelgeschichte, oder den in der russischen Literatur so berühmten höchst seltenen „Apostol" in slavischer Sprache druckten, wovon das einzige noch übrige Eremplar in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg aufbewahrt wird. Die Buchdrucker, durch das unwissende Volk der Ketzerei und Zauberei augeklagt, sahen sich genöthigt, nach Polen zn flüchten und setzten ihre Arbeiten in Wilna und Lcmberg fort. Bei dem Einfalle der Polen ward Moskau. 309 diese Werkstatt mit einem großen Theile der Stadt ein Raul? der Flammen und erst unter dem Großfürsten Michael Fedorowitsch stieg 1644 eine zweite Officin mit verjüngter Kraft ans der Asche empor, deren zahlreiche Werke, meist theologischen Inhalts, svwol durch Eleganz der Typen, als durch Schönheit des Papiers überraschen. Unter dem Zaar Ale.ris Michailowitsch wurde 15L3 eiue zweite Ausgabe der russischen Bibel, nach dem Muster jener von Ostrog vom Jahre 1581 veranstaltet. Er ließ von allen Orten her die besten eo>;uai'>im vi'IeMülium" VVN Jenisch und ganz besonders auf den Anhang in Joseph von Hammer - Purgstall'ö „Katalog der morgenländischen Handschriften der Wiener Bibliothek" und desselben Verfassers „Geschichte der Os- mancn" B. 7. S. 590, wo die Erzeugnisse der constantinopolitaiiischen Officinen in 93 Nummer» bis zum Jahre 1830 aufgezahlt uud auf dessen „Geschichte der osmanischcn Dichtkunst", wo im vierten Bande S. 598-604 sämmtliche bis 1838 gedruckte Werke beschrieben sind. Von größeren Werken, welche in den letzten zehn Jahren von 1830-1840 aus der großherrlichen Druckerei hervorgegangen, zeichnen sich aus: des dermaligcn Mufti's Mekkisade Mustapha Efcndi Comme»tar zu der „Burda", das ist zu dem berühmte» Lobgedichte Bussivi's auf de» Propheten, ein Quartant von 621 Seiten, eines der schönsten typographischen Werke des Orients; Fe- raisisade Efendi's „Gülscheni Maarif" oder Nosenslor der Kenntnisse, eine ans 40 Geschichts- werkcn binnen 10 Jahren zusammengestellte und auf Befehl Sultan Mahmnd's II. gedruckte Universalgeschichte, von Erschaffung der Welt bis ans den Frieden von Kainardschc, in zwei starken Quart- banden; Mohammed Aarif's auf Veranlassung des unlängst verstorbene» Mufti Ssidkisade Ahmed Naschid gedruckte vier Fetwa-Sammluugcn; das „Kanunnamei - dschesa", das ist Gesetzbuch der Strafen; Elhadsch Hafiz Jshack Efendi's, ersten Chodschas (Professors) an der kaiserlichen 312 Constantinopel. Schule der Ingenieurs, „Medschmuai Nlnlmi rijas- sije" oder „Sammlung der mathematischen Wissenschaften" in 4 starken Quartbänden, von denen der erste die Arithmetik und Geometrie, der fzweite die Algebra, höhere Geometrie und die Lehre vom Kegelschnitte, der dritte die Mechanik, Hydraulik und Optik, der vierte die Astronomie und Physik in sich faßt; Fasil's „Senan-Namch", das Buch der Weiber und „ Choban - Nameh ", Buch der Schönen, welche beide von einem Privatmanne auf seine Kosten gedruckt, aber als unanständig mit Beschlag belegt worden und daher nicht in Umlauf gekommen sind; die Geschichte der vier ältesten Dynastien Persiens; des Molla Debbaghsade Nuuman Efcndi „ Sammlung gerichtlicher Aufsatze", ein schätzbarer Beitrag zur Kenntniß orientalischer Bibliographie; und endlich die Commentare zu den berühmtesten Werken dreier der größten persische» Dichter, als' zu Saadi's „Gulistan" oder Rosengarten, zu Dschami's „Beharistan" oder FrühlingSgarten, und zu Attar's „Pendnameh" oder Buch deS Rathes. Der „Diwan" des Kotzenmachersohnes Jset Mollah, im Jahre 1839 auf Befehl des Sultans Mahmud II. herausgegeben, ist das erste aus der StaatSdruckerei hervorgegangcne türkische Gedicht, sowie überhaupt das erste iu Europa gedruckte Buch eines türkischen Poeten. Der gegenwärtige Direktor der großherrlichen Officiu ist Esaad Efcndi, der als Chronogrammendichter berühmte Redacteur der osmanischen Staatszeitnng, welche den Titel „ BcgebenheitStafeln" sührt. Selbst eine Abhandlung über die Cholera ist in neuester Zeit iu Constautiuopel gedruckt worden. Eine zweite Druckerei besitzt die Militairschule iu dem nahen D o l m a bahd s ch e. In Skutari ist 1820 das „Mirat el Abd si techrih az-Ul insSne", daS ist i Spiegel der Körper in der Zergliederung i vcs Menschen, das erste medicinisch - anatomische j Werk der türkischen Presse, erschienen. Auch die Armenier haben hier eine Officin, aus welcher unlängst das persisch-armenisch-türkische Wörterbuch des Gregor Peschdemlean, eines bekannten armenischen Grammatikers, hervorgegangen ist. Wie bekannt, erscheint in Constantinopel eine Art Moniteur unter dem Titel „Wekaje" d. h. „Begebenheiten" türkisch und französisch. Von den übrigen Ortschaften, in denen die Kunst geübt wurde oder noch geübt wird, verdienen genannt zu werden' Belgrad 1552; Adrianopel, durch Juden eingeführt, 1554; Jassy, Hauptstadt der Moldau, 1633; Salonichi, das alte Thessalonich, wo die Juden schon 1515 die Psalmen und Sprichwörter Salomonis druckten. Jehuda Ven Ghedalia hieß der erste Drucker, dessen Familie das Geschäft über ein Jahrhundert fortgeführt hat; Tergowischt, ehemalige Residenz des Hospodars der Walachei, 1710; Bukarescht, die gegenwärtige Hauptstadt, soll durch den Woywoden Johann Constantin Bessa- rabas zu Anfang des vorigen Jahrhunderts einen Drnckapparat mit griechischen, walachischen, russischen , bulgarischen, arabischen und türkischen Schris- ten erhalten haben, mit welchen Dosithens „Geschichte der Partriarchen von Jerusalem" auf Kosten dcö Convents znm h. Grabe zur unentgeldlichen Vertheilung an fromme Pilger daselbst 1690 ausgeführt worden. Nahe bei dieser Stadt befindet sich in der Mitte eines Sees das Kloster Snagof oder Synaguphu, welches durch die Freigebigkeit des Woywoden Bessaraba Brancowani der Erzbischof Anthimns der Walachei mit arabischen, griechischen nnd illyrischen Schriften versah nnd wo 1701 ein griech isch - arabisches Missale gedruckt wurde. Orta Kaiwai in der unmittelbaren Nachbarschaft von Constantinopel. Hier druckten die Juden, wie aus ! dem Oppenheimcr'schen Kataloge hervorgeht, schon ! im Jahre 1717 mehrere theologische Werke. Griechenland. Dieſes alte Stammland der Cultur, ehemals der literariſch-artiſtiſche Brennpunkt, in welchem alle Strahlen der Wiſſenſchaft und Kunſt des Morgen- wie des Abendlandes zuſammenfielen und welches Jahrhunderte hindurch alle Voͤlker erleuchtete, iſt gleichwol das letzte Land Europa's, wo die einflußreiche Kunſt der Typographie Pflege und Aufmunterung fand. Dieſer Zuſtand geiſtiger Apathie war die Wirkung jener ſyſtematiſchen Tyrannei der tuͤrkiſchen Oberherrſchaft, unter deren Joche das ſchoͤne Hellas ſchmachtete, bis nach dem zwoͤlfjaͤhrigen blutigen Kampfe fuͤr Freiheit mit der Begruͤndung des conſtitutionellen Koͤnigthums und der Ankunft des jungen Herrſchers aus dem Wittels⸗ bacher Stamme, Koͤnig Otto I., im Februar 1833 auch fuͤr Griechenlands Geſittung eine neue Aera beginnt. Zwar hatten ſchon im ſechszehnten Jahrhunderte die Juden ambulante Preſſen, mit welchen ſie bald da bald dort, je nachdem es das Beduͤrfniß erheiſchte, ihre Religionsbuͤcher druckten. Eine der wichtigeren Werkſtaͤtten war 1628 zu Belvidere oder Kalloſkopium, einer kleinen auf den Truͤmmern des alten Elis erbauten Stadt in Morea. Zwar hatten die Jeſuiten und nach ihrem Beiſpiele die Griechen ſelbſt noch vor Ausgang des ſiebenzehnten Jahrhunderts Schulen zu Joannina, Zapora in Magneſien, Lariſſa, Moskopoli, zu Milies am Pelion, zu Ambelakien in der Naͤhe des beruͤhmten Thales Tempe, auf dem Berge Athos und auf den Inſeln Corfu und Pathmos, doch wurde meiſt nur nach handſchriftlichen oder doch wenigſtens aus zu Rom und Venedig erſchienenen Buͤchern gelehrt. Erſt mit dem Erwachen des Nationalgefuͤhles regte ſich das Beduͤrfniß ſchnellerer geiſtiger Mittheilung durch das Geſchenk der Typographie. In Corfu, dem Hauptorte der gleichnamigen Inſel, dem Corchra der Alten, ließ 1817 der engliſche Miſſionar Wilſon Auszuͤge aus der h. Schrift in neugriechiſcher Sprache an das Licht treten und ſchon im folgenden Jahre gab die Gouvernementspreſſe eine politiſche Zeitſchrift in italieniſcher und neugriechiſcher Sprache heraus. In noch neuerer Zeit hat hier der britiſche Miſſionar Lowndes eine albaniſche Uebertragung der Bibel bekannt gemacht, wohl das erſte in albaniſcher Sprache gedruckte Buch. Gegenwaͤrtig iſt die Preſſe in Corfu nicht nur fuͤr Regierungspublicationen und Andachtsbuͤcher, ſondern auch fuͤr wiſſenſchaftliche Zwecke thaͤtig. Auch auf Santa Maura, der Leucadia der Alten, wird gegenwaͤrtig gedruckt. Hier ließ der neugriechiſche Dichter Zampelios eine Tragoͤdie in ſeiner Nationalſprache an das Licht treten. Mit 1822 erſcheint zu Korinth ein politiſches Blatt unter dem Titel„die Trompete von Hellas“, welches ſeine Begruͤndung zu Kalamata, dem alten Theramenaͤ, einer ziemlich bevoͤlkerten Stadt auf der Halbinſel Morea, erhalten hatte. Hydra, das durch ſeinen Heldenmuth im Befreiungskriege beruͤhmt gewordene Eiland im griechiſchen Archipel, ſah waͤhrend jenes Kampfes zweimal in der Woche eine Zeitung unter dem Titel„d ꝙin roſ 260ον(der Freund des Geſetzes) erſcheinen. Napolidi Romania, die unter dem Namen Nauplia bekannte Hafenſtadt von Argos, erhielt 1824 von dem beruͤhmten Firmin Didot in Paris einen vollſtaͤndigen Druckapparat zum Geſchenke, aus welchem ſeit jener Periode manches nuͤtzliche Werk hervorgegangen iſt. Mitten in den Wirren des Befreiungskrieges ward auch 1824 in dem heldenmuͤthigen Miſſolunghi eine Officin errichtet, die mit demſelben fiel. 40 314 Aſien.— China. Patras, in fruͤherer Zeit Patraͤ, einer der bedeutendſten Handelshaͤfen Griechenlands, am Eingange des Golfs von Lepanto, erhielt 1828 zur Herausgabe der franzoͤſiſchen Zeitung „Le Courier de'Orient“ eine Preſſe, deren Thaͤtigkeit von nun an auch der Wiſſenſchaft gewidmet ſein ſoll. Zu Egina (Aegina) kam 1829 der„Courier de l'Orient“ heraus. Faſt gleichzeitig wurde auch zu Chios oder Scio, der Hauptſtadt der gleichnamigen Inſel, eine Werkſtatt errichtet und mit Lettern aus Frankreich verſehen. Das fruͤheſte Druckwerk iſt eine Rede des Profeſſors Bambas. Im Jahre 1822, als die Griechen, dem Rufe der Freiheit folgend, die Tuͤrken aus der Akropolis verjagt hatten, als eine Verwaltung organiſirt und Schulen errichtet waren, brachte der Philhellene Obriſt Stanhope einen Druckapparat aus Großbritannien nach dem beruͤhmten Emporium alter Kunſt und Wiſſenſchaft— Athen, welches zwoͤlf . abgeſchloſſene geheimnißvolle Land im nordweſtlichen Aſien, das von den Eingebornen„das himmliſche Reich“ genannt wird, verdient hier zuerſt ins Auge gefaßt zu werden. Den Urſprung der einflußreichen Kunſt, Buͤcher durch Abdruck zu vervielfaͤltigen, darf man weniger bei den Voͤlkern des Abendlandes, als bei jenen des Morgenlandes und zwar bei den Oſt- und Mittelaſiaten, als den Chineſen, Japaneſen, Tuͤbetanern und Mongolen ſuchen. Dort ſoll nach Angelus Roccha der Tafeldruck von Buͤchern ſchon dreihundert Jahre vor Chriſti Geburt bekannt geweſen ſein. Die Jeſuiten aber, welche allda lebten, Sprache Sitten und Kuͤnſte dieſer Voͤlker ſtudirten, zumal Jahre darauf zur Hauptſtadt des neuen Reiches, wie dies ſchon zu Perikles Zeit der Fall war, erhoben werden ſollte. Mit jenen Typen gab der Grieche Pſyllas zuerſt eine politiſche Zeitung heraus. Aus allem dieſem gehet hervor, daß die typographiſchen Erſcheinungen in Griechenland ſich auf Schulbuͤcher, Zeitſchriften und Tageblaͤtter beſchraͤnken, die ihr Daſein mehr dem Zuſammenfluſſe von Fremden, als der Anweſenheit der Einheimiſchen und deren Eifer fuͤr die Wiſſenſchaft verdanken; doch vermoͤgen auch ſelbſt die Zeitungen ihr ephemeres Leben ſelten uͤber ein Jahr zu friſten, ſowie denn uͤberhaupt die drei neu geſtifteten literariſchen Vereine zu Athen fuͤr Naturwiſſenſchaften, fuͤr Medicin und Archaͤologie bis jetzt mehr als nachgeahmte Beiſpiele der uͤbrigen Staaten Europa's, als aus dem Beduͤrfniſſe und inneren Drange entſprangen, die von Natur und Kunſt in ſo reichem Maße dargebotenen Materialien zum Beſten der Wiſſenſchaft zu bearbeiten. Asien. China. Couplet, welcher um 1659 als Miſſionar in Peking war und in neuerer Zeit Abel-Remuſat und Robert Morriſon ſetzen die Erfindung in das zehnte Jahrhundert unſerer Zeitrechnung. Letzterer erzaͤhlt in der Einleitung zu ſeinem großen chineſiſchen Woͤrterbuche, das Seidenpapier ſei von Tſae-Lun gegen das Ende des erſten Jahrhunderts, die Druckkunſt aber 800 Jahre ſpaͤter von einem Staatsminiſter, Fung-Taou, mit Namen Woo-tae-jin, erfunden worden, welchen die Buchdrucker noch jetzt ebenſo goͤttlich verehren, wie die Gelehrten ihren Kon-futſee oder Confucius; die fruͤheſten Verſuche des Fung-Taou haͤtten darin beſtanden, daß er die Schrift in Steintafeln eingegraben, wodurch ſie China. 315 im -Abdrucke weiß auf schwarzem Grunde erscheinen mußte, doch sehr bald habe er dieselbe in Holz erhaben ausgeschnitten. Wie das Verfahren damals war, so ist es noch heute, ungeachtet den Chinesen in ihrem Handel mit den Europaern unsere Typographie nicht verborgen bleiben konnte. Wenn ein Schriftsteller ein Buch gedruckt haben will, laßt er den Tert von einem geschickten Schreiber auf dünnes durchsichtiges Pflanzenpapier schreiben; dieser beseitigt das beschriebene Papier auf eine polirte Holztafel (Mupau), seltener auf eine WachSplatte (Lapan), ritzt mit einer Radirnadel alle Schriftzeichen auf das Holz (nach einer anderen Methode wird der zum Schnitt vorgerichtete Block mit einem Kleister von Neiö bedeckt, daö beschriebene Blatt umgekehrt darauf gelegt und mit einer Bürste so lange gerieben, biö eS überall fest anklebt. Ist dies geschehen und das Ganze an der Sonne oder dem Feuer getrocknet, so wird das Papier mit den Fingern vom Holze abgerieben, worauf die Schrift deutlich zum Vorschein kommt), laßt sie alödann erhaben hervortreten, indem er mit einem seinen Messer alles um dieselben herumstehende Holz, mit Ausnahme der Perpendicularlinien, welche die Zeilen von einander sondern, herausschneidet; dann wird die Tasel in eine horizontale Lage gebracht, der ausgesparte Tert mittelst einer durch harte Bürsten aufgetragenen Tusche in der Art geschwärzt, daß vier bis fünf Abdrücke davon genommen werden können, ein zartes und weiches, aber festes Papier darauf gelegt und dieses mit einer weichen Bürste von länglich viereckiger Form bei dem ersten Abdrucke nur sanft, bei den spateren Abzügen aber stets etwas starker Übersahren, bis die ganze Schwärze aufgezehrt ist. Auf diese Weise ist ein einziger Mann im Stande, taglich ein paar tausend Drucke zu liesern. Bei größeren Werken theilt der Schönschreiber die Holztafel, je nach der Größe, die er dem Buche geben will, in Quadrate ein, deren jedes einen Schriftcharakter enthalten soll. Der Graveur schneidet dieselbe alsdann nach den Linien aus, so daß diese allein stehen bleiben und ziehet davon nachher ebenso viele Blatter in rother Tinte ab, als dem Kalligraphen zu dem ganzen Werke nöthig sind. In diese Vierecke schreibt Letzterer hierauf den Tert mit Puuktation und Allem genau so, wie er im Drucke erscheinen soll. Die Arbeit des Holzschneiders beschrankt sieb demnach blos auf eiu mechanisches Aussparen deS Geschriebenen, und das Verdienst der Schönheit und Correcthcit einer Ausgabe gebührt mehr dem Schreiber, als Gravcnr und Drucker. Wenn die ganze Auslage abgezogen ist, werden die Holziaseln zusammen gebunden und der Ort der Verwahrung in der Vorrede bemerkt, damit dieselben bei einer zweiten Ausgabe wieder benutzt werden können. DaS Papier ist dünne und ungcleimt, damit die Wasserfarbe darauf hafte und durchschlage, dies ist aber auch die Ursache, daß der Bogen nnr auf einer Seite gedruckt werden kann. Da jeder Zeit zwei Blattseiten auf einer Holztafel ausgeschnitten sind, so wird nach dem Drucke das Blatt in der Mitte so gefaltet, daß die beiden weißen Seiten nach Innen zu liegen kommen. Der Titel, die Seitenzahl, die Angabe des Inhalts u. s. w., kurz was bei europaischen Büchern am oberen Rande stehet, ist bei chinesischen zwischen beiden Seiten der Lange nach herunter gedruckt und wird beim Falten in der Mitte gebrochen, so daß man auf jeder Seite die Halste der Schriftlichen erblicken kann, was hinreicht, um sich das Aufsuchen zu erleichtern. Die Blatter, welche einen Band bilden, werden zuerst gepreßt, hierauf mit einem buntfarbigen, oft auch seidenen oder brokatenen Umschlag mit goldenen oder silbernen eingewirkten Blumen versehen, der Rücken beschnitten, an drei bis vier Punkten durchbohrt und mittelst eines seidenen Fadens gehestet. Eines der schönsten Werke chinesischen Originaldrucks ist das Geschichtsbuch „Li-tai-ti-sse", ebensowol ein Meisterstück der Gelehrsamkeit als der xylographischen Kunst. Die Druckerschwärze der Chinesen wird aus Lampenruß, Branntwein, Wasser und Leim bereitet. Diese Methode des chinesischen Bücherdruckes gewährt, wenn man die Eigenthümlichkeit der Wort- und nicht Buchstabenschrift dieses Volkes in das Ange faßt, schon der Wohlseilheit wegen so viele Vortheile vor der Typographie, daß jenes starre Festhalren an den Holztafeln bei den Chinesen weniger der Furcht vor jeder Neuerung und dem Abscheu vor allem Fremden, als der Ueberzeugung 316 China. zugeschrieben werden muß, daß die europäische bewegliche Type für die chinesische Sprache eine kaum zu überwindende Schwierigkeit darbietet. Zwar soll die SiaatSzcituug des himmlischen Reiches, die auS ungefähr 50 bis 60 Seiten bestehet, zu Peking mit beweglichen Lettern (Hnopan) gedruckt werden. Bereits seit mehr als einem Jahrhunderte hat die königliche Druckerei in Paris wiederholt Versuche gemacht, sich brauchbare chinesische Lettern zu '.'erschaffen; zuerst auf Zonrmont's, dann auf DeS- hauteraiS', spater auf De GuigneS, Ne'musat'S und Klaproth'S Betrieb. Allein die geschicktesten Stempel- und Schriftschneider vermochten selbst unter der Aufsicht dieser Gelehrten den eigenthümlichen Charakteren bei aller Eleganz kein gefälliges, den Anforderungen der Chinesen an Kalligraphie entsprechendes Ansehen zu geben. Aehnlichc Versuche haben Morrison in England und Montucci in Dresden gemacht. Die reiche Sainmlnng von Schriftsteinpeln, welche der Letztere mit grossem Kostenaufwand,.' wahrend eines beinahe fünfzigjährigen Studiums unter seine» Augen anfertigen ließ, ist noch vor dessen zu Siena in seiner Vaterstadt erfolgtem Tode von dem römischen Stuhle für die große Druckerei der Propaganda angekauft worden. In neuester Zeit (1833) hat die Dircction der Im- jii'imvvle in Paris zwei vollständige Suiten chinesischer Lettern, im Ganzen 85,000 Charaktere, auf der Grenze von Tübct nach sehr schönen Vorbildern von chinesischen Künstlern in Holz schneiden lassen. Da diese viel kleiner als alle in Europa gebrauchten sind, so ist ei» selbst dem kritische» Eigensinne deö StammlandcS genügender Erfolg der damit zn bewerkstelligenden Drnckgegenstande nicht in Zweifel zu ziehen. Wenn bei einer so reichen Literatur, wie die chinesische, von der man weiß, daß die bloße Auswahl derselben, eine Art vo» Encyklopädie, welche man im vorigen Jahrhunderte begann, schon 6000 Bande füllt, die inländischen Drucke auch »icht einmal andeutungsweise genannt werden können, so mögen mir die typographische» Bemühungen der Europäer innerhalb der Grenze» dieses Reiches hier eine Erwähnung finden. Katholische Missionare auS der Gesellschaft Jesu hatten schon zu AuSgang deS sechzehnten und mit Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts in der Hauptstadt Peking verborgene Pressen. EineS der ältesten daselbst gedruckten Bücher ist „Tien - hio - rey " oder „ Loelestiü doctrinas vor» r-rtio" vom Jahre 1603 in zwei Bänden. Von nun an sind mehrere Peking-Drucke bekannt, die aber selbst mit römischen Lettern meist durch Holztafeln gedruckt sind, weil sie häufig die chinesische Nebersetzung zur Seite oder im Anhange haben. Hier erscheint gegenwärtig sogar eine Zeitung unter dem Namen „Der Bote der Hauptstadt" (King Pao). Sie gleicht aber weder in der Gestalt noch in ihrem Inhalte den europäischen politischen Journalen. Selbst aus dem kleine» Küstcneilande Song- Kia»g in der Provinz Kiang-Nan scheinen jene Väter eine Presse gehabt z» haben, denn es finden sich Bücher mit jenein Druckorte, wie zum Beispiel: „I^elütio se^ultui'iie mn^nu Oi-ieMi« !>i>r>«tolo 8. I^i-an- clsco Xuvlvri» eiLutu«; in in5iM Kmiciano: anno culai-i 1700. 8." in der Vodlejanischen Bibliothek zn Orford. Einer der frühesten Druckorte China's scheint die Hauptstadt der Provinz Kiang- Nang Nankin oder nach der Landessprache Kia»g-Ning zu sein; denn der Jesnit Nicolas Triganlt, welcher nm 1620 i» China lebte, gab hier ein chinesisches Wörterbuch in drei Bänden heraus, das jetzt zu den größten Seltenheiten gehört. Doch noch frühere Beispiele von typographischer Thätigkeit finden wir in Macao oder Amacao, einer sehr besuchten Hafenstadt aus einer Insel bei Canton, welcbe früher in den Händen der Portugiese» und nebst Goa der vorzüglichste Punkt ihrer geistlichen Niederlassungen war. Peignot bezeichnet das Jahr 1593 als den Zeitpunkt der Einführung der Bnchdrnckerknnst, allein Scheuchzer »cimr in der Einleitung zu Kämpfer's Geschichte von Japan (London 1737. in Folio) einen interessanten Ge- sandtschastSbericht eines Botschafters deö Kaisers von Japan an den römischen Hos in japanischer und lateinischer Sprache »tit der Schlußschrift: „!» Alitcaeii!;! ^loitu 8in!ei rexni, in i>rii et snnerioriim, »nnc> 1590." in Quart. Dieses Werk befand sich in Mars- dcn's berühmter orientalischer Büchersammluug. 317 Hier machte Morrison 1310 Versuche, daS Neue Testament und einige andere NeligionSbücher nach Landessitte mit Holztafeln zu drucken. Schon hatte er zu ähnlichem Zwecke ein englisch - chinesisches Wörterbuch fast vollendet, als die ostindische Handelsgesellschaft 1814 ihm P. Thoms mit einem vollständigen europäischen Druckapparate zu Hülfe sendete. Da jedoch ThomS die Lettern erst schneiden und gießen, dann aber Setzer, Drucker, Corrector u. s. w. in einer Person sein mußte, so konnte das mühevolle Werk von sechs Quartbänden erst 1822 voltendet werden. Im Jahre 1817 ging vr. Morrison'S „vi^v ok ebw^" aus der nämlichen Presse hervor. Die Portugiesen haben gegenwärtig eine Missionsschule in Macao, das St. Josephs Kollegium, welches von den Jesuiten gestiftet auch ciue kleine Presse sür den Bedarf der Mission beschäftigt. Im September 1322 erschien hier die erste Nummer der portugiesischen Zeitschrift „Die chinesische Biene." Die später erschienenen wichtigeren Macaobücher sind: „5. Lioncivlvos. xi'»mmat!ck Iü.tin^ ilä USIIIN 8!nens!um juvenum 1828" und eine Vlumcnlcse unter dem Titel: „.^ts ei>ing, ConswMe etc. 1329." klein O-Uart; „ !>Ie<1!uir«t, Oiotion^-)' ok tlis IloK-Keen clistect ok tlis cbinese I->nM«gI»!ng 12,000 elmractsrs, 1832." groß Quart. Am meisten wurde in den Städten Canton und Macao, die fast allein deu Europäern zugänglich sind, gedruckt. In ersterer, welche in der Landessprache Quaug-Tsch eon heißt, erschien die „lunoeantlii, v!cti!x" des Paters ?lntonio de Gouvea, Viceprovincials der Jesuiten, eine sinnreiche Vertheidigung gegen die dreifache Anklage, welche die Mandarinen wider die Missionare erhoben: Un- kunde der Astronomie, Mordanschläge und Verbreitung eiuer falschen Lehre. Im Jahre 1312 wurden unter dcS britische» Missionars Robert Morrison'S Leitung die wichtigsten Stücke deS alten unv neuen Testaments in chinesischer Sprache mit überraschender Vollkommenheit ausgeführt. Erwähnung verdient die hier von Chinesen gedruckte „Vhyah-Tuugtoug- Tschitschih" oder Bibliothek nützlicher Kenntnisse, 100 Bändchen auf Reispapier in Octav. Von 1828 bis 1840 erschien hier „l'be L^nton Keglstsr", unv von 1832 bis ebendahin „1">>e dunose Depositor)-". Beide Blätter wurden aber durch die gegenwärtigen feindseligen Verhältnisse unterbrochen. Schon 1661 wurde von den Holländern auf der zu der Provinz Fokicn gehörenden Insel F o r in osa gedruckt; denu in diesem Jahre erschien in der Hauptstadt Tai-Ouau-Fu eine malaische Uebersetzung der Evangelien Johannis und Matthäi durch Daniel GraiuS. Japan. ^^i^.? ie in China so ist auch in Japan, von TX^den Eingeborenen Nippon oder Nitfon genannt, der Holztafeldruck seit undenklichen Zeiten bekannt und angewendet und daS Verfahren ganz das nämliche. Wer vermöchte bei einem so gebildeten und schreibscligcn Volke, wie die Japaner sind, bei der Abgeschlossenheit, in der sie ihre geographische Lage und ihr NegicrnngSft'stem von jeder Beobachtung der Europäer entfernt halten, den Ursprung und die Fortschritte der einheimischen Bncl'druckerkunst zu verfolgen; denn bekanntlich ist eS ebenso streng verboten, ihreHolzstercotypen, znmal wenn sie Nachrichten von der Negierung oder dein Lande enthalten, aus- als frcmre NeligionSbüchcr einzuführen. Diese Blätter können sich daher nur auf ciucn geschichtlichen Ucberblick der Einführung europäischer Typographie in jenes großartig räthsclhaste Insel- reich beschränken. 318 Ostindien. Im Ais)«'? 1542 wurden drei portugiesische Chinafahrer an die japanische Küste verschlagen. Sogleich ward von ihnen eine Niederlassung angelegt, worauf der Jesuit Franz Xaver dahin abging, um den wahren Glauben zu verkündigen. Durch den heiligem Eiser und das edle Beispiel dieses Mannes breitete sich daS Christenthum sehr bald aus, denn der Märtyrertod des neuen Apostels und seiner Junger ward zur wuchernden Klaubenssa.it. Bei so großem Einflüsse der Jesuiten konnte es nicht fehlen, daß sie hier und da Schulen begründeten und Druckereien anlegten. Eine der frühesten scheint in Cazzusa oder Tacaco (Tacacum oder Tacaructium), einer Stadt auf der Juscl Nippon unfern Arima, angelegt worden zu sein, denn in der Bodlejana zn Orsord befindet sich ein ! mit Antign.itypen, aber in japanischer Sprache gedrucktes Buch vou ungefähr 700 Seiten, welcbeS früher dem berühmten Seiden gehört hat und den Titel führt I „8i>n«tos iioxo«i>xiie»n<) »<:>>innmj!<;asji c>ii!»i i. 1<'ii en no cuni 1'a<ü>c»i>oxuii ^csnü uo !i»>>ia »o cvlle^iu L-i^xus^ ni volto Kiino- riores no von ^.'uruxi nc> cü n»ir! coie uo kiinto nasu inoii» n-li-!. (Zoxxuxxs irai. 1591." Dies Buch enthalt daS Leben der Apostel und einiger Heiligen und am Schlüsse ein japanisch-portugiesisches Vokabularium. Gleichzeitig druckten die Jesuiten auch zu Amacusa auf dem gleichnamigen Eilande der Küste der Insel Zimo. Nach Chevillicr befindet sich in der Bibliothek zu Leydeu ein Bück in japanischer Sprache mit römischen Lettern von F. Luis de Granada mit diesem Druckorte und der Jahrzahl 1582, welches aber entweder ein Irrthum jcueö Geschichtschreibers der Typographie oder ein Druckfehler ist, indem aus den ^ctis 8!u>ct»rmn Th. I. S. 735 des Februars hervorgehet, daß die Jesuitenschule in Amacusa erst 1591 gestiftet worden. In den Katalogen von Langles (1825) uud MarSden ( 1827) ist ein Dict!c>i>!>rium I^tino-I^usitauicuiu et 5-inouicum" Mit der Schlußschrist: „Amacusa, in colle-;!» jüponico L»cis me6I^!n!>is 6:^ In6i^ e< c»1io«tos pello Voutoe (Zaec!^ Ooets. Impresso em na" des Dou Juan Gonsalvcz, welcher die tamulischcn Charaktere selbst goß, vom Jahre 1577. Hieraus erschien hier die „Z^Ios s-uictorum" 1593 und das tamnlischc Wörterbuch dcS Pater Autonio de Proeuza 1679. Vergl. Uainilton'ii IIiii(l»st-in V»I. II. ^>!>g. 283. Pondichery, Hauptstadt der französischen Niederlassungen in der vorderindischen Provinz Karuatik am bengalischen Meerbusen hat seit 1784 eine Offimi, in welcher bis anf den heutigen Tag gedruckt worden ist, srcilich meist nur NcgiernngSbcfehle oder An- dachtöbücher. In Cotym, einem Dorfe an der malabarischcn Küste, hatte 1317 der britische Missionar Benjamin Bayley seinen Aufenthalt genommen und um dein gesprochenen Worte einen bleibenden Werth zu verschaffen, auS Mangel eines Druckapparatcs, die nöthigen Typen der Landessprache selbst gegossen. Ehe er aber noch, dieser Mühen ungeachtet, den Zweck seines Strcbcns, den Druck der h. Schrift, erreicht hatte, wurde er von der Bibelgesellschaft in Calcntta 1320 mit Presse, Letter» uud Papier hinlänglich versehen nnd somit in den Stand gesetzt, den Druck einer malaischen Bibel zn bewerkstelligen, welchem größeren Werke mehrere kleinere nachgefolgt sind. Ueberraschend ist es auS Nobinsoir's „l>ast ll^« ok LI«I>op Ilegiiillltl Uedee", ^iix. 166 zu vernehmen, daß ein Maratteu-Fürst der Nafah von Taujore (Tanjanr) Maha Sarabofib in seiner festen Residenz Negapatnam, daS ist Schlangcnstadt, in seiner Kunst- uud Schatzkammer unter seltenen Münzen, mathematischen Instrumenten und einer Auswahl trefflicher Bücher eine englische Drnckcrpresse besitzt, j 320 Ostindien. die von christlichen Werkleuten bedient wird und auf welcher der Fürst bei der Anwesenheit dcS Bischofs zur Ehre dieses Gastes unter seinen Augen einige Sentenzen in der Landessprache drucken ließ. Seit 181t) hat die britische und fremde Bibelgesellschaft daselbst eine typographische Werkstatt begründet. Das nämliche Institut hat eine Niederlassung zu Nagercoil in der Provinz Travancore, wo in der neuesten Zeit ebenfalls eine Presse für die Verbreitung christlicher Schriften in tainuliseher Sprache in Thätigkeit ist. Das wichtigste Land für die Typographie Indiens ist Bengalen, in deren Hauptstadt Calcutta, dem Sitze der britischen Herrschaft (seit 1663), der berühmte SanSkritforscher Charles Wilkins die europäische Druckmcthodc 1773 einführte. Eines der ersten hier gedruckten Bücher ist der „ O-tlender kor tlie ^eur 1778." Gleichzeitig ging a»s einer in dem nahen Dorfe Hngly aufgestcllien Presse Natha- niel Brassey Halhcd's „(^r-lmmiie ok tlis t>en<;-il Kingu-ixe 1778." hervor, die nur in 20 Eremplaren nach Europa gekommen ist. Drei Jahre spater erschien ,,^V!!!vN>5'j> tiiuij-Iutiun ok g, Ko)al Hin, arabisch, persisch und hiudustauisch von Gladwin 1793. Bei der großen Thätigkeit, welche die Typographie von Calcutta in diesem Jahrhunderte entfaltet, können ihre Leistungen nicht alle einzeln erwähnt, sondern nur einige der wichtigsten hier namhaft gemacht werden, als: Saadi'ö „Gnlistan", persisch und englisch von Gladwin 1806. 2 Bde. in groß Quart; Matthenrs AuSgabc der „Mischat-ul-Mäsabi" 1809. 2 Bande in groß Quart; Colebrooke's Ausgabe der „Daya-Bagha" 1810. 4.; Hiudostanische Encyklopädie des Witzes oder Sammlung humoristischer Geschichten, persisch und nagrih, 1810.8.; LumSden'S anerkannt beste Grammatik der persischen Sprache 1810. 2 Bde. in Octav; dessen arabische Sprachlehre 1813. 8.; „Kuliyat" oder Gedichte des Mihr Mohammed Tukih in der Urdn-Sprache von Hindostan 1811. 4.; „Soorah", arabisch - persisches Wörterbuch 1812. 8.; Mukhtnsnr-ul-Maany 1813. groß Quart; Bharhavi's „ Kiräta Arjunäya " 1814. groß Qnart; Kalidasa's „Megha Duta", d. i. der Wolkeubotc, in englische Verse übersetzt von H. H. Wilson 1814. 8.; das epische Gedicht „Sisupala Badha", ein episches Gedicht in zwanzig Gesängen, SanSrrit, 1815. groß Octav; Capitain Thomas Nocbuck's persisches Wörterbuch „Burhaui Qutiu" 1818; „Llumot »n<1 8b->Ii^»zarö, ^.l)8tract ot tbo guvoinemeut iegnl»t!ons et iu tbe provinces ok IZe»L»l, vebsr -uul Orisss, 1824." 3 Bde. in Quart; Macnaghten'S „^r^dinn niglit enteiainoments " zittN erstenmale im arabischen Originalte.rte (1824?). 4 Bvc. in groß Octav; „^uu^ou'-i Dictionai) ok tb« Liii'm-'ui I-uix»->Ls 1826." groß Octav; Nadaraja's „Laghn Kanmudi", eine SanSkrit-Grammatik, 1827. in 12.; Scheikh Nizam's „Futawa Alemgiri" 1828. 4 Bde. in groß Quart; Jbn- ul-Nufi's „Mugiz ul Qanun" 1828. in 4.; „^mes I,ow, L!v!umnilr ok tlie 1"i>i>i or 8i»mess laugu-ixe" 1328. Tytler's Allgemeine Geschichte in hindnstanischer Uebersetzung 1829. 2 Bde. in Quart; Abul Kasein Firdusi's „ Schah Nameh ", nach den ältesten und besten Handschriften herausgegeben von Turner Macon 1829. 4 Bde. in groß Octav. Dieses für die Geschichte des Orients so wichtige Werk verdankt sein Erscheinen der Freigebigkeit des gelehrten Sultans von Auhd Ghazi-Uddin Heydcr, des bekannten Versassers der „sieben Oceane" oder des großen persischen Wörterbuchs, welcher die Kosten bestritt. Bekanntlich hatte LnmSdcn schon 1811 den vollständigen Abdruck des „ Schah Nameh" begonnen, konnte aber wegen der Größe der Kosten mir den ersten Band liefern, welcher blos den achten Theil des Gedichtes enthält; Wilson's sanskrit- englisches Wörterbuch, zweite Ausg. 1832. in 4.; „ Isee>ma oe K vocabulin-)' ok tbv pevuli!»- tan- xu-lge »seil l>7 tlie l'Imx» " etc. 1836. 8. Von den Wissenschaftlichen Zeitschristen behaupten die ältesten, die „^«iütlc miLoell-inx", die „I^s>v asilltic miscel- Isn^," die „.^slstic Kesearclici." und daö „ ^^^»»^«SMMWMiM^^I '.. .V. i,: Ostindien. 321 Seit 1797 besitzt Calcutta auch eine Schriftgießerei, welche Wilkins organisirt hat. Das nahe gelegene Fort-William, welches seit 1S00 eine treffliche Schule zur Bildung junger Briteu besitzt, welche iu dem Orient angestellt zu werden wünschen, hat gegenwärtig mehrere Preisen, die von den jungen Leuten bedient werden, woraus schou manches gediegene Werk, besonders Uebersctzungcn aus morgenländischcn Schriften hervorgegangen sind. Wir erinnern nur an Dr. John Borthwick Gilchrist's Werke und besonders an dessen „vrltlsl, Inämn Klo- nitor 1806." 2 Vo». in Octav. Seit 1823 besteht auch eine bengalische Zeitung, von einem gelehrten Hindu unter dem Titel: „8un^di>»6 eu>vm>i>i-I» ^unce^ gefertigt wird. Außer dcu NeligionSbüchern gingen eine Menge Originalwerke der Hindns uud Chinesen, sprachwissenschaftlicher Bücher europäischer Gelehrter aus den Serampore - Pressen hervor, als: die „Uito- psäescl" in SanSkrit, 1804. 4.; „Rsm^una" in Sanskrit, mit englischer Uebersetzung und Anmerkungen von W. Carey und T. Maröhmau, 1808- 1810. 3 Bde. in 4.; ^U-tti!« >8!»x>>->«mi" oder die Geschichte des Najah Vicramaditya ?e. 1803. in 8.; MarShman's Ausgabe der Werke des CoufuciuS, 1809; „ Lolinixlurson eine Sammlnng von Sprüch- wörlcrn in Sanskrit, bengalischer, persischer, arabischer, lateinischer und englischer Sprache, 1826. 8. Ferner die „e>Ävi8 Linien" von Marshmau, 1314. in 4.; vr. Carcy's „Sanskrit Grammatik", 1806. in 4.; dessen „Wörterbuch der Marattensprache", 1810. in 4.; dessen „ Lehrbuch der Puudschabisprache" (pm^slieo I-uigu»Lk), 1312. in 4.; dessen „Grammatik der Kurnatasprache", 1817. in 8.; dessen „Wörterbücher der bengalischen und Vutausprcichc", 1825. 3 Bde. in 4. und 1826. 4. 41 322 Ostindien. Noch gegenwärtig steht die Typographie zu Serampore in voller Blüthe und dieser Missionsplatz ist nebst Calcutta und Singapore der wichtigste Ort für diese Kunst im ganzen Indien. Den besten Ueberblick über den unvergleichbaren Reichthum orientalischer Typen dieser einzigen Anstalt gewahren die „K^ocimens ok ellitious ok tlio sacreä scrlntuios in tlio eastern I-uigUiixesSer^mpoi-L 1818. in Folio. Hier befindet sich das Bater Unser nicht allein in 52 orientaiische Sprachen übersetzt, sondern 51 sind sogar in den ihnen eigenthümlichen Schriftcharaktercn gedruckt. Zu Chinsurah, Stadt am Hugly nördlich von Calcutta, hat der Londoner Missionar Pcarson im Jahre 1820 eine Officin errichtet. Zu Hugly in Bengalen druckte N. B. Halhcd 1773 eine bengalische Grammatik. Madras oder Madraspatnam, Sitz des britischen Gouverneurs dieser Hauptniederlassung au der Küste von Coromandel, von den Engländern auch Fort St. George genannt, mit einer orientalischen Sprachschule zur Bildung künftiger Beamten, hat schon von 1772 einen Almanach und Kalender und ein Nenes Testament von 1772 auszuweiseu, welche hier auf europaische Weise gedruckt sind. Seit 1819 aber ist eine von England hierher gesendete MissionSprcsse im Gange, welche außer religiösen auch reiu wissenschaftliche Zwecke verfolgt. So wurde hier unter Anderen des Jesuiten I. Besch „ >i°!»c!j>Ies ok >>)at!o!>I p^rts ok tlio nr. Dankaart'S Katechismus in malaischer Sprache von 16L3 ist das erste durch Abraham van de Eedc daselbst gedruckte Buch. Mehrere malaische Nocabularien tragen den Druckort „Batavia, A. L. Loder, Printer van Nederlands Jnoien 1707", an der Stirne. Im Jahre 1744 erschien hier das alte Testament in der Mundart der Malaien, welchem bald die ganze Bibel in portugiesischer Sprache nach der Uebersetzuug des Joäo Ferreira nnd A. d'Almeida vom Jahre 1748-1753. 2 Bände in Octav folgte. Im Jahre 1323 begründete der englische Missionar Medhurst eine Officin, aus welcher mehrere sprachwissenschaftliche Bücher von hohem Interesse, zum Beispiel sein eigenes vergleichendes Wörterbuch der chinesischen, japanischen und Koreasprache von 1335. in Octav, Gericke's „Anleitung zur Kenntniß der javanischen Sprache und die Werke der batavischeu Gesellschaft der Künste und Wissenschaften" hervorgangen sind. Auf S u m a tra, der größten der Sundainseln erhielt Benkulen, Hafenstadt nnd Hauptort der britischen Niederlassungen ans der Westküste, 1818 durch die Baptistmisstonare eine Druckerprcsse, mit welcher schon 1820 und die solgenden Jahre Sir Stamford RafflcS „Al-ll-^-ur Äliscelllliiios" ausgeführt worden. Ganz nahe au Asiatische Inseln. — Ceylon. — Philippinen. 325 Benkulen liegt das von den Briten 1720 erbaute Fort Marlborough, wo in neuerer Zeit vom .Jahre 1823 an eine Missionspresse thatig ist. Das erste hier gedruckte Buch ist Robinson's „^.ttvmot to oluoitlste tlie prlixchiles ok tlis ortlw- grapl,)-", 1823. in 8. Bedeutender aber sind die Leistungen ans der ebenfalls der britischen Oberherrschaft unterworfenen Insel Ceylo n, in deren Hauptstadt Colombo der Gouverneur, Gustav Wilhelm Freiherr von Jmhof, von dem Wunsche beseelt, den Eingeborenen das Evangelium in der Landessprache in die Hände zu geben, schon 1737 eine Drnckwertsratr zu errichten besaht, in der Gebet- und Evangclienbücher uud 1771 daS Neue Testament nebst der Genesis nnd dem Exodus in eingalcsischcr Sprache erschienen sind. In neuester Zeit werden in der Gouverucmcntsprcsse anch wissenschaftliche Werke, wie JameS Charter's „«-.-»mm-lr ok tlio Linxalese I^auxu-iAe 1815" und sogar Mich Schöndrncke, wie Moon's „ LawIoAus ok tl>l!»>ts xeo>vin>; in Legion 1824." groß Quart, hier ausgeführt. Im Jahre 1822 wurde in dem nahe bei Colombo gelegenen Dorse Cotta zugleich mit einer Mission auch eine Officin unter S. Lambrick's Leitung eingerichtet, welcher in neuester Zeit eine zweite für kirchliche Zwecke beigegeben wnrde. Schon früher, nämlich 1818, hatte I. Knight in dem Dorfe Nellore bei Jasfnapatnam eine ähnliche Anstalt gegründet. Amboyna, die Hauptstadt der gleichnamigen Insel aus der Gruppe der Molnkken, früher unter holländischer, jetzt nnter englischer Bothmäßigkeit, hat dem Londoner Missionar I. Kam im Jahre 1815 das Geschenk der Presse zn danken. Hier wird seitdem fortwährend in malaischer Sprache gedruckt. Ans der Eilandsgrnppe der Philippinen sollte, dem Historiographen der amerikanischen Typographie Jsaiah Thomas znfolge, die Kunst schon 1590 zu Manila, der Hauptstadt der gleichnamigen Insel eingeführt worden sein. Ribadeneira aber nennt das Jahr 1610 als diesen Zeitpunkt nnd Ädnartc in seiner „Geschickte der Dominikaner-!>>iederlassnngen ans den Philippinen, in China nnd Japan, Saragossa 16S3", behauptet, daß hier die Typographie durch Juau de Vera, einen bekehrte» Chinesen, die früheste Pflege gefunden habe. In der Bibliothek des verstorbenen Orientalisten Langles befindet sich ein japanisches Vocabularium mit der Schlnßschrift: ,,Lon liiceno!^ VN ÄlcNlilil poe l'omil« ?iii^>iil ^ 1»«!»to ivli,ga»rlv-v!>»» tl« 1630." Antonio nennt eine im St. Thomas - Collegiiim 1640 errichtete Presse, welcher Naymnnro Magisa als Drucker vorstand. Im achtzehnten Jahrhunderte wetteiferten hier die katholischen Missionare mit den protestantischen zu Tranqnebar in der Verbreitung des Evangeliums durch Wort nnd Schrift. "Antonio nennt einen „ La- tecisino ^ 'w» oliristliiiuv ei> len^u-l viMMl" (einer aus deu Philippinen üblichen Mundart), welcher zn Macababa, Stadt auf einem jener Eilande, 1671 in Sedez erschienen sein soll. Von Pueblo da Sampaloc ans der Südwcsttüste der Insel Lnxon ocer Manila kennt man eine Grammatik der Pampanga-Sprache von v. Bergamo 1736, uud eine spanische Chronik von I. Fr. de S. Antonio von 1738. Robertson in seiner Geschickte von Amerika nennt Bücher mit dem Druckorte Samplai, wahrscheinlich ein und dieselbe Druckwerkstatt mit Pueblo de Sampaloc. EincS der wichtigeren Erzeugnisse derselben bleibt Martine; de Znniga's „Historie >I<- las Isliis ?Iiili^>!»n«, UN^I'LÜO I'II .Hümnilloo oor I^r. ?odeu .^üglielles >t!o» ivü^ioso I''i"u>ci?;co mio 1803." 637 Seiten in Ouart aus Seideu- papier. Auf Tayabas oder Bagabag, einer der Philippineninsein, wnrden »ach MarSden's Katalog ,,D»>ni»>>o 6s los Kontos, Voc-idulurlo I Uvnu>'t" und daS ebenfalls jährlich erscheinende,, (x»»i»?no!Iii>n ot tl>« I>, it!sl> korel^n Lil>Ie 8vc!ot) " den besten Aufschluß. P e r ^X^-l-rst in der neuern Zeit, um das Jahr (AVl«20, ist die Buchdruckerkunst in Iran oder Persien unter den Aufpicicn des letzten Kronprinzen AbbaS Mirza, und zwar bis jetzt nur erst in der Haupt- und Residenzstadt Teheran und iuTabris, nicht aber in Jsfahan, Schiras oder einer andern Stadt des Reiches eingeführt worden. Es kostete viel Mühe, das Vorurtheil dieser Orientalen gegen die Typographie zu besiegen; denn in keinem Lande der Welt steht die Kalligraphie in so hohem Ansehen, als in Persien, wo Feder- kundige und selbst bloße Abschreiber besser honorirt werden, als bei uns die Schriftsteller. Man rühmt und bewundert ihre Werke, wie bei uns schöne Gemälvc. Je heiliger der Inhalt eines Buches, desto weniger darf es nach der Ansicht der Strenggläubigen anders als durch Schrift vervielfältigt werden. Das erste größere zu Teheran gedruckte Buch „Aynul Heywet" oder „die Quelle des Lebens", im Jahre 1240^1824, ist bewunderungswürdig schön und corrcct mit Typen vom Ncskhi-Charakter gedruckt, welche den in der Türkei üblichen Lettern sehr ahnlich sind. Wahrscheinlich stammen sie aus Constantinopcl her. Auf die Quelle des Lebens folgten „Hakk-ul-Jakin", d. i. die gewisse Wahrheit; „ Heywet-ul-Kulub " oder das Leben der Herzen und „Dschitla-ul-Ojnn", d. i. der Klar- machcr der Augen oder anch die Reinigung der Quellen; „ Sad-ul-Miaad", d. i. der Mundvorrath zur Rückkehr und „Halliget-ul-Mullakin" d. i. der Schmuck der Frommen. Diese sechs Bücher, welche sieben starke Folianten bilden, indem das „Heywet-ul-Kulub" zwei dickleibige Bande ausmacht, sind sämmtlich Werke Muhammed Bakir's, des Sohnes Muhammed Takki's, eines der größten s i e n. persischen Gesetzgelehrten, welcher zu Ende des siebcu- zehnten Jahrhunderts lebte und schrieb, (weshalb Hadschi-Chalfa noch nichts von ihm hat) und machen die Halste der bis setzt in Teheran gedruckten Bücher aus. Sie bilden die Blüthe der Dogmatik und Ethik der Schiiten, über welche bisher aus ihren eigenen Werken so wenig bekannt war. Diesen Büchern ist nach dem Muster der zu Constantinopcl herausgekommenen das Druckpnvilegium vorgesetzt, welches ein pomphaftes Lob des Schah's, dann des Neichsintendantcn und des obersten Nichters enthalt. In Teheran erscheint gegenwartig eine gut und correct gedruckte Zeitung. Von den zn Tabris (dem alten Tauris), einer an der Stelle des alten Ekbatana erbauten, ehedem sehr blühenden, jetzt durch häufige Erdbeben verödeten Stadt, gedruckten Werken zeichnet sich Saadi's „Gulistan" nebst der Geschichte der Ket- schcren und der Regierung Feth-Ali-Schah's, ohne Angabe dcs Druckortes und des Jahres (der Drucker ist Mirza Dschiasar), besonders aus. Da Letztere bis aus das Jahr d. H. 1241 -1825 herunter geht, so kann der Druck frühestens erst ein Paar Jahre später erfolgt sein. In Persien wird in neuerer Zeit viel lithogra- phirt, wie die zwei in Teheran erschienenen Korane und mehrere andere religiöse Werke, die zu Jsfahan und Schiras herausgekommen, beweisen. Es muß daher beider Angabe persischer Litcratnrerscheinungcn auf diese zwei verschiedene Druckarten genau geachtet werden. In die Länder von Kabul, Kandahar, Herat oder irgend einen Theil von Afghanistan ist die Buchdruckerkunst nach europäischer Weise noch nicht vorgedrungen, doch sollen auch hier, wie in Tübet, Nepal, China und in der Mongolei Tafeldrucke vorkommen. Syrien. eit Jahrhunderten bildet in dem denkwür- digcn, zwischen dem Euphrat und dem Mittelmeere gelegenen Lande Syrien, welches die Türken Al-Scham, d. i. „Zur Linken", nennen, der Libanon mitten in der Barbarei des Orients eine Zufluchtsstätte abendländischer Wissenschaft. In den Klöstern dieses Gebirges sind nicht nur seit der frühesten Zeit kostbare Mannscripte abgeschrieben und aufbewahrt, sondern seit mehr als zwei Jahrhunderten auch daselbst gedruckt worden. Nach Masch in dessen Ausgabe des „Le Long" Th. II. Bd. 1. S. 67 ist deS Paschalis Eli'S und Joseph Jbn Amima'S arabisch-syrischer Psalter mit der Schlußschrift „in inc>)to et religiös» mnnAsterio Vivllis Xu^nm in Monte I,ibani», 1610. in Folio das erste Hierselbst gedruckte Buch. Hierunter ist aller Wahrscheinlichkeit nach das von Vurckhardt in seiner Reue durch Syrien erwähnte Kloster Kaschaya unweit Kano- bin und Ehden verstanden, wo noch jetzt eine Presse sich befindet. Nach Asseinani's Katalog der medi- ceisch - laureutinischen Bibliothek Ware schon im sechszehnten Jahrhunderte und zwar 1585 hier gedruckt worden, doch wird diese Behauptung durch den französischen Uebcrsetzer von vandlni's „Vo)'sgo -isl-ltie soclet)' oi' Leuxnl", in den 1'raiisilctlons vt tbo liteiar^ Society c>f Uomt)»)-", in dem V0N MorriS herausgegebenen „ ÄI-uI,-!,-; Mimn! »k Iit«ra- ture sn6 seience", in dem ,,1«M'>,!>> ot t>>e ^s!^t!c: socist^v ok (Zreut Liit-nn iui>)' realster »k >»ili!.I> und sorvllln Inllia, Lliini» snu'i!-ti!ln!l en lengiiit I>l!xtecil >>»>' L. 1''er- »-»lilei!" 1550. in Quart und nebst mehreren theologischen Werken auch „^rtos -e I^-i^ ^lonso IoIIi>!i voo-lt»i!»r!o eil lengua c»ste»!>n!» mexlcanit etc. IZn Alexlco on cas^ I> 1'bom!>s, Iilütor/ vk in ^Vmeric?», ^Vorcestei' Klgsüaduisetts 1318. " 8. I'om. I. pgg. 194 und bei „llenr^ Ootton, -l t^pogi-ÄpIiieal ulilr!o on len^u-l xeueral wa v en In. le»-;»^ es^>a!>ola: en los Kevos 1586." in 8. ist ihr frühester bis jetzt bekannter Druck. Die Vater von der Gesellschaft Jesu legten bald darauf auch zn Juli Pueblo eine Werkstatt an, wo unter andern des ?!>lle« I^Ulluvico IZei'tvuiu Vocilbulario I^enz;»^ ^)m!ii!i et«, im^ressu en lü. casa tle Lviii^-iiiuv de ^csii» l<> eu I» ^rovincin. o>- li'i-anclseo clsl L-i»t<> 1612." in 4. gedruckt worden ist. Gewiß wurde auch in Qniro schon früher gedruckt, doch laßt sich die Epoche der Einführung nicht mit Bestimmtheit angeben. Seit 1824 erscheinen hier regelmäßige Zeitungen. Pucbladelos Angelos, 1534 von den Spaniern begründet, seit 1639. Tlascala, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Neuspanien sah schon 1650 des ^ndre-is I''eri er lls Vuldecevi'o „ .^mericae 6!sci'!mi,ia et ccttliollcao reli-zitini« -»eiumnas " erscheinen. GUa - jaauil in der peruvianischen Provinz Quito hatte schon 1824 zwei Zeitungen. Trotz der vielen Wirren und Kriege, denen Peru seit langer Zeit unter- worsen war, wnrde die Typographie bis auf den heutigen Tag, wenn anch mir sparsam gepflegt. Anch in dem portugiesische» Südamerika scheint die Typographie bis auf die neueste Zeit nur im Dienste der Regierung gestanden zu haben. Zu welcher Epoche sie in Rio de Janeiro, der Hauptstadt von Brasilien, heimisch geworden, ist nicht zu ermitteln; doch findet sich eine portugiesischenglische Grammatik von Freitag von 1813. Das „?rojecto po- ^i-->l>luk »!Vl.-i»nül" gedruckt. Buenos Ayres, Hauptstadt der Republik der vereinigten Provinzen von Rio de la Plata, hat seit 1789 eine Werkstatt und beschäftigt gegenwartig mehrere Pressen. Eines der wichtigsten hier gedruckten Bücher ist: „Kernes, ensavo xu»v, IZuenos .^vres v larcu- mon 1816." 3 Voll, in Quart. In Paraguay, wo die Jesuiteu im sechszehnten Jahrhunderte einen klug verwalteten hierarchischen Staat bildeten, wnrde am frühesten zu Santa Maria Mayor oder Calendaria gedruckt. Hier erschien die erste Gnaranigrammatik nebst Wörterbuch. Jetzt hat auch die Hauptstadt Assumption ihre eigenen Pressen. Noch ward die Kunst in folgenden Städten Südamerika'S eingeführt. Zu Cordova, im Gebiete von Buenos Ayres, schon im sicbcnzchnten Jahrhunderte durch die Jesuiten, zn Caruaccas in Venezuela durch den Franzosen Delpcche 1806, zu Montevideo in Buenos Ayres am La Plata- strome, dnrch William Scollay 1807, zu Santa Fe de Bogota in Nengranada 1811, zn Santa Martha in der nämlichen Republik 1823, zu Popayan in der gleichnamigen Provinz von Nengranada 1824, zu Maracaibo iu der Provinz Caraccas 1824, zu Angostura oder St. Thomas de Guyana am Orinocco 1324, Cumana 1824, Panorma, Handelsstadt und Seehafen auf dem JsthmuS von Darien 1824, Bolivar 1825, zu Paramaribo in Snrinam 1826, zu Santjago in Chile 1826 und schon 1327 erschienen daselbst nicht weniger als zehn periodische Blatter. W e st i n d i e n. Da die Kunst bei ihrer allmaligen Ausbreitung in der neuen Welt von Süden nach Norden ihre Richtung nahm, so berührte sie die drei Hauptinsel- grnppen der großen und kleinen Antillen und der Vahamaeilande, oder Westindien, ehe sie in Nordamerika heimisch ward. Auf Haiti oder San Domingo, in der frühesten Zeit Hispaniola, scheint sie nicht eher als zu Ansänge deS siebenzehnten Jahrhunderts Eingang gesun- den zu haben; doch beschränkte sich ihre Wirksamkeit Nordamerika. — Massachusetts. 331 ineist nur auf Gegenstaude der Staatsverwaltung. Nicht einmal Andachtsbücher wurden hier gedruckt, iudem das Kloster Escurial in Spanien für sich allein dies ausschließende Privilegium besaß. Das DruckhauS stand in der Hauptstadt gleiches NamcuS neben der Kathedrale, in welcher die Gebeine des großen Entdeckers Christoph Coluiubus bis 1796 ruheteu. Gegenwärtig sind sie in der Havannah. In spaterer Zeit errichteten die Franzosen auch zu Port au Priuce (um 1740), zu Cap Fran- 9ais 1791 und zu Cayes Druckereien, deren Thätigkeit gegenwärtig ziemlich lebhaft ist. Kingston, Hauptstadt auf der Insel Jci- maica, übt die Kunst seit 1720. Bridgetown auf Barbados, wo David Harrcy aus Philadelphia 1730 die erste Presse errichtete. Basse- terre, Hauptstadt auf der Insel Christoph, von den Briten St. Kitts genannt, 1747. San Jago de la Vcga, ans dem gleichen Eilande, seit 1756. St. John oder St. John's Town, Hauptstadt der Insel Antigua, erhielt durch Benjamin Mccom eine Presse behufs des Druckes einer Zeitschrift 1748. Christianstadt ans der Insel St. Croir 1770. Montcgo Bay, Stadt auf der Nordküste von Jamaim, 1775. In St. George, auf der Insel gleiches Namens, der größten ans der BermudaSgruppe oder der Sommerinseln, wurde die Kunst durch S. Stockvale im Jahre 178Z eingeführt, in dem nämlichen Jahre auch zu Nassau auf dem Eilande New- Providencc, aus der Gruppe der Bahamainseln. Havannah, Hauptstadt der Insel Cuba, im Jahre 1737. St. Pierre, im Westen des Ei- landeS Martinique 1808. N 0 rd a in der Geschichte der Typo- (^>^^ graphie auf der zweiten Erdhalbkugel, ist der Umstand, daß hier die Kunst nicht von der Religion nnd Moral, sondern von der Politik und Nationalindustrie auSgiug uud die früheste» Wiegendrucke nicht, wie fast in allen andern Ländern, AnSzüge aus der Bibel und theologische Abhandlungen, sondern politische Zeitblätter und StaatS- schristen ausmachen. Massachusetts, 16 3 9, nimmt die Ehre der Einführung der Buchdruckcrkunst vor allen andern Staaten Nordamerika's in Anspruch. Die ersten britischen Ansiedler dieses Freistaats in Neuengland kamen 1628 in Salem, später Charlcstown genannt, an und gründeten uuter dem GouverneurWenthrop 1631 dieStadt Cambridge. Bildung der Jugend war ihr Hauptaugenmerk und m e r i K a. Errichtung von Schulen und Buchdruckerkunst als das beste Mittel zur Erreichung dieses Zweckes anerkannt. Als Vater der nordamcrikanischen Presse kann Jesse (Joseph) Glover, ein frommer Prediger, angesehen werden. Er nahm den Druckapparat von England mit, starb aber wahrend der Ucberfahrt auf der See. Dessen Wittwe gründete 1638 zu Cambridge die erste Werkstatt. Da Boston, nur durch den Karlsfluß von diesem frühesten Niederlas- sungSpuukt getrennt, bald mehr Ansiedler zählte, so wurde auch die Presse hierher verlegt und John Dayn übernahm von 1639-1649 die Leitung derselben. Das erste in Amerika gedruckte Buch war „l'Iie I?i-sem!ln's 0»tl>" von 1639, welchem sehr bald „^11 ^IinilNlielc, e»>enlutev Ln^Iilnil, ti^ ?iei-ce, mariner 1639" uud „ l'»« l'sübn» in Netrs" etc. 1640 folgten. Diese Bücher zeigen große Unvollkommcnheit im Satze. Dayn'S Nachfolger war sein früherer Gehülfe, Samuel Grccn von 1649 332 Nordamerika. bis 1702, in welchem Jahre er zu Cambridge starb. Seine früheste Arbeit war ?Wtl'orm ok LtinrcK viscl^Iins", 1649 in Quart und tragt überall Spuren seiner Unbekanntschaft mit dem Druckverfahren. Marmadukc Johnson, ein geübter Typograph, wurde im Jahre 1660 von der britischen Gesellschaft für Ausbreitung des Evangeliums unter den nord- ameritanische» Indianern nach Cambridge gesendet, um dnrch seine Kunst zu diesem Zwecke mitzuwirkeu. Erdrückte John Elliot's „0»n>mnn!»n ok elnirclieg" 1665 in Oetav und neun cmdere theologische Werke. Bartholomänö Green, Samuels Sohn, unterstützte ihn eine kurze Zeit hindurch von 1690-1692 in diesem Geschäfte. Nun trat Boston mit einer vom Harward- Collegium errichteten Presse in die Schranken. John Förster wirkte hier von 1676-1680. Als »ach dessen Tode kein Drucker vorhanden war, übernahm Samuel Sewall, ein Rechtsgelchrter und Mitglied des Magistrats, von der Regierung aufgefordert die Leitung derselben. James Glen führte, so gut es gehen wollte, die Aufträge aus, bis im Jahre 1632 Samuel Green der Jüngere ihn mit Sachkenntniß unterstützte. Richard Pierce um 1670, Bartholo- mäus Green von 1690-1732 und John Allen von 1690-1724 setzten das Geschäft ans Rechnung dcS Kollegiums oder des Magistrats fort. Benjamin Harris ist der Erste, welcher auf Veranlassung von Buchhändlern von 1690 bis 1694 in Boston druckte, in welchem letzteren Jahre er wieder nach London zurückkehrte. TimotheuS Green, deö jüngeren Samuels Sohn, war Buchhändler und Buchdrucker zugleich und übte letzteres Geschäft vou 1700-1714. Eine ganz eigenthümliche Erscheinung in der Geschichte der Tvpographie von Amerika ist James Printer oder Jakob der Drucker, ein Indianer aus der indischen StadtHossanamesitt(jetztGraston im Staate Massachusetts). Als Knabe iu der Armenschnle zu Cambridge erzogen, erhielt er bei der Taufe den Namen JameS, kam 1659 zn Samnel Green in die Lehre und druckte alsdann mit diesem die erste Ausgabe der indischen Bibel. Als der Krieg zwischen den Weißen und Rothen ausgebrochen war, lief er von Vaterlandsliebe getrieben von seinem Lehrhcrrn fort und focht in der Reihe der Indianer gegen die britischen Kolonisten, und kehrte erst nach dem Abschlnsse des Friedens wieder zu seinem Geschäfte zurück. Der englisch - indianische Psalter von 1709 mit der Schlnßschrift.' „IZostvn, zvs. L. xrlnteä b)' L. - tlie Iionourabls Lompan)' tor tlie pi'o^nxütion cik tlie dospel »mvngkt tlis Inäi-ms in 15nglans cover ok an 0I6 boolc Its conteiits worn out ^»6 strikt ok its lettering srnl gildinA ) I^ios boro, koos worlc Itsolk sluvll not do lost, I?or it >vill, ss Iio bolisvod, appear oncs mors In s no>v ^ncl inoro bosutikul eilltion, <üorrecte6 »n6 ->inei"loi-)-Ii>iieroI» 5 tsn -s ga L tla I. tle e tli « ts° 8 wu D ka <^ tsa ^ tse w tsi wo ^ yu h- e-, wa «89 we G wi ^. y° 5. u V la v3 ya ye y- o u L g» ^ ma K e '1' S o 5 gu ^ lm 6 na 5- ge x gi ^ go r° h>. ^ lu ^ hna ? he ^ hi ^ l)° AI l>. o- n>l « »ah F le k> li s lo ^ mu s W! T qua VI me II IIÜ ^> IN» ^ nu II stl K s ^1 no K ni 2 no qnu gvs tu v s« qne ^ am «V"> qno n> su v tü- l» da 4 ft I, si so s du cv- ts>- ta de ^ di ^ do ^-1'^ --x» tln wu Kritische C o l o il i e n. 1 7 6 6. In Neu-Schottland ist Halifax die Stadt, wo die erste Officin durch Bartholomaus Grecn, den Urenkel jenes frühesten Begründers der Typographie zu Cambridge und Boston, im Jahre 1766 ins Leben trat, wo hierauf John Bushell, Anthony Henry Robert Fletcher, John Howe und Andere rühmlich mit einander wetteiferten. Hatte die Kunst nach Beendigung des Krieges 1784 in Neu-Braunschweig Eingang gefunden, so war sie schon vor dem Beginne desselben kurz nach der Eroberung der Briten in Canada bekannt und zuerst in der Hauptstadt Quebeck durch Brown und Gilinore ausgeübt. Montreal trat 1775 durch die Bemühuugen von Charles Berger und F leury Mesplet in die Reihe der amerikanischen Drnckorte ein. Ueber die Typographie im Allgemeinen, besonders aber über den Druck der bis zu einer unglaublichen Anzahl herangewachsenen periodischen Blatter, Zeitungen und Journale hat Jsaiah Thomas in seiner „ Histor^ ok niintlng in America ^vltli a Lio^eanliz' ok Printers ->nü an ^ceount ok?>1e>vsni»nkrL. >Voi> csster (Kl-ls^ebusetts) 1810." 2 Bde. in Octav, ausführlichen Bericht erstattet. Schon im Jahre 1823 gab es nach Balbi's Berechnung auf der ganzen Erde über 3163 Zeitungen, von welchen 2140 in Europa, 978 in Amerika, 27 in Asien, 12 in Afrika und 9 in Australien herauskamen. Die Vereinstaaten von Nordamerika mit einer Bevölkerung von 11 Millionen hatten allein über 800 Journale, während Großbritanien nebst allen seinen Kolonien bei einer Einwohnerzahl von 142 Millionen deren nicht mehr als 588 zahlte. Dasi die Amerikaner unserer Tage, gleichwie sie ! den Europäern in so manchen Zweigen der Nationalökonomie, des Handels und des Gewerbfleißes vor- angccilt sind, denselben auch i» der Typographie nicht nachstehen, beweiset ^ol»i velanelu's „ln-mir? into tbe orl^in ok tl>s g»tiv »1 tlie Kort!>ern »vor tlioso ok tlie Kviitlier lnünisnliero b)'lame« 1i»I°!>t»z" ^ wovon aber nur 20 Bogen fertig wurden) vom Jahre VII der Republik; Lockmau's „Zabeln", arabisch und französifch (au Kali-o, >I» I'Impi'imln'!« »!ttii»,!»le, /^n VIII); Dcsgenetteö „Abhandlung über die Pocken" 1800.; ! mehrere auf den Tod Kleber's sich beziehende Schriften nnd die zwei Zeitungen „Ourler 'i'ucti(lor »II VI ju«>ju' !NI 20 pi'iill'iiü IX in 4." und „Oecülls IZx)^tlenus, joui'nsl IltvriüiL et d'oecoiionl!!! ^>a>!l.l>ju<; VII-IX. 3 V»II. in 4." Auch in A l crandrie n war damals eine Officin unter I. I. Marcel's Direclion. Im Jahre 1824 druckte hier Alerauder Draghi des britischen Consnls HcnrySalt's beschreibendes Gedicht „ IZgvpt" in 8. Die üid>!»t!>Iursniv nennt mehrere in dem befestigten Dorfe D sch izeh gedruckte Schriften mit der Jahrzahl 1800 und 1801, so daß die sämmtlichen von den Franzosen in Aegypten anSgc- führten Drnckgegenstande auf ungefähr 20 Stück anzuschlagen sind. Der ralhselhastc, aber bei allen Fehlern großartige Mehemev Ali, der Schöpfer einer neuen Periode für Aegypten, hat nebst seinen Planen sür Alleinherrschaft die Bildung seines Volkes zur Aufgabe seiues Lebens gemacht und im Jahre 1822 ans eigene Kosten zn Bnlcck, einer Vorstadt von Kairo, eine hohe Schnle nnd eine damit verbundene Bnchdruckerei errichtet. Aus dieser sind Werke aus fast allen Zweigen des menschlichen Wissens hervorgegangen, als an Wörterbüchern: der arabisch-türkische Kämüs, das persisch-türkische Burhäui - Kätii, daö arabisch - persisch - türkische Tohsct des Wehbi und daZ arabisch-türkische Nochbet desselben Verfassers. An grammatikalischen Werken: die Snmme der arabischen Formenlehre Dschuiulct - cö - Sarf, die Elfijje des Jbn- Mälik uud eiu arabischer Commcntar dazu, die Adschrumijje des Sanhadschi nnd die grainma- tikalischc Analyse des Kefräwi dazu, die Ezherijje des Abu-Hasan-Ali auS Herät, die arabische Syntar des Jb n - Okail und eine andere von dem Scheich Chalid, eine türkisch geschriebene arabische Syntar mit dem Titel: Hiljet en-nähi (der Schmuck 341 der Syntaktiker), eine Summe derselben Dschnmlct- en-nahw und ein anderes Werk über dieselbe El- Schuzur (die Kleinode) betitelt. Ans dem Fache der Theologie : daS türkische NeligiouScompcndinm des Birgili nebst einem Commentar, die heiligen Handlungen der Pilgrimschaft (Menäsik el-hadsch). Ans der Mystik: die Wissenschaft des unmittelbaren Gefühls (IlmiHäl), beide in türkischer Sprache. Aus der Sittcnlehre und Lebensweisheit: die Moral des Ali (Achlaki Ali) türkisch, das Kettle wc- Dimne, arabisch; die türkische Bearbeitung des nämlichen Werkes, daS Hnmäjnn-Nameh; Saa- di's Gnlistan und des Ferideddin Attär's Pend - Nameh, beide letzteren in persischer Sprache. Ans der Mathematik: eine arabische Arithmetik und Geometrie, eine türkische Snmme und Geometrie. AuS der Naturgeschichte: das Buch der Metalle (Kitab el-maädin), arabisch. Aus der Oekonomie: der Kanon des Landbanes, arabisch. Aus der Technologie: der Kanon der Farbekunst, arabisch. Aus der Heilkunde: eine arabische Anatomie (Teschrih el-ebdän), eine arabische Chirurgie (Kitab el-dschiräha), das Buch von der Heilkunde (Kitäb el-tybb), arabisch, das Buch von den Fiebern (Kitäb cl-Humina), das Buch von der Kratze (Kitab el-dschereb), beide in arabischer Sprache von dem französischen Renegaten Clot-Bcy, Chef des ganzen Medicinalwesens in Aegypten, ferner eine Veterinärknnde (Vaitharat el-chail). Ans der Geschichte: Weisi, das Leben Muhammed's, türkisch; Geschichte der alten Philosophen, arabisch; Geschichte Afrika's, Italien's, Vuonaparte's und Wasif's Geschichte des vsmanischen Reichs, alle vier türkisch; Geschichte deS Scheich Resaa (eines Zöglings des ägyptischen Instituts iu Paris) von Frankreich und seines Aufenthaltes daselbst. Aus der Erdkunde: eine arabische Geographie (Dschagrä- fie). AuS dem Gebiete der Nomantik: die tausend und eine Nacht, arabisch; Erzählungen eines Papa- gey's, türkisch; das Snlcimän - Nämeh oder der Roman vom Leben Salomo's. Briesmustersamm- lnngen: zwei arabische, vom Scheich Attar und vom Scheich Maraa; zwei türkische, von Chai- rät-Efendi und von Apiz-Efendi. Dichter: Ali'S Diwan, arabisch; die türkischen Diwane des Nedim, Fitne, Nefii, Ghalib, Nesim, Wehbi und Thalib; der türkisch-persische Diwan des Sami; türkischer Conunentar zum Diwan des Hafiz und endlich ein persisch-türkischer Commentar zu Dscheläl-cddin's Mesnewi. Seit 1823 erscheint in Aegypten eine türkische und arabische Zeitung unter dem Titel „Wekaje Misrise" d. h. Begebenheiten Aegyptens. Seit ungefähr 12-14 Jahren wird in Ceuta, Gibraltar gegenüber, ein politisches Blatt in spanischer Sprache gedruckt. Wichtiger aber ist der Fortschritt der Typographie in Algerien. Kanm war die französische Armee unter Marschall Bourmont am 14. Juni 1830 gelandet, als auch schon die mitgebrachte Armeedruckerei ausgeschifft und in Thätigkeit gesetzt wurde. Schon am 26. Juni 1830 erschien die „IZswtette tt'^ixier". Bald folgten andere Zeit- blättcr, von denen der „?>Ioniteur.Vlxvi-ii-u" in sran- zösischer und arabischer Sprache den meisten llmfang gewann, und Privatpersonen errichteten neben den vfsiciellen königlichen Pressen eigene Druckereien. In Westafrika, an der Küste von Sene- gambien, Kongo nnd Guinea, zumal iu San Salvador und zu Loanda de San Paolo sollen die Portugiesen schon im sechszehnten Jahrhunderte die Buchdruckerkunst eingeführt und für Ncligionö- und Staatszwecke benutzt habe»; doch ist darüber wenig Zuverlässiges bekannt geworden. Auf dem Gebiete von Groß-Bnlam, wo die Briten Factoreien haben, sind z» Frectown, unweit vom Cap Sierra Leone und der GeorgS-Bai nicht nur Schulen nach dem Bell- und Laneaster'schcn Systeme, sondern auch europäische Drnckwcrkstätten errichtet, ans denen nebst anderen Zeitschriften „ roz-->I gaxstte i>»l> Sierra, 1-eons sävertissr" hervorgehoben zu werden verdient. Die Kapstadt am Südrande des Vorgebirges der guten Hoffnung, seit 1806 in dem Besitze der Engländer, erhielt durch die britische Missions- gesellschaft bald nach diesem Jahre eine Offiein. Gegenwärtig erscheinen daselbst eine holländische nnd zwei englische Zeitungen: I'bs e->pe l'onn Lrssette" UNS „l^ie 8out1i-^sri<:ii comüierelal »6- vertiser." Selbst das Hottentottendorf „ Bcthel - dorf" an der Mündung des Zwartzkoptslusses, 342 Australien. 150 Meilen ostwärts vom Cap der guten Hoffnung, erhielt vor wenigen Jahren durch die Londoner Gesellschaft für Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Heiden eine Presse, welche zunächst für die Zwecke der Misston bestimmt ist. Zu Mag nasse, einer Stadt im Lande des KaffernftammeS der Bnschnana's, haben methodistische Sendboten im Jahre 1823 eine Niederlassung begründet und einen Druckapparat aus der Capftadt mir sich genommen, mittelst dessen sie Schul- und Gebetbücher für die Eingebornen drucken. Das erste hier erschienene Werk ist ein Elementarbuch in der Sitschuansprache mit römischen Lettern und der Jahrzahl 1826. Wie an der Westküste, so sollen auch im Osten dieses Erdtheiles und zumal in den Staaten Me- linde und Mozainbique die Portugiesen sehr frühzeitig, wenigstens in den Hauptstädten ihrer Niederlassungen mit einem Schein von Eultnr auch den Buchdruck, jedoch nur für Schul- und AudachtS- büeher, eingeführt haben. Die Inseln sind dem Festlande von Afrika mit der Einführung des Buchdruckes znvorgekommcn. Das früheste Beispiel desselben liefert die Stadt Angra auf Terccira, der grössten der Azoren. Hier trat schon 1583 die höchst seltene historische Beschreibung der Eroberung der Insel Terceira ans Licht, welche den Titel führt: „Kcwn >ugnac!on ^ eonrj»Ij>ta I» iüill l'ercora ^ las (lemns cli-cunveüüins, i'j Iiino von .^Ili-n-o a on ia c!uv Soutb >VsIes " (1818. in 8.) sollen 1795 NegierungSschrislen, offi- cielle Acten uud Documente gedruckt worden sein; allein neueren Forschungen zufolge (s. 6!ct!»ni>r/ ok Printers and printinx, London 1839. xsx. 879") scheint diese Angabe auf einem Irrthum zu beruhen. Der Dnrst nach politischen Neuigkeiten und der Drang nach öffentlicher Mittheilung gab im Jahre 1803 zn der ersten Zeitung „l'Iie Sidney v Sontb-^V-iles ^dvertissr" Ver- anlassuug, welcher sehr bald der „ Sidney H^-lld " nnd 1834 der „l'riis (Zoloui-it", das „Loriivvsll Lbronlcle" nebst den „8i«I,iertb (?ii2ette " und das „Gestern ^ustrnünn lourukl", welche zu Ansang, ehe noch eine Presse errichtet war, in der Handschrift ausgegeben und für Acrmcre an die Bänme angeheftet worden. Die Zügellosigteit des Journalwesens, besonders der Opposttionsblätter „l'Ils Olonii»! I'imss" uud „l'il« l>'»>onii>t", wurde Veranlassung, daß der Gouverneur mit dem erecu- tiven Rathe 1827 ein äußerst strenges Prcßgcsetz einführte, welches jedoch gegenwärtig wieder aufgehoben ist. DaS erste in Ncn-Südwallis gedruckte Buch ist „Illmes Lusdv, on tbs Lultivativn vl'tlie Vin,?", 1825 in Octav. Ein für die Kenntniß der anstralischcn Sprache interessantes Werk ist ein kleines Lesebuch „8pec!inen8 »5 s, diidect ot tl>e ^bvrijzinl!« »k k^vw «ontli-^VsIes", welches der Missionar Threlted in seiner Missionsschule eingeführt hat. Es behandelt das Idiom, welches am See Macquarric bei New- castle gesprochen wird. Ohne dasselbe würden wir kaum etwas von einer anstralischcn Sprache wissen. Sogar auch die Poesie hat auf dem unfruchtbaren, den rein materiellen Interessen gewidmeten Boden Australiens ihre Blüthen getrieben. Drei poetische Werke sind in Sidney erschienen: das eine von Robinson, der an einer Stelle komisch genug „l'lx- Veteran vard of ^.ustralia" heißt, das andere von dem Arzte Parmetts und ein drittes, geistliche Lieder enthaltend, von dem um die Gesittung jenes Erdthciles hochverdienten Priester Lang. Seinen Bemühungen verdankt Sidney die Stiftung eines Gymnasiums, sowie der Gouverneur Briöbane daselbst eine Bibliothek, eine Art von Museum, einen botanischen Garten und in dem nahgelegcnen Paramatta eine Sternwarte begründete. Sogar ist in der Hauptstadt Sidney auch schon ein Theater im Gange. Australiens Inseln. Im Jahre 1803 hat Lieutenant Bowen von Sidney aus auf dem Eilande Vandiemensland mit Soldaten und Dcportirlcn den Grnnd zur ersten britischen Niederlassung gelegt. Schon war dieselbe aber fast ganz durch Mangel aufgerieben, als der Oberstlieutenant Collins, der nachmalige Geschichtschreiber jener Länder, im Jahre 344 Australiens Inseln. 1804 mit etwa 60 Soldaten und 300 Dcportirten anlangte nnd Hobarttown begründete. Auch diese Stadt erhielt 1818 eine Druckwerkstatt, aus welcher unter andern die interessante „Ilistvr^ ok ^liclmei Ilo^ve, tl>e last ottbo ncxttti-iuiglers" hervorgegangen ist. Gegenwärtig erscheinen daselbst 10 periodische Blatter, als- die „1I»d.^t-1'li,vn-Klette", die „ Lolomül l'ime«", das l'üsm-ininn an6 ^Uiitrnl- -»«iatic Kevie» der „ (üoloniiit der l'rom^eter der „!>l»>'»!ng 8t»r", der „ Ilvrndor^", der „I^UUII- cestou .-Vllvertiser", und das „Lori»vi>II <ÜI>rvi>!cIemensl!»i<1 ^nnn»>", Mclville'ö „Ilodart- 1'o^n-!>l!,i;!l?.iii" und die „>VrsatIl" von Olding heraus. Hier ist sogar ein Noman „Humws 8er- vinto»" in Walter Scott's Geschmack erschienen. In der ans dieser Insel nur erst seit wenigen Jahren begründeten Cölonialstadt Lannceston werden schon regelmäßig erscheinende Zeitungen gedruckt. Den britischen Missionaren gebührt das Verdienst, nach vielen vergeblichen Versuchen, welche sie von 1796 bis 1811 uncrmüdet fortsetzten, mit der ChristnSlchre auch die Presse in Polynesien eingeführt zu haben. Auf den Gesellschaftsinscln im stillen Ocean geschah dies im Jahre 1818. Kaum war der große Götzentempel des Gottes Oro zu Tantira in Tejarabne zerstört (1815) nnd der König Pomare zum Lhristenthnin übergetreten, als LeKterer befahl, in seiner Residenz Afarcaitu auf Otahaiti eine Druckerei anzulegen, welche die Insulaner mit Gesetzbüchern, Neuen Testamenten, Schul - und Gesangbüchern versorgt. Der König setzte mit eigener Hand die erste Seite des otahaitischen ABCBuches. Eine mit der MissionSpresse gedruckte Ausgabe der Bibel in englischer Sprache von 3000 Eremplaren war in wenigen Tagen, das Eremplar 3 Gallons (ungefähr 10 Kannen) KokoSöl verkauft. Bald darauf ist auch ciu .UatechiSmnS in otahaitischer Sprache in der nämlichen Officin, wobei schon Eingeborene thätig waren, gedruckt uud unentgeldlich ausgetheilt worden. Die meisten der otahaitischen Bücher haben die Schlußschrift: „l'abitl, zirinteä i>t t!>e ^Vin(I»!»'6 ZVI!s«io» s>ress." BurdersPoint ist eine zweite MissionSstation dieser Insel, wo seit 1821. ebenfalls eine Presse für Neligionszwecke im Gange ist. Spater wurde auch auf dem von Bougainville so reizend geschilderten ! Eilande Huaheine eine Werkstatt errichtet. Auch auf Eimeo, einem kleinen westlich von Otahaiti gelegenen Eilande mit dem Hafen Talu, j dem sichersten und bequemsten ans allen Inseln dieser MeereSgegeuden, wnrde auf Veranlassung der britischen uud fremden Bibelgesellschaft im Jahre 1817 ein Katechismus und „ 8electi>ture 1818 aber das Evangelium des Lucas iu der Landessprache gedruckt. Im Jahre 1822 haben sich britische Missionare auch zu Pateo auf dem Eilande Otahaa niedergelassen und daselbst 1825 eine Druckwcrkstatt errichtet, aus der ebenfalls Auszüge aus der h. Schrift nebst andern Erbauungsbüchern hervorgingen. Ans den Sandwichsinscln wurde die Buch- druckerkunst im Jahre 1821 eingeführt und am ersten Montage des Januars 1822 zu Honoruru auf dem Eilande Owaihi oder Owahu eine Presse in Bewegung gesetzt, deren erstes Product eine englisch-hawaische Kinderfibel (I^nLlisIi-IIgn'AV-ui Iin<;dao>c) war. Bald darauf wurden Auszüge aus dein Alten und Neuen Testamente und nach und nach mancherlei Schul- und Erziehnngsbücher, darunter auch „ 0<>It>n'i»'L 7»teIIect,U!lI ^1 itlimetic " und ^ Vocabularien in der Landessprache gedruckt. Seit 1835 crscheiut unter der Genehmigung des Königs und Stephan Mackintoöh's Leitung eine Sandwichsinselzeitung , zn welcher die braune Majestät mit folgenden Worten die Erlaubniß ertheilt hat: „Hololnli, Owahn. Ich gebe meine Einwilligung, denn es freut mich, die Werke anderer Lander kennen zn lernen, sowie Dinge zu hören, die neu sind nnd die ich gern sehen möchte, wenn ich dort wäre. Ich habe ! zuKinan (demMinister) gesagt: „„ Mache Drucker- presscu!"" Mein Gedanke ist zu Ende. König Kauikcaguli." Privatdruckereien. Großbr cnn Großbritanicn allen andern Staaten i>I>ic»I cstalogus ok l>ooI3 Seiten süllt. Freilich versteht man in England unter dem Ausdrucke „privatel? prwteä doolts" alle diejenigen Werke, die auf Kosten der Krone, des Parlaments oder von Privatpersonen zum alleinigen Gebrauche oder znr Vertheilung au Freunde erschienen, aber niemals in den Buchhandel gekommen sind. Es kann hier der Ort nicht sein, die verschiedenen Prachtwerke aufzuzahlen, welche ans Befehl der Regierung seit Heinrich VIII. an das Licht getreten sind. Der Zweck dieser Blatter verlangt nur einen Ueberblick der Verdienste von solchen Mannern, welche aus Liebe zur Wissenschaft, ohne dem Geschäftskreise der Buchdrucker anzugehören, die typographische Kuust geübt und gefördert haben. Wenn wir die Erzeugnisse, meist Andachtsbücher, ControverSschriften und Pamphlets einiger Klöster, wie zu Greenwich, Norton, Kilkenny und Waterford uud der damals ziemlich häufigen Wandertypographen , als Walgrave, der bald zu Moulsey bei Kingston an der Themse, bald zu Fciwsley in Northhampshire druckte, hier übergehen, eröffnet die chronologische Reihenfolge: 1572. Erzbischof Parker mit der seltenen Schrist: „De antilzuitste dritannicas ecclesiao ntlier" druckte. Bei der auf die Nevolntionswirren folgenden Ruhe des Landes 346 Privatdruckereie». — Großbritanir». und der Abspannung der Geister zu Anfang des vorigen Jahrhunderts waren nur wenige Privat- prcssen in Thätigkeit. Doch kennt mau eine Sammlung loyaler Gesänge und Lieder: collectiv» ok lo^al song« -Mll xoems", welche auf dem Schlosse Naglaud (^K.ixland Oastle) im Jahre 1750 gedruckt worden sind. Eine neue Aera der britischen Literatur begann. Auf die bigotten excentrischen Staats- und NeligionSschristeu folgte die gesunde Milch einer classischen Dichtkunst und Geschichtsforschung. Die erste Presse in den Handen eines Privatmannes, die unS von nun an begegnet, ist diejenige des Lordö Hampden zu Glynde bei Lcwcs iu Snsser, aus der 1770 die beschreibende Idylle „1'>>s Summer Da)'" hervorging. Der berühmte John Wilkes hatte einen Druckapparat in seinem Hause Great George Street Westminster, mit dem er „ l'be NortI» vriton " und Boulauger's nachgelassene und viel berüchtigte „Heclierclies snr l'url^ino tlu tles^>otisms orientul" durch Thomas Former ausführen ließ. Zu Hadford in Cardiganshire, nun Eigenthum des Herzogs von New-Castle, hatte der frühere Besitzer John es eine Presse errichtet, aus welcher die trefflich ausgestatteten Chroniken von „Froissart, Monstrelct und Joinville" hervorgegangen sind. Diese Ausgaben haben nicht wenig znr Kenntniß jener denkwürdigen Perioden des französischen Mittelaltcrs in Großbritanien beigetragen. Zu Hartwell in Buckinghamshire wurden wahrend des Aufenthalts der vertriebenen Königsfamilie aus dem Hause Bourbon geheime Proklamationen und andere Flugschriften zu Gunsten der Legitimität mittelst einer Handpresse gedruckt. Wirksamer jedoch als diese verborgenen Werkstätten im Dienste der Politik waren die offenbaren und größeren Privatofficiuen zu Darlington in der Grafschaft Durham, Stadt mit einer durch die Köuigiu Elisabeth 1S67 gestifteten Freischule, wo George Allan im Jahre 1768 seine nützlichen Arbeiten begann und in großer Menge ruhmvoll ausgeführt hat, so zu Auch inleck in der Nahe von Cumnock an der Straße von Dnm- srics nach Kilmarnock, dem Landsitze Sir Alexander Boswcll's, wo der Enkel des Biographen Samuel Johnson's um 1811 zuerst mittelst einer Rnthven- schen Handpresse defectc Eremplare seiner Vücher- sammlung ergänzte, spater aber durch einen geschickten, ihm von dem achtbaren Typographen George Namsay empfohlenen Werkmeister mehrere selbstständige Werke und einige bis dahin unbekannte Manuscripte vervielfältigte. Einen hohen Ruf haben die Bücher aus der „1,es ?rior> Press", auf dem in der Nahe von Canterbury gelegeucn Landsitze des berühmten Bibliographen Sir Egerton Brydgcs 1813 begründet, welche sich sowol durch die Wahl dcS Stoffes, als durch Eleganz und Corrcctheit auszeichnen. Hier wirkten die geschickten Typographen Johnson, der Verfasser des Handbuchs über die Buchdruckerkunst und Warwick, Beide aus Bensley's Schule. Als Brydges aber uach 1318 aus dem Eontincnte lebte, geriet!) die Officin ins Stocken und hörte 1823 ganz auf, thätig zu seiu. Der eiust so besuchte Musensitz, voll von Schätzen der Wissenschaft und Kunst, ist jetzt verödet. Zu Newcastle am Thue wurde zwischen 1317 und 1825 aus Veranlassung und Kosten mehrerer Bücherfreunde, welche später in eine typographische Gesellschaft zusammentraten, von dem bekannten Hodgson ans jenes gelbliche Papier gedruckt, welches für die neue Ausgabe von Dugdale'S Monasticon > angewendet worden. Die wenigen Eremplare waren stets nnr für die Mitglieder oder zur Vcrtheilung an deren Freunde bestimmt. John Adamsou war einer der eifrigsten Beförderer der trefflichen Newcastle- Ausgaben. Middle-Hill in der Grafschaft Worcester, der Landsitz des gelehrten und liberalen Sir Thomas Philipps, ist cbensowol durch die ausgezeichnete Bibliothek des Eigenthümcrs, die allein über 8000 der kostbarsten und seltensten Handschriften des Mittelalters in sich faßt, als auch durch die von Philipps zuerst iu dem Lro»ä>v^ Ion er (?urris I-ltivieusis) und nachher in Middle-Hill selbst errichteten Presse berühmt geworden, deren zahlreiche und treffliche Erzeuguisse der Baronet durch Edwin Offer unter seinen Angen ausführen ließ und dabei selbst das Amt des Correctors versah. Die weniger fehlerfreien Ausgaben sind während dessen Abwesenheit Privatdruckcrcicn. — Großbritanicii. 347 und längeren Reisen auf dem Continentc entstanden. Der berühmte Alterthnmsforscher I. Hunter vergleicht Sir Thomas Philipps in Hinsicht der für die Wissenschaft geleisteten Dienste mit einem Bod- ley, Cotton und Harley und nennt dessen Manu- scriptensammlung die bedeutendste, welche jemals ein Privatmann zusammengebracht hat. Strawberry Hill bei Twickenham in der Nahe von London, das in gothischem Style erbaute Landhaus des berühmten Horace Walpole, nachmals Lord Orford, ist durch seine hier gedruckten ebenso prachtvollen als zahlreichen Werke zu bekannt, als daß eine wiederholte Beschreibung dieses MusensitzeS hier noch erwartet werden sollte. Die vollständig eingerichtete Officin wnrde im Jahre 1757 mit dem Drucke von Gray's Oden eingeweiht und blieb bis 17S7 in Thätigkeit. William Robinson, Thomas Farmer und Thomas Kirgate waren die Drucker. Nach dem Tode des berühmten Besitzers, dessen geistvoll geschriebenen Werke: „ Liitüloxue «r 1-07»! KNÜ noble autlioi'8; I?ug!t!vs ^!eces; ^necctotes ok naintiii-; !n I^iiglanä; ?Iie O-istle »k Oti^iit», das Urbild aller der unzähligen späteren Geister- und Gespensterromane; mMerions motbor, ^Lllss ^Vul^oü-tn!»?" u. s. w. hier an das Licht traten, ist daS Local der Druckerei von Mrs. Damer zum Modcllirzinmier benutzt worden. Den größten Einfluß auf die Typographie durch Vermehrung der Freunde und Bewunderer dieser Knnst übten die bibliographischen Gesellschaften aus, die zum Theile heutiges Tages noch fortbestehen, wie z. B. der B annatyne Club, an dessen Spitze Walter Scott stand und dessen Wirksamkeit jetzt ThomaS Thomson leitet. Sein Hauptzweck ist die Herausgabe vou Onginalwerkcn oder Erläuteruugs- schriften für die schottische Geschichte. Den Namen führt er von Georg Vannatyne (geb. 1545), dem Manesse der Schottläuder, wclchem man die vollständigste Sammlung der alten Nationalgesänge seines poetischen Volkes verdankt. Der Maitland Club wurde 1828 zu eiucm ähnlichen Zwecke begründet. Präsident ist der Carl von GlaSgow, Schatzmeister: Richard Duucan und Secretair: John Smith. Der Name ist dem schottischen Dichter Richard Maitland (geb. 1496) zu Ehren gewählt worden. Abdruck von handschriftlichen Chroniken oder anderen Docnmcntcn zur schottischen Geschichte und Begründung einer historischeu Bibliothek für Schottland gilt als Hauptaufgabe des StrebenS. Die berühmteste Gesellschaft von Bücherfreunden, deren Vorliebe für alte Drucke nicht selten bis zu einer Art von Manie sich steigerte, ist der Ror- burghe Club, dessen Name von dem Herzoge gleiches Namens hcrstammt, welcher als Büchcr- sammler in so hohem Ansehen stand, daß nach seinem 1804 erfolgten Tode sein berühmtes Eremplar der Valvarfer'schen Ausgabe von „Uoccuccio's Drei»- mcronc " von 1471 für 2260 Pf. Sterling verkauft worden ist. Lord Spencer war Präsident. Die originelle Art der Stiftung dieses Clubs, sowie dessen Wirksamkeit, hatDibdin ausführlich beschrieben. Wiederdruck ganz seltener Bücher, besonders poetischen Inhalts, in größtmöglicher Correctheit uud Pracht wurde einem jeden der 31 Mitglieder znr Pflicht gemacht. Valpy, Bulmer, Nicol und Woodfall in London, Ballantyne in Edinburg und Williams in Eton waren die dazu auserwähltcn Typographen. Da es zu weitläuflig sein würde, von den Werken der genannten Clubs uud Privat- prcssen auch nur eine skizzirte Titelauswahl mitzutheilen, verweisen wir hiermitanfiVIartins, e-tt-üogus «5 priv^tel^ pi'inteu IZoolcs. I^onäon, 1834. in 8. Wie in Frankreich, so haben auch in England einige Mitglieder des Hofes sich mit Typographie beschäftigt. Die Königin Charlotte ließ 1812 auf ihrem reizenden Landsitze Frogmore Lodge bei Windsor eine Presse errichten, ans welcher unter E. Harding's Leitung eine Art von Vlumcnlcse in zwei Bänden unter dem Titel „ l'i-snslatwns trom tt>s Kermnn in pross" (von Miß E. C. Knight) und „ HliücsIIaneons posins" hervorgegangen sind. Merkwürdig in der Geschichte der Typographie ist der Umstand, daß die Knnst nicht nur auf dem festen Lande, sondern sogar auf dem unsicheren Elemente des Wassers ans schwankenden Schiffen ausgeübt worden ist. Bei der Säcularfeier derselben im vorigen Jahrhunderte wurde zu London eine Presse auf das Eis der Themse gezogen und daselbst Gedichte zum Lobe Gntenbergs gedruckt. Ein Werk 343 PrilmtdrucKcreieil. — Frankreich. mit deni Titel: „l^l^o dlooil) Journal lient ^vil- I! Diivillsoii, 011 doarcl ^ Kussisn Ilirate i» tlis V«ar 1739." ist im Jahre 1812 auf dem mittelländischen Meere am Bord des Schiffes „Caledonia" gedruckt worden. Zwei andere kleinere Schriften: „Hie tridnn.il ot tlie Inquisition" und „ Lre^il ancl vnlls" tragen den nämlichen Druckorl mit dem Jahre 1813 an der Stirne. Als Capitaiu Pcirry auf seiner ersten Entdeckungsreise zur Auffindung der Nordwestdurchfahrt in den Jahren 1819 und 1820 im „Winter Harbour" auf der Insel Melv ille (74 Gr. N. B. und 112 Gr. W. L.) von Eis eingeschlossen überwintern mußte, beschäftigte er die Mannschaft des „Hella" mit dem Drucke einer Zeitung: „l'Ke ??ortll (Zeorgia Sa-stts IU,6 hinter (.'lironicle ", deren erste Nummer vom 1. November 1819, die letzte vom 20. März 1820 datirt ist. Frankreich. 1531. Die königliche Buchdruckerei, von Franz 1. begründet, unter der Leitung des berühmten Robert Etienne (Stenlmniis). 1571. Das Kloster St. D en is zu Paris. 1616. Zu Maile, einem Schlosse des Herrn von Daubigne, ist in diesem Jahre die „Histoirs universelle loussllt implimeur oräinaire du clit Sieur" an das Licht getreten. 1617. Schloß Lugn y bei Autun, wo Johann Vicomte von Lugny die etwas freien „Hiemoires cls c?-lsp!l,rist" in 16. unter Leitung Delespine's. 1760. Der Herzog von Burgund setzte und druckte „prieres Ä l'ussge 6es snkans cle Trance. Versailles cle I'imnriinsris cln vnc cls Bourxogns, clirigeo xsr Vincent 1760." in 12. Privatdruckerric». — Deutschland. 349 1760. Madame de Pompadour hatte in ihren Zimmern zn Versailles eine Handpresse, mit der sie Corucille's „ Ko!>!es et ^olitlcjues tiiees 6e lelema- cnie" in Octav im Schlosse zn Versailles unter Leitung Lottin's. 1778. Zn Chanteloup, dem Landsitze des Herzogs von Ehoisenl, hat dieser Minister Ludwigs XV. „Nemon-VL 6e moi-m<'me" für seine vertrautesten Freunde gedruckt. Ein einziges Erem- plar gerieth in fremde Hände nud wurde 1790 zu Paris nachgedruckt. Im Gebäude des Kriegsministcrinms zu Versailles war eine Officin für den ausschließlichen Dienst in Militairsachen bestimmt. 1782. Der weise Benjamin FranNn hatte, seiner Jugendbeschäftiguug treu, wahrend des Aufcuthaltes als uordamerilanischer Abgeordneter am französischen Hofe in seinem Landhause zu Passy bei Paris eine Handdruckerci errichtet, aus welcher unter andern der,,?etit coüe ile IcV raison Immiüne 1782." in 24. hervorging. 1786. In diesem Jahre begründete Haüy eine Druckerei in der Pariser Vlindenanstalt, nm damit die uuglücklichcn Kinder zu beschäftigen. 1787. Für die Versammlung der Notabeln befahl Ludwig XVI. ciue besondere Osficin in Versailles zu errichten und setzte Philippe Deuiö Picrrcs an deren Spitze. Die Imprimei'io ds Hlonslenr (nachmals Ludwig XVIII.) hat in der „ 8-lInts VIdle tra6uite eil Irancsls sur Vulg^te ^>»r AI. I^e Hl^istre 6e 8!>c)'." 1789-1804. zwölf Quartbände, ein Werk geliefert, mit welchem kein neuerer Druck der h. Schrift wetteifern kann. Die Knpfer sind nach Zeichnungen von Marillicr und Monsian von den besten Künstlern Frankreichs gestochen. Kein Land hat so viele geheime Druckereien besessen als Frankreich, wo bald religiöse Versol- gungswuth, bald politischer Parteienkampf das offene Heraustreten der Typographen mißrieth. Wir nennen nur die Handpressen der Jesuiten in Elermont, die „Imi>i!ineuis «I« In, «!>i»te imi»»" aus dem Orden der Benedietiner nud der „ Niinvello» ecele«!i>slii>n. /V^iani" 1534. in Folio, dessen Holzschnitte ebenso vortrefflich als die meisten in anderen baicrischen Druckdcukmälcrn schlecht sind, UUd das „ ^sti'oiiomicmn Laesareum " 1540. in groß Folio. Tycho Brahe, der berühmte Astronom, legte in dem Schlosse Uranicuburg auf der Insel Hnen in Dänemark, in dessen nniuittclbarer Nähe sich auch die „Stierueburg" oder Sternwarte befand, zum Drucke seiner Schriften eine besondere Osficin an uud daß diese trefflich versehen war, gehet ans dessen Werken von 1596-1610 hervor, die man zu den schönsten ihrer Zeit rechnen kann. Wolsgang Graf von Bethlen aus der bekannten siebenbürgischen Dynastenfamilie. Stephan Brechtcl, Mathematiker und Schönschreiber zu Nürnberg, geboren 152Z, gestorben 1574. Jakob Breynius, der bekannte Arzt, hat in seiner Privatdruckcrei den „Viriiluri»s exotlus" 1678. in Folio gedruckt. 350 PrioatdrucKereirn. — Deutschland. Wilhelm Budaeus, braunschweig - lnne- burgscher Leibarzt zu Halberstadt. Johann Bn,rtor f der Aeltcre mit dem Beinamen Kitdbiiwrum öl-lgister, Professor der mor- gcnländischen Sprachen zu Basel. Georg Calirtns, Professor der Theologie zu Hclmstädt. Hcnnig Müller war sein Druckgchülfe. Erhard Cellius, Professor der Poesie und Geschichte zu Tübingen, von dcminandie „Im-i^ines pi-oiessoi-ui» 1'udlngensinm", 1597. in Qnart besitzt. Albrecht Dürer druckte seine unvergleichlichen Holzschnittwerke der Passion, Apokalypse und das Leben Maria in seiner eigenen Officin. Hicrony m us Emscr, Geheimschreibcr und Freund Herzogs Georgs des Bärtigen von Sachsen und LnthcrS Gegner zu Dresden 1525-1527. Anton Ulrich von Erath, Archivar, Geschichtsforscher und Diplomatikcr in Dillenburg, der das höchst seltene „L!l>en!>im lomano-xerminiicum ineltil aevi" im Jahre 1761 mit Hülfe seiner Töchter eigenhändig setzte und druckte, von welchem nicht mehr als zwei Ercmplare bekannt sind. Paul Fagins (Büchlein), Pfarrer in der Reichsstadt Jsny in Schwaben, machte sich besonders um den Druck hebräischer Bücher verdient, 1533 bis 1543. Später lebte er in Constanz und Straßburg, wo ebenfalls einige Werke aus seiner Hand- druckerci hervorgegangen sind. Sebastian Frank, der berühmte Wiedertäufer und Schwärmer zu Ulm (1535-1539). Andreas Frisner, Professor der hohen Schule zu Leipzig, Sensenschmid's Freund und Genosse, ist schon aus der Geschichte der Typographie jener Universitätsstadt bekannt. Ulrich Fugger zu Augsburg hat zur Beförderung der Literatur eine eigene Officin begründet und manches schätzbare Werk durch Heinrich Ste- phauus II. zu Heidelberg 1558 und 1559 ausführen lassen. Dr. Sigismund Grimm und Marr Wie- snng haben zn Augsburg eine typographische Gesellschaft gebildet. Acgidius Gutbier, geboren 1617, gestorben 1667, der bekannte Linguist und Professor der mor- genländischen Sprachcu zu Hamburg. Bohuslaus Hassenstein von Lobko- witz, Geheimschreibcr Kaiser Maximilians II. und Erzkauzler von Böhmen, zn Bologna und ans Reisen gebildet, als Dichter und Redner ausgezeichnet, hat auf sciuem Schlosse Hassenstein mehrere Werke drucken lassen. Iohannes Hevelius, der berühmte Astronom, hat seine „Klncliina celestis" im eigenen Hanse und mit eigenen Typen in Danzig durch Simon Neinegger von 1673 bis 1679, zwei Bände in Folio ausführen lassen, für jene Zeit ein wahres Prachtwerk. Melchior Hoffmann, der bekannte Patriarch der Wiedertäufer iu Holstein und den Niederlanden. Iohann Honterus, auf den hohen Schulen zu Krakau und Basel gebildet, legte in seiner Vaterstadt Kronstadt eine Bibliothek und Druckerei an. Ulrich von Hütten, des Erasmus Freund und Luthers Vertheidiger, tief verletzt durch den Tod seines Vetters Hanns von Hütten, welchen Herzog Ulrich von Würtemberg hatte todten lassen, beschloß diese Greuelthat der ganzen Welt bekannt zu machen. Da er im Vaterlande keinen Drucker finden konnte, welcher sich der Arbeit unterziehen wollte, errichtete er selbst auf seinem Stammsitze Steckelberg in Franken eine Presse und druckte die bekannte „verlorst!» " in lateinischen Versen, welcher der Trostbrief an den Vater des Gemordeten, die fünf „ ?I>UiMi)!»l^rismu8" nebst Apologie und ein Aufruf an König Franz I. von Frankreich znr Rache, in lateinischer Prosa beigefügt waren. Die Schluß- schrift an den Leser, welche den Charakter des stürmischen Ritters trefflich bezeichnet, lautet: „Kes sst nova, res sst strox et bori-snäa, 6!sz>eresin nisi leglsse Vllles", diejenige des ganzen Bnchcs aber: „Hoc I_IIricI,i ii« ^uidusclsm in l'xrsnnum "VVirtsmpei-xensem vl?n« excusum in »rce LtecKelberlc, iunw m. itates exoticae" 1712. bediente. Johann Kepler, der große Mathematiker und Astronom, hat seine in Linz begonnenen „Ephc- meridcn" zu Sagan im Schlosse des Herzogs Albrecht von Friedland und Sagan (Wallenstein) im Jahre 1630 vollendet. Georg Wilhelm Kirsch, Rector des Gymnasiums zu Hof, hat auf eigene Kosten in seinem Hause eine orientalische Officin begründet und mehrere Werke in syrischer Sprache eigenhändig gedruckt. PeterKirsten, Arzt und Rector zu BrcSlau, hatte, durch seine Reisen in den Orient hinlänglich für ein solches Unternehmen vorbereitet, schon 1603 in seinem Hause eine orientalische Druckerei augelegt und dieselbe spater nach Upsala mitgenommen. Georg Engelhard von Löhneyß, Stallmeister nnd Berghanptmann zuerst in Diensten des Knrfürsten Anglist zn Sachsen und seit 158Z des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig, hat auf seinem Rittersitze Nemlingen bei Wolfenbüttcl die „^.ul!co-?olit!c-l" oder „Hof-, Staats- und Ncgicrkuust", 1622. in Fol., und „vellae-lvallei!^", gründliche Berichte von Allem, was zn der löbl. Ncntercy gehörig nnd einem Cavallier zu wissen von Nöthen ist, 1624. gr. Fol., mit großem Kosten- aufwaude au das Licht treten lassen. Hiob Ludolph, der große Staatsmauu und Linguist, geboren 1624, gestorben 1704. Nicolaus Marsch all, der gelehrte thüringische Edelmann aus der noch jetzt blühenden Familie von Marschall, dessen schon bei Erfurt, Wittenbcrg und Rostock Erwähnung geschehen, hatte ans eigene Kosten eine Officin errichtet und alle seine Werke durch Günther Winter ausführen lassen. Thomas Münzer, der Urheber des Bauernaufstandes in Thüringen, hielt sich zn Altstädt einen eigenen Drucker für seine schwärmerischen Schriften, welcher aber 1524 auf Befehl des Herzogs Johann daö Land räumen mußte, weshalb er von nnn an stets eine Handpresse zum Drucke seiner aufrührerischen Tractate bei sich geführt haben soll. Ulrich P inter, Doctor der Arzneiwissenschaft zu Nürnberg, dessen „beschlossen gart der rasen- Kratz marie", Nürnberck, 1505, zwei Bände in Fol. mit Holzschnitten zu bekannt ist, als daß es hier einer Beschreibung bedürfte. Franz Anton, Grafvon Sporck, Statthalter in Böhmen unter Leopold 1. und Joseph 1., hat auf seinem Gute zu Lissa im Bunzlancr Kreise eine ansehnliche Officin begründet, auS der viele polemische uud aScetische Schriften hervorgegangen sind, bei deren Druck seine beiden Töchter Eleonore und Katharina durch Übersetzungen auS dem Französischen sehr thätig waren. Lconhard Thurneysser zum Thnrn, brandenbnrgischer Leibarzt, einer der merkwürdigsten und abenteuerlichstcu Menschen des 16. Jahrhunderts, erhielt von dem Kurfürsten das graue Kloster zu seinem alchemistischen Laboratorium, legte daselbst eine Buchdruckerei au, worin er die meisten seiner Werke selbst druckte, als: seineu Tractat „6s eomew", seinen „Pison oder zehn Bücher von kalten nnd warmen mineralischen Wassern"; „Ncisc- und Kricgsapotheke"; „.-Uclicmia nwgna"; „(Zuo- m-lst!coii piilv^Iottum ^rcli!iuu«" zu Augsburg, deren Seele und Triebfeder David Höschel war, hat Zapf eiue besondere Schrift gewidmet. ES gebricht hier an Raum, aller der unzähligen Klosterdruckereien zu erwähnen, von denen auch nur wenige von längcrem Bestände waren. Das Ambrosiauische Kollegium zn Mailand, die ^>x^at,i» 6e ^ro^>!>^»nI 1833. 5iren?e 1833." in Folio und „l'-N'tini, sul bonikckunento ma- remmü toscans. I<'iren2<: 1838. " 8. UUtcr den AllgeN dcS hochhcrzigen Fürsten hervorgegangen sind. Dritte Abtheilung. Kurze Geschichte des Mechanismus u n d der technischen Ausbildung des DuchdrncKes. lleS Schöne und Große I ist einer stets wachsenden Vervollkommnung fähig, so auch die Typographie. Durch Kosters, Guten- bcrgS und PfisterS Scharfward die Kunst erzeugt, durch Schöffers Einsicht, Fleiß und Eifer schon in der Wiege gekräftigt, durch Jenson und Aldus in dem blühenden Jugendalter gehoben, durch Plautin, die Giunti, Etiennes und Elzevire groß gezogen und in neuester Zeit durch BaSkerville, Bodoni, Jbarra und Didot mit allen Reizen der Schönheit geschmückt. Die Riesenfortschritte aber, mit denen dieselbe in unseren Tagen der Vollendung entgegeneilt, wer vermöchte sie innerhalb der Grenzen weniger Bogen zn schildern? Die Worte verstummen, wo die Erzeugnisse sprechen. Lange war das Verfahren des Buchdruckes ein höchst einfaches, aber auch die Einfachheit hat ihre Größe! Die Typographen waren ursprünglich Stempelschneider, Schriftgießer, Setzer und Drucker zugleich, häufig sogar selbst Pressenbauer und ihre Werke wurden durch sie selbst verkauft. Erst im sechszehnten Jahrhunderte, nachdem der Buchhandel von dem Buchdrucke sich trennte, gewann Letzterer an Ausdehnung und im siebcnzehnten Jahrhunderte, als die Stempelschneidekunst und Schriftgießerei zu einem besonderen Geschäftszweig erhoben worden, an innerer Ausbildung des Mechanismus, indem man jedem einzelnen Knnstzweige eine größere Aufmerksamkeit zu widmen im Stande war. Pressen bau. Der erste Schritt zur Vervollkommnung dcö Bücherdruckes, nachdem die Haupterfindnng der beweglichen Typen gemacht war, geschah durch die Presse, deren Stelle früher der Nciber vertreten hatte. Gutenberg erbaute dieselbe nach dem Vorbilde einer Weinkeller. KönigShofen's Ehronit sagt: „So war auch die älteste Preß als Holzin und wie ein Trott, damit man allerhand Safr austrottet, formirt." Das altdeutsche Wort „trotten" wird noch heut zu Tage in der Schweiz nnd in Schwaben für „keltern" gebraucht. In den ersten hundert Jahren wurde nichts an der einfachen Vorrichtung geändert, bis Danner in Nürnberg zuerst die messingene Spindel anwendete. Nach uud nach hat man zur Erleichterung des Zuges zwei eiserne Ben- gel angebracht, statt der hölzernen Tiegel auf zwei Züge wurdeu eiserne nnd messingene ans einen Zug gemacht und die steinernen und hölzernen Fundamente dnrch eiserne ersetzt. Wahrend der Periode des Verfalls des Buchdruckes im siebenzehnten Jahrhunderte blieb die Presse unbeachtet. Gntenberg's Nachfolger glaubten genug gethan zu haben, wenn sie alle Sonnabende den Staub von derselben abwischten. Erst gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts ward sie wieder ein Pflegekind des 354 Pressenbau. Erfindungsgeistes; aber nun folgten die Verbesserungen auch so schnell ans einander, daß es Erstaunen erregt. Den Ban der gewöhnlichen Druckerpresse als bekannt voraussetzend, da sie noch in kleineren Ofsi- cinen fast allgemein im Gebrauch ist und in größeren als Reliquie einer „guten alten Zeit" ausbewahrt wird, auch Abbildungen davon auf den Ausgaben deS IodocuS Badius von Asch oder Aseeusius, sowie in Dibdin'ö vecameron II, 118-121, vorkommen, unterlassen wir die nähere Beschreibung nnd beschranken unö auf die bis zu unseren Tagen damit vorgenommenen Verbesserungen. Wilhelm Janssen Blaeu oder Vlaew, Tycho Brahe's Schüler und Freund, den wir schon als ebenso großen Mathematiker, Astronomen nnd Geographen, wie einen der thatigsten Typographen Hollands kennen gelernt haben, fand um das Jahr 1620 so viele Mangel an dem Baue der alten Presse, daß er sich entschloß, diesem Uebel abzuhelfen. Hierin war er so glücklich, daß er nenn Pressen von verschiedener Art bauetc und sie nach den neun Mnsen benannte. Ihre Vorzüge wurden alsobald anerkannt nnd in wenig Iahren sah man dieselben durch die Werkstätten der Niederlande verbreitet. Nachdem sie späterhin auch den Weg über die Grenze von Belgien hinaus und diesseits deS Rheins gefnnden, wurde sie zwar treulich benutzt, derselben aber in der Folge nicht mehr gedacht. Einer der Ersten, der auch diese Pressen wieder namhaft vervollkommnete, war Wilhelm Haas (der Vater), in Basel um 1772. Er ließ die Spindel durch ein oben bogenförmiges metallenes Gestelle gehen, brachte den Vcngel, wie bei Münzwerken, an dem oben hervorragenden Kopfe der Spindel an und versah das andere Ende dieses Hebels mit einer Schwung- kugcl. Der Drucker konnte also, indem der Preß- bengel einen weit größeren Bogen beschrieb nnd in Schwung kam, leicht eine stärkere Kraft ausüben. Da HaaS kein zünftig gelernter Buchdrucker, sondern blos Schristgießer war, so durfte er selbst seine Erfindung in seiner Vaterstadt nicht benutzen, bis sein Sohn die zuustmäßigen Rechte erworben hatte. Dies ist die Ursache, warum sie anfänglich nur wenig bekannt und erst in den neunziger Jahren auch außerhalb der Schweizergrenzcn Anwendung scmd. Die von Vater und Sohn in den Jahren 1772 und 17S0 über diese Vervollkommnung herausgegebenen Druckschriften sind bereits sehr selten geworden. Beider Verdienste um die typographische Kunst sind in I. H. Meyer's Journal für Buchdruckerkunst zc., Jahrgang 1837. S. 39-46, gewürdigt. Im Jahre 1777 erfand I. G. Freitag in Gera eine Presse ohne Bcngel und Schraube, durch den Fuß zu dirigiren, welche aber nicht in Gebrauch gekommen ist. Eine ähnliche Presse lieferte 1795 Joseph Ridley in England mit veränderter Druckerzeugnng. Didot, Anisson, Gaveaur, Thonne- lier, Villebois und Frapie in Paris machten sich um die Vereinfachung der Pressen verdient. Seitdem nnd namentlich seit 30 Jahren ist eine große Anzahl neuer Pressen entstanden, bei den meisten Tiegel nnd Spindel beibehalten und letztere durch eine künstliche Hebelverbindung in Umschwung gebracht worden, so daß der Druck ohne größere Anstrengung von Seite des Druckers sich bedeutend verstärkt. Der Tiegel wird durch Gegengewichte wieder gehoben. Bei einigen steht (wie bei Münz- maschincn) ein Schieber zwischen der Schraube und dem Tiegel. Mit solchen Pressen kann man die ganze Form oder die halbe des größten Formats aus einmal abdrucken. Nebst den genannten Männern haben sich um den Pressenban noch die Briten Ro- worth, Medhurst, Hope, Russell, Staf- sord, Hoc, Nowland Hill, Prosser und Brown nicht unerhebliche Verdienste erworben; doch hat nur Medhnrst'S einfache Bauart bleibende 'Anerkennung gefunden. Bei den meisten ihrer Pressen wird der Druck zugleich durch Anwendung eines Keils oder einer schiefen Fläche bewirkt. Bei einigen neueren hingegen geschiehet derselbe nicht dnrch eine Platte (Tiegel), sondern mittelst einer Walze, wie bei dem Kupferdruck, unter welcher der Karren mit der Form durchgezogen wird. Dergleichen Cylinderprcsscn haben Shuttleworth in London, Strauß in Wien, Bnrks in Paris u. A. angegeben. Es dürfte zu weit führen, hierein vollständiges Verzeichnis) aller Pressen der neuesten Zeit, sowie Prcffenbnu. 355 die Geschichte von deren Erfindung und die Methoden ihrer Anwendung mitzutheilen. Die engen Grenzen dieses Werkes gestatten nur die vorzüglichsten herauszuheben. Den ersten Rang nehmen die eisernen Pressen ein, die nur eines ZugcS bedürfen, den Arbeiter im Krastaufwande schonen und zu jedem Drucke angewendet werden können. Mit der S t a n h o p e - P r e sse, welche ihre Entstehung und Benennung dein für alle Zwecke der Humanität rastlos thatigen Lord Stanhope (geb. 1753, gest. ISIS) verdankt, und mit dem Jahre 1800, wo sie beendigt in Bulmers berühmter Officin zu London aufgestellt wurde, beginnt eine neue Periode für den Bücherdruck. Das gußeiserne Gestelle, welches aus einem Stücke gemacht ist, ersetzte die Wände, Krone, Ober - und Unterbalkcn und die Brücke der gewöhnlichen Presse. In dem oberen Theile derselben ist eine Nuß zur Aufnahme der Schraube befestigt, deren Spitze auf den zwischen zwei senkrechten Wanden angebrachten Schieber wirkt. Der Tiegel sitzt an dem unteren Ende des Schiebers, ist genau zwischen die Führer eingepaßt und muß daher bei dem Drehen der Spindel parallel steigen und sinken. Der Bengel, anstatt wie bei hölzernen Pressen von der Spindel in der Mitte des Raumes der Wände auszugehen, ist an einer Säule befestigt, welche die diesseitige Wand übersteigt. Die Schwere des Tiegels und des Schiebers wird durch ein hinter der Presse angebrachtes Gewicht im Gleichgewicht erhalten. Zwei vorstehende, aber mit dem Körper verbundene Stücken vertreten den Unterbalken und tragen den Karren bei dem Abdrucke, welcher mittelst einer Kurbel und eines Lederriemens aus - und eingefahren wird. Die Bewegung der Schraube mittelst zusammengesetzten (doppelten) Hebels bildet die Hauplvcrbesseruug der Stanhope-Presse. Die Vortheile sind Ersparnis; der Mühe und Zeit. Der Abdruck einer ganzen Bogenslache wird durch einen Zug ohne Kraftaufwand gewonnen. Eine Beschreibung uebst Abbildung liefert außer den Werken eines Hansard, Hasper u. A. das Journal für Buchdruckerkunst :c. 1834. Lord Stanhope soll die erste Idee zn seiner jetzt allgemein verbreiteten Presse, die er durch den Mechanikus Walker in London ausführen ließ, von dem berühmten Baseler Typographen HaaS erhalten haben. Seitdem hat dieselbe eine Menge Abänderungen zu ihren Gunsten erhalten. In Deutschland hat man den Galgen durch eine einfache Vorrichtung ganz entbehrlich gemacht. Die Ruthven-Prcsse, nach ihrem Erfinder, dem Edinbnrger Buchdrucker John Ruthven, welcher 1813 darauf ein Patent erhielt, so genannt, ist lange Zeit in Großbritanicn, Rußland und Amerika im Gebrauche gewesen. Sie unterscheidet sich dadurch, daß die Form nicht auf einem Karren, der hinein- und herausgefahren werden kaun, sondern auf einem flachen Tische liegt, woran die Deckel, Rähmchen und Puucturcu angebracht sind und daß der Tiegel Räder oder Rollen hat, die ihn in der Höhe erhalten, während er über die Form gebracht wird. Zwei Hebel, ein kürzerer und ein längerer, bewirken die Kraft. Diese, sowie alle andere Theile der Maschinerie sind unter dem Tische angebracht, wodurch bei gleicher Kraft viel Raum erspart wird. Eine Abbildung giebt Hansard S. 651; eine ausführliche Beschreibung das Journal für Buchdrucker- knnst -c. 1835. S. 3-8. Die Columbia-Presse, Erfindung des Amerikaners George Clymer in Philadelphia, erzeugt ihren Druck dnrch wahrhaft bewunderungswürdige Zusammensetzung eines großen Hebels zwischen zwei Flachen, der Tafel und dem Tiegel und wird durch einen Bengel, der an der Preßwand rechts oder in der Mitte angebracht ist und mit dem Hebelwerk in genauer Verbindung stehet, in Bewegung gesetzt. Seit 1818 ist sie fast über ganz Nordamerika und Europa verbreitet, der beste Beweis für ihre Brauchbarkeit. Beschreibung und Abbildung s. in Meyer's Journal 1334. S. 95 u. folg. Gleichzeitig haben Moore in England und Ruggle in Philadelphia nach den nämlichen Grundsätzen eine Presse gebaut, mit dem einzigen Unterschiede, daß hier der Hebel mittelst zusammengesetzter Hebel durch die rechte Hand niedergedrückt wird, statt bei Clymer'S Presse mittelst Rad uud Kette. Die Coggcr'sche Presse weicht sowol in dem Grundsatze des Mechanismus als in der Form von den beiden früheren wesentlich ab. Die Preßwände von Schmiedeeisen, mit gußeisernen Röhren 356 Presscnbau. umgeben, sichern ihr ungewöhnliche Haltbarkeit. Ein zusammengesetzter querarmiger Hebel, der beim Ziehen den vierten Theil eines KreiseS beschreibt, setzt zwei Stückchen Stahl mit converen Enden in Bewegung, die sich ans schiefen Flachen drehen und steigert die Kraft, wenn der Tiegel dem Druckpunkt sich nähert. Letzterer wird, statt dnrch Gegengewicht, mittelst starker Spiralfedern gehoben. Beschreibung und Abbildung siehe in Meyer's Journal 1834. S. 62. DanielTreadwell, aus Nordamerika, gab seiner Presse die zum Abdrucke nöthige Kraft durch einen Tretschemel, statt des horizontalen Hebels. Tisch und Karreu ist wie bei Nnthven's Presse und der Tiegel legt sich mit dem Deckel und Rähmchen auf die Form. Trotz ihrer Vorzüge hat sie wegen deS allzu großen Raumbedarfs nicht allgemeinen Beifall erhalten. Barclay' sDrehpresse mittelst eines Spiral- hebelö (Kotlll-)' swiiilai'ä press), wodurch der Tiegel aufgezogen wird, mit Walzen, Keil und schiefen Flachen hat des Patents vom Jahre 1322 ungeachtet, nicht nur äußerst geringe Anwendung, sondern bei Hansard Seite 663 eine sehr strenge Beurtheilung gefunden. Eine ausführliche Beschreibung liefert das Londoner „Journal ok.^rts llNll Sciences /V^rit 1822." Cope's Presse zeichnet sich dnrch Einfachheit ans. Man denke sich ein Gewinde oder ein Kniescheibengelenk, dessen Theile den Tiegel hernieder gehen lassen, wenn sie durch den Hebel in eine verticale Stellung gegen einander gebracht werden. Die Albionpresse von Dünne beruhet, wie die Hagarpresse, auf dem Kniehebel und wird beson- ! ders in England hausig angewendet. Beschreibung und Abbildung siehe in Meyer's Journal 1838. S. 33. Well's Hcbelpresse gewahrt den Vortheil, i daß sie eine abwechselnde Kraft erzeugt, welche mit dem zu überwältigenden Widerstande sich vergrößert und auf diese Weise das Ziehen am Bcngel gleichförmiger macht, so daß die gewonnene Druckkraft am Ende des ZugeS achtunddreißig Mal größer ist als zu Anfang; ferner ist sie wegen des einfachen Mechanismus nicht mir drei Mal wohlfeiler als die Eolnmbiapresse, sondern auch, da sie alle sich reibenden Theile von selbst mit Oel verstehet, ohne ein einziges Stück hervornehmcn zu müssen, viel weniger Reparaturen unterworfen und nimmt wenig Platz ein. Bei der Nnssellpresse, von den Verfertigern Taylor und Martineau nach deren Erfinder benannt, wird die Kraft durch Zusammensetzung von schiefen Flachen oder Keilen gewonnen, auf welche Stangen mit Gewiuden einwirken. Eine Hebelstange uud eine Bindestange (Oouxling b->r) sind mit den Cylindern verbunden, die sich aus der Winkcllage in eine perpen- diculaire bewegen, wenn der Abdruck stattfinden soll. Eine Negulirschraube in dem Oberbalken hebt den obern Keil und laßt ihn nieder; ein Hebel wirkt auf zwei Stäbe, welche die Last des Tiegels im Gleichgewichte halten. Eine Beschreibung giebt der Erfinder im i>Ieclliln!c's IVIagllxine 1825, 95. ^une 18. Hawkin's Strebepresse beruhet auf den mechanischen Streben oder Spreitzcn. Man denke sich zwei schräg gestellte in ein Knie verbundene Stützen, welche dadurch, daß sie sich gerade stellen, einen Druck ausüben. Die Gewinde an den Streben sind beseitigt, ebenso fehlen Preßbengcl und Kurbel zur Führung des KarrenS, welchen ein eigenthümlicher Mechanismus bewegt. Eine ausführliche Beschreibung enthält Meyer's Journal 1835. S. 33 ff. Hofsmann' s Presse nach Cogger's Princip, in ihrer Form aber wesentlich verändert und in der Construction verbessert; der Mechanismus derselben ist so beschaffen, daß der stärkere oder minder starke Druck nicht nur einfacher und bequemer adjustirt werden kann, sondern auch das Heben des Tiegels durch Hebel mit Gegengewichten bewirkt wird, welches der Anwendung von Federn vorzuziehen ist. Beschreibung in Prechtl'S technologische Encyklopädie S. 397. sowie desgleichen und Abbildung in Meyer's Journal 1834. S. 81. Koch's Kniehebelpresse, obwol ganz von Eisen, ist nicht schwerer als 800 Psnnd und hat nur die Höhe des Tiegels, wodurch ihr jede beliebige Stellung angewiesen werden kann, ohne daß der Drucker des Lichtes beraubt wird. Ihr Gebrauch hat sich indeß nicht praktisch bewährt. Verfertiger ist Mechanikus Koch in München. Stieb er und Groß, Maschinenschlosser in Stuttgart, haben in ihrer Säulen-Spindelpresse die von Koch erfundene Wechselpresse dahin Maschincnprcssen. 357 verbessert, daß sie statt der den Tiegel rcgulirenden kostspieligen Federn das einfache Hebelgewicht anwenden und die Scheibe, woran der Bcngel festgeschraubt wird, mit dem Cylinder aus einem Stücke fertigen. DieHagarpresse, von dem Amerikaner Hagar in New-Uork erfunden, hat durch den einfachen Mechanismus, wodurch bei der geringsten Handekraft ein unendlich starker Druck erzielt wird, alle auderu überflügelt. Zwei schräg auf einander stehende Bolzen, die an jedem Ende oval sind, werden durch einen sehr sinnreich zusammengesetzten Hebel beim Druck in gerade Stellung gebracht. Eine Abbildung davon findet man in Meyer'S Journal, Jahrgang 1836. S. 42. Sarton's hydrostatische Druckpresse hat, obwol sie auch mit einer kleinen Abänderung zum Abdruck von Stein, zum Briefcopiren u. dergl. benutzt werden kann und der Erfinder bereits von mehreren Regierungen Patente erhielt, dennoch lange nicht so allgemeinen Eingang gefunden. Maschinenpressen. Mit dem einfachen Druck uicht zufrieden, schafft der Erfindnngsgeist fast taglich neue Verbesserungen und durch Zusammensetzung vervielfachte Anwendung. Der Mcchanikus Hinsley zu Hartford im nordamerikanischen Frcistaate Connecticut lieferte gegen Anfang dieses Jahrhunderts eine Presse, die selbst auftragt, das Papier über die Form legt, zwei Bogen zugleich druckt und in einer Stunde 2000 Eremplare abziehet. Die Ehre der Erfindung aber gebührt dem Amerikaner Hoc in New - Uork, dessen einfacher Apparat vor jeder Presse angebracht werden kann. In Europa war der Schottländcr Napier der Erste, welcher eine Presse mit Farbenapparat baute, wo eine Walze von elastischer Composition, die durch dieselbe Kraft, welche den Tisch und die Form in Bewegung setzt, zugleich die Schwärze auftragt. Das Vollkommenste dieser Art liefert jetzt die Fairlamp Gilp in'schc Auftragmaschine. Richard Watts verband mit einer gleichen Vorrichtung zum Auftragen der Farbe einen CylindermechaniSmus, der das Papier anlegt und zum Drucke herbcibringt. Die Beschreibung davon sehe man im lum-nul ot ^its -vnä Sciences X, 263. Die Briten Forster und Harrild haben die aus Leim und Syrup verfertigten Cylinder znm Schwärzen erfunden und Applegath und Cowper dieselben vervollkommnet. In Deutschland haben sich um die Farbe« uf- tragmasch inen der Buchdrucker Georgi in Bonn und der Schlosscrmeistcr Wilhelm Kall- meyer zu Osterode große Verdienste erworben. Die Officin von Brönner in Frankfurt a. M. hat dieselbe mit Erfolg in Anwendung gebracht. Georg Jöntzen in Bremen hat eine neue vereinte Bnchdrnck-, Steindruck- nnd Kupfcrdruck- prcsse erfunden, welche in Meyer'S Journal 1835, S. 70-75 beschrieben und abgebildet ist. Thuvien in Paris erfand eine nach ihm benannte Riesenpresse zum Drucke von 8 Fnß hohen und 10 Fuß breiten Affichcn. Zum Drucke derartiger typographischer Ungeheuer haben Firmin Didot lreres außer ihrer großen Officin eine besondere Werkstatt eröffnet, die unter Thnvien's Leitung steht. Aehn- liche Monströsen liefern jetzt auch Bethune und Plon. Um dem Papiere die bei dem Druck der Typen selbst mit der besten Presse und größten Sorgfalt des Arbeiters unvermeidliche Unebenheit zu benehmen, haben schon Vaskerville, Bodoni und Didot besondere Glättpresfcn angewendet. Das Princip der von dem Engländer Joseph Bramah zuerst angewendeten hydrostatischen Glättvrcsse bietet gegen alle schraubenartig wirkenden Vorrichtungen den großen Vortheil dar, daß die Reibung mit der Zunahme des Druckes nicht in gleichem Verhältnisse steigt, daß also besonders in den letzten Augenblicken eine ungeheure Gewalt ausgeübt werden kann. Ihren Bau und ihre Wirksamkeit schildert Meyer's Zourual 1836, S. 123, wo Abbildungen ! das Ganze erläutern. Mehrere deutsche Mechaniker, wie Deisler in Cobleuz, Dingler in Zweibrückcn, Aston in Magdeburg, Andreä in Frankfurt am Main, Heim in Offenbach, Hummel in Berlin, Koch in München, 358 Kllischinenpressen. Schumacher i» Hamburg uud Hoffmaun in Leipzig haben diese Presse verbessert. Zwar schwacher in der Kraftübung, aber zcitersparender ist Barne'S Glattpresse mit einer einfachen Schraube in der Mitte eines gußeisernen Gestelles. Die von Hopkinson erfundene ^tl>»I 8t-mAL, ?>':>ctic»I Iiints o» cleooiiltivo in'!»t!nA, I.01160.1 1822." 4. p->x. 77. Bald entstand, aller Vorzüge ungeachtet ^ das Bedürfniß, Buchdruckerschnellpressen zu erlangen, welche zwischen den großen Druckmaschinen und den Handpressen die Mitte halten. Für diesen Zweck haben I. B. Opitz in St. Petersburg, Helbig und Müller in Wien, Deislcr in Cöln und vor allen Selliguc in Frankreich Treffliches geleistet. Die Schnellpresse des Letzteren ist beschrieben UNd abgebildet im „IZuIIeti» . Lablmxs, Alsnulacw- res an6 Hlitcluuei')' ok MtKö M z MM 65 ZvccS Kme tmökn ÄS izxMCes SevrLMzMM wcei KuS e inNeuck Unter den Deutschen stehet Schöffer in Mainz oben an, dessen Psalter von 1407, ein nie genug zu bewunderndes Kunstwerk, noch jetzt fast unübertroffen ist. Schon in der Princcpö dcS Justinian entfaltete er drei verschiedene Schriftgrößen. In den seiner kunstfertigen Hand angehörigen Typen zu Brei'denbachS Reisen hat er die ersten Grundzüge der nachmals so beliebten Schwabacher gelegt, die von dem spätern Vervollkommne? den Namen führen. Neben ihm strahlt Pfister zu Bambcrg in eigenthümlicher selbstständigcr Größe. Sie sind die Schöpfer der gothischen Missal - und der scmi- golhiscbcn Bibcltvpe mit mancherlei Abstufungen. Swevnheim nnd Pannartz in Rom und Jenson in Venedig brachten die Antiqua auf, welche Ulrich Han, Johann von Speyer, Günther Zainer und Mentclin vervollkommneten. Anton Zarotus, Dio- nysiuS Paravisinus zu Mailand, sowie Bernardin Nerlius und Lorenzo Franzesco de Alopa zu Florenz bildeten die griechische Type auS, während Conrad Fyner zu Eßlingen und Abraham Konath zu Mantua die hebräische schufen. Für die aus Blumen nnd andern Zierrathen zusammengesetzten Anfangsbuchstaben, die früher auf besonders frei gelassenen Quadraten eingcmalt, geschrieben oder mit Holzstöckcn eingedruckt wurden, hat der in diesem Buche oft erwähnte geniale Wanderdrucker Erhard Ratdolt in Venedig die Bahn gebrochen. StcmpelfchneideKunst und Schriftgießerei. 361 Dies sind die Grundzüge der Fortschritte des fünfzehnten Jahrhunderts, mit Anfang des sechszehnten beginnt durch Pio Aldo Manutio, der in Venedig die Cursiv oder Italica erfand und durch Franz von Bologna gießen ließ, eine neue Aera der Stempelschneidekunst und Schriftgießerei. Er ist zugleich der Schöpfer der neuern Unterscheidungszeichen. Was die Aldi und Giunti's sür Italien, Amerbach und Froren für die Schweiz, Egenolph und Sabon in Frankfurt ci. M., Petrejus, Peypus und Fuhrmann in Nürnberg für Deutschland, waren die Etienne und Morelli sür Frankreich, die Plantin, Elzcvire und Blaeu sür die Niederlande, Moron, Graston, Walton und IameS für Großbritanien. Joseph Moron (165S-1683) war der Erste, welcher hier die Kunst nach gewissen Regeln ausübte nnd mathematisch berechnete. Der Vater der neuen britischen Stempelschneidc- und Schriftgicßkunft ist William Caslon, dessen herrliches Talent sich aus Sohn und Enkel vererbte. Er wirkte von 1735-1766 und brach in England die Bahn, auf welcher BaSkcrville so Großes leistete und Figgins, Barton, Harvey, Fry, Jackson, Liver- moore, Tomkins, Martin, Tyorne, Ashby und Thorowgood großen Beifall ernteten. Wilson's KIssxovv Letter I^oun(Isr> liefert Typen mit kleinen hervorragenden länglich runden Knöpfchen, welche genau in die gegenüberstehende Kerbe passen, und auch mit halbcirkelförmigen Oesen, um, wenn die Seite gesetzt ist, einen Messingdrath hindurch zu ziehen, daß kein Buchstabe von dem Ballen oder dem Färbc- cylinder ausgerissen werden kann. Zu den ersten Schristgicßern Londons in unsern Tagen gehören Pouche'e und Wood und Sharwoods, deren S^eci- men liook ok t) pes east i» tlle ^u»t.in letter souiilli ^ 1839 in kl. Folio erschienen ist, und in Schottland! Miller, Matthewson, Bower und Barcon. Für die Grundsormcn der deutschen Fractur hat Albrecht Dürer im dritten Buche seiner „Unterweisung der Messung mit dein Cirkel" mit Hülse der Quadranten die Regeln aufgestellt und Hieronymus Höltzel die Buchstaben nach denselben geschnitten. Der Prototyp dazu findet sich in seiner „Apokalypse", wovon S. 165 ein Facsimile mitgetheilt worden. Nach gleichen Grundsätzen hat Vincenz Rockner, Kaiser Marimilians 1. Hofsccretair, die allbewunderten Buchstaben zum „Theuerdank" vorgeschrieben, welche (nach Breitkopf und Ebert) Hieronymus Rösch alsdann in Stahl nachgeschnitten und gegossen hat. Die völlige Ausbildung der Fractur und Einführung der Canzlcischrift verdankt man Johann Ncudörfer dem Aeltern, jenem berühmten „Modisten" (Schönschreiber) zu Nürnberg. Da die letztere Gattung, welche nichts anderes als eine schiefliegende ursprünglich zum Schncllschreiben eingerichtete Fractur ist, in gedruckten Büchern selten vorkommt, so dürste gegenwärtiges Facsimile aus dem Werke: „Der Statt Venedig Ursprung, gedruckt von Hans Kilian zu Neuburg an der Thunaw " 1557 in Folio nicht unwillkommen sein. Die-Dater yvch Stslnmcheec Sswlm recht awsiZchl^oeg^iZ'^^st her KMstMy-Leer wach/ Dsmyanch Sy geMS, ^rw'^i» ^^i» >pv<>^i^. cv^.'c.. ^-i.!,/. ^>>i<' ^«AIO. . Er ist auch der Erfinder der noch jetzt in Frankreich nnter dem Namen „ Lin-acteres 6e elvilite" bekannten Schristgattung, welche nach einem beliebten Schul- bnche „I^c^ eivilite N»i'i-!I>Z et Iwimette ^our I'iu-iti'll- etion 6es enl'ims", daö den Kindern zum Lernen des Schristlesens dienen sollte, genannt worden. Von ihm haben ebenso wie von Garamond mehrere Schriftarten ihren Namen. Den schönsten Beweis, was die Schristgiesikunst 'ver Franzosen im sechzehnten Jahrhunderte zu leisten im Stande war, giebt Godcsroy Tory's jetzt sehr seltenes Werk „(11>!>m^> 1<'Ivuiv, liuizuel est eontenn I^!>rt et 8cienee -;e iium-uii. ?ar!s, 1528. in4. " Wol die ältesten französischen Schriftmnster! In der ersten Halste des siebenzehnten Jahrhunderts erfand der Kalligraph Pierre Moreau in Paris eine Schrift, welche die Züge eines Schrcib- meisters anS jener Zeit täuschend nachahmt. Nach langer Pause hat Fournicr 1730 wiederum eine ncne Bahn gebrochen, aus welcher die Didot'S als Heroen dastehen, und Levrault, Lvmbardet, Cranicr, Gille, Mole, Vibert, Delalain, Thuvien, Donillicr, Duelosel, Duverger, Loeillet, DeSehamps, Gaudo, Galley, Saulnier, Dcrriey, Legrand, Peti- bon, Gromort, Sügnonr, Baillenl, Laeonr, Por- thaur, Pichery, Plon, Laurent und Deberny fortschreiten. Letztere sind besonders durch ihre Mode- scbriften berühmt, für deren Erzeugung zehn Gießöfen im Gange sind. Ihre Sammlung von Zierschristcn, Affichenlettern u. s. w. ist die größte, die es giebt. Sie besteht auS mehr als hundert Sorten bis znr Größe von Z6 Pariser Zoll. Es ist nur zu bedauern, daß, je monströser sie sind, z. V. die durch einen Spiegel hervorgebrachten.^Ilonxees und Kaecouicles, nur um so begieriger verlangt werden. Dnronchail, dnreh seine geschmackvollen Polytypcn berühmt, hat den ganzen Vorrath an Laurent nnd Deberny abgetreten. Die größte Gravir- nnd Schriftgießanstalt nach der zur Imnrimerls ro^Ie gehörigen ist die von Tarbe und Comp., die auf Aetien gegründet ist nnd von einem Comite der ersten Buchdrucker geleitet wird. Seine alterthümliche Nenaifsaneetype Ae<5 AllMcame et lee pcchettre Äind/ ?ent a Äcsits affiy qnis^ öxfsent sa parosse et sa ^cLicatioy/ et 5ce sage«? de 5a 5ox ittttmiroient er3tte ilisqttce a tät qmt 5a trottttc?oit/ et sttr sce espcM tee/ ÄenLroit a 5hostet et alijiellcroit see ainxe et Voisine disant. Eiottisic^ ?öe attec qttce inox. jLar iai trotte mo ottailfe qtti etoit vcrdtte. Fe Äoe qne ainsi sera l)5«e graut iope ey cessc region ist von dem Verleger dieser Säenlarschrift erworben worden. Deschamps und Petitbon lieferten zuerst die jetzt allgemein beliebten sogenannten Kallcidoskop- Verziernngen, die in Deutschland Vielsache Nachahmung fanden. Außer den oben erwähnten Typographen Pc- trejnS und Peypus haben Wolfgang Endter, der 165g starb, Lowinger nnd Baumann und in neuerer Zeit Meyer und Fleischmann zu Nürnberg Epoche gemacht. Die erste Schriftgießerei in Leipzig, von der man bestimmte Nachricht hat, besaß der Buchdrucker Hahn im Jahre 1656, die er aber an Janson verkaufte, auS welcher spater die berühmte Ehrhardifche entstanden ist, mit der die Porsdorfische Gießerei wetteiferte. Der berühmte Buchhändler Thomas Fritsch hat diese Knnst sehr begünstigt und zumal für Ehrhard Matern aus Nürnberg kommen lassen. Stempelschncidrluinst und Schriftgießerei. 363 Joh. Caspar Müller war der Erste in Leipzig, welcher sich auf das Stempelschneiden legre. Seine Gießerei kam durch Hcirath an den älteren Brcit- kopf. Nach Müller hat Zink durch seine beliebten, den hollandischen Vorbildern nachgeschnittenen, lateinischen Schriften sowol in Leipzig als Wittenberg, wo einst Hans Nichter wirkte, Aufsehen erregt, wurde aber dennoch von Breitkopf, in dessen Ossiein ArtopäuS, Schmidt, Knaurdorsund Bankow, namhafte Künstler, arbeiteten, und der nicht nur europäische Lettern, sondern auch chinesische Schriften, sowie musikalische und Landkarten-Typen gosi, sehr bald überstügclt. Noch jetzt erhalt die bcrübmte Schriftgießerei unter Leitung der Brüder Härtel (Firma- Breitkopf und Hartel) ihren alten Ruf. Nach I. G. I. Breitkopf erwarb sich in diesem Zweige der Typographie K. Chr. T. Tauchnitz die «leisten Verdienste, dessen Sohn, Karl Tauclnntz, dem Vater rühmlich nacheifert. Einen schönen Beweis seiner Kunstfertigkeit hat Letzterer durch die neue arabische Schrift geliefert, von der schon weiter oben Seite 186 die Rede war und hier eine kleine Probe ihre Stelle finden mag. Die ans Seite 186 enthaltene Mittheilung über die arabische Schrift, welche ans Betrieb des amerikanischen Missionars Dr. Eli Smith von Beirut in der Ofsicin von Karl Tanchnitz in Leipzig gegossen wurde, isr dahin zu berichtigen, daß die Original-Zeichnungen zu diesen Typen nicht ans Konstantinopel herrühren, und die Schrift in Leipzig auch nicht geschnitten, sondern blos justirt und gegossen worden ist. Es verhalt sich überhaupt mit dieser Sache folgendermaßen. Die dem ^meri- LoiU'd ol (lommisslvners l»r b'oreign Nissions in Boston (der größten protestantischen Missionsgcsell- schast in den vereinigten Staaten) angehörenden Missionare in der Levante machten die Bemcrkuug, daß die arabischen Schriften, welche in ihrer Druckerei in Smyrna verwendet wurden, und die sie aus England bezogen hatten, dem Geschmack der Orientalen nicht zusagten. Sie beschlossen daher, eine arabische Schrift herstellen zu lassen, welche die dortigen Ansordernngen mehr befriedigte, indem sie daS eigenthümliche Gepräge der arabischen Handschrift so treu als möglich wiedergäbe. Nachdem die erforderlichen Zeichnungen von den besten Kalligraphen der Levante, namentlich in Smyrna und Beirut, angefertigt waren, wurden danach von dem Vorsteher der Missions-Buchdruckerei in Smyrna, dem amerikanischen Buchdrucker Homan Hallock, unter Aufsicht des vr. Eli Smith mit eben so viel Fleiß als Geschicklichteit die Stempel geschnitten. Bei weitem der größte Theil derselben war fertig und auch bereits abgeschlagen, als die Arbeit wegen ver beschrankten Hülfsmittel inS Stocken gerieth. Man beschloß daher, das Unternehmen anderswo versuchsweise fortführen zu lassen, uud zu diesem Zweck begab sich Dr. Eli Smith nach Leipzig, wo nach seiner Anweisung in der Ossiein von Karl Tauchnitz der kleine Nest der Stempel vollends geschnitten, die Justirung der Matern anSgesührt und die Schrift gegossen wurde. In Bezug auf den Guß ist noch z» bemerken, daß die verschiedenen Charaktere aus verschiedene, sich gegenseitig ergänzende Kegel gegossen werden mußten. Nach dem Willen der genannten Gesellschaft sind mit den gegossenen Typen auch die Stempel, Matrizen und I Instrumente nach Smyrna abgeliefert worden, so daß sich für jetzt von dieser Schrift nichts mehr in Leipzig vorfindet. Was in unsern Tagen Schclter und Giesecke, B. G. Teubner uud Friedrich Nies leisten, ist zn bekannt, als daß es hier einer näheren Auseinandersetzung bedürfte. Letzterer, der zuerst in Dcnrschland Hieroglyphen fertigte, hat in G. Scyffarth's „^lplia- beta xenuink .^?-;vptiui-ii>n " I^ips., ^. ^. Lilrtli. 1840 in 4. eine schöne Probe seiner Leistungen abgelegt. Zu Frankfurt a. M. haben um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Luthcr'sche uud Wüst'schc Gießerei und gegenwärtig diejenige von Andrea, Baner, Brönner, Nies, Dreslcr und Nost-Fingerlin geschmackvolle Arbeiten geliefert, sowie sich Zink zu Wittenberg, Unger und gegenwärtig Decker, Leh- mann und Mohr, Mannsfeld nebst Häncl in Berlin, 364 Stereotypie. Haas Vater und Sohn in Basel, Walbaum Vater und Sohn (jetzt Vrockhaus) in Weimar und Wegh in München anszcichneten. Unter den gegenwärtigen Schriftgießern Deutschlands nehmen G. Haasc Söhne in Prag, Pfnorr in Darmstadt, Schade, Strauß, Solliuger, Schiel uud v. Haykul iu Wien, Hänel in Berlin und Rieß in Magdeburg, Schmitz, Blender uud Hilgers in Cöln, Graß, Varth und Comp. in Breslau (wir eriuuern an Herrn Barth's „üloniimentinn ^>!lcl»>" und „ .MM^L 0?56sse-Äk>I"0ttä^> ??l<5 Nätz N^HNNOe /cs2^^-n< L., / > Ko^ej».««??-,. o«LX^t»?^t^?-'»'jco^v^x?'??«.^ Zloco'^«. »v'eT'xüu. 0Kx«tL5»^ ^^x»^vA».e^oix>c- dIami!Üe tipoxraüco" enthält unstreitig die umfassendste Sammlung von Schriftproben, welche jemals erschienen ist. Man findet hier allein 291 lateinische, 102 griechische, 8 hebräische, 3 rabbinische, 6 syrische, 71 russische, 2 samaritanischc, 2 arabische, 2 koptische, 2 phö- uicische, 2 armenische, 2 tübctanische und von den übrigen Sprachen einfache Alphabete. Als Haupt- rcpräsentanten dieses Kunstzwciges in Spanien, Belgien und Holland ucuueu wir Jbarra, Plautin, Rapheleng, die Elzcvire, Delemcr, Gocree, Härtung, Harmsen. de Groot und Euschede. Die übrigen Länder Europa's haben sich in der Schriftgießerei nicht ausgezeichnet. Mau vergleiche die Werke eines M.Funkter, I. G. I. Breitkopf, N.G-mdo, The'otiste Lefevre, E. Rowe Mores und Marcellin Legrand. Stereotypie oder fester Buchstabendruck, so genannt im Gegensatze der beweglichen Lettern, heißt die Methode der Abformung der mit letzteren gesetzten Kolumnen in dünnen Platten von Schriftmetalt, welche Behufs des Abdrucks genommeu werden. Sie ist einer der größeren Fortschritte der Typographie und vom wesentlichsten Einflüsse auf die Literatur. Durch sie können Werke von großen Auflagen weit wohlfeiler geliefert werden, als solche, wo nach Stereotypie. 305 dem Vergreifen der Auflage der Satz wieder von Neuem gemacht und ein bedeutendes Capital in Papier, Druckerlohn u. s. w. gesteckt werden muß. Die größten Vortheile aber sind höchstmögliche Corrcctheit des Testes und gleichmaßige Schärfe des Druckes. Die Stereotypie theilt mit der Buchdruckcrkunst das gleiche Loos, daß ihre Urgeschichte lange in Dunkel gehüllt war und heftig darüber gestritten worden ist, wem der Ruhm der Erfindung gebühre. Lange schon war das Bedürfniß gefühlt worden, den Satz, nachdem er sorgfaltig von Fehlern befreit war, gegen jede mögliche Veränderung zu schützen, was besonders bei Zahlenwerken, wie z. V. bei Logarithmentafeln, höchst wichtig ist. Ein Deutscher, Namens I. Müller, Prediger au der refornürten Kirche zn Leyden, faßte zuerst den Gedanken, die mit beweglichen Lettern gesetzten Schriftcolumncn durch einen Ueberguß auf der Rückseite in ein Ganzes zu vereinigen. Diese Idee führte er in Gemeinschaft mit seinem Sohne W. Müller und unter Beistand eines gewissen Van der Mey zwischen 1701 und 1711 zuerst mit Mastir und endlich mit Gyps aus. So haben sie die stehende Schrift zu einer holländischen Bibel geliefert, die sich noch vor Kurzem in den Handen von Luchtmans in Leyden befand. Mag auch, wie Wcstreenen vanTiellandt meint, I. van der Mey das Stereotyperen in der jetzigen Art und Weise gekannt haben, so muß er wegen der großen Schwierigkeiten es nicht der Mühe werth gefunden haben sich weiter damit zu befassen, wenn man nicht annehmen will, daß er sie geheim gehalten und mit sich ins Grab genommen. Dem schottischen Goldschmied William G ed in Edinburg gebührt der Ruhm, zuerst „solide Platten aus Matrizen gegossen zu haben, welche von einem aus beweglichen Lettern componirten Schriftsatze entnommen wurden." Er verband sich mit Fenner und James in London, welche in den Jahren 1729 bis 1730 Bibeln und Gebetbücher sür die Universität von Cambridge stereolypirten. Ged lieferte 173l stehende Platten zu einem Sallust. Neid und Eifersucht dortiger Buchdrucker traten jedoch den Unternehmungen störend entgegen, weshalb der Erfinder nach Edinburg zurückkehrte und erst spater mit Hülfe seines Sohnes James mehrere mit Platten gedruckte Werke erscheinen ließ. Er starb 1749. Um das Jahr 1770 machte Benjcun in Mecom, Neffe des berühmten B. Franklin, zu Philadelplna angestrengte aber vergebliche Versuche, das Ideal von Drnckvcrvollkoininnung, das vor seiner Seele schwebte, zu erreichen. Um das Jahr 1780 fand Alexander Till och zu Glasgow, ohne Gcdö Erfindung zn kennen, ebenfalls ein Verfahren, Stereotypplatten hervorzubringen und machte in Gemeinschaft mit dein Univcrsi- tatSbuchdrucker Andreas Fouliö mehrfache Versuche. So erschien 1782 die AuabasiS des Xeuophon. Diesem folgte 1783 Fr. Jos. Jgu. Hoffmaun aus Schlettstadt im Elsaß, dessen pomphafte Ankündigungen der neuen „Polytypie" oder auch „Logo- typie", wie man sein Verfahren uauntc, und seine auf diese ucuc Weise gedruckte Ausgabe vou Cheuier's „ KecliLrclios sur les Klaures" 3 Bände in OctaV, zumal in Frankreich großes Aufsehen machten. Kaum hatte Joseph Carez in Toul davon gehört, als er ebenfalls Versuche anstellte, Platten in Porzellanerde zn gießen, und in dein Erfolge glücklich war. Er nannte seine Methode Homotypie. Um das Jahr 1792 machten Gatteur, Herhan und Firm in Didot in Paris auf verschiedenen Wegen nicht minder günstige Versuche. Der Erstere nannte sein Versahren „Monotypie", der Letztere aber gab dem seinigen den jetzt allgemein adoptirten Namen „Stereotypie" (von er^ko? und rv'-roz). Sein erstes auf diese Art gedrucktes Buch waren „Callct's Logarithmentafeln"; doch sind diese nicht eigentliche Stereotypen nach dem gegenwärtigen Begriffe des Wortes, sondern die ans einzelnen Lettern zusammengesetzten Druckformen auf der Rückseite verschmolzen, nach der Art, wie Van der Mey zu Anfang des vorigen Jahrhunderts das syrische Neue Testament gedruckt hat. Herhan ließ mit seinen Gehülfen Errand und Renouard unter dein Bcirathe des Grafen von Schlabrendorf, jenes bekannten Eremiten in der Weltstadt Paris, kupferne Lettern anfertigen, in welche aber, verschieden von jedem anderen Verfahren, die Schriftzeiehen vertieft und nicht verkehrt Angeschnitten waren. Mit diesen setzte er den Tert wie gewöhnlich und goß dann die 3ött Logogruphie. — Gold - und SillicrÄruck. Columnen in Schriftzeng ab, so daß also die Sterco- typtafeln gleich bei der ersten Operation fertig waren. So sinnreich diese Manier auch immer genannt werden konnte, so hat sie doch als zu kostspielig keine Nachahmer gesunden. Den Höhenpnnkt erreichte die Stereotypie indessen erst 1804, durch den um die Buchdruckerkunst im Allgemeinen hochverdienten Grafen Charles Stanhope (geb. 1753, gest. 1816), der mit den Londoner Typographen Tilloch und Wilfon vereint eine Methode erfand, welche in Hinsicht auf Vollkommenheit und Billigkeit wenig mehr zn wünschen übrig ließ und deshalb ancb ihre» Weg bis nach Amerika fand. Bon da aus führten John WattS und sein Neffe William Watts dieselbe in Wien und Pesth durch Falka, iu Leipzig durch Tanchnitz, in Frankfurt a. M. durch Brönner ein, indem sie ihr Geheimniß znm freien Gebrauch kauflich überließen. In neuester Zeir haben sich Genour, Daule und Bauerkeller in Paris, sowie Watson in England und Eduard Hänel in Magdeburg um die Vereinfachung der Stcreotypcnerzeugung wesentliche Verdienste erworben. Iu Deutschland jedoch, wo Graf P r o sp e r von Sinzendorf und A loys Sennefelder unabhängige Versuche augestellt hatten, die aber wegen zu großer Kosteu ohne Nachahmer blieben, haben Lord Stanhope's Verfahren und die Danle'sche anch sür kleinere Geschäfte geeignete Methode, mit thcilweisen Abänderungen, den meisten Anklang gesnndcn. So scheint denn die Buchdruckcrkunst ihren Kreislauf vollendet uud in den festen Tafeln, von denen sie ausgegangen, ihren Höhenpnnkt erreicht zn haben! Die Geschichte der Stereotypie haben Camns, Cha- bert, Hodgson, Lambinet, Paroy, Westreenen van Ticllandt und I. H. Meyer in besonderen Werken behandelt. Der zweite Theil des letzteren enthält über daS praktische Versahren das Beste und Vollständigste, waö bisher über diesen Gegenstand geliefert wurde. Logographie, oder Wortdruck im Gegensatze von Bnchstabcndrnck ist eine Erfindung deS englischen Schriftsetzers Henry Iol'nson , welcher in der Officin des Herausgebers > und Eigenthümers der „ l^mes Walter schon 1778 j Versuche gemacht hat, statt Letternstempel Wort- patrizen zu schneiden, um indem Winkelhaken ganze Worte oder zum wenigsten deren Wurzeln und - Endungen statt einzelner Buchstaben an einander- rcihen zu können. Im Jahre 1783 trat er unter Walter's Anspielen mit einer nach der neuen Methode gedruckten Schrift hervor „^u !mroict!on to livxo- glüpb)': or tbe srt ok »ri-uiiAl«^ nno«InA t'ui' pri»t!«x >vitb ^vorcls intirs, tlielr radiess i>nd termi- natious, iiiste-lll ok slngle letters", in Welck'er er deren Nutzen auseinanderzusetzen sich bemühte, daß der Setzer fortan fein Gedächtniß weniger anzn- strengen brauche, der Satz nicht nur schneller, sondern auch fehlerfreier zu bewerkstelligen und nach geschehenem -Abdruck in kürzerer Zeit wieder auseinander zn nehmen und in den Schriftkasten einzulegen sei. Walter erhielt ei» Patent sür die neue Erfindung, doch hat dieselbe wenig Beisall und Nachahmung gefunden, weil eS sich gar bald herausstellte, daß, abgesehen von den größeren Kosten, wenn die Wurzelwörter aller, anch nnr der gangbarsten Sprachen in besonderen Typen müßten gegossen werden, Eigennamen von Ländern und Personen, technische Ausdrücke, die sich in jeder Wissenschaft in jedem Jahre neu gestalten u. s. w., große Hindernisse in den Weg legen uud jedenfalls den Druck eines Buches bedeutend aufhalten würden. Die Logographie hat Achn- liclckeit mit Hoffmann's Logotypie, von der weiter oben die Rede war. Schon im Jahre 1776 ist in nachstehendem Werkchen „55ouve-ui «Meme t^o- grsplii^ue, ou moveu cle cllmiimer l!ttl!lme .) 1776. in4." eine Sylben-, Satz- und Druckmethodc empfohlen worden, deren Erprobung jedoch wegen der bald darauf ins Leben getretenen Stereotypie nntcrblicben ist. Gold- und S'iN'erdrucK. Das früheste Beispiel von Golddruck liefert Rat- dolt'ö Euklid, Venedig 1482. In einigen Ercmplarcn dieses für jene Zeit nicht genug zu bewundernden Z67 Werkes, wie z. V. in demjenigen der Stadtbibliothek zu Augsburg, welches der gelehrte Drucker im Jahre 1490 den Karmelitern zu St. Amur daselbst verehrte, ist die Dedieation an den damaligen Dogen von Venedig, Giovani Mocenigo, mit Goldschrift gedruckt, in einigen anderen strahlen wenigstens die Anfangsbuchstaben der Zueiguuug und der Vorrede in diesem Prachtkleide. Einzelne Initialen, oft ganze Wörter, wie' Titel, Überschriften, Eigennamen und dergl., in Gold gedruckt, kamen von Zeit zu Zeit, gleichwol nicht hausig vor, viel seltener aber ganze Bücher. Eius der frühesten Beispiele dieser Art ist das „Auserleseue und vollständige Gesangbuch :c. nebst Caspar Neumann's Kern aller Gebete", Dresden bei Johann Christoph Zimmermaun's sel. Erben und Johann Nicolans Gcrlachen, 1734. 856 u. 64 Seiten in Octav. Der früheste deutsche Golddruck dürfte wol Johann Brentzen's „Auslegung der Evangelien", verdeutscht durch Jacobum Grettcrn, Frankfurt a. M., Peter Braubach, 1556. in Folio sein. Das erste Wort des Titels und mehrere Initialen im Buche selbst sind mit Gold gedruckt, andere Initialen aber und sast alte Versalien mit Silber. Der engzugemessene Raum dieser Säcnlarschrift gestattet nicht, alle Werke dieser Art hier namhaft zu machen; wir erinnern nur au „1. v. .^uuedert et I.. ?. Vielllot, Iiiütoirs naturelle xenerale rsl(?LXV." nach dem im britischen Museum aufbewahrten Originale. Dieser höchst geniale Buchbinder erfand eine besondere Methode dem Golvc einen schönen Glanz zn geben, so daß die Buchstaben wie von Goldplattchen ausgeschnitten erscheinen. Die Eremplare sind auf purpurfarbigem AtlaS nnd anfPergament abgezogen. Nicl't minder prachtvoll ist dessen Ausgabe der Beschreibung der Krönungsfeierlichteiieu Georgs IV. ,,'I'be niigiist eei'emuiüal ok tlio Loroiiittivn ok c!eoi-gs IV." Der Tert in Gold, der König nnd die Würdenträger, Portraits nach dem Leben, Krone, Scepter, Reichsapfel u. f. w. mit ächten Juwelen und Perlen ausgelegt, daS Ganze theilwcisc auf weißem Atlas, theilwcise auf Sammet und Pergament. DaS Titelblatt stellt den königlichen Thron vor und ist reich an Verzierungen aller Art. Der Trucker der Zeitschrift „l'lie Murdo Uouug, gab am KrönuugStage der Königin Vietoria das Blatt vom 28. JuniuS 1838, welches die Krö- nungSceremonicn beschrieb, ganz in Gold gedruckt heraus. Unter dem königlichen großbritanischen Wappen mit dem Einhorn und Löwcu als Seliil?- haltcr uud der mit 1 Zoll hohen ncugothischen Typen gesetzten Aufschrift „ The Kun" ic. nimmt das wohlgetroffene Bildniß nebst Krone der Königin, in Mcdaillonform inmitten eincS Lorbeerkranzes im sogenannten ?rocetin»al xvl^en ^Im-»i!>I<", von den Londoner Typographen Howlath und Brimmcr, ist auf einem wcißlackirten Bogen mit goldenen und 368 Farbendruck. glänzendrothen Lettern im Jahre 1828 gedruckt. ,,1'lie golden I^re eine für den Buchhändler Haas in London gedruckte Auswahl trefflicher Gedichte in englischer, deutscher, französischer und italienischer Sprache auf polirtem weißen Papier in Goldschrift und mit schönen Randeinfassnngen umgeben, ist ein schönes Denkmal typographischen Geschmackes. Der ausgezeichnete Buchdrucker Johann August Barth in Breslau versuchte sich nicht nur im Gold -, sondern auch mit Erfolg im Silberdruck. Als das Schönste und Glänzendste jedoch, was in dieser Hinsicht von umfangreicheren Arbeiten aus deutschen Pressen hervorging, durften wol „ 82-MeäiIIn! Hellenensis ad Kultanum IZImeliK etc. Oaimsn ars,- bieum etc. I.!psise, 1816. Folio, eine von Tauchnitz für die Buchhandlung I. A. Barth gedruckte Prachtausgabe auf geglättetem englischen Velin mit Gold und gemalten Randlinien, zu uennen sein. Holland hat in dem „^.tlss Koz'sl", welchen der prachtliebende Friedrich August I., König von Polen und Kurfürst von Sachsen in den Jahren 1707 bis 1710 zu Amsterdam von den geschicktesten Erdkundigen, Malern, Zeichnern uud Kupferstechern seiner Zeit mit einem Kostcnanfwande von 19,000,Tha- lern anfertigen ließ, 19 Großfoliobände, je mit drei Prachttitelu und einer vergoldeten 1'->dle matieres versehen, die Schrift auf den Charten mit Gold gedruckt und das Ganze überhaupt verschwenderisch mit diesem Metall und den kostbarsten Farben in dem jetzt wieder so beliebten Geschmacke Ludwig's XIV. geziert, —- in „Het hooge Heemrädt-Schap van Schieland", ohne Ort-und Jahrcsangabe, in Folio, sowie in „Het Verjaarfecst, zinncbeclding tafereel in twce afdeelingen, ter Gelegenheid van's Ko- nings Verjaardag en vyfentwentigjarige regering (24. August) door A. van der Hoop" im Jahre 1838 von dem Typographen C. Blomendaal zu Rotterdam ausgeführt, würdige Repräsentanten des Golddruckes aufzuweisen. Das Schönste, was man in neuester Zeit im Gold - und Farbendruck geleistet, sind die für König Louis Philipp abgezogenen Eremplare der lection vi-ientsle Die Randcinfassung im asiatischen Geschmacke sind nach Zeichnungen des verstorbenen Ehcnavard von Breviere in Holz geschnitten und in Gold, Carmin und Ultramarin der verschiedensten Nüancen in der königlichen Druckerei im trockenen Abdrucke ausgeführt, weil manche Blätter 8-10 Mal haben in den Deckel kommen müssen. Auch verdienen die Leistungen von Lacrampe K Comp. noch besonders hervorgehoben zu werden. Die hier anliegende getreue Abbildung des Gutenberg-Monuments in Mainz möge Zeugniß geben, was die Teubner'sche Presse in diesem Fache leistet. Farbendruck. Die ersten Proben des Buntdruckes mit zwei oder mehreren Farben finden wir in dem von Fust und Schöffer im Jahre 1457 zu Mainz vollendeten Psalter. Dieses Verfahren ist demnach fast ebenso alt, als der Buchdruck selbst. Ju jenem wahrhaft bewunderungswürdigen Denkmale typographischer Kunst sind die Initialen und Versalcn, wie das gelungene Faefimilc auf Seite 125 dieser Säeular- schrift nachweiset, abwechselnd bald in rother, bald in blauer Farbe gedruckt, eine Nachahmung der Anfangsbuchstaben in den Manuskripten jener Zeit. Der größte Buchstabe zu Anfang des Werkes „U" bei den Worten „Leatu8Vir" zeigt auf hellrothcm Gründe ein weißes Windspiel, welches einem Vogel nachsetzt, und weiße Blumenvcrzierungen. Die Zeichnung war also vertieft in den Holzstock geschnitten, damit sie keine Farbe annahm. Die Schnörkel oder Schreiberzüge, welche den Buchstaben umgeben, sind von einer zweiten Platte in Blau abgezogen. In der Ausgabe des Ptolemäus: Straßburg I. Schott 1513 ist die Karte von Lothringen in drei verschiedenen Farben und ein Schild mir seinen heraldischen Tineturen gedruckt. Die weitere Fortbildung dieser unzweifelhaft deutschen Erfindung, zuerst durch Michael Wohlgemut!), Ulrich Pilgram, Lucas Cranach, Hans Waldung Grün, Hans Burgmair, dann in Italien durch Ugo da Carpi, Girolamo Moeetto, Baldassar Peruzzi, Franzcseo Mazzuoli, Antonio Fantuzzi, Andrea Andrecmi und Bartolomeo Coriolano, welche ihre Arbeiten „LIn-u-o osc»,-»" nannten, durch N M s " Farbrndruck. 3<>9 Heinrich Goltz, Friedrich Bloomart und Louis Bu- sink in den Niederlanden, durch Edward Kirkall und John Jackson, als nur im Einzelnen und mehr für den Äuufthandel als für typographische Ausstattung bestimmt, hier nur andeutend, gehen mir zu der Anwenduug dieses Kunstzweigcö auf den Bücherdruck über. In dieser Hinsicht haben Arthur Poud und Georg Knapton zwischen 1730 und 1740 die Bahn gebrochen. In ihren nach Skizzen berühmter Maler ausgeführten Blattern sind der Grund, die Draperien und andere Theile der Zeichnung von Holztafeln über die Umrisse des KupserplatteudruckeS abgezogen. Graf Antonio Zanetti um die Mitte des vorigen Jahrhunderts und die Briten Iohn Baptist Iacks on und Georg Skippc um 1733 bildeten daS Verfahren noch mehr ans. Nach fünfzigjährigem Stillstande lenkte William Savage durch sei» Werk: „?racti<:al Iiints on (lecorativL sii'inting" I^oinlo» 1822 in kl. Folio zuerst wieder auf diesen Kunstzweig. Er bemühcte sich seit I. B. Jackson's Zeit zum erstenmale wieder, die Grenzen desselben bis auf die Darstellung von mehrfarbigen Zeichnungen auszudehnen, und so finden wir denn in feinem Werke nicht nur einen geschmackvollen mit schöner Goldschrist gedruckten Haupttitel, einen rothen und schwarzen Nebentitel, Faefimilc'S von Lord Spencer'S „ Verkündigung ", Scl'öffer'S „P" (I^>»tus), 6 Blatter mit Mustern von Druckfarben, eine Abbildung der BeuSlev'schen Maschine, von Elymer'S Columbiapresse, Niualdo und Armida nach Thurston von Nesbit (Buntdruckblatt in 8 Farben), die Grotte der Verzweiflung aus Spenser's „r'serr? - Lichwet »s jüi!m!>ig« ", I^nittlun 1837 in 4. geleistet. Durch unermüdliche Ausdauer hat er als Graveur und Drucker die Schrauben des vou Kirkall, Jackson, Skippe und Savage befolgten Verfahrens so weit hinauSgerüekt, daß die Benennung „(^'lair- Obscurstich" auf seine Leistungen im Eoviren von Gemälden in alten Farbe» nicht mehr paßt. Am füglichsten ließe steh dieser, von ihm gewissermaßen ganz neu erfundene kunstzweig mit dem Namen „Gemäldedruck" belegen. Seine Methode ist folgende. Die Grundzeichnungen seiner Eopien werden von einer Stahlplatte abgezogen, auf die verlorenen Umrisse alSdann so viele wirkliche Farben von Holzplatten abgedruckt, als bestimmte Tinten und Töne in dem Gemälde vorkommen. Die eigentliche Grundfarbe deS PapicrS, auf welcbeS die Gemälre aufgelegt zu seiu scheinen, ist durch den Abdruck eiuer glatten Kupfcrplatte, die wie ein Holzschnitt behandelt wird, gewonnen. Von der Schwierigkeit dieses DruckversahrenS kann man sich einen Begriff machcn, wenn man erwägt, daß einige Blatter nicht weniger als zwanzig Mal unter die Presse kommen, und die einsachsten, hinsichtlich des Kolorits, schon 10-12 Platten erfordern. Aber es wird dann auch etwas geleistet, was alle Erwartungen übertrifft. Von der Möglichkeit, Gemälde jeder Art auf dem Wege dieses Druckverfahrens nachzuahmen, geben die in dein genannten Werke enthaltenen Blätter den sprechendsten Beweis. Bei dem Beschauen vou Barter's Eopie der „Ausicht von Verona" nach Prout, des „Innern der Eapclle Warwick" nach Holland, uud „Jennh Deane's Zusammenkunft mit der Königin" nach Mistreß Seyffarth frägt man sich unwillkürlich, ob wol der Pinsel eine bessere Nachbildung hätte liefern können. Um dieses in der Wirkung zwar unübertreffliche Verfahren durch Wohlfeilheit zu überflügeln, hat der unermüdliche Knight, der Begründer uud Verleger des „?enn^ Al-ix»-/!,«!" folgende Druckweise ansgedacht: sämmtliche Holztafeln, je mit ihrem Farbcntonc versehen, liegen auf einer drehbaren Scheibe; das Papier, auf dem die Abdrücke gemacht werden sollen, stehet fest und zwar in ebenso vielen Blättern, als Holztafeln vorhanden sind. 370 Congrcvcdruck. Wird nun die Scheibe gedreht, so sind vier Blätter zu gleicher Zeit fertig. Die Franzosen eifern den Engländern im Buntdrucke nach, ohne diese jedoch ganz erreichen zu können. Laerampc K Comp. in Paris liefern hierin das Beachtenswerteste. Wir machen hier nur aus die Ornamente zum „ verlorenen Paradies ", herausgegeben vonOpigcz, aufmerksam, wo vor dem vierten Gesänge eine Tafel in 7 Farben und 24 Tönen, lediglich mit zwei Platten bewerkstelliget, in der That Bewunderung verdient. In Deutschland stellte Gubi tz in Berlin seit 1834 Stickmustcr mit allen Farben, ohne daß irgend ein Pinselstrich nöthig wäre, auf der Buchdruckerpresse her. Das Gediegenste im Buntdrucke aber liefern Häncl in Magdeburg und Berlin, Naumann in Frankfurt a. M., Haase Söhne in Prag, Teubner und Hirschfeld in Leipzig, von Zabcrn in Mainz und HaSper in Carlsruhe. Congrevedruck, nennt man eine besondere, jetzt sehr beliebte Art von Farbendruck, dessen Herstellung man dem Erfinder der Brandraketen, Sir William Congreve (geboren 1772, gestorben 1825), sowie dem berühmten Mechaniker Donkin und seinem Associe WilkS in London im Herbste 1824 zu danken hat. Die sehr sinnreiche Verfahrnngöweise ist aus dem Bedürfnisse entstanden, die verschiedenen sonst nöthigen Formen nnd den mehrmaligen Druck eines BogenS zu vermeiten. Das Wesentliche liegt in der Beschaffenheit der von allen anderen unterschiedenen Drncksorm. Man denke sich eine nicht zu dünne Metallplatte, mit Durchbrechungen von beliebiger Form, deren Wände schräg zugehen und sich nach unten erweitern. Wird die Platte alsdann umgekehrt und auf ihre Hintere Fläche bis zur gewöhnlichen Schrifthöhc Metall aufgesetzt, so füllen sich auch jene Oefsmingcn mit demselben nnd die Oberfläche kann, glatt abgeschliffen, mit Zeichnungen durch die Gnillochirmaschine oder den Grabstichel versehen werden. Es wird einleuchten, daß die obere Platte wegen der Form der Wände ihrer Oeffnungen von der unteren abgehoben und willkürlich wieder aufgesetzt werden könne, und daß die Linien der Zeichnung jedesmal ohne alle Unterbrechung auf einander treffen werden. Beide oder mehrere Stücke getrennt, jedes mit einer anderen Farbe versehen, dann aber zusammengestellt und mit einem Male unter die Presse gebracht, liefern dann zwei- oder mehrfarbige Abdrücke, deren Farben so gcnan einander berühren, wie dieß durch keine andere der bekannten Methoden zu erreichen ist. Eine Hauptsache bleibt aber auch die Presse, welche so eingerichtet sein muß, daß sie, nachdem jede der durchbrochenen Druckformen durch die Auftrage- walzc die nöthige Farbe erhalten hat, den bunten Abdruck auf einmal besorgt. Bis jetzt ist dieses Verfahren im Großen freilich nur bei Banknoten, WaarenetiguctS und Bekanntmachungen aller Art angewendet, doch werden in England auch schöne typographische Arbeiten geliefert; in unserem Va- terlandc hat Schäffer in Frankfurt a. M. anch mit größeren Blattern, z. B. bei seiner Ausgabe des Vaterunsers, gelungene Versuche gemacht. Frankreich ist merkwürdiger Weise in diesem Fache nicht so wie in allen übrigen der Buchdruckcr- knnft vorwärts geschritten. Nur daS AlleS umfassende großartige Haus Didot und die ncucrrichtete Offiein unserer LandSlcutc Bauerkcller und Gutsch zeichnen sich darin ans. Didot hat für ähnliche Arbeit in Gemeinschaft mit Gauchard ein besonderes Etablissement, eine „ InM-imei-is pol.vei-ume" in der Kus lies be-uix-lll'ts eröffnet. ES ist dasselbe vorzugsweise mir Hänel'schen und Naumann'schen Ornamenten versehen. Die übrigen Druckanstalten in Paris beziehen die bcnöthigtcn Congreveplatten aus Deutschland. Diesen KnnlIzwcig haben überhaupt nebst den Briten die Deutschen am weitesten vervollkommnet. Aus dcu Osfieincn von Naumanu in Frankfurt a. M., von Hänel in Magdeburg, Haase Söhne in Prag, Teubner und Hirschfeld in Leipzig, Hasper in Carlsruhe und von Zabern in Mainz sind treffliche Arbeiten hervorgegangen, die das sprechendste Zeugniß ablegen, welche hohe Stuse der Ausbildung die Typographie in unseren Tagen erreicht hat. Das hier beigcgcbene Product aus der Teubuer'schen Congrevcdruck-Anstalt möge als eine werthvolle Irisdrnck. — Hochdruck. 371 Bereicherung dieser Säcularschrist zu näherer Veranschaulichung dienen. Congreve hat eine besondere, jetzt nach ihm benannte Presse zu dieser Druckmethode erfunden, die hauptsächlich darin von allen andern abweicht, daß der Theil des Cylinders unter dein Papiere, wo der Abdruck stattfindet, mittelst eines entweder mit Leder oder Pergament bedeckten Filzes über die übrige Fläche des Cylinders in die Höhe erhoben werden muß, so daß nur dieser erhabene Theil mit der Form in Berührung kommt, während der andere darüber hinwcgrollt, ohne ihn zu berühren. I ris druck, wird der bunte Drnck genannt, wobei mit einer Walze zu gleicher Zeit mehrere Farben aufgetragen werden, die bei gehöriger Vertheilung derselben beim kunstgerechten, aber allerdings nicht leichten Abdruck in einander verschwimmen und ganz die Wirkung der Regenbogen hervorbringen. Nur ist zu Erreichung dieses Zweckes ans die Polarität der Farben und passende Zusammenstellung derselbe» Rücksicht zu nehmen. DaS prismatische Farbenspicl wird dann immer in folgender nnäbändcrlicher Ordnung sich darstellen- Roth, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Dunkelblau, Niolet. Eine kurze Schilderung des technischen Verfahrens enthüll Meyer'S Journal 1835. S. 97. Hochdruck, oder Pressungen in Farben, von den Franzosen „Gaufragcs" genannt, ist ein fetzt immer mehr und mehr beliebter Gegenstand des vielfach verzweigten Buchdruckes. Schon im sechzehnten Jahrhunderte verstanden die Buchbinder gar treffliche erhabene Pressungen auf den mit Leder überzogenen Vücher- dcckcln anzubringen und haben überhaupt im Bücher- cinbindcn eine Stufe der Vollkommenheir erreicht, welche selbst die ersten Koryphäen dieses Geschäftes in unseren Tagen, ein Payne, Lewis und Hering in London, ein Bozerain und Simier in Paris, ein Lcisegcmg in Berlin, oder Stumme in Leipzig zu überschreiten im Stande waren. Die Kunst der erhabenen Prägung auf Papier verschwand in der Folge immer mehr, bis endlich die Briten sie neuerdings wieder hervorsuchten nnd ihr eine große Ausbildung verschafften. Zur Ausübung des Hochdruckes ist eine harte zähe Masse erforderlich, in welche man den Gegenstand gravirt, der weiß und erhaben hervortreten soll. Wird die glatte Oberfläche dieser Drncksorm gesärbt, so entstehet ein einsacher bunter Grund; wendet man Congreve- oder durchbrochene Platten an, so erscheint er mehrfarbig. Außer anderem Material eignet sich vorzüglich daS Papier zur Herstellung der Gaufragen, deren Druck auf der gewöhnlichen Presse gemacht werden kann. In Deutschland waren eS die Gebrüder Bauerkeller zu Karlsruhe (jetzt in Paris), welche England'S Beispiele folgten und um 1834 diesen Knnstzweig zu einem Aggregat der Typographie erhoben. Seitdem sie sich in Frankreichs Hauptstadt niedergelassen, mit Gutsch verbunden und unter dem Namen „ b'i>l>i!^»e 6<>ts) in mehreren Farben, ihre die Lithophanic nachahmenden Licht- uud Lainpcn- schirme (^.bat-Mu-«), ihre buntgedruckten Mützcn- thcilc nnd Papierpressungcn für Portefeuilles, sowie für allerlei Putzgcgcnständc der eleganten Welt? Sie druckten unter andern den vielgepriesenen Umschlag zu Evcrat's Paul und Virginie, dem 5lon plus Ultra der jetzt mit der Typographie Hand in Hand gehenden Xylographie. In Deutschland verdienen die zierlichen Hochdruck-Arbeiten eines Naumann in Frankfurt a. M., Hänel in Magdeburg, Hirschfeld und Tcubncr in Leipzig sowie G. Haasc Söhne in Prag alle Beachtung. Durch das unter der Rubrik „Congrcvc- druck" bcigcgcbeue Probeblatt aus der Teubncrschen Presse wird auch dieses Druckverfahren näher ans Licht gestellt. 372 Guillochirliunst. — FacsimiledrucK. GuillochirKu »ist, ist einer der neuesten und um so beliebteren Zweige der Typographie, je seltener er wegen der hohen Kosten des da-u nöthigen 'Apparates in Anwendung gebraut wird. Unter dem Gnillochiren versteht man daS Einscl'neiden gehörig gezeichneter und geordneter Zierathen an der Oberfläche gewisser Gegenstande in jeder beliebigen Tiefe mittelst eigener Masel'inen. So verschieden auch die Vorrichtungen zu diesem Zwecke sein mögen, so lassen sie sich doch, ans die Buchdruckerkunst angewendet, auf drei Hauptarten zurückführen. Entweder ruhet der zum Einschneiden erforderliche Meißel und der Gegenstand erhalt solche Bewegungen, daß seine zu verzierende Oberfläche an der Spitze dieses scharfen Instrumentes so hingleitet, wie eS die Verzierung sowol ihrer Richtung als ihrer Tiefe nach erfordert; oder umgekehrt, es ruhet der Gegenstand und das Schneidecisen erhalt die den Ornamenten entsprechenden Bewegungen', oder endlich können gleichzeitige oder ungleichzeitige Bewegungen beider Theile mit einander verbunden werden, welcher Fall wol noch am häufigsten vorkommt. Die Guillochirmaschinc ist ursprünglich eine englische, späterhin aber in Frankreich verbesserte Erfindung und wurde aufanglich nur zur Metall- gravirnng, als zum Verzieren von Dosen, Uhrgehäusen nnd Juwelierarbeiten angewendet. Unsere Zeit hat sie mit mancherlei Abänderungen auch für den Kattun - und Buchdruck anwendbar gemacht. Um nicht nur die eonecntrischen, wunderbar verschlungenen Ornamente, sondern auch die wellenförmigen Verzierungen mit AtlaSglanz für Druckformen zn erreichen, sind durch den erfinderischen Geist neuer Mechaniker noch ->) die sogenannten eveentrischen Vorrichtungen, l>) das Ovalwcrk und c) der Vpicheloid-Apparat (I>I»cI>ine epic^cloicle); -mt- i-ellek«, deren Resultate nicht allein zum Typendruck, sondern auch zum Kupfer- und Stahldruck verwendet werden können, hinzugekommen. Die höchstcomplieirte Maschine, deren Handhabung nnd Anwendbarkeit der mannigfaltigsten Muster zn beschreiben, gebricht es hier an Raum. tteberdics würde jede noch so ausführliche Schilderung des Mechanismus ohne Gcsammtbild und artistische Vorstellung seiner einzelnen Bestandtheile dunkel bleiben. Es genüge hier ans dessen Anwendung für den Dienst der Typographie hingewiesen nnd angedeutet zu haben, daß die Hauelsche Osficin zu Magdeburg denselben zuerst in Deutschland angewendet und der wackere Verleger dieser Sacnlar- schrist, B. G. Tenbncr in Leipzig, gegenwartig die vollkommenste Gnillochirmaschine in unserem Vaterlande besitzt, welche für den eigenhändigen Gebranch des hochgebildeten Marimilian Joseph'S besonders genau und fleißig gebaut, Eigenthum der Krone BaicrnS war. Vou ihrer neuesten Leistung möge beiliegendes Probeblatt Zeugniß geben. Facsi miled ruck, ist eine in England gebräuchliche Benennung für Druckwerke, deren Typen genau nach dem Muster irgend eines bestimmten Codcr geschnitten sind. Die Idee, seltene Manuscriptc typographisch nachzubilden , ist zuerst in Italien verwirklicht worden. Ans diese Weise ist im Jahre 1741. der berühmte mediceische Birgil durch eigendö nach der Handschrist geschnittene Lettern- zu Florenz in klein Quart an das Licht getreten. ES sind einige Ercmplare davon auf Pergament und andere auf Großpapicr abgezogen worden. Der Schriftschncidcr, Gießer und Drucker hieß Manni. Das erste größere Werk dieser Art, welches in England ausgeführt wurde, ist das anf König Wilhelm'S I. Befebl in zwei Banden geschriebene- Domesd^ Loolc". Das Oberhaus ließ im Jahre 1783 diesen Juwel der englischen Geschichte mit eigends nach dem im Ehapterhause zu Westminster verwahrten Originale wichtiger National-Urkunden geschnittenen Typen buchstabengetreu wiedergeben. Farley hat die Copie des Textes, Nichols den Druck besorgt. Hierauf folgte das Neue Testament auS dem berühmten (^vllex ^Iex!>ncK'!nn8, einer Zierde des britischen Museums, unter Leitung des vr. Woyde, von welchem jedoch nicht mehr als zehn Ercmplare auf Pergament abgezogen worden sind. Im Jahre 1812 gab H. H. Babcr, einer der Bibliothekare U Lithotypographie. 373 jenes MusenmS, auch die Psalmen mit den nämlichen Typen heraus. Noch bleibt vr. Kipling's Ausgabe der vier Evangelien und der Apostelgeschichte nach dem Beza'schen Coder zu erwähnen übrig. Sie ist 1793 zu Cambridge in zwei Bänden gedruckt und in seder Beziehung ein noch unerreichtes Meisterstück typographischer Kunst. Der Facsimiledrnck, obwol höchst kostspielig, indem die Typen eigends zu diesem Zwecke geschnitten und gegossen werden müssen und zu keinem andern Werke mehr gebraucht werden können, hat das große Verdienst, überaus seltene Mannscripte vor dein Untergange zu retten; denn sollte auch je dem Original ein Unfall begegnen, so wird dasselbe durch die treue Nachbildung ersetzt. Noch hat Deutschland diesen Zweig der Typographie nicht gepflegt. H. C. M. Nettig's dem Originale treu nachgebildete Ausgabe des ^ntix Künxallensls xe^eco- latlmis Intoi'Iiii. mm^ii!>m lxZIiuc collatus etc. ^Zwil- lingSbrnderS des berühmten l^oclex IZoeriierimuis zu Dresden) Zürich, 1836. in groß Quart ist ein Erzeugnis) der Lithographie. Lithotypograp hie. Die neueste Erfindung auf dem Gebiete der Buchdruckerkunst, deren Resultate sich aber erst noch bewähren müssen, ist die Litholypographie oder der Buchdruck verbunden mit dem Steindruck, für die beide Knnstzweige sich schwesterlich die Hand reichen. Einfachheit der Mittel der Erzeugung ist in unseren Tagen Hanplbedingung alles Gedeihens der Industrie, weil dadurch Zeit und Kostenauswaud erspart, der Absatz hingegen als natürliche Folge vermehrt wird. Diese Idee hat den Brüdern Paul und August Dupont vorgeschwebt, als sie den Entschluß faßten, beide Schwesterlichste, die zwar nahe verwandt neben einander, aber isolirt da gestanden haben, zu vereinigen und aus das praktische Leben anzuwenden. Es war im Znni 1839, als sie mehrere Blätter alter Drucke, z. B. aus dem Wolf - uud Kcrverscheu „JsidoruS" von 1499, dem Theokrit von Venedig 1489 u. a. vou dem Originale, ohne die geringste Beschädigung desselben, aus Stein übergetragen und von diesem alsdann wieder abgedruckt dem Comite der Pariser GewerbcanSstcllung mittelst eincö von Panl Dupont abgefaßten Memoire's übergaben. Von nun au erhoben sich die meisten Lithographen der Hauptstadt, Delarue an der Spitze, und protestirtcn gegen den Namen „Neue Erfindung", indem diese Ehre dem Erfinder des Steindrucks, dem ehemaligen Schauspieler Aloys Senneselder zn München gebühre, bezweifelten »nd verneinten sogar in besonderen Schriften die angepriesenen Vortheile. An der Rnhe und würdige» Haltung der Brüder Dupout verloren jedoch alle Angriffe der Scheelsucht ihre Krast, nachdem zwei der bedeutendsten Lithographen, Lemercicr unv Letronne, aus der Reihe der Gegner geschieden waren uud Erstere vor der Kunstjury erwiesen hatten, daß Paul Dupont eine „wiederbringende Tinte", <-nceL ei»««-«-" o. O. u. I. iu klein Folio (Heinecken giebt als solches irrthümlich die „Kolclen ^>oge»ei-ulum« Lyon 1478 ist Frankreichs erstes Holzschnittwerk, sowie der „ ^uiiecrem-lt» », Rom, Ulrich Han 1467 das früheste nnd die „U^meiotvmsclna" von 1499 das schönste von Italien. Unter den deutschen Typographen haben sich durch die Vereinigung der beiden Kuustzwcige Ko- burger iu Nürnberg und Grüningcr in Stmßbnrg hervorgethan. Die „Schedel'sche Chronik" des Ersteren enthalt allein an 2000 Holzstöcke. Die gefeiertsten Künstler älterer Zeit im Formschneiden . — ClichirKunst. waren Wohlgemnth uud Pleydcnwurff, aus deren Schule Albrecht Dürer, der größte deutsche Meister dieses Faches, hervorging, Hicronymns Rösch, Hans Burgkmair, Hans Schnuffelin, Guldenschaff, Jost Ammon, Springinklee uud Virgilius Solis. Die Thätigkeit und Verdienste dieser Manner um die Verschönerung des Buchdruckes zu schildern, würde ein eigenes Werk erforderlich sein. Aus diesem Gruude genüge hier die bloße Andeutung mit Hinweis anf die Werke eines Hcineckcn, Mnrr, Papillon, Janssen, Seniler, Breitkops, Ottley, Heller, Rumohr nnd Jackson. Unter Dürer's Nachfolgern gegen das Ende des sechszchntcn Jahrhunderts begann die Holzschneidekunst zu sinken und gericth im achtzehnten in ganzlichen Zerfall. Erst am Ende desselben fachten die Briten John und Thomas Vewick in London den erlöschenden LebenSfunken wieder an. Ihre Albeit fand Beifall und gilt noch jetzt als Muster. Die Zahl ihrer Schüler und Nachahmer wuchs von Tag zu Tag. Die Namen Anderson, Branston, Hole, Jackson, Cowon, LandclS, Williams, Resbit, Smith, Gray, White, Sears, Brown, Lee, Watts, Green, Parker, Whimpcr, Folkard, Johnson, Barter werden fortleben in den Annalen der Tvpographie wie in der Xylographie, wahrend Unger, Vater uud Sohn, Gnbitz, Höfel, Unzcl- mann, Vogel, Pfnorr und Nitschl von Harteubach in Dentschland alle Anerkennuug verdienen, und Dngonre, Cailhis, Gigour, zumal der Letztere mit seinen genialen Schnitten znm Gilblas, in Frankreich eine neue Bahn brachen, auf welcher Porret, Cher- rier, Breviere, Lclloir, Lecoste, Best uud die beiden Briten Andrew und Thomson in Paris jetzt wahrhaft Bewunderungswürdiges leisten. Knight'S Ausgabe des Shakspcare ist iu England, sowie Curmer's Paul und Virginie in Frankreich und Cotta'S Cid nebst Wigand'S „Nibelungen" in Dentschland das Vorzüglichste, was die Xylotypo- graphie in neuester Zeit hervorgebracht hat. ClichirKun st. Den Gebrauch, Formschnitte durch den Guß zu vervielfältigen, ist fast ebenso alt, als die Kunst, Polytypie. 375 jene zu bewerkstelligen. Seit Peter Schöffer, der auch in diesen: Kunstzweige der Typographie die Bahn gebrochen, wurden die zur Verzierung der Bücher bestimmten Vignetten u. dergl. von jeher in Metall abgeklatscht, sowol wegeu der nöthigen Vervielfältigung als auch weil daS Metall mehr gleichförmig gute Abdrücke auShält als daS Holz. „ Die Erfindung und völlige Ausbildung der Buchdnicker- kuust, sagt der geniale Nnmohr, dreht sich bekanntlich, wie das Rad um seiue Achse, um deu Kunstvortheil des Matrizengewinnens durch Abforinung oder Klatschung. Die auf solchem Wege gewonnenen Güsse waren schon im sechSzchnten Jahrhundert, wie noch heutigen Tages ein Gegenstand des Tausches oder Handels. Wie spater Paris und neuerlichst Berlin, so dürfte Basel um 1520 der Mittelpunkt eines solchen Betriebes gewesen sein." Wem Ware cS wol entgangen, daß mehr als andere deutsche Drucke die Baseler zu Holbcin's Zeit, dessen künstlerische Thätigkeit im Holzschneidcn Nnmohr nachgewiesen hat, mit Titcleinfassilngen, Vignetten und Initialen versehen waren. Am frühesten hat der Formschnitt in den Niederlanden wahre, das heifit, vcrstandvoll sehende und geistig erregte Künstler auf sich gezogen. Die ältesten Werke mit Klatschgüssen sind i das „ K»iidecK 1475; ,,De Biblie mit vlitigher achtingc", Lübeck1494; „Barbarossa", Straßburg 1515; „Die Cronycke vcm Hollandt", Leyden 1517; „Passionacl", Lübeck 1507; „Hng Schappler", Strafiburg 1517; „Der Ritter von Sachsenheim", Wormbs 1538; der „Thucydides" von Stayner 1538 und Kobergers Ausgabe der „Concordanzbibel" von Sacon. In neuester Zeit sind die Abklatschungen (Cliche's) besonders in Frankreich und Großbritanien häufig angewendet, aber auch in Deutschland bereits zu großer Vollkommenheit gediehen. Sollen Holzschnitte in Metall copirt werden, so geschiehet dieses bei den kleineren durch Abklatschen, bei den grösseren aber durch das Abgießen nach der neueren Stcreotypmethode. Unter den Engländern hat Applegath durch die von ihm crfuudeue Clichirmaschine, welche iu „ MeyerS Journal 1835. S. 72" abgebildet und beschrieben ist, Epoche gemacht, in Deutschland aber Psnorr in Darmstadt, der sich durch verschiedene Erfindungen und Verbcsserungen nm die Typographie große Verdienste erworben, dieselbe wesentlich verbessert. Eine Schilderung nnd Zeichnung davon giebt »r. Leo Bergmann im nämlichen Journale 1838. S. 1-9, 54-56 nach der in der BrockhauS'schcn Schriftgießerei zu Weimar befiudlichcn Maschine, in welche daS Lctterngut durch ein Fallwerk in die Form gepreßt wird. Das Verfahren bei kleineren Gegenständen haben fast alle neueren Handbücher der Typographie, unter Anderen Haspcr S. 223-228 und Meyer's Journal 1335. S. 69-73 u. 102 ff. beschrieben. Polytl)pic. Nahe mit der Clichirmethode verwandt uud ohne Zweifel von derselben erzeugt, ist der Polytypenguß. Unter der Benennung Polytypen verstehet man jene unendlich mannigfachen Zierbuchstabcn, Stanzen, Vignetten u. s. w., die seit ungefähr 20-30 Jahren so häufig zum Schmucke der Bücher Amvendnng erhielten, in unseren Tagen aber mehr noch bei Bekanntmachungen in Zeitblättcrn, um dem Leser beim ersten Blick schon den Gegenstand zu bezeichnen, ihre passende Stelle finden. Anwendung der Typographie auf besondere Zweige der Künste und Wissenschaften. Notendruck. ereils in den frühesten Incnnabcln kommen Lautoder Tonzeichen vor, um die Mönche beim Meszlind Chorgesange zu unterstützen, doch waren sie entweder ganz oder zmn Theil geschrieben. Daö älteste Bnch mit musikalischen Note» ist unbezweifelt derFust- und Schöffer'sche Psalter von 145,7, dieser Prototyp aller Zweige der Buch- druckerkuust, und nach demselben das „Filnim Klusicä plaiui" des Michael KienSbeck, -Augsburg bei Johann Froschowcr, 15V0. Allein es sind hier die Tonzeichen nicht mittelst beweglicher Typen, sondern im ersten Weile mit der Feder, im zweiten mit besonders dazu geschnittenen und in den Lettenüert eingesetzten Holzstöcke» ausgeführt. Von den Holztafel» ging man zuerst in Italien zum Stiche in Mctallplatten über. Hier sollen auch schon zu Anfange des sechszehnten Jahrhunderts typenahnlich gegossene Musilnoten in Anwendung gekommen sein. Als Erfinder der Letzteren wird von den Italienern Ottavio Petrucci genannt. Die Franzosen hingegen schreibe» diese Ehre ihrem LandSmanne Paul Hautin (um 1525) zu. Die meisten Gründe sprechen jedoch für den berühmten Sehristscl'ucidcr und Schriftgießer Jacques dc Sauleque (geb. 1558, gest. 1648), von dem man weiß, daß er zuerst die Musiktypcn in Frankreich bergestellt und bekannt gemacht hat. Obwol noch sehr roh und mangelhaft, waren sie doch über ein Jahrhundert im Gebrauch, ohne daß irgend Jemand, mit Ausnahme Johann Jakob Lotter'S in Augsburg, ihre Ausbildung zn beachten schien, als der verdienstvolle Buchhändler und Buchdrucker I. G. I. Breitkopf zu Leipzig im Monate Marz 1754 ans den Gedanken kam, musikalische Noten zu gießen, was ihm erst nach zwei verschiedenen Versuchen so gut gelang, daß er der Prinzessin von Sachsen ein damit gedrucktes Lied im Februar 1755 überreichen konnte und von nun an, wenn nicht als der Erfinder, doch als der Wiederhersteller und Verbessere»- dieses Kunstzweigcs betrachtet werde» kann. Breitkopf'S neue Charaktere wußten sich die Brüder Enschcde, Schriftgicßer in Hartem, zu verschaffen, ahmten dieselben getreu nach und kündigten nichts desto weniger in Zeitschriften an, daß sie eben eine Musiktype geschnitten hatten und hofften, man werde der Stadt Hartem die Ehre dieser Erfindung nicht streitig machen wollen. Zwar geriethen hierüber Brcitkopf, Enschcde und Bozard, welcher von Hartem nach Brüssel gezogen war, in einen Federkrieg, den spater noch Gando und Fouruier fortsetzte». Man vergleiche des Letzteren „Niumel tvpo- A>-!>^I>!s>>is 1, 52 >?t II, ^j>." Breitkovs's Methode hatte unlengtar manche Mangel, doch war cr der Erste, welcher ein voll- standiges, zum Drucke jeder Gattung von Musik Noäersto. Soprsn. I'enor. Lsss. ?.-?orts- beZIeitunA. ^^-^-^ ^i ^ --l- -i^^I MZ^ is^«^ l > i , p^-^Zi Die Sonne bricht durch d dem Urquell al-ler Seligkeit und Freu - de, ihm danken jubelnd ^« ^ ---j—>—>—»,--^--- i^^^^^iiiii^i^iii-i rl^ ^z^^ ^^ix?^»^».—» N^t>—? >—>—> » 1^ >° s -s.-^ ^ -> ° ! ^ti^ -o----1 ^—S—» ^ K-^L^^^- ^» ^ »»^ -«- » Z^-^ ^ ^ ^—S^jr - - ^^.'---ß- ' ^ ^ -^^»— ^j—^—— ^ ^ »—; «i^- » Z ?^ ^^^.^-^^-^.-z > > f --- -S ' . x^. 8. ^. uns're Lie-der Heu KZ-MZ^ "Hrone, - te wand, ^ind; Zrglänzen, m 5^ Z^-i^5^?—. en, hnm, ^? M ic', cnhm; ,— -)cks Reben, Wn. ^.^ Z^^^'^.^ :0__ ^ ^Z- icilten ^rzelt, ntfalten 1V. gelingen, Wer schuf die Meren. :,! Von deren Ruh Wer gab die Krafi Deß Name heustr dieses Tages froh gedenken, Du warst es, Her,^ Presst Macht uud Heiligkeit, Kam strahlend Ds kann wahre Freiheit schenken, >aben über Grab und Zeit, »en sich die treuen, guten Brüder Du warst es, Her^ -xhron auf ewig wieder! Kam strahlend Dei 7 Sie trug zu uns des David fromme Lieder, Brach Luthern einst die sieggckrönte Bahn, Des Herren Lehre gab sie treu uns wieder Und hat der Weisheit Schätze aufgethau: :, i Denn war' nicht ihr das große Werk gelungen, Homer's Gesänge wären längst verklungen. 8. Und jene Kunst, was hat sie Dir gegeben? Entbehrung nur war Deines Strcbens Lohn; Du mußtest arm und angefeindet leben, Des Priesters Wuth sprach Deinem Zauber Hohn; Doch krönte Dir der Deutsche, wie ihm eigen, Erst Grab und Büste mit des Lorbeers Zweigen i, i S. So rauschen denn am heut'gen Jubelfeste Die Glocken nicht vergebens nah' und weit: Sie künden laut dem Oste und dem Weste, Daß Leipzig hoch sich Deines Ruhmes freut, Daß auf den Feldern, wo einst Blut geflossen, Des Friedens Kunst gar herrlich auch ersprossen. (*) Die Pianofortebegleitinig ist I Typometric. 377 geeignetes System aufstellte, das allen Nachfolgern mehr oder weniger zur Basis gedient hat. Seine Typen stehen besser, als die spateren Fouruier'schen und Eando'schen und ihre Form ist in jeder Hinsicht schöner. In neuester Zeit hat man besonders in Frankreich diesem Kunstzwcige große Aufmerksamkeit gewidmet. Im Jahre 182i> machte der berühmte Typograph E. Duverger in der „Hevuv inu«ic->ls" die ersten Erzeugnisse seiner langjährigen Versuche bekannt uud erutete wegen der Eleganz der Form, der schönen Verhaltnisse der Klammern und Vorzeichnungen und des ununterbrochenen FortlauseuS der Notculinien allgemeinen Beifall. Außer trefflichen Stereotypplatten liefert er drei verschiedene Größen von Charakteren, ganz kleine sür Almanache und dergleichen, ganz große für Wandtafeln in Schule», Kirchen u. f. w. und von mittlerem Kegel sür die gewöhnlichen Musiksatze. Nach ihm verdienen Brnn, Tantenstein und Cordcl genannt zu werdeu, die ebenfalls Schönes leisten. Doch steht die Firma Breitkopf und Härtet den Franzosen nicht nach. Ihre Noten sind in deutschen Druckereien immer noch die beliebtesten. Sie liesert ebenfalls Musikstereotypcn; doch war K. Tanchnitz der Erste in Deutschland, der mit Erfolg die Stereotypie auf den Notensatz anwendete. Ist die frühere Methode deS musikalischeu Druckes mit Kupferplatten wegen der zu hohen Preise langst nicht mehr in Ausübung, so haben doch sowol die Lithographie als der Zinnstich, wo die Roten mit Stahlsteiupel» auf Ziuuplatteu geschlagen werden, den ^allerdings kostspieligeren Notendruck mit Typen noch nicht überall zur allgemeinen Anwendung kommen lassen; nichts desto weniger leistet er bei Lehrbüchern, wo Beispiele in den Tert aufzunehmen sind, treffliche Dienste. Ueber Mnsikdrnck geben die Werke eines Fournier, Gando, Breitkops und Crapelet Aufschluß. Den gegenwärtigen Höhenpunkt deS Notendruckes in Deutschland zeigt das hier beigefügte, von dem wackern jungen Typographen Richard Tcubner, dem Sohne des Verlegers dieser Säcularschrift, gedichtete und von dem k. s. Kapellmeister Neissiger eigends zn diesem Zwecke in Musik gesetzte Lied mit Chor aus Gutenberg und seine Erfindung. Typometrie. Die Kuust: Landkarten, topographische Situationen und alle Arten von Planen, wie Bücher zu setzen und zu drucken, heißt Typometrie oder typo- metrische Kunst. Dieselbe ist eine Erfindung der neuesten Zeit und bildet einen neuen Zweig der Buchdruckerkunst, über welche um so mehr die wenigen geschichtlichen Daten anzugeben sind, als dadurch die Bemühungen der Vorganger des Erfinders, Franz Naffelfperger'S, Geographen und Besitzers der ersten typographischen Knnstdrnckcrei in Wien, in daS gehörige Lichl gestellt werden. Es hatte zwar sehr bald »ach der Erfindung der Buchdruckerkimst Conrad Swey»heym den Ansang gemacht zu der lateinische» KoSmographie des PtoleiuauS von 1478, welche sein Freund und Geschaftönachfolger Arnold Bucking vollendete, die geographischen Karten zu drucke», allem nicht mit beweglichen Typen, sondern mit Metallplatten, auf denen die Schrift mit Bunzcn eingeschlagen und die 5 übrigcu Zeichen und Figuren eingegraben waren. Der Ulmer Drucker Leouhard Hol ließ die Karte» z» semer Ausgabe des nämlichen Werkes vom Jahre 1482 durch Schnitzer von Armsheim in Holz ciuS- führeu. Da aber die Schrift das non plus ulti-a eines Holzschneiders ist, wenn sie schön und scharf sein soll, so wurden nur die Figuren auf Holz geschnitten und in die Stellen, wo Schrift zu stehen kommen sollte, Löcher gemacht, in welche man alsdann die Namen mittelst gewöhnlicher Lettern hineiiisteckte uud so mit der Holztafel zugleich unter die Presse ! brachte, wodurch die Karten zwar leserlich wurden, aber ein höchst seltsames Ansehen bekamen. Ebenso ist dieFolioauSgabe deS Ptolemaus von 1511. (Venedig, Jakob Pet. de Lenccho) gedruckt. Späterhin mußten Letztere stets durch den Grabstichel auf Holz oder Kupfer bewerkstelligt werden und Niemand dachte wahrend mehr als zwei Jahrhunderten an typographische Ausführung, bis der Gedanke auf einmal in den Köpfen zweier Deutschen ansstieg uud zur erprobenden That sich gestaltete. Die ersten Versuche, Landkarten typographisch zu setzen und zu drucken, wurden au zwei verschiedenen Orten beinahe zu gleicher Zeit in den Jahre» 1770 48 378 Typometric. bis 1775 gemacht, nämlich von dem bekannten Schriftgießer Wilhelm Haas in Basel, welchem der Hosdiatonuö Preuschen in Carlsruhe die Idee dazu gab, nnd von dem Erfinder des Notendruckes, dem rühmlich bekannten im? hochverdientenI. G. I. Breitkopf in Leipzig. Beide nahmen in besonderen Schriften die Priorität der Erfindung in Anspruch. Haas machte seine Versuche zuerst bekannt und Breitkopf bewies, daß er sich bereits seit zwölf Jahren mit der Typomctrie beschäftigt, aber, mit den Resultaten noch nicht zufrieden, absichtlich geschwiegen habe. Die uubesriedigeiiden Abdrücke ihrer Landkartensätze, wozu der Erstere den Canton Basel, der Letztere die Gegend nm Leipzig wählte, gaben den mühevollen und kostspielige» Versuchen keiue weitere Folge, und die Idee scheint lange Zeit in Vergessenheit gerathen zu sein, bis die mit allen technischen Hülssmitteln ausgestattete berühmte Bnchdrnckerfamilie Didot in Paris, namentlich Firmin Didot, die Sache mit einem angeblichen Aufwands von 50,000 Francs in den Jahren 1820 bis 1830 auch versuchte, allein ebenfalls zu keinem entsprechenden Resultate gelangt sein dürste, indem hierüber nicht mir nichts bekannt wurde, sondern auch bei den Industrieausstellungen in Paris in den Jahren 1335 und 183S nichts dergleichen gezeigt wurde. Einige typometrische Versuche hat auch der Buchdrucker Wegcner der Jüngere in Berlin gemacht, worüber der General Menu von Minntoli in den Denkwürdigkeiten der militärischen Gesellschaft zn Berlin Band I. Seite 146 Bericht erstattet. Im Jahre 1332 gab Georg Vauerkeller in Frankfurt a. M. mehrere Karten heraus, die durch den Buch - und Steindruck vereint ausgeführt worden waren, was man in Paris schon vorher mit Glück versucht hatte. Endlich trat Naffelsperger, der die Idee des Laudkartendruckes, ohne von den früheren Versuchen etwas zu wissen, schon längst im Geiste mit sich herumgetragen, im Jahre 1839 mit der General-Postkarte des östreichischen Kaiser- staateS in vier Blättern hervor, welche als ein durch bewegliche Charaktere hervorgebrachtes rein typographisches Erzeuguiß allgemeinen Beifall erntete und bei der Wiener Gewerbeausftelluug von der laiserl. köuigl. Prüsnngscommission mit der goldenen Medaille gekrönt wurde. Aus diesen Thatsachen crgiebt sich nun, daß die Typomctrie in ihren gegenwärtigen Leistnngen in Wien als daS Ergebniß einer durch vorhergegangene Versuche zwar vorbereiteten, aber nach langem Nuheu des Gegenstandes erst durch selbstständige Combination wieder ins Leben gerusenen Erfindung betrachtet werden kann. Die Hauptaufgabe für den Typographen war: mit den einfachsten nnd zugleich wohlfeilsten Mitteln jede wie immer gestaltete krumme Linie, wie die auf den Landkarten vorkommenden Linien der Gebirge, Meere, Seen, Ströme, Flüsse, Ufer, Straßen, Grenzen Ze. durch bewegliche Typen geographisch genau und deutlich anzugeben, die Bezcichnnngen der Städte, Dörfer, Festungen, Poststationen und dergleichen durch besondere Zeichen darzustellen und das Ganze mit der erläuternden Schrift in Harmonie zn bringen. Niemand, der die Schwierigkeiten einer solchen complicirtcn Ansführung kennt, wird die Wichtigkeit der Erfindung, die noch keineswegeS als beendigt oder abgeschlossen zu betrachten, sondern ganz gewiß noch einer mannigfachen Vervollkommnung fähig ist, in Zweifel ziehen wollen. Schon nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Typomctrie lassen sich deren Erzeugnisse in folgende vier Haupt- klasseu theilen: 1) geographische Abdrücke: Situationszeich- nungcn und Landkarten, Pläne aller Art; 2) mathematische Abdrücke: einfache Linienbilder von allen geometrischen Figuren, Maschinen-Contouren, Grundrissen, Durchschnitten u. s. w.; 3) naturhistori sch e Abdrücke: Darstellungen von Thieren, Figuren, Blumen u. s. w.; 4) Druck von Zeichenschriften: Hieroglyphen, Pastgraphie, Chinesisch u. s. w. Für letztere Sprache treten die Vorzüge in ein um so glänzenderes Licht, da der typographische Druck chinesischer Werke wegen der außerordentlich großen Menge Buchstaben beinahe unüberwindliche Schwierigkeiten darbietet. Die typometrischen Producte zeichnen sich vorzüglich durch charakteristische Darstellung der Hauptgegenstande aus, und liefern durch Anwendung angemessener Farbengebung entsprechende deutliche IVtv B7»»KvV»U>I»KSI» I.etK»«SK^ t^K»«i»»eti isvl» i»,»«KvQiI»»t. »°.°>»»- A^»»»»»»««^^........ Xnd»» ^. . /> ?5v-"^U. ^.^...-71^^ -^>-,^-^„.„. . 5"""-'" - ^ ^.K». "1, ^v^z . ^ ^ / ,>«Vd<>!» VV ^-»»>» n ^ ^ ..... III . Xtt j "->"^u.-^^^ W ^ ^ ^ ^^..^ ^ >^ > r»>>r>^^ „ °'° Kl.^l»- ,^.^>- / ob. T , d,r.ui>« '.- . -«»>..- ./ ..,»--.«>»..i .-^ uiuün,"- » vVr - - / >S» ^...z>i>^<>«»-» ^ «»,,»>,„ ".. v^VL»«,-.-,.?» ,.. . i! :. . - ......»,^..«»»° V ?.„M'» >il. ^..»-»^ ., ^> -^^.^>s>»»? -^K-Ä^-. 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KUi j-, » X ^..K..,..«'-^ .»...-t/V ^Z..^,-^ .v.. ». » , / !, ^ ^^,x : X ^ ^ X ^ -' ^ "' ^ 1«^^ ^>,»°K»..»/< ""^ S.li»--(-I>^ ^ ^ ^ r» ^^^^»-^»»» ^^-«M^' ^ ^ ^ ^>»>;» X i > Typometrir. 379 Naturbildcr des Landes, der Wasser, Blumen u. s. w., welches die bisherigen gewöhnlichen schwarzen Abdrücke der Landkarten, die Kupfertafcln bei Werken über die Mechanik, bei Schulbüchern über Geometrie, Mathematik, Stereometrie, Architektur u. s. w. ganz entbehren, da sie gestochen uud schwarz gedruckt sind. Die Typometrie nach Naffelsperger's Methode verbindet mit dem Hauplvortheile einer unbegrenzten Anzahl von Abdrücken uud der daraus hervorgehenden billigeren Preise die Möglichkeit, alte nur immer wünschenswertheu Correcturen und Abänderungen des Satzes ohne grossen Zeitverlust und ohne jeden Kostenaufwand vorzunehmen, so oft es beliebt, Eigenschaften, welche andere VervielfältigungSmittel, als Ehalkographic, Xylographie und Lithographie in solcher Vollkommenheit darzubieten nicht geeignet sind. Der mehrfarbige Druck stellet dar, bei Landkarten: die Gewässer blau, die Straßen, Ortszeichen, Grenzlinien u. s. w. roth oder rothbraun, die GebirgSzüge grau, die Schrift schwarz, die Waldungen, Alleen, Parke grau, und endlich werden die braun gedruckten Grenzen mit beliebiger Farbe bedruckt um die Handcoloriruug zu ersparen. Bei mathematischen Gegenständen werden die Ziegelmauern roth, die Eifcntheile grau, die Holztheile gelblich oder braun, die Steinmauern bräunlich n. s. w.; beim naturhistorischen Drucke aber die Blumen mit ihren Contouren, Farben und Schattirungcn dargestellt. Die Abdrücke werden auf den gewöhnlichen Buchdruckerpressen gemacht, und die Sätze köuncn beliebig vergrößert oder verkleinert werden, welches mit den Karren ans Kupfer, Stein, Holz oder Stahl nicht ausführbar ist. Die Typometrie dürste daher bei dem Umstände, daß durch sie jede beliebige Karte in jeder beliebigen Sprache geliefert werden kann, in der Geschichte der Bnchdrnckerknnst um so mehr Epoche machen nnd auf die Wissenschaft einen um so bedeutendem Einfluß üben, als sie zwei Haupthindernisse überwindet, die der größeren Verbreitung der Landkarten bisher im Wege standen: die hohen Preise brauchbarer Karten und die ganzliche oder theilweise Undent- lichkeit der Schrift, sowie das Unklare des ganzen geographischen Bildes auf den in Kupfer gestochenen oder auf Stein gravirten Blättern. Bei der Erfindung von beweglichen aller nur möglichen Zusammensetzung fähigen Zeichen für Berge, Flüsse, Ufer, Landesgrcnzen, Straßen u. s. w. blieb der Wiener Geograph jedoch keincswegcs stehen. Es war noch ein zweiter mit bedeutenden Kosten verbundener Schritt nothwendig, um die typirten Karten mit den Vorzügen auszustatten, welche dieselben nur durch die Typographie erlangen können. Die bisher in der ganzen Buchdruckerwelt gebräuchlichen kleinen Schristgattuugcu, welche man zu den Brodschristen zahlt, sind nämlich in der Regel mager, daher zu wenig deutlich, um den geographischen Zwecken, zumal für den Schulgebrauch, vollkommen entsprechen zu köuucu. Sind dieselben zwar noch immer viel deutlicher uud lesbarer als die gestochenen, und können sie von Letzteren nie übertroffen werden, so schienen für Landkarten doch Lettern nöthig, welche dicke Schattenstriche haben, sich durch größere Deutlichkeit auszeichnen und bei alle dem nicht mehr Raum auf den Karten einnehmen als die gewöhnlichen mageren Buchdruckertypcn. Raffelspcrger hat daher, um französische, deutsche, italienische, englische, ungarische und polnische Landkarten liefern zu können, fünf ganz neue sogenannte geographische Alphabete schneiden und gießen lassen, nämlich: stehende geographische Perl, stehende geographische Diamant, stehende geographische Sand, liegende Haarschrift, stehende Perl Ronde, dann für den Druck russischer und neugriechischer Landkarten ebenfalls stehende fettere Perlschrift jener Alphabete. Die von vielen landesherrlichen Bildnngsan- stalten geäußerte» Wünsche: für den Gebranch der studircndcn Jugend typirte Karten zu liefern, da dieselben lesbarer und deutlicher sind, als die gestochenen und schwarzgedrucktcu, habeu den Geographen Raffelsperger veranlaßt, seine Erfindung selbst auszuüben und im Jahre eine eigene Druckerei zu errichten. Aus derselben sind bereits hervorgegangen: Die General-Postkarte von Oestreich in vier Blättern, vier Farben und vier Sprachen (deutsch, italienisch, 380 Mathematischer Druck. — Potanischer Druck. ungarisch und französisch); die Schulkarten von Böhmen, Mahren, Steyermark, Jllyrien und des HcrzogthumS Oestreich, der Umgebungen von Paris, Warschau, Ofen, Pesth und Wien in sechs Sprachen, dann der Grundriß cincS FrischfeucrS, die Faxade sammt Durchschnitt eines Schrifrgießerofeus und ein Auszug aus einem chinesischen GeschichtSwcrke mit Beifügung des chinesischen Wortlautes sammt deutscher und französischer Uebersetzung. — Die hier beigegebenc Karte der Umgebungen Leipzigs möge als Beleg dienen. Der Name „Typomctrie" stammt von dem Diakon Preuscheu, der seine Methode zuerst „Inge- Iiu;ii>'!l«moi,'re«s!o» ites xv«L>'. tN den AIvi». lle I'instit. Litt. et. o. ^. V., 41L."; vor allen aber I. Nitschl von Hartcnbach, „Neues System, geographische Karten zugleich mit ihrem Kolorit durch die Buchdruckerpresse herzustellen, Leipzig 1840. 8." Mathematischer Druck, ist ein Zweig der Typometric und beruht ans dem Grundsatze: mathematische Figuren, geometrische Zeichnungen, architektonische Pläne mittelst beweglicher Typen znsammenznstellen und durch die Buchdruckerpresse zu vervielfältigen. Die frühesten Spuren seiner Anwendung, obgleich noch in höchst unvollkommener Weise, finden sich im Natdolt'schcn Euklid von 1482, von dem einige Ercmplare ebenfalls die ErstlingSproben des Golddruckes enthalten und iu Apian's und Tycho Vrahc's astronomischen Werken. Hierauf geriet!) diese Drnckwcise in Vergessenheit oder wurde von der Holzschneide- und Kupferstechcrkuust verdrängt. Erst der unermüdlich thatige Breitkopf zog diesen Zweig der Typomctrie wieder aus ihrem Dunkel hervor und machte wiederholte Versuche im mathematischen Drucke, sowie in der Herstellung von Knustzcichnnngen im Fache der Landschaft- und Historienmalerei, in letzterer Hinsicht besonders Köpse und Büsten. Sei es nun, daß ihm Letztere nicht genügten, oder daß andere Geschäfte seine Thätigkeit in Anspruch uahmeu, er ist nie mit einem größeren W.'rkc dieser Art hervorgetreten. Erst in neuester Zeit hat Naffelsperger in Wien nebst dem geographischen Druck auch diesen Kunstzweig gepflegt. Seine erfinderische Thätigkeit hat auch hierin zu überraschenden Resultaten geführt; doch dürfte der mathematische Druck noch mancher Vervollkommnung sähig sein. WaS er jedoch schon gegenwartig zu leisten im Staude sei, mag beiliegende Druckprobe eineö Schrisigießerosens mit Ableitungsapparat der Antimonialdämpfe dem Leser vor die Augen führen. Dotauischcr Druck, ist daS Versahren, wo die typographische Kunst ans Darstellung von Pflanzen mittelst beweglicher Charaktere angewendet wird. Schon im Jahre 1727 hatte der Buchdrucker Funke in Erfurt aus Veranlassung des Professors Kniephof einen Apparat aufgestellt, womit von natürlichem Pflauzeu auf Schreibpapier schwarze Abdrücke gemacht wurden. Fast gleichzeitig (1728) verfertigte der Engländer KirnhalS Pflanzenabdrücke mit bunten Farben, welche Versuche sowol von Seutter zu Augsburg 1734 als auf Anregung des GeheimratheS Büchner und mit Beihülfe dcS Pro- ^ fessors Ludwig vom Buchdrucker Trampe in Leipzig wiederholt wurden. Doch war dies nur Krauterdruck und nicht eigentlicher botanischer Typendruck. Dieser kann als eine Erfindung BreitkopsS betrachtet werden; wenigstens ist er der Erste, welcher sich ähnliche Leistuugen zum Gegenstände seines Nachdenkens und mauuigfacher praktischer Versuche vorgesetzt hatte; doch ist davon nichts in das Publieum gelangt. Etwa fünfzig Jahre spater hat der Brite William Savage die Idee mit Geist und Thatkraft aufgegriffen und in seinen „pi-iotlcal 1Ii»ts on ElitiMgrnphic. 381 violet gesprenkelten Nelken und auf einem anderen Blatte die Fenchclstande mit dem Schmetterlinge sind ausgezeichnet zu nennen. Er blieb bei der einfachen Pflanze nicht stehen, sondern versuchte sich auch an Landschaften- und Marine-Darstellungen, sowie er schon früher in der gelungenen Nachbildung antiker Bildwerke des britischen Mnseums, z. B. der Statue des ThesenS, der Büste des Diomedcs und der ctruskischcu Prachtvase aus der Hamiltousamm- lung, je in dem eigenthümlichen Colorit der Gegenstande den Dank aller Kunstfreunde sich erworben hat. Auch hierin, sowie im Gold - und Farbedruck, ist Vartcr sein Nebenbuhler. Unter den Deutsche» gebührt dem rastlos thatigen Naffelsperger in Wien der Nuhm, deu botanischen Druck zu Ehren gebracht zu haben. Was er cmch in dieser Hinsicht im Vereine mit dem einsichtsvollen Verleger gegenwärtigen Bncheö zu leisten im Stande sei, wird die zur Seite befindliche von Teubner in Leipzig mit acht Farben gedruckte Rose darthun. EKtypographie. Ektypographie oder Rcliefdruck für Blinde ist die Kunst, jeden Schriftgcgenstand in Formen, es bestehen diese aus Holz, Stein oder Metall, so darzustellen, daß selbige durch den Abdruck erhaben vervielfältigt und auf diese Weise durch den Tastsinn für Nichtsehende lesbar gemacht werden. Die bisher angewandte» Methoden, erhabene Umrisse zu bilden, bestehen theils darin, daß man dieselbe» entweder in Kupferplattcn tief eingravirt, oder auf Stein erHabe» atzt oder eigends für diese» Zweck gegossene Schriftlettern anwendet. Der Erfinder von besonderen Typen zum Unterrichte sür Blinde war Valentin Haüy (geboren 1745, gestorben 1822), Bruder des berühmten Naturforschers, welcher, durch die Bekanntschaft deS merkwürdigen blinden FrauleinS von Paradies auS Wien veranlaßt, in deren Zimmer er eine kleine Hand- druckcrei vorfand, durch die das geistreiche Mädchen eine» Briefwechsel mit dem Erfinder der Schach- maschinc Van Kempelen unterhielt, von nun an sein ganzes Lebe» der Erziehung solcher unglücklicher Kinder widmete. Er führte Metallcharaktere, welche so viel böber über ihre Körper hervorstehen müssen, als sie in das Papier vertieft sich eindrücken sollen, zuerst bei dem 1784 durch Philanthropen in Paris gegründeten Blindeninstitnte ein und brachte es so weit, daß die ihm anvertrauten Zöglinge ihre Bücher sogar selber setzen nnd drucken lernten. Einen Beweis hiervon liefert sein merkwürdiges Buch! ,,I?5K»! «ur I'«-cI»;>es" 1'ili'Iü 1736. 3., welches von blinden Kindern zum Beste» semer Blinden und zum Gebrauche für blinde Binder gedruckt ist, indem die erhabene Schrift diesen das Lesen mittelst deö Gefühls der Fingerspitzen möglich macht. Diese Methode wurde von Guillie, »ach Haüy, Gcneraldireetor derselben Anstalt, vervollkommnet und in einer besonder» Schrift: „ZVotlce In^ui-Kn«! sur I'in«trnctimi v I5»xl!>nä Iiistllutwn " zu Boston hat schon viele bedeutende Werke nach dieser Methode herausgegeben, von denen wir nur das ganze „ Neue Testament", den „Psalter", eine Weltgeschichte: 382 EKtypogruphie. „Outllnes ok lustor/ -inclent ll»ä modern" in drei Banden und Howe's „vensral atlss" namhaft machen. Die neuesten glücklichen Versuche in dieser Kunst haben vr. W. Lachmann, Direktor des Blinden- Justitutes zu Braunschwcig, und der östreichische Hauptmann Freisanff von Neudegg in Wien gemacht. Ersterer hat nicht nur die Buchstabenschrift, sondern auch eine von ihm erfundene Zeichenschrift durch Zusammensetzung von Sternen, Punkten, Strichen und Halbkreisen für Nichtschcnde eingeführt und in Gußtypen durch die Presse lesbar gemacht. Letzterer aber hat sowol Methode als gewonnene Resultate in seiner „Beschreibung der Ektypographie für Blinde, nebst ihrer Anwendung für Sehende, oder die Kunst, erhabene Abdrücke von gcwöhnlicherwcise gestochenen Metall- und Steinplatten, von Holzstichcn und Buchdruckcrlcttern und selbst von Handschriften und Handzeichnungen zn machen und sie beliebig zn vervielfältigen." Wien, 1837. in 4. der literarischen Welt mitgetheilt. Er hatte sich znr Aufgabe gestellt, erhabene Umrisse bei Schreib-, Zeichnen - und Druckgegcnstauden hervorbringen zu können, ohne dazu besondere Kunstfertigkeit von Seite des Erzeugers in Anspruch zu nehmen, mit beständiger Rücksicht auf Einfachheit, Schnelligkeit der Erzeugung uud vor Allem Wohk- fcilheit der Materialien. Ob seine Methode schon in Blindcninstitntcn Eingang gefunden, ist uns zu bestimmen unmöglich; in wiefern sie ausführbar und von Nutzen sei, muß die Folgezeit lehren. Auf jeden Fall verdient sie die Beachtung aller Kuust- gcnossen uud Menschenfreunde. Zu ahnlichen Zwecken ist auch schon im Jahre 1812 der lithographische Stein von Duplat in Paris und zehn Jahre später von Eberhard in Darmstadt, sowie 1827 von Finnin Didot und Motte in Paris angewendet worden, doch kann das Verfahren, als der eigentlichen Bnchdruckertunst fremd und nur der Wirkung nach analog, hier ebenso wenig in Betracht kommen, als die um 1822 von dem Graveur Carre in Toul erfundene und 1834 durch Dembour in Metz verbesserte Metall-Ektypographie oder die Kunst erhaben ans Kupfer zu atzeu, so, daß der hervorgebrachte Gegenstand entweder gleich, oder, nachdem er stereotypirt worden, durch die Buchdruckerpresse vervielfältigt werden kann. Des Letzteren Schrift über diese, wie er sie nennt, neue Erfindung, hat Heinrich Meyer (Braunschwcig, 1835. in 4. mit 8 Vignetten) ins Deutsche übersetzt. Das nebenstehende Prodnct, ausgeführt in dem Atelier des wackern Verlegers, versinnlicht das Verfahren der mehrgedachten Erfindung. Vieles ließe sich noch über mehrere nicht unwesentliche Verbesserungen der Typographie in ihrer mannigfachen Verzweigung hier cmführcn, wie z.B. über den von G. Souquet in Paris erfundenen „ lustlüc-ltene", wovon er im Jahre 1824 zu Boulogne eine besondere kleine Schrift hcransgab; über die Seiden-, Linnen - uud Vaumwvllendrncke Saussay'S, welche er vorzugsweise für Zeitungen uud Journale angewendet wissen wollte und 1837 zu diesem Behufe einige Proben an das „Institut se!inet 1473. ^gnollis, Leiiluliriinis 6e. 1'ii8eiil»no 1480. ^. l» K r g, w, loli. ?ü8Siiu u. ^Viiiterderg 1432 -1492. ^11>inii8, pliil. Vicenna 1477. ^-1 6 inx , Henr. Ale88liiii un6 ^e»^el 1473 - 78. ^, I :i um nn U8 8. ^Iein»inni8. ^.I6us, Al-iiiutiii8. Veneclix 1494-1500. ^ Ieinsnnn « , Ie6eniv>isIc) (üolle 1473. Ieinü, nnn 8 , >>Iiign. Kevilln 8. Al-iAiins. ^lein-innn« , ?'IioiNlis. 8ev!ll-i 8. Iliomas. > ex-in 6 er, l^o. ?nri8 1497. ^ngei'8 1498. ^- lexün 6 er, mit ^usol) n. Lii^t!8ti>. I?iv!ü!ino 1472. ^-lexanürik, .^nt. 6e. Venedig 1481. ^ I ex -r n 6 rin u 8 , tZer. Vene6ij; 1476. ^Isxsn6rinU8, Hier. Vene6ig 1^95. ^ Ii!Vt >is, .-^lex. pinis 1797. ^.Icina, I^r. k'rc. 6?. I'lursii'/i 1494-96. ^.loz'sius, ^.lv. Verona 1479. ^lovsins, ^s». Verona 1479. ^.Iniss s. ^Io/sius. ^ in 1> erfüll 8. ^clmn. ^, ins r d aeli, ^o. 6e. Lüsel 1481-1500. ^. in 8 ter 6 »in, AIrt. 6s. ^e-ipel u. I^oin 1498 - 1500. ^ ncIi -irs. nu 8, Ko-ziiis 6e Lrnce. 1499. ^.n6rea8 O^tli nr en 818, ^lac. 1476-77. ^Vn6riss8on, ?o. Lürlein 1483-36. ^. n 8 sIINu 8 , 1'Iivm. ?l'or?>ielin 1500. ^.ntiizuarius, ?elix. ?oll!iino 1476. ^.n p e ntexge r, I^u»us. 8iir»>;ossa 1500. .^an6. ^rens 8. ^rudss. ^.r ^enteu 8 s. 8!Idsr. ^rxsntinü, i?Ior. 6e. Vene6!A 1472. ^rgvrios s, Lilber. ^.rixis, I^eon. 6e. 1''Iorenn 1499. ^rixi, ^->c. 6s, Ülni>iui6 1493. ^.rn<1es (s. ^r»8, ^rens, .^rnt..) 8tei>I>nn -ins Ilnind. I-eru^Ici 1431, 8c>iles,v!g1436, l^iiveelc 1487-15NV. ^.rnoläus, ^.Ii. Ven. 1472-79. ^rnollet, ^s»s. I^vvn 1495. ^riis, ^rnt s. ^.rn6vs. .^rri vüb enus (6e Kivudeni») (Zeo. Ven. 1485-96, ^rundis, .-Vrnn6ii8 6e. Lressla 8. -i. ^8sen8iii8, 1u6ucii8 La6iii8. on 1497 - 1500. ^,8 8 s I i n H8 , pst. Orlsiiii8 1500. .^8ula, ^n6r. «. l'orreL-tiiu«. ^V«nla, Hieron. 6e. Alniliiixl. ^.«»la, l^nc. u. 1'Iieod. 6e. Kü^i^oiiivus. ^ttenäorn, ?et. Stras^vuix 1489. ^. iirI, I.e(in. Ven. 1472 - 73. ^ vrsr, He6sricn« st N»rcu8. IZrkurt 1498. ^ vrsr, Mirs. I^iirnu. u. 1i>LoI»t!ttIt 1487 - 1493. ^ X 2 o gui <1 is, v-lltli. 6e. Lologna 1471 - 1480. v. 5. «enk 1498. (1o. LeUot?) IZ ii ci Is riis, IZiisilerlus . 1472 -1492. Ij !I g nonn 8 , Äleli. I^uce-I 1432. L-Ulixiiult, 1'V>I!x. ?nr. 1483-1500. LsIs -irin , (ZuII. I.)on 1498 - 99. IZcipti8ta, nr!isiU8, ^nt. 6s. Ven. 1435. D.iro, ^o. Larcelon-i 1493. v -> rre , I>?ic. 6s In. ?-ir!8 1499. L rre 6 a , ^nt. 6e. 8-iIaiNiiiic» 1486. Larrsvslt, (Zer. Vene6!x 1494. v ^ rtIieIot , ?et. 1-von 1496. L a r t Ii o I o m:i e i, ^Vnt. Vene6i-; 1476 - 1486. I! ii r t Ii» I o in K e » 8, nrlie6!c!itor. 1>'Iorenii 1492 - 97. vi» rtu -i , ?t. 6e. Ven. 1477. 73. La 8 » vnu 8 IImi^!iru8. Oremoiia 1492 - 94. Lk8tles, I?ri6. sic. LIkcId 1467-77. liexginin», , 1o. geii-iniit Alentüer. Kte!i88burg, >Viii'2l>uig >i. Hegeii8l>iii'g 1473-1485. Lei, 1o. de. Löln 1489. IZsIkoit! 8 , .^.nde. I''eri nrn 1471 - 93. Velin, 1o. I>ni . 1489 - 92. üellneit, 1»?. Ilnilem 1435. Lelle8»ulve, ?et. et 1o88«8. I1enno8 1484. veiIoiiii« , 1». 1.io. ülnil-md 1497. Uellvt, In. cle>i1 1498. Lenn1Ü8, Leinnidin de. Ven. 1484-1500. Uenn>ii8, Vincent. Venedig 1493. venedi cti8, x'. ?Iütv de. IZuIogn-i 1437-1500. IZenedict! 8, Li.de. volognn 1492 -1497. IZenedictiü, 1o. .^ut. ?Iiiton!de8 de. Lelog. 1499. 1ienedicti 8 , 1o. Inc. de. IZelngn!, 1492 - 95. 1Zenedicti8, I^ic. de. Venedig, '1'uiin und I^) on 1481 -1500. Lenedicti8, Vincent de. Lnlognn 1498. Ijo n 8>I s i III, 8. ?i8toii8, ?Ii!I!nn. Ijvigee, ?et. .^ug8t»ii-g 1486-89. Lerginnun, (de 01i>e) 1v. Lii8. 1494 - 99. 11 e i'g oni e n üi 8, ^nt. Venedig 1497. 1j e!' gom en 8 i 8 , ?et. Venedig 1493. L e r gnm o, Ijernni d. de. Cngli 1475. II e rnient I o , I'ceegiin. I^ennel 1476. IZernecKer, lliin«. 1493. IZe r t vc Ii U8, Oionvs. Venedig, Viceuxn, l'eeviüv, Lvlogim, lieü/.io und Aludenn 1480-1500. LertvcIiu 8 Ooninii«. Leingnii 1474. L e r t o c Ii u 8 , Vincent. Z»iintuii 1498. Lerton, In. 1^!moge8 1495. IZesiclcen (8. de LesiKei») 1o. Ln8et und liom 1433-1501. IZeviIü <^ ii nt>!8. LivI, 1>ied. IZiisel 8. n. Liretis (IZiieetis) In. ^nt. de. Venedig 1483-89. 0 issoI!, loli. Venedig u. Aliiil-ind 1498 - 1500. vInstu 5, ^ic. Venedig 1499 - 1500. L I n u d i > e i-, 1». .Vug8uni'g 1431-86. Linvis (8. IZInviii8) IZin. de, ^IexiindiiiiU8. Ven. 1480-86. LInvi8, 1'Iioinii8 de, .-V!exniidiinu8. Ven. 1477-90. IZI » ndu 8 , Iliei. Venedig 1495. Lnccnrd, ^nde. ?ui!8 1496. IZ » etticIivr , Lieg. I^einüig 1492 - 95. U » m g n t Ii e n, Lein-. Oiniiit/. 1500. Lonncni- 8 is, ?et. Iloiil>Iiiu8 de. l-'Ioi-. 1488- 89. Lonnccui8lu8, I<'i c. I^Ior. 1485 - 96. ^ Lone11i 8 , Älnnsied de. Ven. 1494 -1500. IjnnsIIo de, Al-mki'. de Alonteteeinto 8. ^lanseed. de 8u8trevo. Venedig 1481 (1491 ?) - 1500. Loneti8, ^ndi-. de. Venedig 1483-86. L n n Ii o in i n i, 1o. ?et. I^i88nd»n 1500. Ij o n Ii o in in e , 1o. ?iir!8 1484 8>^ij. IZ o n Ii o ni in s, ?»8sni!ei-. ?nr!s 1476. 1! » nini 8, 1j»niiiU8 de. Ven., Veionn n. Lie8cin 1478-1491. vonII 8 Iiii>ün n r II 1486. 1i o e c Ii n e 6 , 1o. et 1'Iioin. Ilnnidm ^ 1491. Loi'8«I1», Nnnsi-. de. Venelli^ 1493. Lo 8 c >io, 1o. .^n6r. 6s. ?nvin 1495 - 98. Lo 8 8 ii 8 , ^nliiilnn6. Lottonii8, Lin. 8. 1Zi'»8cii!8. IZoncliei, cluil. I'uii8 u. ?oit!ei 8 1496 - 99. Louexsoi 8, 1o. 6e. Iconen 1433 - 99. 1Z o ue r, 1o. ?nii8 n. ?o!t!er8 1496 - 99. Lrnciii-,, iell-i. Ven. 1493- 1500. Leneni, lüvnr. I^ö^ven 1476-79. IZi- ii ii <1 i 8 , I^uc. AIer8edneg u. ^iilieci< 1473 - 99. IZ es ii d ! 8 , Aliiecii8. I^e!^>niz; 1484-83. Vinnäi8, Ältli. LüdecK 1485 - 86. U i- »ii 6 i 8 , Norit?. I^nn. u. Aliilzäednij; 1488-97. L r ü n 6 , Li!in<1i88 8. Üi!ui6!8. IZre 6 -i , Inc. de. veventer 1487 - 1500. 1Z e e in e r , Inc. (8. Lulle). Rom 1473. L e e n n i n ^ n r i u 8 , Alt. 8. n. L ii t ü n ii i c ii 8, ^.HAeIu8 de lii'Ixin. L"S8c!n u. Ven. 1488-1500. L ii t » n ni c n 8 , Inc. de Liixi-i. Ven. 1481-1500. 0 rixieii 8 i 8 , «In-. Venedig 1491 - 93. Lrocnr! o, ^rn. (Zu!!, de. I'iiinneliinn. Lruxe 8 , ^nde. de. Nesüinn 1497. Lrun , ?et. Lsrceloiin 1431, «evi»n 1485 - 92. Ijin 8 cIi i 8 , IZm. u. I^r. de. Re-;<;io 1480-82. LriixeIln , ^rn. de. I>sennel 1472 - 77. Lnclviiix oder 1Z n c >c i n I<, ^Vrn. Koni 1478. L ii 11 e, In. Ivnni 8. Uieinee. 1Z ii r c i e n 8 i 8 , i>Ini tin , de (Heidin». Ven. 1484. U n i'jz o, pet. .-^nt. de. 1475 -81. (IZr >vnr niclit Lrnclcse, 8ondern l^oiiector, und I!«88 nus8eine Kosten drucken.) IZiii-xo8, l^n. de. Lni'go8 1499. Lu 8 oIin, Hercule8 de. Vened!-; 1480. Lutrici,?, Nnxim. Venedig 1491-92. Ij u t 2 , I^enn. 8ni ngn88ii 1500. L n ^ ee, Lm. I^von 1476 - 80. <ü. ^V. (»'sg. Xoeusei'-') c?enlin!eU8 VVv>nIi!u8. (Loni-, Wullucli.) Sti-ns8dnrg 1474. Verzeichnis? der Drucker bis 1500. 385 oüda11i 8, 1o. Lpt. de. Klüil-ind. O^es^iis ^i nold. (-^rend de Keßere.) Onden- narden u. (Zent 1480-85. <üse 8 ar ?iiiiiieii8i8. Lre8ein u. Oremonü 1492 - 94. Oüe 8 -iri 8 , ?et. ?»i i8 1473 - 79. eii! 11 -IIIt , ^nt. 1483. O ü> cid riis , ^ndr. de. Venedig 1435 - 92. -i11iergn 8, ?-ic!i. Venedig u. K»m 1499 5rj<^. tlümnii, 1'>»teIIi de. Lvlognli 1490. t) üne » n I>?ov!i, (Zuil. de. Lii8ü>e 1481, 0 sn 1 d iis , Onli. de. püviii 1484 - 99. Lanolins, 1.r. ?üdnn 1472-74. iio, ^.)»!sn8 de. I^e-in. 1492. <Ü!i^>vlis-i s. Lodec». (!anoiiago, .^mdi os. de. Al-iü-ind 1499. <ü s r e ii i g ni, liinon. U) on. 1488 - 95. (! ü r c Ii üg ni, 1o. ?ür>8 1487. O a i <: >i üii o , ^.nt. de. ?iiviü 1476-97. <ü»rneriii8, ^.ngii8tin. I^eriaiü 1474-76. Laroliis, ^aeob. I''Iorenx 1487-89. e-iion, (Zuil. ?!ir!8 1489 - 92. e-iinn, ?et. ?ai!s 1489 -1500. (! ii it,i ii ii s, (?entili8. Lvlogna 1497. Lasorntn«, In. Alciil-ind 1498. !!. de i>lvntegatii8. Niiilüiiä 1490- 97. e t. «emili 1480. i<>8. de. Al-iil. s^nf «eins Xosten druckten iiielireie« de Hon-ite, ?iicliel, Kein- neimeller in vei'8e>i!edenen Rainen.) vüxton, ^ViUiüin, Lö!n n. >Vestiiiiii8ter 1472-1494. Lei er ins (s. de Lelsi'is), Ln. de lauere. ?!iduli u. rreviso 1448-84. e rniin u 8 , Ln. Linien/ 1471 - 1472. (! e iiiiimi s , Domiiilcus. 1''Ior. 1471.72. Kolin de8 Leiimidino. t! sn n i nn 8, ?et. I?I»ienü. 8c>Iui lies Lernnrdino. (War niclit 8o>vold Oruclcer, -il« (^»riectoi.) Oeimi, ?re. ?e«c!-i 1485-86. (Z enni 8 , 1<'iüiic>iiis et I^!in reut, pescili 1485 - 86. esrüonis, Z>ltli. ?adna 1481-87. Lereto, (>ull. de?r!dino, de Alentekerr-ito, gen. ^iiuiiü nieü. Venedig 1485 - 99. saiitii!i, verrinn, Lolvgna n. Snnciiio 1476 - 1488^ c!lislcon6)-l!is, vcmotr. Mailand 1499. Lliandüee, ^lex. de. Venedig 1486. Ii-irt-iii ii s «. Oiii t!ii iii8. L Ii -i ^ m i 8 8. Lii^mis. i ii ij u i n i 8 , 1>'re. cle. Koni 1479. ivitüIi, Lm. 6e. I^ucca 1477. LIiiU88-iii1i!8, L-ii-n-id. I^vvn 1496 - 1500. I ü ) n , Henr. I>ei ngin 1476. vlelil^t, Stepli. ?oleäu 1489. > ein , Z^o. I^on 1489 - 99. <ü I e m e 11 8. liom 1471. Oodiirxer s8. X»>>ni'ger, Xoverxei ), ^nt. Kiirndeig 1473-1500. 0 0 ei, (?eo. 8iiriig»88ii 1500. Lodvcs, 1». 6e. Venedig 1493. 0 0 äsLü, I>ltli. 6s (8. Oine.18-1) Ven. 1482 - 1495. Loloniii, ^in»>6. lle. I^e!n/.ig 1492-95. <ü 0 io 11 iii, Ln. 6e. 1'revi8o 1477 - 78. (^»Ivniii, llenr. <1e. Iire8ei!i, li^Iogns, 8!ennu, I^nec», ?<>.>?.iin! 11. Ilidlno 1474-93. v » Ioni », 1». 6e. Veneäig 1471 - 80. eoIoni -i , piiul. 6e. Sevilla 1490. 91^ <ü o in e n 8 i 8, ^I»^. ?nv!ci 1497. <ü c> m i t i 1> n 8, AI-ii'o. 6. Lesiineon 1487. (Zornig ii 8, tZ-idi-. i>Ii>i>!>»d. L o n kü I o n e r i d ii 8 , 8. (,'vnsiilvnei ii^, lliimiü» iivi-i 1477-83. <üonf » Ioneii 1> u 8 , Um. de. I're.viso 1478 - 83. (!on8or1.iuu8, .^nt. 1're. de. 1>'I»>'. und Ven. 1487-99. Lontengo, I^ic. de. Venedig 1483 - 91. lZoiitratii 8. I^uciiie, ^. de. Venedig 1492. l.' o i-II > ii 8 , 8tenli. Koni 1473 - 77. 0 oideriII8 , 0Ui. Nontre-ii 1472. 73. Lori 8 , Ln. de. Venedig 1488 - 92. t! oineiio , ?t. de. i>lii!I^nd 1480. 81. Ooronki, ^ndr. de. Venedig 1476. 8i8, I^eonie>i8. Venedig 1486. <ü i s ii 8 8 ii e i- , 1>'i ied. Kiirndei g 1472 - 96. Lru 8 s 8. !ni, I^udov. t!ent' 1481-95. (ü iu e ? e n n ü cti , ^o. ?>i!I. ?iiri8 1494. v ii Im -it! n ii 8 , ' ! ^ ^ 386 Verzeichnist der Drucker dis 1500. Uolsern, I»!iinit>i«. Lresclli 1483. 0 en! -IsI, ^nt. ?sri8 1496 - 9S. 0 in -iI!, »n. Venedig 1494. 0 in -Ui, 8t>>. Vene>, ?et. 8pever 1477 - 1504. vri.irt, 1«. ?->iis 1486 - 98. Orie11 s. liöü«. i> r ii, ?ot. ?->i!s 1494 - 1500. I) u p r e, 1o. .>dbevillo 1486 - 88. 1) u r u ii iiii nderA 1498. Ilusn, ^<>c. I-III-A. 1472 - 78. R AIN o nt, I^iiecl. (!'. Veneili^ 1494. I^Iieser, Knonii. I^,!ss!>don 1489-95. Divan, L. vresl-iii 1475. LmvrieIi, ^so. 6e 8nii g. Veneiilx 1487 - 1500. Rtiennv s. 8tep>ianns. ^ ust!»cs, (Zuil. ?-iris 1493. I''., (^niir. ^reitax). (Z-iiet-i n. liom 1487-93. I^-ibi'i, ^o. ^lein-innus. I^von n. 8toe!<>>. 1478 - 95. vri, Zo. von I^iinxres. I'urin u. Cns.ile 1474 - 77. l>'.ielli, Leetor. voloxna 1492-1500. 1' -in», Kod. <1o. Lügli 1475 - 76. Karten xo, IZnt. lie. vresciit 1490 - 1500. I''.111 st s. I''»st. I? -1 v rio , ^o. I'liom. 8ev!>I-l 1496. ?° er ii ii n 'e rr nr»,, l'-inl 6o. I'reviso 1481-82. 1^ errürii, 8eveiinii8 6s, I^eri iira 1475 - 76. 1'' o r r n t ! 8 , ?et. cle. l'üicen/.^ 1475. k?l,ieli s. 8imiis, i>Icivtin. 8ti-issliiii--; 1475-1500. I? > ü n iinclrla). I^reviso, Vsneillj;, I''iinl n. vlline 1471 - 98. I? I v ro n t i n n s, .^nxel. ?!s» 1484. l<' IoI- sIIti IIII s, o. ?!S!1 1484. 1>' unt !liIIe , 1u. tle I-1. I.70N 1483 - 90. k'ont-in.i, I!n. Vonvlllj; 1495 - 99. 1^ 0 n t ü n s t i s , ^0. lus. I!g 1481. 0 u r!, R. 6e. Z^Ioi on? 1487 - 97. k'ranckoi äiü, ^ic. 6e. Kom 1473-1500. I? r -1 n vi g e n ü, ^0. Rom 1431. I^rancissi 8. ^lonü. Il'r li n e i 8 «i, ^.nt. 8. äs Lonsortiviis. k'ransisso, Lin. 6i 1>'ireniie. I?rg,noisou8, ^0. Alolleiia 1431. I>'riinslc, I^iicliiir. 8. 8ildei'. I«'i!ttre8 viridls Iwiti Kostosliens. 8. i^'r-itrss vitso comnuinis. I''rkitrss vitae vominuins. ?>l!>iiliausen 1474. Kost. 1476-81. Liiissel 1476-84. I>sürnb. 1479-91. Freitag, .^1161. (Züiet-i 11. Kom 1487-93. (unter <1er eiiilsre ^.) Irreres elüiitrenx. ?:>iinli 1477. I? reres Lon1siens!er8. IZ111ÜH8 1>ei ris 1469-77. I>'r i s cld erx e n s i s s. I>'iielII>si'^. k'ri o-Id s rg, ?st. Alaine 1486 - 97. ^118»«?, ^ntli. von ^Vunsiedel. I>ked. 1474 - 78. I'ritüA, ^nllr. 8. I>'reit!ig. Groben, 5o. Lssel 1491 -1500. 1?romolt, IZverli. v-issl 1481. I'' r 0 seIiüv er, l^o. .^iixsdm ^ 1481 - 1500. I''urtei-, Vict. L-isel 1490-1500. I^ust (1''!>ust), ^so. Aliiin? 1457-66. k'vner, Lvni-. I^sslinxen n. Diücn 1473 - 81. cid ! 8 äictii8 1! 0 vi I!i !>. 6e. ?-ivia 1434-86. Ser-ir6,?t. ^ddevülo 1486 - 87. Verarclinns, !>lorelliis. Irevlso 1481. Verzeichnis? der Drucker bis 1500. 387 (Gering, Ulr. Lvnstantiensis. ?a» is 1470 - 77. Serla (Seriis), I>eon de. ?avia 1494 - 98. verlier, I)urandii8. ?ari8 1489 -1500. Verlier, 1o. ?ari8 1497. Oerlis, de 8. (Zerla. (Zermanu8, Henr. Nailand 1493. (Versen, ü>s de Klopse. Loiiclnu 1489. iliu8, ^c>. ^.nt. Klailand. (Zlivr, ^ndr. 1'Iorenii 1500. «il-oleti, Llaud. I^von 1498. tZ i r a r d e n gu 8 , l^rane. de Kvvis. Venedig, ?avia u. Kovi 1479 - 98. ue. ^nt. Venedig 1489 - 1500. (Ziunta, ?Iiil. 1''Ioren2 1497 - 1500. (ZIiin, 1u. s. I. e. a. (1470 - 75.) ltli. van 6er. ^ntnerpen 1482 - 94. Ko18 cIi, Lm. Kein. 1474. lZoji8, v!nii8. O»>n 1475. . 1483-99. lZr) kk, lUidi. Kentlingen 1486 - 96. lZuarini8, 'or>i 1495. Vuü8clii8, I're. 6s. pavia 1498. «usinart, 8tp>i. I^von 1496-1500. i e u 8 e r , 1»8. Neapel 1487-90. (Zntendvrg, 1o. IVIain? 1440-65. (Zuxag 0, ^nt. de. Venedig 1497 - 98. (Zvra rden gU8 8. tZirardengus. Lagemdaeli, ?etr. V.ileneia u. I'oledn 1495-1500. Halin s. Han et (ZaIIii8. Hailbrun, k're. v. Koni 1473 - 73. »aller, 1o. Lraeau 1493 - 1500. Lamman, 1o. de I^ando^-i, genannt Hertüvg. Ven. 1487-93. Hannevmer, ^0. Kic. Unm 1474-75. Hiin, 1.UNU8 8. I^IINII8. Han, Kic. Kvm 1482. San (8. H-ilin, Ier. 1487. Harlem, Ilenr. de. Venedig, Ilologna, 8iena u. Lucca 1483- 99. Harlem, (Zerurd de. I''Iorenü 1498. La88ia, Ilenr. de. Loln 1500. Haven8tein, l^odoe. Kenne! 1475. Hector, vd. Uoiogna 1487-1500. Hect 0 r, Vion) 8. Ijologna 1494. II e e r 8 t r a t e n, ^Vegid. van der. I^ö^ven 1434-83. Heideilierga, ?etr. de. Lvlogiiü 1482. Hel)e, 1leliü8 von I>!i>iklen. Lervniüii8ter 1472-73. H e n I i k, Oonr. (vielleielit I1anne«. I^evden 1434. He ^ n > Lliristiiüinn 8. I. 1471. H! gm -i n, 1». I>ari8 1484 - 1500. »i8t, Lonr. «lieber 1483-1500. List, 1o. 8^>e)er 1483 8ijin 1477 ^ H 011, l^eon. 17Iin 1482 - 85. H 0 Is 2 el (Iloelt-el), Hi. Kiii nderg 1496 - 1500. H 0 in d 0 rcIi, Lonr. 1472-81. H 0 nate , IZenignn« de. Aluil-md 11. ?nvi>i 1477 - 83. Ho niite, ^0. ^nt. de. !>li>i!!ind n. psviü 1477-93. Hoog 8 traten, IVIcli. van. ^>it>vernen 1495. » 0 pvI, >V1g. I>ari8 1489 - 1500. Hugo, 1o. Knm 1485. Hunte, llioin. (Oxford) 8. I. e. a. Hui>kutk, i>ltli. 8tr-i88dnrg 1499. Huru 8 , ?aul. 8ar.ig»88a 1485 - 99. Hu 8 e >I! II, Lland. de. 1^) «II 8. !I. II118 ner, Keo. Strassdurg 1473 - 98. H 11 8 ü, Klart. Lvon 1478 - 81. H1182, IVltK. Lvon 1482-1500. IIutu 8, 1-eonard. Valencia 1495. 388 Verzeichnis; der Drucker bis 1500. Hvruvgria (Kuberm), vtli. 6e. Lologng. 1481 - 86. 1 ll e » b I s. liUoiseris et ?»!tüs!<:>i!s. 1 -i eo I> 8 , l-iood Solin. velkt 1477. lücoous. I'ivix-ino 1472-77. lüinmar, LIüu6iu8. Paris 1494. 1»nvt, I1ionv8. ?ür!s 1484. 1ans8oen, Hugo. l^e)6eu 1487-99. 5 en 8 on, Me. Venedig 1470 - 82. In Alliier, Henr. vev88e. AllirienburA 1492. Xeskvr, llenr. IXüruIieiA 1471- 73. Xoll er, ^mdros. ^ugsduiA 1479-86. Xeller, 1o. .^UAsdurA 1478. Xerver, ?liielmmin. p-iris 1497. Xssler, IXic. L»8el 1486-1500. Xestelin s. Xiiestliu. XeteIüer, Nie. vtroelit 1473 - 74. Xevssre, .^ren6. lls s. (ü.iesaris ^rnolll. Xn o l> I o u e >i, lo. 8ti-issdurA 1497. Xu o I> I o oli 2 er ^Kuuliloclitüer), Heur, 8trb. u. Ileiclelverx 1477-99. Xodlingsr, Sts^Ii. V!oeu?-i 1479 - 80. XoliurAor, Xoderger s. Lodurgsr. XocIi, «!m. j>I-i^ oi, lo. v. 1, ii l> e e Ic. <üoln 1472- 1500. Xoestelin, Herm. 8. X-iestlin. XolllxKer, I>t. L-isel 1484. XoniiiAsberg s. AlüIIor. Xot?. i -iiicli Xos! s. ülescull.im Ii.il>!,!. Xunne, ^>l>. MemmiiiAen 1482-1500. 1. .im der t, 5o. Paris 1493 - 96. 1.iiml>illoni8, ^.nt. 1.VVII 1491. 1. -i in » u An a n i, ltli. I'ours 1496. 1-ütIiomus, ?ereAr!nus. 1,von u, Ven. 1479-94. 1^-iv.ixim (l^sv-ixiiiki), ?IiiI. 6o. !>Iüü. 1469-89. li^vagnig. s. LiiviiAmi. 1-av-iIle s. Vülle. I. svsr (s. I.-iuer), (Z. liom 1470 - 81. I> aursntiI, Kic. ^lorsn^ 1477 - 86. 1. ^ u rs ii ti ii 8, lo. VenelÜA 1495. 1t, kic. ^.nt^verpen 1487-83. 1-elius, ^iiür. Al-ulün^. (s. a.) I>soä!n, Iil. äs. KoIoAii!>. 1482 u. Vsn. 1483. 1-eoviller, lo. Veue6!A 1476-83. 1^ en e, IXic. ^.viAnou 1497 - 99. 1-eiireux, ?oneet. ?sris 1498. 1-ettou, loli. 1.oiisvilü,j>is s. l^ieliteiistein. 1^ i br ür in s, Henr. Vicenn.i 1480-86. liielitenstein ^evil-ipls), Herm. Vicenx-i, l'rs- vi8o ii. VeiieiliA 1475-94. I,iclitenstsin, ?et. Veneclig 1497-99. I^!e8ve!t, ^Vclrlüii von. ^nt>verpeii 1494-99. 1-i g ii lim in e , 1o. ?Ii!I. 6e. Koni 1470-81. 1^ ixiiürio , lo. .^nt. 6e. !>Iiii>., Ven. u. ?iivi-i 1480-99. 1^ im d iir xiis, 1o. Aliinster 1486. liinis, ven 1484-1500. 1-os88lsin, ?et. 6e I^iiiiAenceii. Ven, 1476-83. I^om^tio, 1o. ?et. 6e. ZVIiiüüNil. I. ongo , 1o. I^son. Vicenü-i 1477 u. I'rlsnt 1482. I. otter, Alelcli. Leli^iA 1491 - 1500. I^nca 8. I^ieolai. 1i neunten ins I^iorentiiius 8. (?innts. 1-u e «11818, ?'rkiiie. Veneili-; 1499. 1^ ii cIiner, lo. Alontkerr-it 1499 - 1500. I-ucikeris, Mc. lncod lle. Veiie?iviii.ino 1472. Veiieiüg 1477. 1.UNU8 8. Wolk. 1< vslc vr 0 Ii s n, Ii. 1483. Muss, Hvdiiiet. ?»r. 1486. N^clilinia, ^Vüli. 6e. l.onIü 6 ii 8 , I''rnne. 6e. Vene6!x 1485 - 86. Al-iAiiinus, Simon. N-iüaiKl 1480. Nagn us. Sevilla 1491 - 99. Verzeichnis der Drucker bis 1500. 389 KIailIst, lac. Paris 1490 n. I.) on 1499. Klaler, IZn. s. ?ictor. Klangius, Ln. Ven. ». Klailand 1493 - 1500. Klanliiis, Sebast. Venedig 1494. Nansion, Volard. vriigge 1472 - 84. Klans teuer. ?aris 1497. Klantegatiis s. Klvntegatiis. KlantIien, 5o. aris 1486 - 1500. Klare scli.il, ^0. I^zon 1493. Klarsseüal, ?et. l^on 1490 - 1500. Klarie, ^0. Venedig 1494. Klarnskk, Angeld. ?aris 1481 -1500. Klarnskk, Sodnkr. ?aris 1481-1500. Klarten«, l'Iieoderio, s. Klertens. Klartinean, I^udov. Paris 1483 - 85. Klartine 2, ^.nt. de la ?al!a. Lsvilla 1477 - 85. Klartini s. Klertens, Klai tinis, I^uc. de. 8!ena 1484-85. Klart^r, ?etr., s. 6s Klontegatiis. KlatI, ias, .^nt. Klontreal 1472 - 73. Klauker, ?et. ?adua, Ver., Ven. u. Klod. 1474-91. Klaurand, ^0. ?arls 1493 - 97. Klaer, Lenr. I^olosa 1480 - 94. Kla^n^al, . Paris 1479-80. Kla 7 r, Ld. ?assau 1482 - 85. Kla 7 r, I0I1. Niirnderg 1493 - 93. Kla>r, 8iegm. Koni 11. Neapel 1493 siziz. Kla 2 aIi, ^.Ib. Keggio 1481 - 8?. Kla 2 aiis, ?ranc. de. Keggio 1494 - 99. Kla 2 0 eIiis, 1o.de. Lologna 1482 - 92. Kledemdacn s. Kle^deudacli. KledeinI, IicIc, ^0. de. Oolls 1478. KI e . de. Lremana 1472. Klertens (Klartens), ?Iievdoricus. ^alst, ^nt>v. u. l.ö>vsn 1476 -1528. Klesculain, Kaddi. I>ieve di Sacco 1475. Kl et tinger, ?t. vi^on 1491. Kle^donbaeK, Fae. Klainx 1491 - 96. Kle^novrger, ?ried. I'iivingen 1499. Klienael, ?t. varcelona 148l - 99. KlieIiasIi 1> us, ?st. ^.dam de. Klantua 1472. KlI n 11 ti an 11 s, ^lex. Klailand 1493 sijlj. Klint^a, /Vsclior. Neanel 1492. KIiscn, I?r!ed. Ileideld. u. Klain- 1488 - 90. Kliseliinis, .^nseiin et lim. de. Nonantola 1480. KI is c 0 in i nn s , Vnt. Um. I^Ior. u. Klod. 1481-92. Klisinta, Ln. Vntune!>iis de. Venedig 1478. KI » n t e k e r r a t 0 s, verein. Klontegatiis (Klontegatius), L. Klarier on 1495. Kloravus, Kltli. v. 0>miitx. «en. 11. !>sean. 1475-90. Klo re11 i, 1». Angers 1477. KIoretu s (Klnretiis), ^nt. Veneiiig 1495. Klorgianls, I.r. KItli. iie. gieren? 1490-96. Klvrin, Klart. Ronen 1490-97. Kl 0 r 0 ni s, lin. <1e. Veneüig 1482. Kloros, Larl. Ilarceivna s. a. KI 0 nra 11 6 , 1o. Paris 1497. KIo > Iin, lae. l^^on 1499. KI ii11er, 1^». I^egiointtntaniis. Z^iirnderg 1472. Kliinuator, ?»ul. Klouena 1491 - 92. Klnretus, ^nt., s. Klnietus. Kl^eoininus s. Kliseominiis. I^alli s. vinali. Z>sani, Hercules. Nologna 1492 -94. ?satIian, losnan n. Israel. Koneino 1434. Ka ? ario , ^ae. . r. 6e. Ooino 1474. vrkinis, IZmil 'oligno 1470. 390 Verzeichnis? der Drucker bis 1500. vrliindiii, K-iiiIi. et 8ed»8t. de. ?e8c!ii 1485 - 95. vrta, ^Inlion8 de. V-iIenciir 1496. Ort »8 s. Lortas. 0 8, ?t. v-m ?I>voII 1480 - 1500. l)tinu8 6« 8. Luna. Ottmar», vtlimar), 1o. Keutl. u. I'üd. 1482-1500. pavliel, Leon. Al-iii^iid 1480-1500. ? aklroedt, Kicii-ird. veventer 1477 -1500. pii g an i n i 8, ^lex. de. Venedig 1491. ? nganin! 8, Hi.de. Venedig 1492 - 99. piig-inini«, 1o.de. Venedig 1490-92. ? n g -in i n i 8 , I>!ig!>nniii8 de. Venedig 1485 - 1500. p -> I m a it (Velmurt), L-imdeit. Villencia 1478 - 94. ? aIta 8 ielii 8, .^ndr. lue. de. Venedig 1476 - 92. I>annart2, /^rn., 8. 8eli»evnlievm. ? a 1> i -i, . iensi«, .^ndr. ?avia 1483. ?llpien8is, ^.nt. Venedig 1482 - 83. ?anien8i8, Vtinns. Venedig 1496 - 1500. ? ü riwi 8 in n 8, Dionv8. de. Oiemona, Lomo u. Kl-iil-ind 1472 - 76. ' p-iri-i, 1o. ?olo8» 1489. ? ii r v u s (le Petit), 1o. ?-»ris 1496 - 1533. I>!l8iziisI!duL, ?er. de. ?rev. u. Ven. 1482 -1500. ? a 8 oni8, !>la^IiiieU8 de. Ven. 1481 - 83. ?egnit2er, 1o. Sevill-l 1491 - 99. ? e I m ürt 8. ?ülmart. ?eii8i^ s. ?en8i8. ? en 8 i 8 (8. ?en8ü), Lnli. de. Ven. 1488 - 1500. ?entiu8, 1-ic. Venedig 1495-99. ?errinn8 8. L»tlinmu8. ?ersün, 1o. Venedig 1483. ?etit 8. p-irvus. ?etri 8. 11unliomini8. ?etri, (Z-iiir. 1'u8ciilano 1479. ? etri, 1o. Kl-iil-ind, ?-i88!Ni u. V-I8el 1491 - 98. ?etri, 1o. von i>l-iiii2. I^Ioren^ 1492 -97. ?stri, Kic. Unrlem u. Vicenxa 1476- 77. ? vtio , Plane, de 8-incto. ?->via 1478 - 81. ?etro, K»i>i . de. Ven., 1'rev. n.Lie8cia 1472-81. ? etro , Inc. de 8-ineto. ?aviii 1477. ? etro, 1vlinnninii8 de. 1?uiin 1474. ? stro, ?aul de. Lie8ci.i 1481. ? e t r o , ?I>iI. de. Venedig 1472 - 82. ?et2sn8teiner, Lenr. L-imderg 1482-90. ?1evl, 1o. L-imderg 1497-99. ?ki8ter, ^>d. U-unbeig 1461. ?iiiin2msnn, lud. .^ngsdmg 1475. ?klügel, Leon. Rom 1472-74. ? 1 ort 2 sn, 1-ic. de. v-i8el 1483 - 99. ?IiiIinnu8, Kie. de Lsn8neim. Lvon 1477 - 82. ?Iio r c e nsi 8 8. ?1oit2en. ?I»v8icu8, Oalir. Venedig 1493. ? ia 8 i 8, ?t. de. Venedig 1480 - 83. ?ia8i8, 1'Iioni. de. Venedig 1492-94. ?irar du 8, 1o. k'errllili 1475. ?ictor (Maler), Ln. Venedig 1476- 78. ?isro 8. ?etro u. petri. ?ietro 8. ?etro. ?igoucliet, pliii. ?.iri8 1484 - 91. ?iÜ2oni8, ^lex. de. Al-iilüiid 1496. pincius 8. ?in2i. ?ino (?!nii8), IZn. de. V?n. 1483-85. ?ilI80N 8. ?)'N80N. ? in 2 i (?inc!u8), pliil. de L-ineto. Venedig 1490-1500. I> i 8 a, ?t. de. ?loren2 1476 - 83. Viüeator, Kiliiin. I''re)'duig 1493. ? i 8 ta, Vomiiiic. 1>'Ioien2 1476 - 83. ?i8tori8, L/on 1480. ?iv!ird,^lo. ?-»is 1497. ?! 2 0 n >i 8, Ln. AI»iI-ind 1498. ?I-»ncIc, Stpli. Z^om 1479-98. ?oitevin,1o. ?ari8 1498. ? 010 nn 8, 8t-ini8l. Sevilla 1491 - 1500. ? ontre mul 0 , Si>8t. de. Klaililnd 1493. ?orta, ^mvn de. L^on 1498. ?ortili-i, ^ndr. Loiogna, ?!>rm-i u. Keggin 1473-84. ?o8ü, ?t. Lareelona 1481-94. ? 0 ni11ac, ?t. I>-iri8 1494 - 95. ?rato 8. ?re. ?ie, ^0. du (8. de?rsto, de?r»ti8). ?-ir. 1481-95. ? rsinIsin, ültli. Lriinn 1436 - 91. ?re8dz'ter k'ivientinii.?, lim. 1>'Ioi-en2 1492-97. ?rÜ88 u. ? r^«8, ^0. 8tvüS8duig 1484-99. ?iielisr, Vit. Hoin 1475 - 78. I' IIKIt 0 , ^Ikon8o dsl. 8eviII-i 1477 - 82. I>uIIi8, lli. de. vvlogna 1492. ?ut2bsen, ?aul 1o. de. Älsntn-i 1475-81. ?/n8on u. ?in 8 on, Kieli. >Ve8tni. Z 493-1531. <^ un ^' eti 8 , O^Ii. de ^ntign-uia. Venedig 1491 - 96. Hnkdrengi8, ?t. lo. de. Ven. 1492- 1500. (ju enteil, Rein-. Löln 1479 - 1506. ui ^ 0 11 e, .^egid. <ü»en 1480. K-iem 8. I'sn Kiiem. li » g -12 0 , 1o. von Klontelei'i'üto. Ven. 1490 - 94. K-i g»2 onib u8 , 1iin.de. Venedig 1492. Kiig->2onidu8, de. Loiogn-i 1494-95. I!.iiga2onidu8, de, de ^8>iiii. Ven. 1493-95. li. -ig » 2 0 ni 0 u 8 , 1Iieod.de. Rom 1488 - 1500. KninduritiiruL, 8vlve8ter. Konen 1498. Katd 0 It, IZ1I1. Ven. u. ^ug8dui-g 1475 - 1516. Verzeichnis der Drucker bis 1500. 391 K-tusn stein, ^.Id. ülügdedurg 1433-34. K av«8 cot, I.ud. de. I^ö wen 1483. Kanardi, loli. Kom u. I'revi 1470 - 75. «.SA er, 1o. I5Im 1436- 97. K egie N8 i8, lo. lac. Loiogna 1497. Ksgio, /Vnt. de. Venedig 1484. Kegi8 s. Ko/. Kegioinontlinii8 s. ^liillor. Kegnault, Lt. Konen 1499-1500. Koinard, Keinliart 8. . de. 8. I5rsio, Vicen^iv u. Venedig 1473-1482. KencIivn, 1-ndov. <ü»In 1483 - 84. Ken^vicl», ^rli. Main? 1486-88. Ke^nard, lo. 8. Ka^nard. Ke?n8durg, 1Kdr.de. Venedig 1477 - 78. Ks^8er (K^8vr), (Zeo. VViirüdurg u. Kiclistiidt 1479 - 83. Ke^ser, Nicli. Wclistndt 1478 - 94. KI.eno s. Kono. Kicliard, lo. Lari8 n. Konen 1497-99. KicIio 1, Ln. v-lssl 1474 - 1486. Kicliing 8. K^ing. KicI. i?ola 8. Koccocioia. Kicko 15, (Zeo. I-üooclc 1497. Kiedror 8 , I<'ried. I^'re^durg 1499. Kie88inger, 8ixt»8. I>Ieii»eI n. Kom. 1471-83. Kigariii8, lo. Venedig. Ki>>a s. ^s^ario. KipoIi, 5->cnb. 8. de. 1478. Kivavenis 8. ^rriv->I>sni8. Koca, lo. de. Alnrcia 1487. Koca, I^nnii8 de. Valencia 1495-97. Koce, V!on78. Lsris 1490 -1500. Koccocioia (Kicliixola, Kociiac!oiii8) Lominic. Alodena 1431-1500. Kodt (Kot), Lertlioid. La8cl 8. a. Kodt, 8iogin. de Lit8cK. Le8cia u. 8iena 1488-89. Kogoriii8 8. Kugger. Kolandi, >Vilii. de. Mailand. Kood, Hieod. Oxlord 1481. Ko8cii>8, 1o. Venedig 1492. Kosemdacli, lo. larracona, Larcelona und Lerpignan 1493-1500. Ko88e 8. Koco. Ko88i 8. Ku1>0U8. Kot, .Vdain. Kom 1471- 74. Kot, Lertiioidt, s. Kodt. Kot>v!II, .^dain de. Ven. u. .Vlniüa 1474-82. Kovado, I>1art. de. Venedig 1492 - 93. Konellis, ^indro?. de. Lavia > gg Koue 11 i 8 , Lernard. de. Lavia j Kongo, (Ziiil. le. 1rove8 1492. Kouge, Let. lo. (K»do»8). vlmblis u. Lar. 1478 - 90. Kov, «»il. le (Kegi8). 1. von 1477-83. Kndei 8 , ^.1ov8. de. Venedig > ^^gg Kndeis, 1<'ranc. de. Venedig > K-u d ei 8, l.r. de. L°errara 1485 - 1500. Kuiieria, Ltli. de. 8. Hvrnlieria. Kuuvria, 1n8ti»ian. de. Luiogna 1495-99. K n den 8 8. Kongo. Knueus, ^idertin > ,. , ^ . ' , > Venedig 1499-1^,00. K 11 b en 8 , loli-innes > Kuue 118 s8. de Kiideiü), lac. Venedig n. ?ig»e>o1 1472- 80. Kni, e n 8, loli. (Ko88i). 1revi8o n. Ven. 1480- 1500. Kndeuü, l^r. Venedig 1482. Kndeu 8 (ie Kouge), ?et. I>-iri8 1487 - 90. Knger, '1'Iiuin. .-^ngxuurg 1481. KngerÜ8, ^ngel. de. Koggio 1487. K 11 gerii 8 , Dgo de. ?isa n. Keggio 1494- i500. Kngeri n ^Hiigerin), .^nni>. ^ng8Uiiig 1484. Kugerin 8 , (üilieücin?. Lologna 1497. Kngoriii8, llgo (Knggori, Kogeriu8). volngna 1473- 1494. Knggori 8. Knger!ii8 15go. Ku 8 co ni I> u 8, >on 8. ^üeiion. 8 acli 8el, l?eo. de Kelclientlnd. I^om 1474. 8>ilomon, Io8ual>. 8oncino u. ?>Ie!>>>eI 1484-92. 8 n I » in 0 n i 11 8 , Octüvicin de Aliinfredonin. l>'oi- ssnüa 1478. 8 aIe, ^Io>8. de. Venedig 1473. 8!»mnel. ?>Ie!ine> 1487. 8 nnct18 , »i. de. Venedig 1487. 88. 8 ant riter, ^0. I^ucü. Venedig 1480-89. 8 nr a c e n 11 8, !>Iarinii8. Ven. u. 1^) on 1478 - 91. 8nvioni, Alareliesinno de. Venedig 1481. 8axonia, IXic. de. I^i88!>i>nn 1495. 8clin1>e>er, In. IZattenüelinee od. ^Vatten8e>n>ee. I.5011 1483. 84. 8c>. aekfler, ^0. llim n. 1'rei8ingen 1493-98. 8 cI> aetsener , 'Willi. 8tr-i88bnrg 1498. 8 c >i a 11 n 8 , lo. ^I-intna 1475-79. 8 cIi -i r I i n n 0 , Ln.de. I>l!il!i>nd. 8clianer, lo. .^ng8dnrg 1493 -97. 8cl>encvec>,er, '1'lieviiidd. Loin 1473. 8cl> onclc, Let. Vienne 1481. 8 c >. 0 nc ><, Wtg. k-rkurt 1499 - 1500^ 392 Verzeichnis der Drucker bis ISO». 8cli!ndelevn, Ilsrm. I'rient 1476. 8cl>o»88er, Ivii. ^u^sd. u. üliincli. 1485-1500. 8 s >i o e n s » e ix e r, l^o. ^ux8t»n g 1478 - 1500. 8 vIIoikk<- r, ?et. IVIsinii 1457 - 1502. 8 e >> » mt> srx, lZuil. Nessina 1498-99. 8 cIi » tt, Z>lilrt. 8tr-lssliui x 1490 -1500. 8ei, i'ilzer 8. 8si!bsr. 8 eIi ii 8 8 Ier, l^o. .^»gsdui-g 1470 - 72. 8 <: I> uiti 8 , Lnxelli. I.)on 1491. 8 eI> uiensr , ^o. Rom 1474 - 78. 8 s ii >v e v n >> e v m , (?oni-. Kom 1465 - 73. 8cin2eni!eIIer, ^o. .^nxel. Klaü-uid 1500. 8 cin ? snxv11er , Dir. Al-n'Imid 1480 - 1500. 8 sot»8, vstavii», ds ^liuiüii. Ven. 1430 - 1500. 8eriber (8cli>^U8, ^VIoV8. 6e. Klininnd. 8sxur-», Um. 8evill-. 1477-78. 8 e n 8 e n 8 s Ii m i d , 1o. I^ii.niiei-g , Lamderg und KsgensduiA 1470 - 90. 8 entem art>oiidu8, Älürt. de. ?rutonii8. diu» 1472- 73. 8 optem Lilstrensis, "I'Iion., Üluntua und I>Iodena 1462-81. 8 e 8 8 a, 1o. Lpt. de. Ven. u. üi.iil. 1489 -1500. 8 ignei- ^ e, ">. Alüiliuid 1496 - 98. 8 i I t> e r (i>. 1''i^nc><, .^i geilten-, .^rxvriu8). Kum 1481 - 1509. 8 i l i n i- ü » d i 8 , ^Iov8. de. 1>l!intii!i 1480. 8 i l! n r -» n d i 8 , Ooniinlc. Venedig 1477. 8 iIv ^ , 1''.s. de. I'n.'in 1496 - 97. 8ilve8tio, Vomin. 6». liolugn-i 1482. 8imi>8, Älürtiii. 8. 1>'l!ie>i. 8 ne11, 1o. 8t«sl<>iv>i.i 1483. Snellasrt, LIii'. veltt 1495-96. 8ocietas Ooludr!. Igoren? 1497-98. 8oneinüte8, Hediaei. ??e!>nel 1490-91. 8org, ^nt. ^ug8vurg 1-t75 -1500. 8o?. iis, ^ndi. de. Venedig 1484-85. 8 p! ndeIsr, I^io. Lareelviu» u. Valencia 1480 - 96. 8nii'!l, Ind. Llield 1467. 8 t!> gnino, Ln. de ?I idino. Venedig 1483 - 1495. 8 tngIieI, eonr. Venedig 1484. 8 ti» I» ei, (^unr. ?->88»u ». Li iiun 1482 - 91. 8ti>ncl.i8, .^ndr. de. Venedig 1486. 8 tein 8 c Ii -»o vr. 1473 8. I. 8tend-.el, ^IIi. de. (Ven.?) ». ?i»6n!> 1473-76. 8 tenIianu 8 , Henr. ?i»ri8 1496. 8 te v n e I> » >v e r , ^V6!un. Vtg. I^eipnig 1495-1500. 8tol, 1v. ?->ii8 1474 - 79. 8tr-lta, ^nt. 6o. Vene6ig 1480-89. 8trusÜ8, LtK. 6s. KIo6ena 1477. 8 tuc >> 8 , Oeo. I^ürnderg 1484. 8 ug, r 6 i 8 , ?sul. 6«. NsilÄNil 1480. 8uigU8 (6e Kuig»), 1iicooinu8. Vercelli, LI>ivas8o, ?nrin , livon u. Venedig 1485 - 96. 8u8trevo, ZVInntr. 6s, 8. Lunelio. 8>ve^nlis^m 8. 8cliv» ez'nnez'm. S^der, 1o. I.>on 1482-93. I'acnini^ 8. <üersto. ? iU 1 e i> i-, (Znil. 6e. Kousn 1487. ? ^ niiu 8 , uns. Alailanü. ? veinIer, ieianiv , 1o. 6e. ^8coli 1496. 1' I> er I> o e in e n , /Vrno>6. L»In 1471 - 83. ? >. omüs. 8evi»2 1491 - 99. ?i 8 eI> nio >va, I>I»rt. von Xuttenberx in IZüIimen 1489. ? oIo 8 ^ , Ncl>. 6s. Pari8 1499. ? onie, !>lcl>. 6s?vinont. 1^)'vn 1488- 90. ? » rnacn , In. 6e. Vene6I<; und l'^ei'i'üi'a 1475. 1 o rre8!tn,i8 (8. 6e 1l>ire8iln!8) 6e ^sula, .'Vndi-. Vene6!g 1480-1500. ?orti8, IZxt. 6e. Vene6!z; 1481-1500. I'ra^seti, Lm. Loloxn-v 1485-95. ? recIi 8 e1, 1». liVon , ?i-i8 1492. 1>e88er, 1o. Neapel 1498. I'ridino, 6e, 8. Ooreto. ?ri6in o, Ln. 6s, 8. 8tagnino. ? ne!> er , ?et. Vnlenei-t 1495. ? rotti 8 , Lm. 6s. ?avia 1497. 1'nnpv (^unni), k'ranc. I^eüpel 1475-82. lurre, 1o. 6o. .^nxsr8 1477. ? urie, ?et. 6e la. ^vm 1490'- 97. 1" veI -i, las. 6e. ?!i><:eni!Ä 1483. 17 xoIetu 8 , ^Vngel. 1487 - 99. vmdsi-, 8idvIIinu8. Vsne6Ig 1475. vnc 1^ eI, Lin. 6e. LLIn 1476 - 84. I5nx!iiu8, ?et. I^)'0N 1482. IInKilt, 1>l!>in.,r6. 8evill!l u. (ZiüN!i6!l 1491-1500. I7i8io, Lenr. 6e 8->nct<>. Visen?-» 1480-1499. Vsldevlv 8. VV-lideclc. V,iI6»rker 8. >Vai6arser. V-vI6ener 8. Vel6ener. V^I6e?ocI>io, 1!m. 6e. I'!>6iicl 1472 - 76. Valencia, ^nt. 6e. Venedig 1481. Verzeichnis der Drucker bis 1500. 393 Vslla, Ijrnnus. Venedig 1477. Valls, 5Irt.de la. ?avia 1488 - 89. Varisio, 1o. .^lovs. de. Venedig 1433-99. Va? ue 2 , lo. (aneli Vas^ui). loledo 1486. Vsldener (Valdener), 1o. 1>»>ven, I5treel>t und Liilemdnrg 1476 - 83. Vendrell, MI>. Barcelona 1484. Venetus, üin. de Kagaüonilnis, 1492. Venetus, Ln. > ,. , ^ ' ..^ s Venedig 1498-99. Venetus, 5Itl>. ) " Vsnstus, I.ue. 1482-83. Verard, ^.nt. ?aris 1480-1500. Vsr cellensis, ^.Idertin u. Io., s. Ilnlieus. Vereellensis, Lm. Lreseia 1482. Vereollensis, lin. Venedig 1495. Verolongo, 8el>. äs. Venedig 1492. Verona, <1o. de (s. Veronensis). Verona 1472. Veronensis, k'ried. lesi 1492. Ve 8poIate , Ooininie. de. Alailand 1476 - 73. Vienna, l^o. de. Viven^a 1476. Villa, Arnold de. Kom 1474. Villa, 5ae. de. Valencia 1493-95. Villa, ?et. Lrescia 1473. Villaveteri, Lonilac. 1o. de. Von. i Villavsteri, 1o.de. Venedig j Vi11aguZa, lae. Sevilla 1498. Vingle, 1o. de. I^on 1495 - 1500. ViseIter, ?et. lVürnlzerg 1487. Vitg, lidus, Ln.de. Venedig 1494 -1500. Vivian, Altn. vrleans 1490. Vollslios, 1o. de. ^«oll 1479. Vostrs, 8im. ?aris 1484 - 1500. Vurster (s. >Vurster) Vagner, ?st. (Lurrikex). Nürnberg 1483-99. >ValbeeIc, 1o. IZologna u. 8iena 1485 - 95. VValdarter, Lpli. Ven. u. Mailand 1471-88. >ValeI>, «eo. Venedig 1479-82. sns ^ Ier, Alcli. UuLel u. Llugn)' 1475 - 93. VVe«t»I>alia, Lunr. de. I^u>ven (5. a.> Westplialia, 1o. de. I^ö>ven 1474-96. ^Vestva1, 1o. IVlagdedurg 1483 - 84. ^Vider, ?anl. I^rlnrt 1482. >Vienner, 1». ^.»g^durg 1475 - 79. >Vild, I>eon. Venedig 1478-89. Willa, ^Vindelinus de. Ilom 1473-75. Winterdurg, 1o. ^Vien 1492-1500. V^inters, <üonr. Loln 1476-89. 0 >15, «eo. ?ar!s 1489 - 94. W 0 l 11 (I.UNUS), Kic. I.70N 1498 - 150». ^Vorde, Wanken, W)-n><)i> »d. ^V^nandnt, dv. ^VestininZter u. 1-ondon 1494- 1500. ^Vormatia, ^Vndr. de. Palermo 1477. ^Vurstor 8. Vur^ter. VV^nIV»rde. ^V^rkkel, «e». Ingolstadt 1497. Veinants, I>Iaurit. velkt 1477. 6 aeIi 0 n (i>. 8uell»n) , lae. I^^on 1498 - 99. Balköne, 1o. ?aul (^amooll). IZologna 1476. Rainer, (üüntlier, ^»gs^iirg 1468- 77. Rainer, 1u. VIm 1473 -1500. Tainnoll s. Gallone, ^anclii, ^nt. di. Venedig 1498. ^ anis, vm. de. Venedig 1486 -1500. 2 anni, Hin. ?orto 1490. 2 ar 0 tus (de ^arotis), ^.nt. NaIIand 1473 -1492. Se^'is, cürald de. ?avia 1499. Zloissenmair, 1,uc. ^ng«liurg 1494 - 99. 2 eil (?el), Dir. voln gegen 1467-92. ^ eninger , lüonr. l>iürnlierg 1480 - 82. ^ono, Ilenr. de. Lasa. Vieen'^a 1481. 2 en 0 , Ilenr. d. 8. Drsio 1485. Terd 0, Julian de. ?avia 1483 - 84. Zilvtus, Innoeent. I>oll!ano 1476. ^ 01> ra, 8am. I^iü^alion 1489. de Aopllis «. 8o^ÜL. ? ^ ricIi 2 ee , Oorn. dv. Oöln 1489. 30 Chronologisches Verzeichnis) der Wruckorte b i 3 auf die ueuefte ^eit. 1457 i>I-u>i7 1473. Iltreclit. 1478. Oolle. 1482. Keutlingen. I46> IZmiUei^ DIm. (?osen?cl. ^Vie». 1465 >?!>iu'i>l-o^' 1474. Laset. IZienstliät. ^amors. 1466. Ou. Senk. 1483. ^viI. Kemia. Oxlor6. Kirons. I>Iaiin!»nse» ?rs^. 1I»rlsm. 1463 ^u^'blli-" 8avon!^. VIenns. 1ie)6en. 1469. j>Illil->n6. 1'ui-iii. 1479. I^sri6-l. -VI-lgclevuiA. I^iin>vegsn. pis.i. 1470 veromiwstei- V!een^-i. I4ov!. Konen. x°»I!"na. Westmlnster. ?ignerol. 8cliiein. ?1>ii'i>derK. 1475. Larcolona. ?o!tiei-s. 8toeIoIm. LIaubenern. 8egoil>ia. I'rozes. ?ievi. Lresl»n. 8ien-l. 1484. Lrean - I^ouäenac. Liirg<>>'i"!i'il. dkisols. >Vllr?ourg. ?^ovl. I^I»ren2. liiibsclc. ^^vol>. Kennes. ?^e!>nsl. Mo6ens. 1480. 8t. ^.Iwn s. 8iena. ?Äviii. ?eru^il>. <üaen. 8onc!no. 8pezor. ?l!>cen^s. eivita üi ?i!u>!. >Vinterberg. LtrassdurA. ?isve 6i 8acco. Oulembourx. 1485. Lnrxos. I'reviso. Pilsen. ??iiuli. Heiäeldsrg. 1472. Lremona. Kexgio. H^sselt. ?escis. Z?!v!n»no. LsriiAvssa. I^c>n6on. HeAensdnrx. 1e»!. I'ilent. IVonantvIa. Mine. Z>lilNtN!l. 1476. ^ntnerpen. Ouu'enarü'e. Vercelü. !>Io»tere»Ie. ZZriixxe. Kegxio. 1486. .^ddevllw. ?!>rma. Liüssel. 148l. e-issl 61 8. Vsso. IZrünn. pa^ua. ?ol>!->no. lieliinix. e->S!lI - !>l!>ggiove. 1473. .^-.Ist. Kostoclc. 8i>I»msnca. (ÜIlivllLO. Liescin. 1477. ^scol!. 8!iI»H2<>. l?r!U>!li>e«^iA. I^nnen, . 1432. ^c,ii>I->. I'oleän. ll^on. I^uec-i. Drkuit. Vii^iieri». ->le>'«e>»n^. ?!>leimo. Hleinmlnxen. 1487. lies-lneon. ^leü>in!I. 8evi»!>. I>liinclien. vketa. vton. 1478. S->icelon!>. ?!>S«i>U. InAolst^t. 8!>»t' I5r«lN!i. Lnaliüs. ?> omentonr. j>I>nc!!>. Chronologisches Verzeichnis der Druckorte. 395 1438. (Zra>IisIIettstaclt. 1540. Nuns. 8ten<1al. ?eri>ignu». 1519. ^.arlnis. 1541. ^stelln. I'arraxona. ?5oriil>eim. Niranu'ol-i. I^ag)-8?.i-;etli. ?c.losa. 1501. Metii. 8teclin'g. ^Volfendiittel, Viterli». 1502. ^Icala. 1520. l!!tiei'ndm-g. 1542. !>Ii,»len. 1439. 8an Oucnt'ato I>'sno. 1Ia>derstaen>>ause». 1-lssabon. 1504. k'ranltkurt a. 0. Kiinini. 1545. ^gen. ?aN>nelona. IVlenina 6el Oanino. Xiiiieli. ^vranclies. 1400. (!onstaiitino^>el. ?esaro. 1522, Neaux. lünoli. vole. A>vietalten. 8teinderx. l)IeriVineIle«tsr. 1491. .-^nxouleme. Loni. ^»ielcau. 1546. Ijiüesc^, vi^jon. 8t. Die?. 1524. Dresden. liv IVIans. Hamburg. ZZäindurxll. IZissnacli. 1547. Ilanover. XraK-ui. I?ran>ct>nt ->. N. I^u^ern. I^ililin. ?>?o?an!. I^ogronv. Hagusa, Orense. ^Vailstena. 1508. Kipen. 1525. Lesen». 1548. 8t. .^nllre^v's. 1492. 1-e!ra, 1?rii>(>. ?^>i,'inge». I^iklaniee. Ainna. 1509. Lraunsell" e!g. 1'avistoeK. >Vorcester. 1493. ^.cizui. Ottodeuern. 1527. Älaionrx. 1549. Lanterdur/. Llug»)'. Voil<. 1528, IVIalinoe. IVIexieo. I?reiliurx. 1510. IZeverle)'. >Vidorz;. Ossunna. I^onsnliagsn, I^ancz'. 1529. LorcZeaux. 1550. Lautren, ^ ^/.-^ ,-»^ Klansenburg. 1-iinediiiA. Unsals. 1530. Laxar. Nantes. 1511. La6en Lern. AIon6one6». ?^setiernigo>v. (8c>i>veix), 1I»Ium. 1551. ^rrevalo. VaIIari6ge. Vsls. Lae^a. 1494. Liaga. 8n^snlic!m. 1512. vurlacli. 1533. Xronsta6t. 8al>ionetta. 1495. k'orli. I^eon. Keuleliätel. 1552. ^.l>ei'. ljelgraö. liimoges. 1514. ^ncona. 1534. LnxZen. ?au. 8cancliano. I^an6s!iut. Kronstadt. ?»c/.ateli. 8el>oen>wven. 8outnvvarlc. KoesKilll. 1553. Nosliau. 1496. vilendurg. ^Vorms. 1535. 8t. Denis. 8ens. ?rovins. 1515. LIderlelit. Z>?eu5cluitvl. 1554. ^ianone>. I'ours. 1516. Lar!. ?rato. t-reeiovieli. 1497. .^.vi-rnon. 1517. .-^rras. 1536. Luimurs. 1555. Oiiüugen. Lare». Larcassvne. Lalle. VVaters»rViIini. 1538. 8»Iingen. 1-iuisanne. 1499. .-^ntreguler. 1513. ^sti. ^ortosa. 1557. 1e!ms. i>ll»lllllun»sell. 1590. tü. ?iossn!tn. 1560. 1>nse1>Ia^v. 8t. «allen. Alacao. Valnaraiso. ?'1i!e»-;en. >Varsel>an. Alanillg. 1604. I.ille. 1561. Diisseläois. 1579. «Zralit?. 1591. »ok. 8ei-i'avaIIe. Koxmin. Inl>>>>a»sen. ?^ensta6t a. d. IliU'tlt. 1592. eiiartres. Va.alw. 1562. IZiel-Iadvlstailt. Posen. Oannliaussn, 1605. ^>Ie!n>. 8»ro6. ^Vaiscliau. NanAasalc!. 8clnve!nkurt. 1564. IZa>1an-;a. 1581. Ostrog. Revers. Vvvev. (!>I!><1it>!rXM!>. Ravenna. 1593. ^in1)er^. ?!e)M)'. Koclielle. >V!Ina. Lelveüere. 1606. ^nZst. I'ouinon. 1582. ^inacnsia. Haag. »naz?. Aleclieln. Hanau. eldurg. I.emderg. Kalisü. 1566. I^isleden. 8aumnr. 1594. LIeiinont. ZVksinss. Z<>!»I,>>eNV>II'A. 1583. ^ngra. Alai'seüle. Keoant!. I.ütticli. LIldoa. ^ioi't. Ii»t>>»e!>. 1568. >>I»i-Aes. ?iier. 1595. vanxix. I'ongres. >Zo> ^ ieli. Vorüun. Langies. 1607. ^nsnacli. 1'IlNI'N. ^srdst. 1596. .-Utork. Lliisri. Villa Alant», 1584. /^rco. ^.utun. Keill. >Ve!ssen1»»x. 1585. IZiemon. IZnila. (Z!osslar. 1569. 8. I.ncai' tlo <^or6ova. ?ont- ä - !>lousson. 8t. Vincent. IZaviame<1s. Herdoi'n. 8!. 8aiv.!na. 1570. Osma. I^oitomlsclil. 17i'anienvnrx. 1608. 8enanan!o«c ^Ve^rovv. vrtlies. 1597. ^nnadurA. Valenelennes 1571. Li-ema. 1586. I^evmo. Len^varden. 1609. IZnIu)'«sn. vort. ^aneclcer. 1,!cli. OMnI> !>«>!. I^e»«tav. Vicv IZ<^nana, Kämpen. li'onten^. 1573. KosKo. ^ittan. Nalaxa. ev. 8t. 0>ner. Vnern. 8ix,nen5!a. Alancliestsr. 1 601. 1Z>'a>insderg. 1611. .^miens. Helfen. AIontusII>ar6. Llialons. einn. 1576. Lallei'. Nouselez^. Oliieti. Oone^Iiano. Unesca. I^orton. IZvieux. Dai'msta^t. 1577. ^indalacate. Kexovia. 1.!n6au, Voliromil. Posen. ^Van<1sbeclc. Liidven. Haardmx. I^alco^v. ^Varrinxton. 1602. Oümels. ^ntplien. 8cllall>iauson. ^Voolstnne. Valsnos. 1612. ^Itbun-Iau. Chronologisches Verzeichnis? der Druckorte. 897 1613. 1614. 1615. 1612. ^rnlieim. 1>'IecI>valiorto. ?rs««dur-;. (^Iiarleville. Lssti. Hilrv^eIc. 1'ortonll. UrLil». Kitgera. Oc/mi»ii!v. 8t. I>-M ?rois- Lliuteanx. 2ss. 1616. 1''-U-Ni!a. N»!>l7. 1617. ealiois. I^enti-cli-lii. Im^n?. Nolii>c»v. mitten. ?r->i>i. 1618. Xie'v. Xcini^InAriiti!. Ale6ina <1o I^iosevo. Alolslioim. 8sII°8. 1619. Kounu^o^v. Viaua 6s to^ scIi!>u. ZVa»Ic!>delis. ^VesterÄs. 1622. ^.tn. Larl>ü8ti'o. 1<>SSc»«Z, IZenKc». 8trsngniis. 1'erni. ^.storgs. Z?^e<1>l»i'l!>!x. K^venÄtisug. ?vrii!tii. Xeres 6« la I?rontsra. ^Isntill^. OeüsudurA. Koäex. HotKendnrg. 8t. N0>V. Ijouv« en Lissso. IZruntrutt. ?nv. Villa >'usva 6s I»8 IntsntSS. Lelliino. Keismar. ^an. Iglest. I?Iu»Iiin>;. Sllll^. I'nvo. Ortendur^. Osnadriiclc. 8timili!nx. D»N!>V. Xuteins^oi. (juoüündiirx. IXuclwI'uim (Lomda)). Heildrunii. ^.acksn. 1634. 1635. 1636. 1637. 1638. 1639. 1640. 1641. 1642. 1643. 1644. 1645. 1646. 1647. 1648. 1649. liLoee. 1^iu><»i>!nA. I^issa. AlIit)N>. (!atan!a. Villa Vicoiis. I^oretto. Alontiuid.in. ?>iel>Ia 1e^v>!a8tle »>>on- l'^ne. ^Imeii-a. Lliütean Äs lllelielie». I^eisina. 8s«5»ri. lüekulu. I'üdi»^. I^x!^. XilKenn^. I^VÜLVS. ^I>0. Oorpat. (Zottia. ?!st(^a. (!i>UI»i>. Isernla. Aloul'ins. Velletri. t!>ÜoI<8t!»Zt. ?>s)-I<<>I>!nK. l^nevill^. 8ti-!>!s»ixl. Lenevonto. I^a 8-lUSS^S. Orangs. ^rles. Nslta. vliva. OotM!U'5IIM. ^iierstilÄt. I^rieädoiA. Hoellestvr. Xaaixlam. Lorlc. 8t. L!e>-m!>!ii en I^a^e. 1650. endur^> 1oiiins. ^lontjiellier. Vel^. I'lssc-lla. 1652. I.e!t!>. 1653. 1>'iiltli. 8»I08 - ?Iit!lI<. 1654. Llmlons. Iltrera. 1655. ^mst-idt. 1<'eI. l'nÄi. 1656. .^»nee^. Rastel a l>lnr>v!«tian!a. lüoldei-;. 1657. 8c>»io>. 8»I/.dacl>. 1658. 8in/eiiil. 8n>ut>nn». I'lukl. 1659. <)»>m^ei-. 1660. Lonnelont. 8t. i>l-uil!iz. 1661. ?>. 8t«in»u. 1663. H»rlingen. i>lontr. ?liüxuol». 1664. 1^eeriiüüs. 1667. an 6er 8prse. (Zuatim^Iü. X!e!. Ordltelln. Ven6»me. ^Visui-zoe. 1668. Kxster. I^inxl. ?nttei«Iorf. 1669. v-l^rsutn. 1^^ Kocca. ?^l>rll>ii>»8en. Oiiäovvlltsr. 398 (LhronoloLisches Verzeichnis! der Druckorte. 1670. Coi-Icum. 11elinaiii>sra6t ?Iauen. Kat^eliurx. 2ux. 1671. e-u.ton. 8teu6al. 1672. Oeäeudurg. 8^>vleto. 1673. -VIt»»a. Oempostella. 1674. 8t. 8ebastiaii. 8Iuexe. 1675. liestou. Ou<1erstaurx. 8tolpen. 1676. «»den. 1677. vimkircllen. Ilonco. ^eltü. 1678. Osstellane. Ouidacli. Vaunes. 1679. OliAn!. vvreuturt. Herisau. IVIllLSa. Kiel!. 1630. IZmsie>>!el>tluxs>ielui. 1682. Keval. Helian. >V!»!amsIiur^. 1633. I^ass). 8eve»Iierxe». 1684. Viaüxolo. 8KaIlwIt. 1635. I^avu. Alastvieitt. Ilmau. 1686. I>I>I>a.ii>. 1687. Ourlscroua. «ger. !I»!)roo6 Ilouse. I^!»lI)!M. 1688. 1n»Iii»>>ing. Waniisdeeli. 1639. Uiiex. vatiae>>. 1'l'lZVNNX. 169V. Hla/.üariuo. Iuls. 1691. Lliemnitü. I>orto. 1692. ?Ioen. IZol^ie>v. 1693. Lavonns. I^evv - ^orlc. Oe>>li»>;eu. 1694. SimA^m- 1696. vaveux. Dessau. I'acliau. 1697. eiun-trensv. 8»uas. 1704. ^n.iUae. 8t. ^oa» 6e Alaurieuue. 1'oultiu. 1706. .41epi>». Hernösand. K)e»ii»rx. 1707. 8Kara. 1709. Küstrin. I^e>v-I^oul!ou. 1710. 1'ergo>visc!it. 1711. Ilvnidurx. I^a (üliarite. 8t. I>etersdu>'<5. '1'IMs. Wet?.I->r. 1712. veü'ast. Loesselil. Kuttlngiiani. Koeliefvit. I'iancjiiemsr. 1716. 8trigan. 1717. Ort» Xai>vai. 1717. I^übau. 1718. 81>re»sdurv. 1720. Uaitleur. Kingston. 1721. 8oest. >Ve!sse»teIs. 1722. 8t. Alenoliould. 1725. Kcliueederg. 1726. ."Vuna^olis. 1727. Lllcliii-;eii. (>'IaiistI>aI. I^assa^, 1728. 8t. «reste. 1729. viseutis. Welssendurg. 1730. vridAetown. Oliarlesto^vn. 1731. ^ssisi. 8a!s. legerusee. 1732. Xesroan. Ke>vj>ort. 1734. IZo6-L6e)rn. 1735. Ilermuuto^vu. Xaralanslva. Verets. 1736. Nuits. 1737. volomdo. 1733. Naulleim. 1739. Var-Ie-Vuc. Irun. 1740. Aloute Lasinv. Wiüiamsliurg. 1741. i^eu-IZruuiov»u. 1747. Dasseterre. ?ren/.Iau. 1748. ^1117. I^ütxen. 8t. ^o>», (^ntigoa). 1749. Xolsei-. I^uueville. Keversd». 1750. Servers. ?ort au ?r!nce. 1750. Kaglauä bastle. 1751. Leliut. Ualikax. I^ancaster. Wooac>>. 1753. Havre ree?in. L^inal. ?ortsmoutl>. 8t. 1^a-;u 6e la Ve^a. 1757. Hill. Versailles. 1759. Olle. Vitr)' - Is - l^ranxais. 1760. Lplirata (?enszlvan!eu). Potsdam. 1761. Lastelkranco. Villa^aisia. Wilmington sOela^vare). 1762. Llltümv. ?rov!ilenee. 8avan»al>. 1763. ?et>>. Volterra. Wilmington (i^orcl-l)urvlina). 1764. llarttora. (juedee. 1765. Loulliou. <ü>iarlottet»>vn. l,'o!o-;na. IlirseliberA. 1766. IZarl>>. 1>>ugano. 1767. 8. HIsi'ia i>la)ur. 8t. ?ierre (Martinique). 1763. ciran^e. 8aleiu. Chronologisches Verzeichnis der Druckorte. W9 17/0. ^ ^ 'l! ^. °"' 1300. Dseliixeli. 1819. Hellarv. v-llumore. 1'i'auenteld. Flitter iludour „s- >c»-^- Hadaniar. L I' 0 ar eston. 8ei°am^>ore. 1^j20. IZenioden. 0!>i!stiansta^e>v- Orleans. ^/rdois I^ortliam^iton. 1821. Hourlion. 1772. Aladras. 1i36. Linien. 1804. I^erlvl. 1) ei I< un'>>' AVi^er/. I^exington. 1805. Kaab. I''^oIe 1773. uro I uek""^v ^e^v err>. ctmo . !SS. ^or^'e - , lOiixnrnui-. ix"^i^e>ievan 1/74. I5xeter. ro «ric s »ig. Montevideo. ^Vi I> iden^^"' k^""uvg lausen. ?oux>dt'!nee. ol ^Vales IZidalc ^' Älontröll ^ " ' ^lel'dor', 1s>!Uld. ^Vmeeste'r 1789 Luenos^^. res ' ' Ilonnedurg. Ooiint!"^^' 1""6 ^ i " °. 1803. 8avvnta. (?0tt!>. .»ivcis. Server!» c^erin. 1810. ^»Austa (?>soidamerilu"l"tiänsand ___ n^"^t 1790 (Zuernse (!Xordamei!Ica). I>'urt ^i u !!>ln iun>I> ^' Kl-n'ensnrt Xeu"ied^' I^vnelitiurg. S^nta Nart!>'ll ^' 8>n^1i"ino " ' I^enl^iusel i^atclies. 8In^ »re 1"91 ^dl 8t. I^ouis. 13^4 Ler^en"^' 1778 c ^t"' " ?revseli" en-l ^i^ntelou 1792. Lomda/. 1811. Loget». Onm^n^' 0I> "te de' I^resnss 1812. 1''i'ngii>oro l^odge. I'>VNilt. Il^nnver^ ^ 1793. Olirvsopolis. iVIittelländ. Aleer. «uv!nuN ^Xrd^meriKa) ^ VIxaganataM , ^ riug>> >V^Ipo^e (Oeccan). >Ves^n^ter' 1794. LrooKKsId. 1813. ^va. ^l"r^"si'vu Oorte. Lgmore. ÄIi6e!>II>. Nordamerika). I^ee Prior/ 1779 Oodleni- ?0N^ei'IoO (Ke»t). ni Vssonl. 1795. Slaje. 1314. I>.llm!l. pün^mii. 1780. !>lalda Oliillieotlic. 1815. ^sti-iellan. I'o^>S)'!»>. (Ostindien). Oincinnati. Ks^v-1-exinxton. 8!>nt» 1'e lls ?^!vo»es. Oomorn. 1816. ^rndozna. ^ntlo^liia. ?ass/. Ovledo. Oedliam. 1325. .^uliurn. 1731. Narioirn erder. 1796. »vtbus. Dl!lg»Ig»c>N. üulivar. 1782. vlankendnix. 8cliemnit?. HIalacea. Ottilien. Haverluü. 1797. vam^ierro. 1817. t-'enta. Ilelsingsors. 1733. tüomnieAne. 1793. .^lexandrien. Oors». I^id»». ?^on. Oairo. leimen. Odessa. 8>>eld»rne. (Zlarus. liclngnlni. puteo. Osorxs i>larietta. 1318. Vndover. pen-inx. (Lermudas). 1799. OüonK. IZerd)e!?n>v. 1>>)M»ut>>. ^Vlndsor 1800. .^ara». Ilotiart's l'o^vn. 8ant' lago. (>?ordamerilca). Loscli. I'-tKiti. 8t. Heien». 4tt0 Chronologisches Verzeichnis? der Druckorte. 1825. 8t. Niclwlss. 1826. ?ai--un-irit«i. 1827. Loclmiil. 1828. Vervieres. 'I'kNllnarivou. 8t. IZtleniie. IZcliots. 1829. Li>«tlsn!ili6ei). 1826. eolumb!». 8t. Helle,-. ^-»gercoil. Kxins. I^it Havre. Ver-v t^iux. 1828. ?atrss. Xoevor6e. IVlarjua-ise. 1827. LstIieI6ors>. 8K-l>vnee - town. 1831 I^iestsII. Allgemeines Register. i. Personenregister. Alakraw 183. AldnS s. ManutiuS. Apianns 349. ApiarinS 273. Slgnila 190. Slrndes (Arndt) 177. Asola, de, 217. 220. Ahrer 198. Azzoguidi 226. Badbage 359. Badins, Jovoc. u. Cour. 22g. Bämlcr 158. Balligault 240. Barbou, Joh. u. Hugo 253. Baslerville 284. Baumgartbcu 175. Bartcr 369. Bclsortis 227. Bcnölc» 286. Blacu 265. Bovoni 231. Bomberg 222. Bonoinot 338. Boninns 225. Bono 223. Bradford 333. Brabe 349. Brand 180. Brandis, Luc. 174. 176. Brandis, N'or. 180. Breitlopf 184. Brocario 294. Brockhans 186. Bulmer 286. b'aillaut 239. Callicrgns 218. Carbo 190. Earton 281. Ccnnini 223. Clowes 287. Cöln, Heinr. v., 226. Cölu, Joh. v.. 215. Commeliuus 196. Congrcve 370. Cordova 291. Crantz 238. Crcußncr 163. Cromberger 292. Day 283. Degen 191. Divot Fr. Ambr.,P. Franc., Pierre, Finnin, Henri, Jules, 245. Tinkmut 172. Dolct 253. Drach 170. Dürer 164. Dyon 175. Egcnoli'h 203. Eggcstcün 166. Ely.ru 174. Elzevir, Louis, Jsaac, Abraham, Bonaventura, Johann, Daniel, 263. Emclofen 161. Enschcdc 267. Etienne (s. Stcphanus). Flach 169. Fonlis, Rob. u. Nndr. 290. Frank (Fiel) 303. Fmnllin 333. 3-i9. li'r-ilvkü vilue ^vmmunl!- 163. 177. Fnburqer 238. Frier der., 149. Frisncr 180. 350. Froben 269. Froschauer 272. Fust/ mit Gntenbcrg 103. mit Schöffer 122. 141. Fyner 173. 179. Garamond 361. Gaubisch 182. Gering 238. Ghotau 176. Giuntn, Filippo. Bcnedctto, Bernardo, 229. Glovcr 331. Goes, van der, 257. Götz 154. Gonda, Jac. v-, 197. Grafton 283. Gran 197. Green 336. Gre«ff 193. Grüninger 169. Giunenbcrg 205. Gryphins 252. Gneß s. See-quah - hab. Gutenbcrg, Joh. Gcnsftcisch, 92! in Straßburg 94; in N'ainz 102! in Verbindung mit Fust 103. Haas 354. Hallcr 303. Hau 211. Hansard 285. Hellas Hclyc 263. Hcs; 279. Herrmann 150. Hist, (5onr. u. Heinr. 170. Hosbaltcr 190. Hoicnwang 171. Hol 171. Hornbach 193. Hunte 288. Hnghs 285. Hnßncr 1i^9. Hntten, von, 350. Jbarra 294. Jenson 213. Johnson 332. Juggc 283. Kachclofsen 180. Ketelaer 256. KnigKt 369. Knoblochzer 169. 196. Kobcrger 162. Koch 194. Koelhof 154. König 358. ^iörscl 170. Kostcr 84. Krafft 206. Kunne 188. Knrzbcck, v., 191. Lamberg 182. Laudöberg 181. Lauer 211. Lavagna, de, 223. Lecmpt, de, 256. Leen 257. L^ttou 282. Lichteusiein 226. Lisa, v., 226. Lombards 329. Lotthcr 181. 205. Lufft 205. Lylisck 175. Vlachlinia 282. Mausion 259. Manntius, ^ldus, Paul, Ald. II. 219. Man-oli 226. Marncs 239. V! arten S 255. Alauscr 217. 225. Mentel 167. Meiitzer 195. Mcvdcnbach 149. Wiisch 195. Morcl. Friedr- I. u. II., Will). 242. ZI 402 Notar!) 282. Nies 363. Nmneistcr 225. Olpc, p., 270. Otmar 193. 200. Oporin 270. Pachcl 224. Pannartz 209. Paravisino, de, 224. Parker 345. Pclmart 291. PetrejuS 166. PeKensteiner 150. Pfeil 159. Pfister 128. Piscator 199. Plantin 257. Pomare 344. Prcnschcn 378. Pre, du, 239. Prüf; 169. Pynson 282. Oucntel 155. Raffelspergcr 378. Natdolt 159. 216. Ravenstcin 194. Reger 172. Aalst 255. Aargau 273. Abbcpille 253. Abcrdcen 290. Aegypten 340. Afrika 340. Alcrandricn 340. Albans, St. 289. Altcubcrg 297. Amerika 329. Amsterdam 263. Angoulcme 253. Antwerpen 257. Appcnzell 277. Rquila 236. Annenien 323. A^coli 234. Asien 314. Andenarde 261. Augsburg 157. Australien 342. Avignon 254. Bambcrg 83. 123. 150. Barcelona 292. Ortregister. Regiomontanus 162. Rewich 149. Neyser, Mich. u. Georg 178. Rhan 205. Nichcl 269. Niedrer 199. Niessinger 227. Ritchie 236. Rot, Av. u. Berth. 211. 269. Nood 233. Rynmanu 193. Santrittcr 217. Schäfflcr 172. 200. Scharfeuberg 304. Schauer 192. Schobsser, Joh. n. Andr. 192. Schöffer, Peter 111; mit Fust 122. 141; nach Fusl's Tode 142. Schöffer, Joh. u. Jvo 147. 143. Schott 169. Schöuspergcr 159. Schüßlcr 157. Schumann 181. Scinzeuzclcr 224. ScotuS '217. See - quäl) - yah 333. Seitz 206. Sensenschmid 150. 161. Singriener 190. Sorg 153. SpcYer, Wendel, u. Joh. v., 213. Sporer 152. Stanhope 355. 366. Stahel 188. Stcinmann 182. Stephanuß (Etiennc) Heinrich 1., Robert, Hcinr. II., Paul 243. Stöckel 181. Strahan 285. Strata 217. Stuchs 164. Sweynhcym 209. Tauchnitz 185. Ter Hocrncn 154. Tenbner 186. 363. 370. 371. Thanncr 131. II. O r t r e g i st e r. Basel 263. Belgien 255. Bern 273. Beromünster 268. Besan^on 253. Blaubcucrn 176. Böhmen 296. Bologna 226. Bombay 322. Braga 296. Brcscia 232. Breslan 174. Brügge 253. Brüssel 260. Brzesc 305. Burgdorf 271. Cagli 233. Calcutta 320. Cambridge 289. Cantcrbury 289. Capstadt 341. Carolina 336. 337. Casale 235. Casalmaggiore 237. Casole 233. Ceylon 325. Chambcrry 236. China 314. Chnr 275. Cöln 152. Coimbra 296. Colle 235. Como 233. Conncctimt 335. Constantinopel 310. Corfu 313. Cosenza 235. Cremona 230. Dänemark 301. Delawarc 333. Delft 261. Deutschland 80, 349. Deventer 261. Dijon 253. Cdinbnrg 290. Cichstädt 178. Einsicdclu 277. Eltwhl (Ellseld) 156. Trainer, v., 191. Tnrnebe 245. Wascosan 242. Vantrollier 283. Bcldcncr 256. Berard 239. Bietor 189. Vingle, de, 251. Vögelin 182. Waldarfer 215. 223. Wechcl, Chr., Andr. und Joh. 245. Wensller 269. Westphal 194. 197. Westphalen, Joh. v., 256. Weyß 206. Winglcr 175. Winterbnrger 189. Wolfe 283. Worde, de, 232. Wolrab 182. Zainer 157. Zaroto 223. Zapncr 171. Zcll 153. Zeninger 164. England 281. 345. Erfurt 193. Eßlingen 173. Fcrrara 227. Fivizano 230. Florenz 228. Foligno 225. Frankfurt a. M. 203. Frankreich 233. 348. Frcibnrg 199. 276. Frcisingcn 200. Friuli 235. Gallen, St. 276. Genna 233. Genf 271. Georgia 333. Glarus 279. Glasgow 290. Gouda 260. Graubünden 275. Griechenland 313. Grusien 328. Hagcnau 197. Halifar 339. / Grtrcgistcr. 403 Hamburg 198. Malmoc 300. Piacenza 234. Sumatra 324. Harlem 73. Mantna 230. Pievo di Sacco 234. Snrsce 271. Heidelberg 195. Mancnthal 174. Pigncrol 235. Syrien 328. Helena (Insel) 342. Ataryland 336. Memmingcn 185. Pilsen 296. Pinezow 305. Szamotnly 305. Hiiitcrindieu 323. Tcssiu 278. Holst«» 301. Merscbnrg (MörSburg) 173. Pisa 236. Polen 303. Tbnrgan 273. Hydra 313. Mcssina 232. Tolosa 293. Japan 317. Merico 329. Portugal 295. Tranguebar 319. Ja«a 324. Modena 234. Poznan 306. Trevia 225. Jesi 231. Montcrealc 231. Prag 296. Treviso 226. Jngolstadt 193. Moskau 303. PnSchlaw 275. Trieut 176. Jpswich 239. München 192. RegcnSburg 196. Tichernigoiv 308. Irland 291. Münster 197. Neggio 234. 235. Tübingen 200. Island 302. Nanrin 316. Rentlingc» 193. Rhode - Island 337. Türkei 310. Italien 203. Nantes 254. Turin 233. Kairo 340. NauMa 313. Rom 210. TnScnlano 235. Klansenburg 280. Neu-Hampshire 337. Neu-Jersey 336. Rostock 177. Urinc 236. Kopenhagen 301. Nongcmont 274. Ulm 171. Korinth 313. Neu-Schottland 339. Rußland 308. Ungarn 279. Kosko 306. Ncn-York 335. Salamanea 293. Unterwaloen 277. Kozmin 306. Nimwcgcn 261. Sandwichsinsein 344. Upsala 299. Krakau 303. Ntonautola 235. Saragossa s. Zaragoza. Urach 179. Kronstadt 279. Novi 236. Sarvcir 279. Urbino 235. Kuttenbcrg 297. Nord - Amerika 331. Savona 233. Ursino 233. Langingcn 173. Norwegen 300. Schaffyansen 276. Utrecht 255. Lausaniie 274. Nürnberg 161. Schleswig 301. Valencia 291. Leipzig 179. Ofen 279. Schweden 298. Venedig 212. Lima 330. Oppenheim 200. Schwytz 273. Niecnza 233. Lissabon 295. Ostindien 318. Schottland 290. Nirginieu 337. Litthaucn 303. Ostrog 306. Scvilla 292. Waadt 274. London 281. Ondenarve s. Audcnarde. Siebenbürgen 279. Wadftcna 299. Löwen 256. O.rford 288. Sivney 343. Walliö 276. Lnblin 305. Padua 230. Eicna 236. Warschan 307. Lucca 234. Palermo 234. Skutari 329. Wcgnow 306. Lübeck 176. Paris 233. Solothurn 277. Westeräs 300. Lüneburg 199. Parma 223. Soncino 236. Westindicn 330. Luzcrn 273. Passau 183. Spanien 291. Wilna 306. Lwow 307. Patras 314. Spcyer 170. Wintcrbcrg 297. Wittenberg 205. Lyon 251. Pavia 228. Stendal 193. Macao 316. Peking 31.6. Stockholm 298. Zamoisc 305. Madras 322. Pennsylvanicn 333. Strasibnrg 80. 166. Zaragoza 292. Madrid 294. Persien 327. Stregnäs 300. ZaSlaw 306. Mähren 298. Perugia 234. Snbiaco 209. Zwoll 261. Magdeburg 194. Peseia 236. Süd - Amerika 329. Zürich 271. Mailand 223. Petersburg 310. Südcrliöping 299. Zug 277. Mainz 81. 141. Philippinen 326. Typographen, ältere, neuere und neueste in! Altcnburg 207. Amsterdam 266. Antwerpen 257. Augsburg 160. Bambcrg 152. Basel 271. Berlin 207. Bologna 226. Bonn 207. Boston 332. Vramischwcig 207. Breseia 232. Brcslau 207. Brügge 253. Cassel 207. Carlsruhe 207. Cöln 155. Eonstantinopel 311. Dänemark 301. Darmstadt 207. Eichstädt 173. England 233. Erfurt 194. Eßlingcn 173. 404 Sachregister. Fcrrara 227. Florenz 229. Fiaukfurt .i. M. 204. Freiburg 199. Halle 207. Hauiburg 199. Hartem 267. Heidelberg 196. Holland 207. Italic» 208-236. Klanscnbnrg 203. Kratan 303. Leipzig 182. 183. 187. Levden 263. Lübeck 177. Luzeni 273. Lyon 251. Magdeburg 195. Mailand 224. Mainz 150. Mautua 230. Moskau 308. München 193. Münster 197. Neapel 228. Ncuyork 335. Nürnberg 164. Orford 283. Padua 230. Paris 239. 245. 243. Parma 231. Passa» 138. Peunsvlvanicn 334. Petersburg 310. Polen 304. Pforzheim 207. Prag 297. Regcnsbnrg 197. -Rio de Janeiro 330. Rostock 177. Smyrua 323. Spcyer 170. Straßburg 170. Stuttgart 207. Tiflis 328. Treviso 226. Tübingen 203. Ulm 172. Urach 179. Utrecht 256. Venedig 216. Verona 225. Warschau 308. Wien 192. Wilna 306. Wincestcr 289. Wittenberg 211. Worccster'289. Würzburg 179. Zürich 271. III. S a ch r c g i st e r. Ansprüche auf die Ehre der Erfindung der Bnch- druckerkunst von Seiten der Starte Bamberg 84. Harleu, 73. Mainz 81. Straßburg 80. Arabische Schrift, erste, 237. Armcnbibel, Bedeutung dieses Namens, 27. Blattbezcicbunug (Pagiui- rnng), früheste, 213. Botanischer Druck 330. Brief (Breve), Erklärung dieses Ausdruckes, 11. Briefmalcr 11. 13. Chinesen, ihr Druckvcrfah- rcn, 315. Ehiuestsche Lettern, Versnchc solche z» schneiten, 316. Clichiikunst 374. Ehronik von Eöln, Haupt- stclle in ihr über die Erf. der Bnchdrnckcrkuust, 72. Clubs, in England, znr Beförderung der Typographie, 347. Congreveernck 370. Cursiv-Schrift 361. Custodeu, zuerst angew. 227. Denkmal, Gntcnberg'S, 122. Denkmal, Schöffcr'S, 147. Drucke, Gntcnbcrg'schc, 106. Gntenberg-Fnst'sche, 115. Fust-Schöffer'sche, 122. Schöfferschc, 142. Druckfehler in Jahreszahlen bei alten Werken 167. 170. 214. 223. 226. 269. 273. 288. 296. Druckereien, besonders große, 162. 212. 243. 237. Druckereien auf Schiffen 347. Druckversuche, vor gntcn- bcrgische, 12. Druckwerke der großhcrrli- chen Presse in Constanti- nopel 311. Druckwerke von Kairo unter Mehcmed Ali 340. Druckwerke, vorzüglichste, der Niederlande, 266. Druckwerke, vorzüglichste, der königl. Buchd-rnckcrci zn Paris, 250. Eklypographie 381. Encvklopädie, ehiuestsche, 316. Facstmiledrnck 372. Farbendruck 363. Fraetnr 361. Frauen, beim Corrigircn angestellt, 264. Fürstliche Personen mit Typographie beschäftigt 347. 343. 349. 352. Gcmäldcdruck 369. Golddruck 366. Grabschrift Fmnklin's 334. Guillochirkunst 372. Gutcnbcrg's Proceß in Straßburg 94. Guienberg'S Anstcllnug bei Adolph von Nassau 121. Harlem, Sage von der Erf. der Buchdrnckerkunst daselbst, 76. Hochdruck 371. Holztafcldrucke 15. Classen derselben 17. Jrisdruck 371. Karten 14. Kostcr'sche Drucke 85. I^iterue I<'Ioie>its!i 216. Liste der Ortschaften, die sich die Erfindung der Buchdruckerkuust zuschreiben, 68. Lithographie 373. Logographie 366. Maschinenpressen 357. Mathematischer Druck 330. Matnzcu 103. 360. Notendruck 376. Patrizeu 108. 360. Polutypie 375. Prachtdrucke 171.249.367. Prcsscuba» 353. Privatdruckercien 345. Proeeßorduung, älteste gedruckte, 196. Nechiicumaschinc 359. Rechtsstreit Fust'ö mit Gu- tcnberg 113. SauSerildrucke 320. Schnellpressen 353. Schrift, bürgerliche, in Rußland, 309. Schreibcrschulen in den Klöstern 10. Schriftgießerei 107. 360. in Leipzig, 362. Slavonischer Bücherdruck in Deutschland 179. 201. 351. Spuren eines den, Drucke ähnlichen Verfahrens bei den Alten 5. Stauhope-Presse 355. Stationer in England 273. 824. Stempclschneideknnst 360. Stereotypie 364. Typen, erste griechische, 142. 209.; hebräische, 173. Typographie, ihr Wesen, 3. 5. Typomctrie 377. Vaterunser, in vielen Sprachen gedruckt, 232. 310. 322. BerlagSkatalog, erster, 168. Vignetten, Ursprung ihres Namens, 256. Xylotypographie 374. Zeitungen, wieviel es giebt, 339. Zusammenstellung der Ansichten über die Erfindung der Typographie 67. Register der merkwürdigste» Küchcr und Facsimiles. 405 IV. R e g i st e r der merkwürdigsten Uüchcr unter Vachwcisuug der dazu gehörige» eingelegten oder eingedruckten und übrigen Facsimiles. (* bedeutet Holztafclvrnck.) Scitc Ablaßbriefe (Pfistersche)...... 129 Alphabet von Anfangsbuchstaben *......................... 59 (Facsim. 59.) Alphabet, Tschirokihsisches.... 339 Apokalypse, die *............... 19 (Facsim. zu S. 20.) Arabische Type von Tauchn!!; (cingcdr. 366.) Armcnbibcl......................139 (cingcdr. Facsim. 140.) ^r8 ineniorandi ^............. 21 (Facsim. zu S. 22.) ^rs morisncii ^.................. 22 (Facsim. zu S. 23.) Li!>Iia paupsrum ^........... 22 (doppelt. Facsim. zu S. 29.) Liblia pauperum ............. 140 Bibel, die 42zcilige............ 116 (cingcdr. Facsim. 117.) Bibel, die 36zcil!gc............ 132 (cingcdr. Facsim. 133.) Bibel, Fnst-Schöffcrsche...... 127 Belial.............................. 140 Blätter, einzelne rylogr....... 15 f. 61 ff. Boncrs Fabelbuch (Evclstcin) 134 (cingcdr. Facsim. 135.) Botho, Croncckcn der Sassen (cingcdr. Facsim. von Versal- und Jnitial- typen aus demselben, S. 146.) Bott, die zehn*..........-...... 52 Buch der Könige *............... 38 (Facsim. zu S. 38.) Buch der vier Historien......... 137 (cingcdr. Facsim. 138.) Calliergusschc Typcnform..... (cingcdr. Facsim. 219.) Calendaire *..................... 57 Christoph der Heilige........... 15 (Facsim. zu ders. S.) <>nsessionüIs,Veichtsp!egcl5 42 (eiugcdr. Facsim. 43.) Congrcvcdrnckprobe ............ 370 Oonstit-Utiones LIemsntisV. 126 Oolens»r!»m vii'ginitatis etc. *............................ 34 (cingcdr. Schriftprobe 37u. Facs.znS.37.) Dotendaich, der ^............... 44 (Facsim. zu S. 45.) Seite Dürer Albr. vps!« .... (cingcdr. Facsim. 165.) Dui'üml!, !„ listiunale ... 125 Eggcstcynschc Typenforiu...... (cingcdr.Facsim. t 66.) Ekiypographischc Probc....... 381 Elias Hclye'sche Typcnform.. (cingcdr. Facsim. 268.) Vnttnft, dcr ^ ................... 23 (Facsim. zu S. 25.) Fabcl vom kranlcu Löwen ^ .. 46 (Facsim. zu derselben Seite.) Facbendrnckpcobc............... 381 Folge, die der 7 Planeten 55 dritte«? vit. comm. Typen (cingcdr. Facsim. 260.) Frcudcn, die sicbeu Mariä... 136 lZiUinincüil, Ivan. ^ !"> i>i 0 Q' 1 p ^ 2 ^ O ^ v ^> 2 ' 12 N ? 1 >1 1 ^! 2 .V Tl^^^p^d^v^dv^^iZNshN^ZÄ NV^PZiS^SZciv'?2'!ZN?1!^!>11Z2 ?1 ^ Hcbräisch-Rcibbinisch. ^ZL?PSS^VVpö?'VI!>f1^1^IÜ ^rz-n'vv'i'l'^^ Samariwnisch. Arabisch (Neochi), ^ ^ ^5^^- ^ ^ ^5 c^^^s ^ ^ x ^ ^ ^ ^ s 1^ I-> j^ls ^^sx^^s !ZX ^ ^ SSa^»>H^.^>^^ ^)!^^^ ^ s' ^. ^> ^! .Sj^Sk?rS<-^5^s^^^^ '»I^VIS^^t'! Besondere Bnchsmbcu zu Türkisch, Persisch, Hinrustanisch nur Malaiüsch. ^/^^l^^. ^ ^-^-^ >>.^u^u^>.^5 ^» ^ ) ^.^j>^ ^^»^-? ^ ^ ^ ^ ^ ^? t^? »X ^> ^> ^ ^: ^ ^ ^ ^ 5 ^ ^ ^) ^» ^> Alwrabische Schrift, c^I I^l^ l^^o j-o^t. ^t^^t l. ^s^^l l. «qj^I. ^ ^-t^ ( Vtrzierte Altaral'ische Schrift. ) ^ L_^t. N^^. uz^Al ^l.^ 4> ^1^.-11. ^> Syrisch. ^ ^> ^» ^» j>> 2. 0 Si > ? S ^ / ? I »SS ^sc»«S ^ ^. ^. ^o^^Q^s ^.^^.2 1^.1. ^ ^ » i >O ^2. Q. ^2 ^2. 2. D x>< V» ^. ^ — ^ . ^ 4- -ö- ^ .. . ^ -5 -> ^ Nestorianisch-Syrisch. A^e.2XQ ^ ^ v^. VÄZ ^ ^.^^^^Q^72^^? Estrcrngclo. ^r.^ciz ^ r^cic^I "i? c^^Fi^ Äthiopisch und Amharisch. ch^"n?'t/N^«^^'/'^.?Li7^^^^t'/^«?^ lx/ ^ 6 v ^> Sanskrit (Dewänagari), N^^NcZ Hsl^^s^ ^^MM ^lUri'-s? -?UUU^s ?s8s^^^s rsr^^sVsxs -s^? SINN^A ^ z ^ ^ ^ L » »5 lu v Bengalisch, ^ZM^l°^M° ^ t^°c^MM?B^°^ Guznrattisch. ^?^?^^?^^Li?^Sj^^^^^>N^l^^^ 6» NN6ZL^^^Ü^^?^^^Z.A^^^^l ^ ^ L ^1 ^ ^ (ll lzll lzj, n 7 -> MÄNL^)LOSOsc^sx)^^ ^^3?^^^ OO I s K ^ ^> s (X) L> <^)(^^cx)O ^ Thibetanisch. c>>^ c> ^- Z' ^' ^- ^M' ^ßs ^' Z' Zend. Pehlwi. ^ei-^e)-^ c^) ^ ^^n ^ei-^L)-^ iv'^i" -o^i^ i^ei-^e)-« ^>->o<» ^Li^Li-^^ «^-»OÄ-" ^^^ei" Cingalesisch. Ä^WW S(IO(S(IW^)(9W(A- (Z^Ä W8S(IO^W!I Kalmückisch oder Olöt, -I ^ >^ ^ ^) -Zi ^ ^? ? °^ ^ ? ^ <^ i ^ < <^ ? ?^ i ^ ^ ^ i .7 s ?> -l ^ ^ ^ < Mongolisch. ^ > -> ^» i ^ ^ U » U «1 Mandschu. ^-^-5 1.^ j ^ ^ ^ ^- Japanisch. -i? ^ ^ ^ m ^ ^ ^ ^ X k- ^ ^ ^ ^ ^ / ^ ^ ^ 5 /I/ 4- ^ ^ ^ 17 ^ ^ ^ ^ '1 ^ ^ Chinesisch. ^ e? G ^ H ^ Ä ^> s ^ M i^. >^ L K. K Mi! ^ ^ A R ^ ^ »ll ^ N ^ ?^ N Armenisch ( Antiqua >, n l>> ^ ^ i,^ .".d l'. ^ <^ ^ ^ Ä i?' <; ^> « ^1^8 l' ^ o l> ll/ ^- ^ ^ ^ /^^^^ c/^ ^ ^ /-/ ^ h ^ /^2>"-/^?> ^ " ^ ^ " -/ ll? ^» ^ ^ « Armenisch ( Cnrsiv -5^1-^-1.^^?-^!'!.!-^^^^'!.^^^'!.''^-:'!.'^-^.'«'!' A^^-^-F ^. ^ ^ ^. ^ Ä ^z. Georgisch ( Mkhedruli )^ ^^^Vi^^^a-^^^^^so^^^^^o. «Z?^N1^ft0ctfi8^V^^^ ^^Z^^Z^^^Z^^^^^-^^^S^?^^ ^Kg^szzii^l ^ f ^ 4 ^ ^ ^ ^ ^ F O ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^'^ ^ H H ^ ^ Sabäisch, oder die Schrift der Zalner oder Johamuschristen, ^ -.'^2. ^^^Q ^ ^^>. . ^ . . ^ ^ 5.,.^ ^.^^ Taumlisch, lZ^S7^^^l^N^(o>^^^^^^^^^^^^S'^^>-^l— M/7'_L>^ Altperflsche Keilschrift, m , v-ff, , ch< ^ <^ V ^ -s,s ^ X . -fsf ^ s>, ^, ^ ^»f >, m Xs Xtt, -< X?», X, n x<, s<^ Xn, -<, m, Xft Taalik, oder Neupersisch, '^/^ ^/)/ ^^))^/),^ Phmüzisch, igs^z, ^?^IK»°7N^^3 ^ ^ Palmyrenisch, »^^N-^^/'^^^^ö^'HXr^^X Griechisch, geschnitten unter Franz dem Erste». ^LI'^x2»Six^IVlN^0I7I>^1-7'chX'?^ a/?>^^-^i^'^»lL-ö/K^^.>-^l>77s!7'?'?'vx ?^ ^ ^ 5^ ^ ^ ^ <^)-> We» -«A i--^ ^!t^ /^s I^o I^i ^ ^-t ? 1^ ^ ?^??^A>^) ^ Ren-Griechisch. .V L 1^ 15 2 II 6 I K .V 5l IV X 0 N p 2 ? Il" X V U Ä^ß^^Zz^^yHSixX^v^o^M^^^si-?^^^,//-.! Eoptisch. ^Lp^xe^n^»6i^xvn^0ii?e? ^ ch Xlll M ^ ^ s ^ 6^ ^ ^ ^ ^ x ^ ?^ ^ y ^ ^ ^ ^ n ^ o 1^ j) e ^ ^ ^ ch ^ ^ ^.v <^ ?D ^> ^ ^ 6" ^ 6^ ^ ^> ^v^^LL^Z ^ i. ^ ^j. ^2>2>0Ä5^^.(^1.<2^^^- ^ ^ ^ ^> ^> L 5^ z ^ Hieroglyphen. ö ^^^^ m II jas >^ ^ Ä W? ^ Ä^I» ><>O /7 ^^l Ctrurisch, N5?6P0^^^Z ZZ^^^Lii>!)> >>^»^^N^'1^11^^l'?^-<^QOH(VS« ^rhgF^^gg^ Russisch (Autiqua), ^ 6 L ^ /I, L A> Z II Iv ^ N II 0 II ^ L ^ ^ X ^ ^1 111 1^ 7^ blI> ?i -> ' s6Lr^inc>np<:ii7^c^xij^ill^i,^bli>'I)Sic»?isv « Russisch (Cursiv), ^F/'^4 ^L^ M 0 e 9^/^55/5 H ^) m s «c^ss^6^A^,c.^^sttti/r/ic ^> ^ >/ /// ^ ?>i i> Z s ,iii<^^«osi^^^o^chxu?^^^^i'?^ii.^^tti co ^ m ^ ^ ^ v Angelsächsisch. Ä.öLV6?lzcdcj7^1illvlmnc>jzs5lru^^x^^a:8j?^i Irländisch (Celtisch). A^bODepZ/)1/l2t1N1ftN0/IN^5^U.V Aa.!)e'O6^F/?i)tmiic>/I>i.^Z?:uv Runenschrift. Mvso-Gothisch. ^?5I'«X6PYIiOliK^Nt?LIIU^81'ch N V X ^ ^' ^?