Mereiiqiiete. Line Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger. Von vr. Gkks Arendt Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Berlin 1694 Verlag von Hermann !Valt her Aleist-Straße ttl- Überreicht vom Verleger Die AiköerenqueLe. Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger. Von vr. Otto Arendt» Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Berlin 1894 Verlag von Hermann Walther ^V., Kleist-Straße Sonderabdruck aus dem „Deutschen Wochenblattc Vorwort. In dem Augenblick, wo Deutschland eine Silberenquete zusammenberuft, hat der unermüdliche Vorkämpfer der Goldwährung, vr. Ludwig Bamberger, eine Reihe von Aufsätzen in der „Nation" veröffentlicht, welche die Runde durch einen großen Theil der deutschen Presse machten. Es ist augenscheinlich, daß vr. Bamberger noch immer in der Währungsfrage bei weiten und einflußreichen Kreisen der Nation Einfluß besitzt. Eben deshalb halte ich es für wünschenswerth, meine Antworten auf seine Ausführungen, die in dem von mir herausgegebenen „Deutschen Wochenblatt" erschienen sind,, durch einen Sonderabdruck gleichfalls allgemeiner zugänglich zu machen. Ich habe hierbei in einem Anhang die Darstellung eines Vorgangs hinzugefügt, der sich im Frühjahr gelegentlich einer Reichstagsrede des Herrn vr. Bamberger abspielte. Ich that dies ohne jede persönliche Gehässigkeit. Ich bin aber der Ansicht, daß in einer Streitfrage, wo Meinung und Gegenmeinung so schroff einander gegenüberstehen, das persönliche Vertrauen eine große Rolle spielt. i* Es ist sehr selten, daß bei solchen Meinungskämpfen ein überführender Beweis erbracht werden kann. Im vorliegenden Fall ist dieser Beweis erbracht. Niemand, der den Anhang dieser Schrift durchlieft, kann darüber zweifelhaft bleiben, in welcher Weise Herr Dr. Bamberger diesen Kampf führt. Es wird das einerseits die Schärfe erklärlich machen, zu welcher ich mich einem solchen Gegner gegenüber genöthigt sah, und andererseits das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit Bambergers überhaupt erschüttern. Ich will übrigens nicht unterlassen zu bemerken, daß Herr Dr. Bamberger in der Reichstagssitzung vom 11. Februar 1886 in ganz ähnlicher Weise mittelst „Ueber- setzungsfehler" und willkürlicher, nachweislich unwahrer Behauptungen mich vor dem Reichstag lächerlich zu machen suchte. (Vergl. Heft 13 der Schriften des „Deutschen Vereins für internationale Doppelwährung", S. 124 und Anhang.) Berlin, den 1. Februar 1894. Otto Arendt. I. „Durch Heftigkeit ersetzt der Zürnende, was ihm an Wahrheit und an Recht gebricht" - das Dichterwort fiel mir ein, als ich Bambergers ersten Aufsatz in der „Nation" gelesen hatte, und es beschlich mich zugleich ein Gefühl der Beschämung, daß diese überhebende Klopffcchterei in Deutschland bei dem Volke der Denker Eindruck machen kann, daß ein großer Theil unserer Presse auf einem so niedrigen Niveau der Sachkenntniß steht, daß sie diesen zornigen Ergüssen Raum gewährt und daß es in Deutschland noch immer, auch unter Gebildeten, üblich ist, zwar Bambergers man- chesterliche Anschauungen auf allen anderen Gebieten gebührend abzuweisen, seine „Verdienste" aber um „unsere ausgezeichnete Goldwährung" auf das Höchste zu schätzen. Ferner erwog ich den Unterschied zwischen Soetbeer und Bamberger. Soetbeer war der eigentliche Bahnbrecher der Goldwährung in Deutschland, er hatte die Goldwährungsidec zum Siege geführt, ehe Bamberger in dieser Frage eigentlich zu Wort kam. Die ersten Währungsschriften Bambergers zeigen an ihren thatsächlichen Fehlern und Mißverständnissen, wie flüchtig und oberflächlich sich Bamberger mit diesen Dingen beschäftigt hatte, in denen er leider für eine Autorität angesehen wurde. Ich habe in meinen Schriften, derartige Beispiele mehrfach angeführt. Selbst noch 1877, als er auf dem Gipfel seines Ansehens stand, wußte Bamberger nicht, daß die Vertheuerung eines Währungsmetalles ein wirthschaftlicher Schaden sei und schrieb in der „Deutschen Rundschau" (Oktober 1877): „Das Gold wird bei zunehmender Seltenheit nicht mehr im Stande sein, seine bisherige wirthschaftliche Stellung einzunehmen, 6 d. h. mit andern Worten, es wird zu theuer geworden sein, um als Munzmetall dienen zu können, meint Süß, zu wenig und zu theuer ist hier doch offenbar gleichbedeutend, wir werden sofort sehen, daß Süß selbst die Sache so ansieht. Also kurz zu sagen, es droht dem Golde die Gefahr, die Treppe hinauf zu fallen! Und die Besitzer des Goldes werden dann dies gar nicht bittere Geschick zu theilen haben. Ehe aber der Zeitpunkt gekommen wäre, wo das Gold so selten geworden im Verhältniß zum Bedarf, daß es aufhörte Münzmetall zu sein, wo es vielmehr nur noch dem Lurus dienen könnte, würde nothwendig ein Zustand eintreten, in dem es, am Silber gemessen, einen viel höheren Preis als früher erzielen müßte. Die Nationen, welche Gold besäßen, würden damit ein sehr gutes Geschäft machen. Sollte dieser Gedanke etwas Abschreckendes für sie haben? Wahrscheinlich giebt es in den mit Goldwährung gesegneten Ländern Finanzminister, die bedauern, daß die salomonische Lebensfrist ihnen keine Wahrscheinlichkeit läßt bei Eintritt dieses schönen Augenblicks noch auf ihrem Posten zu sein". So schrieb Bamberger und der Mann, der das schrieb, war entweder ein nationalökonomischer Ignorant, der von der wissenschaftlichen Geldlehre so wenig wußte, daß er die volks- wirthschaftlichen Nachtheile einer Geldvertheuerung nicht kannte, oder er war ein so krasser Vertreter eines einseitigen Gläubiger- und Kapitalistenstandpunktes, daß er die Goldvertheuerung trotzdem für vorthcilhaft ansah. Ich überlaste es Herrn Dr. Bamberger, ob er sich diesem Entweder—oder fügen oder etwa den allein noch denkbaren dritten Fall annehmen will, daß er entgegen besserem Wissen, nur um die öffentliche Meinung für seine Zwecke zu bearbeiten, jene „geistreichen" — aber absolut unrichtigen Sätze niederschrieb, die damals jedenfalls bei unserer liberalen Preste und bei den „Gebildeten" denselben überzeugenden Eindruck machten, wie heut die ganz gleichwerthigen, nur durch ihre Gehässigkeit und Anmaßung noch viel tiefer stehenden Ausführungen in der „Nation". Im Gegensatz zu Bamberger hat Soetbeer am Ende seines Lebens mit tiefem Schmerz die Gefahr erkannt, die seiner Lebensarbeit drohte. Mehr und mehr mußte er die Unmöglichkeit einsehen, für eine allgemeine Goldwährung das Gold aufzutreiben und mehr und mehr mußte er die Schäden der Silberentwerthung anerkennen. Als ehrlicher Mann hat er immer deutlicher diesen Anschauungen Ausdruck gegeben, und heut be- 7 klagen es die Bimetallisten tief, daß er nicht an den Arbeiten der Währungs-Enquete sich betheiligen kann. Bamberger aber glaubt immer noch, daß er die Welt mit großen Worten, mit Schimpfen und Toben über die Währungskrisis hinwegtäuschen kann. Auch von Bamberger hoffen die Bimetallisten, daß er in die Enquete berufen wird, damit er da einmal Mann gegen Mann seine Verdrehungen und Entstellungen vorbringen kann und nicht nur in den Spalten jener Blätter, welche nur seinen Anschauungen offen stehen. Die ganze Weisheit Bambergers finden wir in den folgenden Worten ausgesprochen: „Angesichts aller dieser Erfahrungen gelangte die unbefangene Anschauung der Dinge unwillkürlich zu dem Resultate, daß es ein unberechenbares Glück für die deutsche Volkswirthschaft gewesen, sich zu einer Zeit, wo dies noch mit verhältnißmäßiger Leichtigkeit und unter nicht zu großen Opfern geschehen konnte, bei der organischen Einrichtung ihres Münzwesens von dem zu den heftigsten Schwankungen und zu einer so großen Werthverminderung ver- urtheilten Silber in der Hauptsache befreit und ihren Münzfuß auf die Grundlage des Goldes gesetzt zu haben, welches, wie von allen Seiten unbedingt zugestanden wird, gegenwärtig die alleinige Basis der Verrechnung und des Austausches von Baarzahlungen zwischen den großen Handelsvölkern der Welt bildet." Bamberger stellt sich auf den Standpunkt, als ob all das Unheil, welches die Einführung der Goldwährung hervorgerufen, auch ohne diese eingetreten wäre. Er betrachtet die Silberentwerthung als natürlich, die Bestrebungen den Silberwerth wieder zu heben als künstlich. Ich setze nun ein paar Zahlen aus dem letzten Jahr hierher: Am 19. Juni 1893 stand Silber in London 38^ Pence, am 30. Juni 3(st/s Pence. In 10 Tagen war die „natürliche" Entwerthung um über 200/g gewachsen. Warum? War mehr Silber produzirt? Nichts war geschehen, als daß die indischen Münzstätten der Silberprägung geschloffen wurden, andernfalls würde das Silber am 30. Juni genau so 3N/» notirt haben, wie am 19. Juni, und wenn man am 30. Juni die Silberprägung in Indien wieder freigegeben hätte, so würde wieder der Preis von 30 /s auf 38^4 Pence gestiegen sein. Wäre das nun eine künstliche Werthsteigerung des Silbers gewesen und war die Entwerthung eine natürliche oder eine durch die Gesetzgebung künstlich herbeigeführte? 8 Herr Dr. Bamberger würde sagen, daß es ein „unberechenbares Glück" für die indische Regierung gewesen ist, daß sie „noch mit verhältnißmäßiger Leichtigkeit" ihr Münzwesen von dem „zu den heftigsten Schwankungen und zu einer so großen Werthverminderung verurtheiltcn Silber in der Hauptsache befreit habe". — Die wirklich „unbefangene Anschauung der Dinge" aber sieht ohne Weiteres ein, daß wenn die indische Regierung nicht die Störung durch ihre Maßnahmen bewirkt hätte, das Silber nicht um 20°/o entwerthet wäre. Und genau wie bei dieser letzten Entwerthung ging es bei der ersten, nur daß die Dinge leichter verschleiert werden können, weil sie nicht so drastisch zu Tage traten. Weil Deutschland und in Folge dessen Frankreich die Silbcrprägungen aufgaben, konnte Silber überhaupt erst sich entwerthen und entwerthete es sich thatsächlich. Die Zunahme der Silberproduktion ist nicht die Ursache, sondern vielleicht sogar eine Wirkung der Entwerthung gewesen, jedenfalls trat sie erst nach Beginn der Entwerthung und nach der deutschen Münzreform ein, und als diese durchgeführt wurde, ahnte man die Silber- entwerthung so wenig, daß Bamberger in einer Reichstagsrede das Werthverhältniß von 1 : 15,s als dasjenige bezeichnete, in welches Silber immer wieder gekommen, wenn es zeitweise im Werthe geschwankt habe. Wenn von einer künstlichen Wcrthsteigerung überhaupt gesprochen werden kann, so haben Dr. Bamberger und seine Freunde diese beim Golde erstrebt und vorgenommen, indem sie es zum alleinigen Werthmetall machten. Was die Bimetallisten wollen, ist die Beseitigung dieser künstlichen Vertheuerung des Goldes und der künstlichen Entwerthung des Silbers. Indem man die Ursache beseitigt, hört auch die Wirkung auf, indem man dem Silber die Münzstätten öffnet, fällt Grund und Ursache der Entwerthung weg. Würde man heut mit dem Golde verfahren, wie man mit dem Silber verfuhr, so würde dieses sich ebenso entwerthen, wie das Silber. Diese Dinge können eigentlich nicht mehr als streitig gelten, seit die große englische Enquete einstimmig unter Zustimmung ihrer Goldwährungsmitglieder diesen Zusammenhang der Dinge als unleugbar anerkannt hat. Aber für Bamberger giebt es keine Thatsachen, welche gegen die Goldwährung sprechen, er kennt sie entweder nicht oder er schlägt ihnen ins 8 Gesicht, er behauptet dreist Dinge, welche etwa gleichbedeutend sind, wie wenn Jemand sagt, die Sonne dreht sich um die Erde, wie es jeder täglich beobachten kann — ganz dasselbe bedeutet es, wenn man sagt : mau produzirt mehr Silber, folglich muß es billiger werden — ob die Wissenschaft unwiderleglich das Gegentheil nachweist, darum kümmert Bamberger sich nicht, denn das verwirrt seine Zirkel. Wahrhaft beschämend ist es, daß nicht aus dem Lager der Goldwährungspartei selbst endlich einmal eine ehrliche Stimme laut wird, die gegen die Bam- bergersche Sophistik Widerspruch erhebt. Die ganze Partei wird umgekehrt mitschuldig an Bambergers Treiben, indem sie seine Entstellungen der Thatsachen beifällig verbreitet. Dies Urtheil mag hart sein, aber es ist wahr, und die Bambergersche Kampfcsart gegen die Bimetallisten ist eine so wenig ehrliche, daß er es wohl verdient hat, daß ihm rücksichtslos entgegengetreten wird. Dieser letzte Aufsatz in der „Nation" isi so empörend, übersteigt so sehr die Grenzen der erlaubten Parteipolemik, daß dagegen keinerlei Rücksicht mehr angebracht ist. Ich bin auch berechtigt diese Abwehr zu schreiben, weil sich Bambergers Angriff zum guten Theil gegen mich „die literarische Abtheilung der Doppelwährungspartei" richtet. Ueberdies beschäftigte sich Bamberger mit den im „Deutschen Wochenblatt" erschienenen „Wissenschaftlichen Gutachten über die Währungsfrage", die jetzt im Sondcrabdruck erfreulicher Weise eine sehr weite und augenscheinlich für die Goldwährungspartei sehr unbequeme Verbreitung finden. Wahrscheinlich um diese Verbreitung nicht zu fördern, unterläßt es Bamberger bezeichnender Weise sowohl die Namen der Gutachter, wie den Verlag der Schrift und den Namen des „Deutschen Wochenblattes" zu nennen. Bamberger schreibt, „Die sechs Gutachten, welche in einer Flugschrift zusammengesetzt sind, nachdem sie vorher in dem speziell der Doppelwährungsagitation gewidmeten Organ erschienen waren." — Die Leser des „Deutschen Wochenblattes" wissen am besten, daß die Bezeichnung des „Deutschen Wochenblattes" als eines „speziell der bimetallistischcn Agitation gewidmeten Organs" durchaus unwahr ist. Das „Deutsche Wochenblatt" hat niemals die Währungsfragc hauptsächlich behandelt, es hat nur dieser Frage, wie jeder wichtigen Angelegenheit Raum gegeben, wenn sie im Vordergrund des 10 Interesses stand, und seine Spalten würden jederzeit einer sachgemäßen Darlegung gegen den Bimetallismus wie dies ja mehrfach geschehen ist, offen stehen, allerdings müßten diese dem Charakter des Blattes entsprechend auf einer anderen Höhe stehen, als die Bambergerschen Pamphlete. Mit gradezu staunenswerther Ueberhebuug bezweifelt Bambcrger zunächst die Kompetenz der Verfasser jener „Wissenschaftlichen Gutachten", von denen, man mag über ihre Ansichten denken wie man will, doch feststeht, daß sie erste Autoritäten der Nationalökonomie sind. Lexis, Scharling, Conrad-Halle, Schäffle und Ad, Wagner, der m gewisser Beziehung hier mit genannt werden kann, sind Nationalökonomen ersten Ranges, und wenn ihr Sachverständniß angezweifelt wird, dann zweifelt man an, daß die Wissenschaft überhaupt hier zu urtheilen ein Recht hat, und dann entsteht die Frage, die angesichts der bevorstehenden Enquete besonders wichtig ist, wer ist denn eigentlich sachverständig in der Währungsfrage? Bamberger schreckt, nachdem die Wissenschaft so überwiegend oder nahezu ausschließlich gegen die Goldwährung gesprochen, denn ein Nationalökonom von Geltung, der in neuester Zeit sich im entgegengesetzten Sinn geäußert, ist mir nicht bekannt, und wissenschaftliche Gutachten für die Goldwährung würden kläglich ausfallen, — Bamberger schreckt jetzt nicht mehr davor zurück, der Nationalökonomie das sachkundige Urtheil in derWähruugsfrage abzusprechen. Freilich einerseits behaupten: „Mit Ausnahme derjenigen, welche der agrarischen Agitation mit ihrem wilden Schlachtruf blindlings folgten, beschränkte sich die Mehrzahl der Gebildeten auf die Erklärung, daß sie sich kein Urtheil über die schwierige Frage zutrauen" und andererseits eingestchen, daß die zu einem Urtheil in der Währungsfragc berufene Wissenschaft in ihren ersten Männern bezüglich der Goldwährung ähnliche Anschauungen vertritt wie die „Agrarier - - der Widerspruch ist doch zu greifbar. Bamberger schern sich ja noch offen auszusprechen, daß eigentlich nur - die Banquiers berechtigt sind über die Währungsfrage ein Urtheil abzugeben, aber der Sinn seiner Worte geht dahin. Er schreibt: „Es soll hier nicht näher auf die Frage eingegangen werden, inwieweit die ausschließlich theoretische Beschäftigung mit der Materie vorzugsweise oder allein berechtigt ist, das entscheidende Wort in dem ganzen Streit zu sprechen. Der holländische Finanzminister Pierson, vormals Universitätsprofessor und ein in jeder Richtung ausgezeichneter Vertreter des Bimetallismus, sagte jüngst bei Erörterung der Währungsfrage in der zweiten Kammer: „Es sind nun zwei und ein halbes Jahr, (vorher war er in der Direktion der niederländischen Bank gewesen), daß ich mich nicht mehr täglich mit Bank- und Münzsachen und Wechselkursen beschäftige, und ich möchte nicht gern etwas auf diesem Gebiete vorschlagen, ehe ich mit Personen, die noch in der Praxis stehen, Raths gepflogen habe". Ohne Zweifel ist das Probleni der Währung von Grund aus ein wissenschaftliches, und nur, wer den Hauptbedingungen wissenschaftlicher Befähigung zu entsprechen vermag, ist im Stande, die ganze Aufgabe von ihren allgemeinen Gesichtspunkten zu erfassen. Wissenschaftlichkeit ist in diesem Sinne zu definiren als die Verbindung von zureichender Kenntniß der Thatsachen und der Literatur mit der Uebung im methodischen Denken. Daraus ist aber sicher nicht zu schließen, daß etwa nur akademische Lehrer diesen beiden Bedingungen entsprechen können. Auch hat man bei allen zahlreichen Münzkongressen noch nicht daran gedacht, sie aus Akademikern zusammenzusetzen. Es giebt glücklicher Weise auch außerhalb dieses Kreises Leute, welche weder im Wissen noch im Denken hinter der Professorenwelt zurückstehen, wie es auch in dieser Professorenwelt bekanntermaßen an Beispielen mangelhafter Kenntniß und noch mehr mangelhaften Denkens nicht fehlt. Ferner sind selbst innerhalb der zunftmäßigen Gelehrtenwelt bekanntlich auf diesem Gebiet, wie auf so vielen anderen, die Meinungen durchaus getheilt, und nicht nur das, sondern die Meinungen der einzelnen sind erfahrungsmäßig dem Wechsel und manchmal recht krassem Wechsel, unterworfen, sogar unter Einwirkung von Strömungen, die nicht gerade den Quellen der reinen Wissenschaft entspringen. Am allerwenigsten wissenschaftlich ist es aber, in Kontroversen mehr auf Namen als auf gute Gründe sich zu berufen, und das wäre im vorliegenden Falle einzuwenden, auch wenn die angerufenen Autoritäten zahlreich oder sämmtlich von hoher Bedeutung wären. Aber es ist von jeher die Praxis der bimetallistischen Agitation gewesen, ihre Ansicht als die allein wissenschaftliche zu verkünden und in diesen Grenzen gerade die von ihr ins Gefecht geführten Namen als die vom höchsten Klang auszugeben." Diese Ausführungen sind so merkwürdig, daß sie durch den Abdruck niedriger gehängt werden sollen. Ob die bimetallistische Agitation die von ihr ins Gefecht geführten Namen als solche von höchstcmKlang ausgiebt, oder ob Namenwie Lexis, Scharling, 12 Schaffte, Conrad, Ad. Wagner den höchsten Klang in ihrer Wissenschaft haben, darüber kann jeder Leser selbst urtheilen, — nur der Leser des Bambergerschen Aufsatzes nicht, denn dem sind diese Namen bisher wenigstens vorenthalten. Was die „guten Gründe" betrifft, so werden diese ja gegen einen Gegner wie Bamberger niemals etwas ausrichten, denn Bambergcr würde selbst leugnen, daß die Sonne am Tage und der Mond des Nachts Licht verbreitet, wenn diese Thatsachen irgend einen Schluß gegen die Goldwährung zuließen — eine Gesammtverdächtigung gegen die Professoren entspricht dem allgemeinen Aerger darüber, daß diese an der Unfehlbarkeit der Goldwährung zweifelhaft wurden, und was schließlich das Citat des holländischen Finanzministers Picrson betrifft, so bin ich gegen alle „Citate" Bambergers mißtrauisch geworden, seit er im Reichstag mittelst einer groben Unwahrheit mir selbst Dinge in den Mund legte, die ich nie gesprochen, und Handlungen unterschob, die ich nie begangen, und gegenüber dem Abgeordneten von Kardorff, der mich vertheidigte, die Stirn hatte zu behaupten, daß er „wörtlich" aus dem „Protokoll" vorgelesen, während er selbst später zugab, daß er nicht aus dem Protokoll, sondern aus einem Zeitungsartikel geschöpft und aus diesem nicht wörtlich vorgelesen, sondern will- kührlich erfunden hatte. Wer sich über Bambergers Wahrheitsliebe und seine Art mit den Thatsachen umzuspringen, an einem handgreiflichen Beispiel unterrichten will, dem empfehle ich dringend diese Dinge nachzulesen.*) In einem andern Lande würde ein Mann, der sich im öffentlichen Leben derartig bloßgestellt, mit einigem Mißtrauen künftig behandelt werden, bei uns macht all das keinen Eindruck. Bamberger bleibt der Herold der Goldwährung und das ist in einer Beziehung gut, denn seine maßlosen Uebertreibungen und die Kampfcsart, die er einschlägt, müssen schließlich auch den Verbündetsten seiner Anhänger stutzig machen — seine Angriffe gegen die „Agrarier" mögen ja bei einem gewissen Publikum immer noch beifällig aufgenommen werden, ich meine aber, daß mau selbst dort es nicht billigen wird, wenn er schreibt: „Von allen Symptomen der Erschlaffung und des Niedergangs des Bürgerthums und des Wiederaufkommens einer adligen *) Liehe den Anhang, wo eine ausführliche Darlegung des Sach- verhalts abgedruckt ist. 13 Kastenherrschaft in Deutschland, wie man sie vor zwei Jahrzehnten für undenkbar angesehen, ist keines so augenfällig als der, wenn auch nur scheinbare, erste Erfolg, welchen mit dem Zugeständniß des Reichskanzlers in Sachen der Währungspolitik die agrarischen Bemühungen haben. Noch ist nicht daran zu denken, daß auch nach diesem Zugeständniß es gelingen könnte, ernstlich Hand an das bewährte Fundament unseres Geldwesens zu legen; aber auch die kleine Konzession, welche dessen Geguer jetzt erlangt haben, und welche sie selbst dem Fürsten Bismarck unter Umstünden, die dazu viel eher verführen konnten, nie zu entreißen vermochten, ist das beschämendste Zeugniß für die Unterwerfung, welche die anerkannten Interessen der allgemeinen deutschen Wohlfahrt sich jetzt unter die Herrschaft zwar nicht gesetzlich, aber thatsächlich bevorrechteter Klassen gefallen lassen." Kann sich Herr Dr. Bamberger wundern, wenn solche Verhetzungen von den Angegriffenen in gleicher Art parirt werden und von ihnen auf diesen groben Klotz der grobe Keil des Antisemitismus ihm gegenüber gesetzt wird? Bamberger schließt damit, daß in den „Wissenschaftlichen Gutachten" die Wiederherstellung des alten Werthverhältnisses 1: 15,5 nicht mehr gefordert sei. „Solche Hexenmeisterei schlägt der gesunden Vernunft zu sehr ins Gesicht, um auch von dem kühnsten Dialektiker vertheidigt werden zu können." Die Frage des Werthverhältnisses ist keine Prinzipien- sondern eine bloße Zweckmäßigkeitsfrage und wird von fast allen Bimetallisten nur als solche betrachtet. Am zweckmäßigsten erscheint mir und Vielen nach wie vor das alte Werthverhältniß von 1: 15,5, das ich für leichter durchführbar halte als jedes andere Werthverhältmß. Wenn Viele anderer Meinung sind, so liegt das daran, daß sie den Widerstand der Goldwährungspartei für zu stark und das angerichtete Unheil schon für zu groß halten, um die beste Lösung, die Wiederherstellung des alten Silberivcrthes durchzusetzen. Auf diesem Standpunkt steht vielleicht auch der von Bamberger nochmals citirte Holländer Plerson, ich glaube indessen guten Grund zu der Annahme zu haben, daß dessen Absichten noch einmal in einer Herrn Bam- bergcr sehr unangenehmen Weise zu Tage treten werden. Herr Bamberger scheint seine Ausführungen noch recht lange fortsetzen zu wollen, denn sein Aufsatz trägt die Unter- 14 schrift „Fortsetzung folgt", was auf eine Artikelreihe schließen läßt. Vielleicht findet er dann auch Gelegenheit sich mit der Ausschlag gebenden Frage der Goldproduktion zu beschäftigen, nachdem er seit 1877 doch vielleicht in Erfahrung gebracht, daß die Goldvertheucrung für ein Goldwährungsland kein erfreuliches Ereigniß ist und daß, wenn man es dafür hält, man doch nicht gut thut, es auszusprechen. Ich aber möchte hier gegenüber der Unfehlbarkeit, mit der Bamberger und so viele Goldwährungsleute ihre Ansichten vortragen, folgendes anfügen: Vor einigen Tagen habe ich in Wien in der Gesellschaft der österreichischen Volkswirthe einen Vortrag über die Währungsfrage gehalten. In der Diskussion wurde auch der Goldwährungsstandpunkt allerdings geschickter und sachkundiger als von Dr. Bamberger vertreten, da erhob sich Eduard Süß, der berühmte — vielleicht bestreitet diese Berühmtheit selbst Bamberger nicht — Professor der Geologie an der Wiener Universität und bekannte liberale Parlamentarier. Er verbreitete sich in der eingehendsten Weise über die Verhältnisse der Goldproduktion in allen Ländern der Welt und schloß seine Rede nach dem Bericht der „Neuen Freien Presse" folgendermaßen: „Alle noch so gut begründeten Ansichten der Herren National- Oekonomen reichen nicht hin, die Thatsachen aus der Welt zu schaffen, welche einmal die Natur gesetzt hat. Mögen die Staatsmänner, die Regierungen und die National-Oekonomen thun, was sie wollen, ich schließe mit der Sicherheit mit welcher der Naturforscher gewöhnt ist, aus Thatsachen zn schließen, daß die Goldwährung auf die Dauer keinen Bestand haben kann und daß das Silber wieder das Währungsmetall werden wird. Es mögen große Schwierigkeiten kommen, und man mag heute gar nicht wissen, wie diese Schwierigkeiten beseitigt werden mögen — beseitigt werden sie doch werden, das weiß ich bestimmt. Darum glaube ich, was Sie auch gegen den Abg. Arendt vorgebracht haben, er wird doch schließlich Recht behalten". Diese Worte machten den tiefsten Eindruck, sie werden nirgends ihre Wirkung versagen. Sind etwa auch die Geologen nicht sachkundig? Hat etwa nur Herr Dr. Bamberger und die, welche seiner Meinung sind, eine Kompetenz in der 15 Währungsfrage? Was Süß als Geologe sagt, das sagen die hervorragendsten Nationalökonomen vom volkswirthschaftlichcn Standpunkt, und dagegen hilft alles nichts: Es geht nicht mit der Goldwährung und deshalb müssen die Schwierigkeiten überwunden und Silber muß wieder Weltgeld werden. („Deutsches Wochenblatt" Nr. 3 vom 18. Januar 1894.) II. Der zweite Aufsatz von Ludwig Bamberger in der „Nation" liegt vor. Einleitend werden nunmehr die Verfasser der „Wissenschaftlichen Gutachten über die Währungsfrage" wenigstens mit Namen genannt. Im klebrigen aber vermeidet es Bamberger auf die Einzelheiten jener Gutachten einzugehen. Das iväre auch weniger leicht, als mit allgemeinen Redensarten zu operircn, wie z. B.: „Es könnte einem bang um den Staat werden, der vom Katheder herab regiert würde" - aber ein Staat, der unter die Botmäßigkeit der Banquiers geriethe, die Bamberger für die berufensten Sachverständigen im Währungsstreit zu halten scheint, würde vermuthlich noch schlechter fahren. Die „Wissenschaftlichen Gutachten" wurden lediglich zu dem Zweck von mir veranlaßt, um der Unwahrheit entgegenzuwirken, als ob mit der Suspension der indischen Silberprägungen und dem Fall der Sherman-Bill alle bimetallistischen Aussichten begraben seien, wie es damals in der Goldwährungspresse hieß. Demgegenüber sollte die öffentliche Meinung, in welcher bedauerlicher Weise die Währungsfr agezu einer politischen und Jnteressen- frage gestempelt war, von Männern, welche über den Parteien- stehen, von den Männern der Wissenschaft, einmal erfahren, daß unsre angeblich so befriedigenden Währungsverhältnisse thatsächlich zu den ernstesten Bedenken Veranlassung bieten. Und nun kommt Bamberger und behauptet: „Der Grundzug sämmtlicher hier vorgebrachten Auseinandersetzungen geht dahin, daß sie sich darauf zuspitzen, Voraussagungen über den künftigen Gang der Dinge zu machen-" . . . 16 „Wäre es nicht die erste Anforderung an eine Beleuchtung dieser Dinge, daß sie sich die Aufgabe stellte, ihre Augen auf diese offen zu Tage liegenden Zustände zu richten, statt sich immer und immer wieder auf die Erregung von Furcht und Gefahr zu werfe», welche die Zukunft bringen könnte? Nicht was ist, sonder» was seilt und kommen möchte, bildet die Unterlage des theoretischen Austurmes gegeu unsere Mnnzverfaffung." Das ist in jeder Beziehung falsch. Wäre unsere Währungssituation heute durchaus gut, so könnten doch dringende Befürchtungen für die Zukunft zu einer Aenderung drängen, und es iväre dann Pflicht der Fachleute, diese Bedenken aus- zusprechen, so lange es noch Zeit ist vorzubeugen. Ueberdies aber sind unsre Währungsverhältnisse nicht gut, sondern gerade in ihnen liegt die vollste Rechtfertigung der Bekämpfung der Goldwährung. Bamberger macht einen kühnen, dem weniger kundigen Leser freilich schwer bemerkbaren Sprung. Er unterschlägt plötzlich die Währungsfrage und setzt an ihre Stelle die Münz- frage. Nun, die Münzfrage würde uns weniger erregen —- was für uns in Betracht kommt, ist die Währungsfrage mit all ihren wirthschaftlichen und sozialen Wirkungen für den heimischen und für den Weltverkehr, der auf unsere Volkswirthschaft zurückwirkt, nicht aber die Zusammensetzung unserer umlaufenden Münzen an sich. Ausgezeichnet findet Bamberger alle unsere Münzverhältniffe, von der Silberentwerthung und ihren Schädigungen schweigt er — allerdings, nach seiner Behauptung ist daß ja ein Fatum, dem Deutschland mit seiner Goldwährung glücklich zuvorkam. Aber seit der englischen Enquete und der Schließung der indischen Münzstätten, kann Niemand mehr leugnen, daß ohne die Goldwährung diese Silberentwerthung überhaupt nicht eingetreten wäre. Jedenfalls aber ist die Silberentwerthung eine ernste, bei Einführung der deutschen Goldwährung nicht geahnte Kalamität. Das ist doch keine Zukunftsmusik, kein „Operiren mit Schattenbildern," wie Bamberger Pros. Wagner vorwirft, das ist, denke ich, eine feststehende Thatsache, die allein schon dieBambergerscheHellmalerei unserer bestehenden Münzzustände über den Haufen wirft. Daß die Silberentwerthung unseren Handel und unsere Industrie schädigt, durch die Valuta-Differenzen namentlich die Landwirthschaft benachtheiligt und einen wesentlichen Antheil an der bestehenden 17 Weltkrisis hat — all das existirt für Bamberger nicht, obwohl es unseres Erachtens allein ausreicht eine Aenderung unserer Währung wünschenswerth zu machen. Ich will aber Herrn Dr. Bamberger auf das Gebiet unseres Münzwescns folgen, um das uns, wie unsere Goldpresse nicht müde wird zu behaupten, alle Welt beneidet. Nehmen wir einmal an, im Jahre 1873 hätten die verbündeten Regierungen folgende Vorlage vor den Reichstag gebracht, 1. Das Reich prägt eine halbe Milliarde Silbcrscheide- münzen 60 pCt. unterwerthig aus, 2. außerdem werden ungefähr ebensoviel 50 pCt. unter- werthige Dreimarkstücke ausgeprägt, welche bei allen Zahlungen bis zu jeder Höhe zu 3 Mark Gold in Zahlung genommen werden müssen. Hätte Herr Dr. Bamberger 1873 solche Vorschläge nicht mit Entrüstung von sich gewiesen? Hätte er nicht erklärt, der Umlauf einer Milliarde so hochgradig entwertheten Geldes neben Banknoten und Reichskassenscheinen sei eine des deutschen Reiches unwürdige Unreellität, und er hätte sicher hinzugefügt, dergleichen wäre unerhört und könne keinen dauernden Bestand haben. Und das sind doch die thatsächlichen deutschen Münzzu- stände der Gegenwart, die Herr Dr. Bamberger als so glänzend und tadellos hinstellt! Aus dieser Thatsache sieht man, wie hinter den großen Worten, hinter der zur Schau getragenen Zuversicht, auch bei Herrn Dr. Bamberger der Kleinmuth fitzt, wie auch er ebenso wie Soetbeer erkennt, daß die Goldwährung nicht aufrechtzuerhalten, nicht einmal völlig durchzuführen ist. Wäre unsere Goldwährungspartei konsequent, so müßte sie die Beseitigung der Thaler und die Umprägung der Silberscheidemünzen fordern. Denn wenn die Silberentwcrthung wirklich ein „Naturereignis" ist, an dem sich nicht mehr rütteln läßt, wie kann man dann Münzen in Umlauf belasten, die dieser Silberentwcrthung in keiner Weise Rechnung tragen und zur betrügerischen Nachmünzung gradezu herausfordern? Das spricht doch jeder gesunden Münzpolitik Hohn und solche Zustände sollten zu gar keiner Kritik Anlaß bieten? Was will es dagegen sagen, daß wir zeitweise Gold an uns zogen? Bamberger rechnet 2^ Milliarden Gold sind 18 ausgeprägt, 2—300 Millionen haben wir sonst noch in Deutschland, „mehrere hundert Millionen" sind dagegen abgeflossen, diese „mehrere" durften eine größere Summe sein, als man gemeinhin schätzt. Ich nehme eine sehr hohe Ziffer an, jedenfalls sind die üblichen Schätzungen tendenziös niedrig. Vor 10 Jahren versuchte ich eine Schätzung und kam auf einen Goldabgang von mehr als einer halben Milliarde. Damals erklärte der hervorragendste wissenschaftliche Goldwährungsmann Erwin Nasse diese Schätzung für die richtigste. Ich bemerke das nur beiläufig, um vor übertriebenen Vorstellungen über unseren Goldreichthum zu warnen. Durch eine österreichische Veröffentlichung kennen wir jetzt die Zusammensetzung des Baarbestandes der deutschen Reichsbank am 10. Mai 1892, er enthielt: Goldmünzen 317,116 000 Mk. (dabei 279,8 Mill. i. 20-Mk.) Goldbarren 293,451000 „ Gold unsortirt 14,410 000 „ Silbcrthaler 235,586 000 „ Scheidemünze und unsortirt 97,139 000 „ 957,702 000 Mk. Diese Angaben sind über Erwarten ungünstig und bei der Verminderung des Baarvorraths seitdem sind sie vermuthlich heut noch ungünstiger. Reichlich ein Drittel unserer Bankdcckung, 332,7 Millionen Mark, ist unbrauchbares, cnt- werthetes Silber und nicht mehr als 625 Millionen Mark waren die wirkliche Deckung aller Noten und Depositen der deutschen Reichsbank, aller der fiktiven Zahlmittel im Verkehr! Nur sträflicher Optimismus kann solche Zustände für glänzende ausgeben. Ich bin mit Pros. Ad. Wagner der Meinung, daß es hier nur zwei Dinge giebt, für die man sich entscheiden kann. Entweder Beseitigung des Silbers, soweit es nicht als Scheidemünze unbedenklich, oder Beseitigung der Silberentwerthung, so daß Silber wieder aus einer Gefahr eine Befestigung unseres Geldsystcms wird. Die Goldwährungspartei ist bereits so bankerott, daß sie ihr Ziel, die Beseitigung des Silbers, gar nicht mehr zu vertreten wagt, die Kritik gegen die „hinkende" Goldwährung, die nach der Suspension der deutschen Silberverkäufe im Jahre 1879 eine so laute war, ist verstummt, der Ruf nach Wiederaufnahme der Silber- verkäufe verhallt — man stellt sich zufrieden mit den bestehenden 19 Verhältnissen, weil man weiß, daß man nichts mehr ändern kann. Oder sollte Deutschland eine viertel Milliarde ausgeben, um seine Thaler zu verkaufen, und eine andere viertel Milliarde, um die Unterwerthigkeit seiner Silbermünzcn einzuschränken? Man braucht nur diese Zahlen zu nennen und die Situation ist klar. Nur die Wiederherstellung des Silber- werthes kann uns wieder solide Münzverhältnisse verschaffen. Bamberger pocht darauf, daß wir unter der Goldwährung noch keine Krisis im Geldwesen gehabt haben. Wenn wir ers^ eine solche abwarten sollen, dann kommt die Einsicht zu spät. Der kluge Mann baut vor. Unsere Münzverhältnisse können also auch ganz abgesehen von der Frage des Goldmangels und ganz abgesehen von allen wirthschaftlichen Schädigungen vor der Kritik nicht bestehen, und je glänzender Bamberger sie schildert, um so deutlicher tritt die Sophistik seiner Beweisführung zu Tage — er selbst kann gar nicht mit den Dingen, wie sie sich gestaltet haben, zufrieden sein. Und wie bei uns ist es überall in der Welt, nur meist noch schlimmer, was mir ein schlechter Trost zu sein scheint, denn jede Wunde, die irgendwo aufbricht, fühlen wir mit, da der moderne Verkehr die Kulturwelt zu einer großen Einheit gestaltet. Ob die Währungswirren in Indien oder das steigende Goldagio in Wien oder Rom, ob amerikanische Münzkämpfe oder australische Goldkriscn, bald in Argentinien, bald in Mexiko, immer sind es dieselben verheerenden Wirkungen, welche Silber- entwerthung und Goldmangel seit zwei Jahrzehnten hervorrufen und aus denen nicht herauszukommen ist, ehe das unglückliche Experiment der Goldwährung nicht aufgegeben wird. Die Erfahrung von siebzig Jahren hat gezeigt, daß die französische Doppelwährung die Werthschwnnkungen zwischen Silber und Gold ausschloß. Die Goldproduktion stieg von 1845 55 weit stärker, als jetzt die Silberproduktion, die Silbcrnachfrage war 1855—65 so stark wie jetzt die Goldnachfrage, aber die französische Doppelwährung bestand die Feuerprobe und das Werthverhältniß von 1 : 15,5 galt in der ganzen Welt, so daß Bamberger einmal sagte, der Gegensatz in der Währungsfrage laste sich dahin zusammenfassen, daß die Einen meinten, das Werthverhältniß habe solange be- 2 * 20 standen, wie die Doppelwährung, und die anderen, die Doppelwährung habe so lange bestanden, wie das Wcrthverhültniß existirte. Nun die Akten sind jetzt abgeschlossen darüber, daß ohne die Schließung der Münzstätten die Silberentwerthung nicht hätte eintreten können, oder glaubt Jemand, daß Silber, wenn es in Frankreich und Deutschland unbeschränkt prägbar blieb, um 50pCt. entwerthen konnte? Man muß heute zugeben, daß die Münzgesetze den Werth der Edelmetalle bestimmen und daß sie das so gut für beide wie für eins der Edelmetalle thun können. Sie müssen es aber für beide thun, weil eins allein nicht ausreicht. Die Goldwährungspartei ging ursprünglich von der Idee aus, es giebt zuviel Gold in der Welt, deshalb muß der Goldumlauf erweitert werden, es ist zu wenig Silber vorhanden, deshalb ist der Silberumlauf einzuschränken. Die Dinge sind jetzt grade umgekehrt. Die Goldwährungspartei hatte ferner das Ziel, mittelst der allgemeinen Goldwährung die Währungseinheit der Kulturwelt zu erreichen. Damit ist sie gescheitert. Selbst wenn alle Staaten die Goldwährung annehmen wollten, die Beispiele aller finanzschwachen Länder zeigen, daß nur zu bald das Goldagio sich einnistet. Die Fortschritte, welche die Goldwährung bringen sollte, haben sich in das Gegentheil verkehrt, aber mit eigensinniger Prinzipienreiterei verkennt man, daß der Bimetallismus es ist, der den angestrebten Fortschritt thatsächlich bringt. Der Bimetallismus bringt die Ausgleichung zwischen den beiden Metallen, die, da eine unendliche Nachfrage zu Präge- zwecken dem unendlichen Angebot der zirkulirenden Geldmünzen gegenübertritt, nicht mehr im Werthe zu einander schwanken und zusammenwachsen zu einer höheren Einheit. Was Frankreich allein siebzig Jahre unter den außerordentlichsten Zwischen- fällen durchsetzte, das wird die ganze Kulturwclt gemeinsam doch wohl erreichen können. Der Bimetallismus bewirkt, daß die Schwankungen der Edelmetallproduktion sich weniger störend fühlbar machen, daß die Währungseinheit erreicht wird, daß die Silberentwerthung, die Valuta-Differenzen, der Goldmangel verschwinden und alle Störungen im Geldwesen ein Ende nehmen. Wir sollten dankbar sein, daß uns die praktischen Erfahrungen mit der französischen Doppelwährung einen Ausweg aus Verhältnissen 21 zeigen, die unerträglich sind und noch immer unerträglicher werden müssen. Der Bimetallismus wird aus dem theoretischen Grunde bekämpft, daß es unmöglich sei, zwei Werthe zu fixiren. Das ist aber siebzig Jahre lang thatsächlich möglich gewesen, ein Beweis, daß die Theorie hier falsch angewendet wird. Praktisch ausschlaggebend ist die Furcht vor der „Geldverschlechterung" -- als ob nicht die Wiederherstellung des Silberwerths jeder Freigabe der Silberprägungen vorausgehen müßte und als ob diese Preissteigerung eine größere Einwirkung üben könnte, als die Entwerthung. Seit einem halben Jahr ist der Silberpreis um 20 pCt. entwerthet, ist der Goldwerth gleichzeitig 20 pCt. gestiegen? Und warum soll eine Veränderung des Silbers von 31 aus 39 Pence stärker wirken, als die umgekehrte, die wir jüngst erlebten? Die großen Massen des Silbers sind von der Entwerthung überhaupt noch nicht berührt. Was aber hat es mit der „Stabilität" oder „Festigkeit" des Goldwerths auf sich? Freilich, ein Pfund Gold gilt immer 1395 Mark, aber die Frage ist nur, ob 1395 Mark immer dieselbe Kaufkraft haben; haben sie eine größere Kaufkraft gewonnen, so ist der Geldwerth nicht fest, sondern gestiegen, und ein steigender Geldwerth ist das größte wirthschaftliche Nebel. Die Statistik beweist aber unwiderlcglich die steigende Kaufkraft des Goldes und die wirthschaftlichen Verhältniße aller Goldwährungsländcr zeigen deutlich und klar die Symptome der Wirkungen der Geldverthcuerung. Die Welt ist krank, darüber besteht gar kein Zweifel, und diese Krankheit wird von vielen hervorragenden Nationalökonomen aller Länder für eine Folge der Geldkrisis angesehen, jedenfalls ist die wirthschaftliche Krankheit von ihnen als Folge der Goldwährung vorausgesagt. Aber Bamberger sieht diese Krankheit nur in den Vereinigten Staaten, wo man „Milliarden zur Unterstützung des Silbers" ausgegeben. Die amerikanische Silbergesetzgebung vertheidige ich nicht. Ich habe schon vor langen Jahren in einem Bries, den Herr Dr. Bamberger selbst einmal im Reichstag vorgelesen, dringend zur Beseitigung der Blandbill gerathen. Hätten die Amerikaner jene Silbcrankäuse nicht so lange fortgesetzt, so würde Silberentwerthung und Goldmangel die Welt längst zur 22 - internationalen Lösung der Silberfrage gezwungen haben. Die Amerikaner aber machten jene Gesetze weniger des Silbers wegen, als um sich eine Vermehrung ihrer Zirkulationsmittel zu sichern und die Krisis, welche man kürzlich drüben durchmachte und deren Verheerungen die amerikanischen Goldleute benutzten, um die Silberkäufe zu diskreditiren, war keine Silber- krisis, sondern eine Geldkrisis. Silber erzielte ebenso Agio wie Gold. Die Spekulation der amerikanischen Börsen ist noch zügelloser und wilder als bei uns, Krisen sind deshalb drüben immer vorgekommen und werden auch künftig nicht ausbleiben, das hat mit der Währung zunächst nichts zu thun. Eine für Bambergers Sophistik charakteristische Stelle sei hier angefügt: ..Hier also. an solchen znr Vergleichung dienenden Thatsachen hätten die gelehrten Herren, welche ach und wehe über die deutsche Münzverfassung schreien, Ursache gehabt, ihr Sezirmesser anzulegen, hier etwelche Krankhaftigkeit zu zeigen, statt nach bekannter Manier uns immer von Neuem zuzurufen: noch zwar seid ihr gesund, aber wehe euch in künftigen Tage«, da werdet ihr unfehlbar krank werden, wenn ihr nicht unser Rezept befolgt! Aber natürlich, es ist ja so viel leichter, aus dem Handgelenk solche künftige Krankheitsbilder an die Tafel zu malen, als sich die gegebene Wirklichkeit aus der Nähe anzusehen. Ist es nicht wahrhaft komisch, wenn wir in einer jener Schriften lesen, die Vertheidiger einer durch zwanzigjährige harte Proben bewährten Verfassung opferten einem leichtfertigen Optimismus; dagegen entspreche es einer von Illusionen freien kritischen Auffassung, den Aufbau eines eigenen gesunden Geldwesens auf den ewigen Bestand heiliger internationaler Münzverträge zu gründen? Und diese Verherrlichung völkerrechtlicher Verabredungen als felsenfester Unterlage unserer nationalen Volkswirthschaft erhebt ihre Stimme im selben Athemzug, in dem sie uns die Gefahr zeigt, welche unser Geldwesen bei Ausbruch eines europäischen Kriegs laufen möchte. Als wenn nicht der erste Kanonenschuß die rechtliche und thatsächliche Geltung solcher Vortrüge aufhöbe, — vorausgesetzt immer, daß sie an sich des Erhaltens werth wären " Man sieht, wie künstlich hier die Worte gesetzt sind, um die Leser zu verwirren. Den Bimetallisten wird in den Mund gelegt: „noch zwar seid ihr gesund" — als ob nicht gerade umgekehrt die Bimetallisten die gegenwärtigen Verhältnisse als unerträglich bezeichnen. „Zwanzigjährige harte Proben?" Hat denn die deutsche Goldwährung schon irgend eine Probe bestanden, sie könnte ja nicht die erste harte Probe bestehen. 23 ohne zusammenzufallen. Ist das nicht leichtfertiger Optimismus, wenn man alle Lehren der Finanzgeschichte in den Wind schlägt und die denkbar schlechtesten Münz? und Währungszustände für die besten der Welt erklärt, nur weil die Bedenken, die doch auch jeder Goldwährungsmann über die Unter- werthigkcit der Silbermünzen und den Goldmangel haben muß, Argumente für den Bimetallismus abgeben? Und nun die internationalen Verträge und der erste Kanonenschuß. Der Währungsvertrag wird aus dem allgemeinen Bedürfniß heraus entstehen, und jeder Staat, der ihn bricht, schädigt sich selbst am meisten. Nach den gemachten Erfahrungen wird sich Niemand danach sehnen, die Störungen der Silber- entwerthung ivieder hervorzurufen, namentlich nicht in: Kriegsfall, wo jeder Staat seine eigne Kraft schwächt, wenn er statt beide nur ein Metall benutzt. Bamberger übersieht eben, daß die Durchführung des Bimetallismus die Probe auf das Exempel bedeutet. Ist der Silbcrwerth wiederhergestellt, haben die Werthschwankungen aufgehört, so weiß Jedermann, daß die Silberentwerthung die Folge falscher staatlicherMaßregeln gewesen war, und daß der Widerstand gegen den Bimetallismus auf theoretischen Irrthümern beruhte. Zweimal hintereinander macht die Welt nicht dieselbe Thorheit. Und wie würde es denn beim ersten Kanonenschuß unter der Goldwährung aussehen? Er brächte überall unrettbar den Zwangskurs. Nicht, wie Bamberger sagt, ein unglücklicher Krieg, nein jeder Krieg bringt uns den Zwangskurs, oder meint Bamberger, daß unser Gold ausreicht, Papier und Silber einzulösen? Denn Silber ist jetzt in kritischen Zeiten als fiktives Geld ebenso durch Gold zu decken wie Papier, und das kann kein Land der Welt, auch England nicht, im Kriegsfall ertragen. Ein europäischer Krieg würde der Goldwährung ein Ende mit Schrecken bereiten, den Bimctallismus aber nicht berühren, denn gerade im Kriege würde kein Staat das Silber, das für die Heeresbedürfnisse unentbehrlich ist, diskreditiren und sich selbst den Kredit im Auslande erschweren, indem er noch eine Geldkrisis heraufbeschwört. Und mit solchen Dingen sucht Bamberger auf die urtheilslose Menge zu wirken! Seine Erfolge haben ihn kühn gemacht, auch das Unsinnigste ist ihm geglaubt worden, also nur frisch behauptet, es bleibt immer etwas sitzen, und dieses thörichte Argument 24 von den Verträgen, die gebrochen werden können, hat ja vielleicht entscheidend eingewirkt, indem es den Grund abgab, weswegen der frühere Finanzminister von Scholz den Bimetallismus bekämpfte. Bamberger wendet sich schließlich der Frage der Goldproduktion zu. Die Goldwährung befähigt ihn, auch über geologische Fragen ein maßgebendes Urtheil abzugeben. Daß er, wenn er in allen seinen Angaben Recht hätte, die Süßsche Theorie nicht umwerfen würde, macht nichts, denn das Publikum weiß von dieser nur, daß Süß eine Verminderung der Goldproduktion vorausgesagt, diese ist noch nicht eingetreten, das genügt, nach uns die Sündfluth. Ich habe eine andere Auffassung der Dinge. Ueber die Frage der Goldproduktion werde ich mich mit Bamberger noch ausführlich auseinandersetzen. Ich will hier nur eins hinzufügen. Die Goldproduktion wie sie ist reicht nicht aus, würde sie sich verdoppeln, so wäre sie noch ungenügend namentlich gegenüber dem stetig anwachsenden außermonetären Goldbedarf. Die Wissenschaft aber zeigt, daß eine Verminderung der Goldproduktion wahrscheinlich ist. Je rapider das vorhandene Gold jetzt ausgebeutet wird, um so schneller die Erschöpfung, denn Gold wächst nicht nach, es ist immer nur ein bestimmtes Quantum vorhanden. Wenn aber die Goldproduktion auf den Umfang zurückfällt, den sie immer außer in den letzten 40 Jahren gehabt hat? Dies macht Süß' Theorie wahrscheinlich, und das kann nur angezweifelt werden, wenn man diese Theorie selbst widerlegt. Wie können wir uns aber auf ein Münzsystem in der Welt einrichten, von dem wir zweifelhaft sein müssen, ob es in zehn Jahren überhaupt noch möglich ist. Wir richten doch unser Münzwesen nicht für ein paar Jahre, sondern dauernd, nicht für gute Zeiten, sondern sturmfest ein. Das ist bei Goldwährung unmöglich. Das Experiment ohne Silber auszukommen, ist verfehlt, und wenn Bamberger nicht die Kunst erfindet, Gold zu machen, mit der Kunst der Worte und der Verdrehung der Thatsachen allein setzt er es auf die Dauer nicht durch. Ein geschickter Advokat kann auch für eine schlechte Sache Erfolge haben, aber schließlich kommt das Recht doch zur Geltung, und es scheint, daß in der Währungsfrage dieser Zeitpunkt jetzt endlich nahe ist. (Deutsches Wochenblatt Nr. 4 v. 25. Januar 1894.) 26 III. Das Bemerkenswerteste an dem dritten Aufsatz von Ludwig Bamberger in der „Nation" ist der wesentliche Unterschied des Tones gegenüber dem ersten Artikel. Im ersten Artikel, wo nur der ostpreußische Brief des Grafen von Caprivi vorlag, erging sich Bamberger in Witzeleien über die Enquete — man hätte ebenso gut das Kneippsche Heilverfahren zur Beschwichtigung der Gemüther untersuchen lassen können — im dritten dagegen tritt Wuth und Zorn über die Enquete recht deutlich zu Tage — ein für uns sehr erfreuliches Symptom. Bisher verfolgte die Goldwährungspartci die recht durchsichtige Taktik, jedes Ereigniß als einen großen Erfolg für das Gold und als eine „Vernichtung" der ohnehin „durchaus aussichtslosen" Bimetallisten hinzustellen — galt es doch in erster Linie zu verhindern, daß das große Publikum die Währungsfrage ernst nimmt, sich damit beschäftigt und über diese Dinge nachzudenken anfängt. Als die Bimetallisten ihrerseits eine Währungs-Enquete wünschten — ein Antrag des Abg. von Huene beschäftigte sogar den Reichstag — lehnte sie die Goldwährungspartei entschieden ab. Man dürfe auch nicht einen Zweifel aufkommen lassen, als ob Deutschland an seiner „bewährten Goldwährung rüttle." Gemäß dieser Taktik „freuten" sich denn auch die Anhänger der Goldwährung über die nun wirklich ins Leben gerufene Enquete, als aber die Erklärung des preußischen Staatsministeriums keinen Zweifel darüber ließ, daß es sich diesmal nicht um endlose theoretische Diskussionen, sondern um den Versuch einer praktischen Lösung handelt, da schlug der Ton um und Bamberger schreibt: „daß die Reichsregierunq uns mit dieser Maßregel hätte verschonen können, so lange England nicht aus eigenem Antriebe den ersten Schritt zu solcher Umkehr unternimmt." „In dem großen Kreise derer, welche das Rütteln an unserer Währung geradezu unbegreiflich finden, beruhigt man sich über das jetzige Vorgehen damit, das alle solche Versuche erfolglos zu Boden fallen müßten. Wie weit dieser Glaube berechtigt ist, soll im Augenblick nicht untersucht werden. Aber darüber kann kein Zweifel bestehen, daß die eben gethanen amtlichen Schritte bereits schädlich wirken müssen. Wer den Gang der Geschäfte 26 kennt, wird nicht zweifeln, das; seit der Erklärung des Landwirthschaftsministers im Herrenhause viele Leute in Deutschland bereits sich die Frage ausgeworfen haben, ob sie nicht zur Erhaltung ihres Vermögens Forderungen und Hypotheken kündigen, deutsche Effekten verkaufen und Sicherheit in ausländischen Anlagen suchen sollen. Ebenso werden ''Ausländer, die Kapitalien in Deutschland stehen haben, aus ihrer Ruhe aufgeschreckt werden, und die Lust, neue Kreditverbindungen mit Deutschland anzuknüpfen. wird leicht auf das Bedenken stoßen, daß in Folge möglicher Veränderung in unserer Währung bedeutende Schädigung eintreten könne. Ist aber einmal in diesen empfindlichen Dingen der erste Anstoß zu Mißtrauen gegeben, so wird die Fortwirkung in weite Kreise hinaus unberechenbar. Dies Alles führt zu dem Schlüsse, daß weise Vorsicht den neuesten von Preußen und dem Reich gethanen Schritten nicht nachzurühmen ist. Eben deshalb kalkulireu diejenigen richtig, welche diese Schritte willkommen heißen, weil Verwirrung und Mißtrauen in die Zahlungsvcrhältuisse Deutschlands zu bringen ihnen als eine günstige Vorbereitung zu einem Sturm aus das Gebäude unserer Münz- und Baukverfassung erscheint." Soweit Bamberger. Soll das eine Drohung sein oder der Versuch, Befürchtungen wachzurufen, die Niemand hegt und gegen Gefahren zu alarmircn, die nicht vorhanden sind? Diese Ausführungen sind so außerordentlich belehrend über die Art, wie Bamberger durch die maßlosesten Uebertreibungen, durch die rücksichtslosesten Entstellungen für „seine Goldwährung" kämpft, daß sie durchaus geeignet sind, dem Zweifelnden die Augen zu öffnen, welches Vertrauen die Bambergersche Beweisführung überhaupt verdient. Wer bringt denn „Verwirrung und Mißtrauen in die Zahlungsverhältnisse Deutschlands?" Derjenige, der sich wie Bamberger nicht scheut, durch völlig haltlose Alarmrufc den deutschen Kredit anzutasten, oder diejenigen, welche durch Beseitigung der Silberentwerthung die faktisch bestehende Gefahr, daß unser Geld- und Kreditsystem in kritischen Zeiten mangels genügender Fundirung über den Haufen fällt, aus der Welt schaffen wollen? Man erwäge nur, wie Bamberger auch hier rein willkürlich die Dinge auf den Kopf stellt. Worin besteht denn der „Sturm" auf unsere „Münz- und Bankverfassung"? doch nur in dem Bestreben ein internationales Abkommen über die Regelung der Silberfrage zu erzielen. Wie könnte sich nun, wenn es einer solchen Sicherung bedürfte, der deutsche Kapitalist hiergegen schützen? Wie soll er sein Kapital anlegen, wenn er nach Bambergers Meinung Hypotheken kündigt und deutsche Effekten verkauft, und was soll der auswärtige Kapitalist für die verkauften deutschen Effekten sich anschaffen? Ueberall, in allen Staaten würde ja genau derselbe „Sturm" unternommen, genau dasselbe „Mißtrauen" entstehen müssen. Die unglücklichen Kapitalisten aller Länder könnten höchstens der Türkei ihre Gelder leihen, die vielleicht außerhalb des Abkommens bleibt, aber wahrscheinlich würden trotz des Bimetallismus deutsche, französische, holländische Staatspapiere doch noch für sicherer gelten, als Werthpapiere, deren Rückzahlung in Gold die Türkei — verspricht. Diese Dinge sind so klar, daß es recht unvorsichtig von Herrn Dr. Bambcrger war, den Glauben seiner Gefolgschaft in Handels- und Börsenkreisen an seine Unfehlbarkeit dadurch zu erschüttern, daß er Behauptungen von solcher Tragweite aufstellt, deren absolute Unrichtigkeit jeder Geschäftsmann ohne weiteres durchschaut. Seit der Suspension der indischen Silberprägungen besteht kaum noch eine Meinungsverschiedenheit, daß die Währungswirren zu ernsten Schädigungen der Geschäftswelt führen. Die Meinungen mögen darüber auseinandergehen, ob und wie die Regelung der Silbcrfrage zu erreichen ist, aber daß diese Regelung dringend erwünscht sei, das zu be- streiten fällt heute nur noch einigen verblendeten Fanatikern ein. Bamberger gebraucht offenbar wieder den alten Kunstgriff, sich so zu stellen, als ob es sich darum handele, daß Deutschland allein irgend etwas zu Gunsten des Silbers thun solle. Das ist, gelinde gesagt, unehrlich, denn die Bimetallisten haben immer und immer wiederholt, daß sie jedes isolirte Vorgehen Deutschlands verwerfen und lediglich und ausschließlich eine internationale Regelung anstreben. Nach den Erklärungen, welche Graf Mirbach und ich in der „Norddeutschen Allgem. Zeitung" veröffentlichten, kann doch hierüber ein Zweifel nicht mehr bestehen. Graf Mirbach ist Mitantragsteller des Antrags Graf Kanitz, den man sich bemühte, mißzuver stehen, um den Bimetallisten unterzuschieben, daß sie ein isolirtes Vorgehen Deutschlands anstrebten. Der Antrag Graf Kanitz ohne vorhergehende internationale Verständigung bedeutet einfach eine Art Blandbill für Deutschland und würde ebenso wie diese miß- 28 lingen. Was Graf Kanitz beabsichtigte, war ganz etwas anderes. Er wollte dasjenige bezeichnen, was Deutschland den übrigen Mächten behufs Regelung der Währungsfrage bieten solle. Sein Gesetzentwurf sollte erst in Kraft treten auf Beschluß des Bundesraths, und in der Begründung wird ausdrücklich gesagt, daß das den Zweck hat, zuvor eine internationale Vereinbarung herbeizuführen. Die Antragsteller, zu denen Graf Mirbach gehört, werden doch wohl über ihre Absichten ein maßgebenderes Urtheil baden als falsche und tendenziöse Ausleger. Graf Mirbachs Erklärung in der „Nordd. Allgem. Ztg." beginnt wie folgt: „Es ist weder dem v>-. Arendt, noch Herrn v. Kardorff, Grafen Kanitz oder irgend einem Vorkämpfer für die bimetallistische Währung von Bedeutung jemals eingefallen, zu verlangen, oder es für möglich zu halten, daß Deutschland einseitig eine bime- tallistische Währung annehme. Wir alle — ich bin wohl zuerst für die bimetallistische Währung, wie sie bis l873 durch 70 Jahre in Frankreich und in den Ländern der lateinischen Münz- union bestand, eingetreten — haben bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, daß nnr eine internationale Regelung der Währung in dieser Richtung möglich sei. Darauf ist auch in den Motiven zu dem vom Grasen Kanitz und mir eingebrachten Gesetzentwurf hingewiesen." Ich meine die Anhänger der Goldwährung sollten doch sehr zufrieden sein, daß die Gefahr gar nicht besteht, gegen welche sie auf die Schanzen rufen, daß Niemand da ist, der die deutsche Währung in der Art bedroht, wie sie es darstellen, daß Niemand an ein einseitiges Vorgehn Deutschlands überhaupt denkt; aber merkwürdiger Weise nehmen sie diese Beruhigung nicht an und zwar aus einem einfachen Grunde. Thäten sie es, so kämen ihre sämmtlichen Gründe in Wegfall, mit denen sie überhaupt gegen die Bimctallisten hetzen. Jede internationale Regelung der Währungsfragc erklärt die Goldwährungspartei für eine Unmöglichkeit. Nun, dann sind die Bimetallisten ja ganz harmlose Menschen die doch nichts durchsetzen können, warum ereifert man sich so gegen sie? Aber offenbar kann man gegen die internationale Doppelwährung weder geltend machen, daß sie „eine Geldverschlechterung" bedeutet, noch daß sie „nur den Zweck habe, daß die verschuldeten Agrarier ihre Gläubiger betrügen, indem sie ihre Goldschulden mit „entwerthetem" Silber zurückzahlen"; noch auch kann man 29 Rentnern, Beamten und Arbeitern vorreden, daß die „ Geldentwertung" sie schädige, — gegen die internationale Doppelwährung haben in Deutschland mit Ausnahme einiger Doktrinäre vernünftige Menschen überhaupt nichts einzuwenden; eben deshalb muß die Goldwährungspartei an der bewußten Täuschung festhalten, daß die Bimetallisten ein einseitiges Vorgehn Deutschlands im Auge hätten. Die Silbercuquete wird jedenfalls das Gute haben, daß sie hierüber dem Publikum die vollste Klarheit bringen wird nnd schon das wird wesentlich zur Verständigung beitragen. Ich möchte hier übrigens anfügen, daß das Verlangen von Hppothekengläubigern, sich Rück- und Zinszahlung in Gold auszubedingen, eine Folge dieser thörichten Angstmacherei durch die Goldwährungspartei ist. Ich kann jedem Schuldner nur rathen, seinem Gläubiger diesen harmlosen Gefallen bereitwilligst zu erweisen. Wo eine solche Abmachung besteht, genügt bereits das jetzige Münzgesetz, um dem vorsichtigen Gläubiger statt jeder Goldzahlung Silbcrthaler bis zu jeder Höhe in Zahlung zu geben. So ivenig wie heut irgend ein Schuldner Vortheil davon hat, das zu thun, so wenig wird das künftig, wo das Gesetz selbstverständlich eine gleichartige Bestimmung enthalten wird, der Fall sein. Es ist nicht meine Absicht, in die Polemik zwischen Bam- bcrger einerseits und den Verfassern der „Wissenschaftlichen Gutachten" andrerseits einzugreifen, in die Bamberger doch schließlich noch eingetreten ist. Männer wie Lcxis, Conrad, Schäffle, Scharling, Kleinwächter, Hermann Schmidt, werden mit Bamberger schon fertig werden. Selbstverständlich haben Alle Unrecht, nur Bamberger hat die richtige Auffassung, nur er hat Alles klar und deutlich vorausgesehen. Mir scheint es wichtiger, einige der Hauptpunkte der Währungsfrage hier noch klar zu stellen. Entscheidend ist nach meiner Ueberzeugung die Frage der Edelmetall-Produktion, und hierüber seien einige Bemerkungen angeschlossen. Der Goldumlauf der Welt ist nach den höchsten Schätzungen so groß, wie die Goldproduktion der letzten 25 Jahre. Das bedeutet, der außermonetäre Goldbedarf ist so groß, daß er das seit Jahrtausenden aufgespeicherte Gold aufgezehrt hat. In Deutschland waren in den letzten hundert Jahren vor der Münzreform 532 Millionen Mark Goldmünzen geprägt 30 — zur Einziehung gelangten nicht ganz 100 Millionen, alle übrigen waren verschwunden. Wo bleibt das Gold? Es findet in der Industrie seine Verwendung und diese Verwendung steigt beständig. In den Vereinigten Staaten, wo man hierüber die genaueste Statistik besitzt, stieg der industrielle Goldverbrauch von 12 Millionen Dollars im Jahre 1883 auf 20 Millionen Dollars, im Jahre 1892. Die Goldproduktion der Welt wird höchstens zu 140 Millionen Dollars angenommen, den siebenten Theil davon verbrauchen nachweislich die Vereinigten Staaten zu industriellen Zwecken. Alle solche Schätzungen sind mehr oder minder willkürlich und werden nur zu oft von der Tendenz beeinflußt. Allein soviel steht unzweifelhaft fest, daß der industrielle Goldvcrbrauch ein steigender ist und den größten Theil der Goldproduktion für sich beansprucht. Die Goldproduktion selbst wird mit der ganzen Rastlosigkeit unseres Zeitalters betrieben — um so schlimmer, denn um so schneller muß ihre Erschöpfung eintreten. Gold wächst nicht nach. Ueberall ist seine Produktion schnell erschöpft worden. Es ist das keine Frage weniger Jahre und etlicher Kilogramme — wir können unser Geldwesen nicht ausschließlich auf ein Metall begründen, das schon jetzt nicht ausreicht und immer weniger ausreichen wird, wenn das Silber immer weiter verdrängt wird. In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts betrug die jährliche Goldproduktion 50 Millionen Mark. Ist es unmöglich, daß die Goldproduktion auf dieses Niveau wieder herabsinkt? Ueberall ist man in die Aera der Nachlese eingetreten, mühsam hält sich die Produktiv» noch und nur in Süd-Afrika haben Neuentdeckungen eine vorübergehende Zunahme der Produktion bewirkt. Wie groß aber müßte die Goldproduktion werden, um allen Bedürfnissen der Welt zu genügen, um alles Silber zu ersetzen? Das ist der Punkt, über den nicht hinwegzukommen ist, man mag die Thatsachen drehen und wenden wie man will. Daß die ganze Welt nervös ist, wenn Goldseudungen nöthig werden, daß die Bank von England den Diskont erhöhen muß, wenn ein paarmal hunderttausend Sovereigns abfließen, daß Oesterreich-Ungarn mit der Herstellung der Goldwährung so wenig Erfolg hat wie Italien, daß die Zahl der Staaten mit Goldvaluta sich vermindert, weil das theure Gold nur 31 von den kapitalkräftigsten Staaten aufrechterhalten werden kann, all das sind Thatsachen, die den Goldmangel offenkundig machen, man mag dagegen sagen, was man will. Die Geschäftswelt, welche hohe Diskante zahlen muß, um das Gold im Lande festzuhalten, ist nicht zweifelhaft darüber, daß Gold knapp ist. Das sich vertheucrnde Gold, eine Elle, die in sich länger wird, kann unmöglich Werthmeffer bleiben. Das schädigt alle produzirenden Klaffen und führt zur sozialen Revolution. Aber, so wird uns versichert, Silber wird in solchen Massen produzirt, daß es nicht mehr Währungsmetall bleiben kann. Wäre das wahr, so bliebe trotzdem die Goldwährung unmöglich, da Geldvertheucrung auf die Dauer unerträglich ist. Wir befänden uns dann vor zwei Unmöglichkeiten und müßten einen noch unbekannten Ausweg suchen. Zum Glück aber beruhen die Angaben über die Silberpro- duktiou auf den maßlosesten und tendenziösesten Uebertreibungen. Es wird mehr Gold als Silber produzirt! Die Goldproduktion des Jahres 1892 wird auf etwa 540 Millionen Mark geschätzt, die Silberproduktion betrug höchstens 440 Millionen Mark.*) Diese Thatsache hat die Goldwährungspartei geschickt zu verdecken verstanden, indem sie den Werth der Silberproduktion entweder zum alten Wcrthverhöltniß von 1: 15,5 angiebt, das doch gerade nach ihrer Meinung niemals wiederkehren kann, oder nach Kilogramm. Da klingt es ja nun ganz gewaltig, Produktion an Gold 200 000 Kilogramm, an Silber 4 800 000 Kilogramm, wie soll da nicht Silber sich entwcrthm? UeberdieS begeht man den Kunstgriff, die Produktions- ziffcrn seit 1860 zusammenzustellen und dann zu schließen, die Goldproduktion blieb konstant, die Silbcrproduktion hat sich verachtfacht, es ist selbstverständlich, daß das Silber sich entwerthct. Der Kunstgriff liegt darin, daß seit 1848 die enorme Zunahme der Goldproduktion begann. Vor 1848 aber bestand das Werthverhältniß von 1: 15,5 und bis dahin *) Während deS Druckes geht mir eine Darlegung eines der hervorragendsten Kenner der Edelmctallproduktion Alexander Del Mar zu, der die meist angenommenen Schätzungen des amerikanischen Münzdirektors scharf kritisirt und folgende Ziffern giebt: 1692 Gold 480 Mill. Mk-, Silber 356 Will. Mk., 1893 „ 525 „ „ „ 327 „ „ danach würden alle hier gemachten Angaben noch viel günstiger für das Silber liegen. 32 waren die Produktionsverhältnisse ungünstiger für das Silber als heut, d. h. im Verhältniß zur Goldproduktion wurde noch mehr Silber produzirt. Während sich nämlich die Silberproduktion verachtfachte, hat sich die Goldproduktion verzehnfacht. 1831—40 Goldproduktion 20 300 Kilogramm 1892 „ 196 814 1831 — 40 Silberproduktion 596 400 „ 1892 „ 4 730 647 Das Verhältniß der Edelmetallproduktion hat sich also eher zu Gunsten als zu Ungunstcn des Silbers verschoben, die Aenderung des Werthverhältnisses ist hieraus nicht zu erklären. Wie die Goldproduktion trotz ihrer enormen Vermehrung nicht ausreicht, so ist auch Silber trotz der vermehrten Produktion nicht zuviel vorhanden. Es giebt nirgends Silbervorräthe, und der Silberabsatz hat nie gestockt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die jetzige Silberproduktion nichts Bedrohliches hat. Der industrielle Silberverbrauch ist enorm gestiegen; wenn Soetbeer ihn Anfangs der achtziger Jahre auf 550 000 Kilogramm jährlich schätzte, so läßt sich jetzt fast der doppelte Betrag in Rechnung setzen. Nach Ostasien flössen 1891 und 1892 je 11 Millionen Pfund Sterling Silber allein aus England ab — es fließt aber auch Silber in sehr bedeutenden Beträgen von Australien und Amerika direkt nach Ostasicn. Afrika, das jetzt endlich der Kultur erschlossen wird, beansprucht in steigendem Maße Silber. Wo sind denn also die erdrückenden Silbermassen, die gegenüber dem Bedürfniß der ganzen Welt und den umlaufenden Silbermünzen in Betracht kommen? Und wie viel Papiergeld kann durch dann vollwerthiges Silbergcld ersetzt werden? Bei der jetzigen Silberproduktion bleiben, abgesehen von Ostasien und dem industriellen Verbrauch zum jetzigen Silberwerth höchstens 150 - 200, zum alten Silberwerth (1 :15,5) 300 — 400 Mill. Mark jährlich zu Geldzwecken für die ganze Welt frei. Hat das so etwas Erschreckendes? Kann man davon eine Geldentwerthung befürchten? Hat man da nöthig eine Kontingentirung oder Beschränkung der Silberproduktion ins Auge zu fasten? Aber die künftige Silberproduktion? Sie wird ins Maßlose steigen, den Silberwerth auf den Eisenpreis Herabdrücken, dem Silber die Seltenheit, die Voraussetzung der Geldeigenschaft nehmen. 33 Ja, wenn das richtig ist, muß jedes Eingreifen zu Gunsten des Silbers erfolglos bleiben, dann tritt der oben gekennzeichnete Fall ein, daß Gold und Silber gleichzeitig der Menschheit die Dienste versagen. Wenn man eine der älteren Währungsschriften zur Hand nimmt, so findet man, daß dieje Besorgnisse nicht neu sind — nur fürchtete man früher, die Goldproduktion würde so anwachsen, daß Gold sich cntwerthen und aufhören müsse, Gelddienste zu leisten. Ein berühmter französischer Freihändler, Michel Chevalier, schrieb ein großes Werk »tH bamss probabls 6s l'or", und kein geringerer als Richard Cobden übersetzte es ins Englische und empfahl dabei die Einführung der Silberwährung in England. Damals galten nur Silberpapiere für sicher, Silber war der „feste", Gold der veränderliche Werth. Es ist also alles schon dagewesen, man könnte jene alten Schriften heut Neudrucken und nur statt Gold immer Silber setzen und umgekehrt. Es kam aber anders als man gedacht, und so wird es auch mit dem Silber anders kommen. Die Zunahme der Silberproduktion beruht hauptsächlich auf der Produktion Mexikos und der Vereinigten Staaten, die 1892 von 4,7 Milk. Kilogramm 3,2 Mill. hervorbrachten.*) In Mexiko wird die Wcrtherhöhnng des Silbers die Produktion eher verlangsamen. Die mexikanische Silbcrproduktion hat insofern Vortheil von der Silberentwerthung, als sie mit dem cntwcrtheten Silber pro- duzirt, da Mexiko Silberwährung hat. Ihr würden durch eine Werthcrhöhung des Silbers die Produktionskosten erhöht. In den Vereinigten Staaten aber wird die Produktion, die 1892 1,8 Mill. Kilogramm auswies und einen Rückgang gegen 1891 zeigte, mit solch' rücksichtsloser Energie betrieben, daß die Wertherhöhung des Silbers diese kaum zu steigern vermag. Die Art des Vorkommens des Silbers ist in den Vereinigten Staaten eine andere wie in Mexiko, dort sind die Produktionsbedingungen dauernde, in den Vereinigten Staaten nicht. Schon ist der sprichwörtliche Silberreichthum Ncvadas erschöpft. Die Silbcrproduktion der Welt wird, was ein Glück für die Menschheit ist, eine reichliche, aber keine übermäßige bleiben. *) Noch Del Mar betrug die Silbcrproduktion in den Ver. Stauten 1892 8,7 Mill. Pfd. Sterl., 189,8 5 Mill. Pfd. Sterl-, in Mexiko „ 4.2 „ „ „ „ 3,8 „ 3 34 Man beachte, daß die Goldwährungspartei die auf wissenschaftlichen Forschungen ruhende Annahme von der Erschöpfung der Goldproduktion als „Graulichmacherei" abweist, selbst aber ohne alle Beweise mit der bloßen Behauptung der „ungeheuren" Silberproduktion die Menschheit ängstigt. Ein vollständiger Fehlschluß ist es, wenn die vermehrte Silberproduktion als Ursache der Silberentwerthung angegeben wird. Es läßt sich das ziffermäßig widerlegen. Von 1870 bis 1892 sind etwa 63 Millionen Kilogramm Silber produzirt. Rechnen wir den industriellen Verbrauch jedenfalls zu niedrig mit 700000 Kilogr., also für 22 Jahre etwa 15,4 Millionen Kilogr., so bleiben etwas über 47 Millionen Kilogr. im Werth von etwas über 8^/2 Milliarden Mark. Rechnen wir den ostasiatischen Bedarf niedriger als er thatsächlich war mit 7Vs Mill. Pfund Sterling jährlich, so erhalten wir 3,3 Milliarden Mark. Es verbleiben mithin 6 Milliarden für die Münzbedürfnisse ' der Welt in 22 Jahren. Daß die französische Doppelwährung ausgereicht hätte, das hiervon überschießende Quantum gegen Gold umzutauschen und daß ein solches überschießendes Quantum ohne den Uebergang Deutschlands zur Goldwährung wahrscheinlich gar nicht vorhanden war, liegt auf der Hand. Hätte Silber die Kaufkraft der deutschen und französischen Valuta dauernd erwerben können, so war es einfach undenkbar, daß es 50 pCt. entwertete. Nur der Eingriff der-Gesetzgebung in die Währungsverhältnisse hat demnach die Silberentwerthung hervorgerufen, diese' ist also nicht eine „natürliche" sondern eine künstliche, die Rückkehr zum alten Silberwerth demnach nicht eine künstliche Wertherhöhung sondern die Beseitigung einer künstlichen Entwerthung. Das muß man im Auge behalten, wenn man die Frage des Werthverhältnifses richtig beurtheilen will. Die Relationsfrage ist, wie bereits gesagt, keine Prinzipien- sondern eine Zweck- mäßigkeits-Frage. Am zweckmäßigsten ist das Werthverhältniß, das am leichtesten durchzuführen ist, am leichtesten durchzuführen aber ist dasjenige, das die geringsten Umwälzungen, die geringsten Verluste hervorruft und das ist 1 : 15,5, weil die großen Massen des Silbers, fast alles geprägte Silber dieses Werthverhältniß noch festhalten. Im Jahre 1890 haben wir eine große, allerdings vorübergehende Steigerung des Silberpreises ohne die mindesten Störungen er- 35 lebt. Wenn das Wcrthverhältniß von 1 : 15,5 möglich ist, so sollte es auch gewählt werden, denn jedes andere würde eine Werthzerstörnng bedeuten, die man nicht unnütz und ohne zwingenden Grund vornehmen darf. Man denke nur an die Milliarden, welche eine Umprägung der Münzen verschlingen würde. Man stelle erst wieder eine unendliche Nachfrage nach Silber her, wie sie für das Gold durch die unbeschränkte Prägbar- keit besteht, dann bleibt es auch im Werthe fest. Wenn mit dem angeblich so beständigen Golde wie mit dem Silber verfahren würde und man ihm die Münzstätten schlösse, dann würde es sich ebenso cntwerthen wie das Silber. Ich habe immer den Uebergang Deutschlands zur Goldwährung als eine historische Nothwendigkeit angesehen. Die Erfahrungen mußten erst gemacht werden, die wir seitdem gemacht haben. Seit 1880 aber ist Deutschlands Währungspolitik ebenso wie die Englands schuld an der Verschlimmerung der Währungswirren. Es war wesentlich die Haltung Deutschlands, die alle Währungskonferenzen scheitern ließ. Jetzt hängt es von Deutschland ab, wie es durch die Einführung der Goldwährung die Währungswirren verursacht hat, so durch Anbahnung einer internationalen Regelung der Silberfrage deren Ende herbeizuführen. England ist durch das Scheitern seines indischen Experiments in eine verzweifelte Lage gerathen, in Frankreich verlangt soeben die landwirth- schaftliche Gesellschaft, die dort einen ausschlaggebenden Einfluß hat, die Initiative der französischen Regierung für eine internationale Münzgesetzgebung, die Verlegenheiten der Vereinigten Staaten Oesterreich-Ungarns, Italiens sind bekannt, selbst in Dänemark verlangen die Landwirthe, daß die Regierung der Goldvertheuerung entgegenarbeite. — Die Frage ist reif, möge die deutsche Silberenquete den Stein ins Rollen bringen und Deutschland den Ruhm gewinnen, diese in der ganzen Welt so schmerzlich empfundene Kalamität zu beseitigen. Herrn Dr. Bamberger aber wünsche ich, daß er ein Zeuge davon werde, wie segensreich die Reform wirken wird, deren Bekämpfung er sich zur Lebensaufgabe gemacht hat. Die Thatsachen sollen ihn zu einem Bimctallisten wider Willen werden lassen. (Deutsches Wochenblatt Nr. 5 vom I. Februar 1894.) 3 * Anhang. Im Nachfolgenden gelangen zwei Aufsätze aus dem „Deutschen Wochenblatt" zum Wiederabdruck, welche geeignet sind, die Kampfesweise des Herrn Dr. Bamberger klarzustellen. Eine Rechtfertigung seines Vorgehens, abgesehen von dem hier abgedruckten Bries, hat Herr Dr. Bamberger nicht versucht. In Folge einer längeren Abwesenheit von Berlin bin ich erst verspätet in den Besitz des stenographischen Berichts der Reichstagssitzung vom 14. März gelangt und habe daraus ersehen, daß der Herr Abgeordnete Dr. Bamberger sich wiederum ausführlich mit meiner Person beschäftigt hat. Zu meiner Verwunderung hat der Abg. Bamberger bei dieser Gelegenheit mir Dinge in den Mund gelegt, die ich niemals gesprochen habe. Man kann doch mindestens erwarten, daß wenn im Reichstage Reden Abwesender vorgebracht werden, diese genau den gemachten Aeußerungen entsprechen. Da ich nicht annehme, daß der Abg. Bamberger absichtlich falsch zitirte, so muß ich den Vorwurf gegen ihn erheben, daß er leichtfertig verfahren ist. Der Bericht, der ihm über den Pariser Münzkongreß von 1889 vorlag, war vielleicht eine schlechtabgefaßte Zeitungsnotiz, im Reichstag aber verlas ihn Herr Abg. Bamberger unter der ausdrücklichen Erklärung, daß er dem offiziellen Kongreßbericht entnommen wäre. Als Parlamentarier hätte Herr Abg. Bamberger wissen müssen, wie Zeitungen Reden entstellen und er hätte demnach, wenn er, wie er es gethan, eine Rede von mir im Reichstag in die Debatte bringt und Schlußfolgerungen 37 gegen eine ganze Partei daran knüpft, doch vorher den stenographischen Wortlaut der Rede einsehen sollen, der nicht ein Wort von dem enthält, was darin gestanden haben soll. Ich gebe zunächst hier den Wortlaut der Ausführungen des Abg. Bambcrger: „In den letzten Debatten des preußischen Abgeordnetenhauses, auf die der Herr Abgeordnete Graf Mirbach vorhin rekurrirt hat, um uns durch die Autorität des Herrn Professors Friedberg zu erdrücken, ist auch eine merkwürdige Aeußerung gefallen, welche immer wieder zeigt, welch' leichtes Gedächtniß die Herren von der bimetallistischen Schule haben. Es wurde von einem Redner, der für die Goldwährung eingetreten, gesagt, wenn die Silberwährungsleute sich darüber beklagen, daß noch so viel Silber da sei, so seien sie doch selbst schuld daran; denn sie hätten seiner Zeit bewirkt, daß Fürst Bismarck die Silberverkäufe im Jahre 1879 einstellte. Das wies nun in jener Sitzung vorn 4. März 1893 Herr Dr. Arendt von sich ab, indem er sagte: Nun ist Herr Abgeordneter von Eynern auf die Suspension der deutschen Silberverkäufe eingegangen. Er hat die Dinge dabei recht unrichtig dargestellt und gesagt, die Bimetallisten hätten das erstrebt, sie hätten behauptet, wenn die Suspension der Silberverkäufe einträte, so würde der Silberpreis sich wieder herstellen. Herr von Eynern, das ist nicht richtig; es hat ja gar keine Agitation auf Suspension der Silberverkäufe stattgefunden, die Suspension der Silberverkäufe ist eine überraschende Maßregel gewesen, welche aus Veranlassung des Reichskanzlers und des Neichsbankpräsidentcn vorgenommen wurde. Nun, meine Herren, mein Gedächtniß mag ja auch gelitten haben, aber für manche Dinge ist es noch ziemlich stichhaltig, und als ich das las, habe ich mich erinnert, daß im Jahre 1889 von demselben Herrn Dr. Otto Arendt die entgegengesetzte Erklärung ergangen war. Der Herr Dr. Oüo Arendt war nämlich im Jahre 1889 auf dem freien Kongreß, der für die Währungsfrngc in Paris einberufen war — es wurden ja damals, im Jahre 1889, Kongresse zur Lösung aller möglichen und unmöglichen Fragen in Paris abgehalten, und Herr Dr. Arendt erschien damals als Abgeordneter des Herrn von Kardorff, wie er sich ausdrücklich qualifizirte, um im 38 Namen des Herrn von Kardorff oder, wie er sich manchmal ausdrückte, auch im Namen von Deutschland Erklärungen abzugeben. (Heiterkeit.) Ja, meine Herren, das ist keine Uebertreibung. Herr Dr. Arendt hat auf diesem Kongreß unter anderem gesagt-(Zuruf rechts.) — Ich kenne Herrn Dr. Arendt von seiner Nniversitätszeit her; ich werde ihn nicht in einer Weise angreifen, die mir eine Blöße giebt; darüber können Sie ganz ruhig sein! Ich sage ja: er ist Ihr Führer; das Meiste, was sie wissen, ist von ihm — (Heiterkeit.) Herr Or. Arendt sagte damals unter anderem, er sei von Herrn von Kardorff beauftragt, zu erklären, wenn Frankreich den Bimetallismus annehmen wolle, so werde Deutschland bereit sein, den Freihandel einzuführen. (Heiterkeit.) Wie er die Franzosen gekannt hat, daß er sie damit locken wollte, ihnen den Freihandel zu verheißen! (Heiterkeit.) Aber, meine Herren, das ist nur Nebensache. In dieser Erklärung sagte Herr Dr. Arendt aus, daß die Parteigänger, die Anhänger des Bimetallismus, reüsfirt hätten, den Verkauf der Thaler im Jahre 1879 zu sistiren. (Hört! hört! links.) Hier bringt er das als Verdienst auf, was er jüngst als von ihnen ausgegangen bestreitet. (Hört! hört! links.) Das ist nur wieder ein Beleg für die Art, wie die Herren mit Thatsachen umspringen —, nicht bewußterweise, sondern weil sie bei einem so wechselvollen dialektischen Spiel ein so gefälliges Gedächtniß haben, das sich immer den Bedürfnissen des Augenblicks anpaßt. (Große Heiterkeit.)" In völlig zutreffender Weise hat der Abg. von Kardorff sogleich in einer persönlichen Bemerkung den Scichverhalt klar gestellt, indem er sagte: „Meine Herren, ich habe nur eine persönliche Bemerkung dem Herrn Abgeordneten Or. Bamberger gegenüber zu machen. Der Herr Abgeordnete Bamberger hat behauptet, Or. Otto Arendt hätte sich auf einem gewissen Pariser Kongresse bald als mein Vertreter gerirt, bald als Vertreter des Deutschen Reichs. Meine Herren, Herr Dr. Arendt, den der Herr Abgeordnete Dr. Bamberger, obwohl jener nicht anwesend ist, sich nicht gescheut hat anzugreifen, wie ich konslatiren muß, ist damals nicht in meinem Namen hingeschickt worden, sondern im Auftrag des Deutschen bimetallistischen Vereins, dessen Vorsitzender ich war. So wird es wohl gekommen sein, daß er 39 meinen Namen genannt hat als Vorsitzenden des Vereins. Ich habe ihn mit einem Schreiben eingeführt; als mein persönlicher Vertreter hat er sich gewiß nicht gerirt, sondern nur als Vertreter des bimetallistischen Vereins. So mag es auch kommen, daß Herr Dr. Bamberger behauptet hat, er habe sich als Vertreter Deutschlands gerirt. Er hat sich als Vertreter des Deutschen bimetallistischen Vereins gerirt. Ich wiederhole: ich würde es wirklich hübsch von Herrn Dr. Bamberger finden, wenn er nicht immer den Herrn Abgeordneten Dr. Arendt heranzöge. Wenn er gemeint hat, ich hätte alles von Herrn Dr. Arendt gelernt, Dr. Arendt wäre unser Meister, wir hätten von ihm alles gelernt, so will ich ihm bemerken, daß meine Schrift über Ursachen und Wirkungen der Goldwährung geschrieben ist, ehe ich den Vorzug und die Ehre hatte, Herrn Dr. Arendt zu kennen." Allein der Abg. Bamberger antwortete hierauf: „Ich will dem Herrn Kollegen von Kardorff nur bemerken, daß mir hier das Protokoll vom Pariser Kongreß von 1889 vorliegt, und daß es darin wörtlich heißt: Herr Arendt hat Vorlesung gehalten von einem Brief des Herrn von Kardorff, einen Chefs des landwirthschaftlichen Protektionismus, der davon überzeugt ist, daß Deutschland seinen Beistand zur Währungsfrage liefern wird, wenn es auch nicht die Initiative ergreift, um ein lateinisch-amerikanisches Münzbündniß herzustellen. Mehr habe ich nicht gesagt, als daß der Herr Abgeordnete Dr. Arendt, als im Auftrage des Herrn von Kardorff erschienen, ausgetreten ist. Das steht hier wörtlich da. Ich habe auch nicht gesagt, daß Herr von Kardorff alles von Herrn Dr. Arendt weiß. Ich habe gesagt, die Bime- tallisten wissen das Meiste, was sie wissen, von Herrn Dr. Arendt. Wenn Ihnen das nicht gefällt, will ich mich korrigiren und sagen: das Beste, was Sie wissen, wissen Sie von Herrn Dr. Arendt." Ich stelle nun zunächst fest, daß die von Herrn Dr. Bamberger „wörtlich" aus dem ihm vorliegenden Protokoll vorgelesenen Worte in dem Protokoll nicht enthalten sind, welches ich hier vor mir habe und welches die stenographische Wiedergabe der auf jenem Kongreß gehaltenen Reden enthält. 40 (6on^rss raonstairs international tsnn ä ?aris Iss II.—14. Lsptsrnbrs 1889. Oornpts lisnän in sxtsnso st Dooninsnts. ?aris, llibliotirs^ns äss ^.nnalss Deonoini^nss 1890). In diesem Protokoll, S 32, findet sich der Wortlaut der r>on mir gehaltenen Rede wie folgt: Älsssisnrs, ,ss ras prsssnts ioi oonrins äolsANs äs 1a P»Ans dirnstallic^ns allsrnanäs. Ostts IniArrs rsnnit dsanoonp äs nisrnchrss äs parlsrnsnt, äs8 inän- strisls, äs8 aAriorrltsnrs, äk8 Irornrnss äs soisnos, gni sont Ions oonvsinons c^ns 1a oriss soonornic^ns c^ns nons avons spronvss P6N äs tsrnps Lprss 1'introänotion 6N ^llsinaANS äs 1'nnigns stalon ä'or, sst äns ä 1a äsprs- oiation äs l'arZ-snt gni sn a sts 1a oonssgnsnos. Hon« avons lall äs 1'aZitation äan8 os ssns, norm avon8 rsn- oontrs äs8 Partisans än dirnstallisrns äans tontss Iss parriss äs 1'.4I1srnaAns, st norm sornrnss parvsnns ä srnpsolrer 1a äsrnonstisation äs8 tlralsrs. Nais 1s Zon- vsrnsinont äs rnon pazm sorninsnos ä rsoonnaitrs 1a possilrilits ä'sta1)1ir 1s dirnstallisrns; st äss oonlsrsnoss naonstairss ont sts orZanissss äans os tont. äs vsnx äirs grr'sn .4.11sniLAns nons n'avons pas l'sspoir gns 1s diinstallisnrs pnisss s'stadlir sans 1'^.NAlstsrrs, rnais nons avons 1a oonviotion c^ns notrs Aonvsrnsrnsnt prsnära nns ästsrrnination oonlorins ä oslls c^ns prsnära 1'^.nAlstsrrs. äs äois äirs ä N. drsntsll gns, si nons soniinss protsotionnistss sn HlsrnaAns, o'sst ä oanss äs l'nni^ns stalon ä'or. II psnt assnrsr ä N. (Olaästons ^ns, äss gns 1'^.nglstsrrs ssra rsvsnns an liiinstallisins, nons ns oroirons pIns 1s protsotionnisins nsosssairs st nons rsvisnärons an lidrs solranZs. läais si l'^nZlstsrrs us rnarolls pas avso Iss antrss psnplss äans la vois äu dirnstallisrns, il n'sst pas äontsnx ponr inoi gns 1'l411s- rnaAns n'aills snoors plrm avant äans 1s s^stsins pro- tsotsnr. ä'ai 1'ironnsnr, insssisnrs, äs vorm apportsr nns Isttrs äs U. äs Xaräorä) nosindrs än parlswsnt alls- rnanä st prssiäsnt äs notrs I^iAns diinstalligns. 8i N. 1s prssiäsnt rns 1s psrinst, )s vais sn äonnsr Isotnrs. (Folgt der Wortlaut des Briefes.) 4l Es ist danach nicht wahr, daß ich „als Abgeordneter des Herrn von Kardorff", wie ich mich „ausdrücklich quali- fizirte", in Paris erschien und „im Namen des Herrn von Kardorff" oder „im Namen von Deutschland" Erklärungen abgegeben habe. Ich begann vielmehr meine Rede damit, daß ich mich als delegirt von dem deutschen Bimetallistenverein vorstellte — von Herrn von Kardorff aber sprach ich nicht weiter, als daß ich einen von ihm verfaßten Brief zur Verlesung brachte. Daß ich von Herrn von Kardorff den Auftrag gehabt hätte, zu erklären, wenn Frankreich den Bimetallismus annehmen wolle, so werde Deutschland bereit sein. den Freihandel einzuführen — auch davon ist nichts in meiner Rede zu finden. Nur anknüpfend au eine Aeußerung meines Vorredners, des Dikrektors der Bank von England Grcnfcll, habe ich meine auch in meinen Schriften wiederholt dargelegte Anschauung über den ursächlichen Zusammenhang zwischen Schutzzoll und Goldwährung zum Ausdruck gebracht. Es ist endlich in meiner damaligen Rede nicht gesagt — und das bildet den Ausgangspunkt der ganzen Bambcrgerschen Beweisführung — „daß die Anhänger des Bimetallismus reüssirt hätten, den Verkauf der Thaler 1879 zu sistiren" — der Widerspruch, den Herr Dr. Bamberger zwischen meinen Pariser Aeußerungen und meinen Ausführungen im Abgeordnetenhause vom 4. März gefunden hat, besteht nicht. Ich sagte in Paris „uous sorarll.68 ^arvsiius ä, siupsolmr iackslnoiiktisnlion clss Dlialsrs" — am 4. März sagte ich, daß die Suspension der Silberverkäufe ohne bimetallistische Agitation erfolgt sei, ich hatte hierbei lediglich den historischen Verlauf im Auge, denn meiner Ueberzeugung nach wäre es nicht ein Verschulden, sondern ein Verdienst, wenn die deutschen Bimetallisten die Suspension der Silberverkäufe durchgesetzt hätten. Allein thatsächlich beginnt eine bimetallistische Bewegung in Deutschland erst mit dem Augenblick, wo die Einstellung der Silberverkäufc bekannt wurde. Seitdem haben sich die heftigsten Kämpfe zwischen den beiden Währungsparteien hauptsächlich um die Wiederaufnahme der Silberverkäufe gedreht. Noch 1880 wurde ein Versuch durch Vermehrung der Silberscheidemünzen die Thaler zu beseitigen durch die Bimetallisten vereitelt, und ich konnte deshalb in Paris kurz und knapp aussprechen, daß die Bimetallisten wohl die Beseitigung der Thaler zu verhindern vermochten, aber nicht 42 mehr erreichen konnten, solange England sich vom Bimetallismus fernhielt. Ich hoffe, daß der Herr Abg. Bamberger, nachdem er nunmehr den Wortlaut meiner in Paris gehaltenen Rede hier gelesen hat, Gelegenheit finden wird, dasjenige zurückzunehmen, was er im Reichstage mir fälschlich in den Mund legte und womit er wiederholt die „Heiterkeit" und das „hört, hört" der Volksvertretung hervorrief. Ich habe noch eine Bemerkung hinzuzufügen. Herr Abg. Bamberger sucht seit lange geflissentlich den Anschein hervorzurufen, als ob die bimetallistische Bewegung in Deutschland lediglich auf mich zurückzuführen sei und als ob namentlich die „Agrarier" eigentlich nur auf eine Art von bimetallistischer Leimruthe gegangen seien, die ich ihnen hingehalten. Zunächst steht das schon in Widerspruch damit, daß die Suspension der Silberverkäufe ein Erfolg der Bimetallisten gewesen sein soll. Diese erfolgte im Mai 1879, meine erste Währungsschrift aber erschien im März 1880, und vor ihrem Erscheinen hatte ich keinerlei politische Beziehungen. Damals aber, vor meinem ersten Eintreten für den Bimetallismus, bestand bereits eine bimetallistische Bewegung, Herr Abg. von Kardorff hat mit Recht hervorgehoben, daß seine Schrift gegen die Goldwährung vor der meinigen und bevor irgend welche Beziehung zwischen uns bestand, erschienen ist. Ebenso fällt die erste Rede des Abg. Graf von Mirbach gegen die Goldwährung im Reichstag vor die Zeit, wo ich die Ehre hatte, mit ihm in Beziehung zu treten, und die Vereinigung der Steuer- und Wirthschaftsreformer, (Agrarier) behandelte in ihren Versammlungen die Währungsfrage im bimetallistischen Sinn lange bevor ich im Währungsstreit das Wort nahm. Ich werde es mir immer als Verdienst anrechnen, wenn es mir gelungen ist, zum Verständniß der Währungsfrage irgend etwas beigetragen zu haben, denn ich bin der Ueberzeugung, daß nichts für die Wohlfahrt des deutschen Volkes von gleicher Tragweite ist, wie die Lösung der Währungsfrage. Allein deshalb habe ich auch den Glauben, daß der Bimetallismus unter allen Umständen zur Durchführung gelangen wird, und daß die Bewegung gegen die Goldwährung eine nothwendige und eine sich beständig verstärkende sein muß. Die Bewegung ist ohne mich entstanden und sie würde ohne mich siegen; es ist eben keine künstlich geschaffene Agitation, sondern 43 eine natürliche Wirkung der durch die Goldwährung hervorgerufenen Schäden — je mehr diese fühlbar werden, um so lebhafter muß der Wunsch sich Geltung verschaffen, den einzig gangbaren Ausgang aus der Sackgasse der Goldwährung — die internationale Doppelwährung zu erkämpfen. An diesem Kampfe mich nach besten Kräften zu betheiligen, ist mir wie allen überzeugten Bimetallistcn einfach ein Gebot der Pflichterfüllung — wann die bimetallistische Wahrheit sich Bahn bricht, kann Niemand bestimmen, aber ihr die Wege zu ebnen, ist mir immer eine dankbare Aufgabe gewesen. Ich hielt diese Auseinandersetzung, welche vielleicht einen zu persönlichen Charakter trägt, auch sachlich für nützlich, weil hier einmal an der Hand einer unleugbaren Thatsache aus der Art, wie der Abg. Bambcrger mit meiner Pariser Rede von 1889 im Reichstage verfahren ist, gezeigt wird, wie die Anhänger der Goldwährung ihre Beweisführung, milde gesagt, künstlich ihren Zwecken anpassen. Es läßt sich das nicht immer so schlagend nachweisen. (Deutsches Wochenblatt Nr. 14 vom 6. April 1898.) Meine Ausführungen in Nr. 14 des „Deutschen Wochenblattes" sind in dem von mir herausgegebenen „Kampf um die Währung" abgedruckt worden. Herr Dr. Bamberger hat hierauf folgende Berichtigung eingesandt: Geehrte Redaktion! Die mir eben zukommende Nr. 2 Ihres Blattes vom 26. April enthält eine längere Auseinandersetzung mit der Ucberschrift: „An die Adresse des Abg. Dr. Bamberger." In Beantwortung derselben bemerke ich, daß die von mir zitirten Aeußerungen des Herrn Dr. Arendt auf dem Pariser Kongreß von 1889 entnommen sind dem in Broschürcnform und in der französischen Wochenschrift „D'Doonomists lranysls" erschienenen Bericht, der die Unterschrift des Verfassers, des russischen Staatsraths Arthur Raffalowitsch trägt, welcher 'elbst an diesem Kongreß thcilgcnammen hat und als Vertreter des — -s4 — russischen Reiches auch auf der letzten Brüsseler Münzkonferenz in hervorragender Weise thätig war. An der richtigen Wiedergabe dieses Berichtes zu zweifeln hatte und habe ich auch heute keinen Grund. Ich gebe im Folgenden den Wortlaut, wie er mir vorliegt und wie ich ihn im Reichstag stellenweise verdeutscht habe, wieder: „U. ^isnät, 8eorsts1r6 äs 1s, InZns sllsrnsnäs pour 1s lllrnstsllisrns International, s rsppsls gns 1'^.lls- nasAns svsit sts äotss äs 1'stslon ä'or svss uns nn- snirnits relative. nasis gns 1s oriss äs 1873, eins s l'säoption äs 1'stslon ä'or st s ls äsinonstisstion äs 1'srZsut, svsit kalt rstlsollir llssnoonp äs Asns; gns ls8 Partisans än lliinstsllisins svsisnt rsnssi s sin- psollsr 1s vsräs äss tllslsrs sn 1878 8sns <^u'il8 sisnt pn ospsnäsnt ollli^sr 1s Aonvsrnsrnsnt s prsnärs l'initistivs ä'nns oonlsrsnos intsrnstionsle. Ln ^.lls- nasZns, on n'sspersit pss sn os inoinsnt ponvoir rstslllir 1s äonllls stslon ssns 1'^.nAlstsrrs, nasis su88itot sprss 1'^NAlstsrrs 1s Aonvsrnsinsnt sllsnasnä 1s tsrs. 81 1'^.IIsrnsAns est protsotionists o'sst s osnss äs 1'stslon ä'or. ^nssitot c^ns l'llrnAlstsrrs äsvisnärs llirnstsllists, 1'^.llsinsMs rsäsvisnärs lillrs- sollsnAists. Äl. t^rsnät s äonns isotnrs ä'nns Isttrs äs N. äs Xsräortt, ä'nn äss oll st 8 än protsotioni8rns Ltzriools, oonvsinon gns l'.^llsinsAns prstsrs 80 n oonoonrs s 1'^.nAlstsrrs nasis ns prsnärs pss l'initistivs, st Partisan ä'nns liZns snisilosins-lstins- sllsrnsnäs, svso sxolusion äs l'^nZlstsrrs äont 1'sä- sonotion sst ospsnäsnt äsrnsnäss par ä'sntrss psr- 80 NN 68 . 8sn8 1s 8o1ntion äs ls gnsstion nronstsirs 11 ns ssrs sSinais possillls äs rssonärs 1s cpisstion irlsnäslss Ds llirnstsllisrns Asrsntirsit 1s psix soolsis s l'intsrisnr. Osnx c^ns oornllsttsnt 1'stslon ä'or nnigns sn ^lsnasAns, n'ont pss 1'sspoir äs triornpllsr 8SU8 1s oonoonrs äs l'strsnZsr.^ Zum Uebcrflufi finde ich aber auch gar keinen Widerspruch zwischen dem, was ich auf Grundlage dieses Berichtes gesagt habe, und zwischen dein Inhalte dessen, was Herr Dr. Arendt aus dem vou ihm angerufenen Protokoll zitirte. L. Bamberger. 45 Mir ist nicht begreiflich, wie der Herr Abg. Bamberger glauben kann, mit dieser Zuschrift das schwere Unrecht zu rechtfertigen, das er mir in der Reichstagssitzung vom 14. März 1893 durch, wie ich wiederhole, falsche Zitate angethan hat. Ich will hier zunächst nochmals nach dem stenographischen Bericht wiedergeben, was Herr Bamberger im Reichstage sagte. „Ich will dem Herrn Kollegen von Kardorff nur bemerken, daß mir hier das Protokoll vom Pariser Kongreß von 1889 vorliegt, und daß es darin wörtlich heißt: Herr Arendt hat Vorlesung gehalten von einem Brief des Herrn von Kardorff, eines Chefs des landwirthschaftlichen Protektionismus, der davon überzeugt ist, daß Deutschland seinen Beistand zur Währungsfrage liefern wird, wenn es auch nicht die Initiative ergreift, um ein lateinisch-amerikanisches Müuzbüudniß herzustellen. Mehr habe ich nicht gesagt, als daß der Herr Abgeordnete I)r. Arendt, als im Auftrage des Herrn von Kardorff erschienen, aufgetreten ist. Das steht hier wörtlich da." Wie kaün der Herr Dr. Bamberger im Reichstage erklären, daß er das Protololl des Kongresses von 1889 vor sich liegen hat, wenn er den Privntbericht eines Theilnehmers nebenbei eines der fanatischsten Goldwährungsmänner — vor sich liegen hat. Daß dieser Theilnehmer als Finanzagent später den russischen Staatsrathstitel erhielt, ändert auch nichts an der Sache. Meine Muthmaßung, daß Herr Bamberger aus einen: Zeitungsbericht zitirt, ist bestätigt, nur war es kein „schlecht gefaßter", wie ich annahm, sondern was für Herrn Dr. Bamberger viel schlimmer, ein ganz korrekter, indem sich nur ein entschuldbaresVersehen fand. WaSHerrDr. Bamberger wörtlich aus dem „Protokoll" vorliest, steht nicht einmal so in diesem Privatbericht, es ist mindestens frei übersetzt. Denn Herr Raffalowitsch schreibt: „Herr Arendt hat Vorlesung gehalten von einem Brief des Herrn von Kardorff, eines Chefs des landwirthschaftlichen Protektionismus, der davon überzeugt ist, daß Deutschland seinen Beistand an England leihen wird, wenn es auch nicht die Initiative ergreift, und der Anhänger einer amerikanisch- lateinisch-deutschen Liga ist." Es ist mindestens auffallend, wie Herr Bamberger bei der Uebersetzung die Hauptsachen anstieß und den Sinn dadurch auf den Kopf stellte. — Der Herr Abgeordnete Bamberger 46 aber hatte in seiner Rcichstagsredc nach dem stenographischen Bericht erklärt: „Herr Dr. Arendt erschien damals als Abgeordneter des Herrn von Kardorff, wie er sich ausdrücklich qualifizirte, um im Namen des Herrn von Kardorff oder, wie er sich manchmal ausdrückte, auch im Namen von Deutschland Erklärungen abzugeben. (Heiterkeit.) Ja, meine Herren, das ist keine Uebertreibung." .... „Herr Dr. Arendt sagte damals unter anderem, er sei von Herrn von Kardorff beauftragt, zu erklären, wenn Frankreich den Bimetallismus annehmen wolle, so werde Deutschland bereit sein, den Freihandel einzuführen. (Heiterkeit.) Wie er die Franzosen gekannt hat, daß er sie damit locken wollte, ihnen den Freihandel zu verheißen! (Heiterkeit.) Aber, meine Herren, das ist nur Nebensache. In dieser Erklärung sagte Herr Dr. Arendt aus, daß die Parteigänger, die Anhänger des Bimctallismus, reüfsirt hätten, den Verkauf der Thaler im Jahre 1679 zu sistiren. (Hört! hört! links.) Hier bringt er das als Verdienst auf, was er jüngst als von ihnen ausgegangen bcstreitet. (Hört! hört! links.) Das ist nur wieder ein Beleg für die Art, wie die Herrn mit Thatsachen umspringen — nicht bewußterweise, sondern weil sie bei einem so wcchselvollen dialektischen Spiel ein so gefälliges Gedächtniß haben, das sich immer den Bedürfnissen des Augenblicks anpaßt. (Große Heiterkeit.)" Von alle dem steht nun auch in den von Herrn Dr. Bam- berger jetzt mitgetheilten Ausführungen des Herrn Raffalowitsch- nicht eine Silbe, es ist freie Erfindung des Herrn Dr. Bamberger Nur in dem einen Punkt rechtfertigt ihn Raffalowitsch, daß dieser irrthümlich meine Worte, die nach dem stenographischen Bericht im wirklichen Protokoll gelautet haben „norm somiuW ps.rvsuu68 ä srapselisr 1s cksvaonstüsackiou äs8 Dkmlsrs" auf die Suspension der Silberverkäufe 1879 bezog — im klebrigen aber findet sich in dem Bericht des Herrn Raffalowitsch so wenig wie in dem wirklichen Protokoll auch nur ein Wort davon, daß ich „als Vertreter des Herrn von Kardorff" in Paris erschienen oder „im Namen Deutschlands" gesprochen ebensowenig, ivie die Lächerlichkeit, daß ich den Franzosen für Bimetallismus Freihandel angeboten hätte. Alle Behauptungen des Herrn Bamberger, mit denen er die Heiterkeit und das Hört, Hört des Reichstages hervorrief. 47 sind demnach von ihm erfunden, das „Protokoll", welches er bei sich zu haben behauptete und aus dem er angeblich „wörtlich" vorlas, war nicht das Protokoll, sondern eine Privatarbeit und wenn in dieser ein Satz anders wiedergegeben ist, wie im stenographischen Bericht des offiziellen Protokolls, so entscheidet unzweifelhaft letzteres, und Herr Dr. Bamberger wird danach zugestehen müssen, daß seine Beweisführung auch in ihrem Ausgangspunkt — ich hätte im Jahre 1889 in Paris das Umgekehrte von dein gesagt, was ich am 4. März 1893 im Abgeordnetcnhause ausführte — vollständig gescheitert ist, denn daß die Worte srnpsofisr 1a cksmoirstisabion äs l'arAsnt einen andern Sinn hatten, als Herr Raffalowitsch und nach ihm Bamberger hineinlegen, habe ich in meinen früheren Ausführungen nachgewiesen. Wenn Herr Dr. Bamberger „keine Widersprüche" zwischen seinen Ausführungen und dein Protokoll findet, so fordere ich ihn auf, aus dem Protokoll oder sonst wie nachzuweisen, daß ich mich „ausdrücklich" als Abgeordneter des Herrn von Kar- dorff „qualifizirt" und, wie ich mich „manchmal ausgedrückt", „im Namen von Deutschland" Erklärungen abgegeben hätte. Daß man in einem Parlament einen Zeitungsbericht, der nachher in Broschüren-Form erschien, überhaupt als „Protokoll" eines Kongresses zitirt, über dessen Verhandlungen ein stenographisches Protokoll wirklich existirt, ist mindestens eigenartig. Durch seinen Rechtfertigungsversuch hat Herr Dr. Bamberger seine Sache keineswegs verbessert. Sollte er im Reichstag wieder erscheinen, so wird seine Art „Protokolle" zu zitiren einigermaßen mißtrauisch gegen die Zuverlässigkeit seiner Angaben überhaupt machen. (Deutsches Wochenblatt Nr. 19 vom 11. Mai 1893.) I. E. Preuß, Berlin V., Leipzigersir. 31/82. Verlag von Hermann Walther, Berlin >V., Kleiststratzc 14. Kettfaden der Wahrnngsfrage. Von Dr. Otto Arendt, Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Zehnte, nach Aufhebung der Sherman-Bill neubearbeitete Auflage. ' 3 Bogen N>. — Preis 60 pf. Diese Schrift bietet eine knappe, wirklich gemcinsaßliche Dar- stellung der Währungsfrage und hat deshalb in Jahresfrist zehn Auflagen erlebt. Das goldene Zeitalter Ludwig Kambergers. Eine Währimgsschrift aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Von »r. Ottv Arendt, Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Fünfte Auflage, mit einem Anhange: „Aic Aufhebung der ShermM-Mill." _ 2 Dogen »o. - Preis 50 Pf. _ Wissenschaftliche Gutachten über die Währungssrage. Von Pros. W. Lexis. Göttingen, Pros. W. Scharling, Kopenhagen, Pros. Kleinwächter. Czcrnowitz, Pros. I. Conrad, Halle, uns Staatsminister Dr. A. Schaffte, Stuttgart. Vierte Auflage. 52 Seiten gr. 8". — Preis 60 Pf. Die neueste Merkrists und unser WüilMsen. Zwei mit einem Vorwort versehene Aufsätze aus den „Preußischen Jahrbüchern" von Professor Adolph Wagner. _ 82 Seiten. — Mk. 1,50 _ Bimetallismus und Monometallismus. Ihre Bedeutung und Einwirkung aus die irische Landfragc. Von IN . IVnikii , Erzbischof von Dublin. Ucbersetzt und herausgegeben von Wilhelm von Kardorff-Wabnitz. 6 Bg. gr. 8». Preis 1 Mk. Diese Schrift des hervorragenden Äirchenfürsten und führenden Politikers erschien als 17. Heft der Schriften des „Deutschen Vereins für internationale Doppelwährung". < "'Ä' Schriften über die Währungsfrage. aus dem Verlage von Hermann Walther in Berlin Alph. Allard, Direktor der Kgl. Münze zu Brüssel, Die wirthschastlichc Krisis. Autorisirte deutsche Übersetzung. 1885. 47 S. 8". Mk. 0,50. Dr. Otto Arendt, Mitglied des Hauses der Abgeordneten, Der Währungsstreit in Deutschland. Eine Antwort auf Erwin Nasse's gleichnamige Schrift. 1886. 127 S. 8°. Mk. 3,—. —„—, Offener Bries an Ludwig Bamberger. 1882. 130 Seiten 8°. Preis Mk. 1,20. A. Z- Balfour, Mitglied des englischen Parlaments, Die Währungs frage. Rede, gehalten im Llanmon-Houss in London unter Vorsitz des Lordmayors von London am 5. August 1893. Preis 50 Pf. Bericht der Königlichen Untcrsuchungs - Commission in England über die jüngsten Aenderungen in den relativen Werthen der Edelmetalle Gold- und Silber. 3 Theile. 1889. 117 Seiten und 181 Seiten 8°. Mk. 2,—. H. Vnngcroth, Die Währungsfragc. Für gebildete Laien bearbeitet. 1886. 55 S. 8°. 1 Mk. Hcnr» Hucks Gibbs, Direktor der Bank von England, Die Doppelwährung mit einer Einleitung von Henry N. Grcnfell, Gouverneur der Bank von England. Ucbcrsctzt von E. Koch-Herne- 1883. 64 Seiten M. Preis 75 Pf. Ottomar Haupt, WährungS-Politik und Müuz-Statistik. 1884. 181 S. 8°. 4 Mk. Wilh. v. Kardorff-Wabnitz, Die deutsche Landwirtschaft und ihre Zukunft. 1891. 22 S. 8°. 50 Pf. —„—, Die Währungsfrage. 1882. 22 Seiten 60 Pf. Der internationale bimetallistische Kongreß zu Köln am 11.—13. Oktober 1882..62 S. 8°. 1882 Preis 75 Pf. Lavelcyc, Emile dc, weil. ord. Professor der Nationalökonomie zu Lüttich, Das Wesen des Geldes. Ucbcrsctzt von Otto von Bar. 37 Seiten 8". 1883. Mk. 1,—. b. Mirbach-Sorquittcn, Graf, Mitglied des Reichstages, Währungspolitische Betrachtungen. 1891. 16 S. 81 Preis 50 Pfennig. Oldekop, H., Gutsbesitzer, Für internationale Doppelwährung. Erwiderung auf die Schrift des Gch.-Rath Lannhardt, Hannover, „Das Wesen des Geldes und die Währungsfrage." 1886. 36 S. 8". Preis 50 Pf. G. A. Schlcchtendahl, Gcmcinfatzliche Darstellung der Währungsfrage. Mit einem Anhang: Der gegenwärtige Stand der Währungsfragc und ihre Bedeutung sür die Landwirthschnft. 1885. 3- Auflage. 56 S. ,8». Preis 40 Pf. H. von Lydow-Dobbcrphul, Beiträge zur Währungsfrage. 1893. 50 Seiten gr. 8°. Preis 50 Pf. Die Währnngsdcbatte im Reichstag am 6. März 1885. Stenograph. Bericht mit einem Anhang: Die Rede Bambergcrs besprochen von Dr. Otto Arendt. 1885. 111 Seiten. 8». Preis 1 Mark. Verlag von Hermann Walther, Berlin ^V., Kleiststraßc 14. Deutsches Wochenblatt. Unter Mitwirkung hervorragender Parlamentarier und namhafter Vertreter der Wissenschaft und Litteratur herausgegeben von Or. Otto ,Vren,It, Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Das „Deutsche Wochenblatt" erörtert in sachlicher Weise die großen Fragen, welche den geistigen Fortschritt und die wirthschaftlichen Reformen unseres nationalen Lebens betreffen. Ueber den Stand der agrarischen und der Währungsfragc hält das „Deutsche Wochcnblatt"scine Leser stets durch orientircndc Leitartikel aus dem Laufenden. Das „Deutsche Wochenblatt" ist durch die Verlagsbuchhandlung, Berlin IV., Kleiststraßc 14, sowie durch alle Buchhandlungen und Kaiscrl. Postämter zum Preise von Mk. 3.— für das Vierteljahr zu beziehen. Probenummcrn versendet die Verlagsbuchhandlung aufWunsch kostenfrei. I. S. Prcuß, Berlin IV., Leipjigerstr. 31/32.