H Eine biographische Skizze i#:« M Otto Hartwig. Pfw Als Manuskript gedruckt MARBURG Universität«-Buchdruckeröi C. L. Pfeil 1900 > > \7 * t y \ r ji **» /A 5 W« , > V v» ( i X Z* <, > * fl >i»A -y«/ .■Oi -/ * i > /' < \ « ( ,,W' V f. I n< tf 4 4 T_ ?'*'* ? < \ h X , als ob dieser Mann, der noch dazu dem mosaischen Bekenntnisse durch seine Geburt angehörte , je hätte glauben können, es zu einer äusserlich hervorragenden Stellung im deutschen oder preussischen Staatsdienste zu bringen! Ferner hatte er Bismarcks Art, die .Menschen zu benutzen und wegzmvcrfen, früh genug erkannt und wusste* nur zu wohl, dass der Reichskanzler in Personentragen mit nickten Alles bei dem Kaiser Wilhelm durchsetzen konnte. Nach dieser Richtung hin lag sicher Bambergers Ehrgeiz nicht. Und wenn man entgegenhält, dass noch klügere Leute als er sich in der Beurtheilung ihrer persönlichen Stellung geirrt und über nahe liegende Hindernisse hinweg gesehen hätten, so darf man das dem kühlen, kritischen und ganz unabhängigen Manne, den der Machtbesitz nie schwindlig gemacht hatte, nicht Zutrauen. Richtig ist, dass er stets viel lieber den Staatswagen mit der Regierung den Berg in positiver Mitarbeit hätte hinaufziehen helfen, als bei der Thalfahrt als Hemmschuh zu dienen und sich zerreiben zu lassen. Aber er wollte lieber sich und den Interessen des Reiches, wie er sie verstand , treu bleiben, als mit dem Strome schwimmen. Er wusste sich hierbei mit Anderen zu trösten, denen es nicht besser als ihm ergangen ist. Nur auf seine sociale Stellung in den besten, wenn auch nicht ofüciellen Kreisen Berlins legte er in den späteren Jahren noch Werth. Und auf sie konnte er eben so stolz sein wie auf sein Ansehen im Reichstage. Er galt als einer der am aufmerksamsten gehörten Redner des Hauses. Sprach er auch zu verschiedenen Yer- handlungsgegenständeu stets eingehend und sachkundig, so beanspruchte er doch für sich ausdrücklich nur in zwei allerdings wichtigen Fragen vollkommene Oompetenz: in den ') Zur Naturgeschichte des französischen Krieges. S. t)4. 38 Währungs- und Nankfragen. Diese hatte er theoretisch wie praktisch studirt, und im Parlamente wenigstens batte er keinen Rivalen, der ilnn in ihnen gewachsen gewesen wäre. Wäre man hei ihnen, namentlich in den späteren Jahren, seinem Urtheil gefolgt, so wären dem Reiche manche schwere pecuniiirc Verluste und dem Reichstage viele vergeudete Stunden erspart gebliehen. Ist er es doch auch gewesen, der die traurigen Folgen der so plötzlichen Ueberleitung der französischen Milliarden in den deutschen Yolkskörper, der eine solche Zufuhr nicht werde ohne Erkrankung aufnehmen und solid verarbeiten können, ganz bestimmt vorhergesehen und davor rechtzeitig gewarnt hat! — Ehe wir nun auf die politische Thätigkeit, die Nürnberger in den nächsten Jahren im Interesse des Reiches entfaltete, und auf die einzelnen parlamentarischen Actionen eingehen, mögen die literarischen Arbeiten, die in den ersten Jahren nach der Rückkehr in die lleimath entstanden, zusammengefasst werden. Denn aus ihnen sind die Voraussetzungen seines Wirkens am besten zu erkennen. Ueber die politische, namentlich die parlamentarische Situation in den Jahren 1868—70 gehen die 16‘) „vertraulichen Briefe aus dem Zollparlamente“, die Bamberger formell an seine Wähler richtete, aber in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte, erwünschte Auskunft. Der an Arbeit von jeher gewöhnte, lebhafte, durch die neuen Aufgaben stark angeregte Mann wollte auch ausserhalb des Parlamentes auf die gesummte Volksstimnumg einwirken. Und da seine Feder, wie es in der Vorrede zu der Arnold Rüge gewidmeten Sammlung dieser ungezwungenen Berichte heisst, „nun einmal leider nicht aus dem Holze geschnitzt ist, auf Welchem die wohlbeleibten Bände wachsen“, so Hess er sie „für die ihn besitzende Gegenwart“ laufen. Dadurch verdanken wir ihm lebhafte Bilder aus diesen drei Vorbereitungsjahren der Gründung des deutschen Reiches, in denen das Zollparlament sich ') Die ersten 15 stellen in Hand IV der Gesammelten Schriften, der sechszelmtc ist Hand T S. 444 nnchgeholt. 39 zum A'ollparlament auswachsen sollte, Gleichzeitig erfahren wir aus ihnen, welchen Eindruck die deutschen Angelegenheiten auf Hamburger machten, als er sie nun aus nächster Nähe beobachten konnte. Die süddeutschen Partieularisten schwarzer und rotlier Färbung waren durch das Jahr 1866 keineswegs eines Besseren belehrt, ja hier und da noch trotziger geworden. Ihnen gilt daher zunächst der ganze Zorn des Briefsehreibers. Kaum ist wohl auch diese aus Jesuiten und Demagogen zusammengesetzte Gesellschaft mit ihrer Antipathie gegen jeden lebenskräftigen Staat, der sich von ihrem persönlichen Getriebe nicht befriedigen und beherrschen lässt, besser gezeichnet und vor der Welt ge- geisselt worden, als in dem ersten Brief (Ges. Sehr. IV, 181) geschehen ist. .Alan verzichtet heutigen Tages doppelt ungern darauf, die schlagenden Ausführungen auszuheben. Aber auch vieles fand er an dem Preussischen Staatsorganismus, seiner gegenwärtigen Regierung und der Art, wie man das Parlament behandele, zu tadeln. Dem Freigeiste, der „die Freiheit als die Tochter der Philosophie ansah“, und der sich für Friedrich II. erwärmte, erschien „das pfäf- iische Lutherthum als das schlimmste Gift im Blute des preussischen Staates“. Die Macht , die es in den obersten Regionen ausübe, galt ihm als eine für jede gesunde AYe-iter- entwieklung höchst gefährliche. Sprach er sich ferner entrüstet über „den Götzendienst aus, der jetzt wieder mit dem Kriege getrieben werde“, so war er jedoch keineswegs ein Gegner des preussischen Soldatenthums. Wie alles in seiner AA r eise Tüchtige wusste er auch dieses zu schätzen, und dass es unentbehrlich sei, hatte er den mit dem Pfeil und Bogen coquet- tirenden süddeutschen Brüdern oft genug sagen müssen. Auch den ächten preussischen Junker, „diese Mischung von stuarti- sclieni (Javalier, von preussischem Lieutenant, von deutschem Feudalherrn, von spanischem Don Quixote“ 1 ), wollte er doch von dem französischen Hobereau geschieden wissen. Das musste er schon Bismarcks wegen thun, der doch aus ihm ') Herr voll Bismarck, S. 8. 40 hervorgegangen und damals wahrlich kein ..Krautjunker'’ war. Doch fand er, dass der süddeutsche Adtd im allgemeinen „eine viel wärmere Temperatur besitze, die ihn viel menschlicher mache als den des deutschen Nordens und namentlich Preussens“. Und doch hatte eben ein Mitglied von diesem es ihm angethan wie kein anderer Mensch. Denn man darf wohl sagen, dass kaum ein anderes Problem den beweglichen und scharten, billig denkenden und feinfühligen (leist Bamberger's so lange und so tief beschäftigt hat, als das, den (Iründer des deutschen Meiches richtig zu erfassen und ihm gerecht zu werden. Als er seine politische Schriftstellerei wieder aufgenommen hatte, trieb es ihn zunächst an, den Franzosen das Yerständniss für den Mann, der das neue deutsche Keicli schaffen sollte, und damit zugleich ein Yerständniss für die nationale Einheitsbewegung der deutschen Nation zu ermöglichen. Aus Deutschland im Spätherbst 1867 nach Frankreich zurückgekehrt, schrieb er in dem Seebade Trouville seinen Essay: Monsieur de Bismarck, „ein Buch, auf das ich stolz bin“, wie der Geschilderte in der Meiehstagssitzung vom 14. Juni 1882 selbst sagte *). In der Revue moderne im Februar 1868 zuerst erschienen, wurde im Juni des Jahres eine Separatausgabe von ihm veranstaltet, die dann im 3. Bande der „Gesammelten Schriften" wieder abgedruckt ist. Eine deutsche Febersetzung, welche Bamberger durch eine inhaltsvolle Einleitung: Deutschland, Frankreich und die Revolution und durch einen Nachtrag vermehrte, erschien in Breslau im Herbste desselben Jahres 2 ). Eine englische Uebcrsetzung. welche Charles Fee Lewes besorgte, erst im folgenden. Das Werkelten beruht nur auf dem Eindrücke, den die Thntcn und Reden Bismarcks auf seinen Autor gemacht batten. Mündliche Mittheilungen von Eingeweihten waren freilich hinzugekommen. Nichtsdestoweniger ist die „wunderbare Richtigkeit" der Zeichnung schon hier frappant. War Bismarck für Bamberger. schon ehe er ihn gesehen batte, „ein höchst interessanter Mensch" ge- *) Risninreks politische Reden, IX S. 411). Weifen dieser Ziithatcn citire ich nach dieser Ausgabe. 41 worden, was nachgerade, wie er etwas spöttisch hinzusetzt (1867), auch seine deiner oinriiumen würden, so wurde er für ihn, nachdem er ihn an der Arbeit gesehen und mit ihm zeitweise intim verkehrt hatte, ein noch viel wichtigeres Object seines intensivsten Nachsinnens. Und das schon aus dem einfachen Grunde, weil er sein eigenes politisches Verhalten auf einer möglichst vollkommenen Erkenntniss der Natur dieses Mannes aufbauen musste. Das stille Vergnügen des nachschaffenden schriftstellerischen Künstlers hat dann noch dazu beigetragen, ihn immer wieder zu neuem Kindringen in die iiusserst complexe Natur des grossen Mannes anzuregen. Ihn reizte dabei noch die schon früh gemachte Hochachtung, dass auch Bismarck sich nicht dem Naturgesetze entziehen konnte, „welches den auffallendsten Widersprüchen gestattete, sich in ein und demselben Individuum zusammen zu finden“. So hat er denn auch, nachdem ihm selbst der Tod schon leise gewinkt hatte, noch seine letzte schriftstellerische Arbeit der Charakteristik seines grössten Zeitgenossen nach dessen Tode gewidmet. Gewiss, es lassen sich Schwankungen in dem Urtheile Hamburgers über Bismarck nachweisen. Hei keinem Menschen bewegt sich das Urtheil über einen Zeitgenossen, mit dem man ein Menschenalter lang zu leben und viel zu streiten gehabt hat, in Einer Richtung und auf derselben Höhe der Stimmung. Und wie wäre das einem Kämpfer gegenüber möglich gewesen, „der sich sehr klar bewusst war. dass er einem politischen Gegner gegenüber nicht gerecht sein darf, so lange er mit ihm streitet“ (Ges. Sehr. V,47i, und der in der Wahl seiner Waffen nicht ängstlich war. Doch sind diese Schwankungen keineswegs sehr tiefgehende gewesen. Sie liegen in der ersten Schrift schon angedeutet vor. Aber niemals ist Bamberger von seiner Bewunderung der Grosstlmten Bismarcks zurückgekommen. Bedenkt man, dass er 1890 nach der Entlassung Bismarcks gegen dessen Verkleinerer schreiben mochte: „Rreussen hätte drei Moltkes und dreimal so grosse Heere haben können: ohne den Kopf Bismarcks wäre die Tliat (die Gründung des Reiches) nie vollbracht worden“, und nimmt hinzu, was er 42 nach dem Tode „des geistbegnadigten Mannes" in seinem Bismarck posthumus iz. 1». »S. 56) ausgeführt hat, so wird man ihn wahrlich nicht in die Klasse der Thorsites verweisen dürfen. Aller die deutsche Liehe ist heiss und leidenschaftlich, und die naive Unwissenheit in politischen Dingen hei uns noch sehr gross. Dazu kam das Verlangen in den weiten Kreisen des deutschen l’hilisteriums, einen Unfehlharen zu haben, dessen Führung man sich zur eigenen Bequemlichkeit ruhig überlassen könne. Fs wurde daher bald jeder, der irgend eine nach den bisher geltenden sittlichen Anschauungen noch so begründete Ausstellung an dem „gewaltigen Erdensolme“ zu machen hatte, des Verrathes an der Nation geziehen und dessen Einsprache auf die kleinlichsten Motive zurückgeführt. Sicher, wenigstens was Bamberger betrifft, mit vollem Unrecht. Denn in diesem Funkte hat es vielleicht kaum zwei entgegengesetztere Naturen gegeben als Bismarck und Bamberger. Wird man von dem einen sagen dürfen, dass es schwerlich einen grösseren Hasser als ihn gegeben habe, so wird man dem anderen glauben können, dass er bei allem Eifer, aller Zähigkeit und Geschicklichkeit, seine Ueberzeugungen zu verthei- digen und die schwachen Seiten seiner Gegner zu erkennen und anzugreifen, doch von persönlichem Hasse weit entfernt war. Mit vollkommener Wahrhaftigkeit hat er in seiner Selbstbiographie S. 125 hierüber gesagt: „So heftig auch noch in spätere Jahre hinein das Feuer der Polemik in Beile und Schrift auilodern konnte, einen persönlichen Hass, dessen Ingrimm bei der Niederlage oder dessen Wonne beim Sieg über den Feind ausbrach, habe ich nie an mir erprobt. Ich hatte mich von lange her auf dem Wege des Nachdenkens zu sehr darauf dressirt, in dem Individuum keine causa sui zu erblicken, und diese Gewohnheit schadete mir nicht selten, weil sie mich hinderte, mich wahrhaft zu erbosen . L: Desshalb war er auch darin sehr behutsam, seinen Gegnern rein per sönliche Motive unterzuschieben. Als einmal in meiner Gegenwart im kleinen Kreise die Frage aufgeworfen wurde, ob nicht gewisse Führer der deutschen Silberleute von den Besitzern der grossen amerikanischen Silberminen bezahlt würden. 43 verneinte er das mit dem Bemerken: „Ich bin sehr vorsichtig mit solchen Beschuldigungen, seitdem man mir nachgesagt hat, ich sei an Nickelbergwerken betheiligt, weil ich für die Einführung des Nickels in unser Münzsystem gewirkt habe“. Er empfand in allen diesen Beziehungen ganz anders als die leichtfertigen Erfinder derartiger Unterstellungen, die Bücher, Busch und Consorten. Und nur selten erboste er sich über Verläumdungen in dem Maasse, dass er von der „rheinischen Cloac-a maxima“ derselben reden konnte. Dieser philosophische Gleichnmth — eine Frucht seiner spinozistischen »Studien —, mit dem er den Gang der Welthändel befrachtete und seine persönliche Stellung zu ihnen nahm, verhinderte ihn aber nicht im geringsten, tliätig und rührig in sie einzugreifen. Nichts war ihm verhasster als quietistische Buhe und Weltflucht. Er war und blieb ein Optimist, aber keiner, der da meinte, die Dinge würden sich von selbst machen, man dürfe sie nur laufen lassen. Wäre das Unheil auch nicht ganz zu verhindern, das -war seine Maxime, so müsse man ihm doch immerhin so viele Gräben als möglich verschliessen, dass es sich nicht allzuweit verbreite. War auch das nicht mehr möglich, so dachte er wohl mit Maehiavelli, den er so eifrig studirt hatte: Wenn Unheil naht, Wohl nalit’s zu jeder »Stunde, Schling es hinab wie bittere Arzenei: Ein Thor ist’s, der sie kostet mit dem Munde. Und wenn er am Ende seiner Tage auf die Entwicklung iles deutschen Reiches in seinen ersten drei »Jahrzehnten zurückblickte, durfte er dann nicht trotz so vielem, das ihm um des Vaterlandes willen nicht gefiel, doch mit einigem Selbstgefühl sagen, dass er das Kommen davon bestimmt, wenn auch nicht in so schreckhafter Ausdehnung, vorhergesagt habe? Im Jahre 1868 (Herr von Bismarck »S. 127) hatte er in scherzhaft-warnendem Tone geschrieben: „Aber gesetzt , der siegbeladene Gebieter dächte in der parlamentarischen Verfassung auch nur seine Magd geheirathet zu haben, welche ihm zu Hause bescheiden im Kleinen dienen sollte, damit er draussen im Grossen erobere, so sollte er 44 nicht vergessen. dass selbst wer seine Magd zum "Weibe nimmt ihr von Hechts- und Naturwegen um seiner selbst willen ebenbürtigkeitsgemässe Achtung gelobt. und dass die gemeinsame Nachkommenschaft nur verwildern und verwahrlost werden kann, wenn die Mutter im Hause nicht geehrt wird. 1- Und als nun der Schöpfer des deutschen Reiches am Ende seiner politischen Laufbahn sich auf immer • von dem deutschen Reichstage trennen musste, in dem „die Reichsfeinde“. das ('entrinn, schon seit Jahren „Trumpf“ geworden waren, die Socialdemokraten in hellen Haufen sassen und das Nesthäkchen des alten Kanzlers, die agrarische Demagogie, mit allen Untugenden eines verzogenen Kindes sich breit machte, als der deutsche Reichstag an jenem Märztage 1890 lautlos und still die Abdankung seines Urhebers einfach zur Keuntniss nahm, und dieser tief grollend nach dem Sachsenwalde abfulir, durfte sich da nicht Bamberger fragen: Ist diese unter Deiner Pflege erwachsene Nachkommenschaft in der That nicht verwildert und verwahrlostV und zur Ueber- zeug'img kommen, dass auch für Bismarck, noch mehr als für ihn, die Dinge ganz anders gekommen seien, als er sie sich je gedacht habe? Aber nur mit kümmerlicher Denugthuung hat ihn das erfüllt, namentlich da er die Schuld vor Allem weniger in der Hybris des Einen, „als in der mangelhaften politischen Veranlagung des deutschen Bürgerthums“ erkannte (Bismarck postlmmus S. 63). In der Hoffnung auf dieses hatte er sich allerdings in der Zeit stark getäuscht, als ihm Bismarck im Jahre 1868 im Zollparlament zu seinem ersten parlamentarischen Siege verhalt'. —- Bamberger war der im November 1866 von seinen Freunden von Unruh u. s. w. gegründeten nationalliberalen Fraktion beigetreten. Bald gehörte er zu den einflussreichsten Mitgliedern derselben. Zwei Fragen besonders zu betreiben, lag ihm sofort nahe. Der Wahlkreis, in dem seine Wiege gestanden hatte, gehörte zu dem (frossherzogthum Hessen, dessen politische Lage durch die Ereignisse von 1866 wie keine andere eines deutschen Staates zu einer monströsen geworden war. Halb zum norddeutschen Bund gehörig, halb ausser ilmi liegend, durch eine Militärconvention ganz an Preussen gekettet und durch das Zollparlament mit dem übrigen Deutschland verbunden, war es gänzlich zerrissen. Nichtsdestoweniger behauptete sich in ihm unter dem Minister von Dalwigk ein Regiment, das zu den antinationalsten von ganz Deutschland gehörte. Das war für den Unitarier Bam- berger Grund genug, immer von Neuem auf die Unhaltbarkeit dieser Zustände hinzuweisen. Gontlicte zwischen der (Gesetzgebung des Grossherzogthums und der des Zollvereins blieben nicht aus. Mit Bezug auf einen solchen stellte Bamberger am 18. Mai 1868 im Zollparlamente den Antrag, den Bundesrath des Zollvereins zu ersuchen, den Beschwerden abzuhelfen, zu denen die Herabsetzung der Weinzölle durch das Zoll- parlament gegenüber dem im Grossherzogthum bestehenden .Systeme der iiulirecten Steuern geführt habe. Da der wiirtem- bergische ultramontane Demokrat Probst in diesem Anträge eine Beeinträchtigung der süddeutschen Souveränität entdeckte und mit der Lawine drohte, die an den Bergen über Deutschland hänge, führte das zu einer der bewegtesten und stolzesten Kundgebungen, welche die Geschichte des deutschen Parlamentarismus zu verzeichnen hat. Bismarck rief dem Schwaben entgegen : „Der Appell an die Furcht hat in deutschen Herzen niemals Wirkung“, und der gefeiertste Redner Süddeutschlands, Volk, verkündete: „Jetzt ist Frühling geworden in Deutschland“. Bambergers Antrag drang darauf leicht durch. Aber nicht nur mit den Angelegenheiten seiner engeren Heimath beschäftigte sich der Abgeordnete von Mainz im Zollparlamente. Sein Sinn war auf Höheres gerichtet. Er warf sich auf die Frage, mit der dann später sein Name für immer verbunden bleiben sollte, auf die deutsche Münzreform. Diese war schon von dem deutschen Handelstage auf Betreiben Dr. Ad. Soetbeer’s hin angeregt worden, und eine auf sie bezügliche Petition lag dem Zollparlamente 1869 vor. Eine kleine Fraktion süddeutscher national gesinnter Abgeordneter nahm sich derselben besonders wann an und trat für die Herstellung der Münzeinheit, auf Grund des Decimalsystems und — 46 für die Anbahnung der Goldwährung;, wo möglich nach Verständigung mit den übrigen Nationen über sie, ein. Allein es fehlte die Zeit, diese schwerwiegende Petition in einer ihrer würdigen Weise zu behandeln. Da der Schluss des Parlaments auf den 22. Juni festgesetzt war, so beschränkte sieh Bamberger darauf, an diesem Tage mit wenigen Worten die Petition zu empfehlen und eine Fürsprache für die Inbetracld- nahmc der Goldwährung einzulegen. Seine Worte tielen auf so guten Boden, dass die verbündeten Regierungen aufgefordert wurden, „sieh endlich einmal mit einer deutschen Münzreform ernstlich zu befassen“ (Ges. Sehr. IV, 177). Dazu waren sie auch gern bereit. Hatten sie doch schon durch Beschluss vom 3. Juni 1869 für den Herbst 1870 eine umfassende Knquete über die Miinzfrage angeordnet. Der grosse Krieg verhinderte zwar die Ausführung dieses Beschlusses, erleichterte dann aber die Durchführung der Sache bedeutend. Nachdem im Alai 1870 die dritte Tagung des deutschen Zoll- pariaments geschlossen war, begab sich Bamberger im Juni nach Paris, um alte Angelegenheiten zu ordnen (Ges. Sehr. I, 418). Schon Anfang Juli war es ihm nicht mehr zweifelhaft, dass der Krieg gegen Deutschland in den entscheidenden Kreisen Frankreichs eine beschlossene Sache sei. Da die deutschen Zeitungen die spanische Affaire nicht ernst genug nahmen und Bamberger unmöglich über sie telegraphircn konnte, schrieb er an einen Freund, den Geh. Justizrath Bulling — einen seiner zwei Göttinger Stubengenossen —, der in Oberstein, der französischen Grenze benachbart, wohnte, damit er sofort über die Gefahren der Lage an den Bankier Adalbert Delbrück, den Vetter des Präsidenten des Bundeskanzleramtes, nach Berlin telegraphire. Das ist auch geschehen. Auch noch auf anderem Wege verbreitete Bamberger die Kunde von dem drohenden Ausbruche des Krieges. Um ihm zu entgehen, eilte er selbst rasch nach Deutschland zurück und begab sich nach Mainz. Hier wirkte er zunächst nur im patriotischen Sinne in der Tagespresse und verkündete den Wegfall der .Mainlinie innerhalb Deutschlands: „Die Lokomotive am Main hat Kohlen und Wasser gefasst; Napoleon lia.t gepfiffen. wir fahren zu, und "liirkliclie Heise, Kronprinz von l’reussen P ; Am 2. August kam dann König Wilhelm mit seinem Hauptquartiere und dem Hundeskanzler in Mainz an. Sofort setzte sich Bamherger mit diesem in Verbindung und hatte wiederholt vertrauliche Besprechungen mit ihm. Am 7. August stellte Bismarck ihm dann den Antrag, ndt dem Hauptquartiere in Frankreich einzuziehen; er sollte dessen Verbindung mit der Presse unterhalten. Trotz schwerer Bedenken nahm Bamherger an und fuhr in Einem Eisenbahncoupe mit dem Kanzler von Mainz ah. Die Motive, welche ihn bestimmten, jetzt feindlich gegen Frankreich aufzutreten, hat er uns seihst entwickelt (Des. Sehr. 1,424). Diese Aufzeichnungen enthalten überhaupt werthvolle Beiträge zur intimen Beschichte dieser Tagt* und legen uns die damaligen politischen Ansichten des Kanzlers dar. Vom 14.—20. August befand sich das Hauptquartier in l’oid ä Mousson. Von dort wurde Bamherger mit dem zum l’räfecten von Nancy designirten Braten Henard dorthin gesendet und dann nach Hagenau beordert, um eine officielle Zeitung für das Flsass einzurichten. Nachdem dieses besorgt war, ging Bamherger nach Baden-Baden mul dann nach Heidelberg. Unter den Bureaukraten in Hagenau hehagte es ihm nicht. Fr stand dort auch den grossen Welthändeln 7.u fern, während er von Heidelberg aus mit seinen nächsten Parteigenossen und Freunden, die damals Siiddentschland bereisten , um den Anschluss desselben an Norddeutschland und die Oriindung des deutschen Kaiserreiches vorzubereiten, einen lebhaften Briefwechsel unterhielt. Um auf diese auf eigene Faust politisch thätigen Volksvertreter Einfluss zu gewinnen und nicht etwa einander entgegenwirkende politische Actionen aufkommen zu lassen, berief Bismarck Bamherger am 27. Ortober zu sich nach Versailles. M. Busch hatte diese Aufforderung als eine Erwiderung auf einen Brief Bambergers schreiben müssen, der u. A. die Verhaftung Dr. .lakobv's missbilligt und den Kanzler aufgefordert hatte, seinen entscheidenden Einfluss wenigstens auf Herstellung eines einheitlichen Bundesstaates geltend zu machen. Ueber die Ver- 48 fassungsfrage und die gesummte politische Situation unterhielt sieh dann auch Bismarck sehr eingehend wiederholt mit Bam- berger. Der politische Idealismus Laskers, der alle tliat- sächlicheu Schwierigkeiten iibertiog und doch wieder auf der anderen Seite dem Particularismus zuviel coucedirte, war Bismarck besonders verhasst. Um ihn und die übrigen Führer der nationalen Partei im Reichstage, die gegen die abgeschlossenen Verträge zu stimmen Willens gewesen waren, hiervon abzuhalten, sendete Bismarck dann Anfangs December Bamberger hinter dem Freiherrn von Roggenbach her nach Berlin. Als Bamberger am 7. December dort ankam. fand er schon alle Gefahren zerstreut und ging dann nach Mainz und von da zu Weihnachten zu seiner Frau nach Lausanne, wo sich ihm eine Gelegenheit aufdrängte, sich in die ungebahnten Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich cinzumischen. Der Versuch verlief aber resultatlos im Sande. Für den 3. Mürz 1871 waren die Neuwahlen zu dem deutschen Reichstage, in dem sich nun die Vertretungen des Norddeutschen Bundes und des Zollparlaments auf Grund der neuen Reichsverfassung zusainmenfanden, ausgeschrieben. Dank der gehobenen patriotischen Stimmung wurde es jetzt nicht so schwer, die Wahl Bamberger’s in Mainz durchzusetzen, als drei Jahre zuvor. Der Gewählte begab sich nach Berlin in der Absicht, nun dort an dem Mittelpunkte der deutschen Politik seinen Wohnsitz dauernd aufzuschlagen. In der stillen Margarethenstrasse Nr. 18 miethete er sich in einem freundlichen zweistöckigen Hause ein, das er später erwarb und bis zu seinem Tode bewohnt hat. Nachdem er sich im Sommer 1875 in Interlaken eine kleine, durch schöne und dichte Coniferen von dem Fremdentrubel abgesperrte Villa erworben hatte (Ges. Sehr. 1,452), pflegte er in ihr die Sommerzeit, in der die Staatsmänner und Parlamentarier „umgekehrt zum Dachs und ähnlichen Geschöpfen ihren periodischen Schlaf abhalten“ (Ges. Sehr. IV, 264), zu verbringen. Er hat sich dort unter seinen neuen Mitbürgern gute Freunde zu verschaffen gewusst und dem Gemeinwesen so gute Dienste er wiesen, dass die Interlakener ihn gern zu ihrem Ehrenbürger 49 gemacht hätten. Das scheiterte jedoch daran, dass der deutsche Reichslmrger kein schweizerisches Indigenat erwerben, also auch nicht Ehrenbürger von Interlaken werden konnte. — in der ersten Session des deutschen Reichstages (4. März bis 15. Juni 1871) trat Bainberger parlamentarisch nicht besonders hervor. So wichtig ihre Verhandlungen an sich waren, so konnten sie den an sie geknüpften Erwartungen nicht entsprechen. Litten sie doch natürlich unter der Nachwirkung „der alles Masses spottenden Ereignisse“ des Vorjahres erheblich. Um ihnen gegenüber den rechten Massstab linden zu lassen, schrieb daher Bambergcr in „lloltzen- dorffs Jahrbuch für die Gesetzgebung des deutschen Reichs“ 1871 eine Art raisonnirenden Bericht über sie, der weit entfernt von der Lebhaftigkeit der „Vertraulichen Briefe aus dem Zollparlamente“, fast geschäftsmässig belehrenden Inhalts ist und die Beschlüsse des Reichstags von dem Standpunkte der Majorität desselben aus beleuchtet. Bedeutender als in der ersten Reichstagssession war die Thätigkeit und das persönliche Eingreifen in die parlamentarischen Verhandlungen von Seiten Bamberger’s in der zweiten, die vom 16. Oktober bis zum 1. Dezember dauerte. Kam doch in ihr eine Frage zur Entscheidung, in der im Parlament kein Anderer so competent war als eben er. Am 7. November erfolgte die Vorlage des Münzgesetzes für das deutsche Reich. Am 17. und 18. November war die zweite und am 23. die «Iritte Lesung desselben. Es ist hier nicht der Ort, die Thätigkeit zu schildern, welche Bamberger für die Durchbringung und Ausgestaltung des neuen Münzgesetzes im Reichstage entfaltete, und auch nicht nöthig, die zahlreichen Aufsätze, Reden und Journalartikel, in welchen er für dasselbe gegen die Angriffe, namentlich von Seiten der Feinde der Goldwährung, bis an sein Lebensende durchaus sieg- und erfolgreich eintrat, im Einzelnen aufzuzählen. Es würde das hier einen zu grossen Raum beanspruchen und ist zur Zeit auch um so weniger nothwendig, als wir in dem vortrefflichen, alles Notlüge actenmässig belegenden Buche von K. Helfferich, Geschichte der deutschen 4 50 Geldreform, schon hierüber unterrichtet sind 1 ). Nur das »Schluss- urtheil dieses Autors, in dem er die Verdienste Bamberger’s zusammenfasst und darauf mit denen eines anderen ausgezeichneten Münzpolitikers, des l)r. Soetbeer, vergleicht (»S. 175), mag hier eine Stelle timlen: „Im Reichstage hatte die Goldwährung an Ludwig Bamberger einen energischen, fachkundigen und gewandten Vertreter, dessen Autorität auch von seinen Gegnern — wenigstens damals noch —• völlig anerkannt wurde 1 . Seim; führende Stellung in der stärksten Partei des damaligen Reichstages. seine Beredtsamkeit und schliesslich auch das Ansehen, welches er bei den leitenden Männern der Reichsregierung, insbesondere bei Delbrück und bei Bismarck selbst genoss, sicherten ihm einen grossen Einfluss auf die Münzgesetzgebung. Konnte Bamberger mit dem Erfolge auf diesem Gebiete seiner Tlnitigkeit durchaus zufrieden sein, so nicht weniger auf einem anderen, das mit diesem aufs engste verknüpft war. Um die Münzfrage, über welche keine allzu grosse Meinungsverschiedenheit damals, weder hei den Regierungen noch innerhalb des Reichstages, bestand, vorwärts zu bringen, hatte man die Reform des Papiergeldes und der Notenhanken zurückstellen müssen. Nachdem aber jene gelöst war, galt es, auch diese unter Dach zu bringen. Und hierbei hat auch wieder Bamberger die grössten Dienste im Interesse der »Sache und der Verwirklichung der Reichseinheit geleistet. Der preussische partieularistische Finanzminister Oamphausen wollte nichts von einer Reichsbank, welche das centrale Geldinstitut Deutschlands bilden sollte, wissen, sondern strebte eine Frweiterung der Preussisehen Bank an. Als aber nach Erledigung der Papiergeldfrage im Mai 1874 ein hierauf gerichteter Gesetzentwurf nach langen Berathungen, deren Geheimgeschichte uns Bamberger in seinen beiden Aufsätzen; Zur Embryologie und Zur Geburt des Bankgesetzes erzählt hat (Ges. »Sehr. IV, 251 u. f. und 277 u. f.), dem Reichstage ’) »Seitdem dieses geschrieben ist, hat I)r. 11. sieli um das Andenken B.’s dadurch verdient gemacht, dass er eine Sammlung von dessen parlamentarischen Reden über Währung und Bankwesen mit einer grossen Einleitung: „Bamberger als AVährungspolitiker“ herauszugeben begonnen hat. endlich zuging, und im November 1874 zur Verhandlung kam, beschloss die vom Reichstage zur Vorberathung desselben eingesetzte Commission mich einer „bedeutenden“ Hede Hamburgers die .Schaffung einer deutschen Reichsbank. Auf die Anträge dieser Commission hin, als deren Referent Bamberger fungirte, erklärte sieh dann der Reichstag in dritter Lesung für die Schöpfung einer deutschen Reichshank (30. Januar 1875). Der Bundesrath Hess sich überzeugen und am 14. März 1875 wurde das hierauf bezügliche Gesetz vom Kaiser vollzogen. Mit Recht durfte Bamberger damals schreiben: „Der Parlamentarismus ist am Ende doch nicht jenes fünfte Rad am Wagen, als welches eine wohlfeile Kritik ihn zu verspotten liebt“, und nach dem 15jährigen Walten der Reichsbank konnte er von dem Werke sagen, dass die kühnste Erwartung von ihm keinen besseren Erfolg hätte verlangen können (Des. Sehr. V, 229). Und abermals zehn Jahre später hat man nach seinem Tode nur Unwesentliches daran zu ändern gewusst. Selbstverständlich hätten Bamberger und seine politischen Freunde diesen Erfolg nicht erringen können, wenn •sie nicht von dem Bundeskanzleramte unterstützt worden wären, und Bismarck sic nicht hätte gewähren lassen, ln der ersten Hälfte der siebenziger Jahre vollauf von dem sog. Cultur- kampfe in Anspruch genommen, mit den Polen und den Socialisten beschäftigt, zeitweise auch von schmerzhaften körperlichen Leiden ergriffen, überliess Bismarck dem Minister Delbrück die Bearbeitung der inneren Reichsangelegenheiten; namentlich die der handelspolitischen und Währungs-Fragen. Es war damals bei der Regierung und der Reichstagsmehrheit noch der Geist lebendig, der bei der Schaffung des Reiches gewaltet hatte. Denn darauf hatte die Grösse dieser Zeit beruht, dass sich in ihr die verschiedensten und kräftigsten Individuen zur Erreichung Eines Zieles, zur Durchsetzung Eines Zweckes zusammengefunden hatten. Dieses war nur dadurch möglich geworden, dass man einander gegenseitig Concessionen gemacht hatte. Man wird es in der menschlichen Natur begründet linden, dass die Neigung hierzu nicht dauernd eine gleichmässige blieb, namentlich wenn 52 die Einen glaubten, die Anderen entbehren zu können, und die Machtverhältnisse der mit einander Compromittirenden sich verschoben. Wenn nun auch Bismarck den Absolutismus, selbst den aufgeklärten, für eine nicht mehr mögliche Staatsform erklärt hatte, so war er doch keineswegs ein überzeugter Freund parlamentarischer Einrichtungen. „Der Genius“ des Reichskanzlers war ein anderer als der des Reichstages, wie das Bamberger schon am 6. Juli 1872 in der „Gegenwart“ ausgeführt hatte. Der Schöpfer des deutschen Reichs war „ganz Energie“, zum Aushau des Reiches fehlte ihm die Ruhe und Geduld. Während das Parlament sich an die positiven Bestimmungen der Gesetze als dauernder Staatseinrichtungen gebunden erachtete, war der geniale Hof- und Staatsmann nur zu sehr geneigt, die Gesetze nach den augenblicklichen Bedürfnissen zu interpretiren oder umzugestalten. Bleibende Institutionen zu schaffen, durch die die Macht des Reichstages gefestigt werden könnte, lag auch gar nicht in seiner Meinung. Eher war er darauf bedacht, die Reichsregierung vom Parlamente immer unabhängiger zu machen. Diese Tendenz musste zum Bruche zwischen Bismarck und der bisherigen tonangebenden Mehrheit des Reichstages führen, wenn und so weit diese an ihren freiheitlichen Traditionen festhalten wollte. Da das die Absicht Bamberger’s war, ist er in schwere Condicte mit hineingezogen worden und hat alle Bitternisse derselben auskosten müssen. Differenzen zwischen dem Reichskanzler und den Nationalliberalen hatten in einzelnen Fragen immer bestanden. Durch gegenseitiges Nachgeben hatte man sie in den ersten Jahren aber stets zu beseitigen gewusst. So hatten Bamberger und Miquel am 30. November 1871 einen Antrag auf Bewilligung eines zweijährigen Pauschquantums für den Miltäretat ein- gebraeht, während die Regierung einen dreijährigen forderte und schliesslich erhielt. In Sachen der Reichseinheit stand Bamberger stets aufSeiten des Reichskanzlers. So am 14. Juni 1873, als es sich um die Schaffung des Reichseisenbahnamtes handelte, und er meinte, die Bayern würden wohl noch freiwillig auf ihre Reservatrechte verzichten. Den Plan, die Eisenbahnen 53 im Interesse des Reiches zu verstaatlichen, hielt übrigens Bamberger, der hierüber eine lange Unterredung mit Bismarck hatte, für undurchführbar. Bekanntlich ist das Broject nicht an dem Widerspruche des Reichstages, sondern dem der Einzelregierungen gescheitert. Die Ansichten über die Verstaatlichung der Bahnen waren damals auch noch sehr ungeklärt und keineswegs zur Barteifrage geworden. Bekannte sich doch z. B. Herr von Kardorff, sonst einer der schärfsten Widersacher Baniberger’s, als principieller Gegner der Verstaatlichung. Allmälig wurden aber die Gegensätze zwischen Bismarck und Bamberger und seinen nächsten Freunden unüberbrückbar. Denn Bismarck vollzog allmälig seit 1874 eine AVendung in seiner gesammten inneren Bolitik, welche, scharfsichtigeren Kennern seiner Methode vorzugehen durch die Entlassung Delbrücks, 1876, schon ganz durchsichtig geworden, seit 1878 mit der ihm allein eigenen Energie und Rücksichtslosigkeit so durchgeführt wurde, dass nur die, welche in solchen Fragen keine eigene wohlerwogene Meinung hatten, ihm zu folgen im Stande waren. Es kann hier nicht einmal versucht werden, die gesummte parlamentarische Thätigkeit Bamberger’s von der Zeit an, wo dieser Gegensatz gegen die neue Bismarcksche AAdrthschafts- politik sich herausbilden musste und seine politische Stellung immer stärker beherrschte, in ihren Einzelheiten darzustellen. Um diese Kämpfe vollkommen klar zu legen, die sich auf den Gebieten der Zoll-, Währung«-, Colonial- und Socialpolitik abspielten, müsste man sonst eine Geschichte der gesammten Reichspolitik bis zum Rücktritte des ersten Reichs kanzlers schreiben. Ebensowenig kann hier auf eine Würdigung dieser Opposition tiefer eingegangen und die Berechtigung derselben eingehend untersucht werden. Es würde hierbei das Urtheil nur von dem persönlichen Standpunkte, den man zu den einzelnen Fragen einnimmt, abhängen. Denn ein ob- jectives, abschliessendes Urtheil über eine ganze Reihe von Fragen lässt sich heut zu Tage, wo wir noch vielfach im Kampfe der Meinungen und im Flusse der durch sie herauf beschworenen Vorgänge stehen, nicht abgeben. Wer die 54 'Wandlungen keimt, welche die nationalökonomischen Theorien in den letzten Jahrhunderten durchgenmcht haben, wird den heut zu Tage in Deutschland herrschenden Schultheorien oder herrschen sie schon nicht mehr? — um so skeptischer gegenüberstehen, als viele ihrer Vertreter sich darin gefallen, wahre Karrikaturbilder von den nationalökonomisehcn Anschauungen der sog. Manchesterschule, der Hamburger angehörte, zu entwerten. Für diesen war aber noch eine persönliche Erfahrung, die ihn zwang, der neuen Wirtschaftspolitik besonders scharf entgegenzutreten, massgebend. Hamburger hatte lang genug in Frankreich, diesem klassischen Lande der Schutzzölle und Monopole, gelebt, um die verderblichen Folgen, die dieselben auf die moralische und sociale Entwicklung des Volkes ausgeübt hatten, zu durchschauen. Er hatte gefunden, dass durch sie der politischen (Korruption, der Ausbeutung der Schwachen durch die Deld- mächtc, der Ansammlung riesiger Capitalien, der Bildung von sog. Ringen der geschützten Rrodueenten u. s. w. nur Vorschub geleistet werde, dass die Schutzzollschraube, einmal in Bewegung gesetzt, eine Schraube ohne Ende sei. Zu ganz anderen Schlüssen war Bismarck durch seine viel kürzere und weniger eingehende Beobachtung der französischen Zustände gekommen. Er hatte den Reichthum des Landes gesehen und bewundert, wie rasch selbst die revolutionäre Regierung grosse («eidsummen und die riesige Kriegsentschädigung aufgebracht hatte. Das schrieb er Alles dem französischen Handels- und Schutzzollsystem zu gute und meinte, durch Uebertragung desselben nach Deutschland hier dieselben Resultate rasch erzielen zu können. Er glaubte, seine Heimath verarme unter „der Delbrüekschen Krankheit“, wie er jetzt die bisher in l’reussen und in dem Zollvereine herrschend gewesene Zollpolitik nannte (Busch, Tagebuchblätter 11,588). Hierin wurde er durch seinen Mephisto Bücher aufs lebhafteste bestärkt, der bei seinem Ingrimm gegen Alles, was aus England kam, die bedenklichsten Mittel nicht scheute, ihn in seiner neuen Abneigung gegen den Freihandel und die deutschen Freihändler namentlich zu bestärken. Und hierzu kam noch c*iu Anderes. Durch das Pro- ■tectionssvstem wird unzweifelhaft die .Macht der Staatsgewalt vermehrt. Von allem Anderen abgesehen, werden durch es die Interessen der hei ihm persönlich Botheiligteii an die Regierung gewiesen und diese wird von manchen Rücksichten auf ideal- politische Forderungen der Regierten befreit. Die liberalen Bestrebungen werden von den materiellen Forderungen aufgesogen, wie das auch L. Buclrer schon längst erkannt hatte. Welche Konsequenzen ein Vorgehen der Reichsregierung in dieser Richtung in Deutschland, namentlich aber in Preussen, haben musste, sah Bamberger nur zu klar vorher. Kr war von seinen alten Freunden höhnisch stets auf das preussische Junkerthum, dem er nur Vorspann leiste, hingewiesen worden. Jetzt sah er nach der Aussöhnung Bismarck’s mit ihm Männern, die ihn Anfangs der siebonziger Jahre aufs heftigste und schändlichste bekämpft hatten, die Kreuzzeitungspartei und die Agrarier drohender als je wieder ihre Häupter erheben. Und was das für einen zu gründenden modernen Culturstaat zu bedeuten habe, wusste er nur zu gut, erleben wir aber erst ganz in unseren Tagen. Für die Schaffung eines neuen, auf nationaler Basis erbauten modernen Staatswesens hatte Bamberger seine ganze Kraft einsetzen wollen. Als er einsehen musste, dass die Konsequenzen der jetzt eingeschlagenen Entwicklung auf die Wiederherstellung der Macht des preussischen Junkcrtlmms mit seinen lediglich agrarischen und selbstischen Interessen hinauslaufen müssten, da meinte er sich dem überall ontge,gehstellen zu sollen. Als der Reichskanzler, der noch am 26. November 1875 sich für die Aufhebung aller Zölle, mit Ausnahme hoher Finanzzölle auf 10—15 Artikel, erklärt hatte, sich in dem berühmten an den Bundesrath gerichteten Briefe vom 15. December 1878 zum Princip „der Z tig- keit aller über die Kreuze eingehender (legenstände mit Ausnahme der unentbehrlichen Rohstoffe“ ausgesprochen hatte, erkannte Bamberger, dass er jetzt nicht mehr mit dem Reichskanzler, sondern in den wichtigsten Fragen als ein principieller (iegner gegen ihn zu arbeiten haben werde. M as das heissen wolle, konnte er leicht vorhersehen. Denn der Reichskanzler 56 verlangte nicht nur unbedingte Heeresfolge und rasche Bekehrung zu seinen neuen Ueberzeugungen, sondern sah einen jeden, der diese aus besten Gründen und lediglich von patriotischen Motiven getrieben nicht leisten konnte, als seinen persönlichen Feind an, behandelte ihn danach in seinen Parlamentsreden und Hess ilnn in der Fresse durch Bücher, Busch und bedenklichste Lohnschreiber das Uebelste nachsagen. Und wie wurde diese politische Gegnerschaft in den Privatverkehr übertragen! Bamberger selbst hat mir wunderbare Dinge von dem Verhalten hoher Reichsbeamten gegen ihn erzählt, nachdem er ganz besonders sich den Zorn des eisernen Kanzlers zugezogen hatte. Dass durch dieses Vorgehen Bismarck’s der Kampf ein immer heftigerer werden musste. und am Ende auch der gelassenste und sachlichste Opponent in Verbitterung hineingetrieben wurde, begreift sich nur zu sehr. Bamberger schrieb schliesslich doch im Hinblick auf diese Art von Kriegsführung gegen ihn: „Das Kraft- geheinmiss dieser Art politischer Genialität wurzelt in der unbefangenen Verachtung aller menschlichen und gesetzlichen Rücksichten, in dem unbegrenzten Gefühle der Berechtigung des eigenen Willens, gestützt auf die eigene Intelligenz. Alles, was der von unten liinaufschauenden Menschheit wie Ideal vorkommt, existirt für solches Herrenbewusstsein nur als Inhalt des eigenen Ich“ (Ges. Sehr. V, 343). — Nach der Entlassung Delbrück’» im Mai 1876 trat die Veränderung in der Wirtschaftspolitik Bismarck’s äusserlich noch nicht sofort ganz deutlich hervor. Das alte Verhältnis» der nationalliberalen Partei zu ihm schien vorübergehend sogar ein festeres werden zu sollen. Von Bamberger’» Wohnung aus, in der eine Besprechung der nationalliberalen Parteiführer stattgefunden hatte, trat im Deeember 1877 Herr von Bennigsen die ominöse Reise nach Varzin an, um mit dem Reichskanzler über den Eintritt von hervorragenden Mitgliedern seiner Partei in das Ministerium zu verhandeln, .letzt weiss man, dass es Bismarck’s Plan gar nicht war, solche zu gewinnen, sondern nur den Herrn von Bennigsen zu sich herüberzuziehen. Nachdem diese Combination gescheitert war, trennten sich die 0 / Wege der bis dahin ausschlaggebenden Fraktion des Reichstages immer mehr von denen des Kanzlers. Bamberger, der seiner unitarischen Richtung getreu am 21. März 1877 im Reichstage sehr entschieden für die Verlegung des zu schaffenden Reichsgerichts nach Berlin gesprochen hatte, beschäftigte sich in dieser Zwischenzeit vorwiegend mit der immer dringender werdenden socialen Frage. Damals schrieb er verschiedene Aufsätze über sie für die „Deutsche Rundschau“, die 1877—78 erschienen, dann in der Schrift: „Deutschland und der Socialismus“ mit Zusätzen vermehrt in verschiedenen Auhagen wieder abgedruckt worden sind. Wie Wenige sah er die Befahren, die aus der Agitation der Socialdemokratie für die bürgerliche Gesellschaft erwuchsen, klar ein, glaubte aber nicht, dass gegen sie mit drastischen Mitteln zu helfen sei, da die Wurzel des Hebels in Deutschland zu tief sitze. Denn hier hätten die Lehren der Socialdemokraten nur einen so empfänglichen Boden gefunden, weil sie eine in so viele Klassen zerklüftete Gesellschaft vor sich gehabt hätten (H. 20). Aus diesem Grunde war er auch gegen „das Gesetz zur Abwehr socialdemokratischer Bestrebungen“, das dem Reichstage nach dem Attentate Hödels gegen das Leben des Kaisers Wilhelm (11. Mai 1878) zugegangen war. Als aber nun ein womöglich noch scheusslicheres Attentat gegen das Leben des ehrwürdigen Monarchen durch den Dr. Nobiling am 2. Juni verübt worden war, beschloss Bismarck sofort den Reichstag aufzulösen. Jetzt schlug die öffentliche Meinung zu Gunsten von Ausnahmemassregeln gegen die gefährliche Gesellschaft stark um. Unter dem Drucke dieser Vorgänge trat nun auch Bamberger in der grossen Debatte, die am 16. September 1878 begann, für das neue Gesetz gegen die Socialdemokratie ein. Er meinte zwar auch jetzt, (lass man durch es rasche Erfolge nicht erzielen werde, glaubte aber doch, es könnte vielleicht durch es gelingen, dem Weiterumsichgreifen der Irrlehren Einhalt zu tlmn. Am 19. October wurde dann das Gesetz, das die auf es gesetzten Hoffnungen keineswegs erfüllt hat, endgültig vom Reichstage genehmigt. 58 Bismarck, mit diesem parlamentarischen Erfolge keineswegs zufrieden, wollte das Eisen schmieden, so lange es ■noch warm war. Er hoffte nun seine neugewonnenen Ansichten Uber die Zollgesetzgebung des Reichs mit den mürbe gemachten Nationalliberalen oder gegen sie, wenn es nötliig sei, durch das neugewonnene ('entrinn durchzusetzen, (legen diese 'Wendung des Kanzlers, welche in seinem schon erwähnten .Schreiben an den Bundesrath vom 15. Deeember 1878 einen so schroffen Ausdruck gefunden hatte, lehnte sich jetzt bei .Bamberger-Alles auf. Hatte er schon am 11. Januar 1879 in der „Volkswirtschaftlichen Gesellschaft 1,1 einen \ ertrag gegen die liier ausgesprochenen Grundsätze gehalten, so trat er in einer meisterhaft populär abgefassten Streitschrift: „Was uns der Schutzzoll bringt“ (Berlin 1879) gegen die drohenden Kornzölle u. s. w. auf. Obwohl damals auch noch II. von Treitselike gegen den Kornzoll sprach, war gegen die von der Reichsregierung entfesselte und unterstützte pro- tectionistische Strömung nicht mehr aufzukommen. Eine andere gesellte sich bald zu ihr: die Bewegung gegen die Münzgesetzgebung des Reiches, die noch nicht ganz zum Abschlüsse gekommen war. Hatte die Regierung schon mit dem Verkaufe der deutschen Silbervorriithe gezögert und dadurch schwere Geldverluste herbeigeführt, so wurden jetzt ■durch persönliches Eingreifen des Reichskanzlers die Silberverkäufe ganz eingestellt. Eine Interpellation desshalb an den Reichstag zu richten, widerrietli Bamberger. Er fürchtete den Zorn Bismarck’s damit zu reizen und ihn ganz in das Lager der Silberleute zu treiben. Als nun aber kurz darauf in einem englischen officiellen Berichte gesagt war. man nehme in den Kreisen der Berliner Bankiers an, die Regierung steuere auf eine Doppelwährung, ähnlich der in •Frankreich bestehenden, los, so beschlossen die Abgeordneten Delbrück, Bamberger und Harnier doch, die Regierung zu interpelliren. Das geschah am 19. Juni 1879. Da ergoss sich die ganze Schale des reichskanzlerischen Zornes über das Haupt Bambergers, der durchaus sachlich uml vorsichtig in seiner Rede vorgegangen war. Da er angedeutet hatte. 59 dass die Angaben des englischen Berichtes sich wohl auf die Aussagen des englischen Generaleonsuls Bleichröder stützten, genügte das Bismarck, diese. Vennuthung als eine Insinuation zu bezeichnen, die an die ., Reichsglocke“ und deren Ver- urtlteiiung erinnere. Denn nach ihm sollte damit auf ^Machenschaften angespielt werden, die er mit seinem Privatbankier in dieser Sache getrieben habe. Er rief dein Abgeordneten zu: „Herr Bamherger mag fürchten, was er will, ich werde ihn nicht beruhigen“ 1 ). Ich führe diese Dinge nur an, um zu zeigen, wie t es schon damals allen Parlamentariern, die den Zorn Bismarcks erregt hatten, fast unmöglich war. mit diesem über politische Fragen noch sachlich zu verhandeln. Man möchte fast glauben, dass das um so unmöglicher wurde, je mehr das liecht auf Seiten der Gegner Bismarcks war, und je weniger er gegen die Macht der wider ihn ins Feld geführten Thatsachcn aufkommen konnte. In dem Jahre 1880 war Bamherger dann besonders tluitig bei Verwerfung der Samoavorlage. Auf der bis auf diesen 'Pag so viel genannten Inselgruppe des Stillen Oceans hatte das Grosshandlungshaus ,). (.’. Godeffroy in Hamburg bedeutende Plantagen angelegt, war aber bankerott geworden. Man hatte nun dem Reichskanzler nahe gelegt, die Rechte und Besitzungen dieses Hauses dadurch für Deutschland zu sichern, dass man einer mit einem Actienkapitale von 10 Millionen Mark in Berlin zu gründenden „Deutschen Seehandlungsgesellschaft“ für 20 Jahre einen Zinsertrag von 4 I / 2 n /„ bis zur Höbe von 3(X)000 Mk. garantire. Bamherger, von Frankreich her principiel 1 ein Feind aller Einmischung des Staates in Handelsgeschäfte, betrachtete die Frage von rein kaufmännischem Standpunkte aus und meinte, das Reich werde hierbei schlechte Geschäfte machen. Nicht anders urtheilten andere Sachverständige, z. B. der grosse Rheder H. H. Meier aus Bremen. „Bei diesem Unternehmen“, sagte er, „werden wir keine Ehre und keinen Ruhm gewinnen, wir werden nur unser Geld verlieren.“ Der Reichstag verwarf ') Helffericli, Reform etc*. S. 437. 60 denn auch die Vorlage am 27. April 1880, aber eine nicht subventionirte deutsche Handelsgesellschaft bildete sich dann doch, in weiten Kreisen hat inan damals wie noch heutigen Tages Bamberger diese seine Haltung verübelt. Sie hängt aber mit seiner Stellung zur gesammten Colonialpolitik zusammen und ist auch wohl von seiner Gesammtauffassung der neuen Reichspolitik abhängig gewesen. Von persönlicher Rancune. war auch hierbei nicht die Rede, wie Bismarck, ohne Beweise heibringen zu können, behauptete. War er doch seihst früher gegen die Erwerbung von Kolonien gewesen. Am 8. Februar 1871 sagte er nach Busch (Tagebuchblätter II, 157): „Ich will auch gar keine Kolonie. Die sind bloss zu Versorgungsposten gut. ln England sind sie jetzt nichts andres, in Spanien auch nicht. Und für uns in Deutschland — diese Koloniegeschichte wäre für uns genau so wie der seidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die keine Hemden haben.“ Bamberger musste es als ganz widersinnig erscheinen, wenn man gegen die ganze Welt zu Hause Zollschranken aufrichtete und nun auf einmal eine Welthandelspolitik mit Kolonialbesitz u. s. w. inauguriren wollte, ein Widersinn, den aber selbst heut zu Tage nicht Wenige noch nicht begriffen haben. Ueber die Samoafrage war, wie schon bei manchen prineipiell noch wichtigeren Vorlagen der Regierung, die nationalliberale Partei getheilter Ansicht gewesen. Es fanden sich, selbst nach dem Ausscheiden von 18 süddeutschen Fraetionsgenossen, die in Allem Bismarck folgten, noch genug Streitpunkte, die auf eine Zersetzung der bis vor Kurzem noch so mächtigen Partei hindrängten. Unzweifelhaft hatten der Umschwung der gesammten inneren Reichspolitik und die immer stärker hervortretenden autokratischen, inconstitutionellen Neigungen des Reichskanzlers hierzu das Meiste beigetragen. Immer deutlicher sonderte sich ein rechter und ein linker Flügel unter den Nationalliberalen ab. War Herr von Bennigsen , der Führer der Einen, auch manchen Steuerplänen des Reichskanzlers, z. B. dessen „letztem Ideale“, dem Tabaksmonopole, mit aller Energie entgegengetreten, und dabei, 61 vielleicht, ganz verhängnissvoll für die weitere Entwicklung 1 der Dinge, Sieger geblieben, so stand er doch seiner ganzen persönlichen Haltung nach und in einer ganzen Anzahl von nicht untergeordneten Fragen der reichskanzlerischen Politik näher als die principiellen Freihändler, wie Bamberger, Forcken- bcck, Lasker, Stauffenberg u. s. w. Diese konnten vor allem der Ansicht nicht beipfiiehten, dass volkswirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten in keiner Weise die Angehörigkeit zur Fraction beeinträchtigen könnten und als „offene Fragen“ anzusehen seien. Mit Recht konnten sie hiergegen einwenden, in Zeiten, in denen in Deutschland der Kampf um die materiellen Interessen noch ein untergeordneter gewesen sei, wie im Jahre 1848, oder der nationale Gedanke sich noch so kräftig geregt habe, wie 1870, hätten Tarif- und Zollfragen in einem Parteiprogramm als untergeordnet freigegeben werden können, jetzt dagegen, wo eine Reaction in der gesammten inneren Politik durch das Aufrühren der materiellen Interessen gefördert werden solle, sei es für eine politische Partei ganz ausgeschlossen, zu den Streitpunkten keine bestimmte Stellung zu nehmen, die recht eigentlich die ganze Situation beherrschten. Aber selbst die verschiedene Auffassung dieser Frage trat noch gegen den Gegensatz zurück, der sich innerhalb der Partei in betreff ihrer Stellung zum Reichskanzler herausgebildet hatte. „In diesem Gegensätze liegt der Zersetzungsgrund für die Partei, jeder andere ist unzureichend.“ Unter diesem Gesichtspunkte hat Bamberger nach vorausgegangener Besprechung mit von Forckenbeck, von Stauffenberg und anderen namhaften Führern der Partei, die Spaltung der Nationalliberalen in einer Broehiire unter dem Titel: „Die Secession“ dargestellt. Sie erschien im Herbste 1880 zunächst anonym in Berlin und erlebte in wenigen Wochen vier Auflagen (Ges. Sehr. Y, 41—134). Und das mit Recht. War ihre nächste Aufgabe allerdings nur die, den durch ein Manifest vom 30. August 1880 veröffentlichten Austritt von 28 Mitgliedern aus der nationalliberalen Partei zu erklären und zu rechtfertigen, so war doch ihre Bedeutung eine grössere. Sie ist die bedeutendste der publizistischen Schriften Bam- 62 bergers und wird sicher einmal als eines der wichtigsten historischen Documente aus der Zeit der rückliiutigen Bis- marekschen Aera angesehen werden. Denn sie legt in ruhiger, durchsichtiger Sprache nicht nur die Gedanken der nächsten politischen Freunde des Autors dar, sondern bringt, mit allgemeinen politischen Betrachtungen und Reflexionen durchsetzt, die Ideen Vieler zum treffendsten Ausdruck, die, wenn auch keineswegs zu den nationalen Zielen der Politik des Reichskanzlers im Gegensatz stehend, nicht glaubten, die neueingeschlagene Richtung der inneren Politik und noch weniger die Methode in der Durchführung derselben billigen und unterstützen zu können. Xur in Einem Punkte waren schon damals die Meinungen derer, welche Bamberger im Allgemeinen zustimmten, im Lande gctheilt. So sehr man auch den Wunsch hegte, dass eine „grosse liberale Partei“von der schon Rickert im Sommer 1880 geredet hatte, entstehen möge (Ges. Sehr. V, 57 ): die Bildung derselben etwa durch eine Verschmelzung mit der alten Fortschrittspartei, welche dann wirklich auch vorübergehend zu Stande kam, erschien damals schon manchem als ein ebenso starker Rückfall in glücklich überwundene Zustände, als die Aussöhnung des Reichskanzlers mit Herrn von Kleist-Retzow und dessen Freunden. So sehr nun auch Bismarck mit dem Ausscheiden seiner principiellen Gegner aus der nationalliberalen Partei einverstanden schien, um den Rest desto gefügiger zu haben, so ergrimmt war er doch über die sog. Seeessionisten. Man mag darüber jetzt nachlesen, was Busch im Anfang des 3. Bandes seiner „Tagebuchblätter“ zu berichten weiss, welche Bosheiten und Lügen Lothar Bücher sogar in socialdemokratischen Blättern über „die nationalliberalen Seeessionisten“ verbreitete, und welche Witze dem edlen Busch zu Folge über „die Bamberge, Laskcre und Rickert, die Streber,“ gemacht wurden. Diese Stimmung des „Chefs“, die in den Artikeln von Bücher und Busch dann noch einen groteskeren Ausdruck erhielt — das Schlimmste wurde freilich nur mündlich verbreitet — konnte natürlich bei den A’erlästerten auch gerade keinen versöhnenden Eindruck machen. So verschärften sich die 63 Gegensätze immer mein - . Der philosophische Glciehmuth, mit dem Bamberger die Dinge mehr als kaum ein Anderer behandelt hatte, hielt daher auch nicht immer hei ihm vor. Doch musste Bismarck ihm in der grossen Hede, welche er am 14. Juni 1882 einer Auseinandersetzung' Bamberger’» entgegenstellte, einräumen: „Der Herr Abgeordnete Bamberger vermeidet auch seinerseits diese Klippe [des Grobwerdens); ich kann ihm die Anerkennung nicht versagen, dass er mit sehr gewandter Dialektik immer die Formen der guten Gesellschaft seinerseits beobachtet. Es sollte das geschehen von allen Seiten (Heiterkeit). Aber im llebrigen, in Bezug auf das dadurch bethätigte Wohlwollen, kann ich nur mit dem Sprichwort antworten: Le diable n'y perd rien. Seine Pfeile, die er mit seinem Wohlwollen unter dem wohlthuenden Mantel der Sanftmuth und der leidenschaftslosen Sprache abfeuert, sitzen um so fester . u Wenn der Reichskanzler diese vornehme Haltung Hamburgers ihm gegenüber eingestand, nachdem er ihn in einer allein auf ihn persönlich sieh beziehenden Antwort als ein Sujet mixte stigmatisirt hatte, das, wenn es möglich wäre, sich auch in Paris sein Bürgerrecht — das er ja nie besessen — gewahrt hätte, so kann man schon daraus erkennen, von welcher Seite die verletzenden persönlichen Angriffe ausgingen. Durch alle Anzapfungen dieser Art im Allgemeinen doch unbeirrt und durch parlamentarische Misserfolge nicht pessimistischgestimmt, Hess sich Bamberger in der Vertretung seiner durch Erfahrung und Nachdenken gewonnenen politischen Ueber- zeugungen nicht einschüchtern, sondern vertheidigte sie bei jeder ihm passend (irscheinenden Gelegenheit in seiner Weise im Reichstage und in der Presse. East keine wichtige parlamentarische Verhandlung fand statt, in der er nicht in längerer Bede das Wort ergriffen und unter vollster Aufmerksamkeit des Hauses gesprochen hätte. Da er uns selbst in einem Excurse seiner Selbstbiographie einen, seinen eigenen praktischen Erfahrungen entnommenen, kleinen Katechismus für Parlamentsredner hinterlassen hat, S. 55 u. f., so haben wir nicht nöthig, uns über seine Redeweise näher auszulassen. Theorie und Praxis 64 stimmten bei ihm zusammen mul es hat in der Thai nicht viele Redner des Reichstages gegeben, denen dieser so willig und andauernd , wenn auch oft widersprechend, gelauscht hätte als dem Abgeordneten von Alzey-Bingen. So hielt er bei der Etatsberathung für 1884/85 im Mai 1883 eine grosse Rede, in der er sieh über die Missachtung des Parlaments von Seiten der Reichsregierung beklagte und damit schloss, dass er zu bedenken gab: „Der deutsche Reichstag und der deutsche Kaiser sind im Sinne des Volkes an Einem Tage geboren sie leben zusammen und einer trägt den anderen; wir sind, welche Opposition wir auch machen mögen, immer Seiner Majestät allergetreueste Opposition, und in diesem Sinne werde ich mir auch erlauben, gegen die socialpolitischen Projecte zu stimmen. a (legen diese „oratorische Leistung“ Bambergens, wie sie selbst politische Oegner genannt haben, fiel die Entgegnung des Finanzministers Scholz ziemlich kläglich aus. Die „socialpolitischen Projecte“, auf die Bamberger in dieser Rede anspielte, waren durch eine kaiserliche Botschaft vom 14. April 1883, die an eine frühere vom 17. November 1881 anknüpfte, zu einer acuten politischen Frage von grosser Bedeutung geworden. Hatte Bismarck zur Einleitung der gründlichen Umgestaltung des gesummten Zolltarifs seinen von ihm allein Unterzeichneten Decemberbrief von 1878 für genügend erachtet, so glaubte er bei der Durchführung seiner ganz neuen socialpolitischen Projecte des directen Eingreifens des ehrwürdigen Kaisers nicht entrathen zu können. Die (lewinnung des Kaisers für diese Botschaft war dem Reichskanzler auch nicht so schwer geworden, als für manche andere. Jeder für das Wohl seiner Mitmenschen besorgte Bürger konnte auch den landesväterlichen Absichten des Kaisers bei- pdichten. Es handelte sich nur darum, wie diese in der Form von besetzen ausgestaltet werden sollten, (legen diese socialpolitischen (fesetzesvorlagen richtete sich nun die Opposition Bamberger’» und seiner politischen Freunde. Der Reichskanzler hatte eingesehen, dass durch seine Ausnahmegesetzgebung gegen die Socialdemokratie diese nicht 65 Überwunden werde. Kr wollte deshalb der gefährlichen socialistischen Agitation dadurch den Hoden entziehen, dass er Beschwerden des sog. vierten Standes soweit als möglich gerecht werde, und Härten, die die ungleiche Vertheilung des Vermögens im (fefolge hatte, nach Möglichkeit ausgleiche. Kine Stärkung der Regierungsgewalt dem Parlamentarismus und der bürgerlichen Freiheit gegenüber verfolgte Bismarck bei seinen socialpolitischen Projecten noch nebenbei. Das war es denn auch, was Bamberger ganz besonders bestimmte, ihnen entgegen zu treten. Er hatte in seiner Jugend die Schriften der französischen Commuiiisten studirt und socia- listische wie schutzzöllnerisclie Anwandlungen gehabt. Jetzt fand er die damals als ganz revolutionär angesehenen Lehren von deutschen Theoretikern wissenschaftlich begründet und salonfähig gemacht. Unter dem Titel: „Zeitströmungen in der AVirthschaftslehre“ hatte er 1872, 73 und 74 in der Beilage zur „Allgemeinen Zeitung“ über den Wechsel, der in den socialpolitischen Anschauungen Platz gegriffen batte, Bericht erstattet und sich gegen ihn ausgesprochen. Jetzt schien ihm nun der Reichskanzler die Theorien der Socia- listcn oder sog. Kathedersocialisten mit allerlei Hintergedanken und Nebenabsichten in die Praxis des Staatslebens einführen zu wollen. Er war ein Gegner des Socialismus in seinen verschiedenen Formen, weil er in ihm den schlimmsten Feind der individuellen Freiheit und eine Gefahr für die richtige Absteckung der Grenzen der Staatsgewalt und der bürgerlichen Gesellschaft erblickte. Die Initiative der Einzelnen im Erwerbsleben, die spontane Thätigkeit und die Energie des Biirgerthums den vom Staate begünstigten regierenden aristokratischen Klassen gegenüber, das Gefühl der Verantwortlichkeit für die Ausgestaltung der eigenen Lebensgeschicke schienen ihm unter den soc sehen Projecten des Reichskanzlers leiden zu müssen. Und würden sie, durchgeführt, dem augedrohten Umstürze der bürgerlichen Ordnung einen festen Halt entgegenstellen? Das Gegentheil erschien wahrscheinlicher. Denn die socialdemokratischen Agitatoren würden nur ein neues Argument aus ihnen für sich ziehen, indem sie die 0 66 neuen Einrichtungen nur als einen Ausfluss des bösen Gewissens der herrschenden Klassen dem Proletariate gegenüber hinstellten. Die Gesellschaft, nicht der Staat, die private und connnunale Thätigkeit habe gegen die Nothstände in den niederen Volksschichten anzukämpfen, und wenn man jetzt von der Bcthätigung des „praktischen Christenthums“ durch den Staat rede, so treibe man mit ihr das Gegentheil der wahren Armenpflege, indem man sie zu einer gesetzlichen, erzwungenen mache. Von Humanität und christlicher Mildherzigkeit sei hei ihr gar nicht mehr die Rede. „Denn wer sich (jetzt; nicht für Prügeln und Köpfen begeistert, steht im Verdacht schwächlicher Humanität. Dagegen ist derselbe Mann ein unbarmherziger Individualist, wenn er Notli und Elend nicht auf dem Wege mechanischer Gütervertheilung, sondern durch Hebung der moralischen und intellectuellen Kräfte der Einzelnen zu überwinden empfiehlt“ (Gegen den Staatssocialismus, S. 10). Diese und ähnliche Ideengänge hat Bamberger in allen seinen Schriften und den parlamentarischen Heden ausgesprochen. Er hielt noch dazu die legislatorischen Pro- jecte des Reichskanzlers auch für praktisch unausführbar. Er nannte sie 1884 „chimärische“. Hierin hat er sich geirrt und die Tüchtigkeit der unteren deutschen Verwaltungsbehörden, welche die socialen Gesetze, das Alters- und Invalidengesetz u. s. w., ausführten, wie er seihst später eingestand, unterschätzt. Ein Endurtheil über die sociale Gesetzgebung lässt sich aber heute, wo wir noch mitten in der neubegonnenen Entwicklung stehen, noch nicht mit absoluter Sicherheit fällen. Kur das lässt sich sagen, dass sowohl Hoffnungen als Befürchtungen, die an sie geknüpft wurden, sich nicht erfüllt haben. Die Kraft der socialdemokratischen Agitation ist, wie die Reichstagswahlen beweisen, durch sie nicht gebrochen worden. Aber auch mancherlei Befürchtungen, die Bamberger hegte, sind nicht wahr geworden. Der Unternehmungsgeist und die Leistungsfähigkeit der Kaufleute und Fabrikanten ist in Deutschland durch die sociale Gesetzgebung nicht geschwächt worden, und Leichtsinn und Trägheit hat hei der Arbeiterbevölkerung seit ihr und durch sie nachweisbar nicht.zugenoimnen. Die Sorge, die Regierung möchte, nachdem sie durch die sociale Gesetzgebung ihr Gewissen gegen die unteren Volksklassen entlastet habe, zu Gewaltmassregeln gegen dieselben schreiten und ihnen ihre staatsbürgerlichen Rechte verkürzen, sobald sie sich nun nicht beruhigten und in ihrer drohenden Haltung gegen die bestehende Staatsordnung verharrten, hat sich bisher als eine unbegründete erwiesen. Dagegen lassen sich die Wohlthaten nicht verkennen, welche die sociale Gesetzgebung vielen Annen und Gedrückten schon gebracht hat und noch bringt. Würde sich Eamberger von der Durchführbarkeit der Gesetze haben überzeugen können und die segensreichen Früchte, die sie gebracht haben, gesehen haben, er würde sich sicher nicht mit der sachlichen Schärfe gegen sie gewendet haben, wie das geschehen ist. War doch gerade er kein Verehrer der Theorien, nach denen die grosse Masse der Menschen nur da ist, um einigen bevorzugten Geistern zum Schemel ihrer Füsse zu dienen. Nicht viel anders würde er sich meiner Meinung nach in einer anderen wichtigen Frage gestellt haben, wenn er sie heutigen Tages vor sich hätte. Hatten Nachdenken und Erfahrungen ihn zum Gegner alles Experimentirens in socialen Fragen gemacht, so war er seinem eigenen Bekenntnisse nach auf dieselbe Weise zu einem Gegner der Colonialpolitik des Reiches geworden (Er. S. 370). Der Geschäftsmann in iliin empörte sich gegen die nebelhafte Colonialpolitik, in der ihm die Charlatanerie hoher Herren und absichtliche Täuschungen von Speculanten eine grosse Rolle zu spielen schienen. Denn „die meisten Aristokraten haben eine »Schwäche für Menschen, die sich mit ihren Plänen über die Prosa der bürgerlichen Berechnung hinwegheben. Daher sind auch heute noch Fürsten und Grafen an der Spitze unserer Colonialgesellschaften, daher leben die Wunderdoctoren am meisten von dem Aberglauben der vornehmen Leute.“ Und welche Dinge hatten sich in Frankreich in dieser Beziehung vor seinen Augen abgespielt ! Die Colonien verschlangen dort einen schönen Theil der Staatseinnahmen, ohne etwas dafür einzutragen, sie waren 5 * 68 zu einer Quelle der Corruption und der Bereicherung zweifei hafter Individuen geworden, von der Verwilderung des Heeres durch die Kämpfe mit uncivilisirten Völkern ganz abgesehen. Die Anfänge der colonialen Bestrebungen und Anzettelungen in Deutschland waren in der Tliat auch nicht verlockend. Bankerotte oder halbbankerotte Firmen, wie die von J. C. Codeffroy und von Liideritz, suchten von dem deutschen Reiche unter allerlei fragwürdigen Angeboten Helder herauszuschlagen, während der solide deutsche Kaufmann zufrieden sei, wenn ihm die Bureaukratie und die Zollgesetzgebung nicht allzu grosse Hindernisse in den Weg lege. Er sei bisher gut vorwärts gekommen und werde bei dem grossen Ansehen S. 174). Nur gegen eine Welthandelspolitik, die gleichzeitig Deutschland mit einer Zollmauer umgehen will, würde er sich nach wie vor energisch gewehrt haben. Diese seine Opposition gegen die innere Politik des Reichskanzlers und die Colonialbestrebungen trugen Bamberger den Hass der unbedingten Verehrer der neuen Reichspolitik ein. ln ihm thaten sich namentlich einzelne Universitätsprofessoren, „Prachtexemplare der Kanzlervergötterung 1 ', hervor. War er früher schon auf „den Servilismus, der sich auf den Universitäten breit mache", nicht gut zu sprechen, so konnten ihn die Erfahrungen, welche er jetzt zu machen hatte, in seinem Urtheile nicht milder stimmen. Aber er erlebte auch Erfreuliches. Sein Wahlkreis Alzev- Bingen, mit dem er seit seiner Jugend in Verbindung gestanden hatte, blieb ihm unverbrüchlich treu. Bei den Reichstags- w'ahlen von 1887 wurde er trotz aller Anstrengungen seiner Gegner mit grosser .Majorität, von 11075 Stimmen gewählt. 72 Als er am 22. Juli 1893 seinen siebenzigsten Geburtstag feierte, ehrten ihn seine politischen Freunde und angesehene (Jorporationen durch festliche Griisse und Adressen. Die volkswirtschaftliche Gesellschaft in Berlin und der Verein für Handelsfreiheit überreichten ihm eine silberne Votivtafel und 23 deutsche Handelskammern schickten eine kunstvoll ausgeführte Adresse, deren Deckel mit dem Wappen ihrer Städte in Gold, Silber und Emaille geziert war. Vielen Privatpersonen, die unter dem Drucke Bismarck’s und der von ihm geschaffenen Verhältnisse zu leiden hatten, galt er als ein zuverlässiger Vertrauensmann in delikaten und schwierigen Lagen. War er den Antisemiten ein Dorn im Auge, so schätzten ihn die von ihnen Verfolgten um so höher. Selbst ihm persönlich ganz Fernstehende wendeten sich an ihn um Beistand. So fuhr z. B. der bekannte Dr. Geffken nach seiner Entlassung aus dem Gefängnisse direct bei ihm zu einer Besprechung vor, obgleich er nie Beziehungen zu Bam- berger gehabt hatte. Und noch weit höher stehende Kreise bedienten sich seines Käthes. Als der unglückliche Kronprinz Friedrich AVilhelm in San Kennt schmachtete, stand Bamberger mit dessen Umgebung in lebhafter Oorrespondenz, die unter einer Deckadresse über London ging. Wenn einmal das Tagebuch, welches er über die Vorgänge der Jahre 1887 und 88 geführt hat, veröffentlicht werden wird, dürften sicher manche interessante Aufschlüsse über dunkele Vorgänge dieser Zeit ans Licht kommen. Auch die Gesandten auswärtiger Mächte in Berlin consultirtcn ihn gelegentlich vorsichtig durch ihre Attaches. Das persönliche Vertrauen, das Bamberger so entgegengebracht wurde, die Freundschaft und Hochschätznng, welche er in geistig hochstehenden Kreisen der guten Gesellschaft genoss, konnten ihn jedoch nicht für das Unbehagen entschädigen, das ihm die Veränderung der allgemeinen Richtung des öffentlichen Lebens in Deutschland einffiisste. Er hatte sich eine andere Entwicklung der Dinge gedacht, als er lioff- nungsfreudig wieder nach Deutschland zurückkehrte. ,,Es war die Zeit des Werdens“, so schreibt er in seinen Erinnerungen 8. 519, „die so oft schöner ist als die der Erfüllung'. Und gerade darum zog mich alles so lebhaft herüber. Wer mir damals das Bild der Dinge in der Perspective gezeigt hätte, welches drei Jahrzehnte später mir vor Augen stehen würde, den hätte ich für hirnverbrannt gehalten. Wer mir damals gesagt hätte, es werde die Zeit kommen, wo man mir nachsagen würde, ich verträte französische Interessen oder persönliche Vortheile oder gar jüdische Auffassung in deutschen Angelegenheiten!“ Hatte nach seiner Meinung zu dieser Entwicklung der Dinge Bismarck keinen geringen Anstoss gegeben, so war er doch stets mehr geneigt, das deutsche Bürgerthum anzuklagen, das, charakterlos und kurzsichtig' zugleich, sich als unfähig zur Wahrung seiner eigensten Interessen gezeigt hatte. Der Bieg der preussischen Feudalpartei über das liberale Bürgerthum war einmal entschieden und an der ganzen Situation für absehbare Zeit wenig zu bessern. Desshalb machte auch der Sturz des Fürsten Bismarck im Frühjahre 1890 keinen tiefen Eindruck auf ihn. Er hat ihn weder „bejubelt, noch bedauert“. Dass die Politik des Fürsten seit 1878 keine nennenswertlien Erfolge mehr aufzuweisen hatte, dass ihr bei seiner steigenden Nervosität schon längere Zeit nichts mehr recht gelinge, hatte er schon seit Jahren deutlich zu sehen geglaubt, und auch ausgesprochen. Misserfolge würden ihn aber nicht stürzen, und nur vor der Krone, nicht vor dem Parlamente werde er weichen, schrieb er 1888 (Die Nachfolge Bismarcks S. 26). Dass er hierzu werde gezwungen werden können, sprach Bamberger zwar schon Anfang Februar 1890 gegen einen Freund aus, glaubte aber selbst nicht daran (des. Sehr. V, 323). Und als nun das an sich Unwahrscheinliche doch wirklich geworden war, da wiederholte er sich wohl die 1889 geschriebenen Worte, dass das freie Bürgerthum keine Ursache zu dem Wunsche habe, den Kanzler von dem Schauplätze seiner Tluitigkeit verschwinden zu sehen. „Denn einen Nachfolger im Sinne der dleichwerthigkeit für den ersten deutschen Beiehskanzler giebt es nicht, und kann es nicht geben.“ „Das nicht unbegründete defiihl der eigenen Unzulänglichkeit macht die Nation in ihrer Breite lustlos, — 74 die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen 11 , schrieb er mir in einem ausführlichen Briefe kurz nach dem Sturze des Kanzlers, ohne irgend ein Wort der Befriedigung über ihn auszusprechen. Mit dem von dem zweiten Beiehskanzler eingeschlagenen „Kurse 11 , der 1891 zu den Handelsverträgen mit ()<»stc*rrcit*h- Fug-arn, Belgien, der Schweiz und andren Staaten und zuletzt (1894) zu dem wichtigsten von allen, zu dem russischen, führte, konnte Bamberger nur einverstanden sein. Auch der Ton, der von dem Grafen Gaprivi gegen den Beichstag angeschlagen wurde, war ein ganz anderer als der von Bismarck beliebte. Doch blieben auch mit ihm tiefgehende Differenzen, wie schon erwähnt, nicht aus. Gegen die Golonialpolitik der Bcgierung. die. doch einmal begonnen, nicht wieder abzubrechen war. glaubte sich Bamberger damals noch ablehnend verhalten zu müssen und sprach sich am 5. März 1892 bestimmt gegen sie aus. Auch über den Militäretat konnte sich der Beichstag mit der Regierung nicht verständigen. Da ihre Forderungen am 1. Mai 1893 abgelelmt wurden, lüste diese den Beichstag auf und es kam zu Neuwahlen, - bei denen Bamberger nicht wieder zu eandidiren beschloss. War er es wohl mit in erster Hilde gewesen, der die unglückliche Verschmelzung der Secessionisten mit der alten Fortschrittspartei betrieben hatte, um eine grosse liberale Partei zu Stande zu bringen, und war er seit dem Bestehen dieser Ooalition stets bemüht gewesen, Gonllicte innerhalb derselben auszugleichen, so fiel jetzt die Partei auch äusserlich vollkommen auseinander. Fine Anzahl der näheren politischen Freunde Bamherger’s hatte für die Vorlage der Begierung gestimmt, die alten Fortschrittsmänner unter der Führung Fugen liichter’s dagegen. Das führte zu dem vollkomme,neu Bruche, den die Persönlichkeit des eigenwilligen Führers der Fortschrittspartei schon längst unvermeidlich gemacht hatte. Die Beibungen innerhalb der eigenen Partei und das Auseinandergeben derselben verleideten nun Bamberger ganz die parlamentarische Thiitigkeit. War er doch auch nicht mehr so widerstandsfähig als früher. Der plötzliche Tod seines Freundes Heinrich Hornberger (1890). dein wenige Monate darauf der seiner Schwester, Frau M. Breal in Baris, nachfolgte, hatte ihn tieferschüttert. Ein unangenehmes körperliches Leiden, das ihm die Ruhe raubte, plagte ihn noch dazu. Davon befreit, befiel ihn im Frühjahre 1893 eine anfänglich recht bedrohlich auftretende Augenkrankheit, die jedoch wieder glücklich gehoben wurde. Alles das wirkte zusammen, um ihn müde zu machen. Am 9. April 1893 schrieb er mir: „Meine Kampfeslust ist nicht mehr gar gross und ich fühle auch wohl etliche Versuchung mich auf den bewussten Meilenstein zu setzen. Aber es wird Einem sehr schwer gemacht auszusteigen. Meine AVähler haben bereits angekündigt, sie würden meine Candidatur nolens volens wieder aufstellen, und mich davon dispensirt, seihst auf dem Schlachtfelde, zu erscheinen.“ Ich glaubte ihm zureden zu sollen, ihrem Rufe von Neuem zu folgen. Einen Monat später schrieb er nur jedoch fest entschlossen, sich ganz aus dem parlamentarischen Lehen zurück zu ziehen. „Tausend Dank für Ihren liehen Brief. Sie werden inzwischen aus den Zeitungen ersehen haben, dass ich doch gehe. Fm meiner treuen Wähler willen, die ich damit überraschte, schmerzt es mich. Aber dieser letzte seheussliche Vorgang in der Frac- tion schlug dem Fass den Boden aus. Ich hatte schon lange Liebe, Glauben und Hoffnung zur Sache verloren. Nun ist sie mir zu widerwärtig geworden. Und gerade der Antisemitismus treibt mich mit fort. Wenn Sie die letzten vier Monate an meiner Stelle gesessen hätten, würde auch Sie der Ekel und Abscheu, nicht vor den Böekel und Liebermann , sondern vor den drei Vierteln der siimmtlichen Collagen, die das gar nicht stört, ergriffen haben. Doch sage ich das nicht laut, um die Methode nicht zu unterstützen. Meine schwache Constitution deckt ja Alles. Wäre es eine Lust dabei zu sein, ich könnte noch ganz gut meinen Mann stehen. Aber ich käme mir fast wie ein Narr vor, wenn ich mir Arbeit zuinuthete — mehr Sisyphism als je —, um noch freudloser und innerlich verstimmter als je zuvor das undankbare Handwerk fortzusetzen.“ — So hat die parlamentarische Thätigkeit Bamberger’s, den 76 Theodor Monnnsen in seinem Nachrufe einen der glänzendsten Redner des 19. Jahrhunderts genannt hat, keinen harmonisch ausklingenden Abschluss gefunden. In Deutschland ist das Biirgerthum nicht dankbar gegen seine Vertreter, und inan darf sich manchmal wundern, dass sich noch immer uninter- essirte Leute finden, die für es in den Parlamenten eintreten mögen. Der Staat erweist seine Ehren nur denen, die im Dienste der Regierung und in Uebereinstimmung mit ihren jeweiligen Tendenzen ihren Beruf als Volksvertreter auffassen. Nun, nach diesen Ehren und nach Befriedigung persönlicher Interessen hatte Bamberger nicht gestrebt, als er sich 1867 in das parlamentarische Leben hineinstürzte, „um das übel gelittene Wort der Einigung zu predigen“. Aber eine ganz andere Entwicklung der Dinge hatte er sich doch für die Zukunft versprochen. Das Reich war aufgerichtet. Dabei hatte Bamberger die unerwartetsten Erfahrungen gemacht. Denn dass die früher von ihm so scharf angegriffenen Regierungen (lei- kleinen Einzelstaaten sich reichsfreundlicher und liberalen Ideen fast freundlicher gesinnt erweisen würden als der zu voller Herrschaft in Preussen und Deutschland gekommene kleine Adel, dass die Regierungen überhaupt im Grossen und Ganzen sich verständiger zeigen würden als die Majoritäten der Parlamente, das hatte er nicht für möglich gehalten. Und dass man ihm bald offen, bald versteckt seine Abkunft, seine Vergangenheit und seine Bestrebungen in einem Tone Vorhalten werde, der ihn nur kränken und beleidigen konnte, das hatte erst recht ganz ausserhalb der Voraussicht des optimistisch gesinnten, sich der Ehrlichkeit seiner Absichten und seiner nicht ganz unbedeutenden Verdienste um das Wohl des Vaterlandes nicht mit Unrecht bewussten Mannes gelegen. Hieran erkannte er besonders den Wechsel der Zeiten. Da stellte er sich nun der neuen Zeit zwar mit Resignation, aber dennoch keineswegs mit einem gebrochenen Selbstbewusstsein und in pessimistischer Verzweiflung entgegen. Und das durfte er auch, weil er sich seihst, trotz der Gegensätze in seinem äusseren Leben und trotz mancher Schwankungen in seinen politischen Bestrebungen, doch stets treu geblieben 77 war, weil er mir aus sich heraus gelebt hatte und nie fremden Einflüssen unterlegen war. Bei der Gelassenheit seines Wesens, der philosophischen Betrachtung der Zusammenhänge alles Geschehens fand er doch auch noch immer beruhigende Erklärungsgriinde für die ihm so unsympathische. Entwicklung der deutschen Verhältnisse. .Seihst die Schwächlichkeit desdeutschen Bürgerthums betrachtete er gelegentlich in milderem Eichte. Mit Kocht sagt er in dem Aufsätze: Die Nachfolge Bismarcks: „Während aristokratische, kirchliche, proletarische Parteien über die Kraft verfügen, welche der Egoismus erzeugt, hat sich das moderne Bürgerthum, im Gegensatz zu dem vergangener Jahrhunderte, die leibhaftige Vertretung der unterschiedslosen Gesammtheit aller Klassen zur Pflicht gemacht — le tiers etat est tont — und schliesst auch die nicht aus, die sich im Gegensatz zu ihm auf ein besonderes Recht zur Erreichung besonderer Zwecke stützen.“ Die Elastieität seines Geistes, der Glaube an die Wahrheit und Gerechtigkeit der von ihm bekannten politischen Grundanschauungen waren so gross, dass er an ihrem endgültigen Siege nie verzweifelt hat. Darum kam es ihm auch niemals in den Sinn., nachdem er sich aus dem öffentlichen Lehen zurückgezogen hatte, die Hände in den Schooss zu legen. Er ist seinen politischen Freunden stets ein treuer Helfer und Rathgeber gehliehen und hat mit seiner Feder an dem Kampfe nach wie vor den lebhaftesten Antheil genommen. „Ich glaube, mein Mund und meine Hand werden mir bis zum Tode nicht versagen,“ sagte er mir einmal. Die Müsse, die ihm seit 1893 geworden war, gestattete ihm, seinen ältesten und tiefsten Neigungen jetzt noch mehr nachzuleben, als das früher hei der Menge von Geschäften, denen er sich hatte unterziehen müssen, möglich war. Jetzt konnte er fast ungestört, namentlich in seinem Tuseulum zu Interlaken, der .Schriftstellerei leben. In Berlin, wo er nach wie vor den Winter zubrachte, wurde er immer von zu vielen Seiten in Anspruch genommen. Auf Reisen nach Frankreich,, die er erst einige Jahre nach 1870 wieder aufnahm, fand erwähl Zeit zu Beobachtungen, aber nicht zu Arbeiten. Nach- 78 Italien, das er 1872 mit seinem Freunde Heinrich Hornberger ganz durchzogen hatte, ist er wenigstens auf längere Zeit nicht wieder gekommen. Auf Betreiben seiner Freunde richtete er zunächst sein Augenmerk darauf, die Ernte seines schriftstellerischen Lebens in die Scheunen zu bringen und die zahlreichen, an vielen < )rten zerstreuten Aufsätze und Essays, soweit sie ihm der Erhaltung wertli schienen, in einer Gesammtausgabe zu sammeln. Diese ist denn auch von 1894—98 unter der Beihülfe eines „jüngeren sachverständigen Freundes“ (P. Nathan) zu Berlin bei Bosenbaum & Hart in 5 Bänden erschienen. Der 1. Band wurde zuletzt ausgegeben, weil er für die Selbstbiographie des Antors reservirt worden war. Aber nicht nur Altes ist in diesen Jahren redigirt und mit Einleitungen versehen worden, sondern noch gar manches Nene wurde dem schon vorhan- handenen Schatze hinzugeschaften. Bamberger hat sich wohl selbst mit im Auge, wenn er einmal sagt: „Die Menschen gebrauchen die Sprache viel weniger, um Anderen Mittheilungen zu machen, als um zum eigenen Vergnügen laut zu denken“ (Ges. Sehr. 1,329). Und diesem Vergnügen hat er noch manche Stunde seiner letzten Jahre gewidmet. Ernste und heitere; Aufsätze hat er in ihnen verfasst , in denen er über einzelne Erlebnisse berichtet, die wichtig genug waren, um für die Zeitgeschichte aufgehoben zu werden. So hat er uns von seiner Antheilnahme an den Ereignissen von 1870, seiner Fahrt mit dem deutschen Hauptquartier nach Frankreich und seinem Verkehr mit dem Fürsten Bismarck in Versailles erzählt (Ges. Sehr. I, 417). Feber Fragen der actuellen Politik, über die er sich ein Urtheil zutrante, z. B. über das Ver- hältniss Frankreichs zu Russland, sprach er sich (Ges. Sehr. 1,453) aus und setzte seine „Weihnachtsbriefe“ fort, welche seit 1888 zur Freude zahlreicher Leser und Leserinnen die Wochenschrift „Die Nation“ gebracht hatte (Ges. Sehr. I, 5). Das Wort Corneille’s, das er dem ersten dieser Essays: Die Kunst zu schenken, als Besinne vorgesetzt hat: „La fayon de donner vaut mieux qne ce qu’on donne“, könnte man auch als Motto für alle diese reizenden Feuilletons vorschlagen. 79 Denn sind dio Ideen, Iietlexionen und Maximen, die Bam- berger in ihnen entwickelt, Früchte eines feinen und hochgebildeten (leistes, der vieles seihst erlebt und gelesen hat, das Schönste an ihnen ist doch fast die reizende Form, in denen er sie uns nahe bringt. Neckisch und launig, mit Anecdoten und Anspielungen durchsetzt, die der erlesensten Literatur entlehnt sind, trägt er uns hier keine, tiefgründigen Wahrheiten, wohl aber fein abgewogene Lehren einer Lebensweisheit vor, die die Grundlage einer hohen geselligen und socialen Cultur bildet. Und das in einer Form, der die Arbeit des Herausholens und Ciselirens der Gedanken nicht mehr anhaftet, und die, von leichten Arabesken humorvoll umrahmt, wirklicher Grazie voll ist. Teil wüsste nichts in der deutschen Literatur, das diesen nicht gesucht geistreichen, wohl aber geistvollen Flaudereien ebenbürtig wäre. Die umfangreichste und wichtigste Arbeit, die llamberger in den letzten Jahren seines Lebens begonnen, leider aber nicht vollendet hat, sind jedoch die 1899 nach seinem Tode erschienenen „Erinnerungen“. Führen sie doch die Erzählung seines Lebens nur knapp bis zu seiner definitiven Rückkehr aus Frankreich herab. Er hat sie 1894 zu schreiben begonnen. Ursprünglich wollte er keine Autobiographie geben, sondern nur zur Einführung in seine Schriften einige Abschnitte seines Lebens ausführlich behandeln. Als er aber daran kam, wuchs ihm unter der Hand der Stoff doch zu einer, wenn auch nicht, regelrechten und gleichmiissig gehaltenen, Erzählung seines Lebens aus. Mit grossen Unterbrechungen hat er vier Jahre lang in Berlin und Interlaken daran geschrieben, wie er Zeit und Laune fand. Die letzte Feile hat er nicht an sie gelegt und nur einzelne kleine Abschnitte aus ihr, die er schon bei Lebzeiten in der „Nation“ veröffentlichte, sind stylistisch vollkommen ausgearbeitet. Den grossen liest hat dann 1*. Nathan, ohne Veränderungen an dem Texte vorzunehmen, aus der Handschrift pietätvoll herausgeben können. Sind diese „Erinnerungen“ ein werthvolles Doeumcnt für die Zeitgeschichte, insofern die Stimmung eines grossen 80 Tlieiles des deutschen Volks in der Jugendzeit ihres Verfassers aus ihnen uns aufs deutlichste entgegentritt, entrollen sie uns ferner höchst treffende Culturbilder aus dem Pariser Leben der Glanzzeit des zweiten Kaiserthunies, so sind sie für jeden, dem die persönliche Entwicklung einer so eigenartigen Persönlichkeit wie die Bambergers ein interessantes Problem ist, doch noch wichtiger. Denn in ihnen giebt er sich ganz wie er war. Nicht als ob sie Confessionen und intime Bekenntnisse enthielten. Diese abzulegen, lag- nicht in seiner Absicht. Moralische Nuditäten zu zeigen, ist geschmacklos; sein eigenes Ich dramatisch vor den Augen des grossen Publieums in Scene zu setzen, dazu war der Lebenskünstler Bamberger nicht angethan; und Cynismen nieder zu schreiben, wie z. B. II. Leo und K. Vogt das fertig gebracht haben, lag ausserhalb seiner Natur und Bildung. Mit der Wahrhaftigkeit hat er es darum aber erst recht genau genommen. Wie er nicht davon abzuhalten war, aus Parteirücksichten die Narrheiten und die Erbärmlichkeiten des ganzen Pfälzeraufstandes im Jahre 1849 nicht sofort nach dessen Zusammenbruche unbarmherzig aufzudecken, sondern die volle Wahrheit über ihn zu sagen, so hat er auch in den „Erinnerungen“ die Zustände seiner Umgebung, die Natur seiner Freunde und Gegner und nicht zuletzt sich selbst in ihnen rückhaltslos gezeichnet. Man ist manchmal verblüfft über einzelne Indiscretionen, über manche scharfe Ausdrücke. Und doch gewinnt man bald die »Sicherheit, dass weder Malice noch Leidenschaftlichkeit hierbei das Wort geführt haben. Dinge und Personen, die der Erzähler mit scharfem Blicke durchschaut und für die er das rechte Wort gefunden zu haben glaubte, sollten nur mit ihm behaftet bleiben. Und dabei ist doch trotz mancher scharf beobachteten Blosse seiner Umgebungen sein Gesammturtheil über Freund und Feind im Ganzen ein mildes. »Sein Humor liess ihm die Thorheiten der Menschheit, und bis zu einem gewissen Grade auch ihre »Schlechtigkeiten, in einem heiteren Lichte erscheinen. Nur Rohheit und Gemeinheit der Gesinnung, Hoclnnuth ohne Verdienst, pfiiffische Heuchelei und Herrschsucht konnten ihm 81 — kräftige Yerdammungsurtheile entlocken. In religiösen Dingen höchst skeptisch angelegt, war er gerade «lesshalh sehr behutsam, das Empfinden Anderer hierin zu verletzen. Als ein Angehöriger eines Volkes, welches von der Unduldsamkeit Andersgläubiger Unsägliches zu leiden gehabt, wollte er sich daher, ebensowenig wie sein Freund Lasker, an dem sog. Oulturkampfe activ. betheiligen, obwohl ihm die katholische Clerisei mindestens ebenso gefährlich erschien als die lutherische Orthodoxie. Und noch in einer ganz anderen Weise tritt in den ,,Erinnerungen“ seine Wahrhaftigkeit hervor. Man hat wohl gesagt, ihr Autor sei seinem Vorsätze untreu geworden, in ihnen vor Allem den Oegensatz von einst und jetzt, zwischen der Zeit seiner .lugend und seines Alters, heraus zu arbeiten. Statt dessen schiebe er überall seine Person in den Vordergrund, die er besser hätte zurücktreten lassen sollen. Ich möchte denen, die so urtheilen, wünschen, sie möchten, wenn sie in die Lage kämen, ihr eigenes Leben zu erzählen, nicht in den gerügten Fehler verfallen. Denn es ist nur zu natürlich, dass jeder Autobiograph sich seihst in helles Licht zu setzen sucht und leicht manches (tute an sieh entdeckt, das Fremde nicht in demselben Masse finden. Um sich seihst wirklich schlecht zu machen, ist, glaube ich, noch Niemand Selbstbiograph geworden. Wirklicher Vorzüge durfte sich Bamberger aber doch auch bewusst sein. Und dass er sich indirect derselben rühmt und seine Erfolge hervorhebt, wer möchte ihm das verdenken, ihm, dem äussere Erfolge im Leben nicht in dem Masse beschieden waren, wie sie unter anderen Verhältnissen einem so hochbegabten Menschen nicht versagt gehliehen wären! Er hat sich auch in diesem Punkte in seinen „Erinnerungen“ nicht seihst besser machen wollen, als er war, und hat nichts unterdrückt, was ihn bewegte, erfreute und mit Hochgefühl erfüllte. Er ist ganz naiv und ehrlich hierbei verfahren und hat sich noch dazu, mit anderen Selbstbiographen unserer Tage verglichen, in recht bescheidenen Grenzen gehalten. Neben dieser seiner Wahrhaftigkeit tritt in den „Erinnerungen“ ein anderer constitutiver Zug seines Wesens hervor: ti — 82 — die Liebe und Treue, die er gegen seine Freunde stets bewahrt hat. Wie er seinen Grundsätzen stets getreu geblieben ist, so auch seinen persönlichen Freundschaften. Wer im 2. Bande seiner Schriften die Worte gelesen hat. die er verstorbenen Freunden nachgerufen hat, wusste es freilich schon, wie tief er für die empfand, die seinem Herzen nahe gestanden hatten. Auch allen seinen Kameraden von der Universität her ist ev bis in sein Alter nahe verbunden geblieben. Anderen, not denen ihn gemeinsame politische Ueberzeugungen im Laufe der Jahre zusammengeführt hatten, und die ihm einmal persönlich befreundet geworden waren, hat er stets ein gutes Andenken bewahrt, auch wenn sich ihre Wege wieder getrennt hatten und sie in feindlichen Heerlagern einander gegenüber standen. Er kannte sie und wusste sieh aus ihrer Natur heraus Alles zurecht zu legen. Und nicht nur ein gutes Andenken hat er gar manchem von denen bewahrt, die ihm nicht immer Gleiches mit Gleichem vergolten hatten, er hat sie, wie gar manchen ihm persönlich unbekannten Parteigenossen, in der delikatesten Weise thatkriiftig unterstützt. Dass er Söhnen von Freunden in deren Studienzeit peeunilir nachhalf, gelegentlich wohl auch die Töchter ausstattete, verstand sich für ihn, den Kinderlosen, von selbst. Und noch in seinem letzten Willen hat er zahlreiche Freunde und Freundinnen mit Geschenken reichlich bedacht. Denn er hatte sich in seinem Leben nicht nur Freunde, sondern auch viele hochgebildete Frauen zu Freundinnen gewonnen. Der gesellige Verkehr mit ihnen bildete für ihn einen besonderen Reiz seines Lebens, den er nicht entbehren mochte. Von Paris her an ihn gewöhnt, hatte er ihn in Berlin wieder gesucht als eine Erholung und Erheitrung von den rauhen Kii u des politischen Lehens. Auf solche Ausgleichungen im Leben war sein Sinn überhaupt, gar sehr bedacht. Neben der Arbeit, im Geschäft und Parlament, hatte er für Poesie sich das feinste Verständnis» bewahrt und kannte die Meisterwerke aller Zeiten. Aber auch die Lectürc eines guten modernen Romans war für ihn ein Genuss wie die Betrachtung guter Gemälde. Es ist ganz bezeichnend für ihn, dass er besonders ein Freund der Musik Mozarts war. Kunstkenner zu sein, beanspruchte er übrigens keineswegs. Aber er liebte 83 alles Schöne. ln Paris hatte er ein Jahrzehnt lang mit Wenigem haushalten müssen, sich aber doch kennen höheren Kunstgenuss versagt. Als er dann ein reicher .Mann geworden war, schmückte er sein Heim mit guten Bildern — ein ausgezeichnetes Portrait Döllinger’s von Lenbach zierte u. A. sein Arbeitszimmer in Berlin —, Büsten und Kunstgegenständen. Sein Stolz waren seine auserlesenen Büchersammlungen in Berlin und Interlaken. Sonst blieb seine Lebensführung eine relativ einfache. Aller Pomp und aufdringlicher Luxus waren ihm zuwider. Seinen von Jugend auf schwächlichen Körper hatte er nur durch strenges Masshalten sich so lange dienstbar erhalten; nur durch eine weise Ycrtheilung von Arbeit und (ienuss war er im Stande, sein Lehen für sich und seine .Mitmenschen so fruchtbringend zu gestalten, wie er das erreicht hat. Mit seltenen Fähigkeiten, einem scharfen Verstände und einer fast unverwüstlich erscheinenden geistigen Elasticität ausgestattet, hat er sich durch langjähriges Studium und Uebung eine philosophische und weltmännische Bildung erworben und eine wahre Herzensgüte, bewahrt, die jene heitere, gelassene, humorvolle und doch sichere und feste (Irundstimmung seines Wesens erzeugte, in der er sieh ausgelebt hat. — Bamberger würde seine Selbstbiographie wohl rascher gefördert haben, wenn ihn nicht wiederholte Anfälle von catarrhalischen landen heimgesucht hätten. Auch starb ihm plötzlich sein he,währten - Secretiir. Im Frühjahr 1898 trat eine noch gefährlichere Hemmung seinen - Thiitigkeit ein. Er meldete mir in einem dictirten Briefe vom 18. April: .Am Mittwoch, dem 23. März, spürte iedi plötzlich des Nachmittags heim Ordnen von Briefen und Papieren ediuni Ruck im Kopfe auf der rechten Sedte. Alsbald verbreitete: sich Unbehagen über den ganzen Körper, es folgte eine schlechte Nacht, und am andern Morgen scheint mein Aussehen und Oehahrem so beängstigend gewesen zu sein, dass meine Eingebung nae-h elem Arzte schickte, den ie-h zu berufen für überflüssig gehalten hatte. Nun ahnte ich, was geschehen sei. Ein Schlaganfall, ein gemässigter, war über mich gekommen. Allmählich stellte sich ein gewisses Envermögen der linken Extremitäten 84 und eine gewisse Schwerfälligkeit im S])rechen ein. Der Arzt bestätigte meine Yermutlmng. Mit Medicin ist in sulchen Füllen nichts zn machen und die einzige Arzenei ist Ruhe und Bewahrung vor aller Anstrengung des Kopfes. Nach einigen Tagen trat eine kleine Besserung ein, die seitdem weitere Fortschritte gemacht hat. . . .“ Schliesslich erzählt er, dass der Arzt ihm Hoffnung gemacht habe, dass er doch seine übliche Sommerreise über .Mainz, zu seinem dort noch lebenden ältesten Bruder Rudolph, nach Interlaken werde machen können, und schloss: ,,Ich höre das gern, einstweilen ohne absoluten Unglauben an.“ Wirklich hatte sich der Arzt nicht geirrt, und der Kranke schien sich in den Bergen vollkommen zu erholen. Nach einigen dictirten Briefen erhielt ich am 8. September wieder einen ausführlichen von seiner Hand mit Nachrichten über das Befinden: „Alle Welt behauptet, ich sei wieder wie vorher. Nur mir will es nicht scheinen. Aber auf dem Wege der Suggestion, die in unseren Tagen besonders zu Ehren kommt, lasse ich mich doch auch bereden, an das Bessere zu glauben. Was ich noch mehr fühle als die draussen es sehen können, ist die geringen* AViderstandskrat't der Gehirnthätigkeit. Jede etwas lebhaftere Reizung bringt das Organ noch aus dem (!leichgewicht und verlangt eine Ruhepause zur Wiederherstellung.“ Alan begreift es, wie ihn dieses Mal, besonders nach „einem sagenhaft schönen Sommer“ der Abschied von seinem Tusculum besonders schwer wurde, dass er „mit mehr Wehmuth als sonst“ von ihm schied. Nach Berlin zurückgekehrt, besserte sich sein Zustand dauernd. Als ich ihn im Laufe des Winters besuchte, ging er wieder ganz fest und sicher. Nur die Strassenkreuzungen mied er. Auch geistig war er ganz wieder der alte. Der Tod Bismarck’s regte ihn an, noch einmal seine Meinung über den Mann zusammenfassend auszusprechen, dessen Bewunderer und Gegner er wie Wenige gewesen war. Die Schriften dos „Büschchens“ und vor Allem die „Gedanken und Erinnerungen“ des grossen Todten selbst steigerten das Bediirfniss dazu in ihm noch stärker. So entstanden die sechs Aufsätze in der „Nation“, die er „Bismarck postlmmus“ überschrieb. 85 Kr wollte in ihnen der Nachwelt ein Zeugnis* über den „eigenartigen und gewaltigen Mann, dessen Ruhm fest steht für alle Zeiten“, hinterlassen, das von einem Mitlebenden herrührt, der ihn wie wenige studirt hatte und den Kern seiner Persönlichkeit zu erfassen aufrichtig und ehrlich bemüht- gewesen war. Noch einmal durfte er sich bei dieser Arbeit seiner alten geistigen Frische erfreuen. Die Anerkennung, welche die auch im Separatabzuge erschienenen Artikel weit und breit fanden, erhöhten noch einmal sein Lehensgefühl. Aber der stets schwache, und doch so zähe Körper versagte endlich endgültig. Am 14. März 1899 starb Ludwig Bamberger an Altersschwäche. „Ein Organ nach dem anderen hatte in wenigen Tagen den Dienst eingestellt,“ sagte mir am 17. März der alte treue Diener mit Thränen in den Augen. Ergreifende Worte der Erinnerung sprach an diesem Morgen in dem »Studierzimmer des Verstorbenen sein greiser Freund Theodor Mommsen vor einer zahlreichen Versammlung von Verwandten, Freunden und Freundinnen. Darauf wurde sein Leib auf dem israelitischen Friedhöfe in der Reihe der Ehrengräber neben seinem Freunde Ed. Lasker in die Erde gesenkt. Am Abend desselben Tages hielt dann im grossen »Saale des Künstlerhauses ein ihm persönlich und politisch ganz nahestehender jüngerer Freund, der Abgeordnete Th. Barth, vor einer nach Hunderten zählenden Versammlung ihm die weihevolle (fedächtnissrede. Das ofticielle Berlin war hier nicht vertreten. Nur über der Thür des »Saales hing ein grosser Kranz, den die Kaiserin Friedrich dem Todten gewidmet hatte. Fm sein Bild der Nachwelt inmitten eines Instituts zu erhalten, an dessen Zustandekommen er hervorragenden Antheil genommen hatte, hat am 7. November 1899 eine Anzahl seiner Freunde seine Marmorbüste im Lesesaale der deutschen Reichsbank aufstellen lassen. ü‘4t '(‘ftlii ■ m- 1 ;/?* i >k; W J-d'H« vlK*j'l inHjfil ’ ;r>iHteJfcirtfJhj ÜMMI- ifi-iJufoiioftü/; uriui't -•;yi-hi-iX 'u;J. bau tilbim-mp»'*?' •»>« «iti--i>ifv ~?m d-iihch lut» •nUilwrljm-•«»Mwtfrtf Mb -lituiibHwfi» }j>nk/. -ebi* ■ ‘H'Hnii (juufth : 'i*fc : w :, tr.tV. u .•syunMte/taw/X ‘üi li i iTMYf fewJHi/v• U‘MlöB»itb*«w flli'4wb.: >t}» r nk't’lSi • Jdä : iuv^tHfd^iLy*ii^-iAm(iH :ih 4 if :r>t 4 »ih k i ■ it 1 »“/’Ylliptii jrf ’YJliii.’i <>? liwl 1 » Füllt; ; «V •>!*«> riwiJitrri ;ii«t rtteji#: ■ fomilt »ßft- irt^aT : i ur • ■Xfltyit-/. mh ftf üflRKlil't' Mllrri't' ‘ftfll •) »!• v».!/. futi- ifofncp .^iniiytfiiuvi 's^fi hmm'>l y&M-ki itkif- • -vib. hivy “^«iilnftifwun‘#V ■iwhünliifl.x vtitb .w/- ’■Vm«rrmt¥.■ Yii;w- nimm 'tinni-.U fis^frriFttetej'l '■ • rniflH ■uiii'oiti'i'.! h i •.< jf h tü> ;i i'ii ri-wl■ i tf I■ i n'i w t>i*+b "‘HDU-Ybd •lirtv'füüfi -n't '(Oifxjul-,'i>H '»luiu^vl ‘)Iuk< -ifw-fili::il'>iii w'vll-rJwir-bitt-nU; uii. 1 hm» tbjfji<»«m«i utifi -wb ■mt .tHin-M •• ill'JT* '«tepbaunssd Vift .imttef'! ’MmwjI»**: •-»♦iffft - «:<»l> uii.fi- ((‘ÜMütliiikv ihn» tiJriiir- < - 1 ‘iirl •ibj* nif'u>if : cß*»>'»■'• *>M«» / :v»s*MWs*‘-flit>- »ifiul >">t> -ijirfT v.*h ; vwii? *u#X .ßuhnto*** vhutrt>j w‘i^- fptifm'j':; k-iiifi'iii'i ii'rr»s-fi;>i ii'U .NüiniH ^Jlltilxnf »'.‘ilM-! 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