Silber Von Ludwig Vamderger. L o nd crab dru ck o u is der Wo ch enschrift „Die Nalioil Zweite Austage. Die Uation. Mocheuschrift für Politik, Volkswirtschaft und Litteratur. Htraussiriirben von Dr. Th. Bartlj. Die „Nation" besteht seit Oktober t883. Die „Nation^ ist politisch freisinnig, sie nimmt Portei gegen den Staatssozialismns, nnd tritt für die Erwerbsfreiheit ein. Die ..Notion" bringt ausschließlich Originolortikel von hervorragenden Politikern, Schriftstellern, Gelehrten; regelmäßige orientirende kritische Uebersichten über politische, vvlkswirthichaftliche, parlamentarische, künstlerische, litterarische Vorgänge; historische und philosophische Essais; Besprechung wissenschaftlicher Tagesfragen; Theater-Kritiken; satirische Glosse» znr Zeitgeschichte; internationale Zeitschristen-Nevne; Beitrüge ausgezeichneter ausländischer Publizisten; Bücherbesprechungen. Ueber die Verhandlungen des Deutschen Reichstags und des Preußischen Landtags erscheinen während der Sessionen allwöchentlich aus der Feder herdorragender Parlamentsmitglieder Berichte, in denen daö Wesentlichste der parlamentarischen Vorgänge gesichtet und kritisch gewürdigt den Lesern der „Nation" geboten wird. Bisher haben neben dem Herausgeber größere Aufsähe unter ihrem Namen in der „Nation" pnblizirt: Die Reichstags-Abgeordneten Bam- bcrgcr — L. v. Bar — Baumbach — M. Broemel — H. Dohrn — Eberty — Goldschmidt — Gutfleisch - Hacke — Häncl — Hinze — Hor- witz — Alexander Meyer — Munckcl — H. Pachnickc — Nickert — M. Rüge — Schradcr — H. Schröder — A. Traeger — Virchow — F-. Witte (Rostock), Ferner die Herren. Pros. Carl Abel — Hofrath Aldenhoven(Köln) — HarryAlis (Paris) — H. Bahr —A.Baign^rcs (Paris) — F-redrik Bajer, Mitgl. des Volksting (Kopenhagen) —Pros. Felice Barnabci (Rom) - L. Beer — F-. Vendt — Anton Bettelheim (Wien) — Poultney Bigelow (New-Pork) — Reg.-Rath a. D. Boffart (Hannover) — O. Brahm — Karl Braun-Wiesbaden — Pros. G. Vrugsch — Pros. C. Bulle (Bremen) — Georg v. Bunsen — Th. v. Bunsen — I. I. David — » W. Dietrich — lwr. Jul. Dnboc (Dresden) — M. Ehrlich — G. Ellinger — Geh. Obcr-Neg.- Rath a. D. E. Engel — Arthur F-itgcr (Bremen) — E. Fitger — Karl Emil F-ranzos — Idi E. Friedemann — Ludwig Fulda — — Pros. N. F-urtwängler (Berlin) — Pros. L. Geiger (Berlin) — Forts, auf S. 3 d. Umschlags Silber. Von Ludwig Bamberger. Sonderabdruck aus der Wochenschrift „Die Nation". Zweite Auflage. Berlin. Verlag von Rosenbaum äc Hart. 1892 . Das deutsche Gesetz, welches die Einziehung der Thaler österreichischen Gepräges bezweckt, der Entschluß Oesterreichs, sein Papiergeld auf dem Wege einer großen Münzreform in Metallgeld zu verwandeln, endlich die Zuspitzung des Kampfes für und gegen freie Silberprägnng in den Vereinigten Staaten haben das Jahr 1892 zu einem der bedeutungsvollsten in der welthistorischen Krise gemacht, welche über die Stellung des Silbers im Verkehrsleben der Neuzeit entscheiden soll. Daher dürfte wohl der Moment gekommen fein, einem größeren Leserkreise wieder Einblick in diese interessanten kulturgeschichtlichen Vorgänge zu geben, soweit dies ausführbar ist, ohne allzu sehr in das Technische der Materie einzudringen. I. Deutschland. Im Monat Mai des Jahres 1879 gerieth die große Aktion der deutschen Münzreform urplötzlich durch einen ganz persönlichen Eingriff des Fürsten Bismarck ins Stocken und allmählich in völlige Versumpfung. Als einer der Vortheile, welche die Befreiung von der Bismarck'schen Herrschaft gebracht hat, verdient auch angeführt zu werden, daß unter seinem Nachfolger zum ersten Mal wieder aus der Initiative des Reichsschatzamtes heraus ein Schritt gethan worden ist, der diesem traurigen Schauspiel gleichgültigen Gehenlassens in so wichtiger Angelegenheit ein Ende machte. Es ist leider ein Charakterzug großer deutscher Unternehmungen, daß sie in Unfertigkeit stecken bleiben und einrosten. Trifft dies doch auch auf die Verfassung des Reiches selbst zu. welche auf dem Bilde der bundesstaatlich'en Einheit die 4 lächerlichen Flicken der bayerischen nnd Württembergischen Reservatrechte und die diplomatische Selbstherrlichkeit der Bundesfürsten zur Schau trägt, als wenn das etwas ganz Natürliches wäre. Und wie unsere großen Encyklopädien uno Wörterbücher zuweilen mitten in der Arbeit stecken bleiben, so sollte nach der Laune des ersten Kanzlers auch das bedeutendste und glücklichste Werk, welches die Gesetzgebung des neuen Reiches unternommen hatte, mit einer kurzen Handbewegung zum Krüppel gemacht werden. Was ihn zu diesem Handstreich bewog, hat man in authentischer Welse niemals erfahren. Ohne Zweifel hat der Haß Bismarck's gegen die Freihändler, welche auch die Urheber nnd Vertheidiger der deutschen Münzreform waren, Lei seinem Angriff auf letztere stark mitgespielt. Ueber den Anstoß zu dem bestimmten Vorgehen, welches den vorn Gesetz vorgeschriebenen Silberverkäufen mit einem Schlag ein Ende mächte, ist eine ^ gewisse Enthüllung nie erzielt worden. Aber Indizien weisen daraufhin, daß interessirte Rathschläge einer vermeintlich sachverständigen, aber in der That höchst fragwürdigen Börsenautorität dabei ausschlaggebend gewesen sind. So ist es gekommen, daß das große Deutsche Reich, welches mit seltenem Glück den richtigen Moment erwählt hatte, um an Stelle seiner elenden und gemeinschädlichen Münzzerfahren- heit eine gesunde Währung zu setzen, in den Ruf kam, ohnmächtig in diesem Versuch stecken geblieben zu sein und von seinen Feinden als abschreckendes Beispiel vernünftiger Reformen hingestellt zu werden. Fürst Bismarck hat in wirth- fchastlichen Dingen immer mit Vorliebe an untergeordnete charlatanistische Rathgeber geglaubt. Davon wissen die Sachkundigeil der Getreidebörse die schönsten Geschichten zu erzählen. Die Charlatanerie hat ja auch auf medizinischem Boden ihre beste Kundschaft in den Kreisen der Aristokratie. Die Verachtung des gesunden Menschenverstandes und der prosaischen Regeln ist ein psychologisches Attribut der kava- lieren Erhabenheit über die Denkweise, die auf ebenem Wege zu Fuße wandert. Jedoch das Glück, welches dem Deutschen Reiche in ' Sachen seiner Münzreform treu blieb, gleichsam als sollte es für seinen ersten großen Gedanken selbst vom blinden Zufall belohnt werden, hatte es so gefügt, daß jener unglückselige Eingriff erst erfolgte, als die Umwandlung des Silbers » m Gold bereits zum größten Theil vollzogen war. Auch vor diesem Zeitpunkt war mangels richtiger Beurtheilung der Weltverhältnisse und aus kleinlichen Auffassungen heraus von Anderen als dem Fürsten Bismarck, und die es hätten besser wissen können, schädliche Verzögerung und kostspielige o Knauserei besorgt worden. Hätte an maßgebender Stelle das volle Verständniß für die Größe und die welthistorische Bedeutung der Umwandlung in der Zeit von 1871 bis 1879 gewaltet, so würde der Mißgriff dieses letzten Jahres gar kein überflüssiges Silber mehr vorgefunden haben. Die Probe auf diesen Mißgriff ist heute leicht zu machen. AIs xar oi-cirs cku Noulii im Mai 1879 plötzlich befohlen wurde, keine Thaler mehr einzuziehen und zu verkaufen, wie es zur Durchführung der Münzreform ausdrücklich vom Gesetz vorgeschrieben war, interpellirte eine Anzahl von Abgeordneten des Reichstags, au deren Spitze der ehemalige Minister und Präsident des Neichskanzleramtes Delbrück, über die Thatsächlichkeit dieser willkürlichen Verfügung und deren Sinn. In den schnödesten, übermüthigsten Wendungen, mit welchen der damalige Reichskanzler Fürst Bismarck — jetzt selbst Abgeordneter — die Volksvertretung je traktirt hat, antwortete dieser den Interpellanten, von denen jeder Einzelne durchaus Sachkenner war, mit der ganzen Sicherheit stolzer Ignoranz, daß sie seine wohlgezo- genen Kreise durch vordringliche und böswillige Neugierde kreuzten. Den tiefen Sinn dieser geheimnißvollen Entrüstung mußte dann der zum Sukkurs herbeigeschleppte Präsident der Reichsbank, Herr von Dechend, dahin aufklären, daß einzig und allein die bisherigen Verkäufe des Deutschen Reiches am Niedergang des Silberpreises schuld seien, und daß, wenn dieses damit aufhöre, jener Preis sich wieder aufraffen und zu seiner alten Herrlichkeit emporsteigen werde. Ani Schluß oer Rede fielen jene unvergeßlichen, überschwäng- lichen Worte, daß, wenn der Reichstag sich hiermit einverstanden erklären wollte, der Segen des Auslandes über ihn kommen würde; gewiß ein rührender Gedanke in: Munde eines Eideshelfers des eisernen Kanzlers. Wie es damit geworden ist, weiß man. Dreizehn Jahre sind seitdem vergangen; das Deutsche Reich hat das Gelübde der Keuschheit nie gebrochen?) Aber der Preis des Silbers, welcher, damals auf dem Londoner Markt 51 Pence betrug, beträgt heute deren nur etwas über *) Nur einmal wurde im Jahre 1886 unter der Gunst besonderer Umstände ein tleiner Betrag an Aegypken abgegeben, nämlich hunderttausend Pfund fein Silber zu den Preisen von 47'/, bis 46 Pence englisch für die Unze Standard. Der Gesammterlös brachte die Summe von 6 898002,72 Mark. Zum Verkauf wurde zunächst der Restbestand des Reichs an Silberbarren (86166 040 Pfund fein) verwendet. Das noch fehlende Quantum wurde durch Einschmelzung von 1246 900 Mark in Vereinsthalern und 1608 Mark in nicht mehr umlaufsfähigen Thalerstücken gewonnen. 6 39, und der Verlust, den das Reich aus diesem Niedergang erleidet, beziffert sich zur Stuude auf beiläufig hundert Millionen Mark — künftigen ungerechnet. Doch so respektabel auch eine solche Summe ist, sie läßt sich verschmerzen gegenüber dem Glück, daß trotz aller Mißgriffe und Anfeindungen das große Werk heute doch als in Sicherheit gebracht über allem Zweifel erhaben dasteht. Aber eben die versöhnende Gewißheit, daß der große Wurf doch gelungeu ist, enthält auch die Aufforderung, nach der anderen Seite hin gerecht zu sein. Es hätte ja viel schlimmer kommen können! Fürst Bismarck ließ es genug fern mit dem eineu großen Mißgriff, und wenn er ihn damit fortsetzte, daß er in den folgenden elf Jahren, trotz wiederholter Aufforderungen des deutschen Handelstags und trotz aller Zeichen der Zeit, nicht auf den Weg des gesetzlich Vorgeschriebenen zurückkehrte, sondern das Ende der Münz- reform in der Versumpfung stecken ließ, so scheute er sich doch vor der viel größeren Unthat, das ganze Werk rückwärts aufzulösen und Deutschland dem bimetallistischen Abenteuer rettungslos auszuliefern. Ob jemals die Versuchung dazu ihn angewandelt hat, ist schwer zu sagen. Nur soviel rst gewiß: lange Jahre hindurch schwebten die Freunde der Münzreform, auch solche, die noch in höheren Aemtern geblieben waren (viele waren dies allerdings nicht mehr) in großer Besorgniß, daß die agrarische Freundschaft und die Antipathie gegen die Freihändler den Kanzler zn dem ver- hängnißvollen Schritte verleiten könnte. Seine bekanntlich im Verlaufe der Zeiten im Reichstag abgegebene Erklärung, daß er im Ungewissen über das Nichtige' schwebe — „uou ligust," — war wohl aufrichtig, und das Gefühl der Verantwortlichkeit in einer so entscheidungsschweren Sache mag noch verschärft worden sein durch die Erwägung, daß die anderen Staaten — Nordamerika, Frankreich, England — sich so ungemein freuen würden, wenn Deutschland sich in den bimetallistischen Abgrund stürzen wollte. Ein Uebermaß vor Segen des Auslandes hätte selbst einem weniger ideo- logen Minister des Auswärtigen zur heilsamen Warnung dienen können. Nicht klein wär dabei gewiß das Verdienst des Finanzministers von Scholz, der, seitdem er Unterstaatssekretär des Reichsschatzamtes geworden, mit großem Ernst und der ganzen «schärfe seines Verstandes in die Materie eingedrungen und ein überzeugter Anhänger der Goldwährung geworden war. Ferner gebührt eine besondere Anerkennung einem Manne, der in dieser Jdeenverbindung nicht genannt zu werden pflegt, aber auf Erwähnung ein gutes Recht hat, nämlich dem deutschen Diplomaten Herrn von Thielmann*), der Deutschland auf der Internationalen Pariser Münzkonferenz im Jahre 1881 vertrat und daselbst mit ausgezeichneter Sachkenntnis; nnd Gewandtheit den deutschen Interessen diente. Der Winterschlaf, in welchem die Münzreform seit 1879 über ein Dutzend Jahre, vorn Geräusch der Krieas- führung in Rede und Schrift unberührt, gelegen hatte, sollte nun endlich im Herbst 1891 unterbrochen werden. Dies erste Lebenszeichen einer verantwortlichen Regung ist dem jetzigen Ministerium Caprivi und seinen Räthen im Reichsschatzamt zu verdanken, und man geht wohl nicht fehl, wenn man daraus sowie aus mancherlei Wendungen, die im Lauf der letzten Reichstagssession von: Regierungstisch gefallen sind, den Schluß zieht, daß die Geneigtheit besteht, unter erträglichen Bedingungen uns überhaupt von einem Reste überschüssigen Silbers zu befreien. Als eine solche Gelegenheit war seit dem Erlaß des Münzgesetzes im Jahre 1873 die Wiederaufnahme der Baarzahlungen in Oesterreich angesehen worden, und zwar aus folgendem Grund. Zur Zeit des alten deutschen Bundes war zwischen den Ländern des ehemaligen Zollvereins und der österreichischen Monarchie im Jahre 1857 ein Münzver- trag geschlossen worden, der eine Art Geldgemeinschaft herstellen sollte. Die Basis war die Silberwährung, und das wechselseitige Verhältniß kam in dem Maßstab zum Ausdruck, daß ein Thaler deutschen Gepräges soviel Feinsilber enthalten sollte als anderthalb Gulden österreichischen Gepräges. Auf diesem Fuße sollten auch österreichische Münzen von anderthalb Gulden und von drei Gulden geprägt werden, welche als Thaler und Doppelthaler österreichischen Gepräges auch im deutschen Verkehr zuzulassen wären. Nach den Ereignissen von l866 wurde dies Verhältniß gekündigt. Die österreichischen Thaler blieben aber im Verkehr. Als Deutschland zur Goldwährung überging nnd provisorisch die Thaler mit einer Bewerthung gleich drei Mark in Gold beibehielt, wanderten die österreichischen Münzen, welche deutsches Bürgerrecht besaßen, begreiflicher Weise alle nach Deutschland. Als nun ferner der Silberpreis stark zu fallen begann und das Verkaufen der Thaler zum Silberpreis einen beträchtlichen Verlust für die deutschen Finanzen mit sich führte, sagte man sich, daß noch Hoffnung bleibe, für die österreichischen Thaler ohne diesen Verlust durchzukommen, weil Oesterreich doch früher oder später zur Wiederaufnahme seiner Baarzahlungen zurückkehren und *) Jetzt preußischer Gesandter in Hamburg. 8 dann diese österreichischen Thaler zu einem Werth einlösen müsse, der vom Fall des Silbers nicht berührt werden dürfe, gerade so wie es in Deutschland geschah. Darum verschob man es, bei der Einziehung von Thalern gegen Gold, an die österreichischen zu rühren, bereitete sich aber auf deren Rücksendung nach Oesterreich vor für die Epoche, wo dieses einmal mit seiner Reform Ernst machen sollte. Dabei hatte man sich aber doch ein wenig verrechnet. Bekanntlich ist gegenwärtig dieser Moment bevorstehend. Aber indem er näher rückte, ließ sich nicht erkennen, wie sich die österreichische Reform zu den österreichischen Thalern verhalten würde. Denn sie waren zwar auf österreichischen Münzstätten geprägt und trugen das Bild des Habsburgischen Kaisers, aber viel wichtiger als diele Herkunft und dieses Symbol war die Thatsache, daß sie sich sammt und sonders anf deutschem Gebiet befanden und daß ihre Besitzer nicht das geringste Interesse hatten, sie nach Oesterreich zurückzuschicken, denn daselbst waren sie im besten Falle L Mark 60 Pfennige werth, während sie hier gleich 3 Mark galten. Wenn also die österreichische Regierung mit einem Schlag die Klappe zugemacht, indem sie in ihrem Gesetzblatte von heute auf morgen erklärt hätte, diese Thaler gelten überhaupt nicht mehr, so hätte sich keiner ihrer Angehörigen darüber beschwert, und das Deutsche Reich hätte bei Einziehung dieser Stücke nichts gehabt als den trockenen Silberwerth, der zur Zeit nur etwa zwei Mark beträgt. Es hätte also eine Marck aufs Stück verloren. Nun war dagegen zu sagen, daß nach allgemeinen Nechtsgrundsätzen die österreichische Monarchie wohl nicht befugt gewesen wäre, die von ihr geprägten Münzen plötzlich in 'Verruf zu erklären, wie einst das Herzogthum Koburg - Gotha mit seinen berüchtigten Sechskreuzerstücken es gethan hatte, obwohl die Schande für sie minder groß gewesen wäre, denn sie hatte die Thaler ihrer Zeit vollwerthig ausgeprägt, und nur der zwischenzeitlich verminderte Preis des Silbers hatte dieselben entwerthet, während die koburgische Münze schon von Anfang an weniger werth war als ihr Name besagte. Aber — wie dem sei — es gibt in Sachen internationalen Münzrechtes kein unbestreitbares Gesetz und keinen Gerichtshof, bei dem ein Staat den andern verklagen könnte. Wenn also Oesterreich-Ungarn uns ruhig auf seinen Thalern sitzen lassen wollte, so wäre uns, um etwas Besseres zu erzielen, nichts übrig geblieben, als der Appell an die letzte Instanz, nämlich die der Kanonen. Dazu mochte sich das Deutsche Reich wohl nicht entschließen. Auch hatte Oesterreich noch einen guten Billigkeitsgrund für sich. Es konnte nämlich sagen: Warum habt Ihr so thöricht 9 lang gewartet? Hättet Ihr früher mir die Thaler angeboten, oder hättet Ihr sie früher selbst verkauft, so hättet Ihr viel weniger verloren und ich bei Abnahme auch. Warum wart Ihr so — ? Aber als guter Mensch und Verbündeter durfte Oesterreich sich doch nicht schlechthin ablehnend verhalten und so kam es zu einem Vergleich, den — nach Herkommen — wohl beide Theile schlecht finden, aber doch besser als einen guten Prozeß. Oesterreich ließ sich herbei, ein Drittel dieses Thalervorraths zu dem nominalen Werth von anderthalb österreichischen Gulden zu übernehmen. Da der Gesammt- betrag der noch vorhandenen auf etwa achtundsiebenzig Millionen Mark veranschlagt ist, so übernahm Oesterreich sechsundzwanzig Millionen Mark zu dem Gegenwerth von dreizehn Millionen Gulden, und diese Gulden waren zur Zeit des Abkommens in deutschem Geldwerth gleich 22 490000 Mark (der Gulden zu 1 Mark 73 Pf. gerechnet). Müßten wir dieselben Thaler heute lediglich zu einem Silberwerth von 39Pence per Unze verkaufen, so würden sie nur 17 700 000 Mark einbringen. Wir vermeiden bei diesem mageren Vergleich also nach den Preisen jenes Moments noch immer eine Einbuße von etwa vier und dreiviertel Millionen Mark. Auf die Zwcidrittel der achtundsiebenzig Millionen, die uns bleiben, tragen wir den ganzen Verlust, und Alles in Allem gerechnet liquidsten wir, immer unter Zugrundelegung des entsprechenden Marktpreises, denVorrath von deutschen Thalern österreichischen Gepräges mit einen: Minus von beiläufig zwanzig Millionen Mark. Aber über den Nachtheil dieses Verlustes*) geht weitaus der Vortheil, daß mit der Erbschaft des Jahres'1879 in bedeutungsvoller Weise aufzuräumen begonnen wird. In gegebener Zeit wird die Reichsregierung auf Grund der hier besprochenen Maßnahmen die österreichischen Thaler außer Verkehr setzen und den Rest, der nicht an Oesterreich abgegeben wird, einschmelzen. Damit verschwindet wieder ein Theil der Silberthaler, die gegen die Absicht und den Sinn der Reichsgoldwährung als vollwerthig gelten. Daß dann noch ein Rest in den Kellern der Bank, und ein anderer in den Händen des Publikums bleibt, ist zwar unschön und falsch. Aber gefährlich ist es nicht. Ob die etwa zweihundert Millionen Mark, die noch im Lande umgehen, als Dreimark- oder als Zweimarkstück dienen, hat nichts auf sich. Da die Fünsmarkstücke weder in Gold noch in Silber *) Es ist überhaupt kein Verlust, der durch die Realisirung entsteht, sondern einer, der durch sie tiquidirt wird. Bestehen thut er so wie so. 10 noch in Reichsschatzscheinen genügend vorhanden sind, so mag sogar ein Drennarkstück, obgleich nicht ins Dezimalsystem Passend, seinen Nutzen haben. In der Reichsbank werden nach dem Verschwinden der achtundsiebenzig Millionen Oesterreicher weniger als zweihundert Millionen Mark in deutschen Thalern bleiben, und da der Goldvorrath daselbst zwischen 600 und 800 Millionen Mark schwankt, in den Privatbanken, im Publikum und im Juliusthurm daneben sich noch etwa achtzehnhundert Millionen befinden, so sind wir damit der effektiven Reichsgoldwährung ganz nahe gekommen, wie die große Münzreform sie wollte und wie wir sie ohne die fatale Maßregel des Frühlings 1879 längst hätten. Nach Einziehung der österreichischen Thälerkönntedie Reichsregierung ganz unbedenklich die Reichsgoldwährung proklamiren, d. h. die noch vorhandenen Thaler zu Scheidemünze machen, wovon nicht mehr als zwanzig Mark bei großen Zahlungen angenommen zu werden brauchen. Eine logische Folge davon wäre, daß die Reichsbank in Zukunft den Stand ihres Metallvorraths nach Gold und Silber getrennt allwöchentlich bekannt gäbe, wie es in allen civilisirten und sogar nicht ganz civilisirten Ländern geschieht. II. Die Münzerform in Oesterreich. Wenn es, wie zu wünschen und auch zu hoffen ist, der österreichisch-ungarischen Monarchie gelingt, zu einer normalen, auf vollwerthiges Metallgeld begründeten Geldverfassung zu gelangen, so wird sie damit eine Periode unzulänglicher und nachtheiliger Zustände schließen, die auf nicht weniger als hundertunddreißig Jahre zurückgeht. Gegen Ende des siebenjährigen Krieges im Jahre 1762 wurde das erste Papiergeld, der sogenannte Bankozettel, geschaffen, ursprünglich ohne Zwangskurs und in mäßigen Beträgen, allmählich, in Folge der endlosen Kriegsverwlcklungen,'ins Ungeheure, bis über eine Milliarde Gulden steigend. Als es nach den Kämpfen gegen das revolutionäre und das kaiserliche Frankreich zu dem großen Staatsbankrott des Jahres 1811 kam, wurde die Milliarde Bankozettel auf den fünften Theil ihres Nennwerthes reduzirt, und auch für dieses Fünf- theil Papier wurden Einlösungsscheine an Zahlung gegeben, welche unter dem Namen „Wiener Währung" wieder zu trauriger Berühmtheit gelangten. Nach dem Frieden von 1815 hoben sich die Finanzen, aber im Laufe der Jahre gelang es trotz einer Reihe von Anläufen nicht, zur vollen Baarzahlung zurückzukehren. Im Jahre 1816 wurde die österreichische Nationälbank gegründet und mit ihrer Hilfe eine Beseitigung des Staatspapiergeldes versucht, die aber gleichfalls nie zum Abschluß kam. Neben den Banknoten, welche ihren vollen Nominalwerth österreichischer Silbergulden repräsentirten, blieb das Papiergeld, die Wiener Währung, im Umlauf, welches allmählich von der Bank im Verhältnis von 250 für 100 Gulden baar oder Noten eingezogen werden sollte. Aber die dadurch anwachsende Notenmenge verlor in Folge immer neuer Ansprüche des Staates an den Bankkredit ihre solide Grundlage, und als die Katastrophe von 1848 hereinbrach, trat alsbald die Nothwendigkeit ein, die Einlösung der Banknoten gegen Baar zu suspendiren und letztere mit Zwangskurs zu versehen. Seit jener Zeit wurden die Versuche, aus' der Wirrniß aufzutauchen, mehrmals er- 12 neuert, aber jedes Mal schien sich ein besonders boshaftes Geschick darauf zu verlegen, im entscheidenden Moment politische Ereignisse heraufzubeschwören, welche gerade vor Thorschluß die guten Vorsätze zu Schanden machten; so namentlich kurz vor dem Schluß des Jahres 1858, für dessen ersten November die Baarzahlung angekündigt war (und auch scheinbar einen Moment verwirklicht wurde), als der berüchtigte Neujahrsgruß Napoleons III das Signal zum italienischen Kriege gab. Im Jahre 1866 schien der National- bauk der Augenblick für die Beseitigung des Zwangskurses gekommen, als der Krieg mit Deutschland ausbrach. Auch zwei Münzverträge mit fremden Nationen sind zu verzeichnen. Im Jahre 1857 wurde mit den Staaten des deutschen Zollvereins jene Uebereinkunft getroffen, aus welcher die im vorigen Abschnitt besprochenen Thaler österreichischen Gepräges herstammen, also ein Vertrag aus Grund der Silberwährung. Im Jahre 1867 dagegen ging man mit Frankreich und, unter dessen Auspizien, mit den Staaten des lateinischen Müuzbundes ein Bünduiß ein, welches auf dem Gedanken der Goldwährung beruhte und zunächst in Ausprägung von Goldmünzen zur Ausführung kommen sollte (Achtguldeustücke gleich zwanzig Franken, auch Fünfundzwanzigfränkstücke). Aber die Silber- wie die Goldwährung verlief nach schwachen Anfängen wieder in den Sand der Papierwirthschaft. Inzwischen haben fünfundzwanzig Jahre friedlicher Entwicklung, besonders unter der Mitwirkung eines namentlich in Ungarn erstarkten, konstitutionellen Staatslebens, den Kredit der Monarchie nach und nach beträchtlich gehoben und allseitig den Gedanken aufgedrängt, daß der Moment für den Eintritt in die Reihe der mit ehrlichem Gelde versehenen Staaten gekommen sei. Wenn das Unglück nicht wieder unerwartet Friedensstörungen improvisirt, mutz man den Zeitpunkt für durchaus geeignet und günstig erklären. Haben auch die volksvertretenden Körperschaften in Oesterreich diesseits und jenseits der Leitha noch nicht ihr letztes Wort gesprochen, so bürgt doch die Haltung der gestimmten öffentlichen Meinung der Länder und der feste Wille der beiderseitigen Regierungen für eine feste Entschlußnahme, der auch' das Urtheil des Auslandes in hohem Grade zustimmend entgegenkommt. Der gesamnite Vorgang, schon so sehr wichtig und interessant vorn allgemein kulturgeschichtlichen Standpunkt aus, hat noch seine besondere Bedeutung für uns Deutsche, nicht nur wegen unserer engen politischen und wirthschaft- lichen Beziehungen zum Nachbarstaat, sondern wegen des 13 Lichtes, das er auf unsere eigenen Erlebnisse und Zustände verwandter Natur wirft. Wer die mündlichen und schriftlichen Expektorationen unserer Doppelwährungsfreunde alle die Jahre verfolgte, mußte auf den Gedanken verfallen, daß es ein wahres Glück für ein Volk fei, eine schlechte Währung zu haben, womöglich Papiergeld. Ohne Unterlaß erschollen die Klagen über den Schaden, den das unglückliche Deutschland zu tragen habe, weil die Länder, aus denen es feine Nahrungsmittel zum Theil beziehe, schlechteres Geld hätten, unterwerthiges Silber wie Ostindien, oder Papier wie Rußland und Oesterreich. Wenn das für Deutschland ein Unglück war, so mußte es doch mit nothwendiger Logik für jene anderen Länder ein Glück sein, und die Nutzanwendung wurde auch sofort in dem Schluß gezogen, oaß Deutschland sich ebenfalls schlechtes Geld anschaffen müsse, wohlfeiles Silber; von Papier wagte man, weil man sich den Schein der hohen Ehrbarkeit und frommen Sittlichkeit erhalten muß, nicht zu reden, aber dieselbe Logik führt unfehlbar zur Anpreisung herrlicher Papierwirthschast. Nun haben wir da ein Reich von vierzig Millionen neben uns, welches feit länger als einem Jahrhundert Gelegenheit hatte, mit diesem Glück in allen Lebenslagen Bekanntschaft zu machen, und dies Reich schmachtet seit vielen Jahrzehnten nach dem Augenblick, wo es diesem Glück entrinnen und zu dem entgegengesetzten Zustand sich aufschwingen kann. Keine Stimme wagt dort im Prinzip diesem Verlangen offen zu widersprechen. Allerdings gibt es einige Interessengruppen, welche ini Trüben der bisherigen dunklen Verhältniße wohl zu fischen verstanden und deren Fortdauer nicht ungern gesehen hätten. Aber laut zu gestehen wagt das doch keine von ihnen. Man muß gottesfürchtig und dreiste sein, um seinen einseitigen Vortheil — und dazu noch einen mißverstandenen — offen an die Spitze des Staatswohls zu setzen. Zum Ueberfluß ist Oesterreich noch viel mehr als Deutschland ein Ackerbau treibendes Land, hätte also, wenn die alles übertönende „Noth der Landwirthschaft" nur durch Geldverschlechterung kurirt werden könnte, viel mehr als Deutschland Grund, eine gesunde Währung von sich fern zu halten. Welche wahren Gründe hinter den falschen Vor- wänden der Geldverschlechterungstheorien stehen, welches die wahren Leiden sind, die ein Land mit schlechtem Geld zu tragen hat, dies aufzuführen ist hier nicht der Ort. Wer es kurz und faßlich, aus der besonderen Erfahrung Oesterreichs heraus geschildert, kennen lernen will, sei auf 14 eine Darstellung verwiesen, die als ein Muster von Klarheit und Schärfe empfohlen werden kann; das ist der Vortrug, den Professor Carl Menger in Wien vor der juristischen Gesellschaft daselbst im Monat Januar d. I. über diesen Gegenstand gehalten hat. Selten ist ein so schwieriges Problem so gründlich und anschaulich in einer kurzen Zusammenfassung dem Laien ins rechte Licht gesetzt worden, wie in dieser Rede.*) Gibt aber Oesterreich-Ungarns einmüthiges Verlangen nach der endlichen Erlösung aus schwankenden Geldunterlagen die beste Antwort auf die Jeremiaden, mit welchen unsere Bimetallisten das große Werk der deutschen Münz- reform herabzusetzen bemüht sind, so bieten die Grundzüge des bereits oeutlich festgestellten Planes der österreichischen Neuerung auch in ihren Einzelheiten die beste Widerlegung der falschen Behauptungen, auf welche jene Anklagen in Deutschland sich vornehmlich stützen. Da soll es die große Verirrung gewesen sein. daß Deutschland zur reinen Goldwährung gegriffen habe. Dasselbe will nun Oesterreich thun, nachdem die Probe zwanzigjähriger Theorie und Praxis darauf gemacht worden ist. Ohne Widerspruch hat die nach allen Seiten hin von den beiden Regierungen der Gesammtmonarchie in ihrer letzten Untersuchungskommission angestellte Prüfung dies Verdikt abgegeben. Welche Rechtfertigung — wenn für gesunde Augen eine nöthig wäre — für den richtigen Griff, den das junge Deutsche Reich in dem günstigen Moment alsbald nach dem Krieg gethan hat!**) Und ebenso interessant für uns ist eine andere Grundbestimmung, für welche sich nahezu mit Einstimmigkeit alle dazu herbeigerufenen Autoritäten erklärt haben. Der Maßstab, nach welchem das jetzt im Gebrauch befindliche Umlaufsmittel, das Papiergeld, in Gold umgewandelt wird, soll auf das Werthverhältniß begründet werden, in welchem die Geltung dieses Papiers sich zu seinem Tauschwerth gegen Gold in dem Augenblick des zu erlassenden Gesetzes befindet. Weder einstige noch künftige Werthschwankungen dürfen hier den Maßstab bilden, sondern nur die Gegenwart. Genau nach diesem Grundsatz ist seiner *) Abgedruckt unter dem Titel „Von unserer Valuta" in den Nummern 12 und 13 der in Wien erscheinenden „Allgemeinen Juristen- zeitnng" vom 20. Januar und 1. Februar d. I. **) Auch Aegypten und Rumänien und unter Frankreichs Protektorat Tunis sind neuerdings zur Goldwährung übergegangen. 15 Zeit in Deutschland verfahren worden,*) und es hat sich thatsächlich nicht ein konkreter Fall herausgestellt, aus dem heraus sich die Klage hätte begründen lassen, daß hierdurch Jemand positiv geschädigt worden wäre. Höchst lehrreich ist bei dieser Festsetzung des Ueber- gangs das eigenartige Phänomen, welches dadurch entsteht, daß nicht, wie in Deutschland und bei sonstigen Umwandlungen dieser Art, ein Metall in das andere umgewandelt wird, sondern Papier in Metall. Wir in Deutschland hatten das Konvertirungsverhältniß von Silber zu Gold festzusetzen. In Oesterreich aber besteht die Silberwährung zur Zeit nur dem Namen nach, in Wirklichkeit wird mit unein- lösbaren Papiergulden bezahlt. Diese Papiergulden aber — das ist das Schnurrige an der Sache — sind mehr werth, viel mehr zur Zeit, als wenn sie zu ihrem gesetzlichen, vollen Gehalt an Silber ausgeprägt wären. Mit einer Handvoll österreichischer Papiergulden in Form von Staatsscheinen oder Banknoten kann man in London mehr Gold kaufen, als eine Handvoll nominell den gleichen Betrag repräfen- tirende Anzahl von Silbermünzen zu ihrem Metallwerth erzielen würden. Wie diese wunderliche Erscheinung möglich geworden, ist nicht so schwer zu erklären, wie man denken sollte. Silber wird seit einer Reihe von Jahren viel mehr und mit geringeren Kosten aus Licht gefördert als ehemals, und da Gold diesem Beispiel nicht in gleichem Schritt gefolgt ist, so ist Silber auch im Verhältniß zum Gold um etwa ein Drittel weniger werth geworden. Hätte nun Oesterreich seine Prägeanstalten dem Publikum zur Ausprägung von Silber- gulden stets offen gehalten, so würden seine Gulden auf zwei Drittel ihres früheren nominellen Werthes gesunken sein. Statt dessen hob es dieses freie Prägungsrecht seit 1879 auf und beschränkte die Befriedigung der Umlaufsmittel auf die Geldzeichen, die theils in Staatsnoten, theils *) Es sei mir gestattet, hier zu bemerken, daß ich die Genugthuung gehabt habe, den Standpunkt, den ich persönlich bei der ersten grundlegenden Berathung der deutschen Münzreform vor länger als zwanzig Zähren vertrat) bei den gegenwärtigen vorbereitenden Erörterungen in Oesterreich zum Oefteren mit meinen eigenen Worten citirt zu finden. Ich sagte damals: „Ich bin der Ansicht, daß weder rückwärts gehende Durchschnittsnormen noch vorwärts gehende Berechnungen zu entscheiden haben, in welcher Proportion dieser Uebergang gegriffen werden soll, sondern einzig und allein der Moment, in dem der Uebergang bewerkstelligt wird." (11. Nov. 1871.) — Die bimetallistische Rabulisterei hat mir nachträglich die Legende unterzuschieben gesucht, als hätte ich dies im Glauben an die Dauerhaftigkeit des damaligen Silberpreises gethan, waS in direktem Widerspruch zum Sinn meines Argumentes und zu allen meinen übrigen Ausführungen steht. 16 in Banknoten bestanden.*) Beide Arten waren aber vom Gesetz ziffermäßig begrenzt und konnten über diese Ziffer hinaus nicht vermehrt werden. Und da diese Grenze vorsichtig gezogen und gewissenhafter Weise vor jeder Versuchung des Ueberschreitens bewahrt wurde, konnte das Papiergeld allmählich seinen Zahlungswerth verbessern, der ihm dadurch gesichert war, daß es für alle Verpflichtungen an den Staat und der Staatsangehörigen untereinander als Zahlungsmittel diente. So ist es gekommen, daß Dank einer allgemeinen Besserung der wirthschaftlichen Zustände und der vorsichtigen Leitung der Reichsgeschäfte ein papiernes Kreditzeichen von einem Gulden in deutschem Geld ausgedrückt, etwa eine Mark und 72 Pfennige gilt, während ein Silbergulden nur ungefähr eine Mark und 33 Pfennige werth ist. Das Nähere hierüber kann man in dem obenerwähnten Vortrag Professor Menger's gar anschaulich dargestellt nachlesen. Nichts aber bezeugt besser, wie recht ich hatte, schon vor sechzehn Jahren die „Entthronung des Weltherrschers" Silber vorauszusagen; denn dieser Exkönig läuft doch bereits demüthig hinter dem aus Lumpen (wenn auch den besten) gemachten Papier in Noten her und ist glücklich, in solche umgewandelt zu werden, wie LZura in den eben von Berlin nach Wien abgeschobenen Thalern zeigt. Auf Grund der hier angedeuteten Erwägungen wird wohl — wenn nicht große unvorhergesehene Veränderungen dazwischen treten — die Umrechnung aller bestehenden Verbindlichkeiten und die Einziehung des Papiers gegen Goldmünzen auf dem Fuß einer Werthrelation geschehen, die etwa, in deutschem Markgelde ausgedrückt, für einen österreichischen Gulden 1 Mark 72 Pf. darstellt.**) Unter den fünf Fragen, welche die Finanzminister der beiden Reichshälften den am 8. März d. I. in Wien und Pest zusammengetretenen Kommissionen der Sachverständigen vorgelegt hatten, interessiren uns neben den zwei erwähnten, ob reine Goldwährung und in welchem Umwandlungsverhältniß, vom deutschen Gesichtspunkte aus die drei übrigen nicht stark. Ob die Einheitsmünze, der -alte Gulden oder etwa die Hälfte desselben, also ein Stück im Werthe von 1,72 Mark oder eines von 86 Pfennigen sein *) Zuzüglich eines gewissen Betrags von Silbergulden, die die Regierung selbst zu prägen fortfuhr. **) Neuere Mittheilungen berichten überraschender Weise, daß das Verhältniß auf 2.10 Franken für einen alten Gulden gleich M. 1.70 deutsch fixirt werden solle. Das scheint, vorbehaltlich näherer Begründung, etwas zu niedrig gegriffen. 17 soll, welch' letzteres dem französischen Franken etwas näherkommen würde als der deutschen Mark; wie ein solches Geldstück getauft werden soll, können wir ruhig abwarten, ebenso die Entscheidung darüber, wieviel Staatsnoten (entsprechend den hundertundzwanzig Millionen Reichskassenscheinen) in Umlauf bleiben sollen. Nur die Frage, welche in der Enquete an zweiter Stelle aufgeworfen ist: „Wenn die Goldvaluta acceptirt wird, soll dabei auch Silbergeld in beschränkter Quantität in Umlauf bleiben (Silber-Cöurant)?" gehört nach ihrem Wesen in die Kategorie höherer allgemeiner Ordnung. Wohlbemerkt, es handelt sich nicht um Scheidemünze, sondern um Silbergeld, welches, obwohl minderwerthig, als Hauptzahlung der Goldmünze gleichgestellt werden, wenn auch im Gesammtvorrath beschränkt und nicht der freien Prägung zugänglich erhalten werden soll. Aus dem, was in dem ersten Theil gegenwärtiger Darstellung über die Verpfuschung der deutschen Münzreform gesagt worden ist, erhellt genugsam, wie sehr eine solche Idee aufs entschiedenste zurückzuweisen ist. Sie könnte viel verhängnisvoller werden als unsere Maßregel von 1879 aus Gründen, die hier vorzutragen zu weit führen würde. Viel besser ist es, die unvermeidlichen Uebergänge mit einem Provisorium des jetzigen Papiergeldes zu mischen als mit einem Deftnitivum von Silberzusätzen, die nur eine falsche Goldwährung darstellen würden. Selbstvertrauen und ganze Arbeit sind die Grundbedingungen jeder Rettungsmaßregel dieser Art. Endlich, und als Schluß der Fragen, die freilich nicht auf dem ministeriellen Bogen siguriren, bleibt die zu beantworten, ob Oesterreich das nöthige Gold austreiben könne und ohne die Geldzustände der Welt in Unordnung zu bringen. Darüber haben sich, allem Anscheine nach, die beiden Finanzminister vollkommen beruhigt, und sie haben damit ohne Zweifel sehr recht gethan. Die für's erste nothwendigen Anschaffungen von zwei bis dreihundert Millionen Gulden in Gold, auf einen mäßigen Zeitraum vertheilt, erheben keinen zu heftigen Anspruch an den Weltmarkt. Jahr um Jahr ist die Produktion des Goldes wieder im Wachsen. Man kann die eines einzigen Jahres auf den Betrag rechnen, welchen Oesterreich nach obiger Annahme im Ganzen für's erste braucht, und die Zunahme der Vorräthe, die sich in den europäischen Banken seit einiger Zeit anhäufen, — sie gehen in die Hunderte von Millionen Mark — zeigt deutlich, daß das berühmte Wort Bismarck's von der kurzen Decke zwar als Bild recht treffend und freilich auch naheliegend war, aber doch nur ein richtiges 2 18 Bild für eine unrichtige Behauptung. Von der That Bis- marck's, der Einstellung der Silberverkäufe, welche als ein Schiffbruch der deutschen Münzreform ausgegeben wurde, und von feinem falsch angewandten Bilde haben die Gegner der Goldwährung feit Zähren gezehrt. Was jetzt nach reiflicher Erwägung in Oesterreich-Ungarn beschlossen wird, liefert den Beweis, das; diese Argumente außer Kurs gesetzt sind.*) Die Regierung Oesterreich-Ungarns hat allen Anzeichen nach bereits im Zulande ein Quantum Gold aufgespeichert, nicht minder an Guthaben bei ausländischen Häusern sich eine starke Hilfstruppe parat gestellt. Den Rest soll eine Anleihe beschaffen, welche gute Aussichten hat. Nur vor einem Mißgriff dürfte dabei zu warnen sein. Es heißt, daß vor der Kontrahirung dieser Anleihe ein Konversionsprojekt fünfprozentiger bestehender Schuldbriefe in vier- prozentige inszenirt werben soll. Das wäre ein Fehler! Es mag ja Finanzmännern in und außer Oesterreich passen, die Gunst der Situation für solch ein gewinnbringendes Geschäft auszunutzen. Wenn die Finanzminister aber dieser Versuchung widerstehen und das erste Feuer der günstigen Stimmung der Geldmärkte für ihr allein richtiges Hauptprojekt der Goldbeschaffung dazu brauchen, um das Eisen zu schmieden, so werden sie den Regeln der Klugheit nachleben. Man muß niemals Hauptsachen den Nebensachen unterordnen, und das geschieht gar leicht, wenn man zuerst die Nebensache vornimmt und die Hauptsache dahinter stellt. Immer das Wichtigste zuerst! *) Eine sehr schlagende und gut belegte Auseinandersetzung hierüber liefert die neueste Schrift von Ottomar Haupt: „Gold, Silber und die Valuten-Herstellung". Wien 1892. III. Nord-Amrrika. Am Dienstag dem 22. März dieses Jahres bot der Saal des Hauses der Repräsentanten — auch schlechthin „das Haus" genannt — auf dem Kapital zu Washington ein ungewohntes Schauspiel dar. Der weite Raum für Abgeordnete und Zuhörer, deren allein er zweitausendfünf- hundert saßt, war zum Erdrücken voll. Im Publikum sah man die hervorragenden Persönlichkeiten der diplomatischen Welt, die Gesandten Englands und Frankreichs mit ihren Damen, und selbst die Chinas waren zur Stelle. Durch das Ganze wogte eine gewaltige Bewegung. Tausende von Telegrammen würden im Verlauf weniger Stunden mit nah und fern gewechselt. Eine solche dramatische Szenerie gehört aber zu den großen Seltenheiten in der Versammlung, welche jenseits des Ozeans die Geschicke von sechzig Millionen Menschen lenkt. In Paris sind die Sitzungen der Deputirtenkammer im Palais Bourbon an großen Tagen, wenn z. B. ein Ministerium gestürzt werden soll, der Anziehungspunkt für die elegante Gesellschaft; in noch höherem Maße thun dies bekanntlich die Sitzungen der Akademie, wenn em berühmter Mann seine Antrittsrede hält. Es hat immerhin auch sein Gutes, daß die Politik, die Litteratur und die Wissenschaft dazu dienen, die neusten Hüte und Kleiderschnitte, „sich und seiner: Putz" zum Bester: zu geben, und daß man des Abends sich bei der Konversation mit seiner Kenntniß auf der Höhe des Tages zu zeigen wünscht, nachdem man des Mittags auf der Tribüne ohne Gage mitgespielt hat. Behauptet doch der Moralist, daß selbst die Scheinheiligkeit ein Tribut des Lasters an dieTugend sei. Auch inBerlin geschah es zuweilen, daß etliche Standespersonen beiderlei Geschlechts in den Logen des Reichstags zu sehen waren, wenn Bis- marck eine große Rede angekündigt hatte; und ein- oder zweimal hat sogar sein Nachfolger dresen Triumph erlebt, nachdem er seinem Versprechens langweilige Politik zu machen, vorn unwiderstehlichen Zedlitz verführt, untreu geworden war. Freilich, in den Salons, soweit es etwas 2 * dieser Art hier gibt, wird man sich äußerst selten über Politik unterhalten oder gar aufgeregt haben. Wenn die Theilnahme des Publikums in dem Kongresse zu Washington eine Seltenheit ist, so rührt das von mancherlei Ursachen äußerer und innerer Natur her. Unter die äußeren gehört die erwähnte große Ausdehnung der Räumlichkeiten, welche im Verein mit dem rücksichtslosen, von Mitgliedern und Zuhörern verübten Lärm das Hören beinah unmöglich macht. Man behält zwar nicht den Hut auf dem Kopf wie im englischen Haus der Gemeinen, aber dafür ist das Rauchen gestattet. Unter solchen Verhältnissen ist es schon schwer, Aufmerksamkeit zu erobern. Dazu kommt nun der noch bedeutsamere innere Umstand, daß überhaupt der Schwerpunkt der Entscheidungen noch viel weniger als in anderen Parlamenten in den öffentlichen Sitzungen zu suchen ist. Im Schoße der geheim berathenden Ausschüsse wird beinahe Alles abgemacht, und die Verhandlungen im Plenum schrumpfen lediglich zu Abschlußformalitäten zusammen. Damit hängt weiter zusammen, daß die rednerische Ausschmückung, die auch anderwärts, wenigstens in oen nicht romanischen Parlamenten, im Rückgang ist. sehr wenig Ermuthigung findet. Die Redner lesen meistens ab und häufig machen sie sogar Gebrauch von der Erlaubniß, einen Theil oder das Ganze ihres Vortrags kurzer Hand für den Bericht in Druck zu geben, ohne die Versammlung damit aufzuhalten. Auch gehört es gar nicht zu den Seltenheiten, daß unter dem Schutz der allgemeinen Unaufmerksamkeit Beschlüsse gefaßt werden, welche so zu sagen incognito Gesetze werden; und beispielsweise auf dem Gebiete, das uns hier beschäftigt, konnte es geschehen, daß nach Jahren behauptet wurde, die Akte von 1873, welcke die Goldwährung einführte, sei ganz unbemerkt durch das Haus geschlüpft.' Wie gesagt, eine ganz andere war die Physionomie des Kapitols zu Washington an jenem vorletzten Dienstag des letzten Monats März.*) Das Merkwürdigste aber war der Anlaß, nämlich daß auf der Tagesordnung die Währungsfrage stand, der unsterbliche Kampf der Neuzeit zwischen Silber und Gold! Wenn Heuer im Deutschen Reichstag eine Währungsdebatte im Anzüge ist, so fragen die Abgeordneten halb ironisch, halb ängstlich bei den Eingeweihten an, *) Sonderbarer Weise nimmt der Monat März, schon durch seine Jden berühmt, eine fatalistische Stelle im Kalender des Jahrhunderts ein: Napoleon's Rückkehr von Elba. die Revolutionen des Jahres 1848 in Wien und Berlin, die Pariser Kommune von 1371, der Tod Kaiser Wilhelm's, die Entlassung Bismarck's und eben noch das unerwartet schnelle Ende des Volksschulgesetzes. 21 ob es wirklich Ernst damit werden solle. Bejahenden Falls zucken die meisten dann mit den Achseln, meinend, sie könnten sich das wohl schenken, und die Journalisten auf den Tribünen machen sich und ihren Zeitungen einen guten Tag, indem sie, ohne viel aufzupassen, in ihren Parlamentsbericht zwei Zeilen einfügen, des Inhalts, daß die bekannten Redner für und gegen wieder einmal ihre bekannten Argumente unter Unaufmerksamkeit des Hauses ausgetauscht hätten. Das Alles erklärt sich hauptsächlich daraus, daß solche Debatten immer mehr den, wie man sich ausdrückt, akademischen Charakter angenommen haben, wobei noch ganz besonders akademisireno der Umstand mitwirkt, daß die meisten Zuhörer, auch die auf der Journalistentribüne und vielleicht sogar einige der betheiligten Redner sehr wenig von der Sache selbst verstehen. Das allerakademischste aber liegt darin, daß die Wirklichkeit der Dinge neuerdings von solchen Verhandlungen bei uns ganz unberührt bleiöt. An dem Status guo ihrer Zustände zu rütteln denken zur Zeit weder England mit seiner Goldwährung, noch Frankreich und die lateinische Union mit ihrer hinkenden Währung. Deutschland vollends betrachtet seine Aufgabe in der Hauptsache als gelöst. Die Nöthe Italiens, Spaniens und Portugals gehören in das Gebiet der Staatsüberschuldung und nicht des Geldmangels. Die Zeit der großen Pariser internationalen Münzkönferenzen, auf denen das Heil der Welt berathen und beschlossen werden sollte, ist vorüber, und die bimetallistischen Propheten, die sich mit ihren Posaunentönen darauf hören ließen, sind verstummt. Am längsten hatte es noch der gute Laveleye ausgehalten, ein Mann von redlichen Absichten und schönen Kenntnissen. Aber er mußte sterben ohne Aussicht auf die Erfüllung seiner berühmten Prophezeiung: man werde dereinst dem Erfinder des Wortes Bimetallismus eine silberne Statue mit goldenem Kopf auf irgend einem Platz irgend einer Hauptstadt errichten. Zwar das Silber könnte mit der Zeit so wohlfeil werden, daß die Beschaffung des Rumpfes nicht zu schwer fiele, wogegen auf den, allerdings entbehrlichen, Kopf verzichtet werden könnte. In England, wo man seit 1876 eine Reihe breit angelegter Untersuchungskommissionen eingesetzt hatte und den fremden Nationen stets die Freude am Silber zu erhalten bemüht bleibt, scheint nach den letzten mühevollen und ergebnißlosen Anstrengungen auch endgültig Ruhe eingekehrt zu sein. Dagegen stieg in ihrer ganzen Höhe die Frage als eine von verhängnisvoller Entscheidung über das politische Schicksal der Vereinigten Staaten empor. Und das von 22 Rechts wegen! Hier war sie von Anfang an heimath- berechtigt und hier gehört sie hin. „Der Punkt, auf welchem allein die Freiprägungsbill sich abspielt, ist der, daß die Silberbarone nicht länger die Produkte ihrer Bergwerke zu dem heutigen billigen Marktwerth verkaufen, sondern für jede siebenzig Cents Silber hundert Cents in Gestalt eines Silberdollars haben wollen." So definirte treffend am ersten Tag des großen Kampfes der Abgeordnete Rayner von Maryland die Quintessenz des Streites. Alles Andere ist Beiwerk, und darum macht es sich so unendlich komisch, wenn die europäischen Staaten eingeladen werden sollen, an einer internationalen Konferenz — wo möglich auch noch auf dem bevorstehenden großen Konflux zu Chicago — theilzunehmen, um jene Minenbesitzer von ihren Schmerzen auf Europas Kosten zu kuriren. Im Folgenden sei mit ganz wenigen Strichen der Gang der Münzgesetzgebung der Vereinigten Staaten gezeichnet, soweit dies zum Verständniß der letzten Ereignisse untentb ehrlich ist. Während des Sezessionskrieges hatte bekanntlich Papiergeld eingeführt werden müssen, Orsandaoüs genannt. Seit Beginn der siebziger Jahre ging das Streben dahin, zuin Hartgeld zurückzukehren, und durch Kongreßakte vom 12. April 1873 geschah der erste Schritt dazu. Durch diese sowie durch eine ergänzende Verfügung von 1874 wurde die bis dahin gesetzlich in Kraft gewesene Doppelwährung beseitigt, die Ausprägung von Silberdollars ausdrücklich untersagt und bestimmt, daß bei Zahlungen nicht mehr als fünf Dollars in Silber angenommen zu werden brauchten. Dies vollzog sich um so leichter, als damals kein Silbergeld im Umlauf war. Als bald darauf und besonders seit dem Jahre 1876 das Silbermetall stark zu fallen begann, wurde eine Agitation zur Abänderung dieser Gesetze immer lebhafter betrieben. Ihren größten Erfolg setzte sie mit der bekannten Blandbill durch, so genannt nach dem Alaune, dessen Name auch in diesen letzten Tagen wieder an der Spitze des Silberantrags stand (die Blandbill wird auch oft nach dem Namen des Senators Allison genannt, der ihre Sache im Senate geführt hatte). Ursprünglich war der Endzweck schon damals auf freie Silberprägung wie heute gerichtet. Doch scheiterte dieser Plan, und man beschied sich zu der Vorschrift, daß jeden Monat von Staats wegen wenigstens für zwei Millionen und höchstens für vier Millionen Dollars Silber ge- 23 kaust und zu Dollars geprägt werden müßten, die als volle Zahlung im Verkehr dienen sollten. Zwar machte damals der Präsident Hayes von seinem Recht Gebrauch, die dahingehenden Beschlüsse des Kongresses, Repräsentanten und Senat, mit seinem Veto zurückzuschicken, aber so groß war der Eifer beider Körperschaften, daß beide am gleichen Tage denselben Beschluß nochmals mit der Zweidrittelmehrheit annahmen, welche das Veto des Präsidenten der Republik entkräftete und den Beschluß zum Gesetz machte. (28. Februar 1878.) So wurde das erste Beispiel eines Gesetzes gegeben, welches vorschreibt, daß die Anfertigung von Geld aus einem bestimmten Edelmetall nicht in dem Maß, als sich für solches Geld Bedarf zeigt, zu geschehen habe, sondern insoweit die Besitzer des Metalls Vorräthe zu verkaufen wünschen, aber auf dem Weg des freien Verkehrs kerne Abnehmer dafür finden können. Eine ganz ungeheuerliche Erfindung! Etwas ähnliches thun nur Regierungen, welche Papiergeld ausgeben, um ihre Schulden damit zu bezahlen. Wie bekannt und wie in allen Ländern des Westens erprobt worden, nimmt der Verkehr grobe Silbermünzen seit lange nur noch in sehr beschränkten Quantitäten aus, weshalb die geprägten Silberdollars in den Gewölben der Staatsschatzkämmer liegen bleiben und nur auf die Weise verwerthbar werden, daß man Papier — Silber- certifikate genannt — dafür ausgibt, dem die Dollars als Sicherheitsleistung dienen sollen. Man hatte gehofft, mittelst dieser permanenten Einkäufe den Preis des Silbers wieder zu heben und zu halten. Aber auf die Dauer vergeblich! Ein Betrag von achtzehnhundert Millionen Mark ist seit jener Zeit ausgeprägt und diese Dollarstücke schlafen zum allergrößten Theil unbeweglich in den öffentlichen Gewölben, die man eigens zu diesem Zweck anlegen und mit Festungswerken schützen mußte. Nachdem darauf eine endlose Reihe von neuen gesetzgeberischen Prozeduren gescheitert, nachdem alle Anschläge auf das Einsangen der europäischen Staaten für amerikanische Interessen mißlungen waren, kamen die Silberleute zu der Erkenntniß, daß die fortgesetzten Einkäufe auf Grund der Blandbill ihnen nicht helfen würden und daß es nur Eins für sie gäbe, die freie Silberprägung ohne Maß. Wenn jede zur Münze gebrachte Silberbarre von Staatswegen m Dollars umgeprägt werden und jeder solcher Dollar bei Zahlungen zu einem vorgeschriebenen Werth, der etwa dreiunddreißig Prozent seinen dermaligen Marktwerth übersteigt, angenommen werden müßte, nur dann könnte 24 Alles wieder gut werden. Doch stand der mächtig angeschwollenen Agitation im Wege, daß die Mehrheit der beiden Häuser im Jahre 1890 der republikanischen Partei angehörte, welche im Großen und Ganzen für solche freie Prägung nicht zu haben war, während die sogenannte demokratische Partei in ihrer Mehrzahl dazu neigte. Aber wenn deshalb auch die Anträge auf freie Silberprägung nach langem Kampfe nicht obsiegten, so wurde den Urhebern derselben doch ein — wenigstens allem Anscheine nach — sehr großes Zugeständniß gemacht. Aus Gründen politischer Taktik, weil jede Partei mit der über gewaltige Mittel verfügenden Silberagitation rechnen muß, und um der Gefahr eines schließlichen Triumphes der freien Prägung zu entgehen, ließ der Schatzsekretär Windom mit Hilfe des Senators Sherman im Sommer 1890 einen Antrag einbringen, wonach zwar keine Dollars mehr ausgeprägt zu werden brauchen, dagegen aber jährlich für mehr als doppelt so viel Silber angekauft werden muß. Dieser Antrag wurde nach endlosem Hin- und Herschieben zwischen Senat und Repräsentantenhaus, nach krampfhaften Gegenversuchen der rabbiaten Freiprägungspartei, auf dem Wege einer gemeinsamen Delegirtenberathung beider Häuser (Caucus) endlich zum Gesetz erhoben (14. Juli 1890) und trägt den Namen der Shermanbill, welche damit an die Stellender Blandbill getreten ist. Von nun an sollten statt der 24 Millionen Dollars, die jährlich für Silberverkäufe und Ausprägung zu verwenden waren, 64 Millionen Unzen Silber angekauft und entweder ausgeprägt oder in Barrenform aufgespeichert werden. Das bedeutete, verglichen zur Blandbill, je nach dem Stand des Silberpreises ein Quantum von mehr als doppelt so hohem Werth. Man beabsichtigte damit grade die jährliche Silber- produktion des Landes zu absorbiren. Allgemein hatte daher nicht nur in Amerika sondern in der ganzen Welt sich die Ansicht festgestellt, daß durch diese verdoppelte künstliche Nachfrage der Preis des Silbers enorm getrieben werden würde. Man sah ihn schon in Amerika aus seine frühere Normalhöhe von 129 Cents und entsprechend in London 59 Pence emporklettern. In der That berührte er in Newyork 120 und in London 56. Aber die Freude war eine kurze. Sehr bald trat ein Rückschlag ein und ein Sturz, wie mau ihn noch nicht erlebt hatte, bis auf M/? in Amerika und 39 iir England, trotzdem der Schatz der Vereinigten Staaten im letzten Fiskaljahr 1890/91 über 48 Millionen Unzen Silber erworben hatte. Die Bergwerke und Schmelzanstalten hatten 25 in Erwartung der Maßregel mit Anspannung aller Kräfte produzirt. Die Silberleute innerhalb und außerhalb des Kongresses hatten in gleicher Erwartung enorme Spekulationskäufe gemacht. Aber selbst die gewaltigen Beträge, welche das neue Gesetz absorbirte, waren nicht im Stande die Massen zu verschlingen, welche angeboten wurden. So war denn der Beweis geliefert, daß alle noch fo ungeheuren Käufe und Ausprägungen von Staatswegen nicht helfen konnten. Und abermals fahen sich die Interessenten auf die einzige Zuflucht, das Stichwort der freien Prägung hingedrängt. Inzwischen hatten sich nun auf dem wirthschaftspoli- tischen Gebiete Umwandlungen von gewaltiger Bedeutung vollzogen; der Kampf um' das Silber sollte zum Kampf um die Macht zwischen den beiden großen Parteien des Landes werden, insbesondere zum Kampf um die Präsidentschaft. Und dazu kam noch, daß diese tiefgreifende Evolution sich aus einer anderen wirthschaftlichen Wendung heraus entwickelte, die bereits das größte Aufsehen in der Welt erregt hatte. Nämlich der Sieg der extremen Schutzzollpartei, welche die Mac Kinley Bill erkämpft hatte, schien dazu bestimmt, auch den Sieg der Silberpartei herbeizuführen; nicht etwa weil, wie bei uns in Deutschland schutzzöllnerische Agrarier und Bimetallisten zusammengingen, sondern eher umgekehrt, weil in Amerika Jndustrieschutzzöllner und Silberleute einander gegenüber stehen und befehden. Mit der Mac Kinley Bill hatten die Republikaner im Kongreß gesiegt. Die tolle Uebertreibung, in welche sich die schutz- zöllnerifche Mehrheit hineinfanatisirt hatte, rief unmittelbar nach Erlaß des Gesetzes eine ebenso gesunde als unwiderstehliche Reaktion im Lande hervor, und das Ergebniß stellte sich darin ein, daß die Neuwahlen zum Repräsentantenhaus oie republikanisch schutzzöllnerische Mehrheit im Sturm hinwegfegten und an ihre Stelle eine erdrückende Majorität von Demokraten absandten. Soweit war Alles gut. Aber die demokratische Partei war, wie schon erwähnt, vorwiegend silberfreundlich, und darum kam nun neue Hoffnung in diese Reihen. In den Kongreß, welcher im Herbst 1891 zusammentrat, sollte daher wieder der Antrag auf freie Prägung eingebracht werden. Der Senat schien von vornherein gewonnen. Denn schon am Ende der vorhergehenden Legislatur hatte er einen dahingehenden Antrag genehmigt, der nur an der entgegengesetzten Richtung des Repräsentantenhauses gescheitert war. Nochmals belebten sich jetzt also die Hoffnungen, und 26 die Stimmungsberichte aus den Vereinigten Staaten vermeldeten, daß die Anhänger der ehrlichen Goldwährung sich auf eine Niederlage gefaßt machten. Nur Eins war höchst auffallend. Trotzdem alle politischen Berechnungen den Sieg Blands sehr wahrscheinlich machten, wollte der Silberpreis sich von seinem tiefen Fall nicht wieder erholen. Der Instinkt der realen Interessen zeigte bessere Witterung von den kommenden Dingen als alle noch so schlauen Kalkulationen der Maschinenpolitiker. Eigenthümliche Verschiebungen brachte in diese doch schon hinreichend komplizirte Lage der bevorstehende Kampf um die im Lommer dieses Jahres vorzubereitende und im Herbst zu entscheidende Wahl eines Präsidenten der Republik. Nicht sowohl wegen der Entscheidung zwischen den Parteien als wegen derjenigen zwischen den Kandidaten innerhalb derselben Partei. Vor allem muß nämlich daran erinnert werden, daß die beiden großen politischen Parteien sich durchaus nicht mit diesen wirthschaftlichen decken. Es gibt auch bei den Demokraten ganz entschiedene Gegner des Silbers, wie es unter den 'Republikanern eine Anzahl Freunde desselben gibt. Und dazu steht zwischen beiden eine dritte, unabhängige, welche aus ehrlicher Ueberzeugung sich über die Parteischablone erhebt und den sonderbaren aus der Jndianersprache geholten Namen der Mugwumps trägt. Nachdem nun die Demokraten bei den letzten Wahlen für den Kongreß gesiegt hatten, schienen natürlich ihre Aussichten für die Präsidentschastswahl sehr gewonnen zu haben. Der jetzige Präsident Harrison, ein Republikaner und erklärter Gegner der freien Prägung, sollte voraussichtlich einem demokratischen Kandidaten weichen. Doch hier standen innerhalb der Partei abermals die Gegensätze aus. Der bei weitem beste Name für die demokratische Kandidatur wäre der vorletzte Präsident Grover Cleveland, ein Mann, der mit dem Rufe höchster Integrität und bedeutender Fähigkeit von seinem Posten abgetreten war. Und dieser Mann ist eben deshalb ein abgesagter Feind des Silberschwindels. Sein Rivale innerhalb der Partei, Hill, jetzt Senator, vormals Gouverneur des Staates New-Iork, liebäugelt mit dem Silber. Ein demokratischer Sieg des freien Silbers im Kongreß würde nun die Aussichten Hill's aus Nomination gehoben und die Cleveland's herabgedrückt haben. Im Uebri- gen aber war der Name Cleveland für den Kampf um den Präsidentenstuhl eine viel bessere Fahne als der Hill's. Diejenigen Republikaner nun, welche mehr Werth daraus legten, bei der Präsidentenwahl zu siegen, als bei der Ablehnung 27 des Silber-Antrags, klügelten aus, daß es vielleicht gar nicht so übel wäre, den Demokraten zu einem Silbersieg zu verhelfen, um ihrem Cleveland den Weg zu verlegen. Der gegenwärtige Präsident Harrifou, republikanischer Kandidat für die nächste Wahl, würde sich durch ein Veto gegen die neue Blandbill populär machen. Ein Sieg über die Demokratie schien ihnen unter Hill's Kandidatur dann um so leichter zu erringen. Daher machte eine Anzahl Republikaner Miene, den Demokraten in der Silberfache unter die Arme zu greifen. Andererseits gab es dafür Demokraten, welchen die Bekämpfung des Silberschwindels mehr am Herzen lag, als alles andere. Ohne Rücksicht auf die Präsidentschaftskampagne kam es ihnen vor Allem darauf an, in ihren eigenen Reihen so viel Stimmen als möglich vorn Silber-Programm abspenstig zu machen. Dabei hatten sie noch die Hoffnung, daß wenn sie damit siegten, auch die Kandidatur Cleveland und die Beseitigung Hill's gesichert war. Gerade die stärksten und fähigsten Elemente der demokratischen Partei sind für ehrliches Geld; vor allen Dingen der wichtige Staat New-Iork, in den: sich die reellen Finanz- interesfeu vereinigt finden; ferner die gebildeten und tüchtigen Neu-Englandstaaten, voran Mafsachusets mit seinem unermüdlichen Vorkämpfer Eduard Atkinson aus Boston. Die Kerntruppeu derSilberleute stehen natürlichindenStaaten, ivo die Bergwerke liegen,*) ferner im tar^Vobt, wo die Farmer, die amerikanischen Agrarier, sitzen und in einem Theil der südlichen Demokratenstaaten. Was auf dieser Seite nicht von Silber-Interessen unmittelbar oder mittelbar beherrscht wird, gehorcht agrarisch-demagogischen Strömungen, welche meinen, der Staat könne seine Bürger damit reich machen, datz er künstlich den nominellen Geldwerth steigere und ein wohlfeil hergestelltes Geld unter die, welche zu wenig besitzen, vertheile. Das ist der Grundgedanke der Farmer-Allianz und der Partei, welche sok't mons^, wohlfeiles (wörtlich weiches) Geld verlangt und welche in Hoffnung auf ein solches Ge- Wie sehr gerade die Silberproduzenten Amerika's an der Sache interessirt sind und in welchem Masse die Silberprodnktian seit dem Jahre 1873 zugenommen hat, erhellt aus den neuesten Zahlen, die soeben der Münzdirektor der Ver. Staaten dem Kongreß vorgelegt hat. Er veranschlagt die gesammte Silberproduktion der Welt auf 140,865,000 Unzen fein, von' welchem allein in der Republik 58,330,000 produzirt wurden. Im letzten Jahre war die Produktion daselbst um acht Millionen Unzen gewachsen, und den 58 Millionen dieses letzten Jahres standen im Jahre 1873 (Jahr der deutschen Münzreform) nur 27Vs Million gegenüber. Die Gesammtproduktion der Welt hat sich seit jenem Jahr 1873 mehr als verdoppelt, ist von 63,267,000 auf 140,865,000 Unzen gestiegen! 28 setz auch den Demokraten geholfen hatte, die Republikaner bei den letzten Wahlen zu schlagen. Einen interessanten Einblick in die treibenden Ideen dieser Art von Silberfreunden gibt die Denkschrift der sogenannten Arbeiterbundesgenossenschaft, I^abour ooutsäa- ration, welche am 21. Januar 1891 unter den Auspizien des Abgeordneten Bland dem Währungsausschutz des Kongresses überreicht wurde. Dieser Bund umfatzt, wie der die Petition derselben für freie Prägung überreichende Delegirte Dunning erklärte, die Allianz der Farmer, die Ritter der Arbeit (XuiAÜts ok Iiabour), die nationale Bürgerallianz, die der farbigen Bürger, im Ganzen angeblich vier Millionen Stimmberechtigte. Sie verlangen in ihrer Petition Abschaffung aller Nationalbanken mit Notenausgabe; an Stelle der Noten soll Staatspapiergeld treten „in zureichendem Umfang um die Geschäfte des Landes ohne Bevorzugung oder Benachtheiligung für irgend einen Stand oder Beruf zu versorgen und von diesem Geld soll deni Volke, wenn von ihm verlangt, geliehen werden (rvllsu äsmunckaä dzrtüspsoxlls 8Üall bs loansck to tllsm) zu nicht mehr als zwei Prozent jährlich auf Unterpfand von nicht dem Verderben ausgesetzten Gegenständen und auf unbewegliche Güter."*) Zu dieser Vertheilung von Staatspapiergeld soll nach demselben Programm noch die freie Ausprägung von Silber hinzutreten. Es ist überflüssig, auszuführen, welche Einwürfe den Geldvertheilungsprojekten entgegengehalten werden. Erhebt sich doch schon gegen die bisher geübte Praxis der sich anhäufenden Staatskäufe der Einwand, datz das Gold immer mehr aus dem Lande gedrängt werden und schließlich der Moment kommen mutz, wo dem Staatsschatz auch das Material fehlen wird, um seine in Gold kontrahirten Verpflichtungen zu bestreiten. **) Diese Verpflichtung haben die Vereinigten Staaten namentlich in der sogenannten Resump- tionbill ini Jahr 1875 übernommen, in der sie nach amtlichen, seirdem mehrmals wiederholten Erklärungen ausdrücklich zusagten, die Zahlungen, die sie an Zinsen und *) Es ist sehr bezeichnend, daß diese agrarischen Bimetallisten auch ganz kürzlich zwei Anträge gegen den Terminhandel im Kongreß eingebracht haben, weil sie meinen, daß er ihnen die Kornpreise verderbe. )?uitout eorarns el>S 2 norm! ") Nach der Berechnung des Londoner Economist vom 9. April d. I. hat sich der Goldvorrath des Staatsschatzes, welcher zur Bestreitung der auf Gold lautenden Verpflichtungen bestimmt ist, seit 1890 um die Halste verringert, ist von 56 o/o auf 26 o/o des zur Deckung der betreffenden Schulden nöthigen Betrages zurückgegangen und dies Mißverhältniß wächst immer weiter. Kapital aus ihren Anleihen übernommen haben, in Gold zu leisten. Es ist niemals ein Zweifel daran zugelassen worden, daß das Versprechen, „in ooin" in baar zu zahlen, als Gold verstanden wurde. Jetzt kommen die Silberagitatoren mit der Behauptung vor, man könne das auch auf Silber deuten. Der Effekt dieser Auslegung hat in den Bewegungen des letzten Jahres bereits eine drastische Rolle gespielt. Nämlich den Warnungen, daß die Gefahr der Silberrnvasion das Gold ganz aus dein Lande treiben werde, meinten die Silberleute mit der Behauptung widersprechen zu können, daß vorerst nicht daran zu denken fei, weil die ichlechten Getreideernten Europas die Ausfuhr unermeßlich steigern und Europa zum Schuldner Amerikas machen würden. Aber schon jetzt, noch ehe die Sünde eines falschen Systems zur That werden konnte, rächte sich dieselbe und zeigte auf den begangenen Irrthum hin. Die bloße Furcht vor dem Silberschwindel und vor der Möglichkeit einer Abläugnung der Goldschuld (Repudiation) übte einen stärkeren Druck'auf die wechselseitigen Beziehungen beider Welttheile aus als die bereits eingetretene Kalamität der Mißjahre. Trotz der starken Ausfuhr von Getreide, trotz der gewaltsamen Einschränkung der Waareneinfuhr in Folge der Mac Kinley-Bill kam es nicht zur Goldeiufuhr nach Amerika, sondern zu einer Goldausfuhr nach Europa in beträchtlicher Höhe. Und das rührte daher, daß in Europa ein Mißtrauen in die Ehrlichkeit der Vereinigten Staaten aufstieg, welches die Besitzer amerikanischer Papiere und namentlich der Staatsschulden- verschreibungen bewog, sich ihres Besitzes zu entledigen und sie in Goldwährung einzukassiren, so lange noch in Gold gezahlt werde. Darum konnte es auch geschehen daß der Silberpreis immer mehr herunter ging selbst in den Tagen, als alle Anzeichen darauf hindeuteten, daß die Partei der freien Prägung im Kongreß siegen werde. Niemals, seitdem die Geschichte von diesen Dingen überhaupt etwas weiß, hat Silber am Gold gemessen auch nur annähernd so niedrigen Werth gehabt als gerade in den Tagen des März, in welchen die verhänguißvoüe Spunde des Triumphes der Silberpartei zu schlagen schien. Bland, der Herr der Situation, hatte ausgerechnet, daß er über eine Mehrheit von vierzig Stimmen gebiete, seine Gegner hielten sich für mit wenigstens zwanzig Stimmen geschlagen. So kam der große Tag heran, der 22. März. Wie er äußerlich auf dem Kapital sich ankündigte, ist bereits in den ersten Worten dieser Darstellung geschildert worden. Mit dem Verlauf der Debatten und Abstimmungen selbst könnte man Bogen füllen. Um all das dramatisch und politisch 30 zu würdigen, müßte der Leser in alle Finessen und Winkelzüge der eigenthümlichen parlamentarischen Geschäftsordnung des Landes eingeweiht sein. Die Gewalt der Mehrheit über die Minderheit ist eine beinahe diktatorische, aber dafür ist die Minderheit wieder mit allerhand Rüstzeug versehen, das ihr gestattet, ihr Leben bis zum äußersten zu vertheidigen. Sie führt mit Handwaffen und Seitensprüngen einen wahren Buschkrieg gegen die Kanonen der Mehrheit. Was in europäischen Parlamenten an Taktik aufzubieten ist, bleibt Kinderspiel gegen die gelehrten Kombinationen zu Washington. Man denke sich auf der einen Seite einen Präsidenten, den Sprecher, der nicht nur, wie bei uns, von der Mehrheit, sondern eingestandenermaßen für die Mehrheit gewählt ist, deren Interessen er ganz unverfroren wahrnimmt. Und dieser Präsident ernennt die bei uns von den Parteien erwählten Mitglieder der Aus- schüsse aus eigener Machtvollkommenheit; er selbst auch, nicht der Ausschuß, ernennt wieder den Vorsitzenden des letzteren und verfügt mit diktatorischer Gewalt über den Gang der Verhandlungen, so weit nicht die Gegner aus dem Arsenal der Geschäftsordnung Werkzeuge Herbeibringen können, die diese Diktatur wieder lahm legen. Was wir Obstruktion nennen, was aber hier gerechte Nothwehr ist, nennen die Amerikaner slibustieren, Mbustsi-. Vor diesem Flibustern und vor diesem allein hatten die Silberleute Angst. Der Präsident des Hauses, Crisp, ein Silbermann, hatte den Abgeordneten Blaud selbst zum Vorsitzenden des Ausschusses, der zugleich als Referent sigurirt, ernannt. Gleich zum Beginn der Verhandlungen erklärte dann auch Herr Bland, er werde dem Hause nicht mehr als drei Tage Zeit geben, es war an einem Dienstag; am Donnerstag Mittag um zwei Uhr werde er die Debatte zum Schluß bringen; ferner wurde, nachdem er selbst anderthalb Stunden gesprochen, verfügt, daß wegen der massenhaften Anmeldungen von Rednern der Gegenpartei, diesen nur, je nach dem einzelnen Fall, fünf, zehn oder höchstens fünfzehn Minuten Zeit für ihre Vortrüge eingeräumt werden sollten. Dagegen blieb Jedem unbenommen, eine beliebig lange Rede im Protokoll drucken zu lassen. Später wurde versucht, den Schluß bis zum Sonnabend hinaus zu schieben, und Bland zeigte sich geneigt, bis zum Freitag mit sich akkordireu zu lassen, aber ein anderer wüthiger Silbermann legte sich dazwischen. Das- Haus war so voll wie noch nie. Am folgenden Tag brachte ein Silbergegner einen Antrag auf Tages-Ordnung ein, der 31 ganz überraschender Weise 148 Stimmen gegen 147 bekam. Nun sprang der Sprecher Crisp ein und gab mit seiner Stimme den Ausschlag nach der andern Seite, so daß der Antrag mit Stimmengleichheit abgelehnt war. Daraus erhob sich der Protest, es sei salsch gezählt worden, und nachdem dies plausibel gemacht worden, ersolgte eine neue Abstimmung. Aber hier unterlagen die Silbergegner mit ein paar Stimmen. Die Debatte ging weiter. Einige Redner, die bis dahin unbekannt waren, machten großen Eindruck. Alte Parlamentarier sind dort eine Seltenheit, die Perioden dauern nur zwei Jahre, und Alles wechselt im raschen Fluß der Ereignisse. Der derbste Silberfeind war ein solcher Neuling, Harter von Ohio. Eine Episode seiner Rede beschreibt eine Zeitung wie folgt: Als Herr Harter schilderte, wie die Silberbarone das Volk an der Kehle packen, um es zur Prägung ihres Silbers zu zwingen, ergriff er den Stuhl, auf welchen Herr Mac Karg vor ihm saß, und rüttelte dermaßen daran, daß der Vormann entsetzt in die Höhe fuhr. Dabei ließ er sich unter anderem zu folgenden Ausbrüchen fortreißen: „Jetzt verlangen diese Silberbarone, daß die Regierung eingreife und ihr Silber, welches sie nicht einmal zu 90 Cents die Unze verkaufen können, ihnen zu 129 abnehme und damit das Gewerbsleben des Landes vernichte und des Volkes Wohl und Glück zerstöre. Dies ein schweinisches Verfahren nennen, to ckssoribs tllio s.8 lloMisllusss, hieße das nützliche Thier verleumden; so etwas hat mehr Ähnlichkeit mit des Teufels Gier, als mit dem Instinkt irgend eines uns bekannten Thieres." Am Schluß seiner Rede beschlich ihn selbst die Empfindung, daß er etwas heftig gewesen sein möge, und er sagte: „Ich bitte um Verzeihung, wenn ich ein Wort gesprochen haben sollte, welches die Gefühle irgend eines Mitgliedes unseres Hauses verletzt haben möchte." (!) Dieser Redner gehört sogar bezeichnender Weise zu der demokratischen Partei, die in ihrer großen Mehrheit für silberfreuudlich gilt. Und trotz der Maßlosigkeit einzelner Aeußerungen und der auf fünfzehn Minuten beschränkten Dauer brachte er eine Fülle wirksamer Thatsachen und Zahlen vor. Am meisten aber schlug ein, daß der Redner ein Amendement für den Fall, daß der Silberantrag durchginge, folgenden Inhalts ankündigte: Wenn auch schrankenlos geprägtes Silber als volles Geld Zahlungskraft erlangen sollte, so dürften ausnahmsweise fernerhin nur in Gold bezahlt werden Sparkassenforderungen, Pensionen und Arbeitslöhne. Diese schlau berechnete Klausel verbreitete Schrecken in den Reihen der Silberleute. Sie 32 kehrte scharf die Schattenseite ihrer Machination heraus und legte ihre demagogischen Wirkungen lahm. Nach Harter folgten noch eine Reihe gewaltiger Redner derselben Richtung, und es verbreitete sich das Gefühl, die grimmige Energie, mit welcher die Silbergegner kämpften, enthielte eine ernste Warnung, daß Bland's Sache verloren sei, wenn es der Opposition gelänge, die Verhandlungen noch hinauszuziehen. Von Stünde zu Stunde häuften sich die telegraphischen Meldungen, daß ein Umschlag sich selbst bei den demokratischen Wählerschaften des Südens rege, welche anfangs ihren Abgeordneten vorgeschrieben hatten, für Silber zu stimmen. Dem parlamentarischen Brauch des Kongresses gemäß finden während der Debatten und ihrer geschäftsordnungsmäßigen Züge und Gegenzüge beständig neue Besprechungen sowohl zwischen Abgeordneten als zwischen diesen und Nichtmitgliedern statt. Diesmal hörte das Anstürmen gar nicht aus. Eine Delegation der silber- seindlichen Demokraten, welche von New-I)ork am Mittwoch herübergesahren und ihren Parteigenossen scharf zu Leibe gegangen war, reiste am selbigen Abend nach Hause mit der Beruhigung, daß die Silberleute geschlagen würden. Um den Gang der Verhandlungen zu beschleunigen, beraumte der Sprecher noch Abendsitzungen an. Aus die angekündigte Stunde von Donnerstag zwei Uhr gelang es doch nicht, zu einer Schlußabstimmung zu kommen. Man vertagte sich auf den Abend. Am Donnerstag gegen Mitternacht war der Sprecher zur Ueberzeugung gekommen, daß es höchst gewagt sei, eine Abstimmung vorzunehmen. Die Lage war unter dem Druck der wachsenden Stimmung gegen die neue Blandbill im Hause wie im Lande so ge- sährlich geworden, daß die Entscheidung nicht riskirt werden konnte. Um halb ein Uhr Nachts erklärte Crisp, das Haus sei nicht beschlußfähig und vertagte die Verhandlung aufs unbestimmte, d. h. so, daß sie nach dem vorschriftsmäßigen Gang der Geschäfte in der gegenwärtigen Session nicht wieder aufgenommen werden kann. Damit war die Niederlage des Silbers besiegelt. Ein ungeheurer Aufschrei der Erlösung durchlief das ganze Land, denn wo immer Sinn und Interesse für geordnete wirtschaftliche Zustände waltet, war mehr und mehr die Ueberzeugung durchgedrungen, daß man vor einem Abgrund stand. Wenn die Wirkung dieses Ausganges nicht entfernt so drastisch in Europa zur Geltung kam, so rührte das daher, daß man hier weder die drohende Gefahr, noch die Wucht der Entscheidung so genau zu begreifen im Stande war. Denn wäre das halsbrechende Experiment Thatsache 33 geworden, so würde die Wirkung unfehlbar auch die europäischen Verhältnisse tief in diese Wirbel mit hereingezogen haben. Selbst in den Vereinigten Staaten brach sich die Erkenntniß von der großen Bedeutung des parlamentarischen Vorgangs erst nach Tagen Bahn. Eben weil es nicht zu einer förmlichen Abstimmung gekommen war, sondern die Sache in einer Versenkung der Geschäftsordnung verschwand, bedurfte es der kundigen Auslegung. Aber sowie es völlig tagte, war der Effekt ein ungeheurer. Einige nachträgliche Versuche, den Antrag durch besondere Krastmittel im Repräsentantenhaus oder im Senate wieder zu beleben, mißlangen und nun wurde es klar: der Prozeß der Silberleute und Jnflationisten (der Werth- und Geldaufbläser) ist verloren iür lange, wahrscheinlich für immer. Denn so groß war die Gefahr ihres Sieges nie gewesen, so gut hatten ihre Chancen nie gestanden. Waren sie jetzt abgeschlagen, so lag darin der Beweis, daß sie nicht mehr zu fürcksten waren, daß der Verstand und das Rechtsgefühl des Landes in der letzten Stunde zum Bewußtsein erwacht und damit unüberwindlich geworden waren- Vermuthlich ivird mit diesem Ende auch der Anfang der Bewegung gegen die jetzt noch in Kraft befindliche Shermanbill, welche den Kauf der 54 Millionen Unzen jährlich vorschreibt, eingeleitet sein. Auch sie kann auf die Länge nicht bestehen. Endlich dem Humbug einer internationalen Konferenz zur Verständigung mit den anderen großen Staaten behufs einer künstlichen Festsetzung des Werthverhäitnisses ist damit die Maske der Ernsthaftigkeit abgerissen. Die Silbergegner hatten sich dieses Vorschlages als einer unschädlichen Diversion bedient, um schwachen Gemüthern einen Trost und verschämten einen Rückzug zu bieten. Jetzt, wo die Hauptgefahr vorüber ist, kühlt man dunkel, daß es Thorheit wäre, an das Gelingen eines solchen Versuchs zu glauben. Zu wiederholten Malen hatte man von Amerika aus das Terrain in Europa auf solch eine Zumuthung hin versucht, aber vergebens. Noch im vorigen Jahre erklärte Präsident Harrison in dürren Worten offiziell, daß seine Anfragen nirgends Gegenliebe gefunden hätten. Und jetzt sollte ein europäischer Staat, sollte gar England oder Deutschland für ein solches Experiment zu haben sein! Nach diesen Vorgängen zu Washington ist es doch so fulminant deutlich geworden, daß die treibende Kraft der Silberbewegung nur noch in gewissen amerikanischen Sonderintcressen wohnt, und den L-taatsmann möchte man sehen, der nach einiger Bekanntschaft mit diesen letzten Verhandlungen noch Lust hätte, die Geldverfassung seines Landes mittelst eines Vertrags an 34 alle Kunstgriffe der Silbermänner zu schmieden. Nein, jetzt heißt es ein für allemal: Taschenspieler, Du wirst keinen Geist mehr rufen!" *) Eine Folge dieser Entscheidung ist auch, daß die Aussichten Cleveland's für die Präsidentschaft ganz gewaltig gestiegen sind. Der aber ist ein abgesagter Feind aller unehrlichen Wirtschaftspolitik. So hat sich im Laufe von anderthalb Jahren zweimal dieselbe Erscheinung wiederholt, daß Vernunft und Gewissenhaftigkeit nach heißem Kampfe auf dem Gebiet der großen Republik wieder zu Ehren gekommen sind. Der Sieg der Schutzzöllner rief die Gegenwirkung der Wahlen herbei, die sie im Sturm hinwegfegte. Und jetzt sind die Silbermänner, welche gerade auf diesen Wahlsieg ihre Hoffnung gesetzt hatten, auch zu Schanden geworden. Es liegt etwas sehr tröstliches darin, daß trotz aller Verwilderung und Willkür, welche ein volles Maß von Freiheit und Kraft in der Gesetzgebung dieses modernsten Gemeinwesens entfesselt hat, schließlich die gesunde Einsicht immer wieder die Oberhand bekommt. In ähnlichen Zuständen sagte einmal der französische Gesandte in Washington schon im Jahre 1804: „Wie für die Betrunkenen (11 a uu Disu xour Iss IvroMss) gibt es auch einen rettenden Gott für die Amerikaner." Es ist ein merkwürdiges Stück Menschheits- und Kulturgeschichte, das sich hier unter den Augen der heutigen Generation vollzieht und dem in seinen tiefgreifenden Wirkungen ferner zu folgen für den Eingeweihten ganz außerordentlich anziehend ist. Und darum darf man auch nicht darauf verzichten, dem größeren Kreise der mit der Sache weniger Vertrauten von Zeit zu Zeit wenigstens das Greif- *) Wenn neuere Berichte melden, daß der gemäßigte Silberdemokrat Springer am 8. April im Hause einen Antrag auf Abhaltung einer internationalen Konferenz in Chicago eingebracht habe, so erklärt sich das aus der Absicht, für die Präsidentenwahl die Silberfanatiker von den Rockschößen abzuschütteln, wie umgekehrt die Nachricht, daß Präsident Harrison den europäischen Staaten von Neuem eine Silber-Konferenz vorschlagen wolle, aus der Absicht zu erklären wäre, den Silberfreunden einen Finger zu reichen. Bekanntlich hat der englische Minister Goschen schon auf frühere Vorschläge dieser Art scheinbare Geneigtheit an den Tag gelegt, indem er anbot, die englische Bank solle ermächtigt werden, ihren Statuten gemäß ein Fünftel ihres Baarschatzes in Silber zu halten, wenn die anderen Staaten sich verpflichteten, ihre Münzen der freien Silberprägung mit einem bestimmten Werthverhältniß zu Gold unbeschränkt zu öffnen. Es ist möglich, daß, um dem Silber auf anderer Staaten Unkosten zu Hilfe zu kommen, Goschen wieder sich auf diesen oder ähnlichen haltlosen Unterlagen zur Beschickung einer Konferenz bereit erkläre. Aber daß das Alles nur Scheinmanöver wären, liegt auf der Hand. 35 barste und Begreifbarste daraus zu bieten. Etwas darin ist jedenfalls selbst dem einfachsten Verstand zugänglich, nämlich die Unterscheidung zwischen Systemen, die auf wahrem und denen, die auf unwahrem Werthe beruhen. Der wahre Werth bedarf keiner Gesetzes- und Vertragsfabrik zu feiner Kraft. Aber allerdings nichts ist unwahrer als die Behauptung, daß die Erkenntniß des richtigen Auswegs aus allen Verwirrungen der thatsächlichen Verhältnisse und aus allen Verfchlingungen der Streitfragen, welche Dauer und Mannigfaltigkeit der Erscheinungen angehäuft haben, so einfacher Natur wäre, daß mau jeder Mastenversammung mit einigen Schlagwörtern das volle Verständniß dafür beibringen könnte. Mit dieser Art Demagogie charakterisirt sich die bimetallistifche Agitation diesseits und jenseits des Meeres. Wer sich ein Bild von der Fülle und Vielfältigkeit des belehrenden Materials machen will, das hier der Wißbegierde sich darbietet, und das, wenigstens in seinen neueren und bedeutenderen Arbeiten, kennen muß, wer ein fachgemäßes Urtheil fällen will, der werfe einen Blick auf das neueste große Uebersichtswerk, mit welchem der unermüdliche Nestor und Meister des Faches, Professor Adolf Soetbeer, vor etlichen Wochen uns aufs Neue beschenkt hat. Sein Litteraturnachweis über Geld- und Münzw eseu, insbesondere über den Währungsstreit 1871—1891*) kommt, nach der Intention des Verfassers selbst, wie ein Abschluß Hu derReihe seiner früheren unentbehrlichen Sammelwerke auf diesem schwer übersehbaren Gebiete, und wie wohl zu hoffen und zu wünschen ist, daß der bejahrte Gelehrte trotz aller entgegengesetzten Ankündigung immer wieder Lust und Kraft zu neuen Anläufen finden wird, trifft es sich doch besonders glücklich, daß er mit diesem Schlußwerk auch in eineni Moment auftritt, wo thatsächlich eine so große Wendung in der Geschichte der Edelmetalle und damit eine neue Epoche in der Wirthschaftsentwicklung des Occideuts zum Durchbruch kommt. Anfang Mai 1892. Ein stattlicher Band, der alle wichtigen Schriften, Vorgänge und Zählen seit der Entdeckung Amerikas bis 1892 zusammenstellt. (Berlin bei Pnttkamer und Mühlbrecht). Druck von H. L. Hermann in Berlin. Senator Otto Gildemcister (Bremen) — Pros. Georg von Gi,.ycki — Paul von Gi^ycki — Pros. Tl>. Gomperz (Wien) — >»- . 'S!. Grelling — Pros. T. (Günther (Riünchen) — M. Horden — Äl. Herzog — Geh. Medic.-Nnth Pros. August Hirsch (Berlin) - Pros. O- Hirschfeld — Pros. H. v. Holst (Freiburg) — Pros. H. Janitschek (Straß bürg) — F. Keibel (Freiburg i. B.) — L. Kicschke, M. d. Pr. Abg.-H. — Raymond Koechlin (Paris) — Gustav Koerncr (Belleville Jll.) — Iti »»«»>. H. Knrella — A. Lammers — Helene Lange — Pros. K. Laßwitz (Gotha) — Rcchtsanwalt I. Lcnzmann (Lüden- scheid) — Pros. O Liebreich (Berlin) — « 0 . I. Lippert, Mitgl. d. österreich. Neichsraths (Kundratitz) — Justizrath H. Makower — F-rit; Münchner — Pros. C Mendel — A. Milncr (London) — Pros. Theod. Mourmsen — F-. C Montagne (London) — Pros. H. Mors (Zürich) — A. RivSzkoivski — S. Münz (Florenz) — >»> . P. Nathan — I»»'. Neudccker (Würzbncg) — Rcchtsanwalt I. Olleudorf (Brcs- lan) — Pros. M. v. Pettcnkoser (München) — Ludwig Pfau (Stuttgart) — Hodgson Pratt (London) — S»i . H. Prenst — Pros. I. Rosenthal (Crlangen) — Pros. E.T.Nubo. — » 0 . Paul Schlenther — I»,'. M. Schwalb (Breinen) — C. Schiff — Geh. Neg.- Nath Hermann Schwabe (Berlin) — Rcchtsanwalt C. Sello — Franz Servaes — F-. Smit-Kleine (Maarsen) — Pros. H. Stcinthal (Berlin) — Pros. A. Stern (Zürich) — Pros. James Stuart, Mitgl. d. englischen Unterhauses (Cambridge) — F. Thorwart (Frankfurt a. M.) — Henry Billard (Ncw-Nork) — Pros. Max von Wald- berg (Heidelberg) — » 0 . Max Weigert (Berlin)— Pros. Weinhold — Karl Weinstein — Pros. Karl Werder (Berlin) — I. V. Wid- mann (Bern) — Stadtraty R. Witting (Danzig) — I»r. O. Wolff (Stettin) — Pastor H. Zicgler (Licgnitz) — Pros. Theobald Ziegler (Straßbnrg) u. A. Der Preis beträgt für ganz Deutschland und Oesterreich-Ungarn pro Jahr 15 Mark (pro Quartal 3,SS Mark), im Weltpostverein pro Jahr 16 Mark (pro Quartal 4 Mark), einerlei ob die „Nation" durch die Post oder durch den Buchhandel oder direkt unter Kreuzband von der Expedition bezogen wird. Die „Nation" ist im PostzeitnngS-Katalog pro 1892 unter lVo. 4408 eingetragen. Probe-Abonnements für einzelne Monate nimmt bei Einsendung von 1,25 Mark die Expedition entgegen. Probe-Exemplare gratis. Auf Wunsch schicken wir dieselben auch gratis an aufgegebene Adressen. Expedition der „Nation". H. S. Hermann, Berlin 81V., Bruthstraße 8. Verlag vvn Kvfeubaum ^ Hart in Berlin ^V. 57. Die Nachfolge Bismarcks. Von Ludwig Bambergrr. Sechste Auflage gr. 8°. Preis 80 Pf. National. Von Ludwig Bamb r r g e r. Zweite Auflage, gr. 8". Preis 60 Pf. Der Wunde Punkt. Von Ludwig Bambergrr. Vierte Auflage. gr. 8". Preis 60 Pf. Vvn ZIIIII MkSlW !>kl MGlIIg Kj»M Ludtvig Bambergrr. Vierte Auflage. gr. 8". Preis 60 Pf.