Hm KeilljsdUtzlWellt Dr. und Eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Oi-. Noch vom 16. Mai 5895. Von vr. Otto Arendt, Mitglied des Hauses der Abgeordnete». Berlin 1895 Verlag von Hermann Walther ^V,, «leist-Straße 14. m Reilhsbankprößdeil! lll'. Koch und die WiihrllkgsflM. Eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Roch vom ^6. Mai ^895. Von vi. Otto Arendt, Mitglied des Hauses der Abgeordneten, Berlin 1895 Verlag von Hermann Walther XV., Nleist-Straße ^. L)ie Bestrebungen zur Herbeiführung einer internationalen bimetallistischen Währungsreform haben gegenwärtig in Deutschland und vielleicht überhaupt keinen angeseheneren und einflußreicheren Gegner als den Präsidenten der Reichsbank Dr. Koch. Die Stellung des Herrn Dr. Koch im Währungsstreit ist seit lange bekannt. Im Reichstage wie im Herrenhause ist er mit seiner Ansicht stets offen hervorgetreten, indeß erst die Debatte über den Antrag des Grafen von Mirbach am 16. Mai bot ihm Gelegenheit, eine eingehende, öffentliche Begründung seines Standpunktes zu geben. Es erscheint deßhalb nur als eine Pflicht der Achtung gegen einen so hervorragenden Gegner, daß man seine Gründe gewissenhaft prüft, um zu erkennen, ob wirklich die bimetallistische Auffassung auch gegen die Auslassungen des Herrn Reichsbankprüsidcnten Dr. Koch bestehen kann und die Niederlage, welche Herr Dr. Koch durch die Abstimmung des Herrenhauses zu Gunsten des von ihm bekämpften Antrages erfuhr, sich sachlich rechtfertigen läßt. Man muß um so gespannter sein, wie Herr Dr. Koch seinen goldwährungs-freundlichen Standpunkt rechtfertigt, als der Leiter der deutschen Reichsbank meines Wissens ziemlich allein steht unter den Leitern großer Zentralbanken mit seiuer Gegnerschaft gegen Bimetallismus. Magnin, der Präsident der Bank von Frankreich, van den Berg, der Präsident der Niederländischen Bank und die Mehrzahl der Direktoren der Bank von England sind Bimetallisten, ja in England hat die bimetallistische Bewegung, ich brauche uur Gibbs und Grenfell zu nennen, eigentlich aus der Bank von England heraus ihren Ursprung genommen. Und das Gleiche ist thatsächlich in 1* ^ 4 - Deutschland der Fall! Der Amtsvorgänger des Herrn Dr. Koch, Herr von Dechend, ist es gewesen, der die Suspendirung der deutschen Thalerverkäufe im Mai 1879 anregte und die Bahn damit für den Währungskampf erst frei geinacht hat. Diese Thatsachen sind allerdings für diejenigen überraschend, welche im blinden Glauben an die Entstellungen der Goldwährungspresse die bimetallistische Idee für eine „agrarische Schrulle" halten und von der großen Weltbewegung.für die bimetallistische Reform nichts wissen. Herr Reichsbankpräsidcnt Dr. Koch gehört sicher nicht zu diesen, er hat unzweifelhaft genau erwogen, daß jedes Wort, welches der Leiter der Deutschen Reichsbank in der Wäh- ruugsfrage öffentlich ausspricht, von größtem Gewicht nicht nur sür die öffentliche Meinuug Deutschlands, sondern für die gegenwärtige nnd künftige Beurtheilung der Währungsfrage überhaupt ist. Eben deshalb darf kein Wort, das von solcher.Stelle gesprochen ist, ungeprüft bleiben. Ergäbe aber die Prüfuug, daß die Gründe des Herrn Reichsbank- präsidentcn sich widerlegen lassen, daß seine Bedenken nicht stichhaltig sind, dann allerdings ist das Ergebniß für die Goldwährungspartei ein zerschmetterndes. Wenn ein solcher Kämpe ihre Sache nicht siegreich führen kann, ist ihre Niederlage besiegelt. Ich werde die Ausführungen des Herrn Dr. Koch, wie sie der stenographische Bericht der Herrenhausverhand- luugen (Sitzung vom 16. Mai 1895) wiedergiebt, Wort für Wort besprechen." Herr Dr. Koch empfiehlt zunächst dem Herrenhause: „das Hohe Haus sollte der landwirthschaftlichen Abtheilung des Staatsraths folgen, der bekanntlich empfohlen hat abzuwarten, was aus diesen Bemühungen (der Reichsregierung) hervorgehen werde." Herr Dr. Koch war Mitglied des Staatsraths; um so verwunderlicher ist es, daß er den Staatsrathsbeschluß so unrichtig auffaßte. Der Staatsrathsbeschluß hatte folgenden Wortlaut: „Nach der Erklärung des Herrn Reichskanzlers in der Sitzung des Reichstages vom 15. Februar d. I. soll, unter Anerkennung einer nachtheiligen Rückwirkung des zunehmen- den Werthunterschiedes zwischen Gold und Silber auf das Erwerbsleben, mit den verbündeten Regierungen die Herbeiführung eines Meinungsaustausches mit anderen Staaten über gemeinschaftliche Maßregeln zur Abhülfe in Erwägung gezogen werden. Mit Rücksicht auf diese Erklärung, von welcher der Staatsrath mit Befriedigung Kenntniß genommen hat, glaubt derselbe, daß im gegenwärtigen Zeitpunkte keine weiteren Maßregeln zu ergreifen sind, sondern das Ergebniß der in Aussicht genommenen Schritte abzuwarten ist." Ein von Gegnern der bimetallistischen Bestrebungen im Staatsrathe beantragter Zusatz am Schlüsse des ersten Satzes die Worte hinzuzufügen: „welche der bestehenden Währung nicht präjudizireu" wurde abgelehnt. Der Staatsrath hat danach offenbar mehr gethan, als daß er empfohlen hätte, abzuwarten, was aus den Bemühungen der Reichsregierung werde. Mit Rücksicht auf die, die Nachtheile der Silbercntwerthung anerkennende Erklärung des Reichskanzlers und mit Befriedigung über die Absicht gemeinschaftlicher Maßregeln zur Abhilfe, will des Staatsrath, bis das Ergebniß dieser Schritte vorliegt, von weiteren Maßregeln absehen — d. h. doch wohl solche seinerseits beantragen, wenn diese Schritte ergebnißlos bleiben, denn nur in diesem Sinne kann hier das „Abwarten" verstanden werden. Der Staatsrath hat aber seine Stellung am deutlichsten charakterisirt durch die trotz des heftigsten Widerstandes des Herrn Dr. Koch erfolgte Ablehnung des Satzes „ohue unsere Reichswährung zu präjudizireu". Der Staatsrath hatte damit unzweifelhaft negativ genan dasselbe ausgedrückt, wie der Antrag Graf von Mirbach durch den positiven Satz „mit dem Endziel des Bimetallismus". Trotzdem bekämpft Herr Dr. Koch diesen Satz besonders scharf, indem er sich dabei auf den Staatsrathsbeschluß bezieht, der prinzipiell nahezu gleichwerthig war und also nicht gegen, sondern für den Antrag Mirbach beweist. Ein so feiner Jurist wie Herr Dr. Koch hätte nicht gleich im Anfang seiner Rede eine so leicht kontrollirbare irrige Angabe machen sollen. „Das Hohe Haus würde sich in Widerspruch setzen zur Reichsregierung, wenn es das „Endziel des internationalen Biinetallismus" annehmen würde", fuhr Herr Dr. Koch fort, „denn bisher hat unsere Reichsregierung niemals augedeutet, daß sie bereit sei, von unserer nunmehr seit 25 Jahren bestehenden Währung abzugehen". Ich will davon absehen, daß wir die Reichsgoldwährung, solauge die Silberthaler unbeschränkte Zahlkraft besitzen, noch gar nicht durchgeführt haben, daß wir nur Reichswähruug, d. i. Reichsmarkrechnung und Goldvaluta besitzen und daß beides durch Biinetallismus absolut nicht verändert wird. Denu die iuteruationale Doppelwährung bedeutet nicht Beseitigung der Goldwährung, sondern deren Aufrechterhaltung, sonst wäre Bimetallismus eben nicht Doppelwährung, sondern ausschließliche Silberwährung. Diese wollen die Bimetallisten ebenso wenig wie ausschließliche Goldwährung. Sie wollen gemeinsame Gold- und Silberwährung, nachdem allen Schwankungen zwischen Goldwerth nnd Silberwerth durch den internationalen Charakter des Werthverhültnisfes ein Ende gemacht ist. Also Deutschland behält die Goldvaluta und gewinnt dazn noch die Silbervaluta, wie Frankreich dies 1803—1873 unter den ungeheuerlichsten Aenderungen der Produktionsund Absatzverhältnisse beider Edelmetalle mit größtem Vortheil gehabt hat. Und was Frankreich allein vermochte, sollen die Hauptstaaten der Welt einschließlich Frankreich künftig nicht vermögen? Der Herr Reichsbaukpräsident Dr. Koch sieht einen Widerspruch darin, daß im Reichstage und von dem Herrn Reichskanzler vou einer internationalen Negeluug der Wäh- ruugsfrage gesprochen ist und im Herrenhause der Zusatz „mit dem Endziel des Bimctallismns" hinzukam. Dann müßte, wenn der Herr Reichsbankprüsident Recht Hütte, eine internationale Regelung der Währungsfrage ohne das Endziel des Bimetallismus möglich sein. Wenn der Herr Reichskanzler vielleicht mit Hülfe des Herrn Reichsbankpräsidenten eine solche Lösung findet, desto besser, bisher ist eine solche nicht bekannt und Jedermann verstand unter „internationaler Regelung der Währungsfrage" selbstverständlich eine bimetallistische. Nur weil der Reichstags- beschluß von der Goldpresse dahin falsch ausgelegt wurde, als ob er nicht den Wunsch nach Bimetallismus enthalte, wurde im Landtag der ausdrückliche Zusatz „mit dem Endziel des internationalen Bimetallismus" gemacht. Nach der Abstimmung im Abgeordnetenhause wird wohl Niemand mehr zweifeln, daß dieser Zusatz auch den Absichten der ReichstagSmehrheit entspricht, denn die Parteigruppirung, welche im Abgeordnetenhause siegte, verfügt auch über die Reichstagsmehrheit. Merkwürdig ist es, wenn der Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch von dem „Endziel des Bimetallismus" erklärt: „jetzt soll eine vollständige Aenderung unseres Münzwesens zu unserem Endziel erklärt werden." — Dergleichen irreführende Redewendungen findet man ja in der Goldwährungspresse nicht selten, allein von dem Herrn Reichsbankpräsidenten darf man doch erwarten, daß er solche Sprache vermeidet. Welche Aenderung unseres Münz Wesens tritt denn überhaupt ein? Unser Münzwesen bleibt absolut wie es ist, unsere Goldmünzen, unsere Silbermünzen werden in keiner Weise verändert, nur daß das Silber wieder gleichberechtigt in der Prägung wird. Jetzt kann Jeder Gold in Barren zur Münze bringen, das Gesetz schreibt vor, daß er für ein Pfund Gold 1395 Mk. abzüglich der Münzgebühr erhält, Silber dagegen wird nicht zur Ausmünzung angekauft, dadurch hat Silber keinen festen Preis und entwcrthet sich. Ist es nun eine vollständige Aenderung unseres „Münzwesens", wenn der Staat auch Silber zu einem gesetzlich bestimmten Preis, z. B. zu 90 Mk. für das Pfnud abzüglich Münzgebühr kauft und daraus etwa neue Thaler prägt? Unser Münzwesen mürde doch dadurch nicht verändert. Man kann — und ich werde zeigen, daß all' das falsch ist — vielleicht behaupten, unsere Valuta, unser Geldwerth würde sich ändern, wir würden Goldagio bekommen, Irrthümer, die sich leicht als solche nachweisen lassen, aber eine vollständige Aenderung unseres Münzwesens wäre selbst das nicht. „Kann denn unsere Negierung überhaupt", fährt Dr. Koch fort, „ohne sich mit ihrer ganzen bisherigen Haltung in den denkbar schärfsten Widerspruch zu setzen, dergleichen zugestehen?" — Herr Dr. Koch weist auf die Haltung der deutschen Regierung auf den Münzkonferenzen von 1881 und 1892 hin. Er hätte doch auch auf die Haltung Deutschlands auf den Münzkonferenzen von 1867 und 1878 zurückgehen sollen. Im Jahre 1867 erklärte Preußeu auf der Münzkonferenz sich für die Silberwährung, 1871 beseitigte es diese, 1878 lehnte Deutschland die Betheiligung an einer Münzkoufereuz überhaupt ab, 1881 betheiligte es sich, 1892 glaubte Graf Caprivi, daß Deutschland durch sein Münzsystem „befriedigt" sei, 1895 erkannte Fürst Hohen- lohe die schweren Schädigungen Deutschlands durch die Silberentwerthung an und versucht Abhülfe durch internationale Maßregeln. Herr Dr. Koch sieht, Deutschland hat sich nie gescheut, sich „mit seiner bisherigen Haltung in den denkbar schärfsten Widerspruch zu setzen." — Die Haltung Deutschlands auf den Münzkonferenzen von 1881 und 1892 war es wesentlich, welche das Scheitern dieser Konferenzen verursachte. Eben weil jene Konferenzen scheiterten, verschärfte sich die Währungskrisis und wuchs die Silberentwerthung. Im Jahre 1881 betrug der Silberpreis 51"/io ?or.os. im Jahre 1892 39^/i° und vor dem Neichstagsbeschluß vom 16. Februar war er auf 27 ?sQos gesunken, um seitdem bis etwas über 30 ?. zu steigen. Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch wird danach vielleicht zugeben, daß die schlimmeu Folgen der Silberentwerthung sich 1895 schärfer -geltend machen müssen als 1881 und 1892 und daß es demnach durchaus begreiflich ist, wenn die deutsche Regierung nicht mehr die Politik innehält, die 1881 und 1892 vou ihr beobachtet wurde. Die deutsche Politik hat doch nicht ein für alle Mal ein Prinzip aufzustellen, sondern sie hat sich den Umständen anzupassen. Nach dieser Richtung ist es besonders verkehrt, wenn Herr Dr. Koch sich auf die Haltung des Fürsten Bismarck vom Jahre 1881 beruft, denn es dürfte dem Herrn Reichsbankpräsidenten wohl nicht unbekannt sein, daß Fürst Bismarck heut die Dinge anders ansieht als damals. Fürst Bismarck hat in der Währungsfrage den entscheidenden Schritt durch Gutheißung der Suspension der Silbervcrkäufe im Mai 1879 gethan. Wir danken es ihm, daß nicht nur die weitere Vergeudung deutschen Eigenthums durch die Verluste bei Silberverkäufen vermieden wurde, sondern daß auch die Währungsfrage für uns eine offene blieb und der Uebergang zum Bimetallismus damit erleichtert ist. Diesen Uebergnng selbst aber glaubte Fürst Bismarck nur in Gemeinschaft mit England vollziehen zu können. Eben deshalb mußte er den Engländern jede Hoffnung auf eine deutsche Aktion nehmen. Das war 1881 richtig, aber uicht mehr 1895, wo inzwischen England für den Bimetallismus reif geworden ist. Heute würde Fürst Bismarck vielleicht den Augenblick gekommen erachten, den entscheidenden Anstoß auf England auszuführen. Was beweist es also, wenn Herr Dr. Koch heut uns das Verhalten Deutschlands von 1881 vorführt? Seitdem ist nahezu alles in der Währnngsfrage verändert, folglich muß auch die deutsche Politik sich ändern — was aber 1892 betrifft, so ist Herrn Dr. Koch zuzugeben, daß, wenn Graf Caprivi noch am Ruder wäre, kaum Aussicht sein würde, daß Deutschland sich anders zur Währungsfrage stellte, als in Brüssel, aber ebendeshalb ist Graf Caprivi nicht mehr Reichskanzler und von seinem Nachfolger kann eine größere Berücksichtigung der wirthschaftlichen Interessen erhofft werden. Ganz außerordentlich merkwürdig sind die folgenden Auslassungen des Herrn Reichsbankpräsidenten. - „Es sind ja auch noch mancherlei andere Mittel von den verschiedensten Seiten empfohlen, um dem Silberpreis aufzuhelfen, und es sind in dieser Richtung Vorschläge mancherlei Art gemacht worden, auch in Brüssel sehr zahlreich. Auch in der deutschen Silberkommission, die auf Anregung verschiedener Herren im vorigen Jahre getagt hat, wurden solche Mittel erwogen; allerdings hat keines dieser Mittel einen über den des Antragsstellers hinausgehenden Beifall erlangt, und ist mir zweifelhaft, ob, wenn sich die Diskussion in einer neuen Münzkonferenz darauf richten sollte, ein oder das andere Mittel allgemein angenommen werden würde." Zunächst stelle ich fest, daß Herr vr. Koch hier in den grellsten Widerspruch mit der Einleitung seiner Rede — 10 — tritt. Er beweist hier, daß es kein Mittel zur Hebung und Festlegung des Silberpreises giebt — Eingangs aber hatte er die Erklärung des Fürsten Hohenlohe und den Beschluß des Reichstags so ausgelegt, als ob die „internationale Regelung der Währuugsfrage" im Gegensatz zum Bimetallismus stände, also gerade andere Mittel und Wege einschlagen solle und nun zeigt uns Herr Dr. Koch, daß es solche nicht giebt. Danach muß man doch offen erklären, die Uebelstände der Silberentwerthung und die sonstigen schlimmen Folgen der Goldwährung müssen ertragen werden, oder die Verhaudluugen müssen „mit dem Endziel des internationalen Bimetallismusgeführt werden. Daß nur diese Alternative besteht, darin stimme ich Herrn Dr. Koch zu, das hat aber gerade er bestritteu, indem er gerade die entscheidenden Worte aus dem Antrag des Grafen Mirbach streichen wollte. Welche Verhandlungen kann Deutschland danu noch führen und wie kann Fürst Hohenlohe sein Versprechen einlösen, es sei denn, daß man das Endziel des Bimetallismus ins Auge faßt. In jedem anderen Fall, das hat neulich die „Nationalzeitung" sehr richtig bemerkt, würde die Sache mit einer „Blamage" für Deutschland enden. Ist Herr Dr. Koch andrer Meinung? Dann muß er, und das entspricht gewiß seiner Auffassung, alle Verhandlungen abweisen — aber diese sind einmal zugesagt uud deshalb giebt es für die Regierung keine andere Alternative mehr als: Blamage oder Bimetallismus! Muthet Herr Or. Koch dem Reichskanzler zu, sich freiwillig für die Blamage zu entscheiden, die überdies nach der Haltung der drei Parlamente die Regierung den schärfsten politischen Kämpfen aussetzen würde? Eigenartig ist das Urtheil des Herrn Reichsbankpräsidenten über die deutsche Silberkommission, die „ans Anregung verschiedener Herren" getagt hätte. Welcher Herren? Man war bisher der Meinung, daß der Reichskanzler, veranlaßt durch jenen Staatsministerialbcschluß, dessen Inhalt der Landwirthschaftsminister von Heyden unter lebhafter Opposition des Herrn Reichsbankpräsidenten Dr. Koch im Herrenhause im Januar 1894 verlas, die Silberkommission veranlaßte, es war also die Regierung und nicht — 11 — „verschiedene Herren," die jene Anregung gegeben, und Herr Dr. Koch war jedenfalls hierüber ganz genau unterrichtet, da es — ich weiß nicht ob mit Recht — auf seinen Einfluß zurückgeführt wird, daß die Zusammensetzung dieser Silberkommission eine überwiegend silberfeindliche war, sodaß Graf Mirbach sofort seinen Austritt erklärte. Es war in der That äußerst eigenartig, daß man eine Kommission berief, um Mittel zur Hebung und Festlegung des Silberwerthes zu suchen und in diese Kommission von vornherein eine Mehrheit solcher Mitglieder sandte, die alle solche Mittel prinzipiell ablehnen. Trotzdem Hütte man wohl erwarten dürfen, daß der Reichsbaukpräsident die Verhandlungen dieser Kommission genau durchgelesen hätte. Das ist aber leider nicht der Fall gewesen, und so spricht Herr Dr. Koch gutgläubig die Unwahrheiten nach, welche die Goldpresse darüber verbreitet hat. Und eine Unwahrheit ist es, daß „keins der Mittel" in der Silberkommission „einen über den des Antrags- stellers hinausgehenden Beifall erlangte." Ueber solche Thatsachen kann es ja doch keine Meinungsverschiedenheiten geben, die Protokolle liegen vor und sie erweisen: 1. Die Anhänger der Goldwährung (8 Mitglieder) machten keinerlei Vorschläge und verwarfen alle von anderer Seite eingebrachtem 2. Die auf einem mittleren Standpunkt stehenden beiden Mitglieder (Königs und Lexis) machten Vorschläge, von denen zutrifft, daß sie keinen über den Antragsteller hinausgehenden Beifall erlangten. 3. Die Bimetalllsten (6 Mitglieder) machten drei Vorschlüge: a) Vorschlag Neustadt, der zu Gunsten des folgenden zurückgezogen wurde; k) Vorschlag Arendt; o) gemeinsamer Vorschlag aus Durchführung der Doppelwährung. Von dem von mir gestellten Uebergangsantrag, der die Ausgabe von Silberzertisikatcn bezweckte, ist es nicht wahr, daß er nur meinen Beifall fand, sämmtliche Bi- metallisteu der Kommission haben ihn prinzipiell gutge- — 12 — heißen, die Herren von Schalscha und Wülfing durch ausdrückliche Erklärung (Protokolle der Silberkommission S. 67-5), Herr Neustadt, indem er seinen Antrag ausdrücklich zu Gunsten des meinigen zurückzog (S. 177), Herr von Kar- dorff hob ihn noch in der ursprünglichen Fassung seines Reichstagsantrages als einen der gangbaren Wege hervor und Herr Geheimrath Leuschner, der durch eine gänzlich mißverstandene Erklärung zu dem ganzen Gerede Anlaß gab, hielt diese Vorschlüge lediglich „zur Zeit uicht für opportun", weil „die Ausführung dieser Vorschläge noch viel mehr Schwierigkeiten machen würde als die Einführung des die Silberfrage am einfachsten lösenden internationalen Bimetallismus." Der Meinungsgegensatz bestand nur darin, ob es richtig wäre, von bi- metallistischer Seite irgend etwas anderes in Vorschlag zu bringen als die internationale Doppelwährung. Allein sachlich stimmte Herr Geheimrath Leuschner wie alle bimetal- listischen Mitglieder meinem Vorschlage zu, nur daß er ihn nicht diskutirt sehen, sondern „der Regierung als Material zur Benutzung überwiesen" sehen wollte. Das so schöne Wort, daß „immer nur jeder für seinen Antrag eintrat", bestimmt, die Ergebnisse der ^silber- kommission lächerlich zu machen, trifft also schon im Hinblick auf meinen Antrag nicht zu — es ist aber namentlich auch deshalb falsch, weil die 6 bimetallistischen Mitglieder einstimmig eben den Antrag aus Bimetallismus stellten und in einer gemeinsamen Schlußerklärung ihre Anschauungen einheitlich darstellten. Die Goldwährungspartei und, wie es scheint, auch Dr. Koch scheinen nun der Ansicht zu sein, daß die Bimetallisten außer ihrem Mittel der Hülfe, außer dem Bimetallismus, auch noch die Verpflichtung hätten, Mittel vorzuschlagen, die Silberent- werthung ohne Bimetallismus zu beseitigen. Da aber die Bimetallisten in der Goldwährung die Ursache der Silberentwerthung sehen, so können sie natürlich nicht die Goldwährung unberührt lassen, wenn sie die Silberentwerthung beseitigen wollen, denn die Wirkung verschwindet nur> mit der Ursache. Umgekehrt wäre die Aufgabe der Goldwährungspartei gewesen, Mittel vorzuschlagen, durch — 13 — welche „ohne unsre Reichswährung zu Präjudiziren" die Silberentwerthung beseitigt werden könnte. Die Goldwährungspartei hat sich in der Silberkommission und sonst hierzu unfähig erwiesen. Es kann demnach als feststehend gelten, daß wir entweder die anerkannten Schäden ruhig ertragen, oder mit dem „Endziel des internationalen Bimetallismus" verhandeln müssen. Eine internationale Regelung der Währungsfrage, welche „unsre Reichswährung nicht präjudizirt" ist ein Ding der Unmöglichkeit — in dieser Beziehung enthielt die Reichstagserklärung des Fürsten Hohenlohe einen Widerspruch in sich, der durch den Staatsrath und die Landtagsbcschlüsse klar gestellt worden ist. Nach dieser Richtung wenigstens dürfte eine Uebereinstimmung zwischen dem Herrn Reichsbankpräsidenten und den Bimetallisien bestehen. Herr Dr. Koch hatte Recht mit dem, was er über das Unzureichende der amerikanischen Silbergesetze sagte, und ich stimme ihm durchaus zu, wenn er sagt „die Wirkung solcher auf vermehrte oder begreuzte Verwendung von Silber zu Münzzwecken abzielenden Maßregeln ist sehr problematisch." — Deshalb sind eben die Bimetallisien der Meinung, daß nur die unbegrenzte Verwendung des Silbers bei internationaler Doppelwährung wirklich Hülfe bringt, ebenso wie der Goldwerth nur durch die unbegrenzte Verwendung des Goldes zu Münzzwecken gesichert ist. Herr Dr. Koch hofft nnn offenbar, daß Deutschland die Goldwährung behalten, und daß andere Staaten die Doppelwährung durchführen werden, er weist namentlich auf die starke Bewegung für freie Silberprägung iu den Vereinigten Staaten hin. Aber hier sind nur zwei Fälle denkbar: entweder die Vereinigten Staaten können bei isolirtem Vorgehen den Silberwerth auf seiner früheren Werthhöhe fixiren, um wie viel glänzender würde das dann dem internationalen Bimetallismus, der doch die Vereinigten Staaten umschließt, gelingen und wie hinfällig sind dann die üblichen Einwürfe gegen den Bimetallismus, daß er dasLand mit „minderwerthigemSilber" überfluthe, zu Goldagio führe ?c. Oder diesen Anschau- — 14 — ungen der Goldwährungspartei gemäß bleibt Silber auch nach Freigabe der Silberprägungen in den Vereinigten Staaten entwerthet und schwankend — dann bekommen wir eine Valnta-Disferenz zu den Vereinigten Staaten, die für Europa unerträglich wäre. Während die Vereinigten Staaten einen blühenden Verkehr mit den Silber- lündernAsiens und Süd-Amerikas bekämen und uns mit ihren Produkten zu Silberpreisen überschwemmten, müßten unsere Fabriken auf jeden Absatz nach Amerika verzichten, doch — „die Katz, die Katz, (unsere „bewährte Goldwährung") ist gerettet." Daß die amerikanische Silberpartei diese wirthschaft- lichcn Ziele und nicht, wie ihr Bosheit oder Bornirtheit vorhält, die verhältnißmäßig geringfügigen Interessen der Silberminenbesitzer im Auge hat, beweist eine Rede, welche Bland schon vor langen Jahren hielt und die das Programm der Silberpartei klar legt. „Wenn ich den Herrn Vorredner — nämlich Mr. Kelly — recht verstehe, so meint er, daß wir die Kooperation fremder Staaten gewinnen können, wenn wir die Silberprägnngen einstellen. Herr Präsident, unser Land kann für sich selbst sorgen. Es liegt gar nicht in unserem Interesse, uns in der Silberfrage mit Deutschland und England zu verbinden. Ich behaupte: in demselben Maße, als diese Länder das Silber vertreiben, vertreiben sie auch ihre Bevölkerung. In demselben Maße umgekehrt, wie wir Silber remonetisiren, ziehen wir die Bevölkerung jener Länder zu uns herüber. Woher kommt denn die starke Einwanderung? Lediglich von den Ländern, die Silber demonetisirt und dadurch ihre Bevölkerung dem Verderben preisgegeben haben, und wir könneu ruhig dem zusehen. Laßt sie nur hierher kommen in das freie Land, in dem Silber Geld ist. Unser Interesse ist allein, unlimi- tirte freie Silberausprägung zu gestatten und das verarmte Volk Europas dadurch einzuladen, hierher zu kommen, um sich der Rechte einer freien Verfassung und der Wohlthaten freier Gold- und Silberausprägnug zu erfreuen, Und das wird uns eine so starke Bevölkerung verschaffen, daß dieselbe das ausgcstoßene Silber von ganz Europa noch mit absorbiren kann." — 15 — Das sind die Aussichten, die uns der Sieg der Silberpartei in den Vereinigten Staaten eröffnet, auf die Herr Dr. Koch zur Rettung der deutschen Goldwährung hofft. Grade umgekehrt erscheint mir der internationale Bimetallismus um so gebotener, jemehr die Möglichkeit eines Sieges der amerikanischen Silberpartei hervortritt. Auch die Hoffnung des Herrn Or. Koch, „daß nach Maßgabe internationaler Verträge andre Staaten zur freien Silberprügung übergehen, während Deutschland bei der Goldwährung beharrt" — ist eine ganz trügerische. Herr vr. Koch stellt sich hier auf den Standpunkt, den viele englische Goldwährungsleute einnehmen: Für England die Goldwährung, für die übrigen Staaten eine Doppelwährung, die England die Aufrechterhaltung der Goldwährung ermöglicht. Herr vr. Koch hat dasselbe Programm, nur daß er für England und Deutschland die Goldwährung reservirt wünscht. Nun kommen aber die anderen Staateu und sagen: solange die Hauptstaaten Goldwährung haben, müssen wir auch die Goldwährung erstreben oder aufrecht erhalten. So erweitert sich die Goldwährung, aber jeder Zuwachs macht die Goldwährung für alle immer unerträglicher. Denn jeder Zuwachs vermehrt die Goldnachfrage und verschärft die Silberent- werthung. Grade darum ist die dauernde Aufrechterhaltung der Goldwährung unmöglich und der internationale Bimetallismus eine unabwendbare Nothwendigkeit, weil die modernen Verkehrsverhältnisse Währungsunterschiede immer störender machen. Die Goldwährung in England nnd Deutschland könnte an sich ohne jeden größeren Schaden - freilich auch ohne jeden Vortheil — bestehen, wenn nur nicht ein Land nach dem anderen die Währungsübereinstimmung mit diesen Ländern erstreben würde. Durch die beständige Verallgemeinerung wird die Goldwährung überhaupt unmöglich, während umgekehrt die Doppelwährung um so sicherer funktionirt, je mehr Länder sich ihr anschließen. Schon Emile de Laveleye wies daraus hin, wie auch hieraus der Vorzug des Doppelwühruugs- Priuzips vor jeder Einzelwährung hervorgeht. Herr Dr. Koch erwähnt in diesem Zusammenhang — 16 — seinen „hochverdienten Amtsvorgänger, der gewisse Vorschläge zur erweiterten Verwendung des Silbers in der Zeit gemacht habe, wo es noch mit der Goldwährung schwach bestellt war", „er (Herr von Dechend) war keineswegs Anhänger der Doppelwährung." Auf die letzten Worte des Herrn Or. Koch habe ich am 20. Mai im Abgeordnetenhaus!: wie folgt geantwortet: „Der Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch sagte, daß sein Vorgänger, der Reichsbankpräsident v. Dechend, keineswegs Anhänger der Doppelwährung gewesen wäre. Meine Herren, das ist ein Irrthum des Herrn Bankpräsidenten Dr. Koch. Ich habe in dieser Frage mehrfach Unterhaltungen mit Herrn v. Dechend gehabt, uud ich kann sagen: wenn Herr v. Decheud uicht ein unbedingter Anhänger der Doppelwährung gewesen wäre, würde ich nicht hier an diesem Platze stehen. Denn Herr v. Dechend ist es gewesen, der mich veranlaßt hat, aus den Vorbereitungen für die akademische Laufbahn, denen ich mich damals in Freiburg hingab, nach Berlin überzusiedeln, um hier, wie er mir sagte, mich „selbst zu popularisiren" (große Heiterkeit) und die herrschende Unwissenheit in der Wüh- rungsfrage zu bekämpfen. (Bravo! Heiterkeit.) Meine Herren, Herr v. Dechend ist es gewesen, der mir die Spalten der „Berliner Börsenzeitnng" eröffnet hat, und so oft Börseneinflüsse veranlaßten, daß die „Vörsenzeitung" mir ihre Spalten zeitweise wieder schließen wollte, inter- venirte Herr v. Dechend, und die „Börsenzeitung" öffnete mir ihre Spalten wieder. Ich glaube also, Herr von Dechend war ein überzeugter Anhänger der Doppelwährung; und wenn der Herr Bankpräsident Koch das nicht weiß, so liegt das vielleicht daran, daß Herr v. Dechend vielleicht der Ansicht war, daß Herr Koch, welcher bekanntlich Justitiar der Reichsbank gewesen ist, als Jurist sich vielleicht weniger mit diesen wirthschaftlichen Fragen beschäftigt habe. (Oho! links. Jawohl! und sehr gut! rechts.) Aber ich möchte sagen, Herr v. Dechend fühlte sich als ein hoher Staatsbeamter und ist niemals öffentlich mit seinen bimetallistischen Ansichten hervorgetreten. Damals war aber auch die Regiernngsgewalt eine einheitlichere und — 17 — festere als heute, und ich wüßte nicht, was passirt wäre, wenn Herr von Dechend in derselben Weise mit seinen Auffassungen hervorgetreten wäre, wie wir das jetzt erlebt haben. (Zuruf rechts: Rommel!) Ja, meine Herren, wie man aber damals in den Goldwührungskreisen über den Bankpräsidenten dachte, dafür darf ich mir ein Wort des Herrn Dr. Bamberger über Herrn v. Dechcnd erlauben vorzulesen. Herr Bamberger sagte: Manch Einer — das geht auf den Fürsten Bismarck — konnte ja seiner ganzen Denkart nach versucht sein, einen Moment lang den sogenannten Praktikern, welche sich durch eine natürliche Verachtung aller Kenntnisse legitimirten, seinen Glauben zu schenken. Aus dem folgenden Satze geht hervor, daß dies auf den Reichsbankprüsidenten v. Dechend geht. Meine Herren, so unhöflich würde ja heutzutage von der bimetallistischen Seite selbstverständlich nicht über die Qualifikation eines Reichsbankpräsidenten gesprochen werden. (Heiterkeit!)" Ich möchte nun hier noch eine Bemerkung anfügen über die vielbesprochenen Vermittelungsvorschlnge des Herrn von Dechend. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich hierüber Folgendes: Nach dem Scheitern der Pariser Münzkonferenz von 1881 erschien der bekannte englische Finanzier Goschen in Berlin und wurde vom Fürsten Bismarck empfangen. Zu der Unterredung war der Finanzminister von Scholz und der Reichsbankpräsident von Dechend zugezogen. Die Ausführungen des letzteren machten damals am meisten Eindruck auf den Reichskanzler und dieser war es, der Herrn von Dechend veranlaßte, seine Ansichten in einer Denkschrift niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Diese Denkschrift war deßhalb mehr als eine private Meinungsäußerung, sie war ein vom Reichskanzler gebilligter Vermittelungsversuch zu einer Zeit, wo bei der Haltung Englands und dem bestimmten Wollen des Fürsten Bismarck nicht ohne England die Doppelwährung anzunehmen, eben nur in vermittelnder Weise ein praktisches Ergebniß gefunden werden konnte. Nur in dieser 2 — 13 — Weise ist jene Denkschrift aufzufassen. Eigenthümlich ist es, daß der Bankpräsident, unter welchem Deutschland von der Silberwährung zur Goldwährnug überging, diesen Schritt für einen verhängnisvollen Fehler hielt. Herr von Dechend hat diesen und viel schärfere Ausdrücke mir gegenüber gebraucht. Ich habe es bisher nicht für richtig gehalten, diese persönlichen Dinge zur Erörterung zu ziehen, allein die bestimmte Erklärung des Herrn vr. Koch, daß Herr von Dechend „keineswegs Anhänger der Doppelwährung war", nöthigt zu dieser Klarstellung. Herr von Dechend selbst hielt es mit seiner hohen Stellung nicht vereinbar, irgendwie öffentlich in der Währungsfrage mit Ansichten hervorzutreten, welche von der Regierungsauffassung abwichen, er äußerte sich deßhalb in jener Denkschrift und im Reichstage nur in Gemäßheit der Anweisungen, die er vom Reichskanzler erhielt. In Privatunterhaltungen dagegen hat Herr von Dechend aus seinen bimetallistischen Anschauungen nie einHehlgemacht. Vielleicht wird Deutschland den Uebergang von der Goldwährung zum Bimetallismus auch wieder unter einem diesem Schritt abholden Neichsbankpräsidenten vollziehen. Interessant ist die Bemerkung des Herrn Dr. Koch, daß es damals, (also 1882) „noch mit der Goldwährung schlecht bestellt war". Warum? Silber besitzen wir heut noch soviel wie damals, nur unser Goldvorrath ist inzwischen gewachsen — können wir dieses Gold nicht wieder verlieren? Dann wäre unsere Goldwährung demnach wieder ebenso schwach bestellt wie 1882. Ist das ein dauerhaftes Gcldsystem, dessen Stärke dergestalt davon abhängt, ob günstige, von unserem Einfluß unabhängige Zufälle ein paar hundert Millionen Mark Gold ins Land bringen oder nicht? Herr vr. Koch erwähnte den Sieg der Silberpartei in den Vereinigten Staaten. Wie nun, wenn dort die Goldpartei siegt und durch große Anleihen das europäische Gold heranzieht. Dann würde Deutschland recht schnell auf den Goldbesitz von 1882 zurückfallen, namentlich in Hinblick auf den starken industriellen Goldkonsum in Deutschland. Und wie, weun das Ende der jetzigen Herr- — 19 — lichkeit der Goldproduktivn in etlichen Jahren herannaht? Diese Bemerkung des Herrn Dr. Koch war doch vielleicht nicht ganz vorsichtig. Eigenartig ist der Gedanke, den Herr Dr. Koch hier anregt, „So verfahren keine geschickten Unterhändler, daß sie das Aeußerste — den Bimetallismus gleich zugestehn." Als ob es sich hier um ein mehr oder minder handele, wo nur ein Ja oder Nein in Betracht kommt. Man kann eben nur mit dem „Endziel des Bimetallismus" verhandeln, oder man läßt die Verhandlungen überhaupt. „Aber England? Wenn wir bereit sind, zum Bimetallismus überzugehen, so wird z. B. England schwerlich bereit sein." Ich weiß nicht, wie Herr Dr. Koch das auffaßt. Wenn wir erklären, nur „einschließlich England" den Doppel- währungsvcrtrag anzunehmen, wie kann das England glauben lassen, daß wir es bei der Goldwährung lassen? Im Gegentheil, ein Argument der englischen Goldpartei, das z. B. noch Gladstone 1893 im Unterhaus anführte, ist, daß wenn auch England den Bimetallismus wollte, andere Mächte, z. B. Deutschland bei der Goldwährung blieben. Es wäre also doch sehr nützlich, wenn die Mächte fest und bestimmt erklärten, daß der Bimetallismus eine Kulturaufgabe ist, welche alle Staaten gemeinsam zu lösen haben und zu deren Lösung alle bereit sind, sobald England sich hierzu entschließt. Nichts wäre geeigneter den Anschluß Englands zu beschleunigen, während Dr. Koch merkwürdigerweise das Gegentheil behauptet. Selbst unter der jetzigen englischen Negierung empfiehlt sich dieses Vorgehen, denn wenn auch von dieser, so lange Harconrt Schatzkanzler ist, so wenig Zugeständnisse für den Bimetallismus zu erwarten sind, wie etwa von Deutschland, wenn Herr Dr. Koch Reichskanzler würde, so müßte doch bei den Stimmverhältnissen im Unterhause ein ablehnendes Verhalten der englischen Regierung auf einer internationalen Wühruugskonferenz zum Sturz der jetzigen Regierung führen, der allerdings vermuthlich auch sonst und schon vorher eintritt. Die Neuwahlen in England aber werden die bimetallistische Mehrheit im Unterhaus erheblich verstärken, setzte doch die englische Bimetallisten-Liga bei den 2» — 20 — 12 letzten Nachwahlen 10 ihrer Kandidaten durch — und mit dem Regierungsantritt des Ministerium Balfour-Chaplin schwindet auch die letzte Hoffnung, daß Englands Widerstand den Bimetallismus verhindert — man müßte denn mit Herrn von Eynern die milde gesagt naive Auffassung haben, daß Balfour nur seines „Baumwollwahlkreises" wegen Vimetallist ist und daß die englische Bimetallisten- Liga ihre ganze Rührigkeit nur entfaltet — vielleicht auch deshalb nur auf die Unterhauswahlen einwirkt — um den Kontinent zum Bimetallismus zu verlocken und sich dann im stolzen England der herrlichen Goldwährung weiter zu erfreuen. „Sind denn wirklich genügende Gründe nachgewiesen, die nun fast 25 Jahre bestehende völlig ins Volk gedrungene Goldwährung zn verlassen?" fragt Herr Dr. Koch. Die Goldwährung völlig ins Volk gedrungen? In welches Volk? Im deutschen Volk sind mindestens 95°/n ihrer ganzen wirthschaftlichen Lage nach gar nicht im Stande, Goldgeld jemals anders als höchstens zn einem unbequemen Wechseln in die Hand zu bekommen. Gold, dessen untere Grenze ein 10 Markstück ist, kann doch nie ins Volk dringen. Silber ist Volksgeld und Dauk der Goldwährung ist dieses Volksgeld 50—60°/„ entwerthet, wovon das Volk noch nichts ahnt. Der Begriff der Silberentwerthung ist für die Massen noch nicht praktisch geworden und nur deshalb kann die Goldwährung noch bestehen, die unter einem furchtbaren Strafgericht zusammenbrechen muß, sobald das Volk erführt, daß der Thaler nur noch l'/s Mk. und das Fünfmarkstück nur noch 2^4 Mk. werth ist. Heut begreift man selbst in gebildeten Kreisen noch nicht, was die Silberentwerthung bedeutet, weil der Thaler noch 3 Mk. und das Fünfmarkstück noch 5 Mk. gilt. Aber diese Geltung beruht nicht wie beim 20 Markstück ans dem inneren Werth, sondern wie beim Fünfmarkschein lediglich ans dem Staatskredit. Silber ist zum Kreditgeld geworden, das in ruhigen Zeiten nicht stört, aber wie in einer Krisis oder im Kriege? Was wird dann aus uusrer Goldwährung, die man eine „bewährte" nennt, obwohl sie — 21 — noch nie eine ernste Probe bestand nnd auch keine bestehen könnte? Japan hat soeben Dank seiner Silberwährung, einen großen Krieg ohne ausländische Anleihe geführt. Auch das erinnert an die Kriege Preußens 1864, 1866, 1870, die mit der Silberwährung geführt wurden — steht Deutschland mit der Goldwährung ebenso gerüstet da? Ich möchte nicht an der Stelle des Leiters der Reichsbank sein, wenn die Goldwährung die Feuerprobe bestehen soll. Geschieht das, solange Herr Dr. Koch an jener Stelle steht, so würde er wegen seines Eintretens für die Goldwährung eine schwere Verantwortung tragen, wenn, woran leider nicht zu zweifeln ist, unsere Valuta zusammenbricht. Herr Dr. Koch wird mit mir darin einig sein, daß sein Amtsvorgänger, Herr von Dechend, sich die größten Verdienste dadurch erwarb, daß er 1866 die von der llauts llrmuos, namentlich von Frankfurt a. M. aus systematisch betriebenen Angriffe gegen die preußische Valuta abschlug. Es gelang ihm das, indem er einerseits mit großen Kosten erhebliche Silbermassen ans dem Auslande heranzog und andererseits die Einlösung der Noten dadurch verlangsamte, daß er mit Fünfsilbergroschenstücken — einer damals absolut vollwerthigen Münze — einlöste. Beide Mittel versagen heut. Gold würde im Kriegsfall auf keinem Markt der Welt aufzutreibeu sein und Zehnmarkstücke werden 20mal so schnell aufgezählt wie die alten Silbermünzen — würde aber die Reichsbank ihre Noten jetzt mit Silber einlösen, so wäre das Gvldagio sofort da. Die Leitung der Reichsbank mnß doch unzweifelhaft solche kritischen Zeiten vorgesehen haben, die Anschauungen des Herrn von Dechend hierüber sind in politischen Kreisen sehr bekannt, sollte Herr Dr. Koch diese Gefahren gar nicht würdigen? Wenn der Ausdruck „Volkstümlichkeit" für die Goldwährung üherhaupt in gewissen weiteren Kreisen noch zutreffen sollte, so liegt das daran, daß man hier Münz- und Währungsfrage verwechselt. Unsere Münzrcform hat uns ein bequemes, einheitliches Geldwesen gebracht, das — 22 — mit Recht beliebt ist. Das hat aber nichts mit der Frage Goldwährung oder Bimetallismus zu thun. Es ist auch so eines der irreführenden Kampfmittel der Goldpartei, daß sie statt Bimetallismus, d. h. Gold- und Silberwährung, einfach Silberwährung setzt, worunter das Publikum Verlust des bequemen Goldgeldes, Rückkehr der alten Zeit mit schwerem Silbergeld, womöglich mit „wilden Scheinen" versteht und entrüstet die „Errungenschaft von 1870", die bewährte Goldwährung, gegen den „agrarischen Ansturm" vertheidigt — die Wahrheit ist, daß der Bimetallismus im Münzumlauf absolut keine Veränderung hervorrufen würde, es würde weder Gold abfließen, noch der Verkehr mit zu viel Silber belästigt werden. Silberpräguugen wie Goldprägungen würden, soweit sie die Umlaufsbedürfnisse übersteigen, immer in die Reichsbank stießen. Starke Silberprägungen könnten nur reichliche Notendeckung, diese billigen Diskont und auf Grund des niedrigen Diskonts vermöge desfen Einwirkung auf die Wechselkurse Abfluß von Gold oder Silber — die Wahl stünde uns frei — in die übrigen, ebenso wie wir, biine- tallistischen Länder bewirken. Wenn die Anhänger der Goldwährung und wenn insbesondere ein Mann von den praktischen Erfahrungen des deutschen Reichsbankpräsidenten sich nur einmal den Bimetallismus als vollzogene Thatsache und in voller Thätigkeit vorstellen wollten und alle unbestrittenen Gesetze des internationalen Geldverkehrs auf ihn anwendeten, die Klarheit müßte kommen und die Haltlosigkeit aller gegen den Bimetallismus vorgebrachten Einwände würde Jedermann einleuchten. Herr Dr. Koch spricht weiter von „manchen maßlos verurteilenden, aufreizenden Schlagworten, welche an einem anderen Ort kürzlich gefallen sind"— er bezeichnet den Ort nicht, es steht also nicht fest, wer hier gemeint ist. Wenn der Herr Reichsbankpräsident aber objektiv urtheilt, so wird er zugestehen müssen, daß Aufreizung und Maßlosigkeit von der Goldwährungspresse in einer Art geübt wird, daß dagegen die schärfste Sprache der Bimetallisten milde wäre. — 23 — Verwunderlich ist das Mißverständniß, das Herr Dr. Koch hieran knüpft, er sagt: „Ich begrüße zunächst das Zugeständnis;, welches Herr von Graß heute abgegeben hat. Er hat wörtlich, wie ähnlich schon in der Kommission, gesagt, das Deutsche Reich könne die Goldwährung kaum entbehren; sie sei seiner Zeit uothweudig gewordcu, um die wirthschaftliche Bedeutung Deutschlands zu heben, das Gewerbe habe sich unter der Herrschaft der Goldwährung in erheblichem Umfange entfaltet, es sei ein bedeutender Reichthum angesammelt. Nun, meine Herren, ist das nicht außerordentlich viel?" Was hatte Herr von Graß, der Berichterstatter der Kommission des Herrenhauses gesagt? „Ihre Kommission hat im Allgemeinen keine Stellung gegen die Goldwährung selbst eingenommen; sie ist weit davon entfernt gewesen, diese tiefgreifende Materie in der kurzen Zeit einer Sitzuugsdauer approfondiren oder auch nur anschneiden zu wollen; sie ist der Meinung — wenigstens hat sich kaum ein Widerspruch gegen diese Meinung geltend gemacht —, daß das große Deutsche Reich die Goldwährung kaum entbehren kann, daß diese Goldwährung nothwendig gewesen ist, um ihm seine staatSwirthschaft- lichc Bedeutung zn sichern. Sie ist der Ansicht gewesen, daß die Goldwährung selbst die Veranlassung gewesen ist, daß Gewerbe und Industrie sich an vielen Stellen blühend entfaltet haben, daß sie dazu geführt hat, großen Wohlstand und große Reichthümer anzusammeln." Wenn man diese Worte des Herrn von Graß nicht sinngemäß, sondern buchstäblich faßt, so kann man zu der Auslegung des Herrn I)r. Koch gelangen. Allein Herr Dr. Koch übersieht, daß Herr v. Graß und die Kommission gleichzeitig den bimetallistischen Antrag empfehlen. Herr v. Graß versteht demnach unter Goldwährung etwas anderes als Herr Dr. Koch, der ausschließliche, das Silber ausschließende Goldwährung im Auge hat, während Herr von GraßunterGoldwührung diejenigeBeuutzung des Goldes versteht, welche der Bimetallismus nicht aus-, sondern einschließt, da diesernichtBeseitigung, sondern Aufrechterhaltung — 24 — der Goldwährung und deren Ergänzung durch Silberwährung zur Doppelwährung bezweckt. Herr Dr. Koch hätte sich doch selbst sagen müssen, daß Herr von Graß nur in diesem Sinn sagen konnte, daß Deutschland „die Goldwährung kaum entbehren kann", da er andernfalls dadurch mit sich selbst in Widerspruch gerathen wäre, indem er einen Antrag „mit dem Endziel des internationalen Bimetallismus" vertrat. Es ist aber nicht ohne Interesse, auch abgesehen von diesem Mißverständniß, die Worte des Herrn von Graß genau zu vergleichen mit ihrer Wiedergabe durch Herrn Dr. Koch. Die Färbung der Worte ist eine etwas andere geworden. Herr Dr. Koch wird jedenfalls wissen, daß Herr von Graß nichts Neues und nichts Abweichendes damit sagte, daß die Goldwährung seiner Zeit für Deutschland nothwendig war, Herr Dr. Koch wird in meinen Schriften diese Bemerkung immer wieder finden, die Einführung der Goldwährung in Deutschland war gewissermaßen eine historische Nothwendigkeit, um diejenigen Erfahrungen zu sammeln, welche allein eine Einigung der Kulturwelt zu einem gemeinsamen Bimetallismus ermöglichen. Allerdings ist es nicht zutreffend, wenn Herr Dr. Koch meint, „die Goldwährung ist in Deutschland eingeführt worden unter einem beinahe allgemeinen gewaltigen Dränge." Ich bitte Herrn Dr. Koch und jeden der sich hierfür interessirt in meiner Schrift „Wie Deutschland zur Goldwährung kam" die ausgezeichnete, historische Darstellung des Holländers Rochussen nachzulesen, welche beweist, daß nicht allgemeiner Drang, sondern allgemeine Unwissenheit die damaligen Vorgänge charakterisirte und daß es sich sehr bestimmt nachweisen läßt, daß einige wenige „Kundige" Deutschland und die Regierung sogar halb widerwillig mit fortrissen. Der Satz des Herr Dr. Koch: „Wir sind Frankreich nur zuvorgekommen, als wir sie einführten, sonst würden die Franzosen sie eingeführt haben", ist ebenso wie der folgende: „Nachdem die Pariser Münzkonferenz im Jahre 1867 fast einstimmig sich für die Goldwährung erklärt — 25 — hatte", zu den Behauptungen zu zählen, welche die Goldwährungspartei so oft uud so zuversichtlich wiederholte, daß sie allseitig als historisch richtig galten — trotzdem sind sie, wie ich aktenmäßig in meiner Auseinandersetzung mit Herrn Dr. Bamberger nachwies, falsch.*) Diese Irrthümer waren von verhängnißvollem Einfluß auf die deutsche Währungspolitik, aber heur steht doch fest, daß was die Pariser Münzkonferenz von 1867 und was Frankreich wollte, nicht die Goldwährung, sondern die internationale Münzeinigung auf der Grundlage des Frankensystems war. Die Goldwährung sollte nur als Mittel zum Zweck dienen, Frankreich wollte — gegen den heftigsten Widerstand — seine Doppelwährung opfern, wenn es dafür sein Geldsystem zum Weltsystem machen konnte. Das ist der Grundton aller damaligen Erörterungen, darüber lassen die von mir veröffentlichten Aktenstücke aus jener Zeit nicht den mindesten Zweifel — mit dem Kriege von 1870 war natürlich die ganze Sachlage eine durchaus veränderte, Frankreich befand sich im Zwangskurs und wenn Deutschland nicht zur Goldwährung überging, hätten die belgischen nnd schweizerischen Goldfanatiker niemals eine Beschränkung der Silberprägungen in Frankreich durchgesetzt. Nur mit Hülfe des französischen Chauvinismus, den man gegen „die Invasion der preußischen Thaler" aufrief, gelaug es dann langsam und mit großer Mühe, Frankreich von der Doppelwährung abzubringen. Frankreich hat dadurch uns, aber sich noch mehr geschadet und ist heut bereit, mit uns gemeinsame Sache zu machen, um einen für beide Länder unerträglichen Nothstand aus der Welt zu schaffen. Wäre Deutschland nicht zur Goldwährung übergegangen, so würden also die Franzosen sie nach 1870 nicht eingeführt haben. Ueber solche der Geschichte angehörenden Fragen sollte ein Meinungsstreit nicht bestehen bleiben, hier ist genügendes Thatsachenmaterial vorhanden, und ich zweifle nicht, daß jeder, der dieses in Diese sind abgedruckt in den Drucksachen der Silberkommission und in der oben genannten Broschüre „Wie Deutschland zur Goldwährung kam". — 26 — den Quellen, wie ich es gethan, prüft, ebenso wie ich die zumeist auf Dr. Bamberger zurückzuführende Darstellung, welcher auch Herr Or. Koch folgt, als falsch und tendcntios erkennt. Hcrr1)r.Koch wird sicher das selbst thun, wenn er sich die Mühe nimmt, meine Polemik mit l)r. Bamberger nachzulesen. Indessen auch iu Deutschland, wo Svetbeer seit Jahrzehnten eine unermüdliche, und wenn man an die heutige Goldwährungspresse denkt, damals objektive und würdige Agitation für die Goldwährung entfaltete (erst als das Ziel erreicht nnd dann sehr bald ein Kampf gegen die Goldwährung begann, verlor auch Soetbeer seine wissenschaftliche Objektivität) beschräukteu sich die Bedenken nicht, wie Herr Dr. Koch glaubt, darauf, daß „in Handelskreisen Bedenken wegen der Kosten herrschten". Die „Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft" erklärten im Oktober l868 auf dem Deutschen Handelstag sich als Anhänger der reinen Silberwährnng, nicht uur wegeu der Kosten, sondern auch „weil wir durchaus keinen Gruud haben, unsere alte Silberwührung aufzugeben" uud „weil eine totale Zerrüttung unserer gestimmten Kreditverhältnisse würde eintreten müssen". Wenn man die damaligen Reden liest, wie Deutschland durch die „bewährte Silberwähruug" groß geworden, wie man keine „Experimente" machen solle, so findet man viele der Argumente wieder, die heut für Goldwährung und gegen Bimetallismus von denselben Stellen ausgehen, die damals für Silberwährung und gegen Goldwährung waren. Und wenn man nun vollends die Gründe liest, die damals für die Goldwahrung ins Gefecht geführt wurden, dann kann man nur immer wieder die heilige Einfalt bewundern, mit der einer der folgenreichsten Schritte der Wirthschaftsgeschichte ohne jede Kenntniß seiner Tragweite unternommen worden ist. „Es waren ganz bedenkliche Verhältnisse", gesteht Herr Dr. Koch, eine Krisis, „die wir überwunden haben", als bis zur Mitte der achtziger Jahre die Goldproduktion abnahm und ein bedeutender Gold begehr Amerikas hinzutrat, während Italien seine Valuta-Anleihe machte. Als aber damals die Bimetallisten das Bedenkliche der Ver- — 27 — Hältnisse nachwiesen, hat man da nicht mit denselben Gründen wie jetzt gegen sie gekämpft und womit bürgt uns Herr Or. Koch dafür, daß nicht sehr bald diese „bedenklichen" Verhältnisse in noch viel stärkerem Maße zurückkehren. Die Zunahme der Goldproduktion ist doch nur eine vorübergehende Erscheinung, die Minen, die setzt in Bearbeitung sind, werden mit Hülse der modernen Technik ungleich schneller ausgebeutet als früher, dadurch ist der Jahresertrag erheblich größer, aber das Ende ebenso erheblich näher. Auch diese große, unmöglich dauernde Produktion reicht nicht aus für den Bedarf an Gold, der stetig wächst. Und nun sollen wir uns so einrichten, als ob diese außerordentliche Goldproduktion dauernd gesichert ist, als ob immer neue Goldreichthümer erschlossen würden? Wie weuu die Goldproduktion wieder auf die Ziffern von 1884 oder auf die Ziffern von 1834 zurückfüllt, wo kaum ein Zwanzigstel wie jetzt produzirt worden ist? Das mag noch einige Jahre oder selbst Jahrzehnte Zeit haben, aber diese Zeit kommt unheimlich sicher und die Goldwährungspartei, berauscht durch die Transvaal-Funde, muß entweder ans immer neue „Ueber- raschungen" rechnen oder sie denkt „nach uns die Sünd- fluth", wenn sie das Unhaltbare einer dauernden Aufrechterhaltung der Goldwährung verkennt. Viel klüger wäre es, gerade die jetzige Zeit einer reichen Goldproduktion für den Uebergang zum Vimetallismus auszunutzen; gerade jetzt bei abnehmender Silber- und zunehmender Goldproduktion entfallen ja alle die Bedenken, die man bisher gegen den Bimetallismus ius Feld führte, daß das Silber entwerthet bleiben und das Gold Agio bekommen würde. „2063 Mill. Mark Gold", sagt Dr. Koch stolz, „hat die Neichsbank seit 1870 an sich gezogen". Eine gewaltige Summe, allein wie groß ist auch der industrielle Goldverbrauch Deutschlands, der Abgang unserer Goldmünzen durch UmPrägung im Auslande und weshalb „war das nur möglich unter der Wirkung günstiger Wechselkurse"? Es ist das ein sehr ernster Grund, und jenes Gold haben wir sehr theuer bezahlt. Wir haben dauernd um des Goldes willeu höhere — 28 — Diskonts gehalten als England und Frankreich. Unsere Industrie hat sehr oft mit schweren Opfern die Kosten bezahlt, mit denen jene 2063 Mill. Mark Gold von der Reichsbank seit 1870 herangezogen und behauptet wurden. Höherer Zinssatz zieht Geld ins Land. England hat in großen Beträgen deutsche Werthpapiere erworben und uns dafür zum Theil mit Gold, zum Theil mit recht zweifelhaften Werthen, namentlich unsicheren Minen-Aktien, gezahlt — wenn England einmal Gold braucht, hat es jetzt eine Handhabe, die ihm früher fehlte, es ist ein Gläubiger- Land gegenüber Deutschland geworden, während früher Deutschland namentlich durch amerikanische, in London marktgängige Werthpapiere jederzeit Gold aus London heranziehen konnte. Dieser Wechsel der Beziehungen wird jetzt wenig beachtet, kann aber einst sehr fühlbar für uns werden nnd bezeichnet jedenfalls die Kehrseite der Medaille. Ganz eigenthümlich haben mich die folgenden Worte des Herrn Reichsbankpräsidenten berührt. „Unter diesen Verhältnissen stieg die Golddeckung der Banknoten von 41,ss Prozent im Jahre 1876 auf durchschnittlich 61,ss im Jahre 1894, während wir gesetzlich nur Z3^z Prozent Baarvorrath zu halten brauchen." Was Herr Dr. Koch hier sagt, ist buchstäblich richtig, aber auch uur buchstäblich, denn Herr Dr. Koch übersieht einen Umstand, den er nicht übersehen durfte — die gewaltige Ausdehnung der täglich fälligen Verbindlichkeiten, des Giro- und Depositen-Verkehrs. Im Jahre 1876 betrugen die Giroguthaben durchschnittlich 70,5 Mill. Mark, im Jahre 1894 dagegen 262,5 Mill. Mark. Die Deckung dieser täglich fälligen Verbindlichkeiten ist gegenwärtig mindestens so wichtig, als die Notendeckung, sie muß gleichfalls durch das Gold geschehen. Beiläufig gestatten die hier von dem Herrn Reichsbankdirektor gegebenen Ziffern über die Golddeckung der Noten von 1876 und 1894 interessante Schlüsse auf die Zusammensetzung des Baarvorraths der Reichsbank. Man kann danach berechnen, daß die Reichsbank 1876 ca. 280 Mill. Mark Gold und 230 Mill. Mark Silber — 29 — durchschnittlich besaß — 1894 dagegen etwa 020 Mill. Mark Gold und 314 Mill. Mark Silber. Von den 2063 Mill. Mark, welche die Neichsbank erwarb, ist ihr also nur ein kleiner Theil seit 1876, 340 Mill. Mark, verblieben, nnd dieser Vermehrung des Goldbesikcs steht eineZu- nahme des Notenumlaufs von 684 Mill. auf 1000 Mill. — immer im Jahresdurchschnitt — und der täglich fälligen Verbindlichkeiten von 70,5 Mill. auf 262,5 Mill., zusammen also über 500 Mill. zu deckende Forderungen gegenüber. Der Stand der Neichsbank hat sich also nicht so glänzend gebessert, als die Angaben des Herrn Reichsbankpräsidenten andeuten, ganz abgesehen davon, daß der Silberbestand zunahm und an Stelle einer geringen Ent- werthung des Silbers — der Silberpreis betrug 1876 52,75 Pence — eine so hochgradige Entwerthung bis auf zeitweise 27 Pence und jetzt 30 Pence getreten ist. Die günstigen Wechselkurse, welche Gold nach Deutschland brachten, führt Herr Dr. Koch auf ganz eigenthümliche Weise mit der Goldwährung zusammen, er sagt: „Mit Hilfe der Goldwährung konnte die deutsche Handelswelt im Auslande überall Verbindungen anknüpfen. Das fremde Kapital war geneigt, sich in Deutschland anzulegen. Es gründeten sich Handelsniederlassnngcn im Auslande. Das Vertrauen zu unserer Währung wuchs, Jedermann draußen wußte, wenn er in Deutschland eine Fordcruug hatte, daß sie xs-ri steht und mit Gold bezahlt werden muß." Ich habe mir diese Worte lange überlegt, sie klingen beinahe, als ob hätte gesagt werden sollen, daß die Goldwährung uuseren Export begünstigte. Denn der Export schafft Forderungen an das Ausland nnd verbessert dadurch die Wechselkurse. Die in der Goldwährungspresse häufig geäußerte Absurdität, daß die Goldwährung nnsern Export, den sie so empfindlich schädigt, begünstige, hat Herr Dr. Koch offenbar nicht ausgesprochen, obwohl bei flüchtigem Hinsehu sciue Worte fast den Eindruck machen, als ob sie so auszulegen wären. Mit Hülfe der Goldwährung konnte unsre Handelswelt überall im Auslande Verbindungen anknüpfen. That sie das mit der Silber- — 30 — Währung vor 1870 nicht auch? Welcher Art sind diese Verbindungen? Die Goldwährung, sagte Bamberger und darin hat er unbedingt Recht, wird Deutschland zum importfähigsten Land machen. Wenn man Gold, also das theuerste Geld zur Währung hat, kann man überall kaufen. Aber durch Import verbessert man doch die Wechselkurse nicht. Für den Export andrerseits kann die hochwerthige, die Goldvaluta doch nur ein Hinderniß sein, denn der Ausländer wird lieber da kaufen, wo das Geld minderwerthig ist. „Das fremde Kapital war geneigt, sich in Deutschland anzulegen," unsrer Goldwährung wegen? Wie viele englische Unternehmungen haben wir in Deutschland aus der Zeit der Silberwährung. Und haben wir in Deutschland wirklich fremdes Kapital nöthig? Ist es vortheilhaft für uns, daß viele deutsche Werthpapiere im englischen Besitz sind und deutsche Kapitalisten? dafür allerhand unsichere exotische Werthe ankaufen? „Es gründeten sich Handelsniederlassungen' im Auslande," ja was hat das mit der Goldwährung zu thuu? „Das Vertrauen zu unsrer Währung wuchs" — Dank der Goldwährung oder Dank der Errichtung und des Ausbaues eines deutschen Reichs? Und der Schlußsatz, daß Jedermann draußen wußte, daß er in Deutschland iu Gold bezahlt werden muß, kann wieder nur dahin wirken, nach Deutschland gern zu verkaufen und ist überdies nicht einmal richtig, denn daß jede Forderung in Deutschland mit Gold bezahlt werden muß, ist so lange falsch, als bei uns die Thaler noch unbeschränkte Znhlkraft haben. Nicht unsre Goldwährung, das deutsche Reich als solches verbürgt die Parität aller Forderungen in deutscher Währung, eine Bürgschaft, die absolut nicht in Frage gestellt wird, wenn das Silber wieder gleichberechtigtes vollwerthiges Geld wird. Trifft denn nicht all' das, was Herr Dr. Koch hier ausführt, völlig ebenso für Frankreich zu, wo das Gold wie bei uns allein geprägt wird, aber Silbergeld dauernd unbeschränkte Zahlkrnft hat? Wer denkt daran, einer Forderung auf Frankreich zu mißtrauen, weil er nicht Goldzahlung fordern kann, sondern Silberzahlung nehmen muß! Die Parität der Silber- und Goldzahlung — 31 — wird durch den französischen Staatskredit gesichert und dieser nnd nicht die Währung verbürgt die Parität unter der Goldwährung wie unter dem Bimetallismus, die sich ja überhaupt nur dadurch unterscheiden, daß bei ^ Goldwährung der Staatskredit sich für Gold allein, bei Bimetallismus dagegen sich für Gold und Silber einsetzt. Auch die Größe der Goldprägungen und der „sichtbaren Vorräthe" der Bauken kann keinen Eindruck macheu, die Prägungen sind zum großen Theil Umpräguugen und beweisen nur, wie schnell Gold von Land zu Land wandert, die sichtbaren Vorräthe deuten nicht auf Goldreichthum, soudern auf Goldmaugel, denn sie beweisen, daß man Gold überall aufspeichert, und die gleichzeitige Steigerung des Bauknotcnnmiaufs zeigt, daß das aufgespeicherte Gold im Verkehr durch Papier ersetzt ist. Diese Goldziffern sind überhaupt nur die Aktivzahlen, die gar nichts beweisen ohne die Passivzahleu des Notenumlaufs. Sehr dankenswert!) ist, daß Herr Or. Koch einmal die Hauptvortheile der Goldwährung genau hervorgehoben hat. Das ist iu der That der springende Pnnkt. Die Nachtheile namentlich der Silberentwerthung werden ja allseitig zugegeben, die Vortheile der Goldwährung müssen also größer sein als diese Nachtheile, sonst läge kein Grund vor, die Nachtheile weiter zu ertragen. Herr Dr. Koch sagt: „Ich will die Hauptvortheile dahin zusammenfassen: Wir haben die Beständigkeit der Währung erreicht. Eine stabile Währung ist ein großer Schatz für unser Land, wie Niemand bezweifeln wird, der die wirthschaftlichen Schicksale der Länder mit schwankender Währung verfolgt." In diesen Worten des Herrn Reichsbankpräsidenten liegt einmal der ganze Grundirrthum mit aller wünschcns- werthen Deutlichkeit ausgesprochen. Gold ist stabil. Silber schwankt. Ein chinesischer Bankdirektor würde allerdings und mit gleichem Recht sagen, Silber ist stabil und Gold schwankt. Wenn die Goldwährung gesetzlich feststellt, daß aus einem Pfund Gold 1395 Mark geprägt werden, so ist selbstverständlich ein Pfund Gold immer 1395 Mark werth, und wenn eine gleiche Festsetzung für Silber besteht, so hat dieses gleichfalls einen „stabilen" Werth. — 32 — Ein Zwischensall zwischen Herrn Dr. Bamberger und mir stellte in der Silberkommission diesen Hauptgrund des ganzen Währungsgegensatzcs so klar, daß ich die bezügliche Stelle meiner Rede nach dem stenographischen Bericht hier wiedergebe: „Nun aber kommt der Hauptpunkt für mich aus der Rede des Herrn Dr. Bamberger; er sagte: wie kann man einen organisirten Silbermarkt verlangen, ist denn ein orgauisirter Markt für Weizen da? Ich warf ihm die Zwischenbemerkung ein: giebt es einen organisirten Goldmarkt? — und da antwortete er: mit Gold ist es etwas ganz anderes; Gold hat keinen Preis, Gold ist nur der Name, der Goldpreis für Geld. Vollständig einverstanden: Gold hat keinen Markt, Gold hat keinen Preis, das Gold ist Geld! — Nun aber bitte ich mir zu sagen, wie steht es denn mit dem Silber in einem Lande, das die unbeschränkte Silberprügung hat. (Or. Bamberger: Wie Gold!) — Gut, also wie Gold: da ist also Silber keiue Waare, sondern ist identisch mit Geld und hat keinen Preis. (Dr. Bamberger: Ganz richtig!) Das ist aber noch heute in Silberwährnngsländern der Fall und war bis zum Jahre 1373 in Frankreich und in dem lateinischen Münzbnnde der Fall. (l)r. Bamberger: Nein, das nicht, hier beginnt der Unterschied!) - Im lateinischen Münzbunde bestand die Freiheit der unbeschränkten Goldprägung und die Freiheit der unbeschränkten Silberprägung; da gab es also keinen Markt für Gold und Silber. (Zuruf.) — Ja, Herr Or. Bamberger, wie Sie das bestreiken können, verstehe ich nicht. Wenn Sie sagen, Gold hat keinen Markt, wenn es unbeschränkt zum festen Preise geprägt wird, Silber hat. wo es unbeschränkt geprägt wird zum festen Preise, anch keinen Markt, — dann muß doch in einem Lande, wo beides der Fall ist, beides der Fall sein. Also darin sind wir einig. Nun, meine Herren, in Frankreich war beides der Fall, und weil in Frankreich beides der Fall war, hatte Frankreich eine derartige Macht im Welthandel, daß in der ganzen Welt kein Markt für Gold und kein Markt für Silber war, sondern daß man in der ganzen Welt — 33 — wußte: in Frankreich kann man das eine, und das andere zu einem festen Preise los werden, und da fiel es keinem Menschen ein, einen anderen Preis zu nehmen als ihn Frankreich bot, nnd da im Geschäftsleben nicht Liebhabereien und Doktrinen entscheiden, sondern der nackte Profit, so war es selbstverständlich, daß ein Silberminen- und Goldminenbesitzer, er mochte noch so billig Produziren, unter keinen Umständen einen anderen Preis nahm, als ihn Frankreich bot, nnd deshalb war das französische Werthverhältniß das Werthverhältniß der Welt mit den ganz geringen Abweichungen, die die Versendungskosten hervorriefen, die einmal einen Penny unter oder über waren, und die daher praktisch nicht in Betracht kamen." Läßt es sich leugnen, daß Silber ebenso „stabil" war wie Gold, so lange die französische Doppelwährung bestand? Man sprach damals allgemein von der Parität zwischen Silber und Gold und unter dieser Parität verstand man das Werthverhältniß von 1 : 15,5, also das Werthverhältniß der französischen Doppelwährung. Wie aber steht es denn mit der „Stabilität" der Goldwährung? Das gelesenste Finanzblatt der Londoner City, die „^inancisl lissv/s", urtheilt über diese Stelle der Koch'schen Rede wie folgt: „Weiter dann von dem Vortheil der deutschen Goldwährung sprechend, erklärte Dr. Koch, daß Deutschland durch diese eine „stabile" Währung erhalten habe. Allein es ist immer und immer wieder hervorgehoben worden, daß Gold stabil geblieben sei, nur „am Werthmesser des Goldes gemessen." Ebenso wie jede andere Handelswaare stabil bleiben müßte, wenn sie selbst zum Werth- mesfer gemacht würde. Der Goldwerth selbst aber ist nicht stabil, sondern seine Kaufkraft hat außerordentlich zugenommen." Hier ist die Hauptsache, die Herr Dr. Koch ganz unberücksichtigt läßt, richtig hervorgehoben. Die Stabilität einer Währung besteht in ihrer Beständigkeit und Gleichmäßigkeit als Werthmesfer. Gold aber ist nach dieser Richtung nicht stabil, seine Kaufkraft ist eine steigende. Ein im Werth steigender Werthmesser ist doch in nichts 3 — 34 — stabiler als ein im Werth sinkender, und überdies ist er volkswirtschaftlich erheblich schädlicher, was auch der Führer der Goldwährungspartei, Professor Soetbeer, wie folgt aussprach: „Nicht minder ist der Satz wissenschaftlich begründet, daß ein durch Knappwerden des Geldmetalls bedingtes chronisches Herabdrücken der Waarenpreise ein größeres Uebel ist, als eine langsame Steigerung der Preise durch starken Zufluß des Edelmetalls." Die Goldwährung bietet also nicht den Vortheil der Stabilität, sie bietet auch nicht den Vortheil fester Wechselkurse außer zu den wenigen Ländern, die auch Goldwährung aufrecht zu erhalten vermögen. Darin aber stimme ich dem Herrn Reichsbankpräsidenten ganz zu, „eine stabile Währung ist ein großer Schatz für unser Land." Eben deshalb bin ich'Bimetallist. Schon Wolowski hat nachgewiesen, daß der Geldwerth unter dem bime- tallistischen System stabiler ist als bei jeder Einzelwährung. Er hat das einleuchtende Bild des Kompensationspendel hierfür gebraucht. Dies hat auch neuerdings Herr von Roggenbach wieder in seinem ausgezeichnet werthvollen, mit größter Klarheit das Problem der Währungsfrage aufhellenden Brief ausgesprochen. Indem wir Gold- und Silberwährung haben, kommen wir in Wührungsübereinstimmung mit allen Metallländern, während gleichzeitig die Wiedereinsetzung des Silbers als Weltgeld den Papierwährungsländern die Herstellung der Baarzahlungen erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht. Man mache sich von dem Begriffe frei, daß Silber, weil es jetzt im Goldpreis schwankt, nachdem die feste Wechselstelle irgend einer Doppelwährung beseitigt wurde, auch künftig schwankend bleibe, nachdem der Bimetallismus die unbeschränkte Nachfrage nach Silber zu einem und dem gleichen Preis bei allen Münzstätten der Haupthandelsvölker geschaffen hat. Aus demselben Grunde, aus dem Gold heut der Goldwährungspartei stabil erscheint, weil es einen gesetzlichen Preis hat, ist auch Silber dann stabil denn es hat dann ebenfalls einen gesetzlichen Preis — es — 35 — hat, um mit Bamberger zu reden, keinen Markt, keinen Preis, es ist Geld. Einen zweiten Irrthum muß man dann noch überwinden, nämlich daß Gold einen „natürlichen" Werth hätte, der genau seinem Münzwcrth entspricht. Gold und Silber haben keinen „natürlichen" Werth, sie sind Edelmetalle, nicht beliebig vermehrbar, nicht von ihren Produktionskosten abhängig, ihr Preis ist eiu Seltenheitspreis. Diese nationalökonomisch unbestrittenen Sätze werden zumeist im Währungsstreit außer Acht gelassen und sind doch entscheidend. Die Nachfrage ist es, die bei einem Seltenheitspreis entscheidet, die Nachfrage zum Währungsgeld ist unbeschränkt. Wenn die Goldproduktion sich verzehnfacht und die Münzstätten dem Golde offen bleiben, kann die Kaufkraft des Goldes sinken, aber nicht sein Münzwerth. Herr Dr. Koch würde auch baun unsere „stabile" Währung loben, denn ein Pfund Gold würde stets 1395 Mark gelten. Gäbe man aber überall die Goldprägungen auf, was würde da aus dem „natürlichen" Goldwcrth? Eine furchtbare Gold- entwerthung müßte eintreten, bis Gold so billig würde, daß die ganze Produktion zn Schmuck und Gerärh verwendet würde. So aber ist man mit dem Silber Verfahren und man wundert sich über die Silberentwerthnng? Die Münzstätten allein erhöhen den Edelmetallwerth über den Werth, den sie als Schmuck und Geräth Hütten. Die Münzstätten bieten eine unbeschränkte Nachfrage, der Münzumlauf ein praktisch unbeschränktes Angebot, folglich regelt das Münzgesetz Angebot und Nachfrage und mithin den Preis — nicht willkührlich, sondern naturgemäß. Das gilt für Silber wie für Gold und folglich auch für beide. Eben deshalb kann eine Vereinigung der Münzgesetzgeber (vertragsmäßige Doppelwährung) das Werthverhältniß zwischen Silber und Gold ebenso stabil machen, wie der Gesetzgeber durch die Goldwährung das Gold „stabil" machte. Die Stabilität ist also kein Vorzug der Goldwährung gegenüber dem Bimetallismus, im Gegentheil Bimetallismns ist eine nach jeder Richtung stabilere und werthbestündigerc Währung als Goldwährung — ganz insbesondere aber ist g*. — 3V — der Hinweis auf die „Schicksale der Länder mit schwankender Währung" falsch, weil Zweck und Bestimmung des Bimetallismus gerade ist, die Währungsschwankungen einzuschränken nnd zu beseitigen. Bimetallismns eine „schwankende Währung" nennen, hieße behaupten, daß die internationale Doppelwährung das Werthverhältniß zwischen Silber und Gold nicht sixirt. Bekanntlich hat aber die englische Enauste von 1888 einstimmig unter Zustimmung der Anhänger der Goldwährung erklärt (was Lexis früher als „wissenschaftlich bewiesen" bezeichnete und sogar Soetbeer anerkaunte), daß der internationale Bimetallismus das vereinbarte Werthverhältniß aufrecht erhält. Durch die Abnahme der Silberproduktion und die Zunahme der Goldproduktion ist das vollends unzweifelhaft geworden. Also der Hauptvortheil der Goldwährung — die Stabilität — ist nichts als ein Vorurtheil. Außerdem führt Herr Dr. Koch uoch folgenden Hauptvortheil an. „Wir haben im Inlands eine wohl geordnete Zirkulation von Gold in Verbindung mit dem Silber, mit den Banknoten — auch unser Bankwesen ist ein gut geregeltes, uud das Ausland erhält, soweit eine andere Ausgleichung durch Waaren oder Werthpapiere nicht möglich, das nöthige Gold aus dem großen Reservoir der Reichsbank. So genügt die Goldwährung sowohl den Ansprüchen des inneren Verkehrs wie bezüglich des Verkehrs mit dem Auslande. Sind das keine wirthschaftlichen Vortheile, meine Herren? Ja, dann weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll." Zu der wohlgeordneten Zirkulation im Jnlande muß ich ein Fragezeichen machen. Wir haben nahezu eine Milliarde Silbergeld im Verkehr. Niemals hat es Geld von so enormer Unterwerthigkeit in geordneten Münzverhältnissen gegeben. Münzen mit 50 und 60°/o Unterwerthigkeit fordern zur betrügerischen Nachprägung gradezu heraus. Es ist vielfach behauptet worden, daß solche seit lange stattfindet. Die Goldwährung steht diesen Verhältnissen rathlos gegenüber, sie kann Silbergeld nicht entbehren, sie kann nicht vollwerthiges Silbergeld ausgeben, denn abgesehen davon, daß das Hunderte von Millionen kosten würde, wären die Münzen zum jetzigen Silberwerth — 37 — zu schwer und es giebt keinen festen Silberwerth, solange ihn Doppelwährung nicht schafft. Die Münzen können sich doch nicht dem jedesmaligen Silberwcrth anschließen, der heut zu einem bloßen Spielball der Spekulation wurde und beliebig nach oben oder unten geht. Also die Goldwährung kann gar nicht wohlgeordnete, sturmfeste, einer kritischen Zeit Rechnung tragende Umlaufsverhältnisse schaffen. Was uns der Herr Reichsbankpräsident hier als Vortheil der Goldwährung vorführt, ist eine grade an dieser Stelle sehr bedenkliche Illusion. Bimetallismus bietet denselben Goldumlanf und nach Wiederherstellung des Silberwerths gutes, vollgültiges Silbergeld — Banknoten mit Gold und Silbergedeckt—das dann, aber nicht jetzt, alsNotendeckung geeignet ist — und „das nöthige Gold" und außerdem Silber aus dem großen Reservoir der Reichsbank zu Zahlungen ans Ausland. Man mache sich nur klar, daß, wenn wir auf Grund eines internationalen Abkommens Silber Prägen, alle mit uns an dem Abkommen betheiligten Staaten gleichfalls Silber prägen müssen, unsre Schulden au diese Staaten demnach ebenso von uns in Silber gezahlt werden können wie heut iu Gold. Die beiden Hauptvortheile, welche Herr Dr. Koch für die Goldwährung ins Gefecht führt, beruhen ganz augenscheinlich auf Irrthümern und werden jedenfalls von den Vortheilen, die der Bimetallismus gerade nach diesen Richtungen bietet, auch direkt weit überboten. Keinesfalls hat die Goldwährung hier Vorzüge vor der internationalen Doppelwährung, wenn man sich nur die Mühe nimmt, diese verstehen zu lernen. Der Widerstand gegen den Bimetallismus beruht fast uur auf dem Mangel an Fähigkeit, die künftige Entwickelung zu verstehen und sich aus den augenblicklichen künstlich geschaffeneu Währnngswirren heraus die künftige bimetallistische Ordnung des Geldwesens klar und Vorurtheilslos darzustellen. Um Herrn Dr. Koch auch einmal Recht zu geben, stimme ich ihm darin zu, daß nicht zu wenig, sondern eher zu viel Zirkulationsmittel gegenwärtig vorhanden sind — Herr Or. Koch hat eben die Behauptung der Bimetallisten bezüglich des Mangels an Zirkulationsmittel — 38 — falsch aufgefaßt. Zu den jetzigen niedrigen Preisen genügen die Zirkulationsmittel und eben weil den Zirkulationsmitteln die Preise entsprechen, sind diese niedrig. Aber wie würde es bei einer Erhöhung der Preise mit den Zirkulationsmitteln stehn? Da würden diese nicht ausreichen und eben deshalb können die Preise nicht steigen. Niedrige Preise lahmen die Unternehmungslust, vermindern die Kapitalsnachfrage, das Geld bleibt müßig und sammelt sich in den Banken an. Diese Geldfülle in den Banken findet sich stets in den Zeiten wirthschaftlichen Niederganges und ist ein Symptom mangelnder Unternehmungslust, aber nicht der Beweis für eine ausgiebige Zirkulation. Ich selbst legte übrigens stets auf die Zirkulationsmcnge weniger Gewicht als die meisten Bimetallisten, ich leite die Goldvertheuerung und das Sinken der Preise von anderen Ursachen her. Ehe ich indessen darauf naher eingehe, will ich Herrn Dr. Koch folgend zunächst auf diejenige Stelle der Rede des Herrn Reichsbankprüsidenten eingehn, die mich am schmerzlichsten berührt hat. Ich bekenne offen, daß es grade diese Stelle ist, welche einen so auffallenden Mangel an Kenntniß der in Betracht kommenden Verhaltnisse verräth, daß die hohe amtliche Stellung, von welcher eine solche Aeußerung ausgeht, dadurch vor allen Sachkundigen und namentlich vor dem Auslande bloßgestellt ist. Ich sage das ohne jede persönliche Spitze oder Schärfe — jeder mag eine Meinung haben, wie er will, allein über Thatsachen giebt es nur eine richtige Meinung, die Ursache der Silbcrentwerthung ist ebenso wissenschaftlich festgestellt, wie die Bewegung der Erde um die Sonne und wer leugnet, daß es die Aenderung der Münzgesetzgebnng gewesen ist, welche die Silberentwerthnng verursachte, der steht auf demselben Standpunkt wie der, welcher erklärt, ich sehe, daß die Sonne sich um die Erde dreht — ein ganz ebenso begründeter Schluß ist es, wenn man sagt, ich sehe, daß die zunehmende Silberproduktion das Silber entwerthete. Tieftraurig ist es, wenu der Präsident der deutschen Reichsbank über dieses Grundproblem des Währungsstreites sich wie folgt äußert: „Zunächst sprach der Herr Berichterstatter indessen — 39 — vom Silber. Er meinte, der große Preissturz des Silbers sei eine Folge der Demonetisation. Es ist aber schon von Professor Lexis in der Silberkommission nachgewiesen, daß der Einfluß der Währungsünderung durch eine gewaltige Vermehrung der Silberprägungen in anderen Ländern mehr als ausgeglichen sei. Unser Verkauf von Silber betrug nur etwa 600 Millionen Mark, noch nicht die Hälfte der Produktion eines Jahres. Von dem größten Einfluß, dem eigentlich entscheidenden, sind aber die Produktionsverhältnisse. Bemerkenswerth ist zunächst der neuerdings eingetretene Aufschwung der Goldproduktion. Ich habe hier eine Tabelle zur Hand. Da zeigt sich, daß die Goldproduktion von 1871 bis 1880 sich weder wesentlich vermehrte noch verminderte. Nachher siel sie bedeutend. Im Jahre 1883, wie schon erwähnt, auf 144 000 Kilogramm, 1884 stieg sie wieder auf 153 000 Kilogramm, 1884 auf 159 000 Kilogramm, ähnlich 1885 bis 1887. In diesen verhältnißmäßig kleinen Zahlen bewegte sie sich. Dann begann ein starkes Steigen auf 165, 185, 196, 220, 234 Tausend Kilogramm. Im Jahre 1894 ist sie abermals in die Höhe gegangen bis auf etwa 250 000 Kilogramm, eine bisher noch nicht erreichte Ziffer, wie sie nicht einmal zur Zeit der kalifornischen Goldfunde vorgekommen ist. Demgegenüber ist nun aber auch die Silberproduktion zu gewaltigen Mengen gewachsen. Sie betrug von 1871 bis 1875 1 969 000 Kilogramm. Dann bewegte sie sich weiter und schwoll im Jahre 1885 auf 2 993 000 Kilogramm sie ging dann weiter 1890 auf 4144 233 Kilogramm, 1891 auf 4 257 380 Kilogramm, 1892 auf 4 757 000 Kilogramm, 1893 auf 5 Millionen u. f. w. Während die Silberproduktion in den Jahren 1871 bis 1875 nur 11 Prozent der Gesammtproduktion an Edelmetallen darstellte, ist das Verhältniß bereits 1889 "auf 21 Prozent gestiegen, 1890 auf 22,s u. f. f. Erklären denn diese Produktionsziffern nicht vollkommen ausreichend den starken Preisfall des Silbers? Das ist wenigstens die Meinung sehr vieler Nationalökonomen, die sich mit der Sache beschäftigt haben. Da braucht man gar nicht die Demonetisation herbeizuziehen, die nicht so bedeutend ist, wie man — 40 — sie dargestellt hat. Allein in Amerika mußten nach der Bland-Bill von 1878 sehr große Quanten behufs Ausprägung monatlich angekauft werden, und im Jahre 1890 erhöhte sich zu Folge der Sherman-Bill der Ankauf auf jährlich 54'/-. Millionen Unzen. Das war doch gewiß ein starker Verbrauch zu Münzzwecken." Die Londoner „Financial News" antworteten hierauf: „Ein anderer merkwürdiger Irrthum in Dr. Kochs Rede ist der Versuch, die Silberentwerthung ohne Rücksicht auf Demonetisation des Silbers zu erklären. Er glaubt jedoch dies durch die Produktionsvermehrung thun zu können. Weil mehr Silber geprägt worden ist, seitdem die europäischen Münzstätten der freien Prägung geschlossen worden sind, glaubt er annehmen zu dürfen, daß unbeschränkte Prägung kein entscheidender Faktor für den Silberpreis ist. Dr. Koch kann unmöglich den Bericht unserer Gold- und Silberkommission studirt haben; denn die wenigen Streitfragen, welche dieser Bericht entschieden hat, sollten als definitiv erledigt betrachtet werden, und Niemand, der sich berechtigt glaubt, über diese Frage zu sprechen, sollte wiederholen, was dort als Irrthum nachgewiesen ist." Schon die ersten Worte des Herrn Dr. Koch zeigen, daß ihm der Kernpunkt dieser ganzen Frage noch nicht deutlich geworden ist. Nicht um die Demonetisation des Silbers, nicht um das Angebot handelt es sich, sondern um die Nachfrage. Der Preis wird doch niemals durch das Angebot allein entschieden und deshalb ist der Hinweis aus die Produktionsvermehrung an sich belanglos. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Die Aenderung der Münzgesetzgebung raubte dem Silber die Nachfrage, und zwar eine unbeschränkte Nachfrage zu einem festen Goldpreis, das ist das Entscheidende. Solange diese Nachfrage bestand, also solange die Münzgesetzgebung unverändert blieb, solange war eben die Silberentwerthung unmöglich, gleichviel ob die Silberproduktion zunahm oder nicht. Will man beweisen, daß die Vermehrung der Silberproduktion das Silber entwertete, so muß man zuerst den Nachweis führen, daß — 41 — bei einer Münzgesetzgebung, wie sie bis 1871 bestand, die Produktionsvermehrung nicht hätte absorbirt werden können. Es ist aber gerade von Lexis in seinen früheren Schriften (1881) zahlenmäßig bewiesen worden, daß der lateinische Münzbund alles überschüssige Silber aufnehmen und Gold dafür hergeben konnte. „Es ist leicht," sagte Lexis, „durch einen einfachen Ueberschlag zu zeigen, daß Frankreich bei sonst gleich bleibenden Umständen bis auf den heutigen Tag (1881) feine Position dem Silberandrang gegenüber ohne Schwierigkeiten hätte behaupten können, es würde nur. einen verhältnißmäßig kleinen Theil seines Goldes verloren haben und ein allerdings beträchtliches aber nicht übermäßiges Silberquantum mehr haben aufnehmen müssen." Soetbeer sogar hat zugegeben, daß ohne die Suspension der französischen Silberprägungen der Silberpreis niemals unter 59 Pence hätte sinken können. Die umfassendste Untersuchung der Währungsfrage, welche jemals stattfand, war die der Königlichen Komission, welche in England 1887—88 tagte und ein äußerst umfassendes Thatsachenmaterial zn Tage förderte. Von den 12 Mitgliedern gehörtenjederWährungspartei «I an. Trotzdem konnte man sich über eine Reihe von Punkten einigen, zu denen auch die Frage der Ursache der Silberentwerthung gehörte. Man kam hier zu folgendem Ergebniß: „Nun, zweifellos, das Datum, welches die Trennungs- linie zwischen einer Epoche annähernder Unverrückbarkeit (llxit,^) in dem relativen Werth von Gold und Silber, und einer von ausgeprägter Unstabilität bildet, ist das Jahr, wo das bimetallistische System, welches vorher in der Lateinischen Union in Kraft gewesen war, aufhörte, in voller Thätigkeit zu sein; und wir sind unwiderstehlich zu der Schlußfolgerung geführt, daß die Thätigkeit jenes Systems, etablirt, wie es war, in Ländern, deren Bevölkerung uud Verkehr beträchtlich waren, einen wesentlichen Einfluß auf den relativen Werth der beiden Metalle ausübte. „So lange, als jenes System in Kraft war, denken wir, daß es, ungeachtet der Aenderungen in der Produktion uud dem Gebrauch der Edelmetalle, den Markt- — 42 — preis von Silber annähernd in dem durch Gesetz zwischen ihnen fixirten Verhältniß, nämlich I5V2: 1, stetig erhielt." Seit diesem Urtheil, welches sich auf die gründlichste Untersuchung stützt, würde in England Niemand die Produktionsvermehrung des Silbers als die Ursache der Silberentwerthung bezeichnen uud auch bei uns sollte endlich diese Seite der Frage als abgeschlossen gelten. Wenn aber unumstößlich feststeht, daß erst die Aenderung der Gesetzgebung die Silberentwerthung möglich machte, also deren Ursache ist, so kann dann erwogen werden, wie die Faktoren, welche wie die Produktionsverhältnisse sonst gar nicht hätten einwirken können, nun thatsächlich wirkten. Das ist natürlich nur von sekundärer Bedeutung. Nach dieser Richtung steht fest, daß die deutscheu Silberverkäufe den ersten starken Rückgang des Silberpreises, namentlich die Panik von 1876 verursachten, daß sie daun weiter eine beständig sinkende Tendenz des Silberpreises hervorriefen, während nach Suspendirung der deutschen Silberverkäufe der Silberpreis lange stabil blieb, bis die Kämpfe um die Blandbill zu neuen scharfen Rückgängen führten. Herr Dr. Koch führt hiergegen an, daß „schou von Professor Lexis in der Silberkommission nachgewiesen sei, daß der Einfluß der Währungsänderung durch eine gewaltige Vermehrung der Silberprügungen in anderen Ländern mehr als ausgeglichen sei." Das muß ein Mißverständniß des Herrn Or. Koch sein. Ich habe alle Reden des Herrn Professor Lexis nochmals durchgelesen und keine derartige Bemerkung gefunden. Ganz im Gegentheil, Herr Professor Lexis erklärte in vollster Uebereinstimmung mit mir iu der Silberkommission : „Ich glaube, daß die Silberentwerthung ihre Ursache vor Allem in der Beschränkung uud der darauf folgenden >suspeusiou der Prägung innerhalb des Gebietes der lateinischen Münzunion gehabt hat. Das ist gewissermaßen diejenige Ursache, welche die Wirksamkeit der übrigen Ursachen ausgelöst hat. Es war einerseits die Vermehrung der isilberproduktion in Amerika schon eingetreten; es hatte — 4Z — ferner der Verkauf des deutschen Silbers, der unzweifelhaft ähnlich als Vermehrung des Angebots gewirkt hat, wie die Vermehrung der Produktion, schon begonnen, und es war endlich noch hinzugetreten die verminderte Nachfrage für Indien. Das waren alles Umstände, welche theils das Angebot vermehrten, theils die Nachfrage nach Silber veränderten; sie würden aber doch noch nicht gewirkt haben, wenn nicht jenes weitere Moment hinzugetreten wäre, die Sperrung der lateinischen Münzstätten für die Silberprägung. Damit wurde also die volle Wirksamkeit der übrigen Ursachen erst ermöglicht." Aber außer in der Person von Lexis hat sich' Herr Dr. Koch auch sachlich geirrt. Er spricht von einer gewaltigen Vermehrung der Silberprägungen. Nun, wenn eine solche eintrat, wie konnte dann die Vermehrung der Produktion zur Silberentwerthung führen? Dann stand doch dem vermehrten Angebot eine vermehrte Nachfrage gegenüber. Ob die deutschen Silberverkäufe direkt deu Silberpreis herabdrückten, ist eine absolut unwesentliche Frage. Aber welche Vorstellungen hat Herr vr. Koch von der Silberproduktion, wenn er meint 600 Mill. Mk. seien „noch nicht die Hälfte der Produktion eines Jahres." Es sind 3'/s Mill. Kilogr. deutsches Silber verkauft und zwar im großen Ganzen innerhalb dreier Jahre. (1876—1878). Die damalige Silberproduktion betrug jährlich 2Vs Mill. Kilo. Rechnet man den industriellen Verbrauch, den Abfluß nach Ostasien ?c., so ergiebt sich, daß die deutschen Silberverkäufe mindestens eine Verdoppelung des Verwendung suchenden Silberüberschusses bedeuteten. Und da leugnen grade diejenigen die Wirkung auf deu Silberpreis, welche die Silberentwerthung allein als Folge der Produktionsvermehrung hinstellen! Glaubt übrigens Herr Dr. Koch wirklich, daß jemals 1200 Mill. M. Silber im Jahr produzirt sind? In diesem Fall erklärt sich ja seine Furcht vor dem Bimctallismus etwas, aber es mußte ihm doch leicht sein, sich darüber zu informiren, daß eine solche Höhe der Silberproduktion niemals erreicht ist. Die damalige Silber- — 44 — Produktion bewerthete sich zum alten Silberpreis gerechnet auf ca. 450 Mill. Mark. „Von dem größten Einfluß, dem eigentlich entscheidenden", fährt Dr. Koch fort, „sind nun aber die Produktionsverhältnisse" — und er berichtet zunächst über die Zunahme der Goldproduktion. Die Zunahme der Goldproduktion müßte doch zu einer Goldentwerthung führen, wenn die Silberentwerthung eine nothwendige Folge der Vermehrung der Silberproduktion ist. Ich habe bezüglich der Goldproduktion nur zwei Anmerkungen zu machen; Herr Dr. Koch nennt die Produktionszahlen der Mitte der achtziger Jahre 153-159000 Kilogr. „verhältnißmäßig kleine Zahlen" und die Ziffer von 1894 250000 Kilogr. „eine bisher noch nicht erreichte Ziffer, wie sie nicht einmal zur Zeit der kalifornischen Goldfunde vorgekommen ist." Beides ist nicht richtig. Für die Höhe der Goldproduktion am Anfang der 50er Jahre fehlt eine genaue Statistik, Soetbeer giebt Durchschuittsziffer, aber wie ich in der Silberkommission nachwies, läßt sich eine höhere Produktionsziffer nachweisen. Ebenso mnß die Produktion der achtziger Jahre nicht als eine kleine, sondern als eine noch sehr große bezeichnet werden. Wenn die jetzige Periode der letzten reichen Goldernte vorüber ist, werden weder die Ziffern der neunziger noch der achtziger Jahre aufrecht erhalten bleiben, die Goldproduktion wird vielmehr auf ihren früheren minimalen Stand sinken und die Nachwelt wird dann über die Kurzsichtigkeit, mit der man heut eine ganz außergewöhnliche Produktion für eine dauernde Erscheinung hielt und daraufhin das Geldwesen der Welt begründen wollte, nurmitlcidig lächeln. DieGoldwährungs-Jdee wird in der Geschichte als einer dermerkwürdigsten und verhüng- nißvollsten Zeitirrthümer dauerndes Interesse finden und die Nachwelt wird in der Herrcnhausrede des deutschen Reichs- bankprüsidenten eines der seltsamsten Dokumente sehen, bis zu welchen Mißverständnissen dieser Irrthum auch einen gewiß das Beste wollenden uud inmitten des praktischen Lebens stehenden hervorragenden Mann verleiten konnte. Ich habe im Abgeordnetenhause gerade in Hinblick — 45 — auf die Ursachen der Silberentwerthung von der unehrlichen Kampfesweise der Goldwährungspartei gesprochen. Wer die Goldwährungspresse kennt, wird nicht zweifeln, daß der Ausdruck der Unehrlichkeit den Wortführern der Goldwährungspartei in dieser Presse geinacht werden muß. Ich habe aber bereits im Abgeordnetenhaus? entschieden Widerspruch dagegen erhoben, als der Abg. Brömel versuchte mir unterzuschieben, daß ich den Herrn Neichsbankprüsidenten bei jenem Vorwurf der Unehrlichkeit im Auge gehabt hätte. Gerade das Gegentheil ist wahr. Wer so wie Herr Dr. Koch Dinge, die ihn vor jedem Sachkundigen bloßstelleu, öffentlich ausspricht, der muß von seiner Sache überzeugt sein. An der ehrlichen Ueberzeugung des Herrn Dr. Koch ist nicht zu zweifeln, wohl aber an der Ehrlichkeit derer, die ihn zu dieser Ueberzeugung brachten, die ihn mit ihren Entstellungen und Sophistereien täuschten. Man kann sich ja denken, daß Jemand, der z. B. ständig die „National- Zeitung" liest, in bestem Glauben zum Streiter für die „bewährte Goldwährung" wird; was ich Herrn Dr. Koch allein zum Vorwurf mache, das ist, daß er zu überzeugt von der von ihm vertretenen Ansicht ist. Er hätte die bimetallistischen Auffassungen wenigstens prüfen sollen, sei es auch nur, um sie zu widerlegeu. Ich kann mir aber nicht denken, daß der Reichsbank- prüsident z. B. die Verhandlungen der deutschen Silberkommission gelesen hat. Es wäre undenkbar gewesen, daß er dann gesagt hätte, „erklären die Produktionsziffern nicht vollkommen ausreichend den Preisfall des Silbers?" Herr 1)r. Koch beruft sich hierfür auf die Meinung sehr vieler Nationalökouomeu, die sich mit der Sache beschäftigt haben. Leider nennt er keine Namen. Mir sind solche Nationalökonomen nicht bekannt. Jeder Nationalökonom wird die Demonetisation d. h. das Aufhören der Silberpräguugen durch die Aenderung der europäisch- amerikanischen Gesetzgebung für die Ursache Erklären, die erst ermöglichte, daß die vermehrte Produktion einen Preisfall des Silbers überhaupt eintreten lassen konnte. Die Demonetisation nennt Herr vr. Koch freilich „nicht so bedeutend, wie man sie dargestellt hat." — Herr — 46 — Dr. Koch scheint hier nur die direkte Silbereinziehung im Auge zu haben und zu vergessen, daß dem Silber die unbeschränkte Nachfrage durch Schließung der Münzstätten genommen wurde. Diese kann keinerlei beschränkte Nachfrage, wie sie die Amerikaner boten, ersetzen. Die Bland- und Sherman-Bill konnten die Wirkung der vermehrten Silberproduktion Paralysiren und deshalb ist es doppelt falsch, diese als Ursache der Entwerthung zu bezeichnen, aber sie konnten nicht den festen Goldpreis für Silber ersetzen, den die Doppelwährung mit ihrer unbeschränkten Silbernachfrage geboten hatte. Einer der vielen Irrthümer der Goldpartei ist es, anzunehmen, daß zu viel Silber vorhanden sei, und daß es an Silbernachfrage fehle. Beides ist falsch uud weil beides falsch ist, kann auch wieder nicht die Produktionsvermehrung den Silberpreissturz erklären. Zur Zeit als die Silber- entwerthnng begann, war die Silberproduktion nicht einmal ausreichend, sie betrug nicht ganz 2 Mill. Kilogr. jährlich (zum alten Silberwerth 360 Mill. Mk.) und reichte nicht aus, um den meist stark unterschätzten Industrie-Bedarf, den Bedarf Ostasiens und den Scheidemünzbedarf zu decken. Wie hätte nun bei einer unzureichenden Produktion eine Entwerthung entstehen können, ohne einen gewaltsamen störenden Eingriff, wie ihn die Gesetzgebung durch Einführung der Goldwährung vornahm. Die Zunahme der Silberproduktion, die später eintrat, konnte doch nicht schon im Voraus eine Entwerthung bewirken, die man nun mit ihr zu erklären sucht. Die Silberproduktion ist stark angewachsen, zum Theil wegen der Entwerthung, die zu einem Raubbau führte, aber ans ihrer höchsten, Stufe 1893 war sie nicht so groß, daß sie bei normalen Verhältnissen zu einer Silberent- werthung Anlaß bot. Nicht der Prozentsatz der Erhöhung kann doch bei einer Preisänderung in Betracht kommen, sondern die Produktionsziffer selbst. Angenommen, diese betrug 5 Mill. Kilogr. (zum jetzigen Silberwerth 450, zum alten Silberwerth 900 Mill. Mk.). so ist das gegenüber den gewaltigen Bedürfnissen der Jetztzeit keineswegs zu viel und würde ohne die Aenderung der Münz- — 47 — gesetzgebung mit Leichtigkeit absorbirt sein. Wurde doch auch nach Schließung der Münzstätten alles Silber verbraucht. Niemals hat es an Silbernachfragc gefehlt, niemals haben sich Silbervorräthe angehäuft, je mehr Silber produzirt wurde, je weniger Silber Europa ver- münzte, um so mehr Silber behielt Amerika, um so mehr nahm Asien auf. Ich werde noch später darauf zurückkommen, wie unbegründet die Furcht vor der Silberüber- fluthung ist. Und nun die Prozentzahlen, auf die sich Herr Or. Koch stützt! „Währeud die Silberproduktion in den Jahren 1871 bis 1875 nur 11 Prozeut der Gesammtproduktion an Edelmetallen darstellte, ist das Verhältniß bereits 1889 auf 21 Prozent gestiegen, 1890 auf 22,s u. s. f. Erklären denn diese Produktionsziffern nicht vollkommen ausreichend den starken Preisfall des Silbers?" Herr Or. Koch wird zugeben, daß dieses Prozentverhältniß an sich vor 1871 ebenso gewirkt haben müßte, wie nach 1871, nun ergiebt aber folgende Tabelle dieses Prozentverhältniß und die Ziffern der Edelmetallproduktion überhaupt von 1801—1892 nach Professor Soetbeer, abgedruckt in den Drucksachen der Silberkommission. (Tabelle siehe S. 48). Ans diesen Zahlen geht unwiderleglich hervor, daß die Goldproduktion viel stärker gestiegen ist, als die Silber- prodnktion, daß also nach der Theorie der Produktionsschwankungen Gold sich hätte entwerthen und Silber sich hätte vertheuern müssen. Es zeigt sich weiter, daß das Prozentverhältniß heut noch doppelt so günstig für das Silber ist wie zu der Zeit, wo das Werthverhältniß von 15'/2 : 1 galt, daß also auch nach dieser Richtung eine Verschiebung zu Gunsten des Silbers hätte eintreten müssen — es zeigt sich endlich, daß alle Schwankungen der Edelmetallproduktion, die größten, welche die Geschichte kennt, wirkungslos waren, solange die französische Doppelwährung in Kraft stand. Auch das „u. s. f." des Herrn Dr. Koch ist falsch, er giebt die Zahlen immer soweit, als sie für das Silber ungünstiger werden, das ,,u. s. f.'' muß — 48 — Geschätzte Gewinnung Verhältniß des Goldes Jahresdurchschnitt von zum Silbers (1:x) bezw. Jahr. Gold Silber nach nach Kilogramm Kilogramm Gewicht Werth*) 1301 bis 1810 1811 „ 1320 1321 „ 1830 1831 „ 1340 1841 „ 18S0 1851 „ 1855 1356 „ 1360 1861 „ 1865 1866 „ 1870 1371 ^ 187S 1876. . . . 1377. . . . 1878. . . . 1879. . . . 1880. . . . 1881. . . . 1382. . . . 1833. . . . 1384. . . . l335. . . . 1386. . . . 1887. . . . 1888. . . . 1883. . . . 1890. . . . Z891. . . . 1892. . . . 1893. . . . 1394. . . . 17 778 11445 14 216 20 289 54 759 199 338 201 750 185 057 195 026 173 904 165 956 179 445 185 847 167 307 163 515 160 678 153 817 143 534 155 743 155 972 160 793 153 247 164090 176 275 178823 189 862 203 909 233 000 247 000 894 150 540 770 460 560 596 450 780 415 386 115 904 990 1101150 1 339 085 1 969 425 2 323 779 2 388 612 2 551 374 2 507 507 2 479 993 2 586 700 2 733 100 2 775 700 2 910 300 3 036 000 3 021 200 3 324 600 3 673 300 4 237 000 4 144 233 4 486 216 4 727 119 5 005 400 4 663 400 50,z 47.2 32.4 29,4 14,g 4.4 4.5 5. g 6, g 11.5 14.o 13,z 13,7 1ö.o 1S.2 16.i 17,8 18,7 18., 19,5 18,g 21. » 22.. 24., 23,2 23„ 22, g 21.4» 18.S8 Die Zahlen von 1801 bis 1889 nach Professor Soetbeer. Von 1890 bis 1894 nach dem amerikanischen Münz-Direktor. Unter Zugrundlegung der Londoner Silberpreisc. — 49 — doch zu der Annahme führen, daß sie sich noch weiter für das Silber verschlechtern, während grade das Umgekehrte der Fall ist. Seit 1893 hat die Silberproduktion abgenommen, die Goldproduktion hat zugenommen, das Prozentverhültniß wird 1895 nicht mehr 18 erreichen und das Silber ist weiter entwerthet, wie erklärt Herr Dr. Koch das? Wenn es aber noch eines Beweises bedürfte, daß es nicht die Produktionsverfnehrung ist, welche den Silberpreis herabdrückt, so ist dieser doch in den Junitagen 1893 erbracht. Etwa ein Drittel der ganzen Entwerthung vollzog sich in »wer Woche. Monatelang hatte der Silberpreis um 38 P. geschwankt, die Goldpartei hielt 38 V. demnach für den wirklichen Marktwerth des Silbers — da wurden die indischen Münzstätten der freien Silberprägung geschlossen und in einer Woche sank der „wirkliche Marktwerth, der natürliche Silberpreis" auf 30 P. — hatte in jener Woche die Produktionsvermehrung oder die Maßnahme der Gesetzgebung diesen unerhörten Fall des Silberprcises verursacht? Weun aber das Schließen der Münzstätten Indiens eine solche Wirkung vvr unseren Augen übte, wie kann man dann leugnen, daß das Schließen der europäisch-amerikanischen Münzstätten nicht ebenfalls und mindestens gleich stark einwirkten und sich dem erdrückenden Thatsachen-Material, den gründlichsten und unwiderleglichsten Untersuchungen gegenüber immer wieder auf die Produktionsvermehrung des Silbers zurückziehen, wie die Goldpartei vor 20 Jahren die Entwerthung mit dem „Aufhören der Silbernachfragc für Ostasien" erklärte — Ostasten forderte dann mehr Silber wie je und die Silberentwerthung blieb. Seit 1893 ist die Silberproduktivn in starker Abnahme, die Goldproduktion in starker Zunahme, warum verschwindet denn jetzt die Silberentwerthung nicht, wenn sie eine Folge der Produktionsverhältnisse ist? Die nachfolgenden Zahlen beweisen jedem, der sehen will, den eingetretenen Wechsel. Bis 1873, solange die Doppelwährung bestand, blieben die Schwankungen des Silberpreises minimal — seitdem fehlt jede feste Wechselstelle zwischen Silber und Gold und das ist ein für den 4 - 50 — Weltverkehr auf die Dauer unerträglicher, durch kein anderes Mittel als den Bimetallismus zu verbessernder Zustand. Bewegung des Londoner Silberpreises: Jahresdurchschnitte höchster niedrigster Differenz höchster niedrigster Differenz 1333—42. 60^ P. 5M/4 P, 2 60^ P. S9»/is P- l^g 1843-52. 61'/g ,. S8V2 ., 3-Vg 61 ., 59--«/ig „ 1"/,g 1353-62. 62-/4,. 60 „ 2-V4 62V.S., 61° ig ., --^ 1863-72 . 62V2 S9V4 3V« 61-/z . 60°/is „ IVl-- 1873-82 . 59^°/^,, 46-/4 „ 13-/1« 59-/^ SIV4 ., 8 1833-92 . „ 37Vs I6-/4 50°/g ,. 40-/4 9'/» 1893 . ,. 23 ., 10-/« 33Vg ^ 1894 . 3IS/4 ., 27 „ 4--/4 281-Vis., 1833-72 . 62-/4 .. S8V2 .. ^1/4 62Vis„ 59-/„ „ 2'/8 1873-94. 58^,, 27 „ 32^ 59V4,< WVis Wenn die Goldwährungspartei so hartnäckig die unbestreitbare Thatsache ableugnet, daß die Silberentwerthung eine Folge gesetzgeberischer Maßnahmen ist, so geschieht dies mit gutem Grund. Die Goldwährungspartei steht und fällt mit der Täuschung über die Ursachen der Silberentwerthung. Ist die Silberentwerthung die natürliche Folge vermehrter Silberproduktion, so ist jede Werthsteigerung des Silbers durch gesetzliche Maßnahmen verfehlt und aussichtslos. Ist dagegen die Silberentwerthnng die Folge gesetzlicher Maßnahmen gegen das Silber, so verschwindet sie naturgemäß mit diesen. Da nun die schlimmen Folgen der Silberentwerthung jetzt allseitig anerkannt werden, so würde die Welt sich nicht länger durch die Silberentwerthung schädigen lassen, wenn feststeht, daß die Münzgesetze nur auf den früheren Stand gebracht zu werden brauchen, um der künstlich geschaffenen Silberpanik ein Ende zu machen. Die Goldwährungspartei muß deshalb unehrlicher Weise auf Kosten der Wahrheit die denkbar falschesten Anschauungen über die Ursachen der Silberentwerthung aufrechterhalten und sie hat dabei noch immer den Erfolg, daß selbst ein Mann wie der Reichsbankpräsident Koch ihr blindgläubig folgt und dadurch verleitet wird, Dinge öffentlich auszusprechen, die, ich wiederhole es, seine Sachkenntniß auf das Schwerste blosstellen. — 51 — Wie systematisch die Goldwährungspartei nach dieser Richtung vorgeht, zeigt unter anderem der von Professor Lotz und Dr. Helfferich gemachte Versuch, selbst den Beginn der Silberentwerthung zu verschleiern, der naturgemäß mit der Aenderung der Münzgesetze (1873) zusammenfällt, weil er ohne diese nicht eingetreten wäre. Es ist auf das Schärfste zurückzuweisen, wenn jetzt der Schein erweckt werden soll, als ob Silber „schön seit Mitte der sechziger Jahre eine sinkende Tendenz hatte". — Noch im Jahre 1872 übersteigt der Silberpreis zeitweise die Parität vou 1:15,5. Der Beginn der Silberentwerthung steht eben so fest, wie ihre Ursache. Beide wurzeln in dem entscheidenden deutschen Münzgesetz von 1871 und in der ersten Beschränkung der französischen Doppelwährung am 6. September 1873. Ich wende mich nun der wirthschaftlichen Seite der Frage, der Einwirkung der Goldwährung auf die Preise zu. Hier äußert sich Herr Dr. Koch zunächst wie folgt: „Ich will nicht in Abrede stellen, daß die Währung einen gewissen Einfluß als mitwirkender Faktor auf den Preisrückgang haben kann: aber dieser Einfluß ist nach den überaus sorgfältigen Untersuchungen bedeutender Gelehrter ein ungemein geringer." Also ein „gewisser Einfluß auf den Preisrückgang" wird zugegeben — ebenso wird Herr Dr. Koch einen gewissen Einfluß des Bimetallismus in preissteigernder Richtung sicher uicht leugnen — dazu ist er ein zu guter Goldwähruugsmann und die Goldwährnngspartei bekämpft ja den Bimetallismus, weil er zur Geldentwcrthung, also, denn das ist gleichbedeutend, zur Preissteigerung führt. Verargt es der Herr Reichsbankpräsident nun wirklich denen, welche unter dem Preisrückgang vor dem Ruin stehen, auch wenn der Einfluß der Goldwährung nur ein „gewisser" sein sollte, daß sie doch die Beseitigung wenigstens dieses „Faktors" des Preisrückganges als eine nothwendige Voraussetzung für ihr Wohlergehen ansehen, während sie trotz der Rede des Herrn Dr. Koch nicht einsehen, wer vom Bimetallismus Nachtheil hätte — beruhen doch die > von Herrn Dr. Koch für die Goldwährung angeführten 4» — 52 — Vorzüge lediglich auf Vorurtheil oder Irrthum. Wer will sich aber dauernd schädigen lassen, weil es einem kleinen Kreis leidenschaftlicher Parteigänger der Goldwährung leider gelungen ist, einen Theil der öffentlichen Meinung einschließlich des Herrn Reichsbankpräsidenten durch eine systematische Irreführung über das Wesen der Währungsfrage zn täuschen. Herr Dr. Koch beruft sich auf zwei Autoritäten, den Holländer Pierson und den Amerikaner Atkinson. Beide beweisen, daß der Preisrückgang nichts mit der Währung zu thun habe. Ich habe beide Aufsätze nicht gelesen, kann also nur nach dem urtheilen, was Herr Dr. Koch mittheilt und was wenig Ueberzeugendes hat. Pierson, der nicht nur Bimetallist war, sondern es auch heut ist, steht auf dem Standpunkt, daß es bei jedem Artikel einer SpezialUntersuchung bedarf, ganz gewiß, aber eine Thatsache steht doch unbedingt fest, schlägt alle Theorien und beweist unwiderleglich, daß der Preisrückgang auf der Goldwährung beruht. Es ist das die Thatsache, daß die Preise in den Silberlündern nicht gesunken sind. Weizen erreicht in Europa unerhört niedrige Preise, in Indien bleibt der Weizenpreis auf der Höhe von 1873, Seide sinkt 1894 in Deutschland 10 Proz. unter den niedrigsten Preis des Jahrhunderts, in Japan stiegen die Seidenpreise und die Seidenindustrie entwickelte sich glänzend. Hollündisch- Jndien mit Goldvaluta hat denselben Nothstand niedriger Preise wie Europa, Britisch-Jndien mit Silbervaluta hat stabile Preise und wirthschaftlichen Aufschwung. Die Silberländer Mexiko oder Japan wissen nichts von niedrigen Preisen, obwohl die Faktoren, welche Pierson und Atkinson für die Preisrückgänge verantwortlich machen, dort ebenso einwirken müßten, wie bei uns. Die Preisgestaltung in den Silberlüudern schlägt demnach alle gelehrten Tüfteleien und beweist, daß die Goldwährung die Hauptursache der niedrigen Preise sein muß, im Einzelnen mögen sich die Dinge wie immer gestalten. Die Goldwährungspartei bezichtigt die Bimetallisten, daß sie durch den Hinweis auf das wirthschaftliche Gedeihen der Silberländer sich für eine entwerthete und — 53 — schwankende Valuta erwärmten und daß eine Papierwährung dann noch vortheilhafter sein müßte. Das ist auch wieder ein Mißverständniß. Die Silberländer haben keine schwankende und entwerthete, sondern eine stabile Valuta. Der Silberwerth ist in den Silberländern stabil, die Preise sind stabil, nur das Gold, für Silberländer eine Waare, wie für uns das Silber, schwankt und bedingt Agio. Das kann finanziell sehr schlimme Folgen haben, wenn jene Länder wie Indien oder Mexiko in Gold verschuldet sind, wirthschaftlich führt es zu Valuta-Differenzen — aber diese Valuta-Differenzen wirken in den Silberländern genau umgekehrt, wie bei uns — sie fördern den Export und erschweren den Import, während sie bei uns den Import fördern und den Export stören. Bei uns wirken sie umgekehrt wie Schutzzoll, in den Silberländern sind sie ein Schutzzoll und zugleich eine Exportprämie. Papierwährnngsländer haben theilweise diese Vortheile auch, namentlich im Verkehr mit dem Auslande, aber ihr Geldsystem entbehrt der festen und stabilen Grundlage und kann Schwankungen unterworfen sein, für die es eine feste Grenze überhaupt nicht giebt. Bei Andauer und Verschärfung der Folgen der Goldwährung könnte allerdings der Punkt erreicht werden, wo eine Papiervaluta vortheilhafter für ein Laud ist, wie die dann alle Produktion tödtende Goldwährung, allein so weit würde es selbst dann kaum kommen, wenn der Bimetallismus nicht erreicht würde, weil voraussichtlich vorher eine Reihe von Ländern zur Silberwährung überginge, ein Vorgang, der in den Vereinigten Staaten mindestens möglich ist. Der Widerstand gegen den Bimetallismus müßte, bei der UnHaltbarkeit der Goldwährung, au Stelle des unmerklichen Uebergangs zum Bimetallismus den radikalen Schritt zur Silberwähruug herbeiführen. Dann erst würden viele der Bedenken und Befürchtungen wirklich zutreffend sein, welche bei der Bimetallistenhetze jetzt von der Goldpartei ganz mit Unrecht gegen den internationalen Bimetallismus vorgeführt werden. Ich will auf die Behauptungen des Herrn vr. Koch, daß der Rubelpreis für den Getreidepreis gleichgiltig sei, — 54 — nicht näher eingehn. Grade diese Dinge bedürfen keines / Beweises und lassen sich mit statistischen Gruppirungen nicht aus der Welt schaffen. Jeder im praktischen Leben Stehende weiß, daß die Dinge sich umgekehrt verhalten, wie der Herr Reichsbankpräsident annimmt. Man hat auch nur nöthig, die Börsenberichte anzusehn. Im politischen Theil liefern nnsre Goldwährungsblätter die statistischen Beweise, daß zwischen Rubelpreis und Roggenpreis kein Zusammenhang sei, wie ihnen der Herr vr. Koch nacherzählt — im Börsentheil aber lesen wir „Roggen fest wegen Steigerung des Rubelkurses" oder „der Rückgang des Rubelkurses führte zu weichenden Roggenpreisen". Die Produktenbörse ist gewiß nicht bimetallistisch, sie muß also wohl aus Erfahrung gelernt haben, wie Roggenpreis und Rubelpreis in Zusammenhang stehn. Freilich scheint merkwürdigerweise Herr Or. Koch sich von diesem Zusammenhang und der Wirkung der Valuta- Differenzen — also auch einer Grundfrage des Währungsproblems — ein völlig falsches Bild zu machen, denn er sagt: „Der Kurs fällt auf 204, die Ausfuhr geht zurück, während sie nach Herrn von Graß eigentlich hätte zunehmen müssen, damit der vermeintlich prosperirende russische Bauer mit großem Profit bei niedrigen Rubelkursen die Differenz in die Taschen stecken und davon dsus leben kann gegenüber dem armen deutschen, der mit dem empfangenen Goldgeld nur schwer die Zinsen seiner Schulden bezahlen kann." Wie stellt sich denn Herr vr. Koch den „großen Prosit des vermeintlich prosperirenden russischen Bauers" aus der Valuta-Differenz vor? Wie soll denn der russische Bauer aus der Höherwerthigkeit des deutschen Geldes Profitiren und welchen Nachtheil hätte der deutsche Bauer, wenn der Russe sich die Valuta-Differenz in die Tasche steckte? Daß er das nicht kann und nicht thut, das ist ja das, was die Valuta-Differenz für uns so schädigend macht. Der Russe empfängt den üblichen Preis in Rubel und ist damit zufrieden, er hat den Vortheil leichteren Absatzes, vielleicht wäre ohne den Export der Preis noch — 55 — gedrückter, aber die Valuta-Differenz steckt er sich sowenig ein, wie der Exporteur nach Deutschland, die Valuta- Differenz ist lediglich ein Preisdruck auf den deutschen Markt, sie ermöglicht den Import zu Preisen, zu denen er sonst nicht möglich wäre und wäre der Import nicht möglich, dann blieben die deutschen Preise höher. Eine Schiffsladung russischen Roggens soll 100 000 Rubel kosten, steht der Rubel 1,60 Mk., so kann sie mit 160 000 Mk. - Zoll und Fracht hinzugerechnet — in Deutschland verkauft werden, steht der Rubel 2,2 Mk.. so sind 220 000 Mk. erforderlich, steht der Rubel 3,20 Mk., 320 000 Mk. Ob russischer Roggenexport lohnt, ist also ein Rechcnexempel, bei welchem der Nubelpreis den Multiplikator bildet. Je nach dem Ergebniß der Rechnung gestaltet sich der Roggenpreis. Selbstverständlich können besondere Ernteverhältnisse hüben oder drüben, Mißernten, Zollkrieg, reiche Ernten das Bild zeitweise verschieben, aber die Ausnahme, die statistisch hervortreten mag, bestätigt nur die Regel, die sich durch alle die Zahlenangaben des Herrn vr. Koch nicht umstoßen läßt. Ueber die Währnngsverhältnisse Rußlands spreche ich noch weiter unten. Wenden wir uns zu Indien. Herr Or. Koch sagt: „Indien spielte früher eine große Rolle bei den Bi- metallisten. Indeß ist die indische Konkurrenz nicht so bedeutend, wie man angenommen hat. Es hat nur ein Zehntel zu der gesammteu Einfuhr von Weizen nach Europa beigetragen. Aber es sind dort ganz andere Ursachen, die die Ausfuhr von dort gesteigert haben, als die Silberwährung. Ich möchte da, um nicht weitläufig zu werden, auf das Buch von Ellstätter verweisen, der nachweist, daß es hauptsächlich das erweiterte Eisenbahnnetz ist, welches da eingewirkt hat. Vorher, obwohl ebenfalls Silberwährung bestand und man billig produzirte, war die Ausfuhr weit unbedeutender. Erst seitdem das Eisenbahnnetz in Indien so enorm ausgedehnt worden ist, hat die indische Ausfuhr zugenommen." Etwas höhnisch bemerken hierzu die Londoner „Financial News": V — 56 — „Ein anderer befremdender Umstand des Dr. Koch betrifft Indien. Unter Berufung auf das Buch eines jungeu süddeutschen Gelehrten behauptet er, daß der indische Weizen uach Europa in Folge der größeren Ausdehnung der indischen Eisenbahnen verschifft würde: „Früher waren die Exporte doch bedeutend kleiner, trotz Silberwährnng und billiger Produktion," sagt er. Das stimmt, nur war früher das Silber noch nicht enwerthet." In der Sache verhält es sich mit dem Silberpreis zum Weizenpreis genau so, wie mildem Nubelpreis zum Roggenpreis. Es ist einfach, ein Rechenexempel, zu welchem Preis indischer Weizen in Europa angeboten werden kann uud der Silberpreis ist der Multiplikator. Sinkt das Silber ans die Hülste, so kann indischer Weizen um die Hälfte billiger exportirt werden und folglich den europäischen Weizen entsprechend Herabdrücken. Aber es ist ja nur ein Zehntel der gesammten Einfuhr, sagt Dr. Koch. Ja, als ob uicht ein Zehntel ausreichte, um den ganzen Markt hcrabzudrücken! Das Buch von Ellstätter, welches der Herr Reichsbankpräsident als ausschlaggebende Quelle zitirt, hat in England ungetrübte Heiterkeit erregt, soweit man es kennen lernte. Den Sonnenflecken, welche früher einmal als Ursache des landwirthschaftlichen Nothstandes erfunden wurden, reiht sich der Eisenbahnbau in Indien würdig an — ein verflucht gescheiter Gedanke, wie jener kleine Kreis juuger Schriftsteller, die letzthin uuter Führung von Professor Lotz todesmuthig in den Kamps für die wissenschaftlich längst überwundene Goldwährung eintreten, die in England sämmtliche Professoren der Nationalökonomie zu Gegnern hat — deren eine ganze Reihe aufweist. Nur daß der deutsche Reichsbankpräsident solchen „Autoritäten" in offener parlamentarischer Feldschlacht Folge leistet — nur das ist sonderbar. Es wäre zu wünschen, daß Herr Dr. Koch doch nicht nnr Gold- währnngsschriften lesen möchte. Würde es der Eisenbahnbau sein, der den Export aus Indien erst ermöglichte, so Hütte er zu einem Preisrückgang des indischen Weizens führen müssen, der indische Weizen ist aber nicht billiger — 57 — geworden, seine Exportfähigkeit hängt vom europäischen Münzpreis nnd dieser für Indien vom Silberpreis ab. Das ist in der praktischen Geschäftswelt unbestritten, und wenn der Reichsbankpräsident sich hier, und nicht bei jungen Stu- direnden, Raths geholt hätte, wäre es ihm erspart geblieben , den Spott der City hervorzurufen — ein Spott, der sich übrigens nicht etwa auf englische Bi- metallisten beschränkt, denn kein englischer Goldwährungsmann wird mit Ellstätter - Dr. Koch den Einfluß des Silberpreises auf den indischen Weizenexport in Abrede stellen. Die englischen Goldleute sind nur der von Lord Rothschild in Brüssel ausgesprochenen Ansicht, daß ein Weizenpreis von 30 Sh. für den Quarter vortheilhafter für England ist, als ein Weizenpreis von 40 Sh. und von diesem Gesichtspunkt und dem, daß die Engländer ein „Gläubigervolk" sind, hat man gegen Goldvertheuerung und Silberentwerthung, deren Wirkungen auf die Preise man anerkennt, gar nichts einzuwenden. In Deutschland denkt das vielleicht auch Mancher, aber man sagt es nicht nnd leuguet lieber den klar zu Tage liegenden Zusammenhang der Dinge, weil man weiß, daß man mit Gladstone-Rothschild'scher Offenheit bei uns nicht durchkäme. Wir kommen zn Argentinien, Herr vr. Koch sagt hier: „Früher war es einmal ein Silberland, bis zum Anfang der achtziger Jahre. Damals bestand ein kolossales Agio auf Silber; der Goldkurs stieg auf nicht 3 000. Das hätte doch enorme Exportprämien zur Folge haben müssen. Trotzdem hatte Argentinien damals eine Mehreinfuhr. Als es später gelang, Europa zu interessiren und Gold heranzuziehen, stand Gold und Silber pari, und Argentinien hatte eine starke, außerordentlich vermehrte Ausfuhr. Es zeigt sich also gerade das Gegentheil von dem, was der Herr Referent behauptet." Der Reichsbankpräsident folgt auch hier Augaben der Goldwährungsprcsse (es sind glaube ich überhaupt kaum Angaben in seiner Rede vorhanden, welche sich nicht in der „Nationalzeitung" gleichfalls gelegentlich finden), doch ist auch hier der Sachverhalt ihm völlig schies dargestellt und — 58 — es ist bedauerlich, daß Herr Dr. Koch das nicht durchschaut. Wenn wegen Krieg und Revolution das Geldsystem eines Landes gänzlich zerrüttet ist, dann soll das eine Exportprämie sein und das ganz im Elend verkommende Land soll cxportiren! Als nun in Argentinien der Frieden hergestellt war, gelang es auch (1866—76) die Silberwährung aufrecht zu erhalten, indem das alte, entwerthete Papiergeld im Verhältniß von 25 :1 in Silber eingelöst wurde. Im Jahre 1876 war es zum guten Theil die Silberentwerthung — in dieses Jahr fiel die erste Silberpanik —, welche die Ordnung des argentinischen Geldwesens über den Haufen warf und erst nach langjährigen Schwankungen gelang endlich Ende 1884 die 1881 beschlossene Herstellung einer Art Goldwährung, die aber eigentlich nie thatsächlich bestand, denn bereits am 9. Januar 1885 wurde der Zwangskurs dckretirt. Wann nun die Zeit war, „wo in Argentinien Gold und Silber Pari stand und eine starke, außerordentlich vermehrte Ausfuhr stattfand" — wie Herr vr. Koch angiebt — das ist mir nicht bekannt. Die Steigerung der argentinischen Ausfuhr fand nach 1885, also unter der Herrschaft des Goldagios statt, das im April 1885 bereits bis 65 pCt. stieg, 1886 bis 11 pCt. sank, dann aber beständig zuuahm, bis im Jahre 1890 die große Krisis kam, die mit der beträchtlichen Steigerung des Goldagios endete. Seitdem macht sich die argentinische Konkurrenz verschärft geltend. Wäre nun die Entwickelung in Argentinien dieselbe gewesen ohne die Goldwährung? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht wäre der befriedigende Zustand von 1866—7ti erhalten geblieben, vielleicht hätte die Münzreform von 1881—84 nicht mit einem so schnellen Zusammenbruch geendet, wenn nicht Gold, das gerade damals am knappsten gewesen, sondern Silber und Gold der Baarzahlung hätten zu Grunde gelegt werden können. Auch wäre wohl nicht jene Ueberspekulation eingetreten, die zum Krach von 1890 führte und zum guten Theil der Wuth der europäischen Kapitalisten nach hochverzinslichen Goldpapieren zuzuschreiben ist. Bei der Goldprämie bildet doch neben den heimischen Kreditverhältnissen auch der Goldwerth auf — 59 — dem Weltmarkt einen Faktor. Indem dieser erhöht wird, erhöht sich das Goldagio, indem er sinkt, sinkt dieses und wenn zugleich Silber wieder Weltgeld wird, wächst die Möglichkeit für sinanzschwächere Länder zur Beseitigung des Zwangskurses zu kommen. Unter der Goldwährung bleiben die argentinischen Agio-Verhältnisse oder verschärfen sich, unter Bimetallismus mildern sie sich oder hören auf. Wenn aber Bimetallismus hier nichts änderte, was bewiese das gegen Bimetallismus? Die Bimetallisten behaupten weder, daß die internationale Doppelwähruug alle Uebel der Welt beseitigt, noch daß mit ihr ein goldenes Zeitalter beginnt, sondern nur, daß sehr viele unnütze Schädigungen aufhören und recht werthvolle wirthschaftliche Vortheile erreicht werden, daß die wirthschaftliche Bewegung wieder aufwärts statt immer abwärts geht. Ist das nicht genug? Der Herr Reichsbankpräsident fügt hier noch eine allgemeine Sentenz über die Valuta-Differenzen an: „Es ist mit der sogenannten Exportprämie und der Valutadifferenz eine eigene Sache. Ich bin weit entfernt, sie überhaupt in ihrer Wirkung zu leugnen. Aber theils ist die Wirkung nicht so groß und wird überschätzt, theils ist sie durch kein Mittel zu beseitigen. Die Valutadifferenzen hängen von sehr verschiedenen Umständen, von der Handelsbilanz, der Finanzwirthschaft, ja, der Moralität der Einwohner und anderen Dingen ab, aber nicht von einem bestimmten Währungssystem." Auch hier muß ich widersprechen. Es ist nicht nöthig, daß die Valuta-Differenzen von einem bestimmtenWährungs- system abhängen, nach Durchführung des Bimetallismus würde es auch noch Valuta-Differenzen geben, aber das Wührungssystem der Goldwährung hat den Valuta-Differenzen eine früher nicht gekannte Ausdehnung und Wichtigkeit gegeben und das liegt nur an der Goldwährung. Solange die Doppelwährung bestand und sobald sie wieder erlangt wird, sind Valuta-Differenzen zwischen Gold- und Silberländern nicht vorhanden. Grade diese aber fallen jetzt besonders ins Gewicht. Unter dem Bimetallismus würden nur solche Länder eine differirende — 60 — Valuta haben, welche durch schlechte Finanzwirthschaft dem Zwangskurs verfallen sind und nicht zu geordneten Finanzen zurückkehren könnein Unter der Goldwährung bleiben auch solche Staaten unter dem Zwangskurs, welche ihre Finanzen in Ordnung brachten, aber nicht stark genug sind, um Gold heranzuziehen und zu behaupten. Spanien, Italien, Oesterreich-Ungarn, wahrscheinlich auch Rußland, würden unter dem Bimetallismus Metallstaaten werden, unter der Goldwährung wird es immer wie bei Italien nur zu Experimenten kommen, die nicht gelingen können. Die Goldwährung kann nicht verallgemeinert werden, und die Theilung der Welt in wenige Gold- und viele Silberund Papierwährungsländer wird schließlich unerträglich werden gerade sür die Goldlünder. Die Industriellen müssen die üblen Folgen der Valuta- Differenzen in steigendem Maße empfinden und thatsächlich wächst die bimetallistische Partei gerade in den industriellen Kreisen mehr und mehr. Die Preßverschwörung und der Bankeinfluß hat hier noch vielfach hemmend gewirkt, allein gerade die Art, wie der Herr Reichsbankpräsident diese Seite der Frage behandelt hat, wird den Bimetallisten sicher neue Anhänger verschaffen. Herr Dr. Koch sagt: ,,Nun, meine Herren, wie die Industrie im Großen und Ganzen über die Währungsfrage denkt, wissen wir ja aus den Beschlüssen des Handelstages, in dem alle Handelskammern vertreten sind, und damit auch die Industrie." Herr Dr. Koch scheiut über die Stellung der Industrie zum Handelstag und über das Handelskammerwesen doch auch uicht ganz richtig informirt zu sein. Die Industrie erkennt weder dert Handelstag noch die Handelskammern als ihre Vertretung an. Beide waren noch ganz überwiegend schroff - freihändlerisch, als die Industrie in ihrer großen Mehrheit längst für Schutzzoll eintrat. Die bimetallistische Stimmung ist in industriellen Kreisen stark im Wachsen und beschränkt sich nicht auf diejenigen, welche nach Silberländern cxportiren. Ein Theil tritt aus voller Ueberzeugung ohne eigenes Interesse für Bimctallismus ein, ein anderer Theil wünscht keine Trennung zwischen — 61 — Industrie und Landwirthschaft und Viele endlich sind für Bimetallismus, wagen es aber nicht zu bekennen — aus Furcht vor Kreditentziehungen. Der Zentralverband deutscher Industrieller, in dessen Direktorium Herr Rüssel sitzt und dessen Geschäftsführer Herr Bück ist, bleibt neutral im Währungsstreit, weil er sonst zersprengt würde. Im Ausschuß des Deutschen Bimetallisten-Bundes sind ebensoviel Industrielle wie Landwirthe, und abgesehen von den Freihandelskreisen sind entschiedene Gegner des internationalen Bimetallismus, namentlich einschließlich Englands, in Jndustriekreisen kaum noch zu finden. Nur weil sie vielfach und absichtlich noch im Unklaren darüber gelassen werden, was die Bimetallisten wollen und deshalb Gefahren fürchteten, die garnicht in Frage kommen, sind manche Industrielle uoch nicht bimetallistisch. Mit dem Fortschreiten der bimetallistischen Sache in England ändert sich das, denn Bimetallismus mit England hält man bei uns allgemein für den besten Ausgang des Kampfes und dieser Ausgang ist näher als die mit allen Mitteln der Lüge und Verhetzung arbeitende Goldwührungspresse vorerst zuläßt. Wenn diese Presse trotz des unglaublich niedrigen Niveaus ihrer Beweisführung sogar auf den Reichsbank- prüsidenten Einfluß übt, so ist uicht wunderbar, daß auch manche Industrielle die Wahrheit in der Währungsfrage uoch nicht erkannten. Herr Dr. Koch fährt fort! „Ich will gar nicht leugnen, daß die Goldwährung für die nach den Silberländern Exportirenden Nachtheile hat." Für welche Export-Industrie, für welche Industrie überhaupt hätte Bimetallismus Nachtheil? Es ist hier wie bei der allgemeinen Wirkung auf die Preisbewegung — schon das gegebene Zugeständniß genügt — denn dem zugestandenen Schaden auf der einen Seite steht nur Vortheil auf der anderen gegenüber. Nun zu der auf,, unanfechtbaren Zahlen" ruhenden Thatsache! In England ist dieselbe Erscheinung, „die gestimmte Ausfuhr hat abgenommen, die Ausfuhr nach Silberländern hat zugenommen." Das ist auch einer jener „verflucht gescheiten Gedanken" der jüngern Goldwührungs- gelehrten, bei denen nichts so verwunderlich ist, als daß — 62 — der deutsche Reichsbankpräsident sich so von ihnen überzeugen läßt, daß er sie im Parlament wiedergiebt. Vielleicht ist die Silberentwerthung noch der Grund der Exportzunahme. Es ist das nicht ganz unmöglich, denn bei der blühenden Lage der Industrie der Silberländer brauchen diese in großem Maßstabe Maschinen :c., aber mit welchem Ergebniß für uns? Mir sind grade einige „unanfechtbare Zahlen" zur Hand, die die Dinge anders klarstellen. An Baumwollgarn wurde in englischen Pfund exportirt: Ausfuhr von England nach China, Hongkong, Japan: 1875—81 (6 Jahre) 232,3 Mill. 1882—87 ,. 202.1 „ 1888—93 ,. 206,0 „ Ausfuhr aus Indien nach China, Hongkong, Japan: 1878/79—1881 82 (6 Jahre) 117.8 Mill. 1882 83—1887/88 427.9 „ 1888—1893 862.9 „ Das zeigt: die außerordentliche Erweiterung der Aufnahmefähigkeit der östlichen Absatzgebiete ist der Industrie der Goldwährungsländer nicht zu Gute gekommen. Die von Herru Dr. Koch übernommenen, von Or. Soet- beer stammenden Zahlen, hat aus der industriellen Praxis heraus Otto Wülfing wie folgt beleuchtet: „Die Frage, ist derselbe (der Export nach den Silberländern) derzeit überhaupt bedeutend u. s. w." ist bezeichnend für die Fragestellung überhaupt. Ich empfehle jeder goldfreundlichen Handelskammer darauf mit kurzen Worten zu antworten „nein, er ist nicht bedeutend", dann hat die Handelskammer Frankfurt Gelegenheit zu triumphiren, „seht, um eine unbedeutende Kleinigkeit wird soviel Geschrei gemacht." Es ist ja kein Wunder, daß im Laufe der 20 Jahre, in denen wir ein fortwährendes Sinken des Silberpreises wahrnehmen, unser Export nach Silberländern nicht jene Entwickelung nehmen konnte, wie wir sie an unserem Gesammtexport beobachten können. Der niedrige Silberpreis wurde immer mehr zum Hinderniß des Exportes und ist die Ursache, weshalb unser Export nach Silberländern — 63 — „derzeit überhaupt nicht bedeutend" und in Stapelartikeln fast Null ist. Ich mache die Beschränkung „Stapelartikel", weil Mode- und Luxusartikel von dem Einfluß des Silberpreises nicht io getroffen werden,wie Massenartikel, namentlich „das Kleid des armen Mannes." Herr Dr. Koch schließt seine Betrachtungen bezüglich der Industrie, wie folgti „Also unsere Industrie — das dürfen wir als sicher ansehen — wünscht im Großen und Ganzen durchaus nicht, daß man das Münzsystem wechselt; sie würde sich im Gegentheil darüber sehr beklagen. Sie hat sich oft mit großer Entschiedenheit gegen den Uebergang zur Doppelwährung ausgesprochen." Unsere Industrie hat ganz Recht, daß sie das „Münzsystem" nicht wechseln will, wer will das? Und wer spricht vom Uebergang zur Doppelwährung? Unser Münzsystem bleibt unverändert, wenn wir unsere Prägegesetze zu Gunsten des Silbers erweitern, und gegen die „internationale" Doppelwährung, die wir anstreben, hat die Industrie sich niemals mit großer Entschiedenheit gewendet. Der Handelstag ist nicht die Industrie, und selbst wenn dem Handelstage die Frage richtig gestellt würde, wenn er abstimmen würde, soll Deutschland, wenn England das bimetallistische System durchführen will, mitthun oder nicht — selbst im Handelstag blieben die Fanatiker, die „nein" sagten, in der Minderheit. Aber nun die „Aussichten des Bimetallismus". Herr Dr. Koch sagt: „Zunächst ist ja — das werden Sie nicht leugnen können heutzutage bei Ländern mit minderwerthiger Währung viel mehr Neigung vorhanden, die Goldwährung anzunehmen." Diese Aeußerung des Herrn Reichsbankpräsidenten ist wieder ein Beweis für den Mangel eines genügenden Eindringens in das Währungsproblem. Giebt es denn jetzt überhaupt eine andere vollgültige Währung als die Goldwährung? Müssen nicht alle Staaten dem Beispiel der Haupthandelsstaatcn nachzustreben suchen? Kommen hier nicht noch ganz andere Faktoren in Betracht als lediglich — 04 — theoretische Erwägungen über das Währungsprinzip? Staaten, welche wie Indien, Rußland, Oesterreich-Ungarn Goldschulden im Auslande haben, besitzen naturgemäß ein starkes Finanz-Interesse daran, mit den Gläubigerländern in Währungs - Uebereinstimmung zu sein. Aber diese Staaten werden sicher die Währungsübereinstimmung auf der bimetallistischen Grundlage der schwer erreichbaren, noch schwerer zu behauptenden und wirthschaftlich schädlichen Goldwährung vorziehen. Herr Dr. Koch, der sich übrigens hier mit seinen früheren Ausführungen in Widerspruch setzt, daß „andre" Länder für Silber eintreten würden, scheint nicht zu wissen, daß eben das. was er als Erfolge der Goldwährung rühmt, daßRußland, Oesterreich, „selbstChile" zurGold- währung strebt, grade für die Goldwährung verhängniß- voll ist. Die Welt konnte die englische Goldwährung ertragen, es hätte auch noch Deutschland oder ein anderes Land sich der Goldwährung ohne ernste wirthschaftliche Schädigung bedienen können, daß aber bei der heutigen Verkehrsentwickelung die Währung der Hauptländer sich zur Weltwährung entwickeln muß, daß die Verallgemeinerung der Goldwährung — das Ideal, das man vor einem Vierteljahrhundert aufstellte — nun wirklich die nothwendige Folge der Aufrechterhaltung der Goldwährung in den Haupt- ftaaten ist, das grade macht für diese die Goldwährung so gefährlich. Jedes neue Land, das die Goldwährung einführt, macht sie für Deutschland unerträglicher, denn jede solche Einführung vermehrt die Goldnachfrage und vertheuert das Gold — vermindert die Silbernachfrage und entwertet das Silber. Die englischen Goldwährungsleute haben deshalb stets den zwar engherzigen, aber verständlichen Grundsatz Gold für England, Silber für die übrige Welt vertreten, die deutsche Goldpartei aber ist so überaus kurzsichtig, jeden Erfolg der Goldwährung im Auslande zu bejubeln, ohne zu bedenken, daß wenn die ganze Welt die Goldwährung einführt, der Krach gleich da wäre und die Unmöglichkeit des ganzen Experiments offen zu Tage träte. Allein grade in der Gewißheit, daß jedes Land die Goldwährung erstreben muß, liegt die Sicherheit, daß die bimetallistische Vereinigung zu Stande kommen wird. — 65 — Würden Rußland und Oesterreich-Ungarn zur Silberwährung übergehen — also ihre wirthschaftlichen Interessen höherstellen als ihre finanziellen — dann könnte Herr Dr. Koch triumphiren, denn dann wäre die deutsche Goldwährung gesichert — wie denn gegenwärtig die europäische Goldpartei keinen besseren Verbündeten hat als die Silberpartei der Vereinigten Staaten, die unsere Goldpresse so sehr beschimpft — wenn diese Partei siegt, würde der Bimetallismus unberechenbar verzögert, während ein Erfolg Clevelands und der Partei des „gesunden Geldes", welchen unsere Goldfreunde mit Begeisterung aufnehmen würden, den Bimetallismus ebenso beschleunigte. Wit welchem Gesicht mag der russische Finanzminister die folgenden Worte des Herrn Dr. Koch gelesen haben- „Was hat Rußland gethan in den letzten Wochen!? Es hat die fakultative Goldklausel zugelassen. Man will das Volk anscheinend an den Gebrauch von Gold gewöhnen, und als ferneres Ziel hat man die Aufnahme der Baarzahlung, vielleicht die Einführung der Goldwährung im Auge." Rußland ist eines der am meisten Gold produzirenden Länder. Es hat es verstanden, seit einer Reihe von Jahren seine Goldproduktion für sich zu behalten und anzusammeln. Nachdem ein genügender „Kriegsschatz" vorhanden, ein „Kriegsschatz" der die disponibeln Goldvorräthe Deutschlands um mehr als das Doppelte überragt, geht man nun daran, auch den Privaten Gold zuzuführen. Zugleich wird durch dieses Vorgehen eine für die russischen Finanzen sehr vortheilhafte Stabilität des Rubelkurses erzielt, die allerdings den russischen Produzenten sehr wenig erwünscht ist. Bis zu Baarzahlungen ist aber noch ein sehr weiter Weg, den man vorsichtigerweise sich hüten wird, einzuschlagen. Jetzt genügt ein Wink und das Gold ist wieder sicher im Kasten, bei Baarzahlungen bliebe man nicht Herr des Goldes. Die russische Finanzverwaltung hat bisher stets mit außerordentlicher Umsicht operirt — nur daß man einen Manchester- und Goldwährungsmann wie Raffalovich zur Münzkonferenz nach Brüssel sandte, ein Mann, der ganz auf der Höhe der damaligen deut- s — 66 — scheu Delegirten stand, das entsprach nicht ganz der Ueberlegenheit, welche die russische Diplomatie sonst gerade auch auf finanziellem Gebiete zeigt. Rußland hat indessen seitdem unzweifelhaft über die Bedeutung des Silbers andere Erfahrungen gemacht. Die Erfolge Japans nicht nur auf militärischem, sondern auch auf industriellem Gebiet, lassen die Beseitigung der Silberentwerthuug für einein Asien so besonders stark engagirte Großmacht wie Rußland ganz besonders wünschenswert!) erscheinen. Die bimetallistischen Stimmen aus Rußland mehren sich deshalb und die Haltung Rußlands dürfte auf der Berliner Münzkonferenz eine andere sein wie auf der Brüsseler.*) Jedenfalls hat Rußland kein Silber, das es abstoßen könnte, und wenn es außerhalb des bimetallistischen Bundes bliebe, so würde es wohl auch nicht mehrGoldals jetzt ansichzuziehen vermögen —hält es doch dieses Gold nur fest, weil es den Zwangskurs hat, wollte es diesen aufgeben, so würde mit oder ohne Bimetallismus das Gold abfließen. Nur wenn Rußland nach Durchführung des Bimetallismus das dann wieder vollwerthige Silber zu Hülfe nimmt, wird es der Möglichkeit der Baarzahlungen näher treten können. Silber ist für die russischen Verkehrsbedürfnisse und für den russischen Handel mit Asien unentbehrlich, ein auf Gold errichtetes Geldsnstem wäre ein in der Luft gebautes Kartenhaus, irgend ein Windstoß und die Herrlichkeit bricht zusammen. Ueber Oesterreich-Ungarn urtheilt der deutsche Neichs- bankvräsident wie folgt: „Oesterreich hat die Goldwährung durch Gesetz eingeführt und ein bedeutendes Goldquantum angesammelt. Es wird nicht zu lange dauern, daß man sich dort entschließt, zur Baarzahlung überzugehen." Hoffentlich ist man in Wien und Pest vorsichtiger wie in der Leitung unserer Reichsbank. Die österreichisch- *) In neuester Zeit ist der bimetallistischen Idee in Professor Sokalski in Charkow ein eifriger Vorkämpfer erstanden, ferner schrieb Stanislaus Skarzinski. Erwähnt sei noch, daß die Polen durchweg bimetallistisch sind, der Krakauer Professor und österreichische Reichsrathsabgcordnete von Milcwski verdient hier besondere Hervorhebung. — 67 — ungarischen Goldvorräthe — eine kleine Reserve für etwaige Nothfälle — sind für die Baarzahlungen ganz ungenügend, jeder übereilte Versuch würde den Abfluß des Goldes und das Fiasko des ganzen Vorgehens bringen. Nach den italienischen Erfahrungen wird man sich an der Donau Zeit lassen. Der ganze unbegreifliche Währungs-Optimis- mns des Herrn Dr. Koch spricht auch aus diesen Worten. Zum Glück für Oesterreich haben die starken Valutaschwankungen des letzten Jahres dort sehr klärend gewirkt. Es wird noch recht lange dauern, ehe man den Sprung ins Dunkle der Baarzahlungen macht. Ich hatte im Vorjahr Gelegenheit, die maßgebenden Persönlichkeiten in Wien und Pest zu sprechen und fand sie erheblich besser über die Sachlage unterrichtet, als es Herr Dr. Koch offenbar ist, wenn er glaubt, daß es nicht mehr lange dauern wird, bis man die Baarzahlungen aufnehmen wird. Uebrigens waren jene maßgebenden Persönlichkeiten durchaus keine Goldschwärmer, sie waren der richtigen Auffassung, daß es für Oesterreich-Ungarn nothwendig sei, die gleiche Währung zu haben wie Deutschland, mit dem °/4 seines Verkehrs stattfindet — jeder Schritt Deutschlands in bim etallisti scher Richtung darf auf die vollste Unterstützung Oesterreich-Ungarns rechnen, das dann und nur dann bald und erfolgreich die Baarzahlungen aufnehmen wird. Die österreichische Goldwährung ist eine Illusion der „Neuen freien Presse" und des deutschen Reichsbankpräsidenten, an die sonst kaum jemand ernsthaft denkt, sie würde keinen festeren Bestand haben, als die russische Goldwährung. Die Aufrechterhaltung der Goldwährung ist nur für reiche, an das Ausland nicht verschuldete Staaten möglich, solange diese geneigt sind, den unnützen Luxus mit ihrem wirthschaftlichen Niedergang zu bezahlen. „Sogar Chile geht im nächsten Monat zur Goldwährung über", ruft mit Hochgefühl Herr Dr, Koch. Vor einem Jahrzehnt hätte er denselben Triumph der Goldwährung in Argentinien verkündet! Der Erfolg wird in Chile derselbe sein wie in Argentinien, eine kurze Freude, ein großer Krach, steigendes Goldagio und schließlich, wenn s* — 68 — dann dieses Goldagio chilenische Ausfuhrbegünstigungen schafft und chilenischer Weizen auf unseren Märkten zu den niedrigsten Preisen erscheint — dann beweisen die Gelehrten der Goldpartei, daß das mit der Währungsfrage nichts zu thun habe, die „Nationalzeitung" bringt ein paar Artikel darüber und der deutsche Reichsbankpräsident weist, gestützt auf diese, nach, daß der chilenische Weizen so wenig wie der argentinische ein „Währungsweizen" sei. Wie merkwürdig aber stellt sich Herr Dr. Koch die weitere Entwickelung vor? ,,Nun soll eine Reihe großer Staaten, die allmählich zur Goldwährung, wenn auch zum Theil nur zur „hinkenden" Goldwährung gelangt sind, plötzlich dieses System aufgeben und ein mindern?erthiges System annehmen. Das ist eine eigenartige Zumuthung, der sich die Staaten nicht fügen werden." Welche Länder sind denn zur Goldwährung, wenn auch nur zur hinkenden, wirkich gelangt?Rußland, Oesterreich, selbst Chile, sowenig wie Indien oder Italien. Und was soll der Ausdruck, „minderwerthiges System" bedeuten? Das bimetallistische System halte ich für das höherwerthige, denn es kann allein das Münzsystem wieder fest begründen. Japan mit seiner Silberwährung konnte einen Krieg ohne Anleihe, ohne Erschütterung seiner Valuta durchmachen. Kein Land, selbst England nicht, vermöchte das unter der Goldwährung. Deshalb sind ja alle Staaten bereit, die „eigenartige Zumuthung" gutzuheißen, wenn nur England und Deutschland diese stellten. Ueber England äußert sich Herr Dr. Koch äußerst merkwürdig, er sagt: „Aber England wird sich schwerlich dazu entschließen. Ich will nicht leugnen, daß dort auch eine starke durch Silberinteressen bestimmte,' bimetallistische Bewegung bemerkbar ist, die hauptsächlich der Deputirte für Laucashire leitet. Aber andererseits habe ich vielfach aus England gehört, daß die eigentlich herrschenden Kreise nicht für den Bimetallismus gestimmt sind. England würde gern sehen, wenn andere Staaten dazu übergehen, sich selbst aber kaum darauf einlassen." „Die eigentlich herrschenden Kreise" ist eine für die — 69 — Engländer gewiß nicht uninteressante Umschreibung für die Bankwelt der City, die bislang, aber schon längst nicht mehr überwiegend, die Goldwährung vertreten hat. Ebenso ist die „starke, durch Silberiuteressen bestimmte bimetallistische Bewegung" bemerkenswerth. Silberminen giebt es in England nicht. Herr Dr. Koch kann also — darauf weist auch die Umschreibung Balfours als „Deputirten für Lancashire" — nur die Interessen des Exports nach Silberländern gemeint haben. Wenn aber der englische Export, die englische Industrie, „Silberinteressen" hat, so muß doch auch in Deutschland bei der Industrie das gleiche „Silberinteresse" vorhanden sein. Auch dürfte Herrn Dr. Koch nicht unbekannt sein, daß Chaplin. Everett, Erzbischof Walsh gar keine Export - Interessen vertreten, sie sind Vertreter landwirtschaftlicher Interessen, die allerdings „Silberinteressen" sind, in England wie in Deutschland. In England entscheidet die öffentliche Meinung, wie sie in den Wahlen zum Ausdruck gelangt, und wenn die englische Bimetallisten - Liga bei den 12 letzten Nachwahlen zehnmal siegt, so werden die „eigentlich herrschenden Kreise" wohl den Sieg des Bimetallismus bei den nächsten Wahlen um so weniger hindern können, als die letzte Währungsverhandlung im Unterhause die klägliche Schwäche der englischen Goldpartei Jedem, der sehen will, enthüllt hat. Man beruft sich bei uns auf die kräftige Sprache des Schatzkanzlers Harcourt für die Goldwährung, aber Harcourt wäre heut nicht mehr Schatzkanzler, wenn er nicht vor den Bimetallisten im Unterhaus kapitulirt und die Marschordre für die Beschickung einer von Deutschland zu berufenden Münzkonferenz angenommen hätte. Deutschland ist stärker England gegenüber, als man bei uns, irregeleitet durch die Alles entstellende Goldpresse, glaubt. Ich darf nur an den Wortlaut des Unterhausbeschlusses erinnern, gegen welchen weder Har- conrt noch die englische Goldpartei Opposition zu machen wagte, weil andernfalls eine Mehrheit von 100 Stimmen für die Bimetallisten sicher war: „Das Haus betrachtet mit großer Besorgniß die fortwährenden Schwankungen und die wechselnde Be- — 70 — wegung des relativen Werths von Gold und Silber stimmt von ganzem Herzen in die jüngst zum Ausdruck gebrachte Ansicht der Regierung Frankreichs — die sich — das will ich hier einschalten - rückhaltlos bimetallistisch äußerte — und der Regierung und des Parlaments des Deutschen Reiches hinsichtlich der daraus uns entstehenden so schweren Uebel und richtet an die Regierung den Wunsch, mit den anderen Mächten auf einer internationalen Konferenz zu kooperiren zwecks Erwägung, welche Maßregeln zur Beseitigung der Uebel getroffen werden könnten." „England" d. h. die englische Goldpartei ist allerdings, wie ich oben sagte, einsichtig genug, zu wünschen, daß andere Länder Bimetallismus machten, weil nur dann die englische Goldwährung erhalten bleibt, das habe ich schon oben erwähnt, aber „England" d. i. die bimetallistische Mehrheit verlangt, daß die englische Regierung den Bimetallismus durchführt. Gegenüber den thörichten Vorstellungen, wie Herr von Ennern sie im Abgeordnetenhause aussprach und Dr. Koch sie hier wenigstens andeutete, als ob auch die englischen Bimetallisten nur den „Anderen" Bimetallismus empfehlen, werde ich weiter unten das Programm der englischen Bimetallistenliga im Wortlaut wiedergeben. Die Leiter dieser Liga sind — zwei Kollegen des Herrn Dr. Koch, Mr. Gibbs und Mr. Grensell, beide Direktoren der Bank von England, wie denn 9 dieser Direktoren der Liga angehören. Die Direktoren der Bank von England sind allerdings nicht berufsmäßige, juristisch vorgebildete Beamte, sondern angesehene Geschäftsleute der City. Auch der jetzige Gouverneur der englischen Bank — der Gouverneur wird aus der Mitte der 24 Direktoren gewählt — Mr. Sandeman scheint nicht auf dem Standpunkt des Herrn Dr. Koch zu stehen, wenigstens sagte er kürzlich, als er nach der Ursache der Handelsstockung befragt wurde, Folgendes: „Viele sagen, es liegt an Ueberproduktion, Viele, es liegt an der Demoneti- sation des Silbers, was von beiden richtig ist, darauf wünsche ich hier nicht einzugehen. Aber ich will nicht zögern — 71 — auszusprechen, daß es meines Erachtens ein großer Fehler (mistalis) war, daß das Silber nach dem deutsch-französischen Kriege 1872 oder 1873 demonetisirt wurde. Zum Mindesten begann damals der Fall im Durchschnitt der Waarenpreise und hat ununterbrochen seitdem angehalten." Eines der Blätter, welche bisher die Bimetallisten am schärfsten bekämpften, die Londoner „Financial Times" geben folgende Ausführung über den „Fortschritt des Bimetallismus": „^ns Liinktallio I^sgAns n^8 nvv dsoorns so im- portant g. kaotor in tos orsation ot" opinion on ourrsnov ^uestions toat ib Lau ks no loo^er i^norsä sven ov ^oinbg,rct-8t,i-sst, an6 Ä 3liZnt s^ötcti ok its inanAurat-ion sncl vroAress niav prvvs ok intsrest. I'lzs inovsinent ^vas initiatscZ in I^ovZon s-vont toirtssn vssrs aZo, tns I^sgAns taliinA vknc!ö8 in I^ea6snliaII-3trsst. ^t tl^s pressnt tiras, ars inforn>e6, it posssssss aänsrsnt8, v/no 8nvvort ins v/iiols ot" its visvs, g-inonZ tns äirestors ot" ins Lanl: DuAlanä ancl g-inoriA tnoss nsarlv evsrv ^'oint stoel: vanli in I^on6on, s.s ^vell as ainonZ rns-nv oF tlis ps-rtners in private danlis. Its viss-prs- siclsnts inclnäs sorns ot' tns rnost innnsutial vsrsons ir> tns l^iriA^oin, it i8 8tror>Alv rspressntscl in ?s,rlig.lnsnt, ancl it vossessss a nrnnerous list ok AnarÄntor3. I'ns I^SÄANS is. ^vs dklisvs, s.oont tc> oocnvv Mvrs eonnno- 6ions oKicss in I^on6ori, to sxtsncl its orAmones in tds c-onnti-v, anä to sntsr nvon a iresn IssturinZ earnps-iAn in I^on6on, tos provinss3 ancl in Irslancl »ncl Lootlanä. It kc>Ä8t8 o^k navivA ootsinscl inanv snvvorters in ^.nstralia, ^.rosrica, ancl on tns (Kontinent), an6 stats8 tnat its svnsrs ot" innnsnss is 8tea6ilv inorsasinA. ^.11 tnis inaoninerv an6 tni3 nnoeasinA labour anä ensr^v ars 6ireetscl tov/s.r63 tlis proinotion ot" ins snn^AinsntÄl cloetrins ot" ins I^eaZns, v/oion, in it8 ovn IsnAnaZe, is ^ to nrA« nvon ins Lriti3n (?ovsrninkni tns nöc«83it)v co-opsratinA ^vitn otnsr Isa6inZ natious Lor tns est,ao1isninsnt) kv intsrnÄtional s-Areeinend ot" ins Frss coingAs Zol6 8ilvei- s. nxe6 ratio.'" Der zum Schluß hier mitgetheilte Wortlaut des Pro- — 72 - gramms der englischen Bimetallisten-Liga dürfte wohl jeden Zweifel über die Ziele der Liga ausschließen. Seit der Cobden'schen Freihandelsliga hat England eine gleich starke, ähnlich begeisterte und zielbewußte Bewegung nicht gesehen wie die unter „Führung des Deputirten von Lancashire", der nebenbei der populärste Mann Englands, der Führer der Partei ist, deren Sieg nur noch eine Frage von Wochen sein dürfte.^) Herr vr. Koch wendet sich dann der Frage des künftigen Werthverhältnisses zwischen Gold und Silber zu, „Und wie steht es mit dem Verhältniß zwischen Gold und Silber? Darüber wird niemals Einigung erfolgen. Auch der bekannte Wiener Geologe Herr Süß — eine Koryphäe der Silberpartei — hält es wie viele Andere für unmöglich, das alte Verhältniß von 15^2 zu 1 durchzuführen. Die Bimetallisten suchen diese schwierige Frage als bloße Zweckmäßigkeitsfrage bei Seite zu schieben, aber es ist die einzig praktische Frage; man muß sie lösen, ehe man sich entschließt, ob man den Bimetallismus einführen kann." Zunächst Professor Süß; er ist nicht eine „Koryphäe der Silberpariei" — es giebt überhaupt keine Silberpartei, sondern eine bimetallistische, schon der Ausdruck „Silberpartei" an sich ist irreführend — Süß ist eine „Koryphäe der Wissenschaft", er ist ein Gelehrter von Weltruf, aber nicht als Währungspolitiker, sondern als Geologe. Nur weil er als Geologe sich überzeugte,' daß die Goldproduktion zu unregelmäßig und auf die Dauer unzureichend ist, interessirte er sich für den Bimetallismus. Sein Endurtheil ist: „Es handelt sich nicht mehr um die Frage, ob Silber wieder zum vollwerthigen Metall auf der ganzen Erde werden wird, sondern darum, durch welche Prüfungen Europa bis dahin noch geführt werden soll." Bezüglich des Werthverhältnisses hatte Süß eine meiner Ansicht nach falsche Auffassung, weil er die Tragweite des Umstandes, daß in Mexiko und Südamerika die Silbcrprodnktion vom Goldpreis des Silbers unabhängig Während der Drucklegung ist dieser Sieg bereits eingetreten, und der Bimetallist Balfour an Stelle des Goldwährungsmanncs Harcourt Führer des Unterhauses geworden, die Bahn ist nun frei. — 73 — ist, nicht genügend kannte. Allein unter Bimetallisten ist eben die Relationsfrage keine Prinzipienfrage und kann auch keine sein, denn wenn die Anschauung der Bimetallisten richtig ist, so muß eine vertragsmäßige Doppelwährung jedes Werthverhältniß, nicht nur ein bestimmtes, fixiren können. Herr Or. Koch fragt allerdings, ob überhaupt ein gesetzliches Werthverhältniß zwischen Silber und Gold aufrecht zu erhalten sei. Diese Frage zu erörtern, halte ich nicht für erforderlich. Wen das einstimmige Votum der großen englischen Enquete und dessen Begründung nicht überzeugt, der ist keiner Beweisführung zugänglich. Gegen Glaubenssätze ist nicht anzukämpfen und zu diesen Glaubenssätzen gehört für einen Theil der Manchesterschule der Satz, daß Gold und Silber so wenig wie Heu und Stroh oder Holz und Kohle in ein festes Werthverhältniß gebracht werden können. Es ist jetzt bald dreißig Jahre her, daß der scharfsinnigste deutsche Manchestermann Prince-Smith auch vom manchesterlichen Standpunkt aus das gänzlich Irrige dieser Auffassung nachwies, zu der sich noch heute der deutsche Reichsbankpräsident bekennt. Professor Lexis bezeichnete einmal das Gegentheil der Dr. Koch'schen Auffassung, nämlich die bimetallistische Theorie, daß ein festes Werthverhältniß herstellbar ist, als „wissenschaftlich bewiesen". „Ein internationaler Bimetallismus ist überhaupt noch niemals versucht", sagt Herr vr. Koch weiter — es hat aber auch noch nie vor 1873 eine Demonetisation des Silbers stattgefunden und man hat noch nie versucht, mit der alleinigen Goldwährung in der Welt auszukommen. Erst in Folge dieses unglücklichen Experiments ist jenes Schwanken des Silberwerths eingetreten, das für ein einzelnes Land die Doppelwährung bedenklich erscheinen läßt. Jedes Bedenken aber schwindet, wenn eine Reihe großer Staaten eine gemeinsame Doppelwährung, also den internationalen Rimetallismus, einführt. Man mag hiergegen einwenden, die Staaten werden sich nicht hierüber einigen — was fürchtet man dann, da ja dann überhaupt nichts geschieht? Die Heftigkeit, mit der der internationale Bimetallismus bekämpft wird, beweist, daß die Goldwährungspartei sein Zustandekommen wohl für möglich — 74 — hält, denn wegen einer Unmöglichkeit regt man sich doch nicht so auf. Der Herr Reichsbankpräsident verweist nun auf die französischen Erfahrungen mit der Doppelwährung: „Der einzige Fall, wo ein Bimetallismus längere Zeit bestanden hat, nämlich von 1803 bis 1873, ist Frankreich, worauf auch immer verwiesen wird. Es ist aber in Frankreich nur durch die besondere Gunst der Verhältnisse gelungen, ungefähr das Verhältniß aufrecht zu erhalten; nicht ganz, denn es hat ein Agio bestanden zn Zeiten auf Gold, zu Zeiten auf Silber. In der ersten Zeit ging nun das Gold heraus, und es bildete sich ein Agio auf Gold nicht mehr als 2 Prozent. Als gegen Ende der 49 er Jahre die großen Goldfunde in Kalifornien gemacht wurden, da wurde es umgekehrt; da hat sich ein Agio gebildet auf das Silber von beinahe 3 Prozent. Hätte aber Frankreich nicht die aktive Handelsbilanz fort und fort gehabt, und hätten sich nicht die Verhältnisse der Produktion von Gold und Silber zweimal gänzlich verschoben, dann wäre die Doppelwährung ziemlich früh kläglich zusammengebrochen. Also die Aenderung der Produktion und die aktive Handelsbilanz sind es gewesen, die Frankreich in den Stand gesetzt haben, die Doppelwährung einigermaßen aufrecht zu erhalten, bis es im Jahre 1873 mit den freien Silberprägungen ein Ende machte. Ich will nur das eine Datum hervorheben! im Jahre 1847, also kurz bevor die Goldfunde von Kalifornien bekannt wurden, war der Goldfonds der französischen Bank auf 3 000 000 Francs hinuntergegangen. Wenn nicht der Umschwung mit der Produktion eingetreten wäre (1851 bis 1860 das Dreifache gegenüber 1841 bis 1850), wäre die Sache zu Ende gewesen und die Bime- tallisten könnten diese vermeintliche Probe überhaupt nicht für sich anführen." Wenn der Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch die Schriften von Seyd und Cernuschi nachliest, so wird er die ziffermäßigen Nachweise finden, daß „Agio" fürFrankreich kein ganz zutreffender Ausdruck ist. Es handelte sich vielmehr um Wechselkursschwankungen, um Münzgebühr. Es ist — 75 - nachweislich stets Gold und Silber in Frankreich zur Prägung gelangt und der Verkehr ist nie durch Agio belästigt worden. Das Werthverhältniß der französischen Doppelwährung hat sich in dem Maße praktisch bewährt, daß es in der ganzen Welt als das Pari zwischen Silber und Gold galt, daß ein Staat nach dem anderen es bei seinen Ausmünzungen einführte und daß die denkbar größten Störungen der Edelmetallproduktion wirkungslos blieben. Herr Dr. Koch meint, daß es Frankreich nur durch die besondere Gunst der Verhältnisse gelungen sei, ungefähr das Werthverhältniß festzuhalten — bisher war man umgekehrt der Ansicht, daß trotz der äußersten Ungunst der Verhältnisse das gelungen sei. Wenn die Goldproduktion sich in wenigen Jahren verfünfzehnfacht, so mußte doch, da nach Herrn Dr. Koch die Produktionsverhältnisse über das Werthverhältniß entscheiden, eine furchtbare Goldentwerthung eintreten. Wenn nach Herrn Dr. Koch die Entwerthung des Silbers um 50—60° ^ die selbstverständliche Folge eiuer Verdreifachung der Silberproduktion in 20 Jahren war, welchen Sturz mußte das Gold erfahren bei einer so viel größeren Produktionsvermehrung? Oder ist die Produktion nur beim Silber und nicht auch beim Gold maßgebend? Und gleichzeitig mit dieser unerhörten Steigerung des Goldangebots kam eine so starke Vermehrung der Silbernachfrage, daß die Silberbestände nicht ausreichend schienen. Ostasien erhielt 1856 — 65 anderthalb mal soviel Silber aus Europa, als iu der Welt gleichzeitig prvduzirt wurde. Und all das hat die französische Doppelwährung und nur diese ohne jede Störung des Werthverhältnisses überwunden und dadurch die Welt vor den schwersten Krisen bewahrt. Der wissenschaftliche Führer der Goldwährungspartei Professor Soet- beer hat das selbst mit folgenden Worten anerkannt! „Es erscheint mir nicht zweifelhaft, daß Frankreich und die Vereinigten Staaten von Amerika es hauptsächlich gewesen sind, die durch ihre Doppelwährung verhindert haben, daß in dem Jahre 1850 und folgende das Gold bedeutend entwerthet wurde, indem in diesen Ländern enorme Gold- ausmünzungen stattfanden, während dagegen Silber dis- — 76 — ponibel wurde. So ist cs gekommen, daß, obschon nach Indien die größten Summen Silber abflössen, also die Nachfrage nach Silber sich beträchtlich vermehrte, während das Angebot von Gold stärker wurde, die Werthrelation der Edelmetalle verhältnißmäßig wenig alterirt wurde." Kann man da von einer „Gunst der Verhältnisse" oder muß man nicht vielmehr von deren äußersten Ungunst sprechen? Uebrigens ist im Jahre 1847 nicht nur der Goldbestand, sondern auch der Silberbestand der Bank von Frankreich auf ein Minimum gesunken. Gleichzeitig aber bestand in dem Goldwährungsland England eine Krisis, welche zu einem Bankdiskont von 8 °,o und zur Suspension der Bankakte führte, der Metalibesitz der englischen Bank sank damals auf 6.3 Mill. Lstrl., wovon nur etwa 5 Mill. Lstrl. Gold waren. Das geringe Goldquantum der Bank von Frankreich hatte also nichts mit der Doppelwährung zu thuu, war vielmehr eine Folge der herrschenden Weltkrisis, welche von dem Doppel- wührungsland Frankreich mit geringeren Erschütterungen durchgemacht wurde, als von dem Goldwährungsland England. In Paris stieg 1847 der Diskont nicht über 5 "/„. In den Jahren 1831—50 hat Frankreich 900 Mill. Frcs. Gold mehr ein- als ausgeführt; ein Zeichen, daß die Doppelwährung - das Land nicht von Gold, das damals überhaupt äußerst knapp war, entblößt hat. Auch die Bank von England hat seit 1844 Silber angekauft, weil Gold nicht niehr ausreichte, und ohne den Wechsel der Edellmetallproduktion seit 1848 wäre die Aufrechterhaltung der englischen Goldwährung viel undenkbarer gewesen als die der französischen Doppelwährung. Die „Aenderung der Produktion und die aktive Handelsbilanz" habenFrankreich allein befähigt, meinteHerrvr.Koch, die Doppelwährung aufrecht zu erhalten. Hätte England ohne diese beiden Faktoren die Goldwährung aufrecht erhalten und sind das nicht zwei Faktoren, mit denen nian dauernd und auch künftig rechnen muß? Eben deshalb ist ja die Doppelwährung das bessere und stabilere System, weil sie die Wirkung der zufälligen Schwankungen der Edelmetallproduktion ausgleicht. Hätte Frankreich ohne die Störung — 77 — durch die Goldwährungs-Experimente, die Vermehrung der Silberproduktion in den siebziger und achtziger Jahren nicht ebenso aushalten können, wie die Vermehrung der Goldproduktion in den fünfziger und sechziger Jahren und wäre dann nicht jetzt wieder ein neuer Umschwung der Produktion rechtzeitig eingetreten, denn jetzt wird doch wieder mehr Gold und weniger Silber produzirt. Wäre dann Frankreich nicht besser daran als jetzt? Der Welt wäre die Silberentwerthung und die ganze wirthschaftliche Krisis erspart geblieben. War es für Frankreich und für die Welt ein Glück oder ein Unglück, daß die französische Doppelwährimg als „Fallschirm" diente, um die Aenderungen der Produktionsverhältnisse auszugleichen, wäre es nicht ein Glück gewesen, wenn in den nächsten Jahrzehnten die Doppelwährung ebenso ausgleichend gewirkt hätte und würde es sich nicht auch deshalb empfehlen allen unabsehbaren Möglichkeiten der Zukunft durch Wiedereinführung der Doppelwährung vorzubeugen? Wie hätte sich denn die Sache für Frankreich ohne die Doppelwährung gestaltet? Bei Goldwährung würde in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts die schwerste Geldvertheuerung, in der zweiten eine scharfe Geldcntwerthung eingetreten sein, bei Silberwährung wäre es gerade umgekehrt gegangen, Frankreich wäre beständig ans einem Extrem in das andere gefallen oder es hätte eine Währungsänderuug nach der anderen durchmachen müssen, wie etwa Holland. Es giebt nur ein Währnngssystem, das allen Möglichkeiten die Spitze bietet und das zu verkennen, ist die unbegreifliche Verblendung der Anhänger der Goldwährung — das ist das Währungssystem des, aus beiden Edelmetallen durch Doppelwährung vereinten Werthmessers. Das hat Wolowski mit vollständigster Klarheit vor einem Menschenaltcr schon erkannt. Nehmen wir an, Deutschland hätte den internationalen Bimetallismus zu Stande gebracht, welche Fälle mären dann möglich? - die Goldproduktiou vermindert sich und die Silberproduktion steigt — dann führt die Doppelwährung den Ausgleich herbei, während Goldwährung zur Geldvertheuerung mit ihren schlimmen sozialen — 78 — und wirtschaftlichen Wirkungen führt. Nimmt aber umgekehrt die Goldproduktion zu und die Silberproduktion vermindert sich, so tritt wieder eine Ansgleichung ein, die Geldentwerthung wird verhindert und die Wirkung ist abermals besser als bei jeder Einzelwährung — deshalb ist dievertragsmäßigeDoppelwährung die stabilste Währung. In seiner ausgezeichneten Darlegung der UnHaltbarkeit der Goldwährung, die jeder lesen sollte/) der über die Währungsfrage ein Urtheil gewinnen will, sagt Freiherr von Roggenbach, ein Mann, dessen Eintreten für Bimetallismus an sich ein Zeugniß für die bimetallistische Wahrheit ist: „Vor allem ivird der Grundirrthnmder Monometallisten, es würde in dem Golde ein von Schwankungen des eigenen Werthes losgelöster stabiler Werthmesser für alle Waarenpreise geschaffen werden können, nicht durch irgendwelche Argumentation aus der Welt geschafft werden. Ein Normalmeter, wie er der Gradmessnng zu Grunde liegt, läßt sich am wenigsten für die Preismcssung von Waaren denken, weil der Werthmesser selbst, nach dem Gesetze von Angebot und Nachfrage, fortwährender Schwankungen unterliegt, die in seiner größern oder geringern Kanfkraft zum Ausdruck kommen. Daß ein aus mehreren Metallen zusammengesetzter Werthmesser in seinen Schwankungen geringer sein wird, ähnlich wie ein komponirter Pendel, scheint mir auf der Hand zu liegen." Man kann sich wirklich keinen größeren Gegensatz vorstellen, als zwischen den Darlegungen des Freiherrn von Roggenbach, die von der Höhe eines über den Parteien stehenden Staatsmannes ausgehen und der Rede des Reichsbankpräsidenten Dr. Koch, die für mich in den folgenden Worten gipfelt: „Jeder Staat hat das Münzsystem, was für seine Verhältnisse am besten paßt. So paßt die bei uns gesetzlich bestehende Goldwährung für unsere Verhältnisse am besten." Ich setze hiergegen die folgenden Worte des Herrn von Roggenbach: *) Abgedruckt in Mr, 23 des „Deutschen Wochenblattes" und Nr. 2 der „Bimctallistischen Monatsschrift." — 79 — „Von vornherein erscheint es mir sehr mißlich, wenn eine so komvlizirte schwierige Frage vom Standpunkte eines hier wenig angebrachten, mehr oder weniger leidenschaftlichen, nationalen Chauvinismus behandelt werde. Dieselbe ist und bleibt eine wesentlich internationale, bei der nur das kühle Abwägen unserer deutschen mit anderen Nationen absolut gemeinsamen, und ohne Zusammenwirken mit diesen andern, garnicht sicher zu stellenden Interessen ausschlaggebend sein kann und darf. „Diese Interessengemeinschaft aller Handelsstaaten, diesseits und jenseits der Meere, scheint mir aber gerade in der Währungsfrage evident. Sie alle können nicht ohne fortwährenden Nachtheil, eine von Schwankungen unabhängige Berechnungsgrundlage für die Werthschätzung ihres Waarenaustausches in dem dazu bestimmten Werthmesser, in dem Geldausdrucke der Waarenwerthe, entbehren. — Diese gemeinsame Berechnungsgrundlage war früher annähernd vorhanden, ehe die Länder sich in solche theilten, welche das gelbe Metall mit stets steigendem Werthe gegenüber den Waarenpreisen benutzen, und in solche, welche bei dem weißen mit stets sinkendem Werthe verblieben sind und verbleiben mußten, — Es ist dieser Zustand der Währungsverhältnisse gewiß keiner, wie ihn die Bedürfnisse eines soliden Handels verlangen. Die Schwankungen im Werthe beider Metalle, welche sich in den einzelnen Ländern als Preismesser gegenüberstehen, stellen eine unbekannte Größe in jede Kalkulation ein. Dies ist bei Transaktionen mit Ländern auf Goldbasis fast noch schlimmer, als bei solchen mit Silberländern, da der Marktpreis von Silber, von rapiden Preisstürzen abgesehen, jederzeit erkennbar und nahezu abschätzbar ist, — der Goldpreis aber, der sich nicht an sich selber messen kann, überhaupt nur noch an den sinkenden Waarenpreisen annähernd zu schätzen ist. Es ist eben absolut unwahr, daß ein Zwanzig-Markstück, wenn es auch den gleichen Prägestempel, wie 1873 trägt, heute nicht mehr werth ist, als 1873. Denn es kann heute gegen mehr Waaren umgetauscht werden, nicht allein, weil die Waaren aus tausend Ursachen wohlfeiler geworden, sondern weil seine eigene Kaufkraft gestiegen ist. — 80 — „Es genügt bei solcher Sachlage nach meiner unmaßgeblichen Ansicht nicht, daß ein einzelner Staat wähnt, auf der sicheren Basis seiner „bewährten Währung" dem ungünstigen Einflüsse der Währungsverhällnisse entzogen zu sein. Mag auch die Preissteigerung des Goldes der goldbesitzenden Nation eine trügerische Bereicherung verschafft haben und auch das individuelle Wohlbefinden der auf Renten, Besoldungen 2c. Arbeitslöhne angewiesenen Klassen eine relative Steigerung erfahren haben, — die üble Lage anderer Staaten berührt jede Nation nicht minder, so lange sie mit dem andern Lande Geschäfte macht. Auch treffen sie sicher die ungünstigen Rückwirkungen auf die eigene wirlhschastliche Lage, welche ans den Chancen hervorgehen, welche sich dadurch diesen andern Ländern eröffnen, daß sie mit uns, einem Lande mit einem Werthmesser von erhöhter Kaufkraft in Handelsbeziehungen treten. „Die Solidarität der durch Handel Waarenaustausch treibenden, und für diesen Austausch industriell thätigen Nationen, bringt es mit sich, daß es einmal für sie nicht gleichgültig sein kann, ob die Kaufkraft der Waaren abnehmenden Länder in Folge der Währungskrisis eine geringere wird. Noch weniger, ob die Produktionsbedingungen anderer sich gebessert, beziehungsweise für sie selbst sich verschlimmert haben. „Trotz der anscheinenden Trivialität dieser Sätze scheinen dieselben keineswegs allgemein in ihrer ernsten Tragweite gewürdigt zu sein." Soweit Freiherr v. Roggenbach, ich komme nun auf die Frage des Werthverhältnisses zurück. Darüber wird niemals Einigung zu erzielen sein, sagtHerrDr.Koch, über Nichts ist die Einigung leichter, antworte ich. Wennmannur denBimetallis- mus einführen will, löst sich diese Frage ganz von selbst. Freilich wenn man mit Herrn Dr. Koch und der Goldwährungspartei hartnäckig an dem Irrthum festhält, daß die Vermehrung der Silberproduktion das Silber entwerthet und daß der jetzige Panikpreis des Silbers sein wirklicher Werth ist, dann bietet die Relationsfrage die größteSchwierig- keit, denn dann muß die Relation mit jeder Aenderung der Produktionsziffern sich ändern — daher bleibt ja die Gold- — 81 — Währungspartei dabei, daß die Sonne sich um die E^rde dreht und die Silberentwerthung eine Folge der Produktionsvermehrung ist. Wer aber das Bildungsniveau besitzt zu wissen, daß die Erde sich um die Sonne dreht und sich soviel Verständniß der Währungsfrage angeeignet hat, daß er weiß, daß die Silberentwerthung eine Folge der das Silber von den Münzstätten ausschließenden Gesetzgebung ist, der wird anerkennen, daß mit der Ursache auch die Wirkung aufhört, mit der silberfeindlichen Gesetzgebung auch die Silberentwerthung, daß also die ganze Silberentwerthung ohne realen Grund ist und wie ein Spuk verschwindet, wenn die Menschheit von dem Goldwährungswahn geheilt ist. Das wird nur durch Experiment bewiesen werden, aber dieses Experiment wird so deutlich zu Gunsten der bimetallistischen Anschauungen ausfallen, daß eben deßhalb die Relationsfrage sich selbst löst. Wie das Silber von 27 ?. auf über 30 ?, stieg, nachdem Deutschland die Berufung einer Münzkonferenz zugesagt, so wird es in dem Maße weiter steigen, je mehr die Aussichten einer bimetallistischen Aktion zunehmen. Man wird viel eher Maßregeln gegen ein zu rasches Steigen des Silberpreises ersinnen müssen, als daß man nöthig hätte, über diese Steigerung selbst nachzudenken. Jedes Auskunftsmittel, welches eine Münzkonserenz beschließt, z. B. gemeinsame Silberkäufe mit Silberprägungen auf Staatsrechnung, wird nur dann durchschlagend wirken, sobald das bimetal- listische Hauptprinzip, die unbeschränkte Silbernachfrage zu einem festen überall gleichen Goldpreis zur Anwendung gelangt — ebenso werden sich alle die anderen kleinen Hülfsmittel als unzureichend erweisen. Sieht man erst einmal, wie fest und unwandelbar irgend ein international vereinbarter Silberpreis ist, wie gering die von den Vertragsstaaten zu absorbirenden Silbermengen werden, so wird mehr und mehr die Ueberzeugung durchdringen, daß die getroffenen Vereinbarungen um so segensreicher für jedes Land sind, um so höher der Silberpreis steigt, um so mehr die Entiverthung verschwindet Jedes Land wird aus wirthschaftlichen und finanziellen Gründen schließlich die Wiederherstellung des 6 - 82 - Werthverhältnisses von 1 :15,5 als den natürlichen Ausgang des ganzen Prozesses ansehen. Aber obivohl die überwiegende Mehrheit der Bimetallisten diesen Ausgang als den besten und als den allein möglichen ansieht, würde sie doch gegen ihre eigene Auffassung von dem Einfluß der Gesetzgebung auf das Werthverhältniß der Edelmetalle verstoßen, wenn sie nicht grundsätzlich auch ein anderes Werthverhältniß für durchführbar erklärte. Die Relationsfrage kann für Bimetallisten nur eine Zweckmäßigkeits-, nicht eine Prinzipienfrage sein, vom Zweckmäßigkeitsstandpunkt aber liegt kein Grund vor, die Silberentwerthung, die nur durch eine falsche Gesetzgebung geschaffen ist, nach deren Beseitigung zu verewigen. Alle wirthschaftlichen und sozialen Vortheile des Bimetallismus sind um so größer, je günstiger das Werthverhältniß für das Silber ist. Nicht im Interesse der Silberminenbesitzer, denen ja auch kein Geschenk gewährt wird, da nur eine ihnen zugefügte Schädigung aufhört, sondern im Interesse der Staaten, welche Millionen Silbergeld im Umlauf haben, und der Völker, welche die wirthschaftlichen Folgen der Silberentwerthung nicht länger tragen wollen, muß der Silberwerth wieder hergestellt werden. Weuu man von dem Interesse der amerikanischen Silberminenbesitzer spricht, deren Geld nebst der amerikanischen Silberbewegung auch die europäischen Bimetallisten besolden soll — so steht das ungefähr auf derselben Höhe, wie wenn wir die Goldpartei im Solde der Transvaal- Gesellschaften hinstellten und behaupteten, daß sie im Interesse der Goldminenbesitzer den Goldwerth hochhalten wolle. Dieses Silberminen-Argument, von dem Herr Dr. Koch sich selbstverständlich fernhält, ist auch eines von den unehrlichen Kampfmitteln, denn die, welche es erfanden, mußten wissen, daß es unwahr sei. Stellt man sich aber dem Problem des künftigen Werthverhältnisses von dem Standpunkt des Herrn Vr. Koch gegenüber, daß die Produktionsverhältnisse entscheidend sind, so steht doch fest, daß das Prozentoerhältniß, auf welches Herr Dr. Koch so großes Gewicht legt, heut um das Doppelte, fast nm das Dreifache günstiger für das Silber ist, als zu der Zeit, wo das Werthverhältniß von — 83 — 1 : 15,5 eingeführt wurde und in Kraft war"). Zugleich vermindert sich die Silberproduktion und die Erschöpfung der reichsten Minen in den Vereinigten Staaten und in Australien stellt einen beständigen starken Rückgang der Silberproduktion in sichere Aussicht, während uach Ansicht der Goldwährungspartei die jetzige große Goldproduktion nicht nur bleibt, sondern noch weiter zunimmt. Demnach wird sehr bald das Gewichtsverhältniß der Edelmetallproduktion dem Werthverhältniß von 1 : 15,5 entsprechen und sich künftig noch günstiger für Silber gestalten. Grade von der von der Goldwährungspartei stets vertretenen Anschauung ans muß also ein möglichst für Silber günstiges Werthverhältniß anzustreben sein, Oder beeinflussen die Produktionsverhält- uisse das Werthverhältniß nur, wenn die Silberproduktiou wächst und die Goldproduktion abnimmt und nicht auch im umgekehrten Fall? Der Goldwährungspartei wäre ein solcher logischer Sprung wohl zuzutrauen, denn ihren Führern scheint vom Himmel die Gabe verliehen zu sein, alles zu sehen, was für die Goldwährung spricht und alles zu übersehen, was dieser im Wege steht. Man hat oft versucht, den „jetzigen" Silberwerth als den natürlichen Marktwerth des Silbers hinzustellen, obwohl er doch nur das künstliche Ergebniß einer Reihe von Paniken ist — so oft das geschah, trat irgend ein Ereigniß — nie reale Verhältnisse von Angebot und Nachfrage — dazwischen und der „natürliche" Silberpreis änderte sich plötzlich. Wie einige günstige Nachrichten den Silberpreis von 27 auf 30 /s P. hoben, wie die Schließung der indischen Münzstätten ihn von 38 auf 30 P. warf, so würde die Wiedereröffnung der indischen Münzstätten ihn doch von 30 auf 38 P. heben und wenn dann die Staaten vertragsmäßig die Lösung der Frage in die Hand nehmen wollen, dann wird die Frage gar nicht mehr cxistircn, denn -der Silberpreis wird seine frühere, ihm durch ein unerhört verfehltes Experiment geraubte Höhe wiedererreichen, die Menschen aber, voran die jetzigen gut- 5) Vergleiche die Uebersicht auf S. 43. L» — 84 — gläubigen Goldwährungsleute werden sich die Augen reiben und nicht begreifen können, daß sie sich von einer Hand voll fanatischer Doktrinäre so lange haben verblenden lassen. Der „Silberschrecken" wird künftigen Geschlechtern ebenso komisch vorkommen, wie, uns die Furcht vor der Goldent- werthung, die theilweise dieselben Männer (M, Chevalier) und jedenfalls dieselbe, die monometallistische Partei, vor 30-40 Jahren erfüllte. Ganz anders allerdings würde sich die bimetallistische Zukunft nach der Auffassung des Herrn Reichsbankpräsidenten gestalten. Er sagt: „Was würde die Folge sein, wenn wir den Bimetallismus mit einigen anderen Staaten zusammen einführten? Große Silber produzirendeLänder würden draußen bleiben' Mexiko, Bolivien, Peru zc. und ihre Produktion natürlich steigern; man hat berechnet, daß die Huanxaca- Mine die Unze für 15 Pence veräußern kann. Jetzt steht das Silber auf dem Weltmarkt in London zwischen 30 und 31. Die Folge würde sein, das Gold würde bald abfließen, was wir mit Mühe gesammelt haben, welches das Rückgrat unseres ganzen Geldwesens, Banknoten-, unseres Giro- und Clearingverkehrs bildet und große Silbermassen würden zu uns behufs-Ausprägung ins Land fließen, für welche ein Bedürfniß, als Zahlmittel verwendet zu werden, nicht besteht; sie würden also todt in den Banken liegen und ungesunde Zinsfußbewegungen veranlassen. Wir Hütten nur den Schaden. Wir würden also die anderen Länder, die Silber billig produziren, bereichern, indem wir es zu dem gesetzlichen hohen Preise aufnehmen müssen. Nach einiger Zeit würde aber der Bund zusammenbrechen. Der Staat kann nicht den Preis des Silbers dekreditiren. Metalle von so verschiedenen Produktionsverhältnissen, Staaten von so verschiedenen Bedürfnissen lassen sich nicht dauernd zusammenhingen." Wort für Wort in dieser Auslassung des Herrn Präsidenten der Deutschen Reichsbank ist so verwunderlich, daß mau es ihm nicht verargen kann, daß er mit solchen Anschauungen Gegner des Bimetallismus ist. Verargen kann man ihm nur, daß er die Frage nicht besser prüft und — 85 — solche Irrthümer in seiner einflußreichen Stelle zur Grundlage nicht nur semer Währungspolitik macht, sondern auch diese der Reichspolitik aufzudrängen sucht. Wie schief ist schon der Ausdruck, daß Deutschland den Bimetallismus mit „einigen anderen Staaten" durchführen soll! Es handelt sich um England mit seinen Kolonien, den Vereinigten Staaten, dem lateinischen Münzbund, namentlich Frankreich und Italien. Ferner steht fest, daß Holland, Belgien, Spanien, Oesterreich-Ungarn bereit sind, dem Währungsbund beizutreten. Das sind nicht „einige andere Staaten", sondern das sind die Hauptstaaten der Welt und diejenigen, welche dergestalt den Ausschlag geben, daß die übrige Welt sich ihnen ohne Weiteres anschließen muß. Thäte das z. B. der einzige noch in Betracht kommende wichtige Staat Rnßland nicht, so hat grade dieser kein Silber zum Erport und müßte, selbst ivenn er die Goldwährung einführen wollte, zunächst in großem Umfang Silber znr Beschaffung von Scheidemünze erwerben. Im Ucbrigen behält Rußland anch jetzt seine Goldproduktion für sich und zieht außerdem Gold an sich, mehr könnte es künftig anch nicht thun, ganz abgesehen davon, daß der russischen Regierung die Thorheit einem bimetallistischen Europa gegenüber allein zur Goldwährung überzugehn, ernstlich nicht zugetraut werden kann. Thäte Rußland das aber, so läge das außerordentlich im deutschen Interesse. Wenn die Landwirthe über den russischen Rubelkurs klagen, so sagt man, daran kann der Bimetallismus nichts ändern, denn Rußland hat ja Papierwährung, wenn aber ein Goldabfluß für den Fall des Bimetallismus konstruirt werden soll, dann heißt es — mit Professor Lotz — Nußland wird unser Gold zur Durchführung der Goldwährung heran- ziehn — nun gut, dann beseitigt doch der Bimetallismns sicher die Valuta-Differenz mit Rußland, hilft also der deutschen Produktion, und ein so stark Gold produzirendes Land wie Rußland, das bereits derartige Goldbestände besitzt, kann doch den europäischen Großstaateu unmöglich noch erhebliche Goldsummen entziehn, man müßte denn am nehmen, daß schließlich die Kosacken ihre Pferde ans goldnen Krippen füttern. Vorerst ist Nußland ein armes Land mit — 86 — so hoher Kaufkraft des Geldes, daß der Verkehr des Silbers gar nicht entbehren kann, wenn das Papier verschwinden soll. Rußland wird also weit mehr ein Absatzgebiet für Silber wie für Gold werden, wenn nur erst Silber wieder Weltgeld wird, dessen stabiler Werth seine Beschaffung für Rußland wünschenswert!) macht, das jetzt das schwankende geächtete Silber mit Recht abweist. Außer Rußland — dessen Entschließungen ich nicht übersehen kaun — bleibt kein einziger Staat außerhalb des bime- tallistischen Bundes, der irgendwie eine kräftige Goldwährung haben und Gold an sich ziehn könnte. Aber „die großen silberproduzirenden Länder werden draußen bleiben," Warum Herr Dr. Koch das fürchtet, ist mir absolut unklar. Wenn diese Staaten nicht draußen bleiben, könnten sie — in der Theorie wenigstens — vielleicht ihr Silber benutzen, um Gold aus den bime- tallistischen Staaten heranzuziehen. Wenn sie aber „draußen" bleiben, also Silberwährung behalten, wie sollen sie da Gold heranziehen? In diesen Ländern wird übrigens das produzirte Silber nicht etwa exportirt, wie produzirte Baumwolle, das produzirte Silber wird vielmehr uur insoweit exportirt — namentlich gilt das von dem wichtigsten Silberlande Mexiko — als die Ausgleichung der Zahlungsbilanz das erfordert. Würde Mexiko eine günstige Zahlungsbilanz erhalten, so würde es nicht einen Silberdollar exportiren. Demnach müssen diese Länder umsomehr Silber zur Bezahlung ihrer Goldschuldeu exportiren, je niedriger der Goldpreis des Silbers ist und um so weniger, je höher Silber steht. So war in Mexiko zu der Zeit des tiefsten Silberkurses ein großer Mangel an Silbergeld, weil alles produzirte Silber herausging. Der Diskont in Mexiko betrug 10—12 pEt. Erst die Besserung der mexikanischen Zahlungsbilanz erlaubte den Silberexport einzuschränken und mehr Silber im Lande festzuhalten. Das produzirte Silber spielt in Silberwähruugs- Ländern genau dieselbe Rolle, wie produzirteS Gold in Goldwährungsländern, es kann nur gemäß der Wechselkurse exportirt werden. Wenigstens das wird der Leiter — 87 — der Deutschen Neichsbank nicht bestreiten. Demnach würde bei einer Preissteigerung des Silbers nicht mehr, sondern weniger Silber von dort zu uns kommen, da doch dann weniger Silber zur Ausgleichung der Bilanz ausreicht, selbst wenn jene Staaten mehr Silber produziren. Herr Dr, Koch findet eine solche Mehrproduktion „natürlich", ich halte sie gerade hier für ausgeschlossen. Für die Silber- vrodnktion der Goldwährungsländer könnte die Steigerung des Goldpreises des Silbers produktionsmehrcnd wirken, für die Silberproduktion der Silberwähruugsländer aber nicht. Für Silberwähruugsländer kann der Goldpreis des Silbers nur insoweit in Betracht kommen, als die Höhe der Dividende für Goldländer dadurch bedingt wird. Im Uebrigen hat Professor Paasche an Ort und Stelle") und Wilmanns in einer vortrefflichen Schrift"-) ganz nnwider- leglich nachgewiesen, daß die Silberproduktion der Silberwähruugsländer vom Goldpreis des Silbers unabhängig ist. Die Huachanca-Mine iu Bolivia und jede Mine dort oder in Mexiko kann Silber produziren, uicht uur, wenn der Londoner Silberpreis auf 15 P. sinkt, sondern ebenso bei 10 P., bei 5 P. oder wenn Silber in Europa werthlos wurde. Silber bleibt eben Geld, also Produktionsmittel, im Produktiousland. Ueberhaupt ist nichts irriger, als von einem Einfluß der „Produktionskosten" auf den Silber- oder Goldwerth zn sprechen. Beide Edelmetalle haben einen Seltenheitsvreis, der von den Produktionskosten unabhängig ist. Hohe oder niedrige Produktionskosten können für den Betrieb einer Mine maßgebend sein, aber nicht für den Werth des Produkts. Die Produktionskosten des Goldes sind — bei Alluvialgold, also bei den großen Massen des ersten australisch-kalifornischen Goldes gleich Null, in Transvaal ist durch technische Fortschritte die Goldprodnktion außerordentlich verbilligt, ist dadurch der Goldwerth oder das Werthverhältniß des Goldes zum Silber beeinträchtigt worden? In den Silberländern ist seit Jahrhunderten alles mögliche aufgewendet, um jede Vergl. Dcuischcs Wochenblatt Jahrg. 1893 Nr. 32. „Aus den Silbermincn von Pachuca (Mcriko.) **) H. Wilmanns, Währung'- Industrie - Mincnbctricb. 18S4. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. 42 S. 8». Berlin, H. Wallher. 50 Pf. — 88 — Spur von Silber zu verfolgen. Wo sich Silber fand, ist es mit aller Energie ausgebeutet. Der Silberpreis war damals so hoch, wie er es wieder werden soll. Die Ent- werthung des Silbers in Europa hat die Silberproduktion in den Silberländern in keiner Weise eingeschränkt, warum soll nun eine Wertherhöhung des Silbers „natürlich" die Produktion steigern? Mit bloßen Muthmaßungen gegenüber begründeten Anschauungen soll man uns doch nicht kommen. Auch in den Goldwährungsländern würde übrigens die Silberproduktion nicht zunehmen. Der „Silberschrecken" gehört endlich in die Rumpelkammer. Die Silber- entwerthung hat nirgends zur Beschränkung, eher zur Ausdehnung der Silberproduktion geführt. Der Raubbau, der namentlich in den Vereinigten Staaten betrieben wurde, hat eine schnelle Erschöpfung herbeigeführt. Nevada, dessen Silberschätze so übertrieben wurden, ist völlig erschöpft. Auch bei den höchsten Silberpreisen werden die glänzenden Zeiten des Comstock, von dessen Reichthum der ganze „Silberschrecken" ausging, nicht zurückkehren, denn die Hitze des Erdinnern hat das Weiterarbeiten dort unmöglich gemacht. Das später in Angriff genommene Colorado folgt jetzt in der Erschöpfung. Die Silberproduktion der Vereinigten Staaten ist von 65 Mill. Unzen im Jahre 1892 auf 49' Z Mill. Unzen 1894 gesunken und sinkt weiter. Die alte Höhe kann nie wieder zurückgewonnen werden, denn die Erschöpfung der Carbonat-Erze macht jene Massenproduktion der letzten Jahre unmöglich. Broken-Hill in Neu-Süd-Wales, das reichste Silberbergwerk der Welt, mit Vs Mill. Kilogramm Jahresproduktion hat noch eine Lebensdauer von kaum mehr als einem Jahre — die Höhe der Silberproduktion ist also ein für allemal überschritten und auch das wird dazu beitragen, die abenteuerlichen Vorstellungen über „Silberüberfluthung" aus der Welt zu schaffen, welche die Rädelsführer der Goldbewegung geflissentlich verbreiteten und denen nicht nur Herr Dr. Koch, sondern auch neben ihm zahlreiche andre wohldenkende Männer, ich nenne nur Lexis und Bankdirektor Königs zum Opfer fielen. Mit dem Sinken der Silberproduktion fällt thatsächlich eines der Hauptargumente der Goldpartei in sich zusammen. Ist es — 89 — aber gestattet, dauernd ohne-jede Spur eines Beweises von den „großen Silbermassen" zu sprechen, wenn selbst der Sachverständige, welchen die Goldwährungspartei zur Silberkommission zuzog, Professor Stelzner, sich wie folgt äußert! „Ans der anderen Seite ist ja zuzugeben, daß in unseren Tagen die Silberproduktion viel rascher anwächst als die des Goldes, indessen muß hier gleichzeitig an die Thatsache erinnert werden, daß auch die meisten Silbererzgänge ihren größten Reichthum in der Region ihres Ausstrichs haben und daß auch bei den Silberproduzenten wie bei Potosi, Chauareille und Caracoles, wie bei dem . Komstock-Lode in Nevada und wie bei Broken Hill in Neu-Süd-Wales auf Perioden stauneuswerthen. Ausbringens solche des Niedergangs oder gar solche des gänzlichen Verfalls zu folgen pflegen. Kann man in Hinblick auf solche Vorgänge wirklich eine fortdauernde Steigerung der Silberproduktiouen prophezeien? Referent vermag das seinerseits nicht zu thun! Wenn aber die Silberproduktion den Höhepunkt überschritten — wenn feststeht, daß die jetzige Gesammt- produktion schlanke Verwendung findet, obwohl alle Münzstätten geschlossen sind, wo soll dann Silber herkommen, um die Münzstätten zn überfluthen, wenn die Silberpräguugen wieder beginnen? Das überraschende Ergebniß der Schließung der indischen Münzstätten und des AufHörens der amerikanischen Silberkäufe ist, daß alles produzirte Silber seinen Markt findet, daß sich weder Silbervorräthe anhäufen, noch ein drängendes, preisdrückendes Angebot sich geltend macht. Das beweist, daß wahrscheinlich die Statistik bisher unzuverlässig; vermuthlich bleibt die Silberproduktion hinter den . üblichen Schätzungen zurück, sicher ist der industrielle Verbrauch des Silbers erheblich größer als gemeinhin angenommen wird — das haben namentlich die sehr interessanten Berechnungen der Frankfurter Scheideanstalt bewiesen und endlich ist allerdings auch möglich, daß schon jetzt ein Theil der Silberproduktion in den Geldumlauf eindringt — durch betrügerische Nachprägungen. In London sind — 90 — deutsche Thaler, Fünffrankenstücke und englische Zweischillingstücke aus echtem Silber nachgeprägt festgestellt worden in den Vereinigten Staaten entdeckte man gelegentlich eine Nachprägung von mehr als einer Million Silberdollarstücke, war indessen nicht im Stande, die notorisch nachgeprägten Stücke von den echten auszusondern. Das sind so Nebenvorzüge unserer „bewährten" Goldwährung! Weder der industrielle Bedarf noch der Bedarf Ostasiens an Silber dürften bei Bimetallismns abnehmen, ersterer nicht, weil Bimetallismus zum wirthschastlichen Aufschwung führt, letzterer nicht, weil die Erschließung Chinas beginnt und für die Goldschulden eine erheblich geringere Zinslast die asiatische Bilanz belastet, zu deren Ausgleichung also mehr Silber gebraucht wird. Die Industrie und Ostasien verbrauchen aber gegenwärtig 3—4 Mill. Kilogr. jährlich, also etwa so viel, wie die Silbcrproduklion in nächster Zeit auch betragen wird. Rechnet man den Scheidemünzbedarf, den steigenden Bedarf Afrikas, das zum Ersatz des Papiergeldes nöthige Silber hinzu, so tritt an die Stelle des Phantoms der Silberübcrfluthung sehr bald die Bcsorgniß, daß zu wenig Silber vorhanden ist für die Dienste, welche das jetzt unsinniger Weise geächtete Silber dem Weltverkehr' leisten muß. Wenn man annimmt, daß die bimctallistischcn Staaten jährlich für eine Mark Silbcrgeld auf den Kopf der Bevölkerung prägen, so wird das wahrscheinlich erheblich die wirklichen Prägungen überschreiten. Es fehlt gar nicht an Silbernachfrage, es fehlt nur an einem Sicherheilsventil der Doppelwährung, an einer Wechselstelle, die ein festes Werthverhältniß verbürgt, und die Sache regelt sich von selbst. Ich frage nun, woher sollen die „großen Silber- masscn" zu uns kommen und wohin soll unser Gold abfließen? Wenn der Herr Reichsbankpräsident beweisen will, was er behauptet, so setze er bestimmte Zahlen und Begriffe an Stelle von ungreifbaren allgemeinen Ausdrücken. Wie groß können die Silbermasscn sein und wo können sie herkommen? Man widerlege meine Ansichten und Zahlen — 91 — über Silberbedarf und Silberproduktion, aber nicht mit bloßen Behauptungen, sondern mit thatsächlichen Angaben. Sollen die großen Silbermassen etwa aus anderen bime- tallistischen Staaten zu uns gelangen? Hier war der Reichsbankpräsident denn doch so vorsichtig, nicht der Goldwährungspresse zu folgen, die behauptet, das französische Silber würde uns überfluthen und unser Gold würde nach Frankreich fließen, während die französischen Goldleute umgekehrt jammern, daß der Bimetallismus nur eine deutsche Tücke sei, um gegen deutsches Silber das französische Gold nach Berlin zubringen. Beides kaun wohl nicht gleichzeitig zutreffen! HerrOr.Koch weiß natürlich, daß zwischen Ländern, in denen das gleiche Edelmetall unbeschränkt prägbar ist, Edelmetallsendungen nur möglich sind, ivenn die Wechselkurse dies zulassen. Die Sendungen würden sonst Verlust bringend sein, und da Niemand einen Vortheil hätte, bei dem überall gleichen Werthverhältniß beider Edelmetalle, das eine gegen das andere auszutauschen, so ist völlig ausgeschlossen, daß ein bimetallistisches Land dem anderen Silber gegen Gold oder Gold gegen Silber entziehen kann. Man kann heut nicht Gold ohne Verlust von Deutschland nach Frankreich schicken, außer wenn die Wechselkurse gegen Deutschland stehn und man kann in der bimetallistischenZukunft weder Gold noch Silber von Deutschland oder nach Deutschland von oder nach einem bimetallistischen Land senden, ohne daß die Wechselkurse dies zulassen. Das sind national- ökonomische Binsenwahrheiten und doch braucht man sie nur zu verstehen und anzuwenden, um zu erkennen, wie völlig unhaltbar die meisten Einwürfe gegen Bime- tallismus sind. Wohin aber soll unser Gold abfließen? Diese Frage bleibt stets unbeantwortet. Nur Professor Lotz versuchte es einmal in der Silberkommission, der Versuch mißglückte so, daß Niemand eine ernsthafte Entgegnung für nöthig hielt. Herr Dr. Koch versucht auch seinerseits eine Erklärung, und diese ist das einzige Neue, was mir in der ganzen Rede auffiel. Für alle sonstigen Bemerkungen lassen sich die Belegstellen, (zumeist aus der „Nationalzeitung") sehr leicht beschaffen. — 92 — Herr vr. Koch erklärt: „Das wirtschaftlich mächtigere Volk, vielleicht England, würde es vielleicht verstehen, das Gold an sich zu halten, welches nun einmal in der allgemeinen Werthschätzung viel höher steht als Silber. Uns aber, dem minder reichen Lande, würde man das Gold abgezogen haben; das Silber würden wir übrig behalten. Dies wäre das Ergebniß des großen Münzbundes." England allein behält also Gold — Frankreich, die Vereinigten Staaten, Holland, Italien, Oesterreich-Ungarn n. s. w., u. s. w. sind ja entweder schwächer oder nicht stärker als wir. Herr Dr. Koch nennt auch ausdrücklich nur England. Ja, wieviel Milliarden Gold müßte denn England, das mit uns bimetallistische England da aufnehmen? Da müßte man ja die Pennystücke aus Gold machen. Und warum kann bei gleichen Währungsgesetzen England uns Silber schicken und sich Gold nehmen? Wie kann derselbe Währungswechsel, die gemeinsame Doppelwährung uns mit Silber überfluthen und England alles Gold verschaffen? Wie sehr widerspricht es der ganzen Anschauung, die Herr Dr. Koch über die mächtige Stellung Deutschlands Dank der Goldwährung ausgesprochen, daß wir nun plötzlich das „minder reiche Land" sind. Läge nicht der Gedanke nahe, daß Deutschland nachdem es sich für stark genug hielt, die Goldwährung einzuführen, auch stark genug ist, ebenso wie England, das Gold festzuhalten, ja vielleicht als „wirthschaftlich mächtigeres Volk" es — unsern bimetallistischen Verbündeten abzunehmen. Ich muß gestehn, daß unter allen wunderbaren Einwürfen gegen den Bimetallismus dieser Original-Gedanken des Herrn Reichsbankpräsidenten einer der wunderbarste» ist. Man nenne die Länder, in welche das Gold abfließen kann, man setze auch hier bestimmte Angaben, statt der allgemeinen Redewendungen. Die wichtigsten Goldländer sollen oder müssen mit uns das Gold verlieren und mit Silber überschwemmt werden, da muß man uns angeben und nachweisen, woher stammt das Silber, wohin fließt das Gold. Und wenn es wirklich richtig wäre, daß alle bime- , — 93 — tallistische Staaten das Gold verlieren, vielleicht außer England — denn wenn noch ein Land außer England das Gold behaupten könnte, müßte es doch Deutschland seiu! Wenn also alle Staaten das Gold bei Doppelwährung verlieren, welchen Goldmangel, welche Goldvertheuerung bewiese das für die Goldwährung? Wie kann man einerseits behaupten, daß alle Welt in Gold schwimmt, daß Gold in Hülle und Fülle da ist, daß die Goldproduktion eine starke bleiben und noch weiter wachsen wird, daß ein Land nach dem andern die Goldwährung erlangen wird — all' das hat Herr Dr-. Koch ja im Anfang seiner Rede, entwickelt — und nun am Schluß fließt das Gold überall ab, unbekannt wohin, muß also doch so knapp sein, daß allgemeine Goldwährung ein Verbrechen an der Menschheit wäre. Entweder man giebt zu, daß Gold knapp ist oder man kann nicht behaupten, daß der Bimetallismus der geldmächtigsten Länder der Welt mit einem Abfluß in bisher noch unentdeckte Länder der Welt endet. Auch hier hat die Aenderung der Produktionsverhältnisse der Edelmetalle die Lage gänzlich verändert. Wie die Abnahme und das theilweise Erlöschen der Silberproduktion die Furcht vor der Silberüberschwcmmung beseitigt, so sichert die Zunahme der Goldproduktion uud der Goldbestände vor Goldabfluß und Goldagio. Gerade die jetzige Zeit starker Goldproduktion ist deshalb die geeignetste für den Uebergang zum Bimetallismus', läßt man sie ungenützt vorübergehen, nähern wir uns der Erschöpfung der Goldproduktion, die ja doch für jeden Einsichtigen nur eine Frage der Zeit ist, so wird die Wiedereinsetzung des Silbers um so nöthiger, der Uebergang aber würde sich nicht so leicht und sicher vollziehen wie jetzt. Gerade diejenigen, welche für Stabilität des Goldwesens eintreten, müßten, wenn sie weniger verblendet wären, den Bimetallismus ebenso eifrig fördern, wie sie ihn bekämpfen. Nur der Bimetallismus kann uns ohne ernste Störungen des Goldwesens in die Zeit hinüberleiten, wo Gold seiner Knappheit wegen als Geldmetall kaum noch in Betracht kommt. Allerdings haben die Vertreter der Goldwährungspartei in der Silberkommission — 94 — erklärt, für das, was in 30 oder 50 Jahren vielleicht passirt, brauchten wir nicht mehr vorznsorgen. Allein nach meiner Auffassung hat eine Nation die Pflicht, ihre Einrichtungen dauernd zu gestalten. Was sind 30 oder 50 Jahre in der Entwickelung eines großen Volkes? Und wie kann sich in 30 Jahren die Meinung der Menschen ändern? Heut sagt Herr Dr. Koch, daß Gold iu der allgemeinen Werthschätzung viel höher steht als Silber. Weiß der Reichsbankpräsident nicht, daß vor 30—40 Jahren Silber in der Werthschätzung der Menschen viel höher stand als Gold? Warum soll nicht in 30-40 Jahren abermals ein Wechsel eintreten nnd Silber wieder als werthbeständigeres Metall bevorzugt werdeu. Nehmen wir einmal au, die Goldproduktion wüchse noch weiter und die Silberproduktion vermindere sich weiter, dann kämen wir wieder dahin, wo wir Anfangs der fünfziger Jahre waren, daß die Mono- metallisten — gemäß ihren Ansichten mit Recht, thatsächlich " mit Unrecht — eine Goloentwerthung nnd Silbervertheuerung in Aussicht nahmen und dann könnten wir es wieder erleben, daß wie einst Chevalier uud Cobdeu baisss prcikabls äs das Manchesterthum auf die Seite des Silbers zurückführt. Denn nicht die Vorliebe für Gold oder Silber ist für diese Wirthschaftspolitiker entscheidend, sondern lediglich das Streben, daß das Geldwesen auf einem sich vertheuernden Edelmetall oder mindestens auf einem nicht im Werth sinkenden Edelmetall errichtet ist, damit die geldbesitzenden Klassen unbedingt Vortheil, aber nie Nachtheil haben. Es erklärt das ja auch die Hartnäckigkeit, mit der das Großkapital die Goldwährung gegen den Bimetallismus vertheidigt. Die Geschichte lehrt, daß dieselben Kreise einst mit derselben Hartnäckigkeit die Silberwährung aus denselben Gründen gegen die Goldwährung vertheidigten, und wenn Cobden vor 40 Jahren die Einführung der Silberwährung in England aus Furcht vor Goldentwerthung empfahl, so kann Niemand sagen, wie in 40 Jahren die Dinge stehen und ob Gold „in der allgemeinen Werthschätznng" dauernd höher steht als Silber, weil die durch verkehrte Gesetze künstlich geschaffene Silber- entwerthung jetzt Mißtrauen gegen Silber wachrief. Ich — 95 — glaube im Gegentheil, daß wenn durch den Bimetallismus die ganze Silberentwerthung als Humbug nachgewiesen ist, sich dem Silber das allgemeine Vertrauen wieder zuwendet, das es stets besessen hat, bis die Welt sich durch etliche Doktrinäre verblenden ließ, das Silber seiner Eigenschaft als Weltgeld berauben zu wollen. Man muß sich eben in diesen Fragen auf eine etwas höhere Warte stellen. HerrDr. Koch freilich meint: „Der Staat kann nicht denPreis des Silbers dekretiren" — ja, dekretirt er denn nicht den Preis des Goldes? Worauf beruht denn der Goldwerth? Auf dem Münzgesetz, das vorschreibt, daß 1395 Mk. ans einem Pfnnd feinen Goldes geprägt werden. Dadurch sind 1 Pfd. Gold und 1395 Mk. identische Begriffe, die sich nicht trennen lassen, und weil das so ist nnd Gold immer 1395 Mk. gilt, halten es dann die Weisen der Gold- währnng für „stabil" — eine Annahme, die allein eine gänzliche Verkennung des gcsammten Währungsproblems verräth. Warum aber gilt ein 1 Pfd. Gold gesetzlich 1395 Mk. ? Weil die Mark ein drittel Thaler gelten sollte, der Thaler aber eine Silbermünze war und bei der bis 1871 in Deutschland herrschenden Silberwährung aus einem Pfund Silber 30 Thaler geprägt wurden. Man legte nun der Umwechselung zwischen Silber und Gold das Werthverhältniß der französischen Doppelwährung zu Grunde, weil dieses allgemein als der „wirkliche Werth" der beiden Edelmetalle galt, man rechnete also: 1 Mk. ^- >/z Thaler ^- Voo Pfund Silber - -/°° X 15,s ^ '/is»s Pfd. Gold. So ist der Goldwerth dekretirt worden und wenn man nun dekretirt, daß außerdem aus einem Pfund Silber 90 Mk. geprägt werden, dann sind 90 Mk. und 1 Pfund Silber ebenfalls identische Begriffe, Silber ist stabil und es wäre nur denkbar, daß bei der so hergestellten Doppelwährung entweder Gold oder Silber aus Deutschland verschwände, wenn Gold oder Silber im Auslande höher bewerthet würde, als in Deutschland. Da aber Deutschland nur in Gemeinschaft mit den Hauptstaaten, denen sich die andern naturgemäß anschließen müssen, vorgehen soll, so würde — 96 — weder Gold noch Silber im Auslande höher beiverthet werden können, vielmehr würde diese internationale Doppelwährung in noch viel höherem Maße als einst die französische Doppelwährung allein, den Marktpreis der Edelmetalle in der ganzen Welt reguliren und alle die so schädlichen Schwankungen des Werthverhältnisses wären damit ein für alle Mal beseitigt. Die Staaten mögen nun noch so verschiedene Bedürfnisse haben, in dem Bedürfniß die so hergestellte allein befriedigende und wirklich stabile Ordnung des Geldwesens nicht zu stören, werden alle dauernd einig sein. Wenn man die „bewährte Goldwährung" erst einmal glücklich überwunden nnd durch die Thatsache eines Besseren belehrt ist, wird kein Staat zum zweiten Mal auf die schiefe Ebene solcher verfehlten Experimente herabgleiten. Dergleichen Irrthümer — um nichts Schärferes zu sagen — haben nur einmal Macht über die Menschheit. Auch die „verschiedenen Produktionsverhältnisse" kommen nicht in Betracht. Hat denn nicht Gold selbst einen einheitlichen Werth trotz der aller verschiedensten Produktionsverhältnisse und trotz der aller verschiedensten Produktionskosten? Kostet das Gold weniger, das in Klumpen gefunden oder ohne Kosten aus dem Sande gewaschen wird, wie das Gold, das nur mit Aufwendung aller technischen Fortschritte eben noch die aufgewendeten Kosten einbringt, wenn seine Partikelchen aus den Gesteinmassen herausgearbeitet werden? Warum soll das nun beim Silber und warum soll das bei dem vereinten Gold und Silber anders sein? Gold richtet sich nicht nach den Produktionskosten, Silber ja, Gold mag noch so billig pro- duzirt werden, wir „bereichern die Länder, die es billig pro- duziren, indem wir es zu dem gesetzlichen Preise aufnehmen müssen" — beim Silber aber darf das nicht geschehn. Das ist die Logik der Goldpartei. Will man den Silberpreis heben, so spricht die Goldpartei von „einem Haussekonsortium für Silber zum Besten der amerikanischen Silberminenbesitzer" ist denn dann nicht auch die Goldwährung ein Hausse-Konsortium für Gold zum Besten der Goldminenbesitzer in Californien, Australien oder Transvaal? — V7 — Wenn die bimetallistische Bewegung von den Silberminenbesitzern bezahlt wird, dann arbeitet die Goldwährungspartei vielleicht im Solde der „Goldbarone" — was dem Einen Recht ist, ist dem Andern billig, wenn die Silberproduktton nicht den Gewinn aus der Geldverwendung des Silbers haben soll, warum findet man es selbstverständlich, daß die Goldminenbesitzer diesen Vortheil haben? Dann hebe man doch auch die unbeschränkte Goldprägung auf. Das geht nicht, weil der internationale Verkehr und die Stabilität des Geldwerths der Grundlage des Edelmetalls bedürfen. Hierfür aberreicht ein Edelmetall nicht aus, die Beseitigung des anderen ist unmöglich uud beide neben einander im Zustande ungeregelter Schwankungen zu lassen, ist wirthschaftlich verderblich. Man muß also beide Edelmetalle zur gemeinsamen Grundlage des Geldwesens machen, verbunden durch die vertragsmäßige Doppelwährung. Man kann das nur, indem beide Edelmetalle mit unbeschränkter Prägung Geld werden und folglich handelt man nicht den Gold- oder Silberminenbesitzern zu Gefallen, sondern im Selbstinteresse, wenn das Werthverhältniß zwischen Gold und Silber festgelegt und dadurch die Valuta-Differenzen und die Schwankungen der Kaufkraft des Geldes auf das denkbar geringste Maß eingeschränkt werden. Uebrigens gehört es auch zu den falschen Behauptungen der Goldwährungspartei, daß die Produktionskosten des Silbers billiger seien als die des Goldes und deshalb Silber sich entwerthen müsse. Mir liegt eine interessante Berechnung hierüber vor: Herr Ad. F. Kendrick in Denver, Col., hat es unternommen, die Produktionskosten von Gold in einzelnen der Minen von Colorado festzustellen. Das Resultat seiner betreffenden Untersuchungen stellt sich wie folgt dar: Seit dem 1. Januar kostet die Förderung von einemDollar in Gold in der Jndependence-Mine 4 Cents; in der Victor-Mine im Durchschnitt der letzten zwei Jahre 29^/z Cents; in der Portland-Mine während der letzten 9 Monate, einschließlich der Kosten für neue Maschinen und Gruben-Installationen, 30 Cents; in der Bogart-Mine im Monat März 5 Cents; in der Jsabella-Mine fürs Jahr 1894, einschließlich der — 98 — Kosten für Arbeiter-Schwierigkeiten, neuer Maschinen und weiterer Installationen, 3^/2 Cents. Die Produktionskosten von einem Dollar Gold in der Union-, Elkton-, Moore-, American Eagle-, Little Johannn-, Tom Bay- und einer Reihe anderer Minen Colorados stellen sich im Durchschnitt ungefähr ebenso hoch (oder niedrig) wie in den vorhin spezifizirten Fällen. Gold wird, nach Herrn Kendrick, in den großen Coloradoer Goldminen zu geringeren Kosten per Dollar Förderungswerth produzirt, als die Förderung von 1 Dollar Silber in den besten Silberminen Colorados je gekostet hat. Aus meinen früheren Ausführungen geht hervor, daß die Befürchtungen vorstarker Vermehrung des Silberumlaufs ungerechtfertigt sind, aber wenn Silber in der bimetallistischen Zukunft in die Reichsbank fließt, würde es dann „todt" da liegen? Es würde dann genau so gut sein wie heut Gold. Heut sind die 300—350 Mill. Mark im Baarschatz der Bank todt, denn sie können nicht exvortirt werden. Gold dagegen wird heut freudig in den Gewölben aufgespeichert, weil es jederzeit zum Kaufpreise in aller Welt als Zahlung dienen kann. Genau dasselbe ist mit dem Silber der Fall bei internationaler Doppelwährung. Wohin Deutschland Zahlungen zu machen hat, dahin kann Silber dann verschickt werden und deshalb wird ein Silberzufluß mit derselben Freude überall begrüßt werden, wie vor der Silber- entwerthung und wie heut Gold. Haben wir heut viel Baardeckung in der Bank, so freuen wir uns dessen, denn dadurch wird der Diskont niedrig und niedrige Diskonte sichern der heimischen Produktion, sichern namentlich für Handel und Industrie billigen Zins — hier nun ist dem Herrn Reichsbankpräsidenten ein sehr merkwürdiges Wort entschlüpft. Er erklärt, das Silber würde todt in den Banken liegen und „ungesunde Zinsfußbewegungen veranlassen." — Der niedrige Zins, der aus Anhäufungen von Baarmitteln entsteht, wird also als „ungesund" bezeichnet. Mein Standpunkt ist auch hier der entgegengesetzte, ungesund waren die Zinsfußbewegungen, welche nur in Folge der Goldknappheit den Diskont in die Höhe trieben, ein niedriger — 99 — Diskont mag die Verdienste der Banken einschränken, für die Volkswirthschaft ist er ein Segen. Ich würde es deshalb begreifen, wenn ein Direktor einer Privatbank aus Angst vor niedrigeren Dividenden seiner Bank Zinsfußbewegungen als „ungesund" bezeichnet, die in Folge Baar- anhäufungen entstehen. Allein der Präsident der Deutschen Reichsbank kann solchen Erwägungen doch nicht Raum geben, für ihn müssen doch die Allgemeininteressen ausschlaggebender sein als die Dividenden-Interessen der Antheilseigner der Reichsbank und es ist deshalb schwer begreiflich, wie er von „ungesunden Zinsfußbewegungen" in diesem Zusammenhang sprechen konnte. Wenn die Frage der Verstaatlichung der Reichsbank wieder auf die Tagesordnung kommt, wird diese Bemerkung des Herrn Reichsbankpräsidenten nicht unbeachtet bleiben dürfen und dahin gestrebt werden müssen, daß die Reichsbankleitung nicht die gesnndeste Zinsfußbewegung, die des thunlichst niedrigsten Diskonts, für ungesund erklärt. Man sage einmal den Engländern, daß ihr Bankdiskont von 2 vCt., den wir in Deutschland noch nie erlebt haben, „ungesund" wäre und man frage unsere Industriellen, ob sie es für ungesund hielten, wenn unser Diskont ebenso niedrig wäre wie der englische. Die englische Konkurrenz schlägt häufig die deutsche Industrie nur mit Hülfe des niedrigeren Zinsfußes. Daß die Banquiers, die Privatbanken ein Interesse an höherem Zins haben und daß deshalb für diese Kreise die Furcht vor „ungesunden Zinsfußbewegungen" einer der Gründe der Gegnerschaft gegen den Bimetallismus sein kaun, ist möglich, aber doch für "die Reichsbank nicht maßgebend. Als ein hübsches Beispiel nach dieser Richtung las Herr Wülfing in der Silberkommission das Folgende über den Jahresbericht der Baierischen Notenbank vor, deren Direktor Dr. Stroell, einer der schärfsten Gegner der Bimetallisten in der Silberkommission war: „Die Direktion der Bayerischen Notenbank in München erläutert ihren Rechnungsabschluß für das Jahr 1893 mit folgenden Bemerkungen: Das verflossene Geschäftsjahr verlief in seinen beiden Semestern sehr ungleichartig. Nachdem der Geldmarkt während der ersten sechs Monate eine 7« — 100 — vollkommen ruhige, fast lethargische Haltung aufgewiesen hatte, änderten sich diese Verhältnisse im Hochsommer ganz plötzlich. Die österreichische Valutaregulirung. die weitere Devalvirung des Silbers, serner die kritisch gewordenen münzpolitischen Verhältnisse Italiens und Amerikas erzeugten eine Spannung, die in rasch steigenden Zinssätzen ihren Ausdruck fand und auch den ganzen Spätherbst über, vermehrt durch die Geldbedürfnisse der Jahreszeit, anhielt. Erst zu Beginn des laufenden Jahres hat sich diese Spannung gemildert und normaleren Verhältnissen Platz gemacht. Die aus diesem Umstände sich ergebende lukrative Verwen- . dung der Betriebsmittel der Bank führte zu einem günstigen Jahresresultat. Es wird beantragt, die Dividende pro 1893 auf 7 Prozent festzusetzen. Die Gunst der Umstände hat es ferner ermöglicht, den Delkredere-Konto, der durch die Heßleinsche Unterschlagung aufgezehrt war, sogar mit Ueberschuß zu ergänzen. Auch die übrigen bilanzmäßig üblichen Rückstellungen konnten theilweise selbst in höheren Beträgen als in den Vorjahren bethätigt werden." „Sie sehen, meine Herren," fügte Herr Wülfing hinzu, „was der Industrie und der Landwirthschaft schadet, nützt der Bank und dem Kapital." Zeigt der Bericht der Baierischen Notenbank das direkte Interesse der Bankwelt an der Goldwährung, so läßt sich doch nicht verkennen, daß das Kapital außerordentlich kurzsichtig ist, daß es aus ganz unbegründeter Angst vor einer Geldentwerthuna nicht erkennt, daß den Vortheilen, die ihm die Goldwährung bringt, auch sehr ernste Nachtheile gegenüberstehen. So liegt in dem Daniederliegen der Produktion die Ursache der geringen Kapitalsnachfrage und mithin des sinkenden Zinsfußes, während bei Bimelallismus die Belebung der Geschäfte die Kapitalsnachfrage steigern würde, und der Zinsfuß mithin trotz der vermehrten Baarmittel am Ende gar nicht so „ungesund" im Sinne des Herrn Dr. Koch oder so niedrig wie jetzt bliebe. Herr vr. Koch kommt zum Schlüß nochmals auf die Preisfrage zurück. Viele Landwirthe, „Mitglieder des Standes, welchen er so hoch schätze", erwarten eine Preis- — 101 — erhöhung vom Bimetallismus — wenn Herr Dr. Koch wirklich eine solche Hochschätzung vor den Landwirthen besitzt, dann sollte er — welche Meinung er im Uebrigen auch bezüglich der Goldwährung hat — mindestens die Bekämpfung der bimetallistischen Bestrebungen nicht mit einem solchen Feuereifer betreiben, er sollte vielleicht auch versuchen, durch eine Prüfung der von bimetallistischer Seite vorgeführten Gründe eine Verständigung herbeizuführen. Denn daß die Führer der Landivirthschaft insgesammt ihre eignen Interessen verkennen, daß grade diejenigen in der Währungsfrage besser wissen, was der Landwirthschaft frommt, die auf allen Gebieten Gegner aller landwirtschaftlichen Interessen sind — das sollte doch der Herr Reichsbankpräsident nicht voraussetzen. Es wäre ja noch, vielleicht denkbar, daß die deutschen Agrarier sich hätten verleiten lassen, nach der falschen Richtung im Währungsstreit Partei zu ergreifen. Wir sehen aber die Landwirthe aller Länder im bimetallistischen Lager. Graf Mirbach tritt nicht entschiedener ein, wie der englische Vertreter der landwirtschaftlichen Interessen Chaplin, der „Bund der Landwirthe" ist nicht bimetallistischer als die Zocikts 1'^.Zriczulturs 6s F'ra.u.os — die Freisilberpartei in den Vereinigten Staaten hat ebenso ihre Hauptkraft in der „^g-rmsr ^,11ia>vc:ö" — wie im Programm der demokratischen Agrarier Dänemarks der Kampf gegen die Goldwährung steht. Die Landwirthe Hollands und Belgiens fassen bimctallistische Beschlüsse und die AckerbauerAustraliens begründen bimetallistische Vereinigungen — sie alle aber sind, vermuthlich durch das Geld der „Nevada-Barone" irregeführt (wobei besonders hübsch ist, daß Nevada gar kein Silber mehr produzirt), sie alle handeln gegen ihr eigenes Interesse, denn wie der Reichsbankpräsident der Goldwährungspresse und den Herrn Brömel und Helfferich glaubt, der Bimetallismus würde der Landwirthschaft nicht nützen, sondern schaden — vielleicht bekehren sich die Landwirthe, wenn sie die folgenden Worte des Herrn vr. Koch lesen: „Indessen, zugegeben, daß eine plötzliche starke Inflation in den Zahlungsmitteln zu einer Preiserhöhung führt, daß — 102 — die Konjunkturen sich bessern, was dann? Die Produktion wird in einer künstlichen Weise gesteigert; es müßten natürlich auch alle anderen Waaren, als die landwirtschaftlichen Produkte, es müssen die Arbeitslöhne steigen. Geschieht dies nicht, so würde sich eine Bewegung unter den Arbeitern erheben, welche gerade jetzt recht bedenklich ist und große Dimensionen annehmen kann. Die Arbeiter würden klagen, daß man eine Währung einführe, welche ihre Löhne herabdrückte. Wie viele und wie lange Vortheile bleiben also den Landwirthen? Besonders in den bisherigen Silberländern, etwa in Indien, wird man noch mehr Eisenbahnen bauen; es wird noch mehr erleichtert, uns Getreide von dorther zuzuschicken. Wenn wir die Silberländer begünstigen, wird die dortige Volkswirthschaft sich heben, aber die Konkurrenz auf dem Weltmarkt wird zunehmen und die Laudwirthe werden sehen, was sie angerichtet haben. (Sehr richtig!) Nacher kommt dann unvermeidlich ein plötzlicher Sturz; es würde eine Krisis eintreten, vor der Sie denn doch am Ende bange sein müßten." Zunächst wird eine plötzliche starke „Inflation" von den Bimetallisten überhaupt nicht zugegeben, die Produktion soll nicht in einer „künstlichen Weise" gesteigert werden, sondern es sollen die durch Goldwährung und Silber- entwerthung geschaffenen künstlichen Hemmnisse beseitigt werden. Aber angenommen, die Voraussetzungen des Herrn Dr. Koch über die Preiserhöhung wären richtig, so sind doch seine Schlußfolgerungen über die Wirkung auf die Landwirthschaft so absolut falsch, daß jeder einfache Landwirth sogleich den deutschen Reichsbankpräsidenten hierüber eines Besseren belehren kann. Wie die Landwirthe hierüber denken, sollte Herr Dr. Koch aus der Zustimmung ersehen, die ich im Abgeordnetenhaus fand, als ich am 20. Mai wie folgt über diese Seite der Frage sprach: „Aber nun kommt man und sagt: davon haben die Landwirthe nichts, es steigen alle Preise, und was sie beim Einkauf einnehmen, müssen sie beim Verkauf wieder weggeben. Ja, meine Herren, wer das sagt, hat gar keine Ahnung von landwirtschaftlichen Verhältnissen, (sehr — 103 — richtig! rechts), der weiß gar nicht, daß der Landwirth viel, viel mehr verkaufen muß, als er einkaufen kann, weil er einen größeren Theil des Erlöses seines Verkaufs nothwendig hat für feste Zahlungen, für Zinsen und dergleichen mehr. (Sehr richtig! rechts.)" Gerade hierauf beruht ja ein anderer beliebter Hetz- Einwurf der Goldpartei gegen die Bimetallisten, dessen allerdings Herr Dr. Koch sich nicht bediente, worauf der Widerstand gegen den Bimetallismus aber zum guten Theil fußt, obwohl etwas Alberneres kaum vorgebracht werden kann — die Behauptung nämlich, daß die ganze Absicht der Bimetallisten nur darin bestände, daß die „verschuldeten Großgrundbesitzer ihre Gläubiger betrügen", indem sie ihnen für die in gutem Gold empfangene Schuld in minderwertigem Silber zurückzahlen — das ganze Gerede über die sog. Goldklausel hängt hiermit zusammen. Dieser Vorwurf ist an sich unberechtigt, weil die Hebung des Silberwerths ja das Ziel der Bimetallisten ist, überdies würden selbstverständlich gerade die Landwirthe zuletzt hiervon profitiren. Ich darf auch hier eine Stelle meiner Rede vom 20. Mai wiedergeben: „Man muß also annehmen, daß die Silberproduzenten in Amerika und Mexiko so thöricht sind, gar nicht zu wisscu, was die europäischen Münzgesetzgebungen beschließen, daß sie einfach ihr Silber weiter zu dem entsprechenden Gegenwerth von 90 Mark pro Kilogramm verkaufen, wenn sie es an allen Münzstätten Europas für das Doppelte prägen lassen können, und daß sie dann dem deutschen Grundbesitzer überlassen, diesen Profit auszunutzen. Wer die amerikanischen Silberminenbesitzer fürso thöricht hält, mag diesen Vorwurf erheben; ich meinerseits bin der Meinung, daß es mit dem Silber genau so sein wird, wie es heute beim Gold ist. Es wird doch keinem Menschen einfallen, wenn er Gold produzirt, das in Deutfchand gesetzlich nach Abzug der Münzkosten mit 1392 Mark das Pfund gekauft werden muß und in anderen Ländern entsprechend, daß er dieses Gold zu 600 Mark oder 700 Mark für das Kilogramm verlauft. Solchen Menschen müßte man doch in das Irrenhaus sperren! Und nun sollte man annehmen, daß — 104 — es beim Silber anders würde? Ein Silberminenbesitzer, der sein Silber billiger verkauft, gehört doch auch ins Irrenhaus aber nicht auf den öffentlichen Markt. (Heiterkeit.)" Will aber die Goldwährungspartei die Sache so auffassen, daß die Steigerung des Silberpreises an sich eine Veimiinderung des Goldwerths bedeutet, dann muß auch die Umkehrung zutreffen, dann hat die Silber- entwerthung den Goldwerth an sich erhöht, dann ist den Schuldnern ein himmelschreiendes Unrecht geschehen, dann können die Gläubiger sich nicht beklagen, wenn ihnen ein unbilliger Vortheil wieder entzogen und der frühere Stand wieder zurückgeführt wird. Bezüglich des Arbeitslohns folgt der Herr Reichsbankpräsident bedingungslos den freisinnig-sozialdemokratischen Behauptungen. Die Landwirthe und Industriellen sind anderer Meinung. Alle im praktischen Leben stehenden Männer sind darüber einig, daß sinkende Preise, schlechte wirthschaftliche Verhältnisse auf die Dauer die Arbeiter am härtesten treffen. Die Arbeitgeber erliegen endlich, lange vorher aber tritt Rückgang der Löhne, Arbeitslosigkeit, Hunger bei den Arbeitern ein und bereitet den Boden für die Unzufriedenheit und für die Revolution. Revolutionen sind bisher stets in Zeiten wirthschaftlichen Niedergangs, nicht in Aufschivungsperioden gekommen. Eine Aufschwnngs- periode aber mit steigenden Preisen, wie sie der Bimetallismus bringen soll, bringt steigende Arbeitsnachfrage und damit steigende Löhne und wachsende Zufriedenheit der arbeitenden Klassen. Die praktischen volkswirthschaftlich gebildeten Arbeiter Englands und Nordamerikas sind deshalb die eifrigsten Bimetallisten und unter den Zeichnern für den Garantiefonds der englischen Bimetallisten-Liga, der bekanntlich schon über 1 Mill. Mark betrügt, befinden sich auch die „United Textil Factory Workers" mit 10 000 Mark — die englischen Arbeiter wissen, daß die Preisbewegung maßgebend ist für die' Lohnbewegung, und ein englischer Arbeiterführer, Mawsdlen erklärte im Mai 1894 auf der bimetallistischen Versammlung in London Folgendes: — 105 — „Lassen Sie mich ein Wort über die „Billigkeit", von der wir soviel sprechen hören, erwähnen. Ich für meinen Theil beunruhige mich nicht im Geringsten, wenn die Waaren unter dem Bimetallismus theurer werden, denn wenn diese Vertheuerung eintreten sollte, so wird sie verursacht werden durch die Masse des Volkes, welche im Stande sein wird, mehr zu kaufen, und dies bedeutet, daß seine Kaufkraft eine größere wird. Wir dürfen nur nicht annehmen, daß der Preis der Waaren steigen wird, ohne daß die Arbeit, die wichtigste Waare, auf ihren vollen Preis kommen wird.' — Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, daß bei den letzten allgemeinen Wahlen die vereinigten Textil-Fabrikarbeiter, mit denen ich in Verbindung stehe und welche die Baumwollen-Distrikte von Lancashire, Jorkshire, Cheshire und Derbyshire umfassen, überall Plakate anbrachten, auf denen sie empfahlen, nur solche Kandidaten zu wählen, die für den Bimetallismus stimmen würden, da dies „für die Lohnarbeiter eine Brod- und Butterfrage" sei. Erst in dieser Woche veröffentlichten wir ein Zirkular an unsere Mitglieder, in welchem wir sie dringend ersuchten, dahin zu wirken, daß diese Frage als eine der wichtigsten unter denen behandelt werde, welche den Parlaments-Kan- didaten und den gegenwärtigen Mitgliedern des Unterhauses vorzulegen sei. (Beifall). Unsere Stellungnahme in der Währungsfrage ist entschiedener denn jemals, und wenn die arbeitenden Klaffen in ganz Großbritannien in dieser Weise den Parlaments- Kandidaten gegenüber vorgehen, sei es bei Nachwahlen, sei es bei den nächsten allgemeinen Wahlen, so wird die nächste Versammlung der bimetallistischen Liga nicht zusammentreten um zu berathen, sondern um den Triumph des internationalen Bimetallismus zu feiern." (Beifall.) So wie dieser englische Arbeiterführer denken die deutschen Landwirthe und sie werden gern bei steigenden Preisen höhere Löhne zahlen, auch spielt der Naturallohn auf dem Lande noch eine recht erhebliche Rolle, so daß die ländlichen Arbeiter zum Theil selbst die Vortheile der Preissteigerung ziehen werden. Es tritt auch hier wieder die Doppelzüngigkeit der — 106 — Goldpartei klar zu Tage. Den Landwirthen gegenüber heißt es, euch hilft der Bimetallismus nichts, denn die Arbeiter erzwingen höhere Löhne — den Arbeitern aber sagt man, der Bimetallismus schadet euch, denn er erhöht die Preise und ihr werdet die Erhöhung der Löhne nicht erzwingen können. Beides widerspricht sich und beides ist falsch. Denn steigende Preise nützen den Landwirthen auch bei höheren Löhnen und da sie den Arbeitern höhere Löhne bringen, nützen sie auch diesen. Die deutsche Sozialdemokratie handelt ganz folgerichtig, daß sie die Goldwährung zur Parteisache gemacht hat, es ist kurzsichtig, das auf großkapitalistische Einflüsse zurückzuführen, die Sozialdemokratie sieht in der Goldwährung mit Recht ein wichtiges Hülfsmittel zur Beschleunigung der Revolution und bekämpft bewußter Weise den Bimetallismus, weil dieser durch Besserung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse den Umsturzbestrebungen den Boden entzöge. Ich möchte auch hier eine Stelle meiner Rede vom M. Mai anfügen: „Eine Vorlage, welche uns die Doppelwährung international mit England brächte, das wäre meiner Ueberzeugung nach die beste Vorlage gegen den Umsturz, denn die würde den wirthschaftlichen Wohlstand und bessere Zeiten bringen, und damit bekämpft man die Sozialdemokratie am wirksamsten; und daß die Sozialdemokratie das begreift, das zeigt, daß sie jetzt die Hauptschutztruppe der Goldwährung ist, daß bei der letzten Abstimmung im Reichstage mehr als die Hälfte der Stimmen, welche für die Goldwährung abgegeben wurden, von Sozialdemkraten waren. Die 60 Kommerzienräthe und Bankdirektoren, welche an der Spitze der sogenannten Goldgarde beim Aufruf marschirt sind, erkennen wohl nicht, daß sie in Wahrheit die Avantgarde der Sozialdemokratie sind; aber die Sozialdemokraten selbst wissen das genau! Ich darf mir wohl gestatten, ein Wort des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Schippe! zu verlesen; er schreibt: Eine Schuldentlastung für die kapitalistisch lebensunfähigen Betriebe in Landwirthschaft und Gewerbe anzustreben, hat die Arbeiterklasse keinen Grund, schon 107 — darum, weil sie nicht grausam genug ist, ein doch unabänderliches wirthschaftliches Absterben mit allen seinen Qualen noch künstlich zu verlängern. Nicht die Erhaltung, sondern die Auflösung der zwischen Arbeit und Kapital hin und her geworfenen Mittelschichten liegt im Interesse der Lohnarbeiter. (Hört! hört!) Meine Herren, nicht im Interesse der Lohnarbeiter, aber im Interesse der Sozialdemokraten! Denn diese Mittelschicht, das ist diejenige Schicht — der Bauer, der Handwerker, der Mittelstand — an der die Sozialdemokratie zerschellen wird und zerschellen muß. Und diese zu zerstören, das ist, nach Schippel, das Wesen der Goldwährung: und deshalb ist er Anhänger der Goldwährung. Das sollte doch für alle produzirenden Klassen, für alle staatserhaltenden Klassen, und namentlich für die Königliche Staatsregierung ein ernster Fingerzeig sein." (Bravo! rechts.) Der jetzige Sozialdemokrat Schippel war, bevor er ein Sozialdemokrat wurde, eifriger Bimetallist, eben deshalb ist die Auseinandersetzung, die ich mit ihm herbeiführte und die als Broschüre erschienen ist"), sehr belehrend für das Verhalten der deutschen Sozialdemokraten in der Währungsfrage. Der Goldwährungspartei, namentlich dem Herrn Reichsbankpräsidenten, mag diese Bundesgenossenschaft unangenehm sein, aber leugnen läßt sich doch nicht, daß auch der vielgefeierte Sieg in der Württemberger Kammer nur mit demokratischen Stimmen erfochten ist, wobei denn auch die beiden in derKammer sitzenden Sozialdemokraten nicht fehlten. Den Gedanken, welchen der Herr Reichsbankpräsident schließlich über den vermehrten Eisenbahnbau in Indien und die vermehrte Getreidezufuhr von dort ausspricht, habe ich, als ich ihn in einer Schrift von Helfferich fand, als „verflucht gescheit" bezeichnet. Ich hätte mich natürlich anders ausgedrückt, wenn ich hätte ahnen können, daß der Präsident der deutschen Reichsbank sich auch diesen Gedanken aneignen würde. Ich darf deshalb hier wohl die Abfertigung anfügen, die ich gegen Herrn Dr. Helfferich im „Deutschen Wochenblatt" schrieb: Die Sozialdemokratic und die Währungsfrage, eine Auseinandersetzung zwischen Dr. Otto Arendt und Max Schippel- Berlin, Hermann Walther. — — „HerrHelfferich äußerte sich: „„Es wäre geradezu unbegreiflich, wenn dieser riesige Aufschwung in den Verkehrsverhältnissen -Verzwanzigfachung des Eisenbahnnetzes seit 1860 (in Rußlan dund Indien) den Getreidebau und die Getreideausfuhr nicht enorm gesteigert und die Getreidepreise nicht außerordentlich verbilligt hätte."" „Ja haben sich denn die Getreidepreise in Indien außerordentlich verbilligt? Sie halben sich in Europa außerordentlich verbilligt, aber nicht in Indien. Weizen kostete in Kalkutta nach offizieller Notirung 1873 L.N. 3.5.0, 1893 dagegen 3.4.9. L,., in Bombay 1873 34.0.0, 1893 36.0.0 per Bandy). — Weizen ist also in Indien trotz der Verzwanzigfachung der Eisenbahnen nicht billiger geworden, aber das indische Geld wurde für Europa um die Hälfte billiger und folglich kaufte europäisches Geld mit dem doppelten Quantum Silber das doppelte Quantum indischen Weizen obwohl dieser seinen Preis in Indien nicht ändert und indischer Weizen konnte also sür den halben Preis den' europäischen Weizen unterbieten, ohne in Indien selbst seineu Preis zu ändern. Das ist eine Valuta-, aber keine Transport-Frage. Nicht die Konkurrenz, nicht den Import furchet der europäische Landwirth — Europa muß ja Getreide importiren — sondern die Unterbietung in Folge Valuta-Differenzen. Fällt diese fort, wird der Silberpreis wieder hergestellt, so kann indischer Weizen nur zum dopelten Preis wie jetzt in Europa verkauft werden, oder müßte in Indien auf diese Hälfte sinken! „Die Erschließung Indiens durch Eisenbahnen ist für unsere Industrie ein Glück, aber sie ist kein Unglück für unsere Landwirthschaft, wenn die Währungsgleichheit hergestellt ist. Eben deshalb haben die englischen Bimetallisten und habe ich auf die großen Absatzgebiete hingewiesen, welche Indien bez. Ostasien bieten, wenn die Festlegung des Silberwerthes dem europaischen Kapital gestattet, dort draußen Anlage zu suchen. „Jede Meile Eisenbahn, welche gebaut wird, erleichtert den Export des Landes," ganz recht; was uns schädigt, ist aber nicht der Export, sondern der Export, zu schwankenden und entwertheten Silberpreisen. — — „Herr Dr. Helfferich schreibt in semer Broschüre! „„Wie stände es aber erst, wenn die Ausdehnung des indischen Eisenbahnnetzes seit 1860 sich nicht nur verzwanzigfacht, sondern sich vielleicht verdreißig- oder vervierzigfacht hätte! Wäre dann nicht die den Anbau lohnende Fläche in Indien in demselben Grade mehr gewachsen, wäre dann nicht der indische Weizenexport in weit höherem Maße gestiegen, wäre er nicht der europäischen Konkurrenz in noch ganz anderer Weise als jetzt verderblich geworden? Ich glaube, das giebt Jedermann zu."" — „„Wenn dem so ist, dann kann der europäische, insbesondere der deutsche Getreideproduzent dem Himmel für die indische Silberwähruug und den Preisfall des Silbers nicht genug dankbar sein."" „Das ist der Gedanke, den ich als ,verflucht gescheit' bezeichnete — und wieder bezeichne, denn was angeblich „Jedermann zugiebt", wird, glaube ich, Jedermann be- streiten, der weiß, worauf es ankommt. „Nicht wieviel Weizen Indien produzirt, sondern zu welchen Preisen Indien Weizen in Europa verkaust, kommt für unsere Produzenten in Betracht. Die Ausdehnung der indischen Eisenbahnen hat bisher den Getreidepreis in diesem Reich von beinahe 300 Millionen Seelen nicht vermindert, warum soll das künftig der Fall sein? Man nehme nur die Valuta-Differenz fort nnd der indische Weizen genirt uns nicht. „Daßübrigens in einem uralten,dichtbevölkerten Kulturland der Getreidebau so erheblich anwachsen kann, ist eine zwar aufgestellte, aber nicht bewiesene Behauptung. Selbst wenn sie sich bewahrheitet, steigt damit noch nicht die Exportfähigkeit, denn diese beruht überhaupt nur auf der Anspruchslosigkeit der Bevölkerung. Erhöht der Eisenbahnbau wie wahrscheinlich die Lebenshaltung der Jndier, so würde ihr Getreideverbrauch vermuthlich stärker steigen als der Getreideanbau." Soweit meine schon früher im „Deutschen Wochenblatte" veröffentlichteAbweisungderGedankendesHerrnDr.Helfferich. Nur nach einer Richtung ist Herr Dr. Koch über die Autorität des Herrn Dr. Helfferich noch eiwas hinausgegangen, er meint, „wenn wir die Silberländer begünstigen. » — 110 — wird die dortige Volkswirthschaft sich heben." — Diese Bemerkung des deutschen Bankpräsidenten wird in den Silberländern recht lebhafte Verwunderung hervorrufen. In Mexiko und Japan nahm man bisher an, daß umgekehrt die Silberentwerthung die dortige Volkswirthschaft gehoben habe, und ein chinesischer Gegner des Bimetallismus, der allerdings anderer Auffassung war wie Herr vr. Koch, sagte: „Ich wünsche nicht, daß irgend etwas geschieht, um den Silberpreis zu heben; je billiger Silber steht, desto besser, sinkt der Dollar auf Sixpence, dann kann Niemand mehr mit uns konkurriren." Welcher Gegensatz zwischen diesem praktischen chinesischen Geschäftsmann in Shanghaiund dem Präsidenten derDeutschen Reichsbank, der in seinem Eifer für die „bewährte" Goldwährung selbst die zweifelhaftesten Argumente blutjunger Gelehrter heranzieht, obwohl eine Anfrage bei irgend einem praktischen Industriellen, er möge immerhin Goldwährungsmann sein, Herrn Or. Koch darüber doch hätte Gewißheit bringen müssen, daß die Steigerung des Silberpreises den Silberländern finanziell vortheilhaft, volkswirthschaftlich aber schädlich sein wird, weil die Ausgleichung der Valuta- Differenz mit den Goldwährungsländern sie eines Schutzzolls und einer Exportprämie von der Höhe der Silberentwerthung beraubt. Bezüglich des „Krachs", den Herr Dr. Koch in Aussicht stellt, verhält er sich doch auch gemäßigter, als das sonst von der Goldpartei geschieht, diese pflegt gewöhnlich zu drohen, daß schon bei einer Möglichkeit, daß Deutschland „an derGoldwährungrüttle" eine Krisis eintritt, durchl) Erschütterung der deutschen Valuta, 2) Erschütterung des Kredits, namentlich des Staatskredits, 3) Kündigung aller Hypotheken. Was die Erschütterung der Valuta betrifft, so müßten, da es sich nur um internationalen Bimetallismus handelt, alle soliden Valuten und Staätspapiere „erschüttert" werden und der unglückliche Gläubiger müßte schon sein Gold nach der Türkei schicken, die wahrscheinlich mit Vergnügen „Rückzahlung in Gold" verspricht, vielleicht aber — weder in Gold noch in Silber zahlt. Praktisch wird kein Mensch mehr verlangen, als daß Mark, Frank, — 111 — Dollar und Pfund Sterling die gleiche Grundlage habe. Diese Grundlage wird immer die beste und sicherste der Welt sein, auch wenn sie bimetallistisch ist. Herr vr. Bamberger behauptete, daß schon bei der Ankündigung, daß eine Silberkommission berufen würde, „Vorsichtige" angefangen hätten, deutsche Konsols zu verkaufen und Hypothekenzu kündigen. Die „Vorsicht" hätte sich bitter bestraft, denn obwohl inzwischen der deutsche Reichskanzler die Berufung einer Münzkonferenz in Aussicht gestellt, ist der Kurs der deutschen Staatspapiere weiter gestiegen und Hypotheken sind immer gesuchter geworden. In der Silberkommission fragte ich dann Herrn Dr. Bamberger, was denn der unglückliche Kapitalist machen solle, der sich vor den bösen Folgen des internationalen Bimetallismus schützen wolle — da antwortete Herr Dr. Bamberger, er selbst würde sein Geld einem zuverlässigen Geschäftsmann geben oder — Grundstücke kaufen, und als ich einwarf, da würden ihm ja die Hypotheken gekündigt, fügte er hinzu, natürlich schuldenfrei. Nun weiß also die Welt den Ausweg, schuldenfreier Grundbesitz — für die Meisten nicht recht ausführbar — und der „zuverlässige Geschäftsmann" — da bleibt am Ende der Staat noch zuverlässiger, namentlich wenn die deutschen Konsols dieselbe Währungsgrundlage haben, wie die englischen. Alle solche Argumentationen machen doch den Eindruck, als ob sie nicht ernst gemeint sind und nur die Bestimmung haben, die öffentliche Meinung zu erschrecken. Man benutzt die leider viel verbreitete, künstlich gezüchtete Unwissenheit, um die Leute gegen jede Aenderung des Bestehenden aufzureden. Den Einen erschreckt man mit Geldentwerthung, wofür man irreführend Geldverschlechterung sagt, dem Andern wird klar gemacht, daß es sich nur um die reaktionäre Schrulle der beutegierigen Agrarier handelt, daß also jeder „Freisinnige" solch Beginnen abzuweisen habe, und endlich wird auf die „Ver- theuerung" hingewiesen, die Arbeiter, Beamte, Lehrer, kurz alle auf festes Einkommen Angewiesene und alle Rentner trifft. Ein hoher Beamter, der vermuthlich auch zu den Lesern der „Nationalzeitung" zählt, sagte mir — 112 — kürzlich: „Sie böser Mann, wollen uns durch den Bimetallismus ja um die Hälfte unseres Einkommens kürzen, da steigen ja alle Preise aufs Doppelte". Ich fragte ihn. ob der Preisrückgang der letzten Jahre sein Einkommen verdoppelt hätte — keineswegs, erklärt er, das Leben wird immer theurer. Nun dann wird vielleicht die Steigerung der Preise derMassengüter auch nicht zu einer entsprechendenLebens- vertheuerung führen und soweit dies doch der Fall, werden Staat, Gemeinden, Arbeitgeber bei steigenden Preisen, steigende Einnahmen haben und Lohn und Gehalt erhöhen können, während bei der jetzigen Defizitwirthschaft auch die dringendsten und berechtigsten Ansprüche auf Gehaltsverbesserung abgewiesen werden. Es ist an der Zeit, daß das Volk der Denker auch über die Währungsfrage nachdenkt und sich nicht von einen kleinen Anzahl fanatischer Goldleute derartig irreführen läßt, daß Reden wie die des Herrn Reichsbankpräsidenten überhaupt möglich sind. Herr Dr. Koch hat später, als er nochmals das Wort ergriffen, sich gegen die verwahrt „welche ihm die Vertretung bestimmter Interessen vorzut- werfen gewagt hätten." „Ich habe kein anderes Interesse als das des Vaterlandes." Ich bin vollkommen überzeugt, daß das zutrifft. Wenn Herr Dr. Koch bestimmte Interessen vertreten würde, seine Rede wäre — erheblich vorsichtiger gewesen. Herr Dr. Koch ist überzeugt, daß er das Vaterland gegen eine Gefahr vertheidigt, wenn er den Bimetallismus abwehrt, wie wir überzeugt sind, daß er das Vaterland dadurch gefährdet. Ueberzeugung gegen Ueberzeugung — aber Prüfung auch der Gründe, die für die entgegengesetzte Ueberzeugung ins Feld geführt werden. Der jetzige Präsident der englischen Bimetallisten-Liga Henry Huks Gibbs, Direktor der Bank von England, wurde 1878 als Delegirter der englischen Regierung auf die Pariser Münzkonferenz geschickt, er war Goldwährungsmann und bekannte sich als solcher in Paris. Die Gründe aber, welche er von den Bimetallisten hörte, veranlaßten ihn Bimetallist zu werden und sich an die Spitze der bimetal- — 113 - listischen Bewegung in England zu stellen, die damals in ihren ersten Anfängen war. Ich habe die Rede des Herrn Dr. Koch Punkt für Punkt geprüft, nirgends hat er Recht, Vornrtheil, Irrthum, ungenügende Kenntniß durchweg. Es ist gar nicht möglich, daß Herr Dr. Koch die Währungsfrage, daß er die Beweisführung der Bimetallisten genau studirt hat — ein so feiner Kopf würde dann mindestens die Widerlegung der bimetallistischen Anschauuungen besser und schärfer versucht und sich nicht solche Blößen gegeben haben. Es will mir scheinen, daß der Präsident der Deutschen Reichsbank doch Zins ii-g. st stuclio prüfen sollte und daß, solange er dies nicht that, er im Jnteresfe des Ansehens seiner Stellung in parlamentarischer Rede äußerst vorsichtig sein sollte. Statt dessen hat Herr Dr. Koch nahezu durchweg auf Grund von Zeitungsartikeln oder gestützt auf Doktoranden wie Ettlinger und Helfferich sich geäußert und niemals die doch wirklich umfangreiche Fachlitteratur herangezogen. Selbst mit seinem Schlußwort hat Herr Dr. Koch Unglück. Er sagt: Ich kann mit den kürzlich von dem Präsidenten Cleveland gesprochenen Worten schließen! „So lange unser Volk noch Zeit und Gelegenheit zu einer gesunden und vernünftigen Ueberlegung übrig behält, wird es davor zurückschrecken, Pläne zu billigen, die, wenn gleich verhüllt, zu Unglück und Verwirrung in der Wirthschaft des Landes führen." Das sind treffliche Worte des Präsidenten Cleveland und mit Recht gegen diejenigen gerichtet, welche ohne internationalen Bimetallismus freie Silberprägung anstreben. Der Präsident Cleveland würde diese Worte aber niemals, wie Herr Dr. Koch gegen die Bimetallisten anwenden, denn Präsident Cleveland ist selbst überzeugter Bimetallist — was allerdings unsere verlogene Goldwährungspresse grundsätzlich verschweigt und was daher der Herr Reichsbankpräsident dieser folgend nicht zu wissen scheint. Die Partei des „gesunden Geldes" in Amerika steht auf dem Boden, den die deutschen Bimetallisten inne haben. 3 /' — 114 — Das Meeting in Memphis, auf welchem der Schatzsekretär Carlisle das Programm der Regierung Cleveland's und der Partei des gesunden Geldes klarlegte, nahm folgenden Beschluß an: ,,^s kavonr, in tks ak>8snos ok intsrna,tiong,1 oo- opsratiov, tos rstsntion aniZ nis-intsnanss ok tk>s sxi8tillA Avlä 8ts.nZg.r6. ^s vonlä rs^oiss at tlis a6ontion ok g. real Limsta,I1i8in, out, in visv ok tns oontinnsZ Ans- tus.tion8 ok silvsr in tos orisn roarlist, ^s rsaliss toat it 18 iniv033ibls kor tns Ilnitsä 3tg.ts8 inäsvsn6snt1^ to a6ovt a Linistallio 8ts.nZg.rZ. ^s, tnsrskors, Zssrn it nnvi8s anZ na^srZori8 to tns os8t intsrs8t8 ok tns psovls kor toi8 sountr^ to sttsront it8 S3tav1i3nnisnt. ^s g.rs in lavour ok toi8 oonntr^ 8tanZinA in an s.tti- tuZs 01° rss.Zins83 at all tiros3 to oo-ovsrg.ts ^vitn otnsr ?o^vsr8 irr anz^ skkort tosz^ niaz^ ioaugurats kor tns aZoption ok trns LirastallisrQ, vnt, in tos rosantiins, nntil 8ULL688kuI oo-ovsration 18 in3nrsZ, vs ars in kg-vonr ok rnaintsioinA iriviolats it8 sxi8tioZ 8ts.nZa.rZ ok valns. ^Vs srs in ks-vour ok tns rstsntion ok tns 8i1vsr nov soinsZ, snZ s.l8v tns AivioA ok s. vi^iZsr kislZ kor tns N8k ok 8i1vsr oz^ inaliinA tns sntirs oirenlation oslo^v tsn Zo11s.r8 sitnsr 8Üvsr or 3Üvsr ssrtikic:g.ts8, s.nZ antno- ri3inZ tos Lssrstsr^ ok tns 1°rss>8or^ to ooin, s.3 rs- o^nirsZ, silvsr Zo1Isr8 nntil tns Zsins-nZ ot ooinrnsros kor inonszf dslo^ tns Zsooniins-tion ok 10 Zo1ls.r3 i3 8sti8NsZ."") „Wjr treten in Abwesenheit eines internationalen Zusammenwirkens für die Erhaltung und Beibehaltung der bestehenden Goldwährung ein. Wir würden die Annahme eines wirklichen Bimetallismus mit Freuden begrüße», aber in Hinblick auf die beständigen Schwankungen des Silbers am offenen Markt, halten wir es für unmöglich für die Vereinigten Staaten allein eine bimetallistische Währung anzunehmen. Wir finden es im Gegentheil für unklug und die besten Interessen des Volks gefährdend, seine Durchführung für unser Land zu versuchen. Wir sind dagegen dafür, das; unser Land fortfährt in seiner Politik allzeit bereit zu sein zu einem Zusammenwirken mit den übrigen Mächten bei jedem Versuch, den sie machen sollten, um den wirklichen Bimctallismus herbeizuführen, aber in der Zwischenzeit, bis ein erfolgreiches internationales Vorgehen gesichert ist, wünschen wir die gegenwärtige Währung unverletzt. Dagegen soll das jetzt geprägte Silber beibehalten und außerdem der Silberbenutzung ein weiteres Feld verschafft werden, indem die gesammte Zirkulation unter 10 — 115 — Wenn Herr vr. Koch auf den Boden dieser Cleve- land'schen Anschauungen tritt, so kann er getrost dem deutschen Bimetallistenbund beitreten, er wende aber nicht ein gegen ganz andersartige Bestrebungen gerichtetes Wort gegen die deutschen Bimetallisten an. Wenn es aber seinem Einfluß gelingt, den Bimetallismus hinauszuzögern, dann wird die Zeit kommen, wo wir auch eine radikale Silberpartei in Deutschland haben. Denn die Goldwährung erträgt dauernd kein Volk, und die Versagung nothwendiger Reformen führt stets zu radikalen Umwälzungen. Ich komme auf meine Eingangsworte zurück. Die Gründe des Herrn Reichsbankpräsidenten gegen den Bimetallismus haben vor einer sachgemäßen Kritik nicht bestehen können, die genaue Durchsicht der Rede hat meinen ersten Eindruck bestärkt, Herr vr. Koch bekämpft gar nicht die bimetallistischen Bestrebungen wie sie sind, sondern ein Phantom, das die Goldpartei erfunden hat, uni die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Es ist für diese Partei ein großer Erfolg, daß der deutsche Reichsbankpräsident dieses Phantom für eine reale Erscheinung hält und sich der Gegengründe verschließt. Allein sachlich ändert das nichts daran, daß, wenn auch ein solcher Kämpe nicht im Stande ist, die Sache der Goldwährung siegreich zu führen, das Ergebniß ein für die Gold- Währungspartei zerschmetterndes ist. Jeder, der sehen will, muß sehen, auf welcher Seite ini Währungsstreit Recht und Wahrheit ist. Die Bimetallisten und namentlich ich führen den Kampf gegen den Herrn Reichsbankpräsidenten sehr ungern, er ist uns von seiner Seite aufgezwungen. Wir bekämpfen nicht seine Person, sondern seine Währnngsansichten. Wir appelliren von dem schlechtunterrichteten Herrn Reichsbank- Dollars aus Silber oder Silberzcrtifikaten bestehen soll und der Schatz- sckretair bevollmächtigt wird, soviel Silber zu prägen, bis der Bedarf des Verkehrs an Geld unter 10 Dollars befriedigt ist." Es gehört die ganze Verlogenheit der deutschen Goldwährungspresse dazu, aus diesem bimetallistischen Programm der amerikanischen Regierung eine Kundgebung für die Goldwährung zu machen- Herr Dr, Koch sieht hier an einem schlagenden Beispiel, wie er durch die Goldwährungspressc irre geführt wird. 8* — 116 — Präsidenten an den besser zu unterrichtenden, und wir hoffen, daß der Tag kommen wird, wo Herr vr. Koch dem Beispiel seines englischen Kollegen H, H. Gibbs folgt und in das bimetallistische Lager übergeht. Thut er dies nicht vor dem Zustandekommen des internationalen Bimetallismus, so wird er es sicher nachher thun, denn die Thatsachen werden ihn dann davon überführen, wie haltlos seine Befürchtungen waren. Was Herr vr. Koch an der Goldwährung schätzt, wird er im Bimetallismus in höherem Maße finden und der Eintritt einer Besserung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse wird ihn überzeugen, daß die Goldwährung eine erhebliche Mitschuld an unserer gegenwärtigen Wirthschaftskrisis trug. Schaffte trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt! „Die Vorwürfe in den Motiven des Handelstagsbeschlusses") beruhen sichtlich auf einem Kardinalfehler der politischen Logik. Statt sich in den neuen Zustand hineinzudenken und die Dinge zu nehmen, wie sie werden sollen und sein und wirken werden, folgert man lediglich aus dem Gesichts- und Thatsachenkreis des Bestehenden heraus und gelangt nicht einmal zur Hauptvorstellung über das währungspolitische Ziel, das in Frage steht, noch über die Thatsachen, die dann gegeben sein, noch über die Wirkungen, die dann eintreten werden. Da wird eben aus ganz beschränktem Gesichtskreis, dem die Welt neuer Zweckgedanken gleichsam mit Brettern vernagelt ist, wie aus Ketten heraus (tangus-ra s vineulis) raisonnirt. Man versteht den Gegner nicht einmal, begreift ihn nicht, und wenn Zeus eine fremde Meinung nicht versteht, so wird er — grob." *) Ich füge hinzu „des Neichsbankpräsidenten Oi'. Koch und der meisten Anhänger der Goldwährung." Druck vs» I. S, Preuß, Berlin V.. Leip;igerstr. 31/32. Im Verlage von Hermann Malther in Berlin^., Kleiststr. 14 erschien das Zweite Heft der KlnckllWen MmtsjW. Grgan des Deutschen Bimetallisrenbundes. Jährlich 12 Hefte zu je 3 Bogen groß 8°. Preis Mk. 10.— jährlich. Das einzelne Heft kostet Mk. 1.—. Znhakt des zweiten Heftes: Die bimetallistische Bewegung. Unsere bewährte Goldwährung. Von Staatsministcr Freihcrrv. Roggenbach. Der Hamburger Handelsstand und die Goldwährung. Von Otto Wülfing. Die Goldwährung, eine Errungenschaft von 1870. Von Generalmajor z. D. v. Poser u. Gr. Nädlitz. Die Seidenindustrie und die Währungsfrage. Mittheilungen. Verlag von Hermann Walther in Berlin. In meinem Verlage erschien soeben: Aur IVäßrunzsfraze. Denkschrift von G. M. Voissevain. Autorisirte Ucbersetzung aus dem Holländischen. 100 Seiten groß 8° mit 9 Tabellen. Preis 2 Mark. Der Verfasser ist einer der bedeutendsten Währungspolitiker Hollands und war s. Z. Delegierter der Niederlande auf der Brüsseler Münzkonfcrenz. Der bimetallistische Standpunkt des Verfassers unterscheidet sich in manchen Punkten wesentlich von dem der deutschen Anhänger der Doppelwährung und gewinnt dadurch besonderes Interesse, daß der Verfasser Freihändler ist. Verlag von Hermann Walther in Berlin. Die ^>ozialdemokratie und die ZVährungsfrage. -Auseinandersetzung zwischen Dr. Otto Arendt, Alar Schippe!, Mitglied Und Mitglied des Hauses der Abgeordneten. des Reichstages. Sondcrabdruck aus dem „Sozialpolitischen Cmtralblatt". 3 Bogen 8°. 1895. Preis KV Pf. Deutsches Mochenötatt. Unter Mitwirkung hervorragender Parlamentarier und namhafter Vertreter der Wissenschaft und Litteratur herausgegeben von Dr. Otto Arendt, Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Preis vierteljährlich 3 Ml. Das „Deutsche Wochenblatt" erörtert in sachlicher Weise die großen Fragen, welche den geistigen Fortschritt und die wirthschaftlichen Reformen unseres nationalen Lebens betreffen. Das „Deutsche Wochenblatt" hat sich während seines achtjährigen Bestehens durch seine unabhängige, durchaus selbständige Haltung einen geachteten, vielgenannten Namen erworben. Die engen Beziehungen des „Deutscheu Wochenblattes" zu Persönlichkeiten des praktischen politischen Lebens, zu Männern, die in der Verwaltung, im Parlament, als Landwirthe, in der Schule, in fernen Erdtheilen praktische Erfahrungen gesammelt haben, geben dem „Deutschen Wochenblatte" sein eigenartiges Gepräge. Das „Deutsche Wochenblatt" ist die einzige große politische Wochenschrift, welche die Grundsätze der nationalen Parteien vertritt und die Verständigung dieser Parteien zu fördern sucht. D as „Deutsche Wochenblatt" wendet der Währnngsfraae besondere Beachtung zu. Probenummern versendet kostenfrei die Verlagsbuchhaudlung Hermann Walther in Berlin ^V.. Klciststraße 14. Verlag von Kermaim ZSalthcr in Berlin. Konservatives Handbuch. Zweite neubearbeitete und verbesserte Auflage. Aögeschkossen am 1. Mai 1«i>4. 444 Seiten. Groß-Oktav. Preis broschirt M. 2.—, gebunden M. 2.S0. Urtheile der Kresse über die zweite Auflage des Konservativen Handbuches: Das „Konservative Handbuch", das sich als Nachschlagebuch und „politisches A-B-C" in den konservativen Kreisen rasch eingebürgert hatte, war seit einiger Zeit vergriffen. Es ist darum eine neue Auflage nothwendig geworden, die nunmehr vorliegt. Das „Konservative Handbuch" ist durch die Arbeit einer Anzahl konservativer Männer beider Richtungen entstanden, die, bei voller Würdigung der Verschiedenheit ihrer Ansichten und Ueberzeugungen auf einzelnen Gebieten des öffentlichen Lebens, doch entscheidenden Werth auf das ihnen allen Gemeinsame legen. Sie haben, so heißt es in dem Vorworte zur zweiten Auflage, in dem „Konservativen Handbuch" ein Werk zu schassen gesucht, welches zunächst in gedrängter Kürze zuverlässige Materialien zur Beurtheilung der wichtigeren politischen Fragen liefert, weiterhin die gemeinsamen konservativen Grundideen entschieden zum Ausdruck bringt, in allen streitigen Fragen aber das Für und Wider, einschließlich der von nichtkonscrvativer Seite vorgebrachten Gesichtspunkte, nach bestem Wissen unparteiisch ausführt und dem Leser die eigene Stellungnahme überläßt. Das „Konservative Handbuch" wendet sich hiernach vor allem an die selbständig und unbefangen denkenden Kreise der Nation und sucht den konservativen Anschauungen gerade durch eine vor allem streng sachliche Darstellung immer mehrAnhänger zu werben. Die Herausgabe des Werkes ist durch eine Kommission von sechs Mitgliedern, von denen je drei der deutschkonservativcn und der frcikonscrvativcn Parte! als aktive parlamentarische Mitglieder angehören, erfolgt. „Neue Preußische ,UAes St rrionrigies st ls. 8tatisticzrrs naoustairs 6s tous lsg paz^s 6u Zlolzs. Kuitisms L6itiori. 1894. 922 Seiten groß 8°. Preis 12 Mark gebunden. Oscar Mnnstcrberg, Die Reform Chinas. Ein historischpolitischer nnd volkswirthschafter Beitrag zur Kenntniß Ostasiens. 73 Seiten groß 8°. 1895. 80 Pf. sSoeben !<'^-'^erschienen.) ^^ v . Volkswirthschaftliches Jahrbuch des Königreichs Serbien. Herausgeber Dr. F. B. Pfeiffer. 2K0 Seiten groß 8°. 1894. Preis 6 Mark brockM Felix Ortel, Kaiser!. Bankvorstand in Tilsit, Wissenswerthes für den Deutschen Exporteur über Rumänien und die Deutsch-Rumänischen Handelsbeziehungen. Nebst einem Anhang der wichtigeren Firmen der Städte: Bukarest, Galatz, Brcüla, Giurgevo, Crajova, Calafat, Caracal, Slatiua, Turgujiului und mit einer Karte. 128 Seiten groß 8°. 1839. Preis Mk. 3,60. —Handel mit russischen Hölzern. Herkunftsgegenden und Bertrieb mit besonderer Berücksichtigung des Memel- gebiets. 80 Seiten groß 8°. 1895. Preis Mk. 2,50. Constantin Nöhler, Geh. Legationsrath a. D„ Eine Weltkrisis nnd ihre Aerzte. Inhalt: Die Wcltstockmig der Volkswirthschast. — Das sozialdcmokratische Heilmittel gegen die wirthschastliche Wclt- ^ stockung. — Die Rathlosigkcit der gebildeten Stände. — Die agrarische Bewegung. Bogen groß 3°. 1895. Preis l Mk. - /.^ s Neuere ZVährungsschriften o Dr. Otto Arendt. Mitglied des Hauscs der Abgeordneten, Leitfaden der Währungssragc. 17. ncnbcarbeitctc Auflage. Mai 1895. Mit einem Sach- und Namen - Verzeichnis;. 62 Seiten 8^ Mk. I- — „— Lösung der Währungssraqe durch internationale Silbcrzcrti- fikatc. 1894. 40 Seiten 8°. 60 Pf- — „— Die Silberenanete. Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bam- bcrger. 1394. 4. Auflage. 48 Seiten 8", 60 Pf. —„— Wie Deutschland zur Goldwährung kam. Aktenstücke zur Währungssragc. 1894. 101 Seiten in 8°. > Mk. 1-. Inhalt- Die deutsche Mllnzgesetzgebung von Id?r und 1373. Aus dem Buche „Reichsgold Nr. ^8,^1j, 1t>, 20. Vorgelegt von ve. L. «amborg-r und vr. O, Arendt. —^Ei- Berichten der deutschen Dilberkommission.— Erklärung der bimetallistlschen Mitglieder Staaten von Nvrdamsriln. Von Wilhelm v. Kardorfs-Wabnitz. —„— Das goldene Zeitalter Lndwig Vambcrgcrs. EincWährungs- schrist aus dem 20. Jahrhundert. Mit einem Anhange: Die Aufhebung der Sherman-Bill. 5. Auflage. 1893. 28 Seiten 8°. 50 Pf- Dr. Otto Arendt und Mar, Schippet, Die Sozialdcmokratie und die Währungssragc. Eine Auseinandersetzung. 1893. 46 Seite». 3°. 60 Pf. A- I. Balfonr, die Währungssragc. Rede, gehalten im Mansion House in London unter Vorsitz des Lord Mayor von London am 5. August 1893. 30 Seiten 8». 50 Pf. Wissenschaftliche Gutachten über die Währnugsfrage, von W. Lexis in Göttiugcu, W. Scharling in Kopenhagen, Fr. Klcinmächter in Czernowitz, I. Conrad in Halle, Staatsministcr Dr. A. Schäfsle in Stuttgart. 1893. 4. Auflage. 52 Seiten 8°. 60 Pfg. Berhandlnnacn der internationalen bimetallistischcn Konferenz in London am 2. und 3, Mai 1394. 120 Seiten 8". Mk. 1 —. Verhandlungen^oer dcntschen Silberkommission Iü!14. 3.-17. Sitzung. Stenographischer Bericht der Berathung über den bimetallistischen Hauptnntrag. 455 Seiten 8". Mk. 3. —. —„— 17.—20. Sitzung: Stenographischer Bericht der Berathung über die Verhältnisse der Gold- und Silberprodnktion unter Zuziehung, von Sachverständigen. 199 Seiten 8". Mk. 1.50. Adolph Wagner, ordl. Professor d. Nationalökonomie a. d. Universität Berlin, Die neueste SilberkrisiZ und unser Münzwcsen. 82 Seiten 8°. 1894. Mk. 1.50. Die Wiihrunasdcbatte im Reichstage am 15. nnd 16- Fcbrnar 1895. Stenographischer Bericht. 102 Seiten 8°. Mk. 1.—. Dr. Walsh, Erzbischof von Dublin, Bimctallismus und Monometallismus. Uebcrsctzt von W. von Kardorff - Wabnitz. 80 Seiten gr. 8'. 1893. Mk. 1. -. H. Wilmanns, Vizckonsul, Wäh ruug - Industrie - Minenbctricb. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. 1894. 42 Seiten 8«. 50 Pf. Otto Wülfiug, Währungssragc nnd Industrie. Denkschriften für die Silberkommission von 1894 nebst Antwort ans ein Rundschreiben der Handelskammer Frankfurt a. M. über diese Denkschristcn. Dritte durchgesehene Auflage. 1895. 47 Seiten 8°. 60 Pf. o aus dem Verlage von Zermalm Walther ia Kerlin ^V. ^ ^ruc! von I. S. Preuß, Berlin VV., Leivzigerstr. 31,"^.