Amerikanische Weizenprodnktion. Friedrich Kapp. BERLIN. VERLAG VOX LEONHARD SIMION. Die amerikanische Weizenproduktion. U ie täglich steigende Bedeutung der amerikanischen Weizen- Produktion nimmt immer mehr die Aufmerksamkeit der Land- wirthe aller Länder in Anspruch. Die blofse Möglichkeit der Ueberführung der europäischen Märkte durch amerikanischen Weizen erregt die düsterste Besorgniss des Einen und die freudigste Hoffnung des Andern. Noch steht mau unklar vor der neuen und gewaltigen Erscheinung. In England scheint sie zu einer tief eingreifenden wirthschaftlichen und politischen Umwälzung führen zu wollen. Die von dort in die Presse dringenden Angstrufe bedeuten nichts Anderes, als dass man selbst in den urtlieilsfähigsten Kreisen den amerikanischen Weizen für mächtig genug hält, die Grundlage der englischen Rechtsanschauung und Rechtsbildung, das Grundeigenthum, in seinem bisherigen Uebergewichte zu untergraben und in Folge dessen nicht den Farmer, wohl aber den bisherigen Grundherrn aus der Reihe | der berechtigten Existenzen zu streichen. Für uns Deutsche, J deren Rechtsleben einen mächtigen Fortschritt über das feudale englische Privatrecht hinausbezeichnet, tritt die Frage freilich ^ • nicht in dieser drohenden Gestalt auf, da der Roggen für unsere n' Ernährung den Hauptfactor bildet und in erster Linie auch den ![ Bezug unseres Bedarfs aus dem Auslande bestimmt. Gute Roggenernten haben bei uns sogar stets noch die Weizenausfuhr gefördert. Bei dem grofsen Reichthum des amerikanischen Bodens und seiner Erzeugnisse ist übrigens die Roggeneinfuhr von dort nicht ausgeschlossen, falls Deutschland von unzulänglichen oder gar Mifs- ernten heimgesucht werden sollte. Auch der Mais, das wichtigste, l* fh>f in erster Linie dem einheimischen Bedarf dienende amerikanische Getreide, dürfte unter Umständen bei uns nicht blos als Nahrung für Menschen, sondern auch als vortreffliches Fütterungsmittel für Vieh und die Schnapsbrennereien, sowie für Bierbrauereien zur Erzeugung von Branntwein oder als Malz statt Gerste dienen. Der Weizen, als der zur Zeit gröfste Ausfuhrstapelartikel der amerikanischen Landwirthschaft, beweist aber deren täglich wachsende Bedeutung schlagender, als andere dortige Bodenerzeugnisse. Es gilt, diesen neuen Konkurrenten auf dem Weltmärkte, seinen gegenwärtigen und künftigen Einflufs in der Welt- wirthschaft ruhig zu prüfen und sich namentlich keiner übertriebenen Furcht hinzugeben. Für uns Deutsche liegt dazu jedenfalls noch keine Veranlassung vor, wenn auch der amerikanische I Weizen unsere Getreidepreise erheblich mit bestimmt. Die folgende Ausführung will, indem sie sich auf Thatsachen und die bisheiüge geschichtliche Entwicklung des Landes beschränkt, eine ruhige, rein sachliche Erwäguug der hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte ermöglichen. I. Ausdehnung des amerikanischen Getreidegebietes. Die Vereinigten Staaten zählen seit verhältnifsmäfsig nur kurzer Zeit zu den grofsen, Getreide ausführenden Ländern. Auf Grund schlechter Ernten waren sie sogar noch 1838 gezwungen, russisches Getreide vom schwarzen Meere einzuführen. Was die dünn gesäete Bevölkerung des Nordens bis in die vierziger Jahre hinein erzeugte, reichte in guten Zeiten gerade hin, den Süden, der fast ausschliefslich seine grofsen Stapelartikel baute, mit den nothdürftigen Zufuhren zu versehen und den eigenen Bedarf zu befriedigen. Erst die europäische Masseneinwanderung, welche durch die Sklaverei von den mittleren und fruchtbarsten Staaten ausgeschlossen wurde und sich in Folge dessen vorzugsweise in den Westen und Nord westen ergofs, zog diesen Theil des Kontinents schneller in den Kreis der Kultur, als unter normalen Verhältnissen möglich gewesen wäre und machte ihn zur 5 grofsen Kornkammer des Landes. Bis zum Jahre 1850 bildeten die zwischen den Alleghanies und dem Mississippi gelegenen Staaten das Hauptziel der einheimischen und fremden Auswanderung, ja im Nordwesten waren einzelne Vorposten schon über den Vater der Ströme hinausgeschoben; aber erst in den fünfziger und sechziger Jahren drängten die Massen bis in die Ebenen von Kansas, bis Minnesota und Dacotah nach. Anfangs waren es vorzugsweise die an den Seen und den grofsen Wasser- strafsen gelegenen Landschaften, welche zur Besiedlung winkten, und erst im Laufe der Jahre trat das, jeder Verbindung mit der Aufsenwelt entbehrende Inland hinzu, welches natürlich mit allen Kräften nach Erbauung künstlicher Wege strebte. Hier trat der Dampf ein und eröffnete das Zeitalter der Eisenbahnen. Die Ausdehnung des Getreidegebietes geht fortan Hand in Hand mit der Vollendung des amerikanischen Eisenbahnnetzes. Waren bis 1850 die Eisenbahnverbindungen mit vereinzelten Ausnahmen nicht über die Alleghanies und die Seen hinausgegangen, so erweiterten sie sich in dem Jahrzehnt von 1850 bis 1860 bis an den Mississippi und rückten in dem folgenden Jahrzehnt vom Mississippi bis an den stillen Ozean vor. In den kurzen zwanzig Jahren von 1850 bis 1870 war der örtliche und staatliche Verkehr zum kontinentalen, zum internationalen herangewachsen. Von 1870 an empfing das in grofsen Umrissen von Osten nach Westen ausgeführte Netz seinen Ausbau und seine Vervollständigung nach Norden und Süden; zu gleicher Zeit aber auch, da Europa so leichtsinnig war, seine Millionen in Hülle und Fülle herzugeben, manchen unnützen, wirthschaftliche Werthe zerstörenden Zuwachs, woraus denn auch dergrofse Krach des Jahres 1873 zur Genüge erklärt wird. Im Vorbeigehen mag hier bemerkt werden, dafs allein Deutschland vom grofsen Kapitalisten an bis herab zum Hausknecht in den beiden grofsen Eisenbahnkrachs von 1857 und 1873 nach meiner Berechnung wenigstens je einhundert Millionen Dollars verlor. Um Ansiedler anzuziehen und Verkehr zu schaffen, wo noch keiner war, wurden diese Bahnen zahllos und planlos in die Wildnifs hineingebaut. Sie hatten trotz aller Verschwendung doch die eine gute Folge, dafs sie Ansiedler anzogen und es selbst den fernsten westlichen Niederlassungen möglich machten, ihre Ernten nach den östlichen Häfen zu verschiffen, also kauf- männisch zu venverthen. So entstanden denn auch bald blühende Niederlassungen in Gegenden, welche einige Monate zuvor kaum der Fufs eines Weifsen betreten hatte, so dehnte sich, während der europäische Gläubiger sein Geld verlor, das Getreidegebiet mit jedem Jahre weiter in den Westen hinein aus. Denn die werthvolle Verbindung der westlichen Pioniere mit den Märkten des Ostens wirkte gleich einer auf ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausgesetzten Prämie und war ihnen mehr werth als die günstigste Tarifbestimmung. Dazu kommt, dafs die ganz und halb bankerotten Bahnen viel billigere Frachtsätze stellen konnten, als die zahlungsfähigen, weil sie keine Dividenden zahlten und nur ihre Betriebskosten aufzubringen brauchten. Die nordamerikanische Union enthält innerhalb ihres jetzigen ausgedehnten Gebietes, besonders im Westen und Nordwesten, die vortrefflichsten Weizen- und überhaupt Getreideländereien in so grofsem Umfange, dafs es unmöglich ist, innerhalb der nächsten Menschenalter dem Anbau derselben irgend welche L äufserliclie Grenze zu ziehen. Die Zahlenangaben sind zu unbestimmt und die Schätzungen zu schwankend, als dafs sich mehr denn eine annähernde Vorstellung von der landwirtschaftlichen Zukunft geben liefse. Die Vereinigten Staaten besitzen zwar noch in runder Zahl über 1400 Millionen Acker vermessenen und unvermessenen Landes (ohne Alaska); indessen beweist diese hohe Zahl gar nichts für den Weizenbau, weil einmal Steppen, Wüsten, Seen, Berge und Flüsse nicht davon abgezogen sind, dann aber eine genaue Uebersiclit der Weizenländereien sich nur aufstellen liefse, wenn es möglich wäre, jede einzelne Sektion Landes auf ihre Produktionseigenschafteu hin zu prüfen. Vom Dominion of Canada. wissen wir bis jetzt so gut wie gar nichts, obwohl seine westlichen Grenzen besonders reich an Weizenländereien sind. Allein wenn man auch noch so niedrig greift, so ergiebt sich doch immerhin ein so grofses, der Bebauung harrendes Weizengebiet, dafs für die nächsten Menschenalter seiner räumlichen Ausdehnung schwerlich ein Hindernifs in den Weg treten dürfte. Zur Zeit wird das Areal des mit Weizen bebauten Bodens auf rund 32 1 / 3 Millionen Acker geschätzt. Nehmen wir einen sehr bescheidenen Mafsstab an und rechnen wir, dafs einschliefslich Canada’s nur noch drei Mal so viel Weizenboden vorhanden sei, als gegenwärtig in Kultur steht, so erhalten wir < in runder Summe 100 Millionen Acker noch unbebauten Weizenlandes.*) Diesen Gröfsenvcrhältnissen entsprechend hat denn auch der Weizenbau in den Vereinigten Staaten mächtig zugeuommen. Seit sechszehn Jahren besteht im Washingtoner Ministerium des Innern eine landwirtschaftliche Abtheilung, welche zuverlässige statistische Daten über die Agrikulturerzeugnisse des Landes sammelt. Während dieser Zeit hat sich der Umfang der Weizenländereien verdreifacht. Während es vor wenigen Jahren noch als ein aufserordentliclies Ereignifs galt, wenn eine Million Bushel Weizen (ä 60 Pfund) und Mehl per Woche aus den atlantischen Häfen nach Europa verschifft wurden, gelangten, ganz abgesehen von der Pazific-Küste, in dem Erndte-Jahre, welches am 1. September 1878 endete, fast zwei Millionen Bushel und in dem am 1. September 1879 auslaufenden Jahre fast drei Millionen Bushel per Woche zur Einschiffung; ja vom 00. August bis 27. September 1879 ging sogar an jedem Arbeitstage eine Million Bushel nach Europa ab. Im laufenden Winter 1879/80 hat nach den neuesten officiellen Berichten das Areal der mit Weizen bebauten Felder sich im Verhältnifs zum Vorjahr wieder um 12% durchschnittlich vergröfsert. Selbst die Baumwolle, bisher der bedeutendste Ausfuhrartikel der Vereinigten Staaten, wurde im Laufe *) Nach den jüngsten offiziellen Aufstellungen der Ackerbau - Abtheilung im Washingtoner Ministerium des Innern berechnet sich während der Fiskaljahre 1870—1879 incl. das Areal, der Betrag, Preis und Werth der Erndte, sowie endlich der Export des Weizens wie folgt: Jahre Bebaute Acker Ertrag pr. Acker Gesammt- erzeugnifs in Busheis Durchschnittspreis pr. Bushel Gesammt- " werth der Erndte Ausfuhr von Weizen und Weizenmehl im Fiskaljahr (1. Juli bis 30. Juni) Busheis 1870 18 992 591 12.4 235 884 700 $1.04.2 $245 865 045 52574111 1871 19 943 893 11.5 230 722 400 1.25.8 290 411 820 38 995 755 1872 20 858 359 11.9 249 997 100 1. 24 310180 375 52 014 715 1873 22 171 676 12. 7 281 254 700 1.15 323 594 805 91 510 398 1874 24 967 027 12.3 309 102 700 0. 94.1 291107 895 72 912 817 1875 26 381 512 11.0 292 136 000 1.00 294 580 990 74 750 682 187G 27 627 021 10.4 289 356 500 1. 03.7 300 259 300 57149 949 1877 26 277 546 13.9 364 194 146 1.08.51 394 695 779 92 141 626 ' 1878 32 108 560 13.1 420 122 400 0. 77.7 326 346 424 150 502 506 1879 32 545 899 13.7 448 755 118 1.11 499 008 803 — s der letzten aelit Jahre von den Brodstoffen an Werth und Bedeutung überflügelt. Während sich im Fiskaljahr 1871 (1. Juli 1879 bis 30. Juni 1871) der Werth der exportirten Baumwolle auf $ 218 327 109 belief, erreichte derjenige der Brodstoffe nur die Summe von 8 79 381187. Im Jahre 187G stand das Yer- hältnifs der ausgeführten Roh-Baumwolle zu den Brodstoffen wie 8 192 609 262 zu $ 131181555, 1878 dagegen schon wie 8 184 170 039 zu S 208654 782, 1879 sogar wie 8 186 519 436 zu 8 246174577.*) Während sich also in sieben Jahren die Ausfuhr von Brodstoffen fast verdreifachte, sank die Baumwolle ^ in derselben Periode bedeutend herab, 1871 machte die letztere j 45,7 °/ 0 vom Gesammtbetrag der Ausfuhr aus, wogegen Brodstoffe 1 nur 16,r> °/ 0 dazu beitrugen. An der Gesammt-Ausfuhr des Jahres ' 1879 mit rund 754 Millionen Dollars haben nach obigen Ziffern also die Baumwolle mit etwas weniger als y 4 und die Brodstoffe mit etwas mehr als y s Theil. Der Weizen figurirt in den Exporten des Jahres 1878 mit rund 150 Millionen Bushel, oder 35,45 % seiner Gesammtproduktion. Er ist der Artikel, welcher dem Farmer das baare Geld bringt, während der Mais (amerikanisch corn genannt) als das unentbehrlichste Lebensmittel für Menschen und Yieh nur mit 6,33 °. 0 (88 Millionen von rund 140 Millionen Bushel) ausgeführt ward. Selbst der dem Weizen j am nächsten kommende Roggen wurde nur mit 18,75 °/ 0 vom Gc- L sammtertrage exportirt. In Folge der letzten theilweisen oder völligen europäischen Mifscrndten hat sich natürlich die Nachfrage nach amerikanischem Weizen noch bedeutend erhöht und im ganzen Westen und Nordwesten eine von Tag zu Tag gesteigerte Ausdehnung seines An- bau’s hervorgerufen. So sind allein 1878 in dem jungen Staate Kansas 27 221 000 Bushel Weizen gezogen und 1879 in Kansas, Nebraska und Texas eine Million Ackerland für Weizenbau gebrochen. Dieselbe Tendenz macht sich in allen Prairiestaaten geltend und im Westen strengen die Farmer, indem sie zur Zeit andere Arten der Felderbestellung aufgeben, jeden Nerv zur Vermehrung der Weizenproduktion an. So kennt denn auch der Begehr nach Ackerbaumaschinen keine Gränzen, jeder Farmer *) Summary Statement of the Imports and Exports of tlie United States N. (J. Dezember 1879, p. 4. (Offiziell). rechnet auf gute Erndten bei sich und auf schlechte in Europa, keiner will hinter dem Andern in der Sicherung seines als gewifs betrachteten Antheils am Gewinn Zurückbleiben. Zur Zeit gelten als die besten Gegenden für den amerikanischen Weizenhau die von der nördlichen Pazificbahn neu eröffneten Gebiete des nördlichen und westlichen Minnesota, von Dacotah, dem Red River, Winipeg und "Assiboine. Allein das Thal des Red River im nördlichen Theil von Dacotah und im südlichen von Manitoba, welches bereits von zwei Eisenbahnen durchschnitten wird, ist etwa 350 engl. M. lang und 60 breit, gut bewässert und bei seinem reichen Alluvialboden vortrefflich zum Weizenbau geeignet. Man berechnet, dafs es so viel Weizen hervorbringen kann, als das ganze gegenwärtige Weizengebiet der Vereinigten Staaten erzeugt. Wenn auch der Boden von Nebraska, Kansas und Texas ebenso reich und fruchtbar ist, so gedeiht doch der Weizen in jenen Gegenden wegen ihrer mehr nördlichen Lage viel besser und wird namentlich schwerer. Selbst nördlich vom 55° der Breite im Dominion von Canada im Red River -Thale, dessen Flächeninhalt auf 100 000 engl. DM. berechnet wird, hat man seit 1878 Weizenerndten, welche in Quantität und Qualität ganz vorzüglich sind. Durch das Fortschreiten der Eisenbahnen und die in Folge dessen erleichterte wohlfeile Verbindung mit dem Osten wird also der ferne Westen des Kontinents bei seinen ohnehin billigen Landpreisen immer mehr der Mittelpunkt der Weizenkultur werden. Seine natürlichen Vortheile sind eben so grofs, dafs selbst die gröfsere Nähe des Meeres die Farmer östlich vom Mississippi nicht für ihr verliältnifsmäfsig ärmeres Land und ihre höheren Produktionskosten entschädigt. Sie müssen sich wohl oder übel mit der Zeit auf eine andere landwirtschaftliche Thätigkeit werfen, oder selbst nach dem Nordwesten auswandern, was zum Theil jetzt schon geschieht und in immer gröfserem Umfange geschehen wird, ja geschehen mufs. Sogar der ungebildetste Amerikaner ist in wirtschaftlichen Fragen dieser Art ein sehr nüchterner Rechner und Geschäftsmann. Sobald er findet, dafs seine Arbeit sich hier nicht mehr zahlt, versucht er es dort, wo ihm bessere Aussichten winken. « 10 II. Der landwirthschaftliche Raubbau im Grossen. Die nördlichen Staaten der heutigen Union sind im Gegensätze zu den ehemaligen Sklavenstaaten im eigentlichsten und ehrenvollsten Sinne des Wortes vom kleinen Mann gegründet, ausgebaut und zur Blüthe gebracht worden. Der englische Yeoman und Dienstmann, der deutsche Bauer und Kossäthe, der irische Pächter und Knecht sind ohne jeden Führer, aber von dem gleichen mächtigen Instinkte getrieben, massenhaft als friedliche Eroberer in den Westen und Nordwesten vorgedrungen, um sich durch ihrer Hände Arbeit einen freien Besitz und ihren Kindern eine sichere Zukunft zu schaffen. Die einzige Thatsache, dafs innerhalb der letzten sechszig Jahre an acht Millionen Einwanderer im grossen Ganzen dieses Ziel erreicht und mächtig zur raschen Entwicklung des Landes mitgewirkt haben, weist unwiderleglich darauf hin, dafs nur im System der freien uneingeschränkten Arbeit die Wurzeln der Kraft der Vereinigten Staaten liegen. Der Ball ist immer noch im Rollen, denn diese haben bis auf den heutigen Tag ihre alte Anziehungskraft bewährt und sind sogar das tonangebende Land für die Auswanderung geworden. Im fernen Westen ist noch Platz für Millionen neuer Ansiedler, und es winkt dort zugleich das wohlfeile Land, die freie gesellschaftliche und staatliche Form des Lebens und eine verhältnifsmäfsig grofse Sicherheit der Person und des Besitzes; von den wirklichen Uebclständen und Schäden des amerikanischen Gemeinwesens aber wird der Bauer in seiner primitiven Lebensweise und Einsamkeit wenig oder gar nicht berührt. Diesem natürlichen und glücklichen Entwicklungsgänge tritt in neuester Zeit eine Form des landwirtschaftlichen Grofs- betriebs entgegen, welche den kleinen Farmer durch die Macht des Kapitals zu verdrängen sucht. Wenn man die theils entzückten, theils verzweifelten Auslassungen der amerikanischen Presse von vorn herein als begründet annehmen wollte, so sollte man fast glauben, dafs die Jahre des Einzelbetriebes der Landwirtschaft gezählt und Zustände im Anmarsch seien, gegen welche gehalten die alte Plantagenwirthschaft der Sklavenhalter, der Absenteismus der englischen Grundherren, feudale Erbunter- 11 thänigkeit und Erbpacht unschuldige kindliche Anfänge seien. So schlimm ist nun diese Gefahr freilich nicht, und es wird sich später Gelegenheit linden, die an sie geknüpften Befürchtungen auf ein sehr bescheidenes Mafs zurückzuführen, allein es läfst sich nicht verkennen, dafs dieser •— nennen wir das Kind von vorn herein beim rechten Namen! — Raubbau seine ernsten Nachtheile im Gefolge hat und nicht bloi's in Amerika, sondern auch in Europa auf die Produktion der nächsten Jahrzehnte einen unter Umständen höchst verderblichen Einflufs ausüben kann. Wie folgenreich und verhängnifsvoll man sich aber auch diese schiefe Entwickelung für die Gegenwart und nächste Zukunft vorstellen mag, so möge hier doch gleich von vorn herein bemerkt sein, dafs sie zu einem Endergebnifs führen wird, welches nicht die Vernichtung aller individuell selbständigen Arbeit, sondern vielmehr einen neuen Aufschwung der landwirtschaftlichen Produktion bewirken mufs. Die gewaltige Neuerung ist freilich noch so jung, dafs man * ihr, so viel ich weifs, in Deutschland bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Bei dem allgemeinen Interesse, welches sie bietet, will ich deshalb versuchen, sie nach eigenen Beobachtungen und den Mittheilungen zuverlässiger Berichterstatter etwas eingehender zu schildern. Erst mit den letzten Jahren des vergangenen Jahrzehnts beginnend, etwa seit 1876, haben vielfach im Nordwesten grofse Privatgesellschaften sich zu bilden angefangen, welche mit vereinten bedeutenden Mitteln Tausende von Ackern bebauen und die Kosten ihrer Wirthschaft auf ein bisher noch kaum für möglich gehaltenes Mafs herunterzudrücken vermögen. Ich bin auf einer Reise, welche ich im Oktober 1879 quer durch den Kontinent unternahm, an zahlreichen Farmen vorbeigefahren, welche Weizenfelder von Tausenden von Ackern enthalten und vorzugsweise mit Maschinen bearbeitet werden. Im »Atlantic .Montlily« (De- cember 1879 und Januar 1880) giebt ein Mitarbeiter höchst interessante statistische Aufschlüsse über diese sich neu gestaltenden ländlichen Verhältnisse. Er hat Kansas, Minnesota und Dacotah im Sommer 1879 besucht und auf dieser Reise seine Beobachtungen gesammelt. Dort sind Farmen von 20000 Ackern und mehr durchaus keine Seltenheit mehr. Mein erwähnter Gewährsmann fand auf der Liste, welche ihm an der Station Victoria 12 an der Kansas Pacific Balm überreicht wurde, eine Weizenfarm von 23 000 Ackern, eine andere in Hayes City von 25 000 Ackern und nicht weit davon in Durham Park eine für Viehzucht bearbeitete Farm von 10000 Ackern. Im südlichen Minnesota zeigt sich ungefähr dasselbe Verhältnifs. Thompson & Kendall’s Farm an der St. Paul und Sioux City Eisenbahn umfafst zwar nur 7000 Acker, die Rock County Farm von Thompson Blakeley und Warner aber 21 000 Acker, wovon 1879 über 6000 Acker in Kultur standen. Alle diese Farmen sind mit besonderer Rücksicht auf gute Eisenbahnverbindungen angelegt; die letztgenannte hat zwei Bahnhöfe auf ihrem Gebiete. Präsidenten, Betriebs- Directoren und ihre Söhne haben jeder ihre Farm der St. Paul und Sioux City Bahn entlang und lassen sie gegen einen gewissen Antlieil von bezahlten Farmern bearbeiten. Eine dieser Farmer hatte 3200 Acker unterm Pflug. Newyorker und östliche Kaufleute, Bankpräsidenten und Bankiers, ja sogar europäische Kapitalisten lassen ebenfalls grofse Farmen in der angegebenen Weise bewirtschaften. Weiter nördlich hat die Grandin Farm am Red River 40 000 Acker und eine Flufsfront von vier englischen Meilen. Westlich, etwa vier und zwanzig Meilen davon entfernt, liegt die Mayville Farm von fast 30000 Ackern. Auf allen diesen Farmen finden sich nur die unentbehrlichen Gebäude für die Arbeiter und das erforderliche Inventar. Der Frucht- und Gemüsebau wird ganz vernachlässigt, Geflügel und Obst kaum gezogen. Oft, wie z. B. am Red River zwischen Fargo und Bismarck, einem dem Reichskanzler zu Ehren genannten Knotenpunkt der Northern Pacifiic Eisenbahn in Dacotali, ziehen sich an beiden Seiten der Strafse die Weizenfelder sechs Meilen lang und vier Meilen tief hin. Kleine Farmer dagegen giebt es in der Nachbarschaft der grofsen Farmen nur wenige. Ihre Lage ist eine äufserst gedrückte; sie machen kaum das nackte Leben und werden durch die erste Mifserndte in Schulden gestürzt, von denen sie sich schwer wieder erholen. So sind sie denn gezwungen, für die reichen Landbesitzer zu arbeiten, welche sie zur Bestellung der Felder und Einbringung der Erndte verwenden, so dafs die armen Leute während des gröfsten Theils des Jahres müfsig zu gehen gezwungen sind. «Am Morgen, als ich im Juli 1879 Grandin verliefs» — sagt der obige Berichterstatter — »sprachen zu der- selben Zeit 1B Männer wegen Arbeit vor. Der Aufseher nahm aber nur einige vor ihnen an, so dafs die übrigen gezwungen waren, auf anderen Farmen ihr Glück zu versuchen. Einer der Arbeiter antwortete mir auf meine Frage, er erhalte acht Dollars die Woche, indessen habe man ihm für die Erndtezeit mehr versprochen. Ich fragte ihn dann weiter, wo er nach deren Ende beschäftigt zu werden hoffe, worauf er mir erwiderte, dafs er vor der Wiederaufnahme von Feldarbeiten im nächsten Frühjahr auf keine Arbeit rechnen könne. Auf der Grandin Farm waren bei 5300 Acker bebauten Weizenlandes während der Säezeit (1. April bis 1. Mai) 150 Mann und während der Erndtezeit (1. August bis 15. September) 250 Mann beschäftigt, und zwar zu Löhnen, welche die Arbeiter kaum während der Arbeitszeit zu unterhalten im Stande waren. In den fünf Monaten vom 1. November bis 1. April thaten dagegen nur zehn Männer ohne Frauen und Kinder die ganze Farmarbeit. Natürlich versehen den Dienst der Männer meist die bis zum höchsten Grade der Vollkommenheit verbesserten und theueren Maschinen, deren Anschaffung für den kleinen Farmer gar nicht zu erschwingen ist. Wenn dieser nun auf die Dauer einer Vereinigung der mächtigsten wirtschaftlichen Gewalten, dem Kapital, den Maschinen und den billigen Löhnen erliegen mufs, so wirkt andererseits ein solcher Grofsbetrieb ebenso verderblich auf die Landschaften, in denen er sich entwickelt. Ohne diesen irgend welche Vortheile zu gewähren, saugt er das Land aus, welches er bearbeitet und trägt Armuth und Elend in seine nächsten Umgebungen. Denn er trägt keinen Pfennig von seinem Gewinn dahin zurück, wo diese gewonnen werden, und thut selbstredend so wenig als möglich für die Besiedelung des Landes. Höchstens, dafs die unumgänglich nötigsten Häuser und Schuppen errichtet werden. Während man in den alten Staaten eine Familie auf 50 Acker bebauten Landes rechnet, giebt es auf der grofsen Grandin Farm, die über 100 Familien, also etwa 500 Menschen ernähren müfste, keine einzige Familie, ja nicht einmal einen einzigen, fest angesiedelten Bewohner und an Gebäuden nur drei Scheunen und drei Wohnungen. Natürlich fehlt es unter diesen Umständen auch an Wegen und Kommunaleinrichtungen, an Schulen und gemeinnützigen Anstalten. Ihr Nichtvorhandensein liegt sogar im unmittelbaren Interesse der Eigentümer, da sie um so billiger !..!■ ln. bi !. h 14 produziren können, je weniger gesetzliche und moralische Verpflichtungen sie gegen ihre Arbeiter haben. Diese werden durch das System zu heimathlosen Tagelöhnern herabgedrückt, die gerade so lange beschäftigt werden, als die Herren sie brauchen können. Auch da, wo die gröfseren Farmen gegen einen gewissen Theil des Ertrages in Pacht gegeben werden, haben die Farmer gewöhnlich nur kurze Fristen für die in Bewirthschaftung genommenen Ländereien. Selbst das englische Landsystem, so schlecht und verrottet es auch sein mag, ist noch besser, denn es setzt den Farmer thatsächlicli für Generationen in Besitz, bietet also eine wirkliche Heimstätte und gestattet wenigstens tlieilweise Verbesserungen. Dabei zahlt ' er höchstens V-i des Bruttoertrages als Rente, während der Farmer auf jenen grofsen amerikanischen Latifundien gewöhnlich die Hälfte davon abgeben mufs. Da, wo dieser landwirthschaftliche Raubbau nicht getrieben wird, ernährt der Farmer sich und seine Familie, wenn sie nicht mit Feldarbeiten beschäftigt ist, mit Spinnen, Weben und häuslichen Beschäftigungen, welche das Geld für Kolonialwaaren, Kleider und sonstige, sei es dem Bedürfnifs, sei es dem Komfort und Luxus dienende Ausgaben in’s Haus bringen. Die Maschinen und die neue Arbeitsmethode haben aber die häuslichen Erwerbszweige für den amerikanischen Farmer vielfach schon lahm gelegt, so dafs ihm nur noch die Gewinnung von Brodstoffen und Fleisch als ausschliefsliche Beschäftigung übrig bleibt. Schlimmer für ihn ist aber der Umstand, dafs er sich seine Leute für das ganze Jahr halten mufs, wenn er seine Saat bestellen und seine Erndte gut einbringen will, während der Grofsgrundbesitz zu dieser Ausgabe kaum für die Hälfte der Zeit verpflichtet ist. Uebrigens beschränken sich diese Zustände durchaus nicht auf die drei oben genannten Staaten und Territorien. Ein Aus- schufs von Sachverständigen, welchen die englische Regierung 1879 zur Beobachtung und Berichterstattung über die landwirth- schaftlicheu Produktionsverhältnisse nach Amerika gesandt hatte, berichtet von den an die Vereinigten Staaten angrenzenden Gebieten Canada’s im Wesentlichen dasselbe. In Texas.hat sich dieser Raubbau in noch gröfserem Mafsstabe bereits eingebürgert. Californien hat zu einer Zeit, wo der ferne Nordwesten noch eine ungebrochene Wildnifs war, seine grofsen Farmen von 15 10000 bis 20000 Ackern gehabt, welche von gemietheten Arbeitern, meistens Mexikanern und Chinesen, bestellt werden. Der am 1. Juni 1880 aufzunehmende Zensus wird über diese täglich allgemeiner werdende Tendenz die ersten aktenmäfsigen Zahlen liefern, da diese grofse Latifundienwirthschaft sich namentlich erst in den letzten drei Jahren zu ihrer gegenwärtigen Höhe entwickelt hat. Vorläufig gestattet übrigens die Vergleichung des letzten Zensus von 1870 mit dem vorletzten von 1860 einen annähernden Schlufs auf die Fortschritte, welche diese wirth- schafttiche Umwälzung bereits gemacht hat. Während nämlich in den zehn freien Staaten Neu-England (6), New-York, New- Jersey, Pennsylvanieil und Ohio die Zahl der Farmen, welche mehr als 1000 Acker haben, zwischen 1860 und 1870 von 175 auf 216, also nur um 19 % gestiegen ist, hat sie sich in den westlichen dreizehn Staaten bez. Territorien Californien, Oregon, Washington, Nevada, Utah, Kansas, Nebraska, Jowa, Minnesota, Wisconsin, Illinois und Indiana und Michigan in derselben Periode von 606 auf 1286 erhöht, also mehr denn verdoppelt. In Californien stellt sich das Verhältnifs wie 262 zu 713 und in Illinois wie 194 zu 302. Es bedarf natürlich keiner weiteren Beweisführung, dafs dieses System ein ungesundes ist und zu den schlimmsten Auswüchsen, ja in seinen Konsequenzen sogar unfehlbar zum wirth- schaftlichen und staatlichen Ruin führen mufs. Unter diesen Umständen ist denn auch die Beantwortung der Frage sehr wohl berechtigt, ob es sich weiter entwickeln oder ob es in sich selbst zusammenbrechen wird? Erscheint es nun für die nächste Zukunft nicht zweifelhaft, dafs sich diese Anfänge, welche für den Augenblick dem Kapital reichlichen Nutzen abwerfen, noch weiter ausdehnen werden, so kann sich eine solche Art von Bebauung des Bodens doch auf die Dauer nicht halten, weil sie eben nur Raubbau ist. Ein Verfahren, welches den jungen fruchtbaren Boden ausbeutet, ohne an einen Ersatz der ihm entzogenen Kräfte zu denken, ist kein wirthschaftliclies; nur die Wiederersetzung der verbrauchten Kraft und sogar mit Ueberschufs bildet das characteristische Merkmal der Wirthschaft. Wo die Reproduktion fehlt, da herrscht Raubbau. Dieser wird zunächst dem einsichtigen und fleifsigen Land- wirth manche Verlegenheit bereiten, manchen schweren Verlust zufügen, schliefslich kann er indessen nur zur Vernichtung seiner selbst, aber nicht des Farmers führen und einen ganz neuen Aufschwung der Bodenbebauung anbahnen. Es ist überhaupt der grosse Fehler der amerikanischen Landwirtschaft, dafs sie mit möglichst geringer Arbeitskraft sich einen möglichst hohen Ertrag zu sichern sucht und deshalb den Boden nur oberflächlich ausbeutet und allmälig ganz zu Grunde richtet. Die Zinsen des Kapitals, welches in seinem Grundbesitz angelegt ist, kommen namentlich im Westen kaum oder gar nicht in Betracht, die Arbeit dagegen macht fast allein die Produktionskosten aus; an ihr mufs also gespart werden. Fast nirgend findet sich deshalb auch selbst im Norden und in den älteren Staaten ein rationeller Ausgleich für die Ausgabe und Einnahme der Bodenkraft. Der Farmer sucht sich wohl durch Fruchtwechsel die Ertragsfähigkeit des Bodens zu sichern, allein er hält den Dünger für zu theuer oder läfst ihn meist müfsig zu Grunde gehen. Geringer Boden kann fünf, besserer zehn, der beste schwarze Tieflandboden zwanzig Jahre ohne Dungzufuhr ausgenutzt werden. Gewöhnlich wird aber viel weiter gegangen und das Land endlich in einem erschöpften Zustande verlassen.*) Nur in den ältesten östlichen Staaten giebt es Düngergruben und Jauchebehälter. In Virginien liegen Hunderttausende von Ackern unbearbeitet, nachdem sie durch Jahrzehnte langen Ta- backsbau ruinirt sind, in den südlicheren und südwestlichen Staaten finden sich ebenso grofse, jetzt von Gestrüpp bedeckte Strecken, welche durch den Baumwollenbau erschöpft sind, in den Neu-England-Staaten läfst man alte, weil unergiebige Farmen brach liegen und verwildern und selbst in den neuen westlichen Staaten, wie z. B. Jowa, wollen schon jetzt Mais und Weizen ohne Düngung nicht mehr fortkommen. «Wir begehen den Irrthum» — sagt Herr Ernst Theo. Gennert, der Direktor der Runkel- rübenzuckerfabrik in Portland in Maine, über die amerikanische Erndte von 1877 — «uns als eine landwirtschaftlich prosperirende Nation zu betrachten, weil wir Jahr auf Jahr die Erzeugnisse unseres Landes nach Europa verschicken, bis wir schliefslich am *) Die Vereinigten Staaten von Nordamerika (soll lieifsen Amerika) von Friedr. Ratzel, München 1880, II, p. 245, in welchem vortrefflichen Werke der Leser die näheren Ausführungen über Landwirthschaft und Bodenverhältnisse auseinandergesetzt findet. Stillen Ozean angelangt sein werden. Es klingt recht trügerisch, wenn wir in den Zeitungen lesen, dafs wir so und so viele Millionen Bushel Mais, Weizen und anderes Getreide nach Europa verschiffen; dafs wir Millionen von Pfunden Fleisch, Butter und Käse nach fremden Ländern senden; allein es hört sich anders an, wenn wir erfahren müssen, dafs die Durchschnittsweizenernte in diesem Jahr in Tennessee vier Busliels betrug; in Ohio, welcher Staat ehedem der Garten der Vereinigten Staaten war, zehn Busheis, und dafs in den ganzen Vereinigten Staaten der Durchschnitt seit vielen Jahren elf Busheis ist. Es erfüllt uns gewiss mit Befriedigung zu hören, dass wir so guten Käse machen wie irgend eine andere Nation der Welt, Holland, die Schweiz, England, ja sogar das berühmte Limburg nicht ausgenommen, aber wie berührt uns das Bewufstsein der Thatsache, dafs während beinahe sechs Monaten im Jahr unsere Kühe trocken sind, einfach deshalb, weil trockenes Heu und kaltes Wasser weder viel Milch noch Rahm erzeugen können?» Die Raubbauern schlagen also durchaus keine neue Richtung ein, sondern bewegen sich nur mit gröfseren Mitteln in einer längst ausgetretenen Richtung weiter. Es ist lehrreich zu beobachten, wie sich augenblicklicli im Norden der Union, wenn auch mit engeren Mitteln, so doch mit denselben Zielen der Prozefs wiederholt, welchen der Süden fast volle zwei Menschenalter hindurch dem Lande als Gesetz seiner Entwickelung aufzudrängen versucht hatte. Denn es ist dieselbe nomadische Form des Ackerbaus, welche die nördlichen Kapitalisten mit ihrem Gelde einzuführen streben und welche die südlichen Barone mit ihren Sklaven durchzusetzen bemüht waren, dasselbe Abschöpfen des Rahms, ohne für Verbesserungen zu sorgen, derselbe Landhunger, welcher nach neuen Quadratmeilen sucht und suchen mufs, weil der bisher bebaute Boden nach wenigen Jahren die gewohnte Ausbeute nicht mehr gewährt. Es ist mit einem Worte der Raubbau, welcher der reproduktiven Kultur vorausgeht. Unsere germanischen Vorfahren und die vor und nach ihnen aus Asien nach Europa vordringenden Schaaren trieben ihn schon in dunkler vorhistorischer Zeit; die Spuren seiner Existenz finden sich heute noch bei Caesar und Tacitus. In den Vereinigten Staaten, wie gesagt, bezeichneten Sclavenarbeit und Plantagenwirthschaft dieses Uebergangsstadium 18 _ in der Besiedlung des Landes; seine allmäligc Entwicklung und sein theilweises Absterben treten uns Mer sogar im vollen Liebte der Tagesgescbichte entgegen und bieten eine bis in die Einzelnlieiten zutreffende Analogie für die neueste Phase des Raubbaues. Die südlichen Pflanzer kannten nur das eine Hauptziel, den Boden bis zu seiner äufsersten Produktionskraft auszusaugen. Natürlich mufsten sie in Ermangelung jeder rationellen Wirth- schaft stets neue Strecken Landes zur Ausbeutung zu gewinnen suchen. Nichts fesselte sie mit ihrem werthvollen, aber leicht beweglichen Sklaveneigenthum an die Scholle. Während der kleine, rationell wirtschaftende Landmann sich selbst Grenzen zieht und den Stolz seines Schaffens in die Verbesserung und Verschönerung seines Besitzes setzt, verliefs der Sklavenhalter seine ausgesogenen Felder mit derselben Leichtigkeit, mit welcher der barbarische Germane die abgegrasten Weiden mit frischen vertauschte. Die ehemaligen amerikanischen Sklaveustaaten bedurften, je ärmer sie an innerer Entwicklung waren, je schneller sie den nie ausruhenden Boden erschöpften, einer um so rascheren Entwicklung nach Aussen, einer stets gröfseren Annexion neuer Gebiete. Diese <• manifest destiny» Theorie der amerikanischen Pseudo-Demokratie war deshalb auch keine vorübergehende oder blofs zufällige Laune, sondern eine vom Selbsterhaltungstriebe gebotene innere Nothwendigkeit, vor welcher alle rechtlichen und moralischen Bedenken verstummten. Im Einklänge mit diesem Gesetze der südlichen Entwicklung wurden denn auch die Indianer aus dem Lande ihrer Väter vertrieben, Florida und Texas an- nektirt, blutige Kriege geführt und sogar die lüsternen Augen nach Cuba und Central-Amerika geworfen, im Innern aber die neuen Territorien und Staaten gewaltsam der Sklaverei zu sichern gesucht, bis sich endlich deren täglich heftiger andringende Wogen an dem geeinigten Widerstand des wirtschaftlich gesundem und entwickeltem Nordens brachen. Es leben noch unzählige Zeitgenossen, welche diese auf- steigende und herabsteigende Entwicklung von Anfang bis zu Ende denkend und handelnd mit erlebt und beobachtet haben, wie die Sklavenhalter, welche in dem ausschliefslichen Im- und Export der südlichen Stapelartikel zugleich das Kapital für ihren Geschäftsbetrieb ausgaben, nach besserm und frischem Lande suchend, von Osten nach Westen vordrangen, aber Verfall und Ruin hinter 19 sich liefsen. Ich selbst habe den Süden während der Blütlie und nach der Ausrottung der Sklaverei wiederholt bereist. Ich fand in Staaten, deren Boden vor höchstens dreissig Jahren von dem ersten Pfluge gebrochen war, verlassene Häuser, deren Mauern mit Moos bedeckt waren, öde Felder, die einst fruchtbar gewesen waren und jetzt uneingezäunt und von Unkraut überwuchert dalagen, eine müssig umherlungernde spärliche Bevölkerung und überall traurige Spuren des Greisenalters, als wäre nie ein frischer, freier Luftzug über diese Fluren gegangen. Ein amtlicher Bericht der landwirtschaftlichen Abtheilung vom Jahre 1867 schätzt sogar das erschöpfte und brach liegende Land der Südstaaten auf hundert Millionen Acker! Es giebt jetzt nur eine einzige Rettung für den Süden. Eine intensive Kultur mufs an die Stelle des extensiven Raubbaues treten, die ausgesogenen Tabacks- und Baumwollenfelder müssen durch rationelle Bewirtschaftung wieder fruchtbar gemacht. die grofsen Pflanzungen aber zerschlagen und in kleineren Parzellen an freie Arbeiter und Besitzer zur Kultivirung verkauft werden. Da wo man dies A und 0 für das Gedeihen des Landes erkannt hat, blüht bereits neues Leben aus den Ruinen; da wo man sich dieser Erkenntnifs verschliefst oder gar den zweiten Schritt vor dem ersten thut, wie z. B. Fabriken anlegen, da wird man nie oder höchstens auf Umwegen zu Frieden und Wohlstand gelangen. Zunächst freilich müssen dort die menschlichen Kulturelemente erst erzogen werden, welche das Land durch seine Produkte zu dem machen können, was es zu werden fähig ist. Aber warum, wird man vielleicht fragen, dieser lange Rückblick auf Zustände, die glücklicher Weise längst gewesen sind und in derselben Form nie wiederkehren können? Einfach aus dem Grunde, um am Raubbau der Sklaverei und an seinen Folgen zu zeigen, dafs auch der Raubbau des organisirten Kapitals nicht anders enden wird und kann. Die ungeheuren Erfolge, mit welchen der amerikanische Weizenbau seit einigen Jahren im Grofsen betrieben wurde, haben natürlich eine unverhältnifsmäfsig grofse Vermehrung der Weizenländereien nach sich gezogen und ziehen sie noch täglich nach sich. Der Amerikaner wird in diesen Dingen in demselben, wenn nicht höherem Grade, wie von seinem Interesse, wesentlich von den Eindrücken des Augenblicks, der öffentlichen Meinung und so- 9 * i I _ 20 gar der Mode bestimmt, wie er denn vielfach blindlings einem Leithammel folgt. Seitdem viele östliche Farmer durch Viehzüchten in Colorado reich geworden sind, ist es neuerdings Mode geworden, dafs der junge «Swell», der sich mit noblen Passionen in Newport oder Long Branch ruinirt hat, als Viehzüchter nach Colorado geht, um, wie er sich einbildet, nach drei Jahren göttlichen Sau- oder Ochsen-Hirtenthums als ein gemachter Mann nach dem Osten zurückzukehren und den nobelen Passionen von Neuem zu huldigen. Wenn nun auch bei der Anlage von Kapitalien in Weizenländereien solidere Elemente tonangebend sind, so haben sich doch die mit Weizen angepflanzten Flächen und das Betriebsmaterial, wie Maschinen aller Art unverhältnifsmäfsig stark vermehrt und werden sich noch weiter vermehren, bis ein allgemeiner Weizenkrach die öffentliche Aufmerksamkeit auch auf andere Kulturen lenken und grofse wie kleine Farmer ernüchtern wird. Möglich, dafs schon weniger gute Erndten und höhere Frachtraten den gegenwärtigen Zudrang steuern werden. Dann aber können die europäischen Erndten nicht immer schlecht bleiben, und unter Umständen ebensowohl durch Zufuhren aus Asien, Australien und Afrika ei-gänzt werden. Schon im letzten Sommer hat sich die amerikanische Spekulation ganz entschieden über das Verhältnis der europäischen Nachfrage zum amerikanischen Angebot getäuscht, so dafs grofse und kleine Farmer ganz oder theil- weise um die Früchte ihrer Arbeit gekommen sind. In Chicago wurde der Preis für den Bushel Weizen im December 1879 auf 135 7 / s Cents getrieben, Ende Januar 1880 sank er schon auf 114 7 / g und Anfang Februar stand der Weizen (wenn man die Frachtkosten von Chicago abzieht) um 5 Cts. niedriger als in Liverpool. Ende März 1880 haben in Folge dieser künstlichen Getreidesperre an 50 Millionen Bushel Getreide festgelegen, sie müssen in den nächsten Monaten ihren Weg nach Europa suchen, einerlei ob der Produzent oder Aufkäufer dabei Schaden leidet. Al so Chicago und Newyork haben das verwegene Spiel so gut wie verloren und nur den amerikanischen Brodessern ihr Brod ungebührlich vertheuert! Natürlich können die grofsen und mit bedeutenderen Mitteln arbeitenden Farmer sich bei diesem Kampfe um’s Dasein länger halten als die kleinen, allein gegen den Strom können auch sie auf die Dauer nicht schwimmen. Die oben beschriebenen grofsen Farmen sind eigentlich nur 21 Etappen, auf denen man sich beim Vordringen in den Westen sammelt und von denen aus man sieh weiter ausbreitet, Versuchsstationen, wo in aller Eile gemacht wird, was gemacht werden kann. Mit dem Nachrücken der neuen Ankömmlinge, mit der steigenden Bevölkerung der bis jetzt menschenleeren Gebiete werden die Lücken allmälig ausgefüllt. Erst wenn sich die einzelnen Niederlassungen wie die Ringe einer Kette an- und ineinander schliefsen, wird sich dort auch eine höhere Kulturstufe entwickeln. Die südliche Sklaverei ging an dem massenhaften Einströmen freier Ansiedler zu Grunde, an der schwieligen Faust der vom Junker verachteten «Dreckschwellen der Gesellschaft«, welche es ihnen unmöglich machten, sich noch weiter über den Kontinent auszudehnen. Als die Sklavenhalter dies ihr Ver- hängnifs täglich näher rücken sahen, fingen sie den Bürgerkrieg an, in welchem sie schmählich unterlagen. Mit der Unmöglichkeit ihrer weiteren Expansion verloren sie die natürliche Voraussetzung für ihre Existenz, die Welt war für sie zu klein geworden, sie wurden gezwungen vom Schauplatz abzutreten. Der Raubbau der nördlichen Kapitalisten wird voraussichtlich in ähnlicher Weise vom kleinen Mann gestürzt werden. Wenn dieser ihnen gegenüber auch einzeln genommen wenig bedeutet, so ist doch das vermillionenfachte kleine Kapital in den Händen wirth- schaftlich produzirender Farmer mächtiger und stärker als alle in den Raubbau gesteckten Millionen. Denn wenn wir die letzteren in Verhältnifs entweder zur Erndte oder zur Bodenfläche stellen und nach denselben Grundsätzen den Capitalbetrag vergleichen, welchen der amerikanische kleine Farmer in seiner Landwirtschaft arbeiten läfst, so findet man bei dem bescheidenen Landwirte verhältnifsmäfsig viel mehr Kapital als das, welches in jenem, äufserlich imponirendem Betriebe arbeitet. Wie lange dieser Uebergang und Kampf dauern wird, läfst sich zur Zeit nicht bestimmen. Die endliche Entscheidung hängt von der Einwanderung ab, welche die besten Ländereien zahlen und durch rationelle Bewirtschaftung noch wertvoller machen kann. Wie lange ist’s denn schon her, dafs die kleinen Leute von den Küsten des atlantischen Ozeans ausgehend Schritt vor Schritt an die Alleghanies und die Seen vorgedrungen, weiter an den Ohio Mississippi vorgerückt und am Missouri, in Kansas und Nebraska und angesiedelt sind? Wird der Arbeitsmarkt in den Vereinigten 22 Staaten wieder besser und behauptet er sich nur ein Jahrzehnt lang blühend, wie z. B. in der Zeit von 1846—1856, so kann das Ende des Jahrhunderts noch die Entscheidung im Sinne des wirtlischaftlichen Fortschritts bringen. In den Tagen der Dampfer und Eisenbahnen entwickelt sich zudem ein derartiger Procefs schneller als in den Zeiten der Segelschiffe und Kanal- oder gar Schiebkarren-Fahrt. Man kann sich am Besten eine Vorstellung von der voraussichtlichen Gestaltung der Dinge machen, wenn man die Vorgänge in’s Auge fafst, welche jetzt in einigen östlich vom Mississippi gelegenen verhältnifsmäfsig älteren Staaten stattfinden. Ohio, Michigan, Indiana und weiter westlich theilweise auch Missouri bringen durch sorgfältigere Bebauung und überhaupt durch rationellere Wirthschaft ihre alten Weizendistricte weder zur Blüthe, welche durch Jahrzehnte langen Raubbau in Verfall gerathen waren. Neue und einsichtigere Landwirthe treten an die Stelle der alten, nach dem Westen ausgewanderten Farmer und gleichen den neuen Staaten gegenüber durch Sorgfalt und Fleifs die geringere Ergiebigkeit des Bodens aus. nr. Produktionsbedingungen und Marktpreise des Weizens. Die Herstellungs- und Beförderungs-Kosten des Weizens weichen natürlich in den einzelnen Staaten je nach Lage, Boden, Arbeitslöhnen und Entfernung von den grofsen Märkten bedeutend von einander ab. Die Gewinnung eines Busheis (60 Pfund) kostet in einigen Gegenden 30, in anderen 100 Cents. Hier trägt ein Acker durchschnittlich 10 bis 12 Busheis, dort, wie in den neuen Gebieten des Westens, bis zu 100. Neuerdings wurde vom Präsidenten und Secretär der landwirthschaftlichen Ausstellung des Gebietes Montana amtlich bescheinigt, dafs ein Herr James L. Ray von Lewis & Clark County eine Prämie für den besten Weizen erhielt, den der Aussteller mit 102 Bushel vom Acker geerndtet hatte. Schätzen wir etwa den Durchschnitt der amerikanischen Erndte auf nur 12 Bushel per Acker, so kostet der Bushel bei einer Erndte zum Werthe von 9 bis 10 Dollars per Acker etwa 50 bis 60 Cents. Ebenso natürlich weichen auch die einzelnen Berechnungen vielfach von einander ab. Nach der Aufstellung eines im südlichen Minnesota wohnhaften Farmers kostet ein mit Weizen besäeter Acker für Saatkorn 100 Cents, für Pflügen 1. 25 Cents, für Eggen 20 Cents, für Säen 25 Cents, für Erndte 1. 50 Cents, für Dreschen 75 Cents, Total $ 4.1)5 = ?)?> Cents per Bushel. Dieser selbe Farmer will nie billiger als 80 Cents per Bushel verkauft und aus seinen 2000 Ackern einen jährlichen Gewinn von 14000 Dollars gezogen haben. Eine viel genauere Berechnung stellte ein Herr Dalrymple auf, der gröfste Farmbesitzer im westlichen Minnesota und östlichen Dacotah, der dem oben erwähnten englischen Ausschufs von englischen Sachverständigen über den Getreidebau in seinem Theile des Staates Auskunft gab. Während nach seiner Ansicht acht bis neun Dollars hinreichen, um sämmtliclie Kosten für Bestellung und Gewinnung eines Ackers Weizen zu bestreiten, läfst er sich über die Be- wirthschaftung seiner verschiedenen, zusammen mehr als 50000 Acker grossen Farmen also aus:*) «Sobald die ersten sechs Zoll Erde frei von Frost sind, also in der Regel um die Zeit des 1. April, wird mit der Aussaat begonnen. Man benutzt hierzu «Scotch fife», ein gutes, hartes, dünnhäutiges Korn. Dieser Samen wird für frisch gebrochene Erde verwandt. Unkraut und namentlich Kornrade werden sorgfältig entfernt; gedüngt wird nicht. Während des Herbstes und Winters wird der Samen für die Frühjahrssaat in Säcken, enthaltend l“/ 8 Busheis, gepackt und, sobald es das Wetter gestattet, mit der Aussaat begonnen. Es geschieht dies vermittelst Maschinen, von denen hundert während dreier Wochen in Thätig- keit sind. Zweihundert Eggen vervollständigen die Arbeit; zwei bis drei Umwendungen genügen. Vier Eggen arbeiten, durch Ketten verbunden, als ein Ganzes, decken 20 Fufs und werden von zwei Mauleseln gezogen. An jeder Egge, deren Preis sich auf drei bis vier Dollars per Stück berechnet, befinden sich 72 Zähne. Weder Pferde- noch Handarbeiten noch sonstige Kosten werden hiernach bis zum Beginn der Erndte für das Ausroden des Unkrauts, das Umhauen des Ackers und Beackern des Bodens nothwendig. Die Erndte findet zu Anfang August *) Scientific American vom 20. December 1879, S. 402. 24 statt; für sie werden 300 Leute extra angestellt. 115 automatische selbstbindende Mähmaschinen (harvesters) sind emsig in Thätigkeit; 100 davon kommen aus Walter Wood’s, die übrigen aus Mr. Cormick’s Fabrik und beide thun ihre Arbeit vortrefflich. Man ist hier für das Binden der Aehrenbündel mit Draht. Die Frucht wird in Garben gestellt. In zwölf Tagen ist der Schnitt fertig. Man verliert keine Zeit damit, den Weizen in grofsen Haufen aufzuladen. 21 Dampf-Dreschmaschinen, welche von der Buffalo-Compagnie angefertigt und $ 600 das Stück kosten, werden an den dazu geeignetsten Plätzen auf dem Felde aufgestellt. Diese Maschinen bestehen aus Drescher, Kornschwinger und Strohwegräumer. Zehn Wagen, von je einem Paar Pferden oder Mauleseln gezogen, bringen die Garben zu der nächststehenden Dreschmaschine und empfangen von dieser wieder die gedroschene Frucht in Säcken, welche drei Busliel enthalten, worauf sie dieselben nach der, durchschnittlich zwei engl. Meilen weiten Eisenbahnstation schaffen. Man braucht nur 25 Leute, um Wagen und Maschinen fortwährend im Gang zu halten und 1000 Busheis per Tag an der Bahnstation abzuliefern. Jeden Tag werden die Dreschmaschinen nebst Locomobilen, welch letztere übrigens theil- weise Propeller sind, an solchen Stellen aufgefahren, welche den angehäuften Garben am Nächsten liegen. An sehr lebhaften Tagen werden oft 50 Waggons beladen, von denen jeder 400 Bushel hält, und sofort dem ersten Frachtzuge angehängt. In der Pegel findet die Beförderung nach dem in der ■westlichen Ecke des Lake Superior gelegenen und 254 engl. M. von der Farm entfernten Orte Duluth statt. Herr Dalrymple glaubt, dafs die heurige Erndte (1879) den früheren ziemlich gleichkommen wird. Die Durchschnittsergebnisse per Acker sind 20 Bushel im Gewicht von 60 Pfund per Bushel. Wie immer ist auch diesmal das Ergebnifs des neubebauten Landes das bessere. Die Qualität steht in keiner Weise derjenigen des Jahres 1878 nach. Sobald der Weizen einmal in Duluth durch den Kornschwinger gelaufen ist, wird er als No. 1 hart, klassi- fizirt. Gewöhnlich verkauft Herr Dalrymple seine Waare so rasch als sie hereinkommt, doch rechnet er dieses Mal darauf, durch Abwarten höhere Preise zu bekommen und hat aus diesem Grunde den gröfsten Theil der diesjährigen Erndte auf Speicher in Duluth. Hafer soll 50 Busbel per Acker zu 38 Pfund per Bushel ergehen; 1878 wurden 60 Bushel per Acker geerndtet. Gerste ist dieses Jahr nicht besonders gut gerathen, ergiebt aber immer noch durchschnittlich 40 Bushel per Acker.» «Ueber die Kosten des von ihm erzielten Weizens bemerkt Herr Dalrymple Folgendes: Werth des Landes zu $ 12 per Acker angenommen, macht für Zinsen zu 6°/o 72 Cents, Steuern 10 Cents, Gebäude, Maschinen, Zugthiere per Acker zu $ 10 und 10% Zinsen angenommen 10 Cents, Pflügen S 3, Säen $ 1. 50, Einthun und Dreschen $ 3, Total $ 8. 42. Hiernach zieht Herr Dalrymple seinen Weizen für weniger als $ 8. 50 per Acker. Er behauptet übrigens, dafs mit Ausnahme des ersten Jahres, in welchem sich die Kosten durch Urbarmachung des Bodens und zweimaliges Pflügen auf $ 11 stellen, seine wirklichen Auslagen niemals $ 8 übersteigen. Während der letzten vier Jahre ergab seine Erndte durchschnittlich 20 Bushel vom Acker, und kostete demnach jeder einzelne Bushel nach obiger Berechnung 42 Cents, oder 1 Sh. 9 d. Sterlg. Herr Dalrymple fügt hinzu, dafs in günstigen Jahren sich der Bushel auf seiner, wie auf den angrenzenden Farmen nicht höher als 35 Cents stellte. Da nun an der Eisenbahnstation Castleton der Weizen gern mit 75 bis 80 Cents per Bushel bezahlt wird, so läfst sich für den Farmer ein recht hübscher Nutzen erzielen.» Ein anderer Farmer in Minnesota, Namens Kendall, der auf seinem 4400 Acker grofsen Besitzthum 1600 Acker Weizen baut und 20 Bushel per Acker zieht, berechnet die Gesammtkosten per Acker Weizen auf $ 9. 60 oder 48 Cents per Bushel in Chicago, bei dem dortigen Marktpreise von 85 Cents oder 48 Cents per Bushel in Chicago. Bei dem dortigen Marktpreise von 85 Cents per Busliel (theihveise im letzten Sommer) ergiebt sich also für den Produzenten ein Gewinn von 37 Cents per Bushel, oder S 7.40 per Acker, oder für 1600 Acker ein Totalgewinn von $ 11840. Man begegnet neuerdings in Zeitungen und Zirkularen Aufforderungen, welche zur Bildung von Assoziationen und zur Gewinnung von Weizen im Wege des Grofsbetriebes auffordern. Eins dieser Zirkulare wurde am 20. September 1879 im «New- Yorker Chronicle», einem hervorragenden finanziellen Blatte, abgedruckt. Es wird hier ein Ueberschlag für die Bebauung von drei englischen Quadratmeilen ä 640 Acker oder im Ganzen 1920 Acker gemacht und nach Ablauf von vier Jahren ein Rein- gewinn von $ 12 105 in Aussicht gestellt, wozu noch die in Kultur gesetzten Ländereien mit Gebäulichkeiten, Inventar u. s. w. kommen. Die Schätzungen sind mit den bereits angegebenen Zahlen verglichen, jedenfalls annähernd richtig und finden sich im Anhang sub A abgedruckt. Darin stimmen übrigens sämmtliche Berechnungen überein, dafs die Produktionskosten für den Busliel Weizen in keinem Theile des Westens und Nordwestens die Höhe von 50 Cents erreichen und dafs auf dem Chicagoer Markte, welcher die Preise bestimmt, selten weniger als 75 — 80 Cents dafür eingenommen werden. Natürlich wirkt die Minder- oder Ueberproduction auf die Preise und macht sie steigen oder sinken. So wurden z. B. 1878 äufserst niedrige Preise in Jowa und Nebraska erzielt, weil sich der Weizenboden zu schnell und unvermuthet ausgedehnt hatte. Die Quantität war zu grofs für den Verbrauch innerhalb dieser Staaten und ihre Entfernung von dem Hauptmarkte zu bedeutend, so dafs der Preis auf die Hälfte des 1876 bezahlten fiel. In den Jahren einer europäischen Durchschnitts - Erndto wurde in den Vereinigten Staaten bisher der Preis ausschliefs- licli durch die innerhalb ihres Gebietes erzeugte Qualität und den inländischen Verbrauch bestimmt, denn der ausgeführte Betrag war im Verhältnifs zu der erzeugten Masse so gering, dafs er keinen Einflufs auf die Preise übte. Die Vereinigten Staaten zogen in den, dem Jahre 1870 vorausgehenden Jahren nur 5 3 / 4 Bushel Weizen per Kopf und in den ihm folgenden acht Jahren 8 3 / 4 Bushel. Von ihrer kleinen Erndte im Jahre 1866 exportirten sie nur 3%; von 3er grofsen des Jahres 1878 dagegen mehr als 30 °/ 0 . Der Erndte von 1877, geschätzt auf 1 342 000 000 Brodfrüchte und einen Geldwerth von $ 480 644 000 stand die Erndte von 1878 mit 1371000000 Bushein zu $ 436 800 000 gegenüber. Der Ertrag hatte sich also um ein geringes gehoben, der Durchschnittswerth dagegen bedeutend vermindert. Aufser diesen Produktions- und Marktbedingungen kommen hier nur noch die Verschiffungskosten nach den östlichen Häfen in Betracht. In New-York haben sich die Durchschnittspreise für den Bushel Weizen gestellt von 1828 —1853 auf $ 1,24, von 1854—1877 auf $ 1,gs. Am Billigsten war der Weizen in New- York 1843, wo er nur 88 Cents kostete, am Theuersten aber 1857, wo er $ 1.75 und 1867, wo er <$ 3 Papiergeld (Gold 139) 27 kostete. Während der beiden letzten Jahre stellte sich der Durchschnittspreis in New-York 1878 auf $ 1,'n und 1879 auf $ l,«i per Bushel. Zur Zeit berechnen sich die Verschiffungskosten wie folgt: Versendung nach Chicago, Duluth oder einem andern westlichen Markt 13 Cents, Gebühren an den Elevator 1 l f« Cents, Verschiffung nach New-York, Philadelphia oder Baltimore 15 Cents, Ozeanfracht 18 Cents, Seeversicherung und Kommission 3 Cents, Extrakosten für Verschiffung wie erhöhte Frachtpreise 10 Cents, Total 60% Cents. Nehmen wir die obige Kendall’sche Berechnung als richtig an, wonach ihn der Bushel Weizen 48 Cents in Chicago kostet, und fügen wir (abzüglich der von ihm bereits in Anschlag gebrachten Fracht nach Chicago) 50 0« Cents zu seiner Schätzung hinzu, so erhalten wir an Herstellungs- und Beförderungskosten für den Bushel amerikanischen Weizens in New-York einen Betrag von 6472 Cents und in Liverpool von 98 1 :« Cents. IV. Beförderung des Weizens in die östlichen Häfen. Die Beförderungskosten vom Westen in den Osten sind natürlich viefachen Schwankungen unterworfen, da sie einmal durch die Konkurrenz der Eisenbahnen mit den Kanälen und der Flufs- resp. Seen - Schifffahrt, dann aber durch den Weltlauf der Eisenbahnen unter- und gegeneinander bestimmt werden. Was zunächst den erstem betrifft, so stellen die Eisenbahnen^ im Sommer ihre Frachtsätze niedriger, als im Winter, wo die Schifffahrt gesperrt ist. Der Unterschied zwischen den Sommerund Winterraten beläuft sich häufig auf 50%. Um den Kanal zu ruiniren und ihm später ihren Willen als Gesetz dictiren zu können, fahren die New-York-Central- und Erie-Eisenbahn unter dem Kostenpreis der an sich schon viel billigeren Wasserbeförderung. So erklärt sich denn auch die Erscheinung ganz natürlich, dafs die Getreidebeförderung der Eisenbahnen während der letzten Jahre bedeutend zugenommen, die der Kanäle aber in demselben Grade abgenommen hat. Im Jahre 1868 wurden auf dem Erie-Kanal per Meile im Durchschnitt verschifft 1 093 751 268 28 Tonnen, im Jahre 1876 dagegen nur 570 969 064 Tonnen, während die Eisenbahnen 1868 nur 366199 786 und 1876 schon 1674 447 055 Tonnen beförderten. Es stellt sich also für die Eisenbahnen ein Gewinn von 1 308 247 269 Tonnen heraus, oder in anderen Worten verlor der Kanal in acht Jahren die Hälfte des von ihm verschifften Tonnengehalts, während die Eisenbahnen ihn vervierfachten. Dieser Zunahme der Ladungen entsprach aber keine damit im Verhältnifs stehende Einnahme. Nach Poor hat sich der Verkehr der ältesten und besten amerikanischen Eisenbahnen, nach Tonnen berechnet, im letzten Jahrzehnt verdoppelt, die Einnahme aber nur unbedeutend vermehrt. Im Jahre 1873 belief sich — um hier ein schlagendes Beispiel aus vielen zu geben — der gesammte Tonnen - Gehalt der New-York- Central-Bahn auf 4 393 955, während die Einnahme $ 19 615 000 betrug. 1878 beförderte dieselbe Bahn 8175 535 Tonnen und nahm dagegen nur $ 19 045 830 ein. Mit welch unbefriedigendem Ergebnifs aber die amerikanischen Eisenbahnen überhaupt bei einem solchen System arbeiten, beweist die Thatsache, dafs ihre Obligationen im ganzen Gebiete der Vereinigten Staaten durchschnittlich nur 4,51 °/ 0 Zinsen tragen, die Aktien nur 2,34% und im Westen sogar nur 1,92 % Dividenden abwerfen. Im Sommer 1879 kostete Mehl von St. Louis nach New-York (1200 engl. M.) 8 Cents per Barrel, Weizen von Chicago nach New-York (1000 M.) 4% Cents per Bushel, also gerade die Hälfte der Durchschnittsfracht für Weizen per Eisenbahn und Kanal, der zwischen beiden Städten im Jahre vorher gezahlt wurde. Allein selbst 9 Cents Fracht wären zu wenig, um nur für den Gebrauch und die Abnutzung der Kanalboote zu zahlen. 8 Cents per Barrel von St. Louis nach New-York machen 74 Cents auf die Tonne, oder weniger als 2 1 /» Cents per Bushel Weizen. Ende November 1879 dagegen kostete der Zentner Weizen von Chicago nach New-York schon wieder 35 Cents. Dazu kommt nun, dafs die Eisenbahnen in den letzten zehn Jahren beständig und bedeutend verbessert sind, während der Kanal geblieben ist, was er schon 1860 war. Die Eisenbahn hat Stahlschienen und Seitenlinien, besseres Inventar, mehr Niederlagen und vergröfserte Erleichterung für die Fortschafi'ung schwerer Ladungen, dabei Getreide-Elevatoren und Dampfschiff-Verbindungen, so dafs sie vom Westen aus direkt mit nur einer Um- ladung bis Europa verschiffen kann. Anderer Seits hat der Kanal zwar seine Katen herabgesetzt, indessen keine Verbesserungen gemacht. Alle Bemühungen, den Dampf bei Betrieb der Boote einzuführen, haben sich bis jetzt als vergeblich erwiesen. Es handelt sich also für New-York und der ganzen zwischenstaatlichen Fracht mit Recht darum, ob der Erie-Kanal seinem Verfall überlassen, oder dem jetzigen Bedürfnifs entsprechend vertieft werden soll. Es lieifst ihn zum Tode ver- urtheilen, wenn man, um der früheren schmachvollen Korruption vorzubeugen, seit 1874 jedes Jahr nur so viel auf den Kanal verwenden will, als das Vorjahr an Brutto-Erträgen eingebracht hat. Nach der neuen Staats-Konstitution von New-York sind alle aufserordentlichen Anlagen mittelst neuer Steuern aufzubringen. Die Eisenbahnen und die in ihrem Interesse arbeitenden Politiker sind dagegen. Ihnen kommt es selbstredend darauf an, den grofsen Frachtregulator zwischen dem Westen und der Seeküste vernichtet zu sehen, den letzten Graben zwischen dem Eisenbahn-Monopol und seiner Alleinherrschaft aus der Welt zu schaffen. Will aber die Stadt New-York ihre bisherige Hegemonie aufrecht erhalten, will sie nicht durch die konkurrirenden Eisenbahn-Linien nach Montval, Boston, Philadelphia, Baltimore und selbst Richmond ihren Verkehr mit dem Westen auf die Hälfte herunterdrücken lassen und dadurch ihre ganze Zukunft aufs Spiel setzen, so mufs sie dafür sorgen, dafs der Kanal in seiner ganzen Linie von den jetzigen 7 auf 10 Fufs vertieft werde. Das würde etwa drei und eine halbe Million Dollars kosten. Zur Zeit sind nämlich etwa 4000 Boote und 20 Dampfer auf dem Erie-Kanal im Dienste, welche in je 13y 2 Tagen die Fahrt von Buffalo nach New-York machen. Drei Fufs Tiefe mehr erhöhen bedeutend die Schnelligkeit der Bewegung und verringern die Fahrzeit von lo 1 /^ auf 4y 4 Tag. Dann aber können die Boote der gröfsern Tiefe entsprechend ihre Gröfse verdoppeln und somit die Transportkosten bedeutend verringern. Die Abgaben- Reduktion von 6 auf 2 Cents per Bushel allein thut’s nicht, aber der Unterschied von y 2 Cents per Bushel treibt den Handel oft von einem Platze zum andern. Welche Interessen für New-York auf dem Spiele stehen, möge die Thatsaclie beweisen, dafs die bereits vorhandene Wasserverbindung von New-York über Albany, Buffalo, Chicago und St. Louis sich von letztgenannter Stadt per Dampf noch 2500 engl. Meilen weiter in den Nordwesten bis zum Fort Benton am Missouri erstreckt. Die Eisenbahnen führen, seit sich ihr Netz über den Kontinent ausgedehnt hat, einen höchstens von vorübergehenden Waffenstillständen unterbrochenen Krieg mit einander und suchen sich gegenseitig die durchgehenden Ladungen abzujagen. Sie wissen, dal's die Wagen nur verdienen können, wenn sie in Bewegung sind, während sie verlieren, wenn sie stille stehen. Frachten auf lange Entfernungen, welche die gröfste Bewegung mit dem geringsten Stillestehen und der geringsten Bedienung bedingen, sind deshalb für sie, selbst zu den niedrigsten Sätzen, im Allgemeinen vortheilhafter, als Frachten auf kurze Entfernungen, wenn diese auch höhere Raten bezahlen. Die rücksichtslose Anwendung dieses Satzes erklärt es denn auch, warum Vergröfserung der Beförderungsfähigkeit und Vermehrung des Tonnengehalts I-Iand in Hand geht mit Verminderung der Ladungskosten und Frachtraten. Die grofsen östlichen Bahnen arbeiten in den letzten Jahren eifriger als je darauf hin, sich durch Pacht und Miethe, gütliches Uebereinkommen oder Chikanen jeder Art, Aushungern und Abschlachten in den Besitz der kleineren Bahnen zu setzen, welche von Osten ausgehend zu den Ausgangspunkten der grofsen Pazific-Bahnen führen. Omaha und Kansas City sind die beiden wichtigen Knotenpunkte, wo für den Kontinental-Verkehr jetzt der Osten aufhört und der Westen anfängt. Die New-York- Central-, die Erie-, die Pennsylvania-Central-, die Ohio- und Mississippi - Bahnen haben sicli die direkte Verbindung dahin bereits gesichert, Canada und Boston eifern ihnen nach. Ihrer aller Streben geht dahin, das ganze Frachtgeschäft zwischen dem atlantischen und stillen Ozean in wenigen Händen zu monopoli- siren. Gelingt ihnen das, wofür zur Zeit alle Anzeichen sprechen, so werden sie voraussichtlich auch die Frachtsätze erhöhen und durch diese Mafsregel selbstredend auch die Weizenpreise steigern. Auf der Pazific-Seite des Kontinents werden sich dagegen die Frachten entschieden billiger stellen, da dort nicht weniger als sechs neue Verbindungen mit dem stillen Ozean geplant sind, die in weniger als einem Jahrzehnt vollendet sein werden: so die Northern Pazilic von Duluth und St. Paul nach dem Puget- Sund, von welcher bereits 800 Meilen fertig gestellt sind, die Canadian - Pazific von Ottawa und der nördlichen Küste von 31 Lake Superor nach Vancouver Island, welche die Ländereien der Hutson-Bay-lvompagnie entwickeln soll, die Atlantic und Pazific, die Southern Pazific und Mexican Pazific, welche, wie ihre Namen andeuten, mehr der mittlern und südlichen Breite des Kontinents angehören. Ihre Vollendung wird das bisherige harte Monopol der Union und Central-Pazific Bahn brechen und billigere Preise im Gefolge haben, welche mit der Zeit auch auf die Ausfuhr von Brodstoffen nach Europa ihren Einflufs äufsern werden. Was die Pacific-Staaten bis jetzt an Weizen ausgeführt haben, ging hauptsächlich nach Mexiko und der Westküste von Südamerika. Nach Vollendung der genannten Eisenbahn-Verbindungen dürfte wenigstens der westliche Theil der Mittelstaaten, Minnesota, Jowa, Kansas und Nebraska, welche im Jahre 1878 in runder Summe 100 Millionen Busliels Weizen erzeugten, eine Verbindung mit den Häfen des stillen Ozeans suchen. Kalifornien, Oregon, Newada und Colorado mit einer Gesammt-Produktion (1878) von rund 64 Millionen Busheis haben schon jetzt durch die Pazific-Eisenbahn ihre natürliche Verbindung mit den auswärtigen und atlantischen Märkten. V. Schluss. Wie sich schliefslich aber auch diese Dinge gestalten mögen, so viel läfst sich jetzt mit Sicherheit .behaupten, dafs Europa die kühne Mitbewerbung des amerikanischen Weizens mit jedem Jahre mehr fühlen wird. Die Produktion der Vereinigten Staaten umfafst einen ganzen Kontinent und vertheilt sich auf so verschiedene Längen- und Breitengrade, dafs von einer Mifserndte in dem Sinne, in welchem einzelne europäische Länder davon heimgesucht werden, gar nicht die Rede sein kann. Die ver- gröfserte Ausdehnung des Baues von Brodstoffen eilt der Vermehrung der Bevölkerung (durch Geburt und. Einwanderung) sogar weit voraus. Für die nächste Zukunft ist Amerika sogar von einer Ueberproduktion an Weizen bedroht; es mufs deshalb von seinem Ueberfiufs nach Europa senden, dessen Produzenten natürlich ganz empfindlich unter dieser Konkurrenz leiden werden. Jeden Falls 32 ! sichert sie ein Getreidezoll nicht davor. Was will überhaupt ein solcher Zoll gegenüber einer Revolutionirung des Weltmarkts bedeuten? Uebersteigt das Angebot die Nachfrage, so hat eben Amerika die europäischen Zölle zu zahlen; bleibt jenes hinter dieser zurück, so wird einfach das ßrod in Europa theurer, weil hier der Konsument den Zoll extra zu zahlen hat. Der europäische Produzent kann auf die Dauer selbst nicht einmal durch Opfer oder gröfsere Umsicht die ihm ungünstigen Produktions-Bedingungen, wie namentlich hohe Bodenrente, Zinsen und Klima, verbessern; allein für den Fortschritt und das Wohlbefinden der Welt ist diese wirthschaftliche Revolution ein grofses Glück. Dem brodbedürfti- gen Europa ist es ziemlich gleichgültig, ob es mit dem amerikanischen Weizen zugleich einen infinitesimalen Theil des amerikanischen Kapitals aufzehrt; vor einer Hungersnoth ist es jeden Falls für alle Zukunft gesichert. Anlage A. Die Resultate des Ankaufs und der Bebauung von 1920 Acker Weizenland stellen sich nach Ablauf von 4 Jahren wie folgt: 1. Jahr: 1280 Acker Land ä.$5pr. Acker . . . $ 6400 30 Pferde ä $ 100.. 3 000 15 Geschirre ä $ 20.,, 300 10 Pflüge ä $ 25.» 250 10 Eggen ä $ 15.. 150 10 Arbeiter ä $ 20 per Monat, 6 Monat . „ 1 200 Verköstigung der Arbeiter.- 520 Butterung und Unterhalt der Pferde . . - 1560 1 Mähmaschine.,, 75 3 Wagen und Zubehör.- 300 Wohnhaus, Stallung u. Scheunen 1 500 Extra-Pferde, Werkzeug etc.- 500 Aufseher.. 300 $ 16 055 1. Jahr: 1280 Acker Land, urbar gemacht, gepflügt und zum Säen für das kommende Frühjahr fertig gestellt. Jahr: Weizen zum Säen . . . $ 1500 2. Jahr: 1280 640 weitere Acker Land ä $ 5 . 3200 AckerWeizen- 15 Arbeiter ä $20 p. Monat, 6 Mon. 1800 land, liefernd Verköstigung der Arbeiter. . . 780 15 Bushel per Unterhalt d. Pferde. 1000 Acker ä80Cts. Extrahülfe hei der Arbeit . . . 300 per Bushel . 10 Schnitter und Garbenbinder . 2500 ferner 640 10 Säer. V, 500 Acker Land 5 Pflüge. - 50 zum Säen he- Ileparaturen. 150 reit. Aufseher. 300 Dampf-Dreschmaschinen . . . - 1500 $ 13 580 $ 29 635 Jahr: Weizen zum Säen . . . $ 2500 3. Jahr: 1920 Arbeiter und Verköstigung . . 2800 AckerWeizen- Extrahülfe. 1000 land, liefernd 8 fernere Wagen. 600 löBushelsper 6 weitere Schnitter. - 1500 Acker ä 80Ots. 10 weitere Säer. 500 per Bushel . Aufseher. 300 Reparaturen. 200 Steuern . 200 Zinsen, während 3 Jahren 7 % . 2500 $ 12100 $ 41735 Jahr: Weizen zum Säen . . . $ 2500 4. Jahr: Ertrag- Arbeiter und Verköstigung . . 2800 nifs der 1920 Extrahülfe. 1000 Acker Land Aufseher. 300 wie oben . . Steuern . 500 Reparaturen. -> 500 $ 49 335 Credit-Saldo . $ 12105 $ 61440 Besitzthum : 1920 Acker Land mit Gebäulichkeiten, Inventar etc. $ 15 360 $ 15 360 $ 23 040 $ 38 400 $ 23 040 61440 Anlage B. Ausfuhr von amerikanischem Weizen, Weizenmehl, Mais und Roggen nach Europa von 1846 an. (Von 1846—1869 wird das Jahr gerechnet vom 1. September bis 31. August; von 1869 ist nach dem Fiskaljahr gerechnet.") — A ^ o a s = , v — -H =3 *A , v) •— e- p o §---■• SA , .71 3 O 5 r P es st 1 C o =- r*i - « “ = ? : 3' I II I II I I ciaoco « N in r- C. r-'^C!NTtt»ONOI>^CC CO CM lO r-ICO H HQ^OiOQ'^CO'^ H H H iC C 5 (M Ci 0 CO ^H CO CO ~H m CM CO »0 0 Ci CD CM CM CO CO CO *C*H-HCO^'ONb-JlCOCOOCOCOCOiOO OCOCM H-^OCOCOH CO (M O tJI ^ ^ ^ CM (M CO t- CM ? Ci CO !-* CM t- CM CM CO O t— CiOTÜ »OOC5 CO CO ’-H O 1-1 o o ^ ^ O CM 1-1 ^8 i-H CCiOtNOWI'-OHCOO^OUJOCOOOi-'^OOHi-iOCO^tM NO^HOtMOO'^^HOOQCM^Hb.OOOMHM'-OiO (NCO^iOO^^^CSO^COt-HiOt-IMWOiOOO^aWOCO HOiOOCOarH005»£5CJCOWT|U’-(MO^THNCl-COC-OCi5t*C5 COCOCMH^C5iOOC5C(3l'-^ONCOOi?l t-H CM "«8 CO t- C- CO ■^iCiCCOOCMrHCOCMCOR-CMCi’—Ii-KMCM (MCMCMi-H HT-KMdHCOiO-^rfl CM O t— CO CO CO in co y-> Ci i-i O O CM CM Ci CO a CM L- CM CM -8 05 O CO — CM CO i—i **8 t— CO in in CO m -8 in (M T —1 0 CM t- CO * iO »n m h 8 ^8 CM 0 CO O CO m CO i-H O O CO CO 0 m t- iO TJH ^8 05 CM CM CO TU rHJO in ”*$ CO t-H 0 ,/*•« CM t— 0 O CO in y—< Ci 10 «0 L— CM Ci ^H O r- in CO CO *0 -18 t- h* CT 5 0 CO r«- h- ^8 -8 (MOCO(M(NCOOCOCOH-i!M T-uO rfi H (M CO lO t» (N CO C. O O t'-COOOH(McO^»r3Ct>CO!OO^CM«'^‘OCOl'-COOiO’-i(MCOT}liflCDt.'*XC. •^THrtiiOiÖiOiO>OiOiC5uOiOiC5O0CD0COCDy3OOC£)b*I>L'*t>b-b-Nt>'t'-t- X 05 COCOCOQOCOCOGOCOOOCOCOOOOOCOCOOCCOCOCOOOCOCOQCOOODCOCOCOOOCOCC *) Bei statistischen Tabellen über amerikanische Ackerbau-Verhältnisse kommen drei verschiedene Arten der Berechnungen des Jahres in Betracht, die es wohl zu unterscheiden gilt: das Kalenderjahr, das Fiskaljahr vom 1. Juli bis 30. Juni und das Erndte-Jahr, vom 1. September bis 31. August laufend. Druck von iCorske* & Uohmann ln Burlln, SW., Zhnmcrxtr. ;H.