Das GelÄ im mMch-japamleben Wege ein finanzpolitisches Keitrag ^ur Zeitgeschichte von k5arl kielfferick o Signstuf; A ^ VsMwiftseKM. !n?^tut x ^ WirtsctiVfisIioc^s^ lVlÄNniisim A Sevlin ,906 ^ugsngsnumm^M_^< Lrnlt Siegfried Mittler uncl SoKn Königliche IiowuchliancMmci Xochllralse VS—71 M K Alle Rechte ans dem Gesetze vom 1!'. Juiü 100t sowie das ÜdersetznngSrccht sind vorbehalten. Vornorr. enn eine totale Sonnenfinsternis oder ein anderes interessantes Ereignis am Himmel in Aussicht steht, welcher Apparat wird dann in Bewegung gesetzt und welche Reisen werden unternommen, um den seltenen Fall mit der deutbar größten Exaktheit zu beobachten! Wenn sich irgendwo auf der Erde ein alter oder nener Krater öffnet, Steine und ^.'ava auswirft und den Boden ringsum? erschüttert, wie eileu da die Geologen ans allen Weltteilen herbei, nm nichts von diesem Ereignis und seinen Begleiterscheinungen für ihre Wissenschaft zu verlieren! Oder wenn zwei Völker in Waffen anfeinanderprallen, welcher Staat der Welt läßt es sich nehmen, seine Offiziere ans den Kriegsschauplatz zu eutseudeu, um Strategie, Taktik und Waffen- wirkuug am lebendigen Geschehen zu studieren! Anch die Nationalökonomie nnd Unanzwisseuschaft sind neben dem toten Stoff, den ihnen die Vergangenheit nnd frühere Forschungen znr Perfügung stellen, auf das Erfassen der Vorgänge angewiesen, die ihnen die Zeitgeschichte bietet. Wir haben für eine solche Beobachtimg in statistischen Bureaus nnd ähnlichen Einrichtnngen gewissermaßen unsere Observatorien; aber diese Observatorien sind nur auf den gewöhulicheu Gaug der Diuge eingerichtet, nicht anf die großen außerordentlichen Ereiguisse, die — gerade weil sie aus dem Rahmen des Alltäglichen fallen meist die lehrreichsten sind. Eine systematische, mit allem wisscnschastlichen Rüstzeug IV Vorwort, c^r-^c-^l^r-^c!^c^c^l!^r!^r-^c^^^r^r^ arbeitende Beobachtung eines großen wirtschaftlichen oder finanziellen Vorgangs von außerordentlicher Bedeutung ist bisher nur in seltenen Fällen versucht wordeu, so z. B. bei der Euquete des Bereius für Sozialpolitik über die um die Jahrhundertwende eingetretenen Störunge!? im deutscheu Wirtschaftsleben. Eine Zusammenfassung einer großen Anzahl wissenschaftlicher Kräfte, wie sie damals gelungen ist, läßt sich mir ausnahmsweise einmal erreichen. Für deu einzelueu aber bietet die Beobachtung uud Feststellung des Verlaufs eines so vielgestaltigen Vorganges, wie es wirtschaftliche und finanzielle Ereignisse von großer Tragweite in der Regel sind, eine kanm zu bewältigende Ausgabe. Außerdem aber ist es nicht jedermauus Sache, sich mit Vorgängen zu beschäftigen, die noch im Flusse siud, und aus dem großen Buche zu lernen, dem die Zeitgeschichte täglich ein nenes Blatt hinzufügt. So überläßt die Wissenschaft ein weites uud wertvolles Feld in der Hauptsache dem Journalisten uud den: Börsen- berichterstntter, deren Beruf es ist, vom Tage uud für den Tag zu leben, uud dereu Arbeit, so verdienstvoll sie sein mag, mit dem Tage untergeht. Die Ereignisse iu Ostasieu haben außer ihrer weltgeschichtlichen nnd militärischen Bedeutung auch ihre wirtschaftliche uud finanzielle Seite. Die Gelegenheit, die finanzielle Durchführung eines großen modernen Krieges an den sich vor uuseru Augen vollziehenden Vorgängen zu studiereu, hatte für mich einen Reiz, der die Zweifel überwand, ob ein einzelner mit seinen beschränkten Hilfsmitteln der Aufgabe in ihrem ganzen Umfange gerecht werden könne. Ich wurde iu meiner Absicht bestärkt, als die Herausgeber der „Marine-Rundschau" bald nach Beginn des Krieges mir den Vorschlag machten, iu Ergänzung der militärischen Darstellung die Berichterstattung über die finanziellen Kriegsoperationen zu übernehmen; denn ich sah in diesem Vorschlage ein erfreuliches Zeichen dafür, daß in unseren militärischen Kreisen die Bedeutung der finanziellen Kriegsbereitschaft und der finanziellen Kriegs- maßnahmeu richtig gewürdigt wird. Ans diese Weise sind die drei in den Jahrgängen 1904 uud 1906 der „Marine-Rundschau" ver- Vorwort, V öffentlichten Aufsätze über „die finanzielle Seite des russisch- japanischen Krieges" entstanden. Diese Darlegung der Entstehung uud des Zweckes meiuer Aufsätze enthebt mich wohl einer Verwahrung gegenüber den Versuchen, mir irgendwelche andere Absichten unterzuschieben. Es handelte sich für mich von Ausaug an lediglich um eiue Darstellung tntsächlicher Verhältnisse uud Vorgänge; es lag uud liegt mir heute uoch ebeuso fern, der Zntnnft der beiden kriegführenden Staaten das Horoskop zn stellen, wie zu gnnsten oder zu Ungunsten des einen oder anderen dieser Staaten den Ratgeber auf dem Kapitalmärkte zu spieleu. Schon nach der Veröffentlichung des ersteil meiner Aufsätze ist von verschiedenen Seiteu die Anregung au mich herangetreten, diesen Aufsatz, der bald uach seinem Erscheinen auch ius Französische übersetzt worden ist („lin^is et .lapon. I^s l^iiuinoss 6ris, 6uil1lnrniin vichtigen Abschnitten, insbesondere in dein dritten, von den finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges handelnden Teile, gegenüber den ursprüngliche«: Aufsätzen eine wesentliche Ergänzung und Vervollständigung erfahren hat. Möge die Schrift in ihrer neuen Gestalt das Verständnis dafür, welche Bedeutung den Staatsfinanzen für die nationale Wehrfähigkeit zukommt, verbreiten und vertiefen helfen! Berlin, November 1905. Karl k)elffe?icl?. Znticiltzverieictmjz. ^ritt' Einleitung...................... 1 Erster Teil. Oie ?inciN7ön KuKIcmäs unä Zcipciris vor 6em tXrisg5ciu5brucki. Vorbemerkung .................. 4 I. Dir russische» Finanzen vor dem Kriege.......... !> 1. Der Etatodoranschlag für 1M>4........... <» 2. Die Enrwicklnng der russiscken Ztaatofinanzen in den letzten Jahrzehnten.................. 14 Die Gestaltung deö Ttaatohanolialto......... ll Die Äonsolidiernng des Zraai5lredit5......... 18 Die Währungsreform............... 24 Bolkswirtschaftlicheo............... A> 3> Einige Bemerkungen znr Kritik der ruisisckien Finanzpolitik ^ , >'!-"> II. Die japanischen Finanzen Mir dein Kriege......... '>l l- Der Etat-?voranschlag fiir 1!»0>-'.M.......... 5>l 2. Tie Entwicklung der japanisckicn Ztaalofinan >e>> in den letzten Jahrzehnten.................. öö Tic Finanznöre der Periode l8<>7 bio 1881....... gli ?ie Periode der finanziellen üickonslrntrion «>88l bis l8!U! . '>8 Die Periode dec- groszen ^iiislnugoprograimno l>89i> bis 1!«>>l Die japanische Geld- und Bmitvenassung ....... li,'> Polkswirtschnftliches............... 7«> VIll Inhaltsverzeichnis, ^» r-^>> 5--^ < r-^?>»r-Li? ! ^ ? c«Li? I-lü-is czsi? c^-i? csi? I^i? lÄ-i? ^eiw Zivriler Teil. Vis lincin^iellen t(r!sgsim'.l8liciliiiieli. Vorbemerkung .................. 78 I. Nnßlnnd..................... 8" 1, VlllgemeineS über die finanzielle Position NnstlandS und die bndgetäre Behandlung der Kriegsfinanzen........ 80 2, Der freie Bestand der Reiehsreutei »nd seine Erbvlmug durel, Ausgabebeschränkungen.............. 88 3, Die Kriegsanleihen des Jahres 1904 ......... 87 Die Pariser Anleihe vom Mni 1904......... 88 Gerüchte über eine Anleihe in Deutschland....... 92 Die Begebung von Üienteibilletteu.......... 98 4, Die Durchführung des Budgets und die KricgSansgabeu im Jahre 1904.................. 95 5, Der Hanshaltsvoranschlag für 1905.......... 98 V, Die Gelddeschaffung für den >!rieg im Jahre 1905..... 108 a> Die verfiigbaren Mittel zu Aufnug des Jahres 1905, , , 108 K) Stcucrcrhöhungen............... 105 e> Die Kriegsanleihen des Jahres 1905........ 100 Die Berliner Anleihe............. 100 Ergebnislose Anleiheverhaudlnngen mit Frankreich, , , 11l^ Die erste innere Anleihe von 1905........ III Schatzwechsel................ 114 Die zweite innere Anleihe von 1905 ........ 115 Gesamtbild der russischen Kriegsanleihen ,,,,,, 119 7, Die Inanspruchnahme der russischen Reichsbank für Kriegszwecke 120 8, Gesamtbild der russischen Geldbeschaffung für den Krieg, , , 188 II. Japan...................... 185 1, Allgemeinem über die finanzielle Position Japans und die budgetäre Behandlung der Kriegsfinanzen........ 135 2, Normales Budget und ^iriegsbndget fiir 1904/05 und 1905/00 188 3. Die Einnahmcsteigernng.............. 143 4. Die Kriegsanleihen................ 147 Die erste innere Anleihe............. 148 Die erste Ausländsanleihe............. 143 Die zweite innere Anleihe , ........... 150 Die dritte innere Anleihe............. 151 Die zweite Ausländsanleihe............ 152 Die vierte innere Anleihe............. 155 Die 4>/>prozentige Auslandsanleihe, Terie 1....... 157 Inhaltsverzeichnis, IX r5M6-Ni?--^r!-M5^^i....... U!l> Gesamtbild der japanischen Kriegsanleihen....... >l>2 -1, Die Inanspruchnahme der Bant von Aapan ,w den Kriegs.zlveckeu K! l !rieg ^ , l72 Driilrr Teil. vis lilicmnellsli unä nirtlcticiktlictien KücktoirKungsn 6es tirisgss. V o r b e ui e r k u u g .................. 17 l !. Nustland , . . .................. 17 l 1, Tie Rückivirtuugen des , Tie Belnstting der StaatSnnan^en dnrch den ^irieg , , , , I77> Die Kurse der russische!, Ztaatsauleihe»........ I7l> Krieg und Rubelknrs............... 178 Die russischen Z-taatsfinan^en iin Richte des ostasiatischen Kriegen l M 2, Tie Rücklvirtungcn des Krieges auf den privaten Kreditvcrkebr und die allgemeinen Ivirtschaftlichen Verhältnisse..... 1^7 Ter russische Geld- und Viapitnlmarkt......... l>^7 ?ie allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse...... l!>2 II. Japan..................., , , l!»') 1, Die Rückwirkung des Kriegen auf den öffentlichen Kredit , , >!>,'> Die Belastung der Ttaatsfinan,',en dnrch den Krieg , , , , 1!!7> Tie Kurse der japanischen Staatsanleihen....... N>>^ Die japainsche Valtlta während des Krieges...... 202 Der japanische Ttaatstredit beim Friedensschlns;..... 2l Die Einlvirtung des Krieges auf den privaten ^ireoirverrehr. 2l>1 Die nllgeineincn wirtschaftlichen Verhälmifse...... 2«>«i III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt......... 2ll 1, ÄllgemeincS über die Einwirtnngen des Krieges aus die Volkswirtschaft nnd den Geldmarkt der Neutraleu....... 2ll 2, Die (i'inwirtnng des Krieges auf den europäischen Geldmarkt , 2U! !>, Tie lLinwirknng ans den europäischen Kapitalmarkt , , , , 224 Tchlnschetrachtunqcn................... 231 Einleituno. ie Wahrheit, daß zum Kriegsühren Geld und uoch einmal Geld gehört, ist so alt, daß mau sich fast scheut, eiueu solchen Gemeinplatz zu wiederholen! aber deshalb bleibt der alte Satz nicht weniger eine Wahrheit, er ist im Gegenteil mit der Entwicklung der Kriegstechnik zn Land nnd zur See immer mehr zur Wahrheit geworden: das Kriegshandwerk von ehedem hat sich z» einem mit dem ganzen Apparat des modernen Kapitalismus arbeitenden Großbetrieb ausgewachsen. Nicht als ob der Mensch nnd alles, was mit ihm nmnittelbar zusammenhängt, in der Bedeutung für den kriegerischen Erfolg durch die technische Zurüstung ausgeschaltet worden wäre; eine solche Anfsassnng wäre noch verkehrter als diejenige, welche in der wirtschaftlichen Entwicklung des Handwerks zum Großbetrieb nur die Verdrängung des Menschen durch die Maschine sieht. Das Menschenmaterial in seiner Zahl, seiner physischen Leistungsfähigkeit und seiner Schulung, der Geist, der es beseelt, die Organisation nnd Disziplin, die es znsammenhalten, die Persönlichkeit, die es leitet, — das alles sind Faktoren, die dnrch keine technische Zurüstung, in der Industrie durch keine Maschine, in der Kriegführung durch keine Schlachtschiffe und keine Geschütze, ersetzt werden können. Nicht in der Ausschaltung dieser Faktoren, sondern in der Steigerung nnd Vervielfältigung ihrer Wirksamkeit liegt die Bedeutung eines jeden technischen Apparats. Die Bedeutung von Technik und Kapital geht Haud iu Hand; denn das Kapital ist die Verkörperung der Technik. Mit der Ent- Hclffcrich, Das Geld im nisstsch-japamschcn Äriegc, > Z Einleitung, c^-i? ^«i? 5--^? Ü-Si? r^-i? r^-i? rs? r--i? cü-i? l^-i? r-!-^» r-L-i? rü^is rZi-i? r^? c?--i? c--?? Wicklung der Technik der modernen Kriegsrüstung ist mithin die Bedeutung der ökonomischen nnd siuauzielleu Kraft der Nationen für ihre militärische Leistungsfähigkeit beträchtlich größer geworden. Schon in Friedenszeiteu erfordert die Instandhaltung der Kriegs- rüstnng und ihre Anpassung an jeden Fortschritt in der Waffentechnik bei allen größeren Völkern enorme und in steter Progression zunehmende Ausgaben, wie sie auf die Dauer nnr von wirtschaftlich prosperierenden und finanziell gut geleiteten Staate» getrageu werden können. Mit dem Kriegsausbruch jedoch tritt eine akute Steigerung der Ansprüche an die finanzielle Leistungsfähigkeit des Staates ein. Die Mobilmachung, der Transport gewaltiger Truppenmengcn mit ihrer Ausrüstung zum Kriegsschauplatz, die Verpflegung und Besoldung der Truppen, der sofort zu ersetzeude enorme Verbrauch an Kriegsmaterial jeder Art — das alles verlangt die prompte Beschaffung von rieseuhaften Summen zu eiuem Zeitpunkt, in dem der Krieg durch die Entziehung vou Arbeitskräften und durch die Unsicherheit aller Verhältnisse, insbesondere des auswärtigen Handels, einen großen Teil des Werte schaffenden Wirtschaftslebens matt setzt. Der Ausblick auf diese finanziellen Ansprüche eines modernen Krieges zeigt, daß neben der Notwendigkeit der rein militärischen Kriegsbereitschaft für jeden anf seine Zukunft bedachten Staat die Notwendigkeit der finanziellen Kriegsbereitschaft besteht. Die der staatlichen Finanzverwaltung für die Verteidigung des Vaterlandes obliegenden Aufgaben beschränken sich nicht daraus, in Friedenszeiten die sür die Instandhaltung der Kriegsrüstung erforderlichen Mittel bereitzustellen, sondern sie umfassen auch die Vorkehrungen, welche für den Kriegsfall die pünktliche Aufbringung der erforderlichen Gelder nach Möglichkeit gewährleisten. Während des Krieges selbst wirkt die Finanzkraft eines Volkes ebensowenig als tote Masse und durch das bloße Vorhandensein, wie das Heer nnd die Flotte; vielmehr bedürfen auch die Finanzen einer planmäßigen uud umsichtigen Führung, die alle vorhandenen Kräfte und alle etwa sich bietenden Vorteile im rechten Augenblick ausnützt: die Operationen des Feldherrn bedürfen zn ihrer Unterstützung der Operationen des Leiters der Staatsfinanzen. Wie die fortgesetzte!? Vervollkommnungen der Kriegswerkzeuge nnd die aus ihnen sich ergebenden Veränderungen der Taktik die Einleitung. Z c-^i? c-si? r^-is c--^» r^.-ii r^->?c--.-is l^,? r^sit l^ii 17^? 1-^! l^-i? csi? nnunterbrochene Aufmerksamkeit aller Staaten erfordern, die ihr Heer und ihre Flotte ans der Höhe der Leistnngsfähigkeit halten wollen, ebenso dulden die Vergrößerungen des durch den Krieg bewirkten Geldbedarfs sowie die Veränderungen in der Organisation des Geld- und Kapitalmarktes und den dadurch bedingten Mitteln der Geldbeschaffung kein selbstzufriedenes Stillstehen. Der gewaltige Kampf, den Rußland und Japan mit allen Mittel» der modernen Technik um die Vorherrschaft in Ostasien geführt haben, verdient deshalb nicht nur in rein militärischer Beziehung, sondern anch nach seiner sinanziellen Seite hin die genaueste Beobachtung. Eine solche Beobachtung hat sich der Verfasser dieser Schrift zur Aufgabe gemacht. Die Ergebnisse werden auf den nachstehenden Blättern in einer einheitlichen Darstellung zusammengefaßt. Und zwar soll zunächst ein Überblick gegeben werden über den Stand der Finanzen der beiden kriegführenden Mächte vor dem Kriegsausbruch unter besonderer Berücksichtigung der für ihre finanzielle Kriegsbereitschaft wichtigen Momente. Im Anschluß daran werden die Maßnahmen festzustellen fein, die von den kriegführenden Mächten znr Deckung des durch den Krieg hervorgerufenen Geldbedarfs getroffen worden sind. Ferner werden die Rückwirkungen des Krieges sowohl ans die Staatssinanzeu und die wirtschaftlichen Verhältnisse der unmittelbar beteiligten Staaten als auch auf den internationalen Geld- und Kapitalmarkt, auf dessen Hilfsquellen beide Parteien in ansgiebigem Maße zurückgegriffen haben, einer Untersnchnug zu unterwerfen sein. 1 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. Vorbemerkung. ie beiden kriegführenden Mächte, Nußland und Japan, weisen in ihrer wirtschaftlichen und siuanziellen Entwicklung während der letzten Jahrzehnte in wichtigen Punkten gleichartige Züge auf. Beide haben noch vor nicht allzulanger Zeit außerhalb des westeuropäischen Kulturkreises gestanden, in beiden beruhte die wirtschaftliche Tätigkeit so gut wie ausschließlich auf rein agrarischer Grundlage, und in beiden herrschte eine mittelalterliche Naturalwirtschaft. In deu sechziger Jahren wurdeu in Rußland durch die Reformen Alexanders II., in Japan dnrch die Beseitigung der Shoguuats-Regierung und die „Nestauration" die Grundlagen geschaffen, auf deuen sich unter dein Einfluß der Technik und wirtschaftlichen Organisation Westeuropas eine gewaltige Umwälzung von Staat uud Volkswirtschaft vollzog. Die Naturalwirtschaft wurde iu raschem Tempo durch die Geldwirtschaft verdrängt, Industrien nach dem westeuropäischen Vorbild wurden ins Leben gerufen, die Eisenbahnen hielten ihren Einzug, der Handel niit dem Auslaud, gegen das mau sich früher abgesperrt hatte, nahm einen rasch wachsenden Umfang an, die Staatsfiuanzeu wurden nach westeuropäischem Muster organisiert, die Ergiebigkeit der Besteuerung wurde aufs höchste augespannt, und darüber hinaus wurde der Kredit der kapitalreicheren Vorbemerkung, 5 6--^ cü-^ r-s^ c^-i? r^-i? r-^-v» r-^? r^-i? r^.-i? rzsi? i^-^? c^-^i? c--^< r-si? r^-I? c---V» c^>s Nationen Westeuropas zur Beschaffung der Mittel für die gewaltig anwachsenden Staatsausgaben herangezogen. In beiden Staaten wurde, nachdem die Überspannung ihrer sinanziellen ,^'rast nnd zeitweise eine schlechte Finanzwirtschaft zu einer Zerrüttung des (Geldwesens und des Staatskredits geführt hatten, durch eine mit bewundernswerter Planmäßigkeit nnd Konsequenz durchgeführte Finanzpolitik der Staatskredit wieder hergestellt und als Abschlns'. dieser Politik in der zweiten Hälfte der 90er Jahre die Geldverfassung auf dem Boden der Goldwährung, dem Geldsystem der westlichen Länder, reorganisiert, um dem eigenen Kredit nnd den Handels- und Finanzbeziehungen zu jenen Ländern für die Dauer eine stabile Grundlage zu geben. Auch eine wichtige Triebfeder für diese von der Regierung gewollten und gegen nicht unerhebliche Widerstände im Volke selbst durchgesetzten Umwälzungen war hier wie dort gleichartiger Nntnr: die Erkenntnis des in der Einleitung augedeuteten Zusammenhangs zwischen der sinanziellen und militärischen Leistungsfähigkeit. Beide Staaten konnten sich der Wahrnehmung nicht verschließen, welche gewaltige Überlegenheit den westeuropäischen Staaten für ihre Armeen nnd Flotten aus ihrer Technik und ihrer wirtschaftlichen nnd sinanziellen Organisation erwachsen mußte. Aus Gründen der Selbsterhaltnng war Japan gezwungen, in seiner Kriegsrüstnng einen gewaltigen Vorsprung nachzuholen, nnd Rußland sah sich znm mim desten genötigt, mit seinen europäischen Nachbarn Schritt zu halte». Das war mir möglich nnter dem Aufwand kolossaler Geldsummen, wie sie eiu Land mit Natnralwirtschast und einer so gut wie ausschließlich Ackerbau treibenden Bevölkerung, ein Land ohne moderne Verkehrsmittel nnd ohne eine zielbewußte Finanzwirtschaft unmöglich aufzubringen vermag. Für Rußland gab in erster Linie der ftrimkrieg den Anstoß für die moderne Entwicklung.") Was Japan anlangt, so ist allbe- „Selten hat ein Krieg so sehr als Kulturträger gewirkt, wie der Krim- krieg', denn er machte die Eisenbahnen zur strategischen Notwendigkeit, gegen welche sich die konservative Negierung des Kaisers Nikolaus lauge gesträubt hatte, weil sie die »Unbeständigkeit des Geistes unserer Epoche« vergrößerten iWorte Kankrins). Die Nachbarschaft des technisch fortgeschrittenen Westens und militärisch auswärtige Gesichtspunkte zwangen abermals iwie zur Zeit g Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Rriezsausbruch. ^-i? i^-i? x--^ ? c^-i» c^-i? c-s>? rs? c-s> c^?is c-sv< c---?» kannt, welche Bedeutung für die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung des letzten Jahrzehnts der japanifch-chinesische Krieg und der Friede von Shimonoseki gehabt haben. In jenein Frieden mußte Japan infolge des von Deutschland und Frankreich unterstützten Einspruchs Rußlands auf seine Eroberungen auf dem chinesischen Festlande, auf die Halbinsel Liaotung mit Port Arthur, verzichten, während Rußland selbst sich in Port Arthur festsetzte. Seit jener Zeit hat Japan seine wirtschaftliche nnd finanzielle Kraft aufs äußerste angespannt, nm feine militärischen Machtmittel zn Wasser und zu Lande auf einen Stand zn bringen, der einen Entscheidungskampf mit einer der ersten Weltmächte gestattete. In beiden Ländern haben also die militärischen Notwendigkeiten und die gewaltigen Geldbedürfnisse für Heer nnd Flotte die Enropäisiernng der Volks- und Finnnzwirt- schaft erzwungen. Die wesentlichsten Unterschiede der wirtschaftlichen nnd finanziellen Entwicklung Rußlands und Japans während der letzten Jahrzehnte sind Unterschiede im Maße und im Tempo, nicht in der Richtung der Fortschritte. Rußland setzte dem Eindringen der westlichen Einflüsse ein Gebilde von weit größeren Dimensionen entgegen, als das beträchtlich kleinere Japan. Der Flächeninhalt des europäischen Rußlands (einschließlich Finnlands und Polens) beträgt etwa 5,4 Millionen Quadratkilometer, während die japanischen Inseln (mit Ausschluß von Formosa) nur eine Gesamtfläche von 382 VW cjKm haben; die Bevölkerung Nußlands wurde im Jahre 1897 auf 1W Millionen Seelen festgestellt, diejenige Japans betrug am Ende des Jahres 1900 — bei einer fünfeinhalbmal so großen Bevölkerungsdichtigkeit") — nur 44,8 Millionen. Der russische Außenhandel stellte in Einfuhr uud Ausfuhr im Jahre 1903 einen Wert von 3,34 Milliarden Mark dar, während der japanische Außenhandel — trotz eines sehr viel schnelleren Peters des Großen) und zwingen heute den Staat zur Beschlenninung des wirtschaftlichen Fortschritts in der Richtung auf den »jinpitaliomuS«. Mit dein Eisenbahnbau hielt Tausch- und Geldwirtschaft Einzug in Rußland. Dieser gewaltige Umschwung fand seinen Ausdruck in dem Reformwerk Alerandcrs II." v. Schulze-Gävernitz, Nolksivirtschnftlichc Studien ano Rußland. 1899. S.48. In Rußland kamen im Jahre 1897 etwa 2» Einwohner auf den Quadratkilometer, in Japan dagegen NÜ. Vorbemerkung. 7 r^->? c^-^»> r^--»> k r^--»> r^»^ c^V^ r^-^ r7^l^ c-^> c-^v^ c^-»> l^.v> r-^v> r7<.^ c^^» < c^»> c^.^ Wachstums in den letzten Jahrzehnten — sich auf einen Wert von 1,27 Milliarden bezifferte. Vor allem aber tritt der Unterschied in den Dimensionen hervor bei den Staatsfinanzen: der Haushaltsvoranschlag für 1904 wies bei Rußland Einnahmen in der Höhe von etwa 4710 Millionen Mark auf, während bei Japan die für 1904/U^ veranschlagten Einnahmen nur die viel bescheidenere Ziffer von WO Millionen Mark erreichten. Diese Unterschiede in den Größenver- hältuissen, die auch in anderen wichtigen Punkten sich zeigen, sollen hier nur augedeutet werden, um darzutun, daß in Nußland bei der Umgestaltung von Volkswirtschaft und Staatssinauzen ganz andere Massen in Bewegung zu setzen und ein Werk viel größeren Stils zu vollbringen war und noch zu vollbringen ist als iu Japan. Anderseits hat sich die Umwälzuug in Japan iu einem beträchtlich schnelleren Tempo vollzogen als in Rußland. Das russische Reich war, ehe es mit den Reformen Alexanders II. nnd dem Eisenbahn- ban in das Stadium der beschleuuigten Umwandlung eintrat, bereits seit langer Zeit den Einwirkungen der westeuropäischen Kultur an?" gesetzt gewesen, es hatte insbesondere in der Zeit Peters des Großen bereits eine Art Vorbereitung für die raschere und vollständigere Umwandlung der letzten Jahrzehnte durchgemacht. Japan dagegen ist mit der Restauration Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhnuderts so gut wie unvermittelt in das neue Entwicklungsstadium eingetreten, das ihm einen radikalen, nahezu jeden Anknüpfungspunkt an die Vergangenheit entbehrenden Umbau aller staatliche!? und wirtschaftlichen Einrichtungen, ja eine Umwälzung des ganzen politischen und wirtschaftlichen Denkens brachte. Ebenso wie in Nußland die neue Entwicklung vorbereitet war, hat sie sich in der Folgezeit iu eiuem verhältnismäßig ruhigeu Tempo fortgesetzt, während Japan nach der Überwindung der ersten Übergangsschwierigkeiten und Rückschläge in einer in der Weltgeschichte unerhörten Schnelligkeit sich die Technik sowie die wirtschaftliche, finanzielle und politische Organisation Europas aneignete und auf dieser Grundlage eine rapide Entfaltuug seiner Volkswirtschaft und feiner Staatssinauzen erlebte. Japan ist dabei durch die großen Vorzüge seiner geographischen Gestaltung und Lage, auf Grund deren man es als das „England des Ostens" bezeichnet hat, sowie durch den beweglichen Geist seiner Bevölkernug erheblich unterstützt worden, während die schwere Masse des kontinentalen 8 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsansbruch. rs? r---^ r-si? i^?>> rss r-i-?.^ rs> c^-ii c---^ rü-i> rü-i? c-L^ c^i r-si? Rußlands und — damit Wohl zusammenhängend — die geringere Anpassungsfähigkeit der russischen Bevölkerung dem Umwandlnngs- prozeß einen weit größeren Widerstand entgegensetzte. Nach diesem allgemeinen Überblick über die Grundzüge der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung, die beide Länder während der letzten Jahrzehute durchgemacht haben, wenden wir uns zu der Betrachtung der eiuzelnen konkreten Tatsache», die für die Beurteilung der finanziellen Stärke beider Länder zur Zeit des Kriegsausbruchs von Wichtigkeit sind. Es ist bei dem Thema dieser Arbeit schlechthin selbstverständlich, daß es sich für mich an dieser Stelle, ebenso wie bei der ursprünglichen Publikation meiner Aufsätze in der „Marine-Rundschau", uicht um eiue ins einzelne gehende, jeden kritischen Einwand berücksichtigende Darstellung der Finanzverhältnisse der beiden kriegführenden Länder handeln kann, sondern nur um ein in kurzen Zügen um- rissenes Bild. Wer sich genauer über die Finanzlage und die wirtschaftlichen Verhältnisse der beiden Länder zn informieren wünscht, mnß sich mit der umfangreichen Spezialliteratur beschäftigen.") Hinsichtlich der russischen Finanzen gehen allerdings die Meinungen weit auseinander, und die heftigen Angriffe, die gegen meine Darstellung im Oktoberheft 1904 der „Marine-Nundschau" gerichtet wurden, haben mich veranlaßt, im Dezemberheft 1994 auf die wichtigsten Punkte dieser Kritik eiuzugehen. Im nachfolgenden soll zunächst der Stand der russischen Finanzen vor dem Kriegsausbruch ohne jede Polemik in derselben Weise skizziert werden, wie das ursprünglich in der „Marine-Rundschau" geschehen ist, und darauf soll, gewissermaßen als kritische Begründung, die in der „Marine-Rundschan" gegebene Abwehr der gegen meine Darstellung gerichteten Angriffe folgen. Hervorgehoben sei anßer dein bereits zitierten Werke von Professor v. Schulzc-Gaevcrnitz, „Volkswirtschaftliche Studien nuS Rußland", 189», vor allein auch das kürzlich erschienene Buch von V. Wittschewsky, „Rußlands Handels-, Zoll- und Indnstriepolitik von Peter dein Großen bis auf die Gegenwart", Berlin 1995. Die abfällige Kritik der russischen Finanzpolitik beruht, soweit die deutsche Literatur in Frage kommt, in der Hauptsache auf der Schrift bon 1)r. Rohrbach über „das Finan.mistem Witte", Berlin 1902. I. Die russischen Finanzen vor dein Kriege. g 6S? rss r^-i» c^-i? l^-I? c--?, r^i? c--^ cü-^? r-Li? ÜL^» cs? rs? r^>» r?!-i? r^>> I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege. 1. Der Etaksvoranschlag für 1904. Der russische Etatsvoranschlag für das Jahr 1994 stellt sich nach dem Bericht des Finanzininisters an den Zaren, der alljährlich am 1. Januar (alten Stils) publiziert wird, folgendermaßen dar: Die ordentlichen Einnahmen sind auf 1 989,1 Millionen Nudel (— 4277 Millionen Mark) veranschlagt! ihnen stehen gegenüber ordentliche Ausgaben im Betrag von 1966,5 Millionen Nnbel 4 247,6 Millionen Marl). Der Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben beträgt mithin im Ordinarinm des Voranschlags 13,6 Millionen Rubel 29,4 Millionen Mark). Im Extraordinarium sind die Einnahmen auf 198,6 Millionen Rubel 429,0 Millionen Mark), die Ausgaben auf 212,2 Millionen Rubel 438,4 Millionen Mark) beziffert; es ergibt sich also hier ein Fehlbetrag, der durch den Überschuß im Ordinarinm seine genaue Deckung findet. Dabei muß hervorgehoben Vierden, daß der weitaus größte Teil der außerordentlichen Einnahmen, nämlich 193,8 Million nen Rubel, gebildet ist durch Entnahmen aus dem freien Bar - bestände der Reich sr en tei, dem die Erlöse aus Anleihen, die unvorhergesehenen Einnahmen und die etwaigen Überschüsse ans den früheren Rechnungsjahren zufließen nnd aus dem nnvorher- gesehene Ausgaben zn decken sind. Die Erhaltung dieses Bestandes der Reichsrentei auf einer nicht unbeträchtlichen Minimalhöhe bildet einen wichtigen Grundsatz der russischen Finanzpolitik. Der „freie Barbestand" wird in dem Bericht des Finanzministers für den 1. Januar 1994 auf 312 Millionen Rubel") berechnet, so daß er die in, Voranschlag auf ihn angewiesenen 193,8 Millionen Rubel leicht tragen konnte. Was an dem russischen Budget zunächst frappiert, ist die Größe der Ziffern. Das russische Budget für 1994 balauziert in Einnahme und Ausgabe mit 2178,7 Millionen Nnbel ^ 4706 Millionen Mark, während z. B. die Ausgaben Frankreichs nach dem Etat für 1904 auf Nach der endgültigen Alirechnung über die vorausgegangenen Finanzjahre stellte sich der freie Barbestand zu Ansang des Jahre-? 1904 «ins MI Millionen Rubel. 10 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands nnd Japans vor dem Kriegsausbruch. etwa 2880 Millionen Mark und diejenigen des Deutschen Reichs auf 2002 Millionen Mark veranschlagt sind. Bei einer solchen Vergleichung ist jedoch nicht nnr die Größe der russischen Bevölkerung*) zn berücksichtigen — ein Umstand, der allerdings dnrch die größere Wohlhabenheit der westlichen Völker reichlich ausgeglichen wird —: es ist vielmehr auch zn beachte», daß, wie die unten wiedergegebene Übersicht über die einzelnen Posten des russischen Budgets zeigt, mehr als die Hälfte der Einnahmen Rußlands aus Regalien und Staatsbetrieben gewonnen wird, die in Frankreich eine weit geringere Rolle spielen; daß ferner bei der Berechnung der staatlichen Ausgaben Deutschlands die Ausgaben der Bundesstaaten, die ähnlich wie Rußland über ein großes produktives Staatsvermögen in Eisenbahnen, Bergwerken, Domänen usw. verfügen, mit in Rechnung gezogen werden müfsen, was für Deutschland für das Jahr 1904 eine Gesamtsumme von etwa K450 Millionen Mark an staatlichen Ausgaben ergibt.**) Jni einzelneu gliedern sich die Einnahmen uud Ausgaben Rußlands nach der dem Voranschlag für 1004 beigegebenen Übersicht in folgende Hauptvosten: l. Ordentlicher Etat. ->) Ein n a h m e n. Direkte Steuer»............ 185,14 Millionen Rubel, Indirekte Stenern............ 42t,tv Gebühren. .............. 103,58 StaatSregnlien............. 589,85 - - StaatSbesiKtum nnd -Kapitalien....... 560,95 - - MlvsnngS.'iahlnngen der Bauern....... 86,16 - - Ersatz von Ausgaben der ReichSrentei..... 76,2!Z - - Verschiedene Einnahmen . ........_ 7,02 __- Zusammen , . . I9>!9,99 Millionen Rnbel. Nimmt man die Bevölkerung des ganzen russischen Reichs >>?9 Millionen Einwohner nn, so ergibt der Voranschlag fiir 1994 eine Belastung pro »opf von N6,N Mark, während der Voranschlag Frankreichs fiir 1994 eine Belastung der Bevölkerung von etwa 76 Mark pro Kopf bedeutet. Dabei sind die beim Etat deS ReichSschavmntS als ReichSauSgiwen verbuchten „Üverweisnngen an die Bundesstaaten" im Betrage von 196 Millionen Mark natürlich nicht miteingerechnet. I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege, 11 c^Ä? ? ^5»? c^»? c^»^ r^^? c^-> ^ r^,^ c^>? c^-v^ c^>> d) Ausgaben, Zahlungen fiir die Staatsschuld....... 289,3«! Millionen Rubel, Höchste Ttaat-?instilntiouen........ 3,53 - Ressort des Heiligsten ShnodS....... 20,33 Ministerium des Kaiserlichen Hofeo..... 10,1.! - - - Auswärtigen...... . ü,42 -- - - Kriege?......... 300,70 - - - der Marine , . ....... 113,62 - - - - Finanzen. >....... 372,12 - - - - Landwirtschaft und der Domäne» 40,83 - - - des Innern......... 114,73 - - der VolkSanftläruug...... 43,08 - - - Verkehrswege....... 473,27 - - Hauptverwaltung für HandelSschisfalirl und Hafenwesen .............. 10,55 - - Ministeriniii der Justiz.......... 51,08 - Reichskontrolle............. 8.99 Hauptverwaltung des Reich5gestül>vesenc> , , , 2,12 Fiir den Fall von Preissteigerungen sür Proviant und Furage............ 3,00 - - Au den Voranschlägen nicht vorgesehene Aufgaben fiir besondere im Laufe des Jahres auftretende Bednrfuisse , , ,......... 12,00 _ ^nsammen , , , 1000.40 Millionen Rubel. ll. Außerordentlicher Etnt. u) E i II n a h m e II. Ewige Einlagen bei der NeichSbanl..... 2,75 Millionen !>!nl>el, AnS den sreieu Barbeständ e» der Reich-^rentei , , 105,70 - _- ^,»samiueu . . , 108,54 Millionen Rubel. b) Ausgaben. Bau der sibirischen Eisenbahn nnd deren Hilss- uuternehmuugeu.......... 21,50 Millionen !>inbel, Bau anderer Eisenbahnen......... 125,04 - - Darlehen an private Eisenbalmgesellschaften . . 02,08 - - Entschädigungen........... 2,00 - _- Jnsauunen . , , 212,1>^ Millionen Rubel. Die gewaltigen Einnahmen aus Regalien und Staatsbetrieben fließen in erster Linie ans den staatlichen Eisenbahnen und dem Spiritnsmonapol, ans dem Betrieb von Post, Telegraph und Tele- Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch. Phon, cms dem Münzlvesen, aus staatlichen Domänen und Fabriken und ans der russischen Reichsbauk. Die M Millionen Nnbel Ablösungszahlungen setzen sich zusammen aus deu Annuitäten, welche die Domanicilbauern für die Ablösung der Pachtstener (Obrok) zu zahlen haben, ferner aus den Jnhreszahlungen der Gutsbauern znr Verzinsung und Tilgung der vom Staat gelegentlich der Bauernbefreiung znr Befriedigung der Gutsherren aufgenommenen Ablösnngsschnld, Die 76 Millionen Ersatz von Ausgaben sind Rückzahlungen auf Darlehen, die der Staat an Eisenbahngesellschaften, au lokale Korporationen und fremde Staaten gewährt hat. Der Betrag der direkten Stenern ist gering; von den indirekten Stenern kommt der größte Teil auf die Zölle. Was die Ausgaben anlangt, fo ist zunächst bemerkenswert, daß nur Ausgaben für produktive Verkehrslmternehmungen auf das eventuell durch die Aufnahme von Anleihen zu deckende Extraordinariuni überwiesen sind, während alle übrigen Ausgaben, auch die gesamten Ausgaben für Heer und Flotte, ans dem Ordinarium steheu und nach dem Voranschlag ihre volle Deckung durch die ordentlichen Einnahmen finden. Die Ausgaben für Armee und Marine sind sehr beträchtlich; in Mark umgerechnet stellen sie sich sür das Heer auf 779 Millionen Mark, gegenüber einer Ausgabe des Deutschen Reichs von 646 Millionen Mark für denselben Zweck, — für die Marine auf 245 Millionen Mark, gegen 21L Millionen Mark beim Deutschen Reich. Die Ausgaben für Nüstungszwecke machen insgesamt nahezu ein Viertel der sämtlichen ordentlichen Ausgaben aus. Ein weiteres Viertel kommt ans die Nerkehrsunternehmnngen, von denen ein nicht unerheblicher Teil noch Betriebszuschnsse nötig hat. Nahezu ein Sechstel der Ausgaben kommt ans die Verzinsung nnd Amortisation der Staatsschuld. Unter die sehr erheblichen Ausgaben des Finanzministeriums salleu uebeu den Ausgaben der eigentlichen Finanzverwaltung namentlich die Beamtenpensionen, die Unkosten des staatlichen Branutweinverkaufs und die Garantiezuschüsse an Eisenbahngesellschaften. Sehr spärlich bedacht sind die Ausgaben für Kultur- bednrfnisse. Die russische Staatsschuld, dereu Dienst einen so erheblichen Teil der Ausgaben ausmacht, bezifferte sich zu Beginn des Jahres 1M4 ans 6K3l> Millionen Nnbel ^ 14^ Milliarden Mark. Sie war mit- I. Die russischen Finanzen vor dein Aricgc, 1Z c^Ä? r^»? r^-> ^ r^-i? c-^? r^-»> r^?»? r^>> r^?r^»> r^--> ^ ^.-itl^^ ^.->? hin fast genau so hoch wie die Summe der Schulden des Deutschen Reichs und sämtlicher Bundesstaaten, die sich im Jahre 1994 auf etwa 14^ Milliarden Mark belief. Die russische Schuld zerfällt in eine große Anzahl verschiedener Kategorien, die — je nach ihrer Entstehungszeit — mit verschiedenem Zinsfuß ausgestattet sind. Nahezu die Hälfte der zu Anfang 1994 ausgegebenen russischen Staatsschuld- verschrcibnngen und Renten (3934 Millionen Rubel) lautete uebeu russischer Währung auch auf deutsche, französische, englische oder holländische Währung, wobei Zinsen und Kapital nach Wahl des Schuldners in der einen oder anderen dieser Währungen zahlbar sind. Während früher die Ausgabe von Schuldverschreibungen mit einem festen Tilgungsplan üblich war, ist in den letzten Jahrzehnten eine beträchtliche Anzahl von „ewigen Renten" hinzugekommen. Außerdem hat der Staat bei dem Ankauf von Eisenbahnen die Verpflichtung aus den von den Eisenbahngesellschaften ausgegebenen Obligationen übernommen: ebenso stellen die Pfandbriefe der russischen Adels- Agrarbank und der russischen Bauernbank, die beide Staatsinstitnte sind, eine Schuld des russischen Reiches dar. Von dieser Schuld ist ein sehr erheblicher Teil im Auslände untergebracht, vor allem in Frankreich, das voni Jahre 1887 an die von Teutschland abgestoßenen russischen Werte aufnahm und seit jener Zeit enorme Beträge von neuen russischen Auleihen absorbiert hat. In Paris wurden vor dem Kriege an der Börse nicht weniger als vierzehn Kategorien russischer Staatsanleihen, außerdem zehn Kategorien russischer Eisenbahnobligationen offiziell notiert. Der Betrag der vor dem Kriege in französischen Händen besiudlichen russischen Staatspapiere wird auf etwa 7 bis 9 Milliarden Franken geschätzt,'") der in Deutschland, Holland und England untergebrachte Betrag auf nahezu 3 Milliarden Frauken. Der Betrag, den Rußland für die Verzinsung und eventuelle Amortisation dieser Anleihen Der Londoner „üeonomist" vom 18. Februar 1904 schätzt in seiner Pariser Korrespondenz die gesamte Kapitalanlage Frankreichs in russischen Werten iciuschlictzlich industrieller Werte) ans 7 bis 8 Milliarden Fronten. — Ravhavl-GeorgeS Lövh schätzt in einem Aufsätze in der „Revue- lies ilsux moudes" (vom 1. Juli 1904) den in Frankreich nntcrgebrachten Betrag der russischen Staatsschuld allein auf mehr als die Hülste des Gesamtbetrags, also auf etwa 9 Milliarden Franke». I I Erster Teil, Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. nach den genannten Ländern z» remittieren hatte, wird ans 450 bis 5,00 Mittionen Franken für das Jahr veranschlagt. Hauptsächlich fiir den Dienst seiner im Ausland untergebrachten Anleihen hält das russische Finanzministerium in London, Paris uud Berlin ständige Guthaben, deren Höhe natürlich beträchtlichen Schwanknngen unterworfen ist: sie sotten sich in den ersten Monaten des Jahres 1904 ans etwa MO Millionen Fronten belaufe» haben. Zu der starken Verschnldnug des russischen Staates an das Ausland kommt hinzn, dafz ein großer Teil der nen geschaffenen russischen Industrien durch ausländisches Kapital ins Leben gernfen ist oder wenigstens teilweise mit ausländischem Kapital arbeitet. Die Aktien nnd Obligationen von zahlreichen Uuternehmnngen, insbesondere auf dem Gebiet des Bergbaus und der Metallverarbeitung sowie von Straßenbahngesellschaften usw. sind im Besitz des Auslandes, namentlich Frankreichs, Teutschlands und Belgiens, und die auf diese Werte zu zahleuden Dividenden uud Zinsen bilden neben den Zinsen der Staatsschuld eine weitere erhebliche Belastung der russischen Zahlungsbilanz. 2. Die Entwicklung der russischen Staatsstnanzen in den letzten Jahrzehnten. An sich kann ein Momentbild des russischen Budgets nud der russischen Staatsschuld eine Beurteilung der russischen Finanzkraft tanm ermöglichen: dieses Bild bedarf vielmehr zu seiner Ergänzung eines Überblicks über die Eutwickluug der russischen Finanzen während der letzten Jahrzehnte. Die Gestaltung des Staatshaushalts. Tie Größe der seit der Mitte des 10. Jahrhunderts von Rußland auf wirtschaftlichem, militärischem uud weltpolitischem Gebiet zu bewöltigeudeu Aufgaben, insbesondere die Befreiung uud Ablösung der Bauern, der Ausbau eines gewaltigen Eisenbahnnetzes uud die beträchtlichen Kosten zuerst des Krimkriegs, dann des rnssisch-tür- kischen Kriegs, haben an die russischen Staatsfinanzeu enorme Ansprüche gestellt, denen diese aus verschiedene!? Gründen fürs erste nicht gewachsen waren. Zunächst fehlte in der russischen Wirtschaftsver- fassuug, solange die bäuerliche Naturalwirtschaft unbediugt vor- I. Die russischen Finanzen vor dein Kriege. Ig harschte, die Voraussetzung für die Aufbringung der großen voiu Staate benötigte» Smumen; omni mußte die russische Fi»a»zwirt- schaft selbst auf eine rationelle, den ueueu Bedürfuisseu angepaßte Grundlage gestellt werden, Solauge diese Voraussetzungeil für eine geordnete Finanzwirtschaft fehlten, hat der russische Staatshaushalt Jahrzehute hindurch mit große» Defiziten gearbeitet, nnd wo die Einnahmen zur Deckung der Ausgaben nicht ausreichten, wurde aus die Aufnahme vo» Anleihen und die Ausgabe vou Papiergeld, das einer starken Entwertung unterlag, zurückgegriffen. Die entscheidende Reform, dereu Ziel die Konsolidierung der Staatsschuld und die Wiederherstellung des Staatskredits sowie die Ersetzung der schwankenden Papierwährung durch eine stabile nnd solid begründete Goldwährung war, ist zn Beginn der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts durch deu Fiuanzmiuister B u n g e eingeleitet worden nnd hat vom Jahre 1888 an ihre Wirkungen gezeigt. Durch die Finanzreform Bunges, die zum Teil bereits durch die im Jahre 1875 eingeführte allgemeine Grundsteuer vorbereitet war, wurden die wirtschaftlich schädliche uud iu der finanziellen Ergiebigkeit nicht steige- rnngsfähige Belastung der uutersteu Klassen durch Kopfsteuer und Salzsteuer beseitigt uud die Ablösungszahlnngen der Bauern für das ihnen überlasseue Land ermäßigt; dafür wurde die indirekte Besteuerung der entbehrlicheren Verbrauchsgegenstände, vor allem des Branntweins, dann des Tabaks, Zuckers, Mineralöls und der Zündhölzer, beträchtlich ergiebiger gestaltet, ebenso der Ertrag der Eiu- gaugszölle: die Besteuerung der gewerbetreibenden Klassen, des Handels und Verkehrs und des bewegliche» Eigentums erfuhr, um die Entwicklung von Industrie und Handel nicht zn hemmen, nur eine mäßige Steigerung; dagegen wurden namentlich der gewaltige Domänenbesitz, die Eisenbahnen uud die sonstigen Eigenbetricbe des Staates in den Dienst der Finanzpolitik eingestellt. Ans der anderen Seite wurde mit großer Strenge an dem Grundsatz festgehalten, daß die sämtlichen ordentlichen Ausgaben ihre Deckung in den ordentlichen Einnahmen zn finden hätten, nnd daß ivomöglich noch ein beträchtlicher Teil der außerordentlichen Ausgaben — statt aus neuen Anleihen — aus Überschüssen des ordentlichen Etats geleistet werden sollte. Dabei hat eine wesentliche Entlastung des außerordentlichen Etats dadurch stattgefunden, daß durch ein Gesetz vom 4. Juni 1894 16 Erster C,eil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Ariegsausbruch, r-si! c---i? ^-i? r-sv» c^si, r^-i? c---^ >> r---^» rzü^? r^-i? cü-^? c-^? c-si? die gesamten Kosten der Unterhaltung der Eisenbahnen, der Erneuerung des rollenden Materials, der Hasenarbeiten, der Nenbe- wafsnung usw. auf den ordentlichen Etat überwiesen wurde«! nur die Kosten der Neubauten von Eisenbahnen und der Nenbeschaffung von rollendem Material wurden auf dem außerordentlichen Etat belassen. Durch ein weiteres Gesetz vom 22. Mai 1900 sind auch die Ausgaben für die Vermehrung des rollenden Materials und des sonstigen Eisenbahnbedarfs auf den ordentlichen Etat übertragen worden."') Die Früchte dieser Finanzpolitik waren, daß in der Tat vom Jahre 1888 an das Defizit aus dem russischen Staatshaushalt verschwand und an seine Stelle allmählich zu beträchtlicher Höhe anwachsende Überschüsse traten, obwohl die zur Bewältigung der vou dem, Staate zu erfüllenden Aufgaben erforderlichen Summen gauz gewaltig angeschwollen sind. Es betrugen (iu Millionen Rubel)! Die ordentlichen Die ordentlichen Der llbcr- Einnahmcn i Ausgabe»: ^- i.' ^ . . . Im Jahre 1883 . . . 700,4 723.» 23,2 - 1887 . . . 820,4 842,0 21,6 - 1888 . . . 873,6 837,0 — 36.6 - 1892 , . . 964,7 952,6 12,1 - 1897 . . . 1416,7 1229,0 187,7 - 1901 . . . 1799,4 1664,9 134,5 - 1902 . . . 1905,4 1802,1 103,3 - 1903 . , . 2031,8 1883,0 148.8 Wenn für das Jahr 1904 die Einnahmen ans 1980,1 Millionen Rubel, die Ausgabeu aus 1906,5 Millionen Rubel, der Üvcrschnß mithin mir auf 13,6 Millionen Rubel veranschlagt waren, so mußte berücksichtigt werden, daß die russischen Voranschläge in den letzten Jahren durchweg mit so großer Vorsicht aufgestellt wordeu sind, daß das fchließliche Resultat nicht unbeträchtliche Mehreinnahmen aufwies, wie die folgende Nergleichnng für die Jahre 1902 und 1903 zeigt: Bot. Wittschcwskii, „Budgei- und Tteucrverhältnissc Rußlands", in den Jahrbüchern für Nationolvkvnonne und Statistik, April 1904, T. 595. I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege. 1, ^-i? r?Si? c-si? r-sSi? rs? r-si? cü-?? i^-i! r^-ii r-i-i? rü?i? ^-1? c^-n cs? __ Millionen Rubel: _ Einiiahmen: Ausgaben: Überschuß: nach dein mich dein nach dein »ach dein nach dein nach dem Anschlag: Kassen- Anschlag: Kassen- Anschlag: .ttnsseu- nbschlusz: abschlus;: abschlus',: Im Jahre 1902: 1800,8 1905,4 1775.9 1802,1 24,9 103.5; - 1903: 1897,0 2031,8 1880,4 1883,0 16,« 118,8 Nach der oben mitgeteilten Übersicht sind von 1883 bis 1903 die ordentlichen Ausgaben des russischen Staats auf nahezu das Zweieinhalbfache, die ordentlichen Einnahmen ans nahezu das Dreifache gestiegen. Das Anwachsen der Ausgaben ist, wie die Gegenüberstellung der wichtigsten Ausgabcposten für die Jahre 188K und 1904 ergibt, iu erster Linie bediugt durch die Entwicklung der staatlichen Verkehrsuuteruehinuugen uud durch die (beim Finanzministerium verbuchten) Kosten des Branntweinmonopols! ferner durch die Ausgaben für Heer uud Flotte, zum Teil auch durch die steigeudeu Kosten der allgemeinen Verwaltung. Dagegen ist es ganz besonders bemerkenswert, daß die Ausgaben für den Dienst der Staatsschuld eiuc nur unbeträchtliche Steigerung erfahren haben, ein Umstand, der später noch eingehend zu erörtern ist. Die ordentlichen Ausgaben Nußlands im Jahre 18 8 6 uud nach dem Anschlag für 1 90 4.*) (In Millionen Rnbel.) 188«: 1904: uu a h in e: Betrag: Prozent: Dienst der Staatsschuld . . 264,5, 289,3 24,8 9 Kriegsininisteriuin .... 212,7 360,8 148.1 70 Marine........ 44,6 113.6 69,0 155 ^innnzininisteriilin .... 116,4 372,1 25.5,7 219 Verkehrswesen..... 25.7 473,3 447.6 1742 Ministerin»! des Innern . . 71.7 114,7 43,0 60 Justiz . ....... 20,3 51,1 30.8 152 Landwirtschaft..... 5 49,8 27.3 121 VolkSaufklnrung..... 21.2 43.7 22,5 106 Gesamtausgabe» . 832,3 I966.S 1131.2 136 Iii dieser Übersicht sowie in der folgende» über die Eimiahincn sind die Zahlen siir 1886 entnommen ans Rattülovieli, ,,I^o Älaiciliv l^iiiimoiiii' su 1895/96'-, S. 281 und 283; die Zahlen siir 1904 sind entnommen nus dem Bndgctbcricht des russischen Fi»n»zmi»isters für 1904. Helfscrich, Das Geld im russisch-japmiifchcn Knrgc, 2 1H Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch, c-i-?? c-si? c--^? r^«i? r-i-v? c-si? c-si? rs-i? c---i? r^-^s r---^ c--?>? c^-.'? c-^? rs? r--«is In welchem Maße die steigenden Ausgaben ihrerseits durch die Entwicklung der wichtigsten Einncchinezweige ihre Deckung gefunden haben, ergibt die folgende Übersicht: In Millionen Rubel: Personal- Grund- und ^-orst- 188li- 1R>4: Z u n n h m e : Betrag: Prozent: steuern....... . 80,1 49,0 -31,1 — 39 Gewerbesteuer...... 28,0 67,5 39,5 141 »apitalrcntensteuer..... 10.0 18.0 8,0 86 Smnme der direkten Steuer» 118,1 135.1 17.0 14 Perbrauchsabgabe von Getränken ieinschliestlichSpiritusmonoPol) 237,0 553,2 310,2 133 BerbrauchSabgaben auf Zncler. Tnbnt. Mineralöl, Ziindhvlzcr 35,1 104,8 129,7 370 ^.ölle.......... 102.7 228,5 125,8 122 Summe der BerbrauchSstcuern 371,8 940,5 571,7 153 Gebühren........ 48,0 103,6 55,0 113 Land und forstwirtschaftliche Betriebe des Doinaniums. . . 24,3 83,5 59,2 244 StaatSeisenbahnen..... 12,7 447,4 434,7 3423 Post, Telegraph, Telephon , , 25,5 60.0 34,5 143 Gesamteinnahmen . , 770,5 1960,5 1196,0 155 Die Konsolidierung des Staatskredits. Die erheblichen Überschüsse, die der russische Staatshaushalt seit dem Jahre 1888 abwarf, haben Rußland in den Stand gesetzt, in den letzten 1^ Jahrzehnten die gewaltigen Lasten seiner expansiven asiatischen Politik zu tragen; gleichzeitig dienten sie — in Verbindung mit anderen günstigen Verhältnissen — direkt und indirekt der Ordnung und Konsolidierung der Staatsschuld sowie der Ersetzung der Papierwährung durch eine Goldwährung.") "> Ter Bericht des F-inanzministerS nn den Kaiser über das Neichsbudget für 1901 sagt darüber folgendes: „Die vorwiegend aus Cinnahincüberschiissen im Ordinarium entstandenen Rescrvcinittcl hoben cS ermöglicht, den Bau der sibirischen Bahn fast zu vollenden: mit ihrer Hilfe wurde unsere Kriegsflotte durch neue Schiffe verstärkt und die Umbewaffnuug der Armee durchgeführt: aus ihnen konnte zweimal im Laufe des letzten Jahrzehnts dem Volke Beistand geleistet werden, als es durch Misternten in Not geraten war. Dieselben I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege. js> ^-i? r^-i? c^-Ä? c^Z? r'^i? r^-i? r?^^ ^-i? c-^i? ^-.^ ^->? c^, ? Soweit die Überschüsse zur Deckung außerordentlicher Ausgaben verwendet wurden, halfen sie die Aufnahme neuer Anleihen zu beschränken und den bereits vorhandenen Schulden ein Aktivvermögen gegenüber zu setzen. Daneben aber stellte die günstige Gestaltung der russischen Finanzwirtschast den schwer erschütterten Kredit Rußlands auf de» westeuropäischen Geldmärkten wieder her und gestattete daher Rußland, für die Erleichteruug der ihm aus seiner Schuld erwachsenden finanziellen Belastung aus der iu der zweiten Hälfte der 80er uud der ersten Hälfte der Wer Jahre eingetretenen starken Senkung des Zinsfußes erheblichen Nutzen zu ziehen. Dazu kam die politische Annäherung an Frankreich, die der russischen Finanzverwaltuug den guten Willen des französischen Kapitals in einen: nie geahnten Umfang zur Verfügung stellte. Die Wirkung dieser Verhältnisse zeigte sich in einer erheblichen Besserung des Kursstandes der russischen Staatspapiere. Die 4pro- zentigen russischen Goldanleihen bewegten sich noch im Jahre 1889 auf einem Kursstand vou ungefähr 73 und gingen im Jahre 1883 bis ans 08 herunter^ Ende 1895 standen sie auf 97^, und vom Ende des Jahres 1897 ab haben sie sich meist auf oder über der Parität gehalten; ja im Jahre 1899 erreichte der Stand der russischen Zl/^prozentlgen uud 3prozentigeu Goldanleihen bis auf die Bruchteile eines Prozentes den Kurs der mit der gleichen Verzinsung ausgestatteten deutscheu Reichsanleihen. Ende Juli 1899 stand die 3i/>prozeutige deutsche Reichsanleihe in Berlin auf 190,10, die 3>/iprozentige russische Goldanleihe auf 99,89, die 3prozeutige deutsche Reichsauleihe auf 90, die 3prozentige russische Anleihe auf 89,79.") Die günstige Gestaltung der Dinge wurde von Rußland benutzt, um durch eiue Reihe umfangreicher Konversionen die seinem Budget aus der vorhandenen Schuld erwachsende Belastung erheblich zu VerErsparnisse haben nns ferner die Möglichkeit gewährt, nnsere Währnngs- verhältnisse durch die Entrichtung der unverzinslichen Tchnld an die Reichsbank für die im Interesse des Staatsschatzes emittierten Kreditbillette völlig zu ordnen. Schließlich sind im abgelaufenen ^ahre ans jenen Rcservemitteln mich die ganz mihergewölmlichen nnd sehr beträchtlichen, dnrch die Ereignisse in Ostasien verursachten Ausgaben bestritten worden. Ohne diese Mittel waren wir gezwungen gewesen, zu einer Anleihe zu schreiten, und zwar bei der gegenwärtigen i.'age des Geldmarktes unter gewiß recht driickendcn Bedingungen." Vgl. v. Schnlzc-Gävernitz, a. n. O. S. 5S3. 2» 2l1 Erster u.eil. Die Finanzen Rußlands nnd Japans vor dein Kriegsausbruch, r^i? c^»? c^v? r-^? r7^? r^-,? niindern. Allein in den Jahren 1889 bis 1892 wnrde ein Nominal- kapital von 1667 Millionen Rubel (Kredit) konvertiert, und zwar vorwiegend Goldanleihen. Im Jahre 1894 wurden Sprozeutige Papieranleihen im Betrage von mehr als 1 Milliarde Rubel in 4pro- zeutige ewige Rente unigewandelt. In den folgenden Jahren wurden diese Konversionen fortgesetzt und daneben Konversionen der hochver- zinslichen Obligationen von verstaatlichten Eisenbahnen und von staatlichen Bodenkreditinstitnten vorgenommen. Infolge dieser Operationen hat sich der durchschnittliche Zinsfuß der russischen Staatsschuld von 4,8 Prozent Anfang 1887 auf 3,8 Prozent Anfang 1902 ermäßigt. Allerdings ist durch die Konversionen selbst das Nominalkapital der russischen Staatsschuld etwas erhöht worden, da sich Nußland bei den Umwandlungen meist mit unter der Parität zurückbleibenden Kursen zufrieden geben mußte. Feruer kouuten natürlich die seit dem Ende der 86er Jahre von Nußland gemachten außerordentlichen Aufwendungen, namentlich für die Eisenbahnverstaatlichung und den Eisenbahnbau, nur zu einem Teil aus den Überschüssen des ordentlichen Etats gedeckt werden, für den anderen Teil war die Aufnahme neuer Auleiheu erforderlich, so daß die Gesamtsumme der russischeil Staatsschuld sich gegenüber dem Stand in der zweiten Hälfte der 86 er Jahre nicht unerheblich vermehrt hat. Die Gesamtschnld Rußlands betrug! Dabei ist in den Zahlen für die Jahre 1887 nnd 1892 die unverzinsliche Schuld für die emittierte» Kreditbillette inbegriffen, die durch die Währungsreform beseitigt worden ist. Die verzinsliche Schuld stellte sich für Anfang 1887 auf etwa 4366 Millionen Rnbel, für Anfang 1892 auf 4752 Millionen Rubel. Die verzinsliche Schuld ist mithin von Anfang 1887 bis Anfang 1964 nm mehr als 56 Prozent, die Gesamtschnld nm etwa 33 Prozent gewachsen. Die gewaltige Besserung der russischen Fnmnzverhältnisse kommt jedoch darin zum Ausdruck, daß einmal die für den Dienst der Staatsschuld aufzuwendenden Snmmen nicht entfernt im Verhältnis des Nominalbetrags der Schuld gestiegen sind und daß ferner das der Staatsschuld gegeuübersteheude Aktivvermögen des Staates und die Anfang 1887 4073 Millionen Rnbel. 1802 1002 1004 5380 0480 0S30 I. Die russischen Finanzen vor dein Kriege, Hl r^>? c^»> r^-^> c^>> c^si? r^»? r^-^ c^->? c^»? r^->> r^i? c^i> c^-> ? aus diesem fließenden Einkünfte sich in beträchtlich stärkerem Maße als der Nominalbetrag der Schuld gesteigert haben. Das jährliche Erfordernis fiir den Dienst der Staatsschuld betrug für die oben der Vergleichuug zugrunde gelegten Jahre! Bei der Gegenüberstellung der Jahre 1887 und l»»4 ist allerdings zu berücksichtigen, das; der Dienst der Staatsschuld im Jahre 1887 einen ausnahmsweise hohen Betrag beanspruchte, da der Goldkurs des Rubels iu jenem Jahr, hauptsächlich auf Grund politischer Befürchtungen, ein ungewöhnlich niedriger war/") Infolgedessen war eine größere Snmme in russischen Papierrubelu, auf denen der Staatshanshalt basierte, notwendig, nm den gleichen Betrag in Goldgeld für den Dienst der russischen Goldanleihen zn beschaffen. Der Aufwaud fiir den Auleihedienst betrug 1886 nur 264,5, 1888 266,2 Millionen Rubel, blieb also in beiden Jahren nicht unerheblich hinter dem Aufwand des Jahres 1887 zurück. Ferner ist zu beachten, daß die Umwandlung von Anleihen, die nach einem bestimmten Tilgungsplane zn amortisieren sind, in unkündbare Renten deujeuigen Teil des jährlichen Aufwandes fiir die Staatsschuld, der auf die Amortisation entfällt, nicht unerheblich vermindert hat. So kamen im Jahre 1888 von dem Gesamtanfwand 53 Millionen Rubel auf die Amortisation und 213,2 Millionen Rubel auf die Ziuseu, während der Boranschlag für das Jahr 1964 nur 24,3 Millionen Rubel für die Amortisation uud 264,5 Millionen Rubel sür die Verzinsung der Staatsschuld vorsah, Tie reinen Zinsen haben mithin nm etwa 56 Millionen Rubel — 24 Prozent zugenommen, während sich die verzinsliche Staatsschuld gleichzeitig um 56 Prozent vermehrt hat. So klar die durch die Konvertierungen geschaffene Zinsersparnis zutage liegt, so schwer ist eine exakte Berechnung des der Staatsschuld gegenüberstehenden produktiven Staatsvermögens und der sich aus Der Durchschnittslnrs des Rubels in Berlin war 1887 nur 181'/,.. gegen 212 in den vorhergegangenen 10 Jahren und gegen >89'/,.> im Jahre 1888, 214'/,. im Jahre 1889 und 235'/,, im Jahre 1890, 1887 1892 1902 1904 280,9 Millionen Rubel. 243,2 280,5 289.3 22 Erster Teil, Vie Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch, r^>? ? c^?i t c^>> c^i? c^-»? c-^? c^»? c^v^ r^>> r^-i? c^?»? p^5>> diesem ergebenden Einnahmen, Bei der ausgedehnten Beteiligung des russischen Staats an industriellen, Baut- uud Verkehrsunter- nehmuugen und bei der Größe des laud- uud forstwirtschaftlichen Domaniums, dessen Wert uud Wertsteigeruug buchmäßig überhaupt nicht zu schätzen ist, wird mau sich damit begnügen müssen, bestimmte mit der Staatsschuld in unmittelbarem Zusammeuhaug stehende Teile des Staatsvermögeus uud der Staatseinnahmen zu einer Ver- gleichuug mit der Entwicklung der Staatsschuld herauzuzieheu. Eine solche Aufstellung findet sich in dem Budgetbericht des Unauzmiuisters für das Jahr 1M2, uud zwar für den Illjährigeu Zeitraum vom 1. Januar 1892 bis zum 1, Januar l!>02, Sie gibt folgendes Bild (iu Millioueu Rubel) - G e s a m t s ch u l d des R e i ch s s ch a lz e s: ^!>»n l, Januar ^,nm l, Januar 1802: 1902: Staatsanleihen.......^ . . . 4781.» »479.8 Unverzinsliche Schuld siir die euiittiertcu ^tredit- billette............. «36,9 — Schulden m> verschiedene Institutionen uud Personen . ,...... , , , , _M7_ 17,5 ^»usaunne» , , . 5889.2 0407.8 V e r in ö g e n s a u l a g e u des Reichs schatzes und sichere S ch u l d f o r d e r u n g e u: ^,u»! 1, Januar ^juni l, Januar 1892: 1902: Ttantsbahnen ........... 950.5 3551,0 Schnldforderungen au Privatbahneu nu?> der Realisation ihrer Baukapitalien , , , , 984.5 508.2 Tchuldforderuugen an Eiseubahugesellschafte» in betreff der Garautiezahluugeu , , . 118,5 — Sclmldforderungeu. die keine Beziehungen zu den Eisenbahnen l,abcn . . , , , . , 809.4 _ 500.0 Zusammen . , , 2802.0 4014.8 Der Überschuß der Staatsschuld über die oben angeführten Attwa stellte sich mithin am l, Januar 1892 .......... auf 3026,3 Millionen Rubel. - l, Januar 1902 ...... , , , , - 1882,5 _^ Verminderung N48.8 Millionen Rubel, I. Die russischen Finanzen vor dein Kriege. 23 e^»> c-^-> ^ ^--»^ ^-i? c^-I? c^»? r^^< < r^->? ^-»^ r^»? r^^< c^^> Die Erläuterungen zu dieser Übersicht betonen, daß der obere Teil der Tabelle die vollständigen Beträge der Verschuldung des Neichsschatzes enthält, während der untere Teil bei weitein nicht den Gesamtbestand des Vermögens und der Schuldforderungen des Reichsschatzes umfasse. Abgesehen von allen ertraglosen staatlichen Anlagen, wie Festungen, Gebäuden, Kriegsschiffen usw., sei eine große Anzahl produktiver Kapitalanlagen nicht aufgeführt! so z. B. die Aufweudungen für die Häfen (insgesamt über 87 Millionen Rubel in den 10 Jahren), die Stantsfabriten und staatlichen Hüttenbetriebe, die Grnndbesitzgefcille und Forsten. Ebensowenig sei die Ablösnngs- schuld eingerechnet, obwohl anderseits in der Summe der Staatsanleihen die Schuldverbindlichkeiten des Reichsschatzes in betreff der Ab- lösnngsoperationen mitenthalten sind. Neben den Eisenbahnen und Schuldforderungen an Eisenbahnen seien als Forderungen des Reichsschatzes für 1892 uur die Schuldverbindlichkeiten fremder Staaten und für 1902 außerdem noch die Forderungen der ehemaligen Gegenseitigen Bodenkreditgesellfchaft für die vom Reichsschatz übernommenen Pfandbriefe dieser Gesellschaft berücksichtigt. Die Berechnung steht in hinreichender Übereinstimmung mit der Tatsache, daß der Überschuß des ordentlichen Etats, der ja in der Hauptsache für die Deckung der außerordentlichen Ausgaben für die Erweiterung des Eisenbahnnetzes Verwendung fand, in den 10 Jahren 1892 bis 1901 den Betrag von 1 Milliarde Rubel überstiegen hat. Eine ähnliche Berechnung findet sich für den 15jährigen Zeitraum vom 1. Jcmnar 1887 bis zum 1. Januar 1992 in dem „vullstln liusss 6s Ktatistic^s üiraneiöi's", 1991. Diese Aufstellung zieht bei der Berechnung des der Staatsschuld gegenüberstehenden Aktivvermögens die Forderungen an fremde Staaten nicht in Betracht, rechnet aber dafür die Ablösungszahlungen der Bauern und das vom Staat in der russischen Reichsbank investierte Kapital mit ein. Sie kommt dabei für das Jahr 1887 auf eiu Aktivvermögen von etwa 1300 Millionen Rubel, für das Jahr 1902 vou etwa 5140 Millionen Rubel. Das würde einen Überschuß der Staatsschuld über das genannte Aktivvermögen ergeben von rund 3,7 Milliarden Rubel für 1887 und von rnnd 1,35 Milliarden Rubel für 1902. In diesen Berechnungen stellt der Ansatz für den Wert derStaats- eisenbahnen immerhin einen Faktor von problematischem Wert dar, ^ Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Ariegsausbruch. l^»? c^^? c^>? r^»? r^i> r^»> r^V^ Wenn cnich die enorme Zunahme dieses Wertes nicht geleugnet werden kann in Anbetracht der Tatsache, daß die Streckenlänge der Staatsbahnen sich am 1. Januar 1887 auf 440V Km, am 1. Januar 1992 dagegen auf 39 999 ! Vgl. ,m der obigen Gegeniiberstelluug die Ausführungen auf 2. 39».46. I. Die russischen F'iucinzeu vor dein Ariege. 25 r^-^r^? r^»? c^.> c^v^ c'^? r^»> c^v^ c^»? r^»? r^.^ strengen Fiimnzwirtschaft, mit deren Durchführung wir uns in deu vorstehenden Ausführungen beschäftigt haben. Die rein volkswirtschaftlichen Gründe, die für Rußland die Zurückführung des Geldwesens auf eine metallische Grundlage, und zwar auf dieselbe Grundlage, ans der das Geldwesen der westeuropäischen Länder aufgebaut ist, notwendig machten, können hier nicht im einzelnen erörtert werden. Es sei nnr hervorgehoben, das; Rußland der nur durch die Goldwährung erreichbaren Stabilität der Wechselkurse auf die westeuropäischen Länder bedurfte, nm seinen Handel mit den Goldwähruugsländern, vor allem seine große Getreideausfuhr, von der Störung durch die fortgesetzten Schwankungen des Rubelkurses zu befreien.") Insbesondere aber war die Festlegung des Nubelkurses auf dem Boden der Goldwährung erforderlich, um das Kapital der vorgeschrittenen westeuropäischen Länder in größerem Umfange für die Aufschließung und Nutzbarmachung der großen wirtschaftlichen Hilfsquellen Rußlands verfügbar zn macheu. Das Kapital scheut bei der Investierung in fremden Ländern nichts mehr als unsichere Valutaverhältnisse. Solange die Geldgeber fürchten müssen, daß sie an dem Kurs der von ihnen ausgeliehenen oder in Unternehmungen investierten Kapitalien mehr verlieren, als ihnen an Zins oder Unternehmergewinn in Aussicht steht, lassen sie sich zu solchen Investierungen überhaupt nicht oder nur zu sehr viel härteren Bedingungen herbei. In der Tat hat die im Verlans der Währungsreform durchgeführte Festlegung des Rubelkurses die Wirkung gehabt, daß in der zweiten Hälfte der 9ver Jahre des vorigen Jahrhunderts ein enormer Zufluß privater Kapitalieu aus dem Aus- lcmde uach dem russischen Reiche zur Investierung in industriellen und anderen Unternehmungen stattfand. '"') In einem Aufsatz über „Auheuhnndel und Valutaschwantungcn" lTchmollers Jahrbuch XXI, 2) abgedruckt in meinen „Studien über Gcld- und Bankwesen", tSVO, habe ich nachgewiesen, wie von der Mitte der 80er bis zur Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts regebnähig eine günstige russische Ernte nnd daraus folgende starte Getreideausfuhr deu Rnbclturo hob und aus diese Weise bewirkte, das; die russische» Produzenten und Händler für den gleichen Preis in dem Geld ihrer auswärtigen Almechucr eine» geringereu Erlös in Rubel erzielten. Tie schwankende Papiervaluta hat i»ir- hin für den wichtigste» russische» Erportartitcl die Ansnnlznng günstiger Erute- n»d Weltmarktkonjunkturen beträchtlich erschwert. UZ Erster Teil, Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch, c^-ii r?--i, cü-i> rs-, i r^-v< < c---^ rSi c^-v» c---i? c^-?< r---?, c^-i? c-L? c---ii rü-^ ü--^^ c-Si Für die Staatsfinanzen war ein analoger Gesichtspunkt von ausschlaggebender Bedeutung. Der russische Staat konnte im Ausland Anleihen, die auf Papierrubel lauteten, entweder überhaupt nicht unterbringen oder nur zu einem Zinssatz, der für deu ausländischen Gläubiger das Risiko der Schwankungen des Rubelkurses eiuigermaßeu deckte. Diese Tatsache war der Grund dasür, daß Rußland in den westeuropäischen Staaten so gut wie ausschließlich Goldanleihen zur Begebung brachte; aber für diese hatte der Staat selbst das volle Valutarisiko zu tragen. Für den Dienst dieser Goldanleihen hatte der russische Staat Jahr für Jahr einen bestimmten Betrag in Goldgeld bereitzustellen, während die Einnahmen des Staates in Papierrnbeln eingingen. Je niedriger der Kurs des Rubels war, desto mehr Rubel waren znr Beschaffung des Anleiheerfordernisses aufzuwenden, uud ein desto größerer Teil der Staatseinnahmen wurde durch deu Anleihedieust absorbiert. Bei der Größe der russischen Goldverpflichtnngen bedeutete ein Rückgang des Rubelknrses um Pfennige für die russischen Finanzen einen Mehraufwand von Millionen. Schou in Friedenszeiten erschwerten mithin die Valnta- schwankungen eine zutreffende Veranschlagung der Ausgaben und damit die ordnungsmäßige Fllhruug des Staatshaushalts. Besouders fühlbar machen mußten sich aber diese Nachteile der Papierwährung in Zeiten politischer Benuruhignng oder gar im Kriegsfall, also zu Zeiten, in denen die sich ans dem Valutarückgang ergebende Mehrbelastung des Staatshaushalts ganz besonders unerwünscht und bedenklich ist. Der oben erwähnte scharfe Kursrückgang des Rubels im Jahre 1887 und noch mehr die starke Entwertung der russischen Va^ Inta, die während des russisch-türkischen Krieges in den 7l)er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingetreten war, hatten klar genug gezeigt, welche Beeiuträchtiguug eine Papierwährung gerade fiir die finanzielle Kriegsbereitschaft bedeutet: die Aufrechterhaltung des Dienstes der alten Anleihen wird erschwert und damit der Staatskredit in Frage gestellt in dem Augenblick, in dem der Staat sich genötigt sieht, mit neuen großen Kreditnnsprüchen an den Geldmarkt heranzutreten. Aber die Erschwerung der Aufnahme von Anleihen im kritischen Moment ist nicht der einzige Pnnkt der Schwäche in der finanziellen Kriegsbereitschaft, den die Papierwährnng mit sich bringt. ES kommt I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege. 27 r^-, ? c-^^ c-^> c^»> c^Ä>> c^--»> c^»^ r^'»^ r^-v> c^»V r^--»> c^>> c^v^ r-^v^ r^-v? c^v^ vielmehr hinzu, daß ein metallischer Geldumlauf und die metallische Deckung der etwa ausgegebenen Noten in sich selbst eine ausserordentlich wichtige Reserbe gerade für den Kriegsfall bedeuten. Auf Grund dieser metallischen Reserve kann zunächst zugunsten des Staates die Ausgabe papierner Zahlungsmittel innerhalb gewisser Grenzen ohne Gefährdung der Valuta gesteigert »Verden, »nährend dort, wo eine Papierwährung besteht, jede Neuausgabe von Papiergeld die Valnta- entwertnng zu verschärfen geeignet ist! schließlich kann in Goldwäh- ruugSläuderu, wenn die anderen Mittel der Geldbeschaffung versage», die metallische Reserve selbst in Anspruch genominen werden. Auch wenn auf diese Weise die metallische Währung den Kriegs- bediirfnissen geopfert wird, fo sichert sie doch demjeuigeu Staate, der beim Kriegsausbruch iu ihrem Besitze ist, einen höchst wertvollen Vor- sprnng vor einem Lande mit Papierwährung. Zweifellos sind gerade diese sich ans den Kriegsfall beziehenden Erwägungen unter deu Gründen, die für die Einführung der Goldwährung iu Rußland bestimmend waren, ganz besonders schwer ins Gewicht gefallen und haben darüber hinaus die Veranlafsnug ge- gebeu, daß die Leiter des russischen Finanzwesens die neue Goldwährung auf einer ganz besonders soliden Grundlage errichtet haben. Mit Recht bezeichnet deshalb v. Schulze - G ä v e rnitz die Währungsreform als die finanzpolitische Seite von Rußlands Welt- Politik.") Die Einzelheiten der technischen Durchführung der Währungsreform können hier natürlich nicht erörtert werden. Das Problem der Reform bestand darin, daß der russische Staat das enorme unverzinsliche Darlehen, das er in Kreditbilletten aus der Bank entnommen hatte, an die Bank zurückzahlte, um die Bank dadurch zu der Wiederaufnahme und Aufrechterhaltung der Einlösung der von ihr ausgegebeueu Geldzeichen instandzusetzen. Diese unverzinsliche Schuld des Staates an die Bank hat zeitweise über eine Milliarde Rubel betragen und ist von Beginn der 80er Jahre an bis zum Jahre allmählich zurückgezahlt worden, und zwar teils in Kreditbilletten, dnrch deren Rückgabe die Emission der Bank vermindert wurde, teils iu Gold, durch das auf der einen Seite der Einwechs- ") A, n. O., S. 4S2. 28 Erster Teil, Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Uriegsausbruch, lnngsfonds der Bank eine Erhöhung erfuhr, auf der anderen Seite die Kreditbillette im freien Umlauf ersetzt wurden. Daneben hat der russische Staat sich bei der Bank durch die Einzahlung von Gold ein sehr beträchtliches Guthaben geschaffen. Die Wandinngen, die ans diesem Wege im russischen Geldwesen herbeigeführt worden sind, kommen in folgenden Zahlen zum Ausdruck: AnSMve von Goldbestand in Reichs- Goldmünzen Krcditbilletten baut und NeichSschotz im Verkehr M illionen N n b e l 1881..... 1133.5 170 — 1887 ..... 104« 211,5 — Herbst 1892..... 1100 005,5 Anfang 1898 ..... 005.5 1828,3 149,3 Ende 1900 ..... 552,3 807,8 084.5 Ende 1903 ..... 584,0 1058,0 787.1 Während diese totsächliche Umwandlung des russischen Geldwesens im Gange war, hat der Finanzminister v, Witte zunächst vom Jahre 1894 au mittels der im Ausland geschaffenen Goldgnt- haben den Kurs des Rubels innerhalb enger Grenzen reguliert. Dann war ein neuer Goldrubel geschaffen worden, der ans Grnnd seines Metallgehaltes einem Werte von 2,16 Reichsmark entspricht, ein Kurs, der mit dem durchschnittlichen Knrs des Rubels in den Jahren 1876 bis 1895 ungefähr übereinstimmt. Die Silbermüuzen wurden durch die Beschränkung ihrer Zahlungskraft ans Beträge bis zu 2IZ Rubel zu Scheidemünzen gemacht. Der Neichsbank wurde die Verpflichtung auferlegt, die von ihr ausgegebenen Kreditbillette auf Verlangen der Inhaber zu ihrem Nennwert gegen Gold einzulösen. Auf dieser Grundlage ist die Goldwährung durch deu Ukas vom 7./19. Juni 1899 zu ihrem gesetzlichen Abschluß gebracht worden. Im Zusammenhang mit der Währungsreform erhielt die russische Reichsbank eine neue Verfassung, durch die vor allem ihr Recht der Notenausgabe im Interesse der Erhaltung der Goldwährung einer strengen Beschränkung unterworfen wurde: Bis zur Höhe von VON Millionen Rubel mnsz der Betrag der emittierten Kreditbillette mindestens zur Hälfte, der 69(1 Millionen Rubel übersteigende Betrag der emittierten ^'reditbillette muß in vollem Umfange durch Gold ge- I. Die russischen Finanzen vc>r dein Kriege. Hs) r^s»? i^-is r^si? l^-is ü-si? c^^s r^->> c^?>? r^i? c^-i? c^-i? c---i! i^-i? c-si? deckt sein. Für die Beurteilung der sinanziellen Unterstützung, welche die Bank dem Staate für die Zwecke des Krieges gewähren kann, ist diese Vorschrift von großer Wichtigkeit. In Anbetracht der großen Zahlungsverpflichtungen Rußlands an das Ausland und zum Zweck der gelegentlichen Einwirkung auf die auswärtigen Wechselkurse, hält die Bank einen Teil der Golddeckung in der Form von Geldwechseln aus das Ausland in ihrem Portefeuille und iu Goldguthabeu bei ausländischen Banken. In welchem Maße durch den Barbestand der russischen Neichsbank, ihre Wechsel auf das Ausland und ihre bei ausländischen Banken stehenden Guthaben die Einlösnng der Kreditbillette und damit die Aufrechterhalning der Goldwährung gesichert ist, wie groß anderseits die in dem Goldbestand der Bank vorhandene letzte Reserve für die Geldbedürfnisse des Krieges ist, geht aus folgenden Zahlen hervor:*) Im Durchschnitt des Jahres 1903 betrug der Notenumlauf der russischen Reichsbank 580 Millionen Rubel. Der Barvorrat in den Kassen der Bank bezifferte sich auf 803,5 Millionen Rubel, davon 724,3 Millionen Rubel in Gold, 70,2 Millionen Rubel iu Silbergeld: dazu kamen an Goldwechseln auf das Ausland und an Goldguthabeu im Ausland 70,4 Millionen Rubel. Das ergibt eine Notendecknng von insgesamt 882,0 Millionen Rubel oder eine Überdecknng des Notenumlaufs um 52,2 v. H. Iu seiner absoluten Höhe wurde der Goldbestand der russischen Neichsbank (Wechsel uud Guthaben eingerechnet) im Jahre 1303(803,7 Rubel 1736,0 Mark) nnr von demjenigen der Bank von Frankreich, der sich auf etwas über 2 Milliarden Mark bezifferte, übertroffcn', dagegen war er mehr als doppelt so hoch wie derjenige der Bank von England (703 Millionen Mark) und der Neichsbank (etwa 650 Millionen Mark). Freilich sind bei der russischen Reichsbank die dem Barvorrat außer den Noten gegenüberstehenden sonstigen täglich fälligen Verbindlichkeiten außerordentlich hoch. Allein die täglich fälligen öffentlichen Guthaben beliefen sich im Durchschnitt des Jahres 1903 auf 519,3 Millionen Rubel, die Gesamtheit der täglich fälligen Guthaben stellte sich auf 633,4 Millionen Rubel. Trotzdem ergab sich für Noten und täglich fällige fremde *) Die Angaben sind der den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik beigegebencn „Volkswirtschaftlichen Chronik" entnommen, Jahrg. ZW3, T. 692. !;g Erster Teil. ?ic Finanzcu Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. ^^i? r^v^ r^,'? r^^? r^Ä? c^-^? c^-^ r^»> c^^? c^^? r^i? r^^i? c^»> Gelder eine Bardeckung von 72,8 v. H., dasselbe Deckuugsverhältnis, wie es bei der Bank von Frankreich bestand, während die Neichsbank nur eine Deckung von 52,3 v. H,, die Bank von England gar nur eine solche von 43,W v. H. aufzuweisen hatte. Nirgends treten die Erfolge der russischen Finanzpolitik der letzten zwei Jahrzehnte deutlicher in Erscheinung als in der breiten nnd soliden Währungsgrundlage, mit der Nußland in den Krieg eingetreten ist. Volkswirtschaftliches. Freilich kann die finanzielle Situation eines Staates gründlich nur beurteilt werde» im Zusammenhang mit seinen wirtschaftlichen Verhältnissen. Insbesondere gegenüber Rußland ist oft genug dem Gedanken Ausdruck gegeben worden, daß es der Finanzkraft seiner Staatsmänner gelungen sei, in ihren Voranschlägen und Hanshalts- übersichteu eiu trügerisches Bild hervorzuzaubern, das iu einem völligen Widerspruch zu der ökonomischen Lage des russischen Reiches stehe. Demgegenüber hat gerade der Finanzminister v. Witte stets den Zusammenhang von Volkswirtschaft und Staatsfinanzen betont; er hat schon in seinem Budgetbericht vou 1896 gesagt, die Finanz- kuust sei keine Magie, uud noch niemand habe bisher das Geheimnis entdeckt, aus eiuer im Verfall begriffenen Volkswirtschaft eine finanzielle Prosperität von einiger Dauer entstehen zu lassen. Die Tatsache besteht jedenfalls, daß die ans die Konsolidierung der Staats- fiuauzeu gerichtete Politik mit ihrer enormen Steigerung der Einnahmen nnd ihren dauernden Überschüssen sich seit nahezu zwei Jahrzehnten hat durchführen lassei,, obwohl iu jenem Zeitraum oft genug widrige Verhältnisse die russische Volkswirtschaft schwer geschädigt und das finanzielle System auf eine harte Probe gestellt haben, vor allem eine Reihe von Mißernten und von 1899 an eine schwere industrielle Krisis. Gewiß hat die Steigerung der Eiunahmen und die Erzielung von Überschüssen der russischen Volkswirtschaft schwere Opfer auferlegt, die namentlich in ungünstigen Zeiten hart empfunden wurdeu. Aber diese Opfer wnrden nicht zum wenigsten im Interesse der Zukunft der russische« Volkswirtschaft selbst gebracht! die Konsolidierung der Staatsschuld hat — abgesehen von der durch sie bewirkten Entlastung der Steuerzahler — in Verbindung mit der Währungsreform der russische» Volkswirtschaft die Hercmziehung des I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege, c^-i? r-^, r^-? t r-Li? rs? r-si? c^-i» cü-^ lÄ-v» r-si? c^? c?z^i? r^-i? rü^>? für ihre Entwicklung benötigten Kapitals aus den westlichen Ländern ganz außerordentlich erleichtert: der Ausban des Eisenbahnnetzes stellt für die russische Volkswirtschaft, namentlich für den Getreideexport und die Verteilung des Getreides im Innern des gewaltigen russischen Reiches selbst, einen Vorteil von gar nicht abzuschätzender Bedeutung dar; die Begünstigung und Unterstütznng der gewerblichen Produktion hat die Anfänge einer nationalen Fabritindnstrie schaffen helfen. Wenn auch für die Gegenwart die Lasten einer solchen Politik mehr hervortreten mögen als ihre erst allmählich heranreifenden Früchte, so sind diese Lasten in den letzten Jahrzehnten doch nicht so groß gewesen, daß sie einen entschiedenen Fortschritt der russischen Volkswirtschaft verhindert hätten. Es sei insbesondere ans die erstaunliche Entwicklung der russischen Montanindustrie nnd Textilindustrie hingewiesen. Über die Entwicklung der Prodnktionskraft einiger wichtiger Industriezweige während der 20 Jahre 1877 bis 1897 gibt der Budgetbericht des Fiuauzministers an den Zaren für 1900 folgende Zahlen:") Produktion in Millionen Rubel»: 1877 1887 1892 1897 Verarbeitung von Tertilstoffen . . . 297,7 404.2 681.6 940.3 - - Nahrungsstoffen 17,0 37,9 47,9 95,7 - - tierischen Stoffen , 07,7 79,0 72.0 132.0 - - Holzstoffen . . , 10,8 25,7 33.3 102,9 Papierindustrie........ 12,0 21.0 25,5 45.5 Chemische Industrie....... 10,5 21,5 35,3 59,0 Kernmische Industrie...... 20.4 29.0 32.3 82,0 .Verstellung von Metnllfabrikaten , , 89,3 112.0 162,3 310,6 Sonstige, in den obigen Gruppen nicht enthaltene Industrien..... 8,0 10,4 19.5 41,0 Zusammen"") 541 — 802 — 1010 — 1810.- Demnach betrug für die genannten Industrien der durchschuitt- liche jährliche Produktionszuwachs 1878 bis 1887 .... 26,1 Millionen Ruliel, 1888 - 1892 .... 41,6 1893 - 1897 .... 161,2 ") Vgl. dazu die Anmerkung nnf S. 48. Nicht einbezogen sind der Bergbau, die Mühlenbctriebe nnd die der Akzisebesteuerung unterliegenden Produktionszweige. Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. Derselbe Bericht gibt über die Entwicklung des Bergbaues in Rußland folgende Daten: Produktion in Millionen Pud: l877 1887 1892 1897 1898 Steinkohlen , 110 277 424 684 746 Naphthn, , , . 13 167 299 478 507 Roheisen , , . 23 36 64 113 134 Eisen , , , , 16 22 29 30 30 Stahl , , , 3 14 31 74 70 Die gewaltige Entwicklung der russischen Industrie in den 90er Iahren steht in nniuittelbarem Zusammenhang mit dem durch die Konsolidiernng der Finanzen und die Währungspolitik ermöglichten .^apitalzusluß. Daß die günstige Entwicklung der Industrie uicht ohne Einfluß auf die Besserung der Lebenshaltung des gesamten Volkes war, geht aus folgenden, in dem Budgetbericht für 1902 mitgeteilten Verbranchsberechnungen hervor: Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung: sin russischen Pfuudeu) 1893 1900 Tee......... 0.73 0,94 Zucker........8,28 11,20 Bmimwollwnren , , , , 3,52 4,32 Petroleum......10,6 13,4 Eisen und Stahl .... 26.2 39,6 Freilich ist auf die rapide Entwicklung der 90er Jahre in Verbindung mit dem Umschlag der Konjuuktur in den westeuropäischen Ländern nnd mit der ungünstigen Gestaltung des Geldmarktes ein heftiger Rückschlag erfolgt, der für Rußland durch eine Anzahl aufeinanderfolgender Mißeruten und die daraus hervorgehende Abnahme der Kaufkraft der inländischen Bevölkerung noch wesentlich erschwert wurde. Solche Krisen, wie sie in unserer Wirtschaftsverfassung von jeder industriellen Entwicklung unzertrennlich sind, dürfen jedoch für die Beurteilung der ökonomischen Lage eines Landes nicht den Ausschlag geben. Die Roheisenproduktion hat sich im Jahre 1899 auf 164. im Jahre 1900 ans 176 Millionen Pud gesteigert, ist in den folgenden Jahren jedoch infolge der industrielle» Krist? etwas zurückgegangen. I, Die russische» Finanzen vor den, Kriege, ,'!^> c'^v c^sv, r^Ä>> c^» ^ c^i> r^v^ ? c^-^ r-.^» ^ ^ ? c^,> r-^. . Schließlich seien zur Beurteilung der wirtschaftlichen Grund- Ingen der russischen Finanzen noch einige Daten iiber den auswärtigen Handel gegeben. Der Gesanithandel Rußlands in Einfuhr und Ausfuhr zeigt folgendes Bild: Einfichr Äu-^suhr Vlusfulirül'ersttiun iMillio n e n !>i u o ^ I > 1881/85 Durchschnitt , 194.3 550,0 -4- 55,7 1880/90 . 392,3 030,9 238.0 1891...... 300,5 705.2 -s- 338,7 1892 ...... 403,9 475,0 ^ 71.7 599,2 -s- 135.7 008,7 109, l 1895...... 538,5 089.1 -j- 150,0 189»...... 589,8 089,9 -f- 100,1 1897 ...... 500,0 720.0 -j- 100,0 1898 ...... 017.5 732,7 -j- 115.2 1899 ,,,,,, 050,5 027,0 — 23,5 1900 ...... 020.4 710,4 -s- 90.0 1901...... 533.» 730,0 -j- 197.0 1902 ...... 527,0 825,0 4- 298,0 1903 ...... 002,0 949,7 -j- 347,1 Wie ans diesen Zahlen hervorgeht, hat der russische Außenhandel in den letzten zwei Jahrzehnten einen beträchtlichen Ansfuhr- überschnß abgeworfen. Der Überschuß schwankte uaturgeiuäß in den einzelnen Jahren, vor allein nach dem die Größe des Ausfuhrwertes in erster Linie beeinflussenden Eruteausfall und den Getreidepreisen sowie nach der Größe der Kapitaleinfuhr aus den westeuropäischen Ländern. Im großen Durchschnitt war der Ausfnhrüberschnß jedoch mehr als ausreichend, um die jährlichen Zahlungsverpflichtungen des russischen Staates und der russischen Volkswirtschaft an das Ausland zu bestreiteu. Auch daraus ließ sich für den Stand der Tinge vor Ausbruch des Krieges der Schluß ziehen, daß Rußlands volkswirtschaftliche .Kraft zur Erhaltung geordneter Finanz- und Währuugs- verhältuisse ausreichen würde. 3. Einige Bemerkungen zur Kritik der russischen Finanzpolitik. Gegen die in den vorstehenden Ausführungen wiedergegebene Darstellung der russischen Finanzverhältnisse nnd ihrer Entwicklung Hclffcrich, Das jiricge Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch, während der letzten zwei Jahrzehnte sind alsbald in Zeitungen und Zeitschriften heftige Angriffe gerichtet worden, denen ich im Dezemberheft 1904 der „Marinc-Rnndschau" mit den folgenden Ausführungen entgegengetreten bin: Als ich es übernahm, für die „Marine-Rundfchau" einen Aufsatz über die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges zn schreiben — einen Aufsatz, der dem Orte seines Erscheinens entsprechend in erster Reihe dazu bestimmt war, einem borwiegend aus Seeoffizieren bestehenden Leserkreis ein Bild bon der finanziellen Vorbereitung und Durchführung eines modernen Krieges zu geben —, war ich mir Wohl bewußt, daß meine Beurteilung der russischen Finanzen in Deutschland von mancher Seite lebhaften Widerspruch erfahren würde. Schon aus Interesse an der russischen Währungsreform hatte ich die russische Finanzpolitik seit einem Jahrzehnt mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, ohne mich davon überzeugen zu können, daß die scharfe und teilweise leidenschaftliche Kritik dieser Politik, wie sie in Deutschland wissenschaftlich und publizistisch das Feld beherrschte, iu ihren Hauptpunkten berechtigt sei. Ich habe stets den leitenden Gedanken der neueren russischen Finanzpolitik für unbedingt richtig gehalten: daß uur eine mit eiserner Strenge durchzuführende Konsolidierung der Staatsfinanzen nnd die Schaffung einer gesicherten Währungsgrundlage dem russischen Reiche die Erhaltung und den Ausbau seiner politischen Machtstellung und das Fortschreiten zu erhöhter wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Wohlfahrt ermöglichen werde; aus diesem Gesichtspunkte heraus habe ich es verstanden, wenn die russischen Finanzminister zur Erreichung ihres Zieles der Gegenwart große Lasten nnd Opfer auferlegten. Wer nnr diese Opfer sieht oder wer das Ziel für eine Utopie hält, mag über die russische Finanzpolitik der letzten zwei Jahrzehnte den Stab brechen. Für meinen Aufsatz tan? es jedoch uicht auf eine Diskussion über die Richtigkeit des Prinzips an, sondern vielmehr auf die Tatfrage, in welchem Umfange der russischen Finanzpolitik die Durchführung ihres Programms gelungen ist, mit welcher finanziellen Rüstung Rußland in den Krieg eingetreten ist und wie sich diese Rüstung im bisherigen Verlaufe des Krieges bewährt hat. Ich weiß, auch diefe reine Tatfrage steht nicht außerhalb jeder Anzweiflung. Aber die „Marine-Ruudschan" war nicht der Ort, um l, Die russischen Finanzen vor dein Kriege. c-si! ÜS>> l^-i, i^-i? < r-L-i? c---^t c--.^lÄ.-.? I^i? lÄ-^» 1^-,» r^-v? r^>»»r-^^ r^-ii c-^» jede einzelne Aufstellung über die russischen Finanzen dnrch eine Widerlegung der hier oder dort gegen die Zuverlässigkeit des Zahlenmaterials usw. erhobeneu Einwände kritisch zu erhärten i das gleiche hätte ja auch hinsichtlich der japanischen Finanzen geschehen müssen, nnd aus dein Zeitschriftenartikel von ohnehin ungewöhnlichem Um fange wäre ans diese Weise ein dickes Buch geworden. Ich konnte also nur in großen Zügen ein Bild geben, wie ich es auf Grund meiner Untersuchuugeu vor mir selbst zn verantworten vermochte. Die Notwendigkeit, gewissermaßen :U tivsc-o zu malen, hat uuu freilich den Nachteil im Gefolge, daß ich jetzt eine Reihe von Einwendungen zu hören bekomme, denen bei einer minutiöseren und ausführlicheren Darstellung von vornherein die Spitze hätte abgebrochen werden können. Da mir bei meiner amtlichen und akademischen Tätigkeit die Zeit fehlt, einen zweiten umfangreichen Aufsatz als polemische Begründung des ersten zu schreiben, will ich mich wenigstens über einige Punkte, iu deueu eine weitere Aufklärung erwünscht fein mag, so kurz wie möglich nußern. Zunächst will ich auf deu Einwand eingehen, ich habe die amtlichen russischen Angaben in den Berichten der Reichskontrolle nnd den Budgetberichten des Finanzministers an den Zaren unbesehen als richtig angenommen, während doch von anderer Seite diese Angaben allerlei Ausstellungen erfahren hätten. Ich muß allerdings zugeben, daß es mir ebeusoweuig wie anderen Außenstehenden möglich ist, die amtlichen russischen Zahlen als Rechnungsrevisor zu kontrollieren und zu beschwören', ich gebe weiter zu, daß in den russischen Budgets und Haushaltsübersichteu manche Unklarheiten enthalten sind und daß wiederholte Änderungen in der Anfmachuug der Etats den Überblick nicht gerade erleichtern. Aber ans der anderen Seite hat die Betrachtung der rnssischen Hanshaltsübersichten für eine fortlaufende Reihe von Jahren im Zusammeuhalt mit gewissen unzweifelhaften und greifbaren Anhaltspunkten mir die Überzeugung verschafft, daß miudesteus im großeu gauzeu die russische» Angabe» als zuverlässig betrachtet werden köuueu. Man kann eine Bilanz mit Aussicht auf Erfolg vielleicht für eiue beschränkte Anzahl von Jahren fälschen, aber die Aufrechterhaltuug der Täuschung wird mit jedem Jahre schwieriger, und schließlich muß es sich au irgend einem Punkte herausstellen, daß die fingierten Mittel nicht vorhanden sind. Erster (ücil. Die Finanzen Rußlands »nd Japans vor deni Anegsansbrnch, ^ < c^. < cs,'? c^->i < c^.->? r^.? r?-^» c^-i? rü^, c^^r^ r^v» l^>> cü?>? c^i? c-^i? r^^>> So gibt es „Kenner", die jeden mit einem mitleidigen Lächeln betrachten, der an das Vorhandensein des „f r e i e n B e st a n d e s" der russischen Neichsrentei, dieses Brennpunktes der russischen Finanzwirtschaft, glaubt. Dieser „freie Bestand" hat jedoch — abgesehen von der aus der Kontinuität der Etats für seine Berechnung sich ergebenden Kontrolle — gerade in den ersten Monaten des ostasiatischen Krieges seine Existenz »ach meiner Ansicht evident bewiesen. Rnßlcmd hat die Kriegskosten zunächst auf diesen Bestand angewiesen nnd sie jedenfalls bis Mitte Mai, dem Zeitpunkt der ersten Kriegsanleihe, ganz vorwiegend ans diesem Bestand gedeckt; soweit die russische Reichsbank in Anspruch genommen wurde, erklärt sich das aus der Heranziehung des „freien Bestandes", von dessen Höhe auch das Guthaben der Neichsrentei bei der Bank naturgemäß in gewissem Grade abhängig ist; andere Kriegseinnahmen kamen überhaupt nicht iu Betracht. Wenn der „freie Bestand" nicht in beträchtlicher Höhe vorhanden war, womit hat dann Rußland die sehr erheblichen Kosten der drei ersten Kriegsmonate bestritten? Ähnlichen Zweifeln, wie der freie Bestand der Neichsrentei, begegnen auch die großen Überschüsse des ordentlichen Etats. Aber mich hier fehlt es neben der kontrollierenden Beobachtung der aufeinanderfolgenden Jahresrechnungen nicht an greifbaren Anhaltspuukten. Mau braucht nur für den Zeitraum von 1886 bis 1904 die Vermehrung der russischen Staatsschuld den außerordentlichen Ausgaben gegenüberzustellen, die der russische Staat nachweisbarer Weise geleistet hat, insbesondere fiir die Ausdehnung des Staatsbahnnetzes von 4000 auf mehr als 30 00» icm. Auch wenn man mit dem größten Skeptizismus uud der größten Vorsicht zuwege geht, kommt man zu dem Resultat, daß Rußland in dem erwähnten Zeitraum ganz beträchtlich mehr allein für den Ansban der Eisenbahnen ausgegeben haben muß, als die gleichzeitige Vermehrung der Staatsschuld nm etwa 1.750 Millionen Rubel betrng. Dazu rechne man die übrigen außerordentlichen Ausgaben und die Tatsache, daß an die Stelle der Schuld des Staates an die Bank ein mehrere hundert Millionen Rubel starkes Guthaben bei der Bank getreten ist. Das alles beweist, daß in der Tat seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre der ordentliche Etat enorme Überschüsse, die neben dem Erlös der Anleihen zu den außerordentlichen Ausgaben verwendet werden I. Die russischen Finanzen vor dein Kriege. ? r^v^ c^-i? ^-.1 r-^.? rü-^s r^-.? c-^-i? cü-vs c^^» i^i? c?--, ? r^-i? tonnten, abgelvorfen haben innß, Trotzdeni schreibt ein Kritiker ineines Aufsatzes im „Berliner Tageblatt" l „Die Überschüsse, die das Ordinarimn des russischen Budgets aufweist, nimmt Helfferich als gegeben an, ohne ans die Unklarheiten des Budgets einzugehen und ohne die alljährlichen Verschiedenheiten in der Buchungsmethode zu erwähnen, zwei Punkte, auf deren Bedeutung von anderer Seite,- zuletzt von Wittschewsk h in „C o n- rads Jahrbüchern" eindringlich Hingelviesen wird," Wittschewsky hebt allerdings in seinem sehr gründlichen und lehrreichen Aufsatze üher „Budget- nnd Steuervcrhnltnisse in Rußland" die Unklarheiten in den russischen Etatsübersichten und die Veränderungen in der Methode der Budgetaufstellung hervor; wie weit er jedoch entfernt ist, deshalb die Überschüsse, des ordentlichen Etats zn bezweifeln, geht daraus hervor, daß er schreibt! „Doch derartige Abweichungen sind schließlich Sache subjektiver Anschauung und von geringem Belang ini Hinblick auf die n n b e streitbare Tatsache, daß die B n d g e t o r d i n a r i e n seit Ende der 80er Jahre durchgängig mit s e h r stattlichen Überschüssen abgeschlossen haben," Die wichtigste Änderung in der Biidgetanfstellung während der letzten 10 bis 15 Jahre ist die in meinem Aufsatz erwähnte Entlastung des außerordentlichen Etats durch Übernahme aller nicht nnmittelbar produktiven Zwecken dienenden Ausgaben auf das Ordinarium', über die Bedeutung dieser Änderung für die Beurteilung des ordentlichen Etats führt Witts ch e w s k y aus: „Obgleich uun die ordentlichen Ausgaben durch den Zuwachs (von früher im außerordentlichen Etat eingestellten Ausgaben) um viele Millionen jährlich gewachsen sind, so schlössen die Budgets dennoch bekanntlich mit gewaltigen Überschüssen ab. In Wahrheit waren demnach die Endergebni s s e n o ch ungleich güustiger als wie sie sich in den Bericht en der R e i ch s k o n t r o l l e präsentiere n," Ich kann meinen Herrn Kritiker im „Berliner Tageblatt" übrigens dahin beruhigen, daß in den von mir gegebenen Übersichten die Ziffern der Reichskontrolle bereits auf Grund der Änderungen der Buchungsmethode, die ich angeblich übersehen habe, umgerechnet uud richtig gestellt sind. Zg Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Ariezsausbruch, Freilich ist es zutreffend, daß große Überschüsse im Ordiuarium ail sich noch kein Beweis einer besonders günstigen Finanzgebarung sind, sonder», daß diese Ziffern ihr „Relief" erst durch das Extr a- ordiuari u m erhalten. Wenn ein Staat in den außerordentlichen Etat Ausgabeu einstellt, die ihrer Natur nach in den ordentlichen Etat gehören, so können dadurch etwaige Überschüsse des ordentlichen Etats zur Farce werden, Rußland hat aber gerade das entgegengesetzte Prinzip verfolgt; es sucht mit einer Strenge, wie kaum ein auderer Staat, den Grundsatz durchzuführen, daß auf deu außerordentlichen Etat uur solche Ausgaben gebracht werden, „die der Entwicklung der Produktivkräfte des Laudes dienlich zu sein und den künftigen Generationen durch ihre eigenen Erträge Ersatz siir die Belastung zu bieten versprechen". Wenn die Durchführuug dieses Grundsatzes mitunter auch durch die Notwendigkeit größerer Aufwendungen für uuvorhergeseheue Zwecke, z, B, zur Linderung von Hungersnot, durchbrochen wird, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die Ausgaben des außerordeutlicheu Etats ganz überwiegend für unmittelbar produktive Zwecke erfolgen, ja daß eine Reihe von Ausgaben für produktive Zwecke, seit 1W1 sogar die Aufweuduugeu für die Vermehrung des rollenden Materials der Staatsbahnen, auf den ordentlichen Etat gebracht werden. Ein Vergleich mit der Fiuauzwirtschafr des Deutscheu Reiches liegt nahe. In Rußland werdcu die sämtlichen Ausgaben sür Heer und Flotte, sogar für Hafenbauten und ähnliche Anlagen, anf den ordentlichen Etat gebracht uud aus laufenden Einnahmen gedeckt! bei nns figuriert ein großer Teil dieser Ausgaben auf dem außerordentlichen Etat, auf den für das Rechnungsjahr 1W4 sogar der Fehlbetrag des Rechnungsjahres lN2 gesetzt worden ist! In Rußland sind die Ausgabeu des außerordeutlicheu Etats seit 188K etwa zur Hälfte aus Anleihen, zur anderen Hälfte aus Überschüssen des ordentlichen Etats gedeckt worden: bei uus wird die ganze Ausgabe des außerordentlichen Etats aus Anleihe» gedeckt und seit einigen Jahren werden sogar „Zuschußauleiheu" zur Deckung des im ordentlichen Budget vorhandenen Fehlbetrages vorgesehen. Mir scheint, das „Relies", das die russische Fiuauzwirtschaft durch das Ertraordinarium erhält, ist das schlechteste nicht. Als wichtigstes Kriterium für die im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte tatsächlich eingetretene Konsolidierung der russischen Fi- I. Die russischen Finanzen vor dem Kriege. c-i^? c-si? -Ä-i? rsi? r^I? r^i? rL.^ üS? t l^-i? c^-v? r^.^ c-^? c^-i? r^->, ^-?> c^-i? nanzen habe ich die Gestaltung der Verhältnisse der russischen Staatsschuld angeführt: ihre verhältnismäßig geringe Vermehrung gegenüber der Erhöhung des staatlichen Aktivvermögens und des aus dem letzteren fließenden Ertrags, sowie die im Verhältnis zur Erhöhnug des Nominalbetrags der Schnld sehr geringfügige Steigerung der für den jährlichen Anleihedienst erforderlichen Summe. Ich habe dabei kein Hehl aus den Schwierigkeiten gemacht, die gerade in Rußland einer exakten Berechnung des Stcmts- vcrmögens und seiner Erträgnisse entgegenstehen. Eine in dem Budgetbericht des russischen Finanzministers für 1902 enthaltene Berechnung des staatlichen Aktivvermögens habe ich unter dein ausdrücklichen Hinweis wiedergegeben, daß der Ansatz für den Wert der Staatseisenbahnen ein Faktor „von problematischem Wert" sei. Ich habe ferner aus demselben Budgetbericht eine Zusammenstellung der Reinerträguisse gewisser Teile des Staatsvermögens für die Jahre 1892 und 1999 entnommen, die nach meiner Ansicht einen einwandfreieren Überblick gibt. Man hat in diesen Zahlen namentlich die Angaben über den Neinertrag der Eisenbahnen bemängelt, teils unter Hinweis auf die Berechnungeu anderer Schriftsteller, teils unter Hinweis auf Erklärungen des früheren Finanzministers v. Witt e über das Defizit der Eisenbahnen. Alle diese Einwendungen gehen von der für eine Ertragsberechnnng nicht branchbaren Grundlage aus, daß sie die auf das Budgetordinarinm gebrachten Eisenbahnausgaben samt und sonders als Betriebsausgaben ansehen. So hatte Herr v. Witte in seinem gegen mich zitierte,: Bericht, den er Ende 1992 dem Neichsrat vorlegte, nicht eine Ertragsberechnnng, sondern mir die budgetmäßige Gestaltung der Eiseubahnfinanzen im Ange, wenn er von steigenden Zuschüssen für die Eisenbahnen sprach; die Zuschüsse im ordentlichen Etat der Eisenbahnen ergeben sich aber einfach daraus, daß infolge der Gesetze von 189-1 nnd 1999 eine Reihe von Ausgaben auf den ordentlichen Etat gebracht werden, die nichts weniger als Betriebsausgaben sind, sondern ueue Kapitalinvestierungen darstellen. Dasselbe gilt auch von der vou Wittschewsk y aufgemachten und gegen mich zitierten Berechnung, die für die Jahre 1892 bis 1901 im Budgetordinarium einen durchschnittlichen Zuschuß für die Eisenbahnen in Höhe von 29,2 Millionen Rubel pro Jahr ergibt. Wittsch e w s k y selbst betont jedoch ausdrücklich den 40 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. Unterschied zwischen der bndgetären Gestaltung der Eisenbahnfinanzen und der Ertragsgestaltnng.") Dementsprechend erkennt er es als einen „erfreulichen Fortschritt" nn, „daß bei der Gesamtheit der Staatsbahnen die Einnahmen ans dein Betriebe, welche im Jahre 1892 die Ausgaben nnr nm 24,2 Millionen Rubel überstiegen, allmählich bis zu einem Nettoerträge von 109,3 Millionen Rubel (1901) angestiegen sind." Die diesem wachsenden Einnahmeüberschnsz gegenüberstehende Steigerung der Aufwendungen für den Dienst der Eisenbahnanleihen ist in der von mir Wiedergegebeneil Vergleichung, die ja die Entwicklung der Erfordernisse für den gesamten Anleihc- dienst in Parallele zu den Reineinnahmen ans dem staatlichen Aktivvermögen stellt, von vornherein berücksichtigt. Streitig kann mithin einzig nnd allein die Frage sein, wie weit die erst vom Jahre 1895 an ans den ordentlichen Etat übernommenen Ausgaben für Steigerung nnd Verbesserung der Betriebsfähigkeit der Bahnen als Betriebsansgaben oder als neue Kapitalanlagen auzuseheu siud. Ein sehr erheblicher Teil dieses streitigen Postens, z. B. die Ausgaben für Umwandlung eingleisiger in doppelgleisige Bahnen, für die Vergrößerung der Bahnhöfe, für die Vermehrung und Verbesserung des rollenden Materials, stellt offensichtlich eine Vermehrung des investierten Kapitals dar. Jedenfalls aber darf eine Vergleichung der Jahre 1892 und 1900 schon deshalb nicht jenen Ausgabeposten als Betriebsausgaben rechnen, weil er in den ordentlichen Ausgaben des Jahres 1892 für die Eisenbahneil überhaupt noch nicht enthalten war, sondern erst Pom Jahre 1895 an auf den ordentlichen Etat gebracht worden ist. Daß durch die rapide Vergrößeruug des Eisenbahnnetzes in den allerletzten Jahreil, namentlich durch den Ansban der sibirischeil Bahn, die Steigerung der finanziellen Erträgnisse der Staatsbahnen einen WittschewSlh, der in der Methode der ErtragSverechnnng dem russischen ^inanzminister keineswegs völlig zustimmt, schreibt im Archiv für Eisenbahnwesen, 1904, lll.: „Die Publizistik hat die hieraus (aus deil Ertrago- berechnuugeul sich ergebenden Tchlutzfolgernngen nuf das schärfste angegriffen, indem sie sich immer wieder darauf berief, das; m>S dem Budget viele Millionen alljährlich für das ^iseubahuwesen zugeschossen werden müsse». Die Berufung auf die budgetäre Belastung ist hier aber nicht am Platze. Mau mag die rechnerische Methode für unzulässig halten, der Vorwurf einer willkürlichen Veranlagung ist unberechtigt." I, Die russischen Finanzen vor dein Kriege, 41 Rückschlag erfahren hat und daß die russische Finanzpolitik allen Grund hat, nach der Periode der raschen Ausdehnung des Eisenbahn- baus eine Zeit der Sammlung und Konsolidierung eintreten zu lassen, ist nicht zn bestreiten; denn diese neuen Strecken werden noch für Jahre hinaus erheblicher Zuschüsse bedürfen. Aber wenn anch für den raschen Ansban dieser zunächst nicht rentablen Strecke» in erster Linie militärische Gesichtspunkte ausschlaggebend gewesen sein mögen, so haben doch diese Bahnen anch für die wirtschaftliche Entwicklung der von ihnen berührten Gebiete eine ausserordentliche Bedeutung, Trotzdem sie jetzt noch Zuschüsse benötigen, stellen sie ein wichtiges Aktivum des russischen Staates dar; deun das in ihnen investierte Kapital wird sich aller Voraussicht nach in der Zukunft reichlich bezahlt machen. Man hat mir weiter entgegengehalten, die geringfügige Steigerung des jährlichen Erforderuisses für den russischen Anleihedienst sei auf „r ein f i n a n z t e ch n i s ch e Mo m e n t e", nämlich die Ersetzung cimortisabler Anleihen durch sogenaunte einige Renten, sowie auf die allgemeine Verbilligung des Ziusfufzes zurückzuführen, nicht aber auf eine Verbesserung der russischen Finanzverhältnisse, Der Tatbestand ist, daß von 1887 bis 1904 das Nominalkapital der gesamten russischen Staatsschuld sich vou 4973 auf MM Millionen Rubel erhöht hat, während die Ausgaben für den jährlichen Dienst der Staatsschuld in derselben Zeit nnr von 26^1,5 ans 289,3 Millionen Rubel gestiegeu sind. Dabei muß berücksichtigt »verde», daß Rußland inzwischen feine unverzinsliche Schuld an die russische Neichsbauk im Betrage von mehr als MV Millionen Rubel, für welche ungedeckte Kreditbillete ausgegeben waren, durch verzinsliche Anleihen ersetzt hat; die verzinsliche Staatsschuld Rußlands ist in der angeführten Zeit von -1369 auf 6636 Millionen Rubel gestiegen, also um etwa 52 Prozent, während das jährliche Anleihcerfordernis gleichzeitig nur um etwa 9 Prozent zugenommen hat. Wie weit dieses auffallend günstige Verhältnis durch das „rein sinanztechnische Moment" der Ersetzung tilgbarer Anleihen dnrch einige Renten seine Erklärung findet, habe ich im Oktoberheft der „Mariue-Rundschan" selbst be^ rechnet und ausdrücklich hervorgehoben;") der jährliche Aufwand ") Vgl. oben S, 21. 42 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch, i^v? r--.^ lÄS>? i-^i c^-v? c---^ c^i? c!-?^ c^-v? c---^, r^-v» c?-»i< r-s>'s is-^< c»?^ r-s, t für die reinen Zinsen der Staatsschuld (unter Ausschluß der Amortisationsbeträge) ist von 188« bis 1904 von 213 auf 264 Millionen Rubel, also um nur 24 Prozent, gestiegen, bei einer Vermehrung der verzinslichen Staatsschuld um 52 Prozent. Diese günstige Gestaltung kommt natürlich zum Teil auf Nechunng der allgemeinen Senkung des Zinsniveaus; es sei jedoch mein Hinweis darauf wiederholt, daß mir die Wiederherstellung des schwer erschütterten Vertrauens in die russische Finanzwirtschaft dem russischen Staate die Möglichkeit gegeben hat, von der in der ersten Hälfte der 99 er Jahre des vorigen Jahrhunderts eingetreteueu Ermäßigung des Zinssatzes in solchem Umfange Nutzen zu ziehen. Wie weit die beträchtliche Ziusersparnis auf das erhöhte Vertrauen in die russischen Finanzen zurückzuführen ist, zeigt die Tatsache, daß noch im Jahre 1880 die vicrprozentigen russischen Goldanleihen auf ungefähr 75 standen, während die mit der gleichen Verzinsnug ausgestatteten deutschen Neichsanleihen sich damals um Pari bewegten; im Jahre 1899 dagegen erreichten die Kurse der russischen Staatspapiere bis auf Bruchteile eines Prozents den Kurs der gleichverzinslichen deutschen Reichsauleihen. Das bedeutet eiue Besseruug des russischen Staatskredits gegenüber dem deutscheu um etwa 39 Prozent, eine Besserung, die ich Wohl ohne Übertreibung als eine „gewaltige" bezeichnen durfte, eine Besseruug, die außerdem beweist, wie hoch trotz aller Angriffe auf die russische Finauzpolitik der letzten zwei Jahrzehnte der au deu russische,: Werten praktisch iuteressierte Kapitalmarkt die Kousolidieruug der russischen Finanzen veranschlagte. Ganz besonders schwer zu übersehen und zu beurteile» siud, wie ich gerne zugebe, die Verhältnisse der russische» Zahlungsbilanz und deren Bedentuug für den russischen Kredit und die russische Währuug. Neben den keineswegs immer ohuc weiteres verwendbaren Zahlen der eigentlichen Handelsbilanz (der Bilanz der Wareueiufuhr uud -Ausfuhr) sind znr Feststellung der Zahlungsbilanz eines Landes (der Bilanz der an das Ausland zu leistende!, und vom Anstände zn empfangenden Zahlungen) vor allein diejenigen Zahlungen zu berücksichtigen, die sich aus bestcheuden internationalen Schuldverhältnissen usw. ergeben, daneben noch einige andere Faktoren. Bei Rußland steht fest, daß die Haudelsbilauz zu 1, Die russischen Finanzen vor dem Kriege. 6«? I?--.? PS? rs- cü-^i l^-i? IS? c^i? cs? rs? cÄ-i» cs? cs? r^K? c^-i? Rußlands Gunsten nahezu nnnnterbrochen beträchtliche tlberschüsse ergibt, die in einzelnen Jahren die Summe vou 300 Millionen Rubel nahezu erreicht oder gar überschritten haben. Auf der anderen Seite hat Nutzland Jahr für Jahr grotze Zahlungen für den Dienst seiner im Auslande untergebrachten Anleihen nach auswärts zu leisten; dazu kommt die Verzinsung für die im Auslände untergebrachten Kommnnalanleihen uud Pfandbriefe, für die der russische» Industrie gewährten Kredite nnd die in der russischen Industrie investierten ausländischen Kapitalien. Ferner sind als ein die russische Zahlungsbilanz belastendes Moment anzusehen die Summen, die vou den zahlreichen sich im Auslaude aufhaltenden Russen über ihre aus dem Auslaude bezogenen Einnahmen hinaus verausgabt werden. Als ein weiterer belastender Faktor wird mitunter der „Tribut" angeführt, den Nutzland an ausländische Reedereien für feinen Warenverkehr zur See mit dem Auslaude zu eutrichteu habe, infolge des Umstandes, datz die russische Flagge an dem Schiffsverkehr der russischen Häfen mit nicht viel mehr als 10 Prozent beteiligt sei. Hier liegt jedoch in Wirklichkeit insofern keine nene Belastung der russischen Zahlungsbilanz vor, als die Seetransportkosten für Einfuhrwaren bereits in dem Werte enthalten sind, zu dem die Einfuhrwaren in die russische Hcmdelsstatistik aufgeuommen werden, und als die Werte, zu denen die Ausfuhrwaren angeschrieben werden, ans den Preisen in den Erporthäfen, das sind die Weltmarktpreise abzüglich der Fracht, beruhen. Hinsichtlich der tatsächlich für die Berechnung der russische» Zahlungsbilanz i» Betracht kommende» Mome»te fehlt es — abgesehen von der Handelsstatistik und etwa den vom Staate für seinen Schuldendienst an das Ausland zu leistende» Zahlungen (etwa 170 Millionen Rubel pro Jahr) — au zuverlässigen Anhaltspunkten für eine exakte Schätzung. Die »leiste» Berechmingen kommen für die von Rntzland an das Ausland zu leistenden Zahlnngen anf Beträge, welche die vom Auslande au Rutzlcmd nir feinen ErPort zn leistenden Zahlnngen mehr oder weniger überschreite»! daraus wird dann die Folgerung gezogen, das; Rntzland seinen Zahlungsverpflichtungen an das Ausland ohne fortgesetzten starten ErPort von Gold nur dadurch genügen könue, datz es fortgesetzt neue Schulden im Auslaude koutrahiere; datz mithin die Aufrechterhaltung der russischen Gold- ^ Erster u.cil. Die Finanzen Ruszlauds und Japans vor dem Ariezsausbruch. c--^ ^-i? c-si? r^v» c-^s c-i-ii c^-i? rs-^? c-ü-i? c^i? rli-^» lÄ-i? Ivährnng bisher nur dadurch ermöglicht worden sei, daß die an das Ausland zu zahlenden Zinsen für die Goldanleihen durch die Aufnahme von neuen Anleihen aufgebracht wurden. Ich kann mich hier auf eine Kritik der einzelnen Posten der verschiedenen Berechnungen uicht einlasse»! das würde bei der Unsicher- heit des Bodens, ans dem sich alle solche Berechnungen bewegen, ohnehin zu nichts führen. Dagegen will ich auf ein wichtiges nnd meiner Ansicht nach entscheidendes Moment aufmerksam machen, das bei den Berechnungen und Beurteilungen der russischen Zahlungsbilanz meist überhaupt uicht oder nicht genügend berücksichtigt wird,") ein Moment, das in den kurzen, nur neun Druckzeilen umfassenden Bemerkungen, die ich im Oktoberheft 1M4 der „Marine-Rundschau" zur russischen Zahlnngsbilanz gemacht habe, wenigstens mit einem Worte angedeutet ist. Dieses Moment ist die starke Investierung ausländischer Kapitalien iu Rußland zu produktive» Zwecken, die „Kapita l e i n f n h r". Fremdes Kapital ist namentlich im Laufe des letzten Jahrzehnts anerkanntermaßen in sehr erheblichen Beträgen Rußland zugeführt worden, teils im Wege der Kreditgewährung, sei es an den Staat, sei es an private Unternehmungen, teils im Wege der unmittelbaren Investierung in industriellen und anderen Unternehmungen, z, B, im Wege der Errichtung von russischen Aktiengesellschaften mit fremdem Kapital. Ob nun die Kapitalzufnhr im Wege der Kreditgewährung oder der unmittelbaren Investierung in Unternehmnngen erfolgt, sie kann sich mir in zwei Formen vollziehen: entweder im Weg der Einfuhr von Gütern oder im Weg der Verweisung von Geld. Das erstere ist z. B. der Fall, wcuu der russische Staat aus dem Erlös einer im Auslande untergebrachten Anleihe Eisenbahnmaterial kanft nnd importiert, oder wenn ein westeuropäischer Unternehmer, der in Rußland eine Fabrik gründet, die maschinelle Ausrüstung der Fabrik einführt. Die Überweisung von Geld ist notwendig in denjenigen Fällen, in welchen das im Ausland aufgebrachte Kapital im Inland verausgabt werden soll, z. B. durch den Staat, der die an dem Eisenbahnban beschäftigten Arbeiter bezahlt, oder v. ^chnlze-Giivcruitz hebt dnS hier in Betracht kommende Nioineitt i» seinem Buche über Rußland gebührend hcNwr. I. ?ie russischen Finanzen vor dem Kriege. ls> r^??^,r^,5^^^»5^? c^-> < c-s^? r^?, < pitals nicht in der Forni des Kredits, sondern in der Form der unmittelbaren Beteiligung (etwa durch Aktieuerwerb) an irgendwelchen Unternehmungen, so erhalten die ausländischen Kapitalgeber von vornherein nur insoweit irgendwelche späterenGegenleistungen,als das investierte Kapital selbst Ertrügnisse abwirft; soweit die Aktionäre russischer Unternehmungen Ausländer sind, fallen auch die Zinszahlungen für die Obligationen solcher Unternehmungen, falls der erforderliche Betrag nicht durch die Betriebsergebnisse ausgebracht wird, den ausländischen Aktionären zur Last. Eine wirkliche Belastung der russische» Zahluugsbilcmz für die Zukunft bilden — mit der eben gemachten Einschränkung — nur diejenigen im Wege des Kredits aufgenommenen Kapitalien, die aufgebraucht werden, ohne daß ein Gegenwert in produktiven Anlagen entsteht. Nun ist sich Wohl alle Welt darüber einig, daß die Hilfsquellen Rußlands nur durch die ausgiebige Heranziehung fremden Kapitals in einem für Rußland selbst erwünschten Tempo erschlossen werden können. Gerade die Einführung und Sicherung der Goldwährung hatte mit in erster Linie den Zweck, eine ausgiebigere Heranziehung fremden Kapitals zu ermöglichen. Die Verwirklichung dieses Zweckes ist in der Tat gelungen; seit 1894 sind nach der Schätzung sachkundiger Leute hunderte Millionen Rubel namentlich deutschen, französischen und belgischen Kapitals in russischen Unternehmungen investiert worden. Wer diese Kapitaleinfuhr im Interesse Rußlands für wünschenswert hält, der darf nicht den notwendigen Reflex der Kapitaleinfuhr anf die Handelsbilanz als ein ungünstiges Symptom ansehen, sondern muß sich darüber klar werden, daß jede Kapitaleinfuhr eine entsprechende Erleichterung der Zahlungsbilanz, d. h. der Bilanz der in einem gegebenen Jahre von Rußland zu empfangenden und zu leistenden Zahlungen, bedeutet. Diese Ausführungen lassen vielleicht die von mir ausgesprochene Ansicht weniger kühn erscheinen, daß „der namentlich nach der Größe der Getreideausfuhr und der Kapitaleinfuhr aus de« westeuropäischen Ländern schwankende Überschuß der russischen Handelsbilanz im großen Durchschnitt mehr als ausreichend erscheint, um die jährlichen Zahlungsverpflichtungen des russischen Staates und der russischen Volkswirtschaft an das Ausland zu begleichen". Diese Ausführungen tragen vielleicht auch zur Beleuchtung der „einfachen Banernrechnung" bei, die mir ein „Rnssophob" I. Die russischen Finanzen vor dein Arioge, 47 gezeichneter Artikel der Wochenschrist „Plutus" entgegenhält, „Nusso- phob" rechnet: Nußland hat etwa 12 Milliarden Franken Schulden im Ausland, dagegen in der Reichsöank nnd im Verkehr einen Goldbestand von nur 3 Milliarden Franken, Da Nußland irgendwann einmal den Gegenwert seiner Anleihen in Gold erhalteil haben müsse, so ergebe sich, daß etwa 7 Milliarden Franken infolge der nngiinstigen Handelsbilanz wieder abgeflossen bzw. daß die neuen Anleihen nur aufgenommen worden seien, um die Zinsen der alten im Auslände zu bezahlen und auf diese Weise den sonst unvermeidlichen Goldabfluß und Zusammenbruch der Goldwährung zn verhindern, „Russo- phob" scheint sich noch in den seit einigen Jahrhunderten ausgetretenen Kinderschuhen der ältesten Merkantilisten zu ergeheu und nicht zu begreifen, daß der Gegenwert für ausländische Anleihen auch in anderer Form als in Bargeld, z, B, in Maschinen, Eisenbahn- und Kriegsmaterialien usw, in das Land gebracht werden kann, und daß — soweit das der Fall ist — dieser Teil der Einfuhr, der durch den Erlös ausländischer Anleihen nsw, bezahlt ist, nicht noch znm zweiten Male durch Ausfuhrwaren oder Geldexport bezahlt zu werden braucht.") Immerhin könnten auch schärfer deutende Beurteiler durch ineine Ausführungen die Auffassung bestätigt finden, daß Rußland stets neue Kredite zu Hilfe nehmen müsse, um seine Zahlungsverpflichtungen an das Ausland bestreiten und seine Einfuhr bezahlen zu köuneu. Aber diese Auffassung ist nur in ihrer Umtehrnng richtig: ohne den für die russische Entwicklung erwünschten Kapitalzufluß wäre eastei'is paridus die russische Einfuhr kleiner, weil eine Menge von Materialien dann nicht eingeführt werden würde, und anderseits die russische Ausfuhr größer, weil ein großer Teil der russischen Arbeit, die heute infolge der Investierung ausländischen Kapitals zur Schaffung produktiver Anlagen in Nnßland selbst Verwendung findet, zur Produktion von Ausfuhrwaren verfügbar werden würde.**) Wie "I Herr Georg Bernhard, Heranogeber des „PlntnS", ist in der nach der Publikation der obigen Ausführungen !riegSkostenentschädigung nn Denlschlmid .18 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor den» Kriegsausbruch, r^j> r^is c^i? c?--is l^M »!Ä-> ? c-Si? c^-s» r-^? csii c-^> ? c^->> c-s^, r-»^» c-.^>' < c^>> dem aber auch sei, das Unzutreffende der Anschauung, daß Nußland, um die Zinsen seiner alten Anleihen an das Ausland zu bezahlen, sich immer wieder zur Ausnahme neuer Anleihen genötigt sehe, geht schon daraus hervor, daß der russische Staat auf Gruud der Überschüsse seines ordentlichen Budgets Jahr für Jahr beträchtlich größere Summen als den Erlös seiner neuen Anleihen in produktiven Unternehmnngen investiert hat. Die unbestreitbare Entwicklung der russischen Industrie, vor allem der Montan- und Textilindustrie,*) zeigt ferner, daß auch der durch die private Kapitaleinfuhr bedingten Steigerung der Verschuldung der russischen Volkswirtschaft eine beträchtliche Zunahme der produktiven Kräfte und des werbenden Vermögens gegenübersteht. begleiteten. Für Deutschland entstand aus dem Empfang der fünf Milliarden ein euormeS Anschwellen des Einfuhrüberschusses von Waren. (Vgl. meine Ausführungen in der „Geschichte der deutschen Geldreform", 1898, Z. 380, sowie Nasse, „die Münzreform und die Wechselkurse, in den Annalen des Deutschen Reiches", 1875,, S. 600 ff.) "> Tie von nur nach dem Bndgetbericht des russischen Finanzministers «1900> für die M>re 1877. 1887, 1892 und 1897 gegebenen Vergleichszahlen der Produktion in den einzelnen russischen Industriezweigen sind im „Plutus" auf Grund einer früheren Beanstandung Dr. Rahrbachs als „alter Schwindel" bezeichnet worden, nnd zwar weil in diesen Dahlen die Werte von Halbfabrikaten nnd Ganzfabrikaten summiert sind, während die Werte der in Rußland hergestellten und dort verarbeiteten Halbfabrikate naturgemäß in dem Wert der Ganzfabrikate aufgehen nnd mithin in der Schlnßsnmme doppelt erscheinen. DaS ist allerdings ein - übrigens in keiner Produktionsstatistik vollständig zu vermeidender — Fehler, durch den die absoluten Werte der Produktion stark beeinflußt werden. Für mich handelte es sich jedoch lediglich um die relative Wertsteigernug der Produktion, nnd da die Angaben für die früheren Aahre auf Gruud der gleichen Methode berechnet sind wie die Zahlen für 1897, so geben die Ziffern trotz des erwähnten statistischen Fehlers — von dem Maße der Entwicklung der russischen Industrie ein zutreffendes Bild. Übrigens bemerkt B. WittschewSkh in seinem seit der Publikation meiner Aufsätze in der Marine-Rundschau erschienenen Werke „Rußlands Handels-, Zoll- nnd Jndnstriepolitit", daß die vom russischen Finanzministerium herausgegebene ziffernmäßige Übersicht über die Fabrikindustrie in Rußland selbst ans den erwähnten Mangel der Prodnkttonsstatistit nnfmerksam macht, nnd er fügt wörtlich hinzu: „Die Entrüstung eines Scharapow lin Rußland wird er der »Grvtest-Polkslvirt« genannt) oder seines wortgetreuen Gefolg- incmnes Robrbach erscheint nnter solchen Umständen als törichte Großsprecherei." I. Die russischen Finanzen vor dein Aricge, Freilich hat man meiner Anerkennung der Entwicklung der russischen Industrie eine frühere Äußerung von mir") gegenübergestellt, in der ich die im Jahre 1899 über die russische Industrie hereingebrochene Krisis mit dem System der forcierten Begünstigung der russischen Industrie durch hohe Prohibitivzölle und große Staatssnb- ventionen in Verbindung gebracht habe. Damals handelte es sich darum, zu zeigen, daß durch künstliche Mittel in einem großen Lande nicht von heute auf morgen die Vorbedingungen für einen Übergang vom Agrar- zum Industriestaat geschaffen werden können. Aber weder diese Wahrheit noch die — von mir im Ottoberheft 19(»l der „Marine-Nuudschau" übrigens ausdrücklich erwähnte — im Jahre 1899 eingetretene Krisis, die in der Tat Rußland um eine Anzahl von Jahren in feiner indnstriellen Entwicklung zurückgeworfen hat, stehen mit der Tatsache in Widerspruch, daß die Gesamtentwicklung der russischen Industrie, wie sie sich in deu letzten Jahrzehnten auf natürlichen Grundlagen vollzogen hat, einen ansehnlichen Fortschritt bedeutet. Damit soll nicht etwa behauptet werden, daß in Rußland finanziell und wirtschaftlich alles zum besten stehe. Ich habe ausdrücklich betont, daß die mit strenger Konsequenz durchgeführte russische Finanzpolitik der russischen Volkswirtschaft harte Opfer auferlegt, die namentlich in ungünstigen Zeiten schwer empfunden werden. Wenn aber insbesondere die schwierige Lage des russischen Bauern ans die Finanzpolitik zurückgeführt wird, und wenn mir gegenüber die Behauptung wiederholt wird, die ganze Kunst des Herrn v, Witte habe darin bestanden, den finanziellen und ökonomischen Neubau Nußlands „mit dem ausgesogenen Mark des russischen Bauerntums zu kitteu", so muß ich zwar zugeben, daß eine solche Auffassung bei uns in Deutschland weit verbreitet ist und daß es bequemer ist, sie nachzusprechen als ihr entgegenzutreten. Wer sich jedoch die Mühe nimmt, sich auch nur ein wenig um die russische Wirtschafts- uud Fiuanzgeschichte der letzten Jahrzehnte zu kümmern, wird sehr bald zu der Überzeugung kommen, daß die ungünstige Lage des russischen Bauernstandes in ganz anderen Verhältnissen ihre Wurzeln hat als in der russischen Finanzpolitik, und daß die letztere in einer Entlastung In meinen Vorträgen über Handelspolitik, lWl, ^, Helffcrich, Das Geld im rttssisch-jlipmiische» Kriege, ^ g() Erster u.cil, Die Finanzen Rußlands und Japans vc>r deui Kriegsausbruch, 5^,^^5^5^?^v^^?^^r^?^.^5-^ des russischen Bauernstandes sehr weit gegangen ist. Die Hauptursachen des schlimmen Znstandes der russischen Landwirtschaft liegen in Fehlern, die zu Beginn der sechziger Jahre bei der Bauernbefreiung gemacht worden sind, indem den Bauern zu wenig Land überwiesen wurde und indem die Ertragsstihigkeit des Landes uud dementsprechend die von den Bauern an die Gutsherren zu leistenden Pacht- und Ablösungszahlungen zu hoch bemessen wurdeu. Die staatliche Finanzpolitik jedoch hat den Bauernstand durch folgende Maßnahmen zu entlasten versucht: Zunächst wurde in den achtziger Jahren die Kopfsteuer und Salzsteuer aufgehoben, durch die vor allem die ländliche Bevölkerung getroste» worden war. Ferner wurde in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre die Grundsteuer iu manchen Gouvernements bis zu 59 Prozent ermäßigt. Diese Entlastung tritt darin zutage, daß die Grundsteuer und diverse Abgabeu auf dein Lande zuzüglich der Salzsteuer im Jahre 1880 einen Ertrag von 120,6 Millionen Rnbel gaben, im Jahre 1901 dagegen mir 32 Millionen Rnbel. Im Jahre 1301 lieferten die direkten Steuern einen Ertrag von 131 Millionen Rubel; davon kamen auf das Land nur die erwähnten 32 Millionen Rnbel, d. i. etwa ein Viertel, die übrigen drei Viertel kamen auf die Industrie, den Handel nnd den Kapitalbesitz. Ferner hat der Staat zur Erleichterung der Grnndablösung den Gutsherren den Kapitalwert der vou den Bauern zu entrichtenden Loskaufsummen ausgezahlt und dafür den Bauern die Verpflichtung auferlegt, die auf diese Weise vorgestreckten Beträge innerhalb von 4!) Jahren durch Jahreszahlungen von 6 Prozent des Kapitals zu verzinsen und zu tilgen. Der Staat hat zu diesem Zweck eine Schuld von 897 Millionen Rnbel kontrahiert. In Anbetracht der schwierigen Lage der russischen Landwirtschaft sind jedoch die Loskanfzahlnngen der Bauern mehrfach herabgesetzt sowie durch den Erlaß von Rückständen und dnrch Milderungen der Zahlung5bedinguugeu erleichtert worden. Bis zum 1. Januar 1902 waren von der gesamten Loskaufschuld iu Höhe von 897 Millionen Rubel etwa 250 Millionen Rubel durch Amortisation getilgt und nahezu der gleiche Betrag, 249 Millionen Rubel, durch Herabsetzung der Ablösnugszahluugen nnd Erlaß von Rückständen gelöscht») ") Vgl. Wittschewskr, in Conrads Jahrbüchern, Mai Iv04. 1l. ?ie japanischen Finanzen vor dein Kriege, gl r^^v^^^,<5^v<^^?i^?r^?^,»^^ Daß für die Zukunft der russischen Volks- und Finanzwirtschast eine Gesundung der Agrarverhältnisse von der größten Bedeutung ist, wird allgemein anerkannt. Daß aber in den letzten Jahrzehnten die russische Finanzpolitik ihre Erfolge dnrch eine Aussaugnng des Bauernstandes erzielt habe, diese Behauptung stellt sich nach den obigen Ausführungen als eine Mythe dar. II. Die japanischen Finanzen vor dem Kriege. 1. Der Etatsvoranschlag für 1903/04. Der Voranschlag sür das Etatsjahr 1903/04 bezifferte die ordentlichen Einnahmen auf 231,8 Milliouen Jeu (— 484,5 Millionen Mark), die ordentlichen Ausgaben auf 178,5 Millionen Jen 373 Milliouen Mark). Der Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben stellte sich danach im ordentlichen Etat auf 53,3 Millionen Aen (^ 111,5 Millionen Mark). Die außerordentlichen Einnahmen Maren mit 19,9 Millionen Uen (41,6 Millionen Mark) angesetzt, die außerordentlichen Ausgaben mit 60,3 Millionen Yen (^ 138,6 Millionen Mark); die Ausgaben übertrafen mithin im außerordentlichen Etat die Einnahmen um 46,4 Millionen Aeu (^ 97 Milliouen Mark). Insgesamt waren die Einnahmen auf 251,7 Millionen Aen (^ 526,1 Millionen Mark), die Ausgaben auf 244,8 Millionen Yen (^ 511,6 Millionen Mark), der Überschuß auf 6,9 Millionen Yen (^ 14,5 Millionen Mark) veranschlagt. Während an dem russischen Budget die Größe der Ziffern auffällt, muß bei Japan die Geringfügigkeit der Summen, mit denen der Staatshanshalt geführt wird, Erstaunen erregen. Die japanische Bevölkerung wird für das Jahr 1900 auf 44,8 Millionen Seelen angegeben, also auf etwa drei Viertel der Bevölkerung des Deutschen Reiches, auf etwa ein Sechstel mehr als die Bevölkerung Frankreichs und auf etwa eiu Drittel der Bevölkerung Rußlands. Dagegen stellten sich die Einnahmen des japanischen Staates nach dem letzten Friedensbudget mir auf etwas mehr als eiu Viertel der Einnahmen des Deutschen Reiches (ohne Einzelstaaten), auf iveuiger als ein Fünftel der Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch. Einnahmen Frankreichs und auf nur ein Neuntel der Einnahmen Rußlands! sie belasteten die japanische Bevölkerung nur mit etwa 12 Mark pro Kopf. Die Einnahmen und Ausgaben des Budgets für 1903/V4 gliederten sich nach großen Gruppen folgendermaßen: I. Ordentlicher Etat. u. Einnah in e n. Steuern (direkte nnd indirekte«......... 158,3 Millionen Uen, Stempelnbgaben............... 13,6 - - Einnahmen aus Staatsbetrieben........ 52,7 - - Einnahmen aus der Veranlagung von ZtnatSgeldern und aus verschiedenen Zpe zialfondo..... 7,l _-_ Zusammen , . . 231,8 Millionen Hcn. b. Ausgaben. Zivilliste................ 3,0 Millionen Aen, Ministerinm deS Anowärtigen......... 2,3 - - Ministerium des Innern........... 10,6 - - .... > Zahluuncu für die Staatsschuld. 42,4 - - Fmanznmnsteruun s P^.^i^,.,, A.,-g^„ / ^ jg,z 5!riegSministeriuln............. 38,3 - - Mariucmiuistcrium............. 22,1 - - Justizministerium............. 10,0 - - llnterrichtslninisterium........... 5,0 - Miuisterium deS Ackerbaus und Handels..... 2,9 - - Ministerium des Verkehrswese ns........ 21,«> _ - Zusammen . . . >78,3 Vkillionen ?)en. II. Ausierordentlicher Etat. -r. Einnahmen. Anleihen................ 7,4 Millionen Jen, Aus dem auS der chinesischen Kriegc'tostenentschädigung gebildeten Fonds............ 3,6 - - Beiträge der Lokalverwalrungen zu den öffentlichen Arbeiten............... 1,1 Erlös aus dem Verkauf von Staatsgütern .... 0,9 - - Aus dem Spezialfonds der Forstvcrwaltung .... 2,1 - - Verschiedene Einnahmen ........... 4,8 - _^ Zusammen . . . 19,9 Millionen Il> Die japanischen Finanzen vor dem Kriege. HZ c^z?c^» rü-is c^-i? cs? c---i? r^-? r^-is üS? c^-i? r^-i? c»-i< ü-M cs? c^-i? r^-is Ix Ausgabe n. Ministerium des Auslvärtigen . , . . Ministerium des Innern...... Fiunnzmiuisterium........ Kriegslninisterium........ Mnrinemiuisterium........ Justizministerium........ Ilntcrrichtoiuinisterium...... Ministerium des Ackerbaus und Houdelo Ministerium des Verkehrswesens . . . W,!> 10.7 5,1 >V 7,l l>,'> 1.7 »,> Miliwnc» Uen. ^)Usamme>' t!<>,^! A!illi»neu ?1e». Im Unterschied zum russischen Budget sind auf deu außerordentlichen Etat eine Reihe von Ausgaben gesetzt, die anderen als produktiven Zwecken dienen. Anderseits wnrde nach dein japanischen Budget für 1993/04 die Gesamtheit der ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben fast genau durch die Einnahmen unter Ausschluß vou Anleihen und ohne die Inanspruchnahme irgendwelcher verfugbaren Bestände gedeckt: die unter den außerordentlichen Einnahmen verzeichneten 7,-1 Millionen Anleihen übersteigen nur nin eine halbe Million Jen den Überschuß des Gesamtbudgets. Die eiuzeluen Posten der ordentlichen Eiuuahmen erfordern, nm ein klares Bild von der finanziellen Belastung der japanischen Bevölkerung und Volkswirtschaft zu geben, einige Erläuternngen; insbesondere gilt das von den Steuern, die etwa zwei Drittel der gesamten Staatseinnahmen aufbringen. An direkten Steuern gelangten vor Ausbruch des Krieges zur Erhebung: 1. Eiue Grundsteuer, die das ländliche Grundeigentum mit 3,3 Prozent, das städtische Grundeigentum mit 5, Prozent vom Wert belastet! ibr Ertrag war für 1993/91 auf 17 Millionen Aen veranschlagt. 2. Eine Gewerbesteuer, die nach der Verschiedenheit der einzelnen Gewerbe abgestuft ist und teils nach der Größe des Geschäftskapitals oder der Umsätze, teils nach dem Mietswert der Geschäftsräume, teilc' nach der Zahl der Arbeiter, teils nach dem Gewinn berechnet wird: ihr Ertrag figurierte im Budget für 1993/0-l mit 0,8 Millionen Yen. V^sMV"-"^^'^ Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. K-->!5^^r-^5^-^5^--^r!SNr--^r!S^i Eine auo ^eesnl^ und vegetabilische» ^ubstaiiAen bereitete Flüssigkeit ijapmüsche Tauee'I, II. ?ie japanische» Finanzen vor dein Kriege. Z3 i?--^^^r-^r!^r^r^>?^c^r-^r-^r-^i^ Ertraordinarinin zusammen etwa 71,3 Millionen Jen) sind zwar an sich gegenüber den sehr viel größeren Aufwendungen der europäischen Großmächte siir diese Zwecke, namentlich gegenüber den etwa siebenmal größeren Aufwendungen Rußlands, geradezu minimal; aber innerhalb des japanischen Budgets erscheinen sie erorbitant, indem sie nahezu ein Drittel der gesamten AnZgaben darstellen. Übrigens zeigten in diesem Punkte die beiden Jahre 1902/03 und 1903M noch eine relativ günstige Gestaltung. In den Jahren 1890/97 bis 1901/02 haben sich die Ausgaben für Armee uud Marine zwischen zwei Fünftel» und der Hälfte der Gesamtausgaben bewegt. Die japanische Staatsschuld belief sich am Anfang des Rechnungsjahres 1903/04 auf 539,6 Millionen Yen ^ etwa 1170 Millionen Mark. Dazu kommt ein in feiner Höhe schwankender Vorschuß, den die Bank von Japan dem Staat gewährt. Von den sämtlichen Schuldverschreibungen des japanischen Staates, die zur Zeit d»? Kriegsausbruchs ausgegeben waren, lautete nur eine einzige ans eine ausländische Währung, nämlich die 4prozentige Anleihe, die im Betrag von 10 Millionen Pfd. Sterl. etwa 100 Millionen Yen) im Jahre 1899 in London aufgenommen worden ist; außerdem sind in London noch einige weitere, auf japanische Währung lautende 3pro- zcntige Anleihen untergebracht worden, deren Betrag verschieden hoch angegeben wird (auf etwa 93 bis 130 Millionen Jen). Von der gesamten japanischen Staatsschuld befanden sich mithin beim Kriegsausbruch ungefähr 200 bis 230 Millionen Jen in fremden Händen,") während der andere Teil im Betrage von mehr als 300 Millionen Jen in Japan selbst untergebracht war.*") 2. Dir Entwicklung der japanischen Staatsfinanzen in den letzten Jahrzehnten. Noch weit mehr als von den Finnnzverhältnissen Nußlands gilt von denjenigen Japans, daß das Bild des augenblicklichen Standes ") Der ..LoonomiiZtö üuropvvn" vom 14. Mni 19V4, S. 618, nennt einen Betrag von 250 Millionen Den, der Londoner .Mooomist" vom 7. Mai 1904 einen Betrag von 19,5 Millionen Pfd. Sterl. — etwa 19I Millionen Ucn. Die Schulde» der kommunalen Korporationen usw. veliefen sich auf etwa l>1 Millionen ?)en. f)g Erster ll.eil. ?ie Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch, r^i? rsi? ^-^s i^-i? i^-^? cs< r--«i? r-sii r^i? cz--v» r!S?, c-s? des Budgets und der Staatsschuld der Ergänzung durch einen Überblick über die finanzielle Entwicklung der letzten Jahrzehnte bedarf.*) Tie Finlniznvtc der Periode 18K7 bis 1881. Als Japan nach der Beseitigung der Shoguuatsregierung und der Feudalität sowie der Absperrung nach außen an die Neuordnung des Staates und der Volkswirtschaft herantrat, hatte es eine Finanzwirtschaft überhaupt erst zu schaffen. Das Aufräumen mit der Vergangenheit stellte enorme finanzielle Ansprüche: die Schulden der alten Landesherrschaften (Dannyos) mußten mit der Landesver- waltnng ans die neue Regierung übernommen werden! die Aufhebung der Leibeigenschaft der Bauern und ihre Einsetzung in das Eigentum der von ihnen bewirtschafteten Grundstücke machte die Ablösung der von ihnen bisher an die Grundherren zu zahlenden Naturalrenten notwendig: ebenso war die Ablösung der erblichen Nentenberechtignngen der Angehörigen der Militärkaste (der Samurais) erforderlich. Die Schaffung eines Beamtentums uach europäischen! Muster und eines auf die allgemeine Wehrpflicht begründeten stehenden Heeres, ferner die erste Ausstattung von Volkswirtschaft und Heer mit den kostspieligen Werkzeugen der europäischen Technik erforderten die Bereitstellung großer Mittel in barem Geld und nötigten zu einem radikalen Übergang von der bisherigen Naturalwirtschaft znr Geldwirtschaft. Der mit diesen Umwandlungen zu- sammeuhängeude Aufstand des Satsuma-Klans in? Jahre 1877 erhöhte den Geldbedarf des ueueu Reiches um ein Beträchtliches. Um diesen gewaltigen Bedürfnissen zn genügen, wurden zunächst die bisherigen, nn die Fendalherren zn zahlenden Naturalrcnten durch eine an den Staat in Geld zn entrichtende Grundsteuer ersetzt, die anfänglich auf 3 Prozeut des Bodenwcrtcs bemessen, im Jahre 1877 auf 2^ Prozent herabgesetzt und schließlich in, Jahre 18W für 5 Jahre auf 3,3 Prozent für die ländlichen und ^) Va,l. zum wl^cnde» neben dem vom japanischen Finanzininisterümi herausgegebenen „Finanziellen nnd Wirtschaftlichen Jahrbuche für Japan" insbesondere Narha.cn: „JnpnnS Volkswirtschaft und Staatshanshalt", 1891, und: „?ie Cnisichung deS modernen Japan", 1895: serner Cdinond Therh: Situation eeouomicine et tlnkmcwi'v ltn.lapon^, eine Artikelseric im ..Aen- vonii^tp IZuropeen" vom 1l>. Januar bis 26. Februar 1904. II. Die japanischen Finanzen vor dem Kriege. 57 r-s-v» r---^? csi? ü--?? p--^ cü-?? csi? cs? cs? lÄ-i? c-z?, c^?, c^-i? r^i? c-j-^ c-ss» 5 Prozent für die städtischen Grundstücke erhöht wurde.*) Natürlich konnte mit einer solchen Steuer nur den laufenden Bedürfnissen, nicht den großen außerordentlichen Anforderungen genügt werden. Um diesen zu entsprechen, wurde teils zur Aufnahme von Anleihen, teils zur Ausgabe von Papiergeld geschritten. Tie Ablösung der feudalen Nentcnberechtigungen geschah durchweg vermittels der Aufnahme von Anleihen. Der Gesamtbetrag der von der japanischen Negierung zum Zweck der Ablösung der Feudalrechte aufgenommenen Anleihen (1870 bis 1879) erreichte die Summe von 225 Millionen Yen; ihr Zinsfuß variierte zwischen 4 und 10 Prozent. Ferner wurden aufgenommen kleinere Anleihen für öffentliche Arbeiten**) und für die Niederwerfung des Satsuma-Aufstandcs. Im Jahre 1879 erreichte die Staatsschuld vorläufig eiuen Höhepunkt mit 25V Millionen Jen. Daneben hatte sich die neue Regierung genötigt gesehen, das von den Dcnmyos ausgegebene Papiergeld zu übernehmen. Während des Satsuma-Aufstandcs wurde die Papiergeldausgabe des Staates unter dem Druck des zwingenden Geldbedarfs erheblich vermehrt. Dazu kam, daß die mit dem Recht der Notenausgabe ausgestatteten Nationalbankcn — das neue Japan hatte das Bankwesen im Jahre 1872 nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten geordnet — ihre Notenemission in jenen Jahren auf einen übermäßigen Umfang steigerten. Der Umlauf der auf diese Weise geschaffenen papiernen Geldzeichen erreichte seinen höchsten Umfang im Januar 1889 mit folgenden Ziffern:***) StautSpupiergcld.............11-5,8 Millionen Acn, Temporäre AnSgnbc nu-? der Papiergeldreserve. , . 22,2 - - Noten der Nntionalbanten.......... ü-l,1 _-_- Znsanuucn . . . 170,1 Millionen ?)en. *) Der Wert des Bodens Hot sich seil der Taricruug, die der Steuer zu Grunde liegt, im allgemeinen beträchtlich erhöht, so das; die effektive Belastung eiue geringere ist. **) Die erste Staatsanleihe, die das moderne Japan aufgenommen hat, war eiue 7prozentige Aulcihc im Betrage von 4 880 000 S)cu, die aus den, Londoner Markr begeben wurde, und dereu Erlös zum Bau der ersten japanischen Eisenbahn iIotohnma—Tokio) bestimmt war. "**) Bgl. ..livpoi't on tluz ^clopticin ok tl»; (iolil iztsuularä in.lapsn''. erstattet 189g von dem damalige» sviuauzmiuister, dein Grafen Mntsukata Masuposlii. 58 Erster ll.eil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch. 5.^,? l^-v? c^»> c^>? c^'»? r7^? c^.^ r^»? c^.^ c^»? i^»? r^»? c^-^ r^i? Aus dieser für die japanischen Verhältnisse enormen Papiergeldausgabe folgte eine starke Entwertung der japanischen Valuta. Der tiefste Puukt der Eutwertung wurde im April 1881 mit einem Kurs von 1,815 Papier-Jen ^ 1 Silber-Jeu erreicht. Alles in allem bietet die Finanzlage Japans zu Begiun der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts eiue merkwürdige Analogie — allerdings in kleinerem Maßstab — zu den Finanzvcrhältnissen, mit denen Rußland um dieselbe Zeit aus dein türkischen Krieg hervorging: hier wie dort eiu übermäßiges Anschwellen der Staatsschulden und der Papiergeldausgabe, eine schwere Erschütterung des Staatskredits und der Valuta. Die Periode der finanziellen Rekonstruktion (1881 bis 1894). Ebenso wie in Rußland begauu zu Anfang der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Japan eine Periode der finanziellen Rekonstruktion: die Staatseinkünfte wurden durch die Verdoppelung der Sakestener erhöht, die Belastnng des Staatsbudgets wurde durch die Überweisung von Aufgaben an die lokalen Verwaltungen, deren Bestenernngsrccht erweitert wurde, erheblich erleichtert, die Regierung veräußerte einen Teil der von ihr znr Förderung der Industrie begründeten gewerblichen Unternehmungen und schränkte die Gewährung von Darlehen an private Unternehmungen ein, allen Verwal- tuugszweigen wurde die äußerste Sparsamkeit auferlegt. Die auf diese Weise erzielten Überschüsse des Staatshaushalts wurden zur einen Hälfte zur Einziehung von Staatspapicrgeld, zur anderen Hälfte zur Verstärkung des Einlösungsfonds der Negierung verwendet. Bereits gegen Ende des Jahres 1885 waren durch diese Maßnahmen die Verhältnisse so weit gebessert, daß das Agio des Silber- Jen verschwunden war und die Negierung am 1. Januar 1886 die Barzahlungen in Silber wieder aufnehmen konnte. Gleichzeitig mit der Regulieruug des Umlaufs vou Staatspapiergcld wurde die Ausgabe vou Banknoten neu geordnet. Den Nationalbankeu wurde die allmähliche Einziehung ihrer Noten auferlegt, dafür wurde nach dein Vorbild der westeuropäischen Staaten eine Zentralbank geschaffen, die Bank von Japan (Nippon Ginlo), die in Zukunft das alleinige Recht der Notenausgabe besitzen sollte uud der die Ausgabe der Rege- II. Die japanischen Finanzen vor dem Ariege, 39 lung des Geldumlaufs zugewiesen wurde. Die eigentliche Staatsschuld hat, trotz der allmählich wachsenden Ausgaben für Verkehrsmittel und namentlich für Heer uud Flotte, vom Ende der 70er Jahre an im ganzen eine Verminderung erfahren! während sie im Jahre 1879 230 Millionen Yen betragen hatte, belief sie sich 1889 nnr auf 240,8 Millionen Jen. Da sich in demselben Jahrzehnt der Umlauf des Staatspapiergeldes von 130,3 auf 40,9 Millionen Yen verringert hat, sind die Schulden des japanischen Staates damals um etwa 100 Millionen Jen eingeschränkt worden. Die Konsolidierung der japanischen Finanzen war Ende der 80 er Jahre so weit vorgeschritten, dasz Japan nn eine Entlastung seines Budgets mittels umfangreicher Konvertierungen der älteren hochverzinslichen Anleihen herantreten konnte. Vom Jahre 1888 an wurden die älteren, zu 6 Prozent uud höheren Sätzen verzinslichen inneren Anleihen, die damals 173,2 Millionen Den von insgesamt 244 Millionen ?>en innerer Schulden ansinachten, durch eine konsolidierte 3prozentige Rente ersetzt! die Operation war in der Hauptsache im Jahre 1893 abgeschlossen. Teils durch diese Kouversioneu, die das Nomiualkapital der Staatsschuld etwas erhöhte«, teils durch eine Marincanlcihe, teils durch ein unverzinsliches Darlehen, das die Bank von Japan dem Staat zum Zweck der Einziehung des Papiergeldes gewährte, hat sich der Betrag der eigentlichen Staatsschuld bis zum Jahre 1891 ans 273,2 Millionen Jen erhöht, um im Wege der Amortisatiou iu den folgenden Jahren wieder etwas zurückzugehen. Ihren Abschluß fand diese Periode der Ordnung der Finanzen nud der allmählich fortschreitenden Entwicklung mit den, Kriege gegen China im Jahre 1894. Im ganzen hatten sich Einnahmen, Ausgaben und Staatsschulden in der Periode 1881 bis 1894 folgendermaßen gestaltet (in Millionen Jen): Ordentliche Einnahmen Ordentliche Ausbauen . 1881/82: 04,3 60,4 I8M/N4: 85.S 64.5 ^,u- bzw. Abnahme: > 21.« 4.1 Üvcnclnm de? vrdcntlirhen CtatS -i- 3.9 -4- 21.4 ->- 17.5 60 Lrstcr Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch, r^-i? r^-i? c!^» r^-i? r^-v» »cs? r^?i? r^-i? c-si! clSi? c^M r--i> Anszerordentliilie Eiunatimen . . Ans;erordcntliche Anstechen .... 1881/82: 7,2 11,0 1893/94: 27.9 *> 20.0 Zu- bzw. Abnahme: 20.7 > 9,l> Überschus. des ansterordentlichen Etats — 8,8 ^ 7.9 -!- 11,7 llbcrschns; des Gesamtetats . , . . -i- 0.1 29,3 -j- 29,2 Staatsanleihen lEnde deS Etatsjahres! 244,8 206,8 4- 22,v Ztaatspasnergeld (31, Dezember! , , 118.9 10.4 — I02.Ü Gesamte Staatsschuld...... 808.2 288.2 — 80,0 Die Ziffern weisen neben der bereits geschilderten Gestaltung der Staatsschuld eine allmähliche Steigerung von Einnahmen nnd Ausgaben auf. Die Einnahmesteigerung ist vor allem durch den Mehrcrtrag der Sakestcuer uud der Zölle herbeigeführt worden, während der Ertrag der Grundsteuer etwas zurückging. An der Steigerung der Ausgaben waren in erster Linie Heer und Flotte beteiligt. Ju dem der obigen Tabelle zugrunde gelegten Zeitraum sind die ordentlichen und auszerordeutlichen Ausgaben sür das Heer von 8,6 ans 14,7 Millionen Jen, für die Marine von 3,3 auf 8,1 Milliouen Jen gestiegen! die Ausgaben für die Wehrkraft haben sich also verdoppelt, während die Gesamtansgaben nur um etwa 18 Prozent gestiegen sind. Die Periode des großen Rüstuiigsprvgramiiis (1895 bis 1W3). Einen gänzlich anderen Charakter, als der soeben geschilderte Zeitabschnitt, trägt die durch den chinesisch-japanischen Krieg eingeleitete Periode. Die Wirkung des siegreichen Ausganges dieses Krieges und der dem chinesischen Reich auferlegten Kricgskostenent- schädigung auf die wirtschaftliche Energie der Japaner stellt eine interessante Analogie dar zu der Wirkung des deutsch-französischen Krieges auf die deutsche Volkswirtschaft. Es trat eine gewaltige Expansion aller wirtschaftlichen Unternehmungen ein, mit einer ungeahnten Rapidität eigneten sich nunmehr die Japaner alle Vorteile der europäischen Technik an; ihre Industrie, ihre Schiffahrt uud ihr Handel steigerten sich in einer Progression, wie sie in der ganzen Wirtschaftsgeschichte unerhört ist. Dazu führte der Preisfall des Silbers eine beträchtliche Entwertung der japanischen Silbervalnta uud damit eine rapide Steigerung aller Preise herbei, ein Vorgang, Davon 24,7 Millionen ?>en Überschüsse ans dem Vorjahr. II. ?ie japanischen Finanzen vor dein Kriege. )e». Zusammen für Flotte uud Heer . 325,0 Millionen Neil, Eisenbahnbauten. Hafenbauteu uud sonstige öffentliche Arbeiten............... 106.0 Millionen Yen, Außerordentliche Ausgaben für wirts chaftliche Zwecke . 85,0 - - Gesamtbetrag........ 516,0 Millionen Ucn. >L Erster Teil, Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. ^v,^^^->?l^^r^V»5S^^»^^^^i^^^ Der in Anbetracht der bisherigen Dimensionen des japanischen Etats geradezu enorme Betrag von 516 Millionen Jen — 1078,5 Millionen Mark wurde teils aus der chinesischen Kriegstostenent- schädignng, teils aus den Überschüssen der früheren Etatsjahre entnommen, teils durch Anleihen aufgebracht. Die Kosten des chinesisch- japanischen Krieges, die auf 235 Millionen Jen beziffert werden, waren zum Teil durch die Aufnahme einer Kriegsanleihe im Betrage von 125 Millionen Aen, znm Teil aus laufenden Einnahmen beglichen worden; ein Rest von etwa 86 Millionen Jen wurde aus der chiuesischeu Kriegstostenentschödignng gedeckt, deren Eingänge — einschließlich der Entschädigung für die Wiederabtretung der Halbinsel Liaotnng — sich auf 365,5 Millionen Jeu stellten. Nach Abzug der aus dieser Summe zur Deckung der Kriegskosten entnommenen Beträge verblieben etwa 285 Millionen Uen für die Ausführung des oben skizzierten Programms. Der zur Summe von 516 Millionen Ajen noch fehlende Betrag von etwa 236 Millionen Jen wurde zu einem geringen Teil aus den Überschüssen der früheren Etatsjahre gedeckt, in der Hauptsache wurde er auf Anleihen überwiesen, die im Betrage von 263,15 Millionen Jen genehmigt und bis zum Schlüsse des Etatsjahres 1902/63 im Betrage von 193 Millionen Yen znr Aufnahme gelangt waren. Abgesehen von der Steigerung der für deu Dienst der Staatsschuld aufzuwendenden Summe machte die militärische und wirtschaftliche Reorganisation Japans eine fehr erhebliche Erhöhung der laufenden Ausgaben erforderlich, die durch eine entsprechende Erhöhung der ordentlichen Einnahmen zu decken war. Zu diesem Zweck hat Japan vom Jahre 1896 an die Steuerschraube ganz gewaltig angezogen. Die im Jahre 1899 für einen fünfjährigen Zeitraum beschlossene Erhöhung der Grundsteuer ist bereits erwähnt i daneben wurde im Jahre 1896 die Gewerbesteuer eingeführt, im Jahre 1899 die Einkommensteuer beträchtlich erhöht, in den Jahren 1896, 1898 nnd 1961 die Verbranchsabgabe auf Sake auf nahezu das Vierfache gesteigert, 1898 an Stelle der Takakstener ein Tabakmonopol eingeführt, 1899 die Soysteuer verdoppelt, eine Tonnenabgabe eingeführt, der Zolltarif revidiert und die Stempelsteuern erhöht, 1901 eine Biersteuer und eine Zuckerstener eiugeführt. II, lUe japanischen Finanzen vor dein Kriege, r^.-.»r^>? c^,i ^ c^>? cs-.'? r^i? ^-^i i-^i? rs-is l??^» r--^i» »i^i? l^v, c^.,< , Alle diese Veränderungen kommen in der folgenden, sich an die oben gegebene Tabelle anschließenden Übersicht zum Ausdruck! (Millionen e n) 1894/95: 1903/04: /.unahme: Ordentliche Einnahinen...... 89,7 231,8 142,1 Ordentliche Ausgabe»....... 00.4 l 7^,', 118,1 Überschuß des ordentlichen Etats , , , 29,3 23,3 24,0 Außerordentliche Einnahmen..... 8,4 19,9 11,5 Außerordentliche Ausgaben..... 17,7 «>6,3 48,0 Überschuß des außerordentlichen Etats , — 9,3 lli.1 37,1 Überschuß des gesamten Etats , , , , 20,0 6,0 — 13,1 Staatsanleihen (Anfang des Etatjahres» 206,8 5,04.9 ->- 298,1 Staatspapiergcld (31, Dezember) , > , 13,4 13,4 Gesamte Staatsschuld....... 2^0,2 '>04.9 -1- 2,^1,7 In welchem Maße die wichtigsten Posten der ordentlichen Einnahmen an dem Mehrertrag von mehr als 150 Prozent teilgenommen haben, ergibt die solgende Übersicht: > M i l l i o u e >i e n > 1894/95: 1903/04! Zunahme Grundsteuer..... 39,3 47,0 7,7 Gelverbesteuer , , , , 6,8 6,8 Einkommensteuer , , , 1,4 7.4 6,0 Sakesteucr...... 16,1 66,S 50.4 ^uckcrstcucr..... 7,2 7.2 Tabaksteuer bzw, Monopol . 2,7 12,6 9,9 Sonstige Verbrauchsabgaben 5,3 7,0 1,7 Zölle....... 5,8 16,6 10,8 Stempelsteuern , , , , 0,8 13.S 12,7 Post und Telegraph , , . 8,4 25,9 17,5 8,8 5,6 Von der Entwicklung der Ausgaben für die einzelnen Zweige der Staatsverwaltung gibt ein Vergleich der ordentlichen Ausgaben für die Jahre 1894/95 und 1903/04. kein richtiges Bild, da der Schwerpunkt der Ausgaben in der neuesten japanischen Finanzperiode in deu außerordentlichen Ausgaben und in deren Verteilung auf eine Anzahl von Jahren liegt. Es seien deshalb die Gesamtausgaben der Jahrzehnte 1884 bis 1893 und 1894 bis 1903 gegenübergestellt. inrsc gcsnnkcn ist, 5") Zahlen weichen von den in der gleichen Tabelle im Oktober- Heft 1904 der Marine-Rundschau lS, 1059) gegebenen insofern ab, als dort für die Jahre 1901/02 bis 1903/04 nur die Ziffern der Voranschläge berücksichtigt waren, während hier die Ziffern der Rechnnugsabschlüsse eingesetzt sind. II. Die japanischen Finanzen vor dein Ariegc. 05 So gewaltig diese Aufwendungen für Heer und Flotte im Verhältnis zu den Gesanitziffern des japanischen Staatshanshalts erscheinen, so gering sind sie — wie schon oben bei der Besprechung des Budgets für 1M3/U-1 hervorgehobeu wurde — im Verhältnis zn den gleichartigen Aufwendungen der europäischen Großmächte. Insbesondere aber erscheint diese Aufwendung gering im Verhältnis zu dein, was Japan mit ihnen geschaffen hat: die Vermehrung seines Landheercs auf den nahezn L^fachen Stand, seine Ausstattung mit deu modernsten Gewehren und Geschützen, vor allem aber die Schaffung einer erstklassigen Schlachtflotte nahezu aus eiuem Nichts heraus. Nur die äußerste Sparsamkeit der Verwaltung bei der Verausgabung der ihr zur Verfüguug steheudeu Mittel und uur die äußerste Bedürfnislosigkeit des japanischen Arbeiters uud Soldaten erklären das mehr als erstaunliche Verhältnis zwischen dem Kosten aufwand und den erzielten Ergebnissen. Die japanische Geld- und Bankverfassung. In den bisherigen Ausführungen wurde gezeigt, in welchem Maße Japan seine Finanzen während des letzten Jahrzehnts unmittelbar in den Dienst seiner Wehrkraft gestellt hat. Wenn es dabei in erheblichem Umfang auf die Aufnahme von Anleihen zurückgreifen mußte, so hat ihm die solide Finanzwirtschaft während der Periode 1880 bis 1895 die Möglichkeit gegeben, die benötigten Mittel anf diesem Wege ohne erhebliche Schwierigkeiten zu relativ billigen Bedingungen und ohne eine neue Erschütterung seines Kredits aufzubringen. Die Darstellung der finanziellen Verhältnisse Japans zur Zeit des Kriegsausbruchs erfordert jedoch noch einige Ausführungen darüber, in welcher Weise Japan seine Geldverfassung, über deren Bedeutung für die finanzielle Kriegsbereitschaft das Nötige schon bei der Besprechung der russischen Verhältnisse gesagt worden ist, geordnet hat. Es wurde bereits erwähnt, baß Japan das Übermaß der im Lause der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Umlauf ge- brachten Papiergeldzeichcn im Znsammenhang mit der Konsolidierung seiner Finanzen von Anfang der 80er Jahre an allmählich vermindert und seine gänzliche Beseitigung vorbereitet hat, und daß ihm die Schaffung eines Einlösuugsfouds aus deu Budgetüberschüssen die Helffcrich. Das Geld im rusfisch-javmüscheu Kriege, ^ i!>> Erster Teil, Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch. c'.-^ c^^? c^i> r^i? r?^'? c^»^ c^.-^ c^5»? r^i? ^» ^ Möglichkeit gegeben hat, das Papiergeld vom 1. Januar 1886 an gegen Silbergeld einzulösen! daß ferner der im Jahre 1882 gegründeten Bank von Japan das ausschließliche Recht der Notenausgabe übertragen wurde. Mit der Wiederaufnahme der Barzahlungen am l. Januar 1886 hatte Japan allerdings wieder eine metallische Währung, aber nicht die Währung der wirtschaftlichen Großmächte, denen Japan in allen ihren wirtschaftlichen Einrichtungen nachstrebte, sondern eine Silberwährnng. Infolge der heftigen Schwankungen des ^Überpreises, die gerade von der Mitte der 80er bis zur Mitte der Mer Jahre besonders stark waren, schwankte auch die japanische Valuta gegenüber der Währnug des Weltmarktes, Die Nachteile dieses Zustandes siir deu Handel mit den Goldwährungsländern, von dem Japan eine wesentliche Beschlennigung seiner wirtschaftlichen Entwicklung erwartete, und die Erschwerung des Zuflusses von Leihkapital ans diesen Ländern waren bei der Silberwährung kaum geringer als vorher bei der Papierwährung, Auch für den Staat bedeutete die Silberwährnng dasselbe Hindernis fiir ein etwa notwendige? Zurückgreifen aus auswärtige Anleihen wie die Papierwährung, Schließlich hatte ein Bestand an Silbergeld, der auf dem Weltmarkt nur schwer nnd unter Verlusten zn realisieren ist, für den Kriegsfall nicht dieselbe Bedeutung als eine letzte Reserve, wie ein überall ohne weiteres verwertbarer Goldvorrat. Wenn die japanische Regierung sich in den 80 er Jahren trotzdem mit der Rückkehr zur Silberwährnng begnügte, so war dafür bestimmend die Erwägung, daß der sür den Übergang zur Goldwährung erforderliche Goldbestand nnr nuter Opfern hätte beschafft werden können, denen damals die japanischen Finanzen noch nicht gewachsei, waren.") Der Ausgang des chinesischen Krieges nnd die dem Himmlischen Reiche auferlegte Kontribution gaben, ebenso wie seinerzeit für In dem oben zitierten Bericht des Grafen Matsnkata heistt es: ..'llmt t!>o Oovornmont mir«»oci -r polie^ nlncü 1olo rssnlt ot ninlviug' .Inpi», ^ >lo t'aoto silvizr eonntr)'- n-rs mving' mainl)' to tlis Aro-rt «i'iljioultv ot !>< vneo »counuilntin^ » lar^o t-'olcl roservo necvss.ii^ tor tl>o c>t atili^Imx'iit ol" ^olä inouonietnllit-m. 1t, nns tlwnglit aclvi8nl)le, tlivrotvre, lo lenve Iiis lntter, tlw sscoucl eiul to l>o aimeil !>t. to somo rnore t'nvoni ^dlo tiino.'' II., Die japanischen Finanzen vor dein Kriege, H7 r--->?^--> < c^v» rü-is r^i? r^si» i^-v? c^-i? ü-^i? rs? r^-i? r-s.^? r^i? lÄ-i'» 5,.--? c^>? r^-i» c^-i? Teutschland die französische Kriegskostenentschädignng, die er wünschte Gelegenheit, das fiir den Übergang zur Goldwährnng erforderliche Gold ohne merkliche Opfer zu beschaffen. Zwar war die Kontribution in Silber (in Knping TMs) festgesetzt, aber es wurde mit China eine nachträgliche Vereinbarung getroffen, in der sich China zur Zahlung der Kontribution in englischem Goldgeld bereu erklärte. Nachdem auf diese Weise die Goldbeschaffnng sichergestellt war, gelangte die Goldwährnng durch ein Gesetz vom 29, Jannar 1897 zur Einführung, Dj,>r nene Gold-Jen erhielt einen Feingehalt von genau 9,75 ß Gold und entspricht in deutschem Gelde einem Werte von 2,99 Mark; die Silbermiinzen wurden in ihrer gesetzlichen Zah- lnngskraft auf Beträge bis zu 19 Aen beschränkt. Bis znm 31. Juli 1898 wurden die umlaufenden alten Silbermünzen (im Gesamtbetrag von 75 Millionen Jen) gegen die neuen Goldmünzen eingelöst und zum Teil iu Scheidemünzen des neuen Systems umgeprägt, zum Teil eingeschmolzen und verkauft. Der Gewiun bei der Ausprägung der Scheidemünzen überstieg um eine kleine Summe den Verlust beim Silbervertauf, so daß die Reform sich ohne Be- lastuug des Staatshaushalts vollzog. Inzwischen ist anch die Zurückziehung des Staatspapiergeldes und der Note» der Natioualbaukcu beendigt worden. Der Umlauf des Papiergeldes ist seit dem 31, Dezember 1899, der Umlauf der Nationalbanknoten seit dem 9, Dezember 1899 unter Verbot gestellt. Die geringfügigen Beträge, die nach den amtlichen Ausweisen noch nicht zur Einlösung gebracht sind, dürften Wohl im Laufe der Zeit zum größten Teil verloren gegangen sein. Die Noten der Bank von Japan sind mithin die einzigen papier- nen Geldzeichen, die in Japan neben dem Metallgeld zirkulieren, und zwar ist der Umlauf dieser Noten beträchtlich größer als derjenige von Metallgeld, Fiir den 31, Dezember 1992 wurde der Umlauf von Goldgeld ans 89,2 Millionen Aen angegeben, der Umlauf vou Silber-, Nickel- und Kupfermünzen auf 77,1 Millionen Jen, der Umlauf an Noten der Bank von Japan dagegen auf 232,1 Millionen Jen, Bei einer das ^/^fache des Goldnmlaufs betragenden Notenzirtulatiou muß natürlich das Schicksal der japanischen Währung iu ganz besonderem Maße davon abhängen, ob und wie lange die Bank von Japan die Einlösung ihrer Noten in Gold aufrechtzuerhalten vermag. «iH Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch. Dil! Bank von Japan ist nach Art der europäischen Notenbanken organisiert. Ihr Grundkapital beträgt 30 Millionen Jen, und außerdem verfügt sie über einen Reservefonds von 16,6 Millionen ?)en. Ihr Geschäftskreis ist in ähnlicher Weise, abgegrenzt wie derjenige der deutschen Reichsbank, deren Verfassung insbesondere auch für die Vorschriften über die Notenansgcibe als Vorbild gedient hat. Wie der Reichsbank so ist auch der Bank von Japan für ihre den Barvorrat übersteigende Notenausgabe ein bestimmtes Kontingent zugewiesen, bei dessen Überschreitung sie von der Mehransgabe eine Notensteuer von 5 Prozent pvr -rnnnm an den Staat zn entrichten hat. Das steuerfreie Kontingent der nicht durch deu Barvorrat gedeckten Noten, das bei der deutschen Reichsbank 470 Millionen Mark beträgt, war bei der Bank von Japan anfänglich auf 70 Millionen Yen festgesetzt, wurde jedoch 1890 auf 85 Millionen, 1899 ans 12V Millionen Jen erhöht. Während aber bei der Neichsbank die über die Bardeckung hinaus emittierten Noten unbedingt durch diskontierte Wechsel mit mindestens zwei sicheren Unterschriften nnd höchstens dreimonatlicher Laufzeit gedeckt sein müssen — eine Vorschrift, dnrch die ein ständiger und rascher Rückfluß von Barmitteln zur Bank gesichert ist —, sind bei der Bank von Japan neben dem Metallvorrat und deu Wechseln mich Schuldverschreibungen des Staates als Notendecknng zugelassen. Die tatsächliche Fundierung des Notenumlaufs der Bank von Japan vor dem Kriegsausbruch ergibt sich aus folgeudeu Durchschnittszahlen sür das Jahr 1903:*) Der Notenumlauf betrug 198,1 Millionen Neu. Es stand ihm ein Barvorrat von 112,5 Millionen Den in Gold nnd ein unerheblicher Betrag in Silber gegenüber. Die Golddeckung der Noten stellte sich mithin auf nur 56,8 Prozent. Der Gegensatz zur russischen Reichsbank, dereu Golddeckung bei einem beträchtlich größeren Notenumlauf etwa 150 Prozent betrug, ist augenfällig. Der metallisch nicht gedeckte Notenumlauf betrug 77,9 Millionen Neu? es standen ihm an diskontierten Wechseln (inländischen uud ausländischen) nur 21,9 Millionen Jen gegenüber, die restlichen 56 Millionen Jen ") Diese Ziffern sind in der Statistischen Abteilung der deutschen Rcichc>- vank berechnet und nur gütigst zur Verfügung gestellt worden. II., Die japanischen Finanzen vsr dein Kriege, rZ^^^^^r-^r-^l^Mi<^^^l<^^^^^r!^^^i?^-^ lvareu durch Lombardforderungeu und Effettenbesitz gedeckt, Die bei der Bank unterhaltenen täglich fälligen Guthaben betrugen nur 30,5 Millionen Jen, davon waren 10,6 Millionen Jen private, 19,9 Millionen Yen öffentliche Guthaben, Außerdem hatte die Bant dein Staat ein Darlehen in der durchschnittlichen Höhe von 36,9 Millionen Aen gewährt. Auch bei der Betrachtung des japanische» Geldumlaufs fällt die Kleinheit der Dimensionen auf. Der gesamte Geldnmlans Japan?, einschließlich des metallisch nicht gedeckten Papiergeldes, betrug Ende 1903 nur 331,2 Millionen Yen ^ 692,2 Millionen Mark! das sind nur etwa 14,8 Mark auf den >iops der Bevölkerung, Ter gesamte Goldbestand im Verkehr und in der Bank erreichte nur die Ziffer von 137,5 Millionen Uen') ^ 287,4 Millionen Mark oder 6,2 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Diese Summen sind ver- fchwindend gegenüber dem Geldumlauf der westlichen Länder, Der Geldumlauf Deutschlands mit seiner nm ein Drittel größeren Bevölkerung beträgt zwischen 4>/, und 5 Milliarden Mark (etwa 8V Mark pro Kopf der Bevölkerung), sein Goldbestand allein ist auf mindestens 3,2 Milliarden Mark, etwa elfmal so hoch wie derjenige Japans, zn beziffern. Vor allem aber sind Geldumlauf uud Goldbestand in Rußland, trotz der gleichfalls jungen geldwirtfchaftlichen Entwicklung, weit über daS Verhältnis der beiderseitigen Bevölkerungszahl hinaus größer als in Japan, Rußlands Goldvorrat in Bank und Reichsrentei fowie im Verkehr wird für das Ende 1963 auf 1843 Millionen Rubel 3985 Millionen Mark beziffert, also auf etwa die vierzehnfache Höhe des japanischen Goldvorrates; auf den Kopf der Bevölkerung kamen demnach in Rußland etwas über 36 Mark Goldgeld, gegeu 6,2 Mark iu Japan, ") Diese Ziffer ergibt sich aus folgender Berechnung: ?er Bestand an japanischen Goldmünzen betrug Ende 1003 nach den Angaben des javanischen ^-inanzjahrbnchs 101,8 Millionen Den lsiehe mich die unten abgedruckte Tabelle!, Zu derselben Zeit <81, Dezember 1003) betrug der Bestand der Bank von Japan an Goldmünzen nach der gleichen O.uelle 81,3 Millionen Aen, so das; sich im freien Umlauf 20,5 Millionen Uen besanden. Der gesamte Goldbestand der Bank (japanische Goldmünzen, fremde Sorten und Goldbarren) betrug am 81, Dezember 1008 117,0 Millionen Aen, Dieser Goldbestand der Bank zusammen mit dem freien Goldmnlanf von 20,5 Millionen ?)en ergibt einen monetären Goldbestand von insgesamt 137.5 Millionen ?>en. 7() Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch. Daneben fällt auf die relativ ungünstige Fnndierung der Papierzirkulation, die darauf hinweist, daß die Aufrechterhaltung der Goldwährung in ^apan einige Schwierigkeiten macht. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die bisherige Entwicklung des Deckungsverhältnisses bei der Bank von Japan, die sich folgendermaßen gestaltete! ^taud am 31, ?e,;ember Goldbestand im Berkehr und dcr Bant Notenumlauf Goldvorrat Gesamter Barvorrat ?eituu^ der Noten durch ! durch Gold Barvorrat der Bank von Japan M illio » eu ?) e » "/° »/ /o 1883..... 12,3 180,3 31,3 60,3 17,5 33,3 1896..... 12,8 198,3 90,9 132,7 43,8 66,9 1897 ..... 80,0 220,2 90.9 98,3 42,9 43.1 1898..... 83,0 I97.-1 89,0 89,0 45,4 43.4 1899..... 93,4 250,«i 103,1 110.1 41,2 44.a 1900..... 32,9 228,0 «ö,3 67.3 28.6 29,3 1901..... 59,3 214,1 68,9 71.4 32,2 1902..... 89,2 232, l 108,1 109,1 46,6 47,a 101.8 232.9 l 17." 121.3 30,2 36.0 Obwohl Japan im Jahre 1899, hauptsächlich zur Aufrecht- erhaltuug eines ausreichenden Goldbestandes, eine Anleihe von 10 Millionen Pfund Sterling ^ etwa 1«« Millionen Yen in London aufgenommen hat, war in den Jahren 1900 nnd 1901 der Goldbestand beträchtlich geringer als in den Jahren 1897 und 1898. Die Golddeckung der Bank von Japan ist am 31. Dezember der Jahre 1900 nnd 1901 schwächer gewesen als ein Drittel ihrer Notenausgabe. Die beiden folgenden Jahre haben dann allerdings eine wesentliche Besserung gebracht, die zum Teil durch die im Jahre 1902 in London aufgenommene nene Anleihe, zum Teil durch die günstigere Gestaltung der japauischen Wirtschaftsverhältnisse herbeigeführt worden ist. Volkswirtschaftliches. Auch für Japan gilt natürlich der Satz, daß die Staatssinanzen nur im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung der Volkswirtschaft zutreffend beurteilt werden können. In Anbetracht der ge- II. Die japanischen Finanzen vor dem Kriege. / > >^-> < c^-i? c-Zi? r^-i? r'-«^ r!.-->< c-^< r^-i? ^-i < l^x,, ^--^t »valtigen wirtschaftliche!: Uniwälznngen, die sich in dem Reiche der aufgehenden Sonne während des letzten Jahrzehnts vollzogen haben, ist dieser Zusammenhang hier sogar von einer ganz besonderen Wichtigkeit. In viel höherem Maße als in Rußland sind in Japan die Voraussetzungen für einen raschen Übergang znr Geldwirtschaft und für die Entwicklung zum Industriestaat gegeben. Vor allem verfügt Japan über eine außerordentlich dichte, arbeitsame, genügsame nud anstellige Bevölkerung. Durchschnittlich kommen aus den Quadrat kilometer 117 Einwohner gegen etwa 11V in Deutfchlnnd, 1l3 in Italien, 132 in Großbritannien und Irland, 72 in Frankreich und 21 im europäischen Rußland. Dabei ist ein großer Teil Japans unbewohnbares und nntnltiviertes Land. Die nördlichste der japanischen Inseln, Jesso, die etwa ein Viertel der Gesamtoberfläche des japanischen Reichs umfaßt, hat z. B. nur 9 Einwohner ans den Quadratkilometer, während in den übrigen Provinzen die Bevöl- t'ernngsdichtigkeit bis über 180 Einwohner anf den Quadratkilometer steigt. Die Wirkung dieser starke» Bevölt'ernngsdichtigkeit ist nicht »nr, daß für eine Industrie europäischen Stils eine genügende Anzahl von Arbeitskräften zur Verfügung steht, es kommt vielmehr noch hinzn, daß Japan schon seit längerer Zeit den Nahrungsbedarf seiner rasch wachsenden Bevölkerung nicht mehr mit feiner eigenen landwirtschaftlichen Produktion zu decken vermag. Nach der Rohbaumwolle sind Reis und Zucker die weitaus wichtigsten Posten in der Liste der japanischen Einfuhrwaren. Japan sieht sich also in derselben Weise wie die großen europäischen „Industriestaaten" dazu gedräugt, Jndustrieprodukte zu erPortieren, um damit seine Einfuhr an Nahrungsmitteln und Rohstoffen zn bezahlen. Nimmt mau den Reichtum Japans au mineralischen Bodenschätzen, die Gunst seiner Lage und die planmäßige Förderung von Industrie und Verkehr durch die Regierung hiuzn, so erscheint eo natürlich, daß die Aneignung der europäischen Technik rasche mW große Erfolge hervorbrachte. Trotzdem bleiben die wirtschaftlichen Fortschritte, die Japan im letzten Jahrzehnt gemacht hat, derart erstaunlich, daß sie nur aus dem plötzlichen Erwachen eines gewaltigen Erpansionstriebes iu dem japanischen Volke sich erklären lassen. Erster U.eil, Die Finanzen Rußlands nnd Japans vor dem 2 Millionen Stück ungefähr gleichgeblieben. Im schärfsten Gegensatz zn dieser Stabilität der landwirtschaftlichen Produktion stehen die Fortschritte ans dem Gebiete des Bergbaues uud der Industrie, Die Zunahme in der Gewinnnng der wichtigsten Mineralien kommt in folgenden Zahlen znm Ausdruck: P r odIIfti o n v o II >880 1892 ,901 1903 Gold (K<5>....... 465 700 2 470 3 134 »upfer l Tonnen!..... 9 774 20 727 27 392 33 187 Eisen >Ton»en>..... 13 759 18 808 29 449 33 811 Zteintolile i Tonnen) , , , 1 374 209 3 175 070 9 027 000 10 138 000 Petroleum <1000 Literl , , 7 230 13 150 177 477 192 147 Der Fortschritt der Produktion erscheint enorm. Die Prodnktionssteigernng gegenüber den sehr kleinen Ziffern des "> Ein Tan 9,917 Ar, — «-> Ein Kokn --- 180,4 Liter. — Ein >!Wmi — 3,75 Il Die japanischen Finanzen vor dein Kriege. r^i?L^r^^r----^i?^^^i<^r^r^^^c-^r^^-^ Jahres 1886 darf jedoch nicht zu einer Überschätzung des absoluten Umfangs, den der japanische Bergbau erreicht bat, verleiten. Auch nach den Ziffern des Jahres 1993 lieferte die japanische Eisengewinnung nur etwa deu 399sten Teil der deutschen Eisenprodnttion, die 1903 und 1901 mehr als 19 Millionen Tonnen ergab. Die japanische Kohlengewinnung ergab 1993 unr etwa den lliten Teil der gleichzeitig in Teutschland geförderte,'. Menge, llni für die Be nrteilung des Tempos der japanischen Entwicklung einen Maststab zn geben, sei daran erinnert, dast die deutsche Eisenprodnttion noch im Durchschnitt der Jahre 1861/65 nur 798 999 Tonnen betragen und sich seither auf das 12fache gehoben hat. Unter den eigentlichen Industrien Japans fällt auf die starte Zunahme der Fabrikation von Zündhölzern, deren Wert sich von 1,8 Millionen Yen im Jahre 1889 auf 9,9 Millionen Yen im Jahre 1903 gehoben hat; ferner die Papierfabrikation, deren Erzeugnisse im Jahre 1887 auf ungefähr 5 Millionen Aen, 1993 dagegen auf nahezu 29 Millioueu Jeu bewertet wurden. Die glänzendste Entwicklung jedoch hat die Textilindustrie, vor allein die Baninwollspinnerei, erfahren. Im Jahre 1888 bestauben iu Japan erst 24 Spinnereien mit 113 836 Spindeln und einem jährlichen Banmwollverbrauch von 6776 Tonnen, im Jahre 1993 waren 76 Spinnereien vorhanden mit einer Spindelzahl von 1 299 317 und eiuem Baumwollverbrauch vou 179 909 Tonnen. Der Wert der in Japan hergestellten Gewebe wird für 1886 auf 17,8 Millionen Mm, für 1991 auf 153.5. für 1993 ans 138.1 Millionen Aen angegeben. Diese allerdings erstaunliche Entwicklung kommt im Außenhandel Japans in folgendem Umfchwnng znm Ausdruck: .,„„. „ " Mi MW ?1em 1888 1S02 >!«>,"> Einfnhr von Rol?baunuvolle ienttöiittj . . 1052 78 780 08 207 - - BaunNvollgar»......U! 012 1748 700 Ansfnhr von Baumwollgarn ..... 10 002 ,'!1 410 In Welchem Mäste sich die japanische Industrie in ihrer Gesamtheit die technischen Hilfsmittel der europäischen Industrie aneignet, zeigt die Tatsache, dast die iu deu Betrieben mit Dampf- und Wasserkraft arbeitenden Pferdekräfte von 61 252 in, ^ahre 1895 ans 192 797 im Jahre 1993 vermehrt worden sind. "74 Erster U.eil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor den» Uricgsausbruch. Vor allein aber sind verblüffend die Fortschritte, welche die kapitalistische Organisation der westlichen Länder während des letzten Jahrzehnts in Japan gemacht hat. Die Gesamtzahl der Erwerbsgesellschaften (Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften und Genossenschaften) betrng im Jahre 1894 2844 mit einem nominellen Grundkapital von 245 Millionen Jen: bis zum Jahre 1903 ist die Zahl der Gesellschaften ans 9218 mit einem Nominalkapital von 1253 Millionen ?)en, von dem 888 Millionen eingezahlt waren, gestiegen. Die Hanptzunnhme fällt auf die Jahre unmittelbar nach dem chinesischen Krieg? im Jahre 1896 ist das Kapital der sämtlichen bis dahin vorhandenen Gesellschaften durch Neugrüuduugen und Kapital- erhöhuugen mehr als verdoppelt worden. Es fällt schwer, nicht au die Grüudungsperiode iu Deutschland nach dem französischen Kriege zu denken. Wie hier, so ist auch iu Japan der Rückschlag deu Übertreibungen der Gründerzeit auf dem Fuß gefolgt. Zahlreiche neu- gegründete Gesellschafteu brachen in kürzester Frist wieder zusammen und die übrigen hatten zum großen Teil fchwer um ihre Existenz zu kämpfen. Die oben mitgeteilten Produktionsziffern zeigen jedoch, daß die Krisis die gewaltige Expansion der japanischen Volkswirtschaft nicht hat zurückhalten können. Wie die gewerbliche Produktion, so haben mich der innere Verkehr, die Schiffahrt und der Handel Japans sich sehr erheblich ausgedehnt. Die Streckenlänge der Eisenbahnen ist von 2251 Ion im Jahre 1890/91 auf 7233 Km im Jahre 1903/04 gebracht worden-, die Zahl der beförderten Reisenden ist in derselben Zeit von 22,8 auf 113,9 Millionen, die Menge der befördertem Güter vou 1 760 000 auf 17 761000 Touueu gestiegen. Die ganz besonders beachtenswerte Vergrößerung und Europäisierung der japanischen Handelsmarine wird durch folgende Zahlen illustriert: Dampfschiffe Segelschiffe Anzahl 1880...... 400 1893 ...... 827 1901...... 1395 1904...... 1700 Tonnen- gehalr 100 112 341 369 583 532 797 074 enrop Anzahl 088 702 4020 3944 Bauart Touuen- qelialr 00 328 44 794 330 528 329 234 ? s ch u n k e n Anzahl 10 757 17 300 18 204 19 827 Tonnen- gehalr 2 780 818 2 960 887 2 382 275 2 370 704 ll, Die japanischen Finanzen vor dein Kriege. 75 r-^i? r^-i? c^i? c^-?s ^.-is r^i? r^-i > r^-i? l^-i? lÄ--^ c^s, r^-i» r-^i? r^--> t 5s-»> Die japanische Negierung hat durch die Getvähruug von Schiffsbau- und Schiffahrtspräinien insbesondere die Vermehrnng der großen Ozeandampfer begünstigt, die in, .Kriegsfälle als Hilfskreuzer und Transportschiffe Verwendung finden können. Zum Schluß uoch einige Angaben über den auswärtigen Handel. Stellt man hier die Zahlen der Jahre 1882 und 1903 gegenüber, so erhält man für die Einfuhr eine Zunahme von 29 nnf 317 Millionen Uen, für die Ausfuhr eine Zunahme von 38 auf 299 Millionen Yen. Die Steigerung ist, wie die folgende Zahlenreihe zeigt, beson- ders stark vom Jahre 1894 an. M i l l i o » e n ;>1 e n Überschuß der Ausfuhr (innfuhr Ausfuhr ^iufuln' 1882 . . . . . . 38 2ü >! 189» . ..... 90 88 -> 1894 . ..... 113 117 -i 136 >29 7 1896 ...... 118 172 .'.4 1897 ...... 163 21!' .">>i 1898 . . . ... >>><; 278 112 1899 ...... 21S 220 190«...... 204 287 ^! 1901...... 2ö2 256 1 1902...... 2S8 272 14 290 317 27 Was die Gesamtentwicklung des japanischen Außenhandels anlangt, so niuß — wie bei allen Wertangaben in japanischem Gelde — stets der Umstand iu Betracht gezogen werden, daß der japanische Yen in den letzten Jahrzehnten eine sehr erhebliche Entwertung gegenüber dem Gelde der Golowährungsläuder erfahren hat. Korrespondierend mit dieser Entwertung sind in Japan die Preise für die wichtigsten Einfuhr- und Ausfuhrwaren sehr erheblich gestiegen, teilweise auf das Doppelte und mehr. So ist der Preis des Reises von 1,71 Yen per Koku im Jahre 1887 auf 11,47 Yen im Jahre 1991 und 13,t>8 Yen im Jahre 1993 in die Höhe gegangen. Der Preis der 76 Erster Teil. Die Finanzen Rußlands und Japans vor dein Kriegsausbruch, r-si» c---i? r-^-i? l^-i? c^i? ^--i? c^->»c---. < c-Si?r^.?< c-si? r^i? c^-?< l-^s r-L-i? < Jmportbaunnvolle ist in derselben Zeit von 16,64 Yen pro 100 Kiu") auf 25,74 und 26,75 Z)^», der Preis des importierten Baumwollgarns von 30,83 Jen per IM Kin ans 54,48 nnd 55,70 Jen gestiegen, ivährend auf dem Weltmarkt die Preise von Baumwolle nnd Baumwollgarn nicht unerheblich zurückgegangen sind. Auch die Arbeitslöhne in Landwirtschast nnd Gewerbe sind iu dem bezeichneten Zeitraum im große» Durchschnitt mindestens auf das Doppelte gestiegen. Ein großer Teil der Zunahme in dem japanischen Außenhandel, wie sie sich in den Wertangaben in Jen ausdrückt, kommt also auf Rechnung der Entwertung des japanischen Geldes, die sich allmählich in einer Steigerung der Preise und Löhne durchgesetzt hat. Immerhin ist das, was auch nach diesem Abschlag au Zuwachs verbleibt, noch erstaunlich genug. Von noch größerem Juteresse als die Zunahme des Gesnmt- handels ist jedoch die von der Zeit des chinesisch-japanischen Krieges an eingetretene Verschiebung in der Handelsbilanz. Die Zeit des ruhigen wirtschaftlichen und finanziellen Fortschritts in den Jahren 1881 bis 1893 hatte regelmäßige Ausfuhrüberschüsse gebracht, die im Jahre 1892 den Wert von 20 Millionen Yen nahezu erreichten. Vom Jahre 1896 au dagegen überwiegt ständig die Einfuhr, zeitweise nm Summen, die für japanische Verhältnisse sehr beträchtlich sind. Tarin kommt zum Ausdruck, daß Japan aus eigener Kraft den wirtschaftlichen und finanziellen Anforderungen jener Jahre nicht gewachsen war. Ebenso wie der Staat sich zum Zweck der Aufbriuguug der Mittel für seine gewaltigen Rüstungen an den Londoner Geldmarkt wenden mnßte, ebenso war die japanische Volkswirtschaft außerstande, die für die Reorganisation von Wehrkraft nnd Volkswirtschaft erforderlichen Gegenstände selbst im ganzen Umfang herzustellen oder den Teil, der ans dein Auslande bezogen werden mnßte, mit Ausfuhrwaren zu bezahlen. Soweit das Erträgnis der im Ausland anfgeuommenen Anleihen znr Bezahlung der Mehreinfuhr, die sich von 1896 bis 1903 auf insgesamt 355 Millionen Yen belief, nicht ausreichte, mußte entweder Edelmetall abfließen oder der Kredit des Auslandes auch vou den privaten Uuternehmnngeu iu Anspruch genommen werden. So erklären sich aus der gewaltigen Anspannung -> 1 Ki» ----- v.ii Kx. II. Die japanischen Finanzen vc>r dein Ancgc. , , i-^i? > r^i? c-^-v? c-s^s r^-i? r^-is r!^>? , i^-i? l^-> > c^>> r^,»^ ^ der Staatsfinanzen und der Volkswirtschaft Japans die Schwierigkeiten, mit denen die Erhaltung einer soliden Fundiernng der neubegründeten Goldwährung zu kämpfen hatte. So erklärt eS sich ferner, daß die Japaner sich im Lanfe der letzten Jahre genötigt sahen, mit ihrer Zurückhaltung gegenüber dem sremden Kapital einigermaßen zn brechen. Nnr in der allerersten Zeit des neuen Systems und der intensiven Berührung mit der europäischen 5!nltnr hatte Japan Anleihen ans dem englischen Markte aufgenommen! später dagegen suchte man sich von dem ausländischen Kapital in dem Maße nnahhängig zn halten, daß für Fremde der Erwerb von Aktien von Eisenbahngesellschaften, Banken, industriellen Unternehmungen usw. verboten wurde. Die in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts aus den eben angedeuteten Gründe» hervorgegangene Geldknappheit, verbunden mit der Gefährdung der Goldwährung, hat nicht nur den japanischen Staat znr Aufnahme der Sterlinganleihe von 1899 nnd der weiteren Anleihe von 1992 in London genötigt, sondern auch zu einer teilweifen Aufhebung des Verbots der Übertragung von Aktien japanischer Unternehmungen an Ausländer geführt. Die Vergleichung dieser Entwicklung Japans in den letzten Jahren vor dem Kriege mit derjenigen Rußlands ist außerordentlich interessant. Während Rußland bis unmittelbar vor dem Kriegsausbruch ungestört an der fortschreitenden Konsolidierung seiner Finanzverhältnisse arbeitete, während die russische Volkswirtschaft im große» Durchschnitt, die Zeiten der industriellen Kriseu und der Mißernten mit eingerechnet, einen Ausfuhrüberschuß abwarf, der für die Begleichung seiner Zahlungsverpflichtungen an das Ausland mehr als ausreichend war, während es Rußland insbesondere gelungen ist, zur Sicherung seiner Währung und als eventuelle Kriegsreserve einen gewaltigen Goldbestand anzusammeln nnd zu erhalten, hat Japan für die Durchführung seines Rüstnng'sprogramms nnd für die Ausstattung seiner Industrie seine finanziellen und wirtschaftlichen Kräfte bereits seit Jahren ganz außerordentlich angespannt: es hat sich genötigt gesehen, seine Verschuldung, nameutlich seine Verschuldung an das Ausland, beträchtlich zn steigern und die Grundlage seines Kredits, seine Währung, einer starken Belastungsprobe auszusetzen. Kurz: für Japan hat der Krieg in finanzieller Beziehung nicht erst ini Februar 1994, souderu schon einige Jahre früher begonnen. Zweiter Teil. Die finanziellen Kriegsmatznahmen. Vorbemerkung. ie Wege, auf denen ei» moderner Staat die für die Durchführung eines Krieges erforderlichen Mittel bereitstellen kann, sind im wesentlichen folgende: Zunächst versteht es sich von selbst, daß die etwa vorhandenen freien Bestände der Staatskasse und verfügbaren Fouds für die Kriegsansgaben in Anspruch genommen werden. Ferner kommt in Betracht eine Änderung des Wirtschaftsplans für den Staatshaushalt, sei es, daß durch Erhöhung der Besteuerung und Erschließung neuer Einnahmequellen der Staatskasse neue Mittel für den Krieg zugeführt werden, fei es, daß durch Zurückstellung von nicht dringlichen Aufwendungen ein Teil der im Budget für andere Zwecke bestimmten Mittel für den Krieg frei gemacht wird. Da jedoch die enormen Kosten eines moderneu Krieges unmöglich aus vorhandenen Beständen und laufenden Einnahmen voll gedeckt werden können, wird die Inanspruchnahme des Kredits zur Notwendigkeit. In allen neueren Kriegeu habeu die beteiligten Staaten sich genötigt gesehen, mit der Ausgabe verzinslicher Schuldverschreibungen an deu Geldmarkt heranzutreten, uud zwar meist nicht nur an den Geldmarkt des eigenen Landes, sondern an den sogenannten „internationalen Geldmarkt"; sogar das kapitalreiche England, das als das Herz des internationalen Geldmarktes gilt, hat es während des Vorbemerkung, 70 Bnrenkrieges und der chinesischen Wirren im Jahre ZWO siir rätlich gehalten, sich mit einem Teil seines Kreditbegehrs an die Vereinigten Staaten zu wenden. Neben der Aufnahme von Anleihen im eigentlichen Sinn („öffentlichen Anleihen") ist von besonderer Wichtigkeit die Inanspruchnahme des Kredits der großen Notenbanken, die einmal in ihren Fonds für die Noteneinlösnng regelmäßig über große Bestände von Metallgeld verfügen, anderseits auf Gruud ihres Notenrechtes imstande sind, in Form vou Banknoten dem Staate sofort erhebliche Summeil znr Verfügung zu stellen. Nahe verwandt damit ist die Ausgabe vou Papiergeld durch den Staat selbst. Das Zurückgreifen auf die Barbestände einer großen Notenbank und anf deren Notenausgabe sowie die Ausgabe vou Papiergeld ist vou einer so einleuchtenden Bequemlichkeit, daß dieses Mittel seit dem Aufkommen papierner Geldzeichen und der Entstehung der großen Notenbanken im Kriegsfalle stets in großer» Umfang, meist sogar an erster Stelle, in Bewegung gesetzt worden ist. Es hat die Münzverschlechterung, zu der die Staaten früher in Finanznöten gegriffen haben, abgelöst- aber das neue Mittel ist, wenn es nicht mit der äußersten Vorsicht gehandhabt wird, nicht minder eine Geldverschlechternng, wie die früher geübte Ausprägung des Metallgeldes mit einem geringeren Feingehalt: Die Verringerung der Bardeckung bei der gleichzeitigen Erweiterung der Papierzirknlation stellt die Einlösbarkeit der papierneu Umlaufsmittel nnd damit die Aufrechterhaltung der Valuta, dieser Grundlage des StaatSkredits, iu Frage. Darin liegt die große Gefahr dieses bequemsten Mittels der Geldbeschaffung. Rußland und Japan haben in ihrer finanziellen Vergangenheit beide die schweren Nachteile der Papierwährung am eigenen Leibe gespürt und unter großen Opfern das in früheren Zeiten direkt nnd durch bankmäßige Vermittlung ausgegebene Papiergeld wieder beseitigt. Gleichwohl ist uicht daran zu deuken, daß die Inanspruchnahme des Metallbestandes der großcu Zeutralbanken und der Notenpresse als Mittel der Geldbeschaffung in Kriegszeiteu ausgeschaltet werden wird. Denn einmal ist die Anwendung dieses Mittels innerhalb gewisser Grenzen möglich, ohne daß die geschilderten Gefahren heraufbeschworen werden-, innerhalb dieser Grenzen, für deren Abmessung es ein untrügliches Kriterium allerdings nicht gibt, wird kein Staat auf die großen Vor- 8(> Aweiter Teil. I>ic sinanziellc» Knegsmaßuahmcu. l^-i? r^i? css c^?> < c^-i? c-isi? r^-i? c^^? r-^-i? cs? c^«i? l^-i? r^si? r-si? c^?>i r^v, c^->» teile der Inanspruchnahme einer Notenbank oder der Papiergeldausgabe, auf die Leichtigkeit, Billigkeit und Promptheit der Geldbeschaffung, verzichten wolle», ninsoweniger, je größer die Schwierigkeiten, je ungünstiger die Bedingungen und je größer der Zeitverlust bei der Aufnahme von Anleihen auf dem Geldmarkte ist. Außerdem aber gilt auch hier die Wahrheit, daß die Not Eiseu bricht: wenn die übrigen Mittel der Geldbeschaffuug nicht mehr ausreichen, dann muß schließlich auch die metallische Währung der Erhaltung des Staates geopfert werden. Ju der zweckmäßigen Kombination der verschiedeneu Mittel der Geldbeschaffung, in der Anwendung eines jeden einzelnen zur richtigen Zeit und im richtigen Umfang, liegt die Kuust der fiuauziellen Kriegführung. In den folgenden Ausführungen solleu uach diesen Gesichtspunkten die von Rußland uud Japan durchgeführten fiuauziellen Kriegsinaßnahmen dargestellt werden. I. Rußland. 1. Allgemeines über die finanzielle Position Rußlands und die budgrtäre Behandlung der Krirgsfinanzen. Die finanzielle Situation Nußlands zu Begiuu des Krieges war — wie kurz wiederholt werden möge — in ihren wichtigsten Zügen folgende: Der freie Barbestand der Neichsrentei bezifferte sich nach den Berechnungen des Finauzministers für den 1. Januar 1994 auf 312 Millionen Rubel. Das Budget für 1904 sah au ordeutlichen Ausgaben 19M,5 Millioueu, au außerordentlichen Ausgaben, die nahezu ausschließlich für Eisenbahnzwecke bestimmt waren, 212,2 Millionen, znsammeu 2178,7 Millionen Rnbel Ausgaben vor. Von diesen waren 1982,9 Millionen durch die ordentlichen Einnahmen uud den Ertrag aus der ewigen Einlage bei der Reichsbank gedeckt, währeud der fehlende Betrag von 195,8 Millioueu Rubel auf den freien Bestand der Neichsrentei angewiesen wurde, der sich dadurch auf etwa 116 Millionen verringert hätte. 1, Rußland, 81 Die Staatsschuld bezifferte sich Ansang 1904 aus 6636 Millionen Rubel: sie hatte sich im Laufe der letztoergangenen Jahre nur langsam und in beträchtlich geringerem Umfange als das ihr gegenüberstehende produktive Staatsvermogen vermehrt. Der Goldbestand der Reichsbauk uud der Reichsreutei wird für Ende 1903 auf 1058 Millioueu Rubel augcgebeu. Die russische Reichsbank allein verfügte am 1./14, Januar 1904 über eiuen Kassenbestand in Gold von 732,9 Millionen Rubel uud über 169,1 Millionen Rubel in Goldwechseln und Goldguthabeu im Ausland,") zusammen also über 902,0 Millionen Rubel iu Gold und jederzeit realisierbaren Goldfordernngeu, Ihr Notenumlauf belief sich an demselben Tage ans nur 578,7 Millionen Rnbel-. er war also mit etwa 156 Prozent durch Gold gedeckt, uud die Bauk hätte ihre NotenanS- gabe auf Grund der gesetzlichen Vorschriften, die ihr die Ausgabe von Bauknoteu bis zur Hohe vou 300 Millionen Rnbel über ihren Goldvorrat hinaus gestatten, bis auf etwa 1200 Millionen Rnbel, also um etwa 625 Millionen Rnbel, ausdehnen können. Die täglich rückzahlbaren öffentlichen Guthaben bei der Bank stellten sich ans 635,1 Millionen Rnbel. Die Höhe des ohne weiteres sür Kriegszwecke verfügbaren freien Barbestandes der Reichsreutei und der beträchtliche Goldvorrat der russischen Reichsbank gaben Rußland von vornherein eine günstige Position, Freilich hat die russische Finauzverwaltuug schon in den ersten Anfängen des Krieges erklärt, das; sie nicht gewillt sei, ohne zwingende Notwendigkeit ans die Hilfsmittel der Bank, von deren Liquidität und Zahlungsfähigkeit die Stabilität der Valuta abhängt, zurückzugreifen. Die freien Bestände des Reichsschatzes konnten durch die Zurückstellung von Ausgaben, namentlich vou außerordentlichen Ausgaben für nicht unbedingt dringliche öffentliche Arbeiten, erhöht werden. Dagegen hat sich die russische Regierung in Anbetracht der Bei der Berechnung dieses Betragen sind hier, ebenso wie in der folgenden Darstellung, die im Ilmlaus befindlichen Goldlvechsel aus dos Ausland, ans denen die Bank selbst ,;ur ^ahlnng verpflichtet ist «Passivposten „?rlut>es Zur 1'vtrangor") in Abrechnung gebracht! am 1,/18, Januar 1904 betrugen die Goldgntbaben im Ausland 1/> Jahrzehnte einen günstigen Boden geschaffen. Was die formelle Behandluug der Kriegsausgaben anlangt, so hat die russische Fiunnzvcrwaltung für diese keinen besonderen Etat aufgestellt i weder wurde das bereits festgesetzte Budget für 1994 durch einen Kriegsetat ergänzt, noch wurden in dem während der Daner des Kriegs aufgestellten Budget für 1995 die Kriegsausgaben und die für diese erforderlichen Deckungsinittel berücksichtigt. Es wurde vielmehr, wie der Bndgetbericht des russischen Finanzministers für 1905 hervorhebt, bei der budgetäreu Behandlung des Kriegs nach einem Gesetz vom 26. Februar 189V Verfahren, nach dem „in die ordentlichen Finanzanschläge, falls sie zu Kriegszeiten augefertigt werden, die Ausgaben zum Unterhalt des Heeres nach dessen bei der Bemessung des Etats des Vorjahres zngrnnde gelegten Präsenzstande eingestellt werden sollen, während die Ausgaben für deu Unterhalt der mobilisierten Heeresteile, sowie überhaupt für sämtliche durch die Kriegslage bedingten Erfordernisse aus extraordinären anßeretatsmäßigeu Zuwendungen zu decken sind." Der erwähnte Bndgetbericht macht darauf aufmerksam, daß auch im russisch-türkischen Krieg nach ähnlichen Grundsätzen Verfahren worden ist, und er fügt Hinz»: „Die Erfüllung der durchaus rationellen Gesetzesbestimmung, daß im Budget keiue außerordentlichen Kriegsausgabeu aufgeführt werden sollen, die sich ihrem Wesen nach ziffernmäßig anch nicht normieren lassen, bedeutet keineswegs, daß diese Ausgaben nicht vorgesehen worden sind. Im Gegenteil, in Kriegszeiten besteht die Hanptsorge des Finanzministers in dem Ausfindigmachen von Mitteln zur Führung des Kriegs." — Im Gegensatz zu der Aufmachung der Haushalts - V o r a u s ch I ä g e werden jedoch die für den Krieg geleisteten Ausgaben nnd die zn ihrer Deckung beschafften Mittel in den Haushalts - N b e r s i ch t e n , und zwar schon in den vorläusigen Kassenabschlüssen, von denen derjenige für 1904 bereits vorliegt, eingehend nachgewiesen.") ") twer die Art der Anweisimg der Kiriegotredire macht der Budget- derichl oeo Finanzininisterö für 19(>.'i folgende Mitteilungen: „Mit dein Beginn 1, Rußland, r^-i? c^i? »c^-i? l^-i? c---i? r^-^? cs? c-ü?i> i^i»c^iv c^i>> c^i? r«ii 2. Der freie Vestalld der Reichsrentei und seine Erhöhung dnrch AusgabebeschränKungen. Die erste Maßnahme, welche die russische Finanzberwaltnng zur Deckung der Kriegserfordernisse ergriff, bestand darin, das; sie den freien Bestand der Neichsrentei für die Kriegsansgaben znr Verfügung stellte und daß sie durch eine nachträgliche Änderung des Budgets für 19V1 diesen Bestand erhöhte. Diese Maßnahme wurde iu einer Mitteilung des „Negierungsboteu" folgendermaßen erläutert: der Feindseligkeiten werden dem Kriegs- und Marineressorr, anster den ordentlichen Krediten zum linterhalt der Armee und der Flotte nach ihrem Friedensstande, ertraordinäre austerctalSmässtge Anweisungen zu den durch den Krieg hervorgerufenen Anbanden gewährt. Die ganz besondere Drmglich- teit vieler von diesen Aufgaben erfordert die schleunigste Bewilligung derselben, und daher werden die nnstcrordentlichc» Kredite für die Erfordernisse der KriegSzeit in Geinäscheit des am 2i>, Februar 1MN Allerhöchsl besiängten Reglements nicht i» der allgemein geltenden Ordnung nach vorher- gegangener Beprüsuug im NcichSrat bewilligt, sondern dnrch Allerhöchst zu bestätigende Mcmoriale einer besonderen Konferenz, die unter dem Vorsitz des Präsidenten des Departements der Ttaatsökonomie beim ReichSrat aus dem »riegSininister, dem Finanzuiinister, dem RcichStontrollenr und dem Perweser des Marineministeriums besteht. In den Händen dieser Konferenz konzentriert sich auch die Beprüfnng der Angelegenheiten betreffs Überweisung von Mitteln zu außerordentlichen Ausgabe» an Zivilressorts während der KriegSzeit, wie z, B. zur Verstärkung der TranSportfähigkcit der Eisenbahnen, zur Unterstützung der Landschaften, in betreff der Fürsorge für die Familien der zum Dienst einvernfenen Rcserve-UnterinilitärS nnd Landwehnuänner », dgl, Aach dem erwähnten Reglement wird der erstmalige nnsterordentlicheKredit zn Zupplcmentar- ansgabcn für den Unterhalt der Armee über den ordentlichen Bedarf hinaus auf eine vicrmonatliche Frist, sowie anch zu ander», sür die nächste Zeit voranS- .msehenden und durch den Krieg veranlassten Aufwendungen von der besonderen Konserenz bewilligt, Hierauf sind nach Erschöpfung der bewilligten Mittel weitere Nachtragskredire durch die besondere Konserenz zn erwirken, Tancben gestaltet das geltende Reglement die Vembsolgnng von Summen aus den Barmitteln der Neichsrentei ohne vorhergehende Eröffnung von Kredite» z» dem Zweck, das Heer bei der Mobilisiernng auf de» >iriegsfnst zu bringen, sowie zu solchen ErtraauSgaben, welche in einigen Fälle» auf Verlangen der oberen Heerführer auf dem »riegsschanplatze z» leisten sind nnd nicht bis znr Anweisung der Kredite aufgeschoben werden können, Fedoch bilden die kreditlosen Anszahlnngen nur einen geringen Zeil der «Kesaintsumme des außcr- ordemlichcu KriegSausivnndeS und dauern zudem u»r eine sehr kurze Zeit, da sie nach ihrer Klarstellung i» vollem Betrage durch Anweisung der e»i^ sprechende» »redire seitens der besonderen Konserenz geregelt werden," S" l 84 Zweiter Teil. Die finanziellen Knegsmajznahmen, Es sei für zweckmäßig befunden worden, vorläufig für die Kriegszwecke den freien Bestand der Neichsrentei zur Verfügung zu stellen, ohne cinf andere Quellen zurückzugreifen, außerdem aber durch Streichungen im Budget für 1904, besonders in den Ausgaben der Zivilressorts, die Mittel der Neichsrentei zu vergrößern. Eine Spezialkonferenz habe Vorschläge ausgearbeitet, die nach der Billigung durch die Minister im Reichsrat geprüft uud am 6./19. März vom Kaiser sanktioniert worden seien. Der leitende Gedanke bei der Einschränkung der Ausgaben sei gewesen, dieselben ausschließlich aus neue Unternehmungen uud Maßnahmeu zn erstrecken, die ohne Störung des gewöhnlichen Ganges des öffentlichen Lebens und ohue die Verletzung irgeudwelcher Rechtsansprüche unterlassen werden könnten. Die Gesamtsumme der Streichungen beziffert sich ans 134,4 Millionen Rubel; davon entfallen auf die bereits in den Vorjahren eröffneten Kredite 18,9 Millionen, auf das Budget von 1904 kommen 115,5 Millionen Rubel. Die wichtigsten Streichungen beziehen sich auf Eiseubahnbauten, bei denen ein Betrag von 55 Millionen Rubel von den ursprünglich vorgeseheneu Ausgaben abgesetzt worden ist. Die Kredite für Verstärkung und Verbesserung der Eisenbahnen, Vermehrung der Betriebskapitalien und sür Beschaffung von Personenwagen nsw. wurden um 20 Millionen Rubel eingeschränkt. Die Ausgaben für Wasserwege, Handels- und Kriegshäsen und Straßenbau erfuhren eine Reduktion um 27 Milliouen, die Ausgaben sür das Branntweinmonopol wurden um 14,4 Millionen Rubel herabgesetzt. Der Rest von etwa 18 Millionen verteilte sich auf verschiedene Fonds zur Errichtung und zum Ankauf von Gebäudeu, zu Darlehen, Subventionen usw. Von den das Budget für 1904 betreffenden Streichungen kamen etwa 00 Millionen Rubel auf die ordentlichen und etwa 55,5 Millionen Rubel auf die außerordentlichen Ausgaben. In Verhältniszahlen betrugen diese Ausgabeturznugeu für das Gesamtbudget 5,3 Prozent, für die ordentlichen Ausgabe» 3 Prozent, sür die außerordentlichen Ausgaben 20 Prozent. Nach Übertragung der Summe von 2,8 Millionen Rubel sür Unterneh- muugeu, die iu Verbindung mit der sibirischen Bahn stehen, von dem außerordentlichen auf deu ordentlichen Etat stellte sich das modifizierte Budget für 1904 auf 1909.2 Milliouen Rubel an ordentlichen Ausgaben, 153,9 Millionen an außerordentlichen Ausgaben und 2003,1 j j 1, Rußland. HI rs< r--?>? r---?, c-^-i? r^?» r^i? c^--i? c^-?» c-s>, cz^i> r-si--« r-s,? c^,»c^-.» r-^,» r-^, c-^>, 6^ c^-., Millionen Rubel in der Gesamtausgabe. Auch nach den vorgenom inene» Kürzungen blieben die für 1994 angesetzten ordentlichen Ausgaben noch nin 29 Millionen Rnbel höher als diejenigen des An- schlags für 1993. Abgesehen von diesen Veränderungen des Budgets wurde eine weitere Vermehrung des Bestandes der Neichsrentei bewirkt durch Herabsetzung der zum Unterhalt des Kaiserlichen Hofes ausgeworfenen Summe um 1 Million Rubel, durch Zuweisung von 2,9 Millio neu Rubel zu Lasten des Apanagedepartements und durch Zuweisung von 19 Millionen Rnbel aus freigewordenen Nesttrediten früherer Jahre. Dadurch erhöht sich der dem freien Bestand der Neichsrentei zuwachsende Betrag von 134,4 auf 148,3 Millionen Rnbel. Zu ähnlichen Maßnahmen hat Rußland bisher in Üriegszeiten stets gegriffen. So wurde z. B. im Jahre 1812 angeordnet, daß alle öffentlichen Banteu nnd alle Kreditgewährung an Private unterbleiben sollten. Auch der Krimtrieg, der türtische Krieg und zuletzt die chinesischen Wirren im Jahre 1999 haben Anlaß zu einer Einschränkung der in das Budget eingestellten Ausgaben gegeben. Neben der Vermehrung des verfügbaren Kcisseubestaudes der Neichsrentei nm den Betrag der Herabsetzung der Ausgabe» ist eiue weitere Vermehrung dadurch eingetreten, daß die Kassenabschlüsse für das Rechnungsjahr 1993 einen größeren Überschuß der ordentlichen Einnahmen über die ordentlichen Ausgaben brachten, als bei der Berechnung des verfügbaren Bestandes der Neichsrentei in dem Bndgetbericht des Finanzministers für 1994 angesetzt worden war. Der Bndgetbericht für 1994 hatte den freien Bestand der Neichsrentei zu Beginn des Jahres 1994 auf 312 Millionen Rubel berechnet , der- Bndgetbericht für 1995 berechnete ihn nach den vorläufigen Rechnnngsergebnissen des Jahres 1994 auf 352,4 Millionen Rubel, und nach dem endgültigen Kassenabschlnß für 1994 stellte er sich schließlich sogar auf 381 Millionen Rubel. Vou diesem Bestand war nach dem ursprünglichen Budget für 1994 die Summe von 195,8 Millionen Rnbel zur Balanziernng des Etats abzusetzen i nachdem jedoch die nach dem Kriegsausbruch vorgenommenen Ausgabe- beschränknngen usw. insgesamt — wie oben berechnet — 148,3 8^> Zweiter Teil. Die finanziellen Kviegsinaßnahinen. Millionen Rubel ergebe» hatte», blieb zu Lasten des freien Bestandes nur »och ei» Betrag vo» 47,3 Millionen Rubel zu verrechnen; dieser erhöhte sich allerdings auf der andern Seite um 19,!5 Millionen Rubel »»vorhergesehener Ausgabe» (für Verziusung der Kriegsauleihe» usw.), so daß sich für Zwecke des Friedensbudgets 1904 eine Iua»spruchuahme des freien Bestandes um 67 Millionen Rubel ergibt. Der für Kriegszwecke verfügbare Bestand der Reichsrentei berechnete sich also »ach alle» Modifikationen des Budgets auf 314 Millionen Rubel. So ansehnlich dieser Betrag (i» deutschem Geld etwa 678 Millioueu Mark) erscheint, so mußte vo» voruhereiu klar sei», das; ei» Krieg vo» einiger Dauer mit diese» Mittel» allem nicht geführt werde» konnte. Die Kosten des Krieges wurden allerdings sehr verschiede» taxiert. Tie Tatsache, daß der Trausport von Truppen und Kriegsmaterial auf gewaltige Entfernungen hi» erfolge» mußte, war einerseits geeignet, eine erhebliche Verteuerung der Operatiouen herbeizuführe», anderseits wurde von offiziöser Seite darauf hingewiesen, daß der Krieg auf russischen! Territoriuni geführt werde, u»d daß für ei»eu »icht unerhebliche» Teil der Kriegsausgabeu, namentlich für die Bahirfrachte», die Negier»ug selbst wieder der Empsäuger sei. Teilweise lauteteu die Schätzimge» der durch den Krieg eutstaudeueu Mehraufweudnngen für das Heer auf 1 Million Rubel, für die Flotte auf ^ Million Rubel pro Tag, wozu noch die Aufweuduugeu für Material- und Munitionsersatz zu rechne» seie», so daß die Kriegsaiisgabe» »lit 6t) Millioire» Rubel pro Mouat niedrig veranschlagt wären.'") Von andere» Seite» wurde das moiiatliche Kriegscrforderms n»f 80 bis 109 Millione» Rubel verauslagt.""! Eine Petersburger offiziöse Mitteilung bezifferte die vom Begi»» der Feindseligkeiten bis z»m 5>. April bewirkte» Kriegscnlsgabe» auf 92^ Millionen Rubel und veranschlagte den bis zum Juni erforderliche» Betrag auf 296 Millionen.***) Nach einer »'eitere» Mitteilung im „Regierungsbote»" vom ix/18. August bezifferte» sich bis zum 16. August die allen Nessorts sür Kriegszwecke eröffnete» Kredite auf insgesamt 257^ Millionen Rubel. ") Rl>Ä-(liz»r^lls I^üv^' in der ,,1ivvuv (li^ clvux Zlouäv!?". "'') „Frankfurter Zeitung" vom 17. April 19vit, erstes Moriienplair, ..Ueonnmi^te l?m'o>i6en'' vom 22. April I. Rußland. 87 r^v< c^-i? ^-i-->^ c^-i? l^v? -'--vs r^?^ Danach würden sich dii! Kriegskosten auf nicht viel mehr als 40 Millionen Rubel pro Monat gestellt haben. Wir werden später sehen, daß in der Tat die privaten Schätzungen sür die erste Hälfte des Kriegs viel zu hoch gegriffen waren und das; im Jahre 1904 die durchschnittlichen monatlichen Kriegskosten nicht ganz 50 Millionen Rubel betragen haben. 3. Die Kriegsanleihen des Jahres 1904. Es war für die russische Negierung ein ganz selbstverständlichem Gebot der Vorsicht, daß sie sich beizeiten nach Mitteln zn einer weiteren Verstärkung der ihr für den Krieg zur Verfügung stehenden Beträge umsah. Ta man die Inanspruchnahme der russischen Reichsbank aus den bereits angedeuteten Gründen von der Hand wies, blieb nur die Ausnahme von Anleihen. Vor die Frage der Aufnahme einer Anleihe im Inland oder Ausland gestellt, entschied sich Rußland zunächst für eine ausländische Anleihe. Noch im türkischen Kriege hatte Rußland eine andere finanzpolitische Taktik verfolgt. Damals hatte man zur Deckung der Kriegsbedürfnisse, abgesehen von einer Einschränkung der im Budget vorgesehenen Ausgaben, zunächst die Notenpresse in Bewegung gesetzt. Tic Finanzverwaltung ließ sich von der Reichsbank unverzinsliche Vorschüsse gewähren, und die Reichsbank emittierte zu diesem Zweck als „temporär" bezeichnete Kreditbillete bis zu einem Betrage von nahezu einer halben Milliarde Rubel. Daneben wurden allerdings auch öffentliche Anleihen aufgenommen, aber mir im Inland selbst, nämlich die sogenannten Orientanleihen, die auf Kreditrubel lauteten und mit fünfprozeutiger Verzinsung ausgestattet Ware»! von diesen Anleihen wurden 200 Millionen Rubel im Frühjahr 1877 und je 300 Millionen Rubel im Herbst 1878 und im Frühjahr 1879 ausgegeben. Wenn die russische Negierung sich im gegenwärtigen Falle entschied, ihre bereiten Bestände durch die Aufnahme einer Anleihe im Ausland zu vergrößern, so war dafür Wohl bestimmend einmal die Rücksichtnahme auf den inneren Geldmarkt Rußlands, der teils noch unter den Nachwirkungen der Krisis von 1900/02 zn leiden, teils infolge der natürlichen Wirkungen des Krieges mit Schwierigkeiten zn kämpfen hatte; insbesondere war zu berücksichtigen, daß in der ersten 88 Zweiter Teil. Die finanziellen Rriegsmaßnahmcn. Zeit des Kriegsausbruchs beträchtliche Posten von russischen Werten, die sich bis dahin im Ausland befunden hatten, nach Rußland zurückgeflossen waren und von dem russischen Markt hatten aufgenommen werden müssen. Ferner sprach siir die Aufnahme einer Auslandsanleihe die Tatsache, das; ein nicht unbeträchtlicher Teil der KricgS- ausgaven im Auslande geleistet werden mnßte, so die Zahluugeu für den^ Ankauf von Schiffen, von Proviant und Kriegsmaterial jeder Art, Dazu kommt die Steigerung der Zahlungsverpflichtungen der russischen Volkswirtschaft au das Ausland, die der Krieg im Gefolge haben mnßte. Ter außerordentliche Bedarf au Proviant und Pferden für das Heer war geeignet, die Ausfuhr an diesen Dingen einzuschränken, während der Bedarf au Kriegsmaterial anderer Art die Einfuhr vergrößerte. Schon um zu vermeiden, daß aus dieser Verschiebung der Zahlungsbilanz zn nngnnsten Rußlands ein starker Goldabfluß und eine Bedrohung der Goldwährung entstehe, mnßte die russische Neichsbauk oder die Reichsrentei dem Markte Wechsel auf das Ausland zur Verfügung stelle». Das ist namentlich in den ersten Monaten nach dem Kriegsausbruch iu großem Umfang geschehen.") Diese Wechselziehnngen mußteu uatürlich eine Verminderung der Auslandsguthaben herbeiführen. In der Tat ist der Bestand der russischen Reichsbank an Anslandswechseln nnd an Guthaheu im Ausland von 169,1 Millionen Rubel am Januar 1904 bis auf 39,9 Millionen am 16./29. Mai herabgegangen. Offiziell wnrde der ans den Wechseltransaktionen entstandene Abgang vom Auslaudsguthabeu der Bank für die erste Hälfte des Jahres 1904 auf 57,si Millionen Rubel angegeben.*") Die Pariser Anleihe vvm Mai 1904. Von den ausländischen Geldmärkten kam für die Aufnahme einer größeren russischen Kriegsanleihe aus verschiedenen Gründen in erster Reihe der französische Markt in Betracht. Neben den politischen Beziehungen nnd der Willigkeit, mit der bisher das französische Kapital enorme Beträge von russischen Werten absorbiert hatte, siel ins Gewicht, daß nm die Zeit, zu der Rußland dem Gedanken der Aufnahme einer Ausländsanleihe näher trat, in Paris der Geldstand beträcht- "> „frankfurter Zeitung" vom w. Februar IW-t, Abendblatt. ..frankfurter ^>eitnn>i" vom 2lX Amuist erste-? Mvraeul'laii. I, Rußland, 89 lich flüssiger war als etwa in Deutschland! der englische und amerikanische Markt aber erschienen für Nußland aus politischen Gründen verschlossen, Frankreich hatte seit Monaten erhebliche Zuflüsse vou Gold erhalten, einmal dadurch, daß die französischen Geldgeber allmählich ihre in England seit dem südafrikanischen Kriege kurzfristig ansgelieheuen Gelder, die sich zeitweise auf 40 Millionen Pfd. Sterl, belanfen haben sollen,*) zurückzogen, ferner infolge der Ablösnngs- zahlnngen der Bereinigten Staaten für den Panamakanal (etwa 299 Millionen Frauken). Trotz des flüssigen Geldstaudes hat natürlich der Krieg und sein für Rußland uugüustiger Verlauf die Bedingungen, unter denen der französische Markt bereit war, Rußland seine Mittel im Wege des Kredits zur Verfügung zn stellen, sehr erheblich erschwert. Während sich der Kurs der russischen vierprozen- tigen Rente im letzten Jahre ungefähr auf der Parität gehalten hatte und noch im Juli 1903 in Paris 173 Millionen Franken russischer vierprozentiger Eisenbahnobligationeu zn Pari aufgelegt worden waren, hatte sich der Kurs der vierprozentigen Rente unmittelbar bor dem Kriegsansbruch bis auf 96 uud dann bis Ende April auf wenig über 92 gesenkt. Die bloße Tatsache, daß Nußlaud mit eiuer nenen großen Anleihe an den Markt herantrat, mußte deu Kurs der russischen Siaatspapiere noch weiter drücken. Diesen Verhältuisseu hatte Rußland Rechnung zu tragen. Die russische Fiuanzberwaltnng sträubte sich nicht, dem sran- zösischen Banttonsortinm, mit dem sie im April Verhandlungen über die Aufnahme eiuer Auleihe einleitete, deu durch die Verhältuisse gebotenen Zinssatz zu bewilligen nnd ihm außerdem die durch das mit der Begebung der Anleihe verbundene Risiko gerechtfertigten Vorteile zuzugestehen. Ein solches Anpassen an die Verhältnisse des Marktes uud eiu weites Entgegenkommen gegenüber den für die Unterbringung eiuer Auleihe uueutbehrlicheu Fiuanzinstitutionen gehört zu deu Traditionen der russischen Finanzpolitik, die es mit dieser Praxis verstanden hat, sich nm den Preis momentaner Opfer dan ernde Vorteile zn sichern. Das in der „Neuen Freien Presse" vom 9. Mai 1994 wiedergegebene Urteil des Leiters eines Londoner Welthauses, die russische Regierung sei die einzige, die es verstehe, mit den Banken iu gauz großem Stil zu arbeiten, ist nicht vereinzelt. Londoner ..l^eoiwini^t'' vom 14. Auonst Poriser »orlesvonden^ 90 Zweiter Teil. Die finanziellen Rricgsmaßnahmen, r^-»> c'^v ? r^-^ r^Ä> r^--^ r^-Vr c-^»? r^--i? c^-^ r^-V? c^,, r^7» ^ c-^-> ^ Andrerseits war die russische Finanzverwaltung nicht gewillt, sich die Zahlung des durch die Ungunst der augenblicklichen Verhältnisse bedingten hohen Zinsfußes sür eine lange Reihe von Jahren anf- zuerlegeu. Zu diesem sür die Kontrahierung einer kurzfristigen Anleihe sprechenden Gesichtspunkt kam hinzu, daß die russische Regierung nach Möglichkeit verhindern mußte, daß die ueue Anleihe lediglich zu einem Austausch der alten gegen die neneu Titres führte. Die Ge- sahr lag nahe, daß die Besitzer der alten niedriger verzinslichen russischen Schuldverschreibungen suchen würden, sich dieser zu entäußern, um die neuen höher verzinslichen Papiere zu kaufen. Ein solcher Austausch hätte sich natürlich nicht ohne einen starken Druck auf den Kurs der russischen Werte und ohue eiue nachhaltige Schädigung des russischeu Kredits vollziehen können. In gewissem Umfang konnte dieser Gefahr gleichfalls durch die Ausgabe einer kurzfristigen, nach wenigen Jahren zu Pari rückzahlbaren Anleihe vorgebeugt werden! denn solche kurzfristigen Schatzanweisnngen können infolge der nahe bevorstehenden Rückzahlung zu 100 auch bei einer erheblichen Besserung der Kreditverhältnisse des schuldnerischen Staates nicht wesentlich über die Parität hinaus steigen. Wenn sie mit einer den augenblicklichen Umständen angemessenen Verzinsung ausgestattet uud zu einem nahe an die Parität herankommenden Kurs auf den Markt gebracht werden, können ihre Erwerber nicht auf eine Kurssteigerung rechnen, wie sie für die langfristigen Anleihen nach der Wiederherstellung des Friedens mit einiger Sicherheit zu erwarten war. Die Besitzer alter russischer Anleihen würden sich mithin, wenn sie diese zum Zweck der Erwerbung von neuen Schatz- auweisuugeu verkauft hätten, der Hoffnung begeben haben, die an den crsteren seit dem Kriegsausbruch erlittenen Kursverluste durch eine spätere Kurssteigerung wieder einzubringen. Diese Erwägungeil haben die russische Finanzverwaltung bestimmt, von der Aufnahme einer langfristigen Anleihe abzusehen und die benötigten Mittel durch die Ausgabe von kurzfristigen Schatzscheinen aufzubringen, deren spätere Ersetzung durch eine langfristige Anleihe in Aussicht genommen wurde. (Utas vom 30. April/13. Mai 1904.) Diese neueu Schatzscheine, deren Gesamtbetrag auf 300 Millionen Rubel 800 Millionen Franken festgesetzt wurde, lauten auf Be- t, ^»schind, 91 >^^^^r-^l?^^^c-^ri^r!^r!^c!^r'i^c-^^^ träge von 187,30 Rubel 500 Franken und 1875 Rubel ^ 5000 Franken,*) Tie 3 Prozent poi' anu^m betragenden Zinsen sind halbjährlich zahlbar uud laufen vom 1,/14, Mai 1901 an. Die Schulz scheine sind am 1,/14, Mai 1909 einzulösen! eine frühere Küttdiguug ist ausgeschlossen, Zius- uud Kapitalzahlungen sind von jeder russischen Steuer befreit. Die Schatzscheine sind ferner mit einigen be fonderen Vorrechten ausgestattet-, sie solleu bei Lieferungen an die Krone nnd bei Sicherstellnng bon Akzise- und Zollzahlnngen zn einem Kurs, der nicht geringer als 95 Prozent sein darf, als Kaution ge- uommeu werden, und ihren Inhabern ist nicht nur auf die für das Jahr 1909 zum Zweck der Rückzahlung der Schatzscheine aufzuneh- meude langfristige Anleihe, sondern auf alle bis zum 1,/14. Mai 1909 iu Frankreich etwa zur Begebung gelangende» russische» Anleihen ein Vorzngsansprnch eingeräumt worden. Das Bankenshndikat unter der Führung der IZamjuc clo 1'aris et cle» ?s.vs-IZsk!, des vrötiit iH-oniim» und des Bankhauses Hot- tlngusi- >Ä Prozent angerechnet; doch übernahm die russische Regierung gleichzeitig die Vergütung der Emissionsspesen mit 2 Prozent, so daß sich der Reinerlös für die russische Regierung nur ans 95^ Prozent stellte. Für diese stellt sich mithin, in Anbetracht der nach fünf Jahren zu bewirkenden Rückzahlung zu Pari, die effektive Verzinsung dieser Papiere auf 6,2 Prozent, Das französische Kapital hat den immerhin erheblichen Betrag von 800 Millionen Franken mit einer geradezu erstaunlichen Leichtigkeit absorbiert. Die am Syndikat beteiligten Banken hatten nicht nötig, mit den Schatzscheinen an den offenen Markt heranzutreten, sie haben sie vielmehr unter der Hand bei ihrer Kundschaft uutergebracht. Höchstens der achte Teil, also etwa 100 Millionen Franken, sollen ") Nach einer Mitteilung des Londoner „EoononÜLt" sollte der «Äelienwen der Anleihe in drei gleichen Note» im Mm »nd Tepteniber 1!«U4 »nd im ^onnar 1W5 gezahlt werden, Zweiter u.cil> Die nnan^icllen Ariegziimsznalzmon, r"^^^c^?^^^^r!--^^^^-^^^c-^l?^^^^^r-^^^cS für ausländische Rechnung aufgekauft lvorden sein. Eil? vorübergehender Drnck auf den Kurs der russischen Werte hat sich allerdings nicht vermeiden lassen, namentlich da die Begebung der Schatzscheine mit den Nachrichten über wesentliche Erfolge der japanischen Landarmee zusaiuuienfiel, Fiir Nußland bedeutete die neue Anleihe eine Vermehrung der Staatsschuld um etwa 4>,^ Prozent nnd eine Erhöhung des jährlichen Erfordernisses für den Dicust der Staatsschuld um IL Millionen Rubel — etwa -K Prozeut der uach den, modifizierten Budget für 199^ vorgesehenem Ausgaben. Ter Reinerlös der Anleihe hat 282 Millionen Rubel betrage». Durch die Anleihe sind mithin die für den Krieg verfügbaren Mittel von 314 ans nahezu Ml) Millionen Rubel gesteigert worden. Ein Teil des Erlöses der Auleihe ist offenbar dem auswärtigen Goldguthaben der russischen Neichsbant zugeführt worden, das sich — einschließlich des Bestandes an Auslcmdswechseln — von 39,9 Millionen Rubel am 16./29. Mai auf 198,7 Millionen Rubel am 8./21, Juni gehoben hat. Wie zu der Zeit, als die Verhandlungen über die nene Anleihe noch schwebten, wiederholt erklärt worden war, bestand nicht die Absicht, einen irgend erheblichen Teil des Anleiheerlöses nach Rußland überzuführen, der Erlös sollte vielmehr im Ausland znr Bestreitung der dort zu leistenden Ausgaben belasseu werden. Gerüchte über eine Anleihe in Deutschland. Wenn die in weiten Kreisen für zutreffend gehaltenen Schätzungen der Kriegskosten auf 89 bis 19V Millionen Rubel pro Monat zutreffend gewesen wären, so hätte sich Rußland mit der in Frankreich aufgenommenen Anleihe für nicht viel mehr als für den Bedarf eines Vierteljahrs gedeckt gehabt. Es ist deshalb begreiflich, daß man allgemein die französische Anleihe mir als einen ersten Schritt auffaßte, dem bald weitere Schritte folgen müßten. Schon während die Verhandlungen über die Begebung der Schatzscheine noch schwebten, hat mau aus der Tatsache, daß deutsche Bankhäuser zu dem Übernahuiesvudikat uicht herbeigezogen wurden, den Schluß gezogen, daß die russische Regierung sich den deutschen Markt für eine weitere Anleihe freihalten wolle, nnd unmittelbar nach dem Abschluß der Verhandlungen mit der französischen GrnPPe berichtete,? einige s, Rußland. r-s-i? c^-i» r^, < c^.-i^---> < c---^< r-^, c^-->»r^-i, c---->i c-s-s, r---^? r!--v» r^-i» Blatter, das; Nußland schon Mitte Mai wegen einer weiteren Einission von Schahscheinen im Betrage von 30» Millionen Franken an ein deutsches Syndikat herantreten werde. Ähnliche Gerüchte wiederholten sich insbesondere im Juli zu der Zeit, als Herr v. Witte den deutschen Reichskanzler in Norderney besuchte: der Abschluß des deutsch-russischen Handelsvertrags wurde in unmittelbare Verbindung mit einer russischen Anleihe in Teutschland gebracht. Auch dieses Mal wurden bestimmte Zahlen, bald 4M Millionen, Haid 250 Millionen Mark genannt. Von russischer Seite sind diese Gerüchte stets prompt dementiert worden, mit dem Hinweis daraus, das; der Finanzver waltnng noch für längere Zeit hiuaus ausreicheude Mittel für die Deckung der Kriegslasten zur Verfügung ständen. Abgesehen davon mußte sowohl die Lage auf dem Kriegsschauplatz als auch vom September an der Stand des Geldmarktes Rußland veranlassen, eine weitere Ausländsanleihe solange wie möglich hinaus zu schieben. Tic Begebung vvn Rcntcibillcttcn. Dagegen hat Rußland im August, zum Zweck der Ergänzung seiner Barbestände, zur Aufnahme einer inneren Anleihe gegriffen. Durch eiueu Mas von, 30. Juli/12. Augnst 1904 wurde die Ausgabe von Renteibilletten in sechs Serien von se 25 Millionen Rubel, also im Gesamtbetrag von 15t) Millionen Rubel, angeordnet. Diese Renteibillette, die in der Hauptsache uuseru Schahanweisuugeu entsprechen, aber gleichzeitig in gewisser Beziehung die Eigenschaften eines Kassenscheins besitzen, sind eine Eigentümlichkeit des russischen Schuldeuweseus. Sie haben eine Laufzeit vou mehreren Iahren und sind mit einer mäßigen Verzinsung ausgestattet: gleichzeitig ist den Staatskassen nnd der russischen Reichsbank die Verpflichtung auferlegt, diese Billette zu ihrem Nennwert in Zahlung zu nehmen; auch bei >!autiousstelluugeu werde» sie zu ihrem Nennwert genommen. Von diesen Papieren war seit 1902 ein Betrag von 100,5 Millionen Rubel iu Umlauf, die ausschließlich zu 3 Prozent verzinslich waren. Die Bestimmungen über 150 Millionen Rubel neu zn emittierender Billette wichen in manchen Punkten von den bisherigen Bestimmungen ab. Ztatt einer 3prozentigen ist ihnen eine 3,6 prozeutige Verzinsung eingeräumt: sie sind mit halbjährlichen Zinsscheinen, gegen bisher jährliche, ausgestattet: die Linien der Billette unterliegen nickt der 94 Zweiter Teil. Die finanziellen Ariegsmaßnahmen, c^-v? c^v» i^i? r^-^ r^v? c^-i? r^-v? c^-i? r---i> r^v? r^-v c-^? 5-^? r^->? ^apitalrentensteneri ihr Betrag lautet auf 50 Rubel, statt wie bisher auf IVO Rubel. Alle diese Änderungen sind offenbar darauf berechnet, die Billette gangbarer zu machen. Tie Laufzeit der Billette wurde ans bier Jahre bemessen? nach deren Ablauf hat ihre Einlösung zu erfolgen, und zwar hat sich die Regierung in diesem Fall nicht, wie es bisher bei der Ausgabe von Renteibilletteii üblich war, das Recht vorbehalten, die Scheine uach Ablauf der Verfallzeit zu prolongieren. Das deutet auf die Absicht der russischen Regierung hin, die Billette nach Ablauf der vier Jahre entweder einzulösen oder durch eine langfristige Anleihe zu ersetzen. Die Unterbringung der Reutcibillete pflegte bisher im Wege des freihändigen Verkaufs dnrch die Filialen der Ncichsbank und die lokalen Nenteien zu erfolgen. Da die Papiere bei den Staats- uud Bankkassen zn ihrem Neunwerte iu Zahlung genommen werden, finden sie anch im Privatverkehr Annahme als Zahlungsmittel' wegen der ihnen eingeräumten Verzinsung scheinen sie sich namentlich im Innern Rußlands einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen. Die neue Emission ist bis zum Betrag von IVO Millionen Rubel von einem Petersburger Bankensyndikat übernommen worden, der Rest scheint im Wege des üblichen freihändigeu Verkaufs guten Absatz gefunden zn haben. Mit der Ausgabe dieser Renteilbillette wurden die der russischen Regierung vom Beginn des Jahres an für den Krieg znr Verfügung stehenden Mittel auf nahezu 750 Millionen Rubel gebracht. Bei einer Berechnung der monatlichen Kriegskosten ans 80 Millionen Rubel würde auch dieser Betrag kaum viel über den Monat Oktober hinaus haben vorhalten können. Tie von der russischen Negierung ausgehenden Mitteilungen dagegen besagten mit aller Bestimmtheit, daß die Kriegserfordernisse uuumehr für längere Zeit gedeckt seien. Der Petersburger „Regiernugsbote" kommentierte die Ausgabe der Renteibillette mit folgenden Ausführungen: „Nach dem am 13. Mai veröffentlichten Ausweis der Regierung über die ihr für Kriegszwecke zur Verfügung stehenden freien Summen betrugen dieselben zn Beginn des Kriegs über 3W Millionen Rubel. Inzwischen ist bis zum 16. August alleu Ressorts für Kriegszwecke ein Kredit von 257^ Millionen Rubel eröffnet worden. Tarans geht hervor, daß der Ertrag der Realisierung der 5 Prozen- tigeu Schatzscheiue, welche im Nominalbetrag von 899 Millionen Franken ausgegeben wurden, noch unberührt ist. Die eben angeordnete neue Anleihe wird dadurch erklärt, das; eine rechtzeitige Vervollständigung der Barmittel während des Krieges besonders wichtig ist und die Unterbringung der Serien einige Zeit beansprucht." Diese Aussühruugeu sind damals vielfach starken Zweifeln begegnet, da man der russischen Finanzverwaltnug uicht glauben wollte, daß sie im Mai die relativ ungünstigen Bedinguugeu der Schatzscheiu- emission in Paris akzeptiert haben würde, wenn ihr Geldbedarf wirklich so wenig driugeud gewesen wäre, daß der Erlös dieser Emission bis zur Mitte des August noch uicht habe augegriffeu werden müssen. Auch die Veränderungen in den Auslandsguthaben der russischen Reichsbank von Ende Mai an wurden gegen die Wahrscheinlichkeit der Mitteilung des „Regieruugsboteu" angesührt, wobei jedoch übersehen wurde, daß die Übertragung eines Teiles des Erlöses der Emission ans das Nenteiguthaben bei der Bank an sich noch keine Verausgabung zu Kriegszwecken bedeutet. In der Tat hat die russische Fiuauzverwaltuug nach der Aufgabe der Renteibillette im August sich im Laufe des Jahres 1994 nicht mehr veranlaßt gesehen, znr Aufnahme eiuer weitereu Anleihe im Jnlande oder Auslände zu schreiten. Die schon im Mai und Juui unmittelbar nach der Begebung der Pariser Anleihe von der russischen Negiernng offiziös abgegebene Versicherung, daß für den Lauf des Jahres 1994 Rußland den Kriegsbedarf ohne eine weitere Ausländsanleihe werde bestreiten können, hat sich mithin trotz aller Nnzweif lungen bewahrheitet. 4. Die Durchführung des Budgets und die Kriegs- ausgaben im Jahre 1904. Abgesehen von dem freien Bestaude der Neichsrentei siud sür die Kriegszwecke im Jahre 1904 nur die Anleibe-Erlöse zur Verfügung gestellt worden. Wenn wir oben den freien Bestand der Neichsrentei zn Beginn des Jahres 1904 nach Abrechnung des zur Balauzierung des normalen Etats zu leistenden Zuschusses auf 814 Millioueu Rubel berechnet haben, so hat sich dieser sür den Krieg rechnnngsmäßig znr Verfügung stehende Betrag durch die Pariser Anleihe um 262 Millio M Zweiter Teil. Die finanziellen Kriegsinaßnahmen. csi? r^-i? c^-i» r-t^i? c^i? c^-i? l?--^ c?S>? cü-^» 5--? r--5i? r-s? r^-i? r^-i? r^-i» c^-i? i^i--? c^i» neu Rubel und durch die Begebung derRenteibillette um 150Millionen Rubel erhöht, so daß sich der Gesamtbetrag der im Jahre 1964 für den Krieg verfügbare» Mittel auf 746 Millionen Rubel stellen würde. Diese Summe von 746 Millionen Rubel stellt jedoch mir eine rechnungsmäßige Größe dar? sie bezeichnet weder genau die exakte Größe der Mittel, die der Neichsrentei nach der tatsächlichen Ausführung des Etats zur Verfügung standen, noch auch den Betrag der den einzelnen Nessorts für die Zwecke des Krieges im Jahre 1964 angewiesenen Kredite. Die tatsächlich zur Verfügung stehenden Mittel ergeben sich — da sich der effektive Betrag des freien Barbestandes nach dem wirklichen Verhältnis der Einnahmen und Ausgaben des seweils laufenden Jahres bestimmt — erst aus den Rechnungsabschlüssen. In diesem Punkte steht die Ausführung des normalen Budgets für 1964 auch mit den für die Kriegszwecke verfügbaren Mitteln in direktem Zusammenhang. Der vorläufige Rechnungsabschluß für 1964 ergibt nnn für den ordentlichen Etat im Vergleich mit den, ursprünglichen nnd dem im März 1964 modifizierten Hanshaltsvoranschlag folgendes Bild: P v ran s ch l a g: Rcchn u » go - nrspninattchcr modifizierter avschlufi: lin Millionen Rubel) Ordentliche Einnahmen..... IM0 1980 2017 Ordentliche Au^aven..... i960 _1999_ 191» Einnahmeiiberschnfi ... 14 71 197 Die Durchführung des Budgets hat also im Jahre 1964 im Ordinarinm einen um 93 Millionen Rubel größeren Überschuß gebracht, als nach dem ursprünglichen Voranschlag vorgesehen war', die größere Hälfte der Differenz kommt auf Rechnung der Ausgabe- kürzuugeu, die kleinere auf Rechnung vn Mehreinnahmen. Dagegen haben im Ertraordinarium, nnf das in dem Rechnungsabschluß die Kriegsausgabeu verrechnet sind, die Ausgaben 863 Millionen Rubel betragen gegen 212 Millionen des ursprünglichen nnd 151 Millionen des modisizierteu Voranschlages. Von den Ausgaben kamen 162 Millionen Rubel auf den Bau vou Eiseubahuen, aus Darlehen an private Eisenbahngesellschaften usw., und 641 I. Rußland, 97 r^-i? lÄ«., c^? < r-i-? c-s^» i^-v» ^? r^s> trs? c^-i?r^->< i^-,, l^-,? c^-.? rs--.^ r^-i? Millionen Nudel auf die für die Zwecke des Krieges angewiesenen Kredite; von dieser letzteren Summe war jedoch ein Betrag von 141 Millionen Rubel Ende 1904 noch nicht verausgabt, sondern ist aus das Jahr 1905 übernommen worden. Tie effektiven Kriegsausgabeu des Jahres 1904 würden sich danach auf 50» Millionen Rnbel belaufen, und die durchschnittlichen monatlichen Kriegskosten würden sich für Rußland im Jahre 1904 auf nicht ganz 50 Millionen Rnbel gestellt haben, also auf deu Betrag, ans den bereite meine Schätzung in, Dezemberheft 1904 der „Marine-Rnndschau" sSeite 1303) hinauskam. Allerdings ist nicht zn verkennen, daß die .Kriegsansgaben sich im Laufe des Jahres 1904 erheblich gesteigert haben und daß sie — während sie iu den ersten Kriegsmonaten nicht unwesentlich hinter dem Durchschnitt zurückblieben — in den letzten Monaten des Jahres 1904 den Durchschnitt beträchtlich überschritten haben. Das ergibt sich mit Deutlichkeit aus der Verteilung der außerordentlichen Ausgaben des Jahres 1904 auf die einzelnen Monate. Von dein in dem Kassenabschluß aufgeführten Gesamtbetrag der außerordentlichen Ausgaben in Höhe von 803 Millionen Rnbel sind bis Ende 1904 effektiv zur Verausgabung gelangt 019 Millionen Rnbel, während der Rest einen noch offenen Kredit darstellte. Die Summe vou 019 Millionen Rubel verteilt sich folgendermaßen: Millionen Rubel Millionen Rubel Januar .... 11,7 Juli..... 5,6,3 Februar . . . 22,2 August .... 47,5, Mnr^ .... 10,2 September. . . 80.» April..... 42.2 Oktober. ... 71,8 Mai..... 36,0 November . . . 96,5 Juni , . . . . 40,7 Erstes Halbjahr 163,0 Zweites Halbjahr 45>6,2 Erstes Halbjahr.......163,0 Zweites Halbjah r......45>6,2 Zumme.....610.2 Setzt man 10 bis 12 Millionen Rnbel monatlich für die nicht mit dem Kriege znsammenhängenden außerordentlichen Ausgaben ab, so ergibt das letzte Drittel des Jahres 1904 eine monatliche Kriegsausgabe von 80 Millionen Rnbel und darüber. Hclffcrich, DnS Gcld im i'ussisch jlipcuiischcu .KrK'gc, ^ j)H Zweiter Teil. Die finanzielle» Anegsmaßnahmen, r--^ r^-is r-s^s c--^ c--^? i^-i? r-i-i? c--si< r-i-^ r-si? r-i-i? i^si? Für die Deckung der in der Hauptsache durch den Krieg bedingten sehr erheblichen außeretatmäßigen Ausgaben des Jahres 1904 standen zur Verfügung: 1. Der Überschns; dcS ordentlichen Etats..... 107 Millionen Nnbel, 2. Anleiheerlöse (SchatzbvnS und Rcntcibillette) ... 431 - - 3. Andere außerordentliche Einnahmen...... 3 - - 4. Der freie Barbestand der ReichSrentei zu Anfang des Jahres 1904............ 381 Zusammen . . 922 Millionen Rubel. Gegenüber den auf dem außerordentliche» Etat des Jahres 1904 verbuchte» Ausgabe n in Höhe von . 803 Millionen Rubel. ergibt sich somit für den Beginn des JnhrcS 1905 ein freier Rcstbestnnd von.......... 119 Millionen Rubel. 8. Der Haushaltsvoranschlag für 1903. Wenn wir uns nun zum Jahre 1905 wenden, so haben wir zunächst den normalen Hanshaltsvoranschlag, der die Kriegsausgabeu und ihre Deckung nicht enthält, einer Betrachtung zu unterziehen. Im Vergleich mit dem Vorjahre zeigt das Budget für 1905 folgendes Bild (in Millionen Rubel): I. Ordentlicher Etat. ^. Einnahmen. 1905 1904 Zu- bzw. Abnahme 1905 gegen 1904 "direkte Steuern...... 139,36 135,14 -I- 4,22 421,16 — 21,32 105.32 103.58 -l- 1.74 589,85 ->- 2,94 Staatsbesitztum und -Kapitalien . 579,99 560,95 -1- 19,04 Pcrönsterung von StantSbesitztum 0,56 0,54 0,02 AblösungSznhlnnge»..... 76,41 86,16 — 9,75 Ersatz vo» AuSgabcu der ReichS- 77,72 76,23 ->- 1,49 Perscliiedene Ei»»ahmen . . . S.0Ü 6,48 — 1.43 1977,04 1980,09 — 3,05 I, Rußland. gg i^-is r^»? r^i? i^-i? < rs-^» r^-is r--^? r-^? i^i? rs,, r^-^ r"^> b. Aus gab eil. 1905 l 904 Zu- bzw. Abnahme 1905 gegen 1904 Zahlungen sür die Ztaatoschnld . 303,02 289,30 -I- 13,72 Höchste Staatsinstitutionen . . 3,42 3,54 — 0,12 üiessort des Heiligsten Synods . 28,95 29.07 — 0,12 Ministeriuin des Kaiserlichen Hofes 16,13 16,13 ^ 0 - - Auswärtigen . , 5,70 5,95 — 0,25 - - Krieges.... 367,05, 360.76 -1- 6,29 - der Marine . . . . 116,64 112,47 -I- 4,17 - - Finanzen . . . 341,61 356,91 — 15,27 - - Landwirtschaft und der Domänen 47,33 47,33 ^ 0 - des Innern .... 108,60 107,01 -1- 1,59 - der VoltSaufllärnng , 43,07 42,57 -1- 0,50 - - Verkehrswege. , 448,30 448,67 — 0,37 HauptverwnltnngfürHandelSschiff- fnhrt und Hafcnwesen . . 12,35 12,64 — 0,29 49,85 51.00 — 1.15 RcichStontrolle....... 9,17 9,00 -1- 0,17 Hauptverwaltung des Neichs-Ge- stütSwescnS....... 1,83 1,87 — 0,04 Für den Fall der Preissteigerung von Proviant und Fnrage. . 3,00 3,00 ^ 0 I» dein Voranschläge nicht vorgesehene Ausgaben für besondere im Laufe deS JcchreS auftretende 10,00 12,00 — 2,00 1916,05 1909,22 -l- 6,83 II. Aiiszerurdentlichcr Etnt. a. Einnahmen 1905 1904 Zu- bzw. Abnahme 1905 gegen 1904 Ewige Einlage bei der RcichSbnnt 2.76 2,75 ^ 0 d. Alls gaben. Zum Bau der sibirische» Eisenbahn 11,78 17,15 — 5,37 Zum Ball anderer Eisenbahnen . 60,80 78,29 — 17,49 Zur Verabfolgnng von Darlehen an Privatgesellschaften zu Bnhn- 5,99 58,48 — 52,49 78,57 153,92 — 75,35 7* j^o Zweiter Teil. Die finanziellen Äl'icgsmaßnahmcu. c^v? ^ < c^-, ^ r?L7»? r^,^ c^,^ < c^Ä? r-LH? c^i? Es sind mithin im Schlußresultat für 1995 veranschlagt: die ordentlichen Einnahmen auf....... 1077,04 Millionen Rubel, die nufterordentlichen Einnahmen nuf..... 2,75, - _ zusammen , . . 1979,79 Millionen Rubel, die ordentlichen AnSgabeu ans....... 1916,05 Millionen Rubel, die außerordentlichen Auognbcu auf..... 78,57 - _ zusammen , , , 1994,02 Millionen Rubel, Mithin beträgt der Überschus; im ordentlichen Etat 00,99 - - Der Fehlbetrag im außerordentlichen Etat , . . 75,82 - - Der Fehlbetrag im Gesaintbudgct lauS dem Barbestand der ReickMeutci zu decken) .... 14,83 - - Gegenüber dem Voranschlag für 1994 zeigt das Budget für 1993 in den ordentlichen Einnahmen und Ausgaben verhältnismäßig geringe Abweichungen, Die Einnahmen sind um etwa 3 Millioueu niedriger, die Ausgaben um 6,8 Millionen Rubel höher veranschlagt, Größer sind die Abweichungen gegenüber den ordentlichen Einnahmen und Ausgaben, wie sie sich für 1903 auf Gruud des Berichts der Neichskoutrolle und für 199-l auf Grund des vorläufigen Kasseu- abschlusses stellen. 1905 Voranschlag 1904 vorl, Kassen- abschlus; 1903 Neicho- toutrolle Steigert Vcrmindei l?e 1904 ng bzw, 'ung 1905 gen 1903 Ordentliche Einnahmen Ordentliche Ausgaben . 1977 1916 2017 1910 2032 1880 — 40 ->- 6 — 55 -I- 30 Danach sind in begreiflicher Borsicht die Einnahmen für 1995 nicht uuweseutlich niedriger, die Ausgaben immerhin etwas höher veranschlagt, als den effektiven Ergebnissen der Vorjahre entspricht. Im einzelnen ist auf folgende Punkte besonders hinzuweisen: Von den Einnahmen sind in Berücksichtigung der wirtschaftlichen Einwirtnngen des Krieges niedriger veranschlagt vor allem die Zölle, was unter den Einnahmen ans den indirekten Steuern zum Ausdruck I, Rußland, 19, kommt, ferner die Ablösuugszahluugcn der Bauern, Eine grössere Cinnahmesteigerung ist bei den Betriebseinnahmen der Staatsbahue» vorgesehen, hauptsächlich in Rücksicht ans die günstigen Betriebsergebnisse und die gute Er»te des Jahres 1904, welch letztere auch sür die ersten Monate des Jahres 1995 noch einen erheblichen Frachteuverkehr versprach. Bei den Ausgaben des ordentlichen Etats sind die wichtigsten Veränderungen: der gesteigerte Bedarf sür den Dienst der Staatsschuld als notwendige Folge der Kriegsauleihen! ferner die Verminderung der Ausgaben des Finanzministeriums, die zum größten Teil auf einer Einschränkung der Subventionen an Eisenbahngesellschaften beruht. Ter wesentlichste Unterschied des Voranschlages für 1905 gegenüber demjenigen für die Vorjahre liegt in den außerordentlichen Ausgaben, die eine sehr beträchtliche Einschränkung zeigen. Auch hier werdeu iu erster Linie die Privatbahnen betroffen; die Ausgaben znr Verabfolgung von Darlehen an Privatgesellschaften zu Bahnkanten erfahren gegenüber dem Voranschlag für 1904 eine Verkürzung von 58,5 auf 6 Millioueu Rubel. Das Wachstum der Ziffer» des rusnschen Budgets, das in den letzten Jahren eine nnnnterbrochene Steigerung sowohl der Einnahmen als anch der Ausgaben aufwies, ist mit dein Voranschlag für das Kriegsjahr 1995 zum erstenmal unterbrochen. Ob trotz der vorsichtigen Veranschlagung der Einnahmen nnd der weitgehenden Beschränkung der Ausgaben die Einwirkungen des Krieges nnd vor allem anch der inneren Unruhen die Durchführung des Budgets nicht doch noch ungünstiger gestalten werden als den Voranschlag, muß natürlich abgewartet werden. Bis jetzt liegen lediglich vorlänsige 5!assen- ausweise für die erste» fünf Monate des Jahres 1995 vor. Nach diesen haben in den Monaten Jannar bis Mai die ordentlichen Einnahmen 787,7 Millionen Rubel, die ordentlichen Ausgaben 789,9 Millionen Rubel betrage». Die ersten fünf Monate zeigen mithin einen Uberschuß im ordentlichen Etat von nnr 1,7 Millionen Rubel, während der Voranschlag für das ganze Jahr 1995 mit einem Überschuß im ordentliche» Etat in Höhe von rund 99 Millionen Rubel rechnet. Daß trotzdem die Gestaltung der Einnahmen nnd AnSgaben im Ver- 102 Zweiter Teil. Die finanziellen Uriegsmaßncchmen. gleich mit den Vorjahren keineswegs ungünstig ist, zeigt die folgende Zusammenstellung: Aus diesen Ziffern geht hervor, daß in den beiden Vorjahre», trotz der im Endresultat vorhandenen erheblichen Überschüsse, die ersten siiiif Monate im ordentlichen Etat einen Fehlbetrag gebracht haben, während sie im Jahre 1905 einen allerdings nur minimalen Überschuß zeigen. Der Schwerpunkt der russischen Staatseinnahmen liegt in der zweiten Jahreshälfte. Von besonderer Bedeutung ist, daß die ordentlichen Einnahmen der ersten fünf Monate im Jahre 1905 diejenigen des gleichen Zeitraums der beideu Vorjahre noch etwas übersteigen, obwohl der Voranschlag für 1905 eine um 40 Millionen Rubel geringere ordentliche Einnahme vorsieht, als sie im Jahre 1904 nach dem vorläufigen Kassenausweis betrug, und eine um 55 Millionen geringere ordentliche Einnahme, als sie im Jahre 1903 durch die definitive Abrechnung nachgewiesen wurde. Zu berücksichtigen ist jedoch, daß das Einnahmeergebnis der ersten fünf Monate des Jahres 1905 zn einem allerdings nur geringfügigen Teil bedingt ist durch Steuererhöhungen, von denen noch zu sprechen sein wird, und durch die Einführung des Bra»ntwei»-Nerka»fsmo»opols in neuen Gebieten. Auf der anderen Seite haben die Zölle nud die Staatsbahnen eine Mindereinnahme gegenüber dem Vorjahre gebracht, letztere entgegen dem Voranschlag, der — wie oben erwähnt — gerade für die ersten Monate des Jahres 1901 mit einer Einnahme-- steigernng rechnete. Wie immer aber auch die Durchführung des normaleil Budgets für 1905 sich gestalten mag, soviel stand von vornherein fest, daß die russische Regierung aus der Durchführung dieses normalen Budgets auf Mittel für die Zwecke der Kriegführung nicht rechnen konnte. Der veranschlagte Überschuß des ordentliche» Etats wird nicht nnr durch Millionen Rubel ordentliche ordentliche Einnahmen Ausgaben ilberschus; l-i-) 1903 1904 1905 773,1 780,0 787,7 790,8 806,9 786,0 bzw. Fehlbetrag l.—) — 23,7 — 19,9 -i- >.7 I, Rußland. 103 c^-i? r-^-^ r-s» r-s? 5--^ c^-i? rS? c^i? c^>? cs? r^-^ i^!V< r-iSi? ^-i? die im außerordentlichen Etat angesetzten Ausgaben für Eisenbahu- banten usw. absorbiert, sondern zur Balanzierung des Gesamtbndgets niuß nach dein Voranschlag noch für einen Betrag von 15 Millionen Rubel der Barbestand der Reichsrentei in Anspruch genonunen werden. Daraus ergibt sich freilich nicht, wie manche überscharfe Kritiker behaupten, daß die russischen Finanzen in einem schlechten Stande sind; denn kein großer Staat in der ganzen Welt bestreitet seine außerordentlichen Ausgaben für dauernde und produktive Anlagen, wie Eisenbahnbanten, ganz und gar aus den Überschüsseu des ordentlichen Etats; überall wird für solche Zwecke auf außerordentliche Decknngsmittel, insbesondere auf Anleihen, zurückgegriffen. Wir im Deutschen Reich, die wir seit Jahren den ganzen Betrag der außerordentlichen Ausgaben, die sich keineswegs auf die Kosten für dauernde und produktive Aulageu beschränken, aus Anleihen bestreiten, darüber hinaus das Defizit verflossener Rechnungsjahre aus Anleihe- mitteln decken und „Zuschußanleihen" sür die Begleichung eines De- sizits im ordentlichen Etat schon in den Hanshaltsvoranschlag einstellen, habeu am allerwenigsten Grnnd, unsere sinanzpolitische Kritik gegen Rußland zu richten. Aber wenn anch an sich die Notwendigkeit des Zurückgreifens auf außerordentliche Deckungsmittel für einen immerhin uur geringfügigenTeil der anßerordentlichenAnfwendnngen kein ungünstiges Symptom ist, so steht doch fest — und darauf kommt es für uns hier an —, daß die für den Krieg verfügbaren Mittel durch das normale Budget für 1905 keine Vermehrung erfuhren, sondern daß Rußland sich von Anfang an genötigt sah, die für 1995 benötigten Mittel abseits des normalen Haushaltsvoranschlages zn beschaffen. 6. Die Geldbeschaffung für den Krieg im Jahre 1905. ». Die verfügbaren Mittel ;u Anfang des Jahres M5. Ehe wir uns ein Bild von der Geldbeschaffung für den Krieg im Jahre 1905 machen, haben wir uns Rechenschaft von dem Stande der zu Aufang des Jahres 1905 für die Kriegszwecke freien Mittel zn geben. Nach dem vorläufigen Kassenabschluß für das Jahr 1904 resultierte aus der Einnahme- und Ausgabewirtschaft dieses Jahres, wie oben berechnet: 10^. Zweiter u.cil. Die finanziellen Kriegsmusmahmeu. Ein freier Bestand der Reichsrcntci iin Betrage von . 119 Millionen Rubel. ?avon ivareu zn entnehmen zur Balnnzicrung des Budgets für 1!>N'>........ . . . . 15 _ Es vervlieben mithin frei..........104 Millionen Rubel. ;',u dieser Summe trat hinzu der noch nicht verausgabte Betrug der im Jahre 1904 angewiesenen KriegS- tredite mit.............. 141 _ Insgesamt standen also zu Ansang des Jahres 1905 für Kriegszwecke zur Verfügung.......24S Millionen !>inbel. Wenn man die monatlichen Kriegskosten für das Jahr 1905 auf 80 bis 90 Millionen Rudel veranschlagt, was nach den oben angegebenen Anhaltspunkten gerechtfertigt ist, so würde der Betrag von 245 Millionen Rnbel fiir 2^ bis 3 Monate ausgereicht haben. Daneben waren allerdings die größeren Barbestände der russischen Reichsbank vorhanden, die — wie wir sehen werden — im Laufe des Jahres 1904 nicht nnr intakt geblieben waren, sondern sogar eine Vermehrung erfahren hatten. Aber die russische Finanzverwaltnng hatte ja bereits in den ersten Monaten des Krieges den Gedanken einer Inanspruchnahme der Bankmittel für die Kriegszwecke zurückgewiesen, mit der Begründung, daß es die Klugheit, vor allein in Kriegszeiten, gebiete, die verfügbaren Mittel nicht zn erschöpfen und den von der Solvenz der Bank in erster Linie abhängigen Bestand des Geldsystems nicht in Frage zn stellen. Trotz aller Anzweiflung der Aufrichtigkeit der damals ausgesprochenen Grundsätze hat die russische Finanzverwaltnng sich auch im weiteren Verlaufe des Krieges streng nn dieses Prinzip gehalten. Neben dem Grundsatze der möglichsten Schonung der Bank hat die russische Finanzpolitik als zweites Prinzip die rechtzeitige Vervollständigung ihrer Barmittel aufgestellt. Sie hat dieses Prinzip — gleichfalls unter starker Anzweiflung der Aufrichtigkeit ihrer Erklärungen — im Angnst 1904 angewendet, als sie zu der Ausgabe der 130 Millionen Rnbel in Renteibilletten schritt, während ihr au? der ini Mai in Paris aufgenommenen Anleihe mindestens noch sehr erhebliche Beträge zur Verfügung standen. Tnß dem in der Tat so war, hat sich aus dem weiteren Verlans der Dinge gezeigt. Die russische Regierung hat nicht nur ihre Versicherung, daß sie den Kriegsbedarf für 1904 ohne weitere auswärtige Anleihe werde bestreiten können, wahr gemacht, sonder» sie hat — wie oben gezeigt wurde — in das nene Jahr noch erhebliche Mittel heriibergenonunen. Wenn sie aber dein vernünftigen Grnndsatze der rechtzeitigen Vervollständigung ihrer Mittel tren bleiben wollte, dann tonnte sie den Abschluß einer nenen Geldbeschaffung kaum über die Jahreswende Hinansschieben. il>. Steueverhöhungen. Von den znr Geldbeschaffung i» Kriegszeiten möglichen Wegen hatte im Jahre 1904 die russische Regierung nicht nnr ans den Weg der Inanspruchnahme des Kredits der Zentralbank, sondern auch — mit geriugfiigigeu Ausnahmen — ans den Weg der Einnahmesteigerung durch erhöhte Besteuerung verzichtet. Rußland hat im Gegenteil im Jahre 1904 der Notlage seiner bäuerlichen Bevölkerung dadurch Rechunng getragen, daß bei Gelegenheit der (Geburt des Thronfolgers umfangreiche Rückstände von Steuern und Ablösnngs- zahluugeu erlassen worden sind. Die einzigen Einnahmeerhöhnngen, die bereits im Jahre l9v-l beschlossen wnrden und deren finanzielle Wirkung in dem Voranschlag für 1995 bereits berücksichtigt ist, wareu eine geringfügige Erhöhung der Gewerbesteuer und der Steuer auf städtische Immobilien mit einem ans se 3 Millionen Nnbel veranschlagten Mehrertrage, ferner die Erhöhung gewisser Gütertarife uud der Persouentarife im Vorortverkehr mit einem auf li Millioueu Rubel verauschlagteu Mehrertrage. Die Gründe, welche die russische Fiuanzverwaltung bestimmten, so lange wie möglich mit einem Anziehen der Steuerschraube zurückzuhnlteu, und ebenso die Gründe, die schließlich trotz aller Bedenken die russische Negieruug zu umfangreicheren Steuererhöhungen veranlaßten, wurde» im April 1995 in der „Handels- »»d Jndnstriezeitung", dem offiziösen Organ des Mnanznniüsters, folgendermaßen dargelegt: Zu Anfang des Krieges habe man geglaubt, in Rücksicht auf den kaum eiugetreteueu Gesuuduugsprozeß der russischen Volkswirtschaft nach der in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts hereingebrochenen Krise Stenererhöhungen vermeiden zu können. Diese Hoffnung sei jedoch nicht aufrecht zu erhalten, da ohne eine Erhöhung der Besteuerung die infolge des Krieges stark anwachsende Verschuldung Rußlands das Gleichgewicht des Neichsbudgets zu zerstören - _,__ ^ 10g Zweiter Teil. Die finanzielle» Rriegsinaßnahme». drohe. Von neuen Stenern solle abgesehen werden, die Regierung beschränke sich auf die Erhöhung der bereits bestehenden Steuern', dabei falle erschwerend ins Gewicht, daß die Steuerschraube in Rußland ohnehin schon sehr kräftig angespannt sei. Die vorgenommenen Steuererhöhungen sind folgende! Eine Steigerung der Abzüge von den Beamtengehältern! Erhöhung der Erbschafts- und Schenkungssteuer: „ Akzisen von Bier, Hefe und Zündhölzern', „ Abgabe von schweren Brennöleu-, Einführung einer Akzise von Naphtha-Schmierölen. Der Ertrag dieser Steuererhöhungen wurde auf 18—21 Millio- uen Rubel geschätzt. Seit Anfang des Jahres 1903 war ferner eine Erhöhung der Verkaufspreise für fiskalischen Branntwein vorgenommen worden, aus der man einen Mehrertrag von 25 Millionen Rnbel pro Jahr erwartet. Als bevorstehend angekündigt wurde schließlich eiue Erhöhung der Stempelsteuer und gewisser Gütertarife mit einem Mehrertrag von 8>/2 Millionen Rnbel. Rechnet man den Mehrertrag der bereits im Jahre 1901 vorgenommenen Stenererhöhnugen mit 12 Millionen Rnbel hinzu, so ergibt sich eine Einnahmesteigernng von etwa 65 Millionen Rnbel. Dieser Mehrertrag soll in erster Linie zur Deckung für den Dienst der damals bereits aufgenommenen nnd noch aufzunehmenden Kriegsanleihen dienen, ist also für eine unmittelbare Bestreitung von Kriegsansgaben nnd als Vermehrung der dem russischen Finanzminister zu Kriegszweckeu zur Verfügung stehenden Mittel nicht in Rechnung zn stellen. Deshalb konnte sich die russische Finanzvcrwaltung mit dieser Maßnahme unmöglich begnügen. Auch im Jahre 1905 mußten die Mittel für den Krieg in der Hauptsache durch neue Anleihen beschafft werden. l'. Me Aviegsanleihen des Iahres ^05. Die Berliner Anleihe. Die schon unmittelbar nach dem Abschlüsse der Pariser Anleihe im Mai vorigen Jahres verbreiteten Gerüchte, die von Rußland auf- I, Rußland, 107 i2-^r---^r5--»r^-^K^k--^r---^r---i?k--^K-^ genommene Summe in Höhe von 800 Millionen Franken sei nur eine erste Rate der geplanten russischen Anleihen und es werde in kürzester Zeit eine zweite Anleihe in Teutschland folgen, sind anch in den folgenden Monaten trotz aller Dementis nur zeitweise verstummt, schon deshalb, weil man — wie oben erwähnt — fiir das Jahr 1904 allgemein die russischen Kriegskosten erheblich überschätzte und weil man sich für den Zeitpunkt, bis zu welchem Nußland mit feinen verfügbaren Mitteln zu Ende sein werde, einen beträchtlich zu frühzeitigen Termiu berechnete. Im November 1904 verdichteten sich die Gerüchte dahin, daß der Abschluß einer Anleihe von 1300 Millionen Franken bevorstehe, von der 500 Millionen in Deutschland und 800 Millionen in Frankreich begeben werden sollten (Rentermeldnng von, 25, November 1904). Ob tatsächlich damals Verhandlungen auf einer solchen Grundlage mit einer Pariser Finanzgrnppe schwebten, ist nicht zuverlässig bekannt. Ein Abschluß mit einer französischen Gruppe ist jedenfalls nicht erfolgt, und auch mit einem deutschen Konsortium sind erst in den letzten Tagen des Jahres 1904 Abmachungen getroffen worden. Bei der Anspannung, in welcher sich die europäischen Geldmärkte regelmäßig im letzten Drittel des Jahres befinden, und bei der Erleichterung, die man ans Grund der Erfahrung alsbald nach der Jahreswende erwarten darf, konnte man von vornherein annehmen, daß die russische Finanzverwaltung die Emission einer neuen Anleihe nach Möglichkeit auf die Zeit nach dem Jahreswechsel verschieben würde. Es war, wie wir sehen werden, vor allem der günstige Stand der russischen Reichsbank, der dem russischen Finanzminister gestattete, für die Aufnahme einer neuen Ausländsanleihe in Ruhe die im Ja- nnar regelmäßig wiederkehrende Erleichterung des Geldmarktes abzuwarten. Die neue, mit 4i/>prozentiger Verzinsung ausgestattete Anleihe wurde mit einer deutscheu Gruppe unter Beteiligung der größeren russischen Bankeil und eiues Amsterdamer Baukhauses abgeschlossen. Die deutsche Gruppe bestaub aus den Bankhäusern Mendelssohn u. Co., S. Bleichröder, der Diskonto-Gesellschaft und der Berliner Handelsgesellschaft. Die Titres der Anleihen lauten außer auf Reichs^ mark auch auf holländische Gulden und Pfund Sterling. Der Gesamtbetrag wurde auf 500 Millionen Mark 231,5 Millionen 108 Aiveitcr Teil. I>ie finanziellen Rricgsmasjnahmcn, c-^? i?--^ c^-v» c-si? r^Zi? c^-i? c?^? issi? r-s» c---^? c-«.? c^-i? r>.rs? r^sis Rubel festgesetzt. Davon sollte jedoch zunächst nur ein Teilbetrag von W4 Millionen Mark in Deutschland, Rußland und Holland zur Zeichnung aufgelegt werden. Ter Rest ist Wohl unter der Hand begeben worden. Im (Gegensatz zn der in? Mai 1904 in Paris aufgenommenen Anleihe, siir welche die Form von kurzfristigen Schatzanweisungen gewählt worden war, stellt die in Deutschland und Holland anfgenom- mene Anleihe eine sogenannte „konsolidierte Anleihe" dar. Aber auch als konsolidierte Anleihe war sie ein neuer, den Erfordernissen des Augenblicks und den Verhältnissen des Geldmarktes angepaßter Typus. Den Besitzern der Anleihe steht nämlich das Recht zn, zuerst nach Ablauf von 6 Jahren (am 1. Januar 1911) und dann nach Ablauf von 9 Jahren (am 1. Januar 1914) zu kiindigen, worauf ein halbes Jahr später (am 1. Juli 1911 bzw. am 1. Juli 1914) die Rückzahlung der Titres zu pari zu erfolgen hat. Die russische Negierung dagegen hat ihrerseits auf Rückzahlung und Konvertierung bis Ende 191K verzichtet. Falls die Negierung eine Kündigung oder Kou- versiou nicht vornimmt, ist der von den Inhabern der Titres nicht gekündigte Rest der Anleihe von 191(i au zu amortisieren; die Amor- tisationsqnote ist ans 9,227 Prozent festgesetzt, und die planmäßige Tilgung erfolgt bis znm Jahre 1985. Die Käufer der Anleihe haben mithin die doppelte Chance, bereits nach (i Jahren den Gegenwert für die unter pari begebene Anleihe zu pari zurückzuerhalten oder für 12 Jahre die relativ hohe Verzinsung von 4>/> Prozent zu genießen. Die Anleihe kombiniert also für die Besitzer die Vorteile kurzfristiger Schatzanweisungen und einer konsolidierten Anleihe. Der russische Staat allerdings muß damit rechnen, daß ihm die Anleihe nach K Jahren nnr dann gekündigt werden wird, wenn seine sinanziellen Verhältnisse sich bis dahin noch nicht soweit gebessert haben, daß die Anleihe über pari steht, nnd daß er im entgegengesetzten Falle genötigt sei» wird, die relativ hohe Verzinsung von 4^ Prozent für volle 12 Jahre zu gewähren. Vermittels dieses Zugeständnisses suchte die russische Finanzverwaltnng ihrer neuen Anleihe einmal einen günstigen Begebnngsknrs und eine willige Aufnahme zn sichern und anderseits einen Knrsdrnck auf die konsolidierten Anleihen älteren Datums zu vermeiden. Im übrigen genießen die Besitzer der Anleihe uugefähr dieselben Rechte, wie diejenigen der Schatzanweisnngen von 1994: Die Titres I, ^»,;Kn>!>. 109 l-^-i? cs? 5^, c r-s>> r^-i? ^V r^-v» IS.-,^ 1^»-,, r---i? c^?< r-L-i? ^ > c!--^ ? r^-i? c!-^? c-Si? c^-i? sind Von jeder russischen Steuer auf Zins- und Kapitalzahlungen befreit nnd sind bei allen Lieferungen an die Krone und bei der Sicherstellnng von Akzise- nnd Zollzahlungen als Kaution anzunehmen. Der Emissionsknrs der Anleihe wurde auf 95 Prozent festgesetzt. Für die Begebung wurde ein eigeues Garantie-Konsortium ge gründet. Nach Abzug der Provision für dieses und siir das Über- »ahmesynditat stellte sich der Reinerlös sür die russische Negierung auf 99^ Prozent. Danach stellt sich die effektive Verzinsung der neuen Anleihe fiir denjenigen, der sie zu 95 gekauft hat, einschliesslich des mit der Pari- rückzahlnng nach 6 Jahren verbundenen Gewinnes, auf etwa 5,6 Prozent i>v-' ^nnuin und bei einer Paririickzahlnng erst nach 12 Jahren auf etwa 5,2 Prozent, während die effektive Verzinsung bei der 5pro- zentigen Pariser Schatzschein-Anleihe, die im Mai 1904 zu 99 ausgegeben worden war, den Zeichnern eine 5,25prozentige Verzinsung (nuter Berücksichtigung der Parirückzahlung uach 5 Jahren) gebracht hatte. Für die russische Regierung stellte sich die effektiv zu leistende Verzinsung der Berliner Anleihe bei einer Paririickzahlnng am 1. Juli 1911 auf 6,6 Prozent und bei einer Paririickzahlnng am 1. Juli 1917 auf 5,8 Prozent, während sich die effektiv zn leistende Verzinsung bei der Pariser Anleihe ans 6,2 Prozent gestellt hatte. Die Berliner Anleihe war abgeschlossen unmittelbar vor dem Fall von Port Arthur, der die Aussichten Nußlands, militärisch die Oberhand zu gewinnen, erheblich verringerte. Obwohl die Nachricht die Stimmung der Kapitalmärkte stark beeinflußte, konnte die Anleihe ohne Schwierigkeit zu dem in Aussicht genommenen Begebnngs- kurse untergebracht werden, so daß sich das Garantiekonsortiuni schon wenige Tage nach dem Beginn der Subskription auslöste. Wie stark die Anleihe überzeichnet wnrde, ist nicht bekannt geworden, da die Emissionshänser beschlossen, von einer Publikation des Zeichnnngs- ergebnisscs Abstand zn nehmen. Der „Berliner Börsencouricr" vom 16. Januar 1905 billigte diesen Beschluß mit der Motivierung, daß „die riesige Ziffer, welche das Gesamtresultat der Zeichnnngen ergibt, in manchen Kreisen irrige Vorstellungen erwecken würde". Man mag ein Fragezeichen hinter diese Erklärung setzen! aber jedenfalls ergeben die Zuteilungen auf die Zeichuungen, daß in der Tat eine mehrfache Überzeichnung stattgefunden haben muß. Hl) zweiter Teil. Die fiiicinzicllcn Rriegsmaßiiahmcn, Aus der Begebung der Berliner Anleihe im vorläufigen Betrag von 15V Millionen Rubel flosseu der russischen Finanzverwaltung bei einem Nettoerlos von 90>X> Prozent ruud 135 Millionen Rubel zu, ein Betrag, der in Anbetracht der hoheu Kriegskosten nur etwa 1^/> Monat vorhalten konnte. Auch weuu man deu Betrag um den Erlös aus den weiteren 8V Millionen Rubel erhöht, die von dein genehmigten Gesamtbetrag der Anleihe in Höhe von 231,5 Millionen Rnbel,verblieben, so war damit fiir Rußland uicht die Notwendigkeit beseitigt, sich alsbald uach weiteren Geldquellen umzusehe». Erncbnisliise Aulcihcvcrhnndlungen mit Frankreich. Die Gerüchte darüber, daß mit französischen Finanziers wegen einer nenen Anleihe weiter unterhandelt werde, erhielten sich auch uach dem Abschluß mit dem deutschen Konsortium mit großer Hartnäckigkeit. Es mag sein, daß damals die Petersburger Arbeiter- nnrnhen das Zustandekommen einer Einigung erschwert haben. Anfang März meldete die Presse, daß der Abschluß einer in Paris zu begebenden russischen Anleihe unmittelbar bevorstehe. Nach einer Darstellung der „Neuen Freien Presse" vom 9. März 1905 soll Rußland zuerst von dem französischen Konsortium die Übernahme einer Anleihe im Betrag von 1000 Millionen Franken verlangt haben, während das Konsortium uur 50V Millionen Franken — und auch davon nur die Hälfte fest, die andere Hälfte auf Optiou — übernehmen wollte; ferner habe das Konsortium deu russischen Vorschlag einer konsolidierten Anleihe abgelehnt und dafür 5prozentige Schatzscheine mit 7jähriger Laufzeit gewünscht. Das Blatt fügte Hinz«, die Vertreter der französischen Finanzgruppe hätten der russischen Regierung keinen Hehl aus der in Frankreich herrschenden Stimmuug gemacht, daß das französische Publikum uach Beginn der Friedensverhand- luugeu mit Enthusiasmus die Anleihe zeichnen werde! andernfalls werde das Publikum auch subskribieren, aber ohne Enthusiasmus, und das werde sich in den Ziffern des Auleihehetrages nnd des IIbernahmekurses ausdrücken. Am 11. März glaubte die „Frankfurter Zeitung" deu Abschluß der Anleihe melden zu können. Der Betrag sei ans 6VV Millioneil Franken normiert, wovon die eine Hälfte von der französischen Gruppe fest, die andere auf Optiou übernommen werde. Die Anleihe sollte in I, Rußland. III r^-i? r^-s» r-^i? r^-i? i^-i ^ r^-i? ri^, ? i^si? c^i? c^i? r^^? r^-i? der Form von 5prozentigen Schatzscheinen niit jähriger Laufzeit ausgegeben werden. Aber schon wenige Tage später, am 14. März, brachte das Wölfische Telegraphenbnreau ans Petersburg die Nachricht, daß zwischen den Delegierten der französischen Finanzinstitute und dem russischen Finanzminister in betreff der Anleihefrage eine Verständigung nicht habe erzielt werden können nnd das; die Anleihe deshalb verschoben worden sei. Das Scheitern der Verhandlungen wurde darauf zurückgeführt, das; eiue Einigung über den Übernahmeturs uicht zu erreichen war. Von wesentlicher Bedeutung war Wohl der Ausgang der Schlacht bei Mulden, der in französischen Kapitalistenkreiseu große Beuuruhiguug hervorrief. Die Ungewißheit über das Schicksal der ganzen russischen Mandschnrei-Armee, mit deren gäuzlicheu Zertrümmerung man nach den ersten Nachrichten über den Ausgang der zehntägigen Schlacht rechnen mußte, ferner die Ungewißheit über die weiteren Absichten der russischen Regierung hinsichtlich der Fortsetzung des Krieges ließen den Zeitpunkt für die Übernahme eiuer ueueu russischen Anleihe so uugüustig wie möglich erscheinen. Dazn kam, daß unter dem niederschmetternden Eindruck der russischen Mißerfolge die mich in Frankreich fchon immer vorhandene Agitation gegen den russischen Staatskredit einen fruchtbaren Boden fand. Gerade iu jcucr Zeit, am 15. März, erschien in der „Revne" ein viel beachteter Aufsatz unter dem Titel „Wie retten wir uusere ueun Milliarden?", von dem schon tagelang vorher Aushängebogen an die Presse gegeben worden waren. Die erste innere Anleihe von 1W5. Nachdem die Verhandlungen über eine in Frankreich nnterzn- bringende Anleihe wenigstens vorläufig als gescheitert anzusehen waren, blieb der russischen Finanzverwaltung nicht allzuviel Zeit für die Beschasfuug ueuer Mittel. Wie stark die verfügbaren Bestände damals durch den Krieg bereits aufgebraucht warcu, ergibt sich daraus, daß das Guthaben der Nentci bei der russischen Reichsbauk, das am 1./14. Januar 1905 noch 154,8 Millionen Rubel betragen hatte, sich am 1./14. März nnr noch auf 25,9 Millionen Rubel stellte. Allerdings stehen der russischen Finanzverwaltung außer dem Guthaben bei der russischen Neichsbank noch andere Bestände zur Verfügung, z. B. die Barvorräte der staatlichen Kassenverwaltung und die Gnt- 112 Zweiter Teil. Die fmaniiellen Ariegsmasziuchmen. l^v, c^-i? l^i? ü--^? c--^ c--^? » r^-i? r^? ^-i? r^-i» I^L,? r^si? haben im Allsland. Aber immerhin kann man den Stand des Bankguthabens als ein Syluptom für den Stand der Gesamtheit der für die rnssische Finanzverwaltnng verfügbaren Mittel nnfehen. Eine beträchtliche Erschöpfung dieser letzteren ergibt sich für Mitte März 1905 auch aus einer Vergleichnng der Kriegsansgaben mit den für Kriegszwecke freien Geldern. Läßt man die 141 Millionen Rubel, die von den bereits angewieseilen Kriegskrediten Ende 1904 noch nicht verausgabt waren, außer Ansatz uud schlägt man zu den 104 Millionen Rubel, die au freiem Barbestand nach Abzug des Defizits des normalen Budgets Aufaug 1905 vorhanden waren, den Erlös der Berliner Anleihe mit etwa 21V Millionen Rubel hinzu, so erhält mau eine verfügbare Summe von 314 Millionen Rubel, die für uicht viel mehr als drei Kriegsmonate ausgereicht habe» dürfte. Unter diesen Verhältnissen sah sich die russische Finanzverwaltnng genötigt, auf den inneren Geldmarkt zurückzugreifen. Diesen hatte man bisher aus den Gründeu, die ich oben angedeutet habe, uach Möglichkeit geschont und im Laufe des Jahres 1904 nur mit der Emission von 150 Millionen Rubel 4jähriger Renteibillette belastet. Nunmehr ließ sich jedoch eine Jnansprnchnahme des inneren Marktes nicht mehr länger umgehen, wenn man nicht bei der Bank einen Vorschuß aufnehmen wollte. Zn dem letzteren Austuuftsmittel bestand aber auch jetzt noch keinerlei Neigung. Die rnssische Finanzverwaltnng trat zwar energisch allen Zweifeln an der Nichtigkeit ihrer Angaben über den Goldbestand der Reichsbank entgegen: der Finanz- minister lud sogar den Redakteur der „Times", die einen Artikel von L u r i e n Wo lf gebracht hatte, in dem der Goldbestand der russischen Reichsbank mit deni Geldschrank der Familie H u m bert verglichen war, zu einer Besichtigung und Nachprüfung des Goldbestandes ein. Aber ebenso energisch dementierte der Finanzminister alle Ausstreuungen darüber, daß er nunmehr genötigt oder gewillt sei, den Kredit der Neichsbauk in Anspruch zu nehmen und zu diesem Zwecke eventuell die Einlösung der Banknoten zu suspendieren. Der Appell an den innern Markt gewann Gestalt in der Emission einer inneren steuerfreien öprozentigen Anleihe im Betrage vou 200 Millionen Rubel. Die Anleihe ist vor dem Jahre 1917 uuküudbar und nnkonvertierbar. Die Amortisation hat innerhalb von 49 Jahren I. Rußland. 113 c^si? r----5? r^-i? i^-i? r^?i? r^-? r!--^ r-i-^? rü-i? r^?>^ c^^> r?-!?ii i^i? rü-^» c^^i? r^->! cs? zu erfolgen. Der Vertrag ivegen libernahnie von 150 Millionen Rubel dieser Anleihe wurde mit deu großen russischen Banken wenige Tage nach dem Abbruch der Verhandlungen mit der französischen Finanzgrnppe abgeschlossen: die Banken verpflichteten sich zur festen Übernahme von IM Millioneu Nnbel, ans 50 Millionen behielten sie sich die Option vor. Die restlichen 50 Millionen Rubel wurden von den Sparkassen übernommen. Die Banken haben jedoch die Option für 55 Millionen Rubel ausgeübt, so daß auf die Sparkassen nnr 43 Millioueu Rubel kamen. Die öffentliche Subskription fand am 19. März alten Stils statt. Der EmissionsknrS wurde auf 96 Prozent festgesetzt; der Übernahmekurs wurde auf 94 Prozent angegeben. Die russischen offiziösen Zeitungen taten ihr möglichstes, um der Anleihe eine günstige Aufnahme zu sichern. Mau wies auf die erfolgreiche Unterbringung der inneren Anleihen in Japan hin nnd forderte die russischen Kapitalisten auf, uicht mir ihren eigenen pekuniären Vorteil zu verfolgen, sondern durch massenhafte Zeichnung eine große patriotische Manifestation zu veranstalten. Die Zeichnnngs- resultate sind uicht bekannt geworden. Aus der Tatsache jedoch, daß die Banken für einen größeren als den ursprünglich verabredeten Betrag die Option ausübten und daß sie sich späterhin bereit fanden, den Sparkassen einen erheblichen Teil des von diesen übernommenen Anleihebetrags abzunehmen, kann man schließen, „daß diese Anleihe sich fortgesetzt guter Nachfrage im Publikum erfreut". („Frankfurter Zeitung" vom 8. Juli 1905.) Für die Inhaber der Titres bringt die neue Anleihe nnter Voraussetzung der Parirückzahlung im Jahre 1917 bei dein Emissionskurs vou 96 Prozent eine effektive Verziusuug von 5,5 Prozent, während sie den Fiskus bei dem Übernahmekurs von 94 Prozent mit einer effektiven Verzinsung von 5,85 Prozent belastet. Bei einem Vergleich mit der höheren Rentabilität der im Januar iu Deutschlaud begebenen Anleihe muß mau für die letztere diejeuige Verziusuug zugrunde legen, die sich bei einer Parirückzahlung am 1. Juli 1917 ergibt (siehe oben S. 109). Ter effektive Zinsertrag für die Obligationeninhaber erscheint demnach bei der inneren russischen Anleihe nin 0,3 Prozent größer als bei der im Januar iu Teutschland emittierten, während die effektive Zins- belastnng des Staates nahezu die gleiche ist. Hclsfcrich, Tcis Gcld im rnssisch-jnpmiischm .Üncgc, ^ 114 Zweiter Teil. Die finanziellen Rricgsmasinahmen, r^v^ r-L? i?---.'? c^s>, r-si? r^-i? c-^t c-^» c-Li? c^-i? r-si? c^-i? Das Ergebnis der Anleihe reichte aus zur Deckung des Geldbedarfs von nicht mehr als zwei Kriegsinonaten. Auch bei dieser (Geldbeschaffung konnte es mithin nnr fiir kurze Zeit seiu Bewenden haben, und die russische Finanzverwaltnng mußte ans neue Auskunftsmittel Bedacht nehmen. Schatzwcchsel. Für eine neue.Kreditoperation konnte der inländische Markt, da man diesen soeben erst für einen im Verhältnis zu seiucr Leistungs- fähigkeit in diesen schwierigen Zeiten recht erheblichen Betrag in Anspruch genommeu hatte, nicht in Betracht kommen. Auf den ausländischen Märkten bestanden andrerseits die Schwierigkeiten fort, die im März zum Scheitern der Verhandlungen mit den französischen Finanziers geführt hatten. Zwar meldeten die Zeitungen von Zeit zu Zeit, daß diese Verhandinngen nicht abgebrochen, sondern nnr vertagt worden seien! gelegentlich wurde auch von ihrer Wiederaufnahme und von einem nahe bevorstehenden Abschluß berichtet; unmittelbar vor der Seeschlacht in der Tsushima- Straße scheint mau in der Tat einer Einigung nahe gewesen zu sein — auf der Basis einer Sprozentigcn Anleihe uud eines Übernahme- kurses vou 88 Prozent") —, aber die Katastrophe der russischen Flotte hat auch diesen erneuten Versuch zum Scheitern gebracht. Möglicherweise hätte Rußland trotz des unglücklichen Verlaufs der militärischen Operationen eiue weitere große Auslandsanleihe zn annehmbaren Bedingungen erhalten, wenn es sich zur Verpfändung oder zum Verkauf eines Teiles seiner Staatsbahnen an das eine oder andere ausländische Konsortium entschlossen hätte. Aber alle Behauptungen, daß die russische Finanzverwaltnng auf Anregungen dieser Art eingegangen sei, wurden stets prompt dementiert. In der Tat hat der Verlauf der Dinge gezeigt, daß die russische Fiuanzverwaltuug noch über andere Auskunftsiuittel verfügte uud daß sie uicht zur Verpfändung oder Veräußerung von Staatseigentum zu greifeu brauchte. Schou Mitte April verlautete, daß Rußland vom Auslande neue Mittel erhalten habe; zunächst wurde behauptet, es handle sich nm Vorschüsse französischer Banken in Verbindung mit "1 Vgl. Frankfurter Zeitung vvin 24. Mai 1905. I, Rußland, 115 dem bevorstehenden Abschluß der Anleiheverhandlnngen; dann aber stellte sich heraus, daß eine ganz neue und selbständige Finanzoperation der russischen Regierung vorlag! die Begebung von 5pro- zentigen Schatzwechseln mit ueunnionatlicher Laufzeit im Betrage von MV Millionen Rubel; davon sollen 50 Millionen von russischen Banken übernommen und 15V Millionen an das deutsche Kousortiuui, das die Jauuarauleihe übernommen hatte, begeben worden sein. Die Ausgabe dieser Schatzwechsel wurde durch einen Utas vom 3,/1V, Mai autorisiert; iu Wirklichkeit hatte die Begebung schon wesentlich früher begonnen. Abgesehen von den 5 Prozent Diskont erhielten die über- uehmeudeu Banken eine Provision von 1 Prozent, durch die sich die Ziusbelastuug dieser Geldbeschaffung für den russischen Staat auf etwa 6,6 Prozent i»?!- aui^m stellte. Der Nettoerlös der Operation dürfte sich auf etwa IM Millionen Nnbel belaufen haben. Für die russische Negierung, die für den Februar 1MV die Mittel zur Eiulösung der Schatzwechsel bereit zu stellen oder sie zu diesem Zeitpunkt durch eine fundierte Anleihe zn ersetzen hat, war ans diese Weise die Schwierigkeit der Geldbeschaffung nur für eine kurze, aber — wie sich gezeigt hat — für den vorliegenden Zweck immerhin ausreichende Zeitspanne überwunden. Nachdem der Friede geschlossen ist, wird die russische Regierung im Februar kommenden Jahres voraussichtlich zu günstigeren Bedingungen das zur Einlösung der Schatzwechsel benötigte Geld im Wege einer Anleihe aufbringen können, als es im Mai 1905 möglich gewesen Ware, Für die denkschen Banken war die Form der Schatzwechsel annehmbar, da sie ihnen bei der Flüssigkeit des Geldmarktes eine günstige Anlagegelegenheit vorübergehend freier Mittel bot und da zur Unter- briuguug der Schatzwechsel nicht ans das für Anleihen in Betracht kommende große Publikum zurückgegriffen werden mußte. Die zweite innere Anleihe von 1M5. Mit den geschilderten Operationen war der Geldbedarf für den Krieg soweit gedeckt, daß erst zu der Zeit, als die Friedensverhandlungen bereits eingeleitet waren, die russische Regieruug mit einer neuen Finanzoperation hervortrat. Durch die Berliner Anleihe, die innere Anleihe und die Schatzwechselbegebuug waren der russischen Finanzverwaltung nahezu MV Millionen Rubel zugeflossen, so daß ein- 8* 11sj Zweiter Teil. Die finanziellen Ariegsmaßnahmen, r-^» r^-i? i^-is r---^» c-s? c^si? r^-v» rsi? i^-i? üsi? r-si? l?-«^ rzs^s schließlich des zu Beginn des Jahres vorhandenen freien Barbestandes die für den Krieg bestimmten Mittel ans rund 799 Millionen Rubel gebracht waren: zuzüglich der im Jahre 1994 noch nicht verausgabten Summen der für Rechnung des Jahres 1994 angewiesenen Kriegskredite kommt man sogar auf ruud 84V Millionen Rubel.. Wenu diese Summe uach unserer Schätzung der Kriegslasten für etwa 9 Monate vorhielt, so mußte zum Zweck einer rechtzeitigen Ergänzung im August zu einer neuen Geldbeschaffung geschritten werden. Auch dieses Mal spiegelte sich die allmähliche Aufzehrung der für den Krieg verfügbaren Mittel in dem Stand des Renteignthabens bei der russischen Reichsbank wieder. Nachdem dieses von 25,9 Millionen Rubel am 1./14. März auf 161,2 Millionen am 1./14. April gebracht worden war, zeigten die folgenden Monate — da der Erlös der Schatzwechsel wohl zum weitaus größten Teile im Auslande blieb — einen allmählichen Rückgang, bis der Ausweis vom 23. Juli/5. August — zum ersten und einzigen Male während des Krieges — die staatliche Fiuanzvcrwaltung für den allerdings geringfügigen Betrag von 9,8 Millionen Nnbel als Schuldner der Bank erscheinen ließ.") Der folgende Ausweis vom 1./14. August zeigte wieder eiu Guthaben von 72,7 Millionen Rubel. Auch der Ende September veröffentlichte Kasseuabschluß der russischeu Fiuanzverwaltuug für die ersten 5 Monate 1905 gestattet einen Einblick in den Stand der russischen Kriegsfinanzcn, der für den Angnst eine neue Anleihe nötig machte. Dieser Kasscnausweis für die Monate Januar bis Mai 1905 zeigt folgendes Bild (in Millionen Rubel): Ordentlickie Einnahmen, . . 787,7 Ordentliche ZlUsnaben . . . 786,0 Autzerorde ntlichc Einnahmen . 445,9 Außerordentliche Ausgaben . 454,9 Summe der Einnahmen 1233,6 Snuuue der Ausgaben 1240,9 Nach dem Ausweis dam 23. Jnli/5. August betrug: dnS Guthaben der Rcntci bei der Hnuptbauk . . . 74,3 Millionen Rubel. das Guthaben der lokalen Renteicu hei den Bankfilialen 10.3 - _ .ulsommcn . . . 84,6 Millionen Rubel, da-? Guthaben der Bankfilialen bei den lokalen Nen teien 91.4 - __ so das; als Forderung der Bank an die staatliche ^inauz- dcrwaltung derblieb der Betrag von..... 6,8 Millionen Rubel. I. Rußland. 117 r-si? r?si? r^?>? c?--^ c^M is-i? c-^-v? r!i«>> l^-v» r?.--.? r^-v? r^-i? r^-i> ^-->» rs» Die Gesamtausgaben überstiegen also in den ersten 5 Monaten 1905 die Gesamteinnahmen nin 7,3 Millionen Rubel, so daß sich danach bis Anfang Mai der zu Beginn des Jahres vorhandene sreie Bestand von 119 Millionen Rnbel ans etwa 112 Millionen Rubel vermindert haben würde. Zn berücksichtigen ist jedoch sür einen Überschlag der dem russischen Finanzminister zur Verfügung stehenden Mittel, daß in dem oben gegebenen KassenauSweis nnter den außerordentlichen Einnahmen noch nicht der volle Ertrag der Berliner Anleihe und der inneren Anleihe in Rechnung gestellt ist, daß vielmehr aus der Berliner Anleihe, die insgesamt 209,5 Millionen Rubel ergeben hat, erst 110,5 Millionen Rubel ii? Einnahme gestellt waren, so daß also uoch 99,5 Millionen Rubel ausstanden; daß serner ans dem Ertrag der Schatzwechsel etwa 48 Millionen Rnbel noch nicht als Einnahme verbucht waren. Schlägt man diese noch ausstehenden Summen dem Betrag des am 1. Juni uoch verfügbaren freien Barbestandes (112 Millionen Rubel) hinzu, so kommt man zn dem Ergebnis, daß vom 1. Juni 1905 an der russischen Regierung insgesamt etwa 260 Millionen Rnbel zur Verfügung standen, also eine Deckung des Kriegsbedarfs für etwa 3 Monate. Der russische Finanzminister wendete sich abermals an den inneren Geldmarkt. Am 23. Juli/8. August wurden die Bedingungen für die Emission einer zweiten inneren Anleihe im Betrage von 200 Millionen Rubel festgesetzt. Die Anleihe wurde abermals mit einer 5pro- zentigen Verzinsung ausgestattet und sür alle Zeiten von der Kapitalreutensteuer befreit. Ihre Tilgung soll im Laufe von 48 Jahren erfolgen. Bis zum 1. März 1917 soll die planmäßige Tilgung nicht erhöht nnd keine Kündigung oder Konversion vorgenommen werden. Die Unterbringung der Anleihe hat offenbar ihre Schwierigkeiten gehabt. Man hat dieses Mal nicht nur den Sparkassen die volle Hälfte des Anleihebetrages zugewiesen, sondern auch die Staatsbank wurde für einen Betrag von 50 Millionen Rubel zugezogen, während die übrigen großen russischen Banken gleichfalls nur 5)0 Millionen Rubel übernahmen. Von einer öffentlichen Subskription wnrde abgesehen. Die Banken und Sparkassen übernahmen die Anleihe zum Kurse von 95 Prozent nnd vereinbarten einen VerkaufstiirS 118 Zweiter Teil. Die finanziellen Ariegsmaßnahmen. c^>? r^?»? r^.^ r^i? c^^v r^^? ^ c^"»> r^»> Von Wi/> Prozent. Der llbernahmekurs war für die russische Regierung nin 1 Prozent günstiger als derjenige der ersten inneren Anleihe im März 1äi)5, ein Ergebnis, das Wohl in der Hauptsache durch die starke Hiuzuziehuug der Sparkassen nnd der Neichsbank erzielt worden ist.") Mit dieser zweiten inneren Anleihe ist der Kreis der finanziellen Kriegsmaßnnhmeu abgeschlossen. Allerdings wird Rußland, während ihm die Aufbringung einer Kriegskostenentschädigung erspart geblieben ist, zn dein in großein Umfang notwendigen Retablissemeut voil Heer und Flotte in der nächsten Zeit weitere große Summen beschaffen müssen. Um welche Beträge es sich dabei haudelu wird, davon geben die in der letzten Zeit in die Öffentlichkeit gedrungeneil Mitteilungen über die nenen russischen Anleihepläne eine Vorstellung. Anfang Oktober 1905, als die Verhandlungen über eine nene Anleihe begannen, wurde die Summe von Millioueu Franken genannt. In der dritten Oktoberwoche erschien eine Einigung zwischen den beteiligten Finanzgrnppen nnd der russischen Negierung als unmittelbar bevorstehend, und zwar über eine 4prozentige Anleihe im Nennbetrag von 12Q0 Millionen Franken, von der 640 Millionen in Frankreich, 410 Millionen in Deutschland und je IM Millionen in England und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Emission gelangen sollten."") Die bedenkliche Zuspitzung der iuneren russischen Verhältnisse hat jedoch im letzten Augenblick eine Verschiebung des Anleiheprojektes zur Folge gehabt. Erst wenn die mit dem Friedeusschluß notwendig gewordenen sincmziellen Operationen durchgeführt siud, mird sich die Darstellung der fiuauzielleu Seite des ostasiatischeu Krieges völlig abschließen lassen. In der Bestimmung, das; der Zinsenlauf der im August «^geschlossenen 'Anleihe mit dem 1. Mär,; IWö beginnt, hat man eine den Ühernehmern der Anleihe gewährte tierdeckte Provision sehen wolle», dnrch die der Überuahme- knrS sich effektiv um etwa 2 Prozent niedriger stelle. Die russische Finan.;- verwaltnng hat jedoch erklärt, das; der Zinsenlauf ab l. Mörz iu Rücksicht aus die Ühereiiistiinnmng mit der ersten inneren Anleihe gewählt sei nnd das; die Übernehmer dem Fiskus die vom 1. März bis zum Datum der Übernahme der Anleihe auslaufenden Zinsen zn vergüten haben «Handels- und Andnstrie- Zeitnng vom I2./2S. August iv0ö). Pgl. ..^eonomiste tZuropesn" vom 27. Oktober 1W3. I. Rußland. 119 c-^s is-i, rü-i? c---i? r^-i? i^-i^ >> r---^? r?^» r^is c-si? r^-ii r-^» c^-i? ^-ii rss r^-i»r^-i? r^-i? r^v» Gesamtbild der russischen ^Kriegsanleihen. Die folgende libersicht faßt die von Rußland aufgenommenen Kriegsanleihen zusammen: Millionen Rubel Effektive Berzinsnng jährliche-? ^jiuoer- fordernr? für die Zeichner für den Staat Nenn- ^.,s'!- betrog 6Uo, Prozent Prozent AiiUimicu !>i»t>cl Anslvärtige Anleihen. öprozcntigc Zchotzscheine, begeben in Poris im Mni 1904 4'/2prozentige Anleihe, begeben zu Berlin nnd Amsterdam im Januar 1905 .... 5prozentige Tchatzwechsel, be- betrag von 20» Millionen Rnbel; davon im Anolnnde 3»»,» 231.5 150,» 282,0 209,5 142.0 5,25 l S.2 bzw. > 5,6') 6,6 6,2 5,8 bzw. > 6,6') ) 6,6 15 10.4 6,75-> Summe ^, , . . L. Innere Anleihen. 3,6 prozentige Renteibillctte, begeben im August 1904 . . 5 prozentige innere Anleihe, begeben im Mörz 1905 . . 5 prozentige Schatztvechsel, begeben im Mai 1905, im Nennbetrage von 20» Millionen Rubel: davon in Nus;Iand . 5 prozentige innere Anleihe, begeben im August 1905 . , 081,5 150.0 200,0 5»,» 2»0.0 634,4 150,0 188,0 47.0 100.» 3,6 5,5 6,6 ,>1,'.^ 3.6 5.85 6,6 5.7'I 32,15 5,4 10,0 2,25-) 10.0 Summe L. . . . 600,0 575.0 27,65 Gesamtbetrag . . , 1281.5 1210,0 59,8 ') Die erste Ziffer ergibt sich bei einer Rückzahlung der Anleihe nach 12 Jahren, die zlveite bei einer Rückzahlung noch 6 Jahren. -) Die Schnvwechsel sind unter Abzug der Zinsen diskontiert worden. Der oben eingesetzte Betrag beruht auf der Norauosetzung. das; Rns'.laud die Wechsel bei Verfall durch eine 4^ prozentige Anleihe, die ,m Pari übernommen wird, ersetzt, 2) Berechnet für eine Rückzahlung im Jahre 1917, 120 Zweiter Teil. Die finanziellen Rriegsinaßncchmen. r^»> c^5»> c^»> r^i? c^>? r^SÄ? r^^? c^i? c^5i> c-^^ c-^> Die Staatsschuld Rußlands hat niithin dem Nennwerte nach durch die Kriegsanleihen eine Steigerung vou M3ö Millionen Rubel zu Beginn des Jahres 1904 ans 7917,5 Millionen Rubel erfahren, also eine Vermehrung nin etwa 29 Prozent. Die für die Verzinsung der Staatsschuld (ohne Auiortisationsbeträge) erforderliche Summe hat sich von 2(>4,5 Millionen Nnbel (Voranschlag für 1994) ans etwa 325 Millionen Rubel erhöht.") Von den während des Krieges ausgegebenen neuen Anleihen hat das Ausland nicht viel mehr als die Hälfte aufgenommen, wobei zu beachten ist, daß während des Krieges zeitweise ein nicht unbeträchtlicher Rückfluß von russischen Schuldverschreibungen vom Ausland nach Rußland stattgefunden hat. Man wird der Wahrheit nahe kommen, wenn man die bisher durch dcu Krieg eingetretene Vermehrung des im Anstand untergebrachten Teils der russischen Staatsschuld auf 1,6 bis 1,7 Milliarden Franken und die Erhöhung des an das Ausland jährlich zu zahlenden Zinsbetrags ans K9 Millionen Franken schätzt. 7. Dir Inanspruchnahme der russischen Reichsbank für Kriegszwecke. Es erübrigt uns nunmehr noch die Frage, wie weit die russische Fiuauzverwaltung zur Ausbringung der für den Krieg erforderlichen Mittel die russische Reichsbank in Anspruch genommen hat. In Anbetracht des zu Anfang des Jahres 1994 vorhandenen sehr erheblichen Goldbestandes der Bank, der innerhalb des Rahmens der bankgesetzlichen Vorschriften eine Erhöhung der Notenausgabe auf mehr als das Doppelte gestattete, hätte die Beschaffung der für den Krieg zunächst erforderlichen Mittel im Wege der Entnahme von Gold oder Noten aus der Bank als besonders naheliegend er- In der „Frankfurter ^Zclluug" vom 19. September 1995 wird auf Grund einer offiziösen Mitteilung der gegenwiirtige Stand der russischen Staatsschuld auf 7682 Millionen !>iubel angegeben. Die Differenz gegenüber der oben berechneten Ziffer von 7917,5 Millionen Rubel erklärt sich in der Hauptsache daraus, dar, in der von der „Frankfurter Leitung" gegebenen Zahl die im Mai 1905 ausgegebenen Scheinwechsel im Betrage von 299 Millionen Rnbel, deren Umwandlung in eine Anleihe erst noch M erfolgen hat. nicht eingerechnet sind. I, Ruszl.ni!>. 121 r---i?^^c^k--i?r---i?c---i?c---i?c-^ scheinen können. Der russische Staatsschatz brauchte zu diesem Zweck uicht einmal den Kredit der Bank in Anspruch zu nehmen, sondern tonnte sich damit begnügen, größere Beträge aus seinem bei der Bank stehenden Guthaben zn entnehmen. Die russische Finanzverwaltnng hat jedoch während des Krieges bei verschiedenen Gelegenheiten zu erkennen gegeben, daß sie ohne zwingende Notwendigkeit nicht gewillt sei, von diesem Mittel eine» ausgiebigeu Gebrauch zu machen. Iii einer offiziellen Auslassung, die der Petersburger „Negieruugsbote" am 13. Mai 1W4 veröffentlichte, wurde über diesen Punkt solgendes ausgeführt: „. . . So verführerisch auch auf den ersten Blick die Möglichkeit erscheinen könnte, die gesamten Kriegskosten einzig uud allein mit deu Mitteln zu bestreiten, welche durch die normale Elastizität des Notenumlaufs geliefert werden könnten, fo glaubt doch das Fiuauz- ministerium, sich dieses Weges nicht bedienen zu dürfen. Die Klugheit gebietet, vor allem in Kriegszeiteu, die verfügbaren Mittel nicht zu erschöpfen; sie macht es zur Pflicht, den Bestand eines Geldsystems uicht in Frage zu stellen, das mit so vieler Mühe aufgebaut worden ist und von dem das wirtschaftliche uud finanzielle Gedeihen des Landes abhängig ist." Die wiederholten Erklärungen, daß die russische Negieruug von der Möglichkeit, die Kriegsbedürfnisse dnrch ein Zurückgreifen aus die Goldbestände oder das Notenrecht der Bank zn decken, keinen Gebranch machen wolle, um uicht die verfügbaren Mittel vor der Zeit zu erschöpfen nud die Valuta zu gefährden, können natürlich nicht dahin verstanden werden, daß die Regierung sich aller und jeder Mitwirkung der Bauk bei ihre» sinauzielleu Operationen, auch eiuer solchen, welche die Bank sür deu Staat iu friedlichen Zeiten leistet, habe entäußern »vollen. Auch in normalen Zeiten läßt die russische Fiuauz- verwaltuug einen großen Teil ihrer Kassengeschäfte durch die Baut bewirte», und sie hält zu diesem Zweck bei der Bank, wie bereits erwähnt, ein sehr beträchtliches Guthaben, dessen Höhe je nach der Stärke des staatlichem Kasseubedarfs und Kasseubestaudes Schwankungen unterliegt. Wir brauchen uns nur zu vergegenwärtigen, daß z. B. bei unserer deutscheu Reichsbauk die öffeutlicheu Guthaben geschwankt haben im Jahre 1904 zwischen 261.2 nnd 117,3 Millionen, 122 Zweiter Teil. Die finanziellen Kriegsmaßncihmen, 19»3 zwischen 372,2 und 112,3 Millionen, 19V2 zwischen 322,1 nnd 123,0 Millionen Mark. Niemand konnte erwarten, daß die russische Fiuauzverwaltuug nach dein Kriegsausbruch ihr eigenes Guthaben bei der Bank völlig immobilisieren werde, umsoweniger, als die Verwendung des verfügbaren Bestandes der Reichsrentei zu deu Zwecken des Krieges ohne eine Inanspruchnahme des Nenteiguthabens bei der Bank sich überhaupt nicht vollziehen konnte. Denn der „verfügbare Bestand" der Reichsrentei ist nicht etwa ein spezieller, in effektivem Bargeld bereit gehaltener Fonds, sondern eine rechnungsmäßige Größe, die sich aus dem Bestand der Rentei nn Geld nnd jederzeit sälligen Guthaben nach Abzng der auf Grund bewilligter Kredite noch zu leistenden Ausgaben ergibt. Eine Verwenduug des „freien Bestandes" der Reichsrentei kann sich mithin nicht vollziehen, ohne das Renteigntbaben bei der Neichsbank zn beeinflussen. Wie weit die Heranziehung der Reichsbank sich iuuerhalb dieses NahmeuS vollzogen und welche Wirkungen sie auf deu Stand der Bank ausgeübt hat, bedarf einer kurzeu Erläuterung. Die Veränderung in deu Ausweisen der Bank, die am meisten aufgefallen ist nnd vielfach eine mißverständliche Beurteilung erfahren hat, ist die schrittweise Erhöhung des Passivpostens „Notenemission". Nor dem Ausbruch des Krieges zeigte der Bankausweis eine Notenemissiou iu Höhe von 630 Millioueu Rubel. Uumittelbar nach dem Kriegsausbruch, am 1./14. Februar, wurde die Emission nin Millioueu Rubel erhöht; die folgenden Monate brachten weitere Erhöhungen, so daß zu Beginn des Jahres 1905 eine Notenemissiou von 920 Millionen Rnbel erreicht war. Auch im Jahre 19V5 kamen die Erhöhuugeu der Emission nur zeitweise zum Stillstand. Der Bankausweis vom 1./14. Oktober 19W verzeichnete eine Notenemission von 117l» Millionen Rnbel, d. i. eine Steigerung um ,">l9 Millioueu Rubel gegenüber dem Staude vor Begiun des Krieges. Mit dieser Veräuderuug hat es folgende Bewandtnis. Der unter „Noten e m issi o n" angegebene Betrag des russischen Bankausweises ist nicht identisch mit dem Betrag der tatsächlich in Verkehr gesetzten Noten, der Noten zirkulatiou , sondern er enthält zugleich die ^assenbestände der Zentrale nnd der Filialen der Neichsbank an ihren eigenen Noten sowie die Bestände der als Agenturen I,'Rußland, 123 riS5? r-s^ i^-i? r^si? r--^? i-sis ^ ^r^-i? r--^» r-ü-i? r^-i, i-^i? c^i< r-^ii css der Bank fungierenden lokalen Nenteien. Tiefe in den Bauta»5- weisen unter den Mtiven aufgeführten Bestände nuissen zur Fest- stellnng der in Berkehr gesetzten Noten von dein Passivposten „Notenemission" abgesetzt werden. Der so berechnete Notennmlans ergibt für die Zeit von, I./14. Januar 1904 bis 1./14. Jauuar Ii»)-» eine Steigerung vou 378,7 auf 856,1 Millionen Rubel, nnd bis zum 1./14. Oktober 1903 eine weitere Steigerung auf 1093.0 Millionen Rnbel. Diese Ziffern deS tatsächlichen Notenumlaufs sind in der folgenden Tabelle eiugesetzt, welche eine Übersicht über die wäbrend des Krieges im Staude der russische» Neichsbauk eingetreteneu Veränderungen gibt. Datum Millionen Rubel ^: « s Z ^ Zv? x: -L.2 <- 3 L i ^> ! ^> G « 8 ^' >l-> L s ^ >^ « L » A, LH? c-^ÄZ <^> s ^> s « ^ " ZA Kreditgewährung K 1./14. Januar 1904 1./14. April 16./29. Mai 1./14. Juli 1./14. Oktober 1./14. Januar 190-) 1./14. Marz 1./14. April 1./14. Juli 1./14. September - 1./14. Oktober 732,9 169,1 771,-', 812,6 837.1 907,2 76,2 3!'.9 838,8 100,1 147,4 878,2 147,9 891.9 112,6 140,6 919,0 179,7 913,4244,6 893.4^272,7^ 902.0 578,7 847.7 634,6^ 852,5^ 656,0! 938,9^ 689,3! 934,5^ 823,8^ 1026,1! 856,1^ 1004,5 898,8 1047,8! 884,3 1098,7 924,0^ 1158.0 1038.0 1166.1 1095,6 323,3 213,1 196,5 249,6 160,7 170,0 105,7 163,5 174,7 120.0 70,5 383,2 294,1 209.3 253,3 202.5 154,3 25,9 161,2 43,7 60,2 12,9 247.3 224,4 472,2 249,7 202,4 452,1 216.4 201,8 418,2 195,7 194,4 390,1 181,9 216,2 398,1 169.2 231,1 163,6 220,7 < 160.6 214,5375,1 147.7 209,9 357,6 153.3 228,4!381,7 156,2 233,9!390.1 400,3 384,3 Der Vermehrung des Notenumlaufs stand, wie die Tabelle zeigt, eine Zunahme des Metcillbestnndes der Bank gegenüber. Das in den Bankkassen vorhandene Gold hat sich vou 732,9 Millionen Rubel zu Beginn des Jahres 1904 auf 878,2 Millionen am 1./11. Jcmnar 1903 vermehrt; im Jahre 1903 erfolgte eine weitere Steigerung, die am 16./29. Juli mit einem Goldbestand von 922,3 Millionen Rnbel ihren Höhepunkt erreichte nnd dann einem allmählichen Rückgang bis auf 124 Zweiter Teil. Die finanziellen Rricgsmaßnalnnen, 893,4 Millioneil Rubel am 1./14. Oktober Platz machte. Die Zunahme des Goldbestandes hat also vou Anfang 1904 bis zum 16./29. Juli 1995 etwa 199 Millionen Rubel betragen. Diesen Änderungen im Stande der Reichsbank entspricht eine Änderung im sreien Umlauf, die jedoch durch die eigene Goldproduktion Rußlands und durch die Eiu- und Ausfuhr von Gold immerhin einige Modifikationen erfährt. Eine ziemlich weitgehende Ausgleichung zwischen den Beweguugeu im Staude der Bank und den Veränderungen des freien Geldnmlanfs hat in der ersten Hälfte des Jahres 1994 stattgefuuden. In jener Zeit hat sich für den inneren russischen Geldumlauf weniger eine Vermehrung der Gesamtzirkulation um die ueuen Noten ergeben, als eine Verschiebung in der Zusammensetzung des Geldnmlanfs nach Metall nnd Bantnoten: es ist ans dem Verkehr Gold in die Bank geflossen, gegen das der Verkehr Noten ans der Bank entnommen hat. Das ist die Erklärung, wie sie Aufaug August in einer von der Bank selbst ausgehenden Mitteilung") für die Änderungen im Bankstatus während der ersten Hälfte des Jahres 1904 gegeben worden ist. Im ersten Semester 1904 betrug die Zuuahme der Notenzirtulatiou 110,0 Millionen Rubel, der eine Vermehrung des Goldvorrats um 103,9 Milliouen Rubel gegeuüberstand; von diesen 103,9 Millionen sollen der Bank nach ihren Angaben 94,9 Millionen ans dem freien Verkehr zugeflossen sein, der Nest soll aus Ankäufen aus der russischen Goldproduk- tion stammen. Die Bank berechnet sür das erste Halbjahr 1904 folgende Verschiebung im freien Geldumlauf: 1. Januar 1904 1. Juli 1904 Metallische Zirkulation....... 906,8 Will. Rubel, 793,3 Mill. Rubel, Notenumlauf....... , , , 578,7 - - «89,3 - Gesamtzirkulation........1485,5 Mill. Rubel, 1482,6 Mill, Rubel, Verhältnis deS Mctallumlanss zur Gesaint- zirkulaiion..........61,0 Prozent, 53,5 Prozent. Für das volle Jahr 1904 gibt der neueste Budgetbericht des Fiucinzminister Ziffern, ans denen sich die folgende Übersicht zusammenstellen läßt: Nstl, „Berliner Börsen-Lonner" vom 15, August 1901, I. Rußland. 125 i^Si? r-^i? c^-i? lÄ-^? c^-Vi r^-->? üi-is lÄ-^? cL-i? r-s? r-^s ^-i? r^-i? r--?i? endo 1903 Ende 1904 ^'^'^ Älbnahme iMillioncn Rubel) Gvld im freien Perkehr . . , 787 683,3 — 103,7 Silber im freien Verkehr , 155 144,5 10,5 Metallischer Geldumlauf , . 942 827,8 - 114,2 584 827,9 -1- 243,9 GcsnmtM'kulntwn .... !,V.^> 1655,7 -I- 129,7 Gold in der ÜieichSbnnk und in der Reich^rentei..... 1058 1239 181 Silber in der Rcichsbank und in der Rcichsrentei..... 64 54,1 — 9,9 Gesamter Metallbcstand . . 1122 1293,1 -1- 171,1 Nach diesen Zahlen hat während des Jahres 1904 der Goldnm- lculf im freien Verkehr um 103,7 Millionen Rubel abgenommen und der Goldbestand der Bank und der Rentei um 181 Millionen Rubel zugenommen, so daß sich insgesamt für das erste Kriegsjahr ein Zuwachs des monetären Goldvorrats Rußlands um 77,3 Millionen Rubel ergibt. Die Handelsstatistik weist einen geringen Einfuhrüberschuß von Gold auf (2,9 Millionen Rubel), die Zunahme des Goldbestandes muß somit ganz überwiegend aus der eigenen Goldgewinnung herrühren. In der Tat hat sich also auch im vollen Jahr 1904 ein großer Teil der vermehrten Notenausgabe im Austausche gegen Gold vollzogen. Im ^ktoberheft 1904 der „Marine-Ruudschau" (S. 1W0) wurde gesagt, daß es sich der Beurteilung entziehe, wie weit diese Verschiebung sich von selbst vollzogen habe oder durch künstliche Mittel herbeigeführt worden sei. Sicher sei jedenfalls, daß die eingetretene Verschiebung vom Standpunkt der russische» Finanz- Verwaltung aus nur erwünscht sein konnte! Das im freien Umlauf über Millionen von Kassen nnd Taschen zerstreute Gold sei für die Zwecke des Krieges nicht entfernt in derselben Weise greifbar nnd verwendbar, wie das Gold in den lassen der Bank'! eine Konzentration des in der Zirkulation befindlichen Goldes in den Bnnkkasseu sei gewissermaßen eine Mobilmachung des zirkulierenden Geldes. Ferner sei daran nicht zn zweifeln, daß einer großen Zentralbank Mittel zur Verfügung ständen, nm die Verteilung des Geld- Zweiter ^.cil, ?ie finanziellen Rriegsmcißnahmen, i^Vt r^i? , r-^? r-i-v» r^-v< r^-v» c?--i? c-si? 5-->< cs.? üiLi>> c-i-j? r^--, t c^?.? c^i? uuilanfs auf die einzelnen Arten von Umlaufsmittelu zn beeinflussen-, sie habe es vor allein innerhalb sehr weiter Grenzen in der Hand, ihre Auszahlungen in denjenigen Geldsorteu zu leisten, die sie in Verkehr bringen will. Die russische Reichsbauk habe vou dieser Möglichkeit der Beeinflussung des Geldverkehrs in großem Umfange Gebrauch gemacht, als es sich bei der Einführung der Goldwährung darum yandelke, den seit vielen Jahrzehnten an Papierscheiue gewöhnte» Verkehr allmählich mit Goldgeld zu sättigen. Aber gerade die Hartnäckigkeit, mit der das Publikum die gewohnte» Papierscheine dem »e»e» Metallgeld vorzog, lasse vielleicht darauf schließeu, daß es Wohl keiner besondere» Anstrengungen seitens der Bank be, dürft habe, um Gold gegeu Noten aus dem Verkehr zu ziehe». Ferner wurde darauf hingewiesen, daß russische Zeitungen hervorgehoben haben, daß der im ferueu Osten z» führende Krieg ganz von selbst die Nachfrage »ach Kreditbilletten au Stelle der Nachfrage uach Metallgeld steigern müsse, und zwar infolge der größere» Bequemlichkeit, welche die Note» für de» Tramsport biete»: die Bank habe umsoweniger Gr»»d, sich der Bevorzugung der Kreditbillette z» widersetze», als es für sie weit einfacher uud billiger sei, die Truppenteile und die Renteien der aktiven Armee mit Kreditbilletten als mit Gold zu versorgen,") Der neueste Bndgetbericht des russischen Fiuauzmiuisters gibt über die hier iu Betracht kommenden Maßnahmen der russische» Reichsbauk folgende Aufschlüsse: „In bezug auf die Umlaufsmittel wurde für das Verfahre» der Reichsbauk während der Kriegszeit der Grundsatz aufgestellt, dem Publikum vollkommen freie Hand iu der Wahl der UnilaufSiuittel zu lasse», ohne irgendwie die Auszahlung vo» Gold auf Wunsch der Empfänger zn behindern, jedoch den letzteren auch die Verabfolgung vou Kreditscheinen kleiner Stückelung nicht zu verweigern, falls solche bevorzugt werden," Uud an einer anderen Stelle heißt es: „Was die mit Zustimuumg des Finauz- komitees statthabende Verabfolgnng vo» Kreditbillette» kleiner Stückelung aus deu Neichsbaukkasseu iu Sibirien und Ostrnßland anbetrifft, so hat die Ausgabe solcher Wertzeichen, die in der Absicht des Finanzministeriums, die Auszahluugeu vou Gold bei den Operci- "> ^t. Petersburger Zeitung vom 9, Juli 1904, I, Rußland, 127 6^k---^K-^r-^r^-i?k-Mk-^6-^r2-^i--M6--^^ tioneu der Reichsbank etwas zu vermindern, ihre Erklärung findet, dem inneren Verkehr einen wesentlichen Dienst geleistet nnd den be- absichtigten Zweck in vollem Maße erreicht. Die durch außergewöhnliche Umstände veranlasste Aufhebung des Verbots, kleine Kredit- billette aus den Kassen zu verausgaben, sowie der Verpflichtung zur Verabfolgung von Goldmünze bei den seitens der Reichsbank zu leistenden Zahlungen, kam den Wünschen der Bevölkerung entgegen, welche die ihr mehr zusageudeu Kreditbillette gern entgegennimmt und sogar verlangt. Dieses Verhalten des Publikums stützt sich auf die Überzeugung von der Festigkeit des durch einen starke» Goldvorrat sichergestellte» Geldumlaufs, und unter solchen Verhältnissen dürften als beste Arten von Umlaufsmitteln diejenigen erscheinen, welche der Bequemlichkeit der Bevölkeruug am meisten entsprechen," Damit werde» also die bereits im Oktoberheft 1904 der „Marine- Rundschan" ausgesprochenen Vermutuugeu bestätigt, Tie russische Fumnzverwaltung hat die „Mobilmachmig des zirkulierenden Geldes" betrieben, indem sie die Maßimhme» rückgängig »lachte, durch welche sie in den Jahren unmittelbar vor dem Krieg die durch viele Jahrzehnte hindurch au einen Papiergeldumlauf gewöhnte Bevölkerung wieder an den Gebrauch von Hartgeld gewöhueu und deu freien Verkehr mit Goldgeld sättigen wollte. Das Verbot der Verausgabung kleiner Note» (vo» 1, 2 u»d 5 Rubel) wurde aufgehoben, und cm Stelle der Vorschrift, daß die Baukkasse» bei Auszahlung von Beträgen prinzipiell Gold anbieten sollten, trat die Vorschrift, prinzipiell in Kreditbilletten zu zahlen und Gold u»r auf besonderes Verlangen zn verabfolgen. In der Presse ist allerdings mitunter behauptet worden, die russische Reichsbauk sei weiter gegaugen und habe zeitweise die Herausgabe von Gold überhaupt verweigert, Das mag in dem einen oder anderen Falle vorgekommen sein, wie ja auch bei uns iu Deutschlaud die Reichsbank zur Einlösung ihrer Noten bei ihre» Zweiganstalten nur soweit gesetzlich verpflichtet ist, „als es deren Barbestände und Geldbedürsnisse gestatten". Eine wirkliche Verweigerung der Goldzahlungen seitens der Bank hätte nicht ohne Wirkung auf die russische Valuta bleiben können. Der sehr ansehnliche Bekrag von Kreditbilletten, der über die gleichzeitige Zunahme des Goldbestandes der Bank hinaus zur Ausgabe gelangt ist und der als eine Vermehrung der Gesamtzirknlation 128 Zweiter Teil. Die finanziellen Kriegsmaßnahmen. erscheint, findet in der Hauptsache seine Erklärung in dein Geldbedarf auf dem Kriegsschauplatze. Dorthin wurden als Zahlungsmittel ausschließlich Kreditbillette versendet, und zwar abgesehen von der Ersparnis an Transportkosten usw. schon deshalb, weil die Bevölkerung der Mandschurei Gold als Zahlungsmittel nicht kennt uud weil auch die Verwendung von Silbermünzen, die in der Mandschurei nicht nach ihrem Nennwert, sondern nur uach ihren, Silbergchalt bewertet werden, unvorteilhaft erschien. Um das Zutrauen der mandschurischeil Bevölkerung zu deu russischen Kreditbilletteu zu festigen, ist — wie der Bndgetbericht des Finanzministers mitteilt — an Ort und Stelle ein Silberfonds gebildet worden, vermittels dessen Kreditbillette auf Verlangen gegen das landesübliche Tauschmittel (Silberbarren von bestimmtem Gewicht, genannt „I.an") eingelöst werden. Der Betrag der bis Ende 1994 auf dem Kriegsschauplatz uud in deu benachbarten Gebieten in Umlauf gebrachten Kredit- billette wird iu dem Bndgetbericht auf mehr als IVO Millionen Rubel augegebeu. Er dürfte sich inzwischen noch beträchtlich vermehrt haben. Der Rückfluß zu der Bo.uk kann sich natürlich nur langsam vollziehen. Während die soeben geschilderte Ursache der vermehrten Notenzirkulation keinem Zweifel ausgesetzt ist, muß es als fraglich erscheinen, ob der zweite Grund, den der russische Fiuauzminister in seinein Budgetbericht für die Steigerung der Notenemission anführt, nämlich „die gewöhnlich im Herbst eintretende Belebung der Handels- und Jndustrieumsätze", eine irgend erhebliche Wirkung gehabt hat. Dagegen spricht die Tatsache, daß eine ins Gewicht fallende Ausdehnung der Kreditgewährung der russische» Reichsbank im Diskont- uud Lombardgeschäft während des Herbstes 1904 nicht eingetreten ist uud daß das Anwachsen des Notenumlaufs auch nach der Überwindung der Saison des regelmäßig erhöhten Geldbedarfs sich nahezu ununterbrochen fortgesetzt hat. So interessant jedoch die in den Baukkassen und im freien Verkehr vorgegangene Verschiebung ist und so vollständig auch auf deu ersten Blick — wenigstens für das erste Halbjahr 1904 — die weitgehende Übereinstimmung in der Erhöhung des effektiven Goldbestandes der Bauk uud der Noteuemission die Tatsache der vermehrten Notenausgabe zu erklären scheint, so kann doch aus der Verschiebuug I. Rußland. 129 dieser beiden Posten allein ein Urteil über die etwaige Inanspruchnahme der Bank für die Kriegsbedürfuisse nicht gefällt werden. Zu diesem Zweck sind vielmehr die Verschiebungen der übrigen Pasten des Bankausweises, insbesondere in dem Bestand der Bant an Goldwechseln auf das Ausland und in ihren auswärtigen Goldgnthaben, ferner in ihrer Kreditgewährung an Private, mit zn berücksichtigen. Der Bestand der Bank an auswärtige» Goldwechseln und Goldgnthaben betrug am 1./14. Januar 1904 169,1 Millionen Rubel, giug bis zum 16./29. Mai auf 39,9 Millionen herab, betrug an, 1./14. Juli 100,0 Millionen und am 1./14. Oktober 147,4 Millionen Rubel. Anch die folgenden Monate brachten erhebliche Schwankungen-, aber im ganzen haben sich die Ziffern ans diesem Konto vom Oktober 1994 an beträchtlich höher gehalten, als in den ersten acht Kriegsmonaten. Der Ausweis vom 1./14. Oktober 1905, verzeichnete sür Auslandsguthaben nnd Anslaudswechsel sogar die Summe vou 272,7 Millionen Rubel, also 103,6 Millionen Rubel mehr als der Ausweis vom 1./14. Januar 1904. Im ganzen betrug die Summe des Goldes und der Goldforderuugen der Bank zu Beginn des Jahres 1904 902 Millionen Rubel und hat sich bis znm 1./14. Oktober 1905 ans 1166 Millionen — also um 264 Millioueu — gesteigert. Der Überschuß des Goldes und der Goldfordernngen der Bank über ihre Notenausgabe betrug Anfang 1904 K23,3 Millionen, am 1./14. Oktober 1905 70,5 Millionen, was eMe Verminderung von 252,8 Millionen Rubel ergibt. Diese Verschiebuug iu dem Baukstatus findet bei dem Rückgang, den die meisten Aktivposten der Bank aufweisen, ihre Erklärung in den Bewegungen des Reuteiguthabeus. Dieses hat sich vou der stolzen Höhe von 383,2 Millionen Rnbel, ans die es zu Beginn des Jahres 1904 im Hinblick ans den drohenden Krieg gebracht worden war, zeitweise bis unter den Nullpunkt verringert") und stand am 1./14. Oktober 1905 auf 12.9 Millionen Rubel.**) "j Vgl. oben 2. INI. Um ein gc»a»eo Bild von de» Be.nehn»gc» Mischen der staatlichen ,vi»au,cherwaltuua und der Bank >ni erhalten, »ins; man außer dein Guthaben der ReichSrentei bei der Öauptvant anch den Tland der laufenden !l!ech»uuge» .'.wischen den Filialen der Bant und den letalen Renteien berücksichtigen! überwiege» die Guthabe» der letale» Renteien bei den Bankfiliale» iPassiv- vosteu .,Co»wts des i-nevurLnls« avee los ti'üsoi'vi'ie«'') die Guthabe» der Sclffcrich, Das Gclv im inssischjapanischc» .sii'icge, >, IZg Zweiter Teil. Die finanziellen liriegsmaßnahmen. Die Verminderung gegenüber dem Stand zu Beginn des Jahres 1904 stellt sich mithin auf 370 Millionen Rubel. Selbstverständlich ist das Renteignthaben bei der Bank von Zeit zn Zeit durch Überweisungen ans den Anleiheerlöseu wieder aufgefüllt worden. Außer durch diese Verfügung über sein Guthaben, durch welche dieses zeitweise völlig erschöpft wurde, hat der Staat die Bank in den letzten Wochen des Krieges bei der Unterbringung der zweiten inneren Anleihe von 1905 in Anspruch genommen. Es wurde oben erwähnt, daß die Bank von dieser Anleihe im Gesamtbetrage von 200 Millionen Rubel einen Anteil von 50 Millionen Rubel übernommen hat. Damit ist die russische Finanzverwaltuug nach 17 Kriegsmonaten zum ersten Male dazu übergegangen, sich der Reichsbank für die Zwecke ihrer Geldbeschaffung zu bedienen. Aber mich jetzt hat sie nicht den von finanziell bedrängten Staaten fo oft beschritten«! Weg der Erhebung eines ungedeckten Vorschusses bei der Bank gewählt, sondern die weniger bedenkliche Forin der Beteiligung der Bank an der Emission einer neu aufzunehmenden Anleihe. Der Bank steht es selbstverständlich frei, die von ihr übernommenen Schuldverschreibungen zu veräußern! aber man muß zugeben, daß die Verhältnisse des Geldmarktes die Bank nötigen konnten, den übernommenen Teil der Obligationen für längere Daner im eigenen Portefeuille zu behalten. Die tatsächliche Einwirkung der Operation auf den Bankstatus war, daß der Bestand an eigenen Effekte» vou 54,6 Millionen Rubel am 8./21. August auf 91,4 Millionen Rnbcl am 16./29. August in die Höhe ging, während der folgende Bankausweis sofort wieder eine Verminderung auf 74,6 Millionen Rubel brachte! der Ausweis vom 1./14. Oktober beziffert den Effektenbestand der Bank anf 72,0 Millionen Rubel. Es ist also der Bank offenbar gelungen, alsbald einen erheblichen Teil der übernommenen Schuldverschreibungen wieder abzustoßen. Auf alle Fälle wurde der Staat durch die Beteiligung der Bank an der erwähnten Emission nur so lange Schuldner der Bank, als der von der Bank noch nicht Bankfilialen bei den lokalen Renteien «Aktivposten ..(üompto clss trssoi'vi-ivs -tvso lös suceui-salv»"). so ist der Saldo dein Guthaben der ReichSrcntei zuzu- schlagen, im »»iqekehrten Falle ist der Saldo von dein Guthaben der ReichS- reutei abzusetzen. I. Rußland. 131 weiter begebene Betrag der von ihr übernommenen Titres das Renteignthaben überstieg, und das war offensichtlich nur ganz vorübergehend der Fall. Tie Tatsache ist als Symptom bedeutsam, weil sie zeigt, daß bei einein weiteren Fortgang des Krieges eine Inanspruchnahme des Kredits der Neichsbank sich kaum mehr hätte vermeiden lassen. Aber in seiner tatsächlichen Bedeutung ist der Umstand, daß der russische Staat Schuldner der Bant wnrde, ganz beträchtlich überschätzt worden. Die Beteiligung einer Zentralnotenbank nn Anleihcemissionen ist au sich nichts weniger als unerhört - auch die deutsche Reichsbank ist oft genug als Führerin eines Konsortiums für Übernahme und Emission von Neichsanleihen aufgetreten. Ferner war der von der russischen Reichsbank übernommene Anleihebctrag im Verhältnis zu deu Zahlen der anderen Posten des Bankstatns so gering, daß die Gesamtlage der Bank durch diese Operation nicht merkbar berührt wnrde. Auch hier drängt sich die Parallele mit der deutschen Neichsbank ans, die durch Übernahme großer Beträge von Neichsschatzanweisnngen in, Laufe der letzten Jahre wiederholt in erheblicherem Umfange Gläubigern? des Reiches geworden ist und deren Stand durch diese Kreditgewährung an das Reich mitunter sehr fühlbar beeinflußt wordcu ist, — und das in FriedeuSzciten! Eine objektive Würdigung muß jedenfalls anerkennen, daß die russische Reichsbank sich während des Krieges außerordentlich gut gehalten hat uud daß sie aus dem nenuzehnniouatlichen, durch innere Wirren erschwerten Kriege in einer immer uoch hervorragend starken Position hervorgegangen ist. Ihr Bestand an Gold nnd jederzeit realisierbaren Goldforderungen hat am Ende des Krieges (Ausweis vom 16./29. August) die enorme Summe von 1135 Millionen Rubel — 245V Millionen Mark erreicht! er überstieg die Notenausgabe der Bank (996 Millionen Rubel) immer noch nm etwa 149 Millionen Nnbel, so daß die Bank am Ende des Krieges uoch in der Lage war, innerhalb der gesetzlichen Vorschristen ihre Notenausgabe uiu 440 Millionen Rubel — 959 Millionen Mark zn steigern oder von ihrem Goldbestand den gleichen Betrag zn verausgabe». Auch bei einer weiteren Vermehrung ihres Notenumlaufs um den vollen gesetzlich zulässigen Betrag würde sich bei dem gegenwärtigen Goldbestand uoch eine Golddeckung von etwa 89 Prozent ergeben, ein Zweiter Teil. Die finanziellen Rricgsmaßnahmen. I^i> l-^i? cü-^t r--">? 12-^? r>-^ cs-i? r-si? c--^ r---!.? r^-^? c^v» Teckuugsverhältuis, das wesentlich günstiger ist als dasjenige der ineisten europäischen Notenbanken in Friedenszeiten. Bei der deutschen Reichsbank ist beispielsweise eine Mindestdeckung der Noten von nur 331/j Prozent durch Bargeld (Gold, Taler, Scheidemünzen und Neichskassenscheine) vorgeschrieben, und die tatsächliche Golddeckung der von der deutschen Reichsbauk ausgegebeueu Noteu hat im Durchschnitt des Jahres 1994 nur 52,9 Prozeut betragen. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß, abgesehen von den Goldbeständen der Bank, die Neichsrentei auch während des Krieges stets erhebliche Summen von Gold und Goldfordernngen zn ihrer unmittelbaren Verfügung hatte. Dieser von dem Goldvorrat der Bank unabhängige Goldschatz wurde beispielsweise iu einer offiziösen Mitteilung für den 1./14. August 1904 auf 272,25 Millionen Rubel beziffert („St. Petersburger Zeitung" vom 19. September 1994) und er stellte sich anch Ende 1904 noch wesentlich höher als 290 Millionen Rubel. Heute, nachdem der Krieg abgeschlosseil ist uud nachdem sich alle Zweifel an der Möglichkeit der Aufrechterhaltung der russischen Goldwährung und eines die Noteneinlösnng sichernden Verhältnisses zwischen dem Notenumlauf und dem Goldbestand der russische» Reichsbauk als unbegründet erwiesen haben, braucht kein Wort mehr darüber verloren zu werden, daß die russische Fiuauzverwaltung während des Krieges au dem Goldvorrat und dem Notcnrechte der Bank einen Rückhalt von ganz besonderer Stärke besaß, der vor allem geeignet war, der Negierung über zeitweise Schwierigkeiten bei der Ausbringung der für deu Krieg erforderlichen Mittel hinwegzuhelfen. Auch fiir die Stärke der russische» Position bei deu Friedensverhandlungen kam dieser Rückhalt iu hervorragendem Maße iu Betracht. Zur Zeit des Friedensschlusses vermochte die Bank von Rußland, wie oben gezeigt wurde, innerhalb der durch das Bankgesetz gegebeneu Normen ihre Notenausgabe noch nm etwa 440 Millionen Rubel zn steigern. Auf diese für mindestens 5 weitere Kriegsmonate ausreichende Reserve kouute mithin die russische Fiuauzverwaltung sogar ohne die von anderen Staateil in Kriegsfällen häusig vorgenommene Snspendiernng des Bankgesctzes uud ohue eiue Gefährduug der Valuta zurückgreifen. Beim Versagen aller anderen Geldauellen hätte Nußland im schlimmsten Falle das Bankgesetz aufheben uud deu Goldschatz der Bank fiir die Kriegsbedürfnisse zur Verfügung stellen I, NttsiKnid, 133 >?s? 6S! ^SI? r-s»? 6L>! csi? r-si? r^-i?r!Si?csi?^s?l^?«^i? können! es hätte damit allerdings die mit so vielen Opfer» durchge führte Goldwährung preisgegeben, aber dieses Opfer bätte Rußland unabhängig von den ausländischen Geldmärkten zu einer Fortfüb rung des Krieges für ein volles Jahr finanziell instand gesetzt, Gewiß hat Rußland gut darau getan, dieses Opfer nicht zn bringen- aber die Tatsache allein, daß es zu diesem Opfer uoch in der ^.'age war uud daß es um diesen Preis über eine so enorme Summe die Verfügung gewinnen tonnte, mußte bei der Abwägung der Möglich keiten einer Fortsetzung des Krieges zu Rußlands Gunsten schwer iu die Wagschale fallen und ihm dadurch einen gewaltige» Einfluß ans die Gestaltung der FriedeuSbedingnngen sichern, L. Gesamtbild der russischrn Geldbeschaffung für den Krieg. Die bisherigen Ausführungen ermöglichen nnS einen Überblick über die Gesamtheit der russischen Geldbeschaffung sür die Kriegszwecke. Wir haben geseheu, daß eine Erhöhung der Besteuerung u» mittelbar für Kriegszwecke nicht stattgefunden hat, daß vielmehr der immerhin problematische Mehrertrag gewisser Einuahineerhöhuuge» iu erster Liuie für deu Dienst der durch den Krieg notwendig gewordenen Anleihen als Deckung dienen sollte. Unter diesem Titel haben wir also einen Ansatz für die Beschaffung von Kriegsgeldern nicht zu macheu. Wir habeu feruer gesehe», daß der russische Staat sich der russischen Neichsbank für Kriegszwecke nur insoweit bedient hat, als er einmal sein bei der Bank stehendes Guthaben, das zn Beginn des Krieges eine sehr ansehnliche Snmme repräsentierte, mitunter vollständig abgehoben hat, uud als er sich seruer der Bank bei der Emission der zweiten inneren Anleihe des Jahres 1905 für einen Betrag von M Millionen Rubel bediente. Im elfteren Falle hat der Staat deu Kredit der Bank nicht in Anspruch genommen, sondern nur über sein Guthaben verfügt, i» der Weise, wie es durch die allmähliche Aufzehrung des für die Kriegszwecke zur Verfügung gestellte» „freie» Barbestandes der Reichsreutei" bedingt war (vgl. oben S.l22>. Auch daß die Abhebung des Guthabens in der Form von Banknoten erfolgte, darf nicht über diesen Sachverhalt hinwegtänschein die Bank- Zweiter Teil. Die finanziellen Kriegsmaßnahinen. 6S?r-Si?r-Si?KS?KS?kS? r-sK ^? r-s? r-s? r-s? r-si? rsi? r-s? r--s»?r!S? c-Sir-Sirü-lir-Skr-s? noten sind nicht — wie noch zn Zeiten des türkischen Krieges — als Vorschüsse an den Staat gegeben worden, sondern als Anszahlnngen aus dein zn Beginn des Krieges vorhandenen Staatsguthaben, In der Verminderung dieses Guthabens und der gleichzeitigen Steigerung der Notenausgabe kommt mithin lediglich die Verausgabung des „freien Barbestandes der Reichsrentei" znm Ausdruck. Im zweiten ^alle ^ bei der Beteiligung der Bank an der Übernahme der inneren Anleihe vom Augnst 1905 — hat die Bank allerdings dem Staat gegen die von ihr übernommenen Schuldverschreibungen Geld gegeben, aber der Betrag ist bereits in der durch die Begebung der Anleihen realisierten Snnime enthalten. Auch unter dem Titel der russischen Reichs- bnnk ist mithin für die Beschaffung von Kriegsgeldern kein Ansatz einzustellen. Es verbleiben also die freien Bestände nnd die Erträgnisse der Anleihen. I. Für die freie» Bestände ergibt sich folgende Rechnung: Der freie Barbesland der Reichsrentei betrng zu Beginn des Jahres 1904. ..........MI Millionen Rubel, Hierzu tritt der Überschuß des ordentlichen Etats für 1904 mit...............107 Ferner der für 1905 veranschlagte Überschau de-? ordentlichen Etats mit.......... , . , 61 - _- Zusammen 5>49 Millionen Rnbel. Davon sind abzusetzen der Betrag der ausserordentlichen, nicht mit dem ^irieg zusammenhängenden Ausgaben der Jahre 1904 »102 Millionen Rubel) und 1905 >79 Millionen Rubel), soweit er den Betrag der gleichzeitigen ausserordentlichen Einnahnieu, außer den Anleiheerlösen, >je N Millionen Rubelj übersteigt, also............. . . _ Als disponibler Betrag für die Kriegszwecke verbleibt mithin die Snnime von..........!>14 Millionen Rubel. II. Der Erlös der Kriegsanleihen stellt sich auf Einnahmenüberschnß . . . 53,3 54,4 -i- 1,1 Außerordentlicher Etat: Ausgaben....... 19,9 . 06.3 30,0 79.8 -I- 10,1 -l- 13,5 Ausgabenüberschuß . . . , 40,4 43.8 - 2,0 Überschuß des Gesamtbudget Z 0,9 10,0 -l- 3,7 Das Zurückbleiben der ordentlichen Einnahmen hinter dem Voranschlag beruht ausschließlich darauf, daß infolge der ungünstigen ^) Die Minderausgabe erklärt sich zum großen Teil daraus, daß für den Dienst der Staatsschuld, siir den 42,4 Millionen Yen veranschlagt waren, infolge verminderter Tilgung nur 36,5 Millionen Yen effektiv vernnsgabt worden sind. 136 Zweiter Teil. Die finanziellen Rriegsmaßnahinen, Neisernte des Jahres 1903 die für das japanische Budget so wichtige Sakesteuer einen Ausfall von 13,7 Millionen Jen erfuhr, der nur teilweise durch Mehrerträgnisse anderer Einnahmezweige ausgeglichen wurde. Das Zurückbleiben der ordentlichen Ausgaben hinter dein Voranschlag sowie die Verschiebungen im außerordentlichen Etat stehen bereits mit dem Kriege im Zusammenhang. Die Staatsschuld wurde für Ende März 1903 auf 559,6 Millionen Uen beziffert! sie hatte sich seit 1895 um 264 Millionen Jen oder etwa 80 Prozent vermehrt. Abgesehen von einigen Spezialsonds, die zur Deckung eines bescheidenen Teils der Kriegskosten herangezogen werden konnten, standen der japanischen Regierung bereite Bestände nach Art des freien Barbestandes der russischen Reichsrentci uicht zur Verfügung. Die Bank von Japan verfügte nach ihrem ersten im Jahre 1904 publizierten Ausweis (9. Januar) über einen Goldbestand von 115,7 Millionen Jen, dem ein Notenumlauf von 214,8 Millionen Jen gegenüberstand. Das täglich fällige öffentliche Guthaben bei der Bank belief sich nur auf 15,5 Millioueu Jen, während auf der anderem Seite der Ausweis eiu Darlehen der Bank an den Staat in der Höhe von 54,3 Millionen Jen aufführt. Bei dem Maugel größerer bereiter Mittel und bei dem nicht sehr kräftigen Stande der Bank von Japan mußte die Regierung frühzeitig Vorkehrungen zur Deckung der durch deu Krieg entstehenden Kosten treffen. Zu der Zeit, als das Verhältnis zu Rußland sich soweit zuspitzte, daß eine friedliche Lösuug kaum mehr zu erwarten war, sah sich die Regieruug vor die Unmöglichkeit gestellt, das Budget für das Etatsjahr 1904/05 ordnungsmäßig zn erledigen. Schon in den letztverflossenen Jahren hatten die von der Negierung zur Deckung der gesteigerten ordentlichen Ausgaben für notwendig gehaltenen Steuererhöhungen in der Kammer, so bereitwillig diese die anßerordent- lichen Ausgaben für das große Nüstungsprogramm genehmigt hatte, erheblichen Widerspruch gefunden. Der Widerspruch richtete sich insbesondere gegen die Erhöhuug der Grundstener, die erst nach einer Auflösung der Kammer bewilligt worden war, und auch daun nur für die fünf Jahre 1899 bis 1903. Die Absicht der Regierung, die erhöhte Grundsteuer bis zum Etatsjahr 1913/14 aufrecht zu erhalten, führte zn erneuten Konflikten mit der Volksvertretung, die schon das ord- II. Iapmi, l!Z7 l^^c^>^^<^,r^?^i,^v»r^^^i^^^ nungsmästige Zustandekommen des Budgets fiir 1992/V3 und dann ebenso dasjenige des Budgets fiir 1903/94 verhinderten. Nach der japanischen Verfassung ist, falls der Haushaltsvoranschlag nicht auf dem gesetzlichen Wege erledigt wird, dem Staatshaushalt das Budget des vorhergehendeil Etatsjahres zugrunde zu legen, jedoch mit denjenigen Änderungen in Einnahmen uud Ausgaben, die durch spezielle Gesetze oder besondere Verhältnisse bedingt erscheinen. Danach ist Verfahren worden; jedoch sind nachträgliche Ergänzungsetats bewilligt worden, die das Budget für die beiden in Rede stehenden Etatsjahre nicht unerheblich verändert haben. Auch nachdem die Regierung im Jahre IM auf die Weitererhebuug der erhöhte» Grundsteuer verzichtet hatte, kam es fiir das Jahr 1994/95 zu keiner orduungSmästigen Durchberatuug des Budgets, die .Uammer wurde vielmehr schon am Tage nach ihrem Zusammentritt wieder aufgelöst. Ten, Etat für das Jahr 1904/05 hätte somit abermals das Budget des vorhergegangenen Jahres zugrunde gelegt werden müssen. Die Verhältnisse wnrden jedoch durch die politischen Vorgänge gänzlich verschoben. Die Kriegsgefahr erforderte dringend die Bereitstellung umfangreicher Mittel. Zn diesen: Zwecke erliest der Kaiser am 28. Dezember 1903 eine Notverordnung, welche die Regierung ermächtigte, fiir die Herstellung der Kriegsbereitschaft einzelne Spezialfonds heranzuziehen, Schatzanweisungen auszugeben und Darlehen aufzunehmen. Nachdem der Krieg zum Ausbruch gekommen war, wurde im März 1904 die Volksvertretung zu eiuer ansterordeutlicheu Sitzung berufen, um für die auf Grnnd der Verordnung vom 28. Dezember 1903 ergriffenen Mastuahmen Indemnität zn erteilen nnd die durch den Krieg notwendig gewordenen Ausgaben sür das neue EtatSjahr sowie die zur Deckung dieser Ausgaben erforderlichen Einnahmen zu bewilligen. Im Gegensatz zu der budgetären Behandlung der Kriegsfinanzen in Ruhland hat mau iu Japan für den Krieg einen förmlichen Etat aufgestellt, indem zunächst sür das NechnuugSjahr 1904/05 uud danu für das Rechnungsjahr 1905/90 bestimmte Kredite nnd die Mittel zu deren Deckung vorgesehen nnd vom Parlamente bewilligt worden sind. Tarin stimmt jedoch das japanische Vorgehen mit dem russischen überein, dast auch hier die Kriegsausgabeu und die fiir diese 138 Zweiter Teil. Die finanzielle» Ariegsmaßnahmen, bestimmten Deckungsmittel nicht in das allgemeine Budget aufgenommen wurden-, es wurde vielmehr auch hier ein normales Budget aufgestellt, zu dem ein besonderes Kriegsbudget ergänzend hinzutrat. Das japanische Vorgehen entspricht zweifellos mehr einer konstitutionellen Staatsverfassung, während das russische Vorgehen mit der Anweisung von Krediten, die nicht dnrch ein besonderes Kriegs- bndget vorgesehen waren, dem absoluten Regime adäquat ist. Aber schließlich hat sich auch, wie wir sehen werden, für Japan der von dem russischen Finanzminister ausgesprochene Satz bewahrheitet, daß sich die Kriegsausgabeu im voraus ziffermäszig nicht normieren lassen, und die japanische Regierung hat sich im Verlauf des Krieges vor die Unmöglichkeit gestellt gesehen, sich an die bewilligten Kredite und die bewilligten Deckungsmittel zu halten. 2. Normales Budget und Kriegsvndget für 1904/05 und 1905/06. Das gewöhnliche Jahrcsbndget für 1904/05, wie es bereits vor der Einberufung der Kammer festgesetzt war, trug iu seinen Ansätzen für Einnahmen und Ausgaben der Kriegslage Rechnung, indem es — wie die folgende Übersicht ergibt — ans beiden Seiten gegenüber dem Vorjahre Verminderungen vorsah. Millionen Jen. Differenz 1. Einnahmen: 1904/05. 1903/04. 1904/05 Ordentliche Einnahmen: gegen 1903/04. 143,9 158,5 — 14,6 13,9 13,5 -4- 0.4 Einnahmen aus Staatsbetrieben . . . 52,5 52,7 - 0.2 Einnahmen aus Spezialfonds und Diverses 7,3 7,1 -l- 0.2 Zusammen. . . 217,0 231,8 — 14,2 K) Außerordentliche Einnahmen..... 12.3 19.9 — 7,6 Gesamteinnahmen . 229,9 251,7 — 21,8 II. Ausgaben: 171,7 178,5 — K,S d) Außerordentliche......... 51.5 66,3 — 14,8 Gesamtausgaben . . . . 223.2 244,8 — 21,6 Überschuß der Einnahmen . 6,7 6,9 — 0.2 II. Japan. IM Der bei den Steuern veranschlagte Minderertrag wurde in erster Linie verursacht durch die mit dein Etatsjahr 1994/93 wieder in Kraft tretende niedrigere Grundsteuer, für die allein nahezu 10 Millionen Jen weniger eingestellt wurden; serner durch eine niedrigere Veranschlagung des Steuerertrags vou Sake uud Zucker, bei welchen Artikeln infolge des Krieges eine Einschränkung des Kousnnis erwartet wurde. Die Ersparnisse bei den Ausgaben sind insbesondere durch die Znrückstellnng von öffentlichen Arbeiten bewirkt worden. Das neben diesem gewöhnlichen Jahresbndget besonders aufgestellte Kriegsbndget wurde folgendermaszen normiert: Zunächst wurden die bis Ende März 1994 auf Grnnd der Notverordnung vom 28. Dezember 1993 erfolgten Kiriegsansgaben in Höhe von IM Millionen Jen nachträglich genehmigt. Davon sollten 25> Millionen Jen aus Spezialfonds entnommen, 190 Millionen ?)e» durch Ausgabe von Schatzanweisnngen beschafft und weitere 31 Millionen Jen durch die Aufnahme „sonstiger schwebender Schnl- den" anfgebracht werden. Sodann wurden für die Kriegsausgabeu des laufeudeu Etatsjahrs 1994/93 389 Millionen Jen ausgeworfen, nnd schließlich wurden 49 Millionen Aen fiir unvorhergesehene und nicht abschätzbare Ausgaben unter dem etwas rätselhaften Titel „Für diplomatische und andere Angelegenheiten" bewilligt. Insgesamt wurde also der Kriegsbedarf bis Eude März 1995 auf die Smnine von 579 Millionen I)en veranschlagt. Von dieser Summe waren, entsprechend den Bestimmungen der Notverordnuug vom 28. Dezember 1993, Ende März 1994 bereits 131 Millionen Yen im Wege des Kredits nnd 25 Millionen Yen durch Entnahme aus Spezialfonds aufgebracht. Fiir die übrige» 429 Millionen Jen wurden folgende Decknngsinittel vorgesehein 1. Überschüsse nnS früheren Budgets, vermehrt durch Ausgabebeschräntungcn im Budget für 1904/05 48 Millionen >>ien, 2. Übertragungen aus Spezialfonds....... 30 - - 3. Einnahmen aus neuen und erhöhten Steuern usiv. . 62 - - 4. Erlös auS Anleihen........... 280 Zusammen . . 420 Millionen Ä)en. Zweiter Teil. Die finanziellen Ariegsmaßnahmeu. Zusammen mit den bis Ende März 1904 bereits beschafften Mitteln ergeben diese Bewilligungen folgendes Bild für die Deckung der Kriegsausgaben' K2 Millionen ?)en, Aus Überschüssen und Einschränkungen von Ausgaben 48 380 31 Zusammen 576 Millionen Yen, Eine Abrechnung über das Budget des Jahres 1904/05 liegt noch uicht vor. Hinsichtlich der Kriegsausgaben ist überdies bestimmt worden, daß sie auf eiuem besonderen Konto verrechnet werden sollen, bei welchem die ganze Zeit der Kriegsdauer als ei» einziges Rechnungsjahr behandelt wird. Wir wenden uns deshalb sogleich zn den Voranschlägen für das Rechnungsjahr 1905/00. Diese sind in analoger Weise aufgestellt worden wie im Borjahre. Die Vergleichung des normalen Budgets für 1905/06 mit demjenigen für 1904/05 wird jedoch dadurch sehr erschwert, das; die Erträgnisse der bereits im Vorjahre eingeführten außerordentlichen Kriegssteuern und des Tnbatmonopols in dem normalen Budget für 1905/00 mit berücksichtigt sind, während in dem Kriegsbudget sür 1905/06 nnr die Ergebnisse der abermals neu eingeführten und abermals erhöhten Steuern sowie die Erträgnisse des ueneu Salzmonopols — also nnr die speziell für das Jahr 1905/06 neu geschaffenen Einnahmen — berücksichtigt sind. Das Erträgnis der bereits im Jahre 1904/05 in Kraft befindlichen außerordentliche!? Kriegsauflageu wird durch diese Buchung natürlich nicht beseitigt: es erscheint im Kriegsbndget nnr in anderer Form, nämlich als enormer Überschuß des normalen Etats. Um bei dieser Änderung der Buchungsmethode, deren Zweck nicht recht ersichtlich ist, die Vergleichung des Budgets für 1904/05 uud 1905/06 zu erleichtern, sind in dem neuesten „finanziellen uud wirtschaftlichen Jahrbuch für Japan" (5. Jahrgang, 1905) dem Budget für 1904/05 gleichfalls die veranschlagten Einkünfte aus deu außerordentliche» Steuern und dem Tabaksmonopol hinzugefügt: feruer siud die an diesem Budget nachträglich vorgenommenen Ansgabereduttionen sowie die durch eiu Ergäuznngsbndget gebotenen II, Japan, 141 r^v? r^>? r^v^ c^i? r^-v? c^-^ r^->> c^»? c^.-» ^ r^,? r^-^ c^^> c'^/ r^, ^-->? i^--»? c^--»^ r-^^? r^>? Modifikationen berücksichtigt; dabei ist auch unter die anßerordent- lichen Ausgaben ein nicht näher erläuterter Betrag der Kriegsausgaben gebracht worden. Es ergibt sich daraus folgendes Bild fiir die Gestaltung des normalen Budgets, das aber in Wirklichkeit bereits den erwähnten Teil der Kriegseinnahmen enthält: (Millionen Yen) Ursprüngliches Modifiziertes Budget Budget Budget fiir 1904/05: für 1904/05! für 1905/06 Ordentliche Einnahmen 217,6 281,2 296,9 Außerordentliche Einnahmen. 12,2 12.3 8.7 Zusammen . . . 229,8 293,5 305,6 Ordentliche Ausgaben , . . 171.7 lM,7 179.2 Außerordentliche Ausgaben 51,5 137,7 32,8 Zusammen . , , 2^,2 287.4 212,0 Überschuß des Gcsaintbudgcts 6,6 6,1 93,6 Eine exakte Vergleichuug wird auch durch diese Übersicht nicht ermöglicht, insbesondere nicht bei den außerordentlichen Ausgaben, Am meisten ist die Bergleichbarkeit bei den ordentlichen Einnahmen vorhanden, deren Zunahme von dem „Jahrbuch" auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Steigerung des nationalen Wohlstandes, ans die Vermehrung der Erträgnisse des Kampfermonopols und der Staatsbahnen sowie auf die Tatsache zurückgeführt wird, daß die Steuererhöhungen und das erweiterte Tabakmonopol nicht während des ganzen Rechnungsjahres 1904 iu Wirksamkeit waren, Zu dem normalen Budget fiir 1905/06, das, wie gesagt, nur l/um Ti'üiro salis als „normal" bezeichnet werden kann, tritt das Kriegsbudget. Dieses umfaßt die eigeutlicheu Kriegsausgaben in Höhe von 700 Millionen Den und einen außerordentlichen Reservefonds von M Millionen Yen, der ebenso wie der fiir das Jahr 1904/05 im Kriegsbndget bereitgestellte außerordentliche Reservefonds von -10 Millionen Jen „zur Bestreitung von Ausgaben für diplomatifche und audere Staatsangelegenheiten, welche mit dem Kriege zusammenhängen," dienen soll. Insgesamt wurden also die Kriegsallsgaben fiir 1905/06 auf den Betrag von 780 Millionen Neu — gegen 576 Millionen für 1904/03 — veranschlagt. Zweiter i>.eil. ?ie finanzielle» Kriegsmaßnahnien. c^v^ c^»> r-^-v? c-^v? r-^> r^^? r^^?r^? c^»? r^>? c^-» ^ c-^-»^ r^»? r^-? r^»? c-^-»? c^,? r^-» - c--^? Diese Ausgabe» solle» in folgenden Einnahmen ihre Deckung finden: 1> Übcrschus; des normalen Budgets (93,7 Millionen A)en), vermehrt um die im normalen Budget für Heer und Flotte ausgeworfenen Betrage (31,2 Millionen Jen). 124,9 Millionen Wi, 2. Übertragungen auS Spezialfonds.......8,0 - - 3> Vermehrte Einnahmen aus neu eingeführten und erhöhten Steuern sowie auS dem Snlzmonopol , , . 74,1 - - 4. Freiwillige Beitrage und verschiedene Einnahmen. . 2,0 - - 5. Erlös von Anleihen und Schahschcinen , , , , . 571,0 - _-_ Summe. . , 780,0 Millionen Yen, Der unter 1. aufgeführte Betrag enthält in dein Überschuß des normalen Budgets für 1905/06 aus den oben augesiihrteu Gründen den Ertrag der bereits im Jahre 1904/03 in Kraft gesetzten außerordentlichen Kriegsstenern und des Tabakmonopols, und zwar berechnet sich dieser Ertrag ans 76,5 Millionen Jen, während der Rest von 48/1 Millionen Jen auf Verkürzung von Ausgabeu (einschl. der Überweisuug der im normalen Etat für Heer und Flotte ausgeworfeneu Summen auf den Kriegsetat) entfällt. Geuau genommen sind mithin in der obigen Aufstellung die unter 1. und 3. angeführten Ziffern dahin richtigzustellen, daß unter 1. nur die Summe der Überschüsse und Ansgabeeinschränknngen mit 48,4 Millionen Aen, nuter 3. dagegen der Ertrag der erhöhten und neuen Stenern sowie des Tabak- nnd Salzmonopols mit 150,6 Millionen Jen erscheint. Zusammen mit deu bereits für 1904/05 zur Verfüguug gestellten Decknngsmitteln ergeben die für 1905/06 bewilligten Kriegskredite folgendes Bild der Geldbeschaffung für den Krieg. Für den Krieg wurden ansgeworfen: 1. Durch Kaiserliche Notverordnung vom 28. Dezember 1903.................156 Millionen Mn, 2. Durch dnS Kricgsbudgct für 1904/05 an eigentlichen Kricgsausgaben 380 Millionen Mn und für den besonderen Reservefonds 40 Millionen ?>en, zusammen 420 - - 3. Durch das KriegSbudgct für 1905/06 an eigentlichen Kriegsausgaben 700 Millionen Mn und für den besonderen Reservefonds 80 Millionen ?)en, zusa mmen. 780 - _- Gesamtbetrag der Kriegskredite . 1356 Millionen Mn. II. ^apmi, > r!--i? r-Si? i^--^ r^-is c^-v, c--^? r--^? c^i? ^--5? r^^? r!^? r^/s c»->? r^M rss r^-»? Als Decknngsmittel wurden bewilligt: (Millionen Den) 1. Aus Überschüssen und Einschränkungen 1904/05: 1905/06: Zusammen 43,4 96,4 2. Aus Spezialfonds....... 55,0 8.0 63.0 3. Aus neuen und erhöhten Steuern, Tabak- und Salzmonopol..... 62,0 150.6 212.6 4. Aus freiwilligen Beiträgen und ver- 2.0 2,0 380,0 571,0 951,0 31.0 31.0 Zusammen..... 576.0 780,0 1356,0 Im Nachstehenden soll die Durchführnng dieser Voranschläge im einzelnen betrachtet werden. 3. Die Einnahmesteigerung. Im Gegensatz zn Rußland, das zur Deckung der durch den Krieg hervorgerufenen Geldbedürfnisse sich auf die Entnahmen aus den verfügbaren Beständen der Finanzverwaltung, ans Ansgabebeschrän- kungeu und die Aufnahme von Anleihen beschränkte und Steuererhöhungen nur in einem Umfange eintreten ließ, der die Zinsen der Kriegsanleihen zu decken bestimmt war, hat Japan — trotz der großen Anforderungen, die von 1896 an zur Durchführung des Rüstnngsprogramms au die Steuerkraft der Bevölkeruug hatten gestellt werden müssen -— von Anfang an sich bemüht, einen möglichst großen Teil der für den Krieg erforderlichen Gelder im Wege einer erhöhten Besteuerung aufzubringen. Die im Kriegsbndget für 1904/05 veranschlagten Einnahmen ans dieser Quelle beruhten ans folgenden Grundlagen: Die Negierung schlug eine neue Erhöhung der im normalen Budget für 1904/05 zum ersten Male wieder ermäßigten Grnndstener vor" ferner Erhöhungen der Einkommensteuer, der Gewerbesteuer, der Verbrauchsabgabe auf Zucker nud Getränke sowie einzelner Zölle und der Stempelgebühren i außerdem eine Ausdehnung des Tabakmonopols, das sich bisher nur auf Tabakblätter erstreckt hatte, aus geschnittenen Tabak und Zigaretten; schließlich neue Steuern auf Salz, Seide, Petroleum und wollene Gewebe. Alle diese Vorschläge, 144 Zweiter Teil. Die finanziellen Rncgsnuißnahmeii. mit Ausnahme der neuen Stenern auf Salz und Seide, wurden bewilligt. Die Kriegssteuern wurden für den 1. April 1904 in Kraft gesetzt und sollen bis nach Ablauf eines Jahres nach Beendigung des Krieges erhoben werden. Das erweiterte Tabatinouopol ist für Zigarette» im Juli 1904 ins Leben getreten und erstreckt sich von April 1905 an anch auf den geschnitteneu Tabak. Den Gesamtbetrag schätzte man auf 62 Millionen Jen, während in dem normalen Budget für 1904/05 der Ertrag der Steuern, Stempelgebühren und des Tabakmonopols auf insgesamt 170,4 Mill. Jen veranschlagt war, so das; also die Mehrbelastung etwa 37 Prozent ausmachte. Zu diesen Steuererhöhuugeu traten im Kriegsbudget für 1905/06 weitere in noch größeren! Umfange hinzu. Insbesondere erfuhren eine neue, sehr erhebliche Steigerimg: die Gruudsteuer, die Einkommensteuer, die Gewerbesteuer, die Zuckersteuer, die Miueu- steuer, die Zölle! neu eingeführt wurden eine Steuer auf Eisenbahn-, Straßenbahn- nud Schiffsfahrscheine, eine Erbschaftssteuer und das im Jahre vorher abgelehnte Salzmonopol! ferner wurde die im Vorjahre auf wollene Gewebe gelegte Steuer auf sämtliche Arten von Geweben ausgedehnt, und schließlich erfuhren die Stempelgebühreu eine sehr beträchtliche Erhöhung. Wie oben bereits gesagt, erwartet man siir 1903/06 von diesem neuen Anziehen der Steuerschraube einen Mehrertrag von etwa 74 Millionen Jen nnd von den neuen zuzüglich der weiterbestehenden, schon im Vorjahre eingeführten Kriegssteueru einen Mehrertrag von etwa 130 Millionen Jen-, daS sind nahezu 90 Prozent des in, normalen Budget für 1904/05 veranschlagten Ertrages der Steuern, Stempel und Monopole. Natürlich hat diese erhöhte Belastung nicht alle Steuern gleichmäßig getroffen, zumal da z. B. die Getränkcstener, die vor dem Kriege in maucheu Jahren mehr als ein Viertel der ordentlichen Einnahmen aufbrachte, bereits derartig angespannt war, daß sie eine weitere erhebliche Steigerung nicht mehr hätte trageu könueu. Eine besonders starke Erhöhung habe» erfahren: Tie Gnmdsteuer. — Der normale Steuersatz ist seit 1877 2^/, Prozent vom Bodenwert. In der Zeit der forcierten Kriegsrüstnngen von 1899 bis 1903 war die Steuer auf 3,3 Prozent vom Bodenwert für die ländlichen Gruudstücke und auf 5 Prozent von städtischem II, Japan, 145 Bauland erhöht Warden, Mit dem Etat für 1904/05 sollte wieder die Herabsetzung auf 2i/> Prozent eintreten. Das Kriegsbudget für 1004/05 hat jedoch eine Erhöhung für die ländliche,? Grundstücke auf 4,4 Prozent, für die städtischen nnf 8 Prozent des Bodenwertes gebracht, uud das Kriegsbudget für 1905/06 hat dcu Steuersatz weiter erhöht auf 5,5 bzw, 2» Prozeut vom Bodenwert, Tie Belastung, insbesondere des städtischen Baulandes, erscheint anch dann noch enorm, wenn mau berücksichtigt, das; der Kntasterwcrt des Bodens in den Städten von dem wirtlichen Wert längst überholt worden ist. Die Gewerbesteuer hat im Jahre 1904 eine Steigerung nm 70 Prozent, im Jahre 1905 eine weitere Steigerung um 80 Prozent, insgesamt also eine Erhöhung nm 150 Prozent erfahren. Die Einkommensteuer, wie sie vor dem Kriege bestand, belastete : a) Das Einkommen juristischer Personen mit 2,5 Prozent! >>) die Zinsen aus Staatsschnldscheineu oder Schuldverschreibungen von Gesellschaften mit 2,0 Prozent! das Einkommen, welches nicht unter die Klassen und K) fällt, mit einer Progressivsteuer, die mit einem Steuersatz von 1 Prozeut für Einkommen von mindestens 300 Jen beginnt uud bis auf 5,5 Prozent bei Einkommen von mindestens 100 000 Yen steigt. Die vorgenommenen Erhöhungen betrugen für 1904/05 70 Prozent bei den Klassen -i) und o), für 1905/00 dagegen je nach der Höhe des Einkommens in der Klasse -r) 80 bis 400 Prozent, in der Klasse c) 100 bis 270 Prozent,") Demnach sind gegenwärtig besteuert die Einkommen juristischer Personen mit 4,5 bis 12,5 Prozent, die Einkommen physischer Persoueu mit 2,0 bis 20,35 Prozent. Die Zuckersteuer ist je uach den verschiedenen Klassen verdoppelt bis verdreifacht worden. Die Börsensteuer hat Zuschläge von 00-X; bis 100 Prozent, die Minensteuer solche von 50 bis 200 Prozent erhalten. Ebenso haben die Stempelgebühren beträchtliche Erhöhungen erfahren. Im deutschen Text des Finanzjahrbnchs wird die Erhöhung auf IVO bis 270 Prozent angegeben, im englischen Text dagegen auf IVO bis 700 Prozent. Die Ziffer der deutschen Ausgabe ist zweifellos die richtige? die Ziffer der englischen Ausgabe würde einen Mnrimnlsteuersatz von 44 Prozent ergeben. Hclffcrich, Das Geld im russisch inliauischcn Kriege, zs> I^g Zweiter Teil. Die finanziellen Uriegsmaßnahmen. Von den neuen Zöllen ist insbesondere der Einfuhrzoll auf Reis, das wichtigste Volksnahrungsmittel, in Höhe von 15 Prozeut des Wertes von Bedeutung. Verhältnismäßig unbedeutend sind die Erhöhungen der Ge- träutestcucru und der Steuer auf Soy (japauische Sauce). Die im Jahre 19V4 eingeführte Petroleumsteuer ist wieder abgeschafft worden. Von der Erhöhung der Steuerlast und ihrer Verteilung auf die einzelnen Einnahmezweige gibt folgende Tabelle ein anschauliches Bild. Ertrag nach dem Veranschlagter Ertrag realisierten Budget (Normales und Kriegsbudaet) für 1903/04: für 1904/05: für 1905/06: (Millionen Yen) Grundsteuer . . . . 46.9 61,0 82,3 Einkommensteuer. . . 8,2 13,4 13.4 Gewerbesteuer > . . . 7,0 12.2 18,2 Gctrüntesteucr. . . . 52,8 62,4 63,1 Soystcuer . . . 3,5 4.S 5,2 Zuckersteucr . . . . 6,9 14,4 16,5 Steuer auf Webewaren. — 2.1 Minensteucr . . . . 0.8 0,9 2.3 Börsensteuer . . ^ . 0.8 1,4 1.9 Zölle..... 17,4 18,7 23,7 Fahrvcrkchrsstcuer 3,2 Erbschaftssteuer , 4,3 Andere Steuern . . . 1.9 5.1 1.8 Summe der Steuern 146,2 194,0 243,0 Stempclgebührcn, . . 14,2 17,5 29,5 Tabatmonovol . . . 14,9 21.1 32,0 Kampfermonovol. . , 0,3 1.2 1.1 Salzmonovol . . 16.2 Gesamtsumme . . 175,6 233,3 321,8 Das Jahrbuch des japanischen Finanzministeriums bemerkt zu seinem Verzeichnis der außerordentlichen Kriegssteuern: „Danach scheint es. als wenn durch die außerordentlichen Stener- gesetze dem Volke eine schwere Last auferlegt worden wäre. Aber in Wirtlichkeit wird diese Bürde nicht so schwer empfunden, einmal, weil gleichzeitig die Sätze der örtlichen (kommunalen) Besteuerung, die vorher häufig deu Staatsstcuern sast gleichkamen, ganz erheblich II. Iaxan. > I 7 ^--»? c^-i? r----^> r^--,? c-^? r^--»^ r^>? c----»? r^--» ^ r^-,^ r^.-»? r?^^ r^.-»? r^--»? cu-5>? r^i? herabgesetzt worden sind,") das andere Mal, weil die Ortsbehörden ihre Ausgaben tunlichst eingeschränkt und alle uicht dringlich not wendigen Arbeiten aufgeschoben haben, und endlich, weil das Volk in seiner vaterländischen Begeisterung sich ganz allgemein großer Sparsamkeit befleißigt und der Bauernstand, der den weitaus größten Teil der Bevölkerung bildet, im vorigen Jahre eine außerordentlich reiche Ernte gehabt hat." Wenn der Bericht hinzusetzt, die Steuern gingen leichter ei» a>5 zn Friedenszeiten und das Volk scheine sich durch die Kriegsstenern in keiner Weise bedrückt zu fühlen, so mag dabei etwas patriotischer Optimismus mitspielen. Aber das kann der Anerkennung keinen Abbruch tnn, daß die Steuerfähigkeit Japans, die schon in den Jahren vor dem Krieg für die Durchführung des großen Nüstnngs- programms außerordentlich angespannt worden war, in diesem Kriege eine ganz erstaunliche Elastizität bewiesen hat. Man bedenke nur, daß der für 1905/06 verauschlagte Ertrag der Kriegssteuern größer ist, als die gesamten ordentlichen Einnahmen Japans in irgend einem der Jahre vor 1899 gewesen waren. Wenn schon die Durchführung des großen Nüstungsprogramms, mit der Japan die Grundlage für seiue militärischen Erfolge geschaffen hat, ungewöhnliche Ansprüche an den politischen Sinn nnd die nationale Opferwilligkeit gestellt hat, so ist die Bereitwilligkeit, mit der das japanische Volk, arm nnd reich, die Belastung mit teilweise an Zwangsanleihen streifenden Kriegsstenern ans sich genommen hat, über alles Lob erhaben. 4. Die Kriegsanleihen. Anch bei der stärksten Anspannung der Steuerkraft konnte die Steigerung der Staatseinkünfte nur einen Bruchteil der für den Krieg benötigten Summen liefern, die ja den bisherigen Gesamtbetrag der ordentlichen Einnahmen nm ein Mehrfaches überstiegen. Deshalb nehmen in den für den Krieg aufgestellten Budgets die An- Prof. Nathgen macht in der „Nation" vom 2. September 1905 darauf aufmerksam, daß in den Bezirken im Jahre 1904 die Steuern um 14 Millionen Den niedriger veranschlagt gewesen sind als 19O2, so daß sich bei einer ähnlichen Verminderung in den Ortsgemeinden eine Entlastung von mehr als 30 Millionen Den ergeben würde. 10* I^g Zweiter U.eil. Die finanziellen Kriegsmasstiahmen. r^»> c^»? c^i> r^»? c^»? c?^? r^i? r^->? r^» ^ c^>? r^s.^ r^-»? r^Ä> ^-»? leihen weitaus de» breiteste» Raum unter den Mitteln der Geldbeschaffung ein. In der Notverordnung voin 28. Dezember 1903 und im Kriegs- bndget für lülll l>7. waren öffentliche Anleihen im Betrage von 38V Millionen Jen nnd sonstige kurzfristige Darlehen im Betrage von 31 Millionen Jen vorgesehen. Letztere sind bei der Bank von Japan aufgenommen worden und kommen hier noch nicht in Betracht. Über die fiir das erste .^riegsjahr insgesamt im Betrage von 38 Millionen Aen, Tie Hälfte der Anleide wurde in London emittiert durch ein Syndikat, den, die II<>i>^!«u>u u,u> .^dungbui Lanlvlug ('ornoi'atiou, die ^olcobuina Lpooio Lank und ?si'i''s Lank angehörten i die andere Hälfte wurde von einem amerikanischen Syndikat, bestehend ans dem Bankhaus Kuhn, Loeb Co,, der Xational Litx Lank und der Lank cit (!vininei^e, iibernomuien, Tie Schatzscheine sind spätestens nm 5, April 1911 ein zulöseu, jedoch hat sich die japanische Regierung das Recht vorbehalten, sie schon vom ö. April 1997 au nach vorausgegangener sechsmonatlicher Küudiguug zurückzuzahlen. Japan hat sich also demselben Mittels bedient, das auch Rußland bei seiner Geldbeschaffung im Anleihewege angewendet hat: der Begebung kurzfristiger Schatzscheine, die durch eine relaliv hohe Verzinsung der augenblicklichen Lage Rechnung tragen, ohne den Staat für eine lange Reihe von Jahren über die Kriegszeiten hinaus mit dem jetzt zn gewährenden Zinsznfchlag zu belasten. Für den Dienst dieser Anleihe haften die japanischen Zolleinkünfte. Der Begebungskurs wurde auf 98>/> Prozent festgesetzt!') die japanische Regierung übernahm die Zahlung einer 2prozentigeu Garantieprovisiou, so daß sich für sie der Reinerlös aus der Anleihe auf 91^/> Prozent stellte. Unter Berücksichtigung der spätestens am 5, April 1911 erfolgenden Rückzahlung zu Pari stellt sich die effektive Verzinsung für die Zeichner auf 7,-1 Prozent; sollte die Rückzahlung zn Pari schon im Jahre 1997 erfolgen, fo würde sich die effektive Verzinsung auf mehr als 8 Prozent erhöhen. In Anbetracht des Umstandes, daß die Auleibe aus englische Währung lautet, für die Überuehmer mithin ein Valutarisiko aufgeschlossen ist, daß ferner in den im Vergleich zu den Zinse» recht erheblichen japanischen Zolleinkünften eine besondere Sicherheit für die Anleihe bestellt ist, müssen diese Bedingungen als außerordentlich *) Nach einer Mitteilung des „Berliner Börsen-Courier" vom 13, Mai 1904 betrugen die Einzahlungen auf die japanische Anleihe nach einer Anzahlung von 5 Prozent: bei Zuteilung 15 Prozent, am II, Juni und 11, Juli je 25 Prozent, am 15, August die restlichen W^/s Prozent, -zweiter Teil. Die sinanziellen Kricgsmaßnahmen. hart erscheinen. Noch wenige Monate vor dem Krieg hatte in London die einzige vorhandene Sterlinganleihe Japans, die 4prozentige Anleihe von 1899, etwa 85 notiert: das bedeutete eine effektive Verzinsung von 4,7 Prozent, wahrend jetzt der japanische Staat sich eine Zinsbelastung von nahezu 8 Prozent gefallen lassen ninßte. Insbesondere erscheinen die Bedingungen hart gegenüber denjenigen, die Nnßlanb um dieselbe Zeit auf dem Pariser Markt für seine Anleihe erlangte. Rußland hat den Betrag von etwa 648 Millionen Mark gegen eine effektive Verzinsung von 6,2 Prozent fiir fünf Jahre untergebracht, während Japan, um einen Betrag von etwa 269 Millionen Mark zn begeben, fiir sieben Jahre eine effektive Zinsbelastung vou nahezn 8 Prozent ans sich nehmen mußte. Eiu besseres Resultat war uicht zu erzielen, obwohl die auf dem Londoner Markte in jener Zeit nicht minder wie in Paris herrschende Geldfliissigkeit der Unterbringung der Anleihe sehr zu statten kommen mußte. Der Privatdiskont auf dem Londoner Markte betrug im Mai 1904 durchschnittlich mir 2,67 Prozent gegen 3,44 Prozent im Mai 1963 uud 2,86 Prozent im Mai 1962; am 19. Mai 1904 wurde der Privatdiskont sogar nnr mit IVio Prozent notiert. Die hohe Verzinsung der japanischen Anleihe hat bei der Flüssigkeit des Geldmarktes allerdings ihre Wirkung auf die Speknlationslust nicht verfehlt! als die Anleihe am 12. Mai zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt wurde, fand sie reißenden Absatz nnd wurde dreißigmal überzeichnet. Den ganz großen Zeichnern soll nnr ein Sechzigste! des subskribierten Betrages zugeteilt worden fein. Nach dein „Ecouomist" wurde auf der Londoner Börfe vielfach bedauert, daß Japan nicht die ganze Anleihe ans dem Londoner Markte zur Begebung gebracht habe, der Wohl schwerlich ein zweites Mal einer japanischen Emission eine so enthusiastische Aufnahme bereiten werde. Die zweite innere Anleihe. In Japan selbst scheint man über die harten Bedingungen, die man sich in London uud New-Iork diktieren lassen mußte, uichtS weniger als erfreut gewesen zu sein: diese Bedinguugen haben jedenfalls dazu beigetragen, daß die japanische Finanzverwaltung eine abermalige Inanspruchnahme des internationalen Geldmarktes so lange wie irgend möglich zu vermeiden suchte. Auderseits war offenbar auch durch die Sterliuganleihe der Geldbedarf für den Krieg nicht II, Japan. 151 c-Li? i7^? rs? 5^-?, i^-i? rsi? lüsi? r--?i? r^-?i? rü-i? r^-i? r^i? c^-i? i^i? r--.->> r^-i? ausreichend gedeckt; denn alsbald nach der Emission der Sterlinganleihe wurde gemeldet, daß Japan abermals eine innere Anleihe im Betrage von 10V Millionen Jen anfznnehmen gedenke. In der Tat erfolgte im Juni in Tokio die Ausgabe eines solchen Betrages in oprozentigen Schatzscheinen, deren Rückzahlung innerhalb von 7 Jahren erfolgen soll. Der Begebuugskurs wurde auf 92 festgesetzt, also nicht viel niedriger als der Begebnngsturs der Londoner (iprozen- tigen Schatzscheine. Nimmt man hinzu, daß bei der Sterlinganleihe das bei einer auf japanische Währung lautenden Anleihe vorhandene Valutarisiko ausgeschaltet ist, so stellt sich eine so große Differenz in der effektiven Verzinsung der beiden rasch nacheinander ausgegebenen Anleihen heraus, daß jede Beteiligung des ausländischen Kapitals an der Juuianleihe ausgeschlossen sein mußte. Gleichwohl wurde auch diese Anleihe mehr als dreimal überzeichnet (Zeichnungsergebnis 322 Prozent). Die dritte innere Anleihe. Von den für 1904/05 für den Krieg bewilligten Anleihekrediten in Höhe von 38V Millionen Jen war nnnmehr über den Betrag von 300 Millionen Z)en verfügt. Der Reinerlös dieser Anleihen belief sich auf etwa 273 Millionen Den. Znsammen mit den 31 Millionen Jen „sonstiger Darlehen", die bei der Bank von Japan aufgenommen worden waren, uud mit den übrigen zur Verfügung gestellten Mitteln — die Einnahmen aus den erhöhten Zöllen für die ersten sechs Monate des Etatsjahres 1904/05 auf die Hälfte des veran- fchlagten Betrages berechnet — ergibt sich für Japan bis Ende September 1904 eine für Kriegszwecke verfügbare Snmme von etwa 440 Millionen Jen. Auch wenn man die japanischen Kriegskosten recht mäßig veranschlagte, konnte es nicht zweifelhaft sein, daß Japan zur rechtzeitigen Ergänzung seiner Mittel noch im Jahre 1904 weitere Geldbeschaffungen würde vornehmen müssen. In der Tat ist Japan im November 1904 mit ueueu Auleihen an den Geldmarkt herangetreten, und zwar zunächst mit einer weiteren Inlandsanleihe im Betrag von 80 Millionen Jen. Die Anleihe wurde abermals in der Form 5prozentiger Schatzscheine von siebenjähriger Laufzeit ausgegeben', sie wurde in der ersten Novemberwoche zum Kurs vou 92 — wie die zweite innere Anleihe im Jnni — zur Zeichnung aufgelegt und 2i/2inal überzeichnet. 152 zweiter Teil. ?ic finanziellen Uriegsmaßmihmeii. Mit dieser Anleihe waren die durch das Kriegsbudget für 1994/95 genehmigten Anleihekredite erschöpft. Die für den Krieg zur Verfügung gestellten Mittel beliefen sich nunmehr auf etwa ölt) Millionen ?)en und blieben mithin nicht allzuweit hinter den bis zu derselbe!, Zeit von Rußland für den Krieg bereitgestellten Mitteln (etwa t)35 Millionen Rubel) zurück. Die zweite Ausländsanleihe. Gleichwohl hat Japan sich veranlaßt gesehen, zn derselben Zeit, in der es die eben erwähnte innere Anleihe zur Begebung brachte, auch eine nene Auslandsanleihe mit dem gleichen englisch-amerikanischen Bantensyndikat abzuschließen, das im Mai 1994 die Emission der ersten japanischen Ausländsanleihe übernommen hatte. Es handelte sich dieses Mal um eine Anleihe im Betrage von 12 Millionen Pfd. Sterl. ^ etwa 120 Millionen Jen, bestehend in Schatzscheinen, die mit (> Prozent per annum verzinslich nnd spätestens am 5. Oktober 1911 zu Pari einzulösen sind; jedoch hat die japanische Negierung sich vorbehalten, die Schatzscheine schon vom 5. April 1907 ab mit halbjähriger Kündigung zurückzuzahlen, zn demselben Termin, zu dem auch die im Mai in London und New-Aork begebenen Schatzscheine gekündigt werden können. Für die nenen Schatzscheine haften die bereits für die erste Ausländsanleihe verpfändeten Zölle an zweiter Stelle. Der Begebnngsknrs der neuen Schatzscheine wurde auf 99^ Pro- zeut festgesetzt, während die Emission des gleichen Typus im Mai zn einem Knrs von 93i^> erfolgt war. Nach Abrechnung der Garantieprovision nsw. blieb für die japanische Negierung ein Reinerlös von 86^ Prozent. In Anbetracht der spätestens nach 7 Jahren erfolgende» Rückzahlung zn Pari gewährt die neue Auleihe den Zeichnern eine effektive Verzinsung von 8,1 Prozent, die effektive Zinsbelastung für den japanischen Staat stellt sich ans 9,1 Prozent. Sollte die Rückzahlung schon im Jahre 1997 erfolgen, würde sich die tatsächliche Verzinsung nnd Zinsbelastnng noch entsprechend höher stellen. Die Auleihe ist abermals zur Hälfte in London, znr anderen Hälfte in New-Aork untergebracht worden: sie soll in London 8 bis lOmal überzeichnet worden sein. Die zu einem um 3 Prozent höheren II. Japan. Knrse in> Mni aufgelegten Schatzscheine hatten wie oben erwähnt — den Erfolg einer 30fachen llberzeichnnng gehabt. Wenn Japan, trotz der Mißstimmung, die schon nach der ersten Schatzschein-Emission in London und New-Aork wegen der harten Bedingungen Platz gegriffen hatte, sich damals zu einer für den Geldmarkt verhältnismäßig ungiinstigen Jahreszeit zn einer zweite» Auslandsanleihe unter noch schwereren Bedingungen verstanden hat, so dürfte dabei in erster Liuie die Rücksicht auf deu Stand der Baut von Japan und auf die Erhaltung der japanischen Valuta mitgespielt haben. Die letzten Einzahlungen auf die Auslandsanleihe vom Mai sind bereits Mitte August erfolgt. Die allmähliche Verausgabung der durch diese Anleihe im Ausland geschaffenen Guthaben stellte Japan vor die Notwendigkeit einer neuen Ausländsanleihe, wen» nicht abermals, wie es in der ersten Jahreshälfte geschehen war, die Bank von Japan und der Goldbestand des Landes in bedrohlicher Weise in Anspruch genommeu und damit die japanische Valuta anfs Spiel gesetzt werden sollte. Zu deu Auleiheu des Jahres 1904 traten noch in demselben Jahre hinzu 6 680 VW Z)en in 5prozentigen Schatzscheinen, die zur Durchführung des Tabakmonopols ausgegeben wurden. Was die Verrechnung der im Jahre 1001 aufgenommenen Anleihen betrifft, so geht aus einer Bemerkung des Jahrbuchs des japanischen Finanzministeriums (1905, S. 9) hervor, daß die in London und New-Uork im November 1904 aufgenommene Anleihe ebenso wie die später zu besprechenden im März 1905 aufgenommenen beiden Anleihen auf den für das Jahr 1905/00 genehmigten Anleihebetrag verrechnet werden sollen. Tagegen ist in der Übersicht des Standes der japanischen Staatsschuld am 31. März 1905, die iu demselben Jahrbuch enthalten ist (S. 34/35), an inneren Kriegsanleihen mir die dem Betrag der beiden ersten Anleihen vom März nnd Mai 1904 ungefähr entsprechende Snmme von 198,1 Millionen Ajen angeführt, an äußeren Kriegsanleihen die Summe von 214,8 Millionen ?>en, die den Betrag der im Mai und November in London nnd New-Iork ausgegebenen Anleihen darstellt. Tatsächlich aufgenommen waren jedenfalls bis zum Ende des Kalenderjahres 1904 Kriegsanleihen im Gesamtbetrage von rnno 500 Millionen Yen, davon 280 Millionen Yen im Jnlande und 220 IZ^. Zweiter Teil. Die finanziellen Uricgsmaßnahmen. Millionen im Auslande. Der effektive Ertrag dürfte sich auf 460 bis 465 Millionen Jen belaufen haben. Zusammen mit den übrigen für den Krieg zur Verfügung gestellten Mitteln (sonstige Darlehen, Überschüsse, Spezialfonds uud Ertrag der Kriegszölle usw. für neun Monate) würde sich die von der japanischen Negierung bis Ende 1904 für die Kriegszwecke aufgebrachte Summe auf ruud 64V Millionen Uen gestellt haben. Wieviel von dieser Snmme zu Ende des Jahres 1964 noch verfügbar war, steht nicht fest, läßt sich aber ans einer Angabe des japanischen Vize-Finanzministers Sakatani, daß die ersten 16 Kriegsmonate für Japan einen Kostenaufwand von 436 Millionen Jen verursacht hätten/") ziemlich genan berechnen. Die durchschnittlichen monatlichen Kriegskosten sür Japan würden sich nach der Angabe Sakatanis im Jahre 1964 ans ungefähr 4L Millionen Jen gestellt und der gesamte Kriegsaufwand des Jahres 1964 würde ungefähr 475 Millionen Jen betragen haben. Von den im Jahre 1964 beschafften Mitteln hat Japan mithin etwa 165, Millionen Aen mit in das Jahr 1963 herübergenommen. Wenn man berücksichtigt, daß auch für Japan die monatlichen Kriegskosten mit der Ergänzung und erheblichen Verstärkung der Armee in der Mandschurei uud mit den Vorbereitungen der Flotte sür den Kampf mit dem Baltischen Geschwader allmählich stark haben anschwellen müssen, so ist es klar, daß Japan ebensowenig wie Rußland in der Lage war, eine weitere Geldbeschaffung irgend erheblich über den Jahreswechsel hinauszuschieben. Gerüchte über neue Kreditoperationen Japans im Auslande kamen dementsprechend schon bald nach dem Abschluß der Novemberanleihe in Umlauf. Man fprach von einer auswärtigen Anleihe auf der Basis der Verpfändung des neu geschaffenen Kampfermonopols, daneben von einem Vorschuß der Standard Oil Company gegen Verpfändung der japanischen Petrolenmlager. Es mag sein, daß in der Tat auf diesen Gruud- lageu Verhandlungen stattgefunden haben; aber die schweren Bedingungen, die Japan sich bei der zweiten Auslandsauleihe vom November 1964 hatte gefallen lassen müssen, die ihn, — wie erwähnt — bei einer 6prozentigen Verzinsung und bei der Verpflichtung der Pari- Rückzahlung nach 7 Jahren nur einen Nettoerlös von 86-^ Prozent Ziehe „Hamb. Correspondent" vom 22. Januar II, Iapcm, 1Z5 r---^r-^r-^6--^r-^r---^k--?r--5^r-^ gebracht hatte, — diese schweren Bedingungen lassen eS begreiflich erscheinen, daß Japan mit einein erneuten Appell an die westlichen Geldmärkte, deren Willigkeit es erst allmählich durch seine gewaltigen militärischen Erfolge erzwang, so lange wie möglich zurückhielt. Die vierte innere Anleihe. Obwohl der Fall von Port Arthur und die Petersburger Arbeiteruuruhen die Aussichten Japans ans einen endgültigen Sieg uud einen günstigen Frieden ganz erheblich verbesserten, was sich auch in den steigenden Kursen seiner Auleihen auf dem Londoner Markte deutlich ausdrückte, so zog mau es in Japan doch vor, sich zunächst noch einmal an den inneren Geldmarkt zu weuoeu. Die Bedingungen, unter denen diese nene (vierte) innere Anleihe Ende Februar 1905 zustande kam, sind äußerst charakteristisch uicht nur sür den damaligen, einer Erschöpsuug sehr nahen Stand der japanischen Staatsfinauzen, souderu auch für die Beurteilung der frühereu im Jnlaude aufgenommenen Kriegsanleihen, Für die neue Anleihe im Betrage von IM Millionen Jen wurde abermals die Form der Schatzscheine gewählt, deren Laufzeit ebenso wie bei der zweiten und dritten inneren Anleihe auf 7 Jahre bemessen wnrde. Aber man mußte sich entschließen, diese neuen Schatz- scheine mit einer Kprozentigen — statt mit der bisherigen vprozeu- tigeu — Verzinsung auszustatten, nnd trotz der höheren Verzinsung mnßte man sich mit einem Emissiousturs von 90 Prozent begnüge», während man für die zweite und dritte Ausgabe der nnr 5prozen- tigen Schatzscheine eiueu Emissionskurs von 92 Prozent nnd für die erste, ebenfalls uur ">prozeutige Ausgabe im Februar 1994 sogar einen Kurs von 95 Prozent erzielt hatte. Die neue Anleihe gewährte den Zeichnern eine effektive Verzinsung von 8,25 Prozent, während die vorhergegaugeueu beiden Inlandsanleihen eine solche nur in Höhe von 0,6 Prozent abgeworfen hatten. Dabei stand der Kurs der 4prozentigeu japanischen Anleihe in London zur Zeit der soviel günstigeren Begebung der zweiten uud dritte» Inlandsanleihe ans etwa 70 Prozent (im Mai 1904) und 74 Prozent (im November 1904), während er im Februar 1905, zur Zeit des Abschlusses der neuen Inlandsanleihe, auf 86 Prozent und höher stand. Im Auslande waren also die japanischen Kurse gegenüber den Zeitpunkten der 156 Zweiter Teil. Die finanziellen Uriegsinaßncchmcn, Emission der vorausgegangenen Inlandsanleihen nin 12 bis 16 Prozent gestiegen, im Iiilande dagegen mußte sich Japan bei einem n»i 1 Prozent erhöhten Zinsfuß einen niedrigeren Emissiouskurs gefallen lassen. Weuu sich die relatib günstigen Bedingungen, zn denen die japanische Regierung ihre ersten drei Inlandsanleihen unterbringen konnte, während ihr der englisch-amerikanische Geldmarkt für die gleichzeitigen Anslands-Anleihen so sehr viel härtere Bedingungen auferlegte, vielleicht aus dem patriotischen Enthusiasmus der japanischen Geldgeber, vielleicht auch zum Teil aus einem gewissen von der Regierung oder der öffentlichen Meinung ausgeübten Drucke erklären lassen, so gibt es sür die ungünstigen Bedingungen der im Februar 19W abgeschlossenen inneren Anleihe doch kanm eine andere Erklärung, als daß die Leistungsfähigkeit des inneren japanischen Geldmarktes damals nicht mehr vorhielt. Dieser Eindruck wird dadurch bestätigt, das; von Japan ans noch vor der Eröffnung der Subskription aus die neue Anleihe Versuche gemacht worden sind, einen Teil der neuen Schabscheine im Auslande unterzubringen. Die Zeichnung ans die nene Anleihe sollte in Tokio am 2ü. März statt- sinden! aber schon in der ersten Märzhälfte scheint namentlich in London und Paris ein nmfangreicher Handel mit den nenen Schatzscheinen, und zwar auf der Basis eines Kurses von 93>/>—94 Prozent, betrieben worden zu sein. Auch in Berlin, in Österreich und in der Schweiz sollen von London aus größere Beträge uutergebracht worden sein.'") Die „Frankfurter Zeitung" wies damals mit Recht auf die für den europäischen Käufer ungünstigen Unterschiede dieser inneren Anleihe gegenüber den während des Krieges ausgegebenen japanischen Ausländsanleihen hin; während letztere auf englische nnd amerikanische Valuta lauten, sind die ersteren mir auf japanische Währung ausgestellt und infolgedessen mit dem vollen Valutarisiko behaftet, nnd ferner fehlt ihnen eine spezielle Sicherstellnng, wie sie sür die bis dahin emittierten Ausländsanleihen durch die Verpfändung der Zölle gewährt worden war. Nach dem Zeichnuugsergcbnis soll trotz dieser Nachteile etwa die Hälfte der ucuen Anleihe von frem- Vgl. „Berliner Börsen-Courier" vom 1. und 9. März 1905, die „Neue Freie Presse" vom 9. Mörz 1905 und die „Frankfurter Zeitung" vom 10. März 1905. II. Japan, 157 c^.-i? r^-n c^^i ^»r^.-.? c^-^ ri-ic r-si? c^--,? r«M rs» r^i! c«---i? r-^Vi den Häusern iibernommen »Vörden sein, und man darf Wohl anneb- me», daß miiwestens dieser Betrag im Auslände plaziert Warden isl. Die 4>/>prvzentige AuSlandsanlcihc, Scric I. Die innere Anleihe in dein geringfügigen Betrage von 1Ul> Mil- lionen Jen konnte natürlich bei dein damaligen Stand der japanischen Staatstasse und bei den großen Erfordernissen de5 Kriege? nur ein Notbehelf für kurze Zeit sein. Sowohl die Schwierigkeit einer größeren Geldbeschaffung im Jnlande als auch die Notwendigkeit größerer Zahlungen im Auslände mußte Japan abermals auf den auswärtigen Geldmarkt verweise». Dort hatten inzwischen dem japanischen Finanzminister die russischen Revolutionäre und die japanischen Soldaten auf das Beste vorgearbeitet. Nach dem Ausgang der Schlacht bei Mnkden waren die internationalen Geldmärkte über die Zukunft Japans beruhigt', die militärischen Großtaten tarnen nun auch in der Beurteilung der finanziellen Leistungsfähigkeit Japans zum Ausdruck: die Börse» erkannten Japan als sinanzielle Großmacht an. Als Herr Talahashi, der Präsident der Bank von Japan, in der zweiten Hälfte des März als Unterhändler für eine neue Anleihe in London eintraf, fand er dort ein günstiges Operationsfeld, Er konnte den zahlreichen Journalisten, die ihn interviewten, verkünden, daß Japan jetzt, nachdem es das Mißtrauen der europäischen Geldmärkte überwunden habe, mit einer größeren Anleihe vorgehen wolle. Wenn er allerdings gegenüber den Journalisten nnd Finanziers sich dahin äußerte, daß die neue Auslandsanleihe den Geldbedarf Japans für 1 bis 1^/2 Jahr decken werde, so hat sich das späterhin nicht aufrecht erhalten lassen. Auch eine durch das Rentersche Telegraphenbnrea» verbreitete Äußerung des Herrn Takahashi, daß die Erträgnisse der neuen Auslaudsauleihe im Ausland bleiben uud dort zur Aufrechterhaltung der japanischen Goldzahlungeu sowie zur Begleichung des eventuell ungünstigen Saldos der japanischen Handelsbilanz dienen sollten, während für die unmittelbaren Zwecke des Feldzuges die iuuereu Anleihen, auf die man — so oft notwendig — zurückgreifen werde, reichliche Mittel gewährten, — auch diese Äußerung mußte iu Anbetracht der Art und Weise der Unterbringung der letzten inneren Anleihe stark optimistisch klingen. 1ZZ Zweiter Teil. Die finanzielle» Rricgsnmsznahmen. Aber solche Erwägungen verschlugen nicht allzn viel. Die neue Anleihe fand ein bereitwilliges Entgegenkommen. Außer den englischen und amerikanischen Häusern, welche die bisherigen auswärtigen Kriegsanleihen übernommen hatten, nahmen dieses Mal auch deutsche Baukeu an den Verhandlungen teil. Schon von den früheren Ausländsanleihen war ein, wenn anch nur bescheidener Bruchteil durch Vermittlung eines Hamburger Bankhauses in Deutschland plaziert worden, und bei der wachsenden Neigung des deutschen Kapita- listenpnbliknms zur Anlage in japanischen Werten erschien eine Beteiligung Deutschlands an der Emission der neuen Anleihe durchaus natürlich. Auch politische Bedenken konnten bei der von Deutschland gegenüber den beiden kriegführenden Parteien gewahrten Neutralität einer Beteiligung des deutschen Marktes an der neuen Anleihe nicht entgegenstehen. Am 17. März hat der Reichskanzler Fürst Bülow, als er im Reichstage wegen der Zulassung russischer Anleihen angegriffen wurde, die Gelegenheit benutzt, um die deutsche Neutralität auch auf dem finanziellen Gebiete zn betonen, indem er ausführte, die Neichsregierung habe keinen Grund, eine neue russische Anleihe zu verhindern, ebenso wie sie auch die japanische Regierung uicht verhindern werde, eine Anleihe in Deutschland aufzunehmen. Für dieses Mal allerdings kam eine deutsche Beteiligung noch nicht zustande. Die Führerin der englischen Gruppe, die Hongkong c!<- Shanghai Banking Corporation, inachte Vorrechte auf die Anleihe geltend und wollte der deutscheu, von der Deutsch-Asiatischeu Bank geführten Gruppe uur ciue Uuterbeteiliguug zugestehen, was diese, als ihrer Stellung uicht eutsprecheud, zurückwies. Immerhin mag die deutsche Konkurrenz mit dazu beigetragen haben, den Japanern die Bedingungen für ihre neue Anleihe günstiger zu gestalten. Am 24. März wurde der Abschluß der Anleihe gemeldet. Der Betrag war dieses Mal 30 Millionen Pfd. Stert.; die Hälfte sollte in London, die andere Hälfte in New-Aork begeben werden. Der Zinsfuß wurde auf 4^ Prozent normiert. Die Form war dieses Mal nicht, wie bei den bisherigen inneren und äußeren Kriegsanleihen, diejenige von Schatzscheinen mit S- bis 7jähriger Laufzeit: die japanische Regierung ist vielmehr erst nach 20 Jahren zur Rückzahlung der neueu Anleihe verpflichtet, hat sich jedoch das Recht vorbehalten, die Rückzahlung zu Pari schon nach fünf Jahren zu bewirken. II- Japan, 159 r^-i? c^-i? r^-i? c-^i? cs? c--?, c-si? r-^i? c^-ii r-^-i? i^-i? ^?>^ rü-i? ^-i? r^.-v? l^-i? l^-ii ü^ii Also auch hier, wie bei der zweiten russischen Auslandsauleihe, eine Mischung von Schatzscheinen und konsolidierter Anleihe, jedoch mit dem Unterschied, das; Rußland das Recht und den Vorteil der Wahl zwischen der früheren oder späteren Rückzahlung den Käufern seiner Anleihe zugestanden hatte, während Japan diese Wahl sich selbst vorbehielt, Tagegen mußte Japau sich auch für diese Anleihe zu einer besonderen Sicherstellung verstehen. Nachdem für die beiden ersten Ausländsanleihen die Zollerträguisse perpfäudet worden wareu, wurden für die neue Anleihe die Neinerträge des Tabakmonopols als spezielles Unterpfand bestellt. Das Tabakmonopol hatte schon vor seiner Ausdehnung im Jahre 1903/04 einen Ertrag von 15 Millionen Jen gebracht, während für die Verzinsung der nenen Anleihe ein Jahresbetrag von 13,5 Millionen Jen erforderlich ist. Der Emissionskurs wurde ans 90 Prozent festgesetzt, der Übernahmekurs auf 86^ Prozent, Danach berechnet sich die effektive Rentabilität für die Zeichner bei einer Rückzahlung iu 20 Jahren auf 5,56 Prozent, bei einer Rückzahlung in 5 Jahren auf 7,2 Prozeut, Für den japanischen Staat stellt sich die effektive Zinsbelastnng bei einer Rückzahlung nach 20 Jahren ans 6,0 Prozent, bei einer Rückzahlung nach 5 Jahren auf 8,4 Prozent. Diese Bedingungen sind ganz augenfällig günstiger als diejenigen der beiden ersten Ausländsanleihen, die Japan mit einem Zinsfuß von 6 Prozent hat ausgeben müssen uud die bei der Verpflichtung der Parirückzahlnng nach sieben Jahren nnr einen Emissionskurs von 93^ bzw. 90^/. uud einen Übernahmekurs von 91^ bzw. 86-A Prozent erzielt hatte»! ebenso sind sie günstiger als die Bedingungen für die Emission der im Februar 1905 abgeschlossenen inneren Anleihe, die bei Pari-Nückzah- lung nach 7 Jahren und Kprozentiger Verzinsung zu 99 begeben wor^ den war. Immerhin blieb jedoch auch bei dieser ueueu Anleihe der Emissionskurs um 5 Prozent hinter der gleichverzinslichen russischen Ausländsanleihe vom Januar zurück. Die fünfte innere Anleihe. Die von Tatahashi ausgesprochene Absicht, mit der im März 1994 in London und New-Uork aufgeuommenen Anleihe im Betrage von 3V Millionen Pfund Sterling den japanischen Geldbedarf für 1 bis 11/2 Jahre zn decken, ist jedenfalls nicht er- 1t>g Zweiter u.cil. Die finanziellen Kriegsinaßnahinen. c---^? r---i? c-A? r?--^ ^s>? c-s^? r-i-^? c-Si? r^-i> r-i-i? rü-i? r^-v» r--si?l^-i? rz^v» reicht worden. Ter effektive Ertrag von rund 250 Millionen ;'1eu tonnte an sich bei der seit dein Herbste lW-l zweifellos eingetretenen Steigerling der Kriegsausgaben, für deren Deckung allerdings außer der kurz zuvor aufgenommenen inneren Anleihe auch andere Mittel, wie die Erträgnisse der Kriegssteuern uud Überweisungen ans Spezialfonds, in Betracht kamen, auf nicht mehr als drei bis vier Monate vorhalten. In der Tat sah sich die japanische Regierung wenige Wochen nach dem Abschluß der 39 Millionen Pfd. Sterl.-Anleihe veranlaßt, mit einer neuen (füufteu) inneren Anleihe vorzugeheni") wenigstens wnßten die Zeitungen von einer solchen Anleihe, die in Verzinsung nnd Niickzahlnngsfrist sowie in dem Nennbetrage der vierten inneren Anleihe entsprochen haben soll, zu berichten. Über Emissionskurs und Zeichnungsergebnis hat nichts verlautet, so daß es fast scheint, als ob diese Anleihe ohne öffentliche Subskription unter der Hand — vielleicht vorwiegend an fremde Hänser — begeben worden wäre. Tic 4^prozcntige Ausländsanleihe, Serie II. Aber auch der ausländische Geldmarkt wurde von Japan vor dem Beginn der Friedensverhandlnngen noch einmal mit einer großen Summe iu Anspruch genommen. Ende Juni begannen die neuen Verhandlungen, an denen dieses Mal von vornherein auch die deutsche Gruppe der Deutsch-Asiatischen Bank teilnahm. Herr Taka- hashi, der von japanischer Seite abermals nach London delegiert worden war, motivierte die neue Anleihe damit, daß sie die Mittel Japans mit Rücksicht auf den unsicheren Ausgang der bevorstehenden Friedensverhandlungen und auf die mit dem etwaigen Friedensschlüsse notwendig werdenden Ausgaben verstärken solle; er bestritt entschieden, daß Japan einen dringenden Geldbedarf habe, und berief sich darauf, daß seine Regierung aus der letzten Auslandsanleihe »och 50 Millionen Dollar in New-York uud 8 Millionen Pfd. Sterl. in London zur Verfügung habe, zusammen 180 Millionen Aen oder etwa zwei Drittel des Anleihe-Erlöses.**) Auch der damalige Staud der Bauk von Japan spricht nicht für eiucn direkten Geldbedarf, nnd *) Vgl. „Frankfnrter Zeitung" vom M. Zlvril 1905. *) Vgl. „Frankfurter Zeitung" vom 4. Juli 1905. II. Japan. r-s^ r--,^ r---i? c--^? r^-i? i-^? r^i? c^^< c--^? i^-v, c-^c c--vs r-^?» r^>? c^.->? cü-» ebenso läßt eine Bilanz der seit dem Beginn des Jahres 1903 für Japan verfügbaren Mittel die Angabe Takahashis glaubhaft erscheinen. Zu dem iu das ueue Jahr herübergeuommenen Bestand von 165 Millionen Aen waren als Erlös aus der auswärtigeu Anleihe uud den beiden inneren Anleihen rund 43V Millionen Jen hinzugetreten, ferner der auf ruud 60 Millionen Neu zn veranschlagende Ertrag der Kriegsstenern für das l. Halbjahr 1903, außerdem Zuweisungen aus Spczialfouds uud dem Budgetüberschuß, so daß sich ein Gesamtbetrag verfügbarer Mittel von rnud KM Millionen Jen ergibt. Auch weuu man die monatlichen Kriegsausgaben aus 80 Millionen Jen veranschlagt, also nahezu doppelt so hoch, als sie im Jahre 1904 gewesen waren, und nm 13 Millionen Uen höher, als sie sich nach dem Kricgsbudget für 1903/06 bei einer Jahresansgabe von 780 Millionen Jen berechnen, so ergibt sich sür das erste Halbjahr 1903 ein Kriegsanfwand von nnr 480 Millionen M» gegenüber den bereitgestellten Mitteln im Betrag vou 080 Millionen Jen, so daß mithin am Beginn des zweiten Halbjahrs 1903 ein noch verfügbarer Bestand von 200 Millionen Yen verblieb. Das Bestreben des japanischen Fiuanzministers, gerade angesichts der Friedensverhcmd- luugen seine bereiten Mittel möglichst zn verstärken, ist durchaus begreiflich. Sein Gegeukontrahent verfügte iu dem Goldbestande seiner Reichsbank über mehr als 1 Milliarde Rnbel effektiven Goldes, ans die er zum Beweis der finanziellen Möglichkeit einer Weiterführung des Krieges hiuzeigen konnte. Japan dagegen hatte neben den noch nicht verausgabten Beständen seiner Staatskasse in seiner Zentralbank nnr einen Goldbestand in Höhe von nicht viel mehr als 100 Millionen Jen. Wenn also im Hinblick ans die Friedensverhandlungen Japan sich in finanzieller Beziehung eine mich nnr annähernd gleich starke Position wie Rußland schaffen wollte, dann war die Vermehrung seiner verfügbaren Mittel durch eine weitere große uud sofort aufzunehmende Ausländsanleihe das einzige Mittel. Eine Einigung wurde rasch erzielt. Die uene Anleihe im Betrage von abermals 30 Milliouen Pfd. Sterl. wurde als eine II. Serie der im März 1903 aufgenommenen Ausländsanleihe gestaltet nnd mit dieser iu bezug auf Verzinsung, Rückzahlung und Knndignngsbcfugnis genan gleich behandelt? ebenso dienen auch dieser II. Serie die Erträgnisse des Tabakmonopols, allerdings erst Hclsferich, Das Gcw im nissisch japanisch«! Üncac > > IgZ Zweiter Teil. Die finanziellen Uriegsmaßnahmen. an zweiter Stelle, als besondere Sicherheit. Da die Einkünfte aus dem genannten Monopol infolge seiner während des Krieges bewirkten Ansgestaltnng für 1903/06 ans 32 Millionen Yen veranschlagt sind, während die Verzinsung der I. und II. Serie der 4^pro- zentigen Auslandsanleihe 27 Millionen Jen pro Jahr erfordert, reicht die für den Zinsendicnst erforderliche Summe nahe an den immerhin nur veranschlagten Betrag der verpfändeten Einkünfte heran. Aber der japanische Staatskrcdit als solcher mag unter dem Eindruck der japanischen Waffenerfolge und bei der sicheren Hoffnung auf einen baldigen, für Japan auch in finanzieller Beziehung günstigen Frieden den die Anleihe übernehmenden Banken wichtiger erschienen sein als das bestellte SpezialPfand. Der Einissionskurs wnrde — wie bei der I. Serie — auf 96 festgesetzt, der Reinerlös für Japan wurde auf 85^ Prozent angegeben. Die effektive Rentabilität für die Zeichner ist also dieselbe wie bei der Märzanleihe, während sich die effektive Zinsbelastung für Japan etwas höher stellt. Die Anleihe, die zu gleichen Teilen in London, New-Nork und Berlin zur Begebung kam, wnrde in den drei Ausgabeländern beträchtlich überzeichnet. Daß bei dieser Anleihe in der Tat nicht die Befriedigung eines dringenden Geldbedarfs, sondern lediglich eine Verstärkung der verfügbaren Mittel zur Kräftigung der Position Japans bei den Friedensverhandlungen der Zweck war, ergibt sich insbesondere auch aus den Einzahlungsterminen. Auf den in Deutschland begebenen Anleihebetrag sollten eingezahlt werden: je 25 Prozent der zugeteilten Beträge am 1. Angnst und 1. Oktober, der Nest am 10. Dezember 1905. Gesamtbild der japanischen Kriegsanleihen. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht der Gesamtheit der japanischen Kriegsanleihen. Der Nennbetrag der ausgegebenen Anleihen in Höhe von 1286 Millionen Yen überschreitet um etwa 336 Millionen Yen die Summe der für die beiden Kriegsjahre bewilligten Anleihekrcdite, die sich ans 95l Millionen Jen berechnet. II, Japan, M! ^^l-^l-^c^^r-^r-^r-^r-^r--^^^r---^l----^ Millionen Uen Zi-nn- betrag ErlvS Effektive Verzinsung für die für den Zeichner Staat Prozent ! Prozent Jährliches Zins- erfordcrnis Auswärtige Anleihen, 6prozentigeSchatzscheine, begeben in London und New-Dork iin Mai 1904, 10 Millionen S . . . 6prozentigeSchalzscheine, bogeben in London undNew- ^>1ork im November 1904, 12 Millionen S . . , 4>/zprozentige Anleihe, begeben in London und New-Pork im Marz 1905, 30 Millionen S . . . 4>/2prozcntige Anleihe, begeben in London, Ncw- ^)ork und Berlin im Juli 1905, 30 Millionen S . 97,63 89,3 117,156 101,6 292,89 7.4 8.1 7,9 9.1 252,«; s 5.6 bzw, l 7,2*) 6,0 bzw-l 8,4», j 292,89 250.4 s 5,6 bzw, 6,1 bzw,"! >. 7,2*) ! 8,7*) / Summe , , 800,566 693,9 3!»,25 L. Innere Anleihen. 5prozentigeSchatzschcine, begeben Februar 1904 , . 100,0 95,0**> 6,3 5.0 5prozcntige Schahscheine, begeben Mni 1904 . . . 100,0 92,0 6,6 5,0 5prozentigeSchatzjchcine, begeben November 1904 . 80,0 73.6 6,6 4,0 6vrozentigeSchatzscheine, begeben März 1905 . . , 100,0 90 8L V 6,0 6 vrozentigeSchalzscheine, begeben April 1905 , . . 100,0 90 M 8,3 6,0 Summe 1Z, . , 480.0 440,6 26,0 Gesamtbetrag u, IZ, 1280,566 1134,5 65,25 *) Die erste Ziffer ergibt sich bei einer Rückzahlung nach 20 Jahre», die zweite bei einer Nückzahlnng nach 5 Jahren, **) Der Übernahmekurs der inneren Anleihen ist nicht bekannt geworden. Deshalb ist oben der Erlös nach dem EmissionskurS berechnet, hinter dem der wirkliche Erlös wohl etwas zurückgeblieben sein dürfte. ***) Da der Übernahmckurs und der Neinerlös nicht genau bekannt sind, laßt sich die effektive Zinsbclastung für den Staat nicht berechnen. 164 zweiter Teil, ?ie finanziellen Rnegsnmsjncchmen, Der Krieg hat niithi» die japanische Staatsschuld von 300 ans IM) Millionen Jen erhöht, also ans mehr als den dreifachen Betrag ihres Standes vor dein Kriegsausbrüche, Von der Staatsschuld befanden sich vor dein Kriegsausbruche etwa 200 bis 230 Milliouen )>1en in fremden Händen, Dieser Betrag wurde vermehrt einmal um die 800 Millionen Den Kriegsanleihen, dann durch die Beteiligung des Auslandes au den zwei letzten inneren Anleihen, die man Wohl ans die Hälfte des Nennbetrages — also zusammen ans 100 Millionen Aen — veranschlagen darf. Das gibt eine Vermehrung der Auslandsschuld ans ungefähr 1100 bis 1160 Millionen Yen. Das jährliche Zinserfordernis der japanischen Anleihen hat vor dein Kriegsausbruch etwa 26 Millionen betragen, dasjenige der Kriegsanleihen beziffert sich auf 03,25 Millionen Neu: dnrch die Kriegsanleihen ist also der jährliche Zinsendienst der Staatsschuld — abgesehen von jeder Tilgung — auf mehr als 90 Millionen I)en gebracht worden. Was das für den japanischen Staatshanshalt zu bedeuten hat, ergibt ein Vergleich mit den bisherigen ordentlichen Einnahmen. In den letzten beiden Jahren vor dem Kriege, 1902/03 und 1903/04, haben diese 221,2 bzw. 224,2 Millionen Jen betragen; davon würden allein die Anleihezinsen, ohne jede Berücksichtigung einer Tilgung, etwa 40 Prozent ausmachen. Au das Anstand, an das bisher jährlich etwa 10 bis 12 Millionen Den an Zinsen für die Staatsschuld zu entrichten waren, sind nach dem gegenwärtigen Stand nahezu 00 Millionen Jen zu entrichten, ein Moment, das bei der Passivität der japanischen Handelsbilanz nicht leicht genommen werden darf. Ebenso wie für Rußland wird feruer auch für Japan der Friede mit neuen Aufgaben anch die Notwendigkeit weiterer Anleihen bringen und damit die ans dem Krieg sich ergebende finanzielle Belastung noch steigern. Solche Betrachtungen lassen erkennen, was es für Japan bedeutet, daß es im Friedensschluß eiuc Kriegskostenentschädi- gnng nicht hat erreichen können. Z. Dir Inanspruchnahme drr Bank von Japan zu den Kriegszwecken. Die schwere Belastung, die Japan sich genötigt sah, seiner Bevölkerung durch Kricgsstcuern nud seiueu Finauzcu durch die neuen Schuldeii aufzuerlegen, ferner die harten Bedingungen, denen II- Japan, 165 r---i? c^-i? r-^s r-s;? c-^si? rü-i? c^is i^zis cd-i? c-^, < r^-i? c--.-^ r-s^» c^-> ? ? sich Japan — wenigstens i» der ersten Hälfte des Krieges — bei der Aufbringung von Geld im Wege ausländischer Anleihen zu unterwerfen hatte, und schließlich die begrenzte Leistnngsfähigkeit deo inneren Geldmarktes mußten die Versuchung eines Zurückgreifen^ ans den Goldbestand und das Notenrecht der Bank von Japan von Anfang an besonders stark erscheinen lassen. Andrerseits mußte der keineswegs glänzende Stand der Bank von Japan und das starke Überwiegen der Papierzirknlation im freien Vertebr gegenüber dein Golde der japanischen Finanzverwaltnng in ihren Beziehungen znr Bank eine besondere Vorsicht auferlegen. Eine Prüfung der Veründeruugeu, welche der Stand der Bank vou Japan während des Krieges durchgemacht hat, wird durch die nachstehende Tabelle erleichtert: Datum i l l i o n e n ?> e n W ^ S!" ^>S,Z >-s.?-s O^' LZ - „ Kreditgewährung x-'s-L ^ !^ « ^: ^ « ^ S K ^ K S 'S ZI Z 9. Januar 11. Juni 2. Juli 10. September 31. Dezember 7. Januar 18. Februar 15. April 3. Juni 10. Juni 12. August 23. September 1904 1905 115,7 64,1 81,5 116,5 81.8 76,2 127,5 87,1 125,0 118,5 109,3 105,0! 12.7128,4 209,0 6,3 70,4201,3 7,5 89,0231.7 11.6 128.1 220.5 103.3>286.6 97.7 262,7 21,5 21,5 13,0 140,5 243,1 I4,9!102,0^225.2 16,0 141,0^244,2 13,0 131,5^236,8 17.8 127,1 263.8 16.9 121,9^252,5 80.6 131,4 142,7 98,4^ 183,3 165,0 102,6 123,2 103,2 105,3 136,7 130.6 15.5 34,3 26.9 29,1 41.5 55,9 41,4 43,7 90,7 i 223,5! 246,3' 257,1 46,0 96,0^ ^l.I! 54,5^ !! 117.5 67,0^ 45.5 45.5 43,5 76,5^ 19.3 33.9 53,7 16.1! 51,9 68.0 26.7 l 40.3 67,0 28.5! 43,8^ 72,3 48.0 45,1! 93,1 31,6 59,1 90,7 18.4^ 42.9^ 61.3 33,0 66.3 99.3 42,2j 89,6131.3 43.1,235 4 278,5 68,2 255.7 323.9 36,9^277,6 314.5 Aus dieser Ilbersicht geht hervor, daß insbesondere in den ersten vier bis fünf Kriegsmonaten die Bank in nicht unerheblichem Umfange zur Deckung der Geldbedürfnisse des Staates herangezogen worden ist. Diese Tatsache prägt sich allerdings nicht in den Ver- 166 Zweiter Teil. Die finanziellen Rricgsmaßnahmen, r--^? r-Si? rss r--^ r^-i? r^-v» cü-i? cs? r^-i? c^-i? r!S^ rSi c^-z? lÄ-i? ändernngen. des Staatsguthabens bei der Bank aus, auf welchem Konto bei der russischen Neichsbank die Inanspruchnahme der Bank durch den Staat in Erscheinung tritt, sondern auf dein Konto „Darlehen der Baut an den Staat". Der Stand der öffentlichen Guthaben bei der Bank betrug im Durchschnitt des Jahres 1S03 19,9 Millionen Yen; der erste Ausweis des Jahres 1904 (9. Jannar) bezifferte ihren Bestand auf 15,5 Millioneu Aen: die folgenden Wochen brachten bis zum Kriegsansbruch eine geringfügige Steigerung, dann aber eine Abnahme bis auf 9,6 Millionen Z)en am 16. April. Von Anfang Mai trat eine starke Erhöhung ein, bis am 11. Jnni der höchste Stand mit 34,3 Millionen Jen erreicht wurde; am 13. Augnst war der Stand der öffentlichen Guthaben wieder bis auf 19 Millionen Jen herabgegangen. Das Ansteigen der Knrve vom Mai an steht jedenfalls in Beziehung zu der Londoner Anleihe. Die folgenden Monate brachten eine Steigerung bis auf 55,9 Millioneil Aen am 7. Januar 1905. Während des laufenden Jahres ist das Guthaben zunächst wieder gesunken bis auf 26,5 Millionen Jen am 25. März, darauf aber allmählich in die Höhe gegangen bis auf etwa 90 Millionen Jen Ende Mai und Ai?fang Jnni. Mit einem Schlage ist es dann auf 228,5 Millionen Aen am 10. Jnni gesprungen nnd hat sich in der Folgezeit ungefähr ans dieser Höhe gehalten. Die Erklärung für diesen Sprung findet sich unter dein Konto der Lombardanlage, die nnvermittelt von 89,6 Millionen Yen am 3. Juli 1905 auf 235,4 Millionen Jen am 10. Juui in die Höhe gegangen ist, also genau denselben Sprung gemacht hat, wie das Staatsguthabeu. Die japanische Regierung hat also offenbar einen erheblichen Teil des Erlöses ihrer Aprilanleihe in kurzfristigen Wertpapieren angelegt und diese bei der Bank lombardiert, wobei man Wohl annehmen darf, daß die Unterpfänder im Auslände geblieben sind. Was das Darlehen der Bank an den Staat anlangt, so war dessen Vergrößerung in dem Dekret vom 28. Dezember, das im März dnrch das Parlament bestätigt wurde, mit in Rechnung gezogen. Die 31 Millionen, die dnrch „sonstige schwebende Schulden" beschafft werden sollten, waren von Anfang an auf die Bank gemünzt. In Wirklichkeit ist die Summe, die der Staat als Darlehen von der Bank entnommen hat, zeitweise beträchtlich größer gewesen. Der durchschnitt- II- Iaxan, 167 csi? cü-i? cü-i? i^si? r^-i? cs? r--^ r-s>^ r^.^ ^---i? r-si» c-^i? rs? is-i? r^-?i? c^i? liche Stand des Darlehens im Jahre 1903 war 36,9 Millionen Yen: der erste Bankausweis des Jahres 1904 gab das Darlehen mit 46 Millionen Jen an; die folgenden Wochen und Monate brachten eine nahezu ununterbrochene Steigerung bis auf 96 Millionen Mu am 4. Juni, und dann nach einem vorübergehenden Rückgang eine weitere Steigerung bis auf 164,9 Millionen Jen zn Anfang Juli, Der Erlös der im Juni in London nnd New-Iort aufgenommenen Anleihe reduzierte dann die Schuld des Staates bei der Bank bis auf 34,5 Millionen Jeu am 19, Dezember 1904. In den folgenden Wochen zeigt sich jedoch die allmähliche Auszehrung der dem Staat zur Verfügung stehenden Mittel in einer neuen erheblichen Steigerung des Darlehens der Bank an den Staat, das am 7. Januar 1905 mit 117,5 Millionen Jeu seinen höchsten Stand während des Feldzuges erreichte. Die Schuld des Staatsschatzes bei der Bank war damals um etwa 80 Millionen Jen größer als im Durchschnitt des Jahres 1903, um einen Betrag, der etwa zwei Drittel des durchschnittlichen Goldbestandes der Bank von Japan im Jahre 1903 ausmachte. Das Jahr 1905 brachte als Folge der Ausländsanleihe vom November 1904 und der weiteren im März uud Juli 1905 aufgenommenen Ausländsanleihen eine erhebliche Reduktion des Bankdarlehens an den Staat. Am 12. Angnst stellte sich dieses nur noch auf 43,5 Millionen Jen, also auf einen Betrag, der den Durchschnitt de? Jahres 1903 nicht wesentlich überstieg. Bis zum 23. September 1905, dem letzten beim Abschluß dieser Schrift vorliegenden Bankausweis, hat sich allerdings das Darlehen an den Staat wieder auf 76,5 Millionen Jen erhöht. Da die Veränderungen in der Kreditgewährung der Bank an Private (Anlage in Jnlandswechseln nnd Lombarddarlehen) nicht allzu schwer ins Gewicht sielen, mußten sich die Beziehungen zwischen der staatlichen Finanzvcrwaltnng und der Bank mit Deutlichkeit in der Notenemission und dem Goldbestände der Bank, einschließlich des Bestandes an Auslandswechseln, zeigen. Die Bewegung des Notenumlaufs in der ersten Periode der starken Inanspruchnahme der Bank durch den Staat ist mit folgenden Ziffern gezeichnet: Am 9. Januar 1904 wareu Noten im Betrage von 209,0 Millionen Aen ausgegeben, die Emission stieg langsam bis ans 228,6 Millionen am 13. Febrnar, ging dann bis Mitte Mai auf Igg Zweiter (l.cil. Die finanziellen Ariegsmaßnahmen. r^-is r^?i? c^,? r^?i» r^>? KS? r?s< l?s? cü-i? cs? KS? rsi? KS? KS? KS? KS? KS, KS? KS» 189,4 Millionen zurück und betrug am 11, Juni 201,8 Millionen Yen, In der Zeit der stärksten Erhöhung des dein Staate gewährten Darlehens ist mithin die Notenausgabe eher zurückgegangen als gestiegen. Daraus ergibt sich, daß die starken Entnahmen von Geld durch den Staat hauptsächlich in effektivem Gold oder in Anslands- wechseln erfolgt sein müssen. In der Tat hat der Goldbestand der Bank von Japan damals eine außerordentliche Schwächling erfahren. Ter Metallbestand der Bank (Gold und Silber) ist von 119,9 Millionen Jen am 9. Jannar nahezu nnnnterbrochen bis ans 72,5 Millionen Uen am 11. Juni gesunken, der Goldbestand allein ist von 115,7 Millionen ?)en in der ersten Januarwoche") auf 04,1 Millionen in der zweiten Juuiwoche herabgegangen! gleichzeitig haben sich die im Portefeuille der Bank befindlichen Auslandswcchsel von 12,7 auf 6,3 Millionen ?)en vermindert, so daß am 11. Juni der Bestand an Gold und Auslandswechseln nnr noch 70,4 Millionen Jen betrug. Die Gesamtabnahme von Gold und Auslandswechseln hat mithin auf den Bestand von etwa 128,4 Millionen Jen zu Beginn des Jahres 1904 bis Anfang Juni 58 Millionen Aen oder etwa 45 Prozent betragen. Die Golddeckung der Noten, die sich Anfang des Jahres auf etwa 54 Prozent beziffert hatte, ist in der zweiten Juniwoche unter 33i/j Prozent herabgegangen. Das Ergebnis der im Juni in London uud New-Aork begebenen Auslandsanleihe hat allerdings zeitweise mit der Reduktion des Darlehens an den Staat und der Erhöhung des Staatsguthabens eine wesentliche Verstärkung des Goldbestandes ermöglicht. Am 10. September 1904 betrug der Goldbestand, einschließlich der Auslandswechsel, wieder 128,1 Millionen Jen. Aber in den letzten Monaten des Jahres 1904 trat mit der allmählichen Aufzehrung des Ertrages der Juni-Anleihe eine ueue Verschlechterung des Bankstatus ein. Ter Notenumlauf der Bank, der sich bis Ende September 1904 zwischen ungefähr 190 nnd 234 Millionen Neu bewegt hatte, erreichte am Jahresschluß den Betrag von 280,0 Millionen Z)en, während der Goldbestand zeitweise wieder unter 100 Millionen Jen herabging und Ende 1904, einschließlich Auslandswechsel, 103,3 Millionen Yen *) Ter Goldbestand und Silberbcstand werden in den AnSweisen der Bank von Japan getrennt nnr für den Durchschnitt der Ausweiswoche angegeben, für den Aus- wcistag selbst wird nur der gesamte Metallbestand in einer Summe veröffentlicht. II- Iapan. i^-->? c^-V» 6---> r-^s r-^-i? c^---» l^-i? r^i? i^-i? l^-v? r-s? c^.-i? r^vs c^-<< r^-i? c^-i? betrug. In demselben Zeitpunkt belief sich dcis Tarleben an den Staat auf l10,5 Millionen ?)en bei einem Staatsguthabe» van nnr 44,5 Millionen Yen. Der kritische Zustand, in dem sich das japanische Geldwesen im Jahre 1904 befand, wird durch die Ergebnisse des Außenhandels und insbesondere durch die Goldbilanz des genannten Jahres mit besonderer Deutlichkeit illustriert. Die aus der zeitweise so beträchtlichen Verminderung des Goldbestandes der Bank von Japan siir die Bank und das japanische Geldwesen entstehende Gefahr war um so größer, als die Negierung das von ihr ans der Bank entnommene Geld in der Hauptsache für Zahlungen an das Ausland benötigte. Dabei hatte Japan allein ans dem Warenhandel im Jahre 1904 den für seine Verhältnisse nicht nnerheblichen Passivsaldo von 52,1 Millionen Jen zu begleichen. Was den Edelmetallhandel anlangt, so gibt das Jahrbuch des Fiuanzministers nur die Zahlen für Gold und Silber zusammen. Dauach stellte sich im Jahre 1904 die Edelmetall-Einfuhr anf 33,9 Millionen Yen, -Ausfuhr - 107,8 der Ausfuhrüberschuß mithin auf 73,9 Millionen Mm. Dabei bestand jedoch, wie sich ans anderen Quellen ergibt, die Einfuhr fast ausschließlich aus Silber und die Ausfuhr fast ausschließlich aus Gold. Speziell siir die Goldbilanz stellt sich das Bild folgendermaßen: Goldeinfnhr .... 5,4 Millionen Yen Goldausfuhr .... 106,0 Ausfuhrüberschuß . . l0tt,t> Millionen ?len. Allein in den drei ersten Monaten des Jahres 1904 sind 43,8 Millionen Z)eu Gold von Japan nach den Vereinigten Staaten verschifft worden, davon etwa 19 Millionen in dem einen Monat März.'') In Anbetracht des rapiden Schwindens des Goldschatzes der Bank wurde schon im Februar ein Anfrns erlassen, der die Besitzer von Goldgeld uud Goldwcireu aufforderte, diese nach der Bank zu bringen. Die Kaiserliche Familie selbst soll mit gutem Beispiel vor- cmgegangen sein."") Wie jedoch die Ziffern der Bankausweise dnr- *) „Volkswirtschaftlich- Chronik," 1904, M-uheft, S. 383. Siehe Iio,pIi.-KsorAss I^6vv in dem zitierten Aufsatz. 170 Zweiter Teil, Die finanziellen Kricgsmaßnahmcn, tun, war der erzielte Erfolg nicht allzugroß. Eine eigentümliche Ironie des Schicksals ist, daß die Amerikaner, die in jener Zeit an Frankreich für die Ablösung des Panamakanals große Zahlungen zn leisten hatten, das in San Franziska ankommende japanische Gold sofort nach Paris weiter dirigierten, wo es zum Teil zn Einzahlungen auf die im Mai aufgelegte russische Anleihe Verwendung fand. Auch die Auslandsauleihen des Jahres 1904 haben den Goldab- slnß von der Mitte des Jahres an nnr etwas einzuschränken vermocht, aber nicht zu einem Nückimport des abgeflossenen Goldes geführt. Das Ergebnis des Jahres 1904 für das japanische Geldwesen war folgendes: Das Jahrbuch des japauischeu Finanzministers beziffert den Betrag der im Lande vorhandenen Goldmünzen für 1903 ans 101,8 Millionen Yen, für 1904 nnr ans 37,6 Millionen Yen; wenn der davon in der Bank von Japan liegende Betrag für 1903 auf 81,3 Millionen und für 1904 auf 17,3 Millionen Jen angegeben wird, während die Ausweise der Bank für Ende 1903 einen Goldbestand (ohne Auslaudswechsel) von 117 Millioneu Jen, für Ende 1904 einen solchen von 79,9 Millionen Uen angeben, so muß die für Ende 1904 sehr erhebliche Differenz zwifchen Goldbestand uud Goldmünzen entweder ans Barren und ausländischen Goldmünzen bestanden haben, oder die Bank rechnet im Ausland stehende Goldguthaben uud Golddepots in ihren Goldbestand ein. Jedenfalls stand Ende 1904 einem Notenumlauf von 286,0 Millionen Jen ein Kasseubestand der Bank an japanischen Goldmünzen in Höhe von nur 17 Millionen Den gegenüber. Im Jahre 1905 haben sich die Erträgnisse der großen Auslauds- anleiheu günstig fühlbar gemacht. Von Anfang Februar an ist in dein Goldbestande der Bank und in dem Staatsguthabeu der Erlös der Novemberanleihe festzustelleu. Am 18. Februar erreichte der Goldbestand einschließlich Auslandswechsel mit 140,5? Millionen Yen seinen höchsten Stand im bisherigen Verlauf des Krieges. Weuu dann auch bis Mitte April wieder eiue starke Abschwächuug eintrat (bis auf etwa 102 Millionen Z)en), so brachte doch der Mai, im offenbaren Znsammenhang mit der Märzanleihe, eine neue Besserung. Die nicht allzn großen Schwankungen in den seither verflossenen Monaten sind ebenso wie die Schwankungen des Darlehens nn den Staat im wesentlichen durch die Einzahlungen des Staates bei der Bank aus dem Erlös der Märzanleihe bedingt. Nach dein letzten vorliegenden Ausweis vom 23. September betrug der effektive Goldbestand 105,0, der Bestand an Goldwechseln 16,9 Millionen Aen, zusammen 121,9 Millionen Neu. Der gleichzeitige Notenumlauf betrug 252,5 Millionen Je», so das; nahezu die Hälfte der Noten durch Gold ge deckt war. Die im Jahre 1905 durch die Auslandsanleihen herbeigeführte Besseruug in dem Stande der Bank und den Verhältnissen des Geldwesens findet ihren Ausdruck auch in der günstigeren Gestaltung der Goldbilanz. Während im Jahre 1901 der oben dargestellte Gold- absluß im Betrage von 100 Millionen Jeu stattgefunden hatte, ist in der ersteu Hälfte des Jahres 1905, trotz einer weiteren erheblichen Vergrößerung des Passivsaldos der Handelsbilanz, ein Goldzuslnß eingetreten, der auf 10,3 Millionen Jen beziffert wird. Für die Beurteilung der Einwirkungen des Krieges ans die Bank von Japan und den Geldumlauf des Landes ist zu berücksichtigen, daß die Bank von Japan nicht in derselben Weise znr Bestreitung des Geldbedarfs auf dem Kriegsschauplatze herangezogen worden ist, wie die russische Reichsbank. Wir haben gesehen, daß die Vermehrung des Notenumlaufs der russischeu Neichsbank, soweit sie die gleichzeitige Vermehrung des Goldbestandes der Bank übersteigt, im wesentlichen durch die Verausgabung von Nnbelnoten ans dem Kriegsschauplätze ihre Erklärung findet. Die Japaner dagegen habe» in Korea und der Mandschurei ueben den Noten der Bank von Japan und dem baren Gelde eigene Kriegsbanknoten verausgabt, deren Zirkulation Ende 1901 auf 03 Millionen Jen beziffert wurde. Ebenso wie die Russen haben auch die Japaner znr Aufrechterhaltung des Kurses einen Silberfonds bereitgestellt. Aber die Sache scheint hier nicht ganz richtig funktioniert zu haben, und zwar infolge der zn großen Langsamkeit in der Beschaffung des benötigten Silbers. Die Kriegsbanknoten erlitten Ende des Jahres 1901 in Iiukau eine Kurseiubuße vou 10 Prozent. Die ?)okohama-Specie-Bank soll sich geweigert haben, die Kricgsbanknoten überhaupt zu irgend einem Kurse anzunehmen, nnd die fremden Banken sollen sie nur mit einem Abschlag von wechselnder Höhe akzeptiert haben.") Es ist Wohl an- Vgl. „Frankfurter Zcitunc," vom L7. Dezcmber 172 Zweiter u.eil. I>ic finanziellen Ariegsmasjucchmeu. r----Kr-^i?^l-^r-^^---»i!^c----i^c----^ znnehmen, daß im Laufe des Jahres 19l)5 mit der günstigeren Gestaltung der japanischeil Geldbeschaffung auch in diesen Verhältnissen eine Wendung zum Bessereu eingetreten ist. 6. Gesamtbild der japanischen Geldbeschaffung für den Krieg. Als Abschluß der Darstellung der finanziellen Kriegsmaßnahmen Japans sei — ebenso wie das oben für Rußland geschehen ist — eine Übersicht über die Gesamtheit der für den Krieg beschafften Mittel gegeben. Im Gegensatz zu Rußland kommen außer den Auleihe- erträguisseu und den für die Kriegszwecke zur Verfügung gestellten Fonds anch die Erträgnisse von Kriegssteuern in erheblichem Umfange in Betracht. Tagegen war die Inanspruchnahme der Bank von Japan, soweit sie über das bei Beginn des Krieges bei ihr aufgenommene Darlehen von 31 Millionen Jen hinausging, eine nur vorübergehende, wenn anch zeitweife recht beträchtliche. I. Überweisungen aus Spezialfonds: Im Kriegsbudget 1904/05 überwiesen 55,0 Millionen Aen, 1905/06 - 8.0 _ Zusammen 63,0 Millionen?>en II. AuS den Überschüssen und Einschränkungen von Ausgaben: Im Kriegsbudgct 1901/05 veranschlagt ........48,0 Millionen ?>en, Im Kriegsbudget 1905/06 veranschlagt....... . 48.4 _ Zusammen 96,4 Millionen?)en III. Aus neuen und erhöhten Steuer- und Monopoleinunhmen! Im Kriegsbudget 1904/05 veranschlagt ........62,0 Millionen Yen, Im normalen und Kriegsbudget 1905 06 veranschlagt 150.6 Millionen j!>cn, wovon bis Ende September 1905 die Hälfte einzustellen 75,3 Zusammen 137,3 Millionen Ku IV. Aus freiwilligen Beiträgen und verschiedenen Einnahmen .... 2.0 V. Aus öffentlichen Anleihen .... 1134,5 VI. AuS sonstigen Darlehen .... 31,0 Summe der aufgebrachten Mittel 1464,2 Millionen Aen. II. Japan. 17? Von diesem Betrag ist zweifellos zur Zeit noch ein erheblicher Bestand verfügbar. Geht man von der oben näher begründeten Annahme ans, daß Anfang Juli 1W5 Japan noch über einen freien Goldbestand in Höhe von rnnd 2W Millionen ?)en verfügte und daß dieser Betrag sich inzwischen nni den Erlös der iin Juli ansgenoinmenen auswärtigen Anleihe ans 4M Millionen erhöhte, so wird man nicht allznweit fehlgreifen, wenn man den Ende September noch verfügbaren Bestand ans 3W Millionen Den veranschlagt. Der Krieg würde mithin bis Ende September einen Bar- anfwand von rnnd 116l> Millionen Mn erfordert haben, was einen Monatsdurchschnitt von 58 Millionen Den — gegen M>/^> Millionen Rubel bei Rußland — ergibt. Aber anch hier gilt, daß die endgültige Abwicklnng des Krieges und die Wiederhcrstellungsarveiten nicht nur die noch verfügbaren Mittel aufzehren, fondern neue Anleihen, wenn anch voraussichtlich in beträchtlich geringerem Umfang als bei Rußland, notwendig machen werden. Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. Vorbemerkung. ir haben bisher die finanziellen Aktionen der beiden kriegführenden Mächte dargestellt. Diese Schilderung ist nunmehr zu ergänzen durch eine Untersuchung der Rückwirkungen des Krieges sowohl auf die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der unmittelbar beteiligten Staaten als auch auf die Lage des internationalen Geld- und Kapitalmarktes. Die Rückwirkungen nach der ersteren Richtung waren von unmittelbarer Bedeutung für den Gang der finanziellen Kriegführung und für die Machtstellung, in der sich die beiden Parteien beim Beginn der Friedensverhandlungen gegenüberstanden. Bei den Rückwirkungen ans den internationalen Geld- und Kapitalmarkt haben wir es mit Vorgängen zu tuu, die allgemein Nationalökonomie ein großes Interesse bieten, die jedoch sür uns iu dieser Arbeit wegen ihrer mittelbaren Bedeutung für die finanziellen Operationen der kriegführenden Mächte von besonderer Wichtigkeit sind. I. Rußland. Bei der Untersuchung der Wirkungen des Krieges auf die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der beteiligten Staaten haben I, Rußland. 17g 5^-^-<^6--^k^r^^r5-5^6--^6--^6--^6^5 Wir zu unterscheiden zwischen der Wirkung auf die Staatssinanzen und deu öffentlichen Kredit einerseits, der Wirkung ans den privaten Geld- und Kreditverkehr sowie ans die Produktion?- und Handelsverhältnisse anderseits. 1. Die Rückwirkungen des Krieges auf den öffentlichen Kredit. Die Belastung der Staatssinanzen dnrch den Krieg. Ter Krieg hat an die Finanzkraft und den Staatskredit Rußlands sehr erhebliche Ansprüche gestellt, die namentlich vom letzten Viertel des Jahres 1994 an Monat sür Monat ansehnliche Snmnien erforderten. Der ungünstige Verlauf des Landfeldznges nötigte Rußland, uuter großem Kosteuauswande immer neue Truppenmengen nach dein entlegenen Kriegsschauplatze in der Mandschurei iu Bewegung zu setzen. Der Versuch, mit der Aussendung des Baltischen Geschwaders den Japanern die Herrschaft zur See wieder streitig zu machen, verschlang ungezählte Millionen. Die Wirkung der tatsächlichen Belastung der Staatsfinanzen auf deu russischen Staatskredit mußte durch die deprimierenden Eindrücke von Port Arthur, Mukden uud Tsushima uud nicht zuletzt durch die inneren Unruhen und Revolten ganz erheblich verschärft werden. Die baren Aufwendungen, zu denen sich Rußland durch deu Krieg bis zur vorläufigen Vereinbarung des Friedensvertrages genötigt fah, siud oben ans 133g Millionen Rubel berechnet worden. Davon wurde der weitaus größte Teil durch Kreditoperationen aufgebracht. Der Nennwert der aufgenommenen Kriegsanleihen, einschließlich der im August 1994 ausgegebenen Renteibillette und der im Mai 1995 begebenen Schatzwechsel stellt sich auf 1281,3 Millionen Rubel, der Reinerlös auf 1219 Millionen Rubel. Außerdem hat Nußland den Kapitalwert des au Japan abgetretenen Teils der mandschurischen Bahn eingebüßt, von den zerstörten Werten an Schiffen, Befestigungen nnd Kriegsmaterial jeder Art ganz zu schweigen. Was diese Werte, die verausgabt oder zerstört worden sind, ohne daß ihnen irgendwelche produktiven Neuschöpfungen gegenüberstehen, für den russischen Staatshaushalt bedeuten, kann man daran ermessen, daß sie der Summe der Überschüsse des ordentlichen Etats, die in der 156 Dritter Teil. ?ie finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges, c-^i? c^v> c^-v? r-si? r!^.? c-si? ^ i r^?>> rs-i? r-^s r^-i? ganzen Periode der Rekonstruktion der russischeil Finanzen vom Jahre 1887 an bis unmittelbar vor dem Kriege erzielt worden sind, ungefähr gleichkommen dürften/") Daraus allein schon ergibt sich, welcher planmäßigen Arbeit nnd welcher zähen Energie es bedürfen wird, uni die durch den Krieg verursachte Belastung der russischen Staatsfinanzen wieder auszugleichen. Aber das ist Sorge der Zukunft. Was uns hier interessiert, ist die Frage, wie der russische Staatskredit diese weitgehende Belastung ertragen hat. lind diese Frage haben wir an der Hand der Kursbewegung der russischen Staatsanleihen und an dem Verhalten der russischen Valuta zu prüfen. Die Kurse der russischen Staatsanleihe». Die russischen Anleihen hatten, wie im ersten Teil dieser Arbeit dargestellt ist,*") in den zwei Jahrzehnten vor dem Krieg eine gewaltige Kurssteigerung erfahren. Die 4vrozciitigeu Anleihen, die im Jahre 1882 mit 67,20 Prozent ihren niedrigsten Kursstand gehabt hatten, sind in den folgenden Jahren so weit gestiegen, daß sie sich von 1897 an im großen ganzen auf der Paritnt und darüber gehalten haben. In den letzten drei Jahren vor dem Krieg (1901 bis 1903) bewegten sich die Kursschwankungen der russischen 4prozentigen Anleihen zwischen 98 und 104,30 Prozent. Die niedrigsten Kurse in dieser dreijährigen Periode wurden gegeil Ende des Jahres 1903 verzeichnet, lind zwar bereits unter dein Eindruck der bedrohlichen politischeil Situation. In den Wochen unmittelbar vor dem Krieg war das Verhalten der russischen Anleiheknrse in Paris, Berlin nnd Petersburg einerseits, in London anderseits bemerkenswert verschieden. Aus deu erstgenannten Märkten bewegten sich diese Kurse bis zur letzten Woche unmittelbar vor dem Kriegsausbruch innerhalb enger Grenzen- in Berlin schwankte die Notierung der 4prozentigen konsolidierten Anleihe von 188» vom 13. Dezember 1903 bis zum 3. Januar 1904 mir zwischen 99,50 und 98 Prozent. In London dagegen, wo man über den Ernst der Lage besser orientiert war, zeigten sich in den russischen ") Vgl. oben S. 1». — Vgl. oben S. 19. I, Rusjland. 177 Werten bereits damals heftige Fluktuationen. Der Kurs der 4pro- zentigen rnssischen Anleihe von 1889, der noch an, 15. Dezember 1903 100,3» notiert hatte, ging bis zum 31. Dezember 1903 auf 98 herab und setzte in der ersten Januarwoche 1904 seineu Rückgang in dem Maße fort, das; er am 7. Januar auf 93,73 Prozent ankam; dann allerdings trat mich auf dem Londoner Markte eine borübergeheude Beruhigung ein, so das; der Kurs in der zweiten Jnnuarhälfte zeitweise wieder bis auf 98,50 stieg! sogar noch am 4. Februar wurde i» London ein Kurs bou 98 verzeichnet. Ter Kriegsausbruch sührte natürlich zu einem heftigen Kurssturz. Am 9. Februar saut die 4prozentige russische Anleihe iu Berlin auf 91, am 11. Februar erreichte sie in London ihren vorläufig niedrigsten Stand mit 88,73. Das war gegenüber der Notieruug vou Mitte Dezember 1903 ein Kursrückgang iu Berlin um 8,3 Prozent, in London um 11,73 Prozent. Nach der Überwindung des ersten Schreckens trat eine nicht unerhebliche Knrsbessernng ein, und zwar iu London in größerem Umfange als in Berlin; am 31. März 1904 war die Londoner Notierung 93,23, die Berliner Notierung 93,40. Diese Kursbesseruug giug jedoch in den nächsten Monaten allmählich wieder verloren, und nach der Schlacht am ?)aln (29. April bis 1. Mai) sanken die -lprozentigen Russen in London bis auf 88,23, in Berlin bis auf 87,30. Die Ankündigung der 300 Millionen Rubel- Anleihe in Paris hat jedenfalls den Druck ans die Kurse verstärkt. Mit diescu Kursen war jedoch der tiefste Punkt während der ersten Hälfte des Krieges erreicht. Es trat eine Knrssteigernug vou 89,33 im Durchschnitt des Mai bis auf 92,93 in, Durchschnitt des November 1904 ein (Londoner Notierung), trotz des Scheiterns des Ausfalls der russischen Flotte ans Port Arthur am 10. August und trotz des unglücklichen Ausgangs der Schlacht bei Lianyang (Anfang September) und am Schaho (gegen Mitte Oktober). Auch der Zwischenfall von Hull (13. Oktober), der für einen Augenblick die Gefahr einer weiteren internationalen Komplikation heraufzubeschwören schien, machte nur eiueu vorübergehenden Eindruck auf die Bewegung der russischen Kurse; die Londoner Notierung der 4prozentigen Anleihe ging von 93,30 am 13. Oktober auf 91,73 am 17. Oktober herab, erreichte jedoch bereits am 21. Oktober wieder einen Kurs vou 93. Hclfferich, DnS Geld im russisch-jnpaiiischc» Kriege, 178 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. nsi? rü-i? r--^ 1?^? rü-^ l^-i? c^-i? l^-i? r--Si? c!L^< l^-^ c--? c^-i? r^-i? rsi? cz^v? c^-i? Weniger lviderstandsfähig zeigten sich die Kurse der russischen Staatsanleihen gegenüber den militärischen Ereignissen nnd den inneren Vorgängen im Jahre 1995. Ter Fall von Port Arthnr (Anfang Jannar 1995) brachte einen Kurssturz bis auf 99, und die Arbeiterunrnhen in Petersburg drückten am 23. Januar den Kurs sogar bis auf 87,59. Zwar trat im Februar wieder eine Erholung bis auf 91,25 ein, aber der Ausgaug der Schlacht bei Mulden warf den Kurs bis auf 87. Ju den folgenden zwei Monaten hielt sich der ,UnrS zwischen 87 und 89. Die Vernichtung der russischen Flotte in der Tsnshimastraße (Ende Mai) übte merkwürdigerweise nur eine geringfügige Wirkung auf die Kurse aus; sie warf diese von 89 für wenige Tage zn Anfang Juni ans 87,69, aber diese Knrseinbnße wnrde nicht nur alsbald wieder eingeholt, sondern bis zum 14. Juni wurde sogar eine Steigerung bis auf 91 erreicht. Die einzige Erklärung liegt darin, daß mau sich allgemein sagte, jetzt werde Rußland Frieden machen. Als sich diese Hoffnung nicht verwirklichte, trat ein neuer Kursrückgang ein, der durch die iuneren Unruhen wesentlich verschärft wurde uud in den Tagen nach der Meuterei des „Knjäs Potemkin" mit 86,25 am 12. Juli den tiefsten Punkt erreichte. Nach der Einleitung der Friedensverhandlungen schwankte der Kurs iu engen Grenzen je nach dem Stand der Fricdensaus- sichteu. Als Ende August die Kunde von der Einigung der beiderseitigen Unterhändler auf einer Grundlage, die Rußland die Leistung einer Kriegskosteueutschädiguug ersparte, die Börsen überraschte, stieg der Kurs der russischeil 4prozentigen Anleihe vou 88,75 am 29. auf 94,25 am 39. uud 94,75 am 31. August. Damit war wieder eiu Kursniveau erreicht, das nur um etwa 4 Prozent hinter dem zn Beginn des Jahres 1994 bestehenden zurückbleibt, und das nach einein 19monatlichen Krieg, der Rußland 1>/>. Milliarden Rubel an baren Anfwendnngen gekostet hat. Krieg und Rubelkurs. Neben deu Kursen der Staatsanleihen haben wir an deni Verhalten der Valuta einen Maßstab für deu Stand des öffentlichen Kredits. I. Rußland. 179 r^-i? c^-i? < r^i» r?s^ r^i? r^.-i? r^«i? ^Si< c-?>^ lü-i? ^--i? c-^i? rss Sowohl der Krimkrieg als auch der Krieg mit der Türkei hatten eine starke Vermehrung der Papiergeldausgabe und eine beträchtliche Entwertung des Papierrubels gegenüber dem Gelde der Länder mit Metallwähruug zur Folge gehabt. Im Gegensatze dazn hat die russische Finanzberwaltnng im ostasiatischen Kriege, wie wir gesehen haben, es streng vermieden, sich die Mittel zur Kriegführung durch die Notenpresse zu verschaffen. Der Staat hat die Zentralbank in, ganzen nur innerhalb des Rahmens seines eigenen Bankguthabens in Anspruch genommen, eS wurden keine Noten ohne bankmäsiige Deckung emittiert, und am Schlüsse des Krieges verfügte die russische Reichsbank noch immer über einen Bestand au Gold uud Goldforde- ruugcn, der ihre Notenausgabe überstieg und innerhalb der bankgesetzlichen Vorschriften uoch eine weitere Notenausgabe iu Höhe von mehr als 4W Millionen Rubel gestattete. Infolgedessen war die Bank durchaus in der Lage, während des Krieges ihre Noteneinlösnng aufrecht zn erhalten. So lange aber jedermann gegen die umlaufenden Noten bei der Bank, die sie ausgegeben hat, Goldgeld in gleichem Nennwert erhält, ist die Goldwährung intakt nnd sind Abweichungen vou dem durch deu Goldgehalt des Währungsgeldes gegebenen Gleichuugspunkte mit fremden Goldwähruugen nur innerhalb der eugeu Grenzen der normalen Wechselkursschwaukungen möglich, die durch die Versendnugskosten von Goldgeld gegeben sind. Erst von dem Augenblick au, iu welchem die Einlösung der Noten gegen Gold verweigert wird, kann eine Entwertung des Papiergeldes oder der in Papiergeld zahlbaren Wechsel gegenüber dem Goldgelbe oder den iu Goldgeld zahlbaren Wechseln auf das Ausland eintreten, und dieser Augenblick ist während des ostasiatischen Krieges nicht gekommen. So vielfach die russische Goldwährung vor dem Kriege als ein nur für den äußeren Schein berechnetes Kartenhaus, das der erste Luftzug über den Haufen werfen müsse, angesehen worden war, so hat sie sich doch solid und stabil genug gezeigt, um die Stürme eines unglücklichen und kostspieligen Krieges zu überstehen. Innerhalb der durch die Aufrechterhaltung der Goldwährung gezogenen engen Grenzen hat die russische Valuta unter der Einwirkung des Krieges die aus der folgenden Tabelle ersichtlichen Schwankungen durchgemacht. 12* < M Dritter Teil. Die fiuauiiellcn uud wirtschaftliche» Rückwirkungen des Krieges. höchster .... inedruister . ^urchichu - Kur... .^ilU-o in... .Ualendcrinhr 1903..... 216,45 216 2 , --.)zg ig- -^16- 216 93 Februar 1904....... 218,59 216 216,07 März 1994....... April 1904 216,15 216 216,96 Mni 1994 219 29 216 216,95 ^uni 1994 219,19 216 216,92 ^uli 1994 219 95 216 216,91 "luqust 1994 219 39 216 216.18 2evtember 1994 219,25 216,95 216,21 ^ltobcr 1994 216 39 216 216,13 November 1994 216,39 216 216,12 ^e^cmber js>s>4 216 15 216 216,03 »nlenderjabr 1994 ..... 216,59 216 216,09 Icmunr 1905....... 216,95 216 216,91 216.45 216 216,06 216,95 216 216 219,15 216 216,01 219,40 216 216,06 Juni 1905........ 216,19 216 216,01 Juli 1906 ......... 216,19 216 216,01 216,39 216 216,09 September 1905...... 216,79 216,05 216,28 216,35 216 216,15 Diese Tabelle zeigt keine ungewöhnlichen Schwankungen des Rubelkurses, der iu keinem Falle unter der Parität von 21ö Mark für 1A) Rubel notiert wurde. Im ganzen lagen die Verhältnisse für die Aufrcchterhaltuug der Valuta zweifellos günstig. Aus seinen auswärtige» Anleihen hatte der russische Staat hinreichende Summen für den Dienst seiner auswärtigen Schuld nud für die Bezahlung seiner Bezüge von Kriegsmaterial usw. zur Verfügung. Die Handelsbilanz Rußlands war ferner im Jahre 1994 infolge einer guten Ernte und relativ hoher Getreidepreise eine ungewöhnlich günstige. Sie zeigte im Vergleich mit den drei Vorjahren folgendes Bild (in Millionen Rubel): I, Rußland, 181 r^sis r^-is r-sn i-s-i? c-s? c-s^s cs? r-s? c^-v? r^-i? r-^-i? c-si» r^>? c^->s cü»?, l?^? r^>? cz^ii r-^iv 1904: 1903: 1902: 1901 Ausfuhr. . . . 955 950 825 730 Einsuhr . . . , 534 «03 529 533 Aussuhruberschuß, 371 347 296 197 Daß unter diese» Verhältnissen ein Export von Gold nicht stattfand, daß vielmehr der ganze Ertrag der russischen Goldgewinnung des Jahres 1904 znziiglich eines geringfügigen Einfuhrüberschusses im Jnlaude verblieb, Ivnrde bereits erwähnt. Trotzdem war zeitweise eine gewisse Bennrnhignng über das Schicksal der russischen Valuta vorhanden, was sich namentlich in deu ersten Wochen des Krieges dnrch einen relativ niedrigen Kursstand des Rubels äußerte. Der Krieg mußte naturgemäß eine Steigerung der Nachfrage nach Zahlungsmitteln fiir das Ausland hervorrufen. Neben de» au das Ausland fiir Kriegsmaterial usw. zu leistenden Zahlungen kam bei Rußland vor allem die Möglichkeit in Betracht, daß die im Ausland untergebrachten russischen Werte infolge der durch den Krieg heraufbeschworenen Gefahr größerer Kursverluste in beträchtlichem Umfange nach Rußland zurückgeschoben werden könnten. In der Tat hat ein solcher Rückfluß russischer Werte während des Krieges zeitweise in nicht unerheblichem Maße stattgefunden. Ferner ist es begreiflich, daß in solchen Zeiten die ausländischen Geldgeber ihre Forderungen möglichst rasch zn realisieren suchen und daß vor allem die Zurückziehung kurzfristig ausgeliehener Kapitalien erfolgt. Wenn auch Rußland infolge seiner im Jahre 1904 sehr günstigen Handelsbilanz und vermöge der Auslandsguthaben des Staatsschatzes und der russischen Neichsbauk im ganzen diesen ungewöhnlichen Ansprüchen hat genügen tonnen, ohne überhaupt Gold au das Ausland abzugeben, so hat sich doch in einzelnen kritischen Augenblicken der russische Geldmarkt in Sorge darüber befunden, wie dem ungewöhnlichen Geldbedarf fiir das Ausland genügt werden könne. In solchen Augenblicken sind jedoch Neichsrentei nnd Neichsbauk helfend und beruhigend eingetreten, indem sie dem Geldmarkte ans Grund ihrer Auslandsguthaben erhebliche Beträge von Auslauds- wechseln zn normalen Preisen znr Verfügung stellten. Die russische Reichsbank ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Als nach dein Ausbruche des Krieges eine starke Nachfrage nach Zahlungsmitteln fiir das Ausland (Scheck nnd Wechsel) zu späteren Terminen 182 Dritter Teil. Die sinaiiziellen und wirtschaftliche» Rückwirkungen des Krieges. hervortrat, da die mit dem Auslande in Verkehrsbeziehungen stehende Geschäftswelt sich durch solche Zeitkäufe fremder Devisen gegenüber etwaigen Schwankungen der russischen Valuta zu decken suchte, hat die Reichsbank sich auch zu Terminverkäufen in fremden Valuten bereit erklärt. Von Mitte Februar 1904 an verkaufte sie Schecks auf Berlin ans Lieferung zum Satze von 46,30 Rubel pro IVO Mark (entsprechend 215,98 Mark pro IVO Nnbel) zuzüglich 1 Promille für jeden Monat.") Mit diesen Terminverkäufen gelang es ihr, den Markt zn beruhigen und den Nnbelturs zu halten. Eine ernsthaftere Beunruhigung über das Schicksal der russischen Valuta ist im weiteren Verlaufe des Krieges nur noch iu eiuem Falle erneut in Erscheinung getreten, und zwar iu der Zeit unmittelbar nach der Schlacht bei Mukden und dem Scheitern der Verhandlungen über die nene in Frankreich aufzunehmende Anleihe. Am 18. März 19VQ verzeichnetet? mehrere Handelszeitnngen die Tatsache, daß — während der Kurs der Rnbelnoteu auf 21(i gehalten wurde — Auszahlungen auf St. Petersburg, uud zwar namentlich solche für spätere Termine, zn nicht unerheblich niedrigeren Kursen angeboten wnroen; so wurde der Berliner Kurs für sofortige Auszahlungen mit 215^, für Auszahlungen im Oktober mit 213^ gemeldet.-") In St. Petersburg hielt sich zwar die amtliche Notiz der fremden Valuten, aber zu dieser soll nur die Kreditkanzlei Devisen an Importeure abgegeben haben, während auf dem freien Markte höhere Kurse für Auszahlungen in London und Berlin bewilligt wurden.""") Die Gründe für diese Entwicklung wurdeu verschieden angegeben. Es wurde davou gesprochen, daß von Paris und London aus mit starken Blantoabgaben in russischer Valuta auf dem Berliner Markte vorgegangen werde. Vou anderer Seite wurde das Angebot russischer Auszahlungen auf Exporteure zurückgeführt, die sich aus Furcht vor einem Rückgang der russischen Valuta rechtzeitig zu decken snchten. Teilweise wurden die Vorgänge durch ein starkes Zurückströmen russischer Fouds aus dem Auslände erklärt. Vermutlich habeu alle diese Momente zusammengewirkt. Eilte nachhaltige Wirkung haben sie jedoch nicht hervorgebracht. Als es sich herausstellte, daß die Peters- "I „Frankfurter Zeitung" vom 23. Februar 1904, t. Morgenlnart. *«) „Berliner Tageblatt" vom 1». März 1905. "^'> „Frankfurter Zeitung" vom 20. März 1905. l. Rußland, 188 burger Auszahlungsrnrse nur innerhalb enger Grenzen nachgaben, trat bald wieder Beruhigung ein. Ii: der zweiten Septemberhälfte ist der Berliner Rnbelknrs unter der Einwirkung der russischen Getreideausfuhr zeitweise bis auf 216,70 gestiegen, iin Oktober 1665 hat er sich zwischen 216,35 nud 216 bewegt. Die russischen Stantssinnnzcn im Lichte des ostasintischc» Krieges. Es ist uicht populär, au den russischen Finanzen und ihrer Leitung etwas gut zu finden; wer es trotzdem tut, setzt sich Verdächtigungen und persönlichen Jnvettiven aus. Wenn man die Dinge, wie sie sich vor unseren Augen abgespielt haben, mit Unbefangenheit nnd ohne Vorurteil ansieht, wird man trotzdem nicht umhin können, znzngestehen, daß der russische Staatstredit in den schweren Zeiten des ostasiatischen Krieges und der iuneren Erschütterungen sich beachtenswert gut gehalten hat. Das ist kein Urteil, über das mau streiten kann, und keine Voraussage, über deren Verwirklichung die Zukunft noch zu entscheiden hätte, sondern eine vor uns liegende Tatsache, die auch der blindeste Fanatiker nicht wegzuleugnen vermag. Rußland hat in einem von Anfang bis zu Ende unglücklichen Kriege und in einer Zeit schwerer innerer Krisen Anleihen im Betrage von nahezu 1366 Millionen Rubel aufgenommen und damit seine Schuld nm etwa 20 Prozent vermehrt. Es hat diese großen Beträge zu relativ leichten Bedingungen aufgebracht; sür keine seiner 5prozentigen Anleihen hat es sich mit einem geringeren Emissionsknrs als 66 Prozent begnügen müssen, während z. B. der Norddeutsche Bnnd im Jahre 1876 für seine 5prozentige Kriegsanleihe nur einen Kurs von 88 Prozent und Frankreich sür seine iZprozentige Anleihe, die es nach dem Friedensschluß zur Deckung der Kriegskostenentschädigung aufnahm, nur einen Kurs von etwa 86 Prozent erzielt hat. Auch wenn man die seither eingetretene Senkung des allgemeinen Zinsniveans berücksichtigt, sällt der Vergleich zugunsten Rußlands aus. Die Kurse der russischen 4prozentigen Anleihen haben serner während des Krieges im schlimmsten Fall eine Einbuße vou 12 bis 13 Prozent erlitten, von 38 bis 96 Prozent auf etwa 86 Prozent. Man vergleiche damit die Entwicklung der Nententurse in früheren Kriegen. Der Krimkrieg warf den Stand der öprozentigen Anleihe von 162^ auf 76 Prozent; der siegreiche russisch-türkische Krieg warf 18^. Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Arieges. r^,^ 17^^ r^^? r7^,^ r^,? c^»> r^»? r^»^ c^v, r^.-»'? r^-»^ die Sprozentige Anleihe von 104 auf 73-^ Prozent. Man vergegenwärtige sich ferner, daß 4prozentige russische Anleihen in den Jahren l88<> bis 1882 zwischen 75 und 67,2V Prozent notierten, mit einer nach abwärts gerichteten Kurstendenz, und daß in nnserm Falle nach Überwindung eines unglücklichen und kostspieligen Krieges die 4prozentige russische Anleihe in London zwischen 94 und 93 stand. Mau halte sich ferner vor Augen, daß sowohl der Krimkrieg als auch der russisch- türkische Krieg eine beträchtliche Entwertung der russischen Valuta herbeigeführt hatten, daß sogar das reiche Frankreich sich im Kriege von 1879 genötigt sah, in erheblichem Umfang Schuldner seiner Zentralbank zn werden und die Bareinlösung der von dieser ausgegebenen Noten zu suspendiere», während die russische Valuta aus dem ostasiatischen .Kriege intakt hervorgegangen ist und die russische Reichsbank über eineil enormen und ihre Notenausgabe immer noch übersteigenden Goldbestand verfügt. Gewiß, es gibt Leute, welche die staunenswerte Festigkeit der russischen Nentenkurse während des Krieges auf allerlei künstliche Machenschaften, insbesondere ans geschickte Jnter- ventioustaufe, zurückführen. Es mag in der Tat sein, daß es die russische Finanzverwaltung verstanden hat, mitunter durch rechtzeitiges Eingreifen — direktes oder indirektes — einem umfangreicheren Kurssturz vorzubeugen. Jedenfalls aber kann es sich unr nin vereinzelte Fälle und um ein Eingreifen mit relativ geringen Mitteilt gehandelt haben; denn wenn die russische Regierung, statt neue Anleihen unterzubringen, ihre verfügbaren Gelder in größerem Umfang zum Rückkauf eigener Renten verwendet hätte, daun wäre sie bald am Eude ihrer Mittel gewesen. Hat es aber die russische Regierung verstanden, mit kleinen Mitteln die große Wirkung zu erzielen, deil Kurs ihrer Anleihen in einer so bedrängten Zeit und bei der notgedrungenen Vermehrung ihrer Schuld zu halten, so hat sie damit eine Geschicklichkeit bewiesen, die man jedem Finanzminister wünschen möchte, die aber bekannklich nnr wenige besitzen. Mail darf jedoch nicht zn viel anf das Konto dieser kleineil Künste schreiben; denn diese hätten mit Notwendigkeit versagen müssen, wenn nicht die gewaltige Arbeitsleistung, welche die russische Fiuauzverwaltuug iu deu zwei Jahrzehnten vor dem Krieg vollbracht hat, in Verbindung mit der Pünktlichkeit, mit der Rußland bisher stets seine Zahluugs- verpflichtlingen erfüllt hat, die Grundlagen des russischen Staats- I, Rustland. 185 r-^» ? r^. ^ r^-^ r^--»> c r^> c-^^ r^., r^-^> c^v, r^.-^ r^-»^ c^-»> r^Ä^ r^-->^ c^.^ krediks ganz erheblich befestigt hätte. Wäre das Wert der Konsolidierung der russischen Finanzen nur der eitle Schein, sür den es so viele auf den billigen Mut ihrer populären Überzeugung höchst stolze Leute ausgeben, wann anders hätte sich das zeigen müssen, als in den schweren Zeiten, die Rußland iu den letzten zwanzig Monaten durchgemacht hat? Die Anerkennung der Tatsache, daß die russischen Finanzen die Feuerprobe eiueS kostspieligen nnd unglücklichen Krieges und gleich zeitiger innerer Erschütterungen bisher so gnt überstanden haben, wie ninn es dem eigenen Vaterlande für ernste Zeiten nur wünschen kann, enthält — dies sei ausdrücklich konstatiert — weder ein Urteil über die russische Volkswirtschaft noch eine Voraussage über dao künftige Schicksal des russischen Staatskredits. Wer selbst von einer Tendenz besessen ist, sieht Tendenz in allem, was seinen Gedankengang schneidet. Die Leute, die aus irgendwelchen Gesichtspunkten erbittert gegen alles Russische ankämpfen, haben meinen früheren Ausführungen in der „Marine-Rnndschan" Tendenzen untergeschoben, die mir gänzlich sern liegen. Herr Regicruugsrat Marti u") mag Einspruch dagegen erheben, das; künftighin noch eine russische Anleihe auf deutschen Börsen zugelassen wird, uud den deutschen Kapitalisten raten, ihre russischen Werte sobald wie möglich zu veräußern; ich meinerseits halte mich weder zu einem Einspruch oder einer Fürsprache bei einer Börsenznlassnngs- stelle noch zn einem Rat an unsere Kapitalisten für berufen. Für mich kam uud kommt es nnr darauf au, Tatsachen in das Licht zu rückeu, die für uns an sich schon von Bedeutung sind und von denen wir für die Gestaltung unserer eigenen Verhältnisse lernen können, und letzteres können wir auf dein Gebiet der Finanzpolitik fogar von dem vielgefchmühten Rußland. Weil es für mich auf keinerlei Tendenz ankommt, ist es mir nicht eingefallen, etwas der Art zn tnn, wie man es meinen Aufsätzen iu der „Marine-Rundschau" untergeschoben hat; es ist mir nicht eingefallen, die russischen Verhältnisse in Bansch uud Bogen als glänzend hinzustellen uud irgend etwas über die zukünftige Gestaltung der finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands auszusagen. Ich habe vielmehr bereits in meinem ersten ") „Tie Zukunft üiuszlmido und ^apano," Berlin, 1905. 18g Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. i«, < 5--^? c!--is c^-i, -Ä-i? r--»^» r^is c^-i? r-?, ? rs? c^V? r-!»i? cz-i? l^-is rsi? Aufsätze^) ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die finanzielle Situation eines Staates nnr im Zusammenhang mit seinen wirtschaftlichen Verhältnissen gründlich beurteilt werden kann; daß in der Zeit der Konsolidierung der russischen Finanzen häufig genug widrige Verhältnisse die russische Volkswirtschaft schwer geschädigt uud das finanzielle System auf eine fchwere Probe gestellt haben; daß die Steigerung der Einnahmen und die Erzielung von Überschüssen der russischen Volkswirtschaft schwere Opfer auferlegt hat, die namentlich in ungünstigen Zeiten hart empfunden wurden. Allerdings schien mir die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit die Anerkennung zu verlangen, daß diese Opfer nicht ohne einen heute schon sichtbaren Erfolg im Interesse der Entwicklung der russischen Volkswirtschaft selbst gebracht wurden: daß die Konsolidierung der Staatsfinanzen und die Währungsreform die Heranziehung des für die Entwicklung der russischen Volkswirtschaft nötigen Kapitals außerordentlich erleichtert haben; daß der im wesentlichen durch die .Konsolidierung der Finanzen ermöglichte Ansban des Eisenbahnnetzes für die russische Volkswirtschaft — insbesondere für den Getreidexport und die Verteilung des Getreides im Innern — einen Vorteil von gar nicht abzuschätzender Bedeutung darstellt; daß die Fortschritte in der Eutwicklung von Bergbau nnd Industrie während der letzten zwei Jahrzehnte unverkennbar sind. Anderseits wurde vou mir ausdrücklich betont, daß für die Zuknnft der russischen Finanz- nnd Volkswirtschaft eine Gesundung der durch alte Fehler sehr schwierig gestalteteu Agrarverhältnisse von der größten Bedeutung ist."") Nichts liegt mir ferner, als diese Schwierigkeiten nnd Gefahren zu bestreiten. Aber gerade wer diese Moniente mit in Rechnung stellt, darf umsoweniger der russischen Finanzpolitik der letzten Jahrzehnte die Anerkennung dafür versagen, daß es ihr trotz der im Vergleich mit Westeuropa rückständige!? wirtschaftlichen Verhältnisse und trotz des noch gering entwickelten Volkswohlstandes gelungen ist, die Staatsfinanzen aus der völligen Verwirrung, in der sie sich nach dem Orientkrieg befanden, zu einer schweren Stürmen gewachsenen Festigung zn führen. Auch hier drängt sich die Parallele mit unseren eigenen Verhältnissen auf. Agl. oben T. N0. **) Vgl. Dezemberheft der „Marine-Rundschau" T. 13V» uud 1361 nud iu dieser Schrift oben S. 49. I, Rußland, 187 P-Si? c-Si? r!--^ c---?? c-i--i? c-s» r-S? r!Li? c-^i KS? rs» l^i» » Wenn man von dem Rußland der letzten zwei Jahrzehnte sagen kann, daß vielleicht noch nie ein Staat mit so geringem privaten Wohlstande es zn einer solchen Höhe nnd Widerstandsfähigkeit seines öffentlichen Kredits gebracht hat, so gilt siir Dentschland leider das Gegenteil. Es ist wohl einzig in der Geschichte, das; ein Staat bei einer solchen Zunahme des privaten Wohlstandes uud bei einem solchen Aufschwung seiner Volkswirtschaft, wie ihn Deutschland in den letzten Jahrzehnte» zu verzeichnen hat, in seinen öffentlichen Finanzen derartig viel zn wüuschen übrig läßt, wie heute das Deutsche Reich. 2. Die Rückwirkungen des Krieges auf den privaten Kreditverkehr und die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Kosten des Krieges sind nicht durch erhöhte Besteuerung usw. unmittelbar der russischen Volkswirtschaft auferlegt wordeu, fondern sie wurden so gut wie ausschließlich aus bereiten Beständen uud deu Erlösen von Anleihen bestritten. Als unmittelbare Belastung der russischen Volkswirtschaft werden sich die Kriegskosten erst in den mit dem Friedensschluß beginnenden Jahren fühlbar macheu, iu denen es sich darum handelt, die dnrch den Krieg verschlungenen Snnuueu durch erhöhte Einnahmen nnd dnrch die strengste Sparsamkeit i» den Ausgaben wieder einzubringen, in denen die während deS Krieges aufgezehrten bereiten Bestände wieder aufgefüllt, die Zinsen und Tilgnngsgnoten der Kriegsanleihen ans den ordentlichen Etat um gelegt und die gewaltigen für die Wiederherstellung der Kriegsbereitschaft von Heer nnd Flotte benötigten Mittel beschafft werden müssen. Mit Recht hat man deshalb gesagt, daß die russischen Budgets der nächsten Jahre die Liquidation der Kriegskosteu bringen werden/") Der russische Geld- und Kapitalmarkt. Für die Frage, wie weit Nußland dieser schweren Aufgabe der Liauidatiou der Kriegskosten uud der erneuten Konsolidieruug seiner Staatsfinanzen gewachsen sein wird, ist es natürlich von Bedeutung, ob uud wie weit die wirtschaftlichen .Kräfte des Landes dnrch den Krieg selbst gelitten haben. *) A. Raffalovich. „1.0 lllarvkö Hn-moier«, 19VS. T. Mi». V. Witt- schcwskl), „Die finanzielle jiriegsülinma !>!nszlandS" in der „^Zeitschrift siir Z^zialwissenschoft". 3. Heft. 188 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen dos Krieges. 5--.-» czs^t r^si? c^-i?rü?>'? r-iS^» i^-^ c!S>? r^-v, r^-i? r-^^? r^->^ rs-^ r-^» Die »»mittelbare» Eiuwirkunge» des Krieges auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands waren dadurch beschränkt, daß sich der Krieg nn der äußersten Grenze des russischen Reichs im fernen Osten abgespielt hat und daß in der soeben dargelegten Weise die aus dem Krieg erwachsende Belastung auf die Zukunft geschoben worden ist. Nichtsdestoweniger kouuteu störende Einwirkungen des Krieges sowohl auf deu Geld- uud Kapitalmarkt als anch ans die Produktions- uud Avsatzverhältuisse nicht ausbleiben. Die Lage des Geld- «ud Kapitalmarktes steht in einer weitgehenden Abhängigkeit von der allgemeinen Geschäftslage. Der .U'reditbegehr pflegt im allgemeinen in Zeiten geschäftlicher Depression zurückzugehen, uud er steigert sich in Zeiten eiues lebhaften Geschäftsgangs uud einer Ausdehnung der produktiven Unternehmungen, anderseits aber auch iu gewissen kritischen Übergangszeiten, in denen die Unternehmungen durch die Uuverkäuflichkeit ihrer Warenvorräte sich darauf augewieseu sehen, sich dnrch eine verstärkte Inanspruchnahme des Kredits die nötigen Mittel für die Fortsetzung ihres Betriebs zu beschaffen. Dazu kommt in Zeiten der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit die vorsichtige Zurückhaltung der Geldgeber. In Ländern mit einem einigermaßen entwickelten Kreditverkehr mnß man deshalb damit rechnen, daß im Falle eines Krieges der Geldmarkt eine starke Anspannung zeigt und ein akuter Andrang des Kreditbegehrs zu den großen Zentralbanken, den letzten Geldquellen der Volkswirtschaft, stattfindet, deren Kreditgewährung sich im Wege der Diskontierung von Wechseln und Lombardierung von Wertpapieren uud Waren beträchtlich ausdehnt; der weitere Verlauf mag mit der Einschränkung der Geschäfte ein allmähliches Nachlassen der Anspannung bringen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß namentlich in den ersten Monaten des Krieges in Rußland zahlreiche Klagen über Kredit- schwierigkeiten nnd Zahlungsstocknngen laut wurdeu. Die russische Reichsbank sah sich in einer Zeit, in der tinter gewöhnlichen Verhältnissen eine starke Reduktion ihrer Ausleihungen einzutrete» pflegt, vor steigeude Kreditanspriiche gestellt, uud allein schon die Fürsorge für die Aufrechterhaltuug eines für alle absehbaren Eventualitäten ausreichenden Goldbestandes nötigte sie znr Erhöhung ihres Zinssatzes nnd zu gewisse» Beschränknngen im Lonibardverkehr (Herabsetzung der I> Rußland. IM r-si? i^-i? i?-?^ c-si, r!--i, c--^ c^-i? r-^-iS c^-i? r---i? r-i-i? r--^» r^-i? ^--i? c^s?? Beleihnngsgreuzeu). Ter offizielle Diskontsatz der rtissischen Reichs- dank hatte seit Mitte Februar 1902 unverändert auf 4^ bis L4/i> Pro- zeut*) gestanden- ani IL. Febrnar 199-1 wnrde er auf 3^/. bis Prozent erhöbt, nnd der Petersburger Marktdiskont wurde voiu 23. Februar 1994 an mit 9 bis 7^ Prozent notiert. Für Sibirien nnd Ostasien mußte ei» Moratorium erlassen werden. Ferner mußte die russische Reichsbauk, nachdem die akute Gefahr für ihren Goldbestand überwunden war, sich in Anbetracht der schwierigen Kreditverhältuisse zu ungewöhnlichen Erleichterungen entschließen. Um den Privatbanken, die ihre verfügbaren Mittel durch die Zurückziehung von Depositen während einiger Zeit beschränkt sahen, eine ausgiebige Kreditgewährung zn ermöglichen, hat sie die für diese Institute ausgeworfenen Kredite unter der Bedingung ausreichender Sicherheitsleistung erweitert; sie hat ferner — abweichend von ihren allgemeinen Bedingungen — ihren Geschäftsstellen gestattet, den Privatbanken, die uicht über ein hinlänglich großes Portefeuille kurzfristiger Wechsel verfügten, nm sich durch deren Diskontierung ausreichend mit flüssigen Mitteln zu Verseheu, auch Wechsel mit einer Laufzeit von drei bis sechs Monaten zn diskontieren. Durch diese Maßnahmen ist es in der Tat gelungen, über die Schwierigkeiten, die durch de» Ausbruch des Krieges ini Kreditverkehr hervorgerufen wurden, ohne Krisen nnd Katastrophen hinweg- zntommen. Die Wechsel- nnd Lombardanlage der russischen Reichsbank hat sich während des Krieges folgendermaßen entwickelt lin Millionen Vilbel). Wechselanlage' Lombardanlago: Zusammen: Durchschnitt 1903 . . . 216,1 199,9 416.0 1./14. Januar 1904 . . 247,8 224,4 472,2 23. Februar/7. März 1904 267,0 217,3 484.3 1./14. Juli 1904 . . . 195,7 194,4 390,1 1./14. Oktober 1904 . . 181,9 2l6,2 398,1 1./14. Januar 1905 . , 169,2 231,1 400,3 1./14. Juli 1905 . . . 147.7 209,9 357,6 1./14. Oktober 1905 . . 156,2 233.9 390,1 Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß die Kreditgewährung der Bank zu Beginn des Jahres 1904 sich nicht unbeträchtlich über dem *) Der Diskontsatz ist je nach der Laufzeit der Wechsel verschieden. I Dritter u.eil. Die finanziellen nnd wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges, c^?,? ^-i? r^-i? r^.-.? c^-i» r-i-^? c^-?i 1^.»c-^i? r^is r-si? r^i? r-Si? c-s^t c--?, r?--v? durchschnittlichen Stande des Jahres 1903 hielt. Zum Teil war das durch die regelmäßig wiederkehrende Anspauuuug des Geldmarktes während der Getreidehandelsperiode verursacht, zum auderu Teil jedoch hat zweifellos die Beunruhigung über die politische Lage sich schon damals geltend gemacht. Bis in de» März hinein hat dann die bereits erwähnte weitere Steigerung der Kreditgewährung der russischen Reichsbank stattgefunden. Nach der Überwindung der ersten mit dein Kriegsausbruch eingetretenen Vertraueuserschütternng erfolgte jedoch bis zum September ein ausgiebiger Rückgang der Kapitalanlage. Vom 1./11. Januar bis zum 1./14. September betrug die Abnahme der Anlage im Jahre NM 83,6 Millionen Rubel, gegen 85 nnd 122 Millionen Rubel i» deu beiden Vorjahren. Der Umfang der Anlagen in Wechseln nnd Lombarddarlehen war am 1./14. September IM! mit 388,6 Millionen Rubel um wenige Millionen Rubel geringer als an den gleichen Ausweistagen der beiden Vorjahre, an denen er sich ans 394,1 und 390,7 Millionen Rubel gestellt hatte. Die Unterschiede sind so auffallend gering, das; man sagen kann, im Resultat der ersteu acht Monate des Jahres 1904 sei der Krieg von keinerlei erkennbarem Einfluß auf die Kreditgewährung der russischen Neichsbcmk gewesen. Dagegen hat sich vom September 1904 au ein Unterschied gegenüber der Entwicklung der Vorjahre darin gezeigt, daß die von jener Zeit an regelmäßig eintretende Ausdehuuug der Kreditgewährung der russischen Reichsbank sich im Jahre 1904 nur innerhalb enger Grenzen bewegt hat. Von 388,6 Millionen Rubel an: 1./14. September 1904 ist die Wechsel- und Lombardanlage der russischen Reichsbank bis zum 1./14. Januar 1905 auf nur 400,3 Millionen Nnbel gestiegen. Zu diesen, Zeitpunkte blieb mithin die Anlage gegenüber derjenigen am 1./14. Jauuar 1904 um etwa 72 Millionen Rubel zurück. Am 1./14. April 1905 betrug die Anlage 77 Millioueu Rubel weniger als am gleichen Ausweistage des Vorjahres! am 1./14. Juli stellte sich die Differenz noch aus 32,5 Millioueu Rubel, während am 1./14. Oktober der Unterschied anf 8 Millionen Rubel zusammengeschrumpft war. Es liegt nahe, aus dem relativ niedrigen Stand, den die Wechsel- uud Lombardanlage der russischen Neichsbank vom September 1904 an aufzuweisen hatte, den Schluß zu ziehen, daß die Wirkung des I Rußland. 191 r---^? r^.-i? r^-i? r^-i? r^-i? c--?» r^-i? r^-I? r^I? r^;? r^-i? r^-i? r^-i? r^->? c^si? c^-v? l^-is 5^,? Krieges von jener Zeit nn in ejner Depression der allgemeinen Wirtschaftslage znin Ausdruck gekommen sei, zumal da die Bank selbst eine absichtliche Kreditbeschränkung jederzeit kategorisch in Abrede gestellt hat. Solche Folgerungen sind in der Tat gezogen worden. Der russische Finanzminister ist diesen jedoch in seinem Bndgetbericht fiir 1993 mit den nachstellenden Ausführungen entgegengetreten: „Zur Klarstellung der wahren Lage des Geldmarktes genügt es nicht, die Ausweise über die Diskont- n»d Darlehensgeschäfte der Rcichsbank den entsprechenden Angaben für die Vorjahre gegenüber zustellen; diese Angaben müssen dnrch analoge Auskünfte in betreff der privaten Handelsbanken vervollständigt werden, denn nur die Gesamtbeträge der Diskont- nnd Darlehensgeschäfte sämtlicher Hanptinstitnte des kommerziellen Kredits geben eine richtige Vorstellung von den kreditmäszigen Hilfsmitteln, welche dem Handels- uud Jndustrieverkchr im ablaufeudeu Jahre zu Gebote stauben. Eine solche Zusammenstellnng ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil 1994 die Lage der privaten Handelsbanken eine wesentlich andere war, als in den beiden vorhergehenden Jahren; sie litten in keiner Weise nnter der Knappheit von Geldmitteln; ihr Kassenbestand hielt sich auf einem bedeutend höheren Nivean als in jenen Jahren, und die Bedürfnisse des Handels und der Industrie fanden reichliche Befriedigung im Diskonto- und Darlehensverkehr dieser Banken. Die Schwankungen in den Aktivgeschäften der Reichsbank sowie der Handelsbanken äußerten sich 1904 im Vergleich zu den beide» vorhergehenden Jahren in folgender Weise: Auszahlungen im Diskonto- und DarlchenS-(Lombard-)geschäft der Reichsbank der Handelsbanken 1904: 1903: 1902! 1904: 1903: 1902: (Millionen Rubel) Zum 1. Januar . 473 479 Ö13 1011 888 775 - 1. August . 381 381 376 962 897 806 - 1. November 434 434 423 1060 991 863 Danach hat allerdings die Kreditgewähruug der privaten Banken im Herbst 1904 einen nicht unerheblich größeren Umfang erreicht als in den beiden Vorjahren. Wie weit in der ersten Hälfte des Jahres 1995 in ähnlicher Weise eine Ausgleichung des relativ geringen Um- fcmges der Kreditgewährung der russischen Neichsbank durch die 1s>2 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. r^^c^^ri^c-^c-^r^^c-^c^i^^r^r-^r-^rz^r^iz^c^ Aktivgeschäfte der Privatbanken stattgefunden hat, läßt sich, da hinsichtlich der letzteren noch kein Material vorliegt, nicht entscheiden. Tie russische Reichsbank ist bisher bei ihrem im Februar 1991 auf!Zi/> bis N/, Prozent erhöhten offiziellen Zinssatz geblieben. Dagegen ist der Petersburger Marktdiskont von 6 bis 7^/, Prozent gegen Ende März 1993 auf 5 bis 61/2 Prozent zurückgegangen. Ans den eigentlichen Kapitalmarkt, den Markt der festverzinslichen Werte und der Dividendenpapiere, hat der Krieg eine intensivere Einwirkung ausgeübt als auf den Geldmarkt. Der Einfluß des Krieges auf die russischen Staatsanleihen ist bereits im allgemeinen besprochen. Was dort über die Kursschwankungen der russischen Staatspapiere auf dem internationalen Markte gesagt war, gilt auch für die Bewertung dieser Papiere auf dem russischen Markte selbst. Die Einwirkung des Krieges ans die privaten Effekten, insbesondere auf Aktien und Obligationen von Industrie-, Handels- »nd Verkehrsnnternehmungen, hing in der Hauptsache davon ab, wie die einzelnen Erwerbszweige von dem Kriege und späterhin von den inneren Unruhen betroffen wurden. In den Tagen unmittelbar nach dem Kriegsausbruch trat ein panikartiger Kurssturz fast aller Wertpapiere ein. Nachdem aber die Besonnenheit znrückgekehrt war, gingeu die einzelneu Kategorien von Effekten in ihrer Kursbewegung so erheblich auseinander, daß ein irgend einheitliches Gesamtbild nicht gegeben werden kann. Wen» wir uns von den Verhältnissen des russischen Geld- und Kapitalmarktes zu der Lage der einzelnen Wirtschaftszweige wenden, so habeu wir zunächst die Landwirtschaft ins Auge zu fassen. Gegenüber den ungünstigen Einwirkungen des Krieges waren für die russische Volkswirtschaft bei dem enormen Überwiegen der bäuerlichen Bevölkerung der günstige Ernteausfall uud die günstigen Weltmarktspreise für Getreide im Jahre 1904 eine ganz besonders wichtige Erleichterung. Der Budgetbericht des Finanzministers für 1903 gibt den Rohertrag an Kornfrüchten in 72 Gouvernements nnd anderen Bezirken folgendermaßen an: Die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse. 1899-1903 durchschnittlich 3,616 Millionen Pnd 1902 1903 1901 1,108 3,923 4,371 l Rußland. 193 Der Wert der Getreideausfuhr im Jahre 1904 hat 495,3 Millionen Rubel betragen gegen 477,6 und 432,1 Millionen Rubel iu den beiden Vorjahren. Trotz dieser Steigerung war die Ausfuhrmenge etwas geringer als im Jahre 1903 (648,0 Milliouen gegen 050,4 Millionen Pud). Der Mehrertrag der Ernte ist also für den Kriegsbedarf und die inländische Bevölkerung verfügbar geblieben. Allerdings sind die Vorteile der günstigen Ernte den russischen Produzenten und der russischen Volkswirtschaft nicht ungeschmälert zngnte gekommen' die Frachtstockungen auf den Eisenbahnen, welche in Rußland zur Erntezeit alljährlich einzutreten Pflegen, haben infolge der außerordentlich reichen Ernte in Verbindung mit der starken Inanspruchnahme der Betriebsmittel fiir die Kriegstransporte einen ungewöhnlich großen Umfang angenommen. Der Finanzminister selbst beziffert den Umfang der liegen gebliebeneu Getreideseudungen auf mehr als 100 000 Waggons, auf mehr als doppelt so viel wie in dem iu dieser Beziehung bisher ungünstigsten Jahre 1902. Die Lage der Industrie, soweit sie nicht sür den staatliche» Bedarf arbeitet, hängt in Rußland, das keinerlei bedeutenden industriellen Export hat, ganz unmittelbar von der Kaufkraft des inuereu Marktes ab. Daß diese — trotz der günstigen Ernte — infolge des Krieges, namentlich infolge der Einberufung der Reservisten zur Fahne, eine Beschränkung erfahren hat, daß außerdem auch der kaufkräftig gebliebene Teil der Bevölkerung in Anbetracht der ungewöhnlichen Zeitverhältnisse sich zurückhaltend zeigte und sich einzuschränken suchte, kann keinem Zweifel unterliegen. Unter diesen Vcrhältuisseu hatte insbesondere die Industrie des Weichselgebietes, namentlich die Weberei nnd Spinnerei des Bezirkes von Lodz und die Galanteriewarenindustrie von Warschau zu leiden. Ferner hat ans das Bangewerbe und die Fabrikation von Baumaterialien (Ziegeln, Zement) die durch den Krieg herbeigeführte Einschränkung der öffentlichen und privaten Bautätigkeit ungünstig eingewirkt. Auch ein Rückgang der Industrien der Nahruugsmittelbranche (Zucker-, Hefe- und Bier- produktiou) wird konstatiert. Auf der audereu Seite haben die Montanindustrie, insbesondere die Eisen- nnd Kohlengewinnung, ferner die Holz uud Metalle verarbeitenden Industrien, die in großem Umfang für den Kriegsbedarf (an Waggons, Munition usw.) beschäftigt waren, sowie die gleichfalls fiir den Kriegsbedarf arbeitende Hclfferich, Das Gcld im russisch-jdpaiiischm Äncac ,!> 1<)4 Dritter u.eil. Die finanzielle» und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. p^,^-^r^tr^>?5^,5^!^^5^^^il Lederindustrie nsw. infolge des Krieges ihre Produktion nicht unerheblich ausgedehnt. Auch die Transportunternehmungen habeu infolge des Krieges fast durchweg befriedigende Resultate erzielt. Als günstiges Symptom für die allgemeine Lage der russischen Volkswirtschaft im ersten Kriegsjahre führt der Budgetbericht des russischen Finauzmiuisters die Entwickluug der Sparkassen und die Gestaltung des auswärtigen Handels an. Die Spareinlagen haben auch wnhreno des Jahres 1994 ihre Steigerung, wenn auch in verlangsamtem Tempo, fortgesetzt, und der auswärtige Handel des Jahres 1904 zeigt gegenüber den Vorjahren in der Ausfuhr eine geringfügige Zuucchme (von 949,7 auf 933,0 Millionen Rubel) uud iu der Einfuhr nur eine unerhebliche Abnahme (von 692,6 auf 383,6 Millionen Rubel). Der Eiufuhrrückgaug kommt ausschließlich auf Fabrikate uud Rohstoffe für Judustriezwecke; die Eiusuhr der ersteren hat von 179,8 auf 136,7 Millionen Rubel, die der letzteren von 342,8 ans 332,8 Millionen Rubel abgenommen. Recht erheblich sind im Gegensatz zum Jahre 1994 die Unterschiede iu den Ergebnissen des Außenhandels in den ersten siebeu Monaten des laufeuden Jahres gegenüber den gleichen Abschnitten der Vorjahre. Es betrug (iu Millionen Rubel): Januar bis Juli: die Einfuhr: die Ausfuhr: der Ausfuhrüberschuß: 1S02 .... 302 412 110 1903 .... 338 511 173 1901 .... 350 466 116 1305 .... 236 561 278 So günstig diese Entwicklung für die Gestaltung der russischen Zahlungsbilanz ist, so ist doch der beträchtliche Einfuhrrückgang ein unverkennbares Zeichen für eine Schwächung der Kaufkraft der russischen Bevölkerung. Im gauzeu kauu mau sagen, daß der Krieg selbst irgendwelche erheblichen Zerstörung von Kapitalanlagen uud produktiven Kräften nicht znr Folge gehabt hat. Dagegen erscheinen bedenklicher als die Wirkuugen des Krieges selbst diejenigen der inneren Unruhen. Durch die Arbeitseinstelluugeu und die Zerstörung Werte schaffender Kapitalien jeder Art leidet nicht nur die augenblickliche Ergiebigkeit der Produktion, sondern werden mich die produktiven Kräfte des Landes für Jahre hinaus geschädigt. Mau denke nur au die verheerende» >l- Iapa.i, ^^-^? c7^> ^» ? r?^? c^.^ ^ ? ? r^»? c^.-»? r^--»> c^»? sich bemüht, einen inöglichst großen Teil der Kriegskosten durch eine Erhöhung der Besteuerung zn decken. Aber wir haben gesehen, das; trotz der heroische» Anspannung der Stenerkraft aus dieser Quelle nur ein relativ geringfügiger Beitrag (bis Ende September 1W5 etwa 137 Millionen Jen) zn den enormen Kriegskosten geschöpft werden konnte. Auch bei Japan lag der Schwerpunkt der Geldbeschaffung für den Krieg in den Kreditoperationen. Der Nennbetrag der von Japan aufgenommenen .Kriegsanleihen ist oben ans 12M Millionen I)en, ihr Reinerlös auf 1134,5 Millionen?)en berechnet, dazn kommen die bei der Bank von Japan aufgenommenen 31 Millionen Jen. Der Wert des verbrauchte» und zerstörten Kriegsmaterials ist, wenn er auch nicht entfernt denselben Betrag wie auf der russischen Seite erreichte, den baren Aufwendungen hinzuzurechnen. Während jedoch für Rußland den verausgabten Snmmen nnd zerstörten oder verlorenen Werten keinerlei Kompensation gegenübersteht, weist die Bilanz des Krieges für Japan neben den enormen Ausgaben auch ansehnliche Aktivposten auf. Abgesehen von dem Landerwerb, den der Krieg den Japanern brachte, nnd abgesehen von der Vorherrschaft in Korea und der Mandschurei stellen der an Japan abgetretene Teil der mandschurischen Eisenbahn nnd andere in die Hände der Japaner gefallene russische Besitzstücke der verschiedensten Art einen Wert dar, der Wohl auf mehrere hundert Millionen Jen veranschlagt werden kann. Anch aus der Abrechnung über die Unterhaltungskosten der beiderseitigen Gefangeneu hat Japan noch einen nicht unerheblichen Bareingang zn erwarten.") Aber auch nach dieser Gegenrechnung bleibt für die japanischen Staatsfinanzen eine enorme Belastung übrig, die in der Tatsache, das; die Staatsschuld durch den Krieg ans mehr als das Dreifache erhöht worden ist und daß die reinen Zinsen der Staatsschuld heute etwa 40 Prozent der ordentlichen Einnahmen der letzten Rechnungsjahre vor dem Kriege ausmachen, ihren Ausdruck findet. Ehe wir die Momente untersuchen, die für die Frage von Wichtigkeit sind, wie Japan diese Belastung in der Zukunft wird tragen *) In der „Frankfurter Zeitung" vom 30. August 1905 (Abendblatt) wird der Wert der an Japan zedierten Strecke der mandschurischen Bahn einschließlich der in Port Arthur und anderwärts von den Japanern beschlagnahmten russischen Besitzstucke auf etwa 800 Millionen Mark, die von Japan zu erwartende Entschädigung sür die Unterhaltung der Kriegsgefangenen auf 200 Millionen Mark geschätzt. j s>8 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftliche» Rückwirkungen des Krieges, r^-i? r---^» c-^i? r^-sk c---v, r-^---? r---^> r^,?. ^--^ c^-ii c---->? r?--i? r---5? r?--v, c^-i? r---i? r--->? tonnen, habeit lvir auch hier zunächst zu prüfen, wie der japanische Staatskrcdit während des Krieges selbst sich gehalten hat. Tie Kurse der japanischen Staatsanleihen. Die nebenstehende Tabelle gibt ein Bild der Kursbewegung der japanischen ^Iprozentigen Anleihe von 1899 an der Londoner Börse, und zwar in Gegenüberstellung mit den Kursen der 4prozentigen russischen Anleihe von 1889 auf demselben Markte. Kurs der 4proz. russischen Nuleihevon 1889, II, Serie Kursder4proz. japanischen Anleihe von 1899 höchster niedrig, ster durchschnittlicher höchster niedrigster durchschnittlicher 15. Dezember 1903 . , . 23. Dezember 1903 . , . 31. Dezember 1903 , , . 100,50 99.00 98.00 — 84,00 80,25 77,50 Januar 1904 ..... Februar 1904 ..... März 1904 April 1904 ...... Mai 1904 ...... Juni 1904 ...... Juli 1904 ...... August 1904 '..... September 1904 .... Oktober 1904 ..... November 1904 .... Dezember 1904 ... 98,50 98,00 95,25 95,00 90,75 92,50 92,75 92,00 92.75 93,50 93,25 93.25 93.75 88,75 92,00 91,75 88,25 89,00 91,50 91,25 91,50 91,75 92.50 91.25 97.13 92.15 93.60 93,09 89,33 90,89 92.03 91,41 92,20 92.55 92,95 92,67 78,75 76.00 65,75 66.50 74,00 77,37 76,00 75,25 75,62 74.50 75.00 77.75 73.00 65,75 62,00 62,37 67,75 74,75 72,87 74.25 70.50 70,75 73.37 74.75 76.05 69,21 64.58 65,03 70,66 76,00 73,72 74,70 73,20 72,91 74,28 75,84 Im Jahre 1904 .... 93,50 88,25 92,53 78.37 62,00 72.23 Januar 1905 ..... Februar 1905 ..... März 1905 ...... April 1905 ...... Mai 1905 ...... Juni 1905 ...... Juli 1905 ....... August 1905 ..... September 1905 .... Oktober 1905 ..... 91,50 91,25 90,00 89,00 39.00 91,00 89,00 94,75 95.50 94,50 87,50 89,25 87,00 87,00 87,50 87,50 86,25 88.00 94.25 89,00 89,84 90,42 87,37 87,82 88.22 89,22 87,31 89,21 94,80 92,88 80,12 86,75 87,62 86,00 87,87 89,75 89,00 89.75 91,75 91,87 76,50 79,75 85.25 82.75 82,37 87,25 87,25 88,36 90,25 90,50 77,92 82.51 86,45 84.33 83,55 83,87 87,99 87,50 91,04 91,06 Il, Iaxan, 199 IN? r^-i? r-si? r^--?- r^A? c^-i? rü-i? c^-i^ c^i? -7^> css r-,^ Diese Tabelle zeigt auf den ersten Blick, welche charakteristische Verschiedenheit zwischen dem Verhalten der russischen und dem der japanischen Auleihckurse besteht. Das geringere Vertrauen der westlichen Märkte in die militärische und finanzielle Macht Japans kam vor dem Ausbruch des Krieges einmal in dem wesentlich tieferen Kursstand der japanischen Staatspapicre zum Ausdruck — die 4prozentige japanische Anleihe stand während des Jahres 1993 auf uugefähr 83, während die mit gleicher Verzinsung ausgestatteten russischen Anleihen sich ungefähr auf Pari hielten —; ferner darin, daß die bloße Kriegsgefahr die Kurse der japanischen Anleihen in viel stärkerem Maße drückte als die Kurse der russischen Staatspapiere: vom 15, Dezember 1903 bis znm 31. Januar 1994 sank die 4prozentige japanische Anleihe von 84 auf 741^, nachdem sie schon am 7. Januar auf 73 gefallen war und sich bis zum 19, Jcmuar wieder auf 77^ erholt hatte. Der Ausbruch des Krieges gab den Kursen der japanischen Staatspapiere — ebenso wie denjenigen der russischen Anleihen — einen heftigen Stoß: am 9, Februar sanken die Japaner auf 66; die Japaner hatten damit gegenüber dem 15. Dezember 1903 mehr als ein Fünftel ihres Kursstandes eingebüßt, während die Russen — trotz des für sie unglücklichen Verlaufs des ersten Zusammenstoßes vor Port Arthur — in der gleichen Zeit auf dem Berliner Markte nur etwa ein Zwölftel, auf dem Londoner Markte etwa ein Achtel verloren hatten. Nach der Überwindung des ersten Schreckens trat hier wie dort eine leichte Aufbesserung der Kurse ein; aber während diese bei den Russen bis in den April hinein vorhielt, sind die japanischen Kurse schou von Mitte Februar au allmählich wieder ins Weichen gekommen; am 31. März notierte die japanische Anleihe nur noch 62. Dann allerdings trat eine Wendung ein. Die Erfolge der japanischen Waffen begannen auf dem Geldmarkte eine für Japan günstigere Stimmung aufkommen zu lassen, so daß im Mai die japanische Anleihe in London die geschilderte glänzende Aufnahme fand und eine erhebliche Kursbcsseruug (bis auf 74 Ende Mai) uicht verhinderte, während gleichzeitig die allerdings mehr als dreimal so große russische Anleihe in Verbindung mit dem Gang der militärischen Operationen das Kursniveau der russischem Werte vorübergehend stark drückte. Die Japaner setzten in den folgenden Monaten ihre Kursbessernng bis auf 77^ Mitte Juni Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges, r---^ r^si? üs-i? c-si< c-x^ cü-v, c---^t c---i? ci-?i? rü«i? ^Si? c-Si? c-si? csi? csis 1904 fort, konnten dieses Niveau aber nicht behaupten. Auch die großen militärischen Erfolge bei Lianjnng und aiu Schccho übten teiueu nennenswerten Einslus; auf die japauischeu Anleihetnrse aus: zwischen den beiden Schlachten sank sogar der Kurs der japauischeu -Iprozentigen Anleihe, der sich am 2. September 1904 wieder bis auf 75^ gehoben hatte, zeitweise bis auf 7(N/>, während die gleichverzinsliche russische Anleihe in jener Zeit trotz der militärischen Mißerfolge nicht niedriger als 91^ Prozent notiert wnrde. Gegenüber dem Kursstaude um die Mitte des Jahres 1903 hatten die japanischen Anleihen damals mehr als ein Siebeutel, die Russeu nur etwa ein Elfte! eingebüßt. Die Erklärung fiir diese dem militärische!' Verlaufe des Fcldzugs widersprecheude Haltung des Staatskredits der beiden Mächte während der ersten Hälfte des Krieges mag zum Teil darin liegen, daß trotz der bis dahiu erfochteueu Siege des japanische» Heeres und der japanischen Flotte die Überzeugung eine weit verbreitete war, daß schließlich doch Rußland sich als der militärisch überlegene Teil erweisen »verde. Jedenfalls aber war der hauptsächlichste Gruud, daß das Vertrauen iu die finanzielle Leistnngssähigteit Rußlands ein stärkeres war als dasjenige in die Finanzkraft Japans. Trotz aller heftigen Kritik der russischen Finanzwirtschaft wußte man, daß Rußland mit geordneten Finanzverhältnissen in den Krieg eingetreten war und auch noch im letzten Quartal des Jahres 1904 über erhebliche finanzielle Reserven verfügte, während Japan schon in den Jahren der Kriegsvorbcreitung seine Finanzkraft stark hatte anspannen müssen: man rechnete damit, daß Rußland schlimmstenfalls auch einen unglücklichen Krieg werde ertragen können, ohne deshalb finanziell zusammenbrechen zn müssen, während sür Japan ein unglücklicher Ausgang des Feldzuges als gleichbedeutend mit dein finanziellen Ruin angesehen wurde. Erst die Nachrichten, die den Fall von Port Arthur in naher Zeit als sicher erscheinen ließen, brachten im Dezember 1904 eine nachhaltige Knrssteigung der japanischen Anleihen: denn von dein Fall dieser Festung erwartete man die Beendigung des Krieges. Die Kursbesieruug machte aber die größten Fortschritte nicht uach der Kapitulation der Festung, sondern nach dem Ausbruch der Arbeiter- nnrnhen in Petersburg und der Ermordung des Großfürsten Ser- II, Japan, 201 r^i? r-s? r^e?? rü-?? r---?? r-^-i? r^-i? rü«i> r-s? c-i^i? r^-i? c^s,? r?^, cs? ^-i? rss c-si» gius. Nach dem erstgenannten Ereignis ging der Kurs der japanischen Anleihe bis ans 89 und etwas darüber, nach dem letztgenannten sprang er bis auf Damit war der Kurs auf einem höheren Stande angekommen, als er ihn um die Mitte des Jahres 1903, ein halbes Jahr vor dem Kriegsausbruch, eingenommen hatte. Die Schlacht bei Mnkden brachte »nr eine geringfügige weitere Erhöhung, bis auf 87^ am 11, März 1995. Die Differenz zwischen den Londoner Kursen der russischen nnd japanischen 4prozentigeu Anleihen, die noch im Durchschnitt des Dezember 1994 nahezu 14 Prozent betragen hatte, stellte sich in den folgenden Tagen zeitweise ans nur ^ Prozent, Allerdings konnten die Japaner den Mitte März erreichten Kurs zunächst nicht behaupten. Auch die russische Niederlage bei Mnkden war keine vernichtende gewesen; es zeigte sich, daß die Tragweite des Sieges überschätzt worden war, und auch die inneren Verhältnisse Rußlands stellten nicht, wie man vielfach erwartet hatte, eine unbedingte Nötigung znm Frieden dar. Dazu kam die Ungewißheit über den nahenden Znsammenstoß zwischen dem Baltischen Geschwader und der japanischen Flotte, Aus diesen Verhältnissen erklärt es sich, daß der Kurs der japanischen Anleihe von 87-^ am 11, März 1995 allmählich wieder bis ans 83 Prozent und darunter im Mai herabging. Die Nachrichten über den Ausgang der Schlacht in der Tsushima-Straße brachten mit der endgültigen Sicherung der Herrschaft Japans zur See und den zuversichtlichen Friedenshoffnungen eine ueue Kurssteigerung bis auf 89,75 im Juni, In den ersten Junitagcn erreichten die japanischen Kurse zum ersten Male die russischen und gingen in den folgeuden Wochen sogar zeitweise über diese hinaus. Obwohl die japanische Anleihe ihren hohen Kursstand nicht behaupten kounte, sondern gelegentlich wieder bis ans 87,25 herunterging, hat die Kursdifferenz zugunsten der japanischen Papiere im Juli uuter dem Eindruck der Meuterei in der russischen Schwarze Meer-Flotte zeitweise deu Betrag von etwa 1^/. Prozent erreicht. Von der zweiten Augustwoche an wurde jedoch der Kurs der japanischen Anleihe, der relativ geringen Schwankungen unterlag, Von demjenigen der russischen Rente, der infolge der Friedensans- sichten stieg, wieder überholt, und als am 39. August bekannt wurde, daß in Portsmonth sich die FriedcnSunterhändler geeinigt hatten, und zwar ohne daß Japan eine Kriegskostenentschädigung erhielt, 202 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. c-Z^ »lü-r? l?SI? r--^? l^-i? ci-^? üSi? c!Si? rsi? rsi? c--?>? stieg allerdings die japanische Anleihe wieder ans 89,75, die russische dagegen bis ans 94,76. Die japanische Valuta wahrend des Krieges. Die japanische Valuta, die — wie oben dargestellt worden ist, — erst uach dein Kriege mit China auf der Grundlage der Goldwährung konsolidiert worden ist, hat sich, wie die folgende Übersicht zeigt, unter den Einflüssen des Krieges bemerkenswert stabil gehalten. Wöchentliche Notierungen des Wechselkurses auf London i4 Monate) in Yokohama, (sl. und cl pro ?1cn.) -1 Tc,,ci»bcr 1903 , . 2sl.0"/.°cl 11). Februar 1904 bic- 9. IM", . , 2 su 0 "/,.,, .1 6. April 1904 . . 2 5l> 0 V.» ll Ui, 190?; . , 2.1,0^ cl 1?. April 1904 . . . 2 .1. 0 Vs 6 23. 190!! , . 2Kl>y2/, il 20. - 1904 . . . 2 .Ii 0 -/g cl !!<>, 1903 . . 2.1.0''/,. -I 27. - 1904 . . . 2.1.0-/,, cl Ii. Januar 1904 . . 2 5l>0-/. .1 4. Mni 1904 . . . 2.1.0'/,, -I 1-'.. 1904 . , 2 .Ii 0 "/„. cl ll. - 1904 bis 15. 2l>. 1904 . . 2 «Ii 0 .1 März 1905 . . . 2 .1. 0 l/4 cl 27, 1904 . . 2.1.0^„ cl 22. Mär,, 1905 und fol- Februar 1904 , . 2 .1.0'/,„.! czende . . . . . 2 .1. 0 "/,,. >1 — nach dem Kriegsatisbruch für etwa zwei Monate auf den relativ niedrigen Stand von 2 «I. 9'/,,. cl herabgegangen, hat sich dann vom April an etwas erholt und stand seit Mitte Mai 19NI bis Ende März 1903 unverändert ans 2 .l. 0^ cl. Freilich hat sich die japanische Valuta auf diesem Stande nur nm den Preis des sehr erheblichen Goldabflnsses halten lassen, der teils durch die auswärtigen Zahlungsverpflichtungen der Regierung, teils durch die ungewöhnlich uugnustige Handelsbilanz bedingt war. Im Jahre 1995 haben die Anslandsanleihen, ebenso wie auf die Goldbewegung, so auch auf die Valuta eine gewisse Eiuwirkuug gezeigk. Die japanischen Wechselkurse sind allmählich wieder um eiue Kleinigkeit in die Höhe gegangen - von der lebten Märzwoche 1993 an halten sie sich auf 2 st, 0V,° cl. II. Jap"», Tie Golddeckung der Bank von Japan war allerdings, wie oben gezeigt worden ist/") eine so geringfügige, das; die Anfrechterhaltnng der japanischen Valnta ernstlich gefährdet erscheinen mußte. Ob die Bank hinsichtlich der Goldabgabe im Wege der Noteneinlösnng für den inneren Verkehr irgendwelche Schwierigkeiten gemacht hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls beweist sowohl die Tatsache, das; i» den auswärtigen Wechselkursen eine Entwertung der japanischen Valuta nicht zutage trat, wie auch der starke Goldexport, daß die Bank trotz ihrer zeitweise so stark zusammengeschrumpften Bestände anstandslos Gold zum Zweck der Versendung nach auswärts hcrausgegehen hat. Der japanische Staatskredit beim Friedcnsschlus!. Sowohl der Stand der japanischen Valuta als auch die Bewertung der japanischen Staatsanleihen lassen, wenn man den Zeitpunkt des Friedensschlusses mit der Zeit vor dem Kriegsausbruch vergleicht, eiue ungünstige Einwirkung des Krieges auf den öffentlichen Kredit Japans nicht erkennen. Die japanische Valuta ist im ganzen stabil geblieben; die japanischen Anleihen stehen nach der Kurseinbuße iu den ersten Wochen des Krieges heute sogar um 6 bis 7 Prozent höher als zur Zeit vor dem Kriegsansbruche und vor den Kriegsbefürchtungen, uud das nach einem Krieg, der die Schuldenlast des japauischeu Staates mehr als verdreifacht hat, und nach einem Frieden, der den Japanern keinen unmittelbaren Ersatz sür ihre Kriegsausgaben in Aussicht stellt. Allein die Verzinsung der Kriegsanleihen belastet Japan jährlich mit mehr als dem vierten Teil seiner ordentlichen Einnahmen in den letzten Jahren vor dem Kriegsausbruch. Berücksichtigt man, das; Japan für die ihm mit dem Frieden erwachsenden dringlichen Aufgaben militärischer uud wirtschaftlicher Natur ohue weitere Anleihen kaum wird auskommen können, berücksichtigt man ferner, zu welcher Anspannung der finanziellen Kräfte Japan sich schon in den letzten Jahren vor dem Krieg znr Durchführung seiner Rüstungen nnd zur Bestreituug seiner rasch anwachsenden ordentlichen Ausgaben genötigt gesehen hat, dann wird mau sagen müssen, das; es jedenfalls nicht eine Verbesserung der tatsächlichen Finanzlage Japans gewesen ist, die den ^urs seiner Anleihen nnd den Stand seine? Stnaiskredits gehoben hat, sondern das; die 20-4 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. r-i«i? «2-^ c^-i? r^«i! cs? lÄ-,, ^i-^ r-Si? c^xs» c-Li? r-i-^ csi» r-s? r^?i? ri-I? r^i? riSi? höhere Bewertung der japanischen Anleihen auf den westlichen Geldmärkten erfolgt ist trotz der gewaltigen finanziellen Belastung, die der Krieg dem japanischen Staatswesen auferlegt hat. Damit soll jedoch nichts weitiger als ein Urteil darüber gefällt sein, ob die gegenwärtige Bewertung der japanischen Anleihen gerechtfertigt ist oder nicht. Auch in den finanziellen Dingen geht das Werdeil über das Sein und die bewegende Kraft über den augenblicklichen Ruhezustand. Den westlichen Böllern ist im Verlauf dieses Krieges erst zögernd und dann mit rapider Schnelligkeit die Erkenntnis der enormen Lebenskraft aufgegangen, die in diesem Volke des fernsten Ostens wirksam ist. Diese neue Bewertung der japauischeu Volkskraft hat sich auch auf die finanzielle Leistungsfähigkeit des Laudes der aufgehenden Sonne erstreckt. Nnr so erklärt es sich, daß die westlichen Börsen heute den japanischen Staatskredit trotz seiner mehr als verdreifachten Belastung höher einschätzen als vor dem Krieg. 2. Die Rückwirkungen des Krieges auf den privaten KreditverKehr nnd die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse. Für die Frage, wie Japan die durch den Krieg so stark vermehrte finanzielle Belastung wird tragen können, wird natürlich in erster Linie die wirtschaftliche Entwicklung des Landes von entscheidender Bedeutuug seiu. Es ist deshalb — ebcuso wie bei Rußland — auch hier von Wichtigkeit, die Einwirkungen des Krieges auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes festzustellen. Wir wenden nns auch hier zunächst zn derjenigen Sphäre des wirtschaftlichen Lebens, welche den Störungen durch deu Krieg am leichtesten ausgesetzt ist, zu der Sphäre des privaten Kreditverkehrs. Die Einwirkung des Krieges auf den privaten Kreditvcrkehr. Wenn schon aus Nußlaud nur spärliche Nachrichten über die Einwirkung des Krieges auf den Geld- und Kapitalmarkt vorliegen, so ist das bei Japan in noch viel stärkerem Maße der Fall. Zur Benr- teilnng der Vorgänge ans dem japanischen Geldmarkte ist man so gut wie ausschließlich auf die Ausweise der Bank von Japan angewiesen. II Japan, 205 r^-ii csi! r^,? ksi? r^si^»i^i» i^-iv r-^v? r^s? üLV, css r^x.»c^-i? c-^i?r-^.-i» i^-i? c^>,c^>, r^i-r« r--,, Die folgende Tabelle veranschaulicht die Veränderungen der Anlage der Bank von Japan in Iiilandswechseln und Lombarddarlehen (in Millionen Yen): Inlmids- wechscl Lvmbard- dnrlehen Zustimme» 9, Jcmunr 1904...... 19,8 33,9 53,7 20. März 1904....... 11.9 27,0 38.9 2. Juli 1904....... 20,7 40,3 07.0 31. Dezember 1904..... 48,0 45,1 93,1 7, Januar 1905...... 31,6 59,1 90,7 1. April 1905....... 34,0 53,2 87.8 1. Juli 1905 ....... 59,7 220,2 279,9 23, September 1905..... 30,9 277,0 314,5 Die Kreditgewährung der Bank von Japan hat nach diesen Zahlen in den ersten zwei Monaten des Krieges eine erhebliche Einschränkung erfahren. Erst vom April an trat eine Steigerung ein, die sich — allerdings unter nicht unbeträchtlichen Schwankungen — bis zum Jahresschluß fortsetzte. Noch im Mai 1904 war die Anlage der Bank in Jnlandswechseln und Lombarddarlehen beträchtlich geringer als in den Vorjahren; sie stellte sich am 7. Mai 1904 auf 46,7 Millionen I)en, während sie an den gleichen Answeistagen der drei Vorjahre 76,2, 04,1 und 103,1 Millionen Yen betragen hatte. Tagegen war die Anlage der Bank zu Beginn des Jahres 1905 um etwa 68 Prozent größer als zu Begiuu des Jahres 1904, und am Ende des ersten Quartals 1905 war sie beträchtlich mehr als doppelt so hoch wie zur gleichen Zeit des Vorjahres. Vom Juni an ist eine Vergleichung nicht mehr möglich, weil nnnmehr die oben erwähnten Operationen der staatlichen Finanzverwaltung mit einem Schlage das Lombardkouto ganz gewaltig haben anschwellen lassen. Aus der Bewegung der Wechsel- uud Lombardanlage der Bant von Japan scheint hervorzugehen, daß in den ersten Monaten des .Krieges eine gewisse Kontraktion des Kreditverkehrs eingetreten ist. Die Abnahme in der Wechsel- nnd Lombardanlage der Bank fällt zusammen mit der Zeit des schärfsten Rückgangs der Kurse der japanischen Staatsanleihen nnd des stärksten Goldabflnsses nach dem Auslande. Wie weit sich die Einschränkung der Kreditgewährung der ^o^i Dritter u.eil, Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. 5>-,>^v<^?,5^sr^i,5^^^^^,^ Bant aus einer Stockung der Geschäfte und des Kreditverkehrs von selbst ergeben hat, wie weit die Bank ihrerseits auf eine solche Einschränkung hingewirkt hat, läßt sich auf Grnnd des vorliegenden Materials nicht beurteilen. Ihren offiziellen Diskontsatz hat die Bank jedenfalls — trotz des erheblichen Goldabflusses — erst verhältnismäßig spät erhöht. Von Mitte März 1902 bis Mitte März 1903 hatte die Bank ihren Zinsfuß von 8^ Prozent schrittweise bis auf 5,84 Prozent herabgesetzt, und bei diesem letzteren Satze hatte es auch nach dein Kriegsausbruche sein Bewenden, bis Ende Juni 1904 eine Erhöhung auf 0,5 Prozent erfolgte. Entscheidend für diese Diskonterhöhung war »eben dem andauernden Goldabslnß offenbar die Steigerung der inländischen Kreditausvrüche, die auf eine ausgiebige Wiederbelebung von Handel und Verkehr schließen läßt. Der gleiche Grnnd mag ausschlaggebend gewesen sein für die weitere Diskout- eichöhung, die im Juni 1903 erfolgte und den Zinssatz der Bank von Japan auf 8,03 Prozent brachte. Die allgemeine» wirtschaftlichen Verhältnisse. Ebensowenig wie der private Geld- und Kreditverkehr haben die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse Japans eine nachhaltige Beeinträchtigung durch deu Krieg erfahren. Im Gegenteil, es scheint während des Krieges selbst in gewissem Umfange eine weitere Ausdehnung der wirtschaftlichen Tätigkeit und ein weiteres Erstarken der produktiven Kräfte eingetreten zu fein. Das Jahrbuch des japanischen Finanzministeriums glaubt mit Befriedigung feststellen zu tonnen, „daß das Land wenig von den Übeln Folgen, welche gewöhnlich in Kriegszeiten einzutreten pflegen, verspürt hat, daß im Gegenteil die wirtschaftliche Lage im letzten Jahre in jeder Beziehung günstig war." Zum Beweis werden insbesondere der „beispiellose Aufschwung des auswärtigen Handels im letzten Jahre" und die weitere Zunahme der Einlagen bei den Banken und den Postsparkassen erwähnt. Auf Grund dieser Tatsachen glaubt das Jahrbuch „mit vollem Recht behaupten zn können, daß die schwere Kriegslast die wirtschaftliche Entwicklung der Nation in keiner Weise gehindert hat." Der siegesfrohe Optimismus mag in diesen Ausführungen vielleicht etwas zu stark durchklingen, und namentlich der Hinweis auf den auswärtigen Handel während des ersten Kriegsjahres mag nicht 11. Iapun, 207 r^?r^?^tc^,l^?<^^»^^^r^^v»^^p^?^^^ in jeder Beziehung durchschlagend sein. Aber alles in allein ist in der Tat in den bisher vorliegenden Daten über die Wirtschastsverhält- nisse Japans im verflossenen Jahre von einer Störung durch den Krieg nnr wenig zu merken. Daß dem so ist, hat seinen Grund hauptsächlich darin, daß der Krieg von Anfang an außerhalb des Landes auf fremdem Territorium geführt wurde, daß feruer Japau sich sehr bald im Besitz der vollkommenen Herrschaft zur See befaud, und daß schließlich Japan im Jahre 19l)4 eine ungewöhnlich gute Ernte zu verzeichnen hatte. Der erste Punkt bedarf tanm einer Erläuterung. Es liegt auf der Hand, von welcher Bedeutung es ist, daß Japau vor jeder unmittelbar verheerenden und zerstörenden Einwirkung des Krieges bewahrt blieb und nur unter der Entziehung vou Arbeitskräften zn leiden hatte, für die bei den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen des Landes ein ausreichender Ersatz nicht allznschwer war. Der zweite Punkt ist bei der Bedeutung des Außenhandels für das Jnselreich gleichfalls von der größten Wichtigkeit. Zn Anfang des Krieges schien es, als ob durch die trotz des glücklichen Vorstoßes gegen die Port Arthur-Flotte herrschende Unsicherheit des Seeverkehrs der japanischen Volkswirtschaft dieser Lebensnerv starr unterbunden werden könnte. Abgesehen von der Kapergefahr mußten die infolge des Risikos beträchtlich erhöhten Frachten und Versicherungsprämien den japanischen Außenhandel stark behindern; dazu kam infolge der Inanspruchnahme eines großen Teiles der japanischen Handelsflotte eine Knappheit an Schiffen. Die Sicherung der Seeherrschaft hat diese Schwierigkeiten beseitigt, indem sie Frachten nnd Versicherungssätze auf ein erträgliches Niveau brachte und die Charterung fremder Fahrzeuge in großem Umfange ermöglichte. Die günstige Ernte schließlich mußte bei dem starken Vorwiegen der landwirtschaftlichen Bevölkerung eiue besondere Erleichterung darstellen. Der Ertrag der Reisernte, der sich in? Vorjahre auf 46,5 Millionen Kokn gestellt hatte, erreichte im Jahre 1904 den bisher höchsten Stand mit 51,5 Millionen Kokn. Der Ertrag an Weizen, Roggen und Gerste, der im Jahre 1903 mit nur 13,5 Millionen Kokn ungewöhnlich niedrig gewesen war, stieg auf 19,6 Millionen Kokn. Hinsichtlich der meisten übrigen Produkte, auch der bergmännischen und industriellen, liegen leider Prodnttionsnachweise für Zgg dritter Teil, Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. r^-v> c^iir-Si? »r^->? c?-^i r-^>> c^s,? i^-i? c-^-i? 6^ -ü-i? r-->, c-^>» 1904 nicht Vor. Für das »vichtigste, die Seide, gibt jedoch die Handelsstatistik eiiien hinreichenden Beleg fiir eine gleichfalls recht ansehnliche Steigerung der Erzeugung. Die Gesmntentwicklnng des Außenhandels Japans während des ersten Kriegsjahres ist — darin muß man dem Finanz-Jahrbuch jedenfalls Recht geben — ein Beweis für die Geringfügigkeit der durch den Krieg entstandenen Beeinträchtigung des japanischen Wirtschaftslebens. Die Gesamtumsätze waren erheblich größer als in irgend einem frühere» Jahre, und die Zunahme erstreckt sich, wie die folgende Übersicht zeigt, sowohl ans die Einfuhr als auch auf die Ausfuhr, allerdings auf die letztere iu geriugerein Maße. Japans Außenhandel 1301 bis 1904: p^v? c^.^ c^.^ c^»< r^.^ r^_^r^>? r^.^ r^»^ znnahme bei Steintoblen (10,2 Millionen I)en)*), Tampffabr- zeugeir (7,6 Millionen Aen), Decken (6,2 Millionen Yen), Fellen mW Sohlleder (3,3 Millionen Jen), Eisen in Klumpen und Standen (2,7 Millionen Yen), bannNvollenem Drillich und Kanevas (2,0 Millionen Z)en). Anch die vermehrte Einfuhr von Rohbaumwolle (3,9 Millionen Yen) sowie von Wolle nnd Wollengarn (6,9 Millionen Uen) geht ans eine durch den Krieg gesteigerte Nachfrage nnd durch diese beförderte Entwicklung der Textilindustrie zurück, wobei neben der bereits verzeichneten Steigerung der Einfuhr gewisser Baum Wollfabrikate und von Decken sehr charakteristisch ist, daß im Jahre 1904 die Ansfuhrsteigerung bei den Erzengnissen der Bcmm- wollinoustrie nach dem großen Aufschwung der letzten Jahre zum ersten Male ins Stocken gekommen ist und daß einzelne Artikel, insbesondere Baumwollgarn, sogar einen Rückgang zn verzeichnen haben. Die gesteigerte Einfuhr von Reis (um 7,8 Millionen Mn) findet einen teilweisen Ausgleich in dem Eiufuhrriickgang von Weizen und Weizenmehl (nm 3,9 Millionen Jen) nnd steht im übrigen Wohl gleichfalls mit dem Kriegsbedarf in Zusammenhang. Bei anderen Produkten, wie Zucker und Petroleum, mögeu die Zollerhöhnngen vor ihrem Inkrafttreten eine Einfnhrsteigerung herbeigeführt haben. Von der Gesmntzunahme der Ansfnhr in Höhe von etwa 30 Millionen Jen kommen allein 14,3 Millionen auf Rohseide, l0,0 Millionen auf Seidengewebe (Habntae) nnd 1,8 Millionen auf seidene Tücher. Die Ursache liegt zweifellos in der ungewöhnlich günstigen Seidencrnte des Jahres 1904 nnd znm Teil Wohl anch in einer Einschränkung der inneren Nachfrage nach diesen Luxusartikeln. Abgesehen von Seide und Seidenwaren haben eine größere Ausfuhr- steigernng zn verzeichnen: Sake nm 1,6 Millionen Jen, hauptsächlich für die Armee in Korea nnd in der Mandschurei; ferner Zündhölzer nm 1,0 nnd Strohgeflechte nm 1,4 Millionen Jen. Die von dem Finanz-Jahrbuch hervorgehobene beispiellose Entwicklung des auswärtigen Handels im letzten Jahre geht also in der Einfuhr ganz vorwiegend auf den unmittelbaren Bedarf für den Krieg oder für die durch den Krieg in Nahrung gesetzten Industrien zurück, in der Ausfuhr auf eine ungewöhnlich gute Seidenernte. Aber auch wenn man diese besonderen Umstände gebührend in Nech- Gleichzeitig trnt ein Rückgang der Auosuhr um 4,4 Millionen ?>en ei». Helfftvich, ?iis Gcld im I'nssisch-jcipmnschtti .ffi'icgc, 14 210 dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. r5-^rs»6!-^K--^6-^r-^^-^6--^rs?r-i-^65^ nnng stellt, bleibt das für Japan erfreuliche Ergebnis, daß der Krieg jedenfalls keinen fühlbaren Rückschlag in der rasch aufsteigenden wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gebracht hat. Japan steht also nach dem Kriege in, wesentlichen mit ungeschwächter wirtschaftlicher Kraft der stark erhöhten und mit Unver- ineidlichkeit mich nach dem Friedensschluß noch weiter wachsenden finanziellen Belastung gegenüber. Bei einem weiteren Ausblick fällt zu seineu Guusteu in die Wagschale, daß es sich in Korea und der Südmandschurei große und wertvolle Territorien für seinen wirtschaftlichen Betätigungsdrang gesichert hat, deren Bearbeitung voraussichtlich später eimual für Japan das Tragen einer großen Finanzlast erleichtern wird. In der Gegenwart und in der unmittelbaren Zukunft dagegen wird Japan für die Nutzbarmachung dieser ueueu Gebiete große Kapitalien investieren müssen, die erst im Laufe voir Jahren wieder herausgewirtschaftet werden können. In Japan selbst sieht man ein, daß man aus eigener Kraft diesen großen Anforderungen nicht wird genügen können. Nicht nur die staatliche Finanzverwaltnng, sondern auch die private wirtschaftliche Betätigung ist durch den Krieg und seine Konseguenzen genötigt, in größeren? Umfange als bisher an das Kapital der westlichen Nationen zu appellieren. Man scheint deshalb in Japan geneigt zu sein, die bisherigen starken Beschränkungen des fremden Kapitals, wie sie namentlich im Verbot des Grunderwerbs durch Fremde und in der Gesetzgebung über die Gesellschaften bestehen, aufzuheben oder wenigstens stark zu mildern.") Findet Japan im Ausland die für seine staatlichen und wirtschaftliche!! Zwecke benötigten Kapitalien, so werden damit jedenfalls für die Gegenwart und die nächste Zukunft seine Staatsfinanzen und seine Zahlungsbilanz einer neuen Belastungsprobe unterworfen, und nnr der weitere Gang der Dinge kann zeigen, ob Japans wirtschaftliche Kräste stark genug sind, nm die Belastung, die es, teils der Not, teils dem eigenen Triebe gehorchend, auf sich genommen hat und fernerhin auf sich nimmt, auszuhalten und zu überwinde,!. "> Charakteristisch in dieser Beziehung sind drei vom 1l. März 190'> datierte Gesetze über die Verpfändung von Eisenbahnen, von Fabriken und Bergwerken und über Trustgesellschaften, die der Erleichterung und Tichernng der Investierung ausländischer Kapitalien in Japan dienen sollen, jedoch den Freindcu da-? Recht de-? GnmderlverbS usw. noch nicht zugestehen. III. Der inteniationale Geld- und Kapitalmarkt, c^-»> c^.-, ^ ^.v? r^-v> c^i? r^> ^ r^5»? r^»> c^-» ^ ^ ^ ^ c-.^ ^ III. Der internationale Getd- und Kapitalmarkt. 1. Allgemeines über die Einwirkungen des Kriege».' auf die Volkswirtschaft uud deu Geldmarkt der Neutralen. Die finanziellen Wirkungen des russisch-japauischeu Krieges konnten nicht auf die unmittelbar beteiligten Länder beschränkt bleiben. Das Geld ist das flüssigste aller wirtschaftlichen Güter, nnd wie es innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften den Verkehr zwischen den Individuen vermittelt, so ist es auch der Träger der wirtschaftlichen Beziehungen von Land zu Land, Alle Verhältnisse, die mit dem Geld und dem Geldverkehr unmittelbar zusammenhängen, werden deshalb durch Vorgänge in fremden Wirtschaftsgebieten am leichtesten in Mitleidenschast gezogen. In dem uns hier beschäl tigenden Falle kommt hinzu, daß das Kapital der westeuropäischen Länder für einen Betrag von vielen Milliarden Mark an dem Schick- sal der einen der kriegführenden Parteien unmittelbar interessiert war, vorwiegend durch Anlage» iu russischen Staatspapieren, in erheblichem Umsauge aber auch durch die Beteiligung an wirtschaftlichen Unternehmungen in Rußland und durch Kreditgewährung an solche. An japanischen Werten waren allerdings nur geringfügige Beträge in Westeuropa, uud zwar so gut wie ausschließlich auf dem englischen Markte, untergebracht, aber daran konnte von Anfang an kein Zweifel bestehe», daß der Krieg nicht nur Rußland, sondern auch Japan zu einer neuen beträchtlichen Inanspruchnahme des westeuropäischen Kapitals nötige» werde. Der Krieg fand den Geld- nnd Kapitalmarkt der westenropäische» Länder in einer relativ g»teu Versass»ng, Tie Stürme der Krisis, die im Jahre 1999 auf eine der glänzendsten Aufschwungsperioden gefolgt waren uud deren Verlauf teilweise durch politische Vorgänge, wie den südafrikanischen Krieg und die chinesischen Wirren, kompliziert worden war, konnten als überwunden gelten. Während des Jahres 1993 hatten sich überall Anfänge einer Wiederbelebung von Industrie uud Handel gezeigt, der Anlagemarkt zeigte erneutes Vertrauen, das in einer nicht uubeträchtlicheu Hebung des Knrsniveano namentlich der industriellen Anlagewerte zum Ausdruck kam, Aller- 14" Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Mlckwirknnzcn des Krieges. dings hatte dabei der Zinsfuß, der von seiner abnormen Höhe in den Iahren 1899 und 1900 während der Periode der Depression stark herabgegangen war — im April 1902 wurde in Berlin zeitweise ein Privatdiskontsatz von nur 14/2 Prozent notiert —, wieder etwas angezogen. Der durchschnittliche Zinssatz für kurzfristigen Kredit stand im Jahre 1903 auf den wichtigsten europäischen Geldmärkten wieder etwas höher als im Jahre 1902, und eine leichte Verteuerung des Zinsfußes für langfristigen Kredit trat in einer erneuten Ab- schwächnng der Kurse der wichtigsteu Staatsanleihen zutage. Immerhin war die Zinssteigerung so geringfügig, daß der Geldstand zn Beginn deS Jahres 1904 als durchaus günstig bezeichnet werden konnte. Für die Entwicklung des Geld- und Kapitalmarktes der West-, lichen Länder während der Dauer des Krieges war die Tatsache von der größten Wichtigkeit, daß der Krieg keinerlei erhebliche Störungen in den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen der unbeteiligten Staaten hervorgebracht hat. Der Welthandel wurde durch den Krieg weit weniger beeinflußt, als man es in der Zeit unmittelbar nach dem Beginn der Feindseligkeiten erwartete. Der auswärtige Handel Rußlands unterlag überhaupt keinerlei unmittelbaren Störungen durch den Krieg, sondern nnr den mittelbaren Einwirkungen, die sich aus dem Einfluß des Krieges auf die inneren Wirtschaftsverhältnisse des russischen Reiches ergabeu und die insbesondere in einer — nicht sehr erhebliche» — Verminderung der Einfuhr zutage traten. Der Schiffsverkehr mit Ostasieu wurde allerdings in den ersten Monaten des Krieges empfindlich beeinträchtigt! aber die Zahlen des japanischen Außenhandels im Jahre 1904 zeigen, daß eilte nachhaltige Einschränkung des Handelsverkehrs nicht Platz gegriffen hat. Soweit einzelne Erwerbszweige in den an dem Handel mit den kriegführenden Staaten interessierten Ländern Einbußen durch den Krieg erlitten haben, dürfen ans der andern Seite die Anregungen nnd Gewinne nicht übersehen werden, die wichtigen Industriezweigen der neutralen Länder ans dem enormen Bedarf an Kriegsmaterialien jeder Art erwachsen sind. Die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse der unbeteiligten Länder sind also durch den Krieg nicht in einer Weise beeinflußt worden, daß sich daraus Rückwirkungen auf ihren Geld- nnd Kapital- III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. c^-v^ c^-.^ c^v? c^-v, c^.^ c^» ^ c^, ? r^, ^ c^-> < markt ergaben hätten: UNI so deutlicher niiissen die unmittelbaren Einwirkungen des Krieges auf dem internationalen Geld- und Kapitalmarkt zutage treten. 2. Die Einwirkungen des Krieges auf den europäischen Geldmarkt. Von einen, Krieg, in dessen Verlans die beiden Parteien mit einem enormen Geldbedarf au den internationalen Markt herangetreten sind — Rußland mit etwa 1370 Millionen Mark, Japan mit etwa 145(1 Millionen Mark, beide Länder zusammen also mit 2820 Millionen Mark —, von einem solchen Kriege soilke man ans den ersten Blick eine gewaltige Erschütterung des Geldmarktes, eine erhebliche Kontraktion der flüssigen Mittel und eine beträchtliche Verteuerung des Zinssatzes erwarten. Die Eriuueruug au den Transvaalkrieg, dessen finanzielle Auforderuugen zu der starken Anspannung des Geldmarktes um die Jahrhundertwende mit beigetragen hatten, konnte eine solche Annahme nur bestärken. Aber die S. 214 stehende Tabelle, die eine Übersicht über die Gestaltung des Marktdiskontsatzes ans den drei wichtigsten westeuropäischen Geldmärkten gibt, tut zur Evidenz dar, daß von irgend einer Erschütterung durch den Krieg oder auch uur von einer irgend nennenswerten Anspannung keine Rede war, daß vielmehr nahezu der gauze Zeitabschnitt des Krieges sich durch eine große Geldflnssigkeit und einen sehr niedrigen Stand der Zinssätze auszeichnete. Nach der Übersicht war der durchschnittliche Marktdiskout des Jahres 1994 in Paris und Loudou niedriger als in den Vorjahre»! man muß für beide Plätze bis zum Jahre 1898 zurückgehen, um euren niedrigere« Jahresdurchschnitt zu findeu. In Berlin allerdings hielt sich der durchschnittliche Marktdiskont des Jahres 190-1 um etwas höher als derjenige der Jahre 1993 und 1991 nnd sogar um ein beträchtliches höher als der Satz des Jahres 1902; aber auch hier blieb er hinter dem Durchschnitt der Jahre 1898 bis 1999 erheblich zurück. Die ersten acht Monate des Jahres 1995 brachten für Berlin und ebenso für Paris, in geringerem Maße mich für London, eine weitere Ausprägung der Geldflüssigkeit: erst vom September 1995 au, also erst uach dem glücklichen Abschluß der Friedensverhandlungen, ist eiu ziemlich unvermitteltes Steigen der Zinssätze auf deu drei Geldmärkten eingetreten. Dritter t>.eil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. c^i< r^^is r^r-^ c--^? cz-^c--5i? c--^< r^-->> l'---.'? l^si? r^i? r---^ r^-i? c-^i? r---i? c--.^ r^i" "Nl a r t t d i s k o n t s ä tz e in Berlin, Paris und London. T erlin s Znris ^ 0 II d 0 II Durch höchDurch höchDurch höchschnitt ster drig- stcr schnitt ster drig- stcr schnitt ster drin stcr 7n 0/ /n 0/ /» 0/ /» 0/ /a 0/ /o 0/ /n 7. «/ /l> 1895 2,01 3,88 I.I3 1,63 3,00 0,88 0,81 1,50 0.50 I900 4 41 5,63 3.63 3 17 4,50 2,50 3,70 5,56 2,31 1901 "> 00 4,13 2,13 2 48 2,43 3,00 1,50 3,20 4,50 2,13 1902 2.19 3.63 1,50 3,00 1,75 2,99 4.00 2.44 3,01 3,88 1.88 2,78 3,00 2,16 3,40 4,25 2,19 2 58 2V« 2V4 2 84 2-Vi6 2-Vi>! 3,29 3°/l« 3.00 Februar 19ll4 . . . . 2.77 3>/. ^> /t 2^/. ^ /4 2,60 2>s/>. ^ /16 2^/,.- /iv 3 21 SV- 2-V4U Mürz 1904 ..... 3,44 32/> ^> /4 g>/ 2,68 2V4 2'Vli! 3,03 37l6 2'7i>i April 1904...... 2,83 3 00 2--/8 2,73 2^4 2»/^ 2,51 274 2V« ' Mni 1904...... 3,10 37« 2'/-. ^ /8 2,35 2°/... -> /Ii, 2V8 2 07 2°/io 1-7li Juni 1904...... 2,98 3>/. " /t 2^>/» - /8 1,73 - I V4 - 2,09 2-/4 1-7i>; Juli 1904...... 2,60 2^8 2V- 1,39 1^ IV4 2,40 2-7ie IV« ' Ainiust 19»4..... 2,02 2^ 2V- 1,23 17« 1'/« 2,87 3,00 274 September 1904 . . 3,09 -jZ/^ 27« 1,45 1^/> ^ /4 1>/. ^ /> 2,48 274 27i» Oktober 1904 .... 3,69 ^V« 3'/8 2,36 2V4 1V4 2,53 3,00 27o! November 1904 . . . 3,99 ^'/4 37« 2,48 2"/.° 2°/ia 2,98 3,00 2V8 Dezember 1904 3 94 ^/t 3°/8 2 45 2"/.° 2Vi. 2.80 3.00 27« »nlenderjnbr 1904 . 3,14 4V4 2-/4 2,19 IVs 2,70 6°/.« 1V8 Haimar 1905 .... 2.56 3V° 2-/8 2,56 27is 27.« 2,52 278 27« ^cbrunr 1905 .... 1,93 2.00 1-/4 1,98 2°/is IV- 2,51 27« 2-/2 März 1V0S..... 2 22 2V- IV« 1,67 2'/« 1-/2 2,31 2V2 2-/4 April 1905 ...... 1,93 2V4 1'/4 2,12 2V2 1V4 2,17 2V4 2,00 Mni 1905...... 2,30 2V2 2V4 1,55 2,00 1'/8 2.19 2-/4 2V8 Juni 1905 ...... 2,34 2V- 2V« 1,71 2V4 1-/4 2,05 2-/8 2,00 Juli 1905...... 2,12 27° IV« 1.72 2,00 1-/8 1,79 2,00 174 Auqnst 1905..... 2 23 2V- 2 1,36 1V-- IV4 1.91 2,00 17« September 1905 . . 2,99 »V- 2V- 1.71 2V4 17« 2,85 37« 2'/° Oktober 1905 .... 4,01 4'/- 378 2,76 3 2V4 3,95 ^8 37« Die Signatur des westeuropäischen Geldmarktes war also im ganzen während des Krieges eine ausgesprochene Geldflüssigkeit in Paris und London und vom Beginn des Jahres 1905 an auch in Berlin, wo während der ersten Hälfte des Krieges zwar keine ausgeprägte Geldflüssigkeit, nver immerhin ein verhältnismäßig leichter Geld- III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. ^15 l?^» ? r^i^ < c^» < r^, ^ c^»? r^V? r^» ^ p^,? r^i? c^--»^ r^.^ r^»V c^»> r^i> stand geherrscht hatte. Nichts erinnerte an die Anspannung, wie sie zur Zeit des Transvaalkrieges oder anch nnr znr Zeit des spanisch- amerikanischen Krieges bestanden hatte. Gleichwohl wäre es voreilig, daraus zu folgern, daß der Krieg auf den Geldmarkt keinerlei Einfluß ausgeübt habe. Eine genauere Prüfung ergibt vielmehr, daß sich in gewissen Verschiebungen, vor allem in den Veränderungen des Verhältnisses des Berliner Marktdiskonts zu demjenigen der westlichen Plätze, gewisse höchst charakteristische Einwirkungen des Krieges feststellen lassen. Der Krieg brach ans zu einer Jahreszeit, zn der aus deu westlichen Märkten ersahrungSgemäß die größte Erleichterung des Geldstandes eintritt. Der nach dein Jahreswechsel sich vollziehende starke Rückfluß von baren Mitteln zu den großen Zentralbanken pflegt diesen eiue wesentliche Kräftigung ihrer Position zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Zinssätze zn ermäßigen. Von einem großen Krieg kann man im allgemeinen eine gegenteilige Wirkung erwarten; nicht nnr der durch einen Krieg verursachte außerordentliche Geldbedarf, foudern' anch die dnrch einen Krieg auferlegte Zurückhaltung machen den für den Geldumlauf und den Kreditverkehr Verantwortlichen Zentralbanten eine vorsichtige Diskontpolitik zur Pflicht. In unserem Falle nun hat sich keine der großen westeuropäischen Notenbanken genötigt gesehen, ihren Diskontsatz wegen des Krieges zu erhöhe«: die Bank von England hat sogar ihre Rate im April 1904 schrittweise von 4 Prozent auf 31/2 und 3 Prozent ermäßigt und ist dann während des ganzen Jahres 1904 bei dem letzteren Satze geblieben-, die deutsche Reichsbank hat bis in den Oktober 1994 unverändert ihren Zatz von 4 Prozent beibehalten und die Bank von Frankreich hat ihre Rate von 3 Prozent sogar während der ganzen Kriegsdauer nicht verändert. Aber wenn anch der >irieg die großen Banken nicht zn positiven. Diskonterhöhungen veranlaßt hat, so war seine Wirkung doch stark genug, um die erfahrungsgemäß in den ersten Kalendermonaten eintretende Ver- billignng der Zinssätze zu verzögern oder zu unterbrechen und um die Bauken zn bestimmen, Diskontherabsetzungen zn unterlassen oder binausznschieben. Der Krieg hat iu Berlin im Febrnar nnd März, in Paris im März und April zu einem um diese Zeit ungewöhnlichen Anziehen des Marktdiskonts geführt. Im Febrnar hat der Präsident 21g Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. cü-v» i^-., c-^v» i^-?., c^?,? c--->» c^>? r-^Vt r^--, i r-^v? ^-v< c^-i» c^-i? r--?i< < der deutschen Reichsbank in einer Sitzung des Zentralausschnsses eine Ermäßigung des Diskontsatzes, wie sie unter andern Umständen zweifellos vorgenommen worden wäre, in, Hinblick auf die durch den Krieg uotwendig gemachte Vorsicht für unmöglich und sogar eiue Erhöhung fiir nicht ausgeschlossen erklärt. Berlin hatte zu Aufaug des Jahres 1904 einen beträchtlich niedrigeren Marktdiskont als die übrigen westeuropäischen Plätze! die Folge war, daß Gelder von Deutschland nach diesen anderen Plätzen gelegt wurden, nm von den dort bestehenden höheren Zinssätzen zu profitieren. Um dem Gold- erPort einen Riegel borznschiebeu und die verfügbaren Mittel fiir alle Eventualitäten dem deutschen Markte zu erhalten, nötigte die Neichs- bant durch umfangreiche Rediskontiernngen von Neichsschatz- anweisnngen, die sie damals in großen Beträgen übernommen hatte, den offenen Markt zu einer Erhöhung seines Zinssatzes. Es ist wesentlich mit auf diese in Rücksicht ans den Krieg getroffene Maßnahme zurückzuführen, daß das Verhältnis von Berlin zn den übrigen Geldmärkten sich nmkehrte nnd daß Berlin vom März an fiir längere Zeit einen höheren Marktdistont hatte als London nnd insbesondere als Paris. Anch die Bank von England hat zweifellos nnr im Hinblick auf den Krieg ihre Diskontcrmäßigungen bis Mitte April hinansgeschoben. Im zweiten Quartal 1904 haben den ungünstigen Einflüssen des Krieges umfangreiche Verschiffungen von Gold aus den Vereinigten Zweiten, Südafrika usw. nach Europa, vor allem nach Frankreich, entgegengewirkt und in Verbindnng mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage die Tendenz einer Ermäßigung des Zinsfußes geschaffeu. Im einzelnen ist dabei die Lage der Geldmärkte durch die großen Finanzoperationen der beiden kriegführende» Mächte, die im Mai und Jnni durchgeführt wurden, in einer höchst interessanten Weise beeinflußt worden. Es ergab sich die überraschende nnd auf den ersten Blick parador aussehende Erscheinung, daß die durch den Geldbedarf der kriegführenden Staaten zunächst und am stärksten in Anspruch genommenen Geldmärkte Paris und London die größte Ermäßigung der Zinssätze erfuhren, während der vorläufig noch vou den finanziellen Kriegsmaßnahmen unberührte Berliner Markt während jener Zeit in einer relativen Anspannung verblieb. Im Mai 1901 stellte sich der dnrchschnittliche Marktdistont in Berlin auf 3,19 Prozent, in Paris anf 2,35 nnd in London auf nnr 2,97 Pro- III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. ^17 r---^i?i-^>Ä-^6--^r----^i?--^>rS zent; ini Juni war der durchschnittliche Berliner Satz immer noch 2,98 Prozent, während er in London nnr 2,09 und in Paris gar nnr 1,73 Prozent erreichte. Im ganzen zweiten Quartal 199-1 ging in Berlin der Marktdiskont an keinem Tage unter 2^ Prozent herab, während er in London zeitweise mit 1^'/^ lind in Paris sogar mit unr 1^ notiert wurde. Dabei hatte der Loudourr Markt die japanische Anleihe und der Pariser Markt die große Russenanleihe unterzubringen. Die Erklärung für dieses widerspruchsvoll erscheinende Verhalten der Geldmärkte liegt zum Teil darin, daß in denjenigen Ländern, an welche sich die kriegführenden Staaten mit ihrem Geldbedarf zunächst wendeten, die Möglichkeit einer hochverzinslichen Kapitalanlage im Wege einer Beteiligung an den Kriegsanleihen wie ein Magnet auf das flüssige Kapital gewirkt und umfangreiche Mittel, die sonst träge auf dem Gründe lagen, an die Oberfläche gezogen hat. Zum andern Teil hat die Auflegung der japanischen Anleihe in London nnd noch beträchtlich mehr die Auflegung der russischen Anleihe in Paris zu einem starken Zufluß von Geld ans dem Auslände nach diefeu Zentren geführt, in erster Linie Wohl in der Weife, daß die englischen und französischen Geldgeber ihre auswärts angelegten flüssigen Mittel zum Zweck einer Beteiligung au deu Anleihen zurückzogen, in zweiter Linie Wohl auch infolge einer nnmittelbaren oder mittelbaren Beteiligung fremden Kapitals an den Anleihen. In Paris haben noch besondere Verhältnisse mitgespielt. Einer der ersten Praktiker, der inzwischen verstorbene Direktor des Credit Lhonnais, Herr Gernmiu, hat berechnet, daß Frankreich, das keine neuen großen Industrien schafft und die vorhandenen kaum entwickelt, vielmehr seine enormen Ersparnisse vorwiegend in zinstragendeil Wertpapieren anlegt, in der letzten Zeit jährlich etwa 1-^ Milliarden Franken an ausländischen Werten neu aufgenommen hat; in dem Jahre unmittelbar vor dem Kriege (1993) habe jedoch die Summe der in Frankreich untergebrachten ausländischen Werte nur 713 Millionen Franken betragen.") Danach muß iu der Tat Frankreich einen gewaltigen Betrag verfügbarer Mittel in das erste Kriegsjahr hinübergenommen haben. Die Geldflüssigkeit in Paris mag außerdem durch gewisse Operationen der russischen Finanzvcrwaltnng noch künstlich „Neue ^reie Presse" i,wm 1. Januar l905>. Dritter u.cil. Die sinanzietten und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Arieges. r^v? I^^? c^i? l^i? r^i? r^> < r^,? r^ci? c^Si? r^-i? r!L^< l^-i< r^»ii r^-i? 1^-. < ÜS. t 1^-., 1^-1 ? verstärkt tvorden sein. Mali will wissen, daß diese es sehr gut verstehe, auf den westeuropäischen Geldmärkten das Wetter zu macheu und im gegebenen Augenblick durch eine Konzentration ihrer Aus- laudsguthabou uud durch das Ausleihe» von Geld aus deren Beständen den Markt für die Aufnahme einer Anleihe günstig zu beeinflussen. Aber alle diese Verhältnisse hätten nur eiue vorübergehende Flüssigkeit des Geldmarktes bewirken können, wenn durch die Finanzoperationen der beiden kriegführenden Mächte den europäischen Geldmärkten die gewaltigen Snmmen tatsächlich entzogen worden wären, auf welche die Kriegsauleihen lauteten. Ja die bloße Aussicht auf diese naheliegende Eveutualitüt hätte genügen müssen, um einen leichte» Geldstand auf deu durch die Kriegsauleihen berührten Märkten überhaupt nicht aufkommeu zu lassen. Die beiden kriegführenden Mächte, die für eiue erfolgreiche Durchführung ihrer Kreditgeschäfte das allergrößte Interesse an der Erhaltung eines leichten Gelostaudes auf den für sie in Betracht kommenden Märkten hatten, beeilten sich jedoch, sofort bei der Ankündigung ihrer Anleihen zu erkläre«, daß sie uicht daran dächten, die durch die projektierten Finanzoperationen beschafften Mittel den Geldmärkten zn entziehen. Sie konnten solche Erklärungen abgeben und - was mehr ist — sie als glaubwürdig erscheinen lassen, da sie ihre Auslandsanleihen in der Hauptsache zu deu? Zwecke aufgenommen hatten, sich Mittel für die von ihnen im Laufe des Krieges im Auslande zu bestreitenden Zahlungen zu sichern, während sie für ihre im Jnlande und auf dem Kriegsschauplatze zu leistendeu Ausgabe» sich die Mittel durch Entnahme ans ihren bereiten Beständet: und durch die Begebung von iuuereu Anleihen, teilweise auch durch das Zurückgreifen auf das Notenrecht ihrer Zentralbanken beschafften. In der Tat hat während des Krieges eine Verschiffung von Gold in irgend erheblichem Umfang weder uach Rußland noch nach Japan stattgefunden; Japan bat im Gegenteil während der ersten Kriegsmonate zur Begleichung seiner außerordentlichen im Ausland zn leistenden Zahlungen, für die es nicht, wie Rußland, größere Auslandsguthaben zur Verfügung batte, beträchtliche Snmmen von Gold abgeben müssen, das zunächst in der Hauptsache nach den Vereinigten Staaten von Amerika und von dort teilweise auf dem oben (S. 169/170) geschilderten Wege nach III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. ^1<) r-^,»I^-?^ r-^i»r--i? I^i? r-Si? c--^» r^,»6--v>> r^v, 1!^, r^i? c-^i? c^s' > l-^i? l^i? r!Si? Frankreich gegangen ist, wo es die Geldslüssigkeit zuguusteu der russischen Anleiheoperation verstärken half. Das von der russischen Finanzverwaltung mit besonderer Geschicklichkeit durchgeführte System, das Geld siir die im Jnlande nnd auf deni Kriegsschauplätze zu leistenden Kriegsausgaben im Jnlande zn beschaffen und für die im Auslande zn bewirkenden Zahlungen Auslandsanleihen auszunehmen, um auf diese Weise weder dem in ländischen Verkehr durch Gcldversendnngen nach außerhalb Mittel zn entziehen, noch den ausländischen Geldmarkt, ans dessen gute Stimmung man angewiesen war, mit starken Goldentnahmen zu bedrohen, — dieses System erscheint so einfach und natürlich, daß man darüber kein Wort würde verlieren dürfen, wenn es auch in frühereu Kriegen gehaudhcibt worden und wenn es nicht in diesem Falle zum ersten Male bewußt und planmäßig zur Anwendung gekommen wäre. Dasselbe gilt von der Art und Weise, in der diese Dispositionen verwirklicht worden sind. Rußland, und seinem Beispiel folgend anch Japan, haben ihre Kreditoperationen auf dem internationalen Geldmarkte mit einem Minimum von Störungen durchgeführt, indem sie die auf ihre Anleihen eingezahlten Gelder auch nicht einen Augenblick immobilisierten, sondern sie durch ihre Baukiers im Wege von Auszahlungen oder kurzfristigen Ausleihungen alsbald wieder dem Geldmarkte zur Verfügung stellten. Auch dieses Verfahren erscheint selbstverständlich. Man brancht sich aber uur zu vergegenwärtigen, wie es in Deutschland nach dem Krieg von 1870/71 mit den Eingängen ans der französischen Kriegskostenentschädigung gehalten worden ist; diese große Finanzoperation hat den internationalen Geldmarkt nicht nur durch die unvermeidliche Verschiebung des Niveaus der Umlanfsmittel in den einzelnen direkt und indirekt beteiligten Ländern großen Störungen ausgesetzt, sondern die Störungen wurden noch dadurch verschärst, daß die siir das Reich damals maßgebende preußische Finanzverwaltnng die ihr zufließenden Summen zeitweise in Beträgen von Hunderten von Millionen Mark in ihren lassen immobilisierte, statt sie möglichst bald dnrch bankmäßige Ver- mittelnng dem freien Verkehr zurückzugeben. Wie das entgegengesetzte Verfahren der russischen Finanzverwaltnng auf den Pariser Geldmarkt wirkte, darüber schrieb Herr Germain am 1. Januar 1W5 in der „Neuen Freien Presse": Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. c^^i? r^i? c^-^i? r^^r^»> r^.^ r^-^? r-^i> ^-^^ c^-»?^-^ c^i? r^V? „Der Erlös der russischen Anleihe des Jahres 1904 im Betrage von K00 Millionen ist in Frankreich geblieben nnd sucht ebenfalls — wie die noch freien französischen Kapitalien — hier Verwertung, Die Folgen zeigen sich hier in einer Ziffer: durch das Wachse» der Einlagen ist das verfügbare Kapital der Kreditinstitute seit dem Beginn des Jahres 1904 um mehr als eine Milliarde gestiegen und stellt sich auf die bisher »och nicht erreichte Summe von 3,7 Milliarden Franken," Diese Umstände lassen das anscheinend widerspruchsvolle Verhalten der Geldmärkte in Paris und London, die in den Monaten der Kriegsauleihen eine beträchtliche Ermäßigung der Zinssätze aufwiesen, erklärlich erscheinen. Nimmt man hinzu, daß sowohl in England als anch in Frankreich in allgemein-wirtschaftlicher Beziehung immer noch eine gewisse Lethargie herrschte, während sich in Teutschland ein neuer industrieller Aufschwung vorbereitete, so ist es zn verstehen, daß der von den Kriegführenden vorerst noch nicht in Anspruch genommene Berliner Markt, der zu Begiun des Jahres 1904 die niedrigsten Zinssätze hatte, im zweiten Quartal höhere Zinssätze als London nnd Paris aufwies. Nachdem die großen Finanzoperationen in Paris nnd London durchgeführt waren, begannen vom Juni 1904 au die an diesen Plätzen angesammelten Gelder sich wieder einigermaßen nach den verschiedensteit Richtungen hin zu verteilen. Insbesondere ist von jenem Zeitpunkt an ein Goldabfluß aus Frankreich, im vierten Quartal auch aus England, und ein beträchtlicher Goldzufluß nach Berlin zu beobachten. Die folgende Tabelle veranschaulicht diese Verhältnisse: Frankreich Mehr- l Mehr- einfuhr ! ausfuhr vc»> Gold Millionen Francs England Mehr- I Mehreinfuhr ! ausfuhr von Gold Millionen S Deutschland Mehr- j Mehreinfuhr ! ausfuhr von Gold Millionen Mark 1904: l, '".nartal , , , , 36.9 1.245 1,1 II. - .... 438,? 1,580 13,7 III. - ... 4N.K 3.402 103,9 IV, , , , . 97,5 ,VIM 273.1 ^»sanmien S32.1 0.838 391.8 III. Der iiitcriiatio,iale Geld- und Kapitalmarkt. ^> r^i? r^»> r^-»> c^-,^ r^-V? c^,? k^-»> r^v^ c^»>r^> r^-i> r^i? r^->? r^-»> r^->> r^,> Wenn man diese Tabelle init der oben (S. 214) gegebenen Übersicht über die Diskontsätze in Berlin, Paris nnd London vergleicht, so liegen die Znsannnenhänge klar zutage. Während im April nnd Mai der Pariser Zinssatz sich noch über dein Londoner — wenn auch bereits unter dem Berliner — gehalten hatte, blieb er in, dritten Quartal ganz beträchtlich hinter demjenigen der anderen Märkte zurück, und während noch im August der Londoner Zinssatz im Durchschnitt etwas höher gewesen war als der Berliner, war vom Oktober an der durchschnittliche Berliner MarttdiSkout unter der Einwirkung des starken inländischen Geldbedarfs sür die gesteigerte Geschäftstätigkeit Monat für Monat nm mehr als eilt Prozent höher als derjenige der beiden anderen Plätze; die deutsche Neichsbank hat sich unter diesen Verhältnissen Anfang Ottober zu einer Erhöhung ihres offiziellen Banksatzes von 4 auf 5 Prozent veranlaßt gesehen, während die Banken von England und Frankreich bei ihrem Satze von 3 Prozent blieben. Der beträchtlich höhere deutsche Zinssatz war es in erster Linie, der Deutschland im letzten Quartal des Jahres 19M einen Goldzufluß in der sehr beträchtlichen Höhe von 273 Millionen Mark zuführte. Einigermaßen mag dabei auch eine teilweise Übertragung russischer Guthaben von Paris nach Berlin mitgewirkt haben. Denn nachdem Berlin für die nächste russische Anleihe in Aussicht genommen war, hatte die russische Regierung eiu Interesse daran, den Berliner Markt für diese Operation nach Möglichkeit vorzubereiten. Die Abmachungen mit dem Berliner Konsortium wurdeu noch im Jahre 1904 abgeschlossen. Mit der Anleihe selbst trat aber, wie oben (S. 197) dargestellt wurde, die russische Finanzverwaltung erst nach der Überwindung des Jahreswechsels mit seiner üblichen Anspannung des Geldstandes an den Berliner Markt heran. Tie Begleit- und Folgeerscheinungen waren ähnliche, wie bei der Pariser Anleihe. Die in Berlin konzentrierten Mittel verstärkten und beschleunigten die nm diese Zeit erfahrungsgemäß eintretende Erleichterung des Geldstandes in dem Maße, daß im letzten Drittel des Januar 1995 de^ Berliner Mnrktdiskont sich niedriger stellte als der Londoner und Pariser, die er noch im Dezember nm mehr als ein Prozent tiberstiegen hatte. Die Reichsbank ermäßigte am 19. Januar ihren Diskontsatz von 5 auf 4 Prozent. Zn einer weiteren Herabsetzung auf 3i/^> und 3 Pro- ' ' ' Dritter c!.eil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. r^>? c^»? c^v/ c^i? r^.^ r^.^ r^»? c^V> zent entschloß sie sich erst ain I I. und 25. Februar, nachdem sie vorher den Versuch gemacht hatte, die immer größer werdende Differenz zwischen ihrem offiziellen Satze und dem bis auf 1^ Prozent zurückgehenden Marktdiskont, der die Goldbewegnng zu Ungunsten Teutschlands zu beeinflussen drohte, dnrch umfangreiche Rediskontierung von Neichsschatzanlveisnngen zn verringern. Trotz der im Mai auf dem deutscheu Geldmarkt erfolgten Diskontierung russischer.ZchatzN'echsel im Betrag von liZOMillionen Rubel und trotz der beiden großen japanischen Anleihen vom März nnd Juli1W'>, von denen die letztere außer in London nnd New-?)ork mich in Berlin ausgelegt wurde, hat die Geldflüssigkeit auf den europäischen Märkten bis zum September vorgehalten, freilich ans den einzelnen Plätzen nicht in gleichem Maße. Während der Berliner Privatdiskont noch im April niedriger notierte als der Londoner und Pariser, stand vom Mai an in Berlin der Privatdiskont wieder höher als au den beiden andern Plätzen, wenn er auch hinter dem Stande der Parallelmonate des Vorjahres nicht unerheblich zurückblieb. Am niedrigsten war der Zinssatz in Paris, wo der Privatdiskont während des zweiten Quartals 19W zeitweise nur l > Prozent notierte, während die niedrigste Rotierung iu Berlin nnd in London 2 Prozent war. Tie Verschiebung war znm Teil dadurch verursacht, daß infolge des während der ersten vier Kalendermonate 1905 in Berlin bestehenden niedrigen Zinssahes ausländische, insbesondere französische Guthaben von Berlin zurückgezogen wurden, eine Tendenz, die durch die Marokko-Angelegenheit noch eine Verschärfung erfuhr. Außerdem aber konnte es nicht ausbleiben, daß der lebhaftere Geschäftsgang in Teutschland sich iu höhereu dentschen Zinssätzen allmählich wieder AnSdrnck verschaffte. Das letztere Moment mußte mit nm so größerer Stärke wirksam werden, als der übliche Herbstbedarf an flüssigen Mitteln einzutreten begann. Zn den Bedürfnissen der Industrie und des Warenhandels kamen in Deutschland die beträchtlichen Anforderuugen der Börse hinzu; diese Anforderungen steigerten sich im Laufe des September nnd namentlich in der letzten Septemberwoche derartig, daß die deutsche NeichSbank am 30. September mit einer Wechselanlage von 13^3 Millionen Mark, einem Notenumlauf von 1W3 Millionen Mark und einem Metallbestand von nur 732 Millionen Mark die weitaus III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. stärkste Anspannung seit ihrem Bestehen erfuhr. Die Reichsbnnk hatte in Erwartung einer starken Inanspruchnahme schon am 11. September ihren Diskantsatz von 3 auf 4 Prozent erhöht und nahm alsbald nach dem Onartalswechsel, am 3. Oktober, eine weitere Erhöhung auf 6 Prozent vor, der am 4. November eine abermalige Erhöhung ans 5^ Prozent folgte. Tie Bank von England, die im März ihren Ziussatz von 3 auf 2^/. Prozent ermäßigt hatte, war schon am 7. September wieder ans 3 Prozent gegangen nnd ließ am W. September eine weitere Erhöhung auf 4 Prozent eintreten. Ter Marttdiskont stieg im September in London bis ans 3^, in Berlin ans 3^ Prozent, während in Paris, wo die Bank von Frankreich ihren ossiziellen Sah von 3 Prozent unverändert aufrecht erhielt, die höchste Notierung des Privatdiskont 2^ Prozent war. Im Oktober 1W5> waren die höchsten Notierungen des Marktdiskonts in Berlin 4^, in London 4^ und in Paris 3 Prozent. In den Geldmarktsverhältnissen, wie sie sich vom September an gestalteten, ist von irgendwelchen Einwirkungen des Krieges kaum mehr etwas zu merken. Lediglich die Tatsache, daß man mit der allmählichen, in ihrem Tempo aber unberechenbaren Abhebung mim destens eines großen Teils der russischen nnd japanischen Guthaben sich vertraut machen mußte, daß diese Guthaben also nur eine ganz kurzfristige Anlage gestatteten, wirkte wenigstens im September noch darin fort, daß — wie nahezu während des gauzeu Krieges — so auch jetzt noch die Zinssätze für tägliches Geld sich zeitweise sehr erheblich unter dem Niveau des Privatdiskouts für Dreimonatslvechsel hielten. Im übrigen waren es die allgemein-wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Länder, die von neuem wieder so gut wie ausschließlich da-? Verhalten der europäischen Geldmärkte bestimmten. Alles in allem ist der internationale Geldmarkt infolge einer außerordentlich geschickten nnd die Marktverhältnisse im eigenen Interesse so weit wie wie möglich schonenden Dnrchsührnng der Finanzoperationen der kriegführenden Staaten vor jeder merklichen Störung und nachhaltigen Beeinflussung bewahrt geblieben, bis zn dem Maße, daß der alte und an sich unanfechtbare Satz, daß ein steigender Kreditbegehr die Tendenz hat, den Zinsfuß zu erhöhen, geradezu in sein Gegenteil verkehrt erscheint. In bezug auf die technische Tnrch- fnhrnng großer Finanzoperationen gehört die Art nnd Weise, in der Dritter u.cil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges, r^^s r^i? csi? i^i? r--^ l^i? r^i? r^i? c-Li» l^is r^-i? c-^? ^--^ r-^>v insbesondere die russische Geldbeschaffung ans dem internationalen Markte Ivährend des Krieges geleitet worden ist, zu den interessantesten und lehrreichsten Vorgängen der modernen Finanzgeschichte. Z. Die EiuwirKungrn des Krieges auf den europäischen Kapitalmarkt. Weit stärkeren und nach außen hiu mehr in Erscheinung tretenden Einwirknngeu als der Geldmarkt, der Markt für kurzfristigen Kredit, mar der europäische Kapitalmarkt, der Markt für Anlageinerte wenigstens in der ersten Zeit nach dem Kriegsansbruche ausgesetzt. Der Krieg war geeignet, bei den Inhabern einer ganzen Reihe von Aulngepapiereu die Befürchtung schwerer Kapitalverluste zn erwecken. Ties galt nicht nur von den Besitzern russischer Staatspapiere und russischer Jndustriepapiere! der Krieg erweckte vielmehr weitergehende politische Befürchtungen, er ließ die Gefahr aller möglichen Komplikationen auftauchen nnd stellte damit in den Augen des aus seiner Ruhe aufgeschreckten Publikums so ziemlich alle Werte in Frage. Au sich schon ist die Furcht vor Kapitalverlusten an Au- lagewerten geeignet, die gefürchteten Verluste tatsächlich herbeizuführen: sie veranlaßt die geängstigten Inhaber, die lieber einen erheblichen, wenn auch desinitiven Verlust erleiden, als der Möglichkeit »ngemessener Verluste gegenüberstehen wollen, ihre Papiere um jeden Preis auf deu Markt zu werfen. In dem uns beschäftigenden Fall ist die Gefahr eines solchen «'ireulnk vitiouu« für die kontinentalen Börsen dadurch erheblich gesteigert worden, daß sür diese — im Gegensatz zu London, wo man besser unterrichtet und vorbereitet war — der Kriegsausbruch gänzlich überraschend kam. Die Nachricht von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und von dem Angriff des japanischen Geschwaders ans dir russische Flotte vor Port Arthur hatte auf deu Börsen in Berlin, Wien nnd Paris eine vollendete Kopflosigkeit zur Folge. Das Kursniveau nahezu sämllichcr Anlagewerte erlitt im ersten Ansturm am 8. und 9. Februar eine schwere Einbuße. Besonders gering erwies sich gegenüber dem ersten Anprall die Widerstandsfähigkeit der deutschet? Börsen, obwohl diese beim Kriegsausbruch sich zweifellos iu einer gesuudereu Verfassung befunden hatten als der Pariser Markk, der mit spetnlativen Engagements, nament- III. Der internationale Geld- und Aapitalinarkt. 225 c^M rü->? c--i? lSi? ^-i? rü-i» c^-i» r^i? r-!-?? r^i-i? c^-i? r^-v» «r^-i? c-^-i? > lich in spanischeil Werten, stark belastet war. Vielfach ist diese auffallend geringe Widerstandskraft des dentschen Kapitalmarktes auf die Börsengesetzgebung zurückgeführt worden. Dem allgemeinen Kurssturz, der in eine völlige Deronte auszuarten drohte, wurde jedoch bereits um die Mitte der zweiten Februarwoche durch Jnterveutionstäufe der großen Banken ein Ziel gesetzt. Es trat verhältnismäßig rasch eine Beruhignng ein, bis am 20. Februar — diesmal von Paris ausgehend — eine neue Erschütterung folgte. In Paris brach jetzt das Kartenhaus der Spekulation zusammen; die unmittelbare Ursache scheinen Zahlungseinstellungen von spanischen Firmen und die Nachrichten von einer partiellen Mobilmachung Spaniens gewesen zn sein. Bei dem großen Engagement der Pariser Börse in spanischen Werten genügte dieser Anstoß, um den ganzen Markt ins Wanten zn bringen. Die Panik wurde verstärkt durch die wildesten Gerüchte, wie sie nur in solchen aufgeregten Zeiten geglaubt werden. Man sah cmßer Spanien mindestens noch England, Amerika, die Türkei und die übrigen Balkanstaaten in den russisch-japanischen Konflikt hineingezogen. Erst allmählich gelang es, wieder Beruhigung zu schaffen. Natürlich wurden durch diese Vorgänge ans dem Pariser Markt anch die übrigen westeuropäischen Börsen in Mitleidenschaft gezogen; insbesondere erfolgte auch in Berlin eine weitere Senkung des Knrsniveaus, wenn man auch hier diesem zweiten Schlag gegenüber etwas ruhigeres Blut behielt als gegenüber dem ersten Schrecken. Welche Verheerungen die Erschütterungen des Februar auf dem deutschen Kapitalmarkte anrichteten, davon kann man sich aus der unten abgedruckten Tabelle ein Bild machen. Neben Bergwerks-, Industrie-, Bank- und Schiffahrts-Aktien erlitten auch die deutschen Staatsanleihen starke Kursrückgänge; die 3prozentige Rcichsanleihe ist von 91,40 zu Jahresanfang auf 89,00 am 20. Februar zurückgegangen. Eine noch schwerere Kurseinbuße erlitt die französische Zprozentige Rente, die vou 97,30 bis auf 94,50 sauk und am 20. Februar zeitweise nur mit 93,15 gehandelt wurde. Auch die englischen 2^->pro- zentigen Konsols haben einen Kursrückgang von 87^ am 2. Januar auf 86Vi„ am 20. Februar erfahren. Im übrigen sind auf dem französischen Markte ueben spanischen und türkischen Werten vor allem auch die russischen Jndustriewerte stark betroffen worden. Bemer- Helffcrich, Das Geld im russisch japanischen Kriege. 22ö Dritter Teil. Die finanziellen und ivirtschastlichen Rückwirkungen des Krieges. l^?> < lÄ^» r-SiV c^-v, r-i-i? c^i, r^-v, r^i? c--> ? r^.^ lÄ-i? c---,«r-^i^ rü^i»rzsi? c^-it Knrse einiger wichtiger Wertpapiere n ^ 2. Ja6. Fe9. Fe^ 20. Fe29. Fe31. 3». nuar bruar bruar bruar bruar März Juni 1904 1904 1904 1904 1904 1904 1904 »elseutirchener Vergw.-Aktien . 213,75 213,70 203,75 197,00 196,00 211,60 216,50 Königs-u.^aum- Hütte-Aktien . . 238.75 234,25 222 25 216,10 212,40 233,90 249,00 Ällgeiueiue Elek- trizitäts-Gesell- schafts-Aktieu . 220,25 223,00 213,5» 204,00 205,00 210,00 219,00 Tieiueuc' und HalSte-Atrien . 140,00 139,80 131.25 133,00 133,00 138,75 140,50 Hamburg—Auic- N rita-Packetfahrt- Attieu...... 110,50 111,00 100,40 106,00 106,50 108,80 105,90 Deutsche Baut- Attieu..... 223,60 223,00 214,75 211,00 215,90 215,80 219,70 DiStouta - itoiu- luaudil- Anteile 195,10 192,10 184,00 180,75 181,70 183,00 187,10 3prvzentige deutsche Reich^anleibe (Berlin) ......... 91.70 91,70 90,00 89,00 89,10 90,40 90,20 4prvzentige russische Anleihe iVerlin) . . 99.00 95,50 91,00 91,30 92,50 93,40 91,50 üprozentige französische Reute iPnris) 97,30 97,52 96,10 93,55 94,50 96,77 98,05 2VzProzentige englische Kousols l.Lon- donl ........ 87°/4 86-/s 80'/.. 86-/« 86?/.° W"/i« 3 prvzentige russische Anleihe (Paris) , . 81.9ll 80,80 72,70 73,00 73,70 78,60 74,50 4prozentige japani- sck e Anleihe lLon- dmii ........ 76,00 72-/2 06,00 66V. 65 Vs 02,00 kenswert ist die Widerstandstraft, welche die russischen Staatsanleihen nach der Überwindung des ersten Stoßes am 8. und 9. Februar bekundeten i von Mitte Februar an, und namentlich gegenüber der Panik vom 20. Februar, hielten sich diese Werte besser als die Anleihen der neutralen Staaten. Die Wirkung der Jnterventiouskäufe der mit der russischen Finanzverwaltung arbeitenden Banken trat hier deutlich iu Erscheinung. Mit den großen Erschütterungen im Februar 19t>4 war der augenfällige Einfluß des Krieges auf den westeuropäischen Kapitalmarkt III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. ZZ? r^>? c^>» r^i» l^.-.'» c-vi» i?--;? c^i? r^-.? c-->? c-^s r^i? c^v? c^-ii c!^< c^v» Während des o st a s iatis ch e II Krieges. 31. 8». 31.De31. 30. 3>!, 23. Ok27. Ok».15, 11. NoAngust September zember März Juni September tober tober tobcr vember 1904 1904 1905 1905 1905 1.10., 1905 1905 223,00 226,30 231,25 222,00 227,20 253,90 245.80 238,0«! 242.00 230,30 251,75 250.50 258,90 267.60 262,50 270,60 27«>,25 262,80 268,00 256,00 220,25 226.75 226,60 240,60 238,10 234,20 231,80 230,00 231,50 226,1» 162,90 16-1.50 165,00 190.50 187,10 186,50 186,70 182,00 185,25 183,75 108.40 116,00 129,50 159,80 150,60 173,80 170.10 168,00 170,60 167,00 22!!.0 228,70 235,90 241,90 237,25 244,30 243.00 2-12,00 244,40 241,40 100.75 192,50 195,30 193,25 190,25 192.75 189,10 89,80 89,80 89,90 91,00 90.00 89,60 89,20 88,70 89,10 89.00 01.10 91,40 90,75 84,50 84,10 89,50 91,00 87,50 89,70 87,50 98,52 97,80 97,97 99.62 98.55 99.80 99,55 90,50 99,82 99,92 88"/.. 88'/.» 88"/..- 91,25 89,75 89,25 88-/4 88.00 W"/„> 887.6 75.70 76,10 74,00 73,80 72.70 81,20 78,90 77,00 78,45 76,45 7S'/8 75,25 76,50 86,12 87,25 91,50 90-/, 01'/« t^/8 91^ erschöpft. Man beruhigte sich bald über die Gefahr der Hinein- ziehung fremder Mächte in den Konflikt und fand sich damit ab, daß der Krieg von längerer Dauer sein werde. An die Stelle der akuten Wirkung trat ein gewisser chronischer Druck, der aber nicht stark genug war, um den Einflusz anderer Tendenzen zu verhindern.*) Die „Frankfurter Zeitung" schrieb schon am 27. Marz, 2. Morgenblair, in ihrem Wochenbericht über die Berliner Börse 1 „Über den Feldzug in Ost- asicu wird kaum mehr gesprochen, man ist über ihn — wenigstens nir setzt — zur Tagesordnung übergegangen." Ebenso nm 18. April im Abendblatt: 1ö* 2^8 Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. >^^5^> ? r^»? r7^^ r^>? r^^, ? r^» ? r^-»> r^^.? r^» ? r^» ? in Frage zu stellen drohte. Außer den zunächst betroffenen russischen Werten wurden nahezu alle Effektenklassen der europäischen Börsen von diesen Vorgängen in Mitleidenschaft gezogen. Die Verkündigung des Versassungs-Manifestes des Zaren schien zwar alsbald wieder einen Umschwung zu bringen (vgl. die Kurse am 31. Oktober); die Fortdauer der Wirreu in Rußland verhinderte jedoch eine nachhaltige Besserung der russischen Kurse, und die Anspannung des deutschen Geldmarktes veranlaßte im November einen neuen Rückgang der leitenden deutscheu Divideudenpapiere. Eine bemerkenswerte Ausnahme iu der gegenüber dem Beginn des Jahres 1904 im allgemeinen zu konstatierenden Steigerung der Knrse machen die deutschen Reichs- und Staatsanleihen. An sich ist es ja klar, daß fest verzinsliche Papiere in ihrer Kursbewegung anderen Gesetzen unterliegen als Dividendenwerte, deren Erträgnisse sich in Zeiten eines guten Geschäftsganges steigern. Aber es muß doch zum Nachdenken veranlassen, wenn man sieht, wie die deutschen Anleihen heute einen niedrigeren Kurs haben als zu Beginn des Jahres 1904, während die französischen uud englischen Staatspapiere in der gleichen Zeit eine Knrsaufbessernng zu verzeichnen haben. Die Zprozentige deutsche Neichsanleihc ist von 91,79 unmittelbar vor dem Ausbruch des rnssisch-japauischen Krieges bis auf 89 am 20. Februar 1904 herabgegangen, hat sich dann im zweiten Quartal zeitweise bis auf 90,!50 erholt, um in den letzten fünf Monaten des Jahres 1904 zwischen 89 und 90 zn schwanken. Im Jahre 1905 war der höchste Kurs 91,80 im Februar, aber bald trat ein erneuter Rückgang ein, so daß der Oktober 1905 mit einem Kurs von 89,10 schloß, nachdem kurz vorher — infolge der russischen Krise — ein Knrs von nur 88,70 verzeichnet worden war. Der Kurs der Zprozentigen französischen Rente dagegen, der von 97,52 unmittelbar vor dem Kriegsausbruch auf 93,55 am 20. Februar gesunken war — also stärker als die deutschen Anleihen —, hat schon Ende Juni 1904 mit 98,05 wieder einen höheren Kurs erreicht als vor dem Kriegsausbruch nnd notierte Ende Oktober 1905 mit 99,82 um 2,30 Prozent höher als vor dem Beginn der Feindseligkeiten. Ähnlich entwickelte sich der Knrs der englischen Zprozentigen Kvnsols, die Ende Oktober 1905 um 1^ Prozent höher standen als vor dein 5irieg?anSbrnch. Dagegen haben die 3pro- zentigen ReichSanleihen in derselben Zeit 2,00 Prozent eingebüßt. MO Dritter u.cil. Die fincin^icllcn und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges. r'^-V? r-^? c^i? 5^»? c^.^ c^V? r^»? c^-i? c^>? r^Ä.^ Ob lediglich der Stand des Zinssatzes, der in Deutschland während der hier in Rede stehenden Zeit infolge der günstigen Entwicklung von Industrie nnd Handel wenigstens im allgemeinen ein höherer war als in England nnd Frankreich, für sich allein die auffallend ungünstige Knrsentwickluug der deutschen Staatsanleihen erklärt, und ob nicht vielmehr andere in der Finanzwirtschaft des Deutscheu Reiches und in der Verfassung des deutschen Kapitalmarktes begründete Momente die Schuld tragen, das ist eine Frage, die nicht mehr in den Rahmen dieser Arbeit gehört nud die deshalb hier nicht entschieden werden soll. Daß aber hier ein Problem vorliegt, das nicht mir vom finanzpolitischen Standpunkte aus, souderu auch in Rücksicht ans unsere Wehrfähigkeit die ernsthafteste Aufmerksamkeit verdient, dafür ist die finanzielle Geschichte des russisch-japanischen Krieges, die ich mich bemüht habe, in kurzen Strichen zu zeichnen, eine Mahnung, an der man nicht achtlos Vorbeigehen kann. Schluhbetrachtungen. s war der Zweck meiner in diesem Bande zu einer einheitlichen Darstellung zusammengefaßten Aufsätze, die Rolle des Geldes in einem großen modernen Kriege und die Technik der finanziellen Kriegführung an den sich vor unseren Augen abspielenden Ereignissen zu studiere» und zu beleuchten. In der Einleitung znm erstcu Aufsatze wurde hervorgehoben, wie mit der Entwicklung der Technik der modernen Kriegsrüstung die Bedeutung der ökonomischen nnd sinanziellen Kraft für die militärische Leistungsfähigkeit der Nationen gewachsen ist. Aber gleichzeitig wurde bor eiuer Überschätzung des rein technischen nnd finanziellen Moments gewarnt und hervorgehoben, daß auch heute noch das „Menschenmaterial in seiner Zahl, seiner Physischen Lcistuugsfähigkeit und seiner Schulung, der Geist, der es beseelt, die Organisation und Disziplin, die es zusammenhält, die Persönlichkeit, die es leitet", — daß das alles Faktoren sind, die durch keine technische Zurüstuug und durch keiue Geldmittel ersetzt werden können, Ter Verlauf des russisch-japanischen Krieges hat diese Einschrän- tnng bestätigt. Der Gang des Krieges ist nicht durch die Staats- finanzen der beiden Länder entscheidend bestimmt worden, sondern durch die Persönlichen Qualitäten der Mannschaften in Heer nnd Flotte nnd ihrer Führer. Aber es wäre zu weit gegangen, wenn man den Finanzen jede Einwirknng ans den Gang des Krieges und insbesondere auf die Zeit uud die Bediuguugeu der Wiederherstellung des Friedens absprechen wollte. Daß der Einfluß des Geldes wäh- 232 Schlußbetrachtungcn. üSi? c--?is r-ü?? r^?i? r^is r^zi? c---i? c^-N rsi? cs» r^?is rend des Krieges selbst nur gewissermaßen latent mitgewirkt hat und nicht sichbarer in Erscheinung trat, liegt zudem in besonderen Verhältnissen, die noch zu erläutern sind. Rußland war ohne Zweifel fiir den Krieg finanziell beträchtlich besser vorbereitet als Japan. Tie Gegner des russischen Finanzsystems mögen die Solidität der Fundiernng der russischen Finanzwirtschaft und das Vorhandensein der zu ihrer dauernden Durchführung erforderlichen wirtschaftlichen Kräfte bezweifeln. Das kann dahingestellt bleiben. Was uns hier interessiert, ist lediglich die feststehende Tatsache, daß in den 20 Jahren vor dem Kriegsausbruch die russischen Staatsmänner es verstanden hatten, den zerrütteten Staatshaushalt aus der Defizitwirtschaft herauszuarbeiten, den Staatskredit in ungeahnter Weise zu befestigen, die Papierwährung durch eiue Goldwährung zu ersetzen und zur Sicherung der Währung sowie als eventuelle Kriegsreserve — neben den erheblichen freien Beständen der Staatskasse — einen gewaltigen Goldvorrat iu der Zeutralbcmk anzusammeln. Japan dagegen hatte schon in dem Jahrzehnt vor dein Kriege seine finanziellen Kräfte — teils zu wirtschaftlichen Zwecken, namentlich aber zur Durchführung seines großen Nüstungs- programms — außerordentlich stark angespannt. Während von 1878/79 bis zum Jahre 1893/94. in der Periode der Konsolidierung der japanischen Finanzen, der Betrag der Staatsschuld nahezu stabil geblieben war — er stellte sich im erstgenannten Jahr auf 239,9, im letztgenannten auf 266,8 Millionen Aeu —, hat er sich iu deu folgenden Jahren bis znm Beginn des russisch-japanischen Krieges mehr als verdoppelt (etwa 869 Millionen Jen beim Kriegsausbruch). Diese Vermehrung der Staatsschuld hatte sich ergebeu trotz der beträchtliche!? Erhöhung der Besteuerung vom Jahre 1896 an.*) Die Wirkung auf deu japanifcheu Staatskredit wird dadurch illustriert, daß in Tokio selbst die konsolidierte 5prozeutige Staatsanleihe im Jahre 1890 zwischen 98,20 und 102.05 Prozent schwankte, im Jahre 1893 zwischen 101,50 nnd 119,7» Prozent, im Jahre 1992 dagegen — also zu einer Zeit, in der unmittelbare Kriegsbefürchtuugeu noch nicht bestanden — zwischen nur 86,75 und 92,50 Prozent. Der Kurs der japauischen Staatsanleihen ist also gegenüber dem Stand Tiehc oben 2. 6^. Schlußbetrachtungeii. 2ZZ c^->? c^?»? r^i? r^-^> r^»> r7^^ r^^? c^"»> ^ r^H> zu Beginn der Wer Jahre um mehr als 1(1 Prozent zurückgegangen, während der öffentliche Kredit Rußlands in jenen Jahren in seiner Gesamtentwicklnng eine erheblich steigende Bewertung erfuhr. Dazu kam ferner, daß die Bank von Japan nur über einen bescheidenen, den Notenumlauf mitunter nicht einmal zn einem Drittel deckenden, nur ein Achtel bis eiu Zehntel des Goldvorrats der russischen Reichsbank ausmachenden Goldbestand verfügte, der ohne uumittelbare Gefährdung der Währung keine irgend erhebliche Inanspruchnahme für Kriegszwecke gestattete. Dazu kamen schließlich die gewaltigen Unterschiede in den gesamten Dimensionen des Staatshaushaltsi die ordentlichen Einnahmen Rußlands waren vor Beginn des Krieges acht- bis neunmal so groß, wie diejenigen Japans; auch wenn man berücksichtigt, daß bei Rußland den Einnahmen in beträchtlich größerem Umfange als bei Japan Ausgaben für staatliche Betriebe gegenüberstehen, so bleibt doch immer noch ein enormer Unterschied, der darin znm Ausdruck kommen mußte, daß die gleichen absoluten Beträge von Kriegskosten und Kriegsanleihen bei Japan eine um ein Mehrfaches stärkere Belastung des Etats darstellten als bei Rußland. Der Krieg hätte nun bei einem anderen Verlauf der militärischen Vorgänge Gelegenheit geben können, nach Art eines Experimentes die Wirkung der verschieden starken finanziellen Kriegs- rllstung zu beobachten. Aber zum Wesen des Experiments gehört es, daß eine und dieselbe Ursache unter verschiedenen Bedingungen wirksam wird; nur dnrch die Änderung der Bedingungen läßt sich die Wirkung einer bestimmten Ursache gewissermaßen isolieren. Der ostasiatische Krieg hat jedoch den Unterschied in der finanziellen Stärke von Ansang bis zu Ende immer nur unter der eine n Bedingung wirksam werden lassen, daß Rußland, der siuanziell besser gerüstete Teil, gleichzeitig der militärisch unterliegende, und Japan, der finanziell schwächer gerüstete Teil, gleichzeitig der militärisch überlegene war. Der Krieg war infolgedessen finanzpolitisch weit weniger lehrreich, als wenn z. B. vor dem Fall von Port Arthnr, oder ans der Ebene von Mukden, oder schließlich auch uoch in der Tsushima- Straße sich das Waffenglück mit Entschiedenheit zugunsten der Russen gewendet hätte. Bei dem tatsächlichen Verlans der Dinge konnte man nur beobachten: wa? nützt die bessere finanzielle Rüstung der militärisch inferioren Partei, und was schadet die sinanzielle Jns> 2Z4 Schlußbetrachtungen, l^.-. s c^i? r-^» c!-?i? r--^? c^-i? c^-i? r--^ r^?s r-L^ c^Si? r-L^» c--^ cü-i? c^si? lÄ-^? c-i-?i? riorität einem Staate, der in einem großen Kriege von Sieg zu Sieg eilt? lind in keinem Falle ist ans der Gesamtwirkung ohne weiteres zu unterscheiden, welcher Anteil ans Rechnung der Fiuanzeu uud welcher aus Rechnung der militärische» Vorgänge kommt. Aber auch in dieser durch deu Gaug der Dinge gegebenen Beschränkung bleibt genug des Lehrreichen übrig i es liegt nur weniger an der Oberfläche. Zunächst konnte man in deu ersten Wochen nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten sehen, daß die Kurse der japanischen Staatspapiere, trotz des militärisch günstigen Anfangs, mehr als doppelt so stark zurückgingen wie die russische», uud daß Japan große Schwierigkeiten fnud, zu erträglichen Bedingungen — namentlich im Auslande — die für deu Krieg uubediugt erforderlichen Geldmittel zu beschaffen. Trotz aller seiner militärischen Mißerfolge hat Rußland ohne erhebliche Schwierigkeit in den ersten zwölf Kriegsmouaten im Auslande die Summe von etwa 330 Millionen Rubel aufgenommen, während Japan trotz aller seiner Siege in derselben Zeit nur 220 Millionen Aen zu wesentlich ungünstigeren Bedingungen im Auslände beschaffen konnte. Selbst nach dem Fall von Port Arthnr konnte Rußland iu Deutschland uud Hollaud seine 4i/^.prozentige Anleihe im Betrag von 23V Millionen Rubel noch zu wesentlich leichteren Bedingungen unterbringen, als Japan nach den Schlachten bei Liauyang uud am Schccho seine Lprozentigen Schatzscheine im Betrage von nur 120 Millionen Jen in London uud New-Aork hatte begeben können. Rußland hatte au seinen Finanzen einen Rückhalt siir seiue Kriegführung, der erst dann etwas ins Wanken kam, als zu den fortgesetzte» militärischen Mißerfolgen die Unruhen im Innern des Reiches hinzutraten. Japan dagegen hat erst, nachdem durch eine ununterbrochene Reihe von Siegen und durch die inneren Wirren in Rußland seine militärische Überlegenheit endgültig gesichert erschien, siir seil»' Geldbeschaffung eine Behandlung auf annähernd gleichem Fnße wie Rußland erzielt. Rußland verdankte es wesentlich seiner finanziellen Stärke, daß eS auch nach empfindlichen Niederlagen immer wieder zu einer zähen Gegenwehr in der Lage war und immer wieder anfs nene den endgültigen Ausgang des Krieges in Frage stellen konnte. Das wnrde vor allen, deutlich bei der Fahrt des Baltischen (Geschwaders, die in freilich das unglücklichste Ende ge- Schlusjbetrachtungen, HZZ fnnden hat? aber dcis lag an dem Schiffs- und Menschenmaterial und nicht an dein Geldc, mit dem diese Flotte ausgerüstet und ausgesendet worden war. Jedenfalls wurde es Rußland nur durch seine finanziell günstige Position ermöglicht, mit der Entsendung dieses Geschwaders gewissermaßen auf eine neue Entscheidung anzutragen, die bei einem günstigen Ausfall den verlorenen Krieg zu einem gewonnenen hätte machen können. Im Gegensatz dazu zeigt sowohl der enorme Kursrückgang der japanischen Staatsanleihen zu Beginn des Krieges als auch der weitere Verlauf der Kursbewegung iu seinen Einzelheiten mit hinreichender Deutlichkeit, was Japan von einem einzigen größeren militärischen Mißerfolge zu erwarten gehabt hätte. Es sei nur auf den erheblichen Kursrückgang der japanischen Werte hingewiesen, der eintrat, als nach dem großen Sieg bei Liauhang die russischen Truppen zwischen Lianyang nnd dem Schaho einige unbedeutende Teilerfolge errangen. Das Versagen der Finanzkraft nach einem militärischen Mißerfolg hätte aber den Japanern eine kraftvolle Fortsetzung des Krieges kaum gestattet! es wäre ihnen unmöglich gewesen, die beträchtlichen Mittel aufzubringen, die sie benötigten, um ihrer gewaltigen Armee in der Mandschurei die volle Aktionsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig ihre Flotte gegenüber dem herannahenden Baltischen Geschwader wieder instandzusetzen und sie in monatclanger Gefechtsbereitschaft zu halten. Aber obwohl diese Eventualität nicht eintrat, obwohl Japans Finanzen durch seine Waffenerfolge gestützt wurden, hat sich die finanzielle Schwäche doch in einer gewissen Beschränkung seiner militärischen Stoßkraft gezeigt. Um das extremste Beispiel zu wählein Japan war auch nach der völligen Niedcr- kämpfung der russischen Flotte nicht in der Lage, die Fahrt des Baltischen Geschwaders durch einen Gegenbesuch in den Gewässern der Ostsee zu beantworten und durch ein Erscheinen seiner Flotte vor Kronstadt und den russischen Hafcnplätzcn den letzten und stärksten Druck auf seinen Gegner auszuüben. Es mögen gewisse technische Bedenken gegen einen solchen Plan gesprochen haben: daß er an sich nach der Vernichtung der russischen Flotte durchführbar war, kann Wohl keinem Zweifel unterliegen. Hier waren es die Finanzen, die einen solchen Gedanken von vornherein nicht wach werden ließen. Vor allem aber zeigte sich die finanzielle Unterlegenheit Japans bei den, Friedensschluß. Das Znstandekommen des Friedens zu JZg Schlußbetrachtuiigcn. ü--i>> r^-is r^si? c^i?!^.? c^>? c-sv» c^i? c^^» c^V» r^^? c--^» lü-i? hinein Zeitpunkt, in dem militärisch der Krieg noch nicht zn seinem Ende gekommen war — dazn hätte mindestens noch die Wegnahme von Wladiwostok nnd Charbin gehört —, das Zustandekommen des Friedens unter Bedingungen, die siir Rußland noch verhältnismäßig so günstig waren, hat namentlich deshalb fast allgemein so sehr überrascht, weil das große Publikum nur deu rein militärischen Verlauf und nicht auch die finanzielle Seite des Krieges verfolgte. Um uns über den finanziellen Verlauf und den Stand der Kriegsfinanzen zur Zeit des Friedensschlusses klar zu werden, sei folgende Gegenüberstellung aufgemacht: N u s'> l a n d, I a p a n. Ordentliche Einnahme» des letzte» Fricdensetats: Millionen Mark.......... 4 277 467 (>ieldauswand für den Krieg bis Ende August 1905: Millionen Morl.......... 2 873 2424 Verhältnis des Kriegsaufivands zu den ordentlichen Einnahmen des letzten Fricdcnsetats: Prozent:............. 67 619 Ztaatsschuld zu Beginn des Krieges: Millionen Mark.............. 14 350 1 170 während de-? »rieges aufgenommene Anleihen: Millionen Mark.......... 2 768 2 676 Verhältnis der Kriegsanleihen zur Staatsschuld vor Beginn des Krieges: Prozent .... 19 229 jährliche ^>insen der Kriegsanleihen: P>illionen Mark.............. 129 136 jährliche plinsen der Kriegsanleihe» im Verhältnis zn dein Betrag der ordentlichen Einnahmen des letzten Friedensetats: Prozent .... 3 29 ^wldhesmnd der ^entralbanl im August 1905: Millionen Mark.......... 2 450 260 Verfügbarer Bestand der Staatskasse, zuzüglich ('wldbestanddcr ^entralbanlMitte Slugust 1905: Millioue» Mark etiva........ 2850—3000 900—1000 Gewiß erscheinen in dieser Gegenüberstellung die Verhältnisse zu Ungunsten Japans vergröbert, da — wie bereits wiederholt erwähnt — bei Rußland den ordentlichen Einuahmeu weit größere Ausgaben für Staatsbetriebe und Monopole entgegenstehen als bei Japan. Aber auch weuu mau auf der Seite Rußlands die sich nach der oben gegebenen Berechnung beransstellende Belastung des Staatsbank Schlns;betrachtn»gcn. HZ? p^^iz^i?^^6^6^r^?>?^6^rL^r-^K^6^k^5S Halts durch die Kriegskosten und die Zinsen der Kriegsanleihen auf das Toppelte erhöht, was viel zn hoch gegriffen ist/") so bleiben die Unterschiede immer noch erstaunlich groß. Bei der Verdoppelung der Belastung des russischen Staatshanshalts würden die Aufwendungen für den Krieg bei Rußland den 1,3fachen, bei Japan den 5,2fachen Jahresbetrag der ordentlichen Einnahmen erreicht haben; die Zinsen der Kriegsanleihen würden bei Rußland ti Prozent, bei Japan 29 Prozent der ordentlichen Einnahmen (nach ihrem Stande vor dem Krieg) beanspruchen. Dazu verfügte Rußland nuter Berücksichtigung der Bankmittel zur Zeit der Friedensverhandlungen über nahezu 3 Milliarden, Japan dagegen nur über knapp 1 Milliarde Mark. In Anbetracht dieser Zahlen wird es klar, wie Japan sich vor der Einnahme von Wladiwostok nnd Chnrbin zmn Frieden bereit finden und sich in dem Friedensvertrag mit dem Verzicht auf die zweite Hälfte vou Sachalin, nnf die Herausgabe der in neutralen Häfen internierten russischenKriegsschiffe,auf eiueBeschräukuug der russischen Flottenmacht in den ostasiatischen Gewässern zufrieden geben und — lu^t not lenst — sogar auf eiue Kricgstostenentschädignng verzichten mußte. Die japanischen Finanzen haben in dem Kriege eiue ungeahnte Elastizität gezeigt; der patriotische Opfermut des japanischen Volkes hat Kriegssteuern von enormer Höhe ans sich genommen, nnd der europäische Geldmarkt hat sich unter dem Eindruck der militärischen Erfolge weit entgegenkommender gezeigt, als man es vor dem Kriegsausbruch oder auch noch in dem ersten Abschnitt des Krieges selbst erwarten konnte. Aber schließlich war eben doch der Punkt nahe, wo die Sehne bei aller unerwarteten Dehnbarkeit nicht stärker gespauut werden konnte. Nachdem die ersten zwei Auslandsanleihen durch die Zolleinkiinfte nnd die folgenden beiden durch die Einnahmen aus dem Tabakmonopol sichergestellt worden waren, wäre die Bestelluug weiterer Pfänder uicht gerade leicht gewesen, nnd außer- ") Im modifizierten Budget für 1994 betrugen die wichtigsten Ansgnbe- posten des ordentlichen Etats für Staatsbetriebe und Monopole: t. beim fiskalischen Branntweinvcrlanf ... 170 Millionen Rubel. 2. bei der Eiscnbahnvcrwaltnng . . . . . 423 - - zusammen . . . 595 Millionen Rubel, während der Gesamtbetrag der ordentlichen Einnahmen 1980 Millionen Rubel betragen hat. Schlusjl'etrachtimgen, c^5^-^^»^v^^^^»l^^^<^^>r^v<^^^>»^ den> liatte die Belastung des japanischen Staatshaushalts durch die Kriegsanleihen bereits eiueu Grad erreicht, das; die Möglichkeit der Ausnahme einer ineiteren großen Auslandsanleihe für Kriegszwecke zum niindesten äußerst ziveifelhaft war, während der innere Geldmarkt seine Leistungsfähigkeit offensichtlich erschöpft hatte. Gewiß war auch Rußland für die Aufnahme von weiteren Anleihen in einer schwierigen Lage! aber wenn beide Länder sich bei einer Fortsetzung des Krieges zn der uNnnn i-ui» des Znrückgreifens auf die Goldbestände ihrer Zentralbank entschlossen hätten, dann hatte auch hier Rußland den Vorteil einer mehrfachen liberlegenheit. Dazu kam für Rußland die gleichfalls durch die Finanzpolitik der letzten 2V Jahre geschaffene Möglichkeit der weiteren Geldbeschaffung vermöge einer Verpfändung oder Veräußerung von Teilen seines großen staatlichen Eisenbahnnetzes. Freilich wären die Kurse der russischen Anleihen durch ein solches Antasten des Standvermögens einer Erschütterung ausgesetzt worden ebenso wie die russische Valuta durch eine Inanspruchnahme des Goldbestandes der Bauk. Aber für den Fall, daß Rußland sich entschloß, über dieses Bedenken hinwegzugehen, standen ihm weitere Mittel in erheblichen Beträgen zur Verfügung. Es ist sür die Feldherren und Staatsmänner eines siegreichen Staates niemals leicht gewesen, einen Krieg vor der Niedertampfuug des Gegners und vor der Erreichung der natürlichen militärischen Endziele abzubrechen. Es gibt Beispiele, daß sich der siegreiche Staat knirschend fremder Gewalt fügen mußte, wie Rußland am Ende des Orientkrieges vor Konstantinopel angesichts der zum Gefecht klaren englischen Flotte; es gibt andere Beispiele, wo dem siegreichen Heere vor dem letzten Erfolge durch das größere politische Ziel eines genialen Staatsmannes Halt geboten wurde, wie der preußischen Armee 1866 vor Wien. In dem vorliegenden Falle haben, wie die japanischen Staatsmänner selbst bekennen, sinanzielle Erwägungen den Ausschlag gegeben. Taß man nm einer Kriegskostenentschädiguug willen eine» >Ürieg nicht mit einem der verlangten Entschädigung gleichkommenden Kostenaufwand weiterführt, ist selbstverständlich. Auch der Hinweis der japanischen Staatsmänner darauf, daß selbst durch die Eiuucchme von Wladiwostok und Charbin Nußland nicht zu einer ^iriegskostenentschädiguug hätte gezwungen werden können, ist zutreffend. Aber Japan hätte dauu weuigstens militärisch seine Ziele Schlußbetrachtmige», ^H>> c^> - c^i> r-^->? r^-i? l^-->? i^-i? r-^» r^-^ r-^->< c^-> < ^->i r-,^? c^.->? c--->? c^, ^-i - r-^» r-s-i? volltommeu erreicht nnd Rußland gänzlich vom Stille» Ozean abge- schnitte». Entscheidend für de» Verzicht hierauf war, daß die Fortsetzung des Krieges »lit diesen Zielen einen weitere» enorme» Kosten- aufwand erfordert hätte, zu dein Japan kaum mehr iu der 5.'nge war, uud daß sich die japanischen Staatsmänner darüber klar waren, daß die mit dem Frieden sich einstellende!, militärischen »nd wirtschaftliche» Aufgaben »»r dn»» rasch und vollständig genng wiirden erfüllt werden könne», wenn Japan in dein >!rieg seine finanziellen Kräfte nicht bis zur völligen Erschöpfung verbraucht haben würde. Was hier ausgeführt ist, behält seine Richtigkeit auch gegenüber einer jeden Möglichkeit in der »vetteren (Gestaltung der russischen Fiuauzeu. Die Tatsache, daß eiu Fortdauern der Unruhen und Wirren in Rußland ans die rnfsische Finanzwirtschaft und de» russische» Staatskredit eine» »achteilige» Einfluß ausüben mnß, berührt nicht die andere, uns hier allein interessierende Tatsache, daß Rußland noch am Ende des Krieges seine»! Gegner als der finanziell überlegene Teil gegenüberstand uud daß seine finanzielle Überlegenheit auf den Gang des Krieges und auf den Friedensschluß die von uns festgestellten Wirkungen ausgeübt hat. Aus allen unseren Betrachtungen uud Erwägungen tommen wir zu folgendem Schlnßergebnis: Von entscheidender Bedeutung für den Verlauf und de» Ausgang des Krieges war nicht das Geld, sondern das Schwert. Japan hat gut daran getan, daß es in Anbetracht der Unvermeidlichkeit eines Waffenganges niit dem übermächtig erscheinenden Rußland seine Stenerkraft und seinen Staatskredit auf das Äußerste angespannt hat, nm sich eine Rüstuug zu schaffen, die ihm erlaubte, mit dem guten Gewissen der Pflichterfüllung uud mit einiger Aussicht auf Erfolg iu den Kampf nm feine nationale Existenz und seine Weltstellung einzutreten. Aber weun das finanzielle Stärkeverhältnis auch nicht von entscheidender Bedeutung war, so hat es doch den Verlauf und Ausgang des Krieges immerhin in sehr erheblichem Umfange beeinflußt. Für Nußland war die Stärke seiner finanziellem Position ein wesentlicher Rückhalt bei der rein militärischen Kriegführung. Für Japan haben die finanziellen Sorgen die völlige Turchkämpfung des Krieges unmöglich gemacht. Dabei ist den Japanern das Eintreten der bis zu- 2^0 Schlnszlietrachtungen, c^-iv r^», < c^->, i!--,»r^->» c^-i? r^^^ c^-^ r^v» l^->', c^-s» c-->, c^Zi? l-s>^ letzt stets Vorhandenen Möglichkeit erspart gebliebeil, daß ein einziger militärischer Mißerfolg von größerer Bedeutung, wie solche von Rußland dank des finanziellen Rückhalts von Anfang bis zu Ende durchgehalten worden sind, durch seiue Rückwirkung auf deu japanischen Staatskredit dein Kriege eine nicht mehr gut zu machende Wendung hätte geben können. Bei den Friedensverhandlungen trat der Unterschied in der finanzielle» Machtstellung am deutlichsten in Wirksamkeit. Den Russen ermöglichte ihre finanzielle Überlegenheit einen annehmbaren nnd ehrenvollen Frieden, während die Japaner sich mit Bedingungen nbsinden mußten, die hinter den durch die militärische» Erfolge so wirksam unterstützten Wünschen erheblich zurückbliebeu. Der russische Ministerpräsident und Friedeusunterhändler v. Witte soll nach dem Schlüsse der Portsmouther Verhandlungen gesagt haben, noch nie habe er die Überlegenheit der Feder über das Schwert so empfunden wie bei dieser Gelegenheit. Es mag sein, daß der russische Erfolg bei den Friedensverhandlungen zu einem guten Teil der geschickten Feder der Diplomatie zu verdauten ist; aber ohne den finanziellen Hintergrund wäre es der Feder Wohl fchwer gefallen, gegen das Schwert aufzukommen. Herr v. W i t t e war entweder als Finanzinann zu bescheiden oder als Diplomat zu stolz, sonst hätte er vielleicht gesagt, daß auch bei dieser Gelegenheit das Gold schwerer gewesen sei als das Eisen. «^dnicki in der königlichen Hofbnchdinckcrci von E, Z, Mitllci' K Sohn, Berlin 8V,, KochslNM 6S-71,