Jacob Benignus Vossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die allgemeine Geschichte der Wett, bis auf Kaiser Carln den Großen. Für den ehmaltgen Dauphin von Frankreich abgefaßt. Uebersetzt und mit einem Anhange historisch «cririscher Abhandlungen vermehrt von M. Johann Andreas Cramer. - Leipzig, verlegn Bernhard Christoph Breitkopf. ^ »748. Erlauchter und hochgebohmer Neichsgmf, Gnädiger Herr, ie bekannte Gnade Eurer Hochretchs- graflichenErcel- lmz gegen alle/welche die Wissenschaften lieben, macht mich so tthn, kühn, Dero erlauchtem Namen gegenwärtige Uebersetzung mit der vollkommensten Ehrfurcht zu widmen. Es ist einer von Dero großen Vorzügen, Erlauchter Graf/ daß Sie unter den wichtigsten und größten Geschafften, auch den kleinsten Nutzen nicht unbemerkt lassen, den die Wissenschaften erhalten können. Wie beneidenswürdig und glücklich werden die Zeiten seyn, wo ein deutscher Vossuet die erhabnen - habnm Verdienste Eurer Hoch- reichsgrüflichen Excellenz !> beschreiben wird, um setner Welt einen eben so eifrigen und gnädigen Beförderer der Wissenschaften zu bilden! ErlaubenSie mir, Gnädiger Graf/ die Freude öffentlich zu gestehen, womit ich beständig meine Wünsche mit den Wünschen aller Rechtschaffnen vereint- . ge, daß die Vorsehung den Wissenschaften, für welche Mecanen niemals zu lange gelebt haben, , *4 ihren ihren Holzendorf mch Me Jahre in einer hohen Zufriedenheit erhalten möge. Ich bin allezeit mitder tiefsten Ehrfurcht Ew. Hochreichsgraflichen Excellenz/ Meines Gnadigen Herrn, Leipzig, den 16 Merz »748. unterthanigster Zoh. Andreas Cramer. Vor- 5. 257. Borrede. den Anhang einiger historischcritischen Abhandlungen verursacht. Ich werde genug belohnt seyn, wenn die Leser das Urtheil davon fallen werden, daß die Wahrheit ohne Schmuck und Kunst über alle falschen Meynungen siegt, wenn sie auch voll der Beredsamkeit eines Vosiuets unterstützt werden. ' Des Des Bischof Bossuets Einleitung in die allgemeine Geschichte, an Se. Königs. Hoheit, den Dauphin. enn die Geschichte andern Menschen unnühe seyn sollte, so müßte man sie doch den Prinzen zu lesen geben. Man hat kein besseres Mittel, ihnen zu zeigen, was die Leidenschaften, der Eigennützen/ die Zeiten und die Umstände, die guten und bösen Rathschlage vermögen. Die Geschichte bestehen aus Begebenheiten, welche die Prinzen unterhalten, und alles scheint darinnen zu ihrem Nutzen geschehen zu seyn. Wenn ihnen die Erfahrung nöthig ist, damit sie diejenige Klugheit erlangen mögen,' die sie lehrt, wie sie wohl regieren sollen: So ist zu ihrem Unterrichte nichts nützlicher, als die A Ver. 2 Bischof Bossuets Einleitung Verbindung der Exempel aus den verflossene» Jahrhunderten mit denen Erfahrungen, die sie selbst alle Tage haben. Anstatt daß sie, wie es gemeiniglich geschieht, nur auf Unkosten ihrer Unterthanen, und ihrer eignen Ehre von gefährlichen Begebenheiten urtheilen lernen, welche ihnen zustoßen ; so üben sie durch die Hülfe der Geschichte ihre Urtheilskraft an vergangenen Begebenheiten, ohne etwas zu wagen. Wen» sie, ohnerachtet aller falschen Lobeserhebungen, die man den Fürsten bey ihrem Leben gegeben hat, bis zu den verborgensten Lastern derselben durchdringen, die den Augen aller Menschen blosgestellt worden sind: So schämen sie sich über die eitle Freude, die ihnen die Schmeichelch verursacht, und lernen einsehen, daß die wah- re Ehre sich nur mit den Verdiensten vertragen kann. Ueberdieß wäre es, ich will nicht sagen, für einen Prinzen, sondern überhaupt für einen ie- den rechtschaffenen Mann eine Schande, von dem menschlichen Geschlechte, und denen merkwürdigen Veränderungen nichts zu wissen, welche die Folge der Zeiten in der Welt hervorgebracht hat. Wenn man durch die Geschichte die Zeiten nicht von einander unterscheiden lernt, so wird man die Menschen, welche unter dem Gesetze der Natur oder unter dem geschriebenen Gesetze gelebt haben, wie die Menschen unter dem evangelischen Gesetze vorstellen; man wird von den Persern, die von Alexandern überwunden worden sind, wie von denen Persern reden, welche unter der Regierung des Cyrus so sieghaft in die allgemeine Geschichte, z haft gewesen sind. Man wird den Griechen zu den Zeiten des PhilippuS eben die Freyheit zuschreiben, welche Griechenland zu den Zeiten des The- mistocles, oder des Miltiades genoß. Das römische Volk wird unter seinen Kaisern so trotzig, als unter seinen Consuln; die Kirche unter dem Dioclctian so ruhig, als unter Constamin dem Großen, und Frankreich zu den Zeiten Carl des IX und Heinrich des III, wo es von bürgerlichen Unruhen so sehr erschüttert wurde, so mächtig, als zu den Zeiten Ludwig des XI V seyn, irx welchen es durch diesen so großen König ganz vereinigt worden ist, und ganz allein über ganz Europa gesiegt hat. Sie haben sich bemüht, Monseigneur, diese schlimmen Folgen der Unwissenheit in der Geschichte zu vermeiden, und aus dieser Ursache so viele alte und neuere Geschichten gelesen. Mau hat sie vor allen Dingen in der Schrift die Geschichte des Volkes Gottes müssen lesen lassen, weil sie der Grund der Religion ist. Man hat sie in der griechischen und römischen Geschichte unterrichtet. Die Geschichte dieses großen Königreiches war noch wichtiger für sie / weil sie dasselbe dereinst glücklich machen sollen, und man hat sich also Mühe gegeben, sie mit derselben bekannt zu machen. Damit sich aber alle diese Geschichten mit denen, welche sie noch zu lernen haben, in ihrem Verstände nicht unter einander vermengen mögen, so ist es nothwendig, daß man ihnen die Folge aller Jahrhunderte deutlich, aber kurz, vorstelle. A s Diese 4 Bischof Bossuets Einleitung Diese Art einer allgemeinen Geschichte ist in Vergleichung mit den Geschichten eineö ieden Landes und eineö ieden Volkes nichts anders, als was eine allgemeine Landkarte gegen Spe- cialkarten ist. In den Specialkarten sehen sie alle Abtheilungen eines Königreiches, oder einer Provinz besonders ; in den allgemeinen Karten sehen sie, wie diese Theile der Welt im Ganzen liegen müssen: Sie sehen, was Paris, oderIs- le de France im Königreiche ist, was das Königreich in Europa, und Europa in der ganzen Welt bedeutet. So stellen uns die besondern Geschichten die Folge aller Begebenheiten, die einem Volke begegnet sind, besonders und mit allen ihren Umstanden vor. Damit man aber alles verstehen möge, so muß man das Verhältniß wissen, was eine iede Geschichte mit der andern haben kann; dieses kann man am besten aus einem kurzen Abrisse aller Geschichten lernen, wo man auf einmal mit einem Blicke die ganze Ordnung und Folge der Zeiten übersieht. Ein solcher Abriß stellt ihnen, MonseiIneur, ein großes Schauspiel vor Augen. Sie sehen, wie sich alle vorhergehenden Jahrhunderte, so zu sagen, in wenig Stunden vor ihnen entwickeln; sie sehen, wie die Reiche, eins auf das andere, folgen, und wie sich die Religion in ihren verschiedenen Umständen vom Anfange der Welt bis auf unsere Zeiten immer gleich erhalt. Die Folge dieser beyden Dinge, ich meyne die Folge der Religion und der Reiche, sind es, was sie sich ins Gedächtniß prägen müssen. Weil in die allgemeine Geschichte. 5 Weil die Religion und die Staatsverfassung zween Punkte sind, aufweichen alle menschlichen Begebenheiten beruhen: So begreift man in seinen Gedanken alles, was unter den Menschen groß ist, und halt, so zu sagen, den Faden aller Angelegenheiteil der Welt in seinen Händen, wofern man diese Begebenheiten in einem kurzen Abrisse eingeschlossen betrachtet, und die ganze Ordnung und Folge davon auf einmal übersieht. Wenn sie eine Universalkarte betrachten, so verlassen sie das Land, wo sie gebohrcn worden sind, und den Ort, der sie einschließt, um die ganze bewohnte Erde durchzugehen, die sie in Gedanken mit allen ihren Meeren und Ländern fassen. Eben so begeben sie sich, wenn sie einen chronologischen Abriß der Historie betrachten, aus den engen Grenzen ihrer Jahre, und breiten sich in alle Jahrhunderte aus. Allein, wie man auch bey der Erlernung der Erdbeschreibung seinem Gedächtnisse dadurch zu Hülfe kömmt, daß man sich gewisse Hauptstädte merkt, um die man wiederum andere in ihrer gehörigen Entfernung von einander setzet; so muß man eben auch in der Ordnung der Jahrhunderte gewisse Zeiten haben, welche durch irgend eine große Begebenheit merkwürdig geworden sind, damit man alles Uebrige dahin beziehen kann. Eine solche Zeit nennet man eine Epoche; dieser Name wird aus einem griechischen Worte hergeleitet, welches stillestehen bedeutet, weil man sich dabey als an einem Ruheorte aufhält, um alles dasjenige, was vorher oder darnach ge- A z schchen 6 Bischof Bossuets Einleitung schehen ist, zu betrachten, und durch dieses Mittel, die Anachronismen, oder diejenige Are von Irrthümern zu vermeiden, durch welche man verschiedne Zeiten mit einander vermengt» Man muß sich im Anfange nur an eine kleine Zahl von Epochen halten, an solche, als diejenigen sind, welche man in den Zeiten der alten Geschichte zu merken hat. Diese sind Adam , oder die Schöpfung; ZTloa, oder die Sündflur; der Beruf Abrahams, oder der Anfang des Bundes Gottes mit den Menschen; N7oses, oder das geschriebne Gesetz; die Einnahme der Stadt Troja; Galomon, oder der Bar« des Tempels; Romulus, oder die Erbauung der Stadt Rom; Cyrus, oder das aus der babylonischen Gefangenschaft befreyte Volk Gottes; Scipio, oder die Ueberwindung der Stadt Carthago; die Geburt Jesu Christi; Con- framin, oder der Friede in der Kirche; Carl der Große, oder die Aufrichtung eines neuen Kaiserthumes. Ich lasse sie, Monsiigneur, die Aufrichtung eines neuen Kaiserthums unter Carln, dem Großen, als das Ende der alten Geschichte betrachten, weil sie sehen werden, daß hier das alte römische Reich auf einmal ganz aufhört. Darum lasse ich sie bey einem so merkwürdigen Punkte aus der allgemeinen Geschichte, stille stehen. Die Folge davon wird ihnen in einem andern Theile vorgetragen werden, der sie bis auf das Jahrhundert führen wird, das durch die unsterblichen Thaten des Königes, ihres Vaters, verherrlicht worden ist, und das durch ihren Ei- in die allgemeine Geschichte. 7 fer, einem so großen Beyspiele nachzufolgen, noch einen neuen Glanz zu hoffen hat. Nachdem ich überhaupt das Vorhaben dieses Werkes erklart habe, so habe ich dreyerley zu thun, um allen den Nutzen daraus zu ziehen, den ich davon hoffe. Ich muß vors erste alle die Epochen mit ihnen durchgehen, welche ich ihnen vortrage. Nachdem ich ihnen in wenig Worten, die vornehmsten Begebenheiten angezeigt habe, welche zu einer ieden unter diesen Zeitläufengehören, so muß ich ihren Verstand gewöhnen, diese Begebenheiten an ihre gehörige Stelle zu bringen, ohne auf etwas anders, als auf die Zeitordnung zu sehen. Allein, meine vornehmste Absicht ist diese, daß ich sie in der Folge der Zeiten die Folge der Religion und die Folge der Reiche bemerken lassen will. Wenn ich also die Begebenheiten, welche diese beyden Stücke angehen, nach der Zeitordnung so gestellt habe, wie sie auf einander erfolgt sind, so werde ich alsdann insbesondere vors erste diejenigen vornehmen, und mit den nöthigen Anmerkungen begleiten, welche uns die beständige Dauer der Religion lehren. Sodann werde ich auch diejenigen betrachten/ welche uns die Ursachen der wichtigen Veränderungen entdecken, die in den großen Reichen erfolgt sind. Wenn dieses geschehen ist, so wird ihnen ein jeder Theil der alten Geschichte, die sie lesen werden, Nutzen schaffen. Es wird keine einzige Begebenheit vorkommen, deren Folgen sie nicht einsehen. Sie werden die Folge der Rath- schlüsse Gottes in den Angelegenheiten der Re- A 4 ligion 8 Bischof Bossuets Einleitung ligion bewundern. Sie werden die zusammengekettete Verbindung der menschlichen Angelegenheiten erkennen, und daraus wahrnehmen, mit welcher Ueberlegung und Vorsicht sie angeordnet und ausgeführt werden müssen. Der i Theil Die erste Epoche zeigt ihnen gleich an- ^leitui^." ein prächtiges Schauspiel; sie zeigt ihnen Gott, der mit seinem Worte die Himmel, und die Erde hervorbringt, und den Menschen nach seinem Bilde schafft. Hiev fangt Moses an,derAelteste unter allen Geschichtschreibern, der Erhabenste unter den Philosophen, und der Weiseste unter den Gesetzgebern. Die ??poch- Dieses setzt er als den Grund sowohl seiner Ge- Mr« Ä SZ" schichte, als seiner Lehre und Gesetze fest. Hierauf "'f^. vnmq, zeigt er uns den ersten Menschen, in welchem alle ''Welk." Menschen verschlossen sind, u. seine Frau,die selbst l. von ihm genommen worden ist; die Eintracht der Ehen, und die Gesellschaft des menschlichen Geschlechtes, die auf diesen Grund errichtet ist; die Vollkommenheit und Macht des Menschen, so lange er das Bild Gottes noch ganz an sich tragt; seine Herrschaft über alle Thiere; sowohl seine Unschuld, als seine Glückseligkeit im Paradiese, deren Andenken in dem güldnen Weltalter der Poeten erhalten worden ist; das göttliche Gebot, das die ersten Aeltern beobachten sollten; ^ die Bosheit des Geistes, des Versuchers, und seine Erscheinung unter der Gestalt einer Schlange ; den Fall der erste» Menschen; die gerechte Bestrafung derselben und aller ihrer Nachkommen, und das von Gott verfluchte menschliche Geschlecht; das erste Versprechen Gottes von dee > in die allgemeine Geschichte. 9 -Mre der der Erlösung der Menschen, und dem zukünftigen Jahre " Welt. Siege der Menschen über den Teufel, der ihren ^r. Geb. Untergang bewerkstelliget hatte. Die Erde sing an bevölkert zu werden, und Z875. Buch M,5/ Laster wurden immer mehr. Cain, der erste Sohn von Adam und Cva, läßt die nur ge- wordne Welt die erste tragische That sehen, und die Tugend fangt von dieser Zeit an, durch das Laster verfolgt zu werden. Hier äußern sich die einander entgegengesetzten Sitten der beyden Brüder; die Unschuld Abels, sein Landleben, und seine angenehmen Opfer. Hier sieht man die Opfer Cainö, welche verworfen werden, seinen Geiz, seine Gottlosigkeit, seinen Brudermord, und die Eifersucht, die Mutter der Todtschläge; die Bestrafung dieses Verbrechens, und das Gewissen dieses Brudermörders, welches durch ei» ne bestandige Furcht beunruhigt wird. Hier sieht man die erste Stadt, welche durch diesen Böscwicht erbaut wird, der sich gegen den Haß und den Abscheu des menschlichen Geschlechtes eine Frcystatt sucht; die Erfindung einiger Kün- ^ ste durch seine Kinder; die Tyrannei) der Leidenschaften, und die erstaunliche Bosheit des menschlichen Herzens, welches immer geneigt ist, Böses zu thun. Hier sieht man die Nachkommenschaft Sechs, der, ohnerachtet dieser Verschlimmerung, Gott immer getreu bleibt; den from- 987. men Henoch, der auf eine wunderbare Art von ZO17. der Welt genommen ward, die nicht werth war, ihn zu besißen; den Unterschied zwischen den Kindern Gottes und zwischen den Kindern der Menschen, nämlich zwischen denen, die nachdem A 5 Geiste iO Bischof Bossuets Einleitung Jabre der Geiste lebten, und zwischen denen, die nach dem Jahre Welt- Fleische wandelten; ihre Vermischung und dieGeb. allgemeine Verschlimmerung der Welt; den Untergang der Menschen, der durch ein gerechtes Urtheil Gottes beschlossen wird; den göttli- ?5z6. chen Zorn, der den Sündern durch seinen Die- 2468.' ner Noah verkündiget wird; ihre Unbußfertig- keit und Verstockung, welche endlich die Sünd- Z656. fluth bestrafen muß; den Noah und seine Familie, welche zur Wiederherstellung des menschlichen Geschlechtes erhalten werden. Dieses alles hat sich in 1656 Iahren zugetragen. So ist der Anfang aller Geschichte beschaffen, in welchen sich die Allmacht, die Weisheit, und die Güte Gottes entdeckt, und wo man die unter seinem Schutze glückliche Unschuld, seine Gerechtigkeit in der Bestrafung der Verbrechen, und zu gleicher Zeit seine Gedult, die auf die Bekehrung der Sünder wartet; die Größe und Würde der Menschen gleich nach, ihrer Schöpfung; die Gemüthsart des menschlichen Geschlechtes nach seiner Verderbung; die Natur des Neides und der Eifersucht, und die geheimen Ursachen der Gewaltthätigkeiten und der Kriege; kurz alle Gründe der Religion und der Moral wahrnehmen kann. Noah erhielt mit dem menschlichen Geschlechte ldle Künste, sowohl diejenigen, welche zum Grunde des menschlichen Lebens gehören, und welche die Menschen von ihrem Ursprünge an wußten, als auch diejenigen, welche sie seitdem erfunden hatten. Diese ersten Künste, welche die Menschen gleich anfangs und vermuthlich von ihrem Schöpfer in die allgemeine Geschichte, u Jahre der Schöpfer lernten, sind der Ackerbau *, die Hir- IHre Mit. tenkunst die Kunst, sich zu kleiden und Chr. Geh, vielleicht auch die Baukunst. So sehen wir auch, daß diese Künste im Oriente um die Oerter herum, von welchen das j menschliche Geschlecht sich in andre Gegenden ausgebreitet hat, ihren ersten Anfang genommen haben. Die" Epo- Die Sage von einer allgemeinen Sündfluth 2Z48» N-aNerdie findet sich auf der ganzen Erde. Die Arche, Gündfiuth. in welcher sich die Ueberbleibsel des menschlichen Ä Ät" GeschlecktS retteten/ ist zu allen Zeiten im Oriente 1656.' berühmt gewesen, zumal an denen Orten, wo sie nach der Sündflut stille gestanden. In den Jahrbüchern und Sagen der alten Völker werden verschiedene andere Umstände davon angegeben. Die Zeiten treffen ein, und alles stimme so wohl zusammen, als man es von einer Geschichte aus so entfernten alten Zeiten hoffen kann f. Nahe um die Zeit der Sündflut ist die Abnahme des menschlichen Lebens zu setzen. Die Lebensart veränderte sich; an die Stelle der Früchte von der Erde kamen neue Nahrungsmittel; dem Noah wurden bloß von dem Munde ' lBuch.M.N.l5. Ill.17.18.19. IV, 2. - Ebcndas. IV,2. *** Ebend. III, 21. -j- Lews, ekslä. Hitt. Lli. ttleron. ^egyxr. ?Koen° lLK.IVIn2s.Nic. DsmaK. I.XLVI. /.dyä.äsIVleä. er ^ll^r. apuä lolepQ ^nr. I.I. c. 4. er I.I. conr- ^xxion. er Lu5ed. I,. IX. ?raex. Luang. II, kwr. oxu5c. kluzve 5olerr. terr.sn.»^usr, I-ucisn. üe ve» L^r. 12 Bischof Bossuets Einleitung IMe der de Gottes einige Gebote gegeben; die Sprachen Jah«e Welt, wurden bey demBaue des Thurms vonBabel ver-^br. Geb- 1757. wirrt, welcher das erste Denkmal des Hochmuthes 2247. und der Schwache der Menschen war. Um diese Zeit wurde das Erbtheil der Kinder Noah bestimmt, und die Erde zum erstenmale einge- , theilt. Das Andenken dieser drey ersten Stifter der Nationen und Völker ist unter den Menschen erhalten worden. Japheth, welcher den größten Theil des Orients bevölkert hat, ist daselbst unter dem Namen Iapheths berühmt geblieben. Cham und sein Sohn Chanaan sind unter den Aegy- ptiern und Phöniciern nicht weniger bekannt gewesen, und das Andenken Sems hat sich unter dem hebräischen Volke, daö von ihm entsprungen ist, bestandig erhalten. Nimrod, ein wilder und trotziger Mann, wurde kurze Zeit nach dieser Eintheilung des menschlichen Geschlechts durch seine gewaltthatige Gemüthsart der erste Eroberer; und so ist der Ursprung der Eroberungen beschaffen. Er richtete sein Königreich zu Babyl on, an eben dem Orte auf, wo der Thurm angefangen, und schon sehr hoch geführt worden war, ob ihn gleich die menschliche Eitelkeit zu keiner solchen Höhe bringen kön- nen,als sie gewünscht hatte.Ungefähr um diese Zeit wurde Ninive gebauet, und es wurden auch einige andere alte Königreiche aufgerichtet. Sie waren in diesen ersten Zeiten sehr klein, und man findet in dem einzigen Aegypten vier Dynastien oder Herrschaften, die Dynastie von Thcbe, die von Thin, die von Memphiö, und die von Ta- nis, in die allgemeine Geschichte. 15 Jahre der nis, welches die Hauptstadt in Unterägypten Jahre Welt- war. Man kann auch den Anfang der Gesetze^r- Geb und der Policey der Aegypter ihrer Pyramiden, welche noch stehen, und der astronomischen Beobachtungen sowohl dieser Völker, als der Chaldaer 1771. in diese Zeit setzen. So sieht man auch, daß 22ZZ. die Beobachtungen der Chaldaer, welche unstreitig die ersten Sternseher sind, nur bis auf diese Zeiten und nicht weiter zurückgehen; ich meyne die Beobachtungen, welche demCallisthenes zu Babylon für den Aristoteles gegeben wurden Alles fängt erst an; es ist keine einzige alte Geschichte, wo man nicht allein in diesen ersten Zeiten, sondern noch lange Zeit darauf, deutliche Spuren von der Neuheit der Welt wahrnimmt» Man sieht, daß Gesetze gegeben, die Sitten verbessert, und die Reiche der Welt aufgerichtet werden. Das menschliche Geschlecht kömmt nach und nach aus seiner Unwissenheit heraus, die Erfahrung unterrichtet es, und die Künste werden entweder verbessert oder zur Vollkommenheit gebracht. Die Menschen vermehren sich nach und nach; die Erde wird bevölkert, so, daß ein Volk nahe bey dem andern wohnt; man geht über die Gebirge und steilen Höhen; man wagt sich über die Flüsse und endlich über die Meere, und richtet sich neue Wohnungen auf. Die Erde, die im Anfange nichts als ein unermeßlicher Wald war, erhalt eine neue Gestalt; die Walder, welche niedergeschlagen werden, machen den Feldern, den Viehweiden, den * ?gr^Ii^r. zx. 81mj>I, Ubr.ll. äs eoel. »4 Bischof Bossuets Einleitung Iabre der den Dörfern, den Flecken, und endlich den Jahre Städten Platz. Man lernt gewisse Thiere ^-^'^ fangen, und andere zahm und dienstbar machen. Im Anfange hatte man nur die wilden Thiere zu bestreiken. Die ersten Helden suchten sich i» diesen Kriegen hervorzuthun. Diest Kriege halfen den Menschen die Waffen erfinden, die sie nachher gegen ihres gleichen kehrten. Nim- rod, der erste Krieger, und der erste Eroberer, wird in der heiligen Schrift * ein gewaltiger Jäger genannt. Der Mensch, der die Thiere bezähmen lernte, erfand auch die Kunst, den Früchten und Pflanzen ihren wilden und rauhen Geschmack zu nehmen, und sie angenehmer zu machen. Er zwang so gar die Metalle, daß sie zu seinem Ruhen geschmeidig werden mußten, und nach und nach mußte ihm die ganze Natur dienen. Es war natürlich, baß mit der Zeit viele Dinge erfunden wurden; es war aber eben so natürlich, daß mit der Zeit viele andere zum wenigsten bey dem größten Theile der Menschen in die Vergessenheit gebiethen. Daher mußte man sie entweder mit der Zeit wieder lernen, oder es mußten sie diejenigen, welche sie erhalten hatten, andern wieder erzählen. Dieses ist die Ursache, warum man aus den stetsbewohnten Ländern alles herkommen sieht, wo die ersten Gründe der Künste immer ganz blieben, und wo man von Tage zu Tage noch sehr viele wichtige Dinge lernte. Die Erkenntniß Gottes, und das Andenken von der Schöpfung erhielt sich daselbst noch, - !B. Mojl X ,5 in die allgemeine Geschichte. 15 Jahre der noch, wurde aber allmahlig immer schwacher Jahre Welt, schwächer. Die alten Sagen wurden ver-Tbr. G«v. gessen oder verfinstert; die Fabeln, die an ihre Stelle kamen, behielten nur sehr grobe Ideen davon; die falschen Gottheiten vermehrten sich, und dieses war die Veranlassung, daß Abraham von Gott berufen wurde. DiemEpv- Vierhundert und sechs und zwanzig 1921« Der^ Beruf Jahre waren nach der Sündflut verflossen, Abrahams, als die Völker, ein iedes nach seinen Wegen, ^erW^ett^ wandelten, und denjenigen vergaßen, der sie 2vZz. gemacht hatte. Nunmehr wollte dieser große Gott den Fortgang eines so großen Uebels verhindern ^ und fing an, sich mitten aus der Ver- derbniß ein auserwähltcs Volk auszusondern» Abraham ward von ihm ersehen, daß er der Stamm und der Vater aller Gläubigen seyn sollte. Gott berief ihn in das Land Canaan, wo er seinen Dienst aufrichten, und die Kinder dieses Patriarchen wohnen lassen wollte, die er wie die Sterne des Himmels, und wie den Sand am Meere zu vermehren beschlossen hatte. Er versprach ihm, seinen Nachkommen dieses Land zu geben; allein er versprach ihm zugleich etwas, das weit herrlicher war; dieses war der > Segen, der sich in Jesu Christo, welcher auS seinem Saamen herkommen sollte, über alle Völker des Erdkreises ausgebreitet hat. Dieses ist der Jesus Christus den Abraham in der Person des Hohenpriesters Melchisedec ehrte, welcher ihn vorstellte. Diesem gab er den 3«- ' Hebr. VN, »z, «. f. V. !6 Bischof Bossuets Einleitung Jabre der Zehenden von dem Raube, den er den von ihm Jahr- Welt, überwundnen Königen abgenommen hatte, und ^ ^r. Geb. Melchisedec segnete ihn dafür. Abraham besaß unzahlige Reichthümer und eine Macht, die der Gewalt der Könige gleich war, und behielt dabey die alten Sitten. Er lebte schlecht und gerecht, und auf dem Lande; allein dieses Leben hatte auch seine Pracht, die dieser Patriarch vornehmlich durch die Gastfreyheit äußerte, die er gegen alle Menschen ausübte. Der Himmel gab ihm Gaste; die Engel unterrichteten 2148» ihn in den Rathschlüssen Gottes; er glaubte dar- 2856. an, und war beständig voll Glauben und Gottseligkeit. Zu seiner Zeit gründete IvMuS, der Aelteste unter allen Königen, den die Griechen kennen, das Aöni^ich U>Ms. Nach Abraham waren Jsaac sein Sohn, und Jacob, sein Enkel, Nachahmer seines Glaubens, seiner edlen Einfalt und selbst seines Hirtenlebcns. Gott erneuerte ihnen eben die Zusagen, die er ihrem Vater gethan hatte, und regierte sie, wie er ihn geführt hatte. Jsaac segnete den 2245. Jacob zum Nachtheile seines ältern Bruders ^759« Esau, und führte die Rathschlüsse Gottes aus, ob es gleich schien, daß er hintergangen worden. Jacob, welchen Gott in seinen.Schuh nahm, war in allem vortrefflicher, als sein Bruder Esau. Ein Engel, mit welchem er einen ge- hcimnißvollen Streit hatte, gab ihm den Namen Israel; seine Kinder heißen daher Jsraeli- ten. Von ihm wurden die zwölf Patriarchen gezeugt, die Väter der zwölf Stämme des «braischen Volkes; unter andern Levi, von wel- f in die allgemeine Geschichte. 17 Ichceder welchem die Diener im Heiligthume gezeuget Jahre Welt- werden sollten; Juda, aus welchem nebst dem "-^r- Geb. königlichen stamme, Jesus Christus, der König aller Könige, und der Herr aller Herren herkommen sollte, und Joseph, den sein Vater mehr als seine übrigen Kinder liebte. Hier entdecken sich neue Geheimnisse der göttlichen Vorsehung. Unter allen andern Dingen bemerkt man die Unschuld und Tugend des jungen Josephs, die eine Feindinn aller Laster, und, sorgfältig bemüht ist, sie an seinen Brüdern zu unterdrücken. Man sieht hier seine eifersüchtigen Brüder; ihre Eifersucht verursacht bey nahe den 2276. andern Brudermord. Joseph, dieser große Mann 1728. wird verkauft; er bleibt seinem Herren getreu, und wird bey allen Anfällen eines wollüstigen 22L7. Weibes ein bewundernswürdiges Beyspiel der 1717. Keuschheit. Diese Tugend ist Ursache an vielen Verfolgungen, die er leidet; er wird ins Gefängnis; gesetzt, und ist standhaft. Er pro- phezeyt seinen Mitgefangenen ihre Schicksale, und wird auf eine wunderbare Weise errettet. 2289. Er wird durch die Erklärung der Träume des 1715. Pharao berühmc; die Verdienste eines so großen Mannes werden erkannt; sein Geist ist erhaben, und rechtschaffen; Gott beschützt ihn, und laßt 2:98. ihn überall herrschen, wo er ist. Man bewun- 1706» dert seine Einsicht in die Zukunft, seine weisen Rathschläge, seine unumschränkte Herrschaft in dem Königreiche Unterägypten, durch welche sein Vater, Jacob, und seineganze Familie errettet wird. Diese Familie, welche von Gott so sehr geliebt ward, richtete ihre B Woh. 18 Bischof Bossuets Emleituttg 5>«hre der Wohnungen in dein Theile von Acgypten auf, Iah« Welt, dessen Hauptstadt Tanjs_war, und dessen Koni- v- Chr. Geb. 2Z15. alle den Namen Pharao führten. Jacob starb, und kurz vor seinem Tode gab er die berühmte Prophezeyung, in welcher er feinen Kindern den Zustand ihrer Nachkommenschaft, und besonders seinem Sohne Jnda die Zeit des Messias entdeckte, der aus seinem Stamme herkommen sollte. Die Familie dieses Patriarchen wurde in kurzer Zeit ein großes Volk. Diese wunderbare Vermehrung erweckte den Neid der Aegypter; die Hebräer wurden aufcine ungerechte Weise gehaßt, und ganz unbarmher- 24ZZ» zig verfolgt. Gott laßt den Mofes, ihren 1571». Erretter, gebohren werden, errettet ihn aus den Wassern des Nils, und giebt ihn in die Hände der Tochter Pharao. Sie erzieht ihn, als ihren Sohn, und laßt ihn in aller Weisheit der Ae- 2448. gyptcr unterrichten. Um diese Zeit ließen sich 155^ ägyptische Völker an verschiedenen Orten von Griechenland nieder. Die Völkerschaft, welche . lolexb. ^mih. Ubr. VIII, -i. in die allgemeine Geschichte. 25 IMe der Diese Epoche von dem Untergange der Stadt Iahte W-tt. Troja, welcher ohngefähr im 304 Jahre nach v.Chr. G-». dem Auszüge aus Aegypten, und folglich 1164 Jahre nach der Sündfluth erfolgt ist, verdient alle Aufmerksamkeit, sowohl wegen der Wichtigkeit einer so großen Begebenheit, die durch die beyden größten Dichter Griechenlandes und Italiens berühmt gemacht worden ist, als auch aus der Ursache, weil man in diese Zeit alles bringen kann, was in den sogenannten fabelhaften und heroischen Zeiten merkwürdig ist. Diese Zeiten heißen fabelhaft wegen der Fabeln, in welche die Geschichte derselben eingehüllt sind; heroisch, wegen der Helden, welche die Dichter Rinder der Götter und Helden genannt haben. Ihr Leben ist von der Zeit der Einnahme der Stadt Troja nicht weit entfernt. Denn zu den Zeiten des iaomedon, des Vaters des Priamus, sind alle Helden des güldnen Vließes, Jason, Herkules, Orpheus, Castor, und Pollur und die andern bekannten Helden berühmt geworden. Zu den Zeiten des Priamus selbst, wahrend der letzten Belagerung, haben sich Achilles, Agamemnon, Menclaus, Ulysses, Hector, Sarpedon, ein Sohn Jupiters, Aencas, ein Sohn der Venus, welchen die Römer für ihren Stifter erkennen, und so viele andere bekannt gemacht, welche die Vorfahren vieler be? vühmter Hauser und Nationen seyn sollen, die sich eine Ehre daraus machen, von ihnen abzustammen. Diese Epoche ist also geschickt, alles dasjenige zusammen zu fassen, was die fabelhaften Zeiten Gewisses und Schönes an sich haben. B 5 Allein 26 Bischof Bossuets Einleitung IMeder Allein dasjenige, was man in der heiligen Ge- Jahre A^t. schichte bemerkt, ist weit merkwürdiger, beson- Chr- G ders die wunderbare Stärke, und die crstaunli- 2887. che Schwache Simsons: Eli, der wegen seiner 1177» Frömmigkeit so ehrwürdig, und wegen derVer- 2888. brechen seiner Kinder so unglücklich war; Sa- 1176. muel, dieser-untadelhafte Richter und Prophet, 2909» den Gott erwählt hatte, Könige einzuweihen; 1095» Saul, der erste König des Volkes Gottes ; seine Siege, sein Hochmuth, da er ohne die Priester opfern wollte; sein Ungehorsam, den er mit einem Verwände der Religion sehr schlecht entschuldigte ; seine Verwerfung, und sein trauriger Untergang. Um diese Zeit opferte sich Co- drus, der König ^von Athen, dem Tode für das Heil seines Volkes auf, und gewann demselben durch seinen Tod den Sieg über seine Feinde» Seine Kinder, Medon und Nileus, stritten mit einander wegen des Königreiches. Bey dieser Gelegenheit schafften die Athcnicnser die königliche Regierung ab, und erklärten ihren Gott, Jupiter, für den einzigen König des atheniensi- schen Volkes. Sie erwählten sich beständige Statthalter, die aber von ihrer Regierung Rechenschaft ablegen mußten. Diese obrigkeitlichen Personen hießen Archontes. Medon, ein Sohn des Codrus, war der erste, der dieses neue Amt verwaltete, und diese Würde blieb lange bey seiner Familie. Die Athenienscr breiteten ihre Colonicn in dem Theile von Kleinasien aus, welcher Ivnien genannt wurde. Um eben diese Zeit zogen äolische Völkerschaften dahin, und ganz Kleinasien wurde mit griechischen Städten in die allgemeine Geschichte. 27 Iabredcr Städten angefüllt. Nach Säulen erschien Da- Ichre Wett, vid, dichr bewundernswürdige Hirt, der Ueber- v-Chr. Geb. winder des trotzigen Goliath, -und aller Feinde des Volkes Gottes; ein großer König, ein großer Eroberer, eil, großer Prophet, welcher würdig war, die Wunderwerke der göttlichen Allmacht 2970. zu besingen; kurz, ein Mann nach dem Herzen ioz4. Gottes, wie er sich selbst nennt, dessen Verbn- 2990. chen selbst wegen seiner Buße zur Verherrli- 1014. chung der Ehre seines Schöpfers haben dienen müssen. Auf diesen frommen Krieger folgte 2.992. sein Sohn Salomo, ein weiser, gerechter, und 1012» friedfertiger König, dessen Hände, die von Blut rein waren, für würdig geachtet wurden, den Tempel Gottes zu erbauen. Die vEpo- Dieses geschah ungefähr im zvoo Jahre SuK'ino der Welt, im 488sten nach dem Ausgange aus baule^em" ^ZM^, und damit man die heilige Geschichte pe5 mit der weltlichen vereinige, im 180 Jahre nach D^s^scltcr der Einnahme der Stadt Troja, im 2ZOsien ^0OO v^' der Erbauung der Stadt Rom, und tausend Jahre vor Christi Geburt, als Saloino diesen ZO-zi. bewundernswürdigen Tempel vollendete. Er 100z. feycrte die Einweihung desselben mit einer außerordentlichen Frömmigkeit und Pracht. Auf diese herrliche Handlung folgten noch andere Wunder der Regierung des Salomo, die sich mit schimpflichen Schwachheiten endigte. Er überließ sich der Weiberliebe; sein Verstand nahm ab, sein Herze wurde weichlich, und seine Frömmigkeit wurde Abgötterei). Gott/ welcher von einem gerechten Zorne entbrannte, verschonte nur das Gedächtniß Davids, seines Dieners; allein 2Z Bischof Bossuets Einleitung Jahre der allein er wollte die Undankbarkeit dieses Königes Jahre Welt- nicht ganz ungestraft lassen. Er theilte sein "-Wr- Gell. Reich nach seinem Tode, und unter seinem ^029. Sohne, Nehabeam. Der unverschämte Stolz 975» dieses jungen Prinzen war Ursache, daß zehn Stämme von ihm abfielen,die Jerobeam zugleich , von ihrem Gott und von ihrem Könige schied. Er gebot ihnen, aus Furcht, sie möchten wieder zu den Königen Juda umkehren, daß sie in dein Tempel zu Jerusalem nicht opfern sollten; er richtete ihnen goldene Kälber auf, denen er den Namen des Gottes Israels beylegte, damit diese Veränderung ihnen nicht allzufremd scheinen möchte. Aus eben dieser Ursache behielt er das Geseß Mosis bey, das er aber nach seinem Sinne erklärte. Allein er ließ sie doch die ganze Po- licey desselben, sowohl die bürgerlichen, als die gottesdienstlichen Gebräuche beobachten, woher es denn kömmt, daß der Pentateuchus unter den abgesonderten Stämmen immer verehrt worden, und in seinem alten Ansehen geblieben ist". So wurde das Königreich Israel wider das Königreich Juda aufgerichtet. In dem Königreiche Israel siegten die Gottlosigkeit und die Abgötterey. Die Religion wurde in dem Königreiche Juda immer erhalten, ob sie gleich oft Verfinstert wurde. Um diese Zeiten waren die Könige in Aegypten sehr mächtig. Die vier Königreichs desselben waren unter das von Theben zusammen vereiniget worden. Man glaubt, daß »KöüXII.z:. in die allgemeine Geschichte. 29 J-chre der daß Sesostris, dieser berühmte Eroberer der ^ahre Welt. - Aegypter, Sesac, der König von Aegypten ist, v-Chr. Geh. dessen sich Gott zur Bestrafung der Gottlosig- keit des Rehabeam bediente. Unter der Regierung des Abiam ist der Sieg merkwürdig, welchen dieser Prinz wegen seiner Frömmigkeit über die abgefallenen Stämme davon trug. Sein 3087. SohnAssa, dessen Frömmigkeit in der heiligen 917» Schrift gelobt wird / ist daselbst, als ein König beschrieben, der in seinen Krankheiten mehr an die Hülfe der Aerzte, als an die Güte Gottes ZoLo. dachte. Zu seiner Zeit bauete Amri, ein Kö- 924. mg in Israel, Samarien, wohin er den Sitz seines Königreichs verlegte. Auf diefs Zeit 3090. folgte die bewundernswürdige Regierung Jo- 914« saphats, unter der die Frömmigkeit, die Gerechtigkeit, die Schiffahrt, und die Kriegswissenschaft blüheren. Unterdessen da er in seiner 5105. Person dem Reiche Iuda einen andern David 899. zeigte, vereinigten Ahab und sein Weib, Jesabel, die in Israel herrschten, mit der Abgötterey des JerobeamS alle Gottlosigkeiten der Heiden. Sie kamen alle beyde elendiglich um. Gott, der ihre Abgötterey noch erdultet hatte, beschloß, an ihnen das Blut Naboths zu rächen, den sie hatten tödten lassen, weil er sich nach der Verordnung des Gesetzes Mosis geweigert hatte, ihnen seiner Väter Erbe, seinen Weinberg zu verkaufen. Ihr Urtheil wurde ihnen durch den Mund des Propheten Elias gesprochen. Ahab wurde einige Zeit darauf gecödtet, so vorsichtig er auch war, sein Leben zu retten. Um Z107. diese Zeit ungefähr muß die Stadt Karthag o 897. gegrün- zo Bischof Bossuets Cilüeituttg Jahr-der gegründet worden seyn. Dido, welche von Jahre Wett. Tyrus kam, baucte sie nach dem Exenwel dieser^-b. Stadt, an einem Orte, wo sie die Handlung m^sich ziehen, und zur Herrschaft auf der See gelangen konnte. Es ist schwer, die Zeit anzugeben, wo diese Stadt eine Republik wurde; allein die Vermischung der Tyrer und der Afri- cancr machte, daß sie zugleich eine Handelsstadt Zii6. u«d kriegerisch war. Die alten Geschichtschrei- 888. ber, welche ihre Stiftung noch über die Zeit des Unterganges der Stadt Troja hinaussetzen, bringen uns auf die Vermuthung, daß Dido diese Stadt nicht sowohl gegründet, als vielmehr vergrößert und befestigt habe. Im Königreiche Juda gewannen um diese Zeit alle Dinge eil» anderes Ansehen. Athalia, eine Tochter des AHabs und der Jcsabel, brachte die Gottlosigkeit mit sich in das Haus IosaphatS. Ioram, der ZU9. Sohn eines so frommen Königes, wollte lieber 8Li5« seinen Schwiegervater, als seinen Vater nach- > ahmen. Die Hand Gottes war über ihn. Seine Regierung war kurz, und sein Ende schrecklich. Mitten unter diesen Züchtigungen that Gott unerhörte Wunder, selbst zum Vortheile der Jsraeliten, welche er zur Busse rufen wollte. Sie sahen, ohne sich zu bekehren,' die Wunder des Elias und des Elisa, welche unter den Regierungen AHabs und fünf seiner Nachfolger weißagten. Um diese Zeit war Homer *, und dreyßig Jahre vor ihm Hesiodus berühmt. Die alten Sitten, die sie uns . !^^rm. ^l-uncZ. in die allgemeine Geschichte, zi Jahre der uns abbilden, und die Spuren der alten Größe Jahre Welt, Einfalt, die man in ihnen entdeckt, dienen v.Chr. Geb nicht wenig dazu, uns noch weit entferntere alte Zeiten, und die göttliche Einfalt der heiligen Schrift vorstellig zu machen. Um diese Zeit Z120. giengen in den Königreichen Iuda und Israel 884. schreckliche Schauspiele vor. Iesabel wurde aus den Fenstern ihres Schlosses auf Befehl des Jehu heruntergestürzt. Es half ihr nichts, daß sie sich geschmückt hatte; Jehu ließ sie unter die Füße der Pferde werfen. Er ließ den Joram, einen Sohn AHabs, den König von Israel umbringen; das ganze Haus Ahabö wurde ausgerottet, und es fehlte wenig, daß der Untergang desselben nicht auch den Untergang des Hauses der Könige von Iuda nach sich zog» Der König Ahasja, ein Sohn Iorams, des Königes von Iuda, und der Athalia, wurde in Samaria nebst seinen Brüdern, als ein Bundsgenoß und Freund der Kinder AHabs, umgebracht. Sobald diese Nachricht nach Jerusalem kam, beschloß Athalia, alles, was von der königlichen Familie noch übrig war, umbringen zu lassen, ohne selbst ihre Kinder zu schonen, damit sie durch den Verlust aller der Ihrigen sicher regieren könnte. Der einzige JoaS, ein Sohn des Ahasja, der noch ein Kind in der Wiege war, wurde der Wut seiner Großmutter entzogen. Ioseba, die Schwester des Ahasja, und das Weib Jojada, des Hohenpriesters, verbarg ihn im Hause Gottes, und errettete diesen kostbaren Ueberrest des Hauses Davids. Athalia, welche glaubte, daß er mit den andern umgebracht p Bischof Bossuets Einleituilg Mre ber gebracht worden wäre, lebte ohne alle Furcht. Zu Jahre " Welt. Lacedämon gab Lycurg neue Gesetze. Man tadelt Chr. Geb. ihn,daß er sie alle für den Krieg,nach dem Exempel desMinos, eingerichtet hat, dessen Anordnungen «r gefolgt ist *, und daß er zu wenig für die Sittsamkeit und Schalkhaftigkeit der Frauens- Personen besorgt gewesen ist> da er die Männer alle zu einem mäßigen und arbeitsamen Leben angehalten hat. In Juda regte sich wider Achalien n'ichtS; sie glaubte nach einer sechsjährigen Regierung auf ihrem Throne fest zu sitzen. Allein Gott erhielt in der geheiligten Freystatt seines Zi26. Tempels ihren Rächer. Als er sieben Jahre 878. erreicht hatte, so ließ ihn Jojada einigen Heerführern der königlichen Armee sehen, die er sorgfältig auf seine Seite zu bringen gesucht hatte. Die Leviten stunden ihm bey, und er salbte den jungen König im Tempel. Das ganze Volk erkannte, ohne daß cS Mühe kostete, den Erben Davids und Josaphats. Athalia, welche auf den Tumult herbey kam, den Aufruhr zu stillen, ward aus dem Bezirke des Tempels fortgerissen, und empfieng den Lohn, den ihre Verbrechen verdienten. So lang als Jojada lebte, ließ Joas über das Gesetz Mosis halten. Allein nach dem Tode dieses frommen Hohenpriesters wurde er durch die Schmcicheleyen seiner Hof- lcute verderbt, und überließ sich mit ihnen der Z164. Abgötterei). Der Hohepriester ZachariaS, ein 840» . Sohn Jojada, wollte ihn bestrafen; Joas aber ließ - I>Iar. 6e rep. VIII, äe le?, !il».I. ^rillar. äs ?olicic. lid, II. c. A. in die allgemeine Geschichte, Jabre der ließ ihn steinigen, ohne sich an dasjenige zu er- Jahre Welt, innern, was er seinein Vater schuldig war. v-^-Gest. Die Rache- erfolgte kurz darauf. Das folgende Zl6). Jahr wurde JoaS von den Syrern geschlagen, 8Z9. gcricth in Verachtung, und wurde von denSci- nigen umgebracht. Amazias, sein Sohn, der besser war, als er, wurde auf den Thron gefetzt. Z>-79. Das Königreich Israel, welches durch die Sie- 825. ge der Könige von Syrien, und durch die bürgerlichen Kriege ganz entkrafftet war, erholte sich unter der Regierung Jerobeams, des U, wieder/ der frömmer, als seine Vorfahren, war. Ufia, der auch Asaria hieß, ein Sohn des Amazias, regierte das Königreich Juda nicht weni- Zi94. ger rühmlich. Dieses ist der berühmte Usia, Zl gebracht. Ezechias, welcher auf eine so wunderbare Weise errettet worden war, dience mit seinem in die allgemeine Geschichte. 59 ^chre nach seinem ganze» Volke, seinem Gott noch getreuer, Jahre Stadt No? vordem. Allein das undankbare Volk ver- Lbr. Geb. ' gaß nach dem Tode dieses Prinzen und unter 56. seinem Sohne Manasscö seinen Gott, und die 69z» Unordnungen und Verbrechen hausten sich. Zu der Zeit wurde Athen immer mehr und mehr zu 67. einer Republik eingerichtet, und man fing da- 687. selbst an, jahrliche Archonren oder Statthalter zu wählen, unter denen Creon der erste war. ?z. Unterdessen, als in Juda die Gottlosigkeit über- 6zr. Hand nahm, ward unter dem Assarhaddon, dem Sohne des Sanherib, die Macht der assyrischen Könige immer größer, welche Gott an den Juden rächen sollte. Er vereinigte das Königreich Babylon mit dem Ninivitischen, und seine Macht in Großasien kam der Gewalt der ersten Assyrier gleich. Unter seiner Regierung wurden die Cuthecr, assyrische Völker/ die nachher Samaritancr benaiut worden sind, nach 77. Samaria geschickt, dasselbe zu bewohnen *. 677. Diese vereinigten den Dienst des wahren Gottes mit dem Dienste ihrer Götzen, und erhielten von dem Assarhaddon einen Israelitischen Priester, welcher sie in dem Dienste des Gottes die-" ses Landes, oder in den Cerimonicn des Gesetzes Mosis unterrichtete. Gott wollte nicht, daß sein Name in einem Lande, das er seinem Volke gegeben hatte, ganz untergehen sollte, und liest also sein Gesetz zu einem Zeugnisse daselbst **. Allein ihr Priester gab ihnen nichts, als die C 4 Bücher * - Kon. XVII, -4. Esdr. IV, - Kön. XVII, 27. -8. 4O Bischof Bossuets Eittleitllllg ^ahre nach Bücher Mosis, welche die zehn Stämme wah- Jchre StMRvn" '^nd der Zeit ihres Abfallcs beybehalten hatten. ^.Geb. Die Schriften, welche nach der Zeit von den Propheten, die in dem Tempel zu Jerusalem opferten, verfaßt worden waren, wurden bey ihnen verabscheut, und daher kömmt es, daß die Samaritaner nichts, als den Pentateuchus, annehmen. Unterdessen daß Assarhaddon und die Assyrier in Großasien so machtig wurden, fingen die Meder auch an, groß zu werden. Dejoces, ihr erster König, welcher in der Schrift Arpha- xad heißt, erbaute die stolze Stadt, Ecbatana, und legte daselbst den Grund zu einem großen Reiche. Die Meder hatten ihn zur Belohnung seiner großen Eigenschaften auf den Thron geseht, den Unordnungen ein Ende zu machen,, welche die Anarchie bey ihnen verursachte. Sie behaupteten sich unter der Negierung eines so großen Königes, ob sie sich gleich nicht ausbreiteten» Rom nahm auch zu, aber nur allmah- 8z. lig. Unter dem Tullus Hostilius, ihrem drit- 6?r. ten Könige, trug sich der berühmte Streit der Horazier und Curiazicr zu; Aiba wurde überwunden und zerstört, und seine Bürger der sieghaften Stadt einverleibt, welche sich dadurch vergrößerte, und starker machte. RomuluS hatte zuerst dieses Mittel gebraucht, die Stadt zu vergrößern, da er die Sabiner und andre überwundene Völker in Rom ausgenommen hatte. Diese vergaßen es, daß sie überwunden worden waren, und wurden getreue Unterthanen. Rom, welches seine Eroberungen immer weiter in die allgemeine Geschichte. 41 Jahre nach weiter ausbreitete, richtete seine Miliz von Zeit Jahre StadtRvnn^ Zeit besser ein, und es geschah unter dem Chr. Geb, ' Tullus Hostilius, dqß die schöne Kriegsmcht eingeführt wurde, welche hernach das römische Volk zum Ueberwinder des ganzen Erdkreises 84. machte. Das Königreich Aegypten, welches 670. durch seine langwierigen innerlichen Zwistigkci- ten entkräfftet worden war, erholte sich unter dem Psammetichus. Dieser Prinz, welcher sein Glück den Cariern und Joniern zu danken hatte, führte sie in Aegypten ein, das zeither allen fremden Völkern verschlossen gewesen war. Bey dieser Gelegenheit fingen die Aegypter mit den Griechen zu handeln an, und seit der Zeit wird . auch nach dem Zeugnisse des Herodctuö " die ägyptische Geschichte gewisser, welche vorher durch die Künste der Priester mit prachtigen Fabeln vermischt worden. Unterdessen wurden die cnHrischen Könige im Oriente immer furchtbarer. Saosduchin, ein Sohn des Assarhaddon, der in dem Buche Judith Ncbucadnczar genannt wird, überwand den Kö- 97. nig ver Meder, Arpharad, in einer ordentlichen 657. Schlacht. Dieser glückliche Fortgang blähte ihn so sehr auf, dasi er sich vornahm, die ganze Erde unter, seine Bothmaßigkeit zu bringen» 98. diesem Vorhaben gicng er über den Euphrat, 6s6, und verwüstete alles, bis nach Iudäa hin. Die Jüden hatten Gott erzürnt, und sich nach dem Exempel des Manasses der Abgötterey überlassen, mit diesem Prinzen aber auch wieder Buße C 5 gethan. * lleroä Ubr. I. c. 55. 42 Bischof Bossucts Einleitung ^ahrs nach gethan. Gott nahm sie also in seinen Schuß. Jahre StMRvm. Die Eroberungen des NebucadnezarS, und des v.Chr.Geb- ' Holofernes, seines Feldherr«:, wurde:, auf einmal durch die Hand einer Frau aufgehalten. DejoccS, der König der Mcder, war zwar von den Assyriern geschlagen worden, hinterließ aber doch sein Königreich in oem Zustande, das; es unter seinen Nachfolgern wieder zunehmen konnte. ;i2. Unterdessen daß Phraortes, sein Sohn, und 64z. Cyarares, ein Sohn des Phraortes, sich Persien unterwürfig machten, und ihre Eroberungen in Kleinasien bis an die Ufer des Flusses Halys uz. ausbreiteten, führte in JudaaAmmon, ein Sohn 641« des Manasses, eine abscheuliche Regierung» Io- sias, ein Sohn des Ammon, der von seiner Jugend an tugendhaft und gottesfürchlig gewesen war, suchte die Unordnungen wieder gut zu machen, welche durch die Gottlosigkeit der Konige, seiner Vorfahren, verursacht worden waren. Rom, dessen König Ancus MartiuS war, überwand einige lateinische Völker unter seiner Anführung, und fuhr fort, aus seinen Feinden, die eS in seine Mauern einschloß, Bürger zumachen. Die Völker von Vejent, welche schon vom Romu- lus geschwächt worden waren, litten aufs neue sehr 128. viel. Ancus setzte seine Eroberungen bis an das 626- nächste Meer fort, und baute an dem Ausflusse der Tyber eine Stadt, die er Ostia nannte. Um diese Zeit wurde das Königreich Babylon vom Nabopolassar mit Kriege überzogen. Dieser Vcrräther, den Chinaladan, sollst auch Sarac genannt, zum Feldherrn seiner Heere wider den Cyarares, den König der Mder, gemacht hatte, ver- in die allgemeine Geschichte. 4Z «^hre'nuch verband sich mit dem Astyages, dem Sohne Jahre MM Rommes CyaxareS, nahm den Chinaladan in Ninive^. G ' gefangen, zerstörte diese große Stadt, welche so lange Zeit die Beherrscherinn des Orients gewesen, und seßce sich ans den Thron seines Herrn. Unter einem so herrschsüchtigen Könige wurde Babylon stolz. Judaa, dessen Gottlosigkeit immer größer wurde, hatte alles izo. zu befürchten. Der heilige König, Josias, 624, hielt durch seine tiefe Demüthiglmg vor Gott eine kurze Zeit die Strafe auf, die sein Volk verdient hatte. Allein das Uebel wurde unter der Regierung seiner Kinder immer größer. 144. Nebucadnezar, der II, folgte seinem Vater, Na- 610. 147. bopolassar, und war viel schrecklicher, als er. 607» Dieser Prinz, der im Hochmuthe erzogen, und bestandig im Kriege geübt worden war, machte erstaunliche Eroberungen im Oriente und im Occidente, und Babylon drohte aller Welt, sie in die Sclaverey ,zu stürzen. Seine Drohungen giengen in Ansehung des Volkes Gorres bald in ihre Erfüllung. Jerusalem wurde diesem stolzen Uebcrwinder überlassen, der diese Stadt zu dreycnmalen einnahm; das erstemal im Anfange seiner Regierung, und im vierten Jahre der Regierung des Iojakim. Von dieser Zeit fangen die siebzig Jahre der babylonischen Gefangenschaft an, welche Ieremias vor- 155. her verkündigt hatte. Das andremal wurde 599» ^Cap^8' Jerusalem unter dem Jcchonias, oder Jojachin, ^ ' dem Sohne Jojakims, eingenommen; das 156. drittemal unter dem ZedekiaS, wo die Stadt 598> von Grund aus zerstört, der Tempel zu Aschen ver« 44 Bischof Bossuets Einleitung ^n?üe nach verbrannt, und der König mit dem Saraja, dem sichre Ettdr Rvm. Hohenpriester, und dem besten Theile des Volkes v. Chr-Geb. ' nach Babylon gefangen geführt wurde. Die Vornehmsten unter den Gefangenen waren Ezechiel und Daniel. Man zahlet auch unter sie die drey jungen Manner, welche Nebucadnezar nicht zwingen konnte, seine Bildseule anzubeten, und welche auch in dem feurigen Ofen unversehrt blieben. Griechenland blühte, und die sieben Weisen machten dasselbe berühmt. Einige Zeit i6o. vor der letzten Zerstörung Jerusalems gab So- 594. lon, einer von den sieben Weisen, den Athenien- sern Gesetze, und gründete die Freyheit auf die i?6» Gerechtigkeit. Die Phoceenser aus Jonien s?8. führten ihre erste Colonie nach Marseille. Tar- qvin, der Aeltere, König in Rom, beschloß seine Regierung, nachdem er einen Theil von dem Toscanischen unter das Joch gebracht, und die Stadt Rom mit prächtigen Gebäuden ausge- , ziert hatte. Zu seinen Zeiten bemächtigten sich 188. die Gallier unter der Anführung des Bellovesus s66. in Italien aller Gegenden um den Po, unterdessen daß Segovesus, sein Bruder, einen andern Haufen dieses Volkes tief nach Deutschland hinein führte. Servius Tullius, der Nachfolger des Taravinius, führte die Census, oder diejenigen Abtheilungen des römischen Volkes, ein; nach welchen alle Bürger in gewisse Classen vertheilt wurden, und diese Stadt so ordentlich, als eine einzige Familie, eingerichtet ward. Nebucadnezar suchte die Stadt Babylon , welche sich mit dem Raube der Stadt Jerusalem und des Orientes bereichert hatte, so herrlich in die allgemeine Geschichte. 45 «Mre nach lich zu machen, als möglich war *. Allein sie -lahre StMRM 'br Glück nicht gar lange. Dieser Kö-»- ^r.Gel'. ' nig, welcher sie mit so vieler Pracht ausgeschmücket 192» hatte, sah bey seinem Tode den nahen Fall dieser 562. so prächtigen Stadt voraus. Sein Sohn, Evilmerodach, der sich durch sein Schwelgen verhaßt machte, regierte nicht lange, und wurde ^94' durch den Neriglossor, seinen Schwager, um- 560. gebracht, der sich des Königreiches bemächtigte. Pisistratus maßte sich zu Athen der obersten Gewalt an, die er dreyßig Jahre lang zu behaupten wußte, ob sich gleich die Umstände der Zeiten oft änderten. Er überließ dieselbe auch noch seinen Kindern. Neriglossor konnte die Macht der Meder nicht ertrage»/ die im Oriente immer größer wurden, und kündigte ihnen den Krieg an. Astyages, ein Sohn des Cyarares, des l, starb, da er mit den Zurüstungen, ihm zu widerstehen, beschäfftigt war, und überließ die Führung dieses Krieges dem Cyarares, dem II, seinem Sohne, welcher vom Daniel Darius aus Meden genannt 195. wird. Dieser ernannte zum Feldherrn über 5s9» seine Heere den Cyrus, einen Sohn der Mandant, seiner Schwester, und des Cambyses, des Königes der Perser, der seinem Reiche unterwürfig war. Der Ruf, den sich Cyrus erworben hatte, als er sich unter dem Astyages, seinem Großvater, in verschiedenen Kriegen hervorgethan, vereinigte die meisten Könige des Orients zc>6. unter die Fahnen des Cyarares. Er nahm den 548- König der Lydier in seiner Hauptstadt gefangen, und , " ^b)'ä. sxuü Luled. libr.III. xrsex. LusnZ c.ulr. 46 Bischof Bossuets Einleitung Jabr« nach und bediente sich der unzähligen Reichthümer Iqhre I^b. der desselben. Er demüthigte die'andern Bundes- "-Chr. Gel». 2li. genossen der Könige von Babylon, und erstreckte 54z. feine Herrschaft nicht allein bis nach Syrien, 216. sondern bis über ganz Kleinasien. Endlich 5-?^ zog er gegeil Babylon. Er nahm diese Stadt ein, und machte sie dem Cyarares, seinem Oheime, .unterwürfig, welcher sowohl von seiner Treue, als von seineu Thaten gerührt wurde, und ihm seine einzige Tochter und Erbinn zur Gemahlinn gab. 217. Daniel, welcher schon unter den vorigen Regie- zz?» rungen verschiedener himmlischer Erscheinungen gewürdigt worden war, in welchen er die offenbarsten Zeichen von so vielen Konigen und Reichen gesehen hatte, lernte wahrend der Regierung des Astyages durch eine neue Offenbarung die berühmten siebzig Wochen, in welchen die Zeiten Jesu Christi, und die Schicksale des jüdischen Volkes, so wohl bezeichnet worden . sind. Dieses waren siebzig Iahrwochcn, welche 49V Jahre enthielten. Diese Art zu rechnen war tinter den Juden so gewöhnlich, dasi sie das siebente Jahr, sowohl als den siebenten Tag, mit einer heiligen Ruhe feyerten. Kurze Zeit nach 218. diesem Gesichte starb Cyarares, wie auch Cain- 5z6. byses, der Vater des Cyrus. Dieser große König, der ihnen nachfolgte, vereinigte das zeit- her so unberühmte Reich der Perser mit dem Reiche der Medcr, das durch seine Eroberungen so sehr vergrößert worden war. Er war also der ruhige Besitzer des ganzen Orientes, und siifftete das größte Reich, das noch in der Welt gewesen ist. Man muß aber zum Verstände unserer in die allgemeine Geschichte. 47 Jahre nach unserer noch folgenden Epochen merken, daß Jahre A d große Eroberer in dem ersten Jahre seines v- Chr.Grl'- -".a om. ^ Wiedererbauung der Stadt Rom, und der Einführung der Juden in Iudaa, die nöthigen Befehle gab. Bey dieser Stelle müssen wir ein wenig stills stehen, weil dieser Theil in der ganzen alten Chronologie wegen der Schwierigkeit, die hellige Geschichte mit der weltlichen zu vereinigen, der verwirrteste ist. Sie werden ohne Zweifel schon bemerkt haben, Nlonseigneur, daß dasjenige, was ich vom Cyrus erzählt habe, sehr von demjenigen unterschieden ist, was sie im Justin gelesen haben; daß dieser Geschichtschreiber nicht von dem andern assyrischen Königreiche, auch nicht von den berühmten assyrischen und babylonischen Königen redet, welche in der heiligen Geschichte so bekannt sind; daß endlich meine Erzählung mit demjenigen wenig zusammenstimmt, was uns dieser Schriftsteller von den drey ersten Monarchien erzählt; von der Monarchie der Assyrier, welche sich in der Person des Sardanapalusgeendigt; von derMonarchie der Meder, welche in der Person des Astyages, des Großvaters des Cyrus, aufgehört; und von der Monarchie der Perser, welche unter dem Cyrus ihren Anfang genommen, und durch Alerandern, den Großen, ihre Endschaft erreicht hat. Sie können zu dem Justin den Diodor, und die meisten andern griechischen und lateinischen Schriftsteller setzen, deren Werke uns übrig geblie- » 48 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach geblieben sind, und die diese Geschichten auf Iöhre Erb der xj^ andere Art, als ich, erzählet haben. »- ^. Geb. vlaor^om. dcn Cyruö anbetrifft, so sind die weltlichen Geschichtschreiber in seiner Geschichte nicht einig. Ich habe aber geglaubt, Ursachen dazu zu haben, daß ich dem Tenophon und dem heiligen Hieronymus, mehr als dem Ctesias, einem fabelhaften Schriftsteller, folgte, den die Griechen abgeschrieben haben, wie solches Justin und die andern Lateiner mit den Griechen gemacht. Ich habe dem Tenophon auch lieber folgen wollen, als dem Hcrodotus, der sonst ein sehr scharfsinniger und genauer Geschichtschreiber ist. Die Geschichte des Tcnophons, welche mehr an einander hangt, und au sich selbst wahrscheinlicher ist, hat mich zu dieser Wahl bewogen. Sie hat vor andern Geschichten auch diesen Vorzug, daß sie mit der heiligen Schrift einstimmiger ist, die wegen ihres Alterthumes, und wegen der Verwandschaft der jüdischeil Angelegenheiten mit den andern Begebenheiten des Orients, allen griechischen Geschichten vorgezogen zu werden verdiente, wenn man auch nicht wüßte, daß sie durch den heiligen Geist eingegeben worden wäre. Was die drey ersten Monarchien anbelangt, so ist dasjenige, was die meisten unter den Griechen davon geschrieben haben, den verständigsten und weisesten Leuten Griechcnlandes selbst zweifelhaft vorgekommen. Plato ^ zeigt überhaupt unter dem Namen der ägyptischen Priester, daß die Griechen in den Alterthümern überaus unwissend gewesen: und Aristoteles hat * eiuo in l'im. dieje- in die allgemeine Geschichte. 49 Jahre nach djejenigen,wc!che von der asiyrischenGeschichtc ac- Jahre R'dtRom^ schrieben haben,unter die Fabelhänse gezählt »- Cbr.Geb. Was die Griechen später geschrieben haben, um Griechenland, welches immer sehr neugierig war, durch alte Historien zu belustigen, haben sie nach sehr unordentlichen und verworrnen Nachrichten verfaßt, und sich bcgnügr,dieselben in eine angenehme Ordnung zu bringen, ohne sich sehr um die Wahrheit zu bekümmern. Und gewiß die Art, wie man diese drey ersten Monarchien ordnet, ist offenbar fabelhaft. Denn nachdem man unter dem Sardanapal das assyrische Reich zu Grunde gehen läßt, so bringt man die Meder auf die Schaubühne, und darauf die Perser, als wenn das Reich der Meder auf die ganze Gewalt der Assyrier gefolgt wäre, und als wenn die Perser ihr Reich aufdie Ruinen des Medischen erbaut hatten. Es ist im Gegentheile gewiß, daß Arbaceö, welcher die Meder gegen den Sardanapal empörte , dieselben bloß bcfreyte, ohne ihnen das assyrische Reich unterwürfig zu machen. Hero- dorus ^, dem darinnen die geschicktesten Zeitrechner nachfolgen, führt ihren ersten König, Dcjoces, erst fünfzig Jahre nach ihrem Aufruhre auf; überdieß ist es durch das einstimmige Zeugniß dieses großen Geschichtschreibers und des Tenophons von andern itzt nicht zu reden, ganz gewiß, daß wahrend den Zeiten, die man dem medischen Reiche zuschreibt, in Assyrien Könige gewesen sind, vor welchen sich der ganze Orient * ^Mocel. ?o!ll!c. V, !->. lleroäor. lilz. I. c. 26. 27. *" tlervä. Ub.I. Xenop!,. Lyrox. V. VI hq. D 5O Bischof Bossuets EittleitUttg Jahre nach Orient fürchtcte,und deren Reiche CyruS durch die Jahre Eta?R^ Einnahme der Stadt Babylon ein Ende machte. ^ ^ Wenn also die meisten unter den Griechen, und unter den Römern, die den Griechen gefolgt sind, nicht von diesen babylonischen Königen reden; wem» sie diesem großen Reiche unter den Monarchien, deren Folge sie erzählen, keinen Rang geben; wenn wir endlich in ihren Werken nichts von den berühmten Königen, Tiglath- xilassar, Salmanassar, Senharib, Ncbucad- uezar, und von so vielen andern antreffen, die doch in der heiligen Schrift und in den orientalischen Geschichten so berühmt sind: So muß man solches entweder der Unwissenheit der Grieche«?/ die in ihren Erzählungen zwar beredt, aber in ihren Nachforschungen nicht sorgfältig genug gewesen sind, oder dem Verluste desjenigen zuschreibe!» , was noch in ihren Geschichte»» am richtigsten untersucht und bestimmt gewesen ist. Herodotus * hatte in der That eine besondere Geschichte der Assyrier versprochen, die wir nicht haben; es sey nun entweder, daß sie vcrlohrcn gegangen ist, oder daß er nicht Zeit gehabt hat, sie zu verfertige-». Und man kann glauben, daß ein so scharfsichtiger Geschichtschreiber die Könige des andern assyrischen Reiches nicht vergessen haben würde, weil so gar Senharib, der einer von diesen Königen ist, in seinen Büchern, die wir noch von ihn» haben, als ein König der Assyrier und der Araber genennt wird Strabo, welcher zu den Zeiten des Augustus lebte, erzählt dasjenige, was MegastheneS, ein alter Schriftsteller um die Zeiten des großen Aler- " i5erm!> lib. I. c. -S, 47. lleroä, lib. II. c. StaVtNvm. in die allgemeine Geschichte. 51 ^Me nach Alexanders, von den berühmten Eroberungen Jahre AZ^' Nebucadnezars, des Königes der Chaldäer/- ^r. Geb. schriftlich hinterlassen hat, den er durch Europa mit seinen Heeren gehen , nach Spanien durchdringen, und mit seinen sieghaften Waffen bis an die herkulischen Seulen kommen laßt Aelian ** nennet den Thilgamus einen König von Assyrien, welcher ohne allen Zweifel der Thilgath oder Tiglath der heiligen Geschichte ist. Wir finden in dem Ptolomäus eine Reihe von Prinzen, die über große Reiche geherrscht haben, unter denen man eine lange Reihe assyrischer Könige sieht, die den Griechen unbekannt gewesen sind, und sich leicht mit der heiligen Schrift vereinigen lassen. Wenn ich dasjenige, was uns die Jahrbücher der Syrier, cinBerosus, einAbydenus, einNi- colaus von Damascus berichten, alles erzählen wollte, so würde ich viel sagen können Jose- phuS/ uud Eusebius von Cäsarien haben uns die kostbaren Ueberbleibsel von allen diesen Schriftstellern, und von einer unzahligen Menge noch anderer Geschichtschreiber erhalten, die man zu, ihren Zeiten noch ganz hatte. Ihr Zeugniß bekrafftigt dasjenige auch, was uns die heilige Schrift von der alten orientalischen, und besonders von der alten assyrischen Geschichte sagt. Was die Monarchie der Meder anbelangt, welcher die meisten weltlichen Geschichtschreiber in der Reihe der großen Reiche den andern Rang D 2 ein- * 8rrzdo lid. XV. ^eUsn. Uli.XII. bM. znim, c. -r. lolexk. ^nriczinr. libr. IX, c. ulc. X> c.-> Ub. k conrr, /^p^>. Luleb. xraex, LvsnZ, IX. / 52 Bischof Bossuets Eitlleitung Jahre nach einräumen, und welche sie von der persischen t.MN?m. Monarchie absondern, so ist es gewiß, daß die v-Lhr. Geb heilige Schrift beyde immer zusammensetzet, und sie sehen wohl, N7onseigneur, daß außer dem Ansehen der heiligen Bücher bloß die Ordnung und Folge der Begebenheiten zeigt, man müsse sich in diesem Stücke nach der heiligenSchrist richten. Obgleich die Meder vor dem CyruS schon gewaltig und furchtbar waren, so wurde doch ihre Macht durch die Größe der babylonischen Könige verdunkelt. Allein als Cyrus durch die vereinigte Macht der Meder und Perser, über welche er nachher durch eine rechtmäßige Nachfolge, nach dem Berichte Tenophons, geherrscht hat, das Königreich der Babylonicr erobert hatte, so ist es offenbar, daß dieses große Reich, dessen ^>tifftcr er gewesen ist, seinen Namen von beyden Nationen erhalten müssen. Das Reich der Meder, und das Reich der Perser sind also uur eins, obgleich der Ruhm des CyruS den Namen des persischen Reiches vor dem andern vorzüglich gemacht hat. Mail kann mich denken, daß die Könige der Meder vor dem babylonischen Kriege bey den Griechen sehr berühmt worden sind, weil sie ihre Eroberungen in Kleinasien bis an die Gegenden der griechischen Pflanzstädte ausgebreitet haben. Diese haben ihnen folglich die Herrschaft über Großasien zugeschrieben, weil sie unter allen orientalischen Königen nur die Könige der Meder kannten. Unterdessen sind die Könige von Ninive und Babylon, welche machtiger, als jene, den Griechen aber unbekannter waren, in allen in die allgemeine Geschichte. 55 Jahre nuck allen griechischen Geschichten, die uns übrig sind, Jahre Et-idlRml^^^'' worden, und man hat alle diejenige^br. Geb-. 'Zeit, welche zwischen dem Sardanapal, und dem Cyrus verflossen ist, den Medern allein zugerechnet. Man braucht es also nicht, sich so viel Mühe zu machen, um in diesem Stücke die weltliche Geschichte mit der heiligen zu vereinigen. Denn was das erste Königreich der AsHrier anbelangt, so sagt die heilige Schrift nicht mehr, als ein Wort, und dieses nur im Vorbeygehen, davon, und nennt weder den NinuS, den Stiffter dieses Reiches, noch einen einzigen von seinen Nachfolgern, den Phul ausgenommen; aus der Ursache, weil ihre Geschichte mir der Geschichte des Volkes Gottes nichts gemein hat. Was die Könige des andern assyrischen Reiches betrifft, so haben die meisten Griechen entweder gar nichts von ihnen gewußt, oder weil sie dieselben nicht genug gekannt haben, sie mit den ersten vermengt. Wenn man also wider meine Erzählung der assyrischen Reiche diejenigen unter den griechischen Schriftstellern anführen will, welche die drey ersten Monarchie!, nach ihrem Gutdünken anordnen, und welche die Medcr auf das alte aMische Reich folgen lassen, ohne des neuern zu gedenken, welches nach der heiligen Schrift so machtig gewesen ist: So darf man nur antworten, daß ihnen der Theil dieser Geschichte nicht bekannt sey, und daß sie denen Schriftstellern ihrer Nation, welche sich am sorgfältigsten um die Geschichte bekümmert, und D z die 54 Bischof Bossuets Einleitung I-chre »ach die getreuesten Nachrichten gehabt haben, nicht ^-chre SüwtRcm ^^er, als der heiligen Schrift, entgegen ^^-^ ' ^ sind. Man darf nur sagen, um alle Schwierigkeiten aufcinmal zu heben, daß die heiligen Schriftsteller, so wohl was die Zeit, als was die Lage der Ocrter betrifft, den orientalischen Königreichen näher gewesen sind. Sie schrieben die Geschichte eines Volkes, deren Begebenheiten in die Begebenheiten dieser großen Reiche eingeflochten waren; wenn sie also auch außer diesem Vorzüge keinen andern hatten, so müßten sie Ansehen genug haben, die Griechen und Lateiner, welche den Griechen gefolgt sind, zum Stilleschwcigcn zu bringen. Wenn man sichs auch allenfalls vorsetzt, die berühmte Folge der drey ersteil Monarchien zu behaupten; wenn man den Medern die babylonischen Könige unterwürfig machen will, damit die Meder allein den ihnen eingeräumten Rang unter den Monarchien behalten sollen; wenn man aber zugleich zugesteht, daß die Assyrierungefähr nach hundert Jahren sich durch einen Aufruhr von der Herrschaft der Meder frey gemacht haben: So rettet man zwar auf einige Weise die Ordnung der heiligen Geschichte; allein man ist mit den besten weltlichen Geschichtschreibern nicht einstimmig, mit welchen die heilige Schrift besser zusammenstimmt, indem sie das Reich der Meder, und der Perser stets mit einander vereiniget. Es ist noch eine Ursache der Dunkelheit in den alten Geschichten übrig, und diese Ursache will in die allgemeine Geschichte. 55 Jahre nach will ich ihnen, Monseigneur, entdecken. Die .Jahre StÄio? o"mMschm Könige hatten die Gewohnheit,^r.TeK ' verschiedene Namen, oder wenn sie eine andere Benennung verlangen, verschiedene Titel anzunehmen/ die nachher die Stelle ihrer eigenen Namen vertraten, und vvn den Völkern nach den verschiedenen Mundarten einer ieden Sprache unterschiedlich überseht, oder au6gcst>rochen wurden. Dadurch haben die alten Geschichten, von denen wir so wenig gute Nachrichten übrig ha- " bcn, nothwendig sehr verdunkelt werden müssen. Die Vermengung der Namen hat ohne Zweifel zur Vermischung der Sachen und der Personen selbst viel beygetragen. Daher kömmt die Mühe, die man hat, die Könige, welche den Namen Asverus, oder AhaSveruS geführt haben, in die griechische Geschichte zu ordnen. Denn dieser Name ist den Griechen so unbekannt, als erden orientalischen Volkern bekannt gewesen ist. Wer sollte in der That glauben, daß CyaxareS rben derselbe Name, als Asverus oder Ahas- vcruS seyn sollte? CyararcS ist aus dem Worte Zxy, welches einen Herrn bedeutet, und aus dem Worte Axares, zusammengesetzt, welches augenscheinlich auf Axverus oder Asverus hinauslauft. Drey oder vier Prinzen haben diesen Namen geführt, ob sie gleich auch noch andere Namen gehabt haben. Wenn man nicht gewiß wüßte daß Nabuchodonosor, Nebucadnezar, und Nabocolassar nur ein Name, oder nur der Name eines einzigen Königes gewesen sey, so wür- _ de man es schwerlich glaubm. Unterdessen ist die Sache doch gewiß» Sargon ist Sanherib; D 4 Ozias 56 Bischof Bossuets Einleitung lahre noch Ozias ist ?lsarja; Zedekias ist Mathanias; Ichr- Sl«tt Rom ^^^^ b»cß auch Sellum; Asarhaddon, des- »> E^'. EeS. 'sei, Namen man bald Esarhaddon, bald Assor- haddan ausspricht, wird bey den Cucheern* Ase- naphar genennt, und man findet, daß die Griechen dem Sardanapalus einen wunderlichen Namen, Tonos Loncoleros,, dessen Ursprung man nicht weis, gegeben haben. Man könnte ein großes Vcrzeichniß orientalischer Könige machen, deren ieder in der Geschichte mehrere verschiedene Namen geführt hat; allein es ist genug, wenn man nur überhaupt von dieser Gewohnheit unterrichtet ist. Diese Gewohnheit ist den Lateinern nicht.unbekannt, unter welchen sich die Namen auf mancherley Weise vervielfältigt haben , bald durch die Titel, bald dadurch, daß einige in andere Familien an Kindes statt aufgenommen wurden. So sind die Titel, Au- gustus, und Africanus eigne Namen des Cäsars O mvianus, und der beyden Scipionen geworden , und ein Nero hat den Namen Cäsar geführt. Die Sache ist außer allem Zweifel, und eine noch längere Untersuchung derselben ihnen, Monseigneur, unnüß. Ich habe die Absicht nicht, ihnen in der Folge mit chronologischen Schwierigkeiten beschwerlich zu seyn, die ihnen sehr entbehrlich sind. Die gegenwärtige aber war von der Wichtigkeit, daß sie erläutert zu werden verdiente. Nachdem ich ihnen also dasjenige gesagt habe, was zu unserm Vsrhaben hinlänglich ist, so komme ich wieder auf die Folge unserer Epochen. ^ Es * Esdra lv, in die allgemeine Geschichte. 57 Jahre im» Es waren also 218 Jahre nach der Erbauung Jahre ^er Erb^ der d^. Stadr Rom, 5Z6 Jahre vor Christi Ge-V. Chr-Geb. Die VIIIE- burt, und die 70 Jahre der babylonischen Gc- C runder ^»genschaft verflossen, als Cyrus, welchen Gott ;z6» das jüdische zum Befreyer seines Volkes und zum audern der^babuv- Stifftcr seines Tempels ersehen hatte, in eben Nischen'Ge- dem Jahre, wo er das Reich der Perser grün- 6' Al"c?der ^^'^ ^" ^'^^ ^^'^ ^"^'^ ' Wett. ^ Zeit nach der Bekanntmachung seines Befehls 218. führte Zorobabel,den Iesus,oder Josua,ein Sohn Iosedcchs, der Hohepriester,bcgleitete, die Gefan- 219. geneil zurück, welche den Altar wieder aufbau- 555. ten, und den Grund zum ersten Tempel legten. Die Samaritcmer * wel6)e auf ihre Ehre neidisch waren, wollten an diesem großen Werke Theil nehmen, und baten den Zorobabel, daß er ihnen erlauben möchte, den Tempel Gottes mit ihnen wieder aufzubauen. Der Vorwand ihrer Bitte war dieser, daß sie den wahren Gott Israels anbeteten, da sie doch mit dein Dieilsie Gottes den Dienst ihrer falschen Götzen verei- - nigten. Allein die Kinder Juda, welche diesen vermischten unreinen Gottesdienst verabscheuten, verwarfen ihren Vorschlag. Die Samarita- ner wurden dadurch aufgebracht, und suchten das Vorhaben der Juden durch alle Arten von Kunstgriffe und Gewaltthätigkeiten rückgäiigig zu 22,1, machen. Ungefähr um diese Zeit faßte Ser- W» vius Tullius den Entschluß, die Stadt Rom in eine Republik zu verwandeln, nachdem er sie vergrößert hatte. Er wurde mitten unter diesen Gedanken nach den Anschlagen seiner Tochter, D 5 und * Esdra lV,-.z. 53 Bischof Bossucts Einleitung ^ial're niul) und auf den Befehl des TarcwiniuS, des Hochmü- Jahre StadMom^bigen^ Die- v- Chr. Geb. 'ser Tyrann bemächtigte sich des Königreiches, in welchem er eine lange Zeit mancherley Gewaltthätigkeiten verübte. Unterdessen nahm das Reich der Perser immer mehr zu ; außer den gewaltigen ProvinzenGroßasiens gehorchte ihnen gan-Klein- asien; die Syrer und die Araber wurden ihnen un- 229. tcrwürsig gemacht,uüd Aegypten.welcheS auf seine 525» Gesetze so viel hielt, mußte doch von den Persern Gesetze annehmen. Cambysee, der Sohn des Cy- rus, eroberte dieses Reich. Dieser viehische König 2^2. überlebte den Smerdes, seinen Bruder, nicht 522» lange, den er nach einem zweydeutigcn Traume von ihm umbringeil lassen. Der Magier, Smerdes, regierte einige Zeit unter dem Na- 2zz. men des Smerdes, des Bruders des Camby- 5Z1. ses; allein sein Betrug wurde bald entdeckt. Die sieben vornehmsten Herren des Königreiches verschworen sich wider ihn, und einer von ihnen wurde auf den Thron gcsetzt. Dieses war Darius, ein Sohn des Hystaspes, welcher in seinen Aufschriften der beste und wohlgebildete- sie unter den Menschen hieß *. Man kann ihn nach verschiedene!? Merkmalen für den Ahasverus halten, von dem das Buch Esther handelt, ob gleich nicht alle Gelehrten darinnen einstimmig sind. Im Anfange seines Reiches wurde der angefangene Tempelbau zu Ende gebracht, nachdem derselbe von den Samari- tcmcrn zu verschicdenenmalen gestört und unterbrochen worden war Nunmehr entstund unter » lleroä. Kbr> IV. c-159 ESdM V, 6- in die allgemeine Geschichte. 59 Jahre »ach unter diesen Völkern ein uiwersöhnlicher Haß, Jahre ZtMRvm Jerusalem und Samaria waren die größten Chr. Geb. ' Feinde. Um diese Zeiten erhielten Rom lind Athen ihre Freyheit, und der Ruhm Griechen- 24l» landes fing an, groß zu werden. Harmcdius SlZ, und Aristogiton, beyde Athenienser, besreyten ihr ^and vom Hipparchus, dem Sohne des Pi- sistrarus, und wurden durch seine Wache» umgebracht. Hippias, ein Sohn des Hipparchus, versuchte es umsonst, sich zu behaupten; er wurde verjagt. Die Tyrannei) der Pisistratiden, 5lo» - 244» oder der Familie des Pisistratus, war ganzlich aufgehoben. Die befreyten Athenienser richteten ihren Befreyern Bildseulen auf, und stellten die republikanische Negierungsart wieder her. Hippias warf sich in die Arme des Darius, den er schon geneigt fand, die Eroberung Griechen- iandes zu unternehmen; er gründete also alle seine . Hoffnung nur noch ans den Schliß dieses Königes. Um die Zeit, da er verjagt wurde, ver- 245- jagte Rom seine Tyrannen auch. Tarqvin,der 509. Hochmüthige, hatte durch seine Gewaltthätigkeiten die königliche Regierung verhaßt gemacht; die Unkeuschheit des SextuS, seines Sohnes, war an dem völligen Untergailge derselben schuld. Die veruuchrte ^ucretia ermordete sich selbst; ihr Blm und die Reden des Brutus brachten die Römer auf. Die Könige wurden verbannt, und die Regierung der Consuln nach den Projectcn des Servius Tullius eingeführt; allein ihr Regiment wurde durch den Neid des 'Volkes bald geschwächt. PubliuS Valerius, sein Consul, her wegen seiner Siege berühmt X 6v Bischof Bossuets Einleitung Iabre nach ist, wurde seinen Bürgern gleich in seinem er- ^ahre RadtR°m ste" Consulate verdächtig. Man mußte, um v.Chr.Geb. 'sie zu befriedigen, ein Gesetz geben, nach welchem es erlaubt war, in allen Rechtshändeln, in welchen es darauf ankam, daß ein Bürger bestraft werden sollte, von dem Senate, und den Consuln an das Volk zu appelliren. Die verjagten Tarquinier fanden Beschüßer; die benachbarten Könige sahen ihre Verbannung als eine Schmach an, durch welche alle Könige beleidigt worden wären, und Porsenna, der König der Clusier, eines hetrurischen Volkes, er- 247. griff die Waffen wider Rom. Als die Stadt 5^7» beynahe auf das Aeußersts gebracht war, und bald eingenommen worden wäre, wurde sie durch die Tapferkeit des Horatius CocleS noch erhalten. Die Römer thaten Wunder für ihre Freyheit ; Scävola, ein junger Bürger, verbrannte seine Hand, weil sie den Porsenna verfehlt hatte; Clelia, ein junges Frauenzimmer, sehte durch ihre Kühnheit diesen Prinzen in Erstaunen. 254' Porsenna ließ die Römer in Ruhe, und dis 5^0, Tarquinicr blieben ohne Hülfe. Hippias, für welchen sich Darius erklärte, hatte bessere Hoffnung, in Athen wieder empor zu kommen. Ganz Persien gerieth zu seinem Vortheile in Bewegung, und Athen wurde mit einem großen Krie- 261. ge bedroht. Unterdessen daß Darius mit den 493» Zurüstungen dazu beschäfftigt war, wäre Rom, welches sich gegen seine Feinde so gut vertheidigt hatte,beynahe durch sich selbst untergegangen. Der Neid erwachte wieder zwischen dem Senate und dem Volke. Die Gewalt der Consuln schien hem m die allgemeine Geschichte. 6l Jahre Nach dem Volke, welches stark auf seine Freyheit Jahre der Erb. der hielt, immer noch allzua.roß ;u seyn, ob sie V.Chr. G 6^"""'gleich durch das valerische Gesetz schon ge- mäßigt worden war. Das Volk zog sich auf den aveminischen Berg; gewaltsameAnschläge waren vergebens, und das Volk konnte nicht anders, als durch die friedlichen Vorstellungen des MencniuS Agrippa wieder besänftigt werden. Man mustte Mäßigungsmittel treffen, nnd dem Volke Zunftmeister geben, welche sie wider die Consuln vertheidigen könnten. Das Gesetz, welches diesen neuen Magistrat verordnete, wurde das geheiligte Gesetz genannt, und durch dasselbe entstunden die Tribunen oder Zunftmeister des Volkes. DariuS war endlich gegen Griechenland losgebrochen. Sein Schwiegersohn, Mardonius, welcher aus Asien herausgegangen war, glaubte, die Griechen durch die Menge seiner Soldaten zu überwältigen ; allein Miltiades schlug diese unzähligen Heere mit zehntausend Mann in den marathonischen Ge- 264. silden. Rom überwältigte alle seine Feinde 490. um sich herum, und schien niemanden, als sich selbst, zu fürchten zu haben. Coriolan, ein eifriger Patricius, und der Größte unter seinen Heerführern, wurde, unangesehen seiner Dienst?, ste, durch die Partey des Volkes aus Rom ver- 489. 266. wiesen, und sann nunmehr auf den Untergang 488. seines Vaterlandes. Er führte die Volftier gegen Rom, brachte die Stadt auf das Aeusierste, und konnte nur durch seine Mutter noch besänftigt werden. Griechenland genoß die Ruhe nicht 62 Bischof Bossmts Einleitung Ias>re »ach nicht lange, die ihm die gewonnene marathom- 2. Sie schickten Abgesandten dahin, die Gesetze der 452» griechischen Städte, und vornehmlich die Gesetze der Stadt Athen aufzusuchen, die dem Zustande ihrer Republik am gemaßesten waren. Nach diesem Muster verfaßten das folgende Jahr in die allgemeine Geschichte. 67 Jahre nach Jahr zehn unumschränkte obrigkeitliche Pcrso- Jahre A Tm^nen, die man unter dem Namen der Zehn-v.Chr. Geb. StadtRvm. ^. ^. /-^ ^ ..?->^-7 manner erwählte, die Gesetze der zwölf Laseln, ^ ' - welche der Grund des römischen Rechtes sind. 304« Das Volk, welches über die Billigkeit erfreut 450. war, womit diese Gesetze verfaßt wurden, ließ es zu, daß sich die Zehnmanner der obersten Gewalt bemächtigten, der sie sich auf eine sehr Z05. tyrannische Art bedienten. Damals entstunden wegen der Unenthaltsamkeit des Avpius Clo- diuS, eines von den Zehnmannern, und wegen des Mordes der Virginia große Bewegungen in Rom. Ihr Vater hatte sie lieber mir seiner eignen Hand umbringen, als sie der Leidenschaft des Appius überlassen wollen. Das Blut dieser andern Lucrctia weckte das römische Volk auf, und die Zehnmanner wurden verjagt. Unterdessen daß die Gesetze der Römer unter der Regierung der Zehnmanner nach und nach in Ordnung gebracht wurden, schafften EsdraS, ein Lehrer des Gesetzes, und Nehemias, der Führer des Volkes Gottes, das kürzlich in Judaa wieder in Aufnehmen gekommen war, die Mißbrauche ab, und ließen das Volk über das Gesetz Mosis halten, das sie selbst zuerst beobachteten Einer der vornehmsten Artikel ihrer Reformation war dieser, daß sich das Volk, und vornehmlich die Priester, anheischig machen mußten, die fremden Weiber zu verlassen, die sie wider das Verbot des mosaischen Gesetzes genommen hatten. Csdras brachte die heiligen Bücher in Ordnung, die er sorgfaltig und genau durch- E 2 gierig, * Nchem. XIII. 5 Buch Most XXIII, z. 68 Bischof Bossuets Einleitung Fakire nach gieng, und sammelte die alten Nachrichten von ^ahre StM Rvm'^" Volke Gottes, um die zween Bücher der v.C'hr.Geb. ' Chronika daraus zu verfertigen. Er setzte die Geschichte seiner Zeiten hinzu, welche hernach von dem Nehemias zu Stande gebracht wurde. Mit diesen Büchern end'gct sich die lange Geschichte, welche Moses angefangen hatte, und die folgenden Geschichtschreiber ununterbrochen bis auf die Wiederherstellung der Stadt Jerusalem fortgesetzet haben. Der Rest der heiligen Geschichte ist nicht in eben der Folge beschrieben worden. Unterdeß daß Esdras und Nehemias den letzten Theil dieses großen Werkes ausarbeiteten, sing Herodotus an zu schreiben, welchen die weltlichen Schriftsteller den Vater der Geschichte nennen. So treffen die letzten Verfasser der heiligen Geschichte mit den ersten Urhebern der griechischen Geschichte zusammen, und da diese anfing, so begriff die Geschichte des Volkes Gottes, wenn man nur von den Zeiten Abrahams zu rechnen anfängt, schon fünfzehn Jahrhunderte in sich. Herodorus hat sich nicht darum bekümmert, in seiner Geschichte, die er nachgelassen hat, von den Jüden zu reden, und die Griechen brauchten nur von den Völkern unterrichtet zu werden , die ihnen der Krieg, oder die Handlung, oder ihr großes Ansehen bekannt machte. Judäa, welches sich kaum von seinem Falle zu erheben anfing , zog ihre Aufmerksamkeit nicht auf sich. In diesen unglücklichen Zeiten geschah es, daß die hebräische Sprache aufhörte, gemein und bekannt zu seyn. Die Juden lernten wahrend ihrer Ge- in die allgemeine Geschichte. 69 ^chre nach Gefangenschaft und darauf wegen ihres Umgcm- Jahre der Erb. der i)en Cbaldaern die Sprache dieses Vol-Ehr. G Stadt Rom. ^ ^ ><- /-< 7O Bischof Bossuets Einleitung Ichrcnach Zwistigkeiten. Diese beyden Völker, welche ^Mre RadtRom'^'^'lch aufeinander waren, theilten sich in v.Chr. Geb. z2^. ganz Griechenland. Pericles, ein Athenienser, 4Zl» fing den peloponeslschen Krieg an, in welchem sich Theramenes, Thrasibulus, und AKibia- ' des, alle Athenienser, sehr berühmt machten. Brasidas, und Mindares^ Lacedämonier, star- ben in diesem Kriege, da sie für ihr Vaterland stritten. Dieser Krieg dauerte sieben und zwanzig Jahre, und endigte sich zum Vortheile der Lacedämonier, welche den Darms Nothus, den Sohn und Nachfolger des Darius, auf ihre Z5v. Seite gebracht hatten. Lisander, welcher über 404» die Seemacht der Lacedamonier gesetzt war, nahm Athen ein, und änderte die Regierung. Allein Persicn empfand bald, daß es die Lacedä- monier hatte zu machtig werden lassen. Sie 4.01. unterstützten den jungen Cyrus in seinem Aufstande wider seinen ältesten Bruder, den Arta- xerres, den Sohn und Nachfolger des Darius , der wegen seines vortrefflichen Gedächtnisses , Mnemon genannt wurde. Dieser junge Prinz, welcher durch seine Mutter, Parisatis, aus dem Gefängnisse und vom Tode errettet worden war, dachte auf Rache, gewann die persischen Landvoigre durch seine unendlichen Annehmlichkeiten, gieng durch Kleinasien, und bot dem Könige, seinem Bruder, in dem Herzen seines Königreiches eine Schlacht an, verwundete ihn mit eigner Hand, und kam durch seine Vermessenheit um, da er sich allzufrüh für den Ueberwinder hielt. Die zehntausend Griechen , welche in seinen Diensten waren, bewert- m die allgemeine Geschichte. 7l ^ahre nach wcrkstelligtcn den erstaunliche«, Rückzug, bey Jahre StMAv? welchem noch gegen das Ende Xenophon, die- v.Chr. G«b ' ser große Philosoph und Feldherr, 'Anführer war. Er hat auch selbst die Geschichte dieses Rückzuges geschrieben. Die Laccdämonier fuhren fort, das persische Reich anzugreifen. Agesi- Z)8. laus setzte dasselbe in Kleinasien in Furcht und zZ6« Schrecken; allein die Zwistigkeiten Griechen- landeö nöthigten ihn, in sein Land zurückzukehren. Um diese Zeit wurde die Stadt der Ve- jenter, welche beynahe so ansehnlich und be- z6o. rühmt, als die Stadt Rom war, nach einer zy^ zehnjährigen Belagerung, und nach verschiedenen Abwechselungen des Kriegsglückes, von den Römern unter der Anführung des CamilluS eingenommen. Seine Großmuch verhalf ihm noch zu einer Eroberung. Die Falisker, die er belagerte, ergaben sich ihm, weil sie davon gerührt worden waren, daß er ihnen ihre Kinder zurückschickte, die ihm ihr Lehrer vcrrätherisch zugeführt hatte. Rom wollte nicht mit Verrathereyen überwinden, noch sich die Niederträchtigkeit eines Treulosen zu Nutze machen, der den Gehorsam einer unschuldigen kleinen Jugend misbrauchte. Kurze Zeit darauf fie- z6z. len die Gallier, die an der Seine wohnten, zy>. in Italien ein, und belagerten Clusium. Die Römer verlohren die berühmte Schlacht bey 364« Allia wider sie. Ihre Stadt wurde eingenom- 390. men und verbrannt. Unterdessen, daß sie sich im Capitol vertheidigte«,, brachte CamilluS, den sie verwiesen hatten, ihre Umstände wieder in ein E 4 glück- 72 Bischof Bossucts Eillleituilg ^>ibre nach glücklichers Ansehen Die Gallier blie- ^sahie R.IRvm' be" sieben Monat- lang Meister von Rom, und "-Är. Seb. ' begaben sich endlich mir Raube beladen hinweg, als sie durch andre Angelegenheiten anderswohin genöthigt wurden. Indem die griechischen ZLZ. Awisrigkeiten noch dauerten, that sich Epami- Z71. nondaö von Theben, sowohl durch seine Billigkeit und Mäßigung, als auch durch seine Siege, hervor. Man hat von ihm angemerkt, daß cr sich das Gesetz gemacht, niemals, mich nicht einmal im Scherze, zu lügen. Seine großen Thaten geschahen in den letzten Iahren des Mnemon, und in den ersten der Regierung des Ochus. Unter einem so große-, Feldherrn siegten die Thebaner, und die Macht der Lace- damonier wurde gcdemürhiget. Die Macht Z95. der macedonischcn Könige nahm mit dem Phi- Z59. lippus, dem Vater des großen Aleranders, ihren Anfang. Ob sich ihm gleich Ochus und Ar- ses, sein Sohn, beyde Könige von Pechen, widersetzten; obgleich die Beredsamkeit des De- mosthenes, eines mächtigen Vertheidigers der Freyheit, seine Absichten noch mehr zu verhindern suchte: So machte sich dennoch dieser siegreiche Prinz binnen zwanzig Jahren ganz Griechenland unterwürfig, indem ihm die Schlacht bey Charonca, die er wider die Athenicnser und ihre Bundsgenosscn gewann, die unumschränkte 416. Gewalt über sie gab. In dieser berühmten ZZ8. Schlacht, wo er dieArhenieuser überwand, harte er die Freude, zu sehen, wie sein Sohn, Alexander, der erst achtzehn Jahre alt war, die ?ol) d. Udr. I c. 6; Ubr. II <» 18, 2:. thcba- m die allgemeine Geschichte. 75 <-Mre „ach thcbanischen Völker, die noch unter dem Epa- Jahre Stad^n ""nondaS Dienste gerhan, und besonders die °-^r- G ^ ^ 'geheiligte Schaar, welche man die Freunde hieß, und die sich für unüberwindlich hielt, übern Hausen warf» Da er also Meister von Griechenland war, und durch einen Sohn von so großer Hoffnung unterstützt wurde, so gieng er mit größern Absichten um, und sann auf den Untergang der Perser, gegen welche er mm obersten und allgemeinen Feldherrn erklärt wurde. Allein ihr Untergang war dein Alex- 417. ander seinem Sohne vorbehalten» Mitten Z57. unter den Feyerlichkeiten emer neuen Vermahlung wurde Philippuö vom Pausanias, einem jungen Menschen aus einem guten Hause, uin- gebracht, weil er ihm nicht Gerechtigkeit hatte wie- z^6. Verfahren lassen. BagoaS, ein Verschnittener, tödtete in eben dem Jahre den Arses, König von Persten, und setzte an seine Statt den Darms CodomannuS, einen Sohn des ArsameS, auf den Thron. Er verdient wegen seiner Tapferkeit, daß man die Meynung, welche ohnedicß die wahrscheinlichste ist, für wahr annehme, welche ihn aus der königlichen Familie herkommen laßt. Also fingen zween muthige Könige, Darius, ein Sohn des Arsames, und Ale>. ander, ein Sohn des Philiopus, ihre Regierung zu gleicher Zeit an. Sie sahen einander mit einem neidischen Auge an, und schienen dazu gebohreir zn seyn, daß sie sich die Herrschaft der Wclc streitig machen sollten. Allein Alerander wollte erst sein Reich befestigen, ehe er es unternahm, - mit seinem Nebenbuler einen Streit anzufangen. E 5 Er 74 Bischof Bossuets Einleitung IabrenochEr rächte den Tod seines Vaters, demü- Jahre Ä Nöthigte die rebellischen Völker, welche seine«-Chr. Geb. 419. Jugend verachteten, schlug die Griechen, die sich vergebens bemühten, sein Joch abzuwerfen , und verwüstete Theben, wo er nichts, als das Haus und die Abkömmlinge des Pin- dars verschonte, dessen Oden Griechenland be- 420. wunderte. Nach so vielen glücklichen Unter- ZZ4' nchmungen zog er mächtig und siegreich an der 421. Spihe der Griechen wider den DariuS aus, ZZZ» 42z. überwand ihn in drey ordentlichen Schlachten, W. 424. zog in Babylon und Susa ein / zerstörte Per- ZZv» 427. sepolis , den alten Hauptsitz der persischen Kö- Z27. nige, setzte seine Eroberungen bis nach Indien 4Zo. jvrt, und starb zu Babylon in seinem drey und Z24. dreyßigsten Jahre. 421. Zu seiner Zeit erregte Manasscs, ein Bru- Zzz. der des Hohenpriesters, JadduS, unter den Jüdcn Uneinigkeiten. Er hatte die Tochtev des Sanaballat, eines Samaritancrs, den DariuS zum Landvogte dieses Landes gemacht hatte, zur Ehe genommen. Ehe er dieser Fremden den Scheidebrief geben wollte, wozu ihn der hohe Rath zu Jerusalem und sein Bruder, Jaddus, antrieben, so nahm er lieber die sa- maritanische Secte an. Verfchiedne Jüden, welche einem gleichen Tadel entgehen wollten, gesellten sich zu ihm. Von der Zeit an beschloß er, einen Tempel bey Samaria auf dem Berge, Garizim, zu bauen, den die Samaritaner für gesegnet halten, und wollte sich zum Hohenpriester dieses Tempels machen. Sein Schwiegervater, welcher bey dem DariuS in großem Ansehen 422. 5" in die allgemeine Geschichte. 75 Jahre nach Anseben stund , versicherte ihn des Schußes Jahre SMtR-m!'d> Prinzen, und die Folgen waren noch v.Chr.Geb. glücklicher. Alexander wurde machtig; Sana- M. ballat verließ seinen ehmaligen Herrn, und führte dem Ucbcrwinder Völker zur Belagerung der Stadt TyruS zu. Folglich erhielt er alles, was er wollte; der Tempel auf dem Berge Ga- rizim wurde gebaut, und der Ehrgeiz des Ma- nasses befriedigt. Die Juden blieben unterdessen den Persern bestandig getreu, und versagten dem Alexander die Hülfe, die er von ihnen verlangte. Er gieng auf Jerusalem mit dem Entschlüsse los, sich zu rächen; allein er änderte sich bey dem Anblicke des Hohenpriesters , der ihm mit allen Opferpriestern in ihren Amtskleidungen, und mit dem ganzen Volke entgegen kam, welches weiß gekleidet war, und vor den Priestern vorangieng. Man zeigte ihm die Prophezeyungen, in welchen seine Siege vorherverkündigt wurden; diese waren die Weissagungen Daniels. Er gestund den Juden alle ihre Bitten zu, und sie blieben ihm eben so getreu, als sie den Königen in Pcrsien getreu geblieben waren. Unter diesen Eroberungen führten die Römer Z26. mit den Samnitern, ihren Nachbaren, Krieg, 325. und hatten erstaunliche Mühe anzuwenden ehe Z24. sie sie überwältige» konnten, ungeachtet der Tapferkeit und der Anführung des Papirius Cursor, eines ihrer berühmtesten Feldherren. Nach dem Tode des Alexanders wurde sein Reich getheilt. 324. Perdiccas, Ptolomäus, ein Sohn des Lagus, Antipater, und sein Sohn, Cassandcr, mit einem 428. 429. 4Z^> 4?o. 76 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach nem Worte, alle seine Feldherren, die in den Jahre Um Rom' Waffen unter einem so großeil Eroberer aufge- ^r.Gcl.. wachsen waren, giengen darauf um, sich durch die Gewalt der Waffen die Herrschaft zuzueig- 4Zo. neu. Sie opferten ihrem Ehrgeize die ganze Z24. Familie des Alexanders, seinen Bruder, seine 4Z6. Mutter, seine Gemahlinnen, seine Kinder, und zi8. 4Z8. so gar seine Schwestern auf; man sah nichts zi6. 444. als blutige Schlachten, und schreckliche Empö- zio» 445. rungen und Veränderungen. Mitten unter die- 509. sen Unordnungen befreyten sich verfchiedne Völker in Kleinasien, und in den benachbarten Ländern, und stifteten die Königreiche, PontuS, Bi- thynien, und PergamuS. Die Güte des Landes machte sie hernach reich und machtig. Armenien warf zu eben der Zeit das Joch derMa- ccdonier ab, und wurde ein großes Königreich. Die beyden MithridateS, Vater und Sohn, stif- 4Zi. reten das Königreich, Cappadocien. Allein, die zsz. beyden mächtigsten Monarchien, welche dazumal 442. entstunden, waren die Aegyptische, welche Ptolo- Z12. mäus Lagus stiftete, von dem die Lagidcn herkommen, und die Monarchie von Asien oder Syrien, welche SeleucuS aufrichtete, von dein die Seleuciden ihren Namen haben. Diefe begriff, außer Syrien, die weitläufigen und reichen Provinzen Oberasiens, welche das Reich der Perser ausmachten, und also erkannte der ganze Orient die Herrschaft Griechcnlcindes, und lernte seine Sprache. Griechenland selbst war von den Feldherren Alexanders, des Großen, unterdrücket. Macedom'en, sein altes Königreich, welches dem ganzen Oriente Herren gab, war ein Raub des Ersten / des Besten, der über dasselbe in die allgemeine Geschichte. 77 Jahre nach selbe kam. Die Kinder des Cassanders jagten Jahre Stadt Nv?' das andre aus diesem Königreiche. Pyr-^l'r. Geb. ^458. rhus, der König der Epiroter, welcher einen 296. Theil davon eingenommen hatte, wurde vom Demetrius Poliorcetes, einem Sohne des Anti- 460. gonus, daraus vertrieben ; diesen vertrieb Lisima- 294. chuS, und den Lisimachus vertrieb Seleucus. Se- 465« leucuö aber wurde vom Ptolomäus CeraunuS, den 289« 468. Ptolomaus, der Erste, aus Aegypten vcrjagthatte, 28b. 473. als von einem Verräthcr, unangesehen aller seiner 281. 474. Wohlthaten gegen ihn, umgebracht. Dieser Treu- 280. lose hatte Macedonien kaum übersatten, als er von den Galliern angegriffen ward, und in ei- 475« ner Schlacht, die er ihnen lieferte, umkam. 279. Sie waren wahrend der Unruhen im Oriente in Kleinasien unter der Anführung ihres Königes, BrennuS, eingerückt, und setzten sich in Gallo- gracien, oder Galatien fest, welches nach ihrem Namen also genannt wurde. Von da fielen sie in Macedonien ein, verwüsteten dieses Königreich, und machten sich so furchtbar, daß 476. ganz Griechenland vor ihnen zitterte. Allein ihr 278. Kriegsheer kam bey der frevelhaften Unternehmung wider den Tempel zu Delphos um. Diese Nation regte sich zwar wieder, war aber überall unglücklich*. Einige Jahre vor der Begebenheit 28z. vor Delphos wurde«, die Gallier in Italien, welche durch ihre beständigen Kriege, und ihre ösrern Siege das Schrecken der Römer wurden, von den Samnicern, Brutiern und Herru- skern wider die Römer gereizt. Sie trugen im Anfange einen neuen Sieg davon; allein sie schändeten die Ehre dieses Sieges damit, daß * eohb. Udr. II c. :o. sie 7tt Bischof Bossuets Eillleitung Jahre nach sie die römischen Gesandten umbrachten. Die Jahre RadtRom. ^mer wurden aufgebracht, zogen gegen sie,»-^r. Geb. schlugen sie, überzogen ihre Lander, legten eine Pflanzstadt daselbst an, schlugen sie noch zweymal, unterwarftn sich einen Theil der Gallier, und zwangen den andern, um Frieds zu bitten. 477. Nachdem die Gallier im Oriente auö Griechen- 277. land vertrieben worden waren, so nahm Anti- gonuS GonataS, ein Sohn des DemctriuS Poliorcetes, welcher seit zwölf Jahren in Griechenland herrschte, Macedonien mit leichter,. Mühe ein. Pyrrhus hatte an andern Orten zu 474- thun. Als er aus diesem Königreiche vertrie- 280. ben worden war, so hoffte er, seinen Ehrgeiz durch die Eroberung Italiens befriedigen zu können, wohin er von den Tarentinern gerufen worden war. Die Schlacht, in welcher die Römer sie und die Sabiner überwunden hatten, lies; ihnen keine andre Hülfe übrig. Er trug über die Römer Siege davon, welche sie dem 47Z. Untergange sehr nahe brachten. Die Elephan- 279. ten des PyrrhuS setzten sie in Erstaunen; allein der Consul, Fabricmö, zeigte den Romern bald, daß Pyrrhus überwunden werden könnte. Der König und der Consul wollten einander den Vor- . zug in der Großmuth streitig machen. Pyrrhus gab dem Consul alle römischen Gefangnen ohne Lösegeld zurück, weil der'Krieg, wie er sagte, nicht mir Gelde, sondern mit dem Schwerdte 476. geführt werden müßte. FabriciuS schickte dem 278. Könige seinen treulosen Arzt zurück, welcher gekommen war, und sich anerboten hatte, den König, seinen Herrn, zu vcrgifften. ^ Um in die allgemeine Geschichte. 79 Iobre nach Um diese Zeiten fing die Religion der Juden Jahre a„ unter den Griechen ausgebreitet und bekann- v. Chr. Geb. «tMRvm. ^ ^ <Ä >s < <- ter zu werden. Dieses Volt, welchem von den Konigen in Syrien wohl begegnet wurde, lebte nach seinen Gesehen ganz ruhig» Antiochuö, der Gott benamt, ein Enkel des Seleucus, vertheilte sie in Kleinasien, wo sie sich bis nach Griechenland ausbreiteten, und überall eben die Rechte, und eben die Freyheiten genossen, welche andre Bürger hatten *. Ptolomaus, ein Sohn des Lagus, hatte ihnen schon in Aegypten einen beständigen und sichern Aufenthalt gestattet. 477« Unter seinem Sohne, dem PtolomauS Phila- 277. delphus, wurden die heiligen Schriften ins Griechische übersetzt, und man sah die berühmte Uebersetzung zum Vorscheine kommen, welche unter dem Namen der Übersetzung der siebzig Dollmetscher bekannt ist. Diese waren weise Greise, welche Eleazar, der Hohepriester, dem Könige schickte, der sie verlangt hatte. Einige behaupten, daß diese nichts als die fünf Bücher Mosis übersetzt haben sollen Der übrige Theil der heiligen Schriften ist vielleicht in der folgenden Zeit ins Griechische zum Gebrauche derer Juden übersetzt worden, die in Aegypten und in Griechenland zerstreut waren, wo sie nicht allein ihre alte Sprache, das Hebräische, sondern auch das Chaldaische vergaßen , welches sie in der Gefangenschaft gelernt hatten. Sie machten sich selbst eine griechische Spra- " lokpk. ^ntl^u XII,,. lolexli. ^miyu. lilir. I c. Iz Itdr. XII. c. 2. 8O Bischof Bosstttts Einleitung ^ahre nach Sprache, die mit Hebraismen vermengt war, Jahre ^s.^;^ welche man den hellenistischen Dialekt nennt. v.^Geb. ^"°"^'"'Die siebzig Dolmetscher und das neue Testament sind in dieser Mundart geschrieben *. Während dieser Zerstreuung der Juden war ihr Tempel auf der ganzen Erde berühmt, und alle Könige im Oriente schickteil ihre Opfer dahin. . Der Occident war unterdessen auf den AuSgang des Kriegs der Römer mit dem Pyrrhus aufmerksam. Endlich wurde dieser König durch 47?» den Eonsul CuriuS geschlagen, und gieng wieder 275. - nach Epirus zurück. Er blieb daselbst nicht lange ruhig, und wollte sich wegen des schlimmen Fortganges seiner Waffen in Italien an Mace- 480. donieu erholen. Antonius Gonatas wurde in 274. Thessalonich eingeschlossen, und genöthigt, dem Pyrrhus den übrigen Theil seines Königreiches 482. Preis zu geben. Er faßte aber unter der Zeit 272« wieder Muth, da Pyrrhus, welcher immer unruhig und ehrgeizig war, mit den Lacedamoniern und Argivern einen Krieg anfing. Die beyden feindlichen Könige wurden zu gleicher Zeit von zwo verfchiednen Parteyen durch zwey verschiedene Thore in Argos eingelassen. In der Stadt fing sich ein blutiger Streit an; eine Mutter, welche sah, daß Pyrrhus ihren Sohn verfolgte, der ihn verwundet hatte, warf einen Stein auf diesen * Dieses wird von vielen Gelehrten bestrittm. Man sehe davon nach: 8a1mailum in tunere er oi- tile^io linguie lielleniiricse; ^nron.LI.i-clclvzUuln in auÄor. tzcr. clail'. rom. I p. 2 c, 2. kteirerum in crirlc. llicr. v.78,79; er kadric. IZibliocli. (Iraecum übr^ IV c, 5. Der Uevers in die allgemeine Geschichte. 8l ^ahre noch diesen Prinzen, und zerschmetterte sein Haupt. Als Jahre der Erb. der Antigonus eines solchen Feindes los worden war, v> Chr. Geh Stadt Rom. ^ er wieder nach Macedonien, in dessen Besitze seine Familie nach einigen Veränderungen ungestört blieb. Der Bund der Achäec verhinderte ihn, daß seine Macht nicht zunehmen konnte. Dieser war die letzte Zuflucht der griechischen Freyheit, und sie war es, welche die letzten griechischen Helden, den Aratus, und Philopömcn ' hervorbrachte. Die Tarentiner, welche PyrrhuS immer noch in der Hoffnung seiner Hülfe erhalten hatte, riefen nach seinem Tode die Carthagmen- ser zu ihrem Beystande. Dieser Beystand half ihnen nichts; denn sie wurden mit den Brutiern und Samnitern, ihren Bundsgenossen, geschlagen. Diese wurden endlich gezwungen, nachdem der Krieg sieben und zwanzig Jahre gewährt hatte, sich unter die römische Herrschaft zu begeben. Tarent folgte ihnen kurz darauf nach; die benachbarten Völker hielten es mit den Römern nicht aus, und also wurden alle alten Völker Italiens unter das Joch gebracht« Die Gallier, welche sehr oft geschlagen worden waren, wagten es nicht, einige Bewegung zu machen So waren die Römer endlich, nachdem sie 48c) Jahre lang Krieg geführt hatten, Meister in Italien, und fingen an, über die Angelegenheiten außer Italien ein Auge zu haben. Sie fingen an, die Carthaginenser zu beneiden, welche in ihrer Nachbarschaft durch die Eroberungen , die ihnen in Sicilien glückten, allzumächtig wu» * ?ohd. z;i,r. I, F / 82 Bischof Bossuets Einleitung ^ahre nach wurden. Aus Sicilien unternahmen sie es ^ahre 8adtRvm! so gar, ihre Macht über sie und über Italien aus-Chr. M., ' zubreiten, indem sie den Tarentinern benstunden. Die Republik Czrrhago hatte die beyden Küsten des mittelländischen Meeres in ihrer Gewalt. Ihre Herrschaft gieng beinahe über ganz Africa, und breitete sich auch durch die Meerenge nach Spanien zu aus. Da sie die Herrschaft über das Meer und die Handlung hatte, so waren ihre Kriegsheere in den Inseln, Corsica, und Sardinien, ausgestiegen, und hatten sich derselben bemächtigt. Sicilien konnte sich schwerlich vertheidigen, und die Gefahr bedrohete Italien allzunahe, als daß sich dasselbe nicht hätte fürchten 49^» sollen. Daher kamen die punischen Kriege, un- 264. geachtet der Vergleiche, welche von beyden Theilen schlecht beobachtet wurden. Der erste puni- sche Krieg lehrte die Römer, zur See streiten. 494. Sie waren gleich das erstemal Meister in einer 26«. 495> Kunst, die sie nicht kannten, und der Consul 259. 498» Duillius, welcher den Carthaginensern die erste 256» Seeschlacht lieferte, gewann sie. Regulus behauptete diesen Sieg, und landete in Africa, wo cr mit der berühmten wunderbaren Schlange zu streiten hatte, lind sein ganzes Kriegsheer gegen sie gebrauchen mußte. Alles wich seiner Macht; Carthago, welches schon zum Aeußersten gebracht worden war, ward nur noch durch den 499» Beystand des Tantippus, eines Lacedamoniers, 255» erhalten. Der römische Feldherr wurde geschlagen und überwunden; allein seine Gefangenschaft hat ihn weit mehr verherrlicht, als seine Siege. Er wurde auf sein Wort zurückgesandt, die in die allgemeine Geschichte. 8z Jahre nach die Auswechselung der Gefangenen zu treiben, -lahre A Erb. der u„d behauptete im Rathe das Gesetz, welches v-Thr. Gel'. ' denen alle Hoffnung benahm, die sich gefangen nehmen ließen, und kehrte zu einem gewissen Tode zurück. Zween erschreckliche Schiffbrüche nöthigten die Römer, den Carthaginensern die Herrschaft zur See von neuem zu überlassen. Der Sieg blieb unter diesen beyden Völkern lange Zeit zweifelhaft, und die Römer wollten schon zu weichen anfangen; allein sie ergänzten ziZ. ihre Flotte wieder. Eine einzige Schlacht that 241« den Ausschlag, und der Consul, Lutatius, endigte den Krieg. Carthago wurde gezwungen, zinsbar zu werden, und nebst Sicilien alle Inseln, welche zwischen Sicilien und Italien liegen, fahren zu lassen. Die Römer gewannen diese ganze Insel, dasjenige ausgenommen, was Hiero, König zu Syracusa, ihr Bundesgenoß, davon besaß. Nach gcendigtem Kriege wäre Carthago durch den Aufstand seiner Kriegsvölker beynahe ganz zu Grunde gegangen *. Sie hatten, wie es ihre Gewohnheit war, fremde Völker in den Sold genommen; diese machten ihre ganze Armee aus, und empörten sich wegen des Soldes, der ihnen lange nicht gereicht worden war. Ihre grausame Herrschaft war Ursache, daß sich mit diesen rebellischen Völkern beynahe alle übrigen Städte ihres Reiches vereinigten, und Carthago, welches ganz eng eingeschlossen und belagert war, wäre ohne den Hamilcar, der mit dem Zunamen 5l6» Barcas hieß, verlohren gewesen. Er allein 2Z8. hatte den letzten Krieg unterstützet. SeineBür- F 2 ger - kohl,. Üb. I c. 6, 6z; libr. II c. -. 84 Bischof Bossuets Einleitung -Mre nach ger hatten ihm auch den Sieg zu danken, den sie Jahre A ^ über die Rebellen davon trugen. Dieser Sieg Chr. Geb- ^ ""''kostete ihnen Sardinien, welches der Aufruhr ihrer Besaßungen den Römern öffnete *. Aus Furcht, sich mit ihnen in einen neuen Krieg zu verwickeln, trat Carthago wider seinen Willen eine so wichtige Insel ab, und vermehrte seinen Tribut. Die Republik war darauf bedacht, ihre Herrschaft in Spanien, welche durch den Aufruhr erschüttert worden war, wieder her- 524. zustellen; Hamilcar gieng mit seinem Sohne, 2Z^> Hannibal, welcher neun Jahre alt war, nach dieser Provinz hinüber, und starb daselbst in einer Schlacht. In den neun Jahren, in welchen er daselbst den Krieg mit Klugheit sowohl, als mit - Tapferkeit führte, bildete sich sein Sohn unter ^ einem so großen Feldherrn aus, und faßte zu gleicher Zeit einen unversöhnlichen Haß gegen die Römer. Sein Verwandter, Hasdrubal, wurde seinem Vater zum Nachfolger verordnet. Er regierte seine Provinz mit vieler Klugheit, und baute das neue Carthago daselbst, welches Spanien in der Unterwürfigkeit erhielt. Die Römer waren mit dem Kriege wider die Königinn der Jllyrier, Teuta, beschafftiget, welche an der ganzen Küste ihre Seeraubcrey ungestraft trieb. Die Beute, welche sie von den Griechen und Epirotern machte, blähte sie auf, daß sie die- Römer verachtete, und ihren Gesandten tödtete. 525. Sie wurde bald überwältigt. Die Römer ließen 526. nur einen kleinen Theil vonJllyrien, und ge- 229. wannen die Insel Corfu, welcher sich diese Köm- 228. ginn * ?c,HI,, lilir. I, 79, 8z> 85. in die allgemeine Geschichte. 85 Iabre mich ginn bemächtigt hatte. Sie setzten sich dazumal in Jahre KtavtRo? Griechenland durch eine feyerliche Gesandtschaft CW Gel'. ' in ein großes Ansehen, und das war das erstemal, daß man daselbst ihre Macht kennen lernte» Der glückliche Fortgang der Waffen des Has-. drubals erweckte ihre Aufmerksamkeit und ihren Neid; allein die Gallier in Italien verhinderten sie, für die spanisches Angelegenheiten Sorge zu tragen *. Die Gallier hatten fünf und vierzig Jahre Nuhe gehabt. Ihre Jugend, welche unter der Zeit aufgewachsen war, dachte an weiter nichts, als an den vergangenen Verlust, und fing an, Rom zu bedräuen Die Römer setzten sich wegen der Carthaginenser in Sicherheit, damit sie so unruhige Nachbaren desto sichrer angreifen konnten. Sie schlössen mit dem 5?6' Hasdrubal einen Vergleich, welcher versprach, 224. nicht über den Ebro zu gehen. Der Krieg zwischen den Römern und den Galliern wurde auf beyden Seiten mit einer grimmigen Hitze geführt; die Transalpinischen vereinigten sich mit den Cisalpinischen; alle aber wurden geschlagen. Concolitanus, einer von den gallischen Königen, wurde in der Schlacht gefangen; Aneo- restus, ein anderer König, brachte sich selbst lim. Die sieghaften Römer giengcn zum erstenmale über den Po, und waren entschlossen, den Galliern die Gegenden um diesen Fluß wegzunehmen, welche sie so viele Jahrhunderte im Besitze gehabt hatten. ' Der Sieg folgte ihnen 5?4. überall nach. Mciland wurde eingenommen, 220. F z und * ?ohb. Üb. II c. -Z. " lä. Üb. II c. ->. 86 Bischof Bossmts Einleitung Ichrenach und beynahe das ganze Land unter ihre Both- Jahre Stadt Rvm Mäßigkeit gebracht. Um diese Zeit starb v.Chr.Geb- ' Hasdrubal, und Hannibal wurde an seine Stelle geseht, ob er gleich erst nur fünf und zwanzig Jahre alt war. Von der Zeit an sah man den Krieg zum Voraus. Dieser neue carthaginensische Statthalter in Spanien unterfing sich, dasselbe unter seine Herrschaft zu bringen, und achtete kei- 5Zs. ner Vertrage. Rom hörte damals die Klagen 219« der Stadt Sagunt, ihrer Bundsgenoßinn, an. Die römischen Gesandten giengen nach Cartha- go. Die Carrhaginenser, welche sich wieder erholt hatten, bezeigten keine Lust mehr, nachzugeben. Sicilicn, das ihrer Herrschaft entrissen worden war,Sardinicn,das ihnen die Römer unrechtmäs- siger Weise genommen hatten, und der vermehrte Tribut lag ihnen am Herzen. Folglich war die Partey, welche wollte, daß man den Hannibal lu'cht unterstützen sollte, sehr schwach. Dieser Feldherr richtete seine ehrgeizigen Gedanken auf alles. Geheime Gesandtschaften, die er nach Italien geschickt hatte, hatten ihn der dösigen Gallier versichert, welche nicht im Stande waren, aus eignen Kräften etwas zu unternehmen, diese Gelegenheit aber mit Freuden ergriffen, sich zu empören. Hannibal gieng über den Ebro, über die pyren.u'schen Gebirge, durch ganz Gallien, was disscit den Alpen liegt, über die Alpen, und siel, als in einem Augenblicke,aufItalien los. Die Gallier unterließen nicht,scin Kriegöheer zu verstarken, und thaten den letzten Versuch, ih- 5Z6» re Freyheit wieder zu erlangen. Vier Schlach- 218. 5Z7« ten, welche die Römer verlohren, machten ihren 217. Unter» in die allgemeine Geschichte. 87 2l?. 212« Jahre nach Untergang glaublich. Sicilien schlug sich auf Jahre der Er^ der ^eite des Ueberwinders. HieronymuS, Kö- ^ Gel' StadtRom- . ^ ^ . . 21b. -z8. nig von Syracusa, erklärte sich Wider die Ro- mer, beynahe ganz Italien verließ sie, und 542! ihre einzige und letzte Hülfe schien mit den beyden Scipionen in Spanien umzukommen. In diesen äußersten Umständen hatte Rom seine Erhaltung drey großen Männern zu danken. Die Standhafrigkeit des Fabius Maximus, der sich über die unverständigen Reden des Pöbels erhob, zog den Krieg in die Länge, und wich immer vor dem Hannibal zurück, und wurde da- 540. durch eine Schutzmauer seines Vaterlandes. 214. Marccllus, welcher es dahin brachte, daß die 542. Belagerung der Stadt Nola aufgehoben ward, 212. nahm Syracusa ein, und machte den Römern durch seine Thaten wieder Muth. Allein Rom, welches diese beyden großen Männer bewunderte, glaubte in dem jungen Scipio noch etwas weit größers zu bemerken. Die wunderbaren glücklichen Erfolge seiner Rathschläge bestätigten die Meynung, die man von ihm hatte, daß 54Z» er göttlichen Ursprunges wäre, und mit den Göt- 544- tcrn umgienge. In seinem vier und zwanzig- sten Jahre wagte er es, nach Spanien zu gehen, . wo sein Vater und Oheim umgekommen waren. Er griff Neucarthago an, als wenn ihm solches eingegeben worden wäre, und nahm diese Stadt 548. mit seinen Soldaten sogleich ein. Alle, die ihn sahen, wurden für die Römer gewonnen; die 55l. Carthaginmser verließen Spanien; er landete ^3« in Africa an, und sogleich unterwarfen sich ihm alle Könige; und nunmehr kam die Reihe an F 4 Car- 8?» Bischof Bossuets Einleitung Jahre »ach Carthago, zu erzittern, indem alle ihre Kriegshee- Jahre StadtRvm. ^ geschlagen worden waren. Es war verge- v> Chr.Gcb. ' bens, daß der siegreiche Hannibal zurück berufen wurde; er konnte sein Vaterland nicht verthei- 552. digcn. Scipio gab daselbst Gesetze, und der 202. NameAfricanus wurde seine Belohnung. Das römische Volk, welches die Gallier und die Afri- caner überwältigt hatte/ sah keine Feinde mehr, vor denen sichs fürchten durfte, und stritt forthin ohne Gefahr. 504. Mitten unter dem ersten punischen Kriege nahm 250. Thcodotus, der Statthalter von Vactriana, dem Antiochus, welcher mit dem Zunamen, der Gott, hieß, einem Sohne des Antiochus Soter, dem Könige von Syrien, tausend Städte weg. Beynahe der gan^e Orient folgte diesem Beyspiele nach. Die Parther empörten sich unter der Anführung des Arsaces, des Hauptes von dem Hause der Arsacidcn, und des Stiffters eines Reiches, das sich nach und nach in ganz Ober- asicn ausbreitete. Die Könige in Syrien, und die Könige in Aegypten, welche wider einander aufgebracht waren, sannen nur darauf, wie sie einander entweder durch Gewalt oder durch Hinterlist verderben könnten. Damascus,und das ganze Land, welches Cölosyrien hieß, und mit beyden Königreichen grenzte, war die Ursache ihrer Kriege, und „ Asiens Angelegenheiten hatten mit den Europäischen gar keine Gemeinschaft. Binnen allen diesen Zeiten blühte die Philosophie in Griechenland. Die Secte der italische«! Philosophen, und die ionische erfüllten Gn'e- in die allgemeine Geschichte. 89 «Mre nach Griechenland mit großen Männern, unter wel- Jahre Er^ der che sich viele ausschweifende Köpfe mengten,Chr. G ^ ^ welchen dem ungeachtet die neubegierigen Griechen den Namen der Philosophen beylegten. Um die Zeiten des Cyrus oder des Cambyscs stifftete PythagoraS die ltallsche Secte in Großgriechenland, in den Gegenden von Neapolis. Nicht lange darauf fing Thales von Milet die ionische Secte in eben dem Zeitalter an. Aus dieser Secte sind die großen Philosophen, Hcra- klituS, Demokritus, Empedokles und Parme- nides hergekommen. AnaxagoraS, welcher kurz vor dem peloponesischen Kriege lebte, zeigte, daß die Welt von einem ewigen Geiste gebaut worden wäre. Sokrates richtete kurz darauf die Philosophie mehr auf die Wissenschaft der Sitten, und wurde der Vater der Moralphilosophie» Plato, sein Schüler, wurde der Stifftcr der > Akademie; Aristoteles, ein Schüler des Plato, und der Lehrer Alexanders, des Großen, der Stiffrer der Peripatetiker, welche unter Alexanders Nachfolgern berühmt wurden. Zeno aus Cittien, einer Stadt in Cypern, wurde das Haupt der Stoiker, und Epikur, von Athen, das Haupt der Philosophen, die nach seinem Namen heis- scn, wenn man anders diejenigen Philosophen uennen kann, welche die Vorsehung offenbar leugnen, nichts von Pflichten und Verbindlichkeit wissen, und die Tugend durch die Wollust erklären wollen. Man kann unter diese großen Philosophen den Hippokrates, den Vater der Arz- ueywissenschaft, rechnen, welcher sich mitten unter andern in diesen glücklichen Zeiten Griechenlan-- F 5 des 9O Bischof Bossuets Einleitung Ichre nach des hervorthat. Die Römer hatten zu eben der 'Mr- StMRom. Zeit eine andre Art von Philosophie, welche nicht^br. Geb. ' in Streitigkeiten, Fragen und Unterredungen, sondern in der Mäßigkeit, in der Armuth, in den Beschäfftigungen des Landlebens und des Krieges bestund, wo sie die Ehre ihres Vaterlandes und des römischen Namens zu ihrem eignen Ruhme machten, und dadurch Herren über Italien und Carthago wurden. Die ix Epo- Im ^2 Jahre nach der Erbauung der Stadt Scipio'oder Rom, ungefähr 250 Jahre nach der Stifftung w"unden^ ^ persischen Monarchie, und 202 Jahre vor Carthago. Christi Geburt, wurde Carthago von den Rö- 552. mern überwältigt. Hannibal hörte nicht auf, 202. ihnen unter der Hand, wo er nur konnte, Feinde zu erwecken; allein er richtete nichts anders damit aus, als daß er alle seine alten und neuen 556. Feinde mit sich in den Untergang seines Vater- 198. 558. landes und in den seinigen fortriß. Philippus, 196. König in Macedonien, ein Bundsgenosse der Carthaginenser, wurde durch die Siege des Con- suls,Flaminius, gedemüthigt; diemacedonischen Könige wurden ins Enge getrieben, und Griechenland wurde von ihrem Joche befreyt. Die Römer giengen auf Hannibals Untergang um, der ihnen, noch nach seinem Verluste, furchtbar 559« vorkam. Dieser große Feldherr wurde genö- i?5» thigt, aus seinem Vaterlande zu flüchten, erregte den Orient wider sie, und zog ihre Waffen nach 561. Asien. Antiochus, mit dem Zunamen der Große, wurde nach seinen nachdrücklichen Vorstellungen auf ihre Macht neidisch, und fing einen Krieg mit ihnen an; allein er führte ihn nicht so, wie ihm in die allgemeine Geschichte. 91 ^ahre »ach ihm Hannibal gerathen hatte, von dem er dazu Jahre Statt Rom! verleitet worden war. Er wurde zu Wasser und «- Chr. Geb. ' ' zu Lande geschlagen, und mußte sich dem Gesetze unterwerfen, das ihm Lucius Scipio, ein Bruder des Scipio Africanus, auflegte, zwischen dem Gebirge Taurus eingeschlossen zu bleiben» 572. Hannibal, welcher zum Prusias, dem Könige 182» in Bithynien, entfloh, entgieng den Römern durch Gift. Sie waren auf der ganzen Erde gefürchtet, und wollten keine andere Macht leiden , als die ihrige. Die Könige sahen sich genöthigt, ihnen ihre Kinder zu Geiseln ihrer 578. Treue zu geben. AntiochuS, welcher nach der 176. Zeit den Namen Epiphanes erhielt, der zweyte Sohn Antiochuö des Großen, blieb lange Zeit zu Rom, als ein Geisel. Als ScleucuS Philopator, sein ältester Bruder, die Negierung beschloß, so wurde er ausgeliefert; die Römer wollten aber an seine Stelle den DemetriuS Soter, den Sohn des Königes, haben, welcher 579« damals zehn Jahre alt war. Selemus starb 175» zu dieser ungelegnen Zeit, und AntiochuS zog das Reich seines Brudernsohnes unrechtmäßiger Weise an sich. Die Römer hatten mit den makedonischen Angelegenheiten zu thun, wo Per- scus seine Nachbaren beunruhigte, und sich nicht an die Gesetze kehren wollte, die seinem Vater 58r. Philippus auferlegt worden waren. Um diese 17z. Zeit giengen die Verfolgungen des Volkes Gottes an. Antiochus Epiphanes regierte, wie ein wütender Tyrann; er kehrte alle seine Wut gegen die Juden, und gieng darauf um, dem Tempel Gottes, dem Gesetze Mosis, und dem ganzen Volke 92 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach Volke ein Ende zu machen. Das Ansehen der ^«Pe ?t.wt R^ Römer verhinderte ihn, sich des Königreiches Ae-^r.GeK 58Z. gypten zu bemeistern. Sie führten mit dem Per- ^ seus Krieg,welcher fertiger war,etwaszu unternehmen, als auszuführen, und seinen Bundsgenossen durch seinen Geiz, seinen Kriegsheeren aber durch 586. seine Zaghaftigkeit den Untergang brachte. Er l6L» , wurde von dem Consul, Paulus Aemilius, überwunden, und gezwungen, sich in seine Hände zu liefern. Gentius, König in Illyrien, sein Bundsgenosse, welcher durch den Prätor, Ani- cius, binnen dreyßig Tagen überwältigt wurde, hatte ein gleiches Schicksal. Das Königreich Macedonien, welches beynahe siebenhundert Jahre gedauert, und zweyhundert Jahre hindurch nicht allein Griechenland, sondern auch dem ganzen Oriente Beherrscher gegeben hatte, war nun / weiter nichts, als eine römische Provinz. Die rasende Wut des Antiochus gegen das Volk Gottes vermehrte sich. Damals machte sich Ma- thatias, ein Opferpriester, aus dem Geschlechte des Pinehas, ein Nachahmer seines Eifers, durch seinen muthigen Widerstand, und durch 587. seine Befehle, die er noch sterbend für die Wohl- 167. fahrt seines Volkes gab, einen herrlichen Namen. 588. Judas Maccabäus, sein Sohn, siegte, obgleich 166» die Menge seiner Feinde beynahe unzählig war. 589. Die Familie der Asmonäer, oder der Maccabäer, 165. wurde zur Herrschaft erhoben,und der Tempel/welchen die Heiden entheiligt hatten, aufs neue wieder 590. eingeweiht. Das Hohepriesterthum des Judas, 164» und die Ehre des priesterlichen Dienstes wurde wiederum erneuert. Antiochus starb eines Todes, in die allgemeine Geschichte. 9z . gedrückten Volke zu einer Erleichterung. Die 154. Unruhen in Syrien nahmen von Tage zu Tage zu. Alexander Balas, welcher sich rühmte, ein Sohn des Antiochus Epiphanes zu sey!,, wurde durch die Einwohner von Antiochien auf den Thron gesetzt. Die Könige von Aegypten, welche ewige Feinde von Syrien waren, mengten sich in diese Uneinigkeiten, um ihren Vortheil dabey zu ziehen. Ptolomäus Philometor unterstützte den Balas, und der Krieg war sehr blutig, 604. Demetrius Soter blieb darinnen, und hinterließ, 150« seinen Tod zu rächen, nur zween junge Prinzen, die noch Kinder waren, den Demetrius Nicator, und Antiochus Sidetes. Der unrechtmäßige Besitzer blieb auf seinem Throne ganz ruhig, und der König von Aegypten gab ihm seine Tochter, Cleopatra, zur Gemahlinn. Balas, welcher sich einbildete, über alles weg zu seyn, war in der Schwelgerey ganz ersoffen, und zog sich die Verachtung aller seiner Unterthanen zu. 604. Um diese Zeit entschied Philometor den berühm- ^o. ten Stre.it, den die Samaritaner mit den Iüden ansingen. Diese Abtrünnigen, welche dem Volte in die allgemeine Geschichte. 95 Jahre nach Volke Gottes stets zuwider waren, unterließen Jahre ^ nicht, sich mit ihren Feinden zu vereinigen, undv- Chr.GA. "" " hatten ihren Tempel auf dem Berge Garizim, 58?» dem Antiochus Epiphanes zu gefallen, dem Ju- 167, virer Hospitaliö geheiligt. Diese Unheiligen wollten ungeachtet dieser EntHeiligung einige Zeit darauf behaupten, daß dieser Tempel den Vorzug vor dem Tempel zu Jerusalem haben müßte. Die streitigen Parteyen vertheidigten ihre Sache vor dem Könige, und machten sich auf beyden Seiten anheischig, bey Strafe des Todes ihre Forderungen durch ausdrückliche Worte des Gesetzes Mosis zu beweisen Die Juden gewannen ihre Sache, und dieSama- ritaner wurden nach dem gemachten Vertrags am Leben gestraft Eben dieser König erlaubte dem Onias aus dem priesterlichen Geschlechte , in Aegypten den Tempel zu Heliopolis nach dem Muster des hierosolymitanischen zu bauen. Diese Unternehmung wurde durch den ganzen Rath der Juden verdammet, und man that den Ausspruch, daß sie dem Gesetze Mosis zuwider wäre. Unterdessen regte sich Carthago, und wollte die Gesetze nicht leiden, welche ihm Scipio Africanus aufgelegt hatte. Die Römer beschlossen also den völligen Untergang diese»; Stadt, und der dritte punische Krieg wurde un- 60K. ternommen. In Syrien gieng der junge De- 148» metrius Nicator, der nunmehr erwachsen war, darauf um, wie er sich wieder auf den Thron seiner -* 2 Maccab. VI, -. lolexli. änr. XII > 7. lolexti. änrh. libr. XM e. 6. 96 Bischof Bossuets Einleitung -Mre nach seiner Vorfahren seßen wollte, und die Weich- Jahre Erb-der z^hkeit des unrechtmäßigen Besitzers ließ ihn al°v-E Itach der sieghafte Nicator hielt ihn. ass seinen Bru- ^» der Eib der der. Er wurde bald dafür belohnt. Die Jü- v- Chr ^t»dt-XoM. ^ < . ^ < ^ -< ^ - 6ic>. "efen bey einem Aufruhre wlder ihn herbey, 144 und erretteten ihn aus den Handen der Rebellen» Jonathaö wurde mit Ehre überhäuft; allein als der König glaubte, daß er auf seinem Throne sicher wäre, so wollte er eben die Absichten ausführen , die seine Vorfahren hatten, und die Jü- den wurden eben so, wie vorher, geqvält. Die. Unruhen in Syrien gierigen von neuem wieder an. Diodor, mit dem Zunamen Tryphon, erzog einen Sohn des Balas, den er Antiochus, den Gott, nannte, und war ihm in seiner Kindheit an Vormundes Statt. Der Hochmuth des Demetrius empörte das Volk wider ihn; 6ti. ganz Syrien stund in Flammen, und Ionathas !4Z machte sich der Umstände der Zeit zu Nutze, und erneuerte seinen Bund mit den Römertt. Alles gieng ihm glücklich von statten, als Tryphon seine Zusage brach, und ihn mit seinen Kindern umbringen ließ. Simon, sein Bruder, der Weiseste und Glücklichste unter den Maccabäern, folgte ihm nach, und die Nömer waren ihm sa günstig, wie sie seinen Vorfahren gewesen waren. Tryphon gieng mit seinem Mündel, Antiochus, eben so treulos um, als er mit den Iüden umgegangen war. Er brachte diesen jungen PrinM durch Hülfe der Aerzte um, unter dem Vorwande, ihm den Stein schneiden zu lassen , den er nicht hatte, und bemächtigte sich eines Theils des Königreiches. Simon ergriff die Partey des Demetrius Nicatörs, des rechtmäßigen Königes, und vertheidigte ihn mit seinen Waffen widee G den 98 Bischof Bossuets Einleitung Mre »ach den Aufrührer, Tryphon, nachdem er von ihm Jahre RM. Freyheit seines Volkes erlangt hatte. Die v- Chr. Gel.. ' Syrier wurden aus der Burg, die sie zu Jeru- , salem inne hatten, herausgeschlagen, und Verkehren darauf alle andern festen Plätze in Judaa. 612. Also wurden die Juden durch Simons Tapfer- 142. keit von dem Joche der Heiden befreyt, und gestunden ihm und seiner Familie die königlichen Rechte zu; Demetrius Nicator aber gab zu dieser neuen Regimentöverfassung seine Einwilligung. Von diesen Zeiten fangt das neue Königreich des Volkes Gottes, und die Herrschast der Asmonaer an, welche immer mit dem Ho- henpriesterthume vereinigt blieb. Um diese Zeit breitete sich das Reich der Parther über Ba- ctriana und Jonien durch die Siege des Mi- thridates, des Tapfersten unter allen Arsaciden, 6lZ. aus. Demetrius Nicator, welcher von den 141» Völkern dieses Landes, welche sich Mithridates unterwürfig gemacht hatte, zu Hülfe gerufen wurde, hoffte, die Parther zum Gehorsame zu bringen, welche von den Syriern immer, als Rebellen, angesehen wurden. Ertrug verschicdne Siege davon, und wollte nach Syrien zurückkehren, den Tryphon zu demüthigen, als er in ein Netz fiel, das ihm ein Feldherr des Mithridates gelegt hatte. Er blieb also ein Gefangner der Parther. Tryphon, welcher sich einbildete, durch das Unglück dieses Prinzen sicher zu seyn, sah sich auf einmal von den Seinigen verlassen. Sie konnten seinen Hochmuth nicht 6'4. länger ertragen. Wahrend der Gefangenschaft 14^ des Demetrius, ihres rechtmäßigeil Königes, erga- in die allgemeine Geschichte. 99 Iah« nach ergaben sie sich an seine Gemahlinn, Cleopatra, ^ahre A ^'»«7 und an ihre Kinder; allein man mußte für die-»- Ar.Gcb. (vtadtÄvm.. <- , »V - - se noch sehr jungen Prinzen einen Beschuhsr suchen. Diese Sorgfalt kam natürlicher Weise auf den Antiochuö Sidetes, den Bruder des De- metriuö; Cleopatra ließ ihn also in allen ihren Königreichen erkennen. Sie that noch mehr; Phraates, ein Bruder und Nachfolger des Mi- thridateS, erkannte den Demetrius für Syriens König, und gab ihm seine Tochter, Rhodogune, zur Gemahlinn. Aus Haß gegen diese Nebenbuhlerinn, welche der Cleopatra mit ihren: Gemahle die Krone raubte, vermahlte sie sich mit 615. dem Antiochuö Sidetes, und beschloß, die Herr- ^ schaft durch alle Arten von Verbrechen zu behaupten. Der neue König griff den Tryphon an; Simon vereinigte sich in dieser Unternehmung mit ihm, und der Tyrann, welcher aus allen seinen festen Plätzen vertrieben wurde, en- 619. digte sein Leben, wie ers verdiente. Als Antio- chus Meister von dem Königreiche war, vergaß er die Dienste gar bald, die ihm Simon geleistet hatte, und ließ ihn umkommen. Unterdessen daß er in Syrien alle seine Macht wider die Juden versammlete, folgte Johannes Hyrcanus, ein Sohn des Simon, seinem Vater im Hohen- pricsterthume, und alles Volk unterwarf sich ihm. Er hielt die Belagerung in Jerusalem mit vieler Tapferkeit aus, und der Krieg, mit dem Antiochuö wider die Parther schwanger gieng, seinen gefangenen Bruder zu befreyen, machte, daß er mit den Jüden auf leidliche Bedingungen Frieden schloß. Um diese Zeit, da G 2 der ' !OO Bischof Bossuets Einleitung ^ahre nach der Friede geschlossen wurde, hatten die Römer, Jahre A Erb. der ^^ch^. anfingen, allzureich zu werden, furchtbare «-Thr.Gel,. vtavt^ivm. ^.^^ ^^.^lich^ Menge ihrer Sklaven. EnnuS, der selbst einSklave war, empörte sie in Sicilicn, und die Römer mußten ihre ganze Macht anwenden, sie zum Gehorsame zu 621. bringen. Kurz darauf starb AttaKiö, der Kö- izz. nig zu Pergamo, und setzte die Römer in seinem Testamente zu Erben ein, und diese Erbschaft verursachte viele Uneinigkeiten und Spaltungen in Rom. Die Unruhen der Graccher nahmen ihren Anfang. Das aufrührische Tribunal des Tiberius Gracchus, eines der Vornehmsten unter den Römern, brachte ihm seinen Untergang zuwege. Der ganze Senat tödtcte ihn durch die Hand des Scipio Nasica, weil er kein andres Mittel wußte, die gefahrliche AuS- theilung des Geldes zu verhindern, womit dieser beredte Tribun dem Volke schmeichelte. Scipio Aemilianus stellte die Kriegszucht wieder her, 622. und dieser große Main?, welcher schon Carthago ,^2- zerstört hatte, zerstörte auch Numantia in Spanien, das andre Schrecken Roms. Die Par- thcr waren viel zu schwach gegen den Sidetes ; obgleich seine Völker durch eine erstaunliche Ueppigkeit verderbt waren, so gelangen ihnen doch ihre Unternehmungen auf eine wunderbare Weise. Johannes Hyrcanus, der dein Könige in diesem Kriege mit seinen Juden gefolgt war, ließ seine Tapferkeit daselbst sehen, und machte, daß die jüdische Religion geehrt wurde, als die Armee stille lag, um Zeit zu haben, den Sabbath zu feyern. Alles wich, und PhraateS mußte in die allgemeine Geschichte. 101 » so setzte Italien, welches in so vielen fortdaurendcn Kriegen entweder wider die Römer, oder für sie der Waffen gewohnt worden war, ihr Reich in die Gefahr des Unterganges, indem ein allgemeiner 666. 667. Aufruhr entstund. Rom wurde um eben diese Zeit 88. 8?» von der Wut des Marius und des Sylla verwüstet, von denen jener den Mittag und den Nord in Schrecken geseßet, und dieser Griechenland und- Asien überwunden hatte. Sylla, welchem man den Beynamcn, der Glückliche, gab, war es gegen sein Vaterland allzusehr, das durch seine tyran- 672. nische Dictatur in die Sklaverei) gebracht wurde. 82» Er konnte sich zwar seiner unumschränkten Ge- 675, walt freywillig begeben; die Folgen eines schlim- 79- men Beyspieles aber dadurch nicht verhindern. 680. Ein iedcr wollte herrschen. SertoriuS, ein eis- 74» riger Anhänger des Marius, verschanzte sich in Spanien, und verband sich mit dem Mithridates. 681. Die Gewalt nützte wider einen so großen Feld- 7Z« Herrn nichts, und Pompejus konnte seine Partey nicht anders überwinden, als daß er Uneinigkeit und Zwietracht unter ihr erregte. Es glaubten alle, bis auf den Spartacus, einen Fechter, berech- . tigt zu seyn, sich nach der obersten Herrschaft zu be- 68Z. streben. Dieser Sklave machte den Prätorn und ?i° Consuln nicht weniger Mühe, als Mithridates dem Lmullus machte. Der Krieg der Fechter G 5 wurde !o6 Bischof Bcssuets Einleitung Jahre nach wurde der römischen Gewalt schrecklich. CrajsuS Jahre StadtRvm. ^nnte ihn nicht ganz zu Ende bringen ; man Chr. Geb. ' mußte so gar den großen Pompejus wider sie brauchen. Lucullus erhielt im Oriente die Ober- 686. Hand. Die Römer giengen über den Euphrat; 6z. allein so unüberwindlich dieser Feldherr vor seinen Feinden war, so wenig konnte er seine eignen Soldaten im Gehorsame erhalten. Mithrida- tes verlohr, sooft er auch geschlagen wurde, seinen Muth doch nicht, und erholte sich immer wieder, und das Glück des Pompejus schien zur Endi- gung dieses Krieges nothwendig zu seyn. Er hatte das Meer von den Seeräubern acsäubert, 687. welche solches von Syrien ausbis an die hcrkuli- 67» schcn Seulen unsicher machten, und darauf wurde er wider den Mithridates geschickt. Sein Ruhm schien dazumal den höchsten Gipfel erreicht zu 689« haben. Er überwältigte endlich diesen tapfern 65. 691» König; Armenien, wohin er flüchtete; Iberien; 6z» Albanien, das ihn unterstützte; Syrien, welches^ durch seine innerlichen Spaltungen und ver- schiedne Parteyen verwüstet wurde; Judäa, wo die Uneinigkeit unter den Asmonäern, dem Hyrcan II, einem Sohne des Alexander Ian- näus, nichts, als einen Schatten der obersten Gewalt übrig ließ, und endlich den ganzen Orient. Allein er würde seinen Triumph über so viele Völker nicht haben fcyern können; wenn der Con- sul/ Cicero, nicht gethan hatte/ welcher die Stadt Rom aus den Flammen rettete,die Catilina,der die Vornehmsten unter dem römischen Adel auf seiner Seite hatte, anzünden wollte. Dieser furchtbare Feind wurde mehr durch Beredsamkeit des Cicero, in die allgemeine Geschichte. 107 Jahre nach Cicero, als durch die Gewalt der Waffen seines Jahre StubtRvn? Kollegen, des C. Antonius, überwunden. Die K". Geb. ' Freyheit des römischen Volkes wurde dadurch in keine größre Sicherheit gebracht. ,Pom- pcjuS herrschte im Senate, und sein großer Name machte ihn zum unumschränkten Gebieter über 696. alle Berathschlagungen. Julius Cäsar über- 58» wand die Gallier, und keine Eroberung ist den Römern iemals nützlicher gewesen, als diese. Ein so großer Dienst, den er ihnen leistete, setzte ihn in den Stand, zu seiner Herrschast in seinem Vaterlande den Grund zu legen. Er wollte dem Pompejus im Anfange gleich, und hernach überlegen seyn. Crassus besaß unermeßliche Reichthümer, und bildete sich deswegen ein, daß er wohl mir diesen beyden großen Männern auch ihre Ehre theilen könnte, wie er ihr Ansehen mit ihnen theilte. Er unternahm verwegner Weise 70c?. den Krieg wider die Parther, welcher für ihn 54. und sein Vaterland sehr traurig ablief. Die 701. Arsaciden, die Ueberwinder, verhöntcn den Ehr- ZZ» geiz der Römer, und den unersättlichen Geldgciz ihres Feldherrn mit grausamen Verspottungen. Allein die Schande des römischen Namens war nicht die schlimmste Wirkung der Ueberwindung des Crassus. Seine Gewalt hielt der Mache des Pompejus und des Cäsars die Wage, und nöthigte sie, wider ihren Willen, zur Eintracht. ?os. Mit seinem Tode wurde der Damm,der sie zurück-^ 49- 7^6. hielt,durchbrochcn. Die beyden Nebenbuhler,wel- 48. che alle Macht der Republik in ihren Händen hat- 707. ten, entschieden ihren Streit, aufden pharsalischen 47» 708. Gefilden in einer blutigen Schlacht.Der siegreiche 46. Cä. ic>8 Bischof Bossmts Einleitung Jahre »ach Cäsar erschien in einem Augenblicke auf dem gan- Jahre zen Erdkreise, in Aegypten, in Asien, in Maurita- Brutus und Caßius glaubten, ihre Bürger zu befreyen, wenn sie ihn, ungeachtet seiner Gnade, als einen Tyrannen umbrachten. Rom siel darauf wieder in die Hände des Marcus AntoniuS,des Le- pidus,und des jungen Cäsar Octavianus,eines Enkels einer Schwester des Julius Cäsars,und seines angenommenen Sohnes, dreyer unerträglichen 71!» Tyrannen, deren Triumvirat und Achterklärun- ^.z. gen einem ieden, der sie liest, noch einen Abscheu machen. Allein sie waren allzugewaltsam, als daß sie hatten lange dauern sollen. Diese drey großen Manner theilten das römische Reich unter einander. Cäsar behielt Italien, und verwandelte seine ersten Grausamkeiten nach und nach in Gelindigkeit, und bringt uns dadurch auf die Gedanken, daß er vielleicht von andern zur Grausamkeit fortgerissen worden ist. Was noch von 718. der Republik übrig war, gieng mit dem Brutus Z6. 7-2» und Caßius völligzu Grunde. Nachdem Antonius Z2- und Cäsar den Lepidus verdrängt und erniedrigt hatten, so wurden sie unter einander selbst uneinig. 72?' Die ganze römische Macht zeigt sich auf dem Zi. Meere. Cäsar gewinnt die Seeschlacht bey dem Vorgebirge, Actium; die ganze Macht des Königreiches Aegypten unddesOrientes,dieAntom'u6 anführte, wurde mit ihm zerstreut; alle seine Freunde verließen ihn, und selbst seine Cleopatra, da er sich doch aus liebe zu ihr ins Ver- 45. 44- 4Z- derben in die allgemeine Geschichte. 109 Iahreuach derben gestürzt hatte. Herodes, aus Idumäa, Jahre ?Ro? ^ 'bm alles zu danken hatte, wurde gezwungen, v. Chr-Geb. ^ " 72^'" ilch an den Ueberwinder zu ergeben, und blieb dadurch im Besitze des Königreiches Iuda; denn die Schwachheit des alten Hyrcanus war Ursache, daß die Familie derAsmonaer die königliche Gewalt völlig verlohr. Alles mußte dem Glücke des Cäsar Octavianus weichen; Älexan- drien öffnete ihm die Thore; Aegypten wurde eine römische Provinz; Cleopatra, welche alle Hoffnung aufgab, ihr Königreich zu erhalten, 727. brachte sich nach dem Äntonius um; Rom reichte 27» dem Ueberwinder die Arme,und er blieb unter dem NamenAugustu6,und dein Titel eines Kaisers,der einzige Herr des römischen Reiches. Er bändigt 7Z^ an den pyrenaischen Gebirgen die Cantabrer 24. und Afturier, welche sich empört hatten; Ae- 7Z2. thiopien bittet ihn um Frieden ; die erschrocknen 22. 734» Parther schicken ihm die Fahnen und alle Gefan- 20» genen wieder, die sie dem Crassus abgenommen 7Z9- hatten; seine Waffen lassen die Rhätier empfin- ^5« 742» den, daß ihre Gebirge sie nicht beschützen können; 12. 747. Pannonien erkennt ihn für seinen Herrn; Ger- 7» Manien fürchtet ihn, und der Weserstrom nimmt Gesetze von ihm an. Er ist zu Wasser und zu Lande sieghaft, und schließt den Tempel des Ja- 75^» nus zu. Der ganze Erdkreis genießt unter sei- 754« ner Herrschaft den Frieden, und Jesus Christus kömmt in die Welt, ^"che ^ Nunmehr sind wir endlich zu den Zeiten, Die Geburt welche von den Vätern so sehnlich gewünscht ?n?d?l?tz- werden sind, zu der Erscheinung des Meßias le Wer der gekommen. Dieser Name will so viel sagen, Welt. NO Bischof Bosiuets Einleitung Ichre nach als Christus, oder der Gesalbte des Herrn, und ^r-^Ge- Christus verdient ihn, alöHoherpriester, als König, und als Prophet. Man ist nicht wegen des eigentlichen Jahres einig, wo er in die Welt gekommen ist, und man glaubt einstimmig, daß di^ wahre Geburtözeit desselben einige Jahre früher zu seßen sey, als unsere gewöhnliche Zeitrechnung sie annimmt. Unterdessen wollen wir derselben doch wegen viel größrer Bequemlichkeiten folgen. Wir wollen nicht weiter über das Jahr der Geburt unsers Heilandes streiten; es ist genug, wenn wir wissen, daß er ungefähr um das viertausende Jahr der Welt gebohren worden ist. Einige setzen dieses Jahr etliche Jahre früher, andre einige Jahre später, und noch andre gerade in dieses Jahr, welches ein Unterschied ist, der sowohl von der Ungewißheit in der Rechnung der Jahre der Welt, als von der Ungewißheit der Geburtszeit unsers Heilandes herrührt. Dem sey, wie ihm wolle, so ist gewiß, daß ungefähr tausend Jahre nach der Einweihung des ersten Tempels, und 754 Jahre nach der Erbauung der StaN Rom, Jesus Christus, der Sohn Gottes von Ewigkeit, ein Sohn Abrahams und Davids in der Zeit, von einer Jungfrau gebohren worden ist. Dieser Zeitpunkt ist der wichtigste unter allen, nicht allein wegen der Wichtigkeit einer so großen Begebenheit, sondern auch darum, weil die Christen schon seit vielen Jahrhunderten ihre Jahre voi, da au zählen. Er ist auch darum merkwürdig, weil er ungefähr in die Zeiten einfällt, wo Rom unter der ruhigen Regierung des Augustus wieder eine in die allgemeine Geschichte, m Jahre nach eine Monarchie wird. Alle Künste blühten zu ^burt^ seiner Zeit, und die lateinische Poesie wurde durch den Virgil und Horaz zu ihrer größten Vollkommenheit gebracht, indem sie dieser Prinz dazu nicht allein durch seine Wohlthaten, sondern auch dadurch aufmunterte, daß er ihnen einen freyen Zutritt zu sich verstattete. Kurz auf die Geburt Jesu Christi folgte der Tod des Herodes. Sein Königreich wurde unter seine Kinder getheilt, und der vornehmste Theil fiel nicht lange darauf in die Hände der Römer. August vollendete 8. seine Regierung mit vielem Ruhme. Tiberius, den er an Kindes statt angenommen hatte, folgte . 14. ihm nach, ohne daß ihm solches streitig gemacht wurde, und das Reich wurde der Familie des Cäsars, als erblich, zuerkannt. Rom mußte von der grausamen Staatskunst des Tiberius viel leiden; der übrige Theil des römischen Reiches 16. war ziemlich ruhig. Germanicus, des Tiberius Brudernsohn, besänftigte die aufrührischen . Kriegsheerc, schlug das Reich aus, überwand den kühnen ArminiuS, setzte seine Eroberungen 19» bis an die Elbe fort, und da er sich durch die 28. Liebe dieser Völker zu ihm den Neid seines Oheims zugezogen hatte, so brachte ihn dieser Barbar entweder durch den Verdruß, den er ihm anthat, oder durch Gift um. Im fünfzehnten Jahre des Tiberius erschien Johannes, der Täufer. Je- Zv» sus Christus ließ sich durch diesen seinen göttlichen Vorlaufer taufen; der ewige Bater erkennte seinen vielgeliebten Sohn durch eine Stimme vom Himmel; der heilige Geist fuhr unter der friedlichen Gestalt einer Taube auf den Erlöser herab; u2 Bischof Bossuets Einleitung Ich« nach herab; die ganze Dreyeinigkeit offenbarte sich» ^l.urt^ H'er fängt sich mit der siebzigsten Woche Da- Dan.?/ -4. niels die Predigt Jesu Christi an. Diese letzte Woche war die wichtigste/ und diejenige, welche am deutlichsten bezeichnet worden ist. Daniel hatte sie von den andern, als diejenige Woche abgesondert, wo der Bund bestätigt, und der alte Opferdienst seine Kraft verlieren sollte. Wir können sie die Woche der Geheimnisse nennen. Jesus Christus bestätigte seine Gesandtschaft darinnen durch seine Lehre und durch seinen Tod. gz. Dieser trug sich im vierten Jahre seines Lehramtes zu, welches auch das vierte Jahr der letzten Woche Daniels ist, lind diese große Woche wird durch diesen Tod gerade in die Hälfte getheilt. Nunmehr ist also die Rechnung dieser Wochen leicht zu machen, oder vielmehr schon gemacht. Man darf nur zu den 45z Jahren, welche man von dem Zoo Jahre der Scadt Rom, und von dein 2vsten Jahre der Regierung des Artarcrres an, bis auf den Ansang der gemeinen Zeitrechnung zählet, die dreyßig Jahre dieser Zeitrechnung setzen, von denen das letzte in das fünfzehnte Jahr der Regierung des Tiberius und in das Jahr der Taufe unsers Heilandes einfallt; so wird man aus diesen beyden Summen 48z Jahre herausbringen. Von den sieben Jahren, welche noch übrig sind, 490 Jahre vollzumachen, fällt das vierte mitten in diese letzte Jahrwoche, und ist eben das Jahr, in welchem Jesus Christus gestorben ist. Es ist deutlich, daß alle Weißagungen des ProphetenDaniels in den Zeit- Punkt eingeschlossen ist, den er sich vorgeschrieben in die allgemeine Geschichte, uz hat. Man würde nicht einmal einer so großen Jahre noch Richtigkeit nöthig haben, und es zwingt uns ^Af/^' nichts , die Mitte, welche Daniel bezeichnet hat, in einer so außerordentlichen Schärfe zu nehmen. Diejenigen, welche am schwersten zu be« friedigen sind, würden sich begnügen, wenn sie diese Mitte auf einige Weise zwischen den beyden äußersten Enden finden. Dieses sage ich aus der Ursache, daß diejenigen, welche ihre Gründe zu haben glauben, den Anfang der Regierung jdes Artqxerres, oder den Tod unsers Heilandes etwas früher oder später anzunehmen, daß diese, sageich, sich in ihrer Rechnung keinen Zwang anzuthun, diejenigen aber, welche sich unterstehen wollen, eine klare Sache durch chronologische Grübcleyen zu verwirren, ihre unnütze Spißfündigkeit fahren lassen sollen. Die Finsternisse, welche den ganzen Erdkreis im Mittage und gleich in dem Augenblicke, da Jesus Christus gekreuzigt wurde, bedeckten, wurden von den heidnischen Schriftstellern welche diese merkwürdige Begebenheit aufgezeichnet haben, für eine gemeine Sonnenfinsterniß angesehen *. Allein die ersten Christen haben gegen die Römer von dieser Verfinsterung, als von einem Wunder, geredet, welches nicht allem von ihren Geschichtschreibern, sondern auch in den. öffentlichen Registern angemerkt worden wäre. Sie « lll»rcli. XXVII, 45. ?K!eZ. Olymp. I'nzll. tiilt. z. lerrull. ^pnl, 21. OriA. conrr. Lell'. erlr.z^ in IVlstch. Luleb. er Hieran, in Lnron. Zul. Htric. ibiä. H ii4 Bischof Bossuets Einleitung Iahrenach Sie haben gezeigt, daß weder im Vollmonde, Christi Ge-wo Jesus Christus gestorben ist, noch in dem ^ ' ganzen Jahre, wo man diese Verfinsterung bemerkt hat, keine Sonnenfinsterniß habe seyn können, die nicht übernatürlich gewesen sey. Wir haben noch die eignen Worte des Phlegon, eines Freygelaßnen des Hadrianus, die zu einer Zeit angeführt worden smd,da man sein Buch, wie auch die syrischen Geschichten des Thallus, der ihm gefolgt ist, noch gehabt hat. Das vierte Jahr der 202 Olympiade,welches in den Jahrbüchern des Phlegon angegeben wird, ist das Sterbejahr unsers Heilandes. Jesus Christus geht aus dem Grabe am dritten Tage, auf daß alle Geheimnisse vollendet würden; er erscheint seinen Jüngern; er erhebt sich in ihrer Gegenwart in den Himmel zur Rechten seines Vaters; er sendet ihnen den Heiligen Geist; die Kirche wird gepflanzet; die 37- Verfolgung geht an ; der heilige StcphanuS 40. wird gesteinigt, und der heilige Paulus bekehrt. KurzdaraufstirbtTiberlus. Caligula, der Sohn seines VrudernsohneS, den er cm Kindes Statt angenommen hatte, ist sein Nachfolger, und seßt den Erdkreis durch seine grausame und viehische Thorheit in Erstaunen. Er laßt sich anbeten, und befiehlt, daß seine Bildscule in den Tempel zu / 4s. Jerusalem gesetzt werden soll. Ehäreas befreyt 48- die Welt von diesem Ungeheuer. Claudius kömmt, unangesehen seiner Dummheit, zur Re- 49. gierung. Er wird durch die Messaline, seine Gemahlinn, geschändet, die er wieder verlangt, nachdem er sie hat umbringen lassen. Man vermahlt in die allgemeine Geschichte. 115 mahlt ihn wieder mitAgripvinen, einerTochter des Jabre nach Germaniens. Die Apostel halten zu Jerusalem ei- ^"I^Gene Versammlung, wo der heilige Petrus vor allen Apost Gesch. zuerst spricht, wie er solches allerwegen thut. ^/zo. Die bekehrten Heiden werden daselbst von dem Joche des Ceremonialgesehes freygesprochen. Dieser Ausspruch wird im Namen des Heiligen Geistes und der Kirche gethan. Der heilige Paulus und der heilige Barnabas überbringen die Apost.Gesch. Verordnungen dieser Kirchenversammlung den Kirchen, und lehren die Gläubigen, daß sie sich denselben unterwerfen sollen. So sah die erste Kir-- 54. chenverjmnmlnng aus. Der einfaltige Kaiser enterbte seinen Sohn, BritannicuS, und nahm den Nero, den Sohn der Agrippina, an Kindes Statt an. Zur Vergeltung vergiftete sie diesen gutwilligen Gemahl. Allein die Regierung 5F4 ihres Sohnes war für sie so Wglücklich lind tragisch, als sie für das gemeine Wesen war, Cor- 60» bulo war derjenige, welcher dieser Regierung dadurch noch Ehre machte, daß er über die Par- 6z» ther und Armenier verschiedene Siege davon trug. Nero fing, zu einer Zeit, den Krieg wider die Jü- 6z. den, und die Verfolgung wider die Christen, an. 66. Er ist der erste Kaiser, welcher die Kirche ver- 67. folgt hat., Er ließ zu Rom den heiligen Pe- 68. trus, und heiligen Paulus umbringen. Allein, weil er zu eben der Zeit das ganze menschliche Geschlecht verfolgte, so empörte man sich an allen Orten wider ihn. Er erfuhr, daß ihn der 69. Senat verurtheilt hatte, und brachte sich selbst , - um. Jede Armee erwählte sich einen Kaiser; die Streitigkeiten darüber wurden bey Rom und H 2 in Ii6 Bischof Bossuets Einleitung ?ic nach in Rom selbst durch schreckliche Schlachten ent« burt^ schieden. Galba,Otho, und Vitellius kamen dabey um. Das Reich, welches so viel gelitten hatte, erholte sich unter dem Vespasian ; allein die Juden wurden auf das Aeußerste gebracht; Jerusalem wurde eingenommen und verbrannt. 75» Titus, der Sohn und Nachfolger des Vcspasians, verschaffte der Welt nur eine kurze Freude, und seine Tage, die er für verlohren hielt, wenn er an denselben nicht irgend einem Menschen eine Wohlthat erwiesen hatte, entflohen allzubald. ?Z» Man sah den Nero in der Person des Domi- tianus wieder aufleben. Die Verfolgung gieng von neuem an. Der heilige Johannes blieb in dem siedenden Oele unversehrt, und wurde auf die Insel Pathmos verwiesen, wo er seine Offenbarung schrieb. Kurze Zeit darauf schrieb er sein Evangelium, da er neunzig Jahre alt war, und vereinigte die Würde eines Evangelisten mit der Würde eines Apostels und Pro- phetens. Seit dieser Zeit wurden die Christen sowohl unter den guten, als unter den schlechten Kaisern beständig verfolgt. Diese Verfolgungen geschahen bald auf die Befehle der Kaiser, bald veranlaßte sie der Privathaß der Obrigkeiten, und bald der Aufruhr der Völker, oder sie wurden auch durch die Verordnungen des Senats, entweder auf die Ausschreiben der Kaiser, oder selbst in ihrer Gegenwart, beschlossen. Alsdann wurde die Verfolgung allgemeiner und blutiger, und auf solche Weise ermunterte sich der Haß der Ungläubigen, welche halsstarrig bey ihrem Vornehmen blieben, die Kirche zu zerstören, in die allgemeine Geschichte, n? bestandig zu neuen wütenden Anfällen. Wegen Jahre „och dieser vielmaligen Erneuerung ihrer Gewalttha- ^^tt ^ tigkeiten zahlen die Kirchengeschichtschreiber zehn Hauptverfolgungen unter zehn Kaisern. Unter ss langen Leiden machten die Christen doch nicht den geringsten Aufstand. Unter allen Kirchen wurde die römische mit der größten Wut verfolgt, und dreyßig Bischöfe bestätigten das Evangelium, welches sie der ganzen Erde verkündigten, mit ihrem Blute. Domitian wurde umgebracht, und 96. das Reich fing an, sich unter dcr Regierung des Nerva wieder ein wenig zu erholen. Sein ho- 9?. hes Alter ließ ihm nicht zu, die öffentlichen Angelegenheiten wieder in Ordnung zu bringen; er erwählte aber den Trajan zu seinem Nachfol- xS, ger, damit doch die öffentliche Ruhe fortdauern möchte. Das Reich, welches von innen ruhig, und von außen sieghaft war, hörte nicht auf, einen so guten Fürsten zu bewundern. Er hatte sich aber auch den Grundsatz gemacht, daß seine Bürger einen solchen Herrn an ihm finden müßten, als er einen Kaiser wünschen würde, wenn rr ein bloßer Bürger wäre. Dieser Prinz über- 102. wand die Dacier und ihren König, Decebalus, setzte seine Eroberungen im Oriente fort, gab den 106. Parthern einen König, und war Ursache, daß sie die römische Macht fürchteten. Er war glück- 115. lich, daß ihn seine Trunkenheit und seine ehrlo- n6. sen Wollüste nicht verleiteten, etwas wider die Gerechtigkeit zu unternehmen. Aufdiese Zeiten, 117. welche der Republik so vortheilhaft waren, folgten die Zeiten des Adrianuö,.welche mit Gutem und mitBöftm vermischt waren. DieserPrinz H Z hielt n8 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach hielt eine gute Kriegszucht, lebte selbst so streng, burt.^' Soldat, und sehr mäßig, schaffte den Provinzen Erleichterung, und brachte die Künste, und Griechenland, ihre Mutter, in Aufnehmen. 120. Die barbarischen Völker wurden durch seine Waffen,und durch seinAnschen, in Furcht erhalten. 12z. Er baute Jerusalem wieder/ und nennte diese 126. Stadt nach seinem Namen, daher sie den Namen ,27. izo. Aclia hat; allein er verbannte die Juden daraus , welche sich bestandig wider das Reich em- izi. Porten. Diese Hartnäckigen fanden einen un- i)5. barmherzigen Rächer an ihm. Er verunehrte eine so rühmliche Regierung durch seine Grausamkeiten , und unmenschlichen und ungeheuern Wollüste. Sein ehrloser niederträchtiger An- rinous, aus dem er einen Gott machte, bedeckte scin ganzes Leben mit Schande. Der Kaiser schien seine Fehler wieder gutzumachen, und seinen verlöschten Ruhm wieder herzustellen, in- i?8. dem er den Antonin, den Frommen, an Kindes Start annahm, welcher wiederum den Marcus Aurelius, den Weisen und Philosophen, zu sei- ibi. „ein Sohne und Nachfolger erwählte. In diesen beyden Prinzen zeigten sich sehr schöne Charaktere. Der Vater lebte steck im Frieden , und war immer bereit, ihn seinen Feinden, 162« und dem Reiche zu geben. Sein Vater, Antonin, hatte ihn gelehrt, daß es besser wäre, einem einzigen Bürger das Leben zu erhalten, als tausend 169. Feinde zu schlagen. Die Parthcr, und Mar- comanner empfanden die Tapferkeit des Marcus Aurelius ; die letzten Feinde, die er überwältigt hatte, als er starb, waren die Deutschen. in die allgemeine Geschichte. 119 Die Tugend der beyden Antoninen machte diesen Mre »ach Rainen zur Lust des römischen Volkes. Der ^n^Ge, Ruhm dieses schönen Namens wurde weder durch izv, die Weichlichkeit des Lucius Verus, eines Bruders des Marcus Aurelius, und seines Mitregenten im Reiche, noch durch die viehischen Thaten des CommoduS, seines Sohnes und Nachfolgers, vertilgt. Dieser war eines solchen Vaters unwürdig, und vergaß seine Lehren und seine Beyspiele. Der Senat, und die Völker 192, verabscheuten ihn ; diejenigen unter seinen Hof- 19Z, leuten, welche ihm noch die meisten Aufwartungen machten, und seine Beyschläferinn, ließen ihn umbringen. Sein Nachfolger, Pertinax, ein muthiger Vertheidiger der Kriegszucht, mußte sich der Wut unbändiger und üppiger Soldaten aufopfern laßen, die ihn kurz vorher, wider seinen Willen, zur höchsten Gewalt erhoben hatten. Das Reich, welches von der Armee zum Verkaufe ausgeboten wurde, fand einen Käufer. Der Rcchtsgelehrte, Didius Iuliauus, r?-?. wagte diesen kühnen Kauf; allein er kostete ihm das Leben; Severus ließ ihn umbrin- -95» gen, rächte den Pertinax, gieng aus dem Oriente 198» in den Occident hinüber, triumphirte in Syrien, 207 u.f.I. in Gallien und in Großbritannien. Er, dieser 208« schnelle Eroberer, glich dem Cäsar in Ansehung seiner Siege; allein er ahmte dem Cäsar in der 209. Gnade nicht nach. Er konnte unter seinen Kin- 211. dem keinen Frieden stiften. Baßian, oder Ca- 21:. racalla, sein ältester Sohn, ein einfältiger und falscher Nachahmer Alexanders, des Großen, tödtete gleich nach dem Tode seines Vatcrs, sei- H 4 nen i2o Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach nen Bruder, Geta, der so gut, wie er, Kaiser ^dutt^ Schooße ihrer gemeinschaftlichen Mutter, Julia, brachte sein Leben in der Grausamkeit und mit Morden hin, und zog sich selbst ein trauriges Ende zu. SeveruS hatte ihm die Herzen der Soldaten und der Völker dadurch gewonnen, daß er ihm den Namen Antonin beygelegt hatte; allein er konnte die Ehre dieses 218. Namens nicht behaupten. Heliogabalus, oder vielmehr Elgabal, aus Syrien, sein Sohn, zum wenigsten nach der gemeinen Meynung , machte sich gar bald durch seine schändlichen Thaten zum Abscheu des menschlichen Geschlechtes, und stürzte sich in seinen Untergang, ob ihm gleich vorher der Name Antonin sowohl die Herzen der Soldaten, als.auch durch sie den Sieg über den 222. Macrin, zuwege gebracht hatte. Alexander Se- verus, ein Sohn der Mammaa, sein Verwandter und Nachfolger, lebte für das gemeine Wohl eine allzukurze Zeit. Er beklagte sich darüber, daß es ihm mehr Mühe kostete/ seine Soldaten im Zaume zu halten, als seine Feinde zu demü- s)5. thigen. Seine Mutter, die ihn regierte, war die Ursache seines Unterganges, wie sie die Ursache seines Ruhmes gewesen war. Unter seiner 2zz. Regierung brachte Artnrerxes, ein Perser, seinen Herrn, Artabanus, den letzten König der Parther, um, und stellte das Reich der Perser im Oriente wieder her. Die Kirche, welche noch im Wachsen war, erfüllte in diesen Zeiten die ganze Erde *, und nicht * lercuU. sävers. lud. 7 ^xol. z?. / in die allgemeine Geschichte. 121 nicht allein den Orient, wo sie ihren Anfang ge- Jahre nach nommen hatte, nämlich Palastina, Syrien, Ae- "hurt.^ gypten, Kleinasien, und Griechenland, sondern auch imOccidente, außer Italien, die verschiedenen Nationen der Gallier, alle spanischen Provinzen, Africa, Germanien, Großbritannien, und zwar in den Gegenden, wohin die römischen Waffen gar nicht hinbringen konnten, und noch außerhalb des Reiches, Armenien, Persien, und Indien. . den nicht einmal hatten einfallen lassen, sich solches zu wünschen. Andere Ursachen unterbrachen, oder verminderten die Heftigkeit der Verfolgung auf eine kurze Zeit. Allein der Aberglaube, ein Laster, welchem MarcuS Aurelius nicht entgehen konnte, der öffentliche Haß, und die Schmähungen, womit man die Kirche um ihre Ehre zu bringen suchte, gewannen gar bald die Oberhand. Die Wut der Heiden entzündete sich von neuem, und im ganzen Reiche strömte das vergossene Blut der Märtyrer. Die Lehre 2iZ« begleitete die Martern. Unter dem Kaiser, Severus, und kurz darauf, erleuchtete Tertullian, ein Priester zu Carthago, die Kirche durch eine vortreffliche Schutzschrift, und verließ endlich diese Kirche, weil er durch eine hochmüthige Strenge in die allgemeine Geschichte. 12z und durch die Träume des falschen Propheten, Jahre nach Montanus, verführt wurde. Beynahe um eben ^"^t ^' diese Zeit brachte der heilige Priester, Clemens, von Alexandricn, die Alterthümer des Heiden- thums ansucht, dasselbe damit zu beschämen und stumm zu machen. Origenes,ein Sohn des heiligen Märtyrers, LronidaS, machte sich in seiner ersten Jugend in der ganzen Kirche berühmt, und lehrte große Wahrheiten, die er mit vielen Irrthümern vermengte. Der Philosoph, Ainmonius/ bedient« sich der platonischen Philosophie zur Vertheidigung der christlichen Religion, und erwarb sich selbst unter den Heiden Ehrfurcht und Bewunderung. Unterdessen bestritten die ÄaKntinianer, die Gnostiker, und andere gottlose Sekten, das Evan- - gelium durch falsche Traditionen. Der heilige IreNäus " setzte ihnen die Tradition und das Ansehen der apostolischen Kirchen, und vornehmlich der römischen, entgegen, welche vom heiligen Petrus und vom heiligen Paulus gegründet worden , und die vornehmste unter allen war. Ter- tullian that eben dieses Die Kirche wird weder durch die Kcßereyen, noch durch die Spaltungen, noch durch den Fall ihrer berühmtesten Lehrer, erschüttert. Die Heiligkeit ihrer Sitten ist so herrlich, daß sie ihr selbst die Lobsprüche ihrer Feinde zuzieht. Die Angelegenheiten des Reiches' wurden 235, schrecklich verwirrt. Nach dem Tode Alexanders bemächtigte sich der Tyrann, Maximin, welcher * Iren, lid, III c. I, 2, z. ** Oe xraes^ aäv. Mcr. c> z6. » 124 BischofBossuets Gnleitung Jahre nach cher ihn umgebracht hatte, des Reiches, ob er Chnsti Ge- gleich nach seiner Herkunft ein Gothe war. ^ Der Senat setzte ihm vier Kaiser entgegen, welche alle binnen zween Monaten umkamen. Unter ihnen waren die beyden Gordianen, Vater und Sohn, welche vom römischen Volke sehr geliebt wurden. Der junge Gordian, ihr Sohn, bewies in seinen Thaten eine vollkommene Weisheit, ob er gleich noch in seiner ersten Jugend war, hatte aber viele Mühe, das Reich, das durch so viele Spaltungen geschwächt war, wider die Perser zu vertheidigen. Er hatte ihnen sehr S44. wichtige Pläße wieder weggenommen. Allein Philippuö, ein Araber von Geburt, erschlug ei- 245. nen so guten Prinzen, und gieng mit dem Könige in Persien, Sapor, einen schimpflichen Frieden ein, aus Furcht, von zween Kaisern überwunden zu werden, die der römische Senat nacheinander erwählte. Das ist der Erste unter den Römern, welcher einige iänder des Reiches durch einen Friedensvertrag aufgegeben hat. Man sagt, daß er die Religion der Christen zu der Zeit angenommen habe, wo er auf einmal besser zu werden schien, und es ist gewiß, daß er den Christen günstig gewesen ist *. Aus Haß gegen diesen Kaiser verfolgte Decius, der ihn umbrachte, die Christen aufs neue so heftig, als. noch niemals geschehen war. Die Kirche breitete sich auf allen Seiten aus, besonders in Gal- 249. lien und baö Reich verlohr den Decius bald, * Lulet.. Ndr. VI c. zy. ^ Lre^or. lur. I,ibr. l. ILÜor. krsnc. sü. « in die allgemeine Geschichte. 125 bald, der dasselbe tapfer vertheidigte. Die Ne- Jahre nach gierung des Gallus und Volusianus nahm bald ^A.^ ein Ende; Aemilian bestieg den Thron nur, so 251. wurde die höchste Gewalt schon dem Valerianus gegeben, und dieser ehrwürdige Greis kam wegen aller der Eigenschaften auf den Thron, die ihn dessen würdig machen konnten. Er war 257. nur gegen die Christen grausam. Unter seiner Regierung empfingen der heilige Bischof zu 258» Rom, Stephanus, und der heilige Cyprian, der Bischof zu Carthago, ungeachtet aller ihrer Streitigkeiten, welche ihre Gemeinschaft nicht aufgehoben hatten, beyde eben dieselbe Krone. Der 256. Irrthum des heiligen Cyprian6, welcher die Taufe der Ketzer, als unnütz und vergeblich, verwarf, schadete weder ihm, noch der Kirche. Dls Tradition des heiligen Stuhles behauptete sich durch seine eigene Stärke wider die scheinbaren Gründe, und wider das Ansehen eines so großen Mannes, obgleich auch noch andre große Männer eben diese Lehre vertheidigten. Eine andre 257« Streitigkeit richtete mehr Unheil an. Sabel- lius vermengte die drey Personen der Gottheit mit einander, und glaubte in Gott nicht mehr, als eine Person, welche aber drey Namen hätte Diese neue Lehre setzte die Kirche in Er- 259. staunen, und der heilige Dionysius, der Bischof von Alerandrien, entdeckte dem Pabste, dem hei» ligen Sirtus, dem Andern, die Irrthümer dieses Hauptketzers. Dieser heilige Pabst folgte dem heiligen Stephanus, seinem Vorgänger, im Märtyrertode bald nach; sein Haupt wurde ihm abge« » Lulsb. IM. LccleK llbr. VU e. 6. 126 Bischof Bossnets Einleitung Jahre nach abgeschlagen, und sein Diaconus, der heilige Lau- ^burt.^ ^entius, hatte einen schweren Kampf auszuhalten. 258.259. Damals fingen die Barbaren an, das römische 260, Reich zu überschwemmen. Die Burgunder, und andre deutsche Völker, die Gorhen, welche sonst Geten hießen, und gegen das schwarze Meer zu, über der Donau, wohnten, sielen in Europa eilt, und der Orient wurde von den asiatischen Scythen, und von den Persern, mit Krieg überzogen. Diese schlugen den Valerian, welchen sie hernach durch eine Untreue in ihre Gewalt bekamen, und, nachdem sie ihn sein Leben in eiucr beschwerlichen Sklaverey hatten zubringen lassen, als Treulose, erdrosselten, um seine zerrißne v6i. Haut,zumZeichen ihres Sieges,zu habey.Gallien, sein Sohn und Mitrcgent, vcrlohr vollends alles durch seine Weichlichkeit. Dreyßig Tyrannen 264. Heilten das römische Reich unter sich. Odenat, der König von Palmyra, einer alten Stadt, deren Stiffter Salamo seyn soll, war der Berühmteste unter allen. Er befreyte die orientalischen Provinzen von den Barbaren, und ließ sich von jhnen für ihren König erkennen. Seine Gemahlinn, Zenobia, zog mit ihm vor der Spiße seiner Kriegsheere her, die sie nach seinem Tode ^ allein anführte, und sich in der ganzen Wett dadurch berühmt machte, daß sie die Keuschheit mir der Schönheit, und die Wissenschaft mit der 268. Tapferkeit vereinigte. Claudius, d.er Andre, 270» und nach ihm Aurelian, brachten die Angelegenheiten des Reiches wieder in Ordnung. Unterdessen daß sie über die Gothen und die Deutschen herrliche Siege davon trugen, erhielt Ze- nobig ^!S?» .1-1« in die allgemeine Geschichte. 127 twbia ihren Kindern die Eroberungen ihresVa- Ichrenach terö. Diese Prinzessinn war zum Jüdenthume ge- neigt 5. UmsiezurKirchezubringen,lehrtePau- lus, von Samosata, der Bischof von Antiochien, ein eitler unruhiger Mann, seine jüdische Meynung von der Person Jesu Christi/ den er zu einem bloßen Menschen machte. Nachdem er diese neue Meynung lange verborgen gehalten hatte, wurde er auf der Kirchenversammlung zu Antiochien derselben überführt, und verdammt. Die Königinn, Zenobia, führte lange Zeit den 27z. Krieg wider den Kaiser, Aurelian, fort, wel- 274« chcr sich eine Ehre daraus machte, über eine so berühmte Frau zu triumphiren. Er machte die weise Einrichtung, daß seine Kriegsvölker, unter den beständigen Schlachten, die alte römische Kriegszucht beobachten lernten, und zeigte, daß man im Reiche, und außer dem Reiche, ohne ihm zur Last zu seyn, große Armeen unterhalten und gebrauchen könnte, wenn man die alte Ordnung, und die alte Mäßigkeit, einführte. Die Franken fingen dazumal an, sich furchtbar zu machen. Sie waren deutsche Völker, welche längst dem Rheine hin wohnten, und sich mit einander verbunden hatten **. Ihr Name 275. zeigt, daß sie die Liebe zur Freyheit mit einander vereinigt habe. Aurelian hatte sie, noch als ein Privatmann, geschlagen, und erhielt sie in der Furcht, da er Kaiser war. Dieser Prinz machte sich durch seine blutdürstigen Handlungen verhaßt. Sein * Lu5eb.tM,TccI. VII c. 27er 5e!i^, c. -s, 29, zs» Zl, z?. in die allgemeine Geschichte, izz geben hatte, nachdem er auö Italien vertrieben sichre na» worden war. Der übrige Theil des Occidentes ^U^' gehörte dem Maximian, seinem Sohne, Maxentius, und seinem Schwiegersohne, dem Con- siantin. Allein er wollte so wenig seine Kinder, als Fremde, zu Rcichsgenosscn haben. Er versuchte, seinen Sohn, Maxentius, aus Rom zu vertreiben, der ihn aber selbst daraus vertrieb. Constantin, der ihn in Gallien aufnahm, fand, Zio. daß er ihm eben so untreu war, als seinem Sohne. Maximian machte, nach verschiedncn Versuchen, seinen Schwiegersohn zu stürzen, das lehre Complot wider ihn, in welches er seine Tochter, Fausta, wider ihren Gemahl verwickelt zu haben glaubte. Allein sie hintergicng ihn, und Maximian, welcher den Constantin umgebracht zu haben glaubte, als er einen Verschnitt- nen getödtct hatte, der sich in sein Bette legen müssen *, wurde genöthigt, sich selbst das Leben zu nehmen. Nunmehr entzündete sich ein neuer z>2. Krieg. Maxentius erklärte sich, unter dem Verwände, seinen Vater zu rächen, wider den Constantin, welcher mit seinen Kriegsvölkern auf Rom losgieng. Zu gleicher Zeit liesi er die Bildseulen des Maximian umstürzen; die Bildseulen des Diocletians, welche neben jenen stunden, erfuhren ein gleiches Schicksal. Die Ruhe des Diocletians wurde durch diese Verachtung gestört, und er starb sowohl für Verdruß, als für Alter. In diesenZeiten that die StadtRom,welche immer eincFeindinn desChristenthums gewesen war, I Z den " I^Azm. idiä. c. 42, 4z. i)'4 Bischof Bossnets Einleitung Iohre nach den letzten Versuch, dasselbe zu vertilgen, und ^burt ^ richtete nichts weiter damit aus, als daß der Glaube der Christen völlig befestigt wurde *. Galerius. weichcr,von den Geschichrschrcibern,alS der Urheber der letzten großen Verfolgung, angegeben wird, nöihigte den Diocletian, zween Jahre vorher, ehe er ihn zwang, den Thron zu verlassen, den schrecklichen Befehl zu geben, die Christen heftiger, als jemals, zu ver- folgen. Maximian welcher sie haßte, und niemals aufgehört hatte, sie zu peinigen, feuerte die ' Obrigkeiten und Henker an; allein seine Gewaltthätigkeit, so außerordentlich groß sie auch war, reichte nicht an die Wut des Maximin und des GaleriuS. Man erfand alle Tage neue Todesarten. Die Schamhastigkeit der christlichen Jungfrauen ward so sehr angegriffen, als ihr Glaube. Man suchte die heiligen Schriften mit außerordentlicher Sorgfalt auf, ihr Andenken zu vertilgen, und die Christen unterstunden sich nicht, sie in ihren Hausern zu haben, oder sie zu lesen. Auf diese Weise wurde der Haß der Ver- folger,nach einer dreyhundertjahrigenVerfolgung, immer noch grimmiger. Die Christel, ermüdeten sie aber durch ihre Geduld. Die Völker wurden durch ihr heiliges Leben gerührt, und bekehr- zn. ten sich zu ganzen Haufen. Galerius verzweifelte an der Hoffnung, sie zu überwinden. Er ZlZ. wurde durch eine außerordentliche Krankheit bestraft, widerrief seine Befehle, und starb an dem Tode des Anriochus, in einer eben so heuchlerischen * Lu5. Vlll. IM. Lccl 16. äe vlr.c»M l, 57. I^Äanr. äe morre xers. 6 et 5h-z. in die allgemeine Geschichte, n schen Bußfertigkeit. Maximin setzte die Vcr- Jahre nach folgung fort; allein Constantin, der Große, ein ^W^Gc- weiser und siegreicher Prinz, nahm den christlichen Glauben öffentlich an. Diese berühmte Begebenheit, da sich Con-x>ie x? Txo- stantin zum Christenthums bekannte, trug sich im che. dreyhundert und zwölften Jahre unsers Heilan- ode / der des zu. Unterdessen als er den Maxentius in Friede in der Rom belagerte, erschien ihm vor aller Welt ein ^' Helles Kreuz in den Wolken, mit einer Aufschrift, die ihm den Sieg versprach. Eben dieses ward ihm durch einen Traum bekräftigt. Den Morgen darauf gewann er die berühmte Schlacht, welche Rom von einem Tyrannen, und die Kirche von einem Verfolger befreyte. Das Kreuz wurde,als derSchuh des römischenVolkes und des ganzen Reiches, überall aufgerichtet. Kurz darauf ziz. überwand Licinius, welcher mit dem Constantin einig war, den Maximin, welcher mit dem Ga- lcrius ein gleiches Ende nahm. Der Friede wurde in der Kirche hergestellt. Constantin überschüttete sie mit Ehrenbezeugungen und Gütern. Der Sieg j'olgte ihm überall nach, und die Barbaren wurden sowohl durch ihn, als durch seine Kinder, unterdrückt. Unterdessen veruneinigte sich Zi5» Luinius mit ihm, und erneuerte die Verfolgung. Er wurde zu Wasser und zu Lande geschlagen, Z24. und genöthigt, das Reich zu verlassen, und end- Z25. iich das Leben selbst zu verlieren. Um diese Zeit hielt Constantin zu Nicäa, in Bithynien, die erste allgemeine Kirchenversammlung, wo zu Bischöfe, welche die ganze Kirche vorstellten, den Priester Arius, einen Feind der Gottheit des Sohnes I 4 Gottes, !Z6 BischofBossuets Einleitung Jahre nach Gottes, verdammten, und ein Glaubensbekennk« ^burt^' niß aufsetzten, worinncn gelehrt wurde, daß der Sohn mit dem Vater eines Wesens wäre. Die Priester der römischen Kirche *, welche durch den Pabst, den heiligen Sylvester, dahin geschickt wurden, giengen allen Bischöfen dieser Versammlung vor, und ein alter griechischer Schriftsteller zahlt unter die Legaten des heiligen Stuhles den berühmtenHosius, den Bischof von Cordua, welcher bey der Kirchenversammlung den Vorsitz hatte**. Constantin nahm auch seinen Sitz unter den Bischöfen, und nahm ihreEntschei- dungen, als Aussprvche Gottes, an. Die Aria- ner verbargen ihre Irrthümer, und setzten sich durch ihre Verstellung wieder in seine Gnade. Z26. Unterdessen daß seine Tapferkeit das Reich in einer bestandigen Ruhe erhielt, wurde die Ruhe seiner Familie durch die Künste seiner Gemahlinn, Fausta, gestört. Crispus, ein Sohn Constan- tins, aber aus einer andern Ehe, wurde von dieser Stiefmutter angeklagt, daß er sie zu einer unerlaubten Liebe hatte verführen wollen, und fand einen unerbittlichen Vater an ihm. Sein Tod wurde bald gerächt. Fausta wurde ihrer falschen Anklage überführt, und im Bade erstickt. Obgleich Constantin durch die Bosheit seiner Gemahlinn entehrt worden war, so machte ihm doch zu gleicher Zeit die Frömmigkeit seiner Mutter viel Ehre. Sie entdeckte in den Ruinen des alten Jerusalems das wahre Kreuz unsers Hei- ' Lei. 5yric. ^cmc. Nic. libr. II, 6, 27. Siehe davon in? Anhange die Abhandlung von dem Sitze des Pabstes bev den ersten Kirchmver- sammlilngen. in die allgemeine Geschichte, iz? Heilandes, welches unzählige Wunder that. Mre mich Das heilige Grab wurde auch gefunden. Die ^At. neue Stadt Jerusalem, welche Adrianus hatte bauen lassen, die Grotte, worinnen der Heiland der Welt war gebohren worden, und alle heiligen Oer- ter wurden vomConstantin und seiner Mutter,He- lena, mit prächtigen Tempeln geziert. Der Kaiser zzo. baute vier Jahre darauf Vyzanz wieder auf; ernennte es nach seinem Namen, Constantinopcl, und machte die zweyte Residenz des Reiches daraus. Die Kirche, welche unter dem Constantin alle Ruhe genoß, wurde in Persien grausam verfolgt. Eine unzählige Menge Märtyrer bestätigten daselbst ihren Glauben. Die Mühe, welche ZZ6. sich der Kaiser gab, den persischen König, Sapor, zu besänftigen, und zum Christenthums zu bringen, war vergebens. Der Schutz desConstan-- tins verschaffte den Christen weiter nichts, als eine sichre Zuflucht. Dieser Prinz, welcher von zz?. der ganzen Kirche gesegnet wurde, starb voll Freude und Hoffnung, nachdem er das Reich unter seine drey Söhne, Constantin, Constan- tius, und Constanz, getheilt hatte. Ihre Eintracht wurde bald gestört. Constantin kam in dem Kriege um, den er mit seinem Bruder, Z4v. Constanz, wegen der Grenzen des Reiches, führte. Constantilis und Constanz waren eben so wenig einig unter einander. Constanz vertheidigte das nicänische Glaubensbekenntniß, welches Constan- tius bestritt. Damals bewunderte die Kirche die langen Leiden des heiligen AthanasiuS, des Patriarchen von Alerandrien, und des Vertheidigers des nicänischen Bekenntnisses. Er wur- Z4i. de vom Constantius von seinem Bischofthume I 5. ver- !Z8 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nack) vertrieben, und durch den römischen Pabst, dett '^burt.^ heiligen Julius, den Ersten ^, rechtmäßig wieder M. eingesetzt. Constantilis beschützte das Decret dieses Z51. Pabstes. Dieser gute Prinz regierte nicht lange. Der Tyrann, Marentius, brachte ihn durch Ver- räthercy ums Leben; allein er wurde bald wieder vom Constanz überwunden, und tödtete sich selbst. In der Schlacht, wo seine Herrschaft zu Grunde gieng, versicherte Valens, ein aricmischer Bischof, welcher von seinen Freunden heimliche Nachrichten hatte, den Kaiser Constanz, daß die Z5Z» Armee des Tyrannen in der Flucht begriffen wäre, und beredete den leichtgläubigen Kaiser, daß er solches aus einer göttlichen Offenbarung wüßte. Diese vorgegebene Offenbarung bewog ihn, sich den Arianern zu überlassen- Die rechtgläubigen Bischöfe wurden ihrer Aemter entsetzt; die ganze Kirche wurde in Verwirrung und Unruhen gebracht; die Standhaftigkeit des Pabstes, Liberius, gab endlich nach, der ins Elend verwiesen worden war, und die Verdrießlichkeit dieser Verweisung nicht länger ausstehen konnte. Die Martern machten, daß der alte Hosius, welcher 357» vordem einSchutz derKirche gewesen war,unterlie- ?59' gen mußte. Die Kirchenversammlung zu Nimini, die imAnfange sich so standhast bezeigt hattc,wurde am Ende überrascht, und gab der Gewalt nach. Nichts gieng ordentlich zu; das Ansehen des Kaisers wardas einzigeGescß. Allein die Arianer, welche dadurch alles vermochten/ konnten unter einander selbst nicht einig werden,und änderten ihrGlau- bensbekenntniß alle Tage. Das nicänischeGlau- vensbekenntniß bestund; der heilige Athanasius, und * 80c. Mlr, Lccl. Kbr. II c, !5> 8o?om. III, 8. in die allgemeine Geschichte. 159 und der heilige Hilan'us, der Bischof von Poi- Jahre nach tierS, die vornehmsten Vertheidiger desselben, ^Art.^ machten sich auf der ganzen Erde eineil ewigen Namen. Unterdessen daß der Kaiser Constanz mit den arianischen Angelegenheiten beschäftigt war, besorgte er die Angelegenheiten des Reiches sehr nachlaßig, und die Perser trugen große Vortheile davon. Die Deutschen, und die Franken, Z57. z;Z. versuchten von allen Orten her, in Gallien einzubrechen. Julian, ein Verwandter des Kai- Z59. fers, hielt sie auf, und schlug sie. Der Kaiser z6o. z6i» selbst überwand die ^-armatier, und zog gegen die Perser aus. Um diese Zeit empörte sich Julian wider den Kaiser, und wurde von der christlichen Religion abtrünnig. Constanz starb; Julian gelangte zumThrone; seineRegierung war billig, und gerecht; er verfolgte aber die Kirche auf eine ganz neue Art.Er unterhielt die Uneinigkeiten in derselben, schloß die Christen nicht allein von ql- len Ehrenamtern, sondern auch von den Wissenschaften aus, und glaubte, die Kirche mit ihren eignen Waffen zu bestreiken, da er die heilige Kirchenzucht derselben nachahmte. Die Martern und TodeSarten gebrauchte er nur mäßig, und sie wurden unter andern Vorwendungen, als unter dem Vorwande der Religion, anbefohlen. Die Christen blieben ihrem Kaiser getreu; Z6z. allein die Ehre, die er allzuheftig suchte, war die Ursache seines Unterganges. Er wurde in Per- sien umgebracht, wo er sich allzuverwegen in eine Schlacht eingelassen hatte. Jovian, sein Nach- Z64. folger, ein eifriger Christ, fand die Angelegenheiten des Reiches in verzweifelten Umständen, z66> Z67. und 14O BischofBossuets Einleitung Jahre »ach und lebte nur so lange, bis er einen schimpflichen 6br-'^ Ge- geschlossen hatte. Nach ihm führte Va- z6L. z?O. lentinian den Krieg, als ein großer Feldherr; er z?i. u. f. "ahm seinen Sohn, Gratian, von seiner ersten Jngend an, mit in den Krieg, hielt guteKriegs- zucht, schlug die Barbaren, legte Grenzfestungen des Reiches an, und beschützte im Occidentc den nicanis.hen Glauben. Valens, sein Bruder, den er zum Mitregenten annahm, verfolgte die rechtgläubige Kirche im Oriente < und da er den heiligen Basilius, und den heiligen GregoriuS Na;ianzenuS weder gewinnen, noch niederschlagen konnte, so verzweifelte er an seinem Siege über sie. Einige Arianer vermehrten die alten Lehren ihrer Ketzerey mit neuen Irrthümern. Ae- rius *, sin arianischer Priester, wird in den Schriften der Vater, als der Stifter einer neuen Keherey, bezeichnet, weil er das Priesteramt dem Bischofamte gleichschätzte, und die Bitten, und die Seelmessen, welche die Kirche für die Verstorbenen hielt, für unnütz erklärte. Der dritte Irrthum dieses Hauptketzers war dieser, daß er die Beobachtung gewisser bestimmter Fasten zur Knechtschaft des Gesetzes rechnete, und haben wollte, daß das Fasten frey seyn sollte. Er lebte noch,als sich der heilige Epiphanius durch sei- neGeschichte der Keßereyen berühmt machte,wo er Z7?« mit den andern widerlegt wird. Der heilige Martin wurde zum Bischöfe von Tours erwählt, und erfüllte die ganze Welt mit dem. Rufe seiner Heiligkeit und seiner Wunder, sowohl bey seinem Leben, als nach seinem Tode. Valcntmian starb nach * L^ixli. Iiser. 7). ^uZ. Kser. 5z. in die allgemeine Geschichte. 141 nach einer heftigen Rede, die er an die Feinde Jahre nach des Reiches hielt; sein ungestümer Zorn, der ^-^Ge, andern vor ihm eine Furcht einjagte, ward ihm endlich selbst schädlich. Sein Nachfolger, Gra- tian, sah die Erhöhung seines jungen Bruders, Valentinians, des ll, ohne Neid an. Man machte ihn zum Kaiser, ob er gleich nur erst neun Jahre alt war. Seine Mutter, Justina / eine Beschützerinn der Arianer, führte, während seiner Minderjährigkeit, die Regierung. Hier sah man in wenig Jahren verwundernswürdige Begebenheiten; die Gothen empörten sich wider den Valens; dieser Prinz verließ die Perser, die Rebellen zu unterdrücken; Gratian eilte ihm zu Hülfe, nachdem er einen herrlichen Sieg über die Deutschen davon getragen hatte; Valens, Z77- welcher allein überwinden wollte, eilte mit der Schlacht, und blieb nahe bey AdrianopoliS. Die sieghaften Gothen verbrannten ihn in einem Z?8. Stadtchen, wohin er geflohen war. Gratian, welcher von der Menge der öffentlichen Angelegenheiten beynahe zu Boden gedrückt wurde, nahm den großen Theodosius zum Mitregenten an, und übergab ihm die Herrschaft über den Orient. Die Gothen wurden überwunden, 379. und alle Barbaren in Furcht erhalten. Unter dem Theodosius, welcher sich der Angelegenheiten der Kirche nicht weniger annahm, verdammte die Kirchenversammlung zu Constanti- W. nopel die macedonianischen Ketzer, welche die Gottheil des heiligen Geistes leugneten. Es befand sich bey dieser Versammlung nur die griechische Geistlichkeit; die Einwilligung, die der Oc- cident, !42 Bischof Bossuets Einleitung Mre nach cident, und der Pabst, der heilige Damasus, lmrt. ihren Verordnungen gab, machte, daß diese Versammlung die andre allgemeine Kirchenversammlung genennt wird. Unterdessen daß Theo- dosiuö mit solcher Gewalt, und so glücklichem Z8z. Fortgange regierte, so wurde Gratian, der eben so tapfer, und eben so fromm war, von seiner ganzen Armee, die aus fremden Völkern bestund, verlassen, und dem Tyrannen, Maximus , aufgeopfert. Die Kirche und das Reich Z86. Z87. beklagten einen so guten Prinzen. Der Tyrann herrschte in Gallien, und schien, sich mit diesem Theile begnügen zu lassen. Die Kaiserinn, Justina, ließ, im Namen ihres Sohnes, zum Besten der arianischen Keßer, öffentliche Befehle verkündigen. Der heilige Ambrosius, der Bischof von Meiland, seßte ihr weiter nichts, als seine heilige iehre, sein Gebet, und seine Geduld entgegen, und richtete mit diesen Waffen so viel aus, daß er nicht allein der Kirche die Hauptkirchen erhielt, welche die Keßer einnehmen wollten , sondern auch das Herz des jungen Kaisers gewann» Unterdessen machte Maximus feindliche Bewegungen, und Justina fand keinen getreuern Unterthan, als eben diesen heiligen Bischof. Sie sendete ihn an den Tyrannen ab; allein seine Beredsamkeit konnte ihn nicht bewegen. Der junge Valentinian wurde genöthigt, mit seiner Mutter die Flucht zu ergreifen. Marimus bemächtigte sich der Stadt Rom, wo er die Opfer der falschen Götter wieder herstellte, dem Senate, Z88» welcher beynahe ganz aus Heiden bestund, gefällig zu seyn. Allein zu der Zeit, da er den ganzen Omdent eingenommen hatte, da er am sicher- in die allgetneine Geschichte. 14z sichersten zu seyn glaubte, schlug ihn Theodosius, Jahre nach dem die Franken beysiunden, in Pannonien, be-^«^ Gelagerte ihn in Aquileja, und ließ ihn seine eigne Soldaten umbringen. Nachdem also Theodosius über beydeReiche ein unumschränkter Herr war, so Z92. gab er die Herrschaft über denOccident dem jungen Valentinian wieder, der sie aber nicht lange behielt. Dieser Prinz erhob und erniedrigte den Arbogasten, einen Feldherrn der Franken, einen tapfern und uneigennützigen Soldaten, allzusehr, und dieser war doch fähig, die Gewalt, die er sich über die Kriegsvölkcr erworben hatte, mit allen Arten von Verbrechen zu behaupten. Er erhob den Tyrannen, Eugenius, zum Throne, der weiter nichts, als reden konnte, und brachte den Valentinian um, welcher den hochmüthigcn Franken nicht länger zum Herrn haben wollte. Dieser verabscheliungswürdige Streich gieng in Gallien, nahe bey Vienne, vor. Der heilige Ambrosius, welchen der junge Kaiser zu sich erfordert hatte, die Taufe von ihm zu erhalten, bedauerte seinen Untergang, und hatte die beste Hoffnung von seiner Seligkeit. Sein Tod blieb nicht ungerächt. Ein sichtbares Wunder gab dem Theodosius den 394» Sieg über den Eugenius, und über die falschen Götter, deren Dienst dieser Tyrann wieder hergestellt hatte. Eugenius wurde gefangen genommen; man mußte ihn der öffentlichen Rache aufopfern, und die Rebellion durch seinen Tod tilgen. Der trotzige Arbogast brachte sich lieber selbst um, als daß er zur Gnade des Ueberwin- ders seine Zuflucht nehmen wollte, da doch den übrigen Rebellen gnädig begegnet wurde. Theodosius -44 BischofBossuets Einleitung Iohrenach dosius allein wurde die Freude und Bewunde- ^lurt.^ ''^ ganzen Erdkreises. Er beschüßte die Religion; er ließ die Ketzer schweigen; schaffte die unreinen Opfer des Heidenthumeö ab, bestrafte die Weichlichkeit, und unterdrückte die schreckliche Verschwendung der Reichen. Er gestund seine Fehler demüthig, und that Buße da- Z90. vor. Er hörte den heiligen Ambrostus, diesen berühmten Kirchenlehrer, der ihn wegen seine« Zornes bestrafte, der das einzige Laster eines so Z95. großen Prinzen war. Er war immer sieghaft, und führte niemals Krieg, als wenn er dazu ge- Z96. nöthigt wurde. Er machte die Völker glücklich, und starb in Frieden, und sein Glaube machte ihn herrlicher, als seine Siege. Zu seiner Zeit begab sich der heilige Hieronymus in die heilige Grotte zu Bethlehem, und unternahm unglaubliche Arbeiten, die Schriftzu erklaren,las alle Ausleger durch, suchte alle heiligen und weltlichen Geschichten auf, die etwas zu ihrer Erläuterung beytragen konnten, und verfertigte eine Uebersetzung des ebräischen Originals, welche die ganze Kirche unter dem Namen der Vulgata angenommen hat. Das Reich, welches unter dem Theodo- sius unüberwindlich zu seyn schien, veränderte sich unter seinen beyden Söhnen auf einmal. ArcadiuS bekam den Orient, und Honorius den Occident zum Antheile. Beyde ließen sich von ihren Ministern regieren, und ihre Gewalt zur Beförderung der Privatangelegenheiten derselben M. dienen. Rufin, und Eutronzus, von denen einer Z99. nach dem andern ein Günstling des ArcadiuS wurde, kamen bald lim, und es lief darum mit in die allgemeine Geschichte. 145 den öffentlichen Angelegenheiten unter einem so schwa- -Mre »ach chen Prinzen nicht besser. Seine Gemahlinn, Eudo- ^'A^^'' xia, reizte ihn, den heiligen Johannes Chrysostomus, ' den Patriarchen zu Constantinopel, welcher das Licht des Orientes war, zu verfolgen. Der heilige Pabst, Innocentius, und der ganze Occident, unterstützten diesen großen Bischof gegen den TheophiluS, den Bischof von Alexandrien, den Beförderer der Gewaltthätigkeiten, welche die Kaiserinn ausübte. Der Occident 406. wurde von den Barbaren beunruhigt, welche ihn von allen Orten her überschwemmten. Radagaisus, ein Gothe, und ein Heide, verwüstete Italien. Die Vandalen, eine gothische und arianische Nation, nahmen einen Theil von Gallien ein, und breiteten sich in Spanien aus. Alaric, ein König der Gothen, arianischcr Völker, zwang den HonoriuS, ihnen diese, große Provinzen zu überlassen, welche schon von den Vandalen eingenommen waren. Stilico, der bey 4^8« der Menge dieser Barbaren nicht wußte, wie er sich helfen sollte, schlug sie bald, bald schonte er ihrer, bald verstund er sich mit ihnen, bald brach er wieder mit ihnen, opferte alles seinem Eigennütze auf, und erhielt doch dabey das Reich, dessen er sich selbst gern bemächtigen wollte. Unterdessen starb Arcadius, und hielt den Orient für so arm an guten Unterthanen, daß er den König in Pcrsien, Jsdegerdes, zum Vormunde seines Sohnes, Theodosius, machte, welcher acht Jahre alt war. Allein die Schwester des jungen Kaisers, Pulchcria, war fähig, für die öffentlichen Angelegenheiten Sorge zu tragen. Das Reich des Theodosius wurde durch die Tugend und Frömmigkeit dieser Prinzeßinn erhalten. Das Reich des HonoriuS schien, seinem Untergänge nah zu seyn. Er ließ den K Sti- 146 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach Stilico umbringen, und wußte dessen Stelle mit kel-- Evristi^Ge- ^ geschickten Staatsmanne wieder zu besetzen. 409. Die Empörung^des Constantin, der völlige Verlust Galliens, und Spaniens, die Einnahme und Plünderung der Stadt, Rom, welche Alaric mit seinen Völkern bewerkstelligte, erfolgten auf den Tod des Stilico. Ataulph, welcher noch wütender, als Alaric, war, plünderte Rom nochmals, und dachte darauf, den römischen Namen völlig zu vertilgen. Allein er nahm zum Glücke des Reiches die Schwester des Kaisers, 47z. Placidia, gefangen. Diese gefangne Prinzeßinn, mit 424. welcher er sich vermählte, besänftigte ihn. DieGothen traten mit den Römern in friedliche Unterhandlungen, 415. und schlugen in Spanien ihre Wohnungen auf, behiel- ' ten aber von Gallien die Provinzen für sich, welche an das pyrenäische Gebirge grenzen. Ihr König, Vallia, führte diese großen Absichten mit vieler Weisheit aus» Spanien bewies damals seine Srandhaf- tigkeit, und sein Glaube wurde unter der Regierung dieser Arianer nicht verderbt. Unterdessen nahmen die Burgunder, deutsche Völker, die Gegenden am Rheins ein, wo sie nach und nach das Land gewannen, das 420. noch ihren Namen führt. Die Frankeil vergaßen sich nicht; sie waren entschlossen, aufs neue zu versuchen, ob sie in Gallien eindringen könnten, und erhuben den Pharamund, den Sohn des Marcomirs, zur königlichen Würde, und die Monarchie Frankreich, welche unter allen auf der Welt die älteste und edelste ist, 42z. nahm unter ihm ihren Anfang. Der unglückliche HonoriuS starb ohne Kinder, ohne für dasBeste des 424. Reiches einige Anstalten gemacht zu haben. Theo- dosius ernennte seinen Vetter, Valentinian, den IN, einen Sohn der Placidia, und des Constantins, ih- m die allgemeine Geschichte. 147 res andern Gemahles/zum Kaiser, und übergab in seiner M?e nach Kindheit die Verwaltung der Regierung seiner Mutter, mit dem Titel einer Kaiserinn. In diesen Zeiten leug- nctcn Cölestius undPelagius dieErbsünde,und die Gnade, durch welche wir Christen sind. Ob sie gleich mit 41z. ihrer Lehre nicht öffentlich herauswollten, so wurden sie doch von den afrikanischen Kirchenversammlungen verdammt. Die heiligen Päbste, Jnnocentius, 4^6. und Zosimus, dessen Nachfolger der heilige Cöle- 41?» stin nach der Zeit wurde, bekräftigten ihre Verdammung der pclagianischen lehren, und machten ihren Ausspruch auf der ganzen Welt gültig. Der heilige Augustin widerlegte diese Keßer, und erleuchtete die ganze Kirche mit seinen vortrefflichen Schriften. Eben dieser Kirchenvater schloß den ^-emipelagianern den Mund, welche den Anfang der Rechtfertigung und des Glaubens allein der Kraft des freyen Willens zuschrieben. Der heilige Prosper, sein Schüler, stund ihm bey. Obgleich dieses Jahrhundert für das Reich so unglücklich war, und in der Kirche auch so viele KeHe- reyen aufkamen, so war es dennoch für das Christenthum sehr glücklich. Keine Unruhe erschütterte die Kirche; keine Keßerey verderbte sie. Die Kirche war an großen Mannern fruchtbar, welche alle diefe Irrthümer widerlegten. Nachdem die Verfolgungen ein Ende genommen hatten, so gefiel es Gott, die Ehre seiner Märtyrer herrlich werden zu lassen; alle Schriften und Geschichten sind von den Wundern voll, die ihre erbetne Hülfe, oder ihre geehrten Gräber, auf der ganzen Erde thaten. Vigilantius *, welcher 406» sich diesen so bekannten Lehren widerseßte,wurde von dem heiligen Hieronymus widerlegt, und hatte keinen An- K 2 hang. * Klisr. Lon. VirZil. Lennaä. äe Lcrixr. Lcclell i48 BischofBoffuets Einleitung I-chre noch hang. Der christliche Glaube befestigte sich, und breitete ^ wtt ^ alleTage mehr aus.Allein das römische Reich im Oc- cidente hatte keine Kräfte mehr. Es wurde von so vielen Feinden angefallen, und durch die eifersüchtige und neidische Uneinigkeit seiner Generale nach und nach völlig geschwächt. Bonifacius, dcr Comes von Africa, wurde durch die Künste des Aetius der Placidia verdächtig. 427. DerComes,dem man übel begegnet hatte.riefdenGense- ric und die Vandalen aus Spanien, woraus sie von den Gothen vertrieben worden waren, und er bereute es allzu spät, daß er sie herüber gerufen hatte. Africa wurde dem Reiche entrissen. Die Kirche hatte von der Gewaltthätigkeit dieser Aricmer unendliche Martern auszustehen, und sah eine unzählige Menge Märtyrer krönen. In diesen Zeiten entstunden zwo rasende Ke- 429. Hereyen. Nestorius, der Bischof von Constantinopel, trennte die Person Jesu Christi; und zwanzig Jahre darauf vermengte Eutyches, ein Abt, die beyden Naturen in Christo. Der heilige Cyrillus,der PatriarÄ von Alerandrien, widersetzte sich dem Nestorius, welcher vom Pabste, Cölestin, verdammt wurde. Die dritte allgemeine Kirchenversiimmlung, welche die Cphesini- sche genennt wird, vollstreckte diesen Ausspruch, setzte den Nestorius ab , und bekräftigte die Verordnung des Pabstes, Cölestin, welchen die Bischöfe der Kirchcn- versammlung in ihren Aussprüchen ihren Vater nen- nen. Die heilige Jungfrau Maria wurde fürdic Mutter Gottes erkannt, und die Lehre des heiligen Cyrillus * auf der ganzen Erde angenommen. Thcodosius weigerte sich zwar eine Zeitlang, unterwarf sich aber endlich doch der Kirchenversammlung, und verbannte 4Zi. den Nestorius. Eutycheö,welchcr diese Keßercy nicht anders * ?»rr. U. conc. LxKe5 ^Ä, I. 5snr. äexo5Nen. in die allgemeine Geschichte. 149 ders bestreiken konnte, als daß er auf eine andre Aus- Jahre schweifung gerieth, wurde eben so muthig verwor- fen. Der heilige Pabst, Leo, der Große, verdammte und widerlegte ihn zugleich durch einen Brief, der von der ganzen Welt verehrt wird. Die vierte 45?« allgemeine Kircheiwersammlung, welche zu Chalce- don gehalten wurde, wo dieser große Pabst, sowohl wegen seiner Lehre, als wegen des Ansehens seines Stuhles, den obersten Sitz hatte, that den Eutyches, und den Dioscor, den Patriarchen von Alercmdrien, den Beschützer des Eutyches, in den Bann. Der Brief der Kirchenversammlung an den heiligen Leo zeigt, daß er unter ihr durch seine Legaten, nicht anders, als das Haupt bey seinen Gliedern, der Oberste war, und die vornehmste und entscheidende Stimme hatte Der Kaiser, Marcian, war selbst bey dieser Kirchenversammlung nach dem Beyspiele Constan- tins zugegen, und nahm ihre Aussprüche mit eben der Ehrfurcht an. Kurz vorher hatte ihn Pulcheria zur kaiserlichen Würde erhoben, indem sie sich mit ihm vermahlt hatte. Sie war nach dem Tode seines Bruders, als Kaiserinn, erkannt worden, weil er keinen Sohn nachgelassen hatte. Allein man mußte dem Reiche einen Herrn geben, und die Tuzend des Marcian verschaffte ihm diese Ehre. W Ehrend diesen beyden Kirchenversammlungen machte sich Thco- doret, der Bischof von Cyr,in Syrien bekannr,und seine Lehre wäre ohne Flecken, wenn nicht die heftigen Schrif- ten,welche er wider den heiligenCyrill schricb,allzugroßer Erläuterungen nöthig gehabt hätten. Er erklärte sich we- , gen dieser Schriften, als ein redlicher Mann, und wurde daraufmit unter die rechtgläubigen Bischöfe gerechnet. K z Die ^ Kel. 8. L^noä. Lbslc. sä I^eon. Lonc. ?arr. III. I5<5 BischofBsssuets Einleitung Jahre nach Die Gallier fingen an, die Herrschaft der Franken butt^' erkennen. AetiuS vertheidigte sie wider den Pha- ramond und Clodius mit den langen Haaren; allein Meroväus war glücklicher, und setzte sich daselbst fest, fast zu eben der Zeit, da die Angelsachsen, welche sächsische Völker waren, Britannien einnahmen. Sie gaben diesem Reiche ihren Namen, und stifteten verschiedne Königreiche daselbst. Unterdessen verwüsteten die Hunnen, welche vom schwarzen Meere herkamen, mit einer unzähligen Kriegsmacht, unter 452» der Anführung des Attita, des Schrecklichsten unter allen Menschen, beynahe den ganzen Erdkreis. Ae- tius, welcher ihn in Gallien schlug, konnte ihn nicht abhalten, Italien zu verwüsten. Die Inseln im adriatischen Meere mußten vielen zu einer Zuflucht wider seine Wut dienen. Venedig erhob sich mitten aus dem Meere. Der Pabst, der heilige Leo, war mächtiger, als AetiuS, und die römischen Kriegshecre; er setzte sich bey diesem barbarischen und heidnischen Könige in Ansehen, und errettete Rom von der Plünderung. Allein die Wollust ihres Kaisers, Valenti- nians, stürzte sie bald darauf in dieses Unglück. Maximus, dessen Gemahlinn er mit Gewalt gemis- braucht hatte, fand einen Weg, ihn in den Untergang zu stürzen, indem er seinen Schmerz verstellte, und sich aus seiner Gefälligkeit gegeil den Kaiser ein Verdienst zu machen schien. Der Kaiser ließ sich durch seine betrügerischen Rathschläge verleiten, den Aetius, den einzigen Beschützer dos Reiches, mit eigner Hand 454. umzubringen. Maximus, der eigentliche Urheber dieses Mordes, reizte die Freunde des AetiuS zur Rache, und ließ den Kaiser umbringen. Auf diesen 455« Stufen stieg er Zum kaiserlichen Throne, und nöthigte die in die allgemeine Geschichte. 151 die Kaiserinn, Eudoxia, eine Tochter des jungen Theo- Jahre nach dosius, ihn zum Gemahle anzunehmen. Sie scheute Ge- sich nicht, sich in die Gewalt des vandalischen Gen- sericö zu begeben, um nur den Handen des Maximus zu entgehen. Rom wurde ein Raub der Barbaren; der einzige heilige Leo verhinderte es noch, daß nicht alles mit Feuer und Schwerdte verheert wurde. Das Volk zerriß den MarimuS, und das war der einzige traurige Trost, den es in seinem Unglücke hatte. Al-- 456. lcs gcrieth im Occidente in Verwirrung. Es warf 4s/. sich einer nach dem andern zum Kaiser auf; aber sie nahmen alle fast zu einer Zeit wieder ein Ende. Ma- jorian war der Berühmteste unter ihnen. Avitus 458« behauptete seinen Ruhm sehr schlecht, und rettete sich durch ein Bischofthum. Man konnte Gallien nicht mehr, weder gegen den Meroväus, noch gegen den Childeric, seinen Sohn, vertheidigen; dieser aber wäre beynahe wegen seiner Wollüste umgekommen. Seine Unterthanen verjagten ihn; allein 465. ein getreuer Freund, der ihm noch übrig geblieben war, brachte es dahin, daß er wieder zurückberufen wurde» Seine Tapferkeit machte ihn seinen Feinden furchtbar, und er drang mit seinen Eroberungen sehr tief in Gallien ein. Das Kaiserthum im Oriente war unter der 474. Regierung des Leo Thrax, eines Nachfolgers des Mar- 475. cians, und unter dem Zeno, dem Schwiegersöhne, und Nachfolger des Leo, ganz ruhig. Der Aufruhr 476» des Basiliskus wurde bald unterdrückt, und verursachte diesem Kaiser nur eine sehr kurze Unruhe. Allem das Kaiserthum im Occidente gieng ohne alle Hoffnung verlohren. Augustus, ein Sohn des Orestes, den man Augustulus nannte, war der Letzte, der in Rom für einen Kaiser erkannt K 4 wurde. 152 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach wurde. Odoacer, ein König der Heruler, seßte die- ^brist^Ge- ^„ Kaiser bald nach dem Antritte seiner Regierung ab. Dieses waren Völker, welche vom schwarzen Meere herkamen. Ihre Herrschaft dauerte nicht lange. Im Oriente unterfing sich der Kaiser, Zcno, sich auf eine unerhörte Weise hervorzuthun. Er war der Erste unter den Kaisern, welcher sich in die Entscheidung und Bestimmung der Glaubensfragen mengte. Unterdessen baß sich die Semieutychiancr der chalcedonischen Kirchenvcrsammlung widersetzten, 482. machte er wider sie sein Henoncon, oder seinen Vcr- einigungsbefehl, bekannt, welcher von den Katholiken verabscheut, und vom Pabste, Felix, dem Dritten, verdammt wurde. Theodoric, der König der Ostgothcn, 48?. oder der orientalischen Gothen, vertrieb die Heruler 4.90. aus Rom, stiftete das Königreich Italien, und ließ die freye Uebung der katholischen Religion zu, 491. 492. ob er gleich ein Arianer war. Allein im Oriente beunruhigte sie der Kaiser, Anastasius. Er trat in die Fußstapfen des Zeno, seines Vorgangers, und 494. schützte die Ketzer. Dadurch machte er die Gemüther des Volkes von sich abwendig, und konnte sie niemals wieder gewinnen, ob er sie gleich von vielen schweren Auslagen befreyte. Italien gehorchte dem Theodoric. Odoacer, welcher in Ravenna bedrangt wurde, that den Versuch, sich durch eineil friedlichen Vergleich zu retten, den aber Theodoric nicht hielt, daß also die Heruler gcnörhigt wurden, alles zu verlassen. Theodoric hatte außer Italien auch die 494« Provence in seiner Gewalt. Zu seiner Zeit fing der heilige BenedicruS, welcher sich in Italien in eine Wüste begeben hatte, von seinen zartesten Jahren an, die heiligen Grundsätze in Ausübung zu bringen, wor- in die allgemeine Geschichte. 15z aus er nachgehends die heiligen Ordensgebräuche ver- Ichre nach fertigte, welche alle Mönche im Occidcnte mit eben der Ehrfurcht annahmen, mit welcher die Mönche im Oriente die Vorschriften des heiligen BasiliuS beobachteten. Ciovis, ein Sohn des Childeric, trug so viele Siege über die Römer davon, daß sie endlich Gallien ganz verlchren. Er trug auch über die 495« Deutschen den Sieg in der Schlacht bey Tolbiac davon, nachdem et das Gelübde gethan hatte, die christliche Religion anzunehmen, wozu ihn seine Gemahlinn, Clotilde, immer zu bewegen suchte. Sie war aus dem Hause der Könige von Burgund, und eine eifrige Katholikinn, obgleich ihre Familie und ihre Nation Arianer w.aren. Clovis, welcher durch den heiligen Vaast unterrichtet worden war, wurde mit seinen Franzosen, zu RheimS, von dem heiligen Remi, dem Bischöfe dieser allen Hauptstadt, getauft. Er war der Einzige unter den Fürsten auf der Welt, welcher die katholische Religion beschützte, und erwarb dadurch sich, und seinen Nachfolgern, den Namen der Al!er, den Bann that. Der heilige Marimus, welcher im ganzen Oriente seiner Frömmigkeit, und seiner Lehre wegen berühmt wurde,verließ den Hof, welcher von der neuen Keßerey ganz angesteckt war, bestrafte die Kaiser öffentlich, welche sich unterstanden hatten, Glaubensfragen zu entscheiden, lind stund für die rechtgläubige Reli- 65c?. gion unzählige Martern aus. Der Pabst wurde von ei- 654. nemOrte zum andern verwiesen; der Kaiser verfolgte ihn beständig, und endlich starb er unter seinen ieiden, ohne sich zu beklagen, und ohne in den Pflichten läßig zu werden, die er seinem Amte schuldig war. Unterdessen machte sich die neue englische Kirche, welche durch die Sorgfalt der Päbste, Bonifacius, des V, und des Honorius, immer mehr befestigt wurde, auf der ganzen Erde berühmt. Die Wunder waren, wie zu den Zeiten der Apostel, daselbst so häufig, wie die Tugenden, und nichts war daselbst herrlicher, als die Heiligkeit der Könige. Eduin nahm mit seinem gan- 627. zen Volke den Glauben an, der ihm den Sieg über seine Feinde zuwege gebracht hatte, und bekehrte seine Nachbaren. Oswald diente den Predigern des Evan- 654. L gelii 162 Bischof Bossütts Eillleitung Jahre nach gelii zum Dolmetscher, uiid ob er gleich wegen seiner Christi Ge- Eroberungen berühmt war, so zog er doch diesem "5^. Ruhme, den Ruhm, ein Christ zu seyn, vor. Die Mercier wurden vom Osvin, dem Könige in Northum- berland, bekehrt; ihre Nachbarcn und Nachfolger traten in ihre Fußstapfen, und ihre guten Werke waren unzahlbar. Im Oriente gieng alles zu Grunde. Unterdessen daß die Kaiser ihre Zeit mit ReligionSstreitigkeiten zubrachten, und Ketzereyen erfanden, drangen dieSa- 654. racenen ins Reich; nahmen Syrien lind Palastina 6z5. hinweg; die heilige Stadt mußte ihnen unterwürfig seyn; Persien stand ihnen wegeil der innerlichen Zwi- 6z6. siigkeiten offeil, und sie nahmen dieses große König- 6z/. reich ohne Widerstand weg. Siegiengen nach Africa, und waren so mächtig, daß sie gar bald eine ihrer 647. Provinzen daraus machen konnten. Die Insel Cy- 648. pern wurde ihnen unterwürfig, und sie vereinigten in welliger denn dreyßig Jahren alle diese Eroberungen mit den Eroberungen Mahomets. Italien, das immer unglücklich und verlassen war, seufzte unter den Waffen der Lombarden. Constcmz ließ alle Hoffnung fahren, sie zu vertreiben, und faßte den Entschluß, dasjenige zu verwüsten, was er nicht behaupteil konnte. 66z. Er wurde grausamer, als die Lombarden selbst, und kam nach Rom, aber nur in der Absicht, die Schätze der Stadt zu plündern; die Kirchen selbst konnten sich vor ihm nicht retten; Sicilien und Sardinien wurden verheert; und nachdem er sich aller Welt verhaßt gemacht 66Z. hatte, wurde er von den Seinigen umgebracht. Die Saracenen bemächtigten sich unter seinem Sohne, Constantin, dem Bärtigen, der Provinzen Cilicien 571.672. und Lycien. Constantinopel, welches sie belagerten, wurde in die allgemeine Geschichte. 165 wurde noch durch ein Wunderwerk befreyct. Die Jahre »ach Bulgaren, welche von den Gegenden, wo sich die Wolga in die See ergießt, herkamen, vereinigten sich ' mit allen den Feinden, von welchen das Reich bedrängt wurde, und nahmen den Theil vonThracien ein, der ieht Bulgarien genennt wird, und vordem Mysien geheißen hat. i Die englische Kirche gebahr andre neue Kirchen.- Der heilige Wilfried, der Bischof von Jork, wurde aus seinem Bischofthume vertrieben, und bekehrte Friebland. Der ganzen Kirche wurde durch die 68o. sechste allgemeine Kirchenversammlung ein neues Licht angezündet. Sie wurde zu Constantinopel gehalten, der heilige Pabst, Agathon, sendete Legaten dahin, welche die Oberstelle einnahmen, und das meiste zu sprechen hatten; er selbst aber erklärte den katholischen Glauben in einem vortrefflichen Schreiben. Die Kirchenversammlung that einen Bischof, der wegen seiner Lehre sehr berühmt war, einen Patriarchen von Alerandrien, vier Patriarchen von Constantinopel, mit einem Worte, alle Stifter der Keßerey der Monotheliten, in den Bann, ohne selbst den Pabst, Honoriuö, zu schonen, der ihrer geschont hatte. Nach dem Tode Agathons, welcher, wahrend der Kirchen- , Versammlung, starb, bekräftigte sein Nachfolger, der heilige Leo, der ll, alle Aussprüche derselben, und ließ alle diejenigen im Banne, welche von ihr verdammt worden waren. Constantin, der Bärtige, welcher ein Nachahmer Constantins, des Großen, und des Kaisers, Marcians, war, kam selbst in diese Kirchenversammlung , und weil er alle ihre Aussprüche mit eben der Ehrfurcht, als jene, annahm, so wurde er mit eben den Titeln, als jene, mit den Namen eines rechtglau- L 2 bigen. !64 Bischof Bossuets Einleituilg Iahrenach bigen,eincsfrommen,undsricdliebendenKa'sersbeehrt/ lmtt man sagte ihm zum Ruhme, daß er die Religion 6^. wieder hergestellt hätte. Sein Sohn, Justinian, der II, 6Z5^ ward sein Nachfolger, als er noch ein Kind war. Zu feiner Zeit breitete sich der Glaube in Norden aus, 689. und wurde daselbst verherrlicht. Der heilige Kilicm wurde vom Pabste, Conon, nach Franken gesendet, und verkündigte daselbst das Evangelium. Zu den Zelten des Pabstes, Sergius, kam Ceadual, einer von den König«! in Engelland, persönlich nach Rom, zur römischen Kirche überzutreten, deren Glaube bis in seine Insel gedrungen war. Nachdem er von den Händen des Pabstes selbst die Taufe empfangen hatte, starb er, wie er sich solches gewünscht hatte. Das Haus des Clovis war in eine bedauernswürdige Schwachheit gefallen. Die Prinzen waren immer minderjährig gewesen/ weim sie die Regierung angetreten hatten,und dieses hatte Gelegenheit gegeben, siezu einer Weichlichkeit zugewöhnen, welcher sie nicht loswerden konnten, wenn sie mündig wurden. Daher kam eine lange Reihe nichtswürdiger Könige, welche von der königlichen Würde nichts als den Namen König hatten, und alle Gewalt den Oberhofmar- 69?. schallen überließen. Unter diesem Titel herrschte Pi- 695. pin Heristel über alles, und erhob seine Familie so hoch, daß sie alles hoffen konnte. Sein Ansehen machte es, daß der Glaube, nach dem Tode des heiligen Wigbert, in Friesland ausgebreitet wurde, welches Frankreich erebert hatte. Der heilige Swibert, der heilige Willelrod, und andre apostolische Manner, breiteten die eva-> Mische ehre in den benachbarten Proviinen aus. Umerde^'n war die Minderjährigkeit des Kaisers/ Iustim'ans, glücklich vergangen. Die in die allgemeine Geschichte. 165 Die Siege des Leontius hatten die Saracenen gede- Jahre nach müthigt, und die Ehre des Reiches im Oriente wie- ^^^'^^ der hergestellt. Allein dieser tapfre Feldherr, welcher unrechtmäßiger Weise angehalten, und zur unrechten Zeit wieder losgelassen wurde, ließ seinem 694» Herrn die Nase abschneiden, und vertrieb ihn. Die- 696. sem Nebellen wurde vom TiberiuS, AbsimareS genannt, eben so begegnet, welcher aber auch nicht lange bey der Regierung blieb. Iusiinian, welcher wieder auf 7^2. den Thron gesetzt wurde, war gegen seine Feinve undankbar, und indem er sich an seinen Feinden rächte, so erweckte er sich noch weit fürchterlichere Freunde, 7". welche ihn umbrachten. Die Bildnisse deöPhilippi- cus, seines Nachfolgers, wurden in Rom nicht angenommen , weil er den Monotheliten günstig war, und sich wider die sechste allgemeine Kirchenversammlung erklärte. Man erwählte zu Constantinopel, Ana- 7^3* stasius,den II, einen rechtgläubigen Prinzen, und dem Philippicus wurden die Augen ausgestochen. Um diese Zeit waren die Wollüste des Königes, Roderich, oder Rodrigo, Ursache, daß Spanien den Mohren überliefert wurde; so wurden die asricanischen Saracenen genannt. Der Graf, Julian, der seine Tochter rächen wollte, die sein König misbrauchte, rief diese Ungläubige!: nach Spanien. Sie kamen mit unzähligen Heeren; dieser König kam um: Spanien mußte ihnen unterwürfig werden, und das Reich der Gothen hatte ein Ende. Die spanische Kirche wurde damals in eine neue Versuchung geführt. Allein da sie sich unter den Arianern erhalten hatte, so konnten sie die Mahometaner auch nicht überwältigen. Sie ließen der Kirche im Anfange noch Freyheit genug; allein in den folgenden Iahrunderten mußte sie große An- L z falle i66 Bischof Bossuets Einleitung ?Hre nach falle aushalten. Die Keuschheit und der Glaube ^"burt^' hatten unter der Tyrannei) einer so viehischen, als un- 7l?. gläubigen Nation ihre Märtyrer. Die Regierung des Kaisers, Anastasius, dauerte nicht lange. Die Armee nöthigte denTheodosius,den III, die Krone anzunehmen. Hier mußte gestritten seyn: Der neue Kaiser gewann die Schlacht, und Anastasius wurde in ein Kloster gesteckt. Die Mohren, welche Herren über Spanien waren, machten sich Hoffnung, daß sie sich über die pyrenaischen Gebirge würden ausbreiten tonnen. Allein Carl Martel war dazu bestimmt, sie zu unterdrücken. Er hatte sich in Frankreich in die Höhe geschwungen, und, ob er gleich ein unehliger Sohn des PipinHeristel war,dcnnoch seine Macht überkommen. Dieser Pipin hatte seinem Hause Australien, als ein freyes Fürstenthum, und die Herrschaft über Neustrien mit der Würde ^ines Obcrhofmar- 716» schalles, überlassen. Carl vereinigte durch seine Tapferkeit alles zusammen. Die Angelegenheiten des Orients waren in der größten Verwirrung. LeoIsau- ricuö, welcher über den Orient geseht war, wollte den TheodosiuS nicht erkennen, welcher auch das Reich freywillig wieder verlicß,wcil man ihn gezwungen hatte, dasselbe anzunehmen. Er begab sich nach Ephesiis, und beschafftigte sich nur mit Dingen, welche eine wahre Größe haben. Die Saracenen wurden wahrend der Regierung des Leo oft und hart geschlagen. 718. Sie mußten die Belagerung vor Constantinopel auf- 71?. heben, und mit Schimpfe wieder abziehen. Pcla- gius, welcher sich in den Gebirgen von Asturien mit den Tapfersten und Herzhaftesten unter den Gorhcn gelagert hatte, trug einen herrlichen Sieg über die Saracenen davon, und sehte diesen Ungläubigen ein neues in die allgemeine Geschichte. 167 neues Königreich entgegen, dessen Beherrscher sie Iahrenach künftig einmal aus Spanien vertreiben sollten. So ^^rt.^' viel Mühe sich auch die unzählbare Armee des Ab- ' derames, ihres Heerführers, gab, über die Franzosen zu triumphiren/ so trug dennoch Carl Martel in der berühmten Schlacht bey Tours den Sieg über sie davon. Es kam eine unzahlbare Menge dieser Ungläubigen in diesemTrcffen um,und ihr Anführer blieb selbst aufdcm Platze. Dieser Sieg, durch welchen Carl den Mohren Einhalt that, wurde von vielen andern Vortheilen begleitet. Er erweiterte die Grenzen seines Reiches bis an die pyrenaischcn Gebirge. In Gallien gehorchte alles den Franzosen, und alle erkannten den Carl Martel für ihren Herrn. Er war im Frieden und im Kriege mächtig, und ein unumschränkter Herr über das Königreich; er herrschte unter verschiednen Königen, die er, wie es ihm einfiel, bald einsetzte, bald absetzte, ohne sich zu unterstehen, diesen großen Namen selbst anzunehmen.! DerNeid der Großen unter den Franzosen mußte aufdiese Weise hintcrgangen werden. 72z. Die Religion sing an, in Deutschland ausgebreitet zu werden. Der heilige Bonifacius, ein Priester, bekehrte diese Völker, und wurde vom Pabste, Gre- gorius, dem II, der ihn dahin gesandt hatte, zum Bischöfe in Deutschland gemacht. Das Reich war dazumal ziemlich ruhig; allein Leo setzte es in lang anhaltende Unruhen. Er unterfing sich, die 726« Bilder Jesu Christi, und seiner Heiligen, umzustürzen, als wenn es Götzenbilder waren. Da'er den heiligen Germanus, den Patriarchen von Constantinopel, nicht auf seine Seite bringen konnte, so that er solches eigenmächtig. Man sah ihn, nach einer Verordnung des Senats, zuerst eine Bildscule Jesu Christi zer- L 4 brechen. i68 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach brechen, welche über dem großen Eingänge der Kir- burt^^ ^ Constantinopel stund» Damit nahmen die Gewaltthätigkeiten der Jconoklasten, oder der Bilderstürmer, ihren Anfang. Die andern Bilder, welche die Kaiser, die Bischöfe, und alle Glaubigen, seitdem in der Kirche Ruhe gewesen war, so wohl an öffentlichen, als besondern Oertern, aufgerichtet hatten, wurden auch umgeworfen. Bey diesem traurigen Schauspiele gerieth das Volk in Bewegung. Die Bildseulen des Kaisers wurden an verschiednen Orten niedergerissen. Er glaubte, daß seine Person beleidigt worden wäre, und man hielt ihm vor, daß er Jesum Christum, und seine Heiligen, auf eben diese Art beleidigte, und daß nach seinem eignen Geständnisse die Schmach, die dem Bildnisse angethan würde , auf das Original zurückfiele. Italien gieng noch weiter; die Gottlosigkeit des Kaisers war Ursache, daß man ihm die gewöhnlichen Schutzgelder verweigerte. Luitprand, ein König der Lombarden, bediente sich eben dieses Vorwandes, Ravenna, den Sitz der Exarchen, einzunehmen. So nennte man die Statthalter, welche die Kaiser nach Italien sendeten. Der Pabst, Grcgorius, der ll, widersetzte sich der Umstürzung der Bilder; allein er widersetzte sich zu gleicher Zeit auch den Feinden des Reiches, und gab sich Mühe, die Völker im Gehorsame zu erhal- 7zc>. ten. Der Friede wurde mit den Lombarden geschlossen , und der Kaiser vollstreckte seine Verordnung wider die Bildnisse noch weit heftiger, als sonst. Allein der berühmte Johannes Damascenus erklärte sich gegen ihn, daß er in Religionssachen keine andern Verordnungen, als die Befehle der Kirche, annähme, 759. 742. und er mußte viel darüber leiden. Der Kaiser vertrieb den in die allgemeine Geschichte. 169 den heiligen Germanus von seinem bischöflichen Jahrenach Stuhle, welcher in seinem neunzigsteil Jahre im ^'A^^ Elende starb. Kurz darauf ergriffen die Lombarden die Waffen aufs neue; die Römer mußten viel von ihnen leiden, und sie würden noch mehr haben leiden müssen, wenn sie nicht durch das Ansehen des Carl Martels waren zurück gehalten worden, dessen Beystand der Pabst, Grcgorius, der Andre, sich ausgebeten hatte. Das neue Königreich in Spanien, wel- 741, ches man in diesen ersten Zeiten das Königreich O- viedo nannte, vergrösserte sich durch die Siege und die kluge Regierung des Alphonsus, eines Schwiegersohnes des Pelagius. Dieser König nahm, wie Recaredo, von dem er abstammte, den Namen eines katholischen Königes an. Leo starb, und hinterließ so wohl das Reich, als die Kirche, in einer großen Bewegung. Artabaz, ein Prator in Armenien, ließ sich-anstatt des Constantins, der mit dem Zunamen, Copronymus, hieß, eines Sohnes des Leo, zum Kaiser ausrufen, und vertheidigte den Bilderdienst. Nach 742. Carl Martels Tode bedräute Luitprand Rom von 74^ neuem: das Exarchat zu Ravenna war in Gefahr, und Rom hatte seine Erhaltung der Klugheit des heiligen Pabstes, ZachariaS, zu danken. Constantin> welcher in Noth war, dachte im Oriente auf weiter nichts, als wie er sich auf dem Throne befestigen wollte. Er schlug den Artabaz, nahm Constanti- nopel ein, und ließ sehr viele hinrichten. Carl Mar- 747. tels beyde Kinder, Carlomann, und Pipin, erbten die Macht ihres Vaters; allein Carlomann bekam bald einen Ekel vorder Welt, und ward mitten in seiner Größe, und mitten unter seinen Siegen, ein Mönch. Dadurch vereinigte sein Bruder, Pipin, alle Macht in L 5 einer i7v Bischof Bossuets Einleitung Iahrenach einer Person. Er wußte das Geheimniß, diese -br'^Ge-M^cht durch seine großen Verdienste zu behaupten, und nahm sich vor, sich auf den Thron zu setzen. 752. Childeric, der Elendeste unter allen Prinzen, bahnte ihm selbst den Weg dazu, und war bey seiner Trägheit auch ein unsinniger Prinz. Die Franzosen wurden endlich ihrer faulen und niederträchtigen Könige müde, und waren schon seit langer Zeit an das Haus ihres Carl Martels gewohnt, welches an großen Männern fruchtbar war. Sie stunden nur wegen des SchwureS, den sie dem Childeric geleistet hatt«n, noch einige Zeit an , den Pipin zum Könige auszurufen. Als ihnen aber der Pabst auf ihre Fragen, die sie deswegen an ihn ergehen lassen, geantwortet hatte, glaubten sie frey und ihres Eides erlassen zu seyn, den sie ihrem Könige geleistet hatten, weil er und seine Vorfahren, seit mehr denn zweyhundert Jahren, dem Rechte, über sie zu herrschen, dadurch entsagt zu haben schienen, daß sie mit dem Oberhofmarschallamte alle 75z. Gewalt hatten vereinigen lassen. Pipin ward also auf den Thron gesetzt, und der Name eines Königes ward mit dem Ansehen eines Königes wieder vereinigt. Der Pabst, Stephanus, der II, fand in dem neuen Könige eben den Eifer, den Carl Martel für den heiligen Stuhl wider die Lombarden bewiesen hatte. Nachdem er den Kaiser vergebens um seinen Beystand gebeten hatte, so warf er sich in die Arme 754. der Franzosen. Der König empfing ihn in Frankreich mit vieler Ehrfurcht, und j wollte von seiner Hand eingeweiht und gekrönet seyn. Zu eben der Zeit gieng er über die Alpen, befreyte Rom, und das Exarchat von Ravenna, und nöthigte den Astolph, den König der Lombarden, zu einem billigen Frieden. Unter- in die allgemeine Geschichte. 171 Unterdessen führte der Kaiser mit den Bildern Krieg. Jahre nach Er berief eine zahlreiche Kirchenversammlung zu Con-^"^.^ stantinopel, damit er sich mit dem Ansehen der Kirche vertheidigen könnte. Man sah aber *, wie es doch gewöhnlich war, weder die Legaten des heiligen Stuhles, noch die Bischöfe, noch die Legaten der andern Patriarchen/ in dieser Kirchenversammlung erscheinen. Man verdammte darinnen nicht allein alle Ehre, welche man den Bildern zum Andenken der Originale erzeigte, als einen Götzendienst, sondern auch die Bildhauerkunst und Malerey, als verab- scheuungswürdige Künste **. Dieses war die Meynung der Saracenen, deren Anrathen Leo, wie man sagte, gefolgt haben sollte, als er die Bilder umstürzte. Unterdessen kam doch in dieser Kirchenversammlung nichts wider die Reliquien vor. Die Kir- chenversammlung des Copronymus *** verbot es nicht, sie zu ehren, und that diejenigen in den Bann, welche zum Gebete an die heilige Jungfrau, und an die andern Heiligen, ihre Zuflucht nicht nehmen wollten. Die Katholiken, welche wegen der Ehre/ die sie den Bildern erwiesen, verfolgt wurden, antworteten dem Kaiser, daß sie lieber alle Arten von Elend ausstehen , als Jesum Christum auch in seinem Schatten nicht ehren wollten. Unterdessen gieng Pipin wieder 755. über die Alpen, und züchtigte den ungetreuen Astolph, welcher sich weigerte, den Friedensvergleich zu erfüll len. Die römische Kirche empfing niemals ein schöneres Geschenk, als dasjenige, welches ihr dieser fromme Prinz gab. Er schenkte ihr die Städte, welche * conc. Nic. II. SÄ. 6. Idi-j. äeknir. ?leuäo5yn, Q?. Ibüi. eieuäohn. c. x. c-m. IX er XI. -^-^t. 172 Bischof Bossuets Einleitung Ichrenach welche er von den Lombarden wieder erobert hatte, ^durt^ ^^^'^ch^ bm Copronymus, daß er! sie zurückforderte , da er sie nicht hatte vertheidigen können. Seit dieser Zeit wurden die Kaiser in Rom nicht sonderlich mehr geachtet. Sie wurden durch ihre geringe Macht verächtlich, und durch ihre Irrthümer verhaßt. Pi- pin wurde, als der Beschüßer des römischen Volkes und der römischen Kirche, angesehen. Diese Würde wurde seinemHause, und den Königen von Frankreich, erblich. Carl, der Große, ein Sohn des Pipins, behauptete sie mit so viel Muth, als Frömmigkeit. 772. Der Pabst, Hadrian, nahm seine Zuflucht zu ihm, wider den Didier, den König der Lombarden, welcher verschiedne Städte weggenommen hatte/ und ganz 77z. Italien bedrohte. Carl, der Große, gieng über die Alpen. Alles wich vor seinen siegreichen Waffen, 777. Didier wurde ihm überliefert, und die lombardischen Könige, die Feinde der Stadt Rom und der Päbste, hatten in der Person des Didier ein Ende. Carl, der Große, ließ sich zum Könige in Italien krönen, und nahm den Titel eines Königes der Franzosen und der Lombarden an. Zu gleicher Zeit übte er in Rom, in der Würde eines Patricius, die oberste unumschränkte Gewalt aus, und bekräftigte dem heiligen Stuhle die Schenkungen des Königes, seines Vaters. Die Kaiser konnten den Bulgaren kaum widerstehen, und unterstützten die Vertriebnen Lombards, den vergebens. Der Bilderstreit währte beständig fort. Leo, der IN, ein Sohn des Copronymus, schien im Anfange besänftigt zu seyn ; allein er erneuerte die Verfolgung, so bald er Herr zu seyn glaubte. Er starb bald. Sein Sohn, Constantin, welcher zehn Jahre alt war, da er ihm nachfolgte, regierte unter der in die allgemeine Geschichte. 17z der Vormundschaft der Kaiserinn, Irene, seiner Jahre nach Mutter. Damals fingen die Sachen an, ein andres ^"^^ Ansehen zu gewinnen. Paulus, der Patriarch von ^ Constantinopel, erklärte sich, am Ende seines Lebens/ daß er die Bilder wider sein Gewissen bestritten hatte, und gieng in ein Kloster, wo er, in Gegenwart der Kaiserinn, das Unglück der Kirche zu Constantinopel beklagte, die von den vier andern patriarchalischen Sitzen abgesondert war. Er schlug ihr die Berufung einer allgemeinen Kirchenversammlung, als das einzige Mittel, wider ein so großes Uebel vor. TarasuS, sein Nachfolger, behauptete, daß der Streit nicht ordentlich entschieden worden wäre, daß man mit einer Verordnung des Kaisers angefangen, und darauf eine Kirchenversammlung wider alle Formalitäten gehalten hätte; da doch in Religionssachen die Kirchenversammlungen den Anfang machen, und die Kaiser hernach das Urtheil der Kirche bestätigen müßten» Auf diese Gründe berief er sich, und Nahm das Patriarchat auf keine andre, als diese Bedingung an, daß eine allgemeine Kirchenversammlung gehalten werden sollte. Diese wurde zu Constantinopel angefangen , und zu Nicäa fortgesetzt. Der Pabst * 78?. schickte seine Legaten dahin; die Versammlung der Bilderstürmer wurde verdammt, und sie wurden, als Leute, verabscheut, welche, nach dem Beyspiele der Saracenen , die Christen eines Götzendienstes beschuldigten. Man that den Ausspruch, daß man die Bilder zumAndenken,und ans Liebe gegen die Originale, ehren sollte. Dieses heißt in der Kirchenversammlung, eine relativische Verehrung, eme Anbetung und Begrüßung, die ihnen zu Ehren ge, . wie. U. ^VÄ. Siehe im Anhange die Betung über die>e Kirchenversammlung. !74 Bischof Bossuets Eitlleitung I^re «.ich geschieht, und sie wird der höchsten Verehrung, ^hurt^ gorreodlenftlichen Anbetung, oder einer völligen Unterwerfung entgegengesetzt, welche die Kirchenversammlung Gott allein vorbehält. Außer den Legaten des heiligen Stuhles, und dem Patriarchen zu Constantinopel erschienen auch die Legaten der andern Patriarchen, welche dazumal von den Ungläubigen unterdrückt wurden. Einige haben ihnen ihre Gesandtschaft streitig gemacht; allein das ist außer Streit, daß alle Patriarchen die Aussprüche dieser Kirchenversammlung nicht allein nicht verworfen, sondern auch ohne Widerspruch angenommen haben. Die ganze Kirche hat sie für gültig erkannt. Die Franzosen, welche theils Götzendiener, theils neue Christen zu Machbaren hatten, deren Gedanken sie durch diese Aussprüche zu verwirren befürchteten, stunden lange Zeit an, die Kirchenversammlung zu erkennen, weil sie überdies) noch wegen des zweideutigen Ausdruckes, Änderung, in Ungewißheit waren. Unter allen Bildern wollten sie keins, als das Bild des Kreuzes, ehren, das durchaus von den Figuren ganz unterschieden ist, welche die Heiden für Götter hielten. Ins dessen erhielten sie doch die andern Bildnisse an einem geehrten Orte, und selbst in der Kirche, und verabscheuten die Bilderstürmer. Der übrige Unterschied verursachte noch keine Spaltung. Endlich sahen die Franzosen ein, daß die Vater der nicänischen Kirchenversammlung keine andre Verehrung der Bilder ver< langten, wenn die verschiednen Grade darinnen beobachtet würden, als sie selbst den Reliquien, dem Evangclienbuche, und dem heiligen Kreuze erwiesen, md diese Kirchelwersammlung wurde von der ganzen Chri- in die allgemeine Geschichte. 175 Christenheit unter dem Namen der siebenten allge- ^Zahre nach meinen Kirchenversammlung geehrt. Art.^ Wir sind also von den sieben allgemeinen Kirchen- Versammlungen unterrichtet, welche der Orient und der Occident,die griechische, und die lateinische Kirche, mir einer gleichen Ehrfurcht annehmen. Die Kaiser beriefen diese großen Versammlungen, vermöge der unumschränkten Gewalt, die sie über die Bischöfe, oder zum wenigsten über die Vornehmsten hatten, denen die übrigen alle unterworfen waren, und die als Unterthanen des Reiches angesehen wurden. Die Kaiser befahlen, daß sie in öffentlichen Wagen an den bestimmten Ort der Versammlung gebracht wurden» Sie beriefen die Kirchenversammlungen im Oriente, wo der Sitz ihrer Regierung war, und schickten ge-> meiniglich Commissarien dahin, welche auf die Erhaltung der Ordnung sehen mußten. Die auf diese Weise versammelten Bischöfe brachten das Ansehen des heiligen Geistes, und . die Tradition der Kirchen mit sich. Vom Anfange des Christenthums sind die drey bischöflichen Sitze, von Rom, von Alexandrien, und von Antiochien, die vornehmsten gewesen, welche den Rang vor allen andern gehabt haben. Die mcänische Kirchenversammlung hatte ihren Beyfall dazu gegeben *, daß der Bischof der heiligen Stadt eben den Rang haben sollte. Die andre und vierte Kir- chenversammlung erhoben den bischöflichenSitz zuCon- stantinopel noch höher, und wollten haben, daß er der andre im Range seyn sollte. Also wurden fünf bischöfliche Sitze, welche nach der Zeit den Namen der Pa- * cooc. Nicaen.e-M. 7. Lonc. c.?. I. c. z. Lonc. ckill. eeä, LÄi,. sS- !?6 Bischof Bossuets Einleitung Jahre nach Patriarchate erhielten. In den Kirchenversammlun- ^Ätt ^' 6^" ^"^^ Vorsitz eingeräumt. Unter diesen bischöflichen Sitzen aber wurde der römische immer, als der erste, angesehen, und die nicänische Versammlung ordnete die andern nach diesem *. Es erschienen auf den Concilien auch die metropolitani- schen Bischöfe, oder die Bischöfe aus den Hauptstädten, welche die Häupter der Provinzen waren, und vor den übrigen Bischöfen den Rang hatten. Man sing erst sehr spät an, sie Erzbischöfe zu nennen; aber sie hatten darum nicht weniger Ansehen. Wenn eine Kirchenversammlung eingerichtet war, so trug man die heilige Schrift vor; man las die Stellen aus den alten Vätern, den Zeugen der Tradition ; die Tradition war es, welche die Vibel auslegte. Mai« glaubte, ihr wahrer Verstand wäre derjenige, Überbein die vergangnen Jahrhunderte einig geworden wären, und niemand glaubte, das Recht zu haben, die Schrift anders auszulegen. Diejenigen, welche sich den Aus- fprüchen der Kirchenversammlung nicht unterwerfen wollten, wurden in den Bann gethan. Nachdem man den Glauben erklärt hatte, so richtete man die Kirchenzucht ein, und setzte gewisse Canones, oder Verordnungen der Kirche, auf. Man glaubte, daß der Glaube immer ebenderselbe bliebe, und daß mau trachten müßte, in der Kirchenzucht der ersten christlichen Kirche so vollkommen nachzuahmen, als möglich wäre, ob es gleich nothwendig werden könnte, nach den Zeiten und Oertern einige Aenderungen darinnen zu treffen. Im übrigen waren die Päbste bey den ersten allgemeinen Kirchenversammlungen nicht anders, als in ihren Legaten, gegenwar- . tig; * Lonc. Nic. c. 6. in die allgemeine Geschichte. 177 tig; allein sie bekräftigten ihre Lehre ausdrücklich, und Jahre 'nach es war in der ganzen Kirche nicht mehr, wie ein Ehnsti Gc- Glaube. ' ^ Constcmtin, und Irene, ließen die Verordnungen 787. der siebenten allgemeinen Kirchenversammlung sehr sorgfältig und heilig beobachten, und vollziehen. Allein ihre übrige Aufführung blieb nicht immer so gut» Der junge Kaiser, dem seine Mutter eine Gemahlinn gab, die er nicht liebte, schweifte in einer unedlen Liebe aus, und weil er müde war, einer so herrschsüchtigen Mutter blindlings zu gehorchen, so suchte er sie von den öffentlichen Angelegenheiten zu entfernen, bey welchen sie sich, wider seinen Willen, behauptete. In 79z. Spanien herrschte Alphonsus, der Keusche. Die beständige Enthaltsamkeit dieses Königs erwarb ihm diesen schönen Beynamen, und machte ihn der Ehre würdig, Spanien von dem schändlichen Tribute der hundert Jungfrauen zu befreyen, die sein Oheim, Mauregat, den Mohren zugestanden hatte. Siebzigtausend von diesen Ungläubigen, welche mit ihrem Heerführer, Mugcm, in einer Schlacht erschlagen wurden, bewiesen die Tapferkeit des Alphonsus. Con- stantin suchte sich auch wider die Bulgaren hervorzuthun; a?ein der Erfolg stimmte nicht mit seiner Hoff- 795. nung überein. Endlich gelang es ihm, seiner Mutter alle Macht zu nehmen : redoch er war so unfähig, sich selbst zu regieren, als die Herrschaft eines andern über sich zu leiden. Er schied sich von seiner Gemahlinn, Maria, und vermahlte sich mit Theodoren, die in ihren Diensten war. Seine aufgebrachte Mutter 796. . iterhielt die Unruhen, die ein so großes Aergerniß ver- 799. ursachte. Constantin kam durch ihre Künste um. Sie gewann das Volk damit, daß sie die Auflagen min- M derte, -78 Bischof Bossuets Einleitung Jahre »«ich derte, und brachte die Mönche und die Clcrifey durch Christi Ge- ^j,^ scheinbare Frömmigkeit auf ihre Seite. End- ' lich wurde sie allein, als Kaiserinn, errannt. Die?)io- mer verachteten diese Regierung, und wandten sich an. Carln, den Großen, der sich die Sachsen unterwürfig machte, die Saracenen demüthigte, die Keßereyen vertilgte, die Päbste beschuhte, die ungläubigen Nationen zum Christcnthume brachte, die Wissenschaften und die Kirchenzucht herstellte, berühmte Kirchenversammlungen berief, wo seine große Gelehrsamkeit bewundert wurde, und nicht allein in Frankreich, und in Italien, sondern auch in Spanien, in England, in Deutschland, und überall seinen Namen durch die ^ Thaten seiner Gottesfurcht und seiner Gerechtigkeit berühmt machte. DiexnEpo- Endlich wurde im achthundert?!! Jahre nach der AnfrKhtun^ Geburt unsers Heilandes dieser, große Beschützer eines neuen Roms und Italiens, oder vielmehr der ganzen Kir- thum/' che, und der ganzen Christenheit, zum römischen Kaiser LvO. erwählt, ohne daß er daran gedachte, und vom Pabste, Leo, dem der das römische Volk zu dieser Wahl bewogen hatte, gekrönt, und dadurch der Stifter eines neuen Kaiferthums, und der zeitlichen Größe des heiligen Stuhls. Dieses sind, MonseiIneur, die zwölf Epochen, denen ich in diefcm kurzen Entwürfe einer allgemeinen Geschichte gefolgt bin. Ich habe in eine iede davon die vornehmsten Begebenheiten gebracht, die hinein gehören. -Sie können nunmehr, ohne viele Mühe, die großeil Begebenheiten des Alterthums nach der Zeitrechnung ordnen, und eine iede von ihnen, so zu sagen, unter ihre rechte Fahne stellen» Ich in die allgemeine Geschichte. 179 Ich habe in diesem Entwürfe die berühmte chronologische Einteilung der Dauer der Welt in sieben Alter nicht vergessen. Der Anfang eines ieden Alters wird eine Epoche, und wenn ich noch einige andre darunter menge, so geschieht es darum, daß die Sachen noch deutlicher unterschieden seyn sollen, und daß sich ihnen, Monseigneur, tue Zeitfolge mit einer desto geringern Verwirrung entdecke. Wenn ich Ihnen von der Zeitordnung sage, so verlange ich nicht, daß sie ihr Gedächtniß beschweren, und alle Data sorgfältig behalten sollen; vicl- weniger verlange ich, sie mit allen Streitigkeiten der Chronologisten bekannt zu machen, die oft nur etliche wenige Jahre betreffen. Die Chronologie, welche sich so gewissenhaft bey solchen Kleinigkeiten aufhalt, und darüber streitet , hat ohne Zweifel ihren Nutzen: allein es ist nicht ihre Wissenschaft, und dient wenig dazu, den Verstand eines so großen Prinzen aufzuheitern. Ich habe in der Untersuchung der Zeiten nicht nachgrübeln wollen, und bin unter den schon vorhandnen Zeitrechnungen demjenigen gefolgt, welche mir die wahrscheinlichste zu seyn geschienen, ohne mich anheischig zu machen, ihr Bürge zu seyn. Die siebzig Dolmetscher berechnen die Jahre von der Zeit der Schöpfung an, bis auf Abraham, an- dcrs, als der hebräische Terr. Sie machen die Welt viel alter, als das hebräische Original, welches sie etliche Jahrhunderte jünger macht. Es scheint, daß das Ansehen des hebräischen Originals jenen vorgezogen werden müsse; allein man mag in der Zeitrechnung folgen, wem man will, so ist solches an sich selbst eine so gleichgültige Sache, so daß die Kirche, M 2 welche, 1Z0 Bischof Bossuets Einleitung welche, mit dem heiligen Hieronymus, der Zeitrechnung des hebräischen Textes in unsrer Vulgata gefolgt ist, die Zeitrechnung der siebzig Dolmetscher in ihrem Martyrologio gelassen hat. Und was liegt der Geschichte daran, ob sie einige Jahrhunderte weniger hat, oder ob sie mit etlichen vermehrt wird, in welchen man nichts zu erzählen weis. Ist es nicht genug, daß die Zeiten, wo die Data wichtig sind, bestimmte Charaktere haben, und daß die Ein- theilung davon sich auf gewisse Gründe stühet ? Und wenn selbst in diesen Zeiten ein Streit über etliche Jahre seyn sollte, so wird doch solches keine Verwirrung machen. Wenn zum Exempel gestritten wird, ob man entweder die Erbauung der Stadt Rom, oder die Geburt Jesu Christi, etliche Jahre früher oder später setzen müsse: So werden sie haben sehen können, Monseigneur, daß dieser Unterschied weder die historische Folge, noch die Erfüllung der göttlichen Rathschläge stört. Sie müssen sich nur vor der Vermengung der Zeiten in Acht nehmen, weil sie die Ordnung der geschehuen Begebenheiten verwirret, und sie können das übrige den Steritigkeiten der Gelehrten überlassen. Ich will Ihr Gedächtniß auch nicht mit der Rechnung der Olympiaden beschweren, ob gleich die Griechen, die sich ihrer bedienen, sie zur Bestimmung der Zeiten nothwendig machen. Man muß nur wissen, was es ist, damit man im Falle der Noth seine Zuflucht dahin nehmen kann. Allein, im übrigen wird es genug seyn, wenn sie sich an die Data halten, welche ich ihnen vortrage, weil sie die leichtesten sind, und den besten Zusammenhang haben, und diese Data gehen von dem Anfange der Welt an, bis auf die Erbauung in die allgemeine Geschichte. 181 bauung der Stadt j Rom, von der Erbauung der Stadt Rom, bis auf Christi Geburt, und von Christi Geburt, bis auf die folgenden Zeiten. Doch die wahre Absicht dieses Entwurfes war nicht diese, daß ich ihnen die Zeitordnung erklären wollte, ob sie gleich unumgänglich nothwendig ist, die Begebenheiten unter einander zu verbinden, und den Zusammenhang zu zeigen, den sie unter einander haben. Ich habe ihnen gesagt, Monseigneur, daß mein vornehmster Endzweck dieser ist, daß ich sie die Folge des Volkes Gottes, und die Folge der Monarchien nach der Zeitordnung betrachten lassen will. Diese zwey Dinge eräugnen sich in diesem großen Umlaufe der Jahrhunderte, wo sie, so zu sagen, mit ihnen einerley Lauf haben ; allein es ist nöthig, um sie wohl zu verstehen, daß man sie zuweilen von qinander trenne, und alles betrachte, was eine,m ieden davon besonders zukömmt. M z Von ;8-2 Bischof Bossuets Einleitttttg GOOOOGOOOO O O O O O O O Von der Schöpfung, oder den ersten Zeiten. Der andre Religion vornehmlich, und die Folge des Ei!ile.tu>? Voltes Gottes, ist der größte und nützlichste Gegenstand,den man den Menschen vorstellen kann, wenn er auf die gedachte Weise betrachtet wird. Es hat einen großen Nutzen, wenn man sich die ver- schiednen Umstände des Volkes Gottes vorstellt. Sei- . ue Uiuftände waren anders unter dein Gesetze der Na- rur,und unter den Patriarchen; anders unter sci>,ein Gesetzgeber, MoseS, und dem geschriebuen Gesetze; anders unter dem Könige David, und den Propheten; anders nach seiner Zurückkunft aus der babylonischeil Gefangenschaft; und endlich anders unter Jesu Christo selbst, nämlich unter dem Gesetze der Gnade und des Evan- gelii; anders in den Jahrhunderten, wo der Meßias erwartet wurde, und anders in denen, wo er erschienen ist; anders in den Zeiten, wo der Dienst Gottes bey einem einzigen Volke war, und anders in denen, wo nach den alten Prophozcihungcn der Dienst Gottes auf der ganzen Erde ausgebreitet worden ist ; anders in den Zeiten, wo die noch schwachen und sinnlichen Menschen durch zeitliche Belohnungen und Strafe«, in ihren Pflichten erhalten werden mußten, und anders in den Zeiten, wo die besser unterrichteten Gläubigen nur durch den Glauben leben, sich an die ewigen Güter hasten, und. in der Hoffnung, sie zu besitzen, m die allgemeine Geschichte. 18z sitzen, alle Uebel ausstehen müssen, die ihre Geduld üben können. In der That, Monseigneur, man kann sich m'chrs vorstellen, was Gott anstandiger seyn sollte, als dieses, daß er sich ein Volk erwählt hat, das ein handgreifliches Beyspiel seiner ewigen Vorsehung seyn sollte; ein Volk, dessen Glück und Unglück auf seine Frömmigkeit ankam, und dessen Zustand von der Weisheit und Gerechtigkeit seines Beherrschers ein Zeugniß abgeben mußte. Damit hat Gott den Anfang gemacht, und dieses hat er an dein jüdischen Volke bewiesen. Allein, nachdem er durch deutliche Beweise den unleugbaren Grundsah festgesetzet, daß er, nach feinem Willen, alle Erfolge des gegenwärtigen Lebens einrichte, so war es Zeit, die Menschen zu höhern Gedanken zu erheben, und Jesum Christinn zu senden, dem es vorbehalten war, einem neuen Volke, das aus allen Völkern der Erde gesammelt werden sollte, die Geheimnisse des zukünftigen Lebens zu entdecken. Sie können der Geschichte dieser beyden Völker leicht nachgehen, und bemerken, wie JesuS Christus sie beyde mit einander vereinigt hat, weiter zu allen Zeiten, in welchen er entweder noch kommen sollte, oder schon gekommen wir, der Trost und die Hoffnung aller Kinder Gottes gewesen ist. Sie sehen also, daß die Religion vom Anfange der Welt an sich immer gleich, oder vielmehr immer eben dieselbe geblieben ist : Man hat beständig eben denselben Gott, als den Schöpfer, und eben denselben Christum , als den Erlöser des menschlichen Geschlechtes erkannt. Sie 184 Bischof Bossuets Einleitung Sie werden also sehen, daß unter den Menschen nichts älter ist, als die Religion, die sie bekennen, und es ist nicht ohne Ursache geschehen, daß ihre Vorfahren, Monseigneur, ihre größte Ehre darinnen gesucht haben, ihre Beschützer zu seyn. Zu der Zeit, da uns die weltliche Geschichte nichts, als Fabeln, oder zum höchsten nur einige verwirrte halbvergeßne Begebenheiten zu erzählen hat, so führt uns die heilige Schrift, die unstreitig das älteste Buch auf der Welt ist, durch so viele genau bestimmte Begebenheiten, und durch die Folge der Sachen selbst, zu ihrem wahren Ursprünge, nämlich zu Gott, der alles erschaffen hat. Sie bezeichnet uns auf das deutlichste die Schöpfung der ganzen Welt, die Schöpfung des Menschen insbesondere, die Glückseligkeit seines ersten Zustandes, die Ursachen seiner Mühseligkeiten und Schwachheiten, die Verderbniß der Welt, und die Sündfluth, den Ursprung der Künste, und der Nationen, die Eintheilung der Länder, die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes, und andre wichtige Begebenheiten, von denen die menschlichen Geschichtschreiber voll Verwirrung reden, und uns nöthigen, anderwärts gewissere Quellen zu suchen. Was ist dieses alles nicht für ein Zeugniß der Wahrheit? Giebt das Alterthum der Religion ein so großes Ansehen, so beweist ihre unverrückte und ununtcr- brochne Dauer durch so viele Jahrhunderte, die durch so viele Hindernisse nicht gestört worden ist, ganz offenbar, daß die Hand Gottes sie erhalten hat. Wenn wir sehen, daß sich die Religion vom Anfange der Welt an auf eben denselben Gründen erhalten hat, ohne daß weder die Abgötterey, noch die Gottlosigkeit, welche sie immer von allen Seiten umgaben, in die allgemeine Geschichte. 185 gaben, noch bie Tyrannen, die sie verfolgten, noch die Ketzer und Ungläubigen, die sie zu verderben suchten, noch die Niederträchtigen, welche sie verleugneten, noch ihre unwürdigen AnHanger, die sie durch ihre Verbrechen entweihten, noch die Zeiten, die allein hinlänglich sind, alles, was menschlich ist, zu zernichten, iemalö im Stande gewesen sind, ich will nicht sagen, sie zu vertilgen, sondern nur zu verfälschen: Was kann verwundernswürdiger seyn, als dieses? Wenn wir nunmehr überlegen, was uns diese Religion, deren Alterthum wir verehren, von ihrem Gegenstande, nämlich von dem ersten Wesen, für eine Vorstellung macht, so müssen wir gestehen, daß sie alle menschlichen Gedanken übersteigt, und dafür angesehen zu werden verdient, daß sie von Gott selbst herkomme. Der Gott, den die Christen und Ebräer beständig verehrt haben, hat mit den unvollkommnen und so gar lasterhaften Gottheiten nichts gemein, welche der übrige Theil der Welt angebetet hat. Unser Gott ist ein unendlicher vollkommner Gott, und allein würdig, die Laster zu bestrafen, und die Tugend zu krönen, weil er die Heiligkeit selbst ist. Er ist weit über die erste Ursache, und den ersten Beweger der Dinge erhoben, den die Philosophen gekannt haben, ohne ihn anzubeten. Diejenigen, welche am weitesten unter ihnen gekommen sind, lehren uns einen Gott, welcher eine ewige Materie, die so gut, als er, durch sich selbst vorhanden ist, findet, und, wie ein gemeiner Künstler, ausbildet. Eben dieser Gott wird durch diese Materie, und durch ihre Beschaffenheiten, die er nicht hervorgebracht hat, in seiner Arbeit eingeschränkt. Die Philosophen haben M 5 nicht ,86 Bischof Bossuets Einleitung nicht begreifen können, daß die Materie, wenn sis von sich selbst vorhanden wäre>, ihre Vollkommenheit von keiner fremden Hand erwarten dürfte, und daß Gott, wenn er unendlich und vollkommen ist, weiter nichts, als sich selbst, und seinen allmächtigen Willen braucht, alles, was er mir will, hervorzubringen. Allein der Gott unsrer Vater, der Gott Abrahams, der Gott, dessen Wunder Moses uns beschrieben hak, hat nicht allein die Welt in Ordnung gebracht, sonderu er hat sie ganz, mit ihrem Stoffe sowohl, als mit ihrer Bildung, erschaffen. Ehe er befahl, daß etwas seyn sollte, so hatte nichts das Daseyn, als er. Er wird uns, als derjenige, vorgestellt, der alles erschafft, und der alles durch sein Wort erschafft, weil er alles, theils mit Verstände, theils ohne Mühe, hervorbringt; weil es ihm nur ein einziges Wort kostet, so große Werke hervorzubringen, das ist, weil er nichts thun, als nur wollen darf. Wir wollen nunmehr die Geschichte der Schöpfung durchgehen, weil wir angefangen haben, sie zu betrachten. Moses hat uns gelehrt, daß dieser mächtige Baumeister, dem alle Dinge so wenig kosten, sie nicht auf einmal, sondern nach und nach, hervorbringen, und das ganze Weltgebäude in sechsTagen erschaffen wollen, dadurch anzuzeigen, daß er nicht nach einer Nothwendigkeit, oder nach einen: blinden ungestümen Einfalle, handle, wie sich einige Philosophen eingebildet haben. Die Sonne wirft aufeinmal alle ihre Stralen von sich, ohne sich zurück zu halten; allein Gott, der mit Verstände und mit einer unumschränkten Freyheit handelt, öusiert seine Kraft, wo "er will, und so sehr, als es ihm gefällt. Da er die Welt durch sein Wort hervorbringt, so zeigt er, daß ihm nichts Mühe macht; da er sie in die allgemeine Gesihichte. 187 nach und nach hervorbringt, beweist er, daß er über seine Materie. über seine Handlungen, und über sein ganzes Vornehmen Herr ist, und daß er in seinen Handlungen keine andre Vorschrift, als seinen Willen, hat, der dnrch sich selbst immer richtig ist. Dieses Bezeigen Gottes ist uns auch ein Beweis, daß alles unmittelbar aus. seiner Hand Herromme. Die Völker, und die Philosophen, welche geglaubt haben, die mit Wasser vermischte Erde habe durch die Hülfe der Sonnenhitze aus sich selbst, durch ihre eigne Fruchtbarkeit, die Pflanzen und Thiere hervorgebracht, diese eitlen Weisen haben sich gröblich geirrt. Die Schrift lehrt uns, daß die Elemente unfruchtbar sind, wenn sie das Wort Gottes nicht fruchtbar macht. Weder die Erde, noch das Wasser, noch die Luft würden iemals die Pflanzen und die Thiere, dl'e wir sehen, hervorgebracht haben, wenn Gott, der den Stoff dazu erschaffen und zubereitet hat, ihn nicht auch durch seinen allmächtigen Willen ausgebildet, und nicht einem iedcn Dinge seinen eignen Samen gegeben hätte, durch welchen es sich alle Jahrhunderte hindurch vermehren kann. Diejenigen, welche sehen, daß die Pflanzen ihren Ursprung und ihr Wachsthum der Hitze der Sonne zu danken haben, könnten glauben, daß sie der Schöpfer derselben wäre. Allein die Schrift sagt uns, daß die Erde mit Krautern, und allen Arten von Pflanzen, noch eher bekleidet gewesen ist, als die Sonne geschaffen worden, damit wir einsehen sollen, daß alles Gott allein sein Daseyn und Wesen zu danken habe. Es hat diesem großen Werkmeister gefallen, das Licht zu schaffen, ehe er ihm noch die Gestalt gab, die es »88 Bischof Bossuets Einleitung es von ihm in der Sonne und in den Gestirnen erhalten hat. Er hat uns damit lehren wollen, daß diese großen und prachtigen Lichter, woraus man hat Gottheiten machen wollen, nicht von sich selbst die kostbare und herrliche Materie, aus der sie bestehen, Noch die bewundernswürdige Gestalt hatten, die. er ihnen gegeben hat. Kurz, die Erzählung der Schöpfung, wie wir sie vom Moses haben, entdeckt uns dieses große Geheimniß der wahren Philosophie, daß Gott allein die Ursache aller Fruchtbarkeit sey, und eine unumschränkte Gewalt besitze. Er ist die Glückseligkeit, die Weisheit, und die Allmacht selbst; er ist sich allein genug ; er thut alles, ohne gezwungen zu seyn, wie er alles thut, ohne daß er etwas bedarf. Die Materie schränkt ihn niemals ein, und bringt ihn niemals in Verwirrung; er macht aus ihr, was er will, weil er ihr bloß durch seinen Willen den Grund ihres Wesens gegeben hat. Nach diesem uneingeschränkten Rechte wendet, bildet, und bewegt er sie ohne Mühe; alles hängt unmittelbar von ihm ab, und wenn nach der einmal bestimmten Ordnung der Natur ein Ding die Ursache des andern wird, wie die Sonnenhitze eine Ursache von der Erzeugung, und dem Wachsthums der Pflanzen ist; so ist das die Ursache, daß eben derselbe Gott, welcher alle Theile des Weltgebäudes hervorgebracht hat, einen Theil mit dem andern verknüpfen, und durch diese ver- wundernswürdige Zusammenkettung seine Weisheit Verherrlichen wollen. Allein alles, was uns die heilige Schrift von der Erschaffung des Weltgebaudes lehrt, ist in Begleichung in die allgemeine Geschichte. 189 chung mit dem nichts, was sie von der Schöpfung des Menschen sagt. Bis Hieher hatte Gott alles durch seinen Befehl hervorgebracht: Es werde Lichc; es werde eine i B.Mos.». Ve^ zwischen den tVassern; die Erde werde trogen, und lasse aufgehen Gras und RraM/ das sich desaame; es werden Lichter an der Vefte des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht; es errege sich das rpafser mir webenden und lebendigen Thieren, und die Erde bringe hervor lebendige Thiere, ein jegliches nach semer Art. Allein, da der Mensch erschaffen werden soll, so führt Moses unsern Gott anders redend ein: Laßt uns Menschen machen, sagt er, »B. Mvs. ^ ein Bild, das uns gleich sey. °' Das ist nicht mehr der befehlende und herrsche- rische Ton; dieses Wort des Herrn ist sanfter, aber darum eben so wirksam. Gott halt mit sich selbst einen Rath; Gott redet sich selbst zu, als wenn er uns zeigen wollte, daß das Werk, das er unternehmen will, alle Werke übertreffen sollte, die er zeither gemacht hat. Laßt uns Menschen machen. Gott redet in sich selbst; er redet mit einem, der, wie er, wirkt, mit einem, dessen Bild und Geschöpf der Mensch ist; er redet zu einem andern Selbst; er redet mit demjenigen, durch welchen alle Dinge gemacht sind, mit demjenigen, der in seinem Evangelio sagt: Alles M-5/»v- was der Vater rhuc, thuc der Sohn gleichermaßen. Indem er zu seinem Sohne, oder mit seinem Sohne redet, so redet er zugleich mit dem ewigen allmachtigen Geiste, der, wie beyde, vollkommen, und mit beyden gleich ewig ist. Das l9o Bischof Bossuets EinleitUllg Das ist in der ganzen Sprache der heiligen Schrift etwas unerhörtes, daß ein andrer, als Gott selbst, in der mehrern Zahl von sich selbst gesprochen haben sollte: L.aßc uns machen. Gott selbst redet in der heiligen Schrift nur zweymal oder dreymal also, und diese außerordentliche Sprache äußert sich da zuerst, da der Mensch geschaffen werden soll. Wenn Gott die Sprache und einigermaßen sein Bezeigen ändert, so geschieht es nicht darum, weil sich Gott selbst verändern sollte. Allein er zeigt uns nur damit, daß er nach seinen ewigen Rathschlüssel! eine neue Ordnung der Dinge ansangen will. So wird also der Mensch, der über die andern Creaturcn so sehr erhoben ist, deren Schöpfung uns Moses beschrieben hatte, auf eine ganz neue Art hervorgebracht. Die Dreyeinigkeit fängt an, sich zu offenbaren, indem sie die vernünftige Creatur erschafft, deren Wirkungen des Verstandes ein unvoll- kommnes Bild von den ewigen Wirkungen Gottes find, von welchen er in sich selbst fruchtbar ist. . Gott scheint mit sich selbst einen Rath M halten, um dadurch anzuzeigen, daß die Creatur, die er erschaffen will, mit Verstände lind Ucberlegung handeln soll. Alles übrige ist nicht weniger außerordentlich. Bis Hieher haben wir in der Geschichte des ersten Buches Mosis nicht gesehen, daß Gott seine Hand an eine vergängliche Materie gelegt hat. Aber, da er den menschlichen Körper bilden will, so nimmt er selbst Erde, und diese Erde, welche von einer solchen Hand gebildet wird, empfängt die schönste Gestalt, die noch zeithcr in der Welt erschienen ist. Diese besondere Aufmerksamkeit Gottes bey der Schöpfung des Menschen zeigt uns, daß er besonders in die allgemeine Geschichte. 191 derS auf ihn achte, obgleich übrigens alles unmittelbar durchweine Weisheit hervorgebracht, und zubereitet wird. Allein, die Art, wie Gott die Seele hervorbringt, ist noch viel verwundernswürdiger. Er erschafft sie nicht aus der Materie; er blast sie von oben ein; sie ist ein Hauch des Lebens, der von Gott selbst seinen Ursprung hat. Als er die Thiere schuf, sagte er: Das Wasser iB.Wos. dringe Fische hervor, und auf diese Weise er- schuf er die Seewunder, und alle lebendigen und webenden Seelen, welche die Wasser erfüllen sollten. Er sagte auch: Die Erde dringe hervor lebendige iB.Mos. Thiere, Vieh, Gewürme und alle Thiere auf Lrden. Auf diese Weise sollten die Seelen entstehen, welche ein thierisches und viehisches Leben haben, und welchen Gott weiter keine Fähigkeit mittheilt, als diejenigen Bewegungen, welche vom Körper abhängen. Gott nimmt sie aus dem Schooße der Wasser und aus der Erde. Allein das Leben der menschlichen Seele sollte eine Nachahmung seines Lebens seyn; sie sollte, wie er, mit Vernunft und Verstände leben ; sie sollte ihn betrachten, und lieben, und dadurch mir ihm vereinigt werden, und folglich mußte sie nach seinem Bilde erschaffen seyn. Eine solche Seele konnte nicht aus der Materie geuommen werden. Wenn Gott die Materie bildet, so kann er wohl einen schönen Körper daraus hervorbringen. Allein er mag sie wenden und bilden, wie er will, so wird er niemals sein Bildniß, das ihm gleich sey, Zarinnen antreffen. Eine Seele, die nach seinem Bilde erschaffen ist, und durch den Besitz dieses göttlichen Eben- !92 Bischof Bossuets Einleitung Hildes glückselig werden kann, muß durch eine neue Schöpfung hervorgebracht werden. Sie muß von oben her kommen, und dieses zeigt der lebendige Odem an, der aus dem Munde Gottes kömmt. Wir wollen uns erinnern, daß Moses den fleischlichen Menschen durch sinnliche Bilder reine undgeist. liche Wahrheiten vorstellt. Wir wollen nicht glauben, daß Gott, wie die Thiere, Odem hole und von sich hauche. Wir wollen nicht glauben, daß unsre Seele eine feine Luft, oder ein verdünnter Dunst sey» Der Hauch, den Gott, mit seinem Ebenbilde zugleich, dem Menschen einblast, ist weder Luft noch Dunst. Eben sowenig wollen wir glauben, daß unsre Seele ein Theilchen von dem Wesen Gottes sey, wie einige Philosophen geträumt haben. Gott ist nicht ein Ganzes, welches Theile hat, und wenn Gott Theile hatte, so waren es keine erschaffnen Theile. Denn der Schöpfer, dieses unerschaffne Wesen, kann nicht aus Creaturen zusammengesetzt seyn. Die Seele des Menschen ist erschaffen, und zwar so, daß sie nichts von der göttlichen Natur, sondern nur ein Ding ist, das Gott nach seinem Bilde hervorgebrachthat. Sie ist ein Wesen, das beständig mit dem vereinigt bleiben soll, der dasselbe erschafft; dieses will der lebendige Odem Gottes sagen; das stellt uns dieser Hauch des Lebens vor. Nunmehr ist also der Mensch erschaffen. Gott erschafft auch noch die Gehülfinn, die er dem Menschen geben will. Alle Menschen kommen aus einer Ehe her, damit sie auf ewig eine Familie seyn sollten, so sehr sie sich auch vermehren, und so sehr sie immer zerstreut werden möchten» Nach- in die allgemeine Geschichte. 19z Nachdem unsre ersten Aeltern also erschaffen worden waren, sehte sie Gott in den anmuthigen Garten, welcher das Paradies genannt wird. Gott war sichs selbst schuldig, sein Ebenbild glückselig zu machen. Er gab dem Menschen einGebot,ihn damit zu lehren, daß er einen Herrn hatte. Dieses Gebot betraf eine sinnliche Sache, weil der Mensch mir Sinnen erschaffen worden war; das Gebot war leicht, weil Gott ihm das leben bequem machen wollte, so lange es unschuldig seyn würde. Der Mensch erfüllte das Gebot nicht, das so leicht zu beobachten war. Er gehorchte dem Versucher, und gehorcht sich selbst, da er allein Gott gehorchen sollte. Sein Fall ist unvermeidlich; allein wir müssen ihn sowohl seinem Ursprünge, als seinen Folgen nach betrachten. Gott hatte im Anfange seine Engel, reine Geister erschaffen, die von aller Materie frey waren. Er, der alles gut macht, was er macht, hatte sie mit einer vollkommncii Heiligkeit erschaffen, und sie konnten ihrer Glückseligkeit gewiß seyn, wenn sie sich ihrem Schöpfer freywillig ergaben. Allein alles, was aus Nichts erschaffen wird, ist mangelhaft. Ein Theil dieser Engel ließ sich von der Eigenliebe verführen. Wie unglücklich ist dieCremur, die sich selbst, und nicht in Gott gefallt! Sie verliert in einem Augenblicke alle ihre Vollkommenheiten. Schreckliche Wirkung der «Sünde! Diese Geister des lichtes wurden Geister der Finsterniß. Sie hatten keine Gedanken mehr, die nicht zu boshaften Tücken wurden. Ein boshafter Neid kam bey ihnen an die Stelle der Liebe; ihre natürliche Größe war weiter nichts, als Hochmuth; und ihre Glückseligkeit wurde in den trau- N rigcn l94 Bischof Bossuets Einleitung rigen Trost verwandelt, daß sie in ihrem Elende, und ^ in ihren, zwar glücklichen, aber abscheulichen Be- schaffrigungen, die Menschen zu verführen, Mitgenossen zu haben suchten. Der Vollkommenste unter ihnen, der auch der Hochmüthigste geworden war, wurde der boshafteste, und zugleich der unglücklichste Ps. s. Geist. Der Mensch, den Gott ein wenig unter die Engel erniedrigt hatte, indem er ihm einen Körper gegeben, erweckte den Neid eines Geistes, der so vollkommen gewesen war. Er wollte ihn also in seinen Aufruhr, und hernach auch in seinen Untergang verwickeln. Wir wollen hören, wie er redet, und seine gebrauchten listigen Ueberredungen einzusehen suchen. Er wendet sich an Eva, als die Schwächste; aber er redet in der Person der Eva ihren Mann so gut an, , B. M. z, i. als sie. Sollte Gorr, spricht er, gesagt haben, ihr sollt nicht essen von allerley Räumen inr Garren ^ Wenn er euch Vernunft gegeben hat, so müßt ihr die Ursache von allem wissen: Diese Frucht i B.M.z/4- ist kein Gift: Ihr rverdec nicht davon sterben» Damit nimmt die Neigung zum Aufruhre ihren Anfang. Man vernünftelt über das Gebot, und der Gehorsam wird zweifelhaft gemacht. Ihr werdet seyn, roie Gott, frey, unumschränkt, glücklich und weise durch euch selbst; ihr rverdec wissen, was böse und gut ist; nichts wird euch uncrforschlich bleiben. Dieses sind die Bewegungsgründe, wodurch der Mensch gereizt wird, der Ordnung des Schöpfers entgegen zu handeln, und sich über sein Verbot zu erheben. Eva, welche schon halb gewonnen ist, schaute an, daß von dem Baume guc ;u essen rvare. Weil sie sah, daß Gott in dem Menschen Leib und Seele vereinigt hatte, so glaubte sie, daß er zum in die allgemeine Geschichte. 195 zum Besten der Menschen mit den Pflanzen auch übernatürliche Kräfte, und mit den sinnlichen Gegenständen geistige Vollkommenheiten verknüpft haben konnte. Nachdem sie von dieser schönen Frucht gegessen hatte, so gab sie ihrem Manne auch davon. Da wurde Adam in eine gefährliche Versuchung geführt ! Das böse Exempel und die Gefälligkeit machten sie stärker. Er folgt den Eingebungen eines Versuchers, dem so wohl beygestanden wurde. Eine betrügerische Neubegierde, ein schmeichelhafter Gedanke des Hochmuthes, das geheime Vergnügen, durch sich selbst und nach seinen eignen Gedanken zu handeln, lockt ihn an, und verblendet ihn. Er will einen gefährlichen Versuch seiner Freyheit anstellen, und genießt mit der verbotnen Frucht die schädliche Freude, seiner Begierde eine Gmige gethan zu haben; die Sinne vermengen ihre Reizungen in diese neue Anmuth; er folgt und unterwirft sich ihnen; er wird ihr Sklave, er, der vorher ihr Herr war. Zu gleicher Zeit wird alles seinetwegen verändert. Die Erde lacht ihm nicht mehr, wie vordem; er wird nichts mehr von ihr erhalten, als was er durch schwere und anhaltende Arbeiten erzwingen wird; der Himmel ist nicht mehr so heiter; die Thiere, die ihm bis aufdie verhaßtesten und wildesten unterthan,und für ihn eine unschuldige Belustigung waren, nehmen für ihn häßliche ungeheure Gestalten an; Gott, der alles zu seinem Glücke erschaffen hatte, verwandelt. in einem Augenblicke alles in Strafen für ihn. Der Mensch quält sich selbst, er, der sich so sehr geliebt hatte. Der i B.M, Aufruhr seiner Sünde läßt ihn ich weis nicht was schändliches an ihm bemerken. Er ist nicht mehr das Meisterstück Gottes, an dem alles schön war; die N 2 Sünde 196 Bischof Bossuets Einleitung Sünde hat ein neues Geschöpf hervorgebracht, welches verborgen werden muß. Der Mensch kann seine Schande nicht mehr ertragen, und wollte sie gern vor seinen eignen Augen verbergen. Allein Gott wird ihm noch unerträglicher. Diesem großen Gott, welcher.ihn nach seinem Bilde gemacht, und ihm die Sinne gegeben hatte, daß sie seinem Geiste zu Hülse kommen sollten, gefiel es, sich dem Menschen in einer sinnlichen Gestalt zu zei-en. Der Mensch kann seine Gegenwart nicht m.hr ertragen. Er verbirgt i V>M.Z/8. sich unter die Baume im Gaten, um sich dem Angesichts desjenigen zu entziehen / der vorher sein Glück war. Sein Gewissen klagt ihn an, ehe Gott noch redet. Er will sich entschuldigen, und seine unglücklichen Entschuldigungen verdammen ihn selbst. Er muß sterben, das Mittel zur Unsterblichkeit ist ihm genommen, und ein weit schrecklicherer Tod, als der zeitliche, der Tod der Seele, wird ihm durch den vorgebildet, zu welchem sein Körper verdammt wird. Das Urtheil, das über ihn ausgesprochen wird, geht auch uns an. Gott, der beschlossen hatte, seinen Gehorsam in seiner ganzen Nachkommenschaft zu belohnen, verdammt und straft ihn, so bald er sich empört hatte, aber nicht allein in seiner Person, sondern auch in allen seinen Kindern, als dem empfindlichsten und geliebteiren Theile seiner selbst. Wir find alle in unserm Ursprünge verflucht; wir sind aus sündlichem Samen erzeugt, und in unsrer Quelle angesteckt und verderbt worden. Laßt uns hier nicht die schrecklichen Regeln der göttlichen Gerechtigkeit untersuchen, nach welchen Gott das menschliche Geschlecht in ihrem Ursprünge ' - ver- in die allgemeine Geschichte. 197 verflucht hat. Laßt uns die Gerichte Gottes anbeten, der alle Menschen in demjcnigcn,au6 dem sie alle herkommen sollen, als einen einzigen Menschen betrachtet. Wir wollen uns selbst ansehen, als solche, die in ihrem Vater ihre Würde vcrlohren haben, welche auf ewig durch den AuSspruch, der uns verdammt, entweiht, ^ und mir ihm aus dem Paradiese verbannt und verstoßen worden sind/ in welchem er uns hatte zeugen sollen. Die Regeln der menschlichen Gerechtigkeit können uns wohl in die Tiefen der göttlichen Gerechtigkeit hincinleicen; allein sie können uns den Grund dieser Tiefen nicht entdecken. Laßt uns glauben, daß sowohl die göttliche Gerechtigkeit, als die göttliche Barmherzigkeit nicht nach der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit der Menschen beurtheilt werden müssen, und daß beyder Wirkungen sich viel weiter erstrecken, und verborgner und unbegreiflicher sind. Aber laßt uns indessen, daß uns die strengen Gerichte Gottes über das menschliche Geschlecht erschrecken, seine Güte bewundern, die unsre Augen auf einen angenehmern Gegenstand richtet. Unter der Gestalt der Schlange, deren krumme Wendungen ein i B.Mos. Z/ deutliches Bild von den Einschmcichelungen, be- trügerischen Künsten, und Ueberredungen des bösen Geistes waren, zeigt Gott der Eva, unsrer Mutter, ihren überwundncn Feind, und den gesegneten Samen , durch welchen ihrem Ueberwinder der Kopf zertreten, das ist, sein Hochmuth gedemüthigt, und seine Herrschaft auf der ganzen Erde überwunden werden sollte. Dieser gesegnete Samen war Jesus Christus, der Sohn einer Jungfrau, dieser Jesus Christus, N z in 198 Bischof Bossuets Einleitung in dem allein Adam nicht gesündigt hatte, weil er vom Adam auf eine göttliche Art herkommen, aber nicht von einem Menschen erzeugt, sondern vom heiligen Geiste empfangen werden sollte. Allein, eh uns Gott diesen Erlöser gab, so mußte das menschliche Geschlecht durch eine lange Erfahrung einsehen lernen, wie nöthig die Menschen einen solchen Beystand hatten. Der Mensch wurde also sich selbst überlassen; seine Neigungen wurden verdorben, seine Missethaten waren die entseßlichsten Ausschweifungen , und die Bosheit bedeckte die ganze Erde. Zu der Zeit beschloß Gott die Ausführung einer Rache, deren Andenken niemals unter den Menschen vergehen sollte. Dieses war die allgemeine Sund- siuth, von welcher das Andenken, mit dem Andenken der Verbrechen, die sie der Welt zugezogen haben, noch unter allen Nationen vorhanden ist. Die Menschen mögen also nicht glauben, daß die Welt durch sich selbst bestehe, und das, was einmal ist, immer eben so seyn werde. Gott, der alles gemacht hat, und durch den alles besteht, will alle Thiere mit allen Menschen ersäufen, und den schönsten Theil seiner Werke zernichten. Dennoch fand sich unter den Menschen noch ein Gerechter. Gott hatte ihn durch seine Gnade vom Strome der Bosheit nicht hinreißen lassen, ehe er ihn in der Sündfluth retten wollte. Seine Familie wurde zur Wiederbevölkerung der Erde erhalten, welche bald eine schreckliche Wüste werden sollte. Gott erhielt durch die Sorgfalt dieses gerechten Mannes die Thiere, damit der Mensch lernen sollte, daß sie für ihn erschaffen, und seiner Herrschaft von dem Schöpfer unterwürfig gemacht worden waren. Die in die allgemeine Geschichte. 199 Die Welt erneuert sich, und kömmt noch einmal aus dein Schooße der Wasser hervor. Allein bey aller dieser Erneuerung behalt sie doch einen ewigen Eindruck der göttlichen Rache. Bis auf die Sünd- flmh war die ganze Natur weit stärker, und lebhafter. Die ungeheure Menge Wasser, unter welchen Gott die Erde vergrub, stund so lange über ihr, daß ihre Safte, die sie vcrschlosi, verderbt wurden. Die Luft wurde mit einer außerordentlichen Feuchtigkeit beschwert, und unterhielt dadurch den Grund zur Vergänglichkeit, und da die erste Einrichtung der Welt geschwächt war, so wurde das menschliche Leben immer kürzer, welches die Menschen vorher fast bis auf tausend Jahre gebracht hatten. Die Pflanzen und Früchte hatten nicht mehr ihre erste Kraft, und den Menschen mußte mit dem Fleische der Thiere eine stärkere Nahrung gegeben werden. So mußten nach und nach die Uebcrbleibsel der ersten Einrichtung verschwinden, und die ganz veränderte Natur sagte dem Menschen, daß Gott für ihn nicht mehr der gnädige Gott wäre, weil er ihn durch so viele Verbrechen wider sich gereizt hätte. Das lange Leben der ersten Menschen, wovon uns die Geschichte Mosis Nachricht giebt, ist auch andern Völkern nicht unbekannt gewesen, und ihre alten Sagen haben uns das Andenken davon aufbehalten. Der Tod, welcher sich näherte, ließ die Menschen eine schnellere Rache empfinden, und weil sie sich alle Tage tiefer in das Laster stürzten, so mußten sie auch alle Tage ihre Strafe näher haben*. Die einzige Veränderung mit den Speisen, da sie das Fleisch der Thiere zu ihrer Nahrung nehmen N 4 mußten, * IVsanetli, IZowl! Nie. vzmas. er al, »s>. Io5e>z!,. ^nc. I, 4. licliotl. vp. er al. 2OO Bischof Bossuets Einleitung mußten, konnte ihnen zeigen, daß ihr Zustand schlimmer geworden sey, weil sie beständig schwächer, und zugleich doch auch freßbegierig'cr und blutdürstiger wurden. Die Nahrung der Menschen vor der Sündfluth, welche sie von den Früchten, die von freyen Stücken abfielen, und von den Krautern, die eben so geschwind reiften, ohne Mühe erhielten, diese Nahrung war ohne Zweifel noch ein Ueberblcibsel von der ersten Unschuld, und von der Sanftmmh, zu der wir erschaffen waren. Jtzt müssen wir zu unsrer Erhaltung Blut vergießen, ob uns schon dieses von Natur einen Schauer erweckt. Alle Künste, deren wir uns bedienen, unsern Tisch angenehm zu machen, reichen kaum zu, uns die Aeser zu verstecken, die wir essen müssen, um unsern Hunger zu sättigen. Aber das ist noch unser kleinstes Unglück. Das Leben, das schon so sehr verkürzt ist, verkürzen wir noch mehr durch die Gewaltthätigkeiten, weiche unter dem menschlichen Geschlechte einreisten. Der Mensch, den man in der ersten Zeit das Lebender Thiere schonen sah, ist nunmehr gewohnt, das Leben andrer Menschen nicht zu schonen. Es war umsonst, daß Gott gleich nach der Sündfluth verbot, Menschenblut zu vergießen. Umsonst hatte Gott geboten, um noch einige Spuren der ersten Sanftmut!) unsrer Natur zu erhalten, daß es zwar erlaubt seyn sollte, das Fleisch der Thiere, aber nicht ihr i B, M, ?, 4. Blut, zu essen. Es gieng ein Mord nach dem an- i V.M.4,5!, dem vor. Es ist wahr, daß Cain noch vcr der Sündflnth seinen Bruder seinem Neide aufgeopfert i B. Mos, 4, hatte. Lamech , der vom Cain abstammte, hatte '5' den andern Mord begangen, und es ist kein Zweifel, daß es noch mehrere Mörder gegeben, welche diesen ver- in die allgemeine Geschichte. 20z verdammlichen Beyspielen gefolgt sind. Aber die Kriege waren noch nicht erfunden. Nach der Sund- fluth erschienen erst diese Verwüster der Provinzen, welche man Eroberer hieß, die durch die Ehre zu herrschen angetrieben wurden, so viele Unschuldige auszurotten. Nimrod, der ein verfluchter Abkömmling des verfluchteil Chams war, sing den Krieg an, um sich ein Reich aufzurichten. Seit der Znt hat die Herrschsucht keine Grenzen gehabt, und ist mit dem Leben der Menschen nach ihrem Gefallen umgegangen. Die Menschen sind so weit gegangen, daß sie einander umbringen, ohne einander zu hassen. Die größte Kunst, die am meisten geehrt worden ist, ist die Kunst, einander unizubringen. So sieht der Anfang der Welt aus, wie uns Moses denselben beschreibt, ein Anfang, der überaus glücklich ist, und eine Folge von unendlichen Uebeln nach sich hat. Er ist in Ansehung Gottes beständig bewundernswürdig, und für uns ein reicher Anlaß zu Ueberlegungen, wenn wir ihn in unsern Gedanken übersehen wollen. Wir werden die Welt und das menschliche Geschlecht immer unter der Hand Gottes sehen, wie er es durch sein Wort aus dem Nichts hervorruft; wie er es durch seineGüte erhalt, und durch seine Weisheit regiert; wie er es nach seiner Gerechtigkeit bestraft; wie er es durch feine Barmherzigkeit wieder errettet, und wie es immer seiner Macht unterworfen ist. Das ist nicht dic Welt, wie sie sich einige Philosoph^', vorgestellt haben, die nach einigen durch eine ungefähre Zusammenkunft der ersten Staubchen entstanden ist, nach den Weifesten aber ihrem Urheber nur den Stoff dargeboten hat, sie daraus zu bilden, die N 5 folg- IÄ^d! 2O2 Bischof Bossuets Einleitung folglich weder im Grunde ihres Wesens, noch in ihrem ersten Zustande von ihm abhängt, sondern ihn selbst an gewisse Gesetze bindet, die er nicht verletzen kann. Moses, und unsre Altväter, deren Sagen er gesammlet hat, machen uns ganz andre Vorstellungen davon. Der Gott, den er uns gezeigt hat, besitzt eine ganz andre Gewalt; er kann erschaffen, und Zernichten, wie es ihm gefällt; er giebt der Natur Gesetze, und ändert sie ganz und gar, wenn er will. Wenn er zu der Zeit, da ihn die Menschen vergessen hatten, erstaunliche Wunder gethan, und die Natur gezwungen hat, wider ihre bestandigsten Gesetze zu handeln, damit er sich den Undankbaren bekannt machen möchte, so ist er fortgefahren, uns zu zeigen, daß er ein unumschränkter Herr der Natur, und sein Wille das einzige Band sey, das die Ordnung in der Welt erhalt. Das war es eben, was die Menschen vergessen hatten: Die Dauer einer so schönen Ordnung diente zu weiter nichts, als sie zu überreden, daß diese Ordnung von je her, und von sich selbst, also gewesen wäre. Dadurch wurden sie geneigt, die Welt überhaupt, oder die Gestirne, die Elemente, und kurz, alle diese großen Körper, woraus sie bestehen, anzubeten. Gott hat also an dem menschlichen Geschlechte eine Güte bewiesen, die seiner würdig ist, indem er bey ausnehmenden Gelegenheiten diese Ordnung aufgehoben hat, welche sie nicht allein nicht mehr rührte, weil sie ihrer gewohnt waren, sondern sie auch geneigt machte, so sehr verblendet waren sie! die Ewigkeit und Unabhängigkeit außer Gott zu suchen. Die in die allgemeine Geschichte. 20z Die Geschichte des Volkes Gottes, welche sowohl durch ihre eigne Folge, als auch durch die Redlichkeit sowohl derer, von denen sie beschrieben worden ist, als derer, die sie uns mit so vieler Sorgfalt aufbehalten haben, diese bewahrte Geschichte hat uns in einem getreuen Verzeichnisse das Andenken seiner Wunder bewahrt, und giebt uns dadurch eine wahre Vorstellung von der uinimschränkten Herrschaft Gottes, dieses allmachtigen Herrn, über seine Geschöpfe, die er beweist, sowohl wenn sie sich bestandig nach den allgemeinen, einmal bestimmten, Gesetzen richten müssen, als wenn er ihnen andre giebt, weil er es zuweilen für nöthig findet, das eingeschlafne menschliche Geschlecht durch eine erstaunliche That aus seinem Schlummer zu erwecken» Das ist also der Gott, den uns Moses in seinen Schriften, als den einzigen, vorgestellt hat, dem wir allein dienen sollen; das ist der Gott, den die Patriarchen vor ihm angebetet haben, mit einem Worte, der Gott Abrahams, der Gott Isaacs, und der Gott Jacobs. Das ist der Gott, dem unser Vater Abraham seinen einzigen Sohn hat aufopfern wollen, dessen Hohcrpriester, Melchiscdec, diesesVorbild JesuChristi, war; dem unser Vater, Noa, bey seinem Ausgange aus der Arche, opferte. Das ist der Gott, den der gerechte Abel erkannte, als er ihm das Beste seiner Heerden zum Opfer brachte; derGott,den Seth,welchen Gott dem Adam an die Stelle des erwürgten Abels gegeben hatte, seinen Kindern bekannt machte, die darum auch Kinder Gottes genannt wurden. Das ist endlich der Gott, den Adam selbst seinen Nachkommen, als denjenigen, zeigte, aus dessen Handen er zuerst gekommen war; der Gott, der allein dem Elende 2O4 Bischof Bossuets Einleitung seiner unglückseligen Nachkommenschaft abhelfen konnte. Wie schön ist die Philosophie, die uns so reine Vorstellungen von dem Urheber unsers Wesens giebt! Wie herrlich ist die Tradition, die uns das Andenken seiner prachtigen Werke erhalt! Wie heilig ist das Volk Gottes, das in cin.'r ununterbrochnen Folge, vom Anfange der Welt her, bis auf unsre Tage so herrliche mündlich fortgepflanzte Nachrichten, und eine so heilige Philosophie erhalten hat! Allein, weil das Volk Gottes unter dem Patriarchen Abraham eine ordentlichere Gestalt gewonnen hat, so ist es nöthig, Monseigneur, daß Sie sich bey einem so großen Manne ein wenig aufhalten. Vom Abraham und den Patriarchen. braham wurde ungefähr drcyhundert und fünfzig Jahre nach der Sündfluth zu einer Zeit gebohren, wo das menschliche Leben noch sehr lange dauerte, ob es gleich schon in engere Grenzen eingeschlossen war. Noa war nur gestorben, Sem, sein ältester Sohn, lebte noch, und Abraham hat beynahe sein ganzes leben mit ihm zubringen können. Die Welt war also noch ganz neu, und so zu sagen noch von den Wassern der Sündfluth durchdrungen; die Menschen waren dem Ursprünge der Dinge ganz nahe, und brauchten zur Erkenntniß der Einheit Gottes, in die allgemeine Geschichte. 205 tes, und dem Dienste, den sie ihm schuldig waren, weiter nichts, als den Unterricht davon, der vom Adam, bis auf den Noa, und weiter mündlich fortgepflanzt worden war. Diese Tradition stimmte im übrigen mit den Wahrheiten, welche die Vernunft erkannte, s» überein, daß es schien, als ob eine so deutliche und wichtige Wahrheit niemals verfinstert werden könnte. So ist der erste Zustand der Religion beschaffen, welcher bis auf Abrahams Zeiten dauert! Damals durften sich die Menschen nur ihr Gedächtniß und ihre Vernunft lehren lassen, wenn sie die Größe Gottes erkennen wollten. Allein die Vernunft war schwach und verderbt, und je weiter sich die Menschen von dem ersten Ursprünge der Dinge entfernten, dcstomchr verwirrten sie die Vorstellungen unter einander, die sie von ihren Vorfahren empfangen hatten. Die ungelehrigen oder übelunterrichteten Kinder wollten ihren gekrümmten Großvätern nicht mehr glauben, die sie nach so vielen Geschlechtern kaum mehr kannten. Der Verstand Her Menschen, welcher ganz sinnlos geworden war, konnte sich nicht mehr zu erhabnen geistlichen Dingen erheben, die Menschen wollten nichts anbeten, als was sie sahen, und die Abgötterey breitete sich also auf der ganzen Erde aus. Der Geist, welcher den ersten Menschen betrogen hatte, genoß dazumal die Früchte seiner Verführung, und sah die Wirkung des Wortes, das er gesagt hatte : ^jl)r rverdec seyn, rvie Gott. So bald er sie aussprach, gieng er darauf um, wie er in dem Menschen die Vorstellung von Gott, und die Vorstellung von der Crearur vermengen, und einen Namen theilen könnte, dejjen Majestät darinnen besteht, daß er 2O6 Bischof Bossmts Eitlleitung keinem mitgetheilt werden kann. Sein Unternehmen gelang ihm. Die Menschen, die von Fleisch und Blut eingeschläfert worden waren, hatten dennoch von der göttlichen Macht eine dunkle Vorstellung behalten, die sich durch ihre eigne Kraft erhielt. Allein eben diese Vorstellung wurde mit den Bildern verwirrt, die durch die Sinne in die Seele gebracht wurden, und verleitete sie so weit, daß sie alle Dinge anbeteten, welche einige Thätigkeit und einige Gewalt besitzen. Folglich wurden die Sonne, und die Gestirne, weil sie sich aus einer so großen Weite empfinden lassen, die ersten Gegenstände der öffentlichen Anbetung, und eben diese Ehre wiederfuhr dem Feuer, und den übrigen Elementen, weil ihre Wirkungen so sehr allgemein waren. Den großen Königen, und den Eroberern, und den Urhebern solcher Erfindungen, welche dem menschlichen Geschlechte-sehr nützlich waren, wurde bald auch die göttliche Ehre erwiesen. Die Menschen litten ihre Strafe dafür, daß sie sich ihren Sinnen unterworfen hatten. Die Sinne waren über alles Richter, und erschufen wider die Vernunft alle die Götter, welche man auf der Erde anbetete. Wie weit war dazumal der Mensch von seinem ersten Zustande entfernt, und wie sehr war das Ebenbild Gottes in ihm entheiligt, und unscheinbar worden ! Konnte ihn wohl Gott mit so verkehrten Neigungen erschaffen haben, die sich von Tage zu Tage mehr äußerten? Und zeigte der wunderbare Hang desselben, sich einem ieden andern Dinge lieber, als seinem natürlichen Herrn, zu unterwerfen, die fremde Hand nicht deutlich genug, durch welche das Werk Gottes in der menschlichen Seele so schrecklich verwüstet worden war, daß man kaum noch einige Spuren in die allgemeine Geschichte. 207 ren davon sehen konnte? Dieser blinde Eindruck, der ihn beherrschte, stieß ihn fort, und er verlohr sich in der Abgötterey so weit, daß ihn nichts zurückhalten konnte. Ein so großes Uebel nahm erstaunlich überHand. Aus Furcht/ daß es nicht das ganze menschli- . che Geschlecht anstecken, und die Erkenntniß Gottes ganz vertilgen möchte, so gieng der göttliche Beruf an den Abraham, seinen Knecht. In seiner Familie wollte er seinen Dienst, und den alten Glauben erhalten, der sowohl die Schöpfung des Weltgebäudes, als auch die besondre Vorsicht begriff, mit welcher er die Welt regieret. Abraham ist im Oriente beständig berühmt gewesen. Die Hebräer sind es nicht allein, die ihn als ihren Stammvater verehren. Die Jdumäer rühmen sich gleichfalls dieser Ehre. Jsmael, der Sohn iB.Mos. -7> Abrahams, ist unter den Arabern, als derjenige, be- ^- kannt, von dem sie herkommen. Die Beschneidung ist ihnen, als ein Kennzeichen ihres Ursprunges, übrig geblieben, und sie haben dieselbe zu allen Zeiten nicht am achten Tage, wie die Juden, sondern im dreyzehnten Jahre, empfangen, weil ihr Stammvater, iB.Mos. 17, Jsmael, nach der Nachricht der heiligen Schrift, erst ^' in seinem dreyzehnten Jahre beschnitten worden ist. Und diese Gewohnheit dauert unrer den Mahometa- nern noch fort. Andre arabische Völker erinnern sich noch Abrahams, und derKctura, und sie sind es eben, welche nach der heiligen Schrift aus dieser Ehe entsprungen sind. Dieser Patriarch war ein Chaldäcr, und diese Völker, welche wegen ihrer astronomischen Beobachtungen bekannt sind, haben ihn unter ihre klügsten Sternseher gezählt. Die Geschichtschreiber von Syrien haben ihn zum Könige von Damascuö ge- 2v8 Bischof Bossuets Einleitung' gemacht, ob er gleich ein Fremdling, und von Babylon hergekommen war, und sie erzählen, daß er das Königreich DamascuS verlassen habe, um seinen Sitz im Lande der Cananiter aufschlagen, welches nachher Judaa genannt worden ist *. Allein, wir wollen lieber anmerken, was die Geschichte des Volkes Gottes von diesem großen Manne erzählt. Wir haben gesehen, daß Abraham die Lebensart beybehielt, welche die Altvätcr hatten, ehe noch Königreiche entstunden. Er herrschte in seiner Familie, und lebte mit ihr in dem Hirtenstande, der wegen seiner edlen Einfalt und Unschuld so sehr berühmt ist. Seine Reich- sV.Mvs.i-. thümer bestunden inHeerden, in Sklaven, in Gelde, aber nicht in Landern und Herrschaften, und er lebte selbst in einen', fremden Königreichs, als ein unumschränkter Prinz, und stund in dem größten Ansehen. Seine Gottesfurcht und seine Redlichkeit, die von Gott beschützt wurden, erwarben ihm dieses Ansehen» Er war Königen gleich, die seine Bundesgenossen zu werden suchten, und daher mag die alte Mermung gekommen seyn, daß er selbst die königliche Würde gehabt habe. Ob er gleich sein Leben in einer edlen Einfalt und friedlichen Stille zubrachte, so wußte er doch Krieg zu führen, aber dieses that er allein zur Vertheidigung seiner unterdrückten BundSgenosscn. Er vertheidigte, und rächte sie durch einen merkwürdigen Sieg; er gab ihnen alle Reichthümer wieder, die er ihren Feinden abgenommen hatte, und behielt nichts da- * ^Iex.?ol^'l,. gr>, loiep!?, knriizu, l, iz, 16. Leros, Uecsr. Lr>^.?oI^Ii. er zl loiepli .anr Iirir.8. er Lrilelz, pl-?.ep. 1!v.IX, 16, iF, 19,20 er XIII. I^ic.vsma^ Urir.IV. Z>M. uni,v. in excerr-r. Vnl. er sr,, lolex!). AMiHU. üdr. 8- er Luieb. ^raer,. Lv. IX, 16» in die allgemeine Geschichte. 259 davon/ als den Zehnten, den er Gott opferte, und den Theil für die Hülfsvölker, die er in den Streit geführt hatte. Im übrigen schlug er auch die prach- lB.Mos.i-. tigen Geschenke der Könige, denen er doch einen so ^ großen Dienst geleistet hatte, mit einer Großmuth c.zz, 6. aus, die ihres gleichen nicht hat, und er wollte nicht leiden, daß sich iemand rühmen möchte, er hatte Abraham reich gemacht. Er wollte keinem etwas zu danken haben, als Gott, der ihn beschützte, und vor dem er in einem vollkommnen Glauben und Gehorsame wandelte. Dieser Glaube leitete ihn, als er sein vaterliches Land verließ, und in dasjenige gieng, welches ihm Gott zeigte. Gott , welcher ihn berufen, und seines Bundes würdig gemacht hatte, richtete denselben unter folgenden Bedingungen mit ihm auf. Er versprach ihm, daß er sein Gott, und der Gott iB.Mos. 17, und der Beschüßer seiner Kinder seyn wollte, und daß sie ihm, als dem einzigen Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, dienen sollten. Er versprach ihm ein Land, und dieses war das Land Canaan, welches der bestandige Aufenthalt seiner Nachkommeilschaft, und der Sitz der Religion seyn sollte. Er hatte keine Kinder, und sein Weib, Sara, i B. Mos. war unfruchtbar. Gott schwur ihm bey sich selbst, ^. und bey seiner ewigen Wahrheit, daß von ihm und c.17,^.' seinen: Weibe ein Geschlecht gebohren werden sollte, welches den Sternen am Himmel, und dem Sande am Meere, gleich seyn würde. Allein, das folgende Versprechen Gottes ist noch weit merkwürdiger. Alle Völker stürzten sich immer tiefer in die Abgötterei). Gott versprach dein heili- O gen 21O Bischof Bosfuets Einleitung iB-M.-^z. gen Patriarchen, daß in ihm und seinem Samen c.is, i». alle diese blinden Völker, die ihn vergaßen, gesegnet, und zu seiner Erkenntniß berufen werden sollten, in welcher der wahre Segen zu finden ist. Durch diese göttliche Zusage ist Abraham der Vater aller Gläubigen geworden, und seine Nachkommenschaft sollte die Qvclle seyn , aus der sich der Segen über die ganze Erde ergießen sollte. In dieser Zusage war das Versprechen von der Zukunft des Meßias eingeschlossen, der unsern Vätern so oft, als derjenige, verkündigt worden ist, der der Heiland aller Heiden und aller Völker auf Erden seyn sollte. Also wurde dieser gebenedeyte Samen, welcher der Eva versprochen worden war, auch der Same und ein Abkömmling Abrahams. Darauf beruht der Bund Gottes mit seinem iD.Msf. 17. Knechte, Abraham; so sind die Bedingungen desselben beschaffen. Abraham empfing das Siegel davon in der Beschncidung. Diese Ceremonie sollte anzeigen, daß dieser heilige Mann mit seiner ganzen Familie dem Herrn zugehörte. iB.M-N/-. Abraham hatte noch keine Kinder, ehe der Herr c'17,-0.' ""fing, f<-'i" Geschlecht zu segnen. Gott ließ ihn c.'-i/iz.' auch nachher noch verschiedne Jahre ohne Kinder. Hierauf zeugte er den Jsmael, den Stammvater eines großen Volkes, aber nicht des erwählten Volkes, das ihm so oft versprochen worden war. Der Vater dieses erwählten Volkes sollte von ihm und seiner 1B.Mvs.21. Frau, Sara, herkommen, welche unfruchtbar war. Endlich wurde, dreyzehn Jahre nach der Geburt des Jsmael, dieser so erwünschte Sohn gebohren. Er wurde Jsaac genannt, und sein Name wird von einem in die allgemeine Geschichte. 2u ttem Worte abgeleitet, welches das Lachen anzeigt. Er war ein Sohn der Freude, ein Sohn des Wunders , ?in Sohn des Versprechens, welcher durch seine Geburt beweist, daß die wahren Kinder Gottes aus Gnade gebohren werden» Dieser gesegnete Sohn war schon groß, und zu ei- »B.Ms.-q», nem solchen Alter gelangt , daß sein Varer nicht hoffen konnte, noch andre Kinder zu zeugen , als ihm Gott auf einmal den Befehl gab, ihn zu schlachten. In was für Versuchungen wurde sein Glaube nicht geführt! Abraham führte seinen Sohn, Isaac, zudem Berge, den ihm Gott gezeigt hatte, und wollte den Sohn aufopfern, durch den allein ihn Gott zum Vater sowohl seines Volkes, als des Meßias, zu machen versprochen hatte. Isaac reichte seinen Leib dem Schwerdte willig dar, welches sein Vater schon fertig hielt, ihn damit aufzuopfern. Gott war mit dem Gehorsame des Vaters und des Sohnes zufrieden, und verlangte nichts mehr. Nachdem diese beyden großen Männer der Welt ein so lebendiges und schönes Vorbild von der freywilligen Ausopferung Jesu Christi gewesen waren, und im Geiste schon die Bitterkeit seines Kreuzes geschmeckt hatten, so wurden sie für würdig gehalten, seine Vorfahren zu seyn. Abra- . hams Treue machte, daß ihm Gott alle seine Ver- iB.Mvs.--, sprechungen bestätigte, und von neuem nicht allein »z. seine Familie-, sondern auch durch seine Familie alle Geschlechter auf Erden segnete. Isaac, sein Sohn, und Jacob, sein Enkel, genossen in der That auch seinen Schuß beständig. Sie waren ihres Vaters Nachahmer; sie waren, wie er, dem alten Glauben ergeben; sie blieben bey der alten Lebensart, und waren Hirten, und behielten auch die O s «jte 212 Bischof Bossuets Einleitung alte Regierungsart bey, nach der ein ieder Vater das Haupt und derPrinz seinesHauses war. So lebte mitten unter den Veränderungen, die sich taglich unter den übrigen Menschen eräugnetcn, das heilige Alterthum in der Religion, und in der frommen Aufführung Abrahams und seiner Kinder wieder auf. Gott erneuerte auch dem Jsaac, und dem Jacob eben die Versprechungen, die er ihrem Vater, Abraham, gethan hatte, und wie er sich den Gott Abrahamsgenannt, so nannteer sich auch den Gott Jsaacs und Jacobs. Unttr seinem Schuße fingen diese drey großen Manner an, in dem Lande Canaan sich beständig aufzuhalten; aber sie waren immer noch Fremdlinge ?lpoKeIg>7/5' darinnen, und besaßen nicht einen Fuß breit Landes, bis die Hungersnoth den Jacob nach Aegypten zog, wo seine Kinder sich vermehrten, und gar bald nach der Zusage Gottes ein großes Volk wurden. Im übrigen unterließ doch dieser große Gott nicht, die Wahl seiner Gnade zu zeigen, ob gleich dieses Volk, das er in seinem Bunde gebohren werden ließ, sich durch die Fortpflanzung des Geschlechtes ausbreiten , und der Segen in der Familie bleiben sollte» - Denn nachdem er den Abraham mitten aus den Völkern erwählt hatte, so erwählte er unter seinen Kindern den Jsaac, und hernach unter den Zwillingen Jsaacs den Jacob, dem er den NameiMJsrael, beylegte. . ^ Jacob hatte zwölf Kinder, welche die zwölf Patriarchen, und die Stifter der zwölf Stamme wurden. Alle sollten an dem Bunde Antheil haben; allein Ju- da ward unter allen seinen Brüdern erwählt, daß er" der Stammvater der Könige in Israel, und der Vater in die allgemeine Geschichte. 21z tcr des Meßias seyn sollte, der seinen Vorfahren so oft verheißen worden war. Es sollte einmal eine Zeit kommen, da zehn Stamme wegen ihrer Untreue von dem Volke Gottes getrennt werden sollten. Alsdann sollte der Segen der Nachkommenschaft Abrahams, nämlich die Religion, der Befiß des Landes Canaan, lind die Hoffnung des Meßias nur indem einzigen Stamme, Juda, erhalten werden, der den übrigen Jsraeliten den Namen der Juden, und dem ganzen Lande den Namen Judäa geben sollte. So äußerte sich die Wahl der göttlichen Gnade bestandig, auch in diesem fleischlichen Volke, da6 sich durch die ordentliche Fortpflanzung erhalten sollte! Jacob sah im Geiste das Geheimniß dieser göttli- iV.Ms^. chen Wahl. Da er sterben wollte , und seine Kinder, die um sein Bette herumstunden, einen so liebreichen Vater um seinen Segen baten, so entdeckte ihm Gott den künftigen Zustand der zwölf Stamme, wenn sie in das versprochneLcmd gekommen seyn würden. Er offenbarte ihn in wenig Worten, und diese wenigen Worte schließen unzählige Geheimnisse in sich. Obgleich alles, was er von den Brüdern, Juda, sagt, mit einer außerordentlichen Pracht ausgedrückt ist, und einen Menschen verrath, welchen der Geist Gottes außer sich entzückt hat: So erhebt er sich doch noch höher,da er auf seinen Sohn,Juda,kömmt. Juda, sagt er, du bists, dich werden deine Brüder loben; deine Hand wird deinen Feinden auf dein Halse seyn. Dor dir werden deines Varers Rinder sich, neigen. Juda ist ein junger Löwe, du bist hoch gekommen, mein Sohn, durch große Siege: Er hat nieder gekniet, und sich O z gela, 214 Bischof Bossuets Einleitung gelagert, wie ein Löwe, und wie eine Löwinn ; wer will sich wider ihn auflehnen? ZLs wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Füssen» bis daß der Held komme, und demselben werden die Heiden anhangen« Das Scepter beheutet, das Ansehen, oder die Gewalt. Die letzten Worte dieser Prophezeihung lauten nach einer vielleicht eben so alten Lesart anders, zeigen aber im Grunde mit den schon angeführten Worten einerley an; bis derje- nigekomme, dem alle Dinge vorbehalten sind. Das Uebrige ist so, wie wir es angeführt haben. Das Folgende dieser Weissagung geht dem Buchstaben nach auf den Strich Landes, welchen der Stamm Juda in dem heiligen Lande einnehmen sollte. Allein, man mag diese letzten Worte, die wir gesehen haben, nehmen, wie man'will, so gehen sie auf keinen andern, als den, welcher der Gesandte Gottes, der Diener und Ausleger seines Willens, in dem alle Versprechungen Gottes erfüllt sind, der König des neuen Volkes, nämlich der Meßias, oder der Gesalbte Gottes ist. Jacob redet nur gegen den einzigen Juda, aus dessen Geschlechte der Meßias gebohren werden sollte, ausdrücklich von ihm. Er begreift in dem Schicksale des einzigen Juda, das Schicksal des ganzen Volkes, dessen andern Stämme nach seiner Zerstreuung wiederum mit dem Stamme, Juda, vereinigt werden sollten. Alle Worte der Weissagung sind klar; nur das einzige Wort, Scepter , könnte nach dem Gebrauche unsrer Sprache bloß für die königliche Würde genommen werden, da es überhaupt in der heiligen Sprache in die allgemeine Geschichte. 215 che für die Gewalt, für das Ansehen, und die obrigkeitliche Macht genommen wird. Man findet diesen Gebrauch des Wortes, Gceprer, fastauf allen Seiten der heiligen Schrift. Man findet auch diesen Verstand in der Prophezeiung Jacobs offenbar, und dieser Patriarch will sagen, daß in den Tagen des Meßias alle Macht des Hauses Iuda ein Ende ha. ben soll, welches den völligen Untergang eines Staates nach sich zieht. Die Zeiten des Meßias sind also hier durch eine doppelte Veränderung bezeichnet. Zum ersten wird das Königreich Iuda, und das jüdische Volk mit sei» nem völligen linkergange bedrauet. Zum andern soll ein neues Königreich, nicht aus einem einzigen Volke, sondern aus allen Völkern, entstehen, dessen Haupt und Hoffnung der Meßias seyn soll. Das jüdische Volk wird in der Schreibart der heiligen Schrift allezeit in der einzelnen Zahl und vorzüglich das Volk/ oder das Volk Gottes, genannt. Ief. 55. Wenn sie aber von Völkern redet, so verstehen die- jenigen, welche in der heiligen Schrift geübt sind, c.4S/6.i8.' die andern Völker darunter, welche in der Prophe- ^5^-5' zeihung Jacobs dem Meßias auch verheißen wurden. Diese große Weissagung begreift in wenigen Worten die ganze Geschichte des jüdischen Volkes und des Meßias, der ihm versprochen wird. Sie bezeichnet die ganze Folge des Volkes Gottes, und ihre Erfüllung dauert noch. Ich will also hier keine Auslegung machen; man hat derselben nicht nöthig; man darf nur bloß aufdieFol- ge der Geschichte des Volkes Gottes Achtung geben, so wird sich uns der Inhalt und Verstand dieser Weissagung von selbst entdecken. Denn die Erfolge sind hier die besten Ausleger. O4 Vom 216 Bischof Bossuets Einleitung c^-z--^-S-c^-^^^c^l^^^^^c^-Nc^^-^^^^ Vom ^-^ ^ ^ ' ^ Moses, demgeschrießnen Gesche, und der Einführung des Volkes Gottes in das gelobte Land. dem Tode Jacobs blieb das Volk Gottes in MH Aegypten bis auf die Zeit der Gesandtschaft Mo- jls, das ist, ungefähr zweyhundert Jahre. Es vergiengen also vierhundert und dreyßig Jahre, ehe Gott seinein Volke das Land gab, das er ihm verheißen hatte. Denn er wollte seine Auserwählten dazu >. Gott selbst dictirt hatte. Ein solches altes Exemplar, -Lh»u. Z4, so genau und sorgfältig durchgesehen und verbessert worden war, wurde unter der Regierung des Josias in dem Hause des Herrn gefunden, und vielleicht war es das Original selbst, das Moses neben derBundes- lade hatte vcnvahrlich niederlegen lassen. Die Frömmigkeit dieses heiligen Königes wnrde dadurch so erweckt, daß er daher Gelegenheit nahm, das Volk zur Buße zu bewegen. Die herrlichen'Wirkungen^, welche in die allgemeine Geschichte. 231 che die öffentliche Verlesung dieses Gesches zu allen Zeiten gehabt hat, sind unzahlbar. Mit einein Worte, es war ein vortreffliches Buch, das nebsi der Geschichte des Volkes Gottes dasselbe zugleich seinen Ursprung / seine Religion, seine Policen, seine Sitten, seine Philosophie, und alles lehrte, was zur Aufführung des Lebens gehört, und was die Gesellschaften verbindet und vereinigt; ein Buch, welches gute und schlimme Beyspiele, und zugleich die Belohnung der Frommen , und die strengen Bestrafungen enthielt, welche die Sünder empfangen. Das jüdische Volk, welches aus seiner Sklaverey;B.Mvs befreyet, und vierzig Jahre lang in der Wüste aufgehalten worden war, wurde durch diese sirenge und vortreffliche Zucht erst ausgebildet, ehe es in das gelobte Land kam, dasselbe einzunehmen. Moses führte dasselbe an den Eingang; Gott unterrichtete ihn von seinem bevorstehenden Ende, und er überließ dasjenige, was noch zu thun übrig war, demIosua. Ehe er aber starb, verfertigte er den langen und verwun- dernswürdigcn Gesang, welcher mit den Worten anfängt: Hörer ihr Himmel, und du Erde nimm zB.Mvs.z-. die tVorre meines Mundes zu Ghren. Unter diesem Stillschweigen der Natur redet er zuerst zum Volke mit einer unnachahmlichen Starke, und, da er seine Untreue gegen Gott vorhersieht, so entdeckt er «hin die Abscheulichkeit derselben. Auf einmal kömmt er außer sich selbst; alle menschliche Rede scheint ihn für einen so wichtigen und großen Gegenstand zu klein zu seyn. Er erzahlt das, was Gott gesagt hat, und läßt ihn mit einer solchen Hoheit und mit so vieler Güte reden, daß man nicht weis, ob er mehr Furcht uud Verwirrung, oder mehr Liebe und . Vertrauen in uns erweckt. P 4 DaS 2Z2 Bischof Bossuets Einleitung Das ganze Volk lernte diesen göttlichen Gesang auf den Befehl Mosis und Gottes auswendig. Die- 5B.Mos.zi/ ser große Mann starb darauf ganz zufrieden, als ein 1?. 2-. Mann, der nichts unterlassen hatte, unter den Sci- nigen das Andenken der Wohlthaten und Gebote Gottes zu erhalten. Er hinterließ seine Kinder mitten unter seinen Mitbürgern, ohne ihnen einen Vorzug vor den andern, oder ein besondres Glück verschafft zu haben. Er ist nicht allein von seinem Volke, sondern von allen Völkern in der Welt, bewundert worden, und kein Gesehgeber hat iemals unter den Menschen einen solchen Namen gehabt. Man halt dafür, daß er das Buch Hiob geschrieben habe. Die Hoheit der Gedanken, und die Majestät der Schreibart, machen diese Geschichte seiner würdig. Weil zu befürchten war^ daß die Hebräer hochmüthig werden, und sich die Gnade Gottes allein zuschreiben möchten, so war es sehr dienlich, ihnen zu erkennen zu geben, daß dieser große Gott seine Ausenvähltcn selbst in dem Geschlechte ,Esaus hatte. Welche 5ehre konnte wichtiger seyn? Womit konnte Moses ein Volk, das in der Wüste viel ausstehen mußte, besser unterhalten, alsmitdcrGe- duld Hiobs, welcher in Satans Hände übergeben wurde, daß er alle Arten von Plagen leiden mußte; welcher sich aller seiner Güter, seiner Kinder, und seines ganzen Trostes auf Erden beraubt sah, und kurz darauf von einer schrecklichen Krankheit befallen, und in seinem Herzen in die Versuchung geführt wurde,einGottcslästcrerzu werden,und zu verzweifein? Welch Beyspiel konnte für die Jsraeiiten schöner seyn, als das seinige, wenn sie sahen, daß er ungeachtet aller seiner Plagen standhaft blieb, und dadurch zeigte, in die allgemeine Geschichte. 2zz te, eine gläubige Seele, welcher Gott bcysteht, wisse mitten unter den grausamsten Versuchungen, und ungeachtet der traurigsten und schrecklichsten Gedanken, die ihr der Geist der Bosheit eingeben kann, Hivb..iz, ,5. nicht allein ein unüberwindliches Vertrauen zu Gott zu ^'^2,^' erhalten, sondern sich auch durch ihre eignen Leiden zu der c, -5. erhabensten Betrachtung zu erheben, und in den Plagen, die sie erduldet, das Nichts des Menschen, und die höchste Gewalt und die unendliche Weisheit Gottes einzusehen? Dieses lehrt uns das Buch Hiob. Die Geduld dieses heiligen Mannes, wurde endlich durch zeitliche Glückseligkeiten gekrönt, welches der Charakter der damaligen Zeiten war. Unterdessen lernte doch das Volk die Kraft der Leiden einsehen, und die Gnade schmecken, welche dereinst mit dem Kreuze verbunden seyn sollte. Moses hatte sie geschmeckt, als er die Leiden und -B.Mos. -/ die Schmach, die er mit seinem Volke ausstehen mußte, den Wollüsten und dem Ueberflusse des kö-'25.26.^' niglichen ägyptischen Hofes vorgezogen hatte. Von der Zeit an ließ ihn Gott die Schmach Jesu Christi empfinden. Er empfand sie noch mehr, da er die Flucht so jähling ergreifen mußte, und trug sie in seinem vierzigjährigen Elende. Allein, er trank den Kelch Z V.Mos. 14, Jesu Christi völlig aus, nachdem er dazu ausersehen wurde, das Volk Gottes zu bcfreycn. Wie oft mußte er nicht leiden, daß es sich wider ihn empörte! Wie oft war sein Leben in Gefahr! Da lernte er, was es kostete, die Kinder Gottes zu befrcyen, und zeigte von ferne schon, was eine weit größere und wichtigere Erlösung dereinst dem Erlöser der Welt kosten würde. P 5 Dieser 2Z4 Bischof Bossuets Einleitung Dieser große Mann hatte nicht einmal den Trost, in das versprochne land mit einzugehen. Er sch es nur von einem hohen Gebirge, und er schämte sich nicht, selbst aufzuschreiben, daß er wegen einer Sünde daraus ausgeschlossen worden wäre, welche, so klein sie auch schien, dennoch so strenge an einem Manne bestraft werden mußte, d"r von Gott einer so hohen Gnade gewürdigt worden war. Moses sollte ein Beyspiel von der strenger. Gerechtigkeit Gottes, und von dem Gerichte abgeben, das er mit einer schrecklichen Genauigkeit über diejenigen hält, welche seine Gaben zu einer vollkommnen Treue verbinden. Allein, unter dieser Ausschließung Mosis wird uns noch ein weit größres Geheimniß gezeigt. Dieser weise Gesetzgeber, welcher mit allen seinen Wundern nur so viel ausrichtete, daß er das Volk Gottes nur in die Nachbarschaft des ihnen verjprochnen Landes brachte, dient uns selbst zum Beweise, daß sein Ge- Hebr. 7/sey nichts vollkommen mache, und-das, ohne uns die Erfüllung der Zusagen Gottes geben zu können, Hebr.ii/ iz. uns dieselbe nur von vveirem sehen laßt, und uns aufs allerhöchste nur an den Eingang unsers Erbtheiles führt. Ein Josua, das ist, ein Jesus; denn dieses ist der wahre Namen des Josua, welcher durch seinen Namen, und durch sein Amc den Erlöser der Welt vorstellte, dieser Mann, der so weit unter dem Moses, und, bloß wegen seines Namens, so weit über ihn erhaben ist, dieser Josua, sage ich, war es, der das Volk Gottes in das gelobte land einführen sollte. Dieser große Mann gieng mit dem ganzen Volke trocknes Fußes durch den Jordan; die Mauern Jericho fielen von sich selbst vor dem Schalle der heiligen Trom- m die allgemeine Geschichte. 2^5 Trompeten nieder, und die Sonne stund mitten am Himmel sti!I. Durch seine Siegs setzte Gott seine Kinder in das Land Canaan ein, und vertrieb die an-' den- abscheulichen Völker daraus. Er erweckte in seinen Gläubigen einen vollkommncn Haß wider sie, »nd eine außerordentliche Abneigung von ihrer Gottlosigkeit. Die Strafen/ die er durch ihren Dienst vollziehen ließ, erfüllten sie selbst mit Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit, deren Befehle sie vollstreckten. Ein Theil dieser Volker, welche Josua aus ihrem Lande vertrieb, ließen sich in Asrica nieder, wo man lange Zeit darnach eine alte Aufschrift von ihrer Flucht und von den SiegenJosua gefunden hat*. Nachdem diese wundervollen Siege die Jsraeliten in den Besitz des größten Theiles von dem Lande gesetzt hatten, das ihren Vätern versprochen worden war, so theilten Ios.15u. z4. Josua, und der Hohepriester, Eleazar, mit den ^ ^> Häuptern der zwölf Stämme das Land unter sie nach c. -4, -7. dein Gesetze Mosis aus, und gaben dem Stamme Iuda den ersten und größten Theil desselben. Dieser Stamm hatte sich seit den Zeiten Mosis, an Anzahl, Muth, und Würde über die andern erhoben. Josua ^s. 1^ starb, und das Volk setzte seine Eroberungen auch nach dem Tode dieses Helden fort. Gott wollte, daß der z B, Mss, 2. Stamm Iuda vor den übrigen vorhergehen sollte, und ^ that es kund, daß er das ganze Land in seine Hände c. l-Z/14. gegeben hatte. Dieser Stamm schlug auch in der That die Cananiter, und nahm Jerusalem ein, welche i Chrvn.5,-. die heilige Stadt, und die vornehmste unter den ^^'z'' Städten des Volkes Gottes seyn sollte. Das war das alte Salem, wo zu den Zeiten Abrahams, Mel- chisedec, dieser König der Gerechtigkeit, denn die- Hebr.?. scs bedeutet sein Name, und zu gleicher Zeit der König 5 krocop. Uör. II. bell. ViM. 2)6 Bischof Bossuets Einleitung Nl'g des Friedens/ welches das Wort Salem anzeigt, regiert hatte. Abraham hatte ihn für den obersten Priester auf der Welt erkannt, als wenn Jerusalem schon von der Zeit an bestimmt seyn sollen, die heilige Stadt Gottes, und der Sitz der Religion zu Richt, i/ 21. seyn. Diese Stadt wurde im Anfange den Kindern Benjamins gegeben, welche die Jebusaer, die alten Einwohner des Landes, nicht vertreiben konnten, und unter ihnen lebten, weil sie zu schwach, und nicht zah lreich genug waren. Unter den Richtern waren die Schicksale des Volkes Gottes verschieden, nachdem ihre Aufführung böse oder gut war. Nach dem Tode der Alten, welche die Wunder der Hand Gottes gesehen hatten, verlohr sich das Andenken dieser großen Werke allgemach, und die Neigung des ganzen menschlichen Geschlechtes zur Abgötterey riß das jüdische Volk mit sich fort. So oft es abgöttisch wurde, so oft wurde es bestraft; so oft es eine aufrichtige Reue spüren ließ, so oft wurde es befreyt. Der Glaube von der Vorsehung, und die Wahrheit der Versprechungen und Dräuungen ihres Moses wurde in dem Herzen der Glaubigen immer mehr bestätigt. Allein Gott bereitere ihnen schon größre Beyspiele zu. Das Volk verlangte einen König, und Gott gab ihm den Saul, der wegen seiner Sünden bald verworfeil wurde. Er beschloß endlich, einer Familie die königliche Würde zu geben, aus welcher der MeßiaS herkommen sollte, und diese Familie erwählte er aus dem Stamme Juda. David, ein junger Schafer, der Jüngste von den Kindern Iejse, war aus diesem Stamme; weder sein Vater, noch seine Familie erkannten seine Verdienste; allein er war ein Mann nach i B. d.K.u''. dem Herzen Gottes, und Samuel salbte ihn in seiner Vaterstadt/ Bethlehem. Vom in die allgemeine Geschichte. 237 5 » » »5555» 5 » » » 5 -5 4 Vom Könige David, den Konigen, und den Propheten. ier erhält das jüdische Volk eine herrlichere Gestalt Die königliche Würde wird der Familie Davids bestätigt. Zween Könige, die von einem verschiednen Charakter, aber beyde bewundernswürdig sind, sind die ersten dieses Hauses. David, ein Held und Ueberwinder, unterwirst sich die Feinde des Volkes Gottes, und seine Waffen setzen den ganzen Orient in Furcht und Schrecken. Sa- lamon, welcher wegen seiner Weisheit in Judäa und außer Judäa berühmt ist, gab diesem glücklichen Volke einen beständigen und dauerhaften Frieden. Allein, die Religion verlangt von uns einige besondere Anmerkungen über das Leben dieser beyden großen , Könige. David herrschte zuerst übcr Juda, er war mächtig und siegreich, und wurde hernach von dem ganzen Volke Israel erkannt. Er nahm den Iebusäern die Burg Zion ab, welche das Schloß von Jerusalem war. Nachdem er sich dieser Stadt bemächtigt hat- 2B. d. K- 5. te, so richtete er auf den Befehl seines Gottes den 6.7.8.?. Sitz des Königreiches, und der Religion darinnen auf. Zion war seine Wohnung, er baute sie an, und nannrc sie die Stadt Davids. Joab, ein Sohn seiner Schwester, baute den übrigen Theil der Stadt, und Jerusalem erhielt ein ganz neues Ansehen. Die -Chron. n,s. von Iuda nahmen das ganze Land ein, und der ^h^n^, Stamm 2Z8 Bischof Bossmts Einleitung Stamm Benjamin, der sehr klein war, wohnte unter ihnen hier lind da zerstreut. Die lade des Bundes, welche Moses gebaut hatte, wo Gott auf den Cherubin ruhte, und in welcher die beyden Geschtafeln aufbehalten wurden, hatte noch keinen beständigen Siß. David führte sie im Triumphe nach Zion , welches er durch die Allmacht Gottes erobert hatte, damit Gott in Zion herrschen, und für den Beschützer des Königes Davids, der Stadt Jerusalem und des ganzen Königreiches d. K> 6, erkannt werden möchte. Allein die Stistshütte, ^' wo das Volk dem Herrn in der Wüste gedient hatte, k TKron. 16/ war noch zu Gabaon, und daselbst brachten sie Gott c.-i/'-?. ^pfi-'l' auf dem vom Moses erbauten Altare» Man hoffte auf die Erbauung eines Tempels, wo der Altar mit der Bundeslade vereinigt, und der L B- d, K, 8. ganze Gottesdienst angestellt werden sollte. Als Da- -B.d.Ä^ vid alle seine Feinde überwunden, und dieEroberun- 25. ge„ des Volkes Gottes bis an den Euphrat fortge- !a5-pii"!in?.' setzt hatte, so richtete er nach seinen Siegen, und nach iit-.vn.io. der hergestellten Ruhe alle seine Gedanken auf die Einrichtung des Gottesdienstes. Der Ort des Tempels wurde aufden Befehl Gottes auf eben dein Berge abgezeichnet, wo Abraham durch die Hand eines Engels zurückgehalten worden war, als er hatte seinen Sohn opfern wollen. Er machte alle Anstalten dazu; er schaffte die kostbaren und imschatzbaren Materialien dieses Baues zusammen, und bestimmte den Raub von so vielenVölkern und Königen dazu. Allein dieser Tempel, zu dessen Baue ein Eroberer die Anstalten machen mußte, sollte Von einem friedfertigen Könige aufgebaut werden. Sala- in die allgemeine Geschichte. 239 Salamon baute ihn nach dem Modell der Stiftshütte. Der Brandopferaltar, der Rauchaltar, der goldne Leuchter, der Tisch zu den Schaubrodten, und alles übrige heilige Gerüche des Tempels wurde nach dein verfertigt, was Moses in der Wüste hatte iV.d,K,e.6, machen lassen. Salamon that nichts, als die Pracht und Große hinzu. Die VundeSlade, welche der e> 5,6u.7. Mann Gottes erbaut Halts, wurde in das Allerhei- ligste gesetzt. In dieses durfte niemand gehen; es war ein Bild der Majestät Gottes, zu der niemand kommen kann, und ein Bild des Himmels, der den Menschen so lange verschlossen blieb, bis ihnen Jesus Christus den Eingang durch sein Blut eröffnet hatte. Eorc erschien am Tage der Einweihung in seiner ganzen Herrlichkeit darinnen.Er erwählte diesen Ort zum Sitze seines Namens und seines Dienstes, und er gebot, daß an keinem andern Orte geopfert werden sollte. Die Einheit Gottes wurde durch die Einheit des Tempels dargethan. Jerusalem wurde eine heilige Stadc, ein Bild der Kirche, wo Gott, als in seinem wahren Tempel, wohnen wollte; er wurde auch ein Bild des Himmels, wo er uns durch die Offenbarung seiner Herrlichkeit ewig glücklich machen wird. Nachdem Salamo den Tempel erbaut hatte, baute iB.d K-c.? er auch den Pallast der Könige, dessen Bau eines so ""^ ^' großen Prinzen würdig war. Sein Lustschloß, welches das Haus vom Walde Libanon genannt wurde, war sowohl prächtig, als anmuthig. Der Palast, den er für die Königinn baute, wurde eine neue Zierde der Stadt Jerusalem. Alles war in diesen Gebäuden groß, die Vorhöfe, die Galerien, die Altane, iB.d.K.io. der Thron des Königes, und der Stuhl, auf dem er '^s^' ^ Gericht hielt. Das Cedernholz war das einzige, das 240 Bischof Bofsuets Einleitung das er zu seine» Gebäuden brauchte. Alles glänzte von Golde und von köstlichen Steinen. Die Bürger und die Fremden bewunderten die Majestät der Kö« m'ge in Israel. Alles übrige stimmte mit dieser Pracht zusammen, die Städte, die Zeughäuser, die Pferde, die Äagen, und die Wache des Königes. Der Handel, die Schiffahrt, und die gute Ordnung, nebst einem bestandigen Frieden, hatten Jerusalem B.d.K.io. zur reichsten Stadt im ganzen Oriente gemacht. Das Chwü. c. 8 Königreich genoß alle Ruhe lind allen Ueberflufi. ^' Alles stellte daselbst die göttliche Herrlichkeit vor. In den Schlachten Davids sah man die Arbeit, die man thun mußte, um diese Herrlichkeit zu verdienen , und an dem Reiche Salamons sah man, wie ruhig der Genuß derselben sey. Im übrigen war die Erhebung beyder Könige, und der königlichen Familie die Wirkung einer besondern göttliches, Wahl. David preist selbst das Wun- Thron,-8, der dieser Wahl, durch diese Worte: Er hat Iu-- 4>5- da erwählet zumFürstenthume, und im Hause Iuda meines Vaters Haus, und unter meines Vaters hindern hat er an mir Gefallen gehabt, daß er mich über ganz Israel zum Könige machte» Unter alien meinen Söhnen, denn der Herr hat mir viel Söhne gegeben, hat er meinen Sohn Galamo erwählet, daß ersiyen soll auf dem Stuhle des Königreiches des Herrn über Israel. Der Endzweck dieser göttlichen Wahl ist viel erhabner, als er dem ersten Anblicke nach zu seyn scheint. Der so oft versprochne Meßias, dieser Sohn Abrahams, sollte auch ein Sohn Davids und aller Könige in Iuda seyn. In Absicht auf den Meßias in die allgemeine Geschichte. 241 und sein ewiges Reich versprach Gott dem Könige David, daß sein Thron ewig bestehen sollte. Sa- lamv/ der zu seinem Nachfolger erwählt war, sollte nach dem Willen Gottes den Meßias vorstellen. ^ Deswegen sagte Gott: Ich will sein Vater seyn, lB.Sam.7, und er soll mein Sohn ftvn. Dieses ist mit ei- ^^'^ ^ ncm solchen Nachdrucke von keinem andern Königs ^ ^ ' und von keinem andern Menschen, gesagt worden. Es wurde auch das Amt des Meßias zu den Zeiten Davids, und unter den Königen, seinen Kindern, durch die prächtigsten Prophezeiungen verkündigt, welche klärcr, als die Sonne, waren. 'David hat ihn im Geiste gesehen, und in seinen Psalmen mit einer Pracht besungen, welcher niemals etwas gleichen wird. Ost wollte er nur die Herrlichkeit seines Sohnes, Salamo, preisen, und wurde alsdann auf einmal aus sich entzückt, und weit über ihn erhoben, und sah den, der sowohl an Weisheit, als Match.«?,-?, an Herrlichkeit mehr ist, denn «Salamo. Er sah den Ps^^'„. MeßiaS auf einem Throne sitzen, welcher beständiger ,7.' ist, als der Mond. Er sah alle Völker zu seinen Füßen überwunden, und nach der Verheißung-, die Abraham von Gott erhalten hatte, in diesem Heilande gesegnet. . Er hat seine Augen noch höher erhoben., Ersah ihn im Lichte derzeitigen, und vor der Morgenröthe, aus dem Gcdooße seines Varers, hervorgehen, ihn, diesen Hohenpriester, der keinen Nachfolger hat, und keinem nachfolgt, dec auf eine außerordentliche Weise zum Hohenpriester erwählt worden ist, und zwar nicht nach der 5Veift Aarons, sondern nach der tVeise Melchisedecs, zis. n?. nach einer neuen Weise, die das Gescß nicht kannte. Ersah ihn zur Rechten Gorces siyen, und vom O. Him- 242 Bischof Bossuets Einleitung Himmel auf seine überrrundnen Feinde herab^ schauen. David erstaunt über ein so großes Schauspiel/ er wird von der Ehre seines Sohnes ganz außer sich entzückt, und nennt ihn seinen Herrn. Er hat den Herrn gesehen, den Gott gesalbt hatte, daß er durch seine Güte, durch seine Wahrheit, und durch seine Gerechtigkeit über die ganze Erde herrschen sollte. Er ist im Geiste im Rathe Gottes zugegen gewesen, und hat aus dem Munde des ewigen Vaters diese Worte gehört, die er zu seinem Sohne spricht: -Heute habe ich dich gezeuget, zu welchen Gott noch Ps.-, i.s.4. die Zusage eines ewigen Reiches hinzusetzte: schwill 9'^' dir die Heiden zum Erbe geben, und der XVelr, Ende zum Eigenthums; die Völker roben vergebens, und vergebens rarhschlagen die Herren mit einander wider den Herrn und seinen Gesalbten. Der Herr lacht im Himmel über ihre thörichten Anschläge, und bestätigt das Reich des MeßiaS wider ihren Willen. Er seht ihn über sie selbst zum Herrscher ein, lind sie müssen die ersteil Unterthanen des MeßiaS werden, dessen Joch sie von sich werfen wollten. Aber obgleich Gott das Reich dieses großen MeßiaS in den Schriften des alten Testamentes unter den prächtigsten Abbildungen vorstellen lassen, so hat er dem David doch auch die Schmach dieses seines gebenedeyten Sohnes nicht verborgen. Dieser Unterricht war dem Volke Gottes nöthig. Es war nöthig,diese annoch schwache Nation durch zeitliche Verheißungen zu Gott zu locken ; unterdessen mußte sie doch Gott die menschliche Hoheit, nicht als die größte Glückseligkeit, und nicht als die vornehmste Belohnung der Tugend ansehen lassen. Darum zeigt ihm Gott den so oft versvrochnen,und erwünschtenMeßias,dicsesMuster der in die allgemeine Geschichte. 24z der Vollkommenheit, und diesen Gegenstand seiner Güte ganz in Schmerzen und Elend versunken. Das Kreuz erscheint dem Könige David, als der wahrhafte Thron dieses neuen Königes. Er sieht, daß seine Ps---, l7.'«. Hände und Füße durchgraben sind, daß er alle ^' seine Gebeine-ahlen möchte, weil die last seines am Kreuze hängendenieibes ihn zerrüttet,daß seineFxleider Ps.69,2-.-z. getheilt werden, daß man dasLoos um ftm Gewand wirft, daß man ihn mir Galle und Eßig tranker, daß seine Feinde um ihn herum ergrimmen, und sich an seinem Blute erfreuen. Allein David sieht zu gleicher Zeit die herrlichen Folgen seiner Erniedrigung. Er sieht/ daß alle Völker nach dem Ps.--/-6- 27 Herrn, ihrem Gott/ fragen, der so viele Iahrhun- ^ ^' derte hindurch vergessen worden; daß die Armen zuerst zu der Tafel des Meßias kommen, und hernach die Fetten und Mächtigen der Erde ihn anbeten und preisen werden; daß er selbst in dergroßen und zahlreichen Gemeinde / nämlich in der Versammlung aller Bekehrten, das Haupt seyn / und fiinen Brüdern den Hainen Gottes und seine ewigen Wahrheiten verkündigen wird. David / der alles dieses gesehen, hat dabey erkannt, daß das Königreich seines Sohnes nicht von dieser Welt wäre. Er verwundert sich darüber nicht; denn er weis, daß die Welt vergeht, und ein Prinz, der auf seinem Throne stets so demüthig gewesen ist, sah wohl, daß ein Thron das Glück nicht war, wo seine Hoffnung sich endigen sollte. Die andern Propheten haben das Geheimniß des Meßias auch gesehen. Es ist nichts so groß und herrlich, als das, was sie von seinem Reiche gesagt Q 2 haben. 244 Bischof Bossuets Einleitung Mich. 5,-. haben. Der eine sieht, wie Bethlehem, die kleinste Sradt in Iuda, durch seine Geburt verherrlicht wird. Zu gleicher Zeit erhebt er sich noch höher, und sieht, daß fein Ausgang von Anfang, und von ZLwigkeic her gewesen ist. Ein andrer sieht die Jungsrauschaft seiner Mutter; er sieht, daß ein Amanuel, ein Gott mir uns, ein Kind, dessen Ies.7,14. Name wunderbar und Gott ist, aus diesem jung- ^ 5' fraulichen Schooße gebohren wird. Dieser sieht ihn Mol.z,!. in seinen Tempel kommen; jener sieht seine Herr- Ies.sz, ?. lichkeic im Grabe, wo der Tod überwunden worden ist. Indem sie aber seine Herrlichkeit verkündigen, so verschweigen sie seine Schmach, und sein Leiden nicht. Sie haben gesehen, daß er für sein Volk verkaufe worden ist, sie haben die Zahl des Geldes, die dreyßig Zach, ii, 12. Silberlinge, gewußt, um die'man ihn verkauft hat. ^' Sie haben ihn herrlich und erhaben, verachtet und unwerth, gesehen. Sie haben vorherverkündigt, daß die Welt sowohl über seine Niedrigkeit, als über seine Ies. ;z. Größe,ersrauncn; daß er selbst derVerachrefte unter allen Menschen seyn, unsre Rrankheit tragen, und unsre Schmerzen auf sich laden, um unsrer Missethaten willen sich verwunden, und um unsre Sünde zerschlagen lasten, uns durch seine lVunden heilen, den Missethatern gleich gerechnet , als ein unschuldiges Schaf zur Schlachtbank geführt werden, vor feinein Scheerer verstummen, endlich dadurch viele gerecht machen, und sich an feinem ungläubigen Volke rächen würde. Damit zur Vollftan- Dali,?. digkeit der Weißagungen nichts fehlen möchte, so haben die Propheten die Jahre gezahlet, die bis auf feine Ankunft verfließen würden, daß also der MeßiaS erkannt in die allgemeine Geschichte. 245 erkannt werden muß^ wofern nicht jemand muthwilliz blind seyn will. Die Propheten sahen den MeßiaS nicht allein, sondern waren auch seine Vorbilder, und stellten seine Geheimnisse, besonders das Geheimniß seines Kreuzes, vor. Sie smd beynahe alle wegen der Gerechtigkeit verfolgt worden, und haben uns durch ihr Leiden die Unschuld und Wahrheit vorgebildet, die in unserm Heilande verfolgt worden ist. Man sieht, mit welchen Verfolgungen Elias und Elifa immer bedroht werden. Wie oft ist nicht Iesaias ein Gelächter und Lied des Volkes und der Könige gewesen, die ihn endlich auch, nach der beständigen Sage der Iüdcn, ihrer Wut aufgeopfert haben? Zacharias, ein Sohn des Iojada, wird gesteinigt; Ezechiel wird stets verfolgt; die Leiden des Jeremias sind anhaltend und unbeschreiblich, und Daniel wird zweymal zu den Löwen in die Grube geworfen. Allen ist widersprochen , und allen ist übel begegnet worden, und alle haben uns durch ihre Beyspiele gezeigt, daß die Schwachheit des alten Volks überhaupt zwar durch Zusagen einer zeitlichen Glückseligkeit erhalten werden mußte, die Starken in Israel aber, und die Männer von einer außerordentlichen Heiligkeit mit dem Brodte der- Trübsal gespeist, und schon zum Voraus, zu ihrer Heiligung, mit dem Kelche des Kreuzes getränkt wurden, welchen Gott seinem Sohne zubereitete. Dieser Kelch war desto bittrer, ie heiliger die Person unsers Erlösers war. Allein was die Propheten am deutlichsten gesehen, und in den prächtigsten Ausdrücken vorhcrverkündigt haben, das ist der Segen, welcher durch den Mefiias über alle Völker ausgebreitet worden ist. Diese O. z N5ur;el 246 Bischsf Bossuets Einleitung N^urzel IKai und Davids ist dem Propheten Je- Ies.ii/lo. saiaö als das panier der Völker erschienen, nach dem die Melden fragen würden. Der Mensch voll Schmerzen, der uns durch seine N?unden heile?: mußte, war von Gott dazu erwählt, daß er Jes. 5-,i5> iz. viel Heiden besprengen sollte, welches er durch die ^' Taufe und durch sein Blut gethan hat. D:e Rö- Nlge, welche vor seiner Gegenwart voll Ehrfurcht werden, halren ihren Mund gegen ihn zu; diejenigen, welchen niemals etwas davon verkündigt ist, werden ihn mit Luft sehen, und die nichts davon gehört haben, werden» merken. As-55/4.5. Er ist den Leuten zum Zeugen gestellt, zum Fürsten und Gebiecer den Völkern. Unter ihm wird sich ein unbekanntes Volk mir dem Volks Gottes vereinigen, und die Heiden werden Ies.6-,1.-. zu ihm laufen. Er ist die Gerechtigkeit aus Zion, die wie ein Glanz aufgeht, und ihr Heil, das wie eine Lackel entbrennt. Die Heiden sehen die Gerechtigkeit Zions, und alle Rönige die Herrlichkeit Jerusalems, welche durch die alten Propheten so oft gepriesen worden ist. In folgender Prophezeiung wird er noch besser, und mit einem besondern Charakter bezeichnet. Gott ^». sazt von ihm: Siehe, das ist mein Rnecht, ich c'^ 6.' erhalte ihn, und mein Auserwahlrer, an welchen, meine Seele Wohlgefallen hat; die Infein werden auf sein^vesty warten, und er wird auf Erden das Gesetz anrichten. Die Hebräer verstehen unter den Inseln Europa, und die entfernten Lander. Er wird nicht fchrepen, noch rufen, und feine Stimme wird man draußen nicht hören. . Er wird das zerstoßne Rohr nicht zerbre- in die allgemeine Geschichte. 247 zerbrechen, lind das glimmende Tocht nicht an?lö>chen. Er wird die Schwache» und Sünder nicht niederschlagen; seine liebreiche Stimme wird sie zu sich rufen, und seine wohlthätige Hand wird ihr Beystand seyn. Er wird die Augen der Blinden öss» nen, und die Gefangnen aus dem Gefängnisse führen. Seine Macht wird eben sogroß seyn, als seine Gnade. Sein wesentlicher Charakter ist dieser, daß er die Sanftmuth mit der Gewalt verbinden wird; seine sanfte Stimme wird daher von einem Ende der Welt zum andern gleichsam in einem Augenblicke fort eilen, und die ganze Erde in Bewegung bringen, ohne einen Aufruhr anzurichten. Er wird nicht mürrisch, noch «zreuiich seyn, und derjenige, den man kaum kannte, da er in Iudaa war, sollte nicht allein dem Volke Jes.ls,-4.-5- Gottcs zum Bunde, sondern auch den Heiden zum Lichte gegeben werden. Unter seiner herrlichen Regierung werden die Assyrier und die Ifraeliten nur ein Volk Gottes ausmachen. Alles wird Israel, alles wird heilig seyn. Jerusalem ist nicht mehr eine besondre Stadt. Sie ist das Bild der neuen Gesellschaft, wo sich alle Völker versammeln. Europa, Asten, und Africa werden Lehrer bekommen, unter welche Gott sein Zeichen gegeben hat, damit si>! den Jes.6o, 1.-. Heiden seine Herrlichkeit verkündigen sollen. Die c.6,^-.,. Erwählten, die zeither mit dem Namen, Israel, ge- c. 62, r. -. nennt worden sind, sollen mit einem neuen Namen ge- ^' nennt werden, der die Erfüllung der göttlichen Ver- c.66,-9.20. heißungcn und ein glückliches Amen bezeichnen wird. Die Priester und Leviten, welche bis auf diefc Zeit aus den Kindern Aarons genommen wurden, sollten künftig aus den Heiden hervorgehen, vom Auf- M'al.i,»; gange der Sonne bis ?um Niedergänge soll Q 4 mein 248 Bischof Bossmts Einleitung mein Name herrlich werden unter den Heiden, und an allen Orren soll meinem Namen geräuchert, und ein reines Gpeieopfer geopfert werden. Man wird wissen, warum David von einem Hohenpriester nach einer neuen Weise gesungen io?. hat. Der Gerechte wird vom Himmel kommen, wie Ies. 14/«. der Thau, und die Erde wird ihr Gewächs geben, und er wird der Heiland seyn, mit dem die Gerechtigkeit Ies-45/ 5. aufwachsen wird. Treufelt i!)r Himmel von oben, sagt Jesaias, in seiner heiligen Entzückung, und Sie N)olken regnen die Gerechtigkeit. Die ZLrde thue sich auf, und dringe Heil, und Gerechtigkeit wachst mir zu. Der Himmel und die Erde werden sich vereinigen, denjenigen gleichsam durch eine gemeinschaftliche Geburt hervorzubringen, der zugleich göttlich und menschlich seyn wird. Aus seinen Beyspielen und kehren werden in der Welt ganz neue Begriffe von der Tugend erscheinen, und die Gnade, die er über sie ausgießen wird, diese Gnade wird sie in ihre Herzen eindrücken. Alles wird sich bey seiner Ankunft verändern, und Gott schwört bey sich selbst, daß sich ihn» alle Rnie beugen, und alle Zungen Ies.45/ -z. schwören und sagen sotten: In dem Herrn '4- habe ich Gerechtigkeit und Starke. Das ist ein Theil der Wunder, welche Gott den Propheten, unter den Königen, den Kindern Davids , und dem David selbst vor allen andern gezeigt hat. So hangt alles in den Rathschlagen Gottes zusammen. Dieser Meßias wird von ferne, als ein Sohn Abrahams, und noch näher, als ein Sohn Davids, gezeigt. Ihm wird ein ewiges Königreich versprochen. Die Erkenntniß Gottes, die in der Zanzen Welt ausgebreitet werden soll, wird als ein in die allgemeine Geschichte. 249 gewisses Kennzeichen, und als eine unausbleibliche Frucht seiner Ankunft ausgegeben. Die Bekehrung der Heiden, und die Zusage, das? alle Völker auf der Erde in ihm gesegnet werden sollen, diese Zusage, welche vor langen Zeiten dem Abraham, Jsaac, und Jacob geschehen ist, wird aufs neue bestätigt, und das ganze Volk Gottes hofft auf die Erfüllung derselben. Unterdessen fahrt Gott fort, sein Volk auf eine-Sam. 7, s. herrliche Weise zu regieren. Er macht mit dem Da- ^ ^ ^ ^ vid einen neuen Bund, und verspricht ihm, ihn und 4- u. f. alle seine Nachkommen auf dem Throne zu beschuhen,'^^^ wenn sie in den Geboten des Gesetzes Mosiö einherge- 2B.San1.11, hen. Er verkündigt ihnen auch die schrecklichsten Stra- ^" ^ fcn vorher, die sie treffen sollten, wofern sie solches unterlassen würden. David, der auf eine kurze Zeit seiner Pflichten uneingedenk war, mußte diegottliche Strafe zuerst empfinden. Allein nachdem er seinen Fehler durch seine Reue wieder verbessert hatte, so wurde er mit Gütern überhaust, und der Welt, als ein Muster eines vollkommnen'Königes, vorgestellt. Der Thron wird seinem Hause bestätigt. So lange Sa- iB.d.K.so' lamo, sein Sohn, ihm in seiner Frömmigkeit nachahmte, so lange war er glücklich. Er schweifte in seinem Alter aus, und Gott, der ihn um seines Knechtes Davids willen schonte, verkündigte es ihm vorher, daß er ihn in der Person seines Sohnes strafen würde. So zeigt er den Vätern, daß er sie, nach ihrem Tode noch, nach der verborgnen Ordnung seiner Rachschlüsse und Gerichte, entweder strafen, oder belohnen will. Er erhält sie im Gehorsame gegen seine Pflichten durch das, was ihnen am liebsten ist, nämlich durch das glückliche, oder unglückliche Schick- Q 5 sal 25o Bischof Bossuets Einleituug sal seiner Familie. Er erfüllte seine Drohungen iV. V.K.i-. damit, daß er denRehabeam, der von sich selbst vcr- wagen genug war, noch dazu den thörichten 'Anschlagen seiner jungen Räthe überließ. Es sonderten sich zehn Stämme von seinem Königreiche ab. Unterdessen daß diese zehnaufrüßrischen Stämme vonihrcmGotte und Könige abfallen, blieben die Kinder Juda, welche ihrem Gott und dem Haufe David getreu waren, ' in dem Bunde und Glauben Abrahams. Die Leviten, und der Stamm Benjamin vereinigen sich mit ihnen: das Königreich des Volkes Gottes besteht unter dem Namen des Königreiches Juda durch ihre Vereinigung, und das Gesetz Mosis erhält sich unter ihnen mit allen seinen Verordnungen und Gebräuchen. So abgöttisch und verderbt auch die zehn Stämme waren, so gedachte Gokt doch des Bundes, den er mit ihren Vätern, Abraham, Isaac und Jacob, aufgerichtet hatte. Sein Gesetz verlohr sich unter diesen Aufrührern nicht ganz; er hörte nicht auf, sie durch unzählige Wunder, und Ermahnungen, die er durch seine Propheten an sie ergehen ließ, zur Buße °^'7.'^5^ ZU rufen. Da sie endlich in ihren Lastern verhärtet wurden, so konnte er sie nicht länger ertragen, und verstieß sie aus dem gelobten Lande, ohne Hoffnung, daß sie jemals wieder darinnen wohnen sollten. Tol',1,5.6.7. Unterdessen lehrt uns die Geschichte des Tobias, welche sich zu eben der Zeit, im Anfange der Gefangenschaft Israels, zugetragen hat, die Aufführung der gläubigen Kinder Gottes unter den abgefallnen zehn Stammen. Dieser heilige Mann, welcher vor der Gefangenschaft unter ihnen wohnte, wußte sich nicht allein von der Abgötterei) seiner Brüder rein zu erhalten, sondern auch das Gesetz zu beobachten, und seinen in die allgemeine Geschichte. 251 nen Gott in dem Tempel zu Jerusalem öffentlich anzubeten , ohne sich durch böse Beyspiele, und die Furcht daran verhindern zu lassen. Er wurde nach Ninive gefangen weggeführt und verfolgt, und blieb dennoch mit seiner Familie gottesfürchtig. Die wun- Tob. s, derbare Weise, auf welche ihm und seinem Sohne ihr Glaube auch auf der Erde belohnt wurde, zeigt uns, daß Gott auch in der Gefangenschaft und Verfolgung geheime Mittel wußte, seinen Dienern den versprochnen Segen des Gesetzes zu geben, indem er sie durch die Unfälle, die er sie leiden ließ, zu den erhabensten Gedanken erhob. Die Jsraelitcn wurden durch die Beyspiele des Tobias und durch seine heiligen Ermahnungen erinnert, zum wenigsten unter der Ruthe, die Hand Gottes zu sehen, die sie strafte. Allein sie verharrten in ihrer Verstockung. Die von Juda machten sich die Strafen der Israeli- -B.d.K.i7, ten nicht allein nicht zu Nutze, sondern folgten auch ^' ihren böfen Beyspielen nach. Gott hörte nicht auf, El'end. 2z, sie durch seine Propheten zu warnen, die er einmal „ über das andre zu ihnen sendete. Der Herr/ ihrer " 15.' ^ Varer Gort, sandte ;u ihnen durch seine Bo- Ar.-?,-?, ten frühe, wie er sich selbst ausdrückt, um seine vaterliche Sorgfalt anzuzeigen. Ihre Undankbarkeit reizte ihn endlich zum Zorne wider sie, und er dräute ihnen, daß er sie eben so, wie ihre Brüder, strafen wollte. Nichts ist in der Geschichte des Volkes Gottes merkwürdiger, als dieses Amt der Propheten. Diese Männer sondern sich vom übrigen Volke durch ein eingezogenes Leben, und durch eine besondre Kleidung ab. Sie haben ihre eignen Wohnungen, wo sie in iB.d.K.i?, einer gewissen Gemeinschaft, unter einem Vorgesetzten, >?- leben, 252 Bischof Bossuets Einleitung Ies,-o,leben, den ihnen Gott giebt. Ihr armseliges und ^S^io.' bußfertiges Leben, das sie führen, ist ein Vorbild c. >9/2o. der Kreuzigung des Fleisches, die unter dem Evan- ^ K.'z' gelio verkündigt werden sollte. Gott gab sich ihnen z,i;.-8.1?. auf eine besondre Art zu erkennen, und machte diese c. 4,'l?. zz. Mittheilung unter dem Volke herrlich; doch niemals c,6.l<-.zz.' verherrlichte er sich durch sie so sehr, als zu den Zei- c-^ h^. Anordnung, wo es schien, als ob die Abgöt- tcrey sein Gesetz vertilgen wollte. In diesen unglücklichen Zeiten ließen die Propheten die Dränungen Gottes, und das Zeugniß, das sie der Wahrheit gaben, aller Orten, und mit lauter Stimme, und -B.Mos. 17, auch schriftlich, erschallen. Die Schriften, worinnen Ies'zö, z. sie solches thaten, waren in den Handen des ganzen ^c,z4,i6. Volkes, und wurden zum Andenken der künftigen ^?.'z^-?°' Jahrhunderte sorgfältig aufbehalten. Diejenigen, wel- « Chron. -6, ihrem Gott getreu blieben, vereinigten sich mit ih- Esv'i,i. nen, und wir sehen, daß selbst in Israel die Gläu- ^Daii.?, 2. hjgxn mit den Propheten den Sabbath, und die übri- ^'-5.^ gen Feste feyerten, die im Geseße Mosiö befohlen waren. Die Propheten waren es, welche die rechtschaffnen Jfraeliten bewegten, im Bunde mit Gott zu verharren. Viele unter ihnen haben sich todten lassen, und es fanden sich selbst in den verderbtesten Zeiten, nämlich unter der Regierung des Manasscs, -B. d.K.-i, sehr viele Glaubigen, die ihrem Beyspiele folgten, ^' und sich nicht scheuten, ihr Blut für die Wahrheit zu , vergießen, so, daß beynahe kein Augenblick verflossen ist, wo sie nicht einen Blutzeugen gehabt hat. Auf diese Weise erhielt sich die Gesellschaft des Volkes Gottes beständig; die Propheten wohnten - unter ihm, und eine große Menge der Gläubigen bekannte daö Gesetz Gottes mit ihnen, und den Priestern, in die allgemeine Geschichte. 255 stern, den Rindern Gadocs, öffentlich, die nach Ezech.^is. den? Zeugnisse Ezcchiels, die Sitten des Heiligthu- mes beständig gehalten haben, da die Rinder Israel alle von ihm abfielen. Allein obgleich die Propheten das Volk immer ermähnten, die Priester getreu blieben, und viele aus dem Volke Gottes das Gesetz Mosis beobachteten, so bemächtigte sich doch die Abgötterey, welche dieJsrae- liten in das Verderben gebracht hatte, in Iuda selbst, der Prinzen, und des größten Haufens des Volkes. Die Könige vergaßen den Gott ihrer Vater, und dennoch ertrug Gott ihre Bosheiten sehr lange, um seines Knechtes Davids willen. David ist beständig vor seinen Augen. Wenn die Könige, die Abkömmlinge Davids, den guten Beyspielen ihres Vaters folgen, so thut er zu ihrem Besten erstaunliche Wunder; allein so bald sie ausarten, fühlen sie die unüberwindliche Macht seiner Hand, .die über ihnen schwer wird. Die Könige von Aegypten, die Könige von Syrien, und vornehmlich die Könige von Assyrien und Babylon müssen zu Werkzeugen seiner Rache dienen. Die Gottlosigkeit vermehrt sich, und Gott erweckt im Oriente einen noch stolzern und furchtbarern König, als alle vorhergehenden gewesen waren. Das war Nebucadnezar, der Schrecklichste unter den Eroberern. Er zeigt ihn den Völkern und Ier.-5. Königen, als den bestimmten Racher, der sie strafen sollte, von ferne. Er nähert sich, und das Schre- Ci^ch.-6. cken geht vor ihm her. Er nimmt Jerusalem zum sB.d>A.24, erstenmale ein, und führt einen Theil der Einwoh- ^' ner mit sich gefangen hinweg. Weder diejenigen, z Chrvn. z6. die im Lande bleiben, noch diejenigen, welche gefangen weggeführt werden, lassen sich zur Buße bewegen, 254 Bischof Bossuets Einleitung gen, ob gleich jene vom Jercmias , und diese vom Ezechiel dazu ermahnt werden. Sie ziehen diesen Ier.14,14. heiligen Propheten, Propheten vor, die ihnen falsche Gesichte predigen/, und ihnen in ihren Verbrechen schmeicheln. Der Rächer kömmt nach Ju- däa zurück, und das Joch von Jerusalem wird schwerer. Allein diese unheilige Stadt wird noch nicht ganz zerstört. Endlich erfüllt die Bosheit ihr Maas; ihr Hochmuth nimmt mit ihrer Ohnmacht zu, und Nebucadnezar verkehrt sie in Staub und Asche. «B.d.K>-6/ Gott verschome sein Heiiigthum nicht. Dieser 9- schöne Tempel, diese Zierde der Welt, welche ewig bestehen sollte, wenn die Jsraeliten gottcsfürchtig geblieben waren, wurde von den Assyrern mit Feuer verbrannt. Umsonst schrien die Jüden beständig: Jer. 7, -»> Hier ist der Tempel des Herrn, hier ist der Tempel des Herrn, hier ist der Tempel des Herrn, als wenn sie dieser Tempel allein hätte beschützen sollen. Gott hatte beschlösset?, ihnen zu zeigen, daß er nicht au ein Gebäude von Steinen gebunden wäre, sondern daß er gläubige Herzen haben wollte. Er zerstörte also den Tempel zu Jerusalem, und gab seine Schätze den Heiden zur Beute, und so viele heilige Gefäße, welche dem Herrn von frommen Königen gewidmet worden waren, wurden einem gottlosen Könige übergeben. Allein der Untergang des Volkes Gottes sollte der ganzen Welt zur Lehre dienen. Wir sehen an der Person dieses gottlosen , und zugleich siegreichen Königes, was es mit den Eroberern zu sagen hat. Sie sind gemeiniglich weiter nichts, als Werkzeuge der göttlichen Rache. Gott übet durch sie Gerechtigkeit, und sodann beweiset er sie an ihnen selbst. Gott in die allgemeine Geschichte. 255 gab dem Nebucadnezar seine Macht; er führte das Scrafamt Gottes, und war dadurch unüberwindlich. Alle Feinde des Volkes Gottes wurden durch ihn bestraft. Er verwüstete die Jdumäer, die Ammoni- ter, und die Moabiter; er stürzte die Könige von 2V.K.24,7. Syrien; Aegypten, unter dessen Gewalt Iudäa so oft geseufzt hatte, wurde eine Beute dieses stolzen Königes, und ihm zinsbar, und seine Gewalt wird auch für Iudaa selbst schrecklich, weil es sich den Aufschub der göttlichen Rache nicht zu Nutze zu machen weis. Alles wird von der göttlichen Gerechtigkeit gestürzt.und niedergeschlagen; Nebucadnezar ist ihr Diener. Allein endlich wird er selbst fallen, und Gott, der sich des Armes dieses Königes bedient, seine Kinder zu strafen, und seine Feinde zu schlagen, behält ihn selbst seinem allmächtigen Arme vor.. Er hat seine Kinder das Schicksal dieses Köniqes,ber sie strafte, und das Schicksal des chaldäischen Reiches wissen lassen, in welchem sie gefangen seyn sollten. Aus Furcht,, daß sie nicht über die Ehre der Gottlosen, und ihres hochmüthigen Reiches erstaunen möchten, verkündigten die Propheten ihnen die kurze Dauer desselben. Jesaias, welcher die Ehre des Nebucad- Jes.c. 13,14, nezars und seinen unvernünftigen Stolz lange vor sei- 2'/45/46,47, ner Geburt gesehen hatte, verkündigte auch seinen plötzlichen Fall, und den Untergang seines Reiches. Babylon war beynahe nichts, als dieser Prophet seine Macht, und kurz darauf seinen Untergang sah. Also waren die Schicksale der Städte und Reiche, die das Volk Gottes entweder quälten, oder sich seinen Fall zu Nutze machten, in seinen Prophezeiungen aufgeschrieben. Diese Orakelsprüche wurden bald vollzogen, und die Iüden, die so hart bestraft wurden, sahen 256 Bischof Bossuets Einleitung hen bald darauf, wie solches ihre Propheten vorher- verkündigt hatten, nicht allein Samaria/ Idumäa, Gaza, Ascalon, Damascus, die Städte der Ammo- niter, und Moabiter, ihrer beständigen Feinde, sondern auch die Hauptstädte ganzer Reiche, Tyrus, die Königinn des Meeres, Tanis, Memphis, Theben mit den hundert Pforten und allen Reichthümern des Se° sosiris, Ninive selbst, denHauptsiß der assyrischen Könige ihrer Verfolger, und endlich auch zuletzt das hoch- müthige Babylon untergehen, welches alle andern überwunden, und sich mit ihrem Raube bereichert hatte. Es ist wahr, Jerusalem mußte zu gleicher Zeit, wegen seiner Sünden, untergehen ; allein Gott ließ Ies. 44 U.4;. doch seine Stadt nicht ohne Hoffnung. Jesaias, der ihren Untergang vorher weißagts, verkündigte auch ihre herrliche Wiedererbauung vorher, und nennte den Cyrus, ihren Befreyer, der erst nach zweyhundert Ier> 25, ii.i-. Iahren gebohren wurde. Jeremias, dessen Weißa- c.Z4/10. 'gingen von dem gewissen Untergänge des jüdischen Volkes so genau eingetroffen sind, versprach itznen ihre Wiederkunft in das gelobte Land nach einer siebzigjährigen Gefangenschaft. Wahrend der Zeit wurde dieses gefangne Volk in seinen Propheten geehrt; diese Gefangnen verkündigten den Königen und Völkern ihre schrecklichen Schicksale. Nebucadnezar, der sich anbeten lassen wollte, betete den Daniel selbst an, weil er über die göttlichen Geheimnisse erstaunte, die er ihm entdeckte. Er erfuhr von ihm sein Urtheil, auf welches die Vollstreckung bald erfolgte. Dieser sieg- Dm,.-,46. reiche Prinz triumphirte in Babylon, aus welcher er c>4/-6. die größte, die festeste, und schönste Stadt machte, die jemals unter der Sonne war gesehen worden. Ier.-x. Hier erwartete ihn Gott, seinen Hochmuth niederzu- don- in die allgemeine Geschichte. 257 donnern. Er war an der Spitze seiner Kriegsheere glücklich, und so zu sagen, unverwundlich, und mitten, ii, seinen Eroberungen sollte er, nach der Weißagung Ezechielö, in seinem Hause umkommen. Da er seine Größe, und die Schönheit der Stadt Babylon bewundert, und sich über die Menschen hinaussehen will, schlagt ihn Gott, nimmt ihn: seinen Verstand, und verstößt ihn unter die Thiere. Er kömmt zu der vom Daniel bestimmten Zeit wieder zu sich selbst, und erkennt den Gott des Himmels, der ihn seine Macht fühlen lassen. Allein, seine Nachfolger mache-, sich sein Beyspiel nicht zu Nutze. Die Angelegenheiten Babylons verwirren sich, und die Zeit, welche von den Propheten zur Wiederherstellung der Iüden bestimmt war, nähert sich unter diesen Unruhen. Cyrus erscheint an der Spitze der Meder und Perser; alles weicht diesem furchtbaren Eroberer *. Er nähert sich den Chaldäern langsam, und sein Forr- zug wird oft unterbrochen. Die Nachrichten von seiner Annäherung kommen von fernen Orten zu fernen Orten, wie IercmiaS vorhergesagt hatte. End- Ier.5r,4«. lich faßt Cyrus einen gewissen Entschluß. Babylon, dem die Propheten schon oft gedräut hatten, und das immer hochmüthig und unbußfertig geblieben war, sieht seinen Ueberwinder kommen, und verachtet ihn. Seine Reichthümer, seine hohen Mauern, fein un- > zählbares Volk, der um die Stadt geführte Strom, welcher nach dem Zeugnisse derAlten beynahe ein ganzes Land umschloß, und sein unzählbarer Vorrath machten es aufgeblasen. Diese Stadt wurde eine lange Zeit belagert, * I^leroä. IIKi'. I. XenopK. libr. II > III. ?a-cZaZ. Xenoplu lidr. VII. ?«ä. ^r1Uor.?oUr.Iibr.lII. z. 258 Bischof Bossuets Einleitung lagert, ohne einige Beschwerlichkeiten zu fühlen ; sie verlachte ihre Feinde, und die Graben, welche Cyrus machen ließ, das Wasser abzuleiten, und mau redete nur von Festen und Lustbarkeiten. Ihr König, Bel- Dail. 5. sazer,ein Enkel Nebucadnezars, und eben so stolz, als er, aber unfähiger zu regieren, machte seinen Gewaltigen und Hauptleuten ein herrliches Mahl. Dieses Mahl wurde mit unzähligen Ausschweifungen gefeyert. Bcl- sazer ließ die geheiligten Gefäße aus dem Tempel zu Jerusalem herbringen, und machte durch diese Ent-- heiligung seine Schwelgerey desto schrecklicher und strafbarer. Gott verkündigt seinen Zorn. Eine göttliche Hand schreibt an die Wand des Saales, w» das Mahl gehalten wurde, schreckliche Worte an. Daniel legt ihren Inhalt aus, und dieser Prophet, welcher das unglückliche Schicksal des Großvaters vorhergesagr hatte, zeigt nunmehr auch dem Enkel den Donner, der ihn niederschlagen sollte. Die Zeit ist da, wo der Entschluß Gottes vollzogen werden soll; Cyrus macht sich auf einmal einen Eingang in Babylon. Der Euphrat, zu dessen Ableitung er so lange Zeit her hatte Graben machen lassen, machte ihm eine freye Bahn, und er brach durch diesen unvcr- Ies.iZ/V. muthetcn Weg in die Stadc. So wurde dieses hochmürhige Babylon den niedern lind per- ' ftrn zum Raube überleben, wie solches die Propheten vorherverkündigt hatten. Mit Babylon gieng das Reich der Chaldäer unter, das so viele König- ^er,;i,ii>28, reiche gestürzt hatte, und der Hammer der ganzen zo,^' wurde zerbrochen und zerschlagen. Ie- remias hatte solches vorherverkündigt. Die Völker, die an das Joch der Chaldäer gewöhnt waren, sahen sie nunmehr selbst unter dem Joche: Du bist in die allgemeine Geschichte. 259 auch geschlagen, wie wir, sagten sie, und es Jes. 14,5. gehet dir, wie uns, der du in deinem Kerzen ^ gedachtest : Ich will in den Himmel jielgen, und meinen Stuhl üder die Sterne Gotte.«? erhöhen» Dieses hatte Jesaias vorhervcrkündigt. ^abel ist gefallen, sie ist gefallen, und alle Zes--r, Bilder ihrer Görrer sind zu Voden geschla- 46,1. gen; der Del ist gebeuget, der d^?ebo ist gefallen, Nebo, Babels großer Gott, von weichem ihre Könige ihren Namen entlehnten ; denn die Perser, welche die Sonne anbeteten, litten keine Götzenbilder, und auch keine Vilder der Könige, die man vergöttert hatte. Aber, wie fiel Babel ? Wie die Propheten solches vorhergcwcißagt hatten: Troc'ce^ Ier. 5-, zz. ne soll kommen über ihre Masser, daß sie vcr-- ^ A„ siegen. Ieremias hatte solches vorherverkündigt: Sie c. 5-, z?. 57. sollten seinem Ueberwinder freye Bahn machen. Die Stadt war crnnken, taumelte und schlief; ihre Freude war ihr Verrather; nach eben diesen Propheten befand sie sich in der Gewalt ihrer Feinde , und wurde, ohne es zu wissen, wie in einem Netze, gefangen. Man ließ alle ihre Einwohner über die Klinge springen; denn die Meder, ihre Ueberwinder, suchten weder Gold noch Silber, sondern sich zu rächen, und ihren Jes. Haß durch den Untergang eines grausamen Volkes ^.50. zu sättigen, dessen Hochmuth es zum Feinde aller Völker des Erdbodens machte. Es lief hie einer und Ier. 51. da einer den. andern enrgegen,und eineL-otschaft 2ef 47. begegnete hie und da der andern, dem Zxömge zu Babel anzusagen, daß feine Stadt bis ans Ende eingenommen siy. Ieremias hatte dieses gcweißagt. Ihre Sterngucker, denen sie traute, und die ihr ein ewiges Reich versprachen, konnten sie R z nichr 26c> Bischof Bossuets Eiilleitung ;ou.5l. uicht von ihren, Ueberwinder erretten. Jere- "Ies. 48. mias und Jesaias haben solches mit einstimmigen Prophezeiungen vorhergesagt. Bey diesem erschreck-« tichen Metzeln entgiengen die Juden, die davon benachrichtigt worden waren, dem Schwerdte des Ue- berwinderS. Cyrus wurde durch diese Eroberung ein Beherrscher des ganzen Orientes, und erkannte an dem jüdischen Volke, das so oft überwunden worden war, etwas göttliches. Er erstaunte über die Prophezeihungen, die seine Siege vorherverkündigt hatten, uyd erkannte, daß er sein Reich dem Gott des Himmels, den die Juden anbeteten, zu danken habe, und er bewies seine Erkenntlichkeit im ersten Jahre seiner Regierung, durch die Wiegst, i,-. derherstellung des Tempels zu Jerusalem und der Loslassung des Volkes Gottes aus seiner Gefangenschaft. Wer sollte hier nicht die göttliche Vorsehung bewundern, welche sich an den Juden und Chaldaern, an Jerusalem und an Babylon so herrlich bewiesen hat? Gott wollte sie beyde strafen, und damit man wissen möchte, daß er es allein ist, der solches thue, so gefällt es ihm, solches durch mehr, als hundert Prophezeihungen vorhermvcrkündigen. Jerusalem und Babylon, welchen ihr-Untergang zu einer Zeit und von einerley Propheten gedräut wird, gehen eine nach der andern zu der bestimmten Zeit unter. Es entdeckt aber Gott hier das große Geheimniß seiner Strafen: Die Chaldäer bestraft er im Zorne, und die Juden, seine Kinder, straft er, wie ein Vater. Der Hochmuth der Chaldäer, welcher der Charakter dieser ganzen Nation, und des ganzen Reiches ist, wird gedemüthigt, und ihm alle Hoffnung benommen, jemals in die allgemeine Geschichte. 261 jemals wieder sich aufzurichten. Siehe, du Gtol- Ier. ;o. zer, ich will an dich, spricht der Herr Herr ^s-'Z- Zebaorh, denn dein Tag ist kommen, die Zeit deiner Heimsuchung. Da soll der Stolze stürzen und fallen, daß ihn niemand aufrichte. Jesaias hatte noch vorhergesagt: Badet, das Schönste unter den Z^önigrelcben, die herrliche Pracht der Lh^loöer, soll umgekehrt werden, wie Godom undGomorra, von denen Gott nichts übrig gelassen hat. Mit den Juden verhält es sich nicht also. Gott hat sie, als ungehorsame Kinder, bestraft, die er durch seine Züchtigungen wieder zum Gehorsame bringt. Nachdem er solches gethan hat, so laßt er sich ihre Thränen rühren, und vergißt ihre Fehler. Fürchte dich nicht, du Ja- Ier.46,z.>5« cod, mein Unecht, spricht der Herr; denn ich bin bey dir. Nut allen Heiden, dahin ich dich verstoßen habe, will ich es ein Ende machen : aber mit dir will ichs nicht ein Ende machen; sondern ich will dich züchtigen mir LITaße, auf daß ich dich nicht ungestraft lasse. Darum wird Babel den Chaldäern auf ewig genommen, und einem andern Volke gegeben. Jerusalem aber wird nach einer wunderbaren Veränderung wieder hergestellt, und sieht seine Kinder von allen Enden zurückkommen. Zorobabel war es, aus dem Stamme Juda und aus königlichem Blute entsprossen, der die Iüdcn aus ihrer Gefangenschaft nach Judaa führte. Sie kamen haufenweise zurück, und erfüllten das ganze Land. Die zehn Stamme, die unter den Heiden zerstreut waren, verlohren sich unter ihnen, diejenigen ausgenommen, welche unter dem Namen Juda und unter R z sei- Esr. -/ 6-. ?7chcni. i. c,8, ?. Esr.i,!. 262 Bischof Bossuets Eiilleitung seiner Fahne vereinigt in das Land ihrer Väter zurückkehren. Unterdessen wird der Altar wieder aufgerichtet, der Tempel erbaut, und die verfallnen Mauern hergestellt. Der Neid der benachbarten Völker wird durch die Könige von Persien unterdrückt, welche die Beschützer des Volkes Gottes geworden sind.DerHohepricstcr tritt mit allen andern Priestern seinAmt wieder an,allein sie mußten ihre Herkunft vom Stamme Levi durch die öffentlichen Register beweisen können; denn die andern wurden abgewiesen. Esdras,der selbst ein Priester und ein Lehrer des Gesetzes war, und Nehcmias, ihr Statthalter, schafften die Misbräuche ab, die während der Gefangenschaft eingcrisscn waren, lind ließen das Gesetz in seiner Reinigkeit erfüllen. Das Volk beweinte mit ihnen die Uebertrctungen, die ihnen diese großen Strafen zugezogen hatten, und erkannte, daß Moses sie vorherverkündigt hatte. Alle lesen zusammen in den heiligen Büchern die Drohungen des Mannes Gottes. Sie sehen ihre Erfüllung vor Augen. Die Weißa- gung des IeremiaS, und die Wiederkehr aus Babel, die ihnen nach einer siebzigjährigen Gefangenschaft versprochen worden war, setzet sie in Erstaunen, und tröstet sie wieder. Sie beten die Gerichte Gottes an, und leben in Ruh und Frieden, nachdem sie mit ihm wieder ausgesöhnt sind. Gott, der alles zu seiner Zeit thut, hatte diese Zeit erwählt, die außerordentlichen Mittel, sein Volk zu unterrichten, nämlich die Prophezeihungen, aufhören zu lassen. Es waren noch etwa fünfhundert Jahre bis auf die Tage des Mcsiias. Gott that es der Majestät seines Sohnes zu Ehren, daß er die Propheten während der Zeit schweigen ließ, um sein Volk in der Hoffnung in die allgemeine Geschichte. 26) Hoffnung auf den zu erhalten, der die Erfüllung aller Wcisiagungen seyn sollte. Allein gegen das Ende der Zeit, wo alle Prophe- zeihungen aufhören sollten, schien es, als ob Gott alles sein ^icht scheinen lassen, und alle Rathschlüsse seiner Vorsehung entdecken wollte; so deutlich drückte er die Geheimnisse der künstigen Zeiten aus. Daniel, welcher wegen seiner Frömmigkeit selbst -,z^ von ungläubigen Königen verehrt, und wegen seiner Klugheit zu den wichtigsten und größten Angelegenheiten des Staats gebraucht wurde, sah wahrend der Gefangenschaft, und vornehmlich gegen das Ende derselben, auf Befehl Gottes, zu verschiedncnmalen, und unter verschiednen Gestalten, die vier Monarchien, unter welchen die Jüdcn leben sollten. Er bezeichnet sie durch ihre eignen Charaktere. Man steht das Dan. 5. Reich eines Königes der Griechen, wie einen Strom, ^ ^ ^' vorbeyrauschen; das war das Reich des Alexanders. ' ^ Man sieht aus seinen Ruinen ein andres Reich entstehen, welches geringer ist, als jenes, und durch die Dan>8,-i>x,. innerlichen Spaltungen geschwächt wird. Das ist das Reich der Nachfolger des großen Alexanders, unter denen besonders vier Könige in der Prophezeiung Daniels bezeichnet werden. Es ist aus der Geschichte bekannt, daß diese viere mächtiger gewesen sind, als alle andern, und daß sie allein, ihr Reich ihren Kindern nachgelassen haben. Man sieht in der Weißagung i>eö Propheten Daniels ihre Kriege, die Ausbrüche «ihres Neides, und ihre betrügerischen Bündnisse; man ^ sieht darinnen die Härte und den Ehrgeiz der syrischen Könige; den Hochmuth, und die andern Merkmale, welche den Antiochus Epiphanes bezeichnen; die kurze Dauer seines Reiches, und die schnelle Bestra- R 4 fung 264 Bischof Bossuets Einleitung fung seiner Ausschweifungen. Endlich sieht man ge- San- 44. ge" das Ende, und gleichsam in dem Schooße dieser 45. Monarchien das Reich des Nlenschensohnee aufge- k./, iz. 14.17. werden. An diesem Namen erkennt man den Messias ; dieses Reich des McßiaS, dieses Menschensoh- „es, wird auch das Reich der Heiligen des Allerhöchsten genannt. Alle Völker sollen diesem großen und ruhigen Reiche unterworfen seyn; ihm wird eine ewige Dauer versprochen; es ist ewig und vergehet nicht, und dieß Königreich hat kein Ende. ' Wenn dieser Menschensohn, dieser so erwünschte Meßias kommen, und wie er das Werk, das ihm Gott aufgetragen hat, nämlich die Erlösung des menschlichen Geschlechts, vollenden würde, das entdeckt Gott dem Propheten Daniel auf das deutlichste. Wahrend der Zeit, daß er über die Gefangenschaft des Volkes Gottes, und über die siebzig Jahre, die sie nach dem Rathschlusse Gottes dauern sollte, betend nachdenkt, mitten unter den Wünschen für die Be- freyung seiner Brüder wird er auf einmal zu den wichtigsten Geheimnissen entzückt. Er sieht eine andre Zahl von Jahren, und eine viel höhere Befreyung. Anstatt der siebzigJahre,von denen JeremiaS geweisiagt hatte, sieht er siebzig Jahrwochen, die von der Zeit der Verordnung des Artaxerxes, mit der langen Hand, die zur Wieder'crbauung der Stadt Jerusalem im Anfange des zwanzigsten Jahres seines Reiches gegeben wordeil ist, ihren Anfang nehmen. Hier wird mit ausdrücklichen Worten gegen das Ende der siebzig Wochen die Vergebung der Sünden, die Versöhnung der Missethat, da? ewige Reich der Gerechtigkeit, die Dcrftegelung aller Gesichte und tVeißagungen, Osil.?/-4. und die Salbung des Allerheiligsten vorherver- kün- in die allgemeine Geschichte. 265 kündigt. Der Meßias soll sein Amt ansahen, und als der Fürst des Volkes nach neun und sechzig Wochen erscheinen, und nach nenn und sechzig Wochen soll Chri- ^""^ stu-- auch ausgerottet werden, wie solches der Prophet wiederholt.Er soll eines gewaltsamenTodcs sterben, weil er zurVollendung derGeheimnisse geopfert werden muß. Eine Woche wird unter andern besonders bezeichnet, und das ist die letzte, die siebzigste Woche; das ist die, wo Christus geopfert, derBund gestärkt werden, und das Opfer und Speisopfer aushören soll. Ohne Zweifel soll solches durch den Tod Christi geschehen; denn der Tod Christi ist es, wodurch diese Veränderung be- E^nd.v-s zeichnet wird. Nach dem Tode des Meßias, und uach -7. ' dieser Abschaffung der Opfer sieht man nichts als Greuel und Verwirrung. Ein Volk des Fürsten wird kommen, und die Sradt und das Heilig- rhum verstören; bey den Flügeln im Tempel werden stehen Greuel der Verwüstung ; kurz, das ganze Volk, das gegen seinen Heiland so undankbar ist, soll untergehen. Wir haben gesehen, daß diese Wochen, wen'n sie zu Iahrwochen gerechnet werden, nach dem Verstände der heiligen Schrift 490 Jahre ausmachen, und uns von dem zwanzigsten Jahre des ArtaxcrreS gerade auf die lehts Woche, diese Woche voll Geheimnisse führen, wo Jesus Christus gekreuzigt worden ist, und durch seinen Tod die Opfer aufgehoben, und die Vorbilder erfüllt hat. Die Gelehrten haben verschiedne Zeitrechnungen auSgedacht,damit diese Zeit genau eintreffen soll.In dieser Zeitrechnung, die ich vorgetragen habe, ist nicht die geringste Verwirrung. Weit gefehlt, daß sie die Geschichte der Könige von Persien verdunkeln soll, so klärt sie vielmehr dieselbe auf, ob man gleich eben nicht R 5 darüber 266 Bischof Bossuets Einleitung darüber erstaunen dürste, wenn sich in den Datis blitz ser Prinzen einige Ungewißheit fände. Neun oder zehn Jahre aufö höchste, über die man bey einer Rechnung von 490 Iahren disputiren kann, machen keine wichtige Streitfragen aus. Aber warum rede ich davon noch länger? Gott hat alle Schwierigkeiten gehoben^ wenn einige da gewesen sind, und wider seine Entscheidung kann nichts eingewendet werden. Ein offenbarer und höchstmerkwürdiger Erfolg erhebt uns über alle' Grübeleyen der Chronologisten, und der ganzliche Untergang der Jüden, der sobald auf den Tod unsers Heilandes gefolgt ist, zeigt denen, die noch eine so blöde Einsicht haben, die Erfüllung der göttlichen Prophezeihung. Es ist nichts mehr übrig, als daß wir noch einen Umstand bemerken. Daniel entdeckt lins ein neues Geheimniß. Die Weißagung Jacobs hatte uns gelehrt, daß das Königreich Juda bey der Ankunft des Meßias aufhören sollte; allein sie sagt uns nicht, daß der Tod des Meßias die Ursache seines Reiches seyn soll. Gott hat dem Daniel dieses wichtige Geheimniß offenbart; er offenbart ihm, wie mau sieht, daß der Untergang der Jüden eine Folge des Todes Christi und ihrer Undankbarkeit seyn wird. Man bemerke diese Stelle wohl; der Zusammenhang der Erfolge wird uns eine schöne Auslegung derselben seyn. Kurz vorher zeigt Gott dem Propheten Daniel die Siege des Cyrus, und die Wiederaufbauung des Tempels. Zu der Zeit aber, da er gebaut wurde, erweckte Gott die Propheten Haggai und Zacharias, und gleich darauf sendete er den Propheten Malachias, der der letzte Prophet des alten jüdischen Volkes seyn sollte. Was in die allgemeine Geschichte. 267 Was hat Zacharias nicht gesehen? Man sollte sagen, daß das Buch des Schicksales diesem Propheten ausgeschlossen worden wäre, und daß er die ganze Geschichte des jüdischen Volkes nach seiner Gefangenschaft darinnen gelesen hätte. Die Verfolgungen der syrischen Könige, und die Ach. 14. Kriege, die sie mitJuda geführt haben, sind in ihrer ganzen Folge darinnen offenbaret. Er sieht Jerusalem einnehmen und verwüsten, und eine schreckliche Unordnung darinnen anrichten; er sieht das Volk in die Wüsten fliehen, ungewiß, und zwischen dem Leben und dem Tode seyn. Kurz vor seiner letzten Verwüstung geht ihm ein neues Licht auf. Die Feinde sind überwunden ; die Götzenbilder sind in dem ganzen gelobten Lande umgestürzt; man sieht den Frieden und den Ueberfluß in der Stadt und im ganzen Lande herrschen, und im ganzen Oriente wird der Tempel verehrt. Ein merkwürdiger Umstand dieser Kriege wird dem Ebend.i4/l4 Propheten entdeckt. Jerusalem sollte durch seine Kinder verrathen werden, und unter seinen Feinden sollten viele Juden seyn. Zuweilen sieht er unter dem jüdischen Volke eine lange Reihe von Glückseligkeiten; Juda ist voll Kraft; die Königreiche, die es unterdrückten, sind gedemüthigt, und seine Nachbarcn, die > nicht aufhörten, dasselbe zu qvalen, sind bestraft; einige von ihnen werden auch bekehrt und dem Volke Gottes einverleibt. Der Prophet sieht dieses Volk mit Wohlthaten überhäuft, unter die er vornehmlich den so bescheidnen, als herrlichen Einzug ihres Röniges, des Zach.?/!.» Gerechten, und ihres Helfers zählt/ der auf ^^.s- >K. Ubr. olympischen Jupiters, dessen Götzenbild er in den -e. z>. Tempel selbst setzte. Er war noch gottloser, als Ne- bucadnezar, und unterfing sich, die Feste, das Gesetz Mosis, die Opfer, die Religion, und das ganze Volk selbst, zu vertilgen. Allein in den Prophezeiungen waren den Unternehmungen dieses Prinzen die Grenzen gesetzt, wie weit sie gehen sollten. Matha- tias widersetzt sich seinen Gewaltthätigkeiten, und vereinigte die Redlichen in Juda unter einander. JudaS MaccabäuS, sein Sohn, verrichtete mit einer in die allgemeine Geschichte. 277 ner Hand voll Volk unerhörte Thaten, und reinigte den Tempel Gottes, nachdem er drey und ein halb Jahr, nach der Weißagung Daniels, entheiligt ge» wescn war. Er verfolgte die Jdumäer und andere Heiden, welche sich zu dem Antiochus schlugen. Nachdem er ihnen ihre bestell Festlingen abgenommen hat< tc, kehrte er siegreich und demüthig zurück, wie solches Iesaias lange vorhergesehen hatte. Er verherrlichte das job Gottes/ der die Feinde seines Volkes in seine Hände gegeben hatte. Sein Schwerdt rauchte noch von ihrem Blute, als er seine Siege fortsetzte, ob ihm gleich Antiochus mit unzählbaren Kriegsheeren widerstund. Daniel hatte in seiner Weißagung diesem gottlosen Könige nur sechs Jahre bestimmt, binnen welchen er Dan. S, r?» das Volk Gottes quälen sollte, und siehe, zu der be- ^ stimmten Zeit erfährt er zu Ekbatana die heldenmäßigen Thaten des Judas Maccabäus. Er fällt in eine tiefe Traurigkeit und Schwermuth. Er stirbt, nach der Weißagung dieses heiligen Propheten, elend, nicht durch die Hand eines Menschen, sondern durch die Hand des Allmächtigen, nachdem er die Gewalt des Gottes Israel, aber allzu spät, erkannt hatte. Ich habe nicht nöthig, zu erzählen, wie seine Nachfolger den Krieg wider Judäa fortführten. Ich brauche den Tod des Judas, ihres BefrcyerS, und die Siege seiner beyden Brüder, des Jonathas, und Simon, seiner Nachfolger im Hohenpriesterthu- me, nicht zu erzählen. Ihre Tapferkeit erneuerte den vormaligen Ruhm des Volkes Gottes. Diefe drey großen Männer sahen, wie sich die Könige von Syrien, uild alle benachbarten Völker, wider sie verschwo- « rcn hatten. Was das Bedauernswürdigste war, so mußten sie sehen, daß die von Juda selbst zu verfchied- S z nen 278 Bischof Bossuets Einleitung nen malen die Waffen wider ihr eignes Vaterland ergriffen. Dieses war zeither unerhört, aber in den Zach. 14,4. Prophezeiungen ausdrücklich vorhcrverkündigt worden. Aber mitten unter so vielen Uebeln machte sie das Vertrauen zu Gott unerschrocken und unüberwindlich. Das Volk war unter ihrer Anführung immer glücklich. Endlich wurde es zu den Zeiten Simons von dem Joche der Heiden besreyt, und ward mit der Einwilligung der Könige in Syrien ihm und seinen Kindern unterthanig. Die öffentliche Schrift, in welcher das Volk dem Simon die öffentliche Macht überlaßt, und ihm die königlichen Rechte giebt, ist merkwürdig. Diese Verordnung enthalt diese Worte: Simon sollte rMcc.1414. chr Fürst und Hoderpriester für und für seyn, so lange bis ihnen Gocr den rechten Propheten erweckte. Das Volk war vom Anfange her an eine göttliche Regierung gewohnt, und wußte wohl, daß die unumschränkte Gewalt dem Hause Davids gehörte, nachdem ihn Gott einmal auf den Thron gesetzt hatte. Sie wußten, daß sie ihm zu den Zeiten des Meßias wiedergegeben werden sollte; darum gaben sie den Hohenpriestern diese Gewalt mit einer solchen Einschränkung, und lebten unter ihnen voll Hoffnung auf den so oft versprochncn MeßiaS. Auf diese Weife gebrauchte sich dieses ganz freye Königreich seiner Rechte, und seßte in die Regierung ein, wen es wollte. Die Nachkommenschaft Jacobs nämlich der Stamm Iuda, und die übrigen Israeli- ten, welche sich unter seine Fahne begaben, erhielt sich, als ein besondrer Staat, und blieb im ungestörten und ruhigeir in die allgemeine Geschichte. 279 ruhigen Besitz- des iandes, das ihm eingegeben worden war. Johannes Hyrcanus folgte, kraft der Verordnung des Volkes, seinem Vater, Simon, in der Regierung nach. Unter ihm wuchs die Macht der Juden durch ihre ansehnlichen Eroberungen. Sie unterwarfen sich Samaria, wie Ezechiel und Jeremias solches vor- Cieck. i<5. hergesagt hatten. Sie demüthigten die Jdumäer, die ^' Philister, und die Ammoniter, ihre bestandigen Feinde, und alle diese Völker nahmen ihre Religion an. Zachavias hatte solches geweißagt. Der Haß und der Neid der benachbarten Völker gereichen ihnen zu keinem Nachtheile. Sie stiften endlich unter der Herrschaft ihrer Hoherpriester, die ihre Könige werden, das Königreich derAsmonäer,oder der Maccabäer, das größer wurde, als iemals ihr Reich gewesen war, wenn man die ZeitenDavids und Salomons auönimt Also erhielt sich unter allen Veränderungen dasVolk Gottes aufrecht. Bald wurde es gestraft, und bald wurde es in seinem Elende wieber aufgerichtet. Gott begegnete demselben, wie seine Verdienste waren» Dieses Volk ist also ein herrlicher Beweis von der Vorsehung Gottes, welche die Welt regiert. Allein seine Umstände mochten beschaffen seyn, wie sie wollten, so hofften sie doch beständig aufdie Zeiten des Mcßias. Da erwarteten siegrößre Gnadenbezeugungen Gottes, als sie iemals empfangen hatten. Jedermann sieht, daß dieser Glaube von dem Meßiaö, und seinen Wundern, der noch unter den Juden dauert, von den Patriarchen und Propheten, und also von dem Anfange ihrer Nation an, auf sie gekommen ist. Denn i» der langen Reihe von Jahren, wo sie selbst erkann- S 4 ten, * lolspk. anciyu. Ubr. XIII, 8. l?. l». 28o Bischof Bossuets Einleitung ten, daß nach einem besondern Rathschlusse der Vorsehung kein Prophet unter ihnen aufstund, und daß ihnenGott keine neuen Zusagen nochWeißagungen gab, in dieser Zeit, sageich, war der Glaube an den Meßias, welcher kommen sollte, lebhafter, als iemals. Er war so fest in ihren Herzen gegründet, als der andre Temv pel aufgebaut wurde, daß kein Prophet mehr nöthig war, das Volk darinnen zu bekräftigen. Sie lebten unter dem Glauben an die alten Prophezeiungen, die vor ihren Augen in so vielen wichtigen Punkten erfüllt worden waren. Die übrigen Weißagungen haben ihnen nach der Zeit ganz außer Zweifel zu seyn geschienen; sie glaubten ohne Mühe, daß Gott, der in allem so getreu ist, zu seiner Zeit auch das erfüllen würde, was vom Meßias geweißagt worden war. Denn das war die vornehmste Zusage, auf die sich alle übrigen Verheißungen gründeten. Ihre ganze Geschichte, und alles, was ihnen von Tage zu Tage begegnete, war nichts anders, als eine beständige Erfüllung der Weißagungen, die der Geist Gottes durch den Mund der heiligen Männer zu ihnen geredet hatte. Sie wurden nach ihrer Gefangenschaft wieder in ihr 5and gebracht, lind genossen drcyhundcrt Jahre lang einen beständigen Frieden; ihr Tempel und ihre Religion wurden im ganzen Oriente verehrt; ihr Friede wurde endlich durch ihre innerlichen Zwi- stigkeiten gestört; jener stolze König von Syrien gab sich die erstaunlichste Mühe, die Jüden auszurotten; es gelang ihm sein Vornehmen eine Zeitlang, doch wurde er endlich gestraft. Die jüdische Religion und das Volk Gottes erhielt ein herrlicheres Ansehen, als es fast iemals gehabt hatte, und das Königreich Juda wurde durch seilte ansehnlichen Eroberungen immer in die akgemeine Geschichte. 281 mer mächtiger. Sie haben gesehn,, Monseigneur, daß alles dieses von ihren Propheten vorhcrverkündigt worden ist. Ja, alles war darinnen genau bestimmt, was geschehen sollte; die Zeit, die ihre Verfolgungen dauern sollten; die Oerter, wo die Schlachten geliefert worden sind, und die Länder, die nachher von ihnen erobert wurden; alles ist in den Weißagungen angegeben worden. Ich habe Ihnen, Monseigneur, überhaupt etwas von diesen Prophezeiungen angeführt; eine umständlichere Ausführung würde eine weit größre Abhandlung werden müssen. Ich will ihnen nur den ersten Vorschmark von diesen wichtigen Wahrheiten geben, die man immer besser einsieht, ic mehr man sie besonders durchgeht. Ich will hier nur noch anmerken, daß die Weißagungen unter dem Volke Gottes zu allen Zeiten so genau erfüllt worden sind, daß nachher die Heiden selbst, ein PorphyriuS, und ein Julian, der Abtrünnige, die doch sonst Feinde der heiligen Schriften waren,wenn sie Exempel prophetischcrWcißagungen gebe!, wollten,dieselben unter dem jüdischen Volke suchten*. Ich kann selbst mit Wahrheit sagen, daß der Zustand des jüdischen Volkes die fünfhundert Jahre hindurch, da sie keinen Propheten hatten, prophetisch war. Das Werk Gottes gewann seinen Fortgang, und die Wege wurden zur völligen Ersüllung der Weißagungen unvermerkt gebahnet. Die Wiederkunft aus der babylonischen Gefangenschaft war nur ein Schatten von der größern und nothwendigern Freyheit, die der Meßias den Menschen, die inSünden gefangen waren,dereinst geben sollte.Das jüdische Volk, daß in den verschiednen Landern von Obcrasien, in Kleinasien, in Aegypten, in Griechen- S s land * ?orxK.UI,r..IV. äeadlr.Iul. ax.cyrM.Ubr. V. 282 Bischof Bessuets Einleitung land selbst zerstreut war, fing an, unter den Heiden den Namen und die Ehre des Gottes Israels zu verherrlichen. Die Schriften, welche dereinst das licht der Welt seyn sollten, wurden in die allgemeinste Sprache der Welt übersetzt. Ihr Alterthum ist bekannt. Unterdessen daß ihr Tempel verehrt, und die heilige Schrift unter den Heiden ausgebreitet wurde, gab Gott schon den Menschen eine Vorstellung von ihrer künftigen Bekehrung, und legte von fern den Grund dazu. Selbst dasjenige, was unter den Griechen vorgieng, war eine Vorbereitung zur Erkenntniß der Wahrheit. Ihre Philosophen erkannten, daß die Welt von einem Gotte regiert würde, der weit von den Göttern unterschieden wäre, welche der Pöbel anbetete, und die sie selbst mit dem Pöbel verehrten. Die griechischen Geschichten machen es glaubwürdig, daß diese herrliche Philosophie aus dem Oriente, und von den Orten hergekommen sey, wo die Iüden zerstreut waren. Allein sie mochte hergekommen seyn, woher sie wollte, so fing doch diese Wahrheit an, wenn sie gleich bestritten wurde, und ihre Lehrer nicht darnach lebten, das menschliche Geschlecht aufzwecken, und zum Voraus denen gewisse Beweise an die Hand zu geben, welche die Menschen künftig aus ihrer Unwissenheit herausreißen sollten. Wie aber die völlige Bekehrung der Heiden ein Werk war, das dem MeßiaS vorbehalten war, und das eigentliche Merkmal seiner Ankunft seyn sollte, so hatten dennoch derJrrthum und dieGottlosigkeit überall die Oberhand. Die aufgeklartesten und weisesten Völker, die Chaldäer, die Aegyptier, die Phönicier, die Griechen, und die Römer waren in Dingen, die die Re- in die allgemeine Geschichte. 28z Religion angiengen, ganz unwissend und blind; so gewiß ist es, daß man in diesen Wahrheiten durch eine besondre Gnade, und durch eine mehr, als menschliche Weisheit erleuchtet werden muß/ Wer sollte sich untersangen, die Gebrauche ihrer unsterblichen Götter, und ihre unreinen Geheimnisse, ihre LiebeSve» siandnisse, ihre Grausamkeiten, ihre Misgunst, und alle ihre andern Ausschweifungen zu erzählen, auf die sich alle ihre Feste, ihre Opfer, und die Lieder, die man sang, und die Gemälde bezogen, die man in ihren Tempeln aufhing? Also wurde das Laster angebetet, und für nothwendig zum Gottesdienste erachtet. Der Ernsthafteste unter den Philosophen der Hciden,Plato, verbot ihnen die Räusche; er erlaubte sie aber an den Festen, die dem Bacchus zu Ehren angestellt wurden. Aristoteles tadelt alle schändlichen Gemälde mit der größten Strenge, die Gemälde der Götter ausgenommen, die durch dergleichen schandbare Bildnisse geehrt seyn wollten. . Man kann nicht ohne Erstaunen die Ehrenbezeugungen, welche der Venus erwiesen werden mußten, und die Unflätereyen lesen, welche bey ihrem Dienste eingeführt waren. So artig und weise auch Griechenland war, so hatte es doch diesen schandbaren Gottesdienst angenommen. In den gefährlichsten Umständen nahmen sowohl die Privatleute, als ganze Republiken ihre Zuflucht zur VcnuS, der Buhlerinn, und Griechenland schämte sich nicht, seine Errettung den Gebeten zuzuschreiben, die sie an diese Göttinn ab- 5^.1.15. schickten. Nachdem Terres und seine furchtbaren ^ri>.-.>.i. ,z. Armeen überwunden worden waren, so hing man in ihrem Tempel ein Gemälde auf, wo ihre Gelübde und ihre feyerlichen Proceßionen abgebildet waren. Simo- 284 Bischof Bossuets Einleitung Simonides, ein berühmter Poet, hatte diese Uebe?- schrift dazu gemacht: Tuese haben zur Göttinn Venus gefleht, und sie hat aus Liebe ;u ihnen Griechenland errettet. Wenn ja die Liebe sollte angebetet werden, so hatte es eine ehrbare Liebe seyn sollen. Solon aber, wer sollte es glauben, und von einem so großen Namen eine so große Niederträchtigkeit vermuthen? Solon, sage ich, hatte zu Athen der Venus, der Geschändeten, oder der unkeuschen Liebe, einen Tempel erbaut. Ganz Griechenland war von solchem Tempel voll, die diesem Gotte, und dieser Göttinn gewidmet waren, und die eheliche Liebe hatte in diesem ganzen Lande keinen Tempel. Unterdessen verabscheuten sie doch den Ehebruch an den Männern, und Frauen, und die eheliche Liebe war unter ihnen heilig. Allein, wenn sie ihre Gedanken auf die Religion richteten, so war es, als ob sie von einem andern Geiste besessen würden, und ihre natürliche Vernunft verließ sie alsdann. Die Ernsthaftigkeit der Römer ist mit der Religion nicht ernsthafter umgegangen, weil sie die Unflä- tercyen der Schaubühnen und die blutigen Spiele der Fechter, kurz, dasjenige, was vom größten Verderbnisse zeugte, und das Grausamste, was man ersinnen kann, ihren Göttern zu Ehren anstellte und einführte. Allein ich weis nicht, ob die lacherlichen Thorheiten, die man in die Religion mischte, nicht um desto gefährlicher waren, weil sie ihr die größte Verachtung zuzogen. Konnte man wohl die Ehrfurcht, die man göttlichen Dingen schuldig ist, unter den schandbaren Dingen behalten, welche ihre Fabeln enthielten^ deren Vorstellung einen so große» Theil ihres in die allgemeine Geschichte. 285 inres Gottesdienstes ausmachte? Der ganze Götterdienst war nichts/ als eine beständige Entheiligung oder Verspottung des göttlichen Namens. Das mußte wohl ein Geist thun, der ein Feind dieses heiligen Namens war, der sich unterfing, ihn zu erniedrigen, und der die Menschen antrieb, ihn bey so verächtlichen Dingen zu gebrauchen, und selbst an so gar unwürdige Gegenstände zu verschwenden. Es ist wahr, die Philosophen haben endlich eingesehen, daß ein andrer Gort wäre, als diejenigen, welche der Pöbel anbetete; allein sie getrauten sich doch nicht, ihn zu bekennen. Sokrates setzte es vielmehr, als einen Grundsaß fest, daß ein ieder sich zur Religion seines Landes bekennen müßte. Plato, sein Schüler, welcher wohl sah, daß die Welt mit einem schandbaren und unvernünftigen Gottesdienste erfüllt war, nimmt dem ungeachtet dieses als einen Grundsaß in seiner Republik an, daß man in der Religion, die in einem Lande einmal eingeführt ist, nichts andern, sondern den Verstand verlohren haben müsse/ wenn man daran denken wollte. So ernsthafte Philosophen, welche von der göttliche» Natur so schöne Sachen gesagt haben, sind zu verzagt gewesen, als daß sie dem öffentlichen Irrthume hätten widerstehen sollen, und sie haben alle Hoffnung? aufgegeben, ihn iemals zu überwinden. Als Sokrates angeklagt wurde, daß er die Götter leugnete, die das Volk anbetete, so vertheidigte er sich dagegen, als ob man ihn eines Verbrechens beschuldigt hätte. Da Plato voil demGottei'edet,der das Weltgebaudc erschaffen hat, so sagt er, er sey schwer zu finden, und e6 sey verboten, ihn dem Volke zu erkennen zu geben. Er versichert,daß er von ihm immer nur,gleichsam als in Räth- 286 Bischof Bossuets Einleitung Räthseln rede, aus Furcht, eine so große Wahrheit der Gefahr der Verspottung auszusetzen. In welchem Abgrunde lag nicht das menschliche Geschlecht, das nicht die geringste Vorstellung von dem wahren Gotte erdulden konnte ? Athen, die artigste und weiseste Stadt unter den griechischen Städten, sah diejenigen als Gottesleugner an, die von geistlichen Dingen redeten, und das war eiße Ursache, warum Sokrates verdammt wurde. Wenn einige Philosophen sich unterstunden, zu lehren, daß die Vildseulen nicht Götter wären, wie sie der Pöbel dafür hielt, so waren sie gezwungen, dieses zu widerrufen, und wurden überdieß noch, als Gotteslästerer, durch den Ausspruch des Areopagus, aus der Stadt verwiesen. Die ganze Erde ward von eben diesem Irrthume besessen : die Wahrheit wagte es nicht, her-' vorzugehen. Dieser große Gott, der Schöpjer der Welt, hatte keinen Tempel, noch Dienst, außer zu Jerusalem. Wenn die Heiden ihre Opfer dahin schickten, so erwiesen sie dem Gotte Israels keine andre Ehre, als daß sie ihn zu ihren andern Göttern sehten. Das einzige Juda kannte seinen heiligen und strengen Eifer, und wußte, daß man die Religion aufhübe, wenn man sie zwischen Gott und den Götzen theilte. Unterdessen fingen am Ende der Zeiten selbst die Jüden, die ihn kannten, diese Bewahrer der Religion, an, in die Religion abergläubische Gebräuche zu mischen, die ihrer unwürdig waren, ob sie gleich den Gott ihrer Vater nicht ganz vergaßen. So schwächen die Menschen immer die Wahrheit! Unter der Regierung der Asmonäer, zu den Zeiten des Io- nathas, nahm die Sekte der Pharisäer ihren Anfang unter in die allgemeine Geschichte. 287 unter den Juden. Sie erwarben sich im Anfange durch die Reinigkeit ihrer Lehre, und die genaue Beobachtung des Gesetzes ein großes Ansehen. Es kam dieses dazu, daß ihre Aufführung sanftmüthig, obgleich auch strenge war, uud daß sie in großer Emrracht unter einander lebten. Die Belohnungen und Bestrafungen eines zukünftigen Lebens, die sie mit vielem Eifer behaupteten, erwarben ihnen viel Ehre. Endlich nahm sie der Geist des Hochmuthes ein. Sie wollten regieren, und maßten sich auch in der That einer uneingeschränkten Gewalt über das Volk an; sie machten sich zu Herren der Lehre und der Religion . und verwandelten sie nach und nach in abergläubische Gebrauche, die ihrem Eigennütze, und der Herrschaft über die Gewissen, der sie sich anmaßten, vortheiihaft und zuträglich war. Der wahre Sinn des Gesetzes kam in Gefahr, verlohren zu gehen. Zu diesen Uebeln kam noch ein größeres Uebel hinzu, der Hochmuth und die Einbildung, eine Einbildung, die sich dieGaben Gottes selbst ganz allein zueignete. Die Juden / die an seine Wohlthaten gewohnt, und seit so vielen Jahrhunderten von seiner Erkenntniß erleuchtet worden waren, vergaßen es, daß allein seine Güte sie von andern Völkern abgesondert hatte, und sahen seine Gnade, als eine Schuld an. Weil sie seit zwey tausend Jahren das auserwählte und gesegnete Geschlecht Gottes waren, so glaubten sie, daß sie allein würdig waren, Gott zuerkennen, und glaubten von einem bessern Stoffe, als die übrigen Menschen, zu seyn, die die Erkenntniß Gottes nicht hatten. Dieses war Ursache, daß sie die Heiden mit einer so erstaunlichen Verachtung ansahen. Die Herkunft vom Abraham nach dem Fleische schien ihnen ein Vor- 2N8 Bischof Bossuets Einleitung Vorzug zu seyn, der sie natürlicher Weise über alle andern hinwegsetzte; ein so schöner Ursprung blähte sie auf, und sie glaubte», nicht durch die Gnade, sondern von Natur schon heilig zu seyn. Das ist ein Irrthum, der noch unter ihnen gemein ist. Die Pharisäer, die sich ihrer Einsicht und der strengen Beobachtung der gesetzlichen Ceremonien rühmten, diese waren es, die diese Meynung in den letzten Zeiten unter ihnen einführten. Wie sie auf nichts dachten, als wie sie sich von andern Menschen unterscheiden wollten, so vervielAltigcen sie die äußerlichen Gebräuche ohne Aufhören, und gaben ihre eignen Gedanken für wahre Traditionen aus, so sehr sie auch dem Gesetze Gottes zuwider waren. Ehe noch diese Meynungen durch eine öffentliche Verordnung zu einer Lehre der Synagogen wurden, so schlichen sie sich schon unvermerkt unter das Volk ein, welches unruhig, und aufrührisch wurde. Endlich brachen die Uneinigkeiten, die nach ihren Propheten den Abfall ihres Glückes verursachen sollten, bey Gelegenheit der Zwistigkeiten in dem Hause der Asmonäer öffentlich aus. Es waren kaun: noch sechzig Jahre bis auf Jesum Christum, als Hyr- canus und Aristobulus, zween Söhne des Alexander Jannäus, wegen des Hohenpriesterrhums, mit dem die königliche Würde verbunden war, in einen Streit geriethcn. Das ist der unglückliche Augenblick, den die Geschichte als die erste Ursache des Unterganges der Iüden angiebt. Pompejus, den die beyden Brüder zu ihrem Schiedsrichter annahmen, machte sich beyde unterwürsig, und zwar zu der Zeit, als er den Antiochus, mit dem Zunamen Asiaricus, den letzten König in Syrien, vertrieb. Diese drey Prin- in die allgemeine Geschichte. 289 Prinzen, die zu gleicher Zeit, und auf einmal fielen, waren gleichsam die Losung von dem nahen Falle des jüdischen Volkes, den Zacharias mit ausdrücklichen Worten vorhergesagt hatte. Es ist aus der Geschichte gewiß, daß diese Veränderung in den jüdischen und syrischen Angelegenheiten, zu gleicher Zeit von dem Pompejus vorgenommen wurde, nachdem er den Krieg wider den Mithridates geendigt hatte. Er wollte eben nach Rom zurückkehren, als er erst noch die Angelegenheiten des Orientes in Ordnung brachte. Der Prophet hat weiter nichts angemerkt, als was den Ruin des jüdischen Volkes angieng. Es sah von zween Brüdern, die es, als Könige, gesehen hatte, den einen in dem Triumphe dcs Pompejus aufführen, und den andern, den Hyrcan, welchem Pompejus mit der Krone den größten Theil seiner Herrschaft genommen hatte, weiter nichts, als einen eitlen Schein des Ansehens übrig behalten, den er aber auch bald verlohr. Damals war es, daß die Juden den Römern zinsbar wurden» Syriens Untergang zog den ihrigen nach sich, weil dieses ihnen benachbarte Königreich zu einer Provinz wurde, und die Macht der Römer so sehr vermehrte, daß keine Rettung für sie mehr übrig war, als der Gehorsam. Die Statthalter in Syrien unternahmen beständig etwas wider Iu- daa, die Römer machten sich zu unumschränkten Herren darüber, und schwächten die jüdische Regierung in vielen Stücken. Durch sie gerieth das Königreich Juda, aus dem Hause der Asmonäer, in die Hände des HerodeS, eines Fremden, und eines Jdu- macrs. Die grausame und ehrsüchtige Staatökunst dieses Königes, der sich nur zum Scheine zur jüdischen Religion bekannte, veränderte die Grundsalze T der 29v Bischof Bossuets Einleitung der alten vormaligen Regierung. Das sind nicht mehr die Juden, die unter dem großen persischen Reiche, und unter der Herrschaft der ersten Seleuciden, Herren über ihr Schicksal waren, und in Ruhe und Friede leben konnten. Hcrodes, der sie unter seinem Joche hat, bringt alles in Verwirrung, stört und unterbricht nach seinem Gefallen die Nachfolge der Hohenpriester, schwächt das Hohepriesterthum, das unter ihm jedermann erlangen kann, und entkräftet das Ansehen des hohen Rathes der Nation, der nunmehr nichts mehr vermag. Die ganze öffentliche Gewalt kömmt in die Hände des Herodes, und der Römer, deren Sklave er ist, und er erschüttert den ganzen Grund der jüdischen Republik. Die Pharisäer und das Volk folgten nur ihren Empfindungen, und ertrugen diesen Zustand mit Ungeduld. Je mehr sie von dem Joche der Heiden gedrückt wurden, dcstomehr haßten und verachteten sie dieselben. Sie wollten keinen andern Meßias, als einen solchen, welcher ein Krieger/und den Völkern furchtbar wäre, denen sie unterthänig seyn mußten. Sie vergaßen also die Prophezeiungen, die ausdrücklich von seiner Erniedrigung redeten,und hatten nur für diejenigenAugen und Ohren, welche ihnen Siege verkündigten,^ ob sie gleich von denen weit unterschieden waren, die sie verlangten. OOOOOGO OOO OOO-OOOO Von Jesu Christo. H^ey diesem Falle der Religion und der jüdischen /^^Angelegenheiten, gegen das Ende der Regierung des Herodes, und zu der Zeit, da die Pharisäer so viele in die allgemeine Geschichte. 291 Viele Misbräucbe einführten, wurde Jesus Christus auf die Erde gesendet, daö Reich in dem Hause Davids auf eine viel höhere Weise wieder aufzurichten, welche die fleischlichen Jüden nicht verstunden, und die Lehre zu verkündigen, die nach dem Rarhschlusse Gottes der ganzen Welt bekannt gemacht werden sollte. Dieses verwundernswürdige Kind, welches vom Propheten Jesaias der starke Gott, der Vater der zukünftigen Welt, und der Friedefürst genannt worden war, wurde von einer Jungfrau zu Bethlehem gebohren, und erkannte daselbst den Ursprung seines Geschlechtes. Ee wurde von demHeiligenGeiste empfangen; er war heilig durch seineGeburt, und allein würdig,die Mängel unsrer Geburt zu ersehen; er empfing den Namen des Heilandes, weil er uns von unsern Sünden heilen sollte. Gleich nach seiner Geburt erschien im Oriente ein neuer Stern, ein Bild des Lichtes, das den Heiden scheinen sollte, und führte dem ucugebohrnen Heilande die Erstlinge des bekehrten Heidenthumes zu. Kurz darauf kam dieser verlangte Meßias in seinen heiligen Tempel, wo ihn Simon nicht allein als den preis des Volkes Israel, sondern auch als ein Licht zu erleuchten die Heiden ansah. Als die Luc. Zeit herbeynahte, daß er sein Predigtamt antreten sollte, rief der heilige Johannes, der Täufer, alle Sünder zur Buße, und ließ seine Stimme in der Wüste hören, wo er seine ersten Jahre mit einer so großen Strenge, als Unschuld, hingebracht hatte. Das Volk, das seit fünfhundert Jahren keinen Propheten gesehen, erkannte diesen neuen Elias, und sah ihn für seinen Erlöser an, so groß kam ihm seine Heiligkeit vor! Allein er zeigte ihnen selbst denjenigen, von dem er sagte, T 2 das; 292 Bischof Beffüets Einleitung 2ol).l,-7. daß er unwürdig wäre, feine Gchuhriemen aufzulösen. Endlich fing Jesus Christus an, sein Evangelium zu predigen, und die Geheimnisse zu offenbaren, die er von Ewigkeit her in demSchooße, seines Vaters gesehen hatte. Cr legt den Grund zu seiner Kirche durch die Berufung der zwölf Fischer, und giebt unter ihnen dem heiligen Petrus einen so offenbaren Verzug, daß die Evangelisten, welche keine gewisse Ordnung halten , wenn sie die Apostel nennen, darinnen alle übereinstimmen, daß sie den heiligen Apostel Petrus, als den Vornehmsten, vor allen andern zuerst nennen. Jesus Christus geht durch ganz Iudäa, das er mit seinen Wohlthaten erfüllte. Er half den Kranken, er war barmherzig gegen die Sünder ; er zeigte ihnen durch den freyen Zutritt, den cr ihnen zu sich.verstattete, den rechten Arzt in feiner Person, und ließ die Menschen eine so gelinde und sanftmüthige Herrfchaft empfinden, die man an keiner Person, als an ihm, gefunden hat. Er verkündigt hohe Geheimnisse; aber er bekräftigt sie auch durch große Wunder; cr befiehlt große Tugenden; aber zu gleicher Zeit läßt er auch ein großes Lichtaufgehen. Daher wird auch von ihm gejagt, daß er Zoh.i,i4.i;- voller Gnade und vvahrheic sey, und daß ^' wir alles von seiner Fülle nehmen. Alles stimmt in seiner Person zusammen, scin Leben, seine Lehre, seine Wunder. Diese Wahrheit leuchtet überall hervor; alles vereinigt sich, den Herrn des menschlichen Geschlechtes, und das Muster der Vollkommenheit an ihm zu zeigen. Er ist der einzige unter den Menschen, der vor den Augen der ganzen Welt hat sagen dürfen, ohne daß man ihn einer Unwahrheit beschuldigen können: wer in die allgemeine Geschichte. 29z N)er kann mich unter euch einer Sünde zeihen? und an einen: andern Orte: Ich bin das Ioh. < Lichr der Melt; meine Speist ist, daß ich den 4. lVilicn nleines Datero thue; der mich gesiuidc hat, ist nur mir; der Varer laßt mich nicht allein, denn ich thue allezeit, rvas ihm gefallt. Seine Wunder sind von einer besondern Art, und haben einen ganz neuen Charakter. Sie sind nicht Zeichen am Himmel, wie sie die Juden verlangten; er thut sie meistentheils nur an den Menschen selbst, un? ihre Krankheiten und Schwachheiten zu heilen. Diese Wunder zeugen mehr von seiner Güte, als von seiner Macht; sie sehen die Zuschauer nicht so sehr in Erstaunen, als sie dieselben im Grunde des Herzens rühren. Er thut sie mit Macht; die Teufel und Krankheiten gehorchen ihm; aus sein Wort erhalten die Vlindgebohrnen ihr Gesicht; die Todten gehen aus den Gräbern, und die Sünden sind vergeben. Die Ursache davon ist er selbst; sie kommen aus ihm, Luc.<5,1,. als aus einer Qvclle, her; ich fühlt/ sagt er, daß eme ^ ^ ^6. Arafc von mir gegangen ist. Noch niemand hatte so große und so viele Wunder gethan, und gleichwohl verspricht er, daß seine Jünger in seinem Namen noch viel größre Dinge thun sollen, so Ioh, 14,--. fruchtbar und unerschöpflich ist die Kraft, die in ihm ist. Wer muß nicht darüber erstaunen, wie sehr er sich zu den Menschen herunter laßt, da er ihnen seine hohen Lehren verkündigt? Das ist Milch für die Kinder, und zugleich Brodt für die Starken» Man sieht ihn voller Geheimnisse Gottes; allein man sieht nicht, daß er darüber erstaunt, wie die andern Sterblichen, denen sich Gott mittheilt. Er redet frey und natür- T z lich / 294 Bischof Bossuets Einleitung lich davon, als der in diesen Geheimnissen, und in dieser Herrlichkeit gebohren worden ist, und was er Jv!),z,Z4. nicht nach dem Maaße hat, theilt er mit Maaße aus, damit es unsre Schwachheit ertragen könne. Ob er gleich für alle Welt gesendet worden war, so wandte er sich doch im Anfange nur an die vcrlohr- nen Schafe in Israel, zu welchen ihn sein Vater vornehmlich gesandt hatte. Allein er bahnte selbst auch den Weg zu der Bekehrung der Samaritaner, und der Heiden. Ein samaritanisches Weib erkannte ihn für den Meßias, auf den ihre Nation sowohl, als die jüdische, hoffte, und lernte das Geheimniß des neuen Gottesdienstes von ihm, der nicht mehr an einen gewissen Ort gebunden seyn sollte. Ein cananaisches und abgöttisches Weib zwang ihn, so zu sagen, ob sie gleich von den Jüngern abgewiesen wurde, daß er ihre Tochter gesund machen mußte. Er erkannte an vcr- schiednen Orten die Kinder Abrahams unter den Heiden, und redete von seiner Lehre, als von einer solchen, welche gepredigt, verfolgt, und von der ganzen Erde angenommen werden sollte. Die Welt hatte noch nicht so etwas gesehen/ und die Apostel erstaunten darüber. Er verbirgt den Seinigen die traurigen Versuchungen nicht, die sie würden ausstehen müssen. Er zeigt ihnen die Gewaltthätigkeiten und Verführungen , die man wider sie brauchen würde; ferner die Verfolgungen; die falschen und irrigen Lehren, die falschen Brüder; die innerlichen und äußerlichen Kriege; und den durch alle dicfe Versuchungen geläuterten Glauben; ferner zeigt er, wie am Ende der Zeiten dieser Glaube schwach werden, und die Liebe unter feinen Schülern erkalten würde; endlich zeigt er noch, es in die allgemeine Geschichte. 295 es würde dennoch seine Kirche und die Wahrheit mitten unter diesen Gefahren bestandig unüberwindlich bleiben. Das ist also eine ganz neue Einrichtung und Ordnung der Dinge. Man redet zu den Kindern Gottes nicht mehr von zeitlichen Belohnungen. Jesus Christus zeigt ihnen ein zukünftiges leben, und indem er sie in dieser Hoffnung, in diesem Verlangen erhält, so lehrt er sie, daß sie sich von allen sinnlichen Gegenständen losreißen sollen. Das Kreuz, und die Geduld werben ihr Theil auf der Erde, und vom Himmel wird ihnen gesagt, daß sie ihn mit Gewalt zu sich reis- sen sollen. Jesus Christus geht diesen neuen Weg, Mattlz.uM». den er den Menschen zeigt, selbst zuerst. Er predigt reine Wahrheiten, welche die unwissenden und dem ungeachtet hochmüthigen Menschen betäuben. Er entdeckt den heimlichen Hochmuth, und die Heucheley der Pharisäer und der Lehrer des Gesetzes, die dasselbe durch ihre Auslegungen verderbten. Mitten unter diesen Verweisen ehrt er ihr Amt, und den Stuhl Match. 25z. N^osis, worauf sie sitzen. Er besucht den Tempel; er macht, daß sie die Heiligkeit desselben ehren müssen, und schickt die Aussätzigen, die er geheilt hat, zu den Priestern. Dadurch lehrt er die Menschen, wie sie die Misbräuche ohne Nachtheil des von Gott eingesetzten Lehramtes tadeln und unterdrücken sollen; er zeigt, daß die Synagoge selbst noch bestünde, wenn gleich einige Glieder von ihr verderbt sind. Allein sie neigte sich sichtlich zu ihrem Untergange. Die Hohenpriester und Pharisäer wiegelten das jüdische Volk, dessen Religion der Aberglaube war, wider Jesum Christum auf. Dieses Volk konnte den Heiland der Welt nicht länger leiden, der es zur Ausübung beßrer, aber auch schwererer Pflichten berief» T 4 Der 296 Bischof Bossuets Einleitung Der Heiligste und Beste unter allen Menschen, die Heiligkeit und die Güte selbst, wurde am meisten beneidet und gehaßt. Er läßt sich dadurch nicht abhalten, und hört nicht auf, seinen Brüdern dem Fleische nach Gutes zu thun; allein er sieht ihre Undankbarkeit. Er verkündigt ihre Bestrafung mit Thränen vorher, und weißagt der Stadt Jerusalem ihren nahen Untergang. Er prophezeiht auch, daß die Juden, die Feinde der Wahrheit, die er verkündigte, ihrem Irrthume übergeben, und ein Spiel und Spott der falschen Propheten seyn würden. Unterdessen bringt ihn der Neid der Pharisäer und der Priester zu einem schändlichen Tode; seine Jünger verlassen ihn; einer unter ihnen verräth seinen Meister, und der erste und eifrigste von allen verleugnet ihn dreymal. Der Heilige wird vor dem hohen Rathe angeklagt, er ehrt das Amt der Priester bis ans Ende, und antwortet dem Hohenpriester, der ihn gerichtlich befragt, mit kurzen und hinlänglichen Worten. Allein die Stunde war gekommen, wo die Synagoge verworfen werden sollte. Der Hohepriester und der ganze hohe Rath verdammen Christum, weil er sagte, daß er der Sohn Gottes wäre. Er wird dem Pontius Pilatus, dem römischen Landpflegcr, überliefert; seine Unschuld wird von diesem Richter erkannt, allein seine Staatökunst und sein Eigennutz verkeilen ihn, daß er wider sein Gewissen handelt. Der Gerechte wird zum Tode verdammt. Das Größte unter allen Verbrechen, die iemals begangen worden sind, giebt Anlaß zum vollkommensten Gehorsame , den niemand noch geleistet hat. Jesus, ein Herr über sein Leben, und über alle Dinge, überläßt sich der Wut der B oshaf- ten freywillig, und wird das Opfer zur Aussöhnung des mensch- in die allgemeine Geschichte. 297 menschlichen Geschlechtes mit Gott. Er sieht am Kreuze in den Prophezeiungen dasjenige, was ihm noch zu thun übrig war; er vollendet cS, und sagt endlich: ist alles voU bracbt. Nachdem er dieß ge- Ioh.i^z». sagthat, so wird alles in der Welt verändert; das Gesetz hört auf, die Vorbilder haben ein Ende, und die Opser sind durch ein weit vollkommners Opfer abgeschafft. Nachdem Jesus Christus das gethan hatte, verschied er, und schrie laut. Die ganze Natur wird bewegt; der Hauptmann, der bey seinem Kreuze stund, erstaunt über einen solchen Tod, und ruft aus: Dieser ist wahrhaftig Gottes Sohn gewesen ! Diejenigen aber, die dabey stehen und zusehen, schlagen sich all ihre Brust, und kehren um. Am dritten Tage erweckt er sich durch seine eigne göttliche Kraft von den Todten; er erscheint den Sei-» nigen, die ihn verlassen hatten, und seine Auferstehung nicht glauben wollten. Sie sehen ihn, sie reden mit ihm, sie tasten ihn an, und sind überzeugt. Damit der Glaube seiner Auferstehung bekräftigt werden möge, so zeigt er sich zu vcrschiednen malen / und an verschiednen Orten, und unter verschieduen Umständen. Seine Jünger sehen ihn besonders, und sehen ihn alle zusammen; er erscheint einmal einer Versammlung von fünfhundert Personen. Ein Apostel, der solches aufgeschrieben hat, versichert, daß die meisten von ihnen zu der Zeit noch lebten, da er solches erzählte. Der auferstandne Heiland giebt seinen Aposteln alle Zeit, ihn wohl zu betrachten, und nachdem er sich von ihren Händen betasten lassen, wie sie wollten, so, daß ihnen nicht der geringste Zweifel mehr übrig seyn konnte, so befiehlt er ihnen, der ganzen Welt zu bezeugen, was sie gesehen, was sie gehört, T 5 und 298 Bischof Bossuets Einleitung und was sie mit ihren eignen Handen betastet haben. Damit man auch nicht an ihrer Redlichkeit, und ihrer eignen Ueberzeugung zweifeln könnte, so verbindet er sie, ihr Zeugniß mit ihrem Blute zu versiegeln. Ihre Predigt ist also unbeweglich; der Grund davon ist eine gewisse unleugbare Begebenheit, die von allen denen einmüthig bezeugt wird, die sie gesehen haben. Ihre Aufrichtigkeit wird durch die stärksten Proben, die man sich ersinnen kann, durch die Martern und den Tod selbst gerechtfertigt. So unterrichtete sie der große Erlöser, ehe er sich zur Rechten seines Vaters setzte. Darauf gründet sich das Unternehmen von zwölf Fischern, die ganze Welt zu bekehren, die doch den Gesetzen, welche sie ihr vorschreiben sollten, und den Wahrheiten, die sie zu verkündigen hatten, so sehr zuwider war. Sie hatten Befehl, von Jerusalem anzufangen , und von da in alle Welt auszugehen, und alle Match, -z. Heiden und alle Völker zu lehren, und in dem Luc. -4. Namen des Vater?/ des Sohnes, und des Hei- - ligen Geistes zu taufen. Jesus Christus verspricht, alle Tage bis an das Ende der N?elc bey ihnen zu seyn/ und versichert ihnen mit diesen Worten die bestandige Dauer des evangelischen Lehramtes. Nachdem er dieses gesagt hat, so fährt er vor aller Augen in den Himmel, sich zu der Rechten seines Vaters zu setzen. Die Verheißungen sollen nunmehr erfüllt, und die Prophezeiungen ganz vollendet werden. Die Heiden werden, nach dem Befehle des von den Todten aufer- standnen Heilandes, zur Erkenntniß Gottes berufen. Es wird zur Wiedergeburt des neuen Volkes Gottes eine neue Ceremonie eingesetzt, und die Gläubigen lernen, daß der wahre Gott, der Gott Israels, dieser in die allgemeine Geschichte. 299 einige und untheilbarc Gott, dein sie in der Taufe geheiligt werden, Vater, Sohn, und Heiliger Geist sind. Hier also, hier werden uns die unbegreiflichen Tiefen des göttlichen Wesens, sowohl die unaussprechliche Größe seiner Einheit, als auch die unendlichen Reichthümer seiner Natur gezeigt, die in sich selbst fruchtbarer ist, als außer sich, und sich ohne Theilung drey gleichen Personen mittheilen kann. Hier werden die Geheimnisse erklart, die in den Schriften des alten Blindes verhüllt, und gleichsam versiegelt waren. Wir verstehen nunmehr das Geheimnis; tziefes Wortes: Lasset uns Menschen iB.M.iM machen, ein Bild, das uns gleich sey, und die Dreyeinigkeit, welche bey der Schöpfung des Menschen nur bezeichnet und angemerkt wird, wird bey seiner Wiedergeburt mit ausdrücklichen Worten verkündigt. Wir wissen nunmehr, was die Weisheit sey, die nach dem Ausfpruche desKönige6,Salamo,vor dem Anfange der Zeiten und von Ewigkeit eingesetzt ist, die Weisheit, an welcher der Herr seine Lust hatte, und durch die alle seine Werke geordnet worden sind. Wir wissen, wer der ist, von dem David gesagt hat, dcch er vor der Morgenröthe gebohren worden. Das neue Testament lehrt uns, daß dieser das Wort, das innerliche Wort Gottes, und, wenn ich so sagen darf, sein ewiger Gedanke sey, der in seinem Schooße ist, und durch den alle Dinge gemacht worden sind. Nunmehr können wir auf die geheimnißvolle Frage antworten, welche uns in den Sprüchwörtern vorgelegt worden ist: N)ie heißet Gorr; und rvie helft Sxr.zo,4. ser sein Sohn^ weißest du das^ Denn wir wissen, ZOO Bischof Bossmts Einleitung son, daß unter dem Namen, der so geheimnißvoll und verborgen ist, der Name, Vater, gemeynt wird, wenn man ihn nämlich in dem tiefen Verstände nimmt, daß er anzeigt, wie er von Ewigkeit ein Vater eines ihm gleichen Sohnes, und der Name dieses Sohnes das lVorc sey, das Wort, das er von Ewigkeit her und heute gezeugt hat, indem er sich selbst betrachtet; das Wort, welches ein vollkommner Abdruck seiner Wahrheit, sein Ebenbild, sein einiger Hcbr. i,z. Sohn, der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines tVesens ist. Mit dem Vater und dem Sohne erkennen wir auch den Heiligen Geist, die Liebe und die ewige Vereinigung dieser göttlichen Personen mit einander. Dieser Geist ist der Geist der Propheten, der aus ihnen die Rathschlüsse Gottes und die Geheimnisse der Zukunft offenbaret, der Geist, von dem geschrieben ist, Ies. 48/16. der Herr hat mich und seinen Geist gesandt, welcher von dem Herrn unterschieden, und doch auch der Herr ist, weil er die Propheten sendet, und zukünftige Dinge offenbaret. Dieser Geist, der zu den Propheten, und durch die Propheten redet, ist mit dem Vater und Sohne vereiniget, und hat mit ihnen bey der Heiligung des neuen Menschen zu thun. Der Vater, der Sohn, und der Heilige Geist, ein einziger Gott in drey Personen, der unsern Vätern nur dunkel gezeigt worden ist, wird mit größrer Deutlichkeit im neuen Bunde offenbart. Nachdem wir von einem so hohen Geheimnisse unterrichtet sind, und über seine unbegreifliche Tiefe erstaunen, so bedecken wir unser Angesicht vor ihm mit den Cherubim, welche in die allgemeine Geschichte, zor welche Jesaias sah, und beten mit ihnen denjenigen an, der dreymal heilig ist. Es war der einige Sohn, der in dem Gchooße des Vaters war, und der, ohne daraus zu gehen, zu uns kam, dieser war es, der die 'verwundernswürdi- gen Geheimnisse der göttlichen Natur vollkommen entdecken sollte, welche Moses und die Propheten nur berührt hatten. Er sollte uns lehren, woher es kömmt, daß der Ä?esiias, d«e nach der Zusage Gottes ein Mensch seyn, und die Menschen erlösen sollte, zu gleicher Zeit als Gott in der einzelnen Zahl, und völlig auf die Weise beschrieben worden ist, wie uns Gott beschrieben wird. Dieses hat er auch gethan, da er uns lehrt, er sey zwar Abrahams Sohn, aber doch eher, als Abraham gewesen, er sey vom Himmel gekommen, Ivh.8, ?z. aber dennoch allezeit im Himmel. Er hat uns ^ ^ ^' gelehrt, er sey Gott, der Sohn Gottes, und zugleich ein Mensch, eines Menschen Sohn; er sey der wahre Emanuel, der Gott mit uns; kurz, das Wort, welches Fleisch geworden ist, und in seiner Person die göttliche Natur mit der menschlichen vereiniget, damit er alle Dinge in sich selbst vereinige. Es sind uns also die beyden vornehmstenGeheimnijse, das Geheimniß der Dreyeinigkeit, und das Geheimniß der Menschwerdung geoffenbarct worden. Allein derjenige, der sie uns offenbaret hat, läßt uns ein Bild davon in uns selbst finden, damit sie uns beständig vor Augen seyn, und wir die Würde unsrer Natur darinnen erkennen mögen. In der That, wenn wir nur unsern Sinnen ein Stillschweigen gebieten, und auf eine kurze Zeit in unsre Seele kehren, wo sich die Wahrheit hören laßt, so 5O2 Bischof Bossuets Einleitung so werden wir daselbst ein gewisses Bild von der Dreyeinigkeit finden, die wir anbeten. Der Gedanke, welchen unser Verstand erzeugt, dieser Zweig unsers Geistes, dieser Sohn unsers Verstandes, stellt uns einigermaßen den Sohn Gottes vor, der in dem Verstände Gottes von Ewigkeit her gezeugt worden ist. Daher nimmt dieser Sohn Gottes den Namen des Wortes an, damit wir daraus erkennen sollen, daß er in dem Schooße seines Vaters nicht so gezeugt werde, wie die Körper entstehen, sondern wie in unsrer Seele dieses innre Wort entsteht, welches wir empfinden, wenn wir die Wahrheit betrachten *. Allein die Fruchtbarkeit unsrer Seele hört nicht bey diesem innern Worte, bey diesem intellcctualischcil Gedanken, bey diesem Bilde der Wahrheit auf, das in uns entsteht. Wir lieben sowohl dieses innre Wort, und den Geist, wo sie entsteht, und, indem wir ihn lieben, empfinden wir etwas, das uns eben so kostbar ist, als unser Geist, und unser Gedanke; das die Frucht des einen und des andern ist; das sie vereinet; das sich mit ihnen vereinet, und mit ihnen nur ein Leben ausmachet. So weit also zwischen Gott und den Menschen eine Achnlichkeit seyn kann, so entsteht in Gott die ewige Liebe, die vom Vater, welcher denkt, und von dem Sohne, welcher sein Gedanke ist, zugleich ausgeht, um mit ihm, und seinem Gedanken eine einzige Natur auszumachen, die gleich glückselig und vollkommen ist. Mit einen: Worte, Gott ist vollkommen, und sein Wort, das lebendige Ebenbild einer unendlichen Wahrheit, ist eben so vollkommen, als er, und seine jiebe, die aus einer unerschöpflichen Quelle des Guten >Ä-'. , / ---'^'^5' ^ ^ ' - > --, " her? * LreZor. oi-. z6. ^u^ult. c!e rrin. 4. äe civ. XI» -6.17. 28. m die allgemeine Geschichte. ZO) herkömmt, hat alle ihre Fülle, und muß eine unendliche Vollkommenheit besitzen. Weil wir von Gott keine andre Idee, als die Idee der Vollkommenheit haben, so verdient ieder von diesen drey Unterschieden, an sich selbst betrachtet, Gott genennt zu werden; allein, weil diese drey Unterschiede nothwendig nur einer Natur zukommen, so sind diese drey Dinge nur ein ein» ziger Gott. Man muß sich also in dieser anbetungswürdigen Dreyeinigkeit nichts Ungleiches, nichts Getrenntes denken, und obgleich diese Gleichheit unbegreiflich ist, so wird uns doch unsre Seele, wenn wir sie hören, etwas davon sagen. Sie ist, und da sie vollkommen weis, daß sie ist, so stimmt ihr Verstand mit der Wahrheit ihres Wesens vollkommen überein, und wenn sie ihr Wesen mit ihrem Verstände so sehr liebt, als sie geliebt zu werden verdient, so gleicht ihre Liebe der Vollkommenheit von beyden. Diese drey Dinge können niemals getrennt werden, und schließen eins das andre ein. Wir denken, daß wir sind, und daß wir uns lieben, und wir lieben dieses, daß wir sind, und daß wir denken. Wer kann das leugnen, wenn er anders sich selbst versteht? Eben so ist die Dreyeinigkeit, die wir anbeten, und welcher wir in der heiligen Taufe geheiligt werden, unendlich vollkommner, untheil- barer, einiger in ihrem Wesen, und in allen Stücken sich selbst mehr gleich. Aber wir selbst, die wir ein Bild der Dreyeinigkeit sind, sind auch aus einem andern Gesichtspunkte ein Bild der Menschwerdung. Unsre Seele, deren Natur geistlich und unverweslich ist, hat einen verweslichen Körper, der mit ihr ver- zo4 Bischof Bossuets Einleituug vereinigt ist. Alis der Vereinigung des einen mit dem andern wird ein Ganzes zusammen, welches unverweslich , und verweslich, geistlich, und bloß thierisch ist. Diese Eigenschaften kommen dem Ganzen zu, in sofern sich beyde Theile auf einander beziehen *. Eben so vereinigt sich das Wort, dessen Kraft alles erhalt, auf eine besondre Weise mit der menschlichen Natur, und durch eine solche vollkommne Vereinigung wird das Wort, Jesus Christus, der Sohn der JungfrauMaria; das macht,daß einerGott undMensch zugleich, von Ewigkeit, und auch in der Zeit gcbohren ist, in dem Schooße seines Vaters ohne Aufhören lebt, und dennoch auch am Kreuze gestorben ist, um uns zu erlösen. Allein alle Vergleichungen, welche Gott angehen, und von menschlichen Dingen hergenommen sind, bleiben allezeit sehr unvollkommen. Unsre Seele ist nicht vor ihrem Körper vorhanden, und es mangelt ihr etwas, wenn sie davon getrennt ist. Das Wort, das an sich selbst von Ewigkeit her vollkommen ist, vereinigt sich darum nur mit unsrer Natur, um sie zu ehren. Unsre Seele, welche über den Körper herrscht, und damit verschiedne Veränderungen vornimmt, leidet ihrer seits auch wieder von ihm. Wenn der Körper nach dem Befehle und Willen der Seele regiert wird, so wird die Seele wiederum nach den verschied- nen Beschaffenheiten des Körpers beunruhigt, angegriffen, und auf tausend verschiedne, bald verdrießliche, bald angenehme Arten von ihm in Bewegung gesetzt, so, daß die Seele den Körper zu sich erhebt, indem sie ihn beherrscht, aber auch noch unrer ihm durch das erniedrigt wird, was sie von ihm leidet. Allein in Jesu Christo herrscht das Wort über alles; das * ^UA, ep, III. acl V»Iu5 dc: civ. X, Ty. d/r. Lxlltol. aä Vi>- lerian-III. Lonc. L^K. er 8^mbo!> ^i»n. in die allgemeine Geschichte. 505 has Wort hat alles unter seiner Gewalt. Auf diese Weise wird in ihm die menschliche Natur erhoben; die göttliche aber erniedrigt sich in keinem Stücke. Sie ist unbeweglich und unveränderlich, und herrschet vollkommen über die Natur, die mit ihr vereinigt ist. Daher kömmt es, daß in Jesu Christo die menschliche Natur, die zu der göttlichen erhoben, und der innern Regierung derselben völlig unterworfen ist, keine andern, als göttliche Gedanken und Vorstellungen hat. Alles, was sie denkt> alles, was sie will, alles, was sie sagt, alles, was sie in sich selbst verbirgt, alles, was sie äußert, wird durch das Wort belebt, wird durch das Wort regiert, und ist des Wortes, das ist, der Vernunft selbst, der Weisheit selbst, der Wahrheit selbst würdig. Darum ist alles in Jesu Christo Licht; seine Aufführung ist eine sichre Vorschrift, seine Wunder sind Lehren, und seine Worte Geist und Leben. Es ist nicht allen gegeben, so hohe Wahrheiten zu verstehen, und in sich selbst das wunderbare Bild dieser göttlichen Dinge vollkommen zu sehen, welches der heilige Augustin, und andre Vater für so gewiß und untrüglich gehalten haben. Die Sinne haben eine allzugroße Herrschaft über uns, und unsre Einbildungskraft, die sich in alle unsre Gedanken mischen will, erlaubt uns nicht allezeit, uns bey einem so reinen Lichte aufzuhalten. Wir kennen uns selbst nicht genug; wir kennen die Reichthümer nicht, die wir in dem Innern unsrer Natur bey uns trageil, und nur die aufgeheitertesten Aligen können sie wahrnehmen. Aber wenn wir nur in diese Tiefe eindringen, und in uns das Bild dieser beyden Geheimnisse, die der Grund unsers Glaubens sind, zu bemerken wissen, so U ist zo6 Bischof Bossuets Einleitung ist das genug, uns über alles zu erheben/ und nichts Sterbliches wird uns mehr rühren können. Daher har uns auch Jesus-Christus zu einer unvergänglichen Herrlichkeit berufen, und das ist der Nutzen davon, daß wir diese Geheimnisse glauben. Dieser Gottmensch, diese Wahrheit, diese Weisheit , welche Fleisch geworden ist, und uns allein durch sein Ansehen bewegr, so große Dinge zu glauben^ verspricht uns in der Ewigkeit ein deutliches und glückliches Anschauen, als die Belohnung für unsern Glauben. Auf diese Weise ist die Sendung Jesu Christi weit über die Sendung Mosis erhoben. Moses war gesandt worden, durch zeitliche Verheißungen die sinnlichen und unverstandigen Menschen aufzuwecken. Weil sie, so zu sagen, ganz Körper, und ganz Fleisch geworden waren, so mußte man sie bey den Sinnen fassen, und ihnen auf diese Weise die Erkennmiß Gottes einprägen, und ihnen vorder Abgötterei) einen Abscheu machen, zu der das menschliche Geschlecht eine allzustarke Neigung hatte. So war das Amt Mosis beschaffen; Jesu Christo war es vorbehalten, den Menschen mit erhabnem Gedanken zu erfüllen, und ihm mit einer vollkommnm Deutlichkeit die Würde, die Unsterblichkeit, und die ewige Glückseligkeit seiner Seele bekannt zu inachen. Was in diesen Zeiten der Unwissenheit, ich meyne die Zeiten, welche vor Jesu Christo verflossen sind, die Seele von ihrer Würde und Unsterblichkeit wußte, war so beschaffen, daß sie oft zu Irrthümern dadurch verführt wurden. Die göttliche Ehre, die man den Verstorbnen erwies, war der Grund von der ganzen Abgötü rey. Fast alle Menschen opferten den Schatten, in die allgemeine Geschichte. 507 ten, nämlich den Seelen der Verstorbnen. Es zeigen uns zwar so alte Irrthümer, wie alt der Glaube von der Unsterblichkeit der Seele sey, und überführen uns, daß er unter die allerersten Sagen des menschlichen Geschlechtes gehöre. Allein der Mensch, der alles verderbte, hatte diese Lehre schrecklich gemiö- braucht, weil sie ihn verleitet hatte, den Todten zu opfern. Man verfiel sogar bis aufdicse Ausschweifung, daß man ihnen lebendige Menschen opferte: Man todtete ihre Sklaven, und selbst ihre Weiber, damit sie in der andern Welt von ihnen bedient werden könnten. Die Gallier hatten diesen Gebrauch mit vielen alten Völkern gemein, und die Indianer, welche von ^ den heidnischen Geschichtschreibern unter die ersten Vertheidiger der Unsterblichkeit der Seele gesetzt werden, sind auch die ersten auf der Erde gewesen, weiche unter dem Verwände der Religion dergleichen abscheuliche Todtschlage eingeführt haben. Eben diese Indianer brachten sich selbst um, damit sie desto eher zu der Glückseligkeit des andern Lebens kommen möchten, und diese bcweinenswürdige Blindheit herrschet noch in unsern Zeiten unter diesen Völkern; so gefährlich ist es, die Wahrheit in einer andern Ordnung zu lehren, als Gott gethan hat, und dem Menschen, was er ist, deutlich bekannt zu machen / ehe er von Gott so viel erkannt hat, als er wissen muß. Weil die meisten Philosophen von Gott nicht genug wußten, so konnten sie die Unsterblichkeit der Seele nicht glauben, ohne nicht zugleich sich zu bereden, daß sie ein Theil der Gottheit, selbst eine Gottheit, ein ewiges, und sowohl unerschassnes, als unkörperliches Wesen wäre, und also weder Anfang noch Ende hätte. Was soll ich von denen sagen, die eine Wanderung U 2 der ZO8 Bischof Bossuets Eillleitung der Seelen glaubten, welche sie bald vom Himmel auf die Erde, bald von der Erde in den Himmel, aus den Thieren in die Menschen, und aus den Menschen in die Thiere, von der Glückseligkeit zum Elende/ und vom Elende zur Glückseligkeit wandern ließen, ohne daß diese Wandlungen iemals ein Ende nahmen, oder eine gewisse Ordnung hatten? Wie wurden nicht durch dergleichen Irrthümer die Lehren, von der göttlichen Gerechtigkeit, Vorsehung und Güte verdunkelt! Und wie nöthig war es, Gott zu kennen, ehe man die Seele, und ihre unsterbliche Natur kennen lernte! Darum gab das Gesetz Mosis dem Menschen nur die allerersten Begriffe von der Natur der Seele und ihrer Glückseligkeit. Wir haben gesehen, daß die Seele im Anfange der Dinge sowohl durch die Macht Gottes hervorgebracht worden ist, als die übrigen Geschöpfe. Allein Gott hat sie dadurch von andern unterschieden, daß er sie nach seinem Bilde, und sich selbst ähnlich gemacht hat, damit sie wissen sollte, wem sie im Grunde angehörte, und bannt sie nicht glauben möchte, daß sie eben die Natur, als die Körper, hatte, und durch ihre Hülfe entstanden wäre. Allein die Folgen dieser Lehre, und die Wunder des zukünftigen Lebens wurden dazumal nicht alle offenbart; doch sollte in den Tagen des Meßias dieses große Licht aufgehen. Gott aber hatte doch in den Schriften des alten Bundes einige Strahlen davon blicken lassen. Sa- Pr-td. S. 12, lamo sagt: Der Graub muß wieder zu der Er- ' den kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben bar. Die Patriarchen und die Altvater haben ihr leben mit dieser Hoffnung zugebracht. Daniel hatte vorhergesagt, daß in die allgemeine Geschichte. 509 daß eine Zeir kommen würde, wo diejenigen, so Dan.i2,-.z, unrer der Erde schlafen lagen, etliche zum ewigen Leben, etliche zur ewigen Schmach und Schande aufwachen sollten. Allein zu gleicher Zeit, da ihm dieses offenbart wird, ergeht auch der Befehl an ihn, diese lVorre zu verbergen, und Dau.., diese Schrift bis auf die lerzre Zeit zu versiegeln. Giebt uns dadurch Gott nicht deutlich genug zu verstehen, daß die völlige Entdeckung dieser Wahrheiten einer andern Zeit vorbehalten seyn soll? Obgleich die Jüdcn in ihren heiligen Büchern einige Zusagen einer.ewigen Glückseligkeit hatten, und sie selbst, gegen die Zeiten desMeßias, wo sie mit voll- kommner Deutlichkeit gelehrt werden sollten, viel mehr, als sonst, davon redeten, wie man aus den Büchern der Weisheit, und der Maccabäer sieht: So war doch diese Wahrheit unter dem alten jüdischen Volke so wenig allgemein, daß die Sadducaer, welche sie nicht dafür hielten, nicht allein in die Synagoge, sondern auch zum Pricsterthume zugelassen wurden. Das Neue Volk Gottes sollte sich dadurch von dem alten unterscheiden, daß sie den Glauben von einem zukünftigen Leben zum Grunde der Religion annahmen, und dieses sollte eine Frucht von der Ankunft des MeßiaS seyn. Deswegen hat er sich nicht begnügt, uns zu sagen, daß den Kindern Gottes ein seliges Leben vorbehalten wäre, sondern er hat uns auch gelehrt, worinnen es bestehe. Dieses selige Leben besteht darinnen, daß wir Ioh- -7. mit ihm in der Herrlichkeit seines Vaters seyn sollen; darinnen, daß wir ihn in der Herrlichkeit sehen werden, die er vom Anfange in dem Schooße seines Vaters gehabt hat; darinnen, daß Jesus Christus in lins, U z wie zio Bischof Bossuets Einleitung wie in seinen Gliedern seyn will, und daß die ewige Liebe des Vaters zu seinem Sohne sich auch auf uns erstrecken, und uns mit eben denselben Gaben segnen wird; mit einem Worte darinnen, daß wir den einigen Gott, und Jesum Christum schauen sollen, den er gesandt hat; allein diese Erkenntniß soll deutlich, ! Cor> >z, ?. und ein Schauen von Angesicht zu Angesicht seyn; ^ dieses Schauen soll in uns das Ebenbild Gottes vollkommen wiederherstellen, wie der heilige Johannes iJoh-z,2. sagt: lVir werden ihm gleich seyn, weil wir ihn sehen werden, wie er ist. Dieses Anschauen soll eine unendliche Liebe, eine unaussprechliche Freude, und ein Triumph ohne Ende Osseüb.7,1-. begleiten. Ein ewiges Alleluja, und ein ewiges '4.^6,^' Amen, das im himmlischen Jerusalem erschallen wird, sollen beweisen, daß es mit allem Elende ein Ende hat, daß alles Verlangen gestillt worden ist, und daß wir allein die göttliche Güte preisen sollen. Mit so neuen Belohnungen mußte Jesus Christus auch neue Begriffe von der Tugend, und eine voll- kommnere, und reinere Ausübung derselben einführen. Der Endzweck aller Religion, die Seele der Tugenden , und der Inhalt des ganzen Gesetzes ist die Liebe. Allein man kann sagen, daß die Vollkommenheit und die Wirkungen dieser Liebe bis auf die Zeiten Jcfu Christi nicht völlig bekannt waren. Jesus ist es eigentlich, der uns lehrt, daß wir uns an Gott allein gnügen lassen sollen. Damit er das Reich der Liebe aufrichten, und uns alle ihre Pflichten bekannt machen möchte, so lehrt er uns die Liebe Gottes; er lehrt uns, daß wir uns selbst hassen, und ohne nachzulassen, den Grund des VerdcrbnifseS, das in uns ist, die Erbsünde nämlich, verfolgen müssen. Er lehrt uns die in die allgemeine Geschichte. M Liebe des Nächsten, und geht mit seinem Gebote so weit, daß sich diese wohlthätige Neigung aufalle, und sogar auf unsre Feinde, erstrecken soll. Er lehrt uns die Herrschaft über unsre sinnlichen Glieder; wir sollen nach seiner Vorschrift, selbst unsre Glieder, das ist, dasjenige, was uns am liebsten ist, abhauen und von uns werfen; wir sollen uns in alle Fügungen Gottes schicken, und uns selbst in den Leiden erfreuen, die er uns zuschickt; er ermahnt uns zur Demuth, und verlangt, daß wir um die Ehre Gottes auch die Schmach und Unehre lieben und glauben sollen, daß uns keine Schmach so tief unter den Menschen erniedrigen kann, als uns unsre Sünden vor Gott erniedrigen. Auf diese Liebe gründet e? die Verbesserung aller Stände unter den Menschen. Sie ist es, durch welche die Ehe ihre erste Gestalt wieder erhält; die eheliche Liebe ist nicht mehr getheilt; eine so heilige Gesellschaft soll sich nur mit dem Leben endigen, lind die Kinder sehen ihre Mütter nicht mehr verjage:?, um an ihre Stelle eine Stiefmutter zu bekommen. Das ehlose Leben wird uns als eine Nachahmung des Lebens der Engel vorgestellt, das allein mit Gott und den keuschen Freuden seiner Liebe be- schafftigt ist. Die Obern lernen, daß sie Diener der andern sind, und sich ihrem Besten widmen müssen; die Unterthanen erkennen die Einrichtung und Ordnung Gottes in den rechtmäßigen Obrigkeiten auch alsdann, wenn sie ihre Gewalt misbrauchcn. Dieser Gedanke lindert den Verdruß, der bey der Unterwürfigkeit ist, und unter verdrießlichen Herren ist der Gehorsam den Christen doch nicht verdrießlich. Mit diesen Geboten verbindet der Erlöser Ermahnungen zu einer noch größern Vollkommenheit. Man soll allem Vergnügen entsagen, im Leibe leben, als ob U 4 man zi2 Bischof Bossuets Einleituttg man außer dem Leibe lebte, alles verlassen, alles den Armen geben, um nur Gott allein zu besitzen, mit wenigem, und beynahe mit nichts sein Leben erhalten, und dieses wenige von der göttlichen Vorsehung erwarten. Allein das Gesetz, welches dem Evangelio am meisten eigen ist, ist das Gesetz, sein Kreuz zu tragen. Das Kreuz ist die wahre Probe des Glaubens, der wahre Grund der Hoffnung, die vollkommenste Läuterung der Liebe, und mit einem Worte, der Weg zum Himmel. Jesus Christus ist am Kreuze gestorben; er hat sein ganzes Leben hindurch das Kreuz getragen; das Kreuz ist es, das wir nach seinem Willen auf uns nehmen sollen, und das ewige Leben ist der Preis dafür. Der erste, dem er besonders die Ruhe des Paradieses verspricht, ist ein Gefährte seines Kreuzes: L»c.-z,4Z- Du wirst heuce, sagt er, mit mir im Paradiese seyn. So bald er am Kreuze war, wurde der Vorhang, der das Allerheiligste vom Heiligen absonderte/ von oben bis unten zerrissen, und der Himmel den heiligen Seelen aufgethan. Nachdem er vom Kreu^ herabyenommen worden war, und das Schrecken seines Leidens und Todes überstanden hatte, erschien er seinen Aposteln herrlich, und als ein Uebcrwindcr des Todes, damit sie lernten, daß sie durch das Kreuz in seine Herrlichkeit eingehen mußten. Einen andern' Weg zeigte er seinen Kindern nicht. Es wurde also der Welt in der Person Jesu Christi das Muster einer vollkommnen Tugend gegeben, welche auf der Erde nichts hat, und nichts erwartet; welche die Menschen nur mit beständigen Verfolgungen be-' lehnen; welche dennoch nicht aushört, ihnen Gutes zu thun, und sich endlich durch seine Wohlthaten selbst- den Tod zuzieht. Jesus Christus stirbt,' ohne bey denen, in die allgemeine Geschichte, ziz ncn, denen erWohlthaten erzeigt, Erkenntlichkeit, ohne bey seinen Freunden Treue, ohne bey seinen Richtern Billigkeit zu finden. Seine Unschuld rettet ihn nicht, ob sie gleich von aller Welt erkannt wird; fein Vater selbst, auf den er alle seine Hoffnung gesetzt hat, verläßt ihn, und entzieht ihm alle Kennzeichen seines Schuhes; der Gerechte wird seinen Feinden überliefert und stirbt, von Gott und von den Menschen verlassen. Es mußte aber dem rechtschaffnen Manne gezeigt werden, daß er auch in seinem äußersten Elende keines menschlichen Trostes, und selbst nicht einmal eines merklichen Zeichens der göttlichen Hülfe nöthig habe. Er soll nur Gott lieben, und ihm vertrauen, und versichert seyn, daß Gott an ihn denke, ohne ihm einen Beweis davon zu geben, und daß ihm eine ewige Glückseligkeit aufbehalten ist. Der Weiseste unter den alten Philosophen suchte den 8°-r,sp,?i->n wahren Begriff von der Tugend auf, und fand, daß, ^ wie unter allen Bösewichtern derjenige der Größte wäre, der seine Bosheit so wohl zu verbergen wüßte, daß er für einen rechtschaffnen Mann gälte, und unter diesem Vorwande sich alles des Ansehens bediente, das die Tugend geben kann , so auch der Tugendhafteste ohne Zweifel derjenige seyn müßte, dem die Vollkommenheit seiner Tugend den Neid aller Menschen zuzöge, so, daß er weiter nichts, als sein Gewissen für sich hätte, und sich aller Schmach misgeseßt sehen müßte, und sogar deswegen an das Kreuz geschlagen würde, ohne daß ihm seine Tugend helfen, und ihn von einen? so grausamen Tode bcfrcyen könnte. Scheint es nicht, als wenn Gott diesen verwundernSwürdigcn Begriff von der Tugend darum in die Seele dieses U 5 Philo- zi4 Bischof Bossuets Einleitung Philosophen darum gelegt hätte, daß er in der Person seines Sohnes wirklich werden, und zeigen sollte: der Gerechte habe eine andre Ehre, eine andre Ruhe, und endlich eine andre Glückseligkeit zu erwarten, als die ist, die er auf der Erde haben kann? Der Heiland setzte diese Wahrheit fest, und erfüllte sie selbst mit dem Verluste seines eignen Lebens, durch sich selbst vollkommen. Das war das größte Werk, das ein Mensch thun konnte, und Gott hat es selbst für so groß geachtet, daß er es dem so oft verfproch- ucnMcßias, diesem Menschen, vorbehalten hat, der mit seinem Sohne eine Person ausmachen sollte. Was konnte auch einem Gott, der auf die Welt kam, Größers vorbehalten werden? Und was konnte er da thun, das seiner würdiger wäre, als die Tugend in aller ihrer Reinigkeit, und das ewige Glück zeigen, zu dem die äußersten Martern führen? Allein, wenn wir dasjenige betrachten, was noch viel erhabner und verborgner in dem Geheimnisse des Kreuzes ist, welcher menschliche Verstand kann es begreifen? Hier werden uns Tugenden gezeigt, die allein der Gottmensch ausüben kann. Wer könnte sonst, als er, sich an die Stelle aller alten Opfer setzen, sie abschaffen, und an ihre Statt ein Opfer von einer erhabnem Würde und einem unendlichen Werthe bringen, und Ursache seyn, daß weiterhin niemand, als er allein, Gott opfern darf? So ist das Werk der Religion beschaffen, dos er am Kreuze vollbracht hat. Konnte der ewige Vater wohl unter den Menschen oder Engeln einen Gehorsam finden, der dem Gehorsame seines vielgeliebten Sohnes gleich käme, der sein Leben freywillig hingab, um seinem Vater zu gefallen, da ihm doch dasselbe niemand entreißen konnte? Was in die allgemeine Geschichte. Z15 Was soll ich von der vollkommncn Vereinigung aller seiner Begierden mir dem göttlichen Willen, und von der Liebe sagen, mit der er mit seinem Vater, der in ihm wohnte, vereinigt ist, und die Melr mit sich -6or.s,i«>. selbst versöhnt hat? In dieser unbegreiflichen Vereinigung begreift er das ganze menschliche Geschlecht, stiffcet den Frieden zwischen dem Himmel und der Erde, taucht sich, so zu sagen, mit einer unbeschreiblichen Liebe in die Sündfluth von Blut, womit er mit allen den Seinigen getauft werden mußte, und laßt aus seinen Munden ein Leuer der göttlichen Liebe anzün- Luc.»,49. den, wovon die ganze Welt entbrennen sollte. Allein dieses übersteigt alle Grenzn des menschlichen Verstandes, daß die Gerechtigkeit, die dieser Gottmensch ausübt, sich von der Welt verdammen laßt, damit die Welt durch die schreckliche Unbilligkeit dieses Urtheils ewig gerichtet seyn möchte. Iyt gehet das Gericht M. 1-/ über dieN>elr, nun soll der Fürst der tVelt ausgestoßen werden. Die Hölle, welche sich die Welt uittcrwürfig gemacht hat, stürzt sich in ihren eignen Untergang; weil sie den Unschuldigen angreift, wird sie gezwungen werden, alle Schuldigen loszugeben, die sie gefangen hielt: die unglückselige Handschrift, die uns alle den rebellischen Engeln überlieferte, ist vernichtet; Jesus Christus hat sie an das Zxreuz Col,-/ rz.!«> geheftet, damit sie durch sein Blut daselbst aus dem ^' Mittel gethan werden möchte. Die beraubte Hölle seufzet; das Kreuz ist für unsern Heiland ein Ort des Triumphes, und er hat die Gewaltigen und Fürsten- thümer überwunden, und sie öffentlich schau getragen. Allein unsre Augen erblicken einen noch herrlichern Sieg. Die göttliche Gerechtigkeit wird selbst überwunden, und der Sünder, der gleichsam ihr Opfer war, zi6 Bischof Bossuets Einleitung "t ' '"--«o/E I.....«.--,-»>!-','-»>,,--^ ---'-' -'- ! --.»Kt' war, wird aus ihren Händen befreyet. Er hat ein unendliches Lösegeld gefunden, das unsre ganze Schuld . bezahlt. Jesus Christus vereinigt sich mit den Gläubigen, denen er sich mittheilt, auf ewig; sie sind seine Glieder, und ein Leib mit ihm. Der ewige Vater sieht sie als solche an, die mit diesem Haupte vereinigt sind, und breitet seine unendliche Liebe, die er zu seinem Sohne hat, auch über sie aus. Sein Sohn ist es selbst, der solches verlangt; er will von den Menschen nicht getrennt seyn, die er mit seinem Blute sich M.7,-4. erkauft hat. --5,^!D-^> Auf in die allgemeine Geschichte. 519 Auf diese Weise sind uns die Wahrheiten von einem zukünftigen Leben durch Jesum Christum offenbart worden. Er zeigt sie uns, und selbst in dem Gesetze. Das wahre gelobte Land, das uns versprochen Hebr.»/14. worden ist, das ist das Königreich des Himmels. ^' ^' Nach diesem glückseligen Vaterlande seufzten Abraham, Isaac, und Jacob. Palastina war nicht würdig, unsre Wünsche und die so lange Hoffnung der Vater allein zu befriedigen. Aegypten, woraus wir gehen müssen, die Wüste, durch die wir gehen sollen, und Babel, dessen Gefängnisse man gleichsam durchbrechen muß, um in sein Vaterland zurück zu kehren; das ist die Welt mit ihren Ergeßlichkeiten und Eitelkeiten. Hier sind wir rechte Gefangne, Pilgrime und Irrende, die sich von der Sünde und ihren Annehmlichkeiten verführen lassen. Wir müssen dieses Joch abwerfen, um in Jerusalem , in dieser Stadt Gottes, unsre wahre Freyheit zu finden, und in ein Heiligthum einzugehen, das -Cor.;,i. nicht mit Menschenhanden gemacht ist, und daselbst die Herrlichkeit Gottes zu schauen. In dieser Lehre Jesu Christi ist uns das Geheimniß Gottes offenbart worden; das Gesetz ist ganz geistlich; seine Verheißungen führen uns zu dem Gesetze des Evangelii / und dienen ihm zum Grunde. Eben dasselbe Licht erscheint uns überall; es scheint unter den Patriarchen; unter dem Knechte Gottes, Moses, und den Propheten wird es Heller: Jesuö Christus, grösser als die Patriarchen, und machtiger, als Moses, und erleuchteter, als die Propheten, zeigt uns dieses Licht in seinem völligen Glänze. Diesem Gesalbten des Herrn, diesem Gottmenschen, der, mit dem heiligen Augustin zu reden, die Stelle p .5? .öl Match. - »?. -c>. Bischof Bossuets Einleitung Stelle der Wahrheit vertritt, und sie persönlich mitten unter uns wohnen läßt, diesem, sage ich, war es vorbehalten, uns die ganze Wahrheit, nämlich alle Geheimnisse, alle Tugenden , und alle Wahrheiten von den Belohnungen zu offenbaren, die Gott denen bestimmt hat, die er liebt. Eine solche Hoheit sollten die Juden bey ihrem Messias suchen. Es kann nichts größers seyn, als die ganze Wahrheit in sich selbst zu haben, und den Menschen zu entdecken, die Wahrheit, welche sie erhalt, regiert, und ihre Augen so aufheitert, daß sie fähig werden, Gott zu sehen. Zu der Zeit, da die Wahrheit dem menschlichen Geschlechte in ihrem völligen Glänze gezeigt wurde, befahl der Erlöser seinen geliebten Jüngern , daß sie auch aufder ganzen Erde, und zu allen Zeiten verkündigt werden solltc> Gott hatte dem Moses nur ein Volk, und nur eine bestimmte Zeit gegeben; allein Jesu Christo werden alle Jahrhunderte/ und alle Völker der Erden geschenkt. Er hat seine Gläubigen überall, lind seine Kirche, die in der ganzen Welt ausgebreitet ist, hon niemals auf, dem Herrn Kinder zu gebähren. Gehet hin, sagt er, lehrt alle Heiden, und rauft sie im Namen des Varers, des Sohnes, und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe;' und siehe, ich bii» bey euch alle Tage, bis an der welc Ende. .?HnvtzM'n,'i''''^' sl» ^F-" - tz'-a m Von in die allgemeine Geschichte. z2i Von der Ausgießung des Heiligen Geistes, der Pflanzung der Kirche/ und den göttlichen Gerichten über die Juden und Heiden. erhabne Wahrheiten an allen Orten, und in allen Jahrhunderten auszubreiten, und so reine Tugenden und Pflichten, so zu sagen, mitten in der Verderbniß, in Ausübung zu bringen, dazu gehörte mehr, denn eine menschliche Kraft. Daher verspricht Jesus Christus, den Heiligen Geist zu senden, um seine Apostel zu stärken, und den Leib der Kirche auf ewig zu beleben. Diese Kraft des Heiligen Geistes mußte in delt Schwachen mächtig seyn, damit sie sich destomehr offenbarte. Ich will euch/ sagt Jesus Christus/ den senden, den mein Vacer versprochen hat, nämlich den Heiligen Geift. Ihr sollt in der Scadc Je- xue. rusiüem bleiben/ bis daß ihr nur 2>rafc aus der Höhe angethan werdet. Sie halten sich, dieser Verordnung gemäß zu leben, vierzig Tage eingeschlossen. Der Heilige Geist wird zu der bestimmten Zeit ausgegossen; sie haben feurige Zungen, und dieses verkündigt gleichsam den Nachdruck ihres Wortes; das Predigtamt nimmt seinen Anfang ; die Apostel bezeugen Jesum Christum, undsind bereit/alles wegen desBekenntnisses auszustehcn,daß sie ihn von den Todten auferstanden gesehen haben. Die Wun-- T der p2 Bischof Bossmts Cittleitttttg der folgen auf ihre Worte. In zwo Predigten deH heiligen Petrus bekehren sich achttausend Juden, und da sie ihren Irrthum beweinen, so werden sie in dem Blute rein gewaschen / das sie vergossen haben. Die Kirche »st also in Jerusalem und unter den Juden, ungeachtet des Unglaubens der meisten unter dem Volke, gegründet worden. Die Jünger Jesu Christi zeigen der Welt eine Liebe, eine Gewalt, und eine Sanftmuth, die noch niemals eine Gesellschaft gehabt hat. Die Verfolgungen gehen an; der Glaube nimmt zu; die Kinder Gottes lernen immer mehr und mehr, nichts, als den Himmel, begehren. Die Juden ziehen sich durch ihre hartnäckige Verstockung die gerechte Rache Gottes zu, und beschleunigen dadurch das äußerste Unglück, womit sie bedräuet wer« den: Ihr Staat, und die Angelege-uheiten desselben verschlimmern sich von Tage zu Tage. Unterdessen daß Gott eine große Menge unter ihnen aussondert, die er unter seine Auserwählten aufnimmt, so wird Ver heilige Petrus auögesandt, den Cornelius, einen römischen Hauptmann, zu taufen. Er lernt vorher aus einem göttlichen Gesichte, und nachher aus der Erfahrung, daß die Heiden auch zur Erkenntniß des wahren Gottes berufen sind. Jesus Christus, der sie bekehren wollte, redete vom Himmel mit dem heiligen Paulus, der ihr Lehrer seyn sollte, und machte ihn durch ein bis dahin unerhörtes Wunder aus einem Verfolger nicht allein zu einem Vertheidiger, sondern «uch zu einem eifrigen Prediger des Glaubens. Er entdeckt ihm das tiefe Geheimniß von dem Berufe der Heiden durch die Verwerfung der undankbaren Jü- den, die sich von Tage zu Tage des Evangelii unwürdiger machen. Der heilige Paulus bietet den Heiden in die allgemeine Geschichte. Z2Z die Hände, und handelt mit einem verwundernswür- digen Nachdrucke die wichtigen Fragen ab, ob Je-- Apvst^ -6, sus Chrijtus leiden / und aus der Auferstehung ^- der Todten der ZLrste stpN/ und ein Licht dem Volke und Heiden verkündigen solltet Er bejaht und beweist solches durch Mosen und die Propheten, und berufet die Götzendiener zur Erkenntniß Gottes, im Namen des auferstandnen Jesus. Sie bekehren sich häufig; der heilige Paulus zeigt, daß ihr Beruf eine Wirkung der Gnade ist, die weder unter den Juden, noch Heiden einen Unterschied mehr macht. Wut und Neid bringt die Juden fast außer sich; sie stiften schreckliche Verschwörungen wider Paulum an, und sind dadurch vornehmlich aufgebracht, daß er den Heiden predigt, und sie zu dem wahren Gotte führt. Sie überliefern ihn endlich den Römern, wie sie ihnen Jesum Christum überliefert hatten. Das ganze Reich empört sich wider die erst aufwachsende Kirche, und Nero, der das ganze menschliche Geschlecht verfolgt, wird auch der erste Verfolger der Gläubigen. Dieser Tyrann läßt den heiligen Petrum und Paulum umbringen. Rom wird durch ihr Blut eingeweiht, und das Martyrerthum des ersten unter den Aposteln seht in der Hauptstadt des Reiches, auch den Haupt- sch der Religion fest. Unterdessen näherte sich die Zeit, wo die göttliche Rache über die boshaften Juden auöbrechen sollte. Die Unordnung reißt unter ihnen ein; ein falscher Eifer verblendet sie, und macht sie allen Menschen verhaßt. Ihre falschen Propheten bezaubern sie durch die Versprechungen eines eingebildeten Reiches. Sie werden durch ihren Betrug verführet, können keine rechtmäßige Herrschaft leiden, und setzen ihren frevelhaften Unternehmungen keine T 2 Gren- Z24 Bischof Bossuets EinleitUttg Grenzen. Gott giebt sie in ihren verderbten Sinn dabin. Sie empören sich wider die Römer, von denen sie überwunden werden. Titus selbst, der ihrer Republik ein Ende macht, erkennt, daß er nichts thue, als dem gegen sie erzürnten Gott seine Hand leihe *. Adrian vertilgt sie beynahe völlig. Sie gehen mit allen Merkmalen einer göttlichen Rache zu Grunde; sie werden aus ihrem Lande vertrieben und in aller Welt Sklaven. Sie haben weder Tempel, noch Altar, noch Opfer, noch Land, und man sieht in Juda nicht einen Schatten eines Volkes mehr. Unterdessen hatte Gott für die beständige Dauer seines Dienstes gesorgt; die Heiden öffnen die Augen, und vereinigen sich im Geiste mit den bekehrten Juden. Sie kommen dadurch in das Geschlecht Abrahams, und werden seine Kinder durch den Glauben; sie erben auch die Zusagen, die zu ihm geschehen sind. Gott sammelt sich ein neues Volk, und das neue Opfer, das so oft von den Propheten erhoben worden ist, fangt an, auf der ganzen Erde Gott dargebracht zu werden. Auf diese Weise wurde die Prophezeiung Jacobs von Wort zu Wort erfüllt. Juda wurde vom Anfange an zahlreicher, als seine Brüder, und da es immer einen gewissen Vorzug vor andern behauptet hatte, empfing es das Königreich erblich. In der folgenden Zeit wurde das Volk Gottes in seinem einzigen Geschlechte begriffen, und in seiner, Stamm eingeschlossen, von dem eö auch seinen Namen erhielt. In dem Stamme * ?!üloltr. vlc. ^poll. I^zn. Iil,r. VI. ^olexli. äe bello Zuä- libr. VII, c. 16. in die allgemeine Geschichte. 525 Stamme Iuda pflanzte sich dieses Volk fort, das dem Abraham, Jsaac, und Jacob versprochen worden war; in ihm werde«, auch die andern Zusagen Gottes, sein Dienst, sein Tempel, seine heiligen Gebrauche, und der Besitz des versprochnen Landes fortgepflanzt, das nunmehr allein Jndaa heißt. Ungeachtet der ver- schiedncn Umstände dieses Volkes bleiben doch die Juden ein ordentliches Volk, und Königreich, das nach seinen eignen Gcscßen lebt. Juda hat bestandig seine Könige, seine Obrigkeiten, und Richter bis aufdieZeiten des Mesiias gehabt; er kömmt,und das KönigreichIuda nähert sich nach und nach seinem Untergange. Es geht völlig zu Grunde, und das jüdische Volk wird aus dem Lande seiner Väter verstoßen, und verliert alle Hoffnung, wieder dahin zu kommen. Der MeßiaS wird die Hoffnung aller Nationen, und herrschet über ein neues Volk. Aber damit die Folge und bestandige Fortdauer desselben nicht unterbrochen würde, so mußte Gott-dassel- l>c, so zu sagen, auf das erste pflanzen, und es, nach dem Ausdrucke Pauli, wie einen wilden Oelbaum in einen Rom, guten Oelbaum einpfropfen, damit es an seiner Güte Antheil nehmen möchte. Es ist auch so erfolgt; die Kirche ist zuerst unter den Jüden gepflanzt worden, und hat endlich die Heiden angenommen, mit ihnen gleichsam einen Baum, einen Leib, und ein Volk auszumachen, und zusammen an der Gnade Gottes und seinen Verheißungen Antheil zu nehmen. Was hernach den ungläubigen Jüden unter dem Vespasian und Titus begegnet ist, gehet nunmehr nicht mehr die Folge des Volkes Gottes an. Das ist eine Bestrafung der Aufrührer, die wegen ihrer Untreue gegen den versprochnen Samen Abrahams und X z Da- 526 Bischof Bossuets Einleitullg Davids nicht mehr Juden, und nicht anders mehr Abrahams Kinder, als nach dem Fleische sind, und also der Verheißung entsagen, durch welche alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden sollten. Es ist also diese letzte und schreckliche Verwüstung der Juden nicht mehr nur eine solche Wanderung, wie die babylonische. Hier geschieht mehr, als daß die Regierung, und der Staat des Volkes Gottes, und der feyerliche Dienst der Religion auf eine Zeit unterbrochen wird. Das neue Volk, das schon gesammelt, und in Jesu Christo auf das alte gepflanzt worden ist, wird nicht hinweggeführt, sondern breitet sich aus, und erweitert seine Herrschaft von Jerusalem an, wo es entstehen sollte, bis an die äußersten Ende der Erde. Die Heiden, die zu den Juden versammelt werden, sind hinfort nur allein wahre Jüden, und das wahre Königreich Juda, das dem aufrührischen, und vom Volke Gottes abgesonderten Israel entgegengesetzt ist, wird das wahre KönigreichDavidS durch denGehorsam gegen die Gesetze und das Evangelium Jesu Christi, des wahren Sohnes Davids. Nachdem dieses neue Königreich, Juda, aufgerichtet worden, so muß man darüber nicht erstaunen, daß in Ju- daa alles zu Grunde geht. Der andre Tempel diente zu nichts mehr, nachdem der Mcßias alles erfüllt hatte, was in den Prophezeiungen verkündigt worden war. Dieser Tempel hatte die Herrlichkeit gehabt, die ihm Gott versprochen hatte, nachdem der so oft verlangte Heiland der Völker darinnen erschieneil ist. Das sichtbare Jerusalem hatte das vollendet, was es noch thun sollte, weil die Kirche daselbst gepflanzt worden war, und von da an auch ihre Aeste über die ganze Erde ausgebreitet hatte. Judaa geht nunmehr in die allgemeine Geschichte. 327 Gott und die Religion fernerhin nichts mehr, als die Juden selbsi,an, und es ist eine gerechteStrase ihrerVer- härtung, daß die Trümmern ihrer Republik auf der ganzen Erde zerstreut worden sind. Dieses sollte ihnen nach der Weißagung Jacobs, H°s-.Z/^5. Daniels, und des ZachariaS, und nach allen ihren Mn.^'^. andern Propheten zu den Zeiten dcs Meßias begegnen. Allein weil sie dereinst zu dem Gott wiederkehren sollen, den sie verkannt haben, und weil der Gott Abrahams seine Barmherzigkeit gegen das so untreue Volk dieses Patriarchen noch nicht erschöpft hat: So hat er einMittel erfunden, wovon wir in der Welt nicht mehr, als dieses einzige Beyspiel finden, die Juden außer ihrem Lande und in ihrem Ruine, so gar noch länger zu erhalten , als die Völker, von denen sie überwunden worden sind. Es ist weder von den alten Assyrern, noch von den alten Modern, noch von den alten Griechen, noch von den alten Römern etwas mehr übrig. Ihre Spur ist verlöscht, und sie sind mit andern Völkern vermengt worden. Die Juden, welche eine Beute dieser so alten und in der Geschichte so berühmten Völker gewesen sind, haben sie überlebt. Gott erhält sie, und heißt es uns erwarten, was er noch mit den Ue- bcrbleibseln seines ehmals so begnadigten Volkes ma- M;--.;. chen will. Unterdessen dient ihre Verstockung den Maul^' Heiden zum Besten, und verschafft ihnen den Vor- Iob^.' theil, daß sie in unverdächtigen Händen die Schriften UA^' finden, die Jesum Christum, und seine Geheimnisse vorhcrverkündigt haben. Wir sehen unter andern Dingen in diesen Schriften die Blindheit und das Unglück der Jüden, welche die Schriften des alten Bundes so sorgfältig erhalten. Wir machen uns also die Ungnade, in der sie sind, zu Nutze; ihre Untreue dient gewissermaßen zum Grunde unsers Glaubens; X 4 s« Z28 Bischof Bossuets Eillleitung sie lehren uns Gott fürchten, und sind uns ein ewiges Schauspiel von den Gerichten,-die er über seine un- dankbaren Kinder ergehen laßt, damir wir lernen mögen, uns der Gnade nicht aus Stolz zu rühmen, die unsern Vätern erzeigt morden ist. Ein so wunderbares Geheimniß, das zum Unterrichte des menschlichen Geschlechtes so zuträglich ist, verdient wohl erwogen zu werden. Allein wir haben keiner menschlichen Betrachrungen nöthig, dasselbe zu Mm.ii/i.z. verstehen. Der Heilige Geist ist selbst so besorgt gewesen , uns dasselbe durch den Mund des heiligen Apostels Pauli zu erklaren, und ich ersuche sie, Mon- feigneur, dasjenige zu betrachten, was dieser Apostel davon an die Römer geschrieben hat. Nachdem er von der kleinen Anzahl der Jüden, die das Evangelium angenommen, und von der Blindheit der andern geredet hat, so stellt er eine tiefe Betrachtung über das an, was künftig noch diesem mit so vieler Ehre begnadigten Volke wiedersahren werde, und entdeckt uns zugleich den Nutzen, den wir von ihrem Falle haben sollen, und die Früchte, die dereinst noch Rvm.ii/N. ihre Bekehrung bringen wird. Sind sie darum angelaufen/ sagt er, daß sie fallen sollten? Das sey ferne! Gondern aus ihrem Lalle ist den Heiden das Heil wiederfahren, auf daß sie denen nacheifern, und also zu sich silbst kommen sollten. Denn so ihr Fall der Reichthum der Heiden ist, die sich in so großer Menge bekehre haben, wie vielmehr, wenn sie sich alle wieder bekehrten, und ihre Zahl voll würde? So ihr Verlust der U>elr Versöhnung ist, würde nicht ihre Miederbekehrung eine Auferstehung von, Tode zum Leben seyn? Ist der Anbruch/ oder in die allgemeine Geschichte. 529 sind die Erstlinge dieses Volkes Keilig, so ist auch der Teig heilig; und so die lVurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. Ob nun gleich etliche von den Zweigen zerbrochen sind, und du Heide, da du ein wilder Oelbaum wärest, umer sie gepfropfet, und der vpurzel und des Safres im Delbaume theilhaftig geworden bist, so rühme dich doch nicht wider die Zweige. Rühmest du dich aber wider sie, so sollst du wissen, daß du die Wurzel nicht tragest, sondern daß dich die vpurzel tragt. Du sprichst vielleicht: die Zweige sind zerbrochen, aufdaß ich hinein gepfropfec würde. Das ist wahr ge- redr. Sie sind zerbrochen um ihres Unglaubens willen; du stehest aber durch den Glauben: Sep nicht stolz, sondern fürchre dich. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht geschont, so fürchte, daß er vielleicht auch dich nicht verschone. Wer sollte nicht zittern, wenn er die Worte dieses Apostels hört? Sollten wir über die Rache nicht erzittern > die seit so vielen Jahrhunderten so schrecklich über die Juden ausgebrochen ist, und noch fortdauert, da uns Paulus auf den Befehl Gottes sagt, daß uns unsre Undankbarkeit eine eben so schreckliche Strafe zuziehen kann. Allein wir wollen die Folge dieser hohen Lehre anhören. Der Apostel fährt fort zu den bekehrten Heiden zu reden: Darum schauec an die R?m> Güre und den Ernst Gottes; den Ernst an denen, die gefallen sind; die Güre aber an dir, so fern du an der Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden. Jene, so sie nicht bleiben in dem Unglauben, werden X 5 wieder zzo Bischof Bossuets Einleitullg wieder eingepfropfet werden: Gort kann sie wohl wieder einpfropfen. Denn fo du ans dem Oelbaume, der wild war, ausgehauen und wider die Z7?atur in denguceniDelbaum eingepfropfet bist, wie vielmehr werden die natürlichen/ die Gott abgehauen hat, in ihren eigner: Oel, bäum wieder eingepfropfet^ Hier erhebt sich der Apostel über alles, was er zeither gesagt, dringt nunmehr in die Tiefen der göttlichen Rathschlüsse, und setzt seine Rede also fort: Ich will euch, lieben Brüder, dieses Geheimniß nicht verhalten, auf daß ihr nicht stolz feyd. Blindheit ist eines Theiles Israel wiederfahren, fo lange bis die Lütte der Heiden eingegangen fey, und also das ganze Israel selig werde, wie geschrieben steht: ^?s wird aus Zion kommen, der erlöse, und von Jacob das böse tVesen abwende, und das ist mein Bund mir ihnen, wenn ich ihre Sünde wegnehmen werde« 2es, 5?/ 20. Diese Stelle des Propheten Jesaias, die hier der Apostel Paulus nach der Ueberscßung der siebzig Dolmetscher anführt, wie er zu thun gewohnt war, weil man sie aufder ganzen Erde kannte, ist im Originale noch stärker, wenn man sie in ihrem ganzen Zusammenhange nimmt. Denn derProphet hatte vor allenDingen dieBe- kehrung der Heiden durch diese Worte vorhcrgesagt: Die vom Niedergänge werden den ITlamen des Herrn fürchten, und die vom Aufgange feine Herrlichkeit sehen. Hierauf sieht Jesaias die Verfolgungen, welche das Wachsthum der Kirche befördern werden, unter der Gestalt eines aufgehalrnen ?,is. Es ist in alle Lande ausgegangen ihr Schall, und ^ Lrezor, Xsiilän?. orar. 25. m die allgemeine Geschichte. W und in al/eN>elc ihretVorte. Unter ihren Schülern war beynahe kein Land so entfernt und unbekannt, wohin das Evangelium nicht gedrungen wäre. Hundert Jahre nach Christi Geburt rechnete der heilige JustinuS schon viele wilde Nationen, und selbst die berumschweifendrn Völker unter die Gläubigen, wel- , .. ^ c < > ^ ^ ^ - ^ lultm. ->col. che noch hier und da aus Wagen herunnrrten, ohne z-r -6/. einen gewissen beständigen Aufenthalt zu haben. Das war nicht etivan eine eitle Vergrößerung; es war eine gewisse und bekannte Wahrheit, die er vor den römischen Kaisern, und im Angeflehte der ganzen Welt behauptete. Bald darauf lebte der heilige Irenäus, und er sah die Anzahl der Kirchen immer zunehmen. Ihre Eintracht verdiente die Bewunderung des Erdkreises; was man in Gallien, in Spanien, in Deutschland glaubte, die Lehre bekannte man in Aegypten, und im ganzen Oriente, und wie man auf der ganzen ir""-!,--;. Erde nur eine Sonne hatte, so leuchtete auch in der ganzen Rirche von einem Ende der lVelt bis zum andern nur ein Licht der Wahrheit. Man erstaunt, so zu sagen, bey einem ieden Schritte, den man in der Zeit thut, über den glücklichen Fortgang, mit dem sich die Kirche ausbreitet. Mitten im dritten Jahrhunderte zählten Tcrtullian, und Origenes ganze Völker zur Kirche, welche man kurz vorher noch nicht dazu rechnete. Diejenigen, welche Origenes ausnahm, waren die allerentfermesten in der bekannten Welt; kurz darauf aber rechnete Arnobius auch diese unter die Christel: *. Was konnte die Welt ^ l'ertull. aäv. luä. HpoloZ. z?. On^. I'om. -L in Kom. 4. üi Lieci«. Xrnod. libr. II. zz6 Bischof Bossuets Eittleitung West gesehen haben, daß sie sich Jesu Christo so bald ergaben? Hat sie Wunder gesehen, so hat Gott sichtbar Antheil an diesem großen Werke. Und wenn es scyn sollte, daß die Erde keine Wunder gesehen hätte, würde das nicht ein viel größres und unglaublichers Wunder seyn, als diejenigen, welche man nicht glauben will, daß sich die Welt ohne Wunder bekehrt hat; daß so viele Unwissende so hohe Geheimnisse angenommen haben; daß so viele Weisen von einer tiefen Demuth eingenommen, und von so vielen Dingen überredet worden sind, welche den Ungläubigen unglaublich zu seyn scheinen *? Allein das ist ein Wunder über alle Wunder, wenn ich so reden darf, daß sich, mit dem Glaubm an die Geheimnisse, die erhabensten und schwersten Tugenden auf der ganzen Erde ausgebreitet haben. Die Schüler Jesu Christi sind ihm auf den rauhsten Wegen nachgefolgt. Sie haben für die Wahrheit alles ausgestanden, und das ist für die Kinder Gottes die gewöhnlichste Tugend gewesen. Sie sind, um ihrem Erlöser ähnlich zu werden, mit einem größern Eifer zu den Martern geeilt, als andre zu den Ergeßlich- keiten eilen. Man kann weder die Reichen, welche alle ihre Reichthümer Hingaben, um den Armen beymste- hen, noch die Armen, welche dieArmuth den Reichthümern vorzogen, noch die Jungfrauen, deren Leben eine Nachahmung des Lebens der Engel war, noch die liebreichen Hirten zählen, die allen alles wurden, und immer bereit waren, ihren Heerden nicht allein ihre Tage und Nächte, und ihre Arbeiten zu widmen, sondern auch ihr eignes Leben für sie aufzuopfern. Was soll ich von der Buße und der Tödtung ihres Fleisches sagen? » ^UZult. XXI äe civ. 7. XXII. 5. in die allgemeine Geschichte. M sagen? Die Richter können an Verbrechern keine so strenge Gerechtigkeit ausüben, als bußfertige Sünder an sich selbst ausgeübt haben. Ich sage noch mehr, die Unschuldigen selbst haben mit einer unglaublichen Strenge die außerordentliche Neigung bestraft, die wir zur Sünde haben. DasLeben des heiligenJohanneS, des Täufers, wurde unter den Christen etwas gemeines , und die Wüsten wurden Don seinen Nachfolgern bevölkert. Es gab so viele Einsiedler, daß die vollkommensten Einsiedler noch unbekanntere Wüsten suchten; sosehr fiohe man die Welt, und so viel Geschmack fand man an dem beschauenden Leben ^. Dieses waren die schätzbaren Früchte, welche das Evangelium tragen sollte. Die Kirche ist so reich an Beyspielen, als an Vorschriften, und ihre Lehre wurde für heilig gehalten, weil sie unzählig heilige Leute hervorbrachte. Gott, welcher wohl weis, daß die stärksten Tugenden unter den Leiden aufwachsen, hat seine Kirche durch das Märtyrerthum gegründet, und sie dreyhundert Jahre lang in diestm Zustande erhalten, ohne daß sie einen Augenblick Zeit gehabt hat, auszuruhen. Nachdem er durch eine so lange Erfahrung gezeigt harte, daß er keiner menschlichen Hülfe, und * Man muß sich inachtnehmen, daß man sich das ein? siedlerifche Leben der ersten Christen, und zumal, derjenigen, welche dasselbe in den friedlichen Zeiten der Kirche erwählt haben, nicht allzuvorrheilhast vorstelle, und auf die Einbildung gerathe, daß man in der menschlichen Gesellschaft keine so erhabnen Tugenden ausüben könne. Die ersten Einsiedler wurden von den Verfolgungen genöthigt, in die Wüsten zu entfliehen. Man'wird nicht leugnen können, daß diejenigen, die sie in den nachfol- P- gen- zz8 Bischof Boffuets Einleitung und keiner Gewalt der Erde nöthig hätte, seine Kirche zu gründen, so berief er endlich die Kaiser, und machte den großen Constantin zu einem öffentlichen Beschützer des Christenthumes. Seit der Zeit haben sich die Könige von allen Orten her zur Kirche begeben, und alles, was die alten Prophezeiungen von ihrer zukünftigen Herrlichkeit enthalten, ist vor den Augen der ganzen Erde erfüllt worden. So unüberwindlich die Kirche bey den äußerlichen Anfallen blieb, so wenig konnte sie von den innerlichen Spaltungen erschüttert werden. Es sollten Ketzerey- cn kommen; Jesus Christus, und seine Jünger hatten sie vorherverküudiget, und sie kamen. Der Glaube, welcher von den Kaisern verfolgt wurde, stund zu gleicher Zeit von den Ketzern eine viel gefährlichere Verfolgung aus. Allein nicmgls war diese Verfolgung heftiger, als zu der Zeit, da die Verfolgungen der Heiden aufhörten. Die Hölle wandte dazumal alle ihre Kräfte an, die Kirche durch sich selbst zu vertilgen, welche die Anfälle ihrer offenbaren Feinde nur bekräftigt harten. Kaum sing sie an, sich durch die öffentliche Sicherheit zu erholen, die ihr Constantin verstattere, so erweckte ihr AriuS, dieser unglückselige Priester, größre Unruhen, als sie iemals hatte ausstehen müssen. Constanz, ein Sohn des Kaiftr Con° siantins, gen den Zeiten nachahmten, solches sehr oft, entweder aus Ueberdr'uß, oder aus einer eiteln Begierde nach einer besondern Heiligkeit thaten. Man ist noch nicht allemal der erhabenste Christ, wenn man sich stets mir göttlichen Gedanken beschäftigt, und seinem Körper wehe thut. Das ist sehr oft eine Wollust, die sich ein heiliges Ansehn giebt. Der erhabenste Christ ist derjenige, der Gott über alles liebt, und diese Liebe durch liebreiche und großmüthige Handlungen gegen seinen Nachsien beweist. Der Ueberftyev. m die allgemeine Geschichte. Z59 stantins, ließ sich von den Arianern verführen; er unterstützte ihre Lehre durch seine Gewalt, und quälte die Rechtgläubigen auf der ganzen Erde, al6 ein neuer Verfolger des Christenthumes, der desto mehr zu fürchten war, weil er unter dem Namen Jesu Christi selbst wider Jesum Krieg führte. Zum Unglücke fiel darauf die Kirche, die unter sich selbst uneinig war, in die Hände Julians, des Abtrünnigen, der alle ersinnlichen Mittel anwendete, den christlichen Glauben zu vertilgen. Er fand dazu kein bcßrcs Mittel, als die Spaltungen zu unterhalten, durch welche die Kirche so grausam zerrüttet wurde. Nach ihm herrschte Va- lens, derben Arianern eben so, wie Constanz, zugethan war, und sich nur durch seine Gewaltthätigkeiten von ihm unterschied. Noch andre Kaiser beschützten die Ketzercnen mit einer eben so grossen Wut. Die Kirche erfuhr durch so viele Versuchungen, daß sie unter den christlichen Kaisern nicht weniger, als unterdcn Ungläubigen auszustehen hatte; daß sie nicht allein ihre ganze Lehre überhaupt, sondern auch einen jeden ?lrtikel derselben, mit ihrem Blute bestätigen mußte. Es ist auch in der That kein einziger gewesen, der nicht von ihren Kindern selbst angegriffen worden märe. Tausend Secten, und tausend Ketzereyen entstunden, so z« sagen, in ihrem Schooße, und empörten sich wider sie. Allein wie sie dieselben, nach der Prophezeyung ihres Erlösers, entstehen sah, eben so sah sie dieselben nach seinen Verheißungen wiederum vergehen, wenn sich gleich zuweilen Kaiser und Könige unterfingen, sie zu beschützen. Ihre wahren Kinder wurde«? dadurch nach dem Ausspruche des heiligen Paulus erkannt; die Wahrheit ist allezeit nur mehr befestigt worden, wenn man sie bestrittm hat, und die Kirche ist unerschüttert geblieben. V 2 Beson- Z4v Bischof Bossuets Einleitung Besondre Betrachtungen über die Bestrafung der Juden, und über die Vorhcrver- kündigunq dieser Strafen von Jesu Christo. 6^ndem ich mich bemüht habe, Ihnen, Monsti- gneur, in einer ununterbrochnen Ordnung die Folge der Rachschlüsse Gottes in der beständigen Fortdauer seines Volkes zu zeigen, so habe ich sehr viele Begebenheiten übergangen, welche tiefsinnige Betrachtungen verdienen. Erlaubeil sie mir/ zu ihnen zurück zu kehren, damit sie so wichtige Dinge nicht aus den Augen verlieren. Vors erste ersuche ich sie, Monseigneur, mit einer besondern Aufmerksamkeit den Untergang der Juden zu erwägen. Alles, was dabey vorgefallen ist, dient zu einem Zeugnisse für unsern heiligen Glauben. Die Umstände davon werden uns von ungläubigen Schriftstellern, von Juden, und von Heiden erzählt, welche, ohne die Folge der Rathschlüsse Gottes zu verstehen, die wichtigen Begebenheiten berichten, durch die es ihm gefallen hat, seine Rathschlüsse kund zu machen. Wir haben den JosephuS, einen jüdischen, sehr getreuen Geschichtschreiber, welcher von den Begebenheiten seiner Nation wohl unterrichtet gewesen ist, und ihre Alterthümer auch durch ein vortreffliches Werk ins Licht gesetzt hat. Er hat den letzten Krieg beschrieben, der den Jüden ihren Untergang brachte. Er ist selbst ein Zeuge davon gewesen, und hat seinem Voll ke in einet wichtigen Stelle Dienste geleistet. in die allgemeine Geschichte. 34- Man hat unter den Juden auch noch andre sehr alte Schriftsteller,deren Zeugnisse sie sehen sollcn.Sie haben alte Ausleger über die heilige Schrift, und unter andern die chaldaischen Umschreibungen, die sie an ihre Bibeln drucken lassen. Sie haben ihr Glaubensbuch, das sie den Talmud nennen, und nicht weniger, als die Schrift selbst, verehren. Das ist eine Sammlung von Abhandlungen und AuSsprüchsn ihrer alten Lehrer, und obgleich die Theile, aus denen dieses grosse Werk besteht, nicht alle von einem gleichen Alter sind, so haben doch die letzten von denen, die darinnen angeführt werden, in den ersten Jahrhunderten der Kirche gelebt. Hier sieht man unter einer unzahligen Menge unverschämter Fabeln, die sich gleich nach den Zeiten unsers Heilandes anfangen, schöne Ueberbleib- sel von den alten Sagen des jüdischen Volkes, und zugleich in ihnen Beweise zu ihrer Ueberzeugung. Anfangs ist es selbst nach dem Geständnisse der Juden gewiß, daß die göttliche Rache niemals schrecklicher, noch deutlicher über sie ausgebrochen ist, als bey der lehtcn Verwüstung. Das ist eine beständige Sage, die in ihrem Tal- müde bezeugt, und von allen ihren Rabbinen bestätigt wird, daß man vierzig Jahre vor der Zerstörung der Stadt Jerusalem, also ungefähr um die Zeit des Todes unsers Heilandes, ohne Unterlaß im Tempel ganz befremdliche Dinge bemerkt habe. Alle Tage geschahen neue wundervolle Anzeichen darinnen, daß auch ein berühmter Rabbi Johanam,Zacai Sohn, eines Tages ausrief: O Tempel, c> Tempel, was bewegc dich ? Und warum seyest du dich selbst in Schrecken*? P z Was * Ir.äe 5eü. exxizr. 542 Bischof Bossuets Einleitung Was ist mehr angemerkt worden, als das schreckliche Geräusch, das die Priester am Pfingsttage im Heiligthume hörten, und die deutliche Stimme, die aus dem Innern dieses geheiligten Ortes erschallte: Laßt uns von hinnen weichen, laßt uns von hinnen weichen? Die heiligen Geister, die Beschützer des Tempels, erklärten sich öffentlich, daß sie den Tempel verließen, weil ihn Gott, der so viele Jahrhunderte hinixirch seine Wohnung darinnen gehabt Hatte, nunmehr verwarf. Iosephus und Tacituö haben dieses wunderbare Anzeichen auch erzahlt , Doch es bemerkten dasselbe nur allein die Priester. Allein hier ist ein andres Anzeichen, das die Augen des ganzen Volkes gesehen haben, und niemals ist unter einem Volke ein gleiches Anzeichen gesehen worden. Vier Jahre vorher, ehe der Rrieg angekündigt wurde, sing ein Land-- mann an zu schreyen: l^ine Stimme ist vom Oriente ausgegangen; eine Stimme istvomÖc- cidente ausgegangen; eine Grimme ist von allen vier Minden ausgegangen; eine Stimme wider Jerusalem und wider den Tempel; eine Stimme gegen dieneuverheyratheren Manner/ ' l»nd die neuverheyrarhcren Frauen; eine Stimme wider das ganze Volk. Seit der Zeit horte er weder Tag noch Nacht auf zu schreyen: Weh, weh über Jerusalem! Er verdoppelte sein Geschrey an den Festtagen. Man hörte kein a.idrcs ^ Wort aus seinem Munde. Diejenigen, welche ihn beklagten, diejenigen, welche ihn verfluchten, diejenigen, welche ihm seinen Unterhalt reichten, hörten niemals etwas anders von ihm, als dieses schreckliche Wort: » Oe bell.Iuä. I. 7. c. ».lack. KM. I. V. c, iz. in die allgemeine Geschichte. 54z Wort: 5Veh über Jerusalem! Er wurde gefangen gesetzt, befragt, und von der Obrigkeit zur Geif- selung verdammt; aber bey einer ieden Frage, bey einem jeden Streiche antwortete er, ohne sich jemals zu beklagen: N?eh über Jerusalem! Er wurde, als ein Unsinniger, wieder losgelassen, undliefim ganzen Lande umher, und wiederholte seine traurige Prophezeiung. Er setzte sieben Jahre nach einander sein Geschrey forh ohne nachzulassen, ohne daß seine Stimme ermattete. Zur Zeit der letzten Belagerung von Jerusalem schloß er sich in die Stadt ein, liefuner-- müdet um die Mauern herum, und rief aus aller Gewalt : N>el) dem Tempel! tVeh der Stadt! lVeh dem ganzen Volke! Endlich setzte er hinzu: tVeh auch mir! und zu gleicher Zeit wurde er durch einen Steinwurf getödtet. Sollte man nicht sagen, Monseigneur, daß sich die göttliche Rache diesem Menschen gleichsam sichtbar gezeigt habe, der nur lebte, um ihre schrecklichen Urtheile zu verkündigen; daß sie ihn mit ihrer Kraft erfüllt zu haben scheine, damit sein Geschrey dem gedrohten Unglücke des Volkes gleichen möchte; daß er endlich durch eine Wirkung dieser lange vorher von ihm verkündigten Rache Gottes habe umkommen müssen, um sie noch fühlbarer und, so zu sagen, gegenwärtiger zu machen, wenn er nicht allein ihr Prophet und Zeuge, sondern auch ihr Opfer wäre? Dieser Prophet, welcher das Unglück Jerusalems weißagte, hieß Jesus. Eö schien, als wenn der Name Jesus, der Name des Heiles und des Friedens , den die Juden in der Person unsers Heilandes verachteten, ihnen zu einer unglücklichen Vorbedeutung werden sollte; und daß Gott diesen Undcmkba- P 4 ren, 544 Bischof Bossuets Einleitung ren, die den Jesus verworfen hatten, der ihnen Gnade, Barmherzigkeit und Leben verkündigte, einen andern Jesus sendete, der ihnen nichts, als unvermeidliche schreckliche Unglücksfalle, und das unwidertreibliche Urtheil ihres herbeynahenden Unterganges verkündigen mußte. Wir wollen nach der Anleitung der Schrift weiter in die Gerichte Gottes eindringen. Jerusalem und der Tempel sind zweymal zerstört worden; einmal vom Nebucadnezar, und das andremal vom TituS. Allein beydemal hat sich die Gerechtigkeit Gottes durch einerley Mittel gezeigt, ob gleich das letztemal deutlicher, als das erstemal. Damit wir diese Ordnung der Rathschlüsse Gottes desto besser verstehen mögen, so wollen wir vor allen Dingen die Wahrheit festsetzen, die in den heiligen Büchern so oft festgesetzt wird, daß es eine der schrecklichsten Wirkungen der göttlichen Rache ist, wenn sie uns, zur Bestrafung unsrer vorhergehenden Sünden in uissern verkehrten Sinn dahin giebt, so daß wir bey allen ihren heilsamen Erinnerungen taub; bey den Wegen des Heiles, die sie uns gezeigt hat, blind; und bereitwillig sind, alles, was uns schmeichelt, zu glauben; und die Kühnheit haben, alles zu unternehmen, ohne unsre Kräfte mit der Gewalt unfrer Feinde zu vergleichen , die wir reizen. Auf diese Weise stürzten sich Jerusalem und seine ' Könige unter dem Nebucadnezar, des Königes zu Babel, in ihren Untergang. Sie waren allzu schwach, ihm zu widerstehen, und von diesem siegreichen Könige immer geschlagen worden. Sie hatten erfahren, daß sie sich nur vergebens wider ihn auflehnten, und er hatte sie zu einem Eide der Treue gegen ihn gezwungen. in die allgemeine Geschichte. 345 gen. Der Prophet, Jeremias, verkündigte ihnen auf den Befehl Gottes, daß sie Gott selbst diesem Prin- Jtt.-7,lz.i7 zen übergeben hätte, und daß für sie keine Hoffnung übrig wäre, wenn sie sein Joch nicht annahmen. Er sagte zum Könige, Zedekias, und seinem ganzen Volke, unterwerfet euch den? Nebucadnezar , dem Könige vonBabel,damir ihr leben möget. Warum wollt ihr umkommen? Und warum soll diese Sradc ;urN)üften werden?Allein sie glaubten seinen Worten nicht. Unterdessen daß sie Nebucadnczar durch die erstaunlichen Werke, mit welchen er ihre Stadt umgeben hatte, eingeschlossen hielt, ließen sie sich durch ihre falschen Propheten bezaubern, welche ihren Geist mit eingebildeten Siegen erfüllten, und ihnen im Namen Gottes sagten, ob sie gleichGott nicht gesandt hatte: Ich habe das Joch des Königes zu Babel zer- ^ ,z brochen, und ehe zwey Jahre um sind/ will ich ' ' alle Gefäße des Hauses des Herrn, welche Nebucadnczar, der Zxönig von Babel, von diesem Orre weggenommen, und gen Babel gefuhret, wiederum an diesen Grt bringen. Das Volk, welches durch diese Verheißungen verführt wurde, stund Hunger, und Durst, und das äußerste Elend m>6, und brachte es mit seiner unsinnigen Verwägen- heit so weit, daß keine Gnade mehr für dasselbe übrig war. Die Stadt wurde zerstört; der Tempel wurde verbrämn; es war alles ganz aus. Daran merkten die Jüden,daß die Hand Gottes über ihnen schwer wäre. Allein damit die göttliche Rache bey der leßten Zerstörung der Stadt Jerusalem eben so offenbar seyn möchte, als bey der ersten, so ließ Gott eine eben so große Verführung, eine eben so fre- velhafteVerwagenheit,und eben dieselbeVerstockung zu. ^ Y 5 Ob- 546 Bischof Boffuets Einleitung Obgleich ihr Aufruhr die römischen Waffen wider sie gereizt hatte, und sie ein Joch frevelhafter Weife abwerfen wollten, in welches sich der ganze Erdkreis gebeugt hatte: so wollte sie Titus doch nicht verderben. Er ließ ihnen vielmehr, nicht allein im Anfange des Krieges, sondern auch noch zu der Zeit Gnade anbieten, wo sie seinen Handen nicht mehr entgehen konnten. Er hatte schon um Jerusalem eine hohe und lange Mauer aufgeführt, die mit Thürmen versehen war, und stärkre Schanzen, als die Stadt selbst hatte, da er den Jssephus, ihren Mitbürger, einen von ihren Feldherren, und Priestern zu ihnen sendete. Josephus war in diesem Kriege gefangen genommen worden, da er sein Vaterland vertheidigt hatte. Was sagte er nicht, um sie zu bewegen? Wie viel starke Gründe brauchte er nicht, sie wieder zum Gehorsame zu bringen? Er zeigte ihnen, daß sich Erde und Himmel wider sie verschworen hätte, daß ihr Untergang unvermeidlich wäre, wenn sie isich widersetzten, und zugleich zeigte er ihnen ihre Rettung und Wohlfahrt in der Gnade des TituS. Errettet, sagte er zu ihnen, errettet, die heilige Stadt, errettet euch selbst, errettet den Tempel, dieses Wunder des Erdkreises, den die Römer ehren, und den Titus mit Verdruß und Widerwillen untergehen sieht. Allein wie konnten ieute erhalten werden , die mit einer solchen Halsstarrigkeit ihr Verderben suchten? Ihre falschen Propheten verführten sie, und sie hörten also dergleichen weise Ermahnungen nicht an. Sie waren auf das Aeußcrste gebracht; der Hunger brachte mehrMcn- schen um/als der Krieg, und die Mütter aßen ihre Kinder. Titus, der von ihrem Unglücke gerührt war, nahm die Götter zu Zeugen, daß er an ihrem Untergangs un- in die allgemeine Geschichte. 547 unschuldig wäre. Mitten unter diesen schrecklichen Unfällen glaubten sie den falschen WeißagunM, welche ihnen die Herrschaft über den Erdkreis versprachen. Was noch mehr ist, die Stadt war schon eingenorw nien; das Feuer wütete schon auf allen Seiten, und diese Unsinnigen glaubten doch den falschen Propheten noch, welche sie versicherten, daß die Stunde ihres Heiles gekommen wäre, nur damit sie immerwiderstehcn und sich aller Barmherzigkeit unwürdig machen sollten. Es wurde auch in der That alles t mgebracht; die Stadt wurde von Grund aus zerstört, einige Ueberbleibseb von Thürmen ausgenommen, die Titus zum Andenken für die Nachkommenschaft stehen ließ, Kurz es blieb kein Stein auf dem andern. Sie sehen also, Monselgneur, über Jerusalem- eben dieselbe Rache ausbrechcn, welche diese trotzige Stadt unter dem Zedekias verwüstet hatte. Gort sendet den Titus sowohl, als den Nebucadnezar, und die Iüden kommen auf eben dieselbe Weise um. Man sieht in Jerusalem eben den Aufruhr, eben den Hunger, eben das äußerste Unglück, eben dieselben Wege zu ihrer Rettung, eben dieselbe Verführung, eben die Halsstarrigkeit, ebendenselben Untergang. Damit sich alles gleich seyn soll, so wird der andre Tempel vom Titus in eben demselben Monate und an eben demselben Tage verbrannt, an dem er das erstemal vom Nebucadnezar eingeäschert worden ist. Es mußte alles deutlich bezeichnet seyn, damit das Volk ja nicht an der göttlichen Rache zweifeln sollte *. Es sind unterdessen unter diesem zweymaligen Untergänge der Stadt merkwürdige Unterschiede, die aber nichts anders, als eine größrc und strengere Gerechtigkeit "°Io5t!l,li. 6e Kell. lucl. ibiä. ?48 Bischof Bossuets Einleitung tigkeit Gottes bey der letzten Zerstörung anzeigen. Ne- bucadnczar ließ den Tempel anstecken; Titus aber that alles, um ihn zu retten, ob ihm gleich seine Räthe vorstellten, daß, so lange er stehen bliebe, die Juden, welche ihrganzes Glück daran fanden, nicht aufhören würden, Rebellen zu seyn. * Allein der unglückliche Tag war gekommen; der zehnte August war es, der den Tempel des Salamo schon hatte brennen sehen. Ungeachtet der scharfen Gebote, die Titus vor den Römern, und vor den Juden hatte ergehen lassen ; ungeachtet der natürlichen Neigung der Soldaten, so viele Reichthümer lieber zu plündern, als im Rauche auffliegen zu lassen, so wurde doch, wie Iosephus sagt, ein Soldat von einer göttlichen Begeisterung angetrieben, sich von einem andern an ein Fenster heben zu lassen, und Feuer in diesen prächtigen Tempel zruverfen. Titus eilt herbey;TituS befiehlt, daß man die ausbrechendenFlam- incn auslöschen soll. Allein sie nimmt in einem Augenblicke Ueberhand, und dieses verwundernswürdige Gebäude wird in Asche verwandelt. Wenn die Verhärtung der Juden unter dem Zede- kias die schrecklichste Wirkung, und das untrüglichste Merkmal von der göttlichen Rache gewesen ist, was sollen wir von ihrer Verblendung zu den Zeiten des Titus sagen? Bey der ersten Zerstörung Jerusalems waren die Juden zum wenigsten noch unter einander einig ; bey der letzten Belagerung und Verwüstung aber wurde die Stadt durch drey innerliche feindliche.Rotten zerrüttet. Ihr Haß gegen die Römer schweifte bis zur Raserey aus; allein sie waren darum nicht wenu ger erbittert unter einander. ** Der Streit ausser der Stadt . * lolepl,, 6e Kell. luä, ilzicl. A. , 6. iM^ vorherverkündigt, wie diese Stadt belagert werden sollte. Sie sollte nach seiner Prophszeyung mit einer schrecklichen Wagenburg umgeben werden, und es geschah. Er hatte den grausamen Hunger vorhergesagt, der ihre Bürger aufreiben sollte; er hatte auch die falschen Propheten nicht vergessen, von welchen sie verführt werden würden. Er hatte den Jüden gesagt, daß die Zeit ihres Unglückes nahe wäre, uud ihnen gewisse in die allgemeine Geschichte. 351 gewisse Zeichen augegeben, an welchen sie die bestimmte Stunde desselben merken konnten. Er hatte ihnen die lange Reihe der Verbrechen vorgestellt, wodurch sie sich diese Strafen zugezogen hatten; mit einem Worte, >er hatte ihnen die ganze Geschichte der Belagerung und Zerstörung Jerusalems erzählt/ ehe sie sich noch zutrug. Bemerken sie/ Monseigneur, daß er alles dieses gegen die Zeit seines Leidens verkündigte, damit sie die Ursache ihres Unglückes desto besser erkennen sollten. Sein Leiden nahte heran, als er zu ihnen sagte: Siehe ich sende zu euch Propheten, Meisen, und Match. -z<- Schriftgelehrten, und derselbigen werdet ihr ^' etliche todten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in cuern Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, auf daß über euch komme alle das gerechte Blur, das vergossen ist aufEroen, von dem Blure an des gerechten Adels, bis auf das Blut Zacharias, Äarachia Sohn, welchen ihr getödtcr habt, zwischen dem Tempel und Altar. dVariich ich jage euch, daß solches alles wird über dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödrest die Propheten, und steinigest die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Rinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Büchlein, und ihr habt nicht gewollt! Siehe euer Haus soll euch wüste gelassen werden! Das ist d,ie Geschichte der Juden! Sie haben ihren Meßias sowohl in seiner Person, als in den Personen der Seinigen verfolgt; Sie haben die ganze Welt wider seine Schüler aufzubringen gesucht, und ihnen in keiner Stadt den Frieden gegönnt; Sie haben die Römer 552 Bischof Bossuets Einleitung mer und die Kaiser wider die noch wachsende Kirche in Waffen gebracht; sie haben den heiligen Stcphcmuö gesteinigt, und die beyden Jacobos getödtet, die sich durch ihre Heiligkeit selbst unter ihnen Ehrfurcht zuwege brachten; sie haben den heiligen Petrus und Paulus durch das Schwerdt und die Hand der Heiden aufgeopfert. Sie mußten umkommen. So viel Blut, das sich mit dem Blute der Propheten, die sie getödtet haben, gleichsam vereinigte, riefvorGottum Rache. Siehe euer Haus soll euch wüste gelas» Mtch. -4, sen werden; ihre Verwüstung soll eben so groß, als ^' ihr Verbrechen seyn. Jesus Christus sagt ihren solches ; die Zeit ist nahe. Ich sage euch, daß s)l- Mare.iz/zo. ches alles über dieses Geschle^r kommen wird, und nach einem andern Evangelisten: Dieß Geschlecht Loc.i?, 4-> soll nichr vergehen, bis daß alles dieß geschehe. Die Menschen, die damals lebten, sollten selbst Zeugen davon seyn. Allein wir wollen die Folge von der Provhezeyung unsers Heilandes auch hören. Wie er einige Tage vor seiilem Tode seinen Einzug in Jerusalem hielt, so wurde er von dem Unglücke bewegt, das dieser Tod der unglücklichen Stadt zuziehen sollte, und sah sie wei- kue-19,4-. nend an. N>enn du es wüßtest, sagte er, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Rinder mir dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen «Drren ängsten, und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkennet hast die seit, darinnen du heimgesuchet bist. Hier- in die allgemeine Geschichte. 55z Hierdurch waren also die Art der Belagerung und die letzten Wirkungen der göttlichen Rache deutlich genug bezeichnet. Allein Jesus Christus sollte nicht zu seinem Leiden gehen, ohne Jerusalem zu verkündigen, daß diese mörderische Stadt dereinst für ein so frevelhaftes und unwürdiges Bezeigen gegen ihn bestraft werden sollte. Als er nach der Schedelstätte gieng, und sein Kreuz auf seinen Schultern trug, so folg- Lu«.-z,-7. re ihm ein großer Haufe Volts nach, und lVei- der, die ihn beklagten und beweinten. Er aber ^ stund stille, wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem weinet nicht über mich, sondern weiner über euch selbst, und über eure Rinder. Denn siehe es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Gelig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht ge- bohren haben, und die Vrüste, die nicht gesättgc haben. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: fallet über uns; und zu den Hügeln: decket uns. Denn so man das tbm am grünen Holze, was will am dürren werden? Wenn der Unschuldige, wenn der Gerechte eine so strenge Strafe leidet, was haben nicht die Strafbaren zu erwarten? Hat Jeremias wohl iemals den Verlust der Juden so schmerzlich beklagt? Konnte der Heiland wohl stärkere Worte gebrauchen, ihnen ihr äußerstes Unglück und ihre zukünftige Verzweiflung, und den Hunger zu zeigen, der selbst ihrer Kinder nicht schonen würde, der für die Mütter so schrecklich war, die ihre Brüste vertrocknen sahen, die ihren Kindern nichts als Thränen geben konnten, und die die Frucht ihrer Eingeweide aßen? Z Von 554 Bischof Bossuets Einleitung OOOOO'OGGOOG OOOOOOOO WOG Von zween merkwürdigen Weißagungen unsers Heilandes wider die o sind die Prophezeiungen unsers Heilandes, die MW er an das Volk gerichtet hat. Die er insbesondre an seine Jünger richtete, verdienen noch mehr Aufmerksamkeit. Sie sind in der langen und vortrefflichen Rede enthalten, wo er vom Untergänge der Stadt Jerusalem, und der Zerstörung der Welt zugleich redet. Untcr dieser Verbindung liegt ein Geheimniß. Ich will ihnen, Monseigneur, eine kurze Vorstellung davon machen. Jerusalem, die glückselige Stadt, die sich der Herr erwählt hatte, so lange sie in seinem Bunde und in dem Glauben an seine Verheißungen verharrte, war ein Vorbild der Kirche und ein Vorbild des Himmels, wo ihn seine Kinder von Angesicht zu Angesicht schauen. Wir werden sehen, daß die Propheten aus dieser Ursache in eben der Rede dasjenige, was Jerusalem betrifft, mit dem verbinden, was die Kirche und die himmlische Herrlichkeit angeht. Das ist eins von den Geheimnissen der Prophezeyungen, und einer von den Schlüsseln, die uns das Verständniß davon öffnen. Allein das verworfne Jerusalem, welches gegen seinen Erlöser undankbar war, sollte ein Vorbild der Hölle seyn; seine treulosen Bürger sollten die Verdammten vorstellen, und das schreckliche Gericht, welches Jesus Christus über sie halten sollte, war ein Vorbild von demjenigen, das er über die ganze Welt halten will, wenn er am Ende der Zeiten in seiner Herrlich- Juden. keil in die allgemeine Geschichte. Z55 kelt erscheinen wird, die Lebendigen und Todten zu richten. Die Schrift hat die Gewohnheit, und unter andern Mitteln/ die Geheimnisse dem Geiste der Menschen einzuprägen dieses Mittel, daß sie, zu unserm Unterrichte, die Vorbilder mit wirklichen Wahrheiten vermengt. Anfdiese Weifthat unser Heiland die Geschichte der Zerstörung der Stadt Jerusalem mit der Geschichte des Umerganges desWeltgebäudes vereinigt, und das sieht man in dieser Rede sehr deutlich. Wir wollen unterdessen nicht glauben, daß diese beyden Dinge so unter einander vermengt sind, daß wir nicht unterscheiden könnten, was das eine und das andre besonders angeht. Jesus Christus hat sie selbst durch gewisse Merkmale von einander unterschieden, die ich sehr leicht angeben könnte, wenn hier die Rede davon wäre. Allein es ist iht genug, wenn ich ihnen zeige, Monseigncur, was den Untergang der Stadt Jerusalem und der Juden anbetrifft. Die Apostel waren gegen die Zeit, da sich das Leiden unsers Heilandes herbeynahte, um ihren Mei- . ster versammelt, und zeigten ihm den Tempel und die herrlichen Gebäude, die um den Tempel lagen. Sie bewunderten die Steine, die Ordnung, die Schönheit, und Festigkeit desselben. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht das alles? tVarlich ich sage Match, euch, es wird hier nicht ein Srein auf dem an- dem bleiben, der nicht zerbrochen werde. Sie i. erstaunten über dieses Wort, und fragten, wenn die- Lue.i6, se schreckliche Weißagung erfüllt werden sollte, und er fing an, ihnen alle die unglücklichen Begebenheiten der Juden zu erzählen, wie sie aufeinander erfolgen würden, weil er nicht haben wollte, daß die Seinigen in Jerusalem sollten angetroffen werden, wenn Z- sie Z56 Bischof Bofsuets Einleitung sie zerstört würde. Denn bey der Zerstörung dieser Stadt sollte man ein Vorbild von der letzten noch zukünftigen Absonderung der Guten von den Bösen haben. Zum ersten sagt er, daß Pestilenz, und theure Zeit, und Erdbeben hin und wieder seyn werde. Man kann aus der Geschichte beweisen/ daß diese Unfälle zu keiner Zeit häufiger und merkwürdiger, als zu dieser ge, weftn sind. Er setzt ferner hinzu, daß man Kriege und Geschrey von Kriegen hören, daß sich ein Volk über das andre und ein Königreich über das andre empören, mit einem Worte den ganzen Erdkreis in Bewegung sehen werde. Konnte er uns die letzten Jahre der Regierung des Nero besser abbilden, wo das ganze römische Reich, oder der Erdkreis, der seitdem Siege des Augustus und unter der'Gewalt der Kaiser - so ruhig gewesen war, auf einmal erschüttert wurde? Empörten sich nicht Gallien, Spanien, und alle Kö- . ^ nigreiche, aus welchen das römische Reich bestund, auf einmal? lehnten sich nicht vier Kaiser fast zu einer Zeit wider den Nero, und wider einander selbst auf? Stritten nicht die Prätorianischen Legionen, die Armem in Syrien, und die übrigen Kriegsvölker, die im Oriente und im Occidente zerstreut waren, mit einan- ' der, und zogen sie nicht unter der Anführung ihrer Casarn von einem Ende der Welt bis zum andern, um ihre Streitigkeiten in blutigen Schlachten zu entscheiden? Das sind große Unglücksfälle, sagte der Sohn Matth. -4, Gottes; aber es ist noch nicht das!^nde da. Die Marc.'i,, Juden litten, wie andre Völker, bey dieser allgemei- 7.8- nen Erschütterung des Erdkreises. Es werden bald Luc.-»,?. b^sg„drg Unfälle über sie kommen; hier wird sich allererst die Noch anheben. Er in die allgemeine Geschichte. 557 Er seßthinzu, seine Kirche, die, seit dem sie zuerst Malth.-4,?. gepflanzt worden, beständig leiden müssen, würde um die xuc!-,/i-?' Zeit grausamer und schrecklicher, als sonst, verfolgt werden. Nero wollte auch in der That in den letzten Iahren seiner Regierung die Christen vertilgen, und ließ die heiligenApostel,Paulmn und Petrum, umbringen. Diese Verfolgung, welche durch den Neid und die Gewaltthätigkeiten der Iüden erregt worden war, beschleunigte ihren Untergang, wiewohl sie die Zeit desselben noch nicht genau genug bezeichnete. Die Erscheinung falscher Propheten, von denen ein jeder sagte: ich bin Christus, schien ein näherer Vorbote des ^Unterganges der Iüden zu seyn. Denn es ist das gewöhnliche Schicksal derjenigen, welche der Wahrheit nicht folgen wollen, daß sie sich von betrügerischen Propheten in ihren Untergang stürzen lassen» Jesus Christus verschweigt es auch seinen Jüngern ... nicht, daß dieses Unglück über die Iüden kommen wer- i /. de. Es werden sich viel fa.scbe Propheten er- M"'");^ heben und viele verfuhren. Gehet zu, sagt er Ware.-,,'-:, an einem andern Orte, lasset euch nicht verführen. Luc.--,«. Man sage nicht, daß das eine Sache gewesen sey, die man leicht errathen können, wenn man die Gemüthsart dieser Nation gekannt habe. Denn ich habe ihnen, Monseigneur, schon zu zeigen gesucht, daß die Iüden dieser Betrüger überdrüßig geworden, wel- . che so oft, und vornehmlich zu den Zeiten des Zedekias, Ursache an ihrem Untergange gewesen sind. Die Augen waren ihnen geöffnet worden, und sie hörten auf, ihren Betrügereien Gehör zu geben. Es verflossen mehr denn fünfhundert Jahre, in welchen kein falscher Prophet in Israel aufstund. Allein die Hölle, welche sie begeistert, erwachte bey der Ankunft Zz J«s» 558 Bischof Bossuets Einleitung Jesu Christi, und Gott, der die Lügengeister' so sehr im Zaume hält, als es ihm gefällig ist, verstattete ihnen dazumal mehr Freyheit, weil er zu gleicher Zeit die Juden damit bestrafen, und seine Gläubigen dadurch auf die Probe setzen wollte. Niemals sind so viele falsche Propheten ausgestandenes zu denen Zeiten, die auf den Tod unsers Erlösers folgten, zumal gegen die Zeit des jüdischen Krieges, und unter der Regierung des Nero, der denselben anfing. Jose- phus macht uns eine unzählige Menge solcher Betrüger bekannt welche das Volk durch falsche Wunder, und durch Zauberkünste in die Wüsten lockten, und ihnen eine schnelle und wunderbare Errettung versprachen *. Das ist auch die Ursache, warum in den Mattt>.-4, Weißagungen unsers Erlösers die Wüste, als einer von den Oertern angegeben wird,, wo sich diese falschen Befreyer des Volkes verbargen, die endlich dasselbe in seinen völligen Untergang stürzten. Sie können glauben, daß der Name Christus, ohne welchen für die Juden keine vollkommne Befreyung zu hoffen war, in die eingebildeten Verheißungen gemengt wurde, und sie werden in der Folge Beweise davon sehen. Iudäa war nicht die einzige Provinz, die diesen Be- trügereycn ausgesetzt war. Sie.waren im ganzen römischen Reiche allgemein. Es hat keine Zeit gegeben, wo uns die Geschichte eine so große Menge sol« cher Betrüger zeigt, die sich rühmten, das Zukünftige vorherzusagen, und welche das Volk durch ihre Blendwerke hintergiengen. Ein Simon Magus, ein Elymas, ein Apollonius Thyanaus, und eine unzählige Menge andrer Betrüger, die in den heiligen und weltlichen Geschichten angemerkt werden, stunden in diesem * .solexli.snt. XX. 6. bell.juä- II. »2. in die allgemeine Geschichte. 559 diesem Jahrhunderte auf, wo die Hölle ihre äußersten Kräfte anzuwenden schien, ihr erschüttertes Reich zu erhalten. Darum merkt auch Jesus Christus diese . erstaunliche Menge falscher Propheten an, die um diese Zeit, und vornehmlich unter den Juden erschienen sind. Wer die Worte unsers Heilandes genau betrachtet, wird erkennen, daß sich die Betrüger vordem Untergange der Stadt Jerusalem und nach demselben vermehren sollten; vornehmlich aber doch zur Zeit ihres Unterganges. Der Heiland sagt, daß der Betrug, der durch falsche Wunder und durch falsche Lehren würde bestätigt werden, zugleich so fein, und so Match.-4 mächtig seyn sollte, daß auch die Auserwählten wür- Märe.,; den verführt werden, wenn es möglich wäre. Ich will nicht sagen, daß gegen das EndederWelt sich nicht etwas ähnliches, und noch gefährliches zutragen werde; denn wir sehen, daß alles, was in Jerusalem vorgeht, ein offenbares Vorbild der letzten Zeiten ist. Allein es ist doch außer Zweifel, daß uns Christus die Verführung, von der wir reden, als eine offenbare Wirkung des göttlichen Zornes über die Jüden, und als ein Zeichen ihres Unterganges angegeben hat. Der Erfolg hat seine Weißagung gerechtfertigt; alles wird hier durch unverwerfliche Zeugen bestätigt. Wir lesen die Vorherverkündigung ihrer Irrthümer im Evangelio, und wir finden die Erfüllung davon in ihren Geschichten, und vornehmlich in der Geschichte des Josephus. Nachdem Jesus Christus alles dieses vorherverkündigt hat, in der Absicht, die Seinigen aus dem Unglücke zu reißen, womit Jerusalem bedräut wurde, so kömmt er auf die nahen Zeichen von der Zerstörung diefer Stadt. Z 4 Gott z6o Bischof Bossuets Einleitung Gott giebt seinen Gläubigen nicht allemal derglei- chcn Zeichen. Bey den schrecklichen Strafen, welche ganze Lander seine Macht empfinden lassen, schlagt er oft den Gerechten mit dem Ungerechten; denn er hat beßre Mittel, sie von einander abzusondern, als diejenigen, welche uns in die Sinne fallen. Eben die Schläge, welche die Spreu zerstäuben, sondern den guten Weizen davon ab; das Gold wird in eben dem Feuer gereinigt, worinnen die Spreu verbrennt, und unter denselben Strafen, durch welche die lasterhaften ausgerottet werden, läutert Gott seine Auserwähl- ten. Allein bey der Zerstörung der Stadt Jerusalem macht er eine Ausnahme, damit dieses Vorbild des Weltgerichtes desto vollständiger, und die göttliche Rache wider die Ungläubigen desto offenbarer seyn möchte. Er wollte nicht, daß dis-Jüdcn, welche das Evangelium angenommen hatten, mit den andern vermengt werden sollten. Jesus Christus gab also seinen Jüngern gewisse Zeichen, an denen sie erkennen könnte»/ wenn es Zeit wäre, aus dieser verworfnen Stadt auszugehen. Er gründete sich, seiner Gewohnheit nach, auf die alten Prophezeyungen, deren Ausleger und Gegenstand er war. Er kam auf die Stelle im Propheten Daniel, wo die letzte Zerstörung der Stadt Jerusalem so deutlich bezeichnet worden ist, Matth.24, und sagte: lVenn ihr nun sehen werdet den MarAz,!4 Greuel der Verwüstung, davon gesagt »st durch Dan.n/-6.'den Propheten Daniel, daß er stehe an der hei« ligen Stätte, oder nach dem Evangelisten Marcus, an der Stelle, da er nicht seyn soll, alsdann fliehe auf die Derge, wer im jüdischen Lande ist. Der heilige Evangelist Lucas erzählt eben das in an- ruc. -',zo. dem Ausdrucken: N?enn ihr sehen werdet Ieru- salem in die allgemeine Geschichte. z6r falem belagert mir einem Heere, so merket, daß herbeykommen ist ihre Verwüstung; alsdann wer in Iudäa ist, der fliehe auf die Gebirge. Ein Evangelist erklart den andern, und wenn man die Stellen mit einander vergleicht, so werden wir leicht begreifen, daß der vom Daniel vorhervcrkün- digte Greuel der Verwüstung und die Armeen um Je« ^ rusalem einerley sind Die heiligen Vater haben solches also verstanden, und die Vernunft überzeugt uns davon. Das Wort, Greuel, bedeutet nach dem Gebrauche der heiligen Sprache ein Götzenbild. Wer weis nicht, daß in den Fahnen der römischen Armeen die Bildnisse ihrer Götter und Kaiser befindlich waren, die vor allen andern Göttern verehrt wurden? Diese Fahnen waren einGegenstand berAnbetung des Kriegsvolkes, und weil die Götzenbilder, nach dem Befehle Gottes, niemals in dem heiligen lande erscheinen durften, so waren auch die römischen Fahnen daraus verbannt. Wir sehen auch aus der Geschichte, daß die Römer, so lange sie gegen die Juden noch einige Achtung gehabt haben, ihre Fahnen niemals durch Iudäa gehen lassen. Als Vitellius durch diese Provinz zog, den Krieg nach Arabien zu bringen, so ließ er seine Völker ohne Fahnen durch Judaa ziehen; denn man ehrte dazumal die jüdische Religion noch, und wollte dieses Volk nicht zwingen, solche Dinge zu leiden, die seinen Gesetzen so sehr zuwider waren Allein man kann leicht glauben/ daß die Römer in, dem letzten jüdischen Kriege ein Volk nicht mehr Z 5 sthon- * Orig.l'l-. zz. in ZVlarrkl. ^ug. e?> so. sä 5Ielzfcli. " ^olexb. ^miyu. XVIII. c. 7- 562 Bischof Bossuets Einleitung schonten, das sie vertilgen wollten. Da also Jerusalem belagert wurde, so war es mit so vielen Götzenbildern umgeben, als römische Fahnen wehten, und man hat niemals so viele Greuel der Verwüstung an dem Orte, rvo sie nicht seyn sollten, nämlich in dein heiligen Lande und um Jerusalem Heruni gesehen, als damals. Ist also dieses das große Zeichen, wird man sagen, welches Jesus Christut geben wollte? War damals zur Flucht Zeit, als Titus Jerusalem belagerte, und die Gegenden umher so wohl besetzte, daß keine Gelegenheit mehr vorhanden war, dem Schicksale der Stadt zu entweichen? Hier ist das Wunderbare in der Prophezeyung. Jerusalem ist in diesen Zeiten zwcymal belagert worden; zum erstenmale vom Cestius, dem Statthalter in Syrien, im 68 Jahre unsers Heilandes; zum andcrnmal^ vom Titus, vier Jahre hernach, nämlich im ?2sten Jahre. Beyder letzten Belagerung war keine Gelegenheit mehr da, zu entfliehen. TituS führte den Krieg mit einem all« zugroßen Eifer; er überfiel Jerusalem, da die ganze Nation am Ostertage in der Stadt beysammen war; niemand konnte ihm nunmehr entgehen. Die schreckliche Wagenburg, die er um die Stadt schlug, ließ den Einwohnern keine Hoffnung mehr übrig. Aber bey der Belagerung des Cestius verhielt sich solches nicht also. Er hatte sein Lager fünfzig Stadien, beynahe sechs Meilen weit von der Stadt aufgeschlagen. Seine Armee breitete sich um die Stadt herum aus, ohne sich zu verschanzen, und er führte den Krieg so nach- laßig, daß er die Gelegenheit versäumte, die Stadt einzunehmen, ob ihm gleich das Schrecken, die Meutereyen, und selbst seine heimlichen Verständnisse mit einigen in Jerusalem die Thore öffneten» Um diese in die allgemeine Geschichte. 563 Zeit war die Flucht nicht unmöglich ; die Geschichte erzählt uns auch ausdrücklich, daß viele Juden daraus flüchteten. Damals mußte man aus Jerusalem ausgehen; das war das Zeichen, welches der Sohn Gottes den Seinigen gegeben hatte. Er hat auch selbst sehr deutlich zwo Belagerungen unterschieden; eine, rro eine Mancnburg um sie geschlagen xue. seyn würde; alsdann würde für diejenigen, welche sich einschließen lassen, nichts, als der Tod, zu erwarten seyn; die andre, wo die Stadt allein mir einem x^c. Heer belagert, und so zu sagen mehr von weitem eingeschlossen, als ordentlich belagert werden sollte; alsdann war es Zeit, zu eilen, und auf die Berge zu fliehen. Die Christen gehorchten den Worten ihres Herrn und Meisters. Ob ihrer gleich in Jerusalem und Judaa viele tausende gewesen sind, so lesen wir doch weder im JosephuS* noch in andern Geschichtschreibern daß man einen einzigen bey der Einnahme Jerusalems in der Stadt angetroffen habe. Es ist vielmehr aus der Kirchengcschichte***, und durch alle Denkmaler unsrer Vorfahren bekannt, daß sie sich in die Stadt, Pella, begaben, die in einem gebirgigtcn Lande nahe bey der Wüste, an den Grenzen von Judaa und Arabien lag. Man kann daraus erkennen, mit welcher Gewißheit sie benachrichtigt gewesen sind, und es ist nichts merkwürdiger^ als diese Absonderung der ungläubigen * >lepli. II. 6e bello suä. c. -z. -4. Ubr. VI. VII. ^sosepli. lidr, II. c. 2z, 24. Lu5el,. III. UN. eccl. c. 5. IixixK. Kser. VII. Xs2ar. Lc Ab. äe xonäer. Lc meiUur. 964 Bischof Bossuets Einleitung gen Juden, von denen, die zum Christenthums bekehrt worden waren. Jene blieben in Jerusalem, daselbst die Strafe ihres Unglaubens zu leiden, und die andern flüchteten daraus, wie Loth aus Sodom, in ei> «e kleine Stadt, wo sie mit Zittern die Wirkungcnder göttlichen Rache betrachteten, vor welcher sie Gott hatte in Sicherheit bringen wollen. Außer den Weißagungen unsers Heilandes haben such verschiedne von seinen Jüngern, unter andern die heiligen Apostel,Petrus und Paulus, den Untergang der Jüden vorhergeweißagt. Wie man diese beyden glaubigen Zeugen Jesu Christi zum Tode führte, so verkündigten sie den Jüden, von welchen sie den Heiden übergeben worden waren, ihren nahen Untergang. Sie sagten zu ihnen: Ierusalem/ollce von Grund aus zerstört werden; sie sollten durch Hunger und Verzweiflung umkommen; sie sollten auf ewig aus dem Lande ihrer Varer verbannt werden, und auf der ganzen Erde Sklaven seyn; die Zeit wäre nicht weit, und alles dieses Unglück sollte deswegen über sie kommen, daß sie den geliebten Sohn Gottes, der sich ihnen doch durch so viele lVunder zu- erkennen gegeben, rnic so grausamen Versportungen verhönc hat- ren *. Das gottselige Alterthum hat uns diese Weissagung der Apostel aufbehalten, die so schleunig erfüllt werden sollte. Der heilige Petrus hat ihren Untergang auch sehr oft geweißagt; es sey nun, daß er besondre Eingebungen gehabt, oder die Worte seines Meisters nur erklärt hat. Phlegon, ein heidnischer Schriftsteller, dessen Zeugniß OrigeneS anführt, hat ange- * äiv. !Mr. Ilbr. IV. c. 22. ^ in die allgemeine Geschichte. Z65 angemerkt, daß alles, was dieser Apostel vorherverkündigt hat, von Stück zu Stück erfüllt worden sey». Es wiederfährt also den Jüden nichts, was ihnen nicht zuvor verkündigt worden ist. Ihre Verachtung des Sohnes Gottes und seiner Jünger wird uns deutlich, als die Ursache ihres Unglückes angegeben. Die Zeit der Gnade ist vorbey und ihr Untergang unvermeidlich. Es war also umsonst, Msnsiigneur, daß Ti- tus Jerusalem und den Tempel erhalten wollte. Gott hatte einmal sein Urtheil gefällt; es sollte kein Stein auf dem andern bleiben. So wie ein römischer Kaiser sich vergebens Mühe gab, den Untergang des Tempels zu verhindern, so waren die Bemühungen eines andern Kaisers noch eitler, der ihn wieder herstellen wollte. Nachdem Julian, der Abtrünnige, un- serm Heilande den Krieg angekündigt hatte, so hielt er sich für machtig genug, seine Weißagungen zu Schanden zu machen. In der Absicht, den Christen von allen Enden her Feinde zu erwecken, so erniedrigte er sich so sehr, daß er auch die Jüden ehrte, die doch ein Greuel aller Welt waren. Er ermunterte sie, ihren Tempel wieder aufzubauen; er gab unzählige Summen dazu her, und stund ihnen mit aller Gewalt des Reiches bey. Was Mr der Erfolg davon? Sehen sie, Monseigneur, wie Gott die stolzen Prinzen zu Schanden macht! Die heiligen Väter, und die Kir- chengeschichrschreiber erzählen solches einmüthig, und rechtfertigen solches durch Denkmäler, die zu ihren Zeiten * kliles. libr. iz. »4 LKron. sxuä Oriz. 1i,br. 2. conrr. ceic z66 Bischof Bossuets Einleitung ten noch übrig waren. Allein die Sache mußte durch Heiden selbst bestätigt werden. Ammicmus Marcellia- m>6, seiner Religion nach ein Heide, und ein eifriger Vertheidiger des Julianus, hat den Erfolg davon in folgenden Worten aufgezeichnet*: Unterdessen daß Alipius mit Hülfe des Statthalters der Provinz das N>erk so sehr beförderte, als er konnte, so brachen aus dein Grunde/ der vorher durch gewaltige Stöße erschüttert worden war, schreckliche Leuerklumpen herauf, und die Arbeiter, welche das lVerk fehr oft wieder anfingen, wurden zu verfchiedenenmalen verbrannt; man konnte nicht mehr zu dem Orte kommen, und mußte mir der Unternehmung aufhören. Die Kirchengeschichtschreiber, welche eine so merkwürdige Begebenheit genauer erzählen, seßen zu dem Feuer aus der Erde noch das Feuer vom Himmel hinzu. Allein endlich bestund doch das Wort Jesu Christi fest. Hier ruft der heilige Johannes Chrysosto- mus aus: Er hat seine Rirche auf einen Felsen gegründet, und nichts kann sie zerstören; er hat den Tempel zerstört, und niemand kann denselben wieder aufbauen; niemand kann dasjenige verwüsten, was Gott erbaut, und nie, mand kann dasjenige aufrichten, was Gott niederstürzet**. Wir wollen von Jerusalem und seinem Tempel nicht mehr reden. Lasset uns unsre Augen auf das Volk selbst richten , das vordem ein lebendiger Tempel , * ämm. MKrceÜ. Ubr. XXII. ult, ** vrsr. In ^ucZ. in die allgemeine Geschichte. z6y pel des Gottes Zebaoth war, und nunmehr der Gegenstand seines Hasses ist. Die Juden liegen, wenn ich so sagen darf, mehr niedergestürzt/ als ihr Tempel und ihre Stadt. Der Geist der Wahrheit ist nicht mehr unter ihnen; die Weißagung ist daselbst verloschen : die Verheißungen, aufweiche sie ihre Hoffnung gründen, sind eitel geworden; alles ist unter die- sem Volke umgestürzt, und es ist kein Stein auf dem andern geblieben. Bemerken sie doch, Monftigneur, wie tief sie in den Irrthum gestürzt sind. Jesus Chr'istuS hatte zu ihnen gesagt: Ich bin kommen in meines Va- Joh,5/4i. rers Namen, und ihr nehmet mich nicht an: So ein andrer in seinem eignen Namen kommen wird, den werdet ihr annehmen. Seit der Zeit herrscht der Geist der Verführung so sehr unter diesem Volke, daß sie noch einen jeden Augenblick bereit sind, sich von ihm hinreißen zu lassen. Das war nicht genug, daß die falschen Propheten Jerusalem in die Hände des Titus überliefert hatten; die Juden waren noch nicht völlig aus Judäa vertrieben, und es hatten viele aus liebe, die sie zu Jerusalem trugen, ihre Wohnung bey den Ruinen dieser Stadt aufgeschlagen. Nunmehr erscheint ein falscher Christ, der ihren völligen Untergang beschleunigt. Fünfzig Jahre nach der Einnahme der Stadt Jerusalem, noch in ' dem Jahrhunderte, da unser Heiland gestorben war, gab sich ein ehrloser BarchochebaS, ein Räuber und ein Bösewicht, für den Stern Jacobs/ und also 4-B.Mof. für den Meßias aus, der den Jüden unter diesem Na- >?° men im vierten Buche Mosis vorherverkündigt worden war, weil sein Name einen Sohn des Sternes bedeutete. Akibaö, der Angesehenste unter den Rabbiner», z68 Bischof Bossuets Einleitung binen, und alle andre, die die Juden, wie ihn, weise Leute nannten, hingen? der Parthey dieses Betrügers an, ohne daß der Betrüger ihnen einen andern Beweis seiner Gesandtschaft gab, als daß Akibas sagte: der Meßias könnte nicht lange mehr verziehen *. Die Iüden empörten sich im ganzen römischen Reiche unter der Anführung des Barchochebas, der ihnen die Herrschaft über die ganze Welt versprach. Hadrian ließ sechshundert tausend Mann von ihnen umbringen; , das Joch dieser Unglückseligen wurde schwerer, und sie wurden auf ewig aus Iudaa verbannt. Wer sieht nicht daraus deutlich, daß sich der Geist ahrheic nicht angenommen, daß sie selig würden; darum wird ihnen Gott kräftige Irrthümer finden, das) sie glauben den Lügen. Es ist kein Betrug so grob, von dem sie sich nicht verführen lassen. Es gab sich iir unsern Tagen im Oriente ein Betrüger für den Messias aus; alle Iüden fingen an, sich um denselben zu versammeln: wir haben es gesehen, wie sie sich in Italien, in Holland , in Deutschland, und zu Meß fertig gemacht, alles zu verkaufen, und zu verlassen, um ihm nachzufolgen. Sie bildeten sich schon ein, daß sie die Herrschaft über die Welt erhalten würden, als sie erfuhren, daß ihr Meßias ein Türkgeworden wäre, und das Gesetz Mosis verlassen hätte. Man darf nicht darüber erstaunen, daß sie in solche Ausschweifungen gerathen sind, und daß sie das Wetter * Num.!4> 17. Kuled. liist.Lccl. IV. 6. 8. lalm. Nieros. I'r. äe jejun. Lc in ver. Lom. iu^>. Miniem. Jerslfl- Klsimoiüä, libr. äs jur. reg. c. ». in die allgemeine Geschichte. 369 Wetter zerstreut hat, nachdem sie einmal vom rechten Wege abgekommen sind. Dieser Weg war ihn-'n in ihren Prophezeyungcn gewiesen worden, vornehmlich in denen, welche die Zeiten Christi bezeichneten. Sie haben diese kostbaren Augenblicke verstreichen lassen, ohne sich dieselben zu Nutze zu machen; darum sind sie auch dem Irrthume übergeben , und wissen nicht mehr, woran sie sich halten sollen. AUUNNU A U AUNRUKK Ueber die Folge der jüdischen Irrthümer, und dteArt/ wie sie die Prophezeiungen erklären. »M^önnen sie mir noch einen Augenblick , !Honsei-- gneur, damit ich ihnen die Folge ihrer Irrthümer erzählen kann. Lassen sie uns ihnen auf allen Schritten nachfolgen, die sie gethan haben, sich in den Abgrund Hu stürzen. Die Abwege, auf welchen man sich verirrt, stoßen allezeit auf die Hauptstraße, und wenn man erwagt, wo der Irrthum und die Ausschweifung ihren Anfang nehmen, so kann man desto sichrer auf dem rechten Wege gehen. Wir haben gesehen, Nlonseigneur, daß zwo Prophezeyungcn, die Weisiagung Jacobs, und die Weissagung Daniels, die Zeiten Jesu Christi bc^eicbneten. Sie bezeichneten alle beyde den Verfall des Königreichs Iuda zu den Zeiten, da der Heiland der Welt erscheinen sollte. Daniel verkündigte, daß die völlige Verwüstung desselben eine Folge des Todes A a Chtt- 57o Bischof Bossuets Einleitung Cbristiseyn würde; Jacob aber sagte mit deutlichen Worten: der Msßias, welcher alsdann kommen sollte, würde das Verlangen der Völker seyn. Das ist so viel gesagt: er würde ihr Besreyer werden, undeö sollte ein nencs Königreich entstehen, das nicht aus einem Volke allein, sondern aus vielen Völkern zusam- mengeseßt seyn würde. Die Worte der Prophezeyung können keinen andern Verstand haben, und es war die bestandige Sage unter den Juden, daß sie also verstanden werden müßten. Daher kömmt die allgemeine Meynung unter den alten Rabbinen, die man auch in ihrem Talmude findet *, daß zu den Zeiten, da Christus kommen sollte, die Juden das weltliche Regiment verlohren haben würden.Man konnte also nichts wichtigere thun, die Zeit ihres MeßiaS zu erkennen, als Achtung geben, wenn sie in diesen unglückseligen Zustand fallen würden. Sie hatten in der That auch einen guten Anfang gemacht, und wenn ihr Geist nicht mit den Gedanken von einer weltlichenGröße allmfehr eingenommen gewesen wäre, die sie an ihrem MeßiaS finden wollten, so hatten sie Jesum Christum nicht verkennen können. Der Grund, den sie gelegt hatten, war gewiß: denn so bald die Tyranney des ersten Herodes, und die Veränderung der jüdischen Republik unter seiner Regierung ihnen die Zeit des in ihren Prophezeyungen angegebenen Verfalles gezeigt hatten, so zweifelten sie gar nicht mehr, daß Christus nicht kommen müßte, und daß man das neue Reich bald sehen würde, in welchem sich alle Völker vereinigen sollten. Sie haben unter andern angemerkt, daß ihnen die Gewalt über Tod und Leben war genommen wor- » Lcm.l'r. 5-meä, c tt. in die allgemeine Geschichte. 57t worden*. Das war eine große Vcranderung,weil ihnen dieseGewalt bis Hieher allezeit gelassen worden war, sie mochten einer Herrschast unterwürfig gewesen seyn, welcher sie wollten.Sie hatten selbst inBabylon wahrend ih/ rer Gefangenschaft diese Macht gehabt. Die Geschichte Ban.», der Susanna zeigt solches zur Gnüge, und es ist eine bekannte Sage unter ihnen. Die Könige von Persien, welchesiewiedcr herstellten, ließen ihnen diese Gewalt durch eine ausdrückliche Verordnung, die wir an Esr. -5. seinem Orte angemerkt haben. Wir haben auch ge- 26. sehen, daß die ersten Seleuciden ihre Freyheiten mehr vermehrt, als eingeschränkt haben. Ich brauche hier nicht noch einmal von der Herrschaft der Maccabaer zureden, wo sie nicht allein befreyt, sondern auch ihren Feinden selbst furchtbar und überlegen wurden. Pompeius demüthigte sie, wie wir gesehen haben; er befriedigte sich aber an dem Tribute, den er ihnen auflegte, und begnügte sich daran, sie in einen solchen Stand gesetzt zu haben, daß das römische Volk im Falle der Noch mit ihm schalten könnte, wie es wollte. Er ließ ihnen aber ihren Prinzen mit aller ihrer wclcli- chenGewalt-Man weis aus dcrGeschichte,daß es dieRö- mer mir den überwundnen Völkern so machten, und sich cm der innerlichenRegicrungsart nicht vergriffen, wenn sie einem Lande ihre eingebohrnen Könige noch ließen. Kurz, die Iüden räumen ein, daß sie diese Gewalt über Tod und Leben etwa vierzig Jahre vor der leßten Zerstörung des andern Tempels verlohren haben, und es ist unstreitig wohl HerodeS gewesen, welcher den Anfang gemacht hat, ihrer Freyheit diese Wunde beyzubringen **. Denn er wollte sich an der hohen A a 2 Ver« * l'slm. tlieroiol.IraÄ, "* lolepii, 2miHU.XIV.17. 572 Bischof Bofsuets Einleitung Versammlung der Juden rächen, welche gleichsam der vom Moses gestifftete Senat, und der bestandige hohe Rath der Nation war, wo die oberste Herrschaft ausgeübt wurde.Denn er hatte sich vor dieser Versammlung stellen müssen, ehe er König geworden war. Er griff nachher diesen großen Senat an, um die oberste Gewalt allein an sich zu reißen, und nach und nach verlohr derselbe alles Ansehen, von dem ihm ioenig übrig war, als Jesus Christus auf der Welt erschien. Die Angelegenheiten dieses Senates verschlimmerten sich immer mehr unter den Kindern Herodis, bis das Königreich des Archclaus, wovon Jerusalem die Hauptstadt war, zu einer römischen Provinz gemacht, und von Statthaltern regiert wurde, die die Kaiser dahin sendeten. In diesen unglücklichen Umstanden behielten die Juden so wenig Gewalt über Tod und Leben, daß sie zum Pilatus ihre Zuflucht nehmen mußten, als sie Jesum Christum durchaus getödtet haben wollten. Als ihnen dieser schwache Statthalter zur Antwort gegeben hatte, daß sie ihn selbst zumTode verurtheilen sollten,so antwor- Ioh. -s, teten sie alle mit einer Stimme: wir dürfen nieman-- And.^' den rödren. Eben so bedienten sie sich der Gewalt 24. des Herodes, da sie dem heiligen Jacobus, dem Bruder des heiligen Johannes, das Leben nahmen, und den heiligen Apostel Petrus in das Gefängniß seßten. Als sie den Tod des heiligen Paulus beschlossen, so überlieferten sie ihn in die Hände der Römer, wie sie es mit Jesu Christo gemacht hatten, und das gotteslästerliche Gelübde einiger falschen Eifrer unter ihnen, welche geschworen hatten, daß sie nicht eher essen und trinken wollten, bis sie den heiligen Apostel umgebracht hatten, zeigt zur Gnüge, daß sie Ebenda, die Gewalt, einen gerichtlich todten zu lasse», nicht mehr in die allgemeine Geschichte. z?Z mehr zu haben glaubten. Sie steinigten zwar den Heil. StephcmuS; allein das gieng tumultuarisch zu, und war eine Folge von den aufrührischcn Empörungen, die die Römer nicht allezeit bey denen unterdrücken konnten, die sich für Eisrer für das Gesetz ausgaben. Man kann es also für eine gewisse Wahrheit ansehen, die sowohl die Geschichte, als das einmüthige Zeugniß der Jüden und der Zustand ihrer Angelegenheiten bestätigt, daß sie gegen die Zeiten unsers Heilandes, und vornehmlich gegen die Zeit, da er sein Lehramt auszuüben anfing, die weltliche Gewalt völlig verloh- ren. Sie konnten diesen Verlust nicht sehen, ohne sich nicht der alten Weißagung Jacobs zu erinnern, welche ihnen prophezeyte, daß zu den Zeiten des Meßias weder Gewalt, noch Ansehen, noch eine oberkcitliche Macht mehr unter ihnen seyn würde. Einer von ihren alten Schriftstellern merkt solches an, und er hat Recht, wenn er gesteht, daß der Scepter damals nicht mehr inJuda gewesen wäre.Er merkt mudieHaupter des Volkes hatten kein Ansehen mehr gehabt, weil ihnen die öffentliche Gewalt entzogen worden wäre; das Syne- dn'um hätte seine Gewalt verlohren, und die Glieder dieser großeil Versammlung wären nicht mehr als Richter, sondern als bloße Lehrer des Volkes anzusehen gewesen *. Es war also nach ihrem Gestandnisse selbst Zeit, daß Jesus Christus erschiene. Wie sie also dieses gewisse Zeichen von der nahen Ankunft dieses neuen Königs sahen, dessen Reich sich über alle Völker erstrecken sollte, so glaubten sie, daß er in der That bald kommen würde. Das Gerüchte breitete sich in allen Gegenden umher aus, und man war im ganzen Oriente überredet, daß die Zeit nicht Aa z fern * IraA. voc. msgns. L-en. leu comm.in Leu. Z74 Bischof Bossuets Eiuleitung fern mehr wäre / wo aus Judaa der Beherrscher der ganzen Erde herkommen würbe. Tacitus und Svetonius erzählen dieses Gerüchte, als eine Sache, die durch eine allgemeine Meynung, und durch eine alte Weißagung bestätigt worden sey, die man in den heiligen Büchern des jüdischen Volkes finde *. Diese Bücher stunden im ganzen Oriente in einem großen Ansehen; denn man hatte gesehen, daß die Weißagungen derselben bey so vielen Gelegenheiten ersüllt worden waren. Die Juden, die auf die Umstände noch mehr Acht hatten, die in den Schriften des alten Bundes vornehmlich zu ihrem Unterrichte aufgeschrieben worden waren erkannten die Zeiten des Meßias, die Jacob in Hie Zeit ihres Verfalles gesetzt hatte. Es waren also die Anmerkungen richtig, die sie über ihren Zustand machten; sie irrten in Ansehung der Zeit des Meßias nicht, und sie erkannten, daß er dazumal kommen müßte, als er wirklich gekommen ist. Allein wie groß ist nicht die Schwachheit des menschlichen Verstandes! Wie unvermeidlich ist die Blindheit des Menschen, wenn er eitel ist! Die Niedrigkeit des Erlösers verbarg diesen Hochmüthigen die wahre Größe, die sie an dem Meßias suchen sollten! Sie wollten/ daß er ein König , wie andre Könige der Erde, seyn sollte! Darum sagten die Schmeichler des ersten Herodes, die von der Größe und Pracht dieses Prinzen verblendet waren, der, ungeachtet seiner Tyrannei), Judäa bereicherte, Matth,-/'6 er wäre dieser so oft vexsprochne König"*. Dieses Marc.z,i6 >z,iz. » » 8uet. Veü>-i5.1'zc. Ilbr.V. IiIK. c, iz. lolepk. äe bello Jucl. VII. ii. ^leZellpp 6e exclä. ^er. V. 45. LxixK. Ilbr. I. N-r. so. Hero^. in die allgemeine Geschichte. z?5 gab zu der Secte der Herodianer ?lnlaß, von denen so oft im Evangelio geredet wird, lind die auch den Heiden bekannt gewesen sind. Persius und sein Scho- liast berichteil uns, daß die Geburt des Königes He- M rodes, noch zu den Zeiten des Kaisers Nero, von sei- nen Anhängern eben so feyerlich, als der Sabbath, be- ' gangen worden sey *. Josephus verfiel in einen ähnlichen Irrthum. Dieser Mann war, wie er selbst sagt, in den jüdischen prsphezeyuNIen unterrichtet; ex war selbst ein Priester, und kam aus dem priesterlichen Geschlechte her. Er erkannte die Wahrheit, daß die Ankunft des vom Jacob vcr- sprochnen Königes in die Zeiten des Herodes einfiel; er giebt sich selbst so viele Mühe, uns den offenbaren Anfang von dem Verfalle der jüdischen Republik zu zeigen **. Allein wie er bey seiner Nation nichte fand, das seinen hochmüchigen Vorstellungen von seinem Meßias gemäß war, so setzte er die Zeit der Prophe- zeyung ein wenig weiter hinaus. Er deutete sie auf den Vespasian, und versicherte, daß diese N)eißagung der 6chrift auf diesen Raifer gienge, welcher in Iu- daa dazu ausgerufen worden war So verdrehte er die heilige Schrift, seiner blinden Schmeichcley dadurch ein Ansehen zu geben, die die Hoffnung Jacobs und Judä auf Fremde übertrug, welche im Vespasian den Sohn Abrahams und Davids suchte, und einem abgöttischen Prinzen den Namen desjenigen zueignete, dessen Erleuchtung alle Heiden von der Abgötterey bekehren sollte» Aa4 Die * ?sr5. 8- vet. Scliol. 8^r.V. n.iZs. lolepk. äs bello luäaico III. 14. lolexk. Ildr. III. «le bello luä. 14. VIZ l?. Z76 Bischof Bossuets Einleitung Die Umstände der damaligen Zeit waren ihm günstig. Allein indem er dasjenige, was Jacob vom Meßias gesagt hatte, auf den Vespasian deutete, so zo, gen solches di« Eisrer, welche Jerusalem vertheidigten, auf sich selbst. Auf diesen einzigen Grund bauten sie die Hoffnung, nach welcher sie sich die Herrschast über die ganze Welt versprachen, wie Josephuö erzählt ^, Sie wareil darinnen noch vernünftiger als er; zum wenigsten suchten sie die Erfüllung der Verheis- sungen, die ^hren Vätern geschehen waren, nicht ausser ihrer Ration. Wie kam es doch, daß sie die Augen nicht öffneten, und die Früchte, welche die Verkündigung des Evan- gelii auf der Erde trug, und das neue Reich nichr sahen, welches Jesus Christus in der. Welt aufrichtete? Was konnte schöners seyn, als ein Reich, wo die Frömmigkeit herrschte, wo der wahre Gott über die Abgöt- terey triumphirte, und wo das ewige Leben den ungläubigen Nationen verkündigt wurde? War nicht das Reich der Kaiser nur ein eitles stolzes Blendwerk in Vergleichung mit diesem Reiche? .Doch es war in den Augen der Welt nicht glänzend genug. Wie groß muß nicht die Kenntniß von der Eitelkeit der menschlichen Grösse und Hoheit seyn, wenn man Jesum Christum erkennen will! Die Juden wußten die Zeit seiner Ankunft; sie sahen, daß die Völker nach der Weißagung Jacobs durch Jesum Christum und seine Jünger zu dem Gotte Abrahams berufen wurden; und dennoch verkannten sie diesen Jesum, der ihnen durch so viele Zeichen bekannt geinacht worden war. Und ob er gleich vor seinem Tode, und nach seiner Auferstehung seine Gesandtschaft durch so viele * Ibiä. Ilbr. VII. in die allgemeine Geschichte. 577 viele Wunder bestätigt hatte, so verwarfen ihn dennoch diese Verblendeten, weil er nur diejenige wahre Größe und Hoheit besaß, die von allem äußerlichen Pompe entblößt ist, der in die Sinne fällt, und weil er mehr in der Absicht kam, ihren blinden Hochmuth zu verdammen, als ihn zu rechtfertigen und zu befriedigen. Zuweilen schien es, als ob sie, ungeachtet ihrer Blindheit, von den Umständen der Zeit gezwungen würden, ihre Vorurtheile fahren zu lassen. Alles xuc schickte sich zu den Zeiren unsers Hcilandes zur Offen-Jod- barung des Mesiias so deutlich an, daß sie auf die Vermuthung fielen, Johannes, der Täufer, könnte es wohl seyn. Seine strenge, außerordentliche, und verwundsrnswürdige Lebensart machte sie aufmerksam, und ob ihm gleich die weltliche Hoheit mangelte, so schien es doch Anfangs, als ob sie sich mit dem Aufsehen begnügen wollten das diese so erstaunenswerthe Lebenö- o.t machte. Das Leben unsers Erlösers hatte eine edle Einfalt an sich, und machte nicht so viel Aufsehen, schreckte aber auch diese sinnlichen und dabey stolzen Geister ab, welche nur durch die Sinne gewonnen werden konnten, und so weit von einer aufrichtigen Bekehrung entfernt waren, daß sie nichts bewundern wollten, als was sie für unnachahmlich ansahen. Man glaubte also dem heiligen Täufer Johannes nicht, den man für würdig hielt,der Meßias zu seyn, als er ihnen den wahren Christus zeigte, nnd Jesus Christus, den man nachahmen mußte, wenn man an ihn glauben wollte, schien den Jüden allzuniedrig zu seyn, als daß man ihm anhangen sollte. Unterdessen war der Eindruck der Wahrheit, daß Jesus Christus um diese Zeit erscheinen sollte, so stark bey ihnen, daß er beynahe ein ganzes Jahrhundert jn i., Aas ihren 578 Bischof Bosiuets Einleitung ihren Gemüthern unverändert blieb. Sie glaubten, daß die Erfüllung der Prophezeyungen einen gewissen Umfang haben könnte, und nicht allezeit ganz in einen genau bestimmten Zeitpunkt eingeschlossen seyn m/ißte, so daß beynahe hundert Jahre hindurch von nichts als falschen Christen, die sich AnHanger machten, und falschen Propheten, die sie ankündigten, geredet wurde. In den vorhergehenden Jahrhunderten war so etwas nicht gesehen worden, und die Iüden verschwendeten den Namen Christus weder an den Judas Maccabaus, der über ihren Tyrannen so viele herrliche Siege davon trug, noch an seinen Bruder Simon, der sie vom Joche der Heiden befreyte, noch andenHircan, der feine Eroberungen noch weiter ausbreitete. Die Zeiten, und die andern Kennzeichen des Meßias trafen hier nicht ein; es wurde nur in dem Jahrhunderte Jesu Christi von so vielen falschen Heilanden geredet. Die Samaritaner, welche im Pentateuchus die Weißagung Jacobs lasen, hatten ihre falschen Meßias sowohl, als die Iüden, und kurz nach dem Tode unsers Heilandes erkannten sie ihren Dosi- theus dafür*. Simon, der Zaubrer, der aus eben diesem Lande gebürtig war, rühmte sich auch, Gottes Sohn zu seyn, und Menander, sein Schüler, gab sich für den Erlöser der Welt aus. Da Christus noch lebte, hatte das samaritanische Weib geglaubt, daß Ioh. 4, -5> der Meßias kommen sollte; so allgemein war k^X^ unter der Nation, und unter allen deneu, die die Weißagung Jacobs lasen, daß der Heiland der Weit in diesen Zeiten kommen müßte. Als aber die Zeit 'so weit verflossen war, daß man keine Hoffnung mehr haben konnte> und die Jü- " >"> ' ,> dm * OriZ. In rraA. 17. in IVlacrli. Iren. 1.10. !l. m die allgemeine Geschichte. 379 den aus der Erfahrung sahen, daß alle die Meßias, denen sie gefolgt waren, sie nur riefer in ihr Unglück gestürzt hatten, anstatt sie davon zu befreyen: So erschienen lange Zeit keine neuen Christi unter ihnen, und Barchochebas ist der letzte, den sie in den ersten Zelten des Christenthums dafür erkannt haben. Allein der alte Eindruck konnte nicht so bald verlöschen. Anstatt zu glaube:;, daß der Meßias erschienen wäre, wie sie zu Hadrianus Zeiten noch thaten, so gcriethen sie unter den Antoninen, seinen Nachfolgern, auf den Einfall, zu sagen, daß ihr Meßias in der Welt wäre, ob er sich gleich noch nicht öffentlich zeigte, weil erden Propheten, Elias, erwartete, der ihn einweihen sollte» Diese Sage war zu den Zeiten des heiligen Iustinus unter ihnen gemein, und wir finden auch in ihrem Talmud die Lehre eines ihrer ältesten Rabbinen,' welcher sagte: Jesus Christus wäre gekommen, wie solches in den alten Prophezeiungen verkündige worden wäre; allein er hielte sich irgend wo in Rom unter den armen Bettlern verborgen*. Eine solche träumerische Einbildung konnte in den Gemüthern keinen Eingang finden. Die Juden stürzten sich in einen andern Abgrund, und sahen sich gezwungen, zu gestehen, daß der Meßias zu den Zeiten nicht gekommen wäre, wo sie ihn mit Rechte, nach ihren alten Prophezeiungen zu urtheilen, erwartet hätten. Es fehlte wenig, daß sie ihre Hoffnung auf den Meßias, der nicht zur bestimmten Zeit gekommen war, völlig aufgaben. Viele folgten einem berühmten Rabbi, dessen Worte im Talmude noch aufbehalten worden sind. Er sah, daß die Zeit schon so weitver- ' flössen * lum'n. sävers. Ii^plion. K.Iuäü» SI-U5 I>vi> 6em. 8än. XI. z8s Bischof Bsssuets Einleitung fiossen war, und schloß daraus, daß die Istaeliten nicht mehr auf den Meßias hoffen dürften, indem er ihnen in der Perlon des Königes Eze- chias schon gegeben worden ware^. Doch in der That hat diese Meynung bey den Juden keinen Beyfall gesunden, sondern ist vielmehr verabscheut worden. Allein weil sie in der Kenntniß der in ihren Prophezeyungen angegebnen Zeiten nicht mehr fortkommen konnten, und nicht wußten, wie sie sich aus diesem Jrrgange herausfinden sollten, so haben sie in ihremTalmude aus folgenden Worten einen Glaubensartikel gemacht: Alle Zeiten, die von der Ankunft des Meßias angegeben worden sind, sind verflossen, und daher haben sie einmüchig den Ausspruch gethan: Verflucht seyn diejenigen, welche die Zeiten des Meßias berechnen werden^: So verlaßt ein Steuermann in einem Sturme, der sein Schiff von seiner Straße verschlagen hat, voll Verzweiflung seinen Compaß und seine Ausrechnungen, und laßt es hintreiben, wo es der Zufall hinführen will. Seit der Zeit haben sie sich nur darauf beflissen, den Prophezeyungen auszuweichen, in welchen die Zeit des Meßiaö angegeben ist. Sie haben es nicht geachtet, alle Traditionen ihrer Väter über den Haufen zu werfen, wofern sie nur den Christel, diese herrlichen Prophezeyungen nehmen könnten, und sie sind so weit gegangen, daß sie auch gesagt haben, die Weißagung Jacobs gienge nicht auf den Meßias. Allein ihre alten Schriften strafen sie Lügen. Diese Prophezeyung wird im Talmude vom Meßias verstanden, * K. «illel. ib. ädran. 6e c. 5!dei. Lern. 8an. c. X. ^loles Usimoniä. in Lxir...lalm. I5. ^brsn. äe cax. üä. in die allgemeine Geschichte. ?8i standen, und unsre Erklärung wird man in ihren Pa- raphrasten, in ihren ältesten, und angesehensten Auslegern finden*. Wir lesen daselbst die eigentlichen Worte, daß das Haus und Königreich Iuda, das einmal die ganze Nachkommenschaft Iuda und das ganze Volk Israels ausmachen würde, allezeit Richter und Meister, bis ans den Meßias haben sollte. Alsdann würde aus allen Völkern ein neues Königreich entstehen. Das ist das Zeugniß, welches noch in den ersten Zeiten des Christenthums die berühmtesten Lehrer unter den Juden ablegten, deren Aussprüche für gültig angenommen wurden. Die alte Tradition, die so fest und so wohl bestätigt war, konnte nicht sogleich vertilgt werden, und obgleich die Iüden die Weißagung Jacobs nicht auf Christum deuteten, so leugneten sie doch nicht, daß sie aufden Meßias gienge; so weit gieng ihre Kühnheit noch nicht. Sie verfielen erst lange nachher in diese Ausschweifung, und sie erkannten, da die Christen so sehr in sie drangen, daß ihre Tradition wider sie wäre. Was die Prophezeyung Daniels anbetrifft, wo die Ankunft des Meßias in den Zeitpunkt von 49Q Jahren eingeschlossen ist, wenn man nämlich vom zwanzigsten Jahre der Regierung Artarerxes, des Langhändigen, an rechnet; so führte dieser Zeitpunkt gegen das Ende des vier tauscndenIahres derWelt.Nun ist es aber auch eine sehr alte Sage unter den Iüden,daß der Meßias gegen das Ende des Viertausenden Jahres der Welt, ungefähr zween tausend Jahre nach dem Patriarchen Abraham, erscheinen würde. Ein Elias, dessen Namen * Lem. l'raÄ, 8aneä. c. XI. kargxlir. OnKelos, IoNa- nan Lc ^erolol. V. ?oIxZ> ^n^I. z82 Bischof Bossuets Einleitung men unter den Juden groß ist, der aber nicht der Prophet ist, hatte solches vor der Geburt unsers Heilandes gelehrt, und der Talmud hat uns diese Tradition aufbehalten. Sie haben gesehen, N^ionseigneur, daß dieser Zeitpunkt bey der Ankunft unsers Heilandes zu Ende gegangen, weil er in der That zween tausend Jahre nach Abraham, gegen das viertausende Jahr der Welt erschienen ist. Unterdessen haben ihn die Juden nicht erkannt; weil ihnen ihre Hoffnung fehlgeschlagen ist, so sagen sie, daß ihre Sünden die Ankunft des Meßias verzögert hätten. Gleichwohl aber sind unsre Data nach ihrein eignen Geständnisse rich- tig,und die Blindheit ist allzugroß,wcnn sie sagen,daß die Menschen an der Verzögerung der Zeit schuld ßnd, die Gott so genau im Propheten Daniel bezeichnet hat*. Das stürzt sie in eine noch größre Verwirrung, daß dieser Prophet die Zeit Christi bis auf die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems gehen laßt, so daß, wenn diese letzte Zeit verflossen ist, die vorhergehende auch verflossen seyn muß. Iosephus ist hier in einen groben Irrthum verfallen. Er hat die Wochen richtig gezählt,nach welchen der Untergang des jüdischen Volkes erfolgen sollte, und als er gesehen, daß sie zu der Zeit zu Ende gegangen, als Titus die Stadt belagerte, so glaubte er gewiß, daß die Zeit der Zerstörung Jerusalems gekommen wäre. Allein er überlegte nicht, daß vor dieser Zerstörung die Ankunft und der Tod Jesu Christi vorhergehen sollte. Er verstund also diese Prophe- zeyung nur halb. Die * Lem. 1>z!r. Lan. c. XI. m die allgemeine Geschichte. 585 Die Juden, die nach ihm gekommen sind, haben diesem Mangel abhelfen wollen. Sie haben einen Agrippa, einen Abkömmling des Herodes, ersonnen, den die Römer, wie sie sagen, kurz vor der Zerstörung der Stadt Jerusalem umgebracht haben. Sie geben vor, daß dieser Agrippa, der als ein König, ein Christ, oder Gesalbter sey, der Christus wäre, von dem im Propheten Daniel geredet wird. Ein neuer Beweis von ihrer Blindheit! Denn außerdem daß dieser A- grippa weder der Gerechte, noch der Allerheiligste, noch das Ende aller Weißagungen seyn kann, wie es der vom Daniel an diesem Orte bezeichnete Christ seyn sollte; ausserdem daß auch dieser Tod das Agrippa, woran die Juden unschuldig waren, nicht die Ursache ihres Unterganges seyn kann, wie Daniel an dem angeführten Orte solches sagt: so ist das alles, was die Iüden hier sagen, ein Märchen. Dieser Agrippa, der vom HerodeS abstammt, ist stets auf der Seite der Römer gewesen; die Kaiser haben ihm bestandig wohl begegnet, und er herrschte lange Zeit nach der Einnahme Jerusalems noch in einem Theile des jüdischen Landes, wie solches Iosephus und seine andern Zeitgenossen bezeugen *. Was also die Iüden nur erdichten, den Prophezeiungen einen andern Verstand zu geben, das macht sie nur mehr zu Schanden. Sie selbst messen so groben Erfindungen keinen Glauben bey, und ihre beste Vertheidigung ist das Gesetz, das sie angenommen haben , die Tage des MeßiaS nicht zu zahlen. Dadurch verschließen sie ihre Augen freywillig vor der Wahrheit, * Jolepli. lidr. VIl. äe Kell. juä> ^uttui l'lksriu? Li' i-IiorK. kliorli coä, ?z. z84 Bischof Bossuets Einleitung hcit, und entsagen den Prophezeyungen, wo der Heilige Geist selbst die Tage des 'Messias gezählt hat: Allein indem sie ihnen entsagen, so erfüllen sie dieselben, und bekräftigen die Wahrheit von dem, was sie von der Blindheit und dem Falle der Juden sagen. Sie mögen auf die Prophezeyungen antworten, was sie wollen; die Zerstörung, welche die Weissagungen vorherverkündigten, ist zu bestimmter Zeit erfolgt; der Erfolg ist ein stärkrer Beweis, als alle ihre Spißsündigkciten, und wenn der Meßias in diesen unglückseligen Zeiten nicht gekommen ist, so sind sie von den Propheten hintergangen worden» Damit wir sie völlig überzeugen, so wollen wir zween Umstände anmerken, die ihren Untergang und die Ankunft des Meßias begleitet haben. Der eine Umstand ist dieser: die beständige, und seit den Zeiten Aarons ununterbrochne Folge der Hohenpriester hörce dazumal auf. Der andre Umstand ist dieser: die Stamme und Familien, die bis auf diese Zeiten von einander beständig unterschiedeil worden waren, vermengten sich unter einander, und aller Unterschied zwischen ihnen gieng, ihrem eignen Geständnisse nach, verlohren. Dieser Unterschied war bis auf die Zeiten des Messias nothwendig. Aus dem Stamme Levi sollten die Diener im Heiligthume herkommen. Aus dem Geschlechte Aarons sollten die Priester und Hohenpriester gebohren werden. Aus dem Stamme Iuda sollte der Meßias selbst hervorgehen. Wenn die Familien nicht bis auf den Untergang der Stadt Jerusalem und die Ankunft Jesu Christi von einander unterschieden gewesen mären, so würden die jüdischen Opfer vor der Zeit Untergängen seyn, und David wäre der Ehre beraubt worden, für den Vater des Messias in die allgemeine Geschichte. sias erkannt zu werden. Ist der Meßias gekommen; ist das neue Pricsterthum nach der Weise Melchise- dccs in seiner Person angegangen, und ist das neue Reich, das nicht von dieser Welt war, angerichtet worden: So sind weder Aaron, noch Levi, uochIuda, noch David, noch ihre Familien weiter nöthig. Was Dan>5,»A soll Aaron zu der Zeit noch, da nach dem Daniel die Opfer und Speisopfer aufhören sollen ? Das Schicksal des Hauses Davids und des Stammes Iuda ist vollendet, so bald der Christ des Herrn daraus hergekommen ist, und da die Juden ihrer Hoffnung selbst entsagten, so vergaßen sie gerade zu der Zeit die Folge und Ordnung der Familien, die bis dahin so heilig und sorgfältig erhalten worden war. Wir wollen eins, von den Merkmalen der Ankunft des Meßias, nicht vergessen, das vielleicht das vornehmste ist. wenn nur es recht zu verstehen wissen, Dir haben -,5. keinen andern Rönig, denn'den Raijer. Der Job. 19,15. ^leßias wird dein Rönig nicht seyn; behalte, Rom. », »5. was du Sir erwahlr hast; bleib ein Sklave des Kaisers und der Zxönige, bis daß die Lulle der Heiden eingegangen sey, und ganz Israel erlöst werde. s^x > ^ ^> /»i >^ Von der Bekehrung der Heiden, durch das Kreuz Jesu Christi. ANie Bekehrung der Heiden -war die andre große Begebenheit, welche sich zu den Zeiten des Meßias zutragen, und ein gewisses Merkmal seiner Ankunft seyn follte.Wir haben gesehen, daß solches die Propheten deutlich vorherverkündigt haben. Ihre Versprechungen sind in den Tagen unsers Heilandes erfüllt . worden. Was die Philosophen sich nicht unterstanden haben, was weder die Propheten, noch das in die allgemeine Geschichte. Z91 das jüdische Volk, zu den Zeiten, wo es in einer voll- kommnen Sicherheit und in einem untadclichen Glauben lebte, ausrichten tonnen, das thaten dazumal, nicht früher und nicht später, zwölf Fischer, die Jesus Christus sendete, und welche selbst Zeugen seiner Auferstehung gewesen waren. Denn die Bekehrung der Welt sollte weder ein Werk der Philosophen, noch der Propheten seyn; es war Jesu Christo vorbehalten, und eine Frucht seines Kreuzes. Christus und seine Apostel mußten freylich aus den Juden kommen, und die Verkündigung des Evangc- lii mußte zu Jerusalem ihren Anfang nehmen. LLs Ies.., wird zur leyten Zeit der Berg, rvo des Herrn Haus ist, gewiß höber seyn, denn alle Berge, und über alle Hügel erhaben werden. So sagt Iesaias; dieser Berg sollte die christliche Kirche seyn. Alle Heiden werden dazu laufen und viele Völker hingehen, und sagen: kommet, laßt uns auf den Derg des Herrn gehen. Zu der Zeit wird Cbend.v.17. der Herr allein hoch seyn, und mit den Göczen wird es ganz auswerden. Allein Iesaias, der alles dieses gesehen hat, sah zu gleicher Zeit, daß das ^ Gesey von Zion ausgehen, und von Ierulalem das N)orc des Herrn kommen würde; darum sagte unser Heiland, daß das Heil von den Juden I0H.4,2-. kommen sollte. Es war Gott anständig, das neue Licht, mit welchem die abgöttischen Völker dereinst erleuchtet werden sollten, von dem Orte ausgehen zu lassen, wo es immer gewesen war. In Jesu Christo, dem Sohne Abrahams und Davids, sollten alle Völker gesegnet und geheiligt werden. Wir haben solches oft angemerkt; allein wir haben die Ursache noch nicht angegeben, warum dieser leidende, dieser gekreuzigte und erniedrigte Jesus der einzige Urheber der Bb 4 Hei- 592 Bischof Bossuets Einleitung Heidenbekehrung, und der einzige Ueberwinder der Ab- göttercy seyn sollte. Der heilige Paulus hat uns dieses große Geheimniß im ersten Capitel seines 'ersten Briefes an die Co- rinther erklärt; wir wollen diese schöne Stelle in ih, i Cor.r, 17. ganzen Zusammenhange betrachten. Christus, xy..9.io.-> sagt er, bat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen: nicht mit klugen N)orren, aufdaß nicht das Rreuz Christi zunichte werde. Denn das tVorr vom Zxreuze ist «ine Thorheit denen, die verlohren rverdenzuns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotreskrafr. Denn es stehet geschrieben: Ich will zunichte machen.die Weisheit der lVeisen, und den verstand der Verständigen will ich verwerfen. N?o sind nun die klugen? Jes.29,14. t",d die Schrisrgelehrten? N)o sind die zzz-8. VOelrwcisen ? Hat nicht Gorr die tVeisheir dieser N)elc zu Schanden gemacht? Ohne Zweifel, weil sie die Menschen nicht aus ihrer Unwissenheit herausreißen können. Paulus giebt die Ursache davon deutlich an. Dieweil die TVelr durch ihre lVeisheit Gort in seiner lVeisheit nicht erkannte, das ist, weil sie ihn in seinen Creaturen, die er so weislich eingerichtet hatte, nicht kennen lernte, so erwählte Gott einen andern Weg, so gefiel es ihm wohl, durch thörichte predigt selig zu machen die, so daran glauben. "Das ist die Predigt vom Kreuze, die ein Geheimniß ist, wo die menschliche Weisheit nichts begreifen kann. Das ist ein neues und bewunderungswürdiges Vorhaben der göttlichen weisen Vorsehung! Gott hatte den in die allgemeine Geschichte. 59Z den Menschen in die Welt gesetzt, wo die Weisheit ihres Schöpfers aus der Größe, aus dem Reichthums, und aus der herrlichen Einrichtung seines Werkes hervorsirahlte, er mochte seine Augen hinwenden, wo er hinwollte. Der Mensch hat ihn unterdessen verkannt; die Creaturen, die sich ihm zeigten, damit er seinen Geist noch höher erheben sollte, fesselten ihn an sich; der blinde und sinnlose Mensch diente ihnen, und er war nicht einmal zufrieden, daß er Gottes Werk anbetete; sondern er betete so gar das Werk seiner Hände an. Er nahm Fabeln an / die weit lacherlicher sind, als die Märchen, welche man Kindern erzählt: er hat die Vernunft vergessen, nunmehr will ihn Gott noch aufcine andre Art sie vergessen lehren. Ein Werk, dessen Weisheit er empfinden konnte, rührte ihn nicht; ihm wird also ein andres Werk gezeigt, wo sich seine Vernunft verliert, und wo ihm alles Thorheit zu seyn scheint: Das ist das Kreuz Jesu Christi. Mit seiner Vernunft versteht er dieses Geheimniß nicht; er zCor-lo,^5. muß alle Vernunft umer den Gehorsam des Glaubens gefangen nehmen/ und alle Anschlage, und alle Höhe zerstören, die sich wider die Erkenntniß Gocres erhebet. lind in der That was begreifen wir dein, in diesem Geheimnisse, wo der Herr der Ehre mit Schande überhäuft, wo die göttliche Weisheit als Thorheit angesehen wird, und wo derjenige > der in sich selbst seiner natürlichen Größe gewiß ist, es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu seyn, Philipp. sich stlbst geäußert, Zxnecht.'Sgestalc angenom- ^' men, sich selbst erniedriger har, und bis zum Tode, ja bis zum Tode am Zxreuze gehorsam worden ist i Hier verlieren sich alle unsre Gcdan- Bb 5 ken, 594 Bischof Bossuets Einleitung ken, und es kann denen, die nicht von Gott erleuchtet sind, nach dem Aussprnche Pauli nichts thörichter seyn, als dieses Geheimniß. So war das Gegenmittel beschaffen, das Gott wider die Abgötterey brauchen wollte. Er kannte den Geist des Menschen; er wußte, daß ein Irrthum, der durch die Vernunft nicht eingeführt worden war, auch durch die Vernunft nicht geheilt werden konnte. Es giebt Irrthümer, in welche wir verfallen, indem wir die Vernunft gebrauchen; man verwirrt sich zuweilen, indem man die Kräfte der Vcnmnft allzuheftig anstrengt: Allein die Abgötterey war durch eine ganz entgegengesetzte Ausschweifung eingerissen, indem der Mensch alleVernunft unterdrückt hatte, und sich von den Sinnen beherrschen ließ, die allen Dingen die göttlichen Eigenschaften geben wollten, von denen er gerührt wurde. Dadurch war ihnen die Gottheit sichtbar und sinnlich geworden. Die Menschen hatten ihr ihre Gestalt, und, was noch schändlicher war, ihre iastcr und Leidenschafren gegeben. Die Vernunft war an einem so viehischen Irrthume nicht schuld. Das war ein Umsturz des gesunden natürlichen Verstandes, ein Unsinn, eine Raserey. Redet einmal mit einem Unsinnigen, und mit einem Menschen, den ein hitziges Fieber zu Ausschweifungen des Verstandes bringt; redet mit einem solchen Menschen vernünftig; ihr werdet das Uebel nur mehr reizen und unheilbar machen. Man muß bis auf den Grund des Uebels dringen, das Temperament wieder einrichten, und die Säfte beruhigen, deren Heftigkeit und Gewalt solche Ausschweifungen veranlaßt. Die Vernunft kann also wider die Raserey der Abgötterey nichts helfen. Was haben die Philosophen mit ihren prächtigen Reden, mit ihrer in die allgemeine Geschichte. 595 ihrer erhabnen Schreibart, und mit ihren Vernunftschlüssen ausgerichtet, die sie mit so vieler Kunst zu- jammcngeordnet hatten? Hat Plato wohl mir seiner Beredsamkeit, die man für göttlich gehalten, einen einigen Altar umgestürzet, wo diese ungeheuren Gottheiten angebetet wurden? Er, und seine Schüler und alle Weisen der Welt haben den Lügen geopfert: Sie sind in ihrem Dichten eitel worden, und Rom, i,«. ihr unverständiges Herz ist verfinstert, und da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden, weil sie wider ihre Einsicht die Creaturen angebetet haben. Hat also der heilige Apostel nicht Recht in unsrer Stelle auszurufen: Wo sind nun die Klugen. Wo sind die Schristgclchrten? Wo sind die Weltweisen? Sind sie auch nur auf die Vermuthung gefallen, daß man sich solchen Gotteslästerungen widersehen, und, ich will nicht sagen den Tod, sondern nur das geringste Leiden für die Wahrheit erdulten müßte. Weit gefehlt, daß sie dieses gethan haben; sie haben vielmehr die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufgehalten, Rom. i,is. und als einen Grundsah angenommen, daß man in Sachen der Religion dem Volke folgen müßte. Das Volk, das sie so sehr verachteten, ist in der wichtigsten Sache ihre Richtschnur gewesen, wo doch ihre Einsicht und Vernunft am nothwendigsten zu seyn schien. Wozu hast du also gedient, oPhilosophie? Hat nicht i und die Schwachheit, die sie beglei^et,sein Werk ist; denn , ob sie gleich nicht in den ersten Entwurf Gottes gehörte, so war sie doch eine gerechte Strafe der Sünde und wegen dieser Eigenschaft ein würdiges Werk der göttlichen Gerechtigkeit. Gott hat sie also gewürdigt, sie anzunehmen, und da er die Strafe der Sünde, ohne die Sünde selbst angenommen, so hat er dadurch gewiesen, daß er nicht ein Schuldiger, den man bestraft^ sondern der Gerechte wäre, der die Sünden der andern versöhnte. Die Menschen legten ihren Göttern alle -Laster bey; in diesem Gottmenschen aber erschienen alle Tugenden, und damit sie in den größten Versuchungen, und also in ihrem größten Glänze erscheinen möchten, so zeigten sie sich mitten unter den schrecklichsten Martern. Wir wollen also keinen andern sichtbaren Gott mehr suchen als diesen; er ist aklein würdig, alle Götzenbilder umzustürzen; den Sieg, den er davon tragen sollte, gewann er durch sein Kreuz. Dieser Sieg ist also mit einer scheinbaren Thorheit verbunden. Denn die Iüden, fährt der heilige Apo- »Cor.1,-2. stel fort, verlangen Zeichen. Gott sollte die Na- 2j> u> f. hewxgM^ wie er bey ihrem Ausgange in Aegyptcn gethan hatte, und sie auf eine sichtbare Weise über ihre Feinde erheben. Allein die Griechen fragen nach lVeisheir, und nach Reden voll Kunst, wie die Reden des Plato und des Sokrates waren. N>lr aber, fährt der Apostel fort/ wir predigen den getreu. in die allgemeine Geschichte. Z99 zigren Christum, den Juden ein Aergerniß und den Griechen eine Thorheit. Denen aber, die berufen sind, beyde den Juden und Griechen, predigen wir Christum,göttliche Rrafr und göttliche iVeisheit; denn die göttliche Thorheit ist weiser, denn die Nlenschen sind, und die göttliche Schwachheit ist starker, denn die Menschen sind. Das ist also der letzte Streich, der unsre stolze Unwissenheit niederschlagen mußte. Die Weisheit, zu der man uns fuhrt, ist so erhaben, daß sie unsrer Weisheit eine Thorheit zu seyn scheint, und ihre Gesetze sind so erhaben, daß uns alles davon ausschweifend vorkömmt. Allein wenn uns die göttliche Weisheit gleich in sich selbst unbegreiflich ist, so äußert sie sich doch durch ihre Wirkungen deutlich genug. Es geht eine Kraft aus dem Kreuze aus, und alle Götzenbilder werden erschüttert. Wir sehen sie niederstürzen, ob gleich die ganze römische Macht dieselben aufrecht zu erhalten sucht. Das sind die Weisen, das sind die Edlen, das sind die Gewaltigen nicht, die ein so großes Wunder gethan haben. Das Werk Gottes ist ganz sein Werk, und was er durch die Erniedrigung seines Sohnes angefangen hat, ist durch die Erniedrigung seiner Jünger vollendet worden. Sehet an, lieben Brüder, so beschließt der Apostel Paulus seine vortreffliche Rede, scher an euern Beruf; nicht viel i Cor. r, -5. lVeise nach dem Fleische, nicht viel Gewalri- ge, nicht viel Edle sind berufen: Sondern was thöricht ist vor der N?elt, das h^.c Gott er- wählt, daß er die N?eifen zu Schunden mache, . und was sckwach ist vor der lVely das l>;e Gorr erwählt, daß er Zu Schanden mache, was 4OO Bischof Bossuets Einleituttg was stark ist, und das Unedle und das Verachtete vor der lVelt hac Gort erwählt, und das da nichts ist, daß er zu Schanden mache, was etwas ist, auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme. Die Apostel und ihre Schüler, die Verachtung der Welt, und ein Nichts in den menschlichen Augen, haben über alle Kaiser und über das ganze Reich gesiegt. Die Menschen hatten die Schöpfung vergessen, und Gott hat sie erneuert, indem er aus diesem Nichts seine Kirche hervorgebracht hat, der er eine unüberwindliche Macht wider den Irrthum verliehen hat. Er hat mit den Götzenbildern zugleich alle menschliche Gewaltzu Schanden gemacht, welche dieselbe vertheidigen wollen, und diesi's Werk ist so groß, als die Schöpfung der Weit, die er durch die Macht seines Wortes erschaffen hat. HeDMDMDDMMMHDDMG^DMDK Von den verschiedenen Gestalten der Abgötterey. ATHie Abgötterey scheint uns die Thorheit selbst zu seyn, und wir können kaum begreifen, wie eö so viel kosten können, sie abzuschaffen. Allein eben ihre ausschweifende Abscheulichkeit zeigt uns, wie schwer sie zu überwinden gewesen, und ein so großer Umsturz des natürlichen gesunden Verstandes beweist deutlich , wie verderbt der? Grund war. Die Welt war in der Abgötterey, so zu sagen, alt geworden, sie war von ihren Götzen bezaubert, und gegen die Stimme her m die allgemeine Geschichte. 4Ol der Natur taub geworden/ die wider sie zeugte. Was wurde nicht für eine Macht erfordert, den wahren Gott, der ganz vergessen worden war, in das Andenken der Menschen wieder zurückzurufen, und das menschliche Geschlecht aus seinem so tiefen Schlummer zu erwecken. Alle Sinne, alle Leidenschaften, alle Vortheile der Menschen stritten für die Abgötterei). Sie war zum Vergnügen erfunden: die Ergetzlichkeiten, die Schauspiele, und die Ausschweifungen selbst machten einen Theil des Gottesdienstes aus. Die Feste waren nichts, als Spiele, und die Schalkhaftigkeit war aus dem bürgerlichen Leben nicht so sehr verbannl,als aus den Geheimnissen der Religion. Wie konnten so vcr- dorbne Gemüther zu einer so ordentlichen, wahrhaften, keuschen, und strengen Religion gewöhnt werden, welche eine Feindinn der Sinne war, und einzig und allein unsichtbare Güter zum Gegenstände hatte. Der heilige Apostel Paulus redete mit dein Statthalter in Iudäa, Felix, von der Gerechtigkeit, von der Apostg, ,4, Reufchheit, und von dem zukünftigen Leben. Felix aber erfchrac? und sagte: Gebe hin auf dießmal; wenn ich gelegne Zeit babe, will ich dich herrufen lassen. Eine solche Rede mußte für einen Mann weit hinaus geschoben werden, der ohne Gewissensunruhe die Güter dieser Welt genießen wollte. Will man den Eigennutz in Bewegung sehen, diese mächtige Triebfeder, die alle menschlichen Handlungen und Vorfälle treibt? Als die Predigtendes heiligen Paulus in ganz Asien das Ansehen der Abgöt- terey sehr in Abnehmen brachten, so versarnmletcn sich die Goldschmiede, welche ihr Leben durch die Verfertigung kleiner silberner Tempel der Diana erhielte», und Cc derjeni» 4O2 Bischof Bossuets EinleitUttg derjenige, der am meisten unter ihnen galt, stellte ih- Slpostg, i?, nen vor, daß sie allen ihren Gewinn verlöhren. j^s 27' rvill, sagte er, nicht allein unserm Handel dahin gerathen, daß er nichts gelte, sondern auch der Tempel der großen Göttmn Diana wird nichts mehr geachtet, und ihre Majestät wird dazu untergehen, welcher doch ganz Asia, und der tpeltkreis Gottesdienst erzeiget. Wie mächtig ist der Eigennutz, und wie verwägen, wenn er sich mit dem Scheine der Religion bedecken kann! Das war genug, diese Künstler in Bewegung zu bringen. Da sie das hörten, wurden sie voll Zorns, schrien, und sprachen: Groß ist die Diana der j^pheftr! Die ganze Stadt ward voll Getümmel, sie stürmten einmüthig aus den Schauplatz, und rissen die Gefährten des Apostels Paulus dahin. Alsdann verdoppelte sich das Geschrey, und der ganze Markt erschallte binnen zwo Stunden allein von den Worten: Groß ist die Diana der Epheser ! Der heilige Paulus und seine Gefährten waren den Handen des Pöbels von der Obrigkeit mit Mühe noch eittrij- sen,und sie befürchtete, daß aus diesem Getümmel noch größre Unordnungen entstehen möchten. Der Eigennutz der Privatpersonen vereinigte sich mit dem Eigennütze der Priester, die mit ihren Göttern fielen; der Eigennutz der Städte machte ihre Parthey stärker; denn die Städte wurden durch die falsche Religion berühmt; die Stadt Ephesus kann ein Exempel davon seyn, die alle ihre Freyheiten ihrem Tempel zu verdanken hatte, indem die Fremden, die dahin kamen, sie bereicherten. Was für ein Sturm mußte die Kirche nicht betreffen, die in ihrem ersten Wachsthums war? Kann man wohl darüber erstaunen, wenn man die Apostel in die allgemeine Geschichte. 49z Apostel so oft geschlagen, und gesteinigt werden sieht, daß sie oft auch mitten unter dem Pöbel für todt liegen blieben ? Allein der Eigennuß wird noch eine viel groß« re Macht wider die Kirche bewaffnen; der Eigennuß wird den Senat, das Römische Volk, und die Kaiser wider die Chn'sten reizen. Der Senat hatte durch öffentliche Verordnungen) schon seit langer Zeit fremde Religionen verboten^. Die Kaiser hatten ebenfalls diese Politik angenommen, und Mccanas rieth in der schönen Berathschlagung, welche zu? Abstellung der Misbrauche in der Regierung gehalten wurde, unter andern Einrichtungen dem Kaiser, alle Neuerungen in der Religion zu verhindern, weil sis nothwendig gefährliche Bewegungen im Staate verursachten. Die Meynung war gegründet; denn was bringt die Gemüther mehr auf, und was verleitet sie zu grössern Ausschweifungen? Allein Gott wollte zeigen, daß die Einführung der wahren Religion solche Unruhen nicht verursachte; und das ist eins von den Wundern, welches uns deutlich zeigt, daß er seine Hand bey diesem Werke gehabt habe. Denn wer sollte nicht erstaunen, wenn er sieht, daß unter allen den Verfolgungen, die die Kirche ausstehen müssen, unter allen den Gausamkeitcn, welche die Wut der Verfolger nur erdenken können, unter so vielen Rebellionen, und bürgerlichen Kriegen sich kein einziger Christ, weder ein guter noch ein böser in die Verschwörungen wider die Person der Kaiser eingelassen^? Die Christen fodern ihre größten Feinde auf, daß sie nur einen einzigen nennen sollenz allein es gab Cc 2 ^ keinen * Nbr. zy. 8cc. Orzr. ZVlecaett. spu ?1acco, sä Imper. Valer. ?I,e- s>do5. Lc ^rcaä. spuä <^mlir. 1 om. V. libr. V. Lxiü. Zo. ?oKm.lM,Iibr. U.IV. Kc. 406 Bischof Bossuets Einleitung Lasterungen mit der Grausamkeit. Menschen, welche Tugenden ausübten/ die weit über die menschlichen Kräfte waren, wurden solcher Verbrechen angeklagt, welche der menschlichen Natur einen Abscheu machen. Man beschuldigte diejenigen, welche in der Keuschheit ihr größtes Vergnügen fanden, der Blutschande. Man klagte diejenigen/ welche ihren Verfolgern Wohlthaten erwiesen, als jeute an, die ihre Kinder äßen. Allein so groß auch der öffentliche Haß war, so drang doch die Gewalt der Wahrheit selbst ihren Feinden günstige Zeugnisse für sie ab. Jedermann weis, was Plinius, der Jüngere*, an den Trajan von den guten Sitten der Christen schrieb, Sie wurden also wohl gerechtfertigt, aber nicht von der Todesstrafe befreyt; denn es fehlte nur dieser Zug noch dazu, das Bild des gekreuzigten Heilandes in ihnen vollkommen zu machen, daß sie nämlich, wie er, mit einem öffentlichen Zeugnisse ihrer Unschuld zum Kreuze giengen. Die Abgötterey schützte sich nicht allein mit ihrer Gewalt und Grausamkeit. Ob sie gleich im Grunde nichts als eine viehische Unwissenheit und eine völlige Verderbniß des menschlichen Verstandes war, so wollte sie sich doch mit einem Scheine der Vernunft schmücken. Wie oft hat sie nicht versucht / sich zu verstecken, und in wie viele Gestalten hat sie sich nicht ver, kleidet, um ihre Schande zu verbergen! Sie stellte sich zuweilen sehr ehrerbietig gegen die Gottheit. Alles, was göttlich ist, sagte sie, ist unbekannt; nur die Gottheit allein kennt sich selbst; es schickt sich nichtfür uns, übersoerhabne Dinge zu vernünfteln; manmuß deswegen den Alten glauben, und ein jeder muß die Reli- * klm. Kbr. IX. ex. 97. in die allgemeine Geschichte. 407 Religion annehmen, die er in seinem Lande eingeführt findet. Diese Grundsätze, diese so groben, als gottlosen Irrthümer, welche die ganze Erde erfüllten, machten dieses Uebel unheilbar, und die Stimme der Natur, welche den wahren Gott verkündigte, wurde überschrien und betäubt. Man konnte denken, daß die Schwachheit unsrer verirrten Vernunft eines Ansehen nöthig hatte/ sie wie- der zu ihrem Ursprünge zurückzuführen, und daß man von dem Alterthume lernen müßte, welches die wahre Religion wäre. Sie haben, Ulonseigneur, die unveränderte Folge derselben vom Anfange der Welt an gesehen. Allein mit welchem Alterthume konnte sich das Heidenthum erheben, das in seinen Geschichten nicht lesen konnte, ohne den Ursprung nicht allein ihrer Religion, sondern auch ihrer Götter zu finden ? Var- ro und Cicero haben solches zur Gnüge gewiesen^; ich will der andern nicht gedenken. Oder sollen wir vielleicht zu den unendlich viel tausend Jahren unsre Zuflucht nehmen, welche die Aegypter mit verwirrten und unverschämten Fabeln erfüllten, um das Alterthum zu finden, dessen sich die heidnische Religion rühmte? Allein man sah ja in Aegypten die Götter täglich gebohren werden und sterben, und dieses Volk konnte sich nicht alt machen, ohne zugleich den An» fang seiner Götter zu zeigen. Wir wollen noch eine andre Gestalt der Abgötterey betrachten. Man verlangte, daß alles angebetet werden sollte, was göttlich wäre. Die römische Politik, welche fremde Religionen auf eine so strenge Weise verbot, erlaube die Götter der Barbaren anzubeten, Cc 4 wo- * Os n»r. Oeor. Ubr. I. Lc.III. 4^8 Bischof Bossuets Einleitung wofern sie nur von den Römern unter die Götter aufgenommen worden waren. Sie wollte also das Ansehen haben, als ob sie mit allen Göttern so billig, wie mit allen Menschen umgienge. Sie räucherte zuweilen dem Gotte der Jüden mit allen andern Göttern. Wir haben einen Brief vom Julian, dem Abtrünnigen, worinnen er den Jüden verspricht/ die heilige Stadr wieder anzubauen, und mit ihnen ihrem Gotte, dem Schöpser des Himmels und der Erde, zu opfern*. Das war ein gemeiner Irrthum. Wir haben gesehen, daß die Heiden wohl den wahren Gott, aber nicht den wahren Gott allein anbeten wollten, und es lag an den Kaisern nicht, daß nicht Jesu Christo selbst, dessen Schüler sie verfolgten, Altäre unter den Römern aufgerichtet wurden. Also haben die Römer auf die Gedanken fallen können, denjenigen als einen Gott zu ehren, den ihre Obrigkeit zu einem schmählichen Tode verdammt, undvie- le von ihren Schriftstellern mit Lästerungen entehrt haben? Man darf nicht darüber erstaunen; die Sache ist außer allem Streite. Wir wollen zuerst nur dasjenige, was aus einem blinden Hasse überhaupt gesagt werden kann, von gewissen unleugbaren Begebenheiten unterscheiden, wovon man die Beweise führt. Es ist gewiß, daß die Römer unserm Heilande kein besondres Verbrechen schuld gegeben haben, ob er gleich von ihnen zum Tode verdammt worden ist. Pilatuö verdammte ihn auch ungern, weil er von den Drohungen der Jüden mit Gewalt dazu genöthiget wurde. Allein das ist noch wunderbarer selbst, daß die Jüden, die ihn so lange * ^ul. eM Comm. l'o6-tvr. in die allgemeine Geschichte. 4^9 ge verfolgt haben, bis er gekreuzigt worden ist, in ihren alten Schriften keine einzige Handlung von Jesu finden können, die sein Leben verdächtig machte, geschweige daß sie das Andenken einer einzigen Handlung erhalten hätten, wodurch er der Todesstrafe schuldig geworden wäre. Dadurch wird denn dasjenige ganz deutlich bestätigt, was wir im Evangelio lestn,daß nämlich unser Heiland kein andres Verbrechen begangen habe, als daß er gesagt, er sey Christus, der Sohn Gottes. - ' Tacitus erzählt uns wohl die Todesstrafe*, welche Jesus Christus unter dem Pontius Pilatus, und unter der Regierung des Tiberius leiden müssen; allein kein Verbrechen, wodurch er den Tod verdient hätte, als dieses, daß er der Stifter einer Secte gewesen, welche man überzeugt hatte, daß sie dem menschlichen Geschlechts gehäßig, oder vielmehr verhaßt wäre.So ist das Verbrechen des Heilandes und seiner Christen beschaffe«?, und ihre größten Feinde habeil sie nur in unbestimmten Ausdrücken angeklagt, ohne iemals ein gewisses betanntes Verbrechen anzuführen, das man auf sie bringen könnte. Es ist wahr, daß die Heiden in der letzten Verfolgung, dreyhundert Jahre nach Jesu Christo, die falschen Acten des Pilatus bekannt machten, in welchen man die Verbrechen finden sollte, die ihm den Tod am Kreuze zugezogen hatten; das thaten sie zu einer Zeit, wo sie nicht mehr wußten, was sie ihm und seinen Schülern zur Last legen sollten. ' Da man aber von diesen Acten in allen vorhergehenden Jahrhunderten, weder unter dem Nero, noch unter dem Doinitian, Cc 5 die * ?2c. änn»1. XV. 44. >> ',, ° , . . - !»- -> ... » . , ', ^, ' / , . 4n Bischof Bossuets Einleitung die beyde im Anfange des Christenthums regierten,und auch sonst nirgends reden hört: So ist offenbar, daß sie von müßigen Verleumdern erdichtet worden sind, und man hat unter den Römern so wenig gewisse bekannte Beweise wider Jesum Christum gehabt, daß man seine Zuflucht zu Erfindungen nehmen müssen. Das ist also das erste, was wir erwägen müssen. Unser Heiland ist so unschuldig , daß man ihm keinen einzigen Vorwurf machen kann. Wir wollen noch eine gewisse Wahrheit hinzusetzen; man hat die Heiligkeit seines Lebens und seiner Lehre erkannt. Einer der größten römischen Kaiser, Alexander Severus, bewunderte unsern Heiland, und ließ sowohl in öffentlichen Werken, als in seinem Pallaste einige Lehrsprüche seines Evangelii zu Überschriften nehmen ".Eben dieser Kaiser lobte die heilige Vorsicht,mit welcher die Christen ihre Priester ins Amt einführten, und stellte sie zum Exempel vor. Das ist noch nicht alles: Er hatte in seinem Pallaste eine Arr von Capelle, wo er alle Morgen opferte. Er hatte sie den heiligen Seelen gewidmet, unter welche er nebst dem Orpheus, Jesum Christum und den Patriarchen Abraham rechnete. Es war daselbst noch eine andre Capelle, oder wie man das Wort l^sr-irium sonst übersetzen will, welche nicht eine so große Würde hatte. Darinnen befanden sich die Bildnisse des Achilles und einiger andern großen Männer ; allein Jesus Christus befand sich unter denen vom ersten Range. Es ist ein Heide, der dieses aufgeschrieben hat, und er führt zum Zeugen einen Schriftsteller aus den Zeiten des Alexanders an. Das sind also zween Zeugen; hier ist noch eine Sache, die eben so erstaunlich ist. Ob- ^ I.smxr!ä. !n H,IexAnä>r. 8ever. c. 45.51. in die allgemeine Geschichte. 4" Obgleich Porphyrius das Christenthum abgeschworen und sich für seinen Feind erklärt hatte, so gestund er dennoch in seinem Buche, das er die Philosophie der Orakel nannte, daß die Heiligkeit Jesu Christi sehr günstige Zeugnisse für sich habe *., Das wolle Gott nicht, daß wir von betrügerischen Orakeln die! Ehre des Sohnes Gottes lernen wollten, der sie bey seiner Geburt zum Stillschweigen gebracht hat**! Diese Orakel, welche Porphyrius angeführt hat, sind lauter Erdichtungen: allein es ist doch gut, wenn man weis, was die Heiden ihre Gotter von unserm Heilande sagen lasten. Porphyrius versichert uns also, daß es Orakel gegeben hätte, in welchen unser Heiland ein frommer und der Unsterblichkeit rvürdigerMann genannt worden wäre;allein eben diese Aussprüche hätten die Christen für verführte und unreine Leute erklärt. Er führt darauf das Orakel der Göttinn, Hecate, an, wo sie von Jesu Christo, als von einem großen Manne redet, dessen Leib den Martern nachgegeben hat, dessen Seele aber sich nunmehr unter den glückseligen Seelen im Himmel aufhält. Diese Seele, sagte die Göttinn des Porphyrius, hat unglücklicher Weise diejenigen Seelen in Irrthümer gestürzt, welchen die Gaben der Götter, und die Kenntniß des großen Jupiters nicht verliehen worden ist; deswegen sind sie Feinde der Götter. Allein hütet euch, ihn zu schmähen, fährt sie in ihrer Rede von Jesu Christo fort, und beklagt allein den Irrthum derjenigen,deren unglückliches Schicksal ich euch erzählt habe. Das sind prächtige nichtssagende Worte, allein ^ ?orpk,)sr. I, c. ?IüIo5 xc!r orac. Luled, äemonür, LvanA, III. 8. > ** ^UZutt. äe c1v!r.veiX1X,c.--> 412 Bischof Bossuets Einleitung allein sie sind doch Zeugnisse, daß die Ehre des Heilandes selbst seine Feinde gezwungen hat, ihn zu preisen. Außer der Unschuld und Heiligkeit unsers Heilandes haben mir noch einen wichtigen Punkt zu erwägen; das sind seine Wunder. Es ist gewiß, daß die Juden dieselben niemals geleugnet haben, und wir finden im Talmudc einige, welche seine Jünger in seinem Namen sollen gethan haben ^. Sie haben nur gesagt, um die Ehre derselben zu verdunkeln, er hatte sie durch die Zauberey verrichtet, die er in Aegypten gelernt habe, vielleicht habe er sie selbst durch den Namen Gottes,Je- hova,diesen unbekannten und unaussprechlichenNamen, der alles thun kann, verrichtet. Jesus Christus habe ihn vielleicht, ob man gleich nicht weis, wie, im Heiligthume entdeckt. Vielleicht habe er aber auch diese Wunder thun können, wenn er einer von den Propheten gewesen, deren betrügerische Wunder nach der Weißagung Mosis das Volk zur Abgötterei) ver- ^i?.'^ führen solle» ^. IesnS Christus, der Ueberwinder der Götzenbilder, braucht wegen dieses Vorwurfes nicht gerechtfertigt zu werden, da sein Evangelium die ganze Welt zur Erkenntniß des einzigen Gottes gebracht hat. Die wahren Propheten haben seine Gottheit nicht mehr gepredigt, als er selbst gethan hat, und das Zeugniß der Juden beweist nur so viel, daß er zur Bestätigung seiner Gesandtschaft Wundergethan habe. Wenn sie ihm vorwerfen, daß er seine Wunder, vermöge der Zauberkunst gethan habe, so sollten sie erwägen, daß Moses eben dieses Verbrechens beschuldigt worden ist. Das war die alte Meynung der Ae- gypter, * l'raÄ. cZe iäololarr. et Lomm. in LccI. t!e 8abb. c. i-> libr.äs Zenerar. leüi leu lütt. Ie5 in die allgemeine Geschichte. 41z gypter, welche aus Erstaunen über die Wunder, die Gott durch diesen großen Mann in ihrem Lande gethan^ hatte, ihn unter die vornehmsten Zaubrer rechneten» Man kann diese Meynung im PliniuS und Avule^ juö finden, wo Moses mit dein Jannes und Mam- bre, diesen berüchtigten ägyptischen Zaubrern genannt wird, von denen auch der Apostel Paulus reder, und 2Tim.?,z. die Moses durch seine Wunder zu Schanden gemacht hat*. Allein die Jüden konnten leicht darauf antworten. Die Betrügereyen der Zaubrer haben niemals eine dauerhafte Wirkung gehabt, und zielen nicht auf die Bestätigung des wahren Gottesdienstes und eines heiligen Lebens ab; wozu noch kömmt, daß Gott seine Herrschast wohl zeigen, und Werke ausführen kann, die keine feindselige Gewalt nachzuahmen vermögend ist. Eben diese Ursachen vertheidigen Jesum wider eine so eitle Beschuldigung, die, wie wir angemerkt haben , zu nichts, als zu einem Beweise dienen, daß er unstreitig Wunder gethan hat. Sie sind so unstreitig, daß die Heiden dieselben sowohl, als dieIüden einräumen müssen. Celsus, dieser große Feind der Christen , der sie in den ersten Zeiten mit aller ersinnlichen Geschicklichkett angegriffen, suchte mit einer unbeschreiblichen Sorgfalt alles auf, was ihnen schaden konnte; allein er konnte sie doch nicht leugnen Er sagte nur mit den Jüden, Christus hätte die Geheimnisse der Aegypter, nämlich die Zauberei) gelernt, und sich wegen der Wunder, die er vernwge dieser verdammlichen Kunst gethan hätte, die Gottheit zueignen wollen. Das ist di'e Ursache, warum man die Christen auch für Zaubrer hielt, und wir *?Iin.llIK.N2r.lldr. Zl. I. ^ul. sxol. Orls.conrr. Le.L I.II. 414 Bischof Bossuets Einleitung wir habe» noch eine Stelle voin Julian, dem Abtrünnigen, wo er die Wunder unsers Heilandes zwar wohl verachtet, sie aber doch nicht in Zweifel zieht Vo. lusian thut eben das in seinem Briefe an den heiligen Augustin, und diese Rede war unter den Heiden etwas gemeines^. Man darf also nicht mehr darüber erstaunen, wenn die Heiden, welche gewohnt waren, alle Menschen, an denen man etwas außerordentliches wahrnahm, utiter die Götter zu versetzen, auch Jesum Christum zu dem Range ihrer Gottheiten erheben wollten. Tiberius trug eö dem römischen Senate vor, Jesu Christo göttliche Ehre zu erweisen, da er so viel Vortreffliches von ihm hörte. Das ist nicht etwas, das man ohne Gründe behauptet; Tercullian führt solches, als eine öffentliche und bekannte Sage in seiner Apologie an, die er dem Senate im Namen der Kirche vorlegte Es ist nicht zu glauben, daß ereine so gute Sache, als die seinige war, durch Dinge hätte schwachen wollen, die so leicht widerlegt werden konnten, wenn sie nicht außer allem Streite gewesen wären. Wenn wir das Zeugniß eines Heiden selbst verlangen, so wird uns Lampridius sagen, daß Hadrianus Jesu Christo Tempel erbaut habe, die noch zu seiner Zeit zu fthen yerveftn voaren. Alexander Severns betete ihn in seinem Pallaste an, und wollte hernach ihm öffentliche Altäre ausbauen, und ihn unter die Zahl der Götter setzen Es ist in der That sehr ungerecht, wenn man von . Ich * OrlZIn. ilziä. in ^Ä. IVlzrr.vass lul gpuä (Ü/rill. libr.Vl. /^pol.^uAuli rom.II.ep.z 4. ***1'erruII.apoIo<;. 5 KuleK.tnlt. eccl.ll.Z I-smxrlä. in ^Iex.c.4. m die allgemeine Geschichte. 415 Jesu Christo nur das glauben will, waö diejenigen von ihm schreiben, die seine Schüler nicht geworden sind; denn das heißt den Glauben bey den Ungläubigen suchen, und die Sorgfalt undGenauigkeit bey denen finden wollen,die mit andernDingen beschäfftigt waren, und die Religion für eine ganz gleichgültige Sache hielten. Allein unterdessen ist es doch wahr, daß die Herrlichkeit Jesu Christi in einem so hellen Lichte erschienen ist, daß sich die Welt selbst nicht enthalte!» können, ein Zeugniß für sie abzulegen/ und ich kann ihnen, Monseigneur, kein ansehnlichcrs vortragen, als das Zeugniß so vieler Kaiser. , Ich sehe unterdessen wohl ein, daß sie eine ganz andre Absicht darunter auszuführen dachten. Es mengte sich die Politik in die Ehre, die sie Jesu Christo erzeigten. Sie wollten haben, daß sich endlich alle Religionen vereinigen, und alle Götter aller Se- cten einer jeden gemein werden sollten. Die Christen aber wollten von einem solchen vermischten Gottesdienste nichts wissen, und verachteten die Nachsicht der römischen Staatskunst sowohl, als ihre Strenge und Grausamkeit. Gott wollte haben, daß die Heiden, aus einer andern Ursache, die Tempel nicht wollten bauen lassen,welche die Kaiser unserm Erlöser bestimmten. Die Gößenvriester erklärten sich nach dem Berichte eines heidnischen Schriftstellers , den ich schon etlichemal angeführt habe, gegen den Kaiser, daß rvenn er zum Gebrauche der Christen Tempel aufbaue?» ließ, so würden alle andern Tempel verlassen werden, und die ganze lVelr rvürde die christliche Religion annehmen *. Die Abgötterey selbst "I.amxriä> lbiil. 4i6 Bischof Bossuets Eitlleiwng fühlte in unsrer Religion eine siegreiche Gewalt, wel« cher die falschen Götter nicht widerstehe», konnten und rechtfertigte also die Wahrheit des 'Ausspruches vom Apostel Paulus: Wie stimmet Christus mir dem »Cor.6,.5.16 2Selml, und was hat der Tempel Gorres für ei, ne Gleichheit mir den Götzen? So wurde also die heidnische Religion durch die Kraft des Kreuzes zu Schanden, und kam in Verfall, und die Einheit Gottes wurde ein so allgemeiner Glaube, daß am Ende so gar die Abgötterei) selbst nicht weit davon entfernt zu seyn schien *. Sie sagte, daß die göttliche Natur so groß wäre, und sich so weit er- streckte, daß sie nicht unter einen: einzigen Namen, noch unter einer einzigen Gestalt abgebildet werden könnte; daß aber Jupiter, Mars, Juno und alle andern Götter nur eben derselbe Gott waren, dessen unendli- chen Eigenschaften unter so vielen verschiednen Benennungen erklart und vorgestellt würden. Wenn sie hieraufgezwungen waren, auf die unreinenGeschlechter ihrer Götter, auf ihre unehrlichen Geburtsregister, auf ihre schandbaren Wollüste und Liebesverstandnisse, auf ihre Feste und Geheimnisse zu kommen, die sich auf keinen andern Grund stützten, als auf diese ungeheuern Fabeln: So wurde die ganze Religion in Allegorien verwandelt. Da war es die Welt, oder die Sonne, welche dieser einzige Gott war; da waren es die Sterne; da waren es die just, das Feuer, das Wasser und die Erde, und ihre verschiednen Zusammensetzungen, welche unter den Namen der Götter und ihrer Buhlereyen versteckt waren. O eine schwache ^^vlacrod. 1.8ar. 17. ec 5e«z. ^xulej. äe Oeo LocrAr.^u^ul!'. civ1r.VI.io. ». nt die allgemeine Geschichte. 417 che und elende Ausflucht! Denn außerdem daß die Fabeln ärgerlich, und alle Allegorien kalt und erzwungen waren, so fand man am Ende nichts, als daß dieser einzige Gott die Welt mit ihren Theilen wäre. Der Gegenstand dcrReligion blieb also imGrunde immer die Narur,und die Crearur wurde noch immerfort angebetet, anstatt daß der Schöpfer angebetet werden sollte. Die schwachen Vertheidigungen der Abgöttcrcy befriedigten die Philosophen nicht, ob sie gleich aus der stoischen Philosophie hergenommen waren. Celsus und Porphyrius suchten also einencue Hülfe in der Philosophie des Plato und des PythagoraS, und sie vereinigten den Glauben von der Einheit Gottes mit der großen Zahl der Götter auf eine andre Art. Es ist, sagten sie, nur ein Gott über alles; allein er ist so groß, daß er sich in Kleinigkeiten nicht mengen will. Er war zufrieden, daß er den Himmel und die Sterne gemacht hatte; diese Unterwelt war von ihm nicht gewürdigt worden, seiner Hände Werk zu seyn; er hat sie von Untergöttern ausbilden lassen,' und der Mensch war kein würdiges Werk seiner Hände, ob er gleich zu seiner Erkenntniß gebohren war; denn er war sterblich. Unsre Natur konnte also nicht zu ihm kommen; sein Aufenthalt war allzuweit von uns entfernt; die himmlischen Geister, die uns gemacht hatten, dienten uns zu Mittlern bey ihm, und deswegen mußte man sie anbeten *. Es ist hier der Ort nicht, diese Traume der Plato- niker zu widerlegen; denn sie fallen von selbst hinweg**. Das 5 OrlA. contr. Lelsum V. VI. ?Iaro!ri l'im. ?oipl,vr. l!l»'. II. äe abttin, ^pul cieOeo 8oc>-. ^NZuli, äe civir.VIIl. 14. XVIII.-i. 22. IX z. 6. ^ LMIII.^uLulr.sä Volullati. D d 4i8 Bischof Bossuets Einleituug Das Geheimniß Jesu Christi zerstörte sie von Grund aus. Es lehrte die Menschen, daß Gott, der sie nach seinem Bildnisse gemacht hatte, sie nicht verachtete; daß, wenn sie einen Mittler bey Gott nöthig hätten, nicht ihre Natur, die Gort wie alle andere Naturen gemacht hatte, sondern ihre Sünde schuld wäre, deren Urheber sie allein waren; daß übrigens ihre Natur sie so wenig von Gott entfernte, daß Gott sie selbst würdigte, sich mit ihr zu vereinigen, indem er ein Mensch wurde; daß ihnen Gott nicht diese himmlischen Geister, welche die Philosophen Damones nennen, und die heilige Schrift Engel heißt, sondern einen Menschen zum Mittler gegeben, der die Kraft Gottes mit unsrer schwachen Natur vereinigte, und dadurch uns ein Mittel wider unsre «Schwachheit gab. Wenn der Hochmuth der Platoniker sich nicht bis auf die Erniedrigungen des Wortes, welches Fleisch geworden war, herablassen wollte: Sollten sie nicht zum wenigsten begreifen, daß der Mensch, wenn er gleich noch ein wenig unter den Engeln wäre, er darum doch so gut, als sie, fähig seyn könnte, Gott zu besitzen, so daß er also mehr ihr Bruder, als ihr Unterthan wäre, und daß er sie nicht, sondern mit ihnen in Gesellschaft denjenigen anbeten müßte, der sie beyde nach seinem Ebenbilds gemacht hatte? Das war also nicht allein eine allzugroße Niederträchtigkeit, sondern auch eine allzugroße Undankbarkeit des menschlichen Geschlechtes, daß es einem andern, als Gott opfern wollte, und nichts war blinder als das Heiden- thum, das anstatt ihm die höchste Ehre vorzubehalten, dieselbe so vielen Geistern gab. Hier verrieth die Abgötterey, die nunmehr, so zu sagen, in den letzten Zügen lag, ihre ganze Schwäche. Porphy- in die allgemeine Geschichte. 419 Porphyrius mußte gegen das Ende der Verfolgungen, da ihm die Christen so sehr zusetzten, zugestehen, daß der Opferdienst nicht der höchste Gottesdienst seyn könnte. Laßt uns sehen, wie weit er seine Ausschweifungen trieb. Dieser erhabne Gott, sagte er, nimmt kein Opfer an; alles, was körperlich ist, ist für ihn unrein/ und kann ihm nicht dargebracht werden. Selbst die Worte können nicht bey seinem Dienste gebraucht werden, weil die Worte eine körperliche Sache sind; man muß Gott stillschweigend und bloß in Gedanken anbeten; ein andrer Gottesdienst ist einer so erhabnen Majestät unanständig *. Gott war also allzugroß, als daß er gelobt werden konnte. Das war ein Verbrechen, daß wir das, was wir von seiner Größe denken, s? gut ausdrücken, als wir können. Obgleich das Opfer eine Art ist, unsre tiefe Unterwürfigkeit und unsre Erkenntniß seiner unumschränkten Herrschaft zu,bezeigen, so gehörte doch solches für Gott nicht. Porphyrius sagt solches ausdrücklich; und was war das anders, als alle Religion abschaffen, und denjenigen ohne Verehrung lassen, den man für den Gott aller Götter erkannte? Was nützten denn aber alle die Opfer, welche die Heiden in allen ihren Tempeln darbrachten? Porphyrius hat das Geheimniß davon gefunden. Es giebt, sagte er, unreine, betrügerische, boshafte, schädliche Geister, die aus einem unvernünftigen Stolze für Götter gehalten werden, und von den Menschen verehrt seyn wollten **. Diese muß man besänftigen, damit sie uns nicht schaden mögen. Einige waren lustiger und aufgeräumter, als andre, und Dd 2 ließen * ?cirpl,^r. UKr, II, äs alMn.er^uAult.äsclvIr.X. 5* korpn^r. Udr. II. äe adKili. ^uZuK. VIII. äs civir. iz. 420 Bischof Bossuets Einleitung ließen sich durch Schauspiele und Lustbarkeiten gewinnen; andre waren melancholischer und verdrießlicher, und hätten ihr Vergnügen an dem Gerüche von angebranntem Fette, und weideten sich an blutigen Opfern. Was nützt es, so ungereimte Dinge zu widerlegen? So viel halfen sie, daß die Christen den Sieg davon trugen. Es war ausgemacht, daß alle Götter, denen man unter den Heiden opferte, böse Geister waren, deren Hochmuth sich die Gottheit anmaßte; so daß also die Abgötterey an sich selbst betrachtet nur allein die Wirkung einer viehischen Unwissenheit zu seyn schien; allein wenn man auf die Quelle zurückgieng, so war das ein von weitem eingefädeltes Werk, welches von boshaften Geistern bis auf das Aeußerste getrieben wurde. Das hatten die Christeil beständig behauptet; das lehrte das Evangelium; daö sang der Psal- miste: Jener Göyen sind Gold und Sil-- M"5> z-4-der, von Menschenhanden gemacht; aber unser Gott ist im Himmel; er kann scl)gffen, was er will. Wie groß ist unterdessen nicht, Monseigneur, die erstaunliche Blindheit des menschlichen Geschlechtes! Die Abgötterey ist bis auf das Aeußerste gebracht; sie ist völlig zu Schanden geworden, und erhalt sich doch noch immer. Man mußte sie nur mit einem blendenden Scheine verhüllen, und in Worten vortragen, die dem Ohre schmeichelten, wenn sie einen Eingang in die Gemüther finden sollte. Porphyrius wurde bewundert. Imnblichius, sein Nachfolger und Anhänger, wurde für einen göttlichen Mann gehalten, weil er die Meynungen seines Lehrers in Worte einzuwickeln wußte, welchegcheimnisvoll zu seyn schienen, ob sie gleich nichts bedeuteten. So scharfsinnig auch Julian, der Ab- , trün- in die allgemeine Geschichte. 421 trünmge, war, so wurde er dennoch dadurch Verbsender. Die Heiden selbst erzählen solches *. Wahre o^er falsche Zaubereyen, derer sich diese Philosophen rühmten, ihre übelverstandne Strenge, ihre lacherliche Enthaltsamkeit, welche so weit gicng, daß sie aus dem Essen der Thiere ein Verbrechen machten, ihre abgöttischen Reinigungen, ihre Betrachtungen, die sich m eiclen Gedanken gleichsam verdunsteten, und ihre Worte, die, wenn sie gleich nicht gründlich waren, dennoch prächtig zu seyn schienen, hintergiengen die Welt- Doch ich sage noch nicht die vornehmste Ursache. Die Heiligkeit der christlichen Sitten; die Verachtung der Er- geHlichkeit, die sie besohl, und die den ganzen Grund des Christenthums ausmachte, beleidigte die Menschen, und wenn wir das recht einsehen, so werden wir finden, daß der Hochmuth, die Sinnlichkeit, und die Begierde zu einem ausschweifenden Leben noch die einzigen Stützen der Abgötterey waren. Die Kirche riß sie täglich mehr und mehr, durch ihre Lehre und noch vielmehr durch ihre Gedult, bis auf ihre Wurzeln, aus den Gcmüthern der Menschen heraus. Allein die boshaften Geister, welche niemals aufhören, die Menschen zu hintergehen, nachdem ihre Bosheit sie eben in diese Abgötterey gestürzt hatte, vergaßen hier ihre Wut nicht. Sie erweckten die Ketzerey- en, von denen ich die wichtigsten angeführt habe. Neugierige und deswegen eitle und unruhige Menschen wollten sich unter den Christen einen Namen machen, und konnten sich mit der bescheidnen und mäßigen Weisheit nicht begnügen, die der Apostel den Christen Rom.«,;, so sehr empfohlen hatte. Sie wollten zu tief in Dd z . die * ßunzp.NzxIm. Ol-ibas. Llir^nt!,. !?p, lul. -,>Z i-Kcl^ ^mmum. ^arce1Ilnu8 lidi-, XXI. XXM. XXV, / 422 Bischof Bossuets Einleitung die Geheimnisse eindringe», und sie nach unsern schwachen Begriffen abmessen. Das waren neue Philosophen, welche menschliche Vernunftschlüsse mit dem Glauben vermengten, und sich unterstunden^die Schwierigkeiten des Christenthum!» zu vermindern, weil sie die Thorheit nicht gan^ vertragen konnten, welche die Welt dem Evangelio schuld gab. So wurden also alle Artikel unsers Glaubens nach und nach, und mit einer gewissen Art von Methode angegriffen; man bestritt die Schöpfung ; das Geseh Mosis, diesen Grund unsers Gesetzes; die Gottheit Jesu Christi; seine Menschwerdung; seine Gnade; seine Sacramen- te; alles gab endlich zu ärgerlichen Spaltungen Anlaß. CelsuS und andre warfen solches den Christen vor *. Die Abgötterei) schien zu triumphiren. Sie sah das Christenthum als eine neue philosophische Secte an, welche das Schicksal aller andern Sectcn erführe, und sich, wie andre, in viele verschiedncn Partheyen theilte. Die Kirche schien ihnen nur ein Menschenwerk zu seyn, das von sich selbst untergehen würde, und sich schon zu seinem Falle neigte. Man schloß daraus, daß man in Sachen der Religion nicht mehr nachgrübeln müßte, als unsre Vorfahren, und daß man nicht unternehmen sollte, die Welt umzukehren ^. Bey dieser Verwirrung der Secten, welche sich christliche Secten nannten, stund Gott seiner Kirche bey. Er wußte ihr ein so großes Ansehen zu geben, welches alle KeHereyen nicht erhalten konnten. Sie war allgemein; sie begriff alle Jahrhunderte, und breitete sich auf allen Seiten aus; sie war apostolisch; die Dauer, die Nachfolge, die Eintracht in der Lehre, , und * OrlZ.IIdr. V. conrr.Lellum. °" Iren. III. i. 2.z. 4.lermll. c!e carn. c. II. 6e xr-e- tcrixt. !v. 11. zz. z6. in die allgemeine Geschichte. 42z und die erste Gewalt gehörten ihr zu. Alle diejenigen, welche sie verließen, hatten sie vorher erkannt, und konnte:» weder den Charakter ihrer Neuheit/ noch ihres Abfalles von sich ablehnen. Die Heiden selbst sahen sie als die Wurzel, als das Ganze, wovon sich einige' Theile absonderten, und als den lebendigen Stamm an, welcher immer ganz blieb, wenn gleich einige Zweige davon abgerissen wurden. Celsus, welcher den Christen die Spaltungen in so vielen schismatischen Kir- chen vorhielt, die er von Tage zu Tage unter ihnen entstehen sah, dieser Feind unsers Glaubens bemerkte eine Kirche, die sich von allen unterschied, und die stärkste war, und er nennte sie aus dieser Ursache die große Rirche. Z^s giebt unrer den Christen, sagt er, einige, rvelche weder den Schöpfer erkennen, noch die Traditionen der Juden annehmen; allein die große Z>irche nimmt sie an^. Er wollte von den Marcioniten reden. In der Unruhe, welche Paulus von Samosata verursachte, hatte der Kaiser, Aurelian, keine Mühe, die rechtgläubige Kirche zu erkennen, als welcher das Haus der Zxirche gehörte, es sey nun solches ein Bethaus, oder das Haus des Bischofes gewesen "V Er erkannte es denen zu, die mit den Bischöfen in Italien und mit dem Bischose in Rom in Gemeinschaft stunden, weil man in dieser Gemeine immer die meisten Christen wahrgenommen hatte***. Als der Kaiser, Constanz, in der Kirche alles in Verwirrung brachte, so konnte diese Verwirrung, die er darinnen anrichtete, indem er die Dd 4 Aria- * 0rig. conrr. LeI5 Hbr, V. "* LuleK. Nist, x.ccl. likr. VIl. c. Zv. S. im Anhange die Abb. von dem Begriffe, den man m den ersten Zeiten von der Kirche hatte. 424 Bischof Bossuets Einleitung Arianer schützte, den Ammianus Marcellinus einen Heiden nicht verhindern, einzusehen, daß sich dieser Kaiser von rechtem Wege der christlichen Religion verirrte^, welche einfach und in ihren Lehren sowohl, als in ihrem Leben einfältig und richtig rvare. Das kam daher, daß die wahre Kirche eine Majestät und eine Richtigkeit hatte, welche die Keße- reyen weder nachahmen, noch verdunkeln konnten; sie zeugten vielmehr, ohne daran zu denken, für die katholische Kirche. Constanz, welcher den Athanasi- us, diesen Vertheidiger des alten Glaubens, verfolgte, nnmfchre sehr eifrig, wie Ammianus Marcellinus sagt, daß er durch das Ansehen verdammt werden möchte, welchesder römische Pabst über andre hätte**. Indem also dieser Kaiser wünschte, daß sein Irrthum gern durch dieses Ansehen bestätigt werden möchte, so ließ er die Heiden dadurch die Mangel seiner Secte selbst empfinden, und ehrte also die Kirche, von der sich die Arianer abgesondert hatten. So erkannten die Heiden die allgemeine Kirche selbst. Wenn iemand fragte, wo ihre Versammlungen gehalten würden, und wo ihre Bischöfe waren, so irrten sie gewiß in ihren Antworten nicht. Was die Kctzereyen anbetraf, so mochten sie thun, was sie wollten, so konnten sie sich der Namen ihrer Stifter nicht entledigen. Die Sabellianer, die Paulianisten, die Arianer, die Pe- lagianer erzürnten sich wohl über den Namen der Partheyen, die man ihnen beylegte; aber vergebens; die Welt wollte natürlich reden, sie mochten sich dagegen wehren, wie sie wollten; man bezeichnete eine jede «Secte mit dem Namen ihres Stifters. Was die große Kirche, die katholische und apostolische Kirche anbelangt, so * .^mm. ?VlarceIZ, ZIbr. XXI. ** .Kmim-m. Marcel!. Udr. XV. in die allgemeine Geschichte. 425 so ist es unmöglich gewesen, jemals einen andern Stifter von ihr zu nennen, als Jesum Christum, und man konnte von ihren ersten Hirten nicht reden, ohne bis auf die Apostel zurückzukommen; kurz, man konnte ihr keinen andern Namen geben, als denjenigen, den sie annahm. Die Keßer mochten also anfangen, was sie wollten, so konnten sie den Heiden die wahre Kirche nicht verbergen. Sie that ihren Schooß für die ganze Welt auf; die Menschen liefen bey Haufen herzu. Einige von ihnen verlohren sich vielleicht auf verkehrten Abwegen; allein die rechtgläubige Kirche war immer der große Weg, den die meisten betraten, welche Jcsum Christum suchten, und die Erfahrung hat uns gezeigt, daß sie diejenige seyn sollte, zu welcher sich alle Heiden versammeln würden. Diese war es auch, welche die ungläubigen Kaiser mit ihrer ganzen Macht angriffen. Origenes ^ lehrt uns, daß wenig Ketzer für den Glauben Märtyrer geworden waren. Der heilige Justin, der noch alter ist, als er/ hat angemerkt, daß die Verfolgung die Marcioniten, und andre Keßer verschont habe. Die Heiden verfolgten nur die Kirche, welche sich auf der ganzen Erde ausbreitete, und erkannten sie nur allein für die Kirche Jesu Christi. Was war daran gelegen, daß etliche Zweige von ihr abgerissen würden? Ihr guter Wuchs verlohr sich danim nicht; sie trieb an andern Orten Zweige; das überflüßige Holz wurde abgehauen, und ihre Früchte wurden dadurch desto besser. In der That, wenn man die Kirchengeschichte betrachtet, so wird man sehen, daß wenn eine Ketzerey die Kirche verminderte , sie ihren Verlust allezeit anderwärts wieder ersetzte, und sich von außen ausbreitete, und innerlich an Dd 5 Em- OnZ. cötitr. Lels V. M. axol. -. 426 Bischof Bossuets Einleitung Einsicht und Frömmigkeit zunahm, unterdessen daß man die abgerißnen Zweige in entfernten Winkeln verdorren sah. Die Werke der Menschen sind zu Grunde gegangen, ob sie gleich von der Hölle beschützt wurden; das Werk Gottes blieb beständig, und die Kirche triumphirte über die Abgötterey und über die Irrthümer. » OOOO O M G O GGMOOOOGOOOOU ' - Allgemeine Betrachtung von der Folge der Reli- gion und dem besondern Verhältnisse der heiligen Bücher der Bibel untereinander. ?^icse Kirche, welche beständig angegriffen, und niemals überwunden wurde, ist ein beständiges Wunder, und ein untrügliches Zeugniß von der Un- veränderlichkeit der göttlichen Rathschlüsse. Mitten unter den Unruhen der menschlichen Begebenheiten erhält sie sich stets mit einer unüberwindlichen Gewalt, und sie geht seit siebenzehn hundert Jahren in einer un-- unterbrochnen Folge bis auf Christum zurück, in welchem die Verheißungen, die zu dem alten Volke geschahen, erfüllt sind, und die Kirche des neuen Testamentes mit den Propheten und Patriarchen vereinigt worden ist. ' Es dienen also alle die erstaunlichen Wunder,welche die alteil Hebräer mit ihren Augen gesehen haben, zur Bestätigung unsers Glaubens. Dieser große Gott, der sie getban hat, seine Einheit, und Allmacht den Men- in die allgemeine Geschichre. 427 Menschen zu bezeugen, konnte der ein herrlicheres Zeugniß ablegen, das Andenken dieser Wunder zu erhalten , als daß er die Acten, in welche sie nach der Zeitordnung ausgezeichnet waren, in den Handen eines großen Volkes erhielt? Das alles finden wir in den Büchern des alten Testamentes, welche die ältesten Bücher aufder Welt und aus dem Alterthume die einzigen sind, die die Erkenntniß des wahren Gottes lehren; in den Vüchern,we.lche das jüdische Volk allezeit mit einer so großen Sorgfalt aufbewahrt hat. Es ist unstreitig,daß dieses das einzige Volk ist, wclchcs,vonseinem Ursprünge an, den Schöpfer des Himmels und der Erde erkannt hat; folglich mußte es auch das einzige seyn, welches die Geheimnisse dieses Gottes verwahren sollte. Es hat dieselben auch mit einer heiligen Sorgfalt erhalten, die ihres gleichen nicht hat. Die Bücher, welche die Aegypter und alle andern Völker für göttlich aus» gaben, sind schon eine so lange Zeitverlohrcn, so daß man in der alten Geschichte kaum einige dunkle und verwirrte Nachrichten davon antreffen kann. Die gehci« ligten Bücher der Römer, in welchen Numa, der Stifter ihrer Religion, ihre Geheimnisse aufgezeichnet harte, sind durch die Hände der Römer selbst untergegangen, und der Senat hat sie als solche verbrennen lassen, die auf den Umsturz der Religion abzielten*. Eben dieselben Römer haben auch die Sybillinischen Bücher untergehen lassen, die unter ihnen eine solange Zeit, als prophetische Bücher, verehrt worden sind, und wie man glaubte, die Rathschlüsse der unsterblichen Götter von ihrem Reiche enthalten sollten, ohne daß sie iemals, ich will nicht sagen, ein ganzes Buch, sou- * ?ir. l.lv. Ildr. 49. c. 2Y. Varro Ubr. äe culru vcor. »puä ^UAult. ile civir. Ilbr. VII. Z4. 428 Bischof Bossuets Einleitung sondern nur ein einziges Orakel davon öffentlich bekannt werden lassen. Die Juden sind die einzigen gewesen, deren heilige Schriften desto geehrter gewesen sind, ie bekannter sie waren. Unter allen alten Völkern wareil sie die einzigen, welche die ersten Denkmäler von ihrer Religion erhielten, ob sie gleich voller Zeugnisse wider ihren Ung'cmben und den Unglauben ihrer Vorfahren waren. Dieses Volk erhalt sich heut zu Tage noch, um zu allen Völkern, unter die es zerstreut worden ist, mit der Folge der Religion die Wunder undWeißagungen zu bringen, die sie unbeweglich machen. Als Jesus Christus erschien, und von seinem Vater gesandt wurde, die Verheißungen des Gesetzes zu erfüllen, so hat er seine Gesandtschaft und die Gesandtschaft seiner Jünger mit neuen Wundern bestätigt, die mit eben so vieler Sorgfalt aufgezeichnet worden sind. Die Geschichte davon ist aller Welt in die Hände gegeben worden; die Umstände der Zeiten, der Personen und der Oerter haben die Untersuchung derselben denen leicht gemacht, welche sich um ihre Seligkeit bekümmern wollen. Die Welt ist unterrichtet worden; die Welt hat den Glauben angenommen, und wenn man die alten Denkmäler der Kirche ein wenig erwogen hat, so wird man gestehen, daß niemals eine Sache, die Beweise verlangt hat, mit größrer Ueberlegung und Gewißheit ausgemacht worden ist. Allein wir müssen bey dem Verhältnisse, welches die Bücher des alten und des neuen Testamentes mit einander haben, einen wichtigen Unterschied anmerken. Die Bücher des alten jüdischen Volkes sind zu ver- schiednen Zeiten verfertiget worden; einige zu den Zeiten in die allgemeine Geschichte. 429 Zeiten Mosis; andre zu den Zeiten Josua, und der Richter; andre zu den Zeiten, wo das jüdische Volt aus Acgypten geführt wurde, und das Gesetz empfing; andre zu den Zeiten, wo eö das gelobte Land in Besitz nahm, und andre zu den Zeiten, wo eö Gott durch augenscheinliche Wunder in dem Besitze des versproch- nm Erbtheiles bestätigt hat. Gott wollte den Unglauben eines sinnlichen Volkes überzeugen, und nahm daher viele Jahrhunderte dazu, binnen welchen er auf eine weise Art seine Wunder und Propheteil austheilte, damit er die sinnlichen Zeugnisse oft erneuerte, wodurch er seine heiligen Wahrheiten bestätigte. In dem neuen Testamente erwählte er eine andre Einrichtung. Er wollte seiner Kirche nach Jesu Christo nichts neues offenbaren. In ihm ist die Vollkommenheit und Fülle, und alle Bücher des neuen Bundes sind zu den Zeiten der Apostel verfertigt worden. Das Zeugniß Jesu Christi, und das Zeugniß de« rer, die er für würdig hielt, Zeugen seine? Auferstehung zu seyn, war der christlichen Kirche genug. Alles, was nach der Zeit gekommen ist, hat sie erbaut, allein sie hat nichts anders für Eingebungen Gottes gehalten, als was die Apostel selbst aufgeschrieben, oder durch ihr Ansehen bekräftigt haben. Allein bey diesem Unterschiede, der unter den Büchern des alten und neuen Bundes ist, hat Gott allezeit die weise Ordnung beobachtet, daß er, was geschehen ist, zu der Zeit aufschreiben lassen, wo es sich zugetragen, oder wo das Andenken davon noch ganz neu gewesen ist. Diejenigen also, welche die Begebenheiten wußten, haben sie beschrieben; diejenigen, die sie wußten, haben die Bücher auch angenommen, worinnen sie die Zeugnisse von ihnen fanden; bcyds aber 4zo Bischof Bossuets Einleitung aber haben sie ihren Nachkommen, als ein kostbares Erbtheil, überlassen, und die fromme Nachkommenschaft hat sie erhalten. Auf die Weise ist die Sammlung der heiligen Schriften sowohl des alten als des neuen Bundes entstanden. Man hat diese Schriften vom Anfange her in allem für wahrhaft angesehen, und geglaubt, daß sie von Gott eingegeben wordeil sind. Mail hat sie auch deswegen mit einer solchen Ehrfurcht erhalten, daß man geglaubt hat, man könnte, ohne ein Verbreche» zu begehen, nicht einen einzigen Buchstaben darinnen andern. So sind sie denn bis auf uns gekomMen,immcr heilig, immer unverändert; jene sind durch eine beständige Tradition der Juden, und diese durch eine fortwahrende Tradition der Christeil erhalten worden, die desto gewisser ist, da sowohl diejenigen, von welchen diese Schriften geschrieben worden sind, als diejenigen, auf welche sie gekommen sind, sie mit ihrem Blute und mit dem Märtyrerthume bestätiget haben. Der heilige Augusiin und andre Kirchenvater fragen, auf wessen Wort wir die weltlichen Schriften gewissen Zeiten und gewissen Verfassern zueignen*? Ein jeder antwortet sogleich, daß sich diese Schriften durch die verschiednen Verhältnisse, die sie mit den Gesetzen, Gebräuchen und Geschichten gewisser Zeiten haben, durch die Schreibart, welche mit dein Charakter der Alter und der Verfasser gleichsam versiegelt sind, uild vornehmlich durch den öffentlichen Glauben und eine beständige fortdaurende Tradition von einander unterscheiden, und ein Ansehen erhalten. Alles dieses trifft bey den heiligen Schriften ein; man kann * ^uM. comr. r-mst. XI, 2. XXXII. II. XXXIII. 6. in die allgemeine Geschichte. 451 kann die verschiednen Zeiten und Verfasser von einander unterscheiden, und ie sorgfaltiger man gesucht hat, sie ganz zu erhalten, desto unstreitiger ist die Tradition, die uns dieselben erhalt. Sie ist auch nicht allein von den Rechtgläubigen, sondern auch von den Ketzern und sogar von den Heiden dafür angenommen worden. Man hat den Moses im ganzen Oriente, und hernach auf der ganzen Erde für den Gesetzgeber der Iüden und für den Verfasser der Schriften gehalten, die man ihm zueignet. Die Samaritaner^ welche sie von den zehn abgefall- nen Stämmen empfangen haben, sind so sorgfältig mit der Erhaltung derselben umgegangen, als die Jüden^ Ihre Tradition und ihre Geschichte ist bekannt *. Zwey Völker, die solche Feinde von einander waren, haben sie nicht, eins von dem andern, genommen; allein beyde haben sie von ihremgemeinschaftlichenUr- sprunge her gehabt,und m den ZeitenDavidS und Sala- monö empfangen. Die alten hebräischen Charaktere, welche dieSamaritaner noch beybchalten,zeigeu zurGnü- ge, das? sie dem Esra nicht gefolgt sind, der sie verändert hat. So müssen also der Pentateuchus der Samaritaner, und der PentateuchuS der Iüden als zwcy vollkomm- ne Originale angesehen werden, die eins das andre nichts angehen. Die vollkommne Uebereinstimmung derselben, was den Text anbetrifft, beweist die Redlichkeit dieser beyden Völker. Das sind getreue Zeugen, die mit einander cinmüthig etwas bekräftigen, ohne es mit einander abgeredet zu haben, oder besser ^.-^ . zu * Iren. 1.2. 17. l'ertuU. aclv. ZVlarc. IV. 1. 4. 5. ^u» 8"lr, cle urillr cre6. z, 17. conrra kiulrum IVlanicli, XXII. 79. XXVIH.4.XXXII. XXXIII. Lonrr. aclvers. jex. er?roxk. I.'S- 4Z2 Bischof Bossuets Einleitung zu sagen, die ungeachtet ihrer Feindschaft gegen einander einstimmig sind, und die allein die Tradition von undenklichen Jahren her auf einerley Gedanken gebracht hat. Diejenigen also, welche, obgleich ohne eine einzige Ursache zu haben, sagen wollen,daß diese Bücher entweder verlohren gegangen, oder niemals vorhanden gewe- sen,oder wieder hergestellt, oder vom Esra entweder ganz neu verfertigt, oder verfälscht worden waren, diese Zweifler werden nicht allein durch den Esra selbst widerlegt, wie man aus der Folge seiner Geschichte gesehen hat, sondern auch durch denPentateuchus der Sa- maritaner vom Gegentheile übersührt, so wie er heute zu Tage noch in ihren Handen ist; wie ihn in den ersten Jahrhunderteil Eusebius von Casarien, Hierony- mus, und andre Kirchengeschichtfthreiber gelesen, und diese Völker selbst von ihrem Anfange an erhalten haben. Eine so schwache Secte scheint nur darum so lange zu dauern, damit sie das Alterthum Mosts bezeugen soll. Die Verfasser der vier evangelischen Geschichten erhalten ein eben so gewisses Zeugniß von den Glaubi- gen,Hciden,und Keßern, die nicht daran zweiftln, daß sie die wirklichen Verfasser sind. Diese große Menge verschiedner Völker, welche diese göttlichen Bücher angenommen und übersetzt haben, so bald sie verfertigt worden sind,gestehen alle die Zeiten und Verfasser davon zu, die man ihnen zuschreibt. Die Heiden haben dieser Tradition nicht widersprochen. Weder Celsus, der die heiligen Schriften fast in dem ersten Anfange des Christenthums angegriffen hat; noch Julian,derAbtrünnige, der doch alles gewußt, und nichts ausgelassen hat, was ihr Ansehen zu verringern schien, noch ein andrer Heide in die allgemeine Geschichte. 4zz Heide sind iemals auf den Argwohn gefallen, daß sie untergeschoben waren, sie haben ihnen vielmehr alle die Verfasser zugestanden, welche ihnen die Christen geben. Obgleich die Ketzer durch das Ansehen dieser Bücher widerlegt und zu Schanden gemacht wurden, so unterstunden sie sich doch nicht zu leugnen, daß sie von den Jüngern unsers Heilandes herrührten. Es sind aber einige von diesen Ketzern dein Anfange der Kirche ganz nahe gewesen, und die Bücher des Evangelii sind, so zu sagen, vor ihren Augen geschrieben worden. Der Betrug würde also gar zu leicht entdeckt worden seyn, wenn man ja vom Betrüge etwas sagen wollte» Wie hatte er können glücklich seyn? Es ist wahr, daß nach den Zeiten der Apostel, da sich die Kirche schon auf der ganzen Erde ausgebreitet hatte, Marcion und Manes, die die verwagensten und unwissendsten unter allen Ketzern gewesen sind, ungeachtet der Tradition, die von den Aposteln ihren Ansang nahm, und von ihren Schülern, und den Bischöfen, denen sie ihr Amt und die Aufsicht über die Heerden gelassen hatten, fortgepflanzt, und von der ganzen Kirche einmüchig angenommen wurde, daß, sage ich, Marcion und Manes sich unterstunden zu sagen, drey Evangelia wären untergeschobne Schriften. Sie zogen das Evangelium des heiligen Lucas den andern vor, ohne daß man weis warum, da sie es durch keinen andern Weg als jene erhalten haben; sie sagten aber, daß auch dieses Evangelium verfälscht worden wäre. Was gaben sie aber für Beweise davon an? Lauter Träume, keine gewissen und ausgemachten Beweise. Die ganze Ursache, die sie angaben, war diese, daß alles dasjenige, was ihren Meynungen entgegen märe, nothwendig von andern, als den Aposteln, erfunden seyn Ee müßte» 4Z4 Bischof Bossuets Einleitung müßte. Die Beweise, die sie anführten, waren also die Meynungen selbst, die man ihnen streitig machte; Meynungen, die so ausschweifend, und so of. fenbar unvernünftig waren, daß man noch nicht begreifen kann, wie sie einem gesunden Menschenverstände haben einfallen können.Allein wenn man die Kirche des Mangels der Redlichkeit wegen anklagen wollte, so hatte man doch gewiß Originale haben müssen, die von den ihrigen unterschieden gewesen waren, oder man hatte sonst unstreitige Gründe vorbringen sollen ^. Da marl sie und ihre Schüler aufgefordert hat, daß sie doch einig« vorbringen möchten, so sind sie stumm geblieben, und ihr Stillschweigen ist ein untrüglicher Beweis, daß man im andern Jahrhunderte nach Christi (Geburt/ wo sie schrieben, nicht eine Spur einer Verfälschung, auch nicht den geringsten gegründeten Argwohn hatte, den man der Tradition der Kirche hätte entgegensetzen können. Was soll ich von der vortrefflichen Uebereinstimmung der Bücher heiliger Schrift, und von demherr- lichen Zeugnisse sagen. das die Zeiten des Volkes Gottes für einander ablegen? Die Zeit des andern Tempels seht die Zeiten des ersten zum Voraus, und führen uns auf den König, Salomo, zurück. Der Friede ist nur durch Schlachten erlangt worden, und die Eroberungen des Volkes Gottes führen uns ganz natürlich auf die Richter / aus den Josua, undauf den Abgang aus Aegypten. Da man ein ganzes Volk aus einem Königreiche ausgehen sieht, wo es fremd war, so erinnert man sich daran, wie es hineingekommen ist. So gleich erscheinen uns die zwölf Patriarchen, und ein Volk, das sich allemal, als eine einzige Familie * Iren. 1"«rtu!I. ^uZust.!. c. in die allgemeine Geschichte. 435 lie angesehen hat, bringt uns nothwendig auf den Patriarchen Abraham zurück, welcher der Stammvater davon ist. Dieses Volk war vernünftiger, und der Abgötterei) nicht mehr so sehr ergeben, als es aus der babylonischen Gefangenschaft wieder kam Das war eine natürliche Wirkung der großen Strafe, die ihm seine vergangnen Fehler zugezogen hatten. Wenn sich dieses Volk rühmen kann, verschiedne Jahrhunderte hindurch Wunder gesehen zu haben, welche kein andres Volk erlebt hat, so kann es sich auch rühmen, mit einer solchen Erkenntniß Gottes begabt geweseil zu seyn, die keine andre Nation hatte. Was sollen denn die Beschneidung, das Lauberhütten- fest, die Feyerungdeö Osterlammes,und soviel andre Feste anzeigen, die seit einer undenklichen Zeit von dieser Nation gefeyertworden sind, als daß man alle diese Dinge in den Büchern Mosis bezeichnet findet? Kann man iemals eine unglaublichere Fabel erdenken, als diese ist, daß ein Volk sich durch eine besondre Religion, und so besondre Gebräuche von andern unterscheidet; daß es eine so erhabne und zusammenhangende Lehre , als die seinige ist von seinem Anfange an, auf den Glaub?» an die Schöpfung und an die Vorsehung gründet, und unverändert erhalt; daß es das Andenken einer so langen Reihe nothwendig zusammenhangender Begebenheiten, so wohl eingerichteter Ceremonien, und so allgemeiner Gebräuche nicht untergehen läßt, und daß doch eben dieses Volk keine Geschichte, welches dasselbe seinen Ursprung lehrte, und kein Geseh gehabt haben soll, welches ihm seine Ceremonien binnen zween tausend Jahren vorgeschrieben/ in welchen es nämlich ein Staat gewesen ist? Was kann unglaublicher seyn, als die Fabel, Ee 2 daß 4Z6 Bischof Bossuets Eillleitung daß Esra auf einmal angefangen habe, unter dem Namen Mosis eine Geschichte seiner alten Begebenheiten, und das Gesetz, die Richtschnur seiner Sitten, bekannt zu machen, nachdem die alte Monarchie dieses Volkes durch seine Gefangenschaft umgestürzt worden ist? Kann man einer solchen Fabel Glauben beymesscn, ohne zugleich unwissend, und ein Gotteslästrer zu seyn? Wenn ein solches einmal angenommenes Gesetz untergehen soll, so muß entweder ein Volk ausgerottet werden, oder durch vielej große Veränderungen so weit kommen, daß es von seinem Ursprünge von seiner Religion, und von seinen Gebräuchen nur eine ganz verwirrte und dunkle Erkenntniß übrig behält. Soll dieses Unglück dein jüdischen Volke begegnet, und sein Gesetz, das unter dein Zedekiaö noch so bekannt gewesen ist, sechzig Jahre hernach untergegangen seyn, ob sich gleich ein Ezechiel, ein Jeremias, ein Baruch, ein Daniel, und viele andre für die Erhaltung desselben unglaubliche Mühe gegeben, und obgleich dasselbe seine Märtyrer gehabt, wie solches die Beyspiele Daniels und der dreyMänner beweisen; ist, sage-ich, dieses Gesetz in so kurzer Zeic vklohren, und so sehr vergessen worden, daß es dem Esra erlaubt ist, cö nach seinem Gutdünken wieder herzustellen: So war cö nicht das einzige Buch, welches er unterschieben mußte. Er mußte zu gleicher Zeit nicht allein alle alten und neuen Propheten, diejenigen nämlich, welche vor und während der Gefangenschaftgeschrieben hatten, und diejenigen, welche das Volk selbst noch ihre Weißagungm aufschreiben sehen, und von denen sie das Andenken beständig echielt,, sondern auch die Bücher des Königes Salonw/Und die PsalmenDavids, und alle historischen in die allgemeine Geschichte.. 457 Büchcr,alle diese mußte er selbst verfertigen und für authentisch ausgeben. Denn es ist in der ganzen jüdischen Geschichte keine einzige Begebenheit, und in allen übrigen Büchern kein einzigesCapitel,wclches einen einzigen Augenblick so bestehen tonnte, wie wir es haben, wenn e6 von Mosis Schriften abgesondert würde. Alles redet darinnen vom Moses; alles gründete sich auf ihn, und das mußte wohl so seyn, weil die Geschichte, die er geschrieben hat, bey dem jüdischen Volke in der That der einzige Grund aller ihrer öffentlichen und häuslichen Einrichtungen war. Esra hätte in der That etwas bewundernswürdiges und ganz neues in der Welt unternommen, wenn er zu gleicher Zeit den Moses und so viele andre Manner von verschiednen Charakteren und in verschiednen Schreibarten reden lassen, so daß sie dennoch immer mit einander einstimmig und sich einander gleich geblieben wären; wenn er das Volk aufeinmal überreden können, das wären die alten Bücher, die es beständig verehrt hatte, und die neuen/ die es schreiben sehen, als wenn die Juden niemals hätten von etwas reden hören, und als wenn alle Kenntniß der gegenwärtigen und der vergangnen Zeit vertilgt worden wäre. Das sind die erstaunlichen Dinge, die man glauben muß, wenn man die Wunder des Allmächtigen nicht glauben, und das Zeugniß nicht annehmen will, nach welchem von einem großen Volke gesagt wird, daß eö mit seinen Augen Gott zugesehen habe, als er diese Wunder gethan hat. Allein wenn dieses Volk nach seiner Zurückkunft aus der babylonischen Gefangenschaft in das Land seiner Väter so unerfahren und unwissend war, daß es sich kaum besinnen können, ob es vordem auch einmal gewesen wäre; wenn seine Unwissenheit so weit gienge, daß Ee z es 4Z8 Bischof Bessuets Einleitung ^ ^ es alles ohne Untersuchung annahm, was ihm Esra Ne^^'s." in die Hände gab: Wie sollten wir alles dasjenige 'i> ansehen, was Esra in seinem Buche, und Nehemia, sei«? Zeitgenosse, in dem scinigen von den heiligenSchrif- ten gesagt haben? Mit welcher Verwägenheit unterstunden sich Esra und Nehemia/ in so vielen Stellen und so öffenrlich von dem Gesehe Mosis, als von einer c chrifc zu reden, dab aller Welt bekannt, und in aller Handen wäre? Das ganze Volk Handelle so natürlich nach diesem Gösche, als wenn es ihm. beständig bekannt -Chr.zs,-». gewesen wäre; wie soll man denn diefts ansehen? Wie Nch. i, i. kam es denn, daß das gam,e Volk nach seiner Wiederkunft die Erfüllung der Weißagung des Propheten, Jeremias, welche die siebzig Wochen der Gefangenschaft berraf, so sehr bewunderte? Wie kam es denn, daß dieser Jeremias, welchen Esra mit den andern Propheten vor kurzer Zeit erst geschmiedet hatte, auf einmal Glauben fand? Durch welchen neuen Kunstgriff hat man ein ganzes Volk, und vornehmlich die Alten, die diesen Propheten noch gesehen hatten, bereden können, daß sie bestandig auf die in seinen Schriften verhcißns wunderbare Errettung gehofft hätten? Allein man wird sich aus diesen Zweifeln bald herausfinden; man wird nur annehmen, daß Esra und Nehemia die Geschichte ihrer Zeiten nicht geschrieben haben; daß sie von einem andern in ihrem Namen verfertigt worden sind. Man wird sagen, diejenigen, welche alle übrigen Bücher des alten Testamentes erdichtet hatten , wären so glücklich bey der Nachkommenschaft gewesen, daß ihnen andre Betrüger Bücher zugeeignet hätten, um ihrem Betrüge Glauben zu verschaffen. Man in die allgemeine Geschichte. 459 Man wird sich ohne Zweifel solcher ausschweifen- den Einwürfe schämen; man wird vielleicht nicht sagen: Esra hätte auf einmal so viele Bücher von so verschied- nen Charakteren der Schreibart und der Zeit erscheinen lassen; man kann aber vorgeben, daß Esra vielleicht Weißagungen und Wunder eingeschoben habe, die ihnen ein göttliches Ansehen zuwege bringen. Allein dieser Irrthum ist noch gröber und unverschämter, als der vorige. Denn diese Wunder und Weißagungen sind in allen diesen Büchern so sehr ausgebreiter, so oft eingepragt,und so oft, und unter so vielen siarkenFiguren und Gestalten wiederholt, und haben eine so genaueVer- bindung mit dem Ganzen, daß man niemals diese heiligen Bücher aufgefchlagen haben müßte, wenn man nicht sehen wollte, daß es viel leichter gewesen wäre, sie ganz umzuschmclzen, als Dinge einzuschieben, die die Ungläubigen mit einem so großen Unwillen darinnen antreffen. Und wenn man ihnen auch alles einräumte, was sie verlangten, so gehört das Wunderbare und Göttliche so sehr zum Wesen dieser Bücher, daß man es darinnen antreffen würde, so ungern man es auch finden wollte. Esra soll, weil man es so haben will, Weißagungen von Dingen, die zu seiner Zeit geschehen sind, erst eingeschobcn haben, nachdem sie sich schon zugetragen; wer wird denn die Prophezey- ungen, die seit der Zeit in so großer Anzahl erfüllt worden sind, hinzugesetzt haben? Vielleicht hat Gott dem Esra die Gabe zu weißagen gegeben, damit der Betrug des Esra glaubwürdig seyn möchte; man wird also lieber einen Betrüger, als einen JesaiaS, einen Jeremias , einen Daniel zum Propheten haben wollen; oder vielleicht hat ein jedes'Jahrhundert einen so glücklichen Betrüger erzeugt, dem das ganze Volk ge, Ee 4 glaubt 44-2 Bischof Bossuets Einleitung glaubt Hit, und es werden immer neue Betrüger gekommen seyn, welche aus einem bewundernswürdigen Eifer für die Religion ohne Aufhören noch etwas zu den heiligen Büchern hinzugesetzt haben; das wird noch nach der Zeit geschehen seyn, als der Canon geschlossen wurde, und sich die heiligen Schriften mit den Jüden in der Zerstreuung auf der ganzen Er« de, in den Originalen sowohl, als in den Uebersetzungen in fremde Sprachen, überall ausbreiteten. Würde nicht dadurch die Religion von Grundaus zerstörtwor- den seyn, wenn sie auf eine so gewaltsame Weise eingeführt werden sollen? iaßt denn ein ganzes Volk dasjenige, was es für göttlich halt, so leicht verändern/ es mag nun Irrthum oder Vernunft seyn, warum es dasselbe für göttlich halt? Wenn iemand nur ein einziges Capitel zu dem Evangelio, oder zum Alkorane hinzusetzen wollte, könnte er sich wohl Hoffnung machen, die Christen oder die Türken zu bereden, es gehörte dieses Capitel zum Evangelio oder zum Alkorane? Allein vielleicht waren die Jüden hierinnen gelehriger, als andre Völker, und vielleicht bezeigten sie nicht so viel Ehrfurcht gegen ihre heiligen Bücher? Was für ungeheure Meynungen musi man sich nicht bereden lassen, wenn man das Joch des göttlichen Ansehens abwerfen, und seine Meynungen, und seine Sitten nur nach seiner verirrten Vernunft einrichten und regieren will! Man sage nicht, daß die Untersuchung dieser Dinge so schwer sey. Denn wenn sie es seyn sollte, so muß man sich entweder an das Ansehen der Kirche, und an die Tradition so vieler Jahrhunderte halten, oder die Untersuchung so weit treiben, als nöthig ist, und nicht glauben, daß man davon freykomme, wenn man in die allgemeine Geßhichte. 441 man sagt, sie erfordre mehr Zeit, als man auf seine Seligkeit wenden will. Aber man darf nicht einmal die Bücher des alten und des neuen Bundes mit so vieler Sorgfalt untersuchen; man braucht nur das Buch der Psalmen zu lesen, wo so viele alte Gesänge des Volkes Gottes gesammelt worden sind. Daselbst wird Man in der göttlichsten Poesie, die jemals gewesen ist, unzählige unvergängliche Merkmale von ° der Geschichte Mosis, der Richter, und der Könige antreffen, die durch den Gesang und bei? Wohlklang tief in das Gedächtniß der Menschen eingeprägt worden sind. Aus dem neuen Testamente darf man die Briefe des heiligen Paulus nehmen. Sie sind so lebendig, so original; sie schicken sich so vortrefflich zu den Zeiten, Angelegenheiten und Veränderungen des damaligen Iahrhundertes, und sie haben endlich einen so kenntlichen und gewissen Charakter, daß nichts göttlicher» seyn kann,als diese Briefe. Diese Briefe, die von allen Kirchen, an die sie Paulus gerichtet hat, angenommen, und von ihnen andern mitgetheilt worden sind, sind allein hinlänglich, gut geartete Gemüther zu überzeugen, daß in den heiligen Schriften, die uns die Apostel gelassen haben, alles lauter und unverfälscht ist. Sie unterstützen auch einander mit einer unglaublichen Starke. Die Geschichte der Apostel ist nur eine Fortsetzung der evangelischen Geschichte; alle Briefe der Apostel setzen diese nothwendig voraus, und damit alles zusammenstimmen möge, so beziehen sich die Ev- angelia, die Apostelgeschichte und die Briefe der heili- Röm.io^.,? gen Männer überall auf die alten Schriften des jüdischen Volkes. Der heilige Paulus und andre Apostel führen ohne Aufhören an, was Moses gesagt und geschrieben hat, und was die Propheten nach Mosen ge- E e 5 sagt !K ^.»l K M M M M 442 BischofBossuets Einleitung sagt und aufgeschrieben haben. Jesus Christus be- xue.24,44. ruft sich selbst auf das Gesetz Mosis, auf die pro. ^' pheren, und auf die Psalmen, als auf Zeugen, die einerley Wahrheit einmüthig bekräftigen. Wenn er seine Geheimnisse erklären will, so fangt er von N1ose Joh. 5,4«. und den Propheten an, und wenn er zu den Juden 47' sagt, daß Moses von ihm geschrieben habe, so seht er dasjenige, was am bekanntesten unter ihnen war, als einen unleugbaren Grund fest, und führt sie selbst auf . die Quelle ihrer Traditionen zurück. Wir wollen dem ungeachtet sehen, was man wider ein so bekanntes Ansehen, und wider das einstimmige Zeugniß so vieler Jahrhunderte einwenden will. Denn da man sich in unsern Tagen unterfängt, in allen Sprachen Vüchcr wider die heilige Schrift zu schreiben, so muß man nichts verschweigen,was man nur sagt, um ihr Alterthum verdächtig zu machen. Was sagt man denn also, der, Vorwurf zu beweisen, daß der Penta- teuchus untergeschoben sey / und was hat man wider eine Tradition von dreytausend Jahren einzuwenden, die durch ihre eigne Kraft und durch die Felge der Begebenheiten unterstützt wird ? Nichts zusammenhängendes/ nichts gewisses, nichts Wichtiges:Grübeleyen über die Zahlen, die Oerter, und die Namen, und Anmerkungen, die man in einer andern Materie für nichts, als für Wirkungen einer eitlen Neugierde halten würde, welche im Grunde eine Sache nicht verdächtig machen könnten, solche Grübeleyen werden hier als Dinge angeführt, die in der ernsthaftesten Sache von der Welr einen entscheidenden Ausspruch thun sollen. Es giebt Schwierigkeiten, sagt man, in der Geschichte der heiligen Schrift. Ja es giebt ohne Zweifel Schwierigkeiten darinnen, die wir nicht daselbst antref- in die allgemeine Geschichte. 44z antreffen würden, wenn das Buch nicht so alt, oder, wie man sich zu sagen untersteht, von einem geschickten und arbeitsamen Manne untergeschoben worden wäre, und wenn man nicht eine so große Ehrfurcht gegen dieses Buch gehabt hatte, daß man es den Nachkommen, lieber, wie man es fand, hinterlassen, als sich die Freyheit nehmen wollen, dasjenige darinnen zu ändern, was uns'eine Schwierigkeit zu seyn scheint. Es giebt Schwierigkeiten, die von der Zeit herkommen, wenn die Oerter die Namen oder ihren Zustand verändert haben; wenn die Data vergessen; wenn die Geschlechtsrcgister unbekannt werden ; wenn den Fehlern nicht mehr abzuhelfen ist, welchedie getreuste Copie in dergleichen Sachen so leicht ein- schleichen laßt, oder wenn die Menschen sich einige Begebenheiten entwischen lassen, wodurch denn in einem Theile einer Geschichte einige Dunkelheit verursacht wird. Allein betrifft diese Dunkelheit die Folge der Geschichte selbst, oder das Wesen der Sache selbst? Im geringsten nicht; alles hangt darinnen zusammen, und was noch dunkel bleibt, zeigt uns in den heiligen Büchern nur ein desto ehrwürdiger^ Alterthum. Allein es sind Verfälschungen im Texte vorgegangen; die alten Uebersetzungen stimmen nicht mit einander überein; das Hebräische ist in verschiednen Stellen von sich selbst unterschieden, und der samaritani- 5 B. Mos. sche Text ist außer demWorre,dcis dic^Samaritaner.wie ^ ^ man sie dessen beschuldiget, zum Besten ihres Tempels auf dem Berge Garizim verändert haben, noch in verschiednen Stellen von dem Texte der Juden unterschieden. Und'was wird man daraus folgern? Daß die Juden und Esra den Pentateuchus nach ihrer Wiederkunft aus der babylonischen Gefangenschaft unter- gescho- 444 Bischof Bsssmts Einleitung geschoben haben? Man muß gerade das Gegentheil daraus schließen. Die Abweichungen des samarita- nischen Textes dienen nur zur Bestätigung dessen, was wir schon festgesetzt haben, daß ihr Text mit dem jüdischen ganz und gar keine Gemeinschaft hat. Weit gesehlt daß man sich einbilden könnte, diese Abtrünnigen hatten etwas von den Juden und vom Esra angenommen , so sehen wir vielmehr das Gegentheil, indem sie ans Haß gegen den ersten und andern Tempel ihren Traum von dem Berge Garizim erdichtet haben. Wer sieht nlso nicht deutlich daraus, daß sie lieber die Juden des Betruges beschuldigt haben, als ihnen gefolgt seyn würden. Diese Rebellen verachteten den Esra und alle Propheten der Juden mit ihrem Tempel/ den Salomo erbaut hatte, und zu dem vom Könige David der Ort abgezeichnet worden war. Was ehrten sie denn am Pentateuchus, als ein Alterthum, das sich nicht allein weiter, als Esra und die Propheten, sondern auch weiter noch, als Salomo und David, erstreckte, mit einem Worte was ehrten sie, als das Alterthum Mosis, das beyde Völker einräumten? Wie unstreitig ist also nicht das Ansehen Mosis und seiner fünf Bücher, da es alle Einwürfe nur mehr befestigen müssen! Woher kömmt es aber, daß die Texte und die Ue- bersehungen so weit von einander abweichen? Woher kommen sie, als von dem Alterthume des Buches selbst, welches durch die Hände der Abschreiber so viele Jahrhunderte hindurch gegangen ist, in welchen die Sprache, worinnen die Schrift verfaßt worden, aufgehört hut,ei- ne gemeine bekannte Sprache zu seyn ? Wir wollen aber diese nichtswürdigen eitlen Streitigkeiten vorbeylassen, und mit einem Worte alle Schwierigkeiten von Grund- aus in die allgemeine Geschichte. 445 aus heben. Man sage mir, ob es nicht etwas ausgemachtes ist, daß man,in allen Texten und in allen Übersetzungen eben die Gesehe, eben die Wunder,eben die Weißagungen, eben die Folge in der Geschichte, eben die Lehre, und also das Wesentliche finden wird, das man in einem findet ? Was schaden alsdann die übrigen Abweichungen der Texte von einander? Was können wir mehr verlangen, als daß das Hauptsächliche in den heiligen Büchern unverändert ist, und was können wir von der göttlichen Vorsehung mehr begehren? Was die Uebcrsetzungen anbetrifft, ist denn das ein Kennzeichen, daß das Original neu und untergeschoben ist, wenn die Sprache der Schrift so alt ist, daß man die Zärtlichkeiten und Reizungen verloh- ren hat, und dadurch verhindert wird, alle ihre Schönheiten mit dem größten Nachdrucke und nach aller Strenge in andre Sprachen zu bringen? Ist das nicht vielmehr ein Beweis von ihrem Alterthume? Und wenn mal, sich denn bey Kleinigkeiten aufhalten will, so nenne man mir aus so vielen Stellen, wo sich einige Schwierigkeit finden soll, nur eine einzige, die man durch Vernunftschlüsse und Muthmaßungen vollkommen hergestellt hat. Man ist der muthmaßlichen Richtigkeit der Exemplarien gefolgt, und da die Tradition niemals zugelassen hat, daß die rechtgläubige Lehre verfälscht würde, so hat man geglaubt, daß die übrigen Fehler, wenn noch einige vorhanden wären, nur zum Beweise dienten, daß man hier mit seinem eignen Verstände keine Neuerung oder Verbesserung gewagt habe. Nunmehr wollen wir auf den stärksten Einwurf kommen. Sind nicht zu dem Texte Mosis Zusähe hinzugekommen, und woher kömmt die Nachricht von seinem 446 Bischof Bossuets Einleitung seinem Tode an dem Ende seines Buches, das man ihm zuschreibt. Welch ein Wunder, daß diejenigen, welche seine Geschichte fortsetzten, zu seinen übrigen 5B.Mos.4, Handlungen das selige Ende derselben hinzufügten, 2- damit die Geschichte von ihm ganz vollständig seyn c. i-, l->. möchte! Wir wollen nunmehr auch die andern Zusähe untersuchen. Betreffen sie ein neues Gesetz, eine neue Ceremonie, eine iehre, ein Wunder, eine Weissagung? Daran denkt man nicht einmal; man findet nicht das geringste verdachtige Anzeichen, nicht die geringste Spur davon; das wäre so viel gewesen, als wenn man zu den» Werke Gottes einen Zusatz machen wölkn : das Gesetz selbst hatte solches untersagt, und eine solche Verwägenheit würde das größte Aergerniß verursacht haben. Man hat also etwa eine angefangene Genealogie fortgesetzt; man hat vielleicht den Namen einer Stadt erklärt, der mit der Zeit sich verändert hat; man wird bey Gelegenheit von dem Manna, wodurch das Volk Gottes vierzig Jahre lang ernährt worden Ioh, ?, 12. ist, die Zeit bemerkt haben, wo diese himmlische Nah- ^?6,^z5^' ^'3 aufgehört hat, und diese Sache, welche nach- ' ' her in ein andres Buch aufgezeichnet worden ist, wird als eine Anmerkung einer gewissen und öffentlich bekannten Sache, wovon alles Volk ein Zeuge gewesen, in dem Buche Mosis geblieben seyn; vier oder fünf andre Anmerkungen von der Art, die etwan Iosua, Samuel oder ein andrer eben so alter Prophet gemacht, weil sie bekannte Begebenheiten betrafen, bey lzenen niemand einige Schwierigkeiten machte, diese, sage ich, werden mit der Zeit in den Text gerückt worden seyn, und die Tradition wird sie uns eben so getreu, als alles übrige, überliefert haben, und nunmehr wird alles verlohren seyn? Esra wird angeklagt werden, in die allgemeine Geschichte. 447 den, obgleich der samaritanische Text, wo man diese Anmerkungen findet, uns deutlich zeigt, daß ihr Alter sich nicht allein über den Esra, sondern auch über den Abfall der zehn Stämme hinaus erstreckt? Das hindert nichts; die Schuld muß doch auf den Esra zurückfallen. Wenn diese Anmerkungen noch weiter zurückgiengen, so würde der Pentateuchus noch älter seyn, als nöthig ist, und man könnte das Alter eines Buches nicht genug verehren, dessen Anmerkungen selbst so alt wären. Soll also Esra alles gemacht haben? Esra hat also vergessen, daß er Mosen redend einführen wollte, und er wird ihn einen so großen Fehler machen, und ihn dasjenige, was sich nach seiner Zeit zugetragen hat, als etwas haben aufschreiben lassen, das vor seiner Zeit oder zu seiner Zeit geschehen ist? Dieses Einwurfes weqen soll also ein ganzes Werk untergeschoben seyn müssen, und das Ansehen so vieler Jahrhunderte und des öffentlichen Glaubens wird ihm nichts mehr helfen? Als wenn man im Gegentheile nicht sähe, daß diese Anmerkungen, welcher man sich wider das Buch selbst bedient, ein neuer Beweis von der Aufrichtigkeit und Redlichkeit nicht allein derer, von denen die Anmerkungen herrühren, sondern auch derer waren, welche sie so getreulich abgeschrieben, und der Nachkommenschaft überliefert haben. Hat man jemals von dem Ansehen, ich will nicht sagen, eines göttlichen Buches, sondern einer jeden andern Schrift, welche es auch sey, nach so leichten Gründen ein Urtheil gefallt? Allein das ist die Ursache, daß die Schrift eine Feindinn des menschlichen Geschlechtes ist, daß sie die Menschen nöthigen will, ihren Verstand Gott unterwürfig zu machen, und ihre unordentlichen Leidenschaften ju unterdrücken; ein solches Buch muß unter- 448 Bischof Bossuets Einleitung untergehen, und es koste was es wolle, der Freygei- stercy in den Meynungen und im Leben aufgeopfert werden. Glauben sie im übrigen nicht, Monftigneur, daß die Gottlosigkeit sich ohne Nothwendigkeit in alle diese Ungereimtheiten einläßt, die sie gesehen haben. Wenn sie wider das Zeugniß des menschlichen Geschlechtes, und wider alle Gesetze eines gesunden Menschen sich alle Mühe geben, dem PentateuchuS und den Propheten ihre allezeit dafür erkannten Verfasser zu entreißen, und die angegebnen Zeiten zu bestreiten: So geschieht das darum, weil in dieser Materie alles auf die Dara ankömmt, und das aus zwo Ursachen. Zum ersten weil diese Bücher, welche so viele wunderbare Begebenheiten enthalten, die mit ihren besondersten Umständen bekleidet sind, und nicht allein für öffentlich bekannte, sondern auch für gegenwärtig geschehne Dinge ausgegeben werden, weil, sage ich, diese Bücher sich selbst verdammen müßten,wenn man sie sollte widerlegen können, und weil sie folglich schon lange von sich selbst ihr Ansehen verlohren haben würden, anstatt daß sie sich ißt durch sich selbst erhalten. Zum andern kann man, wenn die angegebnen Zeiten ihre gewisse Richtigkeit haben, diesen Büchern das untrügliche Siegel der göttlichen Eingebung nicht nehmen, noch vertilgen, das ihnen Gott in der großen Anzahl und langen Reihe ihrer Weißagungcn aufgedruckt hat. Die Freygeister sind also auf diese Ungereimtheiten verfallen, weil sie gern den Wundern und Weissagungen ausweichen wollen. Allein sie mögen nur nicht denken, daß sie Gott entgehen können; er hat seinem Worte noch ein Merkmal stiner Göttlichkeit erhal- in die allgemeine Geschichte. 449 erhalten, welches keinen Einwurf leidet. Das ist die Uebereinstimmung der Bücher des alten und des neuen Testamentes. Man streitet zum wenigsten nicht, daß das alte Testament nicht vor dem neuen geschrieben worden sey. Es ist hier kein neuer Esra, der die Juden bereden können, ihre Schriften zum Besten der Christen, die sie verfolgten, zu erfinden oder zu verfälschen. Mehr braucht man wider die Feinde der Religion nicht. Durch die Uebereinstimmung der Bücher des alten und des neuen Testamentes beweist man die Göttlichkeit des einen und des andern. Sie haben beyde einerley Vorhaben, und eine Folge; das eine bereitet den Weg zur Vollkommenheit, das andre zeigt ihn frey und entdeckt; das eine legt den Grund, und das andre füh»'t das Gebäude auf diesen Grund auf; kurz, das eine verkündigt dasjenige vorher, dessen Erfüllung das andre zeigt. Es sind also alle Zeiten vereinigt, und der ganze ewige Entwurf der göttlichen Vorhersehung ist uns offenbart. Die Tradition des jüdischen Volkes und die Tradition der christlichen Kirche machen eine einzige Folge von Religion, und die Schriften beyder Testamente nur ein Buch aus. Weil die Untersuchung der besondernProphezeyungen auf vielen Begebenheiten beruht,denen nicht alle Welt so leicht nachdenken kann, ob sie gleich an sich voll Licht und Deutlichkeit sind: So hat Gott einige darunter ausgeson- dert,die er auch denen,die in der größten Unwissenheit sich befinden, begreiflich gemacht hat. Diese außerordentlichen, diese herrlichen Begebenheiten, von denen die ganze Welt ein Zeuge ist, sind es, Monsei^neur, welche ich ihnen zeither vorgetragen habe; das sind der Untergang des jüdischen Volkes und die Bekeh- Ff rung 450 Bischof Bossuets Einleitung rung der Heiden, die sich zu gleicher Zeit, da Jesus' Christus erschienen, und da das Evangelium gepredigt worden ist, zugetragen haben. Diese drey Dinge, welche in der Ordnung der Zeit mit einander vereinigt sind, waren es noch mehr in der Ordnung der ewigen Rathschlüsse Gottes. Si« haben sie in den alten Prophezeyungen alle zusammen vereinigt gesehen; allein Jesus Christus, dieser getreue Ausleger der Prophezeyungen und des Willens seines Vaters hat uns diese Verbindung in seinem Evan- gelio noch deutlicher gezeigt. Dieses hat er im Gleichnisse vom Weinberge gethan, in einem Glcichnisse,dcssen Matth. -i, sich die Propheten so oft bedient haben. Der Hausvater hatte diesen Weinberg gevflanzt,das ist, er hatte die wahre Religion auf seinen Bund gegründet, und ihn den Arbeitern zu bauen gegeben. Diese Arbeiter waren die Juden. Er sendet seine Diener, nämlich die Propheten, zu verschiednenmalen, um die Früchte davon einzusammeln. Diese ungetreuen Arbeiter bringen die Knechte Gottes um. Seine Güte treibt den Hausvater an, selbst seinen Sohn an sie zu senden. Sie begegnen ihm aber noch grausamer, als seinen Knechten. Am Ende nimmt er ihnen seinen Weinberg, und giebt denselben andern Arbeitern ein; er nimmt ihnen die Gnade seines Bundes, um sie den Heiden zu geben. Diese drey Dinge mußten also zusammenkommen, die Gesandtschaft des Sohnes Gottes, die Verwerfung der Iüden, und die Berufung der Heiden. Man branchc keine andre Auslegung dieses Gleichnisses, als den Erfolg, der es am besten erklart hat. Die Iüden räumen ein, wie sie gesehen haben, Llionftigneur, daß das Königreich Iuda und seine Ange- in die allgemeine Geschichte. 451 Angelegenheiten in den Zeiten Herodis in Verfall gekommen sind, da Jesus Christus aufder Erde erschienen ist. Wenn die Verdrehungen des göttlichen Gesetzes ihnen einen so sichtlichen Verfall ihrer Gewalt zugezogen haben, wie groß muß nicht das Verbrechen seyn, welches mit ihrem völligen Untergange bestraft worden ist! Dieses Verbrechen ist unstreitig ihre Undankbarkeit gegen ihren Mcßias, der in der Welt erschien/ sie zu unterrichten, und zu befreyen. Seit dieser Zeit drückt sie auch ein eisernes Joch, und sie würden darunter zu Boden sinken, wenn sie nicht Gott dazu erhielte, daß sie dereinst dem Meßiaö dienen sollten, den sie gekreuzigt haben. Der gänzliche Untergang des jüdischen Volkes in den Zeiten Jesu Christi, das ist schon ein wichtiger bewiesner und aller Welt bekannter Erfolg. Die Bekehrung der Heiden, die zu eben der Zeit vorgehen sollte, ist eben so unleugbar bewiesen. Zu eben der Zeit, da der alte Gottesdienst nebst dem Tempel in Jerusalem aufgehoben wird, sieht man die Abgötterey von allen Seiten angegriffen werden, und die Völker, welche seit so vielen tausend Jahren ihren Schöpfer vergessen hatten, erwachen endlich aus einer so langen Betäubung wieder. Und damit alles desto besser zusammenstimme, so werden die geistlichen Versprechungen durch die Predigt des Evangelii zu der Zeit entdecket, da das jüdische Volk, welchem nur zeitliche Zusagen geschehen find, wegen seines Unglaubens öffentlich verworfen, und in dieSkla- verey der ganzen Erde verstoßen wurde, und folglich nunmehr keine menschliche Hoheit zu hoffen hat. Zu der Zeit wird der Himmel denen zugesagt, welche um der Gerechtigkeit willcnVerfolgung leiden; die Geheimnisse Ff 2 des 4)2 Bischof Bossuets Einleitung des zukünftigen Lebens werden gepredigt, und es wird gewiesen, daß die wahre Seligkeit weit von dem Aufenthalte entfernt sey, wo der Tod herrscht, und wo die Sünde und alle Uebel so häufig vorhanden sind. Wenn man hier keine göttliche Einrichtung sieht, die immer behauptet und fortgeführt wird; wenn man hier nicht eine beständige Ordnung der Rathschlüsse Gottes entdeckt, der voin Anfange der Welt her dasjenige zubereitet, was er am Ende der Tage vollendet, und in verschiednen Zustanden, aber doch allezeit mit einer ummterbrochnen Dauer, die heilige Gesellschaft gleichsam verewigt, in welcher er angebetet seyn will: So verdient man, gar nichts zu sehen, und seiner eignen Verstockung, als der gerechtesten und Hartesten Strafe unter allen Bestrafungen überlassen zu werden. Damit diese Fortdauer des Volkes Gottes den blödesten Augen deutlich seyn möchte, so macht sie Gott durch solche Begebenheiten fühlbar und handgreiflich, welche man wissen muß, wenn man nicht die Augen muthwillig verschließt, die Wahrheit nicht zu sehen. Der Meßias wird von den Hebräern erwartet; er kömmt und beruft die Heiden, wie vorher verkündigt worden ist. Das Volk, welches erkannte, daß er gekommen wäre, wird dem Volke einverleibt/ welches ihn erwartete/ ohne daß die Folge von beyden einen einzigen?lugenblick Unterbrochen wird: Dieses Volk breitet sich auf der ganzen Erde aus: Die Heiden versammeln sich ohne Aufhören zu ihm, und dieseKirche, welche Jesus Christus auf einen Felsen gegründet hat, kann durch alle Gewalt der Hölle nicht erschüttert werden. Was ist das nicht für ein Trost für die Kinder Gottes ! Was ist das für ein überzeugender Beweis der Wahr- in die allgemeine Geschichte. 45z Wahrheit, wenn sie sehen, daß man vom Jnnocen- tiu6 dem xi, welcher gegenwärtig den ersten Sitz der Kirche so würdig einnimmtununterbrochenbis auf Pe- trum, welchen Jesus Christus zum Vornehmsten unter den Aposteln eingesetzt hat, und von? Petrus auf die Hohenpriester unter dem Gesetze bis auf Mosen und Aaron, und von diesen auf die Patriarchen, und von da auf den Ursprung der Welt zurückgeführrwird! Welch ein Zusammenhang! Welch eine Tradition, welche eine verwundernswürdige Folge! Wenn unser Verstand, der von Natur ungewiß, und durch seine Ungewißheit ein Gaukelspiel seiner eignen Vernunftschlüsse geworden ist, in den Fragen von seiner Seligkeit durch ein unstreitiges Ansehen gewiß gemacht, und gleichsam zur Wahrheit bestimmt werden muß; welch Ansehen ist grösser, als das Ansehen der katholischen Kirche, welche in sich selbst das Ansehen aller vergangnen Jahrhundert?/ und der alten Traditionendes menschlichen Geschlechtes begreift,und also bis auf den Ursprung aller Dinge zurückgeht*. Die heilige Gesellschaft also, welche Jesus, der durch alle vorigen Jahrhunderte so sehnlich erwartet worden ist, endlich auf einen Felsen gegründet hat, und wo der heilige Petrus und seine Nachfolger auf seinen Befehl den Vorsitz haben sollen, diese Gesellschaft rechtfertigt sich durch seine eigne Folge, und zeigt mit ihrer ewigen Fortdauer den Charakter der Hand Gottes. Diese Folge ist es auch, die sich keine Keßerey, keine Secte, keine andre Gesellschaft nicht geben kann, Ff z außer * Man wird über diese, mw die folgenden Stellen einige Gedanken im Anbange in der Betrachtung von dem Ansehen der Rirche in Sachen der.Relia.ion finden. 454 Bischof Bossuets Einleitung außer der Kirche Gottes. Die falschen Religionen haben die Kirche in vielen Stücken nachahmen können ; sie haben vornehmlich, wie sie, gesagt, daß sie Gott gegründet habe; allein diese Rede ihrer Lippen ist in die Lust geredet. Denn wenn Gott das menschliche Geschlecht erschaffen, und, weil er es nach seinem Bilde gemacht, dasselbe allzeit gewürdigt hat, ihm die Wege zu zeigen, wie es ihm dienen und gefallen kann: So ist eine jede andre Secte, welche ihre Folge nicht vom Anfange der Welt herführen kann, nichcvon Gott. Hier fallen also alle Gesellschaften und alle Secten, welche die Menschen innerhalb der Kirche und außerhalb des Christenthums errichtet haben, zu den Füßen der Kirche hin. Zum Exempel, der falsche Prophet der Araber hat sich wohl für einen Gesandten Gottes ausgegeben, und nachdem er so unwissende und blinde Völker hintergangen, sich der Uneinigkeiten unter den benachbarten Völkern zu Nutze machen können, um eine ganz sinnliche Religion durch die Gewalt der Waffen auszubreiten: Allein er hat sich nicht unterstanden zu sagen, daß er erwartet worden wäre, und er ist nicht im Stande gewesen, weder seiner Person, noch seiner Reffgion einige wirkliche oder scheinbare Verbindung mit den vorhergehenden Jahrhunderten zu geben > Das Mittel, das er gebraucht hat, sich davon frey zu machen,ist neu. Aus Furcht, man möchte sich einfallen lassen, in den Schriften der Christen Zeugnisse von seiner Gesandtschaft aufzusuchen, die denen glichen, welche Christus in den Büchern der Jüden fand, hat er vorgegeben, daß die Jüden und die Christen alle Bücher ihres Glaubens verfälscht hätten. Seine unwissenden Anhänger haben ihm auf sein Wort sechshundert Jahre nach Christi Geburt geglaubt, und er hat in die allgemeine Geschichte. 455 sich selbst angekündigt, ohne daß er seine Gesandtschaft durch ein vorläufiges Zeugniß bestätigen können, und weder er, noch seine Anhänger haben sich unterstanden, ein einziges sichtbares Wunder zur Bekräftigung seines Vorgebens, daß er ein Gesandter Gottes wäre, anzugeben, oder zu verheißen. Eben so haben die Stifter der Ketzerenen unter den Christen den Glauben wohl erleichtern können, indem sie die Geheimnisse geleugnet, welche über die Sinne sind. Sie haben die Menschen wohl durch ihre Beredsamkeit, und durch eine scheinbare Frömmigkeit verblenden, si» durch ihre Leidenschaften bewegen, durch ihren Eigennutz fortreißen, und sie entweder durch die Neuheit, oder eine ungezahmte Freyheit des Verstandes oder des Herzens und der Sinne an sich locken können; mit einem Worte, es ist ihnen leichtgewesen, entweder sich oder andre zu betrügen; nichts ist menschlicher : Allein außer dem, daß sie sich nicht rühmen können, ein einziges öffentliches Wunder gethan zu haben, und daß es nicht in ihrem Vermögen gestanden hat, ihre Religion auf gewisse bekannte Erfolge zu gründen, von denen sie selbst Zeugen gewesen sind: So ist noch eine Sache wider sie, die sie niemals verbergen können, und das ist ihre Neuheit. Es wird allezeit den Augen der ganzeil Welt bekannt bleiben, daß diese Ketzer und die Seeten, welche sie gestiftet haben, voi? der großen Gemeine, und von der alten Kirche abgewichen sind, die JefuS Christus gegründet hat, und wo der heilige Petrus und seine Nachfolger den vornehmsten und ersten Rang behauptet haben. Alle diese Secten haben dieselben im Besitze angetroffen. Die Zeit ihrer Trennung wird allezeit so bekannt bleiben, daß die Ketzer selbst sich nicht unterstehen werden, sol- Ff 4 che 456 Bischof Bossuets Einleitung che zu leugnen; sie werden sich nicht einmal unterstehen, ihreSecte von der Quelle durch eins niemalsunterbroch- lie Folge herzuleiten. Das ist der unvermeidliche Fehler aller Secten, deren Stifter Menschen sind. Keine kann die vorhergehenden Jahrhunderte verändern, noch sich Vorgänger geben, oder sagen, daß sie dieselben im Besitze angetroffen habe. Die einzige katholische Kirche erfüllt alle vergangnen Jahrhunderte mit einer Fortdauer, die ihr nicht streitig gemacht werden kann. Das Gesetz geht vor dem Evangelio her; die Folge der Patriarchen und des Moses auf einander macht mit der Folge Jesu Christi nur eine einzige aus; erwartet worden seyn, erscheinen, und von einer Nachkommenschaft, die mit der Welt gleich lange dauert, für den Erlöser erkannt werden, das ist der Charakter des Meßlas, an den wir glauben; Er ist Hel>r.lz,,. Jesus Cbrtstus/gestern und heute, und derselbe . in Ewigkeit. Außer dem Vortheile, welchen die Kirche Christi hat, daß sie sich auf göttliche Wunder gründet, welche man öffentlich aufgezeichnet hat, ohne zu fürchten, daß man in den Zeiten, wo sie sich zugetragen haben, Widerspruch finden werde, außer diesem Vortheile, sageich, haben diejenigen, welche nicht darinnen gegenwärtig gewesen sind, ein beständig fortdauerndes Wunder ; das ist die Fortdauer der Iieligion, welche beständig über die Irrthümer triumphirt hat, welche versuchen wollen, ob sie dieselbe vernichten könnten» Man kann noch hinzusetzen, daß die Bestrafung der Iüden noch nicht aufhört, weil sie den ihren Vätern versprochnen Meßias nicht angenommen haben. Sie erwarten ihn dem ungeachtet noch, und ein Theil ihrerStrafe besteht darilmen,daß ihreHoffnung niemals durch in die allgemeine Geschichte. 457 erfüllt wird. Sie erwarten ihn, und beweisen durch ihre Hoffnung, daß er immer vergebens erwartet worden ist. Ihre eignen Bücher verdammen sie,und dadurch bekräftigen sie die Wahrheit der Religion; sie tragen, so zu sagen, die ganze Folge derselben auf ihrer Stirne geschrieben; man übersieht mit einem Blicke, was sie gewesen sind, warum sie noch so sind, wie man sie sieht, und zu welchem Ende sie erhalten werden. 'Es zeigen also vier oder fünfBegebcnheitcn, die so authentisch, und so deutlich, als die Sonne, sind, daß unsre Religion so alt, als die Welt selbst ist. Folglich beweisen sie auch, daß sie keinen andern Urheber, als den Schöpfer der Welt hat, der, weil er alles in seinen Handen trägt und erhalt, allein eine Einrichtung anfangen und ausführen können, welche alle Jahrhunderte begreift. Man darf also nicht mehr darüber erstaunen, daß uns Gott so viele Dinge zu glauben befiehlt, die seiner so würdig, und zugleich dem menschlichen Verstände so unerforschlich sind. Man muß vielmehr darüber erstaunen, daß es in der Welt noch so viele Blinde uud Ungläubige giebt, da sich der Glaube auf ein so unwandelbares und deutliches Ansehen gründet. Unsre unordentlichen Leidenschaften, unsre so starke Neigung zum Sinnlichen, und unser unüberwindlicher Hochmuth sind die Ursachen davon. Wir wollen lieber alles wagen, als uns zwingen; wir wollen lieber in unsrer Unwissenheit, wie stillstehende Wasser, verderben; als dieselbe gestehen; wir wollen lieber einer eiteln Neubegierde genug thun, und lieber unserm ungelehrigen Geiste die Freyheit erhalten , alles zu denken, was uns gefällt, als uns unter das Joch des göttlichen Ansehens begeben. Ff 5 Da- 458 Bischof Bossuets Einleitung Daher giebt es so viel Ungläubige, und Gott läßt solches zum Unterrichte seiner Kinder zu. Ohne die Blinden, ohne die Wilden, ohne die Ungläubigen, die wir selbst im Schooße des Christenthumes antreffen, würden wir vielleicht die tiefe Verderbniß unsterNcttur, und den Abgrund nickt erkennen, aus welchem uns Jesus Christus gezogen hat. Wenn seiner heiligen Wahrheit nicht widersprochen worden wäre/ so würden wir das Wunder nicht sehen, durch welches sie ungeachtet aller dieser Widersprüche beständig erhalten wird, und wir würden endlich vergessen, daß wir aus Gnaden selig werden. Iht aber macht der Unglaube der einen die andern demüthig, und die Rebellen, welche sich den Absichten und Einrichtungen Gottes widersetze»/ machen, daß Gottes Gewalt herrlich wird, durch welche er allein, ohne Beyhülfe eines andern Dinges, der Kirche die Verheißungen erfüllt, die er ihr gethan hat. Was verziehen wir denn, uns ihm zu unterwerfen? Wollen wir daraufwarten, daß er neue Wunder thun, sie durch die Fortsetzung kraftlos machen, und unsre Augen daran gewöhnen soll, wie sie an den Lauft er Sonne, und an alle andern Wunder der Natur gewöhnt sind? Oder warten wir, bis die Hartnäckigen und Gottlosen schweigen? Bis die rechtschaffnen Männer und die Freygeister zugleich die Wahrheit bezeugen? Bis die ganze Welt dieselbe einmüthig ihren Leidenschaften vorzieht? Bis die falsche Wissenschaft, die sich bloß durch ihre Neuheit in Ansehen bringt, die Menschen zu hintergehen aufhört ? Ist das nicht genug, wenn wir sehen, daß man die Religion nicht bestreiken kann, ohne mit erstaunlichen Ausschweifungen darzuthun, daß man keinen gesunden Verstand mehr hat, und daß man in die allgemeine Geschichte. 459 man sich weiter durch nichts, als durch Hochmuth/oder durch Unwissenheit vertheidigen kann? Wird die Kirche, welche so viele Jahrhunderte hindurch über alle Irrthümer gesiegt hat, nicht über die eitlen Vcr- mmftschlüsse triumphiren können, die man ihr entgegensetzt, und sollen die göttlichen Versprechungen, deren Erfüllung wir noch täglich sehen, niemals die Gewalt haben, uns über unsre Sinne zu erhebe»? Man wende uns nicht ein , daß man über die Verheißungen sein Urtheil verschieben müsse, und sich nicht rühmen könne, ihre Erfüllung eher, als am Ende der Welt, gesehen zu haben, weil sie sich bis an das Ende der Welt erstrecken. Denn das Vergangne stellt uns wegen des Zukünftigen in Sicherheit; so viele alte Weißagungen, die nunmehr erfüllt sind, zeigen zur Gnüge, daß alles in seine Erfüllung gehen, und die Kirche, wider welche, nach der Verheißung des Sohnes Gottes, die Hölle niemals etwas vermögen soll, bis an das Ende aller Dinge bestehen wird, weil Jesus Christus, der die Wahrheit selbst ist, ihrer Datier keine andern Grenzen gesetzt hat» Eben diese Verheißungen sagen uns das zukünftige ewige 5eben zu. Gott, der sich so getreu in der Erfüllung des Gegenwärtigen erwiesen hat, wird in dein eben so getreu seyn, was die Zukunft betrifft, wozu alles, was wir sehen, nur eine Vorbereitung ist. Die Kirche wird auf der Erde immer unbeweglich und unüberwindlich seyn, bis nach der völligen Versammlung ihrer Kinder, sie ganz in den Himmel versetzt werden wird, wo ihr.'wahrer Aufenthalt ist. Für diejenigen, welche aus dieser ewigen Stadt Gottes ausgeschlossen sind., wird ein ewiges strenges Gericht aufbehalten, und nachdem sie durch ihre eigne Schuld 46c> Bischof Bossuets Einleitung Schuld werden eine glückselige Ewigkeit verlohren haben, wird ihnen nichts als eine unglückselige Ewigkeit übrigbleiben. Es endigen sich also die Rathschlüjse Gottes durch einen unwandelbaren Zustand; seine Verheißungen und seine Drohungen sind gleich gewiß, und was er in der Zeit ausführt, versichert uns von demjenigen, was wir, nach seinem Befehle, in der Ewigkeit entweder hoffen oder befürchten sollen. Das lehrt uns die Religion in ihrer ganzen Folge, die ich hier in einem kurzen Entwürfe vorstellig gemacht habe. Sie führt uns durch die Zeit zur Ewigkeit. Mail sieht eine beständige Ordnung in allen Absichten Gottes, und einen sichtbaren Beweis seiner Allmacht in der ewigen Dülicr seines Volkes. Sie werden erkennen, Monseigneur, daß die Kirche eine» lebendigen Stamm hat, von dem man sich nicht trennen kann, ohne sich in das Verderben zu stürzen, und daß diejenigen, welche lebendige Zweige dieses Stammes sind, und ihren Glauben durch ihre Werke beweisen, des ewigen Lebens gewiß seyn können. Lernen sie also, Monscigneur, aber lernen sie mit Aufmerksamkeit diese Folge der Kirche, die uns so deutlich von allen Verheißungen Gottes versichert. Alles was dieseKette unterbricht,alles was aus dieser Folge herausgeht, was sich selbst erhebt, und seinen Ursprung, kraft der Verheißungen, die der Kirche geschehen sind, nicht zum Ursprünge der Welt zurückführen kann, muß ihnen einen Abscheu machen. Gebrauchen sie also alle ihre Macht, alles wieder zu dieser Einigkeit zu bringen, was sich von der Kirche abgesondert hat, und sie zu nöthigen, daß sie der Kirche folgen, durch welche der Heilige Geist seine Aussprüche thut. in die allgemeine Geschichte. 461 Das ist die Ehre ihrer Vorfahren, daß sie dieselbe niemals verlassen, sondern sie beschuhet/ und dadurch den herrlichsten unter allen Namen verdient haben, daß sie die ältesten Söhne der Kirche heißen. Ich habe nicht nöthig, ihnen, Nlonseigneu?, einen Cloviö, einen Carl, den Großen, einen heiligen Ludwig vorzustellen. Betrachten sie nur die Zeiten, wo sie leben; erwägen sie nur, von welchem Vater sie Gocc hat gcbohren werden lassen. Ein so großer König unterscheidet sich durch seinen Glauben und seine Frömmigkeit nicht weniger, als durch seine verwundernswürdige Eigenschaften. Er beschuht die Religion in dem Königreiche, und außer den Grenzen desselben bis an die äußersten Enden der Welt. Seine Gesetze sind die stärcksten Schuhmauern der Kirche. Seine Mach?, die sowohl wegen der Verdienste seiner Person, als wegen der Majestät seines Scepters Ehrfurcht verdienet, behauptet sich niemals besser, als wenn sie die Sache des Herrn vertheidigt. Man hört keine Gotteslästerung mehr; die Gottlosigkeit zittert vor ihm; das ist ein König, wie ihn Salomo beschreibt, der alles Uebel durch seine Blicke verjagt. Da er die Keher durch so viele verschiedene Mittel, mehr, als seine Vorfahren angreift, so geschieht es darum nicht, weil er für seinen Thron besorgt ist; alles ist zu seinen Füßen ruhig, und seine Waffen sind dem ganzen Erdkreise furchtbar. Er thut es d.'.rum, weil er seine Völker liebt, und da er sieht, daß ihn die Hand Gottes zu einer Macht in der Welt erhoben hat, welcher nichts gleich kommen kann, so kennt er keinen bessern Gebrauch derselben, als wenn er sie dazu anwendet, daß er die Wunden der Kirche heilet. Ahmen 462 Bischof Bossuets Einleitung Ahmen sie, Monsiigneur, ein so schönes Beyspiel nach, und gehen sie ihren künstigen Nachfolgern damit vor. Empfehlen sie ihnen die Kirche noch mehr, als das große Reich, das ihre Vorfahren seit so vielen Jahrhunderten beherrschen. Es möge doch ihr königliches Haus das Vornehmste unter denen seyn, welche die Rechte Gottes vertheidigen, wie es das größte Haus in Ansehung der Würde ist. Es breite die Herrschaft Jesu Christi, der dasselbe mit so vieler Ehre herrschen läßt, auf dem ganzen Erdkreise aus. Dritter Theil dieser Einleitung. Von der gottlichen Vorsehung in den großen Veränderungen der Reiche, und der Erniedrigung der Priuzen. A^bgleich die Folge der Reiche auf einander, die ich ihnen, Monseigneur, vorstellig machen will, mit der schon betrachteten herrlichen Folge der wahren Kirche nicht zu vergleichen ist: So kann sie dennoch großen Prinzen, wie ihnen, überaus nützlich seyn. VorS erste haben diese Reiche gemeiniglich eine nothwendige Verbindung mit der Geschichte des Volkes Gotces. Gott hat sich der Aßyrier, und Babyloni- er bedient, dieses Volk zu bestrafen; er brauchte die Perser, die Iüden wieder in ihr Land zu bringen; den AleM- in die allgemeine Geschichte. 46z Alexander, und seine ersten Nachfosger,nm sie zu beschützen ; den Antiochus Epiphanes,und seine Nachfolger,um jhreGedult zu üben; und die Römer, um ihre Freyheit gegen die Königein Syrien zu vertheidigen, welche nur cmfden Umsturz derselben bedacht waren. Die Jüdeiü haben unter der Gewalt der Römer ihre obrigkeitliche Gewalt bis aufJesum Christum behauptet. Nachdem sie aber ihn verkannt und gekreuzigt haben, jo gaben eben diese Römer ihre Macht dazu her, Gott an diesem Volke zu rächen, und dieses undankbare Volk auszurotten. Gott, welcher beschlossen hatte, zu gleicher Zeit ein neues Volk aus allen Nationen der Erde zu sammeln, brachte vor allen Dingen die iänder und die Meere in die Gewalt dieses Reiches. Es fingen so viele verschicdne Nationen an, mit einander umzugehen, welche vordem einander ganz fremd waren; sie wurden alle unter der Herrschaft der Römer vereinigt, und das ist eins von den mächtigste!? Mitteln gewesen, dessen sich die Vorsehung zur Ausbreitung des Evangelii bedient hclt. Obgleich eben dieses neue Volhdas in den Grenzen der Römer aufallen Seiten zunahm,dreyhundertJahrc lang aufdas heftigste ver- folgtwurde, so mußte diese Verfolgung doch nur zur Be- statigungderKirche,und zur VerherrlichungihresGlau- bens und ihrer Gedult gereichen. Endlich gab das römische Reich nach, und weil sich ihm eine Macht widersetzte, die unüberwindlicher war, als die seinige, so nahm es diese Kirche ruhig in seinen Schooß auf, nachdem es einen so langen und harten Krieg mit ihr geführt hatte. Die Kaiser haben ihre Macht dazu angewendet, es dahin zu bringen, daß der Kirche gehorcht würde, und Rom ist das Haupt des geistlichen Reiches geworden, das Jesus Christus aufder ganzen Erde aufrichten wollen. Als 464 Bischof Bofsmts Einleitung Als die Zeit gekommen war, daß die römische Macht fallen sollte, und dieses große Reich, welches sich der» gebcns seiner Ewigkeit rühmte, mit andern Reichen ein gleiches Schicksal erfahren mußte, und ein Raub der Barbaren wurde, so behauptete es seine alte Majestät durcd seinenGlauben.Die Nationen,welche es überfielen, lernten von demselben nach und nach die christliche Frömmigkeit, welche ihre Grausamkeit besänftigte, und ihre Könige, welche, ein jeder in seiner Nation, sich an die Stelle der Kaiser setzten, haben keinen Titel gefunden, der herrlicher gewesen wäre, als den Namen der Beschützer der Kirche. Allein hier muß ich ihnen, Monseignelir, die ge< Heimen Gerichte Gottes über das römische Reich und über die Stadt Rom selbst entdecken; ein Geheimniß, das der Heilige Geist dem heiligen Johannes entdeckt, und dieser große Mann, dieser Avostcl, Evangelist und Prophet, in seiner Offenbarung erklärt hat. Rom, welches in dem Dienste seiner Götzen alt geworden war, konnte sich selbst unter den christlichen Kaisern mit Mühe davon losreißen, und der Senat machte sich eine Ehre daraus, die Götter des RomuluS zu vertheidigen, denen er alle Siege der alten Republik zuschrieb *. Die Kaiser wurden endlich der Abgeord, neten müde, welche der Senat beständig an sie abfertigte, die Wiederherstellung seiner Götzen zu verlangen, weil sie es für eine Beleidigung des römischen Namens hielten, daß man sie von ihrem alten Aberglauben bekehren wollte. Es konnte also diese ansehnliche Gesellschaft, welche aus den Größten des Reiches bestund, * Xo6m. IV. O. 8ymm. sx. H,mb. cc»m. V. Ubr. V. Lp. Zo. ^uzzust. äe Livlr. Oei. in die allgemeine Geschichte. 465 stund, und eine unzählbare Menge Volks, unter der sich die mächtigsten Römer befanden, weder durch die Verkündigung des Evangelii.noch durch eine sichtbare Erfüllung der alten Prophezeyungen,noch durch die Bekehrung des größten Theils des römischen Reiches, noch durch die Bekehrung der Kaiser, deren Verordnungen dem Christenthums günstig waren, aus ihren Irrthümern gerissen werden. Sie fuhren vielmehr fort,die Kirche Jesu Christi zu lästern,und sie nach dem Exempel ihrer Väter wegen alles des Unglückes, welches das Reich betraf, anzuklagen, und sie stunden immer bereit, die alten Verfolgungen zu erneuern, wenn sie nicht durch die Kaiser wären zurückgehalten worden. In diesem Zustande befanden sich die Sachen der Religion noch im vierten Jahrhunderte, da Constantin schon hundert Jahre todt war, als Gott an die blutigen Verordnungen des Senats wider die Gläubigen, und zugleich an das wütende Geschrey gedachte, wovon das römische Volk, das nach dem Blute der Christen durstete, so oft die Amphitheater erschallen lassen. Er überlieferte also diese Stadt den Barbaren, die, wie Johannes sagt, vom Blute der Märtyrer trunken war. Offenb.i?,«. Gott erneuerte an ihr die schrecklichen Gerichte, die er vordem über Babylon ergehen lassen: Rom selbst wurde mit diesem Namen genannt. Dieses neue Babel, welches das alte nachahmte, und über seine Siege eben so aufgeblasen war, eben so sehr aufseine Reichthümer trotzte, und sich eben so sehr mit der Abgötterey befleckte, und das Volk Gottes eben so heftig verfolge hatte, mußte fallen, und Johannes besingt seinen Fall. Der Ruhm seiner Siege, den es seinen falschen Götzen zueignete, wurde ihm genommen; Rom wurde von den Barbaren beraubt, dreymal oder viermal mit Sturm erobert, geplündert, verwüstet, und zerstört. Gg Das 466 Bischof Bossuets Einleitung Das Schwerdt der Barbaren verschonte allein die Christen» Ein andres christliches Rom geht aus der Asche des ersten hervor, und der Sieg Jesu Christi über die römischen Götzen wird erst nach der Überschwemmung der Barbaren vollendet, und alsdann werden sie nicht allein zerstört, sondern ganz vergessen. So haben alle Reiche der Welt zu der Erhaltung der Religion und des Volkes Gottes dienen müssen; daher hat eben derselbe Gott, welcher seine Propheten die verschiednen Zustande seines Volkes weißagen lassen, auch die Folge der Reiche auf einander durch sie verkündigt. Sie haben die Stellen gesehen, Mon- seigneur, wo Nebucadnezar als derjenige bezeichnet wird, welcher kommen sollte, die hochmüthigen Völ, ker, und vornehmlich das gegen seinen Stifter undank. bare Volk der Juden zu strafen. Sie haben den Cy- rus zwey hundert Jahre vor seiner Geburt, als denjenigen nennen hören, welcher das jüdische Volk wieder herstellen und den Stolz der Stadt Babel demüthigen sollte. Der Untergang der Stadt Ninive ist eben so deutlich verkündigt worden. Daniel hat in seinen vortrefflichen Gesichten gleichsam in einem Augenblicke vor Augen das babylonische, das medische, das persische Reich, und das Reich Alexanders und der Griechen vergehen lassen', ehe viele davon noch nicht einmal waren. Die Gotteslästerungen und Grausamkeiten des Antiochus Epiphanes, wie auch die verwundernswürdigen Siege des Volkes Gottes über einen so heftigen Verfolger sind auch von ihm vor- hcrverkündigt. Man sieht diese berühmten Reiche eins nach dem andern untergehen, und das neue Reich Jesu Christi ist durch seinen eignen Charakter so wohl bezeichnet worden,daß man es nicht verkennen kann.Das ist das Reich der Heiligen des Allerhöchsten; das ist das Reich m die allgemeine Geschichte. 467 dcs Sohnes Gottes, ein Reich, das mitten untee den Trümmern der andern Reiche besteht, und die Verheißung der Ewigkeit hat. Die Gerichte Gottes über das größte Reich unter allen Reichen der Welt, nämlich über das rö- mische, sind uns nicht verborgen geblieben. Rom hat selbst die Hand Gottes empfinden und ist, wie die andern, ein Beyspiel seiner Gerechtigkeit geworden. Allein es war doch glücklicher, als das Schicksal der andern Städte. Nachdem diese Stadt durch ihr Unglück von den Ueberbleibseln der Abgöttercy gereinigt worden war, so besteht sie nunmehr durch das Christenthum, das sie in aller Welt verkündiget. So haben alle die großen Reiche auf der Welt durch verschiedne Mittel etwas zum Besten der Religion und der Ehre Gottes beytragen müssen, wie solches Gott durch seine Propheten selbst vorherverkündigt hat. Wenn sie so oft in in ihren Schriften lesen, daß die Könige mit Haufen in den Schooß der Kirche kommen, und ihre Beschüßer und Erhalter seyn werden, so erkennen sie an diesen Worten die Kaiser und andre christlichen Regenten. Und wie die Könige, ihre Vorfahren, durch die Beschützung und Ausbreitung der Kirche Gottes sich vor andern hervorgethan haben, so befürchte ich nicht, sie, Monftigneur, zu versichern, daß sie unter allen Königen diejenigen sind, welche in diesen herrlichen Prophezeyungen am deutlichsten vor« hergesagt worden sind. Gott also, welcher beschlossen hatte, sich dieser Königreiche entweder zur Bestrafung, oder zur Prüfung, oder zur Ausbreitung und Beschützung seines Volkes zu bedienen, wollte sich als den Urheber solcher ver- wundernswürdigen Rathschlüsse zu erkennen geben, Gg s unv 468 Bischof Bossuets Einleitung und entdeckte das Geheimniß davon seinen Propheten, welche dasjenige wcißagen mußten, was er auszuführen beschlössen hatte. Das ist die Ursache, warum das Schicksal dieser Reiche, die an dem Vorhaben Gottes mit seinem Volke Antheil hatten, in eben den Weißagungen des Heiligen Geistes verkündigt wird, in welchen er die ununterbrochn- Folge seines gläubigen Volkes vorhersagt. Je mehr sie sich an die Untersuchung dieser erhab, nen Dinge gewöhnen, und sie zu ihren Quellen zurückbegleiten werden, desto grösser wird ihr Erstaunen über die Rathschlüsse der Vorsehung seyn» Es ist viel daran gelegen, daß sie bey guter Zeit zu den Vorstellungen gelangen, welche sich täglich mehr und mehr aufheitern werden, wenn sie alle menschlichen Vorfälle und Begebenheiten unter die Einrichtungen der göttlichen Weisheit bringen lernen, wovon sie abhängen. Gott erklärt nicht alle Tage durch seine Propheten seinen Willen in Ansehung der Könige und der Monarchien, die er aufrichtet, oder zerstört. Allein da er es mit den großen Reichen, von denen wir geredet haben, so oft gethan hat, so zeigt er uns dadurch, was er mit allen übrigen thut, und lehrt die Könige zwo Hauptwahrheiten. Die erste ist diese, daß er es ist, welcher die Königreiche entstehen heißt, und sie giebt, wem er will; die andre Wahrheit ist diese, daß er sie zu der bestimmten Zeit und Ordnung zu dem zu brau« chen weis, was er mit seinem Volke vorhat. Dieses, Monseigneur, muß alle Prinzen in ei« nem beständigen Gehorsame gegen ihn erhalten, und sie allemal auf die Befehle Gottes aufmerksam ma« chen, dasjenige zu befördern, was er zu seiner Ehre thun will, so bald er ihnen nur eine Gelegenheit zeigt. Doch in die allgemeine Geschichte. 469 Doch diese Folge der Reiche hat ihren großen Nutzen, wenn man sie auch nur menschlich betrachtet, vor« nehmlich für die Mächtigen der Welt, weil der Stolz, ein gewöhnlicher Gefährte einer so erhabnen Würde, durch dieses Schauspiel sehr niedergeschlagen wird« Denn wenn die Menschen sich maßigen lernen, indem sie Könige sterben sehen, wie viel mehr werden sie gerührt werden, wenn sie den Tod ganzer Königreiche erblicken, und wo kann man die Lehre von der Eitelkeit der menschlichen Hoheit besser, als hier, kennen lernen? Wenn sie alfo,Monftignelir,glcichsam in einem Augenblicke, ich will nicht sagen, Könige und Kaiser, sondern die großen Reiche, vor denen der Erkreis zitterte, die alten und neuen Assyrier,die Mcder, die Perser, die Griechen und die Römer nach und nach untergehen, und, so zu sagen, über einander einstürzen sehen: So lehrt sie diese Zertrümmerung der Reiche, daß unter den Menschen nichts beständiges, und die Ungewißheit und beständige Abwechslung das Schicksal aller menschlichen Dinge ist. UUUAVVAAKVRVRAB Von dm besondern Ursachen der großen Veränderungen der Reiche. as ihnen, Nlonstigneur, dieses große Schauspiel noch nützlicher und angenehmer machen kann, soll die Betrachtung seyn, die sie nicht allein über die Aufrichtung und den Fall der Reiche, sondern auch über die Ursachen ihrer Aufnahme und ihres Verfalls anstellen müssen. Gg z Denn 470 Bischof Bossuets Einleitung Denn eben der Gott, welcher die wunderbare Einrichtung und den ganzen Zusammenhang der Welt gemacht hat, der durch sich selbst allmächtig ist, hat auch der Ordnung wegen haben wollen, daß ein ieder Theil eines so großen Ganzen von dem andern abhängen sollte. Eben dieser Gott wollte, daß in dem Laufe der menschlichen Dinge eine gewisse Folge und ein gewisses Verhältniß seyn möchte: Ich will sagen, daß alle Menschen und Nationen Eigenschaften gehabt haben, die der Höhe gemäß waren, zu welcher sie Gott bestimmte. Es ist auch, gewisse außerordentliche Begebenheiten ausgenommen, in welchen Gott allein seinen Finger zeigen wollte, keine einzige große Veränderung vorgefallen, welche nicht ihre Ursachen in den verfloß- mn Jahrhunderten gehabt hätte. Und wie in allen Begebenheiten etwas ist, das sie vorbereitet, das die Menschen bestimmt, sie zu unternehmen, und das sie von statten gehen läßt: So besteht die wahre Wissenschaft der Geschichte darinnen, daß man zu einer ieden Zeit die geheimen Einrichtungen, welche die Vorbereitungen zu den großen Veränderungen gewesen sind, und die wichtigen Umstände bemerke, welche Ursache wurden, daß sie sich zutrugen. Es ist in der That nicht genug, daß man die grossen Veränderungen, die das Schicksal der Reiche entschieden haben, nur vor seinen Augen betrachte, und bey ihnen stehen bleibe. Wer in den menschlichen Begebenheiten bis auf den Grund dringen will, muß weiter zurückgehen; er muß die Neigungen, die Sitten, und mit einem Worte den Charakter sowohl der herrschenden Völker überhaupt, als ihrer Prinzen insbesondre, und endlich alle außerordentlichen Männer kennen lernen, welche durch die Wichtigkeit der Rolle, In die allgemeine G eschichte. 471 die sie auf der Welt vorgestellt/ entweder im Guten oder im Bösen, zur Veränderung der Staaten und des öffentlichen Glückes etwas beygetragen haben. Ich habe sie, Monseigneur, in dem ersten Theile dieser Einleitung zu diesen wichtigen Betrachtungen vorzubereiten gesucht; sie werden daselbst das Genie der Völker und der großen Männer, welche sie beherrschten, haben kennen lernen. Die Begebenheiten, welche in Her Folge groß und entscheidend gewesen, sind gezeigt worden, und damit ich sie auf den Zusammenhang der großen Begebenheiten, welchen ich ihnen vornehmlich bekannt machen wollte, aufmerksam erhielte, so habe ich viele besondre Begebenheiten ausgelassen, die von einer so wichtigen Folge nicht gewesen sind«. Min wir sahen nur aufdenZusammenhang,und mußten: also über viel Sachen allzugeschwind forteilen, als daß wir die Betrachtungen darüber hätten anstellen können, die sie verdienten. Sie müssen sie daher ißt mit einer besondern Aufmerksamkeit erwägen, und ihren Geistgewöhnen, alle Erfolge in ihren entferntesten Ursachen aufzusuchen. Dadurch werden sie, N7onstigneur, dasjenige lernen, was ihnen zu wissen nöthig ist; sie werden lernen, daß, obgleich das Glück allein bey besondern Vorfallen die Aufnahme, oder den Untergang der Reiche zu entscheiden scheint, es dennoch, alles zusammen genominen, wie im Spiele zugeht, wo der Geschickteste in der Lange gewinnt. In der That, wer in dem blutigen Spiele, wo die Völker einander die Herrschaft, und die größte Gewalt streitig gemacht haben, in großen Unternehmungen am längsten ausgedauert, am weitesten hinausgesehen, am meisten Mühe angewendet, und am besten Gg 4 gewußt 472 Bischof Bossuets Einleitung gewußt hat, sich nach den Vorfallen entweder zu erheben, oder an sich zu halten, der hat am Ende den Vortheil vor andern gehabt, und das Glück selbst seinen Absichten unterwürfig gemacht. Ermüden sie also nicht, die Ursachen dieser großen Veränderungen zu un> tcrsuchen, weil nichts zu ihrem Unterrichte nützlicher seyn kann, als dieses; allein suchen sie vornehmlich diese Ursachen in der Folge der großen Reiche auf einander, wo die Größe der Begebenheiten sie vor andern handgreiflich macht. »»OGOOOOOOOOOOGOOOO Von den Scythen, den Aethiopiern, und den Aegyptern. ^ch werde hier unter die großen Reiche weder das Reich des Bacchus, noch das Reich des Hercules, dieser-beyden so berühmten Ueberwinder Indiens und des Orientes rechnen. Ihre Geschichte hat keine Gewißheit; in ihren Siegen und Eroberungen ist kein Zusammenhang; man muß diese Geschichte den Poeten überlassen, welche dieselben zur grüßten Quelle ihrer Erdichtungen gemacht haben. Ich will auch von dem Reiche nicht reden, welches n«oiZ. i.i. der Madyes des Herodotus, der demJndathyrsusdes Megasthenes und dem Tanaus des Iustinus sehr ähnlich sieht, auf eine kurze Zeit in Großasien aufrichtete. Die Unternehmungen der Scythen, welche dieser Prinz in den Krieg führte, sind mehr Streifereyen, als Eroberungen gewesen. Sie sielen nur von ungefähr, weil sie die Cimmerier verfolgten, in Medien ein, schlugen in die allgemeine Geschichte. 47z schlugen die Meder, und nahmen ihnen ein Theil ihrer Länder weg, die in Asien unter ihre Herrschaft gehörten. Diese neuen Eroberer herrschten nicht länger, als acht und zwanzig Jahre. Ihre Gottlosigkeit, ihr Geiz, und ihre viehische Lebensart brachte sie um ihre Herrschaft, und Cyarares, ein Sohn des Phraor- tes, dem sie einige Länder weggenommen hatten, vertrieb sie wieder daraus. Dieses geschah mehr durch List, als durchKewalt.Er hatte sich in einenWinkel scinesKönig- reiches gezogen, den die Ueberwinder entweder versäumt, oder vielleicht nicht hatten angreifen können, und daselbst erwartete er in Gedult, bis diese viehischen Eroberer sich den öffentlichen Haß zuziehen, und durch ihre Unordnung selbst um ihre Herrschaft bringen würden. Wir finden im Strabo auch einen König von Ae- ub.xv. thiopicn, Tearcon genannt, den er auch aus dem Me- > . gastheneögenommen; dieser mag.vhne Zweifel der Tha- raca der Schrift seyn, dessen Waffen zu den Zeiten des Senharibs, des Königes von Assyrien, so furchtbar waren. Dieser Prinz drang bis an die herkulischen Scu- len, ohne Zweifel lang an der Küste von Africa hin, und kam bis nach Europa. Allein was soll ich von einem Könige sagen, von dessen Geschichte man in den Geschichtschreibern etwa vier oder fünf Worte findet, und dessen Herrschaft keine Folge gehabt hat? Die Aethiopier,deren König er war, waren nach dem Herodotus unter allen Menschen am besten gebildet, und hatten die schönste Leibesgestalt. Ihr Verstand war lebhaft und gesetzt; allein sie gaben sich wenig Mühe, ihn anzubauen, indem sie ihr Vertrauen auf ihren gewaltigen Körper und auf die starken Nerven ihrer Arme setzten. Ihre Könige waren Wahl- Gg 5 töni- 474 Bischof Bossuets Einleitung könige; sie setzten den Größten und Stärksten auf den Thron. Man kann von ihrer Gemüthsart aus einer Nr?o-Wr. That urtheilen, die uns Herodotuö erzählt. Ale Cam- Ilbr. ui. hysxs, um sie in Erstaunen zusetzen, Gesandte und Ge- schenke an sie schickte, wie sie die Perser gaben, nämlich Purpur,goldneArmbänder,und allerleySpecereyen: So spotteten sie über diese Geschenke, weil sie nichts darunter sahen, was zum menschlichen Leben nützlich wäre; sie spotteten auch über die Gesandten, die sie für da6 ansahen, was sie waren, nämlich für Kundschafter. Allein ihr König wollte dem Könige von Persien auch ein Geschenk nach seiner Art machen, und nahm einen Bogen in seine Hand, den ein Perser kaum würde haben halten können, spannte ihn in Gegenwart der Gesandten, und sagte zu ihnen: Sehet hier den guten Rath, welchen der Rönig von Aethiopien dem Rönige von Persien giebt. N?enn die Perser sich eines Dogens von diestr Größe und Starke eben so lelcht roerden bedienen können, als ich, alsdann mögen sie kommen, und die Aerhiopier angreifen, und mehr Völker herführen, als Cambyses nicht einmal hat. So lange aber mögen sie den Göttern danken, daß sie den Aerhiopiern die Begierde nicht eingegeben haben , ihre Herrschaft außer ihrem Lande auszubreiten. Nachdem er dieses gesagt hatte, ließ er die Sehne des Bogens wieder los, und gab ihn den Abgesandten. Man kann nicht sagen, wie der Ausgang eines solchen Krieges würde beschaffen gewesen seyn. Cambyses wurde durch diese Antwort aufgebracht, er näherte sich gegen Aethiopien, wie ein Unsinniger, ohne Ordnung, olM Lebensrnittel, ohne Kriegszucht, und er sah seine Armee/ aus Man- in die allgemeine Geschichte. 475 gel der Lebensmittel im Sande umkommen, ehe er sich noch dem Feinde genähert hatte. Diese äthiopischen Völker waren unterdeß nicht allezeit so gerecht, als sie sich rühmten, und sie blieben nicht allezeit so eingeschlossen in ihrem Lande. Ihre Nachbarn, die Aegypter, haben ihre Macht oft erfahren. Es ist in den Anschlägen dieser wilden und un- verbesserten Völker nichts zusammenhangendes. Wenn die Natur bey ihnen gleich edle Empfindungen anfängt, so bildet sie doch dieselben niemals aus. Wir haben also auch bey ihnen wenig zu lernen und nachzuahmen. Wir wollen nicht langer von ihnen reden, und auf Völker kommen, unter denen eine beßre Police») eingeführt gewesen ist. Die Aegyptier sind die ersten, von denen man weis, daß sie die Regierung nach gewissen Regeln eingerichtet haben. Diese ernsthafte und ansehnliche gesetzte Nation erkannte zuerst den wahren Endzweck aller Politik, welcher dieser ist,daß man das Leben vergnügt,« nd die Völker glücklich zu machen suche. Die gemäßigte Luft, die sich beständig gleich blieb, machte die Gemüther der Einwohner gesetzt und standhaft. Da die Tugend der Grund der ganzen Gesellschaft ist, so haben sie dieselbe sorgfältig zu beobachten gesucht. Ihre vornehmste Tugend war die Erkenntlichkeit. Die Ehre, die sie erlangt haben, daß man sie für die dankbarsten unter allen Menschen erklärt hat, zeigt uns deutlich, daß sie auch die geselligsten gewesen sind. Die Wohlthaten sind das Band der öffentlichen Eintracht, und der Ruhe der Privatpersonen. Wer die Wohlthaten mit Dank erkennen kann, hat auch Lust, Wohlthaten zu erzeigen, und wenn man die Undankbarkeit verbannt, so bleibt das Vergnügen, gutes zu thun, so laurer, 476 Bischof Bossuets Einleitung daß man nicht unempfindlich gegen dasselbe seyn kann. Die Gesetze der Aegypter waren ungekünstelt, voll Bil- ligkeit, und geschickt, die Bürger unter einander in oioa.i.i. Einigkeit zu erhalten. Derjenige, der einen angefall- nen Menschen nicht errettete, wenn er konnte, wurde eben so hart bestraft, als der Mörder. Wenn man denUnglücklichcn nicht retten konnte, so mußte man zum wenigsten den Thäter der Gewaltthätigkeit vov Gericht anzeigen, und es waren denen harte Strafen gedräut, welche darinnen ihrePflicht versäumteil. Folglich waren die Bürger einer vor dem andern auf seiner Hut, und der ganze Staat vereinigte sich wider die Bösewichter. Es war nicht erlaubt, dem Staate unnütze zu seyn ; die Gesetze zeigten einem reden sein Amt an, und dieses pflanzte sich vom Vater auf den Sohn fort» Man konnte weder zwey Aemter haben, noch seine Profession ändern; allein dafür waren auch alle Profeßio- nen geehrt. Es mußten zwar auch wichtige Aemter und Personen seyn, die viel zu bedeuten hatten; wie etwa ein Leib Augen haben muß. Ihrer Würde wegen aber wurden weder die Füße, noch die niedrigsten Theile des Körpers verachtet. So hatten bey den Aegy- ptern die Priester und die Soldaren besondre Ehrenbezeugungeil; allein alle Künste, bis auf die geringsten, wurden hochgehalten, und man glaubte, daß man ein Verbrechen begienge, wenn man die Bürger verachtete, die, wer sie auch seyn mochten, etwas zum gemeinen Besten beytrugen. Dadurch erreichten alle Künste eine gewisse Höhe von Vollkommenheit; die Ehre, welche sie erhielt, mengte sich überall in alles; man that das am liebsten, was man von Jugend auf hatte thun sehen, und worinnen man sich allein von Jugend an geübt hatte. in die allgemeine Geschichte. 477 Es gab aber eine Beschäftigung, die allen gemein war; das war die Erlernung der Gesetze und der Weisheit. Die Unwissenheit in der Religion und in der Policey des Landes ward in keinem Stande entschuldigt. Im übrigen hatte jede Kunst ihren Canton, wohin sie gewiesen war. Daraus entstund in einem Lande, welches eben nicht breit war, keine Unbeqvemlichkeit; bey einer so schönen Ordnung wußten die Müßiggänger nicht, wo sie sich verbergen sollten. Unter so guten Gesetzen war das Beste dieses, daß alle Welt in der Neigung, sie zu beobachten, unterhalten wurde. Eine neue Gewohnheit war in Aegypten ein Wunder; wie es einmal daselbst zugicng, so gieng eö beständig zu, und die Genauigkeit in der Beobachtung kleiner Pflichten, machte, daß auch die schwerern erfüllt wurden. Es ist auch niemals ein Volk gewesen, das sich bey seinen Gebrauchen und Gesetzen länger behauptet hat, als das ägyptische. Die Einrichtung der Gerichte diente zur Unterhaltung dieser Neigung. Aus den vornehmsten Städten wurden dreyßig zu Richtern erwählt, um die Gesellschaft auszumachen , welche das ganze Königreich richtete« Man war gewohnt, in diesen Würden nur die verdientesten und angesehenstenMänner aus ganz Aegypten zu sehen.Der Prinz wies ihnen gewisse Einkünfte an, damit sie, von dem Getümmel des Hauswesens befreyr, alle ihre Aufmerksamkeit auf die Erhaltung und Beobachtung der; Gesetze wenden könnten. Sie zogen von den Processen nichts, und man hatte den Einfall noch nicht gehabt, aus der Gerechtigkeit ein Handwerk zu machen. Damit man nicht hintergangen werden möchte, so wurden in dieser Versammlung alle An- 478 Bischof Bossuets Einleitung Angelegenheiten schriftlich ausgemacht. Man fürchtete sich daselbst vor der falschen Beredsamkeit, welche die Gemüther verblendet, und die Leidenschaften erregt. Die Wahrheit konnte niemals trocken und ungeschmückt genug vorgetragen werden. Der Präsident des Senates trug eine goldne Halskette mit kostbaren Steinen, an welcher ein Bild ohne Augen hing und die Wahrheit vorstellen sollte. Wenn er dieselbe umnahm, so war solches ein Zeichen, das; die Seßion angefangen werden sollte. Er hing sie der Parthey um, welche seine Sache gewinnen sollte, und das war die Art der Aegypter, einen gerichtlichen Ausspruch zu thun. Eine von den schönsten Künsten der Aegypter, ihre al- tenGrundsäHe zu erhalten, war diese Kunst,daß sie dieselben mit gewissen Ceremonien bekleideten, welche sie tiefer in die Gemüther einprägten. Diese Ceremonien, wurden mit Ueberlegung beobachtet, und die ernsthafte Gemüthsart der Aegypter ließ nicht zu, daß bloße Formeln daraus wurden. Diejenigen, welche mit den Angelegenheiten nichts zuthun hatten, und deren Leben unschuldig war, konnten diesem strengen Gerichte entgehen. Es gab aber in Aegypten ein ganz außerordentliches Gericht, dem niemand entgehen konnte. Es ist ein Trost, wenn man nach seinem Tode seinen Namen in einigem Ansehen lassen kann, und unter allen menschlichen Gütern ist er das einzige , welches uns der Tob nicht rauben kann. Allein eS war in Aegypten nicht erlaubt, alle Todten ohne Unterschied zu loben: Man mußte durch ein öffentliches Urtheil zu dieser Ehre gelangen. So bald ein Mensch gestorben war, wurde er vor das Gericht geöracht. Man hörte den öffentlichen Ankläger. Wenn bewies sen wurde, daß die Aufführung des Verstorbnen schlecht gewesen in die allgemeine Geschichte. 479 gewesen war, so verdammte man sein Andenken, und cr wurde der Ehre der Beerdigung beraubt. Da6 Volk bewunderte die Gewalt der Gesetze, welche sich bis nach dem Tode erstreckte, und ein ieder, der von denBeyspielen der andern gerührt wurde,befürchtete sein Andenken und seine Familie zu entehren. Wenn der Todte keines großen Fehlers überführt wurde, so ließ man ihn ehrlich beerdigen, und man hielt eine Lobrede auf ihn, ohne etwas von seiner Geburt einzumischen. Ganz Aegypten war edel, und überdieß fand man an keinem andern Lobe einen Geschmack, als an demjenigen, welches man sich durch seine Verdienste erwarb. Man weis, mit welcher Sorgfalt die Aegypter die Leiber der Verstorbnen aufbehielten. Man hat noch verschiedne von ihren Mumien. Ihre Erkenntlichkeit gegen ihre Vorfahren war also unsterblich; die Kinder erinnerten sich an die Tugenden ihrer Vorfahren, wenn sie ihre Leiber sahen; ihre Verdienste waren von der Welt belohnt worden, und dadurch ermunterten sie sich, die Geseße zu lieben, welche ihnen von ihren Vorfahren nachgelassen worden waren. Damit das Borgen unterbleiben möchte, woraus n-r.iibr.m. Müßiggang, Betrügereyen und Ränke entstehen, siz^°^^- erlaubte die Verordnung des Königes Asychiö dasselbe unter keiner andern Bedingung, als dieser, daß derjenige, welcher es that, den Körper seines Vaters demjenigen zum Pfande ließ, von dem er Geld aufnahm. Das war sowohl das größte Verbrechen, als die größte Schmach, wenn man ein so kostbares Aand nicht so bald, als möglich, einzulösen trachtete^ und derjenige, welcher starb, ohne dieser Pflicht eine Gnü- ge gethan zu haben, durste nicht beerdigt werden. 4Lo Bischof Bossuets Einleitung Das Königreich war erblich; allein die Könige waren mehr, als andre verbunden, nach den Gesetzen zu leben. Sie hatten ihre besondern Gesetze, welche von einem Könige in Ordnung gebracht worden waren, und einen Theil ihrer heiligen Bücher ausmachten. Man machte zwar den Königen nichts streitig, und niemand war berechtigt, sie zu zwingen; man verehrte sie vielmehr, als Götter; allein eine alte Gewohnheit hatte schon alles, in Ordnung gebracht, und sie ließen sichs nicht einfallen, anders, als ihre Vorfahren, zu leben. Sie litten es also ohne Mühe, daß man ihnen nicht allein die Gerichte, sondern auch das Maas vorgeschrieben hatte/ wie viel sie essen und trinken sollten ; denn das war in Aegypten etwas gewöhnliches, wo jedermann maßig war, und die Luft des Landes die n-r°-,. ii. Mäßigkeit, so zu sagen, iedem einflößte.. Es waren auch z.vä.i. 5.-. ^ Königen alle Stunden zu besondern Verricht«» gen ausgesetzt. Wenn sie früh am Tage erwachten, wo der Geist am reinsten und die Gedanken am lautersten sind, so lasen sie ihre Briefe, um eine desto richtigere und genauere Kenntniß von den Angelegenheiten zu erhalten, welche sie zu besorgen hatten. Sobald sie angekleidet waren, giengen sie in den Tempel, zu opfern. Daselbst waren sie in der Gegenwart des ganzen Hofes, wenn das Opfer am Altare stund, bey einem lehrreichen Gebete zugegen, worinnen der Hohepriester die Götter bat, dem Könige alle königlichen Tugenden zu verleihen, damit er sowohl gegen die Götter, als gegen die Menschen voll Religion, mäßig, gerecht, großmüthig, aufrichtig, und den Lügen abgeneigt, freygebig, Herr über sich selbst seyn, und weniger bestrafen, als belohnen möch» ts. Der Hohepriester redete darauf von den Fehlern, welche in die allgemeine Geschichte. 481 welche die Könige begehen können; allein er setzte allezeit zum Voraus, daß sie lüemals anders, als durch ein bloßes Versehen, oder durch Unwissenheit darein müßten verfallen können, und er verfluchte die Räthe, welche ihnen böse Anschläge geben, und die Wahrheit verbergen würden. Das war die Art, wie die Aegy- pter ihre Könige unterrichteten. Man glaubte, daß Vorwürfe nur ihr Gemüth erbittern würden, und daß das kräftigste Mittel, ihnen die Liebe zur Tugend beyzubringen, dieses wäre, daß man ihnen ihre Pflichten in gesetzmäßigen Lobeserhebungen, vor dem Angesichte der Götter, auf eine ernsthafte und gesetzte Weise zeigte. Nach dem Gebete verlas man den Königen aus den geheiligten Büchern die Rathschläge und Handlungen großer Männer, damit sie den Staat nach den Grundsätzen derselben regieren, und über die Gesetze halten möchten, welche ihre Vorfahren sowohl, als ihre Unterthanen glücklich gemacht hatten. Was uns überzeugt, daß diese Vorstellungen ernstlich gethan, und ernstlich angehört wurden, das ist die Wirkung, die sie thaten. Unter denen aus Theben, nämlich aus der vornehmsten Dynastie, oder Herrschaft, wo die Gesetze am meisten im Schwange waren, und welche sich endlich aller andern Dynastien bemeisterte, sind die größten Manner Könige gewesen. Die beyden Merkure, die Stifter der Wissenschaften und aller ägyptischen Gebräuche "-ro-z. ubr. und Einrichtungen; der eine, welcher gegen die Zeiten der Sündflur gelebt hat; und der andre, welcher ein Zeitgenosse Mosis gewesen ist, haben beyde über The- be geherrscht. Ganz Aegnpten hat sich ihre Einsicht v!o-i.i. x.,. zu Nutze gemacht, und Thcbe hat es ihrem Unterrichte zu danken, daß es wenig schlechte Könige gehabt hat. H h So - 482 Bischof Bossuets Einleitung So lange diese lebten, so wurden sie geschont; die öffentliche Ruhe erfodcrte solches; allein sie waren von dem Gerichte nicht frey, das nach ihrem Tode über sie ge- lKi-j. halten wurde. Einige sind nicht beerdigt worden; man hat aber wenig solche Exempel; die meisten Könige sind vielmehr bey dem Volke so beliebt gewesen, daß ein ieder ihren Tod so fehl, als den Tod seines Vaters, oder seiner Kinder beweint hat. Diese Gewohnheit, über die Konige nach ihrem Tode ein öffentliches Urtheil zu spreche!?, schien dem Volke Gottes so heilig zu seyn, daß es dieselbe beständig beobachtet hat. Wir sehen aus der heiligen Schrift, daß die bösen Könige nicht in das Bcgräb- zntiy. xm. „jß ih^r Vorfahren kamen, und wir lernen aus dem Josephus, daß dieser Gebrauch noch zu den Zeiten der Asmonaer beobachtet wurde. Er lehrte die .Könige, daß ihre Majestät sie über die menschlichen Urtheile erhebt, so lange sie leben, daß sie aber durch den Tod andern Menschen wiederum gleich werden. Die Aegypter hatten einen erfindsamen Geist; sie wendeten ihn aber nur zu nützlichen Dingen an. Ihre Merkure haben Aegyptcn mit den bewundernswürdigsten Erfindungen bereichert, und seinen Einwohnern beynahe nichts unbekannt gelassen, was das menschliche Leben ruhig und vergnügt machen kann, cis Aegyptern die Ehre nicht lassen, die sie "er 15. ihrem Osiris zugeschrieben haben, daß er den Acker- . bau erfunden habe; denn man findet denselben zu allen Zeiten in den benachbarten Landern auf der Erde, wohin sich das menschliche Geschlecht ausgebreitet hat, und man kann nicht daran zweifeln, daß er nicht vom Anfange der Welt her bekannt gewesen seyn sollte. Daber geben die Aegypter ihrem Osiris ein so großes Alter/ iü die allgemeine Geschichte, ,48z Alterthum, daß man wohl sieht, daß sie seine Zeitett mir der Zeit des Anfanges der Welt vermengt haben, und ihm Dinge zuschreiben wollen, deren Ursprung weit über alle bekannten Zeiten der Geschichte hinausgeht. Allein wenn die Aegyptcr weder den Ackerbau, noch die andern Künste erfunden haben, welche mail noch vor den Zeiten der Sündflut antrifft, so haben sie doch dieselben zu einer solchen Vollkommenheit gebracht, und sich so viel Mühe gegeben, sie unter den Völkern wieder herzustellen, wo sie wegen ihrer Barbaren vergessen worden waren, daß ihre Ehre deswegen nicht geringer ist, als wenn sie die Erfinder derselben gewesen wären. Es sind aber auch einige sehr wichtige Künste, de- D^'^'", ren Erfindung man ihnen nicht streitig machen kann, ttcroä.i.l'l.' Weil ihr Land eben, und der Himmel beständig heiter und ohne Wolken war, so haben sie den Lauf der Gestirne zuerst zu beobachten angefangen. Sie haben auch zuerst eine Einrichtung der Jahre gemacht. Diese Beobachtungen haben sie natürlicher Weise auf?^'^'"' die Rechenkunst geführt, und wenn es wahr ist, was Plato sagt, daß die Sonne und der Mond die Menschen zu erst die Wissenschaft der Zahlen gelehrt haben, indem man angefangen hat, eine richtige und ordentliche Berechnung der Tage, der Monate und der Jahre zu machen, so sind die Aegypter die ersten gewesen, welche sich von so herrlichen Lehrern unterrichten lassen. Die Planeten und die übrigen Gestirne sind ihnen ebenfalls bekannt gewesen, und sie haben das große Jahr erfunden, welches den ganzen Himmel vioä.U.s.?. auf seinen ersten Punkt zurückführt. Damit ein jeder seine Aecker wieder finden konnte, welche alle Jahre von dem Nil überschwemmt, und mit Schlamme H h 2 bedeckt 484 Bischof Bsssuets Einleitung bedeckt wurden,so mußten sie ihre Zuflucht zur Feldmeßkunst nehmen, welche sie selbst bald die Geometrie lehrte. Sie beobachteten die Natur sehr fleißig, welche bey einer so heitern Luft, und bey einer so brennenden Sonne sehr stark und fruchtbar unter ihnen u!-ivä / m' Dadurch haben sie auch die Arzneywissenschaft "° '' ' entweder erfunden, oder vollkommner gemacht. Es waren also die Wissenschaften alle unter ihnen in einem großen Ansehen. Alle Erfinder nützlicher Dinge er- ^ ' hielten sowohl ili ihrem Leben, als nach ihrem Tode wür- ib.ö.^.s. dige Belohnungen für ihre Arbeiten. Darum sind die Bücher ihrer beyden Merkure heilig und für göttliche Bücher gehalten worden. Das erste unter allen Völkern, wo man Bibliotheken gesehen hat, ist daö ägyptische. Der Name, den man ihnen gab, machte einen begierig, sie zu besuchen, und ihre Geheimnisse zu erforschen; man nannte sie den Schay der Arzneymirrel für die Seele. Sie heilten dadurch die Unwissenheit, eine der gefahrlichsten unter allen Krankheiten, und die Quelle aller übrigen. Eine Sache, die man den Gemüthern der Aegyptcr am meisten einzuprägen suchte, war die Liebe und Hochachtung für ihr Vaterland. Dieses war, wie sie sagten, ein Aufenthalt der Götter, und sie hatten viele tausend Jahre, dcrenAnzahl man nicht mehr wußte, daselbst geherrscht: Es war eine Mutter der Menschen und der Thiere, welche das ägyptische Erdreich, das - vom Nil befeuchtet worden war, gezeugt hatte, da die übrige Natur unfruchtbar geblieben. Die Priester, die die ägyptische Geschichte von der unendlichen Folge von Jahrhunderte!, verfertigten, welche sie mit nichts, denn mit den Fabeln und Genealogien ihrer Götter erfüllten, verfertigten sie in der Absicht, in den Gemü' m die allgemeine Geschichte. 485 Gemüthern einen tiefen Eindruck von dem Alterthume und dcmAdel.ihres Landes zu machen. Im übrigen war ihre wahreGeschichre in vernünftigeGrenzen eingeschlossen; allein es schien ihnen schön zu seyn, sich in einem unendlichen Abgrunde der Zeit zu verlieren, der sie der Ewigkeit nahe zu bringen schien. Unterdessen hatte die Liebe zu ihrem Vaterlande noch festere Gründe. Aegypten war in der That das schönste Land auf der Welt; es war von Natur fruchtbar , durch die Kunst so vortrefflich angebaut, als es möglich war, das reichste, das bequemste, und durch die Sorgfalt und Pracht ihrer Könige das aus- gcschmückceste Königreich von der Welt. Alles war in ihren Unternehmungen und Arbeiten groß. Das was sie aus dem Nil gemacht haben, ist unglaublich. Es regnet sehr selten in Aegypten; allein dieser Fluß, der durch seine ordentlichen Uebcr- schwemmungen alles befeuchtet, tragt ihnen den Regen und den Schnee andrer Lander zu. Damit dieser wohlthatige Fluß vervielfältigt werden möchte, so waren durch ganz Aegypten unzahlige Canale von ei- n-^ä. n. ner unglaubliche!, Lange und Breite geführt. Der Nil ^° z.' ° brachte mit seinen gesunden Wassern überall die Fruchtbarkeit hin; er vereinigte eine Stadt mit der andern, und das Weltmeer mit dem rothen Meere; er unterhielt die Handlung innerhalb dem Königreiche, und außer demselben, und befestigte es auch wider alle Feinde, so daß er zugleich der Erhalter und der Beschützer von Aegypten war. Man überließ ihm das Feld: Allein die Städte, welche durch unermeßliche Arbeiten erhöht worden waren, und sich mitten in den Wassern / wie Inseln, erhuben, sahen von dieser Hö- Hhz he 486 Bischof Bossuets Einleitung he mit Freuden auf die überschwemmte und vom Nil befruchters Ebne herunter. Wenn cr^über die Maas- sen hoch anwuchs, so boten dem ausgebreiteten Wasser die großen Seen, die die Könige graben lassen, ihren Schooß dar. Sie hatten ihre zubereiteten Oeff- uungen; große Schleusten schlössen sie auf, -oder zu, 'nach dem es die Noth erfoderte, und die Wasser, welche also abgelassen werden konnten, verweilten sich nicht länger auf den Feldern, als zur Fruchtbarkeit der Erde nöthig war. Das war der Gebrauch der großen See, welche Miris, oder Möris genannt wurde; so hieß der König, der sie hatte graben lassen. Man erstaunt/ wenn man liest, und es ist doch gewiß, daß sie vier hundert und zwanzig französische Meilen im Umfange gehabt hat. Damit man nicht allzu viel gut Land verlieren möchte, so hatte man ihn besonders gegen Ly- bien zu weit ausgebreitet. Die Fischerey davon brachte den Königen unzahlige Summen ein. Zween ! Pyramiden, welche beyde auf einem Throne zwo colossenmäßige Bildseulen trugen, wovon eine den Miris, und die andre seine Gemahlin vorstellte, ragten drey hundert Fuß hoch aus dem Wasser heraus, und nahmen unter demselben einen eben so großen Raum ein. Sie zeigten also, daß er sie aufrichten lassen, ehe die See war voll gelassen worden, und daraus war zu schließen, daß die Hände der Menschen unter einem einzigen Prinzen ein so großes Werk zu Stande gebracht hatten, «ero-z. il. Diejenigen, welche nicht wissen, wie wirthschaftlich Nwck.i.-. m >b>-i. Baukunst zeigte darinnen überall die edle Einfalt, und die Größe, welche die Seele ausfüllt. Auf langen Galerien waren die Bildhauerwerke ausgestellt, welche die Griechen zu ihren Mustern nahmen. Thebe kennte den schönsten Städten in der Welt den Vorzug streitig machen. Seine hundert Thore, welche Ho- vioä.ibiä. wer besungen hat, sind ja aller Welt bekannt. Sie war eben so volkreich, als sie groß war, und man sagt, daß sie aus iedem Thore zehn tausend streitbare Männer ausführen können. Man mag vielleicht in dieser Zahl p"^^- eine Vergrößerung finden; so viel ist gewiß, daß ihr Volk unzahlbar war. Die Griechen und die Römer A^^, haben ihre Größe und Pracht erhoben, ob sie gleich 11.60. nurdie Ruinen davon gesehen: So sehr herrlich waren die Trümmern davon! Wenn unsre Reisenden bis an den Ort gekommen waren, wo diese Stadt erbaut gewesen ist, so würden sie ohne Zweifel in ihren Ruinen noch etwas unvergleichliches angetroffen haben; denn die Werke der Aegypter waren so beschaffen, daß sie die Zeiten trotzen konnten. Ihre Bildhauerwerke waren Colossen. Ihre Seulen waren von einer unbeschreiblichen Größe. Aegypten sah auf das Große, A^'^' und wollte vom weiten in die Augen fallen, und dennoch wurde beständig eine genaue Richtigkeit in den Verhältnissen beobachtet. Man hat zu Sayd, welches unstreitig der Name der Stadt Thebais ist, Tempel und Pattäste beynahe noch ganz angetroffen, wo diefe Seulen und Colossen nicht zu zahlen gewesen sind^.Man bewundert vornehmlich'einenPallast daselbst dessen Trümmern nur darum übrig geblieben zu seyn Hh 4 schei- * Va^agez pzr Hloul! Inevenor. 488 Bischof Bossuets Einleittmg scheinen, daß sie die Ehre der größten Werke beschämen sollen. Vier Alleen, die man nicht übersehen kann, und auf der einen und andern Seite mit Sphyn- re endigen, welche sowohl wegen der raren Materie, woraus sie verfertigt worden sind, als wegen ihrer Größe Bewunderung verdienen, sind die Zugänge zu bedeckten Spahiergängen, deren Hohe die Augen in Erstaunen seht. Was für eine Pracht! Was für eine Größe! Diejenigen, von denen dieses erstaunliche Gebäude beschrieben worden ist, haben nicht die Zeit gehabt, dasselbe ganz zu umgehen, und sie sind nicht einmal gewiß, ob sie die Hälfte davon gesehen haben; allein alles, was sie davon haben sehen können, ist erstaunlich. Ein Saal, welcher ohne Zweifel die Mitte des Pallastes ausmachte, wurde von sechs und zwanzig Seulen unterstützt, welche so dick waren, daß sie von sechs Armen nicht umspannt werden konnten, und nach dem Verhältnisse eben so groß waren; diese waren mit Obelisken untermengt, welche so viele Jahrhunderte nicht umstürzen können. Die Farben selbst, welche doch die Macht der Zeit am ersten gemeiniglich erfahren müssen, erhielten sich mitten unter den Ruinen dieses prächtigen Gebäudes, und zeigten noch ihre vormalige Lebhaftigkeit: So sehr wußte Acgypten allen seinen Werken den Charakter der Unsterblichkeit zu geben! Es ist wahr, der Name des Königes dringt in die unbekanntesten Lander der Welt, und dieser Prinz läßt die schönsten Werke der Natur und der Kunst aufsuchen, wo er kann; würde es aber nickt ein würdiger Gegenstand seiner edlen Neubegierde seyn, wenn er die Schönheiten, welche Thebais in seinen Wüsten verschließt, entdecken und unsre Baukunst mit den Erfindungen Aegyptens bereichern lassen wollte? in die allgemeine Geschichte. 489 wollte? Welche Macht, und welche Kunst hat ein solches Land zum Wunderwerke der Welt machen können? Was für Schönheiten würde man nicht eindecken, wenn man in die königliche Stadt selbst gelangen könnte, da man schon von fernen soverwunderns- würdige Dinge wahrnimmt? Nur Aegypren allein konnte solche Denkmäler für die Nachkommenschaften aufrichten. Seine Obelisken machen noch heute zu Tage, sowohl wegen ihrer Höhe, als wegen ihrer Schönheit die vornehmste Zierde der Stadt Rom aus, und die römische Macht, welche die Hoffnung aufgab, den Aegyptcrn gleich zu kommen, hat für seine Größe genug zu thun geglaubt, wenn sie die Denkmaler der ägyptischen Könige entlehnte. Aegypten hatte / außer dem Thurme von Babel, noch keine großen Gebäude gesehen, als es seine Pyramiden erfand, die sowohl wegen ihrer Gestalt, als wegen ihrer Größe über die Zeiten und die Barbaren tn'umphiren. Der gute Geschmack dcrAegypter war Ursache, daß sie Festigkeit, und die bloße Regelmas- sigkcit allein liebten. Leitet uns nicht die Natur selbst zu der edeln Einfalt, zu welcher man nicht ohne die größte Mühe zurückkehren kann, wenn der Geschmack einmal durch Neuheiten und wunderliche Verwägcn- heiten verderbt worden ist? Die Aegypter liebten nur eine regelmäßige Kühnheit; sie suchten das Neue und Erstaunliche nur allein in der unendlichen Man- mchfaltigkeit der Natur, und sie rühmten sich, die einzigen zu seyn, welche, wie die Götter, unsterbliche Werke gemacht hätten. Die Aufschriften ihrer Pyramiden sind so edel, als das Werk selbst. Sie redete» die Zuschauer an. Eine von diesen Pyramiden, wel- Hh 5 che 49c) Bischof Bsssuets Einleitung che von Ziegelsteinen erbaut war, u>iterrichtete uns durch ihre Aufschritt, daß man sie nicht niit andern ver- tt-roc!. s. gleichen sollte, rveil sie über andre p^r.'.mioen eben so, rvie ^uptter über die andern Götter, erhaben ^vare. Allein so viel sich auch die Menschen Mühe geben mögen, so sieht man doch ihr Nichts überall gar zu n-ro-z.:. deutlich. Diese Pyramiden waren Gräber; die Kö- s^V nige, die sie gebaut haben, sind nicht so mächtig gewesen, daß sie ihr Begräbniß darinnen habe» können, und sie haben nicht einmal ihrer Gräber genossen. Ich würde von dem prächtigen Pallaste nicht reden, den man das Labyrinth hieß, wenn uns nicht Herodotus, der denselben gesehen hat, versicherte, daß er weit erstaunlicher, als die Pyramiden gewesen wäre. Man hatte ihn an dem Ufer der See, Mö- ris, erbaut, und ihm einen Prospect gegeben, welcher sich zu seiner Größe schickte. Das Labnrinrh war nicht sowohl nur ein einziger Pallast; es begriff vielmehr zwölf ordentlich erbaute Palläste, die an einander stießen. Fünfzehn hundert Zimmer, mit Gängen untermengt, schlangen sich um zwölf Säle, und ließen diejenigen, welche es besehen wollten, keinen AuSgang finden. Unter der Erde waren eben so vieles Gebäudes zu sehen. Diese unterirdischen Gebäude waren zum Begräbnisse der Könige, und, wer kann es ohne Scham und ohne die Blindheit des menschlichen Geschlechtes sagen? zur Erhaltung heiliger Crocodile bestimmt, welche diese sonst so weise Nation für ihre Götter erkannte. Sie erstaunen über alle diese Pracht in den ä- gyptischen Grabmalen. Außerdem daß man sie als gehci' in die allgemeine Geschichte. 491 geheiligte Denkmäler aufrichtete, welche das Andenken dieser großen Prinzen in den zukünftigen Jahrhunderten erhalten sollten, so sah man sie auch als die ewigen Wohnungen derselben an. Die Hauser betracht oloä.ii». tcte man als Gasthöfe, wo man sich nur im Vorübergehen und während einer Lebenszeit aufhielt, die allzu kurz ist, als daß man alle unfre Unternehmungen darinnen ausführen könnte; die wahren Wohnungen waren die Graber, in welchen wir uns durch unzahlige Jahrhunderte aufhalten sollten. Im übrigen arbeitete Acgypten nicht allein an dc-r Vollkommenheit lebloser Dinge. Seine edelsten Werke, seine schönsten Künste bestunden in der Verbesserung der Menschen. Griechenland war so sehr davon überzeugt, daß seine größten Männer, ein Homer, ein Pnthagoras, ein Plato, ein Lycurgus und Solon selbst, diese beyden großen Gesetzgeber und andre, die ick nicht zu nennen brauche, nach Acgypten gicnqen, Weisheit daselbst zu lernen. Gott hat gewollt, daß Moses in aller Nleisheir der Aegyprer unter- 7,, ncbter seyn sollte; und dadurch fing er an , mächtig m tVorren und in Thaten zu werden. Die wahre Weisheit macht sich alles zu Nutze. Gott will nicht, daß diejenigen, welche er seiner Eingebungen würdigt, die menschlichen Mittel versäumen sollen, die nach ihrer Art ebenfalls von Gott herkommen. Die Weisen in Acgypten hatten die Diät studirt, wodurch die Gemüther gesetzt, die Körpcr stark/ die Frauen fruchtbar, und die Kinder gesund und fest werden. Dadurch nahm das Volk sowohl der Menge, als der Stärke nach zu. Bas Land war von Natur gesund; allein die Philosophie hatte sie gelehrt. 492 BischofBossuets Einleitung ' daß man der Natur zu Hülfe kommen müßte. Es giebt sowohl eine Kunst den Körper auszubilden, als vio der heiligen Gejan^e trug. Mit einem Worte, Aegypten vergaß nichts, was den Verstand ausschmücken, das Herz edel, und den Körper stark machen konnte. Vierhundert tausend Soldaten, die es unrerhielt,waren diejenigen unter seinen Bürgern, die am meisten geübt wurden DieGesehe derKriegszucht erhielten sich sehr leicht,und so zu sagen,durch sich selbst,weil die Väter ihre Kinder allezeit darinnen unterrichteten. Denn die Kriegsproscßion pflanzte sich, wie andre Künste, von dem Vater aufdenSohn fort, und nach den priesterlichen Familien waren diejenigen, welche am meisten Hochachtung und Ansehen hatten, die zu den Waffen bestimmten Familien. Ich will unterdessen nicht sagen, daß Aegypten ein kriegerisches Land gewesen. Man mag immer ordentliche und regelmäßige Soldaten haben , man mag sie in den Kriegöübungen nnd in Schattenschlachten üben: es werden doch nur allein wirkliche Kriege und Schlachten die Menschen kriegerisch machen. Aegypten liebte den Frieden, weil es die 494 Bischof Bossuets Einleitung die Gerechtigkeit liebte, und unterhielt nur zu seiner Vertheidigung Soldaten. Es war mit seinem Lande zufrieden , wo e6 alles im Ueberflusse hat/ und dachte also auf keine Eroberungen. Es breitete sich auf eine andre Weife aus, weil seine Colonicn mit seiner Artigkeit und seinen Gesetzen hier und da auf der Erde einige Länder erfüllten. Die berühmtesten Städte l-l-t. inUm. kamen nach Äegypten, ihre Alterthümer zu erlernen, und aus der Quelle ihrer vortrefflichen Einrichtungen zu schöpfen. Man fragte in Acgypten von allen Orten her nach Weisheit. Als die Bürger der Stadt «er. ii. die olympischen Spiele, die berühmtesten in ganz Griechenland eingeführt hatten, so suchten sie durch eine feyerliche Gesandtschaft den Beyfall der Aegypter, und lernten von ihnen neue Mittel, die Streitenden aufzumuntern. Äegypten herrschte durch seine Rathschläge, und diese Herrschaft des Verstandes schien ihnen edler und herrlicher zu seyn, als diejenige, welche durch die Gewalt der Waffen erlangt wird. Und obgleich die Könige von Theben unstreitig die mächtigsten in Äegypten gewesen sind, so haben sie doch niemals wider die benachbarten Dynastien etwas unternommen; sie haben dieselben erst ihrer Herrschaft unterwürfig gemacht, da sie von den Arabern angefallen wurden, so daß sie dieselben, die Wahrheit zu sagen, mehr den Fremden abgenommen haben, als daß sie hätten über die natürlichen Einwohner des Landes herrschen wollen. Wenn sie aber haben Eroberer seyn wollen, so haben sie alle andern Völker überrroffen. Ich rede nicht vom Osi- ris, dem Ueberwinder der Indianer; vermuthlich ist es Bacchus, oder ein andrer fabelhafter Held gewe- vi°-!.iibr. I. scn. Der Vater des Sesostris, die Gelehrten hal- m die allgemeine Geschichte. 495 ten den Amenophis, sonst auch Memnon genannt, dafür, faßte entweder aus einem besondern Amriebe, oder vermöge seiner Gemüthsart, oder, wie die Aegypter sagen, wegen eines Götterspruches den Entschluß, au6 seinem Sohne einen Eroberer zu machen. Er fing daö auf die Weise der Aegypter, nämlich mit großen Gedanken an. Ä lle Kinder, welche an dem Gebnrtsü tage des Sesostris gebobren worden waren, wurden auf den Befehl des Königes an den Hof gebracht. Er ließ sie, wie seine Kinder, und mit eben der Sorgfalt, als den Sesostris, in seiner Gesellschaft aufer- zichen. Er konnte ihnen keine getreuern Rathe, und keine eifrigern Gefährten seiner Feldzüge geben. Als er ein wenig erwachsen war, mußte er seinen ersten Versuch in einem Kriege wider die Araber thun. Da lernte dieser junge Prinz Hunger und Durst crdulten . und unterwarf sich diese zcicher unüberwindliche Nation. Nachdem er durch diese Eroberung an die kriegerischen Unternehmungen gewohnt wordei»war, ließ ihn sein Vater sich gegen den Abend von Aegypten mit seinenKrieqsvölkern wenden; er griff Lybicn an, und der größte Theil dieser weitläufigen Landschaft wurde ihm umerrhanig. Um diese Zeit starb sein Varer, und hinterließ ihm eine Macht, mit welcher er alles unternehmen konnte. Er ? gieng auf nichts geringerS, als auf die Eroberung der ganzen Welt lim; aber ehe er aus seinem Königreiche auSzog sorgte er für die innerliche Sicherheit desselben; er gewann das Her; seiner Völker durch scmeFreygebig- keit und Gerechtigkeit, und richtete die übrige Regierung mit einer außerordentlichen Klugheit ein. Unterdessen machte er die Zurüstungen zu seiner Unternehmung; er warbSoldaten,und machte diejenigen die seinVater mit ^ ihm 496 Bischof Bossuets Einleitung' ihm erziehen lassen, zu ihren Anführern. Es waren sol- cherHcmprleutc sicbzehnhundert,welche alle fähig waren, den Muth, die Kriegszucht, und die Liebe zu ihrem Könige unter dem Heere auszubreiten. Nachdem dieses alles geschehen war, gieng er nach Aethiopicn, und machte sich dasselbe zinsbar. Er setzte seine Eroberungen in Asien fort. Jerusalem mußte die Macht seiner Waffen zuerst empfinden. Der verwagne Re- habeam konnte ihm nicht widerstehen, und Sesostris bemächtigte sich der Schätze Salomons. Gott hatte sie aus einem gerechten Gerichte in seine Hände gegeben. Er drang weiter nach Indien, als Herkules und Bacchus gethan hatte, und weiter noch, als Alexander nachher that, wie er sich die Länder dießeits dcs Ganges unterwürfig machte. Urtheilen sie daraus, ob ihm die andern Lander widerstunden, die seinem Lande näher waren. Die Scythen gehorchten ihm bis an den FlußTanais; Armenien und Cappadocien waren ihm Unterthan. Er ließ in dem alten Königreiche Colchos eine Colonie, wo nach der Zeit die ägyptischen Sitten beständig geblieben sind. Herodo- tus hat in Kleinasien von einem Meere zum andern die Denkmäler seiner Siege, mit den prächtigen Ue- berschriftcn, Sesostris des Königes der Könige, und des Herrn derHerren gesehen. Man sah solche Denkmaler bis nach Thracien hin, und er erstreckte seine Herrschaft vom Ganges an bis an die Donau. Die Schwierigkeit, die Lebensmittel zu erhalten, verhinderte ihn,wei- ter in Europa einzudringen. Er kam nach neun Iahren mit dem Raube der überwundnen Völker beladen zurück. Einige Völker vertheidigten ihre Freyheit mu- thig; andre ergaben sich ohne Widerstand an ihn. Sesostris sorgte in seinen Denkmalern die Unterschie, de in die allgemeine Geschichte. . 497 de dieser Völker durch hieroglyphische Figuren'nach der Weise der Aegypter zu bemerken. Er erfand die geographischen Karten, um sein Reich zu beschreiben» Hundert berühmte Tempel, die er zur Danksagung den Schutzgöttern aller Städte aufführen ließ, wa-^ ^^. ren die ersten und schönsten Denkmaler seiner Siege, ^b^' und er hatte die Sorgfalt, in ihren Überschriften kund zumachen,daß diese großen Werke, ohne Beschwerung semer Unterthanen, aufgeführt worden wären. Er hielt eö für seinen Ruhm, sie zu schonen, und ließ an den Denkmälern seiner Siege allein die Gefangnen arbeiten. Salomon hatte ihm das Beyspiel da- ,, zu gegeben. Dieser weise Fürst hatte allein die zins- -Chr z,? baren Völker bey den großen Werken gebraucht, die sein Reich unsterblich gemacht haben. Die Bürger hatten viel edlere Verrichtungen; sie lernten Krieg führen, und befehlen. Sesostris konnte sich nach keinem vortrefflichern Muster richten. Er regierte drey und dreyßig Jahre, und genoß seine Siege sehr lange. Er würde noch einer größern Ehre würdig gewesen seyn, wenn er nicht so eitel gewesen wäre, daß er seinen Wagen von überwundnen Königen ziehen lassen. Es scheint, daß er nicht habe, wie andre Menschen, sterben wollen. Nachdem er in seinem Alter blind geworden war , brachte er sich selbst um sein Leben, und hinterließ Aegypten auf ewig voll Reichthum und Ueberfluß. Seine Herr- i'ac.smi. schaft kam unterdessen nicht über das vierte Geschlecht. Allein es waren noch zu den Zeiten des Tiberius solche prächtige Denkmäler übrig, welche von der Stärke und der Menge der Aegypter zeugten. Aegypten nahm - seine friedfertige Gemüthsart sehr bald wieder an. Man findet auch aufgezeichnet, daß Sesostris der er- Ä» sie 498 Bischof Bossuets Einleitung sie gewesen, der die ägyptischen Sitten, nach seinen Siegen, aus Furcht für Rebellionen weichlicher ge, macht habe Wenn man dieses glauben muß, so kann solches aus keiner andern Ursache, als aus Vorsorge für seine Nachfolger, geschehen seyn. Da er so weise und unumschränkt herrschte, so sieht man nicht, was er von Unterthanen befürchten konnte, die ihn anbeteten. Im übrigen ist dieser Gedanke eines so großen Prinzen unwürdig, und das hieß sehr schlecht für die Sicherheit seiner Eroberungen sorgen, daß er den Muth seiner Unterthanen verminderte. Es ist auch wahr, daß dieses große Reich nicht lange bestund. Es mußte auf eine oder die andre Art untergehen. Die Uneinigkeit bemächtigte sich der Aegy- pten. Unter dem Anisis, dem Blinden, fiel E abacon, ''der König der Aethiopier, in Aegypten ein; er begegnete den Aegyptern wohl, und that daselbst eben so große Dinge, als die einyebohrnen Könige des Landes. Niemals hat man ein Beyspiel der Mäßigung gesehen, das der seinigen gleichkäme; nach einer funfzigjähri- gen glücklichen Regierung kehrte er nach Aethiopien zurück, aus Gehorsam gegen einige Erinnerungen, die er für göttlich hielt. Dieses verlaßne Königreich siel in die Hände des Setho, eines Priesters des Vulkans , eines Prinzen, der seiner Mode nach fromm, aber nicht sonderlich kriegerisch war; er entkräftete das Kriegswesen völlig, indem er den Soldaten übel begegnete. Nunmehr war eine Zeitlang in Aegypten keine ordentliche Regierung. Hierauf herrschten zwölf von dem Volke erwählte Könige, welche die Herrschaft über das Reich unter einander theilten. Sie sind es, welche die zwölf Pallaste gebaut haben, die das * d^mxnoä.Ubr. XII. rerum barb. xott. ttsroä. in die allgemeine Geschichte. 499 das Labyrinth ausmachten. Obgleich Aegypten seine Pracht nicht vergessen konnte, so'wurde es doch unter diesen zwölf Prinzen getheilt und geschwächt. Einer von ihnen, Pfammetichus, machte sich durch den Beystand der Fremden zum Herrn über die andern» Aegypten erholte sich wieder, und blieb fünf oder sechs Regierungen hindurch noch ziemlich mächtig. Nachdem dieses alte Königreich ungefähr sechzehnhundert Jahre bestanden war, wurde es endlich durch die Könige von Babel, und den Cyrus geschwächt, und Cam- byses, derjUnsinnigste unter allen Prinzen, bemächtigte sich desselben. Diejenigen, welche die Gemüthsart der Aegypterge- Scrzb. 1.17. kannt haben, sind alle der Meynung, daß sie kein streitbares Volk gewesen; sie haben die Ursachen davon gesehen. Es hatte dreizehnhundert Jahre stets im Friede zugebracht, als es von seinem ersten Eroberer, dem SesostriS, beherrscht wurde. So sorgfältig Aegypten auch eine eigne Kriegsmacht unterhalten hatte, so sehen wir doch, daß am Ende fremde Kriegsvölker seine größte Macht ausmachten, welches der größte Fehler eines Staates ist. Allein die menschlichen Dinge sind niemals ganz vollkommen, und es ist schwer, die Künste des Friedens, und die Vortheile des Krieges in einer gleichen Vollkommenheit zu besitzen. Unterdessen sind sechzehn Jahrhunderte eine schöne Dauer eines Reiches. Binnen dieser Zeit ha- - ben einige äthiopische Könige, unter andern Saba- con, und wie man dafürhält, auch Taraca in Theben regiert. Allein Aegypten hatte von der vortrefflichen Einrichtung seines Staates den Vortheil, daß die Fremden, welche sich dasselbe unterwürfig machten, mehr seine Sitten annahmen, als die ihrigen einführ- I i 2 ten; 509 Bischof Bossuets Einleitung ten; ob sie also gleich ihre Beherrscher änderten, so wurde doch die Regierungsart nicht geändert. Es wurde den Aegyptern schwer, die Perser zu leiden, deren Joch sie sehr oft abzuwerfen suchten. Allein sie waren nicht kriegerisch und streitbar genug, durch ihre eigne Macht, sich wider eine so große Macht zu behaupten, und die Griechen, von denen sie vertheidigt wurden, bekamen anderwärts zu thun, und waren ge» zwungen, Aegypten seinem Schicksale zu überlassen. Es verfiel also immer wieder unter die Gewalt seiner vorigen Beherrscher, hielt aber beständig mit der größten Hartnäckigkeit an seinen alten Gebräuchen, und war unfähig, von den Grundsäßen seiner ersten Könige ganz abzuweichen. Allein ob es gleich unrcr der Regierung der Ptolomäen noch vieles davon beybehielt, so wurde endlich doch die Vermischung der griechischen und asiatischen Sitten und Gewohnheiten so groß, daß man das alte Aegypten beynahe nicht mehr kannte. Man muß nicht vergessen, daß selbst in der Geschichte der Aegypter in Ansehung der Zeiten ihrer alten Könige eine überaus große Ungewißheit herrscht. Man weis nicht recht, wo man den Osimanduas hin- . rechnen soll, von welchem wir in dem DiodoruS so vwä.i.l. prächtige Denkmäler, und so viele herrliche Zeichen 5cH. filier Siege antreffen. Es scheint, daß die Aegypter den Vater des Sesostris nicht kennen, den Herodo- tuS und Diodorus nicht nennen. Die Macht dieses Königes ist auch mehr durch die Denkmäler, die er aufbauen lassen, als durch die Nachrichten seines Landes im Andenken geblieben, und diese Gründe zeigen uns, daß man nicht glauben müsse, wie einige thun, daß alles, was die Aegypter von ihren Alterthümern sagten, so gewiß und richtig gewesen sey, als sie sich rühmten, in die allgemeine Geschichte. 5s? rühmten, weil sie selbst wegen der berühmtesten und herrlichsten Zeiten ihrer Monarchie so sehr in Ungewiß- i he-'c sind. , ' ^ .^ Das große Reich der Aegypter ist gleichsam von : andern Reichen abgesondert, und es ist in seiner Geschichte, wie wir sehen, kein langer und richtiger Zusam« menhang. Dasjenige, was uns zu sagen noch übrig ist, hängt besser an einander, und hat gewissere Data. -,'<). .»»^.MjstZ-^z^W ü!sf^^ ''ü,^M>mö'^M 'Z?l .5»». »OOOOGGOOOGGOGOOOO» Von den alten und neuen Assyriern, den Meden/ und vomCyrus. ir können von dem ersten Reiche der Assyriec nicht viel Gewisses sagen: Allein man mag nach den Meynungen der Geschichtschreiber den Anfang davon in eine Zeit setzen, in welche man will, so werden sie sehen, Nlonseigneur, daß, da sich die Welt noch in kleine Staaten theilte, deren Beherrscher mehr auf ihre Erhaltung, als ihre Vergrös- serung dachten, daß, sage ich, Ninus, der unter seinen Nachbarn der Mächtigste, und zugleich derjenige war, welcher sich am meisteil uitterfing, sie nach und v:°-!.u. nach alle unter seine Bothmaßigkeit brachte, und seine luK.,. Eroberung gegen den Morgen zu weit ausbreitete. Seine Gemahlinn, Semiramis, vereinigte mit dem Ehrgeize, der ihrem Geschlechte eigen ist, einen Muth, und eine Klugheit, die alle ihre Anschlage vortrefflich unter einander zu verbinden wußte, behauptete die weitaussehenden Absichten ihres Gemahls, und richtete diese Monarchie ganz auf. Ii z Diese 5S2 Bischof Bossuets Einleitung ubr i Monarchie war unstreitig sehr groß, und die D ^. i! >.,.'Größe der Stadt Ninive, die man noch für größer, -uic. Babylon halt, beweist solches zur Gnüge. Allein »B?ZR. 14/ wie die scharfsinnigsten und richtigsten Geschichtschrei- . ber diese Monarchie nicht so alt vorstellen, als andre ^ Z, »-thun, so machen sie dieselbe auch nicht so groß.' Die kleinen Königreiche dauren allzulange, woraus man sie zusammensetzen müßte, wenn sie so alt, und so groß ' wäre, als sie der fabelhafte Ctesias, und diejenigen be- ri»t. ä- l-x. schreiben, die ihm auf sein Wort geglaubt haben. Es ist wahr, Plato, ein sorgfältiger Beobachter der Alterthümer, macht das Königreich Troja zu den Zeiten des PriamuS der Herrschaft der Assyrier unterwürfig. Allein man findet im Homer nichts davon, welcher diesen Umstand nicht vergessen haben würde, da er den Vorsatz hatte, die Ehre Griechenlandes zu verherrlichen, und man kann glauben, daß die Assyrier gegen den Abend wenig bekannt gewesen sind, weil sie ein so gelehrter Poet, der alles sorgfältig aufsuchte, was zum Jnnhalte, und zur Zierde seines Gedichtes gehört, nicht darinnen aufführt, vi^ii Unterdessen ist nach der Zeitrechnung, die wir für die " ' ' vernünftigste gehalten haben, die Zeit der Belagerung der Stadt Troja die herrlichste Zeit.der Assyrier, weil sie die Zeit der Eroberungen der Semiramis ist; allein ihre Siege erstreckten sich nur gegen den Morgen. Diejenigen, welche ihr am meisten schmeicheln, lassen sie ihre Waffen gegen diese Seite wenden. Sie hatte an den Anschlagen und Siegen des Ninus allzuviel Antheil, als daß sie den Absichten desselben nicht folgen sollen, die übrigens auch für die Lage ihres Reiches die besten waren. Es ist aber, wie ich glaube, unstreitig, daß die Absichten des NinuS sich auf den Orient erstreckt , haben, in die allgemeine Geschichte. 50z haben, da Jusrinus selbst, der ihm doch am günstig, sten ist, die Unternehmungen desselben, die er gegen die Abendseite unternommen hat, nicht weiter, alb bis an die Grenzen von Lybicn kommen laßt. Ich weis also nicht mehr, zu welcher Zeit Ninive seine Eroberungen bis nach Troja erstreckt haben sollte, da es nicht glaubwürdig ist, daß Ninus und Semi- ramis dieses unternommen haben. Es haben ja alle ihre Nachfolger, von ihrem Sohne Ninias an, in einer solchen Weichlichkeit gelebt, und haben so wenig gethan, daß kaum ihr Name bis zu uns gekommen ist, und man muß darüber erstaunen, daß ihr Reich so lange bestehen können. Wie sollte es sich ausgebreitet haben? Die Eroberungen des Sesostris haben die assyrische Macht gewiß nicht wenig verringert; allein weil sie von keiner Dauerwaren, und von seinen Nachfolgern nicht unterstützt wurden, so ist es glaublich,daß die Länder,wel- che er denAssyn'ern weggenommen hatte,natürlicherWei- sc sich bald wieder unter die Herrschast derer begaben, an die sie gewöhnt waren. Dieses Reich also behauptete sich bey einer gewaltigenMacht und in einem großenFrieden, bis Arbaces dieWeichlichkeit seinerKönige entdeckt hatte, die so lange in demInnersten desPallastes verborgen geblieben war. Sardanapalus, der wegen seiner nieder- trachtigcnThaten bekannt ist,wurde damals seinenUnter- thanen nicht allein verächtlich, sonder» auch unerträglich. Sie haben,Monsetgneur,die Königreiche gesehen, welche aus denTrümmern des ersten assyrischen Reiches, und unter andern aus den Trümmern des ninivitischen und babylonischen hervorgegangen sind. DieKönige von Ninive behielten denName der K önige vonAssyrien bey, und waren die Mächtigsten. Ihr Hochmuth überschritt gar bald alle Grenzen; ihre Eroberungen verführten sie Ii 4 dazu, V 5«4 Bischof Bossuets Elnleitung dazu, unter welche man die Einnahme des Königreiches Israel, oder der Stadt Samaria rechnet. Nur allein die Hand Gottes/ und ein sichtbares Wunder konnte sie verhindern, unrer dem Ezechias Judäa ganz niederzuschlagen, und man konnte die Grenzen ihrer Macht nicht übersehen, als sie kurz daraus in ihrer Nachbarschaft das Königreich Babylon mit Kriege überzogen, nachdem die königliche Familie daselbst in Abnehmen gekommen war. Babylon schien dazu bestimmt zu seyn, daß es der x«,.clr.z,4. ganzen Erde Gesetze vorschreiben sollte. Seine Völker waren voll Verstand und Muth. Die Philosophie, und die schönen Künste herrschten stets unter ihnen , und im ganzen Oriente waren keine bessern Soldaten , als die Chaldaer. Das Alterthum bewundert n«r<-a.i.i. die reichen Erndtcn eines Laiches, dessen Einwohner in unsern Zeiten dasselbe aus Trägheit nicht bauen. Die alten Könige von Persien sahen es als den dritten Theil eines so großen Reiches an. Die Könige von Assyrien blähten sich wegen eines solchen Zuwachses auf, der ihr Reich mit einer so reichen Stadt vergrös- serte, und gierigen auf neue Unternehmungen um. Nebucadnezar, der erste, glaubte, daß sein Reich seiner unwürdig wäre, wenn er nicht zugleich die ganze Welt sich unterthänig sähe. Nebucadnezar, der andre, war noch hochmüthiger, als alle vorhergehenden Könige gewesen waren; alle seine Siege hatten einen glücklichen Fortgang; er machte erstaunliche Eroberungen, und wollte sich lieber, als einen Gott, anbeten lassen, als befehlen. Was für Werke unternahm er nicht in Babylon ! Was für Mauern, was für Thürme, was für Thore! Was war das nicht für eine Schutzwehr, mit welcher er die ganze Stadt umschloß! Es schien, daß der alte Thurm zu Babel in der in die allgemeine Geschichte. 525 der ganz erstaunlichen Höhe des Tempels des Bel wieder erneurt werden sollte, und daß Nebucadnezar dem Himmel von neuem zu bedrohen dächte. Obgleich sein Hochmuth durch die Hand Gottes gedemü- chigt war, so lebte er doch in allen seinen Nachkommen wieder auf. Sie konnten um sich herum keine andre Macht leiden, und weil sie alles unter ihr Joch bringen wollten, wurden sie den benachbarten Völkern unerträglich. Mit diesem Neide vereinigten sich wider sie die Könige der Weder, und die Könige der Perser, und verschiedne andre Völker des Orientes. Der Hochmuth verwandelt sich sehr leicht in Grausamkeit. Weil die Könige von Babylon mit ihren Unterthanen unmenschlich umgiengcn, so fielen sowohl ganze Völker, als die vornehmsten Herren ihres Reiches dem Cyrus und den Meden zu. Babylon, welches allzusehr gewohnt war, zu befehlen, und zu überwinden, als daß es sich vor so vielen Feinden hatte fürchten sollen, die sich alle wider seine Herrschaft verschworen hatten, Babylon, sage ich, wurde den Medern, die es unter sein Joch bringen wollte, zu der Zeit dienstbar, da es sich für unüberwindlich hielt, und gieng endlich durch seinen Hochmuth zu Grunde. Das Schicksal dieser Stadt war wunderbar, weil sie durch ihre eignen Erfindungen untergieng. Der Euphrat that in seinen weitläufigen Gegenden bald eben die Wirkung, als der Nil; allein ihn nuhbarzu machen, dazu gehörte noch mehr Kunst und Arbeit, als Aegyvten bey seinem Nile nöthig hatte. Der Euphrat floß in seinem Laufe gerade fort, und trat niemals aus. Man mußte also in; ganzen Lande eine unzahlige Menge Canäle graben, damit er die Gegenden wässern konnte, wodurch denn di« Frucht- Ji 5 bar- 5^6 Bischof Bossuets E-mleitung barkeit des Landes unvergleichlich wurde. Damit man den ungestümen iaufsciner allzuschnellen Wasser hemmen möchte, so mußte man ihn durch hundert krumme Wege führen, und eine große See graben lasse», die eine Königinn mit einer unglaublichen Pracht umgab. Nitocris, eine Mutter des Labinithus, der sonst auch Nabonides oder Büthasar hieß, und der letzte König in Babylon war, hatte diese großen Werke aufführen lassen. Allein diese Königinn unternahm ein weit größres Werk: sie führte über den Eu- phrates eine steinerne Brücke, damit die beyden Seiten der Stadt, welche durch die fast unermeßliche Breite des Flusses allzuweit von einander abgesondert waren, Gemeinschaft mit einander haben könnten. Man mußte also einen so heftigen und tiefen Fluß austrockne»/ und seine Wasser in eine entsetzlich große See ableiten, welche die Königinn hatte graben lassen. Zu gleicher Zeit baute man die Brücke, zu welcher die kostbaren Materialien schon fertig lagen, und man führte an beyden Seiten des Flusses eine Mauer von Ziegelsteinen von einer außerordentlichen Höhe aus, an welcher man Stufen nach den Fluß hinunter gemacht hatte. Dieses Werk war so schön, als die Mauern der Stadt. Die Geschwindigkeit, mit welcher der Bau vollendet wurde, glich der Größe desselben vollkommen. Allein eine so weise Königinn sah nicht vorher, daß sie dadurch ihre Feinde lehrte, wie sie die Stadt einnehmen sollten. Die See, welche sie hatte graben lassen, war es, worein Cyrus den Euphrat ableitete, als er die Hoffnung aufgab, Babylon durch Gewalt oder Hunger zu zwingen, und er öffnete sich dadurch auf beyden Seiten der Stadt den Eingang, von dem die Propheten vorhergeweißagt haben« Wenn in die allgemeine Geschichte. 5^7 Wenn Babylon hatte glauben können, daß es eben so vergänglich, als andre menschliche Dinge wäre, und ein unvernünftiges Vertrauen die Stadt nicht in die größte Blindheit gestürzt hatte, so würde sie nicht allein vorhergesehen haben, was Cyrus that, weil das Andenken von dem Werke der Nitocris noch nicht vergessen war, sondern sie würde auch alle Perser haben erschlagen können, welche auf dem trocknen Boden des Flusses in die Stadt drangen, wenn sie die Stufen, die in den Fluß hinunter giengen, wohl bewacht hätte. Allein man dachte auf nichts, als aufLustbarkciten und Schmäuse: Es war weder Ordnung noch Anstalt, noch Anführung da. So gehen nicht allein die festesten Oerter, sondern auch die größten Königreiche unter! Das Schrecken herrschte überall; der gottlose König wurde umgebracht, und Tenophon, welcher dem letzten Könige von Babylon diesen Namen giebt, scheint durch dieses Wort dieKirchenraubereyen zu bezeichnen, die, wie Daniel zeigt, durch einen so erstaunlichen Untergang bestraft worden sind. Die Meder, welche das erste Königreich der Assyrier zerstört hatten, zerstörten auch das andre, und es schien, als wenn diese Nation von einem feindseligen Schicksale der Wyrier bestimmt gewesen wäre, ihre Größe zu demüthigen. Allein dieses letztemal machte zu gleicher Zeit die Tapferkeit und der große Name des Cyrus, x-»-«?», daß die Perser,seine Unterthanen, den Ruhm dieser Ero. berung davon trugen. Sie gehört auch in der That diesem Helden ganz allein, der, nachdem er, nach persischer Weise, eine strenge und ordentliche Auferziehung gehabt hatte, von sei- . ner Jugend an zu einem mäßigen und kriegerischen Leben gewöhnt worden war. Die Perser waren dazumal 5o8 Bischof Bossuets Einleitung V. 44. mal Völker, die sich der Mäßigkeit so sehr ergaben,als sie ^sich hernach der Wollust überließen. Die Meder, die ^lv. v^/' vordem so arbeitsam und streitbai-gewesen, endlich aber durch den Ueberfluß weichlich geworden waren, wie es immer zu gehen pflegt, brauchten einen solchen Heerführer. Cyrus bediente sich ihrer Reichthümer, und ihres Namens, der immer im ganzen Oriente geehrt worden war; allein er fetzte alle Hoffnung des glücklichen Fortganges seiner Waffen auf die Kriegsvölker, die er aus Persien mit sich brachte. In der ersten Schlacht wurde der König von Babel getödtet, und die Affyrier geschlagen. DerUeber- winder bot dem neuen Könige einen Zweykampf an, und indem er seinen Muth zeigte, so erwarb er sich den Ruhm eines gnadigen Prinzen, der sein Volk schonte. Er vereinigte die Staatsklugheit mit der Tapferkeit. Aus Furcht, ein so schönes iand zu verheeren, das er schon als sein erobertes Land ansah, beschloß er, daß die Arbeiter im Felde auf beyden Seiten verschont werden sollten. Er wußte die Eifersucht der benachbarten Völker wider die hochmüthige Macht der Babylonier zu erwecken,die alleLänder mit Krieg überzog; derRuhm, den er sich sowohl durch seine Großmuth und Gerechtig- keit,als auch durch dasGlück seincrWaffen erworben hatte, vereinigte sie alle unter seine Fahnen,und er unterwcn-f sich also mit einem so mächtigen Beystande die großen weitlauftigenLänder,aus welchen er seinReich auflichtete. So entstund diese Monarchie. Cyrus machte sie so gewaltig/ daß sie unter seinen Nachfolgern fast nothwendiger Weife zunehmen mußte. Aber wenn man wissen will, was sie versohren hat, so muß man nur die Perser und die Nachfolger des Cyrus mit den Griechen und ihren Generalen, vornehmlichaber mit dem Alexander vergleichen. Von in die allgemeine Geschichte. 509 O»»OOOO»OG»O»OOOOOO O O!» Von den Persern, den Griechen, und Alex» . andern, dem Großen. (jAambyscs, ein Sohn des Cyrus, war derjenige, welcher die Sitten der Perser verdarb. Sein Vater, welcher mitten unter dem Kriege so wohl erzogen worden war, trug nicht Sorge genug dafür, daß sein Nachfolger in einem so großen Reiche kinc solche Erziehung bekommen möchte, als er gehabt hatte. Eine allzuaußcrordentliche Größe schade« te, nach dem gewöhnlichen Schicksale der menschlichen Dinge, der Tapferkeit. Darius, ein Sohn des Hysta- spes, welcher aus dem Privatleben zum Throne erhoben wurde, brachte beßre Fähigkeiten zu der unum- schränkten Regierung, und gab sich einige Muhe/die eingcrißnen Unordnungen zu verbessern. Allein die Verderbniß war schon zu allgemein; der Ueberfluß hatte allzuviele Ausschweifungen in den Sitten eingeführt, und Darius hatte selbst nicht Kräfte genug übrig behalten, als daß er hätte fähig seyn können, alles wieder in Ordnung zu bringen. Unter seinen Nachfolgern verschlimmerte sich alles noch mehr, und die Schwel- gerey der Perser hatte keine Grenzen mehr. Allein obgleich diese Völker, nachdem sie mächtig geworden waren, viel von ihrer alten Tapferkeit verkehren hatten, indem sie sich den Ergehlichkeiten überließen, so behielten sie doch allezeit noch etwas Grosses und Edles. Was kann edler seyn, als der Abscheu, den sie vor den Lügen hatten, ein Laster, welches unter ihnen allezeit für das schändlichste und niederträchtigste gehalten worden ist? Nach den Lügen gereichte 5IO Bischof Bossuets Einleitung gereichte einem Menschen nichts zu einer größer» Schande, als wenn er sich von geborgten Gürern erhielt. Ein solches Leben schien ihnen ein müßiges, schandliches, knechtisches Leben, und desto verächtlicher zu seyn, je mehr dasselbe zu Lügen verleitete. Vermöge einer Großmuth, die der Nation natürlich war, begegneten sie überwundnen Königen sehr wohl. Wenn sich nur die Kinder derselben einigermaßen nach ihren Ueberwindern richten konnten, so ließen sie dieselben in ihrem Lande fast mit allen Merkmalen ihrer ersten Hoheit regieren. Die Perser waren artig, höflich, freygebig gegen die Fremden, und wußten sich ihrer sehr wohl zu bedienen. Leute von Verdiensten waren immer unter ihnen bekannt, und sie scheuten keinen Aufwand, um sie zu gewinnen. Es ist wahr, sie habe» keine vollkommne Erkenntniß von der Klugheit erlangt, welche lehrt, wie man wohl herrschen soll. Ihr großes Reich wurde immer mit einiger Verwirrung regiert.Sie konnten das schöne Geheimniß nicht finden, welches die Römer so wohl zu brauchen gewußt, das Geheimniß, alle Theile eines so großenStaates zu vereinigen und ein voll- kommnes Ganzes daraus zu machen. Persien wurde daher auch immer durch wichtige Rebellionen beunruhiget. Unterdessen waren sie nicht in aller Politik unerfahren. Die Gesetze der Gerechtigkeit waren unter ihnen bekannt, und sie haben große Könige gehabt, die über die Beobachtung derselben mit einer bewundernswür- digen Genauigkeit gehalten haben. Die Verbrechen wurden mit der größten Strenge bestraft, doch aber mit diefer Mäßigung, daß man die ersten Verschen sehr leicht vergab, den Rückfall in dieselben aber mit den unbarmherzigsten Strafen zu verhindern suchte. Sie hatten sehr gute Gesetze, welche sich alle von» Cyruö in die allgemeine Geschichte. 511 und dem Dariuö,eineM Sohne des Hystaspes, herschrel- i?i-c. ->« icz. ben. Sie hatten einige vernünftige Grundsätze in der ^ Regierung, ordentliche Versammlungen, damit diese ^ Grundsätze behauptet werden möchten, und alle Aemter ^ ^ ^ ^ stunden eins unter dem andern in einer sehr bestimmten ' ^' Ordnung. Wenn man sagte, daß die Großen, aus denen dieVersammlungen bestunden,die Augen und-Oh-- ren des Prinzen waren: So gab man dadurch zugleich - dem Prinzen zu verstehen, daß seine Minister für' ihn das seyn sollten, was die Sinne für uns sind: Wir müssen uns nicht auf sie verlassen/ sondern durch ihren Beystand thätig werden. Zugleich aber wurden auch die Rathe erinnert, daß sie nicht für sich selbst, sondern für den Prinzen, der ihr Oberherr wäre, und für den ganzen Staat befchässrigt seyn müßten. Diese Räthe mußten in den alten Grundsätzen der Monarchie unterrichtet seyn. Die öffentliche!, Nachrichten von vergangnen Begebenheiten dienten der Nachkommenschaft zu einer Regel. Man bemerkte darinnen die' Dienste, die einer geleistet hatte, aus Furcht, daß sie zur Schande des Prinzen, und zum Unglücke des Staa- n-roa.l. les unbeiohnt bleiben möchten. Das war eine vortreffliche Art, die Bürger so weit zu bringen, daß sie an dem öffentlichen Wohle Antheil nahmen, daß man sie lehrte, daß sie sich niemals allein, sondern für den König und den Staat, wo sie sich alle zusammen befanden, aufopfern müßten. Eine von den vornehmsten Sorgen des Königes war diese, daß er den Ackerbau in Aufnehmen zu bringen suchte, und die jandvögte, deren Regierung auch am besten eingerichtet war, hatten an den Gnadenbezeugungen den meisten Antheil. Wie man Aemter hatte, die auf die Kriegsübungen «in wachsames Auge haben sollten: So waren auch Auf- ^ > W M-I ,^1 5l2 Bischof Bossuets Einleiruilg Aufseher über die Bauerarbeitsn geseht: Das waren zwey Aemter, die mit einander viel Aehnliches hatten; eins war dazu bestimmt, das Land zu bewahren, und das andre, dasselbe anzubauen. Der König schützte sie mit einer fast gleichen Gnade, und beyde mußten zur Beförderung des allgemeinen Bestens dienen.Nach de- nen,welche im Kriege einige Vortheile vor andern davon trugen, waren die geehrtesten diejenige»,welche viel Kinder erzogen hatte«. Die Ehrfurcht, die man den Per- fern von Kindheit auf für die königliche Hoheit und Gewalt einflößte, gieng bis zur Ausschweifung, weil sie die Anbetung darein mengten, und sie schienen mehr Sklaven, als vernünftige Unterthanen eines gesetzmäs- slgen Reiches zu seyn. Dieses brachte die Gemüthsart der Morgenlander mit sich, und vielleicht verlangte die natürliche Lebhaftigkeit und Heftigkeit dieses Volkes eine noch unumschränktere und stärkre Regierung. Die Art, wie man die jungen Prinzen erzog, wird vom Plato bewundert, und den Griechen als ein Muster einer vollkommnen Erziehung vorgestellt. Im siebenten Jahre wurden sie von den Verschnittnen weggenommen, und man lehrte sie reiten, und übte sie auf der Jagd. Wenn sie das vierzehnte Jahr erreicht hatten, wo sich der Geist auszubilden anfangt, so gab man ihnen viere von den weisesten und tugendhaftesten Männern in Persien zu ihren Lehrern. Der erste, sagt Plato, lehrte sie die Magie, oder nach ihrer Sprache,die Verehrung der Götter, die nach ihren alten Meynungen und vornehmlich nach den Gesetzen des Zo- roasters, eines Sohnes des Oromasus, eingerichtet war. Der andre Hofmeister mußte sie gewöhnen,dieWahrhcit zu sagen,und die Gerechtigkeit zu handhaben. Der dritte lehrte sie, daß sie sich durch die Wollüste nicht überwinden in die allgemeine Geschichte. 51z den lassen sollten,damit sie freye, und wahre Könige, und Herren über sich selbst und ihre Begierden seyn könnten. Der vierte befestigte ihren Muth gegen die Furcht, welche Sklaven aus ihnen machen, und ihnen das Vertrauen zu sich selbst, das so nöthigzur Regierung ist, nehmen möchte.Die jungen Herren des Reiches wurden am Hofe des Königes mit seinen Kindern erzogen. Man trug besondre Sorge dafür, daß sie nichts niederträchtiges sehen und hören möchten» Man mußte dem Könige von ihrer Aufführung Rechenschaft geben. Wenn man ihm davon Nachricht gegeben hatte, so erhielten sie nach seinem Befehle, wie sie verdienten, bald Strafen, bald Belohnungen. Die Jugend, welche sie sah,lernte bey guter Zeit mit der Tapferkeit, die Wissenschaft zu gehorchen, und zu befehlen. Was konnte man nicht bey einein so schönen Unterrichte von denKöni- gen in Persien und voi, ihrem Adel hoffen, wenn sie in den zunehmenden Jahren mit eben der Sorgfalt angeführt worden waren, mit der sie in ihrer Kindheit unterwiesen worden waren. Allein die verderbten Sitten der Nation rissen dieselben gar bald zu den Erblichkeiten und Lustbarkeiten fort, wider welche keine Erziehung aushalten kann. Man muß unterdessen einräumen, daß es den Persern bey aller ihrer Weichlichkeit, bey aller ihrer Sorgfalt für ihre Schönheit, und für ihren Putz nicht an Tapferkeit fehlte. Sie haben sich ihrer beständig gerühmt, und auch sehr hcrrli.che Beweise davon gegeben. Die Kriegswissenschaft hatte unter ihnen den Vorzug, den sie als diejenige verdiente, unter deren Schutze alle andern Künste in Ruhe ausgeübt werden konnten. Allein sie drangen niemals auf den Grund davon; sie wußten nicht, was unter einer Armee die Strenge, die Kriegszucht, die Kk Ord- 514 Bischof Bofsuets Einleitung Ordnung unter den Völkern,die Ordnung aufden Heerzügen und in den Lägern, und eine gewisse Allführung thun kann, durch welche diese großen Körper, ohne Verwirrung, und zur rechten Zeit in Bewegung gesetzt werden. Sie glaubten, alles ausgerichtet zu haben, wenn sie, ohne Wahl, ein unzähliges Volk versammelt hatten, das zwar herzhaft guuig, aber ohne alle Ordnung in den Streit zog, und mit einer unzählbaren Menge unnützer Personen belastet war, die der König und die Großeil, bloß zu ihrem Vergnügen, mit sich nahmen. Denn ihre Weichlichkeit war so groß, daß sie bey der Armee eben die Pracht, und eben die Ergctz- lichkeiten finden wollten, die sie an den Oertern genossen, wo sich der Hofordentlicher Weise aufhielt.Die Könige hatten also stets alle ihre Gemahlinnen, alle Beischläferinnen, ihre Verschnittnen und alles bey sich, was zu ihrem Vergnügen dienen konnte. Das Gold, die Silbergeschirr, und die kostbarsteil Gerärhschaf- ten folgten in allem Ucberfluise, und kurz mit allein dem Trosse nach, den ein solches Leben verlangt. Eine solche Armee, die schon allein durch die unzählige Menge der Soldaten in Verwirrung war, wurde noch dazu durch die ungeheure Anzahl von denen beschwert, welche nicht mit stritten. Bey einer solchen Unordnung konnte die Armee in ihren Bewegungen unmöglich einstimmig seyn; die Befehle kamen niemals;u rechter Zeit, und in einer Schlacht gieng alles, wie es gieng,ohne daß iemand im Stande war, dieser Unordnung abzuhelfen. Man muß dieses noch hinzusetzen, daß der Feldzug bald geendigt, und ein Land sehr geschwind durchzogen werden mußte; denn ein so ungeheurer und begieriger Körper verzehrte in kurzer Zeit alles, nicht allein was zum nöthigen Unterhalte des Leibes/ in die allgemeine Geschichte. 515 Lcibcs, sondern cmch zum Vergnügen diente. Kaum kann man begreifen, wo es noch seinen Unterhalt her bekommen konnte. Unterdessen seßteN die Perser mit diesem erstaunlichen Aufzuge die Völker in Erstaunen, welche den Krieg selbst nicht besser verstunden, als sie. Auch diejenigen, welche in der Kriegswissenschast erfahren waren, wurden theils durch ihre innerlichen Uneinigkeiten, theils durch die unzahlbareMenge ihrer Feinde entweder geschwächt oder niedergedrückt. Dadurch wurde Aegy-, pten, so stolz es auch auf sein Alterthum, auf seine weisen Einrichtungen, und auf die Eroberungendes Sesostriö war, den Persern unterthanig gemacht. Es war ihnen nicht viel schwerer, Kleinasien unter ihre Bothmaßigkcic zu bringen, und sich selbst die dasigen griechische» Colonien unterwürfig zu machen, die schon durch die asiatische Weichlichkeit verderbt worden waren. Allein als die Perser nach Griechenland selbst kamen, so fanden sie, was sie noch niemals gesehen hatten, eine wohleingerichtete Kriegsmacht, Befehlshaber, denen gehorcht wurde, Soldaten, die gewohnt waren, von wenigem zu leben, Körper, welche die Arbeiten hart gemacht, und die griechischen Leibesübungen geschickt gemacht hatten, und Kriegs- hcere, die in der That sehr klein zu seyn schienen, die aber dafür den starken Körpern glichen, wo alles Nerve und Geist zu seyn scheint. Im übrigen wurden sie so gut angeführt, und gehorchten den Befehlen ihrer Generale so willig, daß man hätte meynen sollen, alle Soldaten hatten nur eine Seele, so einträchtig waren sie in allen ihren Bewegungen unter einander. Kk z Allein 5l6 Bischof Bossuets Einleitung Allein Griechenland besaß noch etwas größers, eine gewisse und vorsichtige Staatsklugheit, welche in die Zukunft hinaus sah, und bald nachzugeben, zu wagen, und sich zu vertheidigen wußte,wo es ihnen nöthig zu seyn schien; das Größte, was Griechenland furchtbar machte, war ein Muth, den die Liebe zur Freyheit und zum Vaterlande unüberwindlich machte. Die Griechen, die von Natur voll Verstand und Muth waren, hatten das Glück gehabt, bey Zeiten von den Königen und den Colonien aus Aegyptcn gebildet zu werden, die sich in den ersten Zeiten an verschiednen Orten niedergelassen, und die herrliche Policen der Aegypter überall ausgebreitet hatten. Von ihnen hatten sie die Lci- beSübungen^asRingeN/denWettlaufzuFuße^ieWctt- rennen zu Pferde und mit dem Wagen, und die andern Leibesübungen, welche sie durch die ruhmvollen Krönungen der Ueberwinder in den olympischen Spielen zur Vollkommenheit brachten. Allein das Beste, was sie von den Aegyptern gelernt hatten, war dieses,daß sie nachgaben,und sich zum allgemeinen Besten durch die Gesetze willig bilden ließen. Das waren nicht Privatper- sonen,diemiraufihre?lngelegenheitendenken,unddieUe- bel des Staates nicht eher empfinden, als wenn sie selbst darunter leiden, oder wenn die Ruhe ihrer Familiengestört wird. Die Griechen waren gelehrt worden, sich und ihre Familien als Theile eines größern Körpers anzusehen , welcher die Republik war. Die Vater erzogen die Kinder in dieser Neigung, und diese lernten von ihrer Wiege an, das Vaterland als ihre allgemeine Mutter betrachten, der sie noch mehr, als ihren Acltem angehörten. Das Wort, poliresse, bedeutete bey den Griechen nicht allein die Freundlichkeit, und die beyderseitigeAchtung gegen einander, welche die Men- in die allgemeine Geschichte. 517 schen gesellig macht: Ein polirer Mann war nichts anders,«^ ein guter Bürgender sich bestandig als einGlied - des Staates ansieht, der sich die Gesetze regieren läßt, mit ihnen auf das allgemeine Beste außen ist, und dabey keinen Menschen beleidigen will. Die alten Könige, welche Griechenland zu verschiedncn Zeiten gehabt hatte, ein Minos, ein Cecrops, ein Theseus, ein Codrus, ein Temenes, ein Crcsphonres, ein Eury- sthenes, ein Patrokluö, und viele andre hatten diese Gemüthsneigung in der ganzen Nation ausgebreitet. ?>.ä<-l<-x.iii. Sie waren alle dem Volke geneigt; sie schmeichelten demselben nicht, sie sorgten aber für das Beste desselben und machten die Gesetze überall zu herrschen. Was soll ich von der Strenge der öffentlichen Gerichte sagen? Hat man iemals ein so ansehnliches Gericht gesehen, als der Areopagus war, der in ganz Griechenland verehrt wurde, und vor dem, wie man sagte, sich selbst die Götter gestellt hatten? Er ist schon in den ersten Zeiteil berühmt gewesen, und Cecrops hat ihn vermuthlich nach dem Muster der ägyptischen obersten Gerichte eingerichtet. Keine Versammlung hat den Ruhm seiner alten Strenge langer behauptet, und die betrügerische BeredtsamkeitM beständig daraus verbannt gewesen. Nachdem unter den Griechen eine so gute Policey nach und nach eingeführt worden war, so glaubten sie im Stande zu seyn, sich selbst zu beherrschen, und es wurden aus den meisten Städten Republiken. Allein die weisen Gesetzgeber, die in ieder Sradt aufstunden, ein Thales, ein Pythagoras, ein Pittacus, ein Lycurgus, ein Solon, ein PhilolauS, und so viele andre, deren Andenken uns die Geschichte erhalten hat, verhinderten es, daß ihre Freyheit keine auöschwei- Kt z sende 5i8 Bischof Bossuets Einleitung sende Frechheit wurde. Gesetze, die in einer edlen Einfalt geschrieben waren, und keine große Anzahl ausmachten, erhielten das Volk in seiner Pflicht, und trieben sie an, daß sie alle zum allgemeinen Besten einmüthig be- hülflich waren. Die Idee der Freyheit, die ihnen eine solche Aufführung eingab, war vortrefflich. Denn die Freyheit, welche sich die Griechen vorstellten, war eine dem Gesetze unterwürfige Freyheit, sie gehorchte derVernunft selbst, welche vom ganzen Volke als seine Beherrscherinn erkannt wurde. Sie wollten nicht haben, daß Menschen unter ihnen mächtig seyn sollten. Die obrigkeitlichen Personen, die wahrend ihres Amtes gefürchtet wurden, behielten dasselbe nicht beständig, und wurden wiederum Privatpersonen, die nicht mehr Ansehen behielten, als ihnen ihre Erfahrung gab. Die Gesetze wurden für die obersten Beherrscher angesehen; sie setzten die- Obrigkeiten ein, sie setzten ihrer Gewalt Grenzen, und bestrasten sie, wem, sie ihr Amt nicht nach ihren Verordnungen löblich genug verwaltet hatten. Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, ob diese Gedanken so gründlich/ als scheinbar sind. Kurz, Griechenland war davon bezaubert, und zog die Beschwerlichkeiten der Freyheit dcnBeschwerlichkeiten einer recht- maßigen Unterwürfigkeit vor, ob diese gleich in der That geringer sind. Wie aber eine jede Negierungsart ihre Vortheile hat, so zogen die Griechen diesen aus der ihrigen, daß die Bürger immer mehr lind mehr für ihr Land eingenommen wurden, das sie insgemein regierten, und in welchem ein jeder die Hoffnung hatte, zu den vornehmsten Würden zu gelangen. Was die Philosophie zur Erhaltung des griechischen Staates that, ist unglaublich. Je freyer diese Völker in die allgemeine Geschichte. 519 Völker waren, desto nöthiger war es, durch.gute Gründe die Regeln der Sitten, und der Gesellschaft festzusetzen. Pythagoras, Thales, AnaragoraS, So- krates, Archytas, Plato, Tenophon, Aristoteles und eine unzähligeMenge andrer Philosophen erfüllten Griechenland mit herrlichen Vorschriften. Es gab ausschweifende Köpfe, welche den Namen der Philosophen annahmen ; allein diejenigen, welche viel Anhänger hatten, lehrten öffentlich, daß man den eignen Nutzen und selbst das Leben dem allgemeinen Nutzen und der Wohlfahrt desStaates aufopfern müßte,und die meisten Philosophen nahmen es, als einenGrundsatz an,daß man sich entweder den öffentlichen Geschafften ganz entziehen, oder dabey nur das öffentliche Beste wahrnehmen sollte. Warum rede ich von den Philosophen ? Die Poeten selbst, welche in den Händen aller Welt waren, unterrichteten sie noch mehr, als sie sie belustigten» Der berühmteste unter den griechischen Ueberwindern sah den Homer als einen Meister an, von dem er die Kunst zu regieren lernen könnte. Dieser Poet lehrte nicht so wohl, daß man gehorchen, als daß man ein rechtschaffner Bürger seyn sollte. Er und so viele andre Poeten, deren Werke so nützlich, als angenehm sind, verherrlichen allein die dem menschlichen Geschlechte zuträglichen Künste, und sind vom allgemeinen Besten, vom Vaterlande, von der Geselligkeit und von der vortrefflichen Policesse voll, die wir kurz vorher erklärt haben. Wenn also die Griechen, die in diesen Gedanken gleichsam aufgewachsen waren, die Einwohner Asiens mit ihrer Zärtlichkeit, mit ihrem Putze, und mit ihrer weibischen Schönheit sahen, so bezeugten sie nichts, als Verachtung gegen sie. Allein die Rcgierungs- K k 4 form 52S Bischof Bossuets Eittleituttg form derselben erfüllte sie mit Abscheu, weil sie allein den Willen eines einzigen Prinzen zum Gesetze hatten, und ihn als den Herrn aller Gesetze, und sogar der allerheilig- stcn erkannte, und der verhaßteste Gegenstand für die Griechen waren die Barbaren, wie sie alle fremden Völker nannten. Dieser Hasi war von den ersten Zeiten ' her bey den Griechen eingewurzelt, und ihnen gleich- !K-cr.t>zi,ex. natürlich geworden. Eine Ursache, warum die Poesie des Homer so sehr geliebt wurde, war diese, daß er die Vortheile und Siege Griechenlandes über Asien besang. Auf der Seite von Asien war Venus; das sagte so viel, daß man bey ihnen nur Lustbarkeiten, thörichte Wollüste und Weichlichkeiten antraf; allein auf der Seite der Griechen befanden sich Juno, oder die Ernsthaftigkeit mit der ehelichen Liebe, Merkur mit seiner Beredtsamkeit, und Jupiter und die Staatsklugheit. Auf Asiens Seite stund der ungestüme und viehische Mars, oder der Krieg, der mit Wut und Raserey geführt wird; den Griechen aber stund Pallas, oder die Kriegswissenschaft und die Tapferkeit bey, welche der Verstand regiert. Griechenland hatte von der Zeit an bestandig geglaubt, daß der Verstand, und der wahre Muth ihm von der Natur schon zugetheilt worden wäre. Es war den Griechen unerträglich, daß Asien darauf umgieng, sie unter das Joch zu bringen, und sie hatten geglaubt, wenn sie sein Joch angenommen hätten, die Tugend der Wollust, den Verstand dem Körper, und die wahre Tapferkeit einer unvernünftigen unsinnigen Gewalt unterworfen zu haben, die nur durch die Menge ihrer Sosdaten einige Starke erhielt. Griechenland war von diesen Empfindungen voll, als es vom Darius, dem Sohne des Hystaspes, und vom «» in die allgemeine Geschichte. 521 vom Terres mit Armeen angegriffen wurde, deren Stärke beynahe fabelhaft zu seyn scheint, so ungeheuer ist ihre Anzahl. Sogleich schickte sich ein ieder zur Vertheidigung seiner Freyheit. Obgleich alle griechischen Städrc so viele einzelne Republiken waren, so vereinigte sie doch das allgemeine Beste alle, und es kam nur darauf ail, welche am meisten für dasselbe thun würde. Es kostete den Athenienfern nichts, ihre Stadt der Plünderung und dem Feuer zu überlassen, und nachdem sie ihre Greise und ihre Weiber mit ihren Kindern gerettet hatten, so begaben sich alle, welche die Waffen tragen konnteil, auf die Schiffe. Damit die persische Armee bey einem schweren Passe ein wenig aufgehalten werden, und fühlen möchte, was Griechenland wäre, so eilten eine Handvoll Lacedamonier mit ihrem Könige, dem Leonidas, in einen gewissen Tod, und kamen vergnügt und mit Freuden um, nachdem sie ihrem Vaterlande eine unzahlbare Menge dieser Barbaren aufgeopfert, und ihren Mitbürgern ein Beyspiel einer unerhörteil Kühnheit hinterlassen hatten. Wider solcheArmeen und wider solcheAnführer warPer-- sien zu schwach, und erfuhr verschidnemale zu seinem Schaden, was die Ordnung wider die Menge und Verwirrung, und eine Tapferkeit, die vom Verstände regiert wird, wider eine blinde ungestüme Macht vermögen. Persien, das so oft überwunden worden war, konnte weiter nichts thun, als die Griechen unter einander uneinig machen, und der Zustand selbst, worein sie sich durch ihre Siege gebracht hatten, erleichterte diese Unternehmung. Die Furcht erhielt sie in der Eintracht ; der Sieg und das Vertrauen auf ihre Kräfte unterbrach die Eintracht. Sie waren der Schlachten K k 5 und 522 Bischof Bossuets Einleitung und Siege gewohnt; als ihnen die Macht der Perser nicht mehr furchtbar zu seyn schien, kehrten sie die Waffen wider einander selbst. Wir müssen aber diesen Zustand der Griechen, und dieses Geheimniß der persischen Staatskunst weitlauftiger erklären. Unter allen diesen Republiken, woraus Griechenland bestund, waren Athen und Lacedämon unstreitig die vornehmsten. Mail kann nicht mehr Verstand haben, als die Einwohner der Stadt Athen hatten, und nicht mehr Starke besitzen, als die Spartaner besaßen. Athen verlangte nur nach Lustbarkeiten; das Leben der Lacedamonier war ein hartes und arbeitsames Leben. Beyde Städte liebten die Ehre und die Frey? heit: Allein in Athen neigte sich die Freyheit gemeiniglich zur Frechheit und Ueppigkeit; in Lacedamon wurde sie durch strenge Gesetze eingeschränkt, und ie- mehr sie von innen im Zaumegehalten wurde, desto- mehr suchte sie sich von außen auszubreiten und zu herrschen. Athen wollte auch herrschen; aber aus einer andern Ursache. Der Eigennutz mengte sich in seinen Ehrgeiz; seine Einwohner hatten es in der Kunst zu schiffen hoch gebracht, und das Meer, wo sie herrschten/hatce die Stadt mit großen Reichthümern erfüllt. Damit die Handlung ganz allein in ihrer Gewalt bleiben möchte, so wollten sie sich alles unterwürfig machen; und die Reichthümer, welche dieses Verlangen in ihnen erregten, boten ihnen die Mittel zur Befriedigung ihres Verlangens dar. In Lacedamon aber wurde der Ueberfluß verachtet. Alle seine Gesetze zielten dahin ab, aus der Stadt eine streitbare Republik zu machen, und folglich war die Ehre der Waffen die einzigeReizung, wovon die Gemüther seiner Einwohner bezaubert waren, , Darum war es natür- in die allgemeine Geschichte. 525 natürlich, daß sie herrschen wollten, und ie weiter sie über den Eigennutz erhoben waren, desto mehr überliessen sie sich dem Ehrgeize. Lacedamon war durch seine ordentliche Lebensart in seinen Grundsätzen und Anschlagen standhaft. Die Stadt Athen war hitziger, und das Volk hatte da? selbst allzuviele Gewalt. Die Philosophie und die Gesetze thaten in der That bey den Gemüthern., die von Natur schon so gut waren, vortreffliche Wirkuin gen; allein die Vernunft allein war nicht fähig, sie zurück zu halten. Ein weiser Athcnienser, welcher ?i.ä-icx.ii!. die natürliche Gemüthsart seiner Landsleute vortrefflich kannte, lehrt uns, daß die Furcht für diese allzulebhafte und allzufreye Gemüther nothwendig gewesen wäre, und daß man sie nicht mehr im Zaume halten können, so bald sie der Sieg bey Salamin über die Perser in Sicherheit gebracht, und ihren Muth befestigt hatte. Der Ruhm ihrer schönen Thaten, und die Sicherheit, worinnen sie zu seyn glaubten, diese beyden Dinge verderbten sie. Die Obrigkeiten fanden keinen Gehorsam mehr, und wie Persien von seiner allzugroßen Unterwürfigkeit leiden mußte, so empfand Athen, wie Plato sagt, die Uebel einer allzugroßen Freyheit. Diese beyden großen Republiken, die einander in ih- renSitten und ihrer Aufführung ungleich waren,hinder- ten eine die andre in dem Vorhaben, sich Griechenland unterwürfig zu machen. Sie waren also beständige Feinde von einander, mehr darum, wei l ihre Vortheile nicht miteinander bestehen konnten,als darum, weil sich ihre Gemüthsarten gar nicht zusammen schickten. Die 524 Bischof Bossuets Einleitung Die griechischen Städte wollten weder von der einen, noch von der andern sich beherrschen lassen; denn außerdem, daß iedc ihre Freyheit zu behaupten wünschte, so hielten sie die Herrschaft von beyden Republiken für allzubeschwerlich. Das Joch der Lacedamom- ärM.?ll!!c. er war schwer. Man bemerckte an diesem Volke s. 4- ein gewisses wildes Wesen. Die allzustrenge Regierung, und die .allzuarbcitsame Lebensart machte ihre Gemüther allzutrohig, allzustrenge, allzuherrsch- süchtig; es kam dieses hinzu, daß man sichs gefallen lasseil mußte, unter der Herrschaft einer solchen Stadt niemals Friede zu haben, die zum Kriege eingerichtet war, und sich nicht erhalten konnte, wenn sie ihn nicht bestandig fortsehte. Die Lacedämonier wollten also befehlen, und alle Welt fürchtete sich vor ih- rer Herrschaft. Die Athenienser waren von Natur leutseliger nnd angenehmer. Es war nichts anmu- thigers zu sehen, als ihre Stadt, wo Feste auf Feste, Lustbarkeiten auf Lustbarkeiten, Spiele auf Spiele folgten, und wo Verstand, Freyheit, und Leidenschaften alle Tage etwas neues zu sehen gaben.Allein ihre ungleiche Aufführung misficl ihren Bundesgenossen, und ihren Unterthanen war sie »och unerträglicher. Denn man mußte daselbst den wunderlichen Eigensinn eines geschmeichelten Volkes aushalten, welches, wie Plato sagt, noch gefahrlicher ist, als den Eigensinn eines Prinzen erdulten, den die Schmeicheley verderbt hat. Diese beyden Städte ließen Griechenland in keiner Ruhe. Sie haben, N^onseigneur, den pcloponne- sischen Krieg, und viele andre gesehen, die durch die Eifersucht der Athenienser und Spartaner entweder verursacht, oder unterhalteil worden sind. Allein eben diese Eifersucht, welche Griechenland beunruhigte, in die allgemeine Geschichte. 525 te, erhielt es gewissermaßen, und verhinderte es, daß sie weder der einen, noch der andern von diesen Republiken unterwürfig werden durften. Die Perser bemerkten diesen Zustand Griechenlandes sehr bald. Das ganze Geheimniß ihrer Staatskunst bestund darinnen, daß sie diese Eifersucht zu erhalten, und die Uneinigkeiten und Spaltungen zu vermehren suchten. Lacedamon, welches die ehrgeizigste Republik war, machte es zuerst, daß die Perser an den Streitigkeiten der Griechen Antheil nahmen. Allein sie thaten es mit dem Vorhaben, die ganze Nation unter ihre Herrschaft zu bringen. Indern sie die Griechen durch einander zu schwachen suchten, erwarteten sie nur den gelegnen Augenblick, wo sie dieselben alle auf einmal überwältigen konnten. Schon sahen die griechischen Städte in ihren Kriegen auf niemanden , als auf den König von Persien, den sie nur den großenKönig) oder vorzüglich und allein, den König, nannten, als ob sie sich schon unter seine Unterthanen gerechnet hatten. Allein es war^ unmöglich, daß der alce Geist der Griechen nicht erwachen sollte, da sie eben in der Gefahr waren, in die Sklaverey, und Gewalt der Barbaren zu fallen. Einige kleine griechische Könige unternahmen es, sich diesem großen Könige zu widersetzen, und seine Herrschaft zu erniedrigen. Agesilaus, der König von Lacedamon, führte eine Armee, die zwar klein, aber in der Kr.iegszucht/ die sie kennen, bestandig geübt worden war; die Perser mußten in Kleinasien vor ihm erbittern, und er zeigte, daß man sie demüthigen könnte. Die Uneinigkeiten in Griechenland hielten ihn in seinen Eroberungen auf; doch es trug sich zu seiner Zeit zu, daß der junge Cy- rue sich wider seinen Bruder, den Artaxerxes, erklärte. 526 BischofBofsuets Einleitung te. Es waren zehntausend Griechen unter seinen Völkern; diese konnten allein nicht geschlagen werden, nachdem seine ganze Armee zerstreut worden war. Wie man sagt, wurde Cyrus in dcrSchlacht von der Hand des Artarerxes selbst Hingebracht. Die Griechen befanden sich in der Gegend von Babylon, und waren mitten unter den Persern ohne Beschützer. Unterdessen konnte sie der sieghafte Artcy'er- xes nicht nöthigen, die Waffen freywillig, oder gezwungen nieder zu lege,;. Sie faßten den vcrwägnen Anschlag, als eine ordentliche Armee durch sein ganzes Reich durchzugehen, um in ihr Land zurückzukehren. Sie führten ihren Anschlag glücklich aus. Gan; Griechenland sah hier mehr als zu deutlich, daß es eine unüberwindliche Kriegsmacht unterhielte, welcher alles weichen müßte, und daß allein die Uneinigkeit sie einem Feinde unterwürfig machen könnte, der allzuschwach wäre,den Griechen zu widerstehen,wenn sie einig blieben. Philippus, der König von Macedonien, welcher so geschick», als tapfer war, gebrauchte sich der Vortheile sehr wohl, die ihm wider so viele uneinige Städte und Republiken ein zwar kleines, aber unter sich selbst einiges Königreich gab, wo die königliche Gewalt unumschränkt war, so daß er sich endlich, theils mit List, theils mit Gewalt zum Mächtigsten in Griechenland machte, und alle Griechen zwang, unter seinen Fahnen wider den gemeinen Feind sich zu vereinigen. In diesen Umständen wurde er umgebracht: Alexander, sein Sohn , folgte ihm im Königreiche und in feinen Anschlägen nach. Seine Macedonier waren, wie er sie fand, nicht allein des Krieges gewohnt, fondcrn auch sieghaft, und durch so viele glückliche Erfolge an Tapferkeit m die allgemeine Geschichte. 527 keit und Kriegszucht den andern Griechen so weit überlegen , als die andern Griechen über die Perser und ihres Gleichen den Vorzug hatten. Darms, welcher zu seiner Zeit in Persien herrschte, war gerecht, tapfer, und großmüthig; er wurde von seinen Völkern geliebt, und es fehlte ihm weder an Verstand, noch an Muth zu der Ausführung seiner Unternehmungen. Allein vergleicht man ihn mit dem Alexander, den Verstand desDariuS mit seinem durchdringenden und erhabnenGeiste, und dieTapfcrkeit des Persers mir der Hoheit und Sündhaftigkeit des unüberwindlichen Muthes des Griechcn,der durch Hindernisse nur noch mehr angefeuert wurde; mit diesem erstaunlichen Eifer, seinen Namen alle Tage berühmter zu machender ihn antrieb, die geringste Ehre allen Gefahren, allen Arbeiten, und tausendLcichen vorzuziehen; und endlich mit demVcrtrauen,welches er in seinein Herzen hatte, daß ihm alles weichen müßte: So werden sie,i1'j0nselcinepr, leicht urtheilen können, wem von beyden der Sieg zu prophezeycn war. Denn er hielt sich für einen Mensche»/ der über alle andern erhaben war, und dieses Vertrauen flößte er nicht allein seinen Feldherren, sondern auch dem Geringsten von seinen Soldaten ein, die er dadurch über alle Schwierigkeiten, und über sich selbst erhob. Wenn sie die Vortheile hinzufügen, durch welche die 5acedamonier, und die Griechen ihren Feinden überlegen waren, so werden sie gestehen müssen, daß Persien, da6 von einem sol-, chen Helden , und von solchen?lrmccn angegriffen wur- de,sein endliches Schicksal nicht mehr vermeiden konnte, welches ihm einen andern Herrn bestimmte. S o wer« den sie also zu gleicher Zeit entdecken, was den Untergang des persischen Reiches, und die Aufnahme der Macht des Alexanders befördert hat. Damit 528 Bischof Bossuets Einleitung O'.dior. I.br. Damit ihm sein Sieg erleichtert wurde, so mußte xvn.t-Ä.i. zutragen, daß Persien den einzigen Feldherrn ver- lohr, welchen es den Griechen entgegen setzen konnte; das war Memnon, ein Rhodier. .So lange als Alexander einen so berühmten Feldherrn wider sich hatte/ so konnte er sich rühmen, einen Feind gefunden zu haben, der seiner werth wäre. Memnon wollte nicht, daß man eine Hauptschlacht wider die Griechen wagen sollte; man sollte ihnen nur alle Passe streitig machen, die Zufuhren abschneiden , sie in ihrem Lande angreifen, und durch einen muthigen Anfall nöthigen, daß sie in ihr Land zurückkehren, und dasselbe vertheidigen müßten. Alexander hatte dafür gesorgt , und die Kriegsvölker, welche unter der Anführung des Anripaters stunden, waren zur Vertheidigung Griechenlandes stark genug. Allein das günstige Schicksal des Alexanders befreyte ihn auf einmal von einem so beschwerlichen Feinde. Memnon star(. im Anfange einer Diversion, welche schon ganz Griechenland in Unruhe setzte, und Alexander machte sich alles unterwürfig. Dieser Prinz hielt in Bab ylon einen solchen prachtigen Einzug, wclcherj alles übertraf, was noch auf der Welt gesehen worden wär. Nachdem er Griechenland gerächt und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit alle Länder des persischen Gebietes unter sein Joch gebracht hatte: So wollte er entweder die Grenzen seines neuenReicbeö in Sicherheit bringen, oder seinen Ehrgeiz befriedigen, und seinen Namen berühmter machen, und drang nachIndie», wo er seine Eroberungen weiter fortsetzte, als Bacchus,dieser berühmte Ueberwinder gethan > hatte. Allein derjenige, welchen weder die Wüsten, noch die Flüsse, noch die Gebirge aufhalten konnten, wurde in die allgemeine Geschichte. 529 wurde gezwungen, seinen aufrührischcn Kriegsvölkern nachzugeben,welcheRuhe verlangten.Er war genöthigt, sich an den prächtigen Denkmälern an dem Ufer desA- raspes begnügen zu lassen, und führte sein Heer durch einen andern Weg, als der vorige war, zurück, und mach» te sich alle Lander unterwürfig, die er auf seinem Wege antraf. Er kam nach Babylon geehrt und gefürchtet, nich: als ein Eroberer, sondern als ein Gott zurück. Allein dieses furchtbare Reich, das er erobert hatte, dauerte nicht länger, als fein Leben, welches sehr kurz war. Zm drey und dreyßigsten Jahre, mitten unter den weit aussehenden Absichten, auf die noch kein Mensch umgegangen war, und bey der größten Hoffnung eines glücklichenErfolges starb er, ohneZeit gehabt zu haben, seine Angelegenheiten in eine bestandige Ordnung gebracht zu haben. Er hinterließ einen ohnmächtigen Bruder, und noch unmündige Kinder, welche nicht fähig waren, eine so große Last zu ertragen» Das größte Unglück für sein Haus und sein Reich war dieses, daß er Feldherren hatte, die von ihm gewöhnt worden waren, ehrgeizig, und kriegerisch zu seyn. Er sah die Ausschweifungen vorher, welche sie nach seinem Tode begehen würden. Er unterstund sich nicht, sie zurückzuhalten, aus Furcht, daß sie seinen Verordnungen nicht nachkommen möchten, lind ernannte also weder einen Nachfolger, noch einen Vormund über seine Kinder. Er sagte es vorher, daß seine Freunde seinen Tod mit blutigen Schlachten feyern würden, und er verschied in der Blüthe seines Alters, voll trauriger Vorstellungen von der Verwirrung, die eine unvermeidliche Folge seines Todes war. Ll Sie 5ZO Bischof Bossuets EinleitUtlg Sie haben gesehen, Nlonseigneur, wie sein Reich getheilt worden ist , und der schreckliche Untergang seiner Familie ist ihnen nicht unbekannt. Macedouien, sein altes Königreich, wo seine Vorfahren so viele Jahrhunderte hindurch die Herrschast geführt hatten, wurde von allen Seiten, als ein erledigtes Reich, angefallen, und nachdem es lange Zeit ein Raub des Mächtigsten gewesen war, kam es endlich an eine andre Familie. Also war dieser große Eroberer, d->r unter allen der Berühmteste gewesen ist, der Letzte seines Geschlechtes. Wenn er in Macedonien ruhig geblieben wäre, so würde die Größe seines Reiches seine Feldherren in keine Versuchung geführt haben, sich dessen zu bemeistcrn, und er hatte seinen Kindern sein väterliches Reich hinterlassen können. Allein weil er allzumächtig war, so war er an dem Untergange aller der Seinigen Ursache, und das war die herrliche Frucht seiner Eroberungen. Sein Tod war allein an dieser großen Veränderung Ursache. Denn das muß man zu seiner Ehre gestehen, daß niemals ein Mensch fähiger gewesen ist, ein so weitläuftiges, obgleich nicht lange erobertes Reich zu behaupten, als Alexander, weil ev einen eben so großen Verstand, als Muth besaß. Man muß also den Fall seines Hauses nicht seinen Fehlern, so groß auch einige gewesen sind, sondern allein der Sterblichkeit zuschreiben; man wollte denn sagen, daß ein Mensch von seiner ehrgeizigen Gemüthsart, der bestandig auf neue Unternehmungen umgieng, niemals Zeit gehabt haben würde, seine Angelegenheiten in eine beständige und dauerhafte Ordnung zu bringen. Dem in die allgemeine Geschichte. 551 Dem sey nun , wie ihm sey, so sehen wir doch an seinem Beyspiele, daß außer den Fehlern, die die Menschen verbessern könnten,nämlich außer denen, die sie ans einer allzugroßen Hitze, oderaus Unwissenheit begehen, alle menschlichen Dinge eine unvermeidliche Unvollkom- menheit an sich haben, und das ist die Sterblichkeit. Alles kann dadurch auf einmal fallen und untergehen. Dieses zwingt uns zu dem Geständnisse, daß das unzertrennlichste Gebrechen aller menschlichen Dinge, das ihnen, wenn ich so sagen darf, am meisten anhangt, ihre eigne Hinfälligkeit ist. Es hat also derjenige, welcher einen Staat zu erhalten und zu befestigen weis, eine höhere Stufe der Weisheit erreicht, als der, welcher Länder erobern und Schlachten gewinnen kann. Es ist nicht nöthig, daß ich ihnen umständlich erzähle, was den Untergang der Reiche, die aus den Trümmern des Reiches des Alexanders entstunden, des syrischen, des «macedonischen, und des ägyptischen verursachthat. Sie hatten eine Ursache ihres Unterganges mit einander gemein; sie mußten einer grössern Macht, nämlich der Macht der Römer weichen. Wollen wir unterdessen den letzten Zustand dieser Monarchien betrachten, so werden wir die unmittelbaren Ursachen ihres Falles sehr leicht finden. Wir werden unter andern Dingen sehen, daß das mächtigste Reich unter allen, nämlich das syrische, erst durch die Weichlichkeit und Schwelgerey der Nation crschüt« tcrc, und hernach durch die Uneinigkeiten ihrer Prinzen völlig zu Grunde gerichtet worden ist. Von 5Z2 Bischof Bossuets Einleitung U Bon dem romischen Reiche. (^^ndlich sind wir auf dieses große Reich gekom- men, das alle Reiche der Welt, so zu reden, verschlungen hat; aus welchem die größten Königreiche der Welt entstanden sind, die mir bewohnen, und deren Gesetze wir verehren, und das wir also besser, als alle andern Reiche kennen lernen müssen. Sie wissen, Monseigneur, daß ich von dem römischen Rei- che rede. Sie haben die lange und merkwürdige Geschichte desselben in ihrem Zusammenhange übersehen. Damit sie aber die Ursachen von der Aufnahme des römischen Reiches, und der großen Veränderungen dieses Staates desto besser einsehen mögen, so richten sie ihre Aufmerksamkeit theils auf die römischen Sitten, theils auf die Zeitpunkte, von denen alle Veränderungen dieses großen Reiches abhängen. Das römische Volk ist unter allen Völkern der Welt das trotzigste und kühnste, zugleich aber in seinen Entschließungen das vorsichtigste und ordentlichste, in seinen Grundsaßen das beständigste, das verschlagenste, das arbeitsamste, und das gedultigste Volk gewesen. Aus allem diesen ist die beste Kriegsverfassung und die weiseste, und beständigste Staatskunst gebildet worden, die am besten mit sich selbst in allem zusammen« gestimmet hat. Der wesentlichste Charakter eines Römers, wenn ich mich so ausdrücken darf, war die Liebe zu seiner Freyheit, und zu seinem Vaterlande. Er liebte eins wegen des andern; denn weil er seine Freyheit liebte,so liebte in die allgemeine Geschichte. 53z liebte er auch sein Vaterland, als eine Mutter, die ihn in so großmüthigen, als freyen Grundsätzen und Empfindungen erzog. Unter dem Namen der Freyheit stellten sich die Römer mit den Griechen einen Stand vor, wo ieder- mann dem Gesetze unterthanig seyn müßte, und also das Gesetz mächtiger, als die Menschen wäre. Obgleich Rom noch unter der königlichen Herrschaft gegründet worden war, so hatte es doch selbst unter den Königen eine Freyheit, welche ordentlichen Monarchien gemeiniglich nicht zukömmt. Denn außerdem daß die Könige Wahlkönige waren, und von dem Volke erwählt werden mußten, so mußte auch das versammelte Volk ihre Gesetze bekräftigen, und Krieg und Frieden beschließen. E6 gab sogar einige besondre Fälle, wo die Könige dem Volke den höchsten Ausspruch überließen. Tullus Hostilius kann ein Zeuge davon seyn, welcher den Horacius weder verdammen, noch freysprechcn wollte, der sowohl mit Ehre wegen seines Sieges über die Curiatter, als mit Schande überhäuft war, weil er seine Schwester umgebracht hatte. Hostilius ließ also das Volk hierinnen entscheiden. Die Könige hatten eigentlich nicht mehr, als die Herrschaft über die Armeen, und die Gewalt, gesetzmäßige Versammlungen zu berufen, die Angelegenheiten vorzutragen, die Gesetze zu handhaben, und die öffentlichen Verordnungen und Beschließun- gen auszuführen. Als Servius Tullius darauf umgieng, Rom zu einer Republik zu machen, so vermehrte er in einem schon so freyen Volke die Liebe zu seiner Freyheit, Ll z und 5Z4 Bischof Bossuets Einleitung und man kann also leicht erachten, wie sehr die Römer darüber hielten, nachdem sie dieselbe einmal unter ihre» Consuln. geschmecket hatten. Man zittert noch, wenn man in der Geschichte die traurige Standhafcigkeitdcs Consuls Brutus sieht, der zween von seinen Söhnen vor seinen Augen hinrichten ließ, weil sie sich in die heimlichen Verräthcreyen eingelassen hatten, welche die Familie der Tarquinier zur Wiederherstellung ihrer Herrschaft in Rom anzustiften suchte." Wie sehr wurde dadurch nicht ihre Liebe zu seiner Freyheit bestärkr,da sie einen so strengen Consul selbst seine eigne Familie der Freyheit aufopfern sahen! Man darf nicht darüber erstaunen, wenn die Römer die Unternehmungen der benachbarten Völker verachteten, welche die verjagten Tarquinier wieder einsetzen woll- !ikr!^' tm. Umsonst war es, daß sie Porsenna tt, seinen Schutz nahm. Die beynahe verhungerten Römer zeigten ihm durch ihre Standhaftigkeir, daß sie zum ric. Uv. iz. wenigsten frey sterben wollten. Das Volk war noch ^' ^' standhafter, als der Senat, und ganz Rom ließ diesem mächtigen Könige sagen, der es doch bis auf das Aeußerste gebracht hatte, er sollte nicht mehr für die Tarquinier sprechen, weil es bey dem Entschlüsse, alles für ihre Freyheit zu wagen, lieber seine Feinde, als seine Tyrannen, einnehmen wollte. Porsenna erstaunte über den Muth dieses Volkes,und über die mehr als menschliche Kühnheit einiger Privatpersonen, und beschloß, den Römern den ruhigen Genuß einer Freyheit zu lassen , die sie so wohl zu vertheidigen wußten. Die Freyheit war ihnen also ein Schatz, den sie allen ReichthümerndcrWelt vorzogen.Sic haben gesehen, Monjeigneur, daß in ihrem Anfange, und selbst noch in ihren schon glücklichern Umständen die Armuth für sie kein in die allgemeine Geschichte. 5^5 kein Uebel war; sie sahen sie vielmehr, als ein Mittel an, ihre Freyheit ganz zu behaupten, da niemand freyer und ununterwürfiger ist, als ein Mensch, der von wenigem zu leben weis, und ohne etwas von dem Schutze oder ocr Freygebigkeit eines andern zu crwartcn,sei- nen Unterhalt allein von seinem Fleiße und von seiner Arbeit erhalten will. Dieses thaten die Römer. Die Viehzucht, der Ackerbau, die Sparsamkeit, die sie antrieb, sich alles, was sie konnten, zu entziehen, und die Arbeit; das war es, wodurch sie ihr Leben, und ihre Familien erhielten, die sie zu ahnlichen Arbeiten angewöhnten- Titus Livius hat Recht zu sagen, daß niemals ein Volk gewesen sey, wo die Mäßigkeit, die Sparsamkeit, und die Armuth länger in Ehren gewesen sind, als bey den Römern. Die größten Rathsherren waren, nach dem Aeußerlichen zu urtheilen, von Bauern nicht unterschieden, und erschienen weder öffentlich, noch im Senate mit einer äußerlichen Pracht und Majestät. Im übrigen fand mm, sie bey dem Pfluge und bey andern Beschädigungen des Landlebens, wenn man sie aufsuchen ließ, daß sie die Kriegsheere anführen sollten. Dergleichen Exempel wird man in ihrer Geschichte häufig antreffen. Curius und Fabricius, diese großen Feldherren, welche den Pyrrhus, einen so reichen König, überwanden, hatten kein silbernes Gefäße, und der erste, dem die Sabiner Gold und Silber anboten, gab zur Antwort, sein Vergnügen bestünde nicht darinnen, selbst Gold zu besitzen, sondern über die zu herrschen, welche Gold besäßen. Wenn sie triumphirt, und die Republik mit dem Raube ihrer Feinde bereichert hatten, so hinterließen sie nicht einmal soviel, daß sie zur Erde bestattet werden konnten, Die- Ll 4 se 5Z6 Bischof Bossuets Einleitung se Mäßigkeit herrschte noch zu den Zeiten der puni- schen Kriege unter ihnen. In dem ersten batRegu- lus, der Feldherr großer Kriegsheere, den Senat um die Freyheit, daß er möchte sein Landgut, welches zeit- i'ir.i.iv.r'p. her verlassen geblieben war, wieder bauen dürfen. Nach i. xviu, h^ni Untergange der Stadt Carthago sieht man auch noch große Beyspiele von dieser ersten edlen Einfalt. Aemi'lius Paulus, welcher den öffentlichen Schaß durch die reichen Schätze der römischen Republik vermehrte, lebte nach den Vorschriften der alten Mäßigkeit und starb ganz arm. MummiuS zerstörte Co- rinth, allein er bemächtigte sich der Reichthümer dieser reichen und wollüstigen Stadt nur für das gemeine ei-.li.ä« °5. Beste. So wurden also die Reichthümer verachtet! Die Mäßigkeit und Unschuld der römischen Feldherren waren die Bewunderung der überwundnen Völker. Unterdessen schonten doch die Römer bey dieser großen Liebe zur Armuth nichts, was zur Größe und Schönheit ihrer Stadt gereichen konnte. Von ihrem Anfange an waren die öffentlichen Gebäude so beschaffen , daß Rom sich ihrer nicht schämen durfte/ da die ganze Welt schon unter seiner Herrschaft stund. Das Capitol, und der Tempel des Jupiters in demselben, welchen Tarquinius, der Hochmüthige, aufbauen lassen, waren von dieser Zeit an der Majestät des Größten unter allen Göttern, und der noch künftigen Herrlichkeit des römischen Volkes würdig Alles Uebrige schickte sich zu dieser Größe. Die vornehmsten Tempel, hie Märkte^ die Bäder, die öffentlichen Plätze, die Straßen, die Wasserleitungen, selbst die Cloake und die Schleußen, welche die Unreinigkeiten aus der Stadt , * 7-ir. I^iv. 1.1. 5z. 55- 5«. VI. 5. vion. III. IV. Igc. Niä.III. 7-, ?I!n, XXXVI.I5. in die allgemeine Geschichte. 557 Stadt abführten, hatten eine Pracht, welche unglaublich scheinen würde, wenn sie nicht durch die Geschichtschreiber und die Trümmer,die noch davon übrig sind,be- slätigt würde. Was soll ich von dem Pompe der Triumphe, von den Ceremonien der Religion, von den Spielen, und Schauspielen sagen, die man, dem Volke zu gefallen, gab? Mit einem Worte, alles, was die Republik angicng, was den Völkern eine große Vor- vion.n»l. stellung von ihrem gemeinen Vaterlande machen konn- ^-^-^ te, wurde mit einem solchen Ueberflusse erbaut, als die Zeiten zulassen wollten. Die Sparsamkeit herrschte nur in den Privatfamilien. Derjenige, welcher seine Einkünfte vermehrte, und seine Ländereyen durch seinen Fleiß und durch seine Arbeit am fruchtbarsten machte, welcher der beste Haushalter war, und sich am meisten abdarbte, hielt sich für den freysten, den machtigsten, und glücklichsten Bürger. Nichts ist von einem solchen Leben entfernter, als die Weichlichkeit. Es neigte sich mehr zu einer andern Ausschweifung, nämlich zu einer allzugroßen Harte. Es hatten auch die Sitten der Römer von Natur nicht allein etwas Rauhes und Strenges, sondern auch etwas fast Ungeschlachtes und Wildes an sich. Unterdessen vergaßen sie gleichwohl nicht, sich selbst nach guten Gesetzen zu richten, und das römische Volk, das unter allen Völkern am meisten über seine Freyheit hielt, war zugleich am bereitwilligsten, sich seiner Obrigkeit und einer gesetzmäßigen Gewalt zu unterwerfen. Die Kriegsverfassung eines solchen Volkes mußte unvergleichlich seyn, weil sich ein genauer und richtiger Gehorsam mit einem unerschrocknen Muthe, und mit einem starken Körper vereinigte. L! 5 Die 5Z8 Bischof Bessuets Einleitung Die Gesetze, welche die Miliz zu beobachten hatte, waren hart, aber nothwendig. Der Sieg war für diejenigen, welche ihn ohne den Vefehl des Feldherrn davon trugen,j sehr oft gefährlich und tödtlich. Ein Soldat wagte sein Leben, nicht allein wenn er floh, wenn er seine Waffen wegwarf, wenn er seinen Posten ver- ließ, sondern auch, wenn er sich ohne ausdrücklichen Befehl seiner Obern, so zu sagen, nur bewegte und rührte. Wer die Waffen vor dem Feinde niederlegte, und sich lieber gefangen nehmen lassen, als auf eine rühm> liche Art für sein Vaterland sterben wollte, wurde al- ^lör'ii^^' ^ BenstMdes unwerth geachtet. Gemeiniglich rechnete man die Gefangnen nicht mehr unter die Bürger, und man überließ sie den Feinden, als unwürdige und abgehauene Glieder der Republik. Sie kennen aus dem Florus und Cicero die Geschichte des Regulus, welcher den Senat auf Unkosten seines eignen Lebens überredete, den Carthaginensern die Gefangnen zu über- ^v^'zü^' Äm Kriege mit dem Hannibal, nach dem !.!v.xxii. Verluste der Schlacht bey Camus, in dieser Zeit, wo 57-5S- durch so viele Verlorne Schlachten erschöpft war, und an Soldaten Mangel litt, wollte der Senat wider seine eigne Gewohnheit lieber acht tausend Skla/ den bewaffnen, als acht tausend Römer aus der Gefangenschaft lösen, welches ihm nicht mehr gekostet hätte, als die neue Miliz, die er aufrichtete. Allein damals, da die Angelegenheiten der Stadt Rom in cic.^eo?. den schlimmsten Umständen waren, wurde das unver- !U> brüchliche Gesetz mehr als iemals bestätigt, daß nämlich ein römischer Soldat entweder überwinden oder sterben müßte. Aus diesem Grunde stritten und vereinigten sich die römischen Armeen so lange wieder, bis sie auf das Alleraus- in die allgemeine Geschichte. 5Z9 leräußerste gebracht wurden, und wenn sie schon auch geschlagen und zerstreut worden waren. Es waren nach der AnmerkungdesSallustius unter den Römern mehrSol- datcn gestraft worden,welche wider denBefehlihrerFcld- ^ Herren gestritten hatten, als welche von ihrem Posten gewichen und geflohen waren. Ihr Muth mußte mehr zurückgehalten werden, als die Zaghaftigkeit angefeuert werden mußte. Mit der Tapferkeit vereinigten sie einen großen und ersindsamen Verstand. Sie waren vor sich selbst schon fieisiig und sinnreich genug; sie wußten sich aber alles, was sie bey andern Völkern mahrnahmen, was die Bequemlichkeit der lagcr, die Schlachtordnung, und die Gattung der Waffen angieng, und was den Angriffoder die Vertheidigung erleichtern konnte, auf eine unvergleichliche Art zu Nutze zu machen. Es ist aus dem Sallustius und andern Schriftstellern bekannt, was die Römer von ihren Nachbarn, und ihren Feinden selbst gelcrnet haben. Wer weis es nicht, daß sie von ^ den Carthaginensern die Erfindung der Galeren absahen, womit sie dieselben nachher überwanden, und daß sie von allen Völkern, die sie nur kannten, etwas lernten, womit sie sie alle bezwingen konnten? Es ist auch in der That aus ihrem eignen Geständnisse gewiß, daß die Gallier sie an Lcibesstärke übertrafen, und ihnen an Muth gleich waren. PolybiuS kx-ixb.n.-L. zeigt, daß die Gallier bey einer Gelegenheit, die sehr vieles entscheiden sollte, den Römern nicht allein an Menge überlegen waren, sondern auch mehr Kühnheit zeigten, so unerschrocken sie auch waren. Gleichwohl sehen wir allemal, und selbst bey dieser Gelegenheit diese Römer, die sonst in allen Stücken den Galliern .weichen mußten, den Vortheil über sie davon 54O Bischof Bossuets Einleitung davon tragen, weil sie die besten Waffen zu wählen, sich in die beste Ordnung zustellen, und sich im Treffen am besten der Zeit zu Nutze zu machen wußten. Dieses werden sie, N7oNseigneur, noch einmal umständlicher und genauer im PolybinS finden, und sie haben in den Büchern des Julius Cäsar selbst angemerkt, daß die Römer, welche dieser große Feldherr anführte, die Gallier mehr durch oie Künste der Kriegswissenschaft, als durch ihre Tapferkeit überwunden haben. Die.Macedonier, welche so sehr über die alte Ordnung bey ihrer Miliz hielten, welche Philippus und Alexander eingeführt hatten, schrieben ihrem Phalanx eine Unüberwindlichkeit zu, und konnten sich nicht über- reden.daß der menschliche Verstand etwas erfinden könnte, das dauerhafter wäre. Unterdessen haben eben der xvn. Polybius, und Titus Livius nach ihm gezeigt, daß, wenn 5!xxxi^' man nur die Beschaffenheit der römischen unddermace- ^' donischen Armeen erwöge, die letzten in die Länge dennoch überwunden werden mußten, weil der macedoni- sche Phalanx, der ein gevierter und auf allen Heilen sehr dichter Haufe war, sich allezeit nur auf einmal fort bewegen konnte; da hingegen die römische Armee, die in kleinere Haufen getheilt wurde, zu aller-- ley Bewegungen geschickter, und geschwinder war. Die Römer haben also die Kunst, die Armeen in verschiedne Haufen und Geschwader einzutheilen, und noch einen besondern Haufen zu machen, der im Falle der Noth den Nothlcidenden beyspringen, und vermöge seiner Bewegungen bald in die Feinde eindringen, bald die Weichenden unterstützen könnte, diese Kunst haben sie entweder erfunden, oder sehr bald gelernt. Man lasse also gegen so wohl eingerichtete Kriegsvöl- ker den macedonischen Phalanx anrücken; dieser große / in die allgemeine Geschichte. 541 große und ungeheure Haufe wird unstreitig für eine Armee schrecklich seyn, auf welche sie mit ihrer ganzen Last losfallen wird; allein diese Maschine wird, wie Polybius sagt, seine natürliche Eigenschaft, nämlich ihre Dauer und Beständigkeit nicht lange behaupten; sie braucht ihre eignen Oerter, die, so zu sagen, für sie ausdrücklich gemacht sind, und, wofern sie dieselben nicht findet, wird sie sich selbst in Verwirrung bringen, und sich durch ihre eigne Bewegung zernichten. Wenn der Feind einmal in einen Phalanx eingebrochen ist, so wird er sich nicht wieder vereinigen können. Die römische Armee aber, die in verschiedne kleine Haufen eingetheilt ist, machet sich alle Oerter zu Nutze, und richtet sich nach ihnen; sie schließt sich und trennt sich, wie sie will; sie zieht sich durch enge Gegenden, und versammelt sich sehr leicht wieder; sie ist zu allen Absonderungen der verschiednen Haufen von einander, zu allen Schließungen, Wendungen, und mannichfaltigen Ordnungen der Soldaten fähig, die sie entweder ganz, oder getheilt vornimmt, nachdem es sich schickt; sie hat endlich mehr verschiedne Bewegungen, und folglich mehr Thätigkeit und Stärke, als ein Phalanx. Man kann also mit dem Polybius daraus schließen, daß der Phalanx der römischen Armee weichen, und Makedonien überwunden werden mußte. Es ist ein Vergnügen, N7onseictneur, mit ihnen von diesen Dingen zu reden, in welchen sie von so vortrefflichen Lehrern unterrichtet worden sind, und welche unter den Befehlen Ludwig des Großen so vortrefflich ausgeübt werden, daß ich nicht weis, ob die römische Militz iemals etwas so schönes gesehen hat. Doch ich will hier keine Vergleichung zwischen ihr und der französischen 542 Bischof Bossuets Einleitung zösischen Miliz anstelle»; ich begnüge mich daran, das; sie gesehen haben, daß die römische Kriegsmacht alle Kriegsversassungcn der vorigen Jahrhunderte weit übertroffen, habe, man mag entweder auf die Wissenschaft, seiner Vortheile wahrzunehmen, oder auf die außerordentliche Strenge sehen, mit welcher die Römer die Kriegsbefehle beobachten ließen. Nach Maccdonien braucht man nicht mehr von Griechenland mit ihnen zu reden: Sie haben gesehen, daß Macedonien daselbst die Oberhand hatte, und sie können also nach diesem Reiche von den übrigen Griechen urtheilen. Athen hat nach den Zeiten Alexanders nichts merkwürdiges mehr hervorgebracht. Die Aetolier, welche sich in verschiednen Kriegen, hervorthaten, waren mehr widerspenstig, als frey, mehr vie- hisch, als tapfer. Lacedamon hatte seine letzten Kräfte im Kriege gewiesen, da sie den CleomeneS hervor« gebracht, und der Build der Achaer machte sich noch durch ihren Philopömen merkwürdig. Rom hat wider diese beyden großen Feldherren nicht gestritten; allein der letzte, welcher zu den Zeiten Hannibals und des Scipio lebte, sah die Römer in Griechenland Krieg führen, und urtheilte ganz wohl, daß es mit der Freyheit der Griechen bald aus seyn würde, und daß man weiter nichts thun, als ihren völligen Verlust noch einige Augenblicke aufhalten könnte. So mußten denn die streitbarsten Völker den Römern weichen; die Römer haben über den Muth der Gallier, über den Muth und die Wissenschaft der Griechen, und nach allem diesen über die listigsten und verschlagensten Anstalten des Hannibals triumphirt, daß also noch keine Kriegsmacht eine so große Ehre eingelegt hat, als die ihrige. Sie in die allgemeine Geschichte. 54z Sie haben sich auch unter allen Verfassungen ihrer Regierung mit keiner Sache so sehr gerühmt, als mit ihrer Kriegözucht. Sie haben dieselbe bestandig, als den Grund ihres Reiches angesehen. Die Kriegszucht ist die erste Verfassung des römischen Staates, und auch die letzte gewesen, welche verlohren gieng, so genau war sie mit der ganzen Einrichtung ihrer Republik verbunden. Eine von den vortrefflichen Einrichtungen der römischen Miliz war diese, daß man die falsche Tapferkeit nicht lobte. Die Grundsäße Verfälschen Ehre, welche den Untergang so vieler Menschen unter uns verursacht haben, waren bey dieser so ehrgeizigen Nation nicht einmal bekannt. Man merkt von dem Scipio und Cäsar, diesen beyden vornehmsten und tapfersten Helden an, daß sie sich allezeit sehr vorsichtig, lind nur alsdann, wenn es die höchste Noth crsodcrte, in die Gefahr begeben haben. Man erwartete von einem Feldherrn nichts Gutes, der die Sorge nicht kannte, die er der Erhaltung seiner Person schuldig war, und verspätte die Thaten einer außerordentlichen Kühnheit allemal zu wirklichen Diensten. Die Römer wagten keine Schlacht auf ein bloßes Glück, und verlangten keine Siege, die allzuviel Blut kosteten, so daß keine Armeen zugleich muthiger und vorsichtiger waren, als die römischen Kricgsheere. Allein wie es nichr genug ist, daß man den Krieg verstehe, wenn man keinen weisen Rath hat, der ihn zu gelegner Zeit zu unternehmen und im Staate selbst eine gute Ordnung zu erhalten weis: So muß ich sie, Hwnseiyneur, nunmehr auch mit der tiefen Politik des römischen Senates bekannt machen. Wenn man ihn in den guten Zeiten der Republik betrachtet, so ist niemals 544 Bischof Bossuets Einleitung niemals eine Versammlung gewesen, wo die öffentlichen Angelegenheiten, reiflicher, geheimer, vorsichtiger in Ansehung des Zukünftigen, einiger und eifriger für das gemeine Beste überlegt worden waren, als im römischen Senate. Der Heilige Geist hat sie gewürdiget, solches im »Mace.8, Buche der Maccabäer anzumerken, und die erhabne ^' Klugheit und die muthigen Beschießungen dieser weisen Versammlung zu loben, wo derjenige das meiste Ansehen hatte, der die vernünftigsten Rathschlage gab, und wo alle Mitglieder, ohne Partheylichkeit und Neid sich zum allgemeinen Besten vereinigten. !/.v.xl.!i» Titus Livius erzählt uns ein vortreffliches Beyspiel, ^- wie geheim alles von ihnen gehalten wurde. Unterdessen daß man den Krieg wider den Perseus im Sinne harte, kam Eumenes, der König von PergamuS, ein Feind dieses Prinzen nach Rom, sich mit dem Senate wider ihn zu verbinden. Er that vor der vollen Versammlung seine Vorschlage, und die Sache wurde durch die Stimmen einer Gesellschaft beschlossen, die aus mehr denn dreyhundert Mitgliedern bestund. Wer sollte es glauben, daß alles ^ein Geheimniß geblieben wäre, und daß man von der ganzen Berach- schlagung nicht eher etwas, als nach vierJahren erfahren hätte, nachdem der Krieg geendigt worden war? Alleilt was uns noch mehr in Erstaunen setzt, ist dieses, daß Perseus seine Gesandten zu Rom hatte, die den Eumenes beobachten sollten. Alle griechischen und asiatischen Städte, welche in diesen Streit eingeflochten zu werden befürchteten, hatten auch Gesandte nach Rom geschickt, und alle gaben sich Mühe, eine Sache von solcher Wichtigkeit zu entdecken. Damit alles verschwiegen gehalten werden möchte, hatte man keine in die allgemeine Geschichte. 545 Strafen, und keine Verordnungen nöthig, welche unter harten Strafen den Umgang mit den Fremden untersagten. Das ist m der römischen Republik etwas erstaunliches, daß das Volk den Staat beständig mit eifersüchtigen Blicken ansah, und ihm doch bey wichtigen Gelegenheiten, und besonders bey großen Gefahren alles überließ. Alsdann sah man das ganze Volk seine Augen auf diese weise Versammlung richten, und seine Beschlüsse als so viele Göttersprüche erwarten. Eine lange Erfahrung hatte die Römer gelehrt, daß vom Senate alle Entschließungen hergekommen waren, welche den Staat gerettet hatten. Im Senate wurden die alten Grundsätze, und der Geist der Republik, wenn ich so sagen darf, erhalten. Hier wurden die Anschläge und Unternehmungen beschlossen, welche sich durch ihre eigne Einrichtung und Folge erhielten, und das Größte im Senate war dieses, daß man niemals muthigere Entschließungen faßte, als bey den größten Gefahren. Dieses geschah in den traurigsten Umstanden dee Republik, da sie noch schwach, und, so zu sagen, im ersten Wachsthums war, durch die innerlichen Unruhen der Tribnnen getheilt, und von außen durch die Volscier bedrängt wurde, die der erzürnte Coriolan wider sein Vaterland anführte. Diese Völker, welche von den Römern beständig geschlagen wurden,hoff- ten sich zu rächen, wenn sie den größten Römer an der Spitze ihrer Kriegsheere hätten, der die Kriegswissenschaft vollkommen verstund, ungemein freygebig, der unversöhnlichste Feind der Ungerechtigkeit, dvch aber auch der Harteste, der verdrießlichste, und der erbitterteste Mann war. Sie wollten mit Gewalt Mm Bürger 546 Bischof Bofsuets Einleitung Bürger werden, und nachdem sie sich durch ihre grossen Eroberungen über das ganze Land zum Meister gemacht hatten, so drohten sie, alles zu verderben, wenn man ihnen ihre Bitte nicht verwilligte. Rom hatte weder Armee noch Feldherrn, und dem ungeachtet sah man in diesem traurigen Zustande, da die Stadt alles zu befürchten hatte, die kühne und muthige Verordnung des Senates zum Vorscheine kommen, daß man lieber umkommen, als dem bewaffneten Feinde nachgeben, ihm aber billige Bedingungen zugestehen wollte, wenn er die Waffen niedergelegt haben würde. Die Mutter des Coriolan, welche an ihn abgeschickt wurde, um ihn zu erweichen, sagte unter andern zu ihm: Rennest du die Römer mchr^ N>eift du nicht, mein Sohn, daß du von ihnen nichts, als durch Vitten,und weder etwas Großes noch Geringes durch Gewalt von ihnen erhalten vion. n-i. rvirst? Der strenge Coriolan ließ sich überwinden; vu>. ^ kostete ihm aber das Leben, und die Volscier erwählten sich andre Feldherren. Der Senat blieb dem ungeachtet bey seinen Grundsätzen, und die Verordnung, der Gewalt nichts zu verwilligen, wurde ein Grundgesetz der römischen Politik. Man hat auch kein einziges Exempel, daß die Römer, wenn man auch alle Zeltender Republik durchgeht, ein einzig- mal davon abgegangen wären *. Zaghafte Rathschläge sind bey ihnen selbst in ihren traurigsten Umständen nicht einmal angehört worden. Sie ließen leichter mit sich Unterhandlungeil pflegcn,wenn sieUebcr- winder, als wenn sie überwunden waren; so eifrig wußte *?ol7d. VII. 56. Lxceri-c. äeleZsr. 6-,. Oion^ NsI.VIII. in die allgemeine Geschichte. 547 wußte der Senat über die alten Grundsätze der Republik zu halten, und so sehr wußte er die übrigen Bürger darinnen zu befestigen. Aus eben diesem Geiste kamen die Entschließungen her, die der Senat so oft faßte, die Feinde mit offenbarer Gewalt, und nicht mit Verschlagenheit und Lift, selbst nicht mit derjenigen zu überwinden, die doch im Kriege erlaubt ist; dieses that derStactnicht etwa aus einem falschen Ehrgeize, noch aus Unwissenheit der Gewohnheiten und Gesche des Krieges, sondern weil er es für das kraftigste und gewisseste Mittel hielt, einen hochmütigen Feind zu demüthigen, wenn er ihm alle Meynung von seiner Macht benähme, damit er sich in seinem Herzen selbst für überwunden halten, und seine Rettung allein in der Gnade des Siegers suchen müßte. So breitete sich der große Ruhm der römischen Waffen auf der ganzen Erde aus. Die allgemeine Meynung, daß ihnen nichts widerstehen könnte, machte, daß allen ihren Feinden die Waffen aus den Händen fielen, und sie verschaffte ihren Bundesgenossen eine unüberwindliche Hülfe. Sie sehen, N?onseir?neur, wie viel ein gleicher Ruhm der französischen Waffen in ganz Europa ausrichtet, und die Welt, welche über die Thaten des Königes erstaunt,bekennt,daß es nur ihm allein zukömmt, seinen Eroberungen Grenzen zu setzen. Die Aufführung der Römer,welche gegen ihre Feinde so tapfer war, ist nicht weniger zu bewundern, was ihre innerlichen Einrichtungen betrifft. Dieser weiseSe- nat hatte sehr oft gegen das Volk eine billige Nachsicht, wie sie sich denn einmal in der größten Noth nicht allein rir. i.iv. selbst mehr auflegten, als andern, welches sie doch ge- u. ?. Meiniglich thaten, sondern auch das geringe Volk von Min L allen 548 Bischof Bossuets Einleitung allen Auflagen befreyten/ und dabey sagten: daß die Armen der RepubKk genug Tribut bezahlten, wenn sie ihr Rinder erzögen. Der Senat zeigte durch diese Verordnung, wor- innen die wahren Reichthümer eines Staates bestünden, und diese schöne Verordnung, zu welcher noch andre Zeugnisse einer vaterlichen Güte kamen, machte einen solchen Eindruck in die Gemütherdes Volkes, daß sie fähig wurden, für das Wohl ihres Vaterlandes die äußerste Noch auszustehen. Allein wenn das Volk getadelt zu werden verdiente, so that solches der Senat mit einem Ernste, und mit einein Muthe, der einer so weisen Versammlung anständig war, wie man solches bey einer Streitigkeit zwischen den Einwohnern der Stadt Ardea und den Ariciern deutlich sah. Die Geschichte davon ist ruv.m. 7'. merkwürdig und verdient, erzahlt zu werden. Diese bey- iv. 7.9.-0. denVölkec führten wegen gewisser LändereyenKrieg mit einander, welche sie sich beyde zueigneten. Endlich wurden sie des Streites müde, und wurden eins, sich dem Urtheile des römischen Volkes zu unterwerfen, dessen Billigkeit von allen seinen Nachbaren verehrt wurde. Die Tribunen wurden zusammen berufen, und nachdem das Volk bey der Untersuchung fand, daß die Ländereyen, welche sich andre zueignen wollten, ihm nach den Rechten gehörten, so eignete es sich solche zu. Obgleich der Senat sah, daß das Volk im Grunde recht geurtheilt hätte, so konnte er doch nicht leiden, daß die Römer ihre natürliche Großmuth verleugnet, und die Hoffnung ihrer Nachbaren, die sich ihrem Allsspruche unterwarfeil, hintergangen hatten. Er that alles, ein Urtheil, das ein so gefährliches Beyspiel geben konnte,zu verhinderii,ein Urtheil/wo die Richter in die allgemeine Geschichte. 549 ter sich die Länder zueigneten, worüber die Partheyen stritten» Nachdem es gefällt worden war, so waren die von Ardea, deren Rechte am meisten gegründet zu seyn schienen, schon bereit, sich durch die Gewalt der Waffen zu rächen. Der Senat machte gar keine Schwierigkeit., eine öffentliche Erklärung zu thun, daß er die Beleidigung, die ihnen widerfahren wäre, eben so sehr empfände, als sie; daß er zwar den Ausspruch des Volkes nicht aufheben könnte, sich aber alle Mühe geben würde, wenn sie sich dem Senate wegen der Vergütung, die sie fodern konnten, vertrauen wollten, sie so zu befriedigen, daß sie keine Ursache mehr haben sollten, sich zu beklagen. Die Einwohner von Ardea verließen sich auf dieses Versprechen. Es trug sich darauf zu, daß sie in einen Streit geriethcn, in welchem ihre ganze Stadt in der Gefahr ihres völligen Unterganges war. Sie erhielten aber auf Befehl des Senates eine so schleunige Hülfe, daß ihnen das vcrlohrne Land genug ersetzt zu seyn schien, und sie nur auf Danksagungen gegen so getreue Freunde dachten. Allein der Senat war nicht eher zufrieden, bis ihnen das wiedergegeben war, was sich das römische Volk zugesprochen hatte, und also das Andenken eines so schändlichen Urtheiles aufgehoben wurde. Es ist mein Vorsaß nicht, ihnen hier zusagen, wie viel mehr dergleichen Thaten der Senat gethan, wie vieler meyneidige Bürger, die ihr Wort nicht halten wollten, oder bey ihren Schwüren Ausflüchte suchten, ihren Feinden überliefert, wie viel er schlimme Anschläge, die von einem glücklichen Erfolge waren, verdammt hat: Ich will nur sagen, daß diese erhabne Versammlung dem römischen Volke nichts als große Mm z Empsm- 550 Bischof Bossuets Einleitung Empfindungen, und eine große Meynung von ihren Rathschlägen beybrachte, und überzeugt war, daß der Ruhm die sicherste Stütze eines Staates sey. Man kann denken, daß bey einem Volke, welches so weislich regiert wurde, Strafen und Belohnungen mit einer großen Sorgfalt angeordnet gewesen sind. Außerdem, daß die Verdienste und die eifrigen Bemühungen für das Beste des Staates die sichersten Wege zu den Aemtern waren: So waren auf die Thaten im Kriege Belohnungen gesetzt, weiche der Republik nichts kosteten, und einem ieden doch unendlich lieb waren, weil man die Ehre damit verbunden hatte, die dieses kriegerische Volk so sehr liebte. Eine sehr kleine goldne Krone, und sehr oft nur eine Krone von Eichenlaub, oder Lorberblattern, oder von einer noch weit geringern Pflanze war unter den Soldaten unschätzbar, die keine andre Ehre, als die Ehre der Tapferkeit kannten, und sich nicht edler zu unterscheiden wußten, als durch rühmliche Thaten. Der Senat, dessen Beyfall statt einer Belohnung war, wußte zu loben und zu tadeln, wo es nöthig war. Gleich nach dem Streite lobten oder tadelten dicCon- suln und andre Feldherren die Soldaten und ihreAn- führer,wie sie eö verdienten^ öffentlich; sie selbst aber erwarteten voll Ungewißheit das Urtheil des SenateS,wel- cher bloß nach der Weisheit ihrer Anschlage urtheilte, ohne sich von dem Glücke des Erfolges blenden zu lassen. Die Lobeserhebungen waren ihnen kostbar, weil sie mit Weisheit ertheilt wurden; der Tadel aber gieng großmüthigen Seelen außerordentlich nahe, und erhielt die Feigsten in ihren Pflichten. Eben so erhielten die Strafen, die auf schlechte Thaten erfolgten, die Soldaten in Furcht, da hingegen die Ehre in die allgemeine Geschichte. 551 und die Belohnungen, die so gerecht ausgetheilt wurden, sie über sich selbst erhuben. Wer den Gemüthern eines Volkes die Ehre, die Gedult, keine Arbeit zu scheuen, die Größe der Nation/ und die Liebe zum Vaterlande beybringen kann, der kann sich rühmen, diejenige Verfassung eines Staates gesunden zu haben, welche die geschickteste ist, große Männer hervorzubringen. Die großen Männer sind es unstreitig, auf welche die Starke eines Reiches ankömmt. Die Natur laßt in allen Landern Geister von einem erhabnen Verstände und Muthe gebohren werden; allein man muß ihnen aufhelfen, damit sie sich ausbilden können. Was sie bildet und vollkommen macht, das sind die großen Grundsätze und edlen Empfindungen, die sich in allen Gemüthern ausbreiten und unvermerkt von dem einen zum andern fortpflanzen. Was macht unfern Adel so tapfer in den Schlachten, und so kühn in seinen Unternehmungen? Das ist die Meynung, die ihnen in ihrer Kindheit eingeflößt wird, und zum allgemeinen Grundsätze der Nation geworden ist, daß ein Edelmann ohne Muth sich seiner selbst unwürdig machr, und nicht mehr verdient, den Tag zu sehen. Alle Römer waren in diesen Grundsäßen erzogen, und das Volk stritt mit demAdel, wer mehr nach diesen tapfern Grundsätzen handeln könnte. In den guten Zeilen der Stadt Rom wurden die Kinder selbst in den Arbeiten geübt, und man hörte von nichts anders, als von der Größe des römischen Namens reden. Man mußte in den Krieg gehen, wenn es die Republik befahl, beständig arbeiten, Winter und Sommer im Felde bleiben, gehorcheil, ohne sich zu widersetzen, sterben oder überwinden. Die Väter, welche ihre 552 Bischof Bossuets Einleitung Kinder nicht in diesen Grundsäßen erzogen, oder sie nicht zum Dienste des Staates tüchtig machten, wurden von den Obrigkeiten vor Gericht gesodert, und eines Verbrechens wider den Staat schuldig erklärt. Wenn man einmal angefangen hat, die Völker auf diesen Weg zu bringen, so bilden die großen Männer einer den andern, und wenn Rom mehr grosse Männer, als eine andre Stadt, erzeugthat, so ist das nicht dem Zufalle zuzuschreiben; die Verfassung des römischen Staates, die wir itzt betrachtet haben, war so beschaffen, daß er nothwendig an Helden un- gemein fruchtbar seyn mußte. Ein Staat, der eine Empfindung von einer so voll- kommnen Einrichtung hat, empfindet zugleich, daß er eine außerordentliche Stärke besitzt, und hält sich niemals für ganz verlohren. Wir sehen auch, daß die Römer niemals verzweifelt sind,, ihre Angelegenheiten mögen gestanden haben, wie sie wollen; weder zu der Zeit, da sie Porsenna, der König von Hetrurien, aushungern wollte; nicht damals, da die Gallier, nachdem sie die Stadt angezündet hatten, ihr ganzes Land überschwemmten, und sie im Capitale eingeschlossen hielten; nicht zu der Zeit, da Pyrrhus,der König der Epirotcr, der so geschickt, als kühn in Unternehmungen war, sie durch seine Elephanten erschreckte, und alle ihre Armeen schlug; auch nicht einmal zu der Zeit, da Hannibal, der so oft schon gesiegt hatte, ihnen noch funfzigtausend Mann ihrer besten Soldaten in der Schlacht bey Cannis schlug. Dazumal war es, da der Consul, Terentius Var- ro, der durch sein Versehen eine so große Schlacht verlohren hatte, in Rom so empfangen wurde, als ob er in die allgemeine Geschichte. 55z er überwunden hatte, bloß darum weil er bey einem so großen Unglücke an den Angelegenheiten der Republik nicht verzweifelt hatte. Der Senat dankte ihm öffcnt« lich dafür, und man beschloß sogleich nach den alten römischen Grundsätzen, in diesen betrübten Umständen keine Friedcnsvorschläge anzuhören. Der Feind wurde in Erstaunen gesetzt; das Volk faßte wieder Muth, und glaubte, daß noch Mittel zur Rettung übrig waren / welche die Klugheit des Senates kennte. Diese Sündhaftigkeit des Senates mitten unter so vielen Unglücksfallen, die sich alle auf einmal zutrugen, kam in der That nicht allein von einem hartnäckigen Entschlüsse, dem Glücke uicht nachzugeben, sondern von einer tiefen Einsicht in die Macht der Romer und der Feinde her. Rom wußte aus seinem Cen» sus, oder aus der Liste seiner Bürger, welche seit dem Servius Tullius ununterbrochen fortgesetzt worden war, wie viel es Bürger hatte, die die Waffen tragen konnten/ und wie viel es von der Jugend zu hoffen hatte, die alle Tage heranwuchs. Rom schonte also seine Kräfte wider einen Feind/ der von den africa- nischen Küsten herkam, den die Zeit allein schon in einem fremden Lande aufreiben mußte, wo die neuen Hülfsvölker so langsam ankamen, und dem seine Siege selbst, die so viel Blut kosteten, so schädlich wurden. Die Römer mochten also verlieren, so viel sie wollten, so durfte der Senat, der allezeit unterrichtet war, wie viel gute Soldaten er noch übrig hatte, nur Zeit zu gewinnen suchen / und er ließ folglich den Muth niemals sinken. Als er die Kräfte der Republik durch die verlohrne Schlacht bey Can- nis und die darauffolgenden Empörungen so verrin- Mm 5 gert 554 Bischof Bessuets Einleitung gert sah, daß sie sich kaum würden vertheidigt haben, wenn ihr die Feinde mehr zugesetzt hätten, so erhielt er sich durch seinen Muth, und sah, ohne durch seinen Verlust in Verwirrung zu gerathen, den weitern Unternehmungen des Ueberwinders zu. Sobald der Senat wahrgenommen hatte, daß Hannibal, anstatt sich seinen Sieg zu Nutze zumachen, einige Zeit auf nichts, als Ergeßlichkeiten dachte, so erholte sich die Republik wieber, und sah wohl, daß ein Feind, welcher sein Glück nicht zu gebrauchen wußte, und sich durch den glücklichen Fortgang seiner Waffen blenden ließ, nicht zum Ueberwinder der Römer gebohren wäre. Von der Zeit an fieng Rom alle Tage die größten Unternehmungen an, und so geschickt, so muthig und so sieghaft auch Hannibal war, so konnte er doch wider die Römer nichts mehr ausrichten. Man kann aus diesem einzigen Erfolge schließen, wer von beyden endlich gewinnen mußte. Hannibal, der von seinen Siegen aufgeblasen wurde, hielt die Einnahme der Stadt für allzuleicht, und wurde nach- laßig. Rom verlohr mitten in seinem Unglücke weder den Muth noch das Vertrauen zu sich selbst, und unternahm, mehr als iemals große Dinge. Die Schlacht bey Cannis war kaum verlohren worden, als die Römer Syracusa, welches bundbrüchig war, und Capua, welches sich empört hatte, belagerten. Syracusa konnte sich weder mit seinen Festungswerken, noch durch die Erfindungen des ArchimedeS vertheidigen. Umsonst kam die sieghafte Armee des Hannibals der Stadt Capua zur Hülfe. Die Römer aber nöthigten wohl diesen Feldherrn, die Belagerung der Stadt Nola aufzuheben. Kurz darauf schlugen die Carthaginen» ser in Spanien die beyden Scipionen, welche beyde in die allgemeine Geschichte. ' 555 in dem Treffen blieben. In diesem ganzen Kriege war den Römern noch nichts so empfindliches, noch etwas so nachtheiliges begegnet. Ihr Verlust trieb sie aber nur an ., ihre äußersten Kräfte anzuwenden. Der junge Scipio, ein Sohn eines von diesen Feldherren, war nicht damit zufrieden, daß er die Angelegenheiten der Römer in Spanien wiederhergestellt hatte, sondern gieng so gar über das Meer, mit den Carthaginenfern bey ihrer Stadt den Krieg zu führen, uM dadurch gab er ihrem Reiche den letzten Stoß. Die Verfassung dieser Stadt war so beschaffen, daß Scipio hier nicht den Widerstand sinden konnte, den Hannibal in der Gegend von Rom fand, und sie werden davon überzeugt werden, Monseigneur, wenn sie die Verfassung beyder Städte ein wenig erwägen werden. Rom war in seiner Starke, und Carthago, das ?<^'- schon angefangen hatte, sich seinem Untergänge zu nähern , erhielt sich nur noch durch den Hannibal. Der Senat in Rom war unter sich einig, und es ist ebeir diefeZeir,wo dieseEinigkeit in derGeschichte der Macca- baer so sehr gelobt wird. Der carthagincnsische Senat war in alte unversöhnliche Partheyen getheilt, und der vornehmste Theil der dasigen Großen hatten sich über Hannibals Verlust gefreut. Rom war noch arm und allein dem Ackerbaue ergeben, und unterhielt eine vortreffliche Miliz, die nur nach Ehre dürstete, und auf nichts, als auf die Vergrößerung des römischen Namens umgieng. Carthago hatte sich durch seinen Handel bereichert; alle seine Bürger waren allein ihren Reichthümern ergeben, und gar nicht in den Waffen geübt. Die römischen Armeen bestunden fast aus lauter 556 Bischof Vossuets Einleitung lauter Bürgern / da es hingegen in Carthago zu einem Grundsätze geworden war, keine andern, als fremde Völker, zu Soldaten zu haben, die sehr oft für diejenigen, welche sie befahlen, eben so sehr zu fürchten sind, als für diejenigen, wider welche sie gebraucht werden. Dieser Fehler kam zum Theil von der ersten Einrichtung der Republik Carthago her, zum Theil hatten sie sich mit der Zeit eingeschlichen. CarthagoHat- te die Reichthümer bestandig geliebt, und Aristoteles beschuldigt sie einer so heftigen Neigung zum Gelde, daß sie ihren Bürgern Gelegenheit gegeben, sie noch der Tapferkeit vorzuziehen. Dadurch hat endlich eine Republik, die ganz zum Kriege gemacht war, die Kriegsübungen verabsäumt, wie eben dieser Philosoph anmerkt. Er tadelt sie nicht, daß sie nur eitel fremde Völker in ihren Diensten hatte, und es ist glaubwürdig, daß sie erst lange Zeit hernach in diesen Fehler gefallen ist. Allein dazu bringen gemeiniglich die Reichthümer eine kaufmännische Republik; man will seine Schahs genießen, und glaubt in seinen Reichthümern alles zu finden. Carthago hielt sich für mächtig, weites viel Soldaten hatte, und hatte aus so vielen Empörungen, die es in den leßtern Zeiten gesehen, nicht lernen können, daß nichts so unglücklich ist, als ein Staat, der sich nur durch Fremde erhalt, bey welchen er weder Eifer, noch Sicherheit, noch Gehorsam genug findet. Es ist wahr, Hannibals großer Geist schien allen diesen Fehlern seiner Republik abgeholfen zu haben. Man sieht es, als ein Wunder an , daß seine Armee, die aus ganz verschiednen Völkern bestund, in einem fremden Lande, sich ganzer sechzehn Jahre hindurch, ich in die allgemeine Geschichte. 557 ich will nicht sagen, niemals empört, sondern nicht einmal gemurrt hatte, und daß diese verfchiednen Völker, ohne sich unter einander zu verstehen, so einig waren , den Befehlen ihres Feldherrn zu gehorchen. Allein Hannibals Geschicklichkeit konnte Carthagc» nicht erhalten, da es von einem Feldherrn, wie Sci- pio mar, in seinen Mauern angegriffen wurde, und keine Macht mehr hatte. Hannibal mußte zurück gerufen werden, der nur uoch wenig Völker übrig hatte, die mehr durch ihre eigne Siege, als durch die Siege der Römer geschwächt worden waren, und durch den langen Rückweg völlig entkräftet wurden. Es wurde also Hannibal geschlagen, und Carthago, welches vordem ganz Africa, das mittelländische Meer, und den Handel der ganzen Welt in seiner Gewalt gehabt hatte, wurde gezwungen, das Joch anzunehmen, das ihm Scipio auflegte. ' Das war also die rühmliche Frucht der römischen Standhaftigkeit. Ein Volk, das in seinem Unglücke muthiger werden und sich stärken konnte, war wohl berechtigt zu glauben, daß man alles rettete, wofern man nur die Hoffnung nicht aufgäbe, und der Schluß des Polybius war sehr richtig, daß Carthago endlich bloß vermöge der Einrichtung beyder Republiken der Römischen unterthänig werden mußte. Wenn sich die Römer dieser großen politischen und kriegerischen Eigenschaften bloß zur Erhaltung des Friedens in ihrem Staate, und zuv Beschühung ih- yr unterdrückten Bundesgenossen bedient hatten, wie sie sich anstellten: So müßte man ihre Billigkeit eben so sehr als ihre Tapferkeit und ihre Klugheit loben. Allein als sie die Süßigkeiten des Sieges einmal geschmeckt hatten, so wollten sie, daß ihnen, alles wei- 558 Bischof Bossuets Emleitüng chen sollte, und verlangten nichts mehr, als erstlich ihre Nachbarcn, und heruach die ganze Welt ihren Gesetzen unterwürfig zu machen. Diesen Endzweck zu erreichen, wußten sie das Geheimniß , sich ihre Bundesgenossen zu erhalten, sie unter einander zu vereinigen, unter ihren Feinden Mishel- ligkeit und Neid zu erwecken, ihre Anschläge zu erforschen, ihre heimlichen Verständnisse zu entdecken, und ihren Unternehmungen zuvorzukommen. Sie beobachteten nicht allein das Vorhaben ihrer Feinde, sondern auch alle Progresscn ihrer Nachbaren ; sie befleißigten sich vornehmlich, die Machte, die ihnen zu furchtbar wurden, oder ihre Eroberungen allzusehr hinderten, zu theilen, oder ihnen auf eine andre Weise das Gegengewicht zu halten. Die Griechen hatten also zu den Zeiten des Poly- bius Unrecht, wenn sie sich einbildeten, daß Rom mehr durch sein Glück, als durch seine Aufführung groß würde. Sie waren für ihre Nation allzusehr eingenommen, und beneideten die Völker allzusehr, die sie ihr Haupt erheben sahen; oder vielleicht schrieben sie, wie Menschen zu thun gewohnt sind , die Wirkungen dem Zufalle zu, deren Ursachen ihnen unbekannt waren, weil sie das römische Reich von fern so geschwind zunehnum sahen, ohnein die Rathschlage zu dringen, die diesen großen Körper in Bewegung setzten. Allein Polybius, der wegen seiner genauen Freundschaft mit den Römern so weit in die Geheimnisse ihres Staates eindrang, und die römische Staatskunst während den plinischen Kriegen so nahe beobachtete, ist billiger als die andern Griechen gewesen, und hat eingesehen, daß Roms Eroberlingen Folgen wohl eingerichteter Absichten waren. Denn er sah, daß die Römer ihre in die allgemeine Geschichte. 559 Aufmerksamkeit mitten vom mittelländischen Meere auf alle benachbarten Länder, bis nach Spanien und Syrien erstreckten; daß sie alles, was daselbst vorgieng, beobachteten; daß sie ihnen immer näher und näher kamen; daß sie sich befestigten, ehe sie sich weiter ausbreiteten; daß sie sich nicht mit allzu- viclen Unternehmungen beschwerten; daß sie eine Zeitlang an sich hielten, und sich zu rechter Zeit erklärten; daß sie warteten, bis Hannibal überwunden war, ehe sieden König von Macedonien, Philippuö, der ihm Beystand geleistet hatte, entwaffneten; daß sie, wo- fern sie erst einmal etwas unternahmen, nicht müde noch ruhig wurden, bis sie es ganz ausgeführt hatten; daß sie den Mazedoniern keine Zeit ließen, zu sich selbst zu kommen; daß sie, nachdem dieses Reich völlig überwunden war, durch eine öffentliche Verordnung den so lange unterdrückten Griechen ihre Freyheit wiedergaben, an die sie nicht mehr dachten; und daß sie sich dadurch auf einer Seite furchtbar, und auf einer andern ihren Namen herrlich und ehrwürdig machten. Alles dieses bewies deutlich genug, daß sich die Römer nicht nach dem Schicksale eines blinden Zufalls, sondern durch kluge Absichten und Anschläge zu der Eroberung der ganzen Welt vorbereiteten. Dieses hat PolybiuS zu der Zeit bemerkt, da Rom seine Macht auszubreiten anfing. DionysiuS von Halicavnaß, welcher nach der Aufrichtung des römischen Reiches, zu den Zeiten deöAugustuS, geschrieben, hat,macht ebenfalls diese Anmerkung,indem er die alten Einrichtungen der römischen Republik von ihrem Anfange her durchgeht, die ihrer Natur nach fähig waren, ein Volk unüberwindlich zumachen, und ihm die Herrschaft über alle andern Völker zu verschaffen. Sie, 560 Bischof Bossuets Einleitung Sie,Monftigneur, wisse» so viel, als sie brauchen, mit diesen weifen Geschichtschreibern einer Meynung zu seyn, unddenPlutarchzu verdammen, der wegen einer allzugroßen Neigung zu den Griechen die Größe der Römer allein dem Glücke, und die Größe Alexanders allein seiner Tapferkeit zuschreibt Allein ie deutlicher diese Geschichtschreiber die Absichten der Römer in ihren Eroberungen zeigen, desto mehr zeigen sie auch ihre Ungerechtigkeit. Dieses Laster ist von der Begierde zu herrschen unzertrennlich, die aus der Ursache auch durch die Gesetze des Evangelii billig verdammt wird. Aber die Philosophie allein ist schon hinlänglich genug/ uns zu zeigen,daß uns die Macht bloß dazu gegeben ist, das, was wir besitzen, zu erhalten, und nicht dazu, uns fremder Güter zu bemächtigen. «Ac-r.^eoss. Cicero hat dieses eingesehen, und die Vorschriften, die i.br.iil. ^ ^.j^ führn, st>ll, verdammen die Aufführung der Römer offenbar. Es ist wahr, daß sie im Anfange ihrer Republik sehr billig zu seyn schienen. Es schien, als ob sie ihre kriegerische Gemüthsart selbst einschränken wollten, indem sie derselben von derBilligkeitGrenzen setzen ließen. Kann etwas schöners oder heiligers seyn, als ihre Versammlung der Lecialen, es sey nun Numa, wie Dionysius vonHalicarnassus meynt, oder Ancus Martins, wie Livius dafür hält, ihr erster Stifter gewesen ? Diese Gesellschaft war dazu aufgerichtet worden, daß sie die Billigkeit oder Unbilligkeit eines Krieges beurtheilen jvllte: Ehe der Senat den Krieg vorschlagen lind das Volk denselben beschließeil durfte, mußte diese Untersuchung der Billigkeit allezeit vorhergehen. Wenn * Llursrcli. äe 5oniruä. ^lex-märi et 5ornruä> Ksm-m. in die allgemeine Geschichte. 561 Wenn das Urtheil gefällt worden war, daß der Krieg gerecht wäre, so ergriff der Senat die nöthigen Maasregeln zu der Unternehmung desselben; vor allen Din- gen aber wurde eine Gesandlschaft an den unrechtmäs- sigen Besitzer der Dinge, worüber Krieg geführt werden konnte, abgefertigt, sie gehörig wiederzufodern, und man versuchte erst alle gütliche Mittel, ehe man zum Aeußersten schritt. Ist iemals wohl eine heiligere Einrichtung gewesen als diese, eine Einrichtung, welche die Christen zur Schamröthe bringen sollte, denen ein Gott, der in die Welt gekommen ist, den Frieden zu stiften, die Liebe und den Frieden nicht einflößen können ? Allein was helfen die besten Einrichtungen, wenn am Ende nur bloße Ceremonien daraus werden? Das Vergnügen, zu überwinden und zu herrschen, verderbte die Römer gar bald, und unterdrückte die Redlichkeit, die ihnen die natürliche Billigkeit gegeben hatte. Die Berathschlagungen der Fe- cialen waren endlich nichts mehr, als unnütze Formalitäten, und ob sie gleich ihren größten Feinden Beweise einer großen Billigkeit und selbst einer großen Gnade gaben, so ließ doch ihr Hochmuth nicht zu, daß die Gerechtigkeit in ihren Berathschlagungen herrschen konnte. Ihre Ungerechtigkeiten waren im übrigen um so viel gefahrlicher, ie besser sie dieselben mit einem scheinbaren Vorwande zu verbergen wußten. Sie gaben vor, daß sie die Könige und Nationen beschützen wollten, und brachten sie dadurch unvermerkt unter ihr Joch. Wir können hinzusehen, daß sie gegen diejenigen, welche sich ihnen widersetzten, grausam waren, welches eine sehr natürliche Eigenschaft der Eroberer ist, die wohl wissen, daß sie der Furcht die Hälfte ihrer Nn Ervbe- 562 Bischof Bossuets Einleitung Eroberungen zu danken haben. Muß man die Herrschaft so theuer erkaufen, und kann das Vergnügen, zu befehlen, so angenehm seyn, daß die Menschen solches durch so unmenschliche Handlungen gewinnen wollen? Damit die Römer sich furchtbar machen möchten, so waren sie sehr besorgt, in den eingcnommnen Städten schreckliche Schauspiele der Grausamkeit zurückzulassen, und gegen den unerbittlich zu scheinen, der die Gewalt abwartete, ohne selbst die Könige zu schöner?, die sie unmenschlicher Weise hinrichten ließen, nachdem sie dieselben mit Ketten beschwert, gleich den Sklaven, an die Siegeswagen gespannt, und im Triumphe aufgeführt hatten. Allein so grausam und ungerecht sie in ihren Erobeningen waren, so billig beherrschten sie die unterwürfig gemachten Nationen. Sie suchten ihre Regierung den bczwungnen Völkern angenehm zu machen, und glaubten, daß dieses das beste Mittel wäre, ihre Eroberungen zu behaupten. Der Senat hielt die Landpfleger im Zaume; er ließ den Nationen Gerechtigkeit wicderfahren, und diese Versammlung wurde als eine Zuflucht der Unterdrückten angesehen. Es waren auch die Bedrängnisse und Gewaltthätigkeiten unter den Römern nicht bekannt, außer in den letzten Zeiten der Republik, und die Enthaltsamkeit der obrigkeitlichen Personen war die Bewunderung des Erdkreises. Sie waren also nicht solche viehische und geizige Eroberer, welche nur plündern wollen, und ihre Herr» schaft auf den Ruinen der überwundnen Lander aufrichten. Die Römer verbesserten diejenigen allezeit, welche sie bezwängen, indem sie die Gerechtigkeit, den Ackerbau, den Handel, und selbst die Künste und in die allgemeine Geschichte. 56z Wissenschaften darinnen in Aufnehmen brachten, nachdem die Besiegten dieselben nur einmal geschmeckt hatten. Dadurch ist ihr Reich dasjenige geworden, welches unter allen im besten Aufnehmen, das mächtigste und zugleich das größte unrcr allen gewesen ist. VomEu- phrat und dein Tanais an bis an die Seulen des Herkules und an das atlantische Meer gehorchten ihnen alle Lander und alle Meere. Mitten aus dein mittelländischen Meere geboten sie, so weit sich dasselbe erstreckte, und gaben allen Staaten in die Länge und Breite umher Gesetze; dieses Meer theilte ihr Gebiete gleichsam in zwey Theile, und verband ihr Reich mit sich selbst. Man geräth noch in Schrecken, wenn man bedenkt, daß die Nationen, die ißt so furchtbare Reiche ausmachen, ganz Gallien, ganz Spanien, beynahe ganz Großbritannien, Jllyrien bis an die Donau, Germanien bis an die Elbe, Africa bis an seine schrecklichen und undurchdringlichen Wüsten, Griechenland, Thracien, Syrien, Aegypten, alle Königreiche Kleinasiens, und die Königreiche, die zwischen dem schwarzen und caspischen Meere liegen, und die andern, die ich vielleicht vergesse, oder nicht erzählen will, viele Jahrhunderte hindurch römische Provinzen gewesen sind. Alle Völker unserer Welt, die Rauhsten und Ungesittesten nicht ausgenommen, haben ihre Macht gefürchtet, und sie haben mit ihrer Herrschaft fast überall auch ihre Geseße und Sitten ausgebreitet. Es ist fast ein Wunder, daß in einem so weit- läuftigen Reiche, das so viele Nationen, und so viele Königreiche begriff, die Völker so gehorsam, und die Empörungen so selten gewesen sind. Die römische Nn 2 Staats- 564 Bischof Bossuets Einleitung Staatskunst hatte durch verschiedne Mittel dafür gesorgt, die ich ihnen in wenig Worten erklaren will. Die römischen Colonien, die fast an allen Seiten ihres Reiches errichtet wurden, brachten zwo vortreffliche Wirkungen hervor. Eine war diese, das; die Stadt^ von einer großen Menge Bürger, wovon die meisten arm waren, befreyt wurde; die andre Wirkung war die, daß man die vornehmsten Posten dadurch bewahrte, und die fremden Völker nach und nach «m die römischen Sitten gewöhnte. Diese Colonien, welche ihre Freyheiten mit sich brachten, blieben der Republik allezeit ergeben und bevölkerten das ganze römische Reich. Allein es erhielten außer den Pflanzstädten noch viele andre Städte für ihre Bürger das römische Bürgerrecht/ und da ihr eigner Nutzen sie mit dem herrschenden Volke verband, so erhielten sie die benachbarten Städte allezeit im Gehorsame. Endlich kam es so weit, daß sich alle Unterthanen des Reiches für Römer hielten. Die Ehre dieses sieghaften Volkes theilte sich nach und nach den überwund-- nen Völkern mit; der Senat stund ihnen offen, und sie durften so gar nach der Herrschaft streben. Es waren also vermöge der Gnade der Römer alle Nationen nur eine Nation, und Rom wurde als das allgemeine Vaterland angesehen. Wie sehr erleichterte nicht diese bewundernswürdige Eintracht aller Völker unter einer Herrschaft die Schifffahrt und die Handlung? Alle Menschen waren fast Römer, und wenn man einige Grenzen des Reiches ausnimmt, die zuweilen von ihren Nachbaren beunruhiget wurden, so genoß der ganze Erdkreis einen voll- kommnen Frieden. Weder Griechenland, noch Kleinasien, in die allgemeine Geschichte. 565 asien, noch Syrien, noch Aegyvten, noch die meisten andern Provinzen sind jemals vom Kriege befreyt gewesen, als unter der Herrschaft der Romer, und man kann leicht begreifen, daß ein so angenehmer Umgang eines Volkes mit dem andern nicht wenig dazu beytragen mußte, die Ruhe und Eintracht im ganzen Reiche zu erhalten. Die Legionen, welche zur Bewahrung der Grenzen bestimmt waren, vertheidigten nicht allein die äußerliche Ruhe, sondern befestigten auch die innerliche. Die Römer waren nicht gewohnt, in ihren Städten Schlösser zu habe»/ oder ihre Grenzen zu befestigen, und man trug erst unter dem Kaiser Valcntinian dem I. dafür Sorge. Vorher setzte man die ganze Stärke und Sicherheit des Reiches bloß auf die Kriegsvölker, welche man so vertheilte, daß sie einander beystehen konnten. Im übrigen war die Einrichtung ss gemacht, daß sie immer im Felde stehen mußten; die Städte wurden also nicht von ihnen beschwert, und die Kriegszucht erlaubte den Soldaten nicht, sich auf dem Lande zu zerstreuen. Die römischen Armeen störten also weder die Handlung noch den Ackerbau. Sie machten in ihrem Lager, so zu sagen, eine Stadt aus, die von andern Städten bloß dadurch unterschieden war, daß die Arbeit immer anhielt,die Kriegszucht scharf, und die Befehle ordentlich und strenge waren. Die Soldaten waren bey der geringsten Bewegung immer bereit, und das war genug, die Völker im Gehorsame zu erhalten, daß man ihnen nur diese unüberwindlichen Heere in ihrer Nachbarschaft zeigte. Aber nichts erhielt den Frieden im römischen Reiche mehr, als die richtige Beobachtung der Gerechtigkeit. Die alteRepublik hatte dieRechte eingerichtet; dieKaiser Nnz und 566 Bischof Bossuets Einleitung und Weisen hat sie nach einerley Gründen erklart; alle Völker, und selbst die Rauhsten unter ihnen sahen sie mit Bewunderung an, und darum waren die Römer vornehmlich werth, Herren des Erdkreises zu seyn. Wenn im übrigen die römischen Gesetze für so ehrwürdig geachtet worden sind, daß ihr majestätisches Ansehen noch besteht, obgleich das Reich selbst untergegangen ist: So ist dieses darum geschehen, weil die Vernunft, die Regiererinn des menschlichen Gebens, überall darinnen herrscht, und weil man nirgends eine schönere Anwendung von den Grundsaßen der natürlichen Billigkeit findet, als in ihnen. Ungeachtet derGrößedeö römischen Namens, ungeachtet der riefen Politik und der schönen Einrichtungen dieser berühmtenRepublik,hatte sie doch mitten in ihrem Schooße die Ursache ihres Ruins in der beständigen Eifersucht des Volkes gegen den Senat, oder der piebejen und pacncicn. Romulus hatte diesen Unterschied einge- vion.n-i. führt. Die Könige mußten Personen haben, die sie von andern unterschieden, die sie durch besondre Bande mit sich verknüpften, und durch die sie den übrigen Theil des Volkes regierten. Dazu erwählte Romulus die Aeltesten, aus welchen er die Versammlung des Senates errichtete. Man nennte sie wegen ihrer Würde und ihres Alters also, und von ihnen sind hernach die Patricienfamilien entsprungen. Im übrigen mochte Romulus dem Volke »och so viel Ansehen vorbehalten haben, so hatte er die Familien desselben doch in verschicdnen Dingen von den Pa- tricien abhangig gemacht, und diese Abhängigkeit einer Familie von der andern/ die zur königlichen Regierung nothwendig war, war nicht allein unter den Könige»/ sondern auch in der Republik beybehalten worden. in die allgemeine Geschichte. 567 worden. Man wählte aus den Patricien die Mitglieder des Senates. Den Patricien gehörten alle Aemter, Befehlhaberstellen, die Würden, und selbst das Priesterthum zu, und die Aeltesten, oder Väter, welche die Urheber der Freyheit gewesen waren, gaben ihre Vorzüge niemals auf. Allein der Neid regte sich gar bald unter diesen beyden Abtheilungen. Ich habe hier nicht nöthig von den römischen Rittern zu reden, von dieser dritten Abtheilung,die zwischen den Patricien und dem gemeinen Volke das Mittel war, und sich bald auf diese, bald auf jene Seite schlug. Unter diesen beyden Abtheilungen, sage ich,regte sich der Neid; er wurde bey verschiednen Gelegenheiten crweckt,allein seine vornehmste und verborgne Ursache war die Liebe zur Freyheit. - Die Grundseule der Republik war diese, daß man die Freyheit als etwas ansah, das von dem römischen Namen unzertrennlich wäre. Ein Volk, das in diesen Gedanken erzogen war, ich will noch mehr sagen, ein' Volk, das gebohren zu seyn glaubte, über andre Völker zu herrschen, und das Virgil daher auf eine so edle Weise ein königliches Volk nennt, wollte keinen König, als von sich selbst annehmen. Das Ansehen des Senates wurde zur Ordnung der öffentlichen Berathschlagungcn für nothwendig gehalten, die ohne ihn allzuunruhig und unordentlich gewesen seyn würden.Allein imGrundc hatte dasVolk dieMacht, Befehle zu ertheilen, Gesetze zu geben, und Krieg und Frieden zu beschließen. Ein Volk, das den Gebrauch der wesentlichsten Rechte der königlichen Würde hatte, besaß auf eine gewisse Art etwas von der Gemüths- N n 4 arr 56^ Bischof Bossuets Einleitung art der Könige. Der Senat sollte ihm wohl Rathfchlä- ge geben, aber er sollte es nicht zwingen. Alles was ihm allzu herrschsüchtig vorkam, was sich über die andern erhob, mit einem Worte, was der Gleichheit, die in einem freyen Staate erfodert wird, beleidigte, oder zu beleidigen schien, alles das kam diesem so zärtlichen Volke verdachtig vor. Die Liebe zur Freyheit, die Begierde nach Ehre und Eroberungen, machten, daß diese Gemüther schwer zu lenken waren, und die Kühnheit, mit welcher sie von außen alles unternahmen, mußte nothwendig einmal innerliche Zwistigkei- ten erwecken. Es entstund also in Rom, das so sehr auf seine Freyheit hielt, durch eben diese Liebe zur Freyheit die Zwietracht in allen Ständen, woraus die Republik bestund. Daher kam der wütende Neid zwischen dem Senate und dem Volke, den Plcbejen und Patricken; diese führten beständig zu ihrer Rechtfertigung «m, daß eine ungebundne Freyheit sich endlich selbst zerstört, und die andern befürchteten im Gegentheile, daß das Ansehen, das seiner Natur nach beständig zunimmt, sich endlich in Tyrannen verwandeln möchte. Unter diesen beyden Ausschweifungen konnte ein sonst so weises Volk das Mittel nicht treffen. Der Eigennutzen, der auf der einen oder andern Seite Ursache ist, daß man selbst dasjenige, was man zum gemeinen Besten angefangen hat, weiter treibt, als man sollte, dieser Eigennützen, sage ich, ließ nicht zu, daß man bey gemäßigten Rathschlägen blieb. Die hochmütigen Geister, die ihr Vergnügen daran fanden, wenn sie alles in Bewegung setzen konnten, erweckten den in die allgemeine Geschichte. 569 den Neid unter beyden, und machten sich denselben zu Nutze, und dieser Neid, der bald verborgner, bald nach den Umständen der Zeit offenbarer, allezeit aber in den Herzen der Römer lebendig war, hat endlich die große Veränderung verursacht, die zu den Zeiten des Cäsar, und in den nachfolgenden sich zugetragen hat. OOOOOOGGOOOOGOOOOOOGOO Vm der Folge der Veränderungen der ro* mischen Republik. ie werden, Msnseigneur, alle Ursachen von allen diesen Veränderungen entdecken, wenn sie mit der Einsicht in die Gemüthsart der Römer und in die Verfassung der Republik sich Mühe geben, eine gewisse Anzahl der vornehmsten Erfolge zu bemerken, die, ob sie sich gleich in sehr von einander entfernten Zeiten zugetragen haben, doch sehr genau mit einander verbunden sind. Ich habe sie zusammengefaßt, damit sie desto leichter zu übersehen seyn mögen. Romulus, der im Kriege erzogen war und für einen Sohn des Mars gehalten wurde, baute Rom , welches er mit zusammengerafften Gesindel, mit Hirten, Sklaven, und Dieben bevölkerte, welche die Sicherheit und Befreyung von der verdienten Strafe in der Freystatt suchten, die allen Ankommenden offen stund; mit diesen kamen aber auch einige, welche besser und edler waren. Nn 5 Er 570 Bischof Bossuets Einleitung Er unterhielt dieses wilde Volk, in der Neigung, alles mit Gewalt zu unternehmen, und sie erhielten sogar durch dieses Mittel ihre Weiber. Nach und nach führte er Ordnung unter ihnen ein, vion.ttal.il. und setzte diesen Gemüthern durch sehr ehrwürdige Gesetze ihre Schranken. Er sing bey der Religion an, die er als den Grund aller Staaten ansah. Er richtete sie so ernsthaft, maisstatisch, und bescheiden ein, als es die Finsternisse der Abgötterey zulasien wollten. Die fremden Religionen und Opfer, welche nicht durch die römischen Gebrauche eingeführt waren, wurden verboten. In den folgenden Zeiten machte man sich von diesen: Gesetze los; allein eö war doch der Wille der Römer, daß eö gehalten werden sollte, und man behielt allezeit etwas davon. Er suchte unter den: ganzen Volke die Besten aus, die Versammlung aus ihnen aufzurichten, die er den Senat nannte. Er nahm zweyhundert zu seinen Mitgliedern/ deren Anzahl nachher noch mehr vermehrt wurde, und von ihnen kamen die edlen Familien her, welche die Patricienfamilien genannt wurden. Die andern hießen die plebejen, oder das gemeine Volk. Der Senat hatte alle Angelegenheiten zu besorgen und vorzutragen; einige machte er nebst dem Könige mit einer unumschränkten Gewalt aus; allein die allermeisten wurden an das Volk gebracht, welches darüber entscheiden mußte. Romulus wurde in einer Versammlung, wo ein plötzlicher Sturm entstund, von den Herren des Senats in Stücken zerhauen, weil er ihnen allzuherrscherisch vorkam, und die Neigung zur Ununterwürfigkeit fing schon damals in dieser Versammlung an, sich zu zeige:,. Damit in die allgemeine Geschichte. 571 Damit sie das Volk, welches seinen Prinzen liebte, besänftigen, und ihm eine große Meynung von seinem Stifter beybringen möchten, so machten sie bekannt/ daß ihn die Götter in den Himmel erhoben hätten, und ließen ihm Altare bauen. Numa Pompilius brachte in einem langen Frieden die Verbesserung der römischen Sitten und die Einrichtung der Religion zu Stande, die er auf eben dieselben Gründe baute,die Romulus vor ihm gelegt hatte. Tullus Hostilius richtete durch strenge Verordnungen die Kriegszucht und die Gebräuche und Ordnungen bey dem Kriege ein, die sein Nachfolger Ancus Martins mit heiligen Ceremonien begleitete, die Miliz zu heiligen und mit der Religion zu verbinden. Nach ihm vermehrte Tarquiniuö, der Alte, um sich Anhänger zu machen, die Anzahl der Senatoren bis auf dreyhundert; diese Anzahl blieb verschiedne Jahrhunderte nach einander unvermehrt, und er sing die grossen Werke an, welche zur öffentlichen Bequemlichkeit dienen sollten. Servius Tullius entwarf die Aufrichtung einer Republik unter einer jahrlichen Regierung zwoer obrigkeitlichen Personen, die vom Volke erwählt werden sollten. Aus Haß gegen denTarquin,denHochmüthigen,wur- de die königliche Würde mit schrecklichen Verfluchungen derjenigen abgeschafft, welche sich iemals unterstehen würden, dieselbe wiederherzustellen, und Brutus ließ das Volk schwören, daß es seine Freyheit ewig beschützen wollte. Man folgte den Nachrichten von dem Entwürfe des Servius Tullius bey dieser Vcränderung.Die Consuln, welche durch das Volk aus den Patricien erwählt wurden. 572 Bischof Bossuets Einleitung den, wurden den Königen gleichgeachtet, ausgenommen, daß ihrer zween waren, und eine Vorschrift hatten, wie sie regieren sollten, und daß sie alle Jahre von derRe- gierung abgiengen. Collatin, welchen man mit dem Brutus zum Con- sul ernannt hatte, weil er mit ihm der Stifter der Freyheit gewesen war, wurde verdachtig und verwiesen , weil er aus der königlichen Familie herstamm- re, ob er gleich, als der Gemahl der iucretia, mehr als alle andre an der Rache wegen der Beleidigung, die ihr angethan worden, Antheil nahm. Valerius wurde an seiner Stelle Consul. Nach, dem er sein Vaterland von den Vejentern und Hetru- riern befrcyt hatte, gerieth er bey dem Volke in den Verdacht, daß er nach der obersten Herrschaft strebte, weil er ein Haus auf einer Höhe baute. Er hörte nicht allein auf zu bauen, sondern wendete sich ganz auf die Seite des Volkes, ob er gleich ein PatriciuS war; er gab das Gesetz, nach welchem man an das Volk appelliren durfte, und gestattete ihm in gewissen Fällen den endlichen Ausspruch zu thun. Durch dieses neue Gesetz wurde die Gewalt der Consuln gleich in ihrem Anfange geschwächt, und das Volk erstreckte seine Rechte noch weiter, als vorher. Bey Gelegenheit der Bedrängnisse, welche die Reichen gegen die Armen,die ihre Schuldner waren, verübten, empörte sich das Volk gegen die Gewalt derConsuln und des Senates, und zog sich, wie bekannt ist, auf den aventinischen Berg. Es wurde von nichts als von der Freyheit in diesen Versammlungen geredet, und das römische Volk hielt sich nicht für frey, wenn es nicht gesetzmäßige Mittel hätte, dem Senate zu widerstehen. Man wurde in die allgemeine Geschichte. 57z wurde gezwungen, ihm eigne obrigkeitliche Personen zu geben, welche Tribunen des Volkes hießen, und dasselbe zusammen berufen und ihm wider die Gemalt der Consuln beystehen könnten, indem sie sich ihnen entweder widersetzten, oder wider ihr Verfahren appellirten. Diese Tribunen unterhielten, um sich ein Ansehen zu machen, die Uneinigkeit zwischen den beyden Abtheilungen der Stadt, und hörten nicht auf, dem Volke zu schmeicheln, indem sie ihm den Vorschlag thaten, daß die eroberten Länder, oder das Geld, wofür sie verkauft würden, unter die Bürger getheilt werden sollten. Der Senat widersetzte sich diesen Gesetzen beständig, welche dem Staate nachtheilig waren, und wollte haben, daß der Werth der Eroberungen in den öffentlichen Schatz kommen sollte. Das Volk ließ sich durch seine aufrührerischen Tribunen führen, und behielt doch Billigkeit genug, den Muth der großen Männer zu bewundern, die ihnen widerstunden. Wider diese innerlichen Uneinigkeiten wußte der Senat kein beßres Mittel, als bestandig Gelegenheiten zu fremden auswärtigen Kriegen entstehen zu last sen. Sie verhinderten dadurch so viel, daß die Uneinigkeiten nicht aufdas Aeußerste getrieben werden konnten, und vereinigten die zwistigen Partheyen zur Beschützung ihres Vaterlandes. Unterdessen daß die Kriege glücklich von statten gehen, und die Eroberungen sich vermehren, regt sich der Neid wiederum. Die beyden Partheyen, welche bey diesen Zwistig- keiten ermüden, die dem Sraare mit seinem Unter- gange 574 BischofBossuets Einleitung gange drohen, werden über Gesetze einig, wodurch die Ruhe auf beyden Seiten hergestellt, und die Gleichheit in einer freyen Stadt erhalten werden soll. Jede von diesen Partheyen eignet sich die Gewalt zu, diese Gesetze zu geben. Die Eifersucht, welche durch diese Ansprüche vermehrt wird, macht, daß man einmüthig eine Gesandtschaft nach Griechenland zu senden beschließt, die Verfassungen der Städte dieses Landes, und vornehmlich die Verordnungen des Solon aufzusuchen, welche das Volk am meisten begünstigten. Die Gesetze der zwölf Tafeln werden angenommen, und die Zehnmänner, die sie in Ordnung brachten, ihrer Macht beraubt, weil sie dieselbe misbrauchten. Unterdessen daß alles ruhig zu seyn scheint, und man glauben sollte, daß so billige Gesetze die öffentliche Ruhe auf ewig hergestellt hatten, werden die Uneinigkeiten durch neue Foderungen des Volkes wieder angefacht, das nach den Aemtern und nachdem Consulate strebt, das bis Hieher den Familien der Patricier» vorbehalten gewesen war. Das Gesetz, sie dazu zuzulassen, wird in Vorschlag gebracht. Ehe die Väter des Rathes die Würde des Consulates erniedrigen wollen, willigen sie lieber in die Aufrichtung von drey neuen obrigkeitlichen Würden, die unter dem Namen der Kriegstribunen das Ansehen der Consuln haben sollen, und das Volk wird zu dieser Würde zugelassen. Es ist zufrieden, sein Recht behauptet zu haben, und bedient sich seines Sieges mit vieler Mäßigung, und fährt eine Zeitlang fort, den Patricien allein die Regierung zu überlassen. Nach in die allgemeine Geschichte. 575 Nach vielen Streitigkeiten kömmt man wieder auf das Consulat, und nach und nach werden alle Ehren- stcllen den purricien und plebejen gemein, obgleich bey den Wahlen allezeit noch besonders auf die Vornehmen gesehen wird. Die Kriege gehen fort, und die Römer unterwerfen sich nach fünfhundert Jahren die diesseitigen Gal- ^p?. ?5»f. lier, ihre vornehmsten Feinde, und ganz Italien. °e« Nunmehr fangen die punischen Kriege an, und die Sachen gehen so weit, daß iedes von diesen eifersüchtigen Völkern ohne den Untergang des andern nicht sicher zu seyn glaubt. Rom,das beynahe hätte unterliegen müssen,erhält sich in seinem Unglücke vornehmlich durch die Sündhaftigkeit und Weisheit des Senates. Endlich besiegt die Gedult der Römer alles; Hannibal wird überwunden, und Carthago vom Sci- pio AfricanuS unter das Joch gebracht. Das sieghafte Rom erstreckt binnen zweyhundert Jahren zu Wasser und zu Lande seine Eroberungen erstaunlich weit, und bringt beynahe den ganzen Erdkreis unter seine Gewalt. Um diese Zeit und nach dem Untergange der Republik Carthago bewarb man sich um die Aemter, deren Würde und Nutzen immer mehr zunahm, mit einem Eiser, der nicht weit von einer Art von Raserey entfernt war. Die Hochmüthigen, welche sich darum bewarben, dachten nur, wie sie dem Volke schmeicheln wollten. Die Eintracht zwischen dem Senate und dem Volke, welche durch die Beschaffn- gung mit den punischen Kriegen erhalten worden war, wurde mehr als iemals gestört. Die Gracchen brachten 576 Bischof Bossuets Einleitung ten alles in Verwirrung, und ihre aufrührerischen Vorschläge waren der Anfang zu allen bürgerlichen Krie- gen. Veil.psrerc. Dazumal fing man an, Waffen zu tragen , und in den Versammlungen des römischen Volkes Gewalt zu brauchen, wo vorher sonst ein ieder durch rechtmäßige Wege und durch die Freyheit der Stimmen die Oberhand behalten wollte. Die weise Aufführung des Senates, und die Krie- ge, die dazwischen kamen, mäßigten die Streitigkeiten. Marius, der aus einer Familie des Volkes ab- stammte, ein großer KricgsmanN/erweckte mit seiner soldatischenBeredtsamkeit, und mit seinenReden, in welchen er den Hochmuth des Adels beständig angriff, die Eifersucht des Volkes, und erhub sich dadurch zu den größten Würden. Sylla, ein Patricius, stellte sich an die Spitze der Gegcnvarthey, und wurde der Gegenstand der Eifersucht des Marius. Man macht sich Partheyen, und durch die Bestechung vermag man alles in Rom. Die Liebe zum Vaterlande und die Ehrfurcht gegen die Gesetze verschwinden. Zum größten Unglücke lehren die asiatischen Kriege die Römer die Schwelgerey, und vermehren ih^ ren Geiz. Um diese Zeiten fingen die Feldherren an, die Soldaten aufihre Seite zu bringen,die zeither nur den Charakter des öffentlichen Ansehens an ihnen verehrt hatten. Sylla ließ in dem milhridatischen Kriege zu, daß sich seine Soldaten bereicherten, damit sie auf seiner Seite seyn möchten. Ma- in die allgemeine Geschichte. 577 Marius schlug hingegen seinen Anhängern die Theilung des Geldes und der Länder vor. Durch diese Mittel machten sie sich zu Herren über die Kriegsvölkev, vereine, unter dem Verwände, den Senat zu unrerstühcn, und der andre, unter dein Namen des Volkes, und sie führten also selbst in den Ringmauern der Stadt einen wütenden bürgerlichen Krieg. Die Parthey des Marius und des Volkes wurde ganz niedergeschlagen, und Sylla machte sich unter dem Namen eines Dictators zu einen, unumschränkten Herrn in Rom. >Es war schrecklich, wie viele er hinrichten ließ, unv wie hart er dem, Volke sowohl mit Worten als mit Thaten so gar in ihren rechtmäßigen Versammlungen begegnete. ' ' ' Da er am mächtigsten und seiner Herrschaft am gewissesten war, begab er sich selbst von freyen Stücken zum Privatleben'; allein er hatte Ooch gezeigt, daß die Römer einen Herrn leiden könnten. Pompejus, den Sylla erzogen hatte, folgte ihm gwßcntheils in dem Besitze seiner Macht nach. Er schneichelte bald dem Volke, bald dem Senate, um sich emporzuschwingen; allein seine Neigung und sein Vortheil waren endlich Ursache, daß er sich zu der lehren Parthey schlug. Nachdem er die Seeräuber, Spanien, und dett gcinzm Orient überwunden hatte, vermochte er in der Republik, und vornehmlich im Senate alles. ^ Cäsar, der ihm zum wenigsten^gleich seyn wollte, schlug sich auf die Seite des Volkes, und that es in seinem Consulats den Tribunen nach, die am meisten O 0 auf- 578 Bischof Bossmts Einleitung aufrührisch gewesen waren. Er schlug nebst der Theilung der Länder solcher Gesetze, die dem Volke schmeicheln konnten , so viele vor, als er erfinden konnte. Die Eroberung von Gallien erhub den Ruhm, und die Gewalt des Cäsar ungemein. Poinpejus und er vereinigen sich aus Eigennutz, und veruneinigen sich hernach, weil sie eifersüchtig auf einander sind. Der bürgerliche Krieg cntumdct sich.Pom- pcjuö glaubt, daß sein Name allein alles unterstützen werde, und ist nachläßig. Cäsar unternimmt mehr und ist vorsichtiger; er trägt den Sieg davon, und macht sich zum Herrn. Er versucht es zu verschiednenmalcn, um zu sehen, ob die. Römer den Namen eines Königes leiden mögen. Allein alle seine Versuche machen ihn nur verhaßt. Der Senat erkennt ihm Ehrenbezeugungen zu, die bis dahin in Rom unerhört gewesen waren, damit der öffentliche Haß zunehmen sollte, so daß er endlich im ganzen Senate, als ein Tyrann, ermordet wurde. Antonius, einer von seinen Creaturen, welcher um dieseZeit gleichConsul war,brachte das Volk wider diejenigen auf, die ihn umgebracht hatten; er suchte sich diese Uneinigkeiten zu Nutze zu machen / und die unumschränkte Gewalt an sich zu ziehen. Lepidus, der unter dem Cäsar auch viel zu befehlen gehabt hatte, suchte ihn zu unterstützen. Endlich unterfing sich der junge Cäsar in seinem neunzehnten Jahre, den Tod seines Vaters zu rächen, und suchte Gelegenheit, ihm in seiner Gewalt nachzufolgen. Er wußte sich zu seinem Vortheile selbst seiner Feinde , und so gar seiner Nebenbuhler zu bedienen. in die allgemeine Geschichte. 579 Die Kriegsvölker seines Vaters ergaben sich ihm, die sowohl von dem Namen Cäsar, als von seinen erstaunlichen Geschenken eingenommen wurden, die er an sie verschwendete. Der Senat vermag nichts mehr; die Macht und die Soldaten vermögen alles, die sich demjenigen überlassen, der ihnen am meisten giebt. In diesen unglücklichenUmständen schlug dasTrium- virat in Rom alle diejenigen nieder, welch.' noch mu- thig genug waren, sich der Tyranney zu widersetzen. Cäsar und Antonius schlugen den Brutus und Caßius; die Freyheit starb mit ihnen beyden. Nachdem die Uebenpinder sich auch den ohnmächtigen Lepidus unterworfen hatten, so giengen sie verschiedne Verträge und Theilungen ein , wo Cäsar, als der Listigste, allezeit den besten Theil erhielt, und, indem er Rom in seinen Vortheil einflocht, die Oberhand gewann. An- tonius wollte sich wieder erheben; aber vergebens, und die Seeschlacht bey Actium unterwarf das ganze Reich- der Gewalt des Cäsar Augustus. Rom, welches durch so viele Kriege ermüdet und erschöpft worden war, wurde gezwungen, seiner Freyheit zu entsagen, damit es nur einmal der Ruhe gemessen möchte. Die Familie der Cäsarn übt eine unumschränkte Gewalt aus, indem sie sich unter dem Namen der Imperatoren die völlige Macht über die Armeen zueignet. Rom suchte sich unter den Kaisern mehr zu behaupten, als auszubreiten, und alle seine Eroberungen hatten die Absicht, die Barbaren zu entfernen, welche in das Reich einbrechen wollten. S s 2 Nach 580 Bischof Bofsuets Einleitung Nach dem Tode des Caligula hätte der Senat die Freyheit und die consularische Negierung beynahe wiederhergestellt, wenn er nicht durch die KriegSvolker daran verhindert worden wäre, welche eil, beständiqcs Oberhaupt verlangten, das eine uneingeschränkte Macht haben sollte. Wahrend den Empörungen, welche die Gewaltthätigkeiten des Nero verursachten, erwählte sich eine iede Armee einen Kaiser, und die Soldaten lernen einsehen, daß es auf sie ankömmt, wer herrschen soll. Sie schweifen so weit aus, daß sie die oberste Gewalt so gar öffentlich feilbieten, und sich darangewöhnen , das Joch abzuwerfen. Mit dem Gehorsame geht die Kriegszucht ein. Die guten Prinzen geben sich vergebliche Mühe, sie zu erhalten, und ihr Eifer, die alten Ordnungen der römischen Mili^ zu behaupten, seßt sie nur der Wut der Soldaten bloß. Indem sie mit den Kaisern solche Veränderungen vornehme»/und eine iede Armee einen machen will, so kommen daher bürgerliche Kriege, in welchen erstaunlich viel Blut vergossen wird. Auf diese Weise wird das Reich durch die Nacb- läßigkeit der KriegSzucht entkräftet, und durch die innerlichen Kriege ganz erschöpfet. Mitten unter so vielen Unordnungen nimmt die Ehrfurcht vor dem römischen Namen und seine Majestät ab.Dic so oft überwundnen Parther werdendem Reiche vom Morgen her furchtbar, und zwar unter dem alten Namen der Perser, den sie wieder annehmen. Die mitternächtlichen Nationen, welche kalte und unfruchtbare Länder bewohnten, wurden durch die Schön- in die allgemeine Geschichte. 581 heit und Reichthümer des römischen Reiches herbey' gezogen, und suchten von allen Seiten her einzubrechen. Ein einziger Mensch war allein nicht mehr im Stande, die Last eines so großen Reiches zu ertragen, welches so stark angegriffen wurde. Die erstaunliche Menge von Kriege,!/ und die Gemüthsart der Soldaten^ welche an ihrer Spiße ^j ül- perv.torcn und Casin n sehen wollten, macht es zu einer Nothwendigkeit, ihre Zahl zu vermehren. Da das Reich selbst als ein Erbgut angesehen wurde, so vermehrten sich die Beherrscher nothwendig durch die Menge der Kinder, welche die Prinzen zeugen. MarcuS AureliuS nimmt seinen Bruder zum Mit- rcgenten des Reiches an. Scvcrus macht seine beyden Kinder zu Imperatoren. Die verdrießlichen Umstände, worinnen die Angelegenheiten des Reiches sind, nöthigen den Diocletian, den Orient und den Occident unter sich lind den Maximian zu theilen; ie- der von ihnen erleichterte sich die Last, womit sie allzusehr beschwert waren, indem sie zween Casarn erwählten. Durch diese Menge von Imperatoren und Cäsarn wurde der Staat mit einem erstaunlichen Aufwands beschwert; das Reich wurde zertheilt, und die bürgerlichen Kriege vermehrten sich. Constantin, ein Sohn des Imperator Constantiuö Chlorus, theilte das Reich, wie ein Erbe, unter seine Kinder; die Nachkommen folgten diesem Beyspiele, und seit der Zeit sah man fast keinen mehr, der alle Macht allein besessen hätte. Die 582 Bischof Bossuets Einleitung Die Weichlichkeit des Honorius, und Valenti- nianS des III. der Kaiser im Occidente, war Ursache, daß alles verlohrcn gieng. Italien und Rom selbst wurden zu verschiednen malen geplündert, und ein Raub der Barbaren. Der ganze Occident war ihnen preis gegeben. Africa wurde von den Vandalen, Spanien von Visi- gothen, Gallien von den Franken, Großbritannien von den Sachsen, Rom und Italien selbst von den Herulern und hernach von deyOstrogothen eingenomen. Die römischen Kaiser begnügten sich mit dem Oriente, und gaben das Uebrige.Rom selbst und Italien ganz auf. Das Reich erholte sich unter dem Iustinian durch die Tapferkeit des VelisariuS und Narses wieder. Die Saracenen wurden dnrch die Uneinigkeiten ihrer Nachbaren mächtig; dieNachlaßigkeit der Kaiser war Ursache, daß sie ihnen den größten Theil des Orientes wegnahmen, und ihnen auf dieser Seite so viel zu schaffen machten, daß sie nicht mehr an Italien dachten. Die Lombarden nahmen daselbst die schönsten und reichsten Provinzen ein. Rom wurde in die äussersten Umstände gebracht, weil cS so oft angegriffen wurde, und da es aus dein Oriente keine Hülfe zu hoffen hatte, so wurde es gezwungen, sich in die Arme der Franzosen zu werfen. Pipin, der König in Frankreich, gieng über die Alpen und bändigte die Lombarden. Nachdem Carl, der Große, ihrer Herrschaft ein Ende gemacht hatte, so ließ er sich zum Könige von Italien krönen, wo seine Mäßigung allein Ursache war, daß die Nachfolger der Kaiser noch einigen geringen Antheil daran hatten. Im achthundcrtcn Jahre unsers Heilandes wurde er zum römischen Kaiser erwählt und stiftete ein neues Kaiserthum. in die allgemeine Geschichte. 58z Es wird ihnen nunmehr leicht seyn, N7onfti- gneur, die Ursachen von der Größe und dem Falle de6 römischen Reiches einzusehen. Sie sehen, daß dieser Staat,welcher sich ausdenKrieg gründete, und seiner Natur nach fähig war, wider alle seine Nachbaren etwas zu unternehmen, den ganzen Erdkreis unter sein Joch gezwungen hat, weil die Staatskunst und die Kriegswissenschaft in demselben auf den höchsten Gipfel gebracht worden sind. Sie sehen die Ursachen der Uneinigkeiten in der Republik und ihres Falls in dem Neide ihrer Bürger, und in der Liebe der Freyheit, welche ausschweifte, und in eine Unleidlichkeit ausartete,welche gar keine Unterwürfigkeit ertragen wollte. Es kann ihnen nun nicht mehr schwer seyn, die ver- schiednen Zeltender Republik zu unterscheiden, sie mögen sie nun entweder für sich selbst oder in Absicht auf andre Völker betrachten, und sie sehen die Veränderung, die aus der Einrichtung der öffentlichen Angelegenheiten einer ieben Zeit erfolgen mußte. Was die Verfassung der Republik selbst anbelangt, so haben sie dieselbe in ihrem monarchischen Zustande und mit ihren ersten Gesetzen, hernach in ihrer Freyheit, und endlich wiederum, als einen monarchischen Staat gesehen, worein sie durch die Macht und Gewalt gebracht worden ist. Sie können leicht begreifen, wie die Römer ein freyes Volk geworden sind, und wie schon zu den Zeiten der königlichen Regierung der Grund dazu gelegt wurde; mit einer eben so großen Deutlichkeit sehen sie, wie man selbst zu den Zeiten der Freyheit nach und nach wieder den Grund zu einer neuen Monarchie legte. O 0 4 Denn Z84 Bischof Bossuets Einleitung Denn eben so, wie sie den Entwurf einer Republik gesehen haben, den ServiuS Tullius zu den Zeiten der Monarchie machte, und der dem römischen'Volke den ersten Geschmack von der Freyheitgab: Ebenso haben sie angemerket, wie die Tnranney des Sylla, ob sie gleich nur eine kurzeZeit wahrte, offenbar zeigte, daß Rom, ungeachtet seines Muthes, seine Freyheit zu behaupten, ebenfalls fähig war, das Joch zu tragen, das e6 andern Völkern aufgelegt hatte. Wenn sie wissen wollen, was die wütende Eifersucht unter den verschiednen Standen der Römer ver-> ursacht ha^ so dürfen sie nur die Zeiten unterscheiden, die ich ausdrücklich bemerket habe; die Zeit, worin- pen das Volk durch die Gefahren, welche es allenthalben umgaben, in seinen Schranken gehalten wurde, und diejenige Zeit, wo es sich ohne Aufenthalt seinen Leidenschaften überließ, weil es von außen nichts znehr zu befürchten hatte. Der wesentliche Charakter beyder Zeiten ist dieser, daß in der einen die iiebe zum Vaterlande und die Ehrfurcht gegen die Gesetze die Gemüther zurückhielt, und in der andern alles durch den Eigennutz und die Gewalt entschieden wurde. Hieraus folgte, daß in der ersten Zeit diejenigen, die zu befehlen hatten, und durch rechtmäßige Mittel nach den Ehrenstellen trachteten, die Soldaten aus Pflicht imZaume und in derLiebe undEhrfurcht gegen die Republik erhielten; da hingegen in der andern Zeit, wo die Gewalt alles vermochte, die Feldherren auf nichts dachten, als wie sie die Soldaten schonen, und dahin bringen möchten, Antheil an ihren Anschlägen wider hen Senat zu nehmen. Dieser in die allgemeine Geschichte. 585 Dieser letzte Zustand machte den Krieg in Rom nothwendig, und weil in dem Kriege, wo die Gesetze nichts mehr vermögen, die Gewalt allein alles entscheidet, so mußte endlich der Mächtigste allezeit Herr bleiben, und folglich das Reich wieder unter die Gewalt eines einzigen Beherrschers zurückkehren. Es schickte sich auch alles so von sich selbst dazu an, so daß Polybius, welcher in den besten Zeiten der Republik gelebt hat,bloß aus der Beschaffenheit aller öffentlichen Angelegenheiten voraussah, daß der römische Staat endlich wieder eine Monarchie werden würde. Die Ursache dieser Veränderung ist leicht zu finden. Die Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Standen der Römer konnte nicht anders, als durch die Macht eines unumschränkten Herrn unterdrückt werden, und die Freyheit wurde doch allzusehr geliebt, als daß man sie freywillig hätte aufgeben sollen. Sie mußte also nach und nach unter allerley scheinbaren Vorwendungen geschwächt, und dadurch in den Zustand gebracht werden, wo sie endlich durch die offenbare Gewalt zerstört wurde. Der Bctrua, mußte, wie Aristoteles sagt, den Anfang machen, dem Volke zu schmeicheln, und die Gewalt mußte nothwendig auf ihn folgen. Der römische Staat konnte noch ein andres Uebel schwerlich vermeiden, und dieses war die Macht der Soldaten. In der That, diese Monarchie, welcke die Casarn gründeten, indem sie sich mit den Waffen zu dieser Würde erhuben, gründete sich ganz auf die Soldaten; darum erhielten die Kaiser auch den Namen der Imperatoren, ein Name, welcher der Herrschaft über die Armeen eigen und natürlich ist. O 0 5 Hier- 586 Bischof Bossuets Einleitung Hieraus können sie sehen, Monseigneur, daß, wie die unvermeidliche Schwache der Republik in der Eifersucht zwischen dem Volke und dem Senate bestund, also auch die Monarchie der Cäsarn ihre UnVollkommenheit hatte, und diese bestund inderUngebundenheit der Soldaten, von denen sie dazu gemacht worden waren. Denn es war nicht möglich, daß die Soldaten, welche die ganze Regierungsform geändert, und die Kaiser eingesetzt hatten, nicht bald hätten einsehen sollen, daß sie es wären, die mit dem Reiche schalten und walten könnten, wie sie wollten. Sie können zu diesen Zeiten, die sie ißt betrachtet haben, noch diejenigen hinzusetzen, welche den Zustand und die Veränderungen der Miliz betreffen, die Zeit, wo sie dem Senate und dem römischen Volke unterwürfig und ergeben ist, diejenige, wo sie sich den Feldherren ergiebt, diejenige, wo sie dieselben zu unumschränkten Herren unter den militärischen Titel der Imperatoren erhebt; diejenige Zeit, wo sie gewissermaßen selbst mit ihren eignenJmperatoren umgieng, wie sie wollte, und sie nach ihrem Dünkel bald absetzte, bald einsetzte. Hieraus entstunden ihre ungezähm- te Freyheit, ihre Empörungen, und die Kriege, die wir betrachtet haben, und endlich mit dem Ruine der Miliz der Untergang des ganzen Reiches. Das sind die merkwürdigen Zeiten, welche uns die Veränderungen des römischen Staates, an sich selbst betrachtet, bezeichnen. Diejenigen, welche sein Verhältniß gegen andre Völker angehen, sind eben so leicht zu unterscheiden. Es giebt eine Zeit, wo Rom mit seines gleichen streitet, und wo es selbst in Gefahr ist. Diese Zeit begreift etwa fünfhundert Jahre, und endigt sich mit dem in. die allgemeine Geschichte. 587 dem Ruine der Gallier in Italien und der Republik Carthago in Africa. In der Zeit, wo Rom streitet, ist es stets stark und außer aller Gefahr, so groß auch die Kriege seyn mögen, die es unternimmt. Diese Zeit währt 2^0 Jahre, und geht bis auf die neue Einrichtung des Reiches unter den Cäs^rn. Hierauf kömmt die Zeit, wo es sein Reich, und seine Majestät erhält. Sie währt 400 Jahre, und endigt sich mit dem Reiche TheodosiuS, des Großen. Die Zeit/ wo das römische Reich von. allen Seiten her angegriffen wird, und nach und nach verfällt, währt auch 4QN Jahre, fängt mit der Regierung der Kinder des TheodosiuS an, und endigt sich mit dem Anfange der Regierung Kaiser Carls, des Großen. Ich weis wohl, Monseigneur, daß man zu den Ursachen des Unterganges des römischen Reiches noch viele besondre Umstände hinzusetzen kann. Die Härte der Glaubiger gegen ihre Schuldner hat öftere und große Empörungen verursacht. Die erstaunliche Menge der Fechter und Sklaven, womit Rom und Italien überladen war, sind an erschrecklichen Gewaltthätigkeiten und selbst sehr blutigen Kriegen Schuld gewesen. Rom, welches durch so viele einheimische und fremde Kriege erschöpft wurde, machte, theils durch Rotten, theils durch Recht so viele neue Bürger, daß es sich kaum selbst mehr erkennen konnte, so vielen Fremden hatte es das Bürgerrecht gegeben. Der Senat wurde mit Barbaren angefüllt; das römische Blut wurde vermischt; die Liebe zum Vaterlande, wodurch sich Rom über alle andern Völker erhoben hatte, war denen Bürgern, die aus Fremden dazu geworden waren, nicht natürlich, und die andern verderbten ihr römisches 588 Bischof Bossuets Einleitung römisches Blut durch dieVermischung mitdcnFremden. DiePartheylichkeiten vermehrte» sich durch die erstaunliche Menge neuer Bürger, lind die unruhigen Gemüther fanden dadurch neue Mittel, alles in Unordnung zubringen und alles zu unternehmen» Unterdessen nahm die Anzahl der Armen durch die Verschwendung, durch die Schwelgerey, und durch den Müßiggang immer ^u. Diejenige», welche verarmt waren, wußten sich nicht besser zu helfen, als, durch Empörungen, und allenfalls bekümmerten sie sich wenig darum, wenn nach ihrem Untergange alles andre auch verlohren gienge. Sie wissen, daß dieses die Ursache an der Catilinarischen Verschwörung war. Die hochmüthigen Großen und die Unglücklichen, die nichts zu verlieren haben, lieben die Veränderung. Diese beyden Gattungen von Bürgern hatten in Rom die Oberhand, und da der Mittelstand, der bey allen freyen Völkern das Gleichgewichte halten muß/ allzuschwach war, so mußte die Republik nothwendig fallen. Man kann dazu noch die besondre Gesinnung und den eignen Charakter derjenigen hinzusehen, welche alle große Veränderungen verursacht haben; ich meyne die Gracchen, den Marius, den Sylla, den Pom- pejus, den Julius Cäsar, den AntoniuS, und den Au- gustus. Ich habe etwas davon angemerkt; allein ich habe mich vornehmlich bemüht,Jhnen,Monftigneur, die allgemeine» Ursachen, und die wahren Wurzeln des ganzen Uebels, nämlich die Eifersucht unter beyden römischen Ständen zu zeigen, weil ihnen die Betrachtung aller dieser Folgen am wichtigsten seyn mußte. Allein in die allgemeine Geschichte, 589 Allem erinnern sie sich, Monsticsneur, daß diese lange Reihe und Verbindung der besondern Ursachen, welche an der Größe und dem Untergange der Reiche Schuld sind, von den geheimen Einrichtungen der göttlichen Vorsehung abhängen. Gott halt im Himmel die Ruder aller Reiche; er hat alle Herzen in seiner Gewalt; bald halt er die Leidenschaften zurück^ bald läßt er ihnen den Zügel los, und dadurch bewegt er das ganze menschliche Geschlecht. Will er Eroberer machen? So läßt er das Schrecken vor ihnen vorhergehen, und giebt ihnen und ihren Soldaten eine unüberwindliche Kühnheit. Will er Gesetzgeber schaffen? Er sendet ihnen seinen weisen und weit auesehenden Geist; er laßt sie den Uebeln vorbeugen, die die Staaten bedrohen, und die Gründe zu der öffentlichen Ruhe legen. Er weis, daß die menschlichen Augen allemal irgendwo zu kurzsichtt'g sind; er erleuchtet sie und erheitert ihre Einsicht, und Hierauf giebt er sie in ihre Unwissenheit dahin; er verblendet sie, er stürzt sie, er macht sie durch sie selbst zu Schanden ; sie verwickelt und verwirrt sich in ihren eigncn Grübeleyen, und ihre Vorsicht wird ihr zum Netze, Gott übt dadurch seine schrecklichen Gerichte aus, allezeit aber nach den Gesetzen seiner unfehlbaren Gerechtigkeit.Er istee,der diejenige Wirkung in ihren entferntesten Ursachen zubereitet, welche die großen Veränderungen hervorbringt, deren Erfolge sich in einer weiten Entfernung erst zeigen. Wenn er den letzten Streich thun, und die Reiche umstürzen will, so geht in den Rathschlagen alles unordentlich zu,und er verwirrt sie. Aegypten, das vordem so weise war, geht in seiner Trunkenheit, in seiner Betäubung und in seinem Taumel dahin, weil der Herr den Geist des Schwindels über sie ausgegossen M Bischof Bossuets Einleitung gössen hat; es weis >nicht mehr, was es thut;'esistver- lohren. Allein die Menschen mögen sich nur nicht irren ; Gott bringt den verkehrten Sinn wieder zu recht, wenn eö ihm gefällt, und derjenige, welcher der Blindheit andrer spottete, fallt selbst in die dicksten Finsternisse, ohne daß oft etwas mehr dazu nöthig ist, als ein lang anhaltendes Gluck. So herrscht Gott über alle Völker. Wir wollen also weder vom Zufalle noch vom Glücke mehr reden; wir wollen allein davon als von einem Namen sprechen, womit wir unsre Unwissenheit verbergen. Was in Betrachtung ungewisser Rathschläge Zufall ist, ist in dem höhern Rathe ein herrlich eingerichtetes Vorhaben, nämlich in dem ewigen Rathe, der alle Ursachen und alle Wirkungen in einer Ordnung begreift. Auf diese Weise vereinigt sich alles zu einem Endzwecke, und es kömmt von unsrer Unwissenheit des Ganzen her, wenn wir in besondern Vorfällen Zufall oder Unordnung antreffen. Dadurch wird klar, was der Apostel sagt, wenn er »Tim. s, 15. Gott den allem Seligen, den allein Gewaltigen, den Röntg aller Zxöntge, und den Herrn aller Herren nennt. Er ist selig, weil seine Ruhe unveränderlich ist, weil er alles verändert werden sieht, ohne selbst Veränderung zu leiden, und weil er alle Veränderungen durch seinen unbeweglichen Rathschluß schafft. Mächtig ist er, weil er die Gewalt giebt und nimmt, wem er. will, weil er sie von einem Menschen auf den andern, von einem Haufe auf das andre, von einem Volke auf das andre, sozusagen, überträgt, um zu zeigen, daß sie sie alle nur als geliehen besitzen, und daß er allein derjenige ist, wo sie ihren natürlichen und eigentlichen Sitz hat. Daher in die allgemeine Geschichte. 591 Daher kömmt es, daß alle Beherrscher wohl empfinden, daß sie einer höhern Macht unterworfen find. Sie thun mehr oder weniger, als sie denken, und ihre Rathschläge haben allezeit einige unvermuthete Erfolge. Sie haben über die Verfassungen keine Gewalt, worein die vergangnen Zeiten ihre Angelegenheiten gebracht haben; sie können auch nicht wissen, was sie in Zukunft für einen lauf nehmen werden, weir gefehlt, daß sie solches zwingen könnten. Gott allem hält alles in seiner Hand, er weis den Namen desje- nigen,wa6 ist,und desjenigen,wäs noch nicht ist; er gebietet über alle Zeiten und kömmt allen Anschlagen zuvcr. Alexander glaubte nicht für seine Feldherren zu arbeiten, und seinem Hause durch seine Eroberungen den Untergang zuzuziehen. Als Brutus in den Herzen der Römer die große Liebe zur Freyheit erweckte, so dachte er nicht, daß er in ihren Gemüthern den Grund zu der unbändigen Frechheit legte, durch welche die Tyrannei), die er zernichten wollte, einmal wiederhergestellt werden, und unerträglicher, als unter den Tarquinen seyn sollte. Als die Casarn den Soldaten schmeichelten, so glaubten sie nicht, daß sie sie dadurch zu Herren über ihre Nachkommen und Nachfolger im Reiche Machen würden. Mit einem Worte, es ist keine menschliche Macht, weiche nicht wider ihren Willen andre Anschläge, als die ihrigen sind, befördern muß. Gott weis alles nach seinem Willen zu rücken. Darum seht uns alles in Erstaunen,wenn man nur die besondern Ursachen erwagt, und dennoch geh! alles in einer ordentlichen Folge fort.Diese Einleitung zeigt ihnen dieses, und sie sehen, von andernReichcn nicht zu reden, durch wie viele unvermuthete Rathschläge, die aber allezeit zusammenhangen, das Scbick- 592 Bischof Bosiuets Einleitung?c. sal von Rom/vom Romulus bis auf Kaiser Carl», den Großen, eingerichtet und fortgeführt worden ist. Sie glauben vielleicht, Monst-iIneür, daß ich ihnen noch etwas mehr von ihren Franzosen und vol, Kaiser Carln, dem-Großen, hätte sagen sollen, der eii; neues Reich aufgerichtet hat. Allein außerdem daß seine Geschichte einen Theil der Geschichte Frankreichs ÄUsmacht,die sie selbst schreiben,und worinnen sie schon s» weit gekommen sind, so behalte ich Mir solches aufeine andre Zeit vor, wo ich nothwendig von Frankreich, und von diesem großen Eroberer werde reden müssen, welcher all Tapferkeit allen denen gleicht, die das A lterthum am meisten erhoben hat, und der sie an Frömmigkeit, Weisheit und Gerechtigkeit weit übertrifft. Alsdann werde ich auch von den Ursachen des erstaunlichen Glückes des Mahomets und seiner Nachfolger reden. Dieses Reich, welches zwenhundert Jahre vor Kaiser Carln, dem Großen, seinen Anfang genommen hat, könnte hier eine Stelle findeil; allein ich ' habe geglaubt daß es besser ware,ihnen in einem Zusammenhange seinen Anfangend feinenVerfall zu zeigen. Ich habe Ihnen also über den ersten Theil der allgemeinen Geschichte nichts mehr zu sagen. Sie werden alle Geheimnisse davon entdecken, und es wird nur auf sie ankommen, die ganze Folge der Religion und aller Reiche bis auf Kaiser Carln, den Großen, mit einem Blicke zu übersehen. ^ Unterdessen, daß sie sehen, wie fast alle Reiche durch sich selbst fallen und einstürzen, und wie sich die Religion durch ihre eigne Kraft erhalt, so werden sie sehr leicht erkennen, was die wahre Größe ist, und worauf eiil vernünftiger Mensch seine ' Hoffnung sehcn soll. 5N>ZLNM «K? P? 595 KOOOODGGGGOGDDGOOiG^ Von Der römischen Bischöfe bey den allgemeinen Versammlungen der ersten Kirche» enn Männer, die mit allen Vorzügen des menschlichen Verstandes begab« sind, die mik einer tiefen Einsicht in die Wissenschaften eine große Redlichkeit und Unparcheylichkeit verbinden, oder dem,was sie vortragen, den elnüehmenden Schein dieser Tugenden zu geben wissen, wenn solche Manner schien, so kann man nicht sorgfältig genug seyn, alles, wo sie irren, anzumerken, und von der Wahrheit genau zu unterscheiden. Die Irrthümer kleinrer Geister verrathen entweder ihre natürliche Gestalt bey dem erstett Anblicke, oder können sie zum wenigsten nicht gar lange Zeit den Augen entziehen. Die Fehler großer Männer sind schwerer zu erkennen, weil sie die Kunst wissen, ihre Irrthümer fast so liebenswürdig zu machen, als die Wahrheiten selbst sind. Wenn sie so irren, daß sie selbst auf dem rechten Wege zu seyn glauben, wie leicht können sie andre darauf verführen, wie eben können sie ihn machen, und mit wie viel Blumen werden sie ihn nicht überstreuen ! Man sieht es nicht, wenn sie straucheln, weil sie mit Anstand zu straucheln wissen. Wenn sie aber empfinden, daß sie irren, und es ist ihren Leidenschaften daran gelegen, ihre Empfindungen zu verbergen, und andre zu hintergehen. dem Range und Ansehen Pp- wis 596 Anhang einiger historisch-critischen wie viele Reichthümer werden sie verschwenden/ ihre Irrthümer auszuschmücken? Der Haufe, welcher nicht sehen kann, daß iemand irrt, wenn er nicht auf eine gemeine und alltägliche Weise irrt, wird verführt, und er ist in der That zu entschuldigen, wenn er in solcher Gesellschaft fehlt. Wie er vor zween Königen, die in einem gleichen Pompe und Ansehen erscheinen, eine gleiche Ehrfurcht hat, so geht es ihm auch mit den Wahrheiten, und den Irrthümern, wenn er sie mit einem gleichen Schmucke bekleidet sieht. Wenn «ber auch die Irrthümer großer Geister so wichtig und offenbar sind, daß sie seinen Blicken sich nicht ganz entziehen können, so richtet doch das Ansehen, womit sie umgeben sind, so viel aus, daß sie kleine Fehler zu seyn scheinen, welche keinen Schaden thun können. Allein eben dieser Betrug ist Ursache, daß es ihnen zuweilen gelingt, die Wahrheit selbst auf einige Zeit zu unterdrücken. Dossver, dieser große Bischof, besaß den Geist, welcher den Meynungen seiner Kirche das blendende Ansehen der Wahrheit geben konnte. Er hatte alle Vorzüge des Verstandes und des Herzens in sich vereinigt, welche nöthig sind, die Lehren seiner Kirche so vorzutragen, daß sie sich von der Wahrheit schwer unterscheiden lassen. Seine durchdringende Einsicht übersah die kleinsten Vortheile nicht, und sein feuriger und bildender Geist belebte sie so sehr, daß sie unter seinen Händen wichtig zu werden schienen. Er mochte in eine noch so dürre und unfruchtbare Wüste kommen, so schienen, wo er war, überall Blumen aufzugehen. Seine Beredtsamkeit war in seinen richtigen und unrichtigen Lehren beynahe gleich er» haben; sie war mächtig und unüberwindlich, wenn sie Abhandlungen. 597 die Wahrheit beschützte, und gefährlich, wenn sie den Irrthum vertheidigte. Sie wurde um so viel gefährlicher, ie redlicher und aufrichtiger er entweder mit den Menschen umgieng, oder umgehen wollte. Ueberall schien seine Menschenliebe, und sein Eifer, dieGlück- seligkeit aller Menschen zu befördern, das Wort zu führen. Man sagt, daß das menschliche Herz uner- forschlich ist; wie schwer wird man also den wahren Charakter eines Herzens bestimmen können, das vor so vielen andern erhoben war! Wenn die Tugend nicht seine vornehmste Leidenschaft gewesen seyn sollte, so ist doch gewiß, daß er seinen andern Leidenschaften ein eben so schönes Ansehen, als den Vorurtheilen für seine Kirche und Würde gegeben hat. Dieses wird mich genug rechtfertigen, wenn ich mich alles anzuzeigen bemühe, was in seiner gegenwärtigen Einleitung in die Geschichte ungegründete Meynungen sind, und doch in seinem Vortrage Wahrheiten zu seyn scheinen. Seine Schrift kann einen so großen Nutzen schaffen, daß sie werth ist, allgemeiner gemacht zu werden, und der Schade, den die irrigen eingestreuten Meynungen seiner Kirche stiften können, ist diesem Nutzen allzusehr zuwider, als daß sie nicht bemerkt werden sollten. Meine Anmerkungen werden den Vorzug der Neuheit nicht haben; allein ich habe geglaubt, daß es den Lesern angenehm seyn würde, wenn ich ihnen die Mühe ersparte, sie in den Schriften eines Richers, Cajsadms, Epan- heims, Du Pins, Vasnageund andern Werken zusammen zu suchen. Es ist bekannt, daß die AnHanger der römischen Kirche keine von ihren Lehren, womit sie sich von den Protestanten unterscheiden, mehr zu vertheidigen suchen, als die Lehre von dem Anseheil und der monar- Ppz chi- 598 Anhang einiger Hisiovisch-critischen chischm Gewalt des römischen Bischofes über die Kirche Gottes. Die Nothwendigkeit zwingt sie dazu, weil sie zu den meisten von ihren andern Meynungen keinen andern Zeugen haben, als ihn, zu geschweige«,/ daß sie allzueinträglich ist, als daß man sie aus bloßer Liebe zur Wahrheit aufgeben sollte. Denn diese Lehre ist cS, die so viele Nepoten der Pabste bereichert , so vielen Cardinalen Palläsie und Lustschlösser gebaut, so viele Bischöfe zu Fürsten gemacht, so viele Gebeine der Heiligen und Heiden verkauft, und so viele müßige Mönche ernährt hat. Wenn man wissen will, wie weit sich die Lehre von der monarchischen Gewalt des römischen Bischofes über die Kirche erstreckt, so darf man sich nur erinnern, was Bellar- minuS gesagt hat, daß die ganze Christenheit verbunden wäre, zu irren, wenn ihr Oberhaupt in Irrthümer fallen sollte. Es gehören zwar starke Beweise zu dieser Lehre; doch so lange man die Menschen noch mit Gewalt, oder mit Versprechungen und Belohnungen überzeugen kann, was hat man nöthig, sich zu bekümmern, ob die Gründe die stärksten sind, oder nicht? Unterdessen muß man den Vekennern der römischen Lehren die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß sie sich zum wenigsten Mühe gegeben haben, zu beweisen. Sie haben die allgemeine Hoheit ihres Bischofes in der Schrift finden wollen, und angenommen, daß sie in der Person des Apostels Petri , welchen sie zum ersten Bischöfe in Rom erklären, allen seinen Nachfolgern ertheilt worden sey. Es ist hier der Ott nicht, diese Beweise zu untersuchen. Die Vertheidiger dieser Monarchie in der Kirche haben die Schwache ihrer Gründe aus der Schrift selbst empfunden, und aus der Ursache ihre Zuflucht zu der Geschichte genommen, und daraus beweisen wollen, daß den römischen Abhandlungen. 599 Bischöfen von allen Zeiten her diese Hoheit, die sie vertheidigen, von der rechtgläubigen Kirche zugestanden wordeil sey. Einer von diesen Beweisen ist der, daß sie behaupten, es hätten die Bischöfe in Rom bey allen allgemeinen Kirchenversammlungen in Person oder in ihren Legaten, entweder präsidirt, oder doch den Aussprüchen der versammelten Kirche durch ihre Bestätigung die erfoderliche Gültigkeit geben müssen. Ich brauche das Wort präsidiren, weil es nicht allein den Vorsitz bey den Kirchenversammlungen, sondern auch das Ansehen über sie anzeigt. Denn dieses ist es, was nach des Bischof Vofsvers Erzählung die ersten römischen Bischöfe gethan haben. Ehe ich die Bossvetische Erzählung bey einen le- den Schritte begleite, so muß ich die allgemeine Anmerkung machen, daß man in den ersten Zeiten die Ehrfurcht für die allgemeinen Kirchenversammlungen nicht hatte, welche die römischen Lehrer für sie verlangen. Man schrieb denselben die Unfehlbarkeit nicht zu, welche sie ihnen zueignen. GregoriuS Nazianze- ims, ein großer Bischof in der ersten Kirche, schreibt in einem Briefe an den Procopiuö: Er habe beschlossen zu keiner Versammlung der Bischöfe mehr zu kommen, weil er noch keinen einzigen glücklichen und heilsamen Ausgang einer solchen Zusammenkunft gesehen hätte; es wären vielmehr in allen wegen des Hochmuthes und der Uneinigkeit der Berathschlagenden die Umstände der Kirche mehr verschlimmert, als verbessert worden Die Rechtgläubigen und die Ketzer glaubten berechtigt zu seyn, ihre Auösprü- che zu beurtheilen, und in neuen Versammlungen ent- Pp 4 weder ' AnIiMZ.m eM. sä krocoxium. 6sv Anhang einiger historisch-critischm weder zu bestätigen, oder zu verdammen. Warum unterwarfen sich die Arianer der nicänischen nicht? Das Orakel hatte gesprochen; allein man hielt es nicht für unfehlbar. Augustinus sagt ausdrücklich, daß einige von den ersten allgemeinen Versammlungen von den nachfolgenden verbessert würden, und er nimmt in seinem Streite mit dem Marimus weder die nicä- uische noch die ariminensische Versammlung zum obersten Richter an *. Gesetzt also, daß die römischen Bischöfe bey den allgemeinen Kirchenversammlungcn alle Macht gehabt hatten, die sie sich zueignen, was würden sie dabey gewinnen? Würden diejenigen unter ihren Lehren, die sich nur auf menschliche Zeugnisse gründen, gewisser werden? Warum sollen wir diese oder jene Meynungen annahmen ? Weil sie von der Kirche,von den römischen Bischöfen, und von allgemeinen Versammlungen angenommen worden sind? Man glaubte in den ersten Zeiten der Kirche, daß dreyhundert und achtzehn Bischöse eben sowohl irren könnten, als einer. Ein einziger Paphnutius verhinderte bey der ansehnlichen nicänischen Versammlung, daß nicht dreyhundert und siebzehn Bischöfe irrten, und die Ehe der Priester für unerlaubt erklärten Was werden also den Lehrern der römischen Kirche für Beweise übrig bleiben, wenn sogar allgemeine Kirchenvcrsammlungen nicht unfehlbar sind, und wenn ihr Bischof zu keiner Zeit das Ansehen bey denselben gehabt hat, das sie ihm zueignen? Die Lehrer der römischen Kirche nehmen an, daß der Apostel Petrus der erste Bischof in Rom gewesen * ^uxuK. libr. II. cle Laptilmv contr. Oon»t. c. z, Lc jibr. z. conrr. IVlsxim c. 14. ** 8oiomemis Ubr. I. c. ,z. Läir. 8rexK. Abhandlungen. 6vi sen sey, und seinen Nachfolgern die Herrschaft über alle andern Bischöfe, die Unfehlbarkeit in den Lehren des Glaubens, die Macht, die Verordnungen Christi nach Gefallen zu andern, und das Recht, ein neues Evangelium zu predigen, als ein Erbtheil, nachgelassen habe. Man macht den römischen Bischöfen die Ehre, Petri Nachfolger zu seyn, mit vielen Gründen streitig; man streitet so gar, ob er iemals nach Rom gekommen sey, und den Martyrcrtod daselbst erlitten habe ^. Allein man kann so großmüthig seyn, und alles dieses einräumen; ohne daß die Bekenner der römischen Lehren etwas gewinnen. Was die Unfehlbarkeit ihrer Bischöfe betrifft, so ist sie schon lange ein Spott der klugen Catholiken gewesen. LaunojuS, der die Kühnheit hatte, seiner Kirche alle Jahre eine Menge von Heiligen zunehmen, hatte auch die Kühnheit, öffentlich zu sagen, daß der römische Bischof seine Unfehlbarkeit den Schmeichlern zu danken hätte Man braucht sich also nur beweisen zu lassen / daß Pe- trus die Herrschaft über die andern Apostel gehabt habe. Christus selbst hat keinem vor dem andern den Vorzug gegeben;^ ergab ihnen allen eine gleiche Macht zu binden, und zu lösen; er sehte ihrem Lehramt? gleiche Grenzen; sie waren es alle, zu denen er sagte: Ge- Mattb.-»,is hethin,und lehret alle Völker. Wenn man sagen kann, daß Christus einen von den andern besonders unterschieden habe, so war es Johannes, der mit dem vorzüglichen Namen eines Jüngers, den der Herr lieb harre, geehrt worden ist. Wie würden die Leh- Pp 5 rer * Lz5n»»e Hiitoire cle I'Hglile rom.I. p Z46 fy6 Anhang einiger historisch britischen daß Petrus bey dieser Versammlung der Apostel nicht der Vornehmste gewesen sey. Man kann diese Versammlung eine allgemeine nennen, weil die Stifter der Kirche, die Apostel, dabey zugegen waren; man wollte denn annehmen, daß schon einige von ihnen unter die Heiden gegangen waren, indem nicl^t ausdrücklich gesagt wird, daß sich noch alle Apostel zu Jerusalem aufgehalten haben. Nach dieser Zusammenkunft verflossen dreyhundcrt Jahre, ehe wieder eine allgemeine Kirchenversammlung angestellt werden konnte. Unterdessen hatten die römischen Bischöfe Zeit, selbst mitten unter den Verfolgungen ehrgeizig zu werden, und einen Vorzug über andre Bischöfe sich anzumaßen. Rom war die Königinn unter den Städten der Welt; man darf sich nicht wundern, wenn bey einigen Bischöfen dieser Stadt zuweilen ein heimliches Verlangen erweckt wurde, Könige unter den Bischöfen zu werden. Die Menschen sind so eitel, daß sie der kleinsten Vortheile wahrnehmen, die ihrem Stolze schmeicheln können; die Religion ist ui'cht allezeit machtig genug, diese Eitelkeit zu unterdrücken, da sich die Menschen ihrer Gewalt widersetzen. Die Bischöfe in den übrigen Diöcesen erwiesen den römischen eine Ehre, die sich auf diesen Vorzug der Stadt Rom vor andern Städten gründete, ohne sich im Grunde für geringer zuhalten. Dicfc Ehre hatte aber niemals das Ansehen einer Unterwürfigkeit. Sie beriefen die Bischöfe und Priester, die »n- ter ihnen stunden, ohne die Einwilligung des römischen Bischofes zu verlangen, und die Verordnungen ihrer Zusammenkünfte waren ohne seine Bestätigunggültig. Man hatte auch für die Verordnungen der Päbste und ihrer Bischöfe nicht die geringste Achtung, Abhandlungen. 607 mng, wenn man Ursache zu haben glaubte, mit ihnen unzufrieden zu seyn. Im andern Jahrhunderte entstund in der Kirche ein Streit wegen der Feyer des Osterfestes, welches die occidentalischen und orientalischen Kirchen nicht zu einer Zeit begiengen. Die morgenlandischen Kirchen feyertcn es nebst denen in Gallien mit den Juden an einem Tage, und die abendländischen verlangten, daß man es den nächsten Sonntag darauf feyern sollte, um sich von den Jüden zu entfernen *. Dieser Unterschied war so wichtig nicht, daß sich deswegen die Kirchen unter einander trennen sollten. Anicet, Victors Vorgänger, hatte darum auch die Gemeinschaft mit dem heiligen Polycarpus, dem Bischöfe zu ^DMyrna, nicht aufgehoben, welcher in diesem Stücke von den Abendländern abwich. Victor aber war ehrgeiziger und hitziger; er wurde aufgebracht, daß die morgenländischcn Kirchen bey ihrer Gewohnheit blieben, und sich nicht nach den abendlandischen richteten, deren Haupt er seyn wollte. Er schloß sie also von der Gemeinschaft mit seiner Kirche aus. Allein sie entsetzten sich vor diesem Oonner nicht,und sie glaubten nicht, außer der Kirche Christi zu seyn, wenn sie auch außer der Ge>- meinschaft mit dem römischen Bischöfe waren. Sie fürchteten sich vor den schrecklichen Strafen des Himmels nicht, die sie fürchten sollten, wenn sie Rebellen wider ihr Oberhaupt wurden. Polykrates, Bischof zu Ephesus, der Vornehmste unter den asiatischen Bischofen, schriebin sehr starken Ausdrücken an Victorn, und behauptete die Gewohnheit, die zu Rom verdammt worden war. Er setzte der römischen Kirche, welche auf ihre Stifter die Apostel, Petrum, und Paulum, stolz seyn konnte, den Apostel Johannes und Phitippus, und * Euseb. Kircheng. 5. B. 22.25 24. K. 6o8 Anhang einiger historisch - critischen und eine ganze Menge berühmter Heiligen und Märtyrer entgegen, welche das Osterfest nach seiner Weise gefeyert hatten. Er seht in seinem Briefe sogar den heiligen Johannes überPetrum, weil er an der Brust Jesu gelegen hatte Das hieß wohl nicht den römischen Bischof für den sichtbaren Statthalter Christi halten. Der heilige Irenaus verdammte seine Aufführung in einem Schreiben an ihn, worinnen er ihm und seinen Vorfahren bloß als Priestern begcg. nete**. Andre Kirchen, die gar nicht in den Bann des römischen Patriarchen eingeschlossen waren, folgten dem Beyspiele des Irenaus, und tadelten Victors heftiges Verfahren sehr. Victor verdiente ihren Tadel. Zu der Zeit, da die Christen noch überall heftig verfolgt wurden, und ihre Priester die Heiden durch die Ausübung der größten Tugenden vornehmlich gegen ihre Brüder selbst zur Sanftmuth und Gelindigkeil bewegen sollten, zu der Zeit konnte ein Bischof, de? ein Nachfolger Petri war, das Band der Einigkeit unter den Kirchen wegen einer streitigen Gewohnheit zerreißen? Was konnte ihrem Haupte, Christo, vor dem tausend Jahre wie ein Tag sind, daran gelegen seyn, ob man das Gedächtniß seiner Auferstehung den 14 oder den 21 Merz feyerte? Diejenigen, welche das Osterfest den 21 begierigen, wollten die nicht für ihre Brüder erkennen, die es den 14 feyerten. Das war für die Heiden sehr erbaulich. Konnte ein kleiner Unterschied in einer Gewohnheit die Zwietracht und Verfolgung zwischen Bekennern einer Religion rechtfertigen, wie konnten sich nicht die Heiden entschuldigen, deren Religion von der christlichen völlig unterschieden war? Es war aber ein Glück für die * Ensebilis in s. Kircheng. 5.L. 24. K. 5ocr»r. tM. Lccl.c.21. Abhandlungen. 609 die Christen, daß dazumal ein römischer Bischof in der Welt nicht so viel Aufsehen machte, als in der Kirche; sie würden sonst nicht mit den Vorwürfen der Götzendiener verschont geblieben seyn. Der Bischof Vofsver, welcher sorgfaltig genug ist/ eine Kleinigkeit anzumerken und geltend zu machen, wenn sie dem sogenannten apostolischen Sitze in Rom zur Ehre gereichen kann,hat von diescrAufführung desVictor nichts gedacht, ohne Zweifel darum, weil cr für die Ehre feines obersten Bischofes besorgt war, die durch diese Geschichte eben keinen Glanz erhalt. Die nachfolgenden Bischöfe im dritten Jahrhunderte hatten eben so wenig Ansehen bey den Kirchenversammiungen Verändern Bischöfe, und man achtete ihren Bann nicht. Die Streitigkeiten des heiligen Cyprianus mit den römischen Bischöfen, dem Cornelius und Ste- phanus, sind allzubekannt, als daß die Mühe wohl angewendet seyn sollte, die sich Bojjver gegeben, die ganze Geschichte davon mit gelinden Ausdrückungen vorzutragen. Cyprian, dieser große Carthaginensi- sche Bischof gab nicht zu, daß der römische einige Hoheit über andre Bischöfe hatte. Er glaubte, daß Gott allein der Richter wäre, welchem sie von der Verwaltung ihres Amtes würden Rechenschaft geben müssen. Er setzte sich dagegen, wenn einige, die unter seiner Aufsicht stunden, von dem römischen Bischöfe gerichtet seyn wollten, weil sie ihn für höher hielten, als die africanischen Bischöfe *. Als einige Zeit darauf die Frage aufgeworfen wurde, ob man diejenigen, welche von Ketzern getauft worden waren, noch einmal taufen sollte, so wurde in zwo africanischen * Lyxrlim. ex. 59. ex. ?». Qq 6iQ Anhang einiger historisch - critischen sehen Kirchenversammlungen beschlossen, daß eine neue Taufe nöthig wäre. Diejenigen, welche der Ke- Hergeschichte der damaligen Zeiten kennen, glauben, daß die Africaner starke Gründe für ihre Meynung gehabt haben. Fast die meisten damaligen KeHcr leugneten die Gottheit unsers Erlösers. Die Taufe sollte in dem Namen des dreyeinigen Gottes geschehen, und dieses war unter den Rechtgläubigen eine allgemeine Lehre. Konnte also eine Taufe gültig seyn, welcher die wesentlichsten Eigenschaften fehlten? Die Meynung des heiligen Cyprians war also von der Meynung derjenigen weit unterschieden, welche dafür hielten, daß alle diejenigen von neuem getauft werden müßten, welche von dem Christenthums abfielen, und sich hernach ihren Abfall reuen ließen. Alles dieses aber hielt den römischen Bischof, Srephanus, nicht ab, die afrikanischen Kirchen und den heiligen Cyprian von der Gemeinschaft mit seiner Kirche auszuschließen. Er hatte aber keine Nachfolger; die orientalischen Bischöfe unterhielten die Gemeinschaft ihrer Kirchen mit den afrikanischen, und sie befürchteten den Vorwurf nicht, daß sie mit Gott uneinig würden, wenn sie mit dem römischen Bischöfe nicht einig wären. Firmi- lian, der auch ein Bischof war, gieng noch weiter, und beschuldigte sogar denStephanus einer offenbaren Thorheit *. Cyprian, welcher doch seinen Rechten niemals etwas vergab, bezeigte eine viel grössere, und einein christlichen Lehrer anstandigere Mäßigung. Er verdammte diejenigen nicht, welche von seiner Meynung abgiengen. Seine Worte verdienen angeführt zu werden, die er zu den afrikanischen Bischöfen sagte: N)tr wissen, sagt er, daß einige * Lx?r»n. ex. 75. Luleb. Lecl. Kbr. 6. c. z. Abhandlungen. 6n einige ihre schon angenommne Meynungen nicht ablegen, sondern dasjenige, was ihnen eigen und einmal gewöhnlich ist, beybehalten, ohne das Band des Friedens und derEinigkerc uncer Collegen zu trennen. lVir thun daher niemanden Gewalt an, und schreiben keinem Gesetze vor, da ein ieder in der Aufsicht seiner Rirche seinen freyen lVillen hat, und Gort dafür Rechenschaft geben rvird *. Das Verfahren des Stcphanus ist selbst von seinen Nachfolgern nicht gebilligt worden. Cypn'an wird in Rom als ein heiliger Märtyrer angebetet, und man richtet Gebete an ihn, da hingegen Stephanus ganz vergessen ist. Die Gelehrten der römischen Kirche wissen sich hier nicht zu helfen. Der Cardinal Sfondrari nimmt zur Unwissenheit des heiligen Cyprians seine Zuflucht: Cyprian hat den römischen Bischof nicht für unfehlbar gehalten; ich räume es ein. Denn zu der Zeit, da er inic einer Hiye, die einem Märtyrer nicht anstandig war, sich dem pabste entgegensetzte, war die Wahrheit von der Unfehlbarkeit des pabstes noch durch keine allgemeine Zxirchenversammlung bekannt gemacht und festgesetzt worden Petrus hatte dsm römischen Sitze die Hoheit über die andern Bischöfe verliehen; man war aber in der ersten Kirche, was diese wichtige Sache betrifft, desto unwissender, je naher man den Zeiten der Apostel war, und man war von den Verordnungen Petri nach achthundertJah- ren besser unterrichtet, als nach zweyhundert Iahren. Woherkam diese Unwissenheit? Qq 2 Aber * ^.puä kiariZ.Loncll.rom.I. Lämon. II. Ls!U-e vinäicsra: äMrr. IV. F. z. x. 8c>5. 612 Anhang einiger historisch-critischen Aber vielleicht konnte der Bischof zu Rom in den Zeiten, wo die Heiden herrschten, und die christliche Religion zu unterdrücken suchten, nicht alle Wahrheiten öffentlich entdecken, die ihm von Petro anvertraut worden waren. Vielleicht gehört die Lehre von seiner Unfehlbarkeit und Hoheit unter die Lehren, welche Geheimnisse blieben, wie die Lehren von der Anbetung der Heiligen, und der Verwandlung desBrodtcSund des Weines dergleichen Geheimnisse seyn sollen. Vielleicht ist die Lehre von der Hoheit des römischen Bischofes in den großen allgemeinen Versammlungen der Kirche erkannt worden. Die Vertheidiger der römischen Lehren behaupten dieses, und führen den Vorsitz der Bischöfe in Rom bey diesen allgemein nen Zusammenkünften der christlichen Lehrer zum Beweise an. Man könnte antworten, daß sich die Wahrheiten niemals viel Hochachtung erworben hatten, die das Licht scheuten , da alle andern Wahrheiten unsrer Religion öffentlich bezeugt, und mit dem Blute ihrer Bekenner versiegelt worden sind. Unterdessen wollen wir doch das Vorgeben der Vertheidiger des römischen Stuhles untersuchen» Ehe wir uns in diese Untersuchung einlassen, so wollen wir vorher die Begriffe bestimmen, welche die alten Geschichtftl)reiberder Kirche mit dem Worte, Vorsitze, verbinden.Die Bestimmung der verschiednen Bedeutungen dieses Ausdruckes ist in den meisten Schrift ten von den Kirchenversammlungen auS der Acht gelassen worden, und sie ist es doch, welche die von einander abweichenden Meynungen von denen, die bey den Kirchenversammlungen präsidirt haben, vereinigen kann. Abhandlungen. 6iz Man eignete also denen den Vorsitz zu, welche die Macht hatten, Kirchenvcrsammlungen zu berufen , den Bischöfen anzubefehlen, waö sie für Streitfragen untersuchen und entscheiden sollten, die Ordnung und den Frieden unter ihnen zu erhalten, und demjenigen, was beschlossen worden war, durch ihr Ansehen, und ihre Unterzeichnung die volle Gültigkeit zn geben. In diesem Verstände hatten bey Pro- vincialversammlnngen vornehmlich die Metropolitan- bischöfe, und die Patriarchen den Vorsitz; denn man findet in der Kircbengeschichte auch Beyspiele von geringern und niedrigern Bischöfen, welche diese Ehr« gehabt haben. In diesem Verstände prasidirten bey den allgemeinen Concilien die Kaiser, oder ihre Abgeordneten. Der Kaiser berief sie, und er oder seine Ab« geordneten bestätigten dasjenige, was beschlossen worden war. Die versammelten Bischöfe baten die Kaiser in sehr demüthigen Schreiben darum, und es war niemand verbunden, ihre Aussprüche anzunehmen, wenn sie nicht mit dem'Siegel der Kaiser bekräftigt worden waren. Man eignete ferner denen den Vorsitz zu, wel' che die Obersten und Vornehmsten unter allen Bischöfen waren, und fast von den Zeiten der Apostel her den Rang vor andern gehabt, oder von den Kaisern erhalten hatten. In diesem Verstände prasidirten der Patriarch in Rom, wenn er in Person zugegen war, der Patriarch zu Antiochien, der zu Alerandrien, der zu Jerusalem, und der zu Constantinopel. Dieser Begriff ist vornehmlich den griechischen Kirchcngcschichtschrei- bern sehr gewöhnlich. Qqz Man 614 Anhang einiger historisch-critischm Man eignete endlich auch denen den Vorsitz zu> welche den Vortrag hatten, welche die vornehmsten Urheber der Anordnungen und Einrichtungen bey den Kirchenversammlungen waren, und in ihrem Namen die Glaubensbekenntnisse und die Gesetze wegen der Kirchcnzucht entwarfen. Die Wahl dieser Präsidenten stund in Provincialversammlungen bey allen Bischöfen. Man sah dabey nicht eben auf den Rang der Bischöfe, sondern geineiniglich auf ihre Verdienste, und sehr oft auf ihr A lter. So wurde bey der ariminensifchen Kirchenversammlung dem Bischöfe Mazonius das Primat von allen Versam- melten seines Alters wegen aufgetragen. Bey allgemeinen Zusammenkünften erwählten die Kaiser diese Präsidenten. Es waren nicht allezeit Bischöfe, denen sie dieses Amt übergaben; sie nahmen zuweilen einige von ihren Ministern dazu, und gemeiniglich aus der Ursache, weil sie unpartheyischer von den Streitigkeiten und Entscheidungen urtheilen konnten, als die uneinigenBischöfe.Jch übergehe itzt mitStillschweigen, daß sehr oft die vornehmsten und besten Vertheidiger einer Wahrheit Präsidenten genannt wurden, sie mochten geistlichen oder weltlichen Standes seyn. So hatte bey der antiochenischen Versammlung, welche Paulum von Samosata verdammte, Tllalchion, ein Sophist, diese Ehre. Wenn man diese ver- schiednen Begriffe immer vor Augen hat, so wird man leicht einsehen, warum in der Geschichte von verschicd- nen Kirchenversammlungen so viele Präsidenten angegeben werden. Wir wollen nunmehr zeigen, daß die Bischöfe in Rom bey den allgemeinen Kirchen- Versammlungen fast in keiner Bedeutung den Vorsitz gehabt haben. Man Abhandlungen. 615 Man weis, daß eine unzeitige Begierde, scharfsinnig zu seyn, zugrübeln, und zu widerlegen, den Anus auffalsche Meynungen brachte, die zu einer gefährlichen Ketzerey wurden,nachdem ihn die Hitze,alles,was er gejagt hatte, zu behaupten, erbittert und hartnäckig gemacht hatte. Mail weis die schrecklichen Unruhen,wo- mit seine Keherey die ganze Kirche erfüllte. Die Bitten, der Ernst und die Strenge seines Bischofes, und die Schreiben des Kaisers, Constantin, des Großen, waren nicht vermögend, die Ruhe wieder herzustellen. Arius fand selbst unter den Bischöfen Anhänger, und da von den Hauptbischöfen dazumal keiner dem andern unterworfen war, so nahm das Uebel so sehr zu, daß ihm nur allein durch eine allgemeine Versammlung aller oder der meisten Bischöfe Einhaltgefchehcn konnte. Der Kaiser ließ sie zn Nicaa in Bithynien versammeln, und der römische Bischof hatte an diesem Befehle nicht den geringsten Antheil. Er und seine Nachfolger waren in ihren Freyheiten und Rechten so unwissend, daß sie diesen Eingriff der Kaiser in ihre Rechte billigten, und sie selbst sehr oft darum ersuchten. Dossvec eignet dem Bischöfe Sylvester den Vorfiß in der Person seiner abgeordneten Priester, und des Hosl'us zu. Die Kirchengeschichtschreiber stimmen nicht mit einander überein, wer prasidirt habe. Einige lassen in der That den Bischof, Hofi- uS, von Corduba prasidiren, und man führt vornehmlich für ihn an, daß er sich vor allen Bischöfen zuerst unterschrieben habe, und Gelasius Cyzicenuö, von dem wir eine Geschichte der nicänischen Kirchenversammlung haben, sagt, daß er vor andern den Vorsitz als ein Legat des römischen Bischofes gehabt habe*'. Qq 4 Allem * Lelst. chicen. 5M. Lone. t^c. Ubr. II. ?. 17. 616 Anhang einiger historisch-critischen Allein dieser Gelasius hat so viele offenbare Merkmale eines leichtgläubigen, mittelmäßigen, und fabelhaften Geschichtschreibers/ daß er keinen Glauben verdient, da weder EusebiuS, noch Sokrateö und die übrigen Kirchengeschichtschreiber dem Bischöfe Hosius den Charakter eines römischen Legaten geben. HosiuS unterschreibt die Aussprüche der Versammlung nicht als Legat, sondern in seinem eignen Namen, und Vitus und VincentiuS unterschreiben im Namen des römischen Bischofes. Man kann zwo Ursachen angeben, warum HosiuS den Rang vor andern Bischöfen hatte; seine großen Verdienste, und die Gnade des Kaisers welcher ihn gleich bey dem Anfange dieser Kirchenunruhen nach Aegypten gesandt hatte, den Frieden unter den mi'Shelligen Lehrern wiederherzustellen. Es hat selbst unter den Glaubensgenossen der römischen Kirche solche unpartheyiscbe Männer gegeben, welche die Nichtigkeit der Gesandtschaft des Hosius eingesehen und bewiesen habend Er mag aber den Rang vor andern gehabt haben; allein verdient wohl dieser Rang ein Präsidium genannt zu werden? Andre eignen dem Bischöfe von Antiochien, dem Eustathius, den Vorsitz zu; denn er hatte an der rechten Seite der Bischöfe den obersten Sitz ^ ; er redete unter allen Bischöfen zuerst, und antwortete dem Kaiser auf seine Anrede. Man kann mit eben diesen Gründen dem Bischöfe von Alexandricn, Alexandern,diese Würde zueignen. So viel ist gewiß, daß dieser Vorzug demjenigen, der ihn hatte, nicht die geringste Gewalt * I^unoj. psrt. VIII. ep. I. eärr, Lantabriß. 69z. Du ?in rom. IV. bibl. Lccl. »8«. l^so^or. libr. I. c. 7, Abhandlungen. 617 walt über die andern Bischöfe gab, und derjenige, der den Vorsitz hatte, und alle Bischöfe mußten e6 leiden, daß Paphnutius allen widersprach und Recht behielte, als er behauptete, daß die Priesterehe nicht ohne Einschränkung untersagt werden müßte. Den eigentlichen Vorsitz hatte Constantin, der Große, selbst. Denn er hörte ihnen gedultig und aufmerksam zu, stund bald dieser, bald jener Parthey bey, vereinigte sie durch seine Sanftmuth und Gnade nach und nach wieder, wenn der Streit allzuheftig wurde, über- redete diese, besänftigte jene, und nachdem er sie zu einmüthigen Meynungen gebracht hatte, bekräftigte er ihre Aussprüche mit seinem Ansehen*. Diese allgemeine Kirchenversammlung, welche von der ganzen Kirche angenommen worden ist, machte unter ihren andern Verordnungen wegen der Kirchenzncht eine, welche der Hoheit und dem Ansehen der römischen Bischöfe ganz entgegen ist. Es wird nämlich im sechsten Canon festgesetzt, daß die alcxandrinischen und antiochcni- schcn Patriarchen mit dem römischen eine gleiche Macht haben sollen**. Dreyhundert und achtzehn Bischöfe waren entweder so unwissend, oder so rebellisch, daß sie die allgemeine Hoheit des apostolischen Stuhles über die andern bischöflichen Sitze nicht erkannten, und die Legaten des römischen Bischofes waren entweder eben so unwissend, oder so zaghaft, daß sie sich diesem Eingriffe in die Rechte ihres Bischofes nicht widersetzten. Doch sie waren beydes nicht; denn die Kirche in Rom war die allgemeine nicht, wie Qq 5 die- * Luled. UKr. I. VIr. ConK. c. iz.8ocrsr. 1U,r. I. c. 8, l'Keoäor. libr. I. c. 7. I^aräuin. Loncil. rom. I. col. 4Zl. 6iF Anhang einiger hiftorisch-critischen dieses Richerius, der selbst ein Catholik ist, offenherzig bekennt*, und ihr Bischof hatte vor andern großen Bischöfen keinen größern Vorzug, als die Würden in großen Städten vor Würden in nicht so großen Städten haben. Einer unter den Bischöfen mußte freylich dem Range nach der Erste seyn, und wenn alle Bischöfe des Reiches einmal zusammen gegenwärtig gewesen wären, so hatte der römische den ersteil Sitz gehabt, weil Rom die vornehmste Stadt im Reiche war. So groß das Ansehen der nicanischen Kirchenversammlung war, so wurde sie doch nicht für unfehlbar gehalten, und die arianischen Bischöfe widersetzten sich ihren Aussprüchen erst heimlich, und nachdem sie den Kaiser gewonnen hatten, öffentlich und ungc-- schcut. Es wurde eine Versammlung über die andre von ihnen gehalten, in welchen die Arianer wieder zur Gemeinschaft ihrer Kirchen zugelassen wurden. Athanasius, welcher vornehmlich in Nicäa die Gottheit unsers Erlösers vertheidigt hatte, war unter allen Vertheidigern dieser Wahrheit besonders ein Gegenstand ihrer Verfolgung, und sie setzten ihn in einer Versammlung zu Antiochien von seinem Bischof- rhume ab. Da fast der ganze Orient arianisch war, und er also bey den morgenländischen Bischöfen keine Zuflucht finden konnte, so floh er nach Italien, wo ihn der römische Bischof, Julius, zu der Gemeinschaft seiner Kirche zuließ. Er berief auch die Bischöfe, welche unter ihm stunden, um mit ihnen gemein- * Kicker. 5M. Lonci!. vnlvers Ubr. I. c.N. §. XVI. x. 65. Abhandlungen. 619 gemeinschaftlich die Beschuldigungen und Vorwürfe zu untersuchen, welche dein AthanasiuS gemacht wurden. Wenn Julius sich für unfehlbar gehalten hat, warum berief er seine Bischöfe ? Arhanasius wurde für unschuldig erklärt, und Julius, welcher die mor» gi'nlandischen^ Bischöffe vergebens zu dieser Zusammenkunft eingeladen hatte, schrieb seinetwegen an sie. Allein sie widersetzten sich seinem Decrete, und sie waren dazu berechtigt, ob sie gleich in derSachelelbst, wo sie ihr Recht wider ihn behaupteten, Unrecht hatten. Julius gedenkt in seinem Schreiben an sie an keine Hoheit; er rechtfertigt sich, und bitter sie nur. Sie sagen ihm in ihrem Schreiben ausdrücklich, daß er nicht berechtigt wäre, die Bischöfe wieder einzusehen, denen sie einmal einstimmig ihre Würde abgesprochen hatten, so wenig man sich vorzeiten im Oriente dawidergcsetzt hätte, als NovatuS von der Gemeinschaft der römischen Kirche ausgeschlossen worden ware^. Der römische Bischof, Sylvester, und Julius hatten also weder bey der allgemeinen nicanischcn Kirchenversammlung, noch unter den damaligen Bischöfen das Ansehen und die Hoheit, die ihnen zugeeignet wird. Sie ist eben so wenig bey der andern allgemeinen Zusammenkunft der Bischöfe erkannt und geachtet worden. Macedonius, Patriarch zu Constantinopcl, war erst ein völliger Arianer, und wurde aus Furcht, die Rechtgläubigen allzusehr wider sich zu reizen, einer von * Arlisn. sxc>I. II. 8ocrsr. übr. II. c. n. 62O Anhang einiger hiftorisch-critischen voll den Semiarianern, welche unserm Heilande eine gewisse Art von Gottheit einräumten, die der Gottheit des Vaters ähnlich seyn solle, ohne ihr völlig gleich zu seyn. Weil ein Irrthum den andern erzcuqt, wenn gleich sein erster Erfinder nicht alle seine Folgen behauptet, so fing Macedonius an, aus der eiteln Begierde, selbst das Haupt einer Parthey zu werden, auch die Gottheit des Heiligen Geistes zu leug- nen. Seine Ketzercy war nichts, als der arianische Irrthum in sciilem ganzen Umfange; gleichwohl ward der Anhang des MacedoniuS als eine neue Secte angeschen*. Er fand so viele Vertheidiger seiner Irrthümer, daß ihre Ausbreitung durch Provincial- versammlungen der Bischöfe nicht verhindert werden konnte. Wie unglücklich war dazumal die Kirche, daß eine iede Folge eines alten und oft überwundnen Irr, thums, der sein Haupt nur in andern Gestalten wieder zu erheben suchte, durch so große und allgemeine Versammlungen unterdrückt und verdammt werden mußte! Theodosius, welcher den Frieden in der Kirche im Ernste wünschte, den Constantin,der Große, nur zum Scheine befördert hatte, berief also eine allgemeine Versammlung der Bischöfe zu Constantinopel. Dieses ist unstreitig; alle Kirchengeschichtschreiber, So- kratcs, TheodoretuS, und Sozomenus sind darinnen übereinstimmig ^. Auf solche Weife hatte der Bischof zu Rom, welcher damals Damasus war, wieder keinen Antheil daran. Die versammelten Bischöfe * ^rdanas vial. -ulvertl?V5ace6. üocrzr. Udr. II, c> 42.4z. 8ocr. Ubr. 5. c. 8. Lo?om. 1.7. c. 7. H>,cr. Lonc. ttarä. rom. II. 1?. 946. Abhandlungen. 621 fe untersuchten den Irrthum des Macedonius und setzten ihn ab. Die Verdienste des heiligen Grcgorius Nazianzenus leuchteten allen so sehr in die Augen, daß man ihn zum Patriarchen würde erwählt haben , wenn die ägyptischen Bischöfe seiner Wahl nicht entgegen gewesen wären. Allein er war selbst allzugroßmüthig, als daß er einer Würde wegen die Eintracht der Bischöfe hätte stören sollen. Er ermähnte also die Versammlung selbst, ihre Augen auf einen andern würdigen Mann zu richten. Nectarius wurde darauf mit einem allgemeinen Beyfalle erwählt, und einige andre morgenländische Bischöfe in ihrer Würde bestätigt. Gregorius, der Bischof von Nyssa, machte das Glaubensbekenntniß, welches von allen Rechtgläubigen unterzeichnet wurde. Die Geschichtschreiber sind nicht mit einander einig, wem sie den Vorsitz zueignen sollen. Einige geben ihn dem Bischöfe von Alexandrien, Timotheus, und dem Cyrillus, Bischöfe von Jerusalem*. Pho- tius und Gregorius Nazianzenus geben diese Würde dem Meletius, einem ehrwürdigen und verdienten Patriarchen von Antiochien **. Es hindert uns aber nichts, sie alle drey an dieser Ehre Theil nehmen zu lassen. Der römische Bischof war bey dieser allgemeinen Versammlung weder in Person noch in seinen Legaten zugegen. Gleichwohl sahen sich die gegenwärtigen Bischöfe nicht als Glieder an, denen ihr Haupt fehlte. Ein Monarch wird nicht so ruhig seyn, wenn sich seine Unterthanen ohne seinen Befehl versammeln, ohne daß * Concil. tc>m. II. p. 974. l-reZor. Xaxizn?. in carm. 6e vlr, lu» v. 114. Lre- xon. I^ss. äs IVlelet.x.ioiA'. ivz,. 622 Anhang einiger hiftorisch-critischm daß einmal Abgeordnete von ihm zugegen sind^ Wenn gleich alle ihre Beschießungen zu dem Besten seines Reiches abgesehen sind, so wird er doch ihre Kühnheit bestrafen. Der römische Bischof, den man zu einem geistlichen Monarchen macht, leidet diese Kühnheit. Die Vertheidiger seiner Hoheit empfinden wohl, wie sehr diese andre Kirchcnversammlung das Ansehen ihres Hauptes schwache- Sie erdichten also einen Legaten des Damasus. Der Bischof von Thessalonich, Acholius, soll seine Stelle vertreten haben. Man gründet diese Erdichtung auf einen Brief des Damasus an ihn, worinnen er ihn bittet, dafür zu sorgen, daß ein rechtgläubiger Bischof zu Constantinopcl möchte erwählt werden. Man kann diese Erdichtung mit drey Anmerkungen umstoßen. Es war die Gewohnheit nicht, daß sich der Bischof in Rom durch morgenländische Bischöfe vorstellen ließ, und diese kannten ihre Vorzüge allzuwohl, als daß sie ein solches Amt auf sich nehmen sollen; sondern er sandte allezeit einige von seinen Priestern. Acholius kam nicht freywillig zu dieser Kir- chenversammlung; wenn er ein Legat des römischen Bischofes war, so war das kein Beweis der Unterwürfigkeit gegen ihn, daß er seine Befehle so ungern verrichtete. Endlich kann man nicht sagen, daß Acholius ein Legat des Pabstes wird, weil er an ihn schreibt; sonst würde er sechs Legaten bey dieser Versammlung gehabt haben; denn er schrieb noch an fünf andre eben das, was er an ihn schrieb. Und wenn wir ihm diesen Legaten gaben, so würde doch seine Hoheit nicht größer. Denn Acholius präsidirte nicht, sondern unterschrieb sich nur als Bischof von Thessalonich*. An- * L2glu^ zpud ^larc. 6e t^onc. 6>c> Lc !mp. I. 5. c.2r. rom> II. p. -5. Lz/n»z.IiiK. äsI'LZU5. rom.I. x. ^..'t'il^lilsuen. Kt; > , n ^ 5- ?»' ^ t sll^ ».^.st^ch: sv^.^ . . 5^^>»i»^^r?»,»^t,»«?««lK,» , K«Ge,I^. -»»»>^>>t«d»,Ä,^k»,:^^tg. öt1N*?»M«>?. Ps^s.^«?.»7. 624 Anhang einiger historisch-critischen sen, daß der Patriarch zu Constantinopcl den ersten Rang nach dem römischen Bischöfe haben sollte, weil Constanrinope! das neue -Z^om wäre. Es ist aus dem Gegensatze klar, daß der römische Bischof den ersten Rang in der Kirche hatte, nicht weil er als Petri Nachfolger das Haupt der Kirche seyn mußte, sondern weil sein Siy das alte Rom war. Es fing schon an bey dieser Kirchenversammlnng so unordentlich zuzugehen, daß diese allgemeinen Zusammenkünfte der Kirche das Ansehen nicht haben konnten, welches sie würden erhalten haben, wenn sich die versammelten Bischöfe ihrer Würde gemäß bezeigt, und sich der Sache der Religion allein aus Unparthey- lichkeit und aus einer unverderbten liebe zur Wahrheit angenommen hatten. Die Leidenschaften fingen an, sich in diese Versammlungen zu mengen, und es war ein Glück für die Religion, daß sie ihren Vortheil dabey fanden, aufder Seite der Wahrheit ;u seyn. So unvollkommen ist alles, woran die Menschen Antheil nehmen! Die Bischöfe waren Menschen, und ihre Verordnungen waren daher sehr oft menschlich. Gre- gorius NazianzcnuS macht von dieser constantinopoli- tanischcn Versammlung eben keine vortheilhafte Abbildung, und die Vergleichungen, die er braucht, erheben ihre Ehre nicht ^. Die nachfolgenden Kirchen- Versammlungen würden immer noch weniger Ehre verdient haben, wenn ihre Aussprüche nicht noch allezeit mit den heiligen Büchern unsers Glaubens übereingekommen wären. Man fing im fünften Jahrhunderte an, die Märtyrer und Heiligen, und vornehmlich die Jungfrau Maria mit einem Eifer zu verehren, der vielleicht bey den * LreLor.5s»Hime.m c»rm. ils vic. tu» »6.-7. Abhandlungen. 625 den meisten unschuldig, doch aber so groß war, daß er übel verstanden werden konnte. Nestorius, ein Patriarch zu Constantinopel, wollte nicht zugeben, daß man sie eine Mutter Gottes nannte, eine Benennung/ welche in ihrer gehörigen Bestimmung richtig war» Er redete öffentlich dawider, und dieses machte ihm die Mönche zu Feinden. Nestorius stund im Anfange an den Grenzen der Wahrheit; ein Schritt, den er weiter that, verführte ihn zum Irrthume, und er thak diesen gefahrlichen Schritt, da er sich mit Hitze vertheidigte. Er hatte heftige Gegner, und es konnte also nicht fehlen, daß ihm alle Keßcrsyen, die vor ihm cmsianden waren,und die er selbst verdammte,beygemes- sen wurden. Man beschuldigte ihn, daß er die Irrthümer des Photinus und des Paulus von Samo- sata erneuerte, und die Gottheit unsers Erlösers selbst leugnete, da er doch ein heftiger Feind der Aria- ncr war *. Nestorius hat unter den Neuern Vertheidiger gefunden ^. Cyrillus, Bischof zu Alerandrien, welcher mit dem Nestorius einige persönliche Streitigkeiten hatte, wurde von den Meynungen dieses Patriarchen unterrichtet, und ermähnte ihn sogleich, seine Irrthümer fahren zu lassen. Nestorius war von der Uupartheylich- kcit und Ucberlegung des Cyrillus allzuwenig überzeugt, als daß er ihm hatte hierinnen Recht geben sollen. Er schrieb an den römischen Bifchof, Cölestin, um sich zu rechtfertigen. Cyrillus that ein gleiches, ohne ihn für den obersten Richter zu erkennen. Theils die Gewohnheit, wie er in feinem Briefe ausdrücklich sagt, welche * Locrar. libr. 7. tliir. Hccl, c.z2. (Ärmer äiss. I. äs tiser. t8zc:. erlmp. I.5. c. 9 Concil.Tpli.aÄ.I- Lonc. (IKalced LonleÜ" 16. ssi. tlircl. rom.II. *** S. s. Einleitung in die allg. Geschichte 149 S. Abhandlungen. 655 Bischof geworden war, und andre große Lehrer der Christen hatten diesen Namen erhalten, ohne den Vorsch gehabt zu haben. Die Irrthümer der Eutychianer breiteten sich weit aus; sie theilten sich in vielerlei) Secten, in die Monotheisten, Monophysiten, Acephalen, Agnoeten, und andre Rotten mehr. Mit welchen Unruhen wurde die Kirche nicht bestürmt! Alle diese Keßereyensuchten vornehmlich! das Ansehen der chalcedoncnsischen Kirchenversammlung zu untergraben, und es gclai-g ihnen, zum wenigsten in einigen Stücken bey der fünften allgemeinen Kirchenversammlung, welche im 55z Jahre nach Christi Geburt zu Constantinopel gehalten wurde. Man muß sich, wenn man sie beurtheilen will, eine vollständige Vorstellung von ihrem Ursprünge, und von den drey Capiteln machen, welche darauf verdammt worden sind. Zu den Zeiten des Kaiser IustinianS machten die Anhänger des Origenes viel Aufsehen, und einer von ihnen, Theodorus, wurde sogar zum Bischöfe in Cä° sarien erwählt, und hatte die ganze Gnade des Kaiser Ju- stinians. Pelagius, einLegat des romischen Bischofes, war so ehrgeizig, daß er den Theodorus mit eifersüchtigen Augen ansah, und damit er ihn kränken möchte, so hielt er bey dem Kaiser so lange an, bis er ein Cdict an den Mennas/ den damaligen Patriarchen in Constantinopel ergehen ließ, worimien Origenes verdammt wurde*. Theodorus empfand es wohl, daß den Pe- lagiuS nicht die Liebe für die Wahrheit, sondern seine Eifersucht gegen ihn, angetrieben hatte, den Origenes verdammen zu lassen. Er willigte also darein, weil * liberal. Lrevisr. c. iZ. 6)6 Anhang einiger historisch-critischm weil ihm die Meynungen des OrigeneS nicht so lieh, als die Gnade des Kaisers waren, die er zu verlieren befürchtete, wennersicb dem Edicte widersetzte. Er sann aber auf Rache; ein Todter hatte leiden müssen, damit er gekrankt wurde; nunmehr mußten noch drey unschuldige Todten in ihrem Grabe beunruhigt werden, damit ein beleidigter Bischof das Vergnügen der Rache genießen konnte. Er wollte den Pelagius kranken, und überredete daher den Kaiser, die Schriften des Thcodorus, einesBlschofes von Mopsvesta.des Theoboretus,und ein Schreiben des Iba6,einesBischo- scs von Edessa, durch ein öffentliches Edict zu verdammen.Er brauchte die Vereinigung der Acephalen mit derKirche zumVorwande,welche sich von ihremPatriar- chcn getrennt hatten, und darum so hießen, weil sie ohne Haupt waren. Sie waren den G^ychianern günstig, und verdammten in allen ihren Versammlungen die chalcedonensische Kirchenversammlung. Der Kaiser, welcher sich nach dem Frieden in der Kirche sehnte, sah das rachbegierige Verlangen des Theodorus für eine heilige Begierde nach der Eintracht an. Er verdammte also die Schriften dieser drey Vischöse, und verlangte von allen Bischösen, daß sie in dieses Urtheil willigen sollten. Theodorus hatte in die Verdammung des Origenes gewilligt, um einen gnädigen Kaiser zu behalten; Pelagius willigte in die Verdammung der drey Bischöfe, um einmal Pabst zu werden Diese Verdammung war ungerecht: Konnten sich die Todren wohl vertheidigen? Sie war offenbar wider die chalcedonensische Kircbenversammlung, welche Leo, der erste, bestätigt hatte. Er hatte befohlen, daß man "kscunä. xro äe5en5.er.c^.I. I. c. 2. Abhandlungen. 657 man weder eine Sylbe dazu noch davon thun sollte; diese Verordnung aber wurde nicht geachtet. Vigilius, welcher damals Bischof in Rom war, wurde vom Kaiser zu der Kirchenversammlung in Constantinopcl eingeladen, oder es wurde ihm vielmehr anbefohlen. Er gehorchte wider seinen Willen, und Be- lisarius nöthigre ihn mir Gewalt dazu Er versprach den Bischöfen in Africa und Italien, standhaft zu seyn, und nicht in die Verdammung der drey Capitel zu wü'ligen. Als er in Constantinopcl ankam, war er in der That sehr feurig, that den Mennas in den Bann, welcher mit seinen Bischöfen das Edict unterschrieben hatte, und mußte es leiden, daß er wieder in den Bann gethan wurde. Endlich gab er nach, wurde mit dem Patriarchen wieder ausgesöhnt, und willigte schriftlich in die Verdammung der drey Capitel. Facundus warf ihm öffentlich vor, daß er sich durch Geld gewinnen lassen Beynahe der ganze Occidenc empörte sich wider dicfe Verdammung des Pabstes, wodurch er bewogen wurde, seine Schrift wieder zurückzunehmen, und von neuem diejenigen von der Gemeinschaft mit seiner Kirche auszuschließen, welche die drey Capitel verdammen würden Endlich versammelten sich die Bischöfe; der- Kaiser berief sie, und der Pabst hielt selbst darum an. EutychiuS, welcher Patriarch zu Constantinopel war, hatte den Vorsitz. Vigilius wollte nicht in die Versammlung kommen, ob er solches gleich versprochen hatte; bald entschuldigte er sich mit der Krankheit, bald mit der geringen Anzahl der abendländischen * KpIK. LIer. Iral. ap, Illarä. rom. z> p, 47. ?acun»1> conrr. I^ocian. p. 111. ""kraizmem. äzinnilr.Hievä. »VlLU.»x^Iarä>rom. z. x. S. 6z8 Anhang einiger historisch-ctitischen schen Bischöfe.Dem ungeachtet versammelten sich die andern Bischöfe, weil die Abwesenheit eines einzigen den Aussprüchen der Rirche nicht nachtheilig seyn könnte, und die lDahrheic durch dergleichen Versammlungen offenbar werden müßte, indem ein ieder der Einsicht seines wachsten nöthig härre^. Der Kaiser gab dem Pabste zwanzig Tage Bedenkzeit, worauf er seine Erklärung von sich gab, worinnen er die Irrthümer des Theodo- ruö verdammte, seine Person aber geschont wissen wollte, weil er in dem Schooße der Kirche gestorben wäre. Sein Schreiben wurde nicht geachtet, und die versammelten Bischöfe thaten in der achten Scßion den Ausspruch, daß dasjenige, was der Pabst ausgesprochen hätte, nicht gültig seyn könnte, indem die Apostel alle versammelt gewesen wären, da sie wegen einiger Cerimonien des Gesetzes etwas entschieden hätten. Die drey Capitel wurden also verdammt, wie der Kaiser solches verlangt hatte, und er verwies alle Bischöfe, welche die Aussprüche dieser Kirchenversammlung nicht unterschreiben wollten, ins Elend. Vigilius, welcher unter denen war, die der Versammlung und dem Kaiser ungehorsam waren, schien eine Zeitlang das Unglück, von seinem bischöflichen Sihe entfernt zu seyn, muthig genug zu ertragen. Endlich aber wurde ihm sein Elend zu schwer; er machte es, wie alle seine Nachfolger in seinen Umstanden vermuthlich gethan haben würden, und unterschrieb die Aussprüche der Kirchenversammlung so, wie sie es verlangt hatte. Er bekannte in seinem Schreiben an den Eutychius, den Patriarchen in Constcmtinopel, baß ihn vorher der Teufel verblendet, und der Geist der Zwietracht empört hätte, daß er die Wahrheit vor der Ver- *coll. Vlll.sx.ttürä.x.187. . Abhandlungen. 659 Verwirrung, die in seinem Geiste gewesen wareMchr erkennen können, und daß er sich darum nicht fürchtete, einen Wiederrufzu thun^. Ich überlasse es meinen iesern st'lbst, aus der Ge» schichte dieser Kirchenversammlung zu schließen, was man in den damaligen Zeiten von der Hoheit des römischen Bischofes für Begriffe gehabt habe. Hier sehen wir einen Pabst, der von sich selbst bekennt, daß ihn der Teufel verblendet, und der Geist der Zwietracht empört habe. Er gesteht, daß er irrt, so bald er von seinem bischöflichen Sihe verwiesen wird, und er hatte doch noch keinen Tod zu leiden. Was würden seine Nachfolger gethan haben, wenn ihnen ihre Lander und Reichthümer wären genommen, und nicht eher wieder gegeben worden, bis sie die Heiden wie- der aus dem Himmel verwiesen hatten, die sie als Heilige hinein gesandt haben? Würden ihnen diese Heiligen so lieb, als ihre Schätze gewesen seyn ? Hier ist ein Vigilius entweder so edel, oder so verzagt, daß er sich nicht fürchtet einen Miederruf zu thun, nachdem er, wie er sagt, die Wahrheit verkannt hat; ein Pabst, der sich selbst in den Bann gethan hat, indem er die» jcnigcn verfluchte, welche die drey Capitel verdammten; In der That ein unfehlbarer Pabst! Die Eutychianer hatten die fünfte allgemeine Kir- chenversammlung verursacht; man kann sagen, daß sie auch die sechste zu Constcmtinopel verursacht haben; denn die Monotheliten waren,so zu sagen, nur ein Zweig von der Eutychianischen Ketzerey. Paulus, ein Pa- triarch zu Constantinvpel, war der vornehmste Beschü- her diefer neuen Secte. Die Päbste, Theodor und Martin, hatten ihn schon von der Gemeinschaft mit ihrer * ViZU.exlü. sä Lm^cKIum sx> IZsrä, rom. z. x.ZlZc 640 Anhang einiger historisch-critischen rer Kirche ausgeschlossen, und der bischöflichen Würde entsetzt. Allein der Bann der römischen Bischöfe war schon verächtlich geworden; Paulus stürzte den Altar um, den die Legaten des Pabstes in Constanti- nopel hatten, ließ sie die Commum'on weder geben noch nehmen, einige schlagen, und andre ins Gefängniß setzen. Er veranlaßte das Edict des Kaisers, welches der Typus genannt wurde, worinnen er allen Streitenden ein Stillschweigen auflegte. Als Consianz starb, so berief Constantin, der Bartige, eine allgemeine Kirchenversammlung. Sie versammelten sich im 669 Jahre nach Christi Geburt in dem Paläste, welcher Trullum hieß. Beda, Hincmar, Marianus Scotus, und vcrschiedne andre von den Lateinern geben dem Patriarchen von Constautinopel, und dem MacariuS, dem Bischöfe von Amiochien, den Vorsitz; Zonaras aber und andre Griechen erweisen diese Ehre auch den Legaten des römischen PabsieS Aga- thon. Allein in der That hatten der Kaiser, und die Richter, die er ernannt hatte, diese Würde. Pabst Leo hat dieses selbst eingesehen; denn in der lateinischen Uebersetzung, die er von dieser Kirchenversanmilung machen lassen, findet man überall den Vorsitz dem Kaiser zugeschrieben 5. Die Aufführung dieser Kir- chenversammlung erwirbt ihr eben nicht die größte Ehrfurcht. Ein träumerischer Mönch rühmte sich, daß er mit seinem monothelitischcn Bekenntnisse einen Todten erwecken wollte. Sollte man glauben, daß eine so ehrwürdige Versammlung von Bischöfen ihre Seßionen unterbrochen hätte, den Erfolg dieses phantastischen Vorgebens anzusehen? Unterdessen hatte sie von ' ^A. Lonc. Usrä, rom. z. x. 1479. Abhandlungen.' 641 von der Hoheit und Unfehlbarkeit des römischen Bischofes keine Wissenschaft. Honorius hatte sich in einem Schreiben für die Monothcliten erklärt; die Versammlung hatte für diesen römischen Bischof so wenig Ehrerbietung, daß sie sein Schreiben des Feuers werth ' achtete, und ihn selbst in den Bann that und verdammte Der Bischof Vossvct übergeht alles dieses mit Stillschweigen. ! Mail muß diese Versammlung nicht mit einer andern vermengen, welche zwölf Jahre hernach in eben diesem Pallaste gehalten wurde, und die Verordnungen der fünften und sechsten ergänzte, welche keine Kirchengesetze gegeben halten. Bey dieser Versammlung war auch kein äegat des Pabstes zugegen. Es ist nunmehr die Kirchenversammlung zu Nicäcl noch übrig, über die ich besonders einige Betrachtungen anstellen will,wcnn ich von den Begriffen geredet habe, die man sich in den ersten Zeiten des Christenthumes von der Kirche gemacht hat. Ich werde alsdann zugleich anmerken, daß auch hier der römische Bischof das Ansehe«? nicht hatte,welcheö man ihm nach derZeit zueignete. Man wird also in dem Marcellinus, welcher den heidnischen Götzen raucherte,in dem Liberius,welcher sich auf die Seite der Arianer neigte, indemVigilius, welcher von sich selbst gestund, daß ihn der Teufel verblendet hat/ te, und in dem Honorius, der ein Monothelit und in dem Banne der Kirche war, keine Statthalter Jesu Christi finden. Was soll man von denen urtheilen, welche sich von Arianern, von diesen Feinden der GottheitJe- sii, in ihrer bischöflichen Würde bestätigen ließen? Was soll man von denen urtheilen, welche die Ehre, unfehl» * XIII. concll. LonN-inr.III. ap. Nsrä, r. Z.x. -ZZ». Ss 642 Anhang einiger historisch-critischen unfehlbare Richter des Glaubens zu seyn, mit Geld erkauften? Und was soll man von denen sagen, welche nicht eher zu dieser Würde gelangten, bis die Tempel und Altäre mit dem Blute der Christen befleckt und entheiligt worden waren? Christus, dieses unsichtbare Haupt seiner Gemeine, hat sie so sehr geliebt, daß er sein Lebeil für sie gelassen hat. Bey der Wahl der vorgegebnen sichtbaren Haupter der Kirche ist auch Blut vergossen morden; aber das Vluc der Gemeine. Dem ungeachtet aber erhebt Bossvet den sogenannten apostolischen Sitz in Rom als den unveränderlichen Sitz der Wahrheit. )^ )^ ^> )^ )^ )^ ^ Von den Begriffen, die man von der Kirche in den ersten Zeiten des Christenthumes hatte. ist vielleicht in der ganzen Gottesgelahrtheit kein Begriff, welcher durch die Uneinigkeiten und Streitigkeiten der Christen schwankender geworden ist, als der Begriff von der Kirche, so genau ihn auch die göttlichen Bücher unsers Glaubens bestimmt haben. Es ist desto nöthiger, daß man die verschied- nen Begriffe, welche man sich davon macht, und ihre wesentlichen und unveränderlichen Eigenschaften deutlich auseinander sehe und bestimme, da man die wichriqe 5ehre darauf gründet, daß man außer der Gemeinschaft mit der wahren Kirche keine Hoffnung zur Seligkeit habe. Die Bekenner der römischen Kirche halten die ihrige allein für die wahre Gesell- Abhandlungen. 64? schaft der Gläubigen. Sie behaupten, daß sie von allen Zeiten her dafür gehalten worden ist, und Vojsver führt in seiner Einleitung einige Zeugnisse an, )F die ihnen günstig zu seyn scheinen. Ich will also eine kurze Untersuchung anstellen, waö die Lehrer der ersten Zeiten für Eigenschaften zu der Kirche ersodcrten.aus- ser deren Gemeinschaft keine Seligkeit zu hoffen ist. Das Wort, Kirche, wird in den Schriften der Vater der ersten Zeiten in einem zwiefachen Verstände genommen. Sie verstehen erstlich unter der >irche eine Versammlung derjenigen, welche die geoffenbarten Wahrheiten der Religion bekennen, und durch einen gemeinschaftlichen Gebrauch der von Gott verordneten Mittel der Seligkeit unter einander vereinigt sind. Sie sehen daraufnicht, ob sie die göttlichen Wahrheiten mit dem Munde allein bekennen, oder nicht. Nach diesem Begriffe können die Gottlosen und Unheiligen Mitglieder der Kirche senn. N)ir haben unzählige Zeugnisse, sagt Augustin, vaß in einer Gemeinschaft der Sacramenre Döse und Gute unter einander vermengt sind, so wie im Anfange ein gottloser Judas unrer eilf guten Jüngern gewesen ist *. Chrysostomus vergleicht daher die Kirche mit der Arche Noa. Zwischen 5em Himmel, sagt er, der allein ein (!)rr der Frommen, und zwischen der Hölle, die allein eine Versammlung der Gottlosen ist, halt die Zxir- che auf Erden das Mittel, weil sich ohne Unterschied Vöse und Gute in ihr versammeln, welches durch die Arche vorgebildet ist, wo zahme und wilde Thiere, und, wie HieronnmuS dieses Gleichniß mehr ausbildet, pardel und Ss 2 Dö- * HuxuK. conr. ex. ?eM. e. 5Z. 644 Anhang einiger historisch-critischen Docke, Lämmer und lVölfe versammelt waren *. Augustin vergleicht die Kirche mit einer Scheuer, wo bis an das Ende der Tage Weizen und Spreu aufbehalten wird; an einem andern Orte mit einem Netze, worinnen allerley Fische gefangen werthen, und in seinem Buche wider die Donatisten mit einem großen Hause, wo nicht allein güldne und silberne, sondern auch hölzerne und irdne Gefäße, Gefäße zur Ehre, und Gefäße zur Schande sind^. Alle diese Gleichnisse gehören der Schrift ursprünglich zu. Die Värcr der ersten Kirche schränken zum andern den Begriff der Kirche enger ein, und verstehen nur eine Versammlung derjenigen darunter, die nicht allein mit dem Munde, sondern auch mit ihren Werken den Erlöser der Welt bekennen. So nennt Clemens von Alerandrien die Kirche eine Versammlung der Auserwöhlcen*'*. vvenndieZxirche, sagt Augustin, in dem Hohenliede ein verschloßner Garren, ein versiegelter Brunnen, ein Brunnen lebendigen N>afsers, ein Lustgarten genannt wird, so unterstehe ich mich nicht, solches anders, als von den Frommen und Gerechten zu verstehen In diesem Verstände heißt sie Justinus eine Schwester und Freundinn Christi, Chrysostomus ein Haus Gottes, das aus unsern Herzen erbaut ist,und in viel spatern Zeiten BernharduseineBraut des Heilandes U)as ist die Vraur,sagt er, als eine Versammlung der * dlu^lollom. IN IVlattli. 12. Hieran, aclv. Luciker. ^ngultln. äe Käö aci ?erll. c. 4z. In Lvzm^. ^I»ccli. !IKr. 7. 6e IZüpr. aäveri' Donar. LIem. likr. 7.8rrom. ^uguli. Ilbr. V. contr. Dom. c. 17.' (HryloKom. in 4. (1^. Lxn. 5erm> io. Lernlunl. lerm. 6». 5uxr. L»nr. Abhandlungen. 645 der Gerechten, als das Geschlecht derer, die den Herrn, und das Angesicht des Bräutigams suchend Man mag also die Kirche im einen oder andern Verstände annehmen, so kann man sagen, daß außer ihrer Gemeinschaft keine Seligkeit zu hoffen sey. Man muß von den Wahrheiten, welche die Christen bekennen, unterrichtet seyn, wenn man an den Gütern, die ihnen versprochen sind, Theil nehmen will; man muß noch mehr thun, man muß sie bekennen, und seine Handlungen nach seinem Bekenntnisse einrichten. Das heißt aber nicht,diejenigen,welche nicht im Schoos- se der Kirche sind, eigenmächtig verdammen, und sich dem Richter der Welt an die Seite setzen. Die Kirche überläßt die Irrgläubigen dem göttlichen Gerichte, wenn sie ihrer mitleidigen Stimme nicht folgen und sich nicht zu ihr versammeln wollen. Allein da sie nicht an dem Leibe Christi Glieder sind, wie kann man hoffen, daß sie an der Herrlichkeit seiner Glieder Theil nehmen werden? Die Väter der ersten Kirche brauchten von der Kirche verschiedne Ausdrücke und Namen, welche sich alle auf die gegebnen Erklärungen gründen. Sie sagten, daß die wahre Kirche als ein einziger Körper anzusehen wäre. Sie hat nur ein Haupt: Die ganze allgemeine heilige Rirche, sagt Grcgorius, bat nur ein Haupt und macht nur einen Leib aus; Christus ist mir der ganzen Rirche, sowohl mit der, die noch auf der Erde streitet, als mit der, welche schon rriumphirr, und mit ihm herrscht, gleichsam nur als eine Person anzusehen Sie hat ferner nur einen Heiligen Geist: S 6 z N?ie * Lregor. in ?5slm. ?nnlr. 646 Anhang einiger historisch-critischm tVie nur eine Seele ist, fährt Gregorius am an- gezognen Orte fort, welche die verschiednen Glieder des Lelbes beseelt/ so ist nur ein Heiliger Geist, rvelcher die ganze Rirche belebt und erleuchtet. Alle Glieder der Kirche machen endlich nur einen Leib aus, weil sie alle, wie Jrenäus sagt, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe übereinstimmen*. Die Lehrer der ersten Kirche hatten also andre Ursachen, warum sie die Kirche nur als einen Leib ansahen, als diese, daß die Glaubigen Glieder eines sichtbaren Hauptes der Kirche waren. Man wird völlig davon überzeugt seyn, wenn man erwagt, daß in den ersten beyden Jahrhunderten ein ieder Bischof seine besondre Kirche regierte, ohne daß er einem andern Rechenschaft geben durfte, als Gott. Diesen Vorzug genossen nicht allein die vier Patriarchate, sondern Cy- prian eignete ihn auch den carthaginensischen Bischöfen zu. Unterdessen machen alle diese besondern Gemeinen nur eine Kirche aus. Z)ie Rirche Gottes, sagt Cyprian, breitet ihre Strahlen durch die ganze tVelr, und es ist doch nur ein L ichr;der Körper wird nicht getrennt, so weit sich dieses Licht auch ergießt; sie ist so fruchtbar, daß sie ihre Zrveige über die ganze Erde erstreckt; ihre Ströme verbreiten sich überall; und doch ist sie nur ein Leib, nur eine Dvelle, nur eine Mutter Die Kirche hieß wegen der angeführten Ursachen auch eine hellige Kirche. Die Kirche erhielt von den ersten Lehrern der Christenheit den herrlichen Namen einer apostolischen Versammlung. Dieser Name kam nicht etwa den * Irenieuz lid. I. aävers. Kaer. c.Z. L^rizn äe i^inb. xeasl. Abhandlungen. 647 den Kirchen allein zu, welche sich rühmen konnten, daß sie von den Aposteln selbst gestiftet worden wären, sondern er war der allgemeinen Kirche eigen, weil ihr Glaube mit den Lehren der Apostel übereinstimmte. Wir finden im Tertullian ein herrliches Zeugniß davon. Man halt auch diejenigen Zxirchen, sagt er, welche keinen Apostel als ihren Stifter aufzeigen können, welche später sind, als diejenigen, welche die Apostel gestiftet haben, und welche noch iyc aufgerichtet werden, wegen der Verwandtschaft ihrer Lehre, mit der Lehre der Jünger Jesu für apostolische Rirchen. Denn da die Apostel in die tVelt auogiengen, so breiteren sie unter allen Völkern einen Glauben und eine Lehre aus, und stifteten in allen Städten Zxirchen, von welchen die übrigen den Glauben und die Lehre erhielten, und sie verdienen daher den Namen der apostolischen Rir- chen, weil sie als Rinder derjenigen anzusehen sind, welche die Apostel selbst gegründet haben Die Kirche hat endlich den Namen der katholischen Kirche. Das ist der Name, den sie von allen Kir- chenversammlungcn erhalten hat. Sie verdient ihn, weil sie an keine einzelne Person, an keine Zeit, an keinen Ort und an kein Volk vor andern gebunden ist. Sie erfüllt alle Jahrhunderte vor Christo, alle Jahr. Hunderte nach Christo, und wird die unendliche Ewigkeit erfüllen. Der Mensch ehrte Gott, so bald er ward; der Mensch konnte fallen, aber die Wahrheit Gottes konnte nicht untergehen, und Gott rief den Menschen, Ss 4 als ' l'errull. Ubr. äe xr«5cr. c.>o. c. Z», 648 Anhang einiger historisch-critischen als er sich von ihm entfernte, sogleich zu seinem Dienste wieder zurück. Seine Nachkommen wurden Abgötter ; der Erdkreis schien mit Finsternissen überschwemmt zu seyn, und man hatte meynen sollen, daß die Kirche ganz untergegangen wäre; aber Noah war noch ein Prediger der Gerechtigkeit. Judäa, wo Gott wohnen wollte, war unter den Richtern und auch unter den Königen ganz abgöttisch; aber zu der Zeit, da ein Elias von den Knechten Gottes allein übrig zu seyn glaubte, hatten sich siebentausend Fromme erhalten, die ihre Knie vor dem Baal nicht beugten. Sie verdient aber katholisch oder allgemein genannt zu werden, weil sie sich vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange ausbreitet, und alle Völker, welche sich zu ihr versammeln wollen / aufnimmt *. Es ist also ein Misbrauch dieses Namens, wenn sich eine einzelne besondre Kirche denselben vor allen andern anmaßt. Man rechnet die Fortdauer der Kirche unter ihre wesentlichen Eigenschaften. Die Mitglieder der römischen Kirche verstehen unter dieser Fortdauer die Folge der Päbste und Bischöfe auf einander. Der Bischof Dossver mengt in seine sonst so vortrefflichen Betrachtungen über die Kirche diesen falschen Begriff ein, von welchem die ersten christlichen Zeiten nichts wissen. Er führt zu seiner Bestätigung den Jrenäus an, welcher ihm gerade entgegen ist. Dieser heilige Lehrer versteht unter der Fortdauer der'Kirche die beständige Dauer ihrer Lehre und ihres Glaubens. N^an muß, sagt er, denjenigen Priestern folgen, welche mir der Nachfolge des Dtfchofchmnes die gewisse Gal- * /.uZult. 5erm. izi.Ze remx.Iil.m c. II. Abhandlungen. 649 Salbung der Wahrheit empfangen haben; die andern, welche davon abweichen, sind für verdachtig zu halten*. Ambrosius sagt ausdrücklich, daß diejenigen das Erbtheil perri nicht haben, welche feinen Glauben nicht haben **. Es ist also der Glaube Petri das Kennzeichen von der Fortdauer der Kirche, und nicht die äußerliche Nachfolge im Bischofthume. Ich kann nicht umhin, das herrliche Lob anzuführen, womit Na- zianzen die Verdienste des Athanasius erhebt. Atha- nasiue, sagt er, folgt dem Evangelisten Marcus, dem Stifter der alexandrinischen Kirche, nicht allein in feinem Siye, fondern vornehmlich in der Frömmigkeit nach. wenn man jene Nachfolge betrachtet, wie weit ist er nicht von seinem Stifter entfernt! N)enn man aber feine Gedanken auf diese richtet, fo ist er gleich der Nächste nach ihm. Und das ist eigentlich für die wahre Nachfolge zu halten. Eine Nachfolge in der Würde ohne Glauben und ohne die Wahrheit hat nur den Namen der Nachfolge; die Nachfolge im Glauben und in der Lehre aber ist ihres Namens in der That und Wahrheit würdig***. Wie oft wäre die Kirche nicht untergcgan- gcn,wenn ihre Fortdauer aufeincr ununterbrochen Folge der Päbste beruht hätte! Wo war also die Kirche, da Liberius ein Arianer, Vigilius von sich selbst verdammt, und Honorius ein Monothelit war? Wo war die Kirche im zehnten, eilften, und den folgenden Jahrhunderten ? Und wie ist Vossvet zu vertheidigen, Ss 5 wenn * Iren. HKi'.III. aäv. nser. ^mbrczs. lidr.I, r-oizn. c. 6. Lregor. äe ^.rK-msL 6)O Anhang einiger historisch-critischen G.4jSS. wenn er sagt: 5Velch ein Trost der Rinder Gottes, rvelcl) ein Beweis der ^Vahr- Heic, rrenn sie sehen, daß man vomInnocen, rius dem X!, welcher damals römisck)er Bischof war, als Bossvet seine Geschichte schrieb, in einer un, , unrerdroehnen Ordnung bis auf perrum und Jesum Cbrtstli m zurückgeht! Denn wer weis nicht, daß der Stuhl des römischen Pabstes oft viele Jahre nach einander leer und unbesetzt gewesen? Man wirft in der Lehre von der Kirche die Frage auf, ob sie im Grunde des Glaubens irren könne. Wenn man die Kirche in den Bedeutungen nimmt, die ich im Anfange festgesetzt habe, so ist e6 unmöglich, weil der Glaube an die Wahrheiten der geoffenbarten Religion der wesentliche Charakter der wahren Kirche ist. Besondre Versammlungen können sich wohl zur Kirche Gottes rechnen, ob sie sich gleich durch ihre Irrthümer von dem Leibe Christi trennen; allein sie sind des Namens, dessen sie sich anmaße«', ganz unwürdig. Die Menschen, welche zur Kirche gehören, können verblendet und verderbt werden, und wenn sie Gottes Vorsehung nicht beschützt, so kann sie untergehen; aber so lange Menschen sind, welche mit . Christo einen Leib ausmachen, so lange irrt die Kirche in den nothwendigen Wahrheiten des Glaubens nicht« Unter andern Kennzeichen, welche die Vertheidiger des römischen Stuhles von der Kirche angeben, ist ihre äußerliche Größe, ihre Herrlichkeit, und Menge ihrer Mitglieder. Allein sie haben hier alle alten Kirchenväter wider sich, von denen ich nur einige Abhandlungen. 651 ge anführen will. Die Zxirche bestehr nicht im der Anzahl lind Menge, sagt Chrysostomus, sondern in der wahren und ungeheuchelren Tugend. Ellas war nur einer, aber die ganze N>eltwar nicht werth, für ihn dahin gegeben zu werden. Augustinus sagt: lVenn du gerecht bist, so zahle nicht, sondern wäge lieber. Diele gehen auf den» breiten N)ege; wer zählt sie? An einem andern Orte spricht er: Einmal stellte Abel, einmal Enoch, einmal Noah Familie die ganze Rirche vor*. Fast alle falschen Kirchen haben sich zuweilen einer größern Menge von Vertheidigern rühmen können, als die wahre allgemeine Kirche. War nicht eine Zeit, wo die Welt von Aria- nern ganz überschwemmt war ? Hieronymus drückt den damaligen Zustand der Kirche vortrefflich aus. Die ganze Erde-, sagt er, seufzre und wunderre sich, daß sie arianisch wäre **. Es hat Zeiten gegeben, wo die Kaiser und Könige solche Vater der Kirche waren, daß sie ihr auch ein äußerliches herrli- ches Ansehen gaben. .Allein Athanasius, und Hi- larius lehren uns,daß dieses kein untrügliches Kennzei- chm der wahren Kirche ist. Jener sagt: lVelche Kirche becec iyc Christum frey an? N)enn hier und da noch Fromme und Bekenner Christi sind, (es giebt ihrer aber noch überall viele,) so sind sie doch, wie der große propber Elias Verborgen; sie verstecken sich in die Holen und VOinkel der Erde/ oder irren in der Einsamkeit und in den lausten herum. Hilarius aber eifert wider diejenigen, die mit einer übertriebnen Liebe an * (!ku^lc>Kc)M.Kom.4. s6 pop.^uiZuK in ZA ?f.Iä> in 119 ?K LKeron^m. in via!, aäv. !>.uciker. t 652 Anhang einiger historisch-critischm an den Tempeln hingen, die doch von Menschenhänden bereitet waren. Euch fesselt, redete er sie an, eine verderbte Liebe zu den wänden; ihr verehrt die Rirche Gottes in Gebäuden und Tem, peln; aber ihr thut übel. Mir sind die Berge, die Sümpfe, die Gefangnisse und Strudel sichrer In dem alten Testamente hatte sich Gott nach der Schwachheit des jüdischen Volkes geeichter, und die Religion so versaßt, daß sie zugleich die Sinne der Menschen beschäffrigte. Die Opfer, die Vorbilder, die Kleidung der Hohenpriester, die Einrichtung der Stiftshütte, alles fiel herrlich in die Augen, und füllte die Herzen mit Andacht und die Augen mit Verwunderung; mit einem Worte, die ganze Religion hatte mehr äußerliche Pracht. Allein schon im alten Testamente wurden die Juden durch die Zerstörung ihres Tempels, durch die Entweihung aller heiligen Gefäße, und durch die Gefangenschaft, wo sie ganz im Verborgnen anbeten mußten, deutlich gelehrt, daß die äußerliche Herrlichkeit kein wesentliches Stück der wahren Kirche ist. Der Heiland der Welt erschien, und er befahl denen, die ihm anhangen wollten, seinen Varer im Geiste und in der Wahrheit anzubeten. Wo war die Herrlichkeit der Kirche in den ersten drey Jahrhunderten, da sich die Christen unter der Erde, in Holen, in Gräbern, in Felsen und in Wäldern versammeln mußten ? Die untrüglichen Kennzeichen der wahren Kirche sind also eine unverfälschte Verkündigung der geoffenbarten Wahrheiten, und der ordentliche Gebrauch der Sacramente, welche Christus selbst eingesetzt hat, den Men. ^rkanal! ack 8olic. Lc kAIarluz mnrr. ^ur. Abhandlungen. 655 Menschen entweder den Glauben zu geben, oder zu stärken. Eine icde besondre Gemeine, welche diese Siegel auf Hrer Stirn trägt, kann gewiß seyn, daß sie zu der Klrche gehöre, welche mit Christo einen Leib ausmacht, welche apostolisch, allgemein, heilig, und ewig ist. Man kann das Lob, welches Gregorius Na» zianzenus dem Athanasius giebt, mit Rechte auf sie deuten. Je reiner ihre Lehren, und ie größer ihre Heiligkeit und Tugenden sind, desto naher sind sie ihrem Ursprünge, und wenn sie der Zeit nach von den Stiftern der Kirche, den Aposteln, noch so weit entfernt wären. Alle Zeit, die zwischen ihnen und den Aposteln verflossen ist, wird alsdann für nichts geachtet. Wir richten nicht; so viel wichtige Irrthümer man auch der römischen Kirche gezeigt hat, so verdammen wir doch ihre Mitglieder nicht. Allein sind sie nicht zu stolz, und zugleich zu ungerecht, daß sie sich allein für den wahren Leib Christi, für die allgemeine, für die apostolische, und für die heilige Kirche Gottes halten, daß sie andre Kirchen auch von Gott ausgeschlossen zu haben glauben, wem, sie sie von der Gemeinschaft mit der ihrigen ausschließen ? Und ist die Kühnheit nicht allzugroß, wenn sie von der römischen Kirche behaupten, daß sie die Kirche sey, außer deren Gemeinschaft keine Seligkeit zu hoffen ist? Der Bischof Vofsver, welcher doch mehr Vernunft und Einsicht hatte, als andre, treibt seine Urtheile selbst so weit. Er war einer von den eifrigsten und listigsten Bekehrern, und so groß auch sonst seine Menschenfreundschaft und Billigkeit, und so tief seine Einsicht in die Kirchengeschichte war, so nannte er doch alle diejenigen Ketzer, welche sich nicht jur römischen Kirche bekannten. 654 Anhang einiger historisch - critischen bekannten. Wir wollen seine Gründe betrachten, womit er beweist, daß seine Kirche die wahre, die apostelische, und katholische Kirche sey, nachdem wir die Begriffe der ersten Väter des Christenthumes von dieser ganzen Lehre wissen. Bossver nimmt also cm, daß die römische Kirche die S.4-2S- allgemeine und apostolische Kirche sey. Nachdem ec eine Stelle aus demOrigenes angeführt hat/ wo Cel- sus, ein Heide, unter den Christe«, eine große Kirche bemerkt, welche die Traditionen der Jüden annimmt: So sagt er, daß die römische Kirche die» se große Kirche sey. Denn der Kaiser Aurclian erkannte in den Unruhen, welche Paulus von Samo- sitta erregte, denen das Haus der Kirche zu, es sey nun solches das Bethaus oder das Haus des Bischofes gewesen, welche mir den Bischöfen in Italien und Rom in Gemeinschaft waren. Er führt ferner eine Stelle aus dein Ammianus Nlarcelli- nns an, worinnen gesagt wird, daßderZxaiserLon- jranz, welcher ein Arianer war, mir dem größten ZLifer gewünscht Härte, daß der römische Bischof wegen des Ansehens, das er über andre harre, den Achanasms, den Vertheidiger des alten Glaubens, verdammen möchte. Man muß den Begriff einer allgemeinen Kirche mit zu diesen Stellen bringen, wenn man darinnen finden will, daß es die römische Gemeine sey. Es ist wahr, daß die christlichen Gemeinen in Rom und in Italien in den ersten Zeiten verschiedne Vorzüge vor andern Kirchen hatten. Man muß aber diese Gemeinen die Kirche in Italien, und nicht die römische Kirche heißen. Denn das Ansehen des römischen PabsteS erstreckte sich in den ersten » Abhandlungen. 655 sten drey Jahrhunderten nicht über olle Bischöfe in Italien. Die Vorzüge dieser Kirche in Italien gründeten sich darauf, daß Rom der Sitz des römisch?» Reiches war. Ein solcher äußerlicher Vorzug hat al, lezeit über diejenigen, welche außer der Kirche sind, und doch darüber urtheilen wollen, viel Gewalt. Man kann nicht beweisen, daß Aurelmn, ein Heide, die römische Kirche für die einige allgemeine Kirche gehalten habe. Allein wenn er solches gethan hätte, so würde doch für sie in der That nichts daraus folgen. Dennda er von den Lehrender christlichen Religion keinen Begriff hatte, so mußte er nothwendig nach der Menge urtheilen, und diejenige für die größte Kirche halten, welche die meisten Mitglieder hatte. Man kann ein gleiches vom Kaiser Constanz sagen. Er war ein Arianer; der Bischof zu Rom, welcher in einem großen Ansehen stund, war kein Arianer; was war natürlicher, als der Wunsch, daß er den Athana- sius verdammen möchte? Die Wahrheit bleibe Wahrheit, wenn sie auch nur von dreyen bekannt wird; der Irrthum hat in sich selbst nichts, womit er sich erheben kann; er ist also genöthigt, ein äußerliches Ansehen zu suchen, wenn er nicht in seinem Ursprünge schon wieder vergehen soll. Die wahre Kirche ist diejenige, welche vom Anfange her in der Wahrheit bestanden ist. Die Länge ihrer Dauer macht sie nicht dazu, so wenig eineKeHerey Wahrheit wird, weil sie alt ist. Die Reyereyen, S. 4,; S. sagt Bossvet, mochten anfangen, roas sie wollten, so konnten sie sich dock der Namen ihrer Srif« rer nicht entledigen. Vergebens enrrüsieren sich die Sabelltaner, die pauüianisten, die Aricmer, dis 656 Anhang einiger historisch-critischen die pelagianer und andre über den Titel der Parthey, den man ihnen gab. Die N)elr wollte natürlich reden, sie mochten wollen oder nicht; sie bezeichnete eine iede Gecre mit dem Namen desjenigen, von den, sie ihren Ursprung harten. Das ist alles wahr; aber kein Sabellianer, Paullianist, Arianer, und Petagianer war seines Namens wegen ein Ketzer, sondern weil sie die Irrthümer derer annahmen, von dem sie ihre Namen hatten. Es ist fast kein Irrthum, welcher nicht so alt, als die Welt seyn will, und der nicht darzuthun versucht hat, daß er in S. 4»j S. allen Jahrhunderten gelehrt worden ist. Z^s ist wahr, daß die ungläubigen Zxaiser die wahre Rirche vornehmlich angegriffen haben.Allein weder die Verfolgungen, noch die Wunder, die eine Gemeine aufzeigt, noch die Märtyrer, noch der äußerliche Glanz sind untrügliche Merkmale der wahren Kirche. Die Rechtgläubigen wurden verfolgt, wenn die Kaiser arianisch waren; die Arianer wurden verfolgt, wenn die Kaiser die Rechtgläubigen beschützten. Da6 ist unleugbar. Alle Keßer rühmen sich, Märtyrer und Wunder gehabt zu haben. Dieses geht so weit, daß selbst die römische Kirche die Märtyrer der Keßer verkannt, und für Märtyrer der Wahrheit gehalten hat. Wie viele Heiligen findet man nicht in den römischenVerzeichnissen,welche Irrgläubige gewesen sind. Alles, was nicht Wahrheit ist, ist kein untrügliches Kennzeichen der wahren Kirche. Ehe ich diese Betrachtung beschließe, so will ich einige vortrefflicheStellen aus einemBriefe des Herrn Spon, eines französischen reformirten Arztes, und großen Kenners der Alterthümer, an den Pater de la Chaise, den Beichtvater des vorigen Königes in Frankreich, anführen, Abhandlungen. 657 anführe», und ich hoffe, daß sie ungeachtet ihrer Länge meinen Lesern nicht unangenehm seyn werden*. „Da die Unpartheylichkeit, sagt er, ein Werk Got- „teS in unsern durch uns selbst verfinsterten Herzen ist, „so wundre ich mich weniger, als ich sonst thun wür- ,)de, daß unter den Bekennen, der römischen Kirche „so viele Männer, welche sonst eine so schöne Einsicht „besihen, nicht auf den geringsten Argwohn von dev „Neuheit ihrer Religion fallen, da sie doch so viel Gelegenheit und Ursachen dazu haben. Sie würde» „sonst, nach einer ernstlichen Ueberlegung, eingesehen „haben, daß der Bilderdienst in der ersten Kirche unbekannt, und weder Statuen noch Bildnisse in den ,.Tempeln gewesen sind. Man braucht dazu nur die „Geschichte zu wissen, um anzumerken, daß die Heiligen vordem nur vor der Nirche aufgestellt „worden sind, well sie damals, wie der Herr „Launoi, ein parisischer Doctor, sagt, nurals Diener „angesehen wurden; daß man aber, alvsienun- ,,inehr Herren geworden sind, nicht hat haben „wollen, daß sie sich außer dem Hause aufhallten sollten.--- »Man würde eingesehen haben, daß man in vergangen heiligen Schrift weder ein Gebot, die En- „gel oder die Heiligen anzubeten, noch Drohungen »wider diejenigen,welche e6 nicht thun,noch ein Exempel „von einem findet, der solches gethan habe; daß aber „wohl derjenige getadelt worden ist, der solches thun „wollen, wie denn der Engel zum heiligen Johannes „sagte: Siehe zu, thue es nicht, denn ich bin Offenb.--,?. „dem * I.» ?vlm in der griechischen Kirche „beybehalten, und wie e6 Gelasius der II. bey der „Strafe des Bannes verordnet hat; daß es also in „der lateinischen Kirche etwas neues ist, wenn den „Layen der Kelch genommen wird. In der That, das „Abendmal unter einer Gestalt fing nur erst nach der „constantiensischen Kirchenversammlung, und also „erst gegen das Ende des -vierzehnten Jahrhunderts an, überall angenommen zu werden, wie Grego- „rius von Valenza sagt, und nach der Meynung des „Scotus wurde es in der latcranensischen Kirchcnver- „sammlung, als ein Glaubensartikel, festgesetzt. Wo ist „also das Alterthum ihrer Kirche? Mai, könnte auch „zweifeln, daß die Meynung von der Verwandlung „im Abendmale alter wäre, weil man in den alten „griechischen und lateinischen WörterbüchernkeinWort „findet, das sie ausdrückt, so fruchtbar auch beyde „Sprachen sind. Ich habe keine Spur davon im „Svidas findeil könnender einChrist war,und alleWor« z^te anmerkt, welche sowohl von den Heiden als Chri- „sten gebraucht wurden, und ich glaube, daß man „eben so vergebens in den alten Kirchenvätern, und den „Verordnungen der alten Kirchenversammlungen su« „chen wird. „Eben so wenig findet man das Fegfeuer oder sonst »ein gleichgültiges Wort daselbst. Wenn man es finden T t 2 „könnte, 66o Anhang einiger historisch-critischen „könnte, so müßte man es in den alten Grabschriften „derChristen suchen.Sie sind in denAlterthümern erfah- „ren,mein Herr, und ich möchte also sehr gern von ihnen „lernen,woher es kömmt, daß. man in den alten Grab- „schriften das Bittet für ihn, und das Kecnnelcgr in „psce vor dem achten und neunten Jahrhunderte nicht „findet, welches man so oft in den neuern Grabschriften «antrifft, daß man aber mit der Anzeige von dem Tage „ihreS Todes nur das dbür in puce, cicpoiuus eK i» s>A< ,,ce» c^uieicic in j?sce, obiirin iomnium p-iciz, rece» „PM8 eK spuä veum, in den alten Aufschriften liest?,, „Kann nicht dieses alles zum wenigsten einen Ken- „ner der Alterthümer auf den Verdacht bringen, daß „es sehr viel Neues in der Kirche giebt, welche sich „für so alt halt? Denn wenn man vom Alrer redet, so „ist die Rede nicht von einem Alter von vier bis fünf „Jahrhunderten, sondern von dem ersten lind noch „reinem Alterthume der Kirche. Sie können sich also „nur in denjenigen wesentlichen Stücken der Religion „des Alterthumes rühmen, morinnen sie mit uns übereinstimmen. „Erlauben sie mir, mein Herr, das noch hinzuzufe- „ßen, was einer von unsern Predigern, Herr Hespe- ,,rien, gesagt hat. Die Papisten sind alt, sagen sie; ich „raumeeS ein,und wir sind in gewissen Stocken neu.Die „ganze abendlandische Kirche war ein kranker Körper; „wir sind durch die Gnade Gottes gesund geworden; „darinnen sind wir neu; sie bleiben noch krank, das Hauben sie noch von alten Zeiten her, welches desto gefährlicher ist, weil gemeiniglich alle eingewurzelte „Krankheiten aufden Tod hinauslaufen. Wir sind in „Betrachtung der Kirchenverbesserung neu, wie ein „Körper neu ist, wenn er gesund wird; allein wir sind »alt, Abhandlungen. 661 „alt, in Betrachtung, daß wir rechtgläubige Chri- „sten sind. Die Reformation ist etwas Zufälliges bey „der Kirche, das in ihrem Wesen keine Veränderung macht. Das Wesen der wahren Kirche ist der „wahre Glaube und die wahre Anbetung Gottes. Darauf beruht die Seligkeit. Wo wart ihr, sagt man zu „uns, vor dem Calvin und Luther? Wir waren, sagen „wir, in einer Gesellschaft, in welcher die Juden zu „den Zeiten Christi waren; wir waren an einem Orte, „wo mal' sich nicht verweilen durste, wenn man sicher „seyn wollte. „Vergeben sie mir, mein Herr, noch ein Wort, „das ich nicht sage, um zwischen ihnen und den Arianern, „den Feinden der Gottheit Christi, eine verhaßte Ver- „gleichung anzustellen; Gott bewahre mich vor einem „solchen Gedanken; ich will sie nicht beleidigen, ich will ,,mich nur deutlicher erklaren. Sie wissen, daß das römische Reich beynaheganz arianisch war. Die Arianee „wollten Katholiken heißen, und nahmen es für eine Beschimpfung aii/wenn man sie Arianer nannte; sie nann- „tenvielmehrdieRechtglaubigcnAbtrünnigeundKctzer, „indem sie dieselben Arhanastaner, Eustathmner/ „Lucifcrianer nach den Namen der Bischöfe nannten, „welche die Wahrheit muthig vertheidigt hatten. Hätte „man darum wohl mit Rechte zu den Rechtgläubigen „sagen können: Ihr seyd ganz neu; wo wart ihr vor „dem Athanasius, dem Eustathius, und dem Lucifer von „Caillari, sowie manzu uns sagt: wo wart ihr vor Lu- „thern, vor dem Calvin und Zwinglius?,, Ich habe nichts mehr zu sagen, als daß ich Dossvets eigne Worte anführe, welche mich veranlaßt haben, diese langen Stellen zu übersetzen. Ich überlasse es meinen Lesern selbst Anmerkungen über beyde Tt z Stellen 662 Anhang einiger historisch-critischen S. 451 S. Stellen zu machen. Die falschen Religionen haben die Rirche in vielen Stücken nachahmen können ; sie haben vornehinlich,wre sie, gesagt, daß sie Gocc gegründet habe; clleii^ diese Re- de ihrer Lippen ist in die Luft gereder. Denn wenn Gott das menschliche Geschlecht erschaffen , und weil er es nach seinem V'.lde gemacht, dasselbe allezeit gewürdigt hat / ihm die N>ege zu zeigen, wie es ihm dienenundgefallen kann: So ist eine iede andre Secre, welche ihre Folge nicht vom Anfange der lVelc S.4«o S. herführen kann> nichc von Gorc. -- Alles, was diese Rette unterbricht, alles, was aus dieser Folge herausgeht, was sich selbst erhebt, und seinen Ursprung, kraft der Verheißungen, die der Zxirche geschehen sind, nicht zum Ursprünge der tVelr zurückführen kann, muß uns einen Abscheu machen. OOOOOOOOOO OOOGOGOOO Betrachtung über die andre m'cänische Kirchen» Versammlung. AAe Geschichte kann die Unruhen, welche durch die Streitigkeiten wegen der Anbetung der Bilder in der Kirche verursacht worden sind, nicht schrecklich genug abbilden. Das achte Jahrhundert ist nicht allein wegen der allgemeinen Zerrüttung des römischen Rei« Abhandlungen. 66z Reiches, sondern vornehmlich auch wegen der unglücklichen Veränderungen, welche die Religion leiden mußte, merkwürdig. Das ganze Reich wurde mit fremden Völkern, wie mit einer Sündflut überschwemmt, und die Kirche, die schon von rausend Keßereyen zerrüttet wurde, noch dazu mit einem fast allgemeinen Aberglauben überfallen. Die Änderung eines einzigen Gottes schien der Welt noch allzuneu zu seyn, als daß sie sich vollkommen daran gewöhnen konnte, und man fing an, die Märtyrer fast eben so abgottisch zu verehren, als die Heiden ihre heiligen Schatten und vergötterten Helden verehrt hatten. Dieser Aberglaube nahm mit eiuer unglaublichen Geschwindigkeit überHand. Die Bischöfe, die Priester, die Mönche, welchen schon mehr an Reichthümern und an einer äußerlichen Macht und Hoheit gelegen war, als an der Wahrheit, fanden allzuviele Vortheile dabey, als daß sie ihn hätten unterdrücken sollen. Unter den Heiden hatten alle Städte ihre Schutzgötter; da sie christlich geworden waren, vertauschten sie dieselben mit Heiligen und Engeln. Man hatte so viele Märtyrer, daß man fast den kleinsten Flecken Beschützer geben konnte, die ihre Vorsprecher bey Gott seyn sollten. Man baute ihnen Altare, matt widmete ihnen Tempel, und feyerte ihnen zu Ehren Feste. Die alexandrinische Philosophie, welche sich im ganzen Oriente ausgebreitet hatte, und beynahe in allen Klöstern gelehrt wurde, bestärkte diesen Aberglauben noch mehr. PorphyriuS, und Jamblichi- l>6 hatten gelehrt, daß die himmlischen Geister unsre Mittler bey Gott waren, und rechtfertigten dadurch die Abgöttereyen der Heiden. Sollten diese Irrthümer sich nicht nach und nach in die Lehren der Religion ein- Tt 4 gemischt 664 Anhang einiger Worisch-critischen gemischt haben, da man die neuere platonische Philosophie aus einem oft übertriebnen Eiser mit den geoffenbarten Wahrheiten zu vereinigen suchte? In den ersten drey Jahrhunderten wußte man von der Anbetung der Heiligen nichts. Man findet wohl, daß das Andenken der Apostel und Märtyrer den ersten Christen kostbar und heilig war; allein man kann vor dem vierten Jahrhunderte keinen Tempel zeigen/ in welchem die Bildnisse der Heiligen aufgestellt worden wären. Man ließ damals die Ehre, die Gott allein gehörte, ihn noch nicht mit den Geschöpfen theilen. Origenes, welcher die Anbetung eines einzigen Gottes so herzhaft wider die Heiden vertheidigte , schloß die Apostel und Heiligen ausdrücklich von denen aus, aus die man sein Vertrauen seßen soll*. Die Arianer, welche die Gottheit Christi leugneten, und ihm doch göttliche Ehre erwiesen, wurden darum von den Rechtgläubigen der Abgötterey beschuldigt Die Ehrfurcht, die man in dem vierten Jahrhunderte, und in den nachfolgenden Zeiten den Märtyrern erwies, wurde übertrieben. Die Heiden bemerkten diese große Veränderung in der Religion, und MarimuS von Madaura schrieb an den heiligen Augustin, er wunderte sich, daß man den Jupiter, den Donnerer, mit einem Mygdonius, und die Juno mit einer Salea vertauscht hätte . Die übertriebnen Lobsprüche, welche die christlichen Redner den Märtyrern gaben, die * Orlg. contr. 015.1. 4. x. 177. 194. libr. S. x. 4Z0, In Jerem. rc>m. I. p. 6zz. I^ovar, äe l'rlnir. c. 14. ^rlisn. äe incarn.verb.tom. I. p. 59z, t^rill. Hierolol^m. LarecK. l2. p. 104. lVlaxim. ^aä-mr. e^ilt, sä 16. Läit. Leneä. z». 20. exilr. 17. x. »5. Abhandlungen. 665 die heftigen Anrufungen, die sie an sie richteten, um ihre Zuhörer in Verwunderung zu setzen, und die Wunder, die man ihnen andichtete, wenn man keine wirklichen Wunder von ihnen wußte, waren Ursache, daß sich die Ehrfurcht des Volkes nach und nach in Aberglauben verwandelte. Basilius scheint der erste gewesen zu seyn, welcher' die Märtyrer auf eine so rednerische Art angerufen hat. Er erhob in einer Homilic vierzig Soldaten, als Märtyrer unsrer Religion, und sagte von ihnen, daß sie so viele Vorsprecher bey Gott wären, zu welchen man im Unglücke seine Zuflucht nehmen müßte*. Allein dieses war keine allgemeine Lehre der Kirche. Chrysostomus, welcher ein so heftiger Redner war, welcher alle Vortheile wahrzunehmen wußte, die ihm seine Einbildungskraft und sein reicher Geist zur Stärke oder zum Schmucke seiner Reden darbot, welcher sogar das Spielwerk des Witzes nicht verachtete, wenn es ihm rührend vorkam, hat in allen seinen Lobreden auf die Märtyrer niemals gesagt, daß man sie anbeten müßte. Er setzte vielmehr die wahre und größte Ehre, die man ihnen erzeigen könnte, darinnen, daß man ihre Tugenden nachahmte. Wenn die Anbetung der Heiligen eine angenommnc Wahrheit der Kirche gewesen wäre, warum fände man sie in seinen Lobreden der Heiligen nicht, wo sie so natürlich war? Diese abergläubische Lehre schlich sich nur nach und nach in die Kirche ein; man setzte die Bildseulen der Heiligen erst nur vor die Kirche; bald setzte man sie in die Kirche. Erst bat man für die ver- T t 5 storb- * L-ulI. Hom> in 40 lVKrryr. x. n<>. 666 Anhang einiger Worisch-critischm siorbnen Heiligen, bald darauf verlangte mail von ihnen, daß sie für uns bitten sollten. Erst sah man die Bildnisse der Märtyrer nur au, um sich ihrer Thaten und unsterblichen Tugenden zu erinnern; darauf küßte man sie; darauf kniete man vor ihnen nieder; darauf zündete man Wachskerzen vor ihnen an, und räucherte ihnen; endlich betete man im achten Jahrhunderte so gar ihre Bilder selbst an. Äls diese abergläubische Anbetung sich so weit ausgebreitet hatte, so wurde ieo, der dritte, welcher damals den Orient beherrschte, durch den Rath des Theophilus, eines Metropolitanbischoses inNacholien bewogen, einen Befehl zu geben, worinnen geboten wurde, kein Bildnisi anzubeten. Er sagte zu dem Patriarcheil in Constantinopel, welcher Germanus hieß, daß es eine Abgötterey wäre, Bildnisse zu ehren, und vor ihnen niedcrzuknien. Er gieng in seinem Eifer so weit, daß er gebot, alle Bildseulen Christi, der Apostel, und Heiligen umzustürzen, und zu zerbrechen , die Gemälde an den Wänden in den Kirchen auszulöschen, und die Wände mit Kalch zu überweißen. Er wollte das Uebel mit seiner Wurzel ausrotten. Allein die Erfahrung von so vielen Jahrhunderten hatte ihn lehren sollen, daß die Irrthümer in der Religion nur tiefere Wurzeln schlagen, wenn man allzugewaltsame Mittel wider sie braucht. Germanus und seine ganze Clerisey widersehten sich den Unternehmungen des Kaisers / und ihr Eifer gieng so weit, daß sie die kaiserlichen Arbeiter, welche ein Bildniß unsers Heilandes wegschaffen sollten, umbrachten. Der römische Bischof, Gregori- us, der dritte, welcher sich nunmehr schon, wie seine Vor, Abhandlungen.' 667 Vorfahren, eine Hoheit über die Könige und Kaiser selbst anmaßte, that den Kaiser in den Bann, und verdammte seinen Befehl mit einem schrecklichen A?ia« thema. Allein der Kaiser achtete seinen geistlichen Donner nicht, sondern sagte lachend, als er davon benachrichtigt wurde: Er ist ein Abgötter; er ist selbst im Banne. Gregorius gieng in seinen Unternehmungen so weit, daß er in Italien ein Verbot gab, dem KaiZ ser keine Zölle und Schußgelder mehr zu bezahlen. Man rechtfertigt diesen Aufruhr des Pabstes wider seinen rechtmäßigen Oberherrn damit/ daß dieser die Angelegenheiten Italiens ganz versäumte, und denDccident fremden Völkern zum Raube überließ. Weil die Unruhen, welche der Bilderstreit in der Kirche veru>sachte,immer größer wurden, so beschloß endlich Leo, eine allgemeine Kirchenversammlung berufen zu lassen. Allein der. Tod unterbrach die Ausführung seiner Entschließungen". Constantin, der sechste, ein Sohn des Leo, war ein noch heftigerer Feind des Bilderdienstes. Da ihm seine Unterthanen den Eid der Treue schwuren, so mußten sie zugleich die Anbetung der Bilder verfluchen. Er berief eine allgemeine Versammlung der Kirche, welche sein Vater nicht hatte zu Stande bringen können, und sie wurde im 754 Jahre nach Christi Geburt, den io Februar eröffnet. Es waren die morgenlandischcn Patriarchen nicht zugegen; sie wurden aber durch die Saracenen, welche in Aegypten und Palastina die Oberhand hatten, verhindert, dabey zu erscheinen. Man hatte noch keine so zahlreiche Versammlung gesehen; bey der ersten mcänischcn was ren ',^kA'^!»«"-,. i?'. ^'.I VMö.'.N'SiN Ä5!vZ^,5'' * Xonsr. com. z. x. L4> 668 Anhang einiger historisch-critischen ren nur dreyhundcrt und achtzehn Bischöfe zugegen, und hier war ihre Anzahl dreyhundcrt und acht und dreyßig stark. Ehe ein neuer Patriarch zu Constantinopel erwählt wurde, gab der Kaiser zween Metropolitanbischö- fen, dem Bischöfe von Ephesus, und dem Bischöfe von Perga in Pamphilium den Vorsitz. Nachdem die Bischöfe die vorhergehenden sechs allgemeinen Kirchenversammlungen bestätigt, und die Streitigkeiten wegen des Bilderdienstes untersucht hatten, so wurde die Anbetung der Bildnisse mit einem ein- wüthigen Ansprüche verdammt. Gleichwohl untersagte man nicht alle Anrufung der Jungfrau Maria, und der Heiligen selbst; man verlangte nur,daß diese Anrufung allein in Wünschen bestehen, und so eingerichtet seyn sollte, wie man die Frommen auf Erden bittet, daß sie für uns beten sollen*. Die Aussprü- che dieser Kirchenversammlung hatten ein verschiednes Glück; der ganze Orient nahm sie an,die Mönche,die sich ihr widersetzten, ausgenommen. Die Bischöfe in Frankreich gierigen den sicher«? Mittelweg; sie verdammten die Anbetung der Heiligen, und behielten die Gemälde und Bildnisse der Heiligcn zum Andenken ihrer Tugenden in den Tempeln bey. Sie trugen daher auch den Gesandten des Constantinus auf, ihn zu ermahnen,daß er sich in diesem Stücke nach andern Gläubigen richten möchte **. In Italien war der Pabst mit der Vergrößerung seiner äußerlichen Macht allzusehr beschäfftigt, als daß er sich um die Streitigkeiten der Religion hätte be/ kümmern können. Er konnte nicht zugleich das Erar- chat in Italien an sich bringen, und die Feinde der Bilder " donc. I>I!c. H. ^A. VI. ap. IlzrcZ. x>. qzo. 4z». ksul. Hnül. in ?e?in. übr. II. ' Abhandlungen. 669 Bilder verdammen, so viel auch ihre abgöttische Verehrung zu seiner zeitlichen Größe beygetragen hatte. Man dachte in fünfzehn Iahren an die Kirchenverjammlung des Kaisers nicht. Endlich verdammte Stephanus, der vierte, in einer Versammlung seiner Bischöfe die Feinde des Bilderdienstes". Allein diese Verdammung that der constantino?olira- mschen Kirchenversammlung keinen Schaden, so lange ein Kaiser lebte, welcher das Ansehen ihrer Verordnungen mit seiner Macht erhalten konnte. Constantin starb/ und Irene gelangte zur Regierung. Nunmehr erhielten die Angelegenheiten der Bildcran- beter ein glücklichers Ansehen. Irene war eine hoch- müthige Prinzeßinn; allein ihr Hochmuth verkleidete sich in das Ansehen der Religion und Andacht. Sie verlangte den Ruhm einer heiligen Prinzeßinn, und diesen konnte sie leicht erlangen, ohne heilig zu seyn / wenn sie die Bildnisse der Märtyrer an ihren Verächtern und Zerstörern rächte. Sie faßte also den Entschluß, den verfallnen Bilderdienst wieder in Aufnehmen zu bringen. Es geschah vermuthlich auf ihre Veranstaltung, daß sich Paulus, der Patriarch zu Constan- linopel, ins Kloster begab, und daselbst in Gegenwart der Kaiserinn und ihrer Rathe öffentlich bedauerte, daß er so lange Zeit die Regierung einer irrenden Kirche geführt hatte. Die Verehrer der Bilder erzählen von ihm, daß seine Reue in Thränen ausgebrochen, und er vor Schmerzen plötzlich gestorben sey. Sie sehte den Tarasius, einen von ihren Staatssecreta- ren, und einen Läyen in die erledigte Stelle des Patriarchen, welcher sich aber anstellte, als wenn er die bischöfliche Würde nicht annehmen wollte, wenn ihm nicht ' LoncUc Komzn. lud 5rcxl,. IV. ax. tlarä. rom. z. x. Zviz. 67O Anhang einiger hiftorisch-critischen nicht eine allgemeine Kirchenversammlung zugesagt würde. Irene befahl also den Bischöfen, sich in Con- stantinopel zu versammeln; allein die Bischöfe, der Pöbel und die Soldaten, waren noch allzusehr wider die Bilder und ihre Anbetung eingenommen, als daß diese Zusammenkunft einen glücklichen Ausgang hätte haben können. Es entstund ein Aufruhr, und man wurde genöthigt, die Versammlung zu verschieben*. Unterdessen entfernte die Kaiserinn, unter dem Vor- wande, daß die Saracenen ins Reich eingefallen wäre»/ alle Kriegsvölker aus Constantinopel, welche nicht völlig ihres Sinnes waren, und zog unter dem Stauracius andre Völker in die Stadt. Nachdem ein Jahr verflossen war, kamen die Bischöse in Ni- caa in einer großen Anzahl, mit einer noch größern Menge von Mönchen zusammen. Man streitet/ ob die Patriarchen Legaten zu dieser Versammlung geschickt haben oder nicht; die Unmöglichkeit, welche sie verhindert hatte, zu der Versammlung des Constantinus zukommen, war noch vorhanden; denn die Macht und Grausamkeit der Saracenen hatte sich noch weiter ausgebreitet und vermehrt . Unterdessen waren einige Mönche zugegen, welche sich für die Legaten der Patriarchen ausgaben. Die Legaten des Pabstes scheinen den vornehmsten Rang gehabt zu haben, denn sie unterschrieben sich zuerst. Man macht ihnen den Vorsitz streitig, weil Tarasius der erste und vornehmste und derPrasident der Versammlung genannt wird. Sie dauerte nicht gar lange; in achtzehn bis neunzehn Tagen hatte man vier wichtige Stücke zur Richtigkeit gebracht. Man hatte ausgemacht, wie man die Bischöfe, welche die Anbetung der Bilder annähmen, * (!onc. I^icsen. II. zK. i. p. 26 ap. Ilzrck. tom. IV. Ljzznkeim. HIK. IinsZ. ZeÄ. 6. x. z8o. Abhandlungen. 671 men, wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufnehmen sollte; man bestätigte den Bilderdienst; man widerlegte die constantinopolitanische Kirchcnver- sammlUng Schritt vor Schritt, und man machte wegen der Kirchenzucht neue Verordnungen ^. Es wurde beschlossen, daß die Bilder angebetet werden sollten; es wurde zu einer Pflicht gemacht, vor ihnen nie- derzuknien, sie zu küssen, ihnen zu räuchern, und Wachskerzen vor ihnen anzuzünden, und alle diese Aussprüche uittcrschrieben die versammelten Bischöfe. Die vorige Kirchenversammlung unter den Constan- tinus CopronymuS wurde verdammt, und ob sie gleich mit einem größern Rechte den Nameu einer allgemeinen verdiente, so erwies man doch nur der andern ni« canischen diese Ehre. Man begegnete der constantinopo- litanischen mit der äußersten Verachtung, und der abergläubische Eifer der Bilderdiener schweifte so weit aus, daß sie sie eine Versammlung des Satans nannten^*. Gleichwohl hatte diese teuflische, unsinnige, gottlose Versammlung die vorherigen sechs allgemeinen Kirchenversammlungen bekräftigt; sie hatte verlangt, daß man die Heiligen ehren sollte, allein ohne Abgötterey zu treiben; man harte die Nachahmung ihrer Tugenden als die größte Ehre angesehen, die man ihnen erzeigen könnte. Sie war nur darinnen z« weit gegangen, daß sie die Mahlerey, als eine heidnische Kunst, und allen Gebrauch der Bilder untersagt hatte. Allein die stolze Heucheley einer Kaiserinn, und die Vortheile, welche die Mönche bey dem Bilderdienste hatten, wollten haben, daß diese Versammlung gottlos * conc.Nlcsen. II. 2Ä> I.-Ä. IV. aÄ. VI. aÄ.VIII. rom. IV.ap ttarä. ^N. Scepli. ^un. »xuä Lsrvn. x. 2». 672 Anhang einiger hiftorisch-cvitischen gottlos und teuflisch wäre. Unterdessen war sie in derThat der nicänischcn fast in allen Stücken vorzuziehen. Wir wollen dieses mit einigen Anmerkungen beweisen. Es gieng bey der constantinopolitanischen Versammlung weder so gewaltsam noch so eilfertig zu. Es ist wahr, daß die Bischöfe, welche diesen Streit untersuchen sollten, den Willen des Kaisers, und seinen Haß gegen die Anbeter der Bilder wußten. Es kann auch seyn, daß diese Wissenschaft an ihren Aussprü- chen einigen Antheil haben kann. Allein die Versammlung hatte zum wenigsten den äußerlichen Schein einer vollkommnen Freyheit. Die Bischöfe, welche für die Anbetung der Bilder waren, durften ihre Gründe vortragen und vertheidigen. Man eilte nicht Mit der Entscheidung; man hattest» viel Aufmerksamkeit, Gedult und Ehrfurcht gegen diesen Streit, als er verdiente. Mai? brachte sechs ganze Monate zu, diesen Streit nach der Schrift, und den Kirchenvätern zu untersuchen. Man ist zu entschuldigen, wenn eine so lange Ucberlegung uns ein Vorurthcil für die Aussprüche einer solchen sorgfältigen Versammlung macht. Allein wie gewaltsam und eilfertig verfuhren nicht die Bischöfe in Nicäa! Man ließ diejenigen unter ihnen, welche dem Bilderdienste entgegen gewefen waren, nicht eher in der Versammlung Sitz nehmen, bis sie dieses bereut hatten, und die Anbetung der Bilder annahmen. Man machte also den Irrenden erst den Proceß und untersuchte hernach, ob sie geirrt hätten. Man berathschlagte so gar, ob man diejenigen, welche auch ihre ersten Meynungen bereuten, bey der bischöflichen Würde lassen sollte oder nicht. Man verdamm- Abhandlungen. 67z dämmte vor vierhundert Iahren die Ariuner nicht eher, bis man ihre Gründe angehört und widerlegt hatte. Man war eben so geschwind und eilfertig, als gemalt- thatig. In achtzehn Tagen waren alle Untersuchungen vorbey, zu denen die Väter der constantinopolita-- nischen Versammlung sechs Monate gebraucht hatten» Der nicanischen fehlten also zwo wesentliche Eigenschaften, die eine Versammlung haben muß, welche eine Lehrerinn und Richterinn des Glaubens seyn will, nämlich die Freyheit und die Bedachtsamkeit. Die Bischöfe, welche zu Constantinopel versammelt gewesen waren, hatten zu ihren Auösprüchen stärkere Gründe. Ein Theil von ihnen ist uns in den Acten der andern nicänischen Versammlung zu ihrer Schande erhalten worden. Die Väter der constan- tinopolitanischen behaupteten, daß man die Bildnisse Christi nicht anbeten sollte. Kann man die Gottheit mahlen, sagten sie? Sie wird eingeschränkt, so bald man dieses thut, und man ist in einer offenbaren Gefahr, daß man sich nicht so erhabne und große Vorstellungen davon macht, als man sich davon machen soll. Mahlt man Christum in seiner Menschheit, so ist man einer neuen Gefahr ausgesetzt, der Gefahr in die nestorianische Ketzerey zu verfallen, und in seiner Anbetung beyde Naturen in Christo zu trennen. Sie führten die Stellen aus der Schrift an, wo den Menschen mit einem so großen Ernste untersagt wird, von Gott kein Gleichniß und kein Bild zu machen. Sie behaupteten, daß vornehmlich die Christen zu dieser Pflicht verbunden wären, weil Christus selbst von ihnen verlangte, daß sie im Geiste und in der Wahrheit anbeten sollten. Was die Anbetung der Bilder der Heiligen und Märtyrer anbelangte, so hielt man sie u u für Lonc. ^'-rn, II. 6-P-Z-5 tom.IV. iÄrä. 674 Anhang einiger hiftorisch-critischen für abgöttisch, weil keiner Kreatur die Ehre der Anbetung zukömmt. Wenn die Heiligen selbst nicht angebetet werden dürfen, wie viel weniger darfihren Bild- nissen diese Ehre wiederfahren? Endlich führten sie zur Bestätigung ihrer Aussprüche die ersten vier Jahrhunderte an, wo man noch in keinen Tempeln die Bildnisse der Heiligen weder aufgerichtet, noch vielwe- nigcr abergläubisch verehrt hatte. Alle diese Gründe sind so viele Zeugnisse von der Mühe, die sie sich gegeben haben, die Wahrheit zu finden, und von ihre? Einsicht. xa. iv. p. Die Bischöfe der nicänischen Versammlung ver- !5? hq.' theidigten den Bilderdienst mit Gründen, die nicht ein- «»rä.^' den Schein der Stärke hatten. Es waren ent, weder Verdrehungen oder Verfälschungen der Schrift, und sehr oft waren sie lächerlich. Man liest in ihrer Widerlegung der constantinopolitanischen Versammlung nichts als die Schande des menschlichen Verstandes. Einer von den Bischöfen, die es sich aus Furcht, ihre Würde zu verlieren, reuen ließen, daß sie den Bilderdienst verdammt hatten, führte zu der Mm. 15,4. Vertheidigung desselben die Worte Pauli an: Was aber zuvorgeschrieben ist, das ist unö zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Gedult und Trost der Schrift Hoffnung haben. Die Bilder, sagte er, sind uns gleichsam zum Troste geschrieben; darum müssen wir sie anbeten. Doch dieser Bischof war ein Neubekchr- ter; vielleicht hatte er die Lehre und Beweise der Bilderdiener noch nicht vollkommen gefaßt. Allein das Haupt der Versammlung verstund die Schrift nicht besser. TarasiuS führte wider die Bischöfe, welche zu Constantinor-el den Bilderdienst verdammt hatten, Abhandlungen. 675 die Stelle des Jeremias an: Mich, die lebendige I».-, ij. Qvelle verlassen sie/ und machen sich hie und da ausgehauene Brunnen, die löchericht sind, und kein Wasser geben*. Er hätte erwägen sollen, daß Theodoretuö lcmae vor ihm eben diese Stelle auf diejenigen gezogen hatte, welche Bilder ehrten, und ihr Vertrauen auf sie setzten **. Mm, vertheidigte den Bilderdienst damit, daß in dem hohen Liede gesagt wird: Zeigemir deine Gestalt, laß mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist süße/ und deine Gestalt ist lieblich, Hobel.-,i4. ohne zu erwägen, daß der Bräutigam diese Worte zu seiner Braut saget. Man bewies auch daraus, daß im alcen Testamente über der Lade des Bundes Cherubim abgebildet gewesen wären, daß man die Bildnisse der Märtyrer und Heiligen göttlich verehren müßte. Man bewies, daß die Christen, welche die Bilder anbeteten, keine Abgötter wären, damit, daß Gott durch den Propheten Zacharias weißagen lassen, daß er in den Zeiten des neuen Testamentes aller Götzen Namen ausrotten wollte. Doch man hielt sich Jach. iz«». nicht allzulange bey der heiligen Schrift auf; sie war allzusehr wider die Bischöse. Sie beriefen sich also auf eine allgemeine Tradition der Kirche in allen Jahr» Hunderten. Allein wo blieben die vier Jahrhunderte, wo dicChristen noch keine Bilder in den Tempeln hatten, und die drey Jahrhunderte, wo sie keine Tempel bauen durften ? Sie überzeugen sie, und endlich gründeten sich fast alle ihre historische Beweise auf Wunder, welche die Bilder gethan haben sollten, und die man so schlecht bewies, daß man sie für erdichtet halten muß., Uu 2 Kann * 80N". 5. Hzräuin. r.IV. p. zg?. l'lieoäor. In herein, c.z. x>> 676 Anhang einiger historisch-critischen Kann man diese nicäm'sche Kirchenversammlung verächtlicher vorstellen, als wenn man bloß die Gründe anführt, womit sie den Bilderdienst vertheidigten? Was soll man sich für eine Vorstellung von den Bischöfen machen, die so bewiesen und schlössen? Und das ist doch eine allgemeine Kirchcnvcrsammlung, deren AuSsprüch? die römische Kirche für unfehlbar halt. Tarasius, welcher das Haupt dieser nicanischen Versammlung war, hatte wenigKcnntnißvon derTheo- logie. Er hatte mehr Fähigkeit, einer Verwirrung im Staate abzuhelfen, als eine theologische Schwierigkeit aufzulösen. Man darf nur einige Sätze seiner Theologie wissen, um ein Urtheil über ihn fällen zu können. Er behauptete einmal, daß es in der Religion einerley wäre, ob man in einem großen oder kleinen Irrthume wäre, und ein andermal erklärte er sich, daß er die Macedoniancr, welche die Gottheit des Heiligen Geistes leugneten, eher in der Kirche leiden wollte, als diejenigen, welche Geld nähmen, wenn sie die Bischöfe oder Priester in ihr Amt einsetzten*. Einer von den Mönchen, die sich für die Legaten der morgenländischen abwesenden Patriarchen ausgaben, war so unwissend, daß er sagte, Jacob wäre Israel genannt worden, weil dieser Name so viel bedeutete, als seine Seele sieht Gott. Er deutete auch die Vs.»5, ». Weißagung Davids von unserm Heilande, daß durch ihn Güte und Treue einander begegneten, Gerechtigkeit und Friede sich küssen würde, mit einer unheiligen Schmeicheley auf den Pabst Hadrian, den Patriarchen Tarasius, und die Kaiserinn Irene. Man hatte gegen die heilige Schrift nicht die größte Ehrfurcht. Ehe man den Bischof von Ancyra, Basili- * LvllcII.I^!c»n>II.aÄ.S.»x.!l»rä.rolU.IV.x. 5»2. Abhandlungen. 677 Basilius in der Versammlung Sitz nehmen ließ, so mußte er schwören, daß man den Grundsatz, nichts anzunehmen, als was in der heiligen Schrift deutlich gelehrt werde, als eine Lehre des Arms, Ncstorius, Eutycheö, und Dioscorus verdammen müßte. Die nkänische Kirchenversammlung hat noch eitlen großen Fehler; sie widerspricht sich selbst sehr oft. Ost eignet sie die Ehre der Anbetung und das Vertrauen Gott allein zu, und gleichwohl thun die Bischöfe den endlichen AuSspruch, daß man die Bilder annehmen und anbeten müsse, weil sie im Namen Christi/ der Jungfrau Maria, der Engel und der Heiligen ge. macht worden waren. Man spricht wider diejenigen das Anathema aus, welche glaubten, daß man die Bildnisse nur allein zum Andenken der Heiligen beybehalten nuißtc*. Wenn das nicht den Aberglauben rechtfertigen und bestätigen heißt, wenn man dem Unerschaffnen Geschöpfe an die Seite setzt, so weis ich nicht, was Aberglaube seyn soll. Maimburg sucht die constantinopolitanische Kirchenversammlung auch eines Widerspruches zu beschuldigen. Er merkt an, daß die Bischöfe aufdas Kreuz geschworen haben, und zieht die Folge daraus, daß sie das Kreuz angebetet hätten. Der Sammler der Acten des Stephanus des Jüngern merkt an, daß sie auch auf das Evangelium hätten schwören müssen. Man betet aber das Evangelium nicht an, wenn man gleich darauf schwört**. Man muß erstaunen, wenn man sieht, wie viele Künste die Menschen wissen, ungerecht zu werden» Uu z Die * ^A.IV,p.-6,,rom.IV.<Üzp.»zrZ. * KlaimliourZ. IM. äes ^conocl. I. Z. x. lS4> 678 Anhang einiger histortsch-critischm Die nicänische Kirchenversammlung hatte im Anfange viel widrige Schicksal? zu erfahren. Sie wurde fast von allen abendlandischen Bischöfen, welche nicht von dem Pabste abdingen, verdammt. Carl, der Große, hatte zu Frankfurt eine Versammlung der Bischöfe berufen, morinncn die Verordnungen der con- stantinopoliranischen und der nicänischen Kirchenversammlung untersucht wurden. Nach einer strengen Vergleichimg geschah wider den Willen des Hadria- nus und seiner -Legaten der Ausspruch, daß es zwar keine Gottlosigkeit wäre, die Bildnisse der Heiligen in den Tempeln zu haben, um sich dadurch an ihre Tugenden zu erinnern, daß es aber die Christen, als ein Verbrechen, ansehen müßten, sie anzubeten und ihnen eine gottesdienstliche Ehre zu erweisen. Carl, der Erosse, schrieb selbst wider die Anbetung der Bilder vier Bücher, und beschuldigte die nicänischen Verordnungen der Gottlosigkeit, der Thorheit und Ungereimtheit. Das sind die Schicksale der andern nicänischen sogenannten allgemeinen Kirchcnversammlung. Wenn man umständlicher von der Geschichte des Bilderdienstes unterrichtet seyn will, so wird man seine Neubegierde im Hospinian, Daille, Spanheim, und Basnage vollkommen befriedigen können. Man muß die göttlichen Gerichte anbeten, die Gott über seine Kirche kommen ließ, indem sie mit so großen Finsternissen und Irrthümern verdunkelt warb. Er zeigte der Welt, daß sie sehr leicht wieder in den Aberglauben, und selbst in die Abgötterey zurückfallen könnte, wenn er nicht ihren Verstand erleuchtete. Sie hatten mit ihren Streitigkeiten, Zankereyen, und Keßercycn diese schreckli- * Viä. Ilbr. I. c> -5. libr. II. c, 19. Übr. III. c. zo. Abhandlungen. 679 schrecklichen Strafen verdient, und wollte Gott, daß einmal die ganze Erde von diesen schrecklichen Gerichten seiner Gerechtigkeit befreyt werden möchte! Unzählige Menschen halten noch ißt die Ehre, die Steinen, Gemälden, und Bildern gegeben wird, für Religion. Doch wenn wir seine Gerechtigkeit mit Zittern anbeten, so müssen wir auch seine unendliche Güte mit Dank erheben,daß er die Wahrheit mitten unterJrrthü- mern erhalten hat, und sein Licht in den dicksten Finsternissen, obgleich mit einem schwachen Schimmer, leuchten lassen, bis sie endlich mit vollem Glänze wieder hervorgebrochen ist. »»OOGOGGOOOOGOOGGO»»«» Von dem Ansehen der Kirche in Sachen der Religion. ie Wahrheiten der Religion haben so viel Maje. stät, so viel Licht, und so viel Stärke in sich selbst, daß sie einen ieden unpartheyischen Menschen, welcher mit einer ausrichtigen Liebe zu seiner Wohlfahrt über sie kömmt, nothwendig erleuchten und überzeugen müssen. Die Schriften, in welchen sich Gott den Menschen offenbaret hat, brauchen keinen andern Beweis, als ohne Vorurtheile gelesen und untersucht zu werden. Sie sind so göttlich, daß sie keiner menschlichen Zeugnisse bedürfen. Sehr viele von den Mitgliedern der römischen Kirche machen sich von den geoffenbarten Wahrheiten, und den heiligen Büchern, worinncn sie enthalten sind, keine so erhabnen Vorstellungen. Sie behaupten, daß das Ansehen der Kirche der gewisseste und untrüglichste Beweis von den Uu 4 Wahr- 68c> Anhang einiger historisch - critischen Wahrheiten ist, welche zur Seligkeit nothwendig sind. Es sind einige unter ihnen so weit gegangen, daß sie gesagt haben: die heilige Schrift würde nicht mehr Glauben verdienen, alsTilusLiviuS*, oder alödieFa- beln des Aesovus, wenn sie nicht von der' Kirche ihr Ansehen erhielte. Das sey fern von uns, daß wir allen Vertheidigern der römischen Kirche solche Meynungen zutrauen sollten! Aber so weit gehen doch, wo nicht alle, doch die Meisten unter ihnen, daß sie die Kirche zur unfehlbaren Richterinn der Wahrheiten machen, welche die Menschen annehmen sollen, wenn sie selig zu werden wünschen, und daß sie ihr allen Glauben der Menschen unterwerfen wollen, ohne ihnen die Freyheit! zu lassen, die Aussprüche dieser Lehrerinn zu uns tersuchen. Der Bischof Äojsvet scheint unter denen zu seyn, welche von uns verlangen können, daß wir den Zeugnissen der Menschen mehr glauben sollen, als den G>4!j S. Zeugnissen Gottes. lVenn unser Verstand, sagt er, der von Natur ungewiß, und durch seine Ungewißheit ein Gaukelspiel seiner eignen Dcrnunfc- jchiüsie geworden ist, in den Fragen von seiner " Seligkeit.' durch ein unstreitiges Urtheil gewiß gemacht, und gleichsam zur N)ahrheic bestimmt werden muß; welch Ansehen ist größer, als das Ansehen der katholischen Rirche, weiche in sich selbst das Ansehen aller vergangnen Jahrhunderte, und der alten Traditionen des menschli? chen Geschlechtes begreift, und also bis auf den Ursprung aller Dinge zurückgeht. Diese Lehre der römischen Kirche, welche Vossvec mit der Kunst der Bcredtsamkeit in seine Geschichte sü * datecliikme 6s; tüonrrovsr5o5 par le?ere Ls^le, re» . kurc nzr ^iver, yueK. 12. äe I' Lcrirure. Abhandlungen. 6gi so eittzuflechten weis, daß sie ein vortheishaftes Ansehen bekommt, enrhält vornehmlich zwo Meynungen, welche nicht allein ohne alle Beweise angenommen werden, sondern so gar die alten Lehrer der Kirche wider sich haben. Die erste ist diese, daß der menschliche Verstand in den Fragen von seiner Seligkeit durch seine natürliche Ungewißheit so sehr ein Gaukelspiel seiner Vernunftschlüsse werden kann, daß ihm zur gewissen Erkenntniß der lVahrheic kein andrer N>eg übrig bleibt, als der Ausspruch der Zxirche. Die andre eben so ungegründete Meynung ist diese, daß die Airche ein Ansehen hat, wodurch der seiner lTla- tur nach ungewisse menschliche Verstand gewiß gemacht und zur TVahrbeit bestimmt werden kann. Einige kurze Anmerkungen werden uns überführen, wie ungegründet beyde Sätze sind. Unser Verstand ist von Natur so ungewiß nicht, wenn er nicht von den Vorurtheilen und Leidenschaften des Herzens verderbt wird, daß er die Wahrheit nicht durch sich selbst von dem Irrthume unterscheiden könnte» Er ist fähig, durch das Licht der Vernunft so viel von Gott, und seinen unendlichen Eigenschaften zu erkennen, daß er aileOsscnbarungen,welchc für göttlich ausgegeben werden, hinlänglich beurtheilen kann, »b sie von Gott sind, oder nicht. Wir wollen annehmen, daß ein Mensch, der die Offenbarung der Christel, schon für göttlich halt, in diesen oder jenen Wahrheiten noch ungewiß ist, und Unterricht sucht. Der römische Gottesgelehrte wird zu ihm sagen, daß er die Lehre, in der er ungewiß ist, für wahr halten muß, weil die Kirche sie für wahr hält. Er wird ihm alle Untersuchung verwehren, oh diese oder jene Wahrheit mit andern Leh- U u 5 re» 682 Anhang einiger historisch britischen ren der Offenbarung streitet oder nicht, ob sie den unleugbaren Wahrheiten der Vernunft gemäß ist, oder widerspricht, ob sie den göttlichen Vollkommenheiten anständig oder unanständig ist; kurz., er wird ihm verwehren, mit eignen Augen zu sehen. Allein der noch ungewisse Christ wird ihm antworten, daß ihn Gott nur selig machen kann, und nicht die Menschen; er wird zu ihm sagen, daß er sich das Recht nicht nehmen las- 2oh.5,z->. sen will, das ihm Christus selbst gegeben hat: Suchet in der Schrift, denn sie tfts, die von mir zeuiet. Wenn ich die Wahrheit, wird er sagen, nich.' in der Offenbarung finden könnte, was hölfe mir das Recht, darinnen zu suchen? Wird wohl eine Leh. re dadurch Wahrheit, daß man es sagt, und daß man es in vielen Jahrhunderten nach einander gesagt hat, daß es Wahrheit ist? Die Wahrheit muß ihre eigenthümlichen Charaktere haben, die ich kennen muß, ehe ich sie dafür halten kann. Was wird der römische Gottesgelehrte darauf antworten können ? Vielleicht wird er sagen, daß man sich dem Ansehen des Heiligen Geistes unterwerfen müsse, welcher durch die Kirche rede *. Der Christ wird so ehrerbietig gegen Gott seyn,und das erste glauben; allein er kann der Freyheit seines Verstandes gebrauchen, und das letzte leugnen, wenn es nicht bewiesen wird. Er wird ihn fragen: Redet darumderHeilige Geist aus einer Gesellschaft, weilsie sagt, daß er aus ihr redet? Wird einem solchen lehrbegierigen Christen nicht zum wenigsten allezeit die Untersuchung frey bleiben, ob auch der Heilige Geist aus der Kirche redet? Eine solche Untersuchung wird sich aber allezeit über die Wahrheiten selbst erstrecken müssen, * S. Bossvets LxxoKnon äe !a «loÄrüie äe l'LgUle <5stnoliyue p. Abhandlungen. 68z sen, welche die Kirche dafür hält, und die göttliche Offenbarung wird am Ende immer die einzige Richtschnur seyn, nach welcher er seine Untersuchung anstellt. Ich will dieses noch mit einer Anmerkung bestätigen. Es sind nicht alle Menschen so träge, daß sie die Rechte ihrer Natur lieber aufgeben, als sich in die verdrießliche Arbeit einlassen sollten, etwas sorgfältig zu untersuchen. Allein das ist nicht der natürliche Zustand des Menschen; die Schlafsucht ist allemal ein untrügliches Kennzeichen eines kranken Körpers, der ganz in Unordnung gebracht ist. Man sollte dergleichen trage Geister lieber aufzuwecken suchen, als durch die Ermahnungen, seine Seligkeit seinen Lehrern zu überlassen, noch mehr einschläfern. Wenn also der Mensch nicht aus einer unedlen Bequemlichkeit aufhört, vernünftig zu seyn, und selbst zu urtheilen, so wird er sehr eifersüchtig über die Rechte seines Verstandes halten. Er wird alle äußerliche Macht, die ihn zwingen will, etwas als Wahrheit zu glauben, wovon er noch nicht überzeugt, ist, als eine Tyrannen ansehen und hassen. Das wird auch kein Verbrechen seyn, so lange die äußerliche Macht, die ihn nöthigen will, etwas zu glauben, nicht Gottes Macht ist; dieser aber wird er so wenig, als der Wahrheit widerstehen können. Ein Glaube, der sich nur allein auf das Ansehen gründet, ergiebt sich eigentlich nicht der Wahrheit, sondern dem Ansehen, und was ist er also anders, als ein Vorurtheil? Ein Mensch mit einem gesunden Verstände haßt dieVorurtheile; seine natürlicheEmpfindung lehrt ihn,daß sein Verstand so frey ist,als sein Wille; daß sein Verstand durch nichts als durch die Wahrheit, oder durch denSchein der Wahrheit gezwungen werden kann, 684 Anhang einiger hiftorisch-critischm so wie sich der menschliche Wille nur durch das Gute oder durch den Schein des Guten bewegen läßt. Wenn es also der Ernst Gottes ist/ daß die Menschen die Wahrheit erkennen sollen, so muß er in sie selbst eine Starke gelegt haben, vor der alle Ungewißheit und Zweifel verschwinden müssen. Es ist nunmehr die Frage leicht zu entscheiden, wer Gott in seinen Wahrheiten mehr ehrt, diejenigen, welche erst Zeugnisse der Menschen haben wollen, ehe sie sie für göttlich halten, oder diejenigen, welche überzeugt sind, daß sie ein unpartheyi- schrs Gemüth überwinden können/ und wenn alle Menschen wider sie zeugten. Ein römischer Gotteögelehrter wird einem Heiden, einem Mahomctaner, einem Freygciste und Zweifler diese Freyheit, die Wahrheiten der Religion zu untersuchen, lassen müssen, wenn er ihn so weit zu bringcn wünscht, daß er sie ^kennen und ehren soll. Mail sage zu einem von diesen Ungläubigen: man muß dieses oder jenes für wahr halten; denn die Kirche befiehlt es zu glauben, und ihrem Ansehen muß man sich unterwerfen. Wie soll er der Kirche sein Urtheil unterwerfen, da er die Kirche noch nicht kennt? Was ist die Kirche, wird er sagen? Wo ist sie? Ist sie eine Versammlung der wahren Gläubigen? Wer sind diewahren Glaubigen? Warum machen diese oder jene Anspruch auf diesen Namen ? Ist die Kirche im Oriente, oder im Occidente ? Ich sehe tausend Gesellschaften, die alle in ihren Meynungen weit von einander abweichen, und sich darum hassen und verfolgen, und alle diese Gesellschaften nennen sich die wahreKirche. Wo soll ich sie finden? Der Katholik wird zu ihm sagen: unsre Kirche ist allein diejenige, die den ungewissen Verstand der Menschen gewiß machen und zur Wahr- Abhandlungen. 685 heit bringen muß. Denn wir können eine ununter- brochne Folge von Bischöfen aufeinander bis aus Christum zurückführen; allen andern Kirchen fehlt diesc6 Siegel der Wahrheit. Darauf wird er ihm, um sich die Mühe der Beweise zu ersparen, den Verlust seiner Seligkeit vorstellen, den er zu befürchten habe, wenn er sich nicht unter die Herrschaft der Kirche demüthigen will. Er muß also schon Gründe suchen, das Ansehenseiner Kirche zu beweisen. Äu't welchem Rechte kann also nicht ein Ungläubiger Beweise für Wahrheiten fodcrn, die so wichtig sind, daß sie sein ewiges Schicksal bestimmen? Er wird es auf menschliche Zeugnisse nicht wagen, selig oder verdammt zu werden. Ein evangelischer Lehrer kennt die Stärke der Wahrheit und weis, daß sie sich vor keiner Untersuchung scheuen darf, und daß sie nur desto herrlicher erscheint, je sirenger sie untersucht worden ist. Er wird zu den Ungläubigen sagen: diese Lehren halten wir für Lehren, die Gott geoffenbart hat; dieses sind die Kennzeichen ihrer Göttlichkeit; das sind eure Zweifel und ihre Auflösungen ; seyd unpartheyisch, seyd ohne Vorurtheils und Leidenschaften; glaubt die Wahrheiten nicht, weil sie von den Menschen dafür ausgegeben werden; untersucht sie mit aller Strenge und Freyheit, aber ohne Stolz und ohne ein eitles Vertrauen auf euch selbst, und bittet den Gott, den ihr noch nicht kennt, und den ihr zu kennen wünscht, daß er eure Augen ausschließen möge. Man braucht die Natur des Menschen nur ein wenig zu kennen, um einzusehen, daß die Art der evangelischen Lehrer, die Welt zu unterrichten, allein geschickt ist, die Feinde der Religion zum Stillschweigen zu bringen. Die Erfahrung bezeugt solches» Würde der Freygeist, der vor nicht langer Zeir in 686 Anhang einiger historisch-critischm in Engelland durch eine vernünftige und sorgfältige Betrachtung der wunderbaren Bekehrung Pauli aus einem Feinde unsrer Religion, ihr Vertheidiger geworden ist, durch das Ansehen der Kirche gewonnen worden seyn? Die Juden konnten einen leidenden, einen gekreuzigten, einen sterbenden Meßias nicht leiden; sie verlangten einen weltlichen König, welcher sie von der Dienstbarkeit der Römer besreyen,und sie zu den Herren der Welt, und zu den Besitzern ihrer Reichthümer machen sollte. Ihr Irrthum war aus einem Misversta», de der Schriften des alten Testamentes entstanden; er mußte also durch den rechten Verstand wieder verbessert werden. Woraus erklärte der erstcmdne Heiland den Jüngern auf dem Wege nach EmauS die Lehre von der Erniedrigung des Meßias? Er berief sich aufkeine menschlichen Zeugnisse; er erklärte'die Schrift Luc.24,27. durch die Schrift. Er fing an von Mose und allen Propheten, und legre ihnen alle Schrift aus, die von ihm gesagt waren. Ihr Verstand, der von Natur nicht gewisser war, als der Verstand andrer Menschen, der bey dem Vorurtheile, daß er Israel auf eine leibliche Weise erlösen sollte, noch ungewisser, und ein Gaukelspiel der Schlüsse und Zweifel ihres Vorurtheils wurde, empfand dennoch die Stärke der Wahrheit, ohne durch irgend ein Ansehen zur N>ahrheic bestimmt zu werden. Christus, der durch seine Gegenwart allein alle Zweifel hätte widerlegen können, giebt sich ihnen nicht eher zu erkennen, bis ihr Verstand davon überzeugt, und ihr Herz von dem Gefühle der Wahrheit entbrannt war. Ihr Bekenntniß, das sie gegen einander thaten, als Christus sich ihren Augen wieder entzog, Abhandlungen. 637 entzog, überführt uns davon. Brannte nicht, sagten sie, unser Herz in uns, da er mit uns redere auf dem lVege, als er uns die Schrift offnere? Warum wollen mir mit den Menschen anders umgehen, als Christus selbst und seine Jünger mit ihnen umgegangen sind, die alle ihre Gemeinen ermähnen, was ihnen gepredigt wird, nach der heiligen Schrift zu untersuchen? Es ist also unstreitig, daß die Kirche das Ansehen nicht hat, einen ungewissen Verstand, welcher das Gaukelspiel seiner Vernunftschlüsse geworden ist, gewiß zu machen und aus seinen Zweifeln zu reißen. Ihr Ansehen wird nur übertrage und leichtgläubige Geister eine solche Gewalt haben, daß sie Wahrheiten glauben, ohne sie zu untersuchen. Diese blinde Unterwürfigkeit, heißt es in einer Schrift wider den Herrn Ar- naud, einen berühmten Vertheidiger des Ansehens der römischen Kirche, wo man seinem eignen Verstände entsagt, um sich auf die Einsicht einer Gesellschaft zu verlassen, die man die Rirche nennt, scheint ganz für die Trägheit des menschlichen Verstandes gemacht zu seyn. Er liebt die Ruhe, er haßt die Arbeit, die Untersuchung der Lehren schreckt ihn, u. er sieht es sehr gern, wenn er jemanden findet, auf dessen Schultern er sich werfen kann, um ohne Mühe in die Wohnungen der Seligkeit gerragen zu werden. Diese Neigung des menschlichen Herzens ist es, welche diesem Blendwerke noch ein Ansehen giebt» Es giebt mehr Menschen, die, wenn es aufih- re Seligkeit ankömmt, trage und nachlaßig sind, als arbeitsame und sorgfaltige, welche von dem N?ege Gewißheit haben wollen, auf dem 688 Anhang einiger historisch-critischen dem sie gehen. Es ist so gewiß/daß diese schädliche Lehre allein von oer Trägheit des menschlichen Herzens Unterstufe wird, daß selbst m der wahren Dirche, wo man die Menschen beständig ermähnt, die Geheimnisse der Reli- mon selbst zu untersuchen, die Meisten einschlagen, und eines fremden Glaubens leben Man entzieht dadurch, daß man die Wahrheiten der Religion selbst untersuchen darf, der Kirche ihr Ansehen nicht; mansetztihm nurseinegchörigenGrenzen. Wenn man die Wahrheit gefunden hat, so ist es eine außerordentliche Beruhigung für ein edles Herz, wenn man sieht, daß sie von allen Jahrhunderten, und durch den Glauben unzahliger Menschen bezeugt wird. Die Hochachtung für die Religion, und die Dankbarkeit gegen die Güte Gottes, der ihr eine solche Stärke giebt/ daß sie so viele Menschen erleuchten kann, wird vermehrt. Der Haß gegen die Irrthümer nimmt zu, wenn uns die Geschichte lehrt, daß, so längs Zeit sie auch durch den Beystand der menschlichen Leidenschaften erhalten werden, doch endlich wieder untergehen müssen. Allein eben dieses Ansehen, das die Kirche hat/ muß sie von der Wahrheit selbst und von der heiligen Schrift erhalten. Das ist die Lehre aller Väter, und sie wird durch die ganze Kirchengeschichte bestätigt. Wir brauchen nur einige Zeugnisse davon anzuführen. Die heilige Schrift war bey der nicanischen Kirchen- Versammlung die einzige Richterinn des Glaubens. Als Constcmtin, der Große, die Bischöfe ermähnte, die Lehre des Arius zu untersuchen, so sagte er zu der Versammlung: Die Schriften der Evangelisten und Apostel, * I/Lchrir äe Uonlleur ^mauä, wm. II. x. 97. Abhandlungen. 689 Apostel, und die göttlichen Aussprüche der Propheten, lehren uns deutlich, waöwirvonGorc glaub, n sollen; laßt uns also alle Zwietracht vergessen, und von den Gchrifren, die von Gorc eingegeben worden find, die Auflösung der gegenwärtigen Fragen annehmen*. Hilarius sagt in seinem Werke von der Dreyeinigkeit ausdrücklich, daß derjenige die heilige Schrift recht lese, welcher den Verstand ihrer Worte nicht zu ihr bringt, sondern von ihr selbst erhalt, ihn von ihren Aussprüchen mehr erwartet, als ihr aufdringt,und) die Menschen nicht nöthigt, das in ihren Worten zu finden, wovon man sie vorher überredet hat**. Einer von den Lobsprüchen, welchen Basilius, der Große, dem AmphilochiuS giebt,ist dieser, daß er in seinen Unterredungen von göttlichen Wahrheiten nicht seine noch anderer Meynungen anführe, sondern sorgfältig untersuche, was in diesem oder jenem Ausdrucke, und fast in einer ieden Sylbe für ein Verstand verborgen liege. An einem andern Orte sagt er: Es ist ein offenbares Vergehen, und ein unleugbarer Stolz, etwas zu leugnen, was die Schrift lehrt, oder etwas hinzuzusetzen, was nicht darinnen geschrieben ist Dieser Ausspruch ist dem übertriebnen Ansehen der Kirche ganz entgegen. Kann man wissen, daß die Kirche eine getreue Verwahrerinn der geoffenbarten Wahrheiten ist/ wenn man ihre Aussprüche nicht nach den heiligen Schriften untersuchen darf? Man * l'lieoäor. I!Kr. I. c. 7. " tiilsrlu! I. I. äe Irinir. Lsül.IVl. äe 8?u-ir. LsnÄ, c. I.Ick.inUomU.äoKäs. Tr 690 Anhang einiger historisch-critischm Man kann die Aussprüche der allgemeinen Kirchenversammlungen als Aussprüche der ganzen Kirche ansehen. Die Bischöfe reden hier im Namen aller Gläubigen; wer sollte ihre Urtheile und Verordnungen nicht ehren? Allein diese Ehrfurcht hat ihre Grenzen ; die größten Versammlungen erhalten nicht eher «einiges Ansehen, als wenn sie mit der Offenbarung übereinstimmen. Das ist die Meynung eines Hicronymus, welcher doch schon in solchen Zeiten lebte, wo die reinen Lehren der ersten Jahrhunderte mit menschlichen Meynungen erst befleckt, und, da die Meynungen nach und nach in Irrthümer ausarteten, endlich verfälscht wurden. Die Lehre des Heiligen Geistes, sagt er, ist diejenige, welche in den heiligen Schriften enthalten ist, und wenn die Zxirchenversammlungen etwas beschließen, was Wider sie ist, so verdamme ich ihre Aussprü- che^ Die römischen Gottesgelehrten berufen sich in der Vertheidigung ihrer Lehre von dem Ansehen der Kirche gemeiniglich auf den Augustinus, welcher an einem Orte sagt: Ich würde dem Evangelio nicht glauben, wenn mich nicht das Ansehen der Kirche dazu bewöge. Allein dieser große Lehrer muß sich entweder selbst widersprochen haben, oder er muß durch andre Stellen aus ihm erklart werden. Er sagt an einem andern Orte: In der Schrift haben wir Christum gelernt; in der Schrift haben wir auch die Rirche gelernt ^. Wenn er uns an einem andern Orte unterrichten will, wie wir zur Einsicht in den wahren Verstand der Schrift dringen können, so schlagt er uns nicht * tlieronym. in epik, sci /^uxuli. exiK. 166. Abhandlungen. 69t nicht die Kirche vor, daß wir unsre Zuflucht zu ihr nehmen sollen. Er verlangt, daß man sie fleißig lesen, sorgfältig überdenken, andächtig beten, und mit einem anhaltenden Eifer betrachten soll^. Man findet in den Werken des heiligen Chrysosto« muö eine unvollendete Auslegung über den Evange> listen Matthäus, welche diesem Kirchenvater gemeiniglich zugeschrieben wird. Es ist uns nur noch die lateinische Ueberseßung davon übrig. Der Verfassender zum weiugsten an die Zeiten des ChrysostomuS reicht, wenn er es nicht ist,stellt in der 49 Homilie eine Verglei- chung zwischen dem jüdischen Lande, dessen Verwüstung der Heiland weißagt,und zwischen der christlichen Kirche Matth. an, welche zu seiner Zeit von Ketzereyen zerrüttet wurde. Aus dieser Vergleichung, die viel Schönes enthält, will ich nur eine Stelle anführen. „Die Kirche „ist auf heiligen Bergen gegründet; diese heiligen ,>Berge sind die Schriften der Apostel und Propheten. Warum svll man aber seine Zuflucht zur heiligen Schrift nehmen? Weil nunmehr, nachdemdie „Kirche mit Keßereyen überschwemmt worden ist, die »wahre Christenheit keinen andern Beweis haben,und „für die Christen keine andre Zuflucht seyn kann, als „die heilige Schrift. Vorzeiten konnte man dieKirche „Christi und das Heidenthum durch vielerlei) Kenn- „zeichen unterscheiden; nunmehr können diejenigen, „welche wissen wollen, welches die wahre Kirche Chri- „sti ist, solches nicht anders erkennen, als durch die „heilige Offenbarung. Warum? Weil alles, was „Christi wahren Bekennen? zugehört, die Ketzereycn in „allen ihren Secten auch haben; sie haben Kirchen, wie „dieRechtgläubigen; sie haben sogar dieheiligcnSchrif- „ten, wiesle; sie haben Bischöfe, wie sie; die übn- Tx 2 . „gen 692 Anhang einiger historisch-critischen „gen geistlichen Orden, wie sie; die Taufe, wie sie; das „Abendmal, und alles übrige, wie sie; endlich auch „Christum, wie sie. Wenn also iemand wissen will, „welches die wahre Kirche Christi ist, woher soll er „sie bey einer Aehnlichkeit, welche so groß ist, daß er eine „mit der andern vermengen kann, woher sage ich, kann „er die Kirche Christi anders erkennen, als durch die „Schrift? Vorzeiten konnte man durch die Wunder „erkennen, was wahre und falsche Christen waren. „Wie so? Die falschen Christen konnten entweder kei- „ne Zeichen thun, wie die Christen, oder sie konnten sich „nicht durch solche Wunder rechtfertigen, wie die Chri- „sten thaten, und daran erkannte man die wahren und ^falschen Christen. Nunmehr aber ist die Kraft „Wunder zu thun verringert worden; ja man wird „bey denen, die falsche Christen sind, noch mehr Wun- „der finden, ob sie gleich erdichtet sind. Denn dem „Antichrist soll eine volle Macht gegeben werden, Zei- „chen zu thun. Vorzeiten erkannte man die wahren «»Christen an ihren Sitten, da noch die Gesellschaft „entweder aller oder der meisten Christen heilig war, „da die Ungläubigen hingegen auch unheilig waren. „Nun aber sind die Christen entweder eben so, oder noch „schlimmer, als die Keßer und Heiden.Man findet sogar „bey denen, welche sich von der Kirche absondern, noch „mehr Enthaltsamkeit, als bey den Christen. Wer „also erkennen will, wo die wahre Kirche ist, wie will „er sie anders erkennen, als durch die heilige Schrift? „Der Herr sah vorher, was für eine große Verwirrung in unsern Tagen zukünftig wäre; er befahl alfo, „daß die Christen, die in der Christenheit seyn würben, und im wahren Glauben bestätigt zu werden »Münschen, zur Schrift allein ihre Zuflucht nehmen „sollten. Abhandlungen. 69z „sollten. Wo sie sich aber nach einer andern Zuflucht „umsehen würden, so würden sie sich ärgern und umkommen, und nicht wissen, welches die wahre Kirsche wäre *.„ Kann man auch nur einen evangelischen Lehrer zeigen, welcher die Lehre von dem Ansehen der Kirche anders vorgetragen hätte? Wenn die römischen Gottesgelehrten von der Kirche reden, welcher sie ein so großes Ansehen geben, so verstehen sie nicht alle diejenigen darunter, welche die Wahrheiten der geoffenbarten Religion bekennen; alle Layen werden davon ausgeschlossen; denn wie sollte der Pöbel wissen, waö recht ist? Sie verstehen unter der Kirche nicht einmal alle Lehrer, sondern unter diesen nur die Bischöfe, vornehmlich aber den römischen Bischof mit allen seinen Vorfahren. Dossver redet immer von einer Kirche, wo Petrus und seine Nachfolger den ersten Rang und die oberste Gewalt haben, und von denen man, wie er sagt, in einer ununter» brochnen Reihe bis auf Christum zurückgehen kann» Es kann so schwer nicht seyn, alle diese Bischöfe, welche man die Kirche nennt, zu überzählen. Man kennt sie, man kennt ihre Irrthümer, man kennt ihre Laster. Die Geschichtschreiber ihrer Zeiten haben uns die Denkmäler ihrer Verbrechen hinterlassen. Soll man die römischen Gottesgelehrten, welche den evangelischen Kirchen bestandig einen Vorwurf machen, daß sie sich von der Gemeinschaft ihres Bischofes abgesondert haben, die sie für die alte wahre Kirche halten, soll man sie, sage ich, in das zehnte Jahrhundert zurückführen, und sie an einen Johann den XII erinnern, der seine Nachfolger zuerst gelehrt hat, ihre Namen bey ihrer Gelangung zur päbstlichen Würde zu verändern? Luitprand* der damals in Italien gewesen Xrz ist, * I-uirxrnä. ttiü.Ubr. 6. c.6.?. 5.1x4. 694 Anh. einiger Worisch-critischen Abh. ist/ läßt uns, Frauen, Jungfrauen und Nonnen sehen, deren Tugend er selbst in den Kirchen bekriegt hat. Das sey fern von uns, daß wir die Laster derjenigen, welche in den vergangnen Jahrhunderten ihren apostolischen Sitz entweiht haben, der itzigen römischen Kirche aufbürden wollten! Unsre Religion lehrt Un6 unsre Feinde l'eben; warum sollten wir diejenigen nicht lieben, die Christum bekennen? Es geschieht alsomchtin der Absicht, sie zu beleidigen, daß man sie in die verflossnen Jahrhunderte zurücksehen heißt; man will ihnen nur zeigen, daß ihre Kirche das Ansehen nicht hat, den Verstand, der von lTlarur ungewiß ist, und in seiner Ungewißheit ein Gaukelspiel seiner Vernunftschlüsse wird, gewiß zu ma- ahrheirzu bestimmen.Manwill nur fragen, ob der Ausruf des Bischof Dossvets so richtig ist: 5Velch Ansehen kann größer seyn, als das Ansehen der katholischen Zxirche, das das Ansehen aller Jahrhunderte begreift, und ihre Folge bis auf den Ursprung der N)elc zurückführen kann! Wir können das Schicksal ihrerKirche und der unsri- gen der Zukunft überlassen. Alles was sich selbst erhebt, sagt Bossvet,wa6 menschlich, was nicht von Gott ist, hat sein bestimtes Schicksal; es wird untergehen. Ein Jahrhundert vergeht nach dem andern; einKönigreich vergeht nach dem andern; ein Geschlecht stirbt nach dem andern. Es werden neue Jahrhunderte, neue Königreiche, neue Geschlechter kommen, und alle werden vergehen. Unzählige Irrthümer haben sich erhoben, und sind gefallen; so lange Menschen, Leidenschaften, Vorurtheile, und Lasier sind, werden sich neue Irrthümer erheben, und wieder fallen. Nur die Wahrheit ist, wie Gott, ewig und unveränderlich. I"- ^ >A ^ Inhalt dieser Einleitung. Der erste Theil enthält die 'Epochen. I. Epoche, Adam, oder die Schöpfung, das erste Alter der Welt 8 Seite II. Epoche, Noa, oder die Sündflut, das andre Alter der Welt , ir III. Epoche, der Beruf Abrahams, das dritte Alter der Welt 15 IV. Epoche, Moses, oder das gefchriebne Gesetz, das vierte Alter der Welt 20 V. Epoche,die Einnahme der Stadt Troja 25 VI. Epoche, Salomon, oder der Bau des Tempels, das fünfte Alter der Welt 27 VII. Epoche, Romulus, oder die Erbauung der Stadt Rom 35 VIII. Epoche, Cyrus, oder die Befreyung der Jüden, das sechste Alter der Welt 57 IX. Epoche, Scipio, oder die Ueberwindung der Stadt Carthago 90 X. Epoche, die Geburt Jesu Christi, das siebente und letzte Alter der Welt -09 Xr 4 XI. Epoche, Inhalt. XI. Epoche, Constantin, oder der Friede in der Kirche 155 XII. Epoche, Carl der Große, oder die Aufrichtung eines neuen Kaisertumes ,73 Der andre Theil enthätt die Folge der Religion. !. Von der Schöpfung und den ersten Zeiten 182 II. Vom Abraham und den Patriarchen 204 III. VomMofes, demgeschriebnenGesetze,und der Einführung des Volkes Gottes in das gelobte Land 216 IV. Vom David, den Königen, und Propheten 237 V. Von den Zeiten des andern Tempels 271 VI. Von Jesu Christo und feiner Lehre 290 VII. Von der Ausgießung des Heiligen Geistes, und der Aufrichtung der Kirche, und den göttlichen Gerichten über die Jüden und Heiden Z2i VIII. Besondre Betrachtungen über die Bestrafung der Jüden, und über die Vorherverkündigung dieser Strafen von Jesu Christo 340 IX. Von zwo merkwürdigen Weißagungen unsers Heilandes wider die Jüden 354 X. Ueber Inhalt. X. Ueber die Folge der jüdischen Irrthümer und die Art, wie sie die Prophezeiungen erklären 569 XI. Von der Bekehrung der Heiden durch das Kreuz Christi 390 XII. Von den verschieden Gestalten der Ab- gotterey 400 XIII. Allgemeine Betrachtung über die Folge der Religion und das besondre Verhältniß der heiligen Bücher der Bibel unter einander 426 Der dritte Theil enthätt die Reiche. I. Von der göttlichen Vorhersehung in dengrossen Veränderungen der Reiche und der Erniedrigung der Prinzen 462 II. Von den besondern Ursachen der großen Veränderungen der Reiche 469 III. Von den Scythen, den Aethiopiern, und den Aegyptern 472 IV. Von den alten und neuen AßyrierN/ den Meden, und vom Cyrus 501 V. Von den Persern, den Griechen, und dem Alexander 509 Xz?5 VI. Von Inhalt. VI. Voll dem Römischen Reiche ' 552 VII. Die Folge der Veränderungen in der römischen Republik 569 Anhang. !. Von dem Range und dem Ansehen, der rö- . mischen Bischöfe bey den allgemeinen Kirchenversammlungen der ersten Kirche 595 II. Von den Begriffen, die man von der Kirche in den ersten Zeiten des Christenthums ' hatte 642 III. Von der andern nicanischen Kirchenversammlung 662 IV. VondemAnsehen der Kirche mSachender Religion 679 Register UWU'WBWKWWW B UNUUWZZNUWB Register über die vornehmsten Sachen. ^!aron,wlrdHoherpriester 21 Adel, seine Geschichte 9 Abyötterey, ihr Ursprung 202. ist zu Abrahams Zeiten groß 206. noch größer zu Mosis Zeiten 219. ist grausam 219. treiben die Menschen selbst mit ihrer Hände Werk 220. wird vertheidigt 401. ob sie Allegorie ist ? 416 Abraham, sein Beruf 15. ihm wird Ccmacm und der Erlöser versprochen 15. sein Charakter 16. Zustand der Religion m seiner Zeit 205. 206. ist im Oriente bekannt 206. seine Lebensart 208. sein Glaube 2c-5?. der Bund Gottes mit ihm 2ic> AcbolittS,ob er Legat des PabstesDamasuö gewesen? 622 Ackerbau, sein Ursprung 11 Adam, wird geschaffen 8. sein Fall 8 Adrianus, seine Regierung 117. nk. baut Jerusalem Aegypter, wo der Ansang ihrer Gesetze und Künste ist iz. ihr Charakter 475. ihre vornehmste Tugend ist die Erkenntlichkeit 475. ihre Gesetze 476. achten alle Künste hoch 476. sind Feinde von neuen Gewohnheiten 477 Aegypren wird eine römische Provinz 109 Aelia, woher diese Stadt ihren Namen hat 118 Aera bedeutet eine gewisse Rechnung der Jahre 57 Aerius, wer er gewesen 140. seine Irrthümer 140 Aetius vertheidigt die Gallier i)v. wer ihn umbringen läßt i;c> Aerhiopier, ihr Charakter 47Z-474 475 Afri- Register. Africa, wird dem Reiche entrissen »48 Agesilaus, seine Thaten 71 Agrippa, besänftigt das römische Volk 6r Agrippina, mit wem sie vermählt wird «5. vergiftet ihren Gemahl 115 Ahas, seine Geschichte Z7 Alaric, wer er gewesen 145. was er gethan 145 Alba, der Sitz der lateinischen Könige von der Nachkommenschaft des Aeneas 34. wird zerstört 40 Albom stiftet das Königreich der Lombarden 156 Alexander Balas, wird auf den Thron gesetzt 94. seine Schwelgerey 94 Alexander, seine Thaten 72. ?z. 74. ehrt den Tempel zu Jerusalem 74. sein Charakter 507. seine Siege 528. 529. sein Tod 529. sieht die Unordnungen nach seinem Tode vorher - 529 Alexander Severus, sein Charakter 120. wird umgebracht 124 Alexander Zebina, wer er gewesen, und von wem er abstammt 162 Alipius befördert den Tempelbau unter dem Julian z55> Alphonsus wer er gewesen 169. seine Siege 169. waö er für einen Namen angenommen 169 Alphonsus, der Keusche, herrscht in Spanien 177 Allia, wird verbrannt 71 Allerchristlichste Röm'A, wer diesen Namen zuerst erlangt . 15z Amalasonre, wer sie gewesen 154 AmaziaS/ wird auf den Thron gesetzt zz Ambrosius, wer er gewesen 142 Amenophis, will den Sesostris zu einem Eroberer erziehen 495 Ammon, seine Regierung 42 Ammo- Register. Ammonius, wer er gewesen 12z. wie er die christliche Religion vertheidiget 12z Anastasius, wer er gewesen 152 was er gethan 152. sein Tod i;z Anastastus, der andere, wird zu Constantinopel erwählt 165 Anaxagoras, wenn er gelebct 89- seine Philosophie 8? Anrigonus Gonaras nimmt Macedonien ein 73 Anciochus, der Große, sein Krieg 90. wirdgeschla- gen 91 Anciochus Euparor, wird König 9z. umgebracht 9z AntiocbusEpiphanes, will das jüdische Volk ausrotten 91. 275. sein Charakter 276. wer sich ihm wider« setzt 276. wie er stirbt 277 Amonin, sein Charakter uZ Anzeichen im Tempel zu Jerusalem vor seiner Zerstö« rung Z4I Aper, wer er gewesen 129. was er gethan 129 Appius Clodiuö, bringt seine Tochter um 67 Arbaces, befreyet die Meder z6 Arbogast, wer er gewesen 14z Arcadius, wer er gewesen 144. stirbt 145 Archonres, was sie sind 26. ihre Statthalterschaft wird von dem Volke bis auf zehn Jahre vermindert 35 Anus, seine Ketzerey iz6 Aristobulus, sein Streit mit dem Hyrcanus 2^8 Arsaces, wer er gewesen, und was er gcstiffret 88 Ancus Marrius, wer er gewesen Aneorestus, bringt sich um Angelsachsen, nehmen Britannien ein 42 85 150 Zlristides, wer er gewesen Aristoteles, seine Secte 62 8? Arses, wirdgetötdet Ar- Register. Arphaxab, von wem er überwunden wird 41 Armimus / von wem er überwunden wird m Arradanus, König der Parther wird umgebracht 120 Arraxerxes, wer er gewesen 6z - - - wie er umgekommen 75» Arraxerxes bringt seinen Herrn um 120. und stellt das Reich der Pcrftr wieder her 120 Asmonaer, ihre Herrschaft wenn siesich anfängt 98 Assarhaddon von wem er abstammet zy. unter ihm wird die Macht der assyrischen Könige größer 39 Assyrier, wenn ihr Reich gestiftet worden 24. ihr erstes Reich geht durch^die Weichlichkeit des Sardanapalus zu Grunde z6. wer den Grund zu ihr Monarchie legt 501 Astyagcs wer er gewesen 4z. wenn er stirbt 45 Rrhanasms wer er gewesen 1Z7. sein Schicksal 137-139 Acalaric wird König 154 Arhenienser, wer ihnen Gesetze gegeben 44. ihr Charakter 522.52z 524 Athen wird zu einer Republik eingerichtet 39 Ataulph, was er gethan «46. mit wem er sich vermählt 146 Arralus, König zu Pergamo, stirbt ioo. und setzt die Römer zu Erben ein 100 Arcila, wer ihn geschlagen 150 Augusiuö, ist der einzige Herr des römischen Reiches 109. unter seiner Herrschaft kömmt JesuS Christus in die Welt 109. folgt dem Cäsar in seiner Macht nach 579 Ami'-iM» des Mönches Einzug in das Königreich Kent 158 Auyuftin verdammt den PelagiuS 147 Avitus, was er gethan 151 Aurelian Register. Aurelian, überwindet die Zenobia 127. macht sich durch seinen Blutdurst verhaßt 127.woran erdie wahre Kirche erkennt 42z B. Dabei, ben seinem Baue werden die Sprachen verwirrt 12. seine Größe und Macht 504. sein Untergang ist prophezeyt worden 25L. 259.261. wie es eingenommen wird 507 Bagoas, wen er umbringt 7z Baladan, stiftet das babylonische Königreich z6. z?. - von ihm hat eine Zeitrechnung ihren Namen 57 Barbaren, wenn sie das römische Reich überschwemmten . 126 Barchochebas, ein falscher Meßias , 567 Basiliskus, sein Aufruhr wird unterdrückt 151 Vaj)t'an,von wem er abstammt 119. wie er sein Leben zubringt 119. tödtet seinen Bruder ny Baukunst, ihr Ursprung n Delisarius, wer er gewesen 154. seine Thaten is4 Belsazer, kömmt seiner Sicherheit wegen um 258 Bellovesiw führt die Gallier an 44 Benediccus, was er gethan 152.15z Dercha, wer sie gewesen 157. was sie gethan 157 Bibel, das älteste Buch 427. ist zu verschiednen Zeiten verfertiget 428.429. ist unverfälscht 430.4Z1.4 ;2. wird von den Ketzern bestätigt 45z. stimmt mit sich selbst überein 4^4. hat Schwierigkeiten 442.44z Bibliothek, die Aegypter haben die erste 484 Bild des Constantins wird in Rom nicht angenommen 1Z2. was darauf erfolgt ,z2 Bilderdienst, wenn er aufkömmt 664u.f. Bildnisse des Philippus warum sie nicht angenommen werden Bild- Register. Bildnisse, ihre Annahmt/ was sie bedeutet tzz Bischof, römische, soll das Haupt der Kirche seyn 598 Doetius,wird umgebracht 154 Donifacius, was er gethan 14z Vossvet, sein Charakter 597 Drennus, fallt mit den Galliern in Griechenland ein 77 Driranntcus wird enterbt 115 Druttts, befreyt die Römer 534« seine Scandhastig- keit' 5Z4 Drunehaulr, ihr Schicksal 159 Vulgarier, wo sie herkommen 16z. was sie weggenommen i6z Burgunder, fallen in Italien ein 126. wer sie gewesen 146. was sie eingenommen 146 Vpzanz, wer es wieder aufbaut iz?. wie es genannt wird iz? C. Cadmus, stiftet Theben 19 Cäsar, bringt die Oberherrschaft in Rom an sich io8.sein Charakter 577.578. wird umgebracht i-,,'8. 578 Cain, seine Geschichte 9 Caliqula, wie er regiert 114. laßt sich anbeten «4 Camdyse5, erobert Aegypten 58. stirbt 46. sein Charakter 509 Camillus, seine Thaten 71.72 Cappadocien, wer dieses Königreich gestiftet 76 Carl Marrel, seine Würde 166. seine Siege 167 Carl der Große, stiftet ein neues Kaiferthum 178 Carrhago^, wird gebaut zo. von den Römern eingenommen 190 Carrhaginensir, ihr Charakter 555.556 Cassander, seine Grausamkeiten 76 Canlina, Register. Carilina,will Rom anzünden Leadual, König von Engelland , wird ein Christ 164. stirbt 164. Cecrops, stiftet das Königreich Athen 18 Charonea, daselbst werden die Atheniensergeschlagen 72 Chosroes, seine Thaten 150. wird von seinem Sohne umgebracht 160 Christen, ihr vornehmstes Gesetz zi2. ihre Unterwürfig« keit 404.405. werden als Feinde des Staats angesehen 405. werden verleumdet 406. vom Plinius gelobt 406 Chrysoftomus,wird verfolgt -45. wer ihn unterstützt^? Cicero, errettet Rom vom Cacilina io6 Limon, wer er gewesen . 69 Claudius, seine Regierung 114. mit wem er sich vermahlt 114 Cleiia ihr Heldenmuth . 6s Clemens, seine Schriften üz Cleopatra, wer sie gewesen 94. 96. mit wem sie sich vermählt 94. 96. was sie für Tyranney ausübt 102. bringt sich selbst um 109 Clorar, wer er gewesen 155. seine Eroberungen 155 Clorilde, wer sie gewesen isz. was sie gethan 15z Clovis, von wem er abstammt 15z. seine Siege 15z« seine Gelübde >5Z. wird getauft 15z. seine Familie kömmt sehr herunter 164 Clusium wird belagert 71 Cölestius, was er geleugnet 147. wer ihn verdammt 147 Chaldaer, sind die ersten Sternseher Chain, wo er bekannt ist Lharops, der erste Archen in Athen Chlldederr, seine Eroberungen Childeric, seine Thaten Chmalaoan, wird gefangen 3s i55 141 4Z )Ä 12 Yy CoUa, Register. Collatin, wird verwiesen 572 Lommodus, von wem er abstammt »9. wird verabscheut 119. und endlich umgebracht »19 Konstantin, der Große, nimmt das Christenthum an 1Z5. seine Siege izs. stellt den Frieden in der Kir- che her und schenkt ihr große Güter und Ehre iZ5. halt eine allgemeine Kirchenversammlung in Nicäa iz6. seine Gemahlinn stört die Ruhe seiner Familie iz6.' theilt das Reich unter seine drey Söhne 137. sein Tod izij Corinrh, wer es zerstört 96 Coriolan, sein Schicksal 61. was er unternimmt 6l. wer ihn besänftigt 6l Crafsus, unternimmt den Krieg wider die Parther 107. wird von den Parthern getödtet 107 Creon, der erste Statthalter zu Athen 39 Crispus, wer er gewesen iz6. warum er angeklagt wird iz6 Curius, wer er gewesen 80. was er gethan 80 Cutheer werden in den Ceremonien des Gesetzes Mosis unterrichtet Z9. werden nach Samaria geschickt, es zu bewohnen 39 Cyaxares, von wem er abstammt 42. seine Eroberungen 42 Cyarares, der II. wer er gewesen und wie er sonst genannt wird 45. wenn er stirbt 46 Cyprian, sein Streit mit dem Cornelius und Stepha- nus 609.610.6il Cyrillus widersetzt sich demNestoriuö ' 146.148 Cyrus, von wem er abstammt 45. wer ihn zum Feldherrn macht 45. seine Thaten 45. 46. wer seine Gemahlinn war 46. wenn er das Volk Gottes befreyt 57. seine Siege sind prophezeyt 257. 260. sein Cha- Register. . - Charakter 507. 508. gründet die persische Monarchie 508 Cyrus, der Jüngere, seine Thaten 70 D. Damascenus, was er gethan M Danaus, macht sich zum Könige in Argos 21 Daniel, seine Offenbarung von den siebenzig Wochen 46. seine Weißagungen vom Meßiaö26z bis 266 Darin», von wem er abstammt, und wie er genannt wird 53 Darms N^Hthus, wer er gewesen ?c> Darms Codomannus, wer er gewesen 7z. wer ihn auf den Thron bringt 7z. wer ihn überwindet 74. sein Charakter 527 David, seine Regierung 27. herrscht über Juda 237. führt die Stiftshütte nach Jerusalem 238. macht Anstalten zum Tempelbau 238. seine Erwahlung ist göttlich 240. seine Prophezeyungen vom Meßias 241. 242. 24z. wird wegen seiner Sünden bestraft 249 Dedora, eine Prophetinn 2z Decevalus, seine Eroberungen 117 Decius, wen er umbringt 124. verfolgt'die Christen 124 Dejoces, wie er in der Schrift heißt, wer er ist 40. von wem er geschlagen wird 42. wie er sein Königreich hinterlassen 4,2 Demerrius poliorceres, wer er gewesen 77 Demecrius Sorer, sein Schicksal 9z. wen er hinterlassen 94 Demecrins !7?icator, was er unternommen 95.96. seine Siege 98. wird gefangen 98 Demosrhenes, was er gesucht 72 Dencschen wollen in Gallien einfallen 1^9. werden geschlagen iZ9 Py 2 Diana, Register. Diantt, ihr Götzendienst wird von den Goldschmieden vertheidigt 402 40z Didius ^julianus, wer er gewesen 119. was er unternommen 119. und wie e6 ihm gelungen 1^9 Dioclerian, was er gethan 129. izc?. wo er seinen Sitz aufgeschlagen izo. muß das Reich verlassen izo. stirbt izz Dollmetscder siebzig, wer sie gewesen 79 Domitianus, unter ihm gehen die Verfolgungen der Christen wieder an u6. sein Tod 117 Dreyeinigkeit wird betrachtet zoo. Z02. zog Dynastien, wie viel ihrer in Aegypten sind 12 E. Adhilbert, wer ihn zum Christenthums gebracht 158 j^duin, nimmt mit seinem Volke den Glauben an 16- j^lgennuy erhalt den Götzendienst . 402 ^Ansiedler, was von ihrem Leben zu halten sey zz? tLkbarana, wer es erbaut 40 j^leazar, wird Hoherpriester 21 j^paminondas, wer er gewesen 72. durch was und wenn er sich hervorthut 72. was er sich für ein Gesetz gemacht 72 Epochen der Welt, ihre Anzahl ^ ZLrve, ihre Veränderung nach dem Falle 195. wird durch die Sündflut verwüstet 199 Lsra, wer er gewesen 67. hat die Bibel nicht verfälscht 4Z5-4Z6.457. 4Z8. 4Z<) j^va/ wiesle sich von der Schlange verführen lassen 194 Evangelium breitet sich geschwind aus 354. ZZ5. zz6 ZLudoria, wer sie gewesen 145.151. was sie gethan 151 was sie für einen Gemahl bekommen 155 Enge- Register. Euttemus, wer ihn erhoben 14z wird gefangen 14z. durä) seinen Tod wird die Rebellion getilgt 14z Evilmerodach, wer er gewesen 45. regiert nicht lange 45. wer ihn umgebracht 45 tLurropms, wer er gewesen 144. kömmt um 144 Euryches, seine Ketzerey 148. 6zi. 632.6zz jkzechias, regiert in Judäa zZ.wird von Gott wunder« barer Weise errettet z8. ihn halt ein Rabbi für den Meßias Z8o 2/. , 'V V" "5» 'i^. ^.v' Labelhafte Zeiten, wenn sie aufhören Z4 Fadllis Maximus, seine Standhaftigkeit 87. wen er gedemüthiget IOZ Fabrieius, wer er gewesen 78. was er gethan 79 Falisker, wem sie sich ergeben, und warum 7^ Fausta, wer sie gewesen 132. was sie für einen Gemahl bekommen 1Z2. was sie gethan iz6. wird erstickt i;6 Lecialen, was sie unter den Römern waren 560 u. f. Fehler großer Geister sind gefahrlich 595 Felix, was er verdammt 152 Finsternisse, die bey Jesu Kreuzigung die Welt überfallen "?u> f. Florian, will Kaiser werden, und wird umgebracht 128 Franken, wer sie gewesen 127. wollen in Gallien einbrechen iZ9.werden geschlagen ebend. was sie gethan 146 Frankreich, wie weites seine Macht ausbreitet ..15s Fredegunde, wer sie gewesen 157. was sie gethan 157 Freygeister, ihre Einwürfe wider die Bibel sind ungereimt 448 Freyheit, Beschreibung der griechischen 518. was sich die Römer für einen Begriff davon machten 55z. aus liebe zu ihr entsteht Zwietracht s68 Py z Friede . ' ^ Register. Friede wird in der Kirche wiederhergestellt 135 G» Galba, wenn er umkömmt 116 Galerius, wird Kaiser izO. was er gethan izou.f.iz^. seine Krankheit izz. und wie er gestorben 1Z4 u. f> Gallienus, wer er gewesen 126 Gallier, fallen ?n Italien ein 71. was sie belagern 71. wenn sie sich von Rom wegbegeben 72. und warum 72. wollen Delphos plündern 77. werden daselbst geschlagen 77. siegen in Italien 77. werden von den Römern geschlagen 78. kriegen mit den Römern 85. werden geschlagen 85 Garizim, darauf wird ein Tempel erbaut 74 Gefangenschaft, babylonische, wenn sie sich anfängt . 4Z Geld, vermag in Rom alles 104. Gemius, wer er gewesen 92. sein Schicksal 92 Germaniens, von wem er abstammt m. seine Thaten und crfolgterTod m Germanus, Patriarch in Constantinopel, wird vertrieben 168 u. f. sein Tod 169 Geschichte, ist vornehmlich Prinzen nützlich 1 u. f. Geschichte, allgemeine, wird mit einer Generalland- karte verglichen 4. Geschichtschreiber, weltliche, sind in der Geschichtedes Cyrus mit einander nicht einig 48 Gefty, geschriebnes 20. wenn es gegeben worden ist 20 Gesetze der zwölf Tafeln, werden aus Griechenland geholt 574 Geta, wer er gewesen 120» wer ihn getödtet üo Gordianen, Vater und Sohn, werden sehr geliebt ,24. ihr Schicksal 124 Gochen, ^ Register. Gothen, fallen in Italien ein 126. empören sich 141«. f. was sie gethan 146. wenn ihr Reich ein Ende hat 165 Gott, die Schrift giebt von ihm den erhabensten Begriff 185. seine Weisheit erhellt auö der Schöpfung 186 u. f. wird beschrieben >88. 20z. giebt sich dem Moses auf eine neue herrliche Art zu erkennen 217. wie ihn Por- phyrius vorstellt 419. von ihm hängen alle großen Veränderungen der Reiche ab s89.59o.s91 Grab, das heilige, wird gefunden 137 Gracchen, ihre Unruhen 100 Graticm, wer er gewesen 140. wem er zu Hülfe eilt 141. wen er zum Mitregenten annimmt 141. sein Schicksal 142 Greuel, bedeutet ein Götzenbild z6r Gregorius, der Große, wird Pabst 157. was er gethan 157 Gregorius, der andre, Pabst, widersetzt sich der Umstürzung der Bilder 168 Gregorius LTlazianzenus, soll Bischofin Constantino- pcl werden 621 Griechen, zählen ihre Jahre nach den Olympiaden 34» ihr Charakter 516. ihre alten Könige 517. ihre Gesetzgeber 517. lieben die Freyheit 518» ihre Philosophen slß U. f. 6' Haggai, seine Weißagung von Christo 269 Hamilcar, wo er gestorben 84 Hannibal, fallt auf Italien los 8s. entflieht 91. wird auf seine Siege stolz 559 Harmodiuö und Aristogicon, von wem sie ihr Land bcfreyt 59 Hasdrudal, von wem er abstammt 84. wie er regiere 84. was er gebaut 84. stirbt 86 Py 4 Hele- Register. Helena, was sie gethan ^ 1Z7 Heiiogabalus oder Elgabal, wodurch er sich verhaßt macht ^ i2o hellen, nach seinem Namen wird Griechenland genannt 19 Henoch,wird von der Welt genommen 9 Heraclmß, wird zum Kaiser ausgerufen 758. was er gethan is) Herodes, wenn sein Tod erfolgtlli.seinKönl'greichwird vertheilt fallt hernach in die Hände der Römer in Herodorus, wenn er geschrieben 6z Herrschaft der N?e!r, wer einander dieselbe streitig macht ^ 7z Hesiodus, wenn er gelebt zo Hieronymu?, König von Syracusa, erklart sich wider die Römer l.'i Hieronymus, der Heilige, was er unternommen -44. wen er widerlegt 147 Hilarius, wer er gewesen 139. und was er gethan 139 Hirrenkunst, ihr Ursprung n Historische Zeiten, wo sie anfangen 34 Hipparchus, von wem er abstammt 59 Hippias/ wer er gewesen 59. unter was für einen Schutz er sich begiebt 59 Hippokrares, seine Philosophie 89 Homer, wenn er gelebt zc>. warum seine Poesie so sehr geliebt wurde 520 Honorius, wer er gewesen 144. ist ein Monothelit 160. wird verdammt 642. stirbt 14s» Horaz und Virgil bringen die lateinische Poesie zur Vollkommenheit in Hormisdas wer er gewesen 154 Hofes, der König von Israel, verlaßt sich ans den Bey- stand Register. stand des Königes in Äthiopien, Sabacon, oderSua, So, und Sous genannt ^ost»s fängt rintcr der Regierung Usia an, seine Weissagung schriftlich kund zu machen Hoslus, ^'cr er gewesen iz6. ob er bey der ersten nica nischcn Kirchenversammlung präsidirt 6:5. 616. Hunnen, was sie verwüsten 156 Hyrcanus, folgt seinem Vater im Hohenpriesterthume 99. zerstört den Tempel auf dem Berge Garizim iOi. nimmt Samaria ein 102. wenn er gestorben 102 I. Jacob, wird dem Esau zum Nachtheile gesegnet 16. sein Streit mit dem Engel ,6. seine Kinder 16. 212. seine Prophezeyung vor seinem Tode 18. seine Lebensart 211. seine Weißagungvom Meßias 21z. 214 u. f. wird erfüllt Z2A Jacoblis präsidirt bey der Versammlung der Apostel 6O4.U. f. Jahrbücher der Syrer, was sie berichten sl Jahr, in welchem Jerusalem eingenommen worden 4z Japhet, ist im Oriente bekannt 12 Ibas, sein Brief wird verdammt isy Iconoklaften oder'Bilderstürmer, wenn sie ihren Anfang genommen 168. wider sie wird eine Kirchenversammlung gehalten 671. 672 u. f. Idumaa, nimmt das Gescß Mosiö und die Beschnei-- dUNg an IO2 Iechonias, wer er gewesen 4z. was unter ihm eingenommen wird 4z Iephrha, macht seinen Sieg durch ein Opfer blutig 25 Jerobeam ist frömmer als seine Vorfahren zz Jerusalem, wie oft es eingenommen worden 4z. warum es mit Samaria feind gewesen 58 u. f. wenn es einge- Py s nommen Register nommen und verbrannt worden 116. ihre Geschichte 2Z5». f. wird vom David und Joab vergrößert 237. wird zweymal belagert Z62. das erwählte ist ein Vorbild des Himmels Z54. das verworfne ein Vorbild der Hölle N4 Jesus Christus, wenn er gebohren iio. läßt sich taufen in. wird dem ersten Menschen versprochen 197. durch die Propheten verkündigt 244 u. f. von ihnen vorgebildet 245. seine Geschichte 291. seine Eigenschaften 292 u. f. seine Wunder 29z. macht eine neue Ordnung der Din- ge 295. wird zum Tode verurtheilt 296. steht von den Todren auf 297. durch ihn verstehen wir die Geheimnisse des alten Bundes 299. ein vollkommnes Muster aller Tugenden Z12. verkündigtden Untergang der Juden vorher zso. 352 u. f. seine erste Weißagung wider sie wird erklärt Zs6. warum er nicht für den MeßiaS erkannt wird 374. kann keines Verbrechens beschuldigt werden 408. wer ihn unter die Götter rechnet 4.10. 414. seine Wunder werden nicht geleugnet 412. soll sie durch die Magie gethan haben 41z. worinnen seine Hoheit besteht 518.520 Jesus, ein jüdischer Landmann, ruft has Weh über Je- rusalem Z42.Z4Z Ignatius, wer er gewesen 121. sein Schicksal 121 Ilia, die Mutter des Romulus und Nemus, stammt von den alten Königen zu Alba ab 35 Imperatoren, eine neue Würde unter den Römern 586. sind von Cäsarn unterschieden 581 Inachus gründet das Königreich Argos 16 Innocenrius, wer er gewesen und was er gethan 145. verdammt den Pelagius 147 Ioas,von den Syrern geschlagen, und von den Seini- gen umgebracht zz Johan- Register. Johannes Hprcanns, Simons Nachfolger 279. ge. rath mir seinem Bruder in Streit 288 Johannes, der Taufer, wenn er erschienen m Ionachas, sein Ruhm > den er erhalten^, wird mit Ehren überhäuft 97 Ionier, wen sie todten 62 Ionische Secte, wer sie angefangenes, was für Phi- losophen daraus gekommen 89 Joran,, seine Regierung ,z55. die sechste wird gehalten >6z.wen man darauf in denBann thut i6z AirchenversammllMI erste constaminopolitamsche 621 wer Register. wer prasidirt 621. dabey sind keine Legaten des Pab- sies 622. ihre Verordnungen sind der Hoheit des römischen Bischofs entgegen 62z. ihr Ansehen 624 Wrchenversammlung, nicänische, wer darauf prasidirt 615. wird nicht für unfehlbar gehalten 6iZ Kirchenversammlnngen, ob sie unfehlbar sindM. 6c>o Kreuz Christi, wer es entdeckt iz6. das Geheimniß davon wird erklart ziö. zi?. z - 8 Kriege', punische, woher sie gekommen 82. was dabey vorgegangen 82. wer sie geendigt 82. 8z. der dritte wird unternommen 95 Kriegsflotte des Terres wird geschlagen 62 Kriegs tribunen, wenn sie unter den Römern aufgekommen 574. Krtegszuchc der Römer, wenn sie eingeführt worden 41 L. Labyrinth, wird beschrieben 490. wer es gebaut hat 49Z Lacedämonier, ihr Charakter 522.52z. 524 Laster, werden vergöttert 28z u. f. Launojus, sein Urtheil von der Unfehlbarkeit des römischen Bischofs 6c>i Leben, menschliches, wenn es abgenommen ir Le0/ der Große, was er gethan 149 Leo, Isauricus, was er gethan 166 Leo, Thrar, wer er gewesen 151 Leo/ wenn er gestorben 164 Leonibas, wer er gewesen 62. wen er getödtet 62. hält die Perser auf 521 Leonrms, was er gethan 165 Leorichldes, wen er anführt 62 Leviten/ ihr Amt 228 Licinius, Register. Licinius, wer ihn zum Kaiser ernennt iZ2. wen er überwindet 1Z5. was er gethan i?s. wird geschlagen iz5» und verliert das Leben iz5 Lisander, wer er gewesen ?o. und was er eingenom, men 70 Liftas, wer er gewesen 9z. wird umgebracht 9z Lombardei-, ergreifen die Waffen wider die Römer 16? Lucius Derus, wer er gewesen 119 Lucretia, ermordet sich selbst 5p Lucullue, kann den Mithridates nicht bezwingen ic-6 Luirprand, König der Lombarder, was er gethan it>8 Lmarius, schlägt die Flotte der Carrhaginenser 8z M. Nlacedonius, seine Ketzerey 619.62a jllahomer, wirft sich zum Propheten auf 160. was er für Unglück angerichtet i6c> Nlajorian wirft sich zum Kaiser auf izr ZTZalachias, seine Weißagung von Christo 269 Nlanahem, besänftigt denPhul und bestätigt ihn auf dem Throne Zs. bekömmt zur Erkenntlichkeit einen Tribut von iOOO Talenten Zs tllanasses, unter seiner Regierung häufen sich die Verbrechen des jüdischen Volks z? lllarcellus, seine Thaten 87 Nltircus AurellUö, von wem er an Kindes Statt angenommen wird:i8. seine Regierung 118. sein Heer leidet Mangel an Wasser 122. was dabey vorgegangen 122 LHardonius, wird geschlagen 61 N7arius, seine Thaten 109. führt die Parthey des Volkes an 576. wird vom Sylla überwunden 577 N?arcin, der Heilige, wer er gewesen 140 Macha, Register. Mathatlas, macht sich einen herrlichen Namen 92 Mauritius, wird Kaiser, durch was er sich bessert 158. was er für einen Fehler begangen 158.159 Marenrius, wer er gewesen izi. zu was er sich aufwirft ,Z2. ruft seinen Vater zurück 1Z2. was er unternommen izz. wen er ums Leben bringt iz8. wird überwunden iz8. bringt sich ums Leben izZ Maximian, bringt den Alexander um 12z. 1:4. und bemächtigt sich des Reichs 124. vier Kaiser werden ihm entgegengesetzt 124. 152. was er unternommen izz. warum er sich umbringt izz» seine Wuth gegen die Christen iz4 Maximin, wird zum Kaiser erwählt izi Marimus, bemächtigt sich Rom 142. was er daselbst gethan 142. wie es ihm ergangen 142. 14z. stürzt i>en Valentinian 150. wie er zum kaiserlichen Throne gekommen 150. wen er zur Gemahlinn bekommen 151. sein Schicksal 151. was er gethan 161 Meder, werden von dein Arba.es oder Orbaces besreyt z6. verachten den weichlichen Sardanapal z6. ihre Monarchie wie sie auf die andern Monarchien folgt 51. 52. 5z. 54. 55. werden groß 90 Melchisedech, ein Vorbild Jesu 2z Memphis, eine Dynastie 12 Mensch, Gott unterscheidet seine Schöpfung von der Hervorbringung aller andern Geschöpfe 189. 190. wird heilig geschaffen 19z. sündigt, und wird bestraft 196 Menschen, warum ihr Leben kürzer geworden 199. 200. werden Abgötter Menschwerdung Christi wird betrachtet zoz. 304.505 Mercier, wer sie bekehret 1Ü2 Merku- Register. Merkure, die ägyptischen, smd die Erfinder der Wissenschaften 48» Merovöus, wo er sich festsetzt 150 Milriades, wen er geschlagen 6r Mirhridares, was er für ein Königreich stiftet 76 Monarchien, die drey ersten, was die Griechen davon geschrieben, ist zweifelhaft 4z Monorheltten, ihreKetzerey 160. von wem sie in des Bann gethan werden »6i. 640.641 Monranus, wen er verführt 122 Möris, wer diese See graben lassen 486 Moses, wird gebohren 18- seine Schicksale 19. ihn erwählet Gott 217. schreibt die Geschichte des Volkes Gottes 221.222. ist ein Dichter 22z. 224. worauf er- seine Gesetze gründet 225. richtet den jüdischen Gottesdienst an 226. 227. seine Gesetze werden heilig beobachtet 128. 129. wird für den Verfasser des Buches Hiob gehalten 232. muß leiden 2zz. ist ein Vorbild Jesu 2zz. kömmt nicht ins gelobte Land 224. was darunter vorgebildet wird 254 Mummius zerstört Corinth 96 N. Nadopalassar, wer er gewesen 42. seine Thaten 42.4z Narses, wer er gewesen 154. seine Thaten 154.156 Z7!ebucadnezar der II. wer er gewesen 4z. seine Eroberungen 4Z. seine Drohungen gehen in Erfüllung 4z. was er zu Jerusalem machte 44. 4s. und was er vor seinem Tode gesehen 45. sein Stolz 257 Necrarius wird Bischof zu Constantinopel 621 57ehemias, wer er gewesen 67. wenn er Erlaubniß bekommen, Jerusalem aufzubauen 64. wenn er den Bau fortgesetzt 66 Zz Neri, Register. Neriglossor, wer er gewesen 45. was er gethan 45 Nero, wer er gewesen 115. von wem er an Kindes Statt angenommen wird 115. seine Grausamkeiten 115. bringt sich um ' 115.116 Z7!erva, seine Regierung 117 ZTlestortus, feine Ketzerey 148 tTlicanor, seine Hand wird aufgehangen 9z ^Alstrom, wie ihn die Aegypttr gebrauchen 48s ZTttmrod, sein Charakter 12. führt den ersten Krieg 201 TAnive, wenn es gebaut wird 12. wer sein zweytes Königreich gestiftet z6. wer es zerstöret 4z. der Stolz seiner Könige 504 ZTloah, wird in der Sündflut erhalten io. erhält die menschlichen Künste 10 Numa, der Nachfolger des RomuluS zK. was er gethan ;8 Numanria wird zerstört 100 Numerian, seine Traurigkeit 129 Numitor wird wieder in sein Königreich Alba eingesetzt ^ Z5 O. >'»>»' Register. Osterfest, Streit darüber, wenn eö zefeyert werben soll 607 Ostia, wer es gebaut 4, Oswald, was er gethan ,61.162 (Drho, wenn er umkömmt 116 Osirts hat den Ackerbau nicht erfunden 482 Hviedo, durch was es sich vergrößert 169 ^ ^^U^^Ml paphnutius vertheidigt die Priesterehe K17 papuius, seine tapfre Aufführung 7z parisaris, wer sie gewesen 70. was sie gethan 7^ parrher empören sich 88. wie weit sich ihr Reich ausbreitet 9z Paulus Aemilius, wen er überwunden 9! Paulus von Samosata, wer er gewesen 127. was er gelehrt 127 Paulus, ein Lehrer der Heiden 322, zzz. eine Stelle aus ihm wird erklärt Z!Z.Z!9. zzo. seine Briefe bekräftigen die Bibel 441 Pausämas, wer er gewesen 62. was er gethan 62.6z. seine Thaten 7z perdiccas, wer er ist 75. seine Grausamkeiten 76 pelagius, leugnet die Erbsünde 147. von wem er verdammt wird 147« sein Sieg 166 Pella, dahin begeben sich die Christen bey der Zerstörung Jerusalems z6z Perser, ihr Untergang wem er vorbehalten 7z. ihr Charakter 510.511. wie ihre Könige erzogen wurden 512.51z. ihre Art Krieg zu führen 514.515. unterhalten die Uneinigkeit der Griechen 522.52z. 524 perseus, wer ihn überwunden 9, 3 j 2 Per, Register. pertinax, sein Schicksal 119 perrus, ob er einen Rang über die andern Apostel habe 6oz. hat bey der Versammlung der Apostel den Vorsitz nicht 6oz. 604 Phalanx der Macedonier wird beschrieben 540.541 pharamond, wer er gewesen 146. wer ihn erhoben 146 philippus, wer c> war 72. was er für Freude gesehen 7!. 7z. wird umgebracht ?z philippus, wer er gewesen 90. wodurch er gedemüthigt 'wird 90» Philippus, der Kaiser, wer er gewesen 1:4. wen er um« bringt 124. geht einen schimpflichen Frieden ein 124. ist den Christen günstig 124. wird umgebracht 124 Philosophen, können die Abgötterey nicht ausrotten 282. 28z. billigten sie 285.286 Philosophie, wenn sie in Griechenland blüHt 88 Philosophie der Römer 90 Philosophie der Bibel ist vollkommen 204 PHK'gon, sein Zeugniß von der Weißagung Petri wider Jerusalem Z64. z6? phocas, wasergethan 159 phoceenser, wohin sie ihre erste Colonie führten 44 phraortes, was er sich unterwürfig macht 42 phvl> König zu Aßyrien Z4 pilatus, seine falschen Acten 409 pindar, seine Oden werden bewundert 74. seine Abkömmlinge werden verschont 74 pinehas beweist seinen frommen Eifer 21 pipinHeristel, erhebt seine Familie 164. wer er gewesen 169. sein Schicksal 169.170.171. was er der römischen „ .Kirche geschenkt 171. 172. seine Würde 172 pisistm- Register. pisistratus, was er sich angemaßt 45 placidia, wer sie gefangen nimmt 146. mit wem sie sich vermählt 146 plato, wer er gewesen 89. was er gestiftet 89. und was er von den Griechen sagt 48 plebejen, wer sie sind 566. streben nach dem Consulate 574. erhalten es 575 pompejus, seine Thaten 106. wird überwunden 107 pompejus, sein Charakter 577. vereinigt sich mit dem Cäsar 578 poefts, lateinische, durch wen sie zu ihrer Vollkommenheit gekommen m polpcarpus, wer er gewesen üi. sein Schicksal 121 polykrates, was er mider den römischen Bischofsagt 605 porphyriue,sein Zeugniß für Christum 417. wie er die Abgötterei) vertheidigt 4.17. seine Meynung von Gott 417 porstnna, wer er gewesen 60. wen er beschützt 60. nimmt die Familien der Tarquinier vergebens in Schuß 554 praftdenten beyden Kirchenversaminlungen, wer sie erwählt 614 Prinzen ist die Erlernung der Geschichte vornehmlich nütze 1.2 Probus, wird von den Soldaten jum Kaiserthume gezwungen 128 Propheten, verfassen unter der Regierung des Usia ihre Weißagungen in besondre Bücher zz. ihr merkwürdiges Amt 251. 252.25z. falsche,sindVorboten von demUn- tergange der Jüden 357. 358. sind ihrer um diese Zeit viele ' 358. prosper, wem er beygestanden »47 Psalmen, ihr Zeugniß für Mosis Schriften 44t Z z z Psam. Register. pfammerichus, unter ihm wird Aegypten stolz 41 ptolomäus Lagus stiftet die ägyptische Monarchie 76 pcolomaus Philometor, seine Thaten 94. sein Tod 96 pulcheria, wer sie gewesen 145. was sie übernommen 14;. erhebt ihren Gemahl zur kaiserlichen Würde 149 Pyramiden, die ägyptischen werden beschrieben 489. sind Graber 49c) pyrrhus, wer er ist 77. sein Schicksal 77.78« 8o. sein Tod 80. 8l 89 pyrhagoras, seine Secte, die er stiftet R. Radagaisus, wer er gewesen 145. verwüstet Italien 145 Recaredo, wer von ihm abstammt 169 Regen, wer ihn von Gott erbittet und erhalt 122 Regulus, was er unternommen 8! , Rehabeam, sein Stolz 28. seine Politik 28 Reich der Perser und Meder, wenn es vereinigtward 46 Reich des Alexanders wird getheilt 75 Reich, römisches, wird getheilt 108 Reiche, alle müssen sie zur Erhaltung der Religion die- nen4.66.467, wozu ihre Betrachtung nützt 468. 469 Religion, christliche, bringt alle Tugenden zur Vollkommenheit zu. eine icde fremde ist in Rom verbothen 40z. heidnische, ist nicht alt 407. wird in Allegorien verwandelt 416. christliche, hat eine ewige Dauer 450. 451.452. die wahre ist sich immer gleich i8z- ist so alt als die Welt 184.185 Remi, wen er getauft 15z Remus, von wem er abstammt 35. seine Thaten z> Republik der Achaer geht m Grunde 96 Richerius, sein Bekenntniß von der römischen Kirche 6^8 Roderich, seine Wollüste 165 Rom, Register. Rom, wenn es erbaut wird z> wird dem Gotte des Krieges geweiht 55. z6. durch wen es erhalten wird 6o. befreyt Cappadocien 105. fällt in die Hände dreyer Tyrannen 108. thut den letzten Versuch die Christen zu vertilgen 134. wer es von der Plünderung errettet 150. wird von neuem bedräut 169. wer es erhalten 169. seine Schicksale werden erklärt 464. 465 Romulus, von wem er abstammt 35. wird unter den Hirten erzogen, und wachset in den Kriegsübungen auf z;. Z6. seine Thaten 38. stirbt z8- baut Rom 570. legt den Grund zur Religion der Römer 570. macht den Unterschied zwischen Z^lebejen und parricien 570. wird umgebracht 570. und vergöttert 571 Römer, was sie aufgebracht 59. lassen ihre Gesetze von den Griechen holen 66. was sie verlohrcn 71. mit wem sie Krieg führen 75. wenn sie Meister von Italien geworden Zu was sie hernach unternommen 8r. 82. 85. 86. 90. ihre Philosophie 90. verwilligen den Jüden ihren Schutz 94. lassen ihre Fahnen nicht durch Judäa gehen z6r. ihr Charakter 532. die Macht ihrer ersten Könige 5Z2. ihre Mäßigkeit 535. ihre öffentlichen Gebäude sind prächtig 536. ihre Kriegsverfassung 5Z7. 5Z8. ihr Verstand 559. loben die falsche Tapferkeit nicht 54z. ihre Politik 544. ihre Verschwiegenheit 544. ihre Stände beneiden einander 545. verstatteil der Gewalt nichts 546. ihre Aufführung gegen ihre Feinde 547. 548. ihr Senat ist gerecht 548. 549. ihre Weisheit in Bestrafungen lind Belohnungen 550. lassen den Muth in keinemUnglückc sinken 552.55z. werden mit den Carthagincnsern verglichen 555. 556. ihre Größe rührt nicht vom Zufalle her 558.55?. ihreFecialen 560.5^1. beherrschen die Ueberwundnen billig 562. die Größe Z z 4 ihres Register. ihres Reiches 56z. ihre Colonien 564. fast alle Mew- S. Gabacon, kann den König Hose« nicht erretten z?. z8. nimmt Aegypten weg 498. seine Mäßigung 498 SadelliuS/seine Streitigkeiten 125 Gabiner, wer sie in Rom aufgenommen hat 40. werden getreue Unterthanen 40 Salmanassar, von wem er abstammt z?« zerstört das Reich Israel Z? Salon,»/ baut den Tempel 27. weiht ihn ein 2Z9. wird in seinem Sohne bestraft 244 Gamariraner, warum sie gebeten 57. weswegen sie nur den Pcntateuchus annehmen zy. 40. suchen der Iüden ihr Vorhaben rückgangig zu machen 57. warum sie am Leben gestraft werden 94. 95. haben falsche Meßias 578. ihr Zeugniß für die Schriften Mo- s»6 ' 444 Sanhen'b, von wem er abstammt zZ. was er belagert 38. sein Schicksal z8 Saosduchin,von wem er abstammt 41. seine Thaten 41 Sapor, wer er gewesen 137. wer ihn zum Christenthums bringen will 157 Saracenen, nehmen Palastina weg 162. werden gedemüthigt 16s Saraja, wird gefangen 44 Sardanapalus, wer sein Vater ist 54. sein Schicksal z6 Sardinien wird von den Carthaginensern den Römern abgetreten 84 Garmarier werden überwunden , izs schen werden Römer Rufin, wer er gewesen, kömmt um 564 144 Sayd, Register. Gayd, ihre großen Tempel und Pallaste 457.48S Gcavola, wer er gewesen 6o. sein Heldenmuth 60 Scipio Africanus, seine Thaten 87. seine Belohnung 88 Schöpfung des Weltgebäudes, ihr Andenken erhält sich 114. wird beschrieben 187. des Menschen, wird betrachtet 189. 19c» Schrift, heilige,ihre Vortrefflichst vor anbernGeschich- ten 184. wenn sie ins Griechische übersetzt worden ist 19 ScythenHreEroberungen sind nurStreifereyen 477 u.f. Seligkeit wird den Christen versprochen 309. zic> Seele des Menschen wie sie von Gott erschaffen wird 192.19z Gegovesus, wer er gewesen 44. was er gethan 44 Selcucus, stiftet das Königreich Syrien 76. wird umgebracht 77 Sem, wo er bekannt ist 12 Semieurychianer, ihr Irrthum 15z Senharib, wie er vom Herodotus genannt wird so Serronus, mit wem er sich verbindet zoF Servius Tullius will Rom zu einer Republik machen 55z Sesostris, seine Eroberungen 496. 497 Sech bleibt Gott getreu 9 Severus, seine Thaten 119. wen er umbringen läßt »19. wird Kaiser iz^ Severus Alexander , laßt Christo einen Altar setzen 4vc> Scipio Aemilianus, ^eine Thaten Schlange, wie sie Evam verführt 96. 99 194 Zz 5 Sex- Register. Genius, was er gestiftet ioz Gexrus, wer er gewesen 59. was seine Unkeuschheit verursacht ' 59 Simon, wer er gewesen 97. seine Tapferkeit 97. wird der Fürst und Hohepriester der Jüden 278.279 Simon, der Zauberer, ein falscher Mcßias z?z Glrrus, Pabst, ihm wird das Haupt abgeschlagen 126 Gmerdes, wer er gewesen 58 Sokrares, seine Philosophie 89 Soldaten, römische, bieten das Reich feil 580 Golon, wenn er Gesetze gegeben 44 Sophia, wer sie gewesen 156. was sie erhalten 156 Spaltungen der Römer, wie sie gehoben 104.105 Spanien, was es gethan 146 Sparracus, ein Fechter, strebt nach der obersten Herr- schaft 10s Spiele, olympische, werden wieder hergestellt 34 Spraci>e,hebräischc, wenn sie aufhörte bekannt zu seyn 68 Sprache, chaldäische, wenn sie die Jüden einführen 69 Sprachen werden verwirrt 12 Stämme, zehne werden gefangen nach Ninive geführt z8 Scernfther, welche die ersten sind iz Srephanus, wenn er gesteinigt wird 114 Stephanusder andere, was er gethan 120 Stilico, was er gethan 145. wer ihn umbringen läßt 145. 146. was darauf erfolgt 146 Gcrabo, wenn er gelebt 50 Sündflnt, warum sie die Erde überschwemmt 10. allgemeine Sage davon ir Swiberr breitet die evangelische Lehre aus 164 GM Register. Splla bringt sein Vaterland in die Sklaverey 105 Splla führt die Parthey des Senats an 576. wird Dictator 577. legt seine Würde freywillig nieder 577 Gymmachus wird aufgeopfert 154 Syracuja, wer es errichtet zg Syrien, die Unruhen gehen von neuem an 97 T. Tacitus wird vom Senate zum Kaiser erwählt 12L Talmud, was er ist 341. Tanis, die Hauptstadt in Acgypten 12 Tareminer, werden geschlagen 81. müssen sich unter die römische Herrschaft begeben 81 Tarquin, wer er gewesen 44. wenn er seine Regierung beschloß 44 Tarqvinius, der Stolze, wird aus Rom vertrieben 53 Tearcon, ein äthiopischer König, seine Thaten 47z Tempel, wenn er ist zu Asche verbrannt worden 4z. 44. den die Heiden entheiligt, wird eingeweiht 92 Tempel zu Jerusalem, seine zweymalige Zerstörung wird mit einander verglichen 344. 345- geschieht an einem .Tage Z4?. wird von Christo vorhervcrkündigt 350. Titus will ihn erhalten z6? Tempel haben die Christen in den ersten drey Jahrhunderten nicht 566 Tercnrius Varro, wie ihm von den Römern begegnet wird 552 TermUian,wa6 er gethan 122.12z.wer ihn verführt 122 u.f. Teutci, wer sie gewesen 84. wird überwältigt L4 Thebaner, wo sie gesiegt 12 Thcbe, eine Dynastie in Aegypten 12 Tbemiftocles, was er gethan 62. wird von seinen Bürgern verwiesen 6z. aber vom Artarerxes wohl aufgenommen 6z- 64 Theo- Register. Theodor«, wer er gewesen 149. wodurch er sich bekannt gemacht 149. seine Schriften wider den heiligen Cyrill werden verflucht 155 Theodoric, wer er gewesen 152. was er gethan 152.154 wovon er gestorben 154 Theodorus von Mopsvesta wird verdammt 15z Theodosms, zu was er angenommen wird 141. was er gethan 14!. 14z. 144. wenn er gestorben 144 Theodosius, der dritte, mußte die Krone annehmen 166. seine Thaten 166 Theophilus, wer er gewesen 145. was er gethan 145 Theodorus, wer er gewesen 88. was er weggenommen 88 Theseus, baut Athen , 24. Tbilgamus, wer er gewesen 51 Thilgath, ein Sohn des Phalassar 36 Tbin, eine Dynastie in Aegypten 12 Tiberius, seine Regierung m. wenn er stirbt 114. was vor seinem Ende noch vorgegangen »4 Tiberius der andre, von wem er zum Kaiser ernannt wird 156. seine Thaten 156. wie er den Rebellen begegnet 165 Tims, seine Mäßigung bey dem Siege Z49. will den Tempel erhalten - 365 Tobias, ein Beweis der göttlichen Vorsehung 250 Tochter des Cyarares, wer sie zur Gemahlinn bekommen 46 Trajan, wird zum Kaiser erwählt 117. seine Regierung 117. seine Siege » n? Triboman, wer er gewesen 154 Tribunen, woher sie entstanden 64» wenn sie unter den Römern Register. Römern aufgekommen 57z. ihr Amt 57z. unterhalten die Uneinigkeit zwischen dem Senate und Volke 575.574 Troja wird' eingenommen 24 Tryphon, wen er läßt umbringen Tugend, was der größte Beruf ist . ziz Tullus ^ostiliuo, wer er ist 46. Z07. zo8 Usia, regierte rühmlich zz. was ergethan zz V. Vaast, wen er unterrichtet 15z Valens, wer er gewesen^. -ZL. was er gethan lz8.14O. sein Tod 141 Vallia, wer er gewesen 146. was ergethan 146 Valeminian, seine Thaten 140. wenn er gestorben 141 Valenrinians des 11. seine Erhöhung 141. sein Schicksal 142.14z Valenrinian der III. wer er gewesen 146. wer ihn zum Kaiser ernennt 147. was er gethan 15c? Valerian, sein Schicksal 126 Valerianus bekömmt die höchste Gewalt 125 Valerius, weswegen er berühmt ist 59 Vaierius wird den Römern verdächtig 572 Vandalen, wer sie gewesen 145. was sie gethan 145 Vejenrer, ihre Stadt wird eingenommen 71 Vespajmn, was unter ihm geschehen 116 Verfolgungen des Volkes Gottes, wenn sie angegan. gen' 9' Ver- Register. Verfolgungen der Christen 116.117. warum sie entstan- den 116 Viccor, thut die asiatischen Kirchen in den Bann 607. verdient getadelt zu werden 608 Vigiianrins, wer ihn widerlegt 147 Virgil, bringt die lateinische Poesie zur Vollkommenheit in Virginia, wer sie umgebracht 67. was dieser Mord verursacht 67 Virellius, wenn er umkömmt 116. zieht ohne Fahnen durch Iudaa z6i Volk Gottes, seine verschiedne Zustände 182 Vorsirz, Erklärung davon 612.61z rr>. Welt, wie sie von den Philosophen vorgestellt wird 201 Weinberg, das Gleichniß Christi davon wird erklart 450 Weissagungen der Propheten werden schriftlich kund gemacht zz. dienen den Nachkommen zu Denkmälern zZ Wilfried/ wer er gewesen 16z. was er bekehrt 16z Willebrod, breitetdie evangelische Lehre aus 164 Woche, die siebzigste des Daniels, wie man sie nennen kann 112 Wochen, siebzig des Daniels, wenn sie angefangen 65. wie sie gerechnet werden m. wie sie bezeichnet werden 265 X. Z-amippus, wer er gewesen 82. und was er unternommen 82 Tenophon, was er war ?o. und was er beschrieben 70. führt die Griechen aus Persien zurück 526 Ter- Register. Terxes, wer er gewesen 6i.was er unternommrn6i.wird getödtet 62.6z Z. Facdarias, wer er gewesen 169. was er gethan 169 Zacharius, seine Weißagungen von Christo 267.268 Zedekias, von wem er gefangen worden 44 Zerren, heroische, was sie sind 25 Zeitrechnung, die Schwierigkeiten der Alten schaden nicht viel 18s Zeno, wer er gewesen 151 Zenobia, wer sie gewesen 126. ist zum Jüdemhume geneigt 127 Zerstörung Jerusalems, ein Vorbild des Weltgerichtes Z65. wer sie vrophezeyt hat Z64 Zorobabel, wen er zurückgeführet hat 57.261 Zostmus, wen er verdammt . 147 Zusagen Gocre?, warum sie spät erfüllt werden 216 Zwistigkeiren der Lacedamonier, was sie nach sich gezogen 69.70 Zwölf Tafeln, was sie sind 67 Druckfehler: Seite 126. Zeile so. liesSalomo für Salamo. - - 128. - - lo. lies Aarelians für Aurcliut. - - 165. - »lo. lies Freunde für Feinde. - - cbend.- - iz. lies Femve für Freunde. « - 66z. - - 7. lies PampbMnfür.Pamphilim».