Umständliches Lehrgebäude der Deutschen Sprache, zur Erläuterung der Deutschen Sprachlehre für Schulen. Von Joh. Christoph Adelung. Erster Band. > , - ^ . . .. ^ M. . .. . Leipzig, verlegrs Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, 1782. Vorrede. achdem ich im May des gegenwärtigen Jahres eine Sprachlehre für Schulen, und im September darauf einen kürzern Auszug daraus heraus gegeben habe: so könnte eine nochmahlige und zwar so weitläufige Bearbeitung eines und eben desselben Feldes vielen überftüssig scheinen, daher ich hirr die Ursachen anzeigen muß, welche mich dessen ungeachtet dazu bewogen haben. Als ich nunmehr vor etwa zwey Iahren von des preiswürdigen kömglich-preussischen wirklichen Staats-Ministers, Freyherren von Zedlitz Excellenz, zu Ausarbeitung einer neuen Deutschen Sprachlehre aufgefordert ward, faßte ich sogleich den Entschluß, den bisher gewöhnlichen Weg aller Sprachlehrer ganz zu verlassen, und aus meiner Sprachlehre nicht bloß eine Sammlung einze- a s ler? IV Vorrede. ler, unter gewisse Rubriken gebrachter Bemerkungen, sondern ein wohl verbundenes und überall auf deutliche Begriffe und richtige Gründe gebautes Ganzes zu liefern. Das Unternehmen war schwer, aber doch nicht unmöglich, und durch Anwendung einer gedrängten Kürze und Weglassung alles minder nothwendigen hoffte ich dabey dennoch die Gränzen eines bequemen Schulbuches nicht überschreiten zu dürfen. Allein ich gerieth bey der Ausarbeitung auf so viele bisher ganz unbekannte Lehren, und die Entwickelung so vieler bisher ganz fremder Gründe nahm mir so vielen Raum weg, daß an Statt eines kleinen Schulbuches, unvermerkt ein Buch von vierzig Bogen daraus ward. Da nun dieses wegen seiner Stärke nicht für alle Schulen ohne Unterschied brauchbar war, sv ward nunmehr ein Auszug nothwendig , welcher außer den deutlichen Begriffen bloß die Resultate des vorigen, und allenfalls einige Winke auf die in demselben angeführten Gründe enthielt, und diefer erschien denn nun auch bald darauf auf sechzehn Bogen. Hierbey hätte es null in einer jeden andern Wissenschaft füglich fein Bewenden haben können. Allein, da die Sprachlehre, als Wissenschaft betrachtet, eine n:>ch so ganz neue Lehre ist, da die wahren Sprachgrünbc so allgemein und in einem so hohen Grade verkannt werden, da selbst die allermeisten von solchen, welche sich für Sprachkenner und Sprach-Philosophen halten, alles, was zur Sprache gehöret, aus einem völlig falschen Lichte betrach- Vorrede. V betrachten: so ward ich sehr bald überzeugt, daß die in der größern Sprachlehre angeführten, und um der Kürze willen, oft nur berührten Gründe nicht jedermann einleuchten, folglich den gesuchten Nutzen nicht gewähren würden, wenn ich damit nicht ein größeres Werk verbände, welches nicht allein ausführliche Beweise alles dessen, was ihrer bedarf, sondern auch weitere und vollständigere Ausführungen solcher Gegenstände enthielte, welche in einem Schulbuche nur allgemein vorgetragen und oft nur berühret werden können. Die wenigen Erfahruugen, welche ich in der kurzen Zeit, seit dem Abdrucke meiner Sprachlehre machen können, haben die Nothwendigkeit dieser Vorsicht bereits hinlänglich bestätiget. Von diesem größern Werke erscheinet nunmehr in gegenwärtigem Lehrgebäude die erste Hälfte. Sollte durch diese dreyfache Bemühung die ächte und wahre Sprachgelehrsamkeit allgemeiner werden, und es in Zukunft jemand nothwendig finden, eine neue Deutsche Sprachlehre heraus zu geben, so wird er weit weniger» Aufwand nöthig haben, indem er den Grund bereits gelegt finden wird, und auf demselben nur weiter fortbauen darf. Über die Art und Weise, wie ich bey diesen dreyfachen Arbeite!: zu Werke gegangen bin, habe ich mich theils in der Einleitung, theils hin und wieder in diesem größ-rn Werke hinlänglich erkläret, daher ich solches hier nicht wiederhohlen will. Eine gründliche Sprachlehre ist gewisser Maßen eine pragmatische Geschichte der Sprache; soll sie a z eine VI Vorrede. eine wahre Geschichte und kein Roman seyn, so muß sie die Sachen nicht so vortragen, wie sie seyn könnten ooer seyn sollten, sondern wie sie wirklich sind; sie muß bey Aussuchung der Grunde, welche hier das Pragmatische ausmachen, der Sprache keine Gründe unterschieben, welche der ganz rohen und sinnlichen Vorstellungsart ihrer Erfin- der nicht angemessen sind. Alle als Sprachgründe angegebene Ursachen, welche auf spitzfinvige Unterschiede, auf abstracte, tiefsinnige Betrachtungen, und auf Endzwecke, welche dem sinnlichen Menschen unbekannt oder unnütz sind, hinaus laufen, sind schon um deßwillen verwerflich, weil sie der Denknngsart des Volkes, welches Sprache schafft und nach dunkel erkannten Ähnlichkeiten ausbildet, nicht angemessen sind. Um diesen wahren Gesichtspunct des Veränderlichen in der Sprache nicht zu verfehlen, mußte ich nothwendig bis auf ihren Ursprung selbst zurück gehen, weil ohne denselben so vieles in der Sprache entweder völlig unerklärbar bleibt, oder - leicht falschen Gründen beygemessen werden kann. Ich mußte mich dabey freylich sehr kurz fassen; allein ich bin zufrieden, und es ist zu dieser Absicht hiMnglich, wenn man mein Lehrgebäude davon nur sehr wahrscheinlich, wenigstens wahrscheinlicher findet, als alle übrige bisher bekannte. Ich hoffe vermittelst desselben sehr vieles, wo nicht alles, glücklich aufgekläret zu haben, was auch unsern besten Philosophen unerklärbar und räthselhaft blieb, und eine sorgfältige Vergleichung alles Ver- Vorrede. Vlk Veränderlichen in der Sprache mit diesem Ursprünge wird alle noch übrige Zweifel heben, und die Wahrscheinlichkeit nach und .nach zur moralischen Gewißheit bringen. Ich will bey dieser Gelegenheit eine Bemerkung wiederhohlen, welche ich zwar bereits mehrmahls in diesem Werke angebracht habe, aber doch nicht Gelegenheit gesunden, sie so allgemein zu machen, als sie es verdienet. Ich habe in der Lehre von dem Ursprünge der Sprache den Satz aufgestellet, die Sprache ist ursprünglich Nachahmung des Hörbaren. Man nehme ihn einstweilen als erwiesen an, mw gehe mit mir ein Paar Schritte weiter. Als durch diese Nachahmung des Hörbaren der erste Grund zur vernünftigen Erkenntniß des Menfchcn geleget war, und diefe sich stufenweise immer mehr entwickelte, so wie das Bedürfniß zu sprechen und die eingeschränkte Anzahl der durch Nachahmung des Hörbaren möglichen Laute die figürlichen Bedeutungen der letztem vermehrte, fo fing der Mensch an, die Sprache immer mehr nach dunkel empfundenen klärern Vorstellungen auszubilden. Man wird mir diesen Ausdruck leicht vergebeil, wenn man nur bedenkt, daß es unter dem, was man klare Vorstellungen nennet, unzählige Grade gibt, welche sich nicht anders als nach und nach durch lange übuug und Erfahrung von dem untersten Grade der Klarheit bis zu dem höchsten möglichen entwickeln können. a 4 Dieß VIII Vorrede. Dieß voraus gesetzt finden wir in dem Baue nicht allein der Deutschen, sondern einer jeden ursprünglichen, d. i. nicht aus einer Vermischung mehrerer entstandenen Sprache Einrichtungen von gedoppelter Art, Einrichtungen, welche noch Überreste der ersten Kindheit der Sprache sind, und sich ganz auf die dunkele Empfindung des Hörbaren gründen, und Einrichtungen, welche mehr nach klaren Vorstellungen, oder vielmehr nach der dunkeln Empfindung des Ähnlichen geschehen sind. Zur ersten Art gehören vornehmlich: i. die Bildung aller Wurzelwörter und Wurzellaute in ihrer ersten ursprünglichen Bedeutung. 2. Das Geschlecht der Substantive. 3. Die Bildung des Plurals. 4. Die ursprüngliche Einrichtung der Declinationen, so fern die jetzigen Biegungssylben noch als einzele abgesonderte Wurzellaute betrachtet werden müssen. 5. Die crste Einrichtung der irregulären Conjugationen, so fern sie noch aus einsylbigen zwar verschiedenen «ber doch größten- theils ähnlichen Wurzelwörtern, ohne alle Biegung bestanden. 6. Die persönlichen Pronomina, aber auch nur ihrem ersten rohen Zustande nach. Voll allem diesen Erscheinungen ist kein anderer Grund möglich, als die dunkele Nachahmung des Hörbaren, und da diese für den ausgebildeten cultivierten Menschen so gut, wie gar kein Grund ist, weil seine Sprache nicht mehr auf die dunkele Empfindung des Hörbaren, sondern auf die dunkele Empfindung der Ähnlichkeit gegründet ist, so ist es vergebens, hier andere Gründe aufzusuchen, Vorrede. IX zusuchen, und dem Sprachlehrer bleibt weiter nichts übrig, als das, was wirklich ist, so anzugeben, wie es ist, und allenfalls auf diesen Grund zu verweisen. So wie eine Nation dieses Hörbare, die erste Stütze ihrer Sprache und Erkenntniß verläßt, und dagegen mehr klaren Vorstellungen zu folgen anfängt, so fängt, sie auch an, das Veränderliche in der Sprache mehr nach dunkler Empfindung der Ähnlichkeit einzurichten, und nun wird aus dem regellosen Chaos nach und nach ein mehr übereinstimmiges Ganzes; die unförmlich tönenden Wurzelwörter und Wurzellaute sondert: sich unvermerkt in bestimmte Classen ab, und werden zu Nedetheilen, es entstehen abgeleitete, gebogene Wörter, die neuen Verba, welche man bildet, werden nach dunkel erkannten Ähnlichkeiten, folglich regulär gebildet, die alten irreguläre«: bekommen hin und wieder reguläre Biegungssylben, und gehen nach und nach, so fern es ohne Verletzung der allgemeinen Verständlichkeit geschehen kann, in reguläre über, uud so fähret eine Nation fort, ihre Sprache in diesem Stücke auszubilden, so lange sie dieselbe Nation bleibt, und an Erkenntniß und Geschmack wächset. Man überlese und überdenke das, was hier bey den irregulären Vcrbis über diese Sache gesagt worden, so wird man von diesem Gange der Cultur der Sprache hoffentlich genugsam überzeuget werden. Alles, was nun in diesen zweyten Zeitpunct der Ausbildung der Sprache fällt, ist das eigem- a 5 liche T Vorrede. liche Feld des pragmatischen Sprachlehrers, und es ist seine Pflicht, die klaren Gründe, welche die Nation dnnkel befolgt, aufzusuchen, und zur Deutlichkeit zu bringen. Da eine ganze Nation, folglich der ungelehrteste Theil so gut als der gelehrteste, diese Gründe dunkel und ohne deutliches Bewußtseyn befolgt, so verstehet sich voll selbst, daß alles, was man als solche Gründe aufstellt, dem reinen, klaren, ungelehrten ^Menschenverstände geMß und ihm empfindbar seyn muß. Nächst dieser Beschäftigung, den Ursprung der Sprache, die Art und Weise ihrer Ausbildung, und die begrifflichen Ursachen jedes Verfahrens dabey aufzusuchen, war meine vornehmste Sorge darauf gerichtet, deutliche Begriffe von den Redetheilen zu bekommen, d. i. dem rohen uud ungebildeten Menschenverstände nachzuspüren, wie er sich die Dinge, und alles, was sich voll ihnen gedenken lässet, vorgestellet, und wie er diese Vorstellungen nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten classificiert hat; eine für einen Sprachlehrer höchst nothwendige Beschäftigung, bey nahe noch nothwendiger, als die erste, weil die Unterlassung jener zwar wichtige Lücken läßt, und zu ein Paar Ungereimtheitell verführet, die Vernachlässigung dieser aber aus der ganzen Sprachlehre ein auf Scmd gebauetes Kartenhaus macht, welches der erste Hauch der Luft wieder in ein Nichts verwandelt. Ich habe meine Verwunderung über die bisherige ganz unbegreiffliche Vernachlässigung eines so wichtigen Geschäftes m allen Sprachlehren, Vorrede. XI ren, bereits an mehr als an einem Orte geäußert, und jage daher hier weiter nichts davon. Ich setze nur noch hinzu, daß die von mir gegebeneil Begriffe jeden, der nur über die Sprache und ihre Theile nachzudenken vermag, befriedigen werden; wenigstens bin ich von ihrer Richtigkeit bisher mehr als einmahl übcrzenget worden. Auf diese beyden Beschäftigungen gründet sich nun der Plan und die ganze Einrichtung, sowohl meiner Sprachlehre, als auch des gegenwärtigen Lehrgebäudes. Ich habe bereits mehrmahls geklaget, daß fast alle unsere bisherige Deutsche Sprachlehren Copicn der Lateinischen sind, wo man die dort üblichen Begriffe und Rubriken beybehalten hat. Ich habe mich daher so oft von ihnen entfernen müssen, als die Natur der Deutschen Sprache, und die Deutlichkeit der Begriffe, meine erste und wichtigste Absicht, es erforderte; wo aber diese Nothwendigkeit nicht vorbanden war, da bin ich ihrem gewohnlichen Gange gern gefolget. Neuerunge;?, als bloße Neuerungen habe ich nie geliebt. Wenn das Neue, welches man aufstellet, nicht unleugbare wesentliche Vorzüge vor dem Alten hat, und diese Vorzüge nicht zugleich so wichtig sind, daß sie das Unangenehme des Ungewohnten mit aufwiegen: so lasse man es doch lieber bey dem Alten. Der Neuerungskitzel ist eben so tadelhaft als die hartnäckige Anhänglichkeit an dem Alten, wenn das Neue unstreitige und überwiegende Vorzüge vor demselben hat. Neues wird in meiner Sprachlehre ohnehin genug vorkom- xir Vorrede. vorkommen, daher ich nicht nöthig hatte, ihr durch Neuerungen einen Reitz zu geben, welcher nur Unkenner und auch diese nur auf eine kurze Zeit blenden kann. Um eben deßwillen habe ich auch die bisher üblichen Lateinischen Kunstwörter beybehalten, so oft ich sie nicht mit unleugbar bessern zu ersetzen wußte. Fast alle Deutsche Sprachlehrer haben es für eine ihrer ersten Pflichten gehalten', Deutsche Kunstwörter auszusinnen und einzuführen; allein, da das Substantivum bey nahe der einige Redetheil war, welchen sie richtig zu definieren wußten, so kann man sich leicht vorstellen, wie ihre Kunstwörter gerathen seyn müssen. Ein gutes Kunstwort muß den richtigen Begriff der Sache erschöpfen, leicht verständlich seyn, und dabey weder den Sprachgebrauch, noch den Geschmack und Wohllaut beleidigen. Unter der ungeheuern Menge alter und neuer grammatischer Kunstwörter habe ich kaum ein Dutzend gefunden, welche diese Eigenschaften an sich haben, und diese habe ich willig aufgenommen. In allen übrigen Fällen habe ich die alten Lateinischen, so unschicklich sie auch seyn mögen, behalten, weil sie einmahl allgemein bekannt sind, man an ihren Wortver- siand selten mehr denkt, und daher jeden Begriff ohne viele Mühe mit ihnen verbinden kann. Von der übrigen Einrichtung will ich hier nichts sagen, weil solches zum Theil schon in der Vorrede zu der Sprachlehre geschehen ist. Ich habe Vorrede. XIII habe alles nicht unmittelbar zur Sache gehörige übergangen, habe alle unnütze Etymologien, womit andere Sprachlehrer so freygebig zu seyn pflegen, eben so sehr vermieden, als weitläufige Anführungen veralteter Arten des Ausdruckes. Verjährte Vorurtheile der Sprachlehrer habe ich freylich bestritten, und bestreiten müssen, weil dieses eigentlich mit zu dem Plane dieses Lehrgebäudes gehörte; aber nur sehr selten habe ich mich auf Meinungen oder Grillen einzeler Personen eingelassen, so häufig sich auch die Gelegenheit dazu angebothen hat, weil ich überzeugt bin, daß sie insgesammt von sich selbst verschwinden werden, sobald nur das gründliche Sprach-Studium ein wenig allgemeiner werden wird. Bey aller dieser Sparsamkeit ist doch gegenwärtiges Werk so angewachsen, daß es zwey beträchtliche Bände ausmachen wird; man urtheile daraus von dem Reichrhume des Gegenstaudes, wenn er mit Verstände und deutlicher Erkenntniß behandelt wird. Man glaube indessen nicht, daß hier bereits alles erschöpfet worden. Ich habe mich immer nur auf das Nothwendigste einschränken müssen, und wer auf diesem Wege weiter fortgehen will, wird noch sehr häusige Gelegenheiten und Reitzungen zu Weilern Entdeckungen finden. Die Erwerbung deutlicher Begriffe von allem, was zu der Sprache und ihren Theilen gehöret, und die Aufsuchung der wahren und richtigen Gründe alles Veränderlichen in der Sprache, ist mein vornehmstes Augenmerk gewesen. Ich habe zugleich XIV Vorrede. zugleich gesucht, keine wichtige Lehre zu übergehe«, welche man mit Recht in einer Sprachlehre erwarten könnte. Allein es ist sehr leicht möglich, daß ich hin und wieder in der Anwendung gefehlet, und da jede Sache in der Sprache von mehr als einer Seile betrachtet werden kann, nicht allemahl den wahren Gesichtspunct getroffen habe; es ist ferner möglich, daß noch manche Materien, Regeln und Ausnahmen meiner Aufmerksamkeit entgangen sind; und vielleicht erwartet man, wenigstens in diesem Lehrgebäude bey einer jeden Regel ein Verzeichnis aller darunter gehörigen Fälle zu finden, wie solches zuweilen, z.B. bey den Declinationen, bey den Verbis Intransitivis u. s. f. geschehen. Ich gestehe daher offenherzig, daß meine Sprachlehre noch manche Lücken und Mängel hat, welche mir und andern noch fruchtbare Nachlesen übrig lassen. Hätte ich diese Nachlesen mir und andern ersparen wollen, so hätte ich bey jedem Re- dethcile, und bey den meisten mehr als einmahl, den ganzen Reichthum der Sprache mit der größten Aufmerksamkeit durchgehen müssen, und das würde eine Beschäftigung gewesen seyn, welche viele Jahre erfordert haben würde, wenn ich auch dabey nnr mein Wörterbuch zum Grunde geleget hätte. Allein ich bin zugleich überzeugt, daß diese Mühe bey eiuer Deutschen Sprachlehre für Deutsche zu der gegeuwärtigen Abficht sehr unnütz gewesen seyn würde. Ein jeder lernet seine Muttersprache ihrem ganzen Umfange nach mechanisch, d.i. nach dunkeler Vorstellung der Ähnlichkeiten. Eine Vorrede. XV Eine ihm zum Beßten geschriebene Sprachlehre erfüllet ihre Absicht, wenn sie ihm diese dunkele Vorstellung zur Klarheit, und, wo es möglich ist, zur Deutlichkeit bringt. Ist dieses in den wichtigsten und wesentlichsten Fällen geschehen, so wird es ihm leicht werden, die minder wichtigen entweder daranf zurück zu führen, oder sie sich selbst aufzuklären, und die richtig geordneten Fächer mit den dahin gehörigen einzelen Fällen auszufüllen. Da ich in den dritthalb Iahren, welche ich mich vorzüglich mit der Deutschen Sprachlehre beschäftige, den ganzen Bau der Sprache dreymahl im Zusammenhange durchdenken müssen, eiltmahl bey der Sprachlehre für Schulen, das zweyte Mahl bey dem Auszuge aus derselben, und das dritte Mahl bey gegenwärtigem Lehrgebäude , so haben sich manche Verbesserungen und bequemere und faßlichere Vorsiellungsarten mir schon von selbst dargebothen, welche ich theils schon in dem Auszuge, theils auch in dem Lehrgebäude, wo es noch thunlich war, angebracht habe. Ich will hier nur das vornehmste bemerken. Ich habe den so wesentlichen Unterschied des Deutschen Beschaffenheitswortes (H6verdii ^u-M-nis) von dem Eigenschaftsworte oder Adjective in der Deutschen Sprachlehre hoffentlich einleuchtend und fruchtbar genug bewiesen. Ich behielt aber damahls die gewöhnliche Rangordnung der Redetheile, nach welcher das Adverbium hinter das Verbumgeworfen wird, bey, weil ich den Nachtheil davon nicht sogleich einsahe, und mich nicht gerne XVl Vorrede. gerne ohne Noth von dem Hergebrachten entfernen wollte. Ich ward es zwar gar bald selbst gewahr, wie wenig sich diese Stelle mit dem deutlichen Begriffe von dein Deutschen Beschaffenheitsworte reimte; allein es war zu spät, und der Abschnitt vou den Nennwörtern war bereits gedruckt. Ich habe indessen diese Verbesserung in dem Auszuge angebracht, und das Adverbium unmittelbar auf das Substanrivum folgen lassen, weil es im Deutschen der Grund nicht allein des Adjectives, sondern auch des Artikels, des Zahlwortes und des Pronomiln's ist. In dem gegenwärtige!: Lehrgebäude konnte diese Verbesserung nicht angebracht werben, wenn es auch noch Zeit gewesen wäre, weil es mit den §§. der Sprachlehre fortläuft, folglich die dort einmahl beobachtete Einrichtung auch hier beybehalten werden mußte. Ferner ist in dem Auszuge die im Deutschen so schwere Declination der Bestimmungswörter des Substantives, in Ansehung welcher alle Deutsche Sprachlehren so mangelhaft sind, faßlicher, fruchtbarer und zum Theil auch vollständiger vorge- getragen worden, als in der Sprachlehre, und gewisser Maßen auch in diesem Lehrgebäude geschehen. Endlich liefere ich sowohl in dem Auszuge, als in dem gegenwärtigen Lehrgebäude eine künstlichere Classiftcation der irregulären Verborum, ob ich gleich vo»t ihrem überwiegenden Nutzen noch nicht überzeugt bin. Ich habe mich an seinem Orte darüber weitläufiger erkläret. Sollte Vorrede. xvir Sollte ich eine neue Auflage meiner grammatischen Arbeiten erleben, so würde ich, meiner gegenwärtigen Einsicht nach, vornehmlich noch folgende Verbesserungen wagen, i. Ich würde dem Kapitel von dem Ursprünge der Sprache und der Bildung der Wörter, ein eigenes Kapitel von der Ausbildung der Wörter folgen lassen. Hier würde unter andern auch umständlich von dem mildernden e der Hochdeutschen gehandelt werden, welches den härtern Oberdeutschen Mundarten so fremd und unbekannt ist, daß sie es auch mit dem weiblichen e verwechseln. 2. Ich wurde in Bestimmung des Adverbii noch ein Paar Schritte weiter gehen, und das Umstandswort ganz von dem Beschaffenheitsroorte trennen, von welchem es so wesentlich verschieden ist, daß es auch eigener Ableitungssylben bedarf, wenn es in dasselbe übergehen soll. Wir wurden alsdann freylich im Deutschen einen Redetheil mehr bekommen; allein mit Recht, weil er in der Sprache und ihrem Baue wesentlich gegründet ist. Die ewige knechtische Anhänglichkeit an die Lateinischen Sprachlehren hat tausend Verwirrungen und Ungereimtheiten in die Deutsche eingeführet, von welchen man sie nur nach und nach wieder befreyen kann. z. Da der wahre Laut des ß nach einem gedehnten Hülfslaute in den Deutschen Provinzen so schwankend und oft so unbekannt ist, so würde ich in dem Kapitel von den Buchstaben zum Nu« tzen^ besonders der Oberdeutschen Provinzen ein vollständiges Verzeichniß derjenigen Wörter lie- AdchD,Spr. b fern, XVIII Vorrebe. fern, worin der Sauselaut nach einem gedehnten Vocale geschärft lautet, wo folglich ein ß Statt finden muß. In dem gegenwärtigen Lehrgebäude werde ich solches in dem letzten Theile von der Orthographie nachhohlen. Mehrere ähnliche Verbesserungen und fruchtbarere Vorstellungsarten würde die Ausarbeitung selbst an die Hand geben. Da ich nunmehr mit Ernst auf die Ausarbeitung des Auszuges aus meinen;- Deutschen Wörterbuche, welche durch diese grammatischen Arbeiten unterbrochen worden, bedacht seyn werde, und dabey Gelegenheit habe, den ganzen Reichthum der Sprache, seinen einzelen Theilen nach noch einmahl durchzudenken: so werde ich alles, was ich dabey All mehrerer Vollständigkeit und zur Verbesserung der Sprachlehre nur entdecke, sorgfältig anmerken, und es zu seiner Zeit zu nutzen suchen. Gegenwärtiges Lehrgebäude ist zunächst zur Erläuterung der vor kurzem Heralls gegebenen Sprachlehre für Schulen bestimmt; es treffen daher auch die Zahl und der Inhalt der §§. in beyden genall zusammen. Wenn daher ein Satz in der Sprachlehre dunkel oder auffallend scheinen sollte, so darf mal: nur eben denselben §. in diesem Lehrgebäude aufschlagen. Der zweyte und letzte Theil wird, wenn keine lmvermuthetcn Hindernisse ein anderes gebiethen, nach Ostern 1782 erscheinen. Da meine Sprachlehre für Schulen zum öffentlichen Gebrauche bestimmt ist, so können mir auch Vorrede. XI» auch die Urtheile, welche öffentlich darüber gefallet werden, nicht gleichgültig seyn, und ich halte es für Pflicht, die dagegen gemachten Einwürfe, so ungegründet und unbedeutend sie auch seyn mögen, zu beantworten, um so viel mehr, da bey der noch so seltenen gründlichen Sprachkenntniß die letztern oft den meisten Eindruck machen. Ich mache mit der Recension in der Berliner Bibliothek B.47. St.i. S.267 f. den Anfang, weil mir noch keine andere zu Gesichte gekommen. Ich setze sie ganz her, und meine Antworten in Gestalt der Anmerkungen darunter. Ich übergehe den Eingang, welcher ein bloßes Compliment enhält. über die Ordnung und Einrichtung derselben, wollen wir geschickte und erfahrne Schullehrer urtheilen lassen: denn diefe werden am besten einsehen, was sie darin vorzügliches hat, und wie viel es zu mehrer Deutlichkeit in dem Unterrichte der Jugend beytragen kann Wir wollen, b 2 um (1) Da der Plan, die Einrichtung und Vollständigkeit, nebst der Deutlichkeit der Begriffe und Richtigkeit der Gründe das Wichtigste an einem jeden Lehrbuche, und eben das ist, wodurch sich diese Sprachlehre von andern unterscheide» soll, so muß es allerdings befremden, daß mein Hr. Recensent dieses erfahrnen Schullehrern zu untersuchen über« läßt, und nur meine Sprachregeln prüfen will, die doch auf das genaueste mit jenen verbunden sind. Ich will die Ursachen nicht untersuchen, welche ihn dazu bewogen haben, wünschte aber doch, daß jeder Recensent Me Stü» cke wenigstens historisch anzeigen möge, XX Vorrede. um unsere Leser mit demjenigen bekannt zn machen, was Herr A. in Ansehung der Sprachregeln selbst geleistet hat, diese Grammatik mit aller Aufmerksamkeit durchgehen, alles Vorurtheil bey Seite setzen, und, im Fall wir so etwas finden möchtet», worin wir anderer Meinung sind, uns die Freyheit nehmen, eine Anmerkung dabey zu machen. Herr A. hat zwar, was das Fach der Deutschen Sprache betrifft, nicht die portheil- haftesten Gedanken von dieser Bibliothek, denn er sagt im Wörterbuchs zten Th. 930 S. „Überhaupt zeigen sich die Berliner Bibliothekare von „einer sehr schwachen Seite, so oft sie sich nur in „das Feld der Sprachkunde und Sprachrichtig- „keit wagen Allein dieser Ausspruch soll uns nicht abschrecken, und wir werden uusere Anmerkungen zugleich dem Urtheile anderer Sprachkenner unterwerfen. In der Einleitung wird i) von der Sprache überhaupt; 2) von der Geschichte der Deutschen Sprache; z) von den Deutschen Mundarten, und 4) von der Deutschen Sprachlehre gehandelt, wovon Herr A. auch eine besondere Schrift, unter dem Titel: Über die Geschichte der Deutschen Sprache, über Deutsche Mundarten und Deutsche Sprachlehre, heraus gegeben hat, welche (2) Ich verspreche meinem Hrn. Necens. als ei» ehrlicher Mann, diesen den Herren Viblivthecaren so unvergeßlichen Ausspnich mit dem größten Vergnügen zurück zu nehmen, so bald es nur ohne Verletzung d»r Wahrheit und meines Gewissens geschehen kann. Vorrede. xxi che wir aber nicht bey der Hand haben, und sie daher auch nicht mit dieser Einleitung vergleichen können (?). Auf der 22sten S. heißt es: „ Die gesetzgebenden Theile einer Sprache stehen in folgender Ordnung untereinander: i. der Sprachgebrauch, „als die höchste und unumschränkteste Macht. „Was diese nicht bestimmt, entscheidet 2. die „SprachÄhnlichkeit oder Analogie. Wenn „auch diese schweigt, so nimmt z. die Abstam- „mung oder Etymologie das Wort, und wenn „in einem Falle alle diese nichts entscheiden, so gebühret 4. dem WolMange eine Stimme.,» Hier scheinet eine Einschränkung nöthig zu seyn, welche Herr A. auch vielleicht selbst in den Gedanken gehabt (4), aber nicht ausgedruckt hat. Nähmlich: wenn der Sprachgebrauch durch ganz Deutschland und in allen Provinzen allgemein ist, so stehet er allerdings auf der obersten Stufe und hat die höchste Macht; ist hingegen der Gebrauch in den Provinzen verschieden, so muß durch die Analogie und Etymologie ausgemacht werden, welche voll ihnen Recht hat, und welches der gute Gebrauch ist. Die besten Schriftsteller lassen sich zuweilen durch den Gebrauch ihrer Provinz zu Unrichtigkeiten verleiten, und solche Unrichtigkei- b z ten (z) Diese kleine Schrift ist bloß die Einleitung gegenwärtigen Lehrgebäudes, welche auch einzeln mit dem obigen Titel ausgegeben worden. (4) Nichts weniger als das, wie so gleich erhellen wird. Vorrede. ten werden hernach noch wohl von 'mehreren angenommen. Wenn aber andere Provinzen und Schriftsteller der Analogie gemäß reden und schreiben, so muß man diesen Recht geben, und sich niemahls so sehr für den Gebrauch seiner eigenen Provinz einnehmen lassen, daß man nicht den Gebrauch der anderen für den richtigsten und besten erklären sollte, so bald man siehet, daß er den allgemeinen Regeln gemäßer ist (^). - ' Die <5) Dieser ganze Einwurf rühret aus einer sehr gemeinen aber um deßwillen nicht weniger irrigen Vorstellung von der Hochdeutschen Mundart und ihrem Verhältnisse gegen die Mundarten der Provinzen her. Ich bemerke dagegen so kurz als möglich, l. Ein Sprachgebrauch, welcher durch ganz Deutschland und in allen Provinzen allgemein ist, ist ein Unding. Unter hundert Fällen wird man kaum zwey und vielleicht nicht einen finden, wo der Sprachgebrauch so allgemein wäre, als hier verlangt wird, weil immer eine oder die andere Provinz davon abweichen wird. 2. Eine allgemeine Deutsche Sprache, welche aus dem übereinstimmigen Sprachgebrauchc aller Provinzen bestände, gibt es nicht, hat es nie gegeben, und kann es nie geben, z. Die Hochdeutsche Mnndart, von welcher in meiner Sprachlehre allein geredet wird, vertritt zwar ihre Stelle in den Werken des Geistes und des Geschmackes, allein sie ist nichts desto weniger eine eigene Mundart. Man sehe g. 26 und 32 der Einleitung. 4. Jede Mundart hat ihren eigenen Sprachgebrauch, und dieser ihr eigener Sprachgebrauch ist eben das, waö sie zur Mundart macht. Jede Mundart muß daher auS sich selbst beurtheilet werden; der Sprachgebrauch anderer Provinzen kann dabey nie in Betrachtung kommen. Was gut Schwäbisch, gntFränkisch,gutBaierisch istu.s.f. kann nicht ans der Schlcsischen, Pommerschen, Hochdeutschen u.s.f. beurtheilet werden; eben so wenig kann aus den Provinzial-Mundarten bestimmet werden, was gut Hochdeutsch ist. Wem fiel es wohl in Rom ein, die Lateinisch- Vorrede. XXllI Die Sprachlehre selbst ist in zwey Theile abgetheilet, deren erster von der Fertigkeit richtig zu reden, und der zweyte von der Fertigkeit b 4 richtig sche Schiistsprache nach den Mundarten der Provinzen zu richten, »der wem ist es in Frankreich einfallen, die Französische Hof- und Schriftsprache dem Richtcrstuhle der Provinzial-Mundarten zu unterwerfen? 5. Mein Recensent hat nicht bedacht, wie vielen Thorheiten und Ungereimtheiten der Weg gcbahnet wird, wenn man die Etymologie und Analogie über den Sprachgebrauch erhebet; die meisten bisherigen orthographischen Mißgeburten sind aus diesem irrigen Vorzüge entsprungen. Nur ein Paar Beyspiele, immer noch nicht die auffallendsten. In Baiern spricht «nd schreibt man drcyzig, sowohl der Etymologie, von zug, ziehen, als auch der Analogie von vierzig u. s. f. gemäß. Es gibt Provinzen, welche zweyn- zig für zwanzig sagen; wieder dcrEtymologie und Analogie gemäß. Soll denn darum der Hochdeutsche auch dreyzig und zweynzig sprechen und schreiben? 6. ES gibt selten eine Analogie, der nicht eine andere Analogie, und oft mehr als eine, im Wege stünde; wer soll nun den Auöspruch thun, welche befolgt werden nmß, wenn es nicht der Sprachgebrauch ist? Wir haben für die Coujugcttion zwey Analogien, die reguläre und die irreguläre; diese begrcisst wieder vielfache Analogien uMcr sich. Wer sagt mir, welcher Analogie ich folgen muß, wenn es nicht der Sprachgebrauch ist? Es bleibt daher unleugbar gewiß, 1. der Sprachgebrauch ist in einer jeden Sprache, folglich auch in der Deutschen, der erste und höchste ^Entschcidungsgrnnd, welchem die Analogie und Etymologie schlechterdings nachstehen müssen, 2. Was in jeder Sprache, in jeder Mundart richtig ist, kann nur aus dem Sprachgebrauche jeder Sprache und Mundart selbst entschieden werden, folglich was im Hochdeutsche» richtig ist, nur allein aus dem Hochdeutschen Sprachgebrauch«?. Man sehe §. z8 und 41 der folgenden Einleitung. Was mein Recensent von den Fehlern emzeler Schriftsteller sagt, gehöret hierher nicht; man sehe davon indessen §. 40 der Einleitung. XXIV Vorrede. richtig zu schreiben, oder von der Orthographie handelt. Der erste Theil hat vier Abschnitte, nähmlich: i. Von Bildung der Wörter, oder der Etymologie. 2. Von den Wörtern als Nede- theilen und ihrer Biegung, z. Von der Compo- sition oder Zusammensetzung der Wörter; und 4. von dem Syntare oder dem Redesatze. Herr A. nennet die Consonanten Hauptlall- te, weil er sie für 5 die wesentlichsten Bestandtheile der Wörter hält, §.7, und die Vocale Hulfs- lcmte, welches auch der Natur der Sprache gemäßer zu seyn scheinet. Von dem Laute des b sagt er z6 S. am Ende des 22 §: „ Zwischen „zwey Hülfslauten, und nach dem e und r, wird „es oft fo gelinde als ein w ausgesprochen, Bi- „bel, Liebe, sieben, Pöbel, Schwalbe, Elbe, „Erbe, herbe.,, Wir könne» nicht glauben, daß Herr A. diese Aussprache gut hcisse, welche nur in einigen schlechten Mundarten gewöhnlich ist; indessen drucket er sich auf eine solche Weise aus, daß man leicht auf die Gedanken fallen könnte, als ob er sie nicht für fehlerhaft halte, und mancher, der so unrichtig spricht, könnte sich darauf berufen, daß Herr A. es nicht tadelt. Hätte er also.nicht, als Sprachlehrer, vielmehr davor warnen sollen? weil doch gewiß ein jeder, welcher gut und richtig spricht, in allen diesen Wörtern dem b seinen eigentlichen Laut beyleget. Besonders würde es in anständigen und höheren Reden sehr fehlerhaft seyn, ein w dafür hören zu lassen Vorrede. XXV lassen, — und Biwel,' Liewe, Erwe und so weiter zuljagen (6). Was in dem zweyten Kapitel von den Bie- gungssylbcn, Wurzelwörtern und Ankleidung derselben gesagt wird, ist alles sehr gut und richtig, und es kann nicht nndienlich (?) seyn, die Jugend damit bekannt zu machen, indem sie auf solche Weise gewöhnet wird, dem Bau der Sprache nachzuspüren, und seine Theile kennen lernet. Zuweilen gehet Herr A. von dem Grundsatze ab, welchen er gleich anfangs in der Vorrede angenommen hat, daß ein Sprachlehrer „den Urjachen nachforschen mW, warum das Veränderliche in der Sprache gerade so und nicht anders eingerichtet ist (v).„ Schon oben S. hat er behauptet, daß in den Worten, dieß, vierte. Viertel u. s. w. das ie geschärft lautet, und b 5 78 S. (6) Ist Zwar von keiner großen Wichtigkeit, aber doch gegründet; war daher auch schon in dem Auszuge als fehlerhaft angegeben. t?) Der Ausdruck nicht nndienlich sagt viel zu wenig; es ist schlechterdings nothwendig, wenn man die Sprache gründlich erlernen, oder nur kennen lernen will. Die folgende lote Anmerk. wird uns gleich ein Beyspiel davon geben. (8) Das verstehet sich denn doch nur, wenn es möglich ist; weil sich die Analogie, deren dunkele Empfindung die Menschen bey der Einrichtung und Ausbildung ihrer Sprache leitete, nicht allemahl angeben läßt. Am wenigsten ist dieses von solchen Einrichtungen möglich, welche in die erste Kindheit der Sprache fallen, da der , Mensch noch ganz von der dunkeln Empfindung des Hörbaren bestimmt wurde. XXVI Vorrede. 78 S. §.88. 2. sagt er: wahrlich wird gemeiniglich geschärft gesprochen. Er hätte also billig auch die Ursache anzeigen sollen, warum dieses so und nicht anders seyn muß (9). Hierin ist die Aussprache in den Provinzen verschieden: einige sprechen diese Wörter lang oder gedehnt, andere kurz oder geschärft aus. Viertheil und vierzehm spricht man zwar mehrentheils geschärft; indessen sind doch einige, welche diese Wörter ebenfalls dehnen. Dieß, vierte, wahrlich, möchte man öfter gedehnt als geschärft höreil. Da nun hier der Gebrauch verschieden ist, so ist die Frage: Welches ist recht? Welches ist der gute Gebrauch? Wenn wir. ohne Vorurtheil für unsere eigene Mundart und Gewohnheit urtheile:: wollen, so werden wir sagen müssen, diejenigen sprechen recht, welche diese Wörter dehnen, weil es der Analogie gemäß ist. Wir sagen viere, also auch der vierte, Viertheil, nicht virrte, Viertel; Wahrheit, also auch wahrlich, nicht warrlich. Das letzte hat nicht den germgste!? Grund für sich ('°). Sollte man (y) Hatte ich von all?» einzelen Fällen Gründe und Ursachen angeben wollen, so würden Sprachlehre und Lehrgebäude mehr als noch einmahl so stark geworden seyn, und dabey würde immer viel unnützes gesagt werden müssen, zu- mahl wenn ein nur mittelmäßig aufmerksamer Leser die Gründe mit leichter Mühe selbst auffinden kann, wie hier der Fall ist. Knabe, Junge, zur fünften Declination gerechnet, nach welcher sie im Genitiv ens haben sollen, aber sie gehören nicht Hieher. Nur in einigen unrichtigen Mundarten jagt man, des Hirtens, Iungens, Knabens, im guten Hochdeutschen ist nur allein der Hirt, des Hirten, des Jungen, des Knaben ganz allgemein gebräuchlich, und so hat sie auch Herr A. in; Wörterbuche angeführet (^). Zur dritten Declination der Eigennahmen, welche im Genitiv ens und im Nominativ des Plurals e haben sollen, werden 184 S. alle einheis mische (24) Und denn ist es Berlinisch richtig, über nicht Hochs deutsch. Und sagt man in Berlin etwa auch im Plural die Garten für Garten? Ist der Umlaut hier nicht verwerflich, warum soll er es denn in den übrigen seyn, wenn der Sprachgebrauch ihn einmahl beliebt hat. (25) In den an, Ende der Sprachlehre bemerkten Druck- und andern Fehlern hatte ich bereits ersuchet, Junge aus diesem Verzeichnisse wegzustreichen, weil es nur in einigen gemeinen Mundarten nach dieser Declination gebeuget werde. Bey Hirte stehet S. iZZ ausdrücklich der Weysatz, daß es auch nach der vierten gehe, weil mir hier der Hochdeutsche Sprachgebrauch nicht bestimmt genug zn seyn schien, und noch scheinet. Und das gilt, wenn Man will, auch von Ruabe. iibrigenS wird mir mein Nec. verzeihen, wenn ich gegen seinen Ausspruch, waS gut Hochdeutsch ist, ein wenig mißtrauisch bin, da er das Hochdeutsche so wenig kennet, und die Berlinische Mundart der obern Classen nicht undeutlich für das eini» ge gute Hochdeutsch hält. Adel. jv. Spr. c XXXIV Vsrrede. mische männliche auf ein e gerechnet, Men- ke, Hasse, Wilke, Bälde u. s. w. Allein diesen wird gewiß an den mchrcscm Orten im Plural nicht e, sonder»! en, gegeben: die Meuten, Hassen u. s. w. Der Grund davon ist dieser, weil die Eigennahmen im Plural sich nach den Appel- lativis richten, mit welche:: sie einerley Endung haben, nur daß sie den Umlaut nicht annehmen. Da nun alle Appellative, so im Singular, auf e ausgehen, im Plural M haben, so haben es auch die Eigennahmen (^). 19Z S. So wenig man sagen kann, daß das N des Dativs in den Wörtern, dem Fi rsten, dem Knaben, der ^rticuluz polixositivus fty, indem der Artikel schon vorstehet, so wenig scheinet auch das n in Stadtrichtern, Lehrern, Käufern und (26) Der ganze Grund ist nicht allein kein Grund, sondern auch ein falscher Grund. Wenn die eigenen Nahme» sich im Plural bis auf den Umlaut nach den Appellativen richteten, so müßten Geist, Bauer, Dack, 25latt, (ein ehemahliger Geistlicher,) Holz, Horn, Huhn u. s> f. wenn sie als eigene Nahmen gebraucht werden, im Plural Geister, Bauern, Dacher, Blatter, Holzer, -Horner, Hühner u> s. f. haben. Spricht man etwa in Berlin so? Ist aber die Abweichung von der appellativcn Declination unleugbar, so kommt es wieder auf den Sprachgebrauch je . er Provinz an, wie sie die eigenen Nahmen dc- cliniret. Im Hochdeutschen ist die von mir angegebene die gewöhnlichste; die andern mehresten (l)rte bekümmern uns nicht. In Schwaben decliniert man dergleichen Nahmen wieder ganz anders, wie mein Nec. aus dem Deutschen Sprachforscher sehen kann; und diese Art zu declinieren ist immer gut Schwäbisch, kann aber nie gut Hochdeutsch seyn. Vorrede. XXXV und der im gemeinen Leben üblichen Redensart, ich habe es Vätern gesagt, der Artikel zu seyn, weil dieser im Dativ m und nicht n hat/ und wo er angehenket wird, auch das m behält, als am Tage, zum Gebrauche, mit gutem Winde. Es scheinet vielmehr das n des Dativs einiger Hauptwörter zu seyn, welches man auch diesen, wiewohl unrichtig, beygeleget hat (^), Bey der Declination der Adjectiven scheinet es in dem dritten Fall 220 S. unrichtig zu seyn, daß sie im Genitiv des Maftul. und Neutr. bey-- des n und s annehmen sollen, denn hier, wo kein Artikel vor stehet, bekommt das Adjectiv in allen Fällen die Endung des Artikels; dieser aber hat im Genit. des Mascul. und Neutr. niemahls N, sondern allezeit s, also gutes, nicht guten. Es ist wahr, man sagt im gemeinen Leben zuweilen, guten Theils, seligen Andenkens und dergleichen. Allein diese Redensarten sind elliptisch und so viel als eines guten Theils, eines seligen Andenkens. Es wäre gar nicht nöthig gewesen, um ihrentwillen die Regel zu ändern, nach wel^ cher der Genitiv der Einheit, wie Herr A. selber sagt, im Masculino und Ncutro es hat, Man wird allemahl besser sagen, gutes Theils, seli- c 2 ges <2?) Dü alles dieses meinem Recensenten Nur scheinet, sö wird derselbe es wohl selbst nicht "si'ir wichtig genug halten, meine Vermuthung von dem Articulo posipofitivo zu widerlegen, zumahl da Ich noch Mehrere Gründe fm' denselben habe» XXXVI . Vorrede ges Andenkens, die heilige Schrift altes und neues Testaments (28)." Auf (28) Ich behaupte §. Z02: der männliche und sachliche Genitiv der Einheit habe in der bestimmten Declination, wenn kein anderes Bestimmungswort vorher gehet, zwar bey dem Artikel, Pronomine und Aahlworte es, aber bey dem Adjective im Hochdeutschen lieber cn als es. Ich führe die Beyspiele an, guren Theils, seligen Andenkens, vie heil. Schrift alten und neuen Testamentes, widrigen Falls, andern Theils. Ich setze auch den Gruud dazu: weil diese bestimmte Declination bloß zu Bezeichnung des Casus da ist, die meisten männlichen und sächlichen Substantive aber den Genitiv durch s hinlänglich bezeichnen, die Bezeichnung folglich des Genitives an dem Vestimmungsworte nicht mehr nothwendig ist, und da gilt denn die Analogie, cellliitte caulN, cell'st c!?e6tus. Mein Rec. sagt dagegen: I. „wenn kein Artikel vor (davor) „ stehet, so bekommt das Adjectiv in allen Fällen die Endung „des Artikels.» Also wird derselbe wohl auch sagen, um deines großes Fleisses willen, manches großes Mannes Rind, um welches schreckliches Versehens halber u.s.f. denn hier gehet auch kein Artikel vorher. Doch er hat sich vielleicht mir übel ausgedruckt, und wölke vermuthlich sagen, wenn kein anderes Bestimmungswort in der bestimmten Declination vorher gehet; daher ich mich dabey nicht weiter aufhallen will. 2. Die angegebenen Beyspiele sollen nur im gemeinen Leven üblich seyn. Etwa folgende auch : größten Theils, meisten Theils, folgenden Tages, den isten May verwichcnen Jahres, den ivtcn Auguf? alten, neuen Kalenders, das Haus Herrn N. vornehmen Rathsvsrwandten, trocknen Fusses, stehenden Fusses, eine Art großen wollenen Zeuges, sehr alten Ursprunges seyn, gedachten ManncsR,inoer, erwähnten Freundeswüter, aus einem Centner feinen Goldes, 4Mos.25,Zy. voll Freuden und heiligen Geistes, Apostelg, lz, 52, wirds Nicht deines und deines Vaters ganzen Hauses seyn? i Sam. y, 20. Calebs jüngsten Bruders, Richt. z,y. Ich könnte tausend Beyspiele für eines anführen, und es sollte Vorrede. xxxvn Auf der folgenden 221 S. ist daher ebenfalls die Declination unrecht, guter weisser Hafer, guten weissen Hafers; reife süsse Frucht, rei- c 3 fer sollte mir nicht schwer fallen, sie allein ans der Berliner Bibliothek zusammen zu bringen, und die wird denmdoch wohl bey meinem Recensenten Ansehen genug haben. Getraut er sich wohl zu sagen, Laleds jüngstes Bruders, altes Ralcnders ^ Aber z. diese Redensarten sind elliptisch, und sind so viel als eines guten Theils, eines seligen Andenkens. Ey, ey! folglich auch, den Gehn Renas, L,a!ebs eines jüngsten Bruders^ oder voll Zreuden und eines heiligen Geistes 5? oder eines gedachten Mannes Rindert oder eines erwähnten freundes Güter ^ Damit mein Recensent nicht sage, das cn rühre in den beyden letzten Fallen von dem ausgelassenen bestimmten Artikel her, so darf er sie nur in den Plural setzen, gedachte Männer, erwähnte Freunde; wo er scheu wird, daß die Auslassung des Artikels an der Declination nichts ändert. Überhaupt ist die Mode, alle Eigenheiten, wovon man sonst keinen Grund anzugeben weiß, durch Ellipsen zu erklären, ein altes ab^ getriebenes Steckenpferd, welches seine Dienste gethan hat, und nun einmahl vergessen werden konnte. Es bleibt also wohl gewiß: 1. der Hochdeutsche Sprachgebrauch ziehet in dem gedachten Falle bey den Adjectiven das en dem es vor; unter hundert Fällen dieser Art, welche im Schreiben und Sprechen vorkommen, wird man gewiß in neunzi- gen das en gebrauchen; und das ist denn doch wohlNegel genug. 2. Er hat auch Grund dazu, weil dieser Fall nicht leicht bey einen? Substantive vorkommen wird, welches nicht den Genitiv hinlänglich bezeichnete, daher die Ursache der bestimmten Declination des Adjectives wegfällt. Ich habe bey dieser Gelegenheit in dem Lehrgebäude bemerkt, daß die so verwickelte Declination der Bestimmungswörter, welche die Deutschen sich so schwer gemacht haben, sich im Hochdeutschen nach und nach zu einer einfachern und leichtern Form umzubilden scheinet. Es verstehet sich von selbst, daß sie dabey nur einer dunkel empfundenen Analogie folgen kann, und nicht erst den oder XXXVIII Vorrede. fer süssen Frucht. Plur. reife süssen Frucht^ schone großen Häuser. Wenn mehrere Adjective, ohne vorstehende Artikel, sich auf ein und dasselbe Hauptwort beziehen, so nehmen sie im Nominativ des Singulars alle insgesammt das Geschlechtlichen oder die Endung des Artikels an, nämlich im Mascul. r, imFemin. e, und im Neutr.es; in den andern Casibus bekommt nur das erste Adjectiv die Endung des Artikels, und die ander;? alle ein n. Es ist also im Nominativ ganz recht, guter weisser Hafer; reife süsse Frucht. Aber der Genitiv muß heissen gutes ( nicht guten) weissen Hafers. I. Weil der Artikel im Gen. nicht n, sondern s hat (^). 2. Weil im Dativ nur das erste Adjectiv die Endung des Artikels, das andere aber ein n bekommt, gutem weißen Hafer (-°). Weil im Fem. ebenfalls nur das erste die Endung des Artikels, und das andere ein n bekommt: reifer süssen Frucht Und jene» um Rath fragen wird, wie sie dabey verfahren soll. Und dahin gehöret denn unter andern Abweichungen auch der gegenwärtige Fall. (29) Fällt nach obigem weg, ist aber auch zugleich übel ausgedruckt, denn der Artikel hat dabey gar nichts zu thun; er hat seine Viegnngssylben, nicht mehr, als ein anderes Bestimmungswort. Ao) Thut nicht das mindeste zur Äachc, und entscheidet hier nichts. (zi) Nicht allemahl; z. B. eine Reihe wohlklingender Deutscher Verse, Übersetzungen alter griechischer und lateinischer Schriftsteller, zur Vermeidung zweyer ans einander folgender tonloser Sylben s. f. Man sehe mein Lehrgeb. §, Z05, Vorrede. xxxix Und da im Nominativ des Singulars alle solche Adjective so declim'rt werden, wie es ohne Artikel geschiehet, daß sie nämlich alle die Geschlechts- endung des Artikels bekommen, so scheinet es die Analogie zu fordern, daß sie im Nominativ des Plurals ebenfalls so decliniret werden, wie es ohne Artikel geschiehet; nämlich, sie haben alle e und nicht tt. Man sägt im Nomin. des Singulars, starker stürmischer Wind, und gibt beyden Adjectiven das r, also müssen auch im Nominat. des Plurals beyde das e haben, starke stürmische Winde (nicht stürmischen), und so auch reife füsie Früchte, schöne große Häuser. Dann sind die Allsnahmen, ganze lange Tage, schwere volle Becher u. s. w. nicht nöthig, denn dieses ist eigentlich die rechte Declination (^). In den andern Fällen des Plurals gehet es wieder wie im Singular, nämlich nur das erste Adjectiv bekommt in allen Fällen die Endungen des Arti- tikels, und das zweyte ein n. Folglich im Genitiv, starker stürmischen Winde, reifer süssen Früchte, wohlklingender deutschen Verss, nicht wohlklingender deutscher Verse. Auf gleiche Weise können noch mehrere Adjective mit einem Hauptworte declinieret werden, als, guter alter c 4 süffer (Z2) Da mein Recensent ein so erklärter Feind von allen Ausnahmen ist, und mich mehr wie einmahl fragt, wozu die Ausnahmen? so wundert mich, daß diese Gnade vor ihm funden hat; denn dieser einförmige Nominativ ist doch eine wahre Ausnahme von der Regel, und also im Grunde nicht die einige rechte Declination» Vorrede» süsser Wein. Gutes alten süssen Weines. Gutem alten süssen Weine. Plur. Gute alte süsse Weine. Guter alten süssen Weine, u.s.w. (ZZ). Ob es nicht besser gewesen wäre, bey den Adjectiven 224 S. wo von ihrer Steigerung gehandelt wird, so wie andere Sprachlehren thun, auch gleich zu zeigen, wie selbige geschiehet, weil selbst mancher Schüler hier schon darnach fragen möchte , als es bis zu den Adverbiis zu verschieben, wollen wir den Schullehrern zur Entscheidung überlassen, welche aus der Erfahrung urtheilen werden ('4). Von den Pronominibus ist mit vieler Gründlichkeit und Deutlichkeit gehandelt. Bey den Endungen eln und enzen, 261 und 262 S. hätte wohl müssen angemerket werden, daß die damit gebildeten Zeitwörter, böckeln, bocken- Zen, juvenzen, bloß in die widrige Sprechart gehören, (z?) Da dieser ganze lange Absatz, das es und en des Genitives der Adjective ausgenommen, eigentlich keinen Einwurf enthalt, sondern vielmehr aus meiner Sprachlehre selbsr entlehnet ist, so habe ich auch nichts dabey zu erinnern, CZ4) Die guten Schullehrer, was sie nicht alles zu entscheiden bekommen! Hatte mein Recensent meine Gründe erwogen, so hätte er ihnen diese Mühe sehr leicht ersparen können. Vielmehr hätte er die Benbchalrung der alten Stellung dcS Adverbii hinter die Bestimmungswörter des Substantives tadeln können; doch darüber habe ich mich schon in dem vorigen selbst erkläret. Vorrede. xi.r hören, und nicht einmahl überall bekannt, sondern nur in einigen Gegenden gebräuchlich sind Gottsched hatte bey den Zeitwörtern drey Futura eingeführet: die ungewisse künftige Zeit, ich will loben; die gewisse, ich werde loben; und die bedingte, ich würde loben. Herr A. läßt mit Recht das erste und das letzte weg, er setzet aber dafür ein iuturum exacium , ich werde gelobet haben; allein auch dieses Futurum möchte man mit mehrerem Rechte in die (üonjus. perixKiM. bringen, oder zu solchen Redensarten setzen, die aus Verbindung mehrerer Hülfswörter, oder solcher, welche von einigen uneigentliche Hülfswörter genannt werden, entstehen, als: ich würde gelobet haben, ich bin geliebt gewesen, ich sollte, könnte, möchte gelobet haben, und dergl. Denn erstlich kommen in diesem Futuro zwey Zeiten zustimmen, indem man von einer künftigen Zeit redet, da die -Sache geschehen wird, siehet man zugleich auf eine vergangene Zeit, in welcher sie wird geschehen seyn, und könme es daher vielleicht eben so gut tuturum xer- teAum, als iuwrum exaÄum, nennen. Zweitens, ist es wenig gebräuchlich, indem man gemeiniglich das Perfectum dafür setzet. Man sagt gewöhnlicher, wenn ich meine Arbeit vollendet habe, will ich zu dir kommen, als, wenn ich meine c 5 Arbeit enzen ist solches auch wirklich angemerket worden; be» eln findet diese Einschränkung nicht so sehr Statt, weil z. V. allein, ältlich riechen und schmecken, U, a. m. im Hochdeutsche», völlig gangbar ist. XI.Il Vorrede. Arbeit werde vollendet haben, will ich zu dir kommen. Drittens, wenn es auch im Activo noch zuweilen gehöret wird, so ist es doch im Passivs beynahe ganz ungebräuchlich. Im Accivo möchte man sagen: Morgen um diese Zeit werde ich meine Arbeit schon verrichtet, meine Rede schon gehalten habcn; allein im Passwo sagt kein Mensch: Morgen um diese Zeit wird meine Arbeit schon verrichtet worden, meine Rede schon gehalten worden seyn, sondern es heißt, wird meine Arbeit schon verrichtet, meine Rede schon gehalten seyn. Wir haben also gar nicht nöthig, unsere Conjugation noch mit diesem Futnro zu bereichem; denn wenn wir dieses annehmen wollten, so könnten wir auf gleiche Weise noch mehr Tempora bilden, und darin die Franzosen und Jraliäner übertreffen (-6). Die irregulären Zeitwörter ordnet Herr A. nach zwey Haupt-Classen 285 ff. S. Die erste hat im Jmperftcto et, und im Participio t, mit einigen Änderungen an dem Wurzelworte. Die zweyre hat das Imperfeetum einjylbig, und das Partieipium in en. Zur ersten Classe rechnet er viele, t)6) Außer dem Präscnti und Imperfecto ist im Deutschen alles Eonjngatio peiiphrasiica, das Pcrfectum, so wohl als das Plusquamperfektum und Futurum. Ich habe das Futurum eractum aufgenommen, weil es wenigstens im Aciivo wirklich häufig gebraucht wird, und im Syn- tarc wieder vorkommt. Da es aber minder nothwendig ist, so hatte ich es auch in dem Auszuge bereits wieder wcggelqssen. Vorrede. xl.ni viele, 'welche sonst nichts irreguläres haben, als eine Zusammenziehung oder Verkürzung, imJm- perfecro und Participio, da aus brennete, nen- r.ete und dergl. brannte, nannte, und aus gebrennet, gencnnet, gebra;nlt, genannt gemacht wird (-7). Hauchten hat gar in'chts irreguläres, als daß man zuweilen für däuchtete, Väuchte, und für gedäuchtet. gedäncht sagt, wiewohl das erste im höheren Reden noch immer gewöhnlicher und auch besser ist (^). übrigens behalten diese Zeitwörter den Vocal ihres Pttlsen- lis durch alle Zeiten und Personen, sie könnten also vielmehr noch zu den reguläre!? Verbis gerechnet, und ihnen als ein Anhang mit der Anmerkung beygefüget werden, daß sie bloß das Imperfectum uud Participium zustimmen ziehen; denken und bringen, aber das Imperfectum von einem veralteten Stammworte bilden. Auf solche Weise würden wir, außer den Hülfswörtern, nur sechs wahre Anomala rechnen dürfen; nämlich: dürfen, mögen, müssen, sollen, wissen, wellen Die (z?) Sind nichts weniger als Znsammenziehnngen, wie ich Z. 424 des Lchrgeb. deutlich bewiesen zu haben glauhe. (Z8) Dg der Mangel der Biegungssylbe eine wahre Abweichung von dkr Regel ist, so gehöret bauchten, so fern es, wie noch häufig genug geschiehet, so abweichend gebraucht wird, mit Recht in die irreguläre Conjugation. so ist das bloß Aufall. Man sehe, was ich in dem Lehrbäude von der immer fortschreitenden Neigung dieser Verborum zur regulären Form gesagt habe. (4Z) 2'ch verweise meinen Rec. hier auf den Abschnittvon den irreg. Verb, in diesem Lehrgebäude, wo er hoffentlich der Abweichungen von seinen Regeln so viel finden wird, daß eine Classtficatien nach denselben eher eine Marter fiir das Gedächtniß seyn wird, als die acht Declinationen. Die waren ihm dort schon zu viel, und hier siud ihn, fünf Classen wieder viel zu wenig. Xl-Vi Vorrede.. - Gottsched hat schon bemerket, daß, ungeachtet aller scheinbaren Unrichtigkeit dieser Conjugation, dennoch eine gewisse Ordnung darin Statt hat, die sich nach Regeln richtet (44). Spr. K. Z29 S. und es scheinet nicht unmöglich zu seyn, daß sich diese ganze Conjugation, die wir für so irregulär halten, unter gewisse Regeln bringen lasse; aber, diese Regeln aufzusuchen, Koc ox>u8, Kic Zador ett. Sie liegen so tief in dem Grunde der Sprache verborgen, daß es viel Arbeit und Mühe kostet, sie ans Licht hervor zn ziehen (4>). Vielleicht ist es einem künftigen Sprachforscher vorbehalten (46). Es kann hiemit gehen, wie mit den Vervis (44) Das hatte Gottsched nicht bemerket, sondern nur ges rathen. Hätte erdaS geringste von dem Baue der Sprache verstanden, so würde er nicht so gerathen haben. (45) Wozu die geheimnisivolle Mine? Ich habe ja den Grund schon selbst angegeben, theils schon in der Sprachlehre, »och mehr aber indem Lehrgebäude; er liegt in der Kindheit der Sprache, da sie noch nach der dunkeln Empfindung des Hörbaren gebildet und ausgebildet wurde. Das ist ihr einiger und wahrer Grund; nun gehe mein Nee. hin und sehe, was er sich ans diesem Grunde nehmen kann. <4b) Hirngespinste wohl und Lnftgebäude,' aber zuverlässig keinen andern Grund, als der ist, welchen ich schon angegeben habe. Wären die Sprachcrfindcr lauter Lcib- niizc und Newtons gewesen, welche die Spräche als ein Spiel der Ersiiidungskraft ihren Enkeln aufgestellet hätten, so könnte man wohl so tiefe und verborgene Gründe vermuthen, die alle Sprachlehrer bisher noch nicht entdecken können. Allein, da sie rohe, sinnliche Men- - scheu waren, so müßten ihre Gründe längst bekannt seyn, wenn sie einer klaren Vorstellung fähig wären, und sich mcht eben so sehr auf das Hörbare gründeten, als die Vorrede. X!.VIt Verbis Neutris, von welchen wir sonst ebenfalls keine sichere Regeln hatten, den Gebrauch der Hülfswörter, ich bin und ich habe, bey denselben zu bestimmen, denn was die ältern Sprachlehrer darüber gesagt haben, ist zu wenig und zu unbestimmt. Herr ^tosch ist, fo v'el wir wissen, der erste gewesen, welcher in den kleinen Beyträgen zur D- Spr. sich Mühe gegeben hat, hierüber gewissere Regeln ausfündig zu machen. Herr Hemmer hat diese Regeln genutzet, auch Herr A- ist ihuen größtentheils gcfolget, und hat sie hin und wieder berichtige^ und es kann wirklich dadurch der Gebrauch der Hülfswörter mit ziemlicher Richtigkeit bestimmt werden O?). So nimmt Herr A. z. B. zoi S. die Regel an, daß diejenigen Zeitwörter, welche eine Veränderung des Ortes bezeichnen, so oft der Ort ausdrücklich gemeldet, oder doch darunter verstanden wird, das Hülfswort fiyn zu die Einrichtung des Geschlechtes, des Plurales, der Declination u. f. f. (47) Der Gebrauch der Hülfswörter be» den Verbis Neu- triö wird hier sehr unschicklich -um Bcvspiel angeführet, weil er schon in die Aei.cn der Sprache fällt, da nicht mehr das Hörbare, sondern die dunkele Empfindung der Ähnlichkeit die Sprechenden leitete. Haben unsere bisherigen Sprachlehrer nichts davon gesagt, so geschahe eS darum, weil in der Lateinischen Grammatik nichts davon vorkommt. Warum aber mein Nee. in meiner ganzen Sprachlehre weiter nichts neues findet, als was er entweder radeln, oder auf eines andern Rechnung schreibe«» kann, will ich gerne nicht untersuche». x^vili Vorreoe. zu sich nehmen. Nach dieser Regel nun, sollten die Wörter, einkehren, herum irren, stolpern, straucheln, nicht Z04 S. unter diejenige!: gerechnet werden, deren Gebrauch in einer und eben derselben Bedeutung schwankend ist: denn weil bey dem Worte e ntehren, ein Ort, wo mau einkehret, verstanden, uud durch die Partikel ein > angezeiget wird, so sollte wenigstens der Gebrauch nicht schwankend seyn, es muß nothwendig das Hülfswort seyn bekommen. Ich habe einge- kehret, würde ein wirklicher Fehler seyn. So auch herum irren, ich bin, nicht ich habe, herum geirret (48), Stolpern und straucheln können ohne Meldung des Orts gcmz richtig haben zu sich nehmen. Er hat nur ein wenig gestolpert. Ich habe gestrauchelt; aber, wenn der Ort ausdrücklich genannt wird, bekommen sie seyn. Er ist bis Hieher, bis an diesen Fleck gestrauchelt. Herr A. scheinet bey dem Worte straucheln unentschlossen zu seyn. Im Worterbuche jagt er: „Verb, re- „Aul. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert,,, (48) Sollte man nicht denken, ich hätte die Formen, ich habe eingckehrct, herum geirrct u. s. f. gcbilliget. Ich sage ausdrücklich : „bey einigen ist der Gebrauch schwan- >, kend. Am besten nehmen seyn zu sich: abschlagen „Und aufschlagen, — begegnen, beharren, einkeh- „ren, stolpern, straucheln u. s. f.„ und mein Rccens. zankt mit mir, daß der Gebrauch schwankend ist, und sagt, er sollte nicht schwankend seyn. Immerhin; aber was kann denn ich dcifur, wettn er es nun istz habe ich ihn doch nicht gebilliger» Vorrede. XI.IX „dert,,, und hier setzet er es unter diejenigen, welche am besten seyn zu sich nehmen. E6 kommt aber gewiß öfter mit haben, als mit seyn, vor, und vielleicht kann es nicht einmahl gut mit ausdrücklicher Meldung des Orts gebraucht werden, welches der Fall wäre, worin es seyn bekommen müßte (49). Auf gleiche Weife jagt er im Wörterbuche, nachhängen erfordere das Hülfswort seyn, und hier will er ihm haben beylegen. Dem Worte nachjagen gibt er zwar auch im Wörterbuche das Hülfswort haben; allein, daß dieses wirklich unrichtig sey, beweisen alle andere mit nach zusammen gesetzte Neutra,- die eine Veränderung des Ortes anzeigen, nachgehen, nachfolgen, nachlaufen, nachkommen, nachreiten u. f. w. welche,: alle» Herr A. felbst im Wörterbuche das Hülfswort seyn ganz richtig zueignet, und man kann gar keine Ursache angeben, warum nur die beyden, nachhängen und nachjagen, das Hülfswort haben bekommen müßten (5°). Das Per- fectum <4y) Wenn ich so gern ohne Gründe, oder nach willkührlich angenommenen Gründen entschiede, wie mein Recensent, so würde ich hier freylich auch entschieden haben. Da ich aber hier den Sprachgebrauch schwankend fand, (S. mein Lehrgebäude,) so trug ich Bedenken zu entscheiden, weil beyde Analogien gleich gut sind, und es bloß auf den Gebrauch jeder Provinz ankommt, welche in cinze- lcn Fällen herrschen soll. Ich für meine Person sage lieber , ich bin gestolpert, gestrauchelt, als ich habe. (50) Eben die Ursache, aus welcher so viele andere Intransitiva haben bekommen, nähmlich, den herrschenden Be- Ad«l,D.Spr. V S"ff K Vorrede. fectum von diese» Wörtern ist selten, und MM möchte sagen, gar nicht gebräuchlich. So oft auch das Wort nachjagen in der Bibel vorkommt, so wird es doch nicht ein einziges Mal im Perfecto gefunden; da man nun das Perfecmm niemahls höret, so scheinet daraus die Ungewißheit zu entstehen, was man ihm für ein Hülfswort geben soll. Allein im Fall man es ausdrücklich brauchen wollte, müßte mal; nothwendig der Analogie Mr anderen mit nach zusammen gesetzten Wörter und der ioi S. 2. angeführten Regel folgen. Man würde also z.B. sagen müssen: die Husaren sind dem flüchtigen Feinde nachgejaget, nicht, haben dem Feinde nachgejaget^). ' über griff der Thätigkeit, denn darin sind alle Regeln von dem Gi brauch der beyden Hülfswörter gegründet. Denke ich mir bey nachhangen und nachjagen daS Subject mehr thätig als leidend, und der Sprachgebrauch meiner Provinz hat nichts dawider, so habe ich eben so recht, wenn ich diesen Wortern haben gebe, als ein anderer, der sie mit seyn verbindet, weil er sich das Subject dabey mehr leidend denkt. Welches von beyden nun der Hochdeutsche Sprachgebrauch bey d iesen beyden Berbis vorziehet, kann ich hier nicht untersuchen, weil diese Verba, wie der Recensent selbst gesiehet, in den zusammen gesetzten Zeiten selten vorkommen. Es ist daher der ganze Widerspruch unnütz, zumahl da er auf einem irrigen Grunde beruhet. tzi) Daß man schlechterdings so sagen müßte, folgt ans der Präposition nach nicht. Die angegebene Analogie ist willkührlich angenommen, beweiset also nichts. Wenn nach den Begriff in der Zusammeusetzung so sehr leidend machte, daß scvn schlechterdings nornwendig wäre, so konnte es keine Activa bilden helfen, wie in nachvelhen, nachsprechen, nachreden und hundert «ndem geschie- Vorrede. über die zusammen gesetzten Zeitwörter, il> renTon, und den Gebrauch des Augments sind -öS ff. S. sehr gute und richtige Regeln gegeben. Voll lobpreisen zs6 S. möchte das Perfectum wohl nicht leicht vorkommen, man hat ihn lobpriesen ; und wenn es von lobsingen gebraucht wird, pfleget man dieses Wort lieber zu trennen: Sie haben ihm Lob gesungen. Wenn es MS. heißt: „Zuweilen folget „das bestimmende Wort dem Plural des Beistimmten, die Apfelschale, Plur. die Äpfel- „schalen,,, fo hat dieses an sich seine Richtigkeit, es geschiehet im gemeinen Leben. Man kann sagen, wirf die Äpfelschalen, oder auch, wirf die Apfelschalen aus dem Fenster. Auf gleiche Weise sagt man auch: sie find Brüderrinder und sie sind Bruderkinder. Hingegen möchte mal; den Plural besser in dem Falle gebrauchen: er hat im Testamente verordnet, daß alle seine Brüder- Linder in gleichen Theilen erben sollen, weil es deutlicher zu erkennen gibt, daß voll den Kindern mehrerer Brüder die Rede ist, dahingegen Bruderkinder auch viele Kinder eines einzigen Bru- d 2 ders het. Es könnte also nur das seyn in so fern nothwendig machen, als es den Ort bedeutet, und den bezeichne» auch an, bey, und her, in den gleichfalls von mir angeführten abschlagen, anschlagen, bcyftehen und herrühren. Da der Rec. mir hier nicht widerspricht, so muß er haben wohl für richtig halten; warum denn nicht auch die beyden getadelte»», unter den obigen U.mz Wnden? Vorrede. ders bedeuten könnte. Wir wünschen also, daß Herr Adelung genaller bestimmt hätte, welche bestimmende Wörter dem Plural des bestimmte,» folgen können, und in welchen Fällen es geschehe, da doch sonst in den zusammen gesetzten Wörtern das bestimmende niemahls im Plural stehet. So sagt man von Hausflur, nicht die Hauserflure, sondern Hausflure; von Sattel, nicht die Sättelgüter, sondern die^attelgüter; von Dorfjunker, nicht die Dörferjunker, sondern die Dorfjunker (^). Der Syntax ist mit sehr vielem Fleiße ausgearbeitet, und die gegebenen Regeln haben ihre völlige Richtigkeit. Nur hin und wieder haben wir etwas bemerket, welches zweifelhaft oder richtiger hätte gesagt werden können. Z. B. 465 S. 717 §. wird beydes gut geheißen, es lohnt, oder belohnt die Mühe nicht. Das letzte ist ganz richtig, aber das erste nicht völlig. Man braucht zwar 'Z). 467 S. 719 §- Sich in die Finger stechen. Wenn hier nach der Regel, sich, der Dativ seyn soll, so ist es auch recht, du wirst ihm in die Fersen stechen, welches doch im Wörterbuche für unrichtig erkläret wird (54). d z 47V S. <5Z) Der Recensent verwechselt hier offenbar den Dativ der Person mit dem Accusativ der Sache. Weil ich mit dem Dativ der Person einem lohnen sagen kann, so folgt schon daraus, daß ich auch mir dem Accusativ der Sache sagen muß, einem die Mühe lohnen, welches hier so viel ist, als belohnen. Es lohnet der Mühe nickt, ist völlig unrichtig, weil Mühe hier nicht die Person, sondern die Sache ist. Lohnen ist frcvlich nicht so üblich alö belohnen, daraus folget aber noch nicht, daß der von mir angegebene Ausdruck unrichtig ist. (zi) Es kommt hier bloß darauf an, wir die Wirkung des Verbi auf den persönlichen Gegenstand gebacht weisen soll, sich nnmittelbar darauf erstreckend, folglich mit dem Accusativ, oder durch einen Umweg, also mit dem Dativ. Ist der Accusativ der Sache dabey,, so ist der Dativ der Person unstreitig: einem den Staar stechen. Wird aber der Gegenstand der Sache vermittelst einer Präposition ausgedruckt, so kann es oft zweifelhaft feyn, welche Analogie in Ansehung der Person befolgt werden soll, und bloß der Gebrauch kann entscheiden, welches richtiger ist, einem in die 8ersen stechen oder einen. Ich glaube immer, dH der Accusativ die meisten Stimmen hat. Vorrede. 470 S. 724 §. Ob man besser sagt, dasKind wird von seiner Mutter geliebkoset, oder dem Kinde wird von seiner Mutter geliebkoset, wäre noch näher zu untersuchen, man kann für beydes Gründe beybringen. Der zweyte Theil dieser Sprachlehre, von der Fertigkeit richtig zu schreiben, oder von der Orthographie hat fünf Kapitel. 1. Allgemeine Grundsatze derselben. 2. Von der Orthographie einzelner Buchstaben, z. Von Theilung der Syl- Hen. 4. Von zusammen gesetzten Wörtern. 5. Von Den im Schreiben üblichen Zeichen. Herr A. vertheidiget die bisher gebräuchliche Mchtschreibung, mit sehr guten und wichtigen Gründen, wider die Neuerungen, welche einige darinnen haben vornehmen wollen. Er nimmt zwar den Satz an: Schreib, wie du sprichst, er behauptet aber dabey mit Recht, man müsse erst richtig sprechen, ehe man richtig schreiben kann, und gründet die Rechtschreibung 1. auf die erweisliche und nächste Abstammung. 2. Auf den allgemeinen Gebrauch, z. Auf die Analogie 579 S. Wenn er aber 582 S. sagt: „Man schreibe, zzwie man spricht, aber der allgemeinen besten „Aussprache gemäß, welche in Obersachsen, und „besonders in Mcissen und demChurkreise, dem „Vaterlande der Hochdeutschen Mundart, aber ^ „auch hier nicht unter dem großen Haufen, son- „ dem in den höhern Classen der Einwohner, und „den feinern Gesellschaften zu suchen ist,„ so scheinet Vorrede. nct solches zu parteyisch für diese Gegenden zu seyn, und andere werden ihm darin widerspre« chen (55). Herr Hemmer will auch eine Stimme für die Pfälzische Mundart haben, und es ist Zewiß, daß auch in Meissen, selbst in den feinern Gesellschaften, nicht alles mit vollkommener Richtigkeit gesprochen wird (56). Man muß also bey der Aussprache selbst schou nicht bloß auf den Gebrauch einer besondern Provinz, sondern vielmehr auf Regeln und Grundsätze, sehen (5?). Wenn man z. B. in Meissen das Wort Blatt und die letzte Sylbe in überall gedehnt spricht, wie Herr A. im Wörtcrbnche vorschreibt, so ist solches dem Sprachgrunde sowohl, als der guten Aussprache, zuwider, uud es würde unrecht seyn, sich in der d 4 Recht- (zz) Nichts weniger als partheyisch, wozu mich nichts in der Welt bewegen könnte, zumahl da ich weder der Geburt, noch der Verbindung nach eine Chursachsc, sondern ein freyer Weltbürger bin. Bloß die deutlich erkannte Wahrheit hat mir diesen Satz abgedrungen. Man sehe §. 26, 27, Z2 f. der folgende» Einleitung. Am Ende dieser Recension weide ich noch etwas darüber sagen. (56) Das beweiset weiter nichts, als daß der höchste Grad der Vollkommenheit von keinem endlichen Dinge zu erwarten ist. Indessen habe ich mich auch über Fehler und Abweichungen einzeler Personen §. 40 der folgenden Einleitung umständlich erkläret. (5?) Allgemeine Regeln und Grundsätze, welche für alle Mundarten einer Sprache gelten könnten, sind ein Hirngespinst. Ist das Hochdeutsche eine Mundart, so muß es doch irgendwo einheimisch seyn, uud der Sprachgebrauch derjenigen Provinz, wo es einheimisch ist, ist dns einige Gesetz für dasselbe und sonst nichts. l.vi Vorrede. Rechtschreibung darnach zu richten 0«). Die Regel, welche 6c>6S. gegeben wird: „Wo die „Aussprache ungewiß ist, da entscheidet die Abdämmung oder der allgemeine Gebrauch,,, ist auch hier zu beobachten (In diesen Wörtern ist der Gebrauch, sie zu dehnen, nicht allgemein, sie werden vielmehr, dem allgemeinen Gebrauche nach, mit zweyen Consonamen geschrieben, welches ein Zeichet: ist, daß der Vocal geschärft werden muß; daher muß man, dem Sprachgrunde nach, dencnjemgen Recht geben, welche sie kurz oder geschärft aussprechen, wenn gleich ganz Sachsen sie dehnen sollte (6°). 592 S. 26 §. Man kann auch dieß als eine Urjache angeben, warum in zusammen gesetzten Wör- (58) Wenn die gedehnte Aussprache in diesen beyden Wörtern im Hochdeutschen allgemein wäre, so mußte sie auch Hochdeutsch richtig seyn. Die gedehnte Aussprache des all in überall ist indessen im Hochdeutschen nicht so allgemein, als ich wohl im Wörterbuche behauptet hatte, folglich auch Hochdeutsch unrichtig. Blatt wird im Singular häusiger gedehnt, aber doch nicht so allgemein, daß man die geschärfte Aussprache für Hochdeutsch unrichtig erklären könme. (59) Diese Regel gilt nur, wenn die Aussprache in einer u»d eben derselben Mundart, nicht in verschiedenen Mundarten, ungewiß ist. <6o) Wenn ganz Sachsen sie dchnete, so würde auch die gedehnte Aussprache die einige Hochdeutsch richtige seyn. Keine Mundart kann nach der andern bestimmt werden, und allgemeine Grundsätze und Regeln sind, wie schon gesagt, ein Hirngespinst. Daß zwey Consonamen nicht ohne Ausnahme ein Zeichen der Schärfnng sind. erbellet aus §. 87. Vorrede. I.VN Wörtern, wo zwey s zusammen kommen, diese besser einzeln, als zusammen gezogen, geschrieben werden, weil man das letzte weich aussprechen muß, so wie es im Anfange eines Wortes oder einer Sylbe lautet. Wenn man Aussatz, Aussaat, aussehen schriebe, so würde das letzte f so scharf lauten, wie in Wasser, besser; darum schreibt man Aussatz, Aussaat, aussehen, damit es weicher ausgesprochen werde (^). Da diese Sprachlehre zum Gebrauche der Schulen in den Königs. Preussischen Landen bestimmt ist, so haben wir nicht umhin gekonnt, dasjenige, was uns darin noch nicht vollkommen richtig zu seyn, oder eine nähere Bestimmung nöthig zu haben scheinet, mit aller Freymüthgkeit anzumerken. Sprachkundige Leser werden urtheilen, in wie weit unsere Anmerkungen gegründet sind, und wir hoffen, Herr A. selbst werde sie nicht ungütig aufnehmen, da er in der Vorrede einen jeden ersucht, ihm seine Bemerkungen bekannt zu machen (^). Sollte er eine oder die andere d 5 richtig (61) Wie aus dieser Schreibart die gelindere Aussprache des s erkannt werden könnte, sehe ich noch nicht. Der scharfe Laut des zweyten s in IVasser, besser u. s. f. rühret bloß von dem vorher gehenden geschärften Vocal her, fällt also in aussehen n. s. f. ohnehin weg. (62) Sollen aber dergleichen Bemerkungen und Einwürfe einigen Nutzen haben, so muß man sich vorher folgende Sätze deutlich zu machen suchen: 1. Es gibt keine allgemeine Deutsche Sprache, welche etwa aus dem besten Sprachgebrauchs aller Provinzen !.VIII Vorrede. richtig befinden, so wird es uns ein wahres Vergnügen seyn, wenn wir seinen Beyfall erhalten. Sie zen zusammen gesetzt ist, und zu deren Berichtigung jede Provinz, und jedes Deutsches Individuum das ihrige beytragen konnten. Eine solche Sprache hat es in keinem Lande von der Schöpfung an gegeben, wird es nie geben, und kann es nicht geben. 2. Diejenige, welche in einem jeden großen Lande die Stelle einer solchen allgemeinen Sprache vertritt, ist allemahl nur die Mundart einer Provinz, aber der blühendsten, cnltiviertesiin und durch Gesä'mack und Wohlstand am meisten ausgebildeten Provinz. In monarchischen Reichen ist es meisten Theils die Mundart der Hauptstadt, weil Geschmack und Feinheit der Sitten sich gemeiniglich um den Thron zu versammeln pflegen. z. In Deutschland ist es seit der Reformation die Mundart der südlichern Chursachsischcn Lande, welche damahls und noch lange hernach die blühendste und cul- tivierteste Provinz in dem ganzen Deutschlande war, und in Ansehung deS in ihr so allgemein verbreiteten Geschmackes noch jetzt vor allen andern den Vorzug behauptet, obgleich manche ihr in den Wissenschaften glücklich nachgeeifert haben. Diese unter dem Nahmen des Hochdeutschen bekannte Mundart wird in den südlichen Chursächsischen Provinzen am allgemeinsten und zugleich am reinsten gesprochen, und hat sich aus ihrer Mitte durch Geschmack , Künste und Wissenschaften über einen großen Theil des übrigen Deurschlandes verbreitet, wo sie die Schrift- und GcsellschaftS- Sprache des gesittetsten Theiles der Nation geworden ist, nur daß sich immer mehr gemeine Landessprache mit ihr vermenget, je weiter sie sich von ihrer Quelle entfernet, die noch jetzt eben so rein und lauter fließet, als je. Man sehe die "folgende Einleitung. 4. So wenig es nun eine allgemeine Sprache gibt und geben kann, so wenig gibt es auch allgemeine Regeln und Grund- Vorrede. Sie sind weitläuftiger geworden, als wir anfangs glaubten, und wir können daher nur noch mit wenigen Grundsätze, so wenig für mehrere Sprüchen, als für mehrere Mundarten einer und eben derselben Sprache. Wer so etwas behaupten kann, siehet nicht, was für Ungereimtheiten daraus folgen. Z. B. Gabe es solche allgemeine Regeln und Mundsätze, so könnte unter allen Sprachen in der Welt nur eine, und unter allen ihren Mundarten nur eine, die einige wahre und richtige seyn, alle übrige Mundarten und Sprachen müßten irrig und fehlerhaft seyn. Was sind Grundsätze und Regeln anders, als bemerkte Analogien? Unter hundert Fällen, welche nach Analogien bestimmt werden müssen, sind immer wenigstens fünf und neunzig, wo zwey, drey und mehr Analogien Statt finden. Ein Volk, ein Stamm, befolgt diese, ein anderer eine andere, und anS diesen verschiedenen befolgten Analogien entstehen verschiedene Sprachen und Mundarten. Jede dieser, verschiedenen und oft einander entgegen gesetzten Analogien ist in ihrer Art gut und richtig. 5. Was also in jeder Sprache, und in jeder Mundart gut und richtig ist, läßt sich weder aus allgemeinen Grundsätzen, noch aus andern Sprachen und Mundarten bestimmen, sondern muß auS dem Sprachgebrauche jeder Mundart entschieden werden, weil nur der die Analogie bestimmt, welcher ich folgen muß, oder vielmehr, mir zeiget, welche Art von Analogie von meinem Volke in jedem Falle am lebhaftesten empfunden worden. Die Analogie muß ihm also schlechterdings untergeordnet seyn, noch mehr die Etymologie, welche außer der nächste» Abstammung wenig mehr in Betrachtung kommen kann. 6. Was also gut und richtig Hochdeutsch ist, kann so wenig aus allgemeinen Grundsätzen, als aus den befolgten Analogien einer andern Mundart bestimmt werden, weil sonst aller Unterschied unter Sprachen und Mundarten aufhören müßte; sondern allein ans dem Hochdeut- fchen Sxrachgcbrauche, d. i, aus dem Sprachgebrauche der Vorrede. wenigen sagen, daß wirklich diese Sprachlehre vor allen, welche wir bisher bekommen haben, den Vorzug verdienet. Da sie eigentlich für Gymnasien und höhere Schulen geschrieben ist, so verspricht Herr A. nächstens einen Auszug von etwa zehn bis zwöls Bogen zum Gebrauch der niedern Schulen heraus zu geben. T. der südlichen Chursächsischen Lande, welche das Vaterland der Hochdeutschen Mundart sind, wo sie (verstehet sich von selbst unter den obern Classen,) noch so rein gesprochen wird, als sie von den besten Schriftstellern nur geschrieben werden kann. So lange man sich von diesen Sätzen nicht vollkommen überzeugt, wird des Einwcndenö, AntworcenS, Aeit- und Papieroeroeibens kein Ende seyn. Wie viele hundert und tausend Ballen Papier hätten seit hundert Jahren «sparet, wie viele unnütz verschwendete Zeit besser angewendet werden können, "wenn das eher geschehen wä'rcl Und unbcgrcisslich ist es, daß es nicht geschehen ist, und noch jetzt nicht geschiehet, da die Wahnieit so nahe vor Augen lieget, daß niemand sie verfehlen kann, der nicht vorsetzlich blind seyn will. Ich habe mich bey Beantwortung dieser Erinnerungen so kurz gefaßt-, als mir möglich war, bloß auf den Grund des EinwurfeS vermiesen, und daher eine Menge Nebendinge, die ich hätte rügen können, Übergängen. Da alle diese Einwürfe und taufend ähnliche mögliche, aus irrigen Begriffen von der Hochdeutschen Mundart, von allgemeinen Regeln und Grundsätzen, von dem Übergewichte der Analogie unv wohl gar der Etymologie über den Sprachgebrauch u. s. f. herfließeu: so muß man schlechterdings erst die oben angeführten Grundsätze umstoßen, ehe man mir zumuthen kann, mehrere ähnliche Einwürfe zu beantworten. —- -Lg A^ Inhalt. Inhalt. Einleitung über Sprache, Deutsche Sprache und Sprachlehre. I. Voll der Sprache überhaupt. Was Sprechen und Sprache ist, §. r. S. z Volk, Völkerschaft, Muttersprache, §. 2. S. 5 Lebend ige, todte, gelehrte Sprache, §. z. S. 6 Die Sprache folgt der Cultur, §.4. S.? Dialect und Mundart, §.5. S.9 Welches die erste Sprache in der Welt gewesen, §.6. S.n Alte Europäische Sprachen, §.7. S.ir Heutige Überreste derselben, H. 8. S. 12 II. Deutsche Sprache. Perioden der Deutschen Sprachgeschichte, §. 9. S. 14 Alte Germanen, §. 10. S. 15 Rohe Beschaffenheit ihrer Sprache, §. 11. S. 18 Ihre Abneigung von der Cultur, §.12. S.19 Große Völkerwanderung, §.iz. S.20 Gothen und Ulphilas, §.14. S.21 Anfang der Cultur der Deutschen, §.15. S.24 Wie Inhck. Wie sie geschiehet, §.16. S.29 Gehet sehr langsam von Statten. Sa- lisches Gesey, ^sidor, Rero. §. 17. S. zz Carl der Große, Vorhorns Glossen, Radan Maurns, §.18. S.z? Ludwig, Vater und Sohn, Loäex ^u^runus, Bundeseid, Latecliells t!iec>n'5cg, Ottfried, §.19. S.4l Sächsische Könige. Siegeslied L.ud- rviIS,Tacian, LTlocker, §.20. S.45 Kaiser auö dem Fränkischen Hause» V^illeram, Lobgedicht auf Anno, §.21. S.47 Schwäbische Dichter, §.22. S. 50 Ihre Mängel, §. 2z. S. 5z Ursachen ihres Verfalles, §.24. S.56 Glückliche Veränderung im vierzehnten Jahrhunderte, §.25. S.58 Reformation. Hochdeutsche Sprache, §.26. S.61 Ihre Ausbildung, §.27. S.67 Ob sie an Vollkommenheit wachsen kann ? §.28.^.70 III. Deutsche Mundarten. Verschiedene Mundarten Deutschlandes, §. 29. S. 72 Eigenheiten der Oberdeutschen, §. zo. S. 74 Der Niederdeutschen, H. zi. S. 77 Hochdeutsche Mundart, §.Z2. S.8c> Ob und wie sie zu bereichern, §. zz. S. 85 ZV. Deutsche Inhalt. IV. Deutsche Sprachlehre, Was Sprachlehre ist, §. Z4« S. 91 Analogie oder Sprachähnlichkeit, §. 35. S. 9; Ausnahmen von den Regeln, §.z6. S.94 Sprachregeln umfassen nicht alle Fülle, §.z?. S. 96 Herrschaft des Sprachgebrauches, §.z8. S.97 Was Sprachfehler sind, §.39. S.ic>4 Ansehen der Schriftsteller, §.40. S.106 Gesehgebende Theile in der Sprache, §.41. S. 109 Wie die Sprachregeln beschaffen seyn müssen, §.42. S. 112 Pflichten und Befugnisse deö Sprach» lehrers, §.4Z. S. 11; Würde der Sprachkunst, §.44. S. 114 Eintheilung der Sprachlehre, §.45. S.n? Abtheilung deö ersten Theiles, §. 46» S» «7 ^S--------B^^?»s«->^ Erster Inhalt. ^ll^^-u. ^ ^ Erster Theil. Von der Fertigkeit richtig zu reden. Erster Abschnitt. Bildung der Wörter oder die Etymologie. Einleitung, §.i. .S. 121 Erstes Kap. Von den Buchstaben und ihrem Lame, §. 2-49. 1. Bestimmung und Einteilung der Buchstaben, §.2-11. S.12Z Was Buchstaben sind, §.2. S.eb. Verzeichniß derselben, §.z. S.eb. Emrheilung in Hülfs- und Hauptlaute, §.4i S.eb. Erklärung der Hülfslaure, §. 5. S. 125 Der Doppellaute, §.6. S.127 Der Hauptlaure, §.7.8. S.eb. Gelinde, geschärfte und harte Hauptlaute, §.9. S.izo. Doppelte Hauptlaute, §.10. S. izi Mängel des Deutschen Alphabetes, §. 11. S. eb. 2. Nähere Erwägung der einzelenVuch- stabeu und ihres iautes, §.12-49. a. Der Hülfs - und Doppellaute, §. 12 - 20. S.izz f. b. Der Hauptlaute, §. 21 - 49. S. 142 f. Zweytes Inhalt. Zweytes Kap. Ursprung der Spräche und Dildung der n>örrev §.50-78. Was Sylben und TVörrer sind, §. 50. S. 57h Erklärung und Geschichte der Etymologie, §.51. S.179 Ursprung der Sprache, §. 52 - 62. S. 18z Biegung und Ableitung der Wörter; Vorsylben, ^achsylben, §. 6z - 75. S. 212 Zusammenseinng der Wörter^ §.76. S.2Z6 Folge aus dein vorigen, §. 77. S. 2z? Was Mundarten und verwandte Sprachen sind, §.78. S.szz Drittes Kap. Von dem Tone der einfachen tVörtcr, §.79-9?. Erklärung und Verschiedenheit des Tones, §.?9-8?.S.245 Merkmahle des gedehntenTones, §.88-9o.S.258 Und des geschärften, §.91. S.26i Gedoppelter iaut des e, §. 92. S. 262 Grundsaß für die prosodie, §. 9z. S. 265 Zweyter Abschnitt. Von den Wörtern als Rede- theilen und ihrer Biegung. Erstes Kap. Von den Arten der tVörrer als Redecheilm überhaupt, §.94-116. Einleitung, §.94. S.26? Adcl,D..Spr» S Erklä- Inhalt. Erklärung eines Redetheiles, §. 95- 97. S. 271 f. Allgemeine Übersicht derselben, §. 98. S. 274 f. Erklärung der einzelen Redetheile, §.99-109.^275 f. Von der Biegung und ihren Arten, §.I!0-IlZ.S.282f. Unbiegsame Redecheile, §. 116. S. 287 f» Zweytes Kap. Von dem Substantive. 1. Dessen Arten, §.117-132.^289 f. 2. Bildung der Substantive, §.izz -141. S. 309 z. Von dem Geschlechte, §. 142 -155. S. 345 4. Von dem Plurale der Substantive, §. 156-170. S. 369 f. 5. Von der Declination, §. 171 -247. S. 386 a. Declination der Deutschen allgemeinen Nahmen, §. 171 - 218. S. Z87 f. «. Allgemeine Betrachtung der Declination, §.171-176.^387 A. Erklärung der acht Deutschen Declinationen, §. 177 - 214. S. 397. Mangelhafte Substantivs, A215.S.467 F. Indeclinabilia, §. 216. S. 465 ». Wörter mehrerer Declinationen, §.217. S. 466 f. Zusammensetzungen mit , Mann und Leute, §.218. S. 468 b. Decli- Inhalt. b. Declination der fremden allgemeinen Nahmen, §. 219 - 227. S. 470 f. e. Declination der eigenen Nah. Drittes Kap. Von dem Artikel. Erklärung und Bestimmung dessel- Dessen Ursprung und Bildung, §.251. S. 547 f. Von dem bestimmten Artikel, §.253.254. S.548 f. Von dem unbestimmten, §. 255 - 257. S. 550 Von dem Articulo postposttivo, §. 258. S. 551 Viertes Kap. Von den Zahlwörtern. 1. Von denselben überhaupt, §. 259.260. S. 554 2. Bestimmte Zahlwörter, §.261.273.^556 f. z. Allgemeine, §. 274-285. S. 58z f. Fünftes Kap. Von dem Adjective, z. Allgemeine Betrachtung desselben, §. 286-29z. S. 606. 2. Declination der Adjective, §.294-310.^617 f. z. Ihre Steigerung, §.Zn-zi6.S.64o f, 4. Von den objectiven Zahlwörtern, §.317-325. S. 646 5. Substantivischer Gebrauch der Adjective, §.Z26-zzo.S.658f. men, §.228-247. S. 510 f. ben, Arten des Artikels, §.248. S.54v f. §. 249.250. S. 442 f. Sechstes Inhalt. - SechstesKap. Von dcmpronomine. ?lllgemeine Betrachtung desselben, §.M-ZZ5.S.67of. 1. persönliche Pronomina, §.336-350.^676 f. 2. possessive, §. 3Z! - 359. S. 69z f. z. Demonstrative, §.360 - 367. S.?vo f. 4. Determinative, §. 368 - 373. S. 70z f. 5. Relative, §. 374 - z8c>. S: 710 f. 6. Fragende, §. z8i - Z34« S. 7^5 f. Siebentes Kap. Von dem Verdo. 1. Dessen Bildung, §. 385 - 393. S. 718 f. 2. Arten der Vcrborum, §. 394 - 402. S. 750 f. 3. Von der Conjugation, §. 40z-4". S. 755 f. 4. Von den Hülfswörtern, §. 412 - 416. S. 771 f. 5. Reguläre Conjugation, §. 417.418. S. 779 f. 6. Irreguläre Conjugation, §. 419 - 425. S. 78z f. 7. Von den Verdis Nemris, §.426-433. S.82vf. 8. Von den zusammen geseyren Verdis, §. 434 - 44«. S. 856 f. 9. Von den Verdis recipro- cis, §. 44! - 447. S. 872 s. 10. Von dem Verdo impersona- li, §. 448.452. S. 877 f. ^ ^ -Z" Einleituttg > Einleitung. Über Sprache, Deutsche Sprache und Sprachlehre. ^ > . ^ ..^ ^ ' ' ^ i. ^ ^DU ^ ^ Sprache überhaupt. Inhalt. Was Sprechen und Sprache ist, !^ r. Volk, NNrerschaft, Muttersprache, Z. 2. Lebendige, todte und gelehrte Sprache, H. z. Die Spracke folgt der Cultur, S. 4. Dialcct uud Mundart, Z. 5> Erste Sprache, §.6. Alte Europäische Sprachen, §. 7. . Heutige Überreste derselben, §. s. precben heißt zwar zuweilen im weite- zza6 Sprc- ^A^H sten Verstands, einen Ton von sich ge- chen und den, in welchem man ansprechen noch Spreche ist. von den 7Orqelpfeiffen braucht; allein im engsten und gewöhnlichsten Verstände ist es, seine Vorstellungen durch vernehmliche Lau^e ausdrücken. A s ' >Vor- 4 Einleitung. Vorstellungen entstehen aus Empfindungen, und diese find entweder innere oder äußere. Menschen nnd Thiere haben das Vermögen, ihre innern Eni5 pfindungen durch jeder Art eigene und verständliche taute auszudrucken. Diese taute sind bey jeder Art Thiere, so wie bey dem Menschen, der Zahl nach sehr geringe, weil der innern Empfindungen nur wenige sind. Ein ach! ah! oh!ey! fi! uh! und wenige andere, siehe da das ganze Wörterbuch der menschlichen innern Empfindungen. Welch eine arme Sprache! Sie machen daher keine Sprache in engerer Bedeutung aus, und aus ihnen kann nie eine Sprache in menschlichem Verstände ent-- stehen. Das Vermögen, äußere j^mpfindunL gen durch vernehmliche Töne auszudrucken, ist dem Menschen allein eigen', weil dazu Reflexion oder Besonnenheit gehöret; ein Vermögen, welches ihn von den Thieren unterscheidet. Man sehe Herrn Herders vortreffliche Preisschrift über den Urs sprung der Sprache. Aber auch der bloße vernehmliche oder hörbare Ausdruck der äußern Empfindungen ist noch nicht Sprache im engsten Verstände, ob er gleich der Grund derselben ist; ist so wenig Sprache, als bloße einfache Empfindungen Vorstellungen und Begriffe sind. Sprache im engsten Verstände ist sowohl vernehmlicher Aus- druck der Begriffe, als auch der ganze Inbegriff solcher vernehmlichen taute, wodurch Menschen ihre Vorstellungen ausdrücken. Ich sage vernehmlicher, d. i. hörbarer, Aus- druck; denn es gibt noch eine andere, obgleich äusserst unvollkommene Art, andern seine Vorstellungen merklich zu machen, z. B. durch Geberden. Doch das heißt deuten und nicht sprechen. Schrei- , I. Sprache überhaupt. 5 Schreiben stehet dem Sprechen, aus diesem Ge> sichtSpunrte nicht entgegen, sondern ist bloß ein Hülfsmittel, vernehmliche Töne dem Gesichte vor- znmahlen, und sie dadurch dem Verstände hörbar zu machen. §. 2. Da es mehrere Arten gibt, seine Vorfiel- Volk, Wl lungen und Begriffe durch vernehmliche Laute aus- kerschaft, zudrücken, so gibt eS auch mehrere und verschiedene Sprachen, und dieser ihre Verschiedenheit ist in der Natur eben so sehr gegründet, als die Verschiedenheit der VorstellungSarten, Sitten, Cultur u. s. f. und eine allgemeine Sprache ist, wenn sie keine Grille des Stubengelehrten bleiben, sondern zn allen Zeiten und unter allen Himmelsstrichen brauchbar senn soll, ein Unding. Marion, Volk, sind zwar vieldeutige Ausdrücke; allein dem gewöhnlichsten Sprachgebrauche nach bezeichnen sie eine Menge Menschen, welche bey einer gemeinschaftlichen Abstammung einerley Vorstellungen durch einerley Laute, und auf einerley Art ausdruckt, und dieser Begriff ist einer der bestimmtesten. Ein großes aus mchrcrn Stämmen, das ist, kleinern verwandten Völkern, bestehendes Volk, nennt man lieber eine Völkerschaft. Den gemeinschaftlichen Ursprung muß man hier nicht zu genau nehmen, indem alle Völker von den ältesten Zeiten an, sehr häufig mit einander vermischt worden. Die Sprache ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmahl eines Volkes. Es kann seine Sitten, seine Gebräuche, selbst seine Religion ändern, und es bleibt noch immer eben dasselbe Volk; aber man gebe ihm eine andere Sprache, so verhält sich alles ganz anders. Wer kennet noch die ehemahligen Wenden in Ober» und Nicdersachsen, seitdem ihnen die Deutsche Spra- A z chc 6 Einleitung. che aufgedrungen worden? Sind sie nicht dadurch den Deutschen einverleibet und mit ihnen auf das unzertrennlichste zu einem Volke verbunden worden ? Wer kennr noch in dem heutigen Böhmen die Überreste der alten Bojer, die, von den Slaven überwunden, ihre Sprache annahmen und dadurch alle Unterscheidungsmerkmahle bis auf die geringste Spur- verlohren? Eine gemeinschaftliche Sprache sitzt daher nicht allemahl einen gemeinschaftlichen Ursprung voraus, weil ein'Volk dein andern seine Sprache aufdringen kann. In dieser Rücksicht auf ein gewisses bestimmtes Volk ist die Sprache derjenige Inbegriff vernehmlicher 4aure, durch welche sich ein Volk seine Vorstellungen mitzutheilen pflegt. Eine solche Sprache heißt alsdann die Muttersprache eines jeden, der von diesem Volke ist. Lebendige, §. Z. Die Erfahrung lehret uns, daß Völker todte und entstehen, verändert werden, und untergehen. Eben, gelehrte g^ch von ihren Sprachen. Sprachen, wel- EMchcn. ^ ganzen Völkern gesprochen werden, heisscn lebendige, diejenigen aber, welche nicht, mehr von ganzen Völkern gesprochen werden, codre Sprachen. Es ist eine angenehme Beschäftigung, die seit dem Anfänge der Geschichte bekanntgewordenen Völker und Völkerschaften mit ihren Sprachen, so weit man sie kennet, vor sich vorüber geheil zu lassen. Wieviele davon sind nicht todt, so völlig todt, daß auch nicht die geringste Spur mehr von ihnen übrig ist ! Nicht so diejenigen Völker, denen wir unsere Cultur und Wissenschaften zu danken haben, und bereit Sprachen wir noch unter dem Nahmen der gelehrten Sprachen kennen und studieren. Diese Völker sind, was den verbesserten Reli- ' k. Sprache überhaupt. 7 Religions-Unterricht betrifft, die ehemahligen Hebräer oder Juden, in Rücksicht der weltlichen Gelehrsamkeit aber, die Griechen und Römer. §. 4. Sprache und Erkenntniß oder Cultur sie- Die Spähen in dem genauesten Verhältnisse mit einander; che folgt dcr ein Sah, der schon aus dem Begriffe dcr Sprache Cultur, erweislich ist. Sie ist ein vernehmlicher Ausdruck der Vorstellungen; ein Volk kann also keine andern Vorstellungen ausdrucken, als es wirklich hat, und kann sie nicht anders ausdrucken, als wie cS sie hat. Ein rohes, wildes oder halb wildes Volk lebt ganz sinnlich, hat daher nur wenig Begriffe, seine Sprache erstreckt sich selten weit über die Gränzen der sinnlichen Gegenstände und Veränderungen, die es um sich hat, und sein Ausdruck derselben ist eben so hart und ungeschlacht, als seine Empsindungswevk- zeuge und Sprach-Organen. Schon diese Betrachtung sollte uns abhalten, in den Ausdrücken so mancher Völker von geringer Cultur, nicht die feinen Begriffe und abstracten Vorstellungsarten zu suchen, welche so viele darin zu finden glauben; ein Fehler, welcher so oft bey den Ableitungen der Wörter und ihrer Bedeutungen begangen wird. Die Ursprünge der Wörter fallen allemahl in die roheren Zeiten jedes Volkes, wo es keine andern als ganz sinnliche Vorstellungen hatte und haben konnte, wo folglich die sinnlichste Erklärung allemahl die wahrscheinlichste ist. Sobald ein Volk die engen Gränzen des rohen Bedürfnisses überschreitet, sobald es ansängt, sich über das Sinnliche zu erheben, sobald es sich verfeinert, und Geschmack an Sitten, Künsten und Wissenschaften bekommt, sobald erweitert und ver- A 4 ' . feinett 8 Einleitung. feinert sich auch dessen Sprache, weil es neue Begriffe bekommt und die alten berichtigt. Zugleich verfeinert sich das Äussere der Sprache, so wie Sitten und Lebensart biegsamer werden; die rauhen Töne werden mit gleich bedeutenden sanftem vertauscht, die Sprache wird durch Vervielfältigung der Partikeln runder, voller und biegsamer, sie wird immer regelmäßiger, je mehr sie geschrieben, und nicht mehr bloß dem Munde des großen Haufens überlassen wird. Alles dieses geschiehet sehr.langsam, und nach und nach von dem Volke und dessen erweiterten Begriffen selbst, nicht von Sprachlehrern, welche an der Ausbildung der Sprache immer den geringsten Antheil haben. Der höchste mögliche Wohlstand ist zugleich der «rste Schritt zum Versalle, weil jedes endliche Ding entweder zunimmt oder abnimmt. Eben das gilt von der Sprache. Äußerer Wohlstand gebierst den Luxus; auf die mannliche Feinheit der Sitten, folgt weibische Verzärtelung, die Gründlichkeit weicht dem Schimmer und kindischen Putze, und die Neigung zum erkannten Wahren und Guten der Liebe zur Neuheit und zu Veränderungen, und die Sprache wird nunmehr so schlüpfrig, weich und üppig, als das Volk, welches sie spricht. Hieraus erhellet zugleich, in wie fern sich eine Sprache fixiren lasse. Eine todte Sprache ist schon an sich fixirt genug; allein die lebendige Sprache eines ganzen Volkes fixiren wollen, heißt der immer fortschreitenden Natur Gränzen setzen wollen. Nur die Schriftsprache läßt sich fixiren, wenn der schreibende Theil einer Nation weise genug ist, den Verfall ihres Wohlstandes zu empfinden, und patriotisch genug, I. Sprache überhaupt. 9 genug, wenigstens ein Überbleibsel ihres ehemahligen Glanzes zu retten. Dieß ist der Fall in Italien, wo sich der bessere Theil nach den Schriftstellern des iSten und i6ten Jahrhunderts bildet, in welchen Reichthum, Geschmack, Künste und Wissenschaften in Italien eine Höhe erreicht hatten, zu welcher sie nachmahls nie wieder gelangt sind. §. 5. Die Sprache eines Volkes muß also zu Dialecrund verschiedenen Zeiren nothwendig sehr verschieden Mundart, seyn. Allein es gibt auch noch Gründe, warum sie unter den verschiedenen Theilen eines und eben desselben Volkes zu einerley Zeit verschieden seyn kann und muß. Diese Verschiedenheiten machen das aus, was man Dialecre oder Mundarten einer Sprache nennt. Wie wichtig die Kenntniß und Beurtheilung der Sprachen in der Geschichte ist, die Abstammung und Verwandtschaft der Völker zu bestimmen und zu beurtheilen, ist nunmehr bekannt genug. Allein noch hat niemand Regeln gegeben, wornach das Verhältniß der Sprachen gegen einander beurtheilet werden müsse, oder woraus man bestimmen könnte, was Mundart, was verwandte und was verschiedene Sprache ist. Ich werde in dem Abschnitte von der Bildung der Wörter einen Versuch machen, diese Regeln zu entwerfen, so weit solches in einer Sprachlehre geschehen kann. Der erste und vornehmste Grund der verschiedenen Mundarten ist denn doch wohl in der verschiedenen Abstammung zu suchen; indem jedes nur irgend beträchtliche Volk ursprünglich aus mehrern verwandten Stämmen bestehet, die sich im Ganzen A 5 eben IO Einleitung. eben so von einander unterscheiden/ als jeder einzelne Mensch von dem andern verschieden ist. Mehr oder weniger Gemeinschaft unter den Stammen, verschiedene Grade der Cultur, Clima und Boden, und . andere zufallige Umstände mehr, unterhalten diese Verschiedenheit, vermehren oder vermindern sie, und können endlich aus dem, was anfänglich nur Mundart war, eine eigene sehr verschiedene Sprache machen, wenn nämlich die Trennung frühe genug und vor der völligen Ausbildung der Sprache geschiehet; und auf diese Art sind die meisten Sprachen in der Welt entstanden. Welches die §. 6. Man hat sich von je her sehr viele unnö- erste Spra- thige Mühe gegeben, ausfindig zu machen, welches che gewesen erste Sprache in der Welt gewesen; weil man ^' geglaubt, alle übrigen Sprachen müßten sich alsdann sehr leicht aus dieser ersten herleiten lassen. Allein, wenn auch diese erste Sprache ausfindig gemacht werden könnte, so ist um deßwillen die Folge noch nicht gegründet. Bey der sehr frühe geschehenen Verbreitung und Vertheilung der Familien und Stämme mußte die kaum gebildete, folglich noch sehr arme und unvollkommene Sprache sich nothwendig sehr bald in unzählige Mundarten verwan- deln. Und da jede Familie oder jeder Stamm fort, fuhr, die empfangenen Anfangsgründe der Sprache nach Maßgebung seines Bedürfnisses, seiner Lebensart, und seines Clima auszubilden, so mußten die Mundarten in einem beträchtlichen Zeitraume nothwendig zu eigenen Sprachen werden, welche von ih. rer Ursprache endlich nichts mehr, als die ersten Wurzelwörter, aufzuweisen hatten. Die Hebräische Sprache ist freylich die älteste, von welcher wir die beträchtlichsten Überbleibsel haben; allein sie ist um I. Sprache überhaupt. - i? um deßwillen nicht die ursprüngliche. Der Abstand von ihr bis zum Ursprünge des msnschlichen Geschlechts ist zu weit, und mit zu großen Veränderungen durchwebt. N7ofts schrieb, da das menschliche Geschlecht, der gewöhnlichen Zeitrechnung zu Folge, schon bey nahe dritthalbtausend Jahre gesprochen, und sehr wichtige Veränderungen erlitten hatte. Es ist nicht einmahl glaublich, daß die Hebräische Sprache, so , wie wir sie jetzt kennen, ganz die ist, wie sie MoseS und seine nächsten Nachfolger schrieben. Von ihm bis auf den Esdras sind wenigstens tausend Jahre, und in dieser Zeit ging das jüdische Volk durch alle Grade der Cultur, von der einfältigen nomadischen Lebensart an, bis zur blühendsten Monarchie, und von da wieder bis zur niedrigsten Stufe des Verfalles. Wie sehr mußte sich nicht in diesem langen Zeitraume die Sprache des Volks ändern? Unser Deutsch, wie verschieden ist es von dem Deutsch des ^ero und seiner Zeitverwandten! Und doch ist die Sprache, als Sprache betrachtet, in allen biblischen Büchern einerley. . - §. 7. Europa ist, wenigstens seinem allergröß- Alte eure? ten Theile nach, sehr frühe von dem nordöstlichen Mche Asien aus bevölkert worden, und hier muß man da- Sprache-, her auch die Anfangsgründe seiner Sprachen suchen. Sehr lange pflegte man die ältesten Europäischen Völker und ihre Sprachen unter zwey Haupt-Classen, der Ecythischenund Leitischen, zusammen zu fassen; gerade als wenn es ehedem nur zwey Haupt- sprachen in Europa gegeben, Zu welcher sich alle übrigen höchstens als Mundarten verhalten hätten. Allein, da in einem Zeiträume von fast zweytausend Jahren ! i2 Einleitung. Jahren vor der großen Völkerwanderung, so viele und so verschiedene Völkerschaften aus Asien nach Europa gewandert, und unter diesen Völkern in Europa selbst so viele und so große Veränderungen vor- aegangen sind, so erhellet schon hieraus, wie viel es gewagt ist, alle diese Völker und ihre Sprachen auf zwey Haupt-Classen zu bringen. Es sind daher die Nahmen Gcychisch und Lkltisch in diesem Verstände in den neuesten Zeiten mit Recht verworfen worden. Cäsar fand schon zu seiner Zeit in dem heutigen Frankreich wenigstens drey Völker von verschiedener Herkunft und Sprache; Ariovist, ein Deutscher, mußte das Gallische ordentlich erlernen, (Cäs. äe dello ^ > ,. N^AAsAU^-. > ^'< Deutsche Sprache. Inhalt. Perioden der Deutschen Sprachgeschichte, Z. 9. Alte Germanen, H. 10. Nvhe Beschaffenheit ihrer Sprack)e, §. ll. Ihre Al'neignng von der Cultur, §. lz. Große Völkerwanderung, §. iz. Gothcn und Ulphilas, Z. 14. Anfang der Cultur der Deutschen, §. 1;. Wie sie geschehen, H. 16. Gehet sehr langsam von Statten, §. 17. Carl der Große, Z. 18. . Ludwig, Vater und Sohn, §. 19. Sächsische Könige, yiy '— 1024, Z. 20. Kaiser aus dem Fränkischen Hause, 1024 — 11S5, Z. 21. Schwäbische Kaiser und Dichter, §. 22. Mangel der Schwäbischen Dichter, S. 2z. Ursacken ihres Verfalles, H. 24. Glückliche Veränderung im vierzehnten Jahrhunderte, §. 25. Reformation, Hochdeutsche Sprache, Z. 26. Ausbildung der letztern , 5. 27. Ob sie an Vollkommenheit wachsen kann, Z. 2?. B §. 9. Geschichte Sprache mit der Cultur eines jeden Vol- der Dcnt- keö in dem genauesten Verhältnisse stehet, schen Spra- ^ sM sich auch die Geschichte der erstem nie ohne beständige Rücksicht «uf den jedesmahligen Zustand und Fortschritt der Cultur begrifflich inachen. Legt man diesen zum Grunde, so Zerfällt der ganze große Zeitraum, welchen die Geschichte der Deutschen zu durchlaufen hat, von sich.selbst in sechs große Abschnitt. II. Deutsche Sprache. ^ schnitte, i. Von dem Ursprünge der Deutschen Völkerschaften an bis zur großen Völkerwanderung. 2. Von der Völkerwanderung bis auf Carln den Großen, z. Von dessen Negierung an bis zu den Schwabischen Kaisern. 4. Von den Schwäbischen Kaisern bis lim die Mitte des vierzehnten Iahrhun- derteS. 5. Von da bis zur Reformation; und 6. endlich von der Reformation bis zur gegenwärtigen Zeit. In allen diesen Abschnitten hat die Nation in den Sitten, in der Cultur und folglich auch in der Sprache, im Ganzen genommen, sehr mächtige Fortschritte gethan. Wir lassen es hier bey diesen Hauptabschnitten bewenden. In einer vollständiger» Geschichte der Sprache würde jeder wieder von selbst in kleinere Unterabtheilungen zerfallen. Wir haben noch keine vollständige und brauchbare Geschichte unserer Muttersprache; denn die Beyträge zur Geschichte der deutschen Sprache und National--Litteratur, welche 1777 der Aufschrift nach zu iondon, eigentlich aber in der Schweiß, heraus gekommen sind, und wozu sich hernach Hr. Leonhard Meister, Professor zur Zürch, als Versasser bekannt hat, sind zu unreif und zu verworren, in Nebendingen zu schwahhaft, und in wichtigern zu mangelhaft, als daß sie diese iücke ausfüllen könnten. Die Geschichte der grammatischen Bemühungen um die Sprache haben Ioh. Georg Ackardr in der lüttoria Auäii ervmvIuAici linAuae (lei-ingiiicae, Hannov. 1711. in 8, und Elias Caspar Reichard in dem Dersuche einer Historie der deutschen Sprachkunft, Hamb. 1747. in 8. bearbeitet. §. lo. Die Deutsche Sprache ist die Mutter-Me Ge?« spräche eines sehr alten und zahlreichen Volkes, wel- ches l6 Einleitung. cheö sich wieder in eine große Menge kleinerer Völker oder Stämme theilte, die ihre Wohnsitze ur- sprünglich in der Gegend des Schwarzen undKaspi- schen Meeres hatten, und auf verschiedenen Wegen und zu verschiedenen Zeiten, aber doch sehr frühe, nach dem heutigen Deutschlands gewandert sind. Ob alle diese verwandten Völker unter sich einen allgemeinen Nahmen gehabt, ist nicht erwiesen und auch nicht wahrscheinlich. Ehe die Römischen und Griechischen Schriftsteller sie genauer kennen lerne- te», rechneten sie sie bald zu den Celten und bald zu den Scythen. Der Nahme Germanier, welchen die Gallier anfänglich nur einigen am Nieder- Rheine befindlichen Stämmen beylegten, ward bey den Ausländern gar bald der allgemeine Nahme aller zwischen dem Rheine und der Weichsel wohnhaften verwandten Völker, so wie unter diesen selbst die Benennung der Deutschen üblicher ward, welche anfanglich auch nur der besondere Nahme ent- weder eines einigen Stammes, oder einiger wenigen mit einander verbundenen Stämme war. Sehr unnütz ist der Streit, ob man diesen Nahmen Deutsch oder Teutsch schreiben müsse. Ganz Nieder-Deutschland schreibt und spricht Düdsch; Ober- Deutschland nach seiner Liebe zu harten Buchstaben Teutsch. Im Hochdeutschen gehet man, wie in mehrern Fällen, die Mittelstraße, verbindet beyde, und spricht und schreibt seit langer Zeit Deutsch. Ist dieser Nahme ursprünglich am Nieder-Rheine, oder doch im niedern Deutschlande einheimisch, wie sehr wahrscheinlich ist, Zumahl da auch noch die heutigen Engländer, ohne Zweifel nach dem Vorgange der Angelsachsen, ihr DutcK nur allein von den Niederlanden gebrauchen: so lM das D ausser der Aus. spräche auch noch die Abstammung für sich. Da II. Deutsche Sprache. -7 Da die Deutschen so viele zwar verwandte, aber doch verschiedene kleinere Völker ausmachten, so mußte sich ihre Sprache, der Natur der Sachen nach, schon in den ältesten Zeiten in mehrere Mundarten theilen, und aus den wenigen noch übrigen eigenthümlichen Nahmen erhellet, daß sie ihrem Baue und ihren wesentlichen Eigenschaften nach schon damahls die heutige war. Diese eigenthümlichen Nahmen sind aber auch alles, was uns aus diesen entfernten Zeiten von der Sprache der Deutschen übrig ist, und diese sind noch dazu durch Griechische und Römische Zungen gar sehr verunstaltet und verfeinert worden. Man nehme noch die Nahmen der Flüsse, Berge, Wohnorte u. s. f. dazu, welche sich bey dem Anfange der einheimischen Geschichte und Urkunden vorfinden, und vermuthlich sehr alten Ursprunges sind; eine von den Sprachforschern noch sehr unbenutzte Quelle: so wird man an der Übereinstimmung der ältesten Deutschen Sprache mit der neuern nicht zweifeln können» Allein unter diesen Nahmen finden sich viele, deren Stammwörter längst verlohren gegangen sind, viel» leicht schon zurZeit der ältesten Urkunden nicht mehr vorhanden waren, und daher mehr als eine verlohrne oder abgestorbene Mundart zu verrathen scheinen» Und wie konnte es anders seyn? Die Germani« schen Völkerschaften sind bey ihrer herumstreifenden wilden Lebensart von ihrer ersten Ankunft in Deutschland an, bis zur großen Völkerwanderung, vielen und großen Veränderungen unterworfen gewesen. Wie verschieden sind nicht die Nachrichten, welche uns Cäsar, Srrabo, plinms, TacicuS und ptolemäus von den alten Deutschen uud ihren Wohnsitzen geben? Und doch lebten alle diese Adel.jv.Spr, B Schrift» i8 Einleitung. Schriftsteller in einem Zeitraume von noch nicht völligen zweyhundert Jahren. Die Welle der alten Germanischen Völkerschaften walzte sich immer südwestlich fort, so wie sie selbst von den östlichen . und nordöstlichen Volkeswellen aus Asien und dem östlichen Europa gedrängct wurden. Was Wunder, daß Völker und Mundarten ihre Wohnsitze veränderten, mit andern zusammen schmolzen oder gar untergingen. ' Robe Bc- §. n. Man kann und muß die Deutschen dieses schaffendes Zeitraumes nicht anders ansehen, als eine wilde chrer Spra- Völkerschaft, welche ganz von derIagdund von dem Kriege lebt, ein ganz sinnliches und unstates Leben ohne viele Bedürfnisse, folglich auch ohne Künste und Wissenschaften, führet. Ein noch fo ungebil- deceS Volk hat wenig und dazu größtentheils nur sinnliche Begriffe, seine Sprache kann daher nicht anders als äusserst arm seyn. Es hat grobe und ungeschlachte Sprachwerkzeuge, und kann daher die wenigen Begriffe, die es hat, nicht anders als durch rauhe und ungeschlachte Töne ausdriicken. Knim vero Izgrdm'08 ev5, sagt Julian von ihren Liedern, hui tr2ii8 l^lienuin incolunt, vicii, ruiiica carmina, verlz>5 igcra iunin'Izus clgi^orum, c^uoz Allere cl»m^litcü> sves cäunr, /luciicilö 2m^>1ecri, et csrminibuz äelccsk^li. M/o/?. Taciti ahnliche Stelle ist bekannt. Daß ein solches Volk dieKunst zu schreiben, wenn sie ihm auch bekannt gewesen wäre, wenig geachtet haben müsse, weil es keine Veranlassung hatte, ihren Werth einzusehen, und sie zu nützen, versteht sich von selbst. Überhaupt muß man, wenn man ein wahres Gemählde von den Deutschen dieser Zeit haben will, die Nachrichten von den wilden Völkern in andern Welttheilen, besonders II. Deutsche Sprache. 19 Hers in Nord-Amerika, studireri, so wird man sich unvermnthet auf Deutschem Grund und Boden zu befinden, und einen Tacicus z-u lesen glauben ; ein Hülfsmittel, welches von vielen Deutschen Geschichtschreibern vernachlässiget worden, daher auch Hre Schilderungen nie nach der Natur gerathen sind, die sich doch in ihrem rohen ungebildeten Zu- stände überall gleich ist. §. 12. Zwar fehlte es den wilden Deutschen bey Ihre Ab- den vielen Kriegen, welche sie mehrere Iahrhundcr- ueigung te mit den Römern führten, nicht an Gelegenheit, ^ die Vortheile und Bequemlichkeiten des gesitteten " jebenö kennen zu lernen; allein da der damit verbundene Zwang jene in ihren Augen weit überwog, so sahen sie selbige, ohne darnach lüstern zu werden. Es ist beynahe erstaunlich, wie wenig Eindruck dieBequemlichkeiten gebildeter Völker zu allenZei- ten und unter allen Zonen auf den Wilden machen, auch wenn er selbige täglich vor Augen hat. Wie dem Thiere im Walde und dem Vogel in der Luft, ist die unumschränkte Gleichheit und Freyheit, die er in dem gesitteten Zustande aufopfern muß, fein einiges und höchstes Gut, daher sein Stolz alles das verachtet und hasset, was mit diesem Zustands in Verbindung stehet. Die Unterordnung in gesitteten Gesellschaften, und die Unterwerfung eines Menschen unter dem andern, ist ihm eine unbegreiff- liche Niederträchtigkeit. Er selbst ist in seinen Augen der Maßstab aller Vortrefflichst, und er schätzt andere Menschen nur nach dem Maße, nach welchem sie sich ihm nähern. Er siehet die ängstliche Vorsorge, den unermüdeten Fleiß, die Verwickelren Maßregeln des gesitteternMenschen mit Mitleiden an, und verwünschet dessen unzeitige Thorheit, welche sich die B 2 Bs- 2O Einleitung. Beschwerden des Lebens so sehr vervielfältiget hat. Dies? ist das Bild des Nordamerikanischen Wilden, bey allen Rcisebeschreibern; aber e6 ist zugleich ein getreues Gemählde des Germanischen bey dem Ta- citns. Man kann daher sicher behaupten, und die Erfahrung aller Zeiten bestätiget eö, daß keine Völkerschaft ihren wilden Zustand aus eigener Wahl mit dem gesitteten vertauschet, wenn sie nicht entweder durch äußere Gewalt oder durch ihre innere Fülle dazu gezwungen wird. Daß das letzte der Fall bey den Deutschen gewesen, werden wir sogleich sehen. Große Völ- §. iZ. Zum Glücke eräugnete sich bald nach kenvande- Christi Geburt tief in dem östlichen Asien eine Ver- nmg. Änderung, welcher Europa seine jetzigen Einwohner, seine Reiche und seine ganze Cultur zu danken hat. Dort ward im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt der zahlreiche.Hunnische Völkerschwarm von den Chinesen vertrieben, und brachte durch seine Auswanderung nach Westen und Süden alle Völkerschaften in dem nordwestlichen Asien und östlichen Europa in Bewegung; eine Bewegung, welche mehrere Jahrhunderte hindurch dauerte. Die vertriebenen Hunnen beinächtigten sich anfänglich des heutigen Landes der Baschkiren, als sie aber auch hier von den nachrückenden östlichen Völkern gedränget wurden, so gingen sie in der letzten Hälfte des vierten Jahrhunderts unter dem Attila über die Wolga und den Don, überwanden nebst andern Völkern die Alanen und die Golhen, und veranlaßten dadurch die große Bewegung unter den Völkerschaften, welch? sich durch ganz Europa bis nach Afrika hin erstreckte. Das nach dem Maße seines Umfanges noch volkarme Deutschland ward mit neuen Ankömmlingen angefüllet, die alten Volksstämme II. Deutsche Sprache. 2t stamme wurden theils verdränget, theils mit den neuen vermischt, und mit ihnen wurden auch die Mundarten theils verpflanzt, theils mit andern vermengt. Es kamen neue theils verwandte, theils auch ganz fremde Volkssiamme nach Germanien, und brachten neue Mundarten und neue Sprachen mit. So setzten sich jetzt die Slaven, ein ganz fremdes Volk, in dem östlichen und nördlichen Deutschlande fest, und führten in den Ländern, deren sie sich bemächtigten, ihre Sprache ein. §. 14. Unter den mit den Deutschen verwand- Bothen und ten Völkern, welche um diese Zeit Aufsehen mach- Ulphilas. ten, sind in Ansehung der Sprache besonders die Gorhen merkwürdig; ein zahlreiches und mächtiges Volk, welches ehedem am schwarzen Meere wohnte, sich aber jetzt, von den Hunnen vertrieben, nach Westen wandte, und sich zu beyden Seiten der untern Donau sehr weit ausbreitete. Ein beträchtlicher Theil derselben, welcher in dem alten Mös sien, oder der heutigen Wallache», wohnte, ist unter dem Nahmen der Möso - Gochen bekannt. Es ist ein seltsames Vorgeben, daß diese Nlös so-gothische Sprache die Mutter, nicht allein der Deutschen, sondern auch aller übrigen nordischen verwandten Sprachen sey. Aber so seltsam eS auch ist, so ist es doch von sehr vielen in allem Ernste behauptet worden. Deutschland und die nördlichern iänder hatten schon viele Jahrhunderte Sprache und Einwohner, ehe noch die Gothen dem Nahmen nach bekannt wurden. Mit was für Schein von einem Grunde kann man wohl ihre Sprache zur Stamm - und Muttersprache aller übrigen machen? Eine verwandte Sprache war es allerdings, und zwar näher verwandt mit der heuti- - B z gen '22 Einleitung. gen Oberdeutschen, als mit der Niederdeutschen, wie man sich davon bey dem ersten Anblicke überzeugen kann. Allein e6 kamen damahls mehrere vielleicht eben so nahe und vielleicht noch näher verwandte Völkerschaften aus den Gegenden des Schwarzen undKaspischen Meeres, dem gemeinschaftlichen Vaterlande der Europäischen Völkerschaften, nur daß uns von ihrer Sprache nichts mehr übrig ist. Die LHoso-Gochen hatten theils wegen ihrer Nachbarschaft mit dem Griechischen Reiche, vornehmlich aber bey den vielen Kriegen mit ihren Nachbaren, schon einen beträchtlichen Anfang in dem gesitteten Zustande gemacht, als ihr Bischof Ulphilas um das Jahr z6o nicht nur die Kunst zu schreiben unter ihnen einzuführen suchte, und dazu die Schrift der benachbarten Griechen entlehnte, sondern auch die heilige Schrift in diese Sprache übersetzte, und ihnen überhaupt Geschmack an Wissenschaften beyzubringen suchte. Wir haben von seiner Übersetzung nichts weiter, als den größten Theil der vier Evangelisten und ein kleines Stück aus dem Briefe an die Römer, übrig; allein diefe Stücke sind doch das älteste Denkmahl einer Deutschen Mundart, welches wir nur haben, und daher überaus schätzbar. In den neuern Zeiten hat man angefangen, zu zweifeln, ob diefe Uebersetzung auch wirklich (vo- thisch und nicht vielmehr Fränkisch oder (!)bers deutsch sey. Allein das erste hat so viele unwi- derlegliche innere und äussere Gründe für sich, daß an keine Zweifel mehr zu gedenken ist. Ich kann mich hier bey diesem schätzbaren Überreste der alten Gothischen Sprache nicht länger aufhalten, sondern verweise dagegen, theils auf die vom Herrn D. Dü- II. Deutsche Sprache.' 2z BüschmI heraus gegebenen Erlämerungsschrif-- ren des Ulphilas, theils aber auch, besonders waS die Geschichte dieses Denkmahles betrifft, auf des Herrn Ritter Michaelis EinleminI in die Schriften des neuen Testamentes, und zwar nach den neuesten Auflagen, wo alles, was diese Übersetzung betrifft, sehr gründlich und fruchtbar Zusammen gefasset ist. Da die Gothische Sprache damahls noch sehr roh und ungeschlacht war, un^ es ihr sowohl an Ausdrücken für unsinnliche Gegenstände, als auch an der gehörigen Geschmeidigkeit in der Verbindung der Wörter und Sahe fehlte, so sahe sich Ulphilas genöthiget, oft sehr sclavisch und buchstäblich zu übersetzen, und das Gothische nach dem Griechischen zu modeln, daher man sich hüten muß, daß man nicht alle Besonderheiten in seiner Übersetzung für Eigenheiten der Gothischen Mundart halte. Dahin gehöret unter andern auch der bey ihm so häufige ganz Griechische Gebrauch der Participien, der allen Deutschen Mundarten und verwandten Sprachen so fremd ist. Beyspiele buchstäblicher Übersetzungen solcher Begriffe, für welche die Gothen damahls noch keine eigenen Ausdrücke hatten, sind 5mrxvu8, für Welt, muncius,) von/m>-, rein, schön, Mlzrunüi, Opfer, ( o^v?<«v7'5)/>e«7'«,) DzIitliÄ, 75«5-«^v?-/5v/x«, sp!riw8, snima, Geist, bedetiten ursprünglich Wind, dann den Athem, nnd endlich ein unkörperliches vernünftiges Wesen. Verstehen, Absicht, Endzweck, aufrichtig, aufhören, anstehen, und unzählich ande- re sind insgesammt von körperlichen auf geistige Handlungen übergetrageneAuSdrücke. 2. Bildung neuer Wörter durch die schon vorhandenen Vor- und Nachsylben; ein sehr fruchtbares Hülfsmittel, welches auch sehr frühe und sehr häusig gebraucht wurde, z. Buchstäbliche Übersetzung der 'Ausdrücke einer ausgebildeten fremden Sprache; ein Mittel, dessen sich alle Sprachen überaus häusig bedient haben. So übersetzten die Griechen die Morgenländischen, die Römer die Griechischen, die Deutschen zund andere Völker die Römischen Ausdrücke, um Nahmen für neue Begriffe zu bekommen. Dcgreiffen, xcrcixeie, anjÄngen, ansahen, anheben, incij?si c, von jemanden abhängen, 6e- xencieie, Amboß, incu8, anlangen (betreffen), Attinere, angenehm, sccsj)w8, bekehren, con- vertere, becmem, conveniens, coirnnoäuz, bescheiden, äitcretuz, Umstand, circumliginig, Att'che, eccjelia, von kören, wählen, sind einige wenige Beyspiele unter so. vielen. Freylich gerie- then sie oft ungeschickt genug. Barmherzig, ehedem armherzig, nach niilcncoi-8; erbarmen, barinen, ehedem nur armen, mileren; Zlmuurh, ohne Zweifel nach amoeuitüs, als wenn dieses von menL käme; inständig, iMgliter, bey dem Kero gnL^iUÄQtli^; das Oberdeutsche anrvünschen, an Kindessiatt annehmen, von aäoxtsre; Keroö ///-m^/Mü, ?/«-a///Mi/>, die Beschaffenheit, nach dem Lat. ^Ug1it38, die alten ^/o^L^a?!, beueäiee. Einleitung. re, M^o atttM, Zpil'itus 8zn6tus, roli^io, ^ea/^Ae»', i-ollZiosuz, /o^a/^c/c/a, ^raecciräis, As. A/??/äc^, occgtio, , colere, verehren, säest, unser beydlebig, ampKitzium u. s. f. 4. Die Zusammensetzung, eine im Deutschen sehr frucht. bareQuelle neuer Wörter, worin die Deutsche Spra. che die Griechische noch übertrifft. , Indessen ward sie in den ältesten Zeiten nicht so häufig benutzt, als in den spätern, da andere Hülfsmittel bereits erschöpft zu seyn schienen. 5. Die Aufnahme fremder Worter; ein Mittel, zu welchem die Deutschen zu allen Zeiten im Ganzen ihre Zuflucht nur mit schüchterner Sparsamkeit genommen haben, weil, wie aus der Lehre von dem Tone erhellen wird, in einer so reinen und unvermischten Sprache, als die Deutsche ist, der Fremdling doch immer sein frein- des Ansehen behält, wenn er auch Jahrhunderte auf Deutschem Grunde und Boden gewohnt hätte. Indessen sind durch die ersten Lehrer des Christenthums, durch das Römische Recht, durch die Handlung, und durch den Umgang mit Fremden nach und nach doch viele fremde und besonders Lateinische Wörter in die Sprache gekommen. Christ, Abc, Almosen, Ränzel, Altar, Religion, Bibel, bene- deyen, maledeyen, Bischof, Priester, Brille, Brief, Abenteuer, Prinz, Person, Natur, Schule, Pulver, Äcker, u. s. f. Einige wenige haben sich dabey so verändert, und sich so sehr nach Deutscher Sitte geformt, daß es schwer ist, zu entscheiden, ob sie Fremdlinge oder Eingebohrne sind: z.E. Armbrust (arbMla), Arzr(mM2), Arzeney, Bertram (^fc^o^), Aberraute (abi-otsnum), Bakel (bÄculuk), predigen (^rseäicgre), 5Vein, (Viliuin), Bärrvinkel (xervu^a), Körper (Lor. xuz), und andere mehr. §. i?. II. Deutsche Sprache. zz §. 17. Der Fortschritt war freylich langsam Gehet sehr und unmerklich/ theils wegen der Natur der Sache langsam selbst, theils aber auch wegen der Dazwischenkunft ^ St-t- mancher innern und äußern Umstände, durch welche die Cultur der Sprache aufgehalten ward. Hoher Grad der Wildheit und Barbarey, in welcher die Deutschen vor, und zum Theil noch in der Völkerwanderung lebten, und blühender Zustand der Sprache, Künste und Wissenschaften sind die zwey äußersten einander entgegen gesetzten Gränzen der Cultur, und e6 gehöret eine ganze Reihe von Jahrhunderten dazu, ehe ein Volk, wohl verstanden, wenn es sich selbst überlassen ist, von der ersten zur letzten gelangt. Wie viele Mühe undZeit war nicht nöthig, das zur Jagd und an die Wanderung gewöhnte Volk an feste Orte zu binden, und ihm den Feldbau - erträglich zu machen? Wie viele Klöster und Bis- thümer mußten nicht gestiftet werden, ehe man diese Absicht erreichte? Und wenn sie einmahl erreicht war, welch eine Kluft befindet sich nicht noch zwischen diesem Zustande und der höhern Cultur der Sitten, Künste und Wissenschaften, ohne welche doch keine völlige Ausbildung und Verfeinerung der Sprache Statt findet? Wenn ein wildes Volk die Sprache eines schon gebildeten annimmt, so thut es in der Cultur, wenn anders keine äußern Hindernisse dazu kommen, in kurzer Zeit sehr mächtige Fortschritte, weil es mit der Sprache zugleich die Anlage zu allen den Vor» stellungen und Begriffen erhält, welche dessen Cultur ausmachen und beschleunigen. Allein in dem Falle, worin sich die Deutschen befanden, war die ungeschlachte, fast ganz sinnliche, und an Ausdrücken für feinere geistige Begriffe ganz arme Sprache Adel.jL.Spr. C ein V 34 Einleitung. «in sehr natürliches Hinderniß der Ausbildung, und es war mehr als ein Jahrhundert nöthig, ehe sie nur den unentbehrlichsten fremden Begriffen ange- passet werden konnte. Aber auch noch lange nachher hat man geglaubt, daß sie den Gang des Geistes in den höhern Wissenschaften nicht erreichen Fö'nnc, und daher, zum großen Nachtheile ihrer Ausbildung, immer die lateinische vorgezogen. Eine andere Ursache der verzögerten Ausbildung der Sprache und der Nation lag in den Mittelspersonen und Werkzeugen, welche dazu gebraucht wurden. Dieses waren Geistliche, welche, der herrschenden Gewohnheit der damahligen Zeit nach, selbst sehr unwissend waren. Wenig Gebräuche und Formeln waren alles, was sie dem rohen Volke beybrachten, und Ehrfurcht und blinder Gehorsam alles, was sie von ihm verlangten. Ein wenig verdorbenes iatein machte den glänzendsten Theil ihrer Gelehrsamkeit aus, und dieses hätten sie gern allen Völkern aufgedrungen, nm nur der Mühe überhoben zu seyn, ihre Sprache zu lernen. Unter der Anführung solcher Lehrer, wo sich alles in dem Lehrlinge von selbst entwickeln mußte, konnte der Fortschritt in der Cultur nichc anders als sehr langsam seyn. Die vornehmste» Überbleibsel der Deutschen Sprache aus diesem Zeiträume sind: i. Das Salische Sesey aus dem Anfange des fünften, und das Alemannische aus dem sechsten Jahrhunderte. Beyde sind, so wie die Burgundischen, Bayrischen und spatern Longobardischcn Geseye zwar in Lateinischer Sprache abgefaßt; allein sie enthalten doch, besonders das erste, manche sehr schiitzbare Überbleibsel der damahligen Volkssprache. Nur Schade, daß sie durch unwissende Abschreiber tmd Kunstlichter so unverständlich geworden sind. Von dein Salischcn Gesetze gehöret nnr die ältere Ausgabe vor Carlir dem Großen hierher, worin viele Stelle» des Lateinische» Textes II. Deutsche Sprache. 35 Tertes durch Fränkische Ausdrücke erläutert werden, und nach dieser ältesten Ausgabe haben Herold, Eckhardt und Schiller dasselbe abdrucken lassen. Carl der Große verbesserte dieses Gesetzbuch und ließ die schon zu seiner Zeit unverständlich gewordenen Erklärungen weg, und nach seiner Revision haben du Tiller, pichou, Goldast, Lindenbrog, Dignon, Baluze und Vouquer dasselbe heraus gegeben. 2. Der ungenannte Übersetzer einer Schrift des Spanischen Erzbischofs Isidor, vermuthlich aus der letzten Hälfte des siebenten Jahrhunderts, dessen Arbeit Palthcn und Schürcr, am besten und richtigsten aber, nach der Pariser Handschrift, Rostgaard in der Dänischen Biblioth, St. 2. S. zz6 f. heraus gegeben haben. Z. DaS alte Alemannische Vater Unser aus einer S. Gallischen Handschrift, vermuthlich aus'dcr ersten Hälfte deS achten Jahrhunderts, bey demFreher, Doxhorn, Eckhardt, Schiller u. a. m. 4. Rcros, eines Mönchs zu S. Gallen, Übersetzung der Regel des h. Benedicts, znverläsiig aus der ersten Hälfte deS achten Jahrhunderts, bey dem Schiller. Z. Die bekannte ^Krenuncigti» cligbnli, bey der Taufe der heidnischen Sachsen. Sie befindet sich nebst dem incücnlo p-i^-iisi-um bei) den Acten des LoncM I^pti- nen liz von 74Z, kann also nicht jünger seyn. Simon Paul! gab sie zuerst heraus, worauf der Verfasser der lvlonument. I^ilei'Kvrn. Conring, Dietrich von Srade, Lrusms iir vitg vvitecliindi, Srübcl, Falkcnstein u. «. m. sie wieder abdrucken ließen. 6. DielZxKortüti» g nc>I)jz ilomi«ici scliol-i lcrvitii, in s constitntnros spersmu» etc. so übersetzt das der undcntsche Mönch so: Ts^e/sn-e»«» «ei/?, ^m/^//o /o,'/ci a'c»'« t^tt/zti»///?//?-»/^«/« c/eo?ioM t^i'tt Kccu«e/^ /»^e»' «5c- ««e/lt ««« ^e/e?-»-e»te ^ ««a«a««eme<5. Und die Stelle aus dem l'e Ocuni: -Ievi6to mortl5 gcnleo gveruitti crcclentibnz rcZns coelorum. I'u scl ljextism Oei tccles in ßloiilnn ?.itii5, Index cre- cieris eile vcnturus, heißt bey dem ungenannten Übersetzer des folgenden Zeitraumes so: «^»«/»»omo ito^^MZ'tt/ii.'/tta^ i-ic/// /?i»?»/c>. T'//« Lc>?5^ /tx:/5 zu /«^ttKk'i ^e- ^e/a» c//?/»)/?^?,-. Alle oben angeführten Denkmahle, das letzte ausgenommen, sind aus den überdeutschen Mundarten, weil Oberdeutschland zuerst sowohl christlich, als gesittet, ward. Ans dem eigentlichen Nieder-Deutschlande, haben wir ans diesem und dem folgenden Zeitpunct sehr wenig aufzuweisen; desto mehr aber von den verwandten Angelsachsen in Britannien, welche in der Cnltnr und den Wissenschaften in kurzer Zeit sehr große Schritte thaten, die wir aber hier nicht weiter verfolgen könne». , ' Weil II. Deutsche Sprache. 37 Weil man damahls noch keine verfeinerte Mundart hatte, welche die Sprache des gesitteten Theils der Nation ge- ^ wesen wäre, so glaubte man, man müsse das Deutsche nach der ungeschlachten Aussprache des großen .Haufens, und mit allen seinen oft unnachahmlichen Doppellantern schreiben. , Weil dieß schwer und oft unmöglich war, so entstand daher der Wahn, daß das Deutsche sehr schwer zu schreiben sc», welchen Wahn noch Ortfried hegte. Die ersten Deutschen Schriftsteller schrieben indessen wirklich nach der rauhen Aussprache des großen Haufens ihrer Provinzen, und das macht ihre Schriften dem, der diese Mundarten nicht kennet, so rlith- selhaft. Allein man schreibe das heutige Deutsch nach der Aussprache eines Ober - Schwäbischen, Elsassischen oder Schweitzcrischen Landmannes, so wird man einen Rero und wlcsned zu lesen glauben; oder vielmehr man lese einem Landmanne aus diesen Gegenden den Ottfricd und Kero vor, so wird er seine Mundart zn hören glauben; ein Beweis, daß die Sprache des großen.Hansens, der in der Cultur immer ein Kind bleibt, sich in einem sehr langen Zeiträume immer gleich ist, wenn sie nicht durch änßcre Umstände verändert wird. §. 18. Mit Carln dem Großen brach die c?.,^ der Dämmerung der Deutschen Litteratur an, und seine Große. Verdienste sowohl um seine Nation, als deren Sprache, sind allerdings groß. Nur halte man sich in Ansehung derselben mehr an den Eginhard, als an die spätern Geschieht- und Chroniken-Schreiber, bey welchen sich viele unächte und erdichtete Zusätze befinden. Wenn z. B. Avemin wissen will, Carl habe die Deutsche Sprache von einigen vornehmen Geistlichen erlernet, die er auch nahmentlich anführet, so muß er vergessen haben, daß Carl ein Deutscher war, der dieses Unterrichts nicht bedürfte. Überdieß waren die Geistlichen der damahligen Zeit wohl die Männer, welche ihm im barbarischen iatein, aber nicht im Deutschen, Unterricht geben konnten. Carl war nicht allein der größte Held, sondern auch (wenn es nicht Schmeichele» seinerHöflinge ist,) der C z größte Einleitung. größte Redner, Dichter, Sprachgelehrte und Philosoph seinerZeit. Gern hätte er sein Volk so gelehrt und weise gemacht, als er selbst war, daher stiftete er Schulen und besetzte sie mit den berühmtesten Männern seiner Zeit. Unter seinen Händen entstanden Ordnung und Wohlstand; er verordnete, daß dem Volke Deutsch gepredigt werden sollte, ließ die alten Gesetze und nur mündlich vorhandenen Volkslieder sammeln, aufschreiben, und die letztern in die damahlige Mundart seiner Zeit übertragen. Daß dieser Monarch Deutsche Nahmen der Monathe eingeführet, da sich die Franken bisher entweder lateinischer oder barbarischer (d.i. aus ältern Deutschen Mundarten entlehnter) Nahmen bedienet, und daß er zu den Nahmen der vier Hauptwinde, uoch acht Nebenwinde erfunden, ist sein kleinstes Verdienst, so sorgfältig e6 auch mit in Rechnung gebracht wird. Daß er eine Deutsche Sprachkunst angefangen habe, wird aus Eginhards Zeugnisse unstreitig. Vielleicht schreckte die rauhe Beschaffenheit der Sprache ihn von der Vollendung derselben ab; wenigstens scheint es, daß die Neigung zur lateinischen Sprache die liebe zur Deutschen bey ihm geschwächt, und einem Manne von so vielem und so feinem Geschmacke war dieß endlich leicht zu vergeben. Die lateinische Sprache war zu seinerZeit die Sprache des Hofes, der Tribunäle, und eine geraume Zeit auch der Kanzeln, bis er endlich den Befehl gab: nullu» lit ?re«b^tei, c^ui zn ecclelis j)ublice non clocest linZu^, c^uam au6i- töres intelligent. Bey, dem allen kann man doch nur in einer sehr poetischen Begeisterung sagen, daß Carl der Schöpfer sowohl der Deutschen Sprache als Schrift sey, wie erst neulich in dem Deutschen Merkur geschehen. Die Sprache blieb, aller seiner II. Deutsche Sprache. Z9 ner guten Bemühungen ungeachtet, noch immer sich selbst überlassen, und um die Schrift sind seine Verdienste auch nur maßig. Vielmehr kam das Schreiben ihm selbst schwer an, daher er auch keinen großen Fortgang darin machte. Eginhard sagt ausdrücklich: "lentadat et seiibe. re, tsbuliis^us et cocn'^ijloz noc in lectulo iuk cervicslibux circumtei^e ioiebat, ut, eum vgcuuin tem^?u8 eilet, inanuin eKnoendix littei'iü alluess. cei'et. Lecl zzai'uin ^ins^ci'e iucceiilt labor ^rae- ^aüerU8 ac 5erc> ilicliontu,?. Z.c»ii;bcck, Sc!)NUttk, Eckhardt und andere erklären dieses zwar theils vom Mahlen, theils vom Schönschreiben; allein es ist ein sehr gewohnlicher Fehler nicht allein in dem tobe anszuschweiffcn, sondern auch alles nach den Sitten seiner Zeit zu beurtheilen. Im acht- zehnten Jahrhunderte würde es zwar einein Monarchen eine Schande seyn, nicht schreiben zu können, allein im achten war es gerade umgekehrt. Der hohe Adel dieser Zeit setzte alle seine Vorzüge in Leibesstarke und ritterliche Übungen, und verachtete die Künste des Friedens, und da war es sehr be- greifflich, daßX5arl in seiner Jugend nicht zum Schreiben angehalten worden, und daß die nur an die Lanze und das gewichtige Schwert gewöhnten Hände für Griffel und Federn keine Geschmeidigkeit mehr übrig hatten, als er das Versäumte in seinem Alter nachhohlen wollte. Auf ähnliche Art soll Taciri Stelle, worin er den Germanen seiner Zeit als wilden Barbaren die Kunst zu schreiben abspricht, schlechterdings von Liebesbriefen zu verstehen seyn. Was sin- Unsinn müßte Taeitus gesagt haben, wenn er so etwas hätte sagen wollen; gerade solchen Unsinn, als wenn uns Cook und Ct)M'!evoix sehr ernsthaft versichern wollten, daß die Neu-Seelän- C 4 der 40 Einleitung. der keine Tarock-Karten und die Huronen keine Himmelskugeln hätten! Spielkarten und Himmelskugeln setzen eben so viele Cultur des Geistes, als Liebesbriefe Verfeinerung und folglich auch Verderbnis der Sitten, voraus, und wie reimen sich beyde mit dem Zustande wilder Jäger? Von Carls des Großen eigenen Arbeiten, wozu er allenfalls sich ftnuöer Hände hätte bedienen können, ist uns nichts als oer bloße Nahme übrig; allein von seinen Zeitgenossen haben wir noch: 1. Die sogenannten Boxhornischcn Glossen, d. i. zwey kleine Vocabnlaria, welche Verhorn aus zwey alten Handschriften aus dieses Kaisers Zeiten in seiner ttilr. univers. S. 4Z2 f. abdrucken ließ, worauf sie mit in den zweyten Band des Schilcerischen 'I'Kes.uirlis anfgenommen wurden. Doxooru hielt sie sehr freygebig für Carls des Großen eigene Arbeit. 2. Ein Paar alte Beichtformeln, deren einer sich Carl selbst bedienet haben soll, in Lambecii Lomment. cle Libl. Viiicicil), B. 2. Cap. 5. S.ZI8. aus einer «lten Handschrift, die Carl von dem Papst Hadrian zum Geschenk erhalten, und vor Flacii Ausgabe des Ottftied. Beyde sind nachmahls von Eckhardt, Dietrich von Scade, Schilrer und andern, mehrmahls wieder herausgegeben worden. Z. Ein Lateinischer noch ungedruckter psalrer mit der Deutschen Übersetzung, aus welchem L-psius in seinen Briefen giiLciA, Lent. z. S. 4Z. der Ausg. Antw. iS^z einige Stellen abdrucken ließ, die nachmahls Lasaudonus mit rvilh. Somners Anmerkungen seiner (.omment. cle lin- ßu-z 8izxo„. vec. beyfügte. 4. Z^aban Maurus, welcher 847 Srzbischof zu Mainz wurde, aber gegen das Sude der Regierung Carls Lehrer der Mönche zu Fulda war. Man hat unter seinem Nahmen ein lateinisch - Deutsche« Glossarium von etwa 2,6oc> Wörtern, welche unverdauete Rhapsodie mehr eine Arbeit eines jungen Mönchs zu Fulda, als dieses berühmten Mannes, zu seyn scheinet. Es befindet sich in Eckhardts Lommen. tsriis cie rebus krsncize oriciu. Th. 2. S.ZZo f. Siehe auch I»h. Oiekmannö 8jiecimen tZlolssrü ^Lti ^scino^ l'tieo- II. Deutsche Sprache. 41 l'Keotlfci, quvä Aaöa»oM6M-o in5criditur,!IIultrAtl. Brem. 1721. 5. Einige ähnliche ihm gleichfalls zugeschriebene Fragmente befinden sich handschrifttich zu Wien und S. Gallen. 6. Ruodbercs, Rabans Zeitgenossen, Übersetzung einiger Lateinischen Wörter, in Goldascs Scriptor. rer. ^lem-lnn. sind von eben der Art. 7. Die aus verschiedenen Würzburgischen Handschriften von Eckhardr in seiner krsncis orienr. TH.2. S. 977 gelieferten Glossen, ivie auch x. Die Äoll-ie rlorentlnse eben daselbst S.?8i. und y. Ein kleines Slsssarium im Kloster S. Vlafii,'in deS Herrn Abts Gerbert innere ^lemsnn. der Lateinischen Ausgabe von 1765. §. 19. Deutschland bestand unter den Fränki- Ludwig, schen Monarchen, außer den Slaven, aus fünf Vater «ich großen Völkerschaften, den Oftftanken, Aleman- S»h». nen, Baiern, Thüringern und Sachsen, unter welchen Nahmen alle die kleinern Germanischen Völker des Tacicus und prolemäus, so viel ihrer nicht ausgewandert waren, nebst den neuen Ankömmlingen der großen Völkerwanderung, begriffen wäre«'. Es gab also schon damahls fünf verschiedene Mundarten in Deutschland, ob sie sich gleich wieder unter die noch jetzt vorhandenen zwey Hauptmundarten bringen lassen. Die Hofsprache war die Fränkische, krancitca, daher auch die meisten der aus dieser Zeit noch übrigen Stücke in dieser Mundart geschrieben sind. Diese Fränkische Mundart war, seit dem sich die Franken in Gallien fest gesehet hatten, zugleich die Sprache des Französischen Hofes. Ludwig der Fromme, Carls Sohn und Nachfolger, (814—840) kam zwar an Muth und Fähigkeit seinem Vater nicht gleich; allein er ahmte ihn doch in der Bemühung um die C 5 Cultu? 42 Einleitung. ' Cultur Deutschlandcs nach. Er fuhr fort, Schulen anzulegen, und ob man gleich in denselben nichts weniger als Deutsch lehrete, fo dienten sie doch bey allen ihren Mängeln zur Bildung de6 noch äußerst rohen Geschmackes. Wie sehr die Deutsche Sprache um diese Zeit von den Geistlichen und Großen verachtet worden, erhellet am deutlichsten aus Ottfrieds Schreiben an den Erzbischof Liurberr zu Mainz. I^in- Zua eniin naee, sagt er, velut JAreltiii Iiabetur, cluin s vrovrÜ3 nec ll:rivturs, nec arte slicma nllis elt teinvoribus exvolita, c^uiove c^ui nee nilton^s Quorum znteceiloruin, nt inultas Aentez cetei se, eoin - inenclgnt mcinorias, nee eorum Aelta vel vitam ornant cliAnitatiz »mors. (^uoä ii rgro contiAit, slinruin ?entiuin lin^ug, in ell^ Lgtinorurn vel Liaecoruin votiu« ex^>lgnant; cavent sliarmn et tletormitatein non vere<:un6ant lusrum. Ltuvsnt in aliis vel litterula varva artein transAreai, et vae- ne vlovria lii^Zua vitiuin Aenerat ver lin^ula ver- ds. ?.e8 miia tain maZnox vims viucientiae cle- clitos, esutela vrgeeiouoZ, g^ilitate lullultos, ta. nientia lgtoz, lgnclitgte vi'aeclawx, cuncta Iisee in slienae linAuss vlvrigin tiINs5erre, et ulum leri. vturae in vrovria linAua non lisbeie. Eines der vorzüglichsten Verdienste dieses Kaisers war, daß er die Bibel in Nieder-Deutsche, eigentlich Nieder-Rheinische, Reime übersetzen oder vielmehr umschreiben ließ. Daß dieses wirklich geschehet!, versichern verschiedene gleichzeitige Schrift- sieller, und Andr. du Lheone hatte die ganze Arbeit wirklich in Händen, und ließ den Lateinischen Vorbericht davon in dem ersten Bande seiner 8ci i- ^tormn reruin trsncicarum abdrucken, ohne doch zu !I. Deutsche Sprache. 4z zu sagen, wo die Handschrift befindlich sey, oder wo er sie gesehen. Eckhardt muthmaßet kranc. orienr. Th. 2. S. 324 f. nicht unwahrscheinlich, daß der zu Oxford befindliche so genannte Loäex csu^runus, dessen ich sogleich gedenken werde, ein Stück dieser gereimten Umschreibung sey, und erzahlet zugleich, wie diese Handschrift nach London gekommen. Ludwig beging die Schwachheit, daß er seine Länder noch bey seinen Lebzeiten unter seine drey Söhne Lothar, Ludwig und Carl vertheilte. So groß auch dieser Fehler in den Augen der Staatskunst seyn mag, so gewann doch die Deutsche Sprache dabey; denn Deutschland bekam nachmahls in Ludwig dem Deutschen (84? — 876) seinen eigenen König, welcher die Sprache seines Volkes liebte, und die wenigen guten Köpfe seiner Zeit aufmunterte, die bisher so sehr verachtete Sprache mit mehrerm Fleisse zu studiren, wovon sich die guten Folgen unter den folgenden Regierungen zeigten. Bis auf den Vertrag zu Verdun war die Fränkische Sprache zugleich die Sprache des Französischen Hofes, so weit sie nicht von derLa- teinischen verdränget war. Als beyde Reiche ihre eigenen Könige bekamen, ward die aus der Lateinischen und alten Landessprache vermischte Mundart die Sprache des Hofes, und fing nunmehr an, sich zur heutigen Französischen zu bilden. Von Denkmahlen der Deutschen Sprache haben wir ans den Regierungen der beyden Ludwige noch: l. Den in der Cottonischen Bibliothek zu Orford befindlichen Loclicem ^uaclrunum, welcher eine gereimte Über» sctzung der vier Evangelisten ist, nnd dessen Mundart nicht, wie gemeiniglich geglaubt wird, Frankisch, sondern Nie» der-Rheinisch, ist. Eine Abschrift dayon befand sich ehe» dem 44 Einleitung. dem auch zu Würzburg, welche aber nicht mehr vorhanden ist-. S. Eckhardt am oben angezeigten Orte. 2. Einige von Lochar und Ludwig im Jahr 840 gemeinschaftlich erlassene Gesetze, Lateinisch und Deutsch, im vierten Bnche der Lapirularien, in Schillers l'Iies. B. 2. hinter dem Schwabenspicgel, und andern mehr. z. Der Bnndcocid der Könige, Ludwig und Carls des Kablen, wider ihre» ältern Bruder Lothar, vom Jahr 84» in Deutscher und alter Französischer Sprache, von welcher letztem dieser Eid zugleich das erste und älteste Denkmahl ist- Man findet ihn bey dem Nichardr, einem Geschichtschreiber dieses Jahrhunderts, woraus Egenolf, .Zachen- berg, Leibniy, Schilcer, Eckhardt und andere ihn wieder haben abdrucken lassen. 4. Die von Ioh. Georg Eckhardt ans einer Wolfen- büttclschen Handschrift des nennten Jahrhunderts heraus gegebene sogenannte Lsceeiieiis tkecititcg, wozu folgende Stücke gehören: «) Das Vater Unser mit einer kurzen Auslegung, b) Ein Verzeichnis) der groben Sünden, c) Das Apostolische, und d) das Athanasische Glaubensbekenntnis); und endlich e) das Claris in cxceliis. Weil die Handschrist, in welcher sich diese Stücke befinden, ehedem dem Kloster Wcissenburg zugehört hat, so glaubt der Herausgeber, daß sie von Virsriedcn herrühre. Wahrscheinlicher ist ebendesselben in seiner?r-inci-> orient. geäußerte Muthmaßung , daß sie um das Jahr 84? aufgesetzet worden, und zwar bey Gelegenheit der zweyten Mainzischcn Kirchen - Versammlung , auf welcher unter andern der Unterricht des Volkes in der Landessprache anbcsehlcn wurde. Die beyden Glaubensbekenntnisse ließ der ehemahlige D. Baumgarren zu Halle, ucbst zweyen weit jüngern., 1752 in einer Einladung zu dem Osterfeste wieder abdrucken. 5. Eine Übersetzung der damalils üblichen Lateinischen Kirchenlieder in die Fränkische Mundart, in der Handschrift zu Orford; aus welcher Ioh Ge. Eckhardt das Herr Gorr dich loben wir, 1713 besonders, in seinen (.'ommenk, cic prsiic-q orienc. Th. 2. S. Y48 aber noch einige Lieder heraus gegeben hat. 6. Gccsried, ein Bencdictincr in dem Kloster Wcissenburg in Elsaß, welcher unter Ludwig dem Deutschen lebte, und N. Deutsche Sprache. 45 und uns das erste beträchtliche Werk in Deutscher Sprache hinterlassen hat. Es ist solches eine gereimte evangelische Geschichte, oder Harmonie der vier Evangelisten, welche Marrh. Flacius nach Gassari Abschrift 1571 zuerst, und hernach Schilter in seinem ^I,eigu, o heraus gab. Beyde Abdrücke sind sehr fehlerhaft, so daß dieses ehrwürdige Denkmahl des Deutschen Alterthumes noch auf die kritische Hülfe eines sorgfältigern Herausgebers wartet. 7. Das Varer Niiser mit einer kurzen Auslegung, welches von dem von Eckhard: heraus gegebenen noch unterschieden ist, in Schillers I'ties. Th.i. am Ende, der es für Gcrfrieds Arbeit hält. Eben daselbst befinden sich auch einige homiletische Fragmente aus diesem Zeitpunkte, s» wie sie von Lambecio in seinen Lomment. cie Libl. Vin» llcii). bekannt gemacht worden. 8. Das Gespräch Lhristi mit der Samaritancrin, gereimt, aus einer alten .Handschrift in der Wiener Bibliothek von L.ambecio zuerst heraus gegeben und hernach in Pal- thens Ausgabe Tatians, und in Schillers l'ties. Th. 2. am Ende wieder abgedruckt. §. 20. Die übrigen Deutschen Könige aus Frän-S!ichsischp kischem Stamme (877—9") thaten, so viel man Könige, weis?, nichts für die Sprache. Nach Conrad i. kam die Deutsche Krone auf das Sächsische Haus (919 —1024); Deutschland ward unter demselben immer mehr und mehr gebildet, obgleich die ewigen innern Unruhen und äußern Kriege den Fortschritt der Cultur verzögerten. Noch fiel es dem wilden Deutschen schwer, seinem iieblingöhange zum Krie- ge und zur Gleichheit zu entsagen, und das war der Fall noch viele Jahrhunderte hernach. Zwar ließen die Deutschen Beherrscher nichts unversucht, die Nation durch Stattigkeit und Fleiß von ihrer natürlichen Wildheit zu entwöhnen. Es entstanden Städte und in ihnen Zünfte, Handwerke und Ma- nufacturen; die Handlung fing an aufzublühen, und mit ihr keimten Wohlstand und juxuS. Allein die 46 Einleitung. die übermächtigen Vasallen, Folgen des iehnö-Systems, hinderten durch ihre ewigen Befehdungen, durch daö traurige Faustrecht, und durch ihreRäube- reyen die Cultur, besonders unter dem Adel. Die Stifter und Klöster bereicherten sich in dieser allgemeinen Verwirrung, und die Absicht, durch sie das icmd anzubauen, das noch immer rauhe Volk statt und gesittet zu machen, ward zwar zum Theil erreicht; allein eben diese Klöster und bereicherten Geistlichen wurden in Zukunft das stärkste Hinderniß der Aufklärung des Verstandes. Es scheinet nicht, daß mit den Sächsischen Kaisern zugleich die Sächsische Mundart die Sprache des Hofes, der noch immer herum wandernd war, geworden; wenigstens haben wir keinen Beweis davon. Vielmehr haben alle Deutsche Schriftsteller aus diesem Zeitraume in einer der Ober-Deutschen Mundarten, besonders in der Fränkischen, geschrieben, welche sich allem Ansehen nach auch noch nach veränderter Thronfolge in ihrem Ansehen erhielt. Was die Überlieferung der Mcistersänger von Deutschen Dichtern am Hofe Otto des Großen wähnet, ist Fabel und Mißdeutung dessen, was hernach unter Friedrich i. geschahe. Die bekanntesten noch übrigen Stücke dieses Zeitraumes sind: i. Das Siegeslied ans König Ludwigs z. in Frankreich im Jahr 88i über die Normannen erfochtenen Sieg, von Schillern, sowohl einzeln lüyü heraus gegeben, als auch in dessen l'Iies. in Mabillons LeneiliÄ. Th.z. und in Langenbecks Zcriptor. rer. Osnic.-. Th. 2. das erste und Älteste Deutsche Gedicht, in welchem sich einige Funken dichterischen Geistes befinden; denn Orrfried» Arbeit ist Nei- merep. s. Der II. Deutsche Sprache. 47 2. Der ungenannte Übersetzer der dem Taeian fälschlich zugeschriebenen evangelischen Harmonie, welchen Ioh. Phil, palrhe» »ach einer von Rostgaord erschlichenen Handschrift heraus gab, worauf er auch mit in Schillers I tres. aufge- liommen wurde. z. Glossen und Vocabularia aus dem zehnten Jahrhunderte, welche noch in verschiedenen Bibliotheken, besonders Ober-Dentschlandes und Italiens, verborgen liegen. Einige ähnliche hat!Lckl)ardr seiner ?>->ncise orienc. Th. S. Y91 f. beygefügt, und Pez in seinem l'Ketauro snec- ^ot. Th> 1. heraus gegeben. 4. Das Apostolische Glaubensbekenntnis; aus dem Anfange des eilsten Jahrhunderts bey dem Dietrich von Sra- de, Schiller und Eckhardt in krsncis orienc. Th. 2. 5. Norker, Abt zu S. Gallen, welcher 1022 starb, und eine Übersetzung und Erklärung der Psalmen und einiger anderer biblischen Loblieder hinterließ, welche in Schilrers l'Kclguro, obgleich nach einer fehlerhaften Abschrift, befindlich ist. Eine richtigere besaß Rostgaard. 6. Eine Übersetzung der Schrift Marriam Lapelli: vo>« der Hochzeit der Philologie und des Merkurius, welche dem »ben gedachten Norker zugeschrieben wird, und sich handschriftlich zu S. Gallen befindet. Eine Probe davon hat der Herr Abt Gcrberc im Anhange seines Itineris ^lemsnn. der Latein. Ausgabe, S. 141 bekannt gemacht. 7. Eine Übersetzung der Schrift Noetii von den philosophischen Trostgründen aus dem zehnten oder eilsten Jahrhundert, gleichfalls noch ungcdruckr zu S. Gallen, wovon sich in des Herrn AbtSerberrs eben gedachten Reise, S. 14z des Anhanges, gleichfalls eine Probe befindet. 8- Einige Fragn-ente Deutscher Predigten, in teckharde» kr-meis orient. T. 2. S. Y4l f. §. 21. Nach Heinrichs 2. Tode bekam das Kaiser auj Deutsche Reich wieder Beherrscher aus dem Fränki- dem Frän- schen Hause, welche dasselbe von 1024 bis 1125 re- ^Hen gierten, und diesen Kaisern hat es überaus viel zu danken» Das 48 Einleitung, Das jehnswesen, damahls noch der Glanz und die Grundfeste der Nation, ward jetzt erst in idie gehörige Ordnung gebracht, und durch bestimmte Gesetze darin erhalten. Die Städte wurden immer blühender und mächtiger, besonders seit dem Heins rich 5. die Handwerker und Künstler für frey erklärte, und dadurch gewisser Maßen den Grund zu der großen Revolution in der Nation und ihrer Sprache legte, welche sich nachmahls iin vierzehnten Jahrhunderte eräugnete. Bisher bestand Deutschland, so wie das heutige Pohlen, aus Herren und Sclaven. Eine solche Verfassung ist zu allen Zeiten das Grab der Aufklärung und des guten Geschmackes gewesen, welche nur in dem Mittelstande zwischen beyden aufkeimen und blühen. Jetzt bildete sich ein solcher Mittelstand unter dcnDeutschen, den die Kaiser selbst begünstigten und aufmunterten, um an demselben eine Stütze gegen den übermächtigen Herrenstand zu bekommen, welchen ihm die untere Hälfte der Nation, welche größtentheils aus Leibeigenen bestand, nicht gewähren konnte. Die Städte fingen nunmehr an, Wohnsitze der Künste, des Fleisses,der Erfindsamkeit und des Geschmacks zu werden, welche bisher zu ihrem großen Nachtheile in den Klöstern waren eingeschränkt gewesen. Zugleich wurden sie dadurch in den Stand gesetzt, nachmahls der übermächtigen Geistlichkeit und dem herrschsüchtigen alles unterdrückenden Adel das Gegengewicht zu halten. Deutschland nahm nicht nur Theil an dem morgenländischen Handel in Italien, welcher damahls in der schönsten Blüthe stand, sondern es führte auch eine beträchtliche eigene Handlung über die Ostsee nach den nordischen Reichen. Die Handlung verschaffte Überfluß, und dieser gebahr Künste. Deutschland hatte eö in der Cultur bereits so weit gebracht. II. Deutsche Sprache. 49 gebracht, daß auch andere, noch rohe Völker, wen» sie sich bilden wollten, dasselbe zum Muster nahmen, und dessen Gesetze einführten. Im gegenwärtigen Zeitpuncte geschahe solches von den Ungarn, und einige Jahrhunderte später von den Pohlen. Deutschland hingegen fing jetzt an, seine alten einfachen Gesetze mit dem verwickelten Römischen Rechte zu verwechseln, weil dessen bürgerliche Verfassung durch den Wachsthum des Überflusses bereits so sehr verfeinert und verwickelt geworden war, daß jene nicht mehr für brauchbar gehalten wurden» Bey dem allen ist die Anzahl der Deutschen Schriften auö diesem Zeitpunkte nur klein. Die bekanntesten davon sind: 1. Eine Übersetzung von Aristorelis Grganon in einer Handschrift zu S. Gallen. Eine kleine Probe daraus befindet sich in des Herrn AbtGerberrs Itin. ^lemsnn. S.I43 des Anhanges. 2. NMeram, anfänglich ein Ordens-Geistlicher zu Ful- da, und hernach Abt zu Ebcrberg in Baicrn, welcher log; starb, und eine doppelte Umschreibung des hohen Liedes hinterließ , die eine in Lateinischen Versen, und die andere in Deutscher Prose. Die erste gab Menrad Mollher zu Hage- «au 1528, die letzte aber Paul Merula zu Leiden iz-,8 heraus, worauf beyde wieder in Schillers l'iies. abgedruckt wurden. z. CineS ungenannten Lobgedicht auf den 1075 verstorbenen Erzbischof zu Cöln, Anno, welches Marrin Gpirz zu Danzig 16Z9 heraus gab, und Schiller gleichfalls seinem l'Iiesimro einverleibte. 4. Eine Übersetzung der Regel Benedicts aus dem zwölften Jahrhunderte in der Handschrift zu Iwicfaltcn. 5. DaS Apostolische Glaubensbekenntnis; in Nieder- Deutscher Mundart, aus der letzten Hälfte des üten Jahrhunderts in Boxhorns ttilt. univ. Eckhardts Cstiieciieli ttleotilcs, und Baumgarrens schon angeführten Einla- dnngsschrist. Ein späteres aus der ersten Hülste des, drev- zehnten Jahrhunderts in der Alemannischen Mundart befindet sich beym Scumpff, Soldast, Martin Lrusius, Schiller , Baumgarren und andern, Adel. jv. Spr. A 6. Vi» Einleitung. 6. Vier Lateinisch-Deutsche Glossaria, in deS Hrn. Adt Gerberrs Itin. ^lemonnic», S- l", 15, lc>9 und 136 des Anhanges, worunter besonders das zweyte sehr weitläufig und schätzbar ist. Sie befinden sich, so wie die im vorige« enviihnten Stücke, nur bey der Lateinischen Ausgabe seiner Neise; in der Deutschen sind sie weggeblieben. SchwM- §. 22. Unter den Schwäbischen Raisern sche Dich- (nz6 - 1254) brach endlich um die Mitte des zwölf- Kr. ten Jahrhunderts der schöne Morgen für die Spra, che und schönen Künste an, welchen die Dämmerung von Carln dem Großen an verkündigt und vorbereitet hatte. Die Künste, zu allen Zeiten Töchter des Überflusses, erwachten, der Geschmack ward ver. feinert, und unter dem Glänze der Lehnsverfassung entstanden die Schwäbischen Dichter, welche sich unter dem Schuhe der Schwabischen Kaiser in Schwaben bildeten, und sehr bald in ganz Deutschland Bewunderung und Nachahmung fanden. Man hat die Erscheinung dieser Dichter mehr als einmahl für unerklärbar ausgegeben; allein sie ist es dem nicht, welcher mit dem Fortschritte des menschlichen Geistes bekannt ist, und den Stufengang der Cultur Deutschlandes von dem sechsten Jahrhundertc an kennet. Alle Umstände waren vielmehr so beschaffen, daß es ein Wunder gewesen seyn würde, wenn um diese Zeit nicht so etwas in Deutschland hätte vorgehen sollen. Es hatte an Volksmenge, Macht, Ordnung, Fleiß und Erfind, samkeit außerordentlich zugenommen. Die Lehns. Verfassung, welche sich dem höchsten Gipfel ihrer Größe näherte, verbreitete Glanz, Würde und Macht unter den obern, und der blühende Handel Überfluß und Gefchmack unter den niedern Classen der Nation. Die Kreulzzüge hatten die Deutschen mit dem Luxus des üppigen Griechischen Reiches und II. Deutsche Sprache. 51 Lind mit den Seltenheiten des Orients bekannt gemacht. Wenn das Bedürfniß befriedigt ist, und der Mensch mehr erwirbt, als er zur Nothdurft bedarf, so wird der Trieb zum Vergnügen herrschend, und dann entstehen die schönen Künste von selbst. Die Art, wie sie entstehen, hangt von den Nebenumstanden und den Mustern ab, welche eine Nation in diesen Umständen wählt. Diese Muster waren denn freylich nur die sogenannten Troubadours oder die provenzals Dichter, welche sich hundert Jahr früher unter ähnlichen Umständen in dem südlichen Frankreiche gebildet hatten, und nunmehr von den Deutschen, deren Charakter zu allen Zeiten Nachahmung war, zu Mustern genommen wurden. Die Provence, unter welchem Nahmen man jetzt nicht allein das ganze südliche Frankreich, sondern auch einen großen Theil des mittägigen Spaniens, verstehen muß, befand sich in ähnlichen Uniständen als Deutschland, nur daß Wohlstand und Künste dort ein ganzes Jahrhundert früher reifsten. Der Reichthum der mächtigen Lehnsherren und Vasallen erzeugte Pracht und Hang zum Vergnügen, und mit demselben zugleich die provenzal-Dichter, welche sich, wie es scheint, zunächst nach den benachbarten Arabern bildeten. Die Dichtkunst ward das herrschende Vergnügen des hohen Adels. Die damahlige Lehnöverbindung zwischen der Provence und dem Deutschen Reiche siihrte sie gar bald auch in dieses ein, und erweckte den dichterischen Geist der Deutschen zur Nacheiferung. Schwaben, aber Schwaben in weiterm Verstände, d. i. das ehemahlige Alemannien, einen großen Theil der Schweiß mit eingeschlossen, war, wegen seiner ^age und seines vorzüglich blühenden Wohlstandes, die erste Pro- D 2 vinz, 52 Einleitung. vinz, wo sich dieser Geist entwickelte/und sich schnell über ganz Deutschland verbreitere. Die überaus große Pracht lind Verschwendung, welche schon damahls an den Höfen des hohen Adels, besonders in dem südlichen Deutschlande, herrschte, kam ihm zu Hülfe, und so entstanden denn die vielen Dichter dieses Zeitraumes, welche man, aber mit einem sehr unschicklichen Nahmen, Minnesinger nennet, gerade, als wenn sie sonst nichts als iiebe gedichtet hätten. Es laßt sich nicht genau bestimmen, wenn eigentlich die Dichtkunst als ein Vergnügen der Höfe im südlichen Europa ihren Anfang genommen hat. Der erste Provenzal-Dichter, von welchem man Nachricht hat, ist XVilhelm Graf von poirou und Herzog von Aquitanien, welcher 1071 gcbohren ward, und 1122 starb; und die ältesten Schwäbischen Dichter, welche wir kennen, sind: Heinrich von Veldeck, welcher schon um 1170 gesungen haben muß, Hartmanü von Owe, TVolfram von Ascdeldach, NXUlhcr von cvr Vogelrvcide u. s. f. alle um den Anfang des dreyzehnten Jahrhunderts. Aliein, wenn man sie mit dem letzten Dickte? des vorigen Zeitraumes, dem Verfasser des jobgevichtes auf den heil. Anno vergleicht, so ist ihre Sprache schon so ausgebildet, und ihre Einbildungskraft verräth schon so viele Cultur, daß man sie wohl nicht für die ersten Dichter dieser Zeit hat- ten kann, sondern den Anfang dieser Periode weiter zurück, wenigstens in die ersten Zeiten Friedrichs 1. (1152 —1190) setzen muß, der die Provenzal-Dichter an seinen Hofzog, selbst Verse in Provenzalischer Sprache machte, und dadurch den Geist der Nach» eiferung in Schwaben und dem übrigen Deutschlands erweckte, Bisher II. Deutsche Sprache. 5z Bisher war die Fränkische Mundart die Deut, sche Hofsprache gewesen, und bis meisten der im vorigen angeführten Schriften sind in derselben geschrieben. Allein jetzt, da die Kaiserwürde auf das Schwäbische HauS der Hohen-Stauffen kam, und zugleich die Dichtkunst sich zuerst in Schwaben bil- dete, und sich von da aus über ganz Deutschland verbreitete, ward die verfeinerte Schwäbische oder Alemannische Mundart sowohl die Deutsche Hofsprache, als auch die Büchersprache des ganzen gesitteten Theiles der Nation, in welcher Würde sie sich bis zur Reformation erhalten hat. Vermuthlich ward die Ober-Deutsche Mundart jetzt auch in den Gerichtshöfen eingeführet, wo sie in Schriften noch nicht ganz ausgesiorben ist, sondern unter dem Nahmen des Gerichts-- und Kanzelley-Styls noch zum Theil beybehalten wird. §. 2z. Indessen hüte man sich, daß man die Ihre Mn» Dichter dieser Zeit, sowohl die Provenzalischen, als gel. Schwäbischen, nicht über ihren wahren Werth schätze, wie sehr oft selbst in den neuesten Zeiten geschehen ist, wo man sie wohl gar als Muster der Nachahmung angepriesen hat. Sie sind in einem so rohen und unwissenden Jahrhunderte, als daS zwölfte und dreyzehnte ist, allerdings eine angenehme Erscheinung, und um der Sprache willen über« aus schätzbar. Allein dieß ist auch ihr ganzes Verdienst. Die Dichtkunst war damahls ein bloßer Zeitvertreib der Höfe, und die Dichter sangen nicht auf Antrieb des Gottes, dessen Einfluß die Seele, mächtig dahin reißt, und der sich auch in Jahrhunderten der Barbarey und Unwissenheit einen ^>os mer und Gssian zu erwecken weiß, sondern weil e6 Mode war, und zur guten Lebensart gehörte, und Dz nur 54 Einleitung. nur zu oft, weil singen Brot brachte. Bey der großen Finsterniß, welche alle übrigen Wissenschaften deckte, blieb der Verstand unaufgeklärt, und die Seele leer an Begriffen und fruchtbaren Vorstellungen. Die schönen Kunstwerke der Griechen und Römer waren unsern Dichtern entweder unbekannt, oder wenn sie selbige ja kannten, so kleideten sie sie, anstatt sie zu studieren und sich nach ihnen zu bilden, in die geschmacklose Tracht ihres Jahrhunderts. Den Trojanischen Krieg kannten sie nur aus dem Dares phrygius, dem Virgil, (!>vid, Äsop u. s. f. nur aus den Übersetzungen oder vielmehr Verkleidungen der Franzofen, die sie wieder in elende Deutsche Reime übertrugen, und, fo wie jene, überall biblische und weltliche, wahre und erdichtete Geschichte, kalte Sittenlehren, und gedehnte alltagliche Betrachtungen einschalteten. So überfetzte Heinrich von Deldecb', einer der besten unter ihnen, die Aeneis aus dem Französischen, und Albrecht von Halbcrstädt die Verwandelungen des Gvids. Unmöglich würden sie die Arbeiten der Alten so haben verunstalten können, wenn sie im mindesten Gc- schmack und Empfindung des Schönen gehabt hätten. Erfindungskraft, Witz, Begeisterung, kurz, dichterisches Genie, fehlt ihnen ganz, und von ihrem armseligen dramatischen Geschmacke ist der XriccK t?u ^VartburA ein redendes Beyspiel. Man vergleiche sie mit einem Gsstan und andern Herrsischen Dichtern, so wird man die heutigen Mcister- sänger eben keines großen Stolzes beschuldigen, wenn sie sich in gerader Knie von den Schwäbischen Dichtern herleiten. Allerdings giebt es Stellen, und oft ganze Gedichte unter ihnen, welche gefallen; allein das gilt nur alsdann, wo auch die ungebildete, sich selbst über» II. Deutsche Sprache. 55 überlassene Natur gefällt, z. B. wenn sie den Mai, den Sommer, die Empfindungen der Hebe singen> wo sich bey den Dichtern höhern Standes nicht sel« ten Geschmack und feines Gefühl zeigt. Aber auch hier fehlt ihnen die Kunst der Mannigfaltigkeit und Neuheit; daher denn ihr ewiges Einerley, zumahl da sie aus Armuth des Geistes sich so oft selbst ab-- zuschreiben pflegen. So bald sie das Feld der an« genehmen Empfindungen verlassen, werden sie matt, prosaisch und oft ekelhaft; am unausstehlichsten sind sie, wenn sie Gegenstände der Religion und Sittenlehre besingen, wo sich die Dichtkunst allemahl auf das grausamste an ihnen rächet. Alles was man daher zum Vortheil der SchwS? bischen Dichter sagen kann, ist dieses, daß sie die rohe Natur so roh nachahmen, als sie sie fanden. Es fehlte ihnen an Gefchmack, sie da, wo es nöthig ist, zu verschönern, und nur zu oft an Beurtheilungskraft, nur das Schöne zu wählen. Was ich von dem fehr rohen Zustande det Dichtkunst diefer Zeit gesagt habe, gilt auch von der Sprache, welche zwar ungleich reicher, geschmeidiger und ausgebildeter ist, als zwey Jahrhunderte zuvor; aber doch dabey die noch rohen Sitten und die eingeschränkten und mangelhaften Begriffe dieser Zeit sehr deutlich verräth und verrathen muß. Ihre rauhen Doppellaute und Härten zeugen von den harten Sprachwerkzeugen, und von der Leibesstärke, welche zum Nachtheile der Vollkommenheiten des Geistes noch immer das schätzbarste Verdienst ist, und die noch sehr auffallende Unbiegsamkcir und Eintönigkeit ist ein Beweis der Eingeschränktheit der Begriffe. Sie zum Nachtheil unserer heutigen Sprache empfehlen, heißt, wieder zu den Trebern zurück kehren, von welchen man gekommen ist. D 4 §.24« 56 Einleitung. Ursachen §- 24. Bey diesen Umstanden war daher diese ihreS Vcr- ganze Erscheinung allch nur von kurzer Dauer, salles. Die Schwäbischen Dichter überlebten den Abgang der Schwabischen Kaiser, unter welchen sie aufgeblühet waren, nicht lange. Die ganze Zeit ihres Flores von der letzten Hälfte des zwölften Jahrhunderts an, bis nach der Mitte des dreyzehnten begreift etwa hundert Jahre. Zwar findet man noch Dichter bis gegen die Mitte des vierzehnten; allein der Verfall der Dichtkunst und des Geschmackes wird hier schon zu merklich, und schon in der letzten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts sind die meisten nichts besser, als die Meistersänger, die sich . unmittelbar an sie anschließen. Die meisten dieser Dichter kennen wir aus der schätzbaren sogenannten Manessischen Sammlung, (Zürch 1758 in 4.) welche von Heinrich von Veldeck an bis izzo, Gedichte von 139 Dichtern enthält, wozu noch theils die in der Jenaischen Bibliothek befindliche und von Basil. Christi. Beruh. XViedeburg beschriebene handschriftliche Sammlung, theils viele einzeln heraus gegebene Gedichte, besonders größerer Art, theils aber auch die vielen noch in den Bibliotheken befindlichen Stücke gehören, welche für die Dentfchs Sprache sehr viele noch unbenutzte Schätze enthalten. Ein mehreres von den Schwäbischen Dichtern würde hier am unrechten Orte stehen, und da sich von ihrer Erscheinung an die Schriften in Deutscher Sprache gar sehr Haussen, so würde ich sie ohne große Weitläufigkeit nicht mehr anführen können. Nur die Ursachen des nunmehrigen Verfalles der Dichtkunst muß ich noch bemerken, weil sie mit der Veränderung, welche gleich darauf in der Sprache vorging, in Verbindung stehen. Es sind folgende: 1. Der !l. Deutsche Sprache. 97 ?. Der immer zerrüttete Zustand des Reichs unter den stolzen Kaisern beö Schwabischen Hauses, welche durch ihre ewigen Kriege in Italien sich und) das Reich schwächten. Mit ihrem Ansehen fiel auch das Ansehen derGefehe; jeder suchte sich selbst Reche zu schaffen, und diese Selbsthilfe führte unvermerkt zu den Gewaltthätigkeiten, Plackereyen und Raube- reycn, welche dem dreyzehnten Jahrhunderte ein ewiges Brandmahl seyn werden. Die Ritter ver- lohren das Gefühl der wahren Ehre, und wurden Raufbolde und Räuber; sie hatten sich durch ihre Üppigkeit und Verschwendung zu Grunde gerichtet, und beraubte», nunmehr die durch den aufblühenden Handel reich gewordenen Städte, und in diesem verwilderten Zustande konnte die Dichtkunst, so roh sie auch damahls noch war, wenig Reihe mehr für sie haben. Die Dichter, deren glänzendste Stütze sie gewesen waren, verlohren Ehre und Brot, und mit diesen auch den Trieb zu dichten, zumahl da die mehresten von ihnen keine andere Begeisterung kannten. Wäre die Dichtkunst selbst bis zur wirklich schönen Kunst erhoben worden, so würde sie innere Stärke genug gehabt haben, diesen GlückSwech- sel zu überleben; so aber befand sie sich 2. Noch in ihrer Kindheit, und war mehr ein Werk des Zufalles, als des Genies. Sie hatte ihr Ansehen dein Schuhe der Großen zu danken, und da ihr dieser entzogen ward, so sank sie auch in ihr voriges Nichts zurück. Zwar starb das Geschlecht der Dichter, oder, wenn man lieber will, der Reimer, nicht aus; allein da von den Höfen der Großen kein Glanz mehr auf sie zurück strahlte, so verlohren sie sich unter den zünftigen und verachteten Meisters siingern. D 5 z) Die 58 Einleitung. z. Die Armuth an Stoff, eine nothwendige Folge der eingeschränkten Begriffe, und des traurigen Zustandes der höhern Wissenschaften, führte eine einschläfernde Einförmigkeit mit sich, und diese machte sie, so bald sie sich selbst überlassen waren, verächtlich. Als das Feld der angenehmen Empfindungen in iicdern, und der Erdichtung inRitter-Ro- manen erschöpft war, so führte die wahre Geschichte sie in Versuchung, und nun entstanden gereimte Chroniken ohne Zahl, wodurch die Geschichte eben so verächtlich gemacht wurde, als die Dichtkunst. 4. Die Universitäten, welche nunmehr häusiger zu werden anfingen, und die höhern Wissenschaften und freyen Künste dem dunklen Staube der Dom- und Kloster-Schulen entrissen, konnten der Sprache und den schönen Künsten nicht aufhelfen. Sie wurden Tummelpläße staubiger Pedanten, und unter den ewigen Zänkereyen der Nominaliften, Realisten und Formalisten konnten weder Geschmack noch gesunde Vernunft aufkeimen. Die Sprache hatte sich von den Universitäten am wenigsten zu versprechen, weil das barbarische iatein alle iehr- siühle beherrschte. Glückliche §. 25. Nach dem Untergange des Schwäbischen Wnände- Hauses gerieth Schwaben, welches bisher der Sitz ""^ ^ der Künste und des Geschmackes gewesen war, in dunderte ' Verfcck, indem es bey nahe so viele unumschränkte Herren bekam, als die Hohensiauffen Vasallen gehabt hatten. In dem übrigen Deutschlande herrschten, so wie hier, Verwirrung, Faustrecht, Gewaltthätigkeiten und Befehdungen, und obgleich Rus dolph 1. alle Macht und Mühe anwandte, Ruhe und Ordnung im Reiche wieder herzustellen, so war doch mehr als ein Jahrhundert nothwendig, ehe das vielköpfige II. Deutsche Sprache. 59 vielköpfige Ungeheuer ausgerottet werden konnte. Die Aussichten würden also für die Sitten, Künste und Sprache überaus traurig gewesen seyn, wenn sich nicht gewisse andere Umstände zu ihrem Besten vereinigt hätten. Verschiedene Schriftsteller dieser Zeit versichern, und der Augenschein bestätiget es, daß um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts eine große Veränderung in den Sitten, der Kleidertracht und derSpra- che vorgegangen ist. Besonders stieg der iurus zu einer Höhe, welche er in Deutschland noch nie erreicht hatte, und verbreitete Überfluß und Wohlstand über alle Stände. Die vornehmste Ursache dieser Veränderung liegt wohl in dem blühenden Wohlstande der Städte. Der Adel, welcher bisher der Glanz der Nation gewesen war, hatte sich durch seine Üppigkeit und Befehdungen zu Grunde gerichtet, und war durch das Faustrecht verwildert. Ihm zur Seite hatten sich nach und nach die Städte, ein glücklicher Mittelstand zwischen Despoten und Sclaven, erhoben, waren durch die Handlung blühend, reich und mächtig, und wegen ihrer Festigkeit Zu- fluchtSörter vor den Gewaltthätigkeiten auf dem flachen iande geworden. Wer vor dem Faustrechte Sicherheit suchte, flöhe in die Städte, und da diese dadurch volkreicher wurden, so verfeinerten sich auch die Sitten, und die Künste blüheten unvermerkt auf, so wie der ausgebreitete Handel die Begriffe erweiterte, und neue Moden einführte. Die Cultur blieb jetzt nicht an eineProvinz oder an einen Stand allein gebunden, sondern verbreitete sich über die ganze Nation. Die Sprache, welche schon seit des ersten Rudolphö Zeit in den öffentlichen VerHand-- lungen immer häufiger zu werden anfing, ward jetzt immer Einleitung. immer mehr geschrieben, sollte es auch nur inHan- delsgeschäften seyn. Sie ward dadurch immer weiter ausgebildet und immer wortreicher und biegsamer gemacht. Zwey Umstände beförderten die fernere Ausbildung der Sprache und des Geschmacks um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts gewaltig: der Untergang des Griechischen Aeichs, und die Erfindung der Vuchdruckerd'uiisi; beyde brachten eine fehr vortheilhafte Veränderung in den Wissenschaften und dem Geschmacke des ganzen westlichen Europa hervor. Bey der Zerstörung des Griechischen Reichs flohen die gelehrten Griechen, bey welchen die Künste und Wissenschaften nie ganz auSgestor- ben waren, nach Italien, uud verbreiteten von da dieKenntnisse der alten Litteratur, und mit denselben den guten Geschmack über alle benachbarten Reiche. Die Buchdruckerkunst vervielfältigte die Schriften der Alten, und nun fingen, nach einer Barbarey von fast tausend Iahren, Geschmack, Vernunft und wahre Gelehrsamkeit an, ihr Haupt empor Zu heben. Zwar ward bey der herrschenden 5iebe zu den alten Sprachen die Deutsche vernachlässiget; allein sie nahm doch an der Erweiterung der Begriffe, und an der Verfeinerung der Sitten und des Ge- schmackes einen überaus großen Antheil. Die Gelehrsamkeit, welche bis dahin bloß in dem Bezirke der Geistlichkeit lag, verbreitete sich über alle Stände, und verachtete auch die Deutsche Tracht nicht. Bücher ohne Zahl wurden in derselben geschrieben, alle Gegenstände lind Wissenschaften wurden in ihr abgehandelt, und man fing jetzt zuerst an, über ihren Bau und ihre grammatische Richtigkeit nachzudenken, und die Grundgesetze ihrer Veränderungen II. Deutsche Sprache. 6- gen aufzusuchen, ob gleich die ersten Versuche freylich noch sehr roh und ungestaltet waren. Wer diese ganze Veränderung noch fatal nennen kann, muß entweder ein erklärter Feind aller Aufklärung des Verstandes seyn, oder nicht ^wissen, wie genau diese mit der Ausbildung der Sprache verbunden ist. §. 26. Doch dabey blieb es noch nicht. Ver- Reform«- nunft und Geschmack waren einmahl erwacht, und ^on. eilten nunmehr sehr schnell Zu ihrem Ziele. Die zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gemachten ^ Entdeckungen zur See erhöheten und bereicherten die bisher noch immer sehr eingeschränkten Kenntnisse noch mehr, und die Reformation war die erste und vornehmste Frucht dieser stufenweise erweiterten Begriffe. Sie ward zugleich Reformation aller Wissenschaften, und die 'Aufklärung des Verstandes verbreitete ein bisher ungewohntes Licht über alles, was nur ein Gegenstand desselben war. Mit der Sprache ging zugleich eine sehr wichtige Veränderung vor, und die in den Chursächsischen Landen dUrch Wissenschaft und Wohlstand verfeinerte und bereicherte Oberdeutsche Mundart, trat in die Stelle der vernachlässigten alten, und ward nach und nach die Hoffprache des ganzen gelehrten und gesitteten Deutschlandes. Man lese über die bey und vermittelst der Reformation mit der Deutschen Sprache vorgegangene Veränderung des Herrn Ritter Nnchaelis schöne orar.'äe (Zeruiauise ciigle6to, c^ua in iscris ta- ciuuais st^us in IcriKenciis likriz utimur, Götting. 1750 in 4. Es ging mit dieser Veränderung wieder eben so natürlich zu, als mit allen vorigen. Die Chursächsischen Lande waren durch ihren Bergbau, durch ihre 62 Einleitung. re Manufacturen, Fabriken und Handlung seit dem Versalle Schwabens eine der blühendsten Provinzen in Deutschland, und schon dadurch hatte die Sprache beträchtlich gewonnen, dagegen sie in den übrigen Provinzen dem Verfalle des Wohlstandes folgte und vernachlässiget ward. Jetzt wurden eben diese Lande überdieß noch der Sitz nicht allein des verbes- serten Lehrbegriffö in der Religion, sondern auch die Wiege aller Künste und Wissenschaften, welche von den Glaubenöverbesscrern und ihren Freunden voll ihrer alten Barbarei) befreyet und in kurzer Zeit überaus sehr aufgekläret wurden. Es ist bey nahe erstaunlich, wie sehr in einem Zeitraume von kaum dreyßig Jahren durch die Reformation alle Wissenschaften zu ihrem Vortheile verändert wurden. Schon dadurch gewann die Sprache, noch mehr aber, da die ersten Glaubensverbesserer, um das unwissende Volk zu unterrichten, mehr in Deutscher Sprache schrieben und lehreten, als bisher gewöhnlich gewesen war. Man lese die ersten Schriften L.url?er6 und seiner Zeitgenossen, um das Jahr 1517, und lese seine Schriften in den letzten Jahren seines Lebens, so wird man den großen Fortschritt bewundern müssen, welchen die Sprache in ihrer Feinheit, Biegsamkeit und Wohlklang in so kurzer Zeit machte. Diese Veränderung war schnell, aber doch kein Sprung. L.mher und seine Freunde behielten an« fänglich die Oberdeutsche Mundart bey, weil sie einmahl die herrschende war. Daher vermisset man in ihren Schriften von 1517 an noch mehrere Jahre das mildernde e oder e euphonicum, (ich hab, der Frid, der Glaub), das e des Dativs im Singular und des Nominativs im Plural, (dem Tag, die il. Deutsche Sprache. 6z die Tag, dem Tod), den Plural auf er (die Nlanne, die tVeibe,) die Endung der Adjective vor den Substantiven (eyn recht stroern Epistel, das reglich Dror, durch den gefangen betrogen Adel) ganz; dagegen findet man die Oberdeutsche Überfi'illung an Consonanten, und widerwärtigen Doppellautern, die tiefern Selbstlauter statt der höhern, (kummen, von noren, erhören, loßen, für erlösen, do für da, Sun für Sohn,) allerley harte Zu- sammcnziehungen, (erHort für erhörete, er ror für tödtete, wünsch für wünschte,) das Augmentnm ge vor dem Infinitiv, nebst andern Harten mehr bey ihnen, der vielen nur derOberdeutschen Mundart eigenen Wörter und der noch ganz rohen und ungebildeten Orthographie zu geschweigen. Da6 Gebet Ma- nasse lautet nach Luthers Übersetzung von 1519 noch so: O Herr allmächtiger Gort unserer Värrer, des Abrahams, Isaac und Jacob, vnd jrs (ihres) gerechten sainen vnd geschlechrs, derduHy- mel vnd erden nur all (aller) ihrer gezierde ge- schaffen haft, der du da; mör nur den rvore (dem Worte) deins gebots gezeichnet hast, dev du die rieffe vnd dumpff des möres befchlossen vnd deinen loblichen namen verzeichnet hast, vir welchen alle menfchen erschrecken vnd vcrmügen vor des angestchc stercke vnd ste erzitteren , dann der Zorn deiner trowung über die fund ist vnlydlich, aber die Darmheryig- keir deiner Zusagung vnd verheijsung ist vn- rrmcssen vnd vnerforschlich, rvann du bist der allerhöchst Herr über den ganzen erdpo- dcn. Du bist gedulrig, gültig vnd vast barm- herrzig vnd mirleydsam über der menfchen boßheit u. s. f. Doch 64 Einleitung. Doch iuther mußte den für sein Jahrhundert wirklich feinen Gefchmack nicht gehabt haben, welchen er wirklich besaß, wenn er nicht daö Rauhe und Harte dieser Mundart sehr bald hätte einsehen sollen, daher er sie immermehr durch die Meißnische ^ oder Obersächsische zu verfeinern suchte, und die in der Sprache des gesellschaftlichen iebenS ungangbar gewordenen Oberdeutschen Wörter und Ausdrücke i durch allgemein verständliche ersetzte. Da6 siehet V - man besonders den verschiedenen Ausgaben seiner H Bibelübersetzung sehr deutlich an. Die Obersächsi'-- - sche Mundart war schon vorher durch Handlung, / Wohlstand und verseinerte Sitten beträchtlich auS- gebildet worden, und jetzt, da Obersachsen zugleich - ! der Sitz der Künste und Wissenschaften war, ward - i sie es noch mehr. Alle Deutsche, denen es um ver-- A künftige und gründliche Gelehrsamkeit zu thun war, A kamen nach Obersachsen, und lernten diese Mundart, . als die zierlichste und wohlklingendste m Deutsch- , ^ land, die überdieß noch durch die vielen Deutschen H Schriften der ersten Wiederhersteller der Religion ^ und Wissenschaften gar sehr ausgebreitet wurde. Die alte Oberdeutsche Mundart ward als die ieib- tracht der Unwissenheit nach und nach verabschiedet, oder vielmehr nach dem Muster der Meißnischen .ausgebildet, und da alle Lehrer der gereinigten Religion diese Mundart in Witcenberg oder aus den Schriften der ersten Reformatoren erlemeten, so geschahe mit der Zeit das, woran diese im Anfange wohl selbst nie gedacht hatten: die durch Sitten und Wissenschaften ausgebildete und bereicherte Meißnische Mundart, oder vielmehr die durch die Meißnische verfeinerte alte Oberdeutsche Mundart, ward die Herrschende Sprache deS gelehrtesten und gesittesten Theiles der Nation, Aus II. Deutsche Sprache. 6F Aus diesem Gesichtspuncte muß man ü.mhers Verdienste um die Deutsche Sprache ansehen, wenn man diesem großen Manne aus der einen Seite nicht zuviel, und auf der andern nicht zu wenig, zuschreiben will. Der ehrwürdige Greis Bodmer legt in seiner kurzen Abhandlung von den Verdien« sien Luthers um die Deutsche Sprache, die sich vor seinen Grundsätzen der Deutschen Sprache befindet, alle Veränderungen, welche man zur Zeit der Reformation mit der Sprache vorgehen sieht, bloß Lmhern bey, und behauptet, daß sie hernach von der Nation angenommen und sich zu eigen gemacht worden. Eigenmächtig hat Luther diese Veränderungen wohl nicht gewagt; er fand sie zum Theil schon in der Mundart des Landes, worin er geboh- ren war und lehrete, und wandte sie nur in Schriften auf die alte Oberdeutsche Munda.t an, welche für den jetzigen verfeinerten Zustand der Sitten und Wissenschaften zu rauh, hart und unbiegsam war. Er war dabey bescheiden genug, der natürlicher Weise und von sich selbst immer weiter gehenden Cultur der Sprache zu folgen. Er war zugleich der erste, der über die Sprache nachzudenken anfing, und sich nicht nur der bisher so sehr vernachlässigten grammatischen Reinigkeit und Richtigkeit befliß, sondern auch die Rechtschreibung, welche nach der harten und überfüllten Oberdeutschen Aussprache gebildet war, auf vernünftigere Regeln zurück führte, und sie der Oberfächsifchen sanftem Aussprache gemäß machte. Anfänglich schrieb er selbst noch, wie ganz Deutschland zu seiner Zeit, czu, zcu oder yu, yierde, eyner, Craffr, rzoni, dye, yhn oder yn, lervrh, bawe,., Wundern, vnd, vns u. s. f. Hätten wichtigere Beschäftigungen ihm erlaubt, der Sprache, die für ihn nur Nebenwerk war, mehr AdcLD.Spr. E Muße 66 Einleitung. Muße und Nachdenken zu widmen, so wurde er es sowohl in der Orthographie, als auch in der grammatischen Richtigkeit weiter gebracht haben. So aber ist er sich in der ersten nicht allemahl gleich, und in Ansehung der letztern sind seiner Aufmerksamkeit noch viele Fehler und Unrichtigkeiten, selbst in der Deutschen Bibel, entgangen, daher sie für nichts weniger als classisch gehalten werden kann. Es findet sich aber noch ein sehr wichtiger Umstand, welcher diesem classischen Ansehen in dem Wege stehet. Luther hatte anfänglich nicht deutlich die Absicht, die Oberdeutsche Mundart aus dem Gebiethe der Wissenschaften zu entfernen, sondern er suchte sie nur durch die Obcrsächsische Mundart biegsamer und wohlklingender zu machen, daher ist der Grund seiner Übersetzung noch ganz Oberdeutsch, welche Mundart, aller seiner von Zeit zu Zeit vorgenommenen Aenderungen und Besserungen ungeachtet, noch immer durchscheinet. Da man seine Übersetzung nach seinem Tode so ließ, wie sie war, und sie der immer fortschreitenden Cultur der Sprache nicht, wie es doch seyn sollte, folgen ließ, so fallen diese Oberdeutschen Überbleibsel zu unsern Zeiten weit mehr auf, als zu seiner, da sie dem damahligen Zustande der Büchersprache gemäß waren. In der Vorrede zum ersten Bande meines Wörterbuchs leitete ich diesen Hang der DentschenBibel zum Oberdeutschen aus der Vermuthung her, daß Luther etwa eine ältere Oberdeutsche Übersetzung bey der semigen zum Grunde gelegt, welche ganze Vermuthung ich aber zurück nehme, zumahl da auch Herr Pastor Göy in Hamburg sie nach einer sorgfältigen Vergleichung hinlänglich widerlegt hat. §. 27. ll. Deutsche Sprache. 67 §. 27. Nach Luthers Tode blieben die evangeli- Ihre Aussehen Gottesgelehrten in dem lehrbegriffe nicht nur bilduug. gerade da stehen, wo ergeblieben war, sondern sie geriethen auch unter einander in die bitterstell und ärgerlichsten Streitigkeiten. Zum Unglück riß eben dieser Stillstand auch in den meisten übrigen Wissenschaften ein, ungeachtet sie mit der Theologie in keiner Verbindung standen. Die Philosophie war noch immer scholastische Barbarei), und die alte Litteratur nagte an der Schale und übersahe den. Kern, daher die schönen Künste nur sehr langsam auskeimten. Die ersten Wiederhersteller der Religion und Wissenschaften suchten das Volk aufzuklären, schrieben viel in Deutscher Sprache, und veranlaßten dadurch ihre Ausbildung; ihre Nachfolger verließen diesen Weg, und ehrten das Latein aufKo- sien ihrer Muttersprache. Der katholische Reichs-» theil haßte die in Obersachsen ausgebildete Sprache als das Wahrzeichen der Keßerey, und blieb bey der alten rauhen Oberdeutschen Sprache. Kurz, die Aufklärung des Verstandes und Geschmackes nahm nicht so schnell zu, als der erste Anfang vermuthen ließ, und die langwierigen innern Unruhen, welche auf die Reformation im Deutschen Reiche folgten, hielten sie noch mehr auf. Luthers Eifer um die Reinigkeit der Sprache reihte zwar nachmahls viele, diefe Reinigkeit und Richtigkeit auf gewisse Regeln zurück zu führen, allein anstatt diefe Regeln in der Sprache selbst aufzusuchen, entlehnte man sie entweder aus den Lateinischen Sprachlehren, oder man wollte Selbstersin« der seyn, und die Sprache nach seinem Gutdünken modeln. Vor andern hatte die Orthographie, gerade der unbedeutendste Theil der Sprache, vom An- E 2 fange 63 Einleitung. fange an das Schicksal, daß eine Menge kleiner Geister dieselbe meisterten, und noch jetzt ist sie die Windmühle, an welcher große und kleine Sprachkünstler zu Rittern zu werden suchen. Bey diesen Umstanden wurden die grammatischen Bemühungen der Sprache mehr schädlich, als vortheilhaft, wenigstens haben sie ihr wenig mehr Nutzen gebracht, als die spater entstandenen Deutschen Gesellschaften. Oplizens und einiger anderer dichterisches Genie war für das siebzehnte Jahrhundert immer eine wichtige Erscheinung; allein der Geschmack war noch nicht genug verseinert, und der Verstand noch nicht genug aufgeklart, daß sie es zu einem beträcht, liehen Grade der Vollkommenheit hatten bringen können. Bald nach ihnen verheeret«? der schwülstige Geschmack der neuern Italiener das Gebieth der Dichtkunst und Beredsamkeit, und diejenigen, welche diesem Verderben steuern wollten, verfielen in den Gegensah und wurden wässerige Reimer. In der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts bekam endlich alles eine andere Gestalt. Deutschland fing nach langen blutigen Kriegen an, sich wieder zu erhohlen; mehrere Fürsten hatten sich bisher becifert, die Handlung und Künste in ihren Staaten blühend zu machen, und der glänzende Hof der Auguste unterstützte die letztern mir vollen Händen. Reichthum und Wohlstand bildeten den Geschmack, und die von L.cibnlrzen und TVolfen wieder hergestellete vernünftige Philosophie leitete ihn. Diese verbreitete ihr iicht über alle Wissenschaften, welche es wieder auf die Sprache und schönen Künste zurück warfen, zumahl daN?olfdie Deutsche Sprache II. Deutsche Sprache. 69 Sprache zum Vortrage philosophischer Wahrheiten wählte, und dadurch überaus viel zu ihrer Ausbildung beytrug. Da dieses vornehmlich in den Obersachsischen Provinzen geschahe, welche noch immer der vorzüglichste Sitz der Künste und Gelehrsamkeit waren, so hatte auch die Hochdeutsche Sprache den vornehmsten und schnellsten Antheil daran. Gottscheds Verdiensie können dabey nicht verkannt werden. Er war einer der ersten, der sich dem Italienischen Schwulste der Loheitstemischen Schule mit Nachdruck widersetzte, der mit Eifer aus die Reinigkeit der Sprache drang, ohne selbst rein und edel zu schreiben, der die schönen Künste durch Hülfe der neuern Philosophie nach dem Maße seiner Kräfte aufzuklären suchte, der die Deutschen mit den Franzosen und Engländern bekannt machte, deren Beyspiel sie lehrete, die Alten und in ihnen die Natur mit Geschmack und Scharfsinn nachzuahmen, der — doch hier befinde ich mich schon an der Gränze. seiner Verdienste, die von manchen zu sehr vergrößert, und von andern wieder zu sehr verkleinert werden. Selbst, weder ein schöner Geist, noch ein gründlicher Philosoph, noch ein ties- sehender Sprachkenner, riß er nur ein, ohne selbst zu bauen. Allein sein Eifer und die jetzt gedachten günstigen Umstände verschafften ihm Schüler, welche ihren Meister in kurzer Zeit sehr weit hinter sich zurück ließen. Gottsched, erstaunt, daß der von ihm gezeigte Weg weiter führte, als er; selbst gehen konnte, und zu stolz, sich von seinen Schülern übertroffen zu sehen, wollte das Maß seiner Kräfte zum non xlus ultra aller machen, und ward nunmehr aus Eigensinn und Verzweiflung ein E z Feind 70 Einleitung. » Feind des guten Geschmackes, der ihm doch einen so wichtigen Theil seines Entstehens zu danken hatte. Ob sie an §. 28. Die Entscheidung der Frage, ob die Wolikom- Deutsche Sprache, und besonders die Hochdeutsche tnciihnt Mundart derselben, einer noch größern Vollkommen- kann^" ^, h^ugt Z^nz von dem Grade der Kenntnisse und des Geschmackes unserer Zeiten ab. Die Sprache ist Ausdruck der Begriffe und Vorstellungen: diese machen ihren Reichthum aus, so wie die Feinheit, die Biegsamkeit und der Wohllaut des Ausdruckes von dein Geschmacke abhängt. So lange eine Nation noch an Kenntnissen und Geschmacke wachsen kann, so lange ist auch ihre Sprache einer immer größer» Vollkommenheit fähig. Nimmt sie an beyden ab, so geräth auch diese in Verfall. Den jedem Volke möglichen höchsten Grad der Vollkommenheit kann kein Zeitgenoß, kann nur der Nachkömmling in einem beträchtlichen Zeitraume bestimmen, zumahl da derselbe von so vielen zufälligen äußern Umständen abhängt, welche kein endlicher Geist vorher sagen kann. Athen und Rom zeigen uns in einem sehr getreuen Spiegel, durch was für Mittel auch die blühendste und ausgebildetste Sprache in Verfall gerathen kann. Wenn auf der einen Seite die Neigung zu den gründlichen Wissenschaften veraltet, wenn Philosophie in leeres Geschwätz oder brausende Schwärmerei) ausartet, wenn man, anstatt sich deutlicher Begriffe zu befleissigen, nach Bildern und Figuren hascht, wenn man, bloß um neu zu scheinen, und was Neues zusagen, aufEmpfindeley, Künstelei) und Witzelei) verfällt, und sich aus Genie- Kitzel II. Deutsche Sprache. 71 Kitzel über alle Regeln und Vorschriften hinaus seht; wenn man auf der andern Seite Sprache und Ausdruck"zu arm findet, und, unter dem Vorwande, die Sprache zu bereichern, auö fremden Sprachen und Mundarten borgt, alltägliches Geschwätz, dunkle Vorstellungen, mit unter auch wohl Unsinn, zur Schau auszulegen, wenn der Geschmack so weit verfällt, daß die Musen nicht mehr erröthen, die Sprache des Pöbels zu reden, wenn das alles, sageich, allgemeiner Geschmack wird, dann ist der Verfall der Sprache da. Gerade das waren die Mittel, welche der schönen Griechischen und Römischen Litteratur den Untergang brachten, und ihnen wird auch einmahl die Deutsche ihren Verfall verdanken. Zwar fehlt es in unsern Tagen nicht an Halbgelehrren Neulingen aller Art, welche alle diese und noch mehr ähnliche Mittel anwenden, die Herostrate ihrer Muttersprache zu werden; allein noch hat der gute Geschmack zu viele und zu mächtige Freunde, als daß etwas anders als Verachtung der iohn solcher Bemühungen seyn könnte. C 4 Hl. Deut- Hl. Deutsche Mundarten. Inhalt. Verschiedene Mundarten Dentschlandes, §. 2?. Eigenheiten der Oberdeutschen, Z. zo. Der Niederdeutschen, §, Zi. ' Hochdeutsche Mundart, Z. zs. - Ob und wie sie zu bereichern, §. zz. §. 29. Verschiede- ^^ie Deutsche Sprache theilet sich von Alters her ne Mund- jn zwey Hauptmundarten, oder vielmehr eige- ne verwandte Sprachen, die südliche oder «Dders ^ndes^ deutsche, und die nördliche oder Niederdeutsche. Ich sage verwandte Sprachen; denn auö dem Kapitel von der Bildung der Wörter wird erhellen, daß das Niederdeutsche mit mehrerm Rechte eine eigene, obgleich sehr nahe verwandte Sprache, als bloß eine Mundart einer vielleicht nie vorhanden gewesenen allgemeinen Deutschen Sprache ist. Doch dem sey wie ihm wolle, so ist dieser Unterschied in der Sprache unter den Deutschen bereits sehr alt, vielleicht so alt, als die Nation selbst. Von den Mundarten der Germanischen Völkerschaften vor und in der großen Völkerwanderung laßt sich wenig mehr sagen, als daß allem Ansehen . nach jedes Volk oder jeder Stamm seine eigene hatte. Von einigen derselben, z. B. den Gothen, longobarden u. s. f. läßt sich auch die Beschaffenheit derselben näher bestimmen. Durch die unaufhörlichen Wanderungen und Vermischungen der Völker- , schch III. Deutsche Mundarten. 7z schaften,' waren auch ihre Mundarten beträchtlichen Veränderungen ausgesetzt. So redeten z.B. die ältesten Franken, sie mögen nun ein eigenes Niederdeutsches Volk, oder vielmehr ein Völkerbund mehrerer Niederdeutscher Stämme seyn, allem Ansehen nach ursprünglich eine Niederdeutsche Mundart, wovon sich noch in dem Salischen Gesetze Spuren finden. So wie sie sich die südlichern Völkerschaften Deutsch- landes unterwarfen, und sich die Überwinder unter den Überwundenen verlohren, gewöhnten sie sich nach und nach an die höhere Mundart, die sie doch allem Ansehen nach mit der ihrigen vermischten, woraus denn die Fränkische entstand, welche schon zu den Zeiten der Fränkischen Monarchen das Mittel zwischen der ganz hohen und der völlig nieder» Sprache ausmachte. Sobald sich nach der großen Völkerwanderung die heutigen Staaten zu bilden anfangen, klären sich auch die Deutschen Mundarten mehr auf. Die Nahmen der alten kleinen unabhängigen Volksstämme verliehrcn sich aus der Geschichte, und es treten dafür fünf große Völkerschaften auf den Schauplatz, die Franken, Alemannen, oder Schwaden, Baiern, Thüringer und Sachsen, deren Sprachen stufenweife von der höchsten Mundart an bis zu der niedrigsten herab steigen. Auf der höchsten Stufe stehen die Alemannen und Baiern, ein wenig tiefer die Franken, noch tiefer die Thüringer, welche sich unmittelbar an die niederste Mundart der Sachsen anschließen. Jede dieser Mundarten ist wieder in eine Menge kleinerer untergeordneter Dialecte abgetheilet, so wie jede dieser fünf großen Völkerschaften aus der Verbindung oder Unterjochung mehrerer kleinerer VolkS- stämme erwachsen ist. E 5 §.zo. 74 Einleitung, Sigenhei- §. ?o. Die (Oberdeutsche unterscheidet sich tcn der durch ihre hohe Sprache, durch ihren vollen Mund, Obcrdeut- durch ihren Hang zu hauchenden, blasenden und zischen» schenden Mitlauten, zu den breiten und tiefen Selbstlauten und zu rauhen Doppellauten; durch ihre Harten, durch ein weitläufiges Wort- und Sylbeng e- prä'nge, durch weitschweifige Ausdrücke, Überfüllungen und hohe Figuren. Beyspiele find beynahe unnöthig, da man sie überall findet. Doch ein Paar zur Probe, die zum Theil aus den höchsten Mundarten entlehnet sind, i) Fülle des Mundes; daher die vorzügliche Liebe zu hauchenden und blasenden Mitlauten: Vefelch für Befehl, verbargen für verheeren, trschchen für trocken. 2) Hang zu breiten und vollen Doppellauten statt der verwandten wohlklingendern, oder auch statt der einfachen Selbstlaute: Lleus- sen, geufsen, fleuben, u. s. f. für fließen, gießen, fliehen; rreuheu, dräuen für drohen, zeuchen für ziehen, Hous für Haus, haitter, ains, Ainigung, haylsam, ablainen für heiter u. s. f. Licchc für Licht, L-Imetter, Brueder für Mutter, Bruder. Und zu den breiten und tiefen Selbstlauten statt der höhern: sunderu für sondern, ausdrucklich für ausdrücklich, Bürger für Bürger, roüfsen für wissen, ^rfahrnuß, Bündnuß, Ärgernuß u. s. f. für — niß. ?) Härten, besonders Weglassung des e an den Fämininis, im Nominativ des Plurals, und an den Adjectiven: die Räth, Grädt, Tag, u. s. f. für Räthe, Städte, Tage; der gütig Gocc, gerreu lieb alt Bdgenossen. Ingleichen des e euphonici: der Bub, Ruab, die Gnad, der Glaub, der Preuß, Schroab, Franzos, u. f. f. 4) Harte Zusammenziehungen: jAdgnoßschafr, allgedeylichen Vorschub thun, allschuldigen Dank III. Deutsche Mundarten.' 75 Dank sagen. 5) Unnöthige Verdoppelung und Verhärtung der Mitlaute: Trecken, Borte, nem- »nen, daruinb, umb, Umbstand u. s. f. 6) Verwechselung der harten Mitlaute mit den weichen und vorzügliche Neigung zu den ersten; ein Fehler, welchen man wohl gar den Obersächsischen Mundarten eigenthümlich beygelegt hat, da er bey ihnen doch nur ein Überbleibsel der Oberdeutschen ist: tringen, trucken, paum. 6) Überfüllungen der Wörter: bisweilen, sämmtlicher, allfolglichen, ein- folglichen für folglich, gnädiglichen, unwie- dcrsprechenlichen, seliglich, tausend Bey - und Nebenwörter aufiglich, und andere Weitschweifigkeiten mehr, welche einen entscheidenden Hang verrathen, mit einem vielsylbigen Geräusche im Grunde wenig zu sagen. 7) Der schwerfällige Gebrauch der Participien: die vorgeschützt werden dürfende Nichtigkeit; der angegeben werden wollende Unterschied; die von dero Gemahlin hergeleitet werden mögende Ans sprüche. ' Aus dem vorigen erhellet, daß die Oberdeutsche Mundart sehr frühe, und mehrere Jahrhunderte hindurch ausgebildet worden. Diesem Umstände hat sie ihren Reichthum an Wörtern zu verdanken, nicht allein alle während ihres Flores bekannte Begriffe, sondern auch sehr viele Begriffe nach allen ihren Graden und Schattirungen auszudrucken. Hierin hat sie sehr vieles vor ihren übrigen Schwestern voraus, indem sie eine Menge Gegenstände und Begriffe mit einheimischen Nahmen ausdrucken kann, wofür die Hochdeutsche Mundart fremde entlehnet hat. Nur wieder ein Paar zur Probe: Hochboth, Ambassadeur; Gezug, Appellation ; Nummer, Arrest; Gant, Steigerung, 76 Einleitung, rung,Auction; Ganrmeister,Auctionator; Gant- register, Gantrodel, Gantbuch, Auctions-Ca- talogus; Feldfchuldheiß, Feldrichrer, Auditeur; Hauptstuhl, das Capital; Gewahrsame, Lauteten; Ladung, Lürboch, Citation; Lahne, Fähnlein, Compagnie; Anlaß, Compromiß; Auffahl, Frohnung, Concursus Creditorum; Romneister, Corporal; Ehevogt, Gerhab, Curator; Pflege, Gerhabschafc, Curatel; Hinterlegen und Hinterlage, deponiren, Depot; Felds flucht, Feldflüchciger, Desertion, Deserteur; An- stand,Gcrichts-Ferien; Lrevelvogt,Fi6cal; Ehe- gamner, von Ehe Gesetz, und Gaumer, Aufseher, ein Curator; Gewende, Garnitur; Insten- Gräber, (der einwärts grabt,) Graveur; Frage- amr, Intelligenz-Comtoir; Fundbuch, Fundregister, Inventarium; Unterhauptmann, iieu- tenant; Hoffarbe, Leibfarbe, iivree; Geboth»- brief, Mandat; Heerzug, Marsch, und tausend andere mehr, welche zum Theil noch üblich sind, zum Theil aber doch ehedem üblich waren. Gereicht ihr dieser Reichthum, nebst ihrer Volltönigkeit und Pracht, wenn beyde in den gehörigen Gränzen bleiben, zum Ruhme, so kann sie doch den Fehler der Nachläßigkeit in ihrem Putze nicht entschuldigen. Es ist Reichthum ohne Geschmack, Verschwendung ohne Klugheit, und Aufwand ohne Feinheit. Oberdeutschland blieb in der Cultur zurück, als selbige in andern Provinzen sehr schnell fortschritt, daher behielt auch dessen Sprache alle die Härten und rauhen Eigenheiten, welche noch so sehr das Gepräge des fünfzehnten Jahrhunderts an sich tragen. Was III. Deutsche Mundarten. 77 Was ich jetzt von der Oberdeutschen Mundart gesagt habe, gilt zunächst und in vollem Maße von ihr im engsten Verstände, das ist, von den südlichsten, zwischen Franken und Italien gelegenen Pro« vinzen; nicht so sehr, und mit mehrern Ausnahmen, von den mittlern Provinzen Deutsch land es, wohin ein Theil des Ober- und Nieder-Rheines, Franken, Thüringen und die südlichern Theile der Ober- und Niederfächsischen Kreise, nebst Schlesien gehören, wo die Sprache schon sehr durch die Niedersachsische Mundart gemildert worden, und endlich ganz mit ihr zusammen fließt. Es ist unnöthig, die einzelnen Dialecte besonders nahmhaft zu machen, worein sich diese große Mundart theilet. Es sind ihrer so viele, als Pro-, vinzen zwischen den bemerkten Gränzen liegen, und in großen Provinzen oft so viele, als es beträchtliche Abtheilungen in denselben giebt. Manche auf den Gränzen der Hauptmundarten gelegene Landschaften lassen sich mit eben so vielem Rechte zu der einen als zu der andern rechnen, weil beyde in ihnen zusammen fließen. Kennten wir das alte Deutschland zn Taciti und Ptolemäi Zeiten so, wie wir das heutige kennen, so würden wir den Grund dieser vielfachen Mundarten ohne Zweifel in den vielen kleinen und unabhängigen Volksstämmen der damahligen Zeit finden. §. zi. Die Niederdeutsche, Sächsische im Der Nis« eigentlichsten Verstände, oder, wie sie sich selbst oft derbem- nennet, plattdeutsche Mundart, beherrscht die nörd. lichsten Gegenden Deutschlandes, von den Niederländischen Gränzen an bis an die Atthauischen. Vom Deutschen Reich besitzt sie ohngefähr ein Drittel; 78 Einleitung. tel; allein außer demselben gehören ihr auch beyde Pressen und der von Sachsen bewohnte Theil Siebenbürgens. Wenn man nun ihre ausgestorbene Schwester, die Angelsächsische Sprache, wovon noch ein Überbleibsel in der heutigen Englischen lebt, und ihre noch verhandenen nahern und entfernter» Verwandten, die Niederländische,- Dänische, Schwedische, Norwegische und Isländische Sprachen dazu nimmt, so ist sie allerdings eine der auögebreitesten, obgleich ihr Schicksal in Deutschland zu allen Zeiten traurig gewesen ist. Die ersten iehrer in der Religion, welche Niederdeutschland im achten Jahrhunderte erhielt, waren Angelsachsen, und diese führten das Angelsächsische Alphabet daselbst ein, wovon noch zu Lasset, Fulda, Würzburg und an andern Orten Beweise und Überbleibsel vorhanden sind. Als nochmahls die Sachsen nach langen blutigen Kriegen von den Franken unterjocht wurden, so ward ihnen auch ihr Alphabet, und in manchen Fällen in der Folge auch ihre Mundart aufgedrungen. In -der Cultur blieb das heutige Niedersachsen in den mittlern Zeiten am meisten zurück, zumahl da noch ein großer Theil von Wenden bewohnt ward, und obgleich unter den Schwäbischen Dichtern einige Niederdeutsche Sänger mit auftraten, so dichteten sie doch in der herrschende» Oberdeutschen Mundart. Zur Zeit der Reformation und der Wiederherstellung der Wissenschaften, erhielt Nieder-Deutschland seine Geistlichen und Gelehrten aus Obersachsen, und diese führten nach und nach die Hochdeutsche Mundart auf die Kanzeln, in die Hörsäle und Gerichtsstuben ein, und alles, was Geschmack und Sitten hqhm woftte, fing an, sich dieser Mundart zu III. Deutsche Mundarten. 79 zu befleissigen, und die einheimische Landessprache blieb dem gemeinen Volke überlassen. An manchen Orten entstand durch ungeschickte Vermischung beyder eine dritte Mundart, wohin die so genannte Mesilnglsche Sprache (von mischen, miscere, daher auch der Nahme des Messings, als eines vermischten Metalles,) in Niedersachsen, und die Aäselauische in Preussen, gehören. Da man nun die Niederdeutsche Mundart bloß als eine verachtete Volkssprache ansähe, so blieb sie in der Cultur zurück, und man hat wohl mehr als einmal den unbilligen Vorschlag gethan, sie völlig auszurotten, so wenig sie auch dieses Schicksal verdienet. Denn 'sie ist gerade das Gegentheil der Oberdeutschen Sprache, und unter allen Deutschen Mundarten in der Wahl und Aussprache der Töne die wohlklingendste, gefalligste und angenehmste, eine Feindin aller hauchenden und zischenden, und der meisten blasenden Laute, und des unnützen Aufwandes eines vollen mit vielen hochtönenden lauten wenig sagenden Mundes, aber dagegen reich an einer kernhaften Kürze, an treffenden Ausdrücken und naiven Bildern. Es fehlt ihr weiter nichts, als eine sorgfaltige und verstandige Cultur, um sie zu der reichsten, angenehmsten und blühendsten Sprache zu machen. Der Ausländer, dem die vielen Hauch - Blase - und Zischlaute des Oberdeut, schen ein Ärgerniß sind, lernt die Niederdeutsche am el-sten und leichtesten, so wie der Niedersachse wegen seines feinen Gehörs und wegen der Feinheit und Biegsamkeit seiner Sprachwerkzenge jede fremde Sprache weit eher und vollkommener sprechen lernet, als sein schwerfälliger südlicher Bruder. Man könnte daher leicht in Versuchung gerathen, die 8c> " Einleitung. die Niederdeutsche Mundart für die Sprache eines blühenden und durch Wohlstand und Wissenschaften sehr frühe ausgebildeten Volkes zu halten, und vielleicht ist sie wirklich ein Überbleibsel einer Cultur, welche über die Gränzen unserer bekannten Geschichte hinaus gehet. So sehr nun auch diese Mundart von ihren stolzen Schwestern zu allen Zeiten verachtet und unterdrücket worden ist, so haben doch die Niederdeutschen den Ruhin, daß sie nächst den Hochdeutschen ihre Sprache am meisten kritisch bearbeitet haben. Beweise davon sind die nühlichen Idiotica 5>Ach. Aicheys von der Hamburgischen, Job. Chris jropb Strodtmaims von der Osnabrückischen, und Johann GeorI Bocks von der Preussischen Mundart, vor allen aber das schöne Bremisch- LTliedersächsische N?örterbuch der Bremischen Deutschen Gesellschaft, welches von 1767 bis 1771 in fünf Bänden in 8. heraus gekommen ist, und einen großen Theil.der ganzen Niederdeutschen Mund- - art umfasset. Das wenige, was wir von den so zahlreichen Oberdeutschen Mundarten haben, sind Bruchstücke, wovon noch keines den Nahmen eines Idiotici verdienet, und von den meisten fehlen auch solche Bruchstücke. Wie verdient könnten sich nicht Oberdeutsche Sprachkenner und Sprachliebhaber um die ganze Sprache machen, wenn sie, anstatt Neuerungen auszusinnen und auf ihre Hochdeutsche Schwester zu fchmähen, das Eigene in der Sprache ihrer Provinzen aufsuchten und bekannt machten! Hochdeut- §. Z2. Herr Prorector Gedike in Berlin ver- sche Mund- gleicht in seiner Einladungsschrift über Purismus und Sprachbereicherung, Berlin 1779 S. 20. die IN. Deutsche Mundarten, Zr die drey Deutschen Hauptmundarten sehr treffend mit den drey bekanntesten der ehemahligen Griechischen Sprache, der Dorischen, Ionischen und Attischen, denn die Äolische war eben so sehr nur eine Unterart der Dorischen, als es die Bäuerische von der Oberdeutschen ist. Die Dorische glich der Oberdeutschen, war die Sprache der gebirgigen Gegenden Griechenlandes, und liebte, wie der Deutsche Oberlander, den vollen und breiten Mund, die Zisch- und Hauchlaute, und die rauhen aus der Gurgel gesprochenen Doppellaute. Ihr Gegensatz war die Ionische, welche die flachen Gegenden am Meere beherrschte; so sanft und weich, wie der Niederdeutsche, vermied sie, so viel möglich, alle rauhen Gurgeltöne, alle breiten Doppellaute und zischenden und rasselnden Buchstaben. In der Mitte zwischen beyden lag der Attische Dialect, er war jünger als sie, bereicherte sich aus beyden, und ward durch Wohlstand, Geschmack und Gelehrsamkeit am meisten ausgebildet, daher er als der blühendste, wohllautendste und Zierlichste nach und nach seine ältern Brüder verdrängte, und endlich in Schriften nur allein gebraucht wurde. Gerade so die Hochdeutsche, welche im Grunde nichts anders ist, als die durch das Obersächsische gemilderte, und durch Geschmack und Wissenschaften ausgebildete Oberdeutsche Mundart. Den Grund dazu hat das Fränkische, einer der nördlichen Oberdeutschen Dialecte, gegeben, welches mit den Fränkischen Colonisten, die Heinrich i. im zehnten Jahrhunderte zwischen die Elbe und Sale versetzte, dahin gebracht wurde. Diese vermischten sich mit den einheimischen Slaven, welche endlich die Sprache der neuen Ankömmlinge annahmen und mit ih- Adel.D.Spr. F nen 82 Einleitung. neu zu einem Volke vereinigt wurden. Da die Sla« vische Sprache wegen ihrer feinen und wohlklingenden 'Aussprache bekannt ist, so ging ein Theil davon mit in die hierher verpflanzte Frankische Mundart über, welche schon dadurch verändert und wenigstens in der Aussprache verfeinert ward. In der Folge, da Handlung, Wohlstand, Geschmack und Sitten in Meisten immer blühender wurden, erstreckte sich die immer fortschreitende Cultur auch auf sie, so daß sie bey derWiederherstellung der Künste und Wissenschaften im sechzehnten Jahrhundert zur Verfeinerung und Ausbildung der rauhen und vernachlässigten Oberdeutschen Mundart gebraucht werden konnte. Meisten uud Obersachsen blieben noch lange nach der Reformation der vornehmste Sitz des Geschmackes und der Gelehrsamkeit in ganz Deutschland, und daher geschahe es, daß die hier verfeinerte und ausgebildete Sprache, nicht allein die Schriftsprache des ganzen aufgeklärten Theils der Nation, sondern auch die gesellschaftliche Sprache fast aller Personen von Geschmack und Erziehung, besonders in dein mittlern und nördlichen Deutschlande, ward und- noch ist. Siehe oben §. 26. 27. wo die Geschichte der Hochdeutschen Mundart seit der Reformation bereits berühret worden. Die verblühete ältere Schwester sahe vom Anfange an scheel dazu, beneidete die jüngere wegen ihrer Reihe, und suchte sie aus Verzweiflung durch den Vorwurf der Keherey verhaßt zu machen. In guten Stunden vergaß sie zwar diese Grille, und fing so gar an, sich nach ihr zu bilden; allein die böse iaune stellte sich bald wieder ein, und dann behauptete sie wohl in allem Ernste, daß ihre Runzeln, ihre steifen und stolzen Blicke und ihre Archaismen m. Deutsche Mundarten. 8z chalsmm regelmäßiger wären, al6 die sanften Reiße deö jungen gefälligen Mädchens. Mit unter schrie sie auch über Despotismus und Tyrannei), obgleich das gute Mädchen nichts weniger als despotisch war, und nur der ältern Schwester, wenn ihr die Coquetterie ihrer jungem Jahre ankam, zuweilen den Spiegel vorhielt, und sie an ihre Falten und verblüheten Reihe erinnerte. Die Hochdeutsche Mundart ist nichts weniger als despotisch, sie beneidet den übrigen ihre archaischen Schönheiten nicht, und dringt sich niemanden auf. Sie hat ihre Herrschaft keinen gewaltsamen Eroberungen, sondern dauerhaftem Ursachen, ihrer innern Güte und Ausbildung zu danken. Wenn eine Kirche eine jede andere lehren und glauben lässet, was sie will, und nur, wenn es nöthig ist, sagt, dieser Mann gehöret nicht zu mir, er hat keinen Theil an mir, so kann sie doch wohl deshalb nicht despotisch und intolerant heissen, man müßte denn von Despotismus und Intoleranz sehr seltsame Begriffe haben. Selbst den Nahmen hat ihr Oberdeutschland in den Anfällen seiner bösen jaune streitig zu machen gesucht. Sie soll nicht Hochdeutsch heissen, weil dieser Nahme nur der Sprache des stidlichen Deutschlandes zukomme; der diesem beygelegte Nahme Oberdeutsch sey ein Unding; es gebe nur zwey Hauptmundarten, die nördliche oder Lieder- deutsche, und dieser stehe die südliche als die wahre Hochdeutsche entgegen; die, welche sich diesen Nahmen anmaße, sey weiter nichts, als eine armselige Provinzial-Mundart, die Meißnische oder höchstens die Obersächsische, u. s. f. Die Verwirrungen und Widersprüche, welche in diesen und an. F 2 dem 84 Einleitung. dem ähnlichen Beschuldigungen herrschen, verrathe!' die Leidenschaft zu sehr, aus welcher sie her- gestossen sind, daher zu ihrer Widerlegung nur ein Paar Worte, i) Wenn das südliche Deutschland, so fern es dem nördlichen oder niedern Deutschlande entgegen gesetzt ist, im ganzen Heiligen Römischen Reiche Obcrdemschland und nicht Hochdeur- schland heißt, so ist kein begrifflicher Grund vorhanden, warum dessen Sprache nicht die Oberdeutsche sollte heißen können und müssen. Dem Niedern stehet das Obere entgegen; daher Obers Österreich und Ober-Österreichisch, Ober- Schwaben und Ober-Schwäbisch, der Ober- Rhein und Ober-Rheinisch, Ober-Sachsen und Ober-Sächsisch und so ferner. 2) Süden stehet freylich dem Norden entgegen; aber gibt es nichts dazwischen? Kein Mittleres? Es ist allemahl ein Fehler, wenn man die Eintheilung bloß nach den beyden äußersten Gliedern macht, und die mittlern überhüpft. Billig sollte man drey Hauptmundarteu annehmen, die südliche, höchste oder Oberdeutsche, die hohe, Mitteldeutsche oder mittelländische, und die nördliche oder Niederdeutsche; alsdann könnte man die Hochdeutsche oder herrschende Schriftsprache durch die verfeinerte mittelländische erklären. Diese verdient so gut einen eigenen Nahmen, als die Attische, indem sie sich von den beyden entgegen gesetzten, eben so sehr unterscheidet, als diese von der Dorischen und Ionischen, ob sie sich gleich, so wie die Attische, mehr der oberländischen als der niederländischen nähert, z) Den Nahmen des Meißnischen oder Odersächstschen Dialectes kann diese Mundart so wenig führen, als sie Fränkisch, Thüringisch, Schlcstsch u. f. f. heissen kann. Zwar wird sie bey der in Obersachsen III. Deutsche Mundarten. 85 fen höher gestiegenen Cultur in den Städten und unter Personen von guter Lebensart und Erziehung häufiger gesprochen, als in andern Provinzen, wel. che diesen Grad der Cultur noch nicht erreicht haben; aber die Volkssprache ist sie bey weitem nicht, und diese macht doch nur allein denProvinzial-Dia- lect aus. Die herrschende Schriftsprache ist an keine Provinz gebunden, sondern die allgemeine Sprache des Geschmackes und der feinern Sitten in ganz Deutschland, in Obersachsen aber ganz natürlich mehr und reiner als anderwärts, indem sich immer mehr von dem Provinzial-Dialecte mit einmischt, je weiter man sich davon entfernet. 4) Der Nahme Hochdeutsch ist in diesem Verstände auch nicht neu; er ist wenigstens in ganz Niederdeutschland von der herrschenden Schrift- und Kanzelsprache üblich, und wird alsdann dem plattdeutschen entgegen gesetzt. Man weiß das Hochdeutsche daselbst sehr richtig von dem Oberdeutschen zu unterscheiden, indem man dieses Oberländisch nennt. Da nun diese herrschende Schriftsprache doch einen Nahmen haben muß, so ist es kindische Streitsucht, ihr einen Nahmen abzanken zu wollen, der schon in dem halben Deutschlande eingeführet ist, und welchen sich die südliche Mundart nicht anmaßen kann, weil das Adjectivum vom Oberdeutschland nicht Hochs deutsch, sondern Oberdeutsch lautet. §. zz. Es ist schon oben bemerket worden, daß Ob und wie die Sprache des gemeinen Volkes, welches in der sie Zu beCultur selten wächset, sich in einem sehr großen Zeit- reichern, räume immer gleich bleibt. Nicht so die Sprache der obern Classen der Nation, welche in ihren äußern Umständen ganz von der Cultur abhängt. Das beweiset unsere Büchersprache seit dem sechsten F Z Jahr- 86 Einleitung. Jahrhunderte sehr einleuchtend. Erst war sie mittelländisch oder Fränkisch, dann Oberdeutsch oder das höchste Deutsch, und jetzt ist sie wieder mittelländisch, aber ein sehr ausgebildetes und verfeinertes Mittelländisch. Daß die alte Oberdeutsche Mundart bisher in dem sudlichen Deutschlande noch immer die gewöhnliche Sprache der Schrift- sieller und des gesellschaftlichen Umganges der obern- wird an der Donau und an der Iser, — man denke! —- hochdeutsch. Das beweisen die Schriften eines Deute, Mastalier, Sonnen- fels, Braun, von Vorn und anderer würdigen Männer, welche auch in Ansehung der Sprache den besten Schriftstellern der Nation an die Seite gesetzt zu werden verdienen. Unsere neuesten Sprachrichter in Schwaben bedenken also nicht, was für einen nachtheiligen Verdacht sie wider sich selbst veranlassen, wenn sie in ihrer Alemannischen Mundart auf dieHochdeutsche Sprache und ihre Tyrannei) schmälen. Man hat in den neuern Zeiten, wo man sich so gern über alles, was den Schein einer Einschränkung hat, hinweg setzen möchte, gefragt, ob es anch - wirklich nützlich ist, daß es eine allgemeine herrschende Mundart gebe, und ob es nicht besser sey, daß jeder in der Mundart schreibe und rede, die ihin angebohren ist. Bequemer wäre es allerdings, aber auch besser? ich zweifle. Die Erfahrung aller Zeiten lehret es, daß in einem jeden iande von einem beträchtlichen Umfange nur allemahl eine Mundart, III. Deutsche Mundarten. 87 Mundart, und zwar allemahl die Mundart der blühendsten und gesittetsten Provinz die herrschende ist. Nur dann können mehrere Mundarten gleiche Rechte haben,wenn ihre Provinzen, sowohl in dem Grade, als auch in dem Alter der Cultur, einander gleich sind. Dieß scheint der Fall in Griechenland zu der Zeit gewesen zu seyn, als die drey Hanpt-Dialecte gleiche Würde und gleiches Ansehen hatten. Allein sobald Athen seine Nebenbuhler in der Cultur merklich übertraf, ward auch dessen Mundart wirklich die herrschende, und die übrigen wurden vergessen. Überdieß ist es für ein großes in mehrere Mundarten getheiltes Reich in tausend Fällen überaus wichtig, wenn es eine allgemeine Mnndart hat, welche in allen Provinzen gleich verstandlich ist. Eben dieß ist auch die Ursache, warum der Rest der alten Oberdeutschen Mundart, welcher sich, aller Ausbildung der Sprache ungeachtet, noch immer in den Gerichtsstuben und so vielen Kanzcllenen erhalten hat, so schwer daraus zu verdrängen ist. Sie ist daselbst allgemein verständlich, alle ihre Ausdrücke und Biegungen sind durch die iänge der Zeit und unzählige Streitigkeiten endlich auf das genaueste bestimmt. Eine Veränderung der Sprache würde tausend Unbequemlichkeiten nach sich ziehen, und der Chicane ein neues sehr fruchtbareöFeld eröffnen. Aber so ist es doch wohl erlaubt, die Hochdeutsche Mundart, da sie nun einmahl die herrschende ist, aus der Provinzial-Sprache zu bereichern? — Nun ganz kann man diese Freyheit nicht läugnen; ober sie muß überaus enge eingeschränket, und allenfalls nur da verstattet werden, wo es auch erlaubt ist, ganz fremde Wörter aufzunehmen, nähmlich wenn fremde Gegenstände und nothwendige Begriffe, F 4 welche 88 Einleitung. welche im Hochdeutschen keinen Nahmsn haben, mit einem Worte ausgedruckt werden müssen. Dieser Fall wird aber seltener kommen, als man glaubt. Die Gemächlichkeit, nicht lange nach einem schicklichen Ausdrucke herum sinnen zu dürfen, das Bedürfniß eines seichten Kopfes, einen dunke- len oder verworrenen Begriff unter dem Mantel eines halb fremden Wortes als einen neuen Gedanken aufzustellen, die vorgegebene Kürze und ein Nebenbegriff oder vorgegebener Nachdruck können nie eine hinlängliche Ursache dazu seyn. Jede Sprache hat eine Menge Wörter für Begriffe, welche eine andere Sprache nicht anders als durch mehrere Wörter ausdrucken kann. Was würde aus allen Sprachen werden, wenn jede daö Recht zu haben glaubte, in diesem Falle um der bloßen Kürze willen, von der andern zu borgen. Der flüchtige ungeduldige Franzose, dessen Sprache durch ihre ursprüngliche Vermischung fast alle ihre Eigenthümlichkeit verlohren har, wiederhohlet tausendmahl sein je tLQir A bout, aller- a cbevsl u. s. f. ehe er um der Kürze willen dem Deutschen sein stehen und reiten auch nur einmahl abborgen wird, und der trägere Deutsche trägt kein Bedenken, ihm sein debutiren, sich piquiren, frappiren, Sujet und taufend ähnliche Ausdrücke nachzusprechen, bloß um ein Paar Sylben zu ersparen. Eben das gilt auch von Provinzial-Wörtern. Der Begriff einer Mundart, die allgemeine Verständlichkeit und der gute Geschmack erfordern gleich sehr, daß hier alle nur mögliche Strenge angewandt werde. Der Begriff einer Mundart, weil sonst das Hochdeutsche keine eigene von andern unterschiedene Mundart seyn würde, wenn sie den Eigenheiten aller übrigen offen stehen könnte; die allgemeine III. Deutsche Mundarten. 89 meine Verständlichkeit, das erste Grundgesetz in allen Sprachen, weil ein Provinzial-Wort nie allgemein verstandlich seyn würde; der gute Geschmack endlich, der in allen seinen Producten ein analogisches und übereinstimmiges Ganzes erfordert, eine Eigenheit der einen Mundart aber mit den Eigenheiten der andern nicht übereinstimmend seyn kann, weil sonst beyde aufhören würden, verschiedene Mundarten zu seyn. Der gute Geschmack hat die Hochdeutsche Mundart aus allen übrigen heraus gehoben, und muß sie daher auch vor derVermi» schung mit denselben bewahren. Ein Provinzial- Wort bleibt im Hochdeutschen allemahl ein Flecken> und wenn es auch Meißnisch seyn sollte, wie es hac geschnien, der Rranke kalmer, rreuge, für trocken, Gellerts sich klagen, sie sehen krank; ein Wink für die Herren, welche das Hochdeutsche so gern für einen bloß Meißnischen Dialect erklaren möchten. Man bedenke doch nur, daß der Verfall der schönen Römischen Litteratur sich gerade Zu der Zeit anfing, da man kein Bedenken mehr trug, niedrige Ausdrücke und Provinzial-Wörter in die Schriftsprache aufzunehmen, anfänglich ohne Zweifel auch in der dem Scheine nach unschuldigen Absicht, diese zu bereichern. Die vorgegebene Armuth der Sprache ist in den meisten Fallen ein Vorwand seichter Köpfe, wenn sie in der Hochdeutschen Mundart nicht den nöthigen Vorrath von Ausdrücken finden, ihre verworrenen und dunklen Begriffe auf eine eben so verworrene und unbestimmte Art an den Tag zu bringen. Man bringe seinen Gedanken zur Deutlichkeit, und lerne erst den Reichthum seiner Sprache keimen, so wird es nicht an Ausdrücken fehlen. Molf kleidete die Philosophie in die Deutsche Tracht, und zwar zu einer Zeit, da die F 5 Sprache 5)0 Einleit. III. Deutsche Mundarten. Sprache an nichts weniger als an den philosophischen Gang gewöhnet war. Und doch klagte er nie über ihre Armuth, sondern fand in ihren. Innern Htilfsmtttel genug, den ganzen Reichthum neuer Begriffe auszudrucken, womit er die Wissenschaften bereicherte, ohne weder von Fremden noch von den Provinzen zu borgen. Aber freylich, er gewöhnte sich, jeden Begriff zur Deutlichkeit zu bringen, und das ist nun freylich nicht die Sache unserer heutigen Mode - Scribenten. Und was haben wir denn seit seiner Zeit für viele und wichtige Erfindungen in den Wissenschaften und Künsten gemacht, daß die Sprache für den Reichthum schon zu enge wäre? Die höhere Schreibart hat zwar das Recht, statt alltäglicher Aufdrücke und Wendungen, von der voll- tönigen und prächtigen Oberdeutschen Sprache zu borgen, aber das ist keine Provinzial-Sprache, sondern die ehemahlige allgemeine Schriftsprache, deren stolzer Gang für die gesellige Sprache des Umgangs zu feyerlich ist, aber für den höhern Ausdruck noch manche ungenützte Schätze hat, sollten sie ihren Werth auch nur dem so lange unterlassenen Gebrauche zu danken haben, der ihnen den Reitz der Neuheit mittheilet. Ich würde hier vor allen Dingen die oben schon gedachte Einladungsfchrift des Herrn ProreetorGes dicke Über Purismus und Sprachbereicherung empfehlen, wenn nicht daselbst dem Befugnisse, aus den Mundarten und fremden Sprachen zu entlehnen, die Gränzen ein wenig weiter wären ausge- stecket worden, als das Beßte der Sprache eö verstattet. IV. Deut, »»^M?SÜ! 9i IV. Deutsche Sprachlehre» Inhalt. Was die Sprachlehre ist, §, 34- Erklärung der Sprachühnlichkeit oder Analogie, zz. Was Ausnahmen von den Regeln sind, Z. z6. Sprachregem umfassen nicht alle Fülle, §. 37. Herrschast ves SMchgebrauchs, Z. zz. Was Sprachfehler sind, §. Zy. Ansehen der Schriftsteller, K. 40. Gesetz gebende Theile in einer Sprache, 41. Wie die Sprachrcgeln beschaffen seyn müssen, §> 42. Pflichten und Befugnisse des Sprachlehrers, Z. 4Z. Würde der Sprachkunst, §. 44. Theile derselben, §. 4;. Weitere Eintheilrmg ihres ersten Theils, Z. 4^. §. Z4- ^Xiese Mundart verdienet daher vorzüglich gram-- Was mansch, d.i. mit Bewußtseyn und Beob- SMchleh- achtiing der Sprachregeln, erlernet zu werden. Rei- ^ ^' geln sind allgemeine Vorschriften des Verfahrens, d. i. der Einrichtung unserer freyen Veränderungen. Sprachrcgeln sind demnach allgemeine Vorschriften, nach welchen die Wörter einer Sprache gebildet, gesprochen, gsbeuget, verbunden und geschrieben werden. Ihr Inbegriff macht die Grammatik oder Sprachlehre aus, welche sich daher bloß mit der Richtigkeit der Ausdrücke beschäftiget, so wie ihre Wahrheit ein Gegenstand der L.ogik ist, und ihr Schmuck in daS Gebieth der Redekunst gehöret. Sprach- 92 Einleitung. Sprechkunst und Logik sind indessen näher verwandt, als man gemeiniglich glaubt. Jene beschäftigt sich mit dem richtigen Ausdrucke der Gedanken, und da diese uns richtig denken lehret, so sollte sie billig schon vor Erlernung der Sprachkunst voraus gehen. Beyde klären sich wechselsweise auf, und ein geschickter Lehrer wird einen großen Theil der jogik gelegentlich bey der Sprachkunst vortragen können. Sprachkunde, Sprachkennrniß, Sprach- kunst, Sprachlehre und Sprachwissenschaft sind nicht gleich bedeutend. Die.beyden ersten Ausdrücke werden subjective, der dritte und vierte objective, der lehte aber auf beyderley ?lrt gebraucht. Sprachkunde und Sprachkennrniß bezeichnen den Inbegriff klarer und deutlicher Vorstellungen, welche jemand von einer Sprache hat; Sprach? kunst und Sprachlehre bezeichnen den Inbegriff der Sprachregeln, und zwar erste, so fern durch dieselbe eine Fertigkeit gewirket wird; Sprachwiss senschafr aber ist sowohl subjective die Fertigkeit, die Sprachregeln aus unwiderstehlichen Gründen darzuthun, als auch objective, der Inbegriff aller unumstößlich erwiesenen Sprachregeln. Ob es besser ist, eine Sprache, und besonders seine Muttersprache, grammatisch, d. i. mit Bewußtseyn der Sprachregeln, oder aus bloßer Übung zu erlernen, ist sehr leicht zu entscheiden, so bald man nur über den Vorzug der klaren und deutlichen Erkenntniß vor der dunkelen und verworrenen einig ist. Die lehtere ist von einer bloß aus der Übung erlangten Fertigkeit unzertrennlich, die erstere aber kann allein aus der Sprachlehre erhalten werden. Diese ist in der Muttersprache desto nothwendiger, IV. Deutsche Sprachlehre. 9Z je unverzeihlicher es ist, sich von Gegenständen außer uns klarer und deutlicher Begriffe zu befleissl- gen, und sich in Ansehung des Ganges und Ausdruckes seiner eigenen Gedanken mit dunkeln und verworrenen zu befriedigen. Hätten sich die Deutschen bisher mit mehrerm Eiser einer grammatischen Kenntniß ihrer Sprache beflissen, so wurde die im vorigen angeführte Klage Öttsrieds aus dem neunten Jahrhundert, cavem slmrum et äe. Azrmitgtem non verecuucjgnt iusruin; iwj?ent in siiiz vel litterula parva grtem tisusArecli ^ et x?.ene ^>ropria linAua viiium geneigt per ilNAula verbs, nicht noch in der letzten Hälfte des achtzehnten gelten. §. ?5» Jedes Volkes wahre Geschichte verlieret Analogie sich endlich in den rohen und ungesitteten Zustand, oder Selbst Mosis Geschichte fangt nicht undeutlich da- Sprachähn« selbst an, denn von Adams beyden Söhnen war der !^M^ älteste ein wilder Jäger und der jüngste ein Nomade; ein deutlicher Fingerzeig von dem gewöhnlichen Übergänge aus dem wilden Zustande in den gesittetem, wenn Volksmenge ihn nothwendig macht. Man kann es daher als einen höchst wahrscheinlichen Satz annehmen, und der Bau jeder Sprache beweiset es unwidersprechlich, daß sie von rohen ungebildeten noch ganz sinnlichen Völkern eingeführet und ausgebildet worden. Am deutlichsten erhellet dieses aus dem Baue solcher Sprachen, welche sich, so viel man weiß, noch in der ersten ursprünglichen Gestalt erhalten haben, wie die Deutsche, und nicht durch mehrmahlige Vermischungen um ihre ganze Eigenthümlichkeit gekommen sind, wie alle westlichen Europäischen Sprachen. Weil Sprache und Vernunft sich, wie ich im folgenden zweyten Kapitel zu erweisen suchen werde, zu 94 Einleitung. zu einer und eben derselben Zeit entwickelt, und sich gegenseitig ausgebildet haben, so kann ein solches noch ganz sinnliches Volk, wenn es Sprache erfindet und ausbildet, nicht nach dem Bewußtseyn klar erkannter Gründe verfahren, sondern es muß dabey ganz von dunkelen Vorstellungen ähnlicher Fälle abhängen, weil es seine klare und deutliche Erkenntniß erst mit und durch die Sprache erhält. Es hatte z.B. geglaubt, es müsse die dunkele Empfindung, welche es von dem Verhältnisse der Ursache gegen die Wirkung hatte, durch den Sauselaut s ausdrucken, und ihn an die Ursache anhängen, so folgte es diesem Verfahren, so oft diese dunkele Empfindung wieder kam. Mehrere Dinge einer Art zu bezeichnen, hing es ihrem Nahmen in der Einheit bald ein r, (er,) bald ein n, (en,) bald ein e an, je nachdem der 4aut, welchen ihr Beysammenseyn verursachte, dem 4aute dieses oder jenen Buchstabs näher kam, und in der Folge, so wie es glaubte, daß sie ihrem iaute nahe kommen würden, wenn sie sich wirklich bewegten. Daraus entstand nun das, was wir 'Analogie oder Sprachähnlichkcir nennen, d. i. ein ttbereinstimmigeö Verfahren in ähnlichen Fällen. Ausnah- §' ?6. Allem diese Empfindung der Ähnlichkeit mcn von in mehrern Fällen war nur dunkel und desto dunk- dcn Re- ^ ^ ^ f^ner und verwickelter sowohl die Unterschie- de als die Ähnlichkeiten waren. Hätten sie einen klaren Begriff von dem Causal-Verhältnisse haben können, so würden sie es nicht in einigen Fällen durch s, in andern durch en, und in so vielen andern gar nicht ausgedruckt haben. Hätten sie sich den Begriff der Menge, der doch sonst eben nicht so verwickelt ist, klar gedacht, so würden sie ihn nicht einmahl durch er, ein anderes Mahl durch n und en, wieder IV. Deutsche Sprachlehre. 95 wieder ein anderes Mahl durch e, und in andern Fallen gar nicht ausgedruckt haben. Allein so folgten sie bloß der dunkeln Empfindung des iaureö, und druckten die Mehrheit bald auf diese, bald auf jene Art aus, je nachdem sie glaubten, daß ihr Laut in der Bewegung dieser oder jenen Sylbe am nächsten komme, oder doch am nächsten kommen könne. Daher scheint uns jetzt bey deutlichern Begriffen in den Sprachen so vieles willkührlich, was es doch nicht ist, und wir vermissen jetzt da Ähnlichkeit, wo sie ursprünglich wirklich war. Da die dunkele Empfindung der Ähnlichkeit bey weiterer Cultur der Sprache immer mehr erlöschen mußte, je mehr sie sich von ihrer ersten Stütze entfernte, so ward auch die Beobachtung derselben in manchen Fällen ungewiß, besonders da, wo man den Gebrauch nicht immer im frischen Andenken hatte. Ein Wort ward z. B. nur selten gebraucht, vielleicht noch seltener im Plural; es kommen Fälle vor, wo es doch nothwendig war; die dunkele Empfindung des eigenthümlichen iautes war erloschen, oder es war ungewiß, welches der wahre seyn konnte. Man wählte also unter den dunkel empfundenen Ähnlichkeiten die klarste, oder folgte in einem streitigeil Falle einer ganz andern Art von eben fo dunkel empfundenen Ähnlichkeit. Aber es gibt auch Fälle, wo zwey verschiedene Arten von Ähnlichkeit in einem einigen Falle zusammen kommen, von welchen doch nur eine befolget werden kann. Man hätte Z. B. nach dunkler Empfindung die Regel gemacht, daß unbestimmte Nahmen, welche Wesen vielerley Art unter sich begriffen, Z.B. das Wort Ding, in der Mehrheit ein e bekommen sollten, weil bleß der Laut der un- bestimm- 96 Einleitung. bestimmtesten Bewegung ist, und bey einem so weitläufigen Classennahmen, der alles unter sich begriff, keiner Art vor der andern der Vorzug gebühren konnte, und so hieß das Wort Ding im Plural ganz richtig Dinge. Allein man brauchte eben dasselbe Wort auch oft im eingeschränktem Verstände von gewissen bestimmten körperlichen Dingen, und zwar von solchen, deren Plural man gewöhnlich durch er bezeichnete, weil ihr Laut in der Mehrheit dieser Sylbe am nächsten kam, und sagte daher in dieser Bedeutung wieder eben so richtig, aber nach einer andern Analogie, Dinger. In manchen Fällen opferte man die eine Analogie ganz auf, und folgte der andern, weil man sie nach der sinnlichen Vorstellungöart der Spracherfinder am klärsten empfand. Ans diesen und andern ähnlichen Fällen mehr entstanden nun in allen Sprachen so viele Abweichungen von der Ähnlichkeit, oder Ausnahmen von den Regeln, welche die Erlernung der Spra- . ^ chen erschweren, aber nunmehr als nothwendige Übel geduldet werden müssen, weil in allen Sprachen alles auf nur dunkel empfundenen Ähnlichkeiten beruhet, und sich daher statt einer weggeschafften Ausnahme deren zwey neue einstellen würden. Zvrach- §. ??. Hierzu kommt noch, daß der Mensch, in regeln um- seinein ungebildeten Zustande, als ein getreuer Sohn der Natur, in allen seinen Handlungen nur Mc z.ille. u,^n,n,rkt von einer Art der Ähnlichkeit zur andern übergehet. In den Sprachen wird dieses vorzüglich merklich, weil sie nicht willkührlich oder nach deutlichen Erkenntnißgründen, sondern nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten, gebildet sind. Daher ist der Übergang von einer Art der Ähnlichkeit IV. Deutsche Sprachlehre. 97 keit zur andern so unmerklich, daß es Fälle gibt, wo auch der aufmerksamste Beobachter unschlüssig bleiben muß, zu welcher von beyden sie gerechnet werden müssen. Beyspiele davon kommen in der Folge auf allen Seiten vor, obgleich die gewöhnlichen Sprachlehrer dergleichen Falle gern zu unterdrücken pflegen, weil sie irrig glauben, daß ihre Regeln schlechterdings alle Falle unter sich begreiffen müßten. Die Vocale gehen durch das h so unvermerkt in Consonanten über, daß auch manche dasselbe zu den Vocalen, andere zu den Consonanten rechnen. Der Arrikel der verliert sich so unvermerkt in das Pronomen, dieses in das Adjectiv, dieses auf der einen Seite in das Adverbium, und auf der andern in das Substantiv, das Adverbium in die Partikel u. s. f. daß man die Gränzlinien, wo sich zwey Redetheile scheiden, nie mit völliger Gewißheit bestimmen kann. Eben das gilt von allen Regeln, und wenn Sprachlehrer hier in streitigen Fallen eigenmächtig entscheiden oder selbige willkührlich zu einer der entgegen geseßten Ähnlichkeiten ziehen wollen, so verrathen sie ihre Unkunde in dem eigenthümlichen Gange der Sprache. Aber eben dieses erschweret auch die Sprachkenntniß, und vermehret die Ausnahmen von den Regeln, welche sich nur auf die am meisten hervor stechenden Fälle erstrecken können, daher der Sprachlehrer die Übergänge zwischen zwey entgegen gesetzte Ähnlichkeiten entweder als Ausnahmen anführen, oder völlig übergehen muß. §. z8. Ausnahmen von den Regeln sind dem- Herrschaft nach in allen Sprachen nothwendig, indem sie je-dcsSprach- derzeit auf das tiefste m ihr Wesen eingewebet sind. Strauchs. Aber wer sagt uns, was wahre Ausnahmen von den Regeln oder Fehler einzeler Personen sind? Zum ASeI.S.Spr, ' G GK'ick 98 Einleitung. Glück ist dieser Entscheidungögrund in den Sprachen nichts weniger als zweydeutig; e6 ist der herrschende allgemeine Gebrauch, welcher der höchste Gesetzgeber in allen Sprachen ist, und auch in allen Jahrhunderten und in allen Zonen dafür erkannt worden. — Viuz (>iem ^ene5 arbitrium eA et jus et norma 1c>. c^uencli, //o^. Zwar hat es zu allen Zeiten mißvergnügte Glieder der Gesellschaft gegeben, welche zwar an den Vortheilen derselben Theil nehmen, aber sich ihren Gesetzen und Einschränkungen nicht unterwerfen wollen, und sogar die Herrschast des Sprachgebrauches sür die unerträglichste Tyrannei) ausgegeben haben. Allein es ist nicht schwer zu zeigen, wie sehr sie ihre eigenen Vortheile verkennen. Die Sprache ist das wirksamste Mittel, andern seine Empfindungen, Bedürfnisse und Gedanken mitzutheilen; ihr höchster Endzweck ist daher allgemeine Verständlichkeit unter den einzelen Gliedern einer beträchtlichen Anzahl Menschen. Sie ist das engste und genaueste Band der Geschlechter und Nationen, das sicherste Mittel, Völker zu verknüpfen und zu trennen, ja eigentlich das, was Völker zu Völkern macht. Das dringende allgemeine Be» dürfniß schuf Sprache, bildete sie aus, und muß sie auch erhalten. Hat ein Volk einmahl Sprache geschaffen und ausgebildet, und sich dadurch zu einem eigenen Volke erhoben, so ist es nicht nur eines jeden, der ein Glied desselben seyn will, Pflicht, sich diesem stillschweigend errichteten Gesetze zu unter» werfen, sondert sein eigener Vortheil erfordert es auch, denn er spricht doch wohl in keiner andern Absicht, als um verstanden werden. Aber, IV. Deutsche Sprachlehre. 99 Abev, sagt man, der blinde Gebrauch des unwissenden Volkes hat tausend Unrichtigkeiten und Ungleichheiten in die Sprache eingeführet, und eS ist die Pflicht weiserer Glieder die Gesellschaft diese Unrichtigkeiten wegzuschaffen, eine Sprache auf ihre wahre Analogien zurück zu führen, und wenn das nicht auf einmahl möglich ist, dem blinden Gebrauche doch nach und nach eine Furche abzupflügen. — So viel Worte, fo viel unrecht verstandene und irrige Sähe; aber um nicht zu weitläufig zu werden, muß ich es bey ein Paar Anmerkungen bewenden lassen. i. Der blinde Gebrauch. Jede Sprache ist nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten erfunden, er« weitert und ausgebildet worden; wenn man daF unter dem blinden Gebrauche verstehet, so möchte ich den sehenden kennen lernen, oder mit andern Worten, man nenne mir eine Sprache, welche je nach deutlich erkannten Gründen erfunden oder aus-- gebildet worden. In diesem Verstände ist jeder Gebrauch in der Sprache blind, obgleich das, was nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten in einer Sprache eingeführet worden, nachmahls von manchen nach deutlicher Erkenntniß kann beybehalten werden. Verstehet man aber unter dem blinden Gebrauche Abweichungen von bekannten Analogien, wovon wir jetzt den Grund nicht einsehen, so folgt daraus noch nicht, daß bey der ersten Einführung kein Grund dazu vorhanden war. Ein rohes ungebildetes Volk, und dieses ist allemahl Spracherfinder, thut nichts ohne Grund; und wenn derselbe gleich nur dunkel empfunden wird, so ist es doch ein Grund, und rein schlechterer, als ein jeder anderer in der Sprache, weil, wie ich im folgenden Gs zeigen Einleitung. zeigen werde, alles in der Sprache auf Befolgung dunkel empfundener Ähnlichkeiten beruhet. 2. Aber die taufend Unrichtigkeiten und Ungleichheiten verdienen doch wohl weggeschaffet zu werden? Wenn man das alles Unrichtigkeiten nennt. was nach jetzt verlohren gegangenen Ähnlichkeiten in den Sprachen gebildet worden , so ist die Zahl tausend noch viel zu klein. Man nehme nur die beyden Falle, die Declination der Hauptwörter und ihr Geschlecht. Zu Einrichtung beyder hatten die Spracherfinder gewiß ihren guten Grund, ob wir gleich jetzt in den wenigsten Fällen mehr etwas davon wittern können, weil die dunkle Empfindung der Ähnlichkeit, welcher sie dabey folgten , verlohren gegangen ist. Beydes macht die Erlernung nicht nur der Deutschen, sondern fast aller Sprachen so schwer, und wenn man Erscheinungen, wovon wir jetzt keinen Grund mehr einsehen, nach deutlich erkannten Ähnlichkeiten andern dürfte, so müßte man hier anfangen. Doch nicht bloß hier, sondern gleich bey der Bildung der Wörter, weil, dem Scheine nach, Zufall und Willkühr nirgends geschäftiger gewesen sind, als hier, wie aus dem folgenden zweyten Kapitel erhellen wird. Aber was würde der Erfolg davon seyn? Da des ÄndernS und Besserns kein Ende, seyn würde, so müßte in kurzem eine ganze neue Sprache heraus kommen, worin das Volk, besten Sprache es seyn soll, sich und den ganzen Gang seiner Vorstellungen völlig verkennen würde. Dieser Unbequemlichkeit, welche die Absicht und den Nutzen jeder Sprache aufheben würde, zuvor zu kommen, hat jedes Volk durch stillschweigende Einwilligung das Gesetz gemacht, daß sein einstimmiger und allgemeiner Gebrauch die höchste Vorschrift in seiner Sprache seyn soll, oder vielmehr, dieses IV. Deutsche Sprachlehre. IQ! dieses Gesetz folgt aus dem Begriffe eines Volkes und einer Sprache auf die natürlichste und ungezwungenste Art von selbst. Es hat auch zu allen Zeiten so kräftig über die Beobachtung dieses Gesetzes gewachet, daß selbst Monarchen nicht machtig genug gewesen, auch nur die geringsten Änderungen in einer Sprache einzuführen, eine Erfahrung, welche nebst so vielen andern mißlungenen Unternehmungen dieser Art einen jeden auf immer von allen Neuerungen abschrecken sollte. Daraus folget aber nicht, daß eine Sprache, wenn sie einmahl erfunden und noth- diirftig ausgebildet worden, nunmehr unveränderlich sey. Sie wird verbessert durch den Wachsthum einer Nation in Kenntniß, Geschmack und Sitten, nicht aber durch die Bemühungen einzeler Glieder, deren Einsichten und Einfälle immer nicht das Verhältniß zum Ganzen haben, daß sie die verlangte Wirkung hervor bringen könnten. z. Seinem Nachbar eine Furche abpflügen, ist in allen gesitteten Gesellschaften strafbar, und das Vergehen wird noch größer, wenn der Acker nicht bloß dem Nachbar, sondern der ganzen Gemeinde gehöret. Man spricht sich also durch dieses Gleichniß das Urtheil schon selbst, und gestehet die Unrechtmäßigkeit aller Sprachneuerungen deutlich genug ein. Doch ohne mich länger bey dem Gleichnisse aufzuhalten, so ist es doch am Ende ein sehr unbedeutender Gewinn, wenn man auch ein Paar Abweichungen von deutlich erkannten Analogien wegschaffen könnte, da noch immer so viele tausend andere übrig bleiben, und immer übrig bleiben müssen, so lange es noch Sprache gibt. Aber Verlust und Unschicklichkeit wird es, wenn mit der weggeschafften Abweichung ein wahrer Vortheil wegfällt, oder diö Verbesserung in den ganzen Gang der Sprache nicht G z paßt. Z02 Einleitung. paßt. Das Wort lebendig ist auf Zwiefache Art wider alle Analogie, theils, weil es den Ton auf der Ableitungssylbe end hat, theils, weil es ein von einem Participio abgeleitetes Wort ist. Wollten wir es um deswillen wegschaffen, womit wollten wir dessen Begriff ersetzen? Denn lebendig bedeutet doch immer noch etwas anders als lebend. Wenn Deutschland nicht sehr schnell an Geschmack und Wohlstand abnimmt, so ist dessen Sprache, und zunächst die Hochdeutsche Mundart, noch vielerGra- dc der Verfeinerung, selbst in der Aussprache, fähig. Zu einer Zeit, da wir solche Veränderungen sehr wahrscheinlich voraus sehen können, die Orthographie mit Consonautcn überfüllen wollen, um alle Schattirungen in der Aussprache auszudrucken, oder den innern Bau der Sprache aufzuschließen, und daher schtehen, schprechchen, schleichen, dreüzüg, VierzüI u. s. f. schreiben zu wollen, heißt den Gang der Cultur mit allen seinen Vortheilen und Nachtheilen verkennen, die Sprache im Äußern wieder um ein Paar Jahrhunderte zurück setzen, und alles das Rauhe wieder in dieselbe einführen, dessen sie sich in dem Fortschritte ihrer Cultur entladen hat. Aber auf der andern Seite alles im Schreiben weglassen wollen, was man in der Aussprache nicht unmittelbar zu hören glaubt, heißt, vieler andern Nachtheile vorjetzt nicht zu gedenken, der fortschreitenden Cultur um ein Paar Jahrhunderte vorgreiffen, ihr den Weg vorschreiben, welchen sie gehen soll, da inan doch nicht weiß, welchen Weg sie gehen wird und gehen kann, indem derselbe von tausend zufälligen Umständen abhängt. 4. Wenn eine Nation, oder wenigstens der edlere und höhere Theil derselben, es im Geschmacke bis zur feinsten Empfindung des Regelmäßigen, Wohl- IV. Deutsche Sprachlehre. !OZ Wohlklingenden und Wohlanständigen in allen Theilen der Erkenntniß bringt, so wird er auch manche Ungleichheiten und Abweichungen in der Sprache nach und nach von selbst ablegen, wo es ohne andere Nachtheile geschehen kann. Gerade so und aufkeine andere Art haben sich die Sprachen Athens, Roms und Frankreichs verfeinert, und auf eben dieselbe Art hat sich die Deutsche von dem sechs, ten Jahrhunderte an gebildet. Aus eben dieser Ursache sucht die Hochdeutsche Mundart sich nach und nach immer mehr der irregulären Zeitwörter zu entledigen, und sie nach dein Muster der regulären zu» bilden, ohne daß Sprachlehrer oder einzele Mitglieder mit Vorbewußt dabey mitgewirkt hätten oder noch mitwirkten. Alles also, was einzele Glieder der Nation zur Verbesserung und Verfeinerung der Sprache beytragen können, bestehet darin, daß sie nach dem Maße ihrer Kräfte die Verbreitung der Kenntniß und des wahren und richtigen Geschmackes zu befördern suchen; alles übrige hat von je her nicht allein seine Absicht verfehlet, sondern auch Verwirrung und Zerrüttung des Ganzen hervor gebracht. Will man ja einen Schritt weiter gehen, so kann man die Nation auf die Ungleichheiten aufmerksam machen, damit sie selbige, wenn der wahre Zeitpunct des Geschmackes kommt, desto eher und leichter empfinde. Allein es müssen wahre Ungleichheiten seyn, und zwar solche, mit welchen kein anderweitiger Vortheil eingebüßet wird; die vorgeschlagenen Änderungen müssen keine willkührlichen oder selbst erdachten Vortheile, keine Convenienzen der Etymologie seyn, sie sey wahr oder eingebildet, weil diese bey Verfeinerung der Sprache am wenigsten in Betrachtung kommt, sondern allemahl am ersten aufgeopfert wird. Man vertauscht Doppellaute mit G 4 einsam Einleitung. einfachen Vocalen, tiefere Vocale mit höhern, harte Consonanten mit weichern, wirft Confonanten weg, welche man zum Wesen des Wortes für unnöthig hält, oder trennet zwey Consonanten durch einen Vocal. So haben sich alle Sprachen in der Welt verfeinert, und so wird es die Deutsche vermuthlich auch machen, wenn ihre Zeit gekommen ist, oder vielmehr, sie wird nur auf dem Wege fortfahren, welchen sie seit mehrern Jahrhunderten betreten hat. Freylich wehe dem Sprachforscher, der nach ein Paar Jahrhunderten solcher Verfeinerung die Wurzel eines Wortes aufsuchen will! Aber wer kann dem unaufhörlichen Stufengange menschlicher Dinge Gränzen vorschreiben, und wo ist der Tropfen Wassers, der den Strom des Flusses hemmen könnte? Was §. Z9« Wenn man nun den Sprachgebrauch ein- Spmchfch- mahl für dasjenige erkennet, was er wirklich ist, für ler sind, ersten und höchsten Gefetzgeber in einer jeden Sprache, so können auch die Gränzen seines Gebietes nicht mehr streitig seyn. Er erstreckt sich über alles, was zur Sprache gehöret, über die Bildung, Bedeutung, Biegung und Verbindung der Wörter, über die Art sie auszusprechen, und sie zu schreiben, weil eine jede Abweichung in einem dieser Stücke die Harmonie des Ganzen stören und die allgemeine Verständlichkeit, die erste und einige Absicht der Sprache, hindern würde. Was den Sprachgebrauch beleidigt, wird ein Sprachfehler, auch wenn eS die beste Analogie vor sich hätte, wird aber ein desto größerer Fehler, wBn er zugleich wider eine allgemein erkannte oder angenommene Analogie anstößt.' Um Neuerungen in der Orthographie einzuführen, hat man mehrmahls den SchreibeIebranch von IV. Deutsche Sprachlehre. lc?5 von dem Sprachgebrauche zu trennen gesucht, und behauptet, daß zwar der letztere unverletzlich sey, daß sich das aber nicht von dem erstem sagen lasse. Man hat es behauptet, aber nie bewiesen. Der Schreibegebrauch ist nur eine abgesonderte Provinz des Sprachgebrauches, die mit ihm einerley höchstes Grundgesetz erkennen muß, weil die Schrift eben dieselbe Absicht hat, als die Sprache, nähmlich die allgemeine Verständlichkeit. Könnte man den Schreibegebrauch dem Sprachgebrauche entgegen setzen, so hätte man eben so viel Recht, ihm auch den Bildungsgebrauch, den Gebrauch der Aussprache, der Zusammensetzung, den Verbindungsgebrauch u.s.f. zu entziehen; uud was würde denn für den Sprachgebrauch übrig bleiben? Nichts als der leere Nahme; die Sprache und alles, was zu ihr gehöret, würde den Grillen und der Willkühr eines jeden Preis gegeben werden, und aus einem durch Sprache verbundenen Volke würde ein neues Babel werden, wo mit der allgemeinen Verständlichkeit auch die Übereinstimmung der Sitten und die Einheit des Willens verloren gehen würden. Wie weit man verleitet werden kann, wenn man sich nur in einem Stücke dem Gehorsam gegen den Sprachgebrauch entziehet, siehet man an den neuern Reformatoren der Orthographie nur gar zu deutlich. Erst ehren sie noch den Sprachgebrauch, und wollen nur den Schreibegebrauch auf allgemeinere und bestimmtere Regeln zurück führen; allein, weil hier die allgemeine Aussprache den willkühr- lichen Gesetzen oft entgegen stehet, so fängt man unvermerkt an, auch diese umzuschaffen, und da man einmahl im Verbessern ist, so kommt die Reihe gar bald auch an die Bildung der Wörter, an ihre Verbindung u.s.f. und fo pflügt man so lange eineFur- G 5 che Einleitung. che nach der andern ab, bis der ganze Acker abge- pflüget ist. Doch ich kann mich hier bey dem Schreibegebrauchs nicht länger aufhalten, zumahl da ich bey der jehre von der Orthographie weitläufiger davon reden werde. Ansehe« §. 40. Daß sich jeder einzele Mensch bald auf der Schrift- diese, bald auf jene Art von dem Sprachgebrauche entfernet, ist kein Einwurf wider dessen Allgemeinheit; es beweiset weiter nichts, als was man ohnehin schon weiß, daß die Vollkommenheit kein io6 endlicher Dinge ist. Jeder einzele Mensch hat seine eigenen Züge, Meinungen und Gesinnungen, und doch können sie eine wohl verbundene Gesellschaft ausmachen, so fern sie nur in gewissen allgemeinen Meinungen und Gesinnungen überein stimmen, und eben diese dadurch unter sich verbundene Gesellschaften können auf eben dieselbe Art immer wieder höhere Ganze ausmachen, und doch ihre individuellen Eigenheiten selbst in Rücksicht jeder untergeordneten Gesellschaft behalten. Eben, das gilt auch von den Sprachen. Jeder Menfch hat allerdings auch darin etwas Eigenes, und dennoch können alle an einem und eben demselben Orte wohnende Menschen, mit Weglassung der Eigenheiten eines jeden, eine allgemein verständliche Sprache haben. Aber auch dieser Ort kann und muß sein Eigenes haben, und dennoch können tausend Orte mit allen ihren Eigenheiten in einer ihnen allen verständlichen Provinzial-Sprache oder Mundart überein kommen, und hundert solcher Mundarten können, mitWeglassung ihrer Eigenheiten, wieder in einer allgemeinen Landessprache überein kommen. Diese allgemeine Landessprache ist für Deutschland die Hochdeutsche Mundart, welche, mit Übergebung aller Eigenheiten der Provinzen, bloß das All- gemein- O !V. Deutsche Sprachlehre. 1S7 gemeinste enthält, und daher in Süden und Norden gleich verständlich ist. Von ihr gilt, was von allen höhern Classen überhaupt gilt; diese enthalten immer weniger individuelle Merkmahle, je höher sie steigen;, die Hochdeutsche Mundart ist in Ansehung der provinziellen Bedürfnisse am ärmsten, ob sie gleich auf der andern Seite an Ausdrücken für allgemeine Begriffe die reichste ist. Sie mit den Eigenheiten der Provinzen bereichern wollen, würde nichts anders heissen, als ihre allgemeine Verständlichkeit vernichten und sie von einer höhern Classe zu einer niedern Gattung herab setzen. Wenn man also von dem allgemeinen Gebrauche in Sprachen redet, so verstehet man das, was wirklich allgemein ist, das ist, was von dem größten Theile, mit Weglassung aller individuellen, localen und provinziellen Eigenheiten, gilt. In einer durch Wissenschaften und Geschmack ausgebildeten allgemeinen Schriftsprache, dergleichen die Hochdeutsche ist, bestehet dieser allgemeine Gebrauch in der Übereinstimmung der besten und weisesten Schriftsteller. Das können nun freylich keine andern seyn, als welche mit hinlänglicher Kenntniß der Sachen, eine gelehrte Kenntniß ihrer Sprache und zugleich Geschmack genug besitzen, sich in allen Fällen auf die treffendste, richtigste und edelste Art auszudrucken. Allein es müssen alle drey Erfordernisse beysammen seyn, Kenntniß der Sachen, weil man deutliche Begriffe haben muß, wenn der Ausdruck in jedem Falle dem Gedanken auf das genaueste angemessen seyn soll, gelehrte Kenntniß der Sprache, ohne welche man nie vor Sprachfehlern sicher ist, und Geschmack, eine der vorzüglichsten Eigenschaften, welche, wenn sie im hohen Grade vorhanden ist, oft den Mangel der Sprqchkenntniß ersetzet; Geschmack, nicht nur edel,, Einleitung edel, schön und wohlanständig zu denken, sondern auch das Gedachte auf die edelste, beste und wohlanständigste Art auszudrucken. Wer diese drey Eigenschaften in beträchtlichem Maße besitzet, kann auf den Vorzug eines classischen Schriftstellers in seiner Sprache Anspruch machen. Zum Glücke haben wir solche Schriftsteller, und die Nation kennet sie zu gut, als daß sie genannt werden dürften. Zwar hat jeder dieser Schriftsteller seine Eigenheiten und seine Fehler, aber er muß sie haben, weil er ein einzeleS Individuum ist, und der höchste Grad der Vollkommenheit einem jeden endlichen Geschöpfe unerreichbar bleibt; allein diefe Eigenheiten, diese Fehler sind durch Ver- gleichung mehrerer solcher Schriftsteller leicht zu entdecken, und man wird sich nie irren, wenn man das, worin sie alle, oder nur viele von ihnen überein stimmen, für den allgemeinen und besten Hochdeutschen Sprachgebrauch hält. Ich will bey dieser Gelegenheit noch eines Satzes gedenken, welcher sehr oft mißverstanden wird. Man sagt gemeiniglich, die Sprache erhalte ihre Bildung und Festigkeit nur allein von guten Schrift- siellern, und besonders von guten Dichtern. Eigentlich bilden sie nun die Sprache wohl nicht, sie sammeln nur das allgemein Gute und Schöne, was schon in der Sprache ausgebildet da liegt, heben e6 heraus, und stellen es der Nation in einem schön verbundenen Ganzen dar. Wagen sie neue Ausdrücke, neue Verbindungen, neue Figuren, so geschiehet es allemahl nach den Regeln der strengsten Analogie, die ihnen ihr Geschmack gar bald entdeckt. Sind dergleichen Schriftsteller die ersten ihrer Nation, so tragen sie allerdings zur Bildung ihrer Nation und Sprache viel bey, weil ihr Beyspiel IV. Deutsche Sprachlehre. ZO9 auch andere lehret, nur daö Gute und Schöne, was schon in der Sprache wirklich da ist, anzuwenden und nachzuahmen. §. 41. Indessen umfasset der Sprachgebrauch Gcsehge, nicht alle mögliche Fälle, welche in einer Sprache bendeThei- vorkommen, können, und ist daher auch in dieser le m der Rücksicht kein Tyrann. Solche Fälle lmn müssen Sprache, nach andern Gründen bestimmet werden, welche doch jenem untergeordnet sind. Es stehen demnach die gesehgebenden Theile in der Sprache folgender Gestalt unter einander. 1. Der Sprachgebrauch, als die höchste und unumschränkteste Macht; was dieser einmahl entschiede» hat, ist unwiderruflich entschieden, er müßte eö denn selbst für gut befinden, in seinen einmahl getroffenen Verfügungen eine Änderung zu treffen. Ganz Deutschland nennet den einen Bedienten, der einen andern bedienet, so sehr es auch wider die Natnr dieser Participien ist; der allergrößte Theil von Deutschland schreibt und spricht dreyßig, vierzig, sechzig, obgleich die letzte Sylbe von zug herkommt; ganz Deutschland braucht das Frauenzimmer von einzelen Personen, so sehr es auch wider alle Analogie ist; ganz Deutschland sagt das TVeib, so sehr es auch eine weibliche Person bedeutet; ganz Deutschland schreibt und spricht Knoblauch, obgleich die erste Hälfte von Rieben, spalten, fürI.Io- belauch, ist, Aalraupe, obgleich die letzte Hälfte von rauben ist. Das Zahlwort zwey nach den drey. Geschlechtern zu biegen, zween, zwo, Zwey, ist wider den Hochdeutschen Sprachgebrauch, ob es gleich von einigen nach dem Muster einiger Oberdeutschen Provinzen geschiehet. Diese und unzähli- ge anders Falle sind Ausnahmen von den Regeln, nicht Einleitung. nicht aber Sprachfehler, die man verbessern köiu^e lind dürfte. Da aber der Sprachgebrauch sich nicht auf alle Falle erstrecket, sondern oft getheilt, schwankend und ungewiß ist, so tritt alsdann 2. Die Analogie oder Sprachähnlichkeit in ihre Rechte, und entscheidet alles das, was jener unentschieden laßt. Die eine Halste von Deutschland schreibt und spricht ohngefär, die andere uns gefär; hier ist der Sprachgebrauch getheilt, und alsdann entscheidet die Analogie für das .letztere. Die Verwandte, die Bekannte sind nach dem Ausspruche der Analogie richtiger als Verwand- tinn und Bekannrinn, so häufig sie auch vorkommen mögen. So bald aber die Sprachähnlichkeit auf Kosten des Sprachgebrauches erhoben wird, so ist auch keine Ungereimtheit mehr, für die man nicht sollte eine Analogie finden können. Es dürfte z. B. nur jemanden einfallen, alle regulären Zeitwörter nach einer der irregulären Formen zu beugen, oder dem andern, alle irregulären regulär zu gebrauchen; beyde würden sich mit der Analogie schuhen können. Wenn aber in einem streitigen Falle weder der Sprachgebrauch, noch die Sprachähnlichkeit, bestimmt genug sind, alsdann, und nicht eher gebühret z. Der Etymologie oder Abstammung eine Stelle, welche daher am meisten in der Orthographie zu entscheiden findet, doch freylich nur in solchen Fällen., wo die beyden ersten EntscheidungS- gründe schweigen. Man findet Rärzel, Räzel und Räthsel, iLrnre, Ernde und Ärnde, Eltern und Ältern u. s f. Hier lehret die Abstammung, daß die lehtern Schreibarten die richtigsten sind, weil Räthsel vermittelst der Ableitungssylbe sel von ras rhen, Arnde vermittelst der Sylbe de von arnen IV. Deutsche Sprachlehre. ZU gebildet worden, Ältern aber eigentlich der Com- parativ von alt ist. Die Abstammung ist allemahl dasjenige, was jedes Volk, wenn es seine Sprache mit Geschmack ausbildet, zuerst aufopfert und aufopfern muß, weil das Ungeschlachte, das Rohe, das Überfüllte, das Sinnliche, welches jeder unausge- bildeten Sprache anklebt, feinern Sitten und Begriffen unmöglich angemessen seyn kann. Es kann sie auch ohne Schaden aufopfern, weil eine jede Sprache, so bald sie ihre erste Stütze, den Naturton, verloren hat, und diese muß sie bey nur ein wenig Cultur gar bald verlieren, eine Sammlung gewisser Maßen willkührlicher Zeichen wird, welche durch immerwährende Übertragung der Begriffe und unaufhörliche Cultur oft kaum noch ein schwaches und sehr unbestimmtes Merkmahl ihres ersten Ursprunges behalten, daher man in den meisten Fällen zufrieden seyn muß, wenn nur die nächste Abstammung bezeichnet wird. Das ist nun freylich dem Etymologen, der weiter nichts ist, als Etymologe, ein Ärgerniß; allein es ist der Natur derDin- ge gemäß. Wenn sich eine Nation bildet, so empfindet die Sprache allemahl die erste Wirkung davon, weil sie ein getreues Gemählde der Begriffe und Vorstellungen ist. 4. Allein es gibt auch Fälle, wo alle diese drey Entfcheidungsgründe schweigen, und alsdann nntß in einer ausgebildeten Schriftsprache, dergleichen die Hochdeutsche ist, allerdings der Wohllaut in Betrachtung gezogen werden. Dieser lehret uns z. B. daß das an sich schon schwere r unmittelbar nach einem Doppellaute einen Mißklang verursacht, daher setzet er demselben ein e vor, denselben zu heben. Leuer, Dauer, dauern, mauern, euern, für Feur, Daur, dauren, mauren, euren. Die drey vorigen ii2 Einleitung. vorigen Entscheidungsgründe haben nichts dawider, selbst die Etymologie nicht, weil die Versetzung des Vocals bey dem r auch in andern Fällen nicht ungewöhnlich ist, Dorn und Vrunn, bernen und drenncn, und eS überdieß noch streitig ist, ob das r, wenigstens in manchen dieser Wörter, nicht die Ableitungssylbe er ist, welches wenigstens von Bauer erweislich ist. Ausm, aufm, und dergleichen lassen der Sprachgebrauch, die Analogie und die Etymologie unentschieden, aber der Wohllaut verwirft sie. Indessen bleiben doch noch manche Fälle übrig, welche sich nach keinem dieser Gründe bestimmen lassen. Z. B. unter den Wörtern auf — niß, in welche sich das weibliche und sächliche Geschlechttheilen, befinden sich manche, welche selbst im Hochdeutschen gleich oft in beyden Geschlechtern gebraucht werden, z. B. Vesorgmß, Ärgernis), Vegegniß; und in solchen Fällen bleibtses denn derWillkühr eines jeden überlassen, wofür er sich erklären will. Wie §.42. Aus dem, was bisher gesagt worden, Spmchre- läßt sich nunmehr folgendes schließen, l. Da al- gelil be- was in der Sprache angetroffen wird, bloß sn)u^müs- ""^ dunkel empfundenen Ähnlichkeiten eingerichtet sen. worden, so müssen die Sprachregeln durch Aufsuchung und Bemerkung der übereinsiimmigen Art des Verfahrens in jeder Sprache selbst aufgesuchet werden. Sie sind wahre Erfahrungssähe, die aus den Erfahrungen, d.i.- cinzelen Fällen, in der Sprache gesammelt und abgezogen werden müssen. Fast alle Sprachlehren der neuern Sprachen, lind also nicht allein die Deutschen, sind mit ihren meisten Regeln nach den lateinischen Sprachlehren geformst; daher sind sie auch insgesammt so mangelhast und IV. Deutsche Sprachlehre. uz - - Und unvollständig, daß sie zur gründlichen Erlernung einer Sprache nicht hinreichen. Das Eigene jeder Sprache muß in ihr selbst aufgesucht wer- den; die bemerkte Analogie gibt die Regeln, und die Abweichungen des Sprachgebrauchs machen die Ausnahmen von den Regeln aus. 2. Da die Sprachregeln bloße Erfahrungssätze sind, so sind sie auch nur wahrscheinlich, und können nicht anders als durch Beyspiele erwiesen werden. Philosophische Beweise sind hier theils unmöglich, theils nicht hinlänglich, weil in einer Sprache nichts vorhan» den ist, wovon nicht auch das Gegentheil Statt finden könnte, und in andern Sprachen wirklich Statt findet, z. Da die Sprache mit der Erkenntniß und Cultur eines Volkes steigt und fällt, so müßen auch die Sprachregeln dem jedesmahligen Zustande einer Sprache und ihrem Gebrauche auf das genaueste angemessen seyn. Sie müssen die Sprache nicht um halbe oder ganze Jahrhunderte Zurück setzen, noch weniger aber ihr um eimge Jahrhunderte vorgreiffen wollen, weil kein Sterblicher wissen kann, was für einen Gang die Cultur, und folglich auch die Sprache, in der Zukunft nehmen wird» 4. Sprachregeln, welche die allgemeine Sprache eines ganzen Volkes umfassen und darstellen sollen, müssen aus dessen allgemeinen Schriftsprache, folglich im Deutschen aus der Hochdeutschen Mundart, gesammelt werden. Mundarten können hier keine Regeln geben, ob sie gleich zur Erläuterung und Begreifflichkeit mancher Regeln gebraucht werden können. §. 4Z. Hieraus fließen aber auch zugleich die Pflichten Pflichten und Befugnisse eines Sprachlehrers. Er »nd Besiig. ist nicht Gesetzgeber der Nation, sondern nur der Sammler und Herausgeber der von ihr gemachten ^'^^ At.el,/V.Spr. H Gese- ii4 / Einleitung. Gesetze, ihr Sprecher und der Dollmetscher ihrer Gesinnungen. Er entscheidet nie, sondern sammelt nur die entscheidenden Stimmen der meisten. Nie laßt er sich durch Vorurtheil oder Eigenliebe verleiten, die Gesetze der Nation zu verfälschen, oder ihr seine Meinungen unterzuschieben. Er stellet die Sprache so dar, wie sie wirklich ist, nicht wie sie seyn könnte, oder seiner Einbildung nach seyn sollte. Er ehret den Sprachgebrauch in allen seinen Theilen, verwechselt ihn aber nicht mit Sprachfehlern, so gemein sie auch seyn mögen, besonders, wenn zu vermuthen ist, daß die Nation bloß aus Unkunde, Mangel der Aufmerksamkeit oder Übereilung ihr eigenes Gesetz übertritt. Dergleichen Vergehen, die der Sprachlehrer verbessern kann und muß, sind z. B. die Niedersachsische Form du kommst, er kömmt, für kommst und kommt, gülden für golden, Leim für Lehm, dem ohnerachtet für dessen ungeachtet, ohngesiir für ungefär, die so gemeine Verwechselung der Ableitungssylben icht, ig nnd lich, denen, derer, für den Artikel den, der, rvorinnen, darinnen für worin, dar- in, die Lügen im Singular für die Lüge, die Saiten, für die Saite, ereignen für eräugnen, die Verwechselung des hinab und herab, hinauf und herauf, hinaus und heraus, hinein und herein, Reurer für Reiter von reiten, und hundert andere mehr. Gehet er weiter, so überschreitet er die Gränzen seines Befugnisses und der Sprecher wirft sich zum Despoten auf. Würdedn' §. 44. Die Sprachkunst ist von Alters her zu Sprach- freyen Zxünsten gerechnet worden, d. i. zu denjenigen Künsten, welche von freyen Personen geübet werden konnten, um sie von den mechanischen zu unter- IV. Deutsche Sprachlehre. 115 unterscheiden, zu welchen nur Sclaven und Leibeigene gebraucht werden dursten. Bey den Römern, bey welchen diese Eintheilung der Künste vorzüglich üblich war, war diese Stelle der Sprachkunst rühmlich, indem man auch alle damahls bekannte schöne Künste und Wissenschaften mit unter die freyen- Künste zahlte. Allein in den neuern Zeiten, da man die schönen Künste von den freyen trennete, und zu diesen weiter nichts, als die Schreibekunst, Sprachkunst und höchstens die gemeineRechenkunst, rechnete, ward ihr diese EintheilungSart äußerst nachtheilig. Man sahe sie als ein bloßes Werk deö Gedächtnisses an, bey welchem Verstand und Nachdenken nichts zu thun Härten; sie blieb den niedern Schulen überlassen, und die Männer, welche sie vortrugen und lehrten, waren sehr selten an so vieles Nachdenken gewöhnt, daß sie auch nur die Oberfläche der Sprache hatten durchdringen können. Daher befinden sich fast alle Sprachlehren, nicht bloß der Deutschen, sondern aller Sprachen, die Hebräische etwa allein ausgenommen, in den traurigsten Umständen. Anstatt sich deutlicher Begriffe von derjenigen Sache zu befleissigen, welche man vortragen will, welches denn doch wohl die erste und vornehmste Pflicht eines Sprachlehrers seyn sollte, herrscht überall nichts als Verworrenheit. Der Artikel ist überall ein Wort, welches bloß das Geschlecht anzeiget, ^ennrvörter sind solche Wörter, vor die man einen Artikel sehen kann, Suojtanriva, Nennwörter, vor welchen nur ein oder höchstens zwey Artikel Statt finden, Adjectiva, vor die man alle drey Arrikel setzen kann, Pronomina, Wörter, die anstatt der Nennwörter gesetzt werden u. s. f. Wie sich aus solchen Definitionen der Gebrauch der Redetheile bestimmen lasse, läßt sich leicht vorstel- H 2 lsn; !l6 Einleitung. ten; daher herrscht denn auch im Syntax überall Verwirrung und Mangel. Die Sprachlehre ist des vernünftigen und wissenschaftlichen Vortrages eben so sehr fähig als eine jede andere lehre, und es ist die Pflicht eines jeden Sprachlehrers, allen Begriffen in der Sprache den höchsten nur möglichen Grad der Deutlichkeit und Bestimmtheit zu geben, und die Gründe aller Erscheinungen so tief aufzusuchen, als die Natur der Sache es verstattet. Will man das philosophisch nennen, immerhin; allein alsdann muß man auch gestehen, daß gründlich, vernünftig und philosophisch einerley ist, dem nur das seichte, unvernünftige und verworrene entgegen stehen kann. Wird einmahl jede Sprache, nicht die Deutsche allein, in den Schulen auf eine vernünftigere Art gelchret werden, als bisher geschiehet, so wird auch die Sprache davon den auSgebreitetsten Nutzen empfinden, und es wird in der Folge nicht ein jeder, der auch ein Sprachkenner zu seyn glaubt,, nur immer einreisten und der Nation das Werk seiner Einbildungskraft unterschieben wollen. Ich empfehle hier einem jeden, dem es um eine gründliche und gelehrte Kenntniß sowohl der altern als neuern Sprachen, zu thun ist, des Herrn Johann XVerner Meiner, Rectors zu iangen- salza, philosophische Sprachlehre, welche gegenwärtig in dem Breitkopsischen Verlage gedruckt wird, und sich auf die Hebräische, Griechische, lateinische, Deutsche und Französische Sprache erstre« cket; ein überaus gelehrtes und nützliches Werk, dem ich manche Ausklärung zu verdanken habe, wel« che ich ohne dasselbe nicht mit so leichten Kosten würde erhalten haben» - §. 45. !V. Deutsche Sprachlehre. 117 §. 45. Die Sprache ist vernehmlicher Ausdruck Cknrhel- der Vorstellungen und Begriffe durch Worte. Die- l»"g der se werden entweder gesprochen oder geschrieben, und Sprach- darauS ergeben sich zwey Haupttheile der Sprach- ' lehre, wovon der erste die Fertigkeit richtig zu reden, und verändere die Fertigkeit richtig zu schreiben betrifft. Der letzte Theil ist bereits unter dem Nahmen der Orthographie oder Rechtschreibung bekannt; der erste hat noch keinen eigenen Nahmen, indessen könnte man ihn, wenn er einen haben mußte, die Orchologie oder Rechtsprechung nennen; nur müßte man den letztem Deutschen Nahmen nicht von der bloßen Aussprache derBuchstaben und Sylben verstehen, in welchem Verstände er von einigen neuern Sprachlehrern gebraucht worden. In fast allen Sprachlehren wird die Orthographie gleich zu Anfange unmittelbar nach der lehre von der Aussprache vorgetragen; allein»auf eine sehr unschickliche und widersinnige Art. Die Fertigkeit richtig zu schreiben seht die ganze Fertigkeit richtig zu reden voraus, und kann der Natur der Sache nach nicht eher, als nach dieser, vorgetragen werden. Gemeiniglich rechnet man auch die projodie mit zur Sprachkunst, vermuthlich nur bloß, weil sie in den lateinischen Sprachlehren mit dahin gezogen worden, ohne zu bedenken, daß die Gründe, welche man hier dazu hatte, in der Deutschen Sprache wegfallen. Man wird dafür die in allen Sprachlehren so sehr verkannte lehre vom Tone an ihrem gehörigen Orte finden. §. 46. Der erste Theil, welcher der wichtigste Abtheilung und weitläufigste ist, zerfällt wieder in vier Ab-des erste» schnitte. T^ils. H z 1. Von »8 Einl. IV. Deutsche Sprachlehre. ,« i. Von dem Ursprünge und der Bildung der Wörter oder der Etymologie, welche in allen Sprachlehren nur dem Nahmen nach vorhanden ist, indem alles, was daselbst von der Bildung der Wörter gesagt wird, auf einige mangelhafte und verworrene Begriffe von den Ableitungssylben und von der Zusammensetzung gegründet ist. s. Von den Wörtern als Redetheilen, und von ihrer Biegung oder Flexion; eine iehre, welche man bisher mit unter der Etymologie begriffen, zum Beweise, daß man von beyden nur sehr dunkele Begriffe hatte. z. Von der Zusammensetzung einzeler Begriffe und Wörter, oder der Compojttion; ein Abschnitt, welcher den vorigen, der von einzelen Wörtern handelt, mit dem Syntax verbindet, und daher seine Stelle hier finden muß, zu, mahl da man doch die einzelen Wörter schon kennen muß, wenn man sie zusammen setzen will. Und endlich, 4. Von der Verbindung mehrerer Wörter zu einem Satze, von dem Syntax oder dem desarze, welcher Abschnitt nicht gründlich und vollständig vorgetragen werden kann, wenn dabey nicht mit auf die iehre von den Sätzen und Perioden gesehen wird. 45- S-5 - S «L Ä7" > Erster Der Deutschen Sprachlehre Erster Theil. Von der Fertigkeit richtig zu reden. Der Deutschen Sprachlehre Erster Theil. Von der Fertigkeit richtig zu reden. Erster Abschnitt. Bildung der Wörter oder die Etymologie. §' i' ^a dieser erste Abschnitt der Etymologie Einleitung, gewidmet ist, so bemerke ich hier nur vorläufig, daß ich das Wort hier in ei« nem weit eingeschränkter» Verstände nehme, als von andern Sprachlehrern geschiehet, die nicht wußten, was sie aus dem Dinge machen sollten, und daher die ganze Betrachtung der einze- len Redetheile und ihre Flexion mit dahin rechneten. Da ich in dem folgenden zweyten Kapitel einen Versuch gemacht, die Etymologie, d. i. die iehre von dem Ursprünge und der Bildung der Wörter, in ihre so lange verkannten Rechte wieder einzusetzen, so wird man mir hoffentlich erlauben, die Lehre von den einze- len Redetheilen und ihrer Biegung von ihr zu trennen, und derselben einen eigenen Abschnitt zu widmen. H 5 Wir i22 i.TH. r.Abschn. Bildung der Wörter. Wir handeln hier demnach: i. vorläufig von den Buchstaben, als den einzelen Bestandtheilen der Wörter, und ihrem Laute; 2. von dem Ursprünge der Sprache und der Bildung der Wörter selbst; und z. von dem in dieser Lehre gegründeten Tone. Erstes Kapitel. Von den Buchstaben und ihrem Laute. Inha! i. Bestimmung u. Einrhcilung der Buchstaben, 1,2 -11. Was Buchstaben sind, §.2. VerMchniß derselben, h, Z. Eintheilung in Huifs - und Hauptlaute, §, 4. ' Erklärung der Hülfslaure, Der Doppellaute, §, 6. Erklärung der Hauptlaute, §. ?. Cintheilnng derselben, 5. 8. Gelinde, geschärfte und harte Hanptlaute, Z. y. Doppelte Hauptlaute, z. 10. Mängel deö Deutschen Alphabetes, S. il. Nähere Erwägung der einzelen Buchstaben und ihres Lautes, a. Der Hülfs-und Doppellaute, Z. l2 - 2?. Grundgesetz der Deutschen Aussprache, §. 12. Aussprache der Hülfslaute a, i, 0 und u, §. iz. Neu dem 6, L und ii, §^ rch. b. Doppelter Laut des e, §. 15. Von dem «a, ce und 00, Z, 16. Erklärung des ie, Von dem y, §. 19. Aussprache der Doppellaute, Z,2o. Der Hauptlaute, §.21-49. Allgemeines Gesetz ihrer Aussprache, Z. 21. Aussprache des b, z. 22.23. Von dem e, §. 24. Von dem ch, §. 25. 26. Aussprache des d, Z. 27.2z.. Von dem dr, H. 29. Laut des f, Z. 30. Aussprache des g, Z. ZI. Von dem ng, tz. Z2. Dreyfaches Aim des h, Z. zz. Von dem j, 8- 34- Laut des k, Z. 3Z- Von dem l, m und n, §. 36. Aussprache des p, §. 37. Von dem q, Z.Z8. Von dem r, Z.3Y- Verschiedenheit des Saufelautes, 40^ ' Von ,.Kap. Von den Buchstaben. §.2.3.4. 12z Von dem s, Z. 41. Laut des sch, Z. 45. Aussprache des s, Z. 42. Des r, z. 46. Von dem st, 4Z. Wvl, dem v, §. 47. Und gedoppelten s oder ss, Aussprache des rv, 48. §.44. Aon dem z, §.4?. l. Bestimmung und Eintheilung der Buchstabe!?. §. 2. /Am Wort, d. i. ein hörbarer Ausdruck einer Vor- Crklürlms stellung, bestehet aus gewissen einfachen Lau- ten, in welchen sich nichts Zusammengesetztes mehr unterscheiden läßt, und diese Laute werden Buchstaben genannt. Da aber dieses Wort am häu- figsten^von dem sichtbaren Zeichen eines solchen Lautes gebraucht wird, so bedienet man sich, wenn man beyde unterscheiden muß, der Ausdrücke Laut und Lauter, wovon jener den bloßen hörbaren Laut, dieser aber dessen sichtbares Zeichen, bedeutet. §. z. Ohne uns hier in die Untersuchung ein- Ve»zeich- zulassen, wie viel es solcher einfachen Laute über- ^ ^ Haupt, in allen bekannten Sprachen zusammen ge- ^ ^ ' nommen gibt, welches in das Gebieth der philosophischen Sprachlehre gehöret, bemerken wir nur, daß die Deutsche Sprache 27 solcher einfachen Laute aufzuweisen hat, nähmlich: a, ä, b, ch, d, e, f, I, h, i, j, k, l, in, n, 0, ö, p, r, s, ß, sch, t, u, ü, w, x. Diese pflegen wir durch folgende Schriftzeichen auszudrucken: a, ä, d, c, ch, d, e, f, I, h, i, j, k, l, m, n, 0, ö, p, q, r, s, s, ß, sch, r, u, ü, v, w, y, §. 4. Wenn man auf die Entstehung dieser IKre Einläute vermittelst der Werkzeuge des Mundes nur theilung. ein wenig Acht hat, so bemerkt man so gleich einen sehr wichtigen Unterschied unter ihnen. Einige werden durch die bloße Öffnung des Mundes, am dere 124 I.TH. r.Abschn. Bildung der Wörter. dere aber durch den Druck irgend eines Theiles desselben , gebildet. Jene nennt man seit alten Zeiten Vocale, und im Deutschen Selbstlaute, diese aber Confonanten oder Mitlaute; Nahmen, welche sich bloß auf die Bemerkung gründeten, daß jeder Vocal für sich allein tönen konnte, die meisten Con- sonanten aber eine gewiffe Öffnung des Mundes, und folglich einen Vocal, erforderten, wenn sie hörbar werden sollten. So richtig diese Bemerkung an und für sich war, und so leicht sie zu einem deutlichen Begriffe von diesen zwey so verschiedenen Classen der Buchstaben hätte führen können, so benutzte man sie doch nicht dazu. Man blieb bey der dunkeln Vorstellung stehen, und erklärte daher fast in allen Sprachlehren den Vocal durch einen Buchstaben, welcher ohne Hülfe eines andern Buchstabens ausgesprochen werden könne, und den Confonanten durch einen Buchstaben, der nur vermittelst eines Vocals gehöret werden könne. Das f sch, f, r, l, in, u, lauten für sich ohne Beyhülfe eines Vocals, folglich sind sie nach dieser Erklärung auch Vocale. Ein Irrthum erzeugt immer gern den andern; da man das Wesen der Vocale und Confonanten einmahl übersehen, und es in etwas bloß Zufälliges gefetzt hatte, so hielt man dieses Zufällige, nähmlich das Selbsttönende, auch gar bald sür das Wesentliche- eines vernehmlichen jauteS, und so wurden die Vocale wider ihr Erwarten in allen abendländischen Sprachlehren für die ausdrückendsten und wesent. lichsten Theile der Wörter, die Confonanten aber für bloße müßige oder höchstens Zur Parade und Abwechselung bestimmte Begleiter derselben gehalten. Die älteste«? morgenländischen Völker hatten, ungeachtet ihrer geringern Cultur, dennoch deutlichere Begriffe von dem, was das Wesen eines vernehmlichen i.Kap. Von den Buchstaben. §.5. 125 lichsn lautes ausmacht, indem sie nur allein die Consonanten fiir wahre Buchstaben erkannten, und die Vocale lange Zeit gar nicht durch die Schrift ausdruckten. Wie sehr die ganz verkehrte Vorstel- lungöart aller unserer abendländischen Sprachlehrer die Erforschung des Ursprunges der Sprache verwirren und erschweren müssen, wird aus dem folgenden Kapitel erhellen, wo die Consonanten als der we. sentlichste und auödrückendste Theil der Wörter erscheinen werden. Um nun diesen alten und nachtheiligen Irrthum so sehr als möglich in Vergessenheit zu bringen, werde ich mit dem Hrn. Rector deiner die Consonanten jederzeit Hauptlame, die Vocale aber Hülfslaure nennen. Ich würde für den ersten Nahmen lieber Grundlam gewählet haben, wenn dieser Ausdruck nicht in der Folge zu einer andern Bestimmung nothwendig wäre. Der Nutzen dieser veränderten Benennung wird aus dem folgenden Kapitel erhellen. §. 5. Die Vocale oder Hülfslame sind ver- ErMmns nehmliche laute, welche durch die bloße Öffnung deö der V»cale. Mundes hervor gebracht werden. Es gibt also eigentlich so viele Vocale, als verschiedene Öffnungen des Mundes von der größten an bis zur kleinsten Statt finden, und man entdeckt, wenn man mehrere Sprachen, oder nur mehrere Mundarten einer und eben derselben Sprache, zusammen nimmt, deren wirklich eine sehr große Menge, deren Bemerkung oft ein sehr feines Gehör erfordert. Allein man druckt sie nicht alle durch sichtbare Zeichen aus, sondern schränkt sich bloß auf die merklichsten und am deutlichsten von einander unterschiedenen Laute ein, und wenn eine Sprache in der Cultur zunimmt, so entledigt sie sich von selbst aller schwankenden und unbestimmten Mitteltöne, und gewöhnet den Mund n6 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. Mrind an die bestimmtem, für welche sie sichtbare Zeichen hat. Herr Kambert hat in seinem Organen TH.2. S.47 bloß in der Deutschen und Französischen Sprache siebzehn noch merklich verschiedene Hülfslaute entdeckt, welche aus den Mundarten noch ansehnlich vermehret werden konnten. Die Hochdeutsche Mundart kennet deren nicht mehr als acht, welche von der größten Öffnung des Mundes an bis zur kleinsten so auf einander folgen: a, ä, e, i, c>, ö, u und ü. Sie bilden eine Art natürlicher Tonleiter, und müßten in dieser Rücksicht von dem tiefsten Tone an in folgender Ordnung stehen: u, 0, a, ö, ä, e, ü, i. Herr Rector Nmner, dessen philosophische Sprachlehre ich im folgenden mehrmahls anführen werde, macht S. z6 f. die gründlichen Bemerkungen, daß kein Vocal für sich allein oder zu Anfange einer Sylbe ohne einen Stoß der iunge ausgesprochen werden könne, daß dieser Stoß gedoppelt sey, entweder gelinde oder starker, daß die Hebräer und Araber den erstem durch n und den letztem aber durch n und n ausgedruckt, daß die Griechen zur Bezeichnung des erstem den Spiritus lenis, für den letztem aber den Spiritus asper gewahlet, daß aber die Römer diesen feinen Unterschied vernachlässiget, den gelinden Stoß gar nicht bezeichnet, und den scharfern in der Gestalt des b mit unter die Conso- nanten aufgenommen, worin ihnen denn alle abendlandische Völker gefolget, aber dadurch ihre Vocale in der Aussprache sehr ungleich gemacht, indem sie zu Anfange einer Sylbe nothwendig anders lauten müssen, als nach einem Confonans; das a in ab anders als in ba. Es wird niemanden gereuen, diefeS bey ihm selbst weiter ausgeführet zu lesen. i.Kap. Von den Buchstaben. §.6.7. 127 §. 6. Wenn zwey Hülfslaute mit einer und Was ein eben derselben Öffnung des Mundes ausgesprochen Doppellaut werden, oder vielmehr, wenn der Mund von einer ist. Öffnung des Mundes unvermerkt und ohne Absatz zur andern übergeht, so entstehet ein Diphthonge oder Doppellaut. Wir haben von solchen Doppellauten im Hochdeutschen nur folgende: ai oder ay, au, äu, ei oder ey, eu, oi oder oy, und, obgleich mir selten, ui: Raiser, Bayern, besser Baiern, Haus, Häuser, bleiben, Ey, Tände- ley, heute, Groirzsch, Boy, besser Boj, pfui. Von diesen kommen ay, ey und oy nur am Ende der Sylben, oi aber nur in eigenen Nahmen vor, wo zuweilen noch die veralteten ou und ow gefunden werden, Gundgou, besser Sundgau, Di'i- lzon?. Triphthongen oder Dreylaure hat die Hochdeutsche Mundart nicht, denn daß ay, ey und oy dergleichen nicht sind, wird aus der folgenden Erklärung des y erhellen. Wenn man den oben gegebenen deutlichen Begriff eines Doppellautes nicht aus den Augen setzt, so wird man nicht in Gefahr gerathen, aa, ee, ie , und noch weniger ä, ö und ü für Doppellaute zu halten. Doch davon hernach. §. 7. Die Consonanren oder Hauprlaure Cinthei- werdcn durch den Druck irgend eines Theiles des lung der Mundes hervor gebracht. Allein es sind dabey ver- Hauptlati« schiedene Fälle möglich, wobey es theils aufdie da- ^' bey geschäftigen Theile des Mundes selbst, theils auf die geringere oder größere Stärke des Druckes ankommt. Im erstem Falle wirket dabey vorzüglich ein Theil des Mundes allein mit Ausschließung aller übrigen, oder es haben auch einige der andern ihren Theil an der Entstehung des lautes. Alle diese Umstände nun sind die Ursachen der Verschiß denheit »8 i.Th.i.Absch. Bildung der Wörter. denheit und Mannigfaltigkeit der Hauptlaute, und enthalten zugleich den Grund ihrer Einteilung. Sehen wir bloß auf die Theile des Mundes, denen sie ihr Entstehen vornehmlich zu danken haben, so Haben wir: 1. Einen Lungenlaut, pulmonglem, der mit einem gelinden Stoße der Lunge hervor gebracht wird, das h. Es vertritt, wie schon gesagt worden, die Stelle des Hebräischen n und des Griechischen Spiritus asperi. 2. Drey Gurgellaute, Autturales, wenn bey dem Stoße zugleich die Gurgel verenget, und der Stoß dadurch verstärkt wird, ch, g, L (q und in einigen Fällen auch c). z. Einen Gaumenlaut, pal-iuuuin, wenn die Luft durch den verengten Gaumen gedruckt wird, das j. 4. Fünf L-ippenlame, labiles, welche vornehmlich durch den stärkern oder schwächern Druck der Lippen entstehen, rv, b, f,(v,)p,m. 5. Fünf Zungenlaute, linAuglez, bey deren Hervorbringung die Zunge am geschäftigsten ist, d, r, (rh,) l, n, r; wovon man den vorletzten auch den Nasenlaut nennet, weil er gemeiniglich, obgleich bey einigen stärker, bey andern schwächer, durch die Nase tönet. Und endlich, Vier Zahnlaute, aentsles, an deren Entstehung die Zähne den vornehmsten Antheil haben, f, ß, z, sch> Indessen muß man nicht vergessen, daß diese Emtheilung und Benennung nur nach denjenigen Theilen des Mundes geschiehet, welche bey der Her- vorbringnnK der Laute jeder Classe den merklichsten Antheil i. Kap. Von den Buchstaben. §. 8. 129 Antheil haben; indem bey den meisten Buchstaben mehrere Theile wirksam sind. Sich dabey in eine tveitläufrige Beschreibung der Entstehungöart jedes . Lautes, und wohl gar in eine anatomische Zergliederung der Sprachwerkzeuge einlassen, hieße ein wenig weit aushohlen, und würde tn einer Sprachlehre nicht den geringsten begrifflichen Nutzen haben. §. 8. Sehen wir aber auf die jedem eigenthüm- Fortsetzung, liche Art des Lautes, und ziehen dabey zugleich die verschiedene Art der Öffnung des Mundes mit in Betrachtung, welche zu ihrerHervorbringung nöthig ist, so haben wir: z. Halb-Vocale, oder halbe Hülfslaure, welche ohne merkliche Öffnung des Mundes hervor gebracht werden können. Diese sind wieder: a. Flüssige, liquide, wegen ihrer leichten Aussprache, Der Lalllam, l. Der Mampflaut, von mampfen, wit geschlossenem Munde kauen, wobey oft ein m deutlich gehöret wird, das m. Der L7te,mlam, nach der vorigen Einthei- lung der Nasenlaut, n. ' b. Ein Zirrerlam, das r, der schwerste unter allen Hauptlauten, daher er auch ganzen Völkerschaften mangelt, ob er gleich einer der aus- druckendsten ist. e. Gauselame oder Säuseler, nach verschiedenen Graden der Starke, s (s), ß,Von andern werden sie nebst dem folgenden Fischer oder Zischlaute genannt, obgleich sehr mit Unrecht, indem nur das sch allein zischt, d. Der Zischlaut oder Zischer, sch. Adel.D.Spr. I »StUM- izO i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter 2. Stumme, mutae, welche schon eine merklichere Öffnung des Mundes erfordern, und daher nicht ohne Dazwischenkunft eines HülfslauteS ausgesprochen werden können. a. Bebclame, b und p. b. Vlaftlaure, rv, f (v). c. Hauchlaute, h und ch. d. Gacklaurc, j, I, k (q). e. Tödrende oder Srorcerlaute, d, t (th); welche von andern sehr irrig Halbzisichcr genannt werden, indem ihr Laut im Hochdeutschen nichts zischendes an sich hat. Wenn sie aber in der Sprache leicht in die Sauselaute übergehen, so geschiehet solches nicht wegen ihres ähnlichen Klanges, sondern wegen der Verwandtschaft und Nachbarschaft der Sprachwcrkzeuge, welche zu ihrer Entstehung erfordert werden. Sollen die Nahmen dem eigenthümlichen Laute angemessen seyn, so muß man sich solcher irrigen Benen- gcn enthalten. Weiche, ze- §. 9. Diese Eintheilung und Benennung der schürfte und Hauptlaute nach ihren eigenthümlichen Tönen ist harte ^l',^ müßige oder unfruchtbare Grille. Wir wer- Hauptlau- ^ ^ folgenden sehen, daß die erste Grundlage der Sprache Nachahmung der tonenden Natur ist, und daß der Mensch durch die Töne außer ihm veranlasset ward, ihre Nachahmung durch ahnliche iaute des Mundes zu versuchen, und sich dadurch ein Merkmahl von dem empfundenen Gegenstande einzuprä. gen. Dieß ist an unsern Buchstaben noch jetzt merklich; b und p ahmen das Beben, rv und fdaS Blasen, s, ß und z das Säuseln, sch das Zifchen u. s. f. die meisten nach den verschiedenen Graden, der Stärke des Naturlautes nach. Diejenigen, welche F.Kap. Von den Buchstaben. §.io.il. izi che den schwächsten laut ihrer Classe ausdrucken, wie s b, rv, h, i und d, werden die gelinden, die, welche ihn stärker nachahmen, wie ß und g, die geschärften, und die, welche den stärksten und härtesten Grad bezeichnen, wie z, p, f, ch, k und r oder rh, die harten genannt. §. 10. Wenn zwey dieserHauptlaute durch einen Doppelte und eben denselben Druck ohne merkliche Öffnung -Haupt-- des Mundes dazwischen hervor gebracht werden, oder vielmehr, wenn der Mund von einer Art des Druckes unvermerkt zur andern übergehet, so' entstehet ein doppelter oder zusammen gesetzter Hauptlaut, der entweder aus einerley Hauptlauten bestehen kann, wie ss, ff, pp, mm, ll, u. s. f. oder aus Hauptlauten verschiedener Art, sp, st, ps, ks, (r„> y, u. s. f. Wenn also in einem iaute nicht zwey in einander übergehende Drucke des Mundes empfunden werden, so kann derselbe auch für keinen doppelten Buchstaben gehalten werden, wofür k und 5 irrig von einigen gehalten worden. §. il. Wenn die Schrift erst nach bereits aus- Mängel der gebildeter Sprache bey einem Volke eingeführet wer- Deursche» den follte, und solches durch erfahrne und einsichts- ^ucy^a- volle Männer geschähe, so würde es ohne Zweifel als das erste und vornehmste Gesetz angesehen werden, daß jeder einfache 5aut sein eigenes einfaches Zeichen, aber auch nicht mehr als eines haben müßte. Allein von allen bekannten Sprachen hat keine dieses Gesetz beobachtet, und aus bekannten Ursachen vielleicht nicht beobachten können. Besonders ward bey den Deutschen die Schrift eingeführet, da die Nation noch sehr roh, und ihre Sprache folglich auch noch sehr ungeschlacht und ungebildet war, und da die Cultur unter ihnen bey den Kranken in Gal- Ä 2 lim !Z2 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. lien und an den Italienischen Gränzen ihren Anfang nahm, so war es ganz natürlich, daß man da« zu das Lateinische Alphabet entlehnte, welches denn freylich nicht auf alle Laute der Deutschen Sprache passen konnte, ob man gleich den wichtigsten Mängeln nach und nach abzuhelfen suchte. Die vornehmsten Unbequemlichkeiten, welche sich daher noch jetzt in unsern Schriftzeichen befinden, sind folgende. 1. Es werden einfache Laute mit zusammen gesetzten Buchstaben ausgedruckt, entweder, weil die Römer diese Laute nicht hatten, oder sie, wenn sie selbige hatten, aus einer ähnlichen Nachlässigkeit auf eine eben so mangelhaste Art ausdruckten: ch, sct), wenigstens in manchen Fällen, und th, sind zusammen gesetzte Zeichen einfacher Laute. Die einfachen Hülfslaute ä, ö und ü, werden noch jetzt gemeiniglich mit verdoppelten Zeichen Ae, (!)eund Ue geschrieben. In der größern Schrift kann man das scharfe s oder ß nicht anders als durch SS ausdrucken. 2. Dagegen hat ein wirklich zusammen gesetzter Laut zuweilen ein einfaches Zeichen, r für ks. z. Oft hat man für einen und eben denselben einfachen Laut zwey und mehr Zeichen: k, q und c vor a, o und u; z und c vor e, i; f, v und für fremde Wörter pH; r und rh; s und s für den gelinden, s und ß für den geschärften, ß und ss für den verdoppelten Sauselaut; ä und das tiefere e. 4. Anstatt dieses dem Scheine nach unnützen Reichthumes, muß in andern Fällen ein und eben dasselbe Zeichen verschiedene Laute vertreten. So lautet e bald tief, wie ä, bald höher, wie das Lateinische e; das i ist, besonders in der größern Schrift, bald der Hülsslaut, bald der Hauptlaut Jod; das c lauter, ».Kap. Von den Buchstaben. §.11.12. izz lautet, bald wie z, bald wie k; das s wird vor p und t auch wie ein sich ausgesprochen; das y druckt ^ . bald ein langes i, bald das Griechische v aus. 5. Oft unterscheidet mau einen gedehnten Hülfs- laut von einem geschärften, oft aber auch nicht. Im erstem Falle herrscht wieder viel unnützer Überfluß; aa, ah; äh; ee,eh; ih, ie, y; 00,0h; öh; uh; üh, bezeichnen weiter nichts, als ein gedehntes a, ä, e, i, 0, 0, u und ü; dagegen diese Dehnung in so vielen andern Fällen unbezeichnet bleibt. 6. Eine andere Ungleichheit herrscht in der Art, die verdoppelten Mitlauter zu bezeichnen. Bald schreibt man sie neben einander, bb, pp, dd, rr, ll, mm; bald ziehet man sie zusammen, ff, js; bald hat man andere Zeichen, ck für K, p für ks. Das sind freylich Mängel; allein keine Mängel, über welche man so gleich mit Feuer und Schwert herzufallen berechtigt wäre, sondern Mängel, die man dulden muß, so lange die Nation sie duldet; und da sie selbige duldet, so ist das wohl der triftigste Beweis, daß sie in die Cultur ihrer Sprache keinen Einfluß haben müssen. Die Schriftlichen der.Griechen und Römer hatten eben dieselben und zum Theil uoch größere Mängel, und doch erreichten ihre Sprachen einen Grad der Vollkommenheit, von welchem die Deutsche noch ziemlich weit entfernet ist. 2. Nähere Erwägung der einzelen Buchstaben und ihres Lautes. a) Der Hülfs-und Doppellaute. §. 12. Einige neuere Sprachlehren machen aus Allgemel- der Fertigkeit, die Buchstaben auf die gehörige Art «es Gesetz auszusprechen, einen eiqenen Theil der Grammatik, 7^ Iz welchen ""-che- iZ4 i.Th.l.Abschtt. Bildung der Wörter.' welchen sie die Rechtsprechung, Orchophonie oder (Drthoepie nennen, und ihn mit außerordentlicher Weitläufigkeit behandeln. Ich glaube hier mehr Kürze anbringen zu können, zumahl da man in der Orthoepie zugleich mit von der so genannten Lange und Kürze der Hülfslaute handelt, welche ihren Platz mit mehrerm Rechte in der lehre von dem Tone findet. Im Ganzen behält im Deutschen jeder Buchslab in allen Fällen seinen eigenthümlichen laut, d.i. man schreibt so wie man spricht, und man spricht so, wie man schreibt. Allein, da durch die Annahme fremder Schriftzeichen manche Mängel unvermeidlich wurden, auch die Aussprache bey dem Fortgange der Cultur allerley Veränderungen ausgesetzt ist, denen die Schrift nicht so schnell, und oft gar nicht folget: so finden in einzelen Fällen verschiedene Abweichungen von dieser Regel Statt, welche kürzlich angezeiget werden müssen. Aussprache §. iz. Die Hülfslaute a, i, o und u werden im des «, i, o Hochdeutschen ohne alle Ausnahme mit der jedem und u. eigenen Öffnung des Mundes ausgesprochen, daher sie daselbst auch eben so rein und unvermischt lauten, als in dem heutigen lateinischen Alphabete. Findet man hier und da Abweichungen, so rühren selbige von provinziellen Eigenheiten her, welche aber im Hochdeutschen zu vermeiden sind. Von dem §' ^4. Da man in dem lateinischen Alphabete, ö, s und ü. als man es zum Ausdrucke der Deutschen Sprache anwandte, keine eigenen Schriftzeichen für diese laute fand, indem die lateiner sie entweder nicht hatten, (denn ihrae lautete allem Ansehen nach wie unserm), oder sie aus ähnlicher Armuth an Schriftzeichen durch zusammen gesetzte Buchstaben ausdrucken mußten, i.Kap. Von den Buchstaben. §.14. 135 mußten, so fand man auch im Deutschen anfänglich kein anderes Hülfsmittel. Man schrieb sie daher lange as, oe und ue oder ui, wovon man den letzten Hülfslaut nachmahls, wenigstens in der kleinem Schrift, über den ersten setzte. Dieß verleitete die Sprachlehrer, welche das Zeichen des lautes nicht von dem iaute selbst unterscheiden konnten, daß sie diese jaute lange Zeit sür Doppellaute hielten, so einfach auch die Öffnung des Mundes ist, vermittelst welcher sie entstehen, und noch jetzt gibt es viele, welche sich nicht von dem Gegentheile überzeugen können. Indessen darf man nur den Begriff eines Doppellautes erwägen, und auf die einfache Öffnung des Mundes Acht haben, welche bey diesen bauten Statt findet, wenn man völlig überzeugt werden will. Hierzu kommt noch, daß die wahren Doppellaute in den allermeisten Fällen gedehnt ausgesprochen werden müssen, diese aber, so wie alle übrige einfache Hülfslaute, eben so oft geschärft als gedehnt werden. Andere, welche nun zwar davon überzeuget waren, aber sich mit ihrer Abstraction doch nicht weit über die Zeichen erheben konnten, glaubten immer noch, einen Unterschied unter diesen und den fünf übrigen Vocalen machen zu müssen, und nannten sie daher bald unreine Vocale, bald Afcerlaurer, bald wieder anders; ohne eine gegründete Ursache davon anzugeben. Es sind so viele Vocale möglich, als Öffnungen des Mundes möglich sind, und . es sind ihrer so viele in einer Sprache wirklich, als ein Volk solcher Öffnungen des Mundes zu Bezeichnung seiner vernehmlichen Töne gebraucht. Daß man in manchen Sprachen nur fünf derselben anwendet, a, e, i, 0 und u, beweiset weiter nichts, als daß man in denselben nicht mehrerer nöthig hatte, oder I 4 auch, iz6 i.TH. i.Abscbn. Bildung derWörter. auch, daß man nur die am merklichsten von einander unterschiedenen bezeichnet, und die andern unbemerkt gelassen. Die Hochdeutschen wenden acht Ö-snungen des Mundes in ihrer Sprache an, und finden nothwendig, sie zu bezeichnen. Da sie in der Lateinischen Sprache nur für fünf derselben einfache Zeichen fanden, so mußten sie sich für die drey übrigen zusammen gesetzter Zeichen bedienen. Wo ist aber da ein Grund vorhanden, etwas Unreines oder Unächces in diesen Vocalen zu finden? Ist etwa nichts rein oder acht, was nicht schon bey den Römern auf eben diefelbe Art vorhanden war? Daß in der Ableitung und Biegung der Wörter a, o und u oft in ä,öuno ü übergehen, oder denUinlauc haben, beweiset nichts dergleichen; es beweiset weiter nichts, als daß sie in denjenigen übergehen, welcher der Öffnung des Mundes nach der nächste ist, und das sind ä, ö und ü in Ansehung des a, o und u, wenn sie gleich in der Höhe des Tones nicht allemahl die nächsten sind. Dieser Umlaut würde auch Statt haben, wenn auch diese Vocale ihre eigenen einfachen Zeichen hätten, ob es gleich alsdann vielleicht niemanden eingefallen wäre, sie für unreine oder After-Vocale zu erklären. Laut des ?. §. 15. Ehe man das ä in der Aussprache von dem nahe verwandten e unterscheiden konnte, oder vielmehr, ehe man das erstere durch das ü bezeichnen lernte, schrieb man beyde ohne Unterschied mit dem e. In der Folge suchte man das erstere durch ä auszudrucken; allein das Gehör war noch zu hart und zu ungeschlacht, den Unterschied in allen Fällen zu bemerken, und die Aussprache vielleicht noch zu unbeständig und roh, ihn anzugeben. Daher kam «S denn, daß man das e nicht allemahl da, wo es tiefer lautete, durch ein ä ausdruckte. Vielleicht hatte i.Kap. Von den Buchstaben. §.15.16. iz/ hatte man auch etymologische Bedenklichkeiten dabey, und glaubte, das ä nicht anders schreiben zu dürfen, als wenn es unläugbar aus dem a entstan- . den war. Dem sey nun wie ihm wolle, so hat unser heutiges e einen doppelten Laut: i. einen niedern oder tiefern, welchen andere auf eine nicht so bestimmte Art den offenen oder dunkelen nennen, genau, wie das ä: geben, Schwert, Herd, Arcbs, 5Veg, predigt, fliehen, stöhnen; und 2. einen höhern, (bey andern einen scharfen, hellen,) wie das lateinische e in b.eri, merito; dahin die erste Sylbe in stehen, gehen, sehen, Gewühl, Gesicht, die letzte in Freude, Gabe, L.iebe, und die beyden ersten in geschehen, gestehen u. s. f. Eben das gilt auch von dem ee, welches nieder lautet in N'jecr, Heer, scheel, (schel); hoch aber in See, Seele, Beer, Rlee. Siehe die Lehre von dem Tone, wo die vornehmsten Falle, in welchen jedes dieser beyden e gedehnt oder geschärft lautet, angezeiget werden. Verschiedene Sprachlehrer nehmen noch ein drittes e an> welches dem stummen e der Franzosen ähnlich seyn soll. Allein das ist ein bloßes tonloses e, welches entweder nieder oder hoch lauten kann. Sonst müßte man auch ein gedoppeltes a, c> u. s. f. annehmen, je nachdem diefe Hülfslaute den Ton haben oder nicht, welches doch sehr unschicklich seyn würde, weil der Ton mit dem eigenthümlichen Laute eines VocaleS nichts zu schaffen hat. §. 16. Die aa, ee, ii, 00 und uu, können, wo Verdopple sie vorkommen, noch weniger für Doppellaute ge- lung der halten werden, als ä, ö und ü; indem sie in ei- Mfs- gentlich Deutschen Wörtern bloße Zeichen gedehnter Ä 5 HAft- ,z8 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. Hülfslaute sind, so wie ah, eh, oh und uh, welche deswegen noch niemand für Doppellaute erklaret hat. Nur das ee ist nicht allemahl ein Zeichen der Dehnung, sondern lautet zuweilen zweysylbig, und zwar: l. wenn es zu zwey verschiedenen Sylben gehöret, bekehren, be-endigen, gekehrt; und 2. wenn es, um das Gesicht nicht zu beleidigen, die Stelle eines eee vertritt: die Ge-en, desAle- es, die Arme-en, für See-en, Mee-es, Ars mee-cn. Von dem H. 17. Viele gemeine Mundarten, sowohl Ober- ^' als Niederdeutschlandes lassen den langen Hülfslauten in der Aussprache gern ein kurzes e nachschleichen, lVi-en, L,i-echt, Di-eb, zweysylbig, Muser- ter, dreysylbig. Als man noch glaubte, das Deutsche nach der Aussprache des Volkes mit allen Übcr- süllungcn und harten Nebenlantcn schreiben zu müssen, druckte man dieses e sorgfaltig mit aus. Als sich nachmahls die Aussprache verfeinerte, und sich aller solchen Nebenlaute entledigte, blieb die Art zu schreiben noch geraume Zeit, weil man einmahl daran gewöhnt war. Noch jeßt schreibt man in Frankreich Caen, in Holland ^laerden, Vaerst, und in Wcstphalen Soest, und spricht nur Caan, 57laars den, Vahrst, Soost, mit gedehnten Hülsslauten. Als man nachmahls im Deutschen ansing, die tanze der Hülfslaute durch andere Hülfsmittel zu bezeichnen, so verlor dieses e seine Stelle nach den Hülfslauten, nur nach dem i behielt man es als ein Zeichen der Dehnung bey, und führte daher hier kein anderes für dieselbe ein. Das ie ist also unserm heutigen Gebrauche nach nichts anders, als ein Zeichen eines langen i, und daher so wenig einDoppellaut, als aa,eh oder andere mit einem Dehnungszeichen versehene Hülfölaute. r. Kap. Von den Buchstaben. §.18.19. iW In einigen wenigen Wörtern, wo dieses ie vorkommt, und wo man e6 ehedem auch gedehnt gesprochen, lautet es jetzt im Hochdeutsche» geschärft, dieß oder dies, Dienstag, vierte, Viertel, vierzehn, vierzig. Gieng, fieng, hieng und der Schmied, werden, wenn man sie noch mit ie schreibt, gleichfalls geschärft gesprochen, daher man hier lieber ein einfaches i schreibt. Wenn aber ie aus iee zusammen gezogen ist (S. §. 16.), die Rni-e, kni-en, sie schri-en, so wird es getheilt ausgesprochen. §. :8. In den fremden Wörtern lautet es ge- Forttheilt, wo die Natur dieser Wörter erfordert, Hi-sttzunz. eroglyph. Wenn dieses ie die Endsylbe fremder Wörter ausmacht, und den Ton nicht hat, so wird es gleichfalls getheilt gesprochen: Histori-e, Zxo- modi-e, Kili-e, Schlest-en, ein Spam-er, Äri-e, Ayri-e. Hat sie aber den Ton, so ist es wieder ein bloßes gedehntes i und folglich einsylbig:, - Geographie, Poesie, Melodie, Ceremonie, Courier, Gfsicicr, Copi'e. Wenn aber diese Wörter im Plural wachsen, so daß ie für ie - e siehet, so lautet es wieder zweysylbig : poesi -en, Ceremom- en. §. 19. Nicht leicht ist ein Deutscher Buchstab Von dem y. so vielen Angriffen ausgesetzt gewesen, als das y; allein es würde eine undankbare Arbeit seyn, die darüber geführten Streitigkeiten der länge nach zu erzählen, zumahl da die wenigsten Gegner dieses Buchstabens denselben gehörig kannten, sondern das Griechische u immer mit unserm y verwechselten. Da dasselbe aller Anfälle ungeachtet dennoch von der Nation beybehalten worden, so mögen jene auf immer vergessen bleiben. Es hat aber das y im Deutschen ein doppeltes Amt. i. In < l4c> i.Th.i.Abschn. Bildung devWörter. 1. In Wörtern, welche aus dem Griechischen und lateinischen herstammen, vertritt eö die Stelle des Griechischen u und wird alsdann mit Recht Epsilon genannt, und ist ein einfacher Hülsslaut, der unserm ü gleichlautend ist: Sylbe, System, synthetisch. 2. In eigentlich Deutschen Wörtern ist es ein Zeichen eines gedehnten i, aber eines auf eine andere Art gedehnten, als ie. Es ist hier eigentlich ein Überbleibsel einer ältern überfüllten Aussprache, welche dem i am Ende einer Sylbe nach einem andern Hülfslaute, und besonders nach dem a und e, noch ein j nachschleichen ließ, so wie noch jetzt in manchen Mundarten geschiehet, wo man allerleij, oder wohl gar allerleige spricht. Bey den Niedersachsen ist diese Aussprache des gedehnten i noch sehr häufig; z. B. Lijend, Feind, für Fi-end. Im Hochdeutschen muß sich diese Aussprache am Ende der Sylben noch lange erhalten haben, wenigstens schrieb man das i in solchen Fallen gedoppelt ii oder vielmehr rj, und aus diesem letztern ist nun unser y durch Zusammenziehung entstanden, daher die gemeinen Schreibemeister noch so gern zwey Puncte darüber zu setzen pflegen. Den2ten Iulii wird noch von manchem July geschrieben. Dieses Deutsche y nun sollte man niemahls Epsilon nennen, indem es mit demselben nichts als die Figur gemein hat, welche doch hier bloß zufällig ist. In den niedern Schulen nennet man es II, und mit weit mehrerm Rechte, weil dieser Nahme sein wahres Amt bezeichnet. Im Hochdeutschen hat man dieses ij am Ende der Sylben nach dem a und e veralten lassen, daher lauten ay und cy jetzt nicht anders als ai und ei: Bay, May, Tändeley, vielerley, bey. Allein nach o und ll hat man es beybehalten, daher lauten Hoya, ». Kap. Von den Buchstaben. §. 20. 141 Hoya, Hoyersrverda, Boy, huy, pfuy, wie Hoja, Hojersrverda, Boj oder Boje, huj, pfuj, und man schreibt sie auch jetzt am häufigsten und richtigsten so. Die Niedersachsen gebrauchen dieses y noch für sich allein, doch allemahl anstatt eines gedehnten i, Tyd, by, my, hyr, für Tiid oder Tied, dir oder die, d. i. bey ; zum deutlichen Beweise, daß e6 bloß durch die Geschwindigkeit im Schreiben aus ii oder ij zusammen gestoßen. §.20. EinDoppellaut entstehet, wenn derMund Aussprache von einer Öffnung unvermerkt und ohne Absaß zur ^ Dop« andern übergehet. Die gewöhnlichsten Doppellaute ^ ^' im Hochdeutschen sind, ai, ay, ei, ey, äu, eu, und, ob gleich seltener, oi. Da die Öffnungen des Mundes, vermittelst welcher sie entstehen, wesentlich von einander verschieden sind, so hat auch jeder derselben seinen eigenen und eigenthümlichen jaut. Wenn aber gleich die nachlassige Aussprache des gemeinen jebens häufig einen Doppellaut anstatt deö andern hören laßt, so sollten wenigstens Sprachlehrer diesen Mangel der Aufmerksamkeit nicht unterstützen, und nicht lehren, daß die meisten Doppellaute gleichlautend sind. Mit der gehörigen Öffnung des Mundes lautet ai doch ganz anders als ei, und dieses wieder anders, als eu und äu. In äu und eu lautet das u freylich wie ü; allein eö ist weder üblich noch nothwendig es zu bezeichnen, weil der Mund nach der Öffnung, welche die beyden ersten Hülsölaute erfordern nicht unvermerkt in ein volles u übergehen kann, sondern dafür das ü wählen muß. Das ai und ay sind unangenehme Oberdeutsche Doppellaute, welchen die Hochdeutsche Mundart gern das sanftere ei unterschiebet, und sich daher deö erstem fast völlig entladen hat, das letztere aber Z42 i.Th.i.Mschtt. Bildung der Wörter. aber nur noch in einigen wenigen Wörtern schreibt, wo sie e6 theils um der Abstammung, theils um anderer Ursachen willen, nicht leicht verdrängen kann, Kaiser, Laie, Main, Gaire, clioici-^ Rain, für Rand, Hain, XVaise, ein älternloses Kind. In andern hat sie ihn schon mit dem ei vertauscht, Eimer, N?eilzen, Getreide, beirzen. Gi ist nur rioch in einigen eigenen Nahmen gangbar, Groirzscd, BoirzenburI. Daß ap und vornehmlich ey nur am Ende mancher Sylben gesetzt werden, ist bereits gesagt worden; da nun das y kein Doppellaut, sondern bloß ein Zeichen eines gedehnten i jist, so können auch ay und ey nicht für Dreilaute gehalten werden, dergleichen die Hochdeutsche Mundart überhaupt nicht kennet. b. Der Hauprlame. Welche/ §. 21. Da sich manche Hauptlaute, in Ansehung charfc und der Starke der Aussprache, in weiche oder Ielins harte geschärfte und harre theilen, so müssen diese ^ute^ ^" Aussprache gehörig von einander unterschieden werden. Die weichen und scharfen können ihren eigenthümlichen Laut eigentlich nur zu Anfange einer Sylbe oder am Ende derselben nach gedehnten Hülfslauten haben, ob sie gleich auch hier oft in die verwandten härtern übergehen; allein daraus folgt nicht umgekehrt, daß die harten Hauptlaute nur nach geschärften Hülfslauten stehen könnten, und noch weniger, daß sie nicht verdoppelt werden dürften, wenn sie nach einem geschärften Hülfslaute doppelt lauten müssen. Siehe im folgenden bey dein k und z. Aussprache §. 22. Das b sautet schärfer als der weiche des b. Webelaut rv, aber gelinder als p, in Rücksicht dessen, eö der weiche Bebelaut ist. Allein es.weicht von i.Kap. Von den Buchstaben. §.22. 14z von diesem gelinden ihm eigenthümlichen iaut in manchen Fällen ab, daher selbige angemerket wer» den müssen. Es behält ihn: 1. Zu Anfange eines Wortes oder einer Sylbe: Daum, bleiben, bringen, zahlbar, Schabras cl'e, Dein, brechen. Die härtere Oberdeutsche Mundart, welche die weichen Hauptlaute zu Anfange der Sylben und besonders der Wörter, wenn ein Hülsslaut folget, so schwer unterscheiden kann, schreibt und spricht paum, Pein, pär, purk, piern, für Baum, Bein, Bär, Burg, Virn. 2. Vor den Biegungs-und Ableitungssylben, wenn sich selbige mit einem Hülfslaute anfangen: dieZxörb--e, demRnab-en, lieb-en, gläubig, belieb-ig, Leib-er, sieb-en. z. Vor einem ausgeworfenen oder verbissenen e: Diebsgesindel, Schreibgebühr, Schreibart, Hebamme, Hcbopfer, Knoblauch, für Dies deogcsmdel, Schreibegebühr, Schrcibearr, Hcbcamme, Hebeopfer, V.nobelauch oderRlos belauch. Hierher gehören auch die Ableitungssylben ler, lein, ling, nen und ner, vor welchen gleichfalls ein e verschwiegen ist: Hübler, Anäb- lein, lVeiblein, N.orblein, Stcrblinge, Herb- ling, Zlnschiebling, Hübner, besiebncn. Wenn aber das b in der Biegung der Wörter unmittelbar vor dem harten r zu stehen kommt, eS mag nun ein e verschlungen seyn, oder nicht, so kann eö Nicht anders als hart lauten: er liebte, ein Geliebter, die Derlobre, du bebtest, sie lebten. 4. Wenn das b in einem und eben demselben einfachen Worte verdoppelt wird, welche Fälle doch mehr in eigentlich Niederdeutschen als Hochdeutschen Wörtern vorkommen, Abbe, Arabbe,Flab- be, ?44 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. be, fö lauten beyde gelinde: wohin auch das Syrische Wort Abba gehöret. Zwischen zwey Hulss- lauten, und nach dein l und r wird es oft so gelinde als ein rv ausgesprochen: Bivel, Liebe, sieben, Pöbel, Schwalbe, Elbe, Erbe, herbe. Fort- §. 2z. Hart hingegen und wie ein p lautet es: ^' Am Ende eines Wortes: Lob, Raub, Aorb, gelb, lieb, ab, ob, grob, Kalb, de- o. Wenn die Hochdeutsche Mundart hier eine weichere Aussprache erfcrvert, so kann solche nicht anders als durch Beyfügung des mildernden e bezeichnet werden, Knabe, -Lube, herbe, welche im Oberdeutschen hart lauten, Knab, Dub, herb. 2. In den damit zusammen gesetzten, ix i. in solchen Zusammensetzungen, wo b am Ende hart lautet: grobährig, Lobopfer, liebäugeln, von lieb, Siebmacher, Triebfeder, Staubfaden. z. Am Ende einer Sylbe, wenn ein Hanptlaut folgt und kein e verschlungen ist, Liebling, Liebhaber, von lieb, löblich, leblos, lieblos, Erbse, trübselig, Grobheit, Begräbniß, Labfal, Überbleibsel, Erbfchaft. 4. Vor einem andern Hauptlaute in einer und eben derselben Sylbe: Abc, Herbst, Krebs, Gbst, Kürbs, hübsch, liebt-e, geliebt. das c. §. 24. Das c ist im Deutschen eben so vielen Anfechtungen ausgesetzet gewesen, als das y, und man hat mehr als einmahl behauptet, daß es kein Deutscher Buchstab sey. Freylich nicht, allein denn haben wir auch in unserm ganzen Alphabete keinen einigen Deutschen Bubstab. Das c wurde zugleich mit den übrigen Lateinischen Schriftzeichen von den Deutschen angenommen, und sie Zebrauchten- es ansang- i.Kap. Von den Buchstaben. §.24. 145 anfänglich nach dein Muster der Römer mit den Angelsachsen und Loi.gobarden anstatt des k, was auch für ein Hülfslaut folgen mogte. Als nachmahls die achte Römische Aussprache des c durch die fremden Völker verderbt und schwankend ge« macht wurde, und das bisher unbekannte t' nach und nach Eingang fand, so gebrauchte man das c ohne Unterschied bald für k, g, ch, bald für z. Kero schreibt noch ceclioroti, geköret, Oiiuin, Grimm, uuec, Weg, Kanc, Gang, Lot, Gott, leLcsn, legen, Z^oneL, Honig, citi,Zeit, Lello, Zelle, 8cuals, Schule u. s. f. Je mehr nachmahls k und ; üblich wurden, desto mehr verlor das c sein Ansehen eines eigenen Hauptlautes, und als sich die heutige^Hochdeutsche Mundart zu bilden anfing, so ward es auch aus fast allen eigentlich Deutschen Wörtern verdrängt. Daraus folgt indessen nicht, daß das c kein Deutscher Buchstab sey; er ist eS eher gewesen, als das k, welches später eingkführet worden, ob er gleich nachmahls in den meisten Fällen wieder verlassen, und nur da behalten worden, wo man es nicht entbehren kann. Dahin gehören denn folgende Fälle. !. Hilft es mit dem h den einfachen starken Hauchlaut ch bilden. S. den folgenden §. 2. Es lautet wie ein k. (1) Vor einem Hauptlaute, wo eö doch nur noch in Wörtern fremden Ursprunges, und in einigen eigenen Nahmen gebraucht wird: Clausur, Credit, Client, Clarisse, Ciau- dius, Clavier, Creilsheim, Sclave. (2) Am Ende einer Sylbe, eigentlich auch nur noch in fremden Wörtern, Speccatel, Ic-cius; aber auch in Adel,K.Spr. , K ächten ,46 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. ächten Deutschen Wortern, wenn das k verdoppelt werden sollte, da denn das' ck die Stelle des kk vertritt, Decke, rvacl'er. Man hat ihm dieses Amt ohne Zweifel um der Bequemlichkeit willen gelassen, weil das L im Schreiben der schwerste Buchstab ist, daher auch alle seit Zcfens Zeit gemachte Versuche, daö kk dafür einzuführen, vergebens gewesen sind, (z) Vor a, o, u, ai und all; gleichfalls nur noch in fremden Wörtern, und einigen eigenen Deutschen Nahmen: Carl, Caro, Colvercr, Conrad, Cums gunde, Cur. 9. Endlich lautet es wie ein z vor ä, e,i,ö,ü,y> und ihren Doppellauten äu, e«, ei und ey, aber auch nur in fremden Wörtern und eigenen Nkhmen: Cäsar, Ceder, Ceilon, Cicero, Cyprefse, Citrone, Cybele. Einige Deutsche eigene Nahmen weichen hiervon ab, indem es in denselben wie k lautet, Cöln, Cüsrrin, Cörhen. Andere, in denen e6 ehedem gleichfalls Statt fand, werden jetzt lieber mit einem k geschrieben, V.ärnthen, V.örper. Ehedein dieilete es auch nicht allein zu Verstärkung des z, c;u, churcz, erezaigen, pfalczgraff, Arczr, sondern auch zu dessen Verdoppelung, oder vielmehr, mit dem z, das heutige y zu bezeichnen, N)icz, chraczen; von welcher langst veralteten Schreibart sich Czar für Zar, noch am längsten erhalten hat. ch. §. 25. Das ch ist das zusammen gesetzte Zeichen eines einfachen iautcs, welcher starker haucht als h, und dem Lateinischen c!i, dem Griechischen ^ und dem Hebräischen n gleich kommt. Dieser sein eigenthümlicher Laut ist entweder einfach oder gedoppelt r/Kap. Von den Buchstaben. §.25.26. 147 doppelt. Einfach, und folglich gelinder, lautet es so-- wohl nach einem gedehnten Hülfslaute: Gesuch, Fluch, suchen, Bücher, Sprache, räuchern, hoch, Teich; als auch zu Anfange einer Sylbe, wohin besonders die VerkleinerungSsylbe chen gehöret, Vrerchen, Bißchen, Bildchen. Gedoppelt hingegen nach einem geschärften Hülfslaute: sicher, Löcher, lächerlich, verpichen, Sriche, verglichen; wo man es nie zu verdoppeln pfleget, ohne Zweifel, das Auge durch zwey auf einander folgende zusammen gefetzte Buchstaben nicht zu beleidigen. Die Ableitungssylbe lich hat eigentlich für sich keinen Ton, daher das ch hier auch nur einfach lauten kann, liedliche, freundliche. Wenn aber in der Verlängerung solcher Wörter der Ton auf die vierte Sylbe vom Ende fallen würde, und die Ableitungöfylbe daher einen halben geschärften Ton bekommt, so wird auch das ch doppelt gesprochen, veränderliche. §. 26. Ehe das k in der Deutschen Schrift all- Sott« gemein warb, mußte auch das ch dessen Stelle ver- setzuns. treten, besonders im Oberdeutschen, wo die Alemanische Mundart dieses k mit einem starken Hauche aussprach, und es zum Theil noch ausspricht. Kero schreibt noch acliultio, uuerack, cliuninA, für arus stio,N)erk, Zxönics, und Horneck noch im dreyzehnten Jahrhunderte cji!»ine,(^liunn, Oli-zvier, cliain, cli«mmen, u. f. f. Von dieser Gewohnheit hat sich »106) manches in der Hochdeutschen Mundart erhalten, denn da lautet das ch noch wie ein k. 1. Zu Anfange einiger Deutschen Wörter, wovon doch nur noch Lhur und Char mit ihren Zu- K 2 sam« 148 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. sammenschungen, Churfürst, Charrvocheu. s. f. üblich sind. In den übrigen ist dlirchgängig das k angenommen worden. 2. Zu Anfange einiger fremdenWörter: Charte, Characrer, Chor; besonders wenn ein r fol. get: Christ, Christus, christlich, Christian, Christoph, Chronik, Chronologie, Chrisam. Dagegen es in andern seinen eigenthümlichen Hauchlaut behalt: China, Chaos, Chymie. z. Wenn ein ö in einer und eben derselben Sylbe daraus folget, da denn chs wie ks oder x lautet: Dachs, 5Vachs, Lachs, Luchs, Flachs, Büchse, flachsen, Achsel. Wohin doch nicht die Fälle gehören, wo ch und s durch die Zusammensetzung zusammen kommen, nachsehen, wachsam, Dachs späne; oder wenn ein e ausgestoßen worden, des Buch's, des Dach's, er sprach's, wo jedes seinen eigenthümlichen taut behalt. Aussprache §- 27. Was von dem b gesagt worden, gilt de» d. größten Theils auch von dem d; sein eigenthümlicher Laut ist weich, weicher als th und r, daher e« eigentlich nur nach einem gedehnten Hülfslaute stehen kann. Diesen seinen eigenen iaut hat es: 1. Zu Ansauge eines Wortes und einer Sylbe; da, du, daß, doch, Dach, Decke. 2. Vor den Biegungs- und Ableitungssylben, wenn sie mit einem Hülsslaute ansangen: Rede, die Räder, freudig, stündig, ständig, gnädig, das N?eidichr. z. Von i.Kap. Von den Buchstaben. §.27.28. 149 z. Vor einem ausgeworfenen und verschwiege- nen e: dem würdigen, du fandst, der Tadler, für Tadeler, Adler, für Adel-aar, d. i. edler Aar, Schuldner, für Schuldener, LTladler, widmen, fürrvidemen, Ordnung, Handlung, Weidmann, für N?eidemann.. Bodmerey, für Dodemerey, du empftnd'st, Mündlein, B'.'?dl»0t-5m»'-'^ ck^^diÄTtt.^.^Alt §. 28. Hart hingegen und wie ein t lautet es': i. Am Ende eines Wortes: Abend, Tod, blind, Bad, Bild, Jugend, Gegend, liebend; wo es doch in der Abänderung seinen weichen Laut wieder bekommt, Todes. Wenn die Hochdeutsche Mundart dieses d am Ende weich ausspricht, so bezeichnet sie solches durch ihr milderndes c: blöde, geschwinde, gelinde, Bürde, Erde, Freude, "Gnade, Heide, Lade, Sünde; wo härtere K 3 Mund- I5O l.TH. i.Abschtt. Bildung der Wörter Mundarten blöd, geschwind, gelind u.s.f. schreiben und sprechen. 2. In den mit solchen Wörtern gemachten Zusammensetzungen, wenn gleich ein Hülfslaut folget: Abendopfer, Schuldopfer, Handarbeit, Nlundarc, Handlanger. z. Vor den Ableitungssylben, welche sich mit einem Hauptlauts anfangen, und vor welchem kein e vusgestoßen ist: bildlich, niedlich, schädlich, Mädchen, Bändchen, Äündniß. Ausgenommen sind die oben schon angeführte Ableitungssylbe ling, und die einzelen Wörter redlich, weidlich, und vielleicht noch einige andere, wo es im Hochdeutschen gelinde lautet. dem §. 29. Das dt ward ehedem sehr häufig, aber ohne alle Noth, anstatt eines bloßen r geschrieben: Drodt, Schwerdt, für die richtigern Äror und Schwert. Die Stadt, urbs, ist noch das einige Wort, in welchem man diese Schreibart beybehalten hat,, vermuthlich, um es mit Statt, locus» nicht zu verwechseln, mit welchem es doch nur ein und eben dasselbe Wort ausmacht. Das dr wird jetzt nur noch alsdann geschrieben, wenn es aus der zusammen gezogen ist: gesandt, für gesendet, beredt, von beredet; allein beredsam und Vereds famkeir können auch unmittelbar von bereden abstammen, und ohne r geschrieben werden; gewandt, verwandt, für gewendet, verwendet, obgleich letzteres auch noch eine andere Ableitung leidet, und alsdann verwannt geschrieben werden kann; er empfinde, für empfindet; wohin auch i. Kap. Von den Buchstaben. §. 30. 151 das Adjectivum todt gehöret, welches eigentlich das Participium eines veralteten Zeitwortes roden, sterben, ist. §. zo. Das f, der stärkste Blaselaut, welcher xgut des f, folglich stärker blaset, als das w, weicht von seinem eigenthümlichen laute nur selten ab. Es lautet einfach nach einem gedehnten Hütfslaute, strafen, rufen, die Schafe; gedoppelt aber nach einem geschärften, Affe, treffen, schaff. In manchen Fällen, besonders Zwischen zwey Selbstlauten und nach dem l, wird es im gemeinen Leben so gelinde, als ein rv, gesprochen, Briefe, Schwefel, Hafen, Hafer, prüfen, zwölfe, ^Völfe. Wenn nach einem geschärften Hülfslaute noch ein Hauptlaut vor dem f her gehet, so nimmt es gleichfalls an der Schärfung des erstem mit Theil und lautet gewisser Maßen gedoppelt: dürfen, werfen, Schärfe, Töpfer, Sümpfe. Allein es ist unnöthig, es hier doppelt zu schreiben, weil die Aussprache dadurch nicht bestimmter wird, die Schärsung des vorher gehenden Hülfslautes auch durch die zwey Hauptlaute bereits hinlänglich bezeichnet ist, und überhaupt die Etymologie sich dieser Verdoppelung des f widersetzt, welche doch bey denenjcnigen Herren, welche diese Neuerung einführen wollen, so vieles gilt. Wenn das f den Dienstlaut in einem Wurzelworte begleitet, so ist es allemahl einfach, und bezeichnet entweder eine Verstärkung, oder einen andern dunkeln Nebenbegriff. Mit mehrerm Rechte läßt es sich nach einem Doppellaute verdoppeln, wenn derselbe geschärft K 4 wird, ,I2 i.TH. r.Abschn. Bildung'der Wörter. wird, und folglich das f doppelt gehöret wird; denn haß, wider die bisherige allgemeine Meinung, auch Doppellaute geschärft werden können, werden wirjm folgenden §. 89 sehen: greiften, pfeiffen, schleif- fen, sauffen, sauffen, N?eiffe, welche man daher auch billig doppelt schreiben sollte, obgleich bisher nur ein einfaches f üblich gewesen, weil man geglaubt, nach einem Doppellaute keinen Hauptlaut verdoppeln zu dürfen. Einige neuere Sprachlehrer glauben, in dem f einen dreyfachen iaut entdeckt zu haben, einen gelinden, wie in trafen, einen geschärften, wie in Schas fen, schlafen und strafen, und den gedoppelten, in treffen. Allein sie verwechseln Eigenheiten der Aussprache mancher Provinzen mit dem allgemein üblichen. Das f sollte, als der stärkste Blaselaut, nie anders, als mit einer gewissen Schärfe gesprochen wer» den, so wie es jedermann in Schafe, fchlafen und strafen spricht. 5äßt man es in Grafen und einigen andern Wörtern gelinder hören, so ist das ein Fehler solcher Provinzen, welche sich in der Aussprache dem Niederdeutschen nähern. In den schon angeführten Briefe, TVölfe u.s.f. lautet es, selbst im Hoch, deutschen, noch gelinder, völlig wie ein rv; ohne daß es noch jemanden eingefallen wäre, aus dieser Eigenheit ein neues f zu machen, und folglich diesen Buchstab vierfach anzunehmen. Mit dem scharfen foder ß verhält es sich ganz anders, davon an seinein Orte, Aussprache §. zi. Das g wird unter allen Buchstaben in ü. den Deutschen Mundarten am schwankendsten und unbestimmtesten ausgesprochen, und diese Verschie, denheit i.'Kap. Von den Buchstaben. §. zi. 15z denheit hat sich auch in die Deutschen Sprachlehren eingeschlichen. Die Ursache rühret daher: das I ist.der mittlere Laut seiner Classe, welcher härter lautet als j, und weicher als k. Die Oberdeutschen Mundarten, welche wegen der ihnen natürlichen Härte den gelindernBuchstaben so gern die härtern ihrer Classe unterschieben, sprechen es daher in den meisten Fällen, wie ein k aus; die Niederdeutschen pflegen, wegen des diesem Buchstaben anklebenden Hauches, welchem sie in allen Buchstaben so gern auszuweichen suchen, demselben in manchen Fällen gleichfalls ein k, in andern aber das weichere j unterzuschieben; dagegen andere Mundarten, denen der eigenthümliche Hauch des g noch nicht stark genug ist, statt desselben ein ch hören lassen. Alle diese Eigenheiten haben sich nicht nur zum Theil in die Hochdeutsche Mundart eingeschlichen, sondern auch mancherley Ungleichheiten und Verwirrungen 'in den Sprachlehren eingeführet, weil jeder Sprachlehrer in zweifelhaften Fallen immer gern die Aussprache seiner Provinz zu begünstigen sucht. Da nun die Vermengung und Verwechselung ähnlicher Hauptlaute allemahl ein Fehler ist, so fern der allgemeine Sprachgebrauch ihr nicht das Wort redet, dieser aber in Ansehung des Buchstabens g getheilet ist, so ist der Sprachlehrer allerdings berechtigt, dieselbe nach den Grundsätzen der Analogie und Vernunft zu berichtigen, zumahl da die besondere Meißnische Aussprache denselben am nächsten kommt. Man lasse also dem I seinen eigenthümlichen Laut, welcher zwischen dem schlüpfrigen j und dem härtern L das Mittel hält, in allen Fällen, wo man es geschrieben sindet; eS sey am Anfange einer Syl- K 5 be, >54 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. be, Gabe, gehen, Glaube, Glocke, geben, Gott, Glucke, Grube, tragen, hängen; oder am Ende, Tag, Krieg, Sieg, arg, Sarg, karg, Berg, Zrverg, Talg, möglich, läugnen, klug, Essig, Fittig, ewig, jagte, fragte, klagte, Zögling; oder in der Mitte, Angst, sagö, ver- birgs; oder in der Verdoppelung, Flagge; nicht Zxabe, kehen, Rlaubc, Rlocke, Leben, Nott, glucke, TaL, Talk, Sark, Berk, -^werk, mök- lich, läuknen, Lluk und so ferner, und noch weniger jeben, jehen, Jocr. Wenn das g am Ende der Sylbe stehet, so wird diese Regel auch dadurch bestätiget, daß es in Begleichung mit dem k ein weicher Hauptlaut ist, der, wenn er für sich allem stehet, einen gedehnten Hülfslaut erfordert, und daher alsdann auch nicht hart, wie ein k lauten sollte, welchen iaut es nur unmittelbar nach einem geschärften hüben kann, daher es in weg, wenn es die Partikel ist, und in flugs, vielleicht die beyden einigen Wörter, wo es unmittelbar nach einem geschärften Hülfslaute stehet, auch wohl im Hochdeutschen wie ein k lautet. Als ein mittlerer Buchstab zwischen dem j und k kann es seinen eigenthümlichen 4aut sowohl nach einem gedehnten, als nach einem geschärften Vocal haben. Bon dem §. ?2. Eine Ausnahme von dieser gewöhnlichen ng. Aussprache leidet das g, wenn es in einer und eben derselben Sylbe hinter dem n zu stehen kommt, da es denn mit demselben in der Nase zusammen schmilzt, und einen taut ausmacht, der dem Französischen n nach einem Hülfslaute nahe kommt, en, c>n. ». Kap. Von den'Buchstaben. §.?2. 155 sn, un. Allein es findet dabey doch auch der Unterschied Statt, daß das g dessen ungeachtet in manchen Fällen seinen eigenthümlichen Laut behalt, dagegen es in andern in ein gelindes k übergehet. 1. Seinen eigenthümlichen Laut behalt es, (1) wenn ein Hülfslaut darauf folget: enge, bans ge, geringe, lange, singen, bringen, und den davon abgeleiteten und damit zusammen gesetzten Wörtern, bänglich, geringfügig, engbrüstig, dieSingart, du singst, der engste. (2) Vor einem Hauptlaute, wovon aber gemeiniglich ein auögestoßener Hülfslaut die Ursache ist: Angst, Hengst, jüngst, längst, Pfingsten. Nur in empfänglich, vergänglich, verfänglich, bes zroinglich, unbezrotnglich, langsam, längs rveilig, langwierig, und vielleicht noch einigen andern, lautet es auch im Hochdeutschen wie ein ge- lindes k. 2. Diesen Laut hat es überdieß auch noch, wenn es mit dem n am Ende einer Sylbe stehet: Ring, Gesang, Ding, Rlang, Gang, ging, fing, jung, lang, Häufung, und ihren Ableitungen und Zusammensetzungen, Jungfrau, Junggesell. Nur in Jüngling, dinglich, länglich wird es gelinder, oder vielmehr mit einem Mittellaute zwischen dem g und k gehöret. Wenn ng am Ende eines Wortes zu stehen kommen, und die Hochdeutsche Aussprache das A gelinde hören laßt, so wird solches durch das angehängte mildernde e bezeichnet: enge, bange, lans ge, von der Zeit, geringe. Wenn 156 !.Tl). l.Abschn. Bildung der Wörter. Wenn n und g durch die Zusammensetzung zusammen kommen, so behält jedes seinen eigenthümlichen iaut, un-gern, Un--glaube, an-gervöh- nen, Gsen-gabel. §. zz. Dash, auch einer von denenjenigen Buchstaben, welche seit einem Jahrhunderte allerley Angriffen ausgesetzt gewesen, hat im Deutschen eine dreyfache Verrichtung. Von dem h. i. Ist es ein vernehmlicher Laut, ein merklicher Stoß der iunge, welchen schon die Morgenlander mit unter die Hauptlaute rechneten, die Griechen als den Spiritus asper zeichneten, die Römer aber, und mit ihnen alle Abendländer, wieder unter die Consonanien versetzten. Stehet es in dieser Gestalt zu Ansänge eines Wortes, so wird es mit dein stärksten Stoße ausgesprochen, Haar, haben, hoch, er heben, behaupten. Gelinder lautet es in der Mitte zwischen zwey Hülfslauten, Oheim, Uhu, frühe, blühen, die Schuhe, wo es oft so gelinde gesprochen wird, daß man es fast gar nicht höret, daher auch die Niedersächsische Mundart, welche die Hauche so sehr vermeidet, als sie kann, es in der Mitte völlig verbeisset: gaan, seen, reen, schcen, für gehen, sehen, ziehen, geschehen; oder auch wohl ein j dafür hören lässet, Möje, bloien, für Mühe, blühen. Dagegen sprechen die Oberdeutschen es in der Mitte der Wörter oft so stark aus, daß eö einem ch nahe kommt, und von dieser Aussprache scheinet es herzurühren, daß in der Ablei- . tung der Wörter das h selbst im Hochdeutschen so oft in ein ch übergehet: Gesicht, von sehen, Oberd. sechen, Flucht, von fliehen . Geschichte, von z.Kap. Von den Buchstaben. §. zz. 157 von geschehen, Oberd. geschechen, daher auch bey vielen Hochdeutschen es geschicht, für ge- schieher. Wenn das h in Wurzelwörtern an das Ende eines Wortes zu stehen kommt, so kann es gar nicht und nicht eher gehöret werden, als bis das Wort am Ende wächset: Stroh, des Strohes, der Floh, die Flohe, roh, rohee. So auch in Zusammensetzungen, wo es gleichfalls stumm ist, wenn gleich ein Vocal folget, Stroharbeit, Frühobst, Lrühkirche, Schlehdorn. Da die Deutschen das h in dieser Gestalt fehr deutlich hören lassen, den jetzt gedachten Fall am Ende eines Wortes ausgenommen, so kann man ihm den Nahmen eines wahren Confonanten nicht streitig machen. Anders verhielt es sich bey den ältern Lateinern, welche es auch zu Anfange einer Sylbe und eines Wortes, wie die heutigen Italiener, entweder gar nicht, oder doch sehr gelinde, hören ließen, und es daher in manchen Fällen auch nicht unter die Confonanten rechneten. 2. Ist es auch sehr oft ein bloßes Zeichen der Dehnung des vorher gehenden Hülfslautes, da es denn gleichfalls nicht ausgesprochen wird. Man kann hierher auch den eben gedachten Fall rechnen, wenn das h an das Ende eines WurzelworteS zu stehen kommt, Vieh, rauh, froh, wo eö doch ursprünglich nicht um der bloßen Dehnung willen ge- setzet worden, sondern seinen Grund in einer ältern stärkern Aussprache hat, welche es in manchen Gegenden noch behauptet, Viech für Vieh, und selbst im 158 ?.TH. r.Abschtt. Bildung der Wörter. im Hochdeutschen ist in einigen Bedeutungen rauch für rauh üblich. Mit mehrerm Rechte wird es als ein bloßes Dehnungszeichen angesehen, wenn es den vier flüssigen einfachen Hülsslauten l, m, n und r vorgesetzet wird, die Dehnung des vorher gehenden VocaleS zu bezeichnen: Ahle, fahl, Gemahl, das Mahl, kahl, Stahl, Strahl, VVahl, Zahl, buhlen, hohl, Öhl, kühl, fühlen; lahm, zahm, Dhm, Ahm, Ruhm, nehmen, ahmen; ahnden, Ahnen, Bahn, Fahne, Huhn, Rrahn, mahnen, Lohn, Sohn, Bühne, Mähne; Bahre, roahr, fahren, bewahren, Fahrt, Jahr, Ehre, kehren, mehr, sehr, C>hr, lehren, Mohre, Ähre, und so ferner. Dieses Verlangerungs h, welches bloß den Hoch- und Oberdeutschen eigen ist, und weder bey den Niederdeutschen, noch den verwandten Völkerschaften angetroffen wird, war den altern Deutschen unbekannt, und fängt erst im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderte an, obgleich anfänglich nur noch sehr sparsam, sich zu zeigen. In der zweyten Hälfte des sechzehnten, da man immer mehr anfing, sich der grammatischen Richtigkeit zu befleißigen, ward es immer häufiger, bis es endlich im siebzehnten allgemein ward. Allein freylich nicht so allgemein, daß man es den jetzt gedachten flüssigen Hauptlauten in allen Fällen nach einem gedehnten HülfS- laute vorgefetzt hätte, denn es blieb immer noch fast die Hälfte der Wörter übrig, wo der gedehnte Hülfslaut vor einem flüssigen Hauptlaute kein h aufzuweisen hat : Aar, Nrone, Blume, bequem, gar. Gram, i.Kap. Von den Buchstaben. §.zz. 159 Gram, Schnür, Flur, Spur, schonen, Schwan, Schwur, schwören, schroer, Span, Plan, Bär, schon, und hundert andere nebst der Vorsylbe ur, und den Nachsylben sal und sam. In andern Wörtern sichrere man dagegen die Verdoppelung deö gedehnten Hülfslautes ein: Aal, Aar, Heer, tVaare, Haar, Meer, Beere und so ferner. Die Einführung dieses Verlängerungs h fallt gerade in die Zeit, da nicht lange vorher mit der Deutschen Sprache eine so große Veränderung vorgegangen war, u>sd dieselbe nach und nach anfing, sich zur heutigen Gestalt zu bilden, S. die Einteilung §. 25. Allein eö ist schwer, mit Gewißheit zu bestimmen, was unsere Vorfahren bewogen haben mag, dieses h nur vor den flüssigen Hauptlauten, und zwar nur in einigen Fallen, anzunehmen, iiegt etwa noch eine merkliche harte Oberdeutsche Aussprache des h zum Grunde, und glaubte man, es als zum Stamme gehörig mit bezeichnen zu müssen? Das läßt sich zwar von einigen beweisen, aber nicht von andern. Schmähten, z. B. ist das Verkleinerungswort von schmähen, für schmähelen, mahlen ein Iterativum von einem alten mähen, davon wir noch'mähen und mah-nen haben, prahlen von prahen, in den gemeinen Mundarten mit dem stärksten Hauchlaute prächen, prä5 chen, Stahl gehöret zu Stachel u. s. f. Oder glaubte man, daß die vier flüssigen Buchstaben, eben wegen ihrer Flüssigkeit, nicht für sich allein hinlänglich wären, die Dehnung auf eine bestimmte Art zu bezeichnen? Das erste scheint indessen wahr- scheinlicher, indem die mehresten Wörter, welche sich 160 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. sich auf ein l, m, n und r endigen, abgeleitete Ver- kleinerungS- Wiederhohlungs- oder Verstärkungswörter sind, deren Stamme sich aus ein h oder wohl gar auf ein hartes Oberdeutsches ch endigen. Und alsdann wurde die Einführung dieses Buchstabens zu einer Zeit, da die Aussprache diese Abstammung vielleicht noch nicht ganz verläugnet hatte, der etymologischen Einsicht unserer Vorfahren Ehre machen, wenn sie es gleich in manchem Fall verfehlet, und ihre Nachkommen ihren Grundsatz entweder oft irrig angewandt, oder es versäumet haben sollten, auf diesem Wege fortzugehen, und die Abstammung in allen übrigen Fällen auf ähnliche Art zu bezeichnen. So stammen Blume und Bluc unstreitig von blühen her, ob man sie gleich noch nie mit einem h geschrieben. Das h würde also nicht ein bloßes Dehnungszeichen seyn, dessen man freylich entbehren könnte, weil der einfache Hanptlaut die Dehnung schon hinlänglich bezeichnet, fondern ein etymologisches Abstammungszeichen, welches die Ableitung gar sehr erleichtert, und bey unsern Vorfahren mehr gründliche Kenntniß des Baues der Sprache voraus setzt, als bey den Neuern, welche so hoch über dieses h daher fahren, und es da, wo eö jetzt nicht mehr ausgesprochen wird, verbannet wissen wollen, ohne die Gründe zu kennen, warum es eingeführet worden. Wären einzele Glieder der Nation berechtigt, Neuerungen einzuführen, oder könnten sie selbige mit einiger Hoffnung des Erfolges wagen, so dürste man nur auf dem von unfern Vorfahren bezeichneten Wege fortgehen. Man müßte die Fälle genau untersuchen, in welchen in dem Wurzelworte ehedem ein i.Kap. Von den Buchstaben. §.?4- i6l ein Hauch befindlich war, aber ein wahrer wirklich zur Wurzel gehöriger Hauch, keine bloße Eigenheit hauchender Mundarten, und alsdann könnte man durch dieses Mittel die wahre (folglich keine eingebildete) Abstammung, welche in dem Fortschritte der Cultur immer unkenntlicher wird, noch in sehr vielen Fällen kenntlich erhalten. Doch davon ein mehreres bey der Orthographie. z. Endlich dienet dieserBuchstab auch den harten Laut des c, p und r zu mildern, oder vielmehr mit denselben gewisse einfache Laute zu bezeichnen, für welche wir keine einfache Schriftzeichen haben, S. ch, pH und ch. §. Z4. Der Hauptlaut-j, das Jod, welches in Laut des j> der größern Schrift derDruckereyen mit dem Hülfslaute i nur ein und eben dasselbe Zeichen hat, ist der weichste Buchstab seiner Classe, der vermittelst der an den Gaumen gedrückten Zunge hervor gebracht wird, und daher mit dem g nicht verwechselt werden muß. Er stehet am häufigsten zu Anfang einer Sylbe vor einem Hülfslaute: ja, jagen, jähe, jung, Jahr, Joch, Iaspiß. Selten an, Ende, Boj, huj, pfuj. Die Niederdeutschen, und diejenigen Mundarten, welche sich ihnen nähern, lassen diefen Laut gern anstatt des richtigern h und g hören : glöjen, bröjen, jähnen, Iäschr, jälfern, jähren, Iichr, jegen, u. s. f. für glühen, brühen, gähnen, Gäschr, gälfern, gähren, Gicht, gegen. Dagegen die Oberdeutschen und die ihnen verwandten Mundarten, z. B. die Schlesischc/daS je in vielen Wörtern wie ein gedehntes i oder je aussprechen: je, jeder, jemahls, jener, jemand, Adel.x>.Spr. L jeyr, -62 I. Th. I. Abschn. Bildung der Wörter. jeyt, wie ie, icder, iemahls, iener, iemand, iyt; ein Fehler, welchen man wohl ehe den Hochdeutschen aufbürden wollen, bey welchen er doch wirklich am seltensten angetroffen wird, und bey ihnen allemahl ein Überbleibsel einer provinziellen Mundart ist. Wenn ie zweysylbig gesprochen werden sollte, so gehet daö i im gemeinen Leben gerne in das j über. Z.ilie, L.inje, Pinje, perersllje, für die richtigern L.ilie, Ainie, Pinie, Petersilie. Von dem k. §. 35. Das k, der Harteste Gaumenlaut, lautet am stärksten am Anfange eines Wortes vor einem Hülfslaute, und am Ende einer geschärften Sylbe: kom-- inen, kaum, Zxauf, Nahn, Banr, stark, Sack; ein wenig' gelinder vor den flüssigen Buchstaben und dem r, und nach einem gedehnten Hülfslaute, klein, kraus, Haken. Wenn es nach einem geschärften Hülfslaute doppelt lauten sollte, so wird dafür c? gebraucht. Dieses ck ist in den neuern Zeiten mehrmahls angefochten worden; theils wegen seiner Figur, wofür man kk für schicklicher gehalten, ohne zu bedenken, daß das ck bloß um der Bequemlichkeit im Schreiben willen eingeführet worden, weil das k für die Schrift der schwerste Buchstab ist, und auf die Figur ohne dieß nichrS ankommt, zumahl wenn ihre Abweichung von dem Gewöhnlichen so unbedeutend ist, als hier; theils wegen der Verdoppelung selbst, indem man behauptet, daß das k schon an sich doppelt laute, und daher nicht erst verdoppelt werden müsse. Wie ungegründet dieses ist, darf kaum erst bewiesen werden, indem es bey fehr mäßiger Sprachkenntniß einem jeden einleuchten muß. Ein harter Buchstab seiner Classe ist deswegen noch kein doppelter, i.Kap. Von den Buchstaben. §.z6. 16z pelter, sonst müßten es p,f,r,v undz auch seyn, und wenn sie dieses wären, so könnten sie nicht nach gedehnten Hülsslauten stehen, wovon doch das Gegentheil aus tausend Fällen unläugbar ist: diellxäs per, kapern, hapern, die Saat, der Rath, das Bluc, der Schlaf, die Schafe, der Haken, iLkel, das Laken, u. s. s. Siehe §. 90. in der Lehre von dem Tone. Auch in der Aussprache findet sich nichts, was einer Verdoppelung ähnlich wäre, daher dergleichen Behauptungen mit zu denjenigen Erscheinungen gehören, welche nichts, als Con- venienz und die Liebe zu Neuerungen, für sich aufweisen können. §. z6. Die drey flüssigen Buchstaben l, mündn Von dem l, weichen von ihrem eigenthümlichen Laute nie ab. ^ und». Nur das n schmilzt mit den Gaumenlauten g und k in einer und eben derselben Sylbe sanft zusammen, dingen, singen, denken, lenken, krank. Siehe auch §. 32. Sehr unnöthig, ja fehlerhaft würde es seyn, diese zusammen schmelzende ng und nk durch eigene Schriftlichen anzudeuten, wie erst neulich ein Vorschlag geschehen, indem diese nieselnde Aussprache im Hochdeutschen nie so stark ist, daß nicht beyde Laute deutlich gehöret werden sollten, es aber ^ wider die Gesetze einer vernünftigen Schreibung ist, doppelte Laute mit einfachen Zeichen Zu bezeichnen. Doch eö ist noch keine Gefahr vorhanden, daß dieser Vorschlag Beyfall finden sollte, sonst könnte man dawider noch den Nachtheil anführen, welcher sowohl für die Etymologie, als für die Aussprache, daraus entstehen würde. Daß das n auch mit dem i, wenn ie zweyfylbig ist, im gemeinen Leben zusammen schmelze, ist schon bey dem j erinnert worden. L- §. 37. 164 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. Laut des p, §. ?7» Das p, der härteste Bebelaut, muß mit pf und pH. seinem weichern Genossen dem b nicht verwechselt werden, wie wohl im Oberdeutschen geschiehet, wo cS ganze Provinzen gibt, welche kein Anfangs b kennen, sondern dafür jederzeit ein p hören lassen. Da im Gegentheil die Niederdeutschen das weichere b in vielen Fällen dem härtern p vorziehen, so gibt es auch im Hochdeutschen Fälle, wo man unschlüssig ist, welchen von beyden Buchstaben mau sprechen und schreiben soll, dicken oder picken, Buckel oder Puckel, Budel oder Pudel, Veye oder Petze, wo doch die harte Aussprache die gewöhnlichste ist. Pf ist ein durch das p verstärkter Blaselauf, der daher nicht wie ein bloßes flauten darf: Pferd, Pfand, Pfund, Hopfen, pfropfen. Die Niederdeutschen stiehen diesen verstärkten Blaselaut, und lassen dafür allemahl ein p oder pp hören, dagegen die Oberdeutschen so freygebig damit sind, daß auch das bloße p bey ihnen wie pf lautet, pfachr für Pacht. PH kommt nur in fremden Wörtern vor, und lautet alsdann wie f, Philosophie, Phantasie; wohin auch die eigenen Nahmen gehören, in welchen man es nach dem Muster der Lateinischen Schreibart behalten, Adolph, lVesrphalen, Für- phen. Unser Apheu ist aus dem Lateinischen ^ium gebildet. Von dem?. Z8. Das q vertritt die Stelle eines k, wenn dasselbe ein rv nach sich haben sollte, bekommt aber statt dessen ein u zu seiner Begleitung, quetschen, (Quelle, r.Kap. Von den Buchstaben. §.z8. 165 Suclle, (Qualm, wie kwetfthen, ^welle, Nroalm. Diese dem Scheine nach sonderbare Form ist zugleich mit der Annahme des lateinischen Alphabetes in die Deutsche Sprache gekommen, indem die Lateiner in ihrem Alphabete weder ein L noch ein w, aber doch den iaut Ln? hatten, welchen sie auf diese Art auszudrucken suchten. Die Deutschen nahmen zwar nachmahls sowohl das L als das rv an, behielten aber doch die alte Form bey, weil sie einmahl daran gewöhnt waren, und haben sie noch jetzt, so oft auch in den ältern und neuern Zeiten krp dafür empfohlen worden. Aber dafür Grv einzuführen, wie neulich aus Schwaben vorgeschlagen worden, verrath wenig gründliche Sprachkenntniß, und gründet sich bloß auf eine fehlerhaste Oberdeutsche Aussprache des g. Daß der auf das q folgende Buchstab der Aussprache nach ein vv ist, ist unläugbar, obgleich die Deutschen nach dem Vorgange der Lateiner anfänglich ein v dafür brauchten, und dieses erst in den spätern Zeiten mit dem u vertauschten. Es ist ungegründet, daß dieses von Gottscheden oder auf des- sen Vorschlag geschehen, wie erst vor kurzem behauptet worden. Er fand dieses u in der Hochdeutschen Schreibart schon allgemein angenommen, und that dabey weiter nichts, als was seine Pflicht war, er folgte dem herrschenden Gebrauche, irrere aber darin, daß er dieses u der Aussprache nach für ein wahres u hielt; aber feine Gegner irrcten auch, indem sie es für ein v gehalten wissen wollten, da es doch ein wahres w ist. Die Angelsachsen schrieben dafür cv oder c-u, die Gothen ein bloßes ohne u, die ältern Schweden ein; die heutigen brau- L z chen ,66 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. chen dasiir ^xv, die Isländer Kv, und die Walliser elixv. Übrigens wird qu im Deutschen nur zu Anfange eines Wortes gebraucht, und löset sich alsdann in der Etymologie entweder in ein durch den Gaumenlaut verstärkes rv, oder auch in einen von dem rv begleiteten Gaumenlaut auf. Aussprache §. Z9. Das r muß mit einer zitternden Bewe- des r. gung der Zungenspitze an dem Gaumen hervor gebracht werden, und ist daher der schwerste Buchstab unter allen, 'der eine lange Übung von der Kindheit an erfordert, wenn er gelingen soll, daher er auch nicht nur ganzen Völkerschaften fehlet, ungeachtet er unter allen Buchstaben der ausdrückendste ist, sondern selbst im Deutschen aus einem Fehler der Erziehung oder einem Mangel an den Sprachwerkzeugen in ein fehlerhaftes Lallen oder Schnarren ausartet. Der erste Fehler bestehet darin, wenn man anstatt des r ein l hören läßt, der zweyte aber, wenn das r zu tief in dem Gaumen oder durch die Nase ausgesprochen wird. Diesen an sich schon schweren und in manchen Fällen unangenehmen Laut noch durch einen vorher gehenden oder nachfolgenden Hauchlaut zu verstärken, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich, daher man das rh nur noch in fremden Wörtern schreibt, wohin auch der Nahme des Rheines gehöret, welcher diese Form bloß zur Ehre der Griechischen undRömischen Schriftsteller, die seinen Nahmen zuerst schrieben, beybehalten hat. Das Niederdeutsche Rhede schreibt man lieber Reede, oder, wenn ja ein h dabey seyn soll, Rehde. i^Gmde^ §. 40. Der Sauselaut ist von je her der vornehm- deö Sause- ste iieblingslaur der Hych- und Oberdeutschen geantes, wesen. i.Kap. Von den Buchstaben. §.40. 167 wesen, daher es nicht zu verwundern ist, daß sie ihn von allen Graden der Starke haben, und diese Grade sorgfaltig zu bezeichnen bemühet gewesen, zumahl da sie schon in dem kleinern Lateinischen Alphabete die Anweisung dazu vor sich fanden. Im Hochdeutschen unterscheidet man vier verschiedene Arten desselben, den gelindesten 1^ den einfachen scharfen ß, den verdoppelten scharfen ssund den harten z. Die beyden ersten können nur nach gedehnten, und der verdoppelte nur nach geschärften Hülfslauten gefetzt werden; das z aber verträgt beyde, ob es gleich im Hochdeutschen nur selten nach einem gedehnten Vocale zu stehen kommt. Zur Bezeichnung dieser verschiedenen Stufen wandte man die schon in dem kleinern Lateinischen Alphabete befindlichen Schriftzeichen s, s, ß, jsund z, doch nicht bloß in Rücksicht aus die Stärke des Lautes, sondern zugleich in Rücksicht auf die Stelle und Abstammung an, und daher drücken jetzt s den gelinden, ö und ß den einfachen scharfen, ß und ss den verdoppelten scharfen, und z den harten aus. Folgende Tabelle wird diefe vierfachen Stufen des Saufelautes deutlicyer machen. Gelinde. Scharf. Hart. ---.--. Einfach. Verdoppelt. Nach gedehn- Nach gedehn- Nach ge- Nach beyden, ren Hulfslan- ren. schärften, ren. Die Rose. Roschen. Das Rösi, die Rözan, inPoh- DasRößim Rosse. len. Der Bienensto- Röy. cke. Die Reise. Das R?is, Der Riß, des Or^». lurculus. Risses. L 4 Gelinde. ,68 i.TH. i.Absch. Bildung der Wörter. Gelinde. Gckiarf. Hart. Einfach. Verdoppelt. Nach gedehn- Nach gedehn- Nach ge- Nach beyden, ren Hülsslau- reu. schärfte», re». Reisen. Die Des Zielsses, Reisten. Rciyen. R-Iser. orxiilze. Die Muse, Die Muße, Müssen. Das Mözyr, in !^u5g. olium. Muß. Pohlen. Das Muß, v^oetet. Die Miiize. Brei). Der Busen. Die Buße. Bl'sss, ein Büzo, ein , Niihme. Nahme. Die Blase, Das Blas- Ablassen. Plaaz, ein chc». Nahme. pliiy, pla- yen. Der Glaser. Das Glas. Die Classe. GlZrz. Die Llaß, Nico- Gläye. laus. Iveise, 5gp!- — —> »— rveiß, albus. U?izo, ein ens. Waise, Nleissen. Nahme, orpkanus. weiyen. Die Maser. Die Maße, Die Masse, Miez. May. >nenlurg. lussss. Die Schleuse. Schließen. Sie schlössen. Schlozer. Die Schloßen, Hagel. In manchen Mundarten werden diese Unterschiede nicht genau beoachtet. So sprechen die Echtester fast alle Wörter, wo die Hochdeutschen das einfach geschärfte ß nach einem gedehnten Hülfslaute hören lassen, gedoppelt mit geschärftem Vocal aus: Busse, Müsse, Füsse, süsse, Spässe, für Büße, Müße, Luße, silße, Späße, und im Oberdeutschen scheint mai, in eben diesen Wörtern ein gelindes s hören zu lassen, Duft, Muse, füft', Luft, auser, i. Kap. Von den Buchstaben. §. 41. 169 «User, Srosen u. s. f. Doch das sind Eigenheiten der Mundarten, welche im Hochdeutschen nicht zur Regel dienen können, wo diese vier Grade des Säuselers nicht leicht verkannt und verwechselt werden, wenn anders das Gehör nicht schon durch das Eigene dieser oder jenen Mmdart verderbt worden. Indessen hat der Gebrauch in Bezeichnung dieser Grade allerley Abweichungen eingeführet, welche umständlicher bemerket werden müssen. §. 41. Das s, eigentlich das Zeichen des gelin- Von dem s. desten Säuselers, behält entweder diesen seinen sanften Laut, oder es wird scharf gesprochen, oder es lautet endlich auch wie der Zischlaut sch. 1. Es behält seinen eigenthümlichen gelinden Laut, so oft ein Hülfslaut in einem und eben demselben Worte darauf folget, oder dach darauf folgen sollte: sehen, Seele, döse, Person, sieben, rasen, blasen, Verse, empfindsam, wirksam, Amsel, Pfirsich, er bläset, sie rasten- 2. Scharf lautet es in der Mitte einer Sylbe, sowohl wenn t und p darauf folgen: der XVest, die Weste, die Rast, der Ast, gestern, N?e- spe, lispeln, Vesper; als auch nach b, ch, g, L und p, wenn ein Hülfslaut darauf folget, besonders wenn es daselbst aus dein scharfen s entstanden ist, Ixrebse, von Zxrebs, N.ebse, von Rebs, wachsen, die Gewächse, drechseln, drucksen, roicks sen, Mengsel, des Gypses, Aappsen. Ausgenommen ist hier nur die Endung sam, wy das s 5 5 alle- 17« i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. allemahl feinen gelinden Laut behält, was auch für Haupttaute vorher gehen mögen: wachsam, längs sam, sattsam. z. In den Zischlaut sch gehet es über: (i) Vor dem t und p zu Anfange eines Wortes, und in den damit zusammen gefetzten Wörtern: Stand, ftes hen, Stein, Stern, Spaß, Sprache, speisen, erstehen, Edelstein, Abendstern, versprechen. (2) In den fremden Wörtern, welche sich mit sl, sk und sm anfangen: Skelet, Skalde, Slave, Slavonien, Smaragd. Ingleichen in denen mit sc, doch nur vor einem a, 0, u und einem Hauprlaute: Scapulier, scontriren, Scudo, Sclave' vor ä,eundi hingegen lautet daSj'wieß: Scävola, Scepter, Scipio. (?) In dem sl in der Mitte und am Ende einer Sylbe, wenn ein r vorhergehet: der Durft, die Dürfte, Gerfte, Fürst, borften, garstig, die Horft. Ausgenommen find doch, theils die zweyte Person der Zeitwörter, du warft, du rvirft, du horft, lehrft, begthrft; theils die superlative Endung fte, wo es allemahl scharflautet: dererfte, ftcherfte, schwer- fte. In allen übrigen Fallen lautet s in ft scharf, er ift, du bift, besonders wenn es in der Aussprache getheilt wird: Chris-ren, gesstern, flisstern. Dieser ganze Laut des s, wenn eS wie sch gesprochen wird, ist freylich ein Überbleibsel der zischenden Oberdeutschen Mundart; allein da er einmahl im ganzen mittlern und obern Deutschlande allgemein ist, so macht ihn eben diese Allgemeinheit ehrwürdig. Eine Vollkommenheit ist er freylich nicht, noch weniger aber in der Schwäbischen Mund- l.Kap. Voil den Buchstaben. §.42.4). 171 Mundart, wo man alle st wie seht hören laßt, du bist, er ist, Christus, wie bischr, ischr, Chrisch- tus. Die Niederdeutschen, welche den Zischlaut so sehr meiden, als sie können, lassen in dem st und sp allemahl ein reines s hören, und werden dadurch Ausländern freylich wohlklingender. §. 42. Das s wird nie anders, als an das En- Laut des s. de einer Sylbe, gesetzt, und kann daher auch nie anders, als scharf, ausgesprochen werden: es, was, das, des Daches, böslich, die Bosheit, Eis, Maus, Dachs. Es stehet aber: 1. Am Ende solcher Sylben, welche nicht weiter verlängert werden, es, Daches. Ausgenommen sind das und was, welche in dessen und wessen gebogen werden. 2. Wenn es aus dem gelinden s entstanden ist, oder doch in der Flexion in dasselbe übergehet: böslich, boshaft, Bosheit, von böse; Beweis, Maus, Aas, weil man sagt, Beweise, Mäuse, Äser. Es nach dem r wie sch aussprechen, Vers, Mars, wie Versch, Marsch, ist ein Fehler rauher Mundarten, nicht aber der Hochdeutschen. Wenn die Hochdeutsche Mundart am Ende mancher Wörter ein gelindes s hören läßt, so bezeichnet sie solches durch das mildernde e, und alsdann gehet das s von selbst in s über: böse, leise, Franzose, weise, l2pien8, N)aise, or^mius, die Reise, für die härtern bös, leis, Franzos, weis, Ü)ais, Reis. §. 4z. Das ß, dieser Stein des Anstoßes man- Von dem ß. cher Oberdeutschen Provinzen, wird sehr irrig Eszet genannt, wenn damit angedeutet werden soll, daß es aus dem s und ; zusammen gezogen sey, indem es erweis- !72 I.TH. r.Abschn. Bt'ldMg der Wörter. erweislick) genug aus dem 5s der kleinern iateini- scheu Schrift entstanden ist. Es ist allemahl ein Zeichen eines scharfen Sauselautes ^ welcher im Hochdeutschen nur.am Ende und in der Mitte einer Sylbe Statt findet. Es lautet: 1. einfach geschärft, nach einem gedehnten Hülfsund Doppcllaute, wenn der Sauselaut in der Biegung und Ableitung gescharst bleibt: wenn gleich der Hülfslaut in manchen Fällen seine Dehnung verlieret: j:e äßen, von ejscn, sie säßen, von fuzen, groß, den Größen, die Große, vergrößern, bloß, enrbiößen, der Grüß, großen. So auch fließen, gießen, süß, versüßen, die Süßigkeit, der Spaß, spaßen, späßhaft, das Flo^i, flößen, außer, äußern, Fuß, Füße, Ruß, Schooß oder Schoß, Zrsmium, derAloß, das l-Viaß, und hundert andere. 2. Gedoppelt geschärft, nach einem geschärften Hülftlqute am Ende einer Sylbe oder vor einem Hauptlaute: Haß, häßlich, Schloß, ich w..'ßre, er »ßt, fr.'ßt, mißt, Sprößling, Schößling. Von dem ss. §- 44. Der verdoppelte scharfe Säuseler, oder das ss wird nur nach geschärften Hüifs - und Doppellauten gesetzt, wenn noch ein anderer Hülfslaur darauf folget: Masser, wissen, beflissen, beift sen, heiAn, der wissen, lassen. Von dem §. 45. Der Zischlaut, welchen wir durch das sch. dreyfach zusammen gesetzte Zeichen sch ausdrucken, ist ein Erbcheil des mittlern und südlichern Deutschlandes, dagegen er in dem nördlichern sparsamer gebraucht i.Kap. Bonden Buchstaben. §.45.46. 17z gebraucht wird, und in manchen Provinzen nach Hochdeutscher Art gar nicht ausgesprochen werden kann, sondern daselbst getheilt, wie sg, lautet. Da er mit einem und eben demselben Drucke des Mundes ausgesprochen wird, so ist er eigentlich ein einfacher laut, ob er gleich in manchen Wörtern aus dem den Hauch-mid Gaumenlauten vorgesetzten s entstanden ist, welche Falle die Etymologie lehren muß. Er stehet sowohl zu Anfange eines Wortes: schaden, schaden, schreiben, schlafen; als auch in der Mitte und am Ende, er rväschr. Da er der Aussprache nach nur ein einfacher laut ist, so kann er sowohl nach einer gedehnten, als nach einer geschärften Sylbe stehen, ob er gleich im erstem Falle seltener vorkommt: sie rrüschcn, dräschen. Da man ihn, zurVermeidung des Übelstandes, nach einem geschärften Hülsslaute nicht zu verdoppeln pflegt, ob er gleich alsdann doppelt ausgesprochen wird, waschen, Muschel, Tisches, haschen, so muß man die Falle, wo er einfach oder gedoppelt lautet, bloß aus der Übung erlernen. §. 46. Das c ist der harte Buchstab seiner Laut des t Elaste, der daher mit dem d nicht verwechselt «nd th werden muß. Daß in den lateinischen Wörtern das ri, wenn noch ein Vocal darauf folget, wie zi ausgesprochen wird, Motion, Portion, daher es auch bey Verkürzung solcher Wörter in ein z übergehet, Horaz, Comumaz, ist aus der lateinischen Sprachlehre bekannt. In dem th ist das h nichts weniger als ein Zeichen der Dehnung des vorher gehenden oder nachfolgenden Hülsslautes, indem man es von Ist- dors 174 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. dorS Zeiten an durch alle Jahrhunderte in der Deutschen Sprache findet, da man noch lange nicht daran dachte, das h als ein Dehnungszeichen zu gebrauchen. Es scheinet vielmehr einen Mittellaut zwischen dem d und t bezeichnet zu haben, dergleichen die Griechen durch ihr g ausdruckten, und dergleichen die Engländer in ihrem noch jeht haben, wenn es nicht vielmehr seinen Ursprung einer Eigenheit der alten Oberdeutschen Mundarten zu danken hat, welche dieses t mit einem Hauche aus der Gurgel aussprachen. Siehe, was ich in meinem Deutschen Wörterbuch von der Geschichte dieses Buchstabens beygebracht habe. Was nun auch dieser Buchstab für einen Ursprung haben mag, so ist es doch gewiß, daß er da, wo der Gebrauch ihn einmahl eingeführet hat, mit dem t völlig gleich lautend ist. Aussprache §. 47. Das v hat sich von den ältesten Zeiten des v. mit dem f in den harten Blaselant getheilet; allein diese Theilung ist theils sehr ungleich ausgefallen, indem das f die allermeisten Wörter an sich gezogen hat, theils ein wenig unschicklich gerathen, indem Wörter eines Ursprunges bald eins bald ein v bekommen haben, Volk und folgen, voll und füllen , vor und für. Indessen ist diese Ungleichheit nun einmahl von der ganzen Nation angenommen, und kann nicht anders, als durch ihre allgemeine Einwilligung gehoben werden. Man bemerke daher nur noch, daß das v da, wo es gebraucht wird, dem f völlig gleich lautet, es mag zu Anfange eines Wortes, oder in der Mitte, oder am Ende stehen: Varer, Vetter, von, viel, Vogel, Nerve, brav, massiv. Zwischen zwey Hülfslauten wird i.Kap. Von den Buchstaben. §.48.49. i?5 wird es, so wie das f, oft so gelinde als ein rv ausgesprochen: Frevel, Gtüver, Sclave. §. 48. Das rv ist der gelindeste Blaselaut, da- Des w und her es im Deutschen nur vor einem Hülsslaute ste- desr. hen kann, rvehen, 5Vmd, ewig, Ü.örve. Das x ist das einfache Zeichen eines zusammen gesetzten lautes, welches die Deutschen mit dem lateinischen Alphabete bekamen, und eS in manchen Fallen zu Bezeichnung des lautes ks und chs anwandten: Axr, Rur, Hexe, Lidere. §. 49. Das der härteste Sauselaut, S.§. 4°- Von dem z. ist mehrmahls für einen doppelten Hauptlaut ausgegeben, und diese Behauptung denn dazu gebraucht worden, das rz als eine unnütze und fehlerhafte Verdoppelung zu verbannen. Mit wie wenig Grunde , beydes geschehen, laßt sich sehr leicht zeigen. Zu einem doppelten laute wird erfordert, daß der Mund unvermerkt von einer Art des Druckes zu dem andern übergehe; davon findet sich in dem z nun gerade nichts: denn wenn der Mund von dem c ohne Öffnung dazwischen zu dem s übergehen will, (denn aus diesen beyden lauten soll das z zusammen geseßet seyn), so entstehet ein ganz anderer laut, als wenn er z mit einer einigen Öffnung ausspricht. Die bloße Härte reicyt zu einem Doppellaute nicht hin, sonst müßten p, f, v, ö und r gleichfalls Doppelbuchstaben heijsen, und das c müßte, wenn es vor dem e und i wie z lautet, es gleichfalls seyn. Ein doppelter Buchstab erfordert der Regel nach einen geschärften Hülfslaut vor sich; allein das z kann nach einem gedehnten Vocal so gut ste« hen, als nach einem geschärften, und wenn solches Lleich 176 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. gleich in derHochdeutschenMundart seltener geschiehet, so geschiehet es doch desto häufiger in den Mundorten, in eigenen Nahmen, und in andern Sprachen : Miez, Aiez, Plaaz, L>uzo, Slaaz, Schlaiz, Za/,« u. s. f. woraus doch wenigstens so viel folget, daß das z an und für sich kein doppelter Hauptlaut seyn könne. Und wenn er es im Niederdeutschen, im lateinischen, kurz in allen übrigen Sprachen, nicht ist, warum soll er es bey einerley Aussprache gerade im Hochdeutschen seyn? Das rz verbannen wollen, verrath überdieß eben nicht die feinste etymologische Kenntniß. Überall, wo es vorkommt, laßt sich beweisen, daß das z der Endlaut s ist, der zur Verstärkung oder zur Bezeichnung anderer Nebenbcgriffe an Wurzelwörter angehänget worden, und nach manchen Hauptlauten, vornehmlich aber nach dem t, gern in das harte z übergehet. Seyen, blitzen, blinzeln, playen, Gcharz, reirzen, schlitzen, spreirzen, grunzen, Tarze,u. s. f. fürset-scn, blir-sen, blin-seln, plar-sen, Schar-s, reir-sen, schlitzsen, spreir- sen, grun-sen, Tac-se. Durch solche Neuerungen wird der Bau der Wörter nicht ausgeschlossen, sondern so gar da, wo unsere Vorfahren für Hessen Ausschließung gesorget haben, verdunkelt. Zweytes -77 Zweytes Kapitel. Ursprung der Sprache und Bildung der Wörter, In Was Sylben und Wörter sind, S- 5°. Erklärung und Geschichte der Etymologie, §. >i. Wer Sprache erfunden, §.51. Ewige Erfahrnngssätze, §.5Z. Die Wörter entstehen, wie klare Empfindungen, Z. 54. Und sind Nachahmunzen der tonenden Natur, Z. zz. Vorstellung und Sprache entwickeln sich gegenseitig. Nackte Wurzelwvrter, z.56. Ausgebildete Wurzelwörter, ^7- Erster Grund der Verschiedenheit der Sprache, §. 58. Folgen aus dem Vorhergehenden, §. 5?. Erste Sprachfigur, §, 60. Ursprung allgemeiner Begriffe und Nahmen, h. 6l. Ausdruck nicht tönender Gegenstände, §. 62. Biegung und Ableitung der Wörter, Z. 6z. halt. Vornehmste Biegungssylbe», S. 64. Ableitung durch bloße Ändt? rung des Vocals, Z. 65. Ableitungssylben, 66. Vvrsylben, Z. 67. Nachsylben aus Wurzellauten, §. <>8. Deren Zusammensetzung, §. 6y. Nachsylben aus Wurzelwör» lern, S. ?^>. Was Stammwörter sind, §. ?l. Vermehrung der übergetragenen Bedeutungen, §. 72. Veränderung der Hauptlaute, S. 7Z- Eingeschränkter Gebrauch der Ableitungssylben, Z. 74. Fruchtbarkeit derselbe» , z. 7?. Zusammensetzung der Wörter, S-76. Folge aus dem Vorigen, §. 77. Was Mundarten und verwandte Sprachen sind, z. 73. §. 50, Asus diesen einzelen Bestandtheilen entstehen so- Was Svll ^ wohl Sylben, als auch N?örrer. Eine ben und Sylbe ist ein vernehmlicher iaut, welcher mit einer Wörter ASel.S.Spr. M ejni- ^78 i.TH. i.Abschn, Bildung der Wörter. einigen Öffnung des Mundes ausgesprochen wird. Die Anzahl der Buchstaben, welche zu einer Sylbe gehören, ist daher unbestimmt, nur kann sie nicht mehr als einen Hülfs- oder Doppellaut haben, weil sie nur mit einer einigen Öffnung des Mundes ausgesprochen werden soll. Sie kann aus einem eini- gen Buchstaben bestehen, der aber ein Vocal seyn muß, weil zu einer Sylbe eine Öffnung des Mundes gehörcr, e-vvig, oder sie kann aus mehrern Hauptlauten bestehen, welche einen gemeinschaftlichen Hülfs-oder Doppellaut haben, es schmerzt. Einer oder mehrere Haupclaute machen daher für sich allein keine Sylbe aus, wenn sie gleich einen bedeutenden 5aut haben, wiepj'r! jt! weil sie mit keiner merklichen Öffnung des Mundes ausgesprochen werden. EinTVorc ist ein vernehmlicher Ausdruck einer Vorstellung , welcher ohne Absatz und auf einmahl ausgesprochen wird. Es enthalt so viele Sylben, als Öffnungen des Mundes zu dessen Aussprache erfordert werden, folglich so viele, als es Hüifs- oder Doppellaute hat: ob, Herbst, geb-en, verzehr - en. Ein Wort, welches nur aus einer Sylbe bestehet, heißt einsilbig, wenn es deren zwey hat, zrveysylbiI, und wenn es aus mehreren beste-, her, vielsylbiZ. Sylbe, ist von dem Lateinischen S^IIsbz, und dieses rvn dem Griechischen 5i/XX«/Z-?, von ----/XX^/Z«!.«»., zusammen nehmen, worin der oben gegebene Begriff schon dunkel Uegt. Wenn andere eine Splbe durch eine Anzahl von Buchstaben erklären, welche zusammen ausgesprochen wird, so ist diese Erklärung theils zu weit, theils zu enge; zu weit, weil sie auch aufWörter paßt, und zu enge, weil ein «wzeler Aocal keine Splbe ausmachen könnte, wenn dazn 5ivk Anzahl von Buchstabe» sehörete, §. 5r. s.Kap. Ursprung der Sprache. §.51. 179 §. 51. Sylben und Wörter sind nicht willkühr- smüttinz lich oder von ungefähr aus Buchstaben entstanden, und Gesündern die Spracherfinder sind dabey nach gewissen sichte der allgemeinen Grundgesetzen zu Werke gegangen, die g^'"°^ aber von ihnen, wie alles in der Sprache, nur dunkel empfunden worden. Die Aufsuchung dieser Grundgesetze lehret die Etymologie, oder Wissenschaft des Ursprunges und derVildung der Wörter; cineWis- senschast,welche dem Nahmen Nach sehr alt, aber ihrer gründlichen und fruchtbaren Bearbeitung nach sehr jung und jetzt wirklich mir noch erst im Entstehen begriffen ist, ungeachtet sie keiner andern Wissenschaft an Wichtigkeit und Fruchtbarkeit etwas nachgibt,weil sie allein im Stande ist, den menschlichen Verstand bis in seine Kindheit zu verfolgen, die Anfangs- gründe seiner Begriffe zu entwickeln, und den ganzen Stufengang seiner Erkenntniß zu zeichnen. Die Alten scheinen von dieser Wichtigkeit schon etwas gewittert zu haben, daher sie auch die Etymologie zum ersten Theil der Sprachlehre machten, und ihre Gränzen sehr richtig absteckten. Veibo- ruin etiam exp-liLauo, icl eir, c^ua cle caula ciuse- cuncjue elleM ita nomuiaw, cmsin e/^/?//o/aA/am nominalem, sagt Cicero ^cacl. B.I. Kap. Z2. Vermuthlich waren es Philosophen, welche diesen Gedanken zu erst dachten; allein da sie nicht selbst Hand anlegten, sondern die Sache den Sprachlehrern überließen, so konnte die Etymologie in keine schlechtere Hände kommen. Sie führten sie Zwar ?n den Sprachlehren mit auf, vergaßen aber ihre wahre Bestimmung und schränkten sie auf die bloße Eintheilung und Biegung der Wörter am Ende ein. Wenn sie Mine machten, dem Ursprünge eines Wortes nachzuspüren, so waren sie nur in so weit glücklich, als sie bey den nächsten Stammwörtern M s blieben. IZO I.TH. i.Abschn. Bl'lduilg der Wörter. blieben. Einen Schritt weiter lag Ägyptische Finsterniß; man tappte in derselben auf Gerathewohl herum, haschte nach Ähnlichkeiten, und machte sie sich, wo man keine fand, auch wohl selbst, warf Sprachen, Zeiteil, Zonen und Begriffe unter einander, und nannte dieses Chaos Etymologie. plaro gestand, daß die Griechen eine Menge ihrer Wörter von Barbaren, d.i. ungebildeten nördlichen Völkern, bekommen hätten, und die Stoiker behaupteten, daß jedes Wort seine Ursache habe. Das war alles, was die Griechen, diese bekannten Verächter aller^ Sprachgelehrsamkeit, für diese Wissenschaft thaten. DieRömer gingen ein Paar Schritte weiter, und Varro suchte dem Ursprünge einzeler Wörter nachzuspüren, aber oft so, daß er Mitleiden erweckt. hat seinen Nahmen daher, c^uocl mmimum cii Ii^um; /?0M^, c^uoä lcunt ??otum; a^ua, c^uoä gecms lumma; vo/^s^, c^uoä volst peäibus u. s. f. Er ist froh, !wenn er ein lateinisches Wort auf ein Griechisches zurück führen kann;'5 aber vonGscischen, Samnicischen, Hcrruscischen, (Lettischen und andern Überbleibseln in seiner so gemischten Sprache träumet ihm nichts. Wie traurig es in den mittlern Zeiten um diese Wissenschaft ausgesehen haben müsse, läßt sich leicht schließen, da auch die aufgeklärtesten Völker darin fo wenig vorgearbeitet hatten, ^nus, ein altes Mütterchen, kam von anus der Hintere her; 6iaizolu5, von cluo^ zwey, und boluz, ein Bissen, weil ieib und Seele ihm nur zwey Bissen sind, und was dergleichen Thorheiten mehr sind. > Bey der Wiederherstellung der Wissenschaften ging die Etymologie fast allein leer aus. Zwar ward die gelehrte Kenntniß der Sprachen nothwendiger; 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.51. iZi diger; allein niemand bemühete sich, das Wesen derselben in ihnen selbst auszusuchen. Man etymo- logisirte in Süden und Norden in dem Tone des mittlern Zeitalters fort, hin und wieder zwar mit ein wenig mehr Geschmack, aber überall mit eben so wenig Einsicht und Kenntniß, und noch im Iunius 178-2 konnte ein Johannes von Genua des achtzehnten Jahrhunderts im Deutschen Merkur, in allein Ernste hoffen von dem Französischen ?oe- lies, Tand, rändeln, und das Niedersachsische dämisci) Von Ivlac^ne, und Bursch von Lour- Aeoiü ableiten. Dieser Unfug rührte daher, weil sich niemand die Mühe nehmen wollte, die Wörter einer oder mehrerer Sprachen in ihre wahren Bestandtheile aufzulösen, das wesentliche und ursprüngliche darin von dem zufalligen und spätern abzusondern, dem Gange des menschlichen Geistes in Bildung der Begriffe nachzuspüren, und durch dieses Mittel bis zu dem ersten Ursprünge nicht allein einer, sondern aller Sprachen hinauf zu steigen. Das war freylich «nihfam/ weil der Weg noch ungebahnt war; hingegen war es bequemer, nach bloßen Ähnlichkeiten in den lauten zu etymologisiren, eine Sprache will- kührlich ans einer andern abzuleiten, und am Ende die erste Sprache für eine unmittelbare Erfindung Gottes, oder für ein Werk des Zufalles, oder auch für die Frucht eines gemeinschaftlichen Einverständnisses über willkührliche laute auszugeben. Bey diesen Umständen war es kein Wunder, daß die Etymologie bey Vernünftigern lächerlich und verächtlich ward, weil man sie als eine müßige Beschäftigung ansähe, aus allem alles zu machen. Sie blieb der Willkühr eines jeden Preis gegeben, der nur Ähnlichkeiten entdecken konnte, und we' M 3 konnte ,82 I.TH. r.Abschn. Bildung der Wörter. konnte das nicht? Der immer am. besten, der die wenigste Sprachkenntniß besaß. Nur die einige Hebräische Sprache hatte hierin vor ihren jüngern Schwestern einen betrachtlichen Vorzug. Bey ihrem geringen Umfange und der großen Ehrfurcht, welche Juden und Christen für dieselbe hegten, machte man sichs zur Pflicht, sie bis auf ihre kleinsten Theile zu untersuchen, und ihre Wörter nach gewissen Grundsätzen bis ans die ersten Grunblaute aufzulösen. Da das, was in einer Sprache angehet, unter den gehörigen Veränderungen in allen möglich ist, so ist es beynahe erstaunlich, daß es in einem so langen Zeitraume niemanden eingefallen ist, dieses Verfahren auf irgend eine andere Sprache anzuwenden. N>achrer versuchte es, die Deutschen Wörter bis auf die Prä- und Suffira zu Zergliedern, worunter er die am meisten kenntlichen Ableitungssylben verstand. Was übrig blieb, war ihm entweder Griechisch, oder, wenn er recht billig seyn wollte, Srythisch. Frisch wagte sich gleichfalls nicht über die nächsten Ableitungssylben hinaus, nur daß er seine Wurzetwörter und ihre Bedeutung mehr in der Deutschen, als einer fremden Sprache, aufsuchte. Der Prediger Lttldc; in». Würtenbergischen hat daher allerdings das Verdienst, daß er der erste ist, welcher uns den Bau der Deutschen Wörter aufgeschlossen, und dadurch den abendländischen Sprache» den einigen Weg gezeiget hat, auf welchem sie, nach dem Muster der morgenlä'ndischsn, zu dein Ursprünge ihrer Sprache und Erkenntniß gelangen können; allein, da er nicht mit eben der Deutlichkeit der Begriffe bis zu dem Ursprungs der Sprache hinauf gegangen ist, solcher» die erste Sprache, 2. Kap. Ursprung derSprache. §.52, igz Sprache, so viel sich ans seiner geflissentlich dunkeln Schreibart errathen läßt, "icht undeutlich für den Ausdruck der innern Empfindung hält; so hat er den einigen richtigen Weg mit bcsserm Glücke gezeigt, als selbst betreten. §. 52. Die im folgenden vorkommenden Beiner- Wer Spra- kungen über die Deutsche Etymologie sind aus dem He erfun- Baue der Sprache selbst, und wo dieser aufhöret, aus der Natur des Menschen und dem Umfange seiner Fähigkeiten geschöpft. Es sind indessen nur die ersten Grundlinien, so viel davon für die Sprachlehre unentbehrlich ist. Es wird dabey vorausgesetzt: 1. Daß die Sprache von Menschen erfunden worden. Sie von Gott erfinden oder dem Menschen unmittelbar offenbaren lassen, ist freylich sehr bequem, hat aber auch außer dieser Bequemlichkeit nichts für sich aufzuweisen. Der ganze Ban derSprache zeigt, daß sie sehr menschlich ist. 2. Daß der Mensch sie nicht von ungefähr und noch weniger zur tust und ans lieber langen Weile erfnn- den, sondern daß das Bedürfniß zn sprechen auf das innigste mit seiner Natur uud Bestimmung zum gesellschaftlichen leben verbunden ist, so daß er ohne dasselbe nicht Mensch, und ohne eine erfundene lind wenigstens zum Theil ausgebildete Sprache nicht vernünftiger Mensch seyn kann. Daß die Sprache nicht von ausgebildeten oder mit vorzüglichen Einsichten und Erkenntnissen begabten Menschen erfunden worden, sondern von dem einfachen ganz rohm und sinnlichen Sohne der Natur, so wie er ans den Händen seines Schöpfers kam, zwar mit Fähigkeit nnd Anlage zu allein, aber noch in keinem Stücke mit Ausbildung und Eittwickeliing versehen, welche ihn, selbst überlassen blieb, und überlassen bleiben mußte, wenn nicht Wunder auf M 4 Wun- ,84 I.TH. l.Abschn. Bildung der Wörter. Wunder gehäufet werden sollen. Als Thier hatte dieser Sohn der Natur das Vermögen der willkühr- lichcn Bewegung, und auch ohne klare Begriffe in- stinctmäßig für seineNahrung zu sorgen; aber noch mehr als Thier hatte er auch das Vermögen, Sprache zu erfinden, und dadurch den in ihm liegenden Keim zur Vernunft thätig zu machen und zu entwickeln. Ohne Anlage zur Erkenntniß findet keine Sprache, aber ohne Sprache auch keine deutliche Erkenntniß Statt. Beyde gehen in gleichen Schritten neben einander und bilden sich wechselsweise aus. Aber eben dieses macht die Untersuchung des Ursprunges der Sprache so schwer, weil eö dem in der so sehr verfeinerten bürgerlichen Gesellschaft erzogenen Menschen überaus schwer fallt, sich in die Lage des noch ganz sinnlichen Naturmenschen zu versetzen, und auch nur wahrscheinlich zu bestimmen, wie derselbe die Gegenstände außer sich empfunden, und welchen Gang seine noch nnausgebildete Seele genommen, wenn sie ihre Vorstellungen davon hörbar machen wollte. Der erste Anfang der Cultur, sowohl des einzelen Menschen, als des ganzen Geschlechts, fällt immer in den Zeitpunct der dunkeln Vorstellungen. So wenig wir uns jetzt auf die Entwickelung unserer Begriffe in der Kindheit besinnen können, so wenig wissen wir auch historisch von der ersten Ausbilduug unsers Geschlechts. Fabel und Allegorie gehen daher überall vor der wahren Geschichte voraus, erfordern aber schon einige Cultur, so wie .sich unsere Geisteskräfte schon bis zu einem gewissen Grade entwickelt haben müssen, wenn wir uns unserer Kindheit in spätern Iahren, wie im Traume, erinnern wollen. Ein Volk hat daher von diesem Stufengange seiner Ausbildung und Erkenntniß nichts weiter, als die rohen Bestandtheile 2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 5z. 185 theile seiner Wörter auszuweisen, wenn eS anders so glücklich gewesen ist, seine Sprache von seinem Ursprünge an rein und unverfälscht zu erhalten. Die Deutsche Sprache ist eine von diesen wenigen; wenigstens ist sie, seitdem die Germanen die Ufer des Schwarzen und Caspischen Meeres verlassen haben, mit keiner andern vermischt worden, daher sie eine der geschicktesten ist, die ersten Keime unserer Erkenntniß in derselben aufzusuchen. §. 5z. Wenn man die Wörter der Deutschen Einige Er Sprache nur nach ihrer äußern Gestalt betrachtet, fabruugs- so zeiget sich schon eine sehr merkliche Verschieden- Scheit unter ihnen. Einige sind einsylbig, andere zwey-und mehrsylbig. Die einsylbigen sind oft sehr einfach, und bestehen aus einem einigen Haupte und einem HülfS- oder Doppellaute, der sich entwe- weder vorn oder hinten anfügt: ob, ab, an, du, da, es, in; oft gesellet sich zu diesem ersten Haupr- laute, entweder vorn oder hinten, noch ein anderer: blau, frey, froh, acht, die Achs,, alt, Erz; andere bestehen aus zwey Hauptlauten, mit einem Hülfslaute in der Mitte: Bär, bar, Bach, Haus, bis, gar; noch andere nehmen zu diesen zwey Hauptlauten entweder vorn oder am Ende, oder an beyden Orten zugleich, noch einen Hauptlaut au, und sind alsdann, besonders in dem letztern Falle, auf das genaueste bestimmt. Vorne: blaß, bleich, blöd, Blut, flach, frech-, Arieg; oder hinten: Balg, bald, Bart, Berg, Fels, fest, Gold, ganz; oder an beyden Stellen zugleich: Aranz, L>Iirz, Pfalz, Brust, Glanz, glatt, Rrampf, Zxraft, Gruft. Die mehrsylbigen Wörter sind entweder offenbar aus zweyen Wörtern zusammen gesebt, Gold- M 5 staub, ,86 i.Th. i.Abschn. Bildung der Wörter. ftaub. Sprach-lehre, auf-stehen; oder sie sind, vermittelst gewisser Sylben, von einem einsylbigen Worte gebildet, welches sich durch den vorzüglichen Ton von den übrigen Sylben unterscheidet: ob-en, ?'lb-cnd, froh-lich, Froh - lich - kcir, freien, Frey - Herr, be - frey - en, gc-nehn:-ig-en. Diese betonte Sylbe kommt in eben derselben oder doch in ähnlicher Bedeutung mit andern Sylben mehrmahls vor: Vild, des Dild-es, die Bilder, bi!d-en, bild-ern, Bild-ner, ge-bild-er, bild - lich; Stein, des Stein - es, die Stein - e, stein-ern, stein-ig, stein-ichc, stein-ig-en, Ge-stem; hor-cn, >sör - er, das Ge-hsr, er-hör-en, iLr-hör-ung, er-hör-lich, hör- dar, Ge-hsr-fam; so wie sich eben diese Vor - und Nachjylben wieder zu einer Menge anderer Wörter gesellen, und ihre Bedeutung aus ähnliche Art bestimmen : des Dach? es, des Stuhl-es, des Tag, - es; Feh - en, steh - en, trag - en; der Träg-er, der Färb-er, der Mahl-er; glücklich, läch-er-lich, ver - dricß - lich; —fel-ig, fcuer-ig, dumpf-ig, fleck-ig; — trag-bar, frucht- b^r, fühl - bar u. s. f. Wir machen daraus den Schluß, theils, daß die mehrsylbigen Wörter nicht ursprünglich mehrsylbig sind, sondern daß sie von derjenigen Sylbe, welche sich durch ihren Ton schon so merklich unterscheidet, und die wir hier die Stammsylbe nennen wollen, abgeleitet worden; theils auch, daß diese Vor- und Nachsylben keine leeren Schalle oder willkürlichen jaute sind, weil ihre Bedeutung überall bestimmt, und sich im- immer, wo nicht gleich, doch ähnlich, ist. Sehen wir auf die Bedeutung der Wörter, so finden wir, daß von allen einfachen Wörtern in der Deutschen Sprache, eilt reichliches Fünftel unlaug- bare s.Kap. Ursprung der Sprache. §.5?. 187 bare Nachahmungen natürlicher Schälle sind, die sie noch jetzt bezeichnen: beben, bellen, bersten, brechen, Braten, Bären (brummen), blöken, Bombe, brausen, Breme, brüllen, Bulle, Trommel, dreschen, dräuschen, Eule, FinL, flacrern, fliehen, fliegen, fließen, gackern, girren, glucken, gälten, Gurgel, hallen, husch, haschen, haucben, heiser, heulen u. s. f. Von dem zweyten Fünftel ist es sehr leicht erweislich, daß sie ursprünglich tönende Nachahmungen der Natur gewesen, und erst nach einer gewissen Ähnlichkeit auf einen nicht tönenden Gegenstand übergetragen worden. Geist, von dein alten geisten, blasen, schlank, eben, Aal, Elle, ervig, arg, Bahn, Bein, Daum, deuten, weich, Jäh, bald, Dampf, hell, leicht, Licht, fechten, gelb, gelten. Das dritte Fünftel Zeigt seine tö-> nende Eigenschaft nur »loch in dem höchsten Alterthum, in den Mundarten oder verwandten Sprachen, und die Wörter dieser Classe sind durch Cultur und stufenweise geschehene Vcrfeincr'ing der Begriffe durch eine Reih« von Fignren und abgeleiteten Bedeutungen gegangen: denken, Dank, Bart, bunt, dulden, dunkel, Ding, finster, Volk, gestern, Himmel, blöde. Glück, Gott, glaus ben, ich bin, wahr, ich rvar, Tugend, selig u. s. f. Wir machen daraus den sehr wahrscheinlichen Schluß, daß auch die zwey übrigen Fünftel keinen andern Ursprung haben, obgleich einige wenige Wörter darunter sind, welche aus andern Quellen herrühren, und entweder Ausdruck innerer Empfindung sind, wie ach, oh, ich, du, oder auch einen zufälligen Ursprung haben, wie Abba, pa? pa, Amma,Mamma,Tatta, Atta, die in den spätern Aitern aus Gefälligkeit gegen Kinder gebildet ,88 r.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. bildet worden, und bloß darum so allgemein sind, weil Kinder unter allen Zonen diese Sylben zuerst stammeln lernen. Wir bemerken ferner, daß diejenigen Wörter, welche nur aus einem Haupt .- und einem Hülsslaute bestehen, nur sehr unbestimmt tönen können, daher sie auch in ihren Bedeutungen die unbestimmtesten und schwankendsten sind. Daß diejenigen Wörter, welche aus zwey Hauptlauten und einem Hülfslaute bestehen, die Naturtöne mit mehrerer Bestimmung nachahmen, weil sie schon ein Merkmahl mehr enthalten, ob sie gleich in manchen Fallen noch nicht alle mögliche Bestimmung haben, und endlich, daß diejenigen, welche zu diesen entweder vorn, oder hinten, oder an beyden Stellen zugleich, noch Hauptlaute zu sich nehmen, die bestimmtesten, sowohl in der Nachahmung des Tones, als auch in der Bedeutung sind, indem sie, wo nicht alle, doch die merklichsten und nothwendigsten Merkmahle ausdrucken. Die erstcrn bezeichnen daher gemeiniglich ganze Classen von Begriffen, die zweyten Geschlechter, die dritten Arten, und wenn sie hinten und vorn zugleich bestimmt sind, individuelle Begriffe: plarz-en, Blitz, krach--en, brech-en, sprechen (alle drey aus dem Grundlaute rech auf verschiedene Art bestimmt), spreirz-en, spritz-en, drumin-en, polr-ern, krächz--en, enthalten so viele Merkmahle als möglich ist, und sind daher so genau bestimmt, daß ihr Begriff nicht leicht zu verkennen ist, daher sie denn auch nur wenige übergetragene Bedeutungen leiden. Finden sich Abweichungen, so muß man bedenken, daß die Sprachen nur nach dunkeln Empfindungen der Ähnlichkeit gebildet worden.. Die 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.5?. 189 Die Erfahrung lehret uns, daß Kinder, wenn sich die Aufmerksamkeit bey ihnen anfangt zu entwickeln, und Menschen, die durch die Culrur noch nicht verfeinert sind, einen natürlichen und unwiderstehlichen Drang haben, alle ihnen vorkommende neue Gegenstände nach dem Tone zu bezeichnen, mit welchem sie sich ihnen das erstcmahl darstellen. Das sich selbst überlassene Kind nennt die Kuh 2?uh, den kleinen Hund Baff, den großen Hau, u. s. f. Als der Neger am Senegal die ersten Portugiesen ein Feuergewehr losschießen hörte, nannte er es Puff, und diesen Nahmen führet es an der ganzen westlichen Küste von Afrika noch, obgleich kein Neger weiß, daß auch der Europäer eine Are Schießgewehre, aus ähnlichen Ursachen, Puffer nennt. Unter den ^andleuten ist der Hang in Ono- matopöien zu reden desto gemeiner und dringender, je mehr sie sich noch dem rohen Stande der Natur nähern, daher auch die Wörter dieser Art in den gemeinen Mundarten überaus Zahlreich sind. Je mehr der Mensch in der Cultur wächst, desto mehr entledigt er sich dieser tönenden Wörter, weil er sich dieses rohen und einfachen Ursprunges seiner Sprache und seiner Erkenntniß eben so sehr schämet, als seiner ursprünglichen Nacktheit, und er möchte sie gern alle verbannen, wenn sie ihm nicht in tausend Fällen unentbehrlich wären. Die am unbestimmtesten tönen, gehen dabey, ihrer tönenden Bedeutung nach, am ersten verloren, weil sie zu übergetragenen Bedeutungen am geschicktesten sind, und daher auch am ersten und häusigsten dazu gebraucht werden, z.B. gehen, reden, bervegcn, und taufend andere mehr, deren schon anfänglich unbestimmt tönende Bedeutung nach vielen Jahrhundert 190 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. Hunderten übergetragener Begriffe oft kaum noch zu errathen ist. Die Erfahrung lehret uns endlich, daßTaub- gebohrnen, auch wenn sie die nothigen Sprachwerk- zeuge in der größten- Vollkommenheit besitzen, nie auf dem gewöhnlichen Wege, und durch künstliche Erfindungen nur sehr unvollkommen, sprechen lernen. Die laute, welche sie, sich selbst überlassen, hervor bringen, sind entweder Ausdrücke innerer Empfindung, und also bloße thierische unförmliche Schälle, oder einzele willkührliche zur Nachahmung des an andern bemerkten bewegten Mundes, und nach uns unbekannten dunkeln Empfindungen gebildete Wörter, wie Hrn. Heitttckens Stummgebohr- ner, bey dem der Hund Deyer, ein Kind Tmren, das Geld Patten, ich will nicht necke, eins gä, zweyschuppatter hieß; oder wirklich dunkele Nachahmungen eines im Innern verworren empfundenen lautes, wie eben dieses Stummen mumm, csse», beweifet, wobey er, feines gehörlofenZustandeö ungeachtet, doch vermuthlich eine dunkele Empfindung des im Essen mampfenden Mundes hatte. S.Hrn. Heinicrens Beobachtungen übcrStumme istenTH. S.iz?. Wir machen daraus den sehr richtigen Schluß, daß zur Sprache das Gehör wesentlich nothwendig ist, und warum anders, als weil Wörter eigentlich hörbare Merkmahle der Dinge sind? Wir wollen es bey diesen Erfahrungen, deren leicht mehrere angeführt werden könnten, bewenden lasseil, weil sie hinreichend seyn werden, uns die Wörter in ihre Bestandtheile zerlegen zu helfen, und uns bis zu dem Ursprünge der Sprache, und besonders d«r Deutsche», hinauf zu führen, 54. 2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 54. 191 §. 54. Die Sprache bestehet aus XVörtcrn, Wörter und diese sind vernehmliche Ausdrücke unserer Vor- entstehe^ stellungen, welche wenigstens klar seyn müssen, wenn ihre Ausdrücke ihre Absicht erreichen und zu Merk- mahlen dienen sollen. Eine klare Vorstellung ent. siehet aus einer dunkeln, wenn die Seele bey wie- . derhohlter Empfindung der letztem bey derselben verweilet, und sich ein Merkmahl von dem empfundenen Dinge absondert, an welchem sie es wieder erkennen kann. Gelingt es ihr nach und nach, dieses Merkmahl noch genauer zu bestimmen, oder an demselben neue Merkmahle auszudrucken, so wird ihre Vorstellung davon deutlich. So wie nun klare Vorstellungen aus einzelen dunkeln entstehen, so entstehen auch die Wörter, als Ausdrücke der erster«, aus den Ausdrücken der dunkeln Empfindungen. Aber wie? Etwa nach will- kührlich gewählten bauten? Gewiß nicht, die Ursprünge aller Sprachen und ihr ganzer Bau widerlegen es. Überdieß ist eine Sprache willkührlich erfinden, wie Herr Herder sehr richtig bemerkt, für die Seele, noch mehr aber für die Seele eines noch ungebildeten ganz sinnlichen Menschen, eine eben solche Qual, als für den Leib, sich zu Tode streicheln zu lassen. Zu geschweige, daß Verabredung will- kührlicher Zeichen schon Sprache und deutliche Begriffe voraus setzt, die doch erst entwickelt und erfunden werden sollen. Oder durch den Drang innerer Empfindung? Gut, nur erkläre man erst, wie innere Empfindung von äußern Gegenständen, ohne ein abgesondertes hörbares Merkmahl, je so klar werden könne, daß sich eine vernehmliche Sprache darauf bauen ließe. Das ganze Lehrgebäude von Sprache aus innerer Empfindung ist eine Luftblase, die vor dem ersten Taubgebohrnen zerplatzet, der bey ^ allen / 192 I. Th. I. Abschn. Bildung der Wörter. allen seinen innern Empfindungen noch nie Sprache- erfunden hat. Und sind §. 55. Die äußern Gegenstände, die Quelle und MMh- der Ursprung aller unserer Erkenntniß, werden auf münzen der fünffache Art empfunden. Allein, soll unsere Natur^" VorMrmg. davon durch Sprache ausgedruckt werden, oder, welches eben so viel ist, ein hörbares Merkmahl enthalten, so muß das erkannte Merkmahl selbst tönend oder hörbar seyn, weil sich sonst nichts an dem Gegenstände hörbar bezeichnen läßt. Sprache kann also ursprünglich und eigentlich nichts anders, als hörbarer Ausdruck der hörbaren Merkmahle der Dinge, oder Nachahmung der tönenden Natur, seyn. Wer dieses noch weiter ausgeführt, und, doch nur aus Schlüssen, bewiesen haben will, der lese Herders Preisschrift über den Ursprung der Sprache. So lange bis der erste Mensch dazu gelangte, sich ein hörbares Merkmahl von den Dingen außer ihm abzureißen, und dazu mußte er, bey seinen Fähigkeiten und bey seiner Bestimmung zum gesellschaftlichen Umgange, sehr bald gelangen, war >er ein bloß dunkel empfindendes Geschöpf, welches zwar freye Bewegung und instinctmäßigen Trieb, sich des Hungers zu erwehren, aber noch keine klaren und noch weniger deutliche Vorstellungen hatte, weil die sich erst mit der Sprache entwickeln konnten. 5/lutum tuipe Z)ecu5 — — — Doncc veiba, ^uibuz voces lenlu5^ue notarent Uniiuns^ue invelierc. //o?-. 8erm. 1.1. Vorstellung §. 56. Auf diesem Wege des Gehöres nun ent- .md Spra- wickelten sich in dem Menschen klare Erkenntniß ckeln"sich ""ö Sprache zu ein und eben derselben Zeit, und gegenseitig, bildeten sich wechselsweise mit Hülfe der übrigen Sinne 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.56. 19z Sinne aus. Die erste Empfindung des Hörbaren in Nackte derNatur war nur dunkel, so auch der erste Ausdruck Wurzel- derselben, ohne Zweifel ein einfacher noch unge- schlachter Hauptlaut. Beobachtung und 'Aufmerksamkeit machten die Empfindung klarer und den Ausdruck bestimmter. Der ungeschlachte Haupt-- laut verwandelte sich in den geschlachtern, dem Na- turtone angemessenen, und es gesellete sich einHülfö- laut dazu, die bemerkte Höhe oder Tiefe des Tones zu bezeichnen. Das Wehende, Säuselnde, Zitternde u. s. f. ward nach der Höhe oder Tiefe des Toneö rva, rve, roi, rvo, rvu; ra, re, ri, ro, ru; ab, eb, ib, ob, ub; as, es, is u. s. f. Wir wollen diese ersten Laute N?ur;eltame nennen, weil sie nur noch Ausdrücke einzeler Empfindungen sind, die noch bey weitem nicht alle die Klarheit haben, deren sie sahig sind. Diese Klarheit verschaffte der Vorstellung die fortgesetzte Aufmerksamkeit, welche, zum Beyspiel, in den durch r nur noch dunkel ausgedruckten Lauten eine neue Mannigfaltigkeit entdeckte, sie mir ihrem eigenthümlichen Hauptlaute bezeichnete, und dadurch den zuerst nur noch dunkel empfundenen laut in fo viele Geschlechter zertheilte, als sich neben dem allgemeinen Merkmahle noch besondere Merkmahle empfinden ließen. So zerfiel der noch sehr unbestimmte Laut r von selbst in die Laute rb, rch, rd, rt, rj> rn, rs n. s. f. und mit bemerkter Höhe oder Tiefe des Tones in die laute rab, reb, reib, rib, rob, rub; räch, rech, rich, roch, ruch; ras, res, ris, ros, rus u. s. f. Jetzt war die Vorstellung fchon völlig klar, und der Ausdruck derselben bestimmt, und in vielen Fallen so klar und bestimmt, daß kein weiterer Zusatz möglich war, weil sich in dem Laute -selbst nichts Mannigfaltiges mehr entdecken, folg- Adel.D.Spr. N lich l94 i.TH. i.AbHn. Bildung der Wörter. lich auch nicht ausdrucken ließ. Ein solches Wort mag ein nacktes oder unbekleidetes N?ur;el- rvorr heissen. Fulda nennt den ersten Hanptlant eines solchen Mlbe« kleideten Wurzclwortes den Regenten oder Führer, und den zweyten den Minister oder Dienstlaut. Wir können diese Nahmen behalten, nur wollen wir uns vor dem Irrthume hüten, daß der zweyte Hauptlaut nicht so bestimmt zur Wurzel gehöre, als der erste, sondern mit einem jeden andern vertauscht werden könne. Wenn der Begriff klar und ,ider Ausdruck bestimmt seyn soll, so ist er allerdings eben so Nothwendig und unentbehrlich, als der erste. Rab, räch, rad,raf,r«s, raru. s. f. drucken lauter eigene voneinander völlig unabhängige Laute aus, die, so lange Sprache noch weiter nichts, als Nachahmung der tönenden Natur, ist, nicht mit einander vertauscht werden können. Wurzelwörter, welche einerley Führer und verschiedene Dienstlaute haben, sind frevlich im Laute, und folglich auch in den Begriffen, ähnlich, allein ohne deswegen von einander, oder von ihrem Führer, abzustammen. Es ist nicht einmahl wahrscheinlich, daß bey der ersten Anlage eines Wortes, d. i. bey dem ersten Ausdrucke der ersten noch dunklen Empfindung, gerade der Führer zuerst gebildet worden. Die Mißdeutung dieser Benennung Hat5?crrn Mäyke verleitet, diesen Dienstlaut als sehr gleichgültig anzusehen, alle mit einem und eben demselben Hauptlaute anfangende Wörter von einem einigen Stamme, mid, durch die eben so willtühr- lich angenommene Verwandlung der Führer, diese Stamm- lvörter wieder von einander abzuleiten, so daß, ihm zu Folge, alle Wörter der Deutschen Sprache von drey bis fünf - Etammwörtern abstammen. So läßt sich denn freylich ans ollem alles machen, und ein solches Verfahren ist eben nicht sehr geschickt, die Etmnologie von der Verachtung zu be- frepen, unter welcher sie seufzet. AuSgeln'lde- §. 57. Allein in vielen Fallen ließ sich in dem te Wurzel-aufgefangenen Merkmahle neue Mannigfaltigkeit Wörter. entdecken , wodurch die Vorstellung deutlich ward, der 'Ausdruck derselben aber seine völlige Bestimmtheit erhielt. Diese bekam er durch Hinzufiigung- ' , solcher 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.57. 195 solcher Hauptlaute, welche das neu entdeckte hörbare Merkmahl genau nachahmten: entweder vorn, trab - en, trief- en, grab - en, schreib - en, tret 5 en, krach - en; oder hinten, raps- en, rirz - en, rcicz - en, rutsch--en, bams-en, sums-en; oder an beyden Orten zugleich, play, blitz, krirzl-en, krarz-en, spritz-en, spreicz-en, schmerrr-en, knirsch-en» Ein solches Wort, welches ein ausgebildetes lVurzclwort heissen mag, hat alle nur mögliche Bestimmungen, deren es nur fähig ist, und ist gewisser Maßen individuell, dagegen die 5Vur;el5 laute, wegen ihrer Unbestimmtheit, ganze Classen von Begriffen, und die nackten ^urzelwörter ganze Geschlechter begreiffen. l'lber drey unmittel--- bar auf einander folgende Hauptlaute gehet die Deutsche Sprache in Bestimmung der Grundwörter nicht leicht. Härtere Sprachen, z. B. die Slavonische, gehen wohl noch weiter, dagegen weichern und schlüpfrigem oft zwey Consonanten schon zu viel sind, daher sie selbige bey weiterer Cultur durch einen Hülfslaut trennen, ^«^«T^-v, krarzen, dadurch aber den Bau ihrer Wörter verdunkeln. Der Mensch fand also in dem Baue der Theile des Mundes ein Vermögen, die auffallendsten und ihm in seinem noch ungebildeten Zustande wichtigsten Töne der Natur mit allen ihren Abänderungen nachzuahmen, und zwar: i. Das Wesentliche des Tones, ob er wehend, sausend, brausend, zitternd u. s. f. sey, vermittelst des Druckes der Theile seines Mundes, folglich vermittelst der Hauptlaute und deren Zusammensetzung. 2. Die Höhe und Tiese des Tones, durch die stärkere oder schwächere Öffnung des Mundes oder durch die Hülfslaute, piff, puff, paff puff geht sein Gewehr, Weiße. Schwipps war er hinein, schwapps bekam N 2 er 196 i.TH. r.Abschl?. Bildung der Wörter. er eins an die Ghren, schrvupps da lag er. Nnicks macht das Glas, knack der Stock, knuck das Bein. z. Den langsanien und folg, lich gelinder» Ton, durch Dehnung des Hülfslau- tes und durch den folgenden einfachen oft gelinden Hauptlaut: ras-en, rausch? en, reib-en, reis-en, rveg-en. 4. Den schnelleil und folglich heftigen Laut, durch den geschärften Hülfslant und Verdoppelung des darauf folgenden Hauptlautes: Lall, raff', riy-en, roack-eln. Beydes war zugleich ein Mittel, einerley Laut nach den verschiedenen Graden der Starke nachzuahmen, indem man nur die weichen Hauptlaute entweder vorn, oder am Ende, oder, zur Bezeichnung des höchsten Grades, hinten und vorn zugleich, mit den geschürften und harten vertauschen durste: berveg-en, feg-en, rväch - eln, fach - eln, rvack - eln, sack - eln; saus-en, zaus-en; blar, platt; bliy, plarz; breit, spreir- en, spreiy - en. 5. Das mit einem Laute verbundeneZittern vermittelst des aiigehängten characteristifchen r: zittr-n, bobr-n, schmettr-n, zögr-n, schlottr-n, psltr-n. 6. Die Mieder- Höhlung eines und eben desselben Lautes, besonders durch das gleichtönende l, oft auch durch r: rvackl n, schütt! n, rücrl - n, streich l - n, riesl n, flarrr-n, slocl)r-n. Wozu das alles, wenn Sprache willkührliche Verabredung oder Ausdruck innerer Empfindung wäre? Indessen find nicht alle Wurzelwörter auf die jetzt gedachte Art auf das genaueste bestimmt, entweder, weil sich in dein Tone, bey fortgesetzter Aufmerksamkeit, nichts Mannigfaltiges mehr entdecken ließ, oder auch, weil man unterließ, den Ausdruck zugleich mit der Vorstellung klärer und bestimmter zu machen, Oft bildete man, statt des nackten Wurzel- 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.58. 197 Wurzelwortes, den ersten Wurzellaut aus: alt, arg, arm, erz; blau, fro, frü, dro, strc». Oft behielt man, bey fortschreitender Cultur, neben dem genauer bestimmten Ausdrucke auch noch den unbestimintern bey, um ein ähnliches unhörbares Ding, wovon man einen eben fo dunkeln Begriff hatte, damit auszudrucken. So waren eb, erv ursprünglich Nachahmungen der jaute gleichförmiger langsamer Bewegungen in die iänge von verschiedener Stärke; als man diese durch rveb-en, rveg-en, bestimmter ausdrucken lernte, wurden die ersten ineb-en, und erv-ig Ausdrücke des Gleichförmigen, theils in der horizontalen Flache, theils in der langen Dauer. §. 58. Wenn nun gleich der erste Versuch der Erster Sprache Nachahmung der tönenden Natur ist, so Grund der folget daraus noch nicht, daß gerade alle Wurzel- ^A"d^ Wörter einer Bedeutung in allen Sprachen gleich- S^che,,. lautend seyn müssen. Sie sind es in der That mehr, als man glaubt, wenn man die Kunst verstehet, die Wörter mehrerer Sprachen in ihre wahren Wurzeln aufzulösen, und in das Alterrhum jeder Sprache so hoch hinaufsteigen kann, als hierzu erfordert wird. Besonders findet dieß bey genau bestimmten Wurzelwörtern Statt. Allein, wenn auch die Verschiedenheit größer wäre, als sie wirklich ist, so würde sich selbige leicht erklären lassen. Denn 1. die ersten jaute des Mundes, womit der noch ungebildete Sohn der Natur die Töne der leßtern nachzuahmen suchte, waren nothwendig sehr ungeschlacht, rauh und mit mancherley Nebentönen begleitet, weil die begierige Seele gern alles auf einmahl ausdrucken wollte; daher bey noch rohen Völkern die Häufung der Consonanten. Bey mehr Cultur, als man die Töne des Mundes auf eine gewisse be- N z stimmte 198 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. stimmte Allzahl einzuschränken suchte, löseten sich die ungeschlachten Wurzellaute bey einem Volke in diese, und bey einem andern in andere verwandte Laute auf: krach - en, tat. 5rgZor, Griech. xf?>5 - ?«?-?- - ?n>. 2. Ein und eben derselbe Naturlaut zeiget sich in der Natur selbst oft unter sehr verschiedenen Gestalten, und ein Geschl-cht nahm diese,und ein anderes eine andere zum Grunde der Benennung, «der bildete einen und eben denselben von seinen Vätern empfangenen nackten Wnrzellaut, bey mehrerer Aufklärung der Begriffe, auf verschiedene Art aus. Z.B. der Donner, wie mannigfaltig ist nicht sein iaut, und wie mannigfaltig sein Nahme! Der Hebräer nennt ihn mit einem nackten Wurzelworte laain, welches der Slave in Hrom und Gromb, und der Niederdeutsche in Gromm-el ausbildet; von andern Arten seines iauteS nennt ihn der Scandinave Iior, der Schwabe Thorn^ der Hochdeutsche Donner (Donnr), der Lateiner l'vmtru (toiütr), der Perser "l^ouQclei-, der Grieche /?5>ov?-»i. Wer verkennet hier wohl, bey allen scheinbaren Verschiedenheiten, die Nachahmung der Natur? ' Folgen ans §.59. Aus diesem allen folget nun: 1. daß Sem Vor- Sprache und Vorstellungskraft in dem genauesten ^^M' gegenseitigen Verhältnisse stehen, und sich wechselsweise entwickelt und ausgebildet haben, daher wir nunmehr nicht anders, als vermittelst der Worte, klare Vorstellungen haben, oder denken können. Alle Zeichen, welche man außer den Wörtern als Zeichen der Vorstellungen eingeführet hat, sind nicht sowohl Zeichen der Vorstellungen, als vielmehr der Worte, und müssen erst auf Wörter zurück geführet - werden, wenn wir einen klaren Begriff davon haben wollen. 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.59. 199 wollen. Daß dieser Weg, auf welchem wir vermittelst des Sinnes des Gehöres zur vernünftigen Erkenntniß gelanget sind, nach Maßgebung unserer Fähigkeiten der allervollkommenste und bequemste ist, ist leicht zu erweisen, wenn man ihn mit derjenigen Erkenntniß vergleicht, welche Taubgebohrne durch Hülfe der übrigen Sinne erlangen. Allein bey dem allen ist er doch, an und für sich betrachtet, äußerst unvollkommen, weil er sich bey einem sehr unbedeutenden und zufälligen Merkmahle anfängt; und obgleich der Menfch in dem Fortschritte der Cultur dieses Merkmahl wieder verläßt, so ist doch die ganze Reihe seiner Vorstellungen so sehr darauf gestimmt, daß sich die Seele überall gefesselt fühlt, so, bald sie sich mit ihren Betrachtungen über das bloß Sinnliche erheben will. War ihr etwa in der gegenwärtigen Verbindung der Dinge von ihrem Schöpfer ihr Wirkungskreis nur in der bloßen Kör- pcrwelt angewiesen? Und war ihr etwa um deßwillen das Reich des Unsichtbaren schon durch die mögliche Art ihrer Erkenntniß auf immer verschlossen? 2. Daß die Consonanten oder Hauptlaute der wesentlichste Theil jedes Wortes sind, indem sie allein die eigenthümliche Art des Lautes bezeichnen, dagegen die Vocale oder Hülfslaute nur dessen Höhe oder Tiefe ausdrucken; ein Saß, der von fast allen Sprachlehrern und Philosophen umgekehret worden, welche die Vocale für die wesentlichsten Laute halten, blöß weil sie für sich selbst tönen, welches aber auch schon viele Consonanten thun. Die ältesten morgenländischen Völker waren von der mindern Nothwendigkeit der Hülfslaute schon dunkel überzeugt, daher sie selbige auch bey ihren ersten Versuchen, mit Buchstaben zu schreiben, nicht mit bezeichneten. N 4 ?.Daß Zoo i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. z. Daß der erste Versuch der Sprache aus ein- sylbigen Schällen bestand, aus wahren Jnterjectio- nen, so wie der vorüber gehende 5aut in der Natur sie veranlaßte. Was sind sie anders, als Wurzellaute, welche die Empfindung als bloße Empfindung bezeichnen, und zwar sowohl die innere Empfindung, «ch! oh! och! weh! ha! als auch, und zwar am häufigsten und fruchtbarsten, die äußere, piff, puff, husch, piay, knack, krach, u. s. f. welche letztem der Grund und Anfang der ganzen Sprache sind, dagegen die erstern für bloße thierische Schälle gehalten werden müssen, welche immer Interjektionen bleiben, und sich wegen ihrer Armuth und engen Bezirkes nie zu Vorstellungen zusammen reihen lassen. 4. Daß jedes Wurzelwort ursprünglich einsyl- big war, weil der noch rohe Naturmensch seine ganze Vorstellung mit einer Öffnung des Mundes hervor drängte, und sich nicht die Zeit nahm, jedes Merkmahl mit der ihm eigenen Höhe und Tiefe des Tones zu begleiten, sondern nur den in dem ganzen herrschenden Ton mit dem ihm gehörigen Vocal bezeichnete: schmertr--n) raßl-n, zittr-n, bey mehr Cultur und Verfeinerung, rajsel-n, schmetteren, zitter-n, 5. Daß diese ersts Sprache eine Art eines un- , geschlachten Gesanges war, wo der Mensch den empfundenen Naturlauren mit ihrer Höhe und Tiefe nachtönte und der Deutlichkeit durch Mine und Geberde zu Hülfe zu kommen suchte, ein ehrwürdiger Überrest der Kindheit der Sprache, welcher sich bey manchen Völkern noch sehr lange erhalten hat, selbst da ihre Sprache schon lange aufgehöret hatte, weiter nichts, als Nachahmung der tönenden Natur, zu seyn. Und nur in so fern kann es wahr seyn, was man 2.Kap. Ursprung der Sprache. §.59.60. 201 man so oft behauptet und wiederhohlet hat, daß Gesang und Dichtkunst alter sind, als Prosa. 6. Daß der wahren Wurzelwörter in jeder Sprache nur wenige sind, im Deutschen ungefähr nur 600; warum anders, als weil die merklich unterschiedenen Naturröne ihre eingeschränkte bestimmte Anzahl haben. Die Buchstaben unsers Alphabetes lasten sich, nach Z.eibmzens Berechnung, über 620448 Trillionen Mahl versetzen. Würde man bey der ungeheuern Menge von Begriffen, welche durch Sprache ausgedruckt werden sollen, diesen Reichthum wohl unbenutzt gelassen haben, oder nicht noch jetzt benutzen können, wenn Sprache Ausdruck innerer Empfindung wäre, oder auf Verabredung willkührlicher Zeichen beruhete? Warum kann jetzt in keiner einzigen bekannten Sprache, aller neuen Begriffe ungeachtet, ein neues Wurzclwort mehr gemacht werden, außer nur in dem Falle, wenn sich ein neuer Gegenstand durch einen neuen bisher noch nicht bekannten, oder doch noch nicht zur Sprache angewandten iaur darstellet? 7. Daß daher diese wenigen Wurzellaute von jedem Volke sehr frühe, und »och lange vor seiner eigentlichen Cultur erschöpft werden muffen, daher es bey Erweiterung seiner Vorstellungen seine Zuflucht zu andern Hülfsmitteln nehmen muß. §. 60. Da nun diese nachgeahmten Naturlaute eine Absicht hatten, weil das Bedürfniß des gesell- Sprach schaftlichen Umganges sie erpreßte, so mußten sie fiM'> sogleich Merkmahle seyn; aber wovon? Von allem, wovon sie Merkmahle seyn konnten; zunächst der Bewegung und der Handlung, welche den nachgeahmten laut hervor brachte, dann des Dinges, an welchem man den iaut bemerkt hatte, einer Eigen- N 5 schast, 202 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. schaft, eines Umstandes u. s. f. Hier lehrte die Natur und das Bedürfniß erzwäng in dem noch ganz sinnlichen Zustande die ersten Sprachsigu- ren, die sich bey weiterm Fortschritte so sehr vermehrten. Noch jeht kommt das erste Wurzelwort in allen Sprachen, so wie in der Deutschen, in allen Gestalten vor; als Verbum in manchen mor- genlandischen Sprachen, im Deutschen aber nur im Jmperfect der irregulären Zeitwörter, und im Imperativ aller: play, brich, fall, beb, bell, ich band, ich fand; als Nennwort, Aal, Ahl, Alp, Ahm, Ball, Bahn, Bein, Beil, Blick, Bliy; als Bey-und Nebenwort, laut, hell, bald; als Partikel, ab, an, auf, aus, bey, bis; oft in mehrern Gestalten zugleich, ich band, ich bund, das Band, das Bund; fall und der Lall. Ursprung §. 61. Jedes erste Wurzelwort war individuell allgemeiner und bezeichnete nur dasjenige Ding oder diejenige y^n Hebung, welche es zuerst veranlasset hatte. Almen da der Ton unter einerley Umständen mehrmahls wieder kam, so ward der nachgeahmte Laut ganz natürlich der Nahme aller ihm ähnlichen einzeln Dinge oder Handlungen. Raffen, brauss en, fall-en, lcb-en, wurden Nahmen aller der Veränderungen, auf welche diese Laute paßten. Der Lorve, dessen L.cuen oder Brüllen zuerst sein Nahme geworden war, hieß nicht allein Ü.öwe, sondern zugleich alle ihm ähnliche Thiere seiner Art, wenn man sie gleich nicht leuen hörte. Das war die zweyte Sprachfigur, und zugleich der erste Schritt zu allgemeinen Nahmen und Begriffen, das wesentlichste Stück und der Grund aller unserer Erkenntniß. Freylich war dieser erste, obgleich schon sehr wichtige Schritt zu allgemeinen Nahmen^ und Begriffen 2.Kap. Ursprung der Sprache. §. 61. ,20z griffen noch sehr roh und unvollkommen. Eine der vornehmsten Ursachen bestand darin, daß man sich oft ganz an da6 Gehör hielt, und die übrigen Sinne von der Beurtheilung ausschloß, oder vielmehr, weil die Sprache in ihrem ersten Ursprünge ganz Nachahmung der tönenden Natur, und auch weiter nichts war. Daher in allen Sprachen so viele gleich lautende Wörter, welche ganz verschiedene Dinge bedeuten. Bär, im Deutschen das bekannte Raubthier, ferner ein Eber, ein Rammklotz, ein Damm; Bem-el, ein Sack, ein Sieb, ein Werkzeug zum schlagen, ein Meißel; Bock, der Mann der Ziege, ein Gerüst oder Gestell, ein Klotz, eine gebogene oder erhöhete Fläche, ein Fehler; iLver, ein Bohrer, ein Fahrzeug, der Storch, ein männliches Schwein; Flöte, ein Büschel, eine Art Schiffe, ein Trinkglas, ein musicalischeS Werkzeug; Finne, ein Sumpf, eine Blatter, der Gipfel, eine Floßfeder; Aay, das zahme Hausthier, ein kleiner Anker, ein verbindendes Holz im Schiffsbaue, daS Jagen und ein Iagdschiff, ein ehemaliges Sturmwerkzeug, ein Haken, ein Büschel, ein harter Körper, eine Erhöhung, ein hohler Raum, ein Behältniß, in HütrenLaye gar eine Krankheit, und wer weiß, was noch alles mehr. Warum das anders, als weil man alle diese Gegenstände ursprünglich unter einerley Laut empfand, oder in der Folge der Cultur sie unter einerley Laut zu empfinden glaubte. Hier, wie unter unsern After-Etymologen so gewöhnlich ist, Ähnlichkeit in den Begriffen zu suchen, wo weiter nichts, als Ähnlichkeit des Tones, ist, heißt den ganz sinnlichen Naturmenscheil zu einen witzigen Müßiggänger des achtzehnten Jahrhunderts »nacheil, der sich aus 204 I. Th. I. Abschn. Bildung der Wörter. aus lieber langer Weile hinsetzt, weit gesuchte Ähnlichkeiten auszugrübeln. Auf der andern Seite machte eben diese genaue Anhänglichkeit an den Ton, daß ein und eben dieselbe Sache nicht allein bey mehrern Völkern, sondern selbst bey einerley Volke mehrere Nahmen bekam, je nachdem sie, wenn sie wieder vorkam, mit einem andern Tone verbunden war, oder doch unter demselben gedacht wurde. Beyspiele finden sich überall. Gehen, reisen, (ehedem auch für gehen) wandern, wallen, (Franz. allei,) vaciere, (linser waren,) /Z«^? son mahlen, so werden alle zehn Bilder der Person! ähnlich seyn, wenn sie gleich in der Stellung, in der Kleidung, und in andern Nebenstücken von einander abweichen sollten, und zehr. Sprachen werden bey aller scheinbaren Verschiedenheit doch noch immer Übereinstimmung genug behalten, den sich immer gleichen Gang der Natur darin zu er^ kennen, H s §. 6z. 2i2 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. Biegung §. 6z. Bis hierher haben wir den ganzen Reich, und Ablei- thmn menschlicher Begriffe als einen Vorrath bloß Wörter^ einzeler Vorstellungen, und die Sprache als eine ^ ^' Sammlung einzeler einsylbiger Wurzelwörter betrachtet, welche durch nichts unter sich verbunden waren. Allein, da die nächste Absicht der Sprache war, die äußern Dinge und ihre Verhältnisse gegen den Sprechenden auszudrucken und andern merklich zu machen, so mußten sich die Vorstellungen sehr bald an einander reihen. Der Mensch mußte, bey ein wenig Aufmerksamkeit, wenigstens dunkel empfinden, daß seine Vorstellungen nicht von einerley Art waren. Er mußte bemerken, daß einige den Zustand des Handelns oder Wirkens, andere das handelnde Ding, noch andere eine Eigenschaft oder einen Umstand bezeichneten. Dieses aber auch durch Laute auszudrucken, siel dem rohen Naturmenschen anfänglich vermuthlich schwer, daher er seine ein- sylbigen Grundwörter durch Minen und Geberden verknüpfte, und dadurch seine verbundenen Vorstellungen deutlich zu machen suchte. Übung und Aufmerksamkeit lehreten ihn endlich, nicht allein den dunkel empfundenen Unterschied seiner Vorstellungen auch an dem einsylbigen Grundworte auszudrucken, sondern auch Nebenbegriffe und Verhältnisse an dasselbe anzuknüpfen, und dadurch nach und nach die Sprache zu demjenigen zu machen, was sie ihrer Absicht nach eigentlich seyn sollte, zu einem Mittel, eine ganze Reihe zusammen hängender Vorstellungen mit allen ihren Nebenbegrissen und Verknüpfungen durch vomehmliche Laute zu bezeichnen. Das konnte nun freylich nicht anders, als nach und nach, nach gleichsam unmerklichen Stufen geschehen, wobey der Mensch bey den am meisten hervor 2.Kap. Ursprung der Sprache. §. 6z. 215 vor siechenden Nebenbegriffen anfing, und zu den minder merklichen fortschritt. Da er von allen diesen Nebenbcgriffen und Verhaltnissen keine andern als dunkele Begriffe haben konnte, so konnte er sie auch durch keine andern als sehr unbestimmt tönende Laute ausdrucken, welche mir seiner dunkel gedachten Vorstellung einige Ähnlichkeit hatten. Daher sind alle alten Flexions- und die ältesten Ablei« tungösylben unbestimmt tönende Wurzellaute, ein« zele Haupt- oder Hülsslaute, oder höchstens, ein Hauptlaut mit seinem Hülfslaute. Das n, der nachahmende Ausdruck einer dunkel empfundenen gemäßigten Bewegung, ward, dem Wurzelworte zugesellet, der Ausdruck sowohl deö dunkel empfundenen Begriffes des Handelns, Thuns oder Seyns, plarz n, sprech n, rveh n, blirz n; als auch eines den Laut des Wurzelwortes hervor bringenden Dinges, der Schüttn, Ladn, als endlich auch der Vielheit, die Mensch n; das härtere r, des handelnden Dinges, des Werkzeuges, einer dritten Person, plarz r, sprech r, .blirz r; das d oder t, welches schon die figürliche Bedeutung einer Anstrengung erhalten hatte, sowohl der Ausdruck der geschehenen Wirkung, als der vergangenen Zeit, plarz t, blitz t, u. s. f. Bey mehr Verfeinerung und Übung begleitete man diese Laute mit einem Hülfslaute, die Härte zu vermeiden, bemerkte, daß sie nur Verhältnisse und Nebenbegriffe bezeichneten, und knüpfte sie daher an den Hauptbegriff an, so daß beyder Ausdrücke nur ein und eben dasselbe Wort ausmachten: plarzen, sprechen, wehen, plarzer, Sprecher, Vlirzer, es plarzc, ge-plarzt, plarztüe. So kamen die Spracherfinder nach und nach nicht nur zur dunkeln Erkenntniß der verschiedenen Arten der Begriffe, und O z zu si4 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. zu dem Hülfsmittel, das Mannigfaltige in denselben durch hörbare iaute auszudrucken, sondern auch zu dem Kunstgriffe, die schon erschöpften Naturlaute zu vervielfältigen, und für neue Begriffe neue Wörter zu bilden. Wir wollen mit den Biegungssylben anfangen, weil sie die einfachsten sind, ob es gleich wahrscheinlich ist, daß sie später angewandt worden, als manche der folgenden Ableitungssylben, deren Begriff merklicher ist, und daher klärer empfunden werden mußte. Menons- §. 64. Die vornehmsten laute, womit man die ßMn. Verhältnisse der Dinge zu bezeichnen suchte, welches insgesammt sehr unbestimmte Wurzellaute sind, und welche wirFlerions- oder Viegungssylben nennen wollen, sind folgende: e. l. Die erste einfache Person der Zeitwörter: ich lieb--e, liebt-e. 2. Die dritte einfache Person in der vergangenen Zeit, er liebt-e. z. Die Concretion der Adverbien zu Adjectiven, der Mit-e Mann, die fromm-e Frau, das groß-e Haus. 4. Verhältniß des Dativs, dem Mann--e, dem Hund-e. 5. Die Mehrheit, die Händ-e, Gesetz-e, Nerz-e. M, em, zur Bezeichnung des einzelen Dativs, dem, manchem, ihm. N, eil. 1. Der einzcle Genitiv und Dativ in manchen Nennwörtern, des, dein Buden, des, dem guten, des Menschen, den» Herzen. 1. Eine Mehrheit, sowohl in Nennwörtern, die Glocken, die Fliegen, die Strahlen, die Adern; besonders im Dativ, den Müttern, Händen; als auch in Zeitwörtern, wir licb-en, sie lieht- en. r, er. 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.65. 215 V, er. 1. Ein männliches Ding in den Be>> wörtern, ein gut5 er Mann, gut 5 er Freund. 2. Die Mehrheit in manchen Nennwörtern, Mäim> er, Häuf-er. s, es, zur Bildung r. des Genitivs, des Mann - es, des Schlitten - s, des Herzen - s, des Häuschen? e. 2. Des unbestimmten ungewissen Geschlechtes in den 'Adjectiven, ein alt--es Haus. st, est, zur Bezeichnung der zweyten einfachen Person, du lieb-est, liebt?est, handelest. t, et. 1) Die dritte einfache Person des Präsens, er lobtet, oder lobst, erhalt. 2) Die zweyte vielfache Person, ihrlieb-et, lieb-r, ihr liebt - er. z. Die vergangene Zeit, ich lieb 5 t 5 e, du liebüt-est, sie lieb-r-en, geliebt. §. 65. Durch die Biegung wird bloß das Ver- Ableit»ug hältniß der Begriffe und Wörter verändert; allein durch bloße der Begriff des Wurzelwortes, als bloße Inter- Änderung jection oder tönende Natur betrachtet, war noch des BocalS. mancher andern Bestimmungen und Nebenbegriffe fähig. Oft ließen sich diefe durch die bloße Änderung des Hülfslautes bezeichnen, wenn der Nebenbegriff in der verschiedenen Höhe oder Tiefe des Tones lag, oder wenn man wenigstens glaubte, ihn dadurch ausdrucken zu können. Dogel, Vögel, Das ter, Värer, Mutter, Mütter; wo die Mehrheit durch die bloße Verrauschung des tiefern Hülfslau- tes mit dem nächsten höhern bezeichnet wird. Vorzüglich fand diefes bey den ältesten VerbiS Starr, wo man die vergangene Zeit gemeiniglich durch einen tiefern Hülfslaut, das Bild der Entfernung, das geschehene Ding aber oft mit einem noch tiefern ausdruckte: bind, ich bind, Jmperf. band, ehe- O 4 den» ' ! W!! Ableitnngs- splben. 216 I.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. dem bund, Bund, ein Ding, welches gebunden lst; fließ, Imperf. floß, der Fluß; grab, ich grub, die Grube; bieg, ich bog, der Äug. Zwar nehmen einige, doch im Verhältnisse nur wenige, in der vergangenen Zeit einen höhern Vocal an, besonders ein i oder ie, schweig, schwieg stoß, stieß; allein viele derselben hatten dafür ehedem ein ii, und die übrigen würden am Ende weiter nichts beweisen, als daß die Spracherfinder auch hier nach dunkeln Empfindungen verfuhren. Ein anderer für die Kindheit der Sprache noch feinerer Nebenbegriff, ist der Unterschied zwischen derHervor- bringung und dem Zustande; indessen hat man ihn doch in einigen bemerkt, und durch Veränderung des Vocals bezeichnet, tr^nk-en, trink 5 en, senkten, smksen, sey-en, fly?en, wank-en, wink en, dräng en, dring en, prell - en, prall - en. §. 66. Weit zahlreicher sind diejenigen Fälle, wo man dem Wurzetworte gewisse iaute und Sylben anfügte, einen gewissen Nebenbegriff an demselben auszudrucken, und die wir, weil dadurch ein Wort von dem andern abgeleitet wird, Ableitungss sylben nennen wollen. Indessen muß man diesen Ausdruck hier nicht im weitesten Verstände nehmen, in welchem er auch die vorigen Biegungssylben mit unter sich begrciffen könnte, denn des Manns es, dieLVänn-er sind doch im Grunde wahre Ableitungen von dem Wurzelworte Mann. Auch die Ausdrücke, Verhältnisse und Nebenbegriffe müssen hier nicht im schärfsten Verstände genommen werden, weil sonst leicht einer den andern mit in sich schließen könnte. Diese Ableitungslaute sind von gedoppelter Art; einige werden, dem Worte vorgesetzt, VorsMen, andere, am Ende desselben angehängt, 2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 67. 217 gehängt, Nachsylben. Beyde sind wiederum entweder unbestimmte A)urzellame, welche daher in ihrer Bedeutung sehr schweiffend und schwankend sind, oder Wurzelwörter, welche schon mehr Bestimmung bey sich führen. §. 67. 1. Von Vorsylben, welche aus Wurzel- Borshlben. lauten bestehen, haben wir nur folgende zwey: b, be, welches der Wurzellaut des nachmahls genauer bestimmten Wurzelwortes bey ist, be-gleit ten, be--rühren, be-stehen, be - kräftigen, bleiben. Vor vielen Wörtern ist das b, besonders vor dem l und r, ein Zeichen des verstärkten Begriffes, in welchem Falle man es noch mit zu dem Wurzelworte rechnen kann. g,ge, sowohl vor Zeitwörtern, ge-brauchen, ge-rvinnen, ge-stehen, besonders Zur Bildung des Mittelwortes der vergangenen Zeit, ge 5 braust, ge-rvonnen, ge-standen; als auch vor Hauptwörtern, Ge-nick, Ge-biß, besonders Collectiva zu bilden, Ge-treide, Ge,finde, wie auch Fre- quentativa, Ge-murmel, Ge-stister, Ge-Heul; und endlich auch vor Bey - uud Nebenwörtern, gebirgig , ge - tröst, ge - hässig. Oft zeigei sie sich als der bloße Hauptlaut g, glauben, Gnade, welches denn vor l, n und r oft ein theils nothwendiges, theils müßiges Zeichen der Intension ist, greiften, Gras. 2. Nackte tVurzelrvörrer, deren Bedeutung schon bestimmter ist. Es sind wahre Partikeln, welche ehedem auch als solche gangbar waren. Weil sie aber für sich allein nicht mehr üblich sind, und die damit abgeleiteten Wörter im Gebrauch den vorigen ähnlich sind, so kann man sie immer mit hie- O 5 her siZ i.Th.i.Abschtt. Bildung der Götter. her rechnen. Es sind folgende vier, welche nur allein vor Zeitwörtern und ihren Ableitungen stehen. er: er-fahren, er-steigen, er-warmen, er-lauben, er-kalten. ent, in einigen Fallen emp: ent-stehen, entsagen, ent - sprechen, emp-fehlen, empfinden. ver: ver - bergen, ver-fagen, ver-mehren, zer: zer-treten, zer-stören. i. Nach- §. 68. Die Nachsylben, welche das Wurzelwort sylben, „och näher nach seiner besondern Art, nach einein «,. Grund- ZLmstgnde, Ncbenbegriffe u. s. f. bestimmen, sind gleichfalls wiederum: i. wurzellaure und N)urzelsylben, welche, wegen ihrer unbestimmten Beschaffenheit, am schicklichsten waren, den nur sehr dunkel empfundenen Nebenbegriff zu bezeichnen. Die vornehmsten sind folgende: ch, ich. i. Eine Verstärkung des Tones und hernach des Begriffes zu bezeichnen: Ler - ch, Mol - ch, hör - ch - en, fchnar - ch - en. 2. Ein Ding, »Subject, Act-ich, Vott-ich, Gänf-er- jch, Miirh-er-ich, Litt-ich, N>eg-er-lch. d , de. 1. Das Ding, woran sich der Wurzel- laut befindet, oder welches denselben verursachet, oder verursacht hat, woraus nachmahls bey mehrerer Verfeinerung Absiracta geworden sind: Jag-d, Gelüb-d, Schul-d, Freu-de, Her-de, Gnade, Gün-de, das Gemahl-de. In harten Mundarten und mit einem vermeinten Nachdrucke ging dieser Laut oft in die härtern c, th, ach, urh, über. S. im folgenden r, 2. Wirklich thuend, n>ag- 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.6Z. 219 rvag-en-d, lied-en-d, lab--en-d, lT>in-d. z. Vielleicht eine Verstärkung oder andern Nebenbegriff, oft auch eine mußige Begleitung des n: t.aus- end, Dutz - en - d, nirg - cn - d, irg - en -- 6. e, Dinge zu bezeichnen, woran sich der Wurzel laut befindet, wie d und de, Fläch-e, Flicf-e, platt-e, 2?lass e, Achf-e, besonders weibliche Dinge dieser Art, ein? e, gut - e. Bey mehr Cultur erhielt diese Ableitungssylbe gleichfalls eine noch abstractere Bedeutung, hieZ.ied-e, Gchrvcr-c, !7!äss-e. Gür-e. f, zur Verstärkung des Tones und Begriffes, hüp-f-en, Hop-f-en, pfrop-f, I^op-f, ftop-f-en. ft, das Ding und in der Folge Abstracta zu be- zeichnen, Vernun-fr, Ankun - fr, das alte Brun-ft. g, lg. 1. Eine Verstärkung des iautes und Begriffes, besonders in Zeitwörtern, befchäd-ig- en, besieht-ig-en, pein-ig-en, nöth-ig-en. 2. Ein Ding, Subject, Rön-ig, «oon - ig, pftnn-ig, Zxäf-ig, Zeif-ig. z. Den Nebenbegriff des Besitzes, des Daseyns, gut- lg, sel-ig, adel-ig. icht. 1. Ein Colkectivum, ^ehr-lcht, Feilicht, Lich-ichc, Dick-icht. 2. Den Nebenbegriff der Ähnlichkeit, holz - icht, graf-icht, fleisch - ichr, rhör - ichr. ilig, ung , verwandt mit ig. 1. Das Ding, woran sich der Wurzelbegriff befindet, Här - ing, Vücd-ing, Mcss^ ing, Henn-ing, «^orn-ung. Nachmahls 2. einen abgezogenen Begriff, Theuerung, Erzieh-unI, prüf-ung. z. Ein Col- lectivum^ 226 i.Th.i. Abseht!. Bildung der Wörter. lectivum, Hol; ung, N)ald - ung, Stall - ung, Feld-unI, Huch-ung. 4. Ein abstammendes Ding, jetzt veraltet. MN, verwandt mit n, en, ein lebendiges Ding weiblichen Geschlechtes, Bäcker-inn, Mahler- mn, Eftl-inn, Hünd-inn, Schweizer-inn, Gatt-inn. k, einen noch höhern Grad der Verstärkung als ch und g, blan--k, kran-k, rvel-k, win-k-en, sin-k^en, Vol--k von folgen. l, el. 1. Ein wirkendes Ding und Werkzeug, denn beydeBegriffe waren in der Kindheit desVer- standes schwer zu unterscheiden, Llüg- el, Schlüssel, ^ad-cl, Ang-el. 2. Eine Beschaffenheit, ed-el, eit--cl, dnnk-^el, ek-cl. z. Eine Verkleinerung, Mäd-el, Münd-el, kränk-el-n, fröst-el-n, tänd-el-^n, spött-el-n, fchnirzs el - n. 4. Eine Nachahmung, klug - el - n. 5. Eine Wiederholung, streich ^ el - n, rütt - el - n, ries^ el - n. N, eil, SM. 1. Die Hervorbringuni; des Wurzellautes und Wurzelbegriffes, ein Wirken oder Seyn, das Concresciren einer Beschaffenheit, lieben, krach-en, geh-en. 2. Das Subject selbst,' Schlirr-en, L.ad-en, Beck-en, Bodden, Bcf- en. z. Eine Beschaffenheit, einen Umstand, eb - en, seit - cn, ob - en, geg - en, u»c - en, off^ en, Je - bor - en, ge - bund - en, ge - fund-eit. 4. Eine Materie, gold-en, birk--en, tieferen, sllber-n. 5. Eine Hervorbringung des Wurzel- lautes und Wurzelbegriffes, öff-n-en, fest-n-en, leh-n--en, zeich-n-en. 6. Eine Verstärkung, mah - n, en, wsh n - en, läng - n en, seh - n - en, mal-nn--en. r, er. s. Kap. Ursprung der Sprache, §.68. 22! r, er. I. Einen zitterden Laut, und hernach eine wiederhohlte Bewegung, zitt-er-n, flatteren, polt-er-n, stolp-er--n. 2. Einen höhern Grad, größ-er, süß-er, bejs-er. z. Ein Versetzen in den Stand des Wurzelwortes, fas-er-n, stänk-er-n, folg-Pr-n. 4. Eine Ähnlichkeit, kind-er-n, kalb-er-n, läch-er-lich. 5. Eine Materie, höl;-er-n, bley-er-n, ;inn-er-n. 6. Eine Beschaffenheit, bitt-er, sau-er, laut-er, heit-er. 7. Eine Begierde, ein Verlangen, schlaf-er-n, hung-er-n, läch-er-n. 8. Ein Subject und Werkzeug, Ad-er, Act'-er, Ächt-er. Sechs-er, polst-er, Pfeil-er. Besonders 9. ein Subject männlichen Geschlechts, Täub-er, Gäns-er-ich, Änc-er-ich > ein guc-er, ein-er, Mahl-er, Bürg-er, Rom-er. s, es, is, iß, aß, und das verstärkte Z. 1. Ein Subject, ^leck-s, Hüls-e, Lers-e, von fahren, gehen, ^Vamm-es, die^as-e, Bar-s; Horn-iß, )lt-iß, Nürb-iß oder V.ürb-s, Rür- «ß. Lirn-iß ist aus dem lateinischen veinix. 2. Einen Umstand, an Adverbiis, abend-s, ander-s, nirgend-s, eilend-s, abermahl-s. z. Eine Verstärkung, Gcher-z, Gor-z, D.lor-z, Lef- z-e, gedun-s-en, fum-f-en, blin-z-en, ach - z - en. sch, isch. i. Ein Subject, Ding: Men - sch, Llei-sch, Deut-sch. 2. Eins Ähnlichkeit, wie icht und lich: dichter-isch, Himmel-isch, englisch. Daher vermuthlich auch fal-sch von fehl, z. Einen Besitz, eine Anwesenheit, wie ig: mißtrau-isch, argwöhn - isch, rück-isch, hüb-sch. 4. Eine Verstärkung des Lautes und Begriffes: knir-sch-en, klac-sch-en, for-sch-en. 222 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. st, sie. i. Das Subject, und bey weiterm Fortschritte auch einen abstracten Begriff: Dien-st, Brun-st, !Run-ft, Gespen-st, Gewinn-st, Ang- st. 2. Den höchsten Grad seiner Art, liebst-e, süße-ste. z. Eine Ordnung, vierzig-sie, dreyßig - ste, tausend - ste, der wieviel - sie te, t, th, ath, Utl), nahe verwandt mit d und de, nur verstärkt, i. Ein Subject: Gebur-r, Lur-c, Lahr-r, Blü-ch-e, Var-r, V^a rh, Drasch, pflich-r, Mach-r, Mon-ach, Heim- arh, Arm-urh. 2. Eine Ordnung: zrvcy-re, visr-te, sieben-re. z. Eine vollendete Beschaffenheit: ge-lieb-r, ge-ehr-t, nack-er, nack-r. 4. Oft auch eine bloße Verstärkung, kal-t, von kühl. ZusamttM- §. 69. Viele dieser Ableitungssylben können seyung der- nun wieder unter sich, oder mit den Flexionssylben ßlbcn» zusammen geseht werden, und geben alsdann die zusammen gesetzten Ableitungssylben, welche oben schon einzeln angefiihret worden: end, für die Par- ticipia; nch, in Anterich, N>ücherich, tVege- rich; ern, hölzern, eisern. Besonders reich ist diese Zusammensetzung für die Verba, weil durch Anhängung einer dieser Ableitungssylben an die Wurzelsylbe, ihre eigentliche Bedeutung auf sehr mannigfaltige Art abgeändert werden kann, wodurch denn die Deutschen Verba nach Art der vielen Hebräischen Conjugationen bestimmt werden können, nur daß bey uns nicht jedes Zeitwort durch alle Formen üblich ist. Diese zusammen gesetzten Ableitungssylben sind: , chcn, schnarchen, horchen. km, blinken, winken, hinken, sinken. eln, 2. Kap, Ursprung der Sprache. §. 69. 22z eln, sammeln, bröckeln, wackeln. em, steigern, blinkern, erschüttern, lächern. enzen, faulenzen, bockenzen. fen, stopfen, propfen, hüpfen. igen, defleWgen, änstigen, züchtigen, nöthigen» men, malmen, schalmen. nen, dehnen, sehnen, stöhnen. seln, drechseln, drieseln. sen und zen, schlucksen, rappsen, sumsen> lechzen, ächzen, grunzen. schen, klatschen, herrschen, forschen. Wovon bey den Zeitwörtern mehr gesagt werden wird. In vielen dieser Ableitungssylben gehöret zwar der Hauptlaut allerdings mit zu dem Wurzelworte, schmertr - n, äcbz en, riesl - n. Allein, als man sich in der Bildung der Wörter nicht mehr an das Gehör allein hielt, sondern fortfuhr, die Sprache nach Figuren weiter auszubilden, so wurden dergleichen laute, auch ohne Rücksicht auf das Gehör, nach Maßgebung der ihnen beygelegten figürlichen dunkeln Bedeutung der Wiederholung, Verstärkung, Kleinheit u. s. s. den Wurzelwörtern angehängt, und in dieser Rücksicht zu wahren Ableitungssylben. Hierher gehören auch noch einige veraltete Ableitungssylben, und solche, welche bey der Cultur der Sprache vernachlässiget und mit den übrigen nicht zugleich ausgebildet worden. Die vornehmsten sind: am, in Eidam undDrosam, welches letztere ehedem auch L>rosm geschrieben wurde. Bräutigam 224 r.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. gam hingegen ist unstreitig aus Vrant und Gam zusammen geseht, und vermuthlich ist auch Leichnam eine Zusammensehung. and, welches nur noch in Heiland und weiland und dem Niederd. Faland, der Teufel, vorkommt, scheint mit end gleich bedeutend zu seyn. anz, in Popanz, Alefanz und einigen andern, ist fremden Ursprunges. ard, art, ert, scheint aus hard gebildet zu seyn: Bastarr, Bankart, Blafferr. In Iuchart oder Jucherr kommt sie mit dem tat. er in juAe- rum überein. ath, uth, in Heurath, Fierarh, Heimath und ^Vermuth, ist mit dem abstracren de gleich bedeutend, daher man für das mittlere auch Zierde sagt. iß, in Iltiß, Hornist. Firniß ist aus dem Lateinischen vernix. itz, in Handiy, Ribiy und Elriy. Zlntliy ist zusammen gesetzt, und in Stieglitz ist die letzte Sylbe Wendischen Ursprunges. old, in Herold, Aodold; vermuthlich fremd, aus —släus. 0M, in Eichhorn, scheint für ern zu stehen, Kichern. Andere sind erweislich fremden Ursprunges; z. B. ast in Morast, pallast u. s. f. ier in Har- schier, Perschier; liy, die Wendische Endung für ling, in Sriegliy, Horliye; iminpilgrim, von t^eleZrinuz. Noch andere sind wahre Zusammensetzungen, wie Rleinod, Einöde, Amboß u. s. f. §. 70. 2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 70. 225 §. 70. Andere Ableitungssylben bestehen aus -. Nachwahren Wurzelwörtern, deren Bedeutung daher auch ^!l>cn. bestimmter und eingeschränkter ist. Sie waren ehe- dem eigene für sich gangbare Wörter und machten mit dem Worte, dem sie angehängt wurden, wahre Zusammensetzungen aus. Allein seitdem sie für sich allein veraltet sind, haben sie ihren Platz unter den Ableitungssylben nehmen müssen; denn sonst ist keine begreiffliche Ursache vorhanden, warum fruchtlos, sinnlos, gedankenleer, luftvoll, allerhand, Königreich eben zusammen gesetzte Wörter, fruchtbar, standhast, allerley, Fürsten- thum u. s. f. aber abgeleitete heijsen sollen. Es ^ sind folgende: bar» 1. Mangel des von dem Wurzelworte be- zeichneten Begriffes; eine veraltete Bedeutung, für das heutige los oder leer. 2. Einen wirklichen Besitz, tragend, bringend: fruchtbar, gangbar, nutzbar, z. Eine Möglichkeit, Ähnlichkeit: tragbar, wunderbar, sichtbar, jagdbar. chen, Verkleinerungswörter zu bilden, lMnw chen, Herz-chen. ey, ehedem ij, Nieders. ije, vermuthlich verwandt mit dem alten eigen, haben, den Begriff des Wurzelwortes sowohl, als ein Concretum, als auch als ein Abstractum zu bezeichnen, Schläger- ey,Verrel-ey, Tändel-ey, Tyrann-ey. haft, eine Anwesenheit des Subjectes, nahrhaft, vorrheilhasi; ingleichen eine Ähnlichkeit, erdhast, kinderhafr, fieberhaft. heit. i. Ein Ding, woran sich der Begriff des Wurzelwortes befindet, Thor-heit, Gottheit. 2. Eine Sammlung mehrerer ju einem Adel.jv.Spr. P Gan- 226 i.Tl> i.Abschn. Bildung der Wörter. Ganzen, Christen-heit. z. Einen Zustand, eins Eigenschaft, Schwach-heit, Rlug-heir. keit, einen Znstand, eine Beschaffenheit zu bezeichnen, wie heir, Selig-keic, Bitter-keir. Göttlich-keit. lein, Verkleinerungswörter zu bilden, Mägdlein, Nnäb - lein, Söhn-lein. ley, 2lrt, Gattung, Geschlecht, allerley, einer-ley, vieler-ley. lich, eine Ähnlichkeit, Möglichkeit, Anwesenheit, gött-lich, fürst-lich, brüder-lich> glücklich. ling, ein Ding, Subject, Flücht-ling, Sonder-ling, Jüng-ling, Lieb-ling, Spär-ling. Nlß^ eine Handlung, einen Zustand, einwirkendes oder gewirktes Ding, Erlaub-niß, Lahr- niß, Geheim-niß, Vermächt-niß. sal, sel, ein Subject, Ding und hernach einen Zustand, Drang-sal, Lab-sal, Scheu-sal, Schleif-sel, Räth-sel. sam, eine Ähnlichkeit, einen Besitz, fried-sam, gleich-jam, müh-sam, sorg-sinn. schaft. i. Eine Beschaffenheit, einen Zustand, Feind-schaff Gefangen - schaft. 2. Collectiv«, Bürger-schaft, Juden-schaft. z. Ein einzeles Ding, Buhl-schaft, Graf-schaft. thum, das Ding, Subject, hernach Eigenschaft, Zustand, Würde, oft auch ein Collectivum, Heilig-rhum, Eigen-thum, Herzog-thum, Priester-thum, Heiden-rhum, Alter-thum. zig, (ßig), an Zahlwörtern, Zwan-Zlg, dreyßig, vier-zig. Ich s.Kap. Ursprung der Sprache. §.71. 227 Ich kann alle diese Ableitungssylben hier nur nennen; bey den Redetheilcn, welche sie bilden helfen, wird umständlicher davon gehandelt werden. Ich wiederhohle hier nur noch, daß alle diese iaute und Sylben, sie mögen nun zur Biegung oder zur Ablesung dienen, keine leeren oder willkührlichen Töne sind, wie sich viele einbilden, welche die Sprachen nur nach der Oberfläche kennen; sie haben alle ihre angemessene Bedeutung, obgleich selbige bey einigen bestimmter und deutlicher ist, als bey andern. §. 71. Ein vermittelst dieser Biegungs- und Stamm- Ableitungssylben seinen Verhaltnissen und Neben- ">ö"cr und begriffen nach genau bestimmtes Wurzelwort heißt ^^'^ ein angekleidetes lVurzelrvorr, in Absicht des nackten oder ausgebildeten Wurzelwortes aber, von welchem es gebildet worden, ein abgeleitetes oder abstammendes lVorr, so wie jenes, in Rücksicht desselben, das Stanunworr genannt wird. Verbergen ist, für sich allein betrachtet, ein angekleidetes Murzelrvort; in Ansehung seiner Entstehung aber, ein abgeleitetes Mort von dem Gramm- vvorre bergen, dessen XVurzel Berg lautet. Es sind daher nicht alle Wurzelwörter zugleich Stamm» Wörter, weil nicht von allen andere Wörter abgeleitet worden. Indessen ward doch die Sprache durch dieses Mittel gar sehr bereichert, und auch die Bestimmtheit der Begriffe würde ausserordentlich gewonnen haben, wenn man dieses fruchtbare Hülfsmittel mit Bewußtseyn und nach deutlichen Begriffen angewandt hatte. Allein so verräth auch hier alles die dunkele Empfindung und das rohe Gefühl der ersten Sprachschöpfer. Sehr klar empfundene Nebeubegriffe wurden Zwar! nicht leicht verkannt, daher hat der.Infinitiv sehr richtig und bestimmt P sein 228 I.TH. i.Abschn. Bildung derWörter. sein en oder n, und das ganze Verbum seine Personen ; allein, wo der Nebenbegriff nicht so merklich war, oder wo man ihn nur dunkel empfand, und also nicht bestimmt wußte, wie man ihn bezeichnen sollte, da überging man ihn entweder gar, oder man bezeichnete ihn sehr schwankend. Beydes erhellet unter andern aus den Declinationen, wo die Verhältnisse, welche durch Casus ausgedruckt werden sollten, für die Kindheit des menschlichen Verstan- des freylich zu fein sind, daher er nur die auffallendsten Unterschiede empfinden und bezeichnen kann; das erste aber auch aus den vielen Wurzelwörtern, welche noch jetzt alles bedeuten muffen, was sie in der ersten armen Sprache vor dem Gebrauche der Ableitungssylben bedeuten mußten. Noch jetzt ist das Wurzelwort bald eine Partikel, bey, aus, auf; bald ein Bey - und Nebenwort, gut, roch, bald; bald ein Haupiwort, Aas, Bein, Bahn, Beil.; bald ein Theil eines Zeitwortes, gib, geh, sah; bald muß es mehrere Redetheile zugleich versehen, icb band und der Band, ehedem ich bund und der Bund; plarz, die Interjection, plarz, der Imperativ, und der Play. Hätten Sprachlehrer das Recht, ihre Sprache vollkommener zu machen, wie so viele diesen stolzen Gedanken hegen, so müßten sie, wo nicht schon bey den Wurzelwörtern selbst, doch wenigstens bey den Biegungs-und Ableitungssylben ansangen. Wie sehr würde es nicht zurVollkommenheit einer Sprache gereichen, wenn das Wurzelwort bloß als Interjection aufbehalten würde, wie es denn ursprünglich weiter nichts war, jeder übrige Redetheit aber, so wie das Verbum, seine eigene Ableitungssylbe hätte, welche nach der Verschiedenheit der.Bedeutung wieder abgeändert werden könnte, wenn die Ver- s. Kap. Ursprung der Sprache. §. 72. 229 Verhältnisse durch die Biegungssylben bestimmter und einförmiger, und nach Maßgebung der deutlichen Begriffe, die wir jetzt davon haben, bestimmt würden, u. s. f. Allein, da sie selbst gestehen müs- sen, daß sie dieses Besugniß nicht haben, so sollten sie in Ansehung der Orthographie eben so bescheiden seyn, indem sie mit den übrigen Theilen der Sprache gleiche Rechte hat. In der Anwendung und dem Gebrauche dieser Biegungs- und Ableitungssylben liegt zugleich die dritte Ursache der Verschiedenheit der Sprachen. Da sie größten Theils einfache und unbestimmte Wurzellaute sind, so mußte sich die dunkele Empfindung sehr bald verlieren, daher iebenSart, Clima und Cultur ihre Herrschaft am ersten an ihnen ausübten, gesetzt, daß sie auch bey mehrern Völkern ursprünglich einerley gewesen wären. Indessen werden auch hier noch häufige Überreste der anfänglichen Übereinstimmung angetroffen. So sind die lateinischen Ableitungssylben en, er, or und ur, ell-u«, eil-2,'eil-um u. s. f. mit den Deutschen en, er und el noch sehr merklich übereinstimmend. Noch größer mußte die Verschiedenheit seyn, wenn sich Stämme und Völker vor der Ausbildung der Sprache trenneten, da denn jedes die dunkel empfundenen Verhältnisse und Nebenbegriffe auf seine eigene Art bezeichnete. Beyspiele sind unnöthig, man kann sie bey einer nur sehr flüchtigen Vergleichung mehrerer Sprachen leicht selbst finden. §. 72. Durch Bemerkung der Verhältnisse und Die über- Nebenbegriffe erhöhete sich zugleich das Associa- getragenen tions-und AbstractionS-Vermögen der Seele, daher Bcdeutun- man in Bezeichnung uuhörbarer Gegenstände im-^ mer weiter gmg, und dazu bald den unmittelbaren P ? Aus- 2zo i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. Ausdruck des Naturlautes, bald den schon ein - und mehrmahls übergetragenen Begriff desselben anwandte. Giß, Gisch, eine Nachahmung des Naturlautes, ward in Geist und geisten der Nahme des Windes und Blasens, hernach des Athems, ferner des Lebens, der Lebhaftigkeit, dann des denkenden Wesens in uns, sobald man etwas davon zu wittern anfing, und endlich eines jeden vernünftigen denkenden unkörperlichen Wesens. Andere Sprachen gingen eben denselben Weg und mußten ihn gehen. 8xintus, gnima, 7?^/^«, '^v^>?, dasHebr. Äuac/-. lauter Bilder des Windes und des Atheins. Der Raum, das Gegenbild eines weit her tönenden dumpfigen Getöses, (Lat. rum-or,) die Dauer, eine Figur der Härte, Tugend, der Leibesstarke s. f. Alle Handlungen des Geistes wurden nach körperlichen Handlungen benannt, die wieder bloße Nachahmungen der Naturlaute waren, begreifsen, denken, fassen, schließen, beschließen, sich entschließen, verstehen, vorstellen u. f. f. Die Sprache verlohr dadurch nach und nach das Tönende immer mehr, verlohr es mit der Zeit so sehr, daß man nach Jahrtausenden noch zweifeln konnte, ob sie jemahls getönet habe. Man bemerkt zugleich, daß diejenigen Wörter, deren Ton im Anfange nicht auf das genaueste bestimmt worden, dergleichen die Wurzellaute und viele der nackten Wurzelwörter sind, in ihrer Bedeutung die veränderlichsten sind, desto veränderlicher, je unbestimmter der erste Laut war, der sie veranlaßte, oder je dunkler die Empfindung war, die sie nachahmen lehrte. Durch den häufigern Gebrauch solcher auf unhörbare und unkörperliche Dinge übergetragenen Bedeutungen, wobey der erste hörbare Laut, wenn er nicht 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.?z. 2zi nicht sehr genau bestimmt war, oft ganz vergessen wurde, verlohr auch der Vocal seine Eigenthümlichkeit, weil er jetzt nicht mehr nothwendiger Auedruck der Höhe und Tieft des Tones war, und daher schwankend und unbestimmt wurde. Dahergehet die Öffnung des Mundes in manchen Wurzclwö'r- tern oft willnihrlich durch alle Vocale- durch: brech-en, brach, brach-e, brich, ge-brachen, Bruch, Drüch-e; sprech-en, sprach, sprach-e, sprich, gc-sproch-en, Spruch; bind-en, band, bänd-e, Bund, Vünd-e; de-rveg-en, wag-en, rvieg-en, rväg-en, be-roog-en, rvichr-ig, N)uchr; Ze-bar, ge- bär-en, Ge-ber-de, ge-bor-en, Ge-burr, bürt-ig. §. 7z. Allein auch der Hauptlaut ward dabey Berände- m'cht verschont, so sehr er auch den Grund der ganzen rung der Bedeutung und des ganzen Wortes enthielt; er hatte Hauptseine Stütze, worauf er sich steifte, den Naturlaut, verlohren, und war nunmehr der Willkühr der Sprachwerkzeuge Preis gegeben. Allein diefe Willkühr hatte ihre natürlichen Gränzen, und sie konnte sich nicht zu viele Gewalt über den ConsonanS anmaßen, obne das Wesen des Wortes zu zerstören. Selten erstreckt sie sich weiter, als bis auf die Vertauschung der Grundlaute einer und eben derselben Classe, oder eines und eben desselben Sprachwerkzeuges mit einander, obgleich auch hiervon oft der Grund in einer geringern oder größern Stärke des Naturlautes liegt: Geld und gelten, flieh-en, Fiuch-t, seh-en, Ge-sich-r, Ieb-en, Gis-r; hoch, Hüg-el, Hock - er; schneid-en, Schnitt; mög - en, moch - te, Mach - t; Lonnn-en, Run-fr u. f. f. Freylich veranlaßten Cultur, Mundart, Nachlässigkeit u. f. f. nachher noch manche Verän- P 4 derun- 2Z2 i.TH. r.Abschn. Bildung der Wörter. derungen, welche zum Theil sehr beträchtlich sind; allein sie betreffen doch größten Theils nur einzele Wörter. Amt, Beicht, zusammen gezogen aus Amdacht und Begichr. Andere sind von minderer Erheblichkeit, und bestehen theils in Versetzung des Vocals vor dem so schweren r, bernen, brennen, Born, Brunn, dauern, dauren; theils in Anhängung des mildernden e, blöde, böse, Bube, Schwabe, Rose, Auge, für blöd, bös, Bub, " Schwab, Aug, theils in Einschaltung oder Anhängung des d und r, jemand, niemand, meinetwegen, um deinetwillen, entgegen; theils in Einschiebung des n vor den Gaumenlauten, Gang, gegangen, Lang, fangen, von gehen, sahen; theils in andern Kleinigkeiten mehr, welche an ihrem Orte vorkommen werden. Da übrigens bey dieser Übertragung der Begriffe alles darauf ankam, wie man sich den neuen - Begriff, für welchen man ein Wort suchte, dachte, und dem jedesmahligen Zustande der Cultur nach denken konnte, so mußten Begriffe, welche in der Folge der Zeit als einerley erkannt wurden, bey mchrern Völkern nothwendig verschiedene Nahmen bekommen, und dieser Umstand ward denn ganz natürlich eine neue Ursache der Abweichung und Verschiedenheit der Sprachen von einander. Sings- §. 74. So unbestimmt die Urheber der Spra- schrimtter che das erste Wurzelwort gebrauchten, und so will- ^Mki- k'H^ch man bey der nachmahligen Ausbildung der tnngsspl-' Sprache mit den Ableitungssilben verfuhr, so sehr bc». sind doch den Nachkommen in diesem Stücke die Hände gebunden. Es ist uns jetzt nicht ^erlaubt, die Ableitungslaute und Sylben nach eigenem Gefallen zu gebrauchen, und vermittelst derselben neue Wörter 2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 74. 2zz Wörter'zu bilden, wenn und wie wir wollen; ein Beweis, daß der Gebrauch jeder dieser Laute, in jedem einzelen Falle bloß individuell war, und man dabey kein allgemeines Sprachgesetz vor Augen hatte, oder doch dasselbe nur sehr dunkel dachte. Bey denjenigen, welche aus bloßen einfachen Buchstaben und Wurzellauten bestehen, ist diese Freyheit am eingeschränktesten; vermuthlich, weil ihre Bedeutung zu schwankend und unbestimmt ist, daher sie zu vielen Mißbräuchen Anlaß gcben tonnten, oder vielmehr, weil der Mensch einen natürlichen, oft freylich nur dunkel empfundenen Trieb hat, nichts ohne klar empfundene Ursache zu thun. Die aus einzelen Wurzellauten bestehende Ableitungssylben haben durch die Länge der Zeit ihre eigenthümliche Bedeutung verlohren, welche schon anfänglich dunkel und unbestimmt war. Wollte man sie jetzt zu Bildung neuer Wörter gebrauchen, so würde man ohne begriffliche Ursache handeln, man würde ein Wort bilden müssen, wovon wenigstens ein Theil ein völlig willkührlicheS Zeichen hätte; ein Verfahren, welches der menschlichen Natur zuwider ist. Es ist dieß zugleich ein Beweis wider diejenigen, welchen die ganze Sprache eine Sammlung will-- kührlicher Töne ist. Etwas weiter erstreckt sich diese Freyheit bey denjenigen Ableitungssylben, welche aus völligen Wurzelwörtern bestehen, dergleichen haft, heit, keit u. s. f. sind, welche man unter den gehörige» Umständen noch jetzt zu Bildung neuer Wörter anwenden kann. Warum anders, als weil ihre Bedeutung bestimmter und zugleich bekannter ist, daher der Verstand sich der Ursache bewußt ist, warum er sie gebraucht? Um deßwillen hat diese Freyheit auch hier ihre Stufen, nachdem die Bedeutung mehr P 5 oder 2Z4 I.TH. l.Abschn. Bildung'der Wörter. oder weniger bestimmt ist. Die Ableitungssylbe thum läßt sich Zu neuen Wörtern nicht so frey gebrauchen, als manche der übrigen, weil sie als ein eigenes Wort früher veraltet und ihre bestimmte Bedeutung dadurch unkenntlicher geworben ist. Fruchtbar- §« 75» Bey dem allen sind doch diese Biegungs- keit derftl- und Ableitungssylben eine sehr fruchtbare Quelle für ben. die Erweiterung der Sprache geworden, indem die wenigen hundert Wurzelwörter vermittelst derselben auf viele tausend vervielfältiget worden, welche, mit Hülfe der übergetragenen Begriffe, schon einen sehr großen Reichthum für die Sprache ausmachen. Ein Paar Beyspiele sind hinlänglich. Das Wurzelwort brech, brich, welches als ursprüngliche Interjection noch in dem Imperativ brich übrig ist, hat sich in folgende Ableitungen vervielfältiget: brech-en, ich brech-e, du brich - st u. f. f. brach, ge-broch-cn, brechend, die Brech-e, die Brach--e, brach-en, Brach - er, ge - brech - lich, Ge - brech - lich - keir, das Ge - brech - en, das Ge - brech - e, der Brech - er, er - brech - en, Er - brech - unI, em- brech - en, ver - brech - en, Ver - brech - en, Vcr-- brech - er, Ver -- brech - er -- inn, ver - brech - er-- isch, zer- brech-en, zer-brech - lich, Aer- brechen, Aer-brech-ung, Bruch, brüch-iI, Brüchig-kcit. Mit dem verstärkten Gurgellaute gibt es das In- tensivum brock-en, ;er-brock-en, derBrock-en, und das Diminutivumdas Bröck-chen, Brock- lci:?, bröck-eln, brock-e-lichr, zer-brock-eln. Weh, weg, Weck), weck ist ein Wurzellaut mit verschiedenen aber doch ähnlichen Dienstlauten, wovon der folgende immer einen stärkern Grad des Lautes, 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.75. 235 Lautes, folglich-auch der Bewegung bezeichnet, als der vorher gehende. Vermittelst der BiegungS- und Ableitungssylben erhält man davon ein sehr zahlreiches Geschlecht neuer Wörter. Folgende sind die vornehmsten davon. weh, der Laut der sanftesten Bewegung, hat nur wenige, weh-en, weh-end, die lVeh- img, ge-weh-et, die 5Vind - weh - e, verweh - en, lVind für wehend. Weit mehr der Laut der stärkern Bewegung, mit dem eigenthümlichen Laute g. weg, als Interjection in weg! als Substantiv in der XVeg, weg-sinn, U)eg-sam^keir, MeI - er - ich, weg-en, die Präposition, de- weg-en, bc-weg-end, be-weg-r, Be-weg- ung, be--weg?lich, Be-weg-lich-keik, Ve- weg-niß, Ve-weg-er, Be-weg-er--inn, ge- wog-en, Ge-wog-en-heit, er-weg-en, Ers wcg-ung, ver-weg-en, Ver-weg>en-heit, Der-- weg - en - er; das Wiederhohlungswort weg- ern, weig-ern, weig-er-lich, Meig-er-ung, ver-weig-ern, Ver-weig-er-ung; N>ag-e^ l5OaI-en, Mag-lein, N?ag-ner, wag-en, N?ag - niß, wäg s en, N>äg - er; 5Vieg-- e, wieg-en, U>ieg-er, N>ieg - er - inn, wiegeln, Auf-wieg-ler, auf-wieg-ler-isch, die 5Vog-e. wech, wach: Ge - wich - r, wich - t - ig, wich- t-ig-keir, TVuch-t, wuch-ern, wuch-er, wuch-er-lich, N)uch-er-er; wach, wach? en, be-wach-en, Be-wach-ung, er-wach- en, ver-wach-en, dieN>ach?e, wach-sam, TVach - si?m - reit, N5ach-r, N)ach - t - er, N>äch-t-er-inn; weich, weich-en, ge--wich- en, 2)6 I.TH.I-Abschn. Bttdung der Wörter. en, er-weich-en, Er-weich-ung, weich-lich, N)eich lich - kett, N>eich - ling; wach - sen, geswach-sen, be-wach-sen, er-wach-sen, ver-wach-sen, Miß-wachs, N>achs-thum, Geswächs, N?uch-s; N>cch-sel, wech-seln, lVech--fehler, ver-wech^ sein, Ver-Wechsel-ung. weck, tvack mit dem stärksten Gurgellaute: weck sen, 5Veck-ev, er-weck-en, er-wecks lich, Er - weck - lich - keic, Er-weck-ung; wack-er, wack-eln, wack-el-ig, wick-eln, N?ick-el; mit eingeschaltetem Nasenlaut, wanken, N?ank-el-muth, wank - el - müth - ig, sch-wank-en, UAnk, wink-en, ent-wink-en. Man nehme noch die vorn verstärkten iippen- laute b, fund v mit ihren Graden dazu, bieg - en, beug-en, bück-en, Duck-el; fah-en, fachen, fack-eln, fech-t-en, Dog-el u. s. f. welche ihren Nahmen insgesammt dem laute ihrer stärkern oder schwächern Bewegung zu danken haben ; welch ein Reichthum! ergiebiger für Sprachschöpfer, als die Bergwerke Perus für den Geißigen. Zusammen- §. 76. Aber auch dieser Reichthum war erschöpf- setzmig der lich, und da dessen ungeachtet die Begriffe sich häuf- Wötter. x^, so fand die Sprache in sich selbst ein neues Mittel, welches sich ihr von selbst darbiethen mußte, indem es nur eine Fortsetzung und Erweiterung des bey der Ableitung bereits angewandten Mittels war; ich meine die Zusainmenseyung der^Vör- . ter, wodurch zwey klare Vorstellungen und ihre Ausdrücke zu einer einigen verbunden werden. Doch da wir davon im Folgenden in einem eigenen Abschnitte handeln müssen, so wollen wir das, was dahin gehöret, bis dorthin versparen. §. 77. 2. Kap. Ursprung der Sprache. §.77. 237 §. 77. Manglaube-ja nicht, daß dasjenige, was Anwendung bisher von dem Baus der Wörter gesagt worden, dieser Lehre höchstens nur von der Deutschen Sprache gelte; es «uf andere gilt von allen bekannten Sprachen, weil sie alle nach Sprachen, einerley Naturgesetzen erfunden und ausgebildet worden; am meisten aber von solchen, welche sich seit ihrem Ursprünge von groben Vermischungen mit andern frey erhalten haben, dergleichen die Deutsche mit ihren nördlichen Schwestern, und vielleicht auch die Slavonische ist. Bey den heutigen westlichen Europaischen Sprachen würde es vielleicht schwerer fallen, sie nach so einfachen Grundsätzen in ihre Bestandtheile aufzulösen, weil sie durch mehrere Vermischungen gegangen sind, und dadurch alle ihre Eigenthümlichkeit verloren haben. Die Deutsche Sprache erleichtert diese Auflösung dadurch gar sehr, daß die Wurzelsylbe jedes Wortes allemuhl den völligen Ton hat, ein wichtiger Beweis ihrer Ur- sprünglichkeit und Reinigkeit, der sich zur Zeit noch an keiner andern Sprache hat bemerken lassen, die verwandten nördlichen Mundarten etwa ausgenommen. Wie groß der Nutzen dieser Auflösung der Wör. ter in ihre spatern und zufälligen und ursprünglichen und wesentlichen Theile für die Etymologie ist, darf wohl nicht erst gezeiget werden, indem sie, wenn sie anders eine wahre Wissenschaft seyn soll, ganz darauf beruhet. Man ist in Ableitung der Wörter in allen Sprachen bisher bloß darum so unglücklich gewesen, weil man dieses Hülfsmittel versäumt hat, und daher so oft in Versuchung gerathen ist, den Wurzelbegriff eines Wortes in einer zufalligen Ableitungssylbe zu suchen, welches in der Lateinischen und Griechischen Sprache, welche die Ableitungssylben an einem und eben demselben Wur. zelworte 2Z8 I.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. zelworte so gern zu häufen pflegen, ohne dieses Hülfsmittel sehr leicht möglich ist. Wer Z. B. in Qvuuculu« den Stammbegriff in der mittlern Sylbe unc suchen wollte, weil sie an Buchstaben die reichste ist, und nach unserer Aussprache den Ton hat, der würde zuverlässig irren; indem es hier eben so sehr eine bloße Ableitungssylbe ist, als in csr. bunculus, cgntiuncula, oi'gtiuncula U. s. s. ^ch werde an einem andern Orte einen Versuch machen, die hier vorgetragenen Lehren aus die Lateinische Sprache anzuwenden, und hoffe damit den Dank der Freunde der alten Litteratur zu verdienen, indem diese Auflösung das einige Mittel ist, den so lange verkannten Weg zur ersten und eigentlichen Bedeutung der Wörter zu finden, deren Wichtigkeit wohl nicht erst angepriesen werden darf. Aus allem, waö bisher von dem Ursprünge der Sprache und den: Baue der Wörter gesagt worden, erhellet zugleich, daß der Bau der Sprachen weder so metaphysisch und göttlich ist, als einige behaupten, noch so willkührlich, als andere wollen. Sie beruhen, ihrem Ursprünge nach, ganz auf dunkel empfundenen Ähnlichkeiten; und ob man gleich nachmahls in der Vorstellung vieles davon zur Klarheit und Deutlichkeit brachte, so konnte doch der Ausdruck nicht nachfolgen, weil er eigentlich nur das Hörbare ausdrucken konnte. Die Begriffe verfeinerten sich nach und nach bis Zur Deutlichkeit, allein der Ausdruck blieb, waö er von'Anfange an war; und wenn er gleich in der Folge wohlklingender und geschmeidiger ward, so war doch seine Bestimmtheit und Bedeutung in sich selbst keiner neuen Grade mehr fähig, weil er ganz an das Hörbare ge- knüpfet ist,, §. 7S. s.Kap. Ursprung der Sprache. §.78. 259 §. 78. Wie viel licht die Vergleichung der Verwandt« Sprachen in der Geschichte zur Bestimmung des Sprachen Ursprunges und der Verwandtschaft der Völker ge- ""^ währen kann, ist nunmehr bekannt genug. Desto mehr aber ist zu verwundern, daß man in Aufsuchung der Grundsätze, nach welchen diese Verwandtschaft bestimmet werden muß, bisher nicht glücklicher gewesen. Es ist der Mühe werth, folgende Stelle aus des Hrn. Hofr. Garrerers synchroni- - stischen Universal-Historie, S. 106 f. hierher zu setzen, weil man daraus sehen kann, wie weit unsere Sprach-und Geschichts-Philosophen es bisher in einer für beyde so wichtigen Lehre gebracht haben. „Jedes Wort, heißt es daselbst, läßt sich von» „Zwey Seiten betrachten, erstlich in so ferne es eignen gewissen Begriff anzeigt: dieß ist seine Be-- „ deutung; und zum andern in so ferne es aus ge- „wissen Buchstaben besiehet, dieß will ich seine »Buchstäbliche oder äußere Gestalt nennen. „Diese zwey Stücke, die Bedeutung und die buch- „ stäb!iche Gestalt der Wörter sind die beyden Probiersteine, wornach man die Identität und Verschiedenheit der Wörter aus zwey oder mehrern „ Sprachen mit Zuverlässigkeit prüfen kann. Aber „nicht alle Wörter sind hierzu bequem, wie man „leicht eracbten wird. Zu den untauglichen ge- „hören erstlich alle Kunstwörter, hernach alle Wör- „rer, die in Religionssachen gebraucht werden, und „drittens die Onomgro^oetica, oder die Wörter, „ welche die Natur im Schall und dergleichen nach- „ ahmen. „ „Die Wörter, aus deren Identität oder Verschiedenheit man auf die Verwandtschaft oder „Nicht-Verwandtschaft der Sprachen sicher schlie- „ßen 240 I.TH. l.Abschn. Bildung der Wörter. „ßen kann, will ich, um mich kurz ausdrucken zu „ können, characreriftische N)örter heißen. Von „ dieser Art sind nach dem einhelligen Geständnisse „ aller Sprachphilosophen: i. die Zahlwörter, 2. die „ kronomins, z. das Verbum /^m, 4. die unentbehrlichsten Wörter des gemeinen iebens, der- „ gleichen sind die Wörter, welche die Glieder des „ menschlichen Körpers, die nöthigen Gerathschaf- „ten, Kleidungsstücke, die verschiedenen Arten der „Blutsfreundschaft, z. E. Vater, Mutter, Sohn, „ Tochter, Bruder, Schwester u. s. f. die Dinge, die „jedermann vor Augen sieht, z. E. Sonne, Mond, „Sterne, Himmel, Wolken, Berg, Thal, Wasser, „Fluß,Regen,Tag,Nachtu, s. f. bezeichnen, und „endlich, 5. überhaupt die Stammwörter.,, „ Die Identität ist entweder ganz sichtbar und „so handgreifflich, daß sie jedem, auch demjenigen, „ der kein Sprachphilosoph ist, sogleich beym ersten „Blick in die Augen fällt: oder sie muß erst durch „eine bald leichte, bald mühsame Reduccion dar- „ gethan werden. Diese letztere Art von Identität „ist an sich selbst so überzeugend, als die erstere; „aber sie ist es nicht für jedermann, sondern nur für „ den Sprachphilosophen. Ich darf nicht vergessen „hinzu zu setzen, was ich unter dem Worte Redu- „ duccion verstehe. Überhaupt bestehet sie darinnen, „daß man zeigt, daß Wörter, die beym ersten Anblick „ entweder in der Bedeutung oder in der buchstäb- „ lichen Gestalt, oder in beyden zugleich, verschieden „zu seyn scheinen, gleichwohl einerley sind. Die- „ semnach heißt die Identität in der Bedeutung „verschieden scheinender Wörter durch eine Reduktion herausbringen, nichts anders, als dar- „thun, daß solche Wörter in einer Grundidee, oder „ sonst nach einer begreifflichen Sprachanalogie mit „ einan- 2. Kap. Ursprung der Sprache. §. ?Z. 24! „einander überein kommen. Und die Identität „in der buchstäblichen Gestalt der Wörter „durch eineReduction heraus bringen, heißt dar- „thun, daß die Radicalbuchstaben nach Regeln, die „in der Sprache hergebracht sind, entweder versetzt, oder dnrch Zusätze vermehrt, oder durch Auslassung „vermindert, oder bloß verschiedentlich ausgesprochen werden.,, „Dieß voraus gesetzt, glaube ich im Stande zu „seyn, einige Regeln zu geben, wodurch man den „Unterschied zwischen Sprachen undDialecten, und „zwischen verwandten und nichtverwandten Spra- „chen, und zugleich die Grade der Verwandtschaft „bestimmen kann.,, 1. „Sprachen in denen nur wenige charakteristische Wörter eine Identität, sie sey nun „ sichtbar oder reducirt, haben, sind nicht verwand-« „ te Sprachen, noch weniger Dialecte. Diese we- „ nigen identischen Wörter zeigen nur an, daß ein- „ mahl das menschliche Geschlecht nur eine Sprache ^ geredet hat: in einigen kann auch die Identität „nurzufällig seyn.,, 2. ^Sprachen, in denen die characteristischen „Wörter entweder zur Hälfte, oder nahe gegen „ die Hälfte, oder allenfalls bis zum dritten Theil, „identisch sind, können für verwandte Sprachen „gehalten werden: man siehet zugleich hieraus, wie „ die Grade der Verwandtschaft steigen und fal- „len können.,, ?> -Sprachen, in denen die characteristischen «Wörter über die Hälfte identisch sind, können für » Dialecte einer Sprache gehalten werden. „ Adel.D.Spr. Q 4.„Spra- 242 l. Th. I. Abschn. Bildung der Wörter. 4. „Sprachen, in denen zwey Drmheil oder „mehr als zwey Drircheil der characteristischen „Wörter identisch sind, sind nahe verwandte Dias „lecte, und ihre Verwandtschaft steigt oder fällt, „ erstlich je nachdem die Menge der characteristischen „Wörter über oder unter zwey Drittheilen ist, und „zum andern je nachdem die Identität mehr oder „wenigersichtbar ist.,, 5. „Je sichtbarer die Identität der charakteristischen Wörter in der Bedeutung und buch- „ stäblichen Gestalt ist: je ungezwungener die Re- „duction ist, und je seltener sie geschehen darf, um „ die Identität darzuthun; desto gewisser kann man „seyn, daß Sprachen, in denen alles dieses anzutreffen ist, als Dialecte zusammen gehören, und „je mehr solches Statt findet, desto verwandter „sind selbst die Dialecte.,, „Das bisherige betrifft die Vergleichung der „Sprachen nach derMacerie, das ist, nach den „ Wörtern. Ob man nun gleich hieraus schon ziemlich sichere Schlüsse für oder wieder die Verwandtschaft der Sprachen sowohl, als der Nationen, die „sie reden, ziehen kann; so ist es doch nöthig, auch »die Lorin derselben, das ist, diegrammaticalische Einrichtung, mit in Betrachtung zu ziehen. Weil „aber die Vergleichung der grammatischen Säße „ mehrerer Sprachen keinen Schwierigkeiten unter- „worfen ist, so halte ich mich jetzt nicht weiter da- „bey auf.„ Es würde mich hier zu weit führen, wenn ich die einzelen hier und im Vorhergehenden über den Ursprung der Sprache vorgetragenen Sähe prüfen wollte, s.Kap. Ursprung der Sprache. K.78. 24z wollte, indem sich wider jeden derselben sehr vieles erinnern lassen würde. Die Verwandtschaft und Verschiedenheit mehrerer Sprachen muß vielmehr ganz nach der im vorigen vorgetragenen Lehre von dem Baue der Wörter bestimmet werden. Wenn zwey Sprachen in ihren Wurzelwö'rtern, Biegungsund Ableitungssylben im Ganzen, d. i. bis auf ein- zele Ausnahmen, mit einander überein stimmen, und der Unterschied bloß in den Vocalen (an welchen sich die Abweichung immer am ersten äußert) und verwandten Consonantcn bestehet, so sind sie bloße Mundarten von einander. Betrifft die Abweichung aber auch andere, als verwandte Haupt- laute, und finden sich in den Biegungs- und Ableitungssylben merkliche Unterschiede, so sind es bloß verwandte Sprachen. Man siehet leicht, daß diese Verwandtschaft sehr vieler Stufen fähig ist, nachdem die Übereinstimmung oder der Unterschied in den angezeigten Bestandtheilen großer oder geringer ist. Hätte man zwey Sprachen, deren meiste Wurzelwörter, sowohl dem laute als der Bedeutung nach, ähnlich, die Biegungö-und Ableitungssylben aber verschieden wären, so würde daraus geschlossen werden können, daß beyde Völker sich vor der Ausbildung ihrer Sprache getrennet, daher denn jedes in derselben seinen eigenen Weg gehen müssen. Ganz verschiedene Arten der Ableitung und Biegung, und ein merklicher Unterschied in den Wurzeln und ihrer Bedeutung, geben endlich mehr oder weniger verschiedene Sprachen. Bey dem allen läßt sich doch aus der bloßen Verwandtschaft der Sprachen ohne Mitwirkung der Geschichte noch kein sicherer Schluß auf eine gemeinschaftliche Abstammung machen, so sehr auch Q s Her? 244 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. Herr- Gatterer S. 105 des angeführten Werkes diesen Satz für ein Axiom halt, welches keines weitern Beweises bedürfe. Es kann ja einem Volke die Sprache eines andern aufgedrungen seyn, und die Geschichte lehret, daß solches sehr häufig geschehen. Wie läßt sich in diesem Falle von einerley Sprache auf einerley Ursprung schließen? Wenn man nach diesen Grundsätzen die Niederdeutsche Sprache mit der Sprache der mittlern und südlichern Provinzen Deutschlandes vergleicht, so wird man finden, daß sie etwas mehr, als eine bloße Deutsche iVundarr, ist. Sie weicht nicht bloß in Vocalen oder verwandten Consonanten, sondern auch häufig in der Biegung, in der Ableitung, kurz, in dem ganzen Baue der Sprache und Gange der Ideen ab, daher sie eben so sehr den Nahmen einer verwandten, aber sehr nahe verwandten Sprache verdienet, als die Schwedische, Dänische und Holländische. 4.emM-sONs?----Z'»' Drittes 245 ^»»»»»» >>,»>»,!, > "»^» >>^-> »«» » > > > , Drittes Kapitel. Von dem Tone der einfachen Wörter. Inhalt. Erklärung des Tones, ß. ?y. Übergang HeS erster» in de» Dessen Verschiedenheit, §. 80. letztern, §. 87. Einrheilung des Worttones, Merkmahle des gedehnten To- §. 8l. . nes, Z. 88. Grund des Tones, S. 82. Ob es dicDoppellaute sind,Z.8y. Ton der Wurzelsplben, §. 8z. Und die harten Hauptlaute, Und der Ableitungssylben, §.84. Z. 90. Welche Sylben tonlos sind, Merkmahle deS geschärften To- S. 85 nes, Z. yi. Erklärung des gedehnten und Gedoppelter Laut des e, z.92. geschärften Tones, §. 86. Grundsatz für dieProsodie,Z.9Z. §. 79- 6^^ie so wichtige Lehre von dem Tone der Deut- ExWrunz schen Wörter ist in allen bisherigen Deutschen des Tones. Sprachlehren nicht nur völlig vernachlässiget, sondern auch auf eine sehr ungebührliche Art mit der prosodischen Länge und Kürze der Sylben vermischet worden, welche doch auf keine Weise in die Sprachlehre gezogen werden kann. Aber selbst die proso- dische Quantität der Sylben ist von ihnen nur sehr verworren vorgetragen worden, weil sie von dem Tone abhängt, und dieser ihnen ganz unbekannt war. Zwar kam Herr Aichinger in seiner schon 1754 heraus gegebenen Sprachlehre aus die Spur, und suchte einen Unterschied unter dem Tone und der Quantität zu machen; allein, da er seine Vorstellung davon nicht zur Deutlichkeit brachte, so vermischte er beyde, und die nachfolgenden Deutschen Sprachlehrer ließen sichs noch weniger angelegen O. z seyn. 246 i. Th. i. Abschn. Bildung der Wörter. seyn, diesen Wink zu verfolgen, und gingen auf dem alten Wege fort, weil sie in den lateinischen Sprachlehren keinen andern vorgezeichnet fanden. Die Herren Fulda und ^Näyke sind daher die ersten, welche diese lehre entwickelt haben, ob sie gleich von ihnen noch nicht alle diejenige Bestimmung erhalten hat, deren sie fähig ist. Der Ton ist die vorzügliche Erhebung der ' Stimme, mit welcher eine Sylbe vor der andern ausgesprochen, und dadurch gleichsam vor den übrigen heraus gehoben wird. Eine Sylbe also, in deren Aussprache die Stimme auf eine vorzügliche Art erhoben wird, heißt eine betonte, ihr Gegensatz aber eine unbetonte oder tonlose Sylbe. In gebiethen, begaben > vergessen, sind die mittel- sien, in endlich, eben, ewig, arnden, die ersten, in ergab, erstarb, vergeh, die letzten betont, alle übrigen aber unbetont oder tonlos. Es ist unnöthig, hier für Ton das Wort Accent zu wählen; indem jenes nicht nur Deutscher, sondern auch seiner Bedeutung nach bestimmter ist, als dieses. Werschie- §. tzo. Der Ton hat allemahl seinen Grund in denheit einem gewissen Nachdrucke, und dieser hängt entwe- dejselben. h^. d^. Willrühr des Sprechenden ab, oder er stehet nicht in seiner Willkühr, sondern ist in dem Worte selbst gegründet. Die erste Art des Tones wollen wir den Dederon, die letzte aber den TVorr-- ton nennen. Bey dem ersten kommt es auf den Sprechenden an, welche Sylbe er durch den Ton vor andern heraus heben, und sie der Aufmerksamkeit des Zuhörers vorzüglich empfehlen will, daher ist er in einem Satze eben so veränderlich, als der Nachdruck, in welchem er gegründet ist. Man nehme z. B. den so einfachen Sah, ich habe es ihm z.Küp. Von dem Tone. §. gO.Fr- 247 ihm schon gesagt, und spreche ihn sechsmahl mit jedesmahliger Veränderung des Tones aus, so wird , man auch immer einen neuen Nachdruck oder Nebenbegriff erhalten: / '-,<4>7'' - > > - ? Ich habe es ihm schon gesagt, d. i. ich und kein anderer. Ich habe es ihm schon gesagt, schürft das bereits Geschehene vorzüglich ein. Ich habe es ihm schon gesagt, hebt das Gesagte vorzüglich heraus. Ich habe es ihm schon gesagt, ihm und keinem andern, eben diesem Menschen. Ich habe es ihm schon gesagt, mit dem Nachdrucke des bereits Vollzogenen. Ich habe es ihm schon gesagt, bezeichnet das sagen mit einem vorzüglichen Nachdrucke. Er kann daher auch auf Sylben zu stehen kommen, welche den Wortton ordentlicher Weise nie haben können; z.B. er hat ihn nicht nur geschlagen, sondern erschlagen, enthält zugleich eine Steigerung des Schlagens. Wir können uns hier auf diesen Redeton noch nicht einlassen, weil er die Lehre von dem Satze, und dem Baue der Perioden voraus setzt, daher wir es hier bloß mit dem Wortton zu thun haben, welcher in dem Baue der Wörter selbst gegründet ist. §. 81. Dieser Ton, welchen wir künftig den czintheiluux Ton schlechthin nennen wollen, ist sowohl in Anse- des Wort- hung seiner Stärke, als auch der Dauer, wiederum tones. von verschiedener Art. 1. In Ansehung der Stärke, wenn in einem mehrsylbigen Worte zwey Sylben betont sind, in welchem Falle die eine betonte Sylbe mit mehr Erhebung der Stimme ausgesprochen wird, als die Q 4 andere, 243 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter andere, wie z.B. in Gesellschaft, veränderliche, Königinnen; wo die erste der betonten Sylben starker betont ist, als die andere. Einen solchen starkern Ton wollen wir den Hauptton oder vollen Ton, den schwacher« aber den Nebenron oder halben Ton nennen. 2. In Ansehung der Dauer, oder der Zeit, wie lange die Stimme auf der heraus gehobenen Sylbe ruhet, ist der Ton entweder gedehnt, wenn er sich langer aus dem Hülfslaute verweilet, wie in Schaf, schief, schlafen, graben; oder geschärft, wenn er die Sylbe zwar erhebt, aber sie auch schnell wieder verläßt, wie in blitz, ploylich, gib, ab. Unsere gewöhnlichen Sprachlehrer nennen, was hier gedehnt heißt, lang, und das geschärfte kurz, bereiten sich aber dadurch tausend Verlegenheiten zu, weil sie nun keine Nahmen für die halb - und unbetonten Sylben übrig haben, und daher in lauter Irrthümer und Verwirrungen gerathen. Wir werden daher die Ausdrücke lang und Lur; in diesem Verstände nie gebrauchen, und am Ende dieses Kapitels sehen, daß jede Sylbe, welche den Hauptton hat, er sey übrigens gedehnt oder geschärft, in der Prosodie lang, jede mit dem Nebentone versehene Sylbe, er sey gedehnt oder geschärft, gleichgültig, jede unbetonte Sylbe aber kurz ist; durch welche leichte und sehr bestimmte Regel alle Schwierigkeiten in der Deutschen Prosodie wegfallen. Grund des §> 82. Der Wortton hängt im Deutschen über- Deutschen Haupt von der größern oder geringern Bestimmtheit Tones. der Wörter und Sylben und von der Wichtigkeit ihres Verhältnisses zur ganzen Vorstellung ab. Je mehr sie ihrer Bedeutung nach bestimmt sind, oder je ?. Kap. Von dem Tone. §.82.8?. 249 je mehr sie zurBestimmung der ganzen Vorstellung und ihres Ausdruckes beytragen, desto merklicher und bestimmter ist auch ihr Ton. Daher haben die größern und genau bestimmten Redetheile, z. B. die Substantive und das Verbum, uud die stärksten und deutlichsten Bestimmungswörter, wie das Adjectiv, die Zahlwörter, die mehrsilbigen Pronomina und Adverbia, allemahl den vollständigsten und merklichsten Ton; diejenigen aber, welche nur schwach bestimmen, wie die Artikel, viele der Partikeln, und einige unbestimmte Pronomina, ingleichen solche Wörter, deren Bestimmung zur Verständlichkeit des Ganzen nicht so nothwendig ist, wie die persönlichen Pronomina vor den Verbis, haben eigentlich gar keinen Ton, sondern werfen ihn auf das Wort, welches sie bestimmen: der Nlann, wenn der der Artikel ist, aber der Mann, welschen wir sahen, wenn es das Pronomen ist; ein Haus, der Artikel, aber ein Haus, das Zahlwort; sehr schon; ganz rvöhl, aber das Glas ist noch ganz, weil es hier stärker bestimmt; er sagt, ich war, sie gehen, rvir alle. Im folgenden werden wir von dem Tone in ganzen Säßen ausführlicher handeln. §. 8Z. Am merklichsten ist der Ton in mehrsyl- Ton der bigen Wörtern, daß ist, in solchen Wörtern, welche Wurzel- entweder gebogen, oder abgeleitet, oder auch zu- ^lben« sammen gesetzt sind. Von den letzten reden wir an einem andern Orte; hier haben wir es nur mit den beyden ersten Arten der mehrsylbigen Wörter zu thun. In einem solchen mehrsilbigen Worte wird die Stamm - und Wurzelsilbe allemahl mit der stärksten Erhebung der Stimme ausgesprochen, weil sie den Grund des ganzen Wortes enthält: verehren, Ge? bieter, emerbtter, Beschaffenheit, Gefälligkeit, Q 5 Uner- 250 !.TH. i.Abschtt. Bildung der Wörter. Unergründlichkeit. So bald man also ein Deutsches Wort richtig ausspricht oder aussprechen höret, so kann man auch in Ansehung seiner Stammsylbe nicht länger zweifelhaft seyn; ein Hülfsmittel, welches die Aufsuchung des Stammwortes ungemein erleichtert, und dasselbe jedem gewisser Maßen sogleich in den Grund legt. Dieser Umstand ist der Deutschen Sprache ss sehr und so vorzüglich eigen, daß er auch noch an keiner andern ältern oder neuern Sprache bemerket worden; selbst die mit der Deutschen Sprache so nahe verwandten nordischen Sprachen, haben ihn nicht so unbeschränkt, und die Englische hat ihn gar nicht. Die Lateinische, Griechische und Hebräische Sprache legen den Ton häufiger auf eine der Ableitungssylben, als aus die Stammsylbe; die beyden erstern vermuthlich, weil sie gewöhnt sind, die Ableitungssylben an einem und eben demselben Worte so sehr zu häufen, daß die Stammsylbe oft in die vierte, fünfte und sechste Sylbe vom Ende zu stehen kommt, und nur wenig Sprachen den Ton so weit vom Ende dulden können: or.2ti-niiL-u1a, av- unL-uluz, 2in-a-re, o^l-65-U8, auä -i-re, Iau6- sbll-it-er, ex - ^sri - ment - um; wo der Ton auf lauter Ableitungssylben lieget. Daß die neuern Töchter des Lateinischen diese Gewohnheit nicht nur beybehalten, sondern sie auch noch weiter ausgedehnet haben, ist kein Wunder, weil ihre so sehr gemischten Sprachen eben durch diese Mischung alle Eigenthümlichkeit verloren haben, daher die Lehre von dem Tone bey ihnen gar keiner Regeln fähig ist. Die Englische Sprache hat dabey so wenig für das Gehör gesorgt, daß sie den Ton sehr oft auf die vierte und fünfte Sylbe vom Ende, und noch dazu auf sehr zufällige Sylben setzt: ve. 1Ü> z. Kap. Von'den» Tone. §. 8z. 251 jiriou5ne5s, Oemii^oZue, Oe1ic2tn«5x, Inventar^, D^nZerouIne^, OÄicator)'', m6i6icAtive. Diese Sorgfalt der Sprachersinder, den Ton allemahl auf die Wurzelfylbe zu legen, scheinet der Natur so gemäß, und so tief in der Absicht des Sprechenden gegründet zu seyn, daß man diese Eigenschaft bey einer jeden alten und unvermischten Sprache vermuthen sollte, ob sie gleich durch Vermischung mit andern Sprachen, durch Häufung der Ableitungssylben und durch andere Umstände ver- lohren gehen kann. Bey der so alten und einfachen Hebräischen Sprache, welche durch ihren ganzen Bau die Kindheit des Verstandes verräth, dem sie ihre Ausbildung zu verdanken hat, sollte man sie am ersten vermuthen. Allein nach der heutigen Tonlehre der Hebräischen Grammatiken finden sich davon in dieser Sprache wenig Spuren. Ist etwa der wahre Ton in dieser Sprache von den spätern Sprachlehrern eben so sehr verkannt worden, als er bisher in der Deutschen verkannt war, wo man diese so wichtige und merkwürdige Eigenschaft so lange übersehen hat? Die Deutsche Sprache hat diesen untrüglichen Beweis ihrer Ursprünglichst und Reinigkeit vornehmlich dem Umstände zu danken, daß sie mit ihren Ableitungssylben von je her sehr sparsam umgegangen ist, und sie nicht ohne Noth gehäufet hat. Zwar verräth die Oberdeutsche Mundart, besonders in den mittlern Jahrhunderten, in dem Zeitpuncte ihres Wohlstandes und ihrer Blüthe einen entschiedenen Hang zur gedankenlosen Häufung der Ableitungssylben, wie unter andern aus ihren vielen Adjectiven und Adverbien auflich und liehen erhellet: gehorsamlich, dankdarlich, sichrbarlichcn, wonnig- 252 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. rvonniglichen, jämmerlichen, herzlichen und so ferner; allein die Hochdeutsche Mundart hat sich dieses und andern Überflusses wieder entlediget, vermuthlich aus einer dunkeln Empfindung, daß dieser Mißbrauch die Sprache um einen der schätzbarsten Überreste ihres Alterthumes bringen würde, der noch dazu den großen Vortheil hat, daß er die Stammsylbe jedes Wortes auf die bestimmteste Art bezeichnet. Dieser Grundsaß herrscht daher auch in der ganzen Sprache so unumschränkt, daß sich nur wenig Ausnahmen von demselben finden. Diese sind nur: 1. der eigenthümliche Nahme Gebauer und das Wort lebendig, doch nur nach der Hoch - und Oberdeutschen Aussprache, dagegen es in der Nieder- deutschen> und vielleicht noch einigen andern gemeinen Mundarten richtiger lebeniF gesprochen wird. 2. Die abgeleiteten Wörter auf ey, ehedem ige, »je: Raserey, Tändelcy, Spielerey, Ninderey. Aber auch hier ist diese Aussprache nicht so allgemein, daß man sie nicht ohne Bedenken sollte für fehlerhaft erklären, und dafür Raserey, Tandeley, Gpielerey, Zxinderey zu sprechen, empfehlen können; da denn in der Verlängerung des Wortes die Sylbe ley einen halben Ton bekommen würde: Tandeleyen. z. Die vermittelst der ausländischen Endung iren gebildeten Zeitwörter: hanthiren, hasellren, stolziren. Allein, da diese Sylbe ausländisch ist, so macht sie nicht einmahl wahre Ausnahmen. Man kann daher allemahl den sichern Schluß machen, daß jedes Wort, welches den Ton nicht auf der Stamm - oder Wurzelsylbe hat, nicht einheimisch, sondern fremden Ursprunges ist: Alkoven, Z.Kap. Von dem Tone. §.84. 25z ven, Baron, Napalm, Soldat, Altan, Anies, Elephant, Bombast, Sracker, Morast, Krakeel, Barbar, Lackey, u. s. f. obgleich manche darunter sind, welche aus Deutschland herstammen, aber mit einer fremden Bekleidung wieder zu uns gekommen sind. Indessen kann man nicht umgekehrt schließen, daß alles, was den Ton auf derStammsyl- be hat, deßwegen Deutschen UrsprurigeS ist, indem viele Wörter sich bey ihrer Aufnahme ganz nach Deut, scher Art gekleidet haben: Füllmund, von dem mittlern iat. tulmemum für ^ulcimemuin, Lisch- band, an den Thüren, von dem Franzöf. ticke, Firs niß, von dem Lat. vernix, Blankscheit, von dem Franz. xlancliette, Felleisen, von valile, Fenster, Priester, Aanzel, Liacrer, von dem heil, kiacre, und so ferner. §. 84. Da der Ton im Deutschen ganz von der «nd der bestimmten Bedeutung einer Sylbe abhangt, so ha- Ableitung«; ben auch diejenigen Ableitungssylben, welche au6 Mea. Wurzelwörtern bestehen, und folglich ihrer Bedeutung nach sehr bestimmt sind, einen Ton, aber nicht den völligen, sondern nur einen halben Ton oder Nebenron. Diese Sylben sind: bar, chen, haft, heir, keir, lein, ley, niß, jal, sam, schafc und thum, wohin man noch ey nach der vorigen Einschränkung rechnen kann. Indessen wird dieser halbe Ton nur dann vorzüglich merklich, wenn die gedachten Sylben am Ende wachsen: offenbar und offenbaren, randelhafc und randelhäfte, Des drangniß und Bedrängnisse, Älrerrhum und Älrerrhumer, Trübsal und Trübsäle, trübselig. Die Ursache ist ohne Zweissel, weil die Deutsche Sprache nicht gern zwey tonlose Sylben auf einan- ander folgen läßt, drey auf einander folgende tonlose Sylben aber ihrer Natur völlig zuwider sind, daher 254 r.Th.i.Abschn. Bildung der Götter. daher sie in diesem Falle lieber eine Sylbe, welche sie ordentlich nicht betont, mit einem halben Tone versieht. . Die Ableitungssylben lich, sel, zig und ßig sind hingegen völlig tonlos, obgleich ihre Bedeutung bestimmt genug ist. Lieblich, liedliche, Räthsel, rathselhafr, zwanzig, zwanzigste, dreyßig, dreißigste. Nur die Sylbe lich bekommt, um der eben angezeigten Ursache willen, alsdann einen halben Ton, wenn, in der Verlängerung des Wortes, der Hauptton auf der vierten Sylbe vom Ende liegt: veränderliche, vaterliche, lächerlicher. Tonlose §- 85. Alle übrigen Ableitungssylben sind nebst Sylbe», den Vorsylben und Biegungssylben völlig tonlos. "Ausnahmen machen hier nur: 1. der schon angeführte eigenthümliche Nahme Gebauer. 2. Antwort und Änrlilz, wo die erste Hälfte eigentlich die Vorjylbe ent ist, entweder, weil man sie für zusammen gesetzte Wörter gehalten, oder auch, so fern ent oder ant als eine alte Präposition den Ton auf sich zurück ziehet, davon in dem Abschnitte von der Zusammensetzung; daher auch in Entwurf und Entschluß von vielen der Ton auf die erste Sylbe gesetzt wird, obgleich Entschluß und Entwurf der jetzigen Gcwohnheu nach richtiger sind. z. Alle Ableitungssylben am Ende, wenn sie so wachsen, daß der Hauptton auf die vierte Sylbe vom Ende fällt, in welchem Falle sie, um der schon im vorigen §. angeführten Ursache willen, einen halben Ton bekommen: dichterische, vier Gänseriche, alle N)ücheriche, Dichterlinge, Sonderlinge, Begünstigungen , Nleisterinnen, Königinnen. Außer diesem Falle gebühret ihnen auch kein halber Ton: Lmstinncu, diebische, Lenkungen, Er- dich- Kap. Von dem Tone. §. 86. 255 dichcungcn, Haringe, fleischichte, Jünglinge, Lieblinge, spielende. 4. Die zusammen gesetzte Ableitungssylbe cnzen, welche doch im Hochdeutschen nicht leicht vorkommt, und einen halben Ton hat: Jüdenzen, Böckenzen. 5. Einige alte der Verfeinerung der Sprache entgangene Ableitungs- sylben, vermuthlich , weil man in der Kindheit der Sprache jedes abgeleitete Wort als ein zusammen gesetztes betrachtete, und daher auch jedem Theile seinen Ton ließ, daher diese Ableitungssylben nebst . . ihrer alten Gestalt auch ihren ehemahligen halben Ton behalten haben: Heiland, Arbeit, Leumund, Heimath, Armuth, Brosame, ähors nen, Öheim, Herold, Vastard, u. s. f. §. Z6. Beyde Arten des Tones, sowohl der volle Gedehnte» oder Hauptton, als der halbe oder Nebenton, sind «"d ge- entweder gedehnt oder geschärft. Der erste ver- weilet länger aus dem Hülssworte, und der folgende Hauptlaur kann alsdann eigentlich nur einfach gesprochen und geschrieben werden: Gäbe, erfahren, leben, geben, Häken, süß, fließen, Schoß. Der geschärfte Ton erhebt zwar auch die Stimme in Aussprcchung des Vocales, eilet aber schnell über denselben hin und wendet die ihm übrigeZeit an den ConsonanS, der daher eigentlich doppelt lauten muß, wenn er keinen andern zur Begleitung hat: fallen, Becr, Häcke, Fälle, härt, schnirzen. Ausnahmen machen hier besonders diejenigen Falle, wo die Ableitung oder Biegung zwey Haupt- laute hinter einer gedehnten Sylbe zusammen bringt: du liebst, erfühlt, der schönste, (nicht schon- - fte,) begegnen, tVeiyen, für Mett-sen, spreizen, Begierde, Behörde, Beschwerde, Geberde, Gemählde, Labsal, die Jagd, nicht Iagd, 256 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter. Jagd, regnen, segnen, Rübsen, für Rübsas men, Räthsel, latschen, quirschen, Zierde; besonders, wenn ein e ausgeworfen ist, des Gehörs, er sprachs, du redst, er flucht, der spätste. Übergang §. 87. Der Ton betrifft eigentlich den Vocal, des ersten urtd die auf denselben folgenden Consonanten neh- in den letz- nur auf eine entfernte Art Theil daran, ob sie gleich allerdings zur Bildung des Tones das ihrige beytragen. Im Deutschen kann ein jsderVocal sowohl betont, als unbetont, und im erstem Falle sowohl gedehnt, als geschärft, seyn. Da wir nun keine Vocale haben, welchen eine dieser Eigenschaften von Natur anhängig wäre, so muß die jedem gehörige Art des Tones außer demselben aufgesucht werden. Was tonlos, halb betont oder völlig betont ist, lehret, wie schon gedacht, die Auflösung des Wortes in seine Bestandtheile, und diese gibt uns auch die Mittet an die Hand, die Art des Tones in den beyden letzten Fällen zu erkennen. Wenn auf einen Vocal in einer und eben derselben Sylbe zwey Consonanten folgen, so kann derselbe eigentlich nicht anders als geschärft ausgesprochen werden, und man siehet deutlich, daß die dunkele Empfindung dieses Naturgesetzes auch unsere Sprachschöpfer geleitet hat. Denn wenn in einem nackten Wurzelworte mit einem gedehnten Hülfslaute durch dieAusbildung und'Ableitung zwey Consonanten hinter den gedehnten Vocal zu stehen kommen, so gehet derselbe gemeiniglich in einen geschärften über: sehen, sichc, stehen, Grand, geständen; baren, Bürde; fliehen, Flücht; wehen, 5Vmd. Allein, da die Befolgung dieses Gesetzes nur auf die dunkele Empfindung desselben gegründet war, so ward es in vielen Fällen übersehen. Z.Kap. Von dem Tone. §.87. 257 sehen, daher haben wir mehrere Wörter, in welchen der ursprünglich gedehnte Vocal auch nach der Ableitung und Ausbildung seine Dehnung behalten hat. Dievornehmsien davon sind folgende: Agrstcin,all in überall, (besser überall,) Arsch, Art, Arzt, (aber in Arzeney ist das A geschärft,) Bars, Bart, Bord, Borte, Börse, Brett, (besser Brer, weil das r auch im Plural einfach lautet, Bretcr,) Blatt, (besser Blatt,) Dienst, düster, Erde, erst, das jLrz, (aber erz, die Vorsilbe, ist geschärft,) Fahrt, Fährte, Feind, FlörZ, Freund, Geburt, Gefährte, der und das Harz, Herd, Herde, Husten, Jagd, (im Niederd. geschärft Jagd,) Aebsehe, Aebsweib, V.rebs,Magd, Mond, Nest, nebst, Obst, Osten, Ostern, Pferd, Ouarz, rösten, Schuster, Schmurz, (bey andern Schmurz,) Schwarte, Schwert, Stätte, (besser Stäcc,) stets, todt, Trost, Vogt, XVeirzen, werden, Merth, XVuchs, (bey andern N)uchs,) zart, lVust, (bey andern N>üst,) wüst, die TVüste; viele in den gemeinen Sprcch- arten übliche niedrige Wörter, z.B. latschen, hätscheln, quitschen, grätschen, Flärz. Wohin auch folgende fremden Ursprunges gehören: Bratsche, Brerzel, das Fort, Ixlostcr, Papst, Propst. Hingegen werden Dorsch, Vers, Gelübd, Hirse, und andere im Hochdeutschen geschärft, ob man sie gleich in manchen Provinzen zu dehnen pflegt. Die Biegung ändert an dem Vocal nichts: du liebst, geliebt, bleibt gedehnt, wenn sich gleich die . Confonanten am Ende häufen. Ja sie ist nicht einmahl fähig, tonloser Sylben auch nur einen hal- Adel.D.Spr. R den 253 i.TH. r.Abschn. Bildung der Wörter. ben Ton zu geben; daher in du ftgclst, des Hobels, des Nahmens, des Schadens, u. f. f. die letzten Sylben immer tonlos bleiben, wenn gleich zwey und drey Consonanten auf den Vocal folgen. Merkmahle §. 88. Dieses Grundgesetz gibt zugleich einen des gedchn-Theil der Regeln an die Hand, die Art des Tones ten Tones, jn einzelen Fällen zu erkennen. Der gedehnte Ton einer Sylbe wird daher erkannt. 1. An dem Hülfs- und Doppellaute am Ende; jede Sylbe, welche sich auf einen solchen Laut endigt, ist, wenn sie anders des Tones fähig ist, gedehnt, daher diese Regel die tonlosen Biegungs- und Ableitungssylben nichts angehet: Blau, grau, Pfau. Auch die einsi)lbigen Bestimmungswörter haben in diesem Falle nur einen halben gedehnten Ton: du, da, die, so, ja, ha! je; daher sie in der Poesie sowohl lang als kurz gebraucht werden können. 2. An den gewöhnlichen Dehnungszeichen, dergleichen nicht allein die verdoppelten Vocale sind, sondern auch das h, und zwar letzteres in allen Fällen, auch wenn es ein Theil der Wurzel ist, oder nur das t begleitet: Aar, See, Schnee, Seele, hier, nie, Liebe, Priester, froh, nahe, sah, Räch, That, thun, Nlüthe, Thor. N?ahr- lich wird im Hochdeutschen gemeiniglich geschärft ausgesprochen, wiervarlich, lind daß auch dasie in einigen Fällen geschärft werde, ist bereits §. i?. bemerket worden. z. An dem einfachen Hauptlaute am Ende der Sylben, wohin auch das ß gerechnet werden muß, wenn > z. Kap. Von dem Tone. K. 88.89. 259 wenn es bloß der einfach geschärfte Saufelaut ist: spät, trat, wer, Spur, nur, hören, schön, kam, Pfad, Tag, Glas, 5Veg, Nase, leben, gehen, sehen, groß, Größe, süß, Fuß, Siehe H. 4z. Die von Natur tonlosen Sylben, z. B. die Vorsylben be und ge, gehören hierher nicht, so wie die einsylbigen Bestimmungswörter, wenn sie in diesem Falle sind, nur einen halben gedehnten Ton haben. Wahre Ausnahmen sind hingegen: i. einige einsylbige kleine Redetheile, welche einen halben, aber nicht gedehnten, sondern geschärften Ton haben: ab, ob, das, des, was, es, bis, hin, in, weg, an, er, man, um, von, un. Ingleichen, er hat, gib, grob, genüg, derSchmid, bey vielen auch das Köb, ferner einige Zustimmen- - sehungen, Hcr-zog, Vor-rheil, und vielleicht noch andere mehr, wo die erste Sylbe gedehnt lauten sollte. 2. Das ch, welches nie verdoppelt wird, und daher auch kein Merkmahl der Beschaffenheit! des Tones seyn kann. Es schließt eine gedehnte Sylbe in Buch, fluchen, suchen, hoch,Schmach, Jauchen, Sprache' aber eine geschärfte, in spre- chen, Rache, Sache, Roch, Rüche, brechen. Eben dasselbe gilt z. auch von dem sch, welches gleichfalls nicht verdoppelt wird, aber auch nur selten nach einem gedehnten Hülfslaute stehet: sie wüschen, es dräüscht, die Masche, besser Masche. §. 89. Da unsere Sprachlehrer die prosod-sche Ob es die Länge der Sylben mit dem gedehnten Tone ver- Dopvellim- wechseln, so halten sie auch die Doppellaute, wel-^^' che freylich der Quantität nach allemahl !anz sind, indem sie in den Biegungs-und Ableitungssylben außer dem ey und ley nicht vorkommen, die daher . R 3 auch 26o i.Th.i.Abschn. Bildung der Götter. auch einen halben Ton haben, insgesammt für gedehnt, und dieser Irrthum hat denn den andern erzeuget, daß man nach einem Doppellaute keinen gedoppelten Consonanten schreiben durft. Allein ein wenig Aufmerksamkeit auf die Aussprache lehret uns, daß im Deutschen auch Doppellaute geschärft werden können, und alsdann sollte man den folgenden Hauptlaut auch billig doppelt schreiben: reisteil, rveifsen, ciealbare, schmeißen, du rveifir, er rveiß, beissen, Meisten, Preussen, das Äussere, greiffen, pfeisten, sausten, Haussen, lauten doch dem Doppellaute nach wirklich geschärfter, und dem Consonanten nach härter als in reisen, rveisen, zeigen, die Meisen, laxientes, und als dcisen, preusen, Meisen, pfeifen u. s. f. ausgesprochen werden können. Freylich gibt es Fälle, wo man noch zweifelhaft feyn kann, ob die Dehnung oder die Schärfung herrscht, laufen, Zweifel, raufen, befleißigen; allein dieses rühret bloß daher, iveil der Übergang von dem gedehnten zu dem geschärften Tone durch eben so. unmerkliche Stufen geschiehet, als alles übrige in den Sprachen. Zwar scheinet in den als zweifelhaft angeführten Wörtern die Dehnung zu herrschen; indessen erhellet doch aus allen so viel, daß der Doppellaut kein sicheres und allgemeines Zeichen derselben ist. Nnd die §. 90. Einige neuere Oberdeutsche Sprachleh- Ivcichm rer, welche die harten Hauptlallte ihrer Classe, ch, .y.inpt- p, k, r und z so gern für doppelte Buchstaben aus- geben möchten, haben den Sah aufgestellet, daß die harten um deßwillen nur nach geschärften, die weichen aber nur nach gedehnten HülfSlaucen stehen könnten, und aus dieftm Grunde alle Verdoppelung z.Kap. Von dem Tone. §.95.91. 261 lung der erstem verworfen. Mein, die ganze Sprache beweiset das Gegentheil, wie schon an seinem Orte in dem Kapitel von den Buchstaben gezeiget worden. Das ch, p, k, t und z stehen im Hochdeutschen so hausig nach gedehnten Hülfslauten, und in den Mundarten, die denn auch immer Deutsch sind, noch häufiger, daß diese Regel mehr Verwirrung als Nutzen stiftet: fluchen, suchen, Stapel, hapern, Naper, spät, gut, Blut, Ekel, Haken, Laken, Vare, tVieke, Wake, er buk, spuken, Luke, Schnake, takeln, erschrak, pauke, mäkeln, Mäkler, Takelrrerk, Mauke, Rauke, schaukeln, gaukeln, sind nur ein Paar Beyspiele unter so vielen, wo der harte Hauptlaut eine gedehnte Sylbe schließt. Von dem ; S. §. 49« §. 91. Den geschärften Ton einer Sylbe er- Merkmahl kennet man vornehmlich an den gedoppelten Con- des ge- sonannten am Ende derselben, sie seyen nun von einer Art oder von verschiedenen: all, Lall, Aamm, Herr, soll, matt, Ecke, lecken, oft, gern, Stadt, emsig, Glanz, glänzen. Daß der Fall nicht hierher gehöre, wenn durch die Biegung und durch ein ausgestoßenes e, Consonanten zu einer gedehnten Sylbe kommen, ist schon im vorigen bemerkt worden: du fliehst, gehörst, liebst, geliebt. Die Biegung ändert an dem Tone nichts, wohl aber die Ableitung, und die Fälle, wo auch diese bey Häufung der Consonanten den Ursprung, lich gedehnten Ton unverändert gelassen hat, sind zum Theil schon §. 87. angezeiget worden, welche zugleich als Ausnahmen von dieser Regel angesehen werden müssen. Im 262 I.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter. Im Oberdeutschen spricht man die Jmpersecte der irregulären Zeitwörter insgesammt gedehnt aus, wenn gleich die Wurzel den geschärften Ton hat: fechten, fochr, gelten, galt, binden, Band. Die Hochdeutsche Mundart kennet diese Ungleichheit nicht/ sondern folget der allgemeiner» Regel, und spricht diejenigen gedehnt, welche nur einen, diejenigen aber geschärft, welche zwey Consonanten .haben: gedehnt, fiel, lud, gab, bog, lag, geschah, befahl, las, ließ, nahm, schlug, trug, hob, flog, fchwor, blieb, blies, mied, schrieb, stieg; geschärft, hing, fing, ging, biß, griff, pfiff, riß, ritt, schnitt, schritt, stand, galt, spann, gewann, warf, goß, schloß, floß, wohin auch das an sich gleichgültige ch gehöret glich, wich, schlich. Hielt ist vielleicht das einige, welches gedehnt lautet. Gedoppel- §. 92. Da sich in Ansehung des gedoppelten e tcr Laut in der Aussprache der Provinzen so viele Abwei- ^ chungen zeigen, so wird es nicht undienlich seyn, die vornehmsten streitigen Wörter mit der im Hochdeutschen üblichen Aussprache hierher zu setzen: Tiefes e wie ä. Hohes e. Gedehnt. Gedehnt. Beben. Bescheren. Beer, arca. Beere. Besen. Berhe, eine Befehl. Bethen. Ge- Pflanze. Begegnen. berh. Ceder. Begehren. Bewegen. Cleve. Bchen (besser Nreme. Demuth. bähen). Brec. Eden. Bequem. Breyel. Sge. ' Degen. Z.Kap. Vom dem Tone. §.92. 26z Tiefes e wie ä. Hohes e. Gedehnt. Gedehnt. Degen. Hefen. Ehr, eher. Dehnen. Hegen. die Ehe. Der, dem, den, Hohl. Zähern. denen,derer. Hehlen. Ele (besser Drehen. Her. Ehle). Eben. Herd. Ehre. Eber. Herde. Epheu. Adel. Hering (besser Ervig. Ekel. Häring). die Fee. Elend. Herlinge. Fehe, Rauche Entbehren. V.ebs. werk. Erde. Refig. die Feh,n. Erst. Regel. Flehen. Er;, ae». Kehle. Gehen. Eftl. Kleben> Geschehen. Feder. Knebel. Herold. Fegen. Knecen. Je. Fehde. Krebs. Jeder. Fehlen. Leben. Jemahls. Fleder. Leber. Ieinand. Flegel. Leder. Jener. Frefel. Ledig. Irene. Geben. Legel. Kaffee. Gegen. Legen. Kainehl. Gegend. Lehnen, mcli. Katheder. Gencfen. nare. Kehren (»1. der Geren. Lesen. tief). Hebel. Meer. Klee. Heben. Mehl. Lamprete. Hederich. Merh. Leer. Hedwig. kleben. das Lehen, Heer. Nebst. Darlehn. R 4 Nebel. 264 i. Th. r.Abschn. Bildung der Wörter. Tiefes e wie ä. Hohes e. Gedehnt. Gedehnt. ZTlebel. Schwert. Lehnen, borgen. Nehmen. Segel. Lehren. L^est. Segen. Magnet. Pferd. Segnen. Meder. Pflegen. Sehne. Mehr, predigen. Sehnen. Meve. Guehle. Verfehren. Muskete. (Queke (al. Selig. Pastete. (Quecke). Speer. peccr. Gtier. Sreg. Poet. Rebe. Stehlen. Regel. Rede. Sret. Regierer. Regen. Stetig (stä- Reh. Regnen. tig). Rhede (besser Rekel. Stets. Rehde oder Schedel, Streben. Reede). (Schädel). Theer. Scene. Schel. Treber, (Trä- Schlehe. Schemel, ber). Schlesien. (Schäinel). Trester. Schnee. Scheinen, Treten. Schweden. Schatten. Verweser. See. ' Schere. Feldwebel. Seele. Scheren. XVeben. Sehen. Schlegel, N)edel. Sehr. (Schlägel). Nieder. Sirene. Schmer. lVeg. Spree, der Schweben. Bewegen. Fluß. Schwefel. Verwegen. Gprehe, ein Schweher, lVegern, (wei- Vogel. (Schwüher). gern). Stehen. Schwer. XVegerich. Tapete. N>ehen. z. Kap. Von dem Tone. §. 9?. 265 Tiefes e wie ä. Gedehnt. Hohes e. Gedehnt. wehen. wehren. Wenn, wen. wer. werden. werth. Wesen. Zehen, ciecem. Zehren. Thee. Trompete, wehe, vae. wenig. , die Zehe. Zerer. Zween, welches doch nicht üblich ist. Eben dieses gilt auch von ihren Ableitungen. Das geschärft betonte e ist allemahl tief: Becher, Hecken, hesier, er;, die Vorsylbe, u. s. f. Das unbetonte e in den Ableitungs- und Biegungssylben ist boch, wenn es für sich allein, oder auch am Ende der Sylbe stehet, Lieh-e, Be-schwer-de, ge-lieht, he-feh-lcn; aber tief, wenn noch ein Hauptlaut darauf folget: Gott-es, ver-geh-en, er-zähl-en, ent-steh-en, Räth-jel. §. 9z. Wenn man sich dasjenige, was hier von Grundsatz dem Tone der einfachen Wörter gesagt worden, be- fürdiePro- kannt macht, und noch dazu nimmt, was im Fol- stdie.. genden von dem Tone der zusammen gesetzten vorkommen wird: so wird man die ganze so weitlauf- tig und verworren vorgetragene jehre von der (Quantität der Sylben, oder von ihrer jänge und Kürze in der Profodie, auf folgende sehr einfache Regel zurück führen können. Jede Sylbe, welche den vollen Ton hat, ist^in der Profodie allemahl lang, der Ton mag übrigens gedehnt oder geschärft seyn; was nur einen halben R 5 266 i. Th. i. Abschn. Bildung der Wörter. Ton hat, er sey übrigens gedehnt oder geschärft, ist zweizeilig, oder kann nach Willkühr lang oder kurz gebraucht werden; was aber tonlos ist, ist allemahl kurz. Hier ist Zur Erläuterung eine kleine Stelle zur Probe. Der Nachtigall rcitzende Lieder Ertönen, und locken schon wieder Die fröhlichsten Stunden ins Jahr. Hier sind der, die, und, schon, ins, einsylbige Bestimmungswörter, welche nur einen halben Ton haben, und daher von dem Dichter nach Belieben lang oder kurz gebraucht werden können. In dieser Stelle sind sie alle kurz gebraucht. Jahr, die mittelste Sylbe von ertönen, und die ersten Sylben aller übrigen mehrsylbigen Wörter haben den vollen oder Hauptton und können nicht anders als lang gebraucht werden. Nachtigall ist ein zusammen gesetztes Wort, dessen zweyte Hälfte als das bestimmte Wort nur einen halben Ton hat, wie aus der 5ehre von den zusammen gesetzten Wörtern erhellen wird, der Dichter kann sie daher lang oder kurz gebrauchen; hier ist sie kurz gebraucht. Alle übrigen sind als Biegungs-oder AbleitungSsillben tonlos, und können daher nicht anders als kurz seyn. Zweyter 26/ ^-M^! Zweyter Abschnitt. Von den Wörtern als Redetheilen und ihrer Biegung. Erstes Kapitel. Von den Arten der Wörter oder den Redetheilen überhaupt. ^ ^" Einleitung, §.94. Allgemeine Einthcilung der Wörter, Z. 95- WaS denken ist, H. y<5. Was Redecheile sind, tz. y?. Allgemeine Übersicht derselben, S. Y8. Erklärung des Substantivs, S- yy. Des Artikels, Z. -oo. Der ZalM'Lrrcr, z. isl. Der ?N>iccrivcn, §. los. Der pronominum, §. i?z. Des Adverbii, tz. 104. DeS Verbi, S. 105. halt. Der Präpositionen, §. lo6. Der Lonjunccionen, §. 107. Und der Interjektionen, Z.ioF. Von den Participien, Z.ioy. WaS flecrircn oder biegen heißt, H. ilo. Erklärung des Declinirens, §. in. Des Movirens, §. 112. Des Loncrcscircns, §. ilZ. Des «Lomparirens oder Srei- gerns, §. 114. Des «Lonjugirens, §. 115. Unbiegsame Redetheile, Z. 116. §. 94. tzis hierher haben wir die Wörter der Deutschen Einleitung. . ^ Sprache bloß nach ihrer Materie betrachtet, nach welcher sie entweder Wurzelwörter, oder abgeleitete, oder zusammen gesetzte waren. Wir kommen nunmehr auf die Form, oder auf die Art des Begriffes, welchen sie bezeichnen. Diese Lehre ist überaus wichtig, denn wenn der Sprachlehrer den richtigen Gebrauch eineL Wortes zeigen soll, so muß er 268 i. Th. 2. Abschn. Von den Redetheilen. er doch wissen, zu was für einer Classe von Begriffen dasselbe gehöret, und worin das Wesentliche dieses Begriffes besiehet. Wenn man z. B. einen deutlichen Begriff von dem Artikel hat, so kann dessen Anwendung keinen Schwierigkeiten mehr aus- gesetzt seyn; wenn man deutliche Begriffe von dem Adjectiv und dem Adverbio hat, so wird man nicht Gefahr laufen, beyde miteinander zu verwechseln, und da vom Adjectiv zu reden, wo nichts als Adverbium ist. Man sollte daher glauben, so viele Sprachlehrer aller Nationen würden in so vielen Jahrhunderten diesen Gegenstand einmahl erschöpft haben, da er so wesentlich mit der ganzen Sprachlehre verbunden ist, und den einigen Grund des ganzen Syn- taxes auSmucht. Allein, da herrscht überall die unverzeihlichste Nachlässigkeit und eine bey nahe unglaubliche Seichtigkeit. Der Artikel ist da noch immer ein Wort, welches das Geschlecht anzeigt; ein Nennwort, ein Wort, vor welches man einen Artikel sehen kann; ein Substantiv, ein Nennwort, vor welches man nur einen Artikel sehen kann; ein Adjectiv, vor welches man alle drey Artikel sehen kann; das Pronomen, ein Wort, welches anstatt eines Nennwortes gesetzt wird; das Verbum ein Wort, welches das Thun oder beiden mit der Zeit andeutet, oder nach andern, Wörter, vor welche man persönliche Fürwörter im Nominativ setzen, und sie vermittelst derselben conjugiren kann. Fragt man etwa weiter, was denn conjugiren heißt, so bekommt man die Antwort: durch Personen, Numeros, Modos und Tempora verandern; und was dergleichen traurige Erklärungen mehr sind. Wie sich aus denselben das Wesen und der Gebrauch eines Redethciles entwickeln lasse, läßt sich leicht einsehen, und i.Kap. überhaupt. §.94. 269 und wer es noch nicht weiß, darf nur die erste die beste Sprachlehre nachschlagen. Da herrscht denn lauter Verwirrung, was man zu einem Redetheile rechnen soll oder nicht; der eine will nur von einem Artikel wissen, und weiset den Artikel ein zu den Zahlwörtern zurück, ein anderer nimmt gar zwanzig und noch mehr Artikel an, weil er alle Zahlwörter mit dahin rechnet. Bey dem Pronomine herrscht eben so vieler Widerspruch, weil der falsche Begriff nirgends paffen will, und doch behält man ihn lieber bey, als daß man sich die Mühe geben sollte, den wahren aufzusuchen, der sich bey nur ein wenig Nachdenken sehr bald verräth. Ich übergehe den Syntax, der bey so elenden Definitionen nicht anders als höchst verworren und mangelhaft seyn kann. Dieser nachlässige Vortrag der Sprachlehre hat unter vielen andern auch den Nachtheil, daß ihre Erlernung jungen Personen höchst widerwärtig und ekelhaft werden muß. Der Bau der Sprache wird dadurch ein bloßes Gedächtnißwerk, wobey der Verstand nicht das mindeste zn thun findet, und, wenn er sich dessen ungeachtet darein mengen will, überall zurück gestoßen wird. Klare und deutliche Begriffe haben auch für die ungebildetste Seele einen unwiderstehlichen Reiß, und jede Sprache würde mit weit mehr Eiser, Vergnügen und Nutzen auch für die Ausbildung des Verstandes erlernet werden, wenn man in ihren Vortrag mehr Deutlichkeit, bey nahe möchte ich fagen, Menschenverstand, brächte, als bisher gewöhnlich ist. Die so genannten philosophischen Sprachlehren, deren wir seit hundert Iahren in allen Sprache» erhalten haben, haben dem Übel nicht abgeholfen; fast alle haben den GesichcSpunct verfehlet, woraus eine 275 I.TH. 2.Abschn. Von den Redetheilen. eine Sprache, und was zu ihr gehöret, betrachtet werden muß. Ich will nur ein Paar der neuesten nennen. L.amderr, einer unserer größten Philosophen, auf welchen Deutschland mit Recht stolz ist, widmet einen großen Theil des zweyten Bandes seines neuen «Drgaitt der Sprache und ihren Theilen, allein man vermisset hier den tiefen und hellen Blick 'des Philosophen ganz, welchen man in andern Abschnitten bewundert. Er siehet an dem Artikel immer nichts, als die Bezeichnung des Geschlechts der Hauptwörter, an dem Verbo nichts, als daß es ein Thun oder Leiden andeutet. Harris, ein Engländer, wußte in seinem ^ermex selbst nicht, was er aus der Sprache und ihrem Baue machen sollte, so sehr er auch die Dunkelheit seiner Begriffe durch das Gepränge mit der alten Litteratur zu verbergen sucht. Court de Gebelm, ein Franzose von überaus vielem Witze und einer- erstaunlichen Belesenheit, hat den ganzen zweyten Band seines Klon- cje mimiti5 einer so genannten (ZiÄmmgirs uiüver. felle gewidmet; allein, wenn man nun den ganzen dicken Band von vierthalb Alphabeten mühsam durchgelesen hat, so erhält man doch keine neue Aufklärung, und bedauert den Mann, der mit einein solchen Aufwands von Witz und Beredsamkeit doch immer leicht über der Oberfläche dahin schwebt, und seine ganze Gründlichkeit an Gegenstände verschwendet, welche hierher gar nicht gehören, dergleichen die anatomische Zergliederung der Sprachwerk- zeuge ist. Ich habe mir sowohl in diesem größcrn Werke, als in der kleinern Sprachlehre für Schulen, vorzüglich angelegen seyn lassen, diesen Mangel der Gründlichkeit und Bestimmtheit in unsern bisberi- igen Sprachlehren zu ersetzen, und in alles, was dazu i.Kap. überhaupt. §.94-95» 271 zu gehöret, so viel Licht und Deutlichkeit Zu bringen, als mir nur möglich ist, werde aber auch alle diejenigen an jedem Orte dankbar anführen, welchen ich in einem und dem andern Stücke Aufklärung zu danken habe. Zum Unglücke ist ihre Anzahl sehr klein, weit kleiner, als man bey der großen Menge Schriften über die Deutsche Sprache vermuthen sollte, und ich kann für diefes Kapitel, so viel die Entwickelung des wahren Begriffes der Nedetheile betrifft, niemanden nennen, als Hrn. Gottfr. De- nedicr Funk, Rector an der Domschule zu Magdeburg, und Hrn. Ioh. XVerner deiner, Rector zu icmgensalza. Ersterer hat in dem Anhange zu der von ihm übersetzten Abhandlung Schlegels über die Vortheile und Mängel des Dänischen, die Schwächen unserer bisherigen Sprachlehrer in Ansehung ihrer Begriffe von den Redetheilen sehr deutlich und einleuchtend aufgedeckt, und da diese kleine Schrift der Vorrede nach bereits 176z heraus gekommen ist, so ist es unbegreifflich, wie die spätern Sprachlehrer, sowohl im südlichen als nördlichern Deutschlande, die daselbst gegebenen Winke unbenutzet lassen können. Hr. Neetor Meiner , dessen philosophische Sprachlehre ich bereits in der Einleitung empfohlen habe, ist auf diesem . Wege noch weiter fortgegangen, und hat die vornehmsten Veränderungen der Nedetheile aus ihreu richtigen Begriffen sehr glücklich entwickelt. §. 95. Wenn wir bey der Eintheiluug derWör- Allgemeine ter auf den im zweyten Kapitel vorgetragenen Ur- Emrhei- sprung der Sprache sehen, so haben wir zwey Clas- sen von Wörtern, wovon die eine die Empfindungen als bloße Empfindungen, die andere aber die klaren Begriffe von den Dingen und ihren Besinn- mungen bezeichnet. Die ersten sind die Inter- jemonen 272 I. Th. 2. Abschn. Von den Nedecheilen. jecrionen oder die Empfindungswörter, welche die Anfangsgründe und ersten Bestandtheile der Sprache, und die Grundlage zu allen übrigen Wörtern sind, ob sie gleich jetzt den kleinsten und unbedeutendsten Theil der Sprache ausmachen. Die andere Hauptclasse hat keinen allgemeinen Nahmen, wir können sie aber tVcrter im engern Verstände nennen, weil ein Wort eigentlich ein Ausdruck einer klaren Vorstellung ist, die Empfindungswörter aber die Empfindung als bloße Empfindung darstellen, ehe sie noch zur klaren Vorstellung erhöhet worden. Was den- §. 96. Diese XVörter im engern Verstände ken ist. sind nun der eigentlichste und wichtigste Theil der Sprache, sind aber wieder von so verschiedener Art, als die Dinge, welche wir uns vorstellen können, oder vielmehr, als die Art und Weise ist, wie wir uns die Dinge, und alles, was an ihnen ist, vorzustellen pflegen. Alles, was gedacht werden kann, ist entweder für sich bestehend, selbständig, eine Substanz, oder nach einer sehr faßlichen Umschreibung, etwas, das sich zählen läßt; oder nicht für sich bestehend, unselbständig, etwas, das sich eigentlich nicht zählen läßt. Der Baum, die Blume, die Sonne sind für sich bestehende Dinge, weil wir sie zählen können; grün, wohlriechend, hell, ineic, hoch, sind unselbständige Dinge, weil sie nicht für sich bestehen, sich nicht zählen lassen, und allemahl selbständige Dinge voraus seßen, an welchen sie befindlich sind, oder zwischen welchen sie gedacht werden müssen. Eben so sind auch unsere klaren Vorstellungen beschaffen, nur mit dem Unterschiede, daß wir, um unserer mangelhaften Erkenntnißart zu Hülfe zu kommen, uns vieles als selbständig vorstellen, und vorstellen müfstn, was es nickt Z.Kap, überhaupt. §.96.97. 27z »licht ist. Alle unsere Gedanken und Vorstellungen betreffen demnach die selbständigen Dinge, und was sich von ihnen denken läßt, oder mit andern Worten, unser Denken bestehet bloß darin, daß wir «inem selbständigen oder als selbständig gedachten Dinge etwas unselbständiges einverleiben. Das selbständige Ding heißt mit einem bereits allgemein bekannten Nahmen das Subject, das unselbständige aber, was wir von demselben sagen, oder es demselben einverleiben, das prädicar. Die Rose riecht schön, die Tugend ist liebenswert!), da ist Aose ein selbständiges, Tugend aber ein als selbständig gedachtes Ding, folglich das Subject, was von ihnen aber gesagt wird, das Prädicat. Jeder Gedanke bestehet also aus einem Satze, welcher allemahl drey Theile enthält, das selbständige Ding, von welchem etwas gesagt wird, oder das Subject, dasjenige, was von ihm gesagt wird, oder das unselbständige, welches ihm einverleibet wird, das prädtcar, und ein Wort, vermittelst dessen das letztere von dem erstem gesagt, oder demselben einverleibet wird, das jAnverleibungs- rvorr, oder, wie man es auch sonst, obgleich nicht so schicklich, nennet, die Copula. §. 97. Ein jedes selbständige Ding ist mit al- Was Rede« lem, was von ihm gesagt werden kann, mit allen theile sind, seinen Bestimmungen, nur ein und eben dasselbe Ding; allein, da wir nur sehr stufenweise, durch Absonderung einzeler Bestimmungen, zur klaren Erkenntniß gelanget sind, so können wir auch ncch jetzt uns ein Ding nicht mit allen seinen Bestimmungen auf einmahl vorstellen, noch weniger aber es mit einem einigen Worte ausdrucken, sondern wir müssen das Ding mit seinen Bestimmungen einzeln und nach einander denken und ausdrucken; folglich Adel.jL.Svr. S haben 274 i.TH. 2.Abschn. Von den Redetheilen. haben wir dazu mehrere Wörter nöthig. So fern nun dieWörter die verschiedenen Arten unserer Vorstellungen in der Reihe der Begriffe oder in einem Sahe ausdrucken, werden sie Nederheile genannt. Allgemeine §- 98. Da ein jeder Satz aus drey Haupttheilen Übersicht bestehet, dem Subjecte, dem Prädicate und dem derselbe». Einverleibungsworte, so hatten wir eigentlich nur drey Redetheile nöthig, und vermuthlich hatten die ersten Sprachen bald nach ihrem Ursprünge und ersten Ausbildung deren auch nicht mehr. Allein, da das Unselbständige von mancherley Art seyn kann, oder vielmehr, da wir uns dasselbe auf vielfache Art vorstellen können, und wirklich vorstellen, da ferner in einer ausgebildeten Rede auch das Verhältniß zwischen mehrern Säßen gedacht und ausgedruckt werden kann, so gibt es jetzt in allen bekannten Sprachen mehrere Redetheile, doch mit einer großen Verschiedenheit, indem manche Bestimmungen, welche die eine Sprache ausdruckt, in der andern entweder übergangen, oder an dem Worte durch die Biegung selbst bezeichnet, oder mit andern Redctheilen verbunden werden. Die in der Deutschen Sprache vorhandenen Redetheile betreffen: i. Das Selbständige oder die Substanz, und alles, was wir uns als selbständig vorstellen; dessen Nahme das Substantivum ode« Hauprworr ist. 2» Das Unselbständige, oder alles, was sich von dem selbständigen Dinge sagen läßt, und zwar nach der verschiedenen Vorsiellungsart: , z) An und für sich, als außer dem selbständigen Dinge befindlich; und zwar, s) so fern es zwar an dem Dinge selbst befindlich ist, aber nur außer demselben gedacht wird, v.Kap. überhaupt. §.98.99.' »75 wird, eine Beschaffenheit, dessen Aufdruck das Adverbium qualitatis ist. b) so fern e6 wirklich außer dem Dinge befindlich ist, und auch so gedacht wird, ei» Umstand, das Umstandsrvort im weitesten Verstände. . ^ «. überhaupt, das Umstandswort im engsten Verstände. B. Mit einigen Nebenbegrissen. 1. Als das Verhältniß zweyer selbständigen Dinge, die Präposition. 2. Als das Verhältniß der Sätze und ihrer Glieder, die Conjunction. 2) In der Beylegung begriffen, oder dem selbständigen Dinge wirklich beylegend, das Verbum. z) Als schon beygelegt oder einverleibt, dahin alle concrescierte Redetheile. 2) Eine beygelegte Beschaffenheit, d. i. eine Eigenschaft, das Eigenschaftswort oder Adjectiv, b) Ein beygelegter Umstand. «. Der Selbständigkeit, der Artikel. /Z. Des Umfanges oder der Zahl, das Zahlwort. Des zufälligen Verhältnisses der Person und des Ortes, das Pronomen. Und auf diese Art hätten wir folgende Redetheile. §. 99. i. Das Substantivum oder Haupt- ErMnng wort, der wichtigste Redetheil, auf welchen sich alle "es Subübrige beziehen, und um dessen Willen sie insge- sammt vorhanden sind. Es ist der Nahme aller selbständigen Dinge, nicht nur derer, welche wirklich für sich bestehen, sondern auch alles dessen, was wir uns als für sich bestehend vorstellen. Es ist, des Besitzes in Ansehung der Person, des Ortes, und der Stellung in der Rede. Alle diese bloß Zufälligen und vorüber gehenden Verhältnisse werden 5. durch die Pronomina ausgedruckt, welche man bisher sehr unschicklich Ktrrvörccr nannte, weil man glaubte, sie wären'bloß dazu bestimmt, die Stelle der Hauptwörter zu vertreten, welches doch nur bey den wenigsten Statt findet, und alsdann bey ihnen eben so zufällig ist, als bey den übrigen Bestimmungswörtern des Substantivs» Braucht , man ja einen Deutschen Nahmen, so könnte man sie von ihrer vornehmsten Verrichtung personwörcer, oder personliche Bestimmungswörter nennen. Der Advtt- §..104. Durch die letztem vier Redetheile ward das Unselbständige, welches zur Bestimmung des i.Kap. überhaupt. §.1^4.105. 279 Substantivs dienete, demselben als beygelegt oder an demselben befindlich vorgestellet; allein oft bezeichnet man dieses Unselbständige nur an und für sich, oder leget es dem selbständigen Dinge erst bey. Dasjenige, was sich an einem Dinge befindet oder befinden kann, heißt, so fern man es für sich allein betrachtet, eine Beschaffenheit, so bald es aber dem Dinge als einverleibet betrachtet wird, eine LLlgenschaft. Das Wort groß bezeichnet eine bloße Beschaffenheit, und wenn ich sage, derMann ist groß, so lege ich diese Beschaffenheit dem selbständigen Dinge bey; allein durch den Ausdruck der große Mann wird die Beschaffenheit demselben schon beygelegt, und an demselben befindlich gedacht, und daher als eine Eigenschaft vorstellig gemacht. Derjenige Redetheil nun, welcher die bloße Beschaffenheit ausdruckt, heißt 6. das Ads verbium, welches nicht allein das Unselbständige für sich allein darstellet, sondern zugleich zur Be- ' stimmung alles übrigen Unselbständigen in der Rede dienet, es sey von welcher Art es wolle. Ein sehr großer Mann, der Mann isr viel größer als wir; wo sehr und viel sowohl das Adjectiv großer, als auch das Adverbium größer bestimmen. Man nennet die Adverbia im Deutschen gemeiniglich d^ebeiiwörter; allein, da dieser Ausdruck von ihrer Bestimmung eigentlich nichts sagt, so könnte man sie init mehrerm Rechte Veschafs fenheitsrvörter nennen, durch welchen Ausdruck zugleich ihr Unterschied von den Adjectiven merklich wird, mit welchen man sie bisher so sehr verwechselt hat. §. 105. Derjenige Rcdetheil, welcher das un- Des Verbi, selbständige Prädicat mit dem selbständigen Dinge verbindet, oder dem Dinge eine Beschaffenheit bey- S 4 leget, 230 I.TH. 2.Abschtt. VondenRedetheilen. leget, heißt 7. das Verbum. Dieses theilet sich in zwey sehr ungleiche Classen. Es bezeichnet entweder die bloße Einverleibung, und weiter nichts, oder es schließt zugleich die Beschaffenheit mit in sich, welche dein Dinge beygeleget werden soll. Das erste geschiehet vornehmlich durch die Verba seyn und werden, der Mann ist groß, das Haus war schon, der Vaum wird groß; das letztere aber durch alle übrigen Verba, welche letztem daher eigentlich zusammen gesetzt sind, oder sich doch insgesammt in ein Adverbium und das Verbum seyn auflösen lassen: er schläft, oder er ist schlafend, starren oder starr seyn. Und in diesem Verstände ist das Verbum ein Wort, welches das Prädicat nebst der Einverleibung in einem und eben demselben Worte enthält. Ich werde an seinem Orte zeigen, daß dieser Begriff, welchen Hr. Rector Lunö in der oben angezeigten Schrift bestritten hat, immer noch der richtigste und faßlichste ist, welchen man von einem so schweren Redetheile nur geben kann. Man nennet das Verbum im Deutschen das Zeitwort; ob nun gleich dieser Ausdruck nur einen Umstand seiner Bestimmung ausdruckt, so kann man ihn doch behalten, weil man wohl nicht leicht einen schicklichern für denselben ausfindig machen wird, und er doch wenigstens keine irrige Vorstellung erweckt, wie die Nahmen Geschlechtswort, Fürwort und Nebenwort thun. Der Pr!i- §. 106. Da durch diefe Redetheile noch nicht al- xosition. le Bestimmungen erschöpft werden, welche in einer vollständigen Rede erforderlich sind, und besonders noch das Verhältniß übrig ist, in welches zwey Dinge durch daö Prädicat versetzet werden können: so hat man für dieses Verhältniß einen eigenen Rede- cheil, welcher die Präposition heißt, und welcher zugleich i.Kap. überhaupt. §.107.103. 28! zugleich das Mangelhafte in der Deutschen Declination ersehet. Sprachen, welche vollständigere Declinationen haben, wie z.B. die lateinische, drucken dieses Verhältniß in vielen Fällen unmittelbar an dem Substantive selbst aus, und können daher oft der Präposition entbehren, wo sie dem Deutschen bey seiner mangelhaften Declination nothwendig ist. Man hat die Präpositionen im Deutschen Vorwörter genannt; ein Nahme, welcher im Grunde nichts sagt, und eine bloße buchstäbliche Übersetzung des eben so wenig sagenden lateinischen Ausdruckes ist. §. 107. Bisher betrasen die Redetheile bloß cnt- ^ weder das Subject oder auch das Prädicat eines junction. Satzes. Da aber ein Saß aus mehrern Gliedern, und eine Rede aus mehrern Sätzen bestehen kann, zwischen welchen mancherley Arten von Verhältnissen möglich sind, so ist ein Redetheil nothwendig, dieselben zu bezeichnen. Dieß thun nun 9. die Con- jnncrionen, welche man im Deutschen nicht richtig Bindewörter nennet, indem nur ein Theil derselben verbindet, andere aber andere Verhältnisse bezeichnen. Die Bezeichnung des Verhältnisses der Sätze setzet schon eine ausgebildete Sprache voraus, daher rohe Sprachen an Conjunctionen gemeiniglich sehr arm sind. Eben dah?r rühret es auch, daß unter allen Redetheilen die Conjunctionen in ihren Bedeutungen den meisten Veränderungen unterworfen sind, indem man bey Ausbildung und Verfeinerung einer Sprache immer neue Verhältnisse zwischen den Sätzen entdeckt, und zu bezeichnen nöthig findet. §. 108. Die letzte Stelle unter den Redetheilen Und der In- nehmen endlich 10. die Incerjecriones oder Em- terjecüon. psindunISwörter ein, welche die Empfindung als bloße Empfindung bezeichnen, und sich wieder in S 5 zwey 282 k TH. 2.Abschtt. Von den Redetheilen. zwey Classen theilen, je nachdem sie innere oder äußere Empfindungen bezeichnen. Von dem §. 109. Fast alle Sprachlehrer führen auch das Mticipio. Participium oder Mittelwort als einen eigenen Redetheil auf, welche Ehre doch demselben wenigstens im Deutschen nicht gebühret; indem es ein bloßes von einem Vcrbo abgeleitetes Adverbium ist, welches, wegen seiner Abstammung, den Nebcnbe- griff der Zeit hat, und, als ein Adverbium, vermittelst der gewöhnlichen Concretions-Sylben zu einem Adjectiv erhöhet werden kann. Man hat sich dadurch, daß man das Deutsche Participium von dem Adverbio und Adjectiv getrennet, den Weg zu vielen Verwirrungen im Synta.rgebahnet, welche wir auf diese Art werden vermeiden können. Hingegen verdienen die Zahlwörter als ein eigener Redetheil betrachtet zu werden, weil sie sich nicht allein in ihrer Bedeutung von allen übrigen unterscheiden, sondern auch in ihrem Gebrauche manches besondere haben. Die Sprachlehrer müssen dieses gefühlet haben, indem sie den Zahlwörtern ein eigenes Kapitel hinter den Adjectiven widmen, ohne sie doch als einen eigenen Redetheil zu betrachten. Indessen gilt dieses nur von den Grundzahlen; die übrigen sind entweder Adjective oder Adverbie mit der Bedeutung der Zahl. Auch den Infinitiv, als einen eigenen Redethcil aufzunehmen, wie Hr. Rector Funk in den oben angeführten Anmerkungen zu Schlegels kleinen Schrift über das Dänische, vorschlägt, scheinet mir unnöthig zu seyn, indem er den ganzen Begriff des Verbi, nur ohne Bestimmung der Person,' enthält. Wa« ficcti- §- "0. Ein selbständiges Ding, es sey nun das M hcißt. Subject oder stehe in dem Prädicate, kann entweder einzeln i.Kap. überhaupt. §.iio.!Zi. 28Z einzeln oder mehrfach seyn, und die Absicht desNeden- den erfordert, daß dieser Umstand augedeutet werde. Überdies? raun dasPrädicat aufverschiedeneArt von dem Subjecte gesagt werden; eine Beschaffenheit ist verschiedener Grade fähig, und kann entweder für sich allein, oder als an einem Dinge besi-dlich vorgestellet werden. Aus allen diesen Fällen entstehen mancherley zufällige Verhältnisse, die, wenn jedes durch eigene Worte augedeutet werden sollte, eine Überaus große Weitläufigkeit verursachen würden. Man hat sie daher in allen Sprachen sehr frühe an denjenigen Redetheilen, welche solcher Verhältnisse fähig sind, selbst bezeichnet, und zwar meistenthsils durch gewisse Wurzellaute, welche zwar nichts weniger, als unbedeutend sind, aber doch anfänglich nur eine dunkele und unbestimmte Bedeutung hatten, weil man in derKindheit der Sprache von diesen Verhältnissen selbst keine andere als dunkele Begriffe haben tonnte. Vermuthlich waren diese Wurzellaute anfänglich von dem Worte, zu welchem sie gehoreten, ge- trennet, bis man endlich bemerkte, daß sie nur Verhältnisse bezeichneten, und sie daher an das Wort anhängte. Diese zufälligen Verhältnisse nun, mit den einmahl angenommenen Wurzcllauten, an einem Redetheilc bezeichnen, heißt denselben flectis ren oder biegen, so wie die Wurzellaute, wodurch dasselbe geschiehet, die Llexions-oder Biegungs- sylben genannt werden. §. 111. Diese Biegung ist nun so vielfach, als Erkliikuug es Verhältnisse gibt, welche eine Sprache an dem der Decli- Worte selbst zu bezeichnen gewohnt ist. Im Deut- sehen ist dieses Verhältniß fünffach. 1. Das Verhältniß des im Prädicat befindlichen selbständigen Dinges gegen das Subject. Alle diese Verhältnisse der Reihe nach an einem Worte bezeichnen, heißt. 284 i.TH. 2.Abschn. Von den Redetheilen. heißt dasselbe decliniren, oder mit einem Deutschen Kunstworte ändern, abändern. Im Deutschen wird nicht allein das Substantiv, als der Nahme des selbständigen Dinges, decliniret, sondern der Regel nach auch alles, was unmittelbar zu dessen Bestimmung dienet, folglich der Artikel, das Zahlwort, obgleich hier nur unvvllkommen, das Pronomen, und das Adjectiv, weil sie insgesammt etwas bezeichen, was dem Substantiv als einverleibet gedacht wird, und daher demselben in allen seinen Verhältnissen folgen. Man ist gewohnt, auch die Bezeichnung der Mehrheit an dem Nahmen des selbständigen DingeS mit zur Declination zu rechnen. Billig sollte man sie davon trennen, und sie als eine eigene Art der Biegung betrachten, weil doch die Bezeichnung der Mehrheit ganz etwas anders ist, als die Bezeichnung der Verhältnisse des PrädicateS gegen das Subject. Der Mo- §. 112. 2. Alle bekannte Sprachen wenden den tion. an heu lebendigen Geschöpfen bemerkten Unterschied des Geschlechtes auf alle übrige selbständige Dinge an, und legen daher einem jeden Substantiv ein gewisses Geschlecht bey. Da nun dessen Bestimmungswörter demselben in allen seinen zufälligen Umständen folgen müssen, ein Bestimmungswort aber mit Substantiven von allen Geschlechtern verbunden werden kann, so müssen sie fähig seyn, ihrem jedesmahligen Substantiv mich in dem Geschlechte ähnlich zu werden. Diesen Umstand des Geschlechtes an den Bestimmungswörtern des Substantives ausdrucken, heißt, aber freylich nicht auf die ge- schickteste Art, sie movircn. Moviret werden in-. dessen nur der Artikel, das Adjectiv, die meisten Pronomina und die unbestimmten Zahlwörter, indem von den bestimmten nur das Zahlwort ein der Motion z.Kap. überhaupt. §.nz. 285 Motion fähig ist. In den Sprachlehren rechnet man hierher auch die Bildung eines weiblichen Hauptwortes vermittelst der Ableitungssylbe inn aus einem männlichen, Held, Heldinn; allein diese Vercin- derung wird mit mehrerm Rechte zur Ableitung als zur Biegung gerechnet. §. 11z. z. Wenn ein aus einem einigen Begriffe Der So«, bestehendes Prädicat für sich allein als unselbstän- cretien. dig gedacht wird, so heißt es eine Beschaffenheit, und das Wo-rt, welches dasselbe bezeichnet, bekommt den Nahmen eines Adverbii, z.B. groß. Wird diese Beschaffenheit als an einem Dinge wirklich be. findlich, oder demselben einverleibet, vorgestellet, so wird sie eine Eigenschaft, und das Adverbium gehet in ein Adjectiv über, der große Mann, ein gro? ßer Baum. Eine Beschaffenheit zu einer Eigen, schaft erhöhen, heißt sie concresciren, und diejenige Art der Biegung, welche solches verrichtet, dieCon- cretion; weil dasjenige, was bisher bloß abstract, oder für sich allein gedacht war, dadurch zu etwas concreteS wird. Das Concrefciren geschiehet vermittelst des Wurzellautes e, welcher unmittelbar an das Adverbium angehänget wird, der groß - e Mann, die groß-e Frau, das groß-e Haus, und die Motions-und Declinations - Laute nach sich bekommt, wenn deren vorhanden sind: ein groß - er Mann, des groß - en Mannes, die groß - en Häuser. Oft vertritt der Concre- tions-Laut die Motions- undDeclinations-Sylb?n zugleich mit; eine groß-e, alles gut-e, der süß - e H?ein, das fromm 5 e Aind. Was con- cresciret werden soll, muß eine Beschaffenheit seyn, folglich können nur Adverbia concrefciret werden; was aber aus der Concretion entstehet, kann, nach Maßgebung seiner Bedeutung, entweder einArti« kel. 286 i.TH. 2.Abschn. Von denRedetheilett. kel, oder ein Zahlwort, (obgleich dieses nicht in allen Fällen das Concretions-Zeichen erhalt,) oder ein Pronomen, oder ein Adjectiv seyn: denn jedes Bestimmungswort des Substantivs (viele Zahlwörter und einige Pronomina ausgenommen,) ist vermittelst der Concretion aus einem Adverbio gebildet worden, wenn dieses gleich nicht mehr vorhanden ist» Es laßt sich so gar wahrscheinlich machen, daß der Wurzellaut des Artikels ursprünglich d gelautet, woraus vermittelst des Concretions-Zeichen de, in welcher Gestalt er noch bey den Niederdeutsche!?, noch mehr aber in dem Englischen tlie, vorhanden ist, und mit den vollständigen Geschlechts-und Decli- nations-Zeichen, der, die, das geworden. Die Concretion der Adverbien ist bisher, so viel ich weiß, in keiner Sprachlehre, als ein.? Art der Biegung angegeben worden, und daher rühret vornehmlich alle die Verwirrung, welche in der Lehre von den Adverbien und den Adjectiven herrscht. Hoffentlich wird die Sache selbst so kräftig für mich reden, daß es keiner Entschuldigung bedars, ihr bey der Flerion eine eigene Stelle eingeräumet zu haben. Der Stet- §» "4. 4. An einer Beschaffenheit lassen sich «erung. sehr oft noch Stufen denken, daher mehrere Spra- chenMittel gesunden haben, auch dieses Verhältniß unmittelbar an den Beschaffenheitswörtern zu bezeichnen. Die Deutschen können aus diese Art das Verhältniß sowohl eines höhern, als des höchsten Grabes bezeichnen, das heißt, sie können solche Wörter, die dessen fähig sind, steigern. Gemeiniglich nennet man diese Art der Biegung die Compara- rion, welcher Ausdruck aber den Begriff nicht erschöpft, indem die Comparation vor der Steigerung vorher z.Kap. überhaupt. §.115.116. 287 vorher gehet, und sie veranlasset, aber nicht die Steigerung selbst ist. Braucht man ja einen Lateins sehen Ausdruck, so ist Gradation bequemer. Wir werden an seinem Orte sehen, daß eigentlich nur die Adverbien gesteigert werden, daß sie aber nach die» ser Biegung, vermittelst des Concretions-Zeichen, auch als Adjective dienen können. §. 115. 5. An dem Verbo, dem wichtigsten und Dcr'C»«» wesentlichsten Theile des Prädicates, lassen sich sehr jugation« mannigfaltige Verhältnisse bezeichnen, welche insgesammt in den zufälligen Bestimmungen desselben in 'Ansehung des Subjectes gegründet sind. Die Sprachen haben in diesem Stücke gleichsam mit einander gewetteifert, und dadurch das Verbum zu einem der künstlichsten Redetheile gemacht, dessen Bau dem größten Verstände Ehre machen würde, ungeachtet er überall nur ein.Werk dunkel empfun. dener Ähnlichkeiten und Begriffs ist. Die Deutschen sind indessen unter manchen andern Völkern in Bezeichnung dieser Verhältnisse am sparsamsten gewesen, denn sie bezeichnen bloß die Art, wie das Prädicat von dem Subjecte gesagt wird, 5Vodum> die Zeit, wenn es von ihm gesagt wird, Tempus, und diese auf nicht mehr als zwiefache Art, und endlich die Person, welche das Subject des SaßeS ist, und zwar sowohl nach ihrer einfachen, als mehrfachen Zahl, personam und ;7?mnerum. Alle diese Verhältnisse an einem Worte mit den gehörigen Biegungösylben bezeichnen, heißt dasselbe con- zligiren, diese Biegung selbst aber die Lonjuga- risn. §. n6. Da die übrigen Redstheile entweder et- UnbiegsawK was bloß unselbständiges bestimmen, oder wenn sie Redttheil?» sich ja auf etwas selbständiges beziehen, mehr wie »inem 288 i. Th. s.Abschn. Von denRevethellm. einem Dinge dienstbar sind, so sind sie auch keiner weitem Biegung fähig. Sie werden mit einem allgemeinen Nahmen Partikeln genannt, nicht, weil sie von größern Redetheilen abgerissen sind, sondern, weil sie größtentheils aus Wurzellauten lind nackten Wurzelwörtern bestehen, indem man den Begriff, welchen sie bezeichnen sollten, ansanglich nicht anders als sehr dunkel denken konnte, daher auch ihre Bedeutung in allen Sprachen der meisten Veränderung unterworfen ist. Ob auch die Adverbia mit unter die Partikeln zu rechnen sind? — Nach dem Begriffe, welchen man gewöhnlich von einer Partikel hat, gehören wenigstens diejenigen Adverbia, welche eine bestimmte Beschaffenheit bezeichnen, nicht dahin, zumahl da sie nichts weniger als unbiegsam sind, sondern sowohl gesteigert, als concresrirct werden können, ob man gleich die erste Biegung gemeiniglich den Adjectiven beylegt, die letzte aber gar nicht kennet. Wohl aber gehören dahin die meisten derjenigen Adverbien, welche einen bloßen Umstand bezeichnen, und weder der Steigerung, noch der Concretion, fähig sind, zumahl, wenn sie dabey wirklich aus Wurzellauten oder nackten Wurzelwörtern bestehen. Hingegen wird das Hauptwort mit allen seinen Bestimmungswörtern mit einem gemeinschaftlichen Nahmen das dornen oder Nennwort genannt, weil sie alle den Nahmen des selbständigen Dinges ausmachen und bestimmen; ein Ausdruck, welchen man oft, aber sehr unschicklich, auf das Substantiv und Adjectiv allein einzuschränken pflegt. ^---Li^^WS^--» Zweytes ^K?-^ 289 Zweytes Kapitel. Von dem Substantiv oder Hauptworte. 1. Arten desselben. Inhalt. Erklärung des Substantivs, Nothwendigkeit des Artikels, Z. 117. §.126. Eintheilung in concrcte und Nothwendigkeit des Plurals, abstracte Substantive, S.N8- z. 12?. Erklärung und Eintheilung des 5^ Collectiv» sind, Z. 12z. c°ncretenSubstantivs,§.iiY. ^ M^erialia, §.129. Eigene Nahmen, !>. 120.121. ^ , ^ ? Ob sie eines Artikels bedürfen, Abstracte Hauptworter, §. 122.12Z. Verschiedenheit in der Bedeu- '. Ursprung der Gattungsnah- tung,§.izi. wen, Z. 124. Ob sie eines Plurals fähig sind, Ihr Umfang, L.12Z. §. 132. §. 117. ^^as Substantiv ist der Nahme einer Sub- Erklärung stanz, oder eines selbständigen Dinges, zu- des Sub- nächst eines selbständigen körperlichen Dinges, weil stantivs. die Körperwelt nicht allein die erste Veranlassung zur Erfindung der Sprache gab, sondern sie auch leitete; hiernächst aber auch alles dessen, was als selbständig gedacht werden kann und soll. Es ist daher der erste und wichtigste Redetheil, um dessen willen alle übrigen da sind, und wird auch im Deutschen mit Recht das Hauptwort genannt. Das Verbum enthält nur das Prädicat, welches ohne ein Subject, folglich ohne ein selbständiges Ding, nicht gedacht werden kann, und um deswillen kann es auch nicht für den vornehmsten ReAdel. D-Spr, T vetheil 290 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. dccheil gehalten und das Hauptwort genannt werden, wie von einigen neuern Sprachlehrern geschehen. Cmtbei- H. "8. Die erste Veranlassung zur Sprache, lu»g ui con-folglich auch zu den Nahmen der Dinge, gaben die crcte und außer dem Menschen befindlichen hörbaren und obMcte. scharen Dinge; allein an diesen war vieles befindlich, was der Mensch in der Kindheit seiner Erkenntniß nicht mit dem Dinge, woran es sich befand, zugleich denken, oder es doch nicht mit einem und eben demselben Worte ausdrucken konnte, daher ward er entweder aus eingeschränkter Beschaffenheit seiner Erkenntniß, oder weil das Wesen der Sprache es nicht anders erlaubte, genöthiget, vieles, was nicht für sich selbst existirte, als selbständig zu denken und auszudrucken. Man hat diesen Schritt des menschlichen Verstandes wohl mehrmahls für ein vorzügliches Kunststück desselben ausgegeben, so sehr er auch ein Beweis und eine Folge seiner Eingeschränktheit und Kindheit ist, welche ein Ding mit seiner Eigenschaft nicht auf einmahl denken und ausdrucken konnte, sondern beyde trennen, und sich die letztem eben so selbständig vorstellen mußte, als die erste. Auf solche Art haben wir nun zwey Haupt-Classen von Substantiven oder Hauptwörtern bekommen, solche, welche wirklich selbständige Dinge oder Substanzen bezeichnen, ccmcrera, dergleichen Haus, Baum, Stein u. s. f. sind, und solche, welche etwas unselbständiges, oder was sich nur an einem andern Dinge denken lässet, als für sich bestehend darstellen, abjtracra, weil sie von dem selbständigen Dinge gleichsam abgezogen und abgesondert sind, Tugend, Schönheit, Größe, §. "9. i. Dessen Arten. §. ng» 291 §. 119. Die concreten Hauptwörter sind wie- Etklünm» der von verschiedener Art/ welcher Unterschied doch der comtt- nicht in den Dingen selbst, sondern wiederum bloß teu. in der Art und Weise, sie uns vorzustellen und sie zu benennen, gegründet ist. Entweder, wir stellen uns die Dinge so selbständig vor, als sie wirklich sind, als Individua oder einzele Dinge, wovon jedes nur ein einiges Mahl vorhanden ist, und alsdann heißt das Substantiv, welches dasselbe bezeichnet, ein eigener Nahme, Nomen pwprium; oder wir denken und bezeichnen das selbständige Ding nach gewissen Merkmahlen, welche es mit andern seiner Art gemein hat, und alsdann wird dessen Nahme ein Nomen appellarivum, und auf Deutsch ein gemeinschaftlicher Nahme, bestimmter ein Gattungsnahme oder Classcnworr, weil es zugleich die ganze Gattung oder Classe von ähnlichen Dingen bezeichnet; oder wir stellen uns einzele Dinge nach einer gewissen Menge vor, an welcher man nichts einzeles unterscheiden kann, oder es wenigstens nicht unterscheiden will, in welchem Falle das Substantiv ein Nomen collecrivum oder Gammelnahme heißt, dergleichen XVasser, Luft, Sand, Getreide, VolL u. s. f. sind; oder endlich wir benennen bloß die Materie, ohne alle Rücksicht aus die darunter gehörigen Individua, da denn ein solches Wort ein Nomen mareriale wird. Die letzte Classe von Substantiven, wohin z.B. die Wörter Eisen, Holz, Stein, Dein, als bloße Materie betrachtet, gehören, fließen aus der einen Saite oft mit den Collectivs, und auf der andern mit den Abstraetis zusammen, daher man sie auch mit zu den letztem rechnen kann, indem die Bezeich. . nung der Materie wirklich eine Absiraction voraus seht, die aber auch bey den Collecuvis und Appella- T s liviS 292 l. Tl). 2. Abschll. 2. Kap. Substantiv. Eigene Nahmen Um tivis Statt finden muß, indem die Benennung eines Dinges nach gewissen allgemeinen Merkmahlen nicht anders, als nach geschehener Abstraction derselben möglich ist. §. i2o. Ein Individuum oder einzeles Ding ist durch sich selbst hinlänglich bestimmt und von allen sind cigrnt- übrigen Dingen abgesondert. Sollte nun seinNah- üch oxpella- ^ ^ individuell und bestimmt seyn, so müßte er zugleich alle die Merkmahle ausdrucken, welche ein Ding zu einen: Individuo machen; allein, das ist einer jeden menschlichen Sprache unmöglich, weil sie, wie wir in dem zweyten Kapitel gesehen haben, eigentlich nichts als das Hörbare an einem Dinge ausdrucken kann, und eben dieses Hörbare ein so allgemeines Merkmahl ist, daß es nicht allein allen Dingen einerund eben derselben Art, sondern oft auch Dingen sehr verschiedenerArt, zukommen muß. Es hat daher keine einige Sprache wahre eigene Nahmen aufzuweisen, sondern alle diejenigen, welche man dafür annimmt, sind ursprünglich Appella- riva, welche nur auf einzele Dinge angewandt worden: Carl, ein rüstiger tapferer Mann, Christian, ein Christ, Elbe, ein Fluß, Leipzig, eine iinden- stadt und so ferner. Wenn ein Appellativum in einer Sprache häufig als ein eigenerNahme gebraucht wird, so fängt er an in der ersten Gestalt zu veralten; oder vielmehr, die eigenen Nahmen sind in jeder Sprache so alt, daß sie als Appellativ« längst veraltet sind, und sich nur als eigene Nahmen erhalten haben, in welcher Gestalt sie immer am längsten aufbehalten werden können, ob sie gleich auch hier nicht der Vergänglichkeit ganz unwiderstehlich sind, wie so viele jetzt völlig abgegangene eigene Nahmen der vorigen Jahr. 5 l'. i > i. Dessen Arten. §.120. 29z Jahrhunderte beweisen, besonders seitdem seit Einführung des Christenthums die fremden christlichen Personennahmen immer häufiger geworden. Dej^ sen ungeachret sind sie dem Etymologen in Aufsuchung und Aufklärung alter längst verloren gegangener Wurzelwörter immer noch sehr schätzbar, so wenig sie auch noch bisher von dieser Seite benutzt worden. Indessen ist mich nicht zu läugnen, daß ihr fruchtbarer Gebrauch ein wenig schwer und mühsam ist, weil sie durch den langen Gebrauch in dem Munde des Volkes oft sehr verkürzet und verstümmelt worden. Hier sind ein Paar zur Probe, und zwar 1. Fränkische Nahmen aus dem vierten, fünften und sechsten Jahrhunderte: Männliche Nahmen: I^rtomui^, ZlÄ6emun6, I^uIäeAgst, LarioviK, ivlalzricn, ^-illobguä, ögp- ^0, Uain»bau6, ^eutymel', LKarietdo, Ivlerobsucl, Kiebomei-, '.l"beoclelner, Zguto, >IeviAgst, , Kolo, (?unclul5, Ller^us, Lc>. bo, ^lummolenux, OzmoZilil, ^gääo, I5Keruls, kglco, l^imlerie, ^Isluls, Vncilenus, ^bi eZi5i1u8, LKraLbai iu8, (DlliAanä, ^oI5, (Zri^o, XVintrio, 0äc>, Olo, Lettc», Ki5o, ^evüu, LurZc-glä, Lorb, ?l<0ccc>, Lbroin, I^erpo oder Lrj?v, I^raibo, (Zun^c», Lbucu8, 8ainc>, (?oc!o, Loäin, Loeric, Lnrsmnulk, I^llcbglä, O^äo, Zero. Weibliche: Llüotbilä, KgäeZunä, KiZumis, Ll^rotilci, (Zunäeucg, "l^euäe^bilcl, Lcitogrg, ^.a- c!iZi8, Llotliunäa, I^osemunclÄ, LrotderZs, Lrot- ülicia, InZunch«, Lliuussus, ZUckiI6i8, ^leic2tru6i8, T Z öei ts. 294 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Zertz, InZobsi-^a, I^larcvfsva, ?^eoc?e^iI6iz, ?re- tieZunä, ?A^i>euba, l'beodelin^, l'Iieuäelsng, üs6i5, ^reZun- clis, /Vsci!^, ^u6c>Üeäa, ^.uclovera. 2. Bojische oder Baierische Namen, aus dem siebenten und 8ten Jahrhundert: Männliche: "I^eocla, (?nmo^I6, ^luAibert, ^-zlclrgm, ^Äli65ri(j, Ivloatbe^t, t'etto, Oatilo oder I^tllo, Ke^ino, Luno, Liuclo, I^roacjo, I^i vaäunc, 'Wurmliürt, Ks^inc»I5, I^eZiQ^alt, Lunä- ^)glt, ^in^Iici, Lliimmi^ Lirtilo, ^.to, I-I^inminc, I-I^tto, Laxvo, ^rbe», Walti icl^, ?elbtvlä, !)eo» l^er, kolrili, ^ter^ K/lalbait, ^.inbriclio, I^a^o, Z^aero, ^Ig^ei-lit, ^Ig'Micli, Xsrolt, ^Ibuni, I^unuliL^ ?urlo, (^artligi i, I^uijxz, ^snnus, '/.otto, Isim, ^zlunc, Orilan, ?c>jic), ?ug^»o, ?ern, I^ovzKeo, Wetti, ^nu1o,lll, LunäKar, ^laliiclio, Lliunilioli , ^.I^ricb^ Li^ur, TIIsM, l'iec^ol^, Xe- ^rcli, I^gilvi^, I-iiltiinunt, Ilanliart, Ivla^gl^sr, 1"uto^ ^Itc>, I^acZielm, I^acjumar, ?unin, Lro5o, Kerinunt, 8ituli, ^inilo, I^riärili, Lo/ra^ l^ato, ?etto, ?o1Ici, ^aituic, V/aclier, 8l. Weibliche: ?iIitrucÜ8, ^.ckilmäa, ^sluilt, Oa- Zglliei^ Ke^al^ilt, ^clglsuuinä, ^.I^>8xvin6-,, ^Ibunia oder ^.l^un, Deotrats, ^liltimsra, ^äaliua, Ililü- tru6>8, 8onibi1c!l8. Die Urkunden und Geschichtlicher des mittlern Zeitalters liefern eine überaus große Menge dieser Rahmen aus allen Deutschen Mundarten, welche theils ^ i. Dessen Arten. §. 121.122. 295 theils noch jetzt gangbar sind, wie Kgläuin, ^al. Keiä, I-IartunL, 1'ricirick, Luncksr, oder Günther, liununc, Henning, u. s. f. theils längst vergessen und veraltet sind, aber doch immer gesammelt und erläutert Zu werden verdienen. H. 121. Die eigenen Nahmen sind wieder von Verschiede- so verschiedener Art, als es selbständige Dinge gibt, ne Arten welche man als Individua zu bezeichnen nöthig sin. derselben, det. Daher hat man L.andcsnahmen, Europa, Dcms6)!and, Frankreich, Sachsen u.s. f. Vol- kesnahmcn, (Zemiiis, ein Europäer, Deutscher, Franzose, Sachse, welche in einer andern Absicht auch als Gattungsnahmen angesehen werden können; Drtsuahmen, Locglig, Städte, Dörfer und Wohnörter Zu benennen, wovon sich denn wieder Gattungsnahmen bilden lassen, ein TVie? ner, Berliner, Leipziger; Personennahme», u. s. f. Ja, wo es nothwendig ist, bekommen auch wohl Thiere und leblose Dinge, z.B. Gassen, Häuser, u. s. f. eigene Nahmen. Wenn mehrere Dinge einerley eigene Nahmen führen, so legt man einem Dinge oft mehr als einen bey, alle Verwechselung und Verwirrung Zu verhüten. Dahin gehören unter den Personennahmen, der Vor? oder Taufnahme und der Geschlechcsnahme, wozu in manchen Fällen wohl noch Zunahmen oderDey- nahmen kommen. §.122. Dä ein einzeles Ding durch seine indi- Z-,. hxM.. viduelle Beschaffenheit schon auf das genaueste be- ftn keines stimmt ist, so darf dessen Selbständigkeit nicht erst Artikels, dnrch einenZusatz von außen bezeichnet werden. Ein eigener Nahme bedarf daher als ein solcher keines Artikels, außer wenn jener, wie wir im folgenden sehen werden, im Deutschen keine Casus-Zeichen T 4 an- 296 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. annimmt, und daher dieser Mangel durch den Artikel ersetzt werden muß: der Tempel des Salomo, die Lustspiele des Aristophanes, die Schriften des plato ' da denn der Artikel ein bloßes Declinations-Zeichen ist. Da ein eigener Nahme auch nur einem einzelen Dinge allein zukommen kann und soll, so leidet er auch in so fern keinen Plural. Können §, 12z. Indessen gibt es doch Fälle, wo ein ei- wiedcrAp- gener Nahme wieder als ein Gattungsnahme ge- braucht werden kann, und alsdann die Selbständigkeit verlieret, welche ihm in seiner ersten Be- jrimmung zukam. Diese Falle sind vornehmlich: 1. wenn mehrere einzele Dinge einerley eigenen Nahmen führen; 2. wenn ein eigener Nahme zu Bezeichnung einer Eigenschaft gebraucht wird; und z. wenn er ein Adjectiv vor sich hat, in welchem Falle er als ein Gattungöwort angesehen wird. In allen diesen Fällen ist ein eigener Nahme sowohl des Artikels, als auch des Plurals, fähig: Frankreichs Ludwige, die Könige Frankreichs, welche den Nahmen Ludwig führten; der Alexander Nordens, wo der Nahme Alexander als ein Gattungsnahme eines ungestümen Eroberers gebraucht wird; der Salomo der Deutschen, wo Salomo als eine allgemeine Benennung eines weifen Königes angesehen wird; der vierzehnte Ludwig; der große Newton, der große Philosoph, Nahmens Newton. §. 124. Wir haben in dem Abschnitte von dem Ursprünge der Sprache gesehen, daß jedes Wort ursprünglich ein hörbares Merkmahl ausdruckte, und von einem körperlichen Individuo veranlasset ward. Als dw Spracherfinder anfingen, diesen Ursprung der Gat- tungvnch- men. i. Dessen Arten. §. 124. 297 nachgeahmten 5aut, welcher ursprünglich nichts als eine Interjection war, als den Nahmen des Dinges zu gebrauchen, so konnten sie dabey keine andere obgleich nur dunkel empfundene Absicht haben, als gerade dasjenige Ding, welches den iaut veranlasset hatte, damit zu bezeichnen. Jedes Wort war also ansanglich zu einem eigenen Nahmen bestimmt. Allein, da das tönende Merkmahl, welches den Nahmsn herliehe, allgemein war, und sich an allen Dingen einer Art befand, so wurden alle diese eigenen Nahmen unvermerkt und von sich selbst zu Gattungsnamen. Der den Pfau von seinem Geschrey zuerst Pfau nannte, bezeichnete damit gerade nur den, welchen er hatte schreyen hören; er hörte einen zweyten, einen dritten schreyen, und glaubte, wenn er sie nicht alle drey beysammen sahe, daß es immer noch der erste sey. Vermuthlich bedürfte es in der ersten Kindheit der Sprache und der klaren Erkenntniß einer langen Zeit, ehe der Mensch die Gegenstände einer Art von einander unterscheiden lernte, kurz, ehe er dunkel erkennen lernete, daß das, was er für ein Individuum gehalten, eine ganze Gattung oder Classe von einzelen Dingen, und daß sein erfundener Nahme nichts weniger als ein eigener Nahme, sondern ein sehr allgemeiner GattungSnah- me sey. Das war nun freylich wider die ganze Absicht derSprachersinder, und diese Entdeckung mußte ihnen, ehe sie der dadurch entstandenen Verwirrung abzuhelfen wußten, anfanglich viele Verlegenheit verurfachen. Allein dieser Umstand ward doch in der Folge ein wahres Glück, sowohl für die Sprache, als für die Erkenntniß; für die Sprache, weil das Gedächtniß unter der ungeheuern Menge eigener Nahmen, gesetzt, daß sie auch möglich gewesen wären, eben so sehr hätte erliegen müssen, als der T 5 Chinese 298 i.TH.-.Abschn. 2.Kap. Substantiv. > Chinese unter der Menge seiner Schriftwörter erliegt; für die Erkenntniß aber, weil der Mensch dadurch gezwungen ward, sich allgemeiner Begriffe Zu befleißigen, oder vielmehr, durch die mangelhafte Beschaffenheit seiner Sprache gleichsam mit Gewalt zu allgemeinen Begriffen gestoßen ward, welche nachmahls der Grund seiner ganzen vernünftigen Erkenntniß wurden. Was M, §. 125. Die GattunIsnahmen oder Appel- Gattung lcmva bezeichnen daher Zwar selbständige Dinge, «.s.f. ist. ab^. nach einem gemeinschaftlichcnMerkmahle, welches mehrern derselben Zukommt. So heißen alle holzige und hochstämmige Individua des Gewächs- reiches Bäume, von einem Worte, welches ursprünglich ein hohes Ding bedeutete; gewisse mit scharfen Zähnen versehene Raubfische heißen fechte, alle mit Flößen versehene Wassergeschöpfe, Fische, gewisse Ranbvögcl mit krummen Schnabel LalLen, alle sich vermittelst der Federn in der iuft bewegende Thiere Dsgel. Diejenigen einzelnen Dinge nun, welche in einem gewissen allgemeinen Merkmahle mit einander überein kommen, macheu dasjenige ans, was man eine Art oder Gattung nennet. Allein, da sich mehrere Merkmahle au den Dingen bezeichnen lassen, wovon eines immer mehrern einzelen Dingen zukommt, als das andere, so gibt es auch mehrere Arten oder Gattungen, wovon die eine immer mehr Individua unter sich begreifst, als die andere, und alsdann die höhere, so wie jene die niedere Gattung genannt wird. Die unterste Gattung, welche die wenigsten sich ähnlichen Individua unter sich begreifst, pflegt man ziemlich allgemein eine Art zu nennen; allein für die höhern hat man keine fest bestimmten Nahmen, sondern man gebraucht die Ausdrucke Geschlecht, Gar- NMF, ^V/-" I. Dessen Arten. §. 125. 299 tung, Ordnung, Classe u. s. f. bald von höhern, bald von niedern Gattungen, ob e6 gleich nützlich wäre, diese Nahmen insgesammt so bestimmt zu gebrauchen, als in der Botanik der Neuern gewöhnlich ist. Der Nahme Hecht fasset alle einzele Fi. sche unter sich, welche sich durch ihren spitzigen Kopf, durch ihre scharfen Zähne, und durch ihre Gefräßigkeit unterscheiden, und bezeichnet also eine Art; die Nahmen Raubfisch, Seefisch, Lisch, wasser- geschöpf, Thier, Zxörper, Substanz hingegen, bezeichnen immer höhere Classen, wovon jede höhere immer weniger Merkmahle enthält, folglich immer mehr Individua unter sich begreifft, als die nächst vorher gehende, und folglich Gattung, Geschlecht, «Ordnung, Classe u. s. f. wird. Alle diese Nahmen zusammen nennen wir hier, ohne Rücksicht auf die höhern oder niedern Classen, Eats tungsnahmen oder Appellariva. Da das Merkmahl, wovon der Nahme von den ersten Spracherfindern entlehnet wurde, kein wesentliches Merkmahl, sondern ein bloß hörbarer Umstand war: so geschahe es sehr oft, daß man höchst verschiedene Dinge unter einem gemeinschaftlichen Nahmen vereinigte, welche nichts als den Schall mit einander gemein hatten. Brausen, stürmen, playen, gehen u.s. f. von wie viel ganz verschiedenen Handlungen und Veränderungen werden sie nicht gebraucht! Man würde sich irren, wenn man das eine Figur oder figürliche Bedeutung nennen wollte, was nach dem Ursprünge und Tone des Wortes mit zu dessen eigentlichen Bestimmung gehörete. Man kann daher einen Gattungs- nahmen, ohne dem Ohre Gewalt zu thun, nicht leicht über Gränzen ausdehnen, welche er seiner Bestimmung nach haben sollte. Warum stutzet man, wenn ZOO i.TH.2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. wenn jemand ein Schalthier einen Lisch nennet? Gewiß bloß aus einer dunkeln Empfindung, daß dieses nicht zu der Classe von Individuen gehören könne, welche man mit dem Nahmen Lisch beleget, der eigentlich eine Nachahmung des lautes ist, welchen ein mit Floßfedern versehenes Wassergeschöpf durch seine schnelle Bewegung im Wasser verursacht, welches das Schalthier nicht kann. In den Wissenschaften, wo man die Gegenstande nach wahren und deutlich erkannten Merkmahlen und Unterschieden bestimmen muß, macht das freylich oft Verlegenheit und Verwirrung, daher man sich daselbst so oft genöthiget siehet, dem Sprachgebrauche Gewalt anzuthun, und, mit Beybehaltung des einmahl eingeführten Ausdruckes, die Gränzen der Gattungen und Classen zu verändern, und dabey ganz andere Merkmahle zum Grunde zu legen, als der beybehaltene Nahme bezeichnet. Nothwen- §. 126. Jedes Wort ward, wie wir oben gese- digkeitdcö hen haben, von den Spracherjindcrn zu einem eige- AMkelS. nen Nahmen bestimmt; allein cs ward wider ihre Absicht ein GattungSnahme, und mußte es! in allen Fällen werden, weil das Merkmahl nicht individuell, sondern allgemein war. Allein dadurch verlor er zugleich seine Selbständigkeit, das heißt, er konnte an und für sich nicht mehr ein bestimmtes Individuum von der Gattung bezeichnen, welche er ausdruckte, weil er auf alle paßte. Ja er verliert diese Selbständigkeit immer mehr, je höher die Gattung oder Classe ist, welche er ausdruckt, weil jede höhere Classe immer mehr Individua unter sich begreifst, und ihr Nahme also immer weniger geschickt wird, ein ein- zeles bestimmtes Ding aus derselben zu bezeichnen. Man mußte diese Unbequemlichkeit sehr bald entdecken ; i. Dessen Arten. §.126.127. zvi decken; allein, die Mittel, wie man ihr abzuhelfen suchte, sind nicht in allen Sprachen einerley. Einige übersahen sie ganz, halfen sich in der Kindheit des Verstandes mit Geberden, und behielten, da bey weiterer Cultur die Geberdensprache immer eingeschränkter wurde, so wie die Lateiner, da6 nackte Gattungswort ohne alle äußere Bestimmung auch da bey, wo sie nur eines oder das andere darunter gehörige Individuum verstanden wissen wollten, und verließen sich, in dessen nähererBestimmung,auf den Zusammenhang, verursachten aber dadurch oft Dunkelheit. Andere wählten gewisse Wurzellaute, welche sie dem Gattungsworte vorsetzten, ihm die Verlorne Selbständigkeit in gewissen Fällen wieder zu geben, oder es geschickt zu machen, nur eines oder das andere bestimmte Ding aus der großen Menge von Individuen, welche es bezeichnete, auszudrucken ; und so entstand der Artikel, welcher daher bloß um der Gattungswörter und ihrer Selbständigkeit willen da ist, keines Weges aber das Geschlecht der Substantiven zu bezeichnen, wie gemeiniglich geglaubt wird. Siehe das folgende Kapitel von dem Artikel. §. 127. Die Gattungswörter sind allgemeine Und des Nahmen aller einzelen Dinge von einer gewissen Plurals. Art. Da nun die Rede bald eines, bald mehrere derselben zugleich betreffen kann, so müssen sie auch geschickt seyn, dieses Verhältniß der Zahl an sich selbst auszudrucken, und besonders die Mehrheit der Dinge ihrer Art zu bezeichnen. Im Deutschen geschiehet das letztere durch die Anhängung gewisser Wurzellaute als Biegungssylben des Plurals. DerPlural ist also wiederum nur um der Gattungswörter willen da, weil der Nahme eines Individui eben so wenig mehrfach seyn kann, als das Individuum zc,2 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. diium selbst. Siehe im folgenden die iehre von dein Plural. Erklärung §. 128. Die Gattungswörter haben ihren Ur- der Cvlle- sprung allemahl von einem Andividuo, und können ctiven, daher, wenn sie gleich, der Natur der Sprache nach, ihre individuelle Bestimmung wieder verlieren, ihre Selbständigkeit entweder durch den Zusammenhang der Rede oder vermittelst des Artikels sehr leichk wieder erhalten. Nicht so die Gammelwöner oder Collecriva, welche gleich anfänglich durch eine unbestimmte Menge solcher Dinge veranlasset wurden, in welchen man nichts einzeleö unterscheiden konnte oder wollte: N>asser, tVein, Aorn, N)ei- yen, Obst, Sand, Sraub, Mehl, Volk, Heer, Schaar u. s. f. Sie werden daher auch jetzt nur noch von einer solchen unbestimmten Menge gebraucht, und können nie eines oder mehrere Jndi- vidua ihrer Menge bezeichnen, weil der Begriff der Menge von ihnen unzertrennlich ist. Sie würden daher auch weder des Plurals noch des Artikels sä« hig seyn, wenn sie nicht zugleich diese ganze unbestimmte Menge, als ein Individuum oder selbständiges Ganzes bezeichnen könnten, in welchem Falle sie sowohl den Artikel, als auch von mehrern solcher Sammlungen oder auch von mehrcrn Arten den Plural leiden: der Sand am Meere, gebrannte tVasser, süßelVeine, große Heere, zahlreiche Schaaren. Manche Wörter werdeil nur im Plural collective gebraucht, und diese sind cigent. lich Gattungswörter, wie Leute, wovon der Singular ein L.em noch in einigen Oberdeutschen Gegenden gangbar ist, Erbsen, Linsen u. s. f. Von manchen lassen sich vermittelst der Vorsyibe ge neue Collectiv« bilden, sowohl eine unbestimmte, als auch, eine gewisse bestimme Menge zu bezeichnen; das Gewässer, i. Dessen Arten. §. 129. !ZO, zoz Gewässer, die ganze Menge Wassers, das Geblüt, das sämmtliche in einem Körper befindliche Blut, das Gebüsch, alles auf einem Haufen beysammen wachsende Unterholz, das Getreide. Von ähnlicher Art mit den Collectivs sind die Frequencariva, welche eine mehrmahlige aber der Zahl nach unbestimmte Wiederhohlung einer und eben derselben Handlung bezeichnen: das Gebelle, das Gebelfer, das Gemurmel, das Gefrage. §. 129. Die Marerialia drucken bloß die Ma- Der Mak- terie ohne alle Rücksicht auf die aus derselben beste- rialien. henden einzelen Dinge aus, und verlieren daher ihre Selbständigkeit noch mehr, als die Collective-, und schließen sich unmittelbar an die Abstracta an, ob sie gleich ihren Ursprung eben so, wie die Collectivs, der Schwäche des Unterscheidungsvermögens zu danken haben: Eisen, Gold, Silber, Speck, Dürrer, Milch, Holz, Srei,», Vein. Da sie von dem Begriffe der Selbständigkeit an wenigsten haben, und nicht das Ding, sondern bloß dessen Materie, als selbständig darstellen, so leiden sie auch weder den Artikel, noch den Plural, sie müßten denn wieder Gattungswörter werden, und als solche entweder Arten oder anch Individua bezeichnen: der schwarze Srein, ein hartes Hol?, das (Querholz, ein Drehelfen, ein Vror. izo. Die zweyte Haupt-Classe unserer Sub- Erklärung stcmtiven bestehet aus den Abftracris, welche das der Msw Unselbständige als selbständig darstellen, und für welche wir noch keinen schicklichen Deutschen Nahmen haben, denn der Ausdruck abgezogener ^ahme ist eine bloß buchstäbliche Übersetzung des Lateinischen,' ZO4 i.TH.2.Abschn.2.Kap. Substantiv. nischcn. Sie sind von verschiedener Art, nachdem das Unselbständige an den Dingen ist, welches man als selbständig Zu denken und auszudrucken für gut befindet. Die vornehmsten Arten sind etwa folgende. 1. Die Materie an einem Dinge als selbständig, die Nlarerialia, welche auch mit hierher gerechnet werden können. 2. Das Wirkende an einem Dinge, die wirkende Ursache, als etwas für sich und außer dem Dinge bestehendes: Schicksal, Glück, Unglück, Ursache, Grund. z. Die Wirkung und eine jede Veränderung: Zusage, Bitte, Ruf, Lauf, Anfang, Boch-- fchaft, Hinderniß, Nachricht, Schlag, Tod, und eine sehr große Menge anderer mehr. 4. Der Übergang eines unselbständigen Prädi- cateS mit seiner Copula in das Selbständige, das Concresciren einer Beschaffenheit zugleich init ihrer Copula; wohin alle Infinitive gehören, wenn sie als Substantiv« gebraucht werden: das Begegnen, das N)irken, das Betrachten, das Schlagen, das Stehen, das Erstarren. 5. Die Veränderung, besonders eine Handlung, als etwas Selbständiges, sowohl indem sie noch vollbracht wird, wohin die Verbalia auf ung gehören, die Begegnung, TVirkung, Betrachtung, Erstarrung; als auch als schon vollbracht und geschehen, dergleichen diejenigen Substantiva find, welche mit dem Impcrfect der irregulären Zeitwörter, oder auch mit der Wurzel ihres Participii Perfecti, oder auch mit der Wurzel des Infinitivs der i. Dessen Arten. §. izo. 305 der regulären gleich lautend sind: der Betracht, Betrug, Sprung, Stich, Gang, Stand, die Flucht, das Gesuch. 6. Eine bloße Beschaffenheit ohne alle Rucksicht auf ein Ding, woran sie sich befindet, als etwas Selbständiges. Von dieser Art sind die Adverbia, wenn sie ohne Concretionö-Zeichen als Substantiv« gebraucht werden: das Schwarz, das Engelsüß, ein schönes Rorh, Grün, Blau, das Rund der Erde, das große All. 7. Die Beschaffenheit, als dem Dinge schon beygelegt, eine Eigenschaft, als etwas für sich bestehendes. Dahin gehören die Neutra der Adjectiven, wenn sie als Hauptwörter gebraucht werden: das Große, das Edle, das Saure, das Süße, das Schöne. 8. Eben diese Eigenschaft als einen Zustand: die Größe, der Adel, die Säure, die Süßigkeit , die Schönheit, die Schärfe, das Alter. 9. Einen Zustand überhaupt: die Armuth, die Theurung, die Jugend, der Reichthum, das Verderben. Da diefe Abstracta jetzt der Grund unserer ganzen gelehrten Erkenntniß sind, so sehen Herr L.am- bett, und mit ihm fast alle unsere Philosophen, dieselben als einen vorzüglichen Beweis des menschlichen Scharfsinnes an; sie wissen nicht, wie diese Classe von Hauptwörtern in die Sprachen gekommen, und glauben, es müsse dem ersten Erfinder überaus schwer geworden seyn, hier das Eis zu brechen, und zu dieser ganz neuen Welt von Begriffen Adel.D.Spr. U j» / ZO6 I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. zu gelangen. Allein, wenn man sich an dasjenige, was in dem zweyten Kapitel von dem Ursprünge der Sprache gesagt worden, erinnert, so höret die Verwunderung aus, und was hier Scharfsinn und metaphysische Weisheit scheinet, wird ein sehr einleuchtender Beweis der Eingeschra'nktheit und Kind« heit des menschlichen Verstandes. Wir können uns ein Ding nicht mit allen seinen Eigenschaften und Bestimmungen auf einmahl klar und deutlich denken, sondern müssen jede Bestimmung einzeln betrachten und ausdrucken. Diese Unvollkommen- heit ist einmahl so tief in unsere Seele verwebt, daß auch der große Geist eines Newton hier keinen andern Weg gehen kann, als der rohe Verstand des thierischen Hottentotten. Dem ungebildeten Naturmenschen ist alles belebt, jede Erscheinung, jede Veränderung in der Körperwelt ist ihm das Werk eines lebendigen Wesens, welches so denkt und handelt, wie er, oder wohl gar ein solches Wesen selbst. Daher rühret denn nicht allein die Vielgötterey bey rohen unwissenden Völkern, sondern auch, was zunächst die Sprache betrifft, die Bestimmung jedes selbständigen Dinges nach dem Geschlechte, und die Betrachtung alles dessen, was unselbständig ist, als etwas selbständiges. In der Folge hat man nun zwar hiervon den besten nur möglichen Gebrauch gemacht, und sich, vermittelst solcher Substantiven, von dem Sinnlichen zu dem Allgemeinen undUn- körperlichen zu erheben gewußt, und daher die Anzahl solcher abstracten Hauptwörter ansehnlich vermehret, wie man sie denn noch jeht, so wie ein Volk in der gelehrten Erkenntniß wächset, zu vermehren sucht; allein die ganze Vorstellungsart ist doch immer ein Beweis der Eingeschränktheit unsers Verstandes, und ihr Ursprung ein Merkmahl seiner großen Kindheit i. Dessen Arten. §. izi. :Z2. 507 Heit auf den ersten Stufen feiner vernünftigen Erkenntniß. §. ;zi. In dem folgenden Abschnitts werden Verschie- wir seben, daß die Ableitung verschiedene Bie-denhcit ih- gungSsiKen für die Abstracta hat. Sie find nichts r-r Vedeu- weniger als gleich bedeutend, obgleich der Unterschied oft nur dunkel ist, daher der gemeine Gebrauch sie häufig init einander zu verwechseln pflegt. Das Roch ist etwas anders als das Rorhe und die Röche, das Große etwas anders als die Größe, das Einschränken etwas anders als die Ein? schränkung und die Eingeschrünktheit, das Schön in Tausendschön etwas anders als das Schöne und die Schönheit, das Vollziehen etwas anders als die Vollziehung und der Vollzug, die Ansprache etwas anders als das Ansprechen, die Ansprechung und der Anspruch. Diejenigen, welche Handlungen bedeuten, leiden auch Collectiv« oder vielmehr Frequentativa, das L^urmeln und das Gemurmel, das Heulen und das Geheul, das Schreyen und das Geschrey, das plaudern und das Geplauder. Viele ursprüngliche Abstracta können wiederum concret werden: die Säure, ein flüssiger saurer Körper, die Schwärze, ein schwarzer Farbenkörper, die Schönheit, eine schöne Person. §. 1Z2. Da die Abstracta ihren Begriff indivi- 2»wie ftrir duell, entweder überhaupt, oder an einem gewissen ^ den Pl«- Dinge befindlich, bezeichnen, so sind sie auch in so ^' ^'de°- fern keines Plurals fähig. Glück und Unglück bedeuten die höchste Ursache des zufalligen Guten und Bösen in der Welt, und da diese Ursache in ihrer Art nur einig ist, so leiden sie auch keinen U? Plural. ZQ8 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. Plural. Das Saure bezeichnet entweder überhaupt alles, was sauer ist, oder auch was an einem Dinge sauer ist, das Böse, alles, was in der Welt, oder was an einem Dinge böse ist; in beyden Fallen findet kein Plural Statt, weil jeder Begriff seinen Gegenstand als individuell betrachtet. Allein Ursachen, Handlungen und Wirkungen können mehrfach seyn, und sind also auch eines Plurals fähig. Eigenschaften können an mehrern Subjecten gedacht werden, und da sie an jedem Subjecte wieder anders bestimmt sind, so können sie auch von mehrern Arten gebraucht werden; in beyden Fällen leiden sie den Plural: die Größen, die Säuren, von dem Singular die Säure, die Alter. Abstracta, welche einen Zustand bedeuten, leiden den Plural am wenigsten, vermuthlich, weil hier jeder Zustand als ein genau bestimmtes individuelles Ganzes betrachtet wird: Leben, Tod, Hunger, Durst, Aälre. Hierin liegt vermuthlich auch der Grund, warum manche Abstracta, welche der Sache nach einen Plural leiden könnten, so widerwärtig klingen, wenn man ihn wider den Sprachgebrauch erzwingen will: Anfang, Ende Rath für Rathschlag, Tod. Sie bedeuten ursprünglich einen Zustand, und siiehen daher den Plural, auch wenn er nach geänderter Bedeutung möglich scheinen sollte. Daß die Abstracta, wenn sie eine concrete Bedeutung annehmen, und also wahre Gattungswörter werden, auch einen Plural leiden, verstehet sich von selbst: Bosheiten, Sünden, Tugenden, Laster, Adscheulichkeiten. 2. Bil- 2. Dessen Bildung. §. izz. 329 2. Bildung der Hauptwörter. Inhalt. Substantive als Wurzelwörter, 2. Der Collectiven, Z. 137. §- iZZ> z. Der Iterativen, Z.IZ8. Ableitung der Substantive, 4. DerAbstracre», §. iz->. l. De^Gacrungswörter, Eingeschränkter Gebrauch der H ^. c Ableitungssylben, §.140. Durch Vorsplbcn, §. izz. Substantiver Gebrauch anderer Durch Nachsplbc», Z. 136. Nedetheile, S. 141. §. A^ä're die Erfindung und Ausbildung der Spra- 'Substantiv che ein Werk eines reifen und aufgeklärten alsWurzel- Verstandeö, so würde ohne Zweifel jeder Redetheil seinen eigenen einförmigen Bau erhalten haben, besonders würde man die Substantive, welche als Nahmen der selbständigen Dinge der erste und wichtigste Redetheil sind, auf einerley übereinstimmige Art haben bilden müssen. Allein so verräth auch hier alles die dunkele Empfindung, welche Sprache schuf und ausbildete, und das Substantiv ist bald ein Wurzelwort, bald ein abgeleitetes. Als ein 5Vur;elrvorr bestehet es aus Wurzeln aller Arten, und die meisten Hauptwörter dieser Art sind Gat- tungswörter; und Zwar nackte Wurzelwörter: Ahl, Aal, Aas, Aß, Eid, Eiß, Heu, Bach, Bad, Bär, Bauch, Baum, Beil, Bein, Bier, Bock, Dach, Dauin, Dieb, Lach, Lisch, Luß, Gaul, Gaum, Hahn, Lehm, Löw, Joch, Loch, Lied, Mahl, Maul u. s. f. Hinten bekleidete: Arzt, Axt, Balg, Ball, Bank, Berg, Bars, Barr, Bast, Bild, Birn, Burg, Dacht, Dank, Darm, Ding, Dolch, Dorf, Dorn, Lrz, Lalk, Lalz, Laust, Leld, Lels, U z Lilz, Zio i.Tl). 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Filz, Forst, Garn, Gast, Geist, Gicht, Geld, Gold, Gurc, Halm, Hals, Hand, Hanf, Har; u.s. f. Vorn bekleidete: Blac, Blech, Bley, Blick, Block, Blut, Brauch, Bram, Bret, Bror, Drach, Fleck, Flor, Flur, Frau, Glas, Glied, Grab, Graf, Gram, Gras, Greis, Gruß, Mey, Rloß, Rram, Rraur, Rreis, Nrug u. s. f. Hinten und vornen zugleich: Dliy, Brust, Flachs, Fleisch, Flörz, Fracht,. Frarz, Frost, Frucht, Gruft, Grund, Rlorz, Rlufr, Mump, Rnecht, Nranz. Indessen erscheinen auch viele Abstracto als bloße Wurzclwörter und zwar von allen Arten: Bau, Bann, Lil, Lob, Durst, Gicht, Fug, Angst, Fleiß, Rnall, Rrafr, Flucht, Glanz. Zu den Wurzelwörtern müssen wir auch diejenigen rechnen, welche mit der Wurzel des Imper- fecti eines Verbi gleich lautend, und von dem Jm- xerfect der irregulären Zeitwörter oft gar nicht verschieden sind. Sie stellen eine Handlung als ein schon vollbrachtes selbständiges Ding dar, und ob znan sie gleich gemeiniglich als Ableitungeil von ihren Verbis anstehet, so ist doch wahrscheinlicher, daß sie mit dem Imperfect des Verbi gleich alt sind, indem das Wurzelwort in der Kindheit der Sprache, wo der Unterschied der Begriffe für den rohen Verstand zu fein war, alles vertreten mußte, was «6 nur konnte. Dergleichen sind z. B. Be - dacht, Be-trachc, An-dacht, Spruch, Sprung, Gang, Band, Bund, Stand, Stoß, Stich, Biß, Bug, Trieb, Hieb, Schnitt, Griff, Flucht, Bruch. Gleichfalls gehören hierher diejenigen Gattungö- wörter, welche um des Wohllautes willen nur das mil- 2. Dessen Bildung. §. izz. zu mildernde e am Ende annehmen, sowohl dem weichen Endbuchstaben seine weiche Aussprache zu er- halten, als auch die aus der Einsylbigkeit entspringende Härte mancher anderen Substantive zu mildern : Bnbe, Auge, Anabe, Bremse, Schwabe, Franzose, Schwede, Däne, Görze, der Gatte, der und das Erbe, das Ende, Buhle, L.öwe, Hase u. s. f. In Schwaben siehet man scheel dazu, und beschuldigt die Hochdeutschen wohl gar, daß sie aus Unwissenheit den Wörtern männlichen und sächlichen Geschlechts ein weibliches e anhängen; allein man verräth dadurch zugleich seine Ilnkunde in der Cultur der Sprache und ihrem Gange. So bald sich eine Sprache mit Geschmack verfeinert, ist sie auch darauf bedacht, zusammenstoßende Hauptlaute durch Hülfslaute zu trennen, und die stark betonten einsylbigen Redetheile, und besonders die Substantive dieser Art durch einen angehängten Hülsslaut mehrsylbig zu machen. So haben sich die Griechische, lateinische und Französische Sprache ausgebildet, und so hat sich auch die Deutsche Sprache seit Keros Zeiten zu verfeinern gesucht, und sie thut daher im Hochdeutschen weiter nichts, als daß sie auf diesem seit zehen Iahrhun. derten betretenen Wege fortwandert, wenn gleich ihre Cultur in dem südlichen Deutschlande seit drey- - hundert Iahren stille stehet. Es konnte dieses weitläufig bewiesen werden, wenn es die Mühe belohnte. Selbst das so genannte weibliche e ist im Grunde nichts anders, als dieses e euphonicum, weil kein Grund vorhanden ist, warum man es gerade nur einigen weiblichen Hauptwörtern sollte angehänget haben, so vielen andern aber nicht, auch nicht zu begreiffen ist, wodurch man veranlasset werden können, in Liede, Ehre, Ehe, Ähre, Ecke, Ege, U 4 Lsse, zi2 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Esse, Ameise, Amme, Bahre, Vase, Beere, Bitte, Biene, Bude u. s. f. daö weibliche Geschlecht anzudeuten, da keine gleich lautende männliche Wörter vorhanden sind, mit welchen man sie hätte verwechseln können. Hierzu kommt noch, daß man im Oberdeutschen, wo die Härte der Aussprache durch Cultur noch nicht vermindert ist, alle diese weiblichen Wörter, wenigstens in vielen Gegenden, einsylbig spricht, ohne dadurch in Gefahr zu gerathen, ihr Geschlecht zu verkennen. Dieses mildernde e ist indessen nur noch in einigen Wörtern angenommen, und bey weitem nicht allgemein; allein dieses rühret daher, weil die Verfeinerung einer Sprache nur nach und nach, nach dunkel empfundenen Grundsätzen, geschiehet, und mit dem Wachsthum einer Nation in Geschmack und Sitten in gleichen Schritten gehet. Es ist jedes Sprachlehrers Pflicht, diesen Gang der Sprache und ihrer Cultur zu studiren, und der Sprache da nachzuhelfen , wohin sie sich zu neigen scheinet, das heißt, in zweifelhaft scheinenden Fällen, wenn die alte Form nebst der neuern verfeinerten noch zugleich üblich ist, allemahl für die letzte zu entscheiden. Allein zum Unglücke kehren es unsere Sprachlehrer gerade um; sie kennen weder die Sprache, noch den Gang ihrer Cultur, suchen da ein- zureissen, wo sie fortbauen sollten, und schreiben ihr dagegen selbst erdachte Verbesserungen vor, welche in ihren Bau gar nicht passen. Gottsched war harthörig genug, alle diese Substantive mit dem mildernden e zu verdammen und die harte Oberdeutsche Form vorzuziehen, daher er sie auch bey keiner seiner Declinationen bemerkte, ungeachtet sie eigentlich zu seiner vierten gehören, wohin er aber bloß die Substantive auf el und er rechnet. Einen 2. Dessen Bildung. §.134. 31z Einen andern ähnlichen Gang der Verfeinerung der Sprache, und besonders der Hochdeutschen Mundart, werden wir bey den irregulären Zeitwörtern zu bemerken Gelegenheit finden, welche sich im- mer mehr der regulären Form nähern. Beyde und mehrere ähnliche Arten der Verfeinerung hat die Sprache bloß sich selbst und dem allgemeinen Gange der Cultur, der sich in allen Sprachen ähnlich ist, zu danken, nicht aber den Bemühungen einzeler Mitglieder oder Sprachlehrer, welche leh- tern vielmehr alles angewandt haben und zum Theil noch anwenden, die Sprache darin zu hindern. §. 1Z4. Die abgeleiteten Hauptwörter können auf Ableitung verschiedene Art betrachtet werden; entweder nach der Sub- den Redetheilen, von welchen sie abgeleitet werden, stanttven. oder nach den Ableitungssylben, von welchen solches geschiehet, oder nach der Bedeutung, welche die Hauptwörter nach der Ableitung und durch dieselbe bekommen. In Ansehung der erster» Art können Subsian- tiva von den meisten Redetheilen hergeleitet werden. Von Adjectivis, Seligkeit, Bosheit, Arbeitsamkeit, Eigenschaft, Finsterniß, Länge, von selig, böse, arbeitsam, eigen, finster und lang; vou andern Substantiven, Königinn, Söhnlein, Häuschen, vonAönig, Sohn und Haus; von Verdis, Mahler, Mahlerey, die Betrachtung, Schlägel, Aunst, Geplauder, von mahlen, betrachten, schlagen, können, plaudern; von Zahlwörternu.s. f. Indessen muß man inAngebung des Stammwortes nicht zu voreilig seyn, weil zwey und mehrere Wörter mit einerley Wurzelsylbe eben so oft Seitenverwandte als einander untergeordnet seyn können. Wer kann mit Gewißheit behaupten, U 5 daß ZI4 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. daß Tiebe von lieben, oder dieses von jenem abstamme? Der Wurzellaut ist allemahl eine Intcr- jection, der vermittelst der Ableitungssylben zu mehr als einem Redetheile bekleidet werden konnte, und es kam auf den Zufall an, welcher zuerst entstand. Von dem Wurzellaute lieb konnte man zu einer oder zu verschiedenen Zeiten L.iebe, lieben und lieblich ganz unabhängig von einander bildeil. Das Substantiv allemahl für das Stammwort ausgeben, und behaupten, daß es eher gewesen, als die übrigen Redetheile, weil es den Nahmen des Dinges enthalte, heißt nach der VorstellungSart unsers Jahrhunderts philosophiren, nicht aber nach der ersten Kindheit der Begriffe der Spracherfinder. Der Wurzellaut ist ursprünglich eine Interjection, und es ist wahrscheinlich, daß man sie eher wird genüget haben, die Handlung oder Wirkung damit zu bezeichnen, welche sie veranlaßte, als das Ding damit zu benennen, von welchem diese Wirkung herkam, wozu schon ein Grad der Abstraction mehr gehörte. Wir wollen in der Folge alle drey Betrachtungsarten der Ableitung der Substantiven zusammen nehmen, und die vornehmsten Ableitungssylben und Laute, welche jeder Forin der Hauptwörter zukommt, anführen. Ich sage die vornehmsten; denn es ist jeht nicht mehr möglich, in allen Fällen völlig gewiß zu unterscheiden, was ein ausgebildetes oder ein angekleidetes Wurzelwort ist, d.i. ob ein Wurzelwort, gleich bey seiner Entstehung, durch Hinzufügung eines oder des andern Hauptlautes, für sich allein und unabhängig von einem andern Worte zu seiner bestimmten Bedeutung ausgebildet worden, (S. Kap.2. §.57.) oder ob man es, vermittelst eben dieses Hauptlautes, mit Bewußtseyn von einem andern 2. Dessen Bildung. §. 1Z5. Z15 dem abgeleitet; z. B. ob der Wurzellaut her durch Hinzufügung des 5 für sich allein zu dem Worte j^er; ausgebildet worden, oder ob man ihn durch eben dieses z mit Bewußtseyn und nach einer dunkel empfundenen Ähnlichkeit voll her abgeleitet, und diesen Wurzellaut dadurch eben so bestimmt, als in Schmerz, Harz u. s. f. Da sich dieses jetzt nicht mehr in allen Fällen bestimmen läßt, so werde ich unter den Ableitungslauten nur diejenigen anführen, welche mit Gewißheit als solche angesehen werden können. §. 1Z5. 1. Die Gattungsrvörter werden sowohl 1. Der Gabvermittelst der Vorsylben als der Nachsylben abge- leitet. Die mit Gewißheit bekannten Vorsylben für die Substantiven sind de und ge und ihre Wurzellaute b und F. Man könnte ihrer mehrere annehmen, weil in einem jeden Worte, welches sich mit zwey oder drey Cousonanten anfängt, der erste oder die zwey ersten als spätere Zusätze augeschen werden können, welche zur genauen Bestimmung des Wortes hinzu gekommen; (S. Kap. 2. §.57.) allein, da der Nebengriff, welchen sie zu dem Worte hinzu gebracht, jetzt sehr dunkel und unbestimmt ist, außer daß das fund sch vor einem p, rv, r, r u. s. f. eine Verstärkung bedeutet zu haben scheinet, sprechen von brechen, stammen von Daum, Damm, schreiben von reiben, schweben von weben: so ist man genöhiget, alle dergleichen Wörter mehr für ausgebildete als für angekleidete oder abgeleitete Wörter zu halten. Die Vorsylbe be ist eigentlich eine Ableitungssylbe für die Verba, und die meisten Hauptwörter, vor welchen sie sich befindet, stammen eigentlich von Verbis ab: Bedürfniß, Behälter, Behältniß, Behörde. Manche Hauptwörter dieser Art scheinen Zl6 I.TH. 2.Abschn. 2.Aap. Substantiv. nen indessen mit ihrem Verbo gleich alt zu seyn: Begier, Behuf, Beginn, Behelf u. s. f. können eben sowohl unabhängig aus den Wurzellauten gier, ginn, Huf, helf gebildet seyn, als die Zeitwörter begehren, behufen, beginnen und behelfen. Kcnneten wir die Bedeutung dieses Lautes genauer, sd würden wir auch entscheiden können, ob das bloße b der Wurzellaut des ausgebildeten be, in Blick, Blur, Brücke, Braut u. s. f. zur Ausbildung oder zur Ableitung gehöre. Die Vorsylbe ge läßt sich mit mehrerer Gewißheit als eine Ableitungssylbe für Substantive annehmen , obgleich ihre Bedeutung in den Collectivs und Frequentativis bestimmter und deutlicher ist, als in den AppellativiS oder Gattungswörtern, außer daß sie in einigen etwas Gewirktes, Hervorgebrachtes zu bezeichnen scheinet: Gestell, Gebiß, Geschöpf, Genick, Geruch, Geschenk, Gehülfe, Geftift, Gedicht, Gewölbe. Viele derselben sind vermittelst dieser Sylbe von Verbis abgeleitet, andere aber scheinen von denselben unabhängig aus dem Wurzelwort selbst gebildet zu seyn. Was von dem einfachen Laute b gesagt worden, gilt auch von dem g in Gluch, Gruft, Glocke, Glied, Graf, Grind, und dessen Verstärkung in Rrafr, Ixluinp, Rloß, Rnore, Arähe u. s. f. Wo es, so wie das vollständigere ge, in vielen eine bloß müßige Verstärkung vermittelst des manchen besonders südlichern Mundarten so gewöhnlichen Gaumenlautes seyn kann, indem viele dieser Wörter ohne Nachtheil ihrer Bedeutung auch ohne diese Ableitungssylbe gefunden werden, wie Bieth, Burr, Schoß, Heiß u.s.f. für Gebieth, Geburr, Geschoß, Geheiß. §. iz6. 2. Dessen Bildung. §. iz6. 317 §. iz6. Weit fruchtbarer, zahlreicher und be- zz„^ stimmtet sind für die Gattungswörter die Nach- NachWm« sylben und Nachlaure, so fern diese erweislich als Ableitungslaute gebraucht worden. Die vornehmsten sind: chen, welches von vielen irrig gen geschrieben und gesprochen wird, verkleinernde Wörter aus andern Hauptwörtern zu bilden, Becherchen, Bildchen, Söhnchcn, oft mit einem zärtlichen Ns° benbegrisse, Herzchen, Hündchen, Lämmchen. Diejenigen Stammwörter, in welchen sich ein a, 0 und u befindet, bekommen in diefer Ableitung gemeiniglich den Umlaut: Häuschen, Böckchen, Mütterchen, Äftchen, Bällchen, von Ball, Bäumchen, Aüßchen, Schächrelchen, Täfelchen, u. s. f. wo die Verwandlung des tiefern Hülfslautes in den höhern, etwas Kleines zu bezeichnen, schon in der Natur der Sache selbst liegt. Die Verkleinerungssylbe wird oft unmittelbar an das Wurzelwort selbst gesetzt, daher die Ableitungssylben e und en vorher weggeworfen werden müssen, zum Beweise, daß sie die Bedeutung des Stammwortes nicht merklich bestimmen: Däckchen,Bübchen, Ämchen, Büschen, Bälkchen, Leistchen, von Backen, Bube, Änre, Base, Balken. Bestimmtere Ableitungssylben aber behalten ihre Stelle unverändert, Beutelchen, Schüssel- chen. Einige wenige leiden noch andere Veränderungen, z.B. Mädchen, von Magd, ehedem Mad. Wenn sich das Stammwort bereits auf einen Hauch- oder Gaumenlaut endigt, so wird, den Übelklang zu vermeiden, im Hochdeutschen noch die Sylbe el eingeschoben: Gprüchelchen, Löchel- chen, Dingelchen, Sächelchen, welche Form denn doch nur der vertraulichen Sprechart eigen ist. Etwas r.TH.2.Abschn.2.Küp. Substantiv. Etwas ähnliches findet sich in den Verkleinerungs- ' Wörtern der Lateiner: agei-, sZelluz, gZelluIut., te> ner, teneUu5, tenelluluz. Diejenigen Stammwör- ter, welche sich im Plural auf er endigen, leiden auch hier die Verkleinerung: Lichterchen, Bü-- cherchen, Kinderchen, Dingerchen, Männer- chen, Mörrerchen, N?eiderchen, Häuftrchen. Alle Verkleinerungen auf chen sind vorzüglich der Hochdeutschen Mundart eigen, dagegen die Oberdeutsche dafür ihr lein gebraucht, zu welcher Endung auch die höhere Schreibart ihre Zuflucht nimmt, wenn sie Verkleinerungswörter braucht, und die auf chen ihr zu unedel sind. Die meisten concreten Gattungswörter leiden diefe Verkleinerung, wenn nicht die Zusammenkunft zweyer Gaumenlaute Härte und Mißklang verursacht, in welchem Falle man denn die andere Verkleinerungssylbe lein wählet: Dächlein, Berglein, Bäuchlein, Büchlein; obgleich die vertrauliche Sprechart sich in manchen Fällen durch das eingeschobene el helfen kann. d, de, ist Zwar eigentlich eine Ableitungssylbe für die Abstracta, hilft aber auch zuweilen Aopella- tiva bilden: Hemd, im Österreich. Gemach, Griechisch ^«T^-v, von dem alten hemmen, heman, bedecken, daher auch Himmel, die Decke; das Gemählde, die Herde, Behörde, der gehörige Ort, Gedräude, Zierde. e, welches gemeiniglich für eine eigene Ableitungssylbe gehalten wird, weibliche Substantive zu bilden. Allein, ich habe schon im vorigen bemerket, daß es als eine solche Ableitungssylbe verdächtig ist. Denn i. müßte das Sammwort in diesem Falle allemahl ein männliches Ding gleicher Art bezeichnen, wie bey den vermittelst der Sylbe inn abge« 2. Dessen Bildung. K. iz6. 319 abgeleiteten Wörtern, welches aber von keinem einigen erwiesen werden kann. 2. Ist es nicht begreiff- lich, warum man das weibliche Geschlecht gerade an Lcke, Ehle,Ege, Eule, Achse, Ameise, Ante, Arche, Asche, Äsche, Aspe, Bahre, Base, Beere, Bohle, Bohne, Diele, Docke, Dohle, Erde, Galle, Barbe, Birke, Dince, Farbe u. s. f. bezeichnet, und es an eben so vielen andern unbezeichnet gelassen haben sollte: Art, Frau, Bahn, Burg, Furcht, Hand, Draur, Flur, Nacht, Noth, Gier, Haut, Huch, Ruh, Laus, Rost, Lift, Luft, Luft, Maft, Milz, Nacht, Rluft, Rraft, Pein, Pest, u. s. f. Dagegen man es häufig an Masculinis und Neutris findet: der Dolle oder Bulle, Garte, Göye, Hirte, Drache u. s. f. z. Fast alle weibliche Wörter, welche jetzt ein e haben, kommen in den ältern Oberdeutschen Mundarten und noch häufig in den neuern ohne dasselbe vor, ohne daß dadurch ihr Geschlecht zweifelhaft würde. Überdieß ist es 4. ganz wider den alten und neuen Deutschen Sprachgebrauch, das Geschlecht an den Hauptwörtern durch eigene Biegungssylben zu bezeichnen. Es ist daher dieß so genannte rveibliche e nichts anders, als das mildernde e, welches die Deutsche Sprache von ihrer ersten Cultur an gebrauchte, die einsylbigen Hauptwörter wohllautender, vielleicht auch dem Klänge nach vollständiger zu machen, weil das Hauptwort doch einmahl der erste und vornehmste Redetheil ist. Die Hochdeutschen, bey welchen die «Sprache fortfuhr, auf dem einmahl betretenen Wege fortzugehen, wandten dieses e unter andern auch dazu an, die weiche Aussprache der Endlaute in allen Wörtern dadurch zu bezeichnen: Glaube, Lies de, Friede, Näse, blöde, müde, rräge. Dis meisten Z2O i.TH.2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. meisten Sprachlehrer, welche den wahren Gang der Sprach-Cultur auch in diesem Stücke verkannten, verwarfen dieses e in vielen Fallen, und empfahlen dafür die alte rauhe Aussprache, deren sich die Sprache mit Fleiß entledigt hatte, und wo sie es nicht verwerfen konnten, da erklärten sie es ohne Umstände für ein weibliches e, welches bloß dazu da sey, weibliche Wörter zu bezeichnen. Daß dasjenige e, welches eine wahre Ableitungssylbe für die Abstracta ist, nicht hierher gehöre, verstehet sich von selbst. el: i. Eine Person oder Sache, welche etwas thut, sowie cr: Büttel, welcher gebiethet, Geisel oder XVeiser, der Anführer der Bienen, ^gcl, Friescl, was frieren macht, Hebel, Sauerteig, etwas, das hebt, Fessel, LTIebel, Himmel, was deckt, u. f. f. 2. Ein Werczeug, dasjenige, womit etwas gethan wird: Schlägel, Stachel, Flügel, Hebel, Schüssel, Deckel, Nagel, Meissel. z. Was gethan wird, Speichel, was ausgespien wird, Findelkind, ein gefundenes Kind. 4. Das, wovon etwas gesagt wird, ein Ding, welches eine gewisse Beschaffenheit hat, Frevel, Tadel, Aiyel, Wechsel, Giebel, Esel, Rugel, Regel. 5. Eine Verkleinerung, doch nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, wo sie aus lein verkürzt ist: Mädel, Mündel, Lässet, Bündel, dasBübel. 6. In manchen Wörtern ist sie fremden Ursprunges: Mispel, von dem Griechischen ^?-77?//,ov, Mandel, von dem Ital. Ivlan^ola, Epistel, von epistolg, Manrel, von mgutellum, olfen, Jungfer Schwarzen. Wenn das Geschlecht schon durch andere Beysätze bestimmt ist, so ist solches unnöthig, LraulVolf, IunIser Graf, Elisabeth Schwarz; ist aber nothwendig, wenn sich keine andere Bestimmung dabey befindet, die Aüstne- rinn, Schwarzinn, ^Vslsinn. Den Umlaut bekommt der männliche Nahme in diesem Falle nie, also nicht N)ölfinn. Man hat das doppelte n in dieser Ableitungssylbe getadelt, weil sie als eins solche keines völligen Tones, folglich auch keiner Verdoppelung des Hauptlauteö fähig sey. Allein, da sie, wenigstens im Hochdeutschen, merklich geschärft lalltet, welche Schärfung im Plural noch deutlicher ist, Königinnen, Fürstinnen, vermuthlich weil ihre Bedeutung ehedem sehr bestimmt war, so hat diese Verdoppelung nichts tadel- haftes. Findet sie doch auch in der Ableitung nist Statt, Finsterniß, Finsternisse, wo noch niemand dieses gedoppelte s getadelt hat. Man würde auch durch die Schreibart in nichts gewinnen, sondern in der lehre vom Tone nur eine Ausnahme mehr machen müssen. Die ältere Oberdeutsche Mundart schrieb sie daher auch im Singular beständig inne, KumZmne. Weitläufiger ist von dieser Ableitungssylbe in meinem Wörterbuche gehandelt worden. lein, 2. Dessen Bildung. iz6. Z27 leitt, verkleinernde Gattungswörter zu bilden, eine den Oberdeutschen Mundarten vorzüglich eigene Ableitungssylbe, daher die Hochdeutschen sie auch in der edlern Schreibart gern für das vertraulichere chen gebrauche». Die meisten Hauptwörter bekommen dabey den Umlaut: Nlännlcin, Vlläus-« lein, Städtlein, Äüchlein, Häuslein, Fräulein, Rürhlein, Nmrrerlein. Die Endsi)lben e und en, werden von dem Stammworte weggelassen, Fähnlein, An.äblein, Büchlein, von Zxu^ ct)en, Nüßlein, von I.üsicn; endiget es sich auf die Ableitungssylbe el, so bleibet das eine l weg, damit jene nicht geschärft werde, Vögelein, Auge? lein, Engelein. Gehöret aber das l zur Wurzel, so würde die Verkleinerung zu hart lauten, daher man sie umschreiben, oder durch chen ausdrucken muß: ein Stühlchen, Seelchen, Schnällchen, oder kleiner Stuhl, kleine Schnalle, fürSrühl- lein, Seellciu, Schnälllcin, welcher Harte durch die Beybehaltung des e nicht abgeholfen wird, Schnällelcin, Seelelein. In einigen hat die verkleinernde Form noch allerley Nebenbegriffe, ein Fräulein, seinMüthlcin kühlen. In den gemeinen Sprccharten gehet diese Sylbe oft in el über, Mädel, Mündel, Ferkel. S. mein Wörterbuch. llNg, ein Ding, Subject, vou welchem die erste Hälfte des Wortes etwas saget, genau verwandt mit ing. Gründling, ein Fisch, welcher sich auf dem Grunde aufhält, Spätling, ein Ding, welches sich verspätet, Hänfling, ein Vogel, welcher sich von Hanfe nährcr, Findling oder Fündling, sin gefundenes Kind. So auch Ankömmling, Äsiling, Jährling, Rämmerling, Silderling, Bückling, Lehrling, Erstling, Jüngling, Fremdling. Da es oft einen verächtlichen Nc- T 4 den- Z28 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. benbegriff bekommt, ohneZweiffel, weil es ehedem auch mit der vorigen verkleinernden Ableitungssylbe lein gleich bedeutend war: Dichterling, Fxlügs ling, Frömmling, NAyling. Weitläufiger ist von dieser Sylbe in meinem Wörterbuche gehandelt worden. Nlß, gleichfalls ein Ding, Subject, nur daß es nicht, wie das vorige, von einer Person gebraucht werden kann. Vorzüglich ist diese Ableitungssylbe jetzt nur den Abstractis eigen, indessen wird sie auch zuweilen von Concretis gebraucht: Gefängniß, Aegräbniß, so fern beyde den Ort bedeuten, Fahr? ,uß, Behältniß, Lnldniß. Ein mehreres siehe bey den Ableitungssylben der Abstracten. sa!, sel, eine dunkele und daher jetzt wenig mehr gebrauchliche Ableitungssylbe, welche vermuthlich auch ein Ding oder Subject bezeichnete: L.absal, Scheusal, Schicksal, Trübsal, Drangsal, welche beyden letztern aber eigentlich abstract sind; Überbleibsel, was überbleibt, Abschabftl, was abgeschabet wird, Schleifsel, was abgeschliffen wird, Stöpsel, was stopft, oder womit gestopfet wird, Einschiebsel, Räthsel, Mcngsel. Da sel allemahl tonlos ist, und die Niederdeutschen els dafür gebrauchen, Mengels, Schabels, Legels, so scheinet es, daß es von der Nachsylbe el herstammet, und alsdann würde es von sal, welches jederzeit einen merklichen Ton hat, noch verschieden seyn. VK-le ehedem übliche auf sal sind jetzt veraltet, wie Fluchtsal, Achtsal, Irrsal. t,lh, etwas gethanes, gewirktes als selbständig, nahe verwandt mit der Ableitungssylbe er für die Participia Prateriti. Die meisten, vielleicht alle, stammen von. Verbis her, und bezeichnen, so wie 2. Dessen Bildung. §.iz7. Z29 wie d auch Abstracta: Fun, von fahren, Laust, von fassen, Naht, von nähen, daher nicht so richtig Nach, Draht, von drehen, Blüthe und Blut, beyde von blühen in seiner ältesten nnd weitesten Bedeutung. So auch Arzt, Rluft, Gruft, Luft, Rraft, Rnecht u. s. f. Siehe auch die Abstracta. thum, eine alte Ableitungssylbe von ungewisser Bedeutung, welche sowohl Appellativ«, als Concre- ta und Abstracta, bilden hilft. Zu den erstem gehören Hciligthum, Reichthum, Alterthum, ^eweisthum, so fern sie wahre Gattungswörter sind; ingleichen diejenigen, welche einen Bezirk bedeuten, Fürfrenthum, Herzogchum, XVitthum, ^>ißthuin, Markgrafthum, u. s. f. Siehe auch die Abstracta. UNg, nur in einigen wenigen, ein Ding, Subject zu bezeichnen,.genau verwandt mit mg, Hors nung, dl'ZündliNI, ^lastung. Fruchtbarer ist sie für die Abstracta. Der wenigen alten und seltenen, bereits im vorigen angeführten Ableitungssylben arh, and u.s.f. hier nicht zu gedenken. Die vielen fremden Ableitungssylben, al, ant, aft, at, ent, n. s. f. welche nur in ausländischen Wörtern angetroffen werden, gehören nicht hierher. §. iz?. 2. Den Colleccivis oder Sammel- Der Coile- Wörtern dienen vornehmlich: ctiven. Die Vorfylbe ge, welche dem Gattungsworte vorgesetzet wird: Geflügel, mit Flügeln versehene Geschöpfe, Gebein, Geschmeiß, Geripp, Ges rüst, Geschirr, Gestein. Die Hülfslaute a, 0 und u haben dabey den Umlaut, das gedehnte e aber gehet gemeiniglich in ein ie und das geschärfte in T 5 ein ZZaldung, eine mit Wald bewachsene Gegend, Hutung, ein zur Hut oderWeide bestimmterRaum, Srallung, ein mit SMen bebaueter Ort, die Markung, eine aus mehrern zz2 i.TH.2.Abschn.2.Aap. Substantiv. mehrern Marken, d.i. umgränzten Grundstücken, bestehende Gegend. Der Jtera- §. iz8. Z. Die Iterariva, Frequentativa tiven. oder ^Viederhohlungswörrer sind mit den Collectivs genau verwandt, daher sie auch einerley Ableitungssylben haben, obgleich nicht alle collective Sylben zu Iterativis angewaudt werden. Ihnen dienen vornehmlich: Die Vorsylbe ge, Jterativa aus den Infinitiven der Verborum mit Weglajsung der Biegungssylbe en zu bilden: das Gebrüll, Geheul, Ges murmel, Gepolrer, Geflatter, Geflister. In der Sprache des gemeinen Gebens ist diese Form überaus gewöhnlich, wo man wohl von allen Infini- tivis Iterativ« dieser Art zu bilden, und alsdann nur das n mit Beybehaltung des e wegzuwerfen pflegt: das Gebelle, Gebcifse, Gedrefcbe, Gefluche, Gelache, Gelaufe, Geschmiere, Geweine u. s. f. welches e nothwendig wird, wenn sich das Verbum aus einen weichen Hauptlaut endigt: Ges frage, Gesage, Gesumfe. Die Nachsi)lbe ey, gleichfalls zur Ableitung voi? Verbis, mit Wegwerfung des eil im Infinitiv: Grübcley, prügele?, N>iycley, plauderey. Am häufigsten mit noch vorgesetzter Sylbe er, um die Verba selbst vermittelst derselben erst zu Iterativis zu machen: Balgerep, Äffercy, Büberey, Lresserey, prahlerey, Höhnerey. Indessen gehen die Wörter dieser Art unvermerkt sowohl in Abstracta, als Appellativ«, über, daher sie auch auf beyde Art gebraucht, und, so fern sie einzele Handlungen bezeichnen, auch in den Plural gesetzt werden können. Die 2. Dessen Bildung. §. 159. zzg DieLllarerialia haben keine eigene Ableitungssylbe, sondern es werden dazu entweder Wurzelwörter, oder mit andern Nachsylben abgeleitete gebraucht: Erz, Spreu, Hanf, Flachs, Eisen, Silber, Rupfer, Erde. §. 1Z9. Weit reicher sind 4. die Abstracta an Und der Ab Ableitungssylben, und besonders an Nachsylben, ob stracren. es gleich wahrscheinlich ist, daß die meisten ursprünglich lauter Concreta bezeichneten, und erst in der Folge, bey weiterer Cultur und Verfeinerung der Sprache und der Erkenntniß, abstract gebraucht wurden, daher sie in vielen Fallen auch wieder Ap- pellativa werden können. Wenigstens bezeichnete der Wurzellaut, welcher jetzt als eine abstracte Ableitungssylbe dienet, ursprünglich etwas coTlcretcs, obgleich diese Bedeutung bey den meisten langst verloren gegangen ist. Die vornehmsten sind folgende: d, de, von Zeitwörtern mit Wegwerfung der BiegungSsylbe en, eine Handlung, und zuweilen auch einen Zustand zu bezeichnen: Jagd, von jagen, Freude, von freuen, Zierde, von zieren, Sünde, Gnade, Bürde, TVürde, Ärnde, Begierde, Huld, Geduld, Schuld, von lauter alten und zum Theil langst veralteten Zeitwörtern. Andere sind von dein Imperfect oder doch unmittelbar von dessen Wurzel gebildet worden, da denn in manchen das d für c zu stehen scheinet: Brand, Stand. In andern ist die Art der Bildung nicht mehr so deutlich, wie in Tugend, von raugen, Jugend u. s. f. welche wie Parncipia gestaltet sind» In Armuth scheinet uth für de zu stehen, oder doch mit demfelben gleich bedeutend zu seyn. e, eine Beschaffenheit als selbständig darzustellen, folglich von Adjectives, oder vielmehr von Ad- verbiis, ZZ4 >TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Verbiis, wobey die Hulfslaute a, o und u allemahl den Umlaut bekomme«' : die Güte, Kiebe, Stärs ^e, Größe, Härce, Lläche, Nässe, Schwere, Milde, Dürre, von den Adverbien gut, lieb, stark/ groß, harr, stach, naß, schwer, milde, dürr. Von vielen ist das Stammwort als Adverbium veraltet, und lebt zum Theil noch in andern Nedetheilen, z. B. dieVeirze, in beiden, Ehe, Buße, Fehde u. s. f. Man muß dieses abstracte e nicht mit dem so genannten weiblichen e verwechseln, welches nichts Abstractes an sich hat, und, wie im vorigen gezeigt worden, selten etwas anders als das mildernde e ist, welches Hauptwörtern von einem jeden Geschlechte angehänget wird. el, doch nur selten, eine Beschaffenheit, einen Zustand zu bezeichen: der Adel, Ekel, Mangel, Schwindel, Tadel, Rirzel, tVandel, Wechsel, Handel. Häufiger dient sie den Appellativis. er, auch eigentlich concret, und nur selten ab- siract, in welchem Falle sie denn, wie die vorige, eine Beschaffenheit, einen Zustand bezeichnet: Alter, Eifer, Feyer, Dauer, die Heuer oder Miethe, Jammer, Schlummer. ey, eine Beschaffenheit, eine Handlung, beydes oft mit einem collectiven, und »och öfter mit einem iterativen Nebenbegriffe, daher die Wörter dieser Art häufig sowohl in Appellativ«, als in Collectiv« und Iterativ« übergehen: Tyranney, Iägerey, die Kunst eines Jägers, Heucheley, Tändeley, Schmeicheley; besonders, wenn das Stammwort vermittelst der Sylbe er erst in ein Iterativum verwandelt wird, d« denn diese Nacbsnlbe ein Abstra- ctum daraus bildet: Büderey, Dicberey, Be- triegerey, Lrejserey, Heyerey, Alatjchercy, Nasche? 2. Dessen Bildung. §. 159. 335 Näscherey, ZDrahlcrey, Spielerey, Schelme- rey. Welches er denn auch wohl solche Wörter bekommen, welche nie Verba gewesen, besonders Hauptwörter, pieristcrey, poeterey, Sophisterei, Guicristerey, Enrhusiasterey. Dagegen andere dieser Art aus Masculinis auf er gebildet worden, Schrvärmerey, Buchhaltcrey, Däcke- rey, die Kunst eines Buchhalters, Backers u. s. f. st, eine Beschaffenheit, einen Zustand, ein sehr alter Ableitungslaut, daher die Wörter auch mancherley irreguläre Veränderungen dabey erlitten haben. Ohne Zweiffel ist sie von den folgenden st und t nur zufällig unterschieden: ^ast, von ha- den, Aunfc, von kommen, Dernunft, von vernehmen, Zunft, vermuthlich von sammen, das alte Brunft, von brummen. heit, welches noch im eilften Jahrhunderte für sich allein üblich war, und, so wie noch das Schwedische 1^6, sowohl eine Person, als auch die Beschaffenheit des Dinges, bedeutete. Es bezeichnet den Zustand, das Wesen eines Dinges selbständig, besonders von Hauptwörtern: Gottheit, i-llensch- heic, Mannhcit, Kindheit, Schalkheit, t^arr- heit, Thorheit. Noch häufiger eine Beschaffenheit als selbständig, da es denn Adverbien, sowohl Wurzelwörtern, als abgeleiteten, angehänget wird, welche letztere sich aber nicht auf bar, lg, lich, sam und er endigen dürfen, als welche das folgende keic bekommen, Sicherheit und einige andere ausgenommen: Blindheit, Bosheit, Einheit, Freyheit, Falschheit, Grobheit, Gutheit, Hoheit, Klarheit, Dunkelheit, Beschaffenheit, Bescheidenheit, Lüsternheit, Eigenheit. Die meisten dieser Wörter können wieder concret gebraucht werden, ZZ6 i.TH.2.Abschtt. 2.Kap. Substantiv. den, und leiden alsdann auch den Plural, die Gott? heic, Gott selbst, Einheit, ein einfaches Ding, Thorheit, eine thörichte Handlung, Gemeinheit, sowohl eine Gemeinde, als ein ihr gehöriges Grundstück/ keit, ohne Zweiffel von dem vorigen weiter nicht, als durch den stärkern Gaumenlaut, verschieden. Es wird um des Wohllautes willen nur denjenigen Adverbien angehänget, welche sich auf bar, er, haft, ig, lich, los und sam endigen, ihre Beschaffenheit als selbständig darzustellen: Dankbarkeit, Brauchbarkeit, Srrafbarkeit, Dienstbar- keir, Ehrbarkeit, Fehlbarkeic; Bitterkeit, Heiterkeit, Munterkeit, Lauterkeit; Billigkeit, Bündigkeit, Ewigkeit, Freudigkeit, Gütig- keic; Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Friedlichkeit, Häuslichkeit, Häßlichkeit; Grausamkeit, Einsamkeit, Friedsamkeir, Sparsamkeit. Doch kommt von sicher Sicherheit und von albern sowohl Alberkeit, als Albernheit. Wurzelwörterund die Abgeleiteten, die sich auf haft und los endigen, müssen vorher durch die Sylbe ig verlängert werden, ehe sie das keic annehmen können : Frömmigkeit, Süßigkeit, Feuchtigkeit, Mattigkeit, Dreistigkeit, Festigkeit, Gerechtigkeit, Reinigkeit, von den Adverbien fromm, süß, feucht, matt, dreist, fest, gerecht, rein; Gewissenhaftigkeit, Herzhaftigkeit, Standhafrigkeic, Gottlosigkeit, Lieblosigkeit, Ehrlosigkeit, Sinnlosigkeit. Da das ig hier nicht ganz sinnlos ist, sondern wenigstens etwas von seiner eigenen Bedeutung mitbringet, so sind die von einem und eben demselben Worte mit verschiedenen Ableitungssylben gemachten Abstracta nicht völlig gleich bedeutend: Mein- heic wird nur abstract, von der kleinen Beschaffenheit, 2. Dessen Bildung. §. 1Z9. 337 heit, Alcinigkeic aber nur concret, von einer kleinen unbedeutenden Sache gebraucht. Von dem Gebrauche dieser Ableitungssylbe zu neuen Ableitungen S. mein Wörterbuch. niß, eine sehr alte Ableitungssylbe, Beschaffenheiten und Handlungen als Zustande und selbständig darzustellen; sowohl von Adverbien, Ginsters nip, MUdniß, Geheimniß; als auch, und zwar noch häufiger, von VerbiS, Läulniß, Argerniß, Hinderniß, Erlaubniß, Betrübniß, Begängnis?, Bündniß, Geständniß, Gedächtniß, Befugnis). Wenn sich die Wurzel des Verbi bereits auf ein n endigt, so wird, um des Wohllautes willen, noch ein t zwischen beyde eingeschoben, Erkenntniß, Bekenntniß. Die meisten bekommen den Umlaut, viele aber auch nicht; manche sind aus dem Participio Präteriti gebildet, und werfen alsdann das r und en gemeiniglich weg, wie in Geständniß, Begängnis), Bündnis); behalten eö aber auch in vielen, wie in Gedächtniß, Bewandtnis), Vermächtnis). Viele werden auch concret gebraucht, und bezeichnen alsdann ein Ding, Subject, welches aber keine Person seyn dars, Fahrniß, bewegliche Habe, Begegniß, was uns begegnet, Vermächtniß, was uns vermacht worden. Ein mehreres S. in meinem Wörterbuche. sal, eine alte dunkele Ableitungssylbe, welche von dem coucreten sel noch verschieden zu seyn scheinet, uud einen Zustand bedeutet; indessen ist sie nur noch in einigen wenigen üblich, worunter Trübsal und Drangsal, vielleicht auch Schicksal, die vornehmsten sind. A5el.D.Spr. P silM, ZZ8 I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. stlM, same, eine Beschaffenheit selbständig, einen Zustand, nur noch in einigen wenigen, der Gehorsam, die Gerechtsame, der Gewahrsam oder die Gewahrsame. Die Gewaltsame ist noch im Oberdeutschen gangbar, wo diese S»lbe auch Collectiv« bildet, die Genofsame, die Genossenschaft, die Bauersame, die Bauerschaft, in» gleichen Concreta, der Genossam, ein Genoß» schüft, eine Beschaffenheit, einen Zustand: Bereitschaft, Feindschaft, Freundschaft, Endschaft, Bekanntschaft, Knechtschaft, Gefangenschaft, Rechenschaft, Wissenschaft. Siehe auch die Collectiva, welche sie gleichfalls bilden hilft. st, ein alter Ableitungslaut, welcher mit ft und dem folgenden t vermuthlich einerley ist, einen Zustand zu bezeichnen. Die Wörter dieser Art stammen insgesammt von Verbis ab: 'Angst, von dem veralteten angen, Zäunst, von können, Brunst oder Brunft, von brennen, Gunst, von gönnen, Gewinnst, von gewinnen, Dienst, von dienen, Lernst, Hengst, Herbst, von unbekannten alten Verbis, Verlust, von verlieren oder Verliesen, Durst, von dem alten daren, Schwulst, von schwellen. t, eine gewirkte Beschaffenheit, einen Zustand, gleichfalls von Verbis, verwandt mit er und t, der Biegungssylbe des Participii Präteriti. Arzt, von arzen, wenn es nicht von »nilla ist. Wenn das Wurzelwort ein g oder h hat, so gehen dieselben gemeiniglich in das härtere ch über, und das abgeleitete Wort bekommt den geschärften Ton, wenn gleich das Stammwort gedehnt ist: Macht, von mögen, Pracht, von prangen, oder brechen, glänzen, 2. Dessen Bildung. §. 1Z9. ZU glänzen, Fuchc, von zeugen und ziehen, Gewicht, von wiegen, Gerücht, von dem alten ru- chcn, Schlacht, von schlagen, Tracht, von tragen, Flucht, von fliehen, Gicht und Gesicht, von sehen, Verzicht, von verzeihen, Sucht, von siechen, Pflicht, von pflegen, N^achr, Frucht, Rnechr, Fracht u. s. f. von unbekannten Stammen. Nur von jagen kommt im Hochdeutschen Jagd, welches um des weichern Hauptlauteö willen das d annimmt, wie Magd und i-llahd von mühen, und daher auch den gedehnten Ton behalt, dagegen das Holländische ^aclne, welches doch die Niedersachsen mit den Hochdeutschen beständig Jagd schreiben, geschärft lautet. Um dieses gedehnten Tones willen scheinet man in Jagd das g beybehalten und demselben statt deör das weichered zugesellet zu haben. tl)UM, die alte schon bey den Collectivis angeführte Ableitungssylbe, gleichfalls eine Beschaffenheit als beständig, einen Zustand, eine Würde zu bezeichnen: Eigenthum, Alterthum, priesier-- thum, Reichthum, Wachsthum, Christenthum. Viele andere gleicher Art, Süßrhum für Süßigkeit, tVißrhum für Weisheit, Todesthmn für Sterblichkeit, L.eideigenrhum für Leibeigenschaft u. s. f. sind jetzt veraltet. UNg, eine sehr fruchtbare Ableitungssylbe, welche mit dem concreten ing nahe verwandt ist. Sie bildet Abstracta von Adverbiis, Theuerung, noch mehr und eigentlicher aber von Verbis, die Handlung und den darin gegründeten Zustand selbständig auszudrucken. Sie werden von den Infinitiven mit Wegwerfuiig ihrer Biegungssylbe en ge- S) 2 bildet: Z4c> i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. bildet: Abkürzung, Änderung, Bändigung, Befestigung, Erziehung, lVarnung, Salbung, Handlung, Eroberung, Krönung, Prüfung. Einige wenige verändern auch den Vocal, wie Nahrung, von nähren, Löhnung, von lohnen. Weil diese Ableitungssylbe zunächst und eigentlich die Handlung als selbständig darstellet, so leiden nur die Activa und Reciproca dergleichen Ableitung, nicht aber die Neutra und am wenigsten diejenigen, welche seyn zum Hülfsworte erfordern. Daher kann ein Verbum, welches einfach dieser Ableitung unfähig ist, wie folgen, sie in seinen Zusammensetzungen verstatten, wenn sie thätig werden, verfolgen, Verfolgung. Ja es lassen sich vermittelst dieser Nachsylbe ganze Redensarten in ein Hauptwort verwandeln, die Schadloshalcung, die Auseinandersetzung, von schadlos halten, aus einander seyen, wobey man doch auf den Wohlklang zu sehen hat, damit dergleichen Wörter nicht zu lang, zu dunkel und hart werden. Die ausländischen abstraeren Ableitungssylben anz, el, ie, verwandt mit unserm ey, on oder ion, ur und eine Menge anderer, Observanz, Poesie, Chymie, Pardon, Religion, Figur, gehören eigentlich in keine Deutsche Sprachlehre. Eingc-! §. 140- Sind nun gleich diese Ableitungsylben schriintter von einem sehr weit ausgebreiteten Gebrauche, so Gebrauch daraus doch nicht, daß selbiger unbeschränkt ^ ^l-^ ist, und noch weniger, daß es uns jeht frey stehe, "ach Belieben neue Wörter vermittelst derselben zu bilden. Es gilt auch hier, was schon in dem zweyten Kapitel von dem Gebrauche der Ableitungssylben überhaupt gesagt ist. Die Freyheit, neue Wörter 2. Dessen Bildung. §. 140. 341 Wörter vermittelst derselben zu bilden, hängt ganz von der bestimmten und noch jetzt bekannten Bedeutung derselben ab. Ist diese durch die jänge der Zeit verloren gegangen, oder doch unkenntlich und dunkel geworden, so bleiben sie auf die einmahl vorhandenen Worter eingeschränkt, und es lassen sich keine neue mit denselben wagen. Daher lassen sich die Ableitungslaute und Sylben d, de, e, el, en, fr, ich, ichr, ig, mg, sal, sam, schaft, t, th und chum, jetzt nicht weiter zur Bereicherung der Sprache anwenden, wenn wir gleich überhaupt wissen, daß diese collectiv, jene avpellativ und eine andere abstracc ist; zum deutlichen Beweise, daß es dem Menschen natürlich ist, nichts ohne eine gewisse Ursache zu thun, daher auch um deßwillen die Sprache unmöglich eine Sammlung willkühr- licher Töne seyn kann. Aus eben der Ursache können auch keine neuen Concreta auf ung, keine Ab- stracta auf el und er, und keine Collectiva mit der Vorsylbe ge mehr gebildet werden, weil die Bedeutung gedachter Partikeln in allen diesen Fällen dunkel und unbekannt ist. Ein wenig mehr Freyheit hat man in Ansehung der Nachsylben ling, (doch nur, wenn sie im verächtlichen Verstände gebraucht wird,) niß, heic und keit; weit mehrere aber in Ansehung der Vorsylbe Je, so fern sie iterativ ist, der Endsi)lben chen, lein, er, (letztere doch nur zu Bildung männlicher Hauptwörter von Verbis,) inn, ey und ung, letztere, Abstracto von Verbis zu bilden; alles aus keiner andern Ursache, als weil die Bedeutung dieser Ableitungssylben, wenigstens in den angezeigten Fällen, bestimmt und bekannt ist, daher sie die Absicht des Sprechenden erfüllen und den Begriff erwecken, welchen er mit ihnen verbunden hat, welches jene nicht können, weil ihre Be- P z deutung Z42 l. Tt). 2. Abschtt. 2. Kap. Substantiv. deutung schwankend und ungewiß ist. Indessen müssen doch auch in diesen Fallen Analogie, Bedeutung und Wohlklang auf da6 genaueste beobachtet werden. Eubst-mti- §. 141» So beträchtlich nun die Anzahl der «er Gc- Hauptwörter ist, welche vermittelst dieser Ablei- vmuch nn- tungssi)lben gebildet werden können: so hat doch derer Rede- Deutsche Sprache noch den Vortheil, daß sie fast einen jeden Begriff selbständig behandeln, folglich fast einen jeden Redetheil auch ohne äußere Bildungszeichen als ein Hauptwort gebrauchen kaun. Sem liebes Ich, d. i. seine ihm selbst so werthe Person; der Streit über das Mein und Dein; sein Ist ist besser als sein N)ar, er hat sich zu seinem Vortheile geändert; es ist ein Aber dabey, eine Bedenklichkeit; dein Ach. Welche Wörter denn, wovon doch die meisten nur der vertraulichen Sprechart eigen sind, keiner Declination fähig sind, weil ihnen die äußere Gestalt eines Hauptwortes fehlet, daher sie in allen Casi- bus unverändert bleiben. Besonders gehören dahin, doch mit Ausnahme der fehlenden Declination, die Adverbia, das Schwarz, das Rund der ^Lrde, ferner die Adjectiva, welche sowohl als Ap. pellativa, der lVeise, die Schone, ein Gelehrter, als auch als Abstracta gebraucht werden können, das Schöne, das Große; davon bey den Adjectiven. Ja es läßt sich nicht allein der Infinitiv eines jeden Verbi, sondern eine jede Redensart, worin sich ein Infinitiv befindet, als ein selbständiges Ding behandeln: das hin und her gehen, das durch die Finger sehen; davon bey den Zusammensetzungen. Z. Von 3. Geschlecht. §.142. 34z ?. Von dem Geschlechte der Haupt- w örte r. Inhalt. Ursprung des Geschlechts der Geschlecht der zusammen ge- Hauptwvrter, Z. 142. setzten Wörter, z. izo. ' Anzahl der Geschlechter im- Der fremden Wörter, S. izi. Deutschen, S. 14z. Wörter beyderley Geschlechts, Grund derselben, g. 144. §. 1Z2. Allgemeine Regeln davon, Werschi»dencs Geschlecht nach Z. 14z. der verschiedenen Bedeu- Vcstimmung des männlichen tung, §. 15z. Geschlechtes, §.146. Und in einerley Bedeutung, Des weiblichen, §. 147. §. 1Z4. Und des sächlichen, §. 148. Abweichung der Provinzen in Geschlecht der Wörter auf nist, dem Geschlechte, Z. IZZ. Z. l4->. §. 142. lle bekannte Sprachen, mit Gewißheit zur Zeit Ursprung noch nicht eine ausgenommen, theilen ihre des Ge- Hauptwörtcr nach den Geschlechtern in verschiedene Mechrs der Classen; ein Umstand, welcher allerdings merkwür- H^ptwör- dig ist, und unerklärbar bleibt, sobald man den wahren Geslchtspunct verfehlt, aus welchem man den Ursprung der Sprache, und alles dessen, was zu ihr gehört, betrachten muß. Herr Rectorseiner hält in der schon mehrmahls angeführten philosophischen Grammatik für sehr wahrscheinlich, daß diese Einteilung in gewisse Classen, mit dem Unterschiede des Geschlechtes an lebendigen Geschöpfen nichts gemein habe, sondern daß die Spracherfinder ihre Hauptwörter nur darum in verschiedene Classen getheilet, weil ein Bestimmungswort oft in Verbindung mit zweyen Substantiven kommen könne, da man denn nicht wissen würde, zu welchem es eigentlich gehöre, wenn solches nicht aus der characteristi- schcn Classen - Endung ersichtlich wäre. Allein, zu P 4 geschwei- Z44 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. geschweigen, daß dieses Hülfsmittel nur alsdann von einigem Nuhen seyn würde, wenn beyde Substantive von verschiedenem Geschlechte sind, so wird durch diese Vermuthung den rohen und ganz sinnlichen Sprachersindern wohl ein wenig zu viel Ehre erwiesen. Wir haben bereits in dem vorigen bemerkt, daß Menschen dieser Art, und noch jeht den Wilden, alles belebt, alles beseelt ist. Jede auch noch so gemeine Veränderung und Erscheinung ist ihnen das Werk eines lebendigen Wesens, welches sie allemahl nach sich beurtheilen, und ihm alle theils gute, theils böse Eigenschaften beylegen, welche sie an sich und ihrem Geschlechte kennen. In dieser Vervielfältigung der selbständigen Wesen, welche bey mehr Cultur zugleich die Veranlassung der Vielgötterei) ward, liegt der wahre Grund der vielen ab- stracten Substantiven, welche sich iminer schon in der Kindheit aller Sprachen finden, da man von dem Nuhen solcher Abstractionen gewiß noch nichts wittern kann. Da man nun einmahl alles für eine beseelte Substanz hielt, wovon man keinen Grund angeben konnte, und diese Substanzen immer nach sich selbst zu beurtheilen pflegte, so war es sehr natürlich, ihnen auch das Geschlecht beyzulegen, welches man an sich und allen lebendigen Geschöpfen bemerkte. Und daher rühret denn die so allgemeine, und mich in den entferntesten und verschiedensten Sprachen so einmüthige Eintheilimg der Substantiven nach den Geschlechtern, welche unerklärbar seyn würde, wenn sie nicht auf das tiefste in der ganzen Natur des Menschen und in der Art und Weise seiner Erkenntniß gegründet wäre. „Gott hat „nichts erschaffen, heißt es im demAlkoran, was nicht männlich und weiblich wäre; das ist von al- „len Erzeugnissen der Erde, von den Seelen, und „selbst z. Geschlecht. §. 14z. Z45 „selbst von Dingen gewiß, von welchen man es am „wenigsten vermuthen sollte. " Die ältesten Morgenländer, die Araber, Syrer und Hebräer gehen darin so weit, daß sie selbst unter denjenigen Gliedern, welche sich paarweise an dem Menschen besin- den, zweyerley Geschlecht annehmen, und solches wenigstens durch die Construction bezeichnen. §. 14z. Da der sinnliche Naturmensch alles, Anzahl der was er siehet und empfindet, wenigstens eineZeitlang Geschlcch- für eine beseelte Substanz hält, so scheinet es, daß in den ersten und ursprünglichen Sprachen nur zwey Geschlechter Statt gesunden, das männliche und das weibliche, und noch jetzt haben manche Sprachen nicht mehr, als diese zwey. Allein vielleicht hatte man von manchen Erscheinungen in der Kindheit der Erkenntniß selbst so dunkele Begriffe, daß man ihnen mit überwiegender Gewißheit keines von beyden Geschlechtern beylegen konnte, und so entstand das dritte, das G>mis Neutrum, oder das sächliche, welches von vielen Sprachlehrern sehr unschicklich das ungewisse genannt wird, indem eö so gewiß und bestimmt als eines der beyden übrigen ist, wenn es gleich aus der Unwissenheit der ersten Spracherfinder seinen Ursprung haben sollte. Allein, da manche Sprachen dieses Geschlecht gar nicht kennen, so können diejenigen Völker, welche es haben, bey mehr Cultur die Unschicklichkeit eingesehen haben, ein jedes wirkliches oder als wirklich gedachtes Ding entweder männlich oder weiblich zu machen, und daher für die spater gebildeten Substantiven in manchen Fallen dieses sächliche Geschlecht angenommen haben. Doch dem sey wie ihm wolle, so haben wir jetzt im Deutschen zwey Hauptgeschlechter: 1. das persönliche, für alle diejenigen Begriffe, welche man als Personen oder beseelte Substanzen dachte, -Z) 5 welches Z46 i. Th. 2. Abschtt. 2. Kap. Substantiv welches denn wiederum entweder männlich oder roeiblich ist, Masculinum und Lämimnum; und 2. das sächliche, Neutrum, für alle die Begriffe, welche man als Sachen oder unbeseelte Substanzen dachte oder gedacht wissen wollte. Grund d«^- §. i44. Da man einmahl alle selbständigen und selben. als selbständig gedachten Dinge durch äußere Merkmahle in gewisse Classen theilen wollte, so würde man dieses Mittel auf eine überaus nützliche und fruchtbare Art haben anwenden können, wenn man einen schicklichern EintheilungSgrund gewählet hätte, als das Geschlecht. Allein alsdann hätten die Urheber der Sprache wenigstens deutliche Begaffe von den Dingen haben müssen, die wir doch bey ihnen noch nicht annehmen können. Daher blieben sie bey dem allcrsümlichsten und unschicklichsten Merkmahle stehen, welches man sich nur denken kann, und da sie an sich und an den Thieren Zweyer- ley Geschlecht bemerkten, so wendeten sie solches auf alle übrige, wahre oder eingebildete Substanzen an, und pflanzten dadurch den überzeugendsten Beweis von der Kindheit ihres Verstandes auf ihre Nachkommen fort. Was für Empfindungen sie dabey zum Maßstabe angenommen haben, läßt sich ungefähr errathen. Alles, was den Begriff der Lebhaftigkeit, Thätigkeit, Stärke, Größe, auch wohl des Furchtbaren und Schrecklichen hatte, ward männlich; alles, was man als empfänglich, fruchtbar, sanft, leidend, angenehm dachte, ward weiblich, und alles, wo die Empfindung getheilt war, oder wo der Begriffso dunkel war, daß keine der vorigen Empfindungen das Übergewicht bekam, ward sächlich. Konnte man wohl einen seltsamern und will- kührlichern Eintheilungsgrund wählen? §. 145» z. Geschlecht. §.145.146. §. 145. Da hierbei) alles auf die Art und Weise Allgemein» der dunkeln Empfindung des ersten Wortschöpfers Regeln des ankam, so rühret es auch daher, daß mehrere Spra- E^chlechtS. chen in dem Geschlechte der Wörter nur selten über- ein kommen, indem ein und eben dasselbe Ding in der einen Sprache dem Nahmen nach mannlich, in der anden weiblich, und in der dritten sachlich ist. Hätten einzele Glieder der Gesellschaft das Recht, ihre Sprache umzumodeln, so hatten sie hier ein weites und gewiß dankbares Feld vor sich, indem unser jetziges Geschlecht der Wörter die Erlernung aller Sprachen so sehr erschweret, ohne einen Nutzen zu gewahren, welcher mit dieser Beschwerde in einigem Verhältnisse stände. Eben daher rühret es aber auch, daß das Geschlecht der Hauptwörter in allen Sprachen überaus willkührlich ist, und daher mehr aus der Übung, als nach allgemeinen Regeln, bestimmt werden muß. Die wenigen, welche wir geben können, sind etwa folgende. §. 146. Männlichen Geschlechts sind: Regeln fiir 1. Alle männliche eigene Nahmen, und alle Gat- das männ- tungsnahmen, welche einen männlichen Stand, eine männliche Verrichtung, ein männliches Verhältniß bezeichnen: Mann, Vacer, Sohn, Bruder, Freund, Feind, Herr, Kaiser, Nonig, Fürst, Bürger, Bauer, Mahler, Däcd'er. Ausgenommen sind nur die Verkleinerungswörter, und einige zusammen gesetzte, wo der bestimmte Theil ein ande. res Geschlecht hat, Mannsperson, Mannsbild. 2. Der Nahme Gottes und aller Geister: Gott, Robold, Teufel, Alp, Geist, Engel. z. Die Nahmen der Winde, Jahreszeiten, Monathe und Tage: wind, Ost, Nord, Süd, XVcst, Sommer, Herbst, Frühling, Winter, Jenner, Z48 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Jenner, Körnung, Sonntag, Montag, Sonnabend. Ausgenommen ist das Jahr, und um der Zusammensetzung willen auch die Mittwoche, welche doch in manchen Gegenden männlichen Geschlechts ist, der Mittwoch. 4. Die meisten abgeleiteten auf er, so fern sie ein Werkzeug bedeuten, denn wenn sie ein mann-- liches Verhältniß ausdrucken, gehören sie schon unter die erste Regel: der Trichter, Bohrer, Fächer, Hammer, beuchter, Schnirzer. Indessen sind doch hier verschiedene ausgenommen: das Messer, das Ruder, und die weiblichen, Nlain- mer,Zxlapper, Folter, Halfter, weiter, Leyer, Nieser, Nelcer, Schleuder, Zitrher, und vielleicht noch andere mehr. 5. Die abgeleiteten auf en: der L.aden, Schlitten, Haken, Boden, Graben, Balken, Besen, Bissen, Bogen, Braren, Degen, tragen, sen, Possen. Ausgenommen sind: 1. die sächlichen, Almosen, Becken, Füllen, Nüssen, Lehen, IVapen, Zeichen, Eisen' ferner alle Infinitive, folglich auch, das Erdbeben, Gewissen, Gebrechen, Vermögen, Vergnügen, Leiden, Essen, Trinken, Leben, N?esen, Verhalten, Vertrauen, Vorhaben, Wohlergehen, u. f. f. welche ursprünglich Infinitiv« sind. 2. Das weibliche die Fasten. 6. Die abgeleiteten auf ing und ling: der Schilling, Zwilling, Häring, Bücking, Jüngling, Frischling, Silberling, Häckerling. Ausgenommen sind Messing, welches bald männlich, bald sächlich gebraucht wird, und die weiblichen, die Halsmg, ein Halsband bey den Jägern, und die Aimming bey den Böttchern, in welchen beyden doch ing für ung stehet. Z. Geschlecht. §.147. ?49 In manchen Sprachlehren findet man noch mehrere Regeln für da6 männliche Geschlecht, z.B. die Nahmen der Thiere, Berge, Krauter, Bäume, Metalle, Blumen, Früchte, Flüsse, u. s. f. Allein sie sind nichts weniger als allgemein, und der Ausnahmen sind immer eben so viel, als der Fälle, welche unter die Regel passen. §. 147. leidlichen Geschlechts hingegen Für das sind: weibliche 1. Alle eigene Nahmen weiblicher Personen, und GcMch^' alle Gattungöncihmen weiblicher Verhältnisse, Verrichtungen und Stände, folglich auch alle abgeleitete auf i,m: die Frau, Braur, Mmrer, Tochter , Vase, Schwester, Muhme, Magd, Fürs stinn, Gräfinn, Dichterinn. Ausgenommen sind das XVeib, dcis Mensch im verächtlichen Verstände, alle Verkleinerungswörter, Mädchen, Fräulein, Mütterchen, und um der Zusammensetzung willen auch das Frauenzimmer, die verächtlichen das N?eibe«bild und TVeibesstück, und das veraltete das Gemahl. 2. Alle abgeleitete auf ey, heir, keit und schafr: die Tändeley, Bäckerey, Sicherheit, Freyheit, Seligkeit, Erbschaft, Freundschaft. Es verstehet sich von selbst, daß diejenigen Wörter, in welchen eine dieser Sylben zur Wurzel gehöret, nicht mit unter der Regel begriffen seyn können, wie Ey, Geschrey, der Brey, der Schaft. Alle abgeleitete auf nng: die XValdung, Feldung, Holzung, Befriedigung, Begünstigung , Gründung. Ausgenommen ist der Hör- nung, wo aber ung für ing stehet. Der Sprung gehöret nicht hierher, weil die Endung hier zur Wurzel gehöret. 4. Die Z5O I.TH. 2.Abschtt. 2. Kap. Substantiv. 4. Die Abstracta von Adjectiven, wenn sie eine Eigenschaft als einen Zustand selbständig darstellen, die Größe, Güte, Liebe, Höhe, Milde, Stärke, Säuere, Schärfe. Diejenigen hingegen, welche bloß eine einzele Beschaffenheit selbständig ausdrucken, das Große, Gute, Hohe, Sanfte, Sauere u. s. f. sind sächlichen Geschlechts. Daß das so genannte weibliche e kein sicheres Zeichen des weiblichen Geschlechts ist, indem es sich an fast eben so vielen männlichen Wörtern befindet, daher es für t>in anderes als das mildernde c gehalten werden kann, ist schon im vorigen bemerket worden. Und Dr das §. 148. Sächlichen Geschlechts oder Neusschliche cra sind endlich: Geschlecht. 1. Die Nahmen der Metalle, Buchstaben, Länder und Örter: das Gold, Silber, Eisen, das große A, dass, das große Deutschland, das reiche England, das Heisse Afrika, das volkreiche Berlin, das wollüstige Paris, das berühmte Lürzen; wo bey den Ortsnahmen das Geschlecht nur dann merklich ist, wenn noch ein Adjectiv davor stehet. Ausgenommen sind der Stahl, der Zink, der Tomback, und bey einigen auch der Messing, welches aber auch sächlich gebraucht wird; ferner die Ländernahmen, die Pfalz, die Eifel, die Schweirz, die Mark, die Lausitz, ingleichen die auf ey, die XVallachey, Türkey, Lombarde?, wie auch die zusammen gesetzten Länder- und Ortsnahmen, welche dem Geschlechte der letzten Hälfte der Zusammensetzung folgen, die dVecterau, der Rheingau, der Hundsrück, der Zxönigstcin, die Sachscnburg, obgleich nicht alle solches thun, das blühende Hamburg, das große Magdeburg. 2. Alles, z. Geschlecht. 5.148. 35- 2. Alles, was substantive gebraucht wird, ohne der Form nach ein Substantivum Zu seyn, d^s 2lber, das leczce Lebewohl, das liebe Ich, das Mein und Dein; folglich auch die Adverbia, wenn sie ohne Concretions-Zeichen als Substantive gebraucht werden, das Schwarz, das Blau, dasBerggrün, das Rund der Erde, das Fett; ingleichen alle Infinitive und alle Hauptwörter, welche ursprünglich Infinitive waren, das Essen, Gehen, Reiten, Trinken, Daseyn, Niesen, Leben, Gewissen, Verbrechen, Vergnügen, Vermögen. z. Alle Verkleinerungswörter auf chen und lein: das Söhnchen, Töchterchen, Bübchen, Mäd? chen, Söhnlein, Töchterlein, Düblein, Mägdlein, Büchlein; folglich auch das und nicht die Fräulein. Auch die mit der Oberdeutschen verkleinernden Sylbe el, Bübel, Mädel. Andere, welche sich auf die Ableitungssylbe el endigen, sind bald mannlich, bald weiblich. 4. Alle abgeleitete auf rhum: das Fürsten- rhum, priesierchum, Disrhum, Eigenthum, Alterthum. Ausgenommen sind, der Reich- thun;, Irrthum, Beweisrhum und Wachsthum; worunter doch das letzte von einigen auch sachlich gebraucht wird. 5. Alle Collectiva und Iterativa mit der Vorsylbe ge: das Gebälk, Gewühl, Gemurmel, Gespräch, Gesuch, Gezänk, Geblüt; welchen auch Gemüth, Gemählde, Gedicht, Gebier, Geber, Geschoß, Gebort), Gefäß, Geheiß, Gemach, Gelübde, Gebiß u. s. f. folgen. Die übrigen, welche diese collective und iterative Bedeutung nicht haben, sind bald männlich, bald weiblich. Mann, Z52 l. Th.' 2. Abschll. 2. Kap. Substantiv. Männlich sind: der Gedanke, Gefährte, Gehülfe, Gebrauch, Gehalt, Gehorsam, Gelaß, Genoß, Genuß, Geruch, Geschmack, Gestank, Geschmuck, Gesell, Gespan, Gespiele, Gewinn, Gewinst, Gebrauch, Gesang, Gevatter. Weiblich: die Gebühr, Geburt, Geduld, Gefahr, Gefährde, Gemeinde, Genüge, Gerade, Geschichte, Geschwulst, Gestalt, Gewalt, Gewähr, Gebreite, u. s. f. Diejenigen, welche sich auf heit, keir, schafc u. s. endigen, folgen den vorigen Regeln. Geschlecht §. i49« Ansehung der abgeleiteten Wörter der Wörter auf niß ist die Deutsche Sprache getheilt, indem aufniß. einige derselben weiblichen, andere sächlichen Geschlechts sind, und der Unterschied ist dabey so wenig bestimmt, daß selten eine Provinz darin mit sich selbst überein stimmt. Hier sind die vornehmsten Wörter dieser Art, mit demjenigen Geschlechte, in welchem sie im Hochdeutschen am üblichsten sind. Weiblich sind: Bedrängnis), Begegniß,Be- kümmerniß, Besorgnis), Betrübniß, Be- wandrniß, Empfängnis), Eräugniß, Erkenntniß, Erlaubniß, Ersparnis), Fährnis), Fäulnis), Finsterniß, Aennrniß, Rümmerniß, Derdammniß, N>ildniß; und die im Hochdeutschen an sich selcnern Beschwernis), Begegniß. Sächlich hingegen sind: Ärgernis), ohne allen Unterschied der Bedeutung, Bedürfniß, gleichfalls ohne allen Unterschied, Befugnis), Begräbnis;, Behältniß, Bekenntniß, Bildnis), Bünd- > niß, Einverständnis), Erfordernis), Geheimniß, Gedächtniß, Gefängniß, ohne Unterschied der Bedeutung, Gelobniß, Geständnis), Gleich- z. Geschlecht. §. 149.150. Z5Z niß, Hinderniß, Mißverständniß, Verhältniß, Vcrhängniß, Verlöbniß, Vermächrniß, Versäumnis, Verzeichniß, Verständniß, Zeugniß. Einige ältere Sprachlehrer haben die Regel gegeben, daß diejenigen Wörter aufniß weiblich sind, welche ein Abstractum, diejenigen aber sächlich, welche ein Concretum bedeuten, daher sie auch Ärgernis) und Bedürfniß in beyden Geschlechtern gebraucht wissen wollten, je nachdem es eines oder das andere bedeutete. Allein diese Regel war bloß willkührlich, und nicht aus der Sprache selbst geschöpft, indem die meisten der obigen Wörter ohne Unterschied des Geschlechts sowohl cvncret als absiract gebraucht werden. Im Oberdeutschen, wo noch weit mehrere Wörter mit dieser Ableitungssylbe üblich sind, ist ohne Unterschied der Bedeutung das weibliche Geschlecht am gangbarsten. §. 150. Die zusammen gesetzten Wörter behalten Der zustm« das Geschlecht der besiimmtenHälfte, folglich des wen gesciz- letzten Theiles der Zusammensetzung, der Archen? ""W-mer. rarh, das Rachhaus, der Maßstab. Indessen sind doch auch einige ausgenommen: die Neunauge, welche in Obersachsen unter dem Nahmen der Briefe am bekanntesten ist; die Nachricht, dagegen Bericht und Unterricht männlich sind; die Antwort, so fern man es als eine Zusammen- setzung von das lVorr ansehen will; das Tages lohn, Macherlohn, das Druckerlohn, und noch verschiedene andere mit Ü.ohn zusammen gesetzte, dagegen das einfache nebst den Zusammensetzungen Arbeitslohn, Gnadenlohn, Hürcrlohn, Dienst- lohn, im Hochdeutschen männlichen Geschlechtes sind; der Abscheu, dagegen man sagt die Scheu; der Besuch und das Gesuch; der Verhaft, aber Adel.jL.Spr. Z die Z54 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. die Hafr; ingleichen verschiedene eigene Nahmen, welche ohne Rücksicht aus die Zusammensetzung als Ortsnahmen sachlichen Geschlechts sind, das Ha- nau, das alte Torgau, das reiche Hamburg, das große Srraßburg; und endlich einige mit dem männlichen Much zusammen gesetzte weibliche Wörter, die Anmuth, welches doch nur auf eine entfernte Art als eine Zusammensetzung angesehen werden kann, Demuth, Großmuth, Rleins much, Ganftmuth, Schwermurh, N)ehmmh, Langmurh, dagegen ^delmuth, Gleichinuth, Hochmuth, N?ankelmmh, Zrveifelmurh, ^!ns much, Heldcnmuth, Lörvenmuch, durchgängig männlich sind. Und der §. 151. Wörter, welche aus fremden Sprachen fremden entlehnet werden, sollten billig ihr ursprüngliches Wörter. Geschlecht behalten, und in den meisten geschiehet es wirklich : der Canal, das Sacrament, die Periode, die Synode. Allein in vielen ist man doch von dem ursprünglichen Geschlechte abgewichen; dahin gehören unter andern der Part, Gegen- parr, das Labyrinth, der Punct, der Rache? der für das richtigere die Aatheder, da? j^cho, der Altar, das Almosen, der Sphinx, der Tempel, die Kanzel, das Lieber, das Pulver, der . Rörper, das Fenster, der Makel, der pacr, das Chor, der L-ieenr, von Licenlia, und andere mehr. Wörter §. 152. Manche Wörter werden mit Beybehal- bcpderlcy tung des Geschlechtes, welches ihnen einmahl eigen Geschlechts. ^ ^ri Personen beyderley Geschlechts gebrauchr, der Gatte, sowohl von dem männlichen als weiblichen Geschlechte, das veraltete Gemahl, das Rind, der Liebling, Zwilling, Findling, Sonderling, und mehrere auf ling, de,r Bürge, der Runde, Z. Geschlecht. §.152.153. 355 Aunde, selbst das im gemeinen leben übliche V.undmann auch von einer Person weiblichen Geschlechts, das Mündel, die ^Vaise, und andere mehr, wohin auch der Gevatter und der pathe, wenigstens nach dem Gebrauche mancher Gegenden, gehören. Andere verandern ihr Geschlecht, nach dem Geschlecht der Person, ohne an ihrer Endjylbe etwas zu andern: der oder die Gevatter, der oder die pache, wenigstens nach dem Gebrauche einiger Gegenden, der und die Mündel. Noch andere bezeichnen zugleich das weibliche Geschlecht durch die weibliche Ableitungssylbe, der Arbe, die Erbinn; der Garce, die Gattinn; der Gevatter, die Gevatterinn; der Gemahl, die Gemahlinn. §. 15z. Manche Wörter werden nach Maßgo- Verschiebung ihrer Bedeutung in verschiedenem Geschlechte de»l>eit des- gebraucht. Die vornehmsten sind: Geschlechts - . > ^ ^ Der After, der Hintere Theil eines Dinges, und Bedeutung das After, in der iandwirthschaft, dem Bergbaue u. s.f. was in der Bearbeitung einer Sache abgehet. Die Armmh, das Abstractum, und das, doch nur im gemeinen leben einiger Gegenden übli- , che Cvllectivum, das Armuth, arme Personen. Das Band, alles, was verbindet, und der Band, eines Buches, und die Art und Weise desselben. Der Buckel, oder Ouckel, der Rücken und die fehlerhaste Erhöhung desselben, und dieL>U5 ckel, eine erhabene zierliche Rundung. Der Bund, das Bündniß, auch in manchen Fallen der Band, und das Vund, zusammen gebundene Dinge. Z 2 Das 356 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Das Chor, ein erhabener Ort für die Musik, und der Chor, oft aber auch das Chor, mehrere zugleich singende Personen. Der Erde, Fäm. die Erbinn, eine Person, welche erbt, und das Erbe, das Erbtheil. Die Lehm, der Blutbann, ingleichen in einigen Gegenden, die Eich- und Buchmast, und der Fehm, oder Leimen, in einigen Gegenden ein Haufen. Die Llur, ebeneS.Feld, und der Flur, aber auch häufig, die Flur, der gepflasterte Vorsaal. Der Gemahl, Fämin. die Gemahlinn, und das veraltete das Gemahl von beyden Geschlechtern. Die Gervr.hr, Versicherung, Sicherheit, und das Gewähr, im Bergbaue, ein gewährtes, oder zn Lehen gegebenes Stück Feld. Das GewerL, eine Zunft, Innung, und der Gewerk, der die Kosten zum Bergbaue her- schießet. Die Gift, Gabe, nur noch in Mitgift, und das Gift, venenuin. Der oder das Haft, ein kleines Insect, welches die ausgezogene meiste Haut überall haften läßt; der Haft, die Festigkeit, Haltung, und die Haft, gesangliche Verwahrung. Der Nunde, ein Handelsfreund, NahrnngSbe- kannter, und die A.unde, die Kenntniß. Das Lehen, ein lehenbares Gut, und die Les hen, das Lehensverhältniß, ingleichen die Le« henwaare. Die Leiter, ein Werkzeug, daran in die Höhe zu steigen, und der Leiter, derjenige, welcher unö leitet. Die z. Geschlecht. §. 153.154. 357 Die Mandel, ein Haufe von fünfzehn Garben, und das Mandel, eine Zahl von funfzehen, wofür doch aber auch in den meisten Gegenden die Mandel üblich ist. Der Mensch, und das niedrige das Mensch, eine verächtliche weibliche Person. Der ols. Die Lampe, tat. Lsmxgz, und der Lampe, ein Nahme des Hasen. Der Lauer, Nachwein, Tresterwein, und die Lauer, der Zustand, da man lauert. Das Laub, an den Bäumen, und das noch in Urlaub lebende der Laub, die Erlaubniß. Das Lcich, ein ebener Platz, noch in dem niedrigen Bofsclleich, eine Kegelbahn, und der Leich, der Fischsame. Der Mangel, die Abwesenheit einer nothwendigen Sache, und die Mangel, in einigen Gegenden, ein Werkzeug zum glatt und glänzend machen, wo es auch wohl Mange und Mandel lautet. Die Mark, die Gränze und ein umgränzter Bezirk, und das Mark, das Fett in den Knochen. Z 4 Die z6o i.TH.2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Die Marsch, ein sumpfiges Land, in Niederdeutschland, und derMarsch, von dem Franz. Der Mast, der Mastbaum, und die Mast, das Masten, ingleichen der Fraß der Schweine in den Wäldern. Das Messer, zum Schneiden, und der Messer, von messen, derjenige, welcher mißt. Der Mohr, i. ein gewisser seidener Zeug, von dem Franz. moirer, wässern; 2. ein Mauritier, schwarzer Mensch, und das Mohr, eine sumpfige Gegend. Der Muth, das menschliche Begehrungöver- mögen, und das Oberdeutsche das Muth, von mociius, ein Maß trockner und flüssiger Dinge. Der urst, Oberd.der. Die Zehe, anderw. der Zeh. Der ZeislA, anderwärts das. Das Zepter, anderw. der. Der Zierach, anderw. die. Der Zink, ein Halbmetall, anderw. das. Der Zoll, Abgabe, anderw. das. Das Zugehör, anderw. die. Die Zwiebel, Ob. der. 4. Von dem Plural der Hauptwort e r. Inhalt. Nothwendigkeit des Plurals, Der Materialien, §. 164. Z. i5ü. Dessen Bildung, §. 157- Wurzellaute für den Plural, S- 15s. Grund derselben, g. i;y. Plural der Gattungswörter, S.162. Gattungswörter ohne Plural, §. ,61. Und ohne Singular, Z- '62. Won dem Plural der Collectiven, S. iüz. § Der Gewa'chöuahmen, z. 165. Gebrauch der Wörter, welche ciue Zahl, ein Map u. s. f. bedeuten, Z. 166. 167, Von dem Plural der Abstra- cten, iüz. Wörter, welche ihn nie leiden, §. löy. Welche ihn in gewissen Fällen leiden, 170. 156. äre jedes Wort dasjenige geblieben, was es Notkwen- seiner ersten Bestimmung nach vermuthlich b^ke'.r des seyn sollte, nehmlich ein eigener Nahme des Din- P^ls. geS, welches es bezeichnet, so würde jedes Substantiv nur auf einerley Art vorhanden seyn, weil jedes einzele Ding nur ein einiges ist. Allein, alle Substantive wurden unvermerkt Appellativa oder Gat- tungswörter, und bezeichneten als solche allemahl ganze Classen oder Gattungen von Dingen einer Adel.D.Spr, Aa Art. Z7Q I.TH. 2. Abscht!. 2.Kap. Substantiv. Art. Da nun der Sprechende bald nur eines, bald aber auch mehrere Individua aus der ganzen Gattung meinen konnte, so ward es bald nothwendig, . diesen gedoppelten Unterschied an den Substantiven selbst zu bezeichnen. C'6 geschiehet solches durch die Numeros oder Zahle,;, deren wir im Deutschen zwey haben, den Singular oder die Einheit, wenn von einem, und den Plural oder die Mehrheit, wenn von mehrern Dingen die Rede ist. Andere Sprachen sind darin noch weiter gegangen, und haben noch einen dritten Numerum, den Dualis, entweder für zwey Dinge überhaupt, oder für -solche Dinge eingeführet, welche in der Natur gemeiniglich paarweise vorhanden zu seyn pflegen, z.B. manche Glieder an den menschlichen und thierischen Körpern. Dessen §-157. Die Mehrheit wird an den Deutschen Bildung. Substantiven auf verschiedene Art bezeichnet; entweder durch die Verwandlung der tiefern Hülfs- laute a, 0 und u in die nächsten höhern ä, ö und ü, welche Verwandelung wir mit einem von Herrn V.lopstocd' zuerst gebrauchten Kunstworte den Umlaut nennen wollen, der Datcr, die Väter, die Mutter, die Mürrer, die Tochter, die Töchter; oder durch Anhängung gewisser einfachen Wurzelsaute, das Bror, die Broce, der Geist, die Geister, der Borhe, die Bothen., die Achsel, die Achseln; oder auch durch beyde Mittel zugleich, die Gruft, die Grüfte, der Gort, die Götter^ das Haus, die Häuser. Sehr oft aber bezeichnete man den Unterschied der Mehrheit gar nicht, und alsdann lauten der Singular und Plural einander völlig gleich, der Aaiser, dieAai-- ftr, der Barzen, die Barzen, das Geleije, die Geleise. Die 4. Vom Plural der Hauptw. §.158.159. 371 Die Bildung des Plurals ist bey den Substantiven und ihren Bestimmungswörtern eine eigene Art der Biegung oder Motion, und sollte als solche billig auch ihre eigene Stelle erhalten, ob es gleich den Sprachlehrern bisher noch nicht gefallig gewesen, sie dafür anzunehmen. Man rechnet sie allemahl mit zur Declination, obgleich diese nur das Verhältniß eines oder mehrerer Dinge gegen das Subject der Rede bezeichnet, und daher in dein letztern Falle den Plural bereits voraus setzet. §. 158. Wenn die Mehrheit durch gewisse dem Wurzella,,-. Substantive angehängte Wurzellaute ausgedruckt ^ ^' den werden soll, so werden dazu im Hochdeutschen deren ^"^» vier, oder eigentlich nur drey, gebraucht, welche e, ^r, en und n sind, wovon der letztere nur das verkürzte cn ist. Die Niederdeutschen haben außerdem noch das s, welches sie oft in solchen Wörtern gebrauchen, welche im Hochdeutschen dem Singular gleich sind, daher es den Niedersachen, wenn sie Hochdeutsch reden wollen, im Anfange schwer fällt, sich dieses s zu entwöhnen: die Iungens, Mädchens, N)agens, Schlittens, Fräuleins. Vermuthlich ist das 5 und x in dem Plural der Franzosen noch ein Überbleibsel, entweder der alten Gallischen Sprache, oder auch der Fränkischen Mundart, welche anfänglich vermuthlich Niederdeutsch war, und unter der Herrschaft der Fränkischen Könige beträchtliche Einflüsse auf die Landessprache Frankreichs gehabt hat. H. 159. Da nichts in der Sprache ganz will- Grund tuhrlich und ohne allen Grund ist, so ist auch nicht derselbe», zu vermuthen, daß es die Bildung des Plurals seyn werde, zumahl da der Begriff der Mehrheit nun eben so fein und verwickelt nicht ist, daß die Seele Aa s ihn Z72 I.TH. 2.Absch>:. 2. Kap. Substantiv. ihn nicht in ihrem noch ganz rohen Zustande sollte fasten nnd anSdrucken können. Das Hörbare in der bewegten Menge war daher auch hier der Grund, warum die Spracherfinder in Bezeichnung der Mehrheit gerade diesen und keinen andern Weg gingen und gehen konnten. Allein, da dieses Hörbare in der Natur selbst von so großer Verschiedenheit ist, nachdem entweder die Dinge selbst sind, welche sich zn gleicher Zeit bewegen, oder nachdem ihre Anzahl, oder auch der Grad der Bewegung ist: so liegt darin auch der Grund der so großen Verschiedenheit des Plnrals der Wörter nicht nur in mehrern Sprachen, sondern auch in einer und eben derselben Sprache. Ja eben das Unbestimmte in diesem Merkmahle macht, daß der Plural eines und eben desselben Wortes in den Mundarten einer Sprache eben so verschieden lst, als das Geschlecht, »ind oft ein Wort in einer Mundart nach der Verschiedenheit seiner Bedeutung mit mehr als einem Plural gebraucht wird, wovon im folgenden Beyspiele vorkommen werden. Da sich nun der Plural ganz auf die dunkele Empfindung des Hörbaren in der Mehrheit stützet, wir aber diese dunkele Empfindung längst mit dem klaren Begriffe von der Mehrheit vertauscht haben, so rühret es auch daher, daß wir von der Bildung des Plurals nur in wenig Fallen bestimmte Regeln geben können, sondern denselben in den ineiftell aus dem Gebrauche lernen müßen. Das Wenige, was sich davon bestimmen läßt, wird bey den Declinationen vorkommen. Plural der §. 160. Es können nur solche Dinge als mehr- Gattungs- fach bezeichnet werden, welche wegen eines gemein- womr. schaftlichen Merkmahles wirklich mehrfach vorhanden sind; folglich sind nur allein die Gattungen n?»rrer oder Appellativ« eines Plurals fähig, welcher 4. Vom Plural der Hauptw. §.161. 37z welcher daher bloß um ihrer willen da ist. Die eigenen Nahmen sind also als solche von dem Plural ausgeschlossen, weil jedes einzele Ding nur einmahl vorhanden ist. Allein, da alle eigene Nahmen nicht allein ursprünglich Gattungsnahmen sind, sondern auch noch häufig jetzt als Gattungsnahmen gebraucht werden, so'sind sie als solche auch des Plurals fähig, wie bereits §. 52z. bemerket worden. H. i6l. Hingegen sollten, diesem Grundsätze zu Gattunzs- Folge, auch alle Gattungswörtcr eines Plurals fähig wörtcrohne seyn, weil sie die Dinge nach einem gewissen gemein- P!nrsl. schaftlichen Merkmahle benennen, welches sich daher an mehrcrn befinden muß, und die allermeisten können auch wirklich im Plural gebraucht werden» Allein es gibt deren doch einige, deren Plural entweder ganz ungewöhnlich oder doch selten ist. Dahin gehören vornehmlich solche, welche ursprünglich Abstracta waren, und einen Zustand bedeuteten, und daher auch des Plurals unfähig blieben, als man sie concret zu gebrauchen anfing. Bey andern , scheinet die Ursache bloß in einem unterlassenen Gebrauche zu liegen, weil man selten Gelegenheit hatte, das Ding, welches sie bezeichnen, mehrfach zu sehen und zu benennen, daher der Plural noch jetzt ungewöhnlich klingt, wenn man ihn zu gebrauchen genöthiget ist. Ganz ungewöhnlich ist er im Hochdeutschen von Rath, so fern es coulilium bedentct, von Dank, wovon doch ehedem der Plural die Danke in der Bedeutung eines aufgestellten Preises sehr gewöhnlich war, vonlVille, Bund, so fern es ein Bündniß bedeutet, Verstand, Vernunft, ^Virz u. a. m. obgleich alle diefe Wörter jetzt eben so wahre Gattungswörter sind, als Tugend, Laster, Einsicht u. s. s. Nur selten hingegen ist er, wenigstens im Hochdeutschen, von Aa 3 2)ann, Z74 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Bann, Bau, Rnall, Bräutigam, Vorwand, Lohn, Tausch, Zxanf, List, Taufe, BurF, Mund, Nachdruck, Aufruhr, Strand, Schar;, so fern es Abgabe bedeutet, und andere mehr, deren Plurale doch entweder ehedem gangbar waren, oder noch jetzt in den Mundarten und im gemeinen Leben üblich sind, und daher auch in der Schriftsprache, wenn eö nöthig ist, gebraucht werden können. Und olme §. 162. Hingegen gibt es viele Gattungswör- Ewgulir. ter, welche im Hochdeutschen nur allein im Plural üblich sind, entweder, weil manan den Dingen, welche sie bezeichnen, nichts einzeles unterscheiden konnte oder wollte, daher die Wörter dieser Art eigentlich zu den Collectiven gehören; oder auch, weil man selten Gelegenheit hatte, manche Dinge anders, als in der Mehrheit, zu sehen, daher der Singular ungewöhnlich ward und blieb. Wörter beyder 'Arten sind z. B. die Gefälle, Einkünfte, kosten, Unkosten, Mrern, Ahnen, Alpen, von welchen beyden der Singular doch in Oberdeutschland gangbar ist, die Röcheln, Beinkleider, Höfen, ob eS gleich in der Bedeutung eines Gefäßes den Singular, die Hose, hat, dieN>affen, Schranken, Gebrüder, ein wahres Collectivum, Ariegesläufte, Zeitläufte, Nijse, Gerechtjame, von dem ungewöhnlichen Singular der Gerechtsam, oder die Gerechtsamen, wenn der Singular die Gerecht- fame angenommen wird, die Gliedmaßen, die Aaldaunen, u. a. m. zu welchen man auch die fremden, Spesen, Sporteln, Annaten, Repressalien, Inslgnien, u. s. f. rechnen kann. Von andern ist der Singular wirklich nicht nur vorhanden, sondern auch üblich, ob sich gleich selten Gelegenheit findet, ihn zu gebrauchen, daher die Wörter 4. VomPlural derHculptw. §.162.165. 375 dieser Art von manchen irrig unter diejenigen gerechnet werde!,, welche keinen Singular haben; z.B. der Austrag, die Ausrräge; der Fuß- stapf oder Fußsiapfen, die FuM-.pfen; der Lumpen, die Lumpen; der Rank, die Ränke; der Schwank, die Schwanke; die Düne, ein Sandhügel, die Dünen; die poche, die Pos cken; die Vlattcr, Maser, die Blattern, Masern ; der Lhehalt, die ^behalten; die Schloße, die Schloßen; der Schlaf, am Kopfe, die Schläfe; das oder der Trumin, die Trümmer, obgleich der Singular in einer andern Bedeutung gebraucht wird; der Vorfahr, die Vorfahren; der Nachkomme, die Nachkommen; die Schlacke, die Schlacken; die Lrarze, die Fratzen; die 1>aper, die Zxapern, u. a. m. §. 16z. Die Collectivs oder Sammelwörter Der Colle- bezeichncn allemahl eine unbestimmte Menge von ctiven. Dingen gewisser Art und zwar in einem gedoppelten Falle; entweder diese Menge ganz unbestimmt, Sand, Mehl u. s. f. in welchem Falle sie auch keines Plurals fähig sind; oder diese unbestimmte Menge als ein Ganzes, da sie denn von mehrern Ganzen dieser Art allerdings den Plural leiden, Volk, Geld u. s. f. Indessen sind sie in Ansehung ihres Gebrauches von verschiedener Art. Einige, werden als Collectiv« nur allein im Singular gebraucht, wie Trost, Geblüt, ougchör, N)äsche, Vieh, Volk, Geld, Gesinde u. s. f.; wovon manche von mehrern Ganzen auch im Plural gebraucht werden können. Andere werden sowohl im Singular, als Plural, collective gebraucht: das Haar, (welches im Singular auch distributive üblich ist,) und dlF Haare, das Geräch und die Ge- Aa 4 räche, > zy6 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. rathe, die Geräthschaft und die Geräthschaf- reu, das Geschwister und die Geschwister, das Gedärm und die Gedärme, die Mannschaft und die Mannschaften, die Fleischbank und die Fleischbänke, die^xleye und dielxlcyen, das Gewinn; und die Gewürme. Viele andere werden nur allein im Plural collective gebraucht, und diese sind ihrem Ursprünge nach wahre Gattungswörter, und werden in manchen Gegenden noch jetzt distributive gebraucht: Leute, noch in Baiern distributive das Z.eur, Treber, Molken, Truppen, Agen, die abgedroschenen Grannen an den Getreideähren, Worte, wenn sie so viel als Rede bedeuten, Flaumen, das rohe Fett von den Gedärmen, die Äriefschafcen, die Franzosen, eine Art Krankheit, die Weihnachten, Gstern, Pfingsten, die Ferien, und andere mehr. Hierher können auch die Iterariva gerechnet werden, besonders die mitge, welche, als solche, auch nur des Singulars fähig sind, das Gewühl, Gewimmer, Gebrüll. Dee Mate- §. 164. Die Marerialia stellen entweder bloß riaiium. die physische Materie, oder auch die moralische Beschaffenheit, ohne Rücksicht auf die dazu gehörigen einzelen Dinge, selbständig dar; wovon die letztern, oder die, welche die moralische Beschaffenheit be- ' zeichnen, unmittelbar an die Abstracta gränzen, und oft mit ihnen zusammen fließen. Beyde sind keines Plurals fähig, weil die Materie, ohne Rücksicht auf die daraus bestehenden einzelen Dings, immer nur einig ist. Beyspiele von physischen Marerialibus sind: Ruß, Schlamm, Uns flach, Unrarh, Speichel, ZKHem, Dung, Schimmel, Most,Rost^ Talg, Thon, Speck, Hoing, 4« Vom Plural derHauptw. §.165.166. Z77 Honig, Ricn, Schmalz, Fett, Holz, Staub, Fleisch, Blut, Gift, Gold, Silber, Elfenbein, Mark, Mchl, Butter, Stroh, wachs, Milch, Asche, Erde, Luft, Schnee, u. s. f. Und von moralischen: Deute, Raub, Tand, Pöbel, pur;, u. s. f. Einige schmelzen mit den Collectivs zusammen, und werden alsdann nur allein im Plural materialiter gebraucht: ein Schejfel Erbsen, Linsen, N>icden; Zxorallen, Heftn, Molken u. s. f. wovon manche auch zugleich distri- butive oder appellative gebraucht werden können. §. 165. Hierher scheinen auch die Nahmen so Der Ge- vieler Gewächse zu gehören, welche im Plural zuwei- wiichsnah- len von mehrern Arten, aber nicht distributive, ge- wen. braucht werden können ; vermuthlich, weil sie als Materialia betrachtet werden müssen. Dergleichen sind z. B. Rlee, Zxrefse, Hanf, Flachs, Gerste, Hafer, Fenchel, Spargel, Aümmcl, Hopfen, Knoblauch, Rohl; welchen man dieGattungö- wörter pflanze, Staude u. s. f. beyfügen muß, wenn man sie distributive brauchen will, eine Äxohlpflanze, eine'pflanze Knoblauch, ein Stock Spargel. Sie leiden den Plural im distributiven Verstände nicht einmahl, wenn sie gleich aus Gattungswörtern zusammen gesetzt sind, wie Bingelkraut, Geißbart, Bocksbart, Dreyblatt, Fieberwurz. §. 166. Ei»ie andere Art von Marerialibus scheinen diejenigen Nahmen zu seyn, welche eine Gewicht- Zahl, ein Maß, ein Gervicht und oft auch eine nahm?». Zeit bedeuten, und, so oft sie ein bestimmtes Zahlwort vor sich haben, keinen Plural leiden, so sehr auch jenes denselben zu erfordern scheinet; ohne Aa 5 Zwei- Z78 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. Zweifel, weil Zahl, Maß und Gewicht hier als bloße Materialia betrachtet werde». Der Gebrauch, dergleichen Wörter in dem eben gedachten Falle in den Singular zu sehen, ist in mehrern alten Sprachen und unter andern auch in der Hebräischen befindlich, wo der Nahme der gezählten Sache den Singular erfordert, wenn er hinter dem Zahlworte stehet, und dieses über zehen ist. Herr Stosch hat in seinen kleinen Beyträgen Th.i. S.izf. diesen! Gebrauch unter allen am richtigsten und umständlichsten entwickelt, dessen Bemerkungen, doch mit einigenZufätzen und Verkürzungen, in dem folgenden zum Grunde liegen. Die gangbarsten lind bekanntesten Wörter dieser Art sind: Acker, als ein Feldmaß, vier Acker Feld, NAesen, Holz. Ahm oder Ghm, ein Weinmaß, sechs Ahm N)cin. ' Alphabet, als ein Zahlwort für gedruckte Bogen, das Buch ist drey Alphabet stark. Blatt, als Judi drey oder vier Blatt gelesen hatte, Jer. z6, 29. Die ersten nenn Blatt. Aber, weil eö kein eigentlicher Zahloder Maßnahme ist, auch häufig im Plural, die ersten nenn Blätter. Buch, als ein Maß des Papieres, sechs Buch Papier. Bund, als ein Nahme einer bestimmten Menge, sechs Bund Grroh, Heu. Daum oder Daumen, ein Längenmaß. Duyend, zwölf Dutzend. jAmer, als ein Maß flüssiger Dinge, sechs Eimer N5ein; wo doch der Plural ohnehin nicht merklich seyn würde. Laß, 4. Vom Plural der Hauptw. §.166. 379 Faß, ein Maß trockner und flüssiger Dinge, drey Laß Bier, wein, Raffee und so ferner. Laust, ein Längenmaß, sieben Laust hoch. Leld, doch nur in der bereits ungewöhnlichen R. A. zehen Leld Weges. Luder, wo doch der Plural nicht merklich seyn würde. Luß, als ein bestimmtes Längenmaß, sechs Luß lang; aber in einem andern Verstände, das Insect hat sechs Lüße. Gebett, sechs Gebctt Venen; auch wohl mit dem Plural, sechs Gedette. Grad, als ein mathematisches Längenmaß, dreyßig Grad. Gran, ein Nahme eines kleinen Gewichtes, vier Gran. Groß, eine Zahl von zwölf Dutzenden. Handbreit, sechs Handbreit, aber auch und gewiß besser, sechs Hände breit. So auch zrvey Arme voll. Haupt, als ein Zahlwort für das Vieh, sechs Haupt Rindvieh. Hundert, einhundert, zweihundert und so ferner. Jahr, aber auch häufig mit dem Plural, sechs Jahr und sechs Jahre. Iuchart, ein Feldmaß, zehen Iucharr Holz. Aarat, der Nahme eines Gewichtes. Alafter, ein Längenmaß, sechs Alafrer. Aopf, in einigen Gegenden als ein Maß, fünf Aopf wein. Aber als ein Zahlwort für Mann hat es den Plural, hundert Nopfe stark. Lachter, zZs i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Lachter, ein Längenmaß für Klafter, zwanzicz Lachrer tief. Last, ein bestimmtes Gewicht, zehen Last. Loch, vier Loch. Mahl, sechsmahl, nicht Mahle, auf vier Mahl. Mandel, eine Zahl von funfzehen, vier Mandel. Wenn es aber einen Haufen von funfzehen Garben auf dem Felde bedeutet, so hat es den Plural, vier Mandeln lVeiizen. Mann, ein Zahlwort für Personen, die Compagnie ist hundert Mann start. Aber zehen Männer, d.i. zehenPersonen männlichen Geschlechts. Mark, der Nahme eines Gewichtes, zwölf Mark. Maß, ein bestimmtes Maß, sechs Maß Mein. Monath, sechs Monath; aber auch oft im Plural, sechs Monathe. Orhofc, ein Weingebinde, vier (Qrhofr. Ort, so fern es ein Gewichc bedeutet. paar, vier paar, nicht paare. Dieses bleibt zugleich so unveränderlich, daß wenn auch eine Präposition vorher gehet, nicht paar, sondern das folgende Wort, gebogen wird, vor 'ein paar Tagen, mir ein paar Thalern. Pfund, vier Pfund. «Quart, der Nahme eines Maßes, und eines bestimmten Theiles, vier (Quart. (Quartier, ein Längenmaß, sieben (Quartier lang. (Quenr, drey (Quenr. Rieß, als ein Maß des Papieres, neun Rieß. Saum, 4. Vom Plural derHauptw. §. 166. M Saum, ein Oberdeutscher Nahme einer bestimmten Menge, zehn Saum Tücher, !lT>ein. Schaff, ein Oberdeutsches Maß trockner Dinge, das Stammwort von unserm Scheffel, vier Schaff VOeiyen. Schock, eine Zahl von sechzigen, sechs Schock Eyer. Schuh, ein Langenmaß, wie Fuß. Schritt, als ein Längenmaß, acht Schritt lang; aber auch häufig im Plural, achc Schritte. Srab, ein Längenmaß, sechs Stab Taffenc. Srein, der Nahme eines Gewichtes, sieben Grein N5olle. Stoff, ein Oberdeutsches Maß flüssiger Dinge, ein Gcoff Bier. Stück, als ein Zahlwort des Viehes, sechs Stück Rindvieh. Aber sechs Stücke Tuch. Tagewerk, als ein Maß des Feldes, acht Tas geweck NAesen. Tausend, sechstausend, zehentausend. Tops, in manchen Gegenden, ein Maß flüssiger Dinge, drey Tops>oonig. Zoll, ein Längenmaß, sechs Zoll lang. Alle diese und andere ähnliche, so viel ihrer nicht unter den folgenden Ausnahmen begriffen sind, bleiben im Plural unverändert: i. wenn sie ein bestimmtes Maß bedeuten, außer dem werden sie ordentlich gebogen, drey irdene Töpfe, sechs dirs kene Stäbe. 2. Wenn sie Hauptzahlen vor sich haben ; mit Ordnungszahlen, allgemeinen Zahlwörtern u. s. f. folgen sie der ordentlichen Regel, die drey ersten Pfunde, die leycen Monathe, wenig Mona« zZ2 i.TH. 2.Abfthn. 2.Kap. Substantiv. Monathe vorher, alle Pfunde. Nur Mann bleibt hier jederzeit ausgenommen, die drey ersten Mann, rvenige Mann. z. Wenn keine Präposition vorhergehet, davon im folgenden §. Ausgenommen sind von dieser Regel: i. die weiblichen auf e, Lhle oder Me, Meile, VL>o- che, Smnde, Tonne, Ruche, Unze, Merze, Hufe u. f. f. 2. Die Wörter Tag, Jahrhundert, Jahrtausend, Glas, Sack, Rrug, Ropf, als ein Zahlwort für Mann, und vielleicht noch einige andere, welche insgesammt im Plural stehen, acht Tage, zwey Jahrhunderte, drey Jahrtausende, vier Gläser lVein, drey Arüge^-ier, sechs Säcke TVciyen, welche drey letztem ohnehin kein bestimmtes Maß bedeuten, hundert N.ö? pfe stark. Daß auch einige der vorigen den Plural leiden, ist schon oben angemerket worden. Fortsetzung. §« 167. Ein Adjectiv ändert in dem Ganzen nichts, fechs geometrische Fuß lang, wohl aber, wenn eine Präposition vorher gehet, welche den Dativ erfordert, in welchem Falle Mahl und die Zeitmaße allemahl im Plural stehen, in drey Mahlen, vor zrvey Iahren, nach sechs Monathen. Die Adrigen können in diesem Falle sowohl im Singular als Plural stehen, eine L,änge von zehen Schritt oder Schritten, ein Gewicht von fünf Pfund oder Pfunden; indessen scheint der Plural hier am gewöhnlichsten zu seyn, doch mit dem Unterschiede, daß diejenigen, welche als Gattungswörter im Plural den Umlaut bekommen, ihn hier nicht annehmen: ein Feld von hundert Fußen, ein Garren von drey Ackern, nicht Füßen oder Ä^ern. Paar und Mann leiden auch inic Prä- positio- 4. Vom Plural der Hauplw. Z.16Z. Z83 Positionen keinen Plural, ein Regiment von tau-- send Mann, mit drey Paar Schuhen. §. 168. Ein abstracter Nahme betrachtet zwar Plural der etwas unselbständiges al6 selbständig, aber ohne al- Absrracten, len Begriff des einzelen, weil er sonst nicht absiract seyn könnte; sie sind daher als solche auch keines Plurals fähig. Dahin gehören besonders, i. diejenigen, welche eine Eigenschaft entweder überhaupt, oder an einem gewissen Dinge, als ein selbständiges Ganzes, aber ohne allen concreten Begriff des Einzelen, darstellen, wie Stärke, lVärme, Hirze, Aälte, Gehorsam, Gewalt, Mühe, Trost, Vernunft, Hang. 2. Diejenigen, welche bloß die Art oder Beschaffenheit bezeichnen, und in dieser Rücksicht als abstracte Marerialia betrachtet werden können: Mord, Lob, Tadel, Zrvang. z. Diejenigen, welche einen Zustand bezeichnen: Armuth, Reichthum, Ehre, Schande, Trunkenheit, Abnahme, Zunahme, Elend, Hunger, Durst, Glück, Heil, Tod, Leben, Schlaf, Trauer. Besonders, wenn es ein Gemüthszustand ist: Furcht, Liebe, Derdruß, Zorn, Huld, Arg- vvohn, Neid, Geiy, Zufriedenheit. 4. Diejenigen, welche eine Veränderung als ein selbständiges aber untheilbares Ganzes benennen, und nahe asser, gebrannte ^Vasser, Getränke. z. Von mehrern Quantitäten oder Ganzen: Völker, Gelder, j^rze, N?eine, Summen. 4. Von einzelen Dingen, welche die Beschaffenheit des Absiracti an sich haben, Schönheiten, schöne Personen, Eitelkeiten, eitele Dinge, V.leinigkeiren, kleine Dinge , Stähle, stählerne Werkzeuge, Dreheisen, u. s. f. Man muß sich daher hüthen, daß man ei- nem Worte nicht gleich den Plural abspreche, weil derselbe in der Schriftsprache, auö Mangel der Veranlassung, nicht leicht vorkommt, wie in den meisten Sprachlehren geschiehet, wo man große Verzeichnisse von Wörtern antrifft, welche keinen Plural habensollen, wovon ihn aber sehr viele im gemeinen Leben, da, wo man ihn bedars, wirklich haben, aber freylich nicht distributive, sondern entweder von mehrern Arten, oder von mehrern Quantitäten. In dem Berg - und Hüttenbaue kommen daher die Silber, Aupfer, Robolde, Schwefelkiese, Zinne, Bleye, Eisen, Stahle, und wohl gar Golde oder Gölder, und im Handel und Wandel, Garne, Leinwände, Zwirne, Alaune, Öhle, u. s f. häufig genug vor, welche denn doch wohl eben so gut sind, als Völker, Gelder, und so viele andere, die man da, wo man sie bedarf, ohne Be-^ denken gebraucht, ob sich gleich freylich nicht alle diefe Wörter dazu bequemen. Daher rühret es denn auch, daß fo viele Wörter in manchen Bedeutungen eines Plurals fähig sind, in andern aber nicht; ja manche haben in verschiedenen Bedeutungen auch einen verschiedenen Plural, davon im sol- genden. Adel, D.Spr» B b 5. V0!? z86 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. 5. Von der Declination. In S. Declination der eigentlich Deutschen Mörter. 1. Allgemeine Betrachtung der Declination, §171 f. Grund der Declination, §. Erklärung der Lasuum, §. I?2. Was Lasus recei und obliqui sind, S. i?Z. Biegungssylbcn für die Declination, Z. 174. Was Oecliniren heißt, §. i?5. Allgemeine Regeln davon , §. 176. 2. Erklärung der acht Deutschen Declinationen, §. i?7 f. iLrste Declination, §.177- 182. Zweyte Declination, §. I8Z-I8S. Drirre Declination, S->87-195. Vierte Declination, , §,196-iyc>. Fünfte Declination, Z. 200-222. Sechste Declination, §,20Z:2v6. Siebente Declination, Z. 207-212. 2tchce De. 2ZZ. Wie sie dazu geschickt zu machen, Z. 2Z4. Declination der fremden Wörter auf e, S. 235. «erste 5. Von der Declination. §. 171. Z87 tLrfte Declination der cige- Vierte, z. 240.241. ncn Nahmen, z. 236.237. Allgemeine Anmerkung über Zrveyre, Z. 238. die Declinationen, S.242- Drirre, §.239. 247- §. 171. <^er Nahme eines selbständigen Dinges, es sey Grund d«r nun einfach oder mehrfach, kann in dem Zu- Dcclina- sammenhange der Rede in mannigfaltigen Verhalt- tion. nissen vorkommen. Das erste ist allemahl dasjenige Verhältniß, worin das Subject als Subject gegen das Prädicat stehet, welches Verhältniß nicht mehr als einfach, oder einzeln in seiner Art ist. Zahlreicher sind die Verhältnisse, worin ein Substantiv durch den Begriff des PrädicateS oder Verbi gegen das Subject geseht wird. Hier kann es entweder den leidenden Gegenstand bezeichnen, oder denjenigen Gegenstand, an welchem der Begriff des Verbr gedacht wird, um dessen willen derselbe Statt findet, oder das Mittel und Werkzeug, oder den Ort, an welchem eine Veränderung vorgehet, oder die Zeit, zu welcher sie vorgehet, oder die Dauer derselben, oder den Ort, wo sie sich anfängt, oder den, wo sie aufhöret, und was dergleichen Verhältnisse mehr sind. Ferner kommen sowohl in dem Subjecte als > Prädicate, oft Substantive vor, welche einen Verhältnißbegriff bezeichnen, oder ohne ein anderes Substantiv nicht deutlich verstanden werden können, dergleichen z. B. die Hauptwörter Sohn, Tochter, Anecht, Freund und so ferner sind, welche sich auf ein anderes selbständiges Ding beziehen , dessen Nennung nothwendig ist, wenn jene die gehörige Deutlichkeit haben sollen, daher auch dieses Verhältniß an denselben ausgedruckt werden muß. In dem Sahe: das Aind des To- Bb s des Z88 i.TH. s.Abschn. 2. Kap. Substantiv. des hat dein Urheber seines Lebens die Freude seines Alters bis auf den Grund Zerstörer, ist das Aind des Todes das Subject der Rede, und das Verbum har zerstöret mit stinem Zubehör das Prädicat; dem Urheber seines Lebens ist der persönliche Gegenstand, oder derjenige, auf welchen der Begriff des Verbi sich beziehet, die Freude feines Alters ist der leidende Gegenstand, oder dasjenige Ding, auf welchen der Begriff des Verbi unmittelbar wirkt, und der Zusatz bis auf den Grund bezeichnet den Ort oder Grad, wie weit sich der Begriff des Verbi erstrecket. Die selbständigen Dinge Nind, Urheber und Freude bezeichnen Verhältnißbegriffc, welche noch ein anderes selbständiges Ding zu ihrer Erklärung erfordern, welches hier Tod, Leben und Alter sind. MlünM §. 172. Werden nun diejenigen Verhältniße, der Ca- worin ein selbständiges oder als selbständig ge- 5""'"' dachtes Ding in dem Satze möglich ist, an dem Worte selbst ausgedruckt, so werden sie Casus oder Falle genannt, nicht so fern die Endsylben, wodurch sie ausgedruckt werden, als Abfälle anzusehen sind, sondern weil sie wahre Fälle oder zufällige Veränderungen des selbständigen Dinges sind, daher die von einigen versuchten Deutschen Nahmen, Abfall, Umendung, Fallendung u. s. f. den wahren Begriff verfehlen, zu geschweige«, daß nicht alle in einer Sprache gangbaren Verhältnisse an einem jeden Worts durch die dazu bestimmte Endsylbe ausgedruckt werden können. So können Zucht, Ll jagd, und eine Menge anderer weiblichen Wörter im Singular in allen den Casibus oder Fällen vorkomme!?, welche in der Deutschen Sprache gangbar sind; allein, da sie keinen davon durch die Endsylbe bezeichnen, so kann man sie hier nur sehr un- eigenb? 5. Von der Declination. §^172. 389 eigentlich Fallendungen, Abfälle oder Umen- dungen nennen. Aus dem vorigen erhellet, daß die Verhältnisse, worin ein Substantiv, besonders in dem Prädicate, zu stehen kommen kann, sehr vielfach sind; allein, da sie von den Sprachschöpfern nicht alle mit gleichem Grade der Klarheit empfunden und gedachc werden konnten, so weichen die Sprachen sowohl in der Anzahl ihrer Casuum, als auch in der Art, sie zu bezeichnen, sehr von einander ab.. Manche Sprachen bezeichnen jedes Verhältniß, von welchem die Erfinder und Ausbilder der Sprache einen klaren Begriff gehabt, an dem Worte selbst, und haben daher dreyzehen und mehr Casus. Andere zählen ihrer weit weniger, und drucken entweder drey, vier und mehrere Verhältnisse auf einerley Art aus, weil sie von ihnen nur sehr dunkele Empfindungen hatten, oder helfen sich durch die Präpositionen, welche in allen Sprachen zur Ergänzung der mangelhaften Casuum da sind. Das Verhältniß selbst kann so wenig ein Casus heisssn, als dessen Umschreibung vermittelst einer Präposition, weil wir sonst in jeder Sprache eben so viele Casus annehmen müßten, als es Verhältnisse der Substantiven, und als es nicht allein Präpositionen, sondern so gar verschiedene Bedeutungen derselben, gibt. Nur dann verdienet ein Verhältniß den Nahmen eines Casus, wenn es in den meisten Fällen unmittelbar an dem Worte selbst bezeichnet wird; ich sage in den meisten Fällen, um dem Einwürfe vorzubeugen, daß nicht alle Wörter in einer Sprache deutliche Casus-Zeichen haben, welches denn weiter nichts beweiset, als daß mail aus Mangel klarer Begriffe das in einzelen B.b z Fällen Z90 l. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Substantiv. Fällen oft vernachlässiget, was man in den meisten zn thun gewohnt war. Seht man diesen deutlichen Begriff von einem Casu zum Grunde, und ich wüßte nicht, waö man dawider einwenden könnte, so kann man über die Anzahl der Deutschen Casuum keinen Augenblick mehr streitig seyn. Wir haben ihrer nicht mehr als vier, höchstens fünf, und der Lateinische Ablativ ist im Deutschen nichts weniger, als ein Casus, weil er eine wahre Umschreibung des Dativs mit einer Präposition ist. Sollten alle dergleichen durch Präpositionen umschriebene Verhältnisse Casus genannt werden, so würde man fünfzig und hundert Casus annehmen müssen, ohne etwas dabey zu gewinnen; aber bloß den Dativ, wenn er die Präposition von vor sich hat, als einen eigenen Ca- sum, unter dem Nahmen des Ablativs aufzuführen, ist wahre Affenliebe gegen die Lalvinische Sprache. Die Fälle oder Verhältnisse, welche die Deutsche Sprache an ihren Substantiven ausdruckt, sind demnach folgende. i. Für das Subject allein, das Verhältniß des Subjectes gegen das Prädicat, oder derjenige Fall, da ein Ding das Subject ist, und dieser Casus ist im Deutschen allemahl das Wurzel- oder abgeleitete Wort ohne allen Zusatz, dagegen andere Sprachen, z. B. die lateinische und Griechische, oft eigene Biegungssylben für denselben haben, und dadurch ihrer Declination desto mehr Vollständigkeit geben. Das weibliche und das mildernde e sind im Deutschen etwas ähnliches. Da das Subject wieder nach den drey Personen verschieden seyn kann, so findet hier auch eigentlich wieder ein dreyfacher Fall Statt, nachdem es das Subject der ersten, zweyten oder dritten Person ist. Allein viele Sprachen kennen 5. Von der Declination. §. 172. 391 nen diesen Unterschied nicht, sondern haben für alle drey Personen nur einen und eben denselben Casum, den Nominativ, dagegen andere für da6 Subject der zweyten Person einen eigenen Casum haben, und denselben alsdann den Docäriv nennen. Die Deutschen unterscheiden das Subject der zweyten Person nur in dem einigen Falle von der ersten und dritten, wenn ein männliches Adjectiv als ein Substantiv gebraucht wird, großer Gelehrter! mein Deutscher! daher sie auch nur in diesem einigen Falle einen wahren Vocativ haben. In allen übrigcnFällen ist derselbe von dem Nominativ nicht unterschieden, denn daß ihm zuweilen einige andere Wörterchen vorgesetzt werden, z.B. <>, ach, mein, ihr u. s. f. verändert an dem Worte selbst nichts, und kam; daher auch keinen Casum ausmachen. 2. Für das prädicat allein. (1) Das Verhältniß des leidenden Gegenstan- des, oder desjenigen Dinges, worauf sich der Bc- griff eines thätigen Verbi unmittelbar beziehet, worauf es unmittelbar wirkt; welcher Casus der Accusativ heißt. (2) Das Verhältniß desjenigen Dinges, auf welches sich der Begriff des Verbi nur durch einen Umschweiff beziehet, welches von der durch das Verbum bezeichnetenVeränderung entwedcrNutzen oder Nachtheil hat. Da dieses Ding gemeiniglich eine Person ist, so nennet man es auch den persönlichen, jenes aber den sächlichen Gegenstand, wenn gleich das erstere eine Sache und dieses eine Person seyn sollte. Der Casus, welcher dieses Verhältniß ausdruckt, heißt der Dativ. Bb 4 z. Ss- Z92 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv» z. Sowohl für das Subject, als für das Prä- dicar, das Verhältniß desjenigen Substantives, auf welches sich ein anderes Substantiv beziehet, und ohne welches es nicht deutlich verstanden werden kann. Dergleichen Substantive, welche solche Verhältnißbegriffe bezeichnen, sind z. B. Sohn, Toch? ter, V^ccr, Mutter, Diener, Rnechc, welche ihre völlige Deutlichkeit erst von einem andern Substantive erhalten müssen, so wie die meisten Abstra- cta durch dasjenige Ding erklaret werden müssen, an welchen? sie sich befinden, und von welchem sie abgezogen worden. Derjenige Casus, welcher dieses Verhältniß ausdruckt, wird der Genitiv genannt, welcher zugleich der verwickeltste und schwerste Casus für den Syntax aller Sprachen ist, weil dieses Verhältniß oft nur sehr dunkel empfunden werden konnte, oder vielmehr, weil die Spracherfinder alle Verhältnisse, wovon sie nur sehr dunkele Begriffe hatten, durch diesen Casum ausdruckten. Was bisher von den Verhältnissen gesagt worden, welche die Casus ausdrucken, gilt freylich vor» ihnen nur in den meisten Fällen. Alis dem Syn- tare wird erhellen, daß sie neben bey noch manche andere, zum Theil sehr verschiedene Verhältnisse bezeichnen müssen, wovon man keinen andern Grund angeben kann, als weil die Erfinder und Ausbilder der Sprache von ihnen nur sehr dunkele Begriffe hatten, und daher die Arten der Verhältnisse so oft mit einander verwechselten. So wird der Genitiv, welcher eigentlich die Erklärung eines Verhältniß- Begriffes in einem Substantive ist, sehr häufig auch mit Adverbiis und Verbis verbunden, wo es, besonders bey den letztem, sehr schwer fallen würde, anzugeben, warum man gerade diesen und keinen andern Casum gewählet. 5. Von der Declination. §.172. 395 Diese fünf Fülle folgen nun gemeiniglich in fol- gender, obgleich nia)t der bequemsten Ordnung auf- einander: der Nominativ, Genitiv, Dativ, Accusativ und für die, obgleich wenigen Falle, in welchen er vorkommt, der Vocativ. Wenn man die im vorigen entwickelten Verhältnisse, welche die Cafuö bezeichnen, nur ein wenig aufmerksam betrachtet, so siehet man leicht, daß die gewöhnlichen Lateinischen Benennungen derselben, den ersten und letzten Fall etwa ausgenommen, sehr unschicklich sind, und den Begriff jedes Verhältnisses sehr schlecht ausdrucken. Man hat daher schon seit dem vorigen Jahrhunderte versucht, bequemere Deutsche Nahmen an ihre Stel- le zu setzen; allein oft waren es bloße, zum Theil sehr unglücklich gerathene Übersetzungen der lateinischen, oder wenn sie davon abwichen/ so hatten doch die Erfinder von den CafibuS selbst nicht die deutlichsten Begriffe, oder ihre Nahmen hatten andere Unbequemlichkeiten. Es würde überhaupt sehr schwer, wo nicht gar unmöglich fallen, für jeden Casum, den Accusativ etwa ausgenommen, welcher noch der bestimmteste ist, einen schicklichen Deutschen Nahmen zu erfinden, der auch nur die meisten zu jedem gehörigen Verhältnisse bestimmt ausdruckte. Ich werde daher im folgenden lieber die alten Lateinischen Nahmen behalten, weil sich bey ihnen am wenigsten von dem Wortbegriffe mehr einmischet, und es überhaupt mehr nachtheilig als nützlich ist, allgemein bekannte Kunstwörter mit unbekanntern zu vertauschen, wenn die letztern nicht fs glücklich gewählet werden können, daß sie zugleich den ganzen wahren Begriff der Sache auf die deutlichste und bestimmteste Art ausschließen. Die un- ' schädlichste Deutsche Benennung der Cafuum ist noch die, wenn man sie nach der Zahl der gewöhn- Bb 5 lichen Z94 i.TH.2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. lichen Folge, den ersten, zweyten Fäll u. s. f. benennet. Ich weiß niemanden, welcher die Verhältnisse, die die Casus ausdrucken, genauer und richtiger untersucht und bestimmt hatte, als Herr Rector kleiner in der schon mehrmahls angeführten philosophischen Sprachlehre, womit man noch des Hrn. Moritz kleine Schrift von dein Unterschiede des Aceusarivs und Dativs, Berlin, 1781. verbinden kanru „ l ^ ^ ^ ^ Casus retti §. i?Z« Da der Nominativ und Vocativ das und vbiiqui. Subject unmittelbar nennen, oder das Prädicat unmittelbar von demselben sagen, so werden sie Casus recti, die übrigen aber obliqui genannt, weil sie sich nur durch einen Umweg auf das Subject beziehen. Da cklle in dem vorigen bezeichnete Verhältnisse an einem Substantive Statt finden können, eö mag einzeln oder mehrfach seyn,'so müssen sie auch sowohl im Singular, als im Plural, an den Nennwörtern bezeichnet werden können. Bicgungs- §-174. Die Art, wie dieses geschiehet,,ist nicht sylben für in allen Sprachen gleich. Die Deutsche verrichtet die Decli- solches durch gewisse Wurzellaute, welche dem Worte natwn. angehänget werden, ist aber damit sehr sparsam umgegangen, theils weil ihre Urheber von diesen Verhältnissen sowohl überhaupt, als auch in jedem ein- zelen Falle, nur sehr dunkele Begriffe haben konnten. Für den Nominativ des Singulars hat sie in Ansehung der Substantive keine eigene Biegungssylbe, wenn man nicht das weibliche sowohl als das mildernde e dafür annehmen will, welches sich doch, im Ganzen genommen, nur an wenig Wörtern befindet. Hingegen haben die Bestimmungswörter des Substantivs, welche in vielen Fällen du vollständig- 5. Von der Declination. §. 174. Z95 ständigste Declination haben, eine eigene BisgungS- fylbe für den Nominativ, welche aber eigentlich die Geschlechtssylbe ist. Der Genitiv wird in vielen Fällen, und besonders bey vielen weiblichen Wörtern, gar nicht bezeichnet, in den übrigen bekommt er ein es oder s, en oder n, oder das zusammen gesetzte ens zu seiner Biegungssylbe, welches letztere doch von einem alten Nominativ auf en ist, daher nur das s als Biegungssylbe angenommen werden kann. Der Dativ bekommt zuweilen ein e, zuweilen auch ein en oder n, die beyden letztern doch nur, wenn derGenitivsie schon angenommen hatte. Eben dieses gilt auch von dem Accusativ, welcher keine eigene Biegungssylbe hat, sondern in einigen Fällen nur das en oder n des Genitivs und Dativs beybehält. Daß der Vocativ nur selten von dem Nominative unterschieden ist, ist bereits oben bemerket worden. In dem Plural können die Bicgungssylbcn der Mehrheit zugleich als Biegungösylben des Nominatives angesehen werden. Von den übrigen Fällen wird nur zuweilen der Dativ mit einem en oder n ausgezeichnet. Man siehet hieraus, daß die Verhältnisse des Genitives und Datives von den Deutschen Spracherfindern am klarsten empfunden und noch am häufigsten und merklichsten ausgedrucket worden, obgleich solches auch nicht in allen Fällen geschehen ist. Es erhellet hieraus zugleich, daß die Deutsche Declination in Ansehung der Substantive sehr unvollkommen und mangelhaft ist, dagegen der bestimmte Artikel,, mud in vielen Fällen auch das Adjectiv, mit Z96 r.TH. 2.Abschn.2.Kap. Substantiv. desto vollständigern Declinationö-Zeichen versehe» worden, diesen Mangel zu ersetzen. Wits Dccli- §« ^75. Ein Wort in die in einer Sprache ein- nirm rst. geführten möglichen Falle sehen, und jedes Verhältniß aus die gehörige Art andeuten, heißt dasselbe decliniren oder abändern. Wenn mehrere Wörter diese Verhaltnisse sowohl im Singular, als im Plural, auf einerley Art andeuten, so entstehet daraus eine Declination. Jede Sprache hat daher so viele Declinationen, als es in derselben Arten gibt, diese Verhältnisse an den Substantiven zu bezeichnen. Allgemeine H. 176. Die Casus-Zeichen der Substantive Regeln. sind in der Deutschen Sprache, so wie in andern, Wurzellaute, welche ursprünglich eine gewisse Bedeutung, und die Begriffe ausdruckten, welche man sich von den Verhältnissen machte, die sie bezeichnen. Allein, da diese Begriffe selbst sehr dunkel waren, und noch dazu in einem Falle so, in einem andern anders, und in vielen gar nicht gedacht wurden, so scheinet uus jetzt die Declination der Deutschen Substantive eben so willkührlich, als ihr Geschlecht, und es lassen sich nur wenig allgemeine Regeln davon geben, daher sie dem allergrößten Theile nach bloß aus der Übung erlernet werden müssen. Man merke indessen folgende allgemeine Regeln: 1. Alle Neutra machen den Accusativ dem Nominativ gleich. 2. Die Fäminina bleiben im Singular unverändert, und leiden die Biegung nur im Plural, z. Alle Wörter, welche im Genitiv ein es haben, müssen im Dative ein e bekommen; diejenigen aber, welche im Genitive nur ein s allein haben, lassen den Dativ unbezeichnet. 4. Diejenigen Substantive, welche im Nominativ des Plurals ein 5. Von der Declination. §. 177. 397 ein n haben, bleiben im ganzen Plural unverändert; diejenigen aber, welche auf e, l und r ausgehen, nehmen im Dativ ein n an. §. 177. Die Sprachlehrer haben sich zu allen Anzahl Zeiten sehr viel mit den Deutschen Declinationen zu Declinatio- schaffen gemocht, weil sie es für überaus wichtig hiel- ten, wie sie geordnet und bestimmet würden, daher fast ein jeder einen neuen und eigenen Weg dazu vorschlug. Den unglücklichsten Weg unter allen wählten diejenigen, welche bey Bestimmung derDeclina- tionen bloß auf den Genitiv der Einheit sahen, und von nicht.mehr als fünfDeclinationen wissen wollten, beydes bloß aus der Ursache, weil es in den lateinischen Grammatiken so eingeführet war; gerade als wenn es Pflicht wäre, die Deutsche Sprache nach der ihr ganz fremden Lateinischen zu modeln. Es würde Zeit- und Raumverlust seyn, alle verschiedene deßhalb gemachte Versuche hier anzuführen» Wer die mehresten derselben beysammen übersehen will, der findet sie in der Vorrede zu der 1776 heraus gekommenen Deutschen Sprachkunst des ehemahligen Professoris der Mathematik zu Wit- tenberg, G. L. Värmamis, gesammelt. Da die Declination der Substantive in den allermeisten Fällen eben so willkührlich ist, als ihr Geschlecht, und sich daher gar keine allgemeinen und bestimmten Regeln davon geben lassen, so ist auch an keine philosophische Einteilung derselben zu denken. Und da das Gedächtniß mehr verlieret, als gewinnet, wenn man wenig Declinationen annimmt, und jede wieder in mehrere Unterarten theilet, ob sich gleich einige, z. B. die folgende erste und zweyte, die dritte und fünfte, und die siebente und achte, bequem zusammen nehmen lassen, indem die Zweyte unstreitig 998 i.TH. 2.Abschn.2.Kap. Substantiv. unstreitig aus der ersten, die fünfte aber aus der dritten entstanden ist: fo hat doch solches keinen erheblichen Nutzen, und das Gedächtniß fasset mehrere ähnliche Dinge leichter, wenn sie neben einander geftellet werden, als wenn eö sie nach künstlichen und oft willkührlichen Eintheilungen und Unterabtheilungen übersehen soll. Dieß voraus gesetzt, haben wir im Hochdeutschen acht Declinationen, wovon die ersten sechs insgesammt Wörter mann, lichen und sachlichen Geschlechtes, die beyden letztern aber lauter Faminina in sich begreien. Ich sage im Hochdeutschen, weil die Provinzen in diesem Stücke eben so sehr von einander abweichen, als in dem Geschlechte, wovon die vornehmsten Abweichungen im folgenden mit angeführet werden sollen. Nachstehende Tabelle wird dienen, sie mit einem Blicke zu übersehen. I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. Singular. Nomin. ! Genit. cs, 6. es,s. s. en, n. ens. es, s. Dativ. e. e. en, n. en. e. Accus. en, n. en. ; >lural. Nomin. e. er. en, n. en. en,n. en,n. e. Genit. e. er. en,n. en. en,n. en,n. e. Dativ. en. ern. n. en, n. en. en,n. en,n. en. Accus. e. er. en, n. en. en,n. en,n. e. Da die erste, zweyte und sechste im Singular völlig gleich sind, und sich nur im Plural unterscheiden, so könnte man sie auch unmittelbar zusammen stellen. Ich habe die sechste von ihnen getrennet, «m die Plurale auf en beysammen zu lassen. Erste 5. Von der Declination. §.178. Z99 Erste Declination. -x^e De- Singular. Plural. <"»""on. Nomin. Nomin. e. Genit. es oder s. Genit. e. Dat. e. Dat. en. Accus. Accus. e. §. 178. Diese Declination ist nebst der folgen- Von dem den die vollständigste und regelmäßigste, weil sie Genitiv nicht nur den Plural hinlänglich von dem Singular derselben, unterscheidet, sondern auch in dem letztem zwey, und in dem erster» einen Casum deutlich bezeichnet. Das e ist in derselben ein characteristischer Biegungslaut, daher derselbe, in eigentlich Deutschen Wörtern, im Genitiv und Dativ der Einheit nie verbissen werden sollte, so häufig solches auch theils in härtern Mundarten, theils in der Sprache der Vertraulichkeit und des gemeinen iebenö der Hochdeutschen geschiehet, wo man Baums, Arms, Oheims, Wohls, Aufschubs, Abends u. s. f. für die richtigern Baumes, Armes, Oheimes, Wohles, Aufschubes, Abendes, schreibt und spricht. Wenigstens sollte die edlere und feyerliche Schreibart, die dichterische, um des Sylbenmaßes willen, allenfalls ausgenommen, sich dergleichen Vcrbeissungen nicht zu Schulden kommen lassen, es müßte denn um deö Wohllautes willen geschehen. Dieser verbiethet das e sowohl im Genitiv, als Dativ, in Gehorsam, Athem und Brodem; allein, da diese ohnehin im Plural nicht vorkommen, ss ist noch nicht völlig ausgemacht, ob sie wirklich zu dieser Declination oder nicht vielmehr zur folgenden dritten gehören, welche ohnehin im Singular weiter nichts, als den Genitiv, und diesen nur durch ein bloßes s bezeichnet. Bräutigam, richtiger Äräuri- gamm, 4VO I.TH. 2.Abschtt. 2.Kap. Substantiv. gamm, wird zwar auch gemeiniglich hierher gerechnet; allein, da man im Plural die Brämi- gamme ohne Mißklang sagt, so können des Bräus tigammes und dem Brämigamme eben so wenig Übellaut verursachen, so häufig auch die verkürzte Form gebraucht wird. Leichnam, Eidam, pilgrimm, Gheim, Gram, Balsam u. a. m. sind in eben demselben Falle, und dürfen daher um ihr e im Singular eben so wenig gebracht werden, zumahl da sie dasselbe im Plural ohnehin annehmen müssen. Harte Mundarten verbeissen zwar dieses e im Genitiv und Dativ sowohl in diesen Wörtern, als auch in allen übrigen, die etwa ausgenommen, welche sich auf ein s, sch, z und t endigen, und machen diese Verbeissung wohl gar zur Regel; allein das kann der Hochdeutschen Mundart nicht zur Vorschrift dienen. Und dem §. 179. Wo das e im Genitive nicht verbissen Dativ. werden darf, da kann es im Dative noch weniger wegfallen, weil er dessen characterisiischer Biegungslaut ist. Folglich sind den: Baume, dem Arme, zu seinem tVohle, an diesem Abende u. s. f. richtiger, als ohne e. Daß dieses e, wenn ein Substantiv mit einer Präposition und ohne Artikel, als ein Abstractum oder Materials stehet, oft wegfallen könne und müsse, wird in dem Syntare vorkommen. Äußer dem leiden es auch diejenigen nicht, welche es im Genitiv nicht dulden, wie Gehorsam, Ärhem, Broden, und, doch nur dem gemeinen Gebrauche nach Bräutigam, oder vielmehr Bräus rigamm. Wclche H. izo. Diese Declination begreifft sehr viele Wvmr da- Substantive, sowohl Wurzelwörter als abgeleitete, bm geh»- Besonders gehören dahin: 1. Alle abgeleitete auf ling 5. Von der Declination. §. iZv. i8r. 40! ling und ing. 2. Alle Neutra auf niß, welche bereits §. 149. angeführet worden, z. Die Collectiv« und Iterativa mit der Vorjylbe ge, wenn sie sich nicht auf ein e, el und er endigen: Gerücht, Gehirn, Geschenk, Gebüsch, Geläut, Geräusch, Gebrüll; denen man daher auch kein e- anhängen darf, nicht Gerüchte, Geläute. Diejenigen, welche das mildernde e haben, wie Ge-s schlinge, Gepränge, Geschmeide, Geleise, Gedränge, und die im gemeinen ieben üblichen, welche aus dem Infinitiv nur mit Wegwerfung des n gebildet worden, Geheule, Geschlage, Ge^ belle, Gebrülle, u. s. f. gehen nach der dritten» 4. Alle Beschaffenheitswörter, wenn sie ohne Concre- tions- Sylbe Substantiv« werden, dasGchrvarz, das Tausendschön, das Morgenroth u. f. f» obgleich der Plural von ihnen nur selten üblich ist, 5. im folgenden §. 326^ 5» Die fremden auf an, ln, ön, c.r, er, die männlichen auf an?, enz, viele aus äl, u. s. f. Siehe §. 22z. §. 181. In Ansehung des Geschlechtes sind die Wörter Wörter dieserDeclination entweder männlichen oder w'-milichen sächlichen Geschlechtes. Von den erstem hüben eini- Ge>chlech- ge im Plural den Umlaut, andere aber nicht, wel- che sich bloß aus dem Gebrauche erlernen lassen» l. Männliche mit dem Umlaute, wovon folgende die vornehmsten sind. Diejenigen, welchen ein ^ vorgesetzet ist, sind nur im Singular üblich. Abt. Aufruhr, im Band, tomus, Alrar. Plural selten» und Einband. Arsch. "-Aussatz» Bann» Arzt. Bach. Bärs, ein Fisch» Asch, ein Gefäß. Balg. Bart. Ast» Ball. Baß. Adei.D.Spr. Cc Bauch. 4O2 I.TH. 2,Abschn. 2. Kap. Substantiv« Bauch. Baum. Bausch. Bischof. Block. Bock. Born. Brand. Brauch. Bruch. Bug. " Bund, Bünd- niß. Busch. Canal. Lapellan. Cardinal. Castellan. Chor, sl- das. Choral. Dacht, besser das Docht. Damm. Dampf. »Dank. Darm. Diedsrahl. Dunst. ---Durst. Lall. Lang, * Anfang. Liscal. Floh. Flor, ein Zeug. Floß, vulZ. xl. er, bess. das. Fluch. Flug. Fluß. Forst. Frosch. Frost. Fuchs. Fund. Fuß. Gang. Gast. Gaul. Gefalle, xl.t-mt. Geruch. Gesang. "-Glanz. Grund. Gruß. Guß. Hahn, Oberd. IV. Hals. --Hang. Hof. Hur. Aahn, c^mda. Aamm. Rampf. Rarst. Rauf. Rauy. Rlang. VVIZ. Rloß, — er. Rloy, vuIZ. — er. Rlump, vuIZ. — er. Rnauf. Rnopf. Roch. Ropf. Rorb. Rrampf. Rranz. Rropf. Rrug. Ruß. L.ay. Lauf. ---Lohn, derxl. dieLöhne, ist niedrig. Magistrat. Markt. Marsch. Macschall. Morast. Muff. 'Mund, xl. sel- ten. Napf. Pacht, »1. die. pallast. Papst. Paß. Pflock. Pflug. 5. Von der Declination. §. !8i. 4V Pflug. Pfuhl. Play. pocal. Propst. puff. Ranft. Rank. Räch, concret, aberabstract". Raum. Rausch. Rock. Rost, Werkzeug. Rumpf. Saal. Sack. Saft. Sarg. Sarz. Saum.' Schacht. Scdaft. Schalk. Schall. Gcharz. Schaun;. Schlafam Kopfe. Schlag. Schlauch. Schlund» Schluß. Schmauch. Schmaus. Schooß, al. die. Schöpf. Schrank. Schub, xl. selten. Schurz. Schuß. Schwamm. Schwan, Oberd. IV. Schwank. Schwanz. Schwärm. Schwung. Schwur. Sohn. Soff. Span. Spaß. Spruch. Sprung. Spund. Stab. Stahl, Werkzeug. Stall. Sramm. Stand. Stock. Storch. Stoß. Strang. Lc - Strauch, vulg. — er. Strauß, von Blumen,vuIZ. —er. Strom. Strumpf. Strunk. Stuhl. Sturm. Sturz. Sumpf. Tanz. Thurm. Ton, Topf. Trag, in Aus? trag, vors trag u.s.f. Trank. Traum. Trog. Trumpf. Vogr. Vorhang. Vorrath. Vorwand, x>!. selten. wall. Wanst. Wolf. Wulst. Wunsch. Wurf. Wurm, 4^4 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. N)urm, vuIZ. Zaum. Zopf. — er. Zaun. Zug. Zahn. Zoll, Abgabe. Zwang. 2. Männliche ohne Umlaut, und des Umlautes ohnehin unfähige. Die auf — ling sind nicht mit angeführet, und verstehen sich von selbst. Aal. Bastard. Dursch,a1.IV. Aar, al. IV. Dau, xl. vulg. Dachs, vulz. ä. Abend. Baue, sl. Damast. Ablaß. Bauten. Dieb. ---Abscheu. Befehl. Dienst. Abschied. Behelf. Diererich. Admiral. ---Behuf. Docht, besser Ahorn. das. Alaun. z^lch. Almanach. ^' -Dreck. Alp, Nachtgeist. Z^Md. ^^^^ ^ ^ Alraun. Besuch. z^,c5 Alt. "Betrug. »Dung. Amboß. Beweis. EH. --Anbeginn. "Beyfuß. Eidam. Änrerich. Dezirk. --Epheu. Zlnwalt. Bisam. "Ernst. Apnll, Oberd. Biß. Erwerb. IV. Blick. Essig. ^ Argwohn. , Bliy. Fähnrich. Arin, vulZ. Är- *Borg. Falz. me. Borr. Feind. *Athem, Geni-^ Bösewicht. Filz. tiv. s. Bräutigamm. Firniß. Ballast. Drey. Fisch. Balsam. Brief. Fittig. Bar, 2I. IV. " Brodem, Ge. Flachs. Bast. nit. s. Flanell. Flech 5. Von der Declination. §. 1F1. 405 Fleck, Stelle. -'Fleiß. »Flor, Blüthe. Fraß, Vielfraß. Freund. Frieß. Fug. Gäscht. Gau, »1. ä. ^ Gehorsam, Genit. s. » Geiy. Gemahl. General. "-Genuß. " Geschmack. Geschnuick. Gespan. -'Gestank. Gewinn. Gervinst. Glimpf. Grad. "Gram. Gran, al.das. Grach, die Schärfe. ''Gratis. Greiff. Greis, Oberd. IV. Grieß. Griff. ^ Grimm. distrib. Grind. 5 Groll. Guckguck. Gurr. Gyps. Habicht. '-Haft. Hag. Hain. --'Hall. Halm, 2I. VI. "Halt. -Hanf. ^-Hang. Häring. ^Harm. Harn. Harnisch. --Haß. Hacschier. Hauch. Hausrach. Hecht. Heft. Heiland. Helm. Hengst. Herbst. Herd. Herold. Herzog. Hieb. Hirsch. "'Hohn. Cc -''-HoniF,a1>das. Hornung. Horst, sl. die. *Horc. Huf. Hund. Ilriß. Inhalt. Irrsal. Irrwisch. Räfichr. Rahn, Schimmel. Ralk. Ramin, Oberd. das. Rapaun, Oberd. IV. Kattun. Reil. Reim. Reich. Rern. Riehn. Riel. Ries. Rirr. Rlecks, Rlee. Rnall. Rnechr. Rniff Rnoblauch. Robalt. Robold. Rohl. 4v6 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantivs Kohl. König. Kork. » Koth, üercu». Krähn. Kranich. Krebs. Kreis. Krieg. Kuinpf. Küraß. Kürbiß. Kux. Lachs. Lack, Lamch. Lauch. Laut. Leich, Frosch- leich, »I. das. Leichnam. Lehm. Leim. Lein. Lenz, Oberd. IV. Leute, xl. wm. Luchs, Oberd. IV. Mai. Mast, Mast- bäum. Mennig, «1. die—e. Messing, 2!. Pfropf. ^ 1 ^^7^1. das. Pfühl. Mech. Pilgrimm« Mist. Pilz. Mittag. Plan. Mohr, ein Plüsch. Zeug. Pol. Molch. 2 Pomp. Monath. Port. Mönch, Oberd. preis. IV. Proceß» A^ond. »Prunk. Most. psalin, al. VI. »Mord. puls. 6 Murh. Punct» »V7eid. »puy. LTlord. Oualm» Oheim» Ouark. Orcan. »Rahn^, au^dei; Ort, distrib.II. Milch. Ost. Rain. pack, sl. das. "'Rang. papagey, " Raub. Oberd. IV. »Rauch. parchent.^ Reiff. Part. Reiß, ol-)^z. Pasch. Reim. Pelz. Rest. Pfad. Rettig. Pfau, Oberd. Reiy. IV. Riem, sl. Rie-s Pfeil. men. Pfennig. Ring. Pferch. Riß. Pfirsich. Ritt. Rirz» 5. Von der Declination. §. iZi. 407 Riy. Rosmarin. Rost. "Rost, "Rotz. -Ruf. -Ruhm. Ruß. Safran. Salat. Sammet. --Sand. »Scharbsck. Scharlach. Schein. , Schelin. Scherz. Schild, sl. II. -Schilf. Schilling. Schimpf. -Schirm. Schlamm. -Schlaf, so. INQUS. Schleim» Schlich» Schlitz. Schluck. Schmack. Scdmelz. Schmer, 2I. das. Schmid, des Gchinids, 1?Iur. die Schunde. Schmiß. Schmuck. -Schmuy. Schnee. Schnitt. Schöps. Schoß, Tribut. Schrein. Schritt. Schuh. Schutt. -Schutz. Schwall. - Schwang. Schweifs. Schweiß. Schwulst, in Worten. Scorpion. See. Seim. Senf. Sieg. Ginn. Sitz. - Sold. Spalt. Gpach. Specht. ^ Speck. Spelz. Cc 4 Sper. Spieß. Spion, al. IV. Spitz, Hund. - Spott. Scaar, an den Augen. - ein Vogel, sl. IV. Stahl, das Metall. -Stank. -Scaub. Steg. Steig. Stein. Steiß. Scern. ^tich. Stift. Stieglitz. Stiel. Stier. Stift. Stint. Stoff. Stolz. Stsr. - Strand. Strauß, ei« Vogel. Streich. Strciff. Streit. Strich. Strick. 4^3 i,TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Strick. Stumpf, 2I. Stumpfen, Sulran. Gyrupp. Tact^ Tafset. Tag, * Talg, al, das. »Tand. Tausch, 2I. ä. Teich. Teig. Teppich» Thee. Theer. Theil, al. das. Thon, der Topfte. Thran. Thron. Tisch. Tobak. »Tod. Torf. * Torr. ---Trab. Tribut. Trieb. Tritt. Triumph. Tropf, einfältiger Mensch. »Troß. '--Trost. Wegerich. 5 Trorz. Weihrauch. ---Trug. wein. »Trunk. Wels, ein Fisch. Trrmkenbold. ---wermuch. Tnipp. werth. Tumult. West. Uhu. widehopf. Umschweiff. wind. -Unflach. wink. »Ungestmn, al. Wirth. das. wisch. > --- Unrarh. wirz. Unterricht. ^Vucr>s, gl. ü. Unterschied» Wulst, ^. ü. --Urlaub. I^Vütherich. Verdacht. ---Wust. Verdienst, sl. Zsopp. das. ---Zank. »-Verdruß» Zeistch. Vergleich. Zeug, texturn »Verhaft. und materig. ---Verlag. Zink. ---Verlust. Zins. ---Verrath« Zoll, ein Maß. Vers. ---Zorn. ---Verstand. Zweck. Versuch. Zweig. Vertrieb. Zwerg. Verweis. Zwieback. Vezier. Zwillich. Viychum. Zwilling. »Vorwitz. Zwirn. Wahn. Zwist. weg. Manche 5. Von der Declination. §. 182. 409 Manche der bisher angeführten Wörter werden selbst im Hochdeutschen sowohl mit als ohne Umlaut gebraucht; z.B. das gemeine der Dacht, edler das Docht, ohne Umlaut; der Draht und Druck, besser ohne Umlaut, außer in den Zusammensetzungen, Abdruck, Eindruck, Ausdruck, u.s.f. welche ihn haben, außer daß das bey den Buchoruckern übliche Gchöndruck ihn nicht bekommt; Forst, Huf, Anall, Lachs, Tausch u. s. f. welche doch ohne Umlaut edler sind. Von andern, z.B. von N?uchs,kommt derPlural ohnehin nur selten vor. §. 182. Die Neutra dieser Declination bekom- Neutra, men den Umlaut nie, außer Arsenal, ?1ur. die Arsenäle, dasChor, die Chöre, und das Floß, die Flöße. Doch können die beyden letzten auch von denMa- sculinis der Chor und der Floß seyn, welche wirklich üblich sind. Das Both, ein Fahrzeug, hat im gemeinen Leben durchgängig Böthe. Die vornehmsten Neutra sind, mit Übergehung der auf niß, (S. §. 149.) und der als Substantive gebrauchten Beschaffenheitswörter, (S. §.326.) auch der meisten Collectiven und Iterativen mit der Vorsylbe ge. (S. §. 180.) etwa folgende. Alphabet. Becr, Ie6w5, al-Both, Lvmbz, Anrlirz. veu8. Aber vulZ. x>1. ö. Arsenal, xl. ä. culcita VI, Both, Geboth. Ästerich. vulZ. II. Brot. Band, Fessel. Bier. Bund, vuIZ.ü. Beet, 2reg,vulA. Blech. Chor, sl. der, II. Bley. xlur. ä. Beil. 5 Blut. Clavier. Bein, vulz. II. Dollrverk,vuIZ. Crucifix. Besteck. It. Ding,distrib.I1. Cc 5 Docht. 4IO I.TH. 2.Abschn. 2.Kav. Substantiv. Docht. Geräth. Grabscheit. Duyend. Gericht. Grummet. Eck. Geripp. Haar. »Eis. Gerücht. Harz. Elen:ent. Geschäft. Handwerk. -Elend. Geschenk. Heer. Elfenbein» Gescbirr. Heft. Erz. Geschick. *Heil. Fell. Geschlecht, Heu. Lest. vulA.I1. Horn, Material. Fett. Geschiepp. aberdistrib.il. ---Fleisch. Gcjchöpf. Huf, 2!. der. Flop, x>lur. ö, Geschoß. Hundert. 2!. der und die Geschrey. Jahr. Flöße. Gcschürz. Joch. Garn. Geschwüy. Aamin, reA. Gebeth, vu1Z.II. Geschwür. der. Gebett. Geserz. Kainehl. -»-Geblüt. Gesicht, Er- Ranin. Gebiet. scheinung, sl. Karnieß, »!. Geboth. II. der. Gedeck. Gesims. Kehricht. Gedicht. Gespinst. Zxinn. Gesäß. Gejpräch. Alcinod, nicht Gefräß. Gestirn. — ien. Gefühl. Gesträuch. Rnie. Gehenk. Gesuch. Kreuy, vulg. II. Geheiß, 2I. der. Gcrränk. Nummer, vuIZ. Gehirn. Gewicht, distri- II. Gclag. but. II. --Lab. Geläut. Gezänk. Labsal. Geleit. Gezclr, vulZ. II. Labyrinth. Gemahl, odlol. Gift, al. der. Land, aber di- Genick. »Glück. strib.II. Gmist» 7 Gold. »Laub. Lazarerh. 5. Von der Declination. §. 182. 4" Lazareth. »Leid. Licht, bess. II. Lohn, 2I. der. »Lob. Los. Loch. Magazin. Mahl, 2I.II. »Mal;. »Mark,meäu1- Is. Maß. Meer. Mehl. MesslnI, 2I. der. Metall. Modell. Mohr, Morast Mos. Mus. Nerz. Obst. Öhl. Öhr. Oxhoft. paar. »pack, liederliches Gesinde!. — Packet, sl. der. panier. Papier. Paradies. Pech, petjchaft. pctschier. Pferd. PfM,z1. der. Pfund, pistol, bess. die Pistole. Pult. Cwarrier. Cluent. Rapier. Recht. Reff. Reh. Reich. Richtscheit. Ries). Rohr. Roß. Salz. Schaf. Scheit, vulZ. II. Scheusal. Schicksal. Schiff. Schild, al. II. * Schmalz. Schmer, 2I. der. Schock. ß, Reis. Schrot. Schroein. Seil. Gieb. Spiel. ^ Srroh. Stück, vul§. II. Talg, al- der. Tau, starkes Seil. Tausend. Theil, al. de^ Thier. Thor, xortz. Verboth. Verdienst, me^ litum. Verhör. Vieh, vuIZ. II. »Ungefähr. Ungemach. Ui'gestüm, sl. der. Unfchlitt. Urtheil, wachs, wehr, ein Damm, werft, werrich, Werg. Werk, vuIZ,' . II. 5 wild. wild- 4l2 i.TH.2.Abschn.2.Kap. Substantiv. -l-rvildbrät. Zelt, vuIZ.II. Ziel. *N?shl. Zeug, inttlum. N>orc, distrib. "--Zeug, m^tena II. viliz. Zehend. Zweyte Declination. Singular. Plural. , Nomin. Nomin. er. Genit. es oder s. Genit. er» Dat. e. Dar. ern. Accus. , Accus. er. Eigenes §. i8z. Diese Declination gleicht der vorigen derselben, im Singular, und unterscheidet sich nur durch den Plural, welcher anstatt des e das er bekommt, welches die Mehrheit weit stärker und deutlicher bestimmt, als irgend eine andere Biegungssylbe des Plurals, und besonders stärker, als das unbestimmte e. Sie begreifst daher lauter Dinge in sich, deren Mehrheit man auf die klarste und deutlichste Art hörbar empfand oder zu empfinden glaubte, lauter Gattungswörter, wenig Abstracta, und auch diese wenigen scheinen ursprünglich Gattungswörter gewesen zu seyn. Es finden sich zwar schon in den ältesten Denkmählern der Deutschen Sprache Wörter mit diesem Plural; allein in der Oberdeutschen Mundart in den ältesten Zeiten nur sehr sparsam; indem die meisten Wörter, welche jetzt nach dieser Declination gehen, ehedem und selbst noch zu den Zeiten der Schwäbischen Dichter und iuthers nach der ersten abgeändert wurden: die tVeide, die Manne, verstandene Pfande, die NMde, die Gemüth, die Zxinde, die Leibe, die Geist, die Aaße, N. s. f. kommen im Oberdeutschen noch zu Anfange des 5. Von der Declination. §. igz.iZ^ 4^ des sechzehnten IahrhunderteS häufig vor. Es scheinet daher, daß dieser Plural, welcher den nordischen Mundarten, und besonders der Niedersächsi- schen, vorzüglich eigen ist, erst in den spatern Zeiten, durch die Wanderungen und Vermischungen der Völkerschaften im Hochdeutschen so häufig geworden. Da der Singular hier ganz mit der vorigen Declination überein kommt, so darf das e im Ge« nitiv und Dativ auch hier nicht wegfallen. Gott ist das einige Wort, welches, wenn es als ein eigener Nahme des wahren Gottes ohne Artikel gebraucht wird, den Dativ nie bezeichnet, was Gott gefällig ist, welches auch sehr häufig geschiehet, wenn es appellative gebraucht wird, dein Gott des Friedens. Wenn sich hingegen der Nominativ bereits auf ein e endigt, fo fällt das e derBiegungs- sylbe durch die ganze Declination ohnehin weg; indessen ist Gewölbe das einige Wort dieser Art, welches aber im Plural auch häufig die Gewölbe für Gewölber lautet, und alsdann nach der folgenden dritten gehet. Gemählde und Gemüse ha« ben nur im Oberdeutschen im Plural ein r. Andern Neutris, welche sich auf keinen gelinden Hauptlaut endigen, welcher in der Aussprache gelinde lauten soll, dieses eanzuhängen, ist fehlerhaft, sooft man auch im gemeinen ieben das Gemüthe, Gesichte, Gespenste, Geschlechte u. s. f. liefet und höret. §> 184. Alle Wörter dieser Declination haben Wörter den Umlaut. Die allermeisten sind Neutra, wo- derselbe», hin auch die abgeleiteten auf rhum gehören, einige wenige sind Masculina. Hier ist ein Verzeichniß beyder, wovon diejenigen, welche nur im gemeinen Leben, oder Nur in einigen Provinzen nach dieser Declination gehen, in der edlern Schreibart aber nach andern^ 414 !.TH.2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. andern, und besonders nach der ersten gebeuget werden, mit einem f bezeichnet sind. i. Wörter männlichen Geschlechtes. Beweisthum, 2I. das. fNloy, besser I. f Block, besser I. flUump, besser I. Böserrichr, auch I. Leib. 1-Brand, concret.bess.I. N^ann. fBusch, besser I. Ört, disirib. 's Darm, besser I. tpfeil, besser I. Dorn, distribut. f pflock, besser!. 5 Fleck, Lappen. Rand. ^Floß, besser. I. Reichthum. I^' t Strauch, disiributt t Grind, bess. der und I. ^ ^ist^ ^ fHag, besser I. vonBlumen, fHalm,distrib.bess.I. bester 1. Hundsfott. Vormund. Irrthum. Wald. tRloß, besser I. ^N?urm, besser I. 2. Wörter sächlichen Geschlechtes. Aas, xl. Äser. Bisrhum. Amr. Blatt. Augenlied. f Blech, besser!. Bad. Bret. Band, vlnculum. Buch. tBeec, im Garten, bes- Cadinett, besser I. ser I. Dach. fBett, Federbett, besser Daus. VI. Denkmahl, besser!. fBeil, bessert. Ding, distrib. I^Bein, besser I. Dorf. Bild. Einhorn, besser !. Ly. 5. Von der Declination. §.184. 415 Sy> Fach. Faß. Feld. 5Floß, besser I. f Gebeth, besser!. fGeoerr, besser I. Geld. Gemach. s Gemählde, bess. III. ^Gemüse, bess. III. Gemüth. Aind. Nleid. Aamehl, besser!. Tovn, distriü. Traut. fAreutZ, besser I. fZxummec, bess. I. Lamm. Land, distrib. »1.1. Licht. Lied, ccirmsu. — Augenlied. Loch. t Gesang, besser I. f Geschlecht, besser I. Mahl, auch! Gesicht, Antlitz, Minen. Maul. Gespenst. Gewand. f Gewicht, distr. 2I. I. f Gezelr, besser I. Glas. Glied. Grab. Gras. Gut. jHag, ein Zaun. Haupt. Haus. 5 Mus, besser!. Mensch, ein liederliches Weibsbild, f Nasenhorn, besser I. Nest. 5 packet, bess.I. Parlament. Pfand. Rad. Regiment. Reis, iurculus.' Rind. f Hemd, besser!, sl. VI. fRoß, besser!. Holz. f Scheit, besser!. Horn, distrib. aber ms- Schild, zum AushMs ter. I. gen. Hospital. Schloß. Huhn. Schwert. fJoch, besser!. fSeil, besser I. > Ralb. Sied, bessre!. Stift, 4l6 i. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Substantiv. Stift, gestiftete Sache, die Trümmer, x>1. taut, auch I. nicht Trümmern, von s Spiel, besser I. das Trumm. Spital. Tuch, distrib. von Ar- f Stück, Fragm. bess. I. ten I. Thal. Volk. die Trüber und Tre. j^h, disiribut. besser, xl. t-int. von den s veralteten Sing.Trab Kamins, und Treft. Nimmt ^>^^ man aber das er als '« < ^ ^ Ableitungssylbe schon ^"k, besser I. im Singular an, so N)ort, distrib. muß der Plural Trä- fZelr, besser I. derit und Trestern fZiel, die Rammet-» heissen, nach VIl. zielet, Hochd.I. FortstMig» §. 185. Aus dem Verzeichnisse in dem vorigen §. erhellet zugleich, daß in: gemeinen 5eben und in manchen Provinzen viele Wörter im Plural nach dieser Declination gebeuget werden, welche die Hochdeutsche Mundart, und besonders die edlere Schreibart derselben, nach andern Declinationen, und am häufigsten nach der ersten bildet» Dlstributli §. tZ6. Der laut r oder er ist einer der be- vc Bcdeu- stimmtesten Und ausdruckendstenBiegungSlaute, da- tung dies» ^^net es, daß man die Mehrheit vorzüglich tiott solchen Wörtern durch diesen 4aut ausgeorucket habe, welche in der Bewegung mehrerer ihrer Art diesem laute am nächsten kamen. Daher sind die Wörter dieser Declination nicht nur insgesammt Gattungswörter, und vorzüglich solche Nahmen von Dingen, deren Bewegung man in der Kindheit der Sprache am stärksten zu empfinden glaubte: sondern es werden auch manche Wörter, welche sowohl collectiv 5. Von der Declination. §. 186. 417 collectiv als distributiv gebraucht werden können, im lehrern Verstände nach dieser Declination, im erstem aber nach einer andern, besonders nach der ersten, gebeuget. Die vornehmsten dieser Wörter, so viel deren im Hochdeutschen üblich sind, sind folgende. Collective. Distribut. Band, Bande, Bänder. Bett, Bette, sechs ge-f Better, besser machte Bette. Betten. Ding, Dinge, Dinger. Dorn, Dornen, Dorner. Horn, Hörne, Arten Hörner. Hornes, auch in tLinhorn, LTlasenhorn. Land, Lande, Mahl, Mahle, vices. Orr, Srahl, Unding, Testament, Orre, Stahle, Arten Stahles. Undinge, Testamente, Länder. Mähler, edler gleichfalls Mahle. Örter. Stähler, Werk, zeuge, gl.Stäh- le. Undinger. Tesramenrer, Exemplare. Tücher. Tuch, Tuche, Arten Tuches. N>ort, N?orre, N?örter. Dahin gehören noch einige andere Wörter, welche in verschiedenen Bedeutungen anderer Art nach dieser und einer andern Declination gehen: Gesicht, — Gesichte, Erscheinungen, Gesichter, Üldcl.D-Spr. Di> in 4i8 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. in allen übrigen Bedeutungen; der Mensch, die Menschen; aber das Mensch, eine verächtliche weibliche Person, die Menscher; der Schild, die Schilde, zur Beschirmung, das Schild, die Schilder, zum Aushängen. In den Provinzen hat man der Wörter dieser Art noch mehrere. So unterscheidet man im Oberdeutschen auf ähnliche Art Beine und Beiner, Bleche und Blecher, blecherne Gefäße, Gemählde und Gemählder, Gewichte und Gewichtcr, Gesänge und Gesänger, Stücke und Erücker, krgZlnont-,, N)erke und N^erker, u. s. f. Allein im Hochdeutschen kennet man diesen Unterschied nicht, sondern sagt in allen Fällen Beine, Bleche, Gewichte, Gesänge, Stücke und Stücken, tVerke u. s. f. Indessen erhellet doch aus allem die distributive und stärk bestimmende Eigenschaft dieses Plurals auf er. Die gemeine Obersächsische Mundart pflegt noch einen Unterschied unter Lichte, zum Brennen, und sichrer, leuchtende und glänzende Körper zu machen, welcher aber für die Schriftsprache von keiner Verbindlichkeit ist, zumahl da es wider die gewöhnliche Analogie läuft, zwey gleich fehr distributive Bedeutungen durch den Plural zu unterscheiden. ^ritt-De- Dritte Declination. clinarioi?. , » Singular. Plural. Nomin. Nomin. Genit. s. Genitiv. Dat. Dat. n. Aecus. Accus. Ihre Vie- §. 187. Diese ist für die männlichen und säch- gunMute. liehen Wörter die einfachste, folglich vermuthlich auch 5. Von dcr Declination. §.187. 419 auch die erste und älteste, indem sie nur den Genitiv der Einheit und den Dativ der Mehrheit, jenen durch das charakterischs s und diese durch n ausdrückt. Sie kommt hierin mir der ersten übcrein, mir daß sie zu ihrer Biegung kein e gebraucht, daher sie auch den Nominativ der Mehrheit durch keine eigene Biegungbsylbe bezeichnen kann. Wenn sich der Nominat. des Singulars bereits auf ein n endigt, so kann der Dativ des Plurals kein neues mehr annehmen, daher alle dergleichen Wörter nur allein den Genitiv der Einheit ausdrucken können: der Balken, des Balkens, Plur. die kalken, Dat. den Balken. Einige alte Oberdeutsche Mundarten hangen den Wörtern auf er, besonders den männlichen dieser Art, im Nominativ des Plurals noch ein c an, als wenn sie nach der ersten gingen: die Befehlshaber?, Vaeere, Bürgermei- srere; welcher Gebrauch, der im Hochdeutschen ein Fehler ist, sich aus einer übertriebenen Sorgfalt noch in manchen Kanzelleyen erhalten hat. Nicht so fehlerhaft ist der Gebrauch, manchen Wörtern dieser Declination im Dativ und Accusativ der Einheit noch ein n anzuhängen, welches aber nur in dem Falle geschiehet, wenn der bestimmte Artikel verschwiegen wird, da denn dieses n nicht Bieguugssylbe, sondern eigentlich ein nachgesetzter Artikel ist, welcher zugleich den sollst unkenntlichen Casum bezeichnet. Indessen ist dieser ganze Gebrauch theils nur noch in den niedrigen Sprecharten üblich: ich habe es Vaecrn gesagt, für dem Varcr, rufe Brüdern, für den Bruder; theils nur noch in manchen Aufschriften der Briefe, z.B. Herren, Herren Kchrern, Bürgermeistern , Stadtrichrern u. s. f. in Ulm. Die Wörter dieser Art, welche gleichfalls nur abgeleitete Dd 2 auf 42O I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. auf er sind, werden alsdann als eigene Nahmen behandelt, und im Singular nach der zweyten Declination derselben gebeuget, S. §. 2z8. Wörter die- §. 188. Die Wörter dieser Declination sind serDeclina- dem Geschlechte nach, theils Masculina, theils Neu- tion. tra, unter welchen von den ersiern viele, von den letztem aber nur einige wenige den Umlaut bekommen ; der Form nach aber sind es lauter abgeleitete und viele aus fremden Sprachen entlehnte Wörter, bey welchen man diese einfache und älteste Biegungsart behalten, vermuthlich, um sie durch das e der meisten übrigen Declinationen nicht zu vielsyl- big und schlüpfrig zu machen. Es gehen nach dieser Declination: i. Abgeleitete auf el, erunden. 2. Alle Verkleinerungswörter auf chen und lein, z. Neutra mit den Vorsylben be und ge, und dem mildernden e am Ende. 4. Die meisten fremden Wörter und viele eigene Nahmen auf el, en und er. 5. Die aus dem Französischen entlehnten Wörter auf ier und eur, welche am richtigsten nach dieser Declination gebeuget werden, nur daß sie im Dativ des Plurals zur Vermeidung der Härte en statt n bekommen. Abgelei- §- '89. Folglich: 1. abgeleitete auf el< und zwar tetc auf el. sowohl Masculina als Neutra. Masculina. i. Mit dem Umlaute: Apfel. Nadel. Hammel. Nagel. Handel. Sarrel. Mangel. Schnabel. Manrel. Vogel. . Ohne 5. Von der Declination. §.189. 421 2. Ohne Umlaut: Adel. Bakel. Buckel; aber daö weibliche, die Buckel, gehet «ach der?ten. Hagel. Haspcl. Hobel. Zxarsunkel. Zxnorpel. V.nauel. Marmel. Model, bey einigen das. Pudel. Stapel. Strudel. '--Tadel. Zobel. N)adel. sagel. Von welchen doch die beyden letzten im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. Im Oberdeutschen bekommen auch Hagel, Haspel, Hobel und Model den Umlaut, im Hochdeutschen aber nicht. z. Des Umlauts ohnehin unfähige, deren die meisten sind: z. B. Ärmel. Flegel. Rlöppel. Beugel. Flügel. Ancbel. Beutel. Geißel, obles. Anüttel. Büffel. Giebel. Bügel. Gimpel. Bühel, imOber- Gipfel, deutschen zu- Oräuel. sammeu gezo- GriM. gen Bühl. Büttel Deckel. Ekel. Engel. Enkel. Esel. " Fenchel. Henkel. Himmel. Hügel. I?el. Aegel. Ressel. Dd? Arüppcl. Aübel. " Mimmel. Löffel. Lümmel. Mörsel. Mörtel. Nebel. Pinsel. ^ Pöbel. Prügel. Ringel. Rüft 422 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. Rüssel. Säbel. Schcdel. Scheffel. ScZ)cmel, oder besser Schäme!. Schenkel. Schimmel. Schlägel. Schwingel. Schlüssel. Schnörkel. Sci)wefel. Schwüngel. ''Schwindel. Senkel. Sessel. '^Speichel. Spiegel. Sprengel. Spren'/cl, auch die, nach der ?ten. Stäinpel. Stengel. Sciefel, auch nach der6ten. Stöpsel. Tempel. Teufel. Tiegel. . Ticel. Tölpel. Tümpfel. Tüpfel. Wedel. Winkel. Wirbel. Würfel. Zettel. Ziegel. Zipfel. Zirkel. Zügel. Zweifel. Zwickel. Hierher gehöret auch das Wort V.erl, Genit. des Kerls, Dat. dem Rcrl, Plur. Nomin. die Kerl, (nicht Kerle und noch weniger nach Nieder- sächsischer 2lrt Kerls,) Genit. der Kerl, Dat. den Kerln; weil es vermuthlich aus Kcrel zusammen gezogen ist, wenigstens das l hier so viel als die Ableitungssylbe el gilt. Neutra, welche insgesammt ohne Umlaut sind: Achtel; so auch ^Gcnmrmcl. DrmchZwey-" Geprassel. tel, Viertel, Getümn»cl. u. s. f. ^Gewinftl. Ferkel. Legel. Geflügel. Ll^cngftl. »Geklingel. Mittel. Räthsel. Schariniiyel» Segel. Siegel. Ü'oel. Überbleibsel. §. 190. 5. Von der Declination §. 190. 42z §. 190. 2. Abgeleitete auf er, und zwar sowohl, 2. Abgelei- Masculina. i. Mit dem Umlaute; deren doch nur wenige sind: Acker. Hammer. Vacer. Bruder. Schwager. 2. Ohne Umlaut, deren die meisten sind: Achter. ^Iainmer. Adler. Junker. Afcer. Raiser. Alabaster. Aalender. Anger. Rampher. Anker. Ranzler. Bohrer. Aaper, Frey- Brander. beuter zur Donner. See. Dotter. Ratheder, bes- Schufter Dragoner. ser die, VII. Sommer Ganser. Rater. Tauber. Hader, Zank u. Rnaster. Marder. Panzer. Pfarrer. Plunder. Pranger, purper. ^ Schlummer» Schober. Thaler. achholder. 'Wucher^ Hafer. Hamster. Holder, in rvachhol- der. 2-Hunger. B.ollcr, Hirn-' ^, wuth. Zahnstocher. - Rummer. Zuber. Rutter, Art Zucker. Schiffe. Zunder. Ingleichen alle von Verbis abgeleitete männliche Wörter auf er, welche in der Declination den Umlaut nie annehmen: Mahler, Schaffner, Sporer u. s. f. z. Des Umlautes unfähige, wohin außer allen von Verbis abgeleiteten Masculinis, z.B. Bar- bierer, Bäcker, Hälrcr u. f. f. besonders gehören: Dd 4 Ärker. 424 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Ärker. Köcher. * Schimmer. Becher. Zxöder. Schlcyer. Biber. Nörper. Schöpfer. Löller. V.reuycr. Schrörer. Bürger. V.üser. Sperber. Eber. V.ürschner. Splitter, folg- " Eifer. Mister. lich im Plu- Eimcr. Leuchter. ral nicht die Einsiedler. Mäkler. Splittern. Eicer, bey eini-Märtyrer. Srüber. gen auch das. Meier. Stümper. Lächer. Meister. Teller. Fehler. Mcßner. Tieger. Finger. Mörser. Trichter. Gegner. Pfeffer. Triller. Geyer. Pfeiler. Trödler. Häher, ein Vo- Pilger. Vetter. gel. Priester. lVeier, Fisch- Häscher. Reiger oder reich. Heiler. Weiher. lVidder. ^jünger. Leiter, ecs^i?5 Winter. 2>äfer. nicht Deuter. Zigeuner. Ixeller. Reitcr,einSieb. Zentner. Kerker. Ritter. Zinnober. K.eyer. Schächer. Zöllner. Nläpper. Schiefer. Zwitter. Neutra, i. Mit dem Umlaute, welchen doch nur V.loster und Lager bekommen, weiches letztere doch auch häufig ohne Umlaut gebraucht wird. 2. Ohne Umlaut, und dessen unfähige. Abenteuer. Fenster. Fuder. Alter. Feuer. Futter, in allen Eurer. Fieber, lebris. Bedeutungen. Gatter, 5. Von der Declination. §. 191. 425 Gatter, im Rupfer. Oberd. der. Laster. Geäder. Leder. Gefieder. Luder. Gelächter. Malter. Geländer. Messer. Gepolter. Mieder. Geschwader. Münster. Geschwister. Muster. Geroässer. Opfer. Gewirrer. Pflaster. Gitter. Polster. Alafrer. Pulver. Register. Reiter, ein^ieb, bey vielen auch der. Ruder. Silber. Ufer. Ungeheuer. Ungeziefer. Wasser. wetrer. Wunder. Zimmer. §. 191. z. Abgeleitete aufen. Masculina. l. Mit dem Umlaute. Boden, bey vielen auch Garten. z. Abgeleitete auf en. ohne Umlaut. Bogen, gleichfalls in einigen Gegenden ohne Umlaut, welchen eS auch im Hechdeutschen nicht hat, wenn es i. von dem Schießgewehre dieses Nahmens, und 2. von Bogen Papiers gebraucht wird. Laden. Graden. 2. Ohne Umlaut: Alkoven. Ballen. Aachen. Bayen. Balken. Bolzen. BeHafen in beyden deutungen. Laden, wenn es einen HandelSladcn bedeutet; aber Fensterladen hat den Umlaut nicht. Magen, auch ohne Umlaut. Ofen. Schaden, auch Schade nach der zten. Dd Braren. Brocken. Busen. 5 Dam 426 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Daumen. Ducaren. Fladen. funken. Galgen. Gaumen. Gedanken. Gefallen. Groschen. Gulden. Lahmen. Haken. Haussen. Hausen, ein Fisch. Hopfen. Humpen. Husten. Rarpfen. Rarren. Rasten. Nloben. Alumpen. Nnochen. Zxnollen. Rnorren. Rnocen. ?.^oben. Nragen, in ei- Posten. Rachen. Rahn^en/ Ranzen. Rasen. Rocken, in beyden Bedeutun- nigen Gegen- de" auch mit Schatten. dein Umlaute Rrapfen. Nuchen. Lakei?. Lappen. Loden. Lumpen. Morgen, in beyden Bedeutungen. Nachen. Nacken. Nurzen. Orden. Possen. Schlucken. Scho!len,besser die Scholle. Schnupfen. Sparren. Stollen, im Bergbau. Tropfen. lVagcn, auch oft mit dem Umlaute. N)ajen. Zapfen. z. Des Umlautes ohnehin unfähige: Desen. Lärmen, aber Reihen. Vielen. auch Lärm. Riemen. ^ ' ^ ' Leimen, besser Rücken. ^-egcn. nach Scherben. Flecken. isten. Schlitten. Felsen, aber auch Lerren. Schmerzen, Fels, nach der Rechen. auchSchmerz 4ten. Regen. nach der Sten. Schre- 5. Von der Declination. §.192. 427 Schrecken,auch Streiffen, auch ^Villen, noch Schreck nach Streifs nach häufiger N>il- der zten. der isten. le nach der Sten. Stecken. N>eiycn. Nentra, ohne Umlaut, wenn sie auch dessen fähig wären. Almosen. Gebrechen. Verbrechen. An"' Russen. rvapen. Füllen. Lehen. Zeichen. Ingleichen alle Infinitive, wenn sie al6 Substantiv« gebraucht werden. §.192. Im Oberdeutschen ist es von Alters Obcrdent- her gewöhnlich, den männlichen Wörtern auf en schc Form diese Endsylbe abzubrechen, und sie alsdann nach ^r. Wörter der folgenden vierten Declination zn biegen. Die ^ ^' vornehnisten Wörter dieser Art sind, so wie sie größten Theils in dem 1777 zu Stuttgart heraus gekommenen Deutschen Sprachforscher angegeben werden, folgende, welche insgesammt ohne Umlaut sind: Vack. Fried. Hak. Balk. Funk. Hahm. Darz. Lußstapf. Hanfs. Lrar. Galg. Huinp. Vrock. Garr. Hust. Vrunn. Gauin. Aarpf. Buy. Gcdank. Narr. Daum. Gefall. Aerb,imHochd. Ducac. Glaub. dieTverbe. Fels. Grosch. Rlob. Flad. Gump. Nluinp. Rnoch. 42? i.TH. 2.Absch„. 2.Kap. Substantiv. Rnoch. plank, Hochd. Scholl, Hoch- Zxnoil. die Planke. deutsch die Anorr. Poß. Scholle. Ixnot. psst, ei„ Geld- Schreck. . Zvnosp, Hochd. pHft, für Po- Schunk, für die Ixnospe. ^^n. Schinken, ^ob. z^ch. Sock, Hochd. R^pf. Rahm. die Socke. Ruck. Sparr. Lak, Hochd. das Sproß. Laken. . , Sreck. Lapp. . Relff)^rcu!u5. Scoll,imBerg- Lärm. ^lem. ^^e. Leist. ^^g' für Fisch- Striem. Lod. rogen. Streifs. Lump. Ruck, für Rü- Traub, Hochd. Lunr, Hochd. cken. die Traube. die Lunre. Sam. Tropf. Morg. Schad. N)ad, Hochd. ^Tlach. Scharr. die N>ade. V7a!)m. Scherb. N)eck. riack. Schlack. Zapf'. 17?uy. Schlirr. Zeh, Hochd. die pfost. Schmerz Zehe. Die abgebrochene oder vielmehr nur weggelassene Sylbe ist dieAbleitungssylbe en, welche vermuthlich ein Subject, oder dasjenige Ding bedeutete, von welchem die Wurzelsylbe etwas sagt, S. §. iz6. Da die bestimmte Bedeutung dieser Sylbe vermuthlich schon sehr frühe verloren gegangen ist, man folglich bey derselben nichts mehr dachte, und sie daher für übersiüssig hielt, so ließ man sie weg. Wo ein solcher Gestalt abgekürztes Wort allgemein üblich und bekannt ist, da kann man nichts dawider ein- wer^- 5. Von der Declination. §.192. 429 wenden; nur im Hochdeutschen hat uns diese Verkürzung allerley Unordnungen veranlasset, und manche Ungleichheiten in die Declinationen eingeführet. Denn als die alte Oberdeutsche Mundart durch den verfeinerten Geschmack der Hochdeutschen verfeinert und weiter ausgebildet wurde, gab man vielen dieser Wörter die abgebrochene Ableitungssylbe wieder, andere behielt man in der abgekürzten Oberdeutschen Gestalt, noch andern aber hängte man das mildernde Hochdeutsche e an, besonders wenn sich das verkürzte Wort auf einen weichen Hauptlaut endigte, welcher in der Declination weich lauten mußte. Die vornehmsten Wörter dieser Art, welche im Hochdeutschen sowohl verkürzt, als vollständig mit ihrer Ableitungssylbe gebraucht werden, sind: Drunn und Brunnen. Lärm und Lärmen. Daum und Daumen. Rahm und Rahmen. Fels und Felsen. Reifs und Reifsen. Fußstapf und Fußsta- Riem und Riemen. pfen. Schmerz u. Schmer- Gaum und Gaumen. zen. Alump und V^lum- Schreck u. Schrecken. pen. Srriem und Striemen. Anoll und Rnollen. Streifs und Srreifsen. Diejenigen aber, welchen man das mildernde e angehänget hat: Friede und Frieden. Hausse und Haussen. Funke und Funken. t"lahme und Nahmen. Gedanke und Gedan- Same und Samen. ken. Schade und Schaden. Glaube und Glauben. lVille und NAllen. Bey 4ZO I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Bey «manchen ist man noch jetzt zweiffelhast, wie man ihren Nominativ bilden soll, wohin besonders Buchstab, Buchstabe und Buchstaben, Lußstapf, Lußstapfe und Lußstapfen gehören, von welchen Formen doch Buchstab und Hujista-- pfen die üblichsten sind. Noch mehr Ungleichheiten hat diese verschiedene Form des Nominatives in der Declination gemacht, weil man ansanglich nicht wußte, und zum Theil noch jetzt streitig ist, wie man dergleichen Wörter decliniren sollte. Manche völlig verkürzte einsylbi- ge Wörter werden daher im Hochdeutschen oft nach der ersten Declination gebeuget, wie Daum, Dau- mes, Plur. Däume; Gauni, Gaumes, (Bäume; Rlump, Mumpes, Nlümpe; Lärm, Lärmes, Plur. ungewöhnlich; Rahm, Rahmes, Rähme; GcreiGStreiffes.Srreiffe. Dagegen diese und die meisten übrigen emsylbigen auch nach der folgenden vierten Declination gebeuget werden, welcher sie auch im Oberdeutschen am häufigsten folgen. Manche bleiben bey der gegenwärtigen dritten Declination, andere folgen der sechsten, und noch andern hat man die im Nominativ genommene Ableitungssylbe in den Casibus obliquis wieder gegeben, und sie alsdann nach dieser driften Declination gebeuget, woraus aber, um des verkürzten Nominatives willen, die folgende fünfte Declination entstanden ist, S. dieselbe. Manche sind auf mehr als eine Art gangbar; wovon die mit ^ bezeichnete Form im Hochdeutschen die üblichste ist. Brunn: i. des —es, Pl. die—en, nach der 6ten. 2. des ^ en, Pl. die^ en, nach der 4ten» z. ^ der Brunnen, des - s, nach der zten. Daum: 5. Von der Declination. §.192. 4Z1 Dcmm: 1. des—es, Plur. Däume, nach der isten. 2. des — en,Pl. die—en, nach der 4ten. z. des — es, die — en, nach der 6ten. 4. * Der Daumen, des — s, nach der zten. Fels: 1. 6 des — en, Pl. die — en, nach der 4ten. 2. des — es, die — en, nach der 6ten^ z. ^ der Felsen, des — s, nach der zten. Friede: i.des— s, Plur. die—n, nach der 6ten. 2. ^ des — ns, Pl. die—n, nach der 5ten. 3. der Frieden, des - s, nach der zten. Funke: 1. des — n, die—n, nach derben. 2. 5 des — ns, die—n, nach der Sten. Gaum, wieDaum. Gedanke: l. des—n, Pl. die—n, nach der 4ten. 2.des—ns, Pl. die—n, nach der 5ten. Gefalle: 1. des—n, Pl. die—n, nach der 4ten. 2. des — ns, Pl. die — n, nach der 5ten. Am häufigsten der Gefallen, des - s, nach der zten. Hausse: 1. des—n, die—n, nach derben. 2. ^ des—ns, die — n, nach der Sten. z. der Haussen, des — s, nach der zten. Klump: 1. des — es, Pl. die Rlümpe, nach der isten. 2. des — es, Pl. die Zxlümper, nach der 2ten. z. -5 des — en, die — xn, nach der 4tcn. 4. " der Alumpen, des - s, nach der zten. Larm, Pl. ungewöhnlich: 1. des — es, nach der isten. 2. des — n, nach der 4ten. z. der Lärmen, des— s, nach der zten. Nahme: 4Z2 I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Nahme: i. des —s, Pl. die —n, nachher 6ten. 2. »des — ns, die — n, nach der 5ten. Nutz: i. des — es, Pl. die —en, nach der 6ten. Am häufigsten, 2. " der kurzen, des — s, nach der zten. Mhm: 1. des — es, Pl. die Rühme, nach der isten. 2. des — en, die — en, nach der 4ten. z. " der Rahmen, des — s, nach der zten. Riem: 1. des—es, Plur. die—e, nach der isten. 2. des —en, Pl. die — en, nach der 4ten. z. des — es, Pl. die — en, nach der 6ten. 4. ^ der Riemen, des — s, nach der zten. Schade: i. *des— ns, Plur. die Schäden, nach der rten. 2. der Schaden, des — s, nach der zten. Same: 1. des — s, die — n, nach der 6ten. 2. des ^- n, die — n, nach der 4ten. z.» des — ns, die — n, nach der Sten. 4. der Sas men, des — s, nach der zten. Schmerz: I. des — es, die—en, nach der 6tm. 2. des—ens, die — en, nach der 5ten. z. der Schmerzen, des — s, nach der zten. Worunter doch die mittlere Form im Hochdeutschen die gewöhnlichste ist. Schreck: des — es, die —en, nach der6ten. 2. des — en, die — en, nach der 4ten. z. des — ns, die — en, nach der 5ten. 4. *der Schrecken, des—s, nach der zten. Da 5. Von der Declination. §.193.194. 4ZZ Da die Beybehaltung oder Wegwerfung der Ableitungssylbe bloß von dem Gebrauche abhanget, so kommt auch die Declination der solcher Gestalt abgekürzten Wörter bloß aus denselben an, und wenn er in Ansehung eines oder des andern Wortes im Hochdeutschen getheilt ober schwankend ist, so siehet es in eines jeden Willkühr, welcher Form er folgen will. Die gewöhnlichste ist indessen in den oben angeführten Wörtern mit einem Sternchen bezeichnet worden, nur daß die Dichter oft gern die kürzere Form und Declination vorziehen. §. 19z. Ferner 4. gehören in diese Declination 4 Dimlnu- alle Verkleinerungswörter auf cden und lein, wel- Uva auf che im Plural nie den Umlaut bekommen, wenn er ""b - auch in der Ableitung unterblieben seyn sollte: das Anädchen, des ^nüb-cheus, die V.näbchen, das Sohnlein, des Söhnleins, die Sohulein. Man hüte sich hier theils vor dem Niedersachsischen Plural aus s, welcher in manchen Wörtern dieser Art auch einigen Hochdeutschen anklebet, z. B. die Mädchens für Mädchen; theils vor dem in manchen gemeinen Sprecharten gewöhnlichen Plural auf er, welchen man den Verkleinerungen auf chen zu geben pflegt, die Nnäbcher, Mädcher, DinIerchcr. Daß diese Wörter wegen des in der Ableitungsylbe bereits befindlichen n dasselbe im Dativ nicht weiter annehmen können, verstehet sich von selbst. §. 194. 5. Alle Neutra mit den Vorsylben de 5. Neutra und ge, wenn sie, um des gelinden Hauptlautes mit dem am Ende willen, das Hochdeutsche mildernde e er- nuldernden fordern: ^ Adel.D.Spr. Ee Das 4Z4 i.TH. 2.Abschtt. 2. Kap. Substantiv. DasAngebäu-- de. Angebinde. Angehänge. Belege. Beschläge. Mingebinde. Wngerichte. Eingeweide. Gebäude. Gebinde. Gebirge. Gebläse. Gebräude. Gedinge. Gedränge- Gefilde. Gefolge. Gehäge. Gehänge. Gehäse, bey den Jägern. Gehäuse. Gekröse. Gelänge, im Feldbaue. Gelege, im Weinbaue. Geleise. Gelübde. Gemählde. Gemenge. Gemüse. Gepräge. Gepränge. Geschiebe, im Bergbaue. Geschlinge. Geschmeide. Geschneide. Gesinde. Gespilde, im Nieders. das Nähcrrecht. Gesprenge, im Bergbaue. Gestade. Gestände, bey den Jägern. Gestänge, im Bergbaue. Gestände, Staudenwerk« Geströhde. Geröse. Getreide. Gerriebe. Gewebe» Gervende, im Feldbaue. Gewerbe. Gewinde. Gewölbe, welches aber auch nach der zweyten gehet. Die Oberdeutschen Mundarten, welche den Hauptlaut am Ende in diesen Wörtern hart auS- sprechen, und folglich dieses mildernde e nicht kennen, beugen alle diese Wörter nach der ersten Declination, welcher auch im Hochdeutschen alle übrige folgen, welche entweder wegen deö härtern Lautes im Nominative, wie Gewand, (welches doch nach der zweyten gehet,) Gelag und Gezeug, oder wegen der Natur deö End-Consonanten, dieses e nicht bedürfen, wie Besteck, Geboth, Gehend, Geleit, Gelenk, Gemach, Gemächr, Gemahl, Gemisch, Genick, Depäck, Geräth, Geräusch, Gerücht, 5. Von der Declination. §. 194. 4Z5 Gerücht, Gerüst, Gesäß, Geschäft, Geschenk u. s. f. welchen daher auch kein solches e angehänget werden darf. Einige wenige, bey welchen der End-Conso- nant dieses e nicht erfordert, sind im gemeinen 5e- ben dessen ungeachtet mit demselben üblich, wie das Gebräme, Gefälle, Angeftille, Gerinne, Gerippe, Gerülle, Geschühe, bey den Handwerkern, Gefchütce, Gervirre, Gewölle, bey den Jägern, und vielleicht noch einige andere mehr. Da das e sich hier vermuthlich nur durch einen Mißbrauch eingeschlichen hat, so muß die edlers Schreibart, wenn sie dieser Wörter bedarf, ihnen solches wieder nehmen, und sie folglich auch wieder aus der dritten Declination in die erste versetzen. Wohl aber pflegt man den im gemeinen ieben und der vertraulichen Sprechart fo häufigen Frecmcnta- tivis, welche vermittelst der Vorfylbe ge von Ver- bis abgeleitet werden, in den meisten Fällen ein e anzuhängen, auf was für einen Hauptlaut sie sich auch endigen mögen, oder vielmehr von den Infinitiven nur das n wegzuwerfen (S. §. iz8.), welche alsdann gleichfalls dieser Declination folgen, ob sie gleich selten eines Plurals fähig sind: das Gebelle, Gebeche, Geblöke, Gebraust, Gefahre, Gefrage, Gekläffe, Gefiuche, Geplatze, Gerede, Gesage u. s f. ein wiederholtes Bcllen, Bethen u. f. f. im verächtlichen Verstände zu bezeichnen. Nach dieser Form richten sich auch theils das Erbe, wenn es ein Erbthsil, besonders ein erbli» ches Grundstück, bedeutet, und das ^nde, wenn c6, wie oft geschiehet, eine Art des Beschlusses bedeutet, Plur. die jLrbe, die i^nde; theils aber auch das männliche Aäfe/welches im Oberdeutschen Aäs, Ee 2 (sprich 4z6 i.TH.2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. (sprich V^äß,) lautet, und alsdann der ersten folgt. In andern Bedeutungen gehen der Erde nach der vierten, und das Ende nach der sechsten. 6. Fremde §. 195. Endlich 6. folgen dieser Declination vie- Worttr und ^ fremde Wörter und eigene Nahmen, besonders eigene Nah- ^ unbetontes el, ei. und er, von welchen aber im folgenden bey der Declination der fremden Wörter und eigenen Nahmen umständlicher gehandelt werden wird. Vi-reeDei Vierte Declination. iclination. . . Singular. Plural. Nomin. Nomin. en oder n. Genit. en oder n. Gentt. en oder n. Dat.. en obern. Dat. en oder n. Accus. en oder n. ?lccus. en oder n. Ihr cha- §. 196. Diese Declination bezeichnet alle Verräterischer Hältnisse, welche durch die Declination ausgedruckt Meunngs- ^ werden pflegen, ohne Unterschied durch en obern; durch ersteres, wenn sich das Wort im Nominative a-uf einen Hauptlaut endigt (einige Volksnahmen aufr ausgenommen); und durch letzteres, wenn es ein e am Ende hat. Die Hieher gehörigen Wörter sind insgesammt männlichen Geschlechtes und bekommen im Plural den Umlaut nie. Die Dichter pflegen, um des Sylbenmaßes willen, im Dativ und Accusativ der Einheit solcher Wörter, welche sich auf einen Hauptlaut endigen, die Biegungssylbe gern wegzulassen, dem »oeld, den Fels, dem und den Fürst; welches aber, um größerer Schönheiten willen, auch nur Dichtern übersehen werden kann. Die Wörter, welche nach dieser Declination zehen, sind folgende. §. 197. 5. Von der Declination. §. 197. 437 §. 197. Ein bloßes n bekommen: Wörter/ 1. Die männlichen Adjective, wenn sie Be-'"^^ stimmungswörter mit vollständigen Declination?- ^ Zeichen vor sich haben, sie mögen nun dem Substantive beygeftllet seyn, oder selbst als Substantive gebraucht werden; davon umständlicher bey dem Adjective. 2. Viele männliche Wörter mit dem mildernden e am Ende, es mag nun um der gelinden Aussprache des End-Consonanten willen da stehen, oder auch um die Härte eines einsylbigen Wortes zu vermeiden. Die vornehmsten dieser Wörter sind: Von der ersten Art. Barde. Löwe. ' Bude. Ochse. Bürge. Rabe, der ^rde. Religiöse. Hase. Riese, der Heide. Scalde. Junge, welches doch ur- Scherge, sprünglich ein Adje- Sclave, ctiv ist. Vagabunde. Rnabe. vvaise. Aunde. XVoirvode. Lochst. Zeuge. Ingleichen die aus dem Griechischen entlehnten, welche sich auf ein gelindes I endigen, wie Astrologe, Pädagoge, Philologe, Theologe«, s. f. Von der zweyten Art. Affe. Bolle oder Bulle. Boche. Bursche, auch nur Buhle. Bursch, da es denn Ee z im 4ZF i.TH. s.Abschn. 2.Kap. Substantiv. im Plural auch wohl nach der ersten gebeuget wird, die Bursche. Drache. Falke, V.nappe. Lasse. Laie. Nachkomme. Neffe. parhe. Farre, tsuru8, auch nur Pfasse. Farr. Finke, auch nur Link. Funke. Gatte. Gefährte. GelMfe. Genosse, auch nur zwey- jylbig. Gespiele. Göne. ^ Rabbine, nicht Rabbiner. Rappe. Schenke, auch nur ein^ sylbig. Schulze, auch nur ein- ^ sylbig. Schurke. Schürze. Gparre. Hirre, noch hausiger ein- Sprosse. sylbig; ingleichen nach Trappe, häufiger weib- der fünften. lich. Dahin gehören auch sehr viele Volksnahmen, welche sich nicht auf ein er endigen, und im Hoch, deutschen gleichfalls ein e am Ende bekommen. Die bekanntesten sind etwa folgLNde: Asiare. Baschkir?. Döhuie. Dritte. Celre. Circasse. Cure. Däne. Esche. Finne. Franke. Franzose. Friese. Liine. Geche. Goche. Grieche. Hesse. Hunne. Iazyge. Irre. Illde. Jute. Aanitschada- le. Lappe. Lctre. Loinbarde. Longobarde. N/ähre. 5. Von der Declination. §.197.198. 4Z9 Mähre. Sachse. Slave. . Masure. Samojede. Sorbe. Osrfahle. Sarrnaee. Gueve. pohle. Savoyarde. Tuba>,te. Portugiese» Schone. Tunguse. prcusse. Schotte. Türke. (Ouade. Schroabe. llVende. Reuße. Schwede. N?estphale. Russe. Scythe. Einige harte Oberdeutsche Mundarten kennen dieses e nicht, sondern sprechen ohne Unterschied Bub, Nuab, Has, Ries, Böhin, Schrvab, Sachs, preuß u. s. f. und halten die mildere Form wohl gar für eine Obersächsische Unart. Allein sie zeigen dadurch, daß ihnen der Gang, welchen eine Sprache in ihrer Ausbildung und Verbitterung nimmt, sehr unbekannt ist. In manchen Wörtern, z. B. Gatte, Gehülfe, Gespiele u. s. f. scheinet es nicht einmahl das bloße mildernde e, sondern ein wahrer Ableitungslaut zu seyn, welcher mit dem Concretions-jaute c der Adjective überein kommt, und aus dem Wurzellaute den Nahmen eines con- creten Dinges bilden hilft. > z. Bekommen in dieser Declination ein bloßes n, einige Zweysylbige Volksnahmen, welche sich auf ein unbetontes r endigen; z.B. Baier, des Baiern, die Baiern. So' auch Tartar, Raffer, Ungar, Bulgar, und vielleicht noch einige andere, welche aber auch insgesammt nach der sechsten gebeuget werden. §. 198. Die vollständige Sylbe en hingegen be- Welche e» kommen: bekommen. 1. Viele Deutsche männliche Wörter, welche das e am Ende noch nicht angenommen haben: Ee 4 Alcreiß, 44o i.TH. 2.Aöschn. 2.Kap. Substantiv. Alrrciß, eigentlich ein Mond, wenn eö Monath Oberdeutsches Wort. Dar, auch nach der erfreu und sechsten. Vec'r, iin gemeinen ie- ben für 2^'äcLer. Vrunn, besser Brunnen, nach der dritten. Buchstab, aber auch nach der fünften. Fels, bcsserLelfen, nach der dritten. Fürst. Geck. Gesell. Graf. Hagestolz. Haluuk. Held. Herr. I"saß. der Mensch. Mohr. bedeutet. Hof- Narr. Pfriem, auch nach der ersten, ingleichen Pfriemen nach der zten. Prinz. Psalm, auch nach der isten. Schöps, häufiger nach der isien. Schranz, in schranz. Schuidheiß. Gpay. Seeimneiz. der Thor. der Tropf, ein einfältiger Mensch. Dorfahr. Zehent, besser Zehente, oder Zehnte. Von dem Worte Herr wird im Singular gemeiniglich das e verbisen, des Herrn, dem Herrn, den Herrn, und die meisten Sprachlehren machen diese Verbeissung Zur Regel, um den Singular von dem Plural unterscheiden zu tonnen. Allein, es ist kein Grund, diesen Unterschied gerade bey diesem einigen Worte auszudrucken. Die verkürzte Form scheinet vielmehr ein Ueberbleibsel einer härtern Mundart Zu seyn, daher man sie billig sollte veralten lassen. Im Oberdeutschen bieget man noch Aprill, Bauer, Buchstab, Dorsch, Fleck, Fuchs, Greis, 5. Von der Declination. §.198. 441 Greis, Hahn, Kamerad, Txapaun, V.aurz, Leu?, Luchs, März, Mai, Pfau, Salm, Schelm, ^chnx'.n, Spund, Srahr, ein Vogel, Stieglitz, Storch, Strauß, ein Vogel, Unter? than, tViedhopf, und vielleicht noch andere nach dieser Declination, welche aber im Hochdeutschen nach andern üblicher sind. Noch verdienen die Wörter Ost, Süd, N)est und 57?ord eine Anmerkung, welche gemeiniglich, obgleich irrig, zu dieser Declination gezogen werden. 1. Wenn diese Wörter von der Himmelsgegend gebraucht werden, so nehmen sie allemahl die Ableitungssylbe en an sich, und scheinen alsdann wahre Adverbia zu seyn, weil sie.nur allein mit Präpositionen, nie aber mit dem Artikel gebraucht werden können, von Asten, aus Süden, nachtVc-- fren, gegen worden. Die Ableitungssylbe ist alsdann eben dieselbe, welche in oben, unten, hin-' ren, vornen, von außen, von innen, von hinnen, u.s. f. Umstandswörter bilden hilft. Zwar sagt Notker cis? Olien, die Gegend gegen Morgen, worin ihm einige der neuern Dichter nachgesalzet sind: Niemahls müsse das Licht den wolkichten (wolkigen) Ostcn bepurperii, Aachar. Allein es ist doch solches sehr ungewöhnlich und daher nicht nachzuahmen, und wenn diese Wörter alsdann ja als Substantivs gebraucht werden sollten, so müßten sie nicht zu dieser, sondern zur vorigen dritten Declination gehören, der (!)sren, des (Dsrens u. s. f. Der große Buchstab, mit welchem man sie von Alters her schreibt, kann sie allein nicht zu Substantiven machen, da sie als wahre eigene Nahmen denselben mit Recht fordern können. Ee 5 2. Ve- » 442 i.TH. 2. MHn. 2.Kap. Substantiv. s. Bedeuten aber diese Wörter den Wind aus einer dieser vier Himmelsgegenden, so werden sie ohne Ableitungssylbe gebraucht, und gehen alsdann nach der ersten Declination, der Gst, des (Vstes u. s. f. Indessen kommt auch diese Bedeutung nur in der dichterischen Schreibart vor, indem man sich außer derselben lieber der zusammen gesetzten Ostvoind, Südwind u. s. f. bedienet. 2. Die meisten aus fremden Sprachen entlehnten Wörter auf ant, ar, ast, ac, ent, er, ist, ir, oß, oc u. s. f. wenn sie den Ton auf der letzten Sylbe haben, z. B. Adamic, Advocat, 'Atheist, Basilisk, Vassift, Vardär, (aber Dardar, ein Pferd aus der Barbarei), gehet nach der 6ten,) Candidar, Aarholik, Chiliast, Christ, Client, Deist, Dissident, Elephant/ Husar, Heiduck, Hussic, Jesuit, (nichtJesuiter,) Lackey, Monarch, Patriarch, Prälat, prosoß, Poer, Gol^ dar, Gtarost, Srudenr, Tyrann u. s. f. welchen daher auch kein e angehänget werden darf» z. Viele Volksnahmen, welche im Hochdeutschen ohne das mildernde e am Ende üblich sind, besonders wenn sie den Ton auf der letzten Sylbe haben. Aroat. Malabar. Mohr. Oschman oder Gcromann. Ostiak, pandur. perniiak. Dosniak. Chrodar. Heidamak. Jakur. Israelir. V.alinuck. Rosak. Das niedrige polak, für das edlerepohle. ^aiy. Tschcremiß. tllan. Uskock. N?allach. Und vielleicht noch andere mehr. §. 199. 5. Von der Declination. §. 199.200. 44z §. 199. 4. Endlich gehören hierher alle diejenigen Wörter, welchen man nach dem Vorgange einiger Oberdeutschen Gegenden die Ableitungssylbe im Nominativ des Singulars abzubrechen pflegt, wie Daum, Gauin u. s. f. von welchen schon bey der dritten Declination gehandelt worden. Fort« sctzuttg. Fünfte Declination. Singular. Nomin. e. Genit. ens, ns. Dat. en, n. Accus. en, n. Plural. Nomin. en, n. Genit. en, n. Dat. en, n. Accus. en, n. §. 200. Diese ist aus den beyden vorigen Declinationen entstanden , oder vielmehr nur als ein Anhang der dritten anzusehen, indem sie aus lauter Wörtern dieser Declination bestehet, welchen man im Nominativ der Einheit die Ableitungssylbe e»r genommen, sie ihnen aber in den übrigen Endungen gelassen hat, daher sie bis aufdicsen Nominativ völlig mit der dritten überein kommt. Sie ist indessen der Hochdeutschen Mundart vorzüglich eigen, indem im Oberdeutschen die aus solche Art im Nominativ verkürzten Wörter insgesammt nach der vierten gebeuget werden. Ob solches richtiger oder qnalogischer ist, lasset sich leicht entscheiden, wenn man nur erwäget, daß das s des Genitives der charakteristische Biegungslaut der dritten Declination ist, welcher nicht wegfallen darf, wenn gleich die Ableitungssylbe im Nominativ verbissen wird. Wer Glauben, Nahmen, Schaden, XVilleu u. s. f. im Genitiv Glaubens, Nahmens, Schadens, VOillens u. s. f. bieget, muß ihnen auch diese Biegung lassen, wenn er gleich die Ableitungssylbe im Nomi- Füufte De» «Unarts». Ihr Charakter. 444 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Nominative verschweiget. Indessen haben die Hochdeutschen diese richtigere Declinanon nur in einigen wenigen Wörtern wieder hergestellet; in den meisten übrigen haben sie die Oberdeutsche Form behalten, und biegen daher selbige nach der vorigen vierten, wo sie bereit angezeiget worden. Es laßt sich hieraus zugleich entscheiden, welche Wörter mit Recht zu dieser stinsten Declination gezogen werden oder nicht. Mit Recht gehören dahin nur solche Wörter, welche ursprünglich im Nominativ die Ableitungssylbe en hatten, und mit derselben der dritten Declination folgten; mit Unrecht aber, alle diejenigen, welche kein erweisliches Recht auf diese Ableitungssylbe haben, ob sie gleich, besonders im gemeinen ieben, hausig nach dieser Declination gebeuget werden, wohin Hirte, Junge und Anabe gehören, welche eigentlich zur vorigen vierten gehören. Die wenigen Wörter dieser Declination sind übrigens von gedoppelter Art. Wörter die- H. 201. 1. Solche männliche Wörter, welchen ftr Decli- u?M an Statt der im Nominativ genommenen Ab- natlv». leitungssylbe im Hochdeutschen das mildernde e angehänget hat. Diese sind mit Gewißheit: Friede. Funke, auch nach der vierten. Fußstapfe, oder auch nur Lußstapf, obgleich der Singular nur selten vorkommt; vielleicht richtiger nach der vierten. Gedanke. Glaube. Hausse. Aarpfe, auch nach der vierten, aber am häufigsten vollständig, derRarpfeu. Nahme, 5. Von der Declination. §.201.202. 445 Nahme, im Plur. die Lahmen, nicht Nähmen, wie wohl im gemeinen Leben üblich ist. Same. Schade, welches das einige ist, welches im Plural den Umlaut bekommt, die Schäden. N>ille. Welche insgesammt auch im Nominativ der Frieden, Funken, Lußstapfen, Gedanken u. s. f. lauten und lauten können, ob sie gleich mit dem e im Hochdeutschen am üblichsten sind. Nicht mit eben dem Rechte und aus einem Mißbrauche werden oft zu dieser Declination gezogen, Hirte oder Hirt, der Junge und der Nnabe, weil sie die Ableitungssylbe en nie gehabt, und daher auch nicht zu dieser Declination gerechnet werden können, sondern der vierten folgen müssen. Aer Junge kann am wenigsten hierher gezogen werden, weil es ursprünglich das Adjectivum ist. H. 202. 2. Einige wenige andere, welche die- Fort- ses e im Nominativ nicht angenommen haben, fttzung. Diese sind nur Schreck und Schmerz, wenn man sie verkürzt für Schrecken und Schmerzen gebraucht, der Buchstab, von welchem der vollständige Nominativ der Buchstaben langst veraltet ist, und welches von vielen auch nach der vierten Declination gebogen wird, und das Herz, das einige Neurrum dieser Declination, und zugleich das einige, welches die Ableitungssylbe en im Nominative nie gehabt hat, und dieselbe doch in den übrigen Endungen annimmt. Als ein Neutrum macht es auch den Accusativ dem Nominative gleich, daher derselbe nicht Herzen, sondern Herz lautet. Manche 446 i.TH. 2.Abfthn. 2.Kap. Substantiv. Manche andere, welche gleichfalls zu dieser Declination zu gehören scheinen, z.B. Daum,Gaum, Brunn, Fels, Ricm, Stricmu.s.f. gehören nicht hierher, sondern zur vierten, und die Genitive Daumens, Gaumens, Brunnens u. s. f. sind nicht von den verkürzten Formen, sondern von den vollständigen Daumen, Gaumen, Brunnen, Felsen u.s. f. Siehe §.192. Viele eigene Nahmen, besonders weiblichen Geschlechtes, folgen dieser Declination gleichfalls, Elisabeth, Elisadechens u. s. f. Flora, Florens, Lhloe, Chloens, Europa, Europens, Asia oder Asten, Asiens u. s. f. Dagegen die mannlichen sich nur im Singular nach derselben bequem men, im Plural aber e annehmen, Schwarz, Schwabens, die Schwarze. Doch davon bey der vierten Declination der eigenen Nahmen. «echste Sechste Declination. MCHa> §. 20z. Diese Declination ist aus der'erstell satter. oder dritten und der vierten zusammen gesetzt, indem sie den Singular von jenen, den Plural aber von diesen entlehnet. Es scheinst daher, daß sie bloß aus einem Mißbrauche und durch Verwechselung zweyer verschiedener Formen entstanden; indessen, da die dahin gehörigen Wörter einmahl in dem ganzen Deutschlande auf diese Art gebeugst werden, so läßt sich jetzt nichts dawider einwenden, sondern DecliiiK, Kion» Singular. Plural. Nomin. Gen it. es, s» Dat. e. Accus. Nomin. en, Nt Genit. en, n. Dat. en, m Accus. en, n. man 5. Von der Declination. §.203.254. 447 man muß sie behalten, so wie sie ist. Das e erfordern zu ihrer Biegung Deutsche Wurzelwörter, wenn sie sich nicht auf ein milderndes e endigen, nebst einigen fremden; ein bloßes s und n aber, abgeleitete Deutsche Wörter, und einige fremde, welche im Singular den Ton nicht auf der letzten Sylbe haben. Daß diejenigen, welche im Geni«- tive ein bloßes s annehmen, im Dative keines e für hig sind, ist schon aus der ersten Declination bekannt. Da in dem einsylbigen Worte See kein milderndes e befindlich ist, so erfordert es auch die vollständigen Biegungssylben e'6, e, en zu seiner Declination. Allein, da drey e alsdann einen Übelstand machen wurden, so lässet man eines davon weg, spricht aber das Wort in den CasibuS obliquis dennoch zweysylbig aus, des So-es, dem Se-e. §. 204. Im Genitive es, im Dative e und im Wörter die« Plural en haben: ser Decli- 1. Deutsche Wurzelwörter, welche sich auf kein milderndes e endigen. Mit Gewißheit gehören dahin: Das Bert, wenn es ein einzeles Stück dieser Art bedeutet, ein Geberr Berten, zwey Stück Betten. Wenn es hingegen collective so viele Betten, als zu einer vollständigen Schlafstätte gehören, ingleichen das Bett ei- . nes Flusses bedeutet, so gehet es nach der er? sten: zrvey gemachte Bette. Der Daum, auch nach der ersten und fünften, ingleichen der Daumen, nach der dritten. > Der Dorn, wenn es collective, ingleichen von der Staude dieses Nahmens gebraucht wird. Distributive von einem spitzigen Dinge dieses Nahmens gehet es nach der zweyten. Da? 443 i.TH. 2.Mschn. 2. Kap. Substantiv. Das Glicdmaß, auch nach der ersten. Der Hagedorn, Nreuydorn, Scechdorn, und andere mit Dorn zusammen gesetzte Gewächsnahmen. Der Halm, wenn es collective gebraucht wirb: Gleich Hagel vom Sturme geschleudert, zer» schlägt er die nährenden Halmen, Kleist. Dagegen e6 distributive nach der ersten gehet, zrvcy Strohhalme. Das Hemd , im gemeinen tcben nach der zweyten die Hemder; in einigen Gegenden auch nach der ersten, die Hemde. Das Ohr, des — es, Plur. die — em ^ Der (Quast, oft auch nach der ersten. In ein'- gen Gegenden auch weiblich, die (Quaste, Plur. die — n. > Der See, Siehe den vorigen §. Indessen scheinet es, daß dieses Wort, wenn es männlich gebraucht wird, richtiger der ersten Declination folgen sollte. Der Plural die Se-en rühret vermuthlich aus einer Verwechselung mit dem weiblichen die See, daö Meer, her» Der Sporn, des Spornes, die Sporne; obgleich das n hier aus der Ableitungssylbe cn verkürzt ist. In einigen gemeinen Mundarten lautet das Wort noch vollständig der Sporen, des Sporens, die Sporen. Der Staat, wenn es eine bürgerliche Verfassung bedeutet. Der Strahl, des — es, die — en. Das Stück, wenn es ein schweres Geschuß bebedeutet, die Stücken lösen. In andern Bedeutungen gehet es nach der ersten. Der 5. Von der Declination. §.204. 449 Der Unterthan, des — es, die — en; im Oberdeutschen auch nach der vierten. Der Zierrath, des—es, die — en; in einigen Gegenden auch nach der ersten. 2. Einige fremde. Der Affecr. DerAspecc, des — es, die — en. Das Bataillon. Der Caderr, welches doch richtiger der vierten folget. Das Concordat; zuweilen auch wohl nach der ersten. DerCarolin, eine Munzsorte; auch nach der ersten. Der Diamant, auch, doch selten, nach der ersten. Die Effecten, welches doch nur im Plural üblich ist. Das Epigramm und Anagramm, auch nach der ersten. Der Impost, des— es, die — en. Das I-isect, im Oberd. auch nach der ersten. Das Iurvel, welckes doch nur aus Verwechselung mit dem weiblichen die Jurvele hierher geralhen zu seyn scheinet. Der Kapaun, auch nach der ersten, und im Oberdeutschen nach der vierten. Der ^arron, auch, obgleich seltener, nach der ersten. Der s)salm, auch nach der ersten, und im Oberdeutschen nach der vierten. Der Äuoin, auch nach der ersten. Das in diesem Verstände nur im Plural gebrauchliche die Ruinen. Der Thron. Adcl.jL.Spr. Ff Hier- 45o i.TH.2.Abschtt. 2.Kap. Substantiv. Hierher gehören auch alle aus dem lateinischen entlehnten sächlichen Wörter, welche im Plural das i der Ursprache beybehalten: das Capital, Hauptsumme, des — es, Pl. die Capitalien, das Regal, Vorrecht des Landesherrn, die Regalien, und die im Plural allein üblichen Copialien, Cu-- rialien, Formalien, Repressalien, Personalien, Nlobilien, Bacchanalien, Sponsalien u.s.f. Fortsetzung. §. 205. Hingegen haben im Genitive ein bloßes s, im Dative nichts, und im Plurale n: 1. Einige Deutsche, sowohl Wurzelwörter mit dem mildernden e am Ende, wohin doch nur die sächlichen Auge und jAide gehören, das letztere aber nur, wenn es das Letzte oder ein kurzes Stück eines körperlichen Dinges bedeutet, zrvey Landen Licht, Zwirn u. s. f. Als auch einige abgeleitete: Der Dauer, des — s, Plur. die — 71, imQber- demschen auch nach der vierten. 'Dcr Aitter, des— s, die — n, welches aber auch nach der dritten gebeuget werden kann. Der Gevatter, des —s, die—n, im Oberdeutschen auch nach der vierten. Der Hader, ein Lappen, des — s, die—n, oft auch nach der dritten. Der Humber, dcs-s, die-n, welches gleichfalls nach der dritten gehen kann. Der Machbar, des—e, die — n, wo die letzte Hälfte aus Dauer, von bauen, wohnen, verkürzt ist. Der Pantoffel, des—s, die —n. Der Stachel, des — s, die —n. Der Stiefel, des — s, die — n; welches aber auch, und vielleicht richtiger, der dritten folgt. Der Verrer? des — s, die — n. 2. Einige 5- Von der Declination. §. 205. 451 2. Einige fremde allgemeine Nahmen, und zwar wiederum: (1) Solche, welche den Ton in der Biegung nicht verändern, wie der vorder, des-s, die-n; aber die Zlorbeere gehet nach der siebenten. Ferner, der Muskel, der Satyr, des — s, Plur. die — n, und vielleicht noch einige andere mehr. (2) Solche, welche im Plural den Ton auf die vorletzte Sylbe ziehen, welche alsdann gedehnt wird, und welche im Plural Statt des bloßen n ein en erfordern. Dergleichen find der Kamerad, des V.amerads, Plur. die L.ameräden; ingleichen alle Lateinische auf ein unbetontes or, welche im Plural ein gedehntes 0 bekommen: der Professor, des Professors, Pl. die Professoren. So auch Amor, Pastor, Canror, Recror, Assessor, Credicor, Infpeccor, Reformator, Senior, Senator, Prior u. s. f. Ist aber das or betont, wie in Caftvr, so gehen sie nach der ersten. z. Einige eigenthümliche Volksnahmen, deren letzte Sylbe unbetont ist. Der Baier, des —s, Pl. die—n; im Oberdeutschen auch nach der vierten. Der Barbar, wenn es ein Pferd aus der Barbarei) bedeutet, des — s, Pl. die — n. Aber der Barbär, ein' barbarischer Mensch, gehet nach der vierten, des — en, die — en. Der Bulgar, des — s, d-e — n; auch nach der vierten. Der Nasser, des — s, die — n. Der^Tleger, des — s, die —n; beyde auch nach der vierten. Derpommer, des — s, die — n. Ff 2 Der 452 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. DerTarrar, des —s, die — n; bey vielen auch im Plural, obgleich Incht so richtig, die Tarmren. Der Ungar, des — s, die — n; aber auch nach der vierten. Welche §> 206. Hingegen werden oft irrig zu dieser De- mcht hier- clination gezogen: Dotter, Schlüssel, Splitter, her gchö- Ziegel, Junker, und vielleicht auch Flitter und ren. Stiefel, welche insgesammt der dritten folgen müssen ; fernerAcim, Sinn, Sraar, ein Vogel, Mast, ein Mastbaum, Scorpion, Mond, Schwan, Stern, Fasan u. f. f. welche zur ersten gehören. Das männliche der Trupp, ein Hausse, gehöret gleichfalls zur ersten; aber das nur im Plural gebräuchliche die Truppen ist von dein weiblichen die Truppe. Eben dieses gilt von dem Worts Zins, welches von vielen gleichfalls zu dieser Declination gezogen wird, welche aber alsdann das männliche Ocr Zins, des—>cs, die — e, mit dein weiblichen die Zinse, Interesse vom Gelde, Plur» die — n, verwechseln. Siebente Dcclnm- rio». Ihr Charakter. Declination. Plural. Nomin. en, m en, n. en, n. en, Siebente Singular» Nomin. Genir. Genit. Dat. Dar. Accus. Aecus. en, n. §. 207. Die sechs vorigen Declinationen begriffen lauter Wörter männlichen und fächlichen Geschlechtes in sich, diese und die folgende aber sind bloß weiblichen Wörtern gewidmet. Diese sind in ibrer Beugung sehr einfach, weil sie nur die Mehrheit / 5. Von der Declination. §. 208. 45z Herr bezeichnen, übrigens aber kein einiges Verhältniß ausdrucken, außer in einigen Fällen den Dativ des Plurales. Die Bezeichnung des Plurals geschiehet auf gedoppelte Art, entweder durch Anhängung des Wurzcllauces n oder en, oder auch durch den Umlaut und Anhängung des iauteS jenes geschiehet in dieser, dieses aber in der folgenden Declination. Die Wörter dieser Declination bezeichnen also die bloße Mehrheit durch ein auge- hängtes n oder en, übrigens aber kein einiges Verhältniß, weder im Singular, noch im Plural, §. 208. Ehedem bekamen die meisten weibli- Alter Dachen Wörter dieser Declination, welche sich auf ei- tw auf en nen Vocal endigten, nach Art der Adjectiven, im ^ Genitiv und Dativ der Einheit, ein en, oder wenn sie sich schon auf ein e endigten, ein bloßes n, von welcher nachmahls veralteten Form noch manche Überbleibsel im Hochdeutschen vorhanden sind. So liefet und höret man noch sehr häusig, der Schlangen den Ixopf zertreten, unserer lieben Frauen, von der TViegen an, der Seelen Seligkeit, die Angst meiner Seelen, der V.önicr der Ehs rcn, ihm zu Ehren, zur Hollen fahren, aus der Schulen kommen, in der Nutten, in der Stuben, der Glanz der Sonnen u. f. f. Besonders hängt man manchen weiblichen Wörtern auf ein e im Datjv und Accusativ des Singulars noch gern ein n an, wenn der bestimmte Artikel weggelassen worden, um den Casum desto bestimmter zu bezeichnen: auf -Erden, für auf der Erde, mit Freuden, vor Freuden, zu Schanden werden, von Seiten des Feindes, in Gnaden befehlen, zu Gnaden kommen, aus Gnaden. Dieser alte Genitiv und Dativ hat sich auch noch in vielen Zu- Ff z sammen- 454 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. sammsnseßungen erhalten, Gnadenwahl, Son- ncnstaud, ».Ldrcnjchänder, Freudenfest, Höllen- strafe,Erdenr!osi, Seitcnwand u.s.f. Wo diese alte Forin, besonders bey weggelassenem'Artikel, einmahl allgemein und allein üblich ist, da muß man sie freylich beybehalten, nur muß man sie nicht nachahmen. Ist der Artikel entweder völlig oder verkürzt da, so kann man ohne Mißklang der regulären Beugung folgen: der Schlange den Aopf zertreten, von der viAcge an, zur Hölle fahren ; einige einzele Arten des Ausdruckes etwa ausgenommen, wie, derAonig der Ehren, derGee- len Seligkeit. §. 209. Ein bloßes n im Plural bekommen sowohl diejenigen, welche sich auf ein weibliches e endigen, als auch alle abgeleitete auf el und er; alle übrige nehmen en an. Diejenigen, welche sich auf ein ee und betontes ie endigen, nehmen zur Schonung des Auges zwar auch nur ein n an, sprechen aber im Plural den gedoppelten Voeal zwey- sylbig aus, die See, Plur. die Se-en; die Poesie, Plur. die Poesie cn. Die auf ein unbetontes ie, wo folglich dasselbe schon zweysylbig lautet (S. §.18.), folgen den weiblichen aufe: die Hifto- ri-e, Pl. Hijrori-en. So auch Lilie, Aomos die, Arie u. s. f. §. 210. Folglich bekommen im Plural ein bloßes n. 1. Alle weibliche Appellativa, welche sich auf ein e,endigen, sie mögen deutschen oder fremden Ursprunges seyn: die Ähre, Accife, Achse, Ameise, Amarclle, Amme, Ani'e, Ä-ite, Arche, Arme, Aue, Aufnahme, die Mittwoche, nicht der Mittwochen, und eine große Menge anderer, welche 5. Von der Declination. §. 210. 455 welche anzuführen unnöthig seyn würde. So wie man im Oberdeutschen das mildernde e an den männlichen Wörtern verbeißt, so lässet man auö eben der Neigung zur Härte auch das End e der weiblichen Wörter in vielen Gegenden weg, und spricht alsdann die Das, Vlum, Färb, Sach, Rüst, Schul, Hur, Gcms, Eidechs, Freund, Lied, Höh u. s. f. Das Wort Thür ist auch im Hochdeutschen ohne e sehr gangbar, und bekommt alsdann im Plural ein cn. 2. Einheimische und fremde weibliche Wörter auf ec und fremde auf ie, welche Sylben aber alsdann zweysylbig lauten: die See, Pl. dieSe-cn. So auch die Armee, Allee, Akademie, Phantasie , Harmonie u. s. f. z. Einheimische und fremde weibliche Wörter auf el: Achsel. Drossel. Aanzcl. Ampel, im Eichel. Rartoffel. Ob erd. für Epistel. Mingel. Lampe. Fabel. Augel. Amsel. Fackel. Nunkel. ?wgel. Fibel. Mandel. Aunkcl. Fidel. Mispel. Ayel, Älster. Fistel. Morchel. Bibel. Fuchtel. Muschel. Breyel, besser Gabel. ^ladcl. Vräizel. Geissel, mzst^x. Nessel. Capscl. Gurgel. Nestel. Clausel. Hechel. Nudel. Cymbel. Hummel. Orgel. Danel. Insel. Insel. Pappel. Deichsel. Ranunkel. Distel. Aachel. Raspel. Ff 4 Regel. 456 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Regel. Semmel. Tarantel. Röcheln, linZ. Sichel. Tronnnel. c-i>-. Spindel. Trüffel. Rohrdoinmel. Sporteln, ling. Zettel. csr. Machrcl. Sprenkel, auch Maffel. rOeichsel. Wiesel. VOindel. TVurzel. Zwiebel. Runzel. Schachtel. Schauste!, der. Scheitel, sonst Staffel. auch der. Stoppel. Schindel. Striegel. Schüssel. Tafel. Im Oberdeutschen gehen auch Gürtel, Spar-- gcl und Wispcl, weil man sie daselbst weiblich gebraucht, nach dieser Declination; allein im Hochdeutschen sind die beyden ersten mannlich, das letztere aber sachlich. 4. Einheimische und fremde abgeleitete weibliche Wörter aufcr: Lcper. Lider, Lat. 6. brg. Foirer. Goldammer. Halfter. Ader. Älster. Ammer. Auster. Biarcer. Vurter, lmZ. tiint. - Heuer, die Mic- Dauer, linZ. the. t-int. Holfter, Pisto- lLcker, im gem. lensutter. Leben für Ai- Jungfer. che!. Kammer, ^llcr, iin gem. Kaper. leb. für^Lrle. Kelter. Laser. Kicher. Riefer, Kinnbacke. Klafter. Klammer. Klapper. Leder. Leiter. Leycr. Lorder, besser Lordeere,denn Lorder, der Lorberbe.um od. iorberzweig ist männlich.^ Leder. Riefer, Fichte. Marter. Maser» 5.-Von der Declination. §.2IO.2II. 457 Maser. Schleuder. Trcdern, plur. Mauer. Schwester. taut. Narcer. Gchwiegcr,im Vesper. Nununer. Obet-deutfchen z für ^?chwa- ^ ' Wtter. ncrinn. ^^er. Scheuer. Steuer. ^ffer. Schulter. Trauer. Zither. Zwey Wörter weichen hier nur von der gewöhn« liehen Form ab, Murrer und Tochter, welche an Statt des charakteristischen n im Plural den Umlaut haben, die Mütter, die Töchter. Im Oberdeutschen haben sie beydes, die Müttern, die Töchtern, ohne dadurch völlig regelmäßig zu werden. Daß im Dativ das n wieder komme, den Müttern, den Töchtern, verstehet sich von selbst. Harte Oberdeutsche Mundarten, welche an vielen Wörtern auf er, de.6 c der Ableitungssylbe verbeissen, Maur, Scheur, Sreur, Traur,L.eyr, müssen den Plural solcher Wörter auf cn machen, Mauren, Scheuren, Sceuren, Traurcu, L.eyreu. §. 211. Die vollständige Sylbe e» hingegen be- 2. Aus en. kommen. 1. Einfache und zusammen gesetzte weibliche Wurzelwörter, wohin auch die mit Vorfylben abgeleiteten gehören; ingleichen viele alte abgeleitete - weibliche Wörter mit einfachen Ableitungslauten, dergleichen d, r und th sind, welche bey der verlöre«', gegangenen Bedeutung solcher AbleitungStaute für Wurzelwörter gelten können. Absicht, so auch Andacht. Arbeit. Aussicht, Anstalt. Art. zLinsichcu.s.f. Antwort. Vahn. Ff 5 Vay. 458 i-TH. a.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Vay. Dirn. Deicht. Vrut. Ducht. Lhur. Cur. Dirn. Einfalt, llnZ. tam. Fahrt. Flur. Fluch. Form. Fracht. Frau. Furcht, xlur. inullt. Geburt. Gebühr. Geduld, linZ. tant. Gefahr. Gestalt. Gewalt, liu^. r-int. Gegenwart, lins, tgut. Gift, Gabe, in Mitgift. Gluth. Grofiinuth. Hostahrc, imZ. r^ut. ^>l?ld, liuZ. tünt. Hurh. Jagd. Jungfrau. Nost, vi^u5, ^n?. kunt. Nllr, die Wahl. Last. 5. L.ist, Mark, Gränze. Manch, Zoll, ein nurOberd. Wort. Milch, lliiZ. rsnc. Nachricht. Nachtigall. Naht. ^ Pein, plur.inus. Pest, plur. inus. Pflicht. Post. Pracht, lu,Z. t^INt. predigt. Oual. Rast, lii^Z.tgnt. ^7>aat. Sau, bey den Jägern Sau- en,sonstSäue nach der folgenden. Schar, ü^mcn. Schau, tmZ. lZNt. Scheu, ilnZ. tsrit. Schicht. Schlachr- SchmachFnZ- tgnt. Schnur, nurv8. Schrift. Schuld. Schur, plur. iuul. Sorgfalt, 5iuZ> ti,M. Splir. Stirn. Streu. Sucht, linZ. t->ut. Thar. Thür. Tracht. Trift. Uhr. Vernunft, liuZ. Wut. Wahl. wehr, in Gegenwehr, Nothwehr, vlur. iuullr. Welt. rvill5 5. Von der Declination. §. 211. 459 lVillkühr, xl. Zahl. Zucht, imZ.tant. inulit. ^. . ^ . , Wuth, ll.Z. ^^c. Zrv.etracht, ^ ^ NU!^. t-NIt. tsnt. Zier. b Bey manchen dieser Wörter, welche nur im Singular allein üblich sind, ist es ungewiß, ob sie zu dieser »der der folgenden Declination gerechnet werden müssen, welche Ungewißheit indessen hier von keinen Folgen ist. Diejenigen Oberdeutschen Mundarten, welche so vielen weiblichen Wörtern im Singular das c am Ende entziehen, müssen ihnen solches im Plural wieder geben, und sie folglich nach dieser Form dccliniren. Dergleichen sind z.B. Aci)S, A!p, ein hoher Berg, Au, Bas, Eidechs, Fuhr u. s. f. für Achse, Alpe, Aue, Base, Eidechse, Fuhre. 2. Abgeleitete mit Endsylben. a) Einige auf ach: Heurarh, Heimath, Zicrath, bey einigen auch der Zierath. b) 'Alle auf ey: Arzeney, Fischcrcy, Diebcrey, Gasiercy, Aindcrey, Lttancy, Tändelcy u. s. f. c) Alle auf heit: Begebenheit, Bosheit, Gelegenheit u. f. f. d) Alle auf inn: Bäuerinn, Diebinn, Äbtissinn, Röniginn, Gattinn, Hündinn, und so ferner. , e) Alle auf keit: Billigkeit, Seligkeit, Fröhlichkeit, Herrlichkeit, Trunkenheit u.s.f. f) Einige auf sal: Drangsal und Trübsal. Wer ihren Plural Drangsale, Trübsale macht, behandelt diese Wörter als sächlich, in welchem Geschlechte sie doch im Singular nicht leicht vorkommen. g) Alle 460 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. g) Alle auf schaft: Bekanntschaft, Grafschaft, Herrschaft, Gesellschaft, Ivund- schaft, Freundschaft u. s. f. h) Alle Verbalia auf ung, wenn sie des , Plurals fähig sind: Beleidigung, Belagerung, Hoffnung, Begegnung u7s. f. i) Einige alte abgeleitete aufuth, ob sie gleich nur im Singular allein gebräuchlich sind: Anmuth, Armuth. Auch die unleugbar mit Muth zusammen gesetzten Wörter weiblichen Geschlechtes, wie Ixleinmuch, Großmuth, Demuth u. s. f. würden dieser Declination folgen müssen, wenn sie eines Plurals fähig wären. z. Viele fremde weibliche Wörter, welche sich nicht auf ein weibliches e endigen, besonders wenn sie den Ton auf der letzten Sylbe haben: ^7arur, Figur, (5ur, Professur, prälatur, Mainer, Majestät, Diät, Lacultät, Concordanz, (Observanz, Provinz, im Plural Provinzen, nicht provinziell , Person, Musik, Arithmetik u. s. f. Abweiche»- §. 212. Zu den Abweichungen dieser Declina- de Wörter, tion gehören besonders: 1. die schon gedachten Mutter und Tochter. 2. Die Lasten, welches im Singular und Plural unverändert gebraucht wird, dagegen im Oberdeutschen der Singular richtiger die Laste lautet, z. Das Wort die Geschichte, welches im Plural die Geschichten haben sollte, allein am gewöhnlichsten gleichfalls Geschichte lautet, ohne Zwsiffel von dem veralteten Oberdeutschen Singular die Geschickt, der nach der folgenden Declination im Plnral völlig richtig die Geschichte hat. Achte 5. Von der Declination. §. 2^.2:4. 461 Achte Declination. Achre Declination. Singular. Plural. Nomin. Nomin. e. Genit. - Genit. e. Dativ. Dctt. en. Accus. Accus. e. §. 21z. Diese begreifst alle Äbrige allgemeine Ihr Cha« weibliche Nahmen, welche im Plnral an Statt des raktcr. en oder n nur ein e annehmen, aber dafür den Umlaut bekommen, wenn sie dessen fähig sind. Der Dativ des Plurals nimmt noch ein n an, welches im Oberdeutschen auch wohl der Genitiv bekommt. §. 214. Die Wörter dieser Declination sind: Wörter i. Einfache und zusammen gesetzte Wurzel- derselbe«. Wörter, ingleichen alte Ableitungen auf fr, st und t, welche insgesammt den Umlaut haben, das einige Leinwand ausgenommen. Aderlaß. Angst. Arr. Hand. Haur. Zxluft. Armbrust. Vraft. Auh. Dank. Braur. Brunst. Brust. Burg. Laust. Runft, in Einkünfte, Auskunft, Ankunft u. s. f. Kaufte, xl. tam. in Zeitläufte u. s. f. Lluchr, itt?lusfltlchc. Frucht. Gans. Laus. Geschwulst» Gruft. Gunst. Leinwand, ohne Um« laut, aber das Gewand, p!ur. die Gewänder. Luft. Lust. 462 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Luft. Schnur, iiimn. Macht, die Mächte; Schoß, die Schoße. aber Vollmacht und Schwulst. (Ddnmackr, gehen ^ ^ ^ noch der ?ten, die ^p""' Vollmachten. ^ 3"""uen ^eben oft Macch. ^^^'1'' Maüs. ^'^r, ucb... Nacht. Srarr, Stelle, in Bett- Nabr. starr, Lreystatt u. s. f. Nisse,imHaare,imZ.ear. Aber die Stätte, p!. Noth. öie Stätten gehet Nuß. der vorigen. San, die Saue, bey den ^Vand. Jägern die Sauen, 5Vm-sr. nach der ?ten. Zunft. Einige wenige Wörter werden im Hochdeutschen oft ohne Umlaut nach dieser Declination gebeuget, die Furce, Pflugschare, da sie als weibliche Wörter nach der vorigen Furten und Pflugscharen haben sollten. Allein jene Plurale sind vielmehr von den noch nicht ganz veralteten sachlichen Nominativen das Lurr, das Pflugschar. Spreu und Nisse sind vielleicht die einigen Wurzelwörter dieser Declination, welche des Umlautes unfähig sind. 2. Einige abgeleitete auf niß, welche bereits §. 149. verzeichnet worden. Allgemeine Anmerkungen über die Deutsche Declination. Schw-in- Man hat der Deutschen Declination mehr als kcndcv in einmahl den Vorwurf gemacht, daß sie schwer, un- der,elbeu. ht>stimi,u und schwankend sey; allein im Ganzen ist sie eS nicht mehr, als in einer jeden andern Sprache, 5. Von der Declination. §.214.215. 46z che, welche die Verhältnisse an den Wörtern selbst auszudrucken pflegt, indem die Bezeichnung dieser Verhältnisse auf sehr dunkele Empfindungen in der Kindheit der Sprache beruhet, welche bey weiterer Cultur wieder verloren gehen, daher uns nunmehr das meiste in den Declinationen so willkührlich zu seyn scheinet. Wahr ist es indessen, daß die Declination sehr vieler Wörter im Hochdeutschen abweichender und schwankender ist, als in den Mundarten; allein dieses rühret größtentheils von den letztem selbst her. Die größte Verwirrung hat, wie , auö dem vorigen erhellet, die Oberdeutsche Verbeis- fung der Ableitungssylbe en in dem Nominativ der Einheit verursacht, wodurch ihre bestimmte und ursprüngliche Declination verdunkelt worden, daher man sie im Hochdeutschen in den übrigen Endungen bald ohne alle Ableitungssylbe, nach der ersten Declination, bald mit wieder hergestellter Ableitungssylbe, und zwar hier wiederum auf verschiedene Art, zu beugen pflegt. Da nun in den Declinationen überhaupt der Gebrauch in den meisten Fallen der einige Richter ist, so kommt es denn auch hier bloß darauf an, welche Art der Declination bey. jedem Worte im Hochdeutschen die gewöhnlichste ist. §. 215. In der iehre von dem Plural ist bereits Substantiv gezeiget worden, daß nicht alle Substantive eines va Defecri- Plurals fähig sind, weil die Sache, welche sie be- v«. zeichnen, entweder nicht mehrmahl vorhanden ist, oder doch nicht in der Mehrheit gedacht werden kann oder soll. Andere haben den Mangel des Plurals bloß dem unterlassenen Gebrauche zu danken, weil das selbständige Ding, welches sie bezeichnen, selten in der Mehrheit vorkommt, oder doch selten als mehrfach ausgedruckt wird. Das letzte gilt zum Theil 464 i. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Substantiv. Theil auch von den Verhältnissen, in welchen ein Ding, es sey nun einfach oder mehrfach, gedacht werden kann, das ist, von den CafibuS. Wir ha-- ben im Deutschen, fo wie in andern Sprache», Substantiv«, welche nur in einem oder dem andern Ca-- sn, in einer oder der andern Verbindung, besonders mit manchen VerbiS und Präpositionen, üblich sind, und sich zum Theil den AdverbiiS nähern, wenn sie nicht anders als ohne 'Artikel gebraucht werden können. Dergleichen sind z. B. Acht: sich in Acht nehmen, Acht auf etwas haben, aus der Acht lassen. Angst, von welchem im Plural nur der Dativ üblich ist, in Ängsten seyn. Bedacht; nur in der Redensart den Bedacht nehmen. Betracht, nur in der R.A. in allein Betracht. In andern Fällen ist Betrachtung üblicher. Bewußt und Vorbewußr: nur meinem Bewußt, ohne meinen Vsrbewußr. Braus und Saus, nur in dem Ausdrucke, im Sause und Brause leben. Entgelt», nur mit ohne, ohne Entgelt», d. i. umsonst. Falsch fiir Falschheit, gleichfalls nur mit ohne, ohne FalZch. Fug: mir Fug und Recht, Fug zu etwas haben, obgleich die letzte R.A. auch nur sel« ten gebraucht wird. Harre: in die Harre, d.i. in die Länge. Herz, wenn es Muth bedeutet, wird nur im Nominativ und Accusativ der Einheit gebraucht. Lebzei:: bey meinen, bey seineu Lebzeiten, nur noch im gemeinen ieben. Noth 5. Von der Declination. §. 216. 465 > !7!orh leidet den Plural nur im Dativ, und auch hier nur noch in einigen Zusinnmeusetzungen, in Nindcsnöthen. Schwang, nur mit in im Dativ und Accusativ, in den Schwang bringen, kommen, im Schwange seyn.' Starr: Statt finden, Statt haben, an meiner Statt, an deiner Statt. Und mehrere dergleichen, welche, außer einer dder der andern eingeführten Form, nicht weiter üblich sind. §. 216. Wenn Wörter selbständig gebraucht Judecllna.- werden, welche nicht eigentlich zu Nahmen selbftän- bilia. diger Dinge gepräget sind, d. i. wenn andere Redetheile, alö da6 Substantiv und Adjectiv, als Hauptwörtergebraucht werden, so sind sie keiner Declination fähig, sondern bleiben in allen Casibuö unverändert: die Nichtigkeit des Mein und Dein; alle diese Ja und l^ein; ein Er und eine Sie, von welchem letztem Worte man doch im gemeinen Heben den Plural die Siecn hat; alle diese Lichts; sein theures Ich. Dahin gehören auch alle diejenigen Zusammensetzungen, wo das bestimmte Wort, oder die letzte Hälfte, ein solcher Re- detheil ist, welcher eigentlich keine Declination leidet: ein Taugenichts, alle diese Caugenichts, ein Gernegroß, ^Innmersatt, der Äehraus, der Garaus, das Schabah u. s. f. Ausgenommen sind nur die Infinitive der Verborum, welche aber ihrer Natur nach zunächst an das Subsianti- vum gränzen, und dasselbe mit dem Verbo verbinden. Streitig hingegen sind noch die Adverbia, wenn sie, wie oft geschiehet, ohne Concretinis- Zeichen als Substcmtiva gebraucht werden: das Adel.jv.Spr. Gg Schwarz, 466 i.TH. 2.Abschn.2.Kap. Substantiv. Schwarz, das Vlau des Himmels, ein schönes Grün, Ginngrün, das jLyweiß, das Dunkel, das Rund der Erde, das Darein, Deutsch, Griechisch, Französisch u. s. f. Gemeiniglich beuget man solche Wörter nach der ersten Declination, die Schwere des Vleyweifses, die Dunkelheit des Braunrothes, die Schönheit seines Lateines. Allein es scheinet richtiger, nnd ist wenigstens analogischer, alle diese Wörter unverändert Zu lassen, indem sie nicht eigentlich zu Substantiven bestimmt sind: die Schönheit seines Latein, die Schwere des Vleyweiß, ein Strauß von Tausendschön/ zitterst du vor diesem Dunkel ^ weg mit dem Rund der Erde! Die Endungen des Vlauen, dein Schwarzen, dem Rothen, sind lu'cht von diesen AdverbiiS, sondern von ihren concrescirtett Adjectiven das Vlaue> Schwarze, Rothe. Siehe auch 326« Wörter §. 217. Aus dem vorigen erhellet, daß im Deut- mehrerer scheu sehr viele Wörter auf mehr als eine Art decli- Dcclina- werden. Ich übergehe diejenigen, welche in einer Mundart nach dieser und in einer andern nach einer andern Declination gehen> wovon sehr viele schon im vorigen mit angeführet worden; ich übergehe ferner diejenigen, welche in der collectiven Bedeutung einer andern Declination folgen, als in der distributiven (S. §.186.), ferner diejenigen, welche, wenn sie ein bestimmtes Maß, Gewicht u. f. f. bedeuten, im Plural von der gewöhnlichen Form abweichen (S. §. 166.167.), und endlich diejenigen, wo das verschiedene Gefchlecht zugleich eine Verschiedenheit der Declination bewirket (S.15Z f.), und erwähne hier nur noch derjenigen, welche in einerley Geschlechte, aber in verschiedener Bedeutung, eine zwiefache 5. Von der Declination. §.217. 467 zwiefache Declination erfordern. Die vornehmsten find folgende: Die Dank, lc-immim, Plur. die Danke; aber von einer Geldbank, Pl. die Banken. Der Bär, m-lus^ des — en, Plur. die — en/ auch wohl deß — ee, Plur. die —e, nach der ersten. Aber wenn es im Wasserbaue einen Damm, zuweilen auch ein Werkzeug zum Schlagen bedeutet, gehet es allein nach der ersten. Der Barbär, des —en, Pl. die—en, ein wilder, grausamer Mensch; aber der Barbar, des — s, Plur. die —n, ein Pferd aus der Barbarey. Der Bauer, rult!cu8, des—6, oder — n, Ps. die —n; aber unmittelbar von dem Verbo bauen, der Erbauer, des - s, Plur. die Erbauer, nach der dritten, welcher auch das Bauer, der Käfich, folget. Das Bert, des —es, Pl. die — en, von ein- zelen Stücken; aber Pl. die Bette, collective, die Gastbette, Faulbette, Ehebette. Der Bogen, des —s, Pl. die Bögen; aber von Werkzeugen zum Schießen und von dem Papiere, die Bogen» Der Druck, des — es, Pl. die —e, ohne Umlaut; aber in ^»Zusammensetzungen die Abdrücke, Eindrücke, Ausdrücke u. s. f. mit demselben. Das Ende, Plur. die Ende, Arten des Beschlusses; aber die Enden, am Ende abgeschnittene Stücke. Das Gesichr, Pl. die — er, nach der zweyten; aber von Erscheinungen, Pl. Gesichte. Gg 2 Der 463 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Der Halm, des — es, Pl. die — e, distributive ; aber die Salinen collective. DerKaden, Fensterladen, Plur. die Laden, ohne Umlaut; aber die Äuchläden, Kramläden u. s. f. mit demselben. Die Macht, die Mächte; aber in Ohnmacht, Plur. die Ohnmachten. Die Sau, Pl. die Säue; aber, wenn es ein wildes Schwein bedeutet, die Sauen. Die Schnur, nuru5, Pl. die-en; aber6Ium, Plur. die Schnüre. Der Srab, des—es, Plur. die Stäbe; aber inDuchstab, welches unstreitig damit zusammen gesetzt ist, des — ens, Plur. die Buchstaben. Der Stahl, des —es, Plur. die Stahle, Arten Stahles, ohne Umlaut; aber von Werkzeugen, z. B. bey den Kunstdrechslern, Plur. die Stähle. Der Strahl, des-—es, Plur. die — en; aber der Dreystrahl, Lünfftrahl, Sechsstrahl, in der Naturgeschichte, Pl. die — e. Das Stück, des —es, Plur. die — e; aber wenn es Kanonen bedeutet, Pl. die Stücken. Der Zack, des-en, Plur. die-en; aber dee Dreizack u. s. f. Plur. die - e, wie Strahl. Zusammen- §. 218. Noch verdienen die mit Mann zusam- setzungcn men gesetzten Wörter, von welchen einige im Plural "ür M""" ^-inänner, andere aber —leure, andere aber und Leute. Hemdes zugleich, obgleich mit verschiedenen Nebenbedeutungen, haben, eine Anmerkung, indem Personen von minder feinem Geschmacke in ihrem Gebrauche häufige Fehltritte begehen. Mann 5. Von der Declination. §.2i8. 469 Mann bedeutete ehedem einen Menschen, und in engerer Bedeutung eine Person überhaupt, wovon theils in den unbestimmten PronominibuS man, jemand, niemand, theils in den R. A. der dritte Mann, die dritte Person, etwas an den Mann dringen, wenn ^loch an Mann gehet u. s. f. theils in den Zusammensetzungen Aundmann, ITXihnnann oder Gewährsmann u. s. f. noch Spuren übrig sind, als welche ohne Unterschied des Geschlechtes gebraucht werden. Jetzt braucht man es am häufigsten in eingeschränkterer Bedeutung, sowohl von einer Person männlichen Geschlechtes überhaupt, als auch in engerm Verstände mit dem Nebenbegriffe, sowohl einer verheuratheten männlichen Person, im Gegensatze der Frau, als einer männlichen Person von entschlossenem Muthe und anständigem gesetzten Betragen. Leute ist im Hochdeutschen nur allein im Plural üblich, und auch hier nur als ein Collectivum, mehrere Personen ohne Unterschied des Geschlechtes von unbestimmter Anzahl zu bezeichnen, doch mit dem Nebenbegriffe, daß es entweder uns unterworfene, oder doch geringe, verächtliche Personen, Personen aus dein Volke sind. Als ein Collectivum kann es mit keinem bestimmten Zahlworte gebraucht werden, (nicht Zwey, sechs, zehn Leute, aber wohl viel, wenig Leute,) so wie es wegen des ihm anklebenden verächtlichen Nebenbegriffes in der edlern Schreibart nie von Personen gebraucht werden kann und sollte, von welchen man mit einiger Achtung zu sprechen Ursache hat, so gemein es auch im gemeinen Leben ist, dieses Wort für Personen überhaupt zu gebrauchen. Eben dieses gilt nun auch von den mit beyden gemachten Zusammensetzungen. Die Zusammen- Gg z setzungen 4?o i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. setzungen mit Teure bezeichnen mehrere Personen von geringem oder niedrigem Stande, und unbestimmter Anzahl ohne deutlichen Unterschied des Geschlechtes: Ardeirsleuce, Bettelleute, Fuhrleute, ^nerhleure, Spielleme, Zimmerlcmc, Dienstleute, Hergleme, Eheleure. Wer Amtleute, Hofleure, Schiedsleuce u. s. f. mit dieser Benennung bezeichnet, giebt zu erkennen, entweder, daß er dergleichen Personen als seine Untergebene anstehet, oder doch, daß er ihnen keine Achtung schuldig zu seyn glaubt. Indessen ist doch Nauf- leute ohne diese verächtlichen Nebenbegriffe gangbar; allein für Edelleute gebraucht man in der edlern Sprechart lieber der Adel oder einen andern anständigen Ausdruck. Die Zusammensetzungen mit Mann hingegen lauten im Plural —männcr: i. wenn man von Personen männlichen Geschlechtes mit Achtung spricht: Amtmänner, Hanptmänner, 2xauft Niänucr,>)of!Nänner,Sct)iedS!?,änner. 2.Wenn ausdrücklich Personen männlichen Geschlechtes bezeichnet werden sollen: Bettelmänner, zum Unterschiede von Bettelrveiberu, Handelsmänner, z. Wenn zugleich der Begriff männlicher Eigenschaften und Vorzüge mit eintritt: Staatsmänner, Ariegesmänner, Biedermänner, Ehemänner, Tochtcrmänncr. 4- Wenn ein bestimmtes Zahlwort dabey ist: zrvcy Fuhrmänner, Hettelmänner, nicht Fuhrleute oder Vetrel- leme. b. Declination der fremden allgemeinen Nahmen. Allgemeine ^. ^ ^ < <.^„ . NMl d?x? §' ^9' ^Ue Untersuchung, wie fremde Wörter ftibm- in die Deutsche Sprache aufgenommen, oder nur in 5. Von der Declination. §.219. 47, jn derselben gebraucht werden können, gehöret nicht in die Sprachlehre, sondern in die jehre von der Schreibart» Indessen merke man hier so viel, daß man fremde Wörter nicht ohne die höchste Noth gebrauchen müsse, und nur dann, wenn ein Begriff mit einem einigen Worte ausgedruckt werden muß, und die Deutsche Sprache keinen allgemein bekannten oder lejcht verständlichen Ausdruck hat, der ihn erschöpfte. Da dieses am hausigsten von den Kunstwörtern in den Künsten und Wissenschaften gilt, so können wir auch hier der fremden Wörter am wenigsten entrathen, und es ist alsdann mir die Frage, wie sie im Deutschen decliniret werden müssen. Da alle Deutsche Sprachlehren davon schweigen, so muß hier desto umständlicher davon gehandelt werden, je mehr auch wohl Gelehrte in diesem Krücke zu fehlen pflegen. Die Sprachen, von welchen die Deutsche Substantive zu entlehnen pflegt, sind in Ansehung der Declination von gedoppelter Art. Sie beugen entweder ihre Wörter am Ende gar nicht, sondern de» cliniren sie bloß vermittelst des Artikels, und bezeichnen allenfalls nur die Mehrheit auf eine oder die andere Art, wie die Französische, Italienische und Englische Sprache; oder sie haben für jede Zahl eigene Biegungösylben, wie die Griechische und ia- reinische. Die Wörter von der ersten Art machen weiter keine Schwierigkeit, indem man sie, wenn sie nicht schon auf eine oder die andere Art ein Deutsches Ansehen erhalten haben, eben so unverändert läßt, als sie in ihrer Sprache sind, und sie bloß durch den Deutschen Artikel decliniret, zumahl da die Deutsche Sprache beyde Biegungsarten in sich vereiniget, und ihre Wörter vermittelst des Artikels und^ der Biegungssylben zugleich decliniret. Das Gg 4 Adagio, 472 i.TH. I.Abschn. 2. Kap. Substantiv. Adagio, des Adagio, alle diese Adagio. So mich Agio, Conto, Corps, Degouc, Comcoir, Aparcement, Arrangement, 2lvancemenr, der ^?aicon, das 2^rouillon u. s. f. Es scheinet unschicklich, diesen Wörtern mit Beybehaltung ihrer ursprünglichen Aussprache Deutsche Biegungssylbsn geben zu wellen, und des Aparremems, 2)rouil- Ions, Valcons zu sagen. Die weiblichen Französ. Wörter sind, besonders wenn sie sich auf ein e endigen, und daher den Deutschen ähnlich werden, biegsamer, indem sich ihr Plural ohne Bedenken auf n machen laßt: Adresse, Adressen, Ajscmblce, Ajsemble-en. So auch Apanage, Amicham- dre, Mee, Allianße, nicht Allianz, welches wider die Aussprache ist, weil sich das Französische vor e und i, und das c nur dur6) das Hochdeutsche j) ausdrücken laßt, daher nwnam richtigsten Älenßon, Vcsanßon, Cadenße, Vraßelettcn u.s.f. schreibt. Diejenigen Französischen Wörter hingegen, welche bereits auf Deutsche Art ausgesprochen werden, und dadurch gewisser Maßen naturalisiret worden, können und müssen auch auf Deutsche Art decliniret werden: der Accord, des Accordcs, die Ac- corde. So auch Affront, Appetit, Credit, Amant, des — en, die — en u.s.f. Wenn sich solche Wörter auf ein geschärftes el, et, or, M und so ferner endigen, wo der ConfonanS in der Declination verdoppelt werden muß, so sollte man ihn auch im Nominative gedoppelt schreiben, der Cadett, des Cadctten, die Cadetten. So auch Bouquctt, Comp.'occ, Labincrc, Lartell, Dan- kcrizrr u. s. f. Die vornehmste Schwierigkeit betrifft nur die aus dem lateinischen entlehnten Wörter; denn da die Griechischen durch die lateinische Sprache zu uns gekom- 5. Von dcr Declination. §.219. 47z gekommen sind, so folgen sie insgesammt der lateinischen Declination. Man pflegt dergleichen Wörter, wenn sie im Deutschen gebraucht werden müssen, auf eine vierfache Art zu behandeln. 1. Man lässet ihnen ihre eigenthümliche Declination. Diese ehedem sehr gangbare Art hat jetzt viel von ihrem Werthe verloren, seitdem der Geschmack so sehr verfeinert worden, daß man das Unschickliche empfindet, welches aus der Vermischung mehrerer Sprachen entstehet, daher man fremden Wörtern, wenn man sie nicht entrathen kann, wenigstens in der Biegung ein Deutsches Ansehen zu geben sucht. Indessen kann man die Lateinische Art doch nicht ganz entbehren, besonders nicht, wenn ein oder das andere Wort, welches sonst eben im Deutschen nicht gangbar ist, entlehnet werden muß, die Derveisrraft dieses Dicti; oder wenn ganze Redensarten gebraucht werden müssen, z. B. (>'vu> curlu-, cr?cüt«rmn, l^vlica tscra, welche man daher auch lieber mit lateinischen Buchstaben schreibet; oder endlich, wenn ein lateinisches oder Grie» chifcheS Wort, keine Deutsche Declination anneh- mehmen kann, und sich auch nicht dazu geschickt machen lässet; z. B. des Verbi, die Dcrba. Um nun bey diesen und andern Wörtern sowohl der lateinischen als der Deutschen Declination auszuweichen, hat man in den neuern Zeiten einen gedoppelten Weg versucht. 2. Entweder den Nominativ dcr Einheit durch alle Endungen und Zahlen unverändert zu gebrauchen, und die Declination, wie oft bey eigenen Nahmen üblich ist, bloß durch den Deutschen Artikel zu verrichten: d»s Adverbium, des Adverbium, dein Adverbium, Plur. die Adverbium, der Adverbium, den Adverbium. Oder Gg 5 z. um 474 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. z. um die Casus noch merklicher zu machen, diesem ungeänderten Nominative des Singulars Deutsche Biegungssylben anzuhängen: der Concursns, des Concnrsufses, dein Concursusse, die Con- cursusse; die Corpujse des Delicrums. Da man denn den Masiulinis und Neutris im Plural wohl gar die Niedersachsische BiegungSsylbe s anzuhangen pflegt; dieVorbuins, die2ldverbiums, die Nomens, Pronomens, die Paters, die Lonfracers u, s. f. Wie barbarisch und verwerflich beyde Arten sind, wird sich erst alsdann hinlänglich einsehen lassen, wenn man den eigenthümlichen Bau solcher Wörter ein wenig näher hat kennen gelernet. Der sicherste und der Natur der Sprache angemessenste Weg ist freylich, diese Wörter auf Deutsche Art zu decliniren; allein nicht auf die beyden jetzt gedachten Arten, sondern sie müssen, 4» erst dazu geschickt gemacht werden, Deutsche ' Biegungssylben anzunehmen. Dieses kann nun nicht geschehen, wenn man nicht von dein Baue dieser Wörter selbst einige Kenntniß hat, daher hier etwas davon gesagt werden muß, Bau der §. 220. Die Deutschen Hauptwörter sind ent- Griechl- weder, 1. nackte Wurzelwörter, wie Vacl), Hall, L^.-,""" Ahn, Saal u. s. f. oder 2. angekleidete und aus- schen Sub- gebildete Wurzeln, wo der Wurzellaut, durch alte stantiven. Ableitungslaute näher bestimmt worden, Art, Arzr, Angst, Jagd, Flucht, Herz, Schmer; u. f. f. wahre Ableitungen, deren Ableitungslaute aber durch die iänge der Zeit unkenntlich geworden, daher man sie in vielen Fällen als Wurzelwörter ansehen kann und muß. Oder endlich z. abgeleitete Wörter, wo die Ableitung bekannter, bestimmter und regelmäßiger ist, dahin alle diejenigen gehören, welche sich 5. Von der Declination. §.220. 475 sich auf ein weibliches e, aufde, el, er, ey u.s.f. endigen, und welche schon §.izz f. angezeiget worden. Eben dieses gilt auch von den Griechischen und Lateinischen Wörtern. Um nur bey den letzter» stehen zu bleiben, so sind sie entweder: 1, nackte Wurzeln, wie aex, box, cor, cos, clox, tsr, isr, fel, rur, jux, Igc, jsr, Isux, lix, müx, mel, mox, mus, os, ^>cir, pex, pux, reu, rex, rox, iux, ial, 5»! U.s.f. Oder 2. angekleidete Wurzeln, oder alte Ableitungen mit einfachen Wurzellauten, wie »r», srx, 6ux^ rex, ciux,tgx, trotzt!, ejeux^, calx, foux, tors, mbx, Zeox^ Iiiems, I^inx, ^21^ son«, vrbx, co.^orx, meux Ivnx u. s. f. Oder endlich z. abgeleitete mit besiilnmten und erweislichen Ableitungssylben, welche wieder entweder einfach oder zusammen gesetzt sind. Ich will von jeder Art nur ein Paar zum Beyspiele anführen, Einfache, Das mannliche 6, welches mit dem Deutschen mildernde e wenigstens in vielen Fallen, noch mehr aber mit dem Concretions e der Adjectiven verwandt ist; sc-cot---, noini.ciä-2, iivri -j°>et - s. Das weibliche K, verwandt mit dem weiblichen e; sl-gi mil-s, Lur-Ä, bruii^L, »r-g, bkirb-i>, cgucl-»^ cgu5-2, clsni-g. fl/, verwandt mit dem Deutschen el: »mm-gl, c^it-sl, cervic-s^ bjcleut-stl, iubc!iv-sl, jLAUt-sI. ^ e^, 07-, verwandt mit dem Deutschen er; ^cglc-gi-, cocjile-!u-, ^>I-> ai ; a.er, üK-er, (Ack-er,) ^AZ-er, sn5. er, (Gans-er,) cgrz-er, oll'-er, L^nc.er, csrc^er, cult-er, l^gZiü-er, (Meist-er,) tsb. er, 476 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Islz-er, lizt-er, säult-er, gc-or, aä-or, arli-or, 3sc^n.c>r, glb-or, 2in-c>r, csl-or, cl^in-or; eb-ur, zuZ-ur, 5ein-ur, rob-ur, 5u1» - ur. Q/,e/,/^,o/.' Jet-sz, sell.g5, sn-g8; ar>i.o8, sl-e8, »m»ex, eesv-es, col-ex, com-e«, crat-es; Lzto->8, gri->8, bur-i8, bil-ix, czul- 15, elsv-is, febr-i8, 5el.l8, futi->8; Iio-nos, cull-VX, NLV -08. «/, verwandt mit dem Deutschen er: ac-ur, sc.-Lrv.uz, zun-118, bol-u8, cie.u8, cciinv-n«. Aber auch weiblich, ->!n-n8, slv-u?, sn-ux, oecin-ux; und sachlich: co: ^ - ux, (Körp - er,) ciee-ux. 05c, eÄ?, 0Ä?, curr-ax; -ex, c-ir-sx, cocj-ex, cort-ex, cul-ex, ciin-ex; esl-ix, csrv-ix, cnrn-ix, coten6-ix, nutr-ix, raä» ix, vi6tr-ix; ccl-ox, c>omb-)^x. t/o, verwandt mit der Deutschen Sylbe—de: srun.cio; oft mit eingeschaltetem e: gcre-äo, sibs-cio, iil^re-cic», ersÜ'e.cicz; oder i: cu» jzi-czo, cievi-c!o. e», verwandt mit dem Deutschen —en: cluci. en, colum-en, culin-en, olc-en, ilum-ei^ peci - en, cgi in - en, lein - en, (Sam - en). sera-men, sbcjg-men, scu-men, sin. inen, slbu-inen, ceita-inen, cons-men- clc>- cu - inen. tcz/, verwandt mit dem Deutschen -de: gemeiniglich mit vorher eingeschaltetem i: scerb-i- tü8, creciul-i-r-i8, cle-i-tg8, ^troe-i-tsx, crJll"- i. t!Z8. o, verwandt mit dem Deutschen männlichen e: Kub-o, but -o, csl-o, cao-o, cau^ -o, csi -o, csrci-o. 5. Von der Declination. §. 220. 477 cgrcl-o, ccpt-o, cercl-o, curi-o, 6lgc-o, e^ul-o, eri-.o^ ksbul-o, le.o, (Leue, iöwe,) Ilom-o, Istr-o. U.' coru-u. AM.' bell-um, sev-um, lcgmn-um, coel-un^ ceMr-um, bull-um u. f. f. Zusammen geseyte. Deren Anzahl sehr groß ist. Überhaupt bemerke man, daß die nackten und angekleideten Wurzelwörter im lateinischen weit seltener sind, als in der Deutschen Sprache, ohne Zweiffel, weil man bey der Cultur der Sprache, die vieldeutigen Wurzeln durch die Ableitung näher zu bestimmen für gut gefunden. Oft ist solches durch einen bloßen Vocal geschehen, welcher in vielen Fallen keine andere Absicht haben konnte, als das Wort wohlklingender zu machen, so wie die Deutschen das mildernde e in gleicher Absicht haben. Von den zusammen gesetzten Ableitungssylben nur wieder ein Paar zur Probe, indem ein Mehreres hier an dem unrechten Orte stehen würde. am/, acn, ac^m, i^/, ^a, verwandt mit dem Deutschen lg, icht: smaracus, ologca, brgs- jicgj tabriLü, zmicus, carruLg. «Ao, ?F«, »Fv, gleichfalls verwandt mit ig z cs^illgAo, carrsAv, LzirgA», LgrlilsZo > coria- ^0, calioo, cluucliZo, e/uriAv, LgjiAg, aeru- > slbu^o, ZuruZo. biJLLliisIs, cssesle^ cortMgls, cubitüle, clentale, sneliorsle, Fgbsle; bovile, csjzrilc, cubile^ cczuile. e/«, e/l'o, e/tt/, //s, z'/o, «/a, «/w, tt/mm, alle verwandt mit dem Deutfchen el; csnc!e!-i. 478 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. csnclejg, cicincielü, cli>ntela, cusin^elz, grc??° lio, carcjueiix, cgmelu5, »c^uilü^ gc^uilo, e^u- lae, evuium, cuiculio^ eciulium. etta, »zu»/, und das ver-» verstärkte «?M, o?7»/, zum Theil verwandt mitinn, zum Theil mit cn: c->m. ^)!>ngj cirgcgcna, iial-icna, gvena, catens, cru- t^ena, g!ienum^ cgrenum, cncjuma, cortin^, crini»3, c?ving, culitw» i»c!ina, ^iving^ nK» cing, gcinux, ülnms, ^ci^Iiiliu5, inc^uilinuz^ Fgl^ulinus^ ^iicliinnu^^ circiimu^ cui^iuum, gnuongj Kelicng^ coruns, colnnu5, e^ulnnuz. K?-/^/, o^m, en»?/?> on'lttn.' sbic- tsriux^ ZcugiiU5; acrurius, üUzgiivz, gn5crg. rill», spigriu8>j gllnaiiu«; ü^ruizrig, gr^enkaiis, cellgri^j cori-irui, cruc1->iiü, ^uceliarig, Kar^ t)ntc>ria; ges!u!irium, Zpilirium^ Jrensiium, oolumkai'ium, Krevi-irium, ci!z«nuin, c!ncIo. tiuin, cocnatoriuin, cülce^rium, ^»jonzriuin^ coiiAigiiuln, cerZrium; sUciirorium, cvu6i. torilim, 5ü6ic»ium- Kttt/, i^»/, o^, ei»»?, semulatm^ groirr!ltu8, ai,iANi-stU5» cloig^u8^ ciucstu«, can6ic!gtU8^ eczuitstux, bolotUs, aucii- tu3^ !zgrrit>i8, eatsinitn8; cgilirs^ corbitg, cu- curbita; cuiningtum, cei alum, en ütum, sce. tum, lecretum, amulemni, cnncietuin, elcu. jetum, gilzorettlm, grunliine-tum, bucettim^ (verwandt mit ichr, in Eichicht, Weidicht U« s. f.) cu^>itum. ött/ltt«, M/u/.' gcctcioulum, conciliz. ouIuiN j cunsbulum, ^ic'iizuluni, 6iicijiulu5. Ki/tt/, ctt/^Z, ctt/AM.- cuniculux, clenticulus, in^ ^icvlux, silerculus, gnlerculu;, euliculm, c-or« niculs, 5. Von der Declination. §.220. 479 tucula, coticulg, gcicula, corculum, crulcn» jum. Aber nicht bloß Verkleinerungen zu bilden: gUAurgculum, conceptüLuIum, rece^ ptüLvIum, crejzitsculum, Lubiculum^ cuiri- culvm, cii5c:elniculum- t//»/, c//«, e//»»?/ M//^ ?^//»/, lauter Verkleinerungen: 3ZeIju>, svnel. lus, 2NlicI^u5, s5eilu!iz cgjzells^ cJtcjlg, ci. ^leljg^extclis; c-zpitellum^ caileilum, cere- dellum> cribeüuin; Lstiliu^^ cyc!iiul!u8^ bs» cillu«, lzgtillux; Sxijlg^ snciüa. srmiüi!; b-l- cillum, cre^itscillum ^ cucullu«^ cc^>ul!g. e^ttm.' smentum, srAentuw^ cai^eiuum^ coe^ Meinung svernU^ cavcrns, cisierns, IsternS. MÄttM." consmentuM, cremeiUum, cnnciimen- tuin, grmgmentum^ slrgrnentum, incluwen. tum, clocumeMum u. s. f. «?o»m, einerley mit mm, nur mit einer weiblichen Biegungösylbe: scrirnouigz slimoni^ cserimonig, cgltiinonia^ 1!nd eine Menge anderer mehr, welche oft ss sehr zusammen gesetzt sind, daß auch die Wurzelsylbe, weil sie zu weit von dem Ende kommt, wie in sccemiunculä, aeciiiiLgtiunculZ, ihren eigenthümlichen Ton darüber verlieren muß. Indessen siehet man bald, daß nicht alle zu der Wurzelsyibe hinzu gekommene Sylben bloße Ableitungssylben sind, sondern viele sind entweder Geschlechtösylben, oder bloße Biegungssylben für den Nominativ, in welchen letztern die Griechische und lateinische Sprache etwas eigenes vor der Deutschen voraus hat, indem sie bey ihrer vollständigem Declination in vielen Wörtern eigene 4aute haben, das Verhältniß des Nomi« 4Zo i.TH. 2.Wschn. 2.Kap. Substantiv» Nominatives in der Einheit zu bezeichnen, welches im Deutschen nicht ausgedruckt wird: cau-al i>, car-oin-al-iL, ^niin-ui-a, k^l^-iLiil-U8, cg^ell. not.gr.iuü; wo die letzte Sylbe allemahl die Biegungssylbe für den Nominativ, die vorletzte aber die Ableitungssylbe ist. , Auf die Kenntniß dieses Unterschiedes beruhet nun der ganze Handgriff, die fremden Wörter zur Deutschen Declination geschickt zu machen. Sollen sie aufDeutschc Art, d.i. mit Deutschen Biegungssylben, decliniret werden, so müssen sie Deutschen Wörtern in der Form ähnlich sey«?. Da nun diese keine Biegungssylbe für den Nominativ haben, so muß ihnen diese erst genommen werden. DieAblei« tungSsylbe dars nie weggenommen werden, weil sie zum Wesen des Wortes gehöret, und der Begriff dadurch verstümmelt werden würde. Es scheint, daß auch die Geschlechtssylbe eben so nothwendig wäre; allein, da sie sehr oft wegfallen kann und muß, so scheint sie in solchen Fällen nicht ursprünglich eine Geschlechtssylbe, sondern nur Biegungssyl- be für den Nominativ mit Bezeichnung des Geschlechts, zu seyn. Die allgemeine Regel für die Deutsche Declination fremderWörter ist also diese: die Ableitungssylbe darf nie weggeworfen werden; die Biegungsfylbe aber muß vorher weggenommen werden, ehe ein Wort auf Deutsche Art decliniret werden kann. Ist die Ableitungssylbe zugleich Biegungsfylbe, welches sehr oft der Fall ist, z. B. inLAili-cr, imuii^er, ex^m-en, iiolii-en, kilc»»!,, ^sn-ux, esrc-er, fst-u-«, vei b-um, fo darf sie gleichfalls nicht weggeworfen werden; und da solche Wörter selten geschickt sind, Deutsche Biegungssnlben anzunehmen, s» 5. Von der Declination. §.220.221. 481 so müssen sie auch gemeiniglich auf latemische Art deeliniret werden. Der wahre Bau der lateinischen und Griechischen Wörter ist noch sehr unbekannt, und bisher noch von niemanden untersucht und ausgeschlossen worden; indessen wird doch diese Regel im Ganzen so ziemlich richtig befolget, und nur von solchen vernachlässiget, welchen die Natur Geschmack und feine Empfindung versaget hat. Wer fühlt nickt gleich das Unschickliche, wenn jemand Verb oder Verbe, Adverb, Nom, Fac, Säcul, Conclus u. s. f. sagen wollte? Warum anders, als weil eine dunkele Empfindung uns sagt, daß die Endsylbe hier zum Wesen des Wortes gehöret, folglich nicht bloß Biegungssylbe, sondern eine wahre Ableitungssylbe ist? Es ist solches ein neuer Beweis, wie richtig die dunkele Empfindung des Ähnlichen, welcher in dem Bane und der Ausbildung der Sprachen alles zugeschrieben werden muß, urtheilet, wenn nur das Gesühl gegen dieselbe nicht verhärtet ist. §. 221. In vielen Fällen läßt sich die fremde Ersetzung Ableitungssylbe durch eine gleich bedeutende Deut- derfinnde» sche, oder doch Deutsch klingende ersetzen; z. B. i->.- 1. durch er, in iebri«, puivi«, Lieber, pul- ^»e Deut, ver; wo doch im erstem Falle die Sylbe >^ wegge. sche lassen und br in ber aufgelöset, im zweyten aber die Ableitungssylbe aus den Casibuö obliquis herauf genommen zu seyn scheinet, pulv.er.i5, u.s. f. Besonders in den Volks- OrtS- und Ordensnahmen, Athcnienser, Cisiercienser, Jenenser. Siehe den folgenden §. 2. Wenn sie weiblich ist, in e, welche Wörter doch zunächst aus dem Französischen entlehnet, oder nach dessen Vorgang gebildet zu seyn scheinen: c1glli5, rKeii5. sxix, Classe, These, Achse, S. im folgenden die Endung is. Adel.jv.Spr. Hh ^U5, 482 i.TH. 2.Abschtt. 2.Kap. Substantiv, cN'U5, clra, <^ium, in der, und br^, bi!.^ in der, wo doch die Geschlechts - und Bicgungssylbe weggeworfen, und 6r und br in der und der aufgelöset zu seyn scheinet: die Ccder, Rarhcder, Cylinder, Lalibcr, Seprcznber u. s. f. », die weibliche Ableitungssylbe in das gleich bedeutende Deutsche c: prose, L.nüe, Materie, Matrone. i^>, in ey, nur noch in einigen alten: Abtcy, Melodey, Litaney, Tyranney u. s. f. jetzt in ie> wo das e gleichfalls das weibliche e ist. Siehe im folgenden die Endung is. uluz, ulg, ulmn, in el: Fabel, Artikel, Mis rakel. ux, ilt Volks- undSecten-Nahinen in er: Ga-- liläer, Sadducäer, Pharisäer, ?lnaner, So- cinianer. 2lllein, da ein fremdes Wort mit einer einheimische!'Ableitl!ng6si)lbe eben ein solcher Zwitter ist, als ein Deutsches mit einer Griechischen und Lateinischen: so muß man auch hier die Gränzen nicht überschreiten, welche der allgemeine Gebrauch einmahl gesetzt hat. So ist es zwar erlaubt, das us in den Volks-und Secten-Nahmm in er zu verwandeln^ allein man muß diese Erlaubniß nicht aus andere Appellativa ausdehnen. So beleidigen das Histos rir'cr, Physiker, Lhymiker, pracriker, Medi-- ker, weiche einige Neuers einzuführen gesucht, Ohr und Geschmack; vermuthlich aus einer dunkeln Empfindung des Unschicklichen, dasjenige ans allgemeine Nahmen anzuwenden, was man allenstills eige-- Mederher- nachstehet. S. im folgenden die Endung ic:u^ siMing des ^. 222. Es gibt indessen noch ein anderes Mittel Mn h Nominative der fremden, besondersLateinifchcrt MMSttvö. > " ^ ' ^ Worte? 5. Von der Declination. §. 222.225. 48z Wörter ein einheimisches 'Ansehen zn geben, um sie hernach auf einheimische Art beugen zu können. Dieses bestehet darin, daß man aus denCasibusobli- auiö einen schicklichen Consoncmten herauf nimmt, und dadurch den zur Deutschen Declination unschicklichen Nominativ vermittelst desselben derselben fähig macht. Es geschiehet dieses vornehmlich bey den allgemeinen Lateinischen Nahmen, welche sich auf 0, ic>, LN5 und endigen, in welchen man das 1t undr der übrigen Casuum an den Nominativ hängt: Sermon, von termv, lermoms, Client, von'-l^n^ clienti5. So auch Proportion, Actton, Consos nanr, Repräsentant u. s. f. Siehe diese Endungen im folgenden. Die Franzosen haben diese Gewohnheit auch, und es kann seyn, das? die Deutschen selbige von ihnen entlehnet haben; indessen scheinet es, daß sie nichts anders ist, als eins Wiederherstellung des alten Nominatives, der sich ursprünglich . auf ein n oder t geendigt haben muß, ehe Mißbrauch oder Cultur der Lateinischen Sprache ihre noch jetzt übliche Gestalt gegeben, da man denn das n deS Nominatives aus eben der Unart oder Liebe zur Kürze weggelassen haben kann, welche so viele Deutsche Wörter auf en im Nominativ um ihre Ableitungssylbe gebracht hat, die man ihnen doch in den übrigen Casibus wiedergeben muß : der Schreck, des Schreckens, dem Schrecken u. s. s. So auch Lermo, Lerinoni--, Leilnoiü u. s. f. §. 22z. Hat nun durch eines dieser drey Mittel, VerzeichM 1. durch Wegwerfung der Biegungssylbe, oder 2. ^ ^u^ni- durch Setzung einer Deutschen Ableitungssi'lbe an ^"^"^ Statt der fremden, oder z. durch Wiederherstellung des alten Nominatives, der Nominanv des fremden Wortes ein Deutsches Ansehen erhalten, und Hh - ist 484 !- Th. 2. Abschtt. 2. Kap. Substantiv. ist es dadurch geschickt worden, Deutsche Biegungs- sylbeu anzunehmen: so kann das Wort alsdann nach einer der acht Deutschen Declinationen gebeliget wer, den. Da indessen doch allerley Abweichungen dabey vorkommen, so mag hier ein Verzeichniß der Vornehmsien lateinischen Endsylben stehen, so wie der Gebrauch sie zur Deutschen Declination geschickt gemacht hat. Die eingeschlossene Römische Zahl bezeichnet zugleich die Declination, nach welcher sie gebeuget werden. 1. Weibliche Biegungssylbe, wird (1) weggeworfen, (a) liegt der Ton auf der letzten Sylbe, so haben sie im Plural en nach der siebenten Declination: Cur, Diar, Form, Z^lonn, Z^tUll, Pest, (b) Ruhet er auf der vorletzten, so bekommen sie nur n: dieCirher, aus cilb-u-^. Der Purpur und der Pomp, von den weiblichen j'ui-. j)ul-a und pon,j?g gehen nach der ersten. S. auch die -lisamuien gesetzten Endungen eca, e!3> ins und so ferner. (2) In c verwandelt, vermuthlich, wenn es Ableitungs-und Biegungssylbe zugleich ist, oder auch zur Nachahmung des Französischen, (pl. n, VII.) (Lasse, Lharce, (um der Aussprache willen, und weil es bereits das Bürgerrecht erhalten, besser Amte,) Cisterne, Clauft, Collecre, Columne, Comincnde, Glosse, Idee, (im Singular zwey- sylbig, im Plnral drcysylbig,) Linie, (aus liueg,) Lifte, Masse, Marerie, Marrone, Minute, ;"?oce, Lymphe, Parce, (von x>«rc..i,) präben- dc, Prose, Satire, Gecre, Secunde, Sphäre, Sumn»e, Sylbe, (verkürzt aus tvl!^,) Synagoge, Taxe, (in einigen Gegenden auch mannlich, derTax, nach der ersten). Dahin gehören auch 5. Von der Declination. §. 22z. 485 auch die nur im Plural allein üblichen Annüten, ^.rcquiri,, Expensen, Impensen, pandccten, Reliquien, Digilicu. S. auch die Endung ia. (?) In ey, (VI! ) vielleichr nur in dem einigen Gurkuincy, verderbt aus curLuma. a, 2. männliche Biegung6si)lbe. Weggeworfen, S. die zusammen gesetzten srci^ glln, er-i u. s. f. g, z, sachliche Biegungssiilbe, kann in ursprünglich Griechischen Wörtern oft weggeworfen werden, (es, e,!.) Anagrainm, Epigramm, (auch —es, pl. en, Vl,). Siehe auch rm-i, »in->. Aber in an- dern muß sie bleibe!?, und diese müssen entweder auf ihre Art, oder unverändert mit dem Deutschen Artikel deelinire? werden: Anachcma, Apopychc- gma, Clima, Eomma, Dogma, Phlegma, Sophisma, Thema u. s. f. weil es hier zugleich Ableitungssylbe ist. 2eu5, in Volks-und Secten-Nahmen, in äer, (III.) Epicuräer, Europäer, Ejsäer, Galiliier, Hebräer, Manichäer, Sadducäcr u. s. f. welche wieder weibliche Substantiva auf iun leiden, Auropäcnnn. Aus ^uciaeu^ ist Jude gebildet worden. öle, Neutra, in äl, aber nach verschiedenen De- clinstionen. l. es— ^!»>ve, I. und zwar (a) mit dem llmlaute, nur Arsenal, Chora!, Capital, (an den Säulen,) und Tribunal, (b) Dhne Umlaut: Lordial, Li-ial, Final, Gratial, Ideal, Lineal, ^1'janlzal, i-llemorial, Original, Pedal, Portal, (Quartal, Regal, (ein Bü'cherbret,) Signal, 2. Nach der 2ten, vielleicht nur das einige H05 spital, v!. >-ospiraler. Hh z z. Plur. 486 i, Tl). 2. Abschn. 2. Kap. Substantiv. z. Plur.ien: das Capital, (Hauptsumme,) des — es, piur. die — ien. Dahin gehören auch viel?, welche entweder nur im Plural allein üblich sind, oder im Singular ihre lateinische Gestalt behalten müssen: Bacchanalien, Copialien, Cu- rialien, Fornialien, Marginalien, Materialien, Naturalien, paraphernalien, Personalien, jebensumstande, Regalien, landesherrliche Vorrechte, im Singular, das Regale, des — s, Repressalien. 4. Nach der dritten, folglich im Plural unverändert, nur in einigen wenigen, wenn die Endsylbe unbetont ist, dasLarneval, auö dem mittlern Lat. (^i'neviiic. männlich, 1. es, r>l. e, I. (1) Mit dem Umlaute nur Cardinal, Canal und Liscal. (2) Ohne Umlaut: Admiral, Conventual, General, E-fficial, Plural, Principal, Sensal, Vocal. 2. Plur. en, das nur im Plural übliche die Annalen. süt!, 2. weiblich, die Moral, pl. die-en, VII. silum, jn all, (es, e, I.) Intervall. alum, in al, (es, c, I.) das Gcandal. Aus dem sächlichen L^mbalum, ist im Deutschen die Lymbel, >>l. —n, geworden. 311!, und en-^, in ant und enr. 1. Meist männliche Amts- und Verhältnißnahmen (en, en, IV.) Ac- ceptanr, Adhärenr, 2ldjutanc, Agent, ?lrre- sianr, Ascendcnt, ?lssistent, Calcanr, Calum- . inam, Client, Commtttiicant, Comperent, Con- sonanr, Consi!lcnr,Lorrespsndent, Delinquent, Denunciant, Deponent, Descendent, Duellant, Expecrunr, Exulant, Fabricanr, Ignorant, Impccranr, Incipienr, Interessent, Ro> modiant, 5. Von der Declination. §. 22z. 4Z7 modiant, Laborant, Maleficanr, (Dppsnenr, Patient, Präsident, Prätendent, (Quadrant, Recipicnr, Referent, ?5veIenc, Scridcnt, Student, Superintendent. Dahin auch die aus dem spcitenl iateine entlehnten Foliant und Duar- tant. 2. Einige wenige (es, e, I.) mit herauf genommenen t aus den Casibus obliquis: das Äquivalent, der Grient, der Gecident. Diepurganz, r>Iur. die — en, scheinet nicht sowohl von ^ui'Agu!,', als von dem Plural pui-Agutia gebildet zu ftyu. Einige andere, welche im Singular unveränderlich sind, leiden einen Deutschen Plural auf ricn oder zien, das Accidcns, die Accidenzien ; so auch Cousequemien, Inconve- nicnzien, Ingredienzien, perrinenzien. -iunig, eMlA und incia, in anz, enz, inz. 1. Männlich, es, e, I. vielleicht nur der Reverenz. 2. Weiblich, slur. cn, VII. worunter doch viele, besonders im gemeinen leben im Plural ien bekommen. (1) Besser en als ien haben: Abstinenz, Abundanz, Arroganz, Assecuranz, Assistenz, Audienz, Bencvolenz, Circumferenz, Kompetenz, Konferenz, Conssnanz, Lorrc- spondenz, Dependenz, Distanz, Eloquenz, Eminenz, Essenz, Evidenz, Frequenz, Igno-- ranz, Impertinenz, Incompctenz, L.icenz, Magnificenz, d1?snstranz, Öbscrvanz, pö- nitenz^ präcedenz, Provinz, (Quintessenz, Re- sldenz, Seien;, Toleranz. Daß nicht alle im Plural gebraucht werden können, verstehet sich von selbst. Viele sind unmittelbar aus Französischen Wörtern aufsn^ cntlehust, und sollten daher, wenn man sie auf Frauzösische Art auösvricht, auch so ge- Hh 4 schrie- 488 i.TH. s.Abschn. 2.Kap. Substantiv. schrieben werden: Importanße, Impertinanße. (2) Mit dem Plural aufien sind noch sehr gangbar: Circumsranz, ein Umstand, Consequenz, Differenz, Streitigkeit, Finanz, (plur. die Fi- nanzien, aber die Finanzen, besser Finanzen, ist aus dem Französischen luuauce^) Instanz, In- dulgenz. sneu«, in an, (es, c, I.) Coeran, Snffragan. LNUS, inus, UNU5. I. In än, in, ön, (es, e, I.) Aurin, Lapellan, Casiellan, beyde mit dem Umlaute, Carolin, Decan, Delphin, Ixannn, 5, 1. Genir. snti5, in ant, (en, en, IV.) Atlant, Corybanr, Demant, (von --cial^gx, auch Demantes, Demante, nach der ersten,) Elephant, Gigant. 2. Genit. sclix, weiblich in ade, n, VII.) Nazade, Dryade, plejade. »smuL, ismus, leiden keine Verkürzung, weil >—asin und —ism wegen ihrer Härte das Ohr beleidigen, daher sie nach lateinischer Art declinircc werden müssen: Atheismus, Barbarismus, Katechismus, Chiliasmus, Enthuslasinus, Eror-- cisml?s, Indiffercntisinus,paroxys:nus, Syls logismus, Syncrctisnuis u. s. f. ssl-l. gsle-i, illg, Amts- Secten- und Classen- Nahmen, alle in ast, ist, (en, en, IV.) Accessist, Academist oder 2lkademift, ?!lchymift, Anra- gonisr, Zltheisr, Vasslst, Bengelift, Lambift, Hh 5 . ->, bii^, in der, männlich, (III.) Caliber, ^eceinber, November, Gcrobcr, September. ärus, clium, in der, sowohl männlich (III) : Coriander, Cylinder, Rarheder, Salamander; als weiblich (VII.) Leder oder Zeder, Nacheder. cca. icg, in ek,ik, (en, VII.) und zwar I. die lehtv Sylbe gedehnt, Arithmetik, (auch Arithmetik,) Bibliothek, Duplik, Fabrik, Hypothek, Zxolik, A.ricik, Ulathemacik, Metaphysik, Physik, Politik, Replik, Republik, Rubrik, Supplik, Triplik, Suadruplik. 2. Die letzte Sylbe unbetont: Voränik, Casuiftir, Diäterik, ^Lthik, Grammatik, Heraldik, L.6gir, Mechanik, Optik, practik, (aber Kunstgriffe heissen practlken,) Rhetorik, Statistik, Thecik u. s. f. ?lpotheke, nilmnt noch ein e an. ein, in el, (en, VII.) die Caurel, Corruptel, Lurarel, Tucel. ema, oms, Neutra Griechischen Ursprunges, in cm, öm, (es, e, I.) Apoftem, ?!rism, Diadem, Diplom, Emblem, Idiom, Problem, Stra- ragein, Symptom, (auch im Plural cn,VI.) Sy^ srem, Theorem. en läßt sich nicht wegwerfen, weil es eine Ableitungssylbe ist, daher dergleichen Wörter ihrer ursprünglichen Declination solgen müssen: Carmen, Crimen, Manien, Gravamen, L.u:nen, Dnien, Tenramen, Dolumen. an Volks-Orts-und Ordensnahmen, in enser, (III.) Zithenienser, (wofür einige mit wem, gcm Beyfalls Athener versucht haben,) Carthagi? nenjer, Cisrercimser, prämonftratenser. Von neuere 492 i.TH.2.Abschn.2.Kap. Substantiv. neuern Orten braucht man diese fremden Ableitungssylben nur, wenn keine Deutschen Statt finde«, Hallenser: aber fürIenenser könnte man sagen Jenaer, wie man sagt berliner, ^Vittenderger, leipziger, Göm'ngcr u. f. f. emia j S. sntis. cutum, in ent, und zwar: I. es, e, I. Argus menr, Cenwnt, Concingent, (im genzeinen Leben im Plur. —er,) Document, Äenwnr, LLmo- ltnnenr, Ercrement, Experiment, Figmenr, Lirinainenr, Fundatuent, Impedikncn?, Instrument, L.ineamenr, t-1?edicament, NlonuL ment, pagament, Pergament, prüdicainent, Sacrament, Segment, Supplement, Talent, Temperament. 2. es, er, N. nur einige, Avercisiemcnt, Parlament, Regiment. Testament, wenn es Exemplare des alten oder neuen Te^ siamentes bedeutet, lautet gleichfalls Tcjtainenrer. erium, S. snum. e,?. 1. Die Lateinische Endung läsit sich nicht wegwerfen, weil sie Ableitungssylbe ist: Präses, Species. Tapsre nimmt das r aus der gedehnten Endung der Casuum obliquorum heraus. Aber der Interpret, wie vou einigen versucht worden, beleidigt das Gehör, unter andern auch deswegen, weil die Endung im Lateinischen kurz ist. 2. Die Griechische Endung ^ sollte gleichfalls nicht wegfallen, wenn sie zugleich Ableitungssylbe ist. Indessen sagt man doch Achar, Gagar, (es, e, I.) Chiromant, Hierophant, Nekromanr, (ei,, en, IV.) u. s. f. Siehe auch die folgende. etg. ota, st3, ste5, etex, itcs, itus, utu5, r. in ät, et, it, ör, m, (en, en, IV.) Abclir, Ada-- mir, Anachoret, Apojtar, Carmelic, Catecher, Dendrit, 5. Voll der Declination. §. 22z. 49z Dendrit, Despot, Eremit, Favorit, Hermaphrodit, Iacobir, Idiot, Jesuit, Inqnisir, Israelir, Römer, Levit, Magnat, Magner, (oft auch es, e, i.) Malachit, Minorit, Patriot, Pilot, planer, Poer, Prophet, proselyt, Ge- lenit, Sudstimr, Zelor. 2. Einige Volks- und Ordensnahmen hängen noch ein er an, so wie die Lateiner inLgmgr-it-gnux, (^oni^minovol. ir-unux u. s. f. gleichfalls zwey Ableitungssylben mir einan. der verbinden: Ephraemirer, besser Ephracmir, Samariter, Johammer, Carmcliter, Iesuacer, ein ehemahliger Orden im sechzehnten Jahrhundert. Allein, wo dergleichen nicht bereits allgemein eingeführet ist, da ist es nicht nachzuahmen. Dahee sagt man besser Jesuit, Carmelit u. s. f. als Ies suicer, Larmelirer» etum, S. stum. ig, weibliche Endung der Einheit. 1. Ehedem in ey, (en, VII.) Abtey, Capsl-- laney, Cantorey, Copey, (jetzt Copie,) Lacto- rey, Litaney, Melodcy, (jetzt Melodie,) poli- zey, Saldey, (8slvi^) Sarurey, Gacrisrey, Ty- ranney. In den spatern Zeiten ward dafür 2. ie üblich (VII.), wo doch diese Endsylbe bald zweysylbig, bald einsylbig lautet. a. Zweysylbig in den unmittelbar aus dem Lateinischen entlehnten Wörtern, wo der Ton auf der vorhergehenden Sylbe ruhet. Arie,- Arterie, Bestie, Cafsie, Familie, Furie, Grazie, Glorie, Historie, Injurie, Zxomödie, (!)rarorie, Terzie, Tragödie» b. Einsylbig und betont, vermuthlich zunächst aus dem Französischen. Im Plural lautet ie» zweysylbig. Academie oder Akademie, Amnestie, 494 r.Th. ü.Abschn. 2. Kap. Substantiv» srie, Zlnalogie, ?lnarchie, ?lsirologie, Äsiro- uonne, Blasphemie, Canonie, Ceren:onic, Chirurgie, Colonie, Copie, Dynastie, iLlegie, Fantasie, Genealogie, Häresie, Harmonie, Magie, Melodie, (Ökonomie, Orthodoxie, Orthographie, paradorie, parochie, Philologie, Philosophie, Poesie, Symmetrie, Gyms pathie, Theorie, und hundert andere mehr. z. In manchen Fällen wird sie weggeworfen, Lontumaz, Concrovers, Pl. — ien. Besonders tN dein -intia, emia, uicia, S. 2ntiii. ig, die sächliche Endung des Plurals, sowohl wenn sich die Einheit auf -um, als auch, wenn sis sich auf ein e Neutrum endigt, läßt sich oft in ien (zweysylbig) verwandeln, wenn gleich der Singular keine Veränderung leidet: Beneftcien, Lisalicn, Commercien, Conchylien, ^)nsignien, Mines ralien, Naturalien, Präliminarien, 1Lce..sis lien, Vegembilien, Viccualien. S. auch >um. ica, S. ecm. icvd. i. In ein betontes ik, (en, en, IV.) ohne Zweiffel Zunächst nach dem Französischen: Domestik, Racholik. 2. In ay, vielleicht nur in dem einigen Lay, en, — en, oder Kaie, —n, — n, aus ig-cux. z. Iil iker, (lil^) eine von einigen neuern in männlichen Verhältißnühmen versuchte Endung: Lhymiker, Fanatiker, Historiker, Zxriciker, Mathematiker, Mechaniker, Physiker, Saty- tiker, Sceptircr, Stoiker, Theoretiker u. si f. Daß diese Form das Gehör beleidigt Und unschicklich ist, ist bereits §.221 bemerket worden, daher man dergleichen Wörter lieber in ihrer ursprünglichen Gestalt und Deelination behält, welche man in andern 5. Von der Declination. §.22?. 49Z andern Fällen ohnedem behalten muß. Spndiker, Mediker, Cleriker, Canoniker, u.s.f. wird wohl nicht leicht jemand wagen. ile, läßt sich zuweilen, aber nur selten in U (es, e, I. oder Pl. ien VI.) verwandeln, das Fossil, Pl. die Fossile, gewöhnlicher Fossilien. Andere, welche diese Verkürzung nicht verstatten, leiden doch den Deutschen Plural auf ien, zweysylbig: Mobil:'en> Immobilien, Vcgerabilien, Conchylien. illum, illu«, ellum, eilu8, oUuni, in lll, ell, oll. I. es, e, nach der ersten, wohin alle die gehören, welche im Deutschen sächlichen Geschlechtes sind: das Carrell, Castell, Codicill, Duell, Nroko- dill, (welches aber auch männlich ist,) L.ibcll, Pasquill, prorocoll, Sigill. 2. en, en, IV. der Pupill. iug, ons. I. in m, ön, (en, VII.) Disciplin, Docrrin, Medicin, Person. Das männliche der Ruin, des—es, xl. die — e, von Arten des Unterganges; aber das xl. wm. die Ruinen, bedeutet Überbleibsel der Verwüstung. 2. In ine, öne, (n, VII.) Mcdinine, pilippine, Matrone. incig^ S. sntin. , S. SNUi!. io, in lön, mit herauf genommenen» aus des Casibus obliquis nach dem Vorgange der Franzosen» 1. Weibliche Wörter, deren die meisten sind, (en, VII.) Abominacion, Abftraction, Accession, Action, Admirarion, Admission, Admonttion> Adoption, Aucrion, Commission, Connuu- nion, Condmon, Confusion, Csnjunction, Lonnexion, Deducrion, Division, Edition, Leccion, Legion, LTlatio;,, Passion, (dpimon, Rebellion. 2. Männlich (es, e, I.) nur eiiuge, Scorpion» :r!um. 496 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. iriurn, grium. !x. 1. Weggeworfen, besonders in den zusammen gcsehten Endungen ali^, ilüü, sri«, da denn die Wörter nach verschiedenen Declinationen gehen. (1) es, e, I. der und das Pennal, pl, die Pennale, mit dem Umlaute, Vocal, Aprill, Synrar, Talar, Singular. (2) en, en, IV. Capimlar, Pedell, Rebell. S. auch uÜ5 und äri5. (z) en, VZs. in weiblichen Wörtern, Diöces, (besser Diö- cese,) Pest. 2. In ein weibliches e verwandelt, in weiblichen Wörtern, nach dem Vorgangs der Franzosen, (n, Vll.) Apocalypse, Are, Base, Classe, Dose, Lcclipse, Emphase, Hypothese, Paraphrase, Parenthese, Phrase, Syrte, Cbesc. z. Einige wenige alte in er, (III.) das Fieber, das Pulver. Andere leiden keine Veränderung, wie Praxis, Gynopsis, Testis u. s. f. itmuii, S. aslNU5. iüs, S. »sta. ^'ta, S. etZ. itia, in iz, (en, VII.) die Justiz, Mlliz, NÄS tiz, primiz. iciux, ist von einigen gleichfalls iniz zu verkürzen versucht worden, derNoviz, —en, —en, welche Verkürzung aber das Ohr beleidigt, daher man die Endung lieber unverändert behält. itM, S. ets. ivm, läßt sich nur selten wegwerfen, weil sie mehr als bloße Biegung ist. Dessen ungeachtet hat man in den neuern. Zeiten Clavichord, >ooroscop, Mi- croscop, TeZcjcop, Uroär, (von uibaiium,) Herbar, Präjudiz, Benefiz, Commerz, undMden ältern 5. Von der Declination. §. 22z. 497 ältern schon Malcfiz versucht. Die letztem auf iz smd zugleich für das Ohr zu hart, und, wenn sie zunächst cu>6 dem Französischen seyn sollen, unrichtig, weil sie Venefiß und Commerß heilen müssen, wenn sie die Französ. Aussprache ausdrücken sollen. Vencfiz und Commerz bekommen im Plural ten und gehen übrigens nach der sechsten Declination, die übrigen aber nach der ersten. Indessen leiden sehr viele, welche im Singular keinen Deutschen Nominativ verstatten, folglich unverändert bleiben muffen, den Deutschen Plural auf ien, zweysylbig: Adverbien, Allodien, Amphibien, Äquinos ctien, Vencficien, (Lollegien, Colloquien, Kompendien, Consistorien, Diarien, Dicafterieu, Directorien, Epitaphien, Exercitien, N'iono- polien, Mysterien, d^egonen, Participien, Principien, proverbien, Seminarien, Spa- tien, Spotten, Stipendien, Studien, Sub- sidien, Testimouien. Aber doch auch nicht alle, wie Erilium, Lolium, ^ludicium, In- genium, prerium, Gfficium, Diriuin und so ferner. :v5. 1. In Volksnahmen in icr, zweysylbig, (lll.) Ägyprier, Äthiopier, Herrurier, Ubier. Wohin auch Patricier von pgm'^'u^ gerechnet werden kann. Allein in andern als Volrsnahmen diese Endung zu gebrauchen, ist fehlerhaft. Daher man für Chalcedonier, Sardonier, Rubiner, Rabbiner u. f. f. richtiger Chalcedon, Sardo- nir, Rubin, Rabbine u. f. f. sagt. 2. Weggeworfen, (es, e, I.) Mercur oder Merkur, März, von jvlsrrm5, Topas, Januar, Februar, S.auch sriux. Wo der Gebrauch diese Wegwerfung nicht eingeführet hat, da muß man das Wort in seiner eigenen Gestalt behalten, weil die Endung hier nicht Aoel.V.Spr. Ii bloße 498 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. bloße Biegung ist. Folglich Genius, Novitius, Nuntius, Socius, Spurius, Ternus u.s.f. ivum, ivu-i, in lv, (es, e, !.) sowohl männliche als sachliche. Männliche: der Nominativ, Genitiv u.s.f. Comparativ, positiv, Superlativ, Indicativ, Conjunctiv. Sächliche: Adjectiv, Archiv, Conforrariv, Crcditiv, Laxativ, Präservativ, Recidiv, Substantiv, Vomitiv. Doch ertragen diese Abkürzung nicht alle, wenigstens ist sie nicht von allen üblich, z. B.Activum, Passivum, Diminurivttm u. s. f. 0. läßt sich 1. zuweilen in ön verwandeln (es, e, I.): der Sermon, von leim», —miix, Scor- pion. Siehe auch ic>. 2. Zuweilen in öne, weiblich, (VII.) die Melone. Z. Znweilen in en (HI.) der (!)rden, von or^o, — iui->. 4. Zuweilen wegwerfen, wie Salm von L^Imo. Wo der Gebrauch diese Veränderungen nicht rechtfertigt, da muß man es behalten: das Echo. ojg, olu->, zuweilen in el, jenes weiblich, diefes männlich: die Epistel (VII.), der Apostel (lll.). olluin, S. ulum. OMÜ, S. l'lNS. on. I. Auf ont, (es, e, I.) wenn die Casus obliqui ein c haben, der Horizont. In andern Fällen muß das Wort unverändert bleiben: der Ca? non, das Colon, Chronosrichon, Epitheton, proIuofticon, Pantheon. Doch leiden einige die Deutsche Declination, (s, en, I V. mit gedehntem 0, im Plural,) der Dämon, des Dämons, die Dämonen. So auch die Gorgonen, Tritonen, z. In einigen hat man nach dem Vorgange des Französischen das ou wegzuwerfen gesucht, das Problem (es, e, I.), oiiii, S. ins. 0UU5» 5. Von der Declination. §.22Z. 499 vlws, S. anus. or, männliche ?lmts- und Verhältnißnahmen lasseii slä) wegen der Ähnlichkeit mit der Deutschen Endsylbe er, im Singular nach der dritten Declination beugen, im Plural aber bekommen sieen, mit gedehntem sie gehören folglich zur sechsten Declination, S. auch §. 205. Der Antcccssor, des Ante- cessors, die ?intecessoren; so auch Assessor, Cals eularor, Calcfacror, Tancor, Coad>uror, Collas- boracor, Tollacor, Londiror, Lorrecror, Credi- ror, Curaror, Debitor, Director, Doctor, iLre- cutor, Informator, Infpecror, Pastor, präces pror, Prior, Professor, Provisor, Reccor, Reformator, Senator, Senior. Die Endung or in er zu verwandeln, und das Wort entweder nach der dritten zu beugen, der Tondirer, des Condl'rc-rs, die Condirer, oder den Plural nach Niedcrsächsi- scher Art auf s zu machen, der Professor, des professers, die professers, gehöret in die niedrigen Sprecharten. Andere Wörter, als mannliche Verhältnißnahmen, wie z. B. Äquator nehmen die obige Deutsche Declination nicht so gern an> ormm, leiden im Singular keine Verkürzung: Laborarorium, Monirorium, ^loraror um, Oratorium, Refeccorium, (ehedem der^cfc- crer,) Territorium. Wohl über verstatten einige den Plural auf ien: präparatorien, Repostro-- rien. S. auch >'» Plur. und im». vtZ, Utc8^, S» etg. xluin, in pel, (Hl.) Exempel, Tempel. ts5, weibliche in tät, (en, VII.) mit herauf genommenen c aus den Caslbus obliquis: Activitär, Antiquität, Tommodirär, Turiosirär, Diffi- cultät, Dignitär, Extremität, Faculrär, Fatalität, Majestät, (Öuaiität, (Quantität, So- Ji s cierät, 5oo i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. cietär, Solennirät, Universität, und hundert andere mehr. ti-a, n inn, ti-ux, in ter, (III.) inännlich und säch-^ lich: der Alabaster, dex Varomercr, das La- rastcr, der Diameter, der Geometer, der Hygrometer, das Register, der Salpeter, (Mittel-Lat. Lal^etrum,) das oder der Scepter, besser Zepter, der Thermometer, Aber nicht alle, z. B. nicht Centrum, L.ustrum, Monstrum. via, ot-t, weiblich in el, (n,VIj) Capsel, Clausl sel, Fabel, Distel, Formel, Insel, Insel, M^a- tritt!, Parabel, Partikel, und das nur im Plural übliche Sportcln- uiuni, ul,i5^ in cl, (lll.) bald männlich, balö sachlich. Mannlich: 'Artikel, Carsuiikel, Cirkel, besser Zirkel, Discipel, Engel, (von sn^eluz,) Fascikel, Perpendikel, Sanikei, (von dem weiblichen 8->mcuIs,) Scrupei, Titel, Triangel. Sächlich: Lonventikel, Rapitel, Mirakel, (l)b- ftakel, Orakel, Speccakel. Freylich leiden nicht alle diese Verkürzung; z. B. nicht Calculus, (sehr geschmacklos von einigen Calcül, nach dem Französischen, warum nicht lieber Rechnung, Berechnung?) Curriculum, Famulus, Stimulus. lim ^ wenn sie bloße Bieglingssylbe ist, kann sie wegfallen, sie stehe nun unmittelbar nach der Wurzel oder nach Ableitungssylben. Die aus diese Art verkürzten Wörter gehen größtentheils nach der ersten Declination und sind im Deutschen bald männlichen, bald sächlichen Geschlechtes: der Arrest, der Anieß, das Compromiß, das Concept, der Decocc, das Duell, das Edier, das Fest, der Gran/ das Intervall, das Idol, das Manifest, Manujcripr, Merall, Meteor, Object, ^5. Von der Declination. §.22z. 501 ject, Postscript, prädicar, producr, der Punct, das Recept, Rescript, Sccrec, Sigill, Suds jecr u. f. f. Theils nach der sechsten: der Imposr, dcs-cs, die-en, so auch dasInsect, das Manu- script bey einigen, das producr, wenn es Erzengniß bedeutet, und die nur im Plural gebrauchlichen, die Acren, die Effecten. S. auch die zusammen gesetzten Endungen siium, Ntum, cntum, ellum, icun^ ivum u.s. f. Ist aber die Endung nicht bloß ein Zei^ chen der Biegung, so kann sie auch nicht weggeworfen werden. Z. B. nicht in Arcanum, Asylum, Anridomm, Centruin, Conclusum, Datum, Dccisum, Dictum, Decorum, Factum, Fa- rum, Forum, Jubiläum, Musaum, Publi- cuin, Symbolum, Säculuin, Synonymum ' und so ferner, m'-,, weibliche in ür, (cn, VII ) Abbreviatur, Archuectur, ?lrmarur, Cäsur, Carricamr, Censur, Clausur, Collatur, Correcrur, Figur, Investitur, Inventur/ Litteratur, MactNa- rur, Mirtur, d^arur, Politur, pro.uracur, Professur, Registratur, Ruptur, das. ^>1. timt. Scriprurcn, Signatur, Tinctux. uü, weiblich, wenigstens in den daraus gebildeten Deutschen Wörtern, wenn gleich das Original männlich ist, in e (n, VII.) oft zunächst nach dem Französischen: Cyprcsse, Dithyrambe, Fasele, Methode, Myrce, Narde, ^serve, ^ oft auch der l7?erve, —n, — n, IV.) Periode, Synode. Die Eervirm, von tei vim-., nimmt das c aus den Casibus obliquis zum Nominativ» U8, männlich, sowohl oer zweyten, als vierten Lateinischen Declination» Ii z In 5O2 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. 1. In Volks - Geschlechts - und Sectennah- men wird es in er verwandelt, S. seus, gnu^ sriu8, jLUZ, !U8. 2. In andern Appellativen ist es a. entweder bloße Biegungsjylbe, da es denn weggeworfen werden kann. Die auf solche Art verkürzten Wörter gehen, (i) theils nach der sechsten Declination, (es, en,) deren doch nur wenige sind: der Aspect, des Aspectes, die Aspecren; so auch Affect, progreß, und bey einigen auch Psalm, Faun und Anbin. Theils (2) nach der vierten (en, en:) Adjuncr, Apostroph,(auch I.) Architekt, Asot, Astronom, Chrysolith, (auch I.) Elephant, (welches sowohl von eiepli^ als ele^iuuuz seyn kann,) Geograph, (Hbelisk, (auch I.) Ökonom, Paragraph, Philosoph, präfect, Tyrann, Vasall. Diejenigen, welche sich nach der Verkürzung auf einen weichen Hauptlaut endigen, welcher in der Aussprache weich bleibet, nehmen das milderndes an: derChirurge, Pädagoge, Religiöse, Gmdiosc, Vagabunde; besonders die aus dem Griechischen entlehnten und mit —lo^ux zusammen gesehen, der Astrologe, Chronologe, Cosmologc, Philologe, Theologe n. s. f. Theils (?) nach der ersten, (es, e:) AbsceZ), Accenr, Acceß, Act, (von scws, aber das Plurale die Acten, ist von sÄ^orun,,) Appetit, ?lrom, Balsam, Chor, ) Exceß, Extract, Faun, (auch Vs.) Grad, Labyrinth, Opal, Grnar, Paradies, pol, Prätext, Proceß, prospecc, Psalm, (auch VI.) puls, Reccß, Regreß, Respect, Sapphier, Sarurn, Seimr, Smaragd, Styl, Succeß, Ton, (^. Töne,) Triumph, Tumult, Vers, und hundert andere mehr. b. Ist sie aber nicht bloße Biegungssyl- be, sondern Zugleich Ableitungssylbe, so findet auch keine Abkürzung Statt, welche z. B. Abusus, Alumnus, Anonymus, Casus, Tatechismus, Lompucus, Tlerus, Globus, Habitus, Luxus, Pegasus, Spiritus, n. s. f. nicht leiden. Doch vertragen manche, welche im Singular unveränderlich sind, den Deutschen Plural auf e oder en: die Ephoren, Alumnen, Anonyme. u«, sächlich der dritten Declination läßt sich nicht verkürzen, weil es wahre Ableitungssylbe ist. In Ixörpcr hat man sie, wenn e6 anders wirklich aus dem Lateinischen entlehnet ist, vor Alters durch die Deutsche Ableitungssylbe er ersetzt. §. 224. Es darf wohl nicht erst bemerket wer- unregclmä, den, daß viele, wo nicht die meisten dieser Wörter, ßige Ver- auS dein verderbten Latein der mittlern Zeiten ent- !">derun- lehnet worden, weil das Bedürfniß der Deutschen, für die durch die Cultur erlangten neuen Begriffe Nahmen zu bekommen, gerade in diese Zeiten fällt. Ich habe indessen hier nur die regelmäßigen Veränderungen bemerkt, welche mit solchen Wörtern vorgenommen worden, und vorgenommen werden müjsen, wenn sie der Deutschen Declination fähig werden sollen. Andere sehr frühe aus dem Latein entlehnte Wörter haben durch die Länge der Zeit und durch den häufigen Gebrauch allerley unregelmäßige Ii 4 Verän- 524 i.TH. 2.Mschn. 2.Kap. Substantiv. Veränderungen und Verkürzungen erlitten, welche doch nicht zum Muster dienen können. Dergleichen sind z.B. Aberraute, vermuthlich von gbrotgnum, Abr, von 3kr>!,5, Alaun, von sluiuen, Almcr, von «rmsrium, Almojen, von eteemohas, Bertram, der Nahme einer Pflanze, von px^truiv, Bibel und Fibel, von bibli-i, Bischof, von epilcopu«, Dattel, von c^Hvni< Demant, von scigmg«, Epheu, von spium, Fenchel, von foeuicuIum,Lenster,von feue. ^ii>, Grieche, von Qrgecu« oder(-igjuü, Kemnate, von camin-tta, Zxolter, dasPflugmesser, voncultsr, Nümmel, von cumiuum, Txohl, von cauli5, Z.aie vderLayc, von i^icu.?, Latwerge, von elecllug. rium. Liebstöckel, von leviiÜLui^, !17arter, von insitvrium, Mette, von Mi>tutiuu8, nähml. c)gMu5, Mönch, von mnngcliuz, das Oberdeutsche Muth, von inociiu^ (DdermennlIc,von«ßlilnouis, Gster- llicey, von sristnlociiig, pallast, von pslgtium,, Papst und pfaff, von p-ma, Pfarre, von P2ro. cki^. Pfingsten, von pcutecoile, Pflaster, von empi^lllUin, Pilger, von xereAiinus, Pöbel, von zxzxuluü, Priester, von mei.b/tsr, Propst, von j)rgspL>iitu!i, Spital, von Kotpitale, Vogt, von Kl^. voccim^ und hundert andere mehr, welche bey dem Fortschritte der Cultur mit der Sache selbst aus Italien und Frankreich entlehnet wurden. Nur hüte man sich, baß man nicht Wörter für Abkömmlinge des Lateines halte, welche es nicht sind, sondern welche die Lateiner und andere Völker mit den Deutschen aus einer und eben derselben Quelle, entweder der unmittelbaren Natur, oder einer ältern gemeinschaftlich?!? Sprach?, empfangen haben. Dahin gehören olle Nahmen solcher Dinge, welche ein Volk noch vor dem Anfange feiner Cultur gekannt und benannt haben muß, und erweislich ^».nnt hat; z.B. Arm, 5. Von der Declination. §.225. 505 Arm, Nase, Ropf, Ohr, N>ind, Lisch, Thier, Butter, I^äse, Sonne, Hlecr, und tausend andere, welche so viele After-Etymologen bald aus dem lateinischen, bald auö dem Griechischen, bald aus noch entfernter» Sprachen abstammen lassen, und dadurch den Deutschen fast ihre ganze Sprache wcgetymologisiren. §. 225. Viele fremde Wörter, welche fremden Deutsche Nominativen ähnlich sehen, lassen sich, so wie sie Declina- smd, nach Deutschen Declinationen biegen. Dieß Uon unver- gilt besonders von den aus unbekannten Sprachen entlehnten Wörtern, dergleichen z. B. die morgen- ländischen, Slavonischen und andere sind, wovon uns der Bau und die Bedeutung der cinzelen Sylben unbekannt ist, z. B. Ianitschar, Czar, Karawane' sie müßten sich denn aufVuchsraben endigen, welche keinerDeutschenBieguiigssylben, wenigstens im Singular nicht, fähig sind, z.B. derBas- sa, aber im Plur. die Lassen. Indessen lassen sich mich einige Griechische und lateinische Wörter, unter der obigen Voraussetzung, ungeändert auf Deutsche Art decliniren. Der Gnyr, des — es, plur. die — e; so auch Rumor, Gryr, Iaspiß, Podex, nach der ersten; Charakter, Marmor, Archiarer, Sequefter, Panther, nach der dritten; Ekloge, «Dde, die Interesse, und viele andere weibliche auf e nach der siebenten. Andere leiden diese Declination im gemeinen Leben, die aber für die edle Schreib - und Sprechart zu niedrig seyn würde: der Professor, des—s, ^iur. die Pros fessor, edler die Professoren oder profess^res, Pater, des Paters, xlur. die parer, Niedersächsisch Paters, edler nach der Lateinischen Declination. Ii 5 §.226. 5O6 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Fehlerhafte §. 226. Nunmehr lässet sich auch einsehen, wie De lmo- unschicklich die von vielen versuchte und empfohln? lateinisches oder Griechisches abgeleite- derWorter. W^^^ mit Beybehaltung seiner Endung für den Nominativ, auf Deutsche Art zu decliniren: das Verbum, des Verbums, das Nomen, des Nomens, der Alumnus, des Alumnufses, dem Alumnufse, die Alumnufse, des Cacechismus- ses, die Carechismusse u. s. f. Die Deutschen Substantivs haben keine eigene Endung für den Nominativ, die Griechischen und lateinischen aber haben sie, wenn sie abgeleitet sind, allemahl, und sie ist entweder bloße Biegungssylbe für den Nominativ, oder Ableitungs- und Biegungssylbe zugleich. Des Alumnufses druckt also das Verhältniß des Nominatives und Genitives zugleich aus, jenes mit einer lateinischen und dieses mit einer Deutschen Biegungssylbe; eben so bezeichnet die Alumnufse den Nominativ in der Einheit und in der Mehrheit zugleich. Noch barbarischer ist es, dem Nominativ des Singulares zur Bildung des Plurales einen Biegungslaut anzuhängen, welcher nicht einmahl Deutsch, wenigstens nicht Hochdeutsch ist: die Verbums, Adverbiums, Nomens, Pronomens u. f. f. läßt sich die fremde Biegungssylbe nicht wegnehmen, oder die Ableitungssylbe nicht mit einer Deutschen ersetzen, so ist kein anderer Weg übrig, als solche Wörter auf lateinische Art Zu decliniren, des Verbi, dem Adverbio, die Nomina, Alumni. Ungelehrten kann man es allenfalls nachsehen, wenn sie den Nominativ jeder Zahl durch alle Endungen gebrauchen und den Cafum bloß durch den Deutschen Artikel bezeichnen: das Verbum, des Verbum, dem Verbum; die Verba, der Verba, den Verba. Aber einem Gelehrten, welcher wissen / 5. Von der Declination. §. 227. 5^7 wissen muß, daß die Endung des Nominatives kein leerer Schall ist, und daß das dadurch ausgedruckte Verhältniß von dem Verhältnisse des Genitives u. s. f. sehr weit unterschieden ist, kann solches wenigstens nicht rühmlich seyn. §. 227. Da die Französische und andere neuere Declim- Sprachen, deren Declination noch mangelhafter und tion der unvollkommener ist, als die Deutsche, keine Bie- Französi- gungssylbe für den Nominativ haben, so ist auch die Declination ihrer Wörter nicht so schwierig. Man nimmt das Wort, so wie es ist, und biegt es ohne Umstände auf Deutsche Art. Indessen findet doch dabey ein gedoppelter Unterschied Statt. 1. Wird das Wort entweder ganz, oder doch zum Theil auf Deutsche Art ausgesprochen, und hat es dadurch gewisser Maßen das Deutsche Bürgerrecht erhalten: so wird es nach einer der vollständigen Deutschen Declinationen gebeuget. So gehen nach der ersten: Accord, Affront, Credit, Baldachin, Vrocat, Concert, Coujon, Falliment, (mitDeutscher Aussprache,) Lricassee, (die Endsylbe in der Biegung zweysylbig,) Galopp, Harlekin, Niarcnüsar, Marsch, (plm-. mit dem Umlaute,) Nlarschall, (auch mit dein Umlaute,) Palatin, Porträt, Postillon, Profit, projcct; ingleichen alle auf ein betontes l, auf ein tt, und geschärftes et, ot lind out, wo der Confonans, wenn die Endsylbe geschärft wird, öillig verdoppelt werden sollte: Caronjsell, Cartell, Cercmoniell, Ballett, Billetr, Biscuic, Vlanquett, Vou- quect, Cadine«, Casquert, Complotr, Schafott, Tadouretr, Banqueromr. Nach der zweyten: viele auf enr, wenn solches nach Deutscher und nicht nach Französischer Art ausgesprochen wird: Cons 5o8 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. Lonringent, (besser nach der ersten,) Apartement, Avercisieineiu, Detachemenr, Parlament, Re- giznenr. Nach der dritten: Caliber, Consiads ler, Onkel, (für Onclc,) u. s. f. Nach der vierten: Adjutant, Amanr, Bandit, Cadett, Coin- battant, Lancast, Pedant, Recrut, Sergeant. Nach der sechsten: der Disput. Nach der siebenten, alle weibliche, die, wenn sie sich ans em e endigen, ein bloßes n bekommen: Actie, piu--. Accien; aber Vlessur, Couleur, Diversion, Garnison, Pension, Tour u. s. f. Vlessuren, Couleuren und so ferner. Hierher gehören auch alle Französische weibliche Wörter ans ein e, welche im Plural n bekommen, wenn sie gleich ihre eigenthümliche 'Aussprache ve- halten: Addresse, Affaire, Allee, (im Plural drey- si>lbig,) Allianz, ?Ln?bassade, Anticiiam'ore, Apanage, Äpproche, ?irraque, ?ivantüre, L>a-! gacelle, Äouteille, Cabale, Capnole, Cam^ pagne, Chicane, Garde, Mairrcsse, und tausend andere; da denn die im Singular einsylbjgen Endungen ee und ie, im Plural zweysylbig lauten: Zlnnwsiie, ?;ssemblee, Badinerie, Batterie, pe-isee, Llranchce. Ingleichen die meisten männlichen und sächli- lichen auf ein e, wenn sie gleich ihre völlige eigenthümliche Aussprache behalten, und welche theils nach der ersten gehen, wie Genie, Journal, De- filee; theils nach der vierten, wie Complice, LLle- ve, der Garde, einer von der Garde, der ^Tlovi- ce, der Page, der Domesiicme oder Domestik; theils nach der sechsten wie das Memoire. s. Oder sie behalten ihre völlige ausländische Gestalt, sowohl der Aussprache als Schreibung nach/ in 5. Von der Declination. §.227. 509 in welchem Falle sie nur die unvollkommene Deutsche Declination bekommen, indem man bey den mannlichen und sächlichen Wörtern in der Einheit allenfalls nur den Genitiv durch ein hinzu gefügtes s bezeichnet. Im Plural läßt man ihnen ihre eigenthümliche Biegung, läßt aber das s, welches im Französischen stumm ist, im Deutschen hören: der Balcon, desBalcons, die Balcons; so auch Air, Bouillon, Drouillon, Canron, Charta- tan, (auch vollständiger nach der ersten,) Chef, Compagnon, Corps, Lestin, Filou, (auch vollständig nach der ersten,) Fond, Garant, .'-.arle- quin, wenn es auf Französische Art ausgesprochen wird, Marquis, polrron, Ponton, Refugie', Connetablc, Souverain, Terrain, und alle auf ment, wenn sie ihre ursprüngliche Aussprache behalten, das Avancement, des-s, die-s; so auch Accompagnemenr, Aparcemenr, Campemenr, Compliment, Etablissement u. s. f. . Alles dieses gilt auch von den Französischen Wörtern auf ier, our, oir und eur. Diejenigen von den ersten, welche auf Deutsche Art gesprochen werden , gehen am schicklichsten nach der dritten Deutschen Declination, nur daß der Dativ im Plural Statt n,en bekommt: der Gfficier, des cl'ffi- ciers, die Gfflcier, den Sfficieren, nicht im Plural die «Dfficiere, auch nicht (Dsficiers, weil das Wort durch die Deutsche Aussprache bereits das Deutsche Bürgerrecht erhalten hat. So auch Ban- delier, Banqueroumcr, Bombardier, (besser Bombardiere:-,) Brigadier, Courier, Füftlicr, Fourier, Grenadier u. s. f. Lautet aber die Endung ier Französisch (i-eh), wie Contrebandicr, Thresorier u. s. f. so bekommt der Plural ein s. Da 5lO I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Da die auf eur, oir und our, ihre ursprüngliche Aussprache unverändert behalten, so scheinet es am schicklichsten, sie (einige Fäminina ausgenommen,) wie andere achte Französische Wörter, d. i. im Genitiv der Einheit allenfalls mit s, und im Nominativ der Mehrheit gleichfalls mit s zu declini- ren: der Ambassadeur, des Ämdassadeurs, x>l. die Ämdassadeurs. So auch Zlcceur, Arma- reur, ?ludireur, (welches doch, weil die erste Sylbe Deutsch ausgesprochen wird, der dritten Deutschen Declination folgen kann,) Colporteur, Commandeur, Comroir, Conducreur, Tonrrolleur, Deserteur, Entrepreneur, die Faveur, Friseur, Gouverneur, die Honneur, Ingenieur, Malheur, Maraudeur, Spediteur, Traireur, Transporteur, Vapeur, Tambour, (nicht Tamdauer.) Doch pflegt man solche, welche im Deutschen häufig gebraucht werden, oft gleichfalls nach der dritten Deutschen Declination zu biegen, die Deserteur; da sie denn im Dativ des Plurals gleichfalls en Statt n bekommen müssen, den Deserteuren. Den Fall der ächt Französischen Wörter ausge- nommen, muß man sich im Deutschen des Plurals auf s enthalten, weil er entweder Niederdeutsch oder Französich, aber nie Hochdeutsch ist. c. Declination der eigenen Nahmen. Verschiede- §. 228. Die Declination der eigenen Nahmen ne Arte» jst, so wie die der fremden Appellative!', bisher in al- derselben. ^ Sprachlehren Übergängen worden, so vieles besondere auch beyde haben. In dem Gottsched:- scheu neuen Vüchersaale befindet sich Th. 8. S. 464 f. davon eine Abhandlung eines Ungenannten, welche sich aber bloß ?.uf die Griechischen und Lateins 5. Von der Declination. §. 228.' 5» lateinischen Nahmen einschränkt, und für diese die Lateinische Declination mit Verwerfung aller übrigen Arten, und besonders der Verkürzung der fremden Nahmen, empfiehlet. Lange nach ihm versuchte Herr 17?ajr in dem ersten Theile de6 Deutschen Sprachforschers die Declination der eigenen Nahmen zu lehren, allein er bleibt bloß bey Deutschen Nahmen stehen, und lehret auch diese theils unrichtig, theils nach dem Gebrauche seiner Provinz beugen, wie aus dem folgenden erhellen wird. Es ist daher desto nothwendiger, hier davon umständlich zu handeln, je schwankender der Gebrauch in diesem Stücke ist, und je mehrere Fehler daher gemeiniglich begangen werden. Alle eigene Nahmen, sie seyn nun Nahmen der Flüsse, oder der Länder, oder der Örter oder der Personen, sind von gedoppelter Art. Sie sind entweder aus Sprachen entlehnet, welche die vollständigste bekannte Declination, folglich eigene Biegungssylben für den Nominativ haben, oder sie kommen aus Sprachen her, welche keine so vollständige Declination, wenigstens keine eigene Biegungsjylben für den Nominativ haben. Von der erster« Art sind die Griechischen und Lateinischen Nahmen, von der letztern aber alle Nahmen aus derDeutschen und andern sowohl ältern als neuern Sprachen. Diesen Unterschied muß man nicht aus den Augen verlieren, wenn man in der Declination eigener Nahmen nicht Fehler begehen will. Dieß voraus geseht lassen sich alle eigene Nahmen auf dreyfache Art decliniren: i. Vermittelst des Deutschen Artikels, so daß der Nahme unverändert bleibt: Schwarz, des Schwarz, dem Schwarz, den Schwarz; Salomo, des Salomo, dem Salomo, den Salomo. 2. Nach ihrer 512 I.TH. 2.Abschtt. 2. Kap. Substantiv. ihrer eigenen Declination, welches doch nur von Lateinischen oder solchen Nahmen gilt, welche nach der Lateinischen Declination gesormer worden, wohin besonders die Griechischen gehören. Und endlich ?. auf Deutsche Art, folglich mit Deutschen Biegungs- sylben. Von jeder dieser Arten muß nunmehr umständlicher gehandelt werden, i. Decllna- §. 229. Eigene Nahmen sind als solche keines tion vcr- Artikels fähig, weil sie die Selbständigkeit schon Artikels^ ^ ^ genau bezeichnen, als möglich und nothwendig ist. Indessen wird der Artikel wegen seiner vollständigen Declination sehr häusig gebraucht, die mangelhasten Biegungszeichen mancher Hauptwörter und besonders der eigenen Nahmen zu ersehen, und alsdann ist er ein bloßes Zeichen der Declination. Da der Artikel hier ein bloßes Hülfsmittel ist, die Casus in Ermangelung der FlerionS-Laute zu bezeichnen, so gibt es schon die Natur der Sache, daß er wegsallen müsse, wenn der Nahme selbst gebeuget wird, und daß der Nahme unverändert und ohne alle Biegung gebraucht werden müsse, wenn der Casus durch den Artikel bezeichnet wird. Die TVeisheir des Ga- lomo, die Logik des N?olf, gib es dem Lrie- derich; oder ohne Artikel, die llVeisheir Galo-- mo's, N>olfs oder lVolfens Logik, gib es Friedrichen. Zwar ist es im gemeinen leben und selbst bey Schriftstellern sehr gewöhnlich, den eigenen Nahmen zu decliniren, wenn derselbe gleich den Artikel vor sich hat, die ilVcisheir des Galo-- mo's, die Logik des 'lVolfs, gib es dem Friedriche , und in Kastens vorhin gedachter Abhandlung wird weitläufig gelehret, wie man die Deutschen eigenen Nahmen biegen müsse, wenn sie den Artikel vor sich haben: aliein ein wenig Aufmerksamkeit 5. Von der Declination. §.229.2zc>. 51z samkeit auf die wahre Absicht des Artikels in diesem Falle wird das Fehlerhafte einer solchen Declination vermuthlich hinlänglich zeigen. Da aber eigene Nahmen auch appellative stehen können, welches besonders der Fall ist, wenn der nicht bloß der Artikel, sondern das demonstrative Pronomen ist, oder wenn der Nahme im Plural gebraucht wird: so ist alsdann die Biegung nicht allein erlaubt, sondern auch nothwendig. Die Regierung des vierzehenten Ludwigs; zu den Zeiten des Carls, welcher enthauptet ward; die Tändeleyen des witzigen Frankreichs; gib es den, Friedriche da; alle die Ludwige, welche in Frankreich regieret haben! §. szo. Da das Verhältniß des Nominatives Ange- schon durch sich selbst bestimmt genug ist, oder viel- schränkte»: mehr, da die Deutsche Declination keinen eigenen Ciimuch Biegungölaut für den Nominativ hat, so bedarf er derselben, auch nicht erst durch den Artikel bezeichnet zu werden: Eaul sprach zu dem David, Wolf schrieb eine Logik, nicht der Saul oder der N)olf. Geschiehet solches im gemeinen Leben dennoch, so ist das der nicht der bloße Artikel, sondern das Pronomen, welches man aus einer Art von Geringschätzung gebraucht/ und gleichsam mit Fingern auf die Person zeiget: der Caspar ist wieder da, die Schwarzinn sagte es. Dieser geringschätzige Nebenbegriff hangt dem Artikel, wenn er als bloßes Declinations-Zeichen vor den eigenen Nahmen gebraucht wird, auch in den Casibus obliquis in vielen Fallen an, indem sich immer der Begriff des Pronominis mit einschleicht, besonders bey den Nahmen noch lebender oder sehr hoher Personen, daher man in solchen Fällen, und Adel-.D.Spr. Kk wenn 514 i. TH. 2.Abschn. 2. Kap. Snbsiantl'v. wenn man mit Ehrerbiethung von einer Person zu sprechen Ursache hat, sich desselben lieber enthalt, und den eigenen Nahmen entweder selbst deeliniret, wenn er es verstattet, oder ihm ein appcllatives Ehrenwort beyfüget. Für die GcuuIthuung des Chris sius, die EmpfänIniß der Maria, der Tod der Maria Theresia, die Gelehrten Republik des Rlopjtocd, sagt man besser, die Genugthuung Christi, die Empjangniß Mari«, der Tod Mariä Theresia, Nlopstocts Gelehrten Republik; und mit noch mehr Achtung und Würde, die LLmpfängniß der Jungfrau Maria, der Tod der Kaiserinn Maria Theresia, die Gelehrten Republik des Herrn Älopsroek. Diesen Fall der Geringschätzung ausgenommen, lassen sich alle eigene Personen-Nahmen mit dem Artikel decliniren, sowohl einheimische als fremde, und unter diesen die Griechischen und lateinischen, sowohl verkürzt als vollständig: der Scharfsinn des L.cibnilz, die Dogmatik des Vaumgarten, die «Dden des Horaz, die Merke des Vitruvius. Nahmen §. 2Zl. Alle eigene Nahmen sind ursprünglich der Flüsse, Gattungsnahmen; allein durch den Gebrauch sind sie Länder und ^ das Bewußtseyn ihrer Allgemeinheit gekommen, und man betrachtet sie daher als bloße Nahmen individueller Dinge, und dieß gilt vornehmlich von den Nahmen der Personen, Länder und bewohnten Örter. Allein bey den Nahmen der Völker, Flüsse, Gewäs« ser und unbewohnten Örter, dergleichen z. B. Berge und Wälder sind, hat sich ihre Allgemeinheit noch am längsten erhalten, daher sie nicht anders, als mit dem Artikel, decliniret werden können. Da nun diese? hier nicht bloßes Zeichen der Biegung, sondern der Selbständigkeit ist, so können solche Nahmen 5. Von der Declination. §.2zi. 515 Nahmen auch der eigenen Biegung nicht entbehren, wenn sie gleich den Artikel bey sich haben: die Deutschen, die Kölner, die Elbe, die Größe der Donau, von dem Rheine kommen, das Nasser des Jordans, an dem Vesuve wohnen, nach dein Harze reisen. Hingegen werden die Nahmen der Länder lind bewohnten Örter im Deutschen so individuell betrachtet, daß sie auch die Declination mit dem Artikel nicht vertragen, außer wenn sie ein Adjectiv vor sich haben, in welchem Falle sie gewisser Maßen zu Gattungswö'rtern werden» Man sagt nicht, dem Frankreich den Zxrieg ankündigen, der Fleiß des Deutschland, oder des Englands, ich lobe mir das Berlin; wohl aber, dem mächrigen Frankreich, des volkreichen Deutschlands, das angenehme Derlin. Ausgenommen sind hier nur solche iänder- und Örternahmen, welche entweder noch jeht Appellativä sind, vder deren ehemahlige appellative Beschaffenheit noch in frischem Andenken schwebet, daher sie auch wie andere Gar- tungsnahmen behandelt werden und den Artikel nicht nur dulden, sondern erfordern: die 51?ark, die Lausitz, die Eiffel, die Lombarde?, die N)allachey, die Lausitz, (aber nicht die Schle- sie, sondern Schlesien,) die Leuchrenburg, der Aönigstein u. s. f. Da die meisten übrigen Länder- und Stadtenahmen eine sehr mangelhafte Declination haben, und Nur allein den Genitiv (S. H. 240.) viele aber auch diesen nicht bezeichnen können (S. §. 235.), und der Casus auch durch den Artikel nicht ausgedruckt werden darf, so Macht solches in solchen Fallen freylich Dunkelheit, wenn der Casus bestimmt seyn sollte» Diese zu heben, fuget man einem solchen Nahmen entweder ein Beywort Kk -» bey, 5»6 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. bey, oder setzt ihn mit einem Gattungsnahmen in Apposition: das reiche Groß-L>ritannicn, »der die Krone Groß-Vrirannien. Den Nahmen der bewohnten Örter setzt man, wenn der Casus nicht anders bezeichnet werden kann, die Nahmen Gc^dt, Dorf, Schloß u. s. f. vor t nach Paris reift», aber die Große der Stadt Paris. S. auch §. 240. 5. Latcini- §' 2Z2. Die lateinische Declination verstatten scl?e Dccli- alle Lateinische und mit lateinischen Endsylben ver- narioncige^ sxs^ne Personennahmen, wenn man sie nicht auf ncr Rah- Art decliniren will oder kann: der Reich- thuin Crösi, Christi GcnumhuunI, die Geburt Manä, Ciceronis Lricfe, pauli Schriften, Crusii Philosophie. Daß den solcher Gestalt gebeugten Nahmen kein Artikel vorgesetzet werden darf, erhellet bereits aus dem vorigen. Ehedem war diese Art der Declination, besonders unter den Gelehrten, sehr gewöhnlich, und ward von vielen, als die einige schickliche Beugung für solche Nahmen, empfohlen. Allein bey mehr Verfeinerung hielt man es dem guten Geschmacke zuwider, fremde Declinationen mit in die Deutsche Sprache zu mengen, und seitdem ziehet man die Deutsche Biegung jener billig vor. Allein, da diese nicht in allen Fallen möglich ist, oder, wenn sie auch möglich ist, oft die Achtung und Ehrerbiethung beleidigt, so muß man entweder jene behalten, oder das fremde Wort vermittelst des Deutschen Artikels decliniren. Die NXihl Franzens zum Kaiser, verräth Mangel an Feinheit, und Geringschätzung; nicht viel bester ist die XVahl des Kaisers Franz; schon edler ist, die N?ahl Francisci, und noch ehrerbiethiger die Verfügung eines Ehrenwortes, da denn der eigene Nc.hme unverändert bleiben kann, die lVahl des Kaisers Lrancifcus. §. 2ZZ. 5. Von der Declination. §.2ZZ.2Z4. 517 §.-zz. Die Deutsche Declination verstatten: z. Deutsche i, alle eigentlich Deutsche eigene Nahmen, wenn Deciina- sie keine lateinische Endsylbe angenommen haben: ^on. Schwarz, N?olf, Döhm, Schmidt, Adelheid. 2. Griechische und Lateinische Nahmen, wenn sie sich entweder vollständig, sowie sie sind, aufDeut- sche Art derliniren lassen, Evander, Woanders, jLvandern, Flora, Llorens, Floren; oder wenn man sie verkürzen und dadurch zur Deutschen Declination geschickt machen kann, Homer, Homers, Homeren, Dirgil, Dirgils, Dirmlen. z. Alle übrige sremde Nahmen, welche keine bekannte Bie- gungsfylbe für den Nominativ haben, und sich auf keins endigen: Daniel,Daniels,Daniel»; Voltaire, Volraircs, Dolrairen; Arbuchnor, Zlr- duchnors, Arbmhnoren. §. 2Z4. Von den Griechischen und lateinischen Abkürzung eigenen Nahmen gilt eben das, was bereits von den fremder GattungSnahmen aus diesen Sprachen gesagt wor- NM«eu. den. Diejenigen, welche mit keiner eigenen bekannten Biegungssylbe für den Nominativ versehen sind, lassen sich, wenn sie sich nicht auf ein s endi- gen, größrentheils auf Deutsche Art decliniren: Cä, , sar, Cäsars, Cäjarn; Chloc, Chloens, Chloen, die Chloen; Cicero, Ciceros; Solon, So- Ions. Diejenigen, welche sich auf ein s endigen, leiden die Deutsche Biegung nur selten. Zwar kann man ohne Übellqut sagen, Zevs, Fevjcns, Zevsen, Aneas, Anee»«s, Äneen, Ajax, Zljaxes, Ajaren; allein tausend andere sind nicht so gefällig, besonders wenn sie nicht Wurzelwörter, sondern abgeleitete sind. S. §. 2z;. Wenn ein Lateinisches und durch das Latein zu uns gekommenes Griechisches Wort mit einer bekann- Kk z ten ziZ i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. ten Biegungssylbe für den Nominativ versehen ist, so kann ein solches Wort, aus den schon im vorigen Abschnitte gedachten Gründen, nicht ohne Übelstand Deutsche Viegnngssylben annehmen, daher man ihm entweder jene erst nehmen, oder das Wort auf seine Art decliniren muß. Endiget es sich auf eine Ableitungssylbe, so sollte sie billig picht weggeworfen werden, weil sie zur wesentlichen Vollständigkeit des Wortes gehöret; allein aus Unkunde des Unterschiedes zwischen Ableitungs- und Biegungösylben hat der Gebrauch und die Liebe zu Deutschen Declinationen hier manche Verkürzungen eingeführet, welche sich nach den Regeln der Kunst nicht entschuldigen lassen. Erträglicher sind die Fälle, wo man die fremde Ableitungssylbe durch eine gleich bedeutende Deutsche zu ersetzen versucht hat. Die vornehmsten Endsylben, welche sich aus solche Art an den eigenen Nahmen der Grieche«; und Römer verändern lassen, sind etwa folgende. s und e an weiblichen Personen- Städte- und jändernahmen sind im Nominative unveränderlich, nehmen aber in den folgenden Casibus Deutsche Bi?gungösylben an. S. §. 239. 240. Athen und Theben, von /selige und l'liebge sind, nebst noch einigen andern, als Ausnahmen anzusehen. ?5, an den Griechischen Nahmen ist eine wahre Ableitungssylbe, welche mit der Deutschen er gleich bedeutend ist, daher sie nie weggeworfen werden sollte. Indessen hat man doch in den neuern Zeiten sehr viele Nahmen um dieselbe gebracht, ohne zu bedenken, daß sie dadurch wirklich verstümmelt worden« Socrar, Drogen, Hippocrac, Harpocrar, Ar- chimeb, Lleanch, Achill, Ulys), Thersit, Thycst, Diomed, Günymed, Isocrar, Demosthen und hundert 5. Von der Declination. §.234. 519 hundert andere kommen hänsig genug vor, so anstößig sie auch jedem wahren Kenner des Griechischen seyn müssen. Alcibiades, Hercules, Sopho- cles, Anchyses, Grigenes, Ceres, ?lpellcs, Fennes, phocylideo, Thennftocles, Crares u. s. s. sind dieser Verstümmelung zur Zeit noch ent» gangen; doch der Himmel weiß, wie lange! Die Französische und andere neuere Sprachen können uns hier nicht zum Muster dienen; diese haben dnrch ihre hausigen Vermischungen mit andern Sprachen alle ihre Eigenthümlichkeit und den ganzen Bau ihrer Wörter verloren, und ihre Wörter sind daher dem größten Theile nach bloße willkühr- liehe Zeichen der Gedanken, mit welchen Mode, Neuerungen und überspannte Verfeinerung machen können, was ihnen gut dencht. So weit ist die Deutsche Sprache noch nicht verderbt, oder, wenn man will, verfeinert worden, daher sie auch mit den wesentlichen Theilen der Wörter nicht so willkührlich verfahren kann und darf. S. auch §. 24z. Die Römer behielten, Troh aller ihrer Verfeinerung, dieses Griechische es, wenn eine dunkle Empfindung ihnen sagte, daß c6 die Ableitungssylbe sey, sorgfältig bey, vertauschten es aber, wenn sie es für eine bloße Biegungsfylbe erkannten, oft mit ihrem gleich bedeutenden u->. ii>, in Städte- undiändernahmen, läßt sich in ien verwandeln: Arcadien, Asien, Alerandrien, Böotien, Caladnen, Calcdonien, Spanien, Gallien, Germanien, Britannien, 'Anriochien, Samanen u. s. f. pomigall und vielleicht noch einige andere werfen es weg. i-> , an Griechischen Nahmen, ist gleichfalls eine Ableitungssylbe, läßt sich also gleichfalls nicht wegwerfen. Phalaris, ^5auc is, Acis, Doris, Phil- Kr 4 lis, 52V I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. lis, Adonis u. s. f. müssen also unverändert bleiben. Wenn sie aber an Lateinischen Wörtern auf eine bekannte Ableitungssylbe folgt, so scheinet sie bloß Biegung zu seyn, daher sie auch alsdann wegfallen kann. Marcial, Iuveual, Pasqual. ius, ist nicht ganz Biegung, wenigstens scheint das i ein wahrer Ableitungslaut zu seyn. Indessen sind doch die Verkürzungen Gvid, Horaz, Proper;, Tiber, Virgil, Vincenz, Äsculap, Tars quin, Auson, pacuv, Teren;, Lucil, Lucrez, Sallust, Vitruv, Manil, Valer u. s. f. in den neuern Zeiten allgemein gangbar geworden. Doch sperren sich noch glücklich, Emmis, Vasilius, Vlasluö, Claudius, Cornelius, Eusebius, Lis vius, Demcmus, persius, Confucius und andere mehr. Theodos und Disnys können, wegen des ursprünglich weichen s am Ende, nur einem ver- wahrlyseten Gehöre erträglich lauten, polyb und zEuseb sind außerdem noch wahre Verstümmelungen, weil hierein sehr bekannter wesentlicher Theil der Zusammensetzung weggeworfen worden, daher sie auch dem gemeinsten Kenner des Griechischen anstößig seyn müssen. Indessen lassen sich manche von diesen Wörtern auch unverkürzt in den CasibuS obliquis nach der folgenden dritten Art biegen: Ap- plus, Appiens, Appien. So auch polybius, Äccius u. s. f. Wenn es gleichlautende Wörter auf a gibt, welche eben so gebeuget werden müssen, so ist diefe Declination, zur Vermeidung aller Verwirrung, freylich nicht anzuwenden, indem z. B. Corneliens eher auf den weiblichen Nominativ Cornelia, als auf den männlichen Coruelius, führen würde. an Griechischen Nahmen kann nicht weggeworfen werden, doch leiden dergleichen Wörter den Deutschen 5. Von der Declination. §.234.255. 521 schen Genitiv auf s und den Plural auf e, Solon, Solons, die Golonc. S. §. 2^0. u«, Griech. ist bald bloße Biegung, bald wahre Ableitung. Im ersten F'alle kann sie wegfallen: Adrast, Ädmct, Äsop, Äol, ?tpollodor, August, ?luIustin, ?lristipp, Aristarch, Amomn, Deuedicr, Camll, Domitian, Diodor, Epi- cur, ssut er ?etrusün^ eben ders. liier -vfrer ketrut'e ZisnA, eben ders. Im gemeinen ieben'ist dieseDe- clinatisn bey noch gangbaren Personcnnahmen, welche mit lateinischen Endsi)lben versehen sind, noch üblich, da man denn das s, wenn e6 in den Casibus obliquis gedoppelt lautet, auch zu verdoppeln pflegt: Curtiussens Handlung in L.eip-.ig, CeUarius- sens, ThcbeslufseilS Haus. Allein in der edlern Schreib - und Sprechart hat man diese Form langst veralten lassen, vermuthlich weil das Wort dadurch zu sehr verunstaltet, und die allgemeine leichte Verständlichkeit gehindert wird. Es haben daher diejenigen mit Recht schlechten Beyfall gefunden, welche diefe Art zu decliniren auch in die Schriftsprache einführen wollen: Homer hat seine Zoylusie und Haller seine Myliujsc gehabt; wo noch der Barbarismus hinzu kommt, daß man der fremden Bic- gungssylbe für den Nominativ Deutsche BiegungS» sylben anderer Casuum, und im letztern Beyspiele gar 5. Von der Declination. §.2z6.2z/. 52z gar der fremden Biegungssylbe des Singulars Deutsche Biegungssylben des Plurals anhänget. §. 2z6. Nachdem dieses voraus gefetzet worden, CrstcDeclK kann nunmehr die Deutsche Declination ohne Arti- n>'tion der kel sowohl der Deutschen eigenen Nahmen, als so!- cher fremde«? gezeiget werden, welche sich nach dem Nahmen, vorigen auf Deutsche Art biegen lassen. Es geschiehet solches vornehmlich auf vierfache Art: Erste Art. Singular. Plural. Nomin. Nomin. e. Genit. s. Genit. c. Dat. en. Dat. en. Accuf. en. Accuf. e. §. 2z?. Diese ist für Perfonennahmen die all- Fort-' gemeinste und vollständigste, nur dasi der Dativ und sttzvng, Accusativ in sehr vielen Fällen einen niedrigen und geringschähigenNebenbegriff haben, daher man alsdann die vierte Art vorziehet, und das fehlende Casus-Zeichen durch den Artikel ersetzet: sags Josephen, er rief Josephen, edler dem Joseph, den 'Joseph. Die Ursache dieses niedrigen Nebenbe- grisses wird in dem folgenden §. 24z vorkommen. Indessen können nach dieser Art alle einheimische und fremde, männliche lind weibliche Personennahmen gebeuget werden, wenn sie sich nur nicht auf ein 0, s, scL) und ; und auf die tonlosen Sylben cl, al, en, ar, or und ur endigen, obgleich viele davon lieber auf eine der folgenden Arten gebeuget werden: Menke, Menkes oder Menke's, Menken, welches doch, wie alle männliche auf c, lieber nach der dritten gehet; Iehova, Jehovas, Iehoven, auch besser nqch der dritten; Abraham, Mrah.nns, Adraha- 524 i. TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Abrahamen; Henoch,Henochs,Henochen. So auch einheimische männliche: Friedrich, Adolph, Arnold, Bernhard, Adrian, Gottfried, Ulrich, Hagedorn, N>olf, Vach, Schmidt, Carpzov, Brand, Sturm, Bock, Vöhm, L.o- gau, «Dtco, (auch nach der dritten). Einheimsche weibliche: Gerrram, Hedrvig, Adelheid, wovon doch die auf a und n der folgenden dritten folgen. Und endlich fremde: Diodör, Epicür, (Dvid, Socrar, Sciopp, Hippocrac, Saul, Albin, Balduin, Dudley, Lancelor, Democrit, An- ronin, Sylvan, Tidull, Catull u. f. f. Besonders gehören hierher die mit mann zusammen gesetzten eigenen Nahmen, welche mit Verläugnung ihrer appellativen Declination dieser folgen, und daher auch im Plural den Umlaut nicht bekommen: ^eckmann, Bcckmanns, Veckmannen, Plur. die Vecrmanne, nicht Veckmänner, so häufig es auch ist. So auch Volkmann, Hollmann, Salzmann, Thürmann, Graumann, Hex? mann, Harrmann, Seligmann u. s. f. Zweyte. §. 2Z8. Diese ist bloß eine Abkürzung der vorigen , von welcher sie sich nur darin unterscheidet, daß sie kein e in ihren Biegungslauten hat. Ihr folgen alle eigene Personennahmen, welche sich auf ein unbetontes al, ei, il, ar, er und or endigen, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Nation. Zweyte Art. Singular. Nomin. Nomin. Genit. Plural. Geint, s. Dat. n. Accus. n» Dat. n. Accus. Auf 5. Von der Declination. §.238.2^9. 525 Auf ein tonloses al, sowohl männliche: Hanni- bal, Asdrudal, als weibliche: Michal. Auf ein solches el, sowohl männliche: Adel, Daniel, Beugel, 25arthel, Äeucel, Iftael, Sanmcl, Ioel, Ezechiel, als weibliche: Rahel, Iesabel. Hierher gehöret auch der aus Carel zusammen gezogene Nahme Carl, Carls, Carln, dagegen Paul und alle übrige einsylbige, oder deren l und r betont ist, nach der ersten gehen, Virgil, Valer u. s. f. Auf ein unbetontes il: Abigail. Auf ein solches ar: Balthajar, Caspar, Cäsar. Auf ein tonloses er. Männliche, sowohl einheimische, Schneider, Müller, Försrer,Maier, Luther, Sem!er; als fremde, Alexander, Cassander, perer, Jupiter, Evander, Fader, Isander. Weibliche, Escher. Auf ein solches or: Amrhor, Melchior, 2lge^ nor, Amor, Hecror, Castor. Dritte Art. Singular. Plural. Masc. Famin. Nomin. Nomin. e. en, n. Genit. ens, ns« Genit. e. en, n. Dat. en, n. Dat. en. en,n. Accus. en, n. Aecus. e. en,n. §. 2Z9. Diese ist die bestimmteste und vollstän- Dritte, digste, ob sie gleich bloß um des Wohllautes willen aus der ersten entstanden zu seyn scheinet, von welcher sie sich im Singular nur im Genitiv unterscheidet. Sie begreifst daher alle solche Nahmen unter sich, welche im Genitiv ohne Übellaut nicht mit dem bloße« 526 r. Th. 2. Abschn. 2. Kap. Substantiv. bloßen s zufrieden seyn können, nur mit dem Unterschiede, daß die männlichen im Plural e, die weiblichen aber en oder n bekommen. Es folgen ihr: I. Von männlichen Nahmen, Plun e. 1. Alle einheimische männliche Personennah-, inen, welche sich auf s, sch, st, x und ; endigen: Abschay., Beliy, Caniy, Dan;, Dusch, Franz, Frisch, Lrirsch, Lriy, Luchs, Gans, Görz, Hans, (aber wettn es avpellative gebraucht wird, der große Hans, so gehet eö nach der vierten Declination der Appellativen, des grossen Hansen, die großen Hansen;) Hirsch, Husi, Aranz, Run;, Leibnil?, Loren;, Max, Moriy, L7last, Gpiiz, poporoirsch, Guan;, Gchay, Stax, Vincenz, Voß. Doch können die auf st auch nach der ersten gehen, jLrnst, Ernsts und Ernstens, fo wie auch manche einfylbige mit andern End-Consonanten sich nach dieser beugen lassen, z. B. Pfafs, Psaffs und pfaffens, Barth, Darchs nnd Varchcns. 2. Abgekürzte Griechische uüd lateinische auf s, st und ;: ?ldrast, Theophrast, Ulyß, Horaz, Tcren;, L.ucre;, Dinccuz. Die auf st können auch der ersten folgen, dagegen sich auch die auf r, th,ll und p nach dieser biegen lassen: Aristippens, Tibullens, Admecens, Achillens. Von den unverkürzten leiden zwar Zevs, Äneas, Cecrops und andere dem Scheine nach Wurzelwörter diese Declination, allein alle übrige müssen entweder mit dem Artikel oder auf lateinische Art decliniret werden, wie Moses, Judas, Hylas u» s. si Siehe §. 2Z5. z. Einige lateinische und Griechische auf u» und -uz, wenn sie gleich im Nominative keine Verkürzung leiden: Appius, Appiens, Appien, die 5. Von der Declination. §.2M. 527 dieZtppie; Achelous, ?lchelocns, 2lche!oen; Lyäus, Lyäcns, Lyäen. Siehe §. 2Z4. 4. Alle einheimische mannliche Personennahmen aus e, welche daher diesen Buchstaben in der Declination nicht erst annehmen dürfen: George, (aber Georg ohne milderndes e kann nach der ersten gehen,) Mcnke, Haffe, NAlle, 5VilLe, Bälde, Stoppe, Schütze, Göye, Dache, Döhme, u. s. f. Hierher gehöret auch l. Otto, Ottens, Orren, Pl. die Drce, eigentlich von dem alten Nominativ Dtle; mit dem Latein. 0 müßte er Otto, Drro's, die(!)ttone gebeuget werden. 2. Jehöva, wenn der Ton auf der vorletzten Sylbe liegt, Jeho- vcne, ^jlehoven; aber wenn die letzte Sylbe betont ist, Iehova, Iehova's, demIehova, nach der vierten. II. Weibliche mit dem e in den Biegungölauten, und ohne dasselbe; Plur. en oder n. 1. Mit dem e, folglich Genit. ens, Dat. Ac- cus. en, Plur. en. (a) Alle weibliche Personennahmen auf ein unbetontes^, mit betonter vorletzten Sylbe: Helena, Helenens, Helenen, die Helenen, mit betonter Mitteljylbe; aber Helena, Helena's gehet nach der vierten. So auch Flora, Anna, Arabella, Drigitta, Catharina, Carolina, (der weibliche Taufnahme, aber als Landesnahme folgt es der vierten,) Christiana, Dorothea, Eva, Iuliana, Maria, Marcha, Aurora, Anronia, Sophia, Diana, ?lglaja, Bcllona, Asträa, Elisaderha, (aber Elisabeth, Elisabeths, nach der ersten,) u. f. f. welche im Gettitiv insgesammt auch nur ein bloßes s bekommen können. (b) Einige Länder - und Städtenahmen auf a, so wie alle dergleichen auf ia^ welche mit Wegwerfung 528 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. fung der Endung des Nominatives, so wie die vorigen, in den Caslbus obliquis dieser Declination folgen : LLnropa, Europens, Z^nropen, Sparc^, Spartens, Sparten. So auch Cäsarea, Ca- pua, Samaria, Achaja, ?lntiochia, ?Lpollo- nia, Apulia u. s. f. wo in manchen Fallen dieBeu- gung auch von den Nominativen auf e» herrühren kann, Samanen> AcHajen, Bootien, ?lntio- ct)icn. Die Stadtenahmen auf a und ia werden nach dieser Declination am hausigsten in der dichterischen Schreibart gebraucht. Der historische Sml seht, wenn der Casus bezeichnet werden soll, lieber das Wort Stadt vor. Für Asia ist der Nominativ Asien üblicher; Africa und America, werden selten nach dieser Declination gebeuget, sondern mehr nach der vierten, welches aber Unbequemlichkeit macht, weil der Dativ in derselben nicht kenntlich gemacht werden kann, und die iändernahmen keinen Artikel verstatten. Aber warum wollte man sie nicht an diese Declination gewöhnen, in welchem Falle man jedoch das c in ein k verwandeln müßte: Afrika, Aftikens, Aftiken, Amerika, Ameri- kens, Ameriken? 2. Ohne e, im Genit. ns. Dar. Accus. tt, Plur. tt. ^ (a) Alle weibliche Personennahmen auf ein unbetontes e: Amphitrire, Aftarre, Amalle, Agnese, Chloe, Daphne, Louift, penelope, philippine u. s. f. (b) Griechische länder- Städte- und Ortsnahmen auf ein e: Adiadene, Aganippe, ?lstarü te, die Stadt, Conope u. s. f. welche gleichfalls am häufigsten nur von den Dichtem nach diefer Declination gebeugel werden. Vierte 5. Von der Declination. §. 240. 529 Vierte Art. Singular. Plural. Nomin. Genit. s. Dat. Accus. Nomin. zuweilen e. Genit. - - e. Dat. - - en. Accus. - - e. §. 240. Diese ist die kürzeste und unvollkommen- Viert», sre, indem sie bloß den Genitiv der Einheit durch s, und in manchen Fallen auch den Plural durch e und im Dative durch en bezeichnet. Die übrigen Endungen, welche hier keine eigene Biegungssylbe haben, müssen durch den Artikel bezeichnet werden. Sie begreifst alle diejenigen eigenen Nahmen in sich, welche man nach keiner der vorigen Arten biegen kann oder rvill. 1. Nothwendig müssen dieser Declination folgen: (1) Alle Lander-und Stadtcnahmen, welche auf Deutsche Art decliniret werden können, welche sich folglich nicht auf ein s, sch oder z endigen müf. sen, als welche im Genitiv kein ö annehmen kennen, und daher im Deutschen unbiegsam sind. Sie ist die eigentliche Declination für Landes-und Ortsnahmen, die auf a, ia und e nur ausgenommen, wenn man sie mit den Dichtern lieber nach der vorigen Art biegen will, wo sich aber doch immer ein Nominativ auf en gedenken laßt, und oft wirklich vorhanden ist, vermittelst dessen sie wieder zu diefer Declination zurück geführet werden. Samariens, Anriochiens, lLuropens u. f. f. kommen von den Nominativen Samarien, Anriochien, ^Luropen her, obgleich letzterer nicht üblich ist. Böhmen, Böhmens; so auch Sachsen, Arabien, Asien, 2ldel.jV.Spr. Ll Schwe- 5ZO I.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. Schweden, Indien, Ägypten, Spanien, Portugal!, Rußland, Holland, Brabanr, Africa, America, Lorfu, Berlin, Stockholm, Rom, Cracau, lVarschau, Dresden, Babel, Athen, Leipzig u. s. f. Es erhellet hieraus zugleich, daß dieStädte- und jändernahmen, als eigene Nahmen, den Dativ an sich selbst nicht ausdrucken können. Er ist Deutschlande entrissen, Deutschlands, das seine Schriften nur Verminderung las, ist daher fehlerhaft, weil Gattungswörter, so bald sie als eigene Nahmen gebraucht werden, mit ihrer allgemeinen Bedeutung auch zugleich ihre appellative Declination ablegen. Hat aber der jandeSnahme ein Adjectiv vor sich, so wird er gewisser Maßen wieder ein GattungSnahme, und leidet alsdann auch die appellative Declination: er ist dem trauren- den Deutschlands entrissen, würde also völlig richtig seyn. Nur die Städte- und Ortsnahmen leiden auch mit Adjectiven die Bezeichnung der übrigen Casuum nicht, daher man sich in solchen Fällen mit den BeysäHen Stadt, Schloß,Dsrfu.s.f. helfen muß. Auf eben die Art muß man auch den Genitiv bey solchen OrtSnahmen bezeichnen, welche sich auf ein 6, sch oder z endigen, wie Paris, Feirz, Gräy, t^eapolis. Wenn der Plural von einem Landes- oder OrtSnahmen nöthig seyn sollte, so bleiben die meisten, besonders welche sich auf n, l, r und einen Vocal endigen, unverändert, einige aber können ein e annehmen: beyde Gallien. Wenn ein eigener auf einen unbetonten Vocal sich endigender Nahme, er sey nun ein Orts - oder Personennahme, in dieser oder einer der vorigen Declinationen im Genitiv ein bloßes s bekommt, so kann man dasselbe vermittelst des Apostrophes von 5. Von der Declination. §.240. 5ZI dem Nahmen trennen, damit Unkundige nicht in Versuchung gerathen, die Endsylbe zu betonen: Jericho's, Caco's, Amalia'o. Die Engländer, deren Sprache keine Biegungssylben für die Casus hat, gebrauchen diesen 'Apostroph in allen Fallen, so oft ihr ->' an einem Substantive den Genitiv des nachgesetzten Artikels ausdruckt: mi>n'x eüsce, das Männliche Alter, für cne eüure c>f 2 mun. (2) Alle Personennahmen auf en, welche nur allein den Genitiv bezeichnen können. Dahin gehören sowohl alle Verkleinerungsnahmen, löschen, Lieschen, Dorchen, Larichen; als auch alle üb. rige auf en: Baumgarten, BugenhaIen, Lam- den, Hamden, >symen, Rarsten u. f. f. 2. Willkührlich können nach dieser Declination gebeuget werden, alle übrige Personennahmen ohne Unterschied deS Geschlechtes, welche man entweder auö Achtung, oder nm des Wohllautes willen, nach keiner der vorigen Declinationen beugen will, d.i. alle diejenigen, deren Dativ und Accusativ man nicht auf en oder n machen, sondern beyde Casus lieber durch den Artikel bezeichnen will. Es geschiehet solches entweder aus Achtung, wovon im folgenden §. 24z. oder um des Wohllautes willen. Der letzte Fall findet besonders Statt bey den Nahmen aus ein unbetontes on, Ancon, Solon, Tes nophon, Agamemnon, Aaron, dl'ielanchchon, Dämon u. s. f. von welchen Antonen, Soloncn, Agamcmnoncn, Dämonen eben nicht zum besten lauten; ferner bey allen auf einen Consonanten ausgehenden Nahmen, welche den Ton auf der dritten Sylbe vom Ende haben, Nlechusalcm, Abraham, Deucalion, Endymion, Gimeon, wo 4l » der 5Z2 I.TH. 2.Abschll. 2.Kap. Substantrv. der Ton im Dativ und Accnsativ auf die vierte Sylbe vom Ende fallen würde, welches wider die Natur der Deutschen Sprache ist. Indessen leiden sie Plurale auf e, weil sich alsdann der Ton fortrücken lasset, Endymione, Abrahame, welches im Singular nicht allemahl thunlich ist. Besonders gehören hierher alle männliche Nahmen aufa, i und y, und alle mannliche und weibliche auf o, bey welchen das en und n im Dativ und Accusativ nicht allein das Gehör beleidiget, sondern auch leicht zu einer falschen Setzung des Tones verleiten könnte: Jacobin könnte leicht Jacobm, wie Delphin, gelesen werden. Um dieser Sicherheit des wahren Tones willen, kann man, wie schon gedacht, sich im Genitiv des Apostrophes bedienen: Iosua's, V^oah's, Zöeda's, Iehova's, Leon- hardi's, Iablonsky's, Dido's, Cupido's, Sappho's. Durch welches Mitte! man auch den Dativ und Accusativ in Rücksicht des Tones bilden könnte: Veda'n, Dido'n, Iacobi'n, wenn an« ders der Punct der Achtung keinen weitern Anstoß verursachen sollte. Die lateinischen auf o, welche in der Biegung ein n bekommen, findet man oft Cicerons, Ciceronen, Carone, Caronen, Sci- pions, Scipionen, decliniret, welches aber eigentlich fehlerhaft ist, wenn man diefes n nicht auch, nach dem Muster der Franzofen, zum Nominativ herauf nimmt, Ciceron, Cacon, Scipisn, welches doch noch niemanden eingefallen ist. Der Plural Cicerone, Scipione, Carone, Grrone lässet sich eher vertheidigen, weil sie als unmittelbar aus dem Lateinischen Plural gebildet angesehen werden können, auf welche Art auch die im Singular un- biegfamen Appellativs aufs, um und ium Plurale auf 5. Von der Declination. §.241. 55z auf en und ien leiden, S. §. 22z. die Endung mm. Von manchen ist der Plural auf en üblich, die Sci- pionen, die (Drronen, in welchem Falle aber diese Wörter als Geschlechts-und Gattungönahmen angesehen, und nach der vierten Declination der Appellativen gebeuget werden. Der Plural auf s, die Cunos, Scipios, Cacos, ist auch hier zu vermeiden. . Allgemeine Anmerkungen über die Declination der eigenen Nahmen. §. 241. Aus dem vorigen erhellet, daß sehr viele Nahmen eigene Nahmen, und besonders Personennahmen, nach mehr nach mehr als einer Declination gebeuget werden «ls einer können: Wolf, Wolfs, Wölfen; Wolf, ^ina- wolftns, Wölfen; und Wolf, Wolfs, dem Wolf, den Wolf; Louisa, Louifens, L.ouifen, und Louisa, L.ouifa's, derL.ouifa, die Louifa. So auch Admer, Adrast, Zlpoll, Achill, August, (wenn die erste Sylbe betont ist, nach der vierten, ist es die zweyte, nach der ersten oder dritten,) pfajf, Frey, Ernst, Gciopp u. s. f. Wenn man die Volksnahmen als eigene Nahmen betrachtet, fo könnte man noch die fünfte Art, eigene Nahmen zu beugen, hinzusetzen, welche diejenigen Volksnahmen bcgreiffen würde, welche in der ganzen Biegung die Sylbe en oder n bekommen. Allein, da sie auf der andern Seite wahre Gattungsnahmen sind, so können sie füglicher bey der vierten Declination der Appellativen bleiben. Herr 1"?ast lehret in dem oben schon gedachten Deutschen Sprachforscher viele eigene Personennah- L l z men 5Z4 i.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv. men gleichfalls nach dieser vierten Declination der Appellativen beugen: de^ Hans, des— en, dem — en, dei» — en; der Hasse, des — n, dem-n, den — n; Plur. die Hansen, die Hassen. So auch nach ihm alle, die sich aufs, sch, st, r und; endigen, alle einfylbige Deutsche mannliche Nahmen , und alle Nahmen mit dem mildernden e. Allein, daß die Declination an dem Worte selbst, und vermittelst des Artikels zugleich ein fehlerhafter Überfluß ist, ist bereits in dem vorigen gezeiget worden. Ohne Artikel aber wird im Hochdeutschen kein eigener Nahme auf diese Art gebeuget. Nothwen- §. 242. Wenn man einen eigenen Nahmen in dige Ne- einem oder dem andern Casu nicht biegen kann oder der^C^ ^ derselbe bey Persounahmen durch den smnn " Artikel, und bey Ortsnahmen durch ein Beywort oder durch die Apposition bezeichnet werden: dem Ci.cro; den Abraham; verkündige es dem ganzen Berlin oder der Stadt Berlin. Wo der Casus nicht bezeichnet werden darf, z. B. bey Landes - und OrtSnahmen mit Präpositionen, da ist auch diese Vorsicht unnöthig: nach Berlin, nach Frankreich reisen, aus Deutschland, von Paris kommen. Da das Verhältniß des Nominatives durch die Stellung, als das Subject, bereits deutlich genug ist, so bedarf dieser Casus auch keiner weitern Bestimmung: London ist eine große Stadt, Africa ist derheifscste lVeltrheil, neulich kam Ädrast zu mir. Da eigene Nahmen, wenn sie im Plural gebraucht werden, allemahl zu GattungSnahmen werden, so ist in solchem Falle sowohl die eigene Beugung, wenn sie möglich ist, als auch der Artikel nothwendig: die Cicerone unserer Zeit. §. 24z. 5. Von der Declination. §, 24z. 535 §. 24z. Es ist im vorigen mehrmahls gesagt V»„ dem worden, daß der Dativ und Accusativ an den eige- Datlv und nen Nahmen auf en oder n sehr oft ein Zeichen der Accusativ. Vertraulichkeit oder Geringschätzung ist, und daher nicht ohne Unterschied gebraucht werden dürfe: Louisen, Marien, Josephen, Friedrichen. Ich weiß keine andere Ursache davon, als weil diese Endung hier nicht ein bloßes Zeichen des Casus, sondern zugleich der nachgesetzte Artikel ist, welcher nur noch zuweilen im gemeinen Heben vorkommt. Hier höret man noch oft, ich will zu Rarern gehen, ich will es Muttern sagen, rufe mir Brüdern, wo das angehängte n nichts anders seyn kann, als der Articulus postpositjvus. Siehe auch §. 258. Da nun dieser in der xdlern Schreibart an den Appellativen veraltet ist, so klebet ihm auch bey den eigenen Nahmen ein vertraulicher und ver- , achtlicher Nebenbegriff an, welchen man durch die Declination, vermittelst des Artikels, und noch mehr durch eine Apposition, vermeidet; derL.ouisa, der Jungfrau Maria, dem Naiser Joseph. Indessen kann sich die dichterische Schreibart, welche manche gemeine Formen adelt, und z. B. alles mit du anredet, ohne Geringschätzung zu verrathen, dieses Datives und Accusatives ohne Anstoß bedienen. Da dem Genitive nichts von diesem Unedlen anklebt, so scheinet es, daß der Nebenbegriff des Artikels in demselben schwächer sey, und die Flexion am meisten hervor steche. Wenn man indessen bey dem Gebrauche des Datives und Accusatives keine Bedenkiichkeit findet, so kann doch ihr Gleichlaut Dunkelheit veranlassen. Z. B. ich habe Gottfrieden Schwarzen empfohlen; wo ungewiß ist, welcher Nahme Ll 4 im 5z6 i.TH. 2.Abschn. 2.Aap. Substantiv. im Dativ, und welcher im Accusativ stehet, folglich, welches eigentlich der Empfohlne ist, indem die Stelle nichts entscheidet. In diesem Falle muß man wenigstens eine,: Nahmen vermittelst des Artikels decliniren: ich habe den Gottfried dem Schrvarz, oder den Gottfried Schwarzen empfohlen. Die sehr verkürzten eigenen Nahmen, z.B. Franz, May, Max, Hans u. s. f. sind niedrig, und lassen sich daher nie mit Achtung und Wohlstand gebrauchen. Die Ursache ist nicht schwer zu finden. Die Deutsche Sprache hat das vor vielen andern voraus, daß sie weder eigene noch fremde Wörter verstümmelt, sondern alle zum Wesen eines Wortes gehörigen Sylben sorgfältig beybehält. Diejenigen Wörter, welche fo sehr verkürzet werden, daß ihr Bau darüber zerstöret, und folglich der Begriff, welchen sie bezeichnen, verdunkelt wird, wie in Hans für Johannes, Franz für Lrancifcus, May für Matthäus oder Matthias, Töffel und Grosser für Christoph, Liefe fürElifaderh u.f. f. sind daher ein Werk des großen Hauffens, dessen Eigenheiten nicht in die edlere Schreibart gehören, wenn gleich die gesellschaftliche Vertraulichkeit die Verkleinerungen solcher verstümmelten Nahmen ohne Anstoß aufnehmen kann: Häuschen, Dorchen, Lieschen, Sußchen u. s. f. Notl,wen- §. 244. Daß auch bey eigenen Nahmen in den diqe Be- Cssibus obliquis die Bezeichnung des Casus auf der ? ^ andere Art nothwendig ist, verstehet suum. ^ selbst, und bedürfte nicht erst erinnert zu werden, wenn nicht oft dawider angestoßen würde. Selbst in der Deutschen Bibel liest man noch, vver Christus 5. Von der Declination. §. 245. 537 Christus Geist nicht bar, der ist nicht sein, für Christi. Ausgenommen sind vornehmlich die Nahmen der Binder und Örter, wenn sie mit Präpositionen gebraucht werden, wo die Bezeichnung des Casus unuvthjg ist: nach Frankreich, von Petersburg, aus Italien, vor tVien. §. 245. Wenn ein Gattungsnahme zn einem Eigene eigenen Nahmen gepräget wird, so verlieret er mit Nahmen seiner Allgemeinheit auch seine ehemahlige appella- ^ tive Declination, und folglich auch den Umlaut, welchen er als Gattungsnahme erforderte. Der ' ' Dach gehet als ein Appellativum, des Baches, dem Bache, Plur. die Bäche, aber als ein eigener Nahme, Bachs, Bachen, Bachen, Plur. die Bache. So auch Fuchs, N?olf, Smrm, Vogt, alle mit—mann zusammen gesetzte Nahmen u. s. f. welche im Plural Fuchse, TVolfe, Sturme, Vogre, —manne haben, und sich dadurch von den Gattungswörtern, die Füchse, XVöl? fe, Stürme, Dögre, —männer unterscheiden. §. 246. Die Casus bezeichnen das Verhältniß, Dccllna- in welchem sich ein selbständiges Ding gegen das tion in Ax- Subject befindet, und dieses Verhältniß muß, wenn Position es zur Deutlichkeit der Rede erfordert wird, noch- wendig bezeichnet werden. Allein es darfauch nicht ' mehr als einmahl angedeutet werden, weil die Rede eben fo sehr allen Überfluß, als allen nachtheiligen Mangel, fliehet. Wenn daher von einem und eben demselben Dinge mehrere Nahmen zugleich angegeben werden, so darf der Casus nur an einem derselben bezeichnet werden. Es finden dabey vornehmlich zwey Fälle Statt. Ll 5 i. Ent. 5^8 i.TH. 2.Abschn. 2.Kap. Substantiv. i. Entweder ist der eine Nahme ein Gattungö- nahme, und dieser stehet voran, in welchem Falle er mit dem eigenen Nahmen in der Apposition sichet. S. §. 608. Alsdann hat der Gattungs» nähme entweder den Artikel, oder er hat ihn nicht. Hat er den Artikel, so bekommt er die Biegung, der eigene Nahme aber nicht: des Arztes Büchner, des weltweisen 5Volf, des Königes Friedrich, der Sradt Berlin, vergib es deinem Bruder Dalchasar, sags deiner Schwester Amalia. Beyde Nahmen in diesem Falle biegen zu wollen, des Arztes Büchners, deinem Brus der Balrhajarn, deiner Schwester Amallen, würde ein eben so fehlerhafter Überfluß seyn, als einem bereits vermittelst des Artikels declinirten eigenen Nahmen noch das Biegungszeichen anhängen zu wollen. Hat aber der Gattungsnahme keinen Artikel vor sich, welches in der vertraulichen Sprechart mit den Titeln sehr bekannter Personen häufig geschiehet, so bekommt der eigene Nahme die Biegung : Aaiser Carls Schwert, von Rönig Friedrichen befohlen, Docror Luther» zugeeignet. Das Wort Herr macht hier eine Ausnahme, weil es die Biegung in den meisten Fällen selbst annimmt: von Herren Feldiger, gibs Herren 51Ailler; da denn im Genitiv auch der eigene Nahme die Biegung bekommen muß, vermuthlich weil der Casus an dem Worte Herr nicht deutlich bezeichnet werden kann, indem es in allen Endungen Herren (im Singular gemeiniglich Herrn,) lautet: Herrn Schwarzens Haus. Hac der eigene Nahme ein Zahlwort hinter sich, so ist die Biegung des erstem nothwendig: der Gesandte Aonig Heinrichs des vierten, auch wenn der vorher gehende 5. Von der Declination. §.247. 5^9 hende Gattungsnahme decliniret wird: der Ee? sandte des Königes Heinrichs des vierten. Stehet der Gattungsnahme hinter dem eigenen, so stehet er mehr zur Erklärung als in Apposition, daher auch beyde gebeuget werden muffen: die lVerke Friedrichs, Königes in Preussen, die Verdienste N>olfs, des lVelcweisen. §. 247. Oder 2. es sind mehrere eigeneNahmen Und mehre- einer und eben derselben Person, in welchem Falle rer eigenen allemahl der letzte gebogen wird, die erstern aber^'bmen nicht: die Vermählung Carl Maximilians, ^ D.n- Johann Christoph (Gottscheds Sprachkunst, Christian Wolfs Logik. Ist aber ein Geschlechts- nähme ein adeliger, welcher das von vor sich hat, so bekommt der lehte Taufnahme dieBiegungszeichen: Friedrich Daniel Caspars von Dirzrhum Gut, Carl Antons von Ubigau Schriften, Christians von N?olf Logik. 45.C---SÄ^-?----Z'i» Drittes 54^ i.TH. 2.Abfchn. z.Kap. ^ > ^ >>...... . > . . Drittes Kapitel. Von dem Artikel. Inhalt. Erklärung und Bestimmung Biegung des bestimmte» Ar- des Artikels, Z. 248. rikels, L 25Z. AZerschicdene Arten der Selb- Dessen Amt, Z. 254. Müdigkeit, §. 249. Declination des unbestimmten Arten des Artikels, Z. 25°. ^Amt', Ursprung und Bildung dessel- und Gebrauch, Z. 2Z7. den, §. 2Zi. Von dem Arrieulo postposi- Viegnng der Artikel, Z. 25:. rivs, Z. 2Z8. §. 248. SrMrung sind Nahmen selbständiger Dinge, des Arti- und da nur diese die Ursache und Veranlas- sung der ganzen Rede seyn können, so sind auch ihre Nahmen der erste und wichtigste Redetheil, um dessen willen alle übrige da sind. Wir haben bisher den Begriff, die Bildung, Eintheilung und Biegung der Substantive betrachtet, und können nunmehr zu denjenigen Redetheilen fortgehen, welche unmittelbar zu ihrer Bestimmung dienen. Was sich unmittelbar an dem selbständigen Dinge bestimmen lässet, ist theils die Selbständigkeit, theils der Umfang der Zahl, theils dessen Eigenschaften, theils endlich auch manche zufällige und veränderliche Verhältnisse, welche dem selbständigen Dinge in dem Augenblicke der Rede zukommen. Es ist schon bey dem Substantive gesagt worden, daß jedes derselben ursprünglich zu einem eigenen Nahmen bestimmt war, und gerade nur das Indivi- Von dem Artikel. §.248. 54? Individuum und kein anderes bezeichnen sollte, welches den Nahmen das erste Mahl veranlasset hatte. Allein, da der Nahme nothwendig von einem allgemeinen Umstände entlehnet war, welcher sich bey allen Dingen eben derselben Art fand, oder doch finden konnte, nähmlich das Hörbare an dein Dinge: so ward man attmählig gewahr, daß alle Nahmen der Dinge sehr allgemeine Nahmen waren, welche ollen Dingen eben derselben Art zukamen. Es gc- hörete vermuthlich schon ein betrachtlicher Grad der Cultur und der Übung des Geistes dazu, dieses zu bemerken, und vermuthlich glaubte man in der ersten Kindheit der Sprache und des Denkens, daß der iöwe, welchen man heute brüllen hörte, noch eben dasselbe Individuum sey, welches man vor acht Tagen von seinem Gebrüll L.örve genannt hatte. Als man endlich durch fortgesetzte Erfahrung und Übung bemerken lernte, daß es mehr für sich bestehende Dinge einer Art gebe, so ward noch mehr Aufmerksamkeit und Kraft des Geistes erfordert, der daraus entstehenden Verwirrung und Dunkelheit für die Sprache vorzubeugen. Anfänglich bezeichnete man nur die am meisten hervor stechenden Umstände, wodurch ein Individuum in dem Augenblicke der Rede von dem andern unterschieden war, und so entstanden die Pronomina. Oft half man sich durch Bemerkung der Eigenschafren, oder durch die Adjectiva. Allein es gab noch feinere Bestimmungen, welche die Selbständigkeit unmittelbar bestimmten, und da deren Bemerkung und Bezeichnung schon viel Scharfsinn erforderte, so blieben sie ganzen Völkerschaften unbemerkbar, und unaus- druckbar; andere bezeichneten selbige nur in einigen sehr merklichen Fällen, andere gingen noch weiter, und bezeichneten minder hervor stechende Fälle, und so 542 i.TH. 2. Abschn. z.Kap. so entstand bey den beyden letzter» der Artikel, welcher daher bloß um der allgemeinen Gattungswörter willen da ist, ihre Selbständigkeit nach dem Begriffe nnd Bedürfnisse des Sprechenden auf verschiedene Art zu bestimmen. Der aus dem Lateinischen entlehnte Nahme dieses Redetheiles verrath freylich, daß man einen nur sehr dunkeln und vielleicht gar keir.cn Begriff von demselben hatte. Allein der von vielen Neuern eingeführte Deutsche Nahme Geschlechtswort verrath einen ganz irrigen Be- griff, indem der Deutsche Artikel zwar dem Geschlechte seines Hauptwortes im Singular folget, - aber zu nichts wenigerm eigentlich bestimmt ist, als das Geschlecht zu bezeichnen, welches der Deutsche Artikel im Plural nicht einmahl ausdrucken, und der Englische in keinem Falle bezeichnen kann, ohne daß man ihnen deswegen den Nahmen des Artikels versaget hatte. Wir haben es hier bloß mit dem Deutschen Artikel zu thun; wer dessen Gebrauch in dem Französischen, Griechischen und Hebräischen verglichen sehen will, den muß ich auf des Herrn RectorS Meiner schon mehrmahls empsohlne philosophische Sprachlehre verweisen. Wie die §- 249. Ein Gattungswort kann in Ansehung Selbstün- seiner Selbständigkeit vornehmlich auf folgende sie- digkett be- ben Arten bestimmet werden. stimmet ^ - . , ^ «erden Man kann em oder mehrere Jndividua aus kaon. der ganzen Gattung, welche als bekannt voraus gesetzet werden, bezeichnen. Wenn ich z.B. sage, die L>lume ist schon aufgebrochen, so ist Dlume ein Gattungswort, welches eine große Menge einzeler Dinge unter sich begreifst. Ich habe aber nur eines derselben in Gedanken, und da dieses eine dern^ Zuhörer aus dem vorhergehenden schon als bekannt voraus Von dem Artikel. §. 249. 54z voraus geseßet werden kann, so bemerke ich diesen Umstand durch den Artikel, und bin gewiß, daß derjenige, mit welchem ich rede, unter der großen Menge selbständiger Dinge, welche das Wort Vlmne unter sich begreifft, dasjenige, welches ich im Sinne habe, gewiß nicht verfehlen wird. Eben der Fall findet bey mehrern Jndividuem Statt; z. B. wenn mir jemand sagt, die Gäste sind noch nicht da, so setzet er voraus, daß ich unter dem allgemeinen Worte Gäste gerade nur diejenigen verstehen werde, welche er im Sinne hat, d.i. diejenigen, von welchen wir kurz vorher gesprochen haben, oder welche wir erwarteten. 2. Man kann vermittelst eines Gattungswortes eines oder mehrere Individua auf die vorige Art als bekannt bezeichnen, und doch die ganze Classe oder Gattung verstehen, oder sie als ein einiges selbständiges Ding darstellen. Der Mensch ist sterblich ; da bezeichne ich von den vielen Individuis, welche das Wort Mensch unter sich begreifft, ein einiges als schon bekannt, verstehe aber alle darunter gehörige Individua, oder bezeichne vielmehr die ganze Classe als ein einiges selbständiges Ding. Eben so im Plural, die Menschen sind sterblich, die Vlumen sind vergänglich. z. Man kann aus der ganzen unter einem Gattungsworte begriffenen Menge von Individuen ein Ding nennen, aber zugleich zu verstehen geben, daß es gleich viel sey, welches Individuum man verstehe, wenn man nur die Gattung nicht verfehlet. Z. B. Wenn jemand zu mir sagt, ich sahe einen Vogel fliegen, so will er weiter nichts andeuten, als daß er ein Individuum von der Art derer, welche man Vögel nennet, gesehen, eö aber nicht für nothwendig hält, mir dieses Individuum näher zu bestimmen. 544 i'TH. 2.Abschn. Z.Kap. men, sondern Zufrieden ist, wenn ich nur die Classe oder Gattung nicht verfehle. In diesem Falle bezeichnet er mir zwar ein einiges Individuum, aber als sehr unbestimmt, in Ansehung seiner Individualität oder Selbständigkeit. 4. Man kann auf die vorige Art aus der ganzen Menge einzeler Dinge einer Art ein eiuigeS heraus heben, dieses einige aber so unbestimmt bezeichnen, daß eö dem Willkühr des Zuhörers überlassen bleibt, welches er sich unter der ganzen Menge gedenken w.ill, und dieses einige so unbestimmt bezeichnete Ding kann von mir zum Repräsentanten der ganzen Gattung gemacht werden; d. i. ich kann ein ei-, nigeS Ding nennen, und doch darunter die ganze Gattung verstehen. Z. B. ein Mensch ist ein sterbliches Geschöpf, wo ein Mensch eben so viel ist, als wenn ich sagte, ein jeder Mensch, oder alle Menschen. 5. Man kann von der ganzen Menge Individuen, welche ein Gattungswort unter sich begreifst, ein Ding auf die vorige Art sehr unbestimmt bezeichnen, und dadurch bloß die Classe oder Gattung andeuten, zu welcher ein vorher genanntes Subject gehöret. Dieser Fall ist von den wenigen Sprachlehrern, welche ein wenig tiefer, als gewöhnlich ist, in die Natur der Artikel hinein gegangen sind, nicht bemerket worden; indessen ist er doch von den übrigen Fällen wirklich verschieden. So bezeichne ich in dem vorigen Beyspiele durch die Worte ein sterbliches Geschöpf bloß die Classe oder Gattung, zu welcher ich den Menschen gerechnet haben will- Eben so, wenn ich sage, Casus ist ein gelehrter Mann, das ist ein sehr schwerer Fall, ein kirzlicher Handel, eine Rose ist eine schöne Blume. 6. Man Von dem Artikel. §.249. 545 6. Man kann von der ganzen Menge Individuen, welche unter ein GattungSwort gehören, eine unbestimmte Anzahl bezeichnen, so daß es dem Will-- kühre des andern überlassen bleibt, wie viel er deren verstehen will, wenn er nur die Gattung, und den Umstand, daß ich mehrere einzele Dinge dieser Gat. rung meyne, nicht verfehlet. Wenn ich sage, ich sahe Vögel fliegen, so will ich weiter nichts, als die Gattung, und eine unbestimmte Anzahl der unter dieselbe gehörigen Individuen, verstanden wissen. So auch, es kamen Reiter gerirren, man bringe mir Bücher. 7. Man kann vermittelst eines Gattungswortes, es werde nun im Singular oder Plural gebraucht, einen unbestimmten Theil des Ganzen bezeichnen, oder, um mich richtiger auszudrucken, man kann vermittelst desselben blvß die Materie oder Gattung andeuten , von welcher man das vorher gehende verstanden wissen will; welcher Fall von dem vorigen fünften, wenigstens in der Art des Ausdruckes, noch verschieden ist. Man kann dieses sowohl durch den Singular als durch den Plural des Gattungswor- tes ausdrucken, und zwar durch den Sigular, wenn das Wort ein Materiale ist, oder nicht sowohl eine ganze Menge Dinge einer Art, als vielmehr nur die Materie bezeichnet. Wenn ich zu jemanden sage, gib mir^ror, nnnmXVasser, rrinLeiVein, fae Erbsen, man fing Fischt, es sind Menschen: so bezeichne ich ihm bloß die Materie, oder die Gattung als Materie, ohne alle nähere Bestimmung der Quantität oder Qualität. Man könnte , 8- noch denjenigen Fall hinzusetzen, wenn man auf die beydcn vorigen Arten entweder bloß die Materie und Gattung, oder eine unbestimmte An-- zahl mehrerer Dinge nennet, und in beyden Fällen Adel.V.Spr. Mm die 546 i.TH. 2.Abschtt. z.Kap. die ganze Gattung verstehet. Z. B. Vror ist die gemeinste Speise, Brüder vertragen sich am seltensten, Diebe sind die furchtsamsten Geschöpfe auf der N)elt. Indessen ist dieser Fall so hänfig nicht, als einer der vorigen, indem er gemeiniglich nur in Sentenzen und sprichwörtlichen Arteil des Ansdruckes vorkommt» Bezeich- §. 250. Dieß sind die vornehmsten Fälle, welche nu»g der- an einem Gattungsworte in Ansehung der Selb- sclbcn durch st was doch bloße Casus- Zeichen clo und a sind, hat schon Herr Rector kleiner in der philos. Sprach!. S. 122 f. gezeiget. §. 251. Da der Begriff der Selbständigkeit und AbleirMS der verschiedenen Fälle desselben schon fein ist, und der Deuteine geübte Denkungskraft erfordert: so ist glaub- lich, daß die Deutschen in der ersten Kindheit ihrer Sprache eben so wenig Artikel gehabt haben, als andere Völker, welche diese Bestimmung auch bey dem Fortschritte der Cultur vernachlässigten, und daher nie Artikel gehabt haben. Als man im Deutschen anfing zu bemerken, daß die unterlassene Bezeichnung der Selbständigkeit sehr oft Dunkelheit verursachte, so entlehnte man für die bestimmter» Arten das Pronomen der, für die unbestimmten; aber das Zahlwort ein; daher beyde nur in einer Art von figürlichem Verstände als 'Artikel gebraucht werden. Beyde find Wurzelwörter, aber ausgebildete Wurzelwörter, oder vielmehr die nackten Wurzellaute d und n, an, cn oder ein, welche mit den Concretionö- und Flerions-tauten zusammen gezogen worden. Indessen find doch beyde Artikel inr Deutschen schon sehr alt, und vermuthlich noch vor dem 'Anfange der Cultur üblich geworden, weil sie sich mit ihrer vollständigen Declination schon bey dem Anfange der Schrift finden. §.252. Eigentlich ist eö nicht schlechterdings JKrc Vitz> nothwendig, daß der Artikel gebeuget werde, und öung. seinein Substantive in dem Geschlechte, der Zahl Und dein Casu folge. Er kann auch unbiegsam Mm » seyr^. , 548 i.TH. 2.Abschn. z.Kap. seyn, wie im Englischen, zum Theil im Niedersäch- slschen, und in andern nordischen Sprachen. Allein, da man im Deutschen den Grundsatz angenommen, daß alles, was ein eigentliches Bestimmungswort des Substantives ist, nicht allein als concrescirt bezeichnet werden, sondern auch dem Substantive in der Biegung folgen muß, so waren das Pronomen der und das Zahlwort ein bereits mit den nöthigen Biegungszeichen versehen, und behielten sie nachmahls auch als Artikel bey. Man erhielt dadurch zugleich den Vortheil, daß wenigstens einer der Artikel bey seiner vollständigen Declination in manchen Fällen zur Ergänzung der mangelhaften Biegungözcichen an den Substantiven dienen kann. Flerion des §. 25z. Der bestimmte Artikel der läßt sich im bestimmten Singular nach allen drey Geschlechtern des SubArtikels stantivcS biegen; allein im Plural ist er in Anse- hung des Geschlechtes unveränderlich. Er wird folgender Gestalt decliniret. Singular. plur. Masc. Fäm. Neut. Nomin. der, die, das. die. Genit. des, der, des. der. Dat. dem, der, den,. den. Aecus. den, die, das. die. Wenn man den Artikel niit dem Pronomine der vergleicht, so siehet man sogleich, daß beyde in derDe- elination von einander abweichen, ungeachtet sie ursprünglich nur ein und eben dasselbe Wort sind. Der Artikel ist die verkürzte Form des Pronominis, welches im Genitiv der Einheit, und im Genitiv und Dativ der Mehrheit eigentlich zweysylbig ist: Genit. Sing. Von dem Artikel. §.254. 549 Sing, dessen, deren, dessen; Plur. Genit. derer, Dat. denen. Im Oberdeutschen hat man aus der dieser Mundart eigenen Liebe zur Weitschweifigkeit und Vielsylbigkeit die zweysylbige Form des Prono- minis für den Plural des Artikels von Alters her behalten, dagegen die Hochdeutschen für den Artikel die verkürzte Form vorgezogen haben, worin sie von der Natur der Sache untersiühet werden, indem der Artikel bey weitem nicht so genau bestimmen soll, als das Pronomen. Im Hochdeutschen ist es daher ein Fehler, den Artikel im Genitiv und Dativ deS Plurals derer und denen zu biegen. §. 254. Der bestimmte Artikel hat im Deut- Dessen sehen ein gedoppeltes Amt. Amt. 1. Er bestimmet die Selbständigkeit der Gattungswörter, und zwar auf eine gedoppelte Art. (i) Er bezeichnet aus der ganzen Classe ähnlicher . Dinge, eines oder mehrere, welche schon als bekannt voraus gesehet werden können, als selbständig: gib mir das Buch, wenn man zugleich mit Fingern daraus zeiget, und dadurch das Mangelhafte in der Bestimmung ersetzet; die Gäsre sind nun da, d. i. diejenigen Gaste, worauf wir warteten. Man siehet daraus zugleich, wie unser ganzer bestimmter Artikel vermittelst einer wahren Ellipse aus dem Pronomine entstehet, weil der Nachsah, welcher eigentlich die Bestimmung vollständig machen muß, als bereits bekannt voraus gesetzet wird. Findet diese Voraussehung nicht Statt, so daß er ausdrücklich beygefüget werden muß, so nimmt auch der Artikel wieder die Gestalt eines Pronominis an: gib mir das, oder dasjenige Buch, welches vor dir lieger; die Gaste sind nun da, welche wir erwarteten. Ein mehreres S. im SyMaxe §. 5?o f. Mmz ' 2. Die- ZZy ;.TH. 2.Abschn. ?.Kap> 2. Dienet er, wegen seiner vollständigen Biegungszeichen auch zur Declination der Substantive, besonders der eigenen Nahmen, wenn sie entweder keine eigene Casus-Zeichen annehme» können, oder sollen. S. den vorigen Abschnitt von der Declination der eigenen Nahmen. DMna-^ §. 255. Der unbestimmte Artikel ein gehet völ- nondesun- ljg so, wie das Zahlwort, von welchem er entlehnet besttmiiNM ^ ist, wie dieses, nur allein im Singular üb- WMv., ^ ^ dasjenige, was eigentlich als einfach angenommen wird, nicht mehrfach seyn kann. Seine Declination ist daher folgende; ScinhMv-- §. 256. Er bezeichnet: 1. ein unbestimmtes oder- ÄkWn<;. gleichgültiges Ding aus der ganzen Gattung: gib mir ein Vuci) , wo man die Wahl-unter den vielen Jndividuis dieser Art dem andern überlaset, und weiter nichts verlanget, als ein einzeleS Ding-von der Art derer, welche man Bücher nennet; es rvax ein Mahl ein Mann, wo man weiter nichts bestimmen will,, als daß das Ding, von welchen man spricht, zu der Classe derer gehöret, welche man Männer nennet; ein Haus von Stein. 2. Ein solches unbestimmtes Ding als den Repräsentanten der ganzen Gattung: ein Mensch ist wie eine Blume, wo. ein Mensch so. viel sagt, als ein jeder Mensch, oder alle Menschen; eine Zunge ist ein, kleines Glied, wo man ein unbestimmtes gleichglilti^es Ding ans der ganzen Gattung nennet,. Nomin. ein,, Genit.. eines, Datt einem, Accus.' einen,. Mafc., Fa'nn. eine, einer, einer, eine, Neutr., eiln eines. einem. ein. und Von dem Artikel. §.257.258. 551 und doch die ganze Gattung verstehet, z. Die Art oder Gattung, zu welcher das Subject gehöret, als ein unbestimmtes selbständiges Ding: das ist ein schönes Haus, wo bloß die Classe angezeiget werden soll , zu welcher man das Subject gerechnet wissen will; er hac eine:, bösen Varer, Ein Mehrere-- S. im Syntare §. 599. §. 257. Der bestimmte Artikel kann nie ohne ein Kan» auch Substantiv stehen, wohl aber der unbestimmte, in ohne Sub- welchem Falle er sich aber auf ein vorher genanntes >^"^ ^ beziehen muß. Er wird alsdann gleichfalls, wie das Zahlwort, wenn es ohne Substantiv stehet, declini- ret; folglich so; Masc. Fam. Neutr. Nomin. einer, eine, eines oder eins. . Genit. eines, einer, eines. Dat. einem, einer, einem. Accus. einen, eine, eines oder eins. Wenn Z. B. jemand sagt: ich habe ein Haus gekauft, so kann der andere fragen, was für eines:' — Ist kein Freund da, der mir hülset Antwort: hier ist einer. — Nehmen sie meine Schwachheit nicht übel, wenn es eine ist. Gell. Wo der unbestimmte Artikel in dem ersten und dritten Falle die Gattung bezeichnet, zu welcher das Subject gehöret, in dem mittelsten aber, ein unbestimmtes Ding aus derselben. §. 258. Die beyden jetzt gedachten Artikel wer- Artimlus den Arriculi präpositivi, vorstehende Artikel, postpoM genannt, weil sie dem Substantive, welches sie be- stimmen, allemahl vorgesetzet, und zwar als eigene Wörter vorgesetzet werden. Allein wir haben im Mm 4 Deut- 552 i. Th.' 2.-Abschn. z. Kap. Deutschen noch deutliche Spuren eines Articuli postposittvl oder nachstehenden, nachgesetzten Artikels, welcher allemahl hinten an da6 Wort angehänget und mit demselben zu einem Worte verbunden wird. In andern Sprachen ist dieser Artikel noch merklicher, z.B. in der Dänischen, wo er im Nominative der Einheit für das männliche und weibliche Geschlecht en, für das sachliche aber et lautet, Monden, der Mann, für den Mond, Order an Statt der Grd; der Syrischen, Chaldäischen und anderer Sprachen zu geschweige». Der Deutsche nachstehende Artikel hat keinen Nominativ, man müßte denn die Endung en, an vielen Substantiven der dritten Declination, Brunnen, Garten, Daumen u. s. f. (Siehe §. iyi. 192.), als ein Überbleibsel desselben ansehen, in welchem Falle diese Endung doch die Eigenschaft eines Artikels längst verloren haben müßte. Am merklichsten ist er in den drey folgenden Casibus, wo er ohne Unterschied des Geschlechtes im Genitiv en oder s, und im Dativ und Accusativ en oder n lautet. Spuren desselben scheinen zu seyn: 1. diejenigen Appellative, welche in der Declination n oder en annehmen, S. die vierte und fünfte Declination der Appellative. 2. Eben diese Bie- gungsjylbe an den eigenen Nahmen, Schwarz, Schwarzens, Schwarzen, z. Das s in der Zusammensetzung an dem bestimmenden Worte, selbst wenn es weiblichen Geschlechtes ist: Hof- nungevoll, VordauunIsmicrel, Andachtseifer. 4. Das n an dem Dativ und Accusativ der Einheit in manchen noch in den Kanzelleyen und in Aufschriften auf Briefen üblichen Formeln, wo es solchen Wörtern angehänget wird, welche es in der Declination nicht bekommen: z.B. Herren^!.^7. Stadt- Von dem Artikel. §.258. 55Z Stadtrichtern zu Leipzig; Herren der Gorteegelahrheir Lehrern; wo unläugbar ist, daß Scadrrichrern und Lehrern, für dein Stadt- richter, dein Lehrer stehet. So auch in den Kanzelleyen, es ist Käufern gegeben rvorden, für dem Zxäufer; n,an hat Klägern, Inhabern vorladen lassen, für den V.lägcr, den Inhaber. 4. Eben dieses n und s an manchen Substantiven im gemeinen leben, wenn sie den bestimmten Artikel erfordern, aber ohne denselben gebraucht werden: ich habe es Varern gesagt, für dem Vater; rufe Murrern, für die Mmrer; die Rinder erwähnten Herrens, für des erwähnten Herren ; und andere ähnliche Formen mehr. 5. Sehr viele adverbialische Arten de6 Ausdruckes, wo das Substantiv in den Casibus obliquis an Statt des bestimmten Artikels en oder n bekommt: auf Erden, nach Sonnen Untergang, zu Statten kommen, von Starten gehen , von Handen kommen, zu jemandes Gunsten u. s. f. für auf der Erde, nach dem Untergange der Sonne und so ferner. In manchen Fallen scheinen diese Lauts zwar freylich nur Casus-Zeichen zu seyn; allein in den meisten sticht doch die dem Artikel eigene Bestimmung sehr deutlich vor, daher man die Spuren desselben wohl nicht wird verkennen können. > --ZH. Mm 5 Viertes 554 i-TH. 2.Abschn. 4. Kap. M ^ »»^ /^>»- Viertes Kapitel. Von den Zahlwörtern. Inhalt. Ihre Erklärung und Flenön, S. 25?. Eintheilung, 260. I. Bestimmrc Zahlwörter. Bildung derselben, §.261. Art, sie zusammen zu setzen, §. 262. Wenn sie den Artikel erfordern, z. 2üz. Declination das Wortes ein, Z. 264 265. Dessen Bestimmung, §, 266. Declination der Zahlen zwey und drey, K. 267. 2üz. Der übrigen Zahlwörter, Z. 2<>Y> Gebrauch der Grundzahlen als Substantive, §, 270. Abgeleitete Substantive, S> 271. Halbirende Grundzahlen, S. 272. Von dem Aahlworte beyde, §. 27z. II. Allgemeine Zahlwörter. Verzeichnis! dcrselben,Z.274. Von dem Worte all, Z.275. Jeder, jeglicher, jedweder, 276. Von kein, H. 277. Viel und wenig, Z. 2?8 ^ 2Zc>. Von mancher, §. 28L lLinig und erlich, ^. 282. Gebrauch dieser Wörter mir dem Artikel, tz. 28Z. Von dem Worte erwas, S> 284- Irrig hierher gerechnete Wörter, S- 285. §. 259. Ihre Crkl-i-^^as nächste, was sich an einem Gattungsworte rnng und ^/ nach der Selbständigkeit bestimmen läßt, ist Flexion, Umfang oder die Zahl der zu einer Gattung gehörigen Individuen; nicht, als wenn gerade beyde zugleich an einem und eben demselben Substantive bestimmet werden müßten, indem die Bezeichnung der Zahl schon die Selbständigkeit mit in sich schließet, beyde Artikel auch in vielen Fällen die Zahl schon Von den Zahlwörtern. §.259. 555 schon hinlänglich anzeigen: sondern den Graden der Bestimmung nach, indem ein Gattungswort durch die Zahl schon scharfer bestimmt wird, als durch die bloße Selbständigkeit. Die Bestimmung des Umfanges eines Gattungswortes, d. i. die Anzeige, wie viel von den unter demselben begriffenen Einheiten der Sprechende verstanden wissen will, geschiehet durch die Zahlwörter, welche theils schon um dieses Begriff willen, theils aber auch wegen mancher Eigenheiten in ihrem Gebrauche, allerdings als ein eigener verschiedener Redetheil anzusehen sind, daher ihnen auch von denjenigen Sprachlehrern ein eigenes Kapitel angewiesen worden, welche sie auch nicht eigentlich für einen abgesonderten Rede- theil erkannt haben. Eigentlich ist die Zahl der unter einem Gattungsworte begriffenen Dinge, ein Umstand; eH kommt nur darauf an, wie man sich diesen Umstand gedenken will, ob man ihn für sich allein den-, ken, oder ihn dem Substantive, welches er bestimmet, als einverleibt vorstellen will. Im erstenFalle bedarf er der Concretions, und Biegungölaute sc» wenig, als ein anderes bloßes Umstandswort; im letztem Falle aber sind sie unentbehrlich. Es scheint, daß die dunkele Empfindung des Ähnlichen den Deutschen, aber nicht den Deutschen allein, sondern mich sehr vielen andern Völker«,, hier nicht laut genug geprediget habe; wenigstens weiß ich keine an» dere Ursache, warum man die Zahlwörter nicht insgesammt auf eine einförmige Art gepräget, und sie entweder völlig unbiegsam, wie andere UmstandS» Wörter, gelassen, oder sie, wie andere Bestimmungswörter des Substantives durchaus mit den gehörigen Motions -bauten versehen haben sollte. Ursprünglich waren sie so, wie alle Adjectiva, vermnth- 556 i.TH. 2.Abschn. 4. Kap. lich unbiegsam; als man in der Folge bey mehr Cultur und Verfeinerung den Sah dunkel befolgte, daß alleö, was das Substantiv unmittelbar bestimmen sollte, einige Umstandswörter ausgenommen, demselben als einverleibt gedacht, folglich mit vollständigen Biegungslauten versehen werden müßte: so sing man an, auch die Zahlwörter zu biegen; aber nicht alle, sondern nur einige, und auch diese nur in manchen Fällen, vermuthlich, weil man nicht einig werden konnte, was als ein bloßer Umstand für sich allein, oder als ein einverleibter, d. i. con- crescirter, Umstand gedacht werden sollte. Daher ist es denn gekommen, daß unsere Zahlwörter nur eine unvollkommene Biegung haben, §. 260. Der Umfang eines GattungöworteS kann auf gedoppelte Art angegeben werden, entweder auf eine bestimmte Art, mit ausdrücklicher Bemerkung der Zahl der Einheiten, oder auf eine allgemeine Art, ohne Bezeichnung der Zahl. Das erste geschiehet durch die <^aupt- oder Grundzahlen, (Numeros Cardmalcs,) das letztere aber durch allgemeine Zahlwörter, welche den Umfang nur überhaupt ohne ausdrückliche Angabe der Zahl der Einheiten ausdrucken. I. Bestimmte Zahlwörter. Zhre Bild, §. 261. Die gewöhnlichen Sprachlehrer, welche dnng. bloß auf den Begriff der Zahl, nicht aber auf die Art und W"ise der Bestimmung des Substantives durch dieselbe sehen, rechnen alles zu den Zahlwörtern, was sich nur auf einige Art auf eine bestimmte Zahl beziehet. Daher theilen sie die Zahlwörter in ^aupr- oder Grundzahlen, Grd, nungszahlen, theilende Zahlen, Zahlnennwör, ter Emthei- lung dcr Zahlwörter. Von den Zahlwörtern. §. 265. 557 ter u. s. f. Allein im grammatischen Verstände, wo von den Wörtern als Redetheilen gehandelt wird, gehören nur die ersten hierher, die übrigen aber zu den Adjectiven und Substantiven, wie an seinem Orte gezeiget werden wird. Die bestimmten Grund - oder Hauptzahlen sind in Ansehung ihrer Bildung theils Wurzelwörter, theils abgeleitete, theils zusammen gesetzte. Schon hieraus erhellet zum Theil, daß sie nicht mit deutlichem Bewußtseyn der Zahl der Einheiten , nicht zu einer Zeit, und vielleicht auch nicht bey einem Volke entstanden sind. Die meisten einfachen Grundzahlen sind allgemeine Benennungen der Menge oder Vielheit, welche erst nach und nach, so wie das Bedürfniß es erforderte, auf gewisse bestimmte Zahlen eingeschränket worden. Dieß würde sich wenigstens von einigen sehr einleuchtend beweisen lassen, wenn gegenwärtiges Werk weitläufige etymologische Untersuchungen verstattete. Wurzelwörter sind: ein, zwey, drey, vier, fünf, sechs, acht, neun. Abgeleitete: 1. siebten, zeh-en, (Zusammen gezogen zehn,) wo die Sylbe en eben dieselbe zu seyn scheinet, welche so oft auch andere Umstandswörter bilden hilft, z.B. oben, unten, vornen, außen. 2. Die Zahlwörter für die Zehner, welche vermittelst der Sylbe zig von den Nahmen der Einer abgeleitet sind, welche aber dabey allerley Veränderungen erlitten haben, zum deutlichen Beweise, daß nicht alle diese Wörter bey einem und eben demselben Volke zu Hause sind: zwanzig für zweyzig, dreyßig für dreyzig, vierzig, fünfzig (nach der gemeinen Hochdeutschen Aussprache fuf- zig,) für fünfzig, sechzig für sechszig, siebzig mit 558 r.Th. 2.Mschn. 4. Kap. mit Weglassung der Ableitungssylbe für siedenzig, achtzig, neunzig. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese Sylbe aus dein Worte Fug entstanden, indem man bey der ersten einfachen Art zu zählen immer zehen Einheiten zusammen geleget, und dann eine solche Sammlung nach der andern zu der ersten gezogen, und daher jede solche Sammlung von zehen Einheiten einen Fug genannt, so daß, z. B. vierzig so viel bedeutet als vier Züge^ Allein, wenn man keinen weitern Beweis, als die Wahrscheinlichkeit, hat, so ist es wenigstens eben so wahrscheinlich, daß zig hier soviel als zeh-en bedeutet, und aus einer alten jeht unbekannten Mundort entlehnet worden, aus welcher auch zwanzig für Zweyzig, nebst andern Abweichungen, seinen Ursprung haben kann; so daß z. B. vierzig so viel bedeutet als vier Mahl zehen. Wenigstens ist jene Wahrscheinlichkeit kein hinlänglicher Grund, die allgemeine Schreibart wider die allgemeine Aussprache des ganzen Dcutschlandes zu ändern, und vierzüg, dreyzüg u. s. f. zu schreiben, welche Änderung nicht einmahl hinreicht, den Bau des Wortes auszuschließen, weil man alsdann vielmehr vier-- züge, oder noch richtiger vier Züge, drey Züge u, s. f. schreiben, und auch zwanzig in zwey Füge ummodeln müßte. Und was wäre am Ende der Deutlichkeit damit geholfen, da die Art nach Zügen zu zahlen längst veraltet ist, und wir jeht bey dergleichen Zahlen allemahl fo viele Zehner gedenken, als der vorstehende Einer angibt? Üdri- gens lautet diese Sylbe bey den alten Alemannischen und Frankischen Schriftstellern bald ? cl>> bald bald ?c^, im Angelsächsischen und Nieder- sächslschen tig, im Salischen Gesetze roc, im Schwedischen tio, im Isländischen ti^, i,n Englischen r/, welche Von den Zahlwörtern. §.261. 559 welche letztern Formen der Wurzelsylbe in dem abgeleiteten Lateinischen cleL-em nahe kommen. Endlich ?. gehören zu den abgeleiteten Zahlen die Wörter hundert und rausend. Von jenem heißt der Wurzellaut Hund, welches ursprünglich zchen bedeutete, nachmahls aber auch für sich allein die heutige Bedeutung bekam. DiejeS aber ist vermuthlich aus dem alten <^ii5, zehen, und üum, hundert, zusammen gesetzt, oder vielmehr zusammen gezogen; daher beyde Wörter mehr für zusammengesetzte, als für abgeleitete, anzusehen sind. Man sehe von beyden mein Wörterbuch, wo die jetzt gedachten Ableitungen weitläufiger bewiesen worden, als hier geschehen kann. Zusammen gesetzte endlich sind: eilfund zwölfe, beyde eigentlich zusammen gezogene, aus ein, zwey, und dem alten lit> von iikan, bleiben, übrig bleiben, so daß sie so viel als eins und zwey über zehen bedeuten (S. mein Wörterbuch). Ferner drcyzchen, vierzehcn, funfzehen (für fünfzes hcn, der gemeinen Aussprache nach fufzehn,) ftch- zehen, (für fechozehcn,) fiedzchen, (für sieden- zehen,) achtzehen und neunzehen. Mit diesen Zahlwörtern können nun alle mögliche Zahlen ausgedruckt werden. Man merke noch, daß fünf, eilf, besonders aber zwölf, um des gelinden lautes des f willen, im Hochdeutschen gern das mildernde e erhalten, funfe, eilfe, zrvölfe, welches auch wohl einige der übrigen einshlbigen Zahlwörter, doch eben nicht nothwendig, bekommen, wenn sie am Ende eines Satzes zu stehen kommen, den Schluß der Periode mir einen? einsilbigen Worte D vermeiden: es kamen ihrer achte. Nur für zehne sagt man richtiger zehen. §. 262^ 56c> i.TH. 2. Abschn. 4. Kap. Zusammen- §.262. Wenn Grundzahlen, für welche wir fttzung der im Deutschen keinen einfachen Nahmen haben, mit Zahlen. Worten ausgedruckt werden sollen, so ist folgendes eingeführet. 1. Von dreyzchen bis auf hundert wird die Zahl der Einheit der Zahl der Zehner allemahl voran gefeht; wo doch wieder zwey verschiedene Falle Statt finden. (1) Von dreyzehen bis auf neun^ zehen wird die Zahl der Einheit mit dem Zehner zu einem Worte zusammen gezogen: dreyzehen, vierzchen, funfzehen, (für funfzehen, im gemeinen ieben fufzehn,) fechzehen, (wo um des Wohllautes willen das s weggelassen worden,) sieh-- zchen, (mit Wegwerfung der Ableitungssylbe, welche man aber im Oberdeutschen behält, wo man sicdenzehen sagt,) achrzehen und neunzchen. Daß diese Wörter wahre Zusammensetzungen sind, und daher als ein Wort geschrieben werden müssen, wird aus dem Kapitel von den zusammen gesetzten Wörtern erhellen, indem sie elliptische Ausdrücke sind, wo das und ausgelassen worden. Dreyzehen u. s. f. ist so viel als drey und zehen. (2) Von zwanzig an wird die Einheit vermittelst des Wörtchens und mit dem Zehner verbunden; und die Einheitszahlen bleiben hier so vollständig und unverändert, als wenn sie für sich allein stünden: ein und zwanzig, zwey und zwanzig, fünf und zwanzig, fechs und dreyßig, sieben und fünfzig u. f. f. Da der Einer hier den unselbständigen Zehner, nicht aber unmittelbar des Substantiv bestimmet, so ist er auch nichts anders als ein Adverbium, und darf daher auch nicht gebogen werden, wenn er gleich der Biegung fähig wäre: ein und zwanzig Männer, ein und dreyßig Frauen, vor ein und fünfzig Tagen; nicht einer und zwanzig Von den Zahlwörtern. §.262. 561 zwanzig Männer, eine und dreyßig Frauen. In einigen Gegenden zählet man eins und zwanzig, eins und dreyßig u. s. f. welches gleichfalls wider diese Regel streitet, indem eins aus dem Neu- tro eines zusammen gezogen ist, und im Hochdeutschen nur alsdann gebraucht wird, wenn das Zahlwort ein ohne Hauptwort und ohne Beziehung auf dasselbe gebraucht wird (S. §.26;.). Da der Einer hier zur Bestimmung des Zehners, als eines unselbständigen Dinges, dienet, das Unselbständige aber durch nichts, als durch etwas Unselbständiges, bestimmet werden kann (S. §. 7Z4.): so kann das Zahlwort ein hier auch nicht anders, als ein Adverbium, folglich ohne alle Geschlechts - und BiegungS- laute, stehen. Eben dieses gilt von dem zween, zwo, zwey in denjenigen Gegenden, wo sie üblich sind. Wer zween Männer, zwo Frauen sagt, muß aus eben dieser Ursache doch zwey und zwanzig Männer, zwey und dreyßig Frauen sagen. Eine andere Frage ist, ob dergleichen Zahlen nicht als ein Wort zusammen gezogen werden können oder müssen, wie von einigen versucht worden. Doch diese Frage ist sehr leicht zu beantworten, wenn man nur erwäget, daß es so wohl wider die Natur der Sache, als wider die ganze 'Analogie ist, zwey mit und verbundene Wörter zusammen zu ziehen. 2. Wenn die Zahl über hundert gehet, so wird die kleinere Zahl, welche das Hundert und Tausend übersteiget, dahinter geseht, und gleichfalls vermittelst des WörtchenS und mit der größern verbunden: hundert und eins, (ohne Substantiv, und ohne Beziehung darauf,) hundert und zwey, tausend und zwey und zwanzig. Die Zahl der Hunderte und Tausende aber wiro vorangesetzt: ein Adel. V.Spr. Nn hun- 562 i.Th. 2. Mschu. 4. Kap» hundert, ein tausend, (im gemeinen 5eben nur hundert, tausend, schlechthin,) zwey hundert, drey tausend. Es scheinet gleichgültig, ob man diese Wörter zusammen ziehet, einhundert, zrvcy- tausend, oder nicht. Doch macht die Zusammenziehung Dunkelheit, wenn das Wort zu lang wird, achtzehntauscnd, und wird fehlerhast, wenn sich ein und dabey befindet, vierundzrvanzigtauftnd, vicrhundercundvierundsunfzigrausend. Wer kann ein solches Wort ertragen? Daher, um der Einförmigkeit willen, auch bey kleinern Zahlen die Theilung vorzuziehen ist. Noch ungeschickter ist es, wenn manche eine ganze Summe in ein Wort zu» sammen ziehen: ncunhundertundachtundsleb- ziItausenddreyhundertundsledenunddreyßig ; welche Ungereimtheit kaum eine Widerlegung verdienet. Hundcrc und Tausend können auch als Substantivs gebraucht werden, und erfordern alödann große Buchstaben. Allein als bloße Zahlwörter sind sie so wenig Substantive, und bedürfen so wenig eines großen Buchstabens, als zwey, drey, zehen, zwanzig u. f. f. Wie fern §. 26z. Wenn der Umfang eines Gattungöwor- Zahlwörter tes durch ein Zahlwort bestimmt wird, so wird des- den Artikel Selbständigkeit dadurch Zugleich schärfer be- " stimmt, als durch den Artikel geschehen kann, daher derselbe alsdann unnöthig uud überflüssig ist. Allein es gibt doch Fälle, wo der Artikel stehen kann und muß, wenn gleich das Substantiv ein Zahl-- wort vor sich hat, nähmlich, wenn die Selbständigkeit eines durch ein Zahlwort bestimmten Gattungs- worteö vor der Selbständigkeit eines andern von gleicher Anzahl vorzüglich heraus gehoben werden soll, welches den», durch den bestimmten Artikel ge^ schiehet? Von den Zahlwörtern. §. 265264. 56z schiehet: gib mir die zehen Thaler, d.i. welche vor dir liegen, oder von welchen wir gesprochen haben, um sie dadurch von allen übrigen zchen Thalern zu unterscheiden; so auch, der eine ist wieder da, die zwey sind auct) verloren. Im gemeinen Leben pflegt man den Zahlwörtern auch wohl den unbestimmten Artikel vorzusetzen, der alsdann so viel wie ungefähr bedeutet: icl? will nocl) eine acht Tage warten, d. i. ungefthr acht Tage. Allein, da der unbestimmte Artikel so wenig eine Mehrheit verstattet, als das Zahlwort ein, so bleibt diese Art des Ausdruckes dem großen Haussen überlassen, von welchem sie herstammet. §. 264. Alle Grundzahlen können auf gedoppel- Decimale Art gebraucht werden; entweder sie zählen abso- tion ves lute und ohne Beziehung aus ein Substantiv, in Zahlwortes welchem Falle sie als wahre Adverbia betrachtet wer- den, und unveränderlich sind: zwey, drey, vier u. s. f. Drey Mahl drey ist neun. Oder sie haben ihr Hauptwort bey sich, oder beziehen sich doch auf dasselbe. Da sie in diesem Falle das Substantiv unmittelbar bestimmen, so sollten sie auch, wie dessen übrige Bestimmungswörter, mit vollständigen Biegungszeichen versehen seyn, und dem Substantive in dem Geschlechte, der Zahl und den CasibuS folgen. Allein aus den §. 2-9. bereits angeführten Gründen ist die Flexion bey den Zahlwörtern, besonders aber bey den bestimmten, sehr unvollkommen, indem nur das einige Zahlwort ein allcn Verhältnissen des Substantives folget, vermuthlich, weil es in manchen Fällen ein wahres Adjectiv wird, welches von den übrigen Zahlwörtern nicht gesagt werden kann. Es wird nach Art der Adjective auf dreyfache Art decliniret, wobey wohl nicht erst wie- Nn 2 der- 564 r. Th. 2. Abschn. 4. Kap. derhohlet werden darf, daß es seiner Natur nach keines Plurals fähig ist. i. Mit dem Substantive, aber ohne Artikel und Pronomen. Masc. Fämin. Neutr. Nom. ein Mann, eine Frau, ein Haus. Gen. eines Mannes, einer Lrau, einesHauses. Dat. einemManne, einerFrau, einem Hause. Acc. einen Mann, eine Frau, ein Haus. Es ist in diesem und in dem letzten dritten Falle ein wahres Zahlwort, dagegen es in dem folgenden Zweyten mehr ein Adjectivum ist. Es wird in diesem Falle, wie ein Pronomen Possessivum declini- ret, welche Declination erfordert wird: 1. wenn e6 sein Substantiv ohne Artikel und Pronomen nach sich hat; wenngleich 2. ein Adjectiv darauf folget: ein guter Mann, eine fromme Frau, ein großes Haus. Und 3. wenn es als die kleinere Zahl hinter der größern stehet, und das Substantivum unmittelbar darauf folget: hundert und eine Person; wo der Sprachgebrauch einmahl den Singular des Substantives eingeführet hat, obgleich die Natur der Sache den Plural erfordert. Indessen ist der ganze Ausdruck elliptisch und durch hun? derc Personen und eine aufzulösen; indem fönst, wenn das Substantivum im Plural stehen sollte, das ein, welches sich auf keinen Plural beziehen kann, unbiegsam gebraucht werden müßte, welches doch nicht üblich ist, hundert und ein Personen. So auch rausend und eine Z^acht, zwey Hundcrc und ein Thaler, vor hundert und einem Jahre, mir hundert und einem Thaler. Wenn aber das ein noch ein anderes Zahlwort nach sich hat. Von den Zahlwörtern. §.264. 565 hat, so bestimmet es dieses, nicht aber das Sub- stantivum, und bleibt folglich als ein Adverbium uiwerändert: hundert und ein und zwanzig Personen.' 2. Mit dem bestimmten Artikel, es mag das Substantiv daraus folgen oder nicht. Masc. Fa'min. Neutr. Nom. der eine, die eine, das eine. Genit. des einen, der einen, des einen. Dat. dem einen, der einen, dem einen. Accus. den einen, die eine, das eine. Das Zahlwort ist in diesem Falle dem ander entgegen gcfetzct, und, so wie dieses, ein wahres Adjectivum, weil es nicht den Umfang eines Gat- tnnqswortes, fondern einen einverleibten zufalligen Umstand, folglich eine Eigenschaft bedeutet, und daher nicht nur den Artikel leidet und erfordert, sondern auch, wie ein jedes anderes Adjectivum mit dem Artikel decliniret wird. Eben diese Declination findet Statt, wenn das ein zwar ein wahres Zahlwort ist, aber ein Pronomen vor sich hat: dieser eine Mann, welches eine Haus. Allein, da die Possessiva keine eigene Geschlechtsendung für den Nominativ des Mafcu- lini, und für denNominativ und Accusativ desNeu- trius haben, daher das Adjectivum dieselbe anneh. mcn muß, so findet solches auch hier Statt: mein einer Acker, mein eines Haus, für mein eine Acker, mein eine Haus. Indessen ist diefe ganze Form nur den niedrigen Svrecharten eigen; die edlere fetzet das Zahlwort voran, und lässet das Possessivum mit dem Substantivs im Genitive folgen: einer mcmer Äcker, eines meiner Häuser. N n z Wenn 566 i. Th. 2.Abschn. 4. Kap. Wenn dieses Zahlwort den bestimmten Artikel vor sich leidet, so ist es kein eigenes Zahlwort, sondern ein wahres Adjectivum, indem e6 nicht den Umfang seines Substantives als eines GattungS- worceS bezeichnet, sondern von den darunter begriffenen Individuen eines heraus hebet, und dieses eine dem andern oder den übrigen entgegen setzet. Es stehet alsdann dem ander entgegen, welches gleichfalls kein Zahlwort, sondern in allen Fällen ein wahres Adjectivum ist (S. §. Z20.), der eine thut dieß, der andere das; der eine will es, der andere mehr; in dein einen Augenblicke behauptet er dieß, in dein andern etwas ans ders. Wo das ein im Nominative auch den Artikel entbehren künn, aber alsdann der folgenden dritten Art in der Declination folgt: einer bekriegt den andern; einer thut dieß, der andere das. z. Ohne Artikel und Hauptwort, doch in Beziehung auf ein bekanntes Substantiv. Es ist in diesem Falle bald ein Zahlwort, bald ein wahres Adjectivum; ein Zahlwort, wenn e6 den Umfang des Substantives, worauf eS sich beziehet, aber auch weiter nichts, bestimmet: da ist keiner, der Gutes thue, auch nicht einer; zwey jagen einen; eines oder eins bitte ich von dem Herrn; das ganze Land gehöret einem; unter Hunderten weiß es kaun» einer; der lcrzce ohne einen. Ein Adjectivum aber, wenn der Artikel in dem vorigen zweyten Falle weggelassen wird, S. kurz zuvor. Fernerer §. 265. Wenn man absolute, d.i. ohne Sub- Erl-nick stantivuin, und ohne Beziehung darauf zählet, »vom/ ^ ""^ das Zahlwort dabey nichts Unselbständiges bestimmet, so gebraucht man das zusammen gezogene Neutrum Von den Zahlwörtern. §. 265.566. 567 Neutrum eins (nicht eines): eins, zwey, drey u. s. f. Hunden und eins, einmahl eins ist eins, «s schlägt eins. Bestimmt es aber die größere Zahl als etwas Unselbständiges, so lautet es jederzeit ein: ein und zwanzig, ein hundert, ein rausend, S. §. 262. Da die Einheit nicht vielfach seyn kann, so ist auch das Zahlwort ein keines Plurales fähig. In einigen Oberdeutschen Gegenden aber wird das Adjectivum ein im Plural gebraucht, die einen; für einige, oder auch der eine Theil, wie das Französische ie^ unx, im Gegensatze der andern; allein im Hochdeutschen ist dieser Gebrauch ungewöhnlich und fehlerhaft. §. 266. Wenn ein das Zahlwort uud Adjecti- Forr- vum ist, so hat es bestandig seinen bestimmten Ton, fttzung. dagegen der unbestimmte Artikel ein tonlos ist, und seinen Ton auf das Hauptwort wirft: es ist nur ein Mann da; aber es war einmahl ein Mann. Um nun das Zahlwort ein auch durch die Schrift desto sicherer von dem Artikcl-zu unterscheiden, wird es von vielen mit einem großenBuchstaben geschrieben, es ist Ein Gott, d. i. nicht mehr als einer, zum Unterschiede von cs ist ein Gort; welcher Gebrauch doch bey weitem nicht allgemein ist. Am besten und zuvcrlaKgsren bezeichnet man diesen Unterschied durch Beysäße, und zwar, wenn die bloße Zahl cmgedemet werben soll, durch die Partikel nnr, oder durch die abgeleiteten Adjective einig und einzig: es ist nur ein Gott, es ist nur ein einiger Gott, nicht ein einiger, nicht ein einziger; oder wenn zugleich die Identität zu bezeichnen ist, durch den Beysaß dcS Pronominis derselbe: in einem und eben demselben Hause wohnen; wofür in den niedrigen Sprccharten der nähmliche üblich ist. Nn 4 §.267. 568 i.Tl). 2.Abschn. 4. Kap. Von den §. 267. Die übrigen Zahlwörter leiden ihrer Zahlwcr- Natur nach nur allein den Plural, und haben auch Md dre^ '"^ eine sehr unvollkommene Biegung, indem ^ ' sie in allen Geschlechtern unverändert bleiben, und nur in manchen Fällen einige Casus ausdrücken können. Zwar wird das Zahlwort zwey in einigen Oberdeutschen Gegenden nicht allein nach allen drey Geschlechtern gebeuget, zween, zwo, zwey, sondern auch vollständig decliniret, wo aber in der Declination viel Unbestand usw Ungleichheit herrscht, indem einige dasselbe, wenn es den bestimmten Artikel vor sich hat, nur nach dem Geschlechte biegen, die Casus aber unbezeichnet lassen, die zween Männer, die zwo Frauen, die zwey Häuser; der zween Männer, der zwo Frauen, der zwey Häuser u. s. f. Außer daß Gottsched und einige andere den Dativ, den zweenen Männern, den zwoen Frauen, den zweyen Häusern, machen lehren. Noch andere geben dem Zahlworte, wenn es gleich den Artikel vor sich hat, vollständige Biegungszeichen, Genit. der zwecnen Männer, der zwoen Frauen, der zweyen Häuser u. s. f. Einförmiger ist die Declination, wenn es ohne Artikel, doch mit einem Substantive, gebraucht wird: Nomin. zween Männer, (nicht zweene,) zwo Frauen, zwey Häuser; Genit. zweener Männer, zwocr Frauen, zweyer Häuser; Dativ, zweencn Männern, zwoen Frauen, zweyen Häusern; Accus. zween Männer, zwo Frauen, zw?y Häuser. Und wenn es ohne Artikel und ohne Substantiv, doch in Beziehung auf letzteres stehet, in welchem Falle es sich von der vorigen Form nur im mä uUichen Nominativ und Accusativ unterscheidet, welcher zweene für zween lautet. Man Von den Zahlwörtern. §. 267. 569 Man hat diese vollständige Biegung des Zahlwortes auch den Hochdeutschen empfohlen, und oft nicht bloß empfohlen, sondern als die einige richtige Art vorgeschrieben, und den entgegen gesetzten Gebrauch für irrig erkläret. Die Gründe, welche man dafür anführet, sind i. die schöne Regelmäßigkeit dieser BiegungSart, welche allen übrigen Nachlässigkeiten weit vorzuziehen sey ; 2. die Analogie des Zahlwortes ein; und Z. das Beyspiel Luthers und einiger anderer Schriftsteller von Ansehen. Diese«, Gründen lasset sich folgendes entgegen setzen: 1. die vorgegebene Regelmäßigkeit beweiset hier zu viel, indem daraus folgen würde, daß man auch dreen, dro, drev sagen, und alle übrige Zahlwörter nach dem Geschlechte biegen müßte. Überhaupt kann die Regelmäßigkeit dem allgemeinen Sprachgebrauche keinen Eintrag thun, weil man sonst umer andern auch alle irreguläre Verba regulär biegen müßte. Der Grund der Regelmäßigkeit ist hier überdies; übel angebracht, indem es zu dein Regelmäßigen der bestimmten Zahlwörter gehöret, daß sie in allen Geschlechtern unverändert bleiben. 2. DaS Zahlwort ein kann hier nicht zum Muster dienen, theils, weil es nur ein einiges Zahlwort gegen so viele andere nnbiegsame ist, und daher eher als eine Ausnahme angesehen werden könnte, theils aber auch wegen seiner Bestimmung. Da es nicht allein ein Zahlwort, sondern dabey mich ein Artikel und ein Adjectivum ist, so waren ihm um dieser Eigenschaften willen die vollständigen Biegungszeichen norh- wendig, welche es als Zahlwort nur beybehalt. Allein zroey wird weder als Artikel, noch als 'Adjectivum gebraucht, z. L.mhers Beyspiel entscheidet nichts. Er sagt zwar: es ist dir desjer, daß du zween Lüfie, zwo Hände, Zwey Augen habest, Nn 5 und 570 i. Th. 2. Abschn. 4. Kap. und werdest u. s. f. ingleichen es gingen seiner jünger zween. Allein man weiß auch, daß zu seiner Zeit die alte Oberdeutsche Mundart noch die herrschende Schriftsprache war, und daß sie diesen Vorzug erst gegen das Ende seines Gebens nach und nach verlor. Überdies? ist er sich in der Biegung dieses Zahlwortes nicht gleich, sondern gebraucht das zwey eben so oft in allen Geschlechtern unveränderlich, als er es nach denselben bieget, wie sehr leicht mit Beyspielen erwiesen werden könnte, wenn nicht ein jeder diese Beyspiele mit leichter Mühe selbst in der Deutschen Bibel aussuchen könnte. Andere Schriftsteller haben hier noch weniger Gewicht, indem sie entweder Oberdeutsche von Geburt sind, oder ans den vorigen Schsingründen diese Oberdeutsche Eigenheit nur angenommen und nachgeahmet haben. 4. Die Biegung des Zahlwortes zwey nach dem Geschlechte ist bloß eine Eigenheit einiger Oberdeutschen Mundarten, und zwar vornehmlich der südlichsten, welche sie vielleicht durch die Nachbarschaft mit Italien überkommen haben, wodurch mehrere lateinische Formen und Wörter in die Sprache des südlichsten Deutschlandes gekommen sind. Das ganze mittlere und nördliche Deutschland weiß , wenn man die schon gedachte Nachah- mungssncht einiger cinzeler Schriftsteller ausnimmt, von dieser Biegung nichts, am wenigsten aber die Hochdeutsche Mundart, wo zwey in allen Geschlechtern unverändert gebraucht wird. Es ist 5. auch nicht abzusehen, was diese vorgegebene Regelmäßigkeit bloß bey diesem einigen Zahlworte für Nutzen gewähren sollte, da alle übrigen dieselbe nicht haben. Wohl aber kann sie Verwirrung anrichten, und hat dergleichen schon angerichtet, da ungeschickte Nachahmer dadurch veranlasset worden, theils uns mit ^ Von den Zahlwörtern. §.267.268. 571 mit zween und zwanzig Llmnncrn, zwo und dreyßig Frauen u. s. f. zu beschenken, ohne zu erwägen, das zwey hier den unselbständigen Zehner bestimmt, folglich nicht gebogen werden kann; theils diese Regelmäßigkeit auch auf die Ordnungszahl auszudehnen, und ein zwcere, zwore, zweyte zu machen, fo sehr es auch wider alle Gewohnheit und Analogie ist, in einem abgeleiteten Worte das Wurzelwort zu biegen. Es ist also das Zahlwort zwey im Hochdeutschen in Ansehung des Geschlechtes eben so unveränderlich und unbiegsam als die folgenden Zahlwörter. Zwar sagt man von drey im gemeinen Leben alles dreyes, allein dieses ist gedoppelt unrichtig, theils weil drey hier wider seine Natur im Singular gebraucht wird, theils um des wider die Analogie davon gebildeteil Neutrius willen. Es ist solches eine ungeschickte Nachahmung des alles beydes, daher man jenes durch alle drey Stücke u.s. f. umschreiben muß. Sind nun gleich alle Zahlwörter von zwey an, in Ansehung des Geschlechtes unveränderlich, so müssen sie doch in manchen Fällen die Casus bezeichnen können; wobey sich doch der Unterschied fin-^./ det, daß zwey und drey den Genitiv und Dativ, ^ die übrigen Zahlwörter aber nur allein den Dativ andeuten können, so daß die Biegsamkeit der Zahlwörter von ein an stufenweise abnimmt. §. 268. 1. Unveränderlich in Ansehung des Ca- Declina- sus bleiben sowohl zwey und drey, als alle folgende tio» dcs Zahlwörter, wenn sie den bestimmten Artikel oder «"d ein Pronomen vor sich haben, weil diese den Casum schon hinlänglich bezeichnen: die Ankunft der zwey Gäste; der Werth der oder dieser drey Häuser; 572 i. Th. 2. Abschn. 4. Kap. Häujer; sag es deinen zwey Vrüdern; von den drey Dieben ward einer gchängec; aus den zwey oder drey ersten Blicken, Gell. Es ist daher unrichtig, wenn einige, besonders Oberdeutsche Schriftsteller, das Zahlwort hier biegen: der dreymal dreyen' Schwestern., OpiH ; der dreyer Schwestern, Flemming; seinen rreuen dreyen Schäfern, eben ders. Die Declination der Zahlworter ist bloß ein Hülfsmittel, den Casum in Ermangelung eines andern Merkmahles zu erkennen. Da dieser nun durch den Artikel und das Pronomen hinlänglich bezeichnet wird, so darf das Zahlwort ihn nicht erst anzeigen. Überdies; sind die Casuszeichen der Zahlwörter von derjenigen Declination der Adjective entlehnet, wenn sie ohne Artikel gebraucht werden, daher sie sich auch aus diesem Grunde nicht hierher schicken. 2. Wenn zwey und drey ihr Substantivuin aber ohne Artikel und Pronomen bey sich haben, so werden sie von vielen ohne Unterschied declinirt, und lauten alsdann im Genitiv zweyer und dreyer, im Dauv zweyen, dreyen: ich habe es nur dreyen Personen anvertrauet; wähle dir aus dreyen Dingen eines; in dreyen Tagen, 2Mos. 10, 2z; nach dreyen Tagen, Matth. 27, 6z; nur ihrem kleinen Sohne und dreyen Grazien, Opitz; von dreyen Dingen kommt am meisten Übels her, eben ders. nach dreyen Augenblicken, Hag. Allein die Analogie der übrigen Zahlwörter macht auch diese Declination in den meisten Fallen überflüssig, zumahl da die Präposition und das Substantivuin den Casum schon andeuten. Man sagt daher richtiger: ich habe es nur drey Personen anvertrauet; wähle dir ans drey Dingen eines u. s. f. Ausgenommen sind hier nur die Falle: 1. Der Von den Zahlwörtern. §.268. 57z 1. Der Genitiv mit seinem Zahlworte, er mag voran stehen oder nachfolgen: er war zweyer Diener Herr, oder ein Herr zweyer Diener; auf zweyer oder dreyer Zeugen Mund; von dreyer Schwestern Hand, Flemming, oder von der Hand dreyer Schwestern; der Ertrag zweyer Rittergücrer. Ob man gleich in der ungebundenen Schreibart hier lieber eine Umschreibung gebraucht : er war ein Herr von zwey Dienern, oder über zwey Diener; aus dem Munde von zwey oder drey Zeugen; der Ertrag von zwey Rittergütern. So wie man diesen Genitiv bey den übrigen Zahlwörtern ohnehin umschreiben muß: der Ertrag von vier Rittergütern, ein Herr von vier Dienern. Daß indessen die übrigen Zahlwörter ehedem auch den Genitiv bezeichnen konnten, siehet man aus viererley, fünferley, sechserley u. s. f. welche aus dem veralteten Substantive Ley, Leigc, Art, Geschlecht, und den Genitiven vierer, fünfer, sechser u. s f. zusammen gesetzet sind. 2. Im Dative nimmt das Zahlwort nur alsdann das Casuszeichen an, wenn keine Präposition da ist, und auch das Substantivum den Casum nicht bezeichnen kann: er versprach es zweyen Frauen. Hat aber dieses sein Casuszeichen, so scheinet, besonders wenn noch eine Präposition dazu kommt, die Biegung des Zahlwortes im Dative völlig überflüssig zu seyn: ich habe es nur zwey Freunden anvertrauet; wähle dir aus drey Dingen eines. z. Hingegen ist die Bezeichnung des Genitives und Datives an diesen beyden Zahlwörtern noth» wendig, so oft sie ohne Substantivum stehen, sie mögen übrigens den Artikel und ein Pronomen vor sich 574 i. Th. 2. Abschn. 4. Kap. sich haben oder nicht: wähle dir aus drey?«, aus den dreyen, aus diesen dreyen, eines; ich komme vor zweyen, vor zwey Uhr; das Gut gehöret zweyen zu; Er wollte von mir wissen, rver von den holden dreyen Bey mir den Vorzug hätte, Haged. Nur den Genitiv, welcher eine unangenehme Härte macht, wird man außer der Dichtkunst wohl nicht leicht wagen: du dreyer neueste, die eine Mutter brachte, Flemm. Welche Härte nicht gehoben wird, wenn der Artikel oder ein Pronomen vorher gehet, und man das Zahlwort nach Art der Adjective mit dem bestimmten Artikel decliniretz der dreyen frömmste, besser, die frömmste von den dreyen. Der Nominativ auf e, welchen einige diesen beyden Zahlwörtern in dem Falle geben, wenn sie ohne Substantiv stehen, hat eben so wenig Grund, als bey den übrigen Zahlwörtern: Ick und jene lieben dreye, Deren einer nun ist hin, Flemm. Wir sind da, wir treuen Vreye, eben ders. Besser ohne diesen After-Nominativ: rvir treue»! drey; sie kamen alle zwey; diese drey taugen nichts. Und der §. 269. Die übrigen Grundzahlen können nur übrigen allein den Dativum bezeichnen, welches sie aber nur SahUvLr- a^dann thun, wenn sie allein und ohne Substanti« vum stehen: ich höre es von vieren; mir sect> sen fahren; auf allen vieren kriechen; es mit Hunderten aufnehmen; ste kamen zu zwanzi- gen, funfzigen, taufenden; er kam mit noch achten; ich komme nach achten, vor fechsen, vor Von den Zahlwörtern. §.269.270. 575 vor zwölfen, im gemeinen 4eben für nach acht Uhr, vor sechs Uhr, vor zwölf Uhr. In zusammen gesetzten Zahlen bekommt mir die letzte das Biegungszeichen, einer von den ein und zwanzigen. Da sieben und zehen sich bereits auf ein en endigen, so können sie um des Wohllautes willen diesen Biegungslaut eben so wenig annehmen, als die Substantiv« auf en. Sie bleiben also unverändert: ich komme vor sieden; sage es allen zehen. Das im gemeinen ieben übliche zusam- - men gezogene zehn aber verstattet sie allerdings: sag es allen zehnen. Die Iahrzahl bekommt den Biegungslaut nie: vor ransend sieden und sechzig. Viele geben den Zahlwörtern, wenn sie ohne Substantivum stehen, auch einen Nominativum auf e: alle viere von sich strecken, da kommen sie alle achte, alle siedene. Allein dieser vorgegebene Nominativ lasset sich mit nichts entschuldigen, und es scheinet, daß man das mildernde e, welches fünse, eilfe, und besonders zwölfe, um der gelinden Aussprache des f willen, zuweilen bekommen, da kommen sie alle zrvölfe, mißverstanden und auf die übrigen Zahlwörter angewendet habe. . §. 270. Die Grundzahlen lassen sich auch als Gebrauh Substantiva gebrauchen, welches auf gedoppelte Art der Gnud -°^°h°n 1. Als Fäminina, im Plural—en/ nach der tlva. siebenten Declination, sowohl eine Zahlsigur, als auch ein Kartenblatt mit einer gewissen Anzahl Augen zu bezeichnen: eine Kino, die Zahlfigur oder Ziffer, eine Römische, eine Arabische Zwey; eine 576 l. Th. s.Abschn. 2. Kap. eine Sieben, ein Kartenblatt mit sieben Augen; alle 'Achten, sowohl alle Ziffern dieser Art, als auch alle Kartenblatter mit acht Augen: alle Neunen , zwey Dreyen, drey Sechsen. Sieben und Zehen bleiben um des Wohllautes willen auch hier unverändert: alle Sieben, drey Zehen; außer daß das zusammen gezogene zehn die Biegung verstattet, drey Zehnen. 2. Als Neutra, Ganze von so viel Einheiten zu bezeichnen, als das Zahlwort andeutet; in welcher Gestalt doch nur einige üblich sind: das Zehend, mit dem d dem Ableitungslaute für Abstracta, ein Ganzes von zchen Einheiten zu bezeichnen, welches mit der Zehente, d. i. der zehente Theil, nicht zu verwechseln ist: das Hundert, das Tausend, ein großes Hundert, eine Zahl von 120, ein großes Tausend, eine Zahl von 1200. Andere Grundzahlen werden nicht leicht aus diese Art gebraucht, außer in der dichterischen Schreibart, z. B. das schwesterliche Drey. Beyläufig merke man hier noch einige andere Substantiv«, welche gewisse bestimmte Zahlen als ein Ganzes ausdrucket: d.-.s paar, eine Zahl von zweyen, welches Wort in ftinem Gebrauche man. ches besondere hat, S. §. 616. der Decher, in manchen Fällen eine Zahl von zehen, das Durzend, eine Zahl von zwölfen, die Mandel, eine Zahl von funfzehen, das Niedersächsische die Stiege, eine Zahl von zwanzigen, der Schilling, in einigen Gegenden eine Zahl von dreyßiger«, (S. mein Wörterbuch,) ein alres Schock, in einigen Gegenden eine Zahl von zwanzigen, auch wohl von ein und zwanzigen, ein neues Schock, oder ein Schock schlechthin, eine Zahl von sechziger,, eine Tonne Goldes, Von den Zahlwörtern. §.271. 577 des, eine Zahl von 100000 Thälern, eine L-IAllion, eine Zahl von 1000000 u. s. f. §. 271. Fruchtbarer und zahlreicher sind die Abgeleitete von den Zahlwörtern abgeleiteten Subsiantiva, wo Substcm- besonders drey Ableitungssylben in Betrachtung^"' kommen: el, das Verhältniß eines Theiles zu dem Ganzen zu bezeichnen, welche von den Ordnungszahlen abgeleitet werden: das Zweyte! oder die Hälfte, der zweyte Theil, das Drittel, der dritte Theil, so auch das Viertel, wo die erste Sylbe geschärft wird, das Fünftel, Zchenrel, Zwanzigstel, L ausend- stel. Für Hundertstel sagt man lieber der hundertste Theil u. s. f. wo bey zusammen gesetzten Zahlen nur die letzte die Ableitungssylbe bekommt, ohne daß man dadurch berechtiget würde, das Ganze als ein Wort zu schreiben. Allenfalls kann man der ersten Zahl, zu desto deutlicherer Bezeichnung des Substantives, einen großen Buchstaben geben, das jAn und zwanzigstel, für Einundzwanzlgjtel, das Taujend dreihundert und vier und zwanzigstel, S. §.579. Gemeiniglich glaubt man, daß die Sylbe el hier aus theil verkürzet sey; allein, da dergleichen Verkürzungen, wo ein Wort seinen wesentlichsten iaut und ganzen Ton verlieret, im Deutschen äußerst selten sind, so siehet man die Endsylbe hier lieber als die gewöhnliche Ableitungssylbe el an, welche in mehrern Fällen ein Ding, Subject bezeichnet, S. §. iz6. er, von den Grundzahlen in verschiedenen Bedeutungen. 1. Ein Ding von so viel Einheiten, als die Grundzahl bezeichnet: ein Zweyer, ein Dreyer, ein Vierer, ein Sechser, ein Achter, ein Neuner, lauter Münzen von so viel Pfennigen; Adel. jv. Spr» Oo ein 578 t. Th. 2. Abschn. 4. Kap. ein Siedener, eine Münze von sieben, und eu» Sicbzehner von siebzehen KreuHei n. 2. Ein Mitglied eines Collegii von so viel Personen, als das Zahlwort andeutet: ein Achter, Sicbener, Zehner, Siebzehner u. s. f. in vielen Gegenden ein Mitglied eines Collegii von acht, sieben, zehen, siebzehen Personen. z> Männliche Zeitzahlen zu bilden, welche wieder weibliche Ableitungen auf im» verstatten: ein Dreyßiger, eine Mannsperson von dreyßig Jahren, eine Dreyßigerinn, eine weibliche Person von eben so viel Iahren. So auch ein Fünfziger, Sechziger,Siebziger u.s. s. Kommt noch eine kleinere mit unb verbundene Zahl dazu, so schreibt man beyde lieber getheilt! ein Acht und vierziger, ein Mann von acht und vierzig Iahren. 4. Zeitzahlen anderer Art zu bilden: ein Acht und vierziger, ein Wein von 1748, ein Siebzchncr, ein Wein von 1717. So auch ein Sechs lind neunziger, von 1696 u. s. f. 5. Zahlfigurcn, inglei- cheu Kartenblärter mit so viel Augen zu bezeichnen, als das Zahlwort andeutet! ein Einser, Zroeyer, Dreyer u. s. f. Welche Form doch nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist, indem Man dafür in der edlern das Zahlwort unverändert im weiblichen Geschlechte gebraucht, eineLLins, cineZrvey u.s.f. Siehe den vorigen §. In einigen Oberdeutschen Gegenden bildet mau dergleichen Substantiva von den Ordnungszahlen, ein Zweyter, Vierter, Fünfter u. s. f. die Einheit ausgenommen, wo das abgeleitete Wort Bnsrer lautet. Da wir keine bekannte Ableitungssylbe ter haben, so müssen diese Wörter von den Ordnungszahlen gebildet seyn, in welchem Falle sie aber einen ganz falschen Begriff gewähren, und folglich verwerflich sind. Endlich gebraucht man 6. die auf solche Art abgeleiteten Sub- Von den Zahlwörtern. §.271.272. 579 Substantive in der Rechenkunst, die Zahlen nach ihrer Stelle zu bezeichnen, ob sie in der Stelle der Einheiten, der zehen, der hundert stehen. So ist z. B. in 2748 die Acht ein LLincr, die Vier ein Zehner, die Sieben ein Hunderter, die Zwey ein Tausender. linF, ein Ding von so viel Einheiten, als das Zahlwort bezeichnet; mit welcher Ableitungssylbe dock) nur einige wenige üblich sind: ein Zwilling, ein Kind, welches mit einem andern zu einer Zeit und von einer Mutter geboren worden; ein Drey- linI, ein VierlinI, in einigen Gegenden ein kleines Brot, welches drey oder vier Pfennige kostet. In einem andern Verstände sind Drepling, vier? linI und SecholinI an manchen Orten Münzen von so viel Pfennigen» In einigen Gegenden ist Dierling so viel als ein Viertel, d. i. der vierte Theil eines größern Maßes. §. 272» Eine besondere Art der Grundzahlen HMttnde sind die halbirenden Zahlen, welche mit derOrd- Zahlen» nungSzahl und dem Worte halb zusammen geseßt werden, und eben so unbiegsam sind, wie die ganzen Grundzahlen von vier an: anderthalb für das ungewöhnlichere zweychalb, dritthalb, vierrhalb, funfrhalb, sechjrhalb, zehenchaib, zwanzigste halb, hundcrchaib und tausendhalb, um des Wohllautes willen für hunderrsthalb, rausendst- halb. So auch mit zusammen gesetzten Zahlen, ein und zwanzigsthalb, zwey und dreyßlgst? halb u. s f. Man merke dabey: 1. Diese ganze Art des Ausdruckes ist elliptisch. Sechfth»lb z. B. bedeutet so viel, als fünf Ganze und das sechste halb» Äo » 2. Die 58O i. Th. 2.Abschn. 4. Kap. 2. Die halbirendcn Grundzahlen sind ans der Ordnungszahl und dem Wort halb zusammen gesetzt. In der Zusammensetzung verlieret die erste Halste oder der bestimmende Theil die Concretions- und Biegungszeichen (S. §.566.), folglich ändert- halb, dritthalb, vierchalb u. s. f. und nicht an, dcrrehalb, drittehalb, vicrrehalb. Anderthalb ist von dem noch im Oberdeutschen üblichen änderte für zweyte. z. Da jede halbirende Grundzahl mehr als ein Ganzes, folglich eine Mehrheit bedeutet, so erfordert sie auch ein Substantivum im Plural nach sich: vor anderthalb Jahren, in anderthalb Stunden, in dritthalb Ta^en, zchnrhalb Thaler u. s. f. Nur daß diejenigen Substantiva, welche ein Maß, ein Gewicht u. s. f. bedeuten, auch hier unverändert bleiben: dritthalb Pfund, vierthalb Fuß. 4. Da alle Grundzahlen von zwey an, wenn sie ihr Substantivuin bey sich haben, unverändert bleiben, so gilt solches auch von den hcübirenden:, in drirchaib Iahren, nicht in dricrhalben. Die Frage ist nur, ob sie nicht, wenn sie ohne Substantivuin stehen, wie die andern Grundzahlen, wenigstens den Dativum bezeichnen müssen. Im Hochdeutschen ist solches in der anständigen Sprechart nicht üblich, wohl aber im gemeinen Leben, wo man z. B. auf die Frage, in wie viel Tagen eine Sache fertig werden wird, antwortet, in anderthalb,:»/ dritchalben u.s. f. für die anständigern in anderthalb, drirchalb; so daß alle halbirende Grundzahlen in allen Fällen unbiegsam sind. 5. Völlig fehlerhaft ist es, wenn man diefe Grundzahlen als Ordnungszahlen gebraucht: es geher in das drirrhalde Jahr, welches noch dazu zwey- Von den Zahlwörtern. §.275 58? zweydeutig ist; indem es sowohl das dritte halbe Jahr, als das fünfte halbe Jahr, bedeuten kann. §. 27z. Die von den Grundzahlen abgeleiteten Von dem Ordnungszahlen, Gattungszahlen, Verhältnißzah- AMworrr len u.s. f. gehören nicht zu den Zahlwörtern, so fern sie einen eigenen Rederheil ausmachen. Denn da sie nicht den Umfang des Appellativi, sondern einen zufälligen Umstand der Ordnung, der Art, der Verdoppelung und des Verhältnisses bezeichnen, so gehören sie entweder zu den Adverbien, oder, wenn sie den Umstand concrescirt darstellen, zu den Adjectiven, wo wir ihrer in einem besondern Abschnitte gedenken werden. Mit mehrerm Rechte kann das Wort beyde hierher gerechnet werden, welches so viel als alle zwey bedeutet, und auf eine gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Entweder, man bezeichnet dadurch die zwey Dinge distributive, da es denn nur im Plural gebraucht werden, folglich auch kein Geschlecht bezeichnen kann. Es gleicht hier in der Declination den Adjectiven, und wird daher aus gedoppelte Art decliniret. (i) Wenn es den Artikel oder ein anderes Bestimmungswort (das Zahlwort alle ausgenommen) vor sich hat, so lautet es in allen Endungen beyden: die beyden Häuser da, die Armuth seiner beyden Verwandten, an diesen beyden Grten, nur meinen beyden AuIen. (2) Hat es entweder gar kein Bestimmungswort, oder ein persönliches Pronomen, oder das allgemeine Zahlwort alle vor sich, so wird es nach der dritten Declination der Adjective gebeuget und hat folglich im Nomin. beyde, im Genit. beyder, im Dat. beyden und im Accusativ beyde, das Subsian- tivum mag ausdrücklich dabey stehen, oder nicht: Oo z beyde 582 i.Tt). 2. Mschn. 4. Kap. beyde Briefe, oder alle beyde Briefe find verloren gegangen; zwey Briefe, welche beyde zu einer Zeit geschrieben worden; sie beyde sahen ihn; da kommen sie beyde; mit beyder Brüder Bewillung; mit ihrer beyder Bervil- lung; auf beyden Achseln tragen; wähle eines von beyden; keiner von beyden. Die Adjective werden, wenn sie Bestimmungswörter vor sich haben, zwar auf zweyerley Art decliniret; allein dieser Unterschied trifft nur den Singular. Da nun beyde distributive nur im Plural gebraucht werden kann, so fallt der Unterschied hier weg. 2. Oder man betrachtet die zwey zusammen genommenen Dinge als ein Ganzes, oder collective, in welchem Falle nur das Neutrum beydes im Singular und ohne Substantiv gebraucht wird. Es läßt sich indessen in diesem Falle nicht ohne Einschränkung anwenden, indem es als ein Reutrum nur allein von Sachen, und auch hier nur von solchen Sachen, welche sich schicklich als ein Ganzes betrachten lassen, gebraucht werden kann. Von zwey Häusern, zwey Gärten, zwey Bäumen, und andern bestimmten Individuen läßt sich nicht sagen, beydes gefällt mir nicht, sondern distributive, beyde gefallen mir nicht. Da es hier auch kein anderes Bestimmungswort, als um des Nachdruckes willen alles, vor sich leidet, so kann es auch nicht anders als nach der dritten Art der Adjective decliniret werden; folglich hat es im Nom. Genir. und Ärms. beydes, im Dative beyden;, oder, wenn aUrm vorher gehet, beyden: man muß beydes thuu, cr gestand alles beydes; beyde--ist un- Aegründee; beydes werth ist zu hoch ange- g^^ich will zu beydem, zu allem beyden de^n^ch seyn; von beyden ist hier die Reds nichr» Von den Zahlwörtern, §.275.274. 58z nicht. Im gemeinen Leben sagt man zwar dieses beydes und jenes beydes; allein, theils leidet die unbestimmte Art, wie beydes sein Ganzes ausdruckt, diese genane Bestimmung nicht, theils ist auch die Declination fehlerhaft, weil eS alsdann diesi'S und jenes beyde heissen müßte, welches aber wider den Sprachgebrauch ist; daher sagt man in solchen Fällen lieber, diese beyden Dinge, jene beyden Stücke. Man siehet aus allem, daß der Begriff der Zahl in diesem Worte schon in das Adjectiv übergehet, indem derselbe hier als ein concrescirter Umstand betrachtet wird, daher es auch mit vollständigem De- clinations-Zeichen versehen ist, als andere Grundzahlen. Die Abstammung dieses Wortes ist noch sehr ungewiß: ein deutlicher Beweis seines hohenAl- . terthumes, S. mein Wörterbuch. In einigen Gegenden des südlichen Dcutschlandes pflegt man dieses Wort auch wohl nach dein Geschlechte Zu biegen, deede, bode, beyde; welches diejenigen vermuthlich sehr regelmäßig finden werden, welche uns das eben daselbst einheimische zween, Zwo, zrvcy, zweece, zrvore, zrveyre, aus eben demselben Grunde empfehlen, so unregelmäßig und sprachwidrig eS auch ist, theils an den Bestimmungswörtern des Substantives das Geschlecht im Plural zu bezeichnen, theils an einem abgeleiteten oder zusammen gesetzten Worte die erste Hälfte zu biegen. S. §.566. II. Allgemeine Zahlwörter./ §. 274. Diese bezeichnen den Umfang des Ap- Erklärung pellativi nur allgemein, ohne die Zahl der Einhel- derselbe«, ten bestimmt anzugeben. Sie sind von dreyfacher Art und umfassen cMweder die sämmtlichen unter Oo 4 einem 584 i.TH. 2.Abschn. 4. Kap. einem Gattnngsworte begriffenen Einheiten, obgleich auf verschiedene Art, wie all, jeder, jeglicher nnd keiner; oder nur einen beträchtlichen Theil derselben, wieviel und mancher; oder nur einen geringen Theil, wie roenig, einig, eclich und etrvas.- Es scheinet, daß das dunkle Gefühl der Ähnlichkeit, welches die Sprachen erfand und ausbildete, bey diesen Wörtern schwankend und unbestimmt gewesen, und es unentschieden gelassen, zu welchen Redetheilen sie gerechnet werden sollten. Zwar gehören sie dem Begriffe Nach unstreitig zu den Zahlwörtern; nur in der Art und Weise, wie dieser Begriff ausgedruckt wird, weichen sie von ihnen ab, indem die meisten den Umfang, welchen sie bezeichnen, als eine concrescirte Eigenschaft darstellen, und in so sern zu den Adjectiven gehören. Auf der andern Seite können wenigstens einige derselben, z.B. jeder, jeglicher, mancher u. s. f. Zu den Pronomi- nibus gerechnet werden, so fern sie als Bestimmungswörter des zufälligen Umfanges der Person oder der Persönlichkeit angesehen werden. Bey diesen Umstanden ist es eben nicht zu bewundern, daß die Deutschen Sprachlehrer in Ansehung dieser Wörter so unentschlossen sind, und sie bald zu den Adjectiven, bald zu den Pronominibus, und bald zu den Zahlwörtern rechnen. Ich glaube Grund zu haben, sie bey den Zahlwörtern zu lassen, nicht bloß um des Begriffes willen, sondern um der Vorstellungsart willen. Zahlwörter im engsten und eigentlichen Verstände sind unconcrescirte Umstandswörter, welche den Umfang des Appellativ! bestimmen; bekommt ein solches Wort vollständige Bi?gungszeichen, und wird folglich der Umstand als eine Eigenschaft dargestellet, wie Von denZahswörtem. §.274. 585 wie in sämmtlich, halb, ganz u. s. f. der Fall ist, so gehöret e6 zu den Adjectiven. Ist aber die Con- crction und darin gegründete Biegung nur unvollkommen, welches von einigen dieser allgemeinen Zahlwörter gilt, oder unterscheiden sie sich auf andere sArt von den Adjectiven, so ist e6 wenigstens kein Fehler, sie bey den Zahlwörtern zu lassen, zu welchen sie dem Begriffe nach ohnehin gehören/zumahl da sie ihrer Eigenheiten wegen in einer Sprachlehre doch besonders ausgeführet werden müssen. Man merke von der Declination dieser Wörter noch folgendes überhaupt. Diejenigen, welche den Umfang ihres Substantives sehr genau bestimmen, wie all, kein, jeder, mancher, einiger, etlicher, leiden den bestimmten Artikel nicht vor sich, weil die Bestimmung hier schon schärfer ist, als sie durch den Artikel geschehen kann. Die unbestimmtem viel und wenig erfordern ihn in manchen Fallen, werden aber auch häufig unbestimmt und folglich ohne denselben gebraucht. Man hat daher gut gesunden, die meisten dieser allgemeinen Zahlwörter mit vollständigen Geschlechts - und Declinations-Zeiä)«n zu versehen, wodurch sie sich den Adjectiven nähern, daher auch alle drey Fälle der adjectivischen Declination bey ihnen Statt finden. 1. Gehet der bestimmte Artikel oder ein Pronomen mit vollständigen Biegungslauten vor ihnen her, so werden sie, wie ein jedes anderes Adjectivum in diesem Falle decliniret: der viele N>cin, des vielen XVcines u. s. f. dieser wenige 5Vein, dieses wenige Geld, dieses wenigen seines, dieses wenigen Geldes u. s. f. 2. Gehet der unbestimmte Artikel oder ein solches Pronomen vorher, welches für den Nominativ Oo 5 und 5Z6 i. Th. 2. Abschn. 4. Kap. und Accusativ nur unvollkommene Biegungslaute ha?, so nimmt das Zahlwort diese,Biegungslaute in den gedachten CasibuS, wie ein jedes anderes Adjectivum: ein jeder Mensch, dein vi'lesGcld, mein weniger N>cin. z. Gehet keines dieser Bestimmungswörter vorher, so nimmt das Zahlwort die vollständigen Geschlechts- und Biegungslaute selbst an, und wird qlsdcmn, wie ein Adjectivum, in diesem Falle decli- niret, nur mit dem Umerschiede, daß der männliche und sächliche Genitiv der Einheit hier nicht en, wie wohl bey den Adjectiven, sondern unverändert es lautet. Das Zahlwort all mag zum Muster dienen, nach welchem alle übrige gehen, wenn sie ohne ein vorher gehendes Bestimmmigswort gebrauche werden: Singular. Plural. Masc. Fäm. Neutr. Nomin. all-er, all-e, all-es. all-e. Genit. all-es, all-er, all-es. all-er. Dat. all-em, all-er, all-ein. all-en. Accus. all-en, all-e, all-es. all-e. Won dem §.275. Mit diesem Zahlworte umfasset man Work all. bcjahungswcise die sämmtlichen unter den Begriff eines GattungSwortes gehörigen Individua, ohne ein einiges davon zurück zu lassen. Da nun dadurch die Selbständigkeit zugleich mit bestimmet wird, und zwar genauer, als durch den Artikel geschehen kann, so ist derselbe vo? demselben überflüssig und fehlerhaft. Wohl aber können, die Pronomina der, dieser, jener, welche u. s f. in manchen Fällen vor demselben stehen, in welchem Falle das Zahlwort seine obige Declination unverändert behält, und nur im männlichen und sächlichen Dativ der Von den Zahlwörtern. §.275. 587 der Einheit um des Wohllautes willen allen statt allem lautet: bey dein allen, nach welchem allen. Es wird auf gedoppelte Art gebraucht: i. Distributive, die sämmtlichen Einheiten eines GattnngSworteS zu bezeichnen, da es denn der Natur der Sache nach nur allein im Plural ge, braucht werden kann. Es hat alsdann sein Sub- stannvum entweder bey sich, oder nicht, so daß dasselbe darunter verstanden wird. Im ersten Falle stehet es gemeiniglich vor seinem Substantivo: der XVcchsel aller Sachen; vor allen Dingen; alle Menschen müssen sterben; zu allen selten. Allein in vielen Fällen kann es auch seinem Substantivo Nachtreten, welches aber alsdann den bestimmten Artikel vor sich haben muß: die ü.eute alle sahen es; wie har der Frevler die Blumen alle zerstöret! erst werden die N>clren alle vergehen. Da es denn auch durch Zwi scheu- sähe von demselben getrennct werden kann: die Arten , wie man das Geld verrhm) sind mir alle zu beschwerlich; die Narren sehen, wie die Menschen, alle einander ähnlich. Siehe im SynMxe §. 6z2. Den persönlichen Pronominibus wird es allemahl nachgesetzt: wir alle, ihr alle, von ihnen allen, unser aller. Beyspiele des ausgelassenen Substantives sind: aller Augen warten ans dich; alle sagen es; sein Haus stehet allen offen. 2. Collective, diese sämmtliche Individua als ein einiges Ganzes darzustellen, in welchem Falle es nur im Singular gebraucht werden kann, und zwar sowohl mit dem Substantivo, welchem es hier allemal vorstehet: alle meine Freude har nun ein Ende; ich habe noch nicht alle Hoffnung verloren; wenn ich aller Melr Reichthümer bejäße; zu allem 588 i.TH. 2. Abschn. 4. Kap. allein Glücke; in allen, Ernste; ohne allen Hrvciffe!. ?lls auch ohne Substantiv, auf welche Art besonders das Neutrum alles gebraucht wird: als les zürnet wider mich, d.i. alle Menschen; mn alles in dcr^Velt nicht; alles diefts oder dieses alles; es sind in allem zehn Thaler. Fehlerhafte, wenigstens niedrige Arten des Gebrauches sind: 1. wenn bey den Wörtern, welche eine Zeit, ein Maß, Gewicht u. s. f. bedeuten, der Genitiv aller statt des Aceusatives geseht wird: aller zwey Meilen, für alle, d. i. jede zwey Meilen; er har alier zwey 5Vochen einen neuen Herren, für alle. 2. Wenn all oder alle uncon- crestirt für das conerefcirte Wort gebraucht wird, welche ehemahlige Form noch im Oberdeutschen sehr gangbar ist: all sein Vermögen, für alles sein Vermögen, oder noch besser, sein ganzes Vermögen; all oder alle das seinige, für alles das ftinige; all das Kand, so du stehest; die Stände all des ihrigen berauben; von Ausübung all andrer Feindseligkeiten abstehen, in den Oberdeutschen Kanzelleyen, z. Das Oberdeutsche Adverbium als lcr für ganz: Silenus aller trunken, Opih; der eingetheilte N)irz wird aller angewandt, Hall, ihr Rörper wird aller zu Ausdruck, ihr ganzer Körper. 4. Das im gemeinen ieben der Hochdeutschen so übliche Umstandswort all, das Ende, die Erschöpfung einer Sache auszudrucken: der tVein ist schon all, er ist schon ausgetrunken, verbraucht; sein Vermögen ist schon all; die Missethat der Amorirer ist noch nicht alle, i Mos. 15,16; bis daß eure Keiber all werden in der Nlüsten, 4 Mos. 14, zz. All ist, so wie einige der folgenden Zahlwörter, außer der Coucretion, folglich als ein eigentliches Adverbium, im Hochdeutschen veraltet. §. 276. Voll den Zahlwörtern. §. 276. 589 §. 276. ^eder, jeglicher und jeweder dehnen Jeder, jeg einen Saß auf alle einzele Jndividua eines Appel- licber und lativi aus. Da nun diese dadurch zugleich ihrer >°dwcdev. Selbständigkeit nach bestimmt werden, so leiden sie keinen bestimmten Artikel vor sich, rvvhl aber den unbestimmten, so fern e6 gleichgültig ist, welches von den Individuen man sich denken will: jeder Tag har seine Plage, oder ein jeder Tag; jedes Land hat seine Sitten, oder ein jedes; jedem ein iLV/ oder einem jeden. Es ist in diesem Falle gleichgültig, ob man den unbestimmten Artikel gebraucht, oder nicht. Allein, wenn sie, wie besonders in der höhern Schreibart üblich ist, figürlich für all stehen, so muß auch der unbestimmte Artikel wegfallen: jede Freude ist dahin. Diese drey Zahlwörter sind übrigens bloß in der Würde unterschieden, indem jeder in der edlern Schreibart den Vorzug vor den beyden übrigen behauptet. Stehen sie ohne allen Artikel, so werden sie wie aller decliniret: aufjederSeite stand einVi.'d; mit jedem Tage. Haben sie aber den unbestimmten Artikel vor sich, so gehen sie wie ein jedes Adjectivum in diesem Falle: Nomin. ein jeder, eine jede, ein jedes; Genit. eines jeden, einer jeden, eines jeden; Dat. einem jeden, einer jeden, einem jeden; Accus. einen jeden, eine jede, ein jedes; sie mögen übrigens ihr Substantivum bey sich haben oder nicht: stch nach eines jeden Fähigkeit richten; gib einem jeden, was ihm ge? bührer. Der Plural ist nur noch in Verbindung mit dem Worts alle üblich, alle und jede, alle ohne Ausnahme; so daß das Substantivum da seyn kann oder nicht: alle und jede Menschen wissen es, oder 590 t.Th. 2.Absch,!. 4. Kap. oder alle lind jede wissen es. Außer dem gebraucht man lieber das Zahlwort im Singular, unS setzt das Substantiv in der edlern Schreibart in den Genitiv: er lebt in jedem meiner Gedanken; jeder meinet Freunde. In der gewöhnlichen Sprechart gebraucht man dafür von: jeder von meinen Freunden. Rein. §. 277. Rein, welches für nicht ein stehet, ist der Gegensatz von jeder, noch mehr aber von ein, es mag nun das letztere das Zahlwort, oder das Adjectiv, oder der Artikel sey. Es spricht ein Pradi- cat allen Jndividuis eines GattungsworteZ auf das bestimmteste ab, und bedarf daher keines bestimmten Artikels, so wie es den unbestimmten feiner Natur nach so wenig vor sich leidet, als ein anderes, Bestimmungswort» Es wird so, wie sein Gegensaß ein, auf gedoppelte Art gebraucht; entweder fo, daß es sein Sub- stantivum ausdrücklich bey sich hat, in welchem Falle es so, wie ein, für den mannlichen Nominativ, und sächlichen Nominativ undAccufativ des Singulars, keine Flexionszeichen Hut, und daher wie ein abee in den übrigen Endungen wie alier deeliniret wird: kein Mensch, keine Blume, kein Thier; keines Menschen, keiner Diume, keines Thieres u. f. f. Es stehet hier sowohl dem Zahlworte ein entgegen: es ist kein Mann geblieben; rede mir kein lVort rveirer; als dem 'Adjective ein, in Beziehung auf das ander: kein Bruder trauet dem andern; als endlich auch dem unbestimmten Artikel ein: ich habe noch keinen Brief bekommen; das rvar kein guter Einfall. Zn den beyden ersten Fällen leidet es keinen Plural, wohl aber in dem letzten: ich hübe noch keine Triefe Vön den Zahlwörtern. §. 277. 591 Briefe bekommen; es sind keine Blätter mehr an den Bäumen; rvir sind ja mich keine Thoren. Wo es auch vor Collectivis, uiid in andern Fallen gebraucht werden kann, wo man im Gegen^ sah nicht ein anwenden darf: ich habe k^'inGcld; kein Mitleiden mit jemanden haben; er hat keine Schuld. Oder so, daß es absolute und ohne Substantiv stehet, in welchem Falle es in den oben gedachten Endungen die Geschlechtlichen wieder annimmt: es ist keiner davon gekommen; keiner von beyden, keine von beyden, keines von beyden-. Ingleichen mit dem Genitiv oder dem Wortchen von, den Plural in den beyden ersten der eben gedachten drey Falle der vorigen Art auszudrucken: keiner von uns; keiner von meinen Freunden, edler keiner meiner Freunde; in der dichterischen Schreibart auch wohl mit der Oberdeutschen Inversion, meiner Freunde keiner. Da dieses Zahlwort aus nicht ein, ehedem m'ch ein, nihein, zusammen gezogen ist, wie nulius aus iio-i uiluz, so ist es fehlerhast: i. wenn es da gebraucht wird, wo keine Negation Statt findet, besonders nach Comparativen: schärfer, denn kein znxyschneidig Gchrverr, Ebr. 4,12. für ein; großer, als kein Mensch. 2. Wenn es Mit einer andern Verneinung verbunden wird, in welchem Falle die eine überflüssig ist: ich habe nie keinen geduldet; habt ihr auch je Mangel gehabt:' — sie sprachen nie keinen, Lue. 22, 35. da noch kein Geld nicht war, da rvar die güldneAeit, OpiH; keine andere GeMligteit habe ich ihm nicht erzeigt, Gell, (die Stimme,) die sonst keine Geschöpfe nicht hörten, Klopst. Z. Wenn es für nicht oder nichts vor andern Rcdetheilen als Sub. staun- 592 i.TH. 2.Abschn. 4. Kap. stant-ven gesetzt wird: Menschcnhülfe ist kein nun, Ps. 60, iz; das thut in die Länge kein gut, für nicht gut; es waren keine zehen^llann, eö waren nicht zehen Mann. r>l«l und §. 278. Viel und wenig stehen einander ent- wemz. gegen, indem jenes eine beträchtliche, dieses aber eine geringe Anzahl von den Indiviouen eines Ap- pellativeS bezeichnet. Sie werden aus gedoppelte Art gebraucht, sowohl distributive, in Rücksicht auf die einzelen Individua selbst, in welchem Falle sie nur allein im Plural stehen können, und den bestimmten Artikel nur selten vor sich leiden: viele Ainder haben; seiner wenigen Verdienste wegen ; du sollst ein Vater vieler Völker werden; oder collective, so daß sie die heraus gehobenen Individua als ein Ganzes darstellen, da sie denn nur im Singular gebraucht werden können, und den bestimmten Artikel öfter leiden, als im vorigen Falle: vieles Geld ausgeben; wenigen Lleiß aufwenden ; die Sacke hat nur viele, wenige Nnihe gekostet; nicht viele Zeit übrig haben; ich hasse das viele plaudern; das wenige Geld reicht nicht hin. In beyden Fallen können sie sowohl mit dem Substantivs, als ohne dasselbe, stehen: viele sagen es; mit vielem hält man H>aus, mir wenigem kommt man auch aus. An diesen beyden Wörtern hat sich die numera- lische Eigenschaft, so fern Zahlwörter einen eigenen Redetheil ausmachen, noch am längsten erhalten. Da der Gebrauch in Ansehung ihrer-so schwankend und unbestimmt ist, und alle Sprachlehrer von ihnen schweigen, so will ich hier ein wenig umständlicher von ihnen reden, zumahl da sie den Übergang eines Von den Zahlwörtern. §.278. 59z eitles völlig unabänderlichen Umstandswortes in ein' Zahlwort, und dieses wieder in ein Adjectivum seht deutlich zeigen. Sie werden auf dreyfache Art gebraucht. 1. Als wahre Umstandswörter oder Adverbien, da sie eine beträchtliche oder geringe aber unbestimmte Menge collective bezeichnen; und zwar wieder auf gedoppelte Art. a. Eine unbestimmte beträchtliche oder geringe Menge, ohne deutliche Beziehung auf ein Gat- tungSwort, welches aber doch leicht erratyen werden kann: das ist viel, das ist wenig; e,? ist dem Herrn nicht schwer, durch viel oder wenig helfen, i Sam. 14, 6; es hat mir viel gekostet; ich habe dir nicht wenig zusagen; viel hilft viel; es fehlt nur noch wenig; sehr viel, sthr wenig, allzuviel; so viel ich weiß; sowenig ich auch habe. b. In Verbindung mit dem Gattungsworte, welches aber alsdann in dem Genitive stehcn muß, wie bey genug und einigen andern Umstandswörtern. (1) Vor dem Substantive; eine jetzt veraltete Form: viel Volkes, viel Viehes, wenig XVajscrs, wenig Arors u. s. f. lauter biblische Ausdrücke. Im gemeinen ieben sagt man noch, viel Redens, viel Z.Vcsens von etwas machen. (2) Hinter demselben, eine noch in der evlern Schreibart übliche Form: es gebt der gottlosen Leute zu viel; du stehst, es gibt der'(Vegc wenig. Auch mit persönlichen Pronominibus: eS sind unsrer viel, ihrer wenig. Da sie denn in Fragen voran stehen: wie viel stnd ihrer? 2. Als wahre Zahlworter, wo sie, sie mögen nun collective oder distributive stehen, im Nomina« Adei.K.Spr. Pp kiv 594 r. Th. 2. Absicht!. 4. Kap. tiv und Accusativ unverändert bleiben, nnd nur zuweisen den Dativ, aber allemahl den Genitiv bezeichnen. a. Distributive: ich will dir viel Schmers zen verschaffen , i Mos. z, 16; er har so viel Vorzüge in ineinen ?iugen, Gell, er har ihnen recht viel schone Sachen geschickt) eben ders. viel -Hände inachen leichte Arbeit; es waren nur wenig Menschen da; ich sahe wenig L.eure; mir viel oder vielen Menschen, mir wenig oder wenigen Thalern ist es nicht ausgerichtet» Indessen wird viel in, Dativ nnr selten mehr, wenig aber öfter unveränderlich gebraucht. Den Genitiv aber müssen beyde bezeichnen: vieler Ursachen wegen; um weniger Vergeltungen willen. b. Collective: viel Geld ausgeben; du hast mir wenig Freude gemacht; wenig Fleiß aufwenden; zehn Thaler sind viel Geld; viel Geschrep und wenig 5Volle. Der Dativ wird cm dem viel hier allemahl, an dem wenig aber auch oft nicht bezeichnet: mir vielem Gelde, mit wenig Geld; ein Mann von vielem Ansehen, von wenig Ansehen. Aber den Genitiv müssen beyde bezeichnen: vieles Guten wegen, um wes niger Mühe willen. Indessen ist diese ganze Form, nach welcher diese beyden Wörter im Nominativ und Accusativ unconcresciert und unbiegsam gebraucht werden, besonders in Ansehung des viel im gemeinen 4eben und der vertraulichen Sprechart am üblichsten, aus welchen sie sich auch in manchen sprichwörtlicheil Ausdrücken und einzelen Arten zu reden erhälren hat: jemanden viel Gutes erweisen, viel Geschrey Von den Zchlwörtern. §.278. 595 schrey machen. Nur wenig wird auch in den anständigen Schreibarten häusiger unbiegsam gebraucht, und oft ist dieser Gebrauch nothwendig, weil die vollständige Concretion hier noch nicht so allgemein eingeführet ist, als bey dem viel. Beyde Wörter lassen sich aber nur alsdann auf diese Art gebrauchen, wenn sie kein anderes concre- fcierteö Bestimmungswort des Substanstivi vor sich haben. Gehet der bestimmte Artikel oder ein Pronomen vorher, so ist die folgende concrescierte Form unentbehrlich: das viele Geld, die wem- gen L.eure, seine wenigen Verdienste, deine vielen Vorzüge. Nur wenig bleibt auch nach dem unbestimmten Artikel unverändert, der aber alsdann selbst in seine ursprüngliche adverbische Gestalt zurück tritt: ein wenig Mein, mir ein wenig Ä)ein, um ein wenig N?eins willen. Die Übereinstimmung mit andern Zahlwörtern zeigt sich auch darin, daß viel in Fragennach Art der Ordnungszahlen gebeuget werden kann: der wie vielre^ oder nach Art der Zehner, welche Form im Hochdeutschen gewöhnlicher ist, der wie vielste? wo beyde Wörter um der gemeinschaftlichen Endsylbe willen auch zusammen gezogen werden können, der wievielstes z. Als wahre Adjectiva mit vollständigen Ton- cretions- und Flexions-jauten, auf welche Arr viel in den edlern Schreibarten allemahl, wenig aber nur noch seltener gebraucht wiro: viele ^luder haben; warum machst du so wenige IVorte? dazu werden wenige, viele Summen erfor? derc; wenige Thaler machen es nicht aus; so viele gme N?orre ich ihm auch gab; vieles Pp 2 Geld 596 i. Th. 2.Abschn. 4. Kap. Geld ausgeben; wenigen Fleiß anwenden; ich habe wenige Zeit inchr übrig. Wenn viel und wenig auf diese concresciert« Art gebraucht werden sollen, und es gehet kein anderes concresciertes Bestimmungswort vor ihnen her, so werden sie wie ein anderes Adjectivum nach der dritten Art der Adjective gebeuget: vieler Mein, viele Tugend, vieles Geld; weniger N?ein> rvenige Tugend, weniges Geld; da sie denn auch im männlichen und sachlichen Genitiv der Einheit nicht es, sondern en bekommen: vie? len, wenigen Meines wegen; vieler, weniger Tugend halben u.s. f. So auch im Plural: vieler, wenigerMenschen 5Voh! befördern. Wo auch das Neutrum vieles häufig ohne Substantiv und absolute g< braucht wird, für das uncon- crescierte viel, und alsdann die Selbständigkeit vermittelst der ungewissen Concretions-Sylbe es zugleich mit bestimmt, woraus zugleich dessen Unterschied von viel erhellet: ich habe ihnen vieles zu sagen, vieles zu danken; aber, ihm ist nicht viel zu glauben. TVemg bleibt in diefem Falle unconcresciert: ich habe ihnen wenig zu sagen^ wenig zu danken. Soll es auf diese Art concre- sciert werden, so muß es den unbestimmten Artikel bekommen: ein weniges. Nach- diesem Muster auch ein vieles zu sagen, war eine Gottschedische Grille, welche den ganzen Sprachgebrauch wider sich hat. Fort- §. 279. Aus allein scheinet zu erhellen, daß we- se>Mg. nig bey der Cultur der Sprache vernachlässiget worden, indem es nicht in allen Fällen mit/o vollständig > gen Biegungslauten versehen worden,'als dessen Gegensatz viel, sondern selbst in der edlern Schreibart Von den Zahlwörtern. §.280. 597 art und im Dativ eben so unveränderlich gebraucht wird, als ein anderes Umstandswort: wenig Der- dicnjte haben, vor wenig Tagen, an wenig (Drren, wenig Fleiß anwenden, das hac mir wenig Mühe gemacht; ob man gleich auch sagen kann, vor wenigen Tagen, an wenigen «1>rtcn u. s. f. Daß es aber ordentlich gebeuget werden müsse, wenn der bestimmte Artikel oder ein Pronomen vorgehet, ist schon oben gesagt worden. Eben dieses findet auch Statt, wenn es ohne Hauptwort stehet, und der Casus angezeiget werden muß, z. B. wenn eine Präposition vorher gehet: nur wes nigein zufrieden seyn. §. 280. Beyde Wörter bestimmen den Begriff JhrcStei- der Mehrheit mir allgemein, so daß derselbe der gcumg. Vermehrung oder Verminderung sahig ist. Sie leiden daher auch die Steigerung, nur daß viel seinen Comparativ mehr, und Superlativ meijt von dem veralteten gleich bedeutenden Zahlworrcj meh entlehnet, wenig aber die Steigerung auf die gewöhnliche Art aus sich selbst macht. Mehr und weniger gleichen in dem Gebrauche ihren Positiven, noch mehr aber den Zahlwör- wörteru zwey und drey, indem sie, wenn kein an- dsreS roncrescierccö Bestimmungswort vorher gehet, im Nominativ und Aecusativ sowohl der Einheit, als der Mehrheit, nie concrescieret werden, sondern allemahl unverändert bleiben: es kamen noch mehr Menschen; ich brauche mehr Geld; es gibt hier weniger Einwohner ais dorc; er besiyr weniger Verdienste; es braucht noch mehr Gewißheit, nicht mchrere. Wohl aber bekommen sie im Genitiv und Dativ die Bicgnngs- zejchen, sie mögen ihr Substantivum bei) sich haben Pp z oder 598 i.TH. 2. Abschn. 4. Kap. oder nicht, nur daß sie im sachlichen und männlichen Genitiv der Einheit den Adjectiven gleichen, und mehrern und weniger», nicht aber mehrcrs und wenigers lauten: ;u mehrcrn Mahlen; sage es mit wcmgern Morcen; die Verbindung mehrerer einfacher Maschinen; mit mehrcrm Licissc ; ^uin inehrern, wenigern Gewinnstcs willen. Gehet aber ein anderes eoncresciertes Bestimmungswort vorher, welches doch nur selten geschiehet, so ist die Biegung gleichfalls nothwendig: einige mehrere Aufmerksamkeit, besser, mehr Aufmerksamkeit, oder, einige Aufmerksamkeit mehr; ein memeres weiß ich nicht, der mehrere Theil, besser, der größte oder meiste Theil. Mehr stehet oft dem eins entgegen, ohne eigentlich der Comparativ eines darunter verstandenen Positives zu seyn, und in diesem Falle wird es allemahl gebeuget: er hat mehrere Summen austheileu lasten, d.i. verschiedene, mehr als eine; ich habe ihn mehrere Mahle (mehrmahls) gesehen ; das thun mehrere, nicht du allein. Beyde stehen auch als wahre Umstandswörter sowohl für sich allein, als bey einem Hauptworte, in welchem letzterm Falle sie aber hinter dasselbe treten, und so, wie ihre Positive, auch wohl das Nennwort im Genitive vor sich haben: ich habe solcher Leute m hr gesehen, oder solche Leute mehr; unsrer sind weniger als der eurigen; zehen Thaler mehr, weniger. Und ohne Substantiv als ein wahres Adverbium: das ist mehr, als nöthig ist , mehr als zehenmahl; ich konnte nicht weniger nehmen; nicht mehr, als billig ist, und so serner. Die Von den Zahlwörtern. §.281.282. 599 Die Superlative von beyden gleichen in ihrem Gebrauche den Adjectiven. Der von mehr lautet eigentlich nwhrste, noch häusiger aber meiste; jenen ziehet man seit einiger Zeit in der edlern Schreibart diesem vor, welchen man, obgleich ohne Noth, für niedrig hält: der mehrcste Theil, die mchrestcn Stimmen, für der meiste, die mei- ste, die meisten; am mehrsten, am meisten. §. 281. Mancher, manche, manches, be-Von ma>»! zeichnet mehrere Dinge eines Gattungswortes init ^er. einem schwachen Nebenbegriffe der Vielheit, so wie die folgenden cü>lIe und etliche mit einem schwachen Ncbenbegrisfe der Wenigkeit. Es leidet kein anderes concrescieries Bestimmungswort vor sich, und wird daher nach der dritten Declination der Adjective gebenget, nnr daß es im männlichen und sächlichen Genitiv des Singulars manches für manchen hat. Der Bedeutung nach kann es auf gedoppelte Art gcbrancht werden, sowohl distributive, da es nur allein im Plural gebraucht wird: manche Menschen sind glücklich, manche nicht; unsere Geduld muß durch manche Fälle geübt werden; als auch collective, in welchem Falle es auch den Plural leidet: mancher Mensch ist glücklich, mancher nicht; manchem ist dieses angenehm, manchem nicht; das liebe Ungefähr, welches manches Menschen Glücksstern ist; manches Reiches Untergang, nicht manchen. Übrigens wird dieses Wort im Hochdeutschen nie außer der Concretion gebraucht, indem manch in keinem Falle üblich ist. §. 282. Einig, das unbestimmteZahlwort, wel- Ein!? und ches von dem unbestimmten Artikel ein abgeleitet "Uch- ist, und daher mit dem von dem bestimmten Zahl- Pp 4 worte / 6OO I. Tl). 2. Abschn. 4. Kap. Worte ein abgeleiteten Adjectivs einig nicht verwechselt werden muß, siehet nebst erlici) dein vorigen entgegen, und bezeichnet mehrere unbestimmte In- dividua mit einem schwachen Nebenbegriffe der Wenigkeit. Bende sind nur darin unterschieden, daß jenes in der edlern Schreibart, dieses aber im gemeinen teben am üblichsten ist. Beyde gleichen dem mancher darin, daß sie nie uncreseiert gebrauet werden, und kein anderes Bestimmungswort vor sich leiden, Sie stehen am hausigsten distributive: einige Mnhl; in einigen Stücken; mi» etlicher, oder einiger wenigen TVorce willen; einige sagen dieß, andere jenes. Als auch collective vor Sammelwörtern, Abstractis und Ma- terialibuS, im Singular, in welchem Falle doch er- lici) im Hochdeutschen nicht üblich ist: es ist noch einiger Mein da; es ist noch einiges Geld, einiges Getreide vorhanden, auf einige Art, einiger Mafien. , Aber nicht vor wahren Appellativen: ich glaube nicht, daß er einigen Ves kannten hier habe, besser einen. Wenn das Nennwort die Gattung bezeichnet, aus deren Mitte etwas genommen oder bezeichnet werden soll, so stehet es nach einig und etlich, so wie nach andern bestimmten oder allgemeinen Zahlwörtern mit von: einige, etliche von uns; vier von euch; mancher von unsern Freunden. In der edlern Schreibart aber auch gern im Genitiv: einige, manche der Unglücklichen. Besonders wen-, das ^ubstantivum noch ein Pronomen vor sich hat: einige meiner Freunde, manche hiesi-r Fälle. Aber das Zahlwort alsdann hinten zu ftyen, meiner Freunde einige, dieser Fälle manche, ist im Hochdeutschen veraltet; außer nach einigen Von den Zahlwörtern. §. 2Zz. 6or einigen Pronominibus: es sind deren, oder ihrer einige da. §. 28z. Die unbestimmten Zahlwörter leiden Allgemeine zwar eben um ihrer unbestimmten Beschaffenheit -lnmcr- willen keinen bestimmten Artikel vor sich, einige we- nige bereits bemerkte Falle ausgenommen; wohl aber ertragen einige die Pronomina, sowohl mit vollständigen, als auch mit unvollständigen Flexions- iauten. Da sie aber auch häufig ohne dergleichen concrescierte Bestimmungswörter gebraucht werden können und müssen: so erhellet daraus,-daß sie nach allen drey Arten der Adjective decliniret werden tön? neu: 1. dieser viele Mein, dieses vielen Meines u. s. f. 2. Mein vieler Mein, meines vielen Meines u. s. f. Und z. vieler Mein, vielen Meines u. s. f. Sie weichen in dem lehtern Falls nur darin von den Adjectiven ab, daß sie im männlichen und sächlichen Genitiv des Singulars nie en, sondern es lauten: vieles Guten wegen. Wo doch ausgenommen sind, 1. mehr und weniger, wie schon gedacht worden; und 2. viel und wenig, wenn ein Genitiv auf es oder s darauffolget, wo sie um des Wohllautes willen gern en bekommen, weit der Genitiv hier schon an dem Substantive deutlich genug bestimmt ist: vielen Fleisses wegen, um wenigen Gewinnstes willen; so daß sie sich auch in diesem Stücke den Adjectiven nähern. Wenn man alles zusammen nimmt, was bisher von den Zahlwörtern gesagt worden, ob es gleich bey weitem noch nicht alles ist, was von ihnen gesagt werden könnte: so wird man gestehen müssen, dasi sie sowohl in ihrer Biegung, als in ihrem Gebrauche, so viel Besonderes haben, daß man sie billig als einen eigenen Nedetheil ansehen kann. Und P p 5 da 6o2 < Th. 2. Abschtt. 4. Kap. da die allgeineinen Zahlwörter sowohl in dem Begriffe, als in der Flexion und dem Gebrauche, den bestimmten Zahlwörtern naher kommen, als irgend einem andern Redethcile, so kann man sie auch mit allem Rechte Zu ihnen rechnen. Die meisten Unter-- scheiden sich von ihnen nur in den vollkommenen; Coneretions-Lauten, welche doch bey dem kein, noch mehr aber bey dem viel und wenig am unvollkommensten sind. Won etwas §. 284. Es gibt noch zwey Wörter, welche man und nichts. Mit einigem Rechte zu den allgemeinen Zahlwörtern rechnen könnte, ich meine die beyden Wörter etwas nnd nichts. Beyde bestimmen dem Begriffe nach den Umfang eines Substantives, aber freylich keines eigentlichen GattungSworteS, sondern nur eines Collectiv! oder Materialis. Überdieß werden sie in allen Fallen unbiegsam gebraucht, und sind also bloße Umstandswörter, von welchen einige, z. B. genug, allein u. s. f. ohne Concretion gleichfalls zur Bestimmung des Subsiantivi dienen können. »Awas, im Nicdersächsischen nur was, bezeichnet einen Theil eines Collectivi oder Materialis mit einem schwachen Nebenbegviffe der Wenigkeit, ohne alle Rücksicht aus individuelle Beschaffenheit. Es kann daher nur mit Substantiven im Singular verbunden werden: es izr noch etwas Mein, etwas Dror, erwas Geld da, etwas Schönes, etwas Gutes; mit etwas Bitteren? vermischen; mir etwas N>ein, besser mit ein wenig N)ein. Mit dem Genitive eines Substantives lässet es sich nie verbinden. Die Ausdrücke, vor etwas Jahren, ich habe noch etwas Zipfel, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. Am hausigsten gebraucht man es unbestimmt, ein unbekanntes Ding zu bezeichnen, Von den Zahlwörtern. §. 2Z4.285. 6oz zeichnen, von welchem man nichts weiter weiß oder bestimmen will, als daß es existiret: ich sehe, ich höre etwas, aber ich weiß nicht, was es ist; wer wollte so etwas denken? sage niemanden etwas davon. Da es denn auch wohl als ein Substantivum gebraucht wird, ein Etwas. Lichts stehet dem etwas entgegen, und spricht alle Existenz ab, ist aber von noch eingeschranktcrm Gebrauche, indem es nur vor Adjectiven, wenn sie im sachlichen Geschlechte substantive stehen, gesetzt werden kann: nichts Gutes, nichts Böses, nichts Erhebliches, nichts ^eues. Am häusigsten wird es absolute gebraucht: aus nichts wird nichts; ich sehe nichts; es ist nichts an der Sache. Auch wohl als ein Substantivum: in jein erstes Lichts zurück sinken; es ist ein Lichts. Beyde- Wörter können daher füglicher zu den Umstandswörtern gerechnet werden. §.285. !-11an, jemand, niemand und jeder- Welch« mann können auf keine Weise zu den Zahlwörtern Wörter gerechnet werden, weil sie nichts von dem Umfange '"^ hier- eines Gattungswortes bestimmen, sondern wahre ^ ^ ' Pronomina sind, wo wir ihrer gedenken werden. Gesammr, sämmtlich, ganz und halb bezeichnen zwar diesen Umstand, sie stellen ihn aber als völlig concrescierc dar, und gehören in so fern mit mehrerm Rechte zu den Adjectiven. Doch haben ganz und halb darin etwas von den Zahlwörtern an sich, daß sie, wenn sie vor Landes- und Ortsnahmen stehen, und kein anderes conerescierteS Bestimmungswort vor sich haben, ohne Concrecion und unbiegsam gebraucht werden: ganz Frankreich, halb 604 i. Th. 2. Abschn. 4. K ap. V. d. Zahlw. halb Deutschland, ganz Berlin, halb Paris, in ganz Sachsen; wo es doch vor keinem Genitiv flehen kann. Gehet aber ein anderes conrresciertes Bestimmungswort vorher, so müssen sie gleichfalls concresciert und gebeugct werden: das ganze Frankreich, das halbe Deutschland, mein halbes Corsica, jenes ganze Paris, mir Hülfe des ganzen Frankreichs, nicht ganz Frankreichs. Wenn die unbiegsamen ganz und halb vor einem Substantive den Umfang des Prädicates bezeichnen: er ist ganz Liebe, ganz tVchmmh, ganz Freude; Lin Schäfer aus der goldnen Zeit, Ganz Ruhe, ganz Zufriedenheit, Gell. Unsterblich, doch des Todes Raub, Sind wir halb Ümgel und halb Staub, Cron. So bestimmen sie, so wie lauter, nichts als u.s.f. zunächst den Begriff des Verbi, nicht aber den Umfang des Substantivi, und gehören also zu den Adverbien. Bestimmen sie zunächst das Sübstanti- vum, die erst gedachten eigenen Nahmen ausgenommen, so müssen sie concrestirt werden: zu ganzen, zu halben Tagen plaudern; die halbe Jahre lang sich Lalt zu stellen wissen, Geil. '5L----S^^?----S'5' Fünftes 6O5 __ ^__,^>° ^ S??. Fünftes Kapitel. Von den; Adjective oder Beyworte. Inhalt. Allgemeine Betrachtung III. Steigerung der Adjccct- derselben, §.286-293. Ihre Erklärung, §.286. Unterschied von andern Re- Verheilen. §,287. Ihr Ursprung aus Adverbien,'^^, 28-). Concrerion derselben, H.2yo.. Ihr weiter Umfang, L.291. Biegung derselben, §.292. Ihre Steigerung, §. 2yz. II. Declination der Adjective, §.2Y4'-Zlv. Zhre ViegungelaUte, §. 294. Allgemeiner Grundsatz ihrer Declination, §.295. Erster Fall, Z. 296.297. Zweyter Fall, Z.298-Z00. Dritter Fall, Z.zoi-Zoz. Zusammenkunst mchreret Weftimmungswörter vot einem Adjective, Z. Zc>4^ Declination mehrerer Adjective vor einem Substantive, S.Z05. Zahlwörter vor den Adjectiven, Z.Zoü. Fehlerhafte Vccbeissung der Vicgunzesvlben, S. Z07. Adjective auf cl und er, S.Z--8. Mit und verbundene Adjective, Z. Z09. UiibiegsameAdjcctive, Z.Zis, ve, g, ZII-Zlö. Erklärung derselben, §.ZN. Arten der Steigerung, H.ZI2. Gebrauch der gesteigerten Adjective, §.ZlZ. Steigerung der zusammen gesetzten Adjective, §.314. Declination der gesteigerten Adjecnvc, Z.ziz. Wegwerfung des e, Z. Zi6. IV. Von den adjcctiven Zahlwörter», S.Z17-Z2Z. Einleitung, Zi.zi?. Erklärung der adjcctiven Zahlwörter, tz. Zi8. 1. Ordünugsiahlen, §.Ziy» Von dem Worte ander, z. Z20. 2. Gattende Zahlwörter, §.Z2l. z. Vervielfültigungs - und Wiederhohlungszahlen, L. Z22. 4. Verdoppelungszahlen, S- Z2Z- z. Verhiiltni^ahlcn,L.Z24« ö. Vertheilungszohlen, §. Z-5. V. Gebrauch der Adjective als Substantiv?, Z.Z2Ü- ZZo. Verschiedene Arten dieses Gebrauches, Z. Z26. Decli- 6o6 i.TH. 2.Mschn. 5. Kap. Declination solcher Substan- Unterschied solcher Substau- tk".>, Z.Z2?.Z28. tive von den Abstractisp Das ?i^ntrum als ein Sud- §. zzo. stantiv, Z.Z2Y. I. Allgemeine Betrachtung des Adjectives» §. 286. Erklärung ^in selbständiges Ding ist uns besonders um des dcsAdjecti- Mannigfaltigen willen merkwürdig, welches wir an ihm bemerken. Dieses Mannigfaltige ist von gedoppelter Art; cS ist entweder an dem Dinge selbst befindlich, oder es ist außer demselben vorhanden, folglich ein zufälliger Umstand, in welchem sich das Ding diesen Augenblick befinden kann, und den nächstfolgenden wieder nicht. Wenn ich z. B. sage, der D»n>m ist grün, so ist dieses grün etwas, welches an dem Baume selbst befindlich ist; sage ich aber, der ^ ogcl styc hier, so drückt das hier einen äußer dein Vogel befindlichen Uni stand des OrteS aus. Dieses Mannigfaltige, welches an dem Dinge selbst vorhanden ist, wollen wir eine Deschaf-» fenhcit, das aber, was außer demselben zu dessen Bestimmung dienet, einen Umstand nennen. Es kommt nunmehr ferner darauf an, wie wir uns jede dieser beyden Bestimmungen, in Ansehung des selbständigen Dinges, vorstellen, oder vielmehr, wie sich die ersten Spracherfinder dieselben vorgestel» let haben. Wird jede dieser Bestimmungen für sich allein gedacht, so heißt der Ausdruck derselben im ersten Falle das Beschaffenheitswort, und im zweyten das Umstandswort, beyde zusammen aber werden Adverbia genannt. Denke ich mir sie aber in Verbindung mit dem selbständigen Dl-'.ge oder demstlber: einverleibt und beygelegt, so wiro oie Beschaffenheit zur Eigenschaft, das Beschaff Von dem Beyworte. §.286.287. 607 Veschaffenheitsrvort aber zum Eigenschaft?- roorre oder?ldj?ccive, so wie dasNmstandsworl, wenn es dem Dinge als beygelegt gedacht wird, den Artikel, das Zahlrvorr und dae Pronomen gibt. Hier ist das Ganze in einer kleinen Tabelle. Die Bestimmung eines selbständigen Dinges, oder das Mannigfaltige an demselben, ist entweder an dem Dinge, d. i. eine Beschaffenheit, oder außer demselben, d.i. ein Umstand. Für sich allein , Als an dem Für sich allein Slls an dem gedacht. Dinge bcfind- Das Advcr- lich gedacht, bilim. Das Adjectivum» gedacht. Umstandswort. Dinge befindlich gedacht. Umstand Der Der Person der Selb- Zahl, und des Or- stündigkeit. Zahl- tes. Artikel, worc. Pronomen. §. 287. Hieraus ergibt sich auch der Unterschied unterschied des Adjectives von den übrigen Redetbeilen, welche vvn ander,? das Unselbständige bezeichnen. Die Adverbia be- Mdeth«. trachten das Mannigfaltige an einem Dinge ab- stract und fiir sich allein, aber dabey immer als Unselbständig, weil sie sonst in Substantiv« übergehen wurden; die Adjectiva aber, als an dem Dings befindlich oder demselben beygelegt, mit demselben verbunden. Von den übrigen Bestimmungswörtern des Substantives unterscheidet sich das Adjectivum dadurch, daß es etwas Mannigfaltiges bezeichnet, welches an dem Dinge selbst befindlich ist, jene aber etwas, das außer dem Dinge ist, oder von au-- ßern Umstanden abhänget, wohin denn auch die Selb- 6o8 i.TH. 2.Abschn. 5. Kap. Selbständigkeit der Umstand der Person u. s. f. ge- höret. Man kann noch das Derdum dazu nehnwn, welches eigentlich ein aus zwey andern zusammen gezogener Nedetheil ist, und eine in der Beylegung begriffene Beschaffenheit bezeichnet: grün, grün seyn, der Maid ist grün; da ist grün das Adverbium, weil es eiue Beschaffenheit bezeichnet, die von dem Walde abgesondert gedacht wird, und daher erst vermittelst des Verbi von demselben gesagt werden muß. Der grüne ^Vald, wo das Bestimmungswort das Adjectiv ist, weil hier die Beschaffenheit dem Walde einverleibt ausgedruckt wird. Hingegen der Vv>ald grüner; da ist grüner das Verbum, weil e6 die Beschaffenheit, als in der Beylegung begriffen, vorstelier. Ich sollte glauben, dieser Unterschied des Adjectiv! von dein Adverbs wäre so einleuchtend und leicht, zumahl wenn man die Concretions-Sylbe des erstem dazu nimmt, daß ihn niemand verkennen, und auch ein Kind ihn fassen könnte. Indessen haben ihn doch alle Deutsche Sprachlehrer verfehlet, und beyde auf die seltsamste Art miteinander verwirret« So oft eine Beschaffenheit vermittelst eines Verbi von einem selbständigen Dinge prädiciret wird, muß es auch ein Adjectivum heis- sen, aber was für ein Adjectivum? ein Adjectivum im Nrstande, in der Adverbial-Form; Nahmen, wobey man deutlich weiter nichts denken kann, als ein Adjectivum, welches kein Adjectivum tst. Es ist indessen leicht einzusehen, was sie zu dieser Verwirrung der Begriffe verleitet hat. Sie empfanden dunrel, daß man den Umstand von der Desci)afsenhcic,das Umstandsworc von dem Ve- schaffeiu/^itsworce unterscheiden, und folglich diejenigen Wörter, welche man gemeiniglich unter dem Nahmen Von dem Beyworte. §.288. 609 Nahmen der Adverbien verstehet, in zwey Classen theilen müsse, und daß von den Beschaffenheitswör- lern die Adjectiva abgeleitet worden. Aber, weil sie da6 alteö nur dunkel empfanden, so vermengten sie das Beschaffenheitswort mit dem Adjective, ohne zu erwägen, daß letzteres erst durch die Concrerion zu dem wird, was es ist, nähmlich zu dem Adjective, folglich von dem Adverbio oder Beschaffenheit-.. Worte wesentlich verschieden ist. §. 288. Ein jedes Mannigfaltiges an einem Ursprung selbständigen Dinge, heißt, wenn es für sich al- der Aoje- lein, und dabey immer als unselbständig betrachtet wird, in der Sprache eine Verlassenheit, so bald es aber als an dem Dinge befindlich gedacht und bezeichnet wird, eine Eigenschaft. In den Sprachen, d. i. der Vorstellungsart nach, ist die Beschaffenheit eher, als die Eigenschaft, so widersinnig es auch dem ersten Anblicke nach scheinen mag, daß das Abstractum eher seyn, oder vielmehr eher gedacht seyn sollte, als das Concretum. Allein, wenn man bedenkt, wie Begriffe und Sprache entstanden sind, so verlieret sich das Widersinnige, und die Sache wird leicht begreifflich. Der Verstand kann in seiner Kindheit nur sehr wenig auf einmahl fassen und übersehen. Er kann ein Ding nicht mit allen seinen Bestimmungen auf einmahl denken; er kann nicht einmahl eine Bestimmung mit dem Dinge zugleich denken. Er muß eine nach der andern absondern, sie für sich allein denken und bezeichnen, und bedarf, wenn er sie an dem Dinge befindlich ausdrucken will, wieder eine neue Vorstellung, und folglich auch ein neues Zeichen derselben. Auf diese Art mußten die Adverbia oder Ve- schaffenhcitsrvörcer ehe entstehen, als die Ad- A5el.jv.Spr. Qq jecciva 6iO I. Tl). 2.Abschn. 5. Kap. jecriva oder Eigenschaftswörter, welche daher mit einem gewissen Zeichen, dem iaute der dunkeln Empfindung derBeylegung oder Einverleibung, versehen werden mußten. Diesen iaut wollen wir den Concretions-Laur nennen, weil er den Übergang einer abstracten Beschaffenheit in eine concrescierte Eigenschaft ausdruckt. Im Deutschen heißt dieser Concrer.ions-L.am durch alle Geschlechter und Zahlen e: der gur-e Mann, die czm-eLrau, das gm-e Zxind, ein gm-e-r Mann, die gut - e 5 n Männer. Die Concrenon ist demnach eine eigene Biegung für die Bestimmungswörter des Substantives, welche die abstract gedachte Be- stimmung, als an dem Dinge befindlich, und folglich concresciert darstellet. Alle Deutsche Adjectiva, sind ferner abgeleitete Wörter, welche vermittelst dieses ConcretionS-iauteS von Advcrbiis, als ihren Stammwörtern, gebildet find. Diejenigen Adverbia, welche, um der gelinden Aussprache ihres weichen Endbuchstabens willen, im Hochdeutschen das mildernde e bekommen, z.B. blöde, müde, lose, leise, weise, herbe, enge u. s. s. dürfen dieses Concretions--e nicht von neuem annehmen, sondern das mildernde e gehet, so bald sie zu Adjectiven werden, in dasselbe über. Diesen Concretions-jcmt müssen eigentlich auch alle Umstandswörter bekommen, wenn sie ihren Begriff dem Substantive, als einverleibt ausdrucken, folglich zu Artikeln, Zahlwörtern und PronominibuS werden sollen, nur daß bey vielen derselben die Concretion mangelhaft ist. welche n?cht §' 289. Ich behauptete, ein jedes Adjectivum als Adver- se>) von einem Adverbio abgeleitet. Wir haben in. bis üblich dessen Adjective, welche von ihrem Ursprünge an sind. bloß Von dem Beyworte. §.289. 611 bloß zu Adjectiven bestimmt zu seyn scheinen, wenigstens nicht ohne Concretion, folglich auch nicht als Adverbia, üblich sind. Dahin gehören besonders: 1. Viele von Umstandswörtern gebildete Adjective. Ein Umstandswort kann durch die bloß« Concretion wohl zu einem Artikel, Pronomineund Zahlworre, aber nicht zu einem Adjective werden, weil die Eigenschaft eine vorher gegangene Beschaf- fenheit voraus setzt, ein Umstand aber keine Beschaffenheit im grammarischen Verstände ist. Soll nun ein Umstand dessen ungeachtet zu einer Eigenschaft erhöhet werden, so muß solches vermittelst solcher Ableitungssylben geschehen, welche den Adverbien eigen sind, und vor dem Concretions-taute hergehen müssen. Ein solches Wort kann aber mit weggeworfenem ConcretionS-Zeichen nicht zu einem Be- schaffenheitSworte gemacht werden, weil ein Umstand keine Beschaffenheit werben kann, und die entlehnte Ableitungssylbe bloß ein Hülfsmittel war, die iücke zwischen einem Umstandsworts und Eigenschasts- worte auszufüllen. Dald ist ein Umstandswort der Zeit; soll dieser Umstand dem Substantive einverleibt werden, so muß das Umstandswort erst vermittelst einer der Sache gemäßen Ableitungssylbe zu einem Adverbio gebildet werden, ehe es den ConcretionS-Laut annehmen kann: baldig, die baldige Ankunft. Dieses baldig aber kann nicht als ein Umstandswort gebraucht werden, weil dis Sylbe ig nur eine Ableitungssylbe für Beschaffen, heitswörter ist, folglich wegfallen muß, fo bald das Wort unconcresciert gebraucht werden soll, bald» Dergleichen Wörter sind nun: (a) Manche von Umstandswörtern der Zeit und des Ortes abgeleitete Adjective, welche veriuit- Qq - telst > 612 l. Th. 2. Abschn. 5. Kap. telst der Sylbe ig dazu geschickt gemacht worden: bisherig, heuerig oder heurig, heurig, nun- mehrig, baldig, vorig, jenseitig, dortig. Ist ein solches Wort vermittelst einer den Umstandswörtern eigenen Ableitungssylbe erst zu einem Umstandsworts gemacht worden, so muß diese wegfallen, und der neuen Ableitungssylbe für Befchaffen- heitswörtcr weichen. Aus gefter--n, ob - en, jerz-t, allerseic- s, wird gestr-ig, ob-ig, jerz-ig, allerseits ig. Daslg und hiesig schalten, um deö Wohllautes willen, noch das s ein. (b) Die mit mahlig zusammen gesehen Zeitzahlen, damahlig, abermahlig, nachmahlig, oftmahlig, dreymahlig, viermahlig u. s. f. welche, wie die vorigen, außer der Concretion nicht gebraucht werden können, sondern alsdann damahls, abermahls, nachmahls u. s. heissen. (c) Die vermittelst der Ableitungssylbe er von Adverbien abgeleiteten Adjective, welche den Umstand des Ortes als eine Eigenschaft darstellen. Die Ableitungssylbe en für bloße Umstandswörter muß auch hier vorher weggeworfen werden. Der äußere, innere, obere, untere, Hintere, vordere, von den Umstandswörtern außen, innen, oben, unten, hinten, vornen, oder vielmehr unmittelbar von ihren Wurzeln aus, in, hinr, (welches noch im Oberdeutschen lebt,) ob, unr. Man halt sie gemeiniglich für Comparative von veralteten Positiven, welches aber wenig tiefe Sprachkenntniß verrath, zumahl da auch ihre Bedeutung nichts comparatives hat. Es sind wahre Positive, welche aber, um des Wohllautes willen, keine Comparative, wohl aber Superlative leiden. (d) Alle Ordnungszahlen, der erste, zweyte, dritte u. s. f. welche, erst ausgenommen, nicht ^ uncon- Von dem Beyworte. §. 290. 6iz unconcrefciert gebraucht werden können; davon im folgenden. 2. Einige wirklich von Beschaffcnheitswörtern gemachte Adjective, deren Stammwörter aber als Adverbia, vermuthlich bloß aus unterlassenem Gebrauche, veraltet sind: eine abschlägige Antwort, ein besonderer MMi- Dinge befindliche unselbständige Mannigfaltigkeit, so bald sie an demselben befindlich gedacht und ausgedruckt wird. Der metaphysische Begriff einer Eigenschaft kann uns hier nicht leiten, weil er die Dinge aus einem andern Gesichtspuncte ansiehet, die Sprachlehre aber den Gesichtspunct behalten muß, aus welchem die Sprachschöpfer die Dinge ansahen und ansehen konnten. Dieses Mannigfaltige ist nun von gedoppelter Art; es ist entweder an dem Dinge selbst befindlich, es ist folglich eine Beschaffen? Von dem Beyworte. §.291. 615 schaffenheir, welche durch die Abstraction voil deinselbcn abgesondert worden, oder eö ist außer demselben befindlich, folglich ein Umstand. Die concrescierte Beschaffenheit oder Eigenschaft im engsten Verstände, ist entweder wesentlich und nothwendig, so daß sie schon in dem Begriffe des selbständigen Wesens enthalten ist, der ewige Gorc, der sterbliche Mensch; oder zufallig, das röche Haus, der angenehme Schatten. Doch da dieser Unterschied für die Sprachlehre unfruchtbar ist, vermuthlich, weil die Spracherfinder ihn nicht empfanden, so lassen wir ihn fahren. Was außer dem Dinge befindlich ist, oder ein Umstand, kann durch die bloße Concretion zwar zu einem Artikel, Zahlworte und Pronomine, aber nicht zu einer Eigenschaft werden, sondern muß, wie im vorigen gesagt worden, erst zu einem BeschasfenheitSworte gebildet werden, ehe es ein Adjectivum werden kann: der heut - lg - e Tag, der hics- ig - e d>rt. Auf der andern Seite lassen sich auch von den Verdis Beschaffenheit^-und Eigenschaftswörter bilden, welche, außer der Beschaffenheit, auch den Umstand der Zeit mit ausdrucken, und unter dem Nahmen der Participien bekannt sind. Es gibt also verschiedene Arten der Adjective oder Eigenschaftswörter. 1. Solche, welche durch die Concretion von -ursprünglichen Beschaffenheüswörtem oder AdverbiiS abgeleitet sind; Adjective in; engsten Verstände, dergleichen die meisten sind. 2. Zu Eigenschaftswörtern durch eine vorher gegangene eigene Ableitung, oder auch wohl durch die Zusammensetzung, erhobene Umstandswörter, worunter die adjectiven Zahlwörter, und unter diesen die (Ordnungszahlen die vornehmsten sind. Und Qq 4 z. Wör- 616 t. Th. 2. Abschn« 5. Kap. Z. Wörter, welche sowohl die Beschaffenheit, als auch den Umstand der Zeit, al6 einverleibt oder bey. gelegt darstellen, concrescicrte participia. So lange sie unconcresciert sind, machen sie eine eigene Elaste der Adverbien aus. Alle drey Arten kommen in der Declination und den übrigen vornehmsten Stücken mit einander überein, daher die wenigen Abweichungen der beyden letztem Arten nur am Ende bemerket werden dürfen. Decima- §. 292. Außer der Concrerion, wodurch die rion der Adjective aus AdvcrbiiS eigentlich zu Adjectiven Adjective, werden, sind sie noch verschiedener anderer Biegungsarten fähig, wozu theils die Absicht der Sprache selbst, theils vermuthlich auch der mangelhafte Znstand der deutschen Substantive, Anlaß gegeben. Die Absicht der Sprache selbst, d. i. die höchste mögliche Verständlichkeit, indem in einem Satze mehrere Substantive zusammen kommen können, daher e6 bey unvollkommener Biegung der Adjective oft dunkel und ungewiß bleiben würde, aus welches jedes Adjectiv gezogen werden muß; der mangelhafte Zustand der Substantive aber, weil sie das Geschlecht gar nicht, die Casus aber nur sehr unvollkommen, bezeichnen, daher die Deritschen diesen Mangel an ihren Bestimmungswörtern, und besonders an den Adjectiven, ersetzt, und sie mit den vollständigsten Biegungszeiche» versehen haben. Die Bezeichnung des Geschlechtes ist dabey am unvollkommensten, weil sie nur im Singular, und auch hier nur in einem Falle, Statt findet, welches aber auch nur der einige Fall ist, in welchem es die Nothwendigkeit erfordert, indem diese Bezeichnung in den übrigen Zöllen von andern Bestimmungswörtern geschiehet. §. 29Z. Von den Beyworte. §.295.294. 617 §. 29?. Eine andere Art der Biegung der Ad- Ihre Stei- jective ist die Steigerung, welche im lateinischen, seruug. obgleich nicht so richtig, die Comparacion genannt wird, und wodurch man die höhern Grade der als Eigenschaft gedachten Beschaffenheit ausdruckt. Indessen trifft sie mehr die Adverbia, als die Adjective, indem die Steigerung eigentlich an jenen vorgehet, und die gesteigerten Adverbia nur durch die Concretion zu Adjectiven gemacht werden. II-. Declination der Adjective. H. 294. Diese wird in allen Sprachlehren so ver- Grund der» worren und mangelhaft vorgetragen, und dadurch selben, so unverständlich gemacht, daß es wohl der Mühe werth ist, der Sache ein wenig mehr auf den Grund zu kommen. Anforderst wiederhohle man hier den Satz, daß die Deutschen Substantive im Ganzen fast gar keine Geschlechts- und sehr mangelhaste Casus-Zeichen haben, daher ihre Bestimnningc-wvrter mit den vollständigsten Biegungslauten versehen worden, diesen Mangel der Substantive zu ersetzen. Diese BiegungSlante, welche an dein bestimmten Artikel der, die, das, am merklichsten sind, sind sowohl für sich allein, als mit dein ConcretionS. Laute e, folgende. Singular. Plural. Mast. Fain. Neutr. Nom. r, (er). (e). s, (es). (e). Gen. s,n,(es,en). r,(cr). s,n,(es,cn). r,(er). Dat. in, (ein). r,(er). m, (ein). n,(en). Acc. u, (en), (e). s, (es). (e). Voc. r, (er). (e). s, >,es). (e od. en). Die eingeschlossenen Sylben zeigen den Bie- gungslaut in Verbindung mit dem Concretions- Q q 5 Laute. 6ig i. Th. 2. Abschn. 5. Kap. jaut?. Der Nominativ, ?tccusariv und Vocativ des wsiblichen Singulars und der Nominativ und Accusativ des ganzen Plurals haben keine eigene Biegungssylbe, sondern diese schmilzt hier mit der CoucretionSsylbe zusammen. Fort- §. 295. Der zweyte hierher gehörige Grundsatz setzimg. jst die^ vollständige Biegung muß bey einem Substantive, wenn es Bestimmungswörter vor sich hat, nothwendig einmahl, aber auch nicht mehr als einmahl, bezeichnet werden. Hat daher ein Substantiv nur ein einiges Bestimmungswort, so muß dieses die vollständigen Declinationslame an sich nehmen; sind deren mehrere, so bekommt eigentlich nur eines, und gemeiniglich das erste, diese vollständigen Declinationslaute, und die übrigen werden nach der vierten Declination der Substantive gebeuget, welche kein Geschlecht, sondern nur überhaupt die Casus obliquos, durch die allgemeine Sylbe en oder n ausdruckt. Einige dieser Bestimmungswörter, welche nie oder doch nur selten andere vor sich leiden, wie z.B. der, ein, aller, mancher, und einige Pronomina, sind daher auf immer mit diesen vollständigen Declinationslauten verbunden, und können nie anders gebeuget werden, dagegen diejenigen, welche andere vor sich leiden, beyder Declinationen fähig sind, sowohl der vollständigen, als auch der mangelhaftem, welches eigentlich die vierte Declination der Substantive ist. Dieß ist der Grundsaß, welcher die Deutschen bey der Einrichtung der Declination der Bestimmungswörter des Substantives dunkel geleitet hat; allein, weil sie ihn nur dunkel empfanden, so verkannten sie ihn in manchen einzelen Fällen, und daher entstanden die Ausnahmen, deren es auch hier gibt. So machen, z. B. von der Nothwendigkeit, die Von dem Bcyworte. §.296. 619 die vollständige Declination bey einem Substantivs wenigstens einmahl auszudrucken, schon die allgemeinen Zahlwörter mit unvollkommenen Biegungszeichen, kein, viel, vvenig, und die Possessiva mein, dein, sein u. s.f. eine Ausnahme: kein U'iensch, vicl^Vein, mein Haus, wovon der Grund zum Theil schon im vorigen angegeben worden. Indessen gilt dieser Grundsich doch in den allermeisten derjenigen Falle, welche hier Statt finden. Diese Fälle sind nun von dreyfacher Art. Erste Art. §. 296. Wenn vor dem Adjective ein anderes Erste Art Bestimmungswort des Substantives hergehet, wel- dieser De> ches diese vollstandizen FlexionS-Zeichen an sich hat, clinativn. so wird dieses auf obige Art vollständig declinier, das Adjectivum aber gehet ohne Unterschied des Geschlechts nach der vierten Declination der Substantive, nur mit dem Unterschiede, daß der Accusativ des Fäminini und Neutrius im Singular dem Nominative gleich lautet, folglich e und nicht en hat. Singularis. Masc. Fämin. Neutr. Nomin. der gure; die gure; das gute. Genir. des guten; dergmen; des guten. Dat. dein guten; der guten; des guten. Accus. den guten; die gme; das gute» pluralis. Nomin. die guten. Genit. der guten. Dat. der guten. Accus. die guten. Diese mit vollständigen Biegungszeichen verft- henen Bestimmungswörter sind: 1. der bestimmte Artikel 620 r. Th. 2. Mschtt. 5. Kap. Artikel der. 2. Die allgemeinen Zahlwörter aller, jeder und jeglicher, mancher, einiger und das collective Zahlwort beyde. Und z. die Prono- iniiAi dieser, jener, der, derjenige und derselbe oder derselbigc, (wo das der die vollständige Declination versiehet,) selbiger, solcher und weicher. Der bose Mann; lim diejes guten Dors»rzes willen; mancher kluge Mann; um aller großen Reichthümer willen; manchem bösen Menschen Gutes thun; jener weise M^nn; einiger guren Gedanken wegen; welches schöne L^and; solche großen Städte. So auch, wenn mehrere Adjective auf einander folgen : dieser alte brave Mann; jene jchsnen rothen Blumen; um weiches alcen reinen süßen lVeines willen. Fort- §. 297. Das Adjectivum gehet in diesem Falle schung. ohne Unterschied des Geschlechtes völlig nach der vierten Declination der Substantive, den Accusativ des Fäminini und Neutrius im Singular ausgenommen , welche ihr e behalten. Da der Nominativ des Plurales in dieser Declination en oder n hat, so müssen es auch die Adjective bekommen: die grünen ^Välder, diese ehrlichen Leute, es sind eben dieselben guten Freunde. Im Oberdeutschen ist es sehr gewöhnlich, den Nominativ und Accusativ des Plurales an dem Adjective in allen Fällen auf e zu machen, ohne doch das n ganz auszuschließen, daher e und en in den meisten Provinzen willkührlich und ohne Unterschied gebraucht werden. Im Hochdeutschen herrscht hierin mehr Einförmigkeit, indem nach der, dieser, derselbe, der? jenige und jener, das Adjectiv allemahl und fast ohne Ausnahme n bekommt. Nur in Ansehung der allgemeinen Zahlwörter und einiger Pronomi- num Von dem Beyworte. §.297. 621 num mit vollständigen Declinationslauten, hat die Oberdeutsche Mundart auch hier Ausnahmen ge« macht, und das e entweder allein, oder doch mit dem en gleichgültig eingeführet. So lautet das Adje- jectiv im Nominative und Accusativs des Plurales nach einige und etliche allemahl, nach viel, mehr, wenig und alle gemeiniglich, und nach manche, solchc, welche, selbige sehr oft nur e: einige Griechische Schriftsteller; etliche große Bäume; alle übrige Gäste; manche lose Dögel; viele neue Thaler; mehrere schöne Blumen; wenige gute Vorsätze; welche reiche Güter; selbige bevölkerte Länder. Wäre der Gebrauch hier einförmiger, so würde er die Regel machen, daß alle allgemeine Zahlwörter nebst einigen Pro- nominibuö den Nominativ und Accusativ des folgenden Adjectives im Plural auf e machen. Die Ursache dieses Unbestandes scheinet in der anfänglichen mangelhafen Beschaffenheit dieser Bestimmungswörter zu liegen, welche als bloße Umstandswörter unbiegsam gebraucht wurden, daher das Adjectiv die vollständigen Biegungszeichen nach der folgenden dritten Art annehmen mußte, folglich im Nominativ und Accusativ e bekam. Wo im ge. meinen ieben diese Bestimmungswörter noch jcht unbiegsam gebraucht werden, da ist solches auch noch nothwendig: viel große Häuser; um viel großer Häuser willen; wenig gute Leute; welch schöne Güter. Als man diese Wörcer nach und nach zu concrescieren anfing, so folgte auch das Adjectiv der gewöhnlichen Regel, nur der Nominativ blieb der alten Form getreu, vermuthlich, weil das Zahlwort und Pronomen im Nominativ am längsten unconcresciert üblich waren. Da nun die Ursache weggefallen ist, so ist zu wünschen, daß auch 622 I. Th. 2. Abschn. 5. Kap. auch die Wirkung aufhören möge, und daß mal, um der Einförmigkeit willen, und zur Vermeidung der so unangenehmen Ausnahmen, sprechen lernte: etliche Griechischen Schriftsteller, einige großen Bäume, alle übrigen Gäste, viele" neuen Thaler, wenige frommen Ixinder u. f. f. In den übrigen Endungen gehet ohnehin alles wieder ordentlich: um einiger Griechischen Schriftsteller willen; aller fremden Gäste N?ohl- ergehen. Dieses bey Seite gesetzt, ist es also fehlerhaft: 1. Wenn man dem Adjective die vollständigen Bie- gungSzeichen gibt, wenn das vorher gehende Bestimmungswort sie haben sollte: all guter Dor- say, für aller gure Vorsay; um solch reiche», oder reiches Mannes rvillcn, für um solches reichen; rvelch dose L.eure, für welche dosen Leute; mir dcro gütiger Erlaubnis), für gütigen, weil dero für deren stehet. Welcher Gebrauch im Hochdeutschen, besonders aber in der edlern Schreibart, langst veraltet ist, wo man auch viel, wenig und selbst mehr, welche sich noch am längsten unconcrefciert erhalten haben, nicht gern mehr fo gebraucht. 2. Wenn zwar das Bestimmungswort die vollständigen Biegungszeichen hat, man selbige aber an dem Adjective wiederhohler; indem sie nur einmahl da seyn dürfen. Als man anfing, die Con» cretion sorgfältiger zu beobachten, die Empfindung des Mannigfaltigen dabey aber noch sehr dunkel war, fehlte man gern auf der andern Seite, und häufte die vollständige Biegung an den Bestimmungswörtern. Daher liefet man noch in vielen alten und neuen Ausgaben der Bibel: ein Behältniß Von dem Beyworte. §.298. 62z mß aller unreiner Geister, für unreinen, Apost. 18,2; dieser todter Hund, 2Sam. 16,9. für rodce; zu aller dieser mächtiger Hand, 2Mos. Z4,12. für mächtigen; seyd Unterthan aller menschlicher Grdnung, iPetr.2,iz. für menschlichen; über alles lebendiges Fleisch, zMos. 27,16. für lebendige; über alles gottloses N?e- sen, Röm. 1,18; der knörrender rauher pobel, Luth. Und im gemeinen ieben höret man noch hansig, alles liebes und gutes, für alles liebe und gute. Die Ausnahme kommt im folgenden vor. Zweyte Art. §.298. Diese Art hängt von den BestimmungS- Zweyte Wörtern mit unvollkommenen Biegungszeichen ab. Art. Gehet ein solches Wort in einem unconcrescrerten Casu vor dem Adjective vorher, so nimmt dieses alsdann die vollständigen Biegungszeichen an. Kann aber das Bestimmungswort in andern Endungen die Biegungszeichen selbst annehmen, so wird das Adjectiv wieder auf die vorige Art gebeuget; so daß diese Art der Declination aus der ersten und letzten Art zusammen gesetzt ist. Die Bestimmungswörter dieser Art sind: 1. der unbestimmte Artikel ein. 2. Alle bestimmten Zahlwörter, z. Die allgemeinen Zahlwörter mit mangelhaften Concretionen, kein, viel, rvenig, mehr, so fern sie ohne Concretion gebraucht werden rönnen oder müßen. 4. Die persönlichen Pronomina, ich, du, er u.s. f. 5. Die possessiven Pronomina mein, dein, sein, ihr. Und 6. die unbiegsamen Umstandswörter etwas, genug u. s. f. so fern sie oft vor den Substantiven und den dazu gehörigen Adjectiven stehen. Doch diefe Fälle verdienen näher bestimmt zu werden. 1. Ein, 624 i. Th. 2. Abschn. 5. Kap. 1. Ein, es sey Artikel oder Zahlwort, dessen Gegensatz kein, und alle Possessiva sind in Ansehung der Concretion nur im männlichen und sachlichen Nominative und sachlichen Accusativ der Einheit mangelhaft, daher das Adjectiv auch nur hier die vollständigen Biegungszeichen annehmen darf, in den übrigen Fallen aber nach der vorigen Art gehet: mein guter Mann, meine gute Frau, mein gutes Aind; Genit. meines guten Mannes, meiner guten Frau, meines guren Aindes; Dat. meinem guren Manne, meiner guten Frau, meinen; guren Rinde; Accus. meinen guren Mann, meine gute Frau, mein gutes ^ind. Plur. Nom. meine guten; Genit. meiner guren; Dat. meinen guten; Accus. meine guten. So auch die übrigen: kein ehrlicher Mann, keine grünen ^Välder, ihr großes Gur, ihre schönen Güter; unser und euer, unser alter Dater, unsere guce Mutter, euer altes Haus, unsere vielen Fehler. Unser und euer scheinen auch im männlichen und sächlichen Nominativ vollständige Biegungssylben zu haben; allein sie scheinen es nur, denn im Grunde ist er die Ableitungssylbe, wodurch von den persönlichen uns und euch die possessiven unser und euer gebildet worden, daher sie mit dieser Endung auch unconcresciert und als Adverbia stehen können, das Haus ijt unser, der Nuhm ist euer. Mit vollständigen Biegungslauten müßten sie heissen, unserer, unseres, Genit. unserers, und so ferner. Das Ohr zu schonen, gebraucht man sie im männlichen und sächlichen Nominativ, wie mein, dein und sein, unconcresciert, und ziehet in den Casibus obliquiö die Biegungssylben mit der Ableitungssylbe zusammen. 2. Die Von dem Beyworte. §. 298. 625 2. Die allgemeinen Zahlwörter viel, wenig und mehr, folgen dieser Art nur in so fern, als sie noch unconcresciert gebraucht werden: viel süs-er lVein. Werden sie concresciert, so folgt das Adjectiv der ersten Art, vieler süße Mein. Eben das gilt von all, manch, solch u. s. f. so fern sie noch im gemeinen Leben ohne Concretions-Zeichen gebraucht werden. z. Die persönlichen Pronomina ich, du, er u. s. f. gehören allerdings hierher, weil sie gleichfalls als Bestimmungswörter des Substantives angesehen werden können und müssen. Weil aber die Concretion an ihnen nur im Genitiv, (der doch vor Adjectiven wohl nicht leicht vorkommt,) und Dativ sichtlich ist, so folgt das Adjectiv auch nur in diesen Endungen der ersten Art, nimmt aber in allen übrigen die vollständigen Biegungszeichen an: ich armer iVann, ich armes ^>ind, du gute Frau, du liebes Geschöpf, mich armen Mann. Aber im Daitiv: mir armen Manne, dir verlassene» Ainde, nicht armem, verlassenem, und zwar nicht bloß um des Wohllautes willen, sondern der allgemeinen Regel zu Folge, weil hier die vollständigen Biegungslaute merklicher sind. Der Plural hat hier gemeiniglich n: wir armen Leute, ihr lieben Binder, sie guten Seeien, ohne Zweisfel, weil in dem Nominative der Mehrheit dieser alten ganz nach sehr dunkeler Empfindung gebildeten Wörter, eben so alte Flerions-Laute verborgen liegen. Von dem Vocative mit diesen Pronominibus, S. §. ZOO. 4. Die bestimmten Zahlwörter haben gleichfalls nur unvollkommene Flerions-Zeichen, daher das Adjectiv sie in den Endungen, wo sie fehlen, selbst «nimmt: ein einiges Haus, Zwey lange Cage, Ai>kl.S.Sxr. Rr drey 626 l.TH. 2.Abschn. 5. Kap. drey harte Thaler, nicht zwey langen Tage, weil solches Biegungslaute an dem zwey voraus setzen würde; vier ganzer Mächte Schmerz, fünf langer Jahre Gram, der Gram fünf langer Jahre, nach fünf langen Iahren. Wenn hingegen das Zahlwort diese vollständigen Biegungszeichen annimmt, so folgt das Adjectiv wieder der ersten Art: der Schmerz zweyer langen Tage, nicht langer; der N)erch dreyer das ren Thaler, nicht barer. Beyde großen Häuser ist daher richtiger, als beyde große Häuser, so üblich es auch ist. 5. Da die unbiegsamen Bestimmungswörter etwas, genug, lauter und eitel, beyde für nichts als, u. s. f. in keinem Falle der Biegungslaute fähig sind, so muß das Adjectiv sie auch in allen Fällen annehmen, folglich ganz nach der folgenden dritten Art gebeuget werden: etwas bares Geld, um etwas baren Geldes willen, laucer reines tVasser, mit lauter reinem tVajser. Zort- §. 299. Fehler sind daher auch hier: ein geras fetzuus. de Scepter, Ps. 45,7; ein weise Herz, Sprichw. 16, 2z. für gerades und weises, dergleichen Fehler in ältern und neuern Bibelausgaben mehrere vorkommen: ich arme Mann, mir armer Frau, ihr ehrliche Leute, ein schön Rind, für ein schönes, dir gutem Rinde, mir unschuldigem Manne, mir armer Frau, für guten, unschuldigen, armen. Was oben gesagt worden, findet auch Statt, wenn mehrere Adjective auf ein solches Bestimmungswort folgen, nur mit dem Unterschiede, daß olle folgende Adjective die vollständigen Biegungslaute im Nominative bekommen, wenn ein Adjectiv sie Von dem Beyworte. §.zoo. 627 sie annehmen muß: dein guter alter ehrlicherVa- ter, nicht dein guter alte ehrliche Vater; obgleich in andern CasibuS die einmahlige vollständige Biegung hinlänglich ist. So auch ein einiges liebes Zvind; vier arme verlassene Rinder; etwas Großes, Vortreffliches und Glänzendes. §. zoo. Wenn das Bestimmungswort im No- Nominativ minative des Plurales die FlexionS-Sylben selbst ^Mral«. annimmt, so bekommt das Adjectiv hier allemahl n, wie in der ersten Art, daher dieses n hier nie verbissen werden sollte: deine schönen Bücher, keine bunten Blumen, wir armen ehrlichen Leute, unsere schönen großen Häuser. Von den Ausnahmen, welche einige allgemeine Zahlwörter machen, ist schon im vorigen geredet worden. Hat aber das Bestimmungswort keine Biegungszeichen, so fällt das n weg, weil das Adjectiv alsdann nach der folgenden dritten Art gebeuget wird: zwey blinde Männer, vier schöne große Blumen, rvenig fromme Leute, viel böse Menschen. In der ersten Art dieser Declination ist kein Vocativ möglich, wohl aber in dieser, doch nur mit den persönlichen Pronominibus, du, er, sie und ihr, und mit dem Possessivs mein. Da nun der Vocativ im Deutschen dem Nominative gleich ist, so folgt er dessen Form: du, guter Freund! er, loser Mann! ihr alrer Geck! mein lieber Mann! mein gutes Zvind! weil diese Bestimmungswörter im Nominativ des Singulars kein Biegungszeichen haben. Da selbiges aber im Nominativ des Plurals da ist, und zwar an dem mein sichtlich, an dem ihr und sie aber versteckter, so muß das Adjectiv auch hier ein n bekommen: meine lieben Freunde; ihr gmen Leure; sie armen Zunder. Rr 2 Dritte 628 i.TH. 2.Aöschn. 5. Kap. Dritte Art. Dritte Art. §. Zc>l. Unter diese Art gehören diejenigen Fälle, wo gar kein anderes Bestimmungswort vor dem Adjective hergehet, folglich dasselbe die vollständigen FlexionS-iaute in allen Casibus selbst annehmen muß. Es wird alsdann völlig nach der §. 294. bezeichneten Art decliniret: Singularis. Masc. Fämin. Ncutr. Nom. großer, große, großes. Gen. großen,(großes,) großer, großen,(großes.) Dat> großem, großer, großem. Acc. großen; große, großes» Pluralis. Nomin. große. Genit. großer. Dar. großen. Accus. große. Von dem §« Z02. Der männliche und sächliche Genitiv des Glvitiv. Singulares lautet hier von Alters her es, und im Oberdeutschen behält man diese Form auch noch jetzt gern bey: sey gutes Muthes; lim angewandtes Fleisses rvillen; wirds nicht dein und deines Vaters ganzes Hauses seyn^ i Sam. 1, 20. Allein im Hochdeutschen hat man diesen BiegungS- laut, den Übellaut so vieler alsdann zusammen kommenden s zu vermeiden, veralten lassen, und gebraucht dafür den Genitiv auf — en aus den vorigen Formen; zumahl da das Masculinum und Neutrum im Genitive des Singulares ohnehin in den meisten Fällen ein es oder s bekommt, daher der Casus dadurch bestimmt genug bezeichnet wird, und nicht erst an dem Bestimmungöworte angedeutet werden darf: sey guten Muthes; meisten Theils, grsßten Theils; die heilige Schrift alten und neuen Von dem Beyworte. §.302. 629 neuen Testamentes; Herr ^ ^« seligen Andenkens; widrigen Falles; andern Theiles; den röten August neuen Nalenders; eine Art groben wollenen Zeuges. Von welchem Beyspiele manche selbst im Oberdeutschen, wie im Hochdeutsche!:, lauten. In einigen cinzelen Fällen hat sich indesscn noch die alte Art erhalten: gerades D5>eges, hiesiges Grres; welche sich doch füglich mit geraden iVegcs und hiesigen Grres vertan, scheu lassen. Der Wohllaut erfordert diese Vertauschung, und die Absicht dieser ganzen Declination der Adjective billiget sie, indem sie in der deutlichen Be. zeichnung des Geschlechts und des Casus bestehet, welche das Hauptwort selbst hier hinlänglich bezeich, neu kann. Wie aber, wenn das Substantiv den Casum nicht deutlich bezeichnen kann, wenn es nähmlich aus der vierten Declination ist, folglich im Genitiv en bekommt? Obgleich dergleichen Fälle nicht leicht vorkommen möchten, so sind sie doch möglich, und das Adjectiv wird alsdann ohne Widerrede sich auf —es endigen müssen, weil der Ubel- laut hier wegfällt, und die genaue Bestimmung es erfordert: gutes Gatten Wohlergehen. Wenn ein Genitiv vorher gehet, so lauten der weibliche Genitiv und Dativ in vielen Fällen gleichfalls — en Statt — er: nach Bedä guten Anleitung; mit deines Varers gütigen Erlaubniß ; um Amaliens schönen Gestalt willen; Alcesrs weisen Ermahnung eingedenk. Im Dativ auch in manchen andern Fällen: übersetzt von C. M. Ziegler gebornen Romanus. Wo gurer, gütiger und weiser u. s. f. das Ohr beleidigen würden, daher sich von dieser Abweichung Rr z keine 6zc» i. Th. 2. Abschn. 5. Kap. keine andere Ursache, als der Wohllaut, angeben laßt. Man kann auch den Genitiv der persönlichen Pro- nominum hierher rechnen: zu dero fernern Huld, mir dero gütigen Erlaubniß ; obgleich dieser ganze Fall mit persönlichen Pronominibus eigentlich zur vorigen zweyten Art gehöret. Daß die Pronomina dieses es gar nicht, und von den allgemeinen Zahlwörtern nur einige, welche sich den Adjectiven nahern, annehmen, ist bereits im vorigen erinnert worden: manches Cannes Ehre; manches Menschen Glücksstern; um vieles, häufiger vielen, Aufwandes willen; wenigen (nicht leicht weniges) Fleisses wegen. Dativ und §. ZoZ. Der Dativ der Einheit hat in dem Vocativ, männlichen und sächlichen Geschlechte hier eigentlich m: ein Mann von gutem Stande; vor kurzem, von neuem, mir nächstem. Allein, wenn sich das Adjectiv bereits auf ein m endiget, wie in arm, angenehm, lahm, vornehm, bequem, lahm, zahm u. s. f. so lautet er zur Vermeidung des Übellautes nur en: von vornehmen Stande seyn; mit heilsamen und untadeligem lVorre, Tit. 2, 8; von angenehmen Geschmacke; mir lahmen Fuße. Sollten Fälle vorkommen, wo dieses en Dunkelheit oder Mißdeutung verursachen könnte, so schaltet man, wenn es der Verstand erlaubet, lieber den unbestimmten Artikel ein, mit einem lahmen Fuße. Der Vocativ lautet auch hier wie der Nomina, tiv, sowohl im Singular, als im Plural: großer Gott! gerechter Himmel! armes Aind! gure Frau! große Götter! geliebte Freunde! Man hat diesen Vocativ im Plural getadelt, und zwar aus Von dem Beyworte. §.zoz. 6zr aus dem Grunde, weil diese dritte Declination der Adjective die abstracte sey, der Vocativ aber das concreteste und bestimmteste Verhältniß ausdrucke, daher diese Declination gar keines Vocativs fähig sey, sondern derselbe zu der vorhergehenden Form gehöre, und folglich im Plural großen Götter! geliebten Freunde! heissen müsse. Es hat mich dieser Scheingrund verleitet, ehedem ein gleiches zu behaupten; allein bey ein wenig mehr Aufmerksamkeit siehet man bald, daß diese Declination keineS- weges die abstracte Declination heissen könne, und daß der Begriff des Abstracten und Concreten gar keinen Einfluß auf die Beugung der Adjective habe. Die vollständigsten Biegungszeichen sind der wesentliche Character dieser Declination, und daö Adjectiv muß allemahl nach derselben gebeuget werden, so oft kein anderes Bestimmungswort diese vollständigen Zeichen hat, die Bedeutung sey so concret als sie wolle. Mein armes Rind, ist gewiß so con. cret, als das arme Rind, oder dieses arme Rind. Überdieß sind diese vollständigen Biegungszeichen gerade eben dieselben, mit welchen der, die Pron» mina, und viele Zahlwörter gebeuget werden, deren Bedeutung man doch wohl nicht siir abstract ausgeben wird. Der Vocativ endigt sich daher der Regel nach, wenn kein anderes Bestimmungswort vorher gehet, im Plural allemahl auf e. Höret man dessen ungeachtet so oft lieben Freunde, theuersten Rinder, und klingen liebe Freunde, theuerste Rinder ungewohnt, so lassen sich diese Fälle durch ein ausgelassenes Pronomen erklären, meine lieben Freunde, ihr theuersten Rinder; ob es gleich besser wäre, auch in diesem Falle der Regel zu folgen, und die Ausnahmen nicht zu häufen. R r 4 Allge- 6z2 I. Th. 2.Abschn. 5. Kap. Allgemeine Anmerkungen über die Declination der Adjectiv- NNO Bestimmungswörter. Ausimmen« §. Z04. Hieraus lassen sich nun auch die zusam- jttj.'hte M- men gesetzten Falle bestimmen, wovon folgende die te dieser vornehmsten sind. Art. 1. Wenn zwey Bestimmungswörter vor einem Adjective hergehen, in welchem Falle die Bestimmungswörter, wenn sie nur einer Art der Declination fähig sind, ihre eigenthümliche Biegung behalten, das Adjectiv aber den vorigen Regel»? folgt, (1) Der Artikel, ein Zahlwort oder Pronomen, und ein Adjectiv: die sieben magern Ähren; die zwey schonen Blumen. Wenn der unbestimmte Artikel ein die vollständigen Biegungszeichcn dem folgenden Besiimmungsworte iiberläßt, so nimmt das Adjectiv sie gleichfalls an, wovon die Ursache im folgenden §. vorkommen wird: ein jedes mannigfaltiges Ding, nicht mannigfaltige; ein jeder frommer N'iantt, nicht fromme. (2) Ein Pronomen, ein Zahlwort und ein Adjectiv: diese vielen groben Vergebungen; um welcher vielen Vergebungen-aMen; diefe zwey schönen Häujer; um dieser zwey schönen Häuser willen. (?) Ein Zahlwort, ein Pronomen und ein Adjectiv: alles dieses guten Vorsayes ungeachtet; viele solche neuen. TVörter; um vieler solcher neuen N)örrer willen; alle diese bösen Lllenschen. (4) Zwey Pronomina und ein Adjectiv : dieser mein alter Dater, wo alter von mein abhanget; um dieses meinen alten Vaters willen. (5) Zwey Zahlwörter und ein Adjectiv: alle beyde neuen (oft auch neue, S. all,) Häuser; aller beyden neuen Häuser. 2. Wenn Von dem Beyworte. §.304.305. 6zz 2. Wenn ein Bestimmungswort Zwischen zwey Adjectiven siehet, in welchem Falle das erste Adjectiv auch im Nominativ die vollständigen Bie- gungsshlben annimmt, das letzte aber nicht: besäg- ter dieser unumschränkte Herr; besagten die- j'cs ununlschränkren Herren; besagten? diesem (oder um des Wohllautes willen lieber besagten diesen?) unumschränkten Herren; besagte diese !nnnnsct)ränkten Herrn. Ist aber das Bestimmungswort in einem oder dem andern Casu der vollständigen Biegungslaute unfähig, so nimmt sie in diese:? Fällen auch das Hintere Adjectivum an: be> sagrcr mein unumschränkter Herr, besagtes unser altes Haus; aber besagtem (besagten) meinein unumschränkten Herren, nicht unumschränktem. §. zoz. z. Wenn zwey oder mehr Adjective auf Fvrt- einander folgen, so sind dabey zwey Hauptfalle mög- sehung, lich. Entweder, (1) Sie haben ein anderes Bestimmungswort vor sich, in weichem Falle sie den vorigen Regeln folgen: zwey neue schone gute Häuser, weil zwey im Nominativ und Accusativ keiner Bie- gungsfylben fähig ist; aber zweyer neuen schonen guten Häuser, weil es sie im Genitiv und Dativ annehmen kann; nimmt es sie nicht an, so heißt es zwey neuer schöner guter Häuser, oder auch wohl, zwey neuer schonen guten Häuser. Es scheinet, daß in diesem und den folgenden Fällen nur das erste Adjectiv die vollständigen Biegungslaute annehmen dürfe; allein im Nominativ nehmen alle folgende Adjective sie an: mein guter alter ehrlicher frommer Vater; dein liebes armes Aind. Rr 5 (2) Oder 6Z4 r.TH. 2.Abschn. 5. Kap. (2) Oder sie haben kein anderes Bestimmungswort vor sich, in welchem Falle sie im Nominativ sowohl der Einheit als Mehrheit insgesammt nach der dritten Art gebeuget werden, folglich die vollständigen Biegungssylben annehmen: guter rveifser Hafer; gurer alrer reiner N>ein; feines geglü- heccs Gold; altes rostiges Eisen. So auch im Plural: reiffe füß^ Früchte; schöne grüne Gräser; fchone große Käufer, nicht fchone grünen, schone großen, weil der Sprachgebrauch es einmahl so hergebracht hat, im Nominative sie alle gleich zu machen. So auch: andere gute Sachen, ganze lange Tage, lange ganze Tage, lange halbe Nächre, schwere volle Becher, leichte leere Garben. Wenn aber im Ma- sculino und Neutro er und es den bestimmten Artikel ausdrücklich mit in sich schließen, so bekommt nur das erste Adjectiv die vollständige Biegung, die folgenden aber nicht, weil der Artikel nur einmahl stehen kann: gedachter fromme alre Mann, für der gedachte; besagtes große neue Haus, für das besagte; folgendes fchone große Merk, für das folgende, wo der nachstehende Artikel deutlich hervor sticht. So auch im Vocativ, welcher immer dem Nominative gleich ist: guter, alter Mann! liebes, bestes Aind! liebe, fromme Seelen! In den Casibus obliquis wird eigentlich nur das erste characteristisch gebeuget, die folgenden aber nicht: guten rveisfen Hafers, gutem rveissen Hafer; reiffer süßen Frucht; reiffer füßen Früchte; guter alten reinen N)eine; feiner bemirrelren Leute Ainder; sich unzähliger schönen Nachrichten berauben; von feinem . dichten Golde. Indessen findet man doch auch häufig Von dem Beyworte. §.335. 635 häusig ^das Gegentheil, besonders in den Casibus, welche sich auf cr endigen, vermuthlich aus Verwechselung mit dem männlichen Nominativ: eine Reihe wohlklingender Deutscher Verse, wo es eigentlich wohlklingender Deutschen Verse heis- sen sollte, wie man richtig sagt, eine Reihe schöner grünen Bäume. So auch: ^lberserzungen alter Griechischer Schriftsteller; von gezwirnter wcisser Seide, 4Mos. 39; voll aufrichtiger reiner uneigennütziger dllenschcnliebe; eine Sammlung ähnlicher Lateinischer Schriftsteller. Indessen ist es kein Wunder, daß der Sprachgebrauch in diesen und den vorigen Fällen oft so schwankend und abweichend ist, weil die ganze Declination der Adjective und Bestimmungswörter so viele seine Unterschiede hat, daß die dunkele Empfindung, welche doch nur allein den Sprachgebrauch leitet, sie leicht übersehen und mit einander verwechseln kann. 4. Eben dieses gilt auch, wenn mehrere Adjective mit und oder andern Partikeln verbunden werden, sie mögen Bestimmungswörter vor sich haben oder nicht: ein guter und frommer Mann; das alte und baufällige Haus; altes und rostiges ZNsen; mir gurem und reinen (auch wohl reinem) Gewissen; fo viele theils neue, theils erweiterte, theils berichtigte Zxenntnijse Auch wenn die Adjective zu verschiedenen Substantiven gehören, aber ein gemeinschaftliches vorher gehendes Bestimmungswort haben, nach welchem sie sich insgesammt richten müssen: mein ganzer Gars ten, und neues Haus, und schönes Feld; der rechtschaffene Mann und getreue Bürger; um deiner vielen Chorheuen und mannigfaltigen Vergebungen willen. Fehlerhaft sind da- 6z6 l.TH. 2. Abschn. Z.Kap. Bicgnngs laute. her folgende biblische Stellen: um deines großen Nahmens und mächtiger (mächtigen) Hand und ausgerecktes (—en) Arms willen, 2 Chron. 6, ?2. ^act) eurem dosen Wesen und schädlichem (n) Thun, Ezsch. 20, 44. Der treue Zeuge und Erstgeborner (ne) von den Todren, Offenb. 1,5. «djectlv §. ?c>6. Da dasjenige, was von den bestimmten mit Zahl- Zahlwörtern vor Adjectiven zu bemerken ist, schon Wörtern, vorigen an einem schicklichern Orte angebracht worden: so darf es hier nicht wiederholtet werden. Fehlerhaste §. Z07. Da das Deutsche Adjectiv und die ihm Verbeis- ähnlichen übrigen Bestimmungswörter seit der Aus- sung der Hebung und Verfeinerung der Sprache die Concre- tionS- und Biegungslaute nunmehr nicht entbehren kann, wenn es nicht um seine wesentlichen Unterscheidungszeichen von dem Adverbio gebracht werden soll, so ist es allemahl ein Fehler, diese iaute , außer den im vorigen angeführten Fallen, an demselben zu verbeißen, so gewöhnlich solches auch im gemeinen ^eben ist: unser täglich Dror, all mein Vermögen, manch ehrlich Mann. Besonders im Neutro: ein gut Aind, heiter ^Vetter, für ein gutes, heiteres, obgleich selbst manche Sprachlehrer diese und andere Fehler billigen. Nur den Dichtern kann man diese Verkürzung, um größerer Schönheiten willen, allensalls übersehen: sein allmächtig Haupt. W«gwer- §. zoZ. Da die Deutsche Sprache die Dactylen fung des e ge>m vermeidet, wenn sie selbige ohne Härte und ,n der Bie- Dunkelheit vermeiden kann, so können diejenigen Adjective, welche sich auf ein tonlofes el und er endigen, in der Declination das zur Biegung gehörige e vor dem n wegwerfen: dem eiceln, des v sauern, Von demBcyworte. §.303.509. 657 sauern, für eitelen, saueren. Wachsen sie aber in der Biegung auf e und er, so können sowohl sie, als diejenigen, welche sich auf ein tonloses en endigen, ihr eigenes e, nicht aber das zur Flexion gehörige c, wegwerfen: eitle, eitler, eigne, begangne, zerrißne, für circle, eiteler, eigene u.s.f. Wenn aber der Wohllaut dabey leidet, so ist der DaciyluS einer größern Harte allemahl vorzuziehen. Begangne und zerrißne haben schon einige Harte, noch mehr aber crschienne für erschienene, gc- rvonnne für gewonnene, genommnen für ge- nonnnenen u. s. f. daher man in solchen Fällen die Zufammenziehung billig vermeidet. Bey denPar-', ticipien der vergangenen Zeit auf et ist diese Zufammenziehung nothwendig, fo lange sie mit keiner größer» Härte verbunden ist: geliebtes Aind für ges lieberes, ein betrübter Nlann für berrübeter, verflucht für verfluchet, verrucht u. s. f. Endigt sich aber der Wurzellaut schon auf ein r, so würde die Zufammenziehung unverzeihlich hart werden: verrichtte Arbeit für verrichtete, geflüchrce Feinde für geflüchtete. Überhaupt hängt hier alles von einem richtigen Gehöre ab, welches mehr gilt, als weitschweifige Regeln, welche ohne jenes immer unzulänglich seyn würden. §. zoy. Noch leiden die Adjective in der ver- Erlaubt« traulichen Sprechart eine andere Abkürzung, indem Verkür- von zwey und mehr zu einem und eben demselben iuvg der Substantivs gehörigen Adjectiven, wenn sie mit und verbunden werden, die Biegungsfvlbe von den ersten weggeworfen werden kann, da denn das letztere mit seiner Biegungsfylbe die erstem mit vertritt. Es läjset sich solches aber nur im Nominativ und Adjectiv des NeutriuS im Singular anbringen: ein roch und rveisses Gesicht, da man denn die fehlende 6z8 r. Th. 2. Abschn. 5. Kap. fehlende Bisgungsfylbe gern durch einen Strich zu bezeichnen pfiegt, ein roch - und rvcijses Gesicht. In andern Fällen würde die Härte selbst für das gemeine Leben zu groß seyn; daher si.gt man nicht: ein fronnn-:'nd ehrlicher Mann, die heilige Schrift air und neuen Testamentes. Erträglicher wäre diese Verkürzung allenfalls im Nomina» tiv und Accusativ des Plurals: die roch- und rveisscn Gesichter, die schön - und großen Blumen. In allen Fällen findet diese Zusammen- ziehung nur in der vertraulichen Sprechart Statt, dagegen die edle und feyerliche Schreibart sie billig vermeidet. Wenn zwey oder mehr Adjective einerley Ableitungssylbe oder einerley Zusammensetzung haben, so erfordern es oft sowohl die Kürze, als auch der Wohllaut, an den ersten nicht allein die BiegungS- son» dern auch die Ableitungssylbe und den gleichlauten» den Theil der Zusammensetzung wegzuwerfen, und selbige von dem letzten mit vertreten zu lassen: per- sonen männ- und weiblichen Geschlechtes, ein genüg? und arbeitsamer Mensch, bley- und kupferartiges Erz, ein gram - und sorgenfreyes Gemüth. Unbiegsame §. Es gibt im Deutschen Adjective, welche Adjective, keiner Declination fähig, sondern in allen Fällen unverändert sind. Dahin gehören: l. Allerhand, und alle mit dem alten Worte ley, Art, Geschlecht, zusammen gesetzten: allerhand Menschen, von mancherley Art, vieler- ley Sachen, aus zrveyerlcy Ursachen u. s. f. Diefe find um ihrerZusammensetzung willen unbieg- sam, weil Hand und das veraltete L,ey eigentlich Substantive sind, welche keiner Concretion fähig sind. Von dem Beyworte. §. zio. 639 sind, indem diese nur für die Adverbia gehöret. Sie sind daher auch keine wahren Adjective, sondern eben so elliptische Arten des Ausdruckes, als aller Arr Menschen, vieler Arr Ursachen, welche» nur die Zusammensetzung fehlet, sie den vorigen gleich zu machen. Sie leiden daher auch keine andere concrescierte Bestimmungswörter vor sich. 2. Ganz und halb werden, wenn sie vor Landes - und Ortsnahmen stehen, und kein anderes concrescierteö Bestimmungswort vor sich haben, gleichfalls oft unconcresciert, folglich unbiegsam, als ein bloßes Umstandswort gebraucht: ganz Frankreich, halb Deutschland; ganz Berlin, halb Paris. Kommt der Artikel dazu, so ist die Con- cretion und Biegung nothwendig: das ganze Frankreich, das halbe Deutschland. In den Casibus obliquis sagt man z.B. für in ganz Berlin, aus ganz England, in der anstandigern Sprechart lieber, in dem ganzen Berlin, aus dem ganzen Englands. Siehe auch §. 285. z. Die mit halb zusammen gesetzten Zahlwörter, welche doch eigentlich zu den Zahlwörtern gehören, S. §. 272. 4. Viel, mehr und wenig in manchen Fallen, von welchen gleichfalls schon bey denZahlwörtern gehandelt worden, S. §. 278 f. Andere, welche gemeiniglich auch hierher gerechnet werden, z. V. voll, genug, lauter und das in manchen Gegenden übliche gleich bedeutende eirel, übrig u. s. f. sind keine Adjective, weil sie nichts concrescirtes darstellen, sondern bloße Umstandswörter, welche als solche oft auch auf das Substanti- vum gezogen werden können, aber eigentlich nur das Verbum bestimmen: er ist voll Lift, wo voll eigentlich 640 i. Th. 2. Abschn. 5. Kap. eigentlich das Verbum ist bestimmt; so auch rvir haben gentZg Mein, oder Mein genug, Geld übrig u. s. f. S. auch §. 734. Sollen sie ihren Begriff einverleibt darstellen, so müssen sie erst con- cresciert, oder durch eine neue Ableitung zur Con- cretion geschickt gemacht werden: ein volles Glas, aller übrige Mein u. s. f. III. Steigerung der Adjective. Erklärung §. zu. Das Adjectiv ist der Nahme einer Eigen- derselben, schaft; in einer Eigenschaft aber lassen sich in vielen Fallen eben sowohl mehrere Grade denken, als in der Beschaffenheit. Es müssen daher auch die Adjective in solchen Fällen, wo die Natur der Sache es erlaubet, fähig seyn, diese Grade an sich selbst auszudrucken , d. i. sie müssen gesteigert werden können. Allein, im Deutschen geschiehet diese Steigerung, so wie in manchen andern Sprachen, nicht unmittelbar an dem Adjective, d. i. an dem concrefcierten Worte, sondern allemahl an dem Adverbio, oder unconcrescierten Beschaffenheitsworte. Das gesteigerte Adjectivum ist daher im Deutschen nichts an» derö, als das concrescierte gesteigerte Adverbium: Adv. süß, süßer, süßest; Acj. der süße Mein, ein süßerer Mein, der süßeste Mein; Adv. schön, schöner, schönst; Adj. die schöne Blume, eine schönere L-Iunze, die schönste Blus me. Es gehöret daher alles, was von der Steigerung gesagt weröen könnte, eigentlich in die lehre von dem Adverbio, wohin wir dasselbe auch verspäten, und hier nur folgendes bemerken wollen. Arte» der §. ?i2. Eine Beschaffenheit, folglich auch eine Cleige- Eigenschaft kann auf eine gedoppelte Art von einem rung. Dinge gesagt werden; entweder überhaupt und ohne alle Von dem Beyworte. §. Z12. 641 alle Bestimmung des Grades, d.i. der innern Stärke, oder mit deren Bestimmung. Im ersten Falle siehet es im positiven Stande, oder es ist ein positives Veschaffcnhcirs- oder EigeiifKafrs- rvorr, weil es das, was es von dem Dinge sagt, ohne alle Rücksicht auf den Grad der Stärke sagt. Der zweyte Fall, welcher aus diese innere Stärke Rücksicht nimmt, und selbige an dem Worte selbst bezeichnet, theilet sich im Deutschen, so wie in allen Sprachen, welche dergleichen Wörter sieigern, wieder in zwey untergeordnete Fälle. Entweder man vergleicht ein Ding mit einem oder mehrern andern, und legt demselben eine Beschaffenheit oder Eigenschaft in einem höhern Grade bey, als dem andern; wird dieses an dem Worte selbst ausgedruckt, so stehet es im comparativen Stande, oder es ist ein comparatives Veschaffenheirs - oder Eigenschaftswort : die Rose ist schöner als die Narcisse, die Rose ist eine schönere Blume als die Narcisse. Oder es wird die Beschaffenheit oder Eigenschaft eines Dinges über alle übrigen seiner Art, oder einer gewissen Art erhaben, und alsdann stehet es im superlariven Stande, oder ist ein super-- larives Beschaffenheics 5 oder Eigenschaftswort: ich danke gehorsamst, der gehorsamste Sohn. Um des Nachdruckes willen, oder vielmehr, den höchsten Grad unumschränkt zu bezeichnen, seßt man dem Superlative oft noch den Genitiv aller vor: der allergehorsamste Sohn, d. i. der gehorsamste Sohn unter allen. Die gewöhnlichen Sprachlehren, nicht bloß der Deutschen, fondern fast alier übrigen Sprachen, nennen diese drey Zustände derBefchaffenheits- und Eigenschaftswörter Gradus, und haben daher den Ädel.D.Spr. SS pojt- 642 !.TH. 2. Abschtt. 5. Kap. der Adjectb »e zu den Adverben positiven, comparativen und snperlativen Gra- duin. Allein da der Positivus den Begriff ohne alle Bezeichnung des Gradus ausdruckt, so wäre der positive GraduS ein Gradus, der kein Gradus ist. Das Unschickliche in dieser Benennung wird hoffentlich keines weitern Beweises bedürfen, daher ich mit dem Herrn Reetor deiner lieber den Nahmen Stand oder Zustand gewählet habe, welcher als ein allgemeiner Nahme für alle drey Bezeichnungsarten vollkommen schicklich ist. Manamas - §. Ziz. Ein jedes gesteigertes Adverbium kann te NuÄcg! - vermittelst der Coucretion als ein Adjectivum gc- - braucht werden; allein der Fall läßt sich nicht umdrehen, indem sich nicht jedes gesteigertes Adjectivum durch Wegnehmnng des ConcretionS-Lames wieder als ein Adverbium gebrauchen lässet. Dieß gilt besonders von dem Superlativ, welcher für sich im Deutschen nur selten als ein Adverbium gebraucht werden kann; vielleicht weil man sich den höchsten möglichen Grad nicht leicht abstract und für sich allein, als an einem Dinge nicht befindlich, denken konnte, oder vielmehr, weil man wenig Gelegenheit hatte, ihn für sich allein zu gedenken und auszudrucken. Einige wenige leiden zwar den Superlativ ohne Con- cretion, wie höchst, jüngst, längst, meist, allerliebst, und die in der gesellschaftlichen Höflichkeit üblichen gehorsamst, verbindlichst, unrerrhä- nigst, sreundiichst, gnädigst, verbundcnst, u. s. f. Allein die allermeisten Adjective leiden diese Rückkehr nicht. Will man also den Begriff eines Superlativi als eine Beschaffenheit ausdrucken, so muß man sich entweder einer Umschreibung bedienen, aufs beste, am besten, oder den concrescier- ten Superlativ durch eine neue Ableitung zu einem Adverbio umbilden, bestens, S. auch §. 494. Von Von dem Veyworte. §.ziz.Zi4. 64z Von den zu Adjectiven conceescierten Umstandst Wörtern, welche sich gleichfalls nicht durch bloße Wegwerfung der Concretion, als Umstandswörter wieder gebrauchen lassen, ist das nöthige bereits §. 289. gesagt worden. Ich bemerke nur noch, daß diejenigen Umstandswörter, welche vor der Concre- tion die Ableitungssylbe er annehmen, um des Wohllautes willen keines Comparativ!, wohl aber des Superlativi, fähig sind. Das Umstandswort oft lautet gesteigert öfter, öfterst, obgleich der Superlativ so bloß, wie er da stehet, nicht üblich ist. Soll es concrcsciert folglich in ein Adjectivum verwandelt werden, so muß es nach §. 289. erst vermittelst einer neuen Ableitungssylbe ( hier die Sylbe er,) . zu einem Advcrbio gemacht wenden; aus dem Positivs oft wird also das Adverbium öfter; da dieses aber bloß um der Concretion willen gebildet worden, so ist es außer derselben nicht üblich. Concresciert heißt es der öftere Besuch, ein öfterer 2?cjucH, d. i. der oftmahlige, mehrmahlige, und im Superlativ der öfterste, ain öftersten. D-5 Comparativ müßte öfterer, und concresciert der öfterere, ein öftererer heifsen, welche Zusammenkunft so vieler r aber das Ohr beleidigt. So auch der vordere, obere, untere, mittlere. Diese AbleitungS« sylbe er, welche der Endung des Comparatives im Klänge so ähnlich ist, hat denn fast allc Svrachlehrer verführet, dergleichen aus Umstandswörtern con- crefcierte Positivs für Comparative zu halten, ungeachtet die Bedeutung fo wenig comparatives hat, als eben dieselbe Ableitungssylbe in Vierer, sauer, heiter, laucer u. s. f. §. 314. Da in der Zusammensetzung der erste AtelgstiM oder bestimmende Theil in der Flexion der Regel zusammen nach unverändert bleibt, so geschiehet auch die Stei- Ss 2 gerung 644 i. Tl> 2. Abschn. 5. Kap. gemng bey zusammen gesetzten Adjectiven nur an dem letzten, oder dem bestimmten Worte: vollkommen, vollkommner, der vollkommenste; vollständig, vollständiger, der vollständigste. So auch wohlverdient, hochgeehrt, gmmürhig, vielgiilrig, wohlklingend u. s. f. Nicht vielgültig, mehrgnltig, melstgnltig, sondern vicl-- gülciger, vielgnlrigste. Finden sich Beyspiele, wo die erste Hälfte gesteigert zu seyn scheinet, welches doch nur im Superlative Statt findet, z. B. hestverdient, höchstgeehrr, hochstdeglückl: so ist das bestimmende Wort schon vor der Zusammei^- scßung gesteigert worden, daher ein solches Wort, so wie es da ist, nicht weiter gesteigert werden kann. , Nicht hocbstbeglnckter/ der h^chstbeglnckrcste, wovon der Comparativ ein Widerspruch, der Superlativ aber eine unnütze Wiederholung seyn würde. Zwar hat der Curial-Styl sein höchstgcehrrcster, hochstseligster, destverdienrester nnd andere ahn. liehe Blumen; allein der kann weder Regeln noch Ausnahmen machen. Manche zusammen gesetzte Adverbia und Adjectiva sind durch den ersten Theil der Zusammensetzung schon so genau bestimmt, daß keine Steigerung mehr möglich ist: blutfremd, steinhart, zentnerschwer. Sie leiden auch wirklich keinen Comparativ, wohl aber zuweilen den Superlativ, doch bloß lim des Nachdruckes willen: der dlm- fremdeste Mensch, die zentiierjehrversten Sorgen ; obgleich dergleichen Formen für die edle und . genaue Schreibart eben nicht die angemessensten sind. Decima- §. Z15. In der Declination sind die gesteiger- tiv,. der ge- ten Adjective in nichts von den positiven muerschie- sreigkrreu daher sie nach allen drei) Arten dieser declinie- AdMivt'. ' ^ 1 v - ! Von dem Beyworte. §.315. zi6. 645 ret werden können. Erste Art: der jüngere Bruder; der jüngste Bruder; dieser allerliebste Mensch; das größte Haus. Zweyte Art: ein jüngerer Bruder; mein jüngster Bruder; alle jüngeru (jüngere) Brüder; unser jüngerer Bruder; euer größtes Haus. Dritte Art: das sind größere Männer als ihr; größter Helden Ruhm. Nur in Ansehung des Artikels, mit welchem die höhern Grade gebraucht werden, findet sich einiger Unterschied. Der Positiv kann gleich oft mit dem bestimmten oder unbestimmten Artikel gebraucht werden, nachdem der Verstand es erfordert. Allein der Comparativ, welcher den höhern Grad sehr unbestimmt bezeichnet, wird häufiger mit dem unbestimmten, als mit dem bestimmten Artikel gebraucht. Überhaupc stehet er lieber unconeresciert, und als ein Adverbium, als wie concresciert, und als ein Adjectiv: der reichere Mann, besser der Mann, welcher reicher ist; obgleich die höhere Schreibart um der Kürze willen gern die Concre- tion vorziehet: deine schönere Schwester. Der- Superlativ hingegen, welcher seiner Natur nach sehr bestimmt ist, verträgt nicht gern den unbestimmten Artikel, und eben so selten läßt er sich un- conereseiert gebrauchen. H. zi6. Was oben bey der Declination der Ad- Fort- jective überhaupt von der Auswerfung des e gesagt setzung, worden, gilt auch hier, und zwar bey den gesteigerten Adjectiven noch mehr als bey ihren Positiven. Die Deutsche Sprache vermeidet gern die Dactylen, wenn sie eS ohne Härte und Dunkelheit kann. Drey tonlose Sylben hinter einander sind ihr noch anstößiger; da diese nun in der Declination der gesteigerten Adjective, besonders der abgeleiteten,sehr oft vor-' - Ss ? kom- 646 r. Th. 2. Mschn. 5. Kap. kommen würden: so ist hier die Ausstoßung des e unentbehrlich: edel, cdelcr, der edelere N^nn, eine vollkommenere Tugend, ein verdorbenerer lVein. Es müssen daher alle gesteigerten Adjective, welche sich im Positiv auf die Ableitungssylben el, en und er endigen, in der Declination das e der Ableitungssylbe ausstoßen: der edlere Mann, eine vollr'ommnere Tugend, ein verdsrbnerer XVein. Die übrigen können in vielen Fällen das Concrstions e entbehren: die schönern, klügern, bessern, größcrn, für schöneren u. s. f. Nur daß man auch hier die genaueste Rücksicht auf den Wohlklang nehme. In lieblichere, thörichtere, strafbarere, zrveydemigere, heuchlerischere u. s. s. würde die Ausstoßung des e eine unerträgliche Härte verursachen, daher diejenigen abgeleiteten Adjective, welche die Zusammenziehung nicht dulden, einen halben Ton auf die sonst tonlose Ableitungssylbe legen, den Übelklgng drey auf einander folgender kurzen Sylben zu vermeiden: vortrefflichere. Was von der Ausstoßung des e in der Endung des Superlatives zu bemerken ist, wird bey der Steigerung her Adverbien gesagt werden, IV. Von den adjectt'ven Zahlwörtern. Verschiede- §. Z17, Die Adjective sind Nahmen der Eigen- ne Arte» schiften; die Eigenschaften aber sind von verschiede- Mmi- ^ .^rt, wo wir doch nur auf solche Unterschiede sehen tonnen, welche in den Bau der Sprache einen Einsinß haben, oder welche von den Sprachersin- dern für wichtig genug gehalten worden, sie an den Wettern und ihrer Biegung zu bemerken. In dieser Betrachtung theilen sich die Adjective in zwey Classen, in solche, welche eine concrescierte Beschaffenheit darstellen, und Adjecc.lv? schlechthin ge- UgnM Von dem Beyworte. §.317. 647 nannt werden, und solche, welche einen concrescicr- ten Umstand andeuten. Die ersten theilen sich wieder in zwey Arten, indem sie die conrrescierte Beschaffenheit entweder ohne allen Nebengriff, oder mit dem Nebenbegriffe der Zeit darstellen; die letztern heissen parricipia. Die zu Adjectiven con- crescierten Umstandswörter theilen sich wieder in die Adjective des Orts, der Zeit und der Art und Weise, und in die Adjective der Zahl. Hier ist alles in einer Tabelle. Das Adjectiv stellet das unselbständige Mannigfaltige dem Substantive als einverleibt dar. Dieses Mannigfaltige ist: 1. Eine Beschaffenheit, und zwar, (1) Ohne allen Nebenbegriff, das Adjectiv im engsten Verstände. (2) Mit dem Nebenbegriffe der Zeit, das Participium. 2. Ein Umstand. Ein ohne allen weitern Um- schweiff concrescierter Umstand gibt den Artikel, das Zahlwort und das Pronomen; aber kein Adjectiv. Soll der Umstand als eine Eigenschaft bezeichnet, folglich das Umstandswort zu einem Adjective erhöhet werden, so geschiehet solches entweder: (1) Durch eigene Ableitungssylben, wie bey den Ordnungszahlen. (2) Oder durch vorher gegangene Erhebung des Umstandswortes in ein Adverbium und nachmahlige Concretion desselben: mahl, das Umstandswort, mahlig, das Adverbium, der oftmahlige Oesuch, das Adjectiv. Auf diese Art lassen sich viele Umstandswörter der Zeit, des Orts und der Ss 4 Art 648 i. Th. 2. Abschn. 5. Kap. Art und Weise zu Adjectiven concrescie- ren, wovon das Nöthige bereits §. 289. gesagt worden, (z) Oder durch die Zusammensetzung, von welchen besonders einige Arten der adjecti- ven Zahlwörter bemerket Zu werden verdienen. Es wäre nöthig, für alle diese verschiedene Arten der Adjective eigene Nahmen zu haben; allein, weil noch kein Sprachlehrer sie von dieser Seite zu betrachten für gut besunden, so ist zu wünschen, daß sie, wenn erst die vernünftigen und deutlichen Begriffe in der Sprache allgemeiner werden, mit scbick- - lichen Deutschen und Lateinischen Nahmen versehen werden mögen. Von den Participien reden wir im folgenden in einem eigenenKapitel; hier haben wir es daher nur mit den adjectivenZahlwörtern zu thun. Begriff der §. zi8. Die Grundzahlen bezeichnen den Um- adMtiven fang des Gattungswortes, (ein ausgenommen) ei- ?ahi,vör- gemlich ohne alle Concretion, und unterscheiden sich von den übrigen Umstandswörtern nur dadurch, daß sie im Falle der Noth einige Casus bezeichnen können, und alsdann freylich erst concresciert werden müssen: zwey Männer, drey Dinge; wähle dir aus zweyen, aus den dreyen eins; auf allen vieren kriechen. Allein es können von ihnen andere Wörter gebildet werden, welche den Begriff der Zahl dem Substantive als einverleibt darstellen, und alsdann adjective Zahlwörter heis- sen. Diese Bildung geschiehet auf gedoppelte Art, entweder durch die Ableitung oder durch die Zufam- m.'nfthung; auf die erste Art entstehen die Grds nungszahlen, auf die letzte aber die übrigen adjectiven Zahlwörter. §. Z19. Von dem Beyworte. §.319. 649 §. 319. 1. Die Ordnungszahlen oder zahl- Ordnungsordnenden Adjective werden vermittelst der Ablei-zahle», tungssylben re und ste von den Grundzahlen abgeleitet. Beyde sind ursprünglich eine und eben dieselbe Sylbe, welche ursprünglich bloß in der Mundart von einander abweichen; vielleicht ist auch re bloß um deö Wohllautes willen in einigen Fallen in ste über gegangen. Die Sylbe te nehmen an, alle Grundzahlen von zwey bis ncunzehen; die Sylbe ste aber, die Grundzahl der Einheit, erste, alle übrige Grundzahlen von zwanzig an, und das allgemeine Zahlwort viel, wenn es nach der Ordnung fraget: ;wey-re, vier-re, funf-re, sechs-re, sieben-re, neun-rc, ;ehen-te oder zehn-re u. s.f. aber der er- ste, zwanzig - ste, dreyßig - ste u. s. f. der hundert-ste, rausend-ste, wosiir auch wohl hunder-re, rausend - re, (nicht raufende oder rau- senre,) gefunden werden; der wie vielste:' in einigen Gegenden wie vielre. Dritte, ist von einer veralteten Form dri für drey, nnd verdoppelt das r, . die Scharfe deSToneS zu bezeichnen, dagegen achte, das eine r wegwirft, weil die Scharfe schon ohnehin deutlich genug bezeichnet ist. Wenn die Ordnung vermittelst einer ver-bunde- nen Zahl bezeichnet werden soll, so bekommt nur die letzte das Ordnungszeichen: der ein und zwanzigste, der rausend einhundert und sieden und vierzigste. Eine solche Ordnungszahl, als ein Wort zusammen zn schreiben, der rausendeiichun- derrundstedenundvierzigstc, würde ebenso sprachwidrig, und beleidigend für das Auge, den Geschmack und die schnelle Begreifflichkeit seyn, als bey den Ordnungszahlen, S. §. 262. Wenn man andeuten will, der wie vielste jemand selbst der Zahl nach sey, so setzt man im ge- Ss 5 meinen 65c> i.Th. 2.Abschn. F.Kap. meinen jeden das alte Pronomen selb, das Wurzelwort des selbst, oder auch wohl das ausgebildete felbft der Ordnungszahl vor: selb ander, (nichts» häufig selb zweyte,) selb dritte, selb vierte, oder selbst ander u.s.s. kommen, d. i. mit noch einem, mir noch zweyen, mit noch dreyen, so daß man selbst der andere, dritte oder vierte ist. Die anständigere und edlere Schreibart bedienet sich in diesem Falle lieber einer Umschreibung. Wenn eine Ordnungszahl mit einem Substantive verbunden wird, so stehet sie demselben allemahl vor: das zweyte Hans von hier; es gehet in die dritte N)oche. Nur die eigenen Pcrsonennahmen stehen gemeiniglich voran: Friedrich der dritte; AnIust der zweyte. Die höhere Schreibart kann sie indessen auch hinten sehen: der dritte Friedrich, der zweyte Angust. Da die Ordnungszahlen durch einen ihnen eigenen Ableitungslaut aus "'Umstandswörtern unmittelbar zu Adjectiven geworden sind, ohne erst die Classe der Adverbien durchzugehen, so können sie auch nicht unconcresciert oder als Adverbia gebraucht werden. Man kann nicht sagen zweyr, er kommt viert. Der Ableicungslant ist hier mit dem Concretions- 4aute unzertrennlich verbunden; nimmt man sie weg, so bleibt das bloße UmstandS-oder Zahlwort zwey, vier, übrig. Wohl aber laßen sich durch die Ableitung Adverbia von ihnen bilden, welches vermittelst des adverbischen s und dem Dativ der Ordnungszahl geschiehet: erstens, zweyten?, (im Oberdeutschen andertens,) drittens, viertens, fünf nnd zwanzigstens u. s. f. für zum ersten, Zum zweyten u. s. f. Außerdem laßen sich cmch Substantiv« von ihnen ablsiten, welche einen Theil, und dessen Verhältniß Von den Beyworte. §.319.320. 651 hältniß zum Ganzen bezeichnen. Es geschiehet solches vermittelst der Ableitungssylbe el: ein Zweyte!, die Hälfte, cm Drittel, der dritte Theil, ein Dierrcl, Zehentel, Zwanzigstel, Hundertstel oder Hundertel, Tausendstel, ein Wn und vierzigste! ; wo man, die substantivische Beschaffenheit zu bezeichnen, der ersten Zahl einen großen Buchstaben geben kann, ohne doch da6 Ganze als ein Wort zusammen zu ziehen. S. auch, was von diesen Wörtern schon §. 271. gesagt worden. Zu den Ordnungszahlen könnte auch noch lege gerechnet werden, welches dem ei'st entgegen gesetzt ist, und so, wie dieses eigentlich keine Zahl bezeichnet, sondern nur so viel sagt, daß ein Ding in der Ordnung kein anderes nach sich habe: der leyre Nlann, der lerzre von beyden, die vier lehren Dinge. Den Ordnungszahlen gleicht es auch darin, daß es, das zusammen gesetzte zuleyr (wie zuerst) ausgenommen, nicht als ein Adverbium gebraucht werden kann, denn lcrzr für neulich, ist Niederdeutsch. Wohl aber kann es durch die Ableitung Adverbia geben, leyrens, zum letzten, und leyrs ZicH, neulich, ingleichen zum letzten. §. Z2o. Das Wort ander, wird in einer ge- Von dem doppelten Gestalt gebraucht, sowohl als eine Ord- Worte an» nungszahl, als auch als ein bloßes anderes Ad- jectivum. i. Als eine Ordnungszahl, ist es mit zweyte völlig gleich bedeutend, es mag von zweyen oder mehvern die Rede seyn, und stehet dem ersten entgegen : das andere oder zweyte Vuch Mosis; er kam zum andern oder zweyten Mahle zu mir. Erstlich haben sie meine Vitre anhören Müssen, dieses ist eine Mühe; dann haben sie 652 I. Tl). 2. Abschn. 5. Kap. sich entschließen müssen, dieses ist die andere Mühe; ferner haben sie das Geld dafür nach Berlin geschickt, dieses ist die dritte Mühe/ Gell. Man hat behaupten wollen, daß ander nur alsdann gebraucht werden könne und müsse, wenn von zweyen Dingen die Rede ist, aber keinen andern Beweis dafür angeführet, als den ahn-ichen Gebrauch des Lateinischen slrer. Allein, wie können fremde Analogien der Deutschen Sprache Gesetze vorschreiben? Das Lateinische aker wird in solchen Fallen zweymahl gesetzt, und bedeutet im ersten Falle der erste; etwa so auch das Deutsche anderes Der Abstammung nach sind und ander allerdings verwandt, allein daraus folgt nicht, daß sie sich auch im Gebrauche vollkommen gleich seyn müssen. Ander ist als eine Ordnungszahl im Deutschen von jeher mit zweyte gleich bedeutend gebraucht worden, die Beweise davon findet man in meinem Wörterbuche; indessen gebraucht man es im Hochdeutschen als eine Ordnungszahl seltener, besonders wenn eine Verwechselung mit dem folgenden Adjective zu besorgen ist: den andern (Lag, bestimmter, den zweyten Tag. Im Oberdeutschen ist das Zahlwort von dem Adjectivo schon in der Bildung verschieden, denn da lautet jenes mit dein Biegungölaute für die Ordnungszahlen der änderte, und das davon abgeleitete Adverbium an- dercenö, für zweyrens. 2. Das Adjectivum wird wieder in einer gedoppelten Hauptbedeutung gebraucht, (i) Eines von zweyen zu bezeichnen, im Gegensatze des ein: hier find zwey Ducaten, der eine ist ein Holländischer, der andere ein Ungarischer; einem gefällt dieß, dem andern jenes; ans einer Sprache in die andere übersetzen; einer nach dein andern. Von dem Beyworte. §.320.521. 65z dcrn. Daß es hier keines Plurales fähig sey, gibt schon die Sache selbst, daher die einen und die andern ein sprachwidriger Gallicismus ist. (2) In weiterer Bedeutung, alle übrigen Dinge einer Art äußer einem gewissen bestimmten Individuo zu bezeichnen: es gibt noch ein anderes Murel als dieses; es ist kein anderer da; ein anderes L^Nahl; eine andere Zeit. Besonders Personen außer uns: des andern Fehler ausspähen. Welche Bedeutung sich wieder in mehrere Unterarten verbreitet, welche hier- anzuführen unnörhig seyn würde. Da dieß Wort ursprünglich eine Ordnungszahl ist, so kann es auch nicht als ein Adverbium gebraucht werden. Von dem Adjective läßt sich in einer Bedeutung das Adverbium anders, Oberdeutsch änderst, ableiten; von der Ordnungszahl hat man im Oberdeutschen andcrtens, in andern Gegenden anderns; allein im Hochdeutschen gebraucht man dafür lieber zrvcyrens. Übrigens leiden die Ordnungszahlen alle drey Declinationen der Adjective, nur mit dem Unterschiede, daß sie, ihrer genauen Bestimmung wegen, häufiger mit dem bestimmten, als mit dem unbestimmten Artikel verbunden, und am seltensten ohne alle Bestimmung geseht werden, welches letztere nur in Überschriften zu geschehen pflegt: erster Theil, zrveytes Luch, ftchstes Jahr, siebentes Aas pitel, dritter Tag; für der erste Theil u. f. f. H. Z21. 2. Die gattenden Zahlwörter oder Galtungs- GattunIs;ahlen bezeichnen eine Eintheilung in zahlen. Arten und Gattuugen. Sie sind mit dem alten Genitiv der Grundzahl und den ehemahligen Substantive» Hand und Ley zufammen gesetzt. Da 654 l. Th. 2. Abjchtt. 5. Kap. Da sie, wie schon oben gedacht worden, eigens lich elliptische 2lrten des Ausdruckes sind, aller-» ley Menschen, wie aller Art Menschen; ss können sie höchstens für unachte Adjective gelten, welche daher auch keiner Art von Biegung fähig sind, sondern völlig unverändert bleiben. Mit Hand ist im Hochdeutschen nur noch allerhand üblich; in andern Provinzen hat man noch man- cherhand, vielerhand und so serner. Zahlreicher sind die mitL.ey, sowohl mit bestimmten Grundzahlen : einerley, zvveyerlcy, beyderley, dreyer- ley, zehnerley, zrvanzigcrley, hundercerley, tausenderley u.s. f. als auch mit allgemeinen Zahlwörtern: allerley, mancherley, vielerley, kei-- ncrley. Im Oberdeutscken hat man auch derley, d. i. von dieser Art, dergleichen. Wenn mehr bestimmte Grundzahlen mit einander verbunden werden müssen, so bekommt auch hier nur die letzte das Gattungszeichen: ein und zrvanzigcrley. Daß diese Gattungszahlen so wenig einen Artikel oder ein anderes concrescierteS Bestimmungswort vor sich leiden, als das gleich bedeutende aller Art, zweyer Art Menschen, wird auö derArt ihrer Zusammensetzung begreifflich. Einige können auch als Hauptwörter gebraucht werden, in welchem Falle sie aber gleichfalls unbiegsam sind: das Allerley, die Unordnung dieses Mancherley. Vervlelfal-l §' Z22. z. Die Dervielsttlcigungs? und N>ie-> ngungs- derhohlungszahlen werden mit Mahl zusammen und Wie- geseht, aber auf eine von den vorigen verschiedene derhoh- Wenn eine Grundzahl mit dem Substantivs iungsjah- zusammen gesetzt wird, so kann das Ganze nur als Umstandswort betrachtet werden: ich jagte es zweymahl, man sahe ihn nur einmayl, ze- henmahl, zwanzigmahl, hundert und ein und zwanzig- Von dem Beyworte. §.)22. 655 zwanzigmahl. Soll ein solches Umstandswort zu einem Adjective concrescieret werden, so muß es erst vermittelst der adverbischen Ableitungssylbe ig zu einem Adverbio gemacht werden, ehe es die Concre- tions-^aute annehmen kann: ein.e dreymahlige XViederhohlung, nach nwhrmahliger Rüc'!'^ kehr, ein sechsmaliges Verboth. Da aber das Wort bloß um der Concr^tion willen in ein Adverbium übergegangen ist, so kann es auch hier außer derselben nicht als ein Adverbium gebraucht werden. Folglich kann man nicht sagen, ich komme zweymahlig, ich rviederhohlre es sechsmahlig; zu« mahl da der Verstand selbst hier keine Beschaffenheit, sondern einen bloßen Umstand, erfordert. Indessen lassen sich nur die bestimmten Wiederhoh- lungszahlen dieser Art concrescieren, die unbestimmten, und die, welche ein Pronomen oder eine Präposition vor sich haben , leiden eö nicht ohne Unterschied. Mehrmahl ist mit der Concretion üblich, vormahlig, nachmahlig, nochmahlig, oftmahlig, vielmahlig, abermahlig, kommen im Hochdeutschen seltener vor; allcmahlig, reinmah- ltg, manchmahlig, jemahlig aber gar nicht. Wenn ein Redetheil durch die Zusammensetzung mit Nlahl zu einem Umstandsworts werden soll, so pflegt man ihm zuweilen das adverbische s anzuhangen. So sagt man jemahls, vormahls, nachmahls, nochmahls, oftmahls, mehrmahls; aber allemahl, abermahl, dießmahl, keinmahl, vielmahl, manchmahl. Es scheinet, daß Man dabey die dunkele Regel in Gedanken gehabt, dieses s nur da anzuhängen, wo die Bedeutung oder die Zahl nicht so bestimmt ist. Allein die dunkele Empfindung machte auch hier einige Ausnahmen; denn niemahls und damahls sind doch woh! so be- stimmt. 656 l.TH. 2.Abschn. 5. Kap. ' stimmt, als keinmahl und dicßmahl, und habe» doch ein s; hingegen sind vielmahl und manchmahl, ungeachtet sie eben so unbestimmt zahlen, als oftmahls, ohne s am gebrauchlichsten. Die Zusammenziehnng dieser Wörter höret auf, so bald eine Präposition oder ein anderes Bestimmungswort dazu kommt: zu vier Mahlen, auf fünf Mahl, diese drey Mahle, alle zwey Mahle. Man hat gefragt, welches richtiger sey, dreymahl so lang, oder dreymahl länger. Eigentlich sind wohl beyde noch verschieden. Ein Stück, welches dreymahl so lang ijt, als ein anderes von drey Ehlen, ist nenn Ehlen lang; wenn es aber dreymahl langer ist, so muß es zwölf Ehlen halten. Im erster» Falle wird das Stück, welches zum Maße dienet, mitgerechnet, im letztem nicht- Indesien werden beyde im gemeinen ieben hausig als gleichbedeutend gebraucht. VerdspM 4. Verdoppelungszahlen, welche an-. lungszah- zeigen, wie oft ein Ding genommen werden soll, und len. mit Grundzahlen und dem Worte fact) zusammen gesetzt sind: einfach, zweyfach oder noch häufiger zwiefach, dreyfach, vierfach, zehenfach, fünf und zwauzigfach, hundertfach, tausendfach. Ungleichen mit einigen allgemeinen Zahlwörtern, vielfach, mehrfach, mannigfach. Sie stellen den Umstand ohne Concretion als eine Beschaffen- heit dar, können daher auch als Adverbia gebraucht werden. Für zwiefach ist auch doppelt oder gedoppelt üblich, welches aber nicht Statt fach gebraucht werden sollte, Verdoppelungszahlen zu bilden. Dreydoppclt, verdoppelt u. s. f. für drey- . fach, vierfach, geben einen irrigen Verstand, und bedeuten Von dem Beyworte. §.324.325. 657 bedeuten eigentlich sechsfach und achtfach, weil doppelt schon zwiefach ist. Auch diese Zahlwörter können in allen drey Declinationen der Adjective gebraucht werden, ob sie gleich in der dritten seltener vorkommen: das vierfache Tuch, ein vierfaches Tuch, vierfaches Tuch hält länger. §. Z24. 5. Die Verhält,, ißzahlen, welche ein VerlM- geometrifches Verhältniß ausdrucken, und mildem nipzahlen. Worte faltig, zuweilen auch faltig, zusammen gesetzt werden, übrigens aber in dem Gebrauche mit den vorigen überein kommen: einfältig, welches aber nur noch in einer figürlichen Bedeutung üblich ist, zrveyfälrig, häufiger zwiefaicig, dreyfaltig, in der Theologie von dem göttlichen Wesen, aber ein wenig unschicklich, vierfalrig, zchenfalcig, hundertfältig. Ingleichen mit einigen allgemeinen Zahlwörtern, vielfältig, mehrfältig , mannigfaltig für — faltig. Ursprünglich wurden diese Zahlwörter mit fach gleich bedeutend gebraucht, und noch jetzt werden beyde häufig mit einander verwechselt, zumahl, da diese mit fältig zusammen gesetzten in der edlern Schreibart zu veralten anfangen, daher die Verdoppelungszahlen ihre Stelle vertreten. §. Die Zahlwörter lassen sich überdieß mit Andere sehr vielen Substantiven welche eine Zeit, ein Ge- Wörter die« wicht, ein Maß, eine Beschaffenheit u.s. f. bedeuten, l^Art. zusammen fetzen,welche denn,damit sie zuAdjectiven coneresciert werden können, erst vermittelst der Ableitungssylben ig und lich zu Adverbien gemacht werden müssen: zrveyjührig, dreipfündig, viertägig, fünfmonachlich, fechsfüpig, zrvcyfchnei- dig, siebenblärrerig, achteckig , vicrfarbig, dreyhändig, zrveyfemg u. f. f. Jngleichen mit Adel.D.Spr. Tt einigen 658 i.TH. 2.Abschn. S.Kap. einigen allgemeinen Zahlwörtern: vieleckig, viek-- jährig u. s. f. Die zweyte Hälfte dieser und aller ähnlichen Wörter laßt sich außer der Zusammensetzung selten für sich allein gebrauchen, indem sie bloß um der Zusammensetzung willen zu Adverbien und Adjectiven gebildet worden. Die so genannten Vcrrhcilungszahlen, je zrvcy, je drey, je vier u. s. f. wofür man auch wohl sagt, ;n?ey und zrvey, drey und drey, sind ganze Redensarten, welche daher nicht zu einem oder dcm andern Redetheile gerechnet werden können; es sind bloß umschriebene Grundzahlen. V. Gebrauch der Adjective als Substantive. SnWantl- §. 326. Man kann die Eigenschaft als ein für vifchcr Ge-sich bestehendes Ding betrachten, folglich das Ad- Adverbii^ i^^mri als ein Substantivum gebrauchen, und die ' Eingeschranktheit des menschlichen Verstcuides leh- rete dieses sehr frühe, und lehret eö noch täglich. Es verstehet sich, daß wir hier nicht von denjenigen Substantiven reden, welche durch die Ableitung von Adjectiven, oder vielmehr von Adverbien, gebildet worden, denn von einem Adjective als Adjective, folglich mit Beybehaltung seiner Concretions-Zeichen, kann kein Substantivum hergeleitet werden. Wir haben es hier bloß mit denjenigen Fallen zu thun, da das Adjectivum, so wie eö ist, als ein Substantivum gebraucht wird. Um der Venvaudtschaft willen, wollen wir auch das Adverbium mitnehmen, denn auch dieses kann ohne alle Ableitung in ein Substantivu in übergeh en. Wenn das Adverbium ohne alle Ableitung als ein Substantivum gebraucht wird, so bezeichnet es sehr Von dem Beyworte. §. 326. 659 sehr oft die Beschaffenheit als ein selbständiges Ding, ohne alle Rücksicht auf den Körper, woran sie sich befindet: ein schönes Schwarz, eine schöne schwarze Farbe; ein brennendes Roch; ein glänzendes Grün; das Vlau des Himmels. Noch hanfiger aber ein Ding, an welchem sich diese Beschaffenheit befindet, welches alsdann gleichsam als ganz Beschaffenheit dargestellet wird. Dahin die Nahmen der Farbenkörper, 2^einschwar;, Gfen- schwarz, Dcrlmerblau, Aergblau, ^eerklau, Kupferblau, Kupfergrün, ^erggrün, L>la- sengrün, Grobgrün, Vraunroth, Äergroth, Lederweiß, Dleyweiß, Gchieferweiß; die Pflanzennahmen, Immergrün, Sinngrün,Tau-- sendschön, Licrersüß, Liwgeljüß, 2lUgur, Viel- gur; ferner Eyerklar, L^yweij), Bibergeil; die im gemeinen ieben üblichen Hasenklein, Ha- senschrvarz, Gänscklcin, Gänseschwarz; die Weinnahmen, Gutcdel, Schwarzroth, u. s. f. die poetischen das Rund der L^rde, das ITlaß, das Dunkel; die Sprachnahmen, das Deutsch, Französisch, Griechisch u. s. f. und die vielen übrigen Substantive, welche mit ihren AdverbiiS gleich lauten, und ursprünglich nichts als Adverbia sind, indem es in der Kindheit der Sprache sehr natürlich war, die Beschaffenheit sogleich zum Nahmen des Dinges zu machen, an welchem man sie bemerkte: das Gut, Übel, Fett, Recht, Unrecht, das jetzt veraltete Falsch, Heil, von dem noch Niedersachsischen hei!, ganz, gesund, 5Vc>l?l, Angst u. s. f. Alle diese Wörter, einige wenige der eben gedachten alten ausgenommen, sind sachlichen Geschlechtes. Indessen lassen sich nicht alle Adverbia ohne Unterschied substantive gebrauchen, sondern es kommt dabey auf den Gebrauch an, des- T t s sen ^ . 66o i.TH. 2.Abschn. 5.Kap. sen Umfang sich doch hier im gemeinen ieben weiter erstreckt, als in der edlern Schreibart. Es ist nur die Frage, wie man dergleichen Wörter decliniren soll. Die alten schon seit der Kindheit der Sprache als Substantive gangbaren Adverbia sind nicht mehr streitig, weil sie, wie ein jedes anderes Substantivum,decliniretwerden; wohl aber, die, welche in den neuern Zeiten ausgenommen worden. Sollen sie der Analogie der ältern folgen? oder gehören sie unter die Regel, daß ein jeder anderer Redetheil, wenn er substantive' gebraucht wird, unabänderlich ist, wie das Nichts, ein Etwas, mein Ich, ein Aber u. f. f. Im erstem Falle müßte man sagen, der theure preis des Derli- nerblaues, der Glanz des Blaues des Am- mels, dem Runde der Erden, die Flüssigkeit dieses Eycrklares, das Fehlerhafte seines Deutsches, die Reinigkeit seines Französisches, Griechisches; im lehtern aber, der theure preis des Berlinerblau, der Glanz des Blau des Himmels, dem Rund der Erde, das Fehlerhafte seines Deutsch u. s. s. Der Gebrauch hat hier nichts entschieden; zwar sagt man, die Schwere des Bleyweisses, die Flüssigkeit des Eys weijses, allein bey vielen andern widersetzt sich das Gehör. Sie als Adjective zu decliniren, würde ganz unschicklich seyn, weil sie keine Adjective sind» Wer die schöne Farbe des Bergblauen, die Arten des Zxupfergrünen, die Tausendschöne, die Reinigkeit seines Deutschen, Griechischen u. s. f. sagt, muß auch iin Nominative, das Berg- blaue, Rupfergrüne, Tausendschöne, Deutsche, Griechische sagen, welches in manchen Fällen wirklich üblich ist, in manchen aber auch nicht. Es scheinet daher am sichersten zu seyn, alle diese in den Von demBcyworte. §.527. 66, den spätern Zeiten als Substantiva üblichen Adverbia , so fern sie in der substantiven Declination nicht schon allgemein üblich sind, völlig unveränderlich zu gebrauchen. S. auch §. 216. H.Z27. Die Adjectiva als Adjectiva, folglich mit Männliche ihren Concretions- und Biegungszeichen, lassen sich und wcibli- in allen drey Geschlechtern als Substantiva beugen, He Adjectiva sie denn im Männlichen und weiblichen Geschlech- ^ al6>sub- te Personen bezeichnen, welche die genannte Eigen- schaft an sich haben. In der Declination unterscheiden sie sich alsdann von den Adjectiven nicht, sondern werden nach allen drey Arten ihrer Declination gebeuget, nachdem das Bestimmungswort ist, welches vorher gehet, oder nachdem sie ohne alles Bestimmungswort gchraucht werden. Erste Art, mitBestimmungswörtern mit vollständigen Biegungszeichen. Singularis, Masc. Fämin. Nomin. der N?eise. die Schöne. Genit. des XVeisen. der Schönen, (nicht Schöne). Dat. demLVeisen. der Schönen. Accus. den Nielsen, die Schöne. Pluraliö, Masc. Fämin. Nomin. die tVeiscn. die Schönen. Genit. der^Veisen. der Schönen. Dat. denvveisen. den Schönen. Accus. die tVeisen. die Schönen. So auch der Oberste, der Bediente, die Bediente, der Gelehrte, die Gelehrte, der Liebste, die Liebste, (welches Fäminlnum von T r z einigen 662 i.TH. 2. Abschn. 5. Kap. einigen irrig als ein Substantivum, folglich im Singular unverändert, decliniret wird, der Liebste,) der VVeltweise, die lVclrrveise, der Verwandte u. s. f. Den Fämininis dieser Art noch ein inn anhangen, ist ein fehlerhafter Überfluß; folglich nicht Verrvandtinn, Vekanntinn, sondern Verwandte, Bekannte. Zu diesen Bestimmungswörtern mit vollständigen Biegungszeichen gehören denn auch die Adjective, wenn sie vor einem solchen Substantivo zu stehen kommen, da sie denn selbst, wenn sie kein anderes Bestimmungswort vor sich haben, in der dritten Declination der Adjective, das Substantivum aber eigentlich in der ersten stehet. Der Singular ist hier, den Vocativum ausgenommen, selten, häufiger der Plural: großer TVeisen Ehre, armer Gelehrten Binder. Im Nominative des Plurals sollte das Substantiv daher hier billig ein n bekommen: große Gelehrten, vortreffliche weisen, gepriesene Schonen, berühmte lVeltrvei- sen. Das Fämininum bekommt auch dieses n jederzeit; allein im Masculino ist das bloße e sehr häusig, und vielleicht auch richtig, so bald man den schon bey den Adjectiven in diesem Falle bemerkten . Gebrauch, die Nominative gern gleichlautend zu machen, gelten läßt. Wenn man richtig sagt, große vortreffliche Männer, für große vortrefflichen Männer, so sagt man auch richtig, große Gelehrte. Da der Vocativ im Deutschen dem Nominative gleich ist, so ist er es auch hier, selbst mit Beybehaltung der eben gedachten Gleichförmigkeit in der Endung. Also großer Gelehrter! berühmter Weiser! theuerster Oberster! gepriesene Große! x Von dem Beyworte. §.327. 66z ße! theuerste Aleine! englische Schöne! jum ge Schönen! Und nicht großer Gelehrte! Daß das Famininum hier von der Gleichförmigkeit mit dem Adjective- abgehet, rühret ohne Zweiffel daher, um es von dem Singular Zu unter- scheiden. Junge Schöne, würde unentschieden lasten, ob eine oder mehrere geineinet ist; junge Schönen aber hebet alle Mißdeutung. Ich hatte mich bisher von einem Oberdeutschen Sprachkenner, welcher die Sache tiefer als andere geforscht zu haben vorgab, verleiten lasten, diesen Vocativ als eine Abweichung von der Regel anzusehen, daß der deutsche Vocativ dem Nominative gleich sey. Allein bey genauerer Prüfung ist diefe Ausnahme irrig, und die Regel bestehet noch, und zwar so allgemein, als je eine Regel gewesen ist, und seyn kann; wenn man nur den Satz als richtig gelten laßt, daß, wenn ein Adjectivum die vollständigen BiegnngSzeichen annehmen muß, alle folgende, folglich auch das als Substantiv gebrauchte Adje- ctiv, dieselben im Nominative annehmen; mein guter alter ehrlicher Varer, und nicht mein guter alte ehrliche Vater, zroey gute alte ehrliche Väter, und nicht zrvey gute alren ehrlichen Väter. Folglich auch, großer Gelehrter! theuerste Aleine! und nicht großer Gelehrte! theuer-? sie Rleinen! Daß das Famininum im Plural davon abweicht, geschiehet, wie schon gedacht, zur Vermeidung aller Dunkelheit, indem die höchste mögliche Verständlichkeit allen dawider streitenden Regeln vorgehet. Zweyte Art, wenn das Bestimmungswort mangelhafte Biegungslaute hat, da denn das Substantiv in den Endungen, wo jenes mangelhaft ist, Tt 4 diese, ^ 664 1. Th. 2. Abschn. 5. Kap. diese, wie ein anderes Adjectivum, selbst annimmt, in den ,'ibrigen Endungen aber nach der vorigen Art gehet. Bn Oberster, dein Gelehrter, meine Scbonc; aber, eines Obersten, deines Gelehrten, meiner Schonen; vier Gelehrte, drey Dediente, mein Deutscher! du Weiser! rvir Gelehrten, ihr Großen, ihr welrweisen. Da außer den bestimmten Zahlwörtern und etwa viel und roeniI alle übrige Bestimmungswörter, folglich auch die persönlichen Pronomina, im Plural vollständige Biegungslaute haben, so bekommt das Substantiv alsdann ein n: unsere Gelehrten, eure Schönen, ihre bedienten. Nur daß einige allgemeine Zahlwörter auch hier eine Ausnahme machen: alle Große, viele Gelehrte. Fort- §. Z28. In der dritten Art der Declination seynng. Adjective, wenn gar kein Bestimmungswort vorher gehet, ist im Masculino und Fäminino nur allein der Vocativ üblich, weil die übrigen Endungen, wegen der individuellen Bedeutungen des Wortes, ein oder das andere Bestimmungswort nochwendig machen. Der'Vocativ lautet auch hier, wie der Nominativ lauten müßte: Weiser! Gelehrter! Oberster! Wenn einigeWörter dieser Art, mit Auslassung des bestimmten Artikels, als eigene Nahmen gebraucht werden, so müssen sie allerdings nach dieser Form gebeuget werden: Beklagter antwortete, für der Äellagte; geklagten Aussage nach, für des ^.eilagren; Oberster Mellvill an Ca- rolina will, nicht Oberst Mellvill, auch nicht Oberste d^cllvill; so gemein es auch ist, an diesem Worte alle Biegungssylben abzubeissen. Man merke beyläufig die falsche Schreibart Obriste für Oberste; Voll dem Beyworte. §. 329. 665 Oberste; sagt man doch nicht der «Vbrire, der Vordrisre, derUncriste. §. Z29. Das Neutrum des Adjectives bezcich- Substanti net die Eigenschaft eines Dinges, als etwas selb- Gestandiges, und wird alsdann gleichfalls in allen drey Declinationen der Adjective gebraucht, obgleich in ' der dritten am seltensten. In der ersten, wenn Bestimmungswörter mit vollständigen Biegungszeichen vorher gehen: das Große, das Erhabene, das Edele, dieses Verwcsliche an uns, rvie habt ihr das Eitle so lieb! alles Gute an dir, alles Liebe und Gute, nicht mit dem großen Haussen, alles Liebes und Gutes, manches Verächtliche, das unförmliche Ganze. Frvcyce Art, wenn die Bestimmungswörter unvollständige Biegungszeichen haben: das macht noch kein Ganzes aus, dein Gutes, sein Äußeres, viel Gutes, etrvas Großes, Schönes, Vortreffliches. Mit dem unbestimmten Artikel werden dergleichen Substantive nur selten gebraucht, vermuthlich weil eil' so sehr abstracterBegriff, wenn er selbständig gebraucht werden soll, der genauen Bestimmung seiner Selbständigkeit nicht entbehren taun. Zwar sagt man, ein Mehreres lässet sich davon nicht sagen, ein Übriges thun, das ist mir ein Geringes, einzeiliges. Ein Kleines ist veraltet, und ein Vieles, ein Großes, und andere ähnliche mehr haben den ganzen Sprachgebrauch wider sich, so sehr sich auch Gottsched und seine Schule bemüheten, sie in den Gang zu bringen; zum Beweise, daß die Analogie dem Sprach- gebranche in allen Fällen nachstehen muß. T t 5 Dritte 666 r. Tl). 2. Abschn. 5. Kap. Dritte Art. Diese kommt, um der eben ge« dachten nothwendigen genauen Bestimmung willen, nicht vor, eö müßte denn erwa einmahl einem Dichter einfallen, eine solche Eigenschaft zu personificiren und sie im Vocative anzureden. Da der Begriff hier sehr abstract ist, und die ganze Eigenschaft, als ein untheilbares Ganzes betrachtet wird, so leiden die Substantiv« dieser Art auch keinen Plural. In den zusammengesetzten Fallen folgt das zu einem Substantive erhobene Adjectiv, es sey nun das Masculinum, oder das Fämininum, oder auch das Neutrum, dem Adjective in eben denselben Fallen. Gehen ein oder mehrere Adjective vorher, und das erste Adjectivum nimmt die vollständigen Bie- guügszeichen an, so bekommen im Nominative des Masculini, und im Nominative und Accusativs des Nentrius, alle übrigen dieselben, und folglich auch das als ein Substantiv gebrauchte Adjectiv: eingründs licher ticfdenkender Gelehrter, du großer uns jte-Micher NX'ijcr! Da im Plural der persönlichen Pronominnm vollständige Biegungslaute angenommen werden, S. §. 298 und zoo, so sollte es im Vocative auch hier heissen: ihr großen unsterblichen TVeisen, wie man ganz richtig sagt, wir Gelehrten; so gern man hier auch das n zu verbcissen und ihr große Meisen, rvir große Gelehrten, zu sagen pflegt. So auch im Singular des Neutrius: ein großes herrliches Ganzes, ein unförmliches Ganzes. Unterschied §. zzo. Hieraus ergibt sich zugleich der Unterkiefer Sut>- schied dieser in Substantivs verwandelten Adver- stantivevml Adjective von den'durch die Ableitung ge- stmctis ödeten AbstractiS; obgleich dieser Unterschied oft so Von dem Beyworte. §.zzo. 667 so fein ist, daß er gar leicht fibersehen werden kann, und häufig genug übersehen wird. Das Adverbium bezeichnet die Beschaffenheit überhaupt als selbständig, doch ohne eine andere Bezeichnung der Selbständigkeit, als welche das Bestimmungswort gewähret; das abgeleitete Abstractum hat ein sichtliches Kennzeichen der Selbständigkeit mehr, und bezeichnet überdieß gemeiniglich auch den Zustand: das Schwarz und die Schwärze. Das sächliche Neutrum nimmt die Eigenschaft von einem Dinge und stellt sie selbständig dar, sowohl in Beziehung auf dieses Ding als auch überhaupt: das Schwarze. So auch das Schön in Tausend? schön, ein Ding, welches gleichsam ganz schön ist; die Schöne, eine schöne Person; das Schöne, dasjenige, was an einem Dinge schön ist; das alte Abstractum die Schöne, und das neuere die Schönheit, der Zustand, da ein Ding schön ist, und nach einer Figur auch eine schöne Eigenschaft, oder etwas Schönes an einem Dinge^ Wenn man alles zusammen nimmt, was bisher von der Declination nicht allein der Adjective, sondern auch der übrigen Bestimmungswörter deö Substantives, gesaget worden, so erheller daraus, daß hier im Deutschen noch die meiste Schwierigkeit, Verwirrung und Ungleichheit herrscht. Aber es kann auch nicht wohl anders seyn. Da es den Erfindern und nachmahligen Ausbildern unserer Sprache gefiel, an den Bestimmungswörtern des Substantives so feine Unterschiede und Bestimmungen zu bemerken und auszudrucken, welche dem geübtesten Verstände zu schaffen machen, und welche zu be. zeichnen kein anderes bekanntes Volk sich einfallen ließ: so mußte die dunkele Empfindung der Ähnlich, keit, welche sie nur allein bestimmen konnte, sie hier noth- 66g i.TH. 2.Abschii.5.Kap. V.d.Beyw. nothwendig oft irre führen, und in dem Fortgange der Zeit, da sich mit der Ausbildung und Verfeine, rung der Sprache auch viel von dein ersten dunkeln Gefühle verlieren mußte, häufte sich die Verwirrung noch mehr, die bisherigen Sprachlehren unterhielten sie, weil sie leicht über diefe ganze Lehre wegeil» ten, kaum den zehnten Theil der dahin gehörigen Fälle anführten, und sich noch weniger angelegen seyn ließe«?, den Gründen dieser ganzen Declination und ihrer Abweichungen nachzuspüren. Ich hoffe beydes geleistet zu haben, und überlasse es der Nation, ob sie nach deutlicher Erkenntniß dessen, woraus es hier nach ihren eigenen dunkeln Gesehen ankommt, es für nöthig halten wird, hier ein wenig mehr Simplicität und Gleichförmigkeit einzuführen, weil die fönst so verwickelte Declination der BestimmlmgSwörter dein Ausländer desto schwerer fallen muß, da sie den Eingebornen so oft mißlinget. Das vornehmste würde dabey darauf ankommen, daß alle oder doch die meisten Ausnahmen weggeschaffet würden, welche die Allgemeinheit des Grundsatzes einschränken: daß die vollständige Viegung an den Bestimmungswörtern, wenn sie dessen fähig sind, nothwendig einmahl, aber auch nicht mehr als einmahl, bezeichnet werden muß. Besonders müßte man die allgemeinen Zahlwörter, so fern sie jetzt schon vollständige Biegungszeichen annehmen, den übrigen Bestimmungswörtern gleich machen, und nicht mehr alle vortreffliche Männer, viele schöne Häuser sagen. Doch ich will hier nicht wiederhohlen, weil dicfer ganze Abschnitt fchon weitläufig genug gerathen ist. Sechstes 669 ^.ü?^ Sechstes Kapitel. Von dem Pronomine. Inhalt. Erklärung der PtononnnuM, Zusammenzielning Mit eini- S. ZZI. ZZ2. Emtheilung derselben, z. zzz. 334. Ihre Declination, §.zzz. i. persönliche Pronomina^ S- Z36-35<-. Erklärung derselben, Z.zz6. 33?> Ihre Declination, 338. Gebrauch der bestimmten Pronominum dieser Art, z. ZZ92Z42. Von dem bestimmten es, §. 343. Nähere Bestimmung der ersten, Z. Z44. Pronomen reciprocum, §. 345. Von jemand und niemand, §. Z46. 34?. Won dem ei» als einem Pronomine, §. 348. Von man, Z. 349- Von deni unbestimmten es, S. 35o. L. possessive Pronomina, §. 35I-35Y. Erklärung derselben, Z. 35^. Flerion nach dem Geschlecht te, §. 352. Ihre Declination, §. 35z. Fehlerhafter Gebrauch derselben, S. 354. gen Substantiven, S.Z55. Von dem Iln-o, S- 356. Absoluter Gebrauch der Possessiven, Z. Z57. Ihre Bestimmung durch ei?c», H, ZZ8. Mstracrc Pcsscssiva, §,35?. I. Demonstrative Pronomina, Zj. Zü^ 7 Zü/. Ihre Erklärung und Declination, ö, 360. Erklärung des dieser, Z.z6i. Des jener, Z. 362.363. Von dem Demonstrativs der, §, Z64. Züz. Fehlerhafter Gebrauch desselben, tz. 366. Dessen Insammeuziehung mit Partikeln, z.367. 4. Determinative Pronomina, §. Z58- 373. Ihre Erklärung, Z6z. Von dem der, Z. 36Y. Von derjenige, §, 370. Von derselbe, Z. ?7i. Vmr solcher, Z. 372. Fehlerhafte Pronomina dieser Art, S. 373- z. Relarive Pronomina, §. Z7^-z^o. Ihre Erklärung, §. 374- Von / ^ > 670 i.TH. 2.Abschn. 6. Kap. Von dem welcher, z. Z75. 6. Fragende Pronomina, Vondcr,^3?^'. Z. 381-3^4. Von wer, §. 377. Ihre Erklliruna, §. 351. Von was, Z. Z?8. Don dem wer, § 382. Von den, relativen so, §.Z7y. Von welcher, g. 3zz. Von dem wo, Z. 380. Von was, Z. 334. §. ZZi. SrMrung 6?^,aS Adjectivum, bestimmte die Eigenschaften des derselben, Substantives, der Artikel und das Zahlwort aber die Zufalligen Umstände der Selbständigkeit und des Umfanges. Allein damit find noch nicht alle mögliche Bestimmungen des Substantives erschöpfet, sondern es sind noch mancherley zufällige Umstände der Person, des Besitzes, des O'-teS u.f.f. übrig, welche sehr oft noch bestimmt werden müssen, wenn die Rede die gehörige Deutlichkeit erhalten soll, und mit einem Worte bestimmet werden muffen, wenn sie nicht schleppend und weitschweifig werden soll. Die Wörter, welche diese veränderlichen Bestimmungen ausdrucken, nennet man von Alters her Pronomina, und im Deutschen nach einer buchstäblichen Übersetzung Fürwörter, und erkläret sie nach Maßgebung dieser Nahmen durch Wörter, welche für und an Statt der Substantive stehen, und deren Stelle vertreten. Es ist eben nicht viel Scharfsinn nothwendig, das Fehlerhafte sowohl in dieser Benennung, als auch in der darauf gebaueten Erklärung, zu bemerken. Freylich wird bey ich, du, er u. s. f. das Substantivum gern weggelassen, weil es als bekannt voraus gefetzt werden kann; allein das geschiehet nicht immer, weil man auch sagt, ich, Aönig, du Dccriegcr. Bey den übrigen Pronominibus ist diese Vertretung noch zufälliger, und findet über. Haupt bey allen nicht mehr Statt, als bey allen übrigen Von dem Pronomine. §. M. 671 gen Bestimmungswörtern des Substantives. Da sie nun an keinem derselbe» etwas Beständiges ist, so kann sie auch für kein charakterisches Merkmahl angenommen werden, und also weder zum Grunde der Benennung, noch der Erklärung der Pronomi- num dienen. Indessen ist es nicht schwer, diesem Irrthume auf die Spur zu kommen, und zu errathen, was denselben veranlasset. Anfänglich kannte man vermuthlich keine andern Pronomina, als die persönlichen, und da diese gemeiniglich an Statt des Nahmens der Dinge gesetzt werden, so war es leicht zu verzeihen, daß man sie darnach benannte, zumahl da die Grammatik, als eine freye Kunst, es einmahl herzebracht hatte, leicht über der Oberstäche weg zu urtheilen. Man fand aber bald, daß cö Bestimmungswörter gebe, welche noch andere Verhältnisse bezeichneten; weil man nun nicht wußte, was man mit ihnen anfangen sollte, und sie doch auch zuweilen die Stelle der Substantiv? vertraten, so rechnete man sie nach und nach zu den PronominibuS. Das Pronomen ward also ein allgemeines Fach, worein man alles warf, was sich nicht schicklich zu einem der andern Redetheile rechnen lassen wollte. Dabey blieb der alte Nahme, so wenig er auch nunmehr weiter darauf paßte. Es wird auch in der That so leicht nicht seyn, einen schicklichen allgemein nen Nahmen für dieselben zu erfinden, da sich nicht einmahl ein anderer bestimmter Begriff von ihnen wird geben lassen, als daß es Bestimmungswörter des Substantives sind, welche alle übrigen zufälligen Verhältnisse desselben außer der Selbständigkeit und dem Umfange ausdrucken. Ich habe daher den einmahl gangbaren Lateinischen Nahmen behalten, weil er bereits so bekannt ist, daß man an dessen 67» i.TH. 2.Abschn. 6. Kap. sen buchstäbliche Bedeutung nicht mehr denkt, welches bey dem Deutschen noch dazu unschicklich zu- sammen gesetzten Nahmen Fürwort nicht Statt findet. Verlangt man ja einen Deutschen Nahmen, so kann man sie Personen-XVörter oder persönliche Bestimmungswörter nennen, weil das Verhältniß der Person doch das vornehmste ist, welches sie bezeichnen, und diejenigen, welche das Verhältniß des Besitzes, des OrteS u. s. s. ausdrucken, dasselbe doch immer aus die Person zurück führen, und, wie besonders die Possessiva, die Person zugleich mit bezeichnen. Fort- §. zz2. Die Pronomina bezeichnen keine Eigen- setzung. schaften, weil sie sonst Adjectiva seyn würden, sondern gewisse zufällige und veränderliche Verhältnisse, in welchen sich das selbständige Ding in dem Augenblicke der Rede befindet. Derjenige, welcher jetzt spricht, folglich ich ist, kann in dem nächsten Augenblicke der angeredete, folglich du, und im nächst folgenden der abwesende Gegenstand der Rede, folglich er, sie, es senn; was in diesem Augenblicke mein ist, kann im nächsten dein oder sein seyn; ein Ding, welches diefen Augenblick durch dieses bezeichnet wird, kann im nächsten jenes seyn. Daraus, daß die Pronomina zufällige Verhältnisse ausdrucken, folgt zugleich, daß sie ursprünglich Umstandswörter sind. Allein da sie Umstandswörter sind, welche den Umstand nicht an und für sich und als außer dem selbständigen Dinge befindlich, sondern demselben einverleibt, darstellen sollen, so sollten sie auch billig conerescierc seyn. Allein eS findet sich dabey eben die Ungleichheit, welche wir schon bey den Zahlwörtern bemerket haben; die dunkele Empfindung predigte hier nicht in. allen Fällen laut Von dem Pronomme. §.M.zzz. 67z laut genug, daher sind einige'Pronomina mit vollständigen ConcretionS-Zeichen, andere nur mit mangelhaften versehen worden, und noch andere werden ohne alle Concretion als bloße Umstandswörter mit dem Substantive verbunden. Die vollständige Concretion haben dieser, jener, der, derjenige, derselbe, selbiger, solcher und welcher; die mangelhafte, welche sich nur auf einige Casus erstreckt, die persönlichen ich, du, er, roir, ihr, sie, alle Pos. sessiva, die abstracten abgeleiteten ausgenommen, und roer; gar keine haben . an, es, rvas und so, daher sie auch keiner Biegung fähig sind, und nur in einigen Endungen gebraucht werden können. §. ??Z. Der zufällige Umstand, welchen diePro- Emthei- nomina bezeichnen, ist eigentlich von gedoppelter luug der Art, der Umstand der Person und des OrteS, daher Pronomi- auch die Pronomina eben fo verschieden sind: 1. Der Umstand der Person, ob es die redende, oder die angeredete, oder auch die ist, von welcher man als abwesend spricht; lind zwar auf gedoppelte Art: (1) Der bloße Umstand der Person, ohne allen andern Nebenbegriff. Er gibt die Pronomina personalia oder Personen-Wörter im engsten Verstände, welche weiter nichts, als den zufälligen Umstand der Person, bezeichnen. (2) Der Umstand der Person in Beziehung auf den Besitzstand, oder des Eigenthums zugleich in Beziehung auf die Person; daher die possejsi, va oder zueignenden Pronomina, oder noch kürzer, ^esiyrvorcer. 2. Der Umstand des Orts, in welchem sich ein selbständiges Ding befindet, und zwar wieder auf gedoppelte Art: Adel. D.Spr. U u (i)Der 674 i-TH. 2.Abschn. 6. Kap. (1) Der wahre Ort im Augenblick der Rede; daher die Demonstrativ«, Zeigervörrer. (2) Der Ort, welchen ein Ding im Zusammenhange der Rede einnimmt, wo wir im Deutschen zweyerley Pronomina haben. (a) Solche, welche das Ding vorläufig ankündigen, auf welche ein Prädicat zurück geführet werden soll, Determinativa; und (b) Solche, welche ein Prädicat wirklich auf das vorher bezeichnete Ding zurück führen, Relativ«, Beziehungswörter, welche, wenn sie zu Fragen gebraucht werden, (c) die Interrogativa oder Fragewörter geben. Hoffentlich ist diese Eintheilung der Natur der Sache und den deutlichen Begriffen, welche man sich von diesen Bestimmungswörtern machen muß, gemäßer als die, welche man in den bisherigen Sprachlehren antrifft, wo man die Determinativ« gar nicht kennet, sondern sie mit zu den Demonstra- tiviö rechnet, ob sie sich gleich sowohl in der Bedeutung, als in dem Gebrauche, merklich von ihnen unterscheiden. ^ Es erhellet hieraus zugleich, daß diejenigen Wörter, welche man zu den PronominibuS rechnet, zwar in jeder Sprache genau bestimmt sind, aber nicht überhaupt. Der Umstände, in welchen sich ein selbständiges Ding befinden kann, sind sehr viele, und es kommt auf ein jedes Volk an, welche Art von Umständen es für sich allein durch bloße Umstandswörter ausdrucken, oder welche es dem Substantive als einverleibt darstellen will, ohne sie doch zu Adje- ctiven zu erhöhen. -DerUmstand der Person ist da» bey der auffallendste und nothwendigste, daher wohl kein« Von demPronomine. §.zzz.??4. 675 keine Sprache denselben verkannt hat; der Umstand de6 Ortes ist nicht weniger merklich. Allein den Umstand der Zeit, nebst so vielen andern Umstanden haben sowohl die Deutschen, als andere Völker, übersehen, daher sie denselben entweder durch bloße Umstandswörter ausdrucken, oder das Umstandswort nach vorher gegangener Verwandelung in ein Beschaffenhsitswort, zu einem Adjective con- crescieren: heur, der hem-ig ^ e Cag. Hatte es ihnen gefallen, das Umstandswort unmittelbar zu concrescieren, und z.B. heurcr zu sagen, so würden wir es mit allen ähnlichen mit unter die Pronomina aufnehmen müssen, und alsdann eine neue Classe bekommen. §. ?Z4. Eine andere Art der Eintheilung macht Fort- die Art des Gebrauches. Einige vertreten zugleich setzung. die Stelle des selbständigen Dinges, und suw folglich wahre Nahmen der Dinge, doch nur für den Augenblick der Rede weil sie von einem bloß zufalligen und veränderlichen Unistande hergenommen sind. Dergleichen sind die persönlichen Pronomina, ich, du, er u. s. f. und, wenn man will, auch die abstracten Possessiva der Meinige u. s. s. welche daher Pronomina Substamiva genannt werden. Andere sind zunächst nicht zu solchen Nahmen bestimmt, sondern sollen nur den Umstand dem selbständigen Dinge als einverleibt darstellen, und heis- sen daher Pronomina Adjectiva. Sie werden auf gedoppelte Art gebraucht, indem sie ihr Sub- srantivum entweder unmittelbar bey sich haben, in welchem Falle sie Consuncriva genannt werden, oder ohne dasselbe stehen, sich aber doch auf dasselbe beziehen, und alsdann heissen sie Ädjölma. Uu 2 §. ZZ5. 676 i. Th. 2.Abschn. 6. Kap. Ihre Fle- §. ZZ5. Da die Umstände der Person und des »ion. Ortes hier dem selbständigen Dinge als einverleibt dargestellet werden, so muß diese Einverleibung, der Gewohnheit der Deutschen Sprache nach, durch den Coneretions -iaut an ihnen bezeichnet werden. Da es ferner im Deutschen üblich ist, daß alle concre- scierte Bestimmungswörter des Substantives demselben in allen Verhältnissen, Zahlen und Geschlechtern folgen, so gilt dieses auch von den Pronomini- buS, nur daß die Ungewißheit der dunklen Empfindung hier viele Ausnahmen veranlasset hat. i. Persönliche Pronomina. Ihre EM- §. z?6. Die persönlichen Pronomina be- rung. zeichnen den Umstand der Person in dem Augenblicke der Rede nach den drey Verhältnissen der ersten, zweyten und dritten Person. Sie bezeichnen dieses Verhältniß allein, aber auch so genau, daß oft kein anderer Nahme des Dinges nöthig ist, in, dem sie als eigene Nahmen für den Augenblick der Rede angesehen werden können, welche von dem zufälligen Umstände der Person hergenommen sind. Das Wort Person wird demjenigen keine Bedenklichkeit verursachen, welcher auf den ersten Ursprung der Sprache, und den rohen sinnlichen Zustand des Volkes zurück siehet, bey dem sie entstand. Dem Verstände ist in seiner Kindheit alles lebend, we. bend, handelnd und wirkend, alles ist ihm Person. Daher der weit ausgedehnte Gebrauch der persönlichen Pronominum, welche von allen Dingen in der Welt gebraucht werden können. Was dieBildung der persönlichenPronominum betrifft, so sind sie die ehrwürdigsten Überreste der Kindheit des Verstandes und der Sprache. Man übersehe Von dem Pronomine. §.z?6. 677 übersehe auf einen Augenblick die Pronomina der bestimmten drey Personen, so muß nicht allein ihre eigene Ungleichheit, sondern auch ihre abweichende Declination, gar sehr auffallen, und das bemerkt man an ihnen nicht bloß in der Deutschen, sondern fast in allen andern bekannten Sprachen. Diese Erscheinung läßt sich indessen leicht erklären, wenn man auf den Ursprung der ganzen Sprache zurück siehet. Der Umstand der Person war einer der ersten, welcher in jeder Sprache ausgedruckt werden mußte, weil die Absicht der Sprache, dem andern seine Gedanken und Bedürfnisse hörbar zu machen, sie von dem ersten Anfange an unentbehrlich machte. Ihr Ursprung fällt also ganz in den frühesten und sinnlichsten Zustand eines Volkes. Allein, da es hier von keinem Naturlaute geleitet werden konnte, so mußte die Empfindung, welche diese Wörter bildete, überaus dunkel seyn, t^lgldtus, ein Sprachlehrer, hatte schon etwas davon gewittert, nur daß er nicht ganz auf den Grund kommen konnte. ^0/, sagte er, cum äicimux, motu c^uocism c>ris cou- veuients cum iplius vsrbi ciemouitrstidue utimur, et Isoiss leulun orimorez emovemus, ac spiritum stc^ue auimum oorro verlum et z»6 eoz, c^uibuscum /ermociusmur, mteuuimu;. ^t coutig cum cjici. muz no/, necme protulo iuteuto^ue t^stu vociz nc- c^ue projsälis laiziix pronuutigmux; lcu et sjiiritum et labiax c^usll iutra uo5met iptv!> coeiccmus. ^oc iuem üt et in sc> c^uou uicimu5 eA», et //ö? et ^sm t'icuti, cum sanuimuz, et 2vuuimus, motus c^uiäzm ille vel cgvitiii vel oculorum Ä ua. turarei, c^usm kiAuilicgt, nc>u sbliorret, »ta in uis vociliuz c^usli ^eltu« c^uiägm oris^ et spiritus nstu- rsli» el^. Der ehrliche Gellius, der diese Stelle B. ic>, Kap. 4 anführet, und von alle dem vermuth- Uu z lich 678 i.TH. 2. Abfchn. 6. Kap. lich nichts verstand, fand das sehr drollig, 1ej)iaum et feilivmn. Eben diese dunkele Empfindung Zeiget sich auch in den übrigen CasibuS eines jeden Pronominis, indem sie nicht auf die gewöhnliche Art aus dem Nominative gemacht werden, sondern sehr oft eigene Wnrzelwörter sind, zum deutlichen Beweise, daß man von dem Begriffe, welchen sie ausdrucken sollten, nur einen überaus dunkeln Begriff hatte. Man bemerkt eben dasselbe an dem eben so alten Verbo sey», davon an seinem Orte. Zugleich bemerkt man eine seltene Übereinstimmung der persönlichen Pronominum, nicht nur in allen abendländischen, sondern auch den meisten west- und nord-Asiatischen Sprachen, zum deutlichen Beweift, entweder einer gemeinschaftlichen Abstammung von einem und eben demselben Volke, welche aber schon in die frühesten Zeiten des menschlichen Geschlechts fallt, oder auch der natürlichen Einförmigkeit derjenigen dunkeln Empfindung, welche diefe Wörter bey so verschiedenen Völkern auf eine so ahnliche und übereinstim- mige Art gebildet. Ihre Sin- ' §.???. Die persönlichen Pronomina bezeichnen theilung. den Umstand der Person für den Augenblick der Rede, und dieser kann nicht mehr als dreyfach seyn: der Umstand derjenigen Person, welche spricht, die erste Person, derjenigen, zu welcher gesprochen wird, die zrveyre, und die abwesende Person oder das abwesende Ding, von welchem gesprochen wird, die dritte Person. Da in allen drey Fallen die Person entweder einfach oder mehrfach seyn kann, so finden in denselben auch Pronomina für beyde Zahlen Statt. Das Geschlecht wird an den persönlichen Pro- nominibuL aus guten Gründen im Deutschen nur Mangel- Von dem Pronomme. §. zz?.zz8. 679 mangelhaft ausgedruckt. Die erste und zweyte Person werden als gegenwärtig gedacht, sie sind also als solche ihrem Geschlechte nach schon den Sinnen bestimmt genug; daher ich und du im Deutschen ohne Unterschied des Geschlechts gebraucht werden. Im Plural wird ohnehin kein Geschlecht bestimmt. Allein die dritte Person, welche alle Personen und Dinge unter sich begreifst, welche, als abwesend gedacht, ein Gegenstand der Rede seyn können, ist von einem sehr weiten Umfange, daher die Deutlichkeit der Rede hier mehrere Bestimmungen erfordert. Man bezeichnet sie entweder bestimmt, nach allen drey Geschlechtern, er, sie, es, und im Plural ohne Unterschied des Geschlechtes durch sie, oder unbestimmt, durch jemand, niemand, man und es. §. zz8. Die persönlichen Pronomina der ersten IhreDeclu und zweyten Person, ich und du, werden, um der uation. schon gedachten Ursache willen, im Deutschen von allen drey Geschlechten gebraucht; allein die dritte, welche durch ihren Stand in der Rede bey weitein nicht so bestimmt ist, bezeichnet im Singular alle drey Geschlechter, ist aber, wie alle übrigen Wörter im Plural wieder einfach. Alle drey werden folgender Gestalt decliniret: Erste Person. Singular. Nomin. Ich. Genit. Meiner, (mein). Du. Deiner, (dein). Zweyte Person. Dat. Mir. Accus. Mich. Dir. Dich. Plural. Nomin. 5Vir. Genit. Unser. Dat. Uns. Accus. Uns. Ihr- Euer. Euch. Euch. Uu 4 Dritte 6Zo i.TH. 2. Abschn. 6. Kap. Dritte Person. Singul. Männl. Weibl. Sachl. Nom. Er. Sie. Es. Gen. Seiner/sein). Ihrer,(ihr). Seiner/sein). Dat. Ihm. Ihr. Ihm. Acc. Ihn. Sie. Es. Plural. Nomin. Sie. Genit. Ihrer. Dat, Ihnen. Accus. Sie. Wenn man diese Formen nur obenhin betrachtet: so siehst man so gleich, daß hier nickt die Casus, wie bey andern Nennwörtern, aus dem Nominative gebildet worden, sondern, daß jedes Pronomen aus mehrern Wurzelwörtern bestehet, welche bloß der Zufall zusammen gebracht zu haben scheinet. Die Casus sind auch insgesammt unabhängig von einander gebildet, und erst bey mehrerer Ausbildung der Sprache, so wie wir sie jehr haben, zu einem Ganzen vereiniget worden, welches denn doch aber noch immer ein unförmliches Ganzes ist. Der Genitiv scheinet in allen am spatesten gewaget, und allem Ansehen nach, von den Posiesslviö entlehnet zu seyn. Alles beweiset die dunkele Empfindung, nach welcher diese Wörter gebildet worden, die, weil sie hier von keinem Naturlaute geleitet werden konnte, sich keines Grundes der Benennung bewußt war, und sich daher hier so ungleich blieb. Ein gleiches werden wir im Folgenden von dem Verbo seyn bemerken, welches sich mit diesen Wörtern in einerley Falle befindet. Ein VondemPronomkne. §.zz8-z?9. 681 Ein anderer Umstand, welcher nicht leicht verkannt werden kann, ist der, daß sie, so wie dieZahl- wörter, unvollkommene Biegungszeichen haben. Ich, du, er, sie, im Singular, und uns und euch, , sind nackte Umstandswörter, ohne alles ConcretionS- Zeichen, aber Umstandswörter, welche Nahmen der Dinge nach dem Umstände der Person abgeben. In rvir, ihr, sie, im Plural, scheinen alte Biegungslaute zum Grunde zu liegen, welches aus dem Gebrauche mit Adjectiven erhellet. Hingegen haben die Dative und Accusativs, (uns und euch ausgenommen,) noch mehr aber der neuere Genitiv, schon merklichere DeclinationS- Zeichen. §. ZZ9- Die persönlichen Pronomina sind Sub- Gebranch stantiva, das heißt, sie sind eigene Nahmen der der be- Dinge für den gegenwartigen Augenblick der Zeit, stimmten, welche von dem zufalligen Verhältnisse der Person hergenommen sind. Sie bedürfen also, als eine Art eigener Nahmen, weder des Artikels, noch eines GattungSworteö, zu ihrer Erklärung. Die beyden Pronomina der ersten und zweyten Person werden zugleich durch den jedesmahligen Stand der Rede so genau bestimmt, daß ein anderer Nahme noch mehr unnöthig wird. Derjenige, welcher seine Person durch ich ankündigt, stellet sie zugleich mit allen für den Augenblick der Rede nöthigen Bestimmungen dar, und der, welcher mit du angeredet wird, erkennet schon aus den Blicken und Geberden des Sprechenden, daß er gemeinet ist. Da indessen dieser Stand nicht so genau bestimmt ist, daß er nicht noch manche Erklärungen verstattete, so können sie allerdings Substantive neben sich haben, welche aber alsdann mit ihnen in Appositione ste- hen: ich, Sohn eines frommen Vacers; du, Uu 5 ' Aönig 6Z2 i.TH. 2.Abschn. 6. Kap. D.öuig in Israel; ich armer Mann; mir verlassenen (nicht verlassenem,) Ninde; wir,^in- rvohner dieser Sradr. Ich kann auch mit dem Artikel, als ein anderes Substantivum, gebraucht werben, in welchem Falls es aber, so wie andere Wörter, welche nicht ursprünglich zu Substantiven gepräget worden, unveränderlich bleibt: mein anderes Ich ist todt; der tVerth seines lieben Ich. Genitiv §. Z4uch, ich schenke es dir; das ist nicht Freundschaft, es ist Aaltstnn; das arme Lind! nimm dich seiner an; das Pferd entlief, aber ich eilte ihm nach. Es beziehet sich indessen nicht bloß auf ein vor. her gegangenes Substantiv, sondern auf alles, was als die dritte Person ohne bestimmtes Geschlecht, als ein abwesendes Ding, von welchem etwas gesagt wird, angesehen werden kann: wenn du mir das thust, so werde ich es dir Dank wissen ; bedenk es nur, mir so mitzuspielen; mein Her; jagt es mir, du bist mein Erretter. In der vertraulichen Sprechart kann es zugleich mit allen vorher gehenden Wörtern zusammen gezogen werden, wo der Wohlklang e6 erlaubet: gib mirs, oder gibs mir, er nahms, sags ihm, jag ihms, hab ichs schont Aber nicht, hörst dus? damits die Jugend lerne, wohers komme; wo die Härte schon zu auffallend ist. Nähere Be- §. Z44. Die persönlichen Pronomina (das säch- stimmung liche es ausgenommen) leiden noch eine zwiefache dieser Pro- ^hx^ Bestimmung, welche durch die zwey Um- »onnnum. st^dsawrrer allein und selbst geschiehet, i. Die Gegenwart und Theilnehmung einer andern Person auszuschließen, durch allein: ich allein habe es gethan, du allein bist unschuldig, mir allein zu Gute, ihnen allein zum kurzen. Und 2. die Mitwirkung einer jeden andern Person auSzuschlie» ßen, oder vielmehr die Persönlichkeit noch genauer zu bestimmen, durch selbst: er selbst hac es gethan. Von den Pronomine. §.344.345. 687 rhan, ich selbst bin es, sich selbst verlängnen, die L.iebe seiner selbst. Außer dieser Bestimmung hat selbst noch einige andere Bedeutungen, indem es oft eine bloße Steigerung bezeichnet, ich selbst komme fast auf die Gedanken, so gar auch ich, und alsdann auch ohne Pronomen stehen kann: selbst der Fluch einer Mutter roürde hier kraftlos seyn. Stehet es hinter einem Subsianri- ve, so bezeichnet es oft einen sehr hohen Grad: er ist die Freundlichkeit selbst. S. mein Wörterbuch. Beyde sind wahre Umstandswörter, weil sie auch andere Redetheile als Pronomina bestimmen können: Gocr allein, er ist allein unschuldig, Gocr selbst, selbst Gocr, ich komme selbst. Dieses selbst ist von dem alten Wurzelworte selb, welches noch in dem selb dritte u. s. f. lebt, vermittelst des adverbischen s, welches oft in st übergehet, abgeleitet. Mit einer andern adverbischen Ableitungssylbe lautet es selber, welches zwar im Hochdeutschen auch gangbar ist, aber doch in der edlen Schreibart jenem nachstehet. Aber dem adverbi- schcn AblettungSlaute noch einen neuen, en, anzuhangen, der nichts mehr sagt, als der erste, selbsten, ist völlig verwerflich. Das sachliche Pronomen der dritten Person leidet diese Bestimmungen nicht unmittelbar an sich, wohl aber an dem Verbo. Nicht, es selbst kam, sondern, es kam selbst. §. 345. Die persönlichen Pronomina bezeichnen Pronomc- entweder das Subject, oder das Object; allein es gibt in der Sprache auch Falle, wo das Subject und Object nur eine und eben dieselbe Person ist, oder, mit andern Worten, wo das Pradicat auf das Subject zurück gefuhret wird. In dem Satze, er schlug dich, bezeichnet er das Subject, und dich den 688 i.TH. s.Abschn. 6. Kap. den persönlichen Gegenstand, und beyde sind ver. schieden; aber wenn es heisit, er schlug sich, so machen beyde nur eine und eben dieselbe Person aus. Es wäre nun eben nicht nothwendig gewesen, diesen Umstand auszudrucken, und für das persönliche Pronomen des persönlichen Gegenstandes, wenn es mit dem Subjecte eine und eben dieselbe Person ist, ein eigenes Wort, ein eigenes Pronomen reciprocum, zu haben. Man hat es auch im Deutschen nur in einem Falle, nähmlich im Dativ und Accusativ der dritten Person, wo es sowohl in der Einheit, als in der Mehrheit, unverändert sie!) lautet. In allen übrigen Fällen ist es mit den vorigen persönlichen Pronomimbus einerley. Folglich siehet das Deutsche Reciprocum so aus: Erste Person. Zweyte Person. Singular. Nomin. Genit. Dat. Accus. Meiner, (mein). Mir. Mich. Nomin. s Genit. Unser. Dat. Uns. Accus. Uns. . Männl. Nom. s , Ge». Seiner, (sein). Dat. Sich. Acc. Sich. Plural. FF - » Euer. Euch. Euch. Dritte Person. Singul. Weibl. Sächl. Deiner, (dein). Dir. Dich. Ihrer, (ihr). Sich. Sich. Seiner, (sein). Sich. Sich. Plural. - s Ihrer. Sich. Sich. Ich Von dem Pronomme. §. Z45.546. 689 Ich schreibe es mir zu; schämest du dich nichts er war seiner nicht mehr mächtig er über sich noch darin; sie sreucten sict) jebr» Daß hier kein Nominativ Statt findet, gibt die Natur der Sache selbst. Der Nominativ ist das Verhältniß des Subjectes; das Reciprocum stellet dieses Subject in dem Verhältnisse des persönlichen Gegenstandes dar. Da nun das Verhältnis; dieses Gegenstandes nicht das Verhältniß des Subjectes seyn kann, so folget daraus ganz natürlich, daß das Reciprocum keines Nominatives sahig ist. Das Reciprocum ist in den meisten Fallen von dem gewöhnlichen persönlichen Peonomine nicht unterschieden; es wäre auch eben nicht nothwendig gewesen, es in den wenigen übrigen Fällen davon zu unterschieden. Indessen ist es um der Deutlich« keit willen eingeführet, in dem Dative und Accusa- live der dritten Person, sie sey nun einfach oder mehrfach, das sich zu gebrauchen, weil das gewöhnliche Personenwort hier Mißdeutung verursachen könnte. Im Oberdeutschen behält man auch im Singular der dritten Person, oft auch im Tati- ve des Plurals das gewöhnliche Personenwort häufig bey: keiner lebt ihm selber, für sich selbst; er kann es ihm nicht vorftellen' sie können es ihnen nicht einbilden; welches aber im Hochdeutschen ein Fehler seyn würde» §. Z46. Wenn die dritte Person ihrem Ge- Jemand, schlechte nach bezeichnet wird, so wird sie schon sehr Niemand, genau bestimmt. Allein eö kommen Fälle vor, wo A^er, das Geschlecht nicht bestimmt werden kann oder soll, wo man von der dritten Person weiter nichts weiß, als daß es ein menschliches Individuum ist. Man hat für diefe Fälle die vier Wörter jemand, nie? mand, einer und man. Ad-l.D.Spr. Te Je- 690 i. Th. 2. Abschn. 6. Kap. Jemand und niemand sind mit Mann zusammen gesetzt, so fern es ehedem einen Menschen, eine Person bedeutete, und sein letztes n mit dem d vertauscht hat. Ersteres bezeichnet eine Person unbestimmt, ohne Angabe des Geschlechtes, ein , Individuum, von welchem man weiter nichts weiß, als daß eö ein Mensch ist: es ist jemand da: sein Freund oder sonst jemand. Niemand schließt eine jede Person aus, und bedeutet, so viel als kein Mensch: es kam niemand; es ist niemand da; nun rvill es niemand gethan haben. Daß beyde keines Plurales fähig sind,ei hellet schon aus ihrer Bedeutung undZusammensetzung. Da beyde alsPro- nomina gebraucht werden, so kann man ihnen nebst dem ähnlichen jedermann, d.i. ein jeder Mensch, immer eine Stelle unter denselben lasten, ob man sie gleich sonst auch zu den Zahlwörtern rechnen könnte. I^reDecli- §. Z47- Es ist nur die Frage, ob und wie sie « risn. decliniret werden müssen. Den Genitiv auf s streitet ihnen niemand ab: er ist niemanbs Lreund, der Glaube ist nicbc jedermanns Ding. Das letztere wird auch außer dem Genitive nicht weiter gebeuget: es ist jedermann gesagt, gegeben worden; er Hasser jedermann. Niemand und jemand werden außer dem Genitive gleichfalls sehr häufig unbiegsam gebraucht: ich sahe niemand, er hac es jemand gegeben. Mein, da Fälle vor- kommen können, wo die Deutlichkeit die Bezeichnung des Casus erfordert: es ist jemand gegeben . rvorden, wo jemand auch a!6 der Nominativ verstanden werden könnte, so werden sie wenigstens in solchen Fällen gebogen, und bekommen alsdann im Dative undAccufative en: es ist jemanden gegeben worden. Für das ungewöhnliche jrderman- nen sagt man in solchen Fällen lieber einem jeden. , Man Von dem Pronomine. §.348.549. 69t Man vermeide noch den in den gemeinen Sprecharten üblichen Gebrauch des niemand und jemand mit den sachlichen Adjectiven: niemand Vornehmes, jemand Fremdes, für kein Vornehmer, ein Fremder. §- Z48. In eben dieselben gemeinen Sprechar- Prononik- ten gehöret der Gebrauch des unbestimmten Arti- '"icherBetels ein, wenn er ohne Substantiv für jemand, im ^"'H ^ Gegensatze des kein gebraucht wird: es mochte einer sagen; rvenn sich eins im Hause klagt, Gell, unter eines Vorhmäßigkeir stehen - für jemand, jemandes; rvie viel Sorgen mache einem nicht die lVelt, für einem Menschen oder uns; unser einer, jemand von meinem oder von unserm Stande. . §. Z49. Man, der Wurzellaut des Substanti- Vou dem ves Mann, ist noch unbestimmter, und lafir nicht allein das Geschlecht, sondern auch die Person un, entschieden. Es wird daher nur im Nominative, und auch hier nur mit der dritten Person der Zeitwörter gebraucht: man hat es mir gesagt, d. i. es hat mir jemand, nur eine Person, gesagt, oder, es haben es mir mehrere gesagt. Man schreibt es mir von Amsterdam; man findet allerley Leute in der N?clr. Wenn also die Handlung von der Art ist, daß sie nur einer bestimmten Person zukommen kann, so kann dieses Pronomen nicht gebraucht werden. Man kann z. B. nicht sagen, man hat die Melr erjchasten, weil dieses nur Gott allein zukommen kann. Eben so widerwärtig klingt es, wenn man gegen andere, die man nicht gern mit du, er oder sie anreden will, dieses man gebraucht: man sct)!veic,e doch, man komme her; weil hier ein bestimmter persönlicher Gegen- stand Statt findet. X,r » Da 692 i.TH. 2.Abschn. 6. Kap. Da dieses man nur allein im Nominative üblich ist,, so gebraucht man im Niederdeutschen und auch wohl in den gemeinen Sprecharten in den übrigen Endungen dafür das vorige ein: rvas man nicht gelernet hat, das kann man auch nichc von einem fordern; wenn man andern die tVahrheir sagt, so wird man einem gram; es n?ird einem blutsauer. In der anständigern Schreib - und Sprechart kommt man, in Ermanglung eines edlem gleich bedeutenden Ausdruckes, oft in Verlegenheit, da man denn dem Ausdrucke eine andere Wendung geben, oder die unbestimmten Ausdrücke mit bestimmtem vertauschen muß: was jemand nicht gelernet hat, das kann man auch nicht von ihm fordern ; rvenn man andern die lVahrheir sagt, fo wird man von ihnen gehassec. , , Von dem §. ?5v. Es ist noch unbestimmter, und laßt undestmim- unentschieden, ob das Subject eine Person oder ein ten es. Ding ist: es rvird geschossen; wer ist das ^ Antw. es ist ein Mann, eine Frau; ich bin es; es regnet; es donnerc; es heißt/ er fey gekommen; es klopfet jemand. Es ist freylich mit dem vorigen bestimmtem sachlichen Pronomine dem Ursprünge nach einerley/ aber in der Bedeutung und dem Gebrauche noch von demselben unterschieden. Wegen seiner sehr unbestimmten Bedeutung kann es nur allein im Nominative gebraucht werden, indem die übrigen Casus, wegen ihres bestimmten Verhältnisses, dasselbe nicht dulden. Dieses und das bestimmtere Pronomen sind eigentlich der dunkele Wnrzellauto, welcher zu Bezeichnung mehrerer dunkeler Vorstellungen und Verhältnisse gebraucht wird, Z. B. deS sächlichen Geschlechtes, des Genitives, der Adverbien u. s. f. Bey den unper- Von dem Pronomme. §.351.352. 695 unpersönlichen Zeitwörtern werden wir noch einmahl von diesem es reden müssen. 2. Possessive Pronomina. §. z;i. Diese bestimmen den zufälligen Umstand Jhre Erkl» des Besitzes in Ansehung der Person, oder der Per- '"ug. son in Ansehung des Eigenthumes. Sie sind von den Wurzellauten der vorigen abgeleitet, und von zwiefacher Art. i. Eoncrem, welche den Umstand der Person, als dem Substantive einverleibt, darstellen, und daher auch Adjectiva genannt werden können: mein, dein, sein, ihr, unser und euer; und 2. Zlbstracta oder Substanciva, welche von den vorigen abgeleitet sind, und in dem Pronomine die Sache mit dem Nebenbegriffe des persönlichen Besitzes, als ein selbständiges Ding, ausdrucken. §. Z52. Die Possessiva sind Bestimmungswör- Ihre Fle- ter mit unvollkommenen Biegungslauten, indem sie im Singular im männlichen und sächlichen Nominative und im sächlichen Accusativs fehlen. In den übrigen Endungen aber sind sie vollständig vorhanden. In unser und euer scheinet die Sylbe er die FlexionS-Sylbe zu seyn, allein sie ist es nicht, sondern die Ableitungssylbe, wie bereits in dem vorigen Kapitel gezeiger worden» Die Possessiva sind Bestimmungswörter, welche den Umstand des Eigenthumes in Rücksicht auf die Person bezeichnen. Sie beziehen sich daher ganz natürlich auf zwey selbständige Dinge, auf die Person, welcher das Eigenthum zuerkannt wird, und auf die Sache, deren Eigenthum bestimmet wird. Da beyde von verschiedenen Zahlen und Geschlechtern seyn können, im Deutschen aber die Bestimmungswörter des Substantives das Geschlecht und - ' , Xr z die 694 i. Th. 2. Abschn. 6. Kap. die Zahl desselben ausdrucken, so müßten diese Pronomina entweder zwey Zahlen und Geschlechter zugleich bezeichnen können, oder man müßte für jeden Fall ein eigenes Pronomen haben. Im Deutschen ist man hier den Mittelweg gegangen, daher man für die Possssiva der ersten und zweyten Person zwenerl.'y Wörter für die Zahl der Person hat, welche zwar das Geschlecht des Substantives der Sache, nicht aber der Person, bezeichnen, in der dritten Person aber auch im Singular zwey Wörter üblich sind, wovon sein das mannliche und sachliche, ihr aber das weibliche Geschlecht der Person bezeichnen, beyde aber zugleich wieder nach dein Geschlecht der Sache gebogen werden. Ein Ding oder eine Person, sie sey männliches, weibliches oder sachliches Geschlechtes, sagt ohne Unterschied: mein Gewinn, meine -Ä?re, mein Haus. Man sagt zu der zweyten Person ohne Un» terschied ihres Geschlechtes: dein Varer, deine Freude, dein Gutes. So auch im Plural der ersten und zweyten Person, der seine eigene Possessiva hat, die sich in ihrer Zahl und Geschlechte wieder nacy dem Substantive der Sache richten: unser Darer, unsere Freundinn, unser Feld, unsere Güter; euer Dacer, eure Freundinn, euep Fe.d, euere Güter. In der dritten Person hingegen wird, außer der Zahl der Person, auch noch ihr Geschlecht bezeichnet. Sein Acker, seine Vlume, sein Haus, wenn die Person, welcher der Besitz zugesprochen wird, mannliches oder sachliches Geschlechtes ist; aber ihr Acker, ihre Dlume, ihr Haus, wenn sie weibliches Geschlechtes ist. Da der Deutsche Plural kein Geschlecht bezeichnet, so lauten auch beyde hier wieder gleich: »yr Acker, ihre Vlume, ihr Haus; und Von dem Pronomine. §. 35z. 695 und mit dem Plural des Substantives der Sache, ihre Zicker, ihre Älumen, ihre Häuser; wo das ihr sowohl die dritte weibliche Person im Singular, als auch alle Geschlechter der dritten Person im Plural, vertritt. §. Z5Z. Die eoncreten Possessiva sind entweder JhreDccli« conjuncciv, wenn sie ihr Substantiv der Sache nation. unmittelbar bey sich haben, oder absolut, wenn sie ohne dasselbe stehen, sich aber doch darauf beziehen. Beyde bestimmen mit dem Umstände des Besitzes zugleich die Selbständigkeit, und zwar so genau, daß jeder Artikel oder ein anderesBestimmungswort, das demonstrative Pronomen ausgenommen, vor ihnen unnöthig wird. Da sie nun um deßwillen so oft allen übrigen Bestimmungswörtern vortreten, so sind sie auch mit den vollständigen Declinations-sauren versehen worden, nur mit der Ausnahme, daß die consuncriven im Singular im mannlichen Nominativ, und im sachlichen Nominativ und Accusativ keine ConcretionS- folglich auch keine Geschlechtslaute haben. Sie werden conjuuctive folglich so decliniret: Singul. Plural. Norm Mein, meine, mein. kleine. Gen. Meines, meiner, meines. Meiner. Dar. Meinem, meiner, meinem. Meinen. Acc. Meinen, meine, mein. Meine. Mein Vacer, meine tLhrsurchc, mein Glück, meines Fleisses, meiner Felder, meines Hauses u. s. f. Der sachliche und männliche Genitiv lautet hier im Singular unveränderlich es, nicht en, wie bey den Adjectiven. Eben so gehen alle übrigen Possessiva, wenn sie conjunctiv stehen; nur daß unser und euer, um des Wohlklanges wil- Tx 4 len, 696 i.TH. 2.Abschn. 6. Kap len, in den Casibus obliquis des männlichen und sächlichen Singulars und im Dativ des Plurals gern des letzte e verbeissen, in den übrigen CasibuS aber zur Noth das erste e ausstoßen können, die Zusammenkunft zweyer tonlosen Sylben zu vermeiden: euers, euerm, euern, unsers, unserm, unsern; absr unsrer, eurer, unsre, eure. Da aber in den letztern Fallen die Härte größer ist, als der Mißklang zweyer tonlosen Sylben, so ziehet man, wenigstens in der edlern Schreibart, unsere, euere, unjerer, euerer, lieber vor« Mlerhaf- §> ?54. Nach einem Genitiv ist das Possessivum ter Ge- conjunctivum völlig überflüssig, weil der Genitiv Srauch. schon an und für sich den Besitz bezeichnet. Also nicht des Fürsten seine Länder, meines Nachbars sein Hans, meiner Mucrer ihr Bruder, meines Freundes sein Garren; sondern die Länder des Fürsten, meines Nachbars Haus, meiner Mutter Äruder u. s. f. Eben um deswillen ist auch das absolutum in solchen Fällen fehlerhaft: ich meine nicht Homers Gedichte, sondern des Horaz seine. Wo der Genitiv des Besitzes keine neue Bezeichnung desselben verstattet, daher man sich in solchen Fällen die Wiederholung des Substantives nicht dauern lassen sollte, ich meine nicht Homers Gedichte, sondern des Horaz oder Horazens Gedichte; welche Wiederholung doch allemahl erträglicher ist, als ein Sprachfehler. Ihre Au- §. Z55- Wenn die Possessiva conjunctiva mit sannucnjie- heil Su stantiven Halbe, lVeg und 5Ville einen hmig mit Bewegungsgrund andeuten s'llen, so werden sie im vtn/""'' gemeinen ieben häufig mit ihnen zusammen gezogen, nehmen aber alsdann das r euphonicum in die Mitte: memetwegen, deinetwegen, seinetwegen, Von dem Pronomine. §. Z56.357. 697 gen, ihretwegen, unsertwegen, euretwegen; meinerhalben, deinerhalben, seinerhalben und so ferner; um meinetwillen, deinetwillen, seinetwillen und so ferner; wo das Wort N^ille, wenn e6 auf solche Art mit Possessiven zusammen gezogen wird, noch die Präposition um bekommt. Die edlere Schreibart vermeidet auch diese Formen, und sagt dafür, um meiner, deiner, seiner, ihs rer, unser, euer selbst lVillen, oder wählet andere Ausdrücke. §. 356. Zu den Blumen des Curial-Styles Gebrauch gehöret auch der Gebrauch des ihr vor abstracten des Ihr». Titeüvörtern, wo es noch in seiner alten Gestalt Ihro für ihre gebräuchlich ist, sowohl, wenn man in der dritten Person von Höhern redet, sie seyen männ- oder weiblichen Geschlechtes: Ikro ^.ais serliche Majestät, Ihro Churfüstliche Durchlaucht, als auch wohl in unmittelbaren Anreden, für Ew. oder Euere, da es denn in beyden Fällen jndeclinabel gebraucht wird: Ihro Excellenz Herr Vruder, für Ihrer, Seiner, oder wohl gar Euerer. §. 357. Wenn die concreten Possessiva absolut, Absolute d.i. ohne Hauptwort, gebraucht werden, so geschie- Possessiv«, het solches auf gedoppelte Art. 1. Sie stehen als Adverbia, folglich ohne Con- cretions-Zeichen: die Erbschaft ist nun mein; ist doch das Rittergut sein ° behaltet, was euer ist. Da sie denn nach einer sehr gewöhnlichen Inversion, besonders in der höhern Schreibart, wie ein jedes anderes Adverbium, auch voran gesetzt werden können: dein ist das Ebenbild des ersten Sohnes, Raml. Xr 5 2. Als 698 i. Th. 2.Abschü. 6. Kap. 2. Als ein wahres Adjectiv und in Beziehung auf ein vorher gegangenes Substantivum; da denn das Pronomen die vollständigen Biegungszeichen annimmt, auch in denjenigen Casibuö, in welchen sie dem conjunctivo fehlen: meiner, deiner, seis nes u. s. f. Das ist nicht dein L.oos, es ijr meines; man gab es nicht meinem Freunde, sondern deinem; nicht um eures Derdienftes rvillen, sondern um unseres. Der Unterschied dieses Falles von dem vorigen ist leicht zu finden., In dem vorigen bestimmte das Pronomen zunächst das Verbum, konnte also nicht anders, als in Gestalt eines Adverbii, stehen. Hier beziehet es sich zunächst auf das Substantivum, muß also eoncre- sciert werden, und zwar vollständig, weil es dasselbe nicht unmittelbar neben sich hat. Bcysah des §. Z58. Das Eigenthum noch genauer zu beeigen, stimmen, fugt man den conereten Possessivis oft noch das Wort eigen bey: es iji mein eigen ; sein eigenes Gut; unser eigenes Deroienst. Abstracte §> 359- Die abstracten Possessiva werden auf Possessiva, eine gedoppelte Art von den vorigen abgeleitet, entweder unmittelbar, vermittelst des adjecivischen Con- cretions. lautes e, der meine, die meine, das meine; so auch der, die, das deine, seine, ihre, unsere, eure, ihre; oder so, daß das Pronomen, als ein eigentliches Umstandswort erst vermittelst der Sylbe ig zu einem Adverbio gemacht, und denn erst vermittelst des Lautes e zu einem Adjective concre- scieret wird: der, die, das meimge, deinige, sei- . mge, ihrige, eurige, unsrige, ihrige. In bey-, den Fallen erfordern sie den bestimmten Artikel, werden, wie ein anderes Adjectiv, mit demselben decli- niret, Von dem Pronomine. §. Z59. 699 niret, und leiden kein Substantivum neben sich, können aber selbst als Substantiv« stehen. Sie werden auf doppelte Art gebraucht; entweder in Beziehung auf ein vorher gegangenes Substantivum: das ist nicht dein ü.oos, es ist das meinige (das meine); man gab es nicht meinem Freunde, sondern dein dcinigen (dem deinen); nicht um eures Verdienstes willen, sondern um des unsrigen oder unseren; oder ohne alle Beziehung, etwas, das einer bestimmten Person gehöret, zu bezeichnen; da sie denn als Substantive stehen, und daher auch mit großen Buchstaben geschrieben werden können: ich habe das meinige oder das meine gethan, thut das eurige (eure) auch; sie haben alles das Ihrige s das Ihre) dabey zugesetzt; nimm es von dem Deinigen (dem Deinen), die Meinigcn, die Deinigen u. s. f. meine, deine Angehörigen. Die erste Form der, die, das deine u. s. f. ist im Oberdeutschen am gangbarsten, und wird, um der Kürze und des Sylbenmaßes willen, noch häufig von den Dichtern beybehalten. Die zweyte ist im Hochdeutschen am üblichstem Da die Sylbe ig hier bloß den Übergang des Umstandswortes in ein Adjectiv ausmacht, dergleichen Falle bereits im vorigen bey den Adjectiven da gewesen, so können mciiilI, deinig u. s. f. nicht als Adverbia gebraucht werden. Nicht es ist meinig, sondern mein, weil ig bloß darum da ist, aus einem Umstandsworts ein Adjectiv zu bilden, welches nicht unmittelbar und durch einen Sprung geschehen kann, sondern das Umstandswort muß erst die Classe der Adverbien durchgehen» z. Demow 7OO I.TH. 2.Abschlt. 6. Kap. z. Demonstrative Pronomina. SrMrunz §. ?6o. Diese bezeichnen den Umstand des Ortes, und Ge- in Ansehung des Sprechenden, und sind dieser, brauch. diese, diese?; das verkürzte der, die, das; und jener, jene, jenes. Da sie allen übrigen Bestimmungswörtern vortreten, so sind sie mit vollständigen Biegungslauten versehen, und werden folglich, wie der bestimmte Artikel und die vollständigen allgemeinen Zahlwörter, decliniert. Überdieß werden sie sowohl conjunctive als absolute gebraucht. Dieser. §. 361. Dieser bezeichnet ein nahes, und figürlich ein gegenwärtiges Ding, und wird im einfachen Nominativ und Accusativ des Neutrius im gemeinen Leben häufig in dieß ode? dies zusammen gezogen, wobey das ie zugleich geschärft ausgesprochen wird: ich meine dieses (dieß) Haus; dieser Ulann ist es, von welchem ich rede; zu dieser Zeit. Als auch absolute, sowohl mit Verschweigung des Hauptwortes, wenn es leicht darunter verstanden werden kann: dieser ist es, von welchem ich rede; wo aber Härten zu vermeiden sind, besonders im Genitive, Vorzeiger dieses, den viers ren dieses, dieser Thorheit ist erträglicher als jener lVcisheir. Als auch und zwar am liebsten in Beziehung auf ein vorher gegangenes Substantiv : befleißige dich der Tugend, denn diese verläßt dich nicht. Das Neutrum dieses Pronominis stehet, so wie das, sehr oft absolute für alle Geschlechter und Zahlen des Subjectes, da es denn am liebsten verkürzt wird: dieses oder dieß ist der Mann, der dich leiten soll; ist dieß deine Frau?' Glaube nicht, daß dieß der erste Vries ist, welchen ich an dich schreibe. §. Z62. Von dem Pronomine. §. 562 - 365. 701 §. Z62. Jener bezeichnet ein entferntes Ding, Iciter. sowohl dem Orte, als der Zeit, nach, und wird völlig so, wie das vorige, gebraucht, nur daß es keine Zusammenziehung leidet: auf jener Seite des Berges; in jenein Leben; du mußt dieses thun, aber jenes nicht lassen; befleissige dich der Geduld und eines guten Gewissens, denn, jene lehret dich die N>iderrvärrigkeiren ertragen, dieses ihnen Troy bieren» §« z6z. Dieser oder der und jener werden oft Vcrl'in- mit einander verbunden, mehrere unbestimmteDin- duugbcy- ge einer Art zu bezeichnen. Alsdann bekommt in den Casibus obliquis nur das erste die characteristi- fche Biegung, das letzte aber wird wie ein Adjectivum decliniret: man trägt sich mit dieser und jenen Gage, mit der und jenen Sache. §. Z64. Der, die, das wird, besonders im ge- Das con- MeinenLebeN und der vertraulichen Schreibart, hau- juncttve fig für dieser, diese, dieses gebraucht, und kann sowohl conjunctive, Mit dem Substantive, als ab« solute, ohne dasselbe, stehen. Im ersten Falle wird es völlig wie der Artikel decliniret, und hat folglich im Genitiv und Dativ des Plurals des und den, und nicht derer und denen: er ist den Augenblick gestorben, für diesen; der Mann that es, , d. i. dieser. Das Pronomen desto deutlicher von dem Artikel zu unterscheiden, und den Ort noch naher zu bestimmen, füget man ihm und dem folgen- genden Abfoluto oft noch die Umstandswörter des Ortes, da, hier, dorr bey: der Mann da thar es; es gehöret den Leuten dorr. §.565. Stehet es aber absolute, so weicht es Dasabso- im Genitiv der Einheit und im Genitiv und Dativ lme drr. der 7OS l.TH. 2. Abschn. 6. Kap. der Mehrheit von dein Artikel ab, und gehet alsdann vollständiger so: Singular« Masc. Fam. Neutr. Nom.Der, die, das. Gen. Dessen (deß), deren (der), dessen (deß). Dat. Dein, der, dem. Acc. Den, die, das. Plural. Nomin. Die. Genit. Derer (der). Dat. Denen (den). Accus. Die. Die eingeschlossenen verkürzten und dem 'Artikel einstimmigen Formen sind im gemeinen Leben und der vertraulichen Schreibart, so wie die vollständigen in der edlem Schreibart, am üblichsten. Das rvissen nur Dichter, und was wissen die nicht! Der Reiche nicht, denn wie soUte der Unrecht haben könnend Das will ich nicht hoffen; dein sey wie ihm wolle; wessen ist das Haus? - Antwort, dessen da, deß da, deren da, der da, derer da; denen hier habe ich es gegeben. Fehlerhaft §. ?66. Wenn ein Hauptwort, welches einen ter Ge- Genitivum erfordert, wiederhohlet werden sollte, so dr»'.uch. pflegt man, aus einer übel verstandenen Sparsam^ keit, häufig das Substantiv zum zweyten Mahle zu verschweigen, und dafür der oder derjenige zu se^ Hen: die Größe der ^onne übertrifft die des blondes. Da6 Fehlerhaste dieses Ausdruckes liegt eigentlich darin, daß hier ein Pronomen gesetzt wird, wo der Artikel stehen sollte, oder vielmehr, daß der Artikel wider seine Natur absolute und ohne Haupt- Von demPronomme. §.366.367.568. 70z Hauptwort gesetzt wird , da er denn das fehlerhafte Ansehen eines Pronominiö hat. Eigentlich sollte es Heisien, die Größe der Sonne übertrifft die Größe des blondes. Man nehme Größe das zweyte Mahl weg, so bleibt der Artikel übrig, der nie absolute stehen kann. Derjenige verbessert hier nichts, theils weil hier gar kein Pronomen stehen kann, theils aber auch, weil derjenige ein Dete» minativum ist, welches ein Relativum nach sich haben muß. Indessen ist diese fehlerhafte Form nicht auf Deutschem Grund und Boden gewachsen, sondern eine unverstandige Nachahmung des Fran- zösischen: 1a Al Lncieiil-ciu snjeil sui ^üssc ceile (ie la lune. In Niederdeutschland pflegt man dafür gern das Possessivum zu gebrauchen: die Größe der Sonne übertrifft des Mondes seine. Allein oben ist schon bemerkt worden, daß der Genitiv bereits den Besitz ausdruckt, und daher kein Possessivum nach sich leiden kann. Es ist doch eine sonderbare Zärtlichkeit, wenn man, den vermeinten Mißllang eines wiederhohlten Wortes zu vermeiden, Sprachschnitzer verdauen kann. Und gesetzt, es wäre ein Mißklang, oder die Rede würde durch die. Wiederhohlung schleppend, warum sagt man nicht lieber, die Sonne ist größer als der Mond i §. Z67. Von dem mit Umstandswörtern zusam- Zusammen men gezogenen Pronomine der, oder vielmehr des- zichungmi! sen Wurzellaute da, reden wir im folgenden §.5Z9f. A^"'^ an einem schicklichern Orte. 4. Determinative Pronomina. §. z6z. Diese und die folgenden Relativa ma- Ihre Erkl?« chen ein Subject zweyen Sätzen gemein, doch mit umg. dem Unterschiede, daß die Determinariva dieses Subject 7^4 i.TH. 2. Abschn. 6. Kap. Subject in dem einen Säße bestimmen, die Rela» tiva aber den zweyten Sah auf dasselbe zurück führen. Sie können daher fo, wie die Demonstra- tiva, als Bestimmungswörter des Ortes angesehen werden. Unsere Deutschen Sprachlehrer rechnen die De- terminativa mit zu den Demonstrativen, von welchen sie sich doch sowohl in der Bedeutung, als in dem Gebrauche, so sehr unterscheiden. Ich ward von diesem Unterschiede schon bey der Ausarbeitung des ersten Theiles meines Wörterbuches überzeugt, und sonderte sie daher von jenen ab, nannte sie aber Demonstrativs < Relariva, um dadurch ihre Verbindung mit den folgenden Relativen auszudrucken. Allein einige nach der Zeit heraus gekommene Deutsche Sprachlehren schienen darauf nicht zu achten, sondern rechneten sie noch immer zu den Demonstrativen. Nur einem so scharfsichtigen Manne, als Herr Rector kleiner ist, konnte dieser Unter» schied nicht verborgen bleiben, daher er das Pronomen derselbe, besonders wenn es das Bestimmungswort eben bey sich hat, von dem Demonstrativ» txennet, es aber das Pronomen ^dentiratis nennet. Ich glaube hier noch ein Paar Schritte weiter gehen, und die hierher gehörigen Pronomina als solche erklären zu können, welche das Subject in dem einen Satze vorlaufig ankündigen, aufweichen der andere Satz zurück geführet werden soll, und so wird der Nahme Determinariva am schicklichsten für diefelben seyn. Denn wenn auch eben der»? selbe, und eben derjenige absolute zu stehen scheinen, so ist es doch allemahl eineEllipsiS, und man kann einen zweyten Satz mit rvelchcr darunter verstehen. Z. B. wenn man fragt, ist das derselbe oder eben derselbe Nimm ^ so muß man doch immer einen andern Von dem Pronomine. §.368.369. 705 andern Saß darunter denken, der durch welcher darauf Zurück geführet wird, z. B. von welchem wir sprachen, welchen mir sahen, u. s» f. Diese Pronomina determinativa sind nun, der, derjenige, derselbe, selbiger und solcher. Sie werden insgesammt sowohl conjunctiv als absolut gebraucht-, und erfordern eines der folgenden Relativen, entweder ausdrücklich oder doch versteckt, nach sich. Man kann zu diesen noch das Pronomen wer Und was setzen, welches sehr oft auch determinative gebraucht wird, Und allemahl der zum Relative Nach sich hat. Beyde können indessen nur im Singular gebraucht werden, da denn wer von Persos nen ohne Unterschied des Geschlechts, was aber von Sachen gebraucht wird: wer sein L.cben erhallten will, der wird es verlieren; wer sich mein schamer, dessen wird stch des Menschen Sohn auch schämen. §. 869. Der siehet, UM der Kürze willen, für Drterml- düs folgende derjenige, wird, wie das vorige De- "atlvum Monstrcttivum conjuurtivum, folglick) wie der Arti- ° kel, decliniret, und siehet sowohl conjunctiv, als absolut. Conjunctiv: es ist der Mann, welchen wir gestern sahen; dem Kriege, welcher so lange gewüthet hat, ein Ende machen. Absolut, da es denn zugleich die vollständige Declination des vorigen Demonstrütivi im absoluten Stande hat: solke der nicht mcm Freund sepn, welcher mir meine Fehler aufdecket das ist der Drille dessen, oder deß, welcher Mich gesandt hat' derer, die vor ihm gewesen sind, ist rei? ne Zabl,Hiob 21; warum sollce ich den Vertust derer beweinen, welche nicht gestorben sind ^ Adel.H.Spr« Py Man 7o6 i.TH. 2.Abschn. 6. Kap. Man siehet leicht, daß der hier sich unvermerkt dem Artikel nähert, und sich in manchen Fallen ganz in denselben verlieret; denn der Artikel ist doch im Grunde weiter nichts, als ein verstecktes Determi- nativum, wo der zweyte Satz, als leicht zu ergänzen, um der Kürze willen weggelassen wird. Überhaupt beweiset das vielfache Amt dieses der, da es dreyer- ley Pronomina und einen Artikel vertreten muß, daß dessen erster Begriff sehr dunkel gewesen. Wenn das absolute Determinativum der den Nachsatz ausdrücklich bey sich hat, so lautet es im Genitiv des Plurals, wenigstens in der anständigen Sprechart, wohl unstreitig derer, obgleich die Sprache des gemeinen Lebens dafür häufig deren gebraucht: die Güter deren, rvelche roir sahen. Allein, wenn derNachsatz versteckt ist, so scheinet der Gebrauch deren zu fordern: du bist auch deren einer; wie viel sind deren noch da? Etwa, weil das Determinativum hier unvermerkt in das Rela- tivum übergehet, und sich mehr auf ein vorher genanntes Subject, als auf einen verschwiegenen Nachsatz, beziehet? Derjenige. §. Z70. Derjenige bestimmt das Subject, auf welches der Nachsatz zurück geführet werden foll, vollständiger, als der, und wird, wie derselbe, wider die Natur zusammen gesetzter Wörter, so decliniret, als wenn es getheilt der jenige geschrieben wäre, so daß der die Declination des Artikels behält, jenige aber, wie ein anderes Adjectivum mit vorher gehendem Artikel, decliniret wird. Nom. derjenige, diejenige, dasjenige; Genit. desjenigen, derjenigen, desjenigen; Dat. demjenigen, derjenigen, demjenigen; Accus. denjenigen, diejenige, dasjenige, u. s. f. Es siehet sowohl con- junctive: Von dem Pronomine. §.?7v.z7i. 707 j'.mctive: diejenige Tugend ist groß, welche auch in N)iderwärtigkeiten die Probe hält; derjenige Mensch, von welchem ich dir gejagt habe. Als auch absolut: ich verzeihe es denjenigen, weiche Schuld daran sind. Im Ober, deutschen gebraucht man statt dieses Pronominis häufig jener allein: wir aber;u diesem Zwecke jenes, was hie:bey nützlich ist, veranstalten wollen; ihm in all jenem, rvc?s er vorbringen wird, Glauben beyzumessen. So wie man hier der Sache zu wenig thut, so pflegt man auf der andern Seite in eben dieser Mundart auch wohl das der in derjenige, wie das absolute Demonstrati- vum zu decliniren, dererjemgen, denemcnigcn; welches aber im Hochdeutschen eben so fehlerhaft ist, als die vorige Verkürzung. §. Z71. Derselbe, wird zwar oft auch bloß de- De- s-lbe terminativ gebraucht, für das vorige: ich habe und denselben Mann nicht wieder gesehen, wel- icibigev. chen ich gestern sahe. Allein das ist ein Mißbrauch, indem aus der zweyten Halste der Zusammensetzung erhellet, daß es eigentlich die Identität bezeichnet, und andeutet, daß das Ding, auf welches der Sah zurück gefuhret werden soll, nur ein ^ und eben dasselbe Individuum ausmacht, welches derjenige nicht bestimmte, ob es gleich solches aus dem Zusammenhange schließen ließ. Es wird wie das vorige decliniret, und nimmt, zu desto genauerer Bezeichnung derIdenti!at,gern noch das Umstandswort eben vor sich: es ist eben derselbe Mann, welchen wir gestern jähen; es gibt zep.r noch . eben dieselben Fehler, als ehedem; er ist noch eben derselbe, der er sonst war. Wo oft auch . der Nachsatz weggelassen wird, da es sich denn auf ein vorher genanntes Ding b eziehet, in eben der-- Py 2 selben 7«8 i.TH. 2.Abschtt. 6. Kap. selben Stadt. Die Identität eines Dinges ohnö alle Beziehung auf etwas vorher gegangenes ode? nachfolgendes zu bestimmen, fetzet man noch ein hinzu, in einer und eben derselben Stadt, zu einer und eben derselben Zeit. Oft nähert sich dieses Pronomen in seiner Be- deutung den persönlichen Pronominibuö, doch eigentlich nur im sächlichen Geschlechte, wo das kürzere es die Identität nicht so genau bezeichnet, als der Sinn des Redenden es erfordert, Und alsdann beziehet es sich allemahl auf ein vorher genanntes Wort: das Unglück ist groß, ich habe nicht Murh genug, dasselbe zu ertragen. Vermuthlich hat die neuere Höflichkeit daher Anlaß genommen, dieses Pronomen für die persönlichen und possessiven Pronomina zu gebrauchen, da es denn noch nach alter Oberdeutscher Art decliniret wird: Dieselben haben mir besohlen, für Sie; ich habe leychin die Ehre gehabt, Denenselbcn zu berichten, für Denselben, eigentlich für Ihnen; Dcrosclben Bedienter, für Derselben, Dero, oder )hr; da man denn nach Stand und Würden wohl noch ein hoch/ höchst und allerhöchst voran Zu setzen pflegt» Man hat von diesem Pronomine noch Zwey For^ men, die verlängerte derselbige, und die vorn verkürzte, selbiger. Das erstere ist völlig unnütz, weil die Sylbe lg hier eine bloße müssige Verlängerung ist. DaS letztere bestimmt, wegen des mangelnden Artikels, schwächer, und wird auch im Hochdeutschen noch in Beziehung auf ein vorher gemeldetes Ding gebraucht, zur selbigen oder zu selbiger Zeit, für zu derselbe,,/ selbiger Mensch, für derselbe' nie aber in Beziehung auf einen Nachsatz. Da hier das der fehlet, fo muß selbiger die Von dem Pronomine. §.372.573. 709 die charakteristische Declination selbst annehmen; nimmt aber die vorstehende Präposition die Casus- Zeichen an, so wird es wie ein Adjectiv declinirer, zUr selbigen Zeit. §. Z72. Solcher determiniret auch, aber mit Solcher, dem Nebenbegriffe der Vergleichung, daher e6 so- wohl im Vordersahe stehen kann, und alsdann ein Rclativum nach sich hat, als auch im Nachsäße, in Beziehung auf ein vorher gemeldetes Substantiv. Es wird jederzeit mit den vollständigen Casus-Zeichen decliniret, und sowohl conjunctive als absolute gebraucht: gib es solchen Personen, rvelche es verdienen; ich kann es solcher Gestalt nicht thun; roer hätte solches vermuthen sollen. Weil es eine vergleichende Bedeutung hat, so leidet es auch ein und kein vor sich: eine solche Tugend, kein solcher Mann, er ist auch ein solcher. Aber kein ein solches. In welcher Verbindung es im Genitiv nicht solches, sondern wie ein Adjectiv solchen hat: eines solchen Mannes ZLHre; aber solches Mannes Ehre. §. Aus allem erhellet, daß die jetzt genann» Fehlerhafte ten Dcterminativa von verschiedener Art sind. Sie Pronomina alle kundigen ein Subject an, auf welches das Prä- Art. dicat eines andern Satzes zurück geführet werden soll, entweder unmittelbar und deutlich, da sie denn einen andern Satz mit einem Relativo nach sich haben ; oder mittelbar und versteckt, in welchem Falle sie sich auch auf ein vorher gehendes Subject beziehen. Beydes geschiehet auf verschiedene Art. i. Ohne allen Nebenbegriff, so daß das Pronomen das Subject nur ankündigt, oder bestimmt. Dieses thut sehr bestimmt, derje» nige, nicht so bestimmt, der. Yy z 2. Mit 7IO I. Th. 2» Abschn. 6. Kap. 2. Mit Nebenbegrissen. a. Der Perjonlichkeit, rver. b. Der Identität; schwächer, selbiger; starker, derselbe; und noch starker, eben derselbe, einer und eben derselbe. c. Der Vergleichung, solcher. Es gibt noch einige Pronomina-dieser Art, welche aber im Hochdeutschen theils veraltet sind, theils unter die niedrigen Ausdrucke gehören. Veraltet ist ssrhaner, für selbiger, derselbe; Oberdeutsch ist der gleiche, und niedrig, der nähmliche oder nehmliche, beyde für derselbe. Das letzte klebet auch sonst guten Hochdeutschen Schriftsteilern aus dem gemeinen Sprachgebrauche sehr häufig an, die sich doch dessen sorgfältig enthalten sollten , weil es bloß unter dem großen Haussen Ober - und Niederdeutschlandes einheimisch ist, und sich erst in den neuern Zeiten in die Schriftsprache eingeschlichen hat. Ein feines Gehör wird bey ein wenig Aufmerksamkeit das Niedrige, welches diesem Worte anklebet, gewiß nicht verkennen. Es ist auch nicht die geringste Ursache vorhanden, es dem gleich bedeutenden derselbe vorzuziehen, da es nichts mehr sagt, vielmehr noch um eine Sylbe langer ist. Es ist übrigens aus dem Umstandsworte nähmlich concrestieret, welches weder von nsmpe, noch von Flomen, noch von nehmen abstammet, sondern unstreitig von Nahme, daher es richtiger nähmlich, als nehmlich, geschrieben wird. 5. Relative Pronomina. Me Erklü- . §. Diese führen einen ganzen Saß auf ein 'lin'ung. in dem vorher gehenden Sahe genanntes Subject zurück, es mag nun durch eines der vorigen Deter- mina- Von demPronomine. §.375.376. 7» minütiven förmlich angekündiget seyn oder, nicht. Sie werden daher mit Recht Relativa oder beziehende Pronomina genannt, obgleich der Nahme für den Begriff noch ein wenig zu weit ist, indem die meisten übrigen Pronomina aller Classen zu. gleich relativ sind. Sie heissen welcher, der, was und so. §. 375. welcher ist das vollständigste Relati- Von dem vum, welches daher in der feyerlichen Rede am hau- weicher, sigsten gebraucht wird, dagegen die kürzern der und so der vertraulichen Schreibart angemessener sind. Es wird mit den vollständigen Biegungslauten, folglich wie aller deeliniret: du bist nicht der erste, welcher mir das jagr; derjenige, welchen ich nie beleidigt habe. Da es einen Satz auf ein vorher genanntes Subject zurück führet, so darf es den Nahmen dieses Subjectes nicht bey sich haben, obgleich derselbe, wenn er zu weit entfernt ist, um der Deutlichkeit willen wiederhohlet werden kann: welcher Mann tugendhaft war. Für den Genitiv in beyden Zahlen, welches und welcher, gebraucht man lieber dessen und deren: der Freund, dessen du erwähntest, für welches; die Tugend, deren 5Verth dir unbekannt ist, für weicher; Menschen, deren Blur man nicht achtet, für welcher. Vielleicht, weil der Genitiv, wegen seiner stärkern Bestimmung, ein mehr determinatives Pronomen erfordert, als weis - cher ist. §. 376. Das kürzere der wird im gemeinen !e- Relativ»»« den und der vertraulichen Schreibart gern an Statt der. des vorigen gebraucht, und wird auch hier wie das Demonstrativum deeliniret, nur daß es, weil es hier nicht so stark bestimmet, im Genitiv des Plurals nicht derer, sondern deren, lautet, auch in kei- Py 4 ner 7!? I. Th. 2.Abschn. 6. Kap. ner Endung eine Zusammenziehung leidet: mre der Freymüthigkeit eines Mannes, der nichts mehr zu fürchten hat; ein Greis, dejsen Seele schon alle Stärke verloren hat; die Person, die du weinest; viele von denjenigen, deren Vorfahren tugendhaft waren; Freund, den ich liehe- Der Nominativ dieses Pronominis wird Zierlich den perstmlichen Pronominibuö vorgesetzet, da er denn mit ihnen eine Apposition macht. Es geschiehet solches am hausigsten mit den Personenwör- tsrn der ersten und Zweyren Person; der ich mich deiner so getreulich angenommen habe; der du von ^rmgkeic bist; rvix, die wir uns selbst picht kennen; ihr, die ihr im Überflüsse gehören ryorden, die ihr nur leben dürft, um zu genießen Seltener und mit einiger Härte in der dritten Person: rechtschaffener Mann, der sie mich so großmüthig unrerstüyet haben. Der alte Genitiv dieses Relativi Dero wird noch von dem heutigen Curial-Style stqtt aller En? düngen des Possesswi ihr und ihre, sowohl in der einfachen, als mehrfachen Person^ von vornehmen Personen beyderley Geschlechts gebraucht: ich bin Dero Diener; ich habe Dero Meinung vernommen; Se. Majestät haben Dero Mini? stern befohlen. MlMum §, ?7?. N?er hat oft gleichfalls ein bloßes rs- ^er. lativeS Ansehen, besonders, wenn sich die Satze umkehren lassen. )^)er mir meine Fehler aufdeckt, der ist mein Freund; wo man auch sagen kann, derjenige ist mein Freund, welcher nur meine Fehler aufdeckt. 'Allein, da die Umkehrung hie? nicht nothwendig ist, so, rechnet man es lieber zu den Deter- Von den Proiwmine. §.378. ?79- 71z Determinativen, zumahl, da es wohl nicht leicht jn dem Nachsähe vorkommen möchte, welches doch seyn müßte, wenn es ein wahres Relativum wäre. Daß e6 nur im Singular gebraucht wird, eine Person beyderley Geschlechts, ohne Unterschied des Geschlechts bezeichnet, und wie das Pronomen hex de- cliniret wird, ist schon im vorigen bemerket worden. §. Z78. Ganz anders verhält es sich mit dem Rclatlvun« was, welches in vielen Fällen ein wahres Relati- vum ist, aber nur gebraucht wird, wenn ein Sah auf ein nicht deutlich als ein selbständiges Ding genanntes Subject zurück geführet werden soll; das, was du nur sagtest; alles, was ich weiß; das schönste, was ich nur gesehen habe. Ist aber das Subject ein Substantivum, so stehet, wenn es gleich schlichen Geschlechts ist, welches: das Gmc, was du mir erwiesen hast, bester welches; das ^aus, welches wir jähen, niemahls was. Indessen kann eS unter der vorbin gedachten Voraussetzung auch als ein Deternunativum gebraucht werden: was ich nur sahe, war schon? Übrigens ist was unbiegsam, und wird nur im Nominativ und Accusativ der Einheit gebraucht. §. Z79> So bleibt in allen Zahlen und Ge- Relativem schlechtem unverändert, und kann gleichfalls nur den Nominativ und Accusativ vertreten. In den gemeinen Schreib - und Sprecharten ist es als ein Relativum sehr gangbar; allein in den anständigern Vermeidet man es gern so oft, als man kann, und gebraucht es nur alsdann, wenn mehrere nahe auf einander folgende welcher und der einen Mißklang verursachen würden; obgleich die Häufung der auf einander folgenden Relativen überhaupt keineSchön- heitisn der-Hriefist verloren, welchen ich dem Yy 5 Manne 714 i. Th. 2.Abschn. 6. Kap. Manne mitgab, der gestern mir der Post, so nach Verlin ging , abreisere. In andern Fallen gebraucht man freylich lieber der oder welcher: die Heiligen, so ausErden sind; der Mann, so uns begegnete. Es ist dieses so das alte relative Pronomen, welches noch bey dem Ulphilas vorkommt, wo es is, ic>, tlistg, und im heutigen Isländischen 13, tu, ttiat lautet, womit das Hebräische ni?, ^, genau überein kommt. Es scheinet, daß unser der, mit Anhängunq der vollständigen Fle.rions-iaute, daraus gebildet worden, indem s und d leicht in einander übergehen, und die Engländer ihr cke noch jeht mit einem säuselnden iaute, auö- sprechen. Da es, als ein einfacher Wurzellaut, nur eine sehr dunkel empfundene Bedeutung haben konnte, so ist es, außer dieser pronominischen Gestalt, auch noch sowohl als ein Umstandswort, als auch als ein Bindewort, üblich, S. mein Wörterbuch. Relativ»», §- ?8c>. Außer diesen relativen PronominibuS zvs. gibt es auch relative Partikeln, wohin, außer dem so, besonders rvo gehöret, welches doch nur gebraucht wird, wenn sich ein Relativum mit der Präposition in aufden einen Ort beziehet: das ist der(Drt, rvo ich zu bleiben wünsche: das ist das »zaus, rvo ich ihn sahe; das ist der lVald, rvo der Bauin stand; für in welchem. Hat das Pronomen eine andere Präposition vor sich, fo wird diese mit den: rvo zustimmen gezogen, da sich denn die ganze Zufammenziehung nicht bloß auf Örter, son- ^ dern auf Sachen überhaupt, beziehen lässet: der Grab, womit er schlug, für mit welchem. Ja das relative was muß allemahl mit feiner Präposition zusammen gezogen werden, und gehet alsdann gleichfalls in wo. über. S. davon ein mehrereS §- 5Z9 f- 6. Die Von dem Pronomine. §.z8^Z8Z. 7^5 6. Die fragenden Pronomina. §. ?8i. Man wendet einige der vorigen Prono- 2l>re ErklZ« minum besonders dazu an, den Fragsstand auszu- rung. drucken, oder eine Frage anzukündigen, und diese sind besonders wer, welcher und was, wovon die beyden ersten nach Personen, das letzte aber unbestimmt nach Sachen sragt. Warum gerade diese zur Bezeichnung derFrage erwählet worden, ist leicht einzusehen, weil der relative Zustand eines Satzes nahe an der Frage gränzet, die Frage selbst aber nichts hörbares hat, welches zu Bildung eigener Wörter gebraucht werden könnte. Da aber der Umstand der Frage sehr zufällig ist, und gleichfalls nur für den gegenwärtigen Augenblick der Rede gilt, so werden diese Wörter, so fern sie nur einige Concre- rion haben, billig zu den Pronominibus gerechnet. §. Z82. XVer fragt nach Personen, doch ohne Fragewort Unterschied des Geschlechts und der Zahl, und wird, wer. wie das relative und determinative wer, decliniret: wer har das gethan? Antw. dein Freund, oder deine Schwester, oder unsere Freunde; wessen Haus ist das? wein gehöret das ? von wem hast du das gehöret? wen hast du gesehen? Man braucht also dieses Fragewort, wenn man nach einer oder mehrern Personen fragt, aber weder die Zahl noch das Geschlecht derselben weiß, oder beydeS wenigstens nicht bezeichnen will. §. M. Welcher fragt bestimmter, sowohl nach Von dem Personen, als nach Sachen, und mit Bestimmung welcher, sowohl des Geschlechts als der Zahl. Wenn auf die Frage, wer hat das gethan? geantwortet worden, dein Freund, und man nun diesen Freund näher bestimmt wissen will, so seht welcher:' die Frage 716 i.TH. 2.Abschn. 6. Kap. V.d.Pron. Frage fort. So auch, welchem von beyden gäbest du es? welches Haus oder weiches nieinest du. Dieses welcher kann sowohl conjun- ctive als absolute stehen, dagegen wer und was, wegen ihrer Unbestimmtheit, kein Substantiv neben sich leiden, sondern jederzeit absolute stehen. Wenn eine Verwunderung in eine Frage eingekleidet wird, und der unbestimmte Artikel ein auf das welcher folgt, so verlieret dieses seine Biegungszeichen, und siehet als ein bloßes Umstandswort: welch ein Mann! welch eine Tugend! welch ein Haus! Dieß ist aber auch der einige Fall, jn welchem eS seine Flexions-iqute verlieren kann, Fragewsrt ?M dem was fragt man nach Gegen- ständen, von welchen noch unbekannt ist, ob eS Personen oder Sachen sind, und im letzten Falle, von was für Zahl oder Geschlecht die Sachen sind: was suchst du:' was hast du? was willst du? Ist der Gegenstand näher- bekannt, so sehet welcher dieFrage fort: was suchst du:' Ant-v. mein Buch; Fr. welches? Verimttelst der Präposition für und des unbestimmten Artikels ein kann man indessen mit diesem was auch sehr bestimmt nach der Art oder Beschaffenheit einer Person oder Sache fragen: was für ein Buch suchst du? was für einer? Im Plural fallt der Artikel weg: was für Männer meinest du? Auf eben dieselbe Art laßt sich auch die Verwunderung in eine Frage einkleiden : was für ein Mann! was für Leute sind das! ««--^«U^^-V». Siebentes I ?I? -s»»«ö,ix!^ Siebentes Kapitel. Von dem Verbo» Inhalt. I. dessen Dildung,-S.Z85-ZYZ. Erklärung des Verbi, Z.Z85i Ursprung desselben, H.Z8S. Ableitung der Vcrborunt> Z. S- ZS7- Wie solche geschiehet, Z8y. Vetinittelst der Vorsilben, S. Zyo. Und der Nachsylben, Z.zyl. Iruchtbarkeit dieser Ableitung, Z> ZY2. Fremde Ableitungssylbe tren, Z.zyz. z. Arten de? Verborlim, S- Z?4-4°2. Grund ihrer Verschiedenheit, S-Z94> Verschiedenheit der Bedeu- 4. tung tmch, S.Z9Z. Incransiriva vdet Neutra, Z.Z96. Transiciva, §>Z9?. Rcciproca, §.Zy8. Larciric!a,Ireranva,In- rensiva, Desir-erariva, Imirariva, Z.ZYY. Verschiedenheit dem Gebrauche nach, persönliche 5 und »»persönliche Verba, §.400. vollständige und mangelhafte, §,4<-i. Verschiedenheit nach der Conjirgation, reguläre und irreguläre, Z. 402^ Von der Lonjugarion überhaupt, S>4oZ-4N» Grund der Conjugation, §. 4°Z> Von der Form, Z. 404. Von dec Arr oder dem Modo, S>4<-z. Von Vet Zeit v^er dem > Tempore, §, 406. Von der Perssn und den» ttumcro, Z. 407. Was Lonjugiren heißt, tz. 4^8. Art der Deutschen Conjugat tion, Z. 409.4m. Deutsches Passivum, §.411» Vott den Hülfswörtern, §.412-416. Was Hulfewörtev sind, «j. 412. Von dem .Hülfsworte haben, §. 41Z. Von deni Hülfsworte sey», S- 414- Von d.m Hülfsworte werden, §. 41Z.416. Reguläre Conjugation, L 4>?.4i8. Darstellung derselben, §.417. Ausammenziedung Ve>^ End- splben, ü. Irre- 7i3 i. Th. 2. Abschn. 7. Kap. 6. Irreguläre Conjugation, S- 4>y'4-5. Ertlärung der irregulüren Verborum, Z. 41Y. Abweichungen im Deutschen, Z. 420-42z. Eintheilimg derselben. Erste blasse, §.424. Zweyte Classe, H. 42Z. 7. Von dcn.Vert'isNemris, §. 426-.4ZZ. Erklärung derselben, Z. 426. Ihre Bedeutung, g. 427. 428. Coniuglltion, Z. 429. Neutra mit haben, H. 4Z0. Mit seyn, g. 4z,. Abweichender Kebranch der Hülfswörtern §. 4Z2.42z. 8. von den zusammen ge- seizren Vert'io, Z. 4Z4- 440. Arten derselben, Z. 4Z4. Ächre Züsamnienftyunge», S. 4Z5-4Z8- UnLchrc Ziisammenseyun- geu, §.4Zy. Ächte und miächce zugleich, §. 44o. y. Von den Verdis rccipro- cis, §.44> -447- Erklärung derselben, 8.447. Ihr Hülfswort, H 442 Weiter Gebrauch derselben, §. 44Z. Ihre ConMativii, Z.444. CasuS des Prouomiuis rcci- vroci, S.445. Von 'ein einander, §.446. Ncmra und Rcciproca zugleich, S.44?. 10. Von dem Verbo impcr- sonali, §.448-452. Erklärung desselben, §.448. Unpersönlicher Gebrauch persönlicher Verborum, §. 44?-451. Unpersönliche Reciprvca, L. 452. 1. Bildung der Verborum. §. ?85. Erklärung ^^as Verbum ist der künstlichste unter allen Neides Verbi, detheilen, und daher auch am schwersten zu erklären, zumahl da es, das Verbum jeyn ausgenommen, ein zusammen gesetzter Redetheil ist, an welchem man, Um derKürze willen, so viele verschiedene Bestimmungen zu bezeichnen Mittel gefunden. Hatten wir kein anderes Verbum als sepn,/o würde es sich leicht erklären lassen, man dürfte nur sagen, es sey ein Redetheil, vermittelst dessen das Prädicat dem Subjecte einverleibet wird, und welches dabey den Von dem Verbo. §.Z?5. 7^9 den Umstand der Zeit, der Person und der Art und Weise ausdruckt: der Vaum ist grün; das lVerrer war gut; du bist ein Schalk; Gore war das IVorr. Indessen gab es ursprünglich auch kein anderes Verbum, und selbst dieses entstand zu einer Zeit, da man von der Sprache und allem, was dazu gehöret, nur sehr dunkele Begriffe haben konnte, daher es auch aus lauter Wurzellauten oft ohne die sonst gewöhnlichen Biegungslaute zusammen gesetzet ist, wie an seinem Orte gezeiget werden soll. Aber nun die große Menge der übrigen Zeit. Wörter, wie werden sich die erklaren lassen? Nicht ganz unglücklich, wenn man nur der vorigen Spur nachgehet, und dabey mit den einfachsten Fällen anfangt. Die Sonne scheiner, das Pferd schlägt, rvir schliefen, Casus styr. Man siehet leicht, daß das Verbum hier das ganze Prädicat ausmacht, und nicht allein das Unselbständige ausdruckt, was von dem Subjecte gesagt werden soll, sondern auch zugleich den Redccheil mit in sich fasset, welcher die Einverleibung verrichtet. Das Verbum kann also nichts anders seyn, als ein Redetheil, vermittelst dessen einem selbständigen Dinge etwas Unselbständiges in einem und eben demselben Worte beygeleget wird. Es bestehet also aus zwey Theilen, dem Unselbständigen, welches nichts anders, als ein Ad- Verbum, seyn kann, und dem Worte, welches dieBey- legung oder Einverleibung ausdruckt, welches das schon gedachte Verbum seyn ist. Es läßt sich daher nicht allein jedes Verbum in ein Adverbium mit dem Verbo seyn auflösen, sondern es läßt sich auch sehr deutlich beweisen, daß die Biegungssylben jedes Verbi nichts anders sind, als die ältesten Wurzellaute des Verbi seyn. Da 720 I. Tl). 2. Abschtt. 7. Kap. Da wir Mm zwey so ungleiche Classen von Ver- bis haben, das erste einfache und ursprüngliche seyn, und die große Menge der Ädrigen, welche mit demselben zusammen gesetzet sind, so darf man sich auch nicht wundern, daß der eben gegebene Begriff nur auf die letztem, nicht aber auf die meisten Bedeutungen des erstem paßt» Da beyde so wesentlich verschieden sind, so ist auch keine Erklärung Möglich, welche auf beyde paßte, und jedes Begriff erschöpfte. Will man ja einen allgemeinen Begriff haben, so sage man, es sey derRedetheil, welcher dem Subjecte das Prädicat beyleget oder einverleibet, vergesse aber nicht sogleich hinzu zu seßen, daß wir Zwey sehr ungleiche Classe»! von VerbiS haben, wovon das einige seyn die bloße Beylegung und weitet Nichts ausdruckt, alle übrigen Verba aber zugleich das Pradicat mit in sich enchalten. Zu dieser Beylegung desPradicateö bestehet das Wesen des Verbi und dessen Unterscheidungsmerk- Mahl von allen übrigen Redetheiien. Das übrige an demselben, daß es z. B. die Art und Weise ausdruckt, wie das Pradicat von dem Subjecte gesagt wird, daß es die Person bezeichnet, von welcher, nnd die Zeit, in welcher es gesagt wird, ist bloß zufällig, daher auch alle Sprachen darin von einander abweichen. Und doch sahen unsere Deutschen Sprachlehrer nichts wichrigers an demselben, als die Bezeichnung des UinstandeS der Zeit, daher sie es von demselben auch das Zeitwort nannten. Da dieser Nahme nur von einein zufälligen Umstände, uns zwar nur von einem unter mehrern Hergenom? men ist, so wird man leicht einscyen, wie verwerflich or.^elbe ist. Der Lateinische Nahme Verbuni ist freylich nicht besser, weil er bloß von der Wichtigkeit dieses NederheileS hergenommen ist, welches dm Von dem Verbo. §. ZZ6. 721 den wesentlichsten Theil des Prädicates auSniacht; indessen war er doch unschädlicher als der Deutsche, weil man bey demselben nicht mehr an die eigentliche Bedeutung denkt, welches bey dem Deutschen Nahmen unvermeidlich ist. Ich glaube auch nicht, daß sich um des zusammen gesetzten Begriffes willen ein schicklicher Nahme in irgend einer Sprache wird ausfindig machen lassen. §. z86. Wir haben, wie schon gesager morden, Ursmnig zweyerley Verba) eines/ welches die bloße Einver-und Mntc- leibung und weir-ir nichts bedeutet, und alle übrigen, "cd.'rVer^ welche zugleich die Beschaffenheit mit ausdrucken, welche dem Subjecte einverleibet werden soll. Das erste ist, wie der bloße Anblick schon zeiger, sehr einfach, und ohne Zweifel das erste und ursprüngliche Verbum, nach dessen Muster alle übrigen gebildet worden. Es bestehet aus einfachen Wurzellauten, welche aber doch nicht mehr als bloßS Wurzellaute da sind, sondern schon Biegungssylben angenommen haben, weil es Mehrere Verhältnisse und Umstände zugleich bezeichnet, welche nicht anders, als dnrch angehängte Flexionö-Sylben ausgedrucket werden können. Alle übrigen Verba sind noch weniger als bloße Wurzelwörter anzusehen, weil sie nichc allein das Prädicat und die Einverleibung zugleich, sondern auch alle die Verhältnisse ausdrucken, welche im Deutschen an dem Verbo selbst bezeichnet zu werden pfiegen. Jedes Verbum ist also wenigstens ein flectirtes Wurzelwort. Man hat sowohl in Deutschen als andern Sprachlehren sehr oft gestritten, wo die Wurzel eines Verbi zu suchen sey, und welches das ursprüngliche Verhältniß sey, aus welchem alle übrige herge- AdeI.jL.Spr. Zz leitet 722 I. Th. 2.Abschn. 7. Kap. leitet werden könnten und müßten. Weil man d- demen von Boden. Selbst von Pluralen können Verba gebildet werden: blättern, bildern, schildern, kälbern, kindern. Die Verba dieser Art sind auch in der Bedeutung leicht kenntlich, daher > man sie nicht leicht mit denenjenigen verwechseln wird, welche unmittelbar von dem Adverbio oder von der Interjection, unabhängig von dem gleich lautenden Substantivs abstammen. '' , Z z z §.Z88. 726 i.TH. s. Abschn. 7. Kap. Äbleitung H. zZZ. Noch fruchtbarer und häufiger ist die von'L-rbis. Ms,.ttung eines Verbi von dem andern. Wenn 1. Durcy ^ Pradirat in einem und eben demselben Worte Änderung ^ ^. ^ . ^ - ^ u c»-> < eines Wnr- Subjecte gesiegt, d. l. durch em Perbum zelloutcö. ausgedruckt werden soll, so ist dabey nicht allein das Prädikat und die Art und Weise, wie es von dem Subjecte gesagt wird, vielfacher Grade der innern Stärke fähig, sondern es finden auch dabey allerley limsicmde Statt, von welchen die Deutschen viele unmittelbar an dem Verbo bezeichnen. Dieses geschiehet nun aus gedoppelte Art, entweder durch bloße Veränderung eines oder des andern Wurzcllau- fes,oder durch eigene)lbleitungssylben,welche lehtere penn entweder wieder Vor- oder Nachsylben sind. Die Veränderung des WurzellautcS betrifft: 1. den Vocal allein, besonders wenn aus Neutris Activa gemacht werden sollen: Ncutr. Act. Daumen und bäume». Blauen.vul^. blau werden, — bläue». Dlindcn in erblinden Dampfen Denken Dorren Dringen Drucken Duften Dunsten fahren, Falle» Kaulen Fließen Gewöhnen Hafte» ^aiiZcir blenden. dämpfen. dünken. dörren. drängen. drücken. duften. dünsten. führen. fällen. faulen. flößen. gewöhnen. haften. hängen. Neurr. Harre» Hirzen Rallen Rieben Rnmkcn Act. und härren. —> hcilzen. — kälrc». — kleiden. — k-änkeil. tLrrrumme» — krümmen. Erlahmen Langen Saucen Liege» Lose», ods. Nulzcn Plaizcn prallen Rosten, Zvucken Sauern Saufen Sauge» — lähmen. —- längen. —- länren. — lc> uüizen. — plä'yen. prallen. Flache röste», lücken. — säuern. — sänien. — säugen. SchalKiz VonvemVerbo. §.388.389. 727 Ncutr. Schallen und Sclilaudern — Schmauchen— Schnallen — Schwachen,olis. Schwanken — Schwimmen — Schwinden — Sinken — Sirzen — Springe» — Erstarren — Stauben '— Act. schallen, schlau der», schmauchen, schnellen, schwächen, schwanken, schwämmen, schwenden, senken, seyen, sprengen, stärken, stäuben. Ncutr. Stallen und Ersticken — Smrzen,vb5. — Traufen, rricsen <— Trink«! — Ertrinken — Tropfen — wallen — lLrwarmcn — wenden — wiegen — worgen,Obd. — Act. stellen. Obd. stecken» stürzen. rräufen. tränke». ertränken. cröpsen.j wällen. wärmen^ Mnden. wägen. würgen. . Ich darf es wohl nicht mehr erinnern, daß diese Änderung des VocaleS weder willkührlich ist, noch von einem bloßen Zufalle herrühret, sondern sich ursprünglich aus die dunkele Empfindung des Hörbaren gründete. Eben dasselbe^ilt von den folgen- den Arten, wo der Unterschied des Hörbaren noch jetzt merklich genug ist. §. Z89. Oder sie betreffen 2. den letzten Conso- nanten allein, der ohnehin die Art des Grundbegriffes näher bestimmt; durch welches Mittel gleich, falls Activa und Factitiva aus Neutris, aber auch häusig Intensiv« , gebildet werden. Der letzte Hauptlaut gehet dabey allemahl in den verwandten härtern, oder auch der einfache in den gedoppelten über. Neutr. Act. oder Fact., Fressen und Freyen. Regen — recken. Reisen, odt. — reisten. Reisten — reihen. Schnauben, — schnaufen. Ncutr. Act. oder Fact. Srcchen und stecken. wehen und wegen w bewc. gen. Zwagen und zwacken» Fortsetzung. Zz 4 ?. Noch 728 i. Th. 2.Mschn. 7. Kap, z. Noch häufiger an dem Vocal und End-Con- sonanten zugleich, sowohl Activa und Facritiva von NeurriS als Iterativa Zu Hilden: Asen ol'l" ess.'n und aize». ZzäKen und backc». Z?cisj'cn sät. und beilzen ' ^ Derhen und bitten. Biege» und bücken. Blicken »eut. und blcke», blicken Wissen, die Zähne bleken. Bische» und brocken. Dachen und decken. Fehle» und falle», Hangen und henke». Lüge» »iuc. und längne». Ließen in gsniesien und nu- y:it, nüyen Aeichen und recken. Reiss-n, rciycn und riycn. Sc!>rvcbcn und schweiffcn. Schwingen und schwenken. Stehen und stellen. Streiche» und sieecke». Tauchen und ducke». "Machen neut. und wecke» fzÄtt. Ziehen, zeche» und zucken. Zwagrn, zwacken und zwicken. 4, Oft aber ai'ch an dem ersten Consonanten, welche Veränderung denn gleichfalls das ihrige zur andern Bestimmung des Grundbegriffes beyträgt: qeh?tt, Neutr. und jagen, tgctit. schnell gehen machen; rvegen in bewegen, fegen und fachen, fackcli:, dicken und picken, saugen und ziehen, balzen u>?d pfalzen, blähen und playen für prahlen, brudeln und sprudeln. In allen dissen und den vorigen Fällen liegt der Grund des Nebenbegriffes in dem Hörbaren und dem Unterschiede desselben, welchen der gedehnte oder geschärfte, der tiefere oder höhere Vocal, und die schwächere oder größere Härte des Hülsslautes, und oft alle diese Mittel zugleich ausdrucken. Da alles dieses nur aus sehr dunkele Empfindungen be- nchete, so lassen sich davon keine Regeln geben; eben darum lässet sich auch diese Art der Ableitung nicht mshr zur Bildung neuer Wörter gebrauchen, weil eine ausgebildete SchriMrache sich nicht mehr nach dunkeln Von dem Vcrbo. §. 390. 729 dunkeln Empfindungen, sondern nach deutlichen Begriffen bereichern darf. . §. zyo. Fruchtbarer, wenigstens für den heuti- Ableitung gen Zustand der Sprüche, da sie nicht mehr auf ^ dunkele Empfindung des Hörbaren, sondern auf deutliche Begriffe, gegründet ist, sind die Vor- und Nachfylben. Die Dorsviben, vermittelst welcher abgeleitete Verba gebildet werden, sind: be, der Wurzellaut der Präposition bey, indem in den ältesten Zeiten beyde noch bi und i>i lauteten. Sie bedeutet, 1. die Nähe des Ortes, auf welchen sich eine Handlung erstrebt, nur noch in einigen alten Ableitungen dieser Art, wie begleiten, ehedem beleihen, gleichsam bcyleiten, begraben, beygraben, bey Seite graben, beschließen, bey- schließcn, bey Seite schließen u. f. f. 2. Eine Er- streckung der Haudlung über den ganzen Gegenstand : bebauen, bedecken, beschreiben, bedrucken, beflanzen, besäen. z. Den Gegenstand, an welchem die Handlung geschiehet: berühren, beschabcn, bcrupfen, beschneiden, besprengen, gleichsam bey, d.i. an etwas schaben, rühren u. s. f. Da es denn besonders bey Verbis Neutris 4. oft in eine bloße Verstärkung des Grundbegriffes übergehet: bestehen bleiben, beruhen Kassen, beharren, bedürfen u. s. f. Durch die Bezeichnung des Gegenstandes, auf welchen sich ein Prädieat erstrecket, macht sie 5. oft Activa aus Neutris: ecwas beantworten, bearbeiten, beblu- ren, bebrüten, bedenken, belachen, beseufzen. 6. Oft mit dem Nebcnbegriff« der öftern Wieder. Höhlung, einen N>eg befahren, ein Meer besegeln , den Puls begreiffen, etwas befehen; da sie denn wieder oft in eine bloße Intension über- Zj 5 geh.et, 7ZO I.TH. 2.Abschtt. 7. Kap. gehet, besonders bey Neciprocis, sich bedenken, befleißigen, bemühen, begnügen, behelfen u. s. f. 7. Wenn diese Vorsylbe aus Substantiven und Adverbiis Verba bilden hilft, so druckt sich die Übertragung des Begriffes eines solchen Wortes auf einen andern Gegenstand aus, da denn die Fle- xions-Sylben des Verbi das übrige ersetzen: be- ädern, bebändern, beblümen, bedachen, bc- gittcrn, beflügeln, beherbergen, befeuchten, befreien, bereichern, bekräftigen u. s. f. 8. In den gemeinen Sprechartsn gebraucht man diese Vorsylbe noch hausig, den Nahmen einer Sache, um sie zu ahnden, vermittelst derselben in ein Verbum zu verwandeln: Es ist der Herr von Liebreich! - - - Ich vvill dich und ihn beliebreichen , Weise. Sie behauptet, sie sey die Frau Junkern; aber ich will sie bejunkern, daß sie an mich denken foll, eben ders. Die Oberdeutsche Mundart braucht diese Vorsylbe noch jetzt sehr häufig, Substantiva, ja ganze Redensarten in Verba activa zu verwandeln, beaugenscheinigen, beerbtheilen, begenehmigen, beanfragen, beargwohnen , bewerkthärigen u. s. f. Es werden jetzt im Hochdeutschen viele Verba mit dieser Vorsylbe gebraucht, welche ehedem ohne dieselbe üblich waren, und es zum Theil in manchen Provinzen noch sind: begehren, beschädigen, befestigen, bedeuten, befördern u. s. f. wofür man sonst nur gehren, festen, deuten, fördern sagte; zum Beweise, daß die Bedeutung hier bloß intensiv ist. Oft gehet sie in das bloße b über, wie in bleiben für beleiben, beichten für begichten und so ferner. ge, eine Vorsylbe für alle Redetheile, scheinet MS dem bloA verstärkenden Oberdeutschen Hauchs entsian- Von dem Vcrbo. §. 390. «-ntstanden zu seyn, wenigstens scheinet sie an den VerbiS keine andere als intensive Bedeutung zu haben, daher die meisten ehedem auch ohne dieselbe üblich waren, und es zum Theil noch sind: gebrauchen und brauchen, gedenken und deuten, gefrieren und frieren, geloben und loben, gereuen und reuen, geschwelten und schwellen, getrauen und trauen, geziemen und ziemen u. s. f. Ehedem waren für gebähren, gebrechen, gebühren, gedeihen, gedulden, geschweige,,, gelüsten, genießen u. s. s. gleichfalls nur ihre Stammwörter üblich. Die Oberdeutsche Mundart, die erklärte Freundinn aller müßigen Verlängerungen und unnützen Verstärkungen, gebraucht sie noch sehr häufig in solchen Fällen, wo andere Mundarten sie nicht kennen, z.B. genennen, gezöhlen, gc- rasten, gerhun, gcseyn, gesagen, gediencn u.s.f. Siehe auch das Augmentum ge, welches kein anderes ist, als diese Vorsylbe, welche hier aber den bestimmten Begriff einer vollendeten Handlung hat. Übrigens gehet sie vor Wörtern aller Art noch häusiger in das bloße g über, als die vorige, besonders vor dem l und r: glauben, gleiten, glühen, greiffen; ja wohl gar in ein k, die Intension noch mehr zu verstärken, kratzen, knicken, knacken, kleben, kleiben u. s. f. emp und ent, denn beyde sind nur eine und, eben dieselbe Vorjylbe, welche in ein Paar Sub- siantlven auch ant, lautet, Antliy, Antwort. Sie bedeutet: 1. eine Bewegung von einem Orte weg, entfahren, entfernen, entfallen, entfliegen, entführen, entgehen, entsagen, entzücken , entziehen. 2. Eine Beraubung, enterben, entkleiden, enrfteleu, entrunzelu, entschuldigen, entvölkern, entwaffnen. In manchen 7Z2 I.TH. 2.Abschn. manchen Fällen hat sie eine diesen beyden entgegen gesehre Bedeutung, und da scheinet sie aus an oder in entstanden Zu seyn; denn sie bedeutet z. auch eine Bewegung an, in und nach etwas, welche oft in manche figürliche Nebenbedeutungen ausschweifst: entrichten, an einen andern richten oder geben, enthalten, in sich halten, entbiethen, einem andern zubicthen; so auch empfahen, empfangen, empfehlen, empfinden, wo enr um des Wohllautes willen in emp übergehet. Dahin gehöret ferner das alte, aber im Hochdeutschen erst seit kurzem wieder erneuerte entsprechen, welches eigentlich so viel, wie antworten, und figürlich gemäß seyn, überein kommen, bedeutet, und von vielen ohne Noth getadelt worden, wenigstens, was die Bedeutung und ihre Analogie betrifft, weil sonst auch antworten, entgegen, entbiethen u. s. f. tadelhaft seyn würden. 4. Einen Ursprung, entsprießen, entspinnen, entbrennen, entstehen, entzünden, entglimmen u. s. f. für an. er, verwandt mit ur, her und ver, sehr fruchtbar, neue Zeitwörter mitBezeichnung eines Umstan- deö von andern abzuleiten. Sie bedeutet: 1. eine Bewegung in die Höhe, erheben, erhöhen, erbauen, errichten, erziehen. 2. Eine Öffnung, erbrechen, z. Eine Veränderung aus einem Orte, für aus: stch ergießen, erschöpfen, erfüllen; erwählen, erlesen, erkiesen, ersehen, aus mehrern. 4. Eine Annähermig, erreichen, erstrecken, erHaschen, ertappen. 5. Die Über- kommung des Besitzes, Erwerbung: erwerben, ersparen, erstehen, erhandeln, erobern, erkaufen, erwarten, erzwingen. 6. Die Gegenwart für her, dar: erlegen, erzählen, ertragen, erscheinen, erweisen, erschallen. 7. Die Her-- vorbrin- Von dem Verbo. §. Z9O. 73z vorbringung: erdichten, erdenken, ersinnen, erfinden, ergrübeln. 8. Die Versetzung in einen Zustand: erwärmen, erkälten, erweichen, erweitern, ergänzen, erbittern, ermorden, ersäufen. Und ein Gerathen in einen Zusiaud, ben NeutriS: erwarmen, erkalten, erstarren, erkranken. 9. Eine Wiederholung: erneuern, erstatten, ersetzen, erlassen, sich erhöhten. ver, eine sehr alte und fruchtbare Ableitungssylbe, ehedem eine eigene Partikel, welche mit fern, fort, für verwandt ist, und nicht nur dieser Prä. Positionen, sondern auch der Partikeln er, aus und ur, Bedeutung in sich vereinigt. Sie macht Verba entweder aus andern Verbis vergehen, verzehren u. s. f. oder aus Substantiven, verabscheuen, verkohlen, vernarren, oder aus Adverbii^ verarmen, verbittern. Sie bedeutet, z. eine Entfernung für weg, von andern Verbis neue mit diesem Nebenbegriffe daraus zu bilden; sowohl 1. eigentlich: verjagen, verbannen, vertreiben, verschenken, verhandeln, verleihen, verheurachen. Als auch figürlich, 2. eine Erschöpfung: verarbeiten, verbrauchen, verspielen, verthun, verblühen, sich verbluten, verderben, verschmachten, z. Einen Verlust: vergessen, verscherzen, verlieren, vertändeln. 4. Eine Unterlassung: verbiethen, verbirren, versagen, verschwören. 5. So viel als fort, oft mit dem Nebenbegriffe des wenigen: verrücken, verschieben, verseyen, verpflanzen. 6. Einen Irrthum: verführen, verleiten, verrechnen, sich verschreiben, versprechen. 7. Eine andere Bestimmung: verändern, verwechseln, verstellen. z. Eine 7Z4 i'TH' 2.Abschn. 7. Kap. 2. Eine Verschließung, gleichfalls von andern Verbis: vermauern, verstopfen, verbinden, vernageln. z. Ost gehet sie in eine bloße Intension über, wie aus, und die lateinischen ir und per.- verharren, verlachen, verspotten, verhoffen, verehren, vergönnen. 4. Sehr häufig hilft sie Verba aus Substantiven und Adverbiis bilden, sowohl Neutra, ein Gerathen in einen Zustand, als auch Activa, ein Ver- setzen in denselben zu bezeichne!? : veralten, vers armen, verdorren; verbessern, verdunkeln, veredeln, verkürzen, verherrlichen; verant- rvorten, vergöttern, verrerzern. 5. Eine Verbindung-, sowohl von Verbis als Substancivis und AdverbiiS: verflechten, ver- jannneln, verbinden, verbrüdern, verschwägern, vennahlen, verehelichen. zer, eine Trennung der Theile, sowohl thätig als neutral: zerstören, zerschneiden, zertrümmern, zerreißen; zerstießen, zerrinnen, zerbrechen. Von diesen Vorsylben gilt, was schon im vorigen von den Ableitungssylben überhaupt gesagt worden. Diejenigen, deren Bedeutung bekannt und bestimmt ist, können in denjenigen Fällen, wo sie bekannt und bestimmt ist, immer noch zu neuen Ableitungen gebraucht werden; welches aber nicht Statt findet, wenn die Bedeutung dunkel und unverständlich ist. Und der §. M. Die Nachsylben bestimmen die Grund-- Nachsplben. bedeutung eines Verbi nur in einein Nebenumstan- de anders, und sind noch ganz tönende Natur, daher der Nebenumstand immer aucb nur ein solcher 'st, Von dcm Verbo. §.391. 635 ist, welcher unmittelbar in das Gehör fallt, oder doch vermöge einer sehr gewöhnlichen Figur leicht daraus hergeleitet werden kann. Um deswillen kommen Verba dieser Art auch in den gemeinen Sprecharten am häufigsten vor, weil diese noch am stärksten an dem Sinnlichen und Hörbaren kleben, dagegen die ausgebildete und edlere Sprache mehr dem deutlichen Begriffe, als dem Hörbaren, nachgehet. Indessen kann doch auch diese dergleichen Verba nicht ganz entbehren, und gebraucht sie besonders da ohne Anstoß, wenn sich die Bedeutung schon durch eine Figur von dein ersten Eindrucke des Gehöres entfernet hat, oder doch dieser kein niedriges oder unangenehmes Bild bey sich führet. Jede Sprache hat hier ihren eigenen Gang, und die auf solche Art abgeleiteten Verba bekommen von dem Nebenbegrijfe, welchen sie hörbar ausdrucken, ihre eigenen Nahmen. Im Deutschen bekommt man durch dieses Mittel Intensiva, einen verstärkten innern Grad, Ireraciva oder Lrequentis va, eine Wiederhohlung, Diminutive, einen geschwächten Grad der Grundbedeutung, Desldcra-- riva, ein Verlangen nach der Bedeutung, Factitt- va, ein Verursachen der Handlung des Verbi und Imitative, eine Nachahmung oder Ähnlichkeit zu bezeichnen. Die Verba dieser Art werden gemeiniglich von andern Verbis, oft aber auch von Substantiven, noch mehr aber von AdverbiiS abgeleitet. Von vielen sind die Stammwörter veraltet, von noch mehrern aber sind sie noch üblich. Derjenige Wurzellaut, welcher den Nebenuni- stand bezeichnen soll, wird unmittelbar an den Wurzellaut des Stammwortes, uach vorher gegangener Weg- 7Z6 i.TH. 2.Abschll. 7. Kap. Wegnahme der Flexions-Sylben, angehänget, und nimmt die BiegungSlaute des Verbi unmittelbar nach sich. Von dem alten schmeichen, welches mit unserm schmiegen verwandt ist, wird mit Einschaltung des Ableitungslames zwischeu dem Wur>- zellaure und den Flexions-Snlben jchineichrel^n, ich schineich - el - c, schmeich ^ ei - te; von reiten, welckeS in seiner ersten allgemeinen Bedeutung veraltet ist, rett/Z-en, reit^el--n, reit-er-n, rürr-cl-n. Der Wurzellaut leidet dabey oft allerley Veränderungen, der End-Consoncmt wird oft verdoppelt, die Imension zu verstärken, der gedehnte -laut gehet alsdann in den geschärften über, u.s. f. alles, so wie die Empsmdnng des Hörbaren, welche der ganze Grund dieser Veränderung ist, es erfordert. - In denjenigen Verbis, welche vermittelst der Sylben el und er abgeleiter werden,, verlieren die Flexions-Sylben en, est, er, ihre, schmeicheln, lächeln, du rändelst, er spöttelt, für schmei- chelen, lächelen u.s.f. Wenn die Flexions-Sylbe ein bloßes e ist, so kann die Ableitungssylbe el in der vertraulichen Sprechart ihr e verlieren, schmeichle, wenn die Härte nicht zu groß wird, wie in krümle, sporrle, kräusle. In den Verbis auf ern ist diese Weglassung in den meisten Fällen zu hart. Diejenigen Nachjylben nun, vermittelst deren Verba anf diefe Art abgeleitet werden können, sind mir der Flexions-Sylbe des Infinitives vornehmlich folgende. ch-en, Intensiva zu bilden, z. B. horchen von hören, schnarchen von einem veralteten schnüren, das niedrige schärchen von scharen, das Oberdeutsche ferchen oder sarchen von fahren. Von dem Vcrbo. §.391. 757 rett, daher auch unser Furche, suchen vermuthlich von jeden. Einen noch starkem Grad bezeichnet das folgende ken. cl-N für el-en. 1. Eine Verkleinerung zu bezeichnen: kränkeln von kranken, Ninne n von krumen, lächeln von lacheil, spötteln von jpots ten, kritzeln von krirzen, krähen, kräuseln von kräusen, bröckeln von brocken, älteln von alccn, schneideln oder schneircln von schneiden, schnitzeln von schnirzcn, tändeln von dem veralteten tanden, ranten, Franz. ^gQciuier. Oft gehet die Verkleinerung in den Begriff der Verachtung über, buchstäbeln, künstein, wörteln, mit Worten spie- len, von rvorten, mit. Worten ausdrucken, weiches noch bey dem Kaifersberg vorkommt. 2. Eine Nachahmung, gemeiniglich von Adverbiis und mit einem verächtlichen Nebenbegriffe: klügein, klug thun, witzeln, Witz zeigen wollen, bübeln, Legau, vernünfteln, z. Eine» geringen Grad der Ähnlichkeit, älteln, altlich riechen oder schmecken, dös ekeln nach dem Bocke riechen, von bocken, si- schein, nach Fischen schmecken. Noch häusiger, 4. eine Wiederhohlnng, wie ein: betteln von oir-- ten, wackeln von einem veralteten wacken, sirei- cheln voil Erreichen, handeln von dem veralteter! Handen, handhaben, riejem von riefen. Wo die Begriffe der Verkleinerung und Wiederhohlnng oft miteinander verbunden find, träufeln von träusen, tröpfeln von tropfen. Man hüre sich, diejenigen Ä erba hierher zu rechnen, welche unlangbar von Substantivis auf et Herstaminen, wie kegeln, ha- geln, nebeln, nageln, tadeln u. f. f. TH. 2.Abschn. 7. Kap.- s-en, der vorige AbleitungSlaur nur nach einer feinern Mundart, eine Verstärkung oder Wiederholung Zu bezeichnen: quackfcn von quacken, schiuci'seii von schlugen, das veraltete dinfen von dehnen, daher gedunsen und Dunst, humm- sen, jninnlsen von ju-ninen, raiffen von rajfen, drucken von drucken, llsgfen in belugfcn, abs lugfen von den: noch Oberdeutschen lugen, sehen, bammsen, waitunjen, das alte reichfen für reichen, regiereu u. f. f. Siehe auch zen. s- el - N, ein zusammen gefetzterAbleituugslaut, welcher die Verstärkuug mit der Wiederholung oder auch die Wiederhohlung mit der.Verkleinerung verbindet: drcchj'eln von drehen, blindftln, wii:se>n von weinen. In einigen Gegenden auch eine Ähnlichkeit: füchfeln, dyckseln, nach dem Fuchse oder Bocke riechen. t-en, eine Verstärkung, stärker als d. Der gedehnte Ton des Wurzelwortes gehet alsbanu gern in den geschärften, lind die weichen Hauptlaute in die härtern über; lauter hörbare Nachahmungen der Intension: schlachten von schlagen; das alte besichten von besehen, daher das Irerattvum besichtigen, oft und scharf besehe»; fürchten von fahren in befahren' flüchten von fliehen; sechs ten von fegen in feiner ältesten und weitesten, mit wegen in bewegen verwandten Bedeutung; das alte begichren, bekennen, von Iahen, jähen, sagen, daher Deicht; ein anderes veraltetes gichs -rcn, oft und stark gehen, laufen, von gehen, daher noch Glcdr, ein Gang, im Bergbaue; trachten von tr 'igen; bluten von blühen; arten, pflügen, von arcn, ärcn, insre; warten von waren, sehen, Von dem Verbo. §.591. 745 hm, daher gewahr. So mich dichten, sichten, leuchten, und hundert andere mehr. z-cn, wie s>en, nur noch starker, sowohl Intensiv« zu bilden: schluchzen, glänzen, ächzen, krächzen, seufzen, rirzen, reirzen, lechzen, stürzen, stürzen, schlirzen, bc>chmurzen, verleben, von einem mit jgecieie verwandten Stammworte, herze!:, eilen machen, von dem alten Hasen, eilen, daher »oase, ein flüchtiges Thier scherzen, schmers zcn, und viele andere mehr. Als auch Facritiva: bcirzen, beijsen machen, ärzen, ejsen oder aßen nia- chen, ergerzen, freuen machen, von einem alten mit Zaubere, Ital. vocieie, verwandten Stammworte. Ungleichen Imitativa, von Pronominibus: durzen, der Aussprache nach, aber der Analogie nach düzcn, ihrzen, erzen, du, ihr, er, nennen. Das cz hat zu allen Zeiten feinde gehabt, selbst unter solchen, welche sich für Spracht'enner ausgaben, und es um deswillen verbannet wissen wollten, weil das t hier unnöthig sey, indem das ; schon aus r und s bestehe. Wie ungegründet diese Voraussetzung ist, ist schon an seinem Orte gezeiget worden. Das z ist der harte Buchstab seiner Classe, aber um deswillen eben so wenig zusammen gesetzt, als p, t,k und andere. Ihm das t in abgeleiteten Wörtern nehmen, heißt einen wesentlicheil Theil des Stamm- worteS wegwerfen, folglich den Bau der Wörter nicht ausschließen, sondern verdunkeln. Der obige verstärkende iaut s gehet nach harten Consonanten, dergleichen besonders das r ist, allemahl und ganz natürlich in das harte z über. z-el-N, zusammen gesetzt aus dem vorigen und el, den Begriff der Wiederhohlunq, oft auch der Verkleinerung mit der Verstärkung zu verbinden; Aaa 5 run-- _ 746 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. runzeln, scl»nun;eln, blinzeln für blindseln, kitzeln, meczeln, von dein veralteten meiden, nieten, schneiden, tat. melei-s, daher Meiden, ein Wallach, ein verschnittenes Pferd u. s. f. Zuweilen anch eine Nachahmung wie scln, brennzcln, nach dem Brande riechen oder schinecken. Fruchtbar- §. Z92. Das erste, was sich bey einer nur fluch- kcit dieser, tigen Übersicht dieser Nachsylben darstellet, ist, dasi Al'leitungs- der Begriff des verstärkten innern Grades so viele ^' und die allermeisten Ableitungslautc hat. Warum das wohl anders, als weil sich die Sprache ursprünglich ganz aus das Hörbare stützte, der Nebeubegriff der Verstärkung aber, so oft er auch ausgedruckt werden Mußte, sehr unbestimmt tönte, und immer nach dem Unterschiede des Gegenstandes, an welchen? man ihn dachte, verschieden war, daher man ihn ans eine so mannigsaltige Art ausdruckte und ausdrucken mußte. Andere Nebenbegriffe, z.B. der Wiederhohlung, der Verkleinerung u. s. f. sind bestimmter, und daher in ihren Ausdrücken eingeschränkter. Vermittelst dieser Ableitungslautc läßt sich der Grundbegriff eines Verbi, wenn er dergleichen Nebenbegriffe fähig ist, auf eine sehr mannigsaltige Art verändern; besonders wenn auch die Buchstaben des Wurzelwortes zu desto stärkerer Bezeichnung des Hörbaren zugleich mit verändert werden. Ein Paar Beyspiele mögen zur Probe hinlänglich seyn. Alten, alt werden; altern, sehr alt oder auch schnell alt werden; älteln, ein wenig alt werden, ingleichen ältlich riechen oder schmecken. Beben; bebern schnell und heftig beben; bs-- bern heftig und mit einem dumpsigen jaute beben; pupern und puppern, mit harten Schlägen Von dem Verbo. §. Z92. 747 gen beben, lauter in den gemeinen Sprecharten übliche Wörter. Drehen^ drillen, stark und schnell drehen; drie- stln, kleine Faden aufdrehen; drechseln, schnell und stark umdrehen. Fähen, ursprünglich eine Nachahmung einer schnellen leichten mit einem Winde verbundenen Bewegung, deren Verstärkung durch fegen und fachen ausgedruckt wird; fächeln, mehrmahlige kleine windige Bewegungen machen; fäs chern oft und viel hin und her bewegen; fo- chern im gemeinen Leben, mit einem tiefern Tone Wind machen; fackeln, stark und oft bewegen; fechten, heftig bewegen. Weiche erste Bedeutungen nachmahls nur auf besondere Falle angewandt worden. So auch das ahnliche lVehen, wegen, wachen, wächeln oder we- cheln, wachsen, wackeln, wecken, wachen oder bewegen machen, wuchern. Schnauben, mit dumpfigem Laute, schweben, mit kleinem Laute, schnäufeln, mit wiederholtem starken Laute, schnüffeln, oft und stark, bes schnoppern, beschnuppern, mit noch starkerm, härtern und öftern Laute. Schneiden, schneireln, schniyen, schnitzeln, schnilzern. Stauben und stieben, Neutra; stäuben, Factiti- vum; stäubern,stöbern,Iterativ« desFaetirivi. Stechen, sticheln, stochern, stecken. Tancn, das veraltete Stammwort, verwandt mit dehnen, und dem Franz. ciai.cüner; rändeln, tanzen, vui«. es ranzert mich. Triefen, rräufcn, tropfen, tropfen, tröpfeln. Ziehen, ehedem zauen, zögern, zaudern, zacken, zackcrn, zucken. Indessen 748 i. Th. 2. Abschn. 7. Kap. Indessen sind sie nicht so zahlreich, und es kann im Deutschen ein Stammwort nicht so willkührlich durch alle diese Nebenbegrisfe durchgeführet werden, als im Hebräischen und andern alten morgcnländi- schen Sprachen, wo diese Formen eigene Conjugationen machen, sondern man muß es bey denen bewenden lassen, welche der Gebrauch einmahl eingeführet hat, wovon noch dazu die meisten nur in den, niedrigen Sprecharten gangbar sind. Die Ursache ist leicht zu finden. Der Ursprung der Sprache und die erste Ausbildung gründet sich ganz auf das Hörbare. Bey mehrerer Ausbildung Haufen sich die figürlichen Bedeutungen, und dann macht das Hörbare oft nur noch den kleinsten Theil aus. Wenn eine Sprache endlich anfangt, sich zu verfeinern, und durch Geschmack und Wissenschaften erweitert und ausgebildet zu werden, dann folgt sie mehr deutlichen Vorstellungen als dem dunklen Hörbaren; sie schämet sich dieser ihrer Kindheit, und behält zwar, was sie nicht entrarhen kann, davon bey, hütet sich aber, die Sprache auf diesem rohen und sinnlichen Wege zu erweitern, dagegen der große Hausse auf diesem Wege fortgehet, und noch täglich neue Wörter dieser Art bildet. Daher sind denn die meisten Verba dieser Art für die edle Schreib - und Sprechart zu niedrig, diejenigen ausgenommen, welche nicht unmittelbar mehr tönen, wie z. B. die Intensiv«, wo das Hörbare schon an sich unbestimmt ausgedruckt worden, und endlich .ganz verschwunden ist, seitdem man diese Verba figürlich für ihre Stammwörter zu gebrauchen angefangen, die denn größten Theils dadurch verdränget worden. AuMM- §. Z9Z. Hierher gehöret auch die ausländische schc-ÄMnz Endung ier?e>», welche aus de.i lateinischen En- Von dem Verbo. §.Z9Z. 749 düngen are, eie und >re entlehnet ist, und im gemeinen jeden sehr häufig gebraucht wird, lateinischen und Französischen Verbis ein Deutsches Ansehen zu geben: studieren/ formieren, rebellieren, marschieren, coliigieren, flattieren, und tausend andere mehr, welche in Ermangelung Deutscher gleichbedeutender Wörter, sehr häufig aber auch aus Unwissenheit derselben, oder auö Liebe zum Ausländischen, oft bis zum Ekel gehauset werden. Wenn vor dieser Endung noch ein i hergehst, so darf selbiges nicht verschwiegen werden: injurüc- ren, vicariieren, variieren, promincüeren, nicht injuriren u. f. f. Doch ist für copiieren, copieren allgemein. War es Unwissenheit Deutscher Ableituugs-Formen, oder Eingenommenheit für das Fremde, daß man diese Sylbe auch mißbrauchte, von achten Deutschen Wörtern Verba zu bilden ? Sich erlustiercn, halbieren, haselie- ren, gastieren, stolzieren, herbergieren, hausieren, hofieren, schattieren, Hanthieren, haf? tiercn, inhaftieren, buchstabieren u.s. f. sind solche Zwitter, deren sich doch die anständige Schreibart so wie aller ähnlichen so sehr enthält, als sie kann. Billig sollte man diese Endung in allen Fällen ieren schreiben, weil das i hier wirklich gegedehnt ist, dasselbe auch in regieren, spayiereir und einigen andern bereits eingeführet ist, in noci^ andern aber das ie seinen Grund in dem Stammworte hat, wie quartieren, rhurnicrcn, revie-- rcn, pitschieren, rappieren, visieren u. s. f. von Suartier, Churnier, Revier, picschier, Rap- pier, Dister. Daher man um der Glnchförm.ig- keit willen auch die übrigen so schreiben sollte, zumahl da der Grund dazu allen gemein ist, nähmlich das gedehnte i. Der fremde Ursprung dieser Endung 75O i. Th. 2.Abschlt. 7. Kap. Endung hindert hier nichts. Da dergleichen Wörter in der Endung und Conjugation ein Deutsches Ansehen erhalten, so sollte man es ihnen auch in der Schreibart geben. 2. Arten der Verborum. Grund ih- §. 194. Das Verbum ist ein Nedetheil, welcher rer Ver- einem selbständigen Dinge etwas Unselbständiges,!).!. Meden- ^m Prädicat, in einem und eben demselben Worte ^ ' beyleget. Man kann daher das Verbum auf eine dreyfache Art betrachten, in Ansehung des Prädica- teS, in Ansehung des Subjectes, und in Ansehung der Art, wie die Beylegung bezeichnet wird, oder her Conjugation. Da bey jeder dieser Arten mch- hrere Fälle möglich sind, so entstehet daraus auch die große Verschiedenheit unter den Verdis, welche wir wirklich bey denselben antreffen. 1. In Ansehung des j)r^dicares, kann dasselbe entweder vollständig seyn, so daß zu dessen Be-- greiflichkeit nichts weiter erfordert wird, oder e6 kann unvollständig seyn, d.i. einen zufälligen Nebenumstand enthalten der seinen Aufschluß erst durch einen Beyfah erhalten muß. Es kann fer- ner etwas enthalten, was an dem Dinge allem gedacht werden kann, oder aucy etwas, das außer dem Dinge vorgehet. 2. In Ansehung des Su'bjectcs, welchem das Pradicat beygeleget wird, welches entweder bestimmt, oder unbestimmt seyn kann. z. In Ansehung der Conjugation, d. i. der Art und Weise, wie diese Beylegung bezeichnet wird, entweder nach klaren Begriffen durch das ganze Verbum auf eine einförmige Art, oder nach dunkeln Empfindungen auf eine abweichende Art. Hierauf Von dem Verbo. §.395.396. 75» Hierauf gründet sich nun die Verschiedenheil, welche wir unter den Verbis antreffen. §. Z95. In Ansehung des prädicates ist das- Vcrschie- selbe entweder vollständig, wenn es keiner weitem ^'nhe-t m Erklärung bedarf: die Sonne scheiner, der ^/^s Rrani'e schläft, Carl lernet, die Erde bebet. ^6.' Oder es ist unvollständig, d. i. es druckt etwas aus,' was noch einen BeysaH erfordert, wenn das Prädi- cat seine völlige Verständlichkeit haben soll. Dergleichen sind Z.V. seyn, haben, werden, wollen, können, dürfen, sollen, müssen, lassen, mögen u. s. f. welche einen zufälligen Nebenumstand bezeichnen, welcher sich bey allen Prädieaten befinden kann, und daher näher bestimmt werden muß. Da die bisherigen Sprachlehrer nicht gut gefunden, die Verba von dieser Seite Zu betrachten, so hat man ihnen in Ansehung dieser Verschieden, heit auch keinen Nahmen gegeben. Indessen ist dieser Umstand wichtig, theils weil der Begriff eines Hülfswortes darauf beruhet, theils aber auch weil die Verbindung eines Verbi mit dem andern im Syntare daraus ihre Aufklärung erhält. Wir können daher jene Dcrba compleca, vollständige Derba, diese aber incompleca, unvollständige, nennen. §. 396. Bey jeder von beyden Arten findet wie- Fort- der eine doppelte Verschiedenheit Statt. Das Prä- s^ung. dicat, welches das Verbum bezeichnet, ist entweder i"'"^"'' , . / ^ /-.s^ ^- ,. transitiv»,, etwas, das an dem selbständigen Dinge, welchem es beygeleget wird, allein vorgehet, oder etwas, das außer demselben Start findet, daher denn Zwey selbständige Dinge erfordert werden, wenn es seine völlige Verständlichkeit erhalten soll, dasjenige, welchem das Prädieat eigentlich einverleibet wird, uns 752 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. Und welches sich thätig verhält, und dasjenige, auf welches? sich der Begriff des Prädicates erstrecket, und welches leidend ist. Die erstem hciffen Neutra, noch bestimmter und richtiger aber Intransitiva, weil der Begriff des Prädicates sich nicht weiter als auf sie selbst erstreckt, und bezeichnen entweder eine Beschaffenheit, wie glühen, glänzen, blühen, oder einen Zustand, suzen, stehen, schlafen, träumen, liegen, oder eine Handlung u. s. f. Siehe bey den Verbis Neurris. Verbum H. Z97. Die Transitiva legen dem selbständi- Transiti- Dinge etwas bey, welches außer demselben an einem andern selbständigen Dinge vorgehet. Sie erfordern daher zu ihrer Verständlichkeit zwey selbständige Dinge, wovon sich das eine thätig, das andere leidend verhält. Der Natur der Sache und den gewöhnlichsten Fallen nach ist ^as Subject allemahl das handelnde oder thätige ^. ing, und wenn ein Cransmvnin nur dieses Verhältniß allein ausdruckt, so heißt es ein Activum, und die dazu bestimmte Form die active. Allein, da auch Falle vorkommen können, wo das Subject der leidende Gegenstand ist, so hat man dazu in manchen Sprachen eine eigene Form des Verbi, welche die passive Form, ein solches Verbum aber ein Passivum genannt wird. Die Deutschen haben keine eigene Form für das Passivum, sondern muffen selbiges umschreiben. Da das Intransitivum keinen leidenden Gegenstand außer sich hat, so bedarf es auch Nur einer Form. Reclpkö- §. zy8. Die beyden selbständigen Dinge, welche zur Verständlichkeit eines Verbi transitivi gehören, sind entweder von einander verschieden, welches der W ölMichsie Fall ist, oder sie sind nicht verschieden, sondern Von demVerbo. §.W?.Z9Y. sondern das thätige Ding ist zugleich das leidende, indem das Verbum activum seinen thatigen Begriff auf das Subject zurück führet. Man nennet dergleichen Verba, vermittelst welcher solches ge» schiebet, )^eciproca, ob sie sich gleich in der Form ^ von den übrigen Activis nicht unrerfcheiden, derBe- deutung nach aber wahre Intransitiva sind, indem sich das Pradicat des Verbi nicht außer dem Subjecte erstrecket. Sie erfordern ein Pronomen reci- procum, und sind entweder von Natur reciproca, welche auf keine andere Art üblich sind, wie sich grämen, oder nur dem Gebrauche nacb, da alle Activa und viele Neutra zu Reciprocis weroen kennen, wenn nur ihr thatiger Begriff auf das Subject zurück geführet werden kann. §. Z99. Ein anderer Unterschied unter den Ver- Facti'twa, bis in Ansehung des PradicctteS, welches sie bezeich- 2n-uttiva nen, erstehet durch die Ableitung, wenn, wie schon ^' ^ im vorigen gezeiget worden, die Grundbedeutung eines Verbi durch Hinzufügung eiueS Nebenbegriffes anders bestimmt wird. Dadurch, entstehen im Deutschen Facritwa, wenn die Bewirtung eines Zustandes oder einer Handluug an dem leidenden Gegenstande ausgebruckt wird, beirzen, beiffen macye», jchrveininen, schwimmen mach?n, sio, ßen, stießen machen, tränke», trinken machen; Itcr^tivv; oderreczlie.irativa, wenn eine Wie- derhohlung, Imenswa, wenn eine Verstar« kung des Grundbegriffes, Dilninuciva, wenn eine Verkleinerung des Grundbegriffes, Dcslderari? va, wenn ein Verlangen nach dem Begriffe der Wurzel, und ^jnmarlva, wenn der Begriff einer Nachahmung m, dem Verbo felbst bezeichnet wird. S. §. ?94- Adel. L>. Spr. Bbb §. 400. 754 i. Th. 2.Abschn. 7. Kap. HerflnU- §. 400. Ein linderer Unterschied unter den Ver- ches un» bis entstehet, nachdem das Subject, welchem das Prä- ""/s ^ Verbi einverleibet werden soll, ausgedruckt bum ^ ^ bestimmt, mit genauer Bezeichnung der Person, ausgedruckt, so heißt das Verbum ein persönliches' wird es aber sehr unbestimmt bezeichnet, so daß das Subject als ein sehr unbekanntes Etwas dargestellet wird, jo heißt eS ein unpersönliches: es regnet, es schneyet. VollMige 401. Aber auch der Gebrauch macht einen Un- «nd man- terschied unter den Verbis, indem es Verba gibt, gclh-itte welche nicht in allen den Verhältnissen üblich sind, welche sonst an Verbis ausgedruckt werden können. Ein Verbum, welches in allen den Verhältnissen gebraucht werden kann, in welche sich das Pradicat gegen das Subject in einer Sprache seßen läßt, heißt ein vollständiges, oder vielmehr, da wir diesen Ausdruck vorher schon in einem andern Bestands gebraucht haben, ein vollzähliges, dessen Gegensatz aber ein mangelhaftes Derbum, ein Defecti-- vum. Wir haben im Hochdeutschen Verba, von welchen nur der Infinitiv, oder das Participium, oder ei> ige Zeiten üblich sind: ahfolgen lassen, behängen bleiben, das Ableben, abwesend, ans rvesend, in meinem Beyseyn, anerschaffen und angebohren, zwey Participia, abliegen, wovon nur abgelegen üblich ist, abweichen, das Participium verrvichen für vergangen, vieren, in ein Quadrat verwandeln, gevierr, die Vierung, u.s.f. wohin auch die mit aufer und auser zusammen gesetzten Verba gehören. Reguläre §. 402. Wichtiger ist der Unterschied, welchen und irrcM- die Conjugation oder die Art und Weise macht, litte Verba, wie jedes Verhältniß an dem Verbo bezeichnet wird. Geschie- Von dem Verbo. Z. 40z. 755 Geschiehet solches nach der dunkel» Empfindung des Hörbaren, so entstehet die irreguläre Coujuga- ^ tion; geschiehet e6 aber nach klaren Begriffen und mit Bewußtseyn allgemeiner Regeln, so ist die Conjugation regulär. Ein Verbum, welches auf die erste Weise conjugiret wird, heißt daher ein irregu- . läres oder abweichendes, dessen Gegensatz aber ein reguläres oder regelmäßiges Derbum. Doch von allen diesen Arten der Verborum reden wir im folgenden umständlicher. z. Von der Conjugation überhaupt. §. 40z. Das Verbum legt dem Subjeete ein Gmnd der unselbständiges Präd.ieat bey. Es drucke nun die selben, bloße Beylegnng und weiter nichcs aus, oder es schließe auch das Prädicat mit in sich, so sind dabey mehrere Umstände und zufallige Verhältnisse möglich. Das Subject kaun einfach oder mehrfach seyn, es kann in jedem Falle die erste, zweyte und dritte Person seyn, die Beylegung kann als gegenwärtig oder als vergangen, oder als zukünftig ausgedruckt werden, sie kann als gewiß oder als unge» wiß dargestellet werden u. s. f. In der ersten Kindheit der Sprache druckte man alle diefe Umstände und Verhältnisse nach der dunkeln Empfindnng des Hörbaren, größten Theils durch eigene Laute, und zwar für jeden einzelen Fall ans eine eigene, aber doch vermuthlich ähnliche Art aus. Da diese Falls in der Rede sehr oft wieder vorkommen, so entdeckte man endlich, daß alle diese Verhältnisse unter sich eine Ähnlichkeit hätten, und bey jedem Praoicate unter ähnlichen Umstanden angebrache werden könnten ; und endlich verglich man sich stillschweigend über gewisse, nicht willkürliche, sondern unbestimmt und dunkel tönende Wurzellaute, welche zur Bbb s Abkür-- 756 l.TH. 2.Abschn. 7. Kap. Abkürzung der Rede nach und nach an das Prädi- cat angehänget wurden. Es erhellet daraus, daß ein jedes Verbum ein abgeleiteter Redetheil ist, der erst durch die angehängten Wurzellciute zu dem wird, was es seyn soll, nähmlich zu einem Verbo. Wenn man die verschiedenen Verhältnisse erwäget, welche man ans diese Art durch sehr einfache iaute an dem Wurzelworte, welches gemeiniglich eineIn- terjection oder noch häufiger ein Adverbium ist, auszudrucken gewußt, so muß man gestehen, daß das Verbum ein sehr künstlicher Redetheil ist, welcher daher bey jedem Volke erst einen gewissen Grad der Cultur voraus setzet, ehe er wenigstens auf eine einförmige Art entstehen kann. Da aber die möglichen Verhältnisse dieser Art sehr vielfach sind, so kam es dabey auf jedes Volk, dessen Grad der Aufklärung und Bedürfniß an, wie viel und was für welche es an feinen Verbis auf eine einförmige Art bezeichnen, oder welche es durch eigene Wörter und jaute ausdrucken wollte. Hierzu kommt noch, daß die Verhältnisse selbst nur sehr dunkel empfunden werden konnten, daher man zu ihrer Bezeichnung sehr unbestimmt tönende Wurzellaute wählen mußte, welche aber doch immer noch eine Ähnlichkeit mit dem dunkeln Begriffe haben mußten, weil man sie sonst nicht hätte wählen können. Daher ist denn jedes Volk in Bildung seiner Verborum seinen eigenen Weg gegangen, und kein Redetheil ist sich in ganz verschiedenen Sprachen so ungleich, als eben das Verbum. Es kann zugleich als ein Maßstab der Cultur, aber einer eigenen aus sich selbst hergenommenen Cultur, jedes Volkes angesehen werden, und in dieser Rücksicht ist das Griechische Verbum das vollständigste und vollkommenste, weil es die meisten Verhältnisse an dem Wurzelworte des Verbi bezeichnen Von dem Verbo. §.405.404. 757 bezeichnen kann; das lateinische ist bey weitein nicht so vollständig, aber doch weit mehr, als die Verba der . Deutschen und übrigen abendländischen Sprachen; daö Hebräische hingegen ist daS unvollständigste, weil es sehr arm an eigentlichen Verhältnissen ist. Desto häufiger und regelmäßiger druckt es durch seine viele Conjugationen Neben>egriffe an dem Zeitworte aus, welche in den meisten Fällen ganz von dem Hörbaren entlehnet sind, und daher von jeder Sprache, so wie sie sich nach klaren Begriffen ausbildet, wieder verlassen werden, besonders so fern sie sich ganz ans das Hörbare stützen. Die vornehmsten Verhältnisse, welche man an dem Verbo selbst zu bezeichnen pflegt, sind indessen folgende. §. 404. 1. Die Beschaffenheit des prädi- Form und cares, ob es an dein Subjecte allein gedacht wer- ^'"'^ den kann und muß, oder ob es noch einen Gegen- Aerbomm. stand, besonders einen leidenden Gegenstand, außer demselben erfordert; folglich ob es ein Intransitivum oder Transitivum ist. Diese Beschaffenheit des PrädicaceS macht die Form des Verbi aus; allein die Deutschen Verba haben keine eigentliche bestimmte Formen, indem das Intransitivum von dem Transitivs im Äußern.nicht verschieden ist. Nur in einigen Fällen ist das Intransitivum entweder durch die irreguläre Conjugation, oder durch einen Vocal des Wurzellautes von dem Transitivo unterschieden ; so sind die Intransitiva erschrecken, verderben, schmelzen», s. f. in der Conjugation irregulär, ihre gleich lautende Transitiva aber regulär; die Intransitiva sinken siizen, trinken u. s. f. unterscheiden sich in dein Vocale von ihren TransitiviS senken, seyen, tränken. Allein dieser Unterschied Bbbz ist 75S i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. ist zu selten, und daher zu sehr zufällig, als daß man darauf den Begriff einer bestimmten Form bauen könnte. 2. Bey dem Transitivo findet wieder ein doppelter Fall Statt; das Pradicat kann entweder von dem thätigen oder von dem leidenden Gegenstande gesagt werden, oder, mit andern Worten, e6 kann das Subject thätig oder leidend vorstellen. So fern dieses Verhältniß des' Verbi gegen das Subject an dem erstcrn selbst ausgedruckt wird, heißt eö Dor oder Genus. Gemeiniglich gebraucht man dieWör- ter Form, )5ox und Genus in den Sprachlehren als gleich bedeutend; allein man siehet bald, daß sie gar sehr von einander unterschieden sind. Der Unterschied, auf welchem sich die Form gründet, ist gewisser Maßen wesentlich, weil er von der Beschaffenheit des Prädicates herrühret; dagegen der Unterschied, welchen Dop oder Genus machen, bloß zufällig ist, indem es auf den Sprechenden ankommt, ob er das Subject thätig oder leidend darstellen will. Stellet das Verbum das Subject thätig dar, so heißt es ein Derbum acttvum, wenn e6 aber dasselbe leidend darstellet, Dcrdum Passivum. Da6 Deutsche Verbum ist auch in diesem Stücke mangelhaft, weil es kein eigenes Passivum in einem und eben demselben Worte bilden kann, sondern dasselbe umschreibe!, muß. Die Deutschen Verba haben folglich nur eine Form, welche den TransitiviS und Intransitiviö gemeinschaftlich ist, und eigentlich auch nur eine einige i?ocem, die activam, denn unser so genanntes Passivum ist eine bloße Umschreibung. Modus. §. 4^5- z. Die Art, wie das Pradicat gesagt wird, oder der Niodus. Man saget das PraoKat, 1. entwe- Von dem Verbo. §.405. 759 entweder von einem bestimmten Subjecte, und da kann es im Deutschen auf eine dreyfache Art von demselben gesagt werden: (1) Auf eine gewisse und bestimmte Art, so daß der Sprechende gleichsam für dasjenige stehet, was er von dem Subjecte sagt; der Indicativ. (2) Auf eine noch zweifelhafte oder ungewisse Art, der Conjunctiv, besser der Dudirarivus. Wohin auch die Falle gehören, wenn man etwas wünschet oder anrath, wofür die Griechische Sprache einen eigenen Modum, den Gprarivum, hat, der aber im Deutschen von dem Conjunctivo nicht unterschieden wird, weil dasjenige, was man wünschet oder empsiehlet, seinem Erfolge nach immer noch ungewiß ist. (z) Befehls, oder verbothsweise, der Im-- perarwus. 2. Oder ohne alle Bestimmung des Subjectes, selbst ohne Beziehung auf dasselbe, der Infinitis vus, welcher das Verbum mit dem Substantivs verbindet, indem er als cin Substcmtivum gebraucht, und vermittelst des Artikels decliniret werden kann. z. Ich habe in der Deutschen Sprachlehre für Schulen auch das Participium als einen eigenen Modum des Verbi angegeben; allein, da es keine Einverleibung eines PradicateZ in einem und eben demselben Worte ausdruckt, sondern den Wurzelbegriff des Verbi, als eine Beschaffenheit, doch mit dem Nebenbegriffe derZeit, darstellet: so kann man es auch von dem Verbo ganz absondern, und es als ein von dem Verbo abgeleitetes Adverbium betrachten, welches den Nebenbegriff der Zeit bloß dieser Ableitung zu verdanken hat, übrigens aber durch die Concretion, wie ein jedes anderes Adverbium, zu einem Adjective erhoben werden kann. Bbb 4 Gerun- 76o Th. 2.Abschn. 7. Kap. GerlZiidia und Supina haben die Deutschen nicht, sondern müssen selbige, wenn sie in andern Sprachen vorkommen, umschreiben. Tempus. H. 405. Das nächste, was sich hierauf an dein Verbo bestimmen lässet, ist 4. die Zeit, in weicher das Pradicat dem Subjecte zukommt, Tempus. Diese kaun eigentlich nicht mehr als dreyfach seyn: die gegenwärtige Zeit, Tempus präsens' die vergangene Zeit, Tempus Präteritum, und die zukünftige, Tempus futurum. Die gegenwärtige Zeit, kann nur auf einerley Art gegenwärtig seyn; all/-i bey dem vergangenen und zukünftigen finden verschiedene Grade und Bestimmungen Statt, daher sich jede dieser beyden Zeiten wieder in mehrere, Unterarten abtheilen lasset. Sehr ausgebildete und biegsame Sprache!, haben daher gar viele Tempora, und können den Umstand der Zeit mit vielfache:: Abänderungen und Bestimmungen ausdrucken. Die Deutsche Sprache ist auch hierin sehr sparsam gewesen , daher sie eigentlich mir zwey Zeiten hat, das präjeus und i>as Imperfectum, alle übrige aber durch Umschreibung bilden muß. Person« §. 4"?. 5- Endlich läßt sich das Prädicat, wel- u»d Nume- ches dem Subjecte einverleibet werden soll, auch nach den drey Personen desselben bestimmen, und da jede Person wieder entweder einfach oder mehrfach seyn rann, so wird auch dieses zugleich mit bezeichn nec; pcrsona und Numerus. Die Bezeichnung der Person muß den Deutschen das wichtigste bey dem Verbo geschienen haben, indem sie selbige nicht allein am Ende des Verbi durch eigene Personen- Laute, sondern zum Überflüsse auch noch vorn durch die Prononuna bezeichnen. §. 408. Von demVcrbo. §.408.409. 761 §. 408. Alle diese und ähnliche Verhältnisse, W^s con- welche eine Sprache hergebracht hat, an dein Wur- iu^rcn zelworte des Verbi ans die gehörige Art bezeichnen, heißt conjugiren, und die 2lrt, wie solches an einer beachtlichen Anzahl von Verbis auf eine übereinstimmige Art geschiehet, eine Conjugation. ConsUgiren heißt eigentlich verbinden, nnd man sieher bald, daß die ältern Sprachlehrer, welche dieses Kunstwort einführecen, von der Sache selbst nur dunkle Begriffe hatten. Einige Deutsche Sprachlehrer, welche glaubten, daß eine Deutsche Sprachlehre nothwendig Deutsche Kunstwörter haben müsse, führten dafür abwandeln und Abwandelung ein; allein dieser Ausdruck sagt von dem Wesen der Sache noch weniger, und ist bloß willkührlich, daher der Lateinische Ausdruck, um der allgemeinen Verständlichkeil willen, immer noch den Vorzug verdienet. Eine Conjugation entsiehet aus der überein- siimmigen Art, wie die Verhältnisse an dem Wurzelworte eines Verbi bezeichnet werden. Wir haben daher nur eine gedoppelte Conjugation, die irreguläre, die ursprüngliche und älteste, welche sich zum Theil noch auf das Hörbare stützet, und die reguläre oder regelmäßige, welche die Verhältnisse mehr nach klaren Begriffen bezeichnet, und die vergangene Zeit durch r ausdruckt, welches mit den Personen-Endungen in dem Imperfecte re, lest, te, ren, rer, ten lautet. H. 409. Eigentlich kann nur dasjenige zur Eon- Deutsche jugation gerechnet werden, was unmittelbar an dein ^».«sa- Wurzelworte des Verbi selbst bezeichnet wird, und alsdann ist die Deutsche Conjugation sehr einfach und leicht. Sie hat nur eine ^orm, wo nach das Bbb 5 Incran- 762 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. Intransitivum sowohl, als das Transitivum, gemacht werde!? , bey dem letztem nur ein Genus, vier, oder wenn man das Participium als einen eigenen Mo- dum anflehet, fünf Modos, in einigen Modis zwey Seiten, die gegenwartige, und eine Art der vergangenen, in jeder Zeit zwey Zahlen und in den meisten Zahlen drey Personen. Alle übrige Verhältnisse und Umstände muß der Deutsche mitschreiben, wozu er sich dreyer von denjenigen Zeitwörtern bedienet, welche ein unvollständiges Prädicat, oder einen allgemeinen Nebenumstand bezeichnen. C'6 sind solches die drey Verba haben, seyn und wers ^den, welche das, was im Deutschen an der Form, dem Genere und den Zeiten fehlet, bilden helfen, und daher Hülfswörter genannt werden. Die Deutsche Sprachlehre könnte sich in Ansehung der Conjugation mit demjenigen begnügen, was unmittelbar an dem Wurzelworte selbst bezeichnet wird. Allein, weil alle Deutsche Sprachlehren die lateinische zum Muster genommen, so hat man auch das lateinische Verbum zum Grunde gelegt, und die Deutsche Conjugation darnach vorgetragen, und so hat man denn im Deutschen ein Passivum, ein Tempus perfectum, plusquamperfeetum, futu- rum u. f. f. bekommen, wovon die Deutsche Sprache eigentlich nichts weiß. Indessen ist diese Gewohnheit hier am unschädlichste», weil sehr häufig Fälle vorkommen, wo die Conjugationen beyder Sprachen mit einander verglichen werden müssen, daher die Kürze des Ausdruckes gewinnet, wenn man die lateinischen Kunstwörter zum Grunde legen kann, obgleich die Deutsche Conjugation in den meisten Fällen eigentlich nur eine Umschreibung ist. Ein Von dem Verbo. §.409. 76z Ein jedes Verbum wird in einer jeden Sprache, welche ihre Verba conjugiret, so gebildet, daß die jedesmahligen Verhältniße und Unistände auf die in einer jeden Sprache eingeführte Art an dein Wurzelworte bezeichnet werden. Das Wurzelwort ist ursprünglich eine Interiection, oder ein Adverbium, seltener ein Substantiv. Die Bezeichnung der Verhältniße, welche dieses Wurzelwort zu einem Verbo machen, geschiehet entweder ganz oder doch zum Theil nach der dunkeln Empfindung des Hörbaren, wo besonders die vergangene Zeit durch den höhern, noch häufiger durch den tiefern Vocal ausgedruckt wird: ich falle, ich fiel; ich fliehe, ich floh; ich binde, ich band, buud, doch davon bey der irregulären Conjugation; oder nach klaren Begriffen des Verhältnisses oder UmstandeS selbst, folglich in allen ähnlichen Fällen auf eine einförmige Art, wie in der regulären Conjugation. Man gebraucht dazu gewisse unbestimmt tönende Wnrzellaute, welche keine leeren Schälle find, sondern allerdings ihre Bedeutung haben, oder doch ehemahls hatten, aber freylich nur eine dunkele. Diese Wurzellaute sind im Deutschen sehr einfach, daher auch die ganze Deutsche Conjugation so einfach ist. Sie sind zur Bezeichnung des Vergangenen, t, ich lob-c e, gelob-r; zur Bezeichnung des Infinitives cn, lob - cn, und zur Bezeichnung der drey Personen, im Singular c, esr oder jt, er oder t, und im Plural cn oder n, er oder r, und cn oder n. Da diese Wurzellaute wegen ihrer Einfachheit von Anfang an schon dunkel tönetcn, aber mir der Zeit noch unbekannter und unbestimmter wurden, so kam man ihnen durch Beysähe zu Hülfe, daher erhielt das Participium Präteriti mit der Zeit das sogenannte est u. s. f» 6) Wenn die eine Handlung schon völ- lig vorüber ist, wenn sich die andere ansängt, das pluscuiamperfectum, gleichfalls mildem obigen Participio, und dem Imperfecte der Hülfswörter haben und seyn: als ich ihn gelobt hatte, da lächelte er. Z. Die 766 i.Tl). 2. Abschn. 7. Kap, z. Die znkünftige Zeit oder das Futurum. Dieses ist zwar im lateinischen nur einfach, allein, wenn man einmahl Znsamme» gesetzte Zeiten annehmen will und muß, so lasset sich im Deutschen füg- tich ein gedoppeltes, und im Conjunctive» gar ein dreyfaches Futurum annehmen. a) Ohne Rücksicht auf eine andere Handlung, das Futurum absoiumm, mit dem Infinitive und dem Prasemi des Hülfswortes werden, ich werde loben. d) In Rücksicht ans eine andere Handlung. «) In Rücksicht auf eine andere Handlung, in deren Betrachtung sie als vergangen angesehen wird, das Fumrum exactum, mit dem Participio der vergangenen Zeit und denFuturiS ab- solutis der Hülfswörter haben und seyn: wenn icl) ihn werde gclobec haben, so wird er lächeln. /Z) In Rücksicht auf eine andere Handlung, deren ungewisser Erwlg als eine Bedingung einer andern Handlung dargestellet wird, mit dein Infinitive und dem Imperfeccto Conjunctivi des Hülfswortes werden, ich würde ihn loben, wenn cr lächeln würde, das Futurum imper- fec^o mixrum. Da dieses allemahl den noch ungewissen Erfolg einer andern Handlung als eine Bedingung voraus setzt, so kann es nur allein im Conjunctive. Statt finden. Einige Sprachlehrer nehmen noch ein viertes Futurum, das Futurum plusquamperfecmm an, ich würde ihn gclo- der haben, wenn er würde gelächelt haben; allein, da dieses mit mehrern Worten nichts mehr sagt, als das kürzere PluSquampersectum Conjunctivi, icl) hätte ihn gelobt, wenn er gelächelt hätte, so vermeidet man es gern in der anstandigern Von dem Vcrbo. §.410. 767 MN Schreibart, so häusig eö auch im gemeinen Lebe» ist. ^ Mau merke von denModis undTemporibus des Verbi noch. 1. Der ConjlinctivuS unterscheidet sich in der regulären Conjugation bloß in der dritten einfachen Person desPräsentiS durch den Mangel deör,. von dem Indicativo, in den übrigen Fällen aber dadurch, daß er keine Zusammenziehung leidet, welche der Indicativ in manchen Personen verstattet: ich lobte ihn, aber, errhar es, damit icd thu lodere. In der irregulären Conjugation bekommt er uuter andern auch oft den Umlaut, davon im folgenden. 2. Was von der Bedeutung der Tempo- rum gesagt worden, gilt vornehmlich von dem Indicativo; im Conjunctivs bezeichnen die Tempora die Zeit nicht so genau, sondern mehr die Stufen und Verhältnisse des Ungewissen, davon im Syn? rare der Verborum. U. Der Imperativ hat keine Zeiten, sondern druckt nur die Zweyte und dritte Person sowohl in der Einheit als der Mehrheit aus. Ursprünglich scheinet er mir die zweyte einfache Person gehabt zu haben. Die dritte einfache ist von dem Conjunctivs des Präfentis, die zweyte und dritte mehrfache aber von dem Indicativo des Präfenris emlehnet, daher jene hier auch die Zusammenziehung verstattet, ihr lobt uud lobt ihr. Der Imperativ unterscheidet sich von dem Präfenti auch darin, daß er das Pronomen, welches doch die zweyte Person, sowohl im Singular als Plural, entbehren kann, nach sich hat. In der ersten Person findet der Imperativ nur als Ansmunterung Statt, und muß im Hochdeutschen umschrieben werden. Allein im Oberdeutschen sagt man ohne Anstoß, geh ich, und im Plural gehen wir, / ?63 i. Th. 2.Abschn. 7. Kap. rvir, und in einigen Gegenden nach einer sehr alten Form gehemes, welche ihre Ähnlichkeit mit dem Lateinischen c^mux nickt verläugnen kann. Diesen Imperativ der ersten Person auch im Hochdeutschen nachahmen wollen, heißt die Eigenheitender Mundarten unter einander mengen. Der Imperativ kommt der zweyten einfachen Person in allen Verdis der Wurzel am nächsten, und ist allemahl die Wurzel selbst, nur daß er oft das mildernde e annimmt, theils um der gelinden Aussprache des End-Couso- ncmten willen, liebe, lobe, befleijslgc dick, dringe, rede, brause, theils auch bloß die Einsyl- bigkeit zu vermeiden, brenne, fliehe, gehe, bitte, obgleich die Heftigkeit des AssecteS es im letzter« Falle auch übergehen kann, brenn! flieh! Ieh! In der irregulären Conjugation unterscheidet sich der Imperativ oft auch durch den Voeal; allein er ist um deßwillen nicht weniger Wurzellaut, weil der Imperativ zunächst an dieInterjection gränzet, welche der Grund des ganzen Wortes ist, daher er ohne Zweissel älter ist, als die übrigen Modi lind ihre Zeiten, weiche zum Theil schon mehr klare Vorstellung voraus setzen, dagegen er sich nebst der ersten einfachen Person des irregulären ImperfeeteS oft noch ganz auf das Hörbare stützet: brich, iß, gib, hilf, tonnn, nimm, sieh, stich u. f. f. IV. Im Infinitiv, welcher den Begriff des Verbi ohne Bestimmung der Zeit und Person ausdruckt, und daher der Insiiünvus oder das Der- bum infimrum genannt wird. Er hangt der Wurzel ein en, wenn sie sich aber auf el und er endigt, ein bloßes n an: voand-el-n, kränk-el-n, Iäch?cl-n, schläf-er-n, schmerr-er-n, ander-n; nicht, wie harte Mundarten zu sprechen gewohnt sind, wandten, kränkten, iächlen, schiäft ren. Von dem Verbo. §.41-). 769 ren, scbmettren, andren. Die abgeleiteten Verba auf en, werfen zur Vermeidung zweyer auf einander folgender tonloser Sylben, das e der Ableitungssylben weg, segnen, regnen, sehnen, stöhnen, für segenen. regenen u. s. f. Gemeiniglich legt man dem Infinitive die gegenwartige Zeit bey; allein er bezeichnet eigentlich gar keine Zeit, sondern diese muß, wenn sie bestimmt werden soll, besonders ausgedruckt werden; die gegenwärtige durch ein Adverbium der Zeit, die vergangene durch das Participium Prateriti und den Infinitiv von haben oder seyn, die künftige aber mit dem Infinitive des Hülfswortes werden: loben, jerzr loben; gelobet haben, gegangen seyn; loben werden, gehen werden. IV. Das Participium kann eigentlich nicht als ein !11odus des Verbi angesehen werde«?, sondern ist ein von dem Verbo abgeleitetes Beschaffenheitswort, welches von dem Verbo den Nebcnbe- griff der Zeit beybehalt, sich aber übrigens in nichts von dem Adverbio unterscheidet. Wein indessen daran gelegen ist, es bey dem Verbo zu lassen, der kann es als einen Modum erklären, welcher den Begriff des Verbi ohne Bezeichnung der Person, aber mit Bemerkung der Zeit, als eine bloße Beschaffenheit prädiciret. Da das Deutsche Verbum nur zwey Zeiten aus sich selber machen kann, so ist auch nur ein gedoppeltes Participium möglich: 1. Der gegenwärtigen Zeit, welches dem Infinitive ein d anhänget, tiebend, schreibend, gehend. 2. Der vergangenen Zeit, welche in den regulären Verbis der Wurzel einer oder r, in den irregulären aber gemeiniglich ein en anHanger, und zu c esto Aocl.L>.Spr. Lee ftär- 7/c> i. Th. 2.Abschn. 7. Kap. stärkerer Bezeichnung des Vergangenen oder der vollbrachten Wirkung in beyden Fallen der Wurzel das Augmentum gc vorsetzt: geliebt, geschlachtet, geschrieben, gegangen. Die Verba mit der fremden Endnng ircn sind die einigen, welche nebst dem Hülfsworte werden und einigen Zusammensetzungen dieses Augmentum nicht annehmen. Da die Partieipia wahre Adverbia sind, so rönnen sie so wie andere Adverbia auch zu Adjeetiven eoncre- sciert werden: ein lobender, ein gelobrer. z. Von dem ehedem versuchten participio . Fumri, S. §. 469. Umschrei- §. 411. Das passivuin ist als ein aus dem bung des Verbs selbst gebildetes Wort der Deutschen Spra- Msivi. che fremd, daher sie e6 ganz umschreiben muß. Es wird mit dem Partieipio der vergangenen Zeit deS Activi und dem Hülfsworte werden gebildet. Es hat keinen Imperativ, denn ob man gleich in den Deutschen Sprachlehren werde du gelobt als den Imperativtun Passivi angeführet findet, so ist doch dasselbe ungewöhnlich, indem sich kein Deutscher auf diese Art ausdruckt. Auch das Participium fehlt dem Passivo, daher es sich mit dem Partieipio Prateriti deS Activi behilft, welches ohne Concre- tion sowohl thatig als leidend gebraucht werden kann, nachdem das Hülfswort ist, welches man demselben vorsetzet, ich habe geliebt, ich werde geliebt. Einige Sprachlehren führen zu liebend, zu lobend, als ein Participium Passivi auf; allein es ist vielmehr das in den mittlern Zeiten im Oberdeutschen versuchte Participium Futuri des Activi, welches man, ein Paar Titel ausgenommen, (hoch- zuehrcnd,) im Hochdeutschen wieder veralten lassen, weil es wider die 'Analogie der Sprache ist. S. §. 469. 4. Von Von dem Verbo. §. 412. 771 4. Von den Hulfswönem. §. 412. Wenn im engsten und eigentlichsten Ver- Begriff ei- slande nur dasjenige zur grammatischen Biegung "es Hüifs- eines Wortes gerechnet werden kann, was au dein Worte selbst bezeichnet wird : so gehöret der Begriff der Hülfswörter gar nicht in eine Deutsche Sprachlehre, sondern sie sind bloße Verba mit unvollständigen Pradicaten, wie so viele andere sowohl ii? der Deutschen als in andern Sprachen. Allein) da die Deutsche Conjugation in Verg.ei- chung mit ausgebildetem Sprachen sehr arm ist, und nur wenig aus sich selbst machen kann, und man in den Deutschen Sprachlehren eu'.m/.hl gewohnt war, überall die Lateinische zum Grunde zu legen, so glaubte man, die Deutsche Conjugation müßte nothwendig so viele Zeiten und Formen haben als die Lateinische, und rechnete daher alle die , Umschreibungen der Lateinischen Conjugation auch mit zur Deutscheu. Ich habe bereits oben bemerket, daß diese Nachäffung fremder Sprachsormen bey den Conjugationen noch am unschädlichsten, und gewiffer Maßen nützlich ist, weil wir oft genöthiget sind, das Deutsche Verbum mit dem Lateinischen zu vergleichen, daher wenigstens die Küeze des Ausdruckes dabey gewinnet, wenn mau die Kunstwörter des Lateinischen Verbi auf oas Deutsche anwenden ka.». Ich habe um deßwillen auch sie Deutsche Conjugation so gelassen, wie ich sie in oen b^cen Deutschen Sprachlehren gefunden habe, »^ütss- worrer sind demnach im Deutschen solche ^erba Mit unvollständigen Präoieaten, vermtttelst deren die mangelhafte Deutsche Declination in Vel'glei- chung mit der Lateinischen ergänzet wird. Es läßt sich nunmehr auch leicht bestimmen, welche Verba im Deutschen ^ülsvwörrer siuo und Crc 2 seyn , 772 i. Th. 2.Abschn. 7. Kap. seyn können. Nicht alle mit unvollständigen Prä« dicaten, z> B. wollen, mögen, sollen, lassen. Müssen, können U. s. f. welche zn ihrer Erklärung noch ein anderes Verbum erfordern, wenn das Prä- dieat vollständig werden soll; ob es gleich Sprachlehrer gegeben hat, welche alle diese Verba für Hülfswörter erklären, und dadurch die Conjugation ohne Noth und Nutzen verwirren und erschweren. Nur solche sind Hülfswörter, durch deren Hülfe die zum Muster genommene Lateinische Conjugation umschrieben wird, und deren sind nur drey, seyn, haben und werden welche insgesammt Intransitiva sind und irregulär eonjugiret werden. Hülfswörter sind Verba mit unvollständigen Prädicaten, welche entweder dem Infinitive oder dem Participio eines Verbi beygefüget werden, wenn dasselbe geschickt seyn soll, ein im Deutschen fehlendes Verhältniß des jäteiin'scheu Verbi auszudrucken. Ein Hülfswort kann auch als ein Verbum mit einem vollständigen Präoieate gebraucht werden, z. B. seyn, wenn es da seyn, eristiren, bedeutet, es ist ein Gott, werden, wenn es mit einem Adverbio verbunden wird, ich werde krank; allein alsdann kann es auch nicht als ein Hülfswort betrachtet werden, sondern nur in so fern, als es ein unvollständiges Pradicat bezeichnet. Hülfswort §' 4IZ. Haben hilft die mangelhaften Zeiten haben. des Acrivi und vieler Neutrormn bilden, macht aber seine eigenen mangelhaften Zeiten theils mit sich selbst, theils mit dem Verbo werden. Es wird als ein irreguläres Verbum folgender Gestalt con- jugiret. 1. Indi- ^ Von dem Verbo. §.41?. l. Ilidicativuö. s. Conjuncrivus. Präsens. 77? Singular. Ich l^be. Du habest. Er, sie, es h we. Plural. N?ir haben. Ihr habet. Sie haben» Imperfectum. Singular. Ick harre. Tu harrest. iLr härre. Plural, wir härcen. Ihr härrer. Sie harren» Perftctum. Ick babe gehabt, Ick habe gehabt, »1. s. f. wie das Präsens ,,. s, f. wie das Priiscns Indicativ.. Conjunctiv». Plusquamperftctum. Ick hatte! gehabt, Ick harre gehabt, u. s. f. wie das Zmperf. n. s. f. wie das Zmperf. Zndicativi. Conjunctivi, Futurum absolutum. Ick werde haben, Ich werde haben, u. s. f. wie das Präsens u. s. f. wie das Präsens Indicat. von werden. Conjunctivi von werden. Futurum eractum. Ich werde gehabt haben, Ich werde gehabt haben, Singular. Ich habe. Du hast. Kr, sie, es har. Plural, ivir hab^n. Ihr habet, (habt). Sie habm. Singular. Ick harre. D» Karrest. Kr — harte. Plural. Vvir harren. Ihr hairec. Sie harren. n. s. s. eben so. Imperativuö. Singnl. Habe. Habe er, oder sie. Plural. Haber. Habe» sie. 5. Participium. Präs. (Habend.) Prät. Gchabr. Ccc z «. s. f. eben so. 4. JnfmitivliS. Präs Haben. Prät. Gehabt haben. Fut. Haben werden. §. 4^4. 774 i. Th. 2. Adschn. 7. Kap. Hülfswort §. 414. Da-? Hülftwort seyn ist mit allen fei- seyn. nen gleich bedeutenden Brüdern in andern Sprachen, nebst den persönlichen Pronominibus, eines der ehrwürdigsten Überreste der ersten Kindheit der Sprache. Es ist seiner heutigen Bedeutung nach gedoppelt, indem «6 entweder ein unvollständiges Pmoieat bezeichnet, einen bloßen Nebenbegriff, der erst durch die'Art und Weiss, wie etwas ist, seine Vollständigkeit erhalten muß; oder ein vollständiges Prädicat, wenn eö für da seyn, existiren gebraucht wird. Die erste Bedeutung ist die älteste und Ursprungli' geworden, oder worden. PluSquampcrfcttum. Ich war geworden, Ich wäre geworden, oder worden. oder worden. Futurum absclutum. Ich werde werden. Ich werde werden. Futurum Mctum. Ich werde geworden, Ich werde geworden, oder worden seyn. z. Imperativus. Sing. werde. werde er, sie. PlM. Werder. werden sie. oder worden seyn. 4. Infinitivus. Prüf, werden. Prut. Geworden, oder worden seyn. Fut. werden werden. 5. Participium. Prlis. werdend. Prnt. Geworden oder worden. Swmcrki»!- §. 416. Dieses Verbum hat eine mittlere Bögen über deutung: 1. eine intransitive, da e6 sowohl das Ge- dasselre. rathen in.einen Zustaud bedeutet, welche Bedeutung es hat, wenn e6 mit einem Adverbio oder Substantivs Von dem Verbo. §.416.417. 779 tivo verbunden wird, ich werde krank, er ward 2x>.'nig, als auch in engerm Verstände, eil» künftiges Gerahen in einen Zustand, in weicher Bedeutung e6 mit dem Infinitive eines andern Verbi das Futurum bilden hilft; und 2. eine transitive, aber nur passive, da es daö leidende Verhältnis? bezeichnet, und mit dem Participio Präteriti eines andern Verbi das Passivum bilden hilft. In der ersten und dritten Person des Imper- fectcS im Indicative ist ward in der edlern Schreibart, wurde aber im gemeinen jeden üblicher; dagegen in der zweyten Person wardst, wegen seiner Harte nicht leicht gebraucht wird. Im Plural ist allein das u gangbar. Das Participium Präteriti lautet allemahl gc? worden, wenn das Verbum ein vollständiges Prä- dicat bezeichnet, d. i. wenn es ein Adverbium oder,, Substantivum bey sich hat: ich bin krank geworden, er isr Nonig geworden; aber worden, wenn es Hülfswort ist, d. i. ein Participium Prä- teriri bey sich h/it, weil dieses schon daö 'Augment bey sich hat, daher werden das seinige Verlierer: ich bin geschlagen worden. 5. Die reguläre Conjugation. H. 417. Die reguläre Conjugation läßt den Erklärung Wurzellaut durch die ganze Conjugation unverän- de>st!bcn. dert, und bildet alle Arten und Zeiten, welche das Deutsche Verbum aus sich selbst machen kann, mit den oben schon angezeigten Biegungssylben, welche, nm sie kürzlich zu wiederhohlen, folgende s-nd: 1. Indi- 7go !. Th. 2.Abschn. 7. Kap. Indicativuö. 2. ConjunctivuS. Präsens. Sing. Erste Person Zweyte >— Dritte — Plur. Erste Zweyte — Dritte — Imperfectmn. Sing. Erste Person ere. Zweyte — Dritte — Plur. Erste — ere». Zweyte — ercr. Dritte — ere«. Sing. Erste Person Zweyte — Dritte — Plur. Erste Zweyte Dritte — e. °st, st. er, r. en. er, r. en. Sing. Erste Person ere, re. Zweyte — ercst, rest. Dritte — ere, re. Plur. Erste — ercn, ren. Zweyte — erer, rer. Dritte — ercn, ren. e. est. e. en. er. en» erest. ere. z. Imperativus. Sing. Zweyte Pers. (e). Dritte — c. Plur. Zweyte Dritte er, r. en. 4. Infinitivus. — en. 5. Participium. Präs. — end. Prät. ge — er, r. Das e in der zweyten einfachen Person des Im-- perativeö ist nicht Biegungssylbe, sondern nur um des Wohllautes willen, die Einsylbigkeit zu vermeiden; es ist nothwendig, wenn sich die Wurzel auf einen Hauptlaut endiget, welcher in der übrigen Conjugation weich bleibet, lobe, sause, schade, sage, und nicht lob, jaus, schad, sag, weil sie sonst lop, sauß, schar und sak gesprochen werden könnten. Bey den übrigen kann der geschwinde Affect das e auch entbehren. Allein in der dritten Person, welche von der dritten Person des Conjunctives entlehnet ist, ist eS wahre Biegungssylbe. Die Von dem Verbo. §.417. 781 Die reguläre Conjugation ändert an der Wurzel nichts; sie bekommt daher auch hier nie den Um^ laut, selbst im Conjunctivo nicht, wie wohl in der irregulären. Es ist daher unrichtig, wenn viele, die auch die Verba jagen und fragen sonst ganz regulär biegen, noch im Präsenti nach Art der Niedersachsen jagst, jägt, frägst und frägt sagen. Beyde Verba gehen im Hochdeutschen völlig regulär. Zum Muster der regulären Conjugation diene das Verbum loben. I. Das Activum. 1. Indicativns. Sing. Ich lobe Du lobest, lobst. iLr — lo.ber, lobt. Plur. Wir loben. Ibr lc der, lobt. Sie lobe». Sing. Ich lobre. Du lobtest. tLr lobre. Mir. Wir lobren. Ihr lobcet. Sie lobren. 2. Conjunctivus»^ PrÜsens. Sing. Ich lobe. Du lobest. !Lr lobe. Mir. wir loben. Ibr lobet. Sie loben. Imperfectum. Eins. Ich «obere. Du loderest. ^ lLr lobers. Plul. Wir lobcten, Ihr loberer. Sie loberen. Ich babe gelobt, »- s- f. Ich barre gelobr, u.s.f. ' Perfectum. Ich habe gelobr, u. s. f. Plusquamperftctnm. Ick bärre gelobr. u.s.f. ' !. InHi. 7Z2 i.TH. 2. Abschn. 7. Kap. l. Indicativus. 2. Conjunctivus. Futurum absolutum. Ich werde loben, Ich >vcrde loben, u. s. f. . u. s. f. Futurum eractum. Ich werde gclobcc haben, Ich werde gelobet haben, s. f. u. s. f. Imperativus. 4. Infinitivus. Sing. Lobe. Präs. Loben. Lobe er, sie. Prät. Gelobt l)abe». Plur. L>?b-r. ^ Loben sie. Fut. Loben werden. 5. Participium. Präs. Lobend. Prät. Gelobet, gelobt. II. Das Passivum. l. Indicativus. 2. Conjunctivus. PräseuF. Ich werde gelober. Ich werde gelober. Imperfectuni. Ich ward (wurde) ge- Ich wurde gelobet./ lobet. Persectum. Ich bin gelobet worden. Ich sey gelobet worden» Plusquamperfectum. Ich war gelober worden. Ich wäre gelober worden, Futurum absolutum. Ich werde gelobec wer- Ich werde gelobet werden, den. Futurum erciclum. Ich werde gelobet wor- Ich werde gelobet worden seyn. den seyn. 5. Infinitivus. Präs. Gelober werden, P'.^t. Geiober wordi'n seyn. Fut. werden gciobec werden» §. 4i8. VondemVerbo. §.418.4-9. 78? §. 418. Die Zusammenkunft tonlose- Sylben Znsammen- zu vermeiden, lässet sich dasFlerions- e, doch nur in Z^inm.'. der der zweyten und dritten einfachen und zweyten viel- E"d>'M"' fachen Person de6 Präfentis Indicativ:, und im ParticipioPräteriti, ansstoßen, fo oft derWohlklang es verstattet,- und keine Härte daran-? en'tstes-xt. Nur im Conjunctivs wird zu desto deutlicherer Bezeichnung dieses Modi die Zufammenziehung am liebsten und sichersten vermieden. In den abgeleiteten Verbis auf ein und er» wirft man gleichfalls lieber das FlexionS - e weg, als das e der Ableitungssylbe; folglich lieber sammelst, sammelt, gesammelt, sammeln, dauerst, dauert, dauern, als sammlest, daurcst u. f. f. welche viel zu hart sind. Nur in den übrigen Fällen, wo dasFlexions- e eigentlich nicht weggeworfen werden darf, kann um des Eylbenmaßes u. s. f. willen des Ableirungs-e wegfallen, ich sammle, für sammele. Das Imperfectum Indicativ! wirft das erste FlexionS - e vor dein r fast allemahl weg, aber nicht der Conjunctiv. 6. Conjugation der irregulären Verborum. . §. 419. Irreguläre oder abweichende Ver- SrMrnng ba sind solche, welche entweder das Wurzelwort in ^ "> egu- der Congugation ändern, oder auch in den Bie- ^""m^" gungsfylben von der vorigen Art abweichen. Änderung des Wurzellautes, brennen, brannte, brechen, gebrochen, brich, ich dars, ich dürfte, dürfen, binden, ich binde, rvir banden, gebunden; Abweichung in den Biegungsfylben, entweder durch Biegungssylbcn anderer Art, wie im Participio Präteriti en für r, oder durch Mangel der Biegungssylbe, wie in der ersten und dritten einfachen 784 i'TH- 2. Abschlt. 7. Kap. einfachen Person des Jmperfecti Conjunctivi so vieler, ich, er band, fand, fiel, schlief, floß, für dande u. s. f. oft auch in der ersten und dritten einfachen Person desPräsentisInticativi,ich, er will, soll, mag, kann, muß, darf, weiß, er räch, hält, ftcdr, flicht, gilt, fchilr, wo der Mangel der Biegungssylbe durch die Änderung des Vocals ersetzet worden. Wenn man bis auf den Ursprung der Sprache zurück gehet, und die wahre Art und Weise derselben nicht verkennen will, so ist der Grund der abweichenden Verborum sehr leicht entdeckt. Der erste Ursprung der Sprache ist ganz aus die dunkele Empfindung des Hörbaren gegründet, und wenn die Dinge, welche man ausdrücken will, nicht wirklich tönen, so glaubt man sie doch tönen zu hören und druckt sie nach der dunkel» Empfindung des Hörbaren aus. In dieser Kindheit der Sprache ist an keine bestimmten Biegungssylben zu denken, weil ihr einförmiger Gebrauch deutliche, wenigstens klare Begriffe voraus sehet, welche wir in Ansehung der Sprache hier noch nicht annehmen können. Daher wird auch jedes Verhältniß, jeder Nebenbegriff, worein ein Wort in dem Zusammenhange der Rede kommen kann, immer an dem Worte selbst, welches hier noch ganz Wurzel ist, ausgedruckt. Scheinen die verschiedenen Verhältniffe so viele verschiedene Begriffe Zu seyn, weiches allemahl der Fall ist, wenn das, was man ausdrucken will, gar nicht, oder sehr unbestimmt tönet, lind daher auch nur sehr schwankend und dunkel hörbar empfunden oder wenigstens gedacht werden kann: so werden aus den verschiedenen Verhältnissen lauter verschiedene Wurzeln; wie die perftnlichen Pronomina und das Verbum seyn beweisen, welche in auen vecannten Sprachen Von dem Verbo. §. 479. 785 «hm sehr merkwürdige Überreste ihrer ersten Kindheit sind. Ist aber die Ähnlichkeit des Hanprbe- griffeS merklicher, oder sticht derselbe unter allen Verhältnissen, worein er kommen kann, immer noch hörbar vor, weil die Empfindung, welche man hörbar bezeichnen will, bestimmter tönt: so bleibt das Wurzelwort, und es wird nur nach dem Verhältnisse, welches man ausdrucken will, in einem oder dem andern iaute, gemeiniglich in dem Vocale/ geändert. Dieß ist nun der Fall unter andern auch bey unsern irregulären Verdis, die wir hier noch ganz so irregulär annehmen müssen, als sie wären, d. i. ohne alle Bicgungösylben: ict) eh, ich aß, er aß, iß; ich fechc, er ficht, ich focht, er focht, fichc; ich gelt, er gilt, ich, er galt oder goir, gilt. Man siehet aus diesen und so vielen andern Beyspielen, daß die Consoncmten hier unverändert bleiben, weil der Hauptbegriff Merklich blieb, die Con- sonanten aber der eigentliche Ausdruck desselben sind> dagegen die Nebenbegriffe oder Verhältnisse an dem Vocale ausgedruckt werden. Die Art, wie solches geschiehet, ist wieder ganz in der dunkeln Empfindung des Hörbaren zu suchen. Daher druckte man das Verhältniß des Vollbrachten, des Vergangenen, gemeiniglich durch einen tiefern Vocal äuS: ich bind, find, befehl, spinn, aber ich bund, fund, befohl, spunn oder jponn, und bey mehr Ver> feinerung, band, fand befahl, spann. Oft aber auch durch einen höhern: ich fall , fiel, blas> blies, halt, hielt, ruf, rief, stoß, stieß; je nachdem die dunkele Empfindung des Hörbaren beschaffen war. Dieß ist auch der Fall, wenn die zweyte und dritte einfache Person des Präsentis Indicativ» von der ersten abweicht, da sie denn gemeiniglich mit Adcl-.V.Spr/ Ddd dem 786 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. dem Imperative übereinstimmet: ich gebe, gibst, gibt, gib. Als daö enge Feld des Hörbaren erschöpft war, und sich inzwischen die Begriffe immer mehr aufklarten und erweiterten, und man die Verhältnisse durch Viegungssylben auszudrucken anfing,'so fingen auch die bisher so ungleichen aus lauter Wurzeln besiehenden Verba an, ein wenig einförmiger zu werden. Man unterschied die Personen durch ihre Biegungslauts, behielt aber die alte gebogene Wurzel um der Verständlichkeit willen bey. Aus ich jprech, du sprich, er sprich, ward ich spreche , du sprichst, er spricht. Das Imperfectum blieb die gebogene Wurzel, bekam aber da, wo Mißdeutung entstehen konnte,, die Biegungssylben der Person: ich sprach, er sprach; aber du sprachst, rvir sprachen, ihr sprackcr, sie spräche»,. Den Begriff des Vollendeten oder Geschehenen auszudrucken, folglich ein Participium Prateriri Zu bekommen, wählte man die unbestimmt tönende Wurzelsylbe en, welche, mit der gebogenen Wurzel des Imperfectö, oft auch mit der Wurzel des Infinitives vereinigt, den Begriff des Vergangenen mit dem Begriffe des Vollendeten verband, bunden, funden, gangen, nachmahls gebunden, gefuns den, gegangen. Je klärer und allgemeiner die Begriffe wurden, desto mehr lernete man einsehen, daß sich alle Vcr- hältisse auf eine einförmige Art an der Wurzel des Verbi ausdrucken ließen: daher wurden nunmehr alle neue Verba, welche in dem Zustande größerer Aufklärung gebildet wurden, auf eine einförmige und regelmäßige Art gebildet; die Wurzel bieb unverändert, und bekam nur die gehörigen Biegungs- sylven. Da die Biegungssylbe für das Partici- Von dem Verbo. §.419. 787 pium Präteriti en, entweder zu unbestimmt war, oder auch Mißdeutung mit dem Infinitiv mache» konnte, zumahl da jenes durch die Vorsylbe ge noch nicht auf eine bestimmte Art von demselben unterschieden war: so wählte man dafür das bestimmterer, welches als der Ausdruck sowohl des Vergangenen, als des Vollendeten, das Imperfect und Participium Präteriti bildete. So entstanden nunmehr die regulären Verba. Die alten irregulären blieben um der allgemeinen Verständlichkeit willen zwar, was sie waren; allein man machte doch nach und nach allerley Versuche, sie den regulären näher zu bringen. Brennen hatte im Imperfecta brunn, im Participio Iebrunne»», bey mehr Cultur, brann, gebrannt». Um es der regulären Form näher zu bringen, ward daraus mit den gewöhnlichen Biegungssylben brannte und gebrannt. Hätte man nicht der allegmeinsn Verständlichkeit schonen müssen, so würde man sogleich gebrennc und brennece gesagt haben, wie jetzt schon nicht selten geschiehet. Hieraus I^olget nun: 1. die irregulären Zeitwörter und ihre Formen sind die ältesten in jeder Sprache, und je irregulärer sie sind, desto älter sind sie. 2. Die irreguläre Conjugation bieget die Wurzel, und diese Biegung gründet sich ganz aus die dunkele Empfindung des Hörbaren; die reguläre Conjugation bieget nach klarer Vorstellung des Verhältnisses mit bestimmten Biegungslauten. Die irreguläre ist daher dem rohen und sinnlichen Zustande eines Volkes, und die reguläre seinem aufgeklärtem und verfeinerten Zustande angemessener, z. Alle neue Verba, welche daher ein Volk in dem lehtern waget, werden regulär seyn, weil der Grund des Hörbaren für dasselbe in diesem Zustande so gut als Ddd 2 verlor 788 i. Th- 2.Abschn. 7. Kap. verloren ist« Allein, um die allgemeine Verständlichkeit nicht zu verletzen, behalt es die alten Formen bey, und sucht sie nur nach und nach, und auf eine unmerkliche Art, den regulären zu nähern. Da dieses wieder nur nach der dunkeln Empfindung der Gleichförmigkeit, und selbst, wenn ich so sagen darf, nach der dunkeln Empfindung des klaren Begriffes des Verhältnisses geschiehet und geschehen kann, so ist solches erst in einem beträchtlichen Zeiträume merklich. Aus ich brenne, du bn'nnst, er brinnt, ich brunn, gebrunnen, ward stufenweise erst ich brenne, du brennest, er brennet, ich brann, gebrmmen; dann ich brannte, ge^ brannr. Jetzt sagt man schon schüchtern hier und da ich brennete, gebrenner. Nach fünfzig Iahren sind vielleicht beyde Formen gleich üblich, und nach noch fünfzig Iahren weiter wird die reguläre herrschen. Und so mit andern ähnlichen Wörtern mehr. Ein Sprachlehrer hat daher hier so wenig zu befehlen und vorzuschreiben, als in andern Fällen, fondern muß alles dem Gange der Cultur und der Aufklärung überlassen. 4. Je mehr demnach eine Sprache ausgebildet und verseinert wird, desto mehr nähert sie sich nach und nach den regulären Formen, sowohl in der Conjugation, als in allen übrigen Stücken, welche zur Sprache gehören. Die Hochdeutsche Mundart, die ausgebildetste und aufgeklärteste unter allen Deutschen Mundarten, neiget sich daher auch mehr als irgend eine andere zu den regulären Formen, sowohl in Ansehung ganzer Zeitwörter, als auch einzelcr Theile, und eS ist jedes Sprachlehrers Pflicht, ihr darin zu Hülfe Zu kommen, wenigstens sich ihr nicht zu widersetzen. So siud von kommen du kömmst, er kommt, und du kommst, er kommt, noch gleich üblich, doch mit Von dem Verbo. §.419. 789 mit einer merkliche», Neigung der edlern Schreibart für die letztere Form. Wollte ein Sprachlehrer diese für unrichtig erklären, weil sie wider die Analogie der meisten irregulären Verborum ist, so würde er sich der Cultur der Sprache widersetzen, wenigstens Mißtrauen wider seine Kenntniß des Ganges derselben verrathen. Da die Verfeinerung einer Sprache nur nach und nach geschehen kann, so kann sie sich auch nur bey einzelen Theilen eines Zeitwortes anfangen, und zwar bey solchen, wo die Änderung am wenigsten auffallend ist, und die M gemeine Verständlichkeit am wenigsten störet. Sie fängt sich gemeiniglich in der edlern und höhern Schreibart an, und gehet von da bis zu den niedrigern forr. Jene sollte daher auch um deswillen nicht die alten rauhen Formen mancher Zeitwörter, fleußt, fleucht, geuß u.s. f. in Schutz nehmen, welche wei. ler nichts für sich haben, als daß sie den Mund mehr füllen. Bey dem folgenden Verzeichnisse der irregulären Verborum wird man Gelegenheit genug haben, die Richtigkeit dieses ganzen Scches zu bestätigen. An den ältern und mittlern Zeiten waren der irregulären Verborum weit mehrere als gegenwärtig; auf die eben bemerkte Art sind sie nach und nach bis auf ungefähr zmeyhundert vermindert worden, von welchen doch manche im Hochdeutschen schon häufig regulär gebeuget werden, andere aber sich in einzelen Theilen der regulären Form nähern. Nach einem Jahrhunderte fortschreitender Cultur werden deren vielleicht kaum noch hundert mehr übrig seyn. 5. Der Grund dieser abweichenden Verborum ist, wie gesagt worden, die dunkele Empfindung des Hörbaren ; ein Grund, der für uns in dem so weit getriebenen Zustande der Cultur eigentlich gar kein Grund ist, weil wir jetzt nicht die geringste Empfindung Ddd z mehr 79-5 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. mehr davon haben können. Weil er dunkele Empfindung des Hörbaren war, so war er auch individuell, und es war bloßer Zufall, wenn mehrere Verba ans eine einförmige Art gebildet wurden, wenn z. B. die Vorstellung des Vergangenen in mehrern durch a u. f. f. bezeichnet ward. Man kann daher die noch vorhandenen irregulären Verba zur Erleichterung des Gedächtnisses zwar claWeieren, ungefähr fo, wie L.inee seine Pflanzen claWeierte; aber an einen weitern Grund ist bey ihnen nicht zu gedenken. Lcrsclne- §- -120. Man darf sich daher nicht wundern, denlM der wenn in der Hochdeutschen Mundart viele Verba Mund- sch^., völlig regulär gebcuget werden, welche in den Provinziai- Mundarten noch ihre irreguläre Gestalt haben. Dergleichen sind z. B. bellen, (also nicht doll, gcbsllcn, sondern bellre, gebettet), k!ei-- bei, und betreiben, fallen, fragen, (folglich nicht frägst, frägt, frug), fürchten, (folglich nicht furchte, gefurchten, ftir fürchtete, gefurchter), gieifsen, welches doch überhaupt im Hochdeutschen selten vorkommt, die Dichtersprache etwa ausgenommen, greinen, hinken, ^ folglich nicht hunk, gehunken, sondern hinkte, g< hinket), jagen, (folglich nicht jägst, jägr, jug, sondern jagest, jagce), klagen, kreischen, kreifsen, lämen, schaben, schenken, scheuen, schneyen, (folglich nicht schule, gejchnien, sondern schueycre, gej'c?>neyet), sei-! hen, spalten, speisen, stehen, (folglich nicht stak, sondern steckte), umringen, (folglich nicht um- rungen, simdern umringet), weben, winken, (folglich nicht wunk, gewunken, sondern wink-! tc, gewinkec) wünschen, zünden n. s. f. Andere werden sowohl regulär als irregulär gebraucht, wo doch in der edlern Schreibart die reguläre Von dem Vcrbo. §.420.421. 791 läre Form immer den Vorzug hat. Z. B. braten, dachen, wägen ui:d erwägen, dingen, glun- men, k!imn?en. Noch andere gehen völlig regulär, bis auf das Parueipium Präteriti, welches sich immer am spätesten bequemet, weil hier die Änderung am merklichsten ist, daher selbige erst durch die Tempora vorbereitet werden muß. Daher lautet dasselbe von verhehlen, schroten, mahlen, »untere, salzen, schmalzen, verwirre;:, falten, spalten, rächen, noch verhohlen, geschroren, gemahlen, gesalzen, geschmolzen, verworren (aber auch schon häusig verwirret), gefallen, gespalten und gerochen. §. 421. Manche Verba sind in einer Bedeu- Jrrezul. kui.g regulär, in andern aber nicht. Dahin gehö-N"'trazu ren besonders diejenigen, wo die Form nach dcr^^'^' Conjugation unterschieden ist, d. i. wo das Intransitivum irregulär, das gleich lautende Transitivum aber regulär lautet, wovon die vornehmsten schon §. ?88. angeführet worden. Wenn man, wie man denn nicht anders kann, die irreguläre Gestalt als die erste und ursprüngliche annimmt, so erhellet daraus, daß auch die Intransitiva dieser Art älter sind, als die Transitiva, welche sowohl der Bedeutung, als der Conjugation nach jünger sind. Einige wenige sind in einer und eben derselben Form regulär und irregulär zugleich. Wenn Lewegen den Willen lenken, BeivegungSgründe an die Hand geben, bedeutet, so wird es noch am häusigsten abweichend gebeugct, das hat mich dazu bewogen; dagegen es in allen übrigen Bedeutungen regulär ist. Wenn pflegen in einigen Fällen noch üben, handhaben bedeutet, so gehet es gleichfalls noch irregulär, unsere so lange gepflogene Freundschaft. Die Ursache ist keine andere, als weil beyde Beveu- Ddd 4 tungen 792 i. Tl). 2.Abschn. 7. Kap. tungen bey der Umbildung dieser Verborum zur regulären Form übersehen wurden, oder vielmehr, weil man beyde Bedeutungen erst nach der Zeit, da beyde Verba im Hochdeutschen schon regulär gebcu- get wurde», aus Oberdeutschen Mundarten ausnahm, wo sie noch irregulär gingen. Pflegen wird noch jetzt in den meisten Oberdeutschen Provinzen in allen seinen Bedeutungen irregulär ge- beuget, Requlare H. 422. Wenn Verba vermittelst einer Endsyl- aHgeleirete. h» irregulären VerbiS abgeleitet werden, so gehen jene allemahl regulär, ohn? Zweijfel, weil diese Ableitung schoil in diejenigen Zeiten fällt, da man die Sprache nicht mehr ganz nach der dunkeln Empfindung des Hörbaren, sondern mehr nach klaren Vorstellungen, bearbeitete. Daher werden streicheln, empfinde!,;, brennzein, beficlsj'gen, schneiteln, sticheln, stochern u. s. f. regulär ge- bcuget, obgleich ihre Stammwörter streichen, em- psinden, brennen, beflcisscn, schneiden und stechen irregulär gehen. Eben so oft nehmen irreguläre Verba, wenn sie mit andern Wörtern zusammen geseht werden, die reguläre Conjugation an: abgleiche. 11, rarhschlagen und berachjchia- gcn, das im Hochdeutschen ungewöhnliche l'ans- schlagen, bewillkommen, handhaben, rv.deK brechen, veranlagen, verhängen, verleiden, verspeyen, ninringen gehen regulär, wenn gleich die einfachern Verba irregulär sind. Zuweilen werden auch Ableitungen mit Vo-rsylben von irregulären Stammwörtern regulär gebengct, z. B. bescheren, zutheilen, eine Sradt berennen. Man würde sich irren, wenn man in diesen und den vorigen Fällen deutlich erkannte Gründe, oder geheime Ursachen dieser abweichenden Conjugations- Arten Von dem Verbo. §.42?. 79z Arten suchen wollte. Sie bestätigen vielmehr die oben §. 419. gemachte Bemerkung, von der allmäh- ligm Neigung der Deutschen Sprache uud besonders der Hochdeutschen Mundart zu den regulären Formen, welche sich nicht aus einmahl, sondern nur stufenweise äußert, und da anfängt, wo die allgemeine Verständlichkeit am wenigsten dabey leidet. §. 42z. Es lassen sich über die irregulären Ver- Imperati» ba verschiedene allgemeine Anmerkungen machen, der irregn- dje ich aber hier lieber bis zu jeder Classe derselben, zu welcher sie gehören, verspüren will. Ich bemerke hier nur in Ansehung des Imperatives, daß er jn den meisten irregulären mit der Wurzel des Infinitives gleich lautend ist, und alsdann so, wie bey den regulären Verbis, sowohl einsylbig, als zwey- sylbig gebraucht werden kann, nachdem die heftigere oder sanftere Gemüthsstellung es erfordert. Ist der Endkonsonant ein weicher, welcher in der Aussprache weich bleibet, so ist dieses e nothwendig; folglich preise, blase, grabe, lade, trage, oder wenigstens trag', scheide u. f. f. und nicht preis, blas, grab u. s. f. weil ein Hochdeutscher sie alsdann prciß, blaß,grap lesen würde. Ist aber der Imperativ mit der Wurzel der zweyten und dritten einfachen Person des PräsentiS Indicativ! gleichlautend, iu welchem Falle er gemeiniglich sehr geschärft ist, so erträgt er, das einige sieh und siehe ausgenommen, das e nie: gib, nimm, rrirc, quill u, s. f. nicht gibc, niinine, tritte, quille, Indessen gilt dicfeS nur von der zweyten einfachen Perfon des Imperatives; die übrigen werden allemahl regulär gebeuget: gebe er, gebet, geben sie; lrere er, rrercc, treten sie ;md so ferner. Ddd 5 §.424. 794 i»TH. 2. Abschn. 7. Kap. SintKeL. §. 424. Die irregulären Verba theilen sich in Inng der ir- zwey, aber sehr ungleiche Haupt - Classen. Die erste regulärn, sth.^ch^ kommt der regulären Form bereits am I^Q«sse"' "a-bsten, indem sie das gewöhnliche Biegungszei- chen der vergangenen Zeit t, bereits angenommen szat, aber dabey doch noch den Vocal bieget; die zweyte stärkere aber biegt in der ersten und dritten Person des Imperfeetes bloß die Wurzel ohne allen ViegungSlaut, und hangt dem Parncipio der vergangenen Zeit statt et oder r, ein cm an. Man bemerke noch von dem folgenden Ver- - .zeichnisse der irregulären Verborum: 1. Es werden nur die einfachen und Stamimvörter angeführer, weil die abgeleiteten und zujammen gesetzten jenen der Regel nach folgen. Wo sich eine Ausnahme findet, wird sie angemerket werden. 2. Es sind nur die abweichenden 'Arten, Zeiten und Personen ausgeführet wordm; das übrige gehet regulär, z. In den Mundarten, besonders i". den Oberdeutschen, gibt es noch mehrere irreguläre Verba, die aber, weil sie im Hochdeutschen nicht gangbar sind, nicht mit angemerket worden. Die mit ^' bezeichneten, sind im Hochdeutschen in der regulären Gestalt am üblichsten; die mit " aber werden sowohl regulär als irregulär gebraucht. I. Haupt-Classe. Im Imperscete re, im Partieipio Präteriti r, mit einigen Änderungen an der Wurzel. Es gibt Sprachlehrer, welche die erste Haupt- Classe nicht für irreguläre Verba wollen gelten lassen, sondern sie als Anomala in einem Anhange der regulären Conjugation beyfügen. Es kommt dabey daraus an, was für einen Begriff man von der re--. gulären Von dem Verbo. §.424. 795 Hulären oder irregulären Conjugation annimmt. Siehet man das r der vergangenen Zeit für das Unterscheidungsmerkmahl der regulären Conjugation an, so gehören sie freylich zu dieser; allein, daß dieser Begriff irrig ist, wird hoffentlich aus dem oben entwickelten Ursprünge der irregulären Verbormn erhellen, aus welcher erweislich ist, daß die Biegung der Wurzel das eigentliche Merkmahl irregulärer Verborum ist. Alle folgende irreguläre der ersten Classe, sollen und däuchrcn ausgenommen, biegen die Wurzel; allein sie gehören zu denen, welche sich unter allen irregulären der regulären Form schon am meisten nähern, weil sie bey der gebogenen Wurzel auch schon die regulären Biegungszeichen angenommen haben, und einige von ihnen z. B. brennen, nennen, rennen, senden, wen? den, gönnen, Leimen, werden in kurzem vielleicht völlig regulär gehen. Allein um deswillen sind sie es jetzt noch nicht, so lange sie die alte Biegung der Wurzel noch nicht abgeleget haben. Man wendet ein, nannte, genannt, brannte, gebrannt u. s. f. seyn bloße Zusammenziehungen für nennece, genenner u. s. f. Allein die Zusammenziehung ändert den Vocal im Deutschen nicht; über dieß widerlegt ein wenig Kenntniß der alten Formen diese Zusammcnziehur.g zur Genüge. Brennen ging in seiner ältesten Gestalt, ich brenne, du brinnft, er brinnt, Jmperf. ich brunn, Partie, gcbrunncn, und es gibt Gegenden, wo es noch fo gehet, z. B. Franken. Ein wenig mehr Cultur vertauschte, wie mit mchrern irregulären geschehen, den unangenehmen tiefen Hülfslaut u mit dem a, Jmperf. ich brann, Partie, gcbran- nen. Aber dabey blieb es nicht; das Verbum näherte sich der regulären Form durch Annahme der regulären 796 i. Th. 2. Abschn. 7. Kap. regulären Biegungslanre, und nun hieß es brannte, gebrannt. Ein gleiches ließe sich von allen übrigen beweisen. Es ist also wohl bloßer Wortstreit, wenn man sie zwar al6 Anomala den regulären Verbiö im Anhange beyfügen, aber nicht für irreguläre gelten laßen will. Däucbtcn und sollen sind die einigen, welche nichts an der Wurzel ändern; allein, da sie die gewöhnlichen Biegungssylben verschmähen, so finden sie ihren Plah immer schicklicher unter den irregulären, als unter den regulären. Die in diese Classe gehörigen Verba sind folgende : '"Brennen; Jmpcrf. brannre, ehedem brunn, braun, ,Conj. brennece; Partie, gebrannt, ehedem gebrumieil, ge- brannen. Die alte Oberdeutsche Mundart unterschied das Neutrum durch die irreguläre Conjugation von dem regulären Active, und alsdann lantctc das Neutrum bnnnen, ich brinne u. s, f. Das Activum aber brenne, ich breimcre, gcbrenner. Jni Hochdeutschen h.tt man diesen Unterschied nicht beybehalten, sondern das Neutrum sowohl als das 'Activum werden ohne Unterschied auf die schon gedachte Ärt gcbcuget. Indessen wird es doch schon hin und wicdcr vvüig rcgnlär gemacht. Dringen; Jmperf, ichbracdre, Conj. brachte; Partie, gcbrachr. Dieses hat die reguläre» Bieguugssnlbcn schon sehr frühe angcnoüüucn, indem das Jmperf. schon bey dem Äcro Kepi-cchKur lautet; indessen tautet es doch noch bev Ottfried Däuchtcn, im Obcrd. dauchrcn, welches mir unpersönlich gebraucht wird, an der Wurzel nichts lindert, aber die gewöhnlichen Biegr.ngssylbcn nicht annimmt : mich da'uchc, es däuchr sie, für mich tauchtet; Jmperf. mich öauchlc, für dänchte- re; Partie, gedäuchr, für gedäuchrec. Indessen ist doch auch die reguläre Form so ganz ungewöhnlich nicht. Denken, Jmpcrf. ich dachte, Eonj-dächte; Partie, gedacht. In vielen Oberdeutschen Gegenden gehet dieses Zeitwort regulär, ich denkre, gedenkt, bey dem Ottfried lko ciss tr>c»Kemr»>o, Unser irreguläres Verbum scheint sein Jm- »erfect und Participium von einem andern veralteten Verbo dachten Von dem Verbo. §. 424. 797 dachten entlehnet zu haben, welches noch bcv dem Ottfricv vorkommt, und alsdann würde es mehr eingemischtes, als eiu eigentlich irreguläres Verbum seyn. Dürfen. Prüf, ich darf, du darfst, er darf, wir dürfen 0. s. f. Conj. ich dürfe, Oberd. därft; Jmperf. ich durfte, Conj. dürfte; Partie, gedurft. Der Imperativ ist eben so ungewöhnlich als das Particip. Präs. dürfend, obgleich bedürft» das letztere ausweisen kann. Im Oberdeutschen wird dieses Wort auf eine anhere Arrgebcuget: ich darf, dn darfst/ ev darf, wir dürfen u. s. f. Jmp. ich dorfce, Conj. börste; Part, gedorsr. ""Gönnen; Jmperf. gonnre, Conj. gönnre; Partie, gegönnt. Aber am häufigsten regulär Innere, gcgönncr oder gegönnt. Ehedem ging es noch irregulärer; die dritte Person des Präsentis lautet noch bey dem Otlsried Zsn, und in einigen Oberdeutschen Gegenden heißt das Participium noch jetzt gegonnen. Haben; ich habe, du hast, er Harz Jmperf. ich hatte, Cviij. hätte; Partie, gehabe. S. es vollständig Z. 41z. Das Participium Präsentis habend ist außer wohlhabend ungewöhnlich. Es scheinet, daß dieses Zeitwort ursprünglich nicht sowohl irregulär, als vielmehr nur zusammen gezogen sen, indem bey dem Äero KsKet, für er hat, und -in, Kcbiros, für du haltest, vorkommt. Die Verwandtschaft mit dem Lateinischen Ksbere ist ohnehin unläugbar. Rennen; Jmperf. ich kannte, Conj. kennerc; Partie, ge« kannr. Es hat sich der regulären Form schon sehr frühe gcnä« hert; döch kommt das Präsens Ksn noch bey dem lllphilas vor. Können, dem Ursprünge nach mit dem vorigen genau verwandt: ich kann, dn kannst, er kann, wir können u. s. f. Conj. ich könne; Jmperf. ich konnte, Conj. könnte; Partic- gekonnr. Der Imperativ ist wider die Natur der Bedeutung, d«S Participium Präsentis aber ist ungebräuchlich. In einigelt gemeinen Mundarten lauret das Imperfectum rmime und daS Participium gckiinnr. Mögen; ich mag, du magst, er Mag, wir mögen u.s.f. Conj. ich möge; Zmp. ich mochte, Conj. möchte; Partie, gemocht. Der Imperativ und das Partie Präs. sind nur in dem zusammen gesetzten vermöge üblich. Es ist in seiner heutigen Gestalt schon alt, indem Ottfricds muze» schon im Zm- xerftcte moiuo lautet. Diejenigen, welche in den vergangenen 798 ». Th. 2. Abschn. 7. Kap. nen ?'.'itcn mogre, gcmogr schreiben, bedenken nicht, daß der Ton hier .ms dem gedehnten in den geschürften übergehet, welcher letztere daS ch erfordert. Eben so kommt von schien, Schlacht, tragen, Tracht, zeugen, Zucj't, fliegen und flicken, Flucht, sehen, Gesickr, und von nnserm mc'gc», '.Ilachr. Von jagen kommt zwar I-'gb, allein hier bleibt auch der gedehnte Ton. Müssen; ich nnisi, du musir, er muß, wir i.-.ussen u.s.f. Conj. ich muss; Jmpcrf. ich mußt-, Conj. müstre; Partie, gemußt. Der Imperativ und das Partie. Präs. sind ungewöhnlich. Das Irreguläre bestehet hier theils in der Abwechselung des ü und n; theils in den in der ersten nnd dritten cinsachcn Person des Prlis. fehlenden BiegnngSsvlbcn. Nennen; Imp. nannte, Conj. nennerc; Partie, genannt. Es ist vermittelst des intensiven n von den: alten nabmen gebildet, welches noch in Nahmen und in dem niedrigen beniemen lebt, daher es noch imTatian nen„?cu lautet. Das Jmperfect lautete ehedem auch nann, daher mit Beyfiignng der Bieguugs- lantc unser nannte. Es wird von vielen schon völlig regulär gebraucht, nennen, gencnner. Doch ist im Hochdeutschen die irreguläre Forin noch die üblichste. Rennen; Imp. rannre, Conj. renncre; Partie, gerannt. Das Jmperf. lautete ehedem runn, rann, nnd das Partie, ge- rmmcn, nachmals gerannen, bis gcrannr daraus ward. Die vergangenen Zeiten lauten zwar in Schlesien und andern Oberdeutschen Gegenden gedehnt, wier«hn, gerahnr, «her nicht im Hochdeutschen. Im gemeinen Leben ist rennen auch als das Activum von rinnen üblich, und alsdann ist es allemahl regulär. So wird der Wein gerenner, wenn er mit Wasser vermischet wird, das Enen, wenn es geschmelzet wirix Indessen wird auch das Intransitivum schon seir Lurycro Zeiten von vielen regulär gebraucht. Berennen, eine Sradr bereivieir gehet jederzeit regulär. ^Senden; Imp. sandte, Conj. sendete; Partie.gesandt.. Auch schon häufig völlig regulär, sendete, gesendet. sollen; ich io'.l, du sollst, (nicht sollt,) er soll; Imp. sollte; Partie, gesollt. Den Znircrativ verstattet die Natur de> Vedentuug nicht; das Partie. Präs. aber ist ungewöhnlich. Auch das Pirtic. Prät. wird außer der Conjugation nicht gebraucht; d'^- ?est,'llre pst'chr, der Ovn i'ollende Bürgermeister beleidigen den Hochdeutschen Sprachgebrauch. Das Irre« gnläre VON dem Vcrbo. §.424.425. 799 SuÜlrcan diesem Verbo bestehet bloß in der in der ersten und dritten einfachen Person des Präsent. Indie. fehlenden Dicgungs- sylbe, ick soll und er soll, für ich soüe, er sollt. Wer in der zweyten Person du sollt sagt, vermenget die dritte Person mit der zivevten. Das Niederdeutsche scl'öle» für sotten, >vo- von noch nnser Schuld ist, gehet noch abweichender: iL schall, du schast, he schnll, Impcrf. scholde. ^^Venden : Jwpcrf. ich wandle, Conj. wendete; Partie, gewandt. Auch schon häufig regulär, wendete , iicwcnder. IVisscn: Präs. ich weist, du weißt, (nicht weissst,) er weis:, (im Obcrd. er weißt,) wir wissen n. s. f. Couj. wisse; Jmrcrf. wusire, Lonj. wüßte; Partie, gewußt; Impcrat. wisse. Nullen : Präs. ich will, du willst, er will, wir wolle» u. s. f. Conj. wolle; Jmperf, wellte, Conj. eben so; Partie, gewollt. Der Imperativ fehlet. » II. Haupt-Classe. Die erste und dritte einfache Person im Imper- fect ohne Biegungslaut, folglich cinsylbig mit gebogener Wurzel; im Participio en statt et oder r. §. 425. Diese ist die zahlreichste, indem sie un- II. Hmipe- gefähr hundert und achtzig Verba in sich bcgreifft, Nasse, welche insgesammt Überreste der Kindheit der Sprache sind, da die Verba noch mehr nach der dunkeln Empfindung des Hörbaren, als nach klaren Begriffen, gebildet wurden. Dieß Zeigt sich besonders im Singular des Präftntis Indicativ: und im Im- perfecte, wo statt der Biegungsjylbe die Wurzel selbst gebogen worden, am häufigsten in Ansehung des Vocals, aber auch oft der Confonanten. Das Participium Prateriti hat bey gemeiniglich geboge- nerWurzel diealteBiegungssylbe en für er oder r. Wir bemerken noch von dieser Conjugation überhaupt: 1. die Wurzel des Infinitives, welche allemahl auch die Wurzel der ersten Perfcn des Prüfen- . :i5 8oo t. Th. 2.Abschtt. 7. Kap. tis ist, ändert in der zweyten und dritten gern den Vocal, und zwar a in ä, 0 in 0, und c in l oderic; ä in ie, wohin man. auch die alte Oberdeutsche Biegung des ie in eu rechnen kann, welche noch bey den Hochdeutschen Dichtern vorkommt. Indessen ist diese Änderung des VocaleS nicht ohne Ausnahmen, wohin z. B. haben, genesen, hehlen, verhehlen, pflegen, stehen, bewegen, wägen, erwägen, erschallen, hauen, saugen, schaffen, mahlen, molere, gehören; ingleichcn diejenigen, welche sich schon merklich der regulären Form nähern, und daher den Umlaut nur Noch im gemeinen Leben haben, z.B. gähren, gebären, schwären, laden, kommen. Die wenigen auf u, thun, rufen, bekommen den Umlaut nie. In Oberdeutschland, besonders in Schwaben, bekommen backen, blasen , braten, fangen, graben, hangen, laden, kommen, laufen, rathen, saufen, schlafen und stoßen, den Umlaut nicht. Der Plural des Präsents gehet allemahl regulär. 2. Der Imperativ folgt zuweilen, aber nicht allemahl, dem gebogenen Präsenti, und ist alsdann allemahl einsylbig, und leidet folglich kein e. z. Das Imper- fect bieget bloß die Wurzel, leidet in der ersten und dritten Person keine Biegungssylbe, und ist hier folglich jederzeit einsylbig, weil jede Wurzel einsylbig ist. In den höchsten Oberdeutschen Mundarten ist es allemahl gedehnt, mich wenn die übrigen Theile des Verbi oder zwey aus einander folgende Confonanten die Schärfung erfordern sollten: gewinnen, gewän, schwellen, schwol, stns den, fand. Da-s ist bloß eine Eigenheit einet Mundart, welche überhaupt zur trägen Dehnung so seht geneigt ist, und sogar, ist, bist dehnet. Im Hochdeutschen haben mw einige Imperfecte die Von dem Verbo. §.425. 801 die Dehnung, äß, fiel, schuf, las' die meisten sind geschürft, besonders wenn ein doppelter End- Confonanö der Wurzel die Scharfuug der Natur der Sprache nach erfordert: fand, band, gervann. Die südliche Dehnung kann als eine Eigenheit einer Mundart richtig seyn, nur muß man sie nicht als eine Schönheit oder vorzügliche Regelmäßigkeit, (die darin gar nicht zu finden ist,) dem ganzen übrigen Deutschlande ausdringen wollen. 4. Der Conjunctiv bekommt überall die gewöhnlichen Biegungsfyiben; im Präsenti wird er aus der ersten Person des Indicatives gebildet, d.:ß ich gebe, daß du gebest, daß er Jede' und im Impersecre aus dem Impcrfecte des Indicatives, nur daß er den Umlaut bekommt, wen» derselbe Statt findet: ich ging, daß ich ginge, ich fand, daß ich fände. Wenn man dasjenige, was oben von den irregulären Verbis überhaupt gesager worden, erwäget, so wird man alle Hoffnung aufgeben, einen andern Grund ihrer Verschiedenheit auffinden, als die dunkele Empfindung des Hörbaren, welche in jedem cinzelen Falle anders bestimmt werden mußte, und für uns gar kein Grund mehr ist, weil sich eine jede Sprache, so bald sie die frühesten Za^re der Kindheit zurück geleget hat, mehr nach klaren Begriffen, als nach der Empfindung des Hörbaren, ausbildet. Es ist daher ein bloßer Zufall, wenn mehrere irreguläre Verba entweder ganz oder doch größten Theils auf eine einförmige Art gebildet worden, welche folglich nirgends zur Regel dienen kann. Ob es aber nicht nühiich und wenigstens für das Gedächtniß vortheilhaft ist, die irregulären Verba nach der bemerkten Einföruugkeit in gewisse Classen zu theilen? Ich glaube nicht; denn zu gefchwei- Adet, ,O. Spr» E e e gen, 8V2 l.TH. 2.Abschtt. 7. Kap. gen, daß überall Abweichungeil Statt finden / und die Eintheilung um der oben schon bemerkten Ursache willen nie ganz genau und vollständig ausfallen kann: so mnß man die irreguläre Conjugation bereite wissen, wenn man ein Verbum in seiner gehörigen Classe aufsuchen will. Ich würde daher in einem Buche, welches? die AnsimgSZn'mde der Sprache erst lehren soll, die alphabetische Ordnung ohne alle andere Eintheilung vorgezogen haben, weil man ein jedes verlangtes Verbum alsdann leichter aufsuchen kann. Allein, da ich fand, daß der größte Theil von Sprachlehrern sowohl, als andern, für die ClaWcation stimmte, fs behielt ich in der Sprachlehre für Spulen die gewöhnliche bey, welche diese Verba bloß nach dem Vocale des ImperfecteS ordnet. Da sie nur fünf Classen hat, so macht sie das Aussuchen eines verlangten Verdi leichter. Ich gestehe indessen gern, das?, wenn einmahl eingetheilet werden soll, sie nicht genan genug eintheilet, daher ich hier eine andere ClaWcation zum Grunde lege, welche ich meinem Freunde, dein Herrn Prof. !v"m!cr in Berlin, zu verdanken habe, nnb welche auf den Vocal des Infinitives, ImperfecteS und Participii zugleich siehet. Sie ist unstreitig die genaueste; allein, da sie neun Classen hat, so macht sie das Aufsuchen für Aufanger noch beschwerlicher, und kann eben so wenig als die einfachern zur Regel dienen, d. i. man darf nicht schließen, daß, weil.die meisten Verba der ersten Art den Vocal im Präfenti andern, solches nothwendig sey, uno man daher auch du häuejr, erhallt, sagen müsse. Hier ist eine knrzs Übersicht der im folgenden vorkommenden Verbsrum. Dem Gedächtnisse zu Hülfe zu kommen, kann man jede Art mit einem dreysyl- Von dem Verbo. §.425. 80Z dreysylbigen Worte oder eigenen Nahmen bezeichnen > dessen zwey erste Vocals den Vocal des Infinitives und Participii, der letzte aber den Hülsslaut des Imperfecteö ausdrucken. Erste classe, der Infinitiv und das Participium gleich leitend. Erste Art, Paradies: der Infinitiv und das Participium a, das Jmperfect ie. Zweyte Arr, Faramund: der Infinitiv und das Participium«, das Jmperftct n. Dritte Arc, EngclKarb: der Infinitiv und das Participium e, das Imperfecta. Zweyte LIasse, das Participium und das Jmperftct gleich lautend» Erste Arr, Hemrici: der Infinitiv ei, das Participium und Jmperfect ie oder i. Zweyce Arc, Siovor: derJnfinitiv ie, da-Z Participium und Jmperftct o. Dritte 2lrr, Theopomp: der Infinitive, das Participium und Jmperfect o. Dritte, Ll.:sft, der Infinitiv, das Participium und Jmperftct ungleich lautend. Erste Are, Thcona: der Infinitiv e, das Participium o, das Jmperfect a. Zweyte Arr, Sirona: derInfinitiv i, das Participium o, das Jmperftct a. Drirce Arc, Virgulra: der Infinitiv i, das Participium u, das Jmperftct eht richtiger ohne e. Hallen: du ballst, er hält; Jmp. hielt; Part. geHallen. Hangen: hängst, hängt: Jmp. King, (S. Fangen;) Particip, aebangen. «Zangen ist das Neutrum; das reguläre Häimc» aber das Activum. Beyde werden im Hochdeutschen sehr häufig, aber nicht weniger irrig, mit einander verwechselt: er wird aufgehangen, für ausgehänger. Hauen : du hauest, er Hauer oder haur; Jmperf. hieb; Part, gebauen. Es nähert sich im Hochdeutschen der regulären Form; daher hat es den Umlaut im PrLsculi bereits abgelegt, und im Jmperf. höret mau schon bin und wieder Hauers. S ass n: du lässest, er läßt; Jmp. ich ließ; Part, gelassen. Veranlassen gehet regulär. Caufcn: läufst, läuft, auch schon häufig laufst, lauft; Jmp lief, (vulji. loff;) Part, gelaufen, nicht gelöste», wie in den niedrigen Sprecharten. Da die Schärfung in dicjem Worte so wie in taufen, raufen u. f. f. der Dehnung vorsticht, so sollte das f billig verdoppelt werden. Xach >n : du rächst, er rärl, (für rärher;) Jmp. riech; Part, gcralben. Bis auf das letztere «mch schon, doch selten, regulär. So auck berarben, welches doch billig regulär gehen sollte, so wie Heurachen, welches niemand irregulär beuget. *5 Salzen, Von dem Verbo. §.425. 805 '"'Salzen, ging ehedem salzest, sälzr, Imp. s-elz, Part, gesalzen. Im Hochdeutschen gehet es bis auf das letztere völlig regulär. Schlafen: schläfst, schläft; Jmperf. schlief; Partie, geschlafen. Schmalzen, ging ehedem, und gehet »och jetzt im Oberdeutschen, wie salzen, Im Hochdeutschen lautet nur noch das Participium geschmalzen. "«Spalten, ist im Hochdeutschen gleichfalls völlig regulär, mir daß das Participium noch gespalten lautet. Ehedem ging es spälrst, spälc, Imp. spiclr. Zweyte Art, Laramund: der Infinitiv und das Participium a; das Imperfect u, im Conjunctive den Umlaut, folglich ü' die zweyte und dritte einfache Person des Prafentis bekommen den Umlaut; der Imperativ folget der ersten. * Backen: das 'Activum, du bäckst, er bäckt; Imp. buk, Conj. büke; Partie, gebacken. Bis auf das letztere auch schon häufig regulär, dn backest, er backer, ich backce, daß ich backce. Das Niederdeutsche backen, kleben, gehet regulär. Fahren: du sähest, er fährr; Imp. suhr, Conj. führe; Part, gefahren. Mv-fahre» gehet regulär. '-""'fragen, welches die Niederdeutschen, wenn sie Hochdeutsch spreche» wollen, so gern irregulär beugen, du frägst, er frägt, ich frug, und dock im Particivio nicht gefragen, sondern gefragt sagen, gehet im Hochdeutschen seit langer Zeit völlig regulär. Grab»: dn gräbst, er gräbt; Imp. grub, Conj. grübe; Part, gegraben. ««Jagen und ^Riagen ; beyde Verba gehen im Hochdeutschen seit langer Zeit nie anders als regulär. Allein in vielen,,beso»!.>drs Niederdeutschen Provinzen höret man noch immer jagst, jägr, zug, und in einigen Oberdeutschen Gegenden klug, gerlagen. Laden: lädest, läder, noch lieber ladest, ladet; Jmperf. lud, Conj. lüde; Part, geladen. Mahlen, mc-Iere, gehet jetzt völlig regulär, nur daß eS im Particivio noch gemahlen hat. Ehedem ward es mLbist, Cee z mählr, 8.O6 i.TH. 2. Abschn. 7. Kap. wählt, Jmp. muhl, Conj. mühle, gebcuget. Mahlen, pm- xere, gehet völlig regulär. Schaff n, erc->rc: schaffst, schaffi; Jmp. schüf, Conj. schüft; Part, geschaffen. In andern Bedeutungen geher eö regulär. Schlagen: schlägst, schlägt; Jmp. schlug, Conj. schlüge; Wart, geschlagen. Aarhschlagcn und berathschlagen gehen regulär. Tragen: trägst, träge; Jmp. rrüz, Conj. trüge; Part, getragen. Machsen: du wüchsest, er wächset ; Jmp. wuchs, Conj. wüchse; Part, gewachsen. TVaschen: wäschest, wäschr; Jmp. wüsch, Conj. wüsche; Part, gewaschen. Dritte Art, Engelhard: der Infinitiv und das Participium e, das gedehnte Iiupcrfect a, im Coi.jünctiv den Umlaut. Die zweyte und dritte einfache Person des Prasentis verwandelt e in i oher ie , und so auch der Imperativ, zLssen:- du issest, er ißt; Jmp. aß, Coi,j. äße; Part, gegessen für gecssen, im gemeinen Leben gissen; Jmp. iß. gressen: du frissest, er ftißr; Jmp. fr-nß, Conj. fräße; Part, gefressen; Jmp. friß. Geben: du gibst, er gibt, (ehedem gedehnt giebst, giebt;) Jmp. gab, Cvuj. gäbe; Partie, gegeben; Jinp. gib, ehedem gr b. ^Genesen: gehet schon häufig rcgnllü', und zwar im Präsent! und Imperativ jederzeit, genesest, gencser, genese; Jmp. genae, Conj. genäse, «her auch schon, genefere; Part, genesen , n-chr selten auch geneset. Ge'chebett: geschiehest, geschiehet oder geschieht; Jmp. geschah, Conj. geschähe; Part, geschehen. Der Imperativ ist ungewöhnlich, sollte er aber gebraucht werd«,, so müßte er nicht geschieh, wie die übrigen Verba dieser Art lauten, sondern gcfchrh. Lesen; du liesest, cr liescr; Jmp.-las, Conj. läse; Part, geleft»; Jmperat. lies, auch wohl lis, geschärft. MefsiN!: du missest, er mißt; Jmp. maß, Conj. mäße; Part, gemessen; Jmp. miß, Scheu? Von dem Verbo. §.425. gO7 e^cbl'ii: du siehest, er sieh-c oder sieht; Imp. sah, (ioui. ft-h^; Part, gesehen; Imp. siel) oder siehe. ^ Stocken: stickst, stickt; Imp. stak, stäke; Part, ge- stecken; Jmper. stick. So gehet dieses Verbum »och in vielen gemeiueu Mundarten, dangen es iin 5?ochdculschen nie anders als regulär gebeugec wird. Treten: du trittst, er rr-irr; Imp-rrac, Cenj. rräre; Part, getreten; 2">per. cvirr. Vergessen: du vergissest, cr vergißt; Imp. vergaß, Couj. vergäße; Partie, vergessen; Jmper. vergiß. Zweyte Classe. Da6 Imperfectum uitd Participium gleich laiK tend. Erste ^lrt/Heinrici: der Infinitiv ei, das Imperfcct und Participium ic oder i; alles übrige gehst regulär. Das Imperfect ist bald geschärft, bald gedehnt. Befleisse!,: Imp. befliß; Partie, beflissen. Das davon abgeleitete bcflcissigen gehet regulär. Deisse»: Imp. biß; Partie, gebissen. ^ Verleiden, das ?!eutruin: Imp. bcklieb; Partie, belieben. Gehet jetzt regulär, nur daß daS irreguläre Particix. t»ch hin und wieder gebraucht wird. ^leihen: Imp. blieb; Part, geblieben. Erbleichen: Imp. erblich; Part, erblichen. Bleichen, das Aciivum, gehet regulär. "G.'dechen: Imp- gedieh; Partie, gediehen. Auch schon häufig regulär. Gleichen: Imp. glich; Partie, geglichen. Luther braucht eS regulär; indessen ist im Hochdeutschen doch die irreguläre Form noch am gangbarsten. Abgleichen hingegen gehet völlig regulär. -^Gleissen: Imp. gliß; Part, geglissen. Gehet im Hochdeutschen vollkommen regulär. "chlcncn: Imp. glur; Partie, geglirre». Auch schon hänsig regulär, so wie begleiten und leite» nie anders als regulär Schlüget werde». Eee 4 Greiffen: 8o8 i. Th. 2. Abschn. 7. Kap. Greiffcn.: Imp, griff; Partie, gegriffen. 5* Greinen: Imp. grum; Partie, gegrinnen. Dieses ohnehin nur in der niedrigen Sprcchart gangbare Wort gehet im Hochdeutschen vvllia regulär. * Griffen: Imp. ktff; Partie, gckiffen. Im Hochdeutschen Ire der regulär. -"5 lxieit'eii, das Neutrum, wie bekleiden. Das Activum gebet ohnehin regulär. * Rneiffe" : Imp. kuiff; Part, gekniffen. Nicht selten auck scheu regulär. '51»; Imp. enjpp; Part, geknippen. Am häufigsten regulär, *5 kreischen: Imp. krisch; Part, gekrischen. Im Hochdeutschen , wo es noä, gebrauch! wird, regulär. ^'Kreisten, ein von dem vorigen nur in der Mundart verschiedenes Wort; Imp. krisi; Part, gekrissen. Im Hoch- dcuisa.en, wo es überhaupt selten ist, gehet es regulär. Das besonders be» dem Jägern übliche kreisen, im Bezirke, Kreise, herum geben, muß damit nicht verwechselt werden. '"'^^enitcn, gehet nur.in einigen niedrigen Mundarten irregulär: Imp. litt; Part, aciircci,. L.nircn, das Neutrum, ist daselbst regelmäßig. L i^'ü : Imp. lirr; Part, gelitten. Verleide», gehet regelmäßig. i^üvi': Imp lieb; Partie, geliehen. V^eit^n: Imp. mied; Part, gemieden. pfnff.'ii: Imp. pfiff; Parr. gepfiffen. prciien: Inip. pries; Part, gepriesen. Luthers aus dem Oberdeutschen entlehnter regnlärer Gebrauch ist im Hochdeutschen nicht nachgeabmet worden. Das seltene lobpreisen aber würde regulär gehen müssen. !xnl.'.n: Imp. rieb; Part, gerieben. Russen: Imp. risi; Part, gerissen. R-'itep: Imp. ritt; Part, geritten. Dauer Reirer, nicht Reiittr. Das Oberdeutsche rcuren, rechnen, und unser berei- len, zube- eicen, vorderciren, gehen regulär, sind aber auch in der Abstammung von dem vorigen nnterscdieoe». S>5>ei5-.'.-: Imp. schied; Part, geschieden. Luthers re- gnlärc !vorm ist im Hochdeutschen ungewdbuüch. Vcr.'.bschei- vcn, w.'l^r doch ve> ubschieden üblicher ist, gebet regulär. ^.Menu!1, gesehen werden, mir erscheinen u. s. f. Imp. schien; Part, geschiein». Bcschciiien, mit einem Scheine, d.i. Von dem Verbo. §. 425. 8^9 d.i. schriftlichen Zeugnisse bestätigen, daher bescheinigen, gehet regulär. Sai—, wie Rcisscn. Scheu n, gebet nnr in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten irregulär: Imp. sch-e; Part, geschien. Sch!cict>en: Imp. schlich ; Part, geschlichen. Schleifen, oder vielmehr schleisten, scharf und glänzend reiben: Imp. schliff; Part, geschliffen. Aber schleifst», eine Schleiffe machen, auf der Scklciffe führen, schleppen, eine Stadt schleiffen, gehen regelmäßig. "Scdleissen, ein in der ediern Schreibart ungewöhnliches -Zeitwort: Imp. schlitz; Part, geschlissen. Geschlissene Federn. So auch verschleissen. Beyde gehen auch zuweilen regulär. Smmeissen: Imp. schmiß; Part, geschmissen, Schneiden: Imp. schnitt; Part, geschnitten. ^ Gckneven: Imp. schnie; Part, geschnicn. Im Hoch, deutschen gehet es regulär. Schreiben: Imp. schrieb; Part, geschrieben. Schreiten: Imp. schritt; Part, geschritten. Schrevcn: Imp. schrie; Part, geschrien. Säiwcigcn: Imp. schwieg; Partie, geschwiegen. Das in einigen Gegenden übliche schweigen, zum Schweigen bringen, gehet regulär. '-"-Seihen, nur in einigen Oberdeutschen Gegenden: Imp. sieh; Part, gestehen. 5^ Speisen, gleichfalls mir in einigen Oberdeutschen Gegenden : Imp. spies; Part, gespiescn. Speven: Imp. spie; Partie, gespien, verspey-nj hingegen gebet regulär. Spleiss. n, ein im Hochdeutschen ungcPöhnlichcs Wort für spalten: Imp. spliß; Part, gesplissen. Steigen: Imp. stieg; Part, gestiegen. Streichen: Imp. strich; Partie, gestrichen. Streiten: Imp. stritt; Part, gestritten. Treiben: Imp. trieb; Part, getrieben. Verbleichen: Imp. verblich; Part, verblichen. vergleichen: Imp. verglich; Part, verglichen. verseigen, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, wovon „och das Partie, versiegen übrig ist. Man gebraucht dafür das regelmäßige versiegen, versiegte, versiegt. Ece 5 Weichen, » Zio i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. 'Veiten, cevet, becreug.) Liegen: (poet. beugst, beugt;) Imp. bog, Conj. böge; Partie, gebogcn ; sImperat^ poct. beug.) Lengen gehet hingegen regulär, Imperat. beuge, beug. Biethen: (poet. beuchst, beurl,;) Jmperf, borh, Conj. böche; Partie, gebothen; (Imperat. poct. beuch.) -I'rkürcn: Imp. erkor, Conj. erköre; Partie, erkoren. fliegen: (poct. Nennst, fleugt;) Imp. flog, Conj. flöge; Partie, geflogen; (Imperat, poct fleug.) FUcb.-n: spoet. fleuchst,fleucht;) Imp.floh, Conj, flöhe; Partie, geflohen; (Imperat poet. fleuch.) giießi-n: (poet, fl «issest, fieusir;) Imp. flosi, Cvnj. flösse; Part, geflossen; (Imperat. poct. fleuß.) 8?ieren: Imp, fror, Conjunct sröre; Partie, gefroren. Freuest, srcurc, freur würde such wohl das härteste Ohr unerträglich finde». Gebiethen, Voi! dem Verbo. §.425. 81! Gebiethen, wie Blechen. Geniegcn: (poct. geneussest, geneusit;) Jmp. genoß, Conj. gcnöss>>; Partie, genossen; (Impcrat. voct. geneust.) Gieren: (poct. g-usscst, g-ußr,) Jmp. goß, Conj. gösse; Partie, gegossen; (Impcrat. poet. gen??.) ^(I-Iuiünett: Jmp. glomm, (in Schwaben glam,) Conj. glömme; Partie, geglomnicu. Noch hänsigcr regulär. Kiiebcn, spülten, ein im Hochdeutscheu ungewöhnliches Wort: Jmp. klob, Conj. riebe; Partie, gerieten.' Klimmen, nur noch in der dichterischen Schreibart für klettern: Jmp. klomm, (in Schwaben klcim,) Conj. klömme; Partie, geklommen. Gleichfalls am häufigsten regulär. Kriechen: (pvet. kreuchst, kreuchr;) Jmp. kroch, Conj. krö'che; Partie, gekrochen; (Impcrat. poct. kreuch.) Küren, S. «Lrrüren. ^ügen: (poct. leugst, lougr;) Jmp. log, Conj. löge; Partie, gelogen; (Jmp. poct. leug.) Riechen: (poct. reuchsc, reuchr;) Jmp. roch, Conj. röche; Partie, gerochen; ( Impcrat. poet. reuch.) Schieben: Jmp. schob, Conj. schöbe; Partie, geschoben. Schießen: ( poet. schenssest, scheußt;) Jmp. schoß, Conj. schösse; Partie, geschossen; s Impcrat. poet. scheust.) Die poetischen Formen werden um der Zweydeutigkeit willen selten mehr gebraucht. Schliefen, ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches allenfalls noch bey den Dichtern vorkommt: Jmp. schloff, Conj. schlöffe; Partie, geschlossn». Schließen: (poct. schlcussest, schleußt;) Jmp. schloß, Conj. schlösse; (Jmpcr. poet. schleuß.) Schnieben: Jmp. schnob, Conj. schnöbe; Partie, geschnoben. Schnauben gehet regelmäßig. Sieden: Jmp. sorc, Conj. söcce; Partie, gesotten. Wärmn in der höhern Schreibart nicht auch seudst, scudr, scud? Die Mundart, ans welcher jene ähnlichen entlehnet sind, hat auch dieses. * Sprießen: (poet. sprenssest, spreußc;) Jmp. sproß, Conj. sprösse; Partie, gesprossen; (Impcrat. pvet. spreuß.) Auch schon häusig regulär. Suebi"': Jmp. stob, Conj. stöbe; Partie, gestoben. Stäuben, das Activum, gehet regulär. ^Trie- Fi2 i. Th. 2. Abschn. 7. Kap. Tricon: Jmp. rroff, Conj. rrösse; Partie, getroffen. Rock häusiger regulär. Trlegen, wie Verricgen. Verdrießen: (poet. vcrdreusiest, verdreußc;) Jmp. ver- drosi, Conj. verdrösse; Partie. verdrossen; Jmperat. caret. verlieren: Jmp. verlor, Conj. verlöre; Partie, verloren. Verlcurest, verleurr, verleur sind wegen der Härte ungewöhnlich. 6"Verwirren: Jmp. verworr, Couj. verwörre; Partie, verworren. Gehet am liebsten völlig regulär; doch wird das irreguläre Participium noch häufig gebraucht. Wiegen, ein Gewicht haben: Jmp. wog, Conj. wöge: Partie, gewogen. Das Activum wägen wird oft eben so gebogen, und alsdann mit dem Neutro gleich bedeutend gebraucht, sollte aber eigeurlich regulär gehen und nur active gebraucht werden. Wiegen, von wiege, gcher jederzeit regelmäßig. Ziehen: (poet. zeuchst, zeucht;) Jmp. zog, Conj. zöge; Partie, gezogen; (Jmperat. poet. zeuch.) Dritte Art, Theopomp: der Infinitiv e, zuweilen ä und 0; das Imperfect und Participium 0, der Conjunctiv des Imperfecteö hat den Umlaut; die zweyte und dritte einfache Person des PräsentisIndicativi verwandeln gemeiniglich e in i; so auch der einsylbige Imperativ. ** Veklemmen: im Präsenti und Imperativ regulär; Jm- perf. beklomm, Conj. berlömme; Parric. beklommen. Am häufigsten regulär. Das einfache klemmen gehet jederzeit regelmäßig. Seilen: billst, bille; Jmp. boll, Conj. bölle; Partie, geholten; Jmp. bill. Im 5?ochdeutschen am liebsten regulär. Bewegen, den Bewegungsgrnnd an die Hand geben: im Präsenti und Imperativ regulär; Jmp. bewog, Conj. bewöge; Partie, bewogen. In andern Bedeutungen gehet es regulär. "Oreschen: drischest, drichc; Jmp. drosch, Conj. drösche (in einigen Gegenden drasch, dräsche); Partie, gedroschen; Jmperat. drisch. Auch nicht selten regulär, das Par- tipium etwa ausgenommen. Erwägen, , Von dem Vcrbo. §. 425. 81z Erwägen, wie wägen. Fechten: fichtst oder siehst, ficht (für sichtet); Jmp. focht, Conj. söchrc; Partie, gesochrcn; Imperat. ficht. Llechten: fiichrcst oder stichst, flichr (sürflichrcr); Jmp. flochr, Conj. flöchcc; Partie, gefischten; Inserat, flichc. "Gären: gierst, giert, im Hochdeutschen hier lieber regulier; Jmp. gor, Con>. göre; Partie, gegoren ; Imperat. gier; lieber gäre Auch schon das ganze Vcrborum regulär, bis etwa auf das Participium. Heben: im Präsenti und Imperativ regulär; Jmp. hob, Conj. höbe (v,i>°. hub, hübe); Partie, gihoben. Hehlen und verhohlen, gehen schon völlig regulär, nur daß noch die irregulären Participia geholfen und verhohlen zuweilen vorkommen, doch letzteres öfter als ersteres. «Meißen: willst, milkr; Jmp. molk (in Schwaben nialk), Corlj. mölke; Partie, gemolken; Imperat. milk. Am liebsten schon völlig regulär, bis auf das Participium gemolken. Viele Niederdeutsche, wenn sie Hochdeutsch reden wollen, verwandeln dieses Verbum in milchen, welches aber wider de» Sprachgebrach ist. Pflege», nur in der Bedeutung Freundschaft, Umgang pflegen: im Präsenti und Imperative regulär: Jmp. pflog (iu einigen Gegenden pflag), Conj. pflöge; Partie, gepflogen. In allen andern Bedeutungen gebet es regulär. Gueilen: quillst, quillr; Jmp. quoll, quölle; Partie, gequollen; Jmp. quill. Das Faetitivum, aufquellen machen, gebet regulär. *5 R,äcr>cn: Jmp. roch, rö'che; Partie, gerochen. Gehet jetzt im Hochdeutschen völlig regulär, nur daß das Parlier» pium gerochen noch zuweilen vorkommt. scheren, in allen Bedeutungen: schierst, schiert, (am ljebsten regelmäßig, scherst, scherc;) Jmp. schor, Conj. schöre; Partie, geschoren; Imperat. schier, häufiger schere. Bescheren , zutheilen, gebet regnlär. Schmelzen, das Neutrum: schmilzest, schmilzt; Jmp. schmolz, schmölze; Partie, geschmolzen; Imperat. schmilz. Das Activum gehet billig regulär, schmelzte, geschmelzt, so vft es auch wie das Neutrum gcbeuget wird. ^cbwaren, Eiter ziehen: im Präsenti und Imperative im Hochdeutschen regulär, sei' r>ärst, schwärr, ehedem schwierst, schwiert; Jmp. schwor, Conj. schwöre; Partie, geschworen. Schwel- i.TH. 2.Abschtt. 7. Kap. Schwellen, das Neutrum: schwillst, schwillt; Jmperf. schwoll, Conj. schwölle; Part, geschwollen; Jmperat. schwill. Das Factitivum schwellen, das Wasser aufschwellen mache», gehe: regulär» Schwören, jui-gre ! im Prlisenti regulär; Jmp» schwor, Conj. schwöre; (i» den gemeinen Mundarten schwur, schwüre;) Partie, geschworen. verloschen, wie Erlöschen. 1,Vagen, in erwägen, S. Erwägen. Außer dem gehet es sm liebsten regulär. S. Wiegen in der vorher gehenden Art. ""Wichen, gieng ehedem gleichfalls irregulär, Jmp.wob, Partie, clcwoben. Allein im Hochdeutschen wird eo schon seit langer Zeit nie anders als regelmäßig gebcugtt. Dritte Classe. Der Infinitiv, das Participium und das Im- perfect ungleich lautend. Erste Zlrr^ Theona. Der Infinitiv e, zu^ weilen ä, das Imperfecta, im Conjunctive den Umlaut, das Participium 0. Viele Verba dieser Art hatten ehedem im Imperfecle v oder u; allein der Fortschritt der Cultur hat diese riefern iaute in den höhern a verwandelt; indessen bilden Vieleden, Conjunctiv noch nach der alten Form. Die zweyte und dritte einfache Person des PrasentiS verwandeln das e in i, folglich auch der einsylbige Imperativ. Vefup. befahl (vu.'ß. bes fohl), Cvnj. beföhle; Partie, befohlen; Inipcrat. befiehl. Bergen: birgst, birgc; Imp. barg (vulz. borg, bürg), Conj. bürge, auch swon bäl a>; Partie, gebornsn; Iinperat» bii y, oder um der Aussprache »es g willen, birZe. So auch verbergen; Herbergen aber gehet regelmäßig. Bersten: birstesr, birster; Imperf.-barst (vuIZ. borst), Conj. börste, avee «uch schon bärste; Partie, geborsten; Im- »erat. birst. brechen 5 VondemVerbo. §.425. 8>5 Lrecken: brichst, bricht; Jmperf. brach, Conj. bräche; Pa tic. gebrochen; Jmpcr. brich. Das nur im gemeinen Leben Udllche Rndcbrcchen gehet regelmäßig. iLridreeken, das Neutrum: erschrickst, erschrickt; Jmp. erschrak, gcdclmt, folglich nicht erfchrack, Conj. erschräke; Partie, erschrecken; Jmperat. cischrick. Das Activum gehet so wie dos einfache schrecken regulär. Gebären: gebierst, gebiert, im .hochdeutschen häusiger regulär gebärst, gebäre; Jmp. gebar (v»>^ gebor , Couj. gebore, aber mich sclwn häusig gebäre; Partie, geboren; Jmperat. gebier, häufiger gebäre. Geilen: gilrst, gilr für g-lrcc; Jinp, galt (vu!g. golr), Conj. gölte; Partie, gegolten; Jmperat. gilr. Felsen: hilfst, hilft; Jmperf. hals (vu!ß. hulf), Conj. hülfe; Partie, geholfen; Jmperat. hilf. Nehmen, in Schiral'en nemmen: nimmst, nimmt; Jmperf. nahm, Conj. nähme; Partie, genommen; Jmperat. nimm. Pflegen, S. die vorige Art. Schelten: schürst, schilt, für schilt«; Jmp. schalt (vi>Zx. scholl, Couj. schölce; Partie gescholten; Jmperat. schift. Schrecken, S. Erschrecken. Sprechen: sprichst, sprich; Im?, sprach, Conj. spräche; Partie, gesprochen; Jmperat, sprich. Grecben: stichst, sticht; Jmp. stach, Conj. stäche; Partie, gestochen; Jmperat. stich. Stehlen: stiehlst, stiehlt; Jmp. stahl, (vuIZ. siohl), Conj. stöhle; Partie, gestohlen; Jrr.pe:at. stiehl. Sterben: stirbst, stirbt; Jmperf. starb, (viiix. sturb), Conj, stürbe; Partie, gestorben; Jmperat, stirb. Treffen : triffst, trifft; Jmp. rraf, Conj. träft; Partie, getroffen; Jmperat. rriff. Verderben, das Neutrum: verdirbst, -verdirbt; Jmp» verdarb (vu>A> verdnrb), Conj verdürbe; Partie, verdorben; Jmperat. verdirb. Das Activum gehet regulär. Werben: wirbst, wirbt; Jmp, warb ( vulx. rviltb), Couj. würbe; Partie, geworben; Jmperat. wirb. Werden, S, §. 415. WerkiN: wirfst, wirft; Jmperf. warf ( vuIZ, wurf), Conj. würfe; Partie, geworfen; Jmperat. wirf, Zweyrs 8i6 i.TH. 2. Abschn. 7. Kap. Zweyte Art, Sirona. Im Infinitive i, im Participio o, imImperfectea, ehedem 0, daher noch der Conjunctiv ö hat. Alles übrige gehet regelmäßig. Beginnen: Jmperf. begann, Cvnj. begönne; Particip, begonnen. Im Jmpcrfecto in manchen Gegenden halb regelmäßig bekannte oder be, »nnre, und im Partie, beginne, be- gunnr. Es würde eben nicht sehr das Ohr beleidigen, wenn man es nach und nach völlig regulär gebrauchte, beginnce, beginnet. Indessen ist es im Hochdeutschen veraltet, und nur erst seit kurzem von einigen Neuern vhi'e Noth wieder hervor gesucht worden, indem anfangen den Begriff eben so gut, und weit verständlicher ausdruckt. Besinnen, wie Sinnen. Gewinnen: Jmperf. gewann, Conj. gewönne; Particip, gewannen. Rinnen: Jmp. rann, Conj. rönne; Partie, geronnen. Schwimmen: Jmp. schwamm, Couj. schwömme, auch schon schwämme; Partie, geschwommen. Ginnen: Jmp. sann, Conj. sönne; Partie, gesonnen. Spinnen: Jmp. spann, Conj. spönne; Part, gesponnc». Dritte Art, VireMra, ehedem Dirgultus. Im Infinitiv i, im Imperfecte a, (ehedem 11), im Conjunctivs ä, (ehedem ii), im Participio u. Alles übrige gehet regulär. Diese ganze Gattung hat ihr Imperftct auf a der Cultur der Sprache zu danken, welche das tiefere unangenehmere u in das höhere 6 verwandelt hat, daher es in den gemeinen Specharren immer noch sein altes u und im Conjunctive, ü hat. Schinden ist das einige, welches noch fein u behalten hat; ohne Zweifel weil es als ein niedriges Wort in der ediern Schreibart vermieden wird, und daher an der Ausbildung nicht Theil neymen rönnen. Da das Participium die Cultur am spätesten annimmt, fo lautet es auch noch u. Binden: Jmperf. band, Conj. bände; Particip, gebunden. ^Dingen, Von dem Verbo. §.425. 817 *Dingen, gehet am liebsten regelmäßig; nach der alten Art gehet es dung, dünge, gedungen. Dringen: Imperf. drang, Conj, dränge; Partie, gedrungen. Empfinden: Imp. empfand, Conj. empfände; Partie, empfunden. Linden : Imp. fand, Conj, fände; Partie, gefundei». Gelingen: Imp. gelang, Conj. gelänge; Part.kielungen. '-"^Hinten, gehet im Hochdeutschen seit langer Zeit völlig regulär. Im Oberdeutschen hat es noch hunk, gchunkcn. Rungen: Jinp. klang, Conj, klänge; Partie, geklungen. Ringen: Imperf. rang, Conj. ränge; Partie, gerungen. Umringen hingegen gehet am liebsten regulär. Schinden: Imperf. schund, Conj. schünde; Partie, geschunden. S. oben. Schlingen: Imperf. schlang, Conj. schlänge; Partie, geschlungen. Schwinden: Imperf. schwand, Conj. schwände; Partie, geschwunden. Schwingen: Imperf. schwang, Conj. schwänge; Partie, geschwungen. Singen: Imp. sang, Conj. sänge; Partie gesungen. Sinken: Imperf sank, Conj. sänke; Partie, gesunken. Das Activum senken gehet regulär, springen: Imperf, sprang, Conj. spränge; Partie, gesprungen. Stinken: Imp. stank, Conj stänke; Partie, gestunken. Trinken: Imp rrank, Conj. rränke; Partie, getrunken. Das Activum rränkcn gehet regulär. Verschwinde n, wie Schwinden. Ivindcn: Imp. wand, Conj. wände, Partic. gewunden. **'Minken, welches in einigen Oberdeutschen Gegenden «vch wunk, gewunken hat, ist im Hochdeutschen nie anders alo regulär üblich. **rvttnsch.n und Zünden gehen im Hochdeutschen seit lanzer Zeit regulär; in einigen Obeidcutscven Gegenden haben sie noch wünsch, gewuniedeii, und zunv, g^undm. Zwingen: Imperf. zwang, Conj. zwänge; Partic, gezwungen. Adel.V.Spr. 5 ff Nach Z;Z I.TH. 2. Abschn. 7. Kap. « »!- » Nach keiner der vorigen Formen gehen: Bitten: Jmp. bath, Cönj. bäthe; Partie, gebethet». ErsckaU - ?: Conj erscholl , auch schon crschaUre; Partie, «rschollen. Das einfache Scb.Uicn gehet völlig regulär. Gedeu: Jmp. ging, (nicht gieng), Conj. ging?; Partie gegangen. Heisscu, sowohl das Neutrum als das Aktivum: Zmperf. hieß; Partie, gcbeisscn. 'kommen : du kommst, komme, in den gemeinen Sprecharten noch kömmst, kömmr; Jmp. kam, Conj. käme; Partie, gekommen. Äewitlkommcn gebet regulär. Liefen: Jmp. tag, Conj. läge; Partie, gelegen. DaS Activum legen gehet regelmäßig. Rufen: Jmp. rief, auch schon nicht selten rüste; Partie- gerufen. S'-uf-'n: säufst, säuft, auch schon saufst, sauft; Jmp. soff, Conj söffe; Partie, gesoffen. Das Activum säuft», m ersaufen gehet regulär. laugen : Jmp. sog, Conj. söge; Partie, gesogen. DaS Activum säuge!, gehet regelmäßig. ^ Schrauben: Jmperf schrob, Conj. schröbe; Partie, geschroben. Im Hochdeutschen am liebsten regulär. Wenn es aufziehen bedeutet, gehet es jederzeit rcgelmiißig. * Schroten, hat nur noch das Particip, geschroren, aber «uch geschrotet. Das jetzt reguläre Jmperfect hieß sonst schriee, S^M, S. S. 414- Swen: Jmp. saß, Conj. säße; Partie, gcftssen. Stehen: Jmp. stand (vu!x.stund), Conj. stände (vulx. stünde), Partie, gestanden. Stoßen: stößest, siösft; Jmp. stiesi; Partie, gestoßen. Tiiun: du rkust, er thue; Jmp. chac, Conj. thäce; Partie gethan; Jmperot. thue. S Wenn man diese Verba nur mit flüchtiger Aufmerksamkeit nbersiehet, so wird man überall Bestci--- tigungen dessen finden, was ich oben von der Cultur der Vor. dem Verbs. §.425. 819 der Sprache in Ansehung der irregulären Verbo- rum gesagt habe. Man wird zugleich den Weg entdecken, welchen sie dabey gehet; sie fanget bey dem ^nmerrlichen an, und schreitet nach und nach zn dein Merklichern fort. Das irreguläre Präsens ist 5er erste Theil des Verbi, welcher sich der regulären Gestalt nähert. Nach einen, langen Zeitraume trifft die Reihe das Imperfectum Indicativ!, aber auch nur nach und nach. Erst gehet der tiefere Hülfslant in den höhern über; ans brunn von brennen wird braun; nach einem beträchtlichen Zeitraume schließen sich die Biegungölaute der regulären Form an, und so entsiehet brannte, und wieder nach einem beträchtlichen Zeitraume bren- ncre. , Die Natur thut keinen Sprung, am wenigsten in den Sprachen, wo um der all^cineinen Verständlichkeit willen, welche ihre höchste Absicht ist, alle Veränderungen in sehr unmerklichen und der Zeit nach sehr weit von einander enfernten Graden vor sich gehen müßen. Ich könnte dieses, nicht allein von den Verbis, selbst von solchen, welche wir jetzt nicht anders als regulär kennen, fondern von allen übrigen Formen der Sprache, diplomatifch erweisen, wenn eS mich nicht in eine zu große Weitläufigkeit führen würde. Diese ganze Beobachtung ist zugleich eine Lehre für diejenigen, welche der Sprache fo gewaltsame und heftige Veränderungen aufdringen wollen, als von vielen in den älrern und neuern Zeiten geschehen. Sie haben zu allen Zeiten den Bloßen geschlagen, und werden in allen künftigen Zeiten nie etwas anders schlagen. Ich frage noch einmahl: foll der Sprachlehrer sich der fortschreitenden Ausbildung der Sprache wi- herfeßen, und die alten Formen auf Kosten der neuern empfehlen? oder ist es für ihn Pflicht, der Fff 2 Sprache 820 !.Tl). 2. Abschn. 7. Kap. Sprache in ihrer Cultur zu folgen, und sie, wenn er ihren Gang entdeckt, zu unterstützen? Soll er scherest, schert, kommst, kommt, band, bänds u. s. f. für verwerflich erklaren, weil cs Neuerungen sind? oder soll er sie den aKern Formen vorziehen, weil er siehet, daß sich die Sprache nach und nach der Abweichungen entladen will? Wessen Stirn ist fo hart, daß er das erste behaupten könnte? Und doch arbeiten alle unsere Sprachlehrer in Suden und Norden der Cultur und Ausbildung der Sprache mit allen Kräften entgegen. 7. Von den Verbis Neutris. Erklärung §. 426. Das Derbum Zentrum, oder besser derselben. Intransitivum, bezeichnet ein Pradicat, welches an dem Subjecte allein gedacht wird, und folglich keinen eigentlichen leidenden Gegenstand außer demselben erfordert. Es leidet daher auch eigentlich weder ein Passivum, noch einen Accusativ des leidenden Gegenstandes. Allein, wie nichts in den Sprachen ohne Ausnahmen ist, besonders da der Übergang von einer Analogie zur andern nur durch unmerklichs Stufen geschiehet: so gehet es auch hier, und es gibt Falle, wo das Intransitivum nicht allein mit dein Accusativ verbunden werden kann, sondern auch, wo es eines Passivi fähig ist. Mit dem Accusativ kann es verbunden werden: i. wenn die Zeit, der Raum, der Werth und die Art und Weise durch ein Substantiv ausgedruckt wird, welches alsdann im Accusativ» stehet, und das Ansehen des leidenden Gegenstandes bekommt: acht Tage bleiben, es dauerte, währete eine Stunde, es donnert den ganzen Tag, eine Meile Von dem Verb?. §.426.427. F?., Meile gehen, es kostet einen Thaler, den Trab, Galopp reiten, einen guten Schritt gehen, und hundert ähnliche Beyspiele mehr. 2. Wenn das Subject selbst als der leidende Gegenstand betrachtet wird, da denn das Neutrum in ein Reci- procum übergehet, welches der Form nach allemahl ein wahres Activum ist, sich müde gehen, stehen, suzen, sich aus dem Athen, laufen, sich zu Tode fallen, sich krank lachen, sich entsetzen, auf welche Art auch eigentliche Activa zu Neutris werden können, sich biegen, sich werfen, z. In solchen Verbis, welche noch deutlicher den Übergang des Intransitivi in das Transitivum ausmachen, d. i. welche eine völlige active Gestalt haben, nur daß sie kein Passivum leiden, z.B. vors haben, eine Schürze vorhaben, ingleichen eine Sache, eine Reise vorhaben, wo man nicht im Passivs sagen kann, die Sache wird vorgehabt, folglich auch nicht die vorgehabte Sache. So auch anhaben, ein Rleid anhaben, einem et? was anhaben, und andere mehr. Das Passivum hingegen leiden Intransitiva, wenn das Subject unbestimmt ausgedruckt werden kann: es wird gegangen, geritten, gelaufen, gestritten, gekämpfcr, gefragt, gelacht, gezankt u. s. f. für man gehet, reitet u. s. f. welches doch nicht von allen erlaubt ist. §. 427. Die Intransitiva bezeichnen ein Prädi- Ihre Be, cat, welches an dem Subjecte allein gedacht werden deutung. kann. Dieses ist, !. eine Beschaffenheit, deren sehr viele sind: glänzen, erblassen, glimmen, dämmern, scheinen, blühen. 2. Ein Zustand: siczen, stehen, liegen, ruhen, leben, sterben, dauern. z. Eine Handlung, welche an dem FffZ Sub- 822 I.TH. 2.A5schl?. 7. Kap. Subjects allein gedacht werden kann, deren die Meisten sind: gehen, reisen, niesen, drohen, dyfcen, besonders diejenigen, welche noch jeht die Hervorbringung eines iauces bezeichnen, wie bellen , plarzcn u. s. f. 4. Eine Handlung, deren leidender Gegenstand in dein Prädiests selbst lieget, wohin eigentlich diejenigen gehören, welche von Substantiven abgeleitet sind: malzet», Malz machen, mausen, Mäuse sangen, deren gleichlautendes Substantiv, als das Stammwort, daher nicht wiederholtet werden darf, weil es scholl in dem Verbs liegt, nicht Mal)-nalzen, d'i'Zäuse mausei»; folglich auch nicht einen Aampfkämpfen, einci» Streit sireiren, ob man gleich zuweilen sagt, ein elendes Ä.cben lebe»», für elend leben. Arten der- §. 428. Das Int^nsuivum ist entweder seiner selben. Natur nach intransitiv, und kann alsdann nie transitiv gebraucht werden, wie bersten, sitzen, blühen, ausgenommen, wenn sie in Reciproca übergehen, s;ch müde sirzen; oder es kann mit Bezeichnung des leidenden Gegenstandes zugleich transitiv gebraucht werden: die Uhr schlägt, intransitiv, und jemand schlagen, transitiv; der Gärtner säcr, intransitiv, und Erbsen, Gersten, Ixohl säen, transitiv. In dem letztern Falle ist die intransitive Form oft in der Conjugation unterschieden, da denn jene, als die älteste, irregulär, die transitive aber regulär ge- beuget wird, wie schmelzen, erschrecken, verderben u. s. f. Oft hat das Intransivnm ein eigenes Activum oder vielmehr Factitivum, welches sich durch einige Abweichungen in dem Wurzellante unterscheidet: schwanken und schwanken, schwimmen und schwämmen, saugen und saugen, nutzen und nürzen u. s. f. Siehe §. z88. wo diese Verba schon vorgekommen sind. §. 429. Von dem Vcrbo. §.429. 52z §. 429. Es scheinet, daß man von dein Unter- Hiilftw'Sr- fchiede der transitiven und intransiven Form in der tcr dc- Jn- Kindheit der Sprachen keinen Begriff gehabt, daher tranMpe. alich so wenige Sprachen sie in der Conjugation von einander unterscheiden. Die Deutsche kennet hier wenigstens keinen andern Unterschied, als in den zusammen gesetzten Zeiten, da einige im Persecto und Plusquamperfecto haben, andere aber seyn zu ihrem Hülfsworte erfordern. In Ansehung des Gebrauches dieser beyden Hülfswörter sind unsere Sprachlehrer bisher überaus unvollständig und mangelhaft gewesen, und Herr Srosch ist m seinen kleinen Beyträgen zur nähern Kenntniß der Deutschen Sprache, S. 98 bis 106, der erste, der hierüber einige Regeln gegeben hat, welche, doch mit vielen Abänderungen und Zusätzen, im folgenden znm Grunde liegen. Die Hauptregel ist freylich, daß diejenigen Intransitiva, wobey das Subject thatig, oder doch mehr thatig als leidend gedacht werden muß, haben, diejenigen aber, wobey es leidend, oder doch mehr leidend als thatig vorgestellet wird, seyn bekommen. Diefe Regel ist allgemein und in der Natur der Sache gegründet; allein in der Anwendung findet sie doch mancherlei) Schwierigkeiten, welche vornehmlich daher rühren, weil es bey manchen Zeitwörtern nicht deutlich und entschieden genug ist, ob ihre Bedeutung mehr leidend oder mehr thätig ist. Gehet man mit diesen Verdis bis in die erste Kindheit der Sprache zurück, so sind sie so, wie alle übrige, ursprünglich Nachahmungen des Hörbaren; sie waren also anfanglich insgesammt eben so thatig, als die noch tönenden brüllen, donnern, knallen u. s. f. und erforderten in so fern insgesammt das haben. So wie sich die Sprache nach und nach von der dun- Slt 4 - keln 824 Th. 2.Äbschn. 7. Kap. keln Empfindung des Hörbaren entfernte, und nur den klaren Begriff der Wirkung übrig behielt, diese aber oft leidend ward, so erforderte diese denn der Natur der Sache nach freylich das seyn. Spuren davon sind noch übrig; z. B. plarzen, so fern es einen gewissen Laut hervor bringen, und weiter nichts bedeutet, erfordert das haben, csplüyt, es hat geplagt; so fern es aber eine mehr leidende Bedeutung bekommt, und mit diesem Laute aufspringen oder hinfallen bedeutet, bekommt es seyn, dreVlase ift geplagt, er ist hingeplayt. Daher werden denn manche Zntransinva in verschiedenen Bedeutungen mit beyden Hülfswörtern gebraucht. Aber oft blieb es bey diesem Übergange von der ersten Nachahmung des Hörbaren zu der klaren Vorstellung dunkel, ob der Begriff mehr leidend oder mehr thatig sey, und die Nation bestimmte sich in diesem Falle aus uns jetzt unbekannten Ursachen für ein Hülfswort, da sie sich doch mehr für das andere hatte bestimmen sotten. So sticht bey den Verdis, welche eine Veränderung des OrteS bedeuten, z. B. gehen, laufen, fliehen u.s.f. unserer jetzigen. Vor- stellungsart nach unstreitig das thatige Verhältniß vor, und doch erfordern sie das Hülfswort seyn, selbst wenn sie einen Accusativ bey sich habeil, welcher ihr thätiges Verhältniß noch mehr besmriget, ich hin diesen N?eg gegangen, er ist den Derg hinab ge.aufen; ohne Zweifel, weil man sich in der Kindheit verspräche den Begriff hier in einem mehr leidenden Verhältnisse dachte. Diese verschiedene Vorsiellungsart wirkte denn auch auf die Mundarten, daher so viele Intransitiva in einer Mundart mit haben, und in einer andern m»t seyn verbunden werden. Überhaupt neigen Von dem Verbo. §.429.430. 825 neigen sich die Niederdeutschen Mundarten mehr für das haben, die Oberdeutschen aber mehr für das seyn, und die Hochdeutsche, das Mittel zwischen beyden, neiget sich bald zu dieser, bald zu jener Mundart. So bekommen die Intransitiva liegen, fitzen und stehen, welche unstreitig leidend sind, weil sie einen Zustand bedeuten, und daher das Hülfswort seyn erfordern, welches sie auch im Oberdeutschen fast durchgangig bekommen, im Hochdeutschen dennoch das haben, und zwar nach dem Vorgänge der Niederdeutschen, ich habe hier gesessen, ich habe den ganzen Tag gesessen, gestanden, gelegen, im Oberdeutschen ich bin. In manchen Fallen ist der Gebrauch im Hochdeutschen schwankend, und dann wird ein Intransitivum in einer und eben derselben Bedeutung bald mit seyn, bald aber auch mit haben gebraucht, und es läßt sich eben nicht allemahl mit Gewißheit entscheiden, welches sowohl der Bedeutung als dein Gebrauche nach das wahre ist. §. 4zo. Bey dem allen bleibt doch die Regel im Jnrransiri- Ganzen richtig: das haben bekommen alleInrran-mit sitiva, wobey das Subject mehr thätig als leideud hal>en. gedacht wird, z. V. heben, zitrern, blicken, sehen, schauen, bluren, arbeiten, brennen, fehlen, flehen, forschen, gcirzcn, gelten, zürnen u. s. f. Und da die Anzahl dieser Intransitive die stärkste ist, so werden auch die meisten Intransitiva mit diesem Hülfsworte gebeuget. Zu den Aus, nahmen gehören vornehmlich diejenigen, welche eine Veränderung des Ortes bedeuten, davon hernach. Es gehören also unter diese Regel: 1. Alle eigentliche Transitiva, welche in eben derselben Bedeutung, mit Verschweigung des leidenden Gegenstandes, auch intransitiv gebraucht werden Fff 5 könne«: 826 i. Th. 2. Abschm 7. Kap. können: der Voge! schlägt, die Uhr hat ges schlagen, sie haben geschrieben, er hat gelesen. Ich sage, in einer und eben derselben Bedeutung; folglich gehören diejenigen Verba nicht hierher, welche in verschiedenen Bedeutungen transitiv und intransitiv sind; z. B. ich habe das Geld bekommm, und die Speise ist mir bekommen. 2. Diejenigen Intransitiva, deren Participium Präteriti keine Concretion leidet. Eigentlich ist dieses keine Regel, sondern nur ein Merkmahl, woran man diejenigen erkennet, welche haben bekommen, oder vielmehr eine Folge des thätigen Begriffes des Intransitiv!, welcher daher das Hülfswort haben erfordert. Der Grund davon ist dieser. Das Participium Prateriti hat als Adverbium, folglich auch in der Conjugation, eine mittlere Bedeutung, und kann sowohl leidend als thätig gebraucht werden. Allein in der Concretion oder als Adjectiv verstattet es nur allein die leidende oder höchstens eine neutrale, eigentlich aber nie eine thätige Bedeutung. Ist nun die Bedeutung eines Iutransitivi vorzüglich thätig, so lässet sich dessen Participium Prateriti auch nicht concrescieren. Man kaun nicht sagen, ein geblirzrer Dolch, ei» gedurftccer Mensch, ein gedämpfter Geruch; folglich bekommen blitzen, durften und dampfen das Hülfswort haben. Ausnahmen werden sich freylich auch finden, allein, wo finden sich die nicht? S. §. 46z und 464. z. Alle Itransitiva, welche die Hervorbringung eines Tones bezeichnen, freylich nur, fo fern sie diese Hervorbringung eigentlich und zunächst bezeichnen, weil das Subject hier thätig ist; denn oben ist bereits bemerket worden, baß, wenn diese Bedeutung ! in Von dem Verbo. §.4ZO. 827 in Figuren übergehet, und dabey merklich leidend wird, auch das Hülfswort seyn stehen muß. Folg- iich bekommen haben: bellen, blöken, brausen, brummen, brunsien, donnern, dräuschen, drönen, gac'cern, gacksen, gülsern, gällen, girren, gluchzcn, grunzen, heulen, hlzftcn, jauchzen, reichen, reisten, klappern, klatschen, klimpern, klingen, klirren, kn icken, knallen, knarren, knastern, knirrschcn, knistern, knm rcrn, knurren, krachen, krächzen, krähen, kreischen, kreissen, lachen, lallen, lärmen, lauten, leyern, mucken, mucksen, murmeln, murren, pfeiffen, plappern, plärren, plaudern, plumpen, poltern, posaunen, prahlen, prasseln, puffen, rasen, rasseln, rauschen, röchein, rufen, sausen, schallen, (aber erjchals len erfordert wegen seiner leidenden Bedeutung seyn,) schluchzen, schmalen, schnarchen, schnarren, schwärmen, schwirren, und so ferner; wohin denn auch viele gehören, welche zwar figürliche Bedeutungen erhalten haben, wo aber die ursprüngliche thatige 1106) immer zum Grunde deS Hülfsworte!? lieget. Z. B. kochen, sieden, schäm men u. s. f. welche dem ersten Anblicke nach einen Zustand bedeuten können, und folglich das Hülfswort seyn erfordern müßten. So auch siechen, welches eigentlich seufzen bedeutete, und daher auch das thätige Hülfswort haben bekommt. Vieler anderer zu gcschweigen. 4. Diejenigen Intransitiva, welche die Vollendung einer Handlung oder eines Zustandes bezeichnen , so fern das Subject dabey thätig gedacht wird. Dahin gehören besonders die mit aus zu, sammen gesetzten Intransitiva: der Baum har aufgeblühet, das Feuer har ausgebrannt, sie haben 828 i. Th. 2.Mschn. 7. Kap. haben nun ausgereifet, ausgefprungen, aus- geranzer u. s. f. das ist, sie haben aufgehöret zu reisen, zu springen, zu tanzen. Bedeutet aber das aus vor den VerbiS der Bewegung einen Ort oder eine Absicht, so wird seyn erfordert: der H?ein ist ausgelaufen, wir sind ausgelitten. 5. Diejenigen, welche eine Veränderung des Ortes bedeuten, und also das Hülfswort seyn erfordern würden, bekommen haben, wenn sie ohne alle Bezeichnung sowohl des Ortes, als der Absicht, gebraucht werden; gleichfalls wieder aus der Ursache, weil das Subject hier mehr thätig gedacht werden muß. XVir haben den ganzen Tag geranzet und gesprungen; er har einen Hengst geritten; er har in seinem L.eben viel gereiscc; er har nur der Arbeit geeiler; das Huhn har lange geflattert. Herr Stosch führet noch folgende Beyspiele an: gedenke, Herr, wie ich vor dir gewandelt habe, Ef. ?8, z; wo aber eine Bezeichnung des OrteS da ist, daher hier billig seyn stehen sollte, so wie man sagt, ich bin auf diesem l.Vege gewandelt; ich habe gestrauchelt, Ps. 7z, 2, und ich harre schier gestrauchelt, Ps. 94, 18; wo doch straucheln im Hochdeutschen in allen Füllen am häufigsten mit seyn verbunden wird, weil man sich das Subject dabey mehr leidend gedenkt. Eben so wird begegnen immer am liebsten mit seyn gebeuget, die Bedeutung allenfalls ausgenommen, er har mir sehr übel, begegnet, wo doch auch lieber seyn gebraucht wird. Wird ein solches Intransitivum mit einem Adverbio zusammen gefetzt, welches den Ort oder die Absicht bezeichnet, so bekommt es daher auch seyn: die Post ist abgegangen, ich bin abgestiegen, aufgestanden u. s. f. Indessen leidet diese ganze Regel im Gebrauche Von demVerbo. §. 4zo. 8^.9 brauck)e die meisten Abweichungen. Soll sie nicht willkuhrlich seyn, sondern einen begreiflichen Grund haben, so kann dieses kein anderer seyn, als weil dergleichen Verba, wenn sie ohne alle Meldung des Ortes und der Absicht stehen, eine mehr thätige Bedeutung bekommen, als im entgegen gesetzten Falle. Das hat nun zwar in manchen Fällen seine Richtigkeit, aber nicht in allen, und wenn der Niederdeutsche sagt, ich habe den ganzen Tag gegangen, gesprungen, geritten, so wird der Oberdeutsche seyn gebrauchen, ohne daß man ihn deswegen eines Fehlers zeihen könnte. Hierher gehören auch diejenigen Intransitiva der Bewegung, welche figürlich von dem Behältnisse gebraucht werden, da sie eigentlich nur von dem Inhalte gelten können; z. B. die Röhre hac den ganzen Tag geflossen, das Faß hat gelaufen, die Augen haben geronnen, die Fontäne hac den ganzen Tag gesprungen. Der Grund leuchtet bald ein, weil hier das Behältniß, als das Subject, thätig gedacht wird. 6. Alle Intransitiva, welche als Reciproca gebraucht werden, wo folglich das Pronomen Recipro- cum den leidenden Gegenstand vorstellet, daher die Bedeutung hier herrschend thätig ist. Diese und die folgende Regel sind ohne alle Ausnahmen, weil hier die thätige Bedeutung am stärksten einleuchtet; dagegen einige der vorigen ihrer desto mehr haben. Ich habe mich müde gegangen, gesessen, geritten, sie haben sich satt sparzierer, er hat sich wund gelegen. 7. Alle Intransitiva, welche unpersönlich gebraucht werden, weil hier das durch es unbestimmt ausgedruckte Subject als thätig gedacht wird: es hac 8Zo r. Th. 2. Abschtt. 7. Kap. hat gehagelt, geregnet, gefroren, geschneyet, gerhaizet, gereift. Besonders wenn sie Zugleiä? reciprok sind: es hat mir geahnder, es hac mich gefroren, geekelt, gehungert, gedurstet u.s. f. Wit dem §. ^z!. Das Hülfswort stvn bekommen alle die< Hülfsworte jcnigen, bey welchen das Subject mehr leidend als thätig gedacht wird. Folglich: 1. Diejenigen, welche ein Gerathen in einen gewissen Zustand bedeuten, wie abarren, ausarten, nacharten, verarmen, bersten, erblasten, erbleichen, ab- an- auf-niederbrennen, ges deihen, aus - ein-verdorren, ans entglimmen, ergrimmen, aufgrünen, erhungern, verhungern, erkranken, genesen, gerathen, reisten mit seinen Compositis, errothcn, ersaufen, ertrinken, fchcicern, erwachen, sterben, stranden u. s. s. Die Ausnahmen kommen im folgenden §. vor. 2. Diejenigen, welche eine Bewegung oder Veränderung des Ortes bedeuten, so oft der Ort, die Richtung und die Absicht ausdrücklich bezeichnet wird: er ist herunter gefallen, hinauf gegangen, den 2)erg hinan geklettert, nach Frankreich gefchiffer, davongelaufen, nach pohlen ge- reiser, fpayicren gegangen, davon geschwommen n. s. f. So auch, wenn Verba dieser Art mit Adverbiis zusammen gesetzt sind, welche die Richtung bezeichnen, die Farbe ist ausgegangen, die Post ist abgegangen. z. Diejenigen, welche ein concresciertes Participium Präteriti leiden, und in derjenigen Bedeutung, in welcher sie es leiden. Der Grund ist be- reits im vorigen §. angegeben worden; weil das concresciette Participium Präteriti eigentlich nicht anders Von demVerbo. §.431. 432. 8z? anders als in leidender Bedeutung gebraucht werden kann, leidet nun ein Intransitivum ein solches Participium, so ist e6 ein Beweis, daß dessen Bedeutung leidend ist, und daß es um deßwillen das Hülfswort seyn erfordert. Weil man sagen kann, ein ausgearteter Mensch, die angekommenen Sachen, die gebliebenen Soldaten, die eingeschlagenen Blattern, so muß man auch sagen, ich bin geartet, angekommen, die Dlarrern sind eingeschlagen, die Soldaten sind geblieben. Indessen folgt daraus nicht, daß ein jedes Intransitivum, welches seyn erfordert, auch sein Participium Prateriti concrescieren lasse. Asm- mcn erfordert seyn, aber man wird nicht leicht sagen, die gekommenen Fremden, Sachen und so ferner. §. 4Z2. Indessen werden doch viele Intransiti- Ausnah» va, welche dem ersten Anblicke nach einen Zustand "'^ bedeuten, im Hochdeutschen mithaben verbunden. Z.B. bansen oder baujchen, beben, blühen, bsc^en, nach dem Bocke riechen, und alle ähnliche, dampfen, darben, dauern, duften, eitern, fehlen u. s. f. Die Ursache ist schon im vorigen angegeben worden. Jedes Intransitivum, so fern ss nur ein Wurzelwort ist, bedeutete so wie alles in der Sprache ursprünglich etwas hörbares, die Hervorbringung eines Lautes, und bekam in so fern haben, und dieses Hülfswort haben nachmahls viese beybehalten, wenn gleich die Bedeutung mehr leidend geworden ist. Von manchen ist diefe Nachahmung des Hörbaren noch jetzt erweislich, z. B. beben, leben, wachen, kochen, sieden, sie? chen, welches ehedem seufzen bedeutete, schmachte»!, schmecken u. s. f. Von andern ist sie freylich nicht mehr so erweislich, indessen hat man sich doch FZ2 !. Th. 2. Abschtt. 7. Kap. doch das Subject dabey ehedem mehr thätig gedacht^ als jetzt gewöhnlich ist, weil dem rohen Naturmenschen in der Kindheit seines Verstandes alles wirkt und handelt. Daher bekommen denn rasten, ruhen, schlafen, dauern, eirern, glänzen, glühen, grünen, haben, hangen, harren, kranken, kleben, knospen, können, mangeln, lassen, rauchen, müssen, schweigen, sollen, ragen, rangen und so viele andere durchgängig haben, ungeachtet ihre thätige Bedeutung heut zu Tage nicht mehr so merklich ist. Besonders werden siyen, liegen und stehen, welche im Oberdeutschen seyn bekommen, im Hochdeutschen am hau- figsten mit haben verbunden, so leidend auch ihre Bedeutung seyn mag. BerzeiHniß §.4??. Es erhellet hieraus zugleich, daß em derIittran- und eben dasselbe Intransitivum in einer Bedeu- fittve. tun«, haben und in einer andern seyn bekommen könne und müsse, nachdem sie mehr thätig als leidend ist. Ich gestehe indessen gern, daß die bisher gegebenen Regeln nicht auf jeden einzelen Fall zureichen werden; allein, wenn man das, was oben von dem ältesten Zustande der Intransitive gesagt worden, erwäget, so wird man hierüber auch keine bestimmter» Regeln erwarten, weil bey der ersten Einrichtung dieser Verborum so vieles auf die Vor- stellungsart ankam. Es wird daher nicht undien- lich seyn, wenn ich ein alphabetisches Verzeichnis; der vornehmsten intransitiven Verborum hierher setze, und bey jedem das Wichtigste in Ansehung dieses Punctes anmerke. Es ist ganz nach alphabetischer Ordnung eingerichtet, weil die Partikeln der zusammen gesetzten doch oft die Bedeutung ändern, daher von den einfachen Wörtern auf oie zusammen gesetzten hier nicht immer geschlossen werden ta-m. Von dem Verbo. §. 43z. 8ZZ Zur Ersparung des Raumes sind diejenigen, welche ohne alle Ausnahme das haben bekommen, nur mit einem " bezeichnet. Die Reciproca und Impersonalia, welche jederzeit haben bekommen, sind um der Kürze willen Übergängen worden. Abarten, aus der Art schlagen, besser ausarten; sey». Ablocken, das Bror ist abgebacr'e». In einem andern Verstände auch Activum. »Abblühen: der Weinberg, die Rosen haben abgeblii- her, weil hier die Bedeutung thätig ist, und eine Vollendung in sich schließet, verblühen hingegen bekommt seyn. Abbrechen: die Nadel ist abgebrochen. Sonst auch transitiv. Abbrennen, seyn: Das «Haus, das Gewehr ist abge- braunc, ein abgebrannter Mann. Sonst auch transitiv und regulär. Abbrunfrcn, Jäger: der Hirsch har abgebrunfter. Abdampfen, seyn: die Feuchtigkeiten sind abgedampft. Transitiv abdämpfen. 'Abdanken, sein Amt niederlegen. Auch transitiv. Abdorren, seyn: die Blumen sind abgedorret. DaS Transitivum ist abdörren. Abdunst-n, als Dunst verfliegen, seyn. Das Transitivum heißt abdünste». Absahren: die Post, die Arr ist abgefahren. Auch transitiv. Abfallen, in allen Bedeutungen seyn. 5 Abfärben, die Farbe fahre» lassen. Abfaulen: die Wurzel ist abgefaulet. Abflalrer»: er ist schon wieder abge-siattert. Abstiegen: der Vogel, die Axc ist abgeflogen. Abfliegen, seyn. Abfriere»: die Nase ist ihm abgefroren. Abgehen, in allen Bedeutungen sev». Abgewöhne», seyn. Abgewöhnen ist transitiv. Abgleiten, seyn. Abglimmen: die Dohlen sind abgeglimmer. -Abhängen, in allen Fällen, obgleich die Bedeutung seht leidend ist. Auch figürlich, das hac von dir abgehangen. Abheilen, seyn; auch transitiv. Adel. D. Spr. Egg Abirre», 8Z4 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap» Abirren, sey«. »Abkalben, aufhören zu kalben. " Ablassen: die Thür hat abgekiassce. Adrommcii, seyn. Abländcn, vom Lande abfahren, seyn. 5 Aussen. Auch transitiv. Ziblaufen, in allen intransitiven Bedeutungen seyn. Das Wasser ist, die Spulen sind, die Uhr ist, es ist übel abgelaufen. Auch transitiv. "Ablegen. ,. Entbunden werden, vu!g, 2. Das Schiff hat abgelegt, ist vom Lande abgefahren. Auch transitiv. Abliegen, seyn. Auch transitiv. Abmarschiren, seyn. ' Abnehmen, sv leidend auch die Bedeutung ist, und eine» Zustand bedeutet. Auch transitiv. » Aborriren. Abprallen, seyn. Das Transitivum ist abprcllen. Abreifen, völlig reif werden, seyn. Ihr «bg-reifter N)i?, Gi'mth. Abreisen, ftvn. Abrcissen, seyn. Auch transitiv. Abreiten', seyn. Auch transitiv. Abrennen, seyn. Auch transitiv und regulüt. Aln-imien, Abrosten. Äbrudcrn, seyn. Abscheide», seyn, auch transitiv. Abschießen: das Wasser, die Farbe ist abgeschosse». JiZ einem andern Verstände auch transitiv. Abschlagen, abnehmen, wohlfeil werden. Im Hochdeutschen gemeiniglich mit haben; die Dälce, das Getreide har «bgeschlagen, im Oberdeutschen mit seyn, welches freylich angemessener ist, so fern mau die leidende Bedeutung für herrschend ausiehet. So auch aufschlagen. Zn andern Bedeutn!?- gen ist es auch transitiv. Abs>Ländern, styn; auch transitiv. Abschmelzen, sty». Auch transitiv und regulär. Abschmieren, die Schmiere fahren lassen. Auch transitiv. "Abschmuizen, den Schmutz fahren lassen. Abschnappen. 1. Seyn, das Schloß ist abgeschnappt 2. Haben, er schnappte hier ab. Abschreiten, seyn. Auch transitiv. Abschwören, seyn. »Abschwarten, die Schwärze fahren lassen, Auch transitiv. Abschrvei" Von dem Vcröo. §.4Zz. 8z5 Abschweift», seyn. Auch transitiv. ' 2,'bschwimmcn, Abschwindcn, Absegeln, seyn. '^Absetzen: der Gang hin abgesetzt, im Bergbaue, hat feine Richtung verniidert; er hac von ihm abgcstrzc, co hat Schiene avgeseizr. Abs-rzen, von dem Pferde steigen , seyn. Auch transitiv. '"Abspeisen, aufboren; auch transitiv. Abspricszen, abstammen, seyn. Abspringen, Absprossen, Abstammen, seyn. "Abstechen, gegen etwas, obgleich die zusammen gesetzten Zeiten nicht leicht vorkommen. Sonst auch transitiv. Abstehen, in allen Vedeutnngstt seyn. Absteigen, Absterben, seyn. / Abstreichen, i. Seyn, ein abgestrichener Habicht, der schon aus dem Neste geflogen ist. S. Haben, die N«;rpscit haben abgestrichen, aufgchörct. ^Abroben, aufhören. Abrrcren, seyn. Auch transitiv. Abtriefen, Abtröpfeln, Abrropfcn, seyn. Abtrocknen, seyn; auch transitiv. --Abwechseln. Auch transitiv. Abweichen, regulär, weich werden und abfallen, und Ab- weichen, irreg. clecl'uikirc, beyde seyn. - Abweisstn, die weisse Farbe fahren lassen. Auch transitiv. Abwelken, die Blumen sind abgewelket. -'Abwerfen, das Gehörn verlieren, Junge werfen, und es hat nichts abgeworfen. "Abzahncn, aufhören Zähne zu bekomme». ^ Abzehren: er zehrcc ab, hac abgezehret. Sonst auch transitiv. - Abziehen, seyn. Auch transitiv. ^Abzielen, aus etwas. "Abzwecl'en, auf erwaS. Accordicren. Auch transitive ''Ächzen, Afterreden «dlol. «Alcen, Airern, Älrcln, alt wcrden: er hat eM sehv gcalrelr. -?lnbcissen, an etwas beissen. Sonst auch transitiv. Anbrechen, anbrüchig werden, angebrochenes Obst, und anfangen zu scheinen, beyde styn. Anbrennen, seyn. Auch transitiv. Andringe», sey». wgg s Anfahren Zz6 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. Anfuhren, seyn. Auch transitiv. Anfallen, seyn. Auch transitiv. "Anfangen, Ansahen. Auch transitiv. Anfaulen, anfangen zu faulen, seyn. Anstiegen, Aufließen, Anfrieren, seyn. Angehen, seyn: bist selber angegangen, beherzt und un- gebückr, Opitz, es ist mir- mcbr aiikiegangcn, die prcdigr ist angegangen. In der Bedeutung des Betreffcns wird im Hochdeutschen sehr häufig haben gebraucht, es gehec dich an, har dich angegangen, weiches der Accusativ zwar nickt völlig rechtfertigen, aber doch entschuldigen kann. In der Bedeutung den Richter angehe» ist es völlig transitiv, bekommt folglich auch haben, weil mau auch im Passive sagen kann, der Richrer ist angegangen worden. Angelangen, Ancilimmen, seyn. Angränzen Anhaben, Anhalten. "Anhangen, wird so wie das einfache hange» im .hochdeutschen jederzeit mit haben verbunden: da« har ihm jederzeit angehangen, er hat ihm angehangen. " Anheben, für anfangen. Anheilen, seyn. - . " Ankleben, so wie das einfache kleben. Das har ihm jederzeit angeklebt. Ankommen, in allen Bedeutungen seyn. Anlanden, seyn. Anlangen. 1. An einem Orte, seyn. 2. Betreffen, in? gleichen nm etwas anlangen, haben; wo es doch nicht in allen Zeiten üblich ist. Anlaufen, seyn, auch transitiv. Anliegen. 1. Die Sache ist ihm angelegen. 2. Er hae ihm angelegen. Annähen, Annähern, Anprallen, seyn. Anreiten, Anrennen, Anrosten, seyn. Anrücken, seyn; auch transitiv. Anschießen, schnell heran kommen, seyn; auch transitiv. Anschlagen. 1. Die Hiiilde haben angeschlagen; ich freue mich, daß meine Ai zen^y so gur angeschlagen har, Gell, in welcher letztern Bedeutung auch seyn nicht ungewöhnlich ist. 2. Er ist an die Mauer angeschlagen. 'Anschließen. Auch transitiv. Anschwellen, Zinsegeln, seyn. " Ansetzen: Von dem Verbo. §. 4?z. 8z? ^ Ansetzen: der Feind har dreymahl angesetzt. Sonst auch Zransitiv. Anflrzen: angesessen seyn. "Ansprechen: die pfcissen habe» angesprochen. Anspringen, anspritzen, seyn. " Anstehen: sie Kar ihm ja vor ein paar Stunden anyec standen, Gell. Ich habe lange bey mir angestanden; der Schrank har an die wand angestanden. Im Oberdeutsche» mit seyn, welches doch im Hochdeutschen selten gebraucht wird. Ansteigen, Ansterbcn, seyn. - Anstinken: das har mich angestunken. "Anstoßen, am häufigsten mit haben. Allenfalls könnte Nlan sagen, ich bin im Finstern angestoßen, das Schiff ist an einen Felsen angestoßen; aber, er har in seinem Anne angestoßen, es har ihn eine Rrankheir angestoßen, der Acker har an den weg angestoßen; weil hier die Bedeutung eigentlich mehr thätig ist. "Ansuchen, um etwas. Antreiben: da« UUs ist angetrieben. Anch transitiv. Anrrercn, seyn : er ist angetreten. Auch transitiv. " Antworten, Anwandeln. Anwachsen, seyn. Anziehen, i. Er ist angezogen, s. Das Pflaster hat angezogen. - Arbeiten. " Arren , scheinet habe» Zu erfordern: er hat nach mir geartet. Wenn es heißt, er ist so gearrer, so ist das Participium hier nicht zunächst von diesem arren, sondern von einem veralteten transitiv». -Athmen, auch transitiv. Ausberste», Ausbleiben, Aufblühen, seyn. »Ansblicken, Aufbrausen. Aufbrechen, Ausbrennen, seyn. Aufvunsen, «ufgesunsen seyn. Ausdunsten, Auserstehen, Aufcrwachea, seyn. Auffahren, Ausfallen, Auffliegen, seyn. Aufgehen, Ausgrünen, seyn. - Aufhaben, Anfhorchen, Aufhören. Aufhüpfen, Auskeimen, Aufkippen, seyn. * Aufdocken, auch transitiv. Auskommen, Auflaufe», Aufleben, sey». Ggg Z 'Anflie- Zz8 i. Tl). 2.Absthn. 7. Kap, "'Aufliegen, Aufmerken, Aufpassen. ?luft.ueUen, Aufreissen; beyde auch transitiv. ^ Aufschäumen. Aufschießen, seyn; auch transitiv. Aufschlagen. 1. Das Vrer ist aufgef6)lagen. 2. Diö ^Vaare hac ausgeschlagen, ist so wie abschlagen im Hochdeutschen üblicher als mit sey». Aufschnappen, Aufschwellen, seyn, bevbe auch intransitiv. »Aufsehen, Aufseyen, letzteres auch intransitiv. Ausss-zen. 1. Der Ring hac hier aufgesessen; wir haben heuce lange auf^sessen. 2. rvir sind schon aufgesessen, 2!ussprießen, Ausspringen, Aufsprosse», Aufsprudeln, Aufstäuben , alle mit seyn. Ausstehen, i. Die ^hür hac aufgestanden, der Pfahl hat hier aufgestanden. 2. Sie sind schon ausgestanden, es ist ein Prophet ausgestanden. Aussteigen, Aufsiiel'cn, seyn. Ausstößen, Aufstreifen. 2lufthaucn, Auftreten, Austrocknen, Aufwache», Auf- Machien, Auswallen, seyn. * Auswarren. Ausziehen, seyn, Auch transitiv« Ausarten, Ausbleiben, seyn. " Ausblühen, Ausbluten, Ausbraufti?. Ausbrechc», Ausbrennen. Die Scadt ist ganz ausgebrannt; das Feuer har ausgebrannt. Beyde Verba auch transitiv. Ausdampfen. Die Feuchtigkeit ist ausgedampft, u,ud die Dohlen haben ausgedampft. "Ausdauer», Ausdörren, seyn. Ausdunsten. Das >"assrr ist ausgedunstet; die Bäume haben ausgedunster; der Rranre hat ausgedunstet. Ansduften. Der Geruch ist ausgcdufcct, und die Dln- men haben auogedufcer, Auasaheen, Ausfallen, in allen intransitiven Vcdeutunaen seyn. Aussanl-n, Ausstattern, Ausfliegen, Anssiiesien, seyn; Kber h--den, ivcnu die drey letzten ein Aushören Hedeuten, Anssriercn, sey». »Husgären. Ausgehe», Von dem Verbo. §.4zz. 8^9 Ausgehen, in allen intransitiven Vedeutuugcü seyn; ausier wenn es ein Aufhöre!! bedeutet, er hac ausgegangen. Ohne Ort und Absicht sollte es gleichf.M haben bekommen, wir habe» den ganzen Tag gegangen; Mi» auch hier ist seyn üblicher. Auegleiren, seyn. - Anshalcen, auch transitiv; Aushängen, Ausharren, Aushöhlen, Aushören. Auskeimen, einen Keim treiben, seyn. Auskommen, Auskriecken, Auskauft», seyn; außer wenn die beyden letzten ein AuflMcn bedeuten. »Auslerne». Wenn man dessen ungeachtet ein aNsgclern- ter Junge sagt, so stehet auslernen, wie ehedem, noch s«r auslel'ren. Auslöschen, seyn; auch transitiv. * Ausrauchen, aufhören, Ausreden, Ausreichen. Ausreisen; er ist ausgcreisec, aber er har, d.i. aufgchöret. Ansreissen, seyn, auch transitiv. Ausrcireu: er- ist abgeritten; er hat «uogcritren, auf mimcr ausgehöret. Ausrinnen. Ausruek'cn, Ausschicsien. "Ausrufen, auch intransitiv; Ausruhen, Ausschlafcn. Ausschlage». I. Er hat ausgeschlagc», den ersten Schlag gethan; das Pferd hat ousgcschlagen; die Nhr har aus- geichlagen. 2. Die Bäume, die Rnsspcn sind ausgeschlagen, er ist am ganzen Leive ausgcschlagen; die Rrankheic ist in ein Zieber ausgcschlagen; die Sache ist gur ansgc- schiagen. Aneschlicse», Ausschlüpfen, sey». Ausschmelzen. 1. DasFerr ist auegeschmolze». 2. Da» Bley h»'.c ausgcschmolzc», aufzchöret. Auch transitiv. Ausfchrctten, seyn. »Ausfchweiftn, am häufigsten haben; Aussehen, Aussttzen. Aussparzicrc», Ausspriesien, Ausfprossen, Ausspringen, aber, sie haben ausgesprungcn, d.i. aufgehöret. Ausstehen. 1. Er ist aus dem Marke, oder mit N?aa- ven, ausgestanden; auch häufig haben. 2. Er bar die Jahre ausgestandcu. Aiissteigen, Auestcrben, ?lusstreichen, Auestreisen, sey». »Auestürmen, Austanzen, Ausroben, Ausrrabcn, Auskrage», betragen, G?S 4 Ausrrcre», 84v i. Th. 2. Abschn. 7. Kap. Austrcren, Austrocknen, sey»; beyde auch transitiv. Auswachsen. 1. Das Gecrcive ist ausgewachsen; ein ausgewachsener Mensch, ein Buckeliger. 2. tLr hat «usge- machscn, anfgehöret. Zluswandcrn, seyn; für aufhören, haben. 'Auswarren. Ausweichen, Auswintern, im Winter ausgehen, sonst auch transitiv, Auswirken, auch transitiv; seyn. »'Auszehren, wie abzehren, auch transitiv. Ausziehen, seyn; auch transitiv. "'Balzen, Bären, brummen, Baumeln, Bauschen, Bau- sen, Beben, Bedürfen. Begegnen. 1. Auf dem Wege antreffen, im Hochdeutsche» in allen Fällen seyn: ich bin ihm begegnet, und er ist mir begegnet; man ist der Rrankheir durch Mittel begegnet. 2. Jemanden wohl oder übel begegnen, auch am häufigsten seyn; nicht selten aber auch haben, welches der thätige Nebenbegriff wenigstens nicht mißbilliget. * Beginnen, auch transitiv; Beharren, auch häufig seyn. Bebarschen, Bekleiden, seyn. "Beissen, auch transitiv. Bekommen. 1. Haben: Geld, Briefe, das Fieber bekommen; wo es ein wahres Activum ist, nur daß es kein Passivum leidet. 2. Seyn: das ist mir wohl, übel bekommen; die pflanzen sind sehr gut bekommen. * Belassen, Belfern, Bellen, Berathschlagen. Bersten, Beschimmeln, Beschlagen, Bestauben; seyn. »Beruhen. Bestehen. 1. Seyn, für stehen bleiben, vor einem bestehen, das Reich ist nicht bestanden, er ist daraus bestanden, (auch bar). 2. Haben: das hat aus zwey Theilen bestanden, stin Vermögen har darin bestanden. Auch transitiv. "Berlin,, Betragen, Betreffen, Betteln. Beyfallcn, Beygehen, Beykommen; seyn. '-'Beyüegen; alle Iveiber, die--beygelegen haben, ^ 4Mos. zi, 1?. 18. Beybringen, seyn. ^ Bevstehen: wer hat ihm beygestandcn? Schleg. Ich danke ihnen, daß sie mir so redlich beygestanden haben, Geil. Im Oberdeutschen so wie das einfache stehen mir seyn. 'Beystimmen, Beywohnen. Beycreren, Von dem Verbo. §.4ZZ. 641 Beyrreren, seyn. Blauen, Bleichen; bcvde auch transitiv. Bleiben, seyn. 'Blicken, Blinken, Blinzeln, Blitzen, Blöken, Vliihen, ^ Biurcn, Bocken, Braren, noch häufiger transitiv, Bräunen, braun werden, Brausen. Brechen. I. Das vir haben den ganzen Tag gefahren. Fallen, Faulen; seyn. »Faseln, Fasten, Faulenzen, Fänmen, Fechten, Fehlen, Feuern, Feyern, auch transitiv, Flackern, Flammen, Flennen. Flattern, habe», aber mit Bemerkung des Ortes seyn: ev ist herein geflattert. Fliegen, seyn; aber ohne Bemerkung des Ortes, die Fahnen haben den ganzen Tag geflogen. Füehen, seyn. Fließen, i. Die Thränen sind ihm aus den Augen geflossen. ?. Das Vvasser har den ganzen Tag geflossen: die Röhre, die H-uelle hac geflossen. - Flimmern, Fiinkcn, Flinkern, Flister». Folgen, ich bin seinem Rache gefolgcr; er ist auf mir gcsolgcr. Aber, er hac gcfolger, d. i. Folge geleistet, ' Forschen, Fortdauern. Forteilen, Fortfahren, faber haben fortgefahren zu arbeiten.) Fortfliegen, Fortfließen, Fortgehen; seyn, " Fsrtgiimmcn, Forrgrabcn, Fortkönnen. Fortkommen, Fortkriechen, Fortlaufen; seyn. "Fortleben, Forllesen. Forcreisen, Fsrrreicen, Fortrucken, Fsrrrndcrn, fader fortfahren zu rudern, haben,) Forrschiffen, Fortfchlciche», Fortschreiten, Forrsegeln; seyn. 'Forrsingcri, Forcspielm, Fsrk^'achfen, Fortwähren. Sorln?a!l-!?/ Z44 i.TH. 2.Abschn. 7. Kap. FornvaUeu, Forcwandeln, Fortwandern, Fortrourzeln, Forrzieben; sey». "Fortwollen, Freveln, Freyen. Frieren. 1. 5vir haben die ganze Nacht gefroren, auch es hac uns gefroren; es har diese Nacht Eis gefroren; es har gefroren. 2. Die Lrde ist gefroren. Frohlocken, Fröhnen, Frösteln, Fruchten, Frühstücken, Fuchsschwänzen, Fugen, Funkeln, Fußen. 'Gackern, Gacksen, Gaffen, Gähnen, Gähren, Gälfern, GäUcn, Galoppirc», Gaukeln, Gebrechen. Gedeihe»; seyn. " Gefallen. Gehe», in allen Bedeutungen mit seyn, selbst wenn es ohne alle Beziehung des Ortes siehet: er ist langsam, hurtig gegangen, er ist in riefen Gedanken gegangen, wir sind drey Scunbcn gegangen, er ist in der Sache selir vorsichtig gegangen, der Teig ist (har) zu viel gegangen, es ist die Rede gegangen, die Sache ist gut gegangen, es ist mir eben so Vamir gegangen. " Gehorchen, Geboren, Gehorsamen, Geifern, Gciizen, Gelangen, G> liesern, Gelingen; seyn. "Gellen, Gelüsten. Genesen, Gerathen; seyn. "Gereichen, Gereuen, Geruhen. Gerinnen, Geschehen, Gestehen für gerinnen, sonst tran- slti».' * Gewöhnen. Etwas gewöhnen, er har das Soldaten- lc?c>i, auch transirie. Änien. l. lLr ist vor ihm nieder gekniet. 2. Er hat gekniet. -Änirren, ^Kirschen, Rnistcr», Rttittetn, Dnospcn, .'.vnurrcn, Ixochcn, auch ttansit. AoUcrn. Äommen; sevn^ »Rönnen, Rosen, Äosicn, I'oycn, Rrachcn, Rrächzeji, Rrähen, 'Rramen, kränkeln, Rrattken, kreischen,'Rrci- sen, ün Äveist gehen, Rreissen, Rreurzen. Tiriech.n. 1. Er ist hinein gekrochen, der Zeug ist zusammen gerrocheii. 2. Figürlich, er har vor ihm gekrochen , wo aber auch seyn gebraucht wird. Kriegen, Aröftyen, Rümmern, Rünstcln^ ?.xurzrvci?en. -'Lächeln, Lachen, Löffeln, Lallen, Lammen, ein Lamm Helfen. Landen, seyn: die Truppen sind gelandet; bei) vielen auch haben. »Längen, länger werden, und reichen, Lärmen, Lassen, Lasten, Lauern. Lauftn. 7. Er ist in das Haus gelauftin 2. Wir haben den ganzen Tag gelaufen, auch sind. Wenn es sich begatten bedeutet, bekommt es aücmabl haben. Lauschen. 1. Für horchen, warten, unthIiZig seyn, besonnn t cv Habens ?.. Sich schleichend nähern, seyn: cinzeltt sind wir durch verschiedene Thore einher gelauschr, NZeißc. "Laurcn, Lavieren, Laxieren, auch transitiv, Leben, Lechzen. Lecken. 1. Aller Wein ist aus dem Fasse geleckt. 2. Das Faß bar geleckt. "Leimen, nicht senlrecht stehen, auch transitiv; Lebnen, bey jemanden zu Lehen gehen, auch transitiv, zu Lehen geben; Leichen, Lc:lchrcn, Lcyern, Liegen, (Obcrd. seyn,) Lispeln, Locken, auch transitiv, Lodern, Lö'hrcn, plärren, Losen, Lüge», Lügen, scheu. »Makeln, Malzen, Mangeln, Manschen, Marodieren. Marschieret 1. Scyn^ mit BrMchnnng dcö Ortes^ 2. Die Armee har den ganzen Tag marschier«, auch häufig seyn. -»Mauett, Vottdcm Verbo. §.4gz. 847 " Manen, von Katzen, Manlassen, Maulen, Mausen, auch transitiv, Meckern, Meinen, auch transitiv. Misiartcn, Mißyebcn, Mißglücken, auch mit haben, Mißlingen, Mi'ßrarhen, (Mißrärhcn ist transitiv,) Mißcrcö ten; seyn. 'Mißbierhen, Mißfallen, Mißgebären, Mißgreissen, Mißhandeln, (Mißhandeln ist transitiv,) MißschrvLre», Mißröncn, Mißtrauen. »Mirbethen, Miibicrhen, Micessen. Mitfahren, l. !Lr ist blind mitgefahren. Er ha: ihm übe! mitgefahren. Mitfliegen, Mirsolgen, Mitgehe!!, Mitkomme», Mir» laufen, Mirreisen, Mirschiffcn, Mirftgeln, Mirwandern, Mitziehen; seyn. "Mirlachen, Mitsingen, Mirspeise», Micrveinen, Mitwirken. - Modern, Mögen, Müchein, Ml-.cken, Mucksen, Muffeln, Muffen, Mufften, N7i:mmeln, Munkeln, Murmeln, auch transitiv, 'Murren, Müssen. - Nacharbeiten, Nachärnden, Nachbellen. Nacharten, (auch haben,) Nachbleiben; seyn. Nachbr-chen. i. Die 1^?and ist nachgebrochcn. 2. Der Dcrgmattn hat auf dem Gange nachgcbrocbcn. "Nachdenken, Nachdrücken, Nachdunkeln, Nacheifern, Nackforschen, Nachgeben, Nachgraben, Nachgrübeln,Nachhallen. Nachdringen, Nacheilen, Nachsahren, Nachfallen, Nach- fliegen, Nachfolgen, Nachgehen; seyn. ^ Nachhängen, haben, be» vielen auch seyn. ''Nachbauen, Nachhelfen, Nachjagen, Nachklingen,Nachleben, Nachschalie», Nachschmecren, Nachsehen, Nachs:»!- ncn, Nachsporrcn, Nachspüren, Nachstehen, 'bc» viele» auch seyn,) Nachstreben, Nachsuche», Nachrrachtcn, Nachrvan- deln. Nachkommen, Nachlaufen, Nachquellen, Nachreisest, Nachreiten, Nachrennen, Nachrücken, Nachschleichen, Nachschwimmen, Nachsegcln, Nachspringen, Nachsts-gen, Nach- rraben, Nachtreten, Nachziehen, auch transitiv; seyn. ^Nähren, auch transitiv, Naschen, Nässen, Nicr'cn. Nieder- 848 i.TH. 2.Abschtt. y.Kap^ Niederbrennen, mich transitiv, Nicderfahrcn, Nicderfal- lcn, Niedcrfliegen, Niedergehen, Niederknien, Niederkommen, Niederschlagen, ungestüm fallen, Niedersinken, Nic- dersteigen; seyn. -Niederhangen, auch seyn, Niederliegcn, Nieseln, Niesen, Nisten, Nnyen, auch transitiv. -'Obliegen, i. Siegen, seyn, im Hochdeutschen auch ha-? den; 2. in den übrigen Bedeutungen haben. »Obschwcben, Obsiegen, Obwalten. »passen, pansireu, pausten, pfeifst», auch transitiv, passieren, seyn; auch transitiv. * pfuschen, philosophleren, Pinseln, plappern, plärren, plätschern. playen. i. Es har geplayc, es regncr, daß es plarzr. 2. Die Blase ist geplayc; er ist in den Roll) geplatzt. 'plaudern, plumpen, auch transitiv, pochen, poltern, Posaunen, prahlen. pralle», i. Ich höre envas prallen, es hac geprallt, z. Der Ball ist zurück gcpraUr. * prangen, prasseln, Prassen, prozessieren, Pudeln, pufft», auch transitiv, purgieren, auch transitiv. »O.uabbeln, G-nacksalbern, V.uakeln, O-ua?en, O.nä- ken, O.uaimcn, O.ualstern, O.uarren, O.uarschc». O.ncllen. I. Der Teig ist gequollen, die Erbsen sind gequollen, das Holz ist gequollen; das rvasser ist aus der «Lrde gequollen. 2. Das Wasser hat den ganzen Tag gequollen. Auch transitiv mit regulärer Conjugation. »G-uieken, Ouiieksen, O.uiecschen. »Ragen, Rainen, gränzen, Rammeln, auch transitiv, Ranzen, Rappeln, Nasen, Rasseln, Rasten, Rathschlägen, Ratschen, Aarrer», Rauchen, Raunen. Rauschen, i. Die Bäume haben gerauscht, es bar gerauscht, der wein hac gerauschr. 2. Sie ist vor mir vorbey gerauschr. »Räusper», Rebellieren, Rechten, Reden, auch transitiv, Regnen, Reichen, auch transitiv, Reisen, reis werden. Reise», i. Scvn, mit Bemerkung dc6 Ortes. 2. Haben, ohne dieselbe: wir haben Tag und Nachc gcrcisct, der U^ensch hac gereiscr, ich habe oft gereiser, sCor. n, iü. Aber Von denrVerbo. §.45?. 849 M->r noch hüuft'gcr seyn: Lrispus ist gereis'c, Lozau, wir sind zu Fuß, zu Pferde, zn Wasser nerciftr; daher sagt man auch gereisere pflanze», welche aus einem fremden Lande herstammen, ein gereis'rcr Mann, welcher gereiset ist, welches Particixum das Hülfswort seyn voraus seht. Reissen, seyn, auch transitiv. Reiten. I. wir sind spayieren, auf das Feld gerlreen, der Bediente ist seh! grriccen, die Truppen sind formatieren geritten, der Boche ist geschwinde geritten, wir sind einen Schritt geritten. 2. Wir haben den ganzen Tag geritten, bey vielen auch seyn; er har einen Hengst geritten , wo es sich der transitiven Form nähert; es har noch niemand aus diesem pserde geritten; hast du nie geriilc»? Renne», i. Er ist davon geranne, ist ans i!m zn geranne, wir sind (nicht etwa haben? ) nach dem Ziele gerannt. 2. wir haben den ganzen Tag geraum. "Revieren, Riechen, auch transitiv, Rieftln, Rindern, Ringen. Rinnen. I. Das Blut ist ans der Wunde geronnen, die Milch ist geronnen. 2. Das Faß har den ganzen Tag geronnen, das Lichr har geronnen. »Röcheln, Röhren. Rollen, i. Der Donner rollt; haben. 2. Die Dugei ist den Berg hinab yerol!:, der wayen ist davon gcrollr. -"Rosten, (bey vielen auch seyn,) Röchen, auch transitiv. Rucken, i. Der Zeiger ist weiter gerückt, dle Eonne ist höher gcrückr, die Truppen sind in das Lager gerückt« 2. Er hat heraus gerückt, mit dem Gelde. Auch transitiv. Rudern. I. Sie haben den ganzen Tag gerudert, dt« Änrcn haben mit den Füßen gerudert. 2. Er ist davon gerudert. »Ruhen, Rühren, auch transitiv, Rummeln, Rumore», Rumpeln. » Sauern, sauer werden, Saufen, Saugen, Säumen, alle drey auch transitiv, Säuseln, Sausen, Schaden, Schäker», Schalle», Schauen, auch ttansitiv, Schäumen, auch transitiv. Scheiden, sich entfernen, seyn; auch transitiv. »Scheinen. Scheitern, das Schiff ist gescheite», bey M>°.N/ besonders in Niedersachsen, auch haben. Adel.V.Spr, -Sch<- 85s ?.TH. 2. Abschtt. 7. Kap. «S6)erzcn, Schieben, das Thier hat geschoben, dr>Aiili- ue verloren, die pflanzen haben geschoben, auch transitiv; Schielen. Schiesscn, sich schnell bewegen, Schissen, cmck transitiv. Schildern, warten. - Schimmeln, Schimmern, Schlachten, vu!Z. für arten, Schlafen, Schlägeln. Schlagen. 1. Er ist zu Dsden, mir dem Ropfe an die wand, der Vaum ist zurück geschlagen, das Wasser ist ihm über den Ropf zusammen geschlagen, das Äorn ist (oder hat) in die Höbe geschlagen, die Sache ist seht geschlagen, er ist aus der Arr geschlagen, es ist ein Fieber dazu geschlagen. 2. Der Donner hat in das Haus geschlagen, der Vogel hat geschlagen, es hat sechs geschlagen, er hat in sich geschlagen, der Same har Wurzel geschlagen. Auch transitiv« »Schlaudern, Schleckern. Schleichen, Schleissen, auch transitiv, Schlendern; seyn- »Schleppen, auch transitiv. Schliefen, Schlüpfen; seyn. -Schlorrcrn, Schluchzen, Schlummern, Schmachrett, Gchmählen, Schmarotzen, Schmalzen, Schmauscn,Schmci- cheln. Schmelzen, seyn, auch transitiv, aber regulär. »Schmerzen, Schmettern, auch transitiv, Schmollen, Schmutzen, Schnallen, in eincr andern Bedeutung transitiv, Schnalzen, Schnappen, Schnarchen, Schnarren, Schnarrein, Schnauben, Schnauffen, Schnitzern, Schnurreih Schossen. Schreiren, Schrumpfen; seyn» »Schreven, Schwanken. Schwären: der Hinger ist geschworen. »Schwärmen, Schwärzen, Schweben, Schwelge?») Schweinen, Schweissen, auch transitiv, Schwelgen. Schwellen, seyn, auch transitiv. Sc! wimmen. 1. Das Holz har auf dem Wasser ge»> schwömmen, wir haben den ganzen Tag geschwommen, s. -Lr ist über den Fluß geschwommen, ich bin an das Land geschwommen. Schwinde?», seyn. ^ Scharren, Schwitzen. S'.cieln. 1. wir haben den ganze» Tag gesegelt, pav «Zcy!ff harte schnell gesellt; «uch häufig seyn. s. wir sin» l»:? Von dem Verbo. §.4ZZ. 85! bei der Insel vorbey gesegelt, das Schiff ist nach Frankreich gesegelt. »Seyen: das Pferd hat über den Graben gesetzt, es har Screir geseyr. In nudern Bedeutungen auch transitiv. Seufzen. Seyn, mit sich selbst. * Siechen, Sieden, auch transitiv, Siegen. Siegern: der Mein ist ans dem Fasse gesickert, aber, da» Faß hat gesickert. Sinken, Sinrer», seyn. "Sinnen, Siyen, (im Obcrd. seyn,) Sollen, Ssrgm. Spalten, seyn, auck transitiv. * Spaßen, Speculieren. Sparzieren, seyn. * Speisen, auch transitiv, Spielen, Spotten, Spötteln) Sprechen, auch transitiv. Sprießen, seyn. Springen, i. Das Glas, die Saite ist gesprungen, das Blur ist «us den Adern gesprnngen, er ist über den Graben, aus dem Fenster gesprungen. 2. Die Fontäne hae den ganzen Tag gesprungen, sie haben gecanzer mid gesprungen. Spriyen» i. Das Vlut ist ans der Wunde, der Roch ist an das Rleid gesprlye. s. Die Röhre, die Spritze hat gespriyr. Auch transitiv. Sprossen, seyn. »Sprudeln, Spucken, Spuken, Stallen, mich transitiv^ Stammeln. Grammen, seyn, Wichet sind herstammcn und abstammen, -'Stänkern, auch transitiv, Srapse». Starren, i. Starr werden, seyn. s. Starr ansehen, haben. »Stauben, Staunen. Stechen, in der Schifffahrt, !n die See stechen, seyn; übrp gens transitiv. »Stecken, auch transitiv. »Stehen, bekommt im Hochdeutschen jederzeit haben, ss sehr es auch im Oberdeutscheu mit seyn verbunden wird. Steigen, Sterben, Stieben, seyn; die Feinde sind au« einander gestoben; auch transitiv. »Stimmen, «»ch transitiv, Sriuken, Stocken, Stöhnen. Hhh s Stolperst, ZZ2 !.TH. s.AbM ?.Küp. Stslper», mit Bezeichnung des Ottes seyn: er ist zuv Thüre hinaus gestolpert; außer dem auch wohl haben: das Pferd hat gestolpert, er hat im Gehen gestolpert. »Srorrern, Strafen, Errampscn. Stranden, seyn: das Schiff ist gestrandet, daher ma>» ein gestrandetes Schiff, gestrandete Güter sagen kann, welches nicht erlaubt wäre, wenn cs haben bekäme. Srrauch-In. 7. Mein Fuß hat gestrauchelt, Ps. 94,18! ich härce schier gestrauchelt, Pf. ?z. 2. auch häufig sey», welches 2. Nvthwcndiz ist, wem, der Ort bezeichnet wird, ich bin über den Stein gestrauchelt. "Streben. Streichen. 1. Die Luft ist durch die Zimmer gestrichen z die Vögel sind von uns gestrichen; er ist zehn Jahre im Lande herum gestrichen; iek bin verre Iier Gestricken, das alte Fragment auf Carln den Großen bey dem SchiltcrZ ich bin (auch habe) mit dem Rleide an die Mauer gestrichen. 2. Die Fische haben gestrichen, geleichet, die Hündin» hat gestrichen, sich begattet. Sonst auch transitiv. Streifst», seyn, noch häufiger haben, die Feinde habe» über die Gränzen gestreisfc, haben bis an die Thore ge- srreiffc. In andern Bedeutungen transitiv. «Streiten, Strömen, Scrorzen, Strudeln, Stürmen. Stürzen, seyn, auch transitiv. ^ Sturzen. Guceedieren, seyn. 5 Summen, Summsen, Sündige». »Tagen, Tändeln, Tanzen, auch transitiv, Tappen, Tg» flen, Taugen. Taumeln, haben, aber mit Bezeichnung des Ortes seyn? er ist zur Thüre hinaus getaumelt. «Tauschen, Thränen, Toben, Tonen, Torkeln. Traben, haben, aber mit Bestimmung des Ortes seyn: ex ist zur Thür hinaus gerrabec. So auch Trappen. »Trachte», Trampeln, Trauen, Trauern. Träufeln, Träufen, Triefen, Tröpfeln, Tropfen, ohne Bestimmung des Ortes, haben, mit derselben seyn. Alle sünse werden, Triefe» ausgenommen, auch intransitiv gebraucht. * Träumen, Treiben? Von dem Verbo. §. 43z. 85? treiben: das Schiff ist an das User getrieben; auße? der Bestimmung des Ortes mit haben. Auch transitiv. Treccn, sey». ^ " Triumphieren« Trocknen, seyn; auch transitiv. *Tromperen, Troyen. Überbleiben, Überfliegen, Überfließen, Überharschen, Überhüpftn, Überkippe», Überkommen, Überlaufen, Über- reicen, Uberrinnen, Überschiffe», llberschlagen, Überschreiren, Überschwlmmen, Überspringen, Übersteige», Übertreten, Überwachsen, Überwallen; alle seyn, doch um so fern sie den Ton auf der Partikel haben. " Überhangen, Überkochen, Übernachten, Überschwanken. Umfahren, Umfallen, Umkehre», Umkippe», Umkommen, Umlaufen, Umreiten, Umschiffen, Umschlagen, Umstürzen; alle seyn , wenn sie deu Ton auf der Partikel haben. » Umfragen. Umgehen, i. Tvir sind umgegangen, habe» einen Umweg genommen; er ist mir der Sache umgegangen. 2. lLs har in dem Hause umgegangen, gesputet. Umkehren, auch transitiv; umkommen, umlaufen, umreiten, umschiffen, umschlagen, ihr seyd umgeschlagen und entheiligt meinen Nahme», Ier.Z4, lü; umsegeln, alle seyn. Unterbleiben, Untergehen, Unterkommen, Unterkriechen, Mrerlausen, üurertreren; ftyn. 5 Umeriicge». Veralten, Verarme», Verbleiben, Verbleichen, (edler erbleiche»,) verblinden, (edler erblinde»,) sev». Verblühe», von Blumen und was ihnen ähnlich ist, oder was mehr passiv gedacht wird, seyn; hingegen der Daum, die pflanze hat verblühet, bat aushört zu blühen. Im Hochdeutschen auch häufig ohne Beobachtung dieses Unterschiedes durch- «ehcnds mit haben. -Verblute», da er gar verbtutet harre, -Moccab. 14, häufiger als ein Reciprocum; Verbrausen, Verb, unsren. Verderben, auch transitiv und rcgulLr, Verdorren; seyn. Verduften, wie Verblühen: der Geruch ist verduftet, aber, der Bisam har verduftet. Verdummen, Verdunsten, Verdursten; seyn. Hhh z Verfahren, Z54 r. Th. 2. Abschn. 7. Kap. Verfahren, i. Er ist Todes verfahre,,. 2. Er ist grausam mir ihm verfahren, er ist rechtlich verfahre»; auch häufig haben. Auch transitive Verfallen, seyn. 5 Verfangen. Verfaulen, Verfliegen, verfließen, Vergehen, Verglimmen, Vergrünen, Verharren, (nicht so richtig haben, sie haben drey Tage bey mir verharret, Marc. 8,2.) Verharschen, Verharren, (auch transitiv,) Verhungern, Verjähren, Verirren, (am häufigsten als ein Reciprocum;) alle seyn. "verkalbcn, Verlammen, Verfeyen, Verwerfen, in der Hauswirthschaft, und von Thieren, für abortircn. Verlaufen, die Zeir ist verlaufen, sonst auch reciprok. "Vertauren. Verlöschen, < edler erlöschen,) Veröde», (auch transitiv,) Verquellen, die Thür ist verquollen, Verrauchen, Verreisen, Verroste», Versauern, Verschallen, Verscheide», verschießen, (auch transitiv,) Verschimmeln. Verschlagen, z. Verschlagener Mein, folglich auch der Zvein ist verschlage». 2. Zn einigen andern nur im gemeinen Leben üblichen Bedeutungen haben; z. B. das Lirkge- fiügel hac verschlagen, wenn es aufgehöret hat zu schlagen; das Pferd har verschlagen, wenn es sich verfangen hat. Sonst auch transitiv. "verschnaubcn, verschnaufe», Vcrschnieben. Verschneyen, Verschwinden, versiegen, versinken, Versrarren, (sdler erstarren,) Verstauben, Verstehen, (ei» verstandenes Pfand, sonst transitiv,) Verstockcn; seyn. * Verstoßen, wider etwas, i» einer Sache verstoßen, sonst auch transitiv. Verstreichen, Verstummen. "Vertrauen, auch transitiv. Vertrocknen, Verunglücken, Verwachsen, Verwaisen, Verweilen, (auch häufig haben,) Verwelken, Verweisen, Verwildern, Verwittern; alle seyn. * verzagen, die Ältesten harren schon verzage, Judith IZ, 14. Indessen ist dafür verzagr seyn und werden üblicher; Verzahne», Verziehen, («nch transitiv,) Verzweis- ftln. Vordringen, Von dcmVerbo. §. 4Z?. 855 Vordringen, Vorcilen, Verfahren, Verfallen, Vorzehen, Vorkommen, Vorschreirc», Vorschnimme», Vorspringen; sey». - . *vorglanzen, Vorgreisscn, Vorhängen, Vorschmecken, Vorschrcyen,(auch transitiv,) Vorsehen, Vorstyen, (im Oberdeutschen s'y»,) vorsprechen, Vorstechen, (auch transitiv,) Vorstehen, (im Oberdeutschen seyn,) vorrueren, vor- Malren. -^wachen, wackeln. Wachse», seyn. waren, i. Ich bin durch den Zlusi gewatet. 2. wirhaben den ganzen Tag gervarer. -wahren, wähne», wallen, von flüssigen Körpern, Walren. Wandel», wandern, mit Bezeichnung dcS Ortes seyn; shne denselben haben. -^Wanken, Warren. wegbleiben, wegbreimc,,, (auch ttansitiv,) wegeilen, wegfahren, (auch transitiv,) wegsallc», wegfliegen, wcg- sliehen, Weggehen, weghinken, wegkommen, wegkriechen, weglauffcn, wegmarschiercn, wegreisen, wcgrei- ren, wegfchiffen, wegfchmclzen, wegschwimmen, wegspringen, wegsterbe», wegwandern, wegziehe», auch transitiv; al'e seyn. » Wehklagen. weichen, cedere, seyn. ' weiden, l auch transitiv,) weinen, weissagen, werden, widerfahre»; seyn. ' wicderbcllen, wiedcrrcden, wiegen, Wiehern, willfahren, wimmern, winken, winseln, wirzeln, wohne», Wuchern, wurzeln, würhen. ^Zagen, Zahne», Zähne bekommen, Zanken, Zaubern, Zandern. Zerbrechen, (auch transitiv,) Zerfahren, Zerfallen, Zerfliegen, Zerflieg», Zergehen, Z>>rplayi'», Zcrreisscn, !'auch transitiv,) Zerrinnen, Zerscheircrn, Zerschmelzen, Zersprm- Sen, Zerstäuben, Zerstieben; alle seyn. Ziehen, den Ort langsam verändcui, seyn; sonst auch transitiv. »Zielen, Zischen, Zittern, Zögern, Zucken. Hhh 4 zueilen, 856 i. Th. 2.Abschn. 7. Kap. Zueilen, Zufahren» Zufallen, Zufliegen, Zufiiesien, Zu« frieren, Zugchen, Zich-ilen, (auch transitiv,) Zukommen, Zulaufen, Zurücke», Zuwachsen; seyn. "Zugehören, Zugreiffen, Zubauen, Zuhören, Zuhorchen, Zulangen, Zunehmen, Zunicken, Zureden, Zürnen, Zuschauen, Zusehen, Zuschlagen, Zustehen, Zurasten, Zutreffen, Zweiffeln, Zwitschern. 8. Voll den zustimmen gesetzten Verbis. Äntbei- §. 4?4. Was zusammen gesetzte Verba sind, w g dersel- wie sie zusammen gesetzt werden, kann erst in dem folgenden zweyten Theile gezeiget werden, wo von der Zusammensetzung der Wörter überhaupt gehandelt wird. Hier haben wir es nur mit ihrer Conjugation zu thun, worin die Verba dieser Art merklich von einander unterschieden sind, welcher Unterschied theils die Zusammensetzung selbst, theils die Stellung des Tones, theils das Augmentum ge und folglich auch das zu vor dem Infinitive bc« trifft. Wir theilen die zusammen gesetzten Ve-rba in Ansehung der Conjugation in ächte und unäcd re Zusammensetzungen. Jene bleiben in allen Fällen die ganze Conjugation hindurch zusammen gesetzt; diese aber werden in manchen Fällen wieder getrennet, da denn der erste Theil der Zusammensehung hinter das Verbum tritt. Der erste Theil eines zusammen gesetzteil Wortes heißt eigentlich das Aes stunmungsworr, es sey nun eine Partikel oder ein Hauptwort; indessen kann man es um der Kürze willen auch eine Partikel im weitesten Verstände nennen. Diejenigen Bestimmungswörter oder Partikeln nun, welche ächte Zusammensetzungen machen, werden untrennbare, die andern aber trennbare genannt. Es Verbum. 8. Compositum. §.435. 857 Es hat in den neuesten Zeiten Sprachrichter und Sprachlehrer gegeben, welche sowohl über diesen Unterschied der Bestimmungswörter des Verbi, als über ihre Benennung gespottet haben. Aber worüber hat man nicht alles gespottet! Er bleibt dessen ungeachtet in der Natur der Sprache gegründet, und ich möchte den sehen, der ohne denselben die Conjugation der zusammen gesetzten Verborum verständlich und faßlich vortragen kann. §. 4?5. 1. Achte Zusammensetzungen sind, 1. Welche« welche mit untrennbaren Bestimmungswörtern ge- «chre Zumacht worden. Dieft untrennbare Bestimmungs- sammen- wörter sind nun: ^uge» 1. Diejenigen Partikeln, welche außer der Zusammensetzung mit Verbiö nicht mehr üblich sind, als: be, ent, (welches in einigen Fällen in ant und cmp übergehet,) er, ge, ver, zer, ur, after und miß. 2. Die drey Umstandswörter hinter, voll und «vider, coutts, welche zwar noch für sich allein gebraucht werden, aber doch in der Bedeutung, in welcher sie mit dem Verbo als zusammen gesetzt betrachtet werden müssen, theils veraltet, theils elliptisch sind; daher sie gerade in der veralteten, elliptischen oder figürlichen Bedeutung, in welcher wir sie jetzt betrachten, für sich allein nicht gebraucht werden können. Kommen daher diese Wörter in ihrer gewöhnlichen Bedeutung vor einem Verbo zu stehen, so können sie auch keine Zusammensetzung mit demselben ausmachen. Vollenden, vollbringen, vollziehen, jemanden hintergehen u. s. f. sind wahre Zusammensetzungen, aber nicht voll gießen, sich voll trinken, voll machen, es will nicht hinter gehen, für hinunter. Der Hhh 5 Uncer- 853 !.TH. 2. Abschn. 7. Kap. Unterschied des Tones bestätiget solches gleichfalls, davon im folgenden §. z. Die mit Substantiven und Adverbien zusammen gefetzten Verba. Welche Verba dieser Art als wirklich zusammen gesetzt betrachtet werden müssen, wird im folgenden zweyten Theile gezeiget werden. Hier will ich nur kürzlich bemerken, daß die elliptische oder figürliche Bedeutung der sicherste Probierstein der Zusammensetzung ist. Folglich sind wahre Zusammensetzungen mit Substantiven: fucheschwunzen, hohnlachen, h ohnccd'cn, rath- fragen, brandscharzen, handhaben, kielhoh- len, muthmaßen, panzerfegen, radebrechen, splirterrichten, (welches doch nur im Infinitiv üblich ist,) wetteifern, wetterleuchten, willfahren, katzbalgen, lustwandeln, saatfurchen, in der Landwirthschast, zur Saat pflügen u. s. f. lob- jlngen und lobpreisen, werden nur im Infinitiv und Imperativ gebraucht. Und mit Adverbiis: frohlocken, liebäugeln, liebkosen, weissagen u. s. f. Muß nun der erste Theil eines für zusammen gesetzt gehaltenen Wortes in manchen Fällen hinter das Verbum treten, so können solche Wörter auch nicht sür zusammen gesetzt gehalten werden, die §. 4Z9 vorkommenden Umstandswörter ausgenommen. Man muß sagen, ich jage dir Dank, er hält übel Haus, sie liefen Gcurm, folglich auch Dank fagen, Haus halten, Grurm laufen; zumahl da hier weder eine Ellipfls, noch eine merkliche Figur ist. TVahrsagen wird sowohl trennbar als untrennbar gebraucht, ich wahrsage dir, und ich sage dir wahr, gewahrsaget und wahr gesagcr, und kann daher auf beyderley Art geschrieben werden. 4. Die Verbum. 8. Compositum. §. 4Z5.436. 859 4. Die von zusammen gesetzten Substanti'viS abgeleitet sind: rathschlagen, ragewerken, wallfahrten, nothzüchtigen, argwohnen, hosmei- s?ern, frühstücken, quacksalbern, kunstrich- tern, rechtfertigen, kurzweilen u. s. f. Diese ächten Zusammensetzungen sind nun in Ansehung des Toneö und der Conjugation von gedoppelter Art. In einigen ruhet der Ton auf dem Verbo, in andern aber auf dein Bestimmungswor- te; im ersten Falle fallt das gewöhnliche Augment ge im Participio Prateriti weg, im letzter» Falle aber bleibt eö. In beyden Fallen siehet die Partikel zu, wenn sie vor dem Infinitiv geseht wird, vor der ganzen Zusammensetzung: widerstehen, widerstanden, zuwiderstehen, vollenden, vollendet, zu vollenden; aber frühstücken, gefrüh- stücket, zu frühstücken, urtheilen, gcürcheilet, Zu urtheilen. §. 4z6. Den Ton werfen auf das Verbum, und Welche den bedürfen folglich im Participio Prateriti des Aug- Ton auf mcuti nlchc: das Ver- ^. ... ^ ^ ^ . l'um wer» 1. Dte mit den Vorsylben be, ent oder emp, ^ er, ge, verund zer zusammengesetzten, oder vielmehr vermittelst derselben abgeleiteten Verba; ohne Zweiffel, weil sie ihre bestimmte Bedeutung langst verloren haben, und daher auch keiues Tones fähig sind: beschreiben, habe beschrieben, zu beschreiben. So auch bedecken, besingen, ents / stehen, entzünden, empfehlen, empfinden, erzählen, ergehen, verzehren, verlieren, zer- reifsen, zerspringen. Das einzige antworten hat den Ton auf der Vorsylbe, und bekommt daher auch das Augment, geantwortet. Wenn auf die Vorjylbc noch ejn Bestimmungswort folget, es habe nun x6s i.TH. -Z.Abschn. 7. Kap. nun solches den Ton oder nicht, so ändert solches Verbum. 8. Composimm. §. 4Z8. 861 §. 4?8« Nur die mit dem außer der Zusammen- Von den setzung veralteten miß zusammen gesetzten machen mit miß hier eine Ausnahme, oder vielmehr sie sind von ge- ^^'^ doppelter Art. Die meisten haben ' 1. den Ton auf der Partikel, und bekommen folglich das gewöhnliche Augment. Nur in der Stellung desielben, und des zu im Infinitive findet sich ein Unterschied, welcher sonst bey keinen andern Verbis beobachtet wird» Sind sie Activa, so nehmen sie das ge und zu vor sich: mißbilligen, mißbrauchen, mißdeuten, mißgönnen, mißkennen, mißleiten; gemißbilligec, gemißbrau- icher, gemißdeuter, gemißgönnet, gemißkannc, gemißieitet; zu mißbilligen und so ferner. Sind sie aber Neutra, so treten beyde in die Mitte; mißarren, mißgearter. mißzuarten; mißbie- then, mißgebothen, mißzubiechen; mißgebären, mißgeboren; mißgchen, mifigcgangcn, mißzugehen; mißglücken, mißgeglücket, miß- zuglücken; mißlingen, mißgelungen, mißzu» lingen; ob man gleich auch häusig sagt, mißlungen,'ZU mißlingen, welches aber nur dann richtig ist, wenn der Ton auf dem Verbo ruhet, mißlingen, mißrönen, mißgetönet,Mßzurönen u.s.f. Wenn daher ein Verbum dieser Art, ein Transitivum und Intransitivum zugleich ist, so wird eö auch auf beyderley Art gebraucht: mißhandeln, im Neutro, ich habe mißgehandelr, d.i. mich vergangen, aber im Activo, man hac ihn gemißt handelt. 2. Einige wenige werfen den Ton auf das Verbum, und diese haben kein Augment: mißfallen, mißverstehen, mißlingen, (wenn man es so auö- spricht,) mißrarhen, nicht gerathen, als ein Neutrum 862 i.Tt)> 2.AWl!>'7.Küp. trum, und widerrathen, als ein Activum; .es hat mir mißfallen, ich habe es mißverstanden, es ist mir mißlungen, es ist mir mißrachen, ich habe es mißrachen» Die Ursache dieses dem Anscheine nach sonderbaren Unterschiedes ist ohne Zweiffel in der Geschichte dieser Partikel aufzusuchen. Sie ist als ein eigenes Adverbium im Hochdeutschen am spätesten veraltet, und wird in den gemeinen, besonders Niederdeutschen Mundarten, noch völlig als ein allgemein Verständliches Wort gebraucht, und da ist sie in der Stellung auch von andern Adverbiiö nicht unterschieden. So sagt man z. B. in Niedersachscn, du greiftest miß, ich trat miß, ich brauche es miß, die Sache gehet miß., gelinget nicht, dar-» in sind sie miß, irren sie sich, haben ist gewiß, bekommen ist miß u. s. f. Allein im Hochdeutschen, wo es außer der Zusammensetzung veraltet ist, hat mau es als eine untrennbare Partikel zu gebrauchen angefangen, doch m.t dem Unterschiede, daß sie in manchen Fällen, wo sie vielleicht noch für sich allein am längsten üblich geblieben, noch als trennbar betrachtet wird, und alsdann sowohl daö ge als auch zu zwischen sich und dem Verbo nimmt. In denjenigen Fällen, wo sie den Ton auf das Verbum wirft, und alsdann auch das Augmentum verdränget, ist sie vermuthlich am frühesten veraltet, dahec sie hier auch, wie eiue jede andere außer der Zusammensetzung veraltete Vorshlbe behandelt wird. «. Unechte §. 4Z9. 2. Unachre Zusammensetzungen sind ?us.immen-solche welche mit trennbaren Partikeln gemacht setzungen. norden, das ist, mit solche,. Umstandswörtern, welche in manchen Fällen wieder von dem Verbo ge- trennet,^und hinter dasselbe gesetzt werden. Diese Falls Verbum. 8. Compositum. §.439. 86Z Fälle sind denn nun keine andern, als diejenigen, m welchen ein jedes anderes Adverbium hinter dem Verbo zu stehen kommt. Es sind diese trennbarm Partikeln auch in nichts von andern Adverbien unterschieden, als nur darin, daß sie, wenn sie, der gewöhnlichen Constructions-Ordnung zu Folge, vor dem Verbo stehen müssen, mit demselben zusammen gezogen und als ein Wort geschrieben werden. Diejenigen, welche dieses Recht einmahl hergebracht haben, sind folgende: ad, an, auf, aus, dep, dar (für da her,) ein, her, hin, mir, nach, nieder, ob, vor, wieder, ruil'u», zu, und nach der gewöhnlichen Schreibart der Neuern auch fort, los und rveg. Sie ziehen, wie alle übrige Bestimmungswörter des Verbi den Ton auf sich, und sind, den einigen vorhin gedachten Umstand der Zusam-- menziehung ausgenommen, auch in der Stellung von ihnen nicht unterschieden: ausgießen, ich gieße aus, ich goß aus, ich habe aüsgegojsen, aüszugießen; st> wie man sagt, heute dommen, ich komme heure, ich kam heute, ich bin heme gekommen, heure zu kommen. Alle diese trennbaren Partikeln sind Umstandswörter, und zwar größten theils solche, welche auf?er dieser Zusammensetzung als Präpositionen gebraucht werden, oder doch ehedem so gebraucht wurden. In der Zusammensetzung hingegen werden sie, die vier durch, über, um und unter allenfalls ausgenommen, nur als Adverbia betrachtet, folglich können sie auch keinen Casum regieren, sondern müssen, wenn ein Casus nothwendig ist, wicderhohlet, oder von dem Verbo abgesondert gesetzt werden: er hat allen Mein aue-gegossen; aber: er hsr allen lVein aus dem Fasse gegossen» 864 i.TH. 2.AbsW. 7. Kap. Da diese trennbaren Partikeln in der Stellung von andern Umstandswörtern in keinem Stücke unterschieden sind, außer daß sie, wenn sie vor dem Verbo zu stehen kommen, mit demselben als em Wort geschrieben werden, so fallt die Ursache, war. um man diesen Vorzug gerade nur diesen neunzehen eingeräumet hat, nicht sogleich in die Augen. Unsere aitesten Schriftsteller kennen diese Zusammen- zichung noch nicht, wenigstens nicht allgemein, sondern nur noch hin und wieder, und schreiben daher öfter abe nehmen oder ab nehmen als abnehmen. Der Gebrauch ist erst in den spätern Zeiten allgemein geworden, und da derselbe doch eine Ur- sache, wenigstens eine dunkel empfundene Ursache gehabt haben muß, so kommt es darauf an, diese Ursache ausfindig zu machen. Daß sie Umstandswörter sind, hat hier keinen Einfluß, weil so viele andere Umstandswörter, z. B. heure, gestern, auch, fest, entgegen, gewiß, gleich , spät, oft, selten u. s. f. nie mit dem Verbo zusammen gezogen werden. Daß die meisten außer der Zusammensetzung Präpositionen sind, kläret etwas auf, aber noch nicht alles. Der wahre Grund der Zusammenziehung scheinet die elliptische und figürliche Beoeutung zu seyn, welche, wie in dem folgenden Theile gezeiget werden wird, allemahl Zusammensetzungen macht. Die meisten dieser Umstandswörter sind noch jeßt Präpositionen, und viele, welche es jetzt nicht mehr sind, waren es doch ehedem, wie fsrr, nieder. Als Präpositionen wollen sie die Sache, deren Verhältniß sie bezeichnen, genannt wissen; da sie aber in der Zusammensetzung mit Ver- bis nur als bloße Umstandswörter stehen, so fällt die? se Benennung der Sache weg, muß aber wenigstens dunkel darunter verstanden werden. Die AuSdrü' cke Verbum. F. Compositum. §. 459. 865 cke, das Obst abnehmen, eine Sache beylegen, Geld darbringen, lassen sich ohne dunkele Beziehung auf einen Ort nicht verstehen. Es ist also hier eine wahre Ellipsis, welch? denn gemeiniglich in eine Menge von Figuren übergehet; z.B. ab? nehmen, vermindert werden, einen Srreic beylegen u. s. f. Da nun zwey neben einander ge« stellte Wörter, wenn sie eine figürliche Bedeutung annehmen, zusammen gesetzt und als ein Wort geschrieben werden: so scheiner dieß die wahre Ursache zu seyn, warum man auch in diesen Fallen das Verbum mit seinem Bestimmungsworte, wenn das letztere vor demselben zu stehen kommt, zusammen gezogen. Da aber diese Wörter außer der Zusammensetzung noch nicht veraltet, sondern als Präpositionen noch völlig gangbar sind, ab und ob, wenigstens noch im Oberdeutschen, so hat man sie auch nicht als untrennbare Partikeln betrachten können, daher nehmen sie ist den gewöhnlichen Fällen ihren Platz auch wieder hinter dem Verbo, da denn die Zusammcnziehung natürlicher Weise wieder aufhörst. Es sind zwar unter diesen Partikeln einige, welche vielleicht nie als Präpositionen üblich waren, wie dar, her, hin, los, weg, wieder, rmlu-,, nnd selbst zu in der Bedeutung, in welcher es mit Ver- bis vorkommt; allein da diese Wörter gleichfalls von der Art sind, daß eine dunkele Vorstellung des Ortes und der Zeit dabey Statt finden muß, so ist auch hier eine Ellipsis, lind nicht selten gar eine Figur, daher man allerdings, berechtigt gewesen, sie mit dem Verbo als ein Wort Zu schreiben. Dieser Grund entscheidet zugleich die noch von keinem Sprachlehrer beantwortete Frage, welche Par« titeln man mit ihrem Verbo als ein Wort zu schrei- Adel.jO.Spr. Jii ben 86» r.TH. ü.Aöschit. y.Kap. ben habe, und welche getrennct werden müssen^ i. Wenn die eben jetzt gedachten trennbaren Partikeln mit andern Umstandswörtern zusammen gesetzt werden, so fällt die Znsainmenseßung weg: daher treten, hervor kommen, hinweg gehen, herab nehmen, darein treten, bevorstehen, vorbep gehen n. si f. Die Ursache ist leicht zu begreiffen; durch die Zusammensetzung der Partikel mit einem andern Umstandsworts werden Zeit und Ort wenigstens relativisch bestimmt; die EllipsiS fällt also weg, und mit ihr auch der Grund zurZusammen- Ziehimg. 2. Umstandswörter, bey welchen weder Ellipsls noch Figur Statt findet, machen keine Zusammensetzung: fehlgehen, irre reiten, empor sehen, gleich kommen, heim gehen, sich wohl befinden, hoch fliegen lu s. f. Zwar bekommen sie in manchen Fällen mit ihrem Verbo eine figürliche Bedeutung, die Sache schlägt fehl, empor kommen, heim suchen, welches doch im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird, u. s. f. allein, da nur das Herrschende einen BesiimmungSgrund abgeben kann, die gewöhnliche eigentliche Bederv tnng aber in diesen Fällen immer die häufigste ist, so ist auch dieZusammenziehung uunöthig. z. Beschaffenheitswörter können nur ächte Zusammensetzungen machen, ich frohlocke, frühstücke, liebkose n. s. f. Siehe §.435; nie aber untrennbare- Wenn daher in einem Zweiffelhafteu Falle das Be- schaffenheitSwort der gewöhnlichen Constructions- Ordnung nach, hinter dem Vsrbo zu stehen kommt, so ist solches ein Beweis, daß es keine Zusammensetzung machen könne: ich mein? es gm, er will mir übel, er meint ee böse, er sahe es gelassen an; folglich, gut meinen, übel wollen, es böse meinen, gelassen ansehen. Alles Verbum. 8. Compositum. §.439.440. 967 Alles, was bisher gesagt worden, gilt auch von denjenigen Verdis, welche mit einer trennbaren und unnennbaren Partikel zugleich zusammen geschet sind, wenn nähmlich die trennbare voran stehet: eiuberichten, sich mir jemanden einverstehen, etwas eingestchen, Geld einbeksmmc», ein- antworten, ausantworten, beybehalten, eins verleiben u. s. f. er berichtete es ein, er gestehet es ein, ich behalte es bey. Viele davon sind jm Hochdeutschen Defectiva, und werden nur in denjenigen Fallen gebrauche, in welchen die trennbare Partikel vor dem Verbo stehen kann. Man sagt zwar, als er es aueantwortete, es ihm einverleibte, sich mit ihmeinverftand; aber nicht, er antwortete es aus, er verstand sich mit ihm ein, auch nicht gern, er verleibte es ihm sin. Eben dieses gilt von den mit aufer und auser zusammen gesetzten VerbiS, welche gleichfalls nur noch in einigen ModiS und Zeiten gebraucht werden. S. mein Wörterbuch, wo weitläufig von diesen Verdis gehandelt worden, welches ich hier nicht wiederhohlen will. §. 440. Endlich haben wir im Deutschen auch z. Äckee Noch zusammen gesetzte Verba, welche in einem und und mmch- eben demselben Worte, und nicht selten in einer und " eben derselben Bedeutung z. ächte und unächre^,"^""' Ousammenjeizungen zugleich sind, wo folglich die g^G Partikel bald unzertrennlich mit dem Verbo ver. bunden bleibt, bald aber auch in den gewöhnlichen Fallen hinter das Verbum tritt. Dieses sind diejenigen, welche mit den vier Umstandswörtern durch, über, um Und unter zusammen gesctzet sind. Sind sie trennbar, so haben sie den Ton, und e6 findet hier alles Statt, was in dem vorigen §. von den übrigen unachten Zusammenfttzun- Jii » M g6Z i.TH. 2.Abfchn. 7. Kap. gen gesagt worden; sind sie aber untrennbar, so ruhet der Ton auf dem Verbo, und die Vorsylbe ge fallt im Participio Präteriti weg! durchbrechen, ich breche durch, brach durch, durchgebrochen, durchzubrechen, brich durch' aber, ich durchbreche, durchbrach, durchbrochen, zu durchbrechen, durchbrich. So auch: Durchackern und durchackern, dürchbeis- sen und durchbctjsen, bürchbethen und durch- bethen, durchbetteln und durchbetteln, dürchs blasen und durchblasen, durchblättern und durchblättern, durchbohren und durchbohren, durchbrausen und durchbrausen, durchdampfen und durchdampfen, dürchdenken und durchdenken, durchdrungen und durchdrungen, dürchfahren und durchfahren, durchfeuern und durchfeüern, durchstattern und durchstattern, durchfliegen und durchstiegen, durchstießen und durchstießen u.s.f. Die allermeisten Verba, wo durch untrennbar ist, sind nur in der höhern Schreibart alsdann üblich, wenn das einfache Verbum durch mit seinem Casu bey sich haben sollte: die Musik schallet durch den Saal, in der edlertt Schreibart, durchschallet den Saal» Auch oft für das trennbare: die Musik schallet den ganzen Saal durch, ich habe die Sache durchgedacht, er hat die ganze N^acht durchges wacht; edler, ich habe die Sache durchdacht, er har die ganze Nacht durchwacht. Noch öfter unterscheidet sich das trennbar zusammen gesetzte Verbum von dem untrennbaren in der Bedeutung» Die Sprache des gemeinen Gebens kennet von den untrennbaren Zusammensetzungen mit durch nur wenige > dergleichen etwa durchbrochene Arbeit, ein durchtriebener Mensch, durchgehende «. s. f. sind. Häufiger Verbum. 8. Composilum. §. 44c). 869 Häusiger sind die untrennbaren Zusammensetzungen mit über, in der Sprache des gemeinen Gebens: übcrackern, überantworten, überarbeiten, überbauen, überbiethen, überbmden, Überblattern, sich überblühen, überbrücken, überdenken, überdrcfchen, überdüngen, übereilen, überessen, überfallen, überfirnissen, überflechten, überflügeln, überfüllen, überfüttern, übergären, übergeben, übergolden, übcrgypfen, überharfchen, überhäufen, überheben, überhobeln, überhören, überjägen, und viele andere mehr. Einige wenige sind nur aliein trennbar üblich, wie: überbleiben, überbreiren, überfließen, überhangen, überhelfen, überkippen, überkochen, überrinnen, übcrrüsten, überschnappen, überfchrvanken, überfchrvimmen, überstülpen, überwallen und überzrvingen. Viele Verba hingegen sind auf beyderley Art, aber jn verschiedenen Bedeutungen, üblich: überbringen und überbringen, überdecken und überdecken, überfahren und überfahre.,, überfliegen und überfliegen, überführen und überführen, übergehen und übergehen, übergießen und übergießen, überhängen und überhängen, über- hohicn und überhohlen, l'lberhüpfen und über? hüpfen, überkommen und überkommen, überlassen lind überlassen, überlaufen und überlau» sen, und andere mehr. Von den mit um zusammen gesetzten Verbis sind die meisten im gemeinen ieben trennbar: unr- ackern, umändern, umarbeiten, umbiegen, umbrechen, umbringen, umdrehen, Umdrucken, umfallen, umfärben, umformen, um? fragen, umführen, umfüllen, umhaben, üm- hackcn, umkehren, ümlicgen, umkippen, üms Iii z kou>- L72 ?. Th. 2. Abschn. 7. Kap. kommen, umladen, umlaufen, umnehmen u. s. f. Einige sind untrennbar: umarmen, umflechten, umgreiffen, umklafcern, umnähen, umringen u. s. f. Noch mehr in der höhern Schreibart: umdornen, umdüften, umfingen, umjlättern, umfliegen, umstießen, uingcan- zcn, umhüllen, iunhüpfen, Ulnkr.inzcn, umlagern u. s. f. Noch andere beydes zugleich, obgleich in verschiedenen Bedeutungen: umbinden und umbinden, umfahren und umfahren, umfassen und umfassen, umgeben und umgeben, umgehen und umgehen, umgießen und umgießen, umgraben und umgrabe-:, Umgürten und umgürten, umhängen und umhängen, umkleiden und umkleiden, Umschreiben undumjchrci- ben u. s. f. Die mit unter zusammen gesetzten sind entweder trennbar, wie ünrerackcrn, ünterarbeiten, Unterbreiten, unterbringen, ünrercgen, unter- füttern, unterkommen, unterkriechen, unterliegen, ünrcrordnen, unterpflügen, unterschieben, unterschlagen, ünrerjenken, untersinken, Unrerspannen, ü-lterftecken, unterstellen, un- terstoßen, untersireuen, untertauchen u. s. f Oder untrennbar: unterbauen, unterbleiben neut. unterbrechen, unterdrücken, unrerfans gen, untergeben, untergraben, unterhandeln, unterjochen, unterlassen, untermauern, untermengen, unterminieren, untermischen, unternehmen, unterreden, unterrichten, untersagen, unterscheiden, unterschreiben, untersicgeln, unterstreichen, Untersuchen, unterweisen, unterwerfen, untcrwinden, unterzeichnen. Oder beydes zugleich, obgleich in verschiedenen Bedeutungen: unterbinden und umeri/mden, untergehen Verbmn. 8. Compositum. §.440. 871 l)en ncut. und untergehen ^cl. lintcrhalten und Unterhalten, unterlaufen und unterlaufen, unterlegen und unterlegen, unrerfcyen und untersetzen, ünterfpreiyen und untexj'pretlzen, unter/ stehen und unterstehen, unterstützen lind unten Sülzen, untertreten und untertreten, unterzieh hen und unterziehen. Die mit^durch, um und über zusammen ge- setzten Verba sind allemahl trennbar, wenn die Sache, deren Verhältniß die Partikel bezeichnet, nicht Ausdrücklich dabey stehet, untrennbar hingegen, wenn M ausdrücklich da ist, und die Partikel in Gestalt einer Präposition vor derselben stehen sollte: das Rad läuft um, nähmlich um seine Achse; die 5Vclr umlaufen, d.i. um die Welt laufen. Nur die figürlichen Bedeutungen machen hier zuweilen eine Ausnahme, z. V. jemanden etwas überliefepn. Es sind daher alle untrennbar zusammen gesetzte Verba dieser Art Activa, die zwey Neutra überfrieren und übcrharfchen, ausgenommen. Die mit unter zusammen gesetzten Verba binden sich an diese Regel nicht, sondern scheinen bloß von dem Gebrauche abzuhängen, Zumahl da die meisten figürlich sind. Es ist daher allemahl ein Fehler, wenn man ein Verbum, welches trennbar seyn sollte, untrennbar gebraucht, und umgekehrt: und ihre Regung drang die VVolken durch, Kleist, muß entweder heissen, drang durch die N?olLen, oder edler, durch- drang die tVolken; laß, Theure, dich nicht deiner Schwachheit über, Schlegel, für überlaß dich nicht; alles überströmet in vollen Segen, Gesner, für strömet in vollen Segen über. Siehe mein Wörterbuch bey diesen VerbiS, Mo mehrere Fehler dieser Art angezeiget worden. Jii 4 Ich 872 i. TZ). 2. Abschn. 7. Kap. Ich habe oben behauptet, dasi diejenigen Umstandswörter, weiche außer der Zusammensetzung Präpositionen sind, in der Zusamincnseßung nichts als Adverbia oder Umstandswörter sind. Die mit diesen vier Partikeln untrennbar zusammen gesetzten Verba scheinen das Gegentheil zu beweisen, weil sie den Casum der Präposition bey sich haben. Allein, eö scheinet nur so; der Casus rühret wirklich von dem Verbo her, welches durch die Partikel nur seinem Verhältnisse nach näher bestimmt wird. Wenn ich sage, dcr V^ord durchbraus'r den Mald, so ist es eben so viel, als wenn ich sagte, der ^7c>rd braust den N?ald durch, und hier rühret der Casus doch unstreitig von dem Verbo her, und durch stehet als ein bloßes Umstandswort, welches nur die Art und Weise des Brausens bestimmt. 9. Von den Vcrbis rm'procis. ?ttl!irung §. 441. In Ansehung des leidenden Gegenstan- derMe». des theilet man die Verba transitiva in adso'ma und rcciproca, und verstehet alsdann unter den ersten solche, deren leidender Gegenstand von dem Subjecte noch verschieden ist, dergleichen die gewöhnlichen Activa sind, unter den letztem aber diejenigen, welche das Subjct zugleich zu dem leidenden Gegenstande machen. Sie heissen Arcipros ca, weil sie das Prädicat, welches sie ausdrucken, auf das Subject zurück siihren. Da nun dieses Subject hier in einem gedoppelten Verhältniste erscheinet, einmahl als der thätige, und das andere Mahl als der leidende Gegenstand, so muß es auch zweymahl genannt werden. Das erste Mahl geschiehet es auf die gewöhnliche Art, das zweyte Mahl aber im Hochdeutschen durch das Pronomen recipro- Verbum. 9. Reciprscum. §.441.442. 87z reciproeum, welches eben um dieser Verborum willen da ist. Daß man in einigen Oberdeutschen Gegenden anstatt der Pronominum reciprecorum oft die persönlichen braucht, er bildet es ihm ein, sie nehmen es ihnen, für sich, ist scl)vn bey den Pro- nominibuS bemerket worden. Wir haben im Deutschen keinen schicklichen Nahmen für diese Verba; denn Gottscheds und anderer zurück kehrende Zeitwörter ist weitschweifig und dunkel, und enthalt zugleich eine der Mißdeutung unterworfene Figur. Das rückkehrliche Zeitwort anderer ist noch um, ein Paar Grade schlechter, weil es zugleich den Sprachgebrauch beleidig/. RücKehrend würde erträglicher seyn, wenn anders die ganze Vorstellnngsart etwas taugte. §. 442. Die Eintheilung der Verborum in ab- Ihrc- Form, solma und reciproca gehet eigentlich nur die transitive-! an, und sie auch ans die intransitiven auszudehnen, würde ein wenig unschicklich seyn, weil diese eigentlich gar keinen leidenden Gegenstand bezeichnen. Wenn daher Intransitiva als Reciproca gebraucht werden, ich gehe mich müde, so werden sie dadurch zugleich transitiv, indem sie wirklich einen leidenden Gegenstand bekommen, der aber mit dem Subjecte nur ein und eben dajselbe Ding ausmacht. Alle Reciproca sind folglich der Form nach Activa, weil sie ihren leidenden Gegenstand haben, und werden daher in den zusammen gesetzten Zeiten auch allemahl und ohne AnSnahme mit dem Hülssworte haben verbunden, selbst wenn sie aus NeutriS entstanden sind, welche als solche das Hülfswort seyn erfordern: reiten, ich bin nach Berlin geritten, wir sind sparzieren geritten; aber, ich habe mich müde geritten, er hat sich wund gerit- Iii 5 cm. 874 r. Th. 2. Abschn. 7. Kap» ten. Da das Deutsche Reciprocum das Subject, nur so fern als es der thatige Gegenstand ist, zu dem leidenden Gegenstände macht, so ist es auch keines Passivi fähig, weil hier das Subject der leidende Gegenstand ist, ob man gleich durch die Umschreibung eine Art von ReciprociS Passwis bilden kann: er wird von sich selbst verachter. Reciproca §. 44?. Da fast ein jedes Prädicat vermittelst im engsten des Pronominis reciproci auf das Subject zurück Verstände, aMh^t werden kann, so lassen sich auch die meisten Verba als Reciproca gebrauchen: ich wasche mich, du quälest dich, sie schlagen sich, wir vereinigen uns, ihr radelt euch. Selbst Neutra: er lacht sich krank, ich gehe mich müde, laufe mich aus dem Athem u. s. f. Oft bekommt das Intransitivum oder Abfolutum durch den reciproken Gebrauch noch eine figürliche Nebenbedeutung , in welcher eö nicht auf andere Art gebraucht werden kann: sich vergessen, sich befinden, sich fürchten, sich bedenken, sich vor er- was scheuen, sich verantworten, sich auf etwas berufen, sich hürhen u. f. f. Im engsten Verstände nennt man nur diejenigen Verba Reciproca, welche entweder gar nicht, oder nur meiner gewissen Bedeutung, nicht absolut gebraucht werden können, dergleichen wir im Deutschen viele haben, z. B. sich abmüßigen, sich anmaßen, sich anschicken, sich auftchwingen, sich begeben, sich balgen, das gemeine sich bedanken, sich behelfen, sich bemächtigen, sich berühmen, sich freuen, sich grämen, sich sehnen u. s. f. Ihre Con- §. 444. In der Conjugation haben sie nichts be- jvsMvn. sond^s, indem das Pronomen reciprocum allemahl da stehet, wo ein jedes anderes Pronomen, wenn es den Verbum. 9. Reciprocum. §.444.445. 875 den leidenden Gegenstand bezeichnet, stehen muß, wovon im Syntaxe geredet wird: ich kränke inich, wir haben uns gekränkt, weil sie sich kränkten, kränke dich nicht; so wie man sagt, lch kränke dich oder ihn, wir haben euch gekränkt, U?eil sie uns kränkten, kränke ihn nicht. Daß sie allemahl mit dem Hülfsworte haben verbunden werden, und, besonders was die eigentlichen Reciproca im engsten Verstände betrifft, kein Passivum leiden, liegt schon in dein Begriffe und der Natur der Sa« che. Um des thatigen Begriffes willen, welchen die Reciproca allemahl haben, läßt sich ihr Participium Prätcriti auch nicht concrescicren oder als ein Adjectivum gebrauchen, weil es in dieser Gestalt nur eiue leidende oder höchstens eine neutrale Bedeutung haben kann, das Pronomen reclprocum aber allemahl eine thätige voraus setzt. Man sagt daher nicht, der sich gekränkte Vacer, der sich abgemüßigte Arbeiter. S. §. 46z. §. 445. Das Pronomen reciprocum ist allemahl Casus des der Casus des Verbi und zwar eines activen oder doch als activ dargestellten Verbi. Da kein Ver- ^° bnm activum einen andern Casum als einen obli- cmum haben kann, so folget daraus auch, daß in dem Casu recto kein Pronomen reciprocum möglich ist. S. §. Z45. Indessen sind die Casus des Prvnominis reciproci, mit welchen das Verbum unmittelbar verbunden wird, eigentlich nur der Accusativ lind Dativ, und zwar jener am häufigsten, dieser seltener: sich äußern, erbarmen, bescheiden, besinnen, bewerben, enthalten, entschließen, encschla- gen, erhohlen, schämen, unrerstchen, widersetzen u. s. f. Und mit dem Dative: ich bilde mir ein, getraue mir, maße mir an. Einige wenige werden mit beyden Endungen gefunden, mir däucht. 8?6 i.TH. T.Abschn. 7. Kap. däncht und mich däucht, wovon doch das letztere am gewöhnlichsten ist. Siehe mein Wörterbuch» Wenn außer dem leidenden Gegenstande auch noch der Gegenstand der Sache ausgedruckt werden soll, und das Verbum denselben im Genitiv erfordert, (S. §. 716.) so.kann auch dieser zuweilen mit dem Subjecte und dem leidenden Gegenstande einerley seyn, und alsdann wird er durch den Genitiv des Pronominjs reciproci ausgedruckt: erbarme dich deiner, oder deiner selbst, ich schäme mich deiner. Gebrauch §. 446. Es gibt einen Fall, wo für das Prono- des eiiiK!,- men reciprocum, wenn es im Accusativ!.' des Plu- b^« ralis stehen sollte, um der Deutlichkeit wegen einander gesetzt werden kann. Dieser Fall ist, wenn das Pradicat des Verbi von der ganzen mehrfachen Zahl des Subjectes überhaupt, nicht aber von jedem Jndioiduo insbesondere Kefagt werden soll; sie lieben sich wie Äinder, oder sie lieben einander wie Minder; sie sind sich alle gleich, oder sie sind einander alle gleich; wir sehen uns alle ähnlich, oder wir sehen einander alle ähnlich. Muß aber das Pradicat des Verbi von jedem Individuo der mehrfachen Zahl verstanden werden, so kann nur allein sich stehen: sie schämen sich. So hatte ich diese Regel in der Sprachlehre ausgedruckt; allein bey reiflicherer Prüfung sehe ich, daß sie nicht völlig Stich halt, unter andern auch darum, weil es nicht allemahl deutlich zu bestimmen ist/ob das Pradicat des Verbi auf das Ganze überhaupt, oder auf jedes Individuum besonders zurück geführct werden soll. Und wenn es auch wäre, so würde in dem letzter» Falle eigentlich einander stehen Verbum. io. Impersonale. §.448. 877 hen müssen, weil e6 so viel ist, als einer den andern. Die Regel wird also richtiger so lauten: alle eigentliche Reciproca im engsten Verstände, und alle auö Neutris gebildete Reciproca leiden nur allein sich, dagegen die Transitiva, wenn sie als Reciproca gebraucht werden, Statt dieses Pronominis auch einander bekommen können. §.447. Einige Verba, werden in eitler und Absolut« eben derselben Bedeutung sowohl absolut als reci-und reciprok gebraucht: sich irren und irren, sich mit jemanden zanken, und mir jemanden zanken, sich anfangen, ehedem nur anfangen, als ein Intransitivum, welches doch jeht wenig mehr gebraucht wird, sich vor etwas scheuen und crwas scheuen. Daß die Reciproca auch unpersönlich gebraucht werden können, werden wir im folgenden Abschnitte sehen. w. Von dem Verbo Impersonali. §. 448. Ein Verbum ist ein Redethcil, welcher Erklärung ein Prädicat einem Subjecte wirklich beylegt, oder derselben, als in der Beylegung begriffen darstellet. Ist das Subject nach der Person bestimmt, so heißt es ein persönliches Verbum, wenn aber das Subject so unbestimmt ausgedruckt wird, daß eö unentschieden bleibt, ob eö eine Person oder Sache ist, so entstehet ein unpersönliches Verbum, oder Verbum imperssnale. Da dieses unbekannte Etwas nur in der dritten Person Statt finden kann, weil die erste und zweyte schon an und für sich selbst sehe genau bestimmt sind, so kann ein unpersönliches Verbum nur allein in der dritten Person gedacht werden, wo es aber in allen Zeiten und Modis gebraucht werden kann; das unbestimmte Subject aber 8?8 t.G. s.Abschn. ?.Kap. aber wird in allen Fällen durch das unbestimmte Pronomen es ausgedruckt, es donnert, es regnete, es har geschneyer, es harre geknallt, es wird hageln; wo immer unentschieden bleibt, was für ein Wesen es ist, welches donnert, regnet u. f. f. Eigentlich ist es nur die dritte einfache Person, welche eines so unbestimmten Ausdruckes fähig ist, daher auch alle eigentliche unpersönliche Verba nu? allein in dieser möglich sind. Allein, da die Deutschen, aus einem in ihrer Constructions-Ordnung gegründeten Ursache, oft gewohnt sind, ein bestimmtes Subject unbestimmt anzukündigen, und alsdann eigentlich persönliche Verba unpersönlich zu gebrauchen, so findet alsdann auch der Plural Statt: es kommen Menschen, es gingen allerley Ges rüchte, welche Art des Ausdruckes doch nur sehr uneigentlich unpersönlich genannt werden kann, indem das Subject wirklich bestimmt da ist, ob es gleich unbestimmt angekündigt wird. In der lehre von der Folge derWörter werden wir bemerken, daß die Deutschen von dem Unbestimmter» zu dem Bestimmtem fortgehen, und daher das Subject gewöhnlich zu Anfang der Rede sehen, weil es erst durch das Pradicar bestimmt wird, folglich, in Ansehung der Rede, der unbestimmteste Theil derselben ist. Allein oft erfordert der Nachdruck, die ganze Aufmerksamkeit auf dasselbe zu richten, und es folglich an das Ende des Satzes zu stellen, welches aber in der gewöhnlichen Wortfolge nicht anders geschehen kann, als durch eine unbestimmtes Ankündigung des nachfolgenden bestimmten Subjs« ctes: es kommen Menschen, es gingen allerley Gerüchre, für die mattern, Menschen kom^ wen, allerley Gerüchts gingen. Verbum io. Impersonale. §.448. 879 Die Benennung Impersonale, unpersönlich, ist freylich nicht die bequemste, weil hier keine völlige Abwesenheit der Person, sondern nur eine große Unbestimmtheit derselben Statt findet. Eher mußte der Infinitiv unpersönlich genannt werden, weil dieser unter andern auch die Person unbestimmt läßt. Indessen, da wir keinen bequemern Nahmen für diese Art des Verbi haben, so kommt es nur darauf an, daß man einen richtigen Begriff" mit demselben verbinde. Es gehören folglich nicht zu den eigentlichen unpersönlichen Verdis: 1. Diejenigen, welche die dritte Person ohne Bezeichnung des Geschlechts und der Zahl aus- drucken, welches durch man mit der dritten einfachen Person geschiehet: man sagt, man will, man befahl; welche Art des Ausdruckes in allen Fällen gebraucht werden kann, wenn man die Person, ohne Bezeichnung ihres Geschlechtes oder Zahl andeuten will, dagegen in deii unpersönlichen das Subject ein unbestimmtes Etwas ist, von welchem man nicht weiß, ob es eine Person oder Sache ist. Man ist die Wurzel von Mensch, und bedeutet daher menschliche Personen, doch ohne Bestimmung ihrer Zahl oder Geschlechtes 2. Diejenigen Verba, welche der Natur der Sache nach nur in der dritten Person gebraucht werden können, oder vielmehr.deren Prädicat von der Art ist, daß es nur von Sachen nicht aber von Personen gesagt werden kann, deren wir im Deutschen viele haben; z.B. reuen oder gereuen, ahnden, eine dunkele Vorherempsindung erwecken, schmerzen, dünken, däuchtcN, belieben, verdrießen, wundern, Verwunderung erwecken, ob man gleich . w 8Zo I. Tl). s.Abschtt. 7. Kap. m einem andern Verstände sagt, ich wundere mich, geziemen u. s. f. welche zwar auch insgesammt unpersönlich gebraucht werden können, es gereuet mich, es ahnder mir u. s. f. aber doch auch von der Sache, als einer bestimmten dritten Person betrachiet, üblich sind, daher der Dichter, wenn es ihm einfällt, diese Sache oder Dinge zu personificieren, sie auch ohne Bedenken in der ersten und zweyten Person gebrauchen kann. Diejenigen Fälle, wo ein Ding sachlichen Geschlechtes durch das bestimmte Pronomen es ausgedruckt wird, welches mit diesem unbestimmten eS nicht verwechselt werden muß, es ist noch nicht genug; es wird bald vergehen; das gute V.ind, es dauert mich. S. §. Der Ursprung der unpersönlichen Verkomm ist sehr tief in den Ursprung der Sprache und der menschlichen Begriffe überhaupt verwebt. Es ist in dem vorigen bereits mehrmahls bemerket worden, daß dein ganz rohen, noch im Stande dunkler sinnlicher Begriffs befindlichen Menschen jede Erscheinung die Wirkung eines lebenden handelnden Wesens ist; alles um ihn her lebt, handelt, wirkt, alles ist Person, lebendiges Wesen. Aber, was ist dieses Wesen? wie wirkt es? wie ist sein Nahme? Man siehet leicht, daß er sich diese Fragen in tausend und aber tausend Fällen nicht beantworten konnte; er mußte sich also begnügen, eö durch das unbestimmt tönende s, den Wurzellaut des Pronominis es auszudrucken. Es hungert mich, es frieret mich, es ahndet mir, ist nichts anders, als ein unbekanntes Wesen, ein Etwas, erreget mir Hunger, Frost, Ahndung. Bey mehr Aufklärung der Begriffe behielt man diese Vorstellungsart bey, und mußte Verbum. ?o. Impersonale. §.448. 88» mußte sie beybehalten, weis der ganze Gang der Begriffe einmahl darin gegründet war, so wie man das in eben dieser Vorstellungöart gegründete Geschlecht der Nahmen lebloser und unsichtbarer Dinge, und andere Erscheinungen mehr beybehalten mußte. Freylich gingen die unpersönlichen Verba mir der Zeit oft in persönliche über, wenn man bey mehr Aufklärung das unbekannte wirkende Wesen näher kennen lernte; daher sind auch noch jetzt solche Übergänge nicht selten, Z. B. Gott donnert, die kolken regnen. Nur muß man sich hüten, daß man dabey den leidenden Gegenstand nicht in die Stelle des wirkenden oder des Subjectes setze, obgleich solches ausUnkundc der eigentlichen Bedeutung mehrmahls geschiehet. Es hungert, es durster, es frieret mich, ist so viel, als ein unbekanntes Wesen erweckt mir Hunger, Durst, Frost» Aber, wenn man sagt, ich hungere, ich durste, ich friere, so setzet man voraus, daß diese Verba zugleich transitiv und intransitiv sind, weil sie im letztern Falle so viel bedeuten, als ich empfinde Hunger, Durst oder Frost. Dergleichen Fälle sind mm zwar nicht selten, und alsdann auch untadelhaft; nur muß man sie nicht wider den Sprachgebrauch eigenmächtig vermehren, außer wenn es möglich ist, das unbekannte Etwas in eine bestimmte Person zu verwandeln, wenn z. B. der Dichter eine Handlung personißcirt, und sie zu ihrem Urheber sagen lässet, ich gereue dich, d. i. ich erwecke dir Reue. Es erhellet hieraus zugleich, daß alle unpersönliche Verba sowohl intransitiv als transitiv sind» Intransitiv sind sie, wenn das Prädicat des unbestimmten Etwas keinen leidenden Gegenstand hat: es thauer, es hagelt, es schneyet, es hat ge? regnet, es wird diese Nacht frieren. Transitiv ?«>el.D.Spr. Kkk hin- 832 -.Th. 2.Abschtt. 7. Kap. hingegen sind sie, wenn der leidende Gegenstand mit bemerket werden muß, welches, wie bey den Reci- procis entweder durch den Accusativ, oder durch den Dativ geschiehet: es gereuet, schwindelt, ahnder mir; es hungert, durstet, schläfert, frieret mich. Da nun in beyden ein gewisses, obgleich sehr unbestimmt ausgedrucktes Subject thätig oder wirkend vorgestellet wird, so werden auch alle Impersonalia im Deutschen mit dem Hülfsworte haben verbunden: es hat gedonnert, gebliizet, gefroren; es hat mir geahndet, geschwindelt, es hat mich gefroren, es hätte dir geziemet. Diese Regel ist bey allen eigentlichen unpersönlichen Verbis so allgemein, daß sie auch keine einige Ausnahme leidet. Wohl aber behalten diejenigen Intransitiva, welche eigentlich persönlich sind, wenn sie unpersönlich gebraucht werden, ihr ursprüngliches Hülfswort seyn: es ist mir errvas Böses hegeg? net; es ist ein Fremder gekommen. Eigentliche §. 449« Im engsten und eigentlichsten Verstan« Jmpersona- de werden nur diejenigen Verba unpersönlich ge- !ia- nannt, welche auf keine andere Art üblich sind, d. i. deren Prädikat von der Beschaffenheit ist, daß es nur von einem sehr unbestimmten Subjecte gesagt werden kann, ob es gleich, wie schon gesagt "worden, in manchen Fallen erlaubt ist, dieses unbestimmte Subject in ein bestimmteres zu verwandeln. Diese eigentliche Impersonalia leiden nun weder ein Passivum, weil sie nur allein von einem unbestimmten wirkenden Subjecte gebraucht worden, noch einen Imperativ, weil dieser seiner Natur nach ein bestimmtes Subject der zweyten Person erfordert, noch ein concresciertes Participium Prateriti, weil ihre Bedeu- Verbum. io. Impersonale. §.450.451. 88? Bedeutung für dasselbe zu thätig ist, wie aus ihrem Hülfsworte haben erhellet. Gefrornes tVafser ist daher nicht von dem unpersönlichen es frieret, sondern von dem Intransitivo frieren, das lVas-- ser frieret, ist gefroren. §. 45-z. Da sich aber im Deutschen viele per- Unpcrsö'^ söniiche Verba, sie mögen nun transitiv oder intran- liches P«s- sitiv seyn, unpersönlich gebrauchen lassen, so oft sie von einem unbekannten Subjecte gesagt werden, es gehet um, es polrcrt; oder so oft man nöthig findet, das Subject unbestimmt auszudrucken, oder wenigstens anzukündigen, es kommt jemand, was gibt es ^ so sind diese auch nicht an die Einschränkung der eigentlichen unpersönlichen gebunden, sondern sie lassen sich auch im Passivs unpersönlich gebrauchen, so fern sich der leidende Gegenstand unbestimmt ausdrucken läßt: es wird geschossen, gesungen, gespielet u. s. f. Ingleichen mit der unbestimmten Ankündigung eines bestimmten Subjectes: es wird gesagt, vorgegeben, behauptet, daß u. s. f. wo das leidende Subject nicht wie im Activo durch ein Hauptwort ausgedrückt werden kann, sondern durch das circumfcriptive daß oder den Conjunctiv umschrieben werden muß. Ja es lassen sich auch manche Intransitiva, welche sonst kein Passivum leiden, in der vertraulichen Sprech. art in ein unpersönliches Passivum verwandeln: es wird heute sparzieren gegangen, es wird heute nicht gerirren, es wird gearbeitet, geranzer, gesprungen, geschlafen, gegessen, getrunken, gefahren, geklettert, geschwommen, gewacht u.s. f. welches sich doch nur mit einigen thun lässet. Weiter Ge« §. 451. Im vorigen ist schon gesagt worden, daß brauch der die Deutschen um eines in ihrer Wortfolge liegen- unpersiwli- Kkk s den Form. 684 >»TH. 2.Abschtt. /.Kap. Verbum tt. den Grundes willen, ein bestimmtes Subject sehe häufig unbestimmt anzukündigen psiegen, d. i. man fängt einen Satz so unbestimmt als möglich an, um ihn desto bestimmter zu endigen. Dieses geschiehet nun durch die unpersönliche Form, welche das Subject unbestimmt ankündiget, es aber hernach mit allen seinen Bestimmungen hinter demVerbo folgen lässet : es kommt jemand, es kennet ihn niemand, es war einmahl ein reicher Mann, es sind keine drey XVochen; für die mattem, jemand kommt, niemand kennet ihn, ein reicher Mann war einmahl, drey lVochen sind es kaum. §. 452. In der vertraulichen Sprechart ist e6 sehr gewöhnlich, eigentliche persönliche Verba, und selbst Intransitiva, wenn sie im Passiva stehen sollten, in ein unpersönliches Reciprocum zu verwandeln: es sagt sich leicht, hier rvohnt es sich gut, es geht sich hier schlecht, es hat sich aus- gerirren. Dieses sind die einigen wahren unpersönlichen Reciproca, denn die transitiven Impersonalia, welche ihren Casum Pronominis bey sich haben, es hungert mich, es ahnder mir, sind es nicht, ob sie gleich in den meisten Sprachlehren dafür ausgegeben werden, indem der thätige und leü dcnde Gegenstand hier wirklich von einander verschieden sind. S. 448. Ende des ersten Bandes. ^ ««^^-5 Berich- Berichtigungen, Verbesserungen und Zusätze. S.54. lies den virgil für dem. S. Y4. 1.18. l. Buchstabens für Buchstabs. S.iz?. Z.io. l. sehnen für stöhnen. §. iü. A.i. l. ie für ü. S. iZy. §. 18. I. 2. l. wo die Natur dieser Wörter es erfordert. S. 14Z. N. Z. Z. 10. sclclc: ausgenommen ist Liebling, wo das h harc lauter. S.144. oben. Die daselbst bemerkte weiche Aussprache des b, nach welcher es oft wie w lautet, ist allerdings fehlerhast, und daher Z. Z. wird es oft so gelinde u. s. f. so zu lesen: wird es oft, «bcr irrig, so gelinden, s. f. S. 145. Z- 3. lies mochte für mogrc. Die Ursache stehet H. 87. S.149. Z.y. » Vocativ. S.Z95. Z.?. 6el. daß der Vocariv. S.448. Z.ll. vom Ende, lies Spornen für Sporne. S. 5Z9- A. 11. vom Ende. Was daselbst von dem mildernden e gesagt worden, welches die Zahlwörter fünf, eilf und zwölf oft an sich nehmen, gilt um theils, wenn sie am Ende eines Satzes, theils auch, aber nicht so häufig, wenn sie ohne Substantiv gebraucht werden: es waren ihrer sunfe. Daher es hier nicht sowohl daS mildernde e, sondern das Concrctions - e zu seyn scheinet, so Me ein, wenn es allein stehet, dasselbe gleichfalls an sich nimmt, nur.mit dem Unterschiede, daß dieses noch die Geschlechtslaute dazu bekommt: es kam nur ein Mann, aber es kam nur einer. Die gemeine» Sprecharten hängen dieses e in dem gedachten Falle allen Grundzahlen bis auf zwölf an: es waren ihrer zweye, dreye, viere, achte, sechse u. s. f. Die Hochdeutsche behält dasselbe in den drey gedachten Zahlwörtern vermuthlich um des Wohllautes willen bey. S. 60;. Z.2. lies «Ligenschafteworc sür Beywort, welches auch in dem ganzen Columnen-Titel dieses Kapitels gelesen werden muß. S. 6iy. Noch kürzer kann man die Declination der Adjective «mf Zwey Arten einschränken, wie auch schon in dem Auszüge geschehen; indem die zweyte Art bloß eine Mischung der übrigen ist. S. 6z». Z. ?. lieS en für es. ^^^Ä^.