Umständliches Lehrgebäude der Deutschen Sprache, zur Erläuterung der Deutschen Sprachlehre für Schulen. Von Ich. Christoph Adelung. Zweyter Band. ^ ^ > u, . ^ ^S??'^ " " ^ '.....>- ^ Leipzig, verlegts Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, 1782.. Inhalt. .. , , -«^s^« ,». , „ Fortsetzung des zweyten Abschnittes, von > den Wörtern als Nedetheiien und ihrer Biegung. Achtes Kapitel-. Von dempars ticipio. 1. Allgemeine Betrachtung bes. Men, §.45Z-457. S.3 f. 2. Von dem participio prä- ftntiö, §.453°46o.S.i3f- z. Von dem participio ^rä- cemi, §.46l.466.S.i5>f» Neuntes Kapitel. Von dem Ads verbio. 1. Dessen Arten, §.4?o-47Z.S.zzf-. 2. DcssenBildmiA. §.474,481.^4? f. z. Von der Concretion, §. 482 - 486. S. 79 f. 4. Steigerung der Adverbien, §. 43? - 497. S. 90 s. » 2 Zehntes Inhalt. Zehntes Kapitel. Von den Präpositionen. 1. Allgemeine Betrachtung der. selben, §.499-5vZ.S.lc>7f. 2. Präpositionen mit dem Genitive, §.5O4-509.S.li7f. Z. Mit dem Dative allein, §. 510 - 518. S. 12z f. 4. Mit dem Accusacive al- . lein, §.5i9 -525.S.iz8f. 5. Mit dein Genitive und Darive, §. 526, S. 156 f. 6. Mit dem Dative und Accusacive, §. 527 - zz6. S. 157 f. 7. Allgemeine Anmerkungen über die Präpositionen, §. 5Z7 - 540. S, iZo f Eilstes Kapitel. Von den Con- junctionen. 1. Erklärung derselben, §. 541. S. 190. s. Ihre Form. §. 542. S. 192. z. Ihr Gebrauch, §.54?. S. 19z. 4. Verzeichniß derselben, §.544- S. 194. Zwölftes Kapitel. Von den In- terjectionen, 1. Erklärung derselben, §-545- S. 200 s. s. Ihre Form, §. 546. S. 20z. z. Einthejlmig derselben, §. 547. S. 20z s. Dritter Inhalt, Dritter Abschnitt. Von der Zusammensetzung der Wörter. Erstes Kapitel. Erklärung und allgemeine Betrachtung derselben, §. 550-559. S. 209 f. Zweytes Kapitel. Arten der zusammen gcsehten Wörter. 1. Allgemeine Emtheilung derselben, §. ?6o. S. Nl. 2. Zusammensetzung des Substantives, §. 56l - 572. S. 2Z2 f. z. Der prousinimlin, §. 57?. S. 247. 4. Der Beschaffenheitswör- ter, . §. 574-576. S. 248. 5. Des Verbi und der Um- standswörrer, §. 577- S. 251. Drittes Kapitel. Regeln für die zustimmen gesetzten Wörter, §.578-582.S.252 s. Viertes Kapitel. Ton der zusammen gesetzten Wörter, §. 58z - 586. S. 267 f. Vierter Abschnitt. Von dem Syntaxe oder Ne- destchc'. Einleitung, §. 58?. 588. S. 275. . Erstes Kapitel. Verbindung einzeler Wöner mit einander, Einleitung, §. 589- S» 284, 5 ? 1. Ve- 7 Inhalt- r. Bestiinmunq des Substanz tives durch den Artikel, §.590-6-5.^285 f. 2. Verbindung des Substantives mit andern Substantiven, §.606-62:. S.zo6 f. z. Verbindung des Adjectives mit dem Substantive, §. 622 - 629.S. Z25 f. 4. Gebrauch der Zahl'.vörter, §.6zo-6z4.S.zz2f. 5. Der ZZronominum. a. Der personlichen, §. 6z6 - 644. S. ZZ7 f. b. Der possessiven, §.645-650.^ 346 f. c. Der demonstrativen, §. 651 - 654. S. Z5? f> d. Der determinativen, §. 655 - 659. S. Z56 f. e. Der relativen, §.660-664. S.Z62 f. f. Der fragenden, §.665. S. Z65. 6. Gebrauch des Vcrbi überhaupt. 0. Gebrauch der Personen, §.666»669.S.z65s b. Der Zahlen, §.67?- 672. S.Z70 f. c. Der Zeiten, , . §.N7Z-68l.S.z?4f. d. Der Modorum, §.682-691.S.z86s. e. Der Hülfswörter, §.692-694^.394^. 7. Verbindung eines Verbi mit dem a-ndern, §.6yz-699.S.Z99f. 8. Verbindung des Verbi mit dem Substantive. a. Allgemeine Betrachtung derselben, §.700-70?. S.41Z. b. Von dem Verbo mit dem Nommacive, §. 704-709. S.4!4f. c. Mit Inhalt. c. Mit dem Genitive, §. 710-718. S. 459 f. d. Mit dem Dative, §.719-720. S.4Z1 f. c. Mit dem Accusativs, §.?27-7ZZ.S.44?.s. 9. Gebrauch der Adverbien, §. 7Z4 - 745« S. 4?? f. 10. Der präposltionen, §. 746 - 750. C.469 f. 11. Der Conjunccionen, §.751 -754. S. 476 f. 12. Der Imerjecnonen, §.755-758. S. 499 f. Zweytes Kapitel. Von der Folge - der Wörter. r. Von derselben Gerhaupt, §. 759-784. S. 50z f. 2. Von der Wortfolge noch der Gemüchsstellung des Redenden, §. ?85-80;. S. 552 f. ?. Von der Inversion, §. 806-8-0. S. 554 f. Drittes Kapitel» Von den Sätzen. 1. Verschiedene Arten derfel- ben, §. 8n-819. S. 566 f. 2. Von der Participial^Con- siruclion, §. 8-0-LZ-.S. 587 s. -»^--»»S^^Z»-^^. Zweyter In halr. s-Äi^--. Zweyter Theil. Von der Orthographie oder Fertigkeit richtig zu schreiben. Erstes Kapitel. Allgemeine Grundsähe derselben. 1. Gerichte der Deutschen Schriftzeichen, §-1-5. S. K,6f. 2. Allgemeines Grundgesetz der Orthographie, §. 6. 7. S. 641 s. z. Grundsätze der Deutschen Orthographie, §. 8 - 22. S. 647 f. Zweytes Kapitcl. Orthographie einzeler Buchsraben, §. 2z - 6z. S. 724 f. Drittes Kapitel. Von der Theilung der Sylben, §. 64-71.S.782s Viertes Kapitel. Von der Orthographie zusammen gesetzter Wörter, §.7--74.S.787f. Fünftes Kapitel. Von den orthographischen Zeichen, §. 75 - 84. S. 791 f. «4.T----?Ä^KZV«--Z'i» Lehr- Lehrgebäude der Deutschen Sprache. ^-»v ^» , , »»» ^H-^ . ^ ^ - --^--> Zweyter Batrd. Adel. D.Spr. U.V. U Lehrgebäude der Deutschen Sprache. Achtes ^ Von dem Particip io. Inhalt. l. Allgemeine Bekrachm»-; Dessen Steigerung, Z. 46s. desselben. III. Von dem pnrcicipic> Prä- Begriff der Deutschen Participien, 45z. Anzahl und Bildung derselben, §. 454. 455- Sind wahreÄdverbia, Z.4Z6. Lassen sich aber zn Adjectiven concrescieren, Z>45?. II. Voüdempqrrieipioprä- ftnris. Veücutting und Gebrauch desselben, L. 4Z8. 45?. tenri. Bedeutung desselben, §. 461. Dessen Cvnerction, §.462. 46Z. Cvncrcscierte Particip!« mit thätiger Bedeutung, S. 464. Fehlerhafter Gebrauch desselben, Z, 465. DessenIusammensetzung mit un, K. 466. I. Allgemeine Betrachtung desftlöen. 45?. (?H>a alle Deutsche Sprachlehren in der lehre von Begriff des ^ ) dem Participio so mangelhaft sind, so muß Deutschen hier desto umständlicher davon geredet wer- P'"'tlcipii. den, indem der Gebrauch dieses Redethciles im A 2 Syntare 4 i.TH. 2.Abschn. 8. Kap, Syntaxe keinen weitern Schwierigkeiten mehr ausgesetzt ist, so baldjman von dessen wahren Beschaffenheit richtige Begriffe hat. Das Deutsche Participium ist ein von dem Verbo abgeleitetes?!dverbium, welches den Vegriff des Verdi als eine Beschaffenheit, doch unselbständig und mir dem Neben- begriffe der Zeit darstellet. Ich sage das Deutsche Participium, um es von dem Participio anderer Sprachen zu unterscheiden. Die Verwirrung des letztem, besonders des Lateinischen Participii mit dem erstem hat im Deutschen mehr als einmahl Verwirrung angerichtet. Ich habe bey der Lehre von dem Adjectivs bereits bemerket, und werde es bey dem Adverbio noch deutlicher zeigen, daß die Deutschen einen den meisten übrigen Sprachen unbekannten sehr feinen Unterschied unter der für sich allein als unselbständig gedachten, und unter der dem Dinge einverleibten Beschaffenheit, oder unter dem Adverbio (Dualitas tis, dem Beschaffenheitöworte, und dem Adjectivs, dem Eigenschaftswort? machen. Das erste ist der Zeit nach eher, indem kein Adjectivum möglich ist, wenn es nicht durch die Concretion aus einem Adverbio gebildet wird. Andern Sprachen ist dieser feine Unterschied unbekannt geblieben. Die Lateinische kennet kein eigenes Beschas- fenheitswort, sondern leitet ihre concrescierten Adjectiva unmittelbar von der Wurzel ab, und braucht sie mit allen Concretions- und Declinalionö-Lauten an Statt der Beschaffenheitswörter, daher ihre Adjective auch keine so bestimmte Stelle in der Folge der Wörter haben, wie die Deutschen. Die Englische und einige andere neuere Sprachen kennen keine concrescierten Adjectiv«, sondern ge- brauchen Von dem Participio. §. 45Z. 5 brauchen ihre Beschaffenheitswörter ohne Unter« schied und ohne alle Biegung bald als Adjective, bald als Adverbie. Die Französische Sprache hält zwischen beyden das Mittel, indem sie zwar auch keine eigentliche Concretion kennet, aber doch an ih- ren Adverbien, wenn sie selbige als Adjective gebrauchen will, in manchen Fallen das Geschlecht und den Plural bezeichnet. Dieser Unterschied gilt auch von den Participiis der gedachten Sprachen, und muß genau bemerket werden, wenn man nicht das Eigenthümliche der Sprachen vermengen, und einer dasjenige aufdringen will, was doch nur von der andern gilt. Da unsere Deutschen Sprachlehrer nur allezeit den lateinischen nachdachten, so hat die thörichte Anwendung deö Begriffes von dem Lateinischen Adjective auf das Deutsche tausend Verwirrungen gemacht, und in dem Syntaxe werden wir sehen, daß eben so viele Ungereimtheiten erfolgen würden, wenn man dasjenige, was von dein Griechischen und lateinischen Participio gilt, auch auf das Deutsche anwenden wollte. Das Deutsche Participium ist seiner Natur nach ein Adverbium, oder bestimmter zu reden, da das Adverbium auch die Umstandswörter unter sich begreifst, ein Veschaffeilheirsworr. Daß es dieses wirklich ist, wird aus dem folgenden hoffentlich unleugbar erhellen, daher ich mich hier nicht länger dabey aufhalte. Aber es ist ein abgeleite- res, und zwar von einem Verbo abgeleitetes Bc- schaffenheitswort, welches um dieser Ableitung willen, den Nebenbegriff der Zeit hat, übrigens aber sich in nichts weiter von einem jeden andern Adver. bio unterscheidet. Es läßet sich nunmehr auch entscheiden, ob man das Participium, als einen eigenen Redetheil, oder A z als 6 Z. TH. 2.Abschn. 8. Kap. als einen Theil des Verbi ansehen müsse. Ein eigener Redetheil ist es um deswillen nicht, weil eS ein abgeleitetesAdverbium ist, also mit eben demRcchte zu den Beschaffenheitswörtern gehöret, als so viele andere abgeleitete Adverbia. Der Ncbenbegriff der Zeit reicht nicht hin, es zn einem eigenen Redetheile zu machen, eben weil eö nur ein Nebenbe- gNjf ist, und wir sonst auch aus den Adjectiven mit den Nebenbegriffen ver Ordnung u.s.f. eigene Redetheile machen müßten. Man kann daher das Deutsche Participium entweder als eine besondere Art von Beschaffenheitswörtern, oder auch, welches gewöhnlicher ist, als einen Theil des Verbi betrachte!,, und eS als den fünften Njodmn ansehen, welcher den Wurzelbegriff des Verbi als eine bloße Beschaffenheit, doch unselbständig und mit dem Nedenbegriffe der Zeit ausdruckt. Da diese Vor- stellnngSart die gewöhnlichste ist, und keine merkliche Unbequemlichkeiten hat, so folgen wir ihr auch hier. Das Lateinische und Griechische Participium unterscheidet sich von dein Deutschen darin, daß es ursprünglich und seinem Wesen nach ein Adjectiv, folglich ein Nennwort ist; aber ein von dem Verb» abgeleitetes Nennwort, welches folglich von demselben den Nebenbegriff der Zeit mitbringet. Um dieses UmstcmdeS willen hat man es im Lateinischen Participium genannt, weil man es sich ganz richtig als ein Nennwort dachte, welches etwas von dem Begriffe des Verbi participiere, nicht aber, wie es unsere Sprachlehrer gemeiniglich erklären, als einen Redetheil, welcher etwas von dem Nennworte und etwas von dem Verbo an sich habe; denn Nennwort ist es ganz, und was es von dem Verbo an sich hat, ist nur ein Nebenbegriff, welchen es um der Von dem Participio. §. '454. 7 der Ableitung willen hat. Diese unrichtige Vor- siellungsart hat denn auch das Deutsche Kunstwort Mittelwort hervor gebracht, welches weder auf das lateinische noch auf das Deutsche Participium paßt, weil eö den in der Ableitung gegründeten Nebenbegriff in ein falsches licht stellet, daher ich ihm so lange den lateinischen Nahmen vorziehe, bis sich eine schicklichere Deutsche Benennung wird ausfindig machen lassen. §.454. Das Participium ist von dem Verbo>Verschie- abgeleitet, und nimmt von demselben den Neben- denheit und begriff der Zeit an. Es muß daher von dem Ver- Ableitung bo finito abgeleitet werden, weil nur dieses die Zeit ^ Patti- auödruckt. Weil dieses aber im Deutschen nur zwey Zeiten aus sich selber macht, die gegenwärtige und die vergangene, so sind auch nur zwey Partici- pia möglich, eines der gegenwärtigen Zeit, daspars ticipiuin präsentis, und eines der vergangenen Zeit, das Participium präterm. Das Participium präsenris wird vermittelst des Ableitungslautes d von dem Infinitivs gebildet, oder richtiger, es wird vermittelst der diesem Parti- cipio eigenen Ableitungssylbe end von der Wurzel des Verbi abgeleitet, weil der Infinitiv keine Zeit ausdruckt, das Participium aber dieselbe als einen Nebcnbegriff bezeichnen soll. Dieses end kommt genau mit der Ableitungssylbe des lateinischen Par- ticipii slis und en-i überein; nicht, als wenn die Deutschen diese Sylbe von den Lateinern erborget hätten, sondern weil beyde Völker die wesentliche Einrichtung ihrer Sprache in den ältesten Zeiten von einem gemeinschaftlichen Stammvolke erhalten haben. A 4 Das 8 i.TH. -.Abschn. 8. Kap. Das Participium präteriti wird sowohl vorn an dem Worte, als auch am Ende desselben bezeichnet. i. Am Ende des Wortes auf eine gedoppelte Art. (i) Bey den irregulären Verbis der zwey- ten Haupt-Classe durch die Nachsylbe en, welche gemeiniglich an das einsylbige Imperfect angehänget wird, meiden, ich mied, gemied-en; beis- sen, biß,gebiss--en; weichen, wich, gewichen; biegen, bog, gebog- en. Ich sage gemeiniglich, denn da die irregulären Verba ursprünglich nach der dunkeln Empfindung des Hörbaren gebildet worden, so binden sie sich in keinem Stücke, folglich auch hier nicht, an eine bestimmte Regel, obgleich das Participium Präteriti am häufigsten aus dem Imperfecte gebildet wird, wo man aber allemahl auf das alte, nicht aber auf das jetzt übliche Imperfect sehen muß. Gelingen hat z. B. gelungen, weil das Imperfect ehedem gelung lautete. Wie sich das Participium der irregulären Verborum gegen die verschiedenen Arten derselben verhält, ist schon bey diesen Verbis selbst gezeiget worden, daher ich es hier nicht wiederhohlen will. (2) Die irregulären der ersten Haupt-Classe hängen der Wurzel des Imperfectes ein t an, oder vielmehr sie nehmen das Imperfect so wie es ist, doch mitWeglassung der Personen-Sylben und mitVor- setzung des ge zum Participio an: ich branntee, gebrannt, ich durft-e, gedurft, ichmacht-e, gemacht. Haben ist das einige, welches für gehakt, gehabt sagt. Daß sich diese Form schon der folgenden regulären nähere, und wie solches geschehen, ist bereits an seinem Orte gezeiget, worden, (z) Bey den regulären Verbis wird der Wurzel des Verbi ein t oder et angehänget, oder vielmehr auch, sie Von dem Participio. §.454. s sie gebrauchen das Imperfect, mit Weglassung der Personen-Sylben und Vorsehung des ge an Statt .des Participii: ich liebt-e, geliebt; sammelt-e, gesammelt; rödrec - e, gecödter. Wo das Im- persect das e vor seinem characteristischen r ohne Nachtheil des Wohllautes entbehren kann, da kann es auch im Participio wegbleiben; wenn es aber bort zu hart ist, so darf es auch hier nicht wegfallen: ich schlachtete, folglich geschlachtet und.nicht gc- schlachrr. S. §.4^8. 2. Zu Anfange des Wortes durch die Vorfylbe ge, welche man um der Ähnlichkeit willen mit dem Griechischen auch das Augment nennt. Daß diese Vorsylbe von dem ge, welches so vielen andern Verbis, vermuthlich um des bloßen Nachdruckes wi- len, vorgesetzet wird, gebühren, gebären, geloben, gerinnen u. s. f. im Grunde nicht verschieden ist, ist sehr wahrscheinlich. In den Provinzial - Mundarten ist der Gebrauch dieses ge überaus schwankend und unbestimmt. Die Oberdeutschen hängen es bey ihrer iiebe zu unnöthigen Verstärkungen vielen Wörtern durch die ganze Conjugation an, welche es im Hochdeutschen nicht bekommen: gedie- nen, gehelfen, gesrillen, gesagen. Besonders setzen sie es gern dem Infinitive vor, wenn es das Verbum gleich sonst nicht bekommt, geseyn, ge- thun, für seyn, thun. Die meisten Niederdeutschen sind im Gebrauche dieser Vorsylbe sparsamer, und kennen sie als ein Augment gar nicht. Als die Hochdeutsche Mundart sich in Obersachsen auszubilden anfing, mußte sie um der allgemeinen Verständlichkeit willen zwar diejenigen Verba behalten, welche mit der Vorsylbe ge durch die ganze Conjugation bereits allgemein üblich waren; allein sie verwarf diejenigen, wo der Gebrauch noch nicht so be- A 5 stimmt !O I.TH. 2.Abschtt. 8. Kap. stimmt und allgemein war, und sichrere es dagegen als eine Bildungssylbe des Participii Präteriti ein. Dieses Augment bekommen nunmehr im Hochdeutschen : i. Alle Verba, welche Wurzelwörter, das ist, nicht durch Vorsylben abgeleitet sind, sie mögen übrigens regulär oder irregulär seyn : lieben , geliebt, steh?n, gestanden. Ausgenommen sind alle Verba auf ieren, sie mögen einheimisch oder fremd seyn, welche es nie bekommen: regieret, lamentieret, spay'icret, hasellerer; obgleich die gemeinen Mundarten hier gleichfalls das Augment gebrauchen. Abweichend sind, essen, welches für geefsen, gegessen hat, und werden, welches das Augment bekommt, wenn es als ein Verbum mit einem vollständigen Prädicate gebraucht wird, ich bin groß geworden; aber verlieret, so bald es ein Hülfswort ist, er ist geschlagen worden. 2. Alle abgeleitete und zusammen gesetzte Verba, in welchen der Ton auf der ersten oder bestimmten Hälfte ruhet: antworten, geantwortet; rechtfertigen, gerechtserrigec; urtheilen, geurrheilet. Nur mit dem Unterschiede, daß wenn die Zusammensetzung ächt ist, das Augment vor die ganze Zusammensetzung tritt, wenn sie aber unächr ist, nach der trennbaren Partikel stehet, abnehmen, abgenommen, auslassen, ausgelassen u. s. f. Abgeleitete und zusammen gesetzte Verba, wo der Ton ans dem Verbo ruhet, bekommen dieses Augmentum nie: beschreiben, beschrieben, vollenden, vollendet, erstehen, erstanden, hinterbringen, hinterbrachr, widerstreben, widerstrebt, durchbrechen, durchbro- chen, sich unterstehen, unterstanden u. s. f. S. in dem 7tcn Kav. den 8ten Abschnitt von den zusammen Von dem Participio. §.454-455. n stimmen gesetzten VerbiS, wo umständliche!.- davon gehandelt worden. Außer den jetzt gedachten Fällen daö Augmen- tum zu verbeißen, ist im Hochdeutschen allemahl ein Fehler, so häufig es auch in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten geschiehet: er ist kommen, wir haben gejsen, er ist reich worden, wir* sind gangen. Selbst in der Dichtkunst macht eine solche Weglassung allemahl einen widerwärtigen Eindruck, weil sie sich den niedrigen Mundarten nähert, folglich die Würde des Styles verletzet. Hat mir die Sprache wiederbracht, Gortsch. Mir ist kein "Wunsch mehr übrigblieben, Gell. §. 455. Da das Deutsche Verbum kein Passt- Partie:-' vum aus sich selbst inachen kann, sondern dasselbe pmm Pas? umschreiben muß, so hat es auch kein eigentliches . Participium Passivum, obgleich das Participium Präteriti auch passiv gebraucht wird, davon hernach. Hingegen leidet ein jedes vollständiges Verbum, es sey nun Activum, Neutrum, Reci- procuin oder Impersonale sowohl das Participium Präftntis, als auch Präteriti, obgleich jenes mit einiger Einschränkung. So leiden die eigentlichen . Impersonalia, welche nie persönlich gebraucht werden können, besonders wenn sie einen Casum regieren, folglich activ sind, es hagelt, es schneyet, es hungert mich, es schwindelt mir, der Natur der Sache nach kein Participium Präsentis. Auch von vielen Verbis mit unvollständigen Prä- dicaten ist es im Hochdeutschen nicht gangbar, obgleich die Bedeutung es verstattet, und die gemeinen Mundarten es haben; z. B. nicht von seyn, sollen, wollen, mögen, können, werden u.s.f. Nicht so eingeschränkt ist das Participium Präteriti; denn i.TH. 2.Abschl!. 8. Kap. denn da es in der Conjugation zu Umschreibung der im Deutschen fehlenden Zeiten gebraucht wird, so kann auch kein Verbum, e6 sey von welcher Art e6 wolle, dasselbe entbehren. Das Deut- §. 456. Das Griechische und lateinische Partische Partici- cipium ist ursprünglich und von seinem Entstehen pium i,^>:«a„ Adjectivum, das Deutsche hingegen ein Ad. Adverbmm. ^.h^in oder Besch^ffenheitsmort. Dieses erhellet theils aus der Abwesenheit aller im Deutschen zu einem Adjective unentbehrlichen Concretions-Zeichen, liebend, gehend, geliebt, gegangen, theils auch aus dem Begriffe, indem eH den Begriff des Verbi für sich allein betrachtet, aber dabey unselbständig bezeichnet, und daher so, wie es da ist, nicht zur unmittelbaren Bestimmung des Substantives, wohl aber des Verbi gebraucht werden kann: Aminc sprach weinend, dein Freund hat geschrieben; wo weinend und geschrieben zunächst das Verbum bestimmen, und das sprechen und haben näher bezeichnen. Da eö nun ein wahres Beschaf- fenheitswort nur mit dem Nebenbegriffe der Zeit ist, so stehet es in der Rede auch allemahl da, wo ein jedes anderes Beschaffenheitswort stehen muß. Man sagt: ich fand ihn schlafend, er verhält sich leidend, weinend kam er und lachend ging er wieder weg, er stand erschrocken da, verwundet war er nicht; eben wie man sagt: ich fand ihn krank, er verhielt sich thätig, krank kain er und gesund ging er wieder weg, reich war er nicht. Leidet die §. 457- Da nun das Deutsche Participium ein Steigerung wahres Adverbium ist, so gilt von demselben auch und Coxcrö- alles, was von andern Beschaffenheitswörtern gesagt werden kann. Folglich kann es durch den gewöhn- Von dem Participio. §. 457.458. iz wd'Hnlichen ConcretionS-Lautzu einem Adjective er- höhet werden: eine ausstehende Schuld, herrschende Laster, ein segnender Darcr, der verachtete Mensch, gegossene Lichte. Da es denn nicht nur die doppelteDeclination derAdjective leidet, sondern auch als ein Substantiv gebraucht werden kann: ein Gelehrter, eine Geliebte, ein Sterbender. Da jedes Beschaffcnheitswort, wenn die Bedeutung eö verstattet, gesteigert werden kann, so gilt dieses, unter der eben gedachten Voraussetzung auch von den Participiis: rciyend, reifender, reiyendst, verhaßt, verhaßter, verhaßtes?. Es verstehet sich von selbst, daß solche gesteigerte Participia auch concrescierr und als Adjectiva gebraucht werden können. Doch dieß hier nur überhaupt, weil wir sogleich bestimmter davon reden werden. II. Von dem Participio Prcisentis. §. 458. Das Participium präsentis, wel- Bedeutung ches vermittelst der Ableitungs- Sylbe end, aus der des Parti- Wurzel der ersten einfachen Person des Prcisentis gebildet wird, hat allemahl eine thatige Bedeutung, und da es von dem Präsenti abgeleitet ist, zugleich den Nebenbegriff der gegenwärtigen Zeit, welcher doch bey dem concrescierten Participio merklicher ist, als bey dem unconcrescirten, wo der Begriff der Zeit oft völlig verschwindet: ein verderbender lVind, eine einnehmende Gestalt, ein reihendes Gesicht, es ist reisend, einnehmend; wo der Nebenbegriff der gegenwärtigen Zeit merklich genug ist. Hingegen druckt es, wenn es unconcre- scirt bleibt, oft bloß die Art und Weise aus, so daß sich der Begriff der gegenwärtigen Zeit fast völlig verlieret: er sagte es weinend, ich fand ihn schla- ?4 i. Th. 2.Abschn. 8. Kap. schlafend, er schrieb stehend, er wird bittend kommen. Die Bedeutung dieses Parkicipii ist jederzeit thätig, daher alle Transitiva eS ohne Ausnahme verstatten. Da aber auch, wie an seinem Orte ge- Zeiget worden, alle Intransitiva ursprünglich eine thätige Bedeutung haben, nur daß ihre Thätigkeit ohne einen leidenden Gegenstand derselben gedacht wird: so sind sie dieses Participii auch allerdings fähig, nur mit dem Unterschiede, daß diejenigen Intransitiva, deren herrschende Bedeutung leidend ist, welche folglich seyn zum Hülfsworte bekommen, dasselbe in solchen Fällen nicht verstatten, wo sich die diesem Particivio eigene thätige Bedeutung mit der herrschenden leidenden des Verbi nicht verträgt. Man sagt daher unrichtig, die fahrende Habe, die fallende Sucht, die reitende Post, weil Habe, Sucht und Post hier nicht als thätige Subjecte betrachtet werden können, welche selbst fahren, fallen und reiten, welches doch geschehen muß, wenn sie mit diesem Particivio verbunden werden sollen, daher man auch ohne Concretion nicht sagen kann, die Habe ist fahrend, die Sucht ist fallend, die Post konnnr reitend. Hingegen sagt man richtig, ein bleibendes Der- gnügen, ein eindrinIender Verweis, ein fliegender Lisch, der fliehende Feind u. s. f. weil sich in allen diesem Fällen das Subject ganz richtig thätig gedenken läßt, wenn gleich das Verbum mir dem Hülfsworte feyn verbunden wird. Bey dein Ausdrucke wohlhabend seyn, ein wohlhabender Mann läßt sich freylich nichts thätiges gedenken, da er indessen einmahl allgemein ist, so muß man ihn als eine Ausnahme von der Regel betrachte!?. Da Von dem Patticipio. §.458. -5 Da die Reciproca der Form nach völlig thätig sind, so mußten sie auch des Participii Präsentis ohne Ausnahme fähig seyn; indessen ist es doch von ihnen nur selten, und am seltensten mit der Con- cretion üblich: sich freuend stand er da, sich schämend schlug er die Augen nieder, und noch einige andere kommen hin und wieder vor, besonders in der höhern Schreibart, aber nicht so leicht, die sich freuenden Zuschauer, die sich meldenden Gläubiger, dein sich kränkendes Herz u. s. f. welche eine sehr auffallende Harte haben, daher man sie in allen Fallen lieber vermeiden sollte. Da die Bedeutung dieses Participii in allen Fällen thätig ist, so ist es leicht, das Unrichtigein solchen Ausdrücken zu empfinden, wo die Bedeutung schlechterdings leidend ist: es ist mir wissend, für es ist mir bewußt; ein stillendes Rind, ein Kind, welches noch gestillet wird, das ist, ein saugendes; kraft meines tragenden Amtes, fiir kraft des Amtes, welches ich trage, oder kraft des mir aufgetragenen Amtes; das lVafser nahm sehend zu, für sichtlich, auf eine sichtbare Art, daher auch das im gemeinen leben übliche zusehends nicht von der besten Art ist; alle besorgende Gefahr, für alle beforgliche. Wären diese und andere ähnliche Arten des Ausdruckes in der Sprache allgemein, so würde man sie mit wohlhabend als Ausnahmen betrachten müssen; da sie aber nur in den gemeinen Sprecharten üblich sind, so müssen sie als Sprachfehler vermieden werden. Ein durchscheinendes Glas, eine anhaltende Beobachtung, ein weit aussehender Handel, lassen sich indessen vertheidigen; die beyden ersten, weil durchscheinen und anhalten als Neutra üblich sind, obgleich ein durch? r6 i.TH. 2.Abschn. 8. Kap. durchsichtiges Glas immer bester ist; und das letzte, weil es sich auf eine ganz ertragliche Figur gründet, gleichsam em Handel, welcher weit in die Ferne siehet. Ob nun gleich alle Transitiva und die allermeisten Intransitiva dieses Participium der Regel nach leiden, so ist es doch nicht von allen üblich. Ich weiß davon keinen andern Grund, als den Gebrauch, der sich denn vielleicht wieder aus das im Verhaltniste seltene Bedürfniß gründet, den Begriff des Verbi als ein Adverbium oder Adjectiv mit dem Nebenbegriffe der gegenwärtigen Zeit zu prädicie- ren. Ohne Concretion, folglich als Adverbia, so daß sie eine Art und Weise bezeichnen, werden diese Par- ticipia noch am häufigsten gebraucht, seltener als Adjectiva, daher es allemahl einen unangenehmen Eindruck macht, wenn man an Statt eines andern gangbaren Wortes ein sonst ungewöhnliches Participium einführen will, wie z.B. die Liebenden der neuern Dichter und Romanenschreiber für die Verliebten. Man merke noch: i. Lebendig, ist vielleicht das einige Wort in der Sprache, welches mit einer Ableitungssylbe, aus einem Participio Präsentis gebildet ist, welches aber auch darin abweicht, daß es den Ton nicht auf der Wurzelsylbe, sondern auf dem end hat, lebendig für lebendig. 2. Das in den niedrigen Sprecharten übliche der morgende Tag, ist, wenn es ein Participium seyn soll, völlig verwerflich, weil es kein Verbum morgen gibt, auch die Bedeutung nicht darauf passet. Soll end aber hier eine Ableitungssylbe für BeschaffenheitSwörtec seyn, wie etwa in elend, so hat es den Gebrauch der edlern Schreibart wider sich, welche es nicht kennet. Von dem Patticiplo. §.459. 17 kennet. Morgig, der morgige Tag, wie in manchen Sprecharten üblich ist, hat zwar die Analogie von gestrig und heutig vor sich; allein, da e6 gleichfalls der edlern Schreibart fremd ist, fo reicht die Analogie nicht hin, eS zn rechtfertigen. Morgen bleibt also ein Umstandswort, von welchem die edle Schreibart rein Adjectiv bilden bann. §. 459. Wenn das Verbum transitiv ist, folg- Kann einen lich einen Cafum regieret, so behalt das Partici- Casmn re- pium Prasentis, weil es in allen Fällen thätig ist, ^m'' denselben bey, eS mag concrefcieret werden oder nicht: die Sonne bringt alles belebend hervor, die alles belebende Sonne, die uns tröstenden Freunde, die dir drohende Gefahr. Ist der Casus des Nennwortes ein Substantiv, und hat dasselbe keinen Artikel vor sich, so kann cS zu« weilen mit dem Participio Zusammen gezogen werden. Die Zusammenziehung ist unleugbar und nothwendig, wenn das Substantivum seine End- oderBiegungssylbe verlieret, welches allemahl ein untrügliches Merkmahl der Zusammenziehnng ist, S. §. 579. Ein ehrliebendes Gemüth, der wachhabende Gfficier, die gesetzgebende Macht, für Ehre liebendes, die N?ache habende, Gesetze gebende. Einige andere Fälle haben den allgemeinen Gebrauch vor sich, wie kriegführende Mächre. Allein daraus folget noch nicht, daß man gerade ein jedes vollständiges Substantivum ohne Artikel mit seinem Participio zusammen ziehen dürfe und müsse, weil man fönst auch berechti- get seyn würde, es mit dein Verbo zusammen zu ziehen : die Smrm drohende lVolke, Zeit verschwendende Spiele; warum sturmdrohend, zeirvcrschwendendIst doch noch niemanden eingefallen, rvenn die Wolke Sturm droher, Adel.-L.Spr. U.V. B wenn ztz t.TH. 2.Abschtt. 8. Kap. wenn du Zeit verschwendest, zusammen ji» ziehen. Steigerung H. 460. Da das Participium seinem Wesen und der Parti- Ursprünge nach ein BeschaffenheitSwort ist, so kann cipie». ein jedes anderes BeschaffenheitSwort auch gesteigert werden; doch freylich nur, so fern Bedeutung und Wohlklang es erlauben. Der Gebrauch des ungesteigerten Participii Prasentis ist, wie im vorigen bemerket worden, schon eingeschränket; noch mehr aber ist es der Gebrauch des gesteigerten, vermuthlich, weil eine gesteigerte Beschaffenheit mit dem Nebenbegriffe der Zeit ein sehr zusammen gesetzter Begriff ist, welcher Anstrengung erfordert, und daher die möglichste leichte Verständlichkeit hindert. Die Participia von lieben, hassen u. s. f. werden im positiven Stande ohne Bedenken gebraucht; allein niemand wird es wohl wagen, sie zu steigern, obgleich ihre Bedeutung es zu verstatten scheinet. Andere hingegen unterwerfen sich der Steigerung desto williger: das ist noch einnehs mendcr, die einnehmendste Gestalt, er ist noch wohlhabender, der wohlhabendste Mann. Allein, wenn nun auch ein Participium die Steigerung verstattet, so verbiethet doch der Wohltaut gemeiniglich, dasselbe im Comparativs zu concrescie- ren. Die Ursache ist leicht zu finden; in dem con- crescierten Comparativs Haufen sich die tonlosen Endsylben. Da nun der Hauptton im Deutschen seine Stelle nicht verlassen, und nicht wie in andern Sprachen auf eine Ableitungs- oder Biegungesylbe gehen kann, auch nicht auf der vierten Sylbe vom Ende ohne einen dazwischen kommenden Hülfston ruhen darf, welches HulfStones aber nur die Ableitungssylben, nie aber BiegungSsylben fähig sind: so beleidigen die conerescietten Comparative das Deutsche Von dem Patticipio. §. 460.461. 19 Deutsche Gehör: eine reirze^dere, einnehmendere Gestalt, ein wohlhabenderer'Manu, ein bleibenderes Vergnügen, eine dringendere ITloch u. s. f. Wer hat ein so hartes Gehör, daß er diesen Mißklang verkennen könnte? Da aber bey dem uneoncreseierten Comparative, ingleichen bey dem Superlative, er werde nun concrescieret oder nicht, diese Ursache wegfallt, so sind sie auch dieser Einschränkung nicht unterworfen. Man sagt daher ohne Bedenken, diese Gestalt ist noch reifender, die reitendste Gestalt, sticke ein Vergnügen, welches noch bleibender ist, das bleibendste Vergnügen, das fließendste Gedicht, die dringendste Z^och, die drückendsten Sorgen u. s. f. Wenn nun sowohl der Sprachgebrauch als auch der Wohlklang den Gebrauch eines Partieipii Präsencis verbiethen, so muß man einen andern Ausdruck wählen, oder umschreiben: für nürzcnde oder die nüs rzendsten Sachen, sagt man nützliche oder die nützlichsten, ein liebenderMensch, ein Mensch, welcher liebt, oder, wenn der Nebenbegriff nicht im Wege stehet, ein Verliebter. M. Das Participium Prateriti. §.461. Nicht so eingeschränkt ist das Partici-Dessen Ve- pinm der vergangenen Zeit, denn da die Deutschen deutung. dasselbe einmahl dazu bestimmt haben, die mangel- . haften Zeiten der einigen Form, welche sie haben, und die ganze ihnen fehlende zweyte Form vermittelst desselben zu umschreiben, so ist eö auch von allen Verbis üblich, sie seyen nun transitiv oder intransitiv, absolut oder reciprok, persönlich oder unpersönlich : er Kar geschlagen, ich bin gegangen, ich habe mich erinnert, es hat gedonnert/In B 2 allen 2S I.TH. 2.Abschn. Z.Kap. alle» diesen Fällen ist dessen Bedeutung thätig, und alsdann hat es den Nebenbegriff der vergangenen Zeit, von welchem der Begriff der vollendeten Handlung die erste und nächste Figur ist. Allein, da e6 auch zur Umschreibung der passiven Form gebraucht wird, so bekommt es alsdann eine leidende Bedeutung, welche doch im Grunde nichts anders, als eine Figur der vorigen thätigen ist, bey welcher zugleich der Nebenbegriff der Zeit wegfällt, daher es zu Umschreibung aller Zeiten des Passivi gebraucht werden kann: ich werde geliebt, ward geliebt, bin ge-» liebt worden, werde geliebt werden. Viele Deutsche Sprachlehrer nennen dieses Participium ein Gupimim, verrathen aber dadurch, > daß sie von beyden nur dunkele Begriffe haben. Das Lateinische Supinum ist ein von dem Verbo abgeleitetes Substantiv, welches nur in zweyen Ca- sibus üblich ist, und hat im Grunde auch die Bedeutung eines Substantives; das Deutsche Participium ist ein wahres Adverbium, und wird in der Conjugation, wie ein jedes anderes Adverbium gebraucht. Die Deutschen haben nichts, was einem Suvino ähnlich sähe, ob sie es gleich umschreiben können. Lüßt sich §. 462. Hieraus erhellet zugleich, wie irrig die concrescie- Vorstelluugs'art ist, wenn man in den meisten Sprachlehren dieses Participium in den damit umschriebenen Zeiten für das wahre und eigentliche Verbum, das Hülfswort aber für weniger Verbum halt; ein Fehler, welcher in dem Syntare bey der Wortfolge nichts als Verwirrung machen muß. Das Hülfswort ist und bleibt allemahl das wahre und eigentliche Verbum; aber ein Verbum mit einem unvollständigen Prädicate, welches durch das Participium Von dem Participio. §.462. ?i pium bloß ergänzet wird; dieses aber ist weiter nichts als ein Adverbium, hat die Bedeutung eines Adverbii, und stehet in der Wortfolge immer da, wo ein jedes anderes Adverbium stehen würde, dagegen das Hülfswort immer in der Stelle eines jeden andern Verbi bleibt. Schon die Form und Bedeutung gibt es, daß das Participium nicht Verbum genannt werden kann, wenn es gleich davon abgeleitet ist. Da es nun ein wahres Adverbium und weiter nichts ist, so kann es auch auf die gehörige Art zu einem Adjective concrcscieret werden, nur mit dem Unterschiede, daß es nach der Concretion keine thätige, sondern eine leidende oder höchstens neutrale Bedeutung verstattet: der gehärtete Stahl, das vergossene Dlur, der verbrannte Boden, ein bestürztes Gemüth, verdorbene Waaren, d.i. i>er Stahl, welcher gehärtet worden, nicht der, welcher gehärtet hat u. s. f. Es ist daher allemahl ein Fehler, es nach der Concretion thätig zu gebrauchen: der seinen Dater betrübte Sohn, für der Sohn, welcher seinen Vater betrübt hat; der sich erjaufte wahnsinnige, welcher sich ersäufet hat. Im Oberdeutschen und einigen gemeinen Mundarten sucht man sich in diesem Falle mit dem Participio Präsemis zu helfen, und sagt, der seinen Vater betrübt habende Sohn, der sich erjaufc habende wahnsinnige; allein eben so unrichtig, weil diese Art des Ausdruckes ganz wider allen Sprachgebrauch ist. Es ist nicht schwer, den Grund einzusehen, warum daö Participium in der Conjugation, folglich als ein Adverbium, sowohl thätig als leidend, als ein Ad. jectivum aber nur alleilt leidend, oder höchstens neu- B 3 tral 22 i.TH. 2.Abschtt. 8. Kap. tral gebraucht werden kann; es ist die Deutlichkeit und höchste mögliche Verständlichkeit, das erste Grundgesetz in allen Sprachen. Wenn da6 Participium als ein Adverbium gebraucht wird, so zeiget mir das dabey befindliche Verbum schon hinlänglich, ob ich es leidend oder thätig verstehen muß: ich habe geliebt, ich bin geliebt, ich roerde geliebt. Allein bey dem conerescierten Adjective fallt dieses Hülfsmittel weg, und die Ungewißheit der Bedeutung würde in allen Fällen Dunkelheit und Verwirrung machen. Sn geliebter Sohn; wer sagt mir da, ob der Sohn geliebt wird, oder geliebt hat, wenn ich nicht schon aus dem Sprachgebrauche weist, daß die letzte Bedeutung nicht Statt findet, weil das concrescicrce Participium nur allemahl leidend gebraucht wird. Da aber dieser Grundsatz, fo wie alles in der Sprache nur dunkel empfunden werden konnte, so konnte es auch dabey ohne Ausnahmen in cinzelen Fällen, wo diese Unbequemlichkeit oft minder klar empfunden wurde, nicht abgehen, davon in den: folgenden §. 464. fMes §. 46z. Hieraus erhellet zugleich, daß von allen ^ckt EtiM VcrbiS, welche nur allein das Hülfswort haben verstatten, und in der Bedeutung, iu welcher sie es schlechterdings erfordern, kein concrescierteS Participium Präteriti möglich ist, weil die Bedeutung hier allemahl thätig seyn würde. Dergleichen Verba sind nun: 1. alle Transitiva, so fern sie activ gebraucht werden;' 2. alle Intransitiva, welche daS haben zum Hülfsworte erfordern; z. alle Reci- proca, weil sie als solche jederzeit thätig sind, folglich haben erfordern: ich habe mich müde gestanden, aber nicht, der sich müde gestandene Zuhörer; und 4. alle Impersonalia, weil sie gleichfalls nur allein mit dem Verbo haben verbunden werden Vo« dem Patticipio. §.463.464. 2z werden können. Kommen Participia vor, welche das Gegentheil zu beweisen scheinen, so sind sie nicht von einer der eben angezeigten Arten, sondern von dem Passivo der transitiven Form: der gebogene Ast, das gcglühere Eisen, nicht von den Neu- tris biegen und glür>cn, sondern von dem Transitivs gebogen, gcglüher werden. Es laßt sich daher dieses Participium nur concrescieren, theils von den Transirivis in ihrer leidenden Bedeutung, theils aber auch von den Intransitivis, welche seyn zu ihrem Hülssworte erfordern, weil die herrschende Bedeutung hier leidend ist: ein abgestandener Fisch, ein rvohl gearteter Sohn, verarmte LLmwohncr, verblichene Leichname. Indessen sind auch in diesen beyden Fällen nicht alle Participia Präteriti als Adjectiva üblich, aber diese Falle lassen sich nicht nach Regeln bestimmen, sondern müssen aus dem bloßen Gebrauche erlernet werden. §. 464. Aus der andern Seite weicht der Ge- Concres-' brauch oft von den in dem vorigen §. gegebenen cierte P.,rt. Grundsähen ab, weil sie nur nach dunkeler Empsin- P^'s- i" dung befolget werden konnten, und es Fälle gibt, wo Bedeuwnz diese Empfindung so dunkel ist, daß sie gar nicht befolgt werden kann, oder wo wohl gar die entgegen gefetzte Analogie klärer empfunden, und daher auch vorzüglicher befolgt wurde. Daher gibt es viele concrescierte Participia Präteriti, welche wirklich eine thätige Bedeutung haben, und welche entweder von Neutris mit haben, oder von Reciprocis, oder wohl gar von Activis in activer Bedeutung gebildet sind: verlegene 5Vaare, welche sich verlegen hat, ob sich dieses gleich von einem veralteten Nentro mit seyn, verliegen, ableiten lässet; ein verdienter l-llKmi, welcher sich verdient gemachthat; ein B 4 verltchs 24 I.TH. 2. Abschn. Z.Kap. verliebter Mensch, der sich verliebt hat, oder sich leicht verliebt; ein eingebildeter Thor, welcher sich viel einbildet; ein eingebildeter Arankcr, welcher sich einbildet krank zu seyn; ein abgeschmacktes Ding, von abschmecken, es har ab- gcjchmec^r, ehedem abgeschmackt; ein versuchter Soldar, welcher sich verflicht hat; ausgediente Soldaten, welche ausgedient haben; eine betrübte Nachricht, welche uns betrübt; einVe- dicnter, welcher andere bedient. So auch, ein verschwiegener Mensch; ein ehrvergessener, Gottes vergeffenerMensch u. s. f. So sehr auch diese und andere ahnliche Ausdrücke der herrschenden Analogie zuwider sind, so wenig kann man sie doch tadeln, oder nach jener ummodeln, weil der allgemeine Gebrauch ihre Bedeutung schon bestimmt, und dadurch die Absicht, von welcher jene Analogie eingeführet worden, gewisser Maßen erfüllet hat. Vermuthlich ist dieser Gebranch bloß eine Folge einer andern Abweichung, welche desto hausiger ist, weil ihre Abweichung nicht so merklich ist, als jene; nähmlich dieser, daß man angefangen hat, das Participium Präteriti, als ein Adverbium, aber doch außer der Conjugation, mit dem Verbo seyn in einem Verstände zu gebrauchen, welcher sich sehr dem thatigen nähert, und oft wirklich thätig ist: verschwiegen seyn, befiisscn, bemühet, belesen, bedacht, besorgt, in etwas begriffen, beherzt, bejahrt, bekannt, bewandr, betreten, betroffen, gesonnen, gewohnt, gewogen seyn u. s. f. Bey vielen ist freylich die Bedeutung ganz richtig leidend, bemittelt, beliebt, beschaffen, beinoset seyn u. s. f. Allein, da der Unterschied nur sehr dunkel empfunden werden konnte, so glaubte man Von dem Participio. §.465. 25 man vielleicht, es könnten alle Participia Passiva mit dem Verbo seyn gebraucht werden, die Bedeutung möchte thatig oder leidend sey»; und da man einmahl so weit war, so war es leicht, auch den folgenden Schritt zu thun, und viele dieser Participien in thätigem Verstände zu concrefciersn. Eine ähnliche thätige Bedeutung hat das unconcrefcierte Participium Präteriti im gemeinen iebcn mit dem Verbo kommen: gekrochen, angestiegen, gerannt, geritten, gefahren kommen u. s. f. wo es für das Participium PräsentiS stehet. S. davon §. 696. §. 465. Da das Participium Präteriti außer Fchlerhas- der Conjugation, nicht thätig gebraucht werden tcr Gerann, so folget daraus auch, daß es keinen Accusa- ^ tiv vor sich leidet, weil dieser allemahl eine thätige ^ ' Bedeutung des regierenden Wortes voraus sehet. Man sagt richtig, die Sonne steigt jeyt alles belebend hoher, aber nicht, die Sonne stieg alles belebt höher; ganz richtig, die alles belebende Sonne, aber nicht, die alles belebte Sonne. Die Ausdrücke, alles reisiich errvogen, dieses voraus gesetzt u. s. f. gehören nicht hierher, weil hier keine Accusimve, sondern Nominative sind, und die Bedeutung leidend ist. Bey den neuern Dichtern ist es sehr gewöhnlich geworden, dieses concrescierte Participium, wenn es ein Substantiv mit einer Präposition vor sich hat, mit dem erstem zusammen zu ziehen, und die letztere wegzulassen: die schissbesäte Gbe, die rvald- bekränzte Flur, die donnerschwangcrn vpol- ken, der goldbeseyte Hur u. s. s. Eine Schönheit kann das unmöglich seyn, weil alle elliptische Zusammensetzungen, wobey eine Präposition ausgelassen worden, dunkel und folglich hart sind. So B 5 wenig 26 I.TH. 2.Abschn. 8. Kap. wenig man sagt, die Bde ist schistbesät, die N)oll'cn sind donnerschwanger, der Hut ist goldbeseyr, oder der himmelgei'ommne Bos rhe, der stußgeschöpfre Goldsand, diegarren- dlühende Rose u. s. f. für der voin Himmel ge- kominne Vorhe, der aus dein Flusse geschöpfte Goldsand, die im Garten blühende Rose, so wenig sollte man sich auch die erster» Formen erlauben. Es ist ein irriges Vorurthcil, wenn man glaubt, die gebundene Rede verstatte Harten, welche die ungebundene verbiethet. Da die Dichtung der höchste Grad der sinnlich schönen Rede ist, so muß sie sich schlechterdings selbst solcher Härten enthalten, welche die Prose allenfalls überstehet. Ihre Zu- §. 466. Dagegen lassen sich fast alle Participia sammen- Prätcriti mit un zusammen sehen, eine Abwesen- ftlzung mit s^jt oder Verneinung des jedesmahligen Begriffes zu bezeichnen: ungeliebt, unangemeldet, un-- aufgeräumt, unausgebildet, ungeahndet, ungestraft, unverdaucr, unbefohlen, u«begraben, uneingeschränkt u. s. f. welches denn aber doch auch nur in solchen Fallen thnnlich ist, wenn eine leidende Bedeutung Statt findet, besonders wenn ein solches Wort concresciert werden soll. Im gemeinen ieben sagt man freylich ungegessen, un- gerrunken zu Decce gehen; allein die anständigere Schreibart wird hier lieber umschreiben. Das Participium Präsentis hingegen läßt sich mit diesem un nicht zusammen setzen; vermuthlich weil bis Bedeutung des Verbi hier noch zu merklich ist, ein eigentliches Verbum aber diese Partikel nicht vor sich leidet. Für unermüdenden Fleiß sagt man daher richtiger unermüderen. §. 467. Von dem Participlo. §.467. 27 §. 467. Da die Participia Präteriti wahre Be- Steigerung schaffenheitswörter sind, so lassen sie sich auch, wie deö Partie» andere Adverbia steigern, wenn anders die BedM- P^teriti. tung nicht allein einer Steigerung fähig, sondern auch so bestimmt ist, daß der höhere Grad durch die bloße Steigerung hinlänglich bezeichnet werden ,, kann. Man sagt ganz richtig, im Comparativs bestürzter, betrübter, aber nicht geschlagener, für mehr geschlagen, gehärterer, für stärker gehärtet u. s. f. Wenn die Ursache hier nicht bloß in den: Sprachgebrauche lieget, fo ist sie vermuthlich in der schwachen Bestimmung des Comparatives an sich zu suchen, welcher den höhern Grad nur so fern bezeichnen kann, als die genaue Bestimmung des gesteigerten Wortes ihn: zu Hülfe kommt. Es scheinet dieses unter andern auch daraus zu erhellen, weil manche Partiripia, welche sich wider den Comparativ sträuben, ohne Bedenken den Superlativ zulassen; ohne Zwciffel, weil dieser durch sich selbst auf das schärfste bestimmt ist: der gehärtetste Stahl. Die auf folchc Art gesteigerten Participia lassen sich auch wieder concrefrieren, wenn der Wohllaut es verstattet. Ich sage der "Wohllauts weil dieser zwar Zwey aufeinander folgende tonlose Sylben duldet, drey dergleichen aber ihm ein Gräuel sind. Wenn daher ein Participium vsr der Steigerung den Ton jn Penultima hat, so ist der concrescierte Compara^ tiv unausstehlich, weil hier vier tonlose Sylben zusammen kommen würden: gegründet, gegründeter sind gut; aber wer kaun die gegründetere Hoffnung ausstehen:' so auch der verachretere L-Nensch, die ausgelassenere Freude, ein ein- gebtdcrererThsr. Zuweilen kann man sich durch eine Elision helfen, die ausgelast'nere Freude, 28 I. Th. s.Abschn. 8. Kap. aber nicht immer. Da hingegen der Superlativ nicht nothwendig mit so vielen tonlosen Sylben verblinden ist, so laßt er sich auch ohne Bedenken con- crescieren: die gegründetste Hoffnung, der ver- achterste Mensch, (nicht verachteste,) die ausgelassenste Freude, der eingebildetste Thor, der verlassenste Arme. jUm seiner genauen Bestimmung wegen, laßt -r sich auch von solchen Participien gebrauchen, welche den Comparativ nicht einmahl als Adverbium verstatten. Anmerkun- §. 46z. Außer dein, was bisher gesagt worden, gcn über ^js^ ^ bc-D den Participiis Präteriti und den Wör- diesc.Par- tern, welche ihnen ahnlich sehen, noch manches zu bemerken, wovon ich hier das vornehmste kurz zusammen fassen will. 1. Viele dieser Participien haben durch den häufigen Gebrauch den Nebenbegriff der Zeit oder der vollbrachten Wirkung völlig verloren, nnd werden jetzt ganz, wie andere Adverbia, gebraucht. Außer den schon gedachten mit thätiger Bedeutung, gehören dahin noch, z. B. berühmt, gelehrt, geehrt, vergnügt, verwünscht, verdammt, voll- kommen, bcwandt, verwandt u. s. f. 2. Von vielen ist das Verbum, entweder ganz, oder doch in der heutigen Bedeutung des Participii veraltet, wohin besonders viele mit be— zu gehören scheinen, z.B. behaftet, beherzt, bejahrt, bemittelt, bemos'r, benarbt, bescheiden, gewogen, bekannt, beliebt, geschickt, geschlacht, gewohnt, beschilft u. s. f. von deren ehemahligen Verbis sich noch hin und wieder Spuren finden. Von betagt, alt, ist das Verbum beragen, aber in einer ganz andern Bedeutung, noch nicht ganz veraltet. z. Oft Von dem Participio. §.463.469. 2^ z. Ost ist das Participium eines wurzelhaften Verbi mit Ableitungssylben versehen morden, obgleich das Verbum selbst mit dieser Ableitungssylbe nie üblich gewesen: beredt, beschaffen, bewandert, erlogen, abgeneigt u. s. f. Besonders gehören dahin viele mit ver, welche einen hohen Grad der von dem Wurzelworte bezeichneten Beschaffenheit bedeuten, und oft gleichfalls in thätiger Bedeutung gebraucht werden: verrucht, verbuhlr, vers soffen, verwegen, verschlagen, verschmilzt, verschwiegen u. s. f. Die Sprache des gemeinen Lebens hat dieser Wörter noch viel: verschämr, verfressen, verleckerr, verlogen, verhurt u. s. f. welche ihrer oft sehr merklich thatigen Bedeutung ungeachtet, doch ohne Bedenken concrescieret werden. 4. Bey vielen findet sich gar keine Spur eines Verbi, und diese sind bloß nach dem Muster der Participien von andern Wurzelwörtern gebildet; verteufelt, verhenkerr, gesittet u. s. f. Was folgt hieraus anders, als daß die Parti- cipia Prateriti nicht mit klarem Bewußtseyn ihrer Bestimmung und Bedeutung, sondern nur nach sehr dunkeler Empfindung gebildet und ausgebildet worden, so wie man ungefähr und dunkel empfand, daß sich ihre Form zu Bezeichnung des jedesmahligen Begriffes schicke. Wie viel werden unsere neuern Sprach-Reformatoren, welche immer von Analogien und allgemeinen Grundsahen träumen, von welchen sie doch selbst nur dunkele Begriffe haben, hier nicht aufzuräumen finden! §. 469. In den mittlern Zeiten versuchte man Partici- in den Oberdeutschen Mundarten ein Participium pmm Z« Fmmi, oder vielmehr ein Participium passi» ^ri. VUN! Zs i.TH. 2.Abschn. 8. Kap. VUIN zu bilden, welches aus deni Participio Prä. sentis bestand, dem man nur die Partikel zu vorsetzte: die zu entrichtenden Abgaben, welche entrichtet werden sollen oder müssen, die zu besorgende Gefahr, welche zu besorgen ist. Daß dieses Participium nicht aus dem Innern des Deutschen Sprachgebrauches geflossen, sondern ganz nach dem lateinischen Participio Futuri Passiv! ans nc!u» gemodelt ist, erhellet unter andern auch daraus, weil jedes Deutsche Participium ursprünglich ein Adverbium ist, liebend, geliebt, dieses aber, gerade so wie das lateinische von seinem Entstehen an ein Adjectiv oder Beschaffenheitswort ist, und daher auch nicht ohne Concretion, oder als ein Adverbium gebraucht werden kann; denn noch hat niemand gesagt, die Gefahr ist zu besorgend, die Abgaben sind zu entrichtend. Eben darum, weil es ursprünglich ein Adjectiv und kein Adverbium ist, kann es auch nicht gesteigert werden. Da es nun in aller Betrachtung der Deutschen Sprache fremd, und ihrem ganzen Baue entgegen ist, so hat die edlere Schreibart es auch wieder veralten lassen, ob es gleich im Oberdeutschen und den gemeinen Sprecharten noch völlig gangbar ist. Für hochzuehren- der Herr, sagt man nicht allein richtiger, sondern auch in der That schicklicher hochgeehrtester. Ich will bey dieser Gelegenheit noch etwas von dem so genannten Gerundio sagen, weil ich es bey dem Verbo übersehen habe. Man belegt mit diesem Nahmen den Infinitiv, wenn er das Wörtchen ZU vor sich hat, und alsdann entweder eine Absicht, ich komme zu essen, oder den Begriff, daß etwas geschehen kann oder muß, andeutet, das ist nicht ZU essen, was ist zu thun? Daß man dieser Art des VottdcmPatticipio. §.469. zi dcS Ausdruckes um der Kürze willen einen eigenen Nahmen gibt, wäre allenfalls nicht zu tadeln, ob er gleich ans zwey Worten bestehet, wenn nur der Ausdruck schicklicher wäre. Man hat ihn bloß darum das Gerundium genannt, weil das Lateinische Gerundium oft durch denselben umschrieben werden kann. Allein, wenn man sich nur mit einiger Bestimmtheit ausdrucken will, so kann er diesen Nahmen nicht führen; denn 1. sind die Lateinischen Gerundia ursprünglich wiederum Nennwörter, bloße Casus des Participii Futuri Passivi im sächlichen Geschlechte; der wesentlichste Theil der Deutschen Umschreibung aber ist ein unbiegsamer Redetheil, ein Infinitiv. 2. Dienet dieser Ausdruck nicht bloß zur Umschreibung des Gerundii, sondern auch des Supini der Lateiner, ipeüatum vemunt, sie kommen zu sehen, iacilc cMu, leicht zu ja? gen. Man müßte daher einen schicklichern Nahmen für diesen Ausdruck ausfindig machen, wenn ex ja einen haben soll. <5.L--s^KM-«SH' Neuntes Z2 i. Th. 2. Abschn. 9. Kap. , , , » >.. »^»^ »^^-^ » - > . «». Neuntes Kapitel. Von dem Adverb io. I'll?alt. I. Dessen Arten, Z. 470 - 47z. Erklärung des Adverbii, S- 47°- Arten desselben, §.471. Erklärung und Arten der Umstan!>sn'örrer,§,472. Der Aeichaffenheirswör- rer, §.47Z. II. BlldlNki, der Adverbien, 5-474-481- Von ihrer Form überhaupt, §- 474- 1. Form der Umstandswörter, 8-47Z. 2. Form der Beschaffen- heirswörrer, §. 476 s. Sind oft WurzelwAter, S. 476. Ihre Ableitung durch Vorsylben, §, 477. Durch Nachsylben, Z.478. Fruchtbarkeit dieser Ableitung, S.47Y- Zusammen gesetzte Adverbia, S. 480.481. tll. Loncrecion der Adverbien, H. 482-486. Adverbia, ein fruchtbarer Redetheil, §. 48«. Begriff der Concrerioi«, 4ZZ. Wo sie nicht Statt findet, §. 484- Cvncrcter Gebranch ohne Concretion, g. 485. Mangel des uncvncrclm Gebrauches, §. 486. IV. Sreigerunci der Advern bien, §.487-497. Begriff der Steigerung, §. 4«7- Verschiedenheit der Grade, §> 488. Welche Adverbia sie verstatten, S. 48Y. Wie sie geschiehet, §. 490. Bildung des comparatives, §. 491. Und des Superlatives, z. 4Y2. 4YZ. Concretion der gesteigerte« Adjective, Z. 494. Abweichende Steigerung^ §- 495- DefectiveSteigcrung,§.496. Umschreibung der Steigerung, S.497. I. Arten Adverbium, r. Arten. §.47^. zz I. Arten des Adverbii. §. 470. ir kommen nunmehr zu dem Adverbia, wel- Begriff det cheS nach dem Substantivs im Deutschen Adverbii. der wichtigste und weitläufigste Redetheil ist, weil er alles das Unselbständige, was sich von dem selbständigen Dinge nur sagen läßt, so fern man es für sich und als unselbständig betrachtet, in sich schließet. Die Interjectionen sind die ursprünglichen Bestandtheile der Rede; unmittelbar aus ihnen ist das Adverbium gebildet, welches oft so, wie es ist, der Nahme des Dinges selbst wird, oder in ein Sub- siantivum übergehet: räum und der Raum, gut und das Gut, schwarz und das Schwarz, übel und das Übel, recht und das Aecht, licht und das Licht, reich und das Reich, scheu und die Scheu, wild und das 5Vild u. s. f. oft aber erst durch die Ausbildung, Ableitung u. s. f. in dasselbe übergehet. Mau wähne nicht, daß der Nahme des Dinges eher seyn müsse, als dasjenige, was sich von demselben sagen lässet, und daß folglich das Sub- stantivum der erste und älteste Redetheil fey. Der menschlichen Vorstellungsart nach ist eö dieses nicht; der erste Laut war eine Interjection, eine dunkle Nachahmung des empfundenen Schalles, ohne irgend einen klaren Begriff, als etwa des Schalles; der erste Schritt zur deutlichen Erkenntniß war der, daß mau sich vermittelst des nachgeahmten Schalles etwas vorstellet?, welches denselben hervor brachte, oder doch hervor bringen konnte, und sogleich war das Adverbium da. Dieses zu dem Nahmen des Dinges übergehen zu lassen, oder sich dieses als ein selbständiges Ding zu denken, erforderte schon einen Schritt mehr, weil es eine wahre Figur ist. Adel.K.Spr.HV. E Da« Z4 I. Th. 2. Absicht!. 9. Kap. Das Adverbium ist ein Redethcil; es folget daraus unmittelbar, daß es nur aus einem einigen Worte bestehen kann, und daß folglich alle aus , mehrcrn Worten bestehende Redensarten, wenn sie gleich die Stelle eines Adverbii vertreten, nicht hierher gerechnet werden können. Wer wird doch dis adverbifchen N. A. ;u guter letzte, nieder von neuem, den Augenblick, in aller Lil, von ^a- ge zu Tage, von Jahr zu Jahr, zwicr in der dVochcn, all nwin Lebenlang, über ein kleines u. f. f. mitGottschcdcn und andern unter die Adverbia rechnen? Gnrbei- §. 4?i. Das U>, Abständige, was sich von eilung des neu: Dinge sagen läßt, ist eigentlich nur von gedop- Mverbii. px^- Art, es ist entweder außer dem Dinge, oder an dem Dinge selbst befindlich; im erstem Falle ist es ein Umstand, im letztem aber eine Beschaffenheit. Wenn ich sage, der 2)aum ist grün, fo bezeichnet grün etwas Unselbständiges, welches an dem Baume selbst befindlich ist; wenn ich aber sage, der Oaum jt«nd hier, so ist der Umstand des Ortes etwas das außer dein Dinge befindlich ist. Eben so vielfach sind nun auch die Adverbia; sie sind entweder Umstandswörter, ^clvelb-z, cir- euinsigmiae, oder Veschafsenheirswörrer, a^ver- Iz!a cjualitatiz. Ich habe eS bereits in dem ersten Theile erinnert, daß man die Begriffe, welche man in den Schulen der Philosophen von Beschaffenheit und Wgenschaft gibt, hier zurück lasten müsse. Wir muffen uns die Dinge si) vorstellen, wie rohe und noch ganz sinnliche und ungeübte Menschen sie sich dunkel dachten und dunkel denken mußten, und nicht, wie ein Philosoph des achtzehnten Jahrhunderts sie anflehet. Weil Adverbium, i. Arten. §. 471. 35 Weil dieses Unselbständige, es sey nun an oder außer dein Dinge befindlich, wenn es von dem selbständigen Dinge gesagt werden soll, vermittelst eines Verbi von demselben gesagt werden muß, so hat man diesen Redetheil das Adverbium genannt, weil er zunächst das Verbum begleitet, und dessen Prädicat vollständig macht. Unter allen grammatischen Kunstwörtern ist dieses uoch eines der treffendsten uud schicklichsten. Nicht so das Deutsche ^ebenrvsrt, wodurch man jenes ersehen wollen, und welches eigentlich gar nichts sagt, daher ihn: der lateinische Ausdruck immer noch vorzuziehen ist. . So richtig uun der lateinische Nahme an und für sich ist, und so sehr er auch auf das Deutsche Adverbium passet, so sehr ist doch dieses ini Ganzen von dem lateinischen verschieden, und der Hartsinn unserer Sprachlehrer, welche diesen Unterschied nicht einsehen wollten oder konnten, hat tausend Verwirrungen und Ungereimtheiten in die bisherigenDeut- schen Sprachlehren eingeführet. Die Lateinische Sprache kennet eigentlich keine andere Adverbia als Umstandswörter, und ob sie gleich Adverbia hat, welche von Eigenschaftswörtern, oder vielmehr von ihrer Wurzel abgeleitet sind, mslus, msls, optimus, optime, so bedeuten sie doch insgesammt eine Art und Weise, uud gehören in so fern gleichfalls zu den Umstandswörtern. Dagegen gebraucht der Lateiner in sehr vielen Fällen, wo der Deutsche ein Beschaffenheitswort nöthig hat, sein Adjectiv, l>umc> elt^/o/«5, 6Iius ell ^o^/e//, lcic» te/ttüm// LÜ'e ^'n'- /e?«, mater liabetur , rez erat u. s. f. In allen diesen und tausend ähnlichen Fällen muß der Deutsche ein Adverbium nehmen. Die Ursache ist leicht zu finden. Der Unterschied zwischen einer Beschaffenheit und einer Eigenschaft C 2 konnte z6 ?. Th. 2. Abschn. 9. Kap. konnte nur sehr dunkel empfunden werden, daher jedes Volt in dem Ausdrucke dieser Bestimmungen seinen eigenen Weg ging. Die Lateiner bemerkten nur das Umstandswort, druckten aber die Beschaffenheit lind Eigenschaft auf eine einförmige Art con- crefciert aus. Viele andere Sprachen, z. B. die Englische, übersahen den Unterschied zwar auch, gingen aber doch wieder einen andern Weg, und gebrauchten das BcschaffenheitSwort ohne alle Con- cretion lind Biegung statt des Adjectives. Die Deutsche Sprache machte es in ihrer Kindheit nicht anders, und der genaue und auf klares Bewußtseyn gegründete Unterschied des concrescierten Adjectives von dem unconcrescierten Beschaffenheitsworte ist erst in den neuern Zeiten der Cultur allgemein geworden. Die ganze Nation empfindet und beobachtet ihn, nur unsern bisherigen Sprachlehrern blieb er verschlossen, daher sie aus knechtischer Anhänglichkeit an die Lateinische Sprachlehre da immer ein Adjectiv sehen, wo doch nur ein Adverbium ist. Der Mangel des ConcretionS-tautes ist der wesentliche Unterschied des lehtern von dem erstem; was ist wohl leichter einzusehen, leichter zu begreif- fen, als dieses? 1. Um- §. 472. 1. Die Umstandswörter bezeichnen standswör- eine jede außer dem Dinge befindliche Bestimmung, t"' so fern sie als unselbständig gedacht wird. Sehen wir dabey auf die Vorstellungsart, fo finden zwey Fälle Statt; wir denken sie uns entweder für sich allein, oder an dem selbständigen Dinge befindlich. Im letzten Falle bekommen sie die ConcretionS-Zei- chen, und geben den Artikel, die Zahlwörter und das Pronomen. Der zweyte Fall leidet wiederum eine doppelte Abtheilung; entweder bezeichnen sie das außer dem Dinge befindliche Unselbständige nur über- Adverbium, i. Arten. §.472. Z7 überhaupt, oder mit einigen Nebenbegriffen. Im ersten, Falle entstehen die Umstandswörter in engerer Bedeutung, im letztern aber die Präpositionen und Conjuncrioneu, von welchen die erstell Verhältnisse der selbständigen Dinge, die letztern aber der Satze und ihrer Glieder bezeichnen. Hi?r ist alles in einer Tabelle. Das außer dem D'mge befindliche Unselbständige, oder dir Umstand, gibt unselbständig betrachtet, die Umstandswörter in der weiteste,« Bedeutung. Wir denken uns einen solchen Umstand, Entweder außer dem Dinge, Oder an dein Dinge befindlich, und an und siir sich; und demselben einverleibt, das Zwar, concrestierre Um>tandsrvorr. Dieses bezeichnet: Ohne allen Re- MitNe- benbegriff; das benbe- ttmstaiidvn'^rr griffen, im engsten Ver- j ftaude. Den Umstand der Selbsiän- digkeit.der Zircikel. Des Umfanges und der Zahl, das Zahlwort. Der Person und des Ortes, da» Pronomen. AIS das Verhält- Ms das Verhältniß der selbsiän- niß der Sätze digcn Dinge; die und ihrer Glie- präposirion. der; die Lon- juncrio». Wir haben bey den Adjectiven noch eine andere Art concrescierter Umstandswörter kenmn gelernet, nähmlich solche, wo der Umstand als eine Eigenschaft gedacht wird, welche folglich erst vermittelst der Ableitungssylben er und lA zu Beschaffenheitswörtern erhöher werden müssen: UmsiandSw. da; Beschaffcnhcitsw. basi'I; Eigenschaftsw. der ds- sigc u. s. f. C z Hier ZZ I. Th. 2.Abschn. 9.Kap. Hier haben wir es nur mit denüinstandsrvörL tern iin cnnsten Verstände zu thun; von den con- crestierten ist bereits im ersten Theile geredet worden, die Präpositionen und Lonjunerionen aber kommen in? folgenden vor. Diese Umstandswörter sind wieder so vielfach, als es Umstände gibt, welche der Deutsche auf solche Art auszudrucken für gut befunden. Sie bestimmen zugleich alles daSjeni» ge, was die Verba durch die bloße Conjugation nicht ausdrucken können, so wie die Präpositionen die mangelhaste Declination der Substantive ergänzen. Sie bezeichnen den Umstand: i. Der Zeit, und zwar auf verschiedene Art. a. Mit genauer Bestimmung der Tages - und Jahreszeit: Heuer, in diesem Jahre, daher das Adjectiv der heurige; die Oberdeutschen strn und ferr, im vorigen Jahre, wovon wenigstens das erste auch mit der Coneretion gebraucht wird; abends, morgens, mittags, vormittags, nachmittags, nachts, welche doch insgesammt von Substantiven abgeleitet sind. b. Aus eine unbestimmtere Art, doch nach den drey Haupteintheilungen der Zeit. 1. Der gegenwärtigen: hcitt, jcyt, ans jeyt, (das niedrige jcczundcr,) allererst, das gemeine alleweile, das halb veraltete vermahlen, eben, noch, nun. 2. Der vergangenen: gestern, chegcstcrn, vorgestern, ehedem, ehemahls, vormahls, jüngst, neulich, kürzlich, nur, lange, längst, unlängst, vorlängst, vordem, vorhin, vorzeiten, zuvor, sonst, leytlich, für neulich, das gemeine letzt und letztens stir neulich, das halb ver, alrete Adverbium, i. Arten. §.472. 59 altete weiland, das provinzielle nächrcn, für neulich. z. Der künftigen: bald, ehestens, einst, » einstens, dereinst, dermahleinst, fernerhin, morgen, übcrniorgen, nächstens, die halb veralteten forrhin und hinfür, das ganz veraltete fortan. c. Noch unbestimmter: irgend, je, jemahls. d. Verneinend: nie, niemahls, nimmer/ nimmermehr. e. In Beziehung auf eine andere Begebenheit oder auf den Gemütszustand des Sprechenden: bereits, allbereiw, anfangs, anfänglich, das halb veraltete bevor, hie, bisher, damahls, dann, alsdann, darauf, darnach, darüber, daemahl, diesmahl, ehe, eher, erst, endlich, das niedrige folgends, gleich, hernach, hierauf, indem', kaum, nachgehends, nachher, nachmcchls, fcho-', vorher, vorauf, zuvor, indessen, inzwischen, j'cir, das veraltete stur, nun, nunmehr; wovon viele auch als Präpositionen und Conjunccionen gebraucht werden. 2. Der Dauer: ferner, fernerhin, immer, das halb veraltete immerdar, immerfort, lange, lebenslang, stets (besser stärs), noch. z. Der Wiederholung: das veraltete aber, wiederum, abermahls, allemahl, allezeit, das veraltete allewege, bisweilen, einmahl, zweymahl, dreymahl u. s. f. vielmahs, mehrmahls, die niedrigen manchmahl und unterweilen jederzeit, jedesmahl, keinmahl, nochmahls, oft, öfter, öfters, oftmahls, zuweilen, wieder, wiederum, selten, gemeiniglich. C 4 4. Der 45 I.TH. 2. Abschn. 9'Kap. 4. Der Geschwindigkeit: gemach, allgemach, die gemeinen flugs, jählings, schier und stracks; eilends, zusehends, sporenstreichs. Viele andere, z. B. schnell, geschwinde, plötzlich u. s. f. sind zugleich VeschaffenheitSwörcer, vermuthlich, weil es nicht allemahl deutlich einleuchtete, was Umstand oder Beschaffenheit war. 5. Des Umzuges, der Menge und der Zahl: allein, beysammen, gesammr, insgesammt, zujammen, beyderseits, das gemeine allerseits, allesammr, ganz, lamer, nichts als, das veraltete eicel in eben derselben Bedeutung, genug, theils, mehremhcils, meiftencheils, grösrcn- theils, meistens, nur, Überhaupt/ besonders, durchgehend?, durchaus, zugleich, vollauf etwas, nichts, viel, wenig, mehr, einzeln, das Umstandswort, t mit der Ableitungssylbe en, von dem Beschassenheittsworte und Adjective ein- ?.el, ein einzcler Mann). Unmittelbar schließen sich hier die Zahlwörter an, welche, so fern sie ohne alle Concrxtion gebraucht werden, hierher gehören. 6. Des Gegenstandes, einander. 7. Der Persönlichkeit: das veraltete si-lb, selbst, und die nur im gemeinen leben üblichen selber und selbsrcn. Die übrigen sind conereseiert und geben die Pronomina. 8. Der Folge und Ordnung: erst, erstens, erstlich, zuerst, vorerst, lerzcens, zulcyc, lecz- lich, zweitens, und alle übrige von Zahlwörtern abgeleitete Adverbia dieser Art; dann, sodann, hernach, hierauf, endlich, darauf/ nachgehend^ schließlich. 9. Des Zldverbimn. -.Arten. §.472. 41 9. Des Ortes, mit mancherley Bestimmun, gen nach der vielfachen Art des Orreö: das für sich veraltete ab, da, allda, allenthalben, hier, Hierselbst, allhier, anderfeirs, anderswo, anderweit, heim, anheim, außen, beyseit, das veraltete binnen, dort, fern, hinten, hinran, hinterhalb, inne, innen, innerhalb, jenseit, irgendwo, mitten, nächst, zunächst, neben, nieden, nirgends, oben, oberhalb, Überall, umher, unfern, unten, unterhalb, unweit, wo, woselbst. 10. Der Richtung. a. Ohne Beziehung auf den Sprechenden : abwärts, abendwärts, anderwärts, aufwärts, auswärts, einwärts, und viele andere mit w^rts, bergab, bergan, bergauf, entgegen, gegen, hinterrücks, längs, rechts, links, rückwärts, übereck, überzwerch, zurück, hinterher, beyher, empsr, fort, weg, heim. b. Mit Beziehung. (1) Auf den Sprechenden: her, sich ihm nähernd, so auch herab, heran, herauf, heraus, heraufsen., herbey, hcrdurch, herein, hernieder, herüber, herum, herunter, hervor, herwärts, herzu; hin, sich von ihm entfernend, daher, hinab, hinan, hinauf, hinaus, hindurch, hinein, hinfort, hinüber, hinunter, hinwärts, hin, weg, hinzu. (2) Auf die Nahe oder Ferne de6 Ortes, in Ansehung des Sprechenden: hieran, hierauf, hieraus, hierbey, hierdurch, hierin, hierher, hierhin, hierein, hiermit, hiernach, hicrnächst, hierneben, hierüber, hierum, hierunter, hiervon, hierzu, hierzwifchen, da6 niedrige haus- C 5 ftn, 42 !. Th. 2. Abschtt. 9. Kap. sen, für hieraussen, die mit da zusammen gefeß- ten, welches, wenn ein Vocal folget, dar lautet, dabey, dadurch, daher, dahin, danieder, daneben, daran, daraus, darin, darein, darüber, darunter, davon, davor, dazwischen, draußen, droben, drüben, drunten; die mit dort, deren doch nur wenige sind, dorther, dorthin. (z) Sowohl auf ein anderes Ding als auf den Sprechenden; die zusammen gefetzten mit vor, voran, vorbey, voraus, vorher, vorüber, vorwärts, vorweg. (4) Sowohl fragend, als beziehend; die mit wo, welches, wenn ein Vocal folget, wor lautet, woran, woraus, wodurch, woher, wohin, worein, worin, woselbst, wovon, worüber, worunter, wozu. 11. Den Grad der Stärke: überaus, gar, sehr, zu, allzu, das nur noch in der Zusammensetzung übliche erz. Viele andere dieser Art sind B e sch a ffe nheitsmörter. 12. Die GenMhssiellUNg des Sprechenden. a. Eine Bejahung oder Verneinung: ja, allerdings , fürwahr, sicherlich, wirklich, gewiß, freylich, das veraltete traun; nein, nicht, keinesweges, mit Nichten, und das nur noch in der Zusammcnfehung übliche un. b. Eine Frage oder Zweiffel: etwa, irgend, ob, wohl, vielleicht, hoffentlich; warum, weswegen, wie, wenn, wo, was, woher> wohin u. f. f. Viele andere verlieren sich in die Pronomina und Conjunctionen. c. Das Wollen und Nichtwollcn, welche sich «nmittebar an die Interjektionen anschließen: gern, ungern, Sldverbium. i. Arten. §.472. 4z ungern, wohl, unschwer, lieb, lieber, Iran,, zuwider. iz. Die Art und Weift. a. Wie ein Ding ist: anders, anstatt, bestens, blindlings, dergestalt, höchlich, inniglich, just, kecklich, klärlich, klüglich, kürzlich, weislich, lediglich, leichtlich, mildiglich, fehl, das nur in der ZusammenseHung übliche miß, säuberlich, schwerlich, treulich, gröblich, und viele andere auf -—lich, alle auf — weise, Z.B. paarweise, scherzweise, stückweise, schlechter- dings, recht, umsonst, übcrein, unversehens, vergebens, Zusehens, insgeheim, insbesonder, eilends. Sehr viele andere sind zugleich Bcschaf- fenhcitswörter. b. Wie etwas von einem Dinge gesagt wird: allenfalls, dermaßen, etwa, kaum, so, wenigstens, meistens, vielmehr, überhaupt, höchstens, ungefähr, beynahe, fast, nur, gleichfalls, vornehmlich, und viele andere, welche zu den Conjunctionen gehören. Was durch die ganze Sprachlehre bemerket werden muß, daß sich die Gränzen, wo sich zwey Analogien, folglich auch zwey Rederheile, scheiden, nie genau bestimmen lassen, gilt auch hier. Die dunkle Empfindung, welche alles in der Sprache leitet, entschied nicht allemahl klar genug, daher sind so manche Wörter, welche wirklich Umstände bezeichnen, wahre Befchaffenheitswörter, Z.B. neulich, künftig, fern, einzel, spät, frühe u. f. f. welches daraus erhellet, weil sie ohne weitere Umfchweiffe concrefcieret und als Adjectiva gebraucht werden können, die ferne Zukunft, die künftige Zeit u. f. f. welches eigentliche Umstandswörter nicht ver, statten. 44 i.TH. 2.Absch!t. 9. Kap. statten. Dagegen werden viele Bestimmungen als Umstände ausgedruckt, welche man auch als Beschaffenheiten betrachten kann, z.B. die Geschwindigkeit, der Grad der Stärke, die Art und Weise. Andere werden auf beyde Arten gebraucht, obgleich in verschiedener Bedeutung, wie eben, weit u. s.f. s. Veschaf- §. 47z. Die zweyte größere Hälfte der Adver- fenkeits- bin, machen die Beschaffe ichet'rsrvörrer aus, wel- wötter. Unselbständige begreiffen, was an dem Dinge ftlbst gedacht wird, so fern es für sich allein nnd doch dabey unselbständig genommen wird. Da dieses sehr vielfach ist, so machen auch die Beschaffenheitswörter den größten und anfehnlichsten Theil der Sprache aus, und sind sehr häufig der Grund vieler anderer Redelheile, sehr oft des Substantives, welches, wie schon oben gedacht worden, nicht selten das Beschaffenheitswort selbst ist, allemahl aber des Adjectives, welches jederzeit, fast keinen einigen Fall ausgenommen, aus einem BefchaffenheitSworte gebildet ist. Selbst die Wurzel der meisten Verbo- rum ist ein Befchaffenheitswort, ob gleich auch aus andern Rcdetheilen, und besonders unmittelbar aus den Interjeetionen Verba gebildet werden können, und wirklich gebildet sind, z.B. playen, pochen, knallen und so ferner. Die große Menge von Beschaffenheitswörtern läßt sich nach Maßgcbung ihrer Bedeutung in viele Classen theilen, da aber eine solche Eintheilung in die Sprachlehre weiter keinen Einfluß hat, so übergehe ich sie, und berühre nur die, welche in dem Baue der Sprache selbst gegründet ist, und uns zeigt, wie der rohe noch in seiner Kindheit befindliche Verstand sich die Dinge gedacht hat. Die Beschaffenheit ist entweder eine ursprüngliche Beschaffen- Adverbium, i. Arten. §. 47z. 45 schaffenheit, oder sie ist eigentlich ein Umstand, wel. cher aber zu einer Beschaffenheit erhöhet, oder als solche ausgedruckt wird. Im ersten Falle ist es entweder eine Beschaffenheit ohne allen weitem Nebenbeqriff, und ihr Ausdruck heißt alsdann das Leschaffcns heitörvorc oder Adverbium Dualitan» im engsten Verstände, oder es druckt zugleich einen oder den andern Nebenbegriff mit aus. Dieser ist entweder der Nebenbegriff der Zeit, verbunden mit dem Begriffe des thätigen oder leidenden Zustandes, daher das Participium, oder auch der Nebenbegriff der Zahl, daher die adverbischen Zahlrvsrcer. Hier ist alles in einer kleinen Tabelle. Die Beschaffenheit, d. i. das an dem Dinge selbst befindliche Unselbständige, für sich allein und unselbständig betrachtet, ist Eine wahre Beschaffen? heit, daher das ursprüngliche Veschaf- senheics«?«>rr. I __^. Oder ein Umstand, der aber zil eine! Beschaffenheit erhöhet wird, das gemachte Beschaffenheiten.'»«, welches vermittelst der Laute t, er und ig gebildet, aber nur als Adjectiv gebrauch!! wird. Beschaffenheit ohne alten Nebenbegriff, ZSe- schaffeiiheiowsrr im engsten Verstände; Z.B. gut,böse, rsch. >---> Mit einem Neben- bcgriffe; und zwar, der Zeit, das Participium. ! ! Der Zahl, daher di« adverbischen Gar« rungs - Verdoppc- lUngs - unvVervieK fälrigungszablen. Partie. Präs. Partie. P rarer. Die 46 i.TH. 2. Abschn. 9. Kap. Die zweyte Classe der Befchaffenheitswörter, d. i. die gemachten, wird nur gebraucht, einen Umstand als eine Eigenschaft auszudrucken, daher sie außer der Coneretion oder als bloße Beschaffenheitswörter nicht üblich sind." Es ist davon schon im ersten Theile §. 289. hinlänglich geredet worden, und im folgenden werden wir noch einmahl darauf kommen, daher ich mich hier nicht weiter dabey aufhalte. Daß das Participium ein wahres aber von einem Verbo abgeleitetes Adverbium ist, welches den Begriffdes Verbi als eine Befchasseuheit, aber unselbständig und für sich betrachtet/mit dem Nebenbegriffe der Zeit darstellet; ist fchon im vorigen gezeiget worden. Von Zahlwörtern gehören eigentlich nur die Gamings - Vervielfalriguugs - und N?ieder- hohlmiISzahlen, und dieDerdoppelungs- und Verhälnn^zahlen, so fern sie unconcrefciert gebraucht werden, hierher, S.TH. 1. §.z2i f. Sie sind insgesammt zusammen gesetzt, und können ohne eine andere Ableitungssylbe coneresciert werden. Die Grdnungs- und lViederhohlungszahlen können mit mehrerm Rechte zu den gemachten Le- schaffenheirswörtern gerechnet werden, weil sie erst vermittelst eines eigenen AbleituugSlauteS zu Beschaffenheitswörtern gemacht werden müssen, ehe sie als Adjectiva gebraucht werden können. Der Ableitungölaut für die cDrdmiiigszahlen ist t, zn?cy-r--e, vier--r-e u. f. f. für die Vervielfäl- tigungs- und lViedeihohlungszahlen aber ig, die dreymahl-ig 5 e Wiedechohiung. S. Th.i. H. ZI9 UNd Z22. II. Bildung Adverbium. 2. Bildung. §. 474. 47 II. Bildung der Adverbien. §. 474. Da kein Rcdetheil eine eigene oder be- Von ibr-x stimmte Form hat, so gilt solches auch von den Ad- §°rm übxr- verbien, und zwar von den Beschaffenheitswörtern ' so sehr, als von den Umstandswörtern. Beyde sind eben so oft Wurzelwörter, als abgeleitet oder zusammen geseht. Zu den Wurzelwörtern müssen auch diejenigen gerechnet werden, welche theils um der gelinden'Aussprache des gelinden End-Consonan- ten willen, im Hochdeutschen das e annehmen: mürbe, trübe, müde, behende, gerade, geschwinde, blöde, milde, gelinde, lange, (von der Zeit, aber lang, von Verhänge,) bange, feige, schräge, geringe, enge, träge, döse, leise, lose, (für schalkhaft, aber los, abgelöset,) weise, iapi-euz. Dieses e bekommen auch viele, welche sich auf ein b> endigen, ehe, frühe, nahe, vermuthlich den Hauch zu bezeichnen, und die Schreibart zu sichern, well das End h sür sich allein nicht ausgesprochen werden kam,. Aber rauh, roh, froh, ^eure, düns ne, dürre und gerne folgen diesem Beyspiele gemeiniglich auch, obgleich nicht aus eben denselben Ursachen; in Ansehung des gerne ist indessen der Gebrauch noch nicht völlig allgemein. In den übrigen Fallen, wo entweder kein weicher End-Con- sonant vorhanden ist, oder wo derselbe hart lautet, würbe dieses e fehlerhaft seyn; folglich lieb, ab, (im Oberdeutschen ehedem abe, gleichfalls mit diesem mildernden c,) ob, fremd, rvild, (auch schon nicht selten fremde, rvilde,) rund, bald, derb, > grob, !ieb u. s. f. obgleich zu vermuthen ist, daß wenn die Sprache noch eine beträchtliche Zeit in der Cultur fortschreitet, noch mehr einsylbige Wörter aus allen Redetheilen dieses e annehmen werden, die 4s r. Th. 2. Abschü. 9. Kap. die harte Einsilbigkeit zu vermeiden. Die alte oberdeutsche Mundart ging zur Zeit ihrer frühern Cultur, einen ähnlichen Weg, nur daß das tiefere 0, welches sie den Wörtern anhing, dem noch rauhem Geschmacke angemessen war: dahcro, bishero, hinfüro, dero für der, :hro, und hundert andere mehr, welche in alten oberdeutschen Schriften noch häufig vorkommen. Ableitung §. 47?. Die Umstandswörter sind ursprüng. der Um- lich größtentheils Wurzelwörter, und zwar sowohl swndswLr- „ackte, wie nie, je, nun, nur, bis, dann, ehe ^ für eh, noch, schier, auch, gar, jelb, ab, da, hier, hin, her u. f. f. als auch ausgebildete, jerzr, bald, oft, dorr, sammt, ganz, erst, sonst, cinsi, selbst, wovon die letztem auf ein st auch als abgeleitet angesehen werden können. Sehr viele sind zusammen gesetzt, sowohl aus andern Umstandswörtern, als aus einem Umstände und einem Nennworte, als auch aus zwey Nennwörtern: etwas, niemahls, jemahls, anjerzt, nunmehr, dereinst, dermahleinst, indessen u. s. f. Siehe den dritten Abschnitt von der Zusammen« setzung. Nicht so viele sind abgeleitet, daher auch die eigenen Ableitungssylben der Umstandswörter eben nicht zahlreich sind. Es sind nur folgende: en, oft nur N, Umstandswörter aus Wurzellau- , ten und unbestimmten Wurzelwörtertt, oft aber auch aus schon ausgebildeten Wörtern, und selbst aus Nennwörtern zu bilden: morgen, zwischen, mit Nichten, von wannen, von dannen, von innen, außen, mitten, neben, oben, unten, binnen, von hinnen, wegen, gegen. Zuweilen gehet es in ein bloßes n über: einzeln, von dem Beschaffen» Adverbium. 2. Bildung. §.475. 49 Beschaffenheitsworte einzel, fern, ehedem ferren, gern, von ger in begehren. In einigen fließet eö mit der Ableitungssylbe en für Beschaffenheitswörter zusammen, wie in eben und selten, welche daher auch ohne weitere Umstände concreftieret werden können. Eö ist daher so ein grober Fehler nicht, als von einigen vorgegeben wird, wenn auch daö Beschaffenheit- und Eigenschaftswort einzeln für einzel lautet, ein einzelner dl^mn, für einzc- ler; so auch albern für das größten Theils veraltete alber. An vielen aus Nennwörtern gemachten Umstandswörtern ist es noch ungewiß, ob dieses en die jcht gedachte Ableitungssylbe, oder vielmehr der Casus des Plurals ist: bisweilen, lln- terweilen, zuweilen, beysammen, dermaßen. In vor Feiten ist es zuverlässig der Dativ, daher man diese R. A. auch richtiger getheilt schreibet, zumahl da hier nicht die geringste figürliche Bedeutung Statt findet. Weil man ganz richtig von- innen sagt, so folgt daraus noch nicht, daß man auch darinnen und worinncn sagen müsse. Hier ist die letzte Hälfte unstreitig die Präposion in, mit den relativen Umstandswörtern da und wo verbunden. Auch nicht darin« und worinn, weil die Verdoppelung des n, wenn das Wort am Ende nicht wächset, unnöthig ist; sondern darin und worin, wie man sagt, in dieses, in welches. Zu dieser Ableitungssylbe gehören auch irgend, nirgend und weiland, wo das d ein bloßer müßiger Begleiter des n zu seyn scheinet. Irgend lautet in den ältesten Zeiten ieiAen und uuei^in, in den spätern ynnderr; nirgend lautet in den Qberdeut« schen Mundarten bald nienen, nienent/ bald nins drrr, im Niederdeutschen aber nergen. Es erhellet hieraus zugleich, daß das 6, welches diesen bey. Ad»l.D.Spr.ii.V. D den l.TH. 2.Abjcyü. 9. Kap. / den Wörtern gemeiinglich angehänget wird, eigentlich unnöthig ist, obgleich nirgends im Hochdeutschen beynahe allgemein ist. Meiland, welches ehedem nur wilen, wilin, und in den spätern Zeiten wilem, weitem, weilund lautete, ist von dem Umstandsworte weil und dieser Ableitungssylbe. In vornen ist diese Ableitungssylbe verdoppelt, weil die eigentliche Bedeutung des n in vorn bereits zu unkenntlich geworden. Indessen ist vorn, oder wenn man zu Vermeidung der Einsilbigkeit das mildernde e für nothwendig hält, vorne bcj'str als vornen. Daß in den Nahmen der Himmelsgegenden osteu, wesren, süden und norden, die Endsylbe wahrscheinlicher auch diese AbieitungS- sylbe-ust, ob man sie gleich als eigene Nahmen gern mit großen Bustaben schreibet, ist bereits im ersten Theile bey den Substantiven geäußert worden» Überhaupt gilt von dieser Ableitungssilbe, was von allen alten gilt, deren Bedeutung nicht mehr klar empfunden wird; wo der Sprachgebrauch sie nicht allgemein anerkennet, da ist sie fehlerhaft. N?eis len, dieweiien, gleichwshlen, abermahlen, jedesmahlcn, die schon angeführten darinnen und worinnen, sind daher im Hochdeutschen verwerflich, wo man nur weil, dieweil, gleichwohl, abermahl, jedesmahl, darin und worin spricht und schreibt. Eben so tadelhaft sind hier die Oberdeutschen Formen bmlichen, schriftlichen, gänzlichen, kürzlichen u.s.f. für bittlich, schriftlich, gänzlich, kürzlich, weil, wie wir sogleich sehen werden, lich schon eine Ableitungssylbe für Umstandswörter ist, daher sie keiner neuen bedarf. . er, in folgenden: immer, nimmer, Heuer, aber für wiederum, wieder, lauter, nichts als; besonders in den Präpositionen wider, unter, über, nieder, Adverbium. 2. Bildung. §. 475. 51 nieder, außer. In eher und ferner scheinst es eigentlich die Endung des Comparatives zu seyn. In gestern, ehedem gelleren, gelieroi,^ Nieders. gisteren scheinen beyde Ableitungssylben verbunden z» seyn, daher das Wort in manchen gemeinen Mundarten nur gester lautet; welche Form im Hochdeutschen fehlerhaft feyn würde, ob sie gleich an sich analogischer ist, als gestern. Im Oberdeutschen ist eö noch sehr gewöhnlich, vermitteist dieser Ableitungssylbe Beschassenheitswörter zu Umstandswörtern zu bilden, wenn eine Art und Weise bezeichnet werden soll, zum deutlichen Beweise, daß der Unterschied zwischen den Umstandswörtern und Beschaffenheitswörtern von der Nation zu allen Zeiten empfunden worden: er ist kranker forrgerei- sec, er hat mich unbekleideter angetroffen, wir haben ?s ihm rviederhohlrer gesagt, er ijt rodrer nach Hause getragen worden u.f.f. Im Hochdeutschen, wo man dafür in den meisten Fällen die Beschassenheitswörter gebraucht, und sie auch mit allem Rechte gebrauchen kann, weil die Bestimmung wirklich an dem Dinge befindlich ist, würde diese Form ein Fehler seyn, so analogisch und richtig sie auch an sich seyn mag. Unsere neuern Sprachlehrer, welche nicht wußten, was sie aus dieser Endsylbe machen sollten, haben allerley darüber geträumet, welches man, wenn man tust hat, bei) ihnen selbst nachlesen kann. lich, freylich auch eine sehr fruchtbare Ableitungssylbe für Beschassenheitswörter, ader auch häufig für Umstandswörter, eine Art und Weise zu bezeichnen, in welchem Falle sie mit der Engl. ähnlichen Sylbe —I/, in^reaciv, liiol^x u. s. f. übereilt kommt: kürzlich, gemeiniglich, schließlich, D 2 vor- 52 I.TH. 2. Abschll. 9. Kap. Vornehmlich/ freylich, hoffentlich, höchlich, letztlich, anfänglich, endlich, erstlich, sicherlich, kecMch, klärlich, weislich, lediglich, leichtlich, nachrichtlich, sauberlich, schwerlich u. s. f. Daß diese Wörter wahre Umstands. Wörter sind , erhellet daraus, weil sie im Hochdeutschen nicht concrescieret, d. i. nicht als Adjectiva gebraucht werden können: höchlich bitten, sich höchlich beschweren, aber nicht, eine höchiiche Bitte oder höchliche Beschwerde. Im Oberdeutschen werden freylich die meisten von ihnen als Adjectiva gebraucht, so wie es auch im Hochdeutschen an Wörtern mit dieser Ableitungssylbe, welche eigentlich eine Ähnlichkeit bedeutet, nicht fehlet, welche ohne Bedenken als Adjectiva gebraucht wer» den. Allein daraus folgt weiter nichts, als was ohnehin schon bekannt ist, daß die Gränzen, wo sich zwey Reverheile oder zwey Analogien scheiden, Niemahls genau angegeben werden können. Da es überdicß noch jetzt Zweifelhaft scheinen kann, ob der Begriff der Art und Weise ein Umstand, oder eine Beschaffenheit ist, so ist eö sinnlichen und unaufgeklärten Menschen nicht zu verdenken, wenn sie darüber nicht bestimmt entscheiden können. Im Oberdeutschen scheint man diese Zweydeutigkeit der Ableitungssylbe lich dunkel empfunden zu haben, daher man ihr, wenn sie wirklich ein Umstandswort bilden soll, noch gern die vorige Ableitungssylbe en cmhangt: bittlichen, sich kläglichen geberden, graujamlichen u. s. f. Im Hochdeutschen, wo man die Häufung der Ableitungssylben gern vermeidet, ist dieser Anhang ungewöhnlich, weil die Deutlichkeit hier nichts dabey gewinnet oder verlieret, man mag den Begriff für einen Umstand oder für eine Beschaffenheit halten. s, Adverbium. 2. Bildung. §. 475. 53 s, ein sehr fruchtbarer jaut, Umstandswörter aus andern Redetheilen zu bilden, welcher theils mit dem s des Genitives, theils mit der sächlichen Biegungssylbe es nahe verwandt zu seyn scheinet. Aus Beschaffcnheitswörtern: bereits, folgends, nachgehende, ftcrs, c besser stärs,) öfters, eilends, zusehends, stracks, eins, vollends, edler völlig, besonders, längs, rechts, linke; aus Adjectiven: anders, ehestens, meistens, erstens, zrveyrcns, drittens u. s. f. bestens, letztens, übrigens, höchstens, welche Ausdrücke sich durch eine Präposition auflösen lassen, mit dein ehesten, zum meisten, zum ersten, in? übrigen. Inglei- chen aus Substantiven: niemahls, damahls u. s. f. anfangs, flugs, spornstreichs, theils, falls, die mit —vväns, morgens, abends, mittags, montags, dienstags u. s. f. Daß diese keine bloße Genitive sind, erhellet aus den von weiblichen Wörtern gebildeten nachts, allerseits, mei- «erseirs, Mittwochs u. s. f. daher man dergleichen Wörter auch nicht mit großen Buchstaben schreiben darf, so wenig als man anfänglich, mittägig, nächtlich u. f. f. mit großen Buchstaben schreibt, ob sie gleich eben so sehr von Substantiven abgeleitet sind. Ich will hier aus meinem Wörter- buche eine Anmerkung wiederhohlen, welche die mit !1?ahl zusammen gesetzten Umstandswörter betrifft. Bestimmt der erste Theil die Zusammensetzung genau, se bekommt das Mahl kein s, diesmahl, keinmahl, abermahl, allemahl, dreymahl, viermahl u. s. f. welche letztern doch lieber getheilt geschrieben werden ein Mahl, (aber um der figür. lichen Bedeutung willen einmahl,) zwey Mahl, drey Mahi u. s. f. Drey Mahl drey ist neun. Ist die Bestimmung der ersten Hälfte nicht so ge- ' D z nau. 54 l.TH. 2.Abschi?. 9. Kap. nau, so scheinet man sie an dem i17ahl ersehet zu haben, daher bekommt es alsdann dieses advcrbische s: jemahls, vormahls, naci)!nahls, nsct)s mahls, oftmahls,, inehrn-als; und da hier dass ans das Ganze gehet, so sind dergleichen Wörter auch mit Recht als zusammen gesetzt zu betrachten. Indessen hat doch auch diese Regel, welche wie alle nur dunkel befolget werden können, ihre Ausnahmen; indem niemahls und damahls wohl so bestimmt sind, als keinmahl und dießmah!, und doch das s bekommen, die unbestimmten vielmahl und manchmahl aber ohne s gebraucht werden. st, welches mit dem voriges, s ursprünglich ein und eben derselbe Able-tungslaut zu seyn scheinet, weil viele der folgenden in dem Alterthume nur eins haben: einst, dereinst, dermahleinst, sonst, nächst, längst, jüngst, welche drey letzter» auch die Superlative von nahe, lang und jung, seyn können, mittelst, vermittelst, selbst, nebst. Da dieses st so wie das s ein wahrer Ableitungslaut für Umstandswörcer ist, so ist es unnöthig, ihnen noch eine neue anzuhängen, und einsten, stlbsten, son- sten, oder gar einstens, mit drey AbleittmgSsylben, wovon eine nichts mehr bedeutet, als die andere, zu sagen. Nächstens, längstens u. s. f. gehören nicht hierher, weil sie von Nennwörtern um nach? sten, zum längsten, sind. Für selbst ist mit einer andern 'Ableitungssylbe in gemeinen Sprechar- len auch selber üblich, wofür doch selbst edler ist. ?. Beschaf- §. 476. Die Deschaffenheitswörter sind ftulie-tv- gleichfalls entweder Wurzclwörter, oder abgeleitet, nm-tt-r als oder zusammen gesetzt. Unter den.erstem kommen ^Al' Wurzeln von allen Arten vor, z. B. lau, blau, ftii, fein, gäh-e, gar, fahl, faul, feig-e, heP, gut, Adverbium. 2. Bildung. §. 477. 55 gut, alt, arg, arm, dicht, dick, dünn, dürr-e, eng e, bang,e, bunt, derb, falsch, feist, fest, feucht, ganz, gelb, halb, hart, herb-e, groß, blasi) blos;, bleich, blöde, braun, flach, früh--e, frech, und hundert andere mehr. Das e am Ende einiger ist das oben schon erwähnte mildernde e. §. 477- Ihre Ableitung geschiehet entweder Ihre Mlei- durch Verfylben oder durch Nachfylben. Von vor- t""s durch sylbcn gehören hierher nur be und ge. Vorsylbc,,. be, ist eigentlich keine Vorsylbe für Beschaffenheitswörter, indem die meisten dieser Art von Ver- bis oder Substantiven herstammen, für welche diese Vorsylbe vorzüglich fruchtbar ist: bedächtig, bcdächrlich, bedachtsam, von Bedacht, bedenklich, bedrohlich von bedenken und bedrohen, bedürftig, von dem aken Vedurfc, besinds lich, befremdlich, begehrlich, von befinden, befremden und begehren, begierig, von Vogler, beharrlich, bchelflich, behülstich, behutsam , beliebig, beredsam, (von bereden, aber beredsam, wenn es von beredt abstammen sollte,) beschaulich, beschwerlich, beforglich, beständig, betriebsam, betrügerisch, bcrrieglich, bes weglich, bezwinglich; welche insgesammt entweder von Verbis oder Substantiven, welche diese Vorfylbe bereits hatten, abgeleitet sind. Doch können behende, behörig, bequem, bereit und besonder als unmittelbar mit dieser Vorfylbe abgeleitet angesehen werden. ge, ist häufiger, ob sie gleich auch den Beschaf- fmheitSwörtern nicht eigen ist. Ihre Bedeutung ist dunkel; sehr oft aber bedeutet sie einen Nachdruck, welcher oft zu einer müßigen Verlängerung wird, daher die damit abgeleireten Wörter ehedem D 4 auch 56 i. Th. 2. Abschn. 9. Kap. auch ohne dieselbe vorkamen, und in manchen Mundarten noch vorkommen: gebürtig, gediegen, gedoppelt, auch nur doppelt, gcdränge, gesanglich, gefüge, gehässig, geheim, geheuer, gehorsam, gelassen, geläufig, gelehrjam, ge- lenk, gelinde, gemach, gemäß, gemein, genau, genehm, genug, gerade, geraum, geräumig, gerecht, geringe, gcsammr, gescheit, (nach >!ilciem->, folglich mchrgcscheut,) geschlachr, geschlank, geschmeidig, geschwinde, gestrenge, gesund, getreu, gecrost, gewiß. Viele hingegen sind wiederum von Verdis, Substantivis und andern Beschaffenheuswörcern abgeleitet, welche bereits mit dieser Vorjylbe versehen waren: ges bierhcrisch, gebirgig, gebräuchlich, gebrecht lich, gebührlich, gedeihlich, geduldig, gefahrlich, gefällig, geflissentlich, gemclnschaft- lich, gcnüglich, genugsam, genügsain, gerichtlich, geschäftig, geschwä-zig, gesellig, gesellschaftlich, gesetzlich, gesprächig, geständig, getreulich, gewaltig, gewaltsam, gewissenhaft, gewöhnlich. Daß übrigens diese Vorsylbe vorzüglich den Participiis Pratcriti eigen ist, ist bereits bey diesem Redctheile bemerket worden. Sur-H §. 478. Weit fruchtbarer sind für die Beschaf- Nachsplbcn. fenhxüswötter die Nachsylben, Adverbia von andern Redetheilcn, und nicht selten auch von andern Adverbiis zu bilden. Die allermeisten dieser Nachsylben sind den Beschaffenheirswörtern allein eigen, einige wenige haben sie theils mit den Umstandswörtern , theils mit den Substantiven gemein. Es sind folgende: bar, welche ehedem eigentlich in zwey einander entweder entgegen gesetzten Bedeutungen üblich war. i. Von Adverbium. 2. Bildung. §. 478. 57 Von dem alten bar, bloß, entblößet, daher noch barfuß, einer Sache beraubt: volkesbar, ohne Volk, gutesbar, seines Vermögens beraubt, mundsbar, keinen Vormund habend. Da diese Bedeu» tung in Vergleichung mir der folgenden fast jederzeit Mißdeutung verursachen kann, so hat die Hochdeutsche Mundart sie um der Deutlichkeit und Bestimmtheit der Rede willen, wieder veralten lassen. Indessen scheinet sie noch in offenbar vorhanden zu seyn, welches im Alterthum nur bar allein lautete, dem man aber in der Folge zur Verhütung aller Zweydeutigkeit noch das offen zugesellet hat. s. Von dem veralteten baren, tragen, oder vielmehr dessen so fruchtbaren Wurzel bar, bedeutet diese Nachsylbe: (1) Eine Anwesenheit sowohl als auch bloße Möglichkeit des Begriffes des Wurzelwvrtes: scheinbar, einen Schein habend, tragbar, sowohl wirklich tragend, als auch was tragen kann, fruchtbar, wirklich Frucht bringend, und was Frucht bringen kann. So auch haltbar, fehlbar und unfehlbar, brennbar, streitbar, mannbar, kündbar, ruchrbar, lastbar, dienstbar, dankbar, zinsbar, schoßbar, zollbar, steuerbar. (2) Sehr oft bekommt das Wurzelwort eine leidende Bedeutung: tröstbar, was sich tröste», lasset, getröstet werden kann. So auch untrösrbar, eßbar, lchenbar, gangbar, ein gangbarer N)cg, wo man gehen kann, sichtbar, jagdbar, unläugbar, brauchbar, rheilbar, roshnbar, kennbar, zählbar, schmelzbar, jchlachtbar, dehnbar, trinkbar, heilbar, hörbar, fühlbar, reiczbar, schiffbar n. s. f. (z) Eine Verbindlichkeit oder Nothwendigkeit; eine Fortsetzung der vorigen leidenden Bedeutung: schätzbar, was geschaht zu werden verdienet, zahlbar, was bezahlet werden muß. So D 5 auch 58 i. Tl> 2. Abschn. 9. Kap. «uch strafbar, sraffelbar u. s. f. (4) Eine Verursachung: kostbar, Kosten verursachend, nuybar, ehrbar, schandbar, furchtbar. (5) EineÄhn- lichkeit oder Gleichheit, wie die Nachsylben lich und si^m, in sehr vielen Beschaffenheitswörtern: cbrbar, der Ehre gemäß, wunderbar, einem Wunder ähnlich, mannbar, einem Manne ähnlich, mitte'bar, unmittelbar u. s. f. In der ersten Bedeutung der Möglichkeit kann diese Nachsylbe noch jelzt gebraucht werden, neue Adverbia, besonders von Verbis, zu bilden, weil hier die Bedeutung noch am klarsten empfunden wird, singbar, spielbar, ziehbar, was sich singen, spielen, ziehen läßt. Diesen Beschaffen.heitsivLrtern noch ein lich oder gar lichen anzuhangen, um Umstandswörter daraus zu bilden, wie im Oberdeutschen sehr gewöhnlich ist, dankbarlich oder dankbarlichen, auf dankbare Art, mit Dank, ist im Hochdeutschen fehlerhaft, weil man daselbst diesen Begriff in den meisten Fällen als eine Beschaffenheit anstehet, und folglich dankbar u. s. f. sagt. Daß die Adverbia auf bar, Subsiantiva aus r'eit leiden, ist bereits bey den Substantiven angemerket worden. cl, vielleicht einerley mit dem folgenden er, gehöret eigentlich für Substantive-, daher der Befchaf- fenh^itSwerter mit derselben nur wenige sind: dunkel, eitel, edel, einzel, ekel, übel. en, N, mit Umstandswörtern und Substantive» gemein, bedeutet hier: 1. eine Materie von Substantiven, da denn das Stammwort gemeiniglich den Umlaut bekommt, wenn er Statt findet: hären, von Haar, mcjslNIcn, aus Messing bestehend, leinen, Zwillichen, flachsen, hänfen, hörnen, von Horn, auch hörnen. Oft aber fällt der Umlaut Adverbium. ^ Bildung. §.478. 59 laut mich weg, mchen, von Tuch, golden, ehedem gülden, wollen. Endigt sich daö Substantiv auf ein weibliches oder milderndes e, so fallt solches weg: seiden, eichen, sichren, buchen, irden, rannen. Endigt e6 sich auf ein er, so verlieret die Ableitungssylbe ihr n: liefern, silbern, kupfern, (auch, doch nicht so häufig tüpfern,) silbern, ledern , alabasiern. Im Oberdeutschen lautet diese Ableitungssylbe noch jeHt in und ein: güldin, silberin , hnrnein, hörnen, feldin. Die lateinische ähnliche Endung in ist damit genau verwandt: can° in-cii!, bov-in-u^, liAuI-in-u!>', ülin-in-u!i u. s. f. 2. Eine bloße Beschaffenheit, wie el und er, doch nur an wenigen: eben, eigen, trocken, offen, selten u. s. f. vermittelst welcher sie unmittelbar in die Ableitungssylbe en für Umstandswörter über- gehet, z. Eine vollbrachte Wirkung, mit der Vorsylbe ge, Partieipia Präreriri von irregulären Ver» bis zu bilden, für welche Sylbe in den neuern folglich regulären Verbis er gekommen: gefunden, gebrochen, gegangen. end, scheinet aus der vorigen und dem d gebildet zu seyn, Partieipia Präsentis von Verbis abzuleiten : gehend, liebend, fehend, suchend. Eigentlich ist diese Sylbe diesen Parcicipiis völlig eigen; da sie aber nur dunkel angewendet werden können, so gibt eZ auch einige Substantivs mit derselben: Tugend, Jugend, Heiland, welche man um ihrer Endsylbe willen, wohl eher für ursprüngliche Partieipia gehalten, welches doch unnöthig ist. In dem halb veralteten weiland ist die Endsylbe aus dem en der Umstandswörter entstanden, für weilen, ehemahls. er, So . r.TH. 2.Abschn. 9. Kap. er, mit den Umstandswörtern und Substantiven gemein, obgleich in verschiedenen Bedeutungen. Sie scheinet hier, 1. so wie el eine Beschaffenheit zu bezeichnen, und bildet Adverbia aus nackten und angekleideten Wurzeln: bitter, finster, sauer, tapfer, alber, gemeiniglich albern, heiser, lau- rer,rein, sauber, mager, munter, sicher, roa- cker, das Nieders. düster u. s. f. 2. Bildet sie auch Comparative, ob sie gleich hier mehr als Biegungssylbe zu betrachten ist, S. §. 48? f. von der Steigerung. em, scheinet aus er und en oder n zusammen gesetzt zu seyn, und bildet Veschaffenheitswörter aus Substantiven, welche allemahl den Umlaut bekommen, wenn sie dessen sahig sind. Sie bedeutet 1. eine Materie, wie en, gläsern, hölzern, beinern, knöchern, drährern, stählern, zinnern, tbönern, strohern, bleyern, steinern, fleischern, wächsern. Diejenigen gehören nicht hierher, deren Substantiv sich schon auser endigt, und denen daher nur das n angehänget worden, silbern, kupfern u. s. f. von Silber, Rupser. So auch eisern und ehern, von den alten Substantiven Iscr, Eiser, Eisen, und Eher, Erz. Die Ableitungssylbe ern ist in dieser Bedeutung der Materie vorzüglich den Hoch- und Niederdeutschen eigen; dieObcrdeutschen gebrauchen dafür in öderen: wüchsen, steinen, knochen, ströhen. 2. Eine bloße Beschaffenheit, doch nur in einigen wenigen: albern, nüchtern, schüchtern, lüstern. et, t, eine sehr alte und daher der Bedeutung nach dunkele Ableitungssylbe, i. Für die Partici- pia Prateriti der regulären, folglich neuern Verbo- rum,gercdcc, geliebt, gefruchtet, gelobt, und solcher, Adverbium. 2. Bildung. §.478. 61 solcher, welche im Begriffe sind, aus der irregulären Form in die reguläre überzugehen, gebrv.nnr, genannt, gekannt. 2. Eine bloße Beschaffenheit, vielleicht der Grund des vorigen Gebrauches; eine im Oberdeutschen noch völlig gangbare, im Hochdeutschen aber veraltete Ableitungssylbe: flecket, fleckig, eigeutlich gefleckt, vicrecker, viereckig, kurzstielet, kurzstielig, grsßnaser, großnasig, stinket, stinkig u. s. f. wofür die Hochdeutschen die Ableitungssylbe lg gebrauchen» hüft, von haben, sehr fruchtbar, Beschaffenheitswörter aus Substantiven, zuweilen auch aus Verbis zu bilden. Sie bezeichnet: 1. Die Anwesenheit des Wurzelbegriffes, wie ig und isch, am häufigsten von Substantiven: gewissenhaft, ein Gewissen habend, mangelhaft, fehlerhaft, schadhaft, schmackhaft, statthaft, herzhaft, nahmhaft, ledhaft, nahrhaft, frevelhaft, dauerhaft. Auch von Verbis: habhaft, habend, wohnhaft, renhaft, schmerzhaft u. s. f. wo sich doch die drey letztem gleichfalls von Substantiven ableiten lassen. 2. Eine Neigung zu dem Begriffe des Stammwortes, oft auch eine Fertigkeit. Von Substantiven: tugendhaft, lasterhaft, schrvindelhaft, zum Schwindel geneigt, vorrheühaft, wenn es eigen- nühig bedeutet, grillenhaft, zu Grillen geneigt, lügenhaft, schamhaft. Von Verbis: haderhaft, zankhaft, schwayhaft, rvaschhaft, plauderhaft, flatterhaft, tändelhaft, schmeichelhaft, naschhaft, zaghaft u. s. f. Zuweilen auch von andern Beschaffenheitswörtern: boshaft, leckerhaft, wahrhaft, z. Eine Ähnlichkeit, in sehr vielen, insgesammt von Substantiven, und nicht selten von ihrem Plurale: fieberhaft, erd- 6Z i.Th. 2.Abschn. 9. Kap. haft, eisenhaft, fabelhaft, schalkhaft, grillenhaft, herbftbaft, sommcrhaft, rvincerbaft, kernhaft, kinderhaft, schülerhaft, meisterhaft, musterhaft, ftammhaft, mannhaft u. s. f. 4. Eine Möglichkeit^ wohnhaft, wo man wohnen kann, rheilhaft, so fern e6 bedeutet, was sich mit Vortheil einthe-lcn oder vertheilen laßt, wehrhaft, was sich wehren kann, ahrthaft, was sich cihren oder psiügen läßez u. s. f. 5. Eine Verursachung, wirklich hervor bringend: schmerzhaft, schreckhaft, objertivs, nahrhaft, ekelhaft, vor- rheiihaft, gervijscnhaft u. s. f. Da die Bedeutung dieser Ableitungssylbe noch bekannt ist, so läßt sie sich auch noch zu neuen Ableitungen gebrauchen, besonders in der dritten Bedeutung der Ähnlichkeit, wenn nicht schon ein anderes gleich bedeutendes Wort vorhanden ist: alaunhaft, laugenhaft, din? lenhaft, kreidenhaft, welche doch mehr von der durch die auß?''" Sinne, z.B. den Geruch, Geschmack, da/,' Gefühl, empfundenen Ähnlichkeit gebraucht werde!?, dagegen von der Ähnlichkeit der Bestandtheile die Zusammensetzungen mit—artig, alaunartig, laugcnanig, erdarcig, dintens artig, kreidenartig u. s. f. und von der Übereinstimmung, die mit—mäßig üblicher sind: planmäßig, regelmäßig, gesetzmäßig. Den Ve- schaffenheitSwörtern auf haft noch die Ableitungssylbe ig anzuhangen, wie im Oberdeutschen sehr gewöhnlich ist, lasterhaftig, glaudhaftig, schreck- hastig u. s f. ist im Hochdeutschen veraltet, weil die Häufung der Ableitungssylben die Deutlichkeit wehr hindert als befördere, und nicht selten den Grundbegriff verwirret und zerstöret» Die Oberdeutsche Mundart, welche sich doch sonst so sehr ihrer Regelmäßigkeit rühmet, gehet m Häufung der Ablei- Adverbium. 2. Bildung. §.478. 6z Ableitungssylb.cn oft sehr weit; z.B. glaud?>afs riglich, dauerhaftiglich, vottheiihaftiglich, und wiederum Umstandswörter daraus zu bilden, glaudhasiiglicheii, dauerhaftiglichcn; wofür der Hochdeutsche mit mehr Verstand und Deutlichkeit glaubhaft, dauerhaft sagt. Glaubhafng- lichen, welch ein Begriff, wenn jedeAbleitungssylbe ihre eigene bestiminte Bedeutung haben soll! Ist aber eine und die andere ohne Bedeutung, so sind sie weiter nichts als müßige gedankenlose Verlangerungen, welche nurj den Mund füllen und nichts als einen leeren Schall Zurück lassen. Durch diese gedankenlose Häufung der Ableitungssylben haben die Griechische, Römische, Englische und andere Sprachen einen der schahbarsten Vorzüge einer jeden Sprache, ich meine den Sih des Tones auf der Stamm - und Wurzelsylbe verloren, und die wegen ihrer Regelmäßigkeit so sehr gerühmte Oberdeutsche Mundart war in den mittlern Zeiten, da sie in ihrer Cultur ohne Geschmack zu Werke ging, im Begriffe, auch die Deutsche Sprache um diesen Vorzug zu bringen. Dem Engländer fällt cS mcht schwer glaubhaftiglich und Ilaubhaftiglichcn zu sprechen ; allein der Deutsche muß Ilaubhaf-- riglich und glaubhaftlglichen sagen, und so ist die Stammsylbe glaub um allen ihren Ton. Die Hochdeutsche Mundart steuerte diesem Unwesen noch zu rechter Zeit, märzte alle diese müßigen Verlängerungen wieder aus, ehe sie noch durch den allgemeinen Sprachgebrauch geheiliget wurden, und erhielt also eine der vorzüglichsten Eigenheiten der Deutschen Sprache. icht, (niemahls l'gt>) mit den Substantiven gemein , obgleich in anderer Bedeutung. Sie bedeu- tek 64 >.TH. 2.Abschn. 9. Kap. tet eine Ähnlichkeit, fast wie haft, isch und lich: dintichr, duckelicht gehen, wie ein Buckeliger, aber buckelig seyn, d. i. einen Buckel haben, ku- pscrichr, dem Kupfer ahnlich, grasichr, holzicht schmecken, wie Gras, Holz, öhlicht, ralgichc riechen, thöricht, einem Thore ähnlich. Da diese Ableitungssylbe in den gemeinen, besonders Oberdeutschen Mundarten acht, und mit einer müßigen Verlängerung achtig lautet, niosacht, Mösicht, jümpfacht, sumpficht oder sumpfig, jtemacht, stei- nicht u. s. f. so laßt sich ihr Ursprung nicht verkennen. Sie ist von achten, dafür halten, dimachr oder dincicht, was für Dinte zu achten ist, oder ihr ähnlich ist. Hieraus erhellet zugleich, wie fehlerhaft die Schreibart — igt ist, indem das g, selbst, - wenn es zur Wurzel gehöret, nach einem geschärften Vocale und vor dem t allemahl in ch übergehet, trage?», Tracht, schlagen, Schlacht. Auch die Bedeutung wird dadurch hinlänglich gesichert, itt- d?m man steinicht, Steinen ähnlich, und steinig, Steine enthaltend, beinichr, dem Beine ähnlich, und beinig, Beine enthaltend, önpserichr, dem Kupfer ähnlich, und kupserig, Kupfer enthaltend, leicht unterscheiden kann, so sehr sie auch im gemeinen leben, und selbst in den meisten Sprachlehren verwechselt werden. So bestimmt nun auch die Bedeutung dieser Ableitungssylbe Zu seyn scheinet, so läßt sie sich doch nicht nach Gutdünken zu Neuen Ableitungen anwenden, besonders, wenn schön ändere Ableitungssylben im Besitze solcher Worter sind: thie-! risch, hündisch, bertelhasi, menschlich; nicht thierichc, hundichc, betcelichr, menschlichr. Sind ganz neue nothwendig, so seßt man die Hauptwörter mit —artig zusammen, bierartig, cjslg-- artig, bleyartig u. s. f. welche noch iden Vortheil haben, Adverbium. 2. Bildung. §. 478, 65 haben, daß sie sich steigern lassen, und abstraete Substantive auf keil verstatten, die Bleyartigkeit. lg^ gleichfalls mit Substantiven gemein^ und wie e6 scheinet, fast in einer und eben derselben Bedeutung. An BefcbaffenheitSwörtern bedeutet sie: 1. den Besitz, die Anwesenheit des Staimubegrif- fes, und bildet BefchaffenheitSwörter aus Substantiven, und nicht selten auch aus Verdis: gütig, murhig, schmutzig, bergig, buckelig, dornig, haarig, saftig, steinig, grächig, aderig, buschig, felsig, federig, hitzig, kitzelig, kiesig, ko- thig, nwrastig, runzelig, eckig, kupserici, schuppig, schw^-imig, ann'.uchig, freudig, hungerig, durstig, liftig, luftig, willigt gehörig, willfährig, gelehrig, zweydcmig u. s. f. Viele bekommen dabey den Umlauti andäcbng, aussätzig, brunftig, bündig, günstig, fällig, flüchtig, wollüstig, gläubig, gnäd:g, »nächtig, häufig, jährig, mäßig, mündig, lässig, dürftig, pfundig, prächtig u.s.f. Aber freylich nicht alle. In Manchen gehet die Bedeutung des Besitzes in diS bloße Ähnlichkeit über, eine andächtige NAene, welche Andacht verräth. Diese Ableitungssylbe hat 2. deil Vortheil, daß man vermittelst derselben zusammen gesetzte Beschaffenheitswörter von Substantiven bilden kann, welche diese Ableitung außer dev Zusammensetzung nicht vertragen. Man kann nicht sagen, köpfig, füßig, tägig, händig, fettig, herzig, äugig u. s. f. wohl aber hundertköpfig, großkSpfig, dickköpfig, vierfüßig, vielfüßig, dreytägig, vielhändig, vielseitig, doppelherzig, vieläuglg u. f. f. So auch dreybeinig, zwey- spalrig, unförmig, barmherzig,j zweyzüngig, zweyschneidig, kaltblütig, vollblütig u. s. ft Adel.jv.Spr.il E 3. Die- 66 i.TH. 2.Abschü» 9. Kap. 5. Dienet diese Ableitungssylbe auch, abstracteSub« stantiva auf kcir von wurzelhaften Beschaffenheitswörtern zu bilden. Von fromm, harr, fuß, feucht, matt, klein, blöde, gerecht, gedankenlos u. s. f. kann man nicht sagen Lrommkeir, Harckeir u. s. f. sondern sie müssen erst diese Sylbe annehmen: Frömmigkeit, Härtigkeit, Süßigkeit, Feuchtigkeit, Mattigkeit, Ixleinigrcit, Blödigkeit, Gerechtigkeit, Gedankenlosigkeit; wovon der Grund ohne Zweiffel in der nunmehr ein wenig dunkel gewordenen Bedeutung der Sylbe kcir lieget. Da diese Ableitung aufig bloß um der ge« dachten Substantiven willen geschiehet, so sind auch die damit gemachten Beschaffenheitswörter für sich allein nicht üblich. Für frömmig, bärtig, fnßig u. s. f. sagt man fromm, harr, fuß. 4. Endlich dienet diese Sylbe auch, Umstandswörter zu Beschaffenheitswörtern zu erheben, doch nur in der Ab- sickt, um sie concrescieren, oder als Adjectiva gebrauchen zu können. Bey den Bestimmungswörtern des Substantives ist bereits bemerket worden, daß kein Umstandswort, so bald eS nur mit einiger Klarheit als ein solches erkannt worden, im Deutschen als ein Adjectiv gebraucht werden kann, sondern vorher durch die eigenen Ableitungssylben er und ig zu einem Bs- schaffenheitsworte erhöhet werden muß. Die Sylbe ig ist in diesem Falle die fruchtbarste. Vermittelst derselben können die Umstandswörter bald, jetzt, heute, da, bisher, dorr, vor, gestern, oben, hier, mahl, voll, ein, mein, dein, fein, nieder, nicht, rvider, gemeiniglich mit Wegwersung ihrer Ableitungssylben, in die Adjective, der baldig«?, jetzige, heutige, dasige, bisherige, dorrige, vorige, gestrige, obige, hiesige, ehemahlige, vormahlige, mehrmahlige u. s. f. völlige, einige, Adverbium. 2. Bildung. §. 478. 67 mge, meinige, deinige, ftinigs, niedrige, nichtige, rvidrige u. s. f. verwandelt werden. Da diese Ableitung bloß um der Concretion willen geschiehet, so sind auch baldig, dasig, jetzig u. s. f. einige wenige ausgenommen, nicht weiter als Be» schaffenheitswörter üblich, sondern es werden dafür ihre Umstandswörter gebraucht, Man siehet leicht, daß diese drey letzten Arten des Gebrauches dieser Ableitungssylbe sehr genau mit einander verwandt sind, und stufenweise aus der ersten eigentlichen Bedeutung derselben fließen. Diese ist unstreitig das Haben, der Besitz, die Anwesenheit, da sie denn, das Stammwort des ehemahligen jetzt veralteten Verbi eigen, haben, besitzen, Gr. x^-?^, und des noch jetzt üblichen Beschaffsnheitswortes eigen ist. isih, eine sehr alte Ableitungssylbe, welche die Bedeutungen der beyden vorigen in sich vereiniget, lind gleichfalls Beschaffenheitöwörter aus Verbis und Substantivis bildet. Sie bedeutet: i. einen Besitz, eine Anwesenheit, wie ig, von Substantiven, wo das Stammwort den Umlaut bald bekommt, bald aber auch nicht bekommt: neidisch, argwöhnisch, abergläubisch, mißtrauisch, tückisch, parteyisch. Im Bergbaus sagt man ohne Bedenken, güldisch, bleyisch, zinnisch, alaunisch, koboldisch u. s. f. für goldhaltig, bleyhaltig u. s. f. 2. Zu einer Person oder Sache gehörig, von ihr herkommend, in derselben gegründet: rvaisenhäusisch, gebirgisch, auf dem Gebirge wohnend, stiscisch, einem Stifte gehörig, städtisch, in Städten woh. nend, nordisch, himmlisch, höllisch, im Himmel, in der Hölle befindlich, daher gebürtig. Veraltet sind kaiscrisch, königisch, gegnerisch u. s. f. Besonders Beschaffmheitswörter dieser Art von .E s fremden 6Z i.TH. 2.Abftlm» 9. Kap. fremden Substantiven zn bilden, für das lateinische ic-u5: philosophisch, biblisch, katholisch, politisch, grammarisch, mystisch, theologisch, mathematisch, physisch,apostolisch u.s.f. Nach welcher Form denn'auch wohl Deutsche Beschaffenheitswörter ans lateinischen'Adjectiven aufili^ inu5^ <>UU8 u. f. f. gebildet werden: volarilisch, salinisch, militärisch, logicalisch, (logisch,) phy- sicalisch,(physisch,) grannnaticalisch, grammatisch, wo man doch die kürzern Formen, wenn sie Statt finden, den langern billig vorziehet. Inglei- chen von eigenen Nahmen aller Art, es seyen Volker- Länder- Orts- oderPersonen-Nahmen: Französisch, Schweizerisch, Englisch/ Russisch, Corsisch, Schottisch, Dänisch, Schwedisch, Fränkisch, Griechisch, Jüdisch, Türkisch, Sächsisch, preussisch, Spanisch, vvalla- chisch, L.on,bardisch, Leipzigisch, Berlinisch, Hallisch, Römisch, lVslfisch, Lutherisch, Hallerisch, Homerisch m f. f. In vielen, besonders auslandischen Nahmen dieser Art behalt man die fremden Ableitungssylben bey, und verwandelt nur die letzte in lsch: Giciiianisch, Italiänisch, Gallicanisch, Denetianisch, Mantuanisch, Indianisch, Africanisch, Americanisch, Hal- lcnsisch, ?itheniensijch, Carolmisch, Ernesti- nisch u. s. f. Wo kürzere Formen möglich und allgemein verstandlich sind, aucb den Wohllaut nicht beleidigen, ziehet man sie diesen billig vor: Sici- lisch, Indisch, Hailisch u. s. f. aber nicht Athenisch, Asisch, Amcrikisch, Larolisch u.s.f. Gallisch und Gallicanisch, Ernestisch undEr- nestinisch u. a. m. sind nicht gleich bedeutend. Wenn die BeschassenheitSwörter auf isch von eigenen Nahinen nicht üblich sind, ober den Wohllaut beleibt- Adverbium. 2. Bildung. §. 478. 69 beleidigen, so hat man dafür eine Art Beschaffen- heits- oder vielleicht Umstandswörter auf er: Leipziger Lerchen, pariser »süte, Zlmsterdannner XVaaren , Berliner - Vlau , petersburger- tVachs, welche wie Genitive Pluralis der Nahmen der Einwohner aussehen, und es vermuthlich auch ursprünglich sind, daher sie auch nicht anders als unbiegsame Adjective gebraucht werden. Im Oberdeutschen bildet man daraus Beschaffenhcits- wörter auf isch: dVienerisch, Äerltnerisch, Leipzigcrisch, Hainburgerisch, pariserisch, z. Eine Neigung zu dem Grundbegriffe, und eine Fertigkeit in demselben, gemeiniglich von VerbiS, oft auch von Substantiven, in beyden Fallen mit dem Umlaute: aufrührisch, zänkisch, stürmisch, voetterwendisch, läustsch, mürrisch, verführerisch für verführisch, von verführen. In den niedrigen Sprecharten gibt es noch sehr viele dieser , Art, z. B. auffahrifch, einbildifch, regnerisch u. s. s. welche aber der edlen Schreibart fremd sind. 4. Eine Ähnlichkeit, wie ichr und lich, von Hauptwörtern: himinlisch, englisch, höllisch, balsamisch, städtisch, knechtisch, läppisch, närrisch, irdisch, bübisch, hurisch, schelmisch, zauberisch, abgöttisch, heidnisch, von dem alten Nominative der»^eiden. Besonders von männlichen Substantiven auf er: mahlerisch, rednerisch, buhlerisch, verrätherisch, betriegerisch, räuberisch, dichterisch, kriegerisch, ketzerisch, heuchlerisch, verschwenderisch. Auch von fremden Substantiven: majestätisch, prophetisch, poetisch, sclavisch, politisch, barbarisch. Ost eine Ähnlichkeit mit einem verächtlichen Nebenbegriffe: hündisch, säuisch, thierisch, viehisch, bäuerisch, teufelisch, rveibifch, herrisch, km- E z disch, i.TH. 2.Abschn. 9. Kap. disch,(zum Unterschiede von weiblich, herrlich und kindlich). Auch alle vorige von eigenen Nahmen werden in der Bedeutung der Ähnlichkeit gebraucht. Diese Ableitungssylbe ist sehr alt, und lautet schon im Ulphilas »K, im Angelsächsischen und Niederdeutschen gleichfalls isi', im spätern ia- teine is^l!^. Daß sie schon zu Taeiti Zeiten in Deutschland gangbar gewesen, erhellet aus den Nahmen 'I^emlicus, ('Keru5cu5, e. f. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sie mit lg und ichr einerley ist, welche in den groben zischenden Mundarten in isch übergegangen sind, daher auch in den niedrigen Sprecharten disAdveroia auf —isch sehr häusig sind. Um dieses widrigen Zischlautes willen, llebt manchem dieser Wörter, besonders in der vierten Bedeutung, ein niedriger Nebenbegriff an, daher man sie, wenn es möglich ist, gern mit andern vertauscht: absrgläubig, aufrührig, läufig, einbildend, haushältig, auffahrend, angreifig, anhängig, schmerschaft, spielerhaft u.sf. für die niedrigern, abergläubisch, aufrührisch, läufisch, einbildisch, haushälrisch, auffahrisch, angreissisch, anhängisch, schülerisch, spielerisch. lich, mit den Umstandswörtern gemein, eine sehr fruchtbare Ableitungssylbe, BeschoffenheitSwör- ter aus fast allen Redetheilen zu bilden. Sie ist die Wurzel von gleich, und bedeutet eigentlich ähnlich, gleich, hernach aber auch alles, was sie durch Figuren nur bedeuten kann. 1. Eine Ähnlichkeit, von Sustantivcn: fürstlich, königlich, herrlich, eigentlich, wie ein Herr, gräslich, männlich, kindlich, jugendlich, väterlich, bürgerlich, feierlich, spsttlich, wunderlich, Herbsriich, menschlich, meisterlich. Von Verdis, besonders die von Deside- Adverbium. 2. Bildung. §. 478. ?r Dcsi'dcrativen auf ern, wovon doch nur lächerlich «nd weinerlich in des? anständigen Sprecharten aufgenommen sind, esjerlich, trinkerlich, mnzcr- lich, speperlich und viele andere aber dem großen Hansen überlassen bleiben. Von andern Bcfchaf- fenheitöwörtern, wo sie den Begriff des Stammwortes vermindert, und ihn auf ein Weniges, auf die bloße Ähnlichkeit einschränket: röthlich, ein wenig roth, dem Noth ähnlich; so auch bräunlich, geldlich, weißlich, schwärzlich, kältlich, kärglich, gröblich, süßlich, bitterlich, säuerlich, kränklich, härrlich, länglich, rundlich, laulich, ältlich, dicklich, breirlich, weichlich, fälschlich, schwächlich u. s. f. 2. Eine Art und Weise: bildlich, eidlich, nahmentlich, wörtlich, mündlich, schriftlich, personlich, jährlich u. s. f. welche sich unvermerkt in die Umstandswörter verlieren, und alsdann keine Concretion leiden. Sieh? diese Endung bey den Umstandswörtern» z. Eine Möglichkeit, nur von Verbis: sterblich, unsterblich, empfänglich, dienlich, verdaulich, erweislich, ersinnlich, beweglich, glaublich, begreiflich, erdenklich, thunlich, crhörlich, besörglich, leserlich. Da sich denn noch jetzt viele ähnliche verneinende Beschaffenheitswörter mit un bilden lassen, wenn sie gleich in der entgegen gesehtei, bejahenden Form nicht gangbar sind: unerbittlich, untadelich, unverletzlich, unaussprechlich, unerfsrschlich, unergründlich u.f.f. 4. Eine Anwesenheit des Stammbegriffcs, einen Besitz desselben. Sowohl von Substantiven: glücklich, unglücklich, körperlich, füglich, ehrlich, gefahrlich, zuversichtlich, schädlich, schimpsiich u. s. f. Als auch von Verbis, nnd zwar fo-vohl von Intransitivis: tauglich, unraug- E 4 lich, 72 I. Th. 2. Abschn. 9. Kap. lich, behaglich, beharrlich, ersprießlich, dienlich, schicklich, sehnlich, hinlänglich, schmerzlich, ziemlich u. s. f. als von Transitiven, und zwar wiederum sowohl in-thatigem Verstände: erbaulich, beförderlich, beweglich, hinderlich, verächtlich, verderblich, berrieglich, vergeßlich, schrecklich, erfreulich, schädlich u. s. f. Als auch im leidenden: üblich, gebräuchlich, merklich, erforderlich u. s. f. - Oft mit dem Nebenbegriffe der Nothwendigkeit oder doch Schicklichkeit: anmerkiich, was angemerkt zu werden verdienet, verächtlich, Verachtung verdienend; so auch bedauerlich, bedenklich, besorglich, erbärmlich , u. s. f, 5. Ein Eigenthum, von Substantiven : bischöflich, königlich, gräflich, göttlich, weiblich, menschlich, häuslich u. s. f. welche in dieser Bedeutung in der Concretion am üblichsten sind, und durch den Genitiv erkläret werden müssen: die bischöflichen Einkünfte, die Einkünfte des Bischofes. Man hüte sich vor dem so gewöhnlichen Mißbrauche dieser Ableitungssylbe, den Genitiv des bloßen Angehörens durch dieselbe aus- zndrucken. Die churfürstliche Frau Murrer, die königlichen Herren Brüder, die fürstlichen Ninder, sind daher fehlerhaft, weil sie zu dem Begriff der bloßenÄhnlichkeit führen; man sage daher, die Frau Mutter des Churfürsten, die Herren Brüder des Königes u. f. f. Noch fehlerhafter ist diese Form, wenn man eine Apposition dadurch auszudrücken sucht: der königliche Dichter, für: der Dichter, welcher ein König ist; welche Formen wider den Deutschen Sprachgebrauch sind, vornehmlich, weil sie Mißdeutung mit sich führen. Wenn das Stammwort sich auf ein cl oder l endigt, so ist dieAbleitungssylbe nicht lich, sondern ig, ohne Adverbium. 2. Bildung. §. 478. 7) ohne Zwciffel, damit man durch die Zusammen- kunft zweyer ll nicht verleitet werde, die Ableitungssylbe deö Substantives zu betonen, oder den gedehnten Ton in den geschürften zu verwandeln; adellich, kitzellich, ciumallig, könnten leicht adellich, kl- ycllich, cinmallich gesprochen werden. Man schreibt und spricht folglich: adelig, untadelig, kiyclig, hügelig, dügelig, selig, —mahlig, mehlig, gipfelig, nebelig, knorpelig, schwes selig, schwindelig, stachelig, schimmelig, winkelig, kugelig, und nicht adellich, unradcllich u. f. f. und noch weniger adelich, umadelich, kis rzelich, Hügelich u. s. f. weil wir keine Ableitungssylbe ich für Beschaff'nheitswörter haben. In billig gehöret das doppelte l zur Wurzel, Zwillich und Drillich aber sind zusammen gesetzt, und die Endsylbe lich stammet hier von dein lateinischen licium her, llchl , eine geringe Ähnlichkeit, eine nur im Oberdeutschen und den gemeinen Sprecharten übliche Ableitungssylbe: schwärzliche, röchlicht, suß-- lichr, säuerlichr, wofür einige andere Oberdeutsche Mundarten ler gebrauchen: süßlct, weißlcr, schwär-ler. Im Hochdeutschen ist dafür die vorige Ableitungssylbe lich üblich, siiM, eine sehr alte Ableitungssylbe, welche noch Vor wenig Jahrhunderten als ein eigenes vergleichendes Umstandswort, für so, gleich, als, üblich war, und für sich allein erst in der Hochdeutschen Mundart veraltet ist. Eben um deswillen rechnet man auch die damit gebildeten Beschaffenheitswörter unter die abgeleiteten; wäre die Partikel noch als ein eigenes Wort gangbar, so müßte man dergleichen Wörter, so wie die mit —los, —leer E 5 u.s.f. 74 i.TH. 2. Abschn. 9. Kap. u. s. f. als Zusammensetzungen ansehen. Sie bildet Beschaffenheitswörter aus Substantiven, Verdis und andern Beschaffenheitswörtern, und bedeutet: 1. eigentlich und zunächst eine Ähnlichkeit, oder vielmehr eine Gemäßhcit: gewaltsam, grausam, tugcndsam, ehrsam, sattsam u. s. f. Noch häufiger, 2. eine Fertigkeit und Fähigkeit das zu thun oder zu leiden, was das Stammwort ausdruckt: arbeitsam, bedachtsam, genügsam, aufmerksam, betriebsam, behutsam, biegsam, folgsam, rachfam, sparsam, wachsam, sorgsam, erfindsam. empfindsam, fricdsam u. s. f. Und endlich, z. den Stammbegriff wirklich habend, besitzend, wohin manche gehl en, welche von Substantiven, besonders aber die, welche von andern Be- schasssichcitLwörtern gebildet sind: heilsam, genug-- jam, langsam, seltsam, sattsam. Da die Bedeutung dieser Ableitungssylbe noch völlig klar empfunden wird, so läßt sie sich auch noch jetzt zu Bildung neuer Beschaffenheitswörter anwenden, wenn nur dabey die Analogie und der Wohlklang nicht verletzet werden. Empfindsam ist eines solcher neuen Wörter, für Fertigkeit besitzend, leicht Zu empfinden; empfindlich sagt freylich ursprünglich eben dasselbe, allein, da der Gebrauch dasselbe schon auf die Fertigkeit, Beleidigung zu empfinden, eingeschränket hat, so verdienet jenes allerdings Beyfall. Äberlegsam ist ein ähnliches neues untadel- hafteö Wort. Ehedem bildete man von diesen Vcschaffenheitöwörtern auch abstracte Substantiv« aufe, wovon im Hochdeutschen noch die Gerechtsame, der Gehorsam für das ehemahlige die Gehorsame, ui:d zuweilen noch die Gewahrsame übrig sind. Jetzt bildet man im Hochdeutschen dergleichen Substantiv« auf —keit: Aufmerksam keic. Adverbium, 2. Bildung. §.478.479» 75 keir, Biegsamkeit, Folgsamkeit, Wachsamkeit, Gelehrsamkeit, dessen ehemahliges Stammwort gelehrsam, veraltet ist. selig, mehr ein eigenes abgeleitetes Wort, als «ine Ableitungssylbe, welches aber doch, weil es in der Bedeutung, in welcher es hier vorkommt, längst veraltet ist, mit unter die Ableitungssylben gerechnet werden kann. Es ist vermittelst der Nachsylbe ig von dein alten Subsramivo Sal, Reichthum und hernach Glück, abgeleitet, und bedeutete ursprünglich reich, Überfluß habend, nnd in der Zusammensetzung , den Begriff des ersten Wortes in reichem Maße besitzend. Aemjelig, in der ersten noch im Oberdeutschen üblichen Bedeutung, ein lemstliger H)rt, ein volkreicher; glückselig, Glück in Menge habend, mühselig, mit vieler Mühe begleitet. So auch saumselig, armselig, feindselig, holdselig u. s. f. In gottselig scheinet c6 eine Ähnlichkeit zu bedeuten, trübselig aber ist zunächst von Trübsal gebildet, Trübsale habend. Im Ober, deutschen gibt es noch mehrere dieser Wörter, welche aber im Hochdeutschen unbekannt sind: rath- ' , > selig, reich an gutem Rathe, friedselig, ftiedfer- tig, bittselig, eine gute Gabe zu bitten habend, gnadselig, gnadenreich, rachselig, rachgierig, Hab- selig, reich an Habe, daher unser ^abseligkcir, lobselig, reich an lobe, redselig, gesprächig n. s. f. Unser selig, de-nus, ist eben dasselbe Wort, nur in einer übergetragenen Bedeutung desStammworceö, Sal, Lsluz. §. 479. Diese Ableitungssylben sind ein sehr Fruchtbar, fruchtbares Hülssmittel, einen Wurzelbegriff, als kcit dieser eine unselbständige Beschaffenheit auf verschiedene Ableitungs, Art zu bestimmen, und mit verschiedenen Neben- ^ ^' begriffen 76 i.TH. 2. Absicht!. 9. Kap. begriffen auszudrucken, zumahl wenn man noch gewisse Wörter dazu nimmt, welche in der Zusammensetzung sehr vielen Substantiven in eben derscl- ben Absicht angehänget werden können, wie —ars tig, —reich, —leer, — los u. s. f. Thon: thonicht, dem Thone ahnlich; thonig, Thon enthaltend; rhönern, aus Thon bereitet; thonartig, wie Thon geartet; thonreich, reich an Thon; thonhaltig, Thon enthaltend. Kttpfcr: kupfericht, dem Kupfer ahnlich; ku- pferig, Kupfer enthaltend; kupfern, ausKupfer bereitet; knpferarttF, wie Kupfer geartet; kupferhalcig, im Bergbaue kupferisch, Kupfer enthaltend; kupferreich, kupferleer, kupfcrlos» Oold: golden, aus Gold bereitet; goldartig, im Bergbaue güldisch, wie Gold geartet; goldhaltend, im Bergbaus gleichfalls güls- disch, Gold enthaltend; goldreich, Zochieer. Furcht: furchtbar, mit dem Vermögen Furcht zu erwecken begleitet; fürchterlich, im hohen Grade Furcht erweckend, obgleich die Bedeutung der Sylbe er hier, so wie in leserlich, und vielleicht noch einigen andern, so deutlich noch nicht ist; in lächcriich, weinerlich u.s.f. ist sie von den Desiderativis lächern, weis nern; furchtsam, Fertigkeit besitzend, leicht Furcht zu empfinden. Sünde: fündlich, einer Sünde ähnlich, ingleichen Sünde enthaltend, objective; fündig, Sünde enthaltend, subjective; sündhaft, geneigt, Fertigkeit besitzend zu sündigen, mit Sünde behaftet. Glück: Adverbium. 2. Bildung. §.479.480. 77 Glück: glücklich, Glück habend, Glück enthaltend; glückhafc, eben so, aber auch Glück » bringend; glückselig, Glück in reichem Maße habend. Erde: erdicht, der Erde, den Bestandtheilen nach, ähnlich; crdhaft, ihr der äußern Empfindung nach ahnlich; erdig, Erde enthaltend; erden, aus Erde bereitet; irden, aus Thone bereitet; irdisch, im figürlichen Verstünde. Es erhellet hieraus zugleich, daß man diese Ableitungssylben nicht verwechseln, oder manche derselben als gleich bedeutend ansehen dürfe, wie mit icht, ig und lich häufig geschiehet. Denn obgleich einige derselben dem Anscheine nach gleich bedeutend sind, so sind sie doch in Nebenbcgriffen verschieden, und in den meisten Fällen hat auch der Gebrauch ihre Bedeutung eingeschränkt, und bestimmt, wie in Endlich und kindisch, weiblich und weis bisch, empfindlich und empfindsam, und hundert ändern mehr» §. 480. Von den zusammen gesetzten Beschaf- Zusamme» fenheitswörtertt wird im folgenden dritten Abschnitte ^'tzrc Be- umständlicher gehandelt. Hier merke man vorläu- fig, daß ihr bestimmendes Wort sowohl ein Sub- ^ stantivum ist: baumstark, grundfalsch, gesetzmäßig, grasgrün, blutdürstig, sinnreich, rvelr- kundig; als ein Verbum, denkwürdig, brenn-- hciß, liebenöwerrh; als auch ein anderes Be- schaffenheitöwort, freywillig, gmthän'g, großmüthig, kleinstädtisch; als auch endlich Umstandswörter, wohlgeboren > hinfällig, aogün- siig, nachlässig u. s. f. Unter denen, welche mit Substantiven zusammengesetzt werden > gibt es einige, 78 i.TH. 2.Abschn. 9» Kap. nige, welche sich sehr vielen Substantiven cinhä'NM lassen, neue BeschassenheitSwörter zu bilden; z.B. artig, frey, los, leer, haltig, reich, voll, werth, würdig u. s. f. alaunartig, sorgenfrey, erzhaltig, gedankenleer, HMflss, fischreich, an- muchsvoll, licdenswerch, ehrwürdig. Dahin gehören auch die mit den Vorsylben er; und un zusammen gesetzten Veschassenheitbwörtcr, welche von einem sehr weiten Umfange sind, und wegen ihrer bestiinmten Bedeutung noch täglich vermehret werden können: erzbsse, erzlasierhafr, erznachläjsig, erzrräge u. s. f. So auch die Partikel un, S. mein Wörterbuch von beyden. Gemeiniglich halt man die mit diesen gebildeten Wörter für zusammen gesetzt, weil sie ihren bestimmten Ton haben. Allein der Ton ist nicht das wesentliche Unterscheidungsmerkmahl eines zusammen ge- sehten oder abgeleiteten Wortes, sondern nur eins Folge des wahren, d. i. der bestiinmten klaren Bedeutung und des noch üblichen Gebrauches als ein eigenes Wort. Erz und un haben zwar ihre bestimmte klare Bedeutung, und um deswillen auch einen merklichen Ton, aber da sie doch als eigene Wörter nicht gangbar sind, so kann man sie auch, und zwar füglicher, als Ableitungssylben ansehen. Mt-- ' §. 48i>, Oft werden Wörter erst durch die Zu- seMg. sammensetzung zu BeschaffenheirS- und Umstandswörtern, welche es eigentlich nicht sind, anstatt, allezeit, keinesweges, (auch keines VOeges); da sie denn oft zum Merkmahle ihrer Bestimmung das e, als den Ableitungslaut für Umstandswörter dieser Art bekommen: dießseirs, jenseits, feit-- wärts, allerseits, allerdings. Oft gehen Substantive unvermerkt jnUinstandswörcer über, Rrast meinem Adverbium. Z. Concretion. §.482.483. 7A meines Amtes, ihm zu Folge, dir zu Liebe; oft werden ganze Redensarten c>ls Adverbia gebraucht, ohne daß man sie um deswillen als ein Wort schreiben dürfte: hin und wieder, vsn allen Seiten, über kurz oder lang, und tausend andere mehr. III. Concretion der Adverbien» §. 482. Da das Vornehmsie von dieser wichti- Wichtigkeit gen bisher ganz verkannten Lehre im vorigen bereits ^ Adves- hin und wieder vorgetragen worden, so darf ich es hier nur kurz zusammen fassen. Das Deutsche Adverbium begreiffet alles Unselbständige in sich, waö von einem Dinge nur gesagt werden kann, so fern es für sich selbst genommen und als unselbständig betrachtet wird. Es ist daher nicht allein der weitläufigste, sondern auch der wichtigste Redelheil, indem nicht allein das Subfiantivum oft das Adver^ bium selbst ist, und in der Wurzel der meisten Vcr- borum ein Adverbium zum Grunde liegt, sondern auch alle Bestimmungswörter des Substantives von demselben herstammen, welche sich von dem Adver- bio bloß darin unterscheiden, daß sie das Unselbständige als dem selbständigen Dinge schon beygelegt, folglich als eine Eigenschaft darstellen, dagegen Las Adverbium es für sich allein betrachtet. §. 48Z. Wenn der Begriff einer unftlbständi- Begriff der- gen Bestimmung als dem Dinge beygelegt, oder Concrett»«. als an demselben befindlich gedacht wird, so wird er dadurch eben so concrec gedacht, als das Selbständige ist, woran er sich befindet. Die für sich allein oder abstract gedachte Bestimmung gehet folglich in «ine concrete über, und wird unmittelbar mit dem Dinge, woran sie sich befindet, zugleich gedacht. Diesen Zc> i. Th. 2. Abschn. 9. Kap. Biesen Übergang nun zu bezeichnen, hat Man im Deutschen eine eigene Art der Biegung, welche die Concretion heißt, weil sie die abstract gedachte Bestimmung concrescicrer, d. i. an und mit dem con- rreten oder als concret gedachten Dinge darstellet. Diese Concretion geschiehet allemahl durch den Laut e, welcher dem A^verbio angehänget wird, und nach Beenden der Uinstände noch die Geschlechts- und Declinarions-Laute an sich nimmt: der gm-e, die gut- e, das IUt-e, Und mit den DeclinarionS- Nnd Geschlechts-Lauten, des gur-e-n, dergu^e^n, diegut-e-n, eingur-e-r, ein glü^e-s. Da die unselbständige Bestimmung von gedoppelter Art ist, entweder ein Umstand, etwas das außer dem Dinge ist, oder eine Beschaffenheit, etwas das an dem Dinge selbst befindlich ist, und Nur außer demselben oder abstract gedacht wird: so sind auch diejenigen neuen Bestimmungswörter, Welche durch die Concretion entstehen, entweder' concrescierre Umstände, dergleichen die Artikel, das Zahlwort und das Pronomen sind, deren Concretion doch oft mangelhaft und unvollständig ist, oder concrescierre Beschaffenheiten, welche das Adjectivum geben. Eine Eigenschaft seht in der Deutschen Sprachlehre allemahl eine Beschaffenheit voraus; es,kann also aus einem UmsiandSworte unmittelbar wohl ein Artikel, Zahlwort und Pronomen, aber nie ein Adjectivum werden. Indessen gibt es ein Mittel, einen bloßen Umstand auch als ein Adjectivum darzustellen, nähmlich die vorhergehende Erhöhung eines Umstandswortes zu einem Beschaffenheitsworte, worauf es sich ohne Schwierigkeiten TSncrescieren, oder als ein Adjectivum gebrauchen lässet» Adverbium, z. Concretion. §.48?. 8r lässet. Die dazu bestimmten iaute und Sylben sind t, für die Ordnungszahlen und er und ig für andere Umstandswörter. ?lus zrvcy, vier, fünf u. s. f. entstehen auf diese Art die Adjectiva der zwcy-r-e, vicr-r-e, fünf^t-e u. f. f. und aus den Umstandswörtern erst, letzt, oben, unten, nieden, dort, bald, bisher, einmahl u. s f. die Adjective der erstere, leerere, obere, untere, niedere, dortige, baldige, bisherige. Da diese Erhöhung des Umstandes in einer Beschaffenheit bloß darum geschiehet, um jenen als eine Eigen» schaft darzustellen, so sind auch dergleichen Wörter s. f. S. Th. 1, §. er, mit Wegwersung der Ableitungssylbe, wenn das Umstandswort abgeleitet ist: veräußere, in- ncre, obere, untere, hiurcre, vordere, öfte» re, niedere, erstere, lcyrere, mittlere, und das bey manchen übliche mehrere; lauter aus den Um- F » stands- 84 i. Th. 2. Abschn. 9. Kap. standswörtern außen, innen, oben, unten, hinten, vornen, oft, nieden, erst, lerzr, Mittel, (welches nur in Zusammensetzungen und als ein Substantiv üblich ist,) und meh'.-; welche um der verkannten Ableitungssylbe er willen gemeiniglich für Comparative gehalten werden, da doch ihre Bedeutung nichts comparatives hat. Indessen leiden sie um des Wohllautes willen, zur Vermeidung der vielen zusammen kommenden tonlosen Sylben keinen Comparativ, wohl aber den Superlativ, weil das Hinderniß hier wegfallt: der äußerste, innerste, oberste, unterste und so ferner. lg, dergleichen sind: der baldige, dortige, jetzige, heurige, heurige, gestrige, chegestrige, vorgestrige, stetige, besser stätige, widrige, vorige, obige, leidige, einige, einzige, völlige, niedrige, übrige, von den Umstandswörtern, bald, dorr, jeyr, Heuer, heure, gestern, stätö, wider, vor, oben, leid, ein, voll, nieder, über; ferner alle mit mahl zusammen gesetzte, der der- mahlige, ehemahlige, vormahlige, abermahlige, einmahlige, zweymahlige u. s, f. eines mit mehr, der nunmehrige, einige mit her, der bisherige, vorherige, nachherige, einige mit seit oder seirs, der allersemge, beiderseitige, anderscirige, jenseitige, diesseitige, anderweitige, und die adjectiven Pronomina Possessiva, der meinige, deinige, seinige, ihrige, unsrige, eu- rige; zum deutlichen Beweise, daß man die Pronomina Possessiva sehr merklich stir Umstandswörter erkannt habe. Da und hier leiden einige Abweichung, der dastge, hiesige, wovon die Umstandswörter ehedem vielleicht das und hies gelautet haben mögen. Die Oberdeutsche Mundart, welche in der Cultur noch um ein Paar Jahrhunderte zurück Adverbium, z. Concretion. §.484. 85 nick ist, fähret fort, die Umstandswörter aufdiesem Wege zu concresciercn; wenigstens hat sie viele, welche im Hochdeutschen unbekannt und verwerflich sind; z.B. sonstig, dercinstig, dascibsiig, etwaig, vsrhinnig, jeweilig, einstweilig, der^ geftalcig u. f. f. Mittägig, nachmittägig, vormittägig, mitternächtig, scheinen nach eben diesen Mustern gebildet zu seyn, weil sie wohl als Adjectiva, aber nicht als Adverbia üblich sind, nach welcher Analogie aber morgig unerlaubt ist. Da alle diefe Wörter bloß um der Concretion willen zu Beschaffenheitswörtern erhöhet worden, fo können sie auch außer der Concretion nicht als solche gebraucht werden. Einige sind indessen doch auch hier ausgenommen, z. B. völlig, einig, übrig, widrig, niedrig, welche auch als Beschaffenheitö- wörter gebraucht werden, ohne Zweiffel, weil es nicht allemahl deutlich genug empfunden ward, was ein Umstand oder eine Beschaffenheit ist. Bey der Bildung der Umstandswörter ist bereits bemerket worden, daß wir eine eigene Ableitungssylbe lich für dieselbe habe», welche eine Art und Weiss bedeutet, und mit der Ableitungssylbe iich der BeschaffeuheitSwörter nicht verwechselt werden muß, ob sie gleich beyde eines Ursprunges sind» Diese läßt sich concresciercn, die liebliche 5Vittn rung; jene aber nicht, freylich, vornehmlich, gemüthlich u. s. f. 2. Die Defthasfenheitswörrer leiden eigentlich insgesammt die Concretion, weil jede abstract gedachte Beschaffenheit ursprünglich von dem Dinge, woran sie befindlich ist, abgezogen worden, folglich auch wieder concret, d.i. an demselben befindlich muß können gedacht werden. Es muß daher F z eigentlich 86 Th. 2. Abschtt. 9. Kap. eigentlich ein jedes Be-schaffenheifswort der Concre- «ion fähig seyn, und die allermeisten sind e6 auch wirklich , denn die wenigen, welche eine Ausnahme inachen, kommen gegen die große Menge anderer in keine Betrachtung. Es sind etwa folgende: Abwendig machen; aber nicht, ein abwendiger Ltdieiucr. Abspänstig, in eben demselben Verstände. Doch würde sich dieses vielleicht eher zur Concretiorf bequemen. Abhold: einem abhold seyn; aber nicht, abholde Personen. Allgemach; vermuthlich weil man eö als ein Umstandswort angesehen. Angst: jemanden angst machen, ihm ist angst und bange, ein wahres Adverbium,, welches aber keine Concretion leidet, obgleich bange sie verstattet. Anheischig: sich zu etwas anheischig machen. Ansichtig : eines Dinges ansichtig werden. Aufrecht: ausrecht gehen. Doch ist hier die Concretion vielleicht nicht ganz ohne Beyspiel: ausrechte Geschöpfe. Ausfindig: ccwas ausfindig machen. Drache, von dem Acker, brache liegen. Wenn es concre-seiert werden sollte, zieher man es lieber mit seinem Substantive zusammen, Brachacker, Brachfeld. Eingedenk: einer Sache cingedeni! seyn. Fehl: fehl gchcn, treten, schlagen; welches, wenn es, wie ein Adjectiv stehen sollte, gleichfalls zusammen gezogen wird: ein Fchlschus, Fehlschlug, FchlMtt. Feind: Adverbium, z. Concretion. §.484. 87 Feind: einem feind seyn. Gemach; vermuthlich auch, so fern man e6 als ein Umstandswort betrachtet. Doch ist die Concretion nicht ganz ohne Beyspiel. Genehm: etwas genehm halten. Gewahr: etwas gewahr werden. Gewärtig: einer Sache gewärtig seyn. Gram: einem gram seyn oder werden. Gut, in der in der vertraulichen Sprechart üblichen Bedeutung, einem gilt seyn. Habhaft: einer Sache habhaft werden. Handgemein werden, seyn. Aber nicht Hand- gemeine Soldaten. Hold, so fern es gewogen bedeutet, einem hold seyn. In einer andern Bedeutung für angenehm, holde Augen, lsideres die Concretion allerdings. Irre: irre gehen, reiten, fahren, Nund machen, werden. Leid: es ist mir leid. Lichterloh brennen. !7loch, auch als Adverbium nur noch in einigen wenigen Fallen; z. B. es thut mir noth, wo es eben nicht das Substantiv seyn darf. ZTlull: für null und nichtig erklären; vielleicht nur das Substantiv adverbisch gebraucht. Nüye: zu nichts nüye seyn. Ehedem gebrauchte man es concret. «Quitt, nur noch im gemeinen ieben, einer Sache quitt seyn. Recht und Unrecht, in einigen Bedeutungen, dagegen sie in andern ohne Bedenken concre-- sciert werden. Schlüssig seyn, werden. Anpaß seyn, sich nicht wohl befinden. F 4 Verlu- xZ i. Th. 2. Abschn. 9. Kap» verlustig: ciuer Sache verlusn'Z werden, gehen, lVund seyn, werden, ein psiwd wund drücken. I». den gemeinen Sprechqrten go- brauchr nnm es auch eoneret. Da die meisten dieser Wörter selbst als Besthe.f- fenheitSwörter nur in einigen F-illrn, und gemeiniglich nur mit einigen Verdis üblich sind: so erhellet daraus, daß der Mangel der Eoncretjon nicht in der Sache selbst, oder in der.Bedeutung dieser Wörter liegt, sondern blosi zufällig ist, und von dein unterlassenen Gebrauche herrühret. Allein, heim, an? . heun, enczwcy, eitel sür nichts als, lauter, in eben diesem Verstände, beysammen und anders ähnliche gehören nicht hierher, sondern sind wahre Umstandswörter und versagen als solche die Con- cretiom eoncretec §. 485. ' Dagegen werden manche wirklich con- Gcbnuch crer gebraucht, ohne das Concretions -- Zeichen ai'.zu- vbnc Con- „ehmeu. Dergleichen sind theils die Zahlwörter oretton, Pronouuna mit unvollständiger Conerstion, in denjenigen CasibuS, in weichen sie ihi?en mangelt, S. im ersten Theil die Zahlwörter; theils die mit halb, ley und Hand zusammen gesetzten Bestimmungswörter dritthalb Jahre, allerhand Sacken, vielerlei 1-1 wuschen; wovon doch der Grund in ihrer Zusammensetzung liegt, indem ihre letzten Halsren eigentlich Substantive, sind. Mangel §. 486. Auf der andern Seite gibt es aber auch des uncon- Adverbia, welche zwar eoneret gebraucht werden, crcsciertcn ^r abscrgct, oder als Adverbia nicht mehr üblich Gevran- - ^ ^ . < ^ ... ch-e. >U'^- ^.un Ganzen tst das eyen so wenig befremdend, als daß so viele andere Wörter in der Sprache durch die Lange der Zeit und die Cultur der Sprache Adverbium, z. Concretion. §.486. 89 Stäche um ihre Wurzeln und Stämme gekommen nd. Indessen treten hier in manchen Fällen noch einige besonders Ursachen ein. Solche ungewöhnliche Adverbia sind: 1. In Ansehung der Umstandswörter, die Wurzeln von dem Artikel und Pronomine der, von die? ser, jener und selber. Von den beyden lehren lebt die Wurzel noch in jenseit und si'Ib.'ndcr, selddritL re u. s. f. Von der/ welches die Wurzel d mit den ConcretionS- Geschlechts- und Casus-lauten ist, hat das Englische chs nur allein den Concrelio»s->.aut, ohne Geschlechts - und Casus - Zeichen. Auch von einigen CasibuS der persönlichen Pronomiuum sind die Wurzeln im Hochdeutschen als veraltet anzuft, hen. Von solcher und rvclcher sind solch und rvelch noch in den gemeinen Sprecharten üblich. s. In Ansehung der Beschaffenheitswörter. (1) Alle, welche um der bloßen Concretion willen aus Umstandswörtern zu BeschaffenheitSwör- tern gebildet worden; folglich die Wurzel» der Ordnungszahlen zweyc, dritc u. s. f. und der von Umständen vermittelst der Sylben er und ig abgeleiteten Eigenschaften, oder, unter, hinter, vorder U> s. f. wovon doch manche noch in Zusammensetzungen vorkommen : Gberamcmann, Unters hc.npnnann, Hintercheil u. s. f. S. §. 484. (2) Die vermittelst der Ableitungssylbe lI g? bildeten zusammen gesetzten Adjective, besonders mit Zahlwörtern, welche zwar als Adjectiva, aber nicht als Adverbia üblich sind; vermuthlich nach der Analogie der vorigen, und weil man sie als aus Umständen gebildete Eigenschaften angesehen; dreycägiI, achtstündig, zweysttderig u. f. f. S. §. 478. bey der Ableitungssilbe lA. Doch werden F 5 einige 9?5 I. TH. 2. Abschn. 9. Kap. einige adverbisch gebraucht, z.B. der Hecht war drcypfündig. lz) Verschiedene einzsle Beschaffenheitsw?rter, welche als solche nicht, wohl aber als Adjectiva gangbar sind, vermuthlich bloß aus unterlassenem Gebrauche: abendlich, nächtlich, mitternächtlich, mittägig, vormittägig, nachmittägig, morgend, wo es üblich ist, z. B. der morgende Tag, vermuthlich so fern sie als ursprüngliche Umstandswörter angesehen werden; ferner hüiflich, hülfüche^and leisten, ob es gleich in behüiflich, als Adverbium gebraucht wirlz; besonder, wofür besonders üblich ist; recht und unrecht, in eini- gen Bedeutungen; das größten Theils veraltete tränt, gcsammt, ob man gleich insgesammt sagt; abschlägig, aber abschlägige Antwort; baulich, aber im baulichen Stande erhalten; ab- helflich, aber abhelfliche Maße; die meisten zusammen gefetzten Titelwörtsr, wohledel, hoch-, edel, hocheoclgeborcn, hochgelehrt, hochgräflich, hochfürftlich, durchlauchtig, hoch- würdig, hochehrwürdig, liebwerth u. f. f. (4) Die adverbischen Wurzeln der allermeisten Superlative, etwa, weil man sie nach dunkler Empfindung als Umstandswörter behandelt hat? S. §. 494. IV. Steigerung der Adverbien. Begriff der §. 487. Gemeiniglich pflegt man die lehre von Steige- der Steigerung bey den Adjectiven vorzutragen; so ruuz. unlaugbar es doch ist, daß sie nicht an diesen, sondern an den AdverbiiS geschiehet, ob gleich die gesteigerten Adverbia, wie andere nach der Steigerung concrescieret und als Adjectiva gebraucht werden Adverbium. 4. Steigerung. §. 487. 91 den können. Es ist daher der Sache gemäß, von ihr eigentlich bey den Adverbiiö zu handeln, obgleich bey der gewöhnlichen Folge der Redetheile in den Sprachlehren diese jehre nach der ^ehre von den Adjectiven vorgetragen werden muß. Ich sahe dicse Unbequemlichkeit bey der Deutschen Sprachlehre pickit vorher, daher ich diese Ordnung beybehielt, weil ich mich nicht gerne ohne Noth von dem gewöhnlichen Vortrage entfernen wollte. In dein Auszüge aus der Sprachlehre bin ich diesem Üb-l- stände dadurch ausgewichen, daß ich das Adverbium unmittelbar auf das Substantivum folgen las« sen, welche Stelle ihm zunächst und eigentlich gebühret, weil im Deutschen alle Bestimmungswörter des Substantives cm-5 Adverbiis concrescieret werden. Der Begriff des Unselbständigen, so wie er durch ein Adverbium ausgedruckt wird, ist seiner Natur nach einer Erhöhung oder Verminderung fä'°. hig, und diesen Umstand haben die Spracherfinder oft an dem Worte selbst zu bezeichnen gewußt. Bezeichnet das Adverbium seinen Begriff schlechthin und überhaupt, ohne alle Vergleich»»«- oder Bestimmung des Grades, oder vielmehr noch bestimmter, ohne alle Bezeichnung dieses Grades an dem Worrc selbst, so stehet es im positiven Stande, oder es ist ein positives Adverbium: die Sonne scheinet vvarm, der Baum ist hoch. In, er vvird heute mehr gelobt als gesiern, wird zwar wirklich eine Vergleichung und ein höherer Grad bezeichnet, weil aber dieser Begriff nicht unmittelbar an dem Adverbio cplobt selbst, sondern durch eine Umschreibung ausgedruckt wird, so stehet es im positiven Stande. Wird aber der hi^ -here Grad durch eine eigene Art der Flexion oder > Biegung 92 I.TH. 2. Abschn. 9. Kap. Biegung an dem Adverbio selbst bezeichnet, so wird eö gesteigert, und die'Art der Biegung, wodurch solches geschiehet, heißt die Steigerung, oder im Lateinischen, obgleich nicht so treffend, weil nicht allemahl eine Vergleichung dabey Statt findet, die Comparatisn. Made der §. 488. Die Adverbia leiden freylich eben sy. Stelze- s?hc den Begriff der Verminderung, als der Steigung, gerung, allein jenen druckt die Teutsche Sprache nicht aus, außer wenn der Begriff von der Art ist, daß er durch die Steigerung zugleich vermindert wird, klein, kleiner. Durch die Steigerung nun kann der Begriff eines Adverbii aus eins gedoppelte Art erhöhet werden; entweder so, daß man ein Ding mit einem andern vergleicht,, und ihm eine Bestimmung in einem höhern Grade beylegt, der Baum ist höbcr als das Haus, oder so, daß man die einem Dinge beygelegte Bestimmung über «ille einer gewissen Art erhebet, oder sie ihm in dem höchsten möglichsten Grade beylegt, ich bitte un-- rerchänigst. Im erstem Falle stehet das Adverbium im comparativen Stande, welcher auch der Gradus comparativus heißt, im lehtern aber im supcrlativen Stande, oder im Gradu su? perlacivo. Das Adverbium ist also in einem gedoppelten Stande möglich, in dem positiven oder ungesteis gertcn, absoluten, und in dem gesteigerten, der sich wieder in zwey Grade theilet, den comparativen und superlativen. Man urtheile nunmehr selbst, wie schicklich es ist, wenn in allen Sprachlehren drey Gradus Comparationis angenommen werden, und der positive Stand der positive Gradus genannt wird; gerade, als wenn das ein Grad Adverbium. 4. Steigerung. §.489. 9Z Grad genannt werden könnte, was überhaupt und ohne alle Bezeichnung des Grades gesagt wird. Es ist solches eben so widersinnig, als wenn man das abstractc Beschaffenhciiswort, die Blume ist roch mit dem conereteu Adjective, die reche Vlu- me verwechselt. Man wird daher wohl thun, wenn man die bey einem Adverbio möglichen zwey Haupt- stille mit'dem Herrn Meiner in seiner philosophischen Sprachlehre Gründe oder Zustünde nennet, und den Nahmen der Grade für die Unter- abtheilungen des zweyten Standes sparet, welches wahre Grade, Stufen oder Staffeln sind. §. 489. Es laßt sich nunmehr leicht bestimmen, Welche Ad- welche Adverbia gesteigert werden können oder nicht, verbia sie 1. Die Umstandswörter verstatten selbige eigentlich nicht, und oft und ehe sind die einigen, welche sich im Hochdeutschen steigern lassen, denn wohl, bald und gern werden nur in den gemeinen Mundarten gesteigert. Im Hochdeutschen sagt man für rvohier, am wöhlsren, besser, am bcßrcn, und für gerncr, am gernftcn, lieber, am liebsten. LTlahe, frühe und spür lassen sich zwar auch steigern, allein, da sie zugleich Befchaf- fenheitöwörter sind, so scheinen sie die Steigerung eigentlich nur als solche zu verstatten. Von Zahlwörtern, die im Grunde auch Umstandswörter sind, leiden nur einige unbestimmte dieselbe, nähmlich wenig, weniger, am wenigsten, und viel, mehr, am meisten. 2. Die Steigerung ist daher eigentlich den De- schaffenheirowörrern eigen, und diese lassen sich auch wirklich allemahl steigern, so oft ihre Bedeu. tung es erlaubt. Folglich können nicht gesteigert werden: (l) Die. 94 !.TH> 2.Abschi!. 9. Kap» (1) Diejenigen, welche eine Materie bedeuten, weil diese der Natur der Sache nach schon al« len höhern Grad ausschließet: hölzern, eisern, jeiden u. s. f. Nur wenn sie, wie bey einigen geschieher, in figürlichem Verstände gebraucht werden, leiden sie dieselbe: der hölzernste Mensch, das ehernste Herz, die eisernste Grirn. (2) Alle Beschaffenheitswörter, welche schon an sich selbst so bestimmt sind, daß sie keinen Höhe« ren Grad verstatten: adelig, baumstark, bims fremd, steinharr, altfürstlich, erzböse, todt, bar, wahr, schriftlich, ziemlich, eiskalt, gold--» gelb u. s. s. Obgleiä) von vielen um des Nachdruckes willen, und gemeiniglich in figürlichem Verstände, der Superlativ concret gebraucht werden kann, der dlutfreMdestc Mensch, das vieldeu-s t:gste,5Vsrr, der vielgültigste ^orjpruch. (z) Verschiedene, deren Bedeutung es zwar? verstaltet, welche aber die Steigerung nicht herge- brachr haben, dergleichen sind, ablang, angst, bloß, gar, das Beschaffenhcitswort, feind, gram, recht, unrecht, theilhaft, pinti^e^, lind andere mehr, wohin auch diejenigen Partieipi-n gehören, welche dieselbe nicht verstatten, S. dieselben. Wie sie ge- §. 490. Die Steigerung ist eine Art der Flexion Wehet, oder Biegung; sie muß also au dem Worte selbst geschehen, und ein durch limschreibnng bezeichnetet? höherer Grad kann nicht hierher gerechnet werden«. Die Biegungsjyiben sind im Deutschen für den Comparativ er, für den Superlativ aber cst, st und in einein Falle r; welche mit den Griechischen und Lateinischen Steigerungssylben genau überein kommen. Ist das gesteigerte Adverbium ein Wurzelwort, so bekomm dessen Vocal der Regel nach den Umlaut, Adverbium. 4. Steigerung §. 490. 95 Umlaut, wenn er dessen fähig ist, und nicht ein Doppellaut ist: arm, ärmer, am ärmstem schwarz, schwärzer, am schwär;sten. Indessen sind auch hier manche ausgenommen, welche den Umlaut, wenigstens im Hochdeutschen, nicht leiden, ob sie gleich denselben in den gemeinen Mundarten bekommen. Die vornehmsten sind: abgeschmackt, weil es ursprünglich ein Participium ist, blaß, (in den gemeinen Mundarten blässer, am blässesten,) bunt, fahl, falsch, flach, froh, gemach, gerade, geschlank, glarr, hohl, hold, kahl, karg, knapp, lahm, laß, träge, los, welches doch nur selten gesteigert wird, lose, leichtfertig, marr, morsch, nackt, platt, plump, roh, rund, sacht, eigentlich ein Niederdeutsches und in, Hochdeutschen nur in den gemeinen Sprechalten übliches Wort, sanft, farr, schlaff, schlank, starr, stolz, straff, stumm, stumpf, toll, voll, (beyde in den gemein nen Sprecharten mit dem Umlaute,) und zahm. Ist der Vocal des Wurzellautes ein Doppcllaut, ss ist der Umlaut im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnlich, faul, fauler, am faniesien, rauh., rauher, am rauhcsren, so auch grau, rauch u. s. s» Die gemeinen Sprecharten behalten auch hier den Umlaut, räuher, am räuhesten, werden aber da» durch im Hochdeutschen widrig. Die mit Nach^ Wen abgeleiteten Adverbia, und alle Participia, sie seyn PräsentiS oderPräteriti,belommen den Umlaut gleichfalls nicht: lasterhaft, lasterhafter, am lasterhaftesten, wohlhabend, wohlhabender, am wohlhabendsten, verhaßt, verhaßter, am verhaßtesten. Sa auch clie Beschaffenhcit6wc-> ter, welche nach dem Muster des Participsi Präte- riti gebildet sind, bejahrt, betagt, bewandert, gewogen, verrucht, verbublc u. s. s 96 i. TH. 2.Abschtt. 9. Kap. Bildung des Conu parativeö. Des Superlatives« §. 491. Der Comparativ wird durch Anhält gung derSylbe er an den Positiv ausgedrückt: laut, lauter, groß, größer, gelb, gel'oer, froh, froher. Endigt sich der Positiv bereits auf das mildernde e, so wird dem Comparative nur ein r angehänget: blöder, bänger, loser, leiser, enger, böser, früher, näher, gerader, geschwinder/ rrüber u. s. f. von den Positiven, blöde, bange, lofe, leise, enge, böse, frühe, nahe, gerade, geschwinde, rrübe. Endigt sich der Positiv auf eine der Ableitungssylben cl, en und er, so können diese zur Vermeidung der Zusammenkunft zweyer tonlosere ihr e verlieren, und bey den Ableitungssylben el und en, macht der Wohllaut solches bey nahe nothwendig, eitler/ edler, dunkler, übler, rrockner, offner, vollkommner, für oitcler, edeler u. s. f. Nur wenn ein gelinder Buchstab vorher gehet, welcher nach der Ausstoßung des e geschafft ausgesprochen werden müßte oder konnte, ist die Ausstoßung unerlaubt, belesener, nicht belcft uer, gewogener, nicht gewogner. In der Endung er wird die Ausstoßung bloß geduldet, sichrer, bltcrer, tapfrer, muntrer, daher sie fehlerhaft ist, wenn dadurch eine Harte oder Fallbrücke für die Anssprache entstehet: sauerer, und nicht saurer, heiserer, zur Noch heiserer, aber nicht heisrer oder heisrer, weil solches heißrer gesprochen werden könnte. Wo dieParticipia auf er ihr e im Postt-vo entbehren können und müssen, da bleibt es auch im Comparativo w>?g, gelehrter, berühmter, geliebter. §. 49z. Der Superlativ hanget dem Positivs ein ft odcr est an: jüngst, süßest, ärmst, bit- terft; von den Positiven jung, süß, arm, bitter. Folglich auch theuerst, oberst, der Oberste, und ^ nicht M Adverbium. 4. Steigerung. §.492.493. 97 nicht theures?, obrest, oder gar der Obriste, wie noch in den Kanzelleyen aus der alten Oberdeutschen Mundart gangbar ist, welche das r in mehrern Fällen zu versetzen pfleget: Die Fälle, wo der Superlativ st und wo er est bekommt, hängen, bloß von dem Wohllaute ab, um theils die unnöthige Zusammenkunft mehrerer tonloser Sylben, theils aber auch die Härte mehrerer nicht zusammen stimmender Consonanten zu vermeiden. Man merke davon: Ein bloßes st bekommen 1. Alle mit Nachsylben abgeleitete Adverbia, die auf haft, ichr, licht und isch ausgenommen: dankbarst, anmmhigst, väterlichst, verbun- denst, furchtsamst. 2. Alle Wurzelwörter, welche sich auf ein b, ch und g, ingleichen auf ein einfaches f, l, m, n und er endigen: gröbst, derbst, ärgst, fchmählst, schönst, leerst, feinst, gelbst, bleichst, schärfst, grünst, jungst. Diejenigen, welche im Positivs bereits das mildernde e haben, behalten es nach dem d, s und h bey: blödest, müdest, geschwindes!, keifest, losest, flohest, frühest; nach den übrigen weichen Hauptlauten aber werfen sie eö weg? herbst, längst, bängst, engst. §. 49?. Hingegen bekommen est: Fsrt- 1. Die abgeleiteten auf haft, ichr und licht: schmeichelhaftest, lebhaftest, rhörichtt'st, Vor- nichtest, lauiichtest, besser mit -—ig, lauligst. 2. Die Wurzelwörter auf d, h, k, ck, ff pf, und auf ein verdoppeltes U, rr, mm, nn und pp: wil- dest, gefündest, holdcst, rundest, rohest, rau^ hest, fchlankcst, kränkest, stärkest, dickest, fchlaf- fest, stlnnpftst, dürrest, rollest, siumnnst, Adel. D.Spr. U.V. G AuS- 98 i.TH. 2.Abschn. 9. Kap. Ausgenommen sind die Participia PräfentiS, welche nur ft bekommen, reiyendst. Die auf ein k, ck, rr, nn und min, können das e, wenn es der Wohllaut verstattet, oft entbehren: dünnst, dürrst, stummst, stärkst. z. Die Wurzelwörtcr auf s, ß, sch, st und z: gewisses?, süßest, festest, kürzest, fälschest. Die Superlative der abgeleiteten auf isch sucht man gern Zu vermeiden; kann man sie aber nicht entbehren, so bekommen sie entweder est, viehischeste, bübischeste, weibischeste, oder noch besser ein bloßes t, die Zusammenkunft zweyer Zifchlaute zu vermeiden, viehischre, weibischre; welches nothwendig ist, wenn der Ton zu weit vom Ende käme, bäuerischre für bäuerischeste, verläumderischre. Diesem Beyspiele folgt auch groß, welches lieber der größte, als der größeste hat. Auch andere auf ß lassen sich, wenn sie verkürzet werden müssen, auf ahnliche Art bilden: der süßte, blaßte, laßte, für süßeste, blässeste, lasseste. 4. Die Wurzelwörter, welche sich auf ein t endigen, vor welchem noch ein Hauptlaut hergehet: hättest, schlechtest, älrcst, geliebrest, betrübtest. Gehet ein Vocal vorher, so ist oft beydes üblich: breiteste und breitste, lauteste und lautste, aber nicht röthste, sondern rötheste. Die Parti- cipia Präteriti ans et bekommen nur ein st, weil sonst zu viele tonlose Sylben zusammen kommen würden: gesmetst, gegründerst, veracbretst. Das zum Worte gehörige r wegzuwerfen, ist fehlerhaft. Folglich nicht gegründest, verachtest, ge- slttest. 5. Die, welche sich auf einen Vocal oder Doppellaut endigen: freyest, schlauest, grauest, blauest. Doch Doch können auch hier manche das e entbehren: neuest und neust, rreuest und treust. §. 494. Aus dem vorigen erhellet, daß nur zwey Concretlsn eigentliche und wahre Umstandswörter, nähmlich der gesiei- oft und ehe die Steigerung verstatten. Diese blei- ben auch nach der Steigerung Umstandswörter, und können folglich nicht concrescieret oder als Adjective gebraucht werden. Die öftere Zusammenkunft, ist nicht der concrefcierte Comparativ öfter von oft, sondern das vermittelst der Ableitungssylbe er auö einem Umstandsworts gebildete Adjectiv, S. §. 484; daher dasselbe nicht als eine Ausnahme angesehen werden kann. Da aber der Deutsche Superlativ eigentlich ein Adjectiv ist, so müssen auch die Superlative von oft und ehe erst die adjectivische Form annehmen, ehe sie als Umstandswörter stehen können, ob sie gleich nicht als eigentliche Adjective zu gebrauchen sind. So sagt man zum öftersten, aufdas eheste, mir dem ehesten, aber nicht die öfterste Zusammenkunft, die eheste Abreise; weil sie auch nach der Concretion nicht anders als Umstandswörter gebraucht werden können. Hingegen laßt sich jedes gesteigerte Beschaffen- heitöwort auf die gewöhnliche Art concrescieren und als ein Adjectiv gebrauchen, doch mit den Ausnahmen, welche der Wohllaut besonders im Comparativs nothwendig macht, wo gern mehr tonlose Sylben zusammen zu kommen pflegen, als das Deutsche Gehör verträgt. S. bey den Participiis §. 467. Ein gleiches gilt von manchen abgeleiteten Beschaffen« heitöwörtern, wo der Hauptton in dem concrescier- ten Comparative auf die vierte oder fünfte Sylbe vom Ende fallen würde. Z. B. von bäuerisch, verschwenderisch, dauerhaft, lasterhaft, Le- »oo l.TH. 2.Abschn. 9. Kap. wissenhaft, veränderlich u. s. f. sind die 'adverbischen Comparative bauerischer, verschwenderischer, dauerhafter, lasterhafter, gewissenhafter, veränderlicher ohne Tadel, weil der Nebenton, welcher die Ableitungssylbe begleitet, die Aussprache erleichtert. Allein nach der Concretion würden auf diesen Nebenton zwey tonlose Sylben folgen, und da die Deutsche Sprache diese nach einem Haupttone gern vermeidet, wenn sie kann, so sind sie nach einem Nebentone unerträglich. Wer nicht ein ganz verwahrloseteS Gehör hat, wird alle» mahl lieber umschreiben, als ein bäuerischerer, verschwenderischerer, dauerhafterer, lasterhafterer, veränderlicherer u. s. f. sagen. Bey dem Superlative zeigt sich im Deutschen eine besondere Erscheinung, welche der ganzen übrigen Analogie der Sprache zu widersprechen scheint. Alle Bestimmungswörter des Substantives sind im Deutschen ursprünglich Adverbia, und werden erst aus diesen durch die Concretion gebildet; besonders findet kein Adjectiv ohne ein BeschaffenheitS- wort Statt, welches in dein Gebrauche zu gleichen Schritten neben demselben hergehet, wenn nicht das Adjectiv auf die §. 484 bemerkte Art aus einem Umstandsworts gebildet ist. Nur die Superlative gehen von dieser Regel ab, und ob sie gleich vermittelst ihres Biegungslautes st oder est, aus dem Positive gebildet werden, so sind sie doch als eigentliche Adverbia nicht üblich, sondern können nicht anders als concret gebraucht werden. Schön, groß, im Comparative schöner und größer, können eben sowohl abstract, als concret, der schöne Mann, das große Haus, ein größeres ^>aus, ein schönerer Mann, gebraucht werden. Nur die Superlative schönst, größr leiden den abstracten Ge- brauch Adverbium. 4. Steigerung. §.494. ror brauch nicht, sondern müssen concrefciert werden. Ich kann daher nicht sagen, derMann ist schonst, das Haue ist größt, ob, ich gleich sagen kann, der schönste Mann, das Haus ist das größte uns ter allen. Ich weiß von dieser Erscheinung keinen andern Grund anzugeben, als daß man durch die dunkele Empfindung verleitet worden, die Superlative nach Art der aus Umstandswörtern gebildeten Adjectiven zu behandeln, (S. §.484.) welche gleichfalls nicht als Bcschaffenheitswörter üblich sind; eS müßte denn in dem Begriffe des höchsten Grades etwas liegen, was sich zwar concret, aber nicht al> stract denken lasset, wie aus folgenden Arten des Gebrauches wahrscheinlich n5ird. Einige wenige Superlative sind auSgensmmen, und können auch abstract gebraucht werden. Dergleichen sind äußerst, höchst, jüngst, längst, und die im gemeinen ieben üblichen meist und leyt, doch insgesammt nur als Umstandswörter, höchst und äußerst vor Beschaffenheitswörtcrn,den höchsten Grad zu bezeichnen, höchst oder äußerst lasterhaft, jüngst für neulich, längst für vor langer Zeit, meist, dem größ. ten Theile nach, und leyr für neulich; ferner die in der gesellschaftlichen Höflichkeit üblichen gehorsamst, unrerchänigst, freundlichst, gnädigst, allergnädigst, vcrbundenst, verbindlichst, und andere mehr, doch gleichfalls nur als Umstandswörter, eine Art und Weise zu bezeichnen: ich danke gehorsamst, Se. Majestät haben gnädigst befohlen u. f. f. Allerliebst ist vielleicht daö einige, welches als ein wahres BeschaffenheitSwort abstract gebraucht wird: das ist allerliebst, es sahe allerliebst aus, er machte es ganz allerliebst. G 3 Sollen !?02 i.TH. 2.Abschtt. 9. Kap. Sollen daher die Superlative als Adverbia gebraucht werden, so müssen sie erst dazu geschickt gemacht werden, entweder durch eine Umschreibung mit einer Präposition, oder auch durch eine eigene Ableitung. Beyde Arten dienen aber nur Umstandswörter aus ihnen zu bilden, den höchsten Grad zu bezeichnen, obgleich mit verschiedenen Nebenbedeutungen. 1. Durch Umschreibung vermittelst einer Präposition und ihres Casus: Mit an, welches allemahl den Biegungslaut des Datives an sich nimmt, und daher am lautet, den höchsten Grad unter mehrern bestimmten zu bezeichnen, wo es folglich eineVergleichung mit in sich schließt, er machte es am besten, nähmlich unter den übrigen; das thue ich an: liebsten unter andern Handlungen; wenn es am besten schmeckt, muß man aufhören; hier lebt man am vergnügtesten; er ging am prächtigsten gekleidet, unter den übrigen; er bewies sich noch am billigsten; er betrug sich am niederträchtigsten; es hat am längsten gedauert. Da das am sich hier nicht in an dem auflösen lässet, so erhellet daraus, daß das in nicht von dein verbissenen Artikel herrühret, sondern ein bloßes Merkmahl des Datives ist, welchen der Superlativ hier nicht bezeichnen kann. Mit auf und seinem Casu, aber zugleich mit dem bestimmten sächlichen Artikel das, welcher hier auch mit auf in aufs zusammen gezogen werden kann, den höchsten möglichen Grad absolute, folglich ohne alle Vergleichungzu bezeichnen; er machte es für nähest, der näheste. Andere entlehnen den Comparativ und Superlativ von andern Wörtern; ohne. Zweiffel die erste und ursprüngliche Art der Steigerung, welche mit den irregulären VerbiS gleichzeitig ist, und in die Zeiten fallt, da die Sprache noch ganz nach der dunklen Empfindung deck Hörbaren erweitert und ausgebildet wurde. Indessen sind der Adverbien dieser Art nur noch wenige, indem die meisten übrigen nach und nach die reguläre Steigerung angenommen haben, so wie sich auch die irregulären Verba immer mehr der regulären Form nahern. Es sind noch folgende: bald, eher, am ehesten, wofür man doch in einigen gemeinen Mundarten schon bäldcr, am bäl- desten sagt; gut, besser, der beste, oder vielmehr besire, von einem veralteten deß, baß, gut, wohl, welches noch in unpaß lebt; viel, mehrundmeist, von einem veralteten meh, viel, im Compar. me- ^ her, im Superl. mehest, mehrst, zusammen gezogen mehr und meist. Manche gemeine Mundarten sprechen im Superlative noch mehst, welches, so richtig und analogisch es auch ist, doch im Hochdeutschen fehlerhaft ist. Defektive §. 496. Andere Adverbia sind in Ansehung der Steige- Steigerung defectiv, d. i. sie find nur in einem oder , dem andern Stande, und in dem gesteigerten Stande nur in einem von beyden Graden üblich. So haben minder und mindest, ihren Positivum min oder mind, verwandt mit dem lateinischen ini'n.v8, verlohren. Von dem für sich allein veralteten Umstandsworts Mittel, welches noch in vielen Zusammensetzungen gangbar ist, und welches als ein Adjectiv, vermittelst der Ableitungssylbe er, der mittlere lautet, (S. §. 484.) ist noch der Superlativ der Adverbium. ^Steigerung. §.496.493. 105 der mittelste üblich. Eben so haben die zu Adjectiven concrescierten Umstandswörter der äußere, innere, Hintere, vordere, obere, untere u. s. f. zwar die Superlative der äußerste, innerste u. s. f. allein keine CompaMive, weil zwey auf einander folgende gleich lautende Sylben er, der äußerere, ein äußererer auch das Harteste Ohr beleidigen. Da unfere bisherigen Sprachlehrer diese Ableitungssylbe er eben so wen^ kannten, als den §. 484» beschriebenen Übergang der Unistandswörter in Eigen- schaftswörter, so war es Dein Wunder, daß sie die jehc gedachten Positive einmüthig für Comparative ansahen, ungeachtet ihre Bedeutung nichts vergleichendes oder gesteigertes hat. Der äußere Rand, ist doch kein anderer als der außen ist, ohne alleBe- ziehung auf einen mehr nach innen zu befindlichen Rand. H. 498. Die Deutsche Steigerung ist eine wahre ttmschrei- Steigernng, weil sie den Grad wirklich erhöhet. b»n« dex Eine Art der Biegung, welche den Grad ausdrück- lich vermindert, haben die Deutschen nicht; denn wenn gleich der Begriff mancher Adverbien durch die Steigerung wirklich vermindert wird, wie klein, kleiner, am kleinsten, so rühret solches von der Art des Begriffes selbst, nicht aber von der Flexion her, welche allemahl eine wahre Erhöhung bleibt. Soll daher der Begriff wirklich vermindert werden, so muß man sich einer Umschreibung bedienen, wozuun' ter andern auch die Comparative weniger, und in der höhern Schreibart minder, gehören: Caju? ist min? der oder weniger gelehrt, als Tirius, d. i. er ist nicht so gelehrt; die minder mächtigen Stände. Man hat dieses wohl eher für eine ungeschickte Nachahmung der Französischen Art des Ausdruckes mit moin» gehalten; allein, ob es uns gleich nicht G 5 an IO6 I.TH. 2.Abschn. 9-Kap. Adverbium:c. an solchen fremden Verbindungen und Wendungen fehlet, welche durch ungeschickte Überseher in die Schriftsprache gekommen sind: so ist doch diese wirklich gut Deutsch, und kommt schon bey dem Ottsricd und andern alten Schriftstellern häufig vor, welche wohl noch an keine Nachahmung des Französischen denke!, konnten. Auf ähnliche Art muß die wirkliche Steigerung umschrieben werden, wenn entweder der Gebrauch oder der Wohllaut nicht verstatten, sie an dem Worte selbst vorzunehmen, wozu die Umstandswörter mehr und an; meisten gebraucht werden: sey meiner künftig mehr eingedenk, dieses ist noch mehr wahr, als jenes; was am meiste-? wahr ist; ihn; war unter allen an; n;eiften angst u. s.f. Man hüte sich, den Comparativ nicht da zu gebrauchen, wo keine wahre Vergleichung ist, sondern vielmehr eine Exelusion Statt findet, »^r ist mehr traurig als lustig , kaun nicht Hessen, er ist trauriger als lustig, weil hier eigentlich keine Subjecte mit einander verglichen werden, sondern der ganze Ausdruck nur so viel sagt, er ist nicht sowohl traurig, als vielmehr lustig. Selbst wenn an zwey Subjecte!? zwey verschiedene Beschaffenheiten in Ansehung des Grades der Stärke mit einander verglichen werden sollen, ist der Comparativ allein nicht hinlänglich. Cajus war trauriger, als Ti- tius lustig war, bester, Casus war in einem höhern Grade traurig ais Tinus lustig; oder noch bestimmter, des Lajus Lustigkeit war lebhafter, merklicher, größer u. s. f. als des Titius Trau»- rigkcir. Zehntes !07 »--Mss Zehntes Kapitel. Von den Präpositionen. Inhalt. Erklärung der Präpositionen, Durch, §.520. §. 49Y- Sie sind wahre Adverbia, Z. 500. Woher ihr Casus entstehet, 8- 5oi. Ihre Bildung, §.502. Welche Casus sie regieren. 8. 50Z. !. Präpositionen mit dem Genitive, §.504-509. Anstatt, starr, Z. 5°5. Halb, halben, halber, 8- 5°6. Rrasr und lmic, vermir- relst, 8- 507. Ungeachtet, unweit, un- sern, vermöge, Z.508. während, wegen, Z. 50Y. S. Präpositionen mit dem Dative allein, §.510-518. Aue, §. 511. Bey, z.512. hingegen, mir, Z. Ziz. Nach, 8.514. Nächst, nebst, sammr, seir, 8.515- Von, 8. 516. Zu, zuwider, Z. Z17. Veraltete ab, binnen, ob, §. 518. 2. Präpositionen mit dem Ac- cusarive allein, Z. 51Y- > Z25. Für, 8> 521. Segen, gen, Z. 522. Ohne, sonder, Z. 52z. Um, S.524. Wider, L. 525. 4. Präpositionen mit dem Genitive und Dative, 8- 526. Zufolge, längs, ibid. 5. Präpositionen mit dem Da- rive und Accusacive, 8. 527-5Z6. An, Z. 528. Auf, §. 52?. Hinter, 8- 5Zo. In, 8-5ZI. Neben, 8- 5Z2. Über, §. 533. Uiirer, §. 5Z4. Vor, §. ZZ5. Zwischen, 8. 5Zü. Allgemeine Anmerkungen s:ber die Präpositionen, 8.5Z?- 540. Sie werden auch als Adverbia gebraucht, Z. 5Z8. Nehmen oft Casus-Zeichen an, 8.5Z9. Werden mit PronominibuS zusammen gezogen,8-54o. ?4i. §. 499- roF i. Th. 2. Abschn. ic>. Kap» §. 499. CrMnmg A*Ve Präpositionen sind Umstandswörter, wel- der Priipo- che das Verhältniß eines selbständigen Din- sttivnen. geö bezeichnen, in welches dasselbe durch das Prä- dicat versetzet wird. Wenn man sagt, Casus kommt von N)ien, er that es aussiebe, ich nahm ihn bey der Hand, so sind N)ien, L.iebe, Hand Nahmen selbständiger, oder doch als selbständig gedachter Dinge, welche Glieder des Prä- dicates sind, und durch das Verbum als den wich, tigsten Theil desselben in ein gewisses Verhältniß gegen das Subject oder ein anderes selbständiges Ding gesetzt werden: Cajus — vonTVien, er — aus L.iebe, ihn — bey der Hand. Dieses Verhältniß nun wird in vielen Fällen durch Präpo« sltionen ausgedruckt. Ich sage in vielen Lallen; denn aus der lehre von der Declination, Th.i. §.171 f. ist bekannt, daß dieses Verhältniß eigentlich durch die Casus der Nennwörter ausgedruckt werden sollte, indem die ganze Declination bloß zu Bezeichnung dieser Ver. Hältnisse da ist. Es scheinet, daß man in der Kindheit der Sprache, da man nur wenig Verhältnisse zu bezeichnen hatte, und diese wenigen noch dazu sehr dunkel dachte, so daß man sie häusig mit einander verwechselte, wirklich die dunkele Absicht gehabt, alle diese Verhältnisse an dem Worte selbst, folglich ^ durch die Declination auszudrucken. Allein, als sich bey mehr Cultur die Verhältnisse häuften, und die vorher empfundenen mit mehr Klarheit gedacht wurden, so verzweifelten die meisten Völker an diesem Mittel die Verhältnisse zu bezeichnen, und wähleten dafür ein anderes bequemeres und bestimmteres, in» dem sie diese Verhältnisse durch nackte und bekleidete Wurzel. Von den Präpositionen. §. 499. 109 Wurzelwörter andeuteten, wozu bey dem Fortgang« der Cultur nach und nach abgeleitete, und selbst zusammen gesetzte Wörter kamen. Und so entstanden die Präpositionen und ihr Gebrauch. Indessen findet sich doch in diesem Stücke ein sehr merklicher Unterschied unter den Völkern und Sprachen. Einige sind vielleicht nie auf das Mittel gefallen, solche Verhältnisse an dem Worte selbst auszudrucken, oder wenn sie auch anfänglich darauf fielen, fo haben sie es doch bey erkannter Unzulänglichkeit wieder verlassen, und diese haben gar keine Casus für die Nennwörter, folglich auch keine eigentliche Declination, fondern bezeichnen alle solche Verhältnisse durch Präpositionen, wie z. B. die Franzosen und Engländer. Andere gebrauchten das Mittel der Declination wirklich, und behielten es da, wo es einmahl eingeführet war, auch bey dem Fortschritte der Cultur bey, druckten aber die neuen, oder mit mehr Klarheit empfundenen alten Verhältnisse durch Präpositionen aus. Da jedes Volk dabey seinen eigenen Weg ging, und seiner eigenen Art dunkeler Vorstellungen folgte, fo zeigt sich auch hier eine so große Verschiedenheit. Die Deutschen verließen den Weg frühe, daher ist ihre Declination sehr mangelhaft, und ihr Gebrauch der Präpositionen häufig; die Griechen und Römer behielten den Weg der Declination länger bey, und bildeten ihn noch eine Zeitlang aus, daher ist bey ihnen der Gebrauch der Präpositionen sparsamer; sie setzten sich und ihre Sprache aber dadurch der Unbequemlichkeit aus, daß die durch die Declination bezeichneten Verhältnisse in vielen Fällen dunkel und zweydeutig sind, weil der nackte und einfache Declinations-laut einen Begriff freylich nicht so bestimmt und deutlich bezeichnen kann, als ein eigenes Wort von bekannter nc> i.TH. 2.Abschn. lo.Kap/ ter Bedeutung. Es gibt Völker, welche in der Declination nsch weiter gingen, als die Griechen und Römer, Z. B. die iappländer, welche dreyzehn und mehr Casus haben. Allein, da ihre Casus in bloßen Präpositionen bestehen, welche dem Worte nur angehänget werden, so ist das nur eine besondere Are des Gebrauches der Präpositionen. Es erhellet hieraus, theils daß die Declination und der Gebrauch der Präpositionen nur eine und eben dieselbe Bestimmung haben, indem sie bloß zwey verschiedene Mittel zu Erreichung einer und eben derselben Absicht sind, theils aber auch, daß der Gebrauch der Präpositionen bestimmter und deutlicher ist, als die Declination, welche durch ihren unbestimmten Declinations-Laut ein Verhältniß nur sehr dunkel ausdrucken kann, und oft mehrere sehr verschiedene Verhältnisse zugleich bezeichnen muß. Durch vollständigere Declinationen gewinnet zwar die Kurze der Rede, aber nicht die Deutlichkeit und Verständlichkeit, und diese ist doch die erste und wesentlichste Absicht der Rede, welcher die Kürze nur sehr weit untergeordnet ist. Es erhellet daraus ferner, daß eine Sprache mit mangelhafter Declination in tausend Fällen Präpositionen gebrauchen muß, welche eine mit vollständigem durch die bloße Declination bezeichnen kann. Daß die Präpositionen wahre Umstandswörter, folglich Adverbia sind, erhellet theils aus dem Begriffe, welchen sie bezeichnen, der nichts an dem Dinge selbst befindliches, sondern ein bloßer Umstand ist, theils aus ihrem Baue und Wesen, indem sie wahre Umstandswörter entweder dem ersten Baue oder der nachfolgenden Ableitung und Zusammensetzung nach sind, und daher auch wie andere Umstandswörter, d. i. außer der Bezeichnung des V«r- Von den Präpositionen. §.499.500. m Verhältnisses selbständiger Dinge, gebraucht werden können. Allein, da das Verhältniß, welches sie bezeichnen, eine eigene Art Umstände ist, daher sie auch in ihrem Gebrauche von andern Umstandswörtern abweichen, so verdienen sie immer als ein eigener Redetheil betrachtet zu werden, und zwar eben so gut, als die Zahlwörter, Artikel und Pronomina, welche bloße concrescierte Umstände andeuten, obgleich die Präpositionen keine eigene Biegungssylbe haben, welche ihren Unterschied von andern Umstandswörtern andeutete. Man nennet diesen Rcdetheil eine Präposition, weil er dem selbständigen Ding?, dessen Verhältniß er andeutet, gemeiniglich vorgesetzet wird. Da dieser Nahme von einem bloßen zufälligen Umstände herrühret, indem es Sprachen gibt, welche ihre Präpositionen unmittelbar hinten an das Wort anhängen, und manche Präpositionen selbst im Deutschen und lateinischen hinter ihrem Nennworte stehen, so ist er freylich nicht der schicklichste. Der durch eine bloße buchstäbliche Übersetzung daraus gebildete Deutsche Nahme Dorwort hat noch den Fehler mehr, daß vor in der Zusammensetzung nicht so bestimmt ist, als außer derselben, daher Vorwort eben so gut auch das Pronomen bedeuten kann. S. §. 5Z?. Ich habe daher den lateinischen Nahmen dem Deutschen so lange vorgezogen, bis sich ein schicklicherer Nahme ausfindig machen läßt, der das Wesen und die Bestimmung dieses Rede- theiles genau bezeichnet. §. 500. Die Präpositionen sind ihrem Ursprun- Sie sind ge nach Umstandswörter, folglich auch Adverbia, >^hre Ad- und heissen nur in so fern Präpositionen, als sie eine besondere Art von Umständen, nähmlich das Verhältniß ZI2 I.TH. 2.Abschn. lO.Kap. hältniß des Verbi, sowohl gegen ein selbständiges Ding, als auch gegen einen andern Umstand bezeichnen. Werden sie in ihrem allgemeinsten Begriffe , und überhaupt, folglich ohne Beziehung auf ein solches Verhältniß gebraucht, so gelten sie auch weiter nichts als andere Adverbia, und sollten als« dann auch nicht mehr Präpositionen genannt werden; z. B. die predigt ist aus, der Zxnopf ist ab, ich halte es mit. Hier drucken sie kein Verhältniß des Verbi gegen einen andern Begriff aus, und können daher auch nicht Präpositionen genannt werden. Freylich sind sie in solchen Fällen oft elliptisch, und man muß sich alsdann ein gewisses Ding dunkel gedenken, auf welches sie sich beziehen, z. B. ich gehe mir, d.i. mit ihnen, mit den übrigen u. f. f. Allein das gilt von allen relativen Umstandswörtern, hin, her, da, hier, dorr u. s. f» ohne daß sie deswegen zu Präpositionen würden. Unter diejenigen Fälle, wo die Präpositionen als bloße Adverbia stehen, gehöret vorzüglich der, wenn sie mit andern Wörtern zusammen gesetzt sind, z.B. Abgang, Mitglied, Äeyläufer, Ankunft, Gegenstand, abwesend, beyher u. s. f. wo nichts von dem Statt findet, was eine Präposition zu einer Präposition macht, daher sie hier nichts weiter als gewöhnliche Umstandswörter sind, eben so sehr alL Hingang, Herkunft, nachmahls, Darlehen, tVeggang u. s. f. Von dieser Art sind auch die allermeisten mit diesen Wörtern zusammen gesetzten Verba, abgehen, deystehen, ankommen, durchgehen, auslaufen, mitkommen u. s. f. wo sie eben so sehr Umstandswörter sind, als in hingehen, herkommen, fortfahren, weglaufen u. s. f. Daher es unschicklich ist und Mißdeutung verursacht, wenn man in den Sprachlehren da immer von Von den Präpositionen. §.507. 502. uz von Präpositionen spricht, wo doch nichts als ein Adverbium ist. Noch seltsamer ist es, alle Partikeln, mit welchen Verba zusammen gesetzt werden, z. B. die Vorsylben be, ge, enr, er, ver, zer, un, miß u. s. f. Präpositionen zu ueimcn, welches sie doch in keinem Falls werden können. Nur alsdann können die mit Verbis zusammen gesetzten Umstandswörter Präpositionen heissen, wenn sie wirklich daöVer- hältniß eines selbständigen Dinges gegen den Be. griff des Verbi bezeichnen, wenn folglich erweislich ist, daß der Casus des Substantives von ihnen und nicht von dem Verbo herrühret; z. B. den tVald durchlaufen, einem beystehen, welche so viel sagen wollen, als durch den ganzen lVald laufen, bey einem stehen, wo folglich der Casus von dem UmstandSworte herrühret, daher es hier allerdings eine Präposition ist. §. 501. Indessen rühret dieser Casus nicht ei- Woher ihk gentlich von der Präposition, sondern von dem Ver- Casus riiö- hältnisse her, welches sie bezeichnet, welches daraus erhellet, daß diejenigen Sprachen, welche vollständige Casus-Zeichen haben, dieses Verhältniß bloß durch den Casum ausdrucken, wenn die Deutsche und andere Sprachen eine Präposition nöthig haben. Da aber die Präpositionen dieses Mangelhafte in der Declination ersetzen, und solche Verhältnisse bezeichnen, welche die Casus uicht allein ausdrucken können, so kann man die gewöhnliche Vorstcllungs- art, daß sie gewisse Casus regieren, ohne Nachtheil immer beybehalten, ob sie gleich ein wenig uneigentlich ist. §. 502. Wäre die Sprache nach klaren Begris- Bildung fen erfunden und ausgebildet worden, so würden die ^' Pmp?s Redelheile vermuthlich eine eigene Biegungssylbe »u»"?». Adel. jO.Spr. U.V. H erhal- 114 l Th. 2. Abschn. 10. Kap^ erhalten haben, so wie das Verbum und das Adjectiv damit versehen sind. Allein, so haben sie dieselbe nicht, und sie sind ihrer Bildung nach, so wie andere^ Umstandswörter, entweder Wurzelwörter, oder abgeleitet, oder von andern Nedethejlen entlehnet, oder zusammen gesetzt. lVurzelwörter oder vielmehr N^urzellame, welche von Anfange an zu Umstandswörtern bestimmt worden, sind: ab, an, auf, aus, mir, durch, von, nach, bey, seit, zu, ob, für, vor, ohne, um, in. Abgeleitete, und zwar vermittelst der den Umstandswörtern eigenen Ableitungslaute s, st, en und er: halben, halber, mittelst, wegen, neben, nebst, wider, gegen, sonder, längs, hinter, über, unter, zwischen. Da sie diese Ableitungssylben mit den übrigen Umstandswörtern gemein haben, so erhellet auch daraus, daß sie ursprünglich nichts anders als solche sind, und sich von ihnen nur in der besondern Anwendung unterscheiden» Von andern Redetheilen entlehnet und von ihnen oft gleichsam abgerissen sind: statt, halb, (von dem Substantiv die Halbe, die Seite, ob es gleich auch eben so gut die Wurzel dieses Hauptwortes seyn kann,) kraft, laut, während, vermöge, ungeachtet, nächst. Zusammengefegt endlich sind, und zwar mit Nedctheilen aller Art: anstatt, außerhalb, innerhalb, oberhalb, unterhalb, vermittelst, unweit. Wenn man den oben gegebenen Begriff einer Präposition für richtig annimmt, so kann es auch nicht langer streitig seyn, was man sür eine Präposition halten müsse oder nicht. Alles was ein Umstand^ Von den Prcipositionetl. §.502. »5 flandswort ist, e6 sey nun von Natur dazu be-, slimmt, oder erst nachmahls dazu gemacht, ist eine Präposition, so fern cS das Verhältniß bezeichnet, worin ein selbständiges Ding durch den Bügriff eines Wortes geseßet wird. Da nun dieses von allen obigen Wörtern gesagt werden muß, so verdienen sie auch den Nahmen der Präpositionen mit allem Recht. Unsere Sprachlehrer scheinen hier die dunkele Vorstellung gehabt zu haben, daß nur die Wurzel- wörtcr und abgeleiteten den Nahmen der Präpositionen verdienen, daher sie die zusammen gesetzten und von andern Redetheilen entlehnten, entweder ganz .davon ausschließen, oder sie, wenn es hoch kommt, uneigentliche Präpositionen neunen. Ich sage, sie haben diese Vorstellung dun'cel gehabt, denn klar haben sie sich selbige wohl nie gedacht, sonst würden sie das Unschickliche dieser Ein- theilung sehr bald eingesehen haben. Die Bedeutung und der Gebrauch machen einen Redetheil zn dem, was er ist, nicht aber die Materie oder Bildung. Wem ist es wohl eingefallen, die von Ad- verbiis oder Infinitiven entlehnten Substantiva Raum, Gut, Böse, das Lieben, Gehen, oder die zusammen gesetzten Durchgang, TViders stand, ein Taugenichts u. s. s. bloß darum für uneigenrliche Gubftanriva zu erklären, weil sie nicht in der ersten Bildung eigentlich zu Substantiven bestimmt sind. Ein gleiches gilt von allen übrigen Redetheilen, welche eben so oft zusammen gesetzt oder von andern Redetheilen entlehnet sind, als sie Wurzelwörter oder abgeleitet sind. Ist nun bey allen übrigen dieser Unterschied unschicklich und ungereimt, warum soll er gerade bey Präpositionen angenommen werden, zumahl da er hier nicht den H 2 gering- n6 i. Th. 2. Abschn. lo. Kap. geringsten Nußen gewähren kann? Verlieret ein Wort, welches eigentlich zu einem Substanrivo gepräget worden, wie die Arafc, die Statt und der Kaur, alles Selbständige, und zwar so sehr, daß es zu einem, bloßen Umstände wird, und bezeichnet dieser Umstand das oben gedachte Verhältniß, rrafc meines Versprechens, laur des Briefes, statt Mner, so ist es ja wohl so gut eine Präposition, als aus, mir, von u. s. f. Eben dieses gilt auch von den zusammen gesetzten Präpositionen. Es erhellet daraus zugleich, daß es nicht allein unnöthig, sondern auch fehlerhaft ist, die von Substantiven abgerissenen Präpositionen mit einem großen Buchstaben zu schreiben. Da sie hier alle Selbständigkeit verlieren, und zn bloßen Umstandswörtern werden, so haben sie auch keinen Anspruch mehr auf einen großen Buchstaben. Schreibt man doch andere aus Substantiven gebildete Redetheile, z. B. hoffnungslos, nicht mit großen Buchstaben, obgleich das Substantiv daselbst seine Selbständigkeit bey weiten nicht so sehr verlieret, als wenn es zur Präposition umgebildet wird. Welche Ca- §. 50z. Diejenigen Casus, welche die Deut- s»s sic re- Präpositionen regieren, sind alle drei) oblique gieren. Easug, welche eben um deswillen, weil sie zu Bezeichnung gewisser Verhältnisse bestimmt sind, oblis que Casus heissen; folglich der Genitiv, Dativ und Accusativ, und zwar mit dein Unterschiede, daß einige Präpositionen nur einen Casum allein? andere aber nach dem Unterschiede des Verhältnisses, welches sie bezeichnen, mehrere Casus re« zieren. 1. Präpo- Von den Präpositionen. §.504. 117 1. Präpositionen mit dem Genitiv allein. §. 504. Der Genitiv ist zwar unter allen Ca-1. Prüpoff- fibus im Deutschen der bestimmteste, weil wenig- twnen mit siens die allermeisten männlichen und sächlichen Wörter ihn bezeichnen können und müssen. Allein, ' da er eben dieser seiner genauen obgleich nur dunkel empfundenen Bestimmung wegen mehrere Verhältnisse zu bezeichnen übernehmen müssen, wie in dem Syntaxe gezeiget werden wird: so hat man nachmahls in dem Fortschritte der Cultur nothwendig gefunden, zu Vermeidung aller Zweydeutigkeit, gewisse Verhältnisse noch durch Präpositionen zu bezeichnen. Da dieß bey dem Fortschritte der Cultur geschahe, als die Sprache ihren Bestandtheilen nach schon gebildet war, und sie in ihrer Ausbildung nicht mehr der dunkeln Empfindung des Hörbaren folgte, so konnten zu Bezeichnung dieser Verhältnisse auch keine neue Wurzelwörter mehr gepräget werden, sondern man mußte die für nöthig befundenen Präpositionen von schon vorhandenen entlehnen. Daher sind alle Präpositionen, welche den Genitiv regieren, im Deutschen entweder von andern Redetheilen abgerissen, oder auf verschiedene Art zusammen gesetzt. Die vornehmsten sind im Hochdeutschen: anstatt oder nur statt, halb oder halben, und die damit zusammen gesetzten außer- halb, innerhalb, oberhalb, unterhalb, ferner kraft, laut, mittelst oder vermittelst, ungeachtet, unweit, vermöge, rvährend und wegen. Die Oberdeutsche Mundart und mit ihr der Kanzelley - und Curial-Styl, Haben deren noch weit mehrere, z.B. besage, inhalrs, erwogen, vor- gängig, angesehen, und viele mit im zusammen Zcschte Participia, unangeschen, ungehindert, H z unab- ziZ i.TH. 2.Abschn. lo.Kap. unäbbrüchig, uuermesseu, unerwogeu u. s. f. welche aber in der edlen Schreibart der Hochdeutschen veraltet sind, daher sie auch hier nicht mit in Betrachtung kommen. Anstatt §. zsz. Starr, welches nur im gemeinen leben »nd starr, üblich ist, und das edlere anstatt, sind von dem Substantivs die Statt, d. i. Stätte, entlehnet, und bezeichnen das Verhältniß, da etwas an des andern Statt oder Stelle ist, oder geschiehet: ich wünschte, du giugsst statt meiner oder anstatt meiner hin; anstatt del? Fürsten war ein!1Am'-- ster zugegen. Anstatt ist indessen nicht so zusammen gesetzt, daß es nicht oft sollte getrcnnet werden, und den Genitiv in die Mitte nehmen können: ich wünschte, du gingest an meiner Statt hin, au des Fürsten Statt. Da hier das Hauptwort wieder in alle seine Rechte eintritt, so wird es auch billig mit einem großen Buchstaben geschrieben, und kann mit seinem Vorworte alsdann freylich nicht unter die Präpositionen gerechnet werden. Oft verbiethet der Sprachgebrauch die Zusammenzichung; besonders wenn der unbestimmte 'Artikel ausgelassen ist: jemanden an Aindes Statt annehmen, nicht statt oder anstatt Aindes, auch nicht, anstatt oder statt eines Rindes. Aus allem erhellet, daß statt zwar den Nahmen einer Präposition mit allem Rechte verdienet, anstatt aber noch erst im Werden begriffen ist, und seine feste Gestalt noch nicht erhalten hat, daher man es auch immer noch getrennt an Statt schreibeil kann. Wenn für schon den Sinn hinlänglich bezeichnet, so ist statt oder an Statt fehlerhaft, wie die Oberdeutsche R. A. etwas au Statt einer wohlthat achten. Daß starr und anstatt auch als Conjunctionen gebraucht werden, wird an seinem Orte erhellen. §. 506» Von den Präpositionen. §.506. «9 §. 526. Halb ist von dem im Hochdeutschen Halb, hah veralteten Substantivs die Halbe, die Seite, ab- b"'- hal- gerissen, oder vielmehr die Wurzel desselben; hal- den und halber aber sind vermittelst der Ableitungssylben en und er davon gebildet. Die beyden letztern unterscheiden sich daher auch in der Be- ' deutung sehr merklich von dem ersten, indem halb . nur noch in eigentlichem Verstände das Verhältniß des Ortes, die Gegend oder Richtung bezeichnet, aber nur noch in den Zusammensetzungen außerhalb, innerhalb, oberhalb und unterhalb üblich ist: innerhalb der Sradc wohnen, außerhalb der Ringmauer seyn, unterhalb des Flusses, oberhalb des XValdes, über dem Walde, an der obern Seite oder Gegend desselben. Im Oberdeutschen hänget man das halb noch mehrern Substantiven an, Umstandswörter daraus zu bilden, jonnenhalb, südwärts, gegen Süden, nordhalb, gegen Norden. Ein Fehler ist es, wenn man diese Wörter mit dem Dativ verbindet, z. B. innerhalb drey Tagen, welcher Fehler doch daher rühret, weil man den Casum an dem Substantive bezeichnen wollen, welches doch im Plural nichts als den Dativ bezeichnen kann; folglich richtiger inner- halb dreyer Tage. Halben und Halber werden nur im figürlichen Verstände gebraucht, einen Bewegungsgrund zu bezeichnen, wie wegen und willen, und stehen allemahl hinter ihrem Nennworte: ich thue es der Freundschaft halben, deiner Laster halben, die 5Velt ist nicht allein des Menschen halber erschaffen, ich habe ihn noch einiger Sachen halber ;u sprechen, Alters halben oder halder hätte er noch lange leben können, Gewissens halber zu etwas verbunden seyn, Scheins H 4 halber. I. Th. 2. Abschll. lO. Kap. halber. Halben und halber sind sowohl der Ableitungssylbe, als dem Gebrauche nach völlig gleich bedeutend; nur scheint halber lieber dann zu stehen, wenn das Substantiv keinen Artikel hat, erroas Gervinnstes halber thun, und des Gervinnstes halben, obgleich dieser Unterschied, der denn am Ende doch auch nur willkührlich ist, nicht allemahl beobachtet wird. Dieses halber mit seinem Substantive zusammen zu ziehen, Scheinshalber, Berhenshalber, Ehrenhalber, hat weder Grund nochNuhen. Wohl'aber wird halben mit den Pronominibus zusammen gezogen, da denn die Possessiva noch das c euphonicuin in die Mitte nehmen, meinethalben, deinechalbcn, femethalben, ihrethalben, unserrhalben, eurethalben. Siehe von dieser Form, welche doch der vertraulichen Sprechart am angemessensten ist, mein Wörterbuch, v. Dein, wo zugleich die Geschichte derselben kürzlich angeführet worden. Andere Pronomina bekommen dieses t nur im gemeinen leben: derent-- halben, defsenthalben, rvejsenthalben, wofür die anstandigere Sprcchart derhalben, deßhal- ben oder deßhalb, deßhalb oder roeßhalben sagt. Noch ein um vorzusetzen, um des TVohls standes halben oder halber ist fehlerhaft. Rr^fr, §. 507. Araft und laut sind von Hauptwör- laur, ver- emlchntt; das erstere bezeichnet das Verhalt- ^' niß der wirkenden Ursache: kraft meines Versprechens, kraft der Geftyc, kraft des mir aufgetragenen Amtes. Laut bezeichnet das Verhältniß des Erkenntniß-oder Beweisgrundes: laut des Briefes , laut des Befehles, laut meines Evangelii, Nöm. 2. laut aller Flüche des Bundes, SMos. 29. Dieses laut mit dem Dativ Zu verbinden, laut dem königlichen Befehle, ist Von den Präpositionen. §.508. 121 ist im Hochdeutschen ein Fehler. Der Curial-Styl gebraucht statt dieses laut auch die Wörter besage und Inhalts, gleichfalls als Präpositionen und mit dem Genitive, welche aber der edlern Schreibart der Hochdeutschen fremd sind. In vermittelst, wofür im gemeinen Leben nur mittelst üblich ist, ist das st das s, der Ableitungslaut der Umstandswörter, welcher in mehrcrn in st übergehet. Es deutet das Verhältniß eines Mittels, einer Beyhülfe an: vermittelst göttlicher Hülfe, vermittelst deines Beystandes^ vermittelst einer Leiter auf das Dach steigen. §. 508. Ungeachtet ist eigentlich das mit un u>i?each- zufammen gefetzte Participium von achten, eine "r.umveic, Mlgeachcece Maare, welches auch als eine Prä- Position gebraucht wird, das Verhältniß der unter- """"^e. lasscnen Rücksicht zu bezeichnen, und alsdann sowohl vor feinem Nennwerte, als auch, und zwar am liebsten, nach demselben stehet: ungeachtet seiner Gcschicklichkcic, oder besser, seiner Geschicb'lich, keit ungeachtet überging man ihn doch, des Übeln NX'tters ungeachtet, dieses alles (besser alles dessen) unbeachtet, dessen ungeachtet. Im Oberdeutschen verbindet man es gern mit dem Dativ, welches auch nicht selten im Hochdeutschen nachgeahmet wird, wo es aber eigentlich fehlerhast ist, seinem Lleisse ungeachtet, dem ungeachtet. Uncrachtet für ungeachtet ist unschicklich, indem erachten eine andere Bedeutung hat als achten; ohngeachter oder ohnerachter aber ist eine im Hochdeutschen völlig veraltete Form, welche nur noch in den Kanzelleyen lebt, wo man in eben derselben Bedeutung auch ohngehindert, ohnerwogen, unanczesehcn, unermefsen u. s. f. gleichfalls H 5 «16 122 i.TH. s.Äbschn. lO.Kap. als Präpositionen mit dem Genitive gebraucht. Daß ungeachtet hier mit Recht als eine Präposi. tion betrachtet wird, erhellet aus dem Genitive. Da ' die Participia sonst den Casum ihres Verbi behalten, so müßte es, wenn es weiter nichts als ein Participium wäre, den Accusativ bekommen, seinen Fleiß ungeachtet, so wie man sagt, alles dieses nicht betrachtet, bey Seite geseytu. s. f. Unweit und das größten Theils veraltete uns fern bezeichnen das Verhältniß der Nähe des Ortes, für nicht weit, erfordern aber allemahl die Nennung des 'Termini !Z cmc>, der dann im Genitive stehet: unroeir der Sradt, des Gartens, des Hauses. Auch hier wird in manchen Gegenden, obgleich nicht so- richtig, der Dativ gebraucht, unweit dein Garten. Wenn diesem Worte anstatt des Genitives die Präposition von zugesellet wird, unweit vsn der Sradt, so ist es weiter nichts als ein gewöhnliches Umstandswort. Diese Form mit von ist vorzüglich alsdann brauchbar,wenn derber- immuz s czuo des Genitives unfähig ist, unweit von hier. Vermöge, scheinet die mit ver zusammen gesetzte Wurzel des Verbi mögen, können, Zu seyn, und kündiget das Verhältniß der wirkenden Ursache, des Bewegungs-und Beweisgrundes, seltener des Mittels an: vermöge des göttlichen Befehles' das kannst du, vermöge deiner Klugheit, leicht einsehen' vermöge des Testamentes ist er ^Lrbe; das konnte vermöge unserer Abrede nicht geschehen. wahrend §. 509. Mährend ist eigentlich das Partici- und pjum des Veroi währen, welches hier als eine Prä- wczen. Position mit dem Genitive gebraucht wird, und das Verhält- Von den Präpositionen. §.509.510. 12z Verhältniß der Dauer einer andern Handlung bezeichnet: während unsers Gespräches geschahe es, während des Krieges, während der Feit, nicht währender Zerr, welches völlig undeutsch ist. Daß während ursprünglich wirklich > daö Participium ist, erhellet theils aus der ähnlichen Form clursiue bcllo u. f. f. der Lateiner, theils auch aus dem Französ. ciurgnt, und Engl. ciurinA, welche gleichfalls als Präpositionen, obgleich nicht mit dein Genitive, gebraucht werden. N?egen ist der WurZellaut weg in bewegen, mit der Ableitungssilbe en für Umstandswörter, und kündiget das Verhältniß der bewegenden Ursache an. Es stehet sowohl vor, als nach seinem Substantive: er ward wegen seines Fleisses oder seines Fleisses wegen belohnet; des Übeln XVetters wegen. Der Oberdeutsche Gebrauch mit dem Dative, wegen seinem Fleisse, ist im Hochdeutschen fehlerhast. Die Zusammcnzichung mit den Possesjwis vermittelst des t euphonici, meinetwegen , deinetwegen, seinetwegen u. s. f. ist, so wie die mit halben, nur in der vertraulichen Sprechart üblich; deßwegen ist auch in der edlern Schreibart gangbar, wofür die niedrige dessentwegen saget. Wenn es so viel als im Nahmen bedeutet, oder das Verhältniß des Ursprunges bezeichnet, so setzt man im gemeinen Leben noch das von vor: grüße ihn von meinetwegen, edler, in meinem Nahmen. Eben diese Bedeutung findet auch in der in den Rechten üblichen Formel von Rechts wegen statt. 2. Mit dem Dativ allem. §. 510. Den Dativ allein nehmen zu sich: aus, 2. Mit außer, bey, entgegen, nur, nach, nächst, nebst, Dative sammt, 124 I. Th. 2.Abschü. lO.Kap. sammt, seit, von, zu, zuwider; ingleichen die im Hochdeutschen veralteten ab, binnen und ob. Die vornehmsten davon sind in folgenden Versen enthalten: Daphnie an die G-uelle. Nach dir schmacht ich, ?u dir eil ich, du geliebte Quells, du! Aus dir schöpf ich, bey dir ruh ich, seh dem Spiel der Wellen zu; Mit dir scherz ich, von dir lern ich heiter durch das Leber» wallen, Angelacht von Frühlingsblumen, und begrüßt von Nachtigallen. Ramlcr. Au- mid §. 511. Aus bezeichnet eigentlich das Verhält- außer. niß desjenigen Ortes, in welchem eine Bewegung oder Handlung ihren Anfang nimmt: aus dein Sattel heben, aus dein Bette kommen, aus Berlin seyn, den Brand aus dem Leuer reiss scn, den Nopfaus der Schlinge ziehen. Aus wird hier vornehmlich alsdann gebraucht, wenn der Gegensatz in erfordert: aus dem Garten koms men, weil man sagt, in dein Garren seyn, in den Garten gehen. Figürlich bezeichnet es: 1. das Verhältniß der Materie: aus TVasser tVcin machen, aus Scein gearbeitet, aus nichts wird nichts. Und nach noch weitern Fi. gurcn, das Verhältniß der Bestandtheile, des Gegenstandes : der Mensch bestehet aus Leib und Seele, es wird nichts aus der Sache, ein Verbrechen aus etwas machen. 2. Den Erkenntnißgrund: ich weis; es aus Erfahrung, ich sehe es aus deinem Gesichte, z. Den Bewe- gungsgrund, gemeiniglich ohne den Artikel des Substantives: er thut es auo Gcirz, aus Lust zur Ruhe, aus Schwachheit sündigen, aus Dumm- Von den Präpositionen. §.511. 125 Dummheit fromm seyn. Wenn es keinen Ca- sum regieret, folglich keines dieser Verhaltnisse bezeichnet, so ist es ein bloßes Umstandswort: ein fürstlicher Räch von Hause aus, er schrieb mir von Berlin aus, besser von Berlin, allein, wir standen die ganze predigt aus, besser über, der Handel ist aus, zu Ende, es ist aus mit ihm. Wohin auch die Zusammensetzungen mit Verbis gehören. Ztußer ist vermittelst der Ableitungssylbe er davon abgeleitet, und schließet Ort, Person und Zustand aus. Wenn es den Ort ausschließet, so bedeutet es so viel als außerhalb: außer der Stade wohnen, außer sich seyn, außer dem Hause, drey Personen außer dir, außer Stande, außer Gefahr, außer Schuld seyn, außer dem, (nicht außerdem,) d.i. dieses ausgenommen. Fehlerhaft ist es, diese Präposition zu gebrauchen, wenn aus der oder aus dem stehen sollte, z. B. sich außer Athem lausen, besser aus dem Athem, et- was außer Acht laßen, besser aus der Acht; weil hier keine eigentliche Ausschließung statt findet. Es gibt Falle, wo außer den Accusativ zu erfordern scheinet, ich sahe niemand außer dich, sie waren alle zugegen außer diese zwey. Allein hier rühret der Accusativ von dem Verb» her, und außer ist ein bloßes Umstandswort, eben so sehr, als wenn man sagt, ich gehe heute sparzieren, außer, wenn es regnen sollte. Soll es hier eine wahre Präposition seyn, so muß das Nennwort im Dativ stehen, ich sahe niemanden außer dir, außer diesen zweyen. Daher ist auch GellertS Stelle, er seyt mich außer dem Stand jemanden Gefälligkeiten zu erzeigen, eigentlich fehlerhaft. Im Oberdeutschen wird es, wenn es für außerhalb siehet, !26 r. Th. 2. Abschn. w. Kap. stehet, auch mit dem Genitive verbunden: der Pils gram, welchen du siehst außer tVcgee wallen, Opitz; wo man im Hochdeutschen saget, außer dem lVege. Indessen ist von diesem Gebrauche doch noch das außer Landes im Hochdeutschen völlig gange und gebe. §. 512. Bey bezeichnet eigentlich das Verhalt., niß der Nähe an der Seitenflache eines andern Dinges, doch nur im Stande der Ruhe: bey jemans den siyen, liegen, stehen, die Spree bey Berlin, die Schlacht bey L.üyen, der weisse Verg bey Prag. In vielen andern Fällen, besonders wenn die Nachbarschaft der Berge, Flüsse und Wälder angedeutet werden soll, stehet an. Figürlich bedeutet diese Präposition: 1. den persönlichen Gegenstand: das gilt nichts bey mir, Gnade bey Gort finden, sich bey jemanden beliebt machen, bey dem Richter klagen,.etwas bey Hofe anbringen, mein Glücü stehet bey dir, bey jemanden wohnen, speisen. 2. Den Gegenstand der Sache: bey lVasser und Droc gefangen siyen, bey der Arbeit lesen, beydem Tanze seyn, ich bin nicht mir dabey, es ist mir nicht wohl bey der Sache, z. Das Mittel, Werkzeug : jemanden bey der Hand nehmen, bey Lichte lesen, etwas bey den Haaren her'oey ziehen, jemanden bey dem Nopfe nehmen, ihn bey Nahmen nennen. 4. Eine Coexistenz: bey großen, Gute arm seyn, bey aller Vehurs samk^r einfältig seyn, wie t'ann man bey eis ner so großen Gefahr jchlunnnern^ er ward be? diesen» Auftritte gerührt. 5. Einen Besitz: bex> gurer Gesundheit seyn, noch bey Leben, (be -er am) seyn, er ist schon bey Jahren, bey Gelde seyn, erhalte ihn bey diesen Gedanken» 6. Eine Von den Präpositionen. §.512.513.' 127 6. Eine Ordnung: sie gingen Mann bey Mann, ! sie kamen bey paaren, da liegen sie bey raufenden. 7. Einen Bewegungsgrund, nur zuweilen: bey Gott schwören, bey meiner Treu, nein bey der Thräne, die ich an deiner Leiche gemeiner habe, Dusch, etwas bey Strafe vers biethen, bey Leibe nicht. 8. Eine Anwesenheit: wie sieher es bey euch^ bey uns isi derTVem theuer, es war eine Gewohnheit bey den Als ten. 9. Eine ungefähre Zeit, Dauer, oder vielmehr die Coexistenz eines Umstandes: bey Tas ge reifen, bey der !77acht arbeiten, bey andres chendem Tage aufstehen, bey schönem ^Vetter fpaczieren gehen, bey Menschen Gedenken, bey Gelegenheit, bey Zeiten. 10. Eine Dauer oder Zahl ungefähr zu bezeichnen; eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Bedeutung: bey vierzig Iahren lang, an die vierzig Jahre, da ward eine Stille im Himmel bey einer Stunde lang, besser, eine Stunde lang, bey drey Schuh tief, bey sechs XVochen lang, besser drey Schuh, sechs IVochen, oder auch fast drey Schuh, fast sechs TVochen. Das dafür in den gemeinen Sprecharten übliche an die ist wenig besser. Besondere Arten des Ausdruckes sind bey nahe, fast, und dessen Gegensatz bey weitem, noch lange nicht. Das letztere wird gemeiniglich mit einem m geschrieben und gesprochen, als wenn es der Dativ eines Nennwortes im Singular wäre. Es scheinet indessen der Plural zu seyn, und alsdann müßte es bey weiten heissen, so wie man im Oberdeutscheu auch bey nahen für bey nahe sagt. §.51?- Entgegen, ehedem nur in gegen, in Lntge?e», gegene, ist eine von den wenigen Präpositionen, '"ir. welche ,28 I. Tl). 2. Abscht!. -O. Kap. welche ihrem Nennworte allemahl nachstehen, und bezeichnet das Verhältniß der einen Bewegung, so fern sie der Richtung einer andern widerspricht: dem NAnde entgegen reiten, dem Strome entgegen fahren, der tVind ist uns entgegen, den: Strome einen Damm entgegen seyen. Zuweilen mit Nebenbedeutungen und Figuren: ei? nein entgegen seyn, wo sich der Begriff der Richtung verlieret, und nur der Begriff des Widerstandes übrig bleibt; die Sache ist mir nicht entgegen, nicht zuwider. Oft verliert sich der Begriff des Widerstandes, und die Richtung bleibt allein übrig; einem entgegengehen, reiten, fahren, kommen. Von einem Stande der Ruhe, England lieget Frankreich entgegen, d. i. gegen über, ist es im Hochdeutschen veraltet. NAt bezeichnet eigentlich das Verhältniß der Gesellschaft, Gemeinschaft und Verbindung: gehe mit uns, N?ein mit lVasser vermischen, mit einem essen, trinken, alle nur einander, jemanden mir Briefen abschicken, die Alten mit den Jungen todten, (wo die gemeinen Sprecharten noch ein unnöthiges sammt hinzu setzen, die Alten mir sammt den Jungen). Welche eigentliche Bedeutung denn in mancherley Figuren übergehet: i. Der Theilnehmung: sich mit einem freuen, rvelche nur uns leiden, er hat gleiche Neigungen mit dir. 2. Deö Werkzeuges: mit dein besser schneiden, mit dem Degen stechen, mic der Axt hauen, mit der Hand schlagen, mit den Augen winken, mit der Ehle messen, z. Des Hülfsmittels, Mittels: mit barem Gelde einkanfen, mic Gutem richtet man viel aus, mir Gocces Hülfe. 4. Der Materie: mir Eisen beschlagen, mit Gold einfassen, belegen, überzie- Von den Präpositionen. §.513.514. 129 überziehen, mit Tinte schreiben, micN)asser raufen, nur Rosen schmücken. 5. Den Gegenstand der Person: ich halte es mir ihm, rvas habt ihr mir einander, mir jemanden bekannt seyn, sich mir einem vertragen, er meint es redlich mir dir. 6. Den Gegenstand der Sacke: verschone mich damit, ich bin mit der Sache fertig, mir dem Essen rvarcen, halte an mit Lesen, nur ecrvas zufrieden seyn. 7. Die Art und Weise: etwas mir Geduld ertragen, seine Schritte mir Vorsicht abmessen, eine Stadr mir Srurm erobern, nur Donhcil, mit Schaden verkaufen, mir Lust arbeiten, mir Der- druß thun. 8. Eine Zeit: mir Tages Andruck, mit dem Schlage zehen siehet sie auf, mit der Zeit rvird sichs geben, mir dem neuen Jahre. Hat diese Partikel keinen Casum, so ist sie auch weiter nichts als ein bloßes Umstandswort: mit zur Leiche gehen, ich kann es nicht mehr mit ansehen, er ist auch um dabey, mit unter; wohin auch die Zusammensetzungen gehören, mitbringen, mirgehen, ein Mitarbeiter u.s.f. §. 514. L^lach hat eine gedoppelte Hauptbedeu- Nach, tung. !. Die Richtung einer Bewegung zu einem Gegenstande hin zu bezeichnen; sowohl eigentlich, wo es besonders vor den eigenen Nahmen der Länder und Örter stehet: nach Frankreich, England, Italien reisen, ich gehe morgen nach Holland ab, der N?eg gehet nach Leipzig, die posi nach tVien, nach Paris schreiben. Ingleichen vor den Substantiven Hof und Haus: nach Hofe reifen, gehen, schicken, schreiben, kommen, nach Hause gehen, fahren, eilen, Adel.K.Spr.U.D. I mir lzo I. Th. 2. Abschtt. IO. Kap. mit sich nach Hause nehmen. 'Zwar sagt man auch zu Hause geben, eilen, kommen; aber am richtigsten braucht man zu bey dem Worte Haus nur im Stande der Ruhe, zu Hause seyn, blei- den; im Stande der Bewegung aber nach. Ferner mit noch andern Substantiven, nach der Scadr gehen, reiten, fahren, der lVeg gehet nach dem Ü)alde, nach dem Flusse, etwas nach (zu) sich ziehen. Besonders von der bloßen Richtung : den Mantel nach dem XVinde hängen, der N>ind drehet sich nach Morgen, nach dem TValde zu gehen. Auch wenn der Gegenstand derselben eine Person oder Sache ist: nach jemanden hauen, schlagen, siechen, zielen; nach ecrvas langen, greijfcn, sich nach jemans den umsehen, nach etwas schnappen, springen. Aus dieser mehr eigentlichen folget die figürliche Bedeutung der Richtung der Wirksamkeit des Gemüthes, der Begierde, des Verlangens u. s.s. nach jemanden fragen, nach etwas forschen, trachten, sich sehnen, sireben, jemanden nach dein Leben stehen, nach etwas seufzen, schmachten, mich durftet nach Mein. 2. Eine Bewegung und oft auch einen Zustand im Rücken oder hinter einer andern Person und Sache, sowohl i. in Absicht des Ortes: er gehet nach nur, sie kommen nach einander, etwas nach sich ziehen. Oft mit dem Nebenbei griffe der Ordnung: er folgt nach mir. Ingleichen figürlich in Betrachtung des Werthes, der Würde: der zweyte nach dein Zxönige, nach ihm ist mir niemand lieber, als du, das beste 2?uch nach der Bibel; der Regel und Richtschnur: sich nach einer Vorschrift richten, nach etwas handeln, thun, sich nach der Mode Von den Präpositionen. §. 514. ?z» Mode kleiden, sich nach seinem Vemel richten, ein Verbrechen nach der Vernunft, nach seinem Sinne leben; des Vorbildes, Musters, des Maßes: nach der Natur, nach dem Leben gemahlt, nach jemandes Beyspiele, nach der j^hie, nach dem Gewichte verkaufen, zäh- le die Jahre nach Minuten; der Gemäßheit: nach Belieben, nach Hunger essen, nach Stand und tVürden, nach seiner Gewohnheit, es gehet ihn» alles nachlVunsch; desBe- stimnmngsgrundes: Christus nach seiner menschlichen Natur, nach dein Ansehen zu urtheilen. Wo es auch hinter seinem Nennworte stehen kann: meiner Meinung nach> ihm nach, wenn cs meinen wünschen nach ginge, seiner Gewohnheit nach, dem Ansehen nach; und oft hinten stehen muß: dem L.eibe nach im Grabe, der Seele nach im Himmel seyn, jemanden nur dem Nahmen nach kennen, den Iahren nach könnte er es wissen. Als auch 2. derZeit: nach etlichen Iahren, nach einiger Zeit, nachdem lassen, nach der Komödie, nach dem Tode, acht Tage nach einander, nach diesem, nach vieler Mühe. Die Falle, wo diese Präposition hinter ihrem Nennworte stehen kann, sind: i. wenn sie einen Bestimmungsgrund bedeutet. 2. Wenn sie eine Richtung bedeutet, doch nur noch in einigen weniges; Fällen, z.B. der Nase nach, mir nach! Die biblischen Ausdrücke: kehre um deiner Schwägerinn nach, es sind etliche umgewandt, dem Saran nach, sind im Hochdeutschen veraltet. Wenn es eine Richtung bezeichnet, welche sich längs einer andern erstrecket, mit derselben parallel bleibt, wo eS zur Vermeidung aller Zweydeutigkeit I s hinten. IZ2 l. Th. 2. Abschtt. IO. Kap, hinten stehen muß: der Straße nach, dem Flusse nach. Es, wenn es hinten stehet, mit dem Genitive zu verbinden, meines Vedünkens nach, ist im Hochdeutschen fehlerhaft. Nächst. §. 51?. wächst ist eigentlich der Superlativ Ncbst. von nahe, welcher hier wider die Analogie der mei- S.-mmtl st^n Superlative abstracc gebraucht wird. Es be- zeichnet eine große Nähe eigentlich des Ortes: er saß nächst nur; figürlich auch des Vorzuges: nächst dir ist er nur der liebste. Oft wird es als ein bloßes Umstandswort gebraucht: er saß zunächst bey nur, welcher Ausdruck doch nur im gemeine» ieben üblich ist: die nächst vergangene Nacht. Nebst ist von der Wurzel deö neben und dem Ableitungslaute 0 oder st gebildet, und bezeichnet das Verhältniß derCoeristenz oder Mitwirkung, besonders in solchen Fällen, wo mit eine Zweydeutigkeit veursachen könnte: meine Lreunde empfch? len sich nebst mir, sie war uebst ihren, Geschwister in dem Garten. Benebst für nebst ist im Hochdeutschen unnöthig und ungewöhnlich. Sammt bezeichnet das Verhältniß der Gesellschaft und stehet gleichfalls für nur, zuweilen auch für das bloße uud: Gott hat uns sammt Christo ledendig gemacht, und hat uns sammt ihn, auserwecket, Ephef. 2,5. 6. Es fängt im Hochdeutschen an zu veralten; wenigstens wird es daselbst nicht mehr so häufig gebraucht, als in andern Mundarten, wo man ihm oft noch ein müßiges mir vorsetzt: du solltest dich der Lust mit sammt der Orauc verzeihen, Günth. Seit bezeichnet nur eine Zeitfotge von einem bestimmten Zeitpuncte an: seit der seit, ich habe ihn Von den Präpositionen. §.515.516. izz ihn seit einem Jahre nicht gesehen, seit welcher Zeit hat er nicht geschrieben? ich bin seit Dftern hier, er ist «nein Freund, seit dein ich ihn kenne; wo die höhere Schreibart auch wohl den Casum weglaßt: Geneuß, gencust der Ruh, die dir entzöge» Seit ich dies) Feuer angefacht, Rainl. Die Verbindung mit dem Genitiv, seit des Uttge- wirters, Opitz, ist im Hochdeutschen ein Fehler. In seit meines Hierseyns stehet seit auö einem Irrthume für Zeit, wie man sagt, Zeit meines Lebens. 'Beyde Ellipsen gehören indessen in die Sprache des gemeinen Lebens. Im Oberdeutschen ist daftir auch stnr, und mit der Ableitungssylbe er, sincer und seiter üblich, womit das Niederdeutsche seder, sedert, sedder für seit übercin kommt. §.516. Von, eine sehr fruchtbare Präposition, vs». den I'erininvm a c>uc> einer Bewegung oder eines Ausspruches sowohl eigentlich, als auch mit mancherley Ncbenbegriffm zu bezeichnen, i. Eigentlich, den Ort oder die Sache, welchen eine Handlung verlässet; zunächst einen solchen höhern Ort, im Gegensatze des suf: von dem Dache stet-- gen, von demVerge, von dein Himmel koms men, von dem N?agen fallen, von dem Thurme rufen; aber auch einen jeden Ort oder Gegenstand, bey welchem eine Bewegung oder Handlung ihren Anfang nimmt: von einem gehen, die Hand von etwas abziehen, Gorc scheidere das Licht von der Finsterniß, etwas von sich legen, ich komme von Berlin, von Leipzig, von dVien, von Hause. Die Nahmen der Länder und Inseln bekommen aus. 2. In weiterm und figürlichem Verstände: (1) einen jeden ^erminum I z 2 ^uo. . Th. 2. Abschn. io. Kap. » quo, selbst der Zeit: der vierte Mann von mir, von Stunde an, von V.indheir auf, von einem zum andern gehen, von lVorccn kams zu Schlägen, von dem Morgen bis an den Abend, von dem Nopfe bis auf die Füße, von Zeit zu Zeit, von Tag zu Tage. (2) Den Gegenstand einer moralischen Trennung oder Absonderung: von der Furcht, von der L.ast, von der Sorge bcfreycn, frey von Schulden, von Sinnen kommen, von jemanden abfallen, von etwas abstehen, (z) Einen Ursprung: der Regen kommt vom Himmel, der U?ind von Morgen, vom Lande seyn, es ist von gurer Hand, ich habe es von ihm. So auch vor adeligen Gcschlechtsnahmcn, Caspar von Adler- feld, ingleichen vor den iandcrnahmen, Kaiser von Rußland, Aöm'g von Frankreich, Churfürst von Sachsen, Graf von Maldeck, Bischof von Fuloa; wo das von zugleich den Be« griff dcö Besitzes bezeichnet. S. §. 6iz. (4) Das Ganze, dessen Theil ein anderes Ding gewesen, oder von welchem es getrennet werden soll: die Vrust von einen: TVidder, ein Vierte! von einem Lamme, gib mir etwas davon. Molle von einem Schafe. S. im Syntaxe §. 616. (5) Eine Macerie: eins Säule von Marmor, ein Ring von Gold, ein Haus von Stein, ein Trank von Arämern, der Tisch ist von Holz. (6) Eine wirrende Ursache: von derHme, von vielem Arbeiten krank werden, von Gsrtes Gnaden, der Teig quillt von den Hefen. S. H. 612. (7) Eine Beschaffenheit: klein von Person, der Person nach, schon von Gestair, ein Mann von LÄ?re. (8) Eine Art und Weift: ich lsnne lhn von Person, von Herzen gern. Es Von den Präpositionen. §.516.517. 135 So auch in von neuen, von frischen, von vor-- nen, von ungefähr. In den beyden ersten, ist Ding ausgelassen, von neuen Dingen, von frischen Dingen, wie es ehedem vollständig lautete, so wie man noch im Oberdeutschen sagt, neuer Dingen für neulich. Es erhellet daraus zugleich das von neuem, vom neuen, vom frischen oder von frischem, unrichtige Formen sind. (9) Den Inhalt, den Gegenstand: von etwas handeln, sprechen, reden, Bericht erstarren, die Fabel von dem Luchse, das Mährchen von der Tonne, davon ist die Rede nicht. Und andere Nebenbedeutungen mehr, welche in meinem Wörterbuche angeführet sind. S. auch im Syntaxe §. 612 f. wo noch manches von dein sowohl richtigen als fehlerhaften Gebrauche dieser Präposition vorkommen wird. Von Alters her ist der einige Fall, wo diese Präposition mit dem Genitiv verbunden zu seyn scheinet. §. 517. Zu ist seinem Gebrauche nach von einem 5u unS eben so weiten Umfange als von, und wird sowohl zuwidct als ein bloßes Umstandswort, als auch als eine Präposition gebraucht. In der letztem Gestalt bezeichnet es: I. den l'erminum 26 HUEM einer Bewegung, doch nicht in allen, sondern nur in den hergebrachten Fällen, indem andere Präpositionen diese Bedeutung gleichfalls haben: komm zu mir, geh zu ihm, zu Bccce gehen, zur Scadr fahren, zu Dorfe reiten. 2. Den Stand der Ruhe an einem Orte, den in ^uc>, auch nur in solchen Fällen, welche der Gebrauch einmahl eingeführet hat: zu Danzig, zu Berlin ftpn, zu Leipzig rvohnen, in welchen Fällen aber in üblicher ist; zu Hofe dienen, ein Treffen zur See, zu Hause seyn. z. Eine Zeit, wenn etwas ge- I 4 schiehct. !Z<5 r. Th. 2. Abschn. IO. Kap. schiehet, auch nur in einigen Fällen: zu Abends, zu Nachts, besser Abends, Nachts oder am Abend, zur Nachtzeit, ZU rechter Zeit, zur ungewöhnlichen Zeit, zur bestimmten Stunde. 4. Eine Art und Weise: zu Pferde, zu Fuße. 5. Das Ziel einer Handlung oder Veränderung, eine Figur der ersten Bedeutung: zu Grande koms men, es gehet zum Ende, zu Frieden stellen, mir zum Schaden, Gott zur Ehre, Lust zu etwas haben, die Neigung, der Trieb zu einer Sache. 6. Ein Verhältniß: den Ducaten zu vier Gulden, die Ehle zu zwey Fuß, das Pfund zu sechzehn Unzen gerechnet. So auch, wie 2 zu 4, fo 6 zu 12. In allen diesen Fällen ist der Gebrauch dieser Präposition sehr eingeschränkt, vermuthlich weil sie als ein bloßeö Umstandswort weit häufiger gebraucht wird, als irgend eine andere, daher man jenen Gebrauch nicht zu erweitern für gut befunden. Als ein bloßes Umstandswort bedeutet sie vornehmlich: 1. ein verschlossen seyn, die Thür ist zu, das Fenster gehet nicht zu. 2. Eine Beschleunigung einer Bewegung, am häusigsten im gemeinen Leben, fahre zu, reite zu. z. Einen allzu großen Grad vor Umstands- und Beschaffenheitswörtern: es ist noch zu früh, er kam zu fpär, zu fehr, zu harr; wo es zur Verstärkung oft noch das all vor sich nimmt, allzufrüh, allzu fehr, allzu hart. 4. Eine Absicht, oft einen bloßen Gegenstand zu bezeichnen, vor Infinitiven: ich komme zu spielen, es ist hier was zu fehen. S. H. 698 f. 5. Im gemeinen Leben stehet es vor andern Umstandswörtern oft überflüßig : zu Nachts fpeifen, d. i. Nachts, zu Abends essen, die Abendmahlzeit halten, das oberste zu umersr kehren. Anderer Bedeu- Von den Präpositionen. §. 5V. 137 Bedeutungen in der Zusammensetzung mit Verbis zu geschweige». Zuwider, eine zusammen gesetzte Präposition siehet allemahl hinter seinem Nennworte und bedeutet theils eine Abneigung, doch nur mit dem Verbs sepn: die Sache ist mir zuwider, ich kann sie nicht leiden, habe eine Abneigung dagegen; theils die Übertretung einer Verbindlichkeit: den Gesetzen zuwider handeln, erging, dem Befehle zuwider, fort. §. 518. Ab, binnen, inner und ob sind als Ab, btn- Präpositionen im Hochdeutschen veraltet, wo sie nur ne», inner, noch zum Theil als bloße Umstandswörter in der ""b ob. Zusammensetzung leben. Ab wird für von, an, vor, aus, noch häufig im Oberdeutschen gebraucht: ab dem Ü)ege kommen, von: ab den Augen gehen, aus; eis nrn Grüuel ab den Görzen haben, an oder vor; ab Seiten seiner, von seiner Seite. Im Hochdeutschen kommt es nur noch in Zusammensetzungen vor; abnehmen, Abstand, abwärts u. s. f. wohin aber nicht abhinnen, worab, bes vorab, hierab, abhanden u. s. f. gehören, welche im Hochdeutschen fremd sind. Binnen ist eigentlich eine Niederdeutsche Präposition für innerhalb, sowohl dem Orte als der Zeit nach: binnen der Stadtmauer, innerhalb derselben, binnen acht Tagen soll das Geld ausgezahlet werden, Gell, binnen dieser Zeit, eben dcrs. Gellerts Ansehen unbeschadet, enthält man sich dieser Präposition lieber ganz in der edlen Schreibart, so wie aller damit gemachten Zusammensetzungen , Binnendeich, Oinnengerichr, I 5 Dlnnen? IZ8 2.Abschn. IO. Kap. Binnenland, Binnenlehen u. s. f. außer wenn man sie als Kunstwörter nicht entbehren kann. Das einfache inner für innerhalb ist gleichfalls nur im Oberdeutschen gangbar: inner der Stadt, der Stadtmauer, inner wenig Tagen, hier inner diesem Statt, Opitz. Ob für über, an, aus, ist als eine Präposition im Hochdeutschen gleichfalls veraltet, und nur noch im Oberdeutschen gangbar: ob dem Haupte schweben; meine Hand soll ob dir halten, 2Mof.?2; darum, daß ich ob dem Guten halte, Pf. z6; ob dem Mahle, über, während der Mahlzeit; Ro» thenburg ob der Tauber, über oder an; ich habe ob ihrem Schreiben vernommen, aus. Es ist nicht allein die Wurzel von oben, oberhalb, über, sondern lebt auch noch in den Zusammensetzungen Obdach, Gbhm, Gbsicht, obliegen, obsiegen und so ferner. z. Präpositionen mit dem Accusativ allem. z. DenNc- §. 519. Den Accusativ allein erfordern die Prä- cusativ al- Positionen durch, für, gegen oder gen, ohne und »em crfor- ^ veraltete sonder, um und wider. Sie sind ^" in folgenden Vcrfen enthalten: Durch dich ist die Welt mir schön, ohne dich würd ich sie hassen, Lür dich leb ich ganz allein, um dich will ich gern erblassen; Gegen dich soll kein Vcrlliumder ungestraft sich je vergeh», Mvcr dich kein Feind sich waffnen; ich will dir zur Seite stehn. Ramler. Durch. §. 520. Durch bezeichnet eigentlich eine Richtung, welche die Theile eines Körpers von einein Ende zum andern trennet, oder eine Richtung längs der innern Theile eines Körpers: ein Loch durch das Von den Präpositionen. §. 520. FU dasVret bohren, durch das Papier stechen, der Schuß ist durch den Rüras) gegangen, die Zxugel fuhr durch die Mauer, einem durch den Sinn fahren, durch die Thür gehen, durch das Fenster sehen, durch den Strom schwimmen, einen Strich durch die Rechnung machen, durch die Fingersehen, durch das Haus gehen. Figürlich bedeutet eö: i. eine Zeitdauer: durch alle Jahrhunderte; wo eö auch hinten stehen kann, alleIahrhunderce durch,das ganze Jahr durch; und oft hinten stehen muß: die ganze ^acht durch wachen, den Tag durch herum irren. Allein, da in diesen Fällen auch hindurch stehen kaun, alle Jahrhunderte hindurch, die ganze HTZacht hindurch: so scheinet durch hier ein bloßes Umstandswort zu seyn, da denn der Accusativ bloß von dem Begriffe der Zeitdauer herrühren würde, so wie man ohne allePrapo- sition sagt, ich habe drey Tage gewartet. 2. Ein Mittel: durch Geld richtet man alles aus, durch langen Gebrauch abgenützet werden, sie machen mich durch ihre Güte unruhig, durch gerechte Geseye blühcte Athen, aber durch Unbändige Freyheit zerfiel es, ich will durch niemanden glücklich werden, als durch sie, Gell. In andern Fällen ist mir schicklicher und üblicher, z. Eine wirkende Ursache: durch ihn bin ich glücklich geworden. Weil hier leicht eine Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung entstehen kann, so ist diese Bedeutung die seltenste, und nicht anders als mit Vorsicht zu gebrauchen. 4. Eine Vermenguug, Vermischung, doch nur in Verbindung mit einander: alles durch einander mengen, mischen, werfen u.s. f. Oft ist es ein bloßes Umstandswort, z. B. wenn es hinter -4«5 I.TH. 2.Abschn. iv.Kap. ter einem Substantivs stehet, in welchem Falls es gemeiniglich ein Theil eines Verbi ist, der Stier trabet die Fluren durch, von dürchtraben, ferner wenn es zerrissen, durchlöchert bedeutet, die Schuhe sind schon durch; ingleichen für hindurch, ich bin noch nicht durch, durch den Fluß und so ferner. Alle. §. 521. Für und vor sind freylich einerley Ursprunges, und eigentlich nur in der Mundart unterschieden, denn im Oberdeutschen lauten beyde ohne Unterschied für, im Niederdeutschen aber vor, d. i. vor. S. mein Wörterbuch, wo solches hinlänglich bewiesen worden. Da die Hochdeutsche Mundart aus den beyden einander entgegen gesetzten Mundarten, der Ober- und Niederdeutschen, gewisser Maßen zusammen gesetzt ist, wenigstens sie in manchen Stücken in sich vereiniget, obgleich mit überwiegender Neigung zur Oberdeutschen: so hat sie beyde Formen aufgenommen, die vielen einander oft widersprechenden Bedeutungen unter beyde vertheilet, und dadurch den Vortheil erhalten, daß die Rede bestimmter und deutlicher geworden ist, welches doch allemahl der erste und wichtigste Endzweck der Sprache ist. perer ging vor Caspar»: zum Galgen, ist doch immer etwas anders, als wenn er für ihn gegangen wäre; eben so, jemanden für sich, und vor sich predigen lasse«, und so in andern ähnlichen Fällen mehr. Indessen hat es von Zeit zu Zeit so genannte Sprachforscher gegeben, welche diesen Unterschied für verwerflich erkläret haben, theils weil er in den Provinzen nicht beobachtet wird, theils auch, weil beyde Wörter ursprünglich nur eines und eben dasselbe sind. Allein, daß der Gebrauch der Provinzen für die Hochdeutsche Mundart keine Regel feyn kann, bedarf wohl eben Von den Präpositionen. §.525. ,41 eben keines neuen Beweises. In diesem Falle verdiente er es am wenigsten, weil dieser Gebrauch Zweydeutigkeit und Dunkelheit mit sich führet, welche in jeder ausgebildeten Sprache wesentliche Fehler sind. Der aus der Etymologie entlehnte Ein- wurs sagt noch weniger, weil ein und eben dasselbe Wurzelwort in hundert andern Fällen mehr als eine Gestalt angenommen hat, z. B. ob, üb-er, auf, off-en, lauter verschiedene Formen eines und eben desselben Wortes. Eben diese Zweydeutigkeit, welche das Deutsche für und vor hat, wenn man beyde als eines und eben dasselbe gebraucht, bewog die Lateiner ihr prae, pro und pri— zu unterscheiden, ob sie gleich etymologisch betrachtet nur ein Wort sind; zum deutlichen Beweise, daß die Deutlichkeit und Bestimmtheit der Rede von allen gebildeten Völkern, als das erste und wichtigste Gesetz der Sprache empfunden worden. Es ist ein Irrthum, wenn man glaubt und mehr als einmahl behauptet hat, Gottsched habe diesen Unterschied eingeführet. Er fand ihn in der Mundart, deren Sprachlehre er schreiben wollte, schon allgemein eingeführet, und war weise genug, ihn beyzubehalten. Ioh. Nud. Sattler sagt in seiner Orthographey von 1607 ausdrücklich: „Bey guten Authoren, die noch vor „wenig Iahren im Truck außgegangen, wirdt genfunden, daß dieser Vnterfchied zwischen dem für „und vorgehalten worden: für haben sie gebraucht „anstatt des lateinischen pro, als für einen schrei- den; sodann das vor anstatt des lateinischen gnts, „ als er ist vor ihm allhier gewesen u. f. f.„ Was also schon 1607 unter guten Autoren gange und gebe war, konnte wohl nicht erst von Gottsched den zwischen 1730 und 1740 erdacht und eingeführet werden. In Ansehung der fernern Geschichte des Unter» 142 !, Tl). 2. AbsctM lv. Kap.' Unterschiedes dieser beyden Wörter muß ich auf mein Wörterbuch, v. Für verweisen, wo dieselbe umständlich vorgetragen worden. Hier ist nur noch übrig, die Bedeutungen auszuführen, welche der beste Hochdeutsche Sprachgebrauch jedem derselben zugetheilet hat. Überhaupt merke man, daß für nie anders als mit dem Accusativ, vor aber sowohl mit dem Accu- sittivL als Dative gebraucht wird, und daß in für der Begriff des Verhältnisses, da ein Ding anstatt des andern ist, des Nutzens und Vergnügens, des Widerstandes, einer nähern Bestimmung des Subjectes u. s. f. in vor aber der Begriff des Orceö und der Zeit der herrschende ist. Für bedeutet also: i. Das Verhältniß, da ein Ding anstatt deS andern ist, und zwar wiederum a. der Art nach, so daß es dessen Stelle vertritt: für jemanden gut sagen, bezahlen, Bürge werden; einen andern für sich predigen lassen; für jemanden Rechenschaft geben; ein ^Vorc für das andere seyen; wir versprechen für uns und unsere Nachkommen; einen Ducaten für einen L.VMS d'sr nehmen, b. Dem Werthe und Preise nach: ein Gut für tausend Thaler kaufen; für Geld schreiben; zwey Sperlinge für einen Pfennig kaufen, c. Dem Gegenstände nach, das Verhältniß der Entschädigung und Vergeltung eines andern Dingcö: Geld für die Maare ges ben; ich habe zehn Thaler dafür gegeben; L.ohn für die Arbeit bezahlen; ein Haus für einen Garcen umraujchen; Strome von Thränen find zu wenig für diesen Verlust; ist das der Dank für meine Mühe? Strafe für sein verbrechen Von den PrOositionest. §.522. 14z brechen leiden; ich kann nichts dafür, d. Der Beschaffenheit, sie mag die wahre seyn oder nicht: Schmeicheley für Wahrheit halten; er will für einen großen Mann gehalten werden; ich halte es für meine Pflicht, für ein gutes Zeichen; ich uM es für Ernst, für Scherz annehmen; sich für einen Arzt, Rünstler, ehrlichen Mann ausgeben; die Scharten der Leute für Berge ansehen. Inglcichcn mit Be-> schassenheitswörtern: jemanden für weife, ehrlich, klug halten, etwas für wahr halten, annehmen ; etwas für gut, für nöthig finden, auch ohne Präposition, es gut, nöthig finden; man hat mirs für gewiß erzählt; etwas für empfangen annehmen. Ingleichen in Fragen und Ausrufungen, mit was: was für ein Mann ist das ^ was für ein Geschrey ist das ! zr» was für einem Zwecke ^ aus was für einem Lande ist er^ Wo es doch mehr ein bloßes Umstandswort ist, weil es hier eigentlich keinen Casum regieret, sondern derselbe entweder von dem Verbo, oder einer andern Präposition abhängt. Dieses was für kann und muß oft getrennet werden: was ist das für ein Mann:' was hast du für Grün? de^ Welche Trennung doch nur Statt findet, wenn keine andere Präposition vorher gehet. Daö für auszulassen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich: was Anmuth hat mir deine Red erregt! Opitz. Das was für aber in wafer zusammen zu ziehen, aus wafer Macht thust du das, ist im Hochdeutschen längst veraltet. 2. Den unmittelbaren Gegenstand einerHand- lung oder Wirkung, a. Den Gegenstand der Richtung des Gemüthes, doch nur in einigen bereits hergebrachten Fällen: Sorgen für die Zukunft; aus ,44 !. TH. 2.Abschn. iv.Kap. aus Liebe, aus Achtung für dich; ich zittere für dich; Liebe für jemanden haben; nur ist bange für ihn. b. Der Bestimmung: Futter für das Vieh; ein Behältniß für Staatsgefangene; Kerzen, welche für einander geschaffen sind; ein Geschenk für seine Freunde: ich hebe es für dich auf; bin ich nur zur diese Welt geschaffen? für die Ewigkeit leben ; das behalte ich für mich. c. Des Nutzens, Vortheils, Dienstes, Vergnügens, derWich- tigreit, kurz des Interesse: das ist eine Lehre, eine tVarnung für dich; eine angenehme Nachricht für uns; für das Vaterland strei- . ren; für jemanden bethen, sorgen; ich thue alles für dich; er hat vielen Grund für sich, zu seinem Behuf, ist etwas anders als vor sich; ich stehe dafür; starke Beweise für die Unsterblichkeit. Die höhere Schreibart braucht hier oft zierlich den bloßen Dativ: dir schmückt das fromme Mädchen sich bey ihrem Morgcn- liede, Raml. anstatt für dich. d. Des Widerstandes, wie wider: eine Arzeney für alle Krankheiten; ich thue es für die lange tVeile, wider, zu Vertreibung derselben; das HUfr für den Hunger; Alter hilft für Thorheit nicht. z. Ein Verhältniß, in welchem Falle es so viel ist, als in Ansehung, in Betrachtung: dein Herz ist für die Rachgier zu hoch; das ist für mich zu viel, zu groß, zu schwer, zu theuer; das schickt sich nicht für meinen Stand; ist das ein Betragen für einen wohl gerathenen Sohn? Berge und Ströme sind geringe Hindernisse für die Liebe; der lVeg, so kurz er war, war für die Schnecke weit, Lichtw. 4. Eine Von den Präpositionen. §.521. 145 4. Eine nähere Bestimmung des Subjectes: er für seine Person, ich für »nein Theil; für mich, (was mich betrifft,) gesteh ich gern, daß ich es nichr begreifst, Haged. das Tanzen kann an und für sich keine Sünde seyn. 5. Eine genaue Bestimmung der Zeit, nur in einigen Füllen: für jcyr kann ich es nicht thun; für jeyc gehöret es mir zu; für dieß Mahl will ich es dir vergeben: für heure bin ich gesättigt; ich gehe für einige Zeit auf das Land, besser auf. 6. Eine Ordnung, sowohl mit Ordnungszahlen: für das erste, für das zweyte, d.i. was das erste, was das zweyte betrifft. Als auch mit Sub- siantiven: Mann für Nlann, ein Mann nach dem andern; eine Sache Stück für Stück durch- gehen; Fuß für Fuß, Schritt für Schritt; lasten sie mich Scene für Scene lesen; du rveißr, daß Tag für Tag dein airerVarer keift, Rost. 7. Endlich wird es noch in einigen besondern Fallen gebraucht, z. B. ich höre es für mein Leben gern; was für den Henker ist das^ wo die eigentliche Bedeutung dunkel ist. Von der Präposition vor reden wir §.Es fragt sich nur noch, ob der Unterschied, welcher zwischen vor und für beobachtet wird, wenn sie als Präpositionen für sich allein gebraucht werden, auch in der Zusammensetzung gilt? Sehen wir auf den Hochdeutschen Sprachgebrauch, so muß die Frage mit nein beantwortet werden. In der Zusammensetzung ist im Hochdeutschen fast in allen Fällen nur allein vor üblich, Fürbitte, Fürsprache, Fürsprecher und fürwahr, etwa ausgenommen, wo- AdchjO.Spr.ll.S. K von 146 i.TH. 2.Abjchn. iO. Kap. von das erste aber fast noch häufiger Dorbitte lau« tet, die beyden folgenden aber zunächst aus oem Oberdeutschen entlehnet sind, wo dieses Umstandswort ohnehin fast in allen Fällen für lautet, es stehe nun allein oder in der Zusammensetzung. Die Ursachen, warum die Hochdeutsche Mundart den einmahl angenommenen Unterschied nicht auch auf die Zusammensetzungen ausgedehnet hat, sind nicht schwer zu finden. 1. Als man den Unterschied beyder Präpositionen mit Bewußtseyn zu beobachten anfing, waren die Zusammensetzungen mit vor bereits allgemein üblich und bekannt. Die allgemeine Verständlichkeit, das erste Grundgesetz in allen Sprachen, verboth also, sich an ihnen zu vergreiffen. 2. Ein zusammen gesetztes Wort, wird in Ansehung der Zusammensetzung immer als ein unveränderliches Ganzes angesehen. Es würde also wider den ganzen Deutschen Sprachgebrauch gewesen seyn, ein und eben dasselbe Wort, bald mit für, bald mit vor zu schreiben, z. B. Vorsorge, die aus Klugheit zum voraus geschiehet, und Fürsorge für oder zum Besten eines andern Dinges, z. Die Zweydeutigkeit, deren Vermeidung den Unterschied zwischen den Präpositionen eingeführet hat, ist hier nicht so sehr zu befürchten; denn wenn gleich beyde Bedeutungen in der Zusammensetzung möglich sind, so hat doch der Sprachgebrauch ein solches Wort gemeiniglich schon auf eineBedeutung eingeschränkt, und folglich hinlänglich bestimmt, z. B. Dorbicce, eine Bitte für jemanden, kann auch eine Bitte bedeuten, welche vor, in Gegenwart geschiehet, ist aber in diesem Verstände nie üblich. Und finden auch beyde Bedeutungen Statt, wie z.B. in Dors sorge, so ist hier der Nachtheil nicht zu befürchten, welchen die Zweydeutigkeit bey den einzelen Präpositionen Von den Präpositionen. §.522. 147 sltionen hat. Es war daher eine sehr unnöthige Neuerung, wenn vor einiger Zeit viele sogenannte Sprachkenner Fürbild, fürenthalren, Fürschrifr, Fürgänger, fürkaben, stirhalren, Fürsay, Lürscblag, furjchen, Fürjorge, fürwerfen, Fürrviy, Fürj'ehung u. s. f. geschrieben und gesprochen wissen wollen. In vielen dieser Wörter ist die Änderung so gar offenbar fehlerhaft, weil daselbst wirklich vor und nicht für stehen muß. §.522. Gegen, ist vermittelst der Ableitungs- Gey-n sy.lbe en von dem Wurzelworte geg gebildet. Es und gm bedeutet die Richtung nach einem Dinge zu, fowohl im Stande der Ruhe, als im Stande der Bewegung, und wird im Hochdeutschen in beyden Fallen nie anders, als mit dem Accusativ gebraucht. 1. Eine Richtung im Stande der Ruhe, die Lage, Stellung: das Haus liegt gegen Morgen, gegen Abend, es harChüren gegen alle vier lVelccheile, ein 2)erg der gegen die (Vüs ste sicher, 4Mos. 21. Es wird indessen im Hochdeutschen nur noch in einigen Fallen in dieser Bedeutung gebraucht; in andern sind jetzt andere Präpositionen üblich. Im Oberdeutschen verbindet man es in dieser Bedeutung nach der Analogie anderer Präpositionen, wenn sie einen Stand der Ruhe bedeuten, mit dem Dativ: er saß gegen der Thür des Haufts, Esth. 5; es stunden drey Männer gegen ihm, i Mos. 18. Im Hochdeutschen ist der Dativ ungewöhnlich; außer wenn gegen mit über und zu verbunden wird: er rvohnc gegen dem Rachhause über, oder dem Rarhs Haufe gegen über, er stand gegen nur über, oder mir gegen über, wo aber der Dativ von über Herzuruhren scheinet. Ferner mit zu, gegen der K - "Sradr -48 i. Th. 2. Abschn. 10. Kap. Stadt zu wohnen, welche ganze Forin doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, wo man lieber sagt, nach der Stadt zu. 2. Eine Richtung im Stande der Bewegung, sowohl a. eigentlich, theils einer körperlichen Bewegung: mir dem Lager gegen die Sradr rücken, die Hand gegen jemanden ausstrecken, der Druck der Schwere gegen den Boden, sich gegen jemanden neigen. Theils einer unkörperlichen Handlung: Liebe, Achtung, Ehrfurcht, Mitleiden gegen jemanden haben, freundschaftlich, feindselig, dankbar, undankbar gegen jemanden gestnnet seyn, gegen alle Ermahnungen raub seyn, die Pflichten gegen Gort, gegen andere, vertraut gegen jemanden thun, Ungehorsam gegen die Altern, gegen etwas gleichgültig seyn. Als auch b. figürlich, einen Widerstand, eine entgegen gesetzte Richtung, wie wider: gegen den Strom schwimmen, gegen den N)ind segeln, gegen die tVand rennen, was kann ich gegen Gewalt? gegen jemandes Desehl handeln, gegen unsere Erwartung, sich gegen jemanden empören, eine Arzeney gegen das Fieber. Man hat diese Bedeutung getadelt, aber gewiß ohne Noth und Grund; man sehe mein Wörterbuch. Ferner eine Vertauschung, ein Äquivalent: die Nriegesgesangcnen gegen einander auswechseln, tVaare gegen N)aare, Geld gegen N)aare geben, gegen bare Bezahlung, seine Ehre gegen eine Kleinigkeit aus das Spiel seyen, ich wette hundert gegen eins. Eine Vergleichung: gleichwie ein Tröpfchen Wasser gegen das Meer, eines gegen das andere halten, der Apfelbaum ist ein Zwerg gegen die Eiche, gegen uns bist du noch Von den Präpositionen. §. 522.523. 149 noch glücklich, was ist der Tod gegen ein Leben ohne dich? DieNähe desOrteö und derZeit: gegen das Ende des Blattes, des Tages, ges . gen Morgen, gegen Abend, gegen den Herbst, gegen die Mejse. In dieser ganzen zweyten Hauptbedeutung wird gegen im Oberdeutschen beständig mit dem Dativ verbunden, wovon sich auch in der Deutschen Bidel häufige Spuren finden: eure Garben neigten sich gegen meinen Garben, i Mos. z?, du sollt dich nicht also halten gegen dem Herrn, 5Mos. 18, da zog Iuda gegen ihm, iMacc. z, so wäre es doch nichts gegen deiner wohlthat, Tob. 9. Im Hochdeutschen ist dieser Dativ allemahl ein Fehler, das einige gegen über ausgenommen. Gen ist aus dem vorigen zusammen gezogen, und um dieser fehlerhasten Zusammenziehung willen, welche den Bau des Wortes zerstöret, in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltet. Die gemeinen Sprecharten gebrauchen eS noch häufig vor den eigenen Ortsnahmen gen Leipzig, gen Frankfurt reisen, besser nach. Das Wort Himmel ist das einige, vor welchem es noch im Hochdeutschen gebraucht wird, in welchem Falle aber dasselbe keinen Artikel haben darf: die Augen gen Himmsl richten, seine Hände gen Himmel ausbreiten, gen Himmel fahren. In der Schifffahrt ist eS außer dem noch von der Richtung des Windes üblich: der N?ind ist Nord gen Ost. §. 52z. Vhne bedeutet allemahl ein nicht Da- Ohne und seyn, einen Mangel, eine Abwesenheit: ohneSor- sonder, ge seyn, ohne mich könnet ihr nichre, ohne K z einigen I.TH. 2.Mschtt. lO.Kap. einigen Verzug , oh)?e alles Reche, ohne allen Zweistel, er kann nichr ohne ihn leben, ein Bauin ohne Blätter, ohne Ge-d kauffen, ein Buch ohne Tire!, ein !-71ensch ohne Gewissen, ohne Trost, ohne Tadel sevn, ohne Zwang leben , ohne Nnrerlaß arbeiten. Wo zur Verstärkung noch all uud einig hinzu kommen: ohne allen Ocrzug, ohne eiiüge Barmherzigkeit, ohne alle Gnade. Oft bedeutet e6 eine bloße Ausschließung: zehen Personen ohne die Ninder, das weiß ich ohne dich, ohne dieß, das verstehet sich ohne dieß, wofür das im gemeinen Leben so gangbare ohne dem fehlerhaft ist. Die Verbindung mir dem Dativ ist erst hin und wieder in den neuern Zeiten aus knechtischer Nachahmung des lateinischen lme eingeführet worden, daß ihr warec ohne Christo, i Eph. 2. Das Alterthum hat beständig den Accusativ, -mok miK, Isid. an insn, ohne ihn, Ottfried. Im Oberdeutschen wird eS auch häufig hinter dem Substantivs gesetzt, da denn dieses allemahl im Genitive stehet. Im Hochdeutschen ist dieses veraltet, und selbst Zweifels ohne kommt wenig mehr vor. 'übrigens ist ohne mit der Vorjylbe un einerley, oder vielmehr davon abgeleitet. Außer diesen Fällen wird ohne auch als eine Conjunction gebraucht, davon an seinem Orte. Der Gebrauch als ein bloßes Umstandswort, es ist nicht ohne, kein Gott ist ohne ich, für außer mir, ^.s. 45, wo ist ein Gorc ohne der Herr, Ps. :8, für außer dem Herrn, gehöret iin Hochdeutschen gleichfalls unter die veralteteil Formen. Sonder, welches vermittelst der Nachjylbe er von einem veralteten zum Theil noch in dem lateinischen llne übrigen Stammworte abgeleitet ist, ist mit ohne völlig gleich bedeutend, ist aber im Hochdeutschen! Von den Präpositionen. §.524. 15, deutschen veraltet, und wird nur noch hin und wie» der in der höhern Schreibart gebraucht: die Liebe, die nicht kränkt, ist Liebe sonder Geist, Gell. Es ist wiederum das Stammwort von besonder und sondern. §. 524. Um bezeichnet: ttm. 1. die Richtung einer Handlung, eines Zustandes längs der äußern Fläche eines Dinges. Sowohl a. eigentlich: um die Stadt gehen, um den Tisch treten, sich um die Stadt lagern, einen Mantel um sich nehmen, eine Schürze um den Leib binden, keinen Freund um sich haben, der N>einstock rvölbr sich um die Fenster, mir Strahlen um sein Haupt. Wenn sich der Aus^ spruch längs der ganzen äußern Fläche erstrecken soll, so wird noch herum, rings, oder rings herum hinzu gesetzt: um die Stadt herum gehen, rings um die Sradt herum gehen. Als auch b. figürlich, eine ungefähre Nähe deöOrtS und der Zeit: er muß um diese Gegend u?ohnen, es ist um sechs Uhr, um Mitrag rvollen wir kommen, un, Ostern, um Pfingsten, um Iohannis, wo der Genitiv von dem ausgelassenen Worte Lest herrühret, um eben dieselbe Zeit, um diese Zeit. 2. Eine Abwechselung, für nach: allemahl um den andern Tag, das Fieber kommt immer um den dritten Tag, einer um den andern, eines um das andere. z. Einen Gegenstand, doch mit mancherley Einschränkungen, a. Es ist eine schöne Sache um den lieben Hausfrieden, es ist eine schöne Blume um eine Rose, es ist ein kirzlichesDing um das Lob; wo das Subject vermittelst dieser K 4 Prä- IZ2 Th. 2. Abschn. iO. Kap. Präposition allemahl in die Stelle des Prädicates geseßet wird. 5Vie stehet es um die Sache? es stehet schlecht um ihn, es stehet mißlich um ihn aus. b. Einen Gegenstand des Verlustes, nur mit einigen Verbiö: uin etwas kommen, ich du, nun darum, habe es verloren, um das L.eben kommen, dringen, jemanden um ccrvas dnngen, es ist um ihn gethan, geschehen, es scy darum, man hat mich darum betrogen, sie bethet uns um das Mictagsessen, Gell. c. Einen Gegenstand des Wissens: ich weiß nichts darum, er weiß um die Sache, er weiß um alle meine Geheimnisse, d. Den Gegenstand einer Gemüthsbewegung, nur noch Zuweilen: stch um etwas betrüben, bekümmern, härmen, kränken, freuen, für über' um etwas weinen, böse werden, klagen, zürnen, trauern, es ist mir leid darum, e. Einen Gegenstand der Bemühung, des Bestrebens, auch nur mit einigen Verbiö: um etwas spielen, stch um etwas bewerben, bestreben, jemanden um etwas bitten, um die Ehre fechten, um etwas streiten, losen, würfeln, ich will darum schreiben, sich Mühe um etwas geben, es ist ihm nur darum zu thun, um Rath fragen, um Rache schreyen, f. Den Gegenstand eines Kaufes oder Tausches: ich gäbe viel darum, ich nähme nicht viel Geld darum; in andern Fällen ist da- für im Hochdeutschen für üblicher, g. Außer dem bedeutet es auch noch in manchen Fällen den Gegenstand überhaupt: ich lobe dich darum, stch um jemanden verdieyr machen, habe ich das um dich verdient? stch um etwas bekümmern, u. s. f. Lauter Überbleibsel des ehemahligen Gebrauches, einen Gegenstand mit dieser Präposition zu Von den Präpositionen. §.524. 155 zu bezeichnen, wofür jetzt in den meisten Fällen andere üblich sind. 4. Einen Beweaungögrund, eine Ursache/ doch nur noch in Verbindung mit dem Substcnnvo Ville: ich thue es um zweyer Ursachen Villen , um eben der Ursache Villen, um Gottes, um des Himmels Villen, um Gebens und Sterbens Villen. Wo Villen der eigenttiche Casus der Präposition ist, der Genitiv aber wieder von diesem Substantivs abhängt. Wenn statt des Substantives ein persönliches Pronomen stehet, so wird dasselbe im gemeinen ieben vermittelst des c euphonici mit Villen zusammen gezogen: um meinetwillen, um deinetwillen, um ihretwillen. Die anständigere Sprechart schaltet dafür das selbst ein, da denn die Zufammenziehung wegfällt: um meiner, deiner, seiner, oder um mein, dein, sein selbst Villen, um ihrer, unser, euer selbst Villen. Siehe §. 355. Vor wegen und halben ist es eben so fehlerhaft als vor desto: um desto lieber, besser desto lieber. 5. Einen Unterschied der Zeit, Zahl, Größe und innern Stärke: das Fenster ist um zwey Fuß höher als die Thür, Casus ist um drey Zoll kleiner als sein Bruder, das ist um ein gur Theil besser als jenes, ich bin um zehn Jahr älter als du, etwas um eine Handbreit enger ma chen, um die Hälfte dicker, er hat stch um zehn Thaler verrechnet. Von dem Gebrauch dieser Partikel als einer Conjunction S. §. 754. Als ein bloßes Umstandswort bedeutet es: 1. einen Gegensah des geradesten und kürzesten Weges: der Veg ist um, führet um, das ist viel um. 2. Das Ende einer be- K 5 stimm- t54 i. Th. 2. Abschtt. lo. Kap. stimmten Zeitdauer: das Jahr, dieN)oche ist uin n-eine seit ist um. ?. Um und um, auf allen Seiten, doch nur im gemeinen jeden. Mder. §. 525. TVider druckt eigentlich die Richtung einer Bewegung aus, welche einer andern gerade entgegen gesetzt ist: wider den Strom schiffen, mi: dem Ropse wider die N)and laufen. Ingleichen figürlich, einen Widerstand, eine Beleidigung, Übertretung, Abneigung: wider Gsrr fündigen, das ist wider die Geferze, Widerwillen, wider Vermuthen, guc wider das Lieder, was haft du wider mich ^ das ist nicht für sondern wider mich, wider die Natur leben, was kann einer wider fo vieles wider Ver- hoffen, es ist alles wider einander. In vielen Fällen ist dasiir gegen üblich, z. B. gegen den N>ind, gegen den Strom; ingleichen entgegen, dem Strome entgegen. Diese Präposition wird seit langer Zeit in der ersten ^n?be ohne e geschrieben, um sie von dem Amstlinosworte wieder, i-urluz, zu unterscheiden. Eigentlich ist die bloße Verschiedenheit der Bedeutung im Hochdeutschen kein hinlänglicher Grund der verschiedenen Schreibart, wenn nicht zugleich die Abstammung dieselbe erfordert. In diesem Worte ist die Abstammung noch ungewiß. In wider, cnmra, scheinet die erste Sylbe mit der erfreu in 5Vidder eines Ursprunges zu seyn, und einen Stoß, eine heftige Bewegung zu bedeuten, indem erweislich ist, daß der lVidder seinen Nahmen von seiner Neigung zu stoßen hat. Die Bedeutung des wieder, rurluz, läßt sich zwar auch daraus erklären, indessen finden sich doch auch Spuren, I Von den Präpositionen. §. 525. 555 ren, daß es von einem ganz andern Stamme ist, wenigstens sich von dem vorigen sehr frühe abgesondert hat. Dem sey nun wie ihm wolle, so ist dieser Unterschied einmahl eingeführet, und Zwar um der Deutlichkeit und Bestimmthest der Rede Willen, besonders in den Zusammensetzungen, wo wider in widerfahren, widersprechen, widersetzen, TVi- dersacher, VOiderspiel, widerlegen, widerrufen^ u. s. f. ganz etwas anders ist, als wieder in wiederbringen, wiedergeben, wiederkommen u. s. f. Ein Hochdeutscher wird sich hier zwar nicht leicht irren, weil kein Verbum mit beyden Partikeln zugleich gebraucht wird, wenigstens nicht in der Zusammensetzung. Man sagt zwar etwas widerv rufen, aber nicht jemanden wiederrufen, sondern ihn wieder zurück rufen. Allein, in den Provinzen, wo der Hochdeutsche Sprachgebrauch nicht so gegenwärtig ist, könnte solches doch Mißverstand verursachen; und da unsere gegenwärtige Hochdeutftl)e Orthographie vornehmlich um der Pro- vinzial-Mundarten willen so eingerichtet ist, als sie wirklich ist, so behält man diesen Unterschied billig bey. Die mit beyden zusammen gesetzten Verba sind auch noch darin unterschieden, daß die mit wider, den Ton auf dem Vcrbo, die mir wieder aber, den Ton auf der Partikel haben: widersprechen, widerlegen, widerstehen; aber wiederbringen, wiedergeben, wiedergebären. Das entscheidet nun zwar für die Orthographie nichts; allein der beobachtete Unterschied leitet doch in den Provinzen die Aussprache, damit man nicht widergebaren, widergcben u. s. f. spreche, wenn beyde auf einerley Art geschrieben wurden. 4, Prc!po, zz6 i. Th. 2. Abschn. iO. Kap. 4. Präpositionen mit dem Genitive und Dative. 4. Zuf-.s-;e §.526. Deren sind nur zwey, oder vielmehr, «nd ianczö. es gibt nur eine, welche ohne allen Srreit mit beyden Casibuö verbunden wird, diese ist zufolge oder wie sie auch geschrieben werden kann, zu Folge. Sie ist eigentlich das Substantivum die Folge, mit der Präposition zu, und bezeichnet das Verhältniß der Gemäßheit. Sie erfordert den Genitiv, wenn sie vor ihrem Nennworce stehet, und den Dativ, wenn sie hinter demselben stehet: zufolge seines Defehles, oder seinem Befehle zufolge, meinem Versprechen zu Folge. Wenn das Nennwort ein Substantivum ist, so ist es eigentlich gii ichguitig, ob die Präposition vor oder hinter demselben stehet; allein der Gebrauch ziehet doch in den meisten Kalten die letztere Stellung vor. So sagt man wohl nicht leicht, zufolge meines Versprechens. Kann das Substantivum den Genitiv nicht bezeichnen, so stehet der Dativ, wenn gleich die Präposition voran stehet: zufolge Danziger Briefen, ebenso wie man sagt, Danziger Briefen zufolge. Ist das Nennwort ein Pronomen, so stehet dasselbe allemahl voran: ihm zufolge, ihnen zufolge, nicht zufolge feiner, ihrer. Übrigens ist diese Präposition eine von denen, welche erst in den neuern Zeiten dazu gebraucht worden, daher ist auch ihre Orthographie und Stellung noch so schwankend, indem man sowohl zu Folge, als zufolge schreibt. Stehet sie hinter ihrem Nennworte, so kommt sie der Wurde einer Präposition am nächsten, und wird alsdann auch am liebsten zufolge geschrieben. Stehet sie voran und erfordert folglich den Genitiv, so bleibt sie ihrem Ursprungs Von den Präpositionen. §.527. 157 Ursprünge getreuer, und kann alsdann auch immer noch zu Folge geschrieben werden. Längs ist von iang und dem s, dem Ablei- tungsiame der Umstandswörter gebildet, und bezeichnet die 5ange an etwas hin. Es wird in einer und eben derselben Bedeutung sowohl mit dem Genitiv als Dativ gebraucht, doch im Hochdeutschen mit einem sehr merklichen Übergewichte für den Dativ, dagegen im Oberdeutschen der Genitiv am üblichsten ist: das A.ram wächset längs den 5Ve- gen, längs der Mauer hingehen, längs dem Lande hinjchiffen. Indessen ist sie nur im gemeinem 5sben üblich, indem die anständige Spr chart sich dafür anderer Ausdrücke bedienet: das Araur wächset an den 5Vegen, an der Mauer hingehen u. s. f. Übrigens muß man diese Präposition nicht mit dem Umstandswort? der Zeit langst verwechseln, welches eigentlich der Superlativ von lange ist, folglich sich selbst in der Bildung hinKmglich davon unterjchewet. 5. Präpositionen mit dem Dativ und Accusativ. §. 527. Den Dativ endlich und Accusativ er- 5. Mit dem fordern, obgleich in verschiedenen Bedeutungen: Dnr-v und an, auf, hinccr, in, neben, über, unter, vor '^"uj«:iv. und zwischen. Sie erfordern den Dativ, wenn eine Handlung in der Ruhe angedeutet wird, folglich auch, wenn Zwar das Verbum eine Bewegung bezeichnet, aber das eine in Rücksicht des andern selbständigen Dinges im Stande der Ruhe gedacht wird; den Accusativ aber, wenn es dabey im Stande der Bewegung vorgesteller wird. Z.B. ich binde die Aebe an den Pfahl, da ist die ' Rebe ,.TH. 2.Abschn. iQ.Kap. Rebe in Rücksicht auf den Pfahl in Bewegung; die Rebe hängt an dem Pfahle, da ist sie im Stande der Ruhe; der Gebrechliche gehet ai» der Zurücke, da ist zwar der Gebrechliche in der Bewegung, allein nicht in Ansehung der drücke, in deren Rücksicht er im Stande der Ruhe gedache wird. So auch, der tVagen fahret auf dem Berge herum, wo er in Rücksicht auf den Berg im Stande der Ruhe ist, nicht aber, wenn er auf den Berg fahret. Im folgenden werden Beyspiele vorkommen, wo e6 dunkel scheinet, welche Vorstellungsart die herrschende ist, daher denn auch beyde Casus Statt finden. In den Sprachlehren drückt man dieses gemeiniglich so aus, der Accusativ stehe auf die Frage wohin ^ und der Dativ auf die Frage wo:' DaS ist eigentlich so viel als nichts gesagt, weil ich nothwendig erst wissen, wenigstens erst dunkel wissen muß, wie ich mir dabey das Subject denken muß, ehe ich eine von beyden Fragen anstellen kann. Weiß ich dieses nicht, so werde ich wo^ fragen, wo ich wohin ^ fragen sollte, folglich irren. An. §. 528. An, ursprünglich einerley mit in, erfordert 1. den Dativ, wenn es den Ort, den Gegenstand, das.Mittel, eine Zeit und eine Art und Weise bedeutet, und das Subject in Rücksicht auf den Ca- sum der Präposition im Stande der Ruhe gedacht wird, (i) Einen Ort: an einem (!)rce wohnen, warten, bleiben, stehen u. s. f. wo.eö für in stehet; an allen Grren, an der Thür horchen, wenn ich an demer Srclle wäre, eine Munde «m Haupte haben, noch am Leben seyn, an dem Von den Präpositionen. §. 528. Z59 demN?ege sirzen, an der Arücke gehen, an melier Seite sank er nieder, an dem Berge herum gehen, es ist nichts an der Sache, Lehier> an sich haben, die Sache liegt mir am Herzen. (2) Einen Gegenstand; sowohl eines thäcigen und leidenden Zustandes: sich an jemanden versündigen, habe ich das an dir ver- dn.:^:' sich an etwas ärgern, vergnügen, be- lusngen, spiegein, Freude an etwas haben, an der Schwindsucht sterben, an errvas ar- dl itcn; als der Ordnung: es ist an mir, die Z^u ihe ist an mir; als auch des Besitzes, Mangels und Verlustes: hundert Thaler an barem Gelde, reich an liegenden Gründen, arm am Geiste, leer anhiebe, es ist an einem genug, ich habe einen Freund an ihm; als endlich auch des Vorzuges, der Starke, Schwäche u. s. f. jemanden an Tugend, an Stärke, an Reichthum übertreffen, an Aräfren abnehmen, am Verstände ein Aind seyn, groß an Gestalt, an Geiste klein, (z) Ein Mittel, besonders der Erkenntniß, einen Erkenntnißgrund: man kennet das Silber an dem Alange, daran will ich sehen, ob du mich liebst. (4) Eine gegenwärtige und vergangeneZeit, in und zu welcher etwas geschiehet: am Anfange, am r. Th. 2. Abschtt. io. Kap. am und nicht an lautet: am besten, am liebsten, am schönsten. S. §. 494. 2. Den Accusativ erfordert diese Präposition, wenn ein Ding in der Bewegung gedacht wird, und sie die Richtung oder das Ziel einer Handlung in Ansehung des Ortes und derZeit bezeichnet. (1) Die Richtung in Ansehung des Ortes; sowohl die Richtung einer körperlichen oder geistigen Handlung . überhaupt: an einen Pfahl binden, an die tVand hängen, an die Tasel schreiben, steh an einen Grr begeben, Hand an das N>erk legen, etwas an sich bringen, bis an das Ende der^Velt gehen, an etwas denken, an einen glauben, Anspruch an etwas machen, sich an etwas gewöhnen; als auch für hinan, die Richtung nach einem höhern Orte zu bezeichnen, wo eS alsdann hinter dein Substantivo stehet: Verg an, Himmel an, Felsen an. In diesen Fallen, welche doch nur selten Statt finden, und sich fast allein auf die Substantive Verg und Himmel einschränken, kann an aber auch ein bloßes Umstandswort seyn, so daß der Accusativ von dem Verbo, oder vielmehr von dem Verhältnisse selbst herrühret, und an nur die Richtung näher bestimmt. (2) Eine Zeit, bis zu welcher sich eine Handlung erstrecken soll, in Verbindung mit dem Wörtchen bis: von den: Morgen bis an den Abend, bis an den Tag seines Todes, bis an das Ende der N)elt. Da es oft zweifelhaft ist, wie ein selbständiges Ding in Ansehung des Casus der Präposition gedacht werden soll, ob im Stande der Ruhe oder der Bewegung, so ist es auch nicht allemahl deutlich, ob die Präposition den Accusativ oder Dativ bekommen muß. Man. sagt durchgangig mit dem Accusativ, Von den Präpositionen. §.523.529. ,6i Accusativ, sich an etwas halten, halte dick an mich/ halte dick an den Vaum, an mein XVort; und doch scheint der Verstand den Dativ zu erfordern; das Feuer brannte mick an die Linger, obgleich Feuer hier mehr im Stande der Ruhe als der Bewegung gedacht wird; daß sie sich lagern ans Meer, 2Mos. 14,2. aber daß ersieh lagern sollte an der Gränze, i Maccab. 15, ?9. Im erstem Falle denkt man sich bey lagern zugleich eine Annäherung, im zweyten aber nicht; pflanze dein Volk an deinen heiligen Ort, 2Macc. 1, 29. aber, ein Baum am N>asser gepflanzet, Ier. 17, 8. wo doch die erste Verbindung die richtigste ist. Noch öfter verändert der Casus auch die Bedeutung: an die Thür pocken, an die Tafel schreiben, an die Angel beissen, an dein Verge herum gehen, sagen etwas anders, als, an der Thür pocken, an der Tafel schreiben, an der Angel beissen, an den Äerg gehen und Verg an gehen. §. 529. Auf bedeutet l. mit dem Dative über- Auf. Haupt ein Seyn oder Handeln an und ü'^er der Oberfläche des Körpers, als im Stande der Ruhe gegen den Dariv. (1) Ein Seyn oder Handeln an oder in einem höhern Orte: auf dem Thurme seyn, auf dem Berge stehen, auf dem ^i>aume sitzen, auf dem Dache herum gehen. Ingleichen in weiterer Bedeutung: auf dem Schlosse, aufdem Dorfe feyn, auf dem Lande wohin n, auf der Stube seyn, auf Universitäten, auf Schulen leben, ich bin auf der Post gewesen; welche insgesammt als höher gelegene Örter angesehen werden. (2) Ein Seyn oder Handeln an und über der Oberfläche einer Sache: auf der Adel. D.Spr. U.V. L »Orde 162 r. Tl). 2. Abschtt. IS. Kap. Erde liegen, auf dem Stuhle sirzen, auf der Flöte, der Trompete, dem lValdhorne blasen, auf der L.auce, dem Claviere, der Violine spielen, auf dem Zxopfe flehen, auf der Z.üste stranden, aufdemNIcge zurück bleiben, auf der Gasse herum gehen, auf dem 5Vagen, dein Schlitten fahren, auf der Grube gehe,?, auf den Händen tragen, auf feiner Meinung? beharren, auf dem Sprunge stehen, auf der lVachc seyn. Cz) Oft eine bloße Gegenwart bey einer Handlung: auf der Jagd, auf dem Lalle, auf der Hochzeit seyn, wir .leben auf der Flucht, ich sahe ihn aufdcr Reife, auf dieser Welt. (4) Nicht selten auch mit dem Ncbenbe- griffe der Dauer für während: auf der Reifs sterben, die Sache entwickelte sich auf dem Dalle, auf frischer That ergriffen werden. 2. Mit dem Accusattive, überhaupt eine Richtung nach einem Gegenstande, mit allen Figuren , deren diese Bedeutung nur fähig ist. (1) Eine Richtung nach einem hohem Orte: auf den Baum, aufdenThurm steigen, aufdas Dach klettern, auf das Schloß gehen, auf das Pferd heben, auf den Gipfel gelangen. Angleichen nach Örtern, welche als höher gelegen ge- dacl)t werden: auf die Post gehen, auf das Dorf fahren, auf das Kand reifen, auf die Universität ziehen, auf die N)elt kommen, eine Mühe auf sich nehmen, auf freyen Fuß stellen. (2) Eine Bewegung nach der Oberstäche einer Sache: auf den Z^opf fällen, jemanden auf den Fuß treten, sich auf die jLrde legen, ein Pflaster auf die Spunde legen, auf einen Haufen schürten, aufden Grund kommen, sich aufdenN?eg, auf die Reife machen, etwas , - ,7 , auf Von den Präpositionen. §.529. 16z auf die Vahn dringen, (z) Eine Bewegung nach einem Orte, Richtung nach einem Gegenstande: auf die Gasse laufen, auf das Rachhaus eilen, auf jemanden los gehen, aufdie Messe reifen, den Mein auf Bomeillen ziehen, es gehet auf neun, es ist drey Viertel auf eins, jemanden auf feine Seite dringen. Jngleichen mit der Partikel zu: auf jemanden zu laufen, springen, kommen, auf das Dorf zu reiten. (4) Eine Richtung des Gemüthes auf einen Gegenstand: aufiemanden zürnen, eifersüchtig seyn, schelten, auf etwas Acht haben, aufmerksam seyn, auf Mittel denken, auf einen Einfall kommen, auf böfe Gedanken kommen, das gehet auf mich, alles auf sich deuten, auf etwas begierig seyn, sich auf etwas besinnen, auf jemanden warten. (;) Den Gegenstand einer körperlichen oder unkörperlichen Handlung: auf etwas sehen, hören, zielen, gerichtet feyn, Geld auf Bücher wenden, auf ecwas bestehen, viel auf etwas halten, auf alle Lalle ges faßt feyn, sich auf etwas verstehen, verlassen, Rechnung machen, auf jemanden bekennen, ein Gedicht auf eine Hochzeit. (6) Besonders mit dem Nebenbegriffe des Bestimmungsgrundcs: auf fein Herz stolz seyn, auf feinen Reichthum troyen, ich glaube es auf dein 5Vorr, wage es auf meine Gefahr, etwas aufGlauben annehmen, etwas auf das Glücb' ankommen lassen, es kommt bloß auf dich an. (7)Ingleichen der Absicht, des Endzwecks: auf Beute, auf das Stehlen ausgehen, auf die Jagd gehen, auf Leib und Leben gehen, auf einen Doccor stus dieren, Geld aufTVucher auslegen, jemand den auf ein Glas VVein biccen, aufein Paar L s 5Vort5 164 i. Th. 2. Abschtt. -O. Kap. N?orte da bleiben, auf die Ehescheidung klagen. (8) Ingleichen der Gränze, zu welcher sich eine Handlung erstreckt, mit bis: bis auf die Hälfte, bis auf das Bluc peitschen, bis auf raufend zählen, er hat mich bis aufzehn Thaler bezahlt, bis auf weirern Befehl, bis aufs -wiedersehen, bis auf Gstern. Welche auch oft wegbleiben kann: er weiß es auf ein Haar, auf den Tod krank liegen, auf taufend Thaler bringt ers wohl, jemanden aufbessere Zeiten vertrösten. (9) Ein Verhältniß nach Zahlen : ein Schmaus auf zchen Personen, es kommt ein Ducaren auf die perfon, ein Glas auf drey Mahl austrinken. (10) Eine Zeit, für an und in: Rom ist nicht auf einen Tag gebauer, auf einen Sonntag verreisen, sie wurden beyde auf einen Tag versprochen, auf meine alten Tage. Inglcichen für zu: er will alles auf die Stunde, sich auf die bestimmte Zeit einstellen. Besonders (11 ^ eine künftige Zeit: ich komme auf den Mittag, ich werde auf die Nacht nicht schlafen können, auf den Abend werde ich sie sehen, ich habe ihn auf morgen bestellt, ich nehme es auf das N.ünfrige an. Ingleichen (12) die Dauer einer künftigen Zeit: Dorrarh auf viele Jahre, sich auf ein halbes Jahr versorgen, einem etwas auf vierzehn Tage leihen, sich auf kurze Feit entfernen, geben sie es mir nur auf eine Minute, ein Glück, welches sich dir auf dein ganzes Leben anbiether, auf immer verloren, (iz) Eine Folge und Ordnung nach einem andern Dinge: aufdas lLssen fpayieren gehen, aufdas Bad schlafen, er folgt auf mich, aufseid folgt Freuoe, wie ist ihnen auf die Arzeney ^ wie befinden sie Von den Präpositionen. §.529. 165 sie sich auf den Dall? es folgte Vliy auf Klirz, Schlag auf Schlag. Ingleichen mit dem Nebenbegriffe der Veranlassung: ein Baun: fallt nicht auf einen Schlag, ich that es auf sein Bitten, auf fein Verlangen, auf etwas antworten, auf den lVink bereit stehen, er ward auf sein Gcfchrey entdecket. (14) Das Verhältniß der Theile gegen das Ganze: hundert Pfund gehen auf einen Zentner, sechzehn Groschen auf einen Gulden. (15) Eine Art und Weise: auf Französisch gekleidet, besser ohne Präposition, das heißt auf Deutfch, auf Lateinisch u. s. f. auf diefe 5Veife, auf jene Art, aufs neue oder auf das neue, auf ein Mahl, d.i. plötzlich, auf den Hieb, auf den Stoß fechten, auf Abschlag bezahlen. Ingleichen mit Superlativen, jemanden auf das prächtigste bewirthen. S. §. 494. Auch hier finden oft beyde Casus Statt, wenn nähmlich nicht deutlich genug ist, ob das Subject im Stande der Ruhe oder der Bewegung in Rücksicht auf den Casum der Präposition gedacht werden muß, oder wenn beyde Vorstellungsarten Statt finden: ein Haus aus den Sand, auf den Felsen bauen, bezeichnet, daß das Haus durch den Bau auf den Sand oder Felsen zu stehen kommt; aber du hießest mich einen Tempel bauen auf deinen, heiligen Derge, Weish, 9,8. stellet den Berg bloß als den Ort vor, an welchem der Bau geschehen soll. So auch, sich auf den Berg lagern, und sich auf dem Berge lagern. Oft ist beydes in zwey verschiedenen Bedeutungen üblich: auf den Markt gehen, und aufdem Markte gehen, die Raupen kriechen aufden Baum, und aufdem Baume, aus die Erde fallen, und aus ebener L z Erde i66 i.TH. 2.Abschtt. iO. Kap. Erde fallen, auf die Erde knien, und aufbloßer Erde knien. Ein bloßes Umstandswort ist diese Partikel: i. Wenn sie andere Präpositionen näher bestimmet: von Jugend auf, von unten auf. 2. Wenn sie hinter dem Substantivs stehet, Berg auf gehen, wo der Accusativ von dem Verbo herrühret. Mit andern Wörtern als mit Berg ist diese Form im Hochdeutschen nicht üblich, z. Vor der Conjun- ction daß, auf daß. 4. Wenn sie die Stelle einer Interjection vertritt, auf! auf! Hinter. §. 5Zo. Hinter ist der Gcgensaß von vor, und bezeichnet das Verhältniß, da etwas im Rücken eines Dinges ist oder geschiehet. 1. Mit dem Dative, im Stande der Ruhe. (1) Eigentlich: hinter der Thür seyn, stehen, einen Hinterhalt hinter der Stadt bestellen, hinter dem Tische strzen, hinter dem Gfen liegen, hinter dem Vorhangs stehen, die Thür hinter jemanden zuschließen, hinter der Thür suchen, hinter dem Berge halten, er steckt mir dahinter, das hat etwas hinter sich. (2) Figürlich, ohne jemandes Wissen, aM häufigsten im Oberdeutschen: er hat es hinter mir gethan, der Bediente hat hinter feinem Herren Geld aufgenommen, (z) Eine Ordnung: er gehet Hins rcr mir, hinter einander gehen, laufen, rrins ken, fechs Jahre hinrer einander. Ingleichen mit her: hinrer jemanden her gehen, laufen, eilen' welches her bedeutet, daß die Ordnung beybehalten wird. 2. Mit dem Accusative, eine Handlung oder Bewegung, welche gegen den Rücken eines andern Dinges Von den Präpositionen. §.531. 167 Dinges gerichtet ist: hinter den Vorhang treten , sich hinter die Thür stellen, sich hinter einen Baum legen, er kann weder hinter sich noch vor sich, sich hinter eine Sache stecken, hinter die Wahrheit, hinter eine Sache kom? men, jemanden hinter das Licht führen, sich ettvas hinter die Ohren schreiben, die Pferde hinter den Magen spannen. Mit beyden Endungen: sich hinter den Berg verstecken, deutet die Richtung nach der hintern Seicc des Berges an; aber, sich hinter dem Berge verstecken, daß man schon an dieser hintern Seite ist, und sich daselbst verstecket. §. zzl. In, eine sehr fruchtbare Präposition, ein Seyn oder Handeln um den Mittelpunet eines Dinges, und eine dahin gerichtete Bewegung zu bezeichnen. 1. Mit dem Dative, einen Zustand oder eine Handlung, deren Sitz das Innere eines andern Dinges ist. (1) Dem Orte und Raume nach: in der Stadt wohnen, in dem Berce liegen, im Garten speisen, in Aetten und Banden liegen, der reichste Mann in derSradr, in der Hand, im Munde haben, mitten im Lande, in sich enthalten, nichts Gutes im Schilde führen, in jemandes Gesellschaft seyn. Ingleichen mit Verbis der Bewegung: in einem Buche blättern, suchet in der Schrift, in der Fremde herum reisen, im Finstern tappen, in; Trüben fischen, sich im Master spiegeln, in der Mitte zerbrechen, im Mondenschein sparzicren gehen, in der N>clt fortkommen, im Stiche lassen. (2) Dem Zustande nach: im Begriffe stehen, im Besitze seyn, in den lcrzren Zügen lie- < 4 gen, i6Z i. Th. 2. Abschn. 10. Kap. gen, in diesen Umständen, mir jemanden in V erbindung stehen, im Traume reden, in der Bewegung seyn, im Schwange gehen, m Ansehen stehen, im Tode gerrost, in Sorgen stehen. (z > Dem Gegenstaude nach: jemanden in einer Sache dienen, in einer Deschästigung stören, im Srreire, in der Ardeir begriffen seyn, ich sehe in dieser Sache nichts als Verwirrung , in der Rede stecken bleiben, sich im Singen üben, in etwas geschickt seyn, in diesem Stücke ist er abergläubig, in jenem Falle. (4) Dem Hülfsmittel oder Werkzeuge nach, nur in einigen Fällen: in Fabeln, in Gleichnist sen reden, sich im TVcine betrunken, in den feurigsten Ausdrücken danken. (5) Der Bewegungsursache nach, auch nur in einigen Fallen: etwas in guter Absicht, in der besten Meinung thun, in der Hoffnung, in Geschäften reisen, ich reise in meinen eigenen Angelegenheiten. (6) Der Art und Weise nach: im Glauben bethen, im Nahmen Gottes, in meinem Nahmen, in Eil gemacht, ein Buch in Folio, in einein hohen Grade, in diesem Grade, in der Stille leiden, im Laufen trinken, in einem Athem, sein Vermögen bestehet in liegenden Gründen, die Tugend bestehet in der Ausübung seiner Pflichten, rausend Thaler in Gold, in Betrachtung, in Erwartung, in Rücksicht. (7) Der Zeit nach; sowohl, wenn etwas geschiehet oder geschehen ist: es geschahe in dieftin Jahre, im vorigen Monathe, das ist in langer Zeit nicht geschehen, es geschahe im Sommer, er kam in der N^cht, in der Ärnde sterben, in aller Frühe reisen, in der Mittagsstunde ; als auch eine künftige Zeit von jetzt an gerechnet : > Von den Präpositionen. §. 5?i. 169 rechnet: ich muß es in einer Stunde haben, er reifer in acht Tagen fort, in einigen Tagen verreifen, in kurzem, in kurzer Zeit, in künftigem Sommer, in einem Augenbiicke; als endlich einen Zeitraum: in sechs Tagen hat Gorr die lVelt erschaffen, die Gradr ward in einer Stunde verwüstet, ich habe ihn in zehn Iahren nicht gesehen, es geschahe in einem Augenblicke, es war in einer Stunde gethan. 2. Mit dem Accusarive, überhaupt die Richtung einer Bewegung oder eines Zustandes nach dem Innern einer Sache, (i) Dem Orte nach: affer in den Brunnen tragen, einem in das Gesicht sehen, in das Fenster rrercn, in die Gradr kommen, in die Tafche stecken, einem die XVorte in den Mund legen, in die Schule gehen, sich in die Hand schneiden, in feinen Schurz nehmen. (2) Einem Zustande nach: m das Elend, in Armuth gerathen, in sein Verderben rennen, in den Gang kommen, in Vergessenheit stellen, in Verwunderung gerathen, eine Strafe in eine Geldbuße verwan- deln, in die Erfüllung gehen, in das Reine bringen. Besonders eine Theilung: in drep Stücke zerschneiden, in tausend Stücke schlagen. (?) Der Materie nach: in Gold, in Silber, in Bley, in Holz, in dVacbs arbeiten, Figuren in Holz schneiden, in Tupfer stechen. (4) Der Gestalt nach: Blumen in einen Straus zusammen sugen, in ein Bündel binden, die Haare in einen Zopf siechten, die Aussicht endigt sich in ein Amphitheater, die ^aare in L.ocken stecken. (5) Der Ausdehnung nach: der Thurm erstreckt sich auf hundert Fuh m die L 5 H^he, ?7c> i.TH. 2.Abschn. lo.Kap. Höhe , vierzig Ehlen in die Länge, sechs Fuß in die Tiefe, ein Gebäude in die Breite messen, in die Länge und in die (Duere. (6) Der Zahl nach, nur von einer ungefähren Zahl, und im gemeinen Leben, wie an: es waren ihrer in die zweyhundert Personen, Judas brachte ihrer in die dreyßig tausend mn, 2Macc. 12, 4. (7) Der Zeit nach, so sern sie das Ziel einer Handlung ist, mit bis: bis in die Nacht spielen, bis in Ewigkeit. Wenn es gleichgültig ist, ob das eine Ding im Stande der Ruhe oder der Bewegung gedacht wird, so finden beyde Casus Statt: begrabet mich in mein väterliches Grab, oder in meinem väterlichen Grabe. Noch öfter geben beyde Casus eine verschiedene Bedeutung, sich in die Nammer legen, und sich in der Aammer legen; in die Srabt zusammen kommen, und in der Sradr, Neben. §. 5Z2. Neben druckt eigentlich eine Nähe dem Orte und Raume nach aus, und erfordert 1. den Dativ, einen Zustand der Ruhe nahe bey einem Dinge zu bezeichnen: neben einen? sryen, er rvohner neben uns an, sie stehen neben einander, neben der 5Vahrheic vorbey spaczicren, neben dem Malde hingehen. 2. Den Accusativ, eine Bewegung oder Richtung nach der Nähe eines Dinges hin: daß er ihn secze neben die Fürsren, Ps. uz. die Zische neben den Altar schütten, neben jemanden treten, sich neben die TVand legen. Ohne Casum ist es ein bloßes Umstandswort, «eben her gehen, reiten, fahren. §. 5N. Von den Präpositionen. §.5zz. 171 §. Über bezeichnet überhaupt den Umstand über.' der Höhe in Beziehung auf ein darunter befindliches Ding. 1. Mit dem Dative. (1) Einen Stand der Ruhe in der Höhe, im Gegensahe des uurcr: es liegt über der Thür, so weit der Himmel über der Erde ist, N>asser stehet über den Bergen, er wohnt über mir, es steht ein Gewitter über > der Stadt. (2) Eine Bewegung oder Handlung in der Höhe und im Stande der Ruhe des Subjectes : der Himmel that sich auf über ihm, es schwebt ein Unglück über der Stadt, das Ghl schwimmt über dem ^Passer, die Sonne gehet über mir auf. (?) Den Gegenstand einer Beschäftigung als im Stande der Ruhe gedacht : sieissig über der Arbeit seyn, ich war eben über dem Schreiben, immer über den Büchern sirzen, lange über einer Arbeit zubringen, über dem L.esen einschlafen. (4 Die Zeit, während der Beschäftigung: über Tische, über der Tafel, über der Mahlzeit trinken, über der Arbeit einschlafen. (5) Besonders mit dem Nebenbegriffe der Veranlassung: sich über dem Heben verrenken, über dem Aär;n erwachen, über dem L.efen Essen und Trinken vergessen. (6) Einen Zustand oder Handlung, welche auf der andern Seite, auf jener Scice ist oder geschiehet: über dein Flusse wohnen, er ist schon über der Gränze. Jngleichen mit gegen, in gegen über: dein Berge gegen über, oder gegen dem Berge über. 2. Mit dem Accusative. (1) Eine Bewegung zur Erhöhung, im Gegensatze des unter: etwas über die Thür legen, das Untere über sich ,72 r. Th. 2. Abschn. !O. Kap. sich kehren, die Hände über den Ropf zusammen schlagen, das ^Vasfcr gehet über den 2^erg, über den Haiifen werfen, fallen, stoßen. (2) Die Richtung der Bewegung oder Handlung zur Erhöhung, eine Handlung in der Höhe, aber im Stande der Bewegung: die Hand über jemand ausstrecken, der IVind bläset über die t^rde, sich über etwas ausbreiten, über die Achseln ansehen, Noblen über die Sradt streuen, Ezech. 10, über den Berg, über alle Dcrge seyn, den Gegen über etwas sprechen, über einen Grein springen, über den Fluß ges hen, einen Manrel über sich werfen, über L.and gehen. (?) Die Richtung längs der äußern Fläche eines Dinges: einen Gchleyerüber das Gesicht ziehen, die Haare hangen ihm über die Schultern, der Schweiß lief mir über das Gesicht, Thränen flössen ihm über die langen herab. (4) Einen Gegenstand, mit dem Nebenbegriffe seiner obern Theile: es Jeher alles über mich, der Gegen kam über mich, über etwas gerathen, herfallen, es gehet sehr über mich her. (5) Einen Vorzug: Vergnügen gehet über den Reichthum, das gehet bey mir über alles, der Jünger isi nicht über seinen Meister. (6) Einen Gegenstand der Gewalt, Herrschaft, Aufsicht, Aufmerksamkeit: ein Herr über alles, über andere herrschen, den Sieg über seine Feinde erhalten, über andere zu befehlen haben,die Aufsicht über etwas haben, ein Aufseher über andere seyn. (7) Den Gegenstand einer Gemüthsbewegung und deren Äußerung: sich über eine Sache ärgern, freuen, erzürnen, beklagen, aufhalten, beschweren, erbarmen, einsehen, verwundern, krän- Von den Präpositionen. §. 5zz. . 17z tränken u. s. f. über etwas erschrecken, böse, froh werden, über jemanden sporren, mache mir keine Vorwürfe darüber. (8) Den Gegenstand einer Beschäftigung des Geistes: über einen Spruch predigen, eine Auslegung über ein Buch machen, sich über etwas besinnen, über etwas nachdenken, ein Urtheil über etwas fällen, seine Meinung über eine Sache sagen, jemanden über eine Sache um Rath fragen, sich über etwas unterreden, berathschlagen, vergleichen, bedenken, streiten, über eine Sache" schreiben. (9) Eine Überschreitung, einen unbestimmten Überschuß: über sein Vermögen, über Macht arbeiten, das ist über mein Vermögen, über meine Aräsir-, über die gewöhnliche Zeit ausbleiben, über die Gebühr, üb«.- die Willigkeit fordern, über die Maße, über alle Maße, über vierzig Jahr alt, es ist schon über vierzehn Tage, daß», s. f. über drey Finger breit, über drey Pfund schwer, das macht über zehn Thaler, über die Hälfte, das gehet über meinen Verstand, über Hoffen, über Vermuthen, ein Mahl über das andere, einen Tag über den andern, Geld über Geld biethen, über dieses oder über dieß, aber nicht über dem. (io) Eine Zeit, sowohl eine Zeit, welche inzwischen verfließen wird, für nach, und auf die Frage wenn:' heut über acht, morgen über vierzehn Tage, über vier lVochen bin ich ein glücklicher Mann, allemahl über den andern Tag, übe^ s ^jahr komme ich wieder, wenn ich übers ^)ahr noch lebe, übermorgen, über lang oder kurz; als auch eine völlige Zeitdauer, auf die Frage wie langes über Nacht auf die Gasse bleiben, die ?74 i. Th. 2. Mschlt. lo. Kap. die ganze predigt über schlafen, rvas hast dli die ganze Zeit über gethan:' ich werde den Sommer über hier bleiben, die Mahlzeit über, das Jahr über, den Tag über. Da nicht leicht eine Deutsche Präposition ist, welche in so vielen figürlichen Bedeutungen gebraucht würde, als eben diese, und in vielen derselben nicht allemahl deutlich ist, ob das handelnde Ding dabey in Rücksicht auf den Casum der Präposition im Stande der Ruhe, oder der Thätigkeit gebraucht wird: so ist auch nicht leicht eine, in welcher der Gebrauch schwankender wäre. Die hier angegebenen Fälle, in welchen über entweder mit dem Dativ oder mit dem Accusativ verbunden wird, Und dem besten Hochdeutschen Sprachgebrauche abgemerkt, ob e6 gleich auch hier nicht an Fällen fehlet, welche wider die allgemeine Regel zu streiten scheinen. Z. B. er sie.Fc in Schulden bis über die Dhren, über den ganzen L.eib naß seyn, scheinet der Dativ stehen zu müssen, weil hier keine Thätigkeit Statt findet, und doch ist der Accusativ einmahl allgemein. Auf der andern Seite fehlet eö auch im Hochdeutschen nicht an häufigen Abweichungen von dein herrschenden Sprachgebrauche: rvie der Löwe brüllet über seinem Raube, Es. zi, sie werden sich verwundern über alle dem Gute, Ier. zz, und so in hundert Stellen der Deutschen Bibel mehr, wo der Hochdeutsche Sprachgebrauch den Accusativ erfordert. In manchen Fallen scheinet auch dieser Sprachgebrauch nicht bestimmt genug zu seyn, und alsdann ist es gleichgültig, ob man den Dativ oder Accusativ setzet. Z. B. die Sonne gehet über mir auf, oder über mich, der Herr läßt aufgehen seine Volt den Präpositionen. §. 534. !75 seine Sonne über die Vösen und über die Gmen. §. 5Z4. Unter ist der Gegensaß des vorigen, Unrer, und bezeichnet eigentlich das Verhältniß der Tiefe in Beziehung auf ein darüber befindliches Ding. i. Mit dem Dative, dieses Verhältniß im Stande der Ruhe, (i) Eigentlich: eo liegt unter dein Tische, unter einem Daume sirzen, die Dögel unter dem Himmel, das Fenster unter dem Dache, unter dem freyen Himmel schlafen, unter dem Dache wohnen, mir andern unter einer Dccl'c liegen, unter der Hand. (2) Eine Bewegung oder Handlung in Rücksicht auf den Casum der Präposition im Stande der Ruhe gedacht: unter dem Monde leben, es geschiehet nichts neues unter der Sonne, etwas unter dem Arme, unter dem Mantel tragen, unter jemandes Lahne streiten, unter der L.ast seufzen, die Erde that sich unter ihm auf» (z) Eine horizontale Bewegung in Beziehung auf ein darüber befindliches Ding: unter der ÄanL hervor ziehen, unter dem Regen hinlaufen, unter der Brüche hin gehen, unter dem 5Vas- ser schwimmen, tief unter mir ziehen furcht- bare Gewitter vorüber. (4) Eine Unterwerfung, im Gegensatze des über: unter jemanden < stehen, jemanden unter sich haben, unrer dem Geserze, unter dem Joche leben, unter jemandes Aufsicht stehen, unter einen? Monarchen leben, unter den TVassen schweigen die Gesetze, unter jemandes Schurze, Leitung seyn, alles unter seinem Beschlusse, unrer seinen Händen haben. (5) Einen geringern Rang, geringern Vorzug: ersitzet unrer mir, unrer je? manden ' -76 i.TH. 2.Abschn. w.Kap. manden gehen, du bist weit unter ihm. (6) Eine geringere Zahl: unter zehn Thalern kann ich es nicht geben, eine tVirrwe unter sechzig Iahren, unter zehn Tagen werde ich nicht fertig, unter dein gewöhnlichen preise verkaufe,,. Der Gegensatz über erfordert in diesen drey letztem Bedeutungen gemeiniglich den Accusativ: sey ein Herr über deine Brüder, demüthige dich unter ihm; der Jünger ist nicht über seinen Meister, du bist weit unter ihm; über einen Fürsten gehen, unter ihm gehen; über vierzig Jahre alt, ein Mann unter vierzig Jahren. (?) Eine Art und Weise, doch nur mir dem Nebeubegriffe eines darüber befindlichen Dinges: sich unter einer Maske einschleichen, jemanden unter der Larve der Freundschaft hintergehen, seine Gedanken unter Dildern vortragen, unter dem Nahmen des Vergnügens liegt oft Ausschweifung verborgen, unter der Äedingung, unter dem Scheine, unter der Gestalt eines Engels erscheinen, unter ferner Hand und Unterschrift. (8) Ein Mit- bcsinden, ein Daseyn mit andern dem Orte und Raume nach: einer unter ihnen, Uneinigkeit unrer Freunden, das ist so unter uns üblich, er ist mir darunter, unter den Zuschauern fiyen, der grosre unter allen, unter andern, alles unrer einander, das soll unter uns bleiben. (9) Der Zeit nach, eine Zeit, wahrend welche-etwas geschiehet, wie über: unter der Arbeit einjchiafen, unter dem Tumultenach Hause eilen, unter dem Essen, unter dem Lesen, unter Dcrgießung vieler Thränen fortgehen, unter der Zerr, unter Carls des sechsten Regierung, unrer Ludwig dem vierzehnten. Ehedem in Von den Präpositionen. §.5?4.5Z> .177 in dieser Bedeutung häusig mit dem Genitiv, unter Essens, unter Tages; wovon im Hochdeutschen noch unter dessen oder unterdessen, und unter VOeges übrig sind. 2. Mit dem Accusatwc, ein Verhältniß dee Tiefe im Stande der Belegung eines andern Dinges, im Gegensatze des über. (1) EigentUch, eine Bewegung in einen Raum, in Beziehung auf ein darüber befindliches Ding: sich uurcr einen Daum seyen, unter die Treppe werfen, sich unter das lVasser rauchen, sich unter ein Laß verstecken, es gehet nicht darunter, unter das Joch bringen, Seide unter das Kleid füttern, ein L.and uncer lVasser seyen, unter die Füße treten, unrer Segel gehen, einem unter die Augen gehen, Unter die Erde bringen. (2) Die Richtung eiuerBewegung oder Handlung, eiu Ding, der Gewalt eines andern zu übergeben: unter seine Gewalt, unter das Joch bringen, uncer das Geserz gethan, Gal. 4. (z) Die Richtung nach der Mitte mehrerer Dinge: unrer seine Freunde rechnen, sich uncer die Tänzer einschleichen, alles unrer einander werfen, das gehöret nicht darunter, etwas unter sich theilen, unter die Soldaren gehen, thue Salz darunter, etwas unrer die L.eure bringen. H. zzz. Vor, von dessen Unterschiede von für Vor. bereits §. 521. geredet worden, bedeutet überhaupt das Verhältniß, da ein Ding eher ist oder geschiehet, sowohl der Zeit als dem Raume nach, als ein anderes Ding. 1. Mit dem Dative, ein eher seyn, (1) der Zeit nach, im Gegensatze des nach: vor Tage aufstehen, vor der Zeit kommen, er isi vor Adcl.D.Spr.n.L. M mir i78 Th. 2. Abschn. iO. Kap. mir da gewesen, drey Tage vor der Hochzeit, vor diesem, vor dein, vor einigen Iahren» In einigen Fällen, besonders im gemeinen ieben, hiernach mit dem Genitive: vor Alters, d.i. ehedem, in alten Zeiten, vor Abends, vor lVin» rers, vor Nachts; aus welcher letztem Form, welche nicht der Genitiv seyn kann, erhellet, daß auch die beyden vorher gehenden nicht Genitive, sondern Adverbia sind. (2) Dem Orte nach. Sowohl (a) eigentlich, im Gegensatze des hinter: vor dein Thore stehen, vor der Thür sitzen, vor jemanden niederfallen, vor dem Tische liegen, das schwebt mir vor den Augen, er ging vor mir her, vor mir hin, vor dem Thore späteren gehen, vor der Hand. Als auch figürlich, (b) eine Gegenwart: er that es vor meinen Augen, vor Gott unrecht seyn, Gott vor Augen haben, vor jemanden aufstehen, ich schäme mich vor mir selbst, vor einen: verstummen. (c) Ein Bestreben, die Gegenwart eines Dinges zu vermeiden: vor einem fliehen, davor laufen, weichen, die Flucht vor ihm ergreisfen, sich vor ihm verbergen, verstecken, Geheimnisse vor jemanden haben, vor etwas bedecb't, gesichert seyn, Friede, Ruhe vor etwas haben, behüt uns vor der Hölle, (d) Eine Empfindung, welche zugleich mit diesem Bestreben verbunden ist: vor einer Sache erschrecken, sich vor ihr entscrzen, fürchten, einen Abscheu vor etwas haben, vor etwas zirrern. Wird der Gegenstand der Richtung, des Interesse bezeichnet, so siehet für, ich zittere für dich. d.i. um deinetwillen, für etwas sorgen, (e) Eine wirkende Ursache, ohne Artikel des Substantives: vor Hunger sterben, vor Durst verjchmachren, vor großem Von den Präpositionen. §. 536. 179 ßem Schrecken zittern, vor Zorn außer sich seyn, vor Freude weinen, vor Mattigkeit nicht weiter können, vor Alter sterben, vor langer XVeile sähnen. (f) Einen Vorzug: Gnade vor Recht ergehen lassen, etwas vor einem andern voraus haben, vor allen andern, vor allen Dingen. 2. Mit dem Accusative, eine Bewegung oder Richtung nach dem vordem Theile eines Dinges zu, im Gegensatze des hinter: jemanden vor den Richter führen, ihn vor das Lager stellen, etwas vor dle Thür legen, die perlen vor die Säue werfen, vor den Spiegel treten, die Pferde vor den tVagcn spannen, vor eine Scadt rücken, komm nur nicht vor die Augen, vor das Thor gehen, vor den Ropf stoßen, vor Anker gehen, die Sache gehet nicht vor sich, etwas vor sich bringen. §. 536. Zwischen bezeichnet das Verhältniß des Zwischen. Ortes in der Mitte zweyer Dinge, und erfordert 1. Den Dativ, im Stande der Ruhe. (1) Eigentlich: er faß zwischen mir und ihm, es liege zwischen den beyden Häusern, ich stand zwischen beyden. (2) Eine Zeit: zwischen (Dstern und Pfingsten, zwischen dem Sonntage und dem Lreyrage. (z) Eine Handlung im Stande .der Ruhe, welche in der Mitte zweyer Dinge vorgehet : zwischen den Partheyen Schiedsrichter feyn, er machte Frieden zwischen ihnen, Gorc ist Zeuge zwischen mir und dir, iMos.zi. 2. Mit dem Accusativs, eine Richtung nach der Mitte zweyer Dinge hin zu bezeichnen: etwas zwischen die Derren legen, den Ball zwischen die beyden Häuser werfen, Unkraut zwischen den ^Veilzen säen, besser unter. M - Allge-- !Fo I. Th. 2. Abschn. Iv. Kap. Allgemeine Anmerkungen über die Präpositionen. Ihr Ge- §. 5Z7. Von allen diesen Präpositionen ist in brauch als meinem Wörterbuchs umständlicher gehandelt wor- Umstands- gjlt auch von diesem Redetheile, was " von allen Partikeln in allen Sprachen gilt. Weil ihre Bedeutung nur dunkel empfunden werden konnte, so sind sie in ihrem Gebrauche sehr schwankend, und oft mit sehr feinen Nebenbegriffen verknüpft, welche sich nicht allemahl klar empfinden und deutlich machen lassen; daher es auch nicht möglich ist, alle Bedeutungen mit ihren Schattierungen und Modifikationen anzugeben. Auf der andern Seite hängt kein Redetheil fo sehr von dem Gebrauche ab, als die Präposition, und wenn eine Bedeutung in neun hundert Fällen gebraucht werden kann, so ist e6 deßhalb noch nicht erlaubt, sie auch in dem tausendsten zu gebrauchen, daher man ihre Anwendung nicht anders als aus dein Gebrauche erlernet. Da die Präpositionen Umstandswörter sind, und ohne eine neue Ableitung, bloß durch den Gebrauch ' in diesen Nedetheil übergehen, so können auch die meisten von ihnen wieder als bloße Umstandswörter gebraucht werden, und zwar nicht allein in der Zusammensetzung, sondern auch außer derselben: Berg auf steigen, 2)erg ab gehen, den Berg hinunterfahren; wo auf, ab und hinunter die Richtung nur näher bestimmen, der Accusativ aber von dem Verbo, oder vielmehr von dem Verhältnisse selbst herrühret. Ich habe bey den meisten Präpositionen bereits die Fälle angezeiget, in welchen sie auch als bloße Umstandswörter gebraucht werden. Ich sehe hier nur noch hinzu, dc.ß sie statt des Nennwortes auch oft andere Umstandswörter Von den Präpositionen. §.538. iZr ter bey sich haben können: zehn LVeilen von hier, es kommt von oben, seit gestern, auf hellte, bey nahe, von vornen, welches aber doch nicht alle verstatten. Dieser Gebrauch verbindet das Umstandswort mit der Präposition, oder macht den Übergang des erstem in die letztere aus, weil da6 Verhältniß, welches die Präposition ausdruckt, eigentlich nur zwischen selbständigen Dingen Statt finden kann. Soll eine Präposition näher bestimmt werden, so geschiehet solches entweder durch eine andere Präposition, welche aber alsdann nur als ein Umstandswort gilt, oder durch ein anderes Umstandswort: von dem Tage an, nach dein Berge hin, von Hanse ans, gegen uns über, von hier an, von oben herab. §. 5?8. Einige Präpositionen lassen sich der Nehmen Kürze wegen in der geschwinden Rede mit dem die be- bestimmten sowohl als unbestimmten Artikel zu- stimmen ziehen, oder vielmehr, sie nehmen von ^ demselben den bloßen Biegungslaut an, da denn der eigentliche Artikel darunter verstanden werden muß. Die Fälle, wo dieses erlaubt ist, hängen ganz von dem Wohllaute ab, daher diese Verkürzung nur alsdann Statt findet, wenn das Gehör dadurch nicht bleidiget wird. Es verstatten dieses nur: i. mit den Dativen der Einheit dem und einem, die Präpositionen an, in, von und zu, von welchen die drey ersten ihr n in m verwandeln, die letzte aber das m völlig annimmt: am Fenster silzen, im Hause seyn, vom Himmel r'ommen, zum Richter gehen, alle für an, in, von, zu dem; zum Priester rveihen, für zn einem. Im gemeinen jeden geschiehet es auch mit unter, wo aber die Härte schon zu groß ist, unterm Tische M z liegen, Z82 r. Tl). 2. Abschtt. IQ. Kap. liegen, unterm Hute nicht richtig seyn. 2. Mit den, weiblichen Dative der, nur allein zu: zur -Hochzeit gehen. ?. Mit dem sachlichen Accusativs das, die Präpositionen an, auf, durch, für und in, und im gemeinen Leben auch wohl vor, über und unter: ans Fenster treten, aufs Eis gehen, durchs tVafser fahren, ins Feuer werfen, vors Haus treten, übers HVajser gehen, umers ^is fallen, in welchen drey letzten doch die Härte schon zu groß ist. Indessen findet diese ganze Verkürzung nur in der vertraulichen Sprechart Statt, dagegen die edlere sie lieber vermeidet, weil der End - Consonant nur den Casum bezeichnet, aber nicht den Artikel, daher dessen Verbeissung zu hart und ungewöhnlich ist. In manchen Fällen ist indessen die Verkürzung nur allein üblich: am Ende, im Anfange, noch am L.eben seyn, zur ^7?0th. Besonders vor den Superlativen mit an und im gemeinen Leben auch mit zu, wenn sie abstruct gebraucht werden sollen, am ersten, am besten, zum schönsten, zum höchsten. Es scheint, daß die Endsylbe der Präposition hier mehr das bloße Casuözeichen ist, indem ich nicht den Artikel gebrauchen kann: zu der TTloth, an dem Anfange, an dem Besten. S. davon noch im folgenden, §. 597. Zusammen- H. 5^9. Noch häufiger werden die Präpositionen ziclm >g mit mir Pronominibus und Umstandswörtern zusam- Mus°"mid "Zugezogen, "eue demonstrative und relative Par- Iwswndö- titeln zu bilden, welche Zusammenziehung die Kür- N'iSrtern. ze der Rede gar sehr befördert, und eine der vorzüglichsten Eigenheiten der Deutschen Sprache ist. Diejenigen Redethcile, mit welchen die Präpositionen ans diese Art zusammen gezogen werden können, sind: Von bett Präposstiomn. §. 539. »8? sind: 1. die demonstrativen Pronomina der, dieser und derselbe; 2. die relativen welcher und was, und z. die Umstandswörter hier, her und hin. Man merke davon folgendes: 1. Für der, dieser und derselbe stehet in die« ser Zusammensetzung, wenn die Präposition den Dativ oder Accusativ erfordert, in allen Geschlechtern und Zahlen allemahl der Wurzellaut da oder dar, doch mit dem Unterschiede, daß da stehet, wenn sich die Präposition mit einem Consonanten, und dar, wenn sie sich mit einem Vocale anfängt: dabey, damit, daneben, danebft, dadurch, dasür, dagegen, davon, davor, dawider, dazu , dazwischen; aber daran, darauf, daraus, darein, darin, darüber, darum, darunter. Darnach ist das einige, welches sein r auch vor «inem Hauptlaute beybehält, welches aber nicht hinlänglich ist, auch darneben, dargegen, darmic u. s. f. zu rechtfertigen, wie in manchen Gegenden gesprochen wird. Darohne, dasonder, daraus sier, dasammc, daseir u. s, f. sind auf diese Art nicht üblich. Die auf solche Art zusammen gezogenen Partikeln bedeuten so viel als bey welchem, bey welcher, oder bey welchen, mir welchem, mit welcher oder mit welchen u. s. f. 2. Für die relativen welcher und was stehet mit den Präpositionen, welche einen Dativ oder Accusativ regieren, auf eben dieselbe Art wo oder wor, folglich wo vor einem Hauptlaute, wor aber vor einem Hülfslaute: wobey, womit, wovon, wozu, wodurch, wofür, wogegen, wowi- dcr, (dieses doch nur selten) wovor; aber: woraus, warum, (für das ungewöhnliche worum,) woran, worauf, worin, worüber, worun- M 4 rer- i84 i. Th. 2. Abschn. io. Kap. rer. Ungewöhnlich ist diese Zusammenziehung mit nach, nächst, nebst, sammt, seit, zuwider, außer, ohne, sonder, hinter, neben und zwischen. z. Von Präpositionen, welche den Genitiv regieren, werden nur halb oder ha>ben und wegen auf diese Art Zusammen gezogen und dann stehet für dessen und desselben, deß; für wessen und welches, weß; deßhalb oder deschaiben, deßwegen, sÄr wegen oder halben dessen, ingleichen weßha'b, weßwegen, für wegen welches. Das? die gemeinen Mundarten hier das vollständige Pronomen behalten, und nur das c einschalten, defsencbalben, wcsseurbalben, ist schon §. zo6 bemerket worden. Daß die Schreibart deßhalb, weßwegen u. s. f. richtiger ist als deshalb, weswegen, erhellet au6 den Pronomi- mbus d-'ss-m öder deß, wessen oderweß, welche hier zum Grunde liegen, indem die Zusammenzie- hung zwar einen Vocal aber keinen Consonanten aüsstößt. Deswegen könnte für den Artikel des gehalten werden, der doch hier nicht S>att findet. 4. N>as muß schlechterdings mit seiller Präposition zusammen gezogen werden, wenn es eine vor sich bekommen sollte, weil es indeclinabel ist, folglich keinen Cäsum bezeichnen kann. Für inic was, aus was, an was u. s. f. muß womit, woraus, woran u. f. f. stehen. 5. Außer diesen Pronominibus werden besonders auch hier, her und hin mit Präpositionen zusammen gezogen, welche aber unverändert bleiben, die Präposition mag sich mit einem Vocal oder Eonsonaiiten anfangen. Von den Präpositionen. §.5^9. 1F5 Hier bezeichnet das Verhältniß eines gegenwärtigen OtteS, und stehet olr für das Demonstra- tivum dieser: hieran, hierauf, hieraus, h- rs bey, hierdurch, hierein, hiernir, (doch nur selten,) hiergegen habe ich nichts einzusenden, hierin, hieiiuir, hiernach, hicrnachft, hicrs neben, hierüber, hierunter, hiervon, hierwi- der, hierzu, hicrzwifchen. Her bezeichnet die Richtung ans der Ferne zu dem Sprechenden hin: herab, heran, herauf, heraus, herbey, herein, hernach, hernieder, herüber, herum, herunter, hervor, herzu. Mit andern Präpositionen ist es nicht gebräuchlich. Hin bezeichnet die Richtung der Bewegung von dem Sprechenden weg. Die im Hochdeutschen üblichen Zufammenzichungen dieser Art sind: hinab, hinan, hinauf, hinaus, hindurch, hinein, hingegen, hinüber, hinunter, hinzu. Die mit her und hin gebildeten Wörter dieser Art sind wesentlich verschieden, sollten also nicht verwechselt werden, obgleich solches sehr häufig geschiehet. Aomm berab, zu dem Sprechenden hin, gehe hinab, von dem Sprechenden weg. So auch tritt herzu und gehe hinzu u. s. f. 6. In Ansehung der Präposition in findet hier der außer der Zusammensetzung ungewöhnliche Unterschied Statt, daß sie ein lautet, wenn sie die Richtung der Bewegung nach den innern Theilen hin bedeutet, folglich den Accnsativ regieret, in aber, wenn sie den Dativ erfordert: thue es darein, aber es ist darin, gehe hinein, es lieget hierin. M 5 7- Alle X ,86 i. Th. 2. Abschn. io. Kap. 7. Alle diese Partikeln werden außerdem sowohl mit sich selbst, als mit andern Umstandswörtern zusammen gesetzt, und bekommen alsdann oft allerley figürliche Bedeutungen: daher, dahin, dar- unten, wohin, woher u. s. f. welche aber eigentlich nicht hierher gehören. Gebrauch §. 540. Von jeder dieser Partikeln, ihren Be- dcrselbe». deuttmgen und ihrem Gebrauche ist in meinem Wörterbuchs umständlich gehandelt worden. Da in ihren? Gebrauche im Hochdeutschen sehr häufig gefehlct wird, so merke man davon folgendes. 1. Da und dar stehet hier für dieser und ders selbe, und die damit zusammen gesetzten Präposition 1, werden entweoer völlig demonstrativ gebraucht, oder demonsirativo-relativ, in Beziehung twf ein vorher gegangenes Substantivum. Im ersten Falle haben sie den Ton auf der ersten Sylbe, und im letzten Falle auf der Präposition : daran will tch sehen, oder ich will es daran sehen, ob du mich liebst, aber, es ist nichts daran; dabey liegt es nicht, aber, es liegt nicht dabey; dadurch mußt du gehen, aber, er konnte nicht dadurch; dafür kann ich nicht, aber, ich kann nichts dafür. 2. Derjenige läßt sich auf diese Art im Hochdeutschen nicht mit Präpositionen zusammen ziehen. Darauf, was neulich berichtet worden, dienet zur Antwort, für auf dasjenige, ist zwar im Oberdeutschen gangbar, würde aber im Hochdeutschen ein Fehler seyn. z. N)o und wor stehen für welcher, es mag nun fragen oder relativ feyn. Ist es das Fragewort, so liegt der Ton auf der ersten Sylbe, ist es aber Van den Präpositionen. §.540. -87 «ber das Relativum, so ruhet er auf der Präposition.: woran soll ich es erkennend aber, das Merkmahl, woran ich ihn erkenne; worauf stehet es ^ aber, der Grr, worauf es stehet. 4. So wie es ein Fehler seyn würde, ein Pronomen demonsirativum, oder determinarivum an Statt des bloßen Relativi zu gebrauchen, (das der ausgenommen, welches die meisten Pronomina vertritt,) der Mann, denselben ich jähe, für welchen; so ist es auch ein Fehler, in diesen Zusammensetzungen da zu gebrauchen, wo wo stehen sollte, so häufig es auch geschiehet: der Tag, daran ich dich sehe; die Hand, damit du segnest; der Stab, damit du Zeichen thun sollt, 2Mos. 4; der Geist Gorrcs, damit ihr versiegelt seyd, Eph. 4; das Land, daraus du uns ge stieret hast, SMos. 9; die Decke, darunter er lag, Judith; der Garrel, darauf er reitet u. s. f. wo überall woran, womit, woraus, worunter, worauf stehen muß. 5. Eigentlich können diese Zusammenziehungen nur gebraucht werden, wenn sich die Pronomina aufSachen beziehen, nicht aber auf Personen: ich habe gut dafür gesagt, nähmlich für die Schuld, nicht aber für die Perfon; wir wollen ihn dabey lasten, bey dieser Meinung, aber nicht: er ist bey den Arbeitern, wir wollen ihn dabey lassen, sondern bey ihnen. Indessen gibt es doch einige, welche auch hausig von Personen gebraucht werden, wie dafür, davon, wovon, darunter, dazwischen und wofür: man bekam zchen Diebe, wovon vier geHenker wurden, oder vier davon wurden gehenfet; es standen viele Menschen da, aber ich mengte mich nicht darunter; sie schlugen iZF i. Th. 2. Abschu. 10. Kap. schlugen sich, aber ich trat dazwischen; ich bin nicht der iVanN/ wofür du mich hältst; wofür häicst du mich:' er war nicht der Thäter , aber man dielt lbn dafür. Wenn aber der erste Theil der Zusammensetzung ganz unbestimmt stehet, so sind diese Partikeln ohne Tadel: woran deutest du^ Antiv. an meinen Freund. Aber für, dcr Freund woran ich denke, sagt man besser, an welchen. 6. Aber selbst von Sachen lassen sich diese Partikeln nicht ohne alle Einschränkung gebrauchen. Man sagt zwar, die Narze slyr nicht auf dein Bauine, aber der Vogel sitzt darauf; aber nicht, du wärest aufdem Rathhause, aber ich war nicht darauf, sondern auf demselben, oder daselbst; nicht, wir wohnen nicht auf dem Lande, sondern bleiben nur den Sommer über darauf; nicht, die Thür, wovor du stehest, sondern vor weicher. 7. Her und bin werden nur von Örtern gebraucht, aber hier bedeutet nicht allein einen Ort, sonvem stehet in dieser Zusammensetzung auch oft für das demonstrative diess, wenn zugleich die Nähe mit bezeichnet werden soll: hierauf sprach er, aus dieses, welches nachdrücklicher ist, als darauf. Da es denn oft dem da entgegen stehet, und einen nahen Ort oder eine nahe Sache, da aber eine entferntere bezeichnet: gehe hierdurch und nicht, dadurch; hieran sehe ich nichts, aber daran sehe ich etwas. 8. Alle mit hier zusammen gesetzte Umstandswörter haben den Ton auf dem hier, die mit her und hin aber, auf der Präposition: hieran, hierauf, hieraus, hlerbey, hiermit u.s.f. aber, he um, Von den Präpositionen. §.540. »89 heran, herbey, herein, hernach, hervor, Hins an, hinein, hinaus.. 9. Die auf diese Alt zusammen gesetzte Partikeln zu trennen, ist fehlerhaft: da denke keiner an, Hall, das L.and, da du ein Fremdling ins nen bist, i Mos. 17; da hüte dich vor; da einem vor ekelr; da bade ich keine Lust zu. Da sey Gott vor! ist zwar allgemein üblich, indessen ist davor sey Gott! oder dafür sey Gott! denn hier laß. sich beydes sagen, richtiger. 10. Eben so fehlerhaft und niedrig ist dieWie- derhrhiung des ersten Theiles der Zusammensetzung: auf dcro lcyc gethane Anfrage, darauf dienet znr Amrvorc; da fragt er viel darnach, Gottsched; da kann ich nichts dafür. ii. Auch dieZusammenziehungen dran, drauf, draus, drein, drin, drüber, drum, drunter, sind niedrig, weil sie das Wesen des Wortes zerstören. Die gemeinen Sprecharten, wo diese Zusam- menziehungsn einheimisch sind, empfinden solches selbst, daher sie nicht selten eine Wiederhohlung nöthig finden, den zerstörten Sinn zu ergänzen: da draus wird inchrs, da drunter liegt es, da drüber konnte er nicht. Noch niedriger sind nein, naus, nah, rein, raus, rum, für hinein, hinaus, hinab, herein, heraus, herum. »^--«-MKK ^ WLZH- Eilftes Z90 i.TH. 2.Absckn. ii. Kap. > ^- > ». Eilstes Kapitel. Von den Conjunctionen. Inhalt. Erklärung derselben, §. 541. Ihr Gebrauch, Z. 54z. Ihre'Form, H. 542. Verzcichinß derselben, §. 544. §. 54U Erklärung A^ie (tonsunctionen sind gleichfalls Umstands- derselben. Wörter, aber Umstandswörter, welche das Verhältniß zwischen den Sätzen und ihren Gliedern bezeichnen. Durch diesen Begriff unterscheiden sie sich hinlänglich von. allen übrigen Nedetheilen, besonders aber von den Präpositionen, welche gleichfalls Verhältnisse andeuten; aber freylich Verhältnisse ganz anderer Art. Wenn ich sage, Casus kommt von Hause, so bezeichnet mir die Präposition von das Verhältniß, worein Casus durch das Verbum kommen gegen das Substantiv Haus, gesetzet wird. Aber wenn ich sage, weder ich noch du sind da gewesen, oder, ich jahe ihn und dich; da deuten weder, noch und und freylich auch Verhältnisse, und selbst Verhältnisse selbständiger Dinge an, aber nur so fern sie Glieder des Satzes sind, rveder und noch in dem ersten Falle das Verhältniß zweyer Subjecte, und aber in dem letzter«, zweyer selbständiger Dinge in dem Prädi- cate gegen den ganzen Satz. Wenn die Conjunctionen das Verhältniß zwischen ganzen Sätzen be- zeichnen, wenn ich ihn sehe, so will tch es ihm jagen: so wird ohnehin niemand sie mit. den Präpositionen verwechseln. An: Von den Conjunctionen. §.541. 191 Im Lateinischen hat dieser Nedetheil den Nahmen von seinem Amte, von dem Zusammenfügen, weil er Satze und ihre Glieder zusammen füget. Nimmt man diesen 'Ausdruck in seiner weitesten Bedeutung, in welchem auch die Trennung, Ausschließung u. s. f. eine Art der Zusammenfügung ist, indem dadurch die Dinge wenigstens in dem Satze neben einander gestellet werden, so ist er untadelhaft» Nicht so der Deutsche Ausdruck Bindewort, wel-- cher die bloß verbindende Bedeutung zu bestimmt bezeichnet, und daher nur auf einen sehr kleinen Theil derselben paßt. Fügewort, (nicht Lüg- worr, denn so spricht kein Hochdeutscher) ist erträglicher. Da die Conjunctionen, so wie die Präpositionen, ursprünglich Umstandswörter sind, und nur durch die Anwendung zu Conjunctionen werden, nähmlich, so fern sie das obm gedachte Verhältniß bezeichnen, so können sie auch nur in diesem Falle Conjunctiones genannt werden; außer dem sind sie weiter nichts als bloße Umstandswörter. Ich bin nun da, wo da weiter nichts als den bloßen Umstand des Ortes, der Gegenwart bezeichnet; aber da ich ihn erblickte, war er weg, du lachst, da du weinen solltest, wird dieser Umstand zugleich der Ausdruck eines Verhältnisses zwischen den Gliedern eines Satzes, und ist in so fern eine Con- junction. Viele Partikeln sind daher sowohl bloße Umstandswörter, als auch Conjunctionen, je nach, dem sie gebraucht werden, dagegen andere nur in der letztern Gestalt allein üblich sind. Noch andere können sowohl als Präpositionen, als auch als Conjunctionen gebraucht werden, z.B. außer; um aber ist eine von den wenigen, welche drey Nedethei- le zugleich versiehet: die Zeit ist um, bloßes Umstände. 192 I.TH. 2. Abseht!. il.Kap. standswort; um diese Feit, die Präposition; ich thue es, um die Zeit zu schonen, die Conjunctiv«. Ihre Form. §. ?4^. Es ist solches ein deutlicher Beweis, daß die Menschen bey der Erfindung und Ausbildung der Sprache den Unterschied dieser drey Rcde- theile nur sehr dunkel empfunden haben. Sie sind daher in der Form auch im mindesten nicht von einander unterschieden, und die Conjunctionen sind so wie jene bald Wurzelwörter und Wurzellaute, bald abgeleitet, bald auch zusammen gesetzt, und oft bestehen sie aus zwey und drey Wörtern, welche erst zusammen genommen den Begriff einer Con- junction bekommen. Wurzellaute und Wurzelwörter sind: und, auch, so, als, nicht, nur, wie, denn, dann, daß, rvenn, rvo, doch, zwar, wohl, weil, da, nun, un,, als, je, ehe, (für eh,) noch, seit, kaum. Abgeleitete, und zwar vermittelst aller der Ab- leitungölaute, welche den Umstandswörtern überhaupt eigen sind. Folglich: i. vermittelst des s und st: theils, erstens, zweitens u. s. f. übrigens, letztens, anders, sonst, falls, als. 2. Vermittelst des n oder en: fern in dafern und wofern, z. Vermittelst des er: sondern, serner, weder, oder, aber, außer. 4. Vermittelst des lich: erstlich, endlich, schließlich, folglich, nahmttch. Zusiimmengesetzte: ingleichen, zuleyt, wofern, dafern, jedoch, dennoch, hingegen, vielmehr, obgleich, objchon, dieweil, darum, daher, mithin, demnach, aijo, damit, zumahl, gleichwie, indem, nachdem, deßhalb. Au« Von den Conjunctionen. §.542.543. 19z Aus mehrern Wörtern bestehend:sowohl— als auch, nichr allein, nicht nur, — sondern auch; nicht weniger; wie auch; über dieß; wenn anders; wo nicht; wenn gleich; wie wohl; auf daß; damit nicht;" gleich als; während daß; indem daß; so bald als; an- ßer daß. Bey andern Nedetheilen ist es freylich nicht gewöhnlich, zwey und mehrere Wörter, wenn sie zusammen genommen den Begriff eines dritten Redetheiles bekommen, mit unter diesem aufzuführen ; allein bey den Conjunctionen müssen wir eine Ausnahme machen, weil die Art und Begreifflich- keit der Sahe davon abhängt, und bey der Ausbildung und Verfeinerung der Sprachen diese Verhältnisse zwischen den Sähen und ihren Gliedern so zahlreich werden, und so viele Nebenbegriffe und Schattierungen bekommen, daß sie nicht allemahl mit einem Worte ausgedruckt werden können. §. 54z. Da die Conjunctionen, bloß die Sähe Gebrauch und ihre Glieder zusammen fügen: so sind sie eben der Con- nicht der wesentlichste und nothwendigste Theil einer Mctionen. Sprache, daher auch ihr Gebrauch mit der Cultur derselben uud des Volkes, welches sie spricht, in dem genauesten Verhältnisse stehet. In der ersten Kindheit der Sprache weiß man von gar keinen Conjunctionen, sondern man stellet die Sähe und ihre Glieder ohne alle Verbindung neben einander hin. So wie ein Volk durch Übung des Geistes immer geschickter wird, nichr in die Sinne fallende Begriffe und mit derZeit auch bloße Verhältnisse hörbar auszudrucken, so sucht es nach und nach auch die Sähe - und ihre Glieder zu verbinden, folglich Conjunctionen anzuwenden. Anfänglich freylich auch nur sehr einfach ; daher ist das und, die einfachste und natürlichste Verbindungsart, in den ältesten Sprachen, und in Adel. SO. Spr. U.V. N der 194 i. Th. 2. Abschn. n. Kap.' der Kindheit einer jeden, fast immer die einige Con- junction, wie unter cmhcm auch aus der Hebräischen Sprache erhellet. So wie sich ein Volk und dessen- Sprache verfeinem, so sucht man auch in die Verbindungsarten mehr Abwechselung und Mannigfaltigkeit zu bringen; daher häufen sich die Conjun- ctionen und ihre Bedeutungen. Da der Fortschritt der Cultur keine Gränzen kennet, und die zu Con- junctionen schicklichen Umstandswörter endlich erschöpft werden, so nimmt man dabey seine Zuflucht zu Zusammensetzungen und Nebeneinanderstellungen, und daher kommt es denn, daß oft zwey und drey Wörter den Begriff einer einigen Conjunctiv» erhalten. Ehe man noch dieses Mittel anwendet, nutzt man die einfachen Umstandswörter, sie mögen nun Wurzelwörter oder abgeleitet seyn, so lange als man kann, gibt ihnen in jedem Jahrhunderte, nachdem der immer abwechselnde herrschende Geist der Sprache es erfordert, andere Bedeutungen, und da diefeö nur nach und nach und in unmerklichen Stufen geschiehet, so werden die Nebenbegriffe, welche die Hauptbedeutungen der Conjunctionen erhalten, oft sehr zahlreich, und da sie Verhältnisse betreffen, welche oft nur noch dunkel empfunden werden, so lassen sie sich auch nicht allemahl durch andere Worte ausdrucken oder klar und deutlich machen. Daher sind in allen ausgebildeten Sprachen die meisten Conjunctionen in Ansehung ihrer vollständigen Bedeutungen der schwerste Redetheil, weil sie sich mit allen ihren Nebenbegriffen und Eintheilungen nur dunkel empfinden, folglich nur nach langer Übung erlernen lassen. Verzcichniß §. 544. Was jetzt gesagt worden, ließe sich auS derselben, Geschichte der Deutschen Sprache und dem Gan- ge ihrer Cultur von dem achten Jahrhunderte an sehr Von den Conjunctionen. §.544. 195 sehr leicht erweise», wenn es nöthig wäre. Fast jedes Umstandswort ist im Deutschen nach und nach als eine Conjunction gebraucht worden, und noch jetzt werden nach und nach welche dazu angewandt, welche vorher nicht üblich waren, und die vorhandenen nehmen nach und nach so viele Nebenbedeutungen an, daß man sie unmöglich alle auszählen und deutlich machen kann. Wer da weiß, daß die Verbindung der Sätze in jeder Sprache der Gewalt der Mode und dem immer abwechselnden Geschmacke am meisten ausgesetzt ist, wird sich darüber nicht wundern. Indessen lassen sie sich doch nach den vornehmsten Verhältnissen, welche sie bezeichnen, folglich nach ihren Hauptbedeutungen, in gewisse Classen theilen, welche man merken muß, weil im Folgenden die Bildung und Eintheilung der Säße davon abhangt. Ich will sie hier bloß nennen, weil ich in dem Syntaxe noch einmahl darauf kommen muß, wo von einer jeden umständlicher gehandelt werden wird. Man wiederhohle sich vorher den Begriff, daß die Conjunctionen Umstandswörter sind, welche das Verhältniß zwischen den Sätzen und ihren Gliedern bezeichen. Dieß voraus gesetzt, sind sie: l. Copulatlvä, verbindende, welche ein gleiches Verhältniß zwischen mehrern Gliedern eines Satzes und zwischen mehrern Sätzen bezeichnen, folglich sie auf die allereinfachste Art, welche ieine bloße Nebeneinanderstellung ist, verbinden. Dieses thun, aber freylich mit allerley Nebenbegriffen: und; auch; so wohl — als auch; nicht allein, nichr nur, — sondern auch; nicht wem? gcr; wie auch; wie — so; theils, — theils, welche doch richtiger zu den parcitiven gerechnet wird; aber. N? 2. Con- 196 i. Th. 2. Abschn. 11. Kap. 2. Continuativä, fortsetzende, welche eine Fortsetzung sowohl mehrerer Glieder eines Satzes, als auch mehrerer Satze bezeichnen. Sowohl mit dem Nebenbegriffe einer bestimmten Zahl: erstlich, erstens, zum ersten, zweitens, zum andern, drittens u. s. f. Als auch auf eine unbestimmtere Art:' ferner, ingleich?n, dann, über dieß, übrigens, end'ich, letztlich, le^rens, zuleyt, schließlich, das im gemeincn Leben übliche also. z. Circumscriptivci, umschreibende, dasjenige Verhältniß zu bezeichnen, nach welchem Vereine Saß, als das Subject oder als das Prädicat des andern dargestellet wird, als, noch mehr aber daß, z. B. daß du dich wohl befindest, ist mir angenehm, oder es ist mir angenehm, daß du dich wohl befindest. So viel ich weiß, ist Herr Rector kleiner der erste, welcher diesen Begriff der Conjunction daß deutlich gedacht und entwickelt hat. Sonst kannte man sie nicht anders als causal. 4. Conditionales, bedingelwe, das Verhältniß eines möglichen Erfolges unter einer Bedingung zu bezeichnen, da denn einige die Bedingung, andere den möglichen Erfolg begleiten: wenn oder wo, — so; wofern, dafern; wenn anders; wo nichc; sonst; falls oder im Lalle; da; dann nach dem wenn; denn; daß; doch; nur; so. 5. Diöjnncttvä , ausschließende, wenn mög. liche Fälle einander ausschließen: oder; entweder — oder. 6. Adversativci, entgegen setzende, unter meh. rern Dingen und Säßen einen dem andern entgegen zu setzen: sondern, aber, allein, doch, jedoch, Von den Conjunctionen. §. 544. 197 doch, dennoch, hingegen oder dagegen, vielmehr, vielweniger, anstarr oder statt, da. 7. Concessivci, die scheinbare Aufhebung zweyer Sätze zu verneinen: obgleich, obschon, obwohl, wiewohl, wenn gleich, wenn auch, wenn schon, zwar, wohl, ungeachtet, wie wohl, auch, dann, doch, so. 8. Causales, das Verhältniß der Ursache gegen die Wirkung, oder der Wirkung gegen die Ursache zu bezeichnen, folglich auf verschiedene Art: denn, weil, dieweil, das veraltete stntemahl, da — so, darum, daher, mithin, folglich, nun, demnach, also, so, daß, wie, aufdaß, als daß, damit, daß nicht, damit nicht, um, derhalben, deßhalb, indem, mithin, sonst. 9. Ez'planativä, erläuternde, wenn ein Saß die Erläuterung des andern ist, oder eine allgemein angegebene Sache näher bestimmt wird: oder, als, nähmlich, wie denn, zumahl da. 10. Comparative!, vergleichende, wenn entweder ein Satz ein sinnliches Bild enthält, oder überhaupt zwey Dinge mit einander verglichen werden: wie, gleichwie — so, als, gleich, gleich als, denn, als wenn. 11. Proportionales, wenn zwey Säße in gleichem Verhältnisse steigen und fallen: je — je; je — desto. 12. Intensivä, steigernde, wenn ein Saß ein erhöheteö oder vermindertes Verhältniß des andern enthält: desto, um so mehr, um so welliger, um so viel mehr, um so viel weniger. N ? iz. Con- » Z98 r.TH. 2.Abschn. n.Kap. IZ. Consecutl'vä, eine Zeitfosg-zu bezeichnen, wenn ein Ding oder der Ausspruch eines Satzes Smtt findet oder Statt gefunden hat; wieder auf verschiedene Art und mit verschiedenen Nebcnbestim- mungen: indem, während daß, indem daß, indessen, indessen daß, da, immmelst; dann, hernach; eher, ehe noch; als, nachdem; kaum; sobald, so bald als; seit, seitdem; bald, bald; jerzt — dann; wenn; weil, dieweil; dabey. 14. Illativä, folgernde, eine Folge, einen Schluß aus dem vorigen anzukündigen: daher, weßwegen, demnach, deßhalb, folglich, denn, doch, mithin, nun, so. 15. Exceptwä, ausnehmende, eine Ausnahme eines oder mehrerer von dem Ganzen zu bezeichnen : außer, außer daß, ausgenommen, sonst. 16. Restrictivci, einschränkende, einen Satz oder ein Ding auf einen Theil des Ganzen, oder auf ein besonderes Verhältniß desselben einzuschränken: als, denn, nur, so. 17. EMlslVä, ausschließende, eines oder mehrere Dinge von dem Umfange eines PrädicatcS oder von dem AuSspruchc eines SaßeS auSzuschlie^ ßen: weder-noch; nicht, niemahls - noch. 18. Partitivä, theilende, eine Einteilung zu .begleiten: entweder — oder; theils — theils. Gegenwärtige Einteilung ist bloß nach den herrschenden Verhältnissen oder Hauptbedeutungen gemacht. Wollte man sich auf die Abänderungen und 5!ebenbe0eutungen einlassen, so würden leicht noch Von den Conjunctionett. §. 544.' 199 noch mehrere Classen heraus gebracht werden können. Man siehet hieraus zugleich, theils daß eine und eben dieselbe Conjunction oft mehrere Arten von Verhältnissen bezeichnet, theils aber auch, daß viele nur die Verhältnisse mehrerer Säße gegen einander, andere aber auch die Verhältnisse der Glieder eines und eben desselben Satzes bezeichnen. Und, oder, theils, als, weder, noch u. s. f. können sowohl mehrere Glieder eines Satzes, als mehrere Sätze zusammen fügen, dagegen daß, aber, wenn, sondern, obgleich u. s. f. nur ganzen Sätzen zur Verbindung dienen. Ein mehre- res würde hier von den Csnjunctionen unnöthig seyn, indem von ihrer Bedeutung §. 754, von ihrem Gebrauche aber zu Bildung ganzer Sätze §. 817 umständlicher gehandelt werden wird. N 4 Zwölftes 2OO I. Th. 2.Abschtt. 12. Kap. > „ . >^ yj» « . . > . ., » Zwölftes Kapitel. Von den Interjectionen oder Empfindungswörtern. Inhalt. Erklärung derselben, Z. 545. Ausdrücke der innern Ein- Ihre Form, S. 546. pfindung, §, 548. Eintheilung derselben, z. 547. Der äußern, §. 549. ^ §. 545. Erklärung AH^ir kommen nunmehr zu der letzten Classe der derselben. Nedetheile, den Interjecrionen, welche nicht sowohl, wie die übrigen, Ausdrücke gewisser Begriffe, als vielmehr der Empfindungen als bloßer Empfindungen find, daher man sie auch füglich Ampsindungsrvörrer nennen kann, welcher Nahme ihrer Bestimmung vollkommen angemessen ist. Der von ältern Sprachlehrern ge-^ brauchte Nahmen ^rvischenroörrer ist eine buchstabliche Übersehung des Lateinischen Inrerjectio; beyde sind von einem bloß zufalligen Umstände hergenommen, der nicht einmahl bestandig ist, indem sie eben so oft zu Anfange und am Ende einer Rede, als in der Mitte stehen können und wirklich stehen. So wie die Sprache jetzt bey allen nur einiger Maßen gebildeten Völkern beschaffen ist, ist sie hörbarer Ausdruck unserer klaren Vorstellungen von den Dingen und dem was sich von ihnen sagen lässet. So wie die klaren Vorstellungen dunkele Begriffe oder bloße Empfindungen voraus setzen, aus weichen sie vermittelst minder dunkel oder klar gedachter Merkmahle entstehen: eben so setzen auch die Von den Interjectioneü. §.545. 201 die Wörter im engsten Verstände, so fern sie hörbare Ausdrücke klarer Vorstellungen sind, hörbare Ausdrücke dunkler Begriffe oder bloßer Empfindungen voraus, aus welchen durch klareres Bewußtseyn der Merkmahle Wörter und mit ihnen Sprache im heutigen Verstände, entstehen. Diese Ausdrücke bloßer Empfindungen als bloßer Empfindungen nun, sind die Imerjecrionen. Ich jage der Empfindungen als bloßer Empfindungen, damit man diese Art von Ausdrucken nicht mit den gleich lautenden Ausdrücken klarer Vorstellungen verwechsele. Ich will mich durch ein Beyspiel deutlicher machen. Ich höre einen heftigen laut gewisser Art, und drucke die Empfindung, welche derselbe in mir erwecket hat, durch die Nachahmung plarz! aus; plarz da fiel er hin! Hier ist dieses pwrz! weiter nichts, als der nachgeahmte Ausdruck dessen, was ich empfunden habe, folglich einer dunkelen Vorstellung, oder einer bloßen Empfindung als Empfindung; folglich eine Interjection. Aber eben dieser Ausdruck der Empfindung, eben diese Interjection, prägt sich zugleich tief in die Seele ein, und hilft mir diefen Laut, so oft er vorkommt, von allen übrigen lauten unterscheiden. Ich bekomme also einen klaren Begriff, und stelle mir den laut als ein für sich bestehendes Ding vor. Da aber die Sprache der Aufklärung des Begriffes nicht in allen Graden folgen kann, so sehe ich mich gsnöthiget, den ersten laut auch nach erhaltener klarer Vorstellung beyzubehalten, und so ist der plarz, d. i. diejenige Art des lautes, welche plarz! tönet, nicht mehr eine Interjection, weil sie die Empfindung nicht mehr als bloße Empfindung, sondern als emen klaren Begriff darstellet. N 5 Da 2O2 5. Th. 2. Abschn. II. Kap. Da vor klaren Vorstellungen nothwendig dunkele, das ist, bloße Empfindungen, vorher gehen müssen, so finden auch XVörter, d.i. Ausdrücke klarer Vorstellungen, schlechterdings nicht ohne In- terjecrionen oder Ausdrücke bloßer Empfindungen Statt. Die Jnterjectionen sind daher die Anfänge und Bestandtheile einer jeden Sprache, und sind daher nicht sowohl ein Redetheil, als vielmehr die erste Haupt-Classe der vernehmlichen Ausdrücke, welche die Empfindungen als bloße Empfindungen darstellet, dagegen die zweyte Haupt-Classe die eigentlichen lVörter, d. i. die vernehmlichen Ausdrücke klarer Vorstellungen in sich fasset, welche sich denn nach der Verschiedenheit dieser klaren Vorstellungen in die bekannten neun Redetheile theilen. Wenn man indessen die Ausdrücke 5Vort, Rede und Sprache in ihrem weitesten Umfange nimmt, und dadurch jeden vernehmlichen Ausdruck, ohne Rücksicht auf den Grad der Klarheit verstehet, so kann man die bisherige Gewohnheit, die Jnterjectionen als den letzten Redetheil zu betrachten, auch ohne Nachtheil beybehalten. Die Ursache aber, warum dieser Redetheil gerade die letzte und unterste Stelle erhalten hat, da er doch der erste und älteste ist, lieget theils in dem verworrenen Begriffe, welchen fast alle Sprachlehrer von demselben gehabt haben und Zum Theil noch haben, welches aus den seltsamen Erklärungen erhellet, die sie davon gegeben haben; theils aber auch in seiner Unfruchtbarkeit und geringem Gebrauche bey der jetzigen Verfassung der Rede, welche nicht mehr Ausdruck bloßer Empfindungen, sondern vielmehr klarer Vorstellungen ist, und nur noch selten Empfindungen als bloße Empfindungen ausdruckt. §. 546. Von den Jnterjectionett. §. 546 - 548. 20z §. 546. Hieraus erhellet zugleich, daß alle In- Jhre'Fornr. terjectionen eigentlich Wurzellaute oder Wurzelwörter seyn müssen, weil bey dem Ausdrucke einer bloßen Empfindung weder an Biegung, noch an Ableitung zu denken ist, welche Operationen insgesammt klare Vorstellungen voraus sehen. Und von der Art sind auch wirklich die allermeisten. Zusammensetzungen finden eher Statt, weil die Ausdrücke zweyer schnell auf einander folgender Empfindungen gar wohl in einen einigen Ausdruck zusammen siießen können, z. B. cyja, doch besser ey ja! heys sa! dolla! auweh! besser au weh! Freylich hat man auch Ausdrücke anderer Art, Empfindungen vernehmlich zu bezeichnen, z. B. wehe! wohl! frisch! ja ganze Redensarten, wollte Gott! behüte Gorr! Allein diese drucken nicht die Empfindung als bloße Empfindung, sondern einen klaren Begriff als Empfindung aus, oder vielmehr, sie machen die Empfindung durch klare Vorstellungen merklich. Sie können also nur in einer sehr weiten Bedeutung unter die Inter- jectionen gerechnet werden. §. 547. Unsere Empfindungen sind von gedop- Cinthei'- pelter Art, innere, wenn wir uns dessen bewußt ^ der- sind, was in uns selbst vorgehet, und äußere, wenn wir uns dessen, was an den Dingen außer uns vorgehet, bewußt sind. Eben so vielfach sind nun auch ihre Ausdrücke oder die Empfindungswörter, welche sich daher in zwey, obgleich sehr ungleiche Classen theilen, in die Ausdrücke der innern und äußern Empfindungen. §. 548. Die Ausdrücke der innern Empfindun- Ausdrücke gen sind weiter nichts als thierische Schälle, womit ^ der Mensch seine innern Emps'.ndungen als bloße "in- 204 I. Tl). 2. Absicht,. 12. Kap. Empfindungen seinem Geschlechte vernehmlich ausdruckt. Sie sind wieder so vielfach, als es innere Empfindungen gibt, welche in dem Menschen an und für sich betrachtet, und auch ohne Veranlassung der Dinge außer ihm Statt finden. Da dieser Empfindungen nur wenige sind, so sind auch die Empfindungswörter dieser Art der Zahl nach nur klein, besonders in den höhern Graden der Cultur, wo der Mensch selbst seine innern Empfindungen lieber als klare Vorstellungen auszudrucken pflegt, die höchsten Grade derselben ausgenommen, welche keine Klarheit in den Vorstellungen verstatten, daher die Empfindung hier noch immer in unarticu- lierte thierische Töne ausbricht. Dergleichen sind: i. der Freude, sowohl der gemäßigten, ah! ha! als der lärmenden, sa! hcy! heysa! und der ungesitteten und wilden, juch! juch hey! 2. Des Wohlgefallens, ey! z. Der Verwunderung, 0! ah! ey! 4. Der Klage, des Kummers, ach! ah! oh! 5. Des SchmerzenS, ach! weh! au! au weh! 6. Des Ekels und Abscheues, fi! pfui! 7. Des Rufes, Zurufes, he! holla! 8. Der geringen Verwunderung hum! eines stärkern Grades, ah! ho! 9. Eines Aufschlusses, haha! Man siehet hieraus, daß manche, z.B. ah! und ach! mehrere Arten von Empfindungen bezeichnen müssen; ein Beweis entweder von ihrer Dunkelheit, oder vielmehr von der Armuth des Menschen an thierischen Schällen. Eine jede Empfindung ist als Empfindung dunkel, diese innern aber sind von der Art, daß sie immer dunkel bleiben, und sich in ihnen nichts zur Klarheit und noch weniger zur Deutlichkeit bringen läßt. Von den Jnterjectionen. §.549. 205 läßt. Hieraus ist zugleich begreifflich, warum aus den Ausdrucken dieser innern Empfindungen nie eine Sprache im heutigen und vollständigen Verstände entstehen kann, weil diese Ausdrücke klarer Begriffe und Vorstellungen ist, Empfindungen dieser Art aber sich nie bis zur Klarheit entwickeln lassen. Von diesen Jnterjectionen gilt daher auch nicht, was vorhin von diesem Redetheile überhaupt gesagt worden, daß sie die Anfänge und der Grund der ganzen Sprache sind. Sie sind für die Sprache völlig todt und unfruchtbar, und könnte der Mensch keine andere, als diese Empfindungen ausdrücken, so würde er eben so wenig jemahls eine Sprache haben erfinden können, als die Thiere, welche diese Ausdrücke innerer Empfindungen mic ihm gemein haben. §. 549. Die Ausdrücke der äußern Empstndun- Und der gen bezeichnen einen von außen erhaltenen Eindruck"'^"' durch die Nachahmung. Da die Nachahmung hier bloß für das Gehör bestimmt ist, folglich in dem ähnlichen Ausdrucke des Hörbaren bestehet, so kann sie eigentlich auch keine andern Empfindungen ausdrucken, als welche auf das Gehör wirken; oder mit andern Worten, die Jnterjectionen können nichts hörbar ausdrucken, was nicht hörbar empfunden worden. Aber auf der andern Seite können sie auch olles hörbar ausdrucken, was sich nur hörbar empfinden läßt, weil der Mensch vermöge des Baues seiner Sprachwerkzeuge das Vermögen hat, alle vernehmliche und nur auf einige Art merklich von einander unterschiedene Töne nachzuahmen. Daher ist auch diefe Classe von Jnterjectionen ungleich zahlreicher, als die erste, Play, da lag er! husch, war er weg! rvisch, war er da! knacks, 2O6 I. Tl). 2. Abschtt. Z2. Kap. knacks, da brach es! er fiel in das N)asser, daß es sagte, plump! es machte, hurr! Diese äußern Empfindungen werden durch die Gegenstande außer uns, und durch das Mannigfaltige an ihnen erweckt, und sind ihrem ersten Eindrucke nach eben so dunkel, als die innern Empfindungen. Alleil,, da sie zugleich von der Art sind, daß sich an ihnen etwas Mannigfaltiges unterscheiden läßt, und die dem Menfchen vor allen Thieren eigene Fähigkeit eigentlich darin bestehet, dieses Mannigfaltige zu entdecken, eines von dem andern zu unterscheiden, und das schicklichste und am meisten hervor stechende davon als ein Merkmahl dessen, was den Eindruck gemacht, und die Empfindung veranlasset hat, heraus zu heben, es hörbar nachzuahmen, und dieses Merkmahl seiner Seele auf immer einzuprägen: so lassen sich diese Empfindungen auch zur Klarheit, und bey Häufung der Merkmahle ferner auch zur Deutlichkeit bringen. Und daher sind denn die Ausdrücke dieser Empfindungen auch geschickt, bey dem Fortschritte der Cultur Sprache iin heutigen engern Verstände zu bilden, deren erste Anfänge und Bestandtheile sie sind« Wie der menschliche Verstand dabey stufenweise zu Werke gegangen, nach dem Maße, wie sich feine Begriffe immer weiter aufgekläret, kann hier nicht gezeiget werden, weil es mich weiter führen würde, als es die Gränzen dieses Buches verstatten. Ich bemerke daher hier nur noch, daß zunächst und unmittelbar aus diesen Interjectionen alle einfylbige Adverbia, das ist, sowohl Umstands- als Beschaffenheitswörter entstanden sind, welche denn Von den Interjectionen. §.549.' 207 denn sehr oft auch der Nahme des empfundenen Dinges selbst geworden: knall! die Interjcction, der Anall das Substantivum. Gleichzeitig mit diesem bildete sich das irreguläre Verbum, sofern eS in seinem ältesten Zustande noch ohne alle Biegungssylben war; weit später, daö mehr reguläre, daher in sehr vielen die noch jetzt tönende Inter-, jection zum Grunde liegt: knall-en, prall-en, berst-en, brechsen, Hausen, flieh-en, beb-en, bick--en, bell-en, polt-ern, drar-en, blök-en, blaften, sprüh-en, statt--ern, und tausend andere mehr. Sprache im ersten und ursprünglichen Zustande ist hörbarer Ausdruck der äußern Empfindungen, oder der von außen erhaltenen Eindrücke; im heutigen Verstände vernehmlicher Ausdruck klarer Vorstellungen und Begriffe. Das sind zwey äußerste überaus weit von einander gelegene Gränzen, und der Mensch konnte von der ersten bis zur letzten nicht anders als sehr nach und nach und vermittelst unzähliger unmerklich von einander unterschiedener Stufen gelangen. Aber so viel ist gewiß, je mehr der Mensch bey dem Fortschritte der Cultur unvermerkt daran arbeitet, klare und deutliche Begriffe zu bekommen, und selbige hörbar auszudrucken, desto mehr entledigt er sich auch aller dieser Interjectionen, wenigstens als Interjectionen oder Ausdrücke bloßer Empfindungen, ob er sie gleich als Ausdrücke klarer Vorstellungen nicht entbehren kann, weil sie allein die Bestandtheile und der Stoff der Sprache sind. Hat eine Sprache den höchsten möglichen Grad der Ausbildung, Verfeinerung und Cultur erreicht, so wird sie auch den geringsten nur möglichen Grad des Gebrauches dieser 2O8 I. Tt). 2. Abschtt. 12. K. Von den Ittterj. ser Interjectionen haben, weil sie sich lieber nach klaren Begriffen, als nach dunkeln Empfindungen ausdruckt. Je unaufgeklärter, ungebildeter und sinnlicher aber noch die Denkungsart eines Volkes und einer Classe desselben ist, desto häufiger und zahlreicher ist auch der Gebrauch dieser Interjectionen und der unmittelbar von ihnen abgeleiteten Verborum. Den Beweis davon kann man täglich bey Kindern und in den niedrigern Classen des Volkes finden, welche noch immer so gern in Ono- matopöien reden. ? Dritter 2 - . . ,»»^ --.-. - .. . Dritter Abschnitt. Von der Composition oder Zusammen- setzung der Wörter. Erstes Kapitel. Erklärung und allgemeine Betrachtung derselben. Inhalt. Erklärung eines zusammen ge- Zustand des Grundwortes, setzten Wortes, §.M. §. Z55- Welche Wörter zusammen ge- Abweichende Zusammensetzung setzt werden können, L. 5Zi. gen, Z. 556. Absicht der Zusammensetzung, Trennung zusammen gesetzter 8. 552. Wörter, §. zz?. Bestimmte Stelle jedes Thei- Zusammensetzungen aus drey les, §. 55Z. und mehr Wörtern, §. 553. Fehlerhafte Zusammensetzung, Übergang der Ausammensetzung §. 554. in die Apposition, §. 559. §. 55S. dem vorigen zweyten Abschnitte sind die Wör- CrMrnng c^) ter als Theile der Rede für sich, und nach den derselben. Veränderungen, deren jede Art fähig ist, betrachtet worden; in dem gegenwärtigen Abschnitte sehen wir, wie zwey und mehr solcher Wörter in ein einiges zusammen gezogen werden, und dann erst können wir im folgenden vierten, oder in dem Syn- laxe,'die Verbindung mehrerer Wörter zu seiner verständlichen Rede lehren. Hierin liegt zugleich der Grund, warum ich der iehre von der Zusammensetzung die gegenwärtige Stelle angewiesen habe. Adel. D.Spr. U.V. O Von 2iO i.TH. z.Mschn. Zusammensetzung. Von der einen Seite betrachtet, gehöret sie zwar in den ersten Abschnitt von der-Blldung der Wörter, allein auf der andern Seite seht sie die ganze lehre von den Wörtern als Redetheilen voraus, und kann ohne dieselbe nicht gründlich und fruchtbar abgehandelt werden. Zugleich macht sie den Übergang des vorigen Abschnittes in den Syntax aus, und läßt sich daher am schicklichsten zwischen beyde einschalten. Diese lehre ist überaus wichtig, so wichtig als irgend eine andere, und verdienet daher allerdings eine Stelle in einer Deutschen Sprachlehre. Desto mehr ist zu verwundern, daß sie in allen unsern bisherigen Sprachlehren aus eine so unbegreiffliche Art vernachlässiget worden, daß der zusammen gesetzten Wörter kaum anders als im Vorbeygehen gedacht wird, wenigstens noch kein Sprachlehrer die Analogien, nach welchen diese Art Wörter gebildet worden, und nach welcher sie beurtheilet werden müssen, aufgesucht hat. Jedoch, die Verwunderung höret auf, so bald man nur den gewöhnlichen Gang unserer Sprachlehren kennet, welche insgesammt nach den lateinischen gemodelt sind. Nun war die Lateinische Sprache auch zur Zeit ihres größten Flores in Zusammensetzung der Wörter sehr eingeschränkt, und jetzt da sie als eine todte Sprache gelehret und erlernet wird, ist sie es noch mehr, so daß es jetzt noch weniger frey stehet, neue Wörter dieser Art zu bilden. Man konnte daher die Regeln, nach welchen die wenigen Wörter dieser Art gebildet worden, in den lateinischen Sprachlehren entbehren, weil sie doch nicht weiter angewandt werden können. Aber sehr fehlerhast war es, dieses auch auf die Deutsche Sprache anzuwenden, welche sich in diesem Stücke in einer ganz andern läge befindet, indem nicht allein i.Kap. Erklärung derselben. §.550. 2il lein eine reichliche Hälfte ihrer gangbaren Wörter zusammen gesetzt ist, sondern sie auch die Freyheit hat, taglich neue Zusammensetzungen zu machen. Es ist daher in einer Deutschen Sprachlehre unentbehrlich, nicht allein die Absicht und das Wesen dieses Versahrens anzugeben, sondern auch die Analogien aufzusuchen, nach welchen die Sprache bisher in diesem Stücke zu Werke gegangen ist, und welche auch bey neuen Wörtern dieser Art befolget werden müssen; zumahl da die Unkunde dieser Analogien täglich eine große Menge Mißgeburten dieser Art zur Welt bringt, welche dem Kenner das Lesen solcher Schriften, welche damit angefüllet sind, unausstehlich machen. Die Zusammensetzung oder Komposition verbindet zwey Wörter im engern Verstände, d. i» zwey Ausdrücke klarer Begriffe, mit einander zu einem und eben demselben Worte, und zwey auf solche Art verbundene.Wörter heißen ein zusammen ges serzres N>orc, oder ein Compositum. Ich sage zwey, denn ob es gleich genug Zusammensetzungen gibt, welche aus drey Wörtern bestehen, so sind sie doch nicht alle drey zu gleicher Zeit und auf einmahl zusammen gezogen worden, sondern zwey derselben sind schon vorher zusammen gesetzt gewesen, und können daher bey der neuen Zusammensetzung Nur als ein Wort betrachtet werden, z.B. Fastnacht-spiel, Feld ü postmeister.. Die Ursache wird §.558. erhellen. Alle Zusammensetzungen dieser Art also, welche unmittelbar drey einzele Wörter in ein einiges zusammen ziehen, sind verwerflich und der Analogie der Deutschen Sprache zuwider, z. B. Som- merrvltterungslauf, Hausverkaufgeld u> s. f. weil man von diesen dreytheiligen Zusammensetzungen nicht zwey Wörter als eines betrachten kann. O - Ich «IS i.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. Ich sagte, die Composition verbindet zwey N)öre cer, d. i. zwey Ausdrücke klarer Begriffe zu einem und eben demselben Worte. Hierdurch unterscheidet sich diese Art der Bildung sowohl von der Fles xion oder Biegung, als auch von der Ableitung. Die erste bezeichnet ein Verhältniß durch einen uns jetzt völlig dunkeln Wurzetlaut; die letzte knüpft einen Nebenbegriff an da6 Wort durch einen Wurzellaut, dessen Begriff oft gleichfalls nur dunkel gedacht werden kann, oft aber doch schon einen betrachtlichen Grad der Klarheit hat. Allein bey der Zusammensetzung ist der Begriff völlig klar, weil sonst eigentlich keine Zusammensetzung Stattfindet. Es erhellet hieraus, daß Biegung, Ableitung und Zusammensetzung bloß in den Graden der Klarheit verschieden sind, daher die beyden entgegen gesetzten Grade, die Biegung und Zusammensetzung niemahls streitig seyn können, wohl aber die zunächst an einander gränzenden Grade, weil der Übergang von einer Analogie zur andern immer durch sehr unmerkliche Stufen geschiehet. Ist die völlige Klarheit des Begriffes beyder zur Zusammensetzung bestimmten Theile der Probier-Stein der Zusammensetzung, und wenn diese es nicht ist, so wüßte ich nicht, was man sonst dafür annehmen wollte: so wird man bey manchen als Ableitungssylben angegebenen Wurzelwörtern zweifelhaft seyn, ob man sie nicht lieber zurZusainmensetzung zu rechnen habe, und ich gestehe gern, daß ich selbst manche bisher für abgeleitet gehaltene jetzt lieber für zusammen gesetzt erklaren würde. Dergleichen sind besonders die Vorsylben ver und zer, und die meisten Nachsylben, welche aus Wurzelwörtern bestehen, (S. §. 70.) besonders inn, haft, schaft und andere mehr, deren Bedeutung noch klar genug empfunden z.Kap. Erklärung derselben. §.550. 21z pfunden wird, daher sie auch ihren bestimmten Ton haben. Ich habe sie in dem ersten Theile dieses Werkes mit einigen neuern Sprachkennern zu den Ableitungssylben gerechnet; allein, da diese den Unterschied zwischen der Ableitung und Zusammensetzung nicht angegeben, und vielleicht selbst nur dunkel empfunden haben, so ist sie auch noch mancher Berichtigung fähig. Die Vorsylben er, ent oder em, ver und zer werden von ihnen um deßwillen zu den Ableitungssylben gerechnet, weil sie keinen eigenen Ton haben, sondern denselben auf das Verbum werfen. Der Ton hängt zwar freylich sonst von der Bestimmtheit des Begriffes, folglich auch von der Klarheit ab, allein die Partikeln oder Umstandswörter machen hier sehr viele Ausnahmen, z. B. durchlaufen, umgeben, überwinden, sich unrerrvinden, allhier, allezeit, bisher, hinab u. s. f. Siehe §. 585; daher der Ton hier keinen Entfcheidungögrund abgeben kann. Auch der veraltete Zustand eines Wortes außer der Zusammensetzung kann es nicht, weil er;, miß, un und ur für sich allein gleichfalls veraltet sind, aber um deßwillen noch von niemanden für Ableitungssylben ausgegeben worden. Was die Nachsylben inn, haft, schaft, thun» u. s. f. betrifft, so haben sie allerdings einen Ton, obgleich nur einen halben, der noch dazu erst in der Verlängerung des Wortes merklich wird, Bürgerinnen, musterhafte, Landschaften, Alterthümer. Indessen ist es doch ein Ton, und dieser ist zugleich ein Beweis, daß die Bedeutung des Wortes klar und bestimmt ist. AuS allem erhellet, was schon oben und an mehrern Orten dieses Lehrgebäudes bemerket worden, daß sich die Gränzeu, wo sich zwey Analogien sch^i- O z den, 2,4 5.TH. Z.Mschtt. Zusammensetzung.' den, nie mit völliger Gewißheit angeben lassen, weil die Sprache von einer zur andern nur in unmerk- lichen Graden fortschreitet, und dabey nur allein von dunkeler Empfindung der Analogie geleitet werden kann. Alle Sylben, welche wir jetzt als Ableitungssylben' kennen, waren ehedem als eigene Wörter gangbar, und hatten ihre, wenigstens gewisser Maßen, bestimmte Bedeutung, obgleich selbige vermuthlich auch damahls nur dunkel war, und dunkel seyn mußte. So wie sich die Sprache immer mehr nach klaren Begriffen ausbildete, entledigte sie sich nach und nach aller solchen Wörter , deren Bedeutung minder klar war, nur in der Zusammensetzung behielt man sie bey, weil sie hier schon allgemein gangbar waren, und der Gebrauch ihre Bedeutung hier mehr bestimmt hatte. So geriethen sie »ach und nach völlig in Vergessenheit, verloren, so wie sich ihr Begriff auch in der Zusummenseßung verdunkelte, nach und nach den Ton, und die mit ihnen verbundenen Wörter werden nicht mehr für zusammen gesetzt, sondern nur für abgeleitet gehalten. Die Ableitungslaute d, de, en, el, fr u. s. f. veralteten, weil sie nur sehr unbestimmt tönen, am ersten; später die bestimmtem „iß, er,sam, sal u.s.f. Hingegen sind haft, im,, heil, thum, schuft u.s.f. bestimmter, ihre Bedeutung ist minder dunkel, daher haben sie auch einen halben Ton, und stehen um deswillen zwischen den Ableitungssylben und Theilen der Zusammensetzung in der Mitte, zumahl da sie noch vor wenigen Jahrhunderten als eigens Wörter gangbar waren. Da die Sprache in der Cultur immer fortschreitet, so wird man nach ein Paar Jahrhunderten viele Wörter bloß für abgeleitet halten, welche wir jetzt mit Recht zu den zusammen gefetzten zählen. Man sehe zugleich, was §.4ZZ r.Kap. Erklärung derselben. §.551.552. 215 §. 4Z8 von den mit miß zusammen gesetzten Verbis gesagt worden. §. 551. Es kann daher ein jeder Ausdruck, wel- Welche cher einen klaren und bestimmten Begriff gewähret, Wörter Zu-, mit einem andern eben derselben Art, unter dm sammense- nöthigen Umständen, ein zusammen gesetztes Wort ^"^^ machen. Dahin gehören denn auch diejenigen, wel- nm. che außer der Zusammensetzung nicht mehr vorkommen, wenn nur ihre Bedeutung klar und bestimmt ist, wie erz, miß, un, ur, aber, für wiederum, after, u. a. m. §. 552. Durch die Zusammensetzung werden zwey Absicht tber Ausdrücke klarer Begriffe vereiniget, um sie nur Jusamme«- als einen einigen darzustellen. Diese Darstellung setzunz. zweyer Begriffe als eines einigen kann nur in so fern Statt finden, als der eine Begriff den andern näher bestimmt, da denn sowohl der bestimmende als der bestimmte zusammen genommen nur einen und eben denselben Begriff ausmache». Zwey bloß neben einander gestellte und in einem gleichen Verhältnisse stehende Begriffe, z. B. der Fürst Bischof, die Kaiserinn Röniginn, können daher keine Zusammensetzung ausmachen, weil kein Wort eigentlich das andere bestimmt, fondern beyde Wörter Prädicate eines und eben desselben Subjectes sind, daher man sie zur Bezeichnung der ausgelassenen Conjunction und zwar mit dem Bindczeichen verbinden kann, Fürst-Bischof, aber nicht als ein Wort zusammen ziehen dars, nicht Fürstbischof. S. §. 559. Dasjenige Wort, welches auf diese Art durch ein anderes bestimmt wird, heißt das Grundwort, dasjenige aber, welches dasselbe bestimmet, das Bestimmungswort. Da im Deutschen der Regel nach ein jedes bestimmendes Wort vor O 4 dem 216 I.TH. z.Abschn. ZusammensetzMg. dem bestimmten hergehet, so stehet auch in der Zu« sammensetzung das Bestimmungswort allemahl vor seinem Grundworts: Zlbendstern, ein Stern, welcher des Abends sichtbar ist, Arbeitshaus, ein Haus, worin gearbeitet wird, ankommen, an einen Ort kommen, rorhgelb, ein Gelb, welches in das Rothe fallt, ein röthlicheS Gelb, grüngelb, ein Gelb, welches in das Grtine fällt. Bestimmte §. 55?. Diese Regel, welche, so viel ich weiß> Stelle jedes ohne Ausnahme ist, erleichtert zugleich dieVerständ- Theiles. ljchtÄt eines zusammen gesetzten Wortes, indem der letzte Theil, als das Grundwort, allemal der allgemeine Claffennahme ist, welcher durch den er- sten Theil oder das Bestimmungswort individueller gemacht wird. Es erhellet daraus zugleich, daß es nichts weniger als gleichgültig ist, welche Stelle ein Wort in der Zusammensetzung erhalt, indem ein ganz anderer Begriff entstehet, wenn es das Grundwort ist, als wenn es bloß bestimmet. Die Sache redet selbst, aber zum Überflüsse mögen hier ein Paar Beyspiele stehen, aus welchen hinlänglich erhellet, wie sehr die Stelle den Begriff verändert. Amroborhe und Bochenamt. Amtspflege und Pflegeamt. Amtsrichter und Richteramr. Amrestadt und Sradramr. Apfelbaum und Baumapfel, zum Unterschiede von dem Erdapfel u. s. f. Arbeitshaus und Hausarbeit. Bauerholz und Holzbauer. Bauerhof und Hofbauer. Bauhof und Hofbau. Bauholz und Holzbau. Kaufeld und Feldbau. Baum- i. Kap. Erklärung derselben. §.55?. 217 Baumfchlag, bey den Mahlern, und Schlagbaun?. Baumnuß und Nußbaum. Baumöhl und Öhlbaum. Baumpappel und Pappelbaum. Daumhebe, ein Werkzeug, große Bäume'auf den Wagen zu heben, und Hebebaum. Daumleiter und Leitcrbaum. Baummast, zum Unterschiede von der Erd, mast, Srallmast u. s. f. und Mastbaum. Beinmark und Markbein. Beinschiene, der Wundarzte, und Schienbein. Bcrgdiftel und Distelberg. Bergfeuer und Fcuerberg. Berggras und Graoberg. Dergöbl und Öhlberg. Bcrgrvein und tVeinberg. Bettstroh und Strohbett. Beurelgeld, der Müller, und Geldbeutel. Dienengarten und Gartenbiene. Bienenrvald und lValdbiene. Bier-Bomeille und Bouteillen-Bier. Bierfaß und Faßbier. Blätterkohl, eineArtKohles, undRohlblätter. Blätcerblume, kK>IIantKu8 Lm??. und Blumenblätter. Blaubeere und Beerblau. Bleyform und Formbley. Bleyrvurf, das Auswerfen des iothbleyes auf den Schiffen, und das lVurfbley, das ioth- bley selbst. Blickfilber, auf den Schmelzherden, und Silberblick. Blumenfeld und Feldblume. O 5 Dock- 218 r.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. Dockhirsch, eine Art Hirsche, und Hirschboc?, der männlische Hirsch. Vocd'stein, eine Art Steine, und Sreinboct. Vodenhol; und Holzboden. Drerspiel und Gpielbret. Vriefgeld und Geldbrief. Vriefrvechfel und N)echselbrief. Druchstein und Steinbruch. Brunfcbirsch, em Hirsch, welcher in derBrunft ist, und Hirschbrunst, der Zustand und die Zeit, da die Hirsche brunften. Düchftngeld und Geldbüchse. Düchjeittuge! und Rugelbüchse. Butterfaß und Laßbutter. Dachschiefer und Schieferdach. Dachschindel und Schindeldach. Dachziegel und Ziegeldach. Dienstzroang und Zrvangdienst. Dorfgerichr und Gerichrsdorf. Drahrgircer und Gitterdrahc. Dr^brsilber und Silberdrahr. Ladensilbcr und Silbcrfaden. Fensterglas und Glaofenster. Feuerflamme und Flammenfeuer. Lilzbuc und Hurfilz. Rachhaus und Hausrach. Und hundert andere mehr. Einige wenige werde« auf beyderley Art gebraucht, wenn nähmlich der Begriff keine merkliche Veränderung erleidet, ein Wort mag das bestimmende oder das bestimmte seyn, welches doch nur selten Statt findet. So sagt man für Sturmwind und XVirbelrvind in manchen Gegenden ohne merklichen Unterschied der Bedeutung lVindsturm und N>indwirbel. Auch für Ws Steylsch der Schiffer ist oft Lochbley üblich. §. 554. i. Kap. Erklärung derselben. §.554. 219 §. 554. Au6 dem, was bisher gesagt worden, Fehlerhafte erhellet nun: Zusammen- 1. Daß jedes zusammen gesetztes Wort aus fttzungen. nicht mehr als zwey Theilen bestehet, dem bestimmten und dem bestimmenden, und daß daher jede auch aus mehr als zwey Wörtern bestehende Zusammensetzung doch nicht anders als zmeytheilig angesehen werden könne und müsse: Berg - hauprmann, Land - jägermeifter, Gold s bergroerk, Leids zeugmeifter, Aron-feldherr, Hofgerichtöböthe, Himmclfahrts-fej?, Kaufmanns-bursch, Nreisssteuereinnehmer, Kopfsteuer - einnehs mer^ wo immer ein Theil als ein ganzer vollstän-. diger Begriff angesehen wird, er mag nun bestimmen oder bestimmt werden. Alle Zusammensetzungen sind daher fehlerhaft, wenn z. B. der bestimmende Theil nicht auf das Ganze, sondern nur auf einen Theil des bestimmten gehet, z. B. ^Vollen- zeugweber, welches, da lVollenzeug nicht als ein zusammen gesetztes Wort bekannt ist, nichts andeuten kann, als einen Zeugweber von Wolle. So find auch Großuhrmacher, Aleinuhrmacher, um deßwillen fehlerhaft, weil groß und klein hier eigentlich bestimmen und Uhrmacher der bestimmte Theil ist, daher sie der Analogie der Sprache nach ^ einen ganz andern Verstand geben, als man damit verbunden haben will, nqhmlich jemanden der gros ße Uhren oder kleine Uhren macht. Im gemeinen teben wird man eine Menge solcher sprachwidriger Zusammensetzungen antreffen. Eben um deswillen können auch ganze im Infinitiv siehende Redensarten, wenn sie gleich den Artikel vor sich haben, und «tö ein selbständiges Ding behandelt werden, nicht als Zusammen gesetzte Wörter geschrieben werden : das hin und wieder gehen, das durch die Lins ?2., fürLorbeere,Nachbar, drvms, drin, für daraus, darin, Drittel, Viertel, Fünfte!, fo fern man sie als zusammen gezogen aus dritte Theil u. f. f. anflehet, obgleich die letzte Hälfte wahrscheinlicher die 'Ableitungssylbe el ist. Hingegen haben andere die völlige Gestalt eines zusammen gefetzten Wortes, ob sie gleich nur abgeleitet sind: Arbeit für Arbde, Armuth, Heu- rach und Zierach, für Armde, Heurdc, Zierde, das Oberdeutsche Hemarh, (Gricch. ,^«7-/ov.) für Hemd, weiland Heiland für rveilcnd, Heilend; Eichhorn, vermuthlich für Geher, Niederf. noch jetzt im Diminutivo Bcherchen. Man hüte sich übrigens, die aus fremden Sprachen entlehnten, und Deutschen Zusammensetzungen ähnlichen Wörter, für solche anzusehen, und ihre Bedeutung'nach den Regeln der Zusammensetzung bestimmen zu wollen; wohin auch diejenigen gehören, welche buchstäblich nach dem Lateinischen übersetzt sind. Von beyden Arten nur einige zum Beyspiel. Abenteuer, von dem Franz. ^vcmure, und mittlern Latein, evemurg. Aberraute, von gbrotgmim. Abthott, von aciiantuin. Ahorn, von -icer. Armbrust, von grbglillg. AschltMch, von Mum glcglonicum, Värrvinr'el, eine Pflanze, von pervinca.' Barmherzig, ehedem nur armherzig, buch» stablich nach dem Lat. misencor-i übersetzt. Daumbaft, eine Art Zeuges, von bombax. Adel.D.Spr.ii.L. P Der- 226 l.TH. z.Abschtt. ZusaMMNsetzung. Bertram, eine Pflanze, von p^trum. VlanLscheit, von dem Franz. ^janclietts. Eidechse, von «H-^ Fiac'ter, nicht Viehacker, von dem Nahmen des heil, ^iä^^ dem Schutzheiligen deriohn- kutscher in Frankreich. Lischband, bey den Schlössern, eine Art der Thürbänder, von dem Franz. l^ic^e. Lüllmund, im Bauen, von dem mittlern Latein. ?ullmcntuin, kulcimeutum. Lundschoß, von ^un6u«, daher nicht Pfund- schoß, sondern richtiger Fund - Schoß, weil es so viel als Grundjchoß bedeutet, und andere dieser Art mehr. Die thörichte Gewohnheit, nach bloßen Ähnlichkeiten des Klanges zu etymologisieren, und al'e übrige Hülfsmittel dabey zu vernachlässigen, hat tausend ungereimte Ableitungen in allen Sprachen, und besonders in der Deutschen erzeuget. Der Ursprung eines Wortes, welches nur einiger Maßen als ein Kunstwort betrachtet werden kann, läßt sich nicht allemahl aus dem Worte selbst ausfindig machen, sondern man muß die Geschichte der dadurch bezeichneten Sache mit zu Hülfe nehmen. Wenn man z. B. weiß, daß die Lijch-Vänder der Schlösser eine Französische Erfindung sind, daß derFundscdoß am ersten in dem südlichsten Deutschlande, welches ehedem unter Römischer Herrschaft stand, und zwar sehr frühe üblich gewesen, daß die Arnwruft eine ausländische Erfindung ist, welche wie so viele andere ihren Nahmen mit nach Deutichland gebracht u. s. f. so wird man aus diesen Umstanden schon einen fremden Ursprung der Wörter vermuthen können, und ihn, wenn man aus diesem Wege fortgehet, gewiß finden. §. 557. r.Kap. Erklärung derselben. §.557-558. 227 §. 557» Da manche Zusammen gesetzte Wörter Trennung Zn gewissen Fällen wieder getrennet werden müssen, der zus.nn. so kann man die Zusammensetzung überhaupt in "^''^^ üchte und unächre Zusammensetzungen eintheilen. ^" ' °' Die ächte Zusammensetzung ist auf immer zusammen gesetzt, und läßt sich nie wieder trennen. Nicht so die unächte, welche in manchen Fällen wieder aufgelöset werden muß. Zu der letztem Art gehören: 1. Alle mit trennbaren Partikeln zusammen gesetzte Verba, z. B. fortgehen, aber ich gehe fort. S. §. 4?9, wo davon schön umständlich gehandelt worden. 2. Einige Umstandswörter: er ging vorher, aber er ging vor mir her' anstatt zu essen schlief er, aber an meine Starr, an des Äxönigcs Statt; um deinetwillen, aber um dein selbst willen; obgleich, obfchon, aber ob ich gleich weiß. Die Ursache ist bereits bey den zusammen gesetzten Verbis angegeben worden. Die Sprache thut in keiner Sache einen Sprung. Alle diese unächten Zusammensetzungen sind erst auf dem Wege, zusammen gesetzte Wörter zu werden, daher sie noch immer aus zweyerley Art gebraucht werden, weil der Übergang von einer Analogie zur andern nur sehr langsam, und in unmerklichen Graden geschiehet. §. 558. Ein jedes zusammen gesetztes Wort be- Vielfache siehet aus nicht mehr als zwey Theilen, dem bestim- Zusammen- wenden und dem bestimmten. Allein jeder dersel- ^' ben kann wieder zusammen gesetzt seyn, folglich sind Zusammensetzungen möglich, welche aus drey und vier Wörtern bestehen: Fastnachrspiel, ^Lrzbose-- rvicht, unaussprechlich, lVeihnachrsfeyeL- erg - Ober - Ge- schrvorner, wo sich die einzelen Begriffe leicht übersehen und verbinden lassen. Doch davon in der Orthographie. Die vorgegebene Kürze kann die willkührliche Zusammensetzung langer Wörter nicht entschul- i.Kap. Erklärung derselben. §.558.559. 229 entschuldigen, weil die Kürze nur ein sehr Nachgeordneter Endzweck ist, welcher nur Statt findet, wenn die Verständlichkeit und der gute Geschmack nicht beleidiget werden. Eben so wenig kann die Griechische Sprache, welche hierin noch weiter gehet, zum Muster dienen, weil man von dem Eigenthümlichen einer Sprache, auf die Eigenheiten einer andern nicht schließen kann, zumahl wenn die wesentlichen Grundsätze beyder so verschieden sind, als hier sehr leicht erwiesen werden könnte, wenn ich nicht zu weitläufig zu werden befürchtete. Die Freyheit der Deutschen Sprache, ein be- stimmendes Wort mit dem bestimmten zusammen zu setzen, erstreckt sich auch auf die Wörter fremder Sprachen, so fern sie, wenigstens das bestimmende, nur einiger Maßen ein Deutsches Ansehen haben, welche daher sowohl mit Deutschen Wörtern, als unter sich zusammen gesetzt werden können. Mit Deutschen Wörtern: Berg-Collegium, Audienz- Saal, Justiz - N)esen, Transport-Schiffe. Unter sich: Finanz - Collegium, Inrelligcnz- Lomroir, Commerzien-Deputation. Sowohl die Verständlichkeit, als der gute Geschmack, haben seit undenklichen Zeiten das Gesetz gemacht, solche Wörter nie zusammen zu ziehen, sondern sie mit dem Bindezeichen zu schreiben. Siehe die Orthographie. ^ §. 559. Man verwechsele die Zusammensetzung M über- nicht mit einer Art der Apposition, wenn zwey in -i-ing in die Apposition stehende Substantive, wenn sie einen Apposition, gemeinschaftlichen Artikel haben, oder die Conjun- ction und ausgelassen wird, vermittelst des Bindestriches vereiniget werden: der Fürst-Bischof von Vamberg, die ^aiftrii!!!-Königinn; wo P z das SZO I. Th. ?. Abschn. Zusammensetzung!t." das erste Wort keine Bestimmung des letztem enthält, sondern beyde in einem gleichen Verhältnisse stehen. In den CasibuS obliquis müssen daher auch beyde Wörter gebogen werden: des Fürsten- Bischofes, nicht des Fürst-Bischofes. Eben so können auch Beschaffenheitswörter und Adjective in Apposition stehen: kaiserlich - königlich, bey welchen aber nur das letzte gebogen werden dars, weil sie allemahl einerley Biegungssylbe haben: die kaiserlich-königlichen Gerechtsame. Ja oft verlieret das erste auch die gleichlautende Ableitungssylbe: fürst-bisichösiich, freund-brüderlich. Dergleichen Wörter als zusammen gesetzte zu schreiben, verrath sehr schlechte Kenntniß der Sprache und ihres Baues. Auf eben dieselbe Art pflegt man auch von zwey und mehr zusammengesetzten Substantiven, wenn sie einerley bestimmtes Wort haben, und durch eins Verbindende oder ausschließende Partikel verknüpft sind, zur Vermeidung des Gleichklangeö das bestimmte Wort an dem ersten wegzulassen, und dafür das Bindezeichen zu setzen: (!)rrs - und L.andes-- ncchmen, weder Stadt - noch Grcs- noch Lan- desnahmen. So auch mit Beschaffenheitswörtern : gram und sorgenfrey. Zweytes 2zr -^^ü Zweytes Kapitel. Arten der zusammen gesetzten Wörter. Inhalt. Allgemeine Emtheilung derselben , Z. 560. I. Zusammensetzung des Sub- stmirives, §. 561-572. 1. Mit einem andern Substantive , Z. 561 - 56z. Bedeutung solcher Wörter, §. 561. 562. Veränderung des bestimmenden, §.563-565. S. Mit einem Adjective oder vielmehr Beschassenheits- wortc, Z. 566. 567. , Z. Mit einem Verbo, S.56Y. S?o. 4. Mit einem UmstandS- wvrte, Z. 5?r« 5. Neue Substantiv« Mch die Zusammensetzung, §. 5?2. II. Zusammensetzung der pro» nominum, 8 5?Z. III. Der BcschaffenheitswSr« ter und Adjective, L.574- 5?6. 1. Mit einem Substantive, §. 574- 2. Mit einem andern Be- schaffcnheitswortc, §. 57?° Z. Mit einem Verbo und Umstandsworts, §.5?6. IV. Ausammensctzung des Verbi und der Umstandswörter, z. 5??. §. 560. die Zusammensetzung das bestimmende Wort Allgcmci- r^-^ mit seinem bestimmten zusammen ziehet, so «e EintheU gibt es auch so viele Arten zusammen gesetzter Wör- ^ ter, als sich Redetheile mit ihren Bestimmungswör- tern zusammen sehen lassen. Das Substantiv kann mit einem andern Substantive, mit einem Adjective oder vielmehr mit einem Beschaffenheitsworte, zuweilen, obgleich nur selten, mit einem Pronomine, noch häufiger aber mit einem Verbo und Umstandsworts zusammen gesetzet werden; das Pronomen nur allein mit sich selbst; das Be- schaffenheitswst'r, folglich auch das parcici- P 4 pillin, 2Z2 i. Th. z. Abschn. Zusammensetzung. pium, mit einem Substantive, mit einem Verbo, mit einem andern Beschaffenheitsworte, und mit einem Umstandsrvorte; das Verbum sowohl mit einem Substantive, als mit einem Umstandö- und Befthaffenheitsworte; das Umstandswort, sowohl mit sich selbst, als auch mit Pronominibus. Daß das Adjectiv als Adjectiv, d.i. mit seinen Con- . cretions-und Declinations-lauten zur Zusammensetzung ungeschickt ist, wird aus dem folgenden erhellen. I. Zusammensetzung des Substantives. ?. Mit sich §. 561. Zwey Substantive können nach den ali- selbsr. Be- gemeinen Grundgesetzen der Zusammensetzung nur deittung. alsdann zusammen gesetzet werden, wenn das erste den allgemeinen Begriff des letztern naher bestimmt. Das bestimmende^bezeichnet alsdann: 1. Den Gegenstand, auf welchen der Begriff des bestimmten eingeschränket werden soll: Aalfang, Zeitvertreib, Vacermord, Gottesfurcht, Schuhmacher, Uhrmacher. 2. Die Bestimmung, die Absicht des bestimmten : Halstuch, Meinberg, Hopfengarten, Bierglas, Ghlfaß, Dachschiefer, Büchersaal. z. Das Ganze, dessen Theil das bestimmte ist: Halisrhin-, LAefscrspicze, Pferdehuf, Tisch-- dlatt, Dachfenster. 4. Den Ort, wo sich der Begriff des bestimmten befindet: Zahnschmerz, Hsfprediger, A)aj- fergervächs, Maldbaum, Sumpfvögel, Ach- felader, Franken - 5Vein. 5. Den Besitzer: Rathsgüter, Richteramt, Aammeramc, Dorfsiur, Mndestheil. 6. Eine 2. Kap. Arten derselben. §. 562. 2zz 5. Eine Ähnlichkeit: Bandwurm, Habichtsnase, Meifterjereich, Bubenstück, Hornwerk, Z>.reiu?weg, Fadensttber, Feuerfarbe. 7. Die Materie: Marmorwand, Sandstein, Steinplatte, Goldmünze, V.upscrgeld, . Bierhefen, Süberdrahr, Lilzhur. 8. Die Zeit: Tagearbeit, Nachtwächter, Abendessen, Abendstern, Mirragsglocke, Früh- lings-Lur. 9. Ein Werkzeug: Schwertstreich, Lederstrich, Handarbeit, Fußtritt, Augenblick. Und ähnliche Bestimmungen mehr. §. 562. Da viele solcher Bestimmungen außer Fort-' der Zusammensetzung durch den Genitiv des besinn- ^""8 menden Wortes ausgedruckt werden, so lässet sich dieses auch sehr oft durch den Genitiv erklären: Vacerherz, das Herz eines Varers, Z^ichteramt, das Amt eines Richters, Zahnschmerz, Schmerz der Zähne oder des Zahnes. Allein freylich nicht allemahl, fondern oft durch den Accusativ, wenn das bestimmte Wort von einem Activo abgeleitet ist: V.ammmacher, der Kämme macht, Steinschneider, der Steine schneidet, Wollspinner, der Wolle spinnet. Oft muß dessen Begriff durch eine Präposition aufgelöset werden: Sammtkleid, ein Kleid von Sammet, Steinplatte, eine Platte von Stein, Straßenraub, Raub auf der Straße, Gnadenwahl, eine Wahl aus Gnade, B.irch- gang, Gang zur Kirche; wo der Genitiv einen ganz falschen Begriff gewähren würde. Eben so oft muß der Begriff durch ein Verbum ergänzet werden: Apfelbaum, ein Baum der Äpfel träget, Hülfsmittel, ein Mittel zu helfen, welches hilft; und nicht selten wohl gar durch dessen Passivum 5 P 5 Druck-- TZ4 i. Th. ?. Abschn. Zusammensetzung. Druckorr, der Ort.. wo ein Buch gedruckt worden. Allein, weil die Bedeutung hierzu elliptisch ist, so sin-) dergleichen Zusammensetzungen eben nicht die besten, wenigstens nicht willkührlich zu vermehren. Horm des §> 56Z. Das bestimmte Wort oder das Grund- Nchlm- wort bleibt dabey in allen Fallen unverändert; nur mungs- jn Ansehung des Bestimmungswortes folgen die wertes. Deutschen sehr verschiedenen Analogien, welche sich auf zwey Hauptfalle zurück bringen lassen. Nach dem einen wird das bestimmende Substantiv ohne Biegung dem bestimmten angehängt, nach dem zweyten aber wird es gebogen, und dabey entweder in den Genitiv des Singulars oder auch in den Nominativ des Plurals gesetzt. Analogie, das Bestimmungswort bleibe in allen Fallen unverändert. Eigentlich scheinet dieses die älteste Art der Zusammensetzung zu seyn, und vielleicht hat sie anfänglich zunächst alsdann Statt gefunden, wenn das Bestimmungswort durch den Accusativ oder auch durch eine Präposition erkläret werden muß: Uhrmacher, welcher Uhren macht, Gdstkammer, eine Kammer für das Obst, Tucbrock, ein Rock von Tuch. Nach welcher Analogie auch noch jetzt neue Zusammensetzungen dieser Art in dem eben gedachten Falle gemacht werden. Allein, da diese Analogie nur dunkel empfunden ward, so ward sie auch sehr häufig auf solche Fälle angewandt, wo der Genitiv des Bestimmungswertes unläugbar ist, die Leuerßamme, Flamme des Feuers, Vatermörder, der Mörder eines Vaters. Besonders wenn sich das Bestimmungswort auf ein s endigt, in welchem Falls der Genitiv auf s eine Härte machen würde: Hausverkauf, Halemch. Doch dem sey wie ihm 2. Kap. Arten derselben. §. 563. 235 ihm wolle, so folgen dieser Analogie: Amtmann, Thurmbau, Thurmfpiye, Blurader, Bluthund, Apfelbaum, Dachfchiefer, Dachziegel, Dorfgerichr, Dornrofe, Lilzhur, Zeitvertreib, Eseltreiber, Hopfengarten, Weinglas, L.obs gedicht, Meisterstreich, Vacerherz, Fifchbein, Landstreicher, Nachtwächter, Abe..dstern, Grundsuppe, Geldstrafe, Handhabe, Jahrmarkt, Ropfrveh, Herzblatt, Rindbett, und viele hundert andere mehr. Das mildernde e der männlichen und fachlichen Wörter gehet dabey verloren: Endsylbe, Endreim, Erbrheil, Erbfolge, Endzweck; besonders wenn ein Vocal folget: Augapfel, Tagarbeit. Aber oft bleibet e6 auch: Tage reife, Ta- gclohn, Friedefürst, Lriedepfennig. Und wird zuweilen eingefchoben, Hagedorn, von Hag. Ein gleiches Schicksal hat das weibliche e weiblicher Wörter, welches als ein Biegungslaut gemeiniglich weggeworfen wird: Durchgang,'^xirch-- rveihe, N>ertlauf, Sonntag, XVundarzr, N)undroafser,Bahrrechr, Dü'uhknofpe, Lcich- bcgängniß, Rirfchbaum, Brachvogel, Brachkäfer, Bußgeberh, Bußrag, Büßlied, Eckhaus, Eckstein, Ehrbegierde, Ehrfurcht, Ehrgeiy, Erdapfel, Erdbeben, Fährmann, Floßhaken, Aschkuchen, Birkhuhn, Lahnjun-- ker, Fahnfchmid u. f. f. Oft aber auch bleibt es, besonders wenn es zugleich die Stelle des mildernden e vertritt: Alagelied, Ärndefest, ^rnde- kranz, Ärndemonach, Ehefrau, Ehemann, Ehestand, Lehdebrief. 2. Analogie, das Bestimmungswort werde gebogen, und bezeichne sowohl denCasum als dieZahl. a. Es 2)6 l.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. ^ a. Es bezeichne den Casum, doch nur den Genitiv in der Einheit. Eigentlich sollte diese Bezeichnung nur alsdann Statt finden, wenn da6 Bestimmungswort ein solches Verhältniß bezeichnet, welches auch außer der Zusammensetzung den Genitiv erfordert; allein die Beyspiele zeigen, daß man diese Analogie nicht allemahl deutlich genug empfunden, daher diese Form oft angewandt wird, wenn gleich das Bestimmungswort durch den Accusativ oder durch eine Präposition aufgelöset werden muß. Die männlichen und sächlichen Wörter behalten dabey ihren gewöhnlichen Genitiv auf es oder s, en und ms. Den vollständigen auf es nur einige wenige, welche vermuthlich auch neuern Ursprunges sind: Bundeslade, Bundesbruch, Landes- nähme, Geisteskraft, L,eibeserben, Todesnoth, Auzdrstheil, Gottesdienst, Gottesfurcht u.s. f. Den kürzern auf s weit mehrere: Aönigsmord, Huugersuoch, Blutsfreund, Eselsohr, Habichtsnase, Himmeislichr, Monachsrose, ^1 nc-- tagsbror, Mondsrvandelung, Schalksauge u. s. f. Den Genitiv auf en: Bubenstück, Hrr- renstab, Heldenmut!,), Affenliebe, Bären- fchmal;, Borheniohn , Drachenblut, We- phamenzahn, LalLenbeiye. Den Genitiv auf cns: Lriedensfest, Friedensschluß, Herzensangst, Giaubenshc!d,'lVillensn?elnung, Nah- ine^stag. Welchen Genitiv doch keine bekommen können, welche ihn nicht hergebracht haben: Narrenpossen, nicht Narrenspossen. Dagegen manche, welche jetzt im Hochdeutschen ens haben, in der Zusammensetzung den alten Genitiv auf en behalten : Samenkorn, und alle übrige mit diesem Worte, die Schadenfreude, Nahmen-Christ. 2. Kap. Arte» derselben. §. 56z. 2Z7 Da die weiblichen Wörter der heutigen Declination nach keinen Genitiv in der Einheit bezeich. nen können, so wird derselbe in der Zusammensetzung durch zwey alte Formen bezeichnet. 1. Die auf ein e nehmen noch ein n an, und bezeichnen folglich den Genitiv durch die alte weibliche Bie- gungssylbe en, Ehrenschander, wie man wohl noch sagt, Iönig der Ehren: Freudenfest, Soi.nenftaub, Höllenfahrt, Düchsenschloß, Ameisenhaufen, und alle Zusammensetzungen mit Äme, Zische, Achse, Ähre, Dohne, Binse, Dirke, Blase, Blume, Biene, Brille, Brücke. Decke, Lichte, Flamme, Flasche, Fliege, Llinre, Flocke, Llöce, Freude u. s. f. wo doch in vielen dieses en auch die BiegungSsnlbe des Plurals senn kann und oft wirklich ist. Dieser Analogie folgen auch die Zusammensetzungen mit Frau: Frauenader, —bild, —bruder, —eis, -glas, — daar, —münze, —schneider, —fpiegel, — si>.. -), — zimmeru. s.s. inchtFrauens-schnei- der, Frauenbbild, Frauensftand, wie wohl in Nieversachsen üblich ist. 2. Die sich aus einen Hauptlaut endigen, bekommen, wenn sie den Genitiv bezeichnen sollen, das s, den alten ursprünglichen Biegungslaut des Genitives, der aber für die weiblichen Wörter außer der Zusammensetzung schon vor allem Anfange der Cultur veraltet seyn muß, weil sich auch in den ältesten Denkmahlen keine Spur mehr davon findet: Arbeitshaus, Achts- erklärung, Andachrsübung, Geburtstag, Gc- burcshülfe, Geburrsschmerzen, Dereinigungs- fuchr, Hülfsmittel, Zeitungsleftr u. s. f. wohin besonders die Verbalia auf ung gehören. b. Es bezeichne den Plural, wenn der Verstand ihn erfordert; nach welcher Analogie es denn Znsam- 2ZZ i.Tl). z.Abschn. Zusantmensetzullg. Zusammensetzungen mit Pluralen aller Art gibt. Mit Pluralen auf e, welche doch oft niedrig sind, Schweinefleisch, Schwelnestall, (anständiger Schweinflcisch, Schweinstall,) pferdevörlei^ her,Pferdcarzc,Hu!ldcbrot,Hundegeld, Hundes schlag, Hundesteuer, Hundezahn, besser Hundszahn. Mit männlichen und fachlichen Pluralen auf >» und en: ITlahmenregister, Augentrost, Zlugen- rveid^Gelchrtengeschichr^Armenhaus^ran-- kenwärter, Bochenmcister, Bullenbeisser. Ingleichen auf er: Eyerkuchen, Eperdotrer, Bilderbuch, Biiderbibel, Bilderschrift, Bläc- terschwamm, Bücherbret, Büchersaal, Am- verjähre, Zxindermutter, N?eiberlist, Scheiterhaufen. Mit weiblichen Pluralen auf en: Bürstenbinder, Dockenmacher, Sündenregi? ster u. s. f. Angleichen auf e: Bürgemeister, von Burg, im Plural die Bürge, Latein, ehedem ^lsZilter civitstiü; so fern es aber von Bürger abstammen und so viel als daS iat. K-lsMer eivium bedeuten soll, so muß es Bürgermeister heissen. Indessen ist die erste Form im Hochdeutschen am gangbarsten. Daß auch hier das Gefühl nur sehr dunkel und schwankend gewesen, erhellet daraus, daß oft der Plural stehet, wenn gleich der Verstand nur den Singular erfordert: Gänsefuß, Aindermord, Männermord, wenn gleich nur ein Kind, oder ein Mann ermordet worden, Augenlied, Augenwins kel, wenn gleich nur von einem Auge die Rede ist, Pferdefuß, pferdchuf. Dagegen noch öfter der Singular stehet, wenn der Verstand den Plural erfordert: Apfeibaum, Baumblüthe, Baums garten, Buchbinder, Buchhandel, Buchdrucker, Buchiaden, Vogelsteller, Vogelyerd, Blatt- 2. Kap. Arten derselben. §. 564.565. 2^9 Blattsilbc?, ^larrzinn u. s. f. In einigen wenigen kann dax, Bestimmungswort dem Plural des bestimmten folgen, obgleich solches eben nicht nothwendig ist: Sing., die Apfelschale,, der Apfel-- bamn, Plur. die Äpfelschalen, dieN>pfc!büume. §. 564. In einigen alten Zusammensetzungen AnfMge hat das Bestimmungswort durch die Länge der Zeit, VerKnde- durch abgegangene Mundarten, manche Zufallige Veränderungen erlirren: Bräutigam für Dräut- gamm, oder >>räutegamm, Nachtigall für ^7achrgaU, Missethat für Mißthar, Herzeleid fürHerzleio, oder Herzensleid, wo i und e eingeschaltet worden, welche Analogie doch für Mit- tc^ochc, anstatt Mittwoche kein hinlänglicher Grund ist; ferner Montag für Mondtag, Hahn- duue für Hagebutte, und vielleicht noch andere mehr. §. 565. Ost kommt ein und eben dasselbe Be- Mebrers, stimmungöwort in mehr als einer der vorigen For- Formen inen vor: zugleich. Dauergut, Bauerftolz,Bauechof; Vauern- scnf, eine Pfianze, VauernLrieg; Bauers- mann. Ehrfurcht, Ehrliebe, Ehrgeirz' Ehrenamt, Ehrenbahn, Ehrenpreis, Ehrenrettung. Erdart, Erdbeden, Erdbeere; Erdengeld. Eywciß- Eyerdotter, Eyerschale. Feuerherd, Feuermauer; Feuersbrunst, Feuersgefahr, Feuersnorh. Lriedsäule, Friedpfahl; Fricdekauf, Friede- scharz, Lriedefürst; Friedensftft, Friedensschluß, Friedensstörer. Herzader, Herzblatt, Herzblut; Herz-leid; Herzensangst; Herzenzähmermn. Hunde- 240 I.TH. z. Absthn. Zusammensetzung. Hundegeld, Hundeschlag; Hundssiiege, Hundshunger, Htmdötag. Riudbecr, Rindtaufe; Niudescheil; Rinderlehre, Ninderbiartern. Landadel, Landplage, ^andgm,Landmann; Landesart, Landesherr; Landsinann, Landsknecht; wo Land-nann und Lands- mann, Landherr, ein Dynast, und Landesherr, Landknecht und Landsknecht nicht gleich bedeutend sind. Oft finden sogar mehrere Formen in einer und eben derselben Zusammensetzung und m einerley Bedeutung Statt. Bauerstoiz und Bauernstolz. Vauergur und Bauerngut. Eyrveiß und Eyerweiß. jLydorcer und Eyerdotter. jLichdaum und Bchenbaum. Erdkloß und Erdenkloß, welches letztere doch veraltet ist. Leichbegängniß und Leichenbegängnis Gchweinstall, Schweinestall u. Gchrveins- stall; wo doch die mittlere Form,'wie in einigen ähnlichen die unedelste ist. Au6 allem erhellet, däß die Analogie, welche in jederForm Zum Grunde liegt, in der Anwendung auf einzele Falle nur dunkel empfunden worden, und oft noch jetzt nicht anders empfunden werden kann. Es gibt Fälle, wo auch das feinste Gefühl unentschlossen bleiben kann, ob der Plural oder der Singular, der Genittv oder der Nominativ die einige richtige Form ist. Es ist daher kein Wunder, daß bei) die- sen Zusammensetzungen, dem Anscheine nach, so wilMhrlich verfahren worden, und noch jetzt nicht anders 2. Kap. Arten derselben. §.565.566. 24, anders verfahren werden kann, ob wir uns gleich in neuern Zusammensetzungen dieser Art mit mehrBe- wußtseyn, nach der Regel zu richten pflegen, daß das Bestimmungswort in dem Genitive stehen muß, wenn dieser Casus außer der Zusammensetzung erfordert wird: Andachrsübung, weil man sagt, Übung der Andacht; aber darum freylich nicht Ehrenerbiethung, ob man gleich jagen muß, Erbiethung der Ehre, weil Ehrerbiethung bereits eingeführet ist. Von dein Sprachlehrer verlangen, daß er für alle diese Formen Regeln fest setzen soll, heißt, Nichtwissen, was man verlangt; weil keine Regeln Statt finden, wo kein klares Bewußtseyn und keine herrschende Befolgung der Analogie ist. Hier wäre nichts anders zu thun, als alle unter jeden Fall gehörige Wörter dieser Art nach der Reihe hin zu setzen; und welche Weitläufigkeit, wenn das in so vielen andern ähnlichen Fällen geschehen sollte? §. 566. Das Adjectivum ist außer der Zu- 2. Mit ei- sammensetzung das fruchtbarste Bestimmungswort nem Bc- des Substantives; allein für die Zusammensetzung seltpriester, im Gegensatze der Ordensgeistlichen, für weltliche Geistliche, weltlicher Priester, sind daher fehlerhaft, weil ein anderer Verstand heraus kommt, wenn 5Velr das Substantivum ist, wofür man es doch hier der Analogie der Sprache zu Folge hallen muß. Franz in Franzgold, Franzwein, Franzgeld u. s. f. ist nicht zunächst von Französisch verkürzt, sondern von kr-incicus gebildet, wovon man ehedem auch das Substantivum ein Franz oder Franze> ein Franzose, hatte. Fehlerhafte §. 567. Wenn daher das Bestimmungswort die Zusammen-völligen Declinations-und ConcretionS-iaute be- fttzung. ^ es mit seinem Substantive nicht als zusammen gesetzt angesehen werden. Folglich die lange 5Veile, vor langer lVeile, die junge Magd, die jungen Mägde, der geheime Rarh, ein geheimer Räch, die geheimen Rache, die krause 2. Kap. Artm derselben. §. 567.568. 24I krause Münze, die gelehrte Geschichte, (aber Gelehrrengeschichte, mit dem Genitiv des Substantives, ist richtig,) u. s. f. und nicht Lange- rveile, Jungemagd, Geheimerrach u. s. f. Sol-- len sie Zusammensetzungen abgeben, so müßten sie Langweile, Jungmagd, Geheimrarh, Rraus- münze, Gelehrcgeschichre heissen, so wie man sagt, langweilig, Jungfrau, Junggesell, Mauskopf, Geheimschreiber. In brause- münze könnte wie in Bösewichr, das e für das mildernde genommen werden; allein alsdann müßte man es auch nicht decliniren, und nicht der Arau- senmünze sagen, sondern der Arausemünze. Allerheiligen, Allerseelen, Hohepriester und Hohelied hat zwar der Kirchensinl geheiliget, allein er thäte besser, er folgte der gewöhnlichen Analogie und schriebe aller Heiligen, aller Seelen, der hohe Priester, das hohe Lied, weil hier das Bestimmungswort ordentlich decliniret werden muß. Das Gommerhalbejahr und ^imerhalbejahr sind doppelt fehlerhaft, theils weil halb in der Zusammensetzung declinieret werden muß, des Sommers Halbenjahres, theils weil es eine dreytheilige Zu« sammenfetzung ist, indem weder Sommerhalb, noch Hatbejahr als ein Ganzes betrachtet werden können; daher die kleine Umschreibung, das haibe Jahr des Sommers, des winters, so barbarischen Ausdrücken sehr weit vorzuziehen ist. Oder warumsjsagt man nicht lieber die Sommerhälfre, die tVinterhälsie des Jahres^ §. 568. In einigen alten Zusammensetzung?!« Zufällige dieser Art, hat das Bestimmungswort allerley zufal- VerLnde- lige Veränderungen erlitten: ^ofsayrr für ^,och^ ru»sen, fahrt, Hochzeit für Hochzeit, Jachzorn, besser Gähzorn, von gähe, ehedem jach, Machbar Q 2 vos» 244 i.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. von nahe, Mitternacht für Mittnachr, wie man sagt, Mittag. Doppelt wirft in der Zusammensetzung das später angehängte r weg, Doppellaut, Doppelbier, Doppelraten u. s. f. Branntwein ist eines von den wenigen, wo ein Participium das Bestimmungswort ist. Zu den Abwei- chuugen gehören auch viele alte eigene Nahmen, wo das Bestimmungswort seineDeclination behält: Reichenau, Reichenhall, Langendorf, angenau, ^auendorf, lTleuendorf, Alrenburg, Großen - Hemiersdorf Schroarzenberg, VVeif- senfeis, Rothenburg, L.iebenroalde. Bey den meisten Nahmen dieser Art ist zu ausgelassen, zur reichen Au, zum reichen Hall, zur alten Durg; welche hernach in die schon gedachten Formen zu- sammen gezogen worden. Von Pronominibus wird nur allein selbst in der Zusammensetzung mit Substantiven gebraucht: Selbstliebe, die Liebe seiner selbst, Selbstzufriedenheit, mit sich selbst, Selbstgefühl u. s. f. In andern ist die Bedeutung nicht so elliptisch, Selbstherrscher, welcher selbst, d. i. allein, ohne Zuzie. hung anderer herrschet, Selbstschuldner, welcher selbst in eigener Person, folglich nicht bloß als Bürge, Schuldner ist, Selbftfchuß, welcher von sich selbst, ohne Schützen^ schießet. z. Mit dem §. 569. Sehr häusig wird auch das Verbum Werbo. in der Zusammensetzung zur Bestimmung eines Substantives gebraucht, wozu denn aber nur die Wurzel des Infinitives mit Wegwerfung des Ableitungslautes en dazu tauglich ist. Es schränkt als. dann den Begriff des Grundwortes auf eine beson. dere Handlung ein, und zwar sowohl im thätigen und neutralen Verstände: Spieluhr, welche spielt, Pflege- 2. Kap. Arten derselben. §.569.570. 245 Pflegemutter, welche pflegt, Lechrboden, wo man ficht, Reitbahn, wo man reitet; als auch im passiven, oder vielmehr zur Bezeichnung der Absicht, der Bestimmung, in welchem Falle der Infi- nitiv durch eine Präposition ergänzet werden muß: Trinkgeld, zum Vertrinken, U?artgeld, für das Warten, Schnürkleid, zum Schnüren, Brar- häring, zum Braten, Brennholz, zum Brennen, Baukunst, zu bauen, Bedenkzeit, sich zu bedenken. Unschicklich sind die, wo die Ellipsis zu groß ist, z.B. Berstgras, welches bersten macht; in- dem es der Analogie zu Folge ein Gras bedeuten würde, welches birstet, oder zum Bersten. Ganz wider die Analogie der Sprache sind die- jenigen Zusammensetzungen, welche aus dem Imperative mit seinem Casu bestehen: Zwingeland, Stürzebecher. §. 570. Da die Zusammensetzung eigentlich Fort- nichts an der Aussprache ändert, so ;muß auch der sehung» weiche Consonans des Wurzelwortes nach der Zusammensetzung weich bleiben. Damit diese weiche Aussprache gesichert werde, hänget man ihm das mildernde e an, oder vielmehr, man wirft von den Infinitiven solcher Verborum nur das n weg. Schreiben, schieben, pflegen, fangen, singen; folglich Schreibekunst, Schreibemeister, Schiebefenster, Pflegevater, Fangerag, Singelust; nicht aber Schreibkunst, Schreibmeister u. s. f. wie harte Oberdeutsche Mundarten zu schreiben und zu sprechen pflegen. So auch: Vorhängeschloß, Badegast, Bade-Lur, Bademuttcr, Bergegeld, Bindebrief, Dindefchlüsscl, (aber Bindfaden,) Blasebalg, Blaserohr, Blase-Instrument, (Instrument zum Blasen, wofür doch -Q z N)ind, A46 i.TH. z.Abschn. ZusiMmensetzung, N)ind - Instrument schicklicher wäre,) Fegefeuer, Legeopser, Folgebrief, Folgezeit, Füge- rvort u. s. f. Doch gibt e6 auch viele, welche dieses e nicht bekommen, »nd vermuthlich aus dem Oberdeutschen beybehalten sind: Langmesser, Dlendkugel,Älendlarerne,Blendrverk,Vlend-- > rahmen. Dieses e in andern Fällen, wo die Aussprache es nicht erfordert, einzuschalten, ist fehlerhaft. Folglich nicht TVarregeld, Greckcnades, sondern VOarcgeld, Stecknadel. Wohl aber findet es Statt, wenn in diesem Falle Consonanten zusammen kommen, welche entweder gar nicht, oder nicht ohne große Härte ausgesprochen werden können, z.B.Rechenkunst, von rechnen, fürRechnkunst, q. MitUm- §. 571. Sehr fruchtbar sind für die Zusammen- standswyr- sehung mit Substantiven auch die Umstandswörter, Sem» wohin nicht allein die Zahlwörter, sondern auch die meisten übrigen gehören, besonders an/! auf, aus, außen / bey, dar, ein, fort, gegen, heim, hep, Hin, hinter, mit, nach, neben, ob, ober, über, um, vor, vorder, wohl, zu, zwischen, und die außer der Zusammensetzung veralteten ab, aber, aster, erz, miß, un und ur; Abart, Abbiß, Abbitte, Abbruch, Abgang, Aberglaus be, Afterrede, Anstand, Ankunft, Außenland, Verstand, Darlehen, Linkauf, Fortgang, Gegenstand, ^imkunfr, Nebenstundcn, Hins teriist, Wohlstand, Erzherzog, Mißgeburt, Unart, Urkunde, Zu den zusammen gesetzten Substantiven gehören auch die Infinitive, wenn sie als Substantiv« gebraucht werden, da sie denn auch oft mit dem Ca- su und dem Bestimmuugsworte ihres Verbi zusammen gesetzt werden können, wenn gleich diese Zusam? 5. Kap. Arten derselben. §.572.57?. 247 Zusammensetzung bey dem Verbo nicht Statt findet : Blut vergießen, sauer sehen, aber das Blutvergießen, das Sauersehen, S. davon §. 579. Hier bemerke ich nur, daß diese Infinitive, so wie die Verbalia auf ung, auch oft mit dem Umstandsworts nicht zusammen gesetzt werden tön. nen, die Unterlassung der in dem Zeitworte liegenden Handlung zu bezeichnen: das ^Vollen und tTUchrrvollen, das Missen und Nichtwissen, das Nichrseyn, im Lalle der Nichtzahlung. Das nicht vertritt hier die Stelle der Partikel un, welche mit Verbis und den unmittelbar von ihnen entlehnten Substantiven eigentlich nicht zusammen gesetzt werden kann. §. 572. Oft macht die Zusammensetzung Rede- 5. Neue theile zu Substantiven, welche e6 vor derselben nicht Substilnti- sind: ein Taugenichts, ein Gernegroß, ein^.^^ Geradezu, das Garaus, der willkommen, ^"'^'^ ein Nimmersi^tt, ein Schadenfroh, ein N)ill- nicht. Allein, da die Deutsche Sprache das Grundwort in der Zusammensetzung ungeändert laßt, dasselbe aber hier in ein Substantiv übergehen muß, so siehet man leicht, daß dergleichen Substantiv«! eigentlich wider die ganze Analogie der Deutschen Sprache sind, daher sie auch nur der niedrigen, und höchstens der vertraulichen Sprecharx eigen sind, von der anständigen und edeln aber ausgeschlossen bleiben, II. Zusammensetzung der Pronsmmum. §. 57Z' Die Deutschen kennen nur vier zusam- Zusammen- men gesetzte Pronomina, derselbe oder derseibige, seiMg der derjenige, und niemand und jemand. In den Pronomi- beyden ersten ist das Bestimmungswort gleichfalls um«. Q 4 eiA 248 i.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. ein Pronomen, und diese weichen zugleich darin von der Analogie der Zusammensetzung ab, daß hier das Bestimmungswort seine ordentliche Biegung behalt: derselbe, dieselbe, dasselbe, desselben, derselben, demselben, desjenigen u. s. f. Ohne Zweifel hat man beyde, so wie manche andere Umstandswörter zu einer Zeit zusammen zu ziehen angefangen, da man die Regeln der Zusammensetzung nur noch sehr dunkel empfand; , denn den übrigen Grundsätzen zu Folge müßte man sie getheilt, der selbe, des selben, die jenige schreiben. Doch da der gegenseitige Gebrauch seit undenklichen Zeiten allgemein und herrschend ist, so muß man sie nun unter die Ausnahmen rechnen. Niemand und jemand, sind mit den Partikeln nie für nicht, kein, und je, und dem Substantivs Mann, eine Perfon, zusammen gesetzt. Da dieses hier auch an dem Endlaute eine Veränderung erlitten, und noch ein d angenommen hat, so hat es auch seine eigenthümliche Biegung verloren, daher beyde gleichfalls zu den Abweichungen der Zusammensetzung gehören. III. Zusammensetzung der Adjective und Beschaffenheitswörter. §. 574. Eigentlich wird kein Adjectiv, d. i. kein concrescierteS Beschaffenheitswort, zusammen gesetzt, sondern die Zusammensetzung gehet an dem ab- stracten Worte, folglich dem bloßen Beschaffenheitsworte vor, obgleich ein jedes zusammen gesetztes Be- schaffenheicswort, so wie ein anderes concresciert, folglich als ein Adjectiv gebraucht werden kann. Diejenigen Wörter, durch welche ein Befchaffen- heirswort bestimmt werden, folglich auch, mit wel- r. Mit Substantiven. 2. Kap. Arten derselben. §.574. 249 chen es zusammen gesetzt werden kann, sind entweder ein Substantiv, oder ein anderes Beschaffenheits- wort, oder ein Verbum, oder auch ein Umstandswort. Ist daö Bestimmungswort ein Substantiv, so bezeichnet es i. den Gegenstand, worauf der Begriff des Veschaffenheitswortes gehen soll: kraftvoll, tugendreich, kunsterfahren, gesetzmäßig, halsstarrig, geldarm, dienstwillig, eidbrüchig, weltkündig, d.i. voll Kraft, reich an Tugend, in der Kunst erfahren, den Gesetzen gemäß, dem Halse nach starr, arm an Geld, zum Dienste willig u. s.f. Da denn das Substantiv zuweilen, aber freylich nicht allemahl, in den Genitiv tritt: standesmä- ßig, Iorresvergessen, gotresfurchcig. Da denn auch wohl Faminina, wenn sie sich auf einen Con- sonanten endigen, dieses s bekommen, hoffnungslos, hülfebedürftig, andachtsvoll, verehrungs- werth. Endigen sie sich auf ein e, so bekommen sie zuweilen den alten Genitiv auf n, ehrenrührig; oder, welches am häufigsten geschiehet, das weibliche e wird ganz weggeworfen: hülfreich, ehrvergessen, ehrlich, ehrerbiechig. Oft tritt das Substantiv in den Plural, wenn der Verstand ihn erfordert, bilderreich, beerentragend. Besonders lassen sich die Beschaffenheitswörter leer, los, reich, arm, voll, werth und würdig mit sehr vielen Substantiven zusammen setzen. 2. Eine VergleichunZ, in welchem Falle das Substantiv unverändert bleibt: baumstark, beindürre, blutrot!), pechschwarz, eiskalt, siemharr, goldgelb, grasgrün, (nicht grasegrün). Das weibliche e fallt auch hier weg, beerbiau. Das Substantiv hier in den Genitiv zu sehen, armsdlck, armolang, ist wider die Analogie dieser Bedeu- Q 5 tung, ' ^- 250 i.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. tung, bester daher armdick, armlang. Wohl ober kann es zuweilen im Plural stehen, ehlenlang, meilenweit. ?. Diese Bedeutung der Verglei- chung gehet oft in die bloße Bezeichnung des hohen Grades über: blutarm, steinharr, blutsauer, himmelweit. Endigt sich das bestimmende Substantiv auf ein milderndes e, so wird dieses weggeworfen: endlos, erblos. s. Mit an- §. 575« Ast das Bestimmungswort eilt anderes d-r» Be- Nefchaffenheirswort, so wird dasselbe den, Beschaffen- stimmungSworte gleichfalls abstract, folglich ohne heitswor- ^ Bicgungslaute vorgefetzt, und bleibt auch in die- sem abstracten Zustande, wenn gleich das Ganze concrescieret und gebogen wird: großgünstig, frey? willig, vielfältig, leichtfertig, halbjährig, hochgelehrt, (wozu das längst veraltete hochgelahrc^) weitläusiig, dummdreist, altklug. Das mildernde e fällt auch hier allemahl weg: blödsinnig, geradlinig, feigherzig, geringfügig, engbrüs stig, frühklug, bssarrig, bößfemg, böswillig. «. Mit §.576. Ist das Bestimmungswort ein Vers Werbis und bum, so wird dazu entweder die Wurzel des Infi- Amstands- nirives gebraucht: denkwürdig, brennheiß, bau- Wörter», ^^j^ eIbegierig. Oder auch der vollständige Infinitiv, doch nur, wenn das Grundwort ein Verhältniß bezeichnet, da er denn allemal in den Geniti» tritt: liebenewerth, nennenswürdig. Sehr häufig dienen auch Umstandswörter zur Bestimmung desBeschaffenheitöwortes: abergläubig, erzböfe, gegenwärtig, überklug, vornehmlich, zukünftig, abhängig, hinfällig. Besonders lassen sich die meisten Beschaffenheitswörter mit un Zusammen setzen: unweife, unerfahren, zmgelehrt. Auch können durch die Zusammensetzung 2. Kap. Arten derselben. §.577. 251 tzung mit Umstandswörtern, Zahlwörtern und Pro- nominibus Beschafft.'Ziheit6wörter entstehen, welche außer der Zusammensetzung nicht üblich sind: dreitägig, dreyseitig, viermahlig, sechsfüßig, zweys Döpfig, hunderräugig, dießinahlig, jenseitig, ferncrwcitig, bisherig; wovon doch die meisten nur um der Concretion willen da sind, folglich wohl als Adjectiva, aber nicht als Adverbia gebraucht werden. S. §. 484. IV. Zusammensetzung der Umstandswörter. §. 577- Von den zusammen gesetzten Verdis ist Zusammen- bereits §. 4Z4 f. das Nöthige gesagt worden, daher le«z«»g der nur noch die Umstandswörter übrig sind. Die- se werden entweder mit sich selbst zusammen gesetzt, wohin denn auch die Präpositionen gehörein bisher, hinwärts, abwärts, fernerweir, gleichwohl, anheim, anbey, dabey, anjerzr, durchaus, nimmermehr, nunmehr, forchin. Oder mit andern Redetheilen, rückwärts, abendwärts, anderweit, demnach. Oder eö werden auch andere Redetheile Zusammen gesetzt, da denn erst das Ganze ein Umstandswort wird: desgleichen, dermaßen, fürwahr, einander, deshalb; und zu dessen Bezeichnung oft das adverbische s bekommt: dssfalls, ebenfalls, gleichfalls, mehrmahls. Da die Partikeln in so vielen Fallen Ausnahmen machen, so machm sie es auch hier, indem oft Wörter zu Umstandswörtern Zusammen gesetzt werden, wenn gleich der bestimmende Theil seine völlige Biegung behalt: allezeit, allemahl, allenfalls, allers Hings, allenthalben, dergestalt. -SS-S^^A-SS^S- Drittes 252 I.TH. z.Abschtt. Zusammensetzung. « ' ' -» . .^ ^-- . > Drittes Kapitel. Regeln für die zusammen gesetzten Wörter. Inhalt. Einleitung, Z, 57z. sammen gesetzt betrachtet ^ werden können, §. 58°. Merkmahle wahrer Zusammen- Z^^felhafte Fälle, §. 58-. setzungen, Z. 579. Freyheit neue Zusammensetzun- Welche Wörter nicht als zu- gen zu machen, Z. 582. §. 578. Einleitung. AVe Zusammensetzung bestehet darin, daß das Bestimmungswort mit seinem bestimmten als ein und eben dasselbe Wort dargestellet wird. Allein, wenn findet dieses Statt, und wenn ist es erlaubt, zwey solche Wörter als ein einiges zu schreiben? In dem Begriffe selbst liegt die Beantwor- tung dieser Frage nicht, weil ein Wort auf einerley Art bestimmet, es mag mit seinem bestimmten zusammen gesetzet seyn oder nicht: ausgehen und heraus gehen, jederzeit und zu dieser Zeit, allezeit und lange Zeit, brandschatzen, rathschla- gen, und Grünn laufen, Hochzeit machen, Stunde halten. Zum Glück hat man einige äußere Merkmahle, welche wenige Zweifel mehr übrig lassen. Merkmahle §. 579> Diese Merkmahle sind zwar schon groß- wahrer Zu- ten Theils im vorigen Kapitel angegeben worden; sammen- allem ich will sie hier unter einem gemeinschaftlichen setzungen. Gesichtspuncte nochmahls wiederhohlen. Wahre Zusammensetzungen sind demnach: . - i. Wenn z.Kap. Regeln für dieselbe. §.579. 25z 1. Wenn das Bestimmungswort seine Stelle vor dem Verbo behalt, wenn die Construction das Gegentheil erforderte. Dieses Merkmahl betrifft vornehmlich die zusammen gesetzten Verba. Man schreibt daher richtig, brandschatzen, wehklagen , rachschlagen, bevormunden, frohlocken, wetteifern, wetterleuchten, durchbrechen u.s.f. weil ich sage: ich brandfcharze, er wehklagte, sie rachschlagen, ich bevormunde dich, wer frohlocket noch ^ wetteifere nicht mit ihm, es wetterleuchtet, er durchbrach dietVand. Aber, .Sturm laufen, Haus halten, Dank sagen, bevor stehen, hinaus gehen u. s. f. weil ich sagen muß, sie liefen Sturm, er hielt übel Haus, jage ihm Dank, es stehet mir bevor, er ging hinaus. Ausgenommen sind hier die unächten Zusammensetzungen der Verborum, von welchen bereits Th. 1. §. 4Z4« gehandelt worden, wo das Umstandswort, wenn es vor dem Verbo zu stehen kommt, mit demselben zusammen gezogen wird. 2. Wenn dem bestimmenden Theile das weibliche oder sonst gewöhnliche e mangelt: Rirch- gang, blödstnnig; wo doch Böfewichr ausgenommen ist. S. §. 56z und 566. z. Wenn dem bestimmenden Theile die sonst nothwendigen Biegungslaute fehlen: Laulthier für faules Thier, gesetzgebend für Gesetze gebend , Kurzweil für kurze 5Veü, Schwarzdorn für schwarzer Dorn, Hochmejse für hohe Blesse, Langohr, ein Thier mit langen Ohren, die Meistbietenden, welche das meiste biethen, Denkmahl, ein Mahl zum Andenken, Fallgatter, zum fallen, Adleraugen, für Augen eines Adlers, dankvergejsen, des Dankes vergessen. 4. Wenn 254 r.TH. z.Äbschn. ZusammenseßuttK.' Wenn das Bestimmungswort Biegung^ zeigen hat, welche außer der Zusammensetzung ungewöhnlich sind. Dahin gehören besonders die weiblichen Genitive der Einheit auf s und n, die Achrserklärung, Ehrenj'chünder. S. §. 56z. 5. Wenn sich an dem bestimmenden Worte? mn'Zeichen der Zusammensetzung befindet, wohin besonders das t euphonicum, in meinetwegen, um deinetwillen, allenthalben, entzwey für in zweh, und das r an dem da und wo gehöret: darbringen, darlegen, darein, worin. 6. Wenn dem Bestimmungsworte der sonst Nothwendige Artikel fehlet: liebenswürdig, küsi- senswerth, Rönigsmord, für des Liebens würdig , des Rüssens werth, des Königs Mord, ehebrechen, weil es eigentlich Heisien müßte, die Ahe brechen, wie man anch außer dem Infinitive sagen muß, er brach die Ehe. 7. Wenn das vor beyden stehende Bestimmungswort sich auf das Grundwort, und nicht auf dessen Bestimmungöwott beziehet. Dieses Merkmahl ist besonders alsdann brauchbar, wenn das Bestimmungswort den gewöhnlichen Genitiv hat» Man schreibt z. B. ganz richtig Gottesfurcht, Rindesthcil, Bundesverrrag, Kinderspiel, weil ich sagen kann, deine Gottesfurcht, das Rin- desrheil, unser Vundesvertrag, dein Rinderspiel. Aber getheilt, Gottes Gnade, Gottes -Huld, Rindes Gehorsam, Rinder Muthwil- len, weil ich nicht sagen kann, die Gottes Gnade, die große (Zotteshuld, dem Rindesgehorsam, sondern sagen muß, die Gnade Gottes, oder unsers Gottes Gnade, die große Huld.Gottes, dein Gehorsam als eines Rindes. Dieses Mer.5- Z.Kap. Regeln für diestlöe. §.579» 255 Merkmahl gründet sich darauf, daß ein jedes zusams men gefetztes Wort als ein Ganzes angesehen wird, worin der Begriff des Grundwortes herrschet, daher der Artikel oder das Pronomen sich nur auf das lehre, nicht aber auf den ersten Theil beziehen können. 8. Wenn der vorstehende Artikel oder das vorstehende Pronomen und Zahlwort das Ganze als selbständig bezeichnet, wohin besonders die Verba« lia auf ung und die Infinitive mit ihren Bestimmungswörtern gehören: schadlos halten, aber bis Gchadloshalcung, genehm halten, aber die: Genehmhaltung, sich einer Sache bewußt seyn, aber das Bewußtseyn, es wird ihm wohl ergehen, aber das Wohlergehen, er wird bald da seyn, aber das Daseyn, er ist hier, aber das Hierseyn. Allein diese Regel hat ihre Gränzen, welche durch den allgemeinen Begriff eines zusammen gesetzten Wortes bestimmet werden. Da ein jedes solches Wort nicht mehr als zweytheilig seyn kann, so kann der Artikel allein auch keine drey - und mehrtheilige Zusammensetzungen begünstigen. Die Auseinandersetzung, das Auseinanderfahren, das Zuhausegehen, das Himmdwiedergehen u. s. f. sind daher Mißgeburten, weil sie wider das erste Grundgesetz der Zusammensetzung anstoßen. Auseinander kann nicht als ein Wort betrachtet werden, weil es aus einer Präposition mit ihrem Casu bestehet, und die Zusammensetzung hier schon dreytheilig ist, indem das Ganze so viel sagt, als einer aus dem andern; die Auseinandersetzung ist daher eigentlich viertheilig. Das Hin? undhergehen ist noch fehlerhafter, weil und ein gleiches Verhältniß bezeichnet, folglich nie in eine Zusammensetzung kommen kann. Hier muß die höhere ^ 256 I. Th. z. Abschn. Zusammensetzung. höhereAnalogie die untergeordnete einschränken, und unSvor so vielen Ungeheuern von Zusammensetzungen bewahren, so häusig sie auch selbst bey Sprachlehrern sind. 9. Wenn das bestimmte Wort die sonst nothwendigen Btegungszeichen verlieret, weiches vornehmlich alsdann geschiehet, wenn ein Nennwort mit seinem Bestimmungsworrezu einem Umstandsworts zusammen gesetzt wird: insgeheim, insgemein, beyseit, siir ins Geheime, ins Gemeine, bey Seite. 10. Wenn das bestimmte Wort eine Endung bekommt, welche aus das Ganze gehet, oder das Ganze als einen einigen Redetheil ankündigt. Dergleichen sind: 1. das s an Umstandswörtern, wenn sie aus andern Redetheilen entstehen: schlechter- dings, allerdings, fporenstreichs, beyderseits, vielmahls, beyfeirs, allenfalls, dießfalls. 2. Die Endung en, so fern sie gleichfalls eine Ableitungssylbe für Umstandswörter ist: bisweilen, derhalben, allerwegen, wo sie aber auch der Dativ des Plurales seyn kann, wie in zuweilen, beyzeiten, allermaßen, beysammen, zufrieden u. s. f. unläugbar ist. z. Die Ableitungssylbe lg an solchen Beschaffenheitswörtern, welche außer der Zusammensetzung nicht üblich sind: dreycägig, sechsstündig, großblätterig, vierbeinig, dickköpfig, übercinftimmig. Auch diese Regel muß wie die vorige achte durch eine höhere Analogie eingeschränket werden, besonders bey den Zahlwörtern auf ei, er, sie, ley, fach u. s. f. weil sonst leicht ein und mit in die Zusammensetzung kommen und sie vieltheilig machen könnte. Nicht ein Vlerundzwanzigsiel, mn Achtundvierziger, ein g.Kap. Regeln für dieselbe. §. 579. 257 ein Vierundzrvanzigpfünder, sechsunddrey- ßigerley, der vierundfunfzigfte, hunderrund zehnfach, sondern ein vier und zrvanstigstel, ein acht und vierziger, ein vier und zwanzig pfunder, ob man 'gleich ein Fwanzigpfundcr schreiben kann, sechs und dreyßigerlcy, der vier und fünfzigste, hundert und zchenfach. Allenfalls kann man zu Bezeichnung der Selbständigkeit des Ganzen das erste Wort mit einem großen Buchstaben schreiben, ein Acht und vierziger. Wo zwey streitige Analogien sind, da muß allemahl die höhere entscheiden. Wer wagt es wohl ein jLinrausendsiebenhundertzrveyundsechziger zu schreiben, einen Wein zu bezeichnen, der in diesem Jahre gewachsen ist? oder ein Vierundzrvanzig<- undeinhalbpfüudcr:' Wer solche'streitige Analogien lieber ganz vermeiden will, der wird ihnen oft vermittelst einer kleinen Umschreibung leicht ausweichen können. 11. Wenn ein Theil der Zusammensetzung veraltet ist, wohin besonders die Bestimmungswörter, ad, after, erz, miß, un und ur gehören. Ingleichen, wenn nur die Form eines Theiles der Zusammensetzung veraltet ist: vonnöthen, in Ain- desnörhen liegen, beysammen seyn, weil der Plural von LTcorh außer derZusammensehnng nicht mehr gewöhnlich, und auch jamm als ein eigenes Wort veraltet ist. 12. Wenn eine EllipsiS Statt findet, d.i. wenn noch ein anderes Bestimmungs- oderVerbindungS« wort ausgelassen ist. Dieses Merkmahl ist nebst dem folgenden eines der zuverlässigsten Kennzeichen der Zusammensetzung. Dahin gehören z.B. aller vor den Superlativen, wo es für unter allen ste- Adel.jv.Spr.Il.o. R het, 2Z8 i.TH. z.Abscht!. Zusammensetzung.' het, anstatt für an der Statt, (doch S. §. 505.) einander für einer den andern. Ferner überall, die Zusammensetzungen mit selbst, die Selbstliebe, die ^iebe seiner selbst, indessen, unterdessen, ins dem, ehedem, vordem, sclbander, brandschatzen, Dreyfuß, Jahrhundert. Ferner alle Fälle, wo der Begriff des Bestimmungswortes sich außer der Zusammensetzung nicht durch den bloßen Genitiv ausdrucken läßt, Scheiterhaufen, ein Haufen von Scheiten, Gbstr'ammcr, zum Obste. Angleichen dreyzehen, vierzehen u. s. f. wo und ausgelassen ist; Gottlob, für Gorc sey Lob! ein Vierteljahr, für ein Viertel eines Jahres, folglich auch eine Vierrelehle, zwey Viertelehlen, zwey Driccelpfund, ein Achtellorh. Die Zusammensetzungen dieser letzten Art sind freylich nicht ganz analogisch, weil der erste Theil den letzten hier nicht eigentlich bestimmt, sondern bestimmt wird, indem er den Theil des Ganzen bezeichnet. Eigentlich müßten sie heissen ein LLhienvierrel, zwey Lothachtel, drey Pfundviertel u. s. f. Man lasse sich daher in der anständigern Schreibart die kleine Umschreibung, ein Viertel emerEhle, zwey Achtel eines Lothes u.s.f. nicht verdrießen. Übrigens ist dieses und das folgende Merkmahl besonders in solchen Fällen brauchbat, wenn andere streitige Analogien Zweifel erwecken können, z.B. wenn das Bestimmungswort seine vollständigen Bie- gungszcichen hat: jederzeit, weil es sür zu jeder Zeit stehet, so wie man sagt, zu dieser Zeit. iz. Wenn die Bedeutung des Ganzen figürlich ist, oder von der gewöhnlichen Bedeutung eines von beyden Theilen abweicyt, folglich nichr so gleich aus der Zusammensetzung ersichtlich ist. Dieses Merkmahl ist eines der richtigstell und allgemein- sten, Z.'Küp. Regeln für dieselbe. 5.579.58c?. 259 sten, welches selbst solche Fülle unter sich begreift, welche wider die gewöhnliche Analogie zu lausen scheinen: wohlhabend, hochtrabend, hoch-- rnüthig. Dahin gehören vornehmlich die meisten zusammen gesetzten Verba, sie mögen nun mit Substanlivis oder Adverbiis zusammen gesetzt seyn, S. §.434: brandscha^en, rathschlagen, willfahren, abdanken, auskommen u. s. f. Ja die meisten unächten Zusammensetzungen scheinen nach diesem dunkel empfundenen Grundsatze gebildet zu seyn. Ferner gehören dahin die meisten zusammen gesetzten Umstandswörter, welche bloß nach diesem und dem vorigen Merkmahle beurtheilet werden müssen: vollauf, allda, allhier, gleichwohl, ehedem, vielmehr, (wenn es die Ccmjunction ist, ober es ist viel mehr, weil hier nichts von einer Figur Statt findet,) zuwege, überhaupt, wofern, damit, ohnehin u. s. f. §. 580. Nunmehr ist leicht zu bestimmen, wel- Unrichtige che Wörter nicht als zusammen gesetzt betrachtet Mimmen- werden können. letzungen. 1. Zwey in gleichem Verhältnisse stehende Wörter, wovon folglich keines das andere bestimmen kann; Fürst 5 Bischof, kaiserlich - königlich, welche zum Zeichen der Apposition allenfalls mit dem Bindezeichen geschrieben werden können. Ferner die Oberdeutschen allschuldigen Dank- fagen, allgedeihlichen Vorschub thun, für allen schuldigen, allen gedeihlichen, wo beyde eigentlich in einem gleichen Verhältniß stehen. Folglich können auch keine Wörter zusammen gesetzt werden, welche mit und verbunden sind, oder wo dieses Bindewort ausgelassen worden, weil es das Merkmahl eines gleichen Verhältnisses ist. Aus- R s genom- 26c> i.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. genommen sind hier mir die Zahlwörter dreyzehen, vierzehen u. s. f. bis neunzehen, wo eigentlich Und ausgelassen ist. 2. Wenn der erste Theil den zweyten nicht wirklich bestimmet. Daher sind die im gemeinen Leben so gangbaren Viertelehle, Drirrelmeile, Viertelpfund, Achtellsrh u. s. f. fehlerhaft , weil das Grundwort wider die Analogie voran stehet. Sollen sie wahre Zusammensetzungen ausmachen, so müssen sie umgedrehet werden: ein Ahlenvier- tel u. s. f. wie man sagt Jahrhundert. Viertel Ahle, ein Achtel Loth laßt sich auch nicht füglich schreiben, weil hier eine Ellipsis ist; also lieber voll- standig, ein Viertel einer Ehle, ein Achtel eines Loches. z. Wenn das Bestimmungswort seine Stelle verändern muß: Sturm laufen, weil ich sagen muß, sie liefen Srurm. Ausgenommen sind hier wieder die Verba mit unächten Zusammensetzungen, S. den vorigen §. 4. Wenn der bestimmende Theil die gewöhnlichen Biegungszeichen behalt, wohin besonders das Substantiv mit seinem Bestimmungsworte unter dieser Bedingung gehöret. Folglich getheilt, lange Meile, junge Magd, geheimer Rath, krause Münze, der hohe Priester, das hohe Lied, aller Heiligen, aller Seelen, widrigen Falls, folgender gestalt, zwey Drittel, drey Viertel, einiger Maßen, gewisser Maßen, andern Theils, größten Theils, das erste Mahl u. s. f. so wie man schreibt, ich meines Cheüs, meines iVifsens, hiesigen Grtes. .Aeinesweges, unrerwcges, allezeit, jederzeit und andere Umstandswörter, wo der bestimmende Theil seine Bie- gungs- Z. Kap. Reges» für dieselbe. §. 5ZS. 261 gungssylben behält, sind entweder elliptisch oder figürlich, und werden alsdann mit Recht zusammen gezogen, welches aber von den obigen nicht gilt. 5. Die Substantiv«, wenn sie Bestimmungswörter sind und den vollständigen Genitiv haben, lassen sich indessen nicht nach der vorigen Regel beurtheilen, sondern da muß der vorstehende Artikel, Pronomen oder Zahlwort entscheiden, ob beyde als ein Ganzes betrachtet werden können oder nicht. Gehen dieselben auf das Grundwort, die Gelehrs cengcschichte, die Gottesfurcht, dein Vaters bruder, so sind sie zusammen geseßt; folgen sie aber dem Genitive des Bestimmungswortes, so können sie keine Zusammensetzung machen : feines Vaters Bruder, deiner Mutter Schwester, Gottes Huld, weil ich nicht sagen kann, die liebe Gotteshuld, sondern sagen muß, des lieben Gottes Huld. 6. Das Nennwort, BeschaffmheitSwort, Participium und Umstandswort mit seinem Bestimmungsworte, wenn keine EllipsiS oder Figur Statt findet: eben derselbe, ein jeder, ein mehreres, alle zugleich und nicht allzugleich, gleich bedeutend, reich beladene Schiffe, zusammen geserzre dVörcer, bevor stehend, neu geboren, wie viel, der wie vielste^ (nicht wievielste, wenn hier gleich eine gemeinschaftliche Endsnlbe ist, weil das wie nicht auf die Art bestimmet, daß es mit dem viel zusammen gesetzt werden könnte,) so gleich, sobald, gleich weit, gleich groß, so gar, so wohl, als auch. Daß das Participium oft mit feinem Cafu zusammen gezogen werden könne, ist schon §. 459 bemerket worden, chrliebend, gottvergessen, wachhabend, gesetzgebend u.s. f. N z wo 262 I.TH. z.Abschn. Zusammensetzung. wo aber die Verkürzung am Ende ein Zeichen, der Zusammensetzung ist, für Ehre liebend, Gottes vergessen, die Mache habend, Gesetze gebend. 7. Die Präposition mit ihrem Casu, wenn jedes seine gewöhnliche Bedeutung hat, und keine Verkürzung oder ein anderes Merkmahl der Zusammensetzung vorhanden ist: bey Seite, (aber beyseit, wegen des weggeworfenen Biegungs-e und bcyseits, wegen des adverbischen gemeinschaftlichen ö,) in kurzem, mit einander, von einans der, aus einander, ihm zuKiebe, zu Guts, dir zu Folge, bey nahe, (welches doch um der figürlichen Bedeutung willen auch beynahe geschrieben werden kann,) Scheins halber, Alters halber, von Rechts wegen. Deshalb, deswegen, um deswillen, sind um der Verkürzung des willen für dessen, und demnach und nachdem um der elliptischen und figürlichen Bedeutung willen zusammen gesetzt. 8. Das Substantivum mit seinem Zahl- oder Nmstandsworte; zwey Daumen breit, wie man schreibt zwey Ehlen lang; Berg auf, Berg ab, Fimmel an, wie man schreiben muß, die Straße auf und ab laufen; eine Zeit lang, drey Jahre lang, ein Arm voll, eine Hand voll, sechs Hände voll. Solche Wörter, wo das Bestimmungswort hinten stehet, wie hier, zusammen zu setzen, streitet noch dazu wider die ganze Analogie der Deutschen Zusanunensetzung, wo das Bestimmungswort allemahl voran stehen muß. Sollte ein Arm voll ein zusammen gesetztes Wort machen^so müßte es ein Vollarm heissen. y. Das Verbum mit seinem Adverbio, diejenigen ausgenommen, welche schon §. 434 angezei- get z. Kap. Regeln für dieselbe. §. 58d. 26Z get worden, und welche vermuthlich um der meisten Theils figürlichen Bedeutung willen als zusammen gesetzt behandelt worden. Wo diese nicht, oder wenigstens nicht herrschend Statt findet, da ist kein Grund zur Zusammensetzung vorhanden. Folglich getheilt, bevor stehen, entzwey gehen, empor kommen, fehlschlagen, »herein stimmen, genehm halten, hoch fliegen, hereinkommen, voll gießen, viel gelten, gut heissen, nahe lies gen, zusammen laufen u. s. f. Sollten diese als zusammen gesetzt behandelt werden können, so müßte ein jedes Adverbium mit seinem Verbo ein zusammen gesetztes Wort machen, und wo wollte man denn mit allen Zusammensetzungen hin? Wer bevorstehen, übereinstimmen u. s. f. schreibt, wird auch bald schreiben wollen, voneinanderfahren, aus-- einandergehen, hinundrviederlausen; und warum denn nicht auch ausdemhausegehen, bergans fahrend Denn alle bestimmen auf einerley Art. Dahin gehöret auch das zu mit den Infinitiven, leicht zu sagen, schwer zu thun, welches keine Zusammensetzungen machen kann. Wo das zu Zusammensetzungen macht, z. B. zusagen, zuthun, da hat es ganz andere und figürliche Bedeutungen. Heimgehen, heimkehren, heimsuchen, welche im Hochdeutschen ohnehin wenig mehr gebraucht werden, lassen sich allenfalls damit entschuldigen, daß heim im Hochdeutschen so gut als veraltet ist; in heimsuchen aber ist die Bedeutung figürlich. Wenn nun aber gleich ein Verbum mit seinem Ad- verbio nicht zusammen gesetzt werden kann, so kann doch ein zusammen gesetztes Wort davon abgeleitet oder daraus gebildet werden, wenn andere Umstände, z. B. ein gemeinschaftlicher Arcirel, die-Zusam- mensetzung begünstigen: die Genehinhalrung, R 4 das 264 i. Th. z. Abschn. Zusammensetzung. das Übereinstimlnen; wo doch dasjenige beobachtet werden muß, was davon schon im vorigen gesagt worden. lo. Das Verbum mit seinem Casu, wenn die Bedeutung nicht figürlich oder elliptisch ist, wie in fuchsjchwänzen, ehebrechen, brandschayen, handhabe, - u. s. f. S. §. 4Z?. Folglich getheilt: Scurm laufe.,, Zur ?lder lassen, (ausgenommen allenfalls das im gemeinen ieben übliche elliptische adcrlassen, wenn Ader ohne Artikel stehet,) Haushalten, Dank siegen, Arieg führen, die Zxrieg führenden Mächte. Zwelfelhaf- §. 581. In zweifelhasten Fällen schreibt man te Me. ^ey Wörter lieber getheilt, als zusammen geseht, weil die Zusammenziehung nicht den mindesten be- greifflichen Nutzen hat, sondern vielmehr der Deutlichkeit schadet, und die Menge der Worter für Werterbücher und Register ohne Noth vermehret. Eins mahl für künftig, dereinst, ist um der figürlichen Bedeutung willen ohne allen Streit zusammen gesetzt; zwey Mahl, drey Mahl u. s. f. würden es auch seyn, wenn Mahl hier um der Zusammensetzung willen sein'e verloren hätte, zwey Mahl für zwey Mahle. Allein die Dazwischenkunft einer Präposition, zu drey Mahlen zeigt mir, daß Mahl hier der Analogie derjenigen Wörter folget, welche mit Zahlwörtern im Singular stehen. Man schreibt also richtiger ein Mahl, zwey Mahl u.s.f. so wie man schreibt ein <^ag, zwey Pfund. Ist man zweifelhaft, ob man ein hundert, zwey hundert, oder einhundert, zweyhunderc schreiben müsse, so wird iman bey der letzten Schreibart am sichersten fahren, , und bey einer genauern Untersuchung Kap. Regeln für "dieselbe. §. 582. 265 fuchung finden, daß sie die einige richtige ist, indem ein, zrvey u. s. f. hier eben so einfach bestimmen> als in ein Tag, zwey Jahr, man auch in höhern Zahlen, z. B. drey und zwanzig rausend die erste Analogie ohnehin wieder verlassen muß, weil daö und in keineZusammensetzung kommen kann» §. 582. Die Deutsche Sprache hat das Vor- Freyheit i« recht, daß sie, wenn es nöthig ist, nach den imvo- "^n Aurigen angeführten Analogien noch täglich neue Zu- ^"^"^ sammenfetzungcn machen kann; aliein sie bedienet sich dessen nie anders als mit Vorsicht und Beurtheilungskraft. Die Zusammensetzung hat keinen andern Nutzen, als die Kürze; diese aber ist niemahls der höchste, nicht einmahl ein sehr wichtiger Endzweck der Sprache, sondern muß allemahl sowohl der Reinigkeit und Richtigkeit, als der höchsten möglichen Verständlichkeit, als endlich auch dem Wohlklange nachstehen; wenn für diese drey hinlänglich geforget ist, dann erst kann die Kürze, als ein Nebenumstand in Erwägung kommen. Die Sprachrichtigkeit verbiethet alle Zusammensetzungen, welche wider die bisher angezeigten Analogien sind; die höchste mögliche Verständlichkeit verwirft alle, welche dunkel oder zu lang find, und deren Sinn nicht sogleich aus der Zusammensetzung ersichtlich ist; der Wohlklang aber alle, wobey nur irgend einige Härte zu besorgen ist, z. B. Cultur- Geschichte, NAtterungslauf. In den Deutschen Provinzen ist das Ohr selten fein genug, dergleichen Härten zu empfinden, daher daselbst auch täglich eine Menge rauher und widerwärtiger Zusammensetzungen gemacht werden; allein das benimmt der Wahrheit der Sache nichts, sondern beweiset, .nur, daß eben diese Provinzen in Ansehung R 5 des 266 r.TH. z.Abschn. Zusammensetzung:c. des Geschmackes dem Vaterlande der Hochdeutschen Mundart noch sehr weit nachstehen. Zu den dunkeln und unverstandlichen Zusammensetzungen gehören besonders diejenigen, wo eine Präposition ausgelassen wird, und welche in der neuern Dichtkunst so häufig geworden sind, ungeachtet sie unmöglich Schönheiten seyn können, weil Härte und Dunkelheit sich in ihnen vereinigen: die donnerschrvan- Zcrn lVolLcn, die blumenbekränzre Flur, der Zoldbejeyre Hur, der schiffdesäre Lluß. Man hat freylich Ärere Zusammensetzungen dieser Art, z. B. kunsterführen, dienfrergeben, dienstwillig, allein sie wurden zu einer Zeit gebildet, da Geschmack und deutliches Bewußtseyn noch nicht die gehörige Richtung bekommen hatten, und werden zetzt, da ihre Bedeutung einmahl bekannt ist, zwar geduldet, allein die edlere und höhere Schreibart pflegen sich auch dieser gern zu enthalten. ^-------^^------^ ' Viertes 26/ ^^--ZK?^«? Viertes Kapitel. Ton der zusammen gesetzten Worter. Inhalt. Allgemeiner Grundsatz, Z.zzz. Ton der Umstandswörter, Z. 585. Abweichungen von demselben, Und der vielfach zusammen ges §. 584. setzten Wörter, Z. 586. - §. 58Z»' /^in zusammen gesetztes Wort bestehet aus einem Allgemein ^ Grundworte mit seinem Bestimmungsworte, ner GruM Außer der Zusammensetzung hat jedes von diesen sah. beyden Wörtern seinen bestimmten Ton, nur daß - das Bestimmungswort gemeiniglich den Hauptoder Vorton hat. Eben das bleibet in der Zusammensetzung, daher diese eigentlich an dem Tone nichts ändert, indem ihn auch hier das Bestimmungswort hat: Ausbund, fortfahren, Straßenraub, Großmuth, goldgelb, so wie man außer derselben sagt, er ist aüsN)ien, bey der Sache gut fahren, ein großes Haus, Gottes Allmacht, gelb wie Gold. §. 584. Der Grund davon ist, wie in der gan- Abweichun- zen Stellung des Tones, die genaue Bestimmung, gen davon» Allein es weichen doch viele zusammen gesetzte Wör- ter 26Z I.TH. Z.Mschn. Zusammensetzung. ter von dieser Analogie ab, theils wegen der dunkeln Beschaffenheit des Bestimmungswortes, theils aber auch aus Nachlässigkeit und Unkunve der Sprechenden. Dahin gehören: r. Von Substantiven, eimge vielsylbige Zusammensetzungen mit all, Allwissenheit, All? Weisheit, Allgegenwarr, Allgcnügsan:keit u. s. f. welche Zum Theil den dreyfach zusammen gesetzten folgen, S. §. 586. Ferner ein Feldweges weit, so fern es von einein Längenmaße gebraucht wird, aber d?r Feldweg, des Feldweges; ingleichen, , - " .>.^<^U^S^Stz^WMM^U:Ui'.'^^. 2. Von Beschaffenheirswörtern. (1) Einige Zusammensetzungen mit ab: abhclstich, abspenstig, abwendig, absonderlich, abwegsam, adivslich, und ihre Gegenfähe mit un, un- abloslich. (2) Die mit all: allein, alleinig, allmächtig, (ob man gleich sagt die 2'lllmachc,) allmah-ig, allweise, allwissend, alltagig. (z) Die Superlative mit aller: allerbest, der allergrößte, der allerliebste. (4) Viele mit aus: ausbündig, ausdrücklich, ausführlich, ausnehmend, aussprechlich, und die davon abgeleiteten und ihre Gegensatze mit un: Ausführlichkeit, 4. Kap. Ton solcher Wörter. §. 584. 269 lichkeit, Ausdrücklichkeit, unauslöschlich, unaussprechlich, Unausjprechlichkeir. (5) Die meisten mit groß, rvohl und hoch zusammen gesetzten Titelwörter: grsßmacbtig, gros)gün- st-g, gro^achrbar, woh!edel, wohlweise, wohlgeborcn, hochadelig, hochedel, hochgeboren, bochfürsrlich, hochgeehrt, hochge- lebrr, hochwÜ!/dig, hocbnöthig; aber hochbetagt, hochbetraut, hochmürhig, hochtrabend. (6) Viele mit Zahlwörtern zusammen gesäte: achtjährig, dreitägig, zweyfticig sechseckig, fünfpfündig, stcbeumahig, dreybcrrig; welche doch auch oft den Ton auf dem Bestimmungsworte haben. (7) Etwa noch folgende: außerordentlich, balsamisch, barmherzig, Barmherzigkeit, bestmöglichst, dienstergeben, dienstsreündlich, dienstwillig, freyeigen, frey- willig, handgrelfflicb, hauptjachuch, herzinnig, holdselig, inständig, nothwendig, (aber auch häufig nothwendig,) vornehmlich und so ferner, wo aber doch der Ton oft auch auf das Bestimmungswort geleget wird, barmherzig und so ferner. z. Von Verbis, die mit hinter, voll und wider, Siehe Th.i. §.436. einige mit miß, Siehe §. 4z8. und die mit durch, über, um und unter zusammen gesetzten, von welchen gleichfalls schon H. 440 gehandelt worden. Ferner, die mit auser und aufer zusammen gesetzten und ihre Ableitungen: arlfcrstehen, auserlesen, auserkoren, von welchen defectivcn VerbiS in meinem Wörterbnche umständlich gehandelt worden. Endlich gehöret hierher noch kalmausern, welches den Ton gleich- 276 I.TH. z.ASschtt. Zusammensetzung. falls auf das Grundwort legt, vermuthlich weil man es für ein ausländisches Gort gehalten, indem das ähnliche dückmäusern, den Ton auf dem Bestimmungsworte hat. Von der Abstammung beyder S. mein Wörterbuch. Ton dev §. 585. Da die Umstandswörter in der ganzen ltmstands- Zusammensetzung so sehr von den gewöhnlichen Wörter» Analogien abweichen, so findet diese Abweichung auch in Ansehung des Tones Statt, indem derselbe bald aus der ersten, bald aber auch auf der letzten Hälfte ruhet. Die Ursache ist wohl, wenigstens in vielen Fallen, weil es nicht allemahl überwiegend deutlich ist, welcher Theil der Zusammensetzung der bestimmende und welcher der bestimmte ist. Eigentlich soll allemahl der erste Theil der bestimmende seyn; allein bey zwey zusammen' gesetzten Umständen ist dieser Unterschied zwischen beyden oft dunkel, besonders, wenn durch die Zusammensetzung eine dritte figürliche Bedeutung entstehet, nunmehr. Oft rühret auch diese Abweichung von der Beschaffenheit dieser Wörter außer der Zusammensetzung her, indem viele derselben auch hier keinen Ton haben, wie die Präpositionen, welche ihn auf ihren Cafum werfen, der ihn denn auch in der Zusammensetzung behält: bey mir, folglich auch beynahe, nachdem. Dieß voraus gesetzt, lassen sich die zusammen gesetzten Umstandswörter in Ansehung des Tones in drey Classen theilen; einige haben den Ton beständig auf einem beyder Theile, in andern, ist er nach Maßgebung der Bedeutung veränderlich, und in noch andern ist seine Stelle willkührlich» l. Bs- 4. Kap. Ton solcher Wörter. §.585. 271 I. Beständig haben den Ton, 1. auf dem ersten Worte: abwärts, aufs wärts, anderwärts, anderweit, anfangs, auswärts, damahls, dasmahl, (besser dieses Ulahl,) dazumahl, (besser damahls, oder in einer andern Bedeutung zumahl da,) dennoch, dergestalt, vermahlen, (besser jerzt, gegenwärtig,) diesfalls, desfalls, desto, diess mahl, ebenfalls, ehemahls, ehegestern, einwärts, etwa, etwas, fernerweit, gleichsam, gleichwohl, herwärts, hinwärts, hinterwärts, jemahls, jenseit, niemahls , nachmahls, nacygehends, nocomahis, rückwärts, seics- wärro, übergroß, übergut, überzwerch, vormahls, vorrvärrs, wiederum, und vielleicht noch andere mehr. 2. Auf der letzten Hälfte. (1) Diejenigen, welche sich mit all, allen, aller, allzu und als anfangen: allhier, allgemein, allezeit, das ververaltete alldieweil, allbereir, allda, alldort, allemahl, allenfalls, allenthalben, allerdings, allererst, allerhand, allerley, allernächst, allerseits, allesammt, alsbald, alsdann, also, allzuviel, allzusehr. -2) Diejenigen, welche sich mit an, bey und bis anfangen: anbey, anheim, anhcr, anjeyt, annoch, beyan, (besser bey an,) beynahe, beysammen, beyseit, bisher, bisweilen, (z) Einige mit da: dafern, daheim, dahinten, danieder. In den meisten übrigen wechselt der Ton nach der Bedeutung oder dem Willkü'hre. (4) Viele mit der: dereinst, der- mahleinst, derhalben, desgleichen, dieweil, derselbe. 272 I.TH. z.Abschn. Zuslimmensetzung. derlielbe, derjenige, dermaßen, demnach, deswegen. (5) Die mit ehe, ein, em und enr: ehedem, ehedessen, einander, einher, empor, entgegen, entweder, entzwey. (6) Die mit fort und hin: fortan, forthin, hinan, hinab, hindurch, hinweg, hinauf, hinaus, hinein, hinfort, hinüber. (7) Die mit je, in und im: jedoch, jedennoch, (ausgenommen jemahls, jemand,) immittelst, indem, indessen, infonders heil) ingleichen, inzwischen. (8) Die mit über und um: überaus, überein, übereck, über, Hand, überhaupt, überhin, überlaut, umher, umbin, umsonst. (9) Die mit vor und zu: vorbey, voran, vorhin, vorher, zuvor, zugegen. (10) Noch folgende einzele: fürwahr, gleichwie, mithin, nachdem, nachher, nunmehr, (auch nunmehr,) obwohl, obgleich, ob- fchon, nimmermehr, (auch nimmermehr,) kurzum, und vielleicht noch andere mehr. II. Nach dem Unterschiede der Bedeutung, wohin besonders die mit da, her, hier und wo zusammen gesetzten Partikeln gehören, von welchen die drey ersten den Ton aus der ersten Hälfte haben, wenn sie demonstrativ sind, und auf der letzten, wenn sie relativ sind, oder als Conjunctionen stehen: davon wollen wir schweigen, aber ich schweige davon; damit ist es nicht ausgerichter, aber er ging damit weg, und als Conjunctiv», damit es nicht geschehe; tritt hierher, aber er rrac hierher. So auch daselbst, dabey, davor, daran, darauf, daraus, dawider, dazwischen, darunter, darüber, herab, heran, herauf, heraus, herbey, hernach, herum, hierher. 4. Kap. Toi: solcher Wörter. §. 586. 27z hierher, hierdurch, hiermit, hiervon u. s. f. Die mit rro haben den Ton auf der setzten Hasste, wenn sie relativ sind, aber auf der ersten, wenn sie. fragen: woraus erhellet, aber woraus ist das genommen ^ III. Endlich ist die Stellung des Tones oft will- kührkich, indem es bloß auf den Sprechenden ankommt, welchen Begriff des zusammen gesetzten Wortes er vorzüglich heraus heben, und durch den Ton bemerklich machen will. Dahin gehören besonders dorther, dorthin, einmahl, nunmehr, also, voraus, durchaus, warum, die mit immer und nimmer zusammen gefetzten, und andere mehr. §. 586. Von dem Tone der drey und mehrfach Tsn der zusammen gefetzten Wörter merke man folgendes, vielfachen Eigentlich ist eine jede Zusammensetzung nur zwey- ?"s'unmen° theilig, aber jeder der beyden Theile kann wieder l^unge». zusammen gefetzet seyn. Ist das Grundwort zusammen gefetzt, das Bestimmungswort aber ein- sylbig, so bleibt der Ton, wenn gleich ein neues Bestimmungswort davor kommt; daher der Ton alsdann auf dem mittlern Worte ruhet: Feldbau- kunst, weil es aus Feld und Baukunst zusammen gesetzt ist; wäre es aus Feldbau und Zvunjt zusammen gefetzt, so müßte esFeldbauwnst heissen. So auch Frohnleichnam, Großhosmeister, Haupt- bosewicht, Fcldmarschall, Hofpostmeister, Zxreishauptmann, Kriegsschauplatz, Erbja- germeister, Lrzscharzmeister, Allgegenwart, Vergnachfahrer, jLrbzinsgur, Äreisabschied. Eben dieses gilt auch, wenn mehrere BestimmungS- Adel.jL.Spr. U.V. S Wör- 274 Th. Z. Abschn. Zusammensetzung. ;c> Wörter vor einem zusammen gefegten Grundworts vermittelst des Bindezeichens verbunden werden: Groß -Nron -Feldherr, Reichs-General-Feld- marschall; welches keine eigentlichen Zusammensetzungen sind, weil sie dreytheilig sind, indem Groß- Ixron und Reichs-General nicht als ein Ganzes angesehen werden, folglich auch kein zusammengesetztes Wort ausmachen können. Ist das Bestimmungswort mehrsylbig, oder auch zusammen gesetzt, so bekommt es den Hauptton, das Grundwort mag einfach oder zusammen gesetzt seyn: Rramerhandroerk, Kraydeerstaude, Au-- pferberIwerk, Ardbeerbaum, Fastnachrspiel, Himmelfahrrsfest, Raufmaimsbursch. Vierter 275 ^ -^.H Z? '" > - Vierter Abschnitt. Von dem Syntaxe oder den? Redesatze. Einleitung. Erklärung, §. 587. Eintheilung, g. 588. §. 587. ie bisher sowohl einzeln als in der Zusammen- Erklärung setzung betrachteten Wörter würden nur eine des Syn- sehr unvollkommene Sprache ausmachen, wenn sie ^es. nicht fähig waren, zu einer zusammen Hangenden Rede verbunden zu werden, wodurch sie eigentlich in den. Stand gerathen, die Rede zu einem vernehmlichen Ausdrucke einer verbundenen Reihe von Begriffen nnd Vorstellungen zu erheben. Geschickt dazu werden sie theils durch die ClaW'eation in Rcde- theile, theils aber auch durch die Biegung, welche sie in den Stand setzet, mancherley Verhältnisse in dem Zusammenhange der Rede zu bezeichnen. Wie nun aber diese Wörter zu einer zusammen Hangenden Rede verbunden werden müssen, lehret der Syntax, einer der vornehmsten und wichtigsten Theile der ganzen Sprachlehre. Dieser, aus dem Griechischen entlehnte Nahme, ist eigentlich weiblichen Geschlechtes, und sollte daher auch im Deutschen billig die Gyntaxe hsissen. Mein das Wort ist eines von den vielen, welche bey dem Übergänge in die Deutsche Sprache Zugleich ihr Geschlecht verändert haben, und da es nun einmahl seit langer Zeit im mannlichen Geschlechte allgemein gangbar ist, so kann man es immer dabey lassen, zumahl da das Geschlecht der Wörter überhaupt so willkühr« S 2 lich, 276 I. Th. 4.Abfchn. Syntax. lich, und bey dem gegenwärtigen Zustande der Sprachen und Begriffe so unbedeutend und unwichtig ist. Im Deutschen hat man es durch Wortfügung gegeben; noch schicklicher ist der Äusdruck Redesay, denn der Syntax lehret doch nichts anders, als die einzelen Worter zu einer Rede zusammen zu setzen, oder zu verbinden. Sinthei- §. 588. Der Syntax gehet, wie ein jedes vereng. " nünftigeZiehrbuch, von dem leichtern und einfachern zu dem zusammen gesetztem und schwerern sort. Er theilet sich daher eigentlich in drey Theile, wovon der erste einzele Wörter mit einander verbinden, der zweyte sie in die gehörige Folge stellen, der dritte aber sie zu einervernehmlichen Rede verbinden lehret. Der dritte Theil zerfallt wieder in zwey Abschnitte, nachdem die Rede entweder ein einfacher S^rz oder eine künstlichere Periode ist, und so bestände der Syntax aus vier Theilen: 1. von der Verbindung einzeler Wörter mit einander; 2. von der Folge-der Wörter auf einander; z. von der Verbindung der Wörter zu einem Satze, und 4. der Verbindung mehrerer Sätze zu einer Periode. Es ist unstreitig, daß jede Sprachlehre ihre Sprache wenigstens bis zur richtigen Bildung der Satze verfolgen sollte; denn diese kann doch nirgends anders als in der Sprachlehre vorgetragen weroen, zu geschweige», daß die so wichtige i>!hre von der so genannter^ Partieipiai-Conjiructlo!'. ihre Begreifflichkett nur allein aus dem Baue der Satze erhalten kann. Es ist daher unverantwortlich, daß alle unsere Sprachlehrer diese so wichtigen kehren völlig Übergängen haoen, oyne Zwüij/ei wiederum auS Einleitung. §.588. 277 aus der Ursache, weil sie in den lateinischen Sprachlehren hier nichts vorgearbeitet fanden. Überhaupt macht der Syntax bey ihnen allemahl die traurigste Figur, weil er hier am wenigsten mit dem Gange der lateinischen Sprache überein kommt, und sie zu bequem waren, das Eigene in der Sprache selbst auszusuchen, oder auch von dem ganzen Gange der Sprache zu dunkele und verworrene Begriffe hatten, als daß sie sich an diese Aussuchung hätten wagen können. In Gottscheds größern Sprachlehre, welche aus zwey völligen Alphabeten bestehet, macht der Syntax neun Bogen aus, welche sich leicht aus vier einschränken lassen wurden, wenn man alle Ausfälle, Ausschweiffungen und Bestreitungen wegnehmen wollte. Welch ein Verhältniß Zum Ganzen! Nicht so unleugbar gehöret die lehre von dem Baue der Perioden in eine Sprachlehre. Perioden sind künstlich verbundene Sätze, sie entstehen erst bey der höhern Ausbildung der Sprache, und gehören in so fern mehr zum Schmucke, als zum Bedürfnisse, folglich mehr in die N?ohlredenl)eit als in die Sprachlehre. Ich werde sie daher hier nur nennen, und ihnen bloß darum ein Kapitel einräumen, um die Verbindung der Sprachlehre mit der Wohlredenheit zu zeigen. Jene muß sich schlechterdings bis auf den Bau der Sätze erstrecken, weil eine jede Rede aus Sätzen bestehet, und alle übrige Theile der Sprachlehre erst hier anwendbar werden. Wo die Sprachlehre aufhöret, da fängst die Wohlredenheit an, folglich mit der lehre von den Perioden oder künstlich verbundenen Sätzen, dem ersten Bestandtheile einer zierlichen Rede. S z Die 278 r.TH. 4. Abschn. Syntax. Die Gründe, worauf der Syntax beruhet, sind wieder eben dieselben, worauf alles übrige in der Sprache gebauet wird. Es gibt hundert Wege, die einzelen Vorstellungen, folglich auch ihre Ausdrücke, die Wörter, zu verbinden, und eben so viele Analogien gibt es auch, und nur der Sprachgebrauch kann mir zeigen, welcher Weg von einem Volke betreten worden, folglich welche Analogie in einer Sprache die einige wahre und richtige ist. Im Grunde führet jeder Weg zu feinem Ziele, das ist, zur Erweckung der verlangten Vorstellung, aber nur den, der diesen Weg kennet, einen andern wird er irre führen; eben so ist jede Analogie in ihrer Art gut und richtig, aber nur in der Sprache, welche sie angenommen hat; in einer jeden andern wird sie die Absicht der Sprache, die. allgemeine Verständlichkeit, verfehlen. Alles also, worin die in einer Sprache allgemein angenommene Analogie, folglich der Sprachgebrauch, verletzet wird, wird auch hier ein Sprachfehler» Erstes Erstes Kapitel. Von der Verbindung einzeler Wörter mit einander. In Einleitung, S. 58Y. l. Bestimmung des Substantives durch den Artikel, §. Zyo - 6oz. Absicht des Artikels, §.59>-. Gebrauch desselben vor eigenen Nahmen, Z.zyi-zyz. Gebranch des Artikels der, §.594. Fehlerhafter Gebrauch desselben, Z.59Z. Abwesenheit desselben, Z.Z96» 597- Fehlerhafte Weglassung desselben, Z.598. Gebrauch des Artikels ein, S-599. Vor eigenen Nahmen,z.6oo. FehlerhaftcrGebrauch,S.6ol. Zusammenziehnng desselben mit Präpositionen, §.602. Beyspiel der Bestimmung durch beyde Artikcl,Z.6oz. Won dem so genannten Ar- ticulo partitivo, L Th. 4.Abschn. Syntax. (5) Der Theile gegen das Ganze, §. 616. (6) Der Materie, §. 617. (7) Der Herkunft, eben das. l8) Des Gegenstandes, s. ÜI8. (y) Der bestimmten Größe, oes bestimmten Maßes und Gewichtes, S. üly. Umschreibung des Genitives durch von, §. 62s. Stelle des Genitives, Z. 621. III. V.'roindmi,,' des?ld- jectives mit dein Substantive, Z. 622- 62Y, Stelle des Adjectives in Ansehung seines Substantives, Z 622. Beziehung auf ein vorher gegangenes Substantiv, §. 62Z. Adjectiv vor zusammen gesetzten Substantiven, 5. 624. Geschlecht desselben in Ansehung des Substantives, S. 625. Mehrere Adjective vor einem Substantive, 8. 626. Wenn Adjectiva Casus regieren, Z.627. Concrescierte Comparative, §. Ü28. Bestimmung des Adjectives durch Adverbia, §.62?. IV. Gebrauch der Zahl- Wörter, z, 630-634. Von Jahr- mid Stundenzahlen , §. 6zo. Bestimmte Zahlwörter mit dem Genitiv, H. 631. Gebrauch des Wortes all, Z. 6Z2. Unbestimmte Zahlwörter mit dem Genitive, Z. 633. Ungefähre Bezeichnung einer bestimmten Zahl, 8- 6Z4. . Gebrauch der Prono« ininum, Z. 635-665. Allgemeine Regel von denselben, §.635. 1. Gebrauch der persönlichen pronomiuum, Z. 6Z6-644. Apposition derselben,Z/>36. Verbindung mit dem Relativ» der, Z. 637. Gebrauch des mir, g, 638. Gebrauch der dritten Person, S.639. Verbindung mit bestimmten Zahlwörtern, §,64?« Von dem Recipröco sich, Z. 641. Unterschied der persönlichen Pronvminum von den determinativen, §. 642. Gebrauch der Pronomiuum in dem Curial- Stvle, S.643. Gebrauch des unbestimmten es, §.644. 2, Gebrauch der possessiven pronomiuum, Z. 645-650. Stelle derselben, 5. 645. Bestimmen mehrere Substantiv«, zugleich, Z.646, Fehler- i. Kap. Fehlerhafter Gebrauch derselben , S. 647. Ihr Gebrauch in Antworten auf Frageü, H. 648. Gebrauch im Curial- Stv- . le, Z.64Y. Unterschied des Possessiv! vor dem Determiualt- vo, Z.ÜZo. z. Gebrauch der demonstrativen Pronomi- num, z. 651-654. Unterschied des dieser, der und jener, §, 6zi. Trennnng von ihren Substantiven, Z. 652. Absoluter Gebrauch dcS dieß und das, Z. 65z. Wie sie Substantiva zurück rufen, §.654. 4. Gebrauch der determinativen pronominnm, §. 655 -65Y. Doppelter Gebrauch derselben, §.6Z5. Gebrauch des derjenige, - 6,656. Des determinativen der, ö. 65?. Von selbiger, 5.658. Gebrauch des solch, Z. 65Y. 5. Von den relative» Pronominibus , §.660- 664. Ihr Gebrauch überhaupt, z. 660. Unterschied des welcher und der, z. 66i. Vermeidung der Iwepdeu» tigkcit, §. 662. Fehlerhafter Gebrauch deö «Is, K.66Z. Inhalt. 28r Vcrschweigung des der, S- 664. 6. Von den fragenden pronominibus, tz. 665. VI. Gcdraiiä! < S Verbi überhaupt, 666-694. 1. Gebrauch der Personen, S. 666-66y. Bezeichnung derselben durchPronomina^.666. Versänveigung des Prono- minis, Z. 667. Besonders des unbestimmten es, Z. 66z. Von dem Imperative, tz. 66?. 2. Gebrauch der Zahlen, Z. 670-672. z. Gebrauch der Zeiten, 8. 67z-681. Gebrauch des Präscntis, L. 67z. 674. Von dem Tempore in Antworten, Z. 675. Von dem Perfccto, Z. 676. Won dem Imperfecto, L- 677. Von dem Plusquamper- fccto, §. 678.679. Gebrauch des Jmperfectes Statt desselben, §. 680. Von dem Futnro, §.68i. 4. Gebrauchs der Modo- rum, Z.682-6YI. Unterschied bevder Modo- rum, K. 682. Gebrauch des Conjunctives, §. 68Z.684. Von dem Vcrbo »vissen, 685. Fehlerhafter Gebrauch des Conjunctives, Z. 6z6. E 5 Gleich- 282 I. Tl). 4.Abschn. Syntax. Gleichgültigkeit des Modi, S. 68?. Won dem Jmperftcte des Conjunctives, §. 688. Von dem Perfecte des Conjunctives, H. 689. Gebrauch desJmpcrativeS, L. 690. Und drS Infinitives, §,6yr. Z. Gebrauch Scr Hülss- 'wö'.r-'r, § 692-694. Wahrer Begriff der Hülfswörter, S.692. Weglnssnüg der Hülfswörter, K.Ü9Z. Irriger Gebrauch derselben, §. 694. VII. Vcrb.noung eines Verbi !nir dem andern, z.üyz-6yy. Verschiedene Arten dieser Verbindung, Z. 695. Verbindung des P.nticipii mit einem Verbo, z.696. Des bloßen Infinitives, §. 697- Des Infinitives mit dem Wörtthen zu, Z. 698.699. VIII. Verbindung des Verbi mit dem Substantive, z. 700-7ZZ. Verschiedene Arten dieser Verbindung, §. 700. Ein Substantiv mit dem Infinitiv und zu, K. 701. Mectivu des Verbi von dem Subjecte, Z.702. Mectivn des Substantives von dem Verbo, §. 70z. I, Von dem verbo mir dem Nominative, 3.704- Von dem Nominative überhaupt, Z.704. Nominativ der Jmpcrso- nalium, Z.?oz. Der Nominativ bey Pas- sivis, §.706. Vcrba mit einem doppelten Nominative, §.707. Verbindung zweyer Nominative mit als, S.?c>8. Besonders bey Reciprvcis, L. 7°y. 2. Von dem Verbs mir dem Genitive, H.710, 718. Von diesem Casn überhaupt, S.710. Dessen Geschichte, z. 711. Heutiger Gebrauch desselben, Z. 712. Er bezeichnet: Das Verhältniß der Zeit, S.713. Des Ortes, S. 7^4. Der Art und Weise, S.?i5. Des Gegenstandes der Sacke, 8.716.717. Des leidenden Gegenstandes, z.718. z. Verbindung des Verbi mit dem Dative, F. 719-726. Bedeutung dieses Casus überhaupt, §.719-721. Von den Acrbis anr'om- men, däuchren, helfen, rosten, §.722. Gebrauch mancher Verbo- rum sowohl mit dem Dative, als mit dem Accusalive, §,723. Probier- i.Kap. Inhalt. 28z Probierstein dieser Casuum in zweifelhaften Füllen, Z. 724. Der Dativ in der Höhen» Schreibart, §.725. Ergänzung des Datives durch Präpositionen, S. 726. 4. Verbindung des Verbi mir dem Accusacive, S. 727-7ZZ. Bedeutung deS Accusati- ves, S.727. Accusativ bey Neciprocis, §. 728. BeyNcutris, S.72Y. Verba mit zweyen Accusa- tivis, S.7Z0, Accusativ der Zeit und Dauer, Z.?Zl. Der Größe, des Werthes und Gewichtes, S. 7Z2. Des Raumes, §. ?ZZ. IX. Von dem Gebrauche der Adverbien, 8. 7Z4-745- Sie bestimmen besonders das Unselbständige in der Rede, §.734. Vornehmlich aber die Verba, S.7Z5. Ihre Stelle tn der Rede, S. ?Zü. Wie der Begriff eines Adverbii an dem Dinge gedacht wird, §. ?Z?. Weschaffenheitswörter mit an und von, §.?Z8. Mit dem Infinitiv, §,?ZY. Gebrauch des ohne, §.740. Die Adverbia können CaM Mitten, §.7,4'» Adverbia mit dem Genitive, S.742. Mit dem Dative, §. 74z. Mit dem Accusative, §.744. Gebrauch der Verneinung, S. 745. X. Gebrauch der Präpositionen. §.746-750. Wiederhohlung einer und eben derselben Präposition, Z. 746-750. Awey Präpositionen neben, einander, S.747. Wiederhohlung bey zusam, mcn gesetzten Verbis, S- 748. Verschiedene Art den Ort durch Präpositionen nus- zudruckeu, §. 74Y. vnterschied des in und ein, §. 75°. XI. Gebrauch der Conjnn- ctionen, 751-754- Ihre Art die Nennwörter zu verbinden, S.751. Ihre Stelle in der Rede, 8. 752. Conjunctionen, welche sich auf einander beziehen, S. 75Z. Werzeichniß der vornehmste» - Conjunctionen, §. 754- XII. Gebrauch derInter« jectionen, Z. 755-758. Begriff derselben, Z. 755. Ob sie einen Easum regieren, S. 756. 757- Ihre Stelle in der Rede, §.758. §. 589» 284 i.TH. 4.Abschn. Syntax. §. 589- Einleitung. ^I^cnn Wörter zu einer vernehmlichen Rede, d. i. i^>^ zu dem Ausdrucke einer ganzen Reihe von Vorstellungen, zusammen gesetzt werden, so können s-e nicht allemahl, so wie sie da sind, neben einander gesiellet werden, sondern sie müssen oft gewisse Veränderungen annehmen, welche durch die Biegungs- syiben ausgedruckt werden, welche bloß um dieser Veränderungen willen da sind. Wenn nun zwey Wörter in der Rede mit einander verbunden werden, so enthält daö eine entweder eine nähere Bestimmung des Begriffes des andern, mein Dater, ganz Deutschland, der grüne Vaum, sehr scHon; oder es saget, behauptet etwas von demselben, Lajus kommr, die Vlume ist roch; oder es zeigct einen bloßen Umstand des andern an, ict) kam von NAcn, es geschiehet aus Liebe, welcher Umstand denn' gemeiniglich ein Verhältniß ist. An allen diesen Fällen nun, wo ein Wort den Grund enthält, warum eine gewisse Veränderung an dem andern vorgenommen wird, oder vorgenommen werden sollte, saget man, daß es das andere regiere, und daß dasjenige, welches die Veränderung erleidet, von demselben regieret werde. Z. B. die Strahlen der Gönne erwärmen den Erdboden; wo das Subject die Strahlen nicht allein den Grund enthält, warum Sonne in dem Genitiv stehet, sondern auch, warum das Verbum in den Plural treten muß, welches Verbum wieder der Grund von dem Accusativc des folgenden Substantives wird. Diefe iehre von der Rection der Wörter nun ist einer der vornehmsten Gegenstände dieses Kapitels. Aliein sie ist nicht der einige, sondern es muß hier auch i. Kap. i. Von dem Artikel. §.590. 285 Äuch cezeiqet werden, theils wie ein Wort das andere naher bestimmet, und bestimmen kann, theils auch, was für Veränderungen der Verstand der Rede und die Absicht des Sprechenden an den Wörtern nothwendig machen; z. B. wenn das Verbum in das Imperfect oder Perfsct geseßet w-rden müsse. Es theilet sich daher dieses Kavlrel wieder in so viele Abschnitte, als Arten von Wörtern in diesem Falle sind, d. i. so viele Arten von Wörtern entweder mit einander verbunden werden, oder auch nach Maßgebung des Sinnes der Rede Veränderungen erlebn können. I. Bestimmung des Substantives durch den Artikel. §. 590. Das Substantivum wird entweder Absicht des durch unconcrescierte, oder durch concrescierte Re- Artikels, derheile bestimmt. Durch unconcrescierte, wohin «inige Umstandswörter gehören, ganz Leipzig, sieben Männer, N^ein genuF, S. §. 766 , wo davon gehandelt wird. Noch häufiger und eigentlicher geschiehet die Bestimmung der Substantive durch concrescierte Rederheile. Diese sind nun entweder concrescierte Umstände, oder Beschaffenheiten. Zu den concrescierte» Umständen gehören der Artikel, zum Theil das Zahlwort und das Pronomen; zu den concrescierte» Beschaffenheiten aber das Adjectiv oder Eigenschaftswort. S. Th. l. §. 287 f. Von den concrefcierten Bestimmungswörtern merke man überhaupt, daß sie ihrem Substantive in der Zahl, in dem Geschlechte und in dem Casu gleich seyn müssen, und gemeiniglich vor demselben stehen. Die wenigen Ausnahmen werden im folgenden an ihrem Orte vorkommen. 286 i.TH. 4. Abschn. Syntax. Im vorigen ist bereits an seinem Orte gezeigeö worden, daß der Artikel eigentlich um derGattungö-- wörter willen da ist, ihnen die Verlorne Selbständig-- . keit wieder zu geben, daß er im Deutschen gedoppelt ist, der bestimmte, der, die, das, welcher am schärfsten bestimmet, und eil», welches nicht so genau bestimmet; und daß der erste neben her auch dazu dienet, die mangelhafte Deutsche Declination, besonders der eigenen Nahmen, zu ersetzen. S. Th. l. §. 259 f. Gebrauch §. 591. Eigene Nahmen sind als solche ihrer vor eigenen Selbständigkeit nach schon hinlänglich bestimmt. Nahmen, daher bedürfen sie als solche auch keines Artikels, S. Th. 1. §. 122. Manche sind dabey so sehr eigene Nahmen, daß sie auch die Declination durch den Artikel verschmähen, z. B. die Städte - und iänder- nahmen, wenn sie nicht ein Adjectivum vor sich haben, S. Th. 1. §.2zi. Hingegen können die eigenen Nahmen der Völker, Berge, Wälder, Meere und Flüsse, selbst zu Bestimmung ihrer Selbständigkeit den Artikel nicht entbehren, weil die appel- lative Beschaffenheit ihrer Nahmen noch zu neu und in zu frischem Andenken ist: die Elbe, der Rhein, eigentlich ein jedes fiicßendcs Wasser, S. Th. 1. S. 2zi. Zu den eigenen Nahmen gehören auch die Nahmen der Weltgcgendcn Osten, Norden, Süden, dVesteu, Morgen, Abend, Mittag, Mitternacht, welche, fo fern sie Weltgegenden bezeichnen, gleichfalls keinen Artikel leiden; ob es gleich wahrscheinlicher ist, daß sie hier Adverbia, als Substantiv« sind. Der heijse Süden nnd ähnliche Ausdrücke haben zwar Dichter gewaget, aber zugleich wider den gewöhnlichen Sprachgebrauch. §. 592, i. Kap. Von dem Artikel. §. 592 -594. 2F7 §. 592. Das Wort Gort wird auf gedoppelte Forb» Art gebraucht, theils als ein Nahme des einigen setzunE höchsten Wesens, in welchem Falle es ein eigener Nahme ist und als solcher keines Artikels bedarf, Gott sprach, Gort lieben, fürchrc Gorr; theils auch appellative, sowohl, wenn mehrere Eigenschaften des einigen höchsten Wesens auf diese Art ausgedruckt werden, wohin die Falle gehören, wenn das Wort Gott ein Adjectiv oder einen Genitiv bey sich hat, der allmächtige Gott, der Gott der L.iebe; als auch, wenn es von erdichteten Gottheiten gebraucht wird, der Gott Jupiter. Daß es in allen diesenFällen im Genitive zwar es, Gortee, im Dative aber eigentlich nur Gott, ohne e, habe, ist bereits im ersten Theile angemerket worden. §. 59z. Bey den übrigen eigenen Nahmen, be- Fort- sondcrs aber bey den Personen-Nahmen findet der setz««?. Artikel nur Statt: 1. wenn man Personen mit Verachtung, wenigstens mit Geringschätzung und Vertraulichkeit nennet, der Caspar, der Ravaillac, S. Th. 1. §.2zo. 2. Wenn sie vermittelst desselben declinieret werden müssen, in welchem Falle er- doch im Nominative unnöchig ist, weil dieser als der Casus des Subjectes hinlänglich bestimmt ist, S. Th.i. §.229 ; und z. wenn sie wieder als Gat- tungswörter gebraucht werden. S. Th.i. §.12?. §. 594. Von der Art und Weife, wie und was Gebrauch die beyden Deutschen Artikel bestimmen, ist bereits des Artikels Th.i. §.249. f. umständlich gehandelt worden, wel- cheö hier nachgesehen werden muß. Diesem zu Folge bezeichnet der Artikel der: i. die ganze Gattung als ein einiges selbständiges Ding. Der Mensch ist nun einmahl sterblich; wo zwar nur ein einiges bestimmtes Individuum genannt, , . aber 2ZZ i. Th. 4. Abschn. Syntax. aber die ganze Classe geineinet wird, daher dieser Ausdruck so viel sagt, als alle Menschen sind nun einmahl sterblich. 2. Ein oder mehrers Jndividua aus der ganzen Gattung, welche als schon bekannt voraus gesetzt werden können: der Mensch ist wieder da, der bewußte Mensch; ich höre die Musik, welche wir bestellet hatten, oder ' von welcher wir redeten. Fehlerhaft §. 595. Hieraus ergeben sich nunmehr zugleich ter Ge- die Falle, in welchen der bestimmte Artikel theils brauch des- unnöthig, theils fehlerhaft ist, nähmlich, wenn ent- ' weder das selbständige Ding schon auf andere Art genauer bestimmt ist, als durch den Artikel geschehen kann, oder auch, wenn nichts selbständiges an demselben bezeichnet werden soll, oder endlich, wenn die Selbständigkeit von einer andern Art ist, als der bestimmte Artikel sie ausdrucken kann. Die beyden letztem Fälle kommen in folgenden vor, daher ich hier nur bey dem ersten stehen bleibe, nach welchem der bestimmte Artikel überstüßig wird, wenn die Bestimmung der Selbständigkeit schon auf andere Art vollständiger da ist, als sie durch den Artikel geschehen kann. Dieses findet Statt: 1. Wenn das Substantiv bestimmte Zahlwörter vor sich hat, doch freylich nicht allemahl, weil auch hier Fälle vorkommen, wo die mit .solchen Zahlwörtern versehenen Substantivs ihrer Selbständigkeit nach, eine neue Bestimmung bedürfen: es sind zwey Fremde da, wo das Zahlwort zwey die Selbständigkeit der Fremden als Fremder schon hinlänglich bestimmet. Ab?r, die zwey Fremden sind jchon da, d.i. von welchen wir sprachen, oder welche wir erwarteten, wo der Artikel eben diese von allen übrigen zwey Fremden unterscheidet und heraus hebt. S. Th. 1. §. 26z. 2. Vor ^ '. i. Kap. i. Von dem Artikel. §. 594. 2Z9 2. Vor den allgemeinen Zahlwörtern all, (S. Th.i. §.275.) jeder, (§.276.) mancher, einige, etliche, kein, (S. §.277.) und zuweilen auch vor viel und wenig, (§. 278. 280.) welche den Umfang des Gattungswortes entweder in allen, oder doch, was die beyden letztern betrifft, in manchen Fällen, weit genauer bestimmen, als durch den Artikel geschehen kann. Da davon in den angezeigten Stellen bereits hinlänglich gehandelt ist, so halte ich mich hier dabey nicht weiter auf. z. Vor allen Pronominibuö, die abstracten oder substantiven Pronomina, der, die, das Alleinige u. s. f. ausgenommen. S. Th. 1. §. Z59. Alle eigentliche Pronomina bezeichnen zufällige Umstände der Person und des Ortes, und darin liegt bereits eine weit schärfere Bestimmung der Selbständigkeit, als der bloße Artikel gewähren kann. 4. In Anreden, weil das Subject der zweyten Person schon durch eben diesen Umstand, daß es die zweyte Person in Ansehung des Redenden ist, hinlänglich und zugleich schärfer bestimmt wird, als durch den Artikel möglich ist: Vaeer! Gott! Auch wenn ein solches Substantiv noch ein Adjectiv vor sich hat: liebster Vater! großer Gott! sech- zehemer Ludwig! Stehet aber ein solches Adjectivs hinten, so bekommt es den Artikel: 0 Alexander der große! 0 Ludwig der sechzehcnte! Indessen ist diese ganze Form ungewöhnlich, und wird wohl nicht leicht gebraucht werden, indem die höhere und anständigere Schreibart hier das Bestimmungswort allemahl lieber voran setzen wird. 5. Vor den Titeln allgemein bekannter Personen, wenn selbige vor ihren Nahmen stehen, doch nur in der vertraulichen Sprechart: Kaiser Io- Adel. jO.Spr. u.V. T sepl?, 290 I. Th. 4. Abschtt. SynW. seph, Doceor Luther, Raiser Josephs N)eis- heit, Docror Luchers Katechismus, Lord» Clintons Ankunft. Die anständigere Schreibart behält hier gern den Artikel bey, und umschreibt in den Casibus obliquis lieber: der Aaiser Joseph, Hie tVeisheir des Aaisers Joseph. Wenn ein Wort den Casum nicht bezeichnen kann, so ist der Artikel ohnehin nothwendig, dem Lord Clinton schien ein Ungervirter bevor zu stehen; ich habe den Raiser Joseph gesehen, weil V.aiser Josephm niedrig ist. Dahin gehöret auch das Wort Herr, welches vor eigenen Nahmen in der vertraulichen Sprechart selten den Artikel bekommt: Herr 51Ailicr, sag es Herrn Schwarz. In den Kanzelleyen rechnet man um der Kürze willen auch dahin manche Titelwörter ohne eigene Nahmen, wenn sie oft vorkommen, und daher dadurch ihrer Selbständigkeit nach schon hinlänglich bestimmt werden: Kläger, Beklagter, Inhaber, Advo- cac, Gegentheil, Endesbenannter, Imperrat u. s. f. welche in den Casibus obliquis den nachgesetzten Artikel annehmen, wenn sie können: es ist Rlägern, Beklagren, Inhabern, Endesbe-- nannten u. s. f. angedeutet worden; wo nicht, so ist der Artikel nothwendig, dem Gegentheil. Ich bemerke bey dieser Gelegenheit die unschickliche und widerwärtige Gewohnheit in manchen Provinzen, den hohen Würdennahmen, Papst, Kaiser, Nönig, Herzog, Fürst, noch das Ehrenwort Herr, und im weiblichen Geschlechte Frau vorzusehen , der Herr Herzog, die Frau Fürstinn u. s. f. gerade, als wenn diese Würden nicht schon ungleich mehr sagten, als dieses Ehrenwort, uni> man eine solche Person beleidigen würde, wenn man siL auf diese Art anreden wollte, ob sie gleich die Wörter i.Kap. i. Von dem Artikel. §.594. 29» Wörter Herr und Frau außer der Verbindung mit den gedachten WArdennahmen allerdings bekommen. Ein anderes ist, wo das Ceremoniell und der Kazelley-Styl diese Verbindungen hergebracht hat. Bey geringern Würdennahmen, z. B. Graf ist dieser Beysatz nothwendiger, weil man solche Personen ohnehin damit anreden muß, Herr Graf! 6. Wenn eine Apposition vorhanden ist, d. i» wenn von einem Dinge mehrere Nahmen oder Titel auf einander folgen, in welchem Falle die folgenden keines Artikels bedürfen, weil ihre Selbständigkeit durch die Selbständigkeit des ersten hinlänglich bestimmt wird: Friedrich, Aönig in Preussen; der Aönig, Churfürst und »Lrzfchaymcister; Gott Varer. So auch, wenn das Hintere Substantiv den Begriff des ersten auf ein besonderes Verhältniß einschränkt: der Zxönig als Churfürst. Ist aber das folgende Substantivum eins Erklärung des ersten, so ist der Artikel nothwendig, weil hier die Selbständigkeit des erklärenden einer eigenen Bestimmung bedarf: er, der Vöfewichr; Anronin der tVelrweise, um ihn von andern Antoninen zu unterscheiden; Gorc der Varer, zum Unterschiede von andern Personen des göttlichen Wesens ; Carl der fünfte ; der Schlaf, der Freund der Müden. 7. In manchen Aufschriften und Büchertiteln, wo die Selbständigkeit schon durch die Stelle bestimmt wird: Vorrede, Ende, Anfang, Frage, Antwort, Aufgabe, Beweis, Auszug, Inhalt, erster Theil, zweyter Arief, Briefe, Deutsche Sprachlehre. Da aber diese Bestimmung nur zufällig ist, so kann der Artikel nicht in ollen ähnlichen Fällen wegbleiben, sondern manche T s ertragen, 292 I. Th. 4. Abschn. Syntax. ertragen, und manche erfordern ihn: der erste Theil, das zrveyre Buch, das Verlorne Paradies von Milron. 8. Wenn ein Genitiv vorher gehet, weil durch . denselben die Selbständigkeit bereits hinlänglich bestimmt wird: der Tugend Lohn, Gorces Huld, des Mitleids Stimme. ' Wenn in solchen Fällen der Artikel zu dem Grimdworte gehöret, so ist es ein Zeichen der Zusammensetzung, die Gottesfurcht, wo beyde Wörter als ein Ganzes angesehen werden, dessen Selbständigkeit denn in den nöthigen Fällen allerdings bestimmet werden muß. Ausgenommen sind hier die von Ortsnahmen abgeleiteten Wörter auf er, die Brüsseler Akademie, der Strasdurger Thurm, die Erfurter Glocke, welche wie Genitive des Plurals aussehen; indessen noch zweydeutig sind, indem sie auch abgeleitete Umstandswörter auf er seyn können. Wo sie unläugbare Substantive sind, da folgen sie auch der gewöhnlichen Analogie, der Erfurter Glocke, der Ulmer fchones Geld, aber das fchöne Ulmer Geld, oder Ulmer-Geld. Abwesen- §. 596. Da der bestimmte Artikel entweder die l,eit dessel- ganze Gattung als ein Individuum bezeichnet, oder auf ein schon bekanntes Individuum aus derselben verweiset, so verstehet es sich von selbst, daß er nicht stehen könne, wo keiner von diesen beyden Fällen Smtt findet, besonders wenn nur die Gattung, Art oder Materie überhaupt, nicht aber als ein Individuum bezeichnet werden soll: das nenne ich Glück I ausRaub ausgehen, etwas aus Gewohnheit thun, nimm Melisse, habe Geduld, Beute machen, es ist von Bley, von leisen, von Holz, auf Rechnung ausnehmen, ohne Zweifel, i.Kap. i. Von dem Artikel. §.596. 29z Zweifel, über Feld gehen, eine sonderbare Art Menschen, Land sehen, Arhem hohlen, lVein trinken, tVeiyensaen, Geld münzen. In allen diesen und tausend andern Fallen soll nichts individuelles oder selbständig gedachtes, sondern nur die Gattung oder Materie überhaupt bezeichnet werden, daher hier auch kein Artikel Statt finden kann. Dahin gehören denn auch diejenigen Wörter, welche eine Materie, ein Maß, eine Zahl, ein Gewicht n. s. f. bezeichnen, wenn sie als bloße GattungSnah- men und Materialia, ohne alle Selbständigkeit stehen: drey Edlen Tuch, ein Glas lVein, vier Zxlasier Holz, ein Scheffel Erbsen, vier Pfund Eisen, ein paar Schuh. Hingegen wird der bestimmte Artikel oft weggelassen, wenn gleich der Sinn der Rede ihn erfordert : 1. in vielen theils sprichwörtlichen, theils figürlichen Arten des Ausdruckes, wo der wirklich individuelle Begriff, als eine unbestimmte Gattung ausgedruckt wird, oft freylich nur um der kernhasten Kürze willen: Noch bricht Eisen, Alter hilft für Thorheit nicht, Mann und N)eib sind ein Leib, Gut macht Muth, Faulheit bringt Schlafen u. f. f. Wo das individuelle Subject um der Kürze willen ganz allgemein ausgedruckt worden. So auch in manchen figurlichen und einmahl in dieser,Gestalt allgemeinen Ausdrücken : ich sehe es vor Augen, ich habe es in Händen u. s. f. nach welcher Analogie man nicht in andern Fallen sagen darf, es liegt vor Fußen, es schallt in (Dhren. 2. Wenn mehrere individuelle Dinge nach einander aufgezahlet werden, sie mögen nun durch eine Conjunction verbunden seyn oder nicht; besonders in der affectvollen Rede: Gut, Ehre, Leben, kurz alles ist verloren; T z Gcould 294 r. Th. 4-Abschn. Syntax. Geduld und Hoffnung, Zeit und Glück machen alles möglich; Sradt, Land und Leute verderben' wo der Assect oder die kernhafte Kürze die Individua wiederum als allgemeine Classen- Nahmen behandelt. Gort- §. 597. Wenn nun in einein der obigen Fälle jetzunK. der bestimmte Artikel weggelassen werden kann, so findet dabey in Ansehung des Substantives ein dreyfacher Fall Statt. 1. Manche Gattungswörter verlieren mir dem individuellen Begriffe ihre Bestimmtheit so fehr, daß sie mit dem Artikel auch so gar die Bisgungszeichen wegwerfen, wenn gleich die dabey befindliche Präposition sie erfordern sollte. Dieses scheinet besonders in solchen Fällen Statt zu finden, wenn die Gattung oder Materie schlechter, dings als bloße Gattung oder Materie gedacht werden soll: es gehet nach'lVunfch, mit Fleiß gemacht, mit Äluc bespritzt, mit Fleisch bekleidet, jemanden mit Getränk bewirthen, es ist von Dley, von Jahr zu Jahr, von Haus zu Haus, ein Mann von Verdienst, mirlVeib und Nind, von Haus und Hofverrricben werden , etwas aus Neid thun. 2. Hingegen kann in andern Fällen die Biegungssylbe nicht ohne Härte verschwiegen werden: zu Decre gehen, zu Hülfe kommen, mir zu Liebe, ihm zu Leide, außer Stande seyn, zu Hause bleiben, zu Felde zies hen, zu Fuße nach Hofe gehen, bey Hofe leben, von Tag zu Tage, bey Leibe nicht, zu Rache halten, zu Gure thun, zu Gaste gehen, nach Tische, hier zu Lande u. s. f. z. Ost aber muß auch noch die Präposition das Casus-Zeichen annehmen, wenn sie dessen fähig ist: im Grande seyn, im Schwange gehen, im Stiche lassen, am Ende, im Anfange, zum Beschlusse,, zum Über- ».Kap. i. Von dem Artikel. §.597-598. 295 Überflüsse, im Ernste, im Scherze u. s. f. Siehe §. 5?8, wo davon schon gehandelt worden. Der Grnnd dieser Verschiedenheit scheinet in der großem oder geringern Individualität des Substantives zu liegen. Soll dasselbe gar nichts Individuelles bezeichnen, sondern bloß die Gattung oder Materie andeuten, so scheinet man mit dem Artikel auch die BiegungZjylbe für überflüßig ge. halten zu haben. Nur wenn sich das Substantiv auf einen weichen Consonanten endigt, welcher als- denn hart gesprochen werden müßte, so scheinet man das Biegungs e beybehalten zu haben, welches alsdann die Stelle des mildernden e vertritt: mir zu L.iede, zu Stande, zu Lande reisen. Allein, da man hier so wie in allen übrigen Analogien keinen andern Führer hatte und haben konnte, als die dunkels Empfindung des Ähnlichen: so wird das Substantiv oft gebogen, wo der Wohllaut es nicht Hu erfordern scheinet: zu Rathe halten, zu Gute thun, zu Gaste gehen, nach Tische. Wird hingegen der Artikel nur um der Kürze willen verschwiegen, wie in dem dritten Falle, so ist nicht allein die Biegungssylbe, sondern auch die Bezeichnung des Casus an der Präposition nothwendig, wenn sie dessen fähig ist. Da die Bedeutung in den meisten Fällen figürlich ist, folglich auch der ganze 'Ausdruck seine ihm einmahl gegebene Gestalt behalten muß, so lassen sich dergleichen Arten zu reden nicht allemahl durch den vollständigen Artikel auflösen; nicht in dem Stiche lassen, in dem jLrnste, sondern im Ernste. §. 598. Außer diesen Fällen den bestimmten Fehlerhafte Artikel wegzulassen, wenn etwas individuell be- Weglassung stimmt werden soll, ist bey eigentlichen Gattung-?- des AM- T 4 wortern ^' 296 i.TH. 4. Abschn. Syntax. Wörtern allemahl ein Fehler: Fuß hat Haupt hinweg getragen, iogau, welcher, vermuthlich aus einer Neuerungssucht, und aus Unkunde der wahren Bestimmung des Artikels, voll solcher fehlerhafter Weglassungen ist, und darin selbst in den neuesten Zeiten Nachahmer gefunden hat. Ferner, die TVahrheir heiliger Schrift, für der heiligen Schrift; der Verräther rvard in tiefsten Zxer- ker gebracht, besser in den; in» Nahmen gräflicher Herrschaft, besser der gräflichen u. f. f. wo überall Individua gemeinet sind, welche daher auch bestimmet werden müssen, wenn keine stärkere Bestimmung vorhanden ist, oder das Individuum nicht als allgemein bekannt voraus gesetzt werden kann. Nur die eigentlichen Abstracta, können, weil sie nicht zu Gattungswörtern bestimmt sind, den Artikel oft entbehren, weil es gleichgültig seyn kann, wie sie gebraucht werden: ich liebe Wahrheit, und ich liebe die N?ahrheit; Liebe macht Unruhe, oder die Liebe; Gelehrsamkeit läßt sich nicht für Geld erkaufen, oder die Gelehrsamkeit; in beßter Ordnung, oder in der besten. Wo aber die Bedeutung merklich individuell wird, da sollte auch der Artikel nicht verschwiegen werden: vor der iLndigung des Krieges, ist daher besser als vor Endigung. Gebrauch §. 599. Von dem unbestimmten Artikel ein ist des Artikels bereits §. 249 f. das Nöthige gesaget worden, wel- ches hier nur kurz wiederhohlet werden darf. Dieser Artikel hat eine dreyfache Bedeutung: 1. er hebt ein Individuum aus der ganzen Classe oder Gat- tungHeraus, aber sosunbestiinmt, daß es gleich-viel ist, welches Individuum ^man darunter verstehet, wenn es nur nicht mehr als^eines ist: es begegnete mir ein Fremder, da faß ein Vogel, hier ist ein i.Kap. i. Von dem Artikel. §.599.609. 297 ein Messer. Dahin gehöret ohne Zweifel auch das Pronomen jeder, welches diesen Artikel vor sich duldet, ein jeder. 2. Macht rr dieses unbestimmt bezeichnete Ding zum Repräsentanten der ganzen Gattung, worin er mit dem bestimmten Artikel überein kommt, nur daß die Bestimmung hier anders, die Bedeutung aber einerley ist: ein Mensch ist doch ein schwaches Geschöpf, wo ich unter ein Mensch, die ganze Gattung von Menschen verstehe, z. Bezeichnet er bloß die Gattung, zu welcher ein Ding gehöret, welches denn freylich nur vor solchen Substantiven Statt finden kann, welche als Gattungswörter gebraucht werden können. lVas ist das^ Antw. ein Haus, ein Vogel, ein Grein; welch ein Mensch, was ist das für ein Mann ^ Antw. es ist ein Schweizer, ein Fremder, ein Künstler; er harre einen bösen Varer. Besonders vor solch: einen solchen Freund wünschte ich mir, welche Form edler und besser ist, als die gemeinen Formen solch einen oder so einen. §. 6oo. Die eigenen Nahmen leiden daher den Vor eige- unbestimmten Artikel gleichfalls nur so fern sie als »?» Rah- Gattungswörter stehen: ein plaro unserer Zeit, d. i. ein so weiser Mann, als Plato war; selbst '"'U'acns. ein Alexander, selbst ein so tapferer Held als Ale- rander. Absiracta vertragen diesen Artikel eben so wenig, als den bestimmten, so fern sie nicht als Gattungswörter stehen können: eine solche L.icbe, d. i. eine solche Art der Liebe; welch eine Groß- much! Auch die Matcrialia, wenn sie die Materie und weiter nichts bedeuten sollen, können nicht mit diesem Artikel verbunden werden: gib nur Dror, es ist Eisen, Holz, Stein; nich, ein L>ror, ein T 5 Eisen S98 i. Th. 4.Abschn. Syntax. Luisen u. f. f. wie wohl im Oberdeutschen gewöhnlich ist. Bezeichnen sie aber die Art oder Gattung der Materie und des daraus bestehenden Körpers, so sind sie des Artikels auch allerdings fähig: das ist ein gmer TVein, ein schönes L>roc, ein rosiges Eisen, d.i. eine gute Art Wein u. s. f. Ist -es gleichgültig, wie das Substantiv bestimmt werde, so kann der Artikel stehen oder nicht stehen: das ist guter N?ein, schö.ies Bror, wir warteten Zange Zeit und eine lange Zeit. Auf ähnliche Art rann es oft gleichgültig seyn, ob ein Substantiv abstracr oder concret dargestellet werde, z.B. bey den Nahmen der Würden: als er noch Röntg war, oder als er noch ein Aönig war; in Gedanken ist sie schon gnädige Frau; aber »licht bey solchen, wo die abstracte Darstellung nicht Statt finden kann; folglich nicht, es war harter ZVimer, sondern ein harrerWintcr, ob ich gleich K«nz richtig sage, es ist Minrer, es war Min- ter. Hier wird die Jahreszeit absiract vorgestellet, allein dort zeiget mir das Adjectiv, daß eine Art oder Gattung concret ausgedruckt werden muß. Ferner: was wir jerzt als Wissenschaft den? nen, war ehedem bloß Nunst, und was wir jetzt als Aunst kennen, kann in hundert Jahren Wissenschaft seyn; wo es um der obigen Ursache willen gleichgültig ist, ob der unbestimmte Artikel gesetzt wird, oder nicht. Wenn mehrere Substantiv« auf einander folgen, so kann, doch nur in manchen Fällen der unbestimmte Artikel eben so füglich verschwiegen werden, als der bestimmte: weder Frau noch Ainder haben, für weder eine Frau; weder Haus noch Hof besiyen. §. 601. fi. Kap. i. Von dem Artikel. §. 6or. 299 §. 6oi. Aus dem wahren Gebrauche dieses Ar- Fehlerhaft «ikels erhellen Zugleich die fehlerhaften Arten seines rer GeGebrauches. Die vornehmsten sind: 1. vor «ige-^'^^ nen Nahmen, wenn sie nicht appellcttive, sondern ^ als eigene Nahmen stehen; weicher Fehler in der feyerlichen Schreibart so häufig ist: so spricht ein . , heiliger Paulus, einSalomo, für der heilige Paulus, Salon io. Ein anderes ist es, wenn der eigene Nahme appellative stehet: du maßesr dir etwas an, was sich auch ein weiser Sa- lomo nicht anmaßen würde, d.i. ein fo weiser Mann als Salomo. 2. Die Gewohnheit des Cu- rial-Styles, vor den Nahmen der Dieasterien und Gerichtösiellen, den unbestimmten Artikel anstatt des bestimmten zu seßen: eine hohe Obrigkeit, ein Hochweiser Rath, eine löbliche Universität. Da man diesen grammatischen Fehler vor den Würdennahmen einzeler Personen nicht begehet, so ist nicht abzusehen, warum die Nahmen ganzer Collegiorum ihn entschuldigen sollten, z. Vor den Zahlwörtern, welchen er oft im gemeinem Leben vorgesetzet wird, und alsdann so viel als ungefähr bedeuten soll: ich will noch eine acht Tage warten, ungefähr acht Tage; er kam nur eine zwey Stunden eher, etwa zwey Stunden; es kommt auf eine zehcn Thäler nicht an. Wo der Fehler doppelt ist, indem der unbestimmte Artikel hier nicht allein vor Zahlwörtern stehet, welche ihn doch wegen ihrer genauen Bestimmung nicht dulden, sondern auch in den Plural gesstzet wird, dessen er doch nicht fähig ist. S. Th. 1. S.26Z. 4. Vor den Neutris der meisten Adjectiven, wenn sie substantive stehen: das trägt ein Vieles, ein Großes dazu bey, für trägt viel dazu bey. Einige wenige haben dieft Form allerdings hergebracht, ZOs i. Th. 4. Abscht!. Syntax. bracht, ein Übriges thun 7 das ist mir ein Geringes , ein Gleiches, ein Ganzes. Die Deutschen haben diese Analogie sehr bald wieder verlassen, ohne Zweifel, weil sie jähen, daß dieser Gebrauch den Bedeutungen des unbestimmten Artikels nicht angemessen war; es war daher eine Gottschedische Grille, diese mit Recht verlassene Analogie wieder hervor zu suchen, und alle Neutra der Adjectiven darnach zu formen. Da hier ein unbestimmter Grad bezeichnet werden soll, so erfordert der Deutsche Sprachgebrauch hier gar keinen Artikel, wenn ja das Beschaffenheitswort concrefcierer werden muß, (S. §. 604.). Wer sagt wohl, jemanden ein Gutes thun, ein Süßes essen, ein Böses mit einem Bösen vergeltend Siehe davon auch Th. 1. §. ^29. 5. Der Niederdeutsche Gebrauch, den unbestimmten Artikel anstatt des Pro- nominis jemand zu setzen: es möchte einer sagen, für jemand; einem Gutes thun, für jemanden. S. Th.i. §.348. Zusammen- §. 602. Der unbestimmte Artikel laßt sich in Ziehung des- der vertraulichen Sprechart mit Präpositionen eben Positiv- gern zusammen ziehen, als der bestimmte. Da „e„ ' der Wohlklang dabey genau befolget werden muß, so findet solches nur mit einigen Präpositionen und dem Dative Statt: das dienet zum Beweise, zu einem; die Grammatik zur tVissenschafr machen, zu einer. S. §. 5Z8. wo davon schon gehandelt worden. Man hüte sich übrigens, diese Zusammenziehung mit der bestimmten Declination der Adjectiven zu verwechseln, oder beyde Formen für gleich bedeutend zu halten; indem hierein bloßes Casuszeichcn, dort aber außer demselben noch die Bestimmung durch den Artikel Statt findet. Das ^ordilchc rommc zu gewisser seit, stellt die i. Kap. i. Von dem Artikel. §. 6oz. 604. zvi die gerr>:fse Zeit als ein Absiractum dar; aber, das Nordlicht kommt zur gewissen Zeit, macht sie concret, und bestimmt daher scharfer als jener Ausdruck. So auch dir zu großer Schande uns zur großen Schande. §. 60?. Wer dasjenige, was hier und in dem Beyspiel erste« Theile von dem Gebrauche beyder Artikel ge- der Bestim» sagt worden, gehörig erwäget, wird den Unter- Med zwischen den beyden "Artikeln, und der Art " i^.^r Bestimmung nicht verkennen können. Hier ist ein Beyspiel davon: Er ist ein Rönigssohn. Er ist eines Königes Sohn. Er ist ein Sohn eines Königes. Er ist ein Sohn des Zxöniges. Er ist der Römgssohn. Er ist der Sohn eines V.öniges. Er ist der Sohn des A.öniges. Die drey ersten Ausdrücke sind in der Bedeutung einerley und nur in der Form unterschieden; indem' beyde Substantiv« hier den unbestimmten Artikel haben, welcher hier bloß die Gattung bezeichnet, zu welcher beyde gehören. In dem vierten Falle wird der Zxönig als Vater durch den bestimmten Artikel naher bezeichnet. In den beyden folgenden wird der Sohn auf eben dieselbe Art näher bestimmt, und in dem letzten erstreckt sich diese Bestimmung auf beyde. §. 604. Außer den fünf Fällen, welche beyde Von dem Artikel in Ansehung der Selbständigkeit an den Mticnlo Substantiven bestimmen, findet noch ein gedoppelter p^'^"' Fall Starr. I. Es soll entweder gar nichts Selbständiges, an denselben bestimmt werden, sondern das Substan-, tivum ZO2 r. Th. 4.Aöschtt. Syntax. tivum wird so abstract als möglich ist dargestellet; Tugend ist selten, NAsienschu.fr ist mehr als Amist. Wohin auch der Fall gehöret, wenn ein Gattungswort bloß zu Bezeichnung der Materie oder Gattung bestimmt ist: gib mir Brot, wir trinken lVein, es ist Eisen. Wo das Substantiv oft so» abstract wird, daß es auch alle Biegung verschmä« het: sechs Ehlen Tuch. Man druckt diesen Fall in den meisten Sprachlehren nicht schicklich und bestimmt genug so aus, daß hier ein ungenannter und unbestimmter Theil des Ganzen gemeinet sey. Es soll hier gar nichts als ein Theil, sondern bloß die Materie oder Gattung, und zwar so abstract als möglich bezeichnet werden. II. Oder es soll eine Art von Selbständigkeit ausgedruckt werden, aber eine solche, für welche der Deutsche keinen Artikel hat. Dahin gehöret denn der Fall, wenn eine mehrfache, aber zugleich unbestimmte Anzahl von den Individuis, welche ein Gattungöwort bezeichnet, ausgedruckt werden soll. Ein einiges solches unbestimmtes Ding wird durch den unbestimmten Artikel angekündiget; da dieser aber von dem Zahlworte ein entlehnet ist, und dasjenige, was eines ist, nicht mehrfach seyn kann, so fällt im Deutschen der Plural sowohl des Zahlwortes, als des davon entlehnten Artikels völlig weg. Indessen ist hier wieder ein gedoppelter Fall Möglich. i. Die mehrfache aber unbestimmte Anzahl Zilt im eigentlichen Verstände: ich sehe Nlens schcn, Dögcl fangen, es kommen Pferde. Wo zwar mehr Individua ihrer Art bezeichnet werden/ aber bloß nach dem Begriff der Mehrheit, ohne alle Bestimmung der Zahl. Oder !. Kap. I. Voll dem Artikel. §. 605. Zvz 2. Oder sie wird figürlich zur Bezeichnung der ganzen Gattung gebraucht: Menschen sind sterblic», d. i. alie Menschen; Diebe sind die furchtsamsten Geschöpfs d. i. alle Diebe; Erbsen sind eine unverdauliche Speise. Die Franzosen haben für die meisten dieser Falle einen eigenen Artikel, welchen sie den parcitivum nennen. Die Deutscheu kennen denselben nicht, sondern setzen das Substantiv in diesen Fallen ohne allen Artikel, und zwar in dem letzten Falle allemahl im Plural, weil die mehrfache Anzahl denselben erfordert. Es erhellet daraus zugleich, wie unschicklich es ist, in Deutschen Sprachlehren von einem Aniculo parmivo zu reden; ein Artikel, welcher kein Artikel ist, gerade so, wie der Goldmacher ihr Quecksilber, welches kein Quecksilber ist. Da die Selbständigkeit und ihre Art an den allermeisten Deutschen Substantiven etwas zufälliges ist, welches von außen an denselben bestimmt wird: so verstehet es sich von selbst, daß ein und eben dasselbe Substantiv auf mehr als eine Art bestimmet werden kaun. lVein ist gesund, der N5ein ist gerathen, das ist ein guter Mein; gib mir Brot, gib nur das Vror, das ist ein schönes Dror; Eijen ist schwer, sechs j>fund Eisen, das Eisen ist schwer, ein rostiges Eisen. §. 605. Das übrige, was von dem Gebrauche Stelle und beyder Artikel noch zu bemerken seyn möchte, ist et- Erdrauch wa folgendes: ti?l" 1. Beyde Artikel stehen, wie alle concrsscierre Bestimmungswörter, mit dem Substantive, welches sie bestimmen, in gleichem Geschlechte, Casu und Numero. Mail hüte sich, daß man das Neutrum Z04 I. Th. 4. Abschn. Syntax. trum des Pronominis der, wenn es absolute stehet und Geschlechter und Zahlen vertritt, das sind meine Freunde, nicht für den Artikel halte. Vor zusammen gesetzten Substantiven folgen sie dem Geschlechte des Grundwortes, das Hülfsmittel, ein Airchgang. 2. Beyde stehen jederzeit vor ihrem Substantive. Sind mehrere Bestimmungswörter da, so tritt der Artikel, weil er die schwächste Bestimmung hat, allen vor, das große alce Haus, die zwey gestern erhaltene Ariese, ein von hier abgeschickter Vothe. Sowohl die-höchste mögliche Verständlichkeit, als auch der Wohlklang, verbiethen alle harte und elliptische Bestimmungen zwischen dem Artikel und seinem Substantive: die Gorc und ihrem Mann getreueste Calliste, S. im folgenden §. 76z. z. Der bestimmte Artikel kann niemahls ohne sein Substantivum stehen, weil die Bezeichnung der Selbständigkeit ohne das Ding, woran sie sich befindet, nicht Statt findet. Ausgenommen sind einige wenige bekannte Substantiva, welche im gemeinen leben verschwiegen werden, z. B. die von Berlin, die Einwohner, ieutc; die von AA'mch- Hausen, die Herren, Adeligen. Es ist also auch aus diesem Grunde fehlerhaft und sprachwidrig, die Wiederhohlung des Substantives um der vorgegebenen Kürze willen zu vermeiden, wenn der Verstand sie fordert: z.B. Ich meine nicht Homers Gedicht, sondern das des Virgil, für sondern das Gedicht des Virgii! S. §.647. Wohl aber kann der unbestimmte Artikel, weil er den dunkeln Begriff der Einheit bey sich hat, ohne Substantiv stehen, doch nur so, daß er sich auf ein kurz vorher gegangenes beziehe; in welchem Falle er in Ansehung des Casus F. Kap. i. Von dem Artikel. §. 605. 305 Casus von seinem Verbo abhängt: wer gibt mir ein Buch? Antw. hier ist eines' gib mir einen Gcuhl — hier ist einer. Da ein nur im Singular stehen kann, so gebraucht man im Plural dafür daö unbestimmte Zahlwort einige» 4. Der bestimmte Artikel kann oft mehr auf einander folgende Substantiv« eines Geschlechtes und einer Zahl zugleich bestimmen: der Geirz, Hochmuth und Argwohn dieses Mannes. 'Bey zwey mit und verbundenen Substantiven wird der Artikel wiederhohlet, der Edelmann und der Dauer. Sind die Substantiv« verschiedenen Geschlechtes und verschiedener Zahl, so ist die Wiederholung nothwendig, der Tod, die Auferstehung und die Verdammniß. Der unbestimmte Artikel muß in allen Fällen wiederhohlet werden, weil er den dunkeln Begriff der Zahl bey sich führet, eine Rose und eine Nelke sind zwey schone Vlumen. Eben so nothwendig ist die Wieder- Höhlung des die, wenn es einmahl der Singular und das andere Mahl der Plural ist: der Churfürst hesahe die Dibliorhek, die Hörsäle und die Runstkammer. 5. Die Verständlichkeit verbiethet, verschiedene gleichlautende Casus der Artikel auf einander folgen zu lassen, wenn sie Dunkelheit verursachen: es sahe die Frau die Fremde, besser die Frau sahe die Fremde. Doch davon in der Wortfolge. Eben so verbiethet der Wohllaut die Häufung mehrerer gleichlautender Artikel und Pronominum: der Müßiggang ist eine Last dem, der der Arbeit gewohnt ist; wo ist der, der der Tugend dienet? wo dem Übelklange durch die Ersetzung des mittel- sten der durch welcher abgeholfen werden kann. Adel.D.Spr.Il.». U Il.Ver- Zo6 I.TH. 4. Abschn. Syntax. II. Verbindung des Substantives mit andern Substantiven. Verschiede- §- 606. Zwey oder mehrere Substantivs könne Arten nen vornehmlich auf eine gedoppelte Art mit eincm- derselben. her verbunden werden, nachdem sie entweder in einem gleichen oder in einem ungleichen Verhältnisse geg?n einander stehen. Im ersten Falle sind die Substcmtiva entweder mehrere Nahmen mehrerer neben einander gestellter Dinge, oder mehrere Nahmen eines und eben desselben Dinges, oder das Hintere ist eine Erklärung, oder endlich eine Einschränkung des vorder». In allen diesen Fällen stehen sie ordentlich in einerley Casu, weil die Casus Verhältnisse bezeichnen, hier aber das Verhältniß gleich ist, sie mögen übrigens im Subjecte, oder im Prädicate stehen. Im zweyten Falle sind dic Verhältnisse sehr mannigfaltig, und die Art ihrer Bezeichnung ist verschieden, daher selbige desto umständlicher angeführet werden müssen, je mangelhafter die Sprachlehren, nicht nur der Deutschen, sondern aller übrigen Sprachen in diesem Stücke sind, indem sie von dem ersten Hauptfalle nichts weiter als die Apposition kennen, der ganze zweyte Hauptfall aber sich bey ihnen auf die Regel einschränkt, daß von zweyen Substantiven, wenn sie zusammen kommen, eines im Genitiv stehet. Wie mangelhaft diese Regel sey, ist leicht zu zeigen. In den Ausdrücken, der Fürst Bischof, die Kaiserinn Königinn, mein Darer der König u.s. f. kommen überall zwey Substantiva zusammen, und doch stehet keines im Genitivo. Der Beysah, welcher in einigen Sprachlehren beygefüget wird, wenn von zweyen Substantiven eines das andere regierer, hebt das Mangelhafte nicht, weil -.Kap. 2. Substantiv. §.607. 307 ich ja nicht wissen kann, wenn ein Substantiv das andere regieret, wenn nicht die Art und Weise, wie sie mit einander verbunden sind, aufgesuchet und näher bestimmet wird. 1. Verbindung mehrerer Substantive in einem gleichen Verhältnisse. §. 607. Mehrere Substantiva können als Nah- Verbi«» men mehrerer neben einander stehender Dinge sowohl dung durch bejahend, als verneinend ausgezählet werden, und in C°"iun- beydcn Fällen können ihrer entweder nur zwey oder auch mehrere seyn. In allen Fällen werden sie ordentlicher Weise durch Conjunctionen gesetzt oder ausgeschlossen. Wenn ihrer nur zwey sind/ bejahender Weise: Ruhm und Unsterblichkeit erwarten dich, so- wohl Ruhm als Unsterblichkeit erwarten dich. Verneinender Weise: weder Ruhm noch Unsterblichkeit erwarten dich. Ist die Verbindung bejahend, und die Substantiva haben einerley Biegungssyloen, so pflegt man sie in der vertraulichen Sprechart wohl an dem ersten zu ver- beissen: in Freund und Feindes Land, durch Dorn und Hecken. Die edlere und feyerliche Schreibart ziehet die vollständigen Formen, in Freundes und Feindes Land, durch Dornen und Hecken, billig vor. Sind der Substantiven mehrere, und die Verbindung geschiehet durch und, so bekommt nur das letzte diese Partikel: woRerker, Gift und Dolch uns augenblicklich drohen. Der Affect läßt hier gerne alle Verbindung weg: Stolz, Untreu, Üppigkeit hauchen uns hier giftigeDünste entgegen. Ist die Verbindung ausschließend und ge« U 2 . schiehet ZO8 l. Th. 4.Abschll. Syntax. schiehet sie mit weder und noch, so bekommt daS erste Substantiv rveder, alle folgende aber noch: rveder Gort, noch Menschen, noch Geseye furchten. Es gibt indessen noch mehrere Conjun- ctionen, welche in gleichein Verhältnisse stehende Substantiv« setzen oder ausschließen, oder eines ausschließen und das andere setzen, z. B. nicht Mens sehen, sondern Gorc furchten; nicht allein Menschen, sondern auch Gorc fürchten; nichc Menschen, nichr Gott, nicht Geseye fürchten, und so ferner. Von der §. 608. Wenn einem Dinge mehrere Nahmen Apposition, oder Titel schlechthin beygeleget werden, so nennet man solches eine Apposiuou, und die Substan- tiva, welche solche Nahmen oder Titel enthalten, stehen in der Appostrion. Diejenigen Substantiv«, welche in der Apposition stehen, sind entweder Gattungswörter oder eigene Nahmen, oder es wird ein Gattungöworr auf diese Art mit einem eigenen Nahmen verbunden. In allen Fällen stehen sie eigentlich in einerley Castt und Zahl: der Fürst Bischof von Bamberg; ihr Herr Bruder; seiner Frau Schwester; sags den Prinzen meinen Brüdern; Rom, das Haupt der Arden, die Königinn der Völker. Ist der zweyte Nahme ein eigener, so stehet er im Deutschen hinten, die Stadt Berlin, der Raiser^oftph, Fürst Adolph, Docror Lucher. die Tauf-und Geschlechtsnahmen stehen eigentlich auch in Apposition, Carl Ludwig Hebenstreir. Wie solche Nahmen declinieret werden, ist bereits §. 246 und 247 gezeiget worden, so wie §. 559 bemerket worden, daß man solche in Apposition stehende Nahmen nicht für Zusammensetzungen halten müsse, Fürst-Bischof, nicht Fürstbischof. §. 609. i.Kap. 2. Substantiv. §.6c>9-6ir. 509 §. 609. Oft ist von zweyen Substantiven das CrMning Hintere die Erklärung des vordem, in welchem Falle durch sie gleichfalls in einerley Casu, aber nicht nothwen- «"dere. dig in einerley Zahl stehen: heil deinem rvürd- gen Sohne, jeyr meinem Könige; der Schlaf, der Müden Freund, der Unglücklichen Trost; deine Thorheiten, diese Duelle deines Unglückes. Kann es ohne Zwang geschehen, so pflegt man ein Wort gern durch ein anderes gleiches Geschlechtes zu erklären: das Urtheil der Vernunft, dieser sters bestochenen Rathgeberinn. §. 6io. Schränkt das Hintere den Begriff des Einschrüu- Prädicates auf ein besonderes Verhältniß des er- kung eines siern ein, so stehen beyde wiederum in gleichem Ca- ^Ae^ su, und das Hintere bekommt die einschränkende Partikel als: ein Befehl des Kaisers Joseph, als Königes von Böhmen; ich betrachte den Menschen als Menschen, nicht als Christen; rvie durch Christum, als den Sohn Gottes, alles erschaffen ist. Siehe auch §. ?c>8 und 709, wo davon noch etwas vorkommt. Gemeiniglich rechnet man die Einschränkung und Erklärung eines Substantives durch das andere gleichfalls mit zur Apposition, wohin sie doch nicht gehören. 2. Verbindung zweyer Substantive im ungleichen Verhältnisse. §. 611. Wichtiger und zahlreicher sind die Fäl- Verschiede- le, wo zwey Substantiva in einem ungleichen Ver- «e Arten Hältnisse mit einander verbunden werden, deren so derBezeichl- viel sind, als es solcher Verhältnisse gibt. Wir ^Wr- reden hier nur von denjenigen Verhältnissen dieser „isse. Art, welche zur unmitteloaren Bestimmung eines andern Substantives dienen, indem diejenigen Fälle, Uz wo Zio Th. 4.Abschn. Syntax. wo das Verhältniß zunächst von dem Verbo herrühret, bey dem Verbo vorkommen werden. Die ungleichen Verhältnisse, worin zwey Substantiv« mit einander verbunden werden können, werden auf dreyfache Art ausgedruckt: i. durchweine Präposition: Reirze zur Unmüßigkeir, Personen aus der Stadt, Gegen vom Himmel, Zuziehung aufdem ü.ande. 2. Durch den Genitiv, welcher Casus hier von einem weitläufigen Gebrauche ist, und vornehmlich zur Bezeichnung solcher Verhält- . nisse dienet: die Schönheit der 2?iume, die Dauer der lT>elr. z. Oder endlich das Hintere Substantiv bleibt völlig unverändert, nur daß e6 nach Befinden der Umstände in den Plural tritt: ein Pfund Eisen, ein Gericht Fische. Die Fälle, welche durch Präpositionen ausgedruckt werden, sind schon bey diesem Redetheile angezeiget worden, daher wir nur bey den letzten beyden Arten stehen bleiben, doch aber noch diejenigen Fälle beyfügen müssen, welche vermittelst der Präposition von ausgedruckt werden, weil sich diese mit dem Genitive in gewisse Verhältnisse theilet, welche sehr oft mit einander verwechselt werden. Herr Rector deiner hat in seiner philosophischen Sprachlehre die Verhältnisse, welche durch den Genitiv ausgedruckt werden, am besten entwickelt, dessen Bemerkungen ich mir daher zu Nutze gemacht habe. Die vornehmsten sind folgende: r. VerlM- §.612. 1. Das Verhältniß der wirkenden Ur- mß der wir- sache, des Urhebers. (1) Mit dem Genitive: der sich/" "^Sohn Gorres, ein Befehl des Königes, die Nachkommen Adams, Söhne eines Vaters, 5Volss Logik. (2) Mit von, doch eigentlich nur, wenn der Genitiv zweydeutig seyn, und den bloßen Besitz bezeichnen könnte: ein Gemählde von i.Kap. 2. Substantiv. §. 6iz. zu von Tician, ein Gedicht von Gellen; wo ein Gemählde Ticians auch den Titian als bloßen Bescher bezeichnen könnte, daher von das Verhältniß der wirkenden Ursache genauer bestimmet. Wo dieseZweydeutigkeit nicht zu besorgen ist, ziehet man den Genitiv dem von vor: der Verfasser dieses Buches, nicht von diesem Vuche. §. 6iz. 2. Das Verhältniß des Besitzes, der-.DesBcss- Herrschaft. (i) Mit dem Genitive: die Länder tz-s »n° der des Fürsten, die Güter des Freyherren, das Schaft. -Haus meines Nachbars, die Göttinn des Glückes , ein Herr vieler Güter, der Besiyer des Dorfes, der InHader einer Urkunde, die Bibliothek eines Gelehrten. (2) Mit von, doch nur vor den eigenen Nahmen der iänder, Bezirke, Güter und Oerter: Kaiserinn von Rußland, König von pohlen, der Churfürst von Sachsen, der Bischof von Vamberg, Herr von Schlesien. In der höhern Schreibart gebraucht man hier auch wohl den Genitiv, welcher . alsdann gern voran gcsetzet wird: Preussens Kö-- mg, Rußlands Kaiserinn. In andern Fällen ist der Gebrauch des von fehlerhaft, z.B. das Haus von meinem Machbar, für meines Nachbars. S. auch §. 516. In den einmahl eingeführten Ausdrücken, der Herr, die Frau, der Sohn vom Hause, bezeichnet von sowohl den Besitz als die Herkunft. Beyläufig merke man den Unterschied, welcher unter den Präpositionen von, in und zu vor den Nahmen der Länder und Provinzen Statt findet. Von bezeichnet den Besitz des Ganzen, König von Frankreich, von Groß - Britannien, Herzog, von TVürtemberg; in bezeichnet nur die U 4 Anwe- zi2 i. Th. 4.Abschn. Syntax. Anwesenheit eines besessenen Theiles in dem größer». Die Bescher des westlichen Preussens schrieben sich ehedem nur Herzoge in Preussen, weil sie nicht das gsnze Preussen besaßen. Zu ist nur noch in alten Titulaturen üblich und bedeutet oft so viel als von, oft auch nur so viel als in: Markgraf zu Meissen, Landgraf zu Hessen, Graf zu Srolberg. s. Der Zeit §. 614. z. Das Verhältniß des Daseyns in und des Ansehung der Zeit und des Ortes. Dieses wird zwar eigentlich durch Präpositionen bezeichnet, wohin in, an, auf u. s. f. gehören; allein sehr oft wird dasselbe auch durch den Genitiv ausgedruckt, besonders in der höhern Schreibart, und wenn der Genitiv keine Zweydeutigkeit macht: ein Lehrer dieser Schule, für an; die Gelehrren unsers Iahrhunderres, für in; die Einwohner der Stadt; die Jugend der Dörfer; die Stunde der Mitternacht. Ist eine Zweydeutigkeit zu befürchten, z. B. die Herren dieses Drres, welches sowohl die Herren an diesem Drre, als die Herren von diesem Grce bedeuten kann, so ist um der Deutlichkeit willen eine Präposition nothwendig, eS müßte denn der Zusammenhang die Zweydeutigkeit heben. 4. Dcs Un- §. 615. 4. Das Verhältniß des Unselbständi- sell'Midi- in Ansehung des Selbständigem, woran es sich da's'Lb" befindet; wohin folglich alle die Fälle gehören, ständige, wenn von einem Concreto eine Beschaffenheit, eine Eigenschaft, ein Umstand, kurz ein jeder abstracter Begriff vermittelst eines Substantives angegeben wird. In diesem Falle stehet das concrete Sub- stantivum allemahl im Genitive, wenn dieses Verhältniß nur überhaupt angedeutet, oder wenn nichts >""'''^-!- ^^^^»MI^MWWW^^^^WI^^^WI ^ i. Kap. 2. Substantiv. §. 615. ziz als dieses Verhältniß bezeichnet werden soll: die Schönheit dieser Person, die Reihe des Frühlinges, die Entwickelung unserer Aräfte, die Bewegung des Körpers, jenseit der Schatten des Grades, die Zeir des Lebens, die Größe der Scadr. Soll aber der Ort näher bezeichnet werden, so geschiehet solches durch eine Präposition: die blühende Röche auf den XVangen, die Stärke in den Gliedern. Allein den Genitiv durch die Präposition von zu umschreiben, ist hier allemahl ein Fehler: den Schein von der Tugend haben, das ist das Ende vom Liede, das Schwarze von der Dinre, die Größe von der Stadt. Die Unfähigkeit mancher Substantive, den Genitiv auszudrucken, entschuldigt diesen Fehler nicht, weil der Artikel, der hier allemahl zu Bezeichnung des concretern Begriffes nothwendig ist, denselben hinlänglich andeutet. Kommen ja dergleichen Fälle vor, z. B. die Untersuchung von ein paar Exempeln, so läßt sich der Unbequemlichkeit leicht durch eine andere Wendung ausweichen, die Untersuchung einiger, weniger Exempel. Nur dann scheinet von einige Nach- ficht zu verdienen, wenn das concrete Substanti- vum in dem Falle, da es im Singular den unbestimmten Artikel haben müßte, im Plural stehet: die Schlüssel von bezwung'ner Städte Thoren, wo Thor den bestimmten Artikel nicht haben soll, es für sich allein aber den Genitiv nicht bezeichnen kann. In Prosa würde das keine Verlegenheit verursachen, weil man unbeschadet des Sinnes sagen könnte, die Schlüssel der Thore bezwungener Städte, oder die Thorschlüssel bezwungener Städte, oder gar nur die Schlüssel bezwun- gcner Städte. S. auch §. 620. U 5 §. 6:6. Z!4 I. Ts> 4'Abschn. Syntax 5. Der §. 616. 5. Das Verhältniß der Theile gegen Theile ge- das Ganze, oder vielmehr die Bezeichnung des «en das Ganzen, an welchem sich etwas als ein Theil befin- det, wo besonders ein dreyfacher Fall Statt findet. 1. Ist der Theil, wovon das Ganze angegeben wird, noch an demselben befindlich, oder er wird als an demselben befindlich vorgestellet, so stehet das Ganze am besten in dem Genitive: die N)and des Hauses, ein Drittel der Stadt, die Gränzen Deurschlandes, die obern Theile Italiens, die jLcke des Tisches. Sehr häufig wird hier freylich auch von gebraucht: ein Drittel von der Sradt, die obern Theile von Italien. Allein diese Präposition sollte hier eigentlich nur alsdann gebraucht werden, wenn sich der Genitiv entweder gar nicht, oder nicht ohne Mißklang ausdrucken läßt: die Theile von Afrika, die Provinzen von Amerika. 2. Soll der Theil von dem Ganzen getrennet werden, so stehet am häufigsten von: ein Stück von dem Braten, nimm ein Brer von dem Haufen, gib nur ein Pfund von dem puls ^ ver. Welche Präposition auch z. um der Deutlichkeit willen stehet, wenn der Theil schon wirklich von seinem Ganzen getrennec ist: ein Finger von dem heiligen Burchard, als Reliquie; ein Finger des heiligen Burchards würde bedeuten, daß derselbe noch an seinem Körper befindlich ist. So auch die tVolle vom einem Schafe, die Brust von einem N?idder, die Haut von einem Menschen. Wird in allen diesen Fällen das Ganze oft ohne alles Casus-Zeichen gesetzt, ein Stück Braten, ein Viertel Pfund u.f.f. so gehet dieser Fall in den folgenden über, und das Ganze wird hier bloß als Materie oder Gattung betrachtet. 6. Das i. Kap. 2. Substantiv. §. 6i6. 315 6. Das Verhältniß des Theiles oder auch der «z.De-M«, Art zu der Materie oder Gattung, die Materie oder tene und Gattung Zu bezeichnen, zu welcher etwas gehöret; Gattung, ein mit dem vorigen und folgenden nahe verwandter, aber doch noch merklich verschiedener Fall. Man druckt dieses Verhältniß aus: i. durch den Genitiv: ein Theil der Soldaten, die Versammlung der Fröhlichen, die Gemeine der Heiligen, eine M)le des besten Sammres. 2. Mit von, aber eigentlich nur, wenn sich der Genitiv nicht deutlich bezeichen läßt, oder Mißklang verursachen würde: eine Reihe von Rirschbäumen. Kommt ein Bestimmungswort dazu, eine Reihe der besten Airschbäume, so läßt sich der Genitiv deutlich bezeichnen. Wo dieses Statt findet, da ist derselbe besser als von, eine Ehle des besten Tuches, besser als. von dem besten Tuche, z. Sehr häufig wird der Nahme des Ganzen, woraus etwas bestehet, als ein Material- und Gattungsnahme ganz abstract ohne alle fernere Bezeichnung des Verhältnisses ausgedruckt, und alsdann stehet das Substantiv im Nominativ des Singulars oder Plurales: eine Mahlzeit Essen, ein Gericht Fische, eine Menge ögel, eine Reihe Soldaten, eine Mhle Sammet, eine Anzahl Menschen, eine Summe Geld, ein Stück Vroc, ein Pfund Aäse, eine Schnur perlen, ein Stab Eisen, zehen Gulden Strafe, hundert Thaler Überschuß, zehen Thaler Verlust, Gewinn, zwey Fuder Holz, vier Pfund Gold u. s. f. So auch in den Casibus obliquis: von einem Glase lVein, von zwey Maltern Ixorn, mir drey Ehien Tuch, mit drey Fudern Steine. Im Oberdeutschen gebraucht man Statt dieser verkürz- ten.Art des Ausdruckes häufig den Genitiv, welchen Zi6 I.TH. 4. Abschn. Syntax oft die höhere Schreibart auch im Hochdeutscheil nachahmet, eine Summe Geldes, mir einem Stücke L>rores; wohin auch die im gemeinen Leben üblichen Ausdrücke, eine Meile IVeges, eine Menge Volkes, ein Haufen Geldes, und mit versetzten Genitiven in der niedrigen Sprechart, Volks die Menge, Geldes die Hülle und Fülle, gehören. Nothwendig wird oft der Genitiv, wenn der Classen-Nahme noch ein Bestimmungswort vor sich hat, ein Gericht seltener Fische, oder der ftl- renften Fische, eine Reihe gehauener Greine, eine Menge schöner Vögel, ein Glas süßen lVeines, ein Maß frischer Milch. Zuweilen kann der Classen-Nahme auch hier unverändert bleiben, eine Menge schöne Vögel, ein Maß frische Milch, zehen Thaler neues Geld, eine Reihe gehauene Steine, nimm ein Glas süßen lVein, wo der Accusativ von dem Verbo herrühret, für nimm süßen 5Vein ein Glas; weil man in andern Fallen sagt, es rvar ein Glas süßer lVein, wo doch der Genitiv schicklicher und üblicher ist. Wenn das Wort paar sein Classen- Wort nach sich und ein Zahlwort vor sich hat, so hat es noch das Besondere, daß es mit dem letztern unverändert bleibt, dagegen die Biegung, wenn selbige nothwendig ist, an dem Classen-Worte geschiehet: ein paar (Ochsen, sechs paar Tauben, vor ein paar Tagen, mir ein paar Zeilen; machen sie sich nicht zum Märryre? von ein paar schönen Augen, Gell, nicht von einem paare; vor ein paar Augenblicken rvar er noch da; sie hat ihm ja vor ein paar Srun- den noch angestanden, Gell. In welchen Fällen es mit seinem Bistimmungsworte eine völlig ad- verbische Gestalt bekommt. §. 617. i. Kap. 2. Substantiv. §. 617.618. 317 §. 617. 7. Das Verhältniß der Materie oder 7. DerM«» des Stoffes, woraus etwas bereitet ist, mit von: terie. ein Ring von Gold, ein Messer von Stahl, ein Rran; von Blumen, ein Dach von Stroh, eine Dose von Horn. Dieser Fall unterscheidet sich von dem vorigen vornehmlich darin, daß dort die Materie nur abstract und allgemein ausgedruckt, hier aber die Herkunft durch das von naher bezeichnet wird. Übrigens wird eben dieses Verhältniß auch entweder durch ein Adjectivum oder durch die Zusammensetzung ausgedruckt: ein goldner Ring, ein stählernes Messer, ein Blumenkranz, ein Strohdach, eine hörnerne Dose. 8. Das Verhältniß der Herkunft, der Ab- 8. Der Her- stammung, gleichfalls mit von: eine Person von kunst. hohem Adel, von gutem Geschlechte, von nie- derm Range, von vornehmer Geburt, ein Deutscher von Geburt. Zuweilen auch mit dem Genitive, ein Deutscher seiner Geburt, oder seiner Geburt ein Deutscher, seines Herkommens ein Handwerker. §. 618. 9« Das Verhältniß des leidenden Ge- 9. Des Gegenstandes, welches dem vordern Substantivo zur gcnstandcs Erklärung dienet, welches eigentlich durch den Ge- derBestjm- nitiv ausgedruckt wird: ein Muster der Mäßig- keit, ein Vetter des Ministers, die Belagerung der Scadr, ein Freund unsers Hauses, ein Feind aller Laster, der Verkauf des Hauses, die Ermordung eines Unschuldigen, die lVelt ist eine Schule des Bösen, das Gefühl unsers Glückes, der Genuß des Lebens. Der Genitiv ist hier die eigentliche und gewöhnlichste Art der Bezeichnung, und man ersetzt ihn nur i. durch von, wenn sich der Genitiv nicht an dem Substan. tive bezeichnen läßt; .2. durch andere Präpositionen, ZlZ r.TH. 4. Absthn. Syntax nen, wenn der Genitiv Zweydeutig ist, und sowohl den Gegenstand, als auch die wirkende Ursache bedeuten kann; z.B. der Verlust unsers Freundes, kann eben sowohl den Verlust bedeuten, welchen unser Freund erlitten hat, als auch den Verlust, welchen wir in ihm erlitten haben; die Liebe Gottes, die Liebe, welche er gegen uns hat, und welche wir zu ihm tragen sollen; der Mord eines Bischofes, welchen ein Bischof begangen, und welcher an ihm begangen worden. So auch: der Mangel des Raumes, die Furcht des Ccdes, der Genuß eines Freundes, die Hülfe der Gcadr, die Einsegnung des Priesters. In allen diesen Fallen, wo eine Zweydeutigkeit zu besorgen ist, umschreibet man den Gegenstand billig durch eine Präposition: der in unserm Freunde erlittene Verlust, die Liebe gegen Gott, der an einen Vischof begangene Mord, der Mangel an Raum, die Furcht vor dem Tode. Es müßte denn der Gebrauch die Bedeutung schon bestimmet, und dadurch aller Mißdeutung vorgebeuget haben: der Dienst des Königes erfordert es, wird schon allemahl von dem leidenden Gegenstande, nie aber von der wirkenden Ursache gebraucht. So auch der Dienst Gottes, die Furcht Gottes, die Furcht des Todes. Aber von zu gebrauchen, wenn der bloße Genitiv deutlich und bestimmt genug ist, ist ein Fehler: ein Freund von unserm Haufe, der Beweis von meiner Treue, ein Vetrer von dem Minister. Ausgenommen sind die Genitive der persönlichen Prono- minum, welche in dieser Verbindung nicht stehen können. Für, ein Freund meiner, ein Vetter unser, sagt man von mir, von uns, aber noch besser? nn't den Possessiven, mein Freund, unser Vecrer. §. 619. i. Kap. 2. Substantiv. §. 619. ziy §. 619. 10. Das Verhältniß einer bestimm- io. Einer ten Beschaffenheit oder Eigenschaft, besonders einer bestimmte» bestimmten Größe, eines Maßes, Gewichtes, Wer- Beschaffendes oder Alters; mit von. ^M' (1) Einer bestimmten Beschaffenheit, wenn selbige durch ein Substantiv ausgedruckt werden soll: eine Sache von großer-Wichtigkeit, ein Mann von vieler Gelehrsamkeit, von vielen Verdiensten, eine Person von seltener Schöns heir, ein Mensch von schlechter Aufführung, ein Mann von großen: Vermögen, von vieler ZLinstchr, eine Person von gutem lVuchse, ein Nleid von dunkler Farbe, ein Demant von großem N>erche, eine Speise von gutem Geschmacke, ein Mann von deinem Verstände. Wo das Adjectiv, wenn dasselbe leicht zu verstehen ist, auch wohl verschwiegen wird: ein Mann von Verdiensten, von Vermögen, eine Person von Stande, ein Mann von Geschmack. In. dessen läßt sich doch diese ganze Arr des Ausdruckes nicht überall anbringen, besonders wenn das Adjectiv den Begriff kurzer, und eben so verständlich ausdruckt: eine sehr häßliche Person, ein thörichter Mensch, ein armer Mann, und nicht, eine Person von großer Häßlichkeit, ein Mensch von Thorheit, ein Mann von Armuth, ob man gleich sagt, eine Person von großer Schönheit, ein Mann von Verstände, von Vermögen. In einigen wenigen Fällen ist hier auch der Genitiv gangbar: einRind guter Art. Es gibt noch eine gedoppelte Arr, die bestimmte Beschaffenheit einer Person und zuweilen auch einer Sache durch ein Substantiv zu bezeichnen: (a) Die Lebensart, den Stand, das Gewerbe u. s. f. durch den Genitiv: er ist seines Standes ein Raufmann, Z2O i. Th. 4.Abschn. Syntax. mann, seines Handwerkes ein Schneider, seiner Lebensart ein Soldat, seines Glaubens ein Jude, seiner Religion ein Reformircer; welche Art des Ausdruckes doch auch ihre Gränzen hat. (b) Mit von vor dem Subjecte: ein Abscheu von einem Menschen; ein Ausbund von einem ehrlichen Mann; ein Teufel von einem tVeibe; sie ist eine gute Arr von Frau, besser, eine Frau von guter Arr; ein lVunder von einem Menschen; ein Schurke von einem Bedienten; welche in der vertraulichen Schreibart vorzügliche Form eben so sehr eingeschränket ist. (2) Besonders das Verhältniß einer bestimmten Größe und Zahl, eines bestimmten Werthes, Alters, Maßes und Gewichtes: eine Reise von zehen Meilen; ein Faß von sechs Eimern; ein Stein von vier Pfund, ein Jüngling von zwanzig Iahren; eine Schnur von zwölf Ehlen; eine Summe von hundert Thalern; ein alter Mann von achtzig Jahren; eine Anzahl von rausend Stück. Umschrei- §. 620. Man erinnere sich hierbey, was schon bung des Th. 1. §. 172 von dem Genitive überhaupt gesagt Genitives worden. Die Verhältnisse, welche er ausdruckt, durch von. ^ ^ g^rl Sprachen am klarsten empfunden, daher er auch am frühesten bezeichnet worden, und die meisten Verhältnisse zu vertreten bekommen, zumahl da man alle diese Verhältnisse nur sehr dunkel empfinden konnte. Bey dem Fortgange der Cultur und mehrerer Deutlichkeit in der Erkenntniß, sonderte man nach und nach immer mehr Verhältnisse davon ab, und druckte sie um der Deutlichkeit willen, entweder durch andere Casus, oder auch durch Präpositionen aus, und da bekam denn die Präpo- i.Kap. 2. Substantiv. §.62^. Z2i Präposition von ihren reichlichen Antheil, zumahl da ihre Bedeutung ohnehin nahe an die Bedeutung des Genitives gränzet. Indessen haben beyde ihre Gränzen, Und es sind Fehler, das von zu gebrauchen, wenn der Genitiv bestimmt genug und einmahl gewöhnlich ist. Die ungeschickte Nachahmung des Französischen hat im Deutschen eins Menge solcher Sprachfehler eingeführet, welche desto auffallender sind, da sie der Kürze schaden, welche doch bey manchen Schriftstellern das erste Grundgesetz der Sprache seyn soll. Diejenigen Fälle, da diese Präposition, außer ihren eigenen Bedeutungen den Genitiv vertreten kann und muß, siud demnach folgende: 1. Wenn das Verhältniß von der Art ist, daß der Genitiv allein es nicht deutlich genug bezeichnen würde, welche Fälle schon im vorigen angezeiget worden. 2. Wenn der Genitiv 'zweydeutig ist, und sowohl das Verhältniß des Urhebers, als auch des leidenden Gegenstandes bezeichnen kann; wovon gleichfalls schon im vorigen gehandelt worden. z. Wenn der Genitiv unkenntlich ist, d. i. wenn das Substantiv ihn nicht bezeichnen kann, und der Sinn auch keinen Artikel verstattet: Ströme von Begeisterung, ein unermeßliches Feld von Gegenständen, die Einwohner von Amerika, die Größe von Paris, die Stände von Arrois, welche Arc von Schmeichele^ iäßt sich der Genitiv an einem BestimmuugSworte ausdrucken, so ist von ein Fehler: Ströme sanfter Begeisterung, ein unermeßliches Feld wichtiger Gegenstände, die Größe der Stadt Paris. Steht das Hintere Substantiv abstracto als Adel. jv.Spr. U.V. X ein Z22 i. Th. 4.Abschtt. Syntax, ein bloßes Material - oder Gattungswort, so ist diese Bezeichnung unnöthig: eine Menge Liebesbriefe, eine Sammlung Dünste, wo von unnöthig ist. 4. Wenn zwey oder mehr auf einander folgende gleichlautende Genitive den Wohllaut beleidigen : das Verbum enthält den Grund des Accusatives des folgenden Substantives; besser von dc^n Accusativs des s. f. Stelle des' §. 621. Die eigentliche Stelle des Genitives ist Genitives, hinter seinem Substantive, von welchem er abhanget. Allein er wird auch häusig, besonders in der edlern Schreibart demselben vorgesetzt, wenn es kein Bestimmungswort vor sich hat, in welchem Falle es zugleich seinen Artikel verlieret, weil der Genitiv die Selbständigkeit schon hinlänglich bestimmet, S. §. 595: der Sitten Weichlichkeit, des Lebens Freude, roir find des Todes tägliche Äeure. Fehler sind daher: (1) wenn man den Artikel des bestimmten Substantives dem Genitive nachfolgen lässet, welches in einigen Arten des Ausdruckes im gemeinen Leben geschiehet, Volks die Menge, Freude die Fülle, Geldes die Hülle und Fülle. (2) Wenn man den Artikel oder ein anderes Bestimmungswort des bestimmten Substantives durch den Genitiv von demselben trennet: dieser des Todes Gedanke; bey solcher der Sache Beschaffenheit; nach reifer der Sache Überlegung; Skizzen von dem Verfasser der Adolphs gesammleren Briefe. Was für einen Gefchmack uni? was für ein Gefühl mußte wohl der Mann haben, der 1780 noch so schreiben konnte! Hat das regierende ein Bestimmungswort vor sich, so muß der Genitiv schlechterdings hinten stehen: dieser Gedanke des Todes, bey solcher Beschaffen- r. Kap. 2. Substantiv. §. 621.622.' M schaffenheic der Sache. Daß der Genitiv, mie seinem Substantive oft zusammen gezogen werden könne, ist bereits im vorigenztenAbschnitte bemerket worden. Ein Substantiv kann mehrere Genitive bey sich haben, wovon entweder einer den andern regieret: die Verbindlichkeit des Gesetzes der Natur, die Betrachtung der XVunder Gottes des Himmels und der Erde; oder wovon beyde zu dem bestimmten gehören, das höchste Geserz der Ordnung des Himmels, in welchem Falle doch der eine um der Deutlichkeit willen voran geseßet wird, des Himmels höchstes Geserz der Ordnung. Überhaupt müssen bey mehrern Genitiven sowohl die Deutlichkeit als auch der Wohllaut in Betrachtung gezogen werden. Die Deutlichkeit verbietet, zwey Genitive dem bestimmten vorzusetzen, des Ritters der Sonne Abenteuer, man müßte sie denn zusammen ziehen können ; der Wohllaut aber, zwey auf einander folgende Genitive auf s, das Verbum ist der Grund des Accu- sätivcs des Substantives; besser von dem Accusativs des Substantives. Beyde Unbequemlichkeiten lassen sich durch Präpositionen, durch Verwandlungen eines Genitives in ein Adjectiv u. s. s. heben: eines Feldherren Unerfahrenheir im Kriege; menschliche Übertretungen des Gesetzes der Natur, oder die Übertretungen — von Menschen. III. Von dem Adjective und dessen Verbindung mit dem Substantive. §. 622. Das Adjectivum, folglich auch das con- Stelle bei erescierte Participium, stellen eine Beschaffenheit als Adjectives, an dem Dinge befindlich, oder demselben beygelegt, X 2 folglich Z24 r.TH. 4.Äbschn. Syntax. folglich als eine Eigenschaft dar. Sie haben daher insgesammt das Concrecions-Zeichen, (einige Zahl, und Umstandswörter ausgenommen, S. §. 264^ 510.) und stehen allemahl vor ihrem Substantive, dem sie zugleich in dem Casu, in ^ dem Geschlechte und in der Zahl folgen: die sterbende Unschuld, das holde Lächeln des Frühlings. Nur wenn sie eigenen Nahmen zum Unterschiede beygefüget werden, so stehen sie nebst den Ordnungszahlen hinten, und bekommen alsdann zugleich den bestimmten Artikel: Carl der zwölfte, Alexander der große, Churfürst Friedrich der weise. Der bestimmte Artikel gibt ihnen hier die Gestalt eines Substantives, daher sie in diefen Fällen auch von vielen mit großen Buchstaben geschrieben werden. Daß sie aber hier keine Substantive sind, sondern sich bloß auf das vorher gehende Substantiv beziehen, erhellet aus den ähnlichen Ausdrücken, Gott, der Herr, der große, der erhabene. S. den folgenden §. Wird ein solches Bestimmungswort nicht zum Unterschiede von ander,: gleiches Nahmens, ssudern bloß zu Bezeichnung der Eigenschaft beygefüget, so stehet es vorn, der weise Salomo. Die höhere Schreibart setzt sie auch in jenem Falle gern voran: der zwölfte Carl, der große Alexander. Ehedem, ehe sich noch die Deutschen den Unterschied des Adjectives von dem Adverbio mit einiger Klarheit dachten, und ehe sie noch das Adjectivum gehörig concrescieren lerneten, ward das Adjectiv unconcresciert, häusig seinem Substantive nachgesetzt: 0 tVunder groß! Ellas lVagen roch; ein Tröpstein kleine. Überbleibsel davon sind noch: i. Varer unser, nach dem lateinischen k-Zwr »oller. i. Kap. z. Adjectiv. §. 622.62z. Z25 no^er. 2. Der im gemeinen jeben übliche Ausdruck, mein Varer seliger, für mein seliger Das ter. z. Die eben daselbst noch gewöhnlichen, vier Mark Kubisch, drey Mark Dänisch, sechs Fuß Rheinländisch. DieUmsiandswörter allein, genug, voll u.s.f. machen hier keine Ausnahme, weil sie keine Adjective sind, davon im Folgenden. Auch nicht die Falle, wo zwey Satze durch ein Beschaffenheitswort mit Auslassung des Verbi in einen zusammen gezogen werden: der Herr, mächtig im Streite, für, welcher im Streite mächtig ist; davon bey der Participial- Construction. Übrigens darf der Unterschied des Adjectives von demAdverbio hier wohl nicht erst wiederhohler werden. Das Adverbium druckt die Beschaffenheit abstract aus, und kann daher nicht anders als vermittelst eines Verbi von dem Substantive gesagt werden, die Kippen sind roch; das Adjectiv bezeichnet sie concret, folglich als eine Eigenschaft, und muß daher nicht allein corrcresciert werden, sondern als das bestimmende Wort auch voran stehen, die rothen Kippen; folglich nicht die Lippen roch, weil hier kein Verbum ist. §. 623. So wie nun im Deutschen kein Ad- Beziehung jectiv eigentlich hinter seinem Substantive stehen <">f ein vor, kann, so kann auch kein Adjectiv ohne ein Substan- tiv gebraucht werden, weil die Eigenschaft das Ding ^iv."' genannt haben will, woran sie sich befindet. Allein es findet doch ein doppelter Fall Statt, in welchem ein Adjectivum gebraucht werden kann, ohne sein Substcmtivum unmittelbar zur Seite zu haben: !. in Beziehung auf ein kurz vorher gegangenes Substantivum: Französische Waaren und nicht Deutsche; die künftige Zeit sowohl als Xz . die g26 I.TH. 4. Abschn. Syntax die vergangene; allerley Personen, vornehme »ind geringe; die Rose, die schönste unter den Blumen. So auch bey eigenen Nahmen: Lues drich, der weise, der standhafte. S. den vorigen §. In welchem Falle es aber in dem Cafn von seinem Verbo abhängt: weg mit den Aos sei», die schönsten hast du bereits ausgesucht. 0. Wenn ein sehr bekanntes Substantivum leicht zu errathen ist, und daher ausgelassen wird, welches doch nur selten Statt findet, besonders bey Zahl-vör- tern: es rvaren ihrer viele, wenig da, nähmlich Personen; mir sechsen fahren; auf allen Vieren kriechen; den zwölften dieses Goliaths; zur rechten und zur linken. Welcher Fall sich unvermerkt in denjenigen verlieret, da das Adjectiv als ein Substantiv gebraucht wird: zur Rechten und zur Linken, ein Gelehrter, em HVeiser. Ein Adjectiv bezeichnet eine Eigenschaft; soll eine und eben dieselbe Eigenschaft mehrern selbständigen Dingen beygeleget werden, so muß sie im Singular wiederhohlet werden, wenn gleich die beyden Substantive eines Geschlechtes sind: der rus gendhafre Bürger und der tugendhafte Bauer, nicht der tugendhafte Bürger und Bauer. Die Ursache leuchtet leicht ein; die Eigenschaft soll zweymahl genommen werden, und kann doch nicht anders als im Singular stehen; daher hier ein Widerspruch ist. Da dieser aber im Plural wegfällt, so kann ein Adjectiv hier auch gar wohl zwey In- dividua bestimmen: die tugendhaften Bürger und Bauern; wohlriechende pflanzen und Arämer. Da die Wiederholung eines und eben desselben Adjectives im Singular das Ohr beleidigen würde, so ersetzet, man das eine, wenn es seyn kann. i. Kap. z. Adjectiv. §.624. 327 kann, gern durch ein bey nahe gleich bedeutende«: der tugendhafte Bürger und der rechtschaffene Bauer, der lasterhafte Vacer und der ausgeartete Sohn. §.624. In dem vorigen Abschnitte ist bereits Adjectiv» bemerket worden, daß in einem zusammengesetzten vor Coin- Substantive das Hintere oder Grundwort eigentlich po>'ke>. dasjenige ist, dessen Begriff herrschet, und auf welches sich folglich auch der Artikel und alle übrige Bestimmungswörter beziehen müßen. Es ist daher fehlerhaft, Adjectiva vor ein solches zusammen gesetztes Wort zu setzen, welche sich auf das Bestimmungswort beziehen sollen, und sich nur allein auf dasselbe beziehen können. Dergleichen sind z. B. ein seidener Strumpf-Fabricant, ein Französischer Zeirungsleser, der tolle Hundsbiß, ein wollener Zeugrveber, ein chirurgischer oder mustcalischer Instrumenten - Macher, ein rvilder Schroeinsbracen, eine gemästete SchöpsLeule. Welche der Deutschen Analogie nach nichts anderes bedeuten können, als einen Fa- bricanten von Seide, einen Französischen Leser, einen tollen Biß, einen Weber von Wolle u. s. f. Daher man in solchen Fallen umschreiben muß, ein Fabricant seidener Strümpfe, ein Leser Französischer Zeitungen, der Biß eines coUen Hundes, ein Verferriger oder Künstler musicalischer Instrumente u. s. f. Das Adjectiv mit dem ersten Substantive zusammen zu ziehen, oder es durch ein Bindezeichen an dasselbe zu hangen, ein Groß--Uhrmacher, ein Mollen-Zeugwe- ber, vermehret das Fehlerhafte, weil Gropuhr und Mollenzeug reine Zusammensetzungen ausmachen, folglich das Wort dreytheilig seyn würde. H. 625. Z2Z i.Tl). 4. Abschn. Syntax. Geschlecht §. 625. Wenn ein Substantivuin durch ein Gat- bey erklä- tungöwort höherer Art erkläret wird, so folget das rcndn, Adjectiv, wenn es dein erstem nachgesetzet wird, Sudswm- ^ Geschlechte des höhern Gattlingswortes: der Mensch, das edelste unter allen Geschöpfen; die Vernunft, das kostbarste Gescheut der ^7lamr; die Donau ist der erste unter den Strömen Demfchlandes. Nur nach Personen- Nahmen folgt es bey einer erweiterten Erklärung dem natürlichen Geschlechte der Person: Daphne war die gelehrteste unter allen Frauenzimmern; Ravaillac der verworfenste aller Ungeheuer. Ist aber die Erklärung ganz einfach ohne Dazwischenkunft eines Verbi, eines Genit-ves oder einer Präposition, so stehet es in dem Geschlechte des Gattungswortes: Daphne, das gelehrteste Frauenzimmer; Ravaillac, das verworfenste Ungeheuer; Tantippe, das zänkische TVeib. So auch, wenn der Personen-Nahme appellative stehet: Minna von Barnhclm, das beste unter Lessingö Schauspielen. MchvAdjc- H> 626. Adjectiva bezeichnen Eigenschaften; es ctiva vor! können folglich ihrer so viele vor einem Substantive eiuemSub- stxhen^ls verschiedene Eigenschaften von einemDin- stgntwe. ^ angegeben werden sollen; da es denn willkührlich ist, ob man zwey, oder wenn ihrer mehr sind, die beyden letzten, mit und verbinden will, oder nicht: der Tod, dieser stets drohende und nie entfernte Gast; die finstern, stillen Scharten des Todes ; die ganze, lange, traurige flacht. Der Affect verschmähet gern alle Verbindung. Bezeichnet aber das Substantiv mit den dazu gehörigen Adjectiven nicht ein und eben dasselbe Individuum', sondern mehrere Arten, oder mehrere Theile und Verhältnisse an einen: Dinge, so ist die , Verb in- i. Kap. z. Adjectiv. §. 626.627. Z29 Verbindung nothwendig: die irdische und himmlische TVeisheic, wo zwey Arten der Weisheit angegeben werden, der rechte und linke Arm; die Hintere, vordere, und obere Seite. Von zwey mit und verbundenen Adjectiven, wenn sie einerley Ableitungssylben haben, läßt sich selbige in der vertraulichen Sprechart an dem erster» verbeissen, und diese Weglassung durch das Bindezeichen andeuten: ein gold - und fischreicher Fluß; ein arm- und trübseliger Mensch. Edler ist es, diese Verbeissung zu vermeiden, und dem Übelklange durch ein anderes Wort abzuhelfen. Die Sprache des gemeinen iebens Verbeisset auf solche Art auch einerley Biegungssylben: ein groß- und weiser Mann. Das Adjectivum laßt sich allerdings von seinem Substantive trennen, aber nur von andern Adjectiven mit ihren Bestimmungen und Casibus: die ganze nur uns erwachende Gegend. Nur durch keinen Genitiv, oder durch allzu lange und elliptische Bestimmungen, davon im folgenden §. §. 627. Participia und Adverbia, welche rela- Wenn Aktiv sind, und folglich einen Casum regieren, behal- jettiva Ca- ten denselben nach der Concretion bey, und nehmen denselben vor sich: ein der iLwigkeir würdiges ^" XVerk, dein des Lebens müder Geist, seine der Arbeit gewohnte Seele. Wird ein solches Ad-, verbium durch eine Präposition mit ihrem Casu bestimmt, so werden selbige nach der Concretion oft zu hart, oder vielmehr zu elliptisch: dieser gegen alle Menschen höfliche Jüngling, ein zwey Lhlen laiiges Schwert. Daher man in solchen Fällen das Adjectiv lieber in das Adverbium auflöset: dieser Jüngling, welcher gegen alleMens T 5 sehen ZZO l. Th. 4. Abschtt. Syntax. schen höflich war, ein Schwert, welches zwey Ehlen lang ist. Doch ziehet die höhere Schreibart, wenn die Bestimmung nicht zu lang und zu elliptisch ist, die gedrungeneKürze gerne vor: ein vor Sehnsucht krankes Gemüth, die durch den frühen Tod erpreßten Thränen. Noch härter wird die Concretion, wenn die Bestimmung durch Partikeln geschiehet: ein eben so großes als schönes Haus; besser, ein Haus, welches eben so groß, als schön ist. Völlig unverzeihlich ist e6, den Genitiv des folgenden Substantives dem Adjective vorzusetzen: mir der des jugendlichen Alters brausenden Hitze, nach solcher der Sachen reiflichen Überlegung. S. auch §. 621. C-ncr-- H. 628. Wenn nach dem concrescierten Compa- sciertcCom- rative die Sache, mit welcher sein Substantiv ver- ""d gliche wird, ausdrücklich gemeldet ist, so behält er sein als auch nach der Concretion: der Lach fließt hier mit einem angenehmern Geräusche, als dorr. Der Superlativ hat in diesem Falle eigentlich eine von den Präpositionen unter, über, an, in, von und bey neben sich: der reichste Einwohner in der Gradt, der größte unrer beyden, der wohlhabendste bey uns. Aus ist nur in gemeinen Sprecharten üblich, und selbst für von gebraucht der Hochdeutsche in vielen Fällen lieber unrer. Sehr häufig stehet, wenn die Präposition ein Substäntivum bey sich hat, statt derselben nur ein Genitiv: der reichste Einwohner der Gradr, der größte beyder Brüder, der wohlhabendste unsers Grces; besonders in der höhern Schreibart, wo der Genitiv auch voran stehet: i. Kap. z.Adjectiv. §.629. zzi het: Europens mächtigster Monarch; der Stürme rvüchendster. §. 629. Soll der Begriff eines Adjectives na- V-stkm- her bestimmt werden, so geschiehet solches durch ein münz des Beschaffenheit-oder Umstandswort; eine sanft Actives rauschende (Quelle, ein sehr großes Haus, ein überaus heftiges Gewitter. Da hier ein Bestimmungswort des Substantives, durch das Adjectiv aber das Substantiv selbst bestimmt wird, so siehet man leicht, daß es nicht gleichgültig ist, das Adverbium in dem ersten Falle in das Adjectivum Zu verwandeln. Ein unbekannt reisender Prinz ist etwas anders, als ein unbekannter reisender Prinz, eine außerordentlich große Summe, etwas anders als eine außerordentliche große Summe. Ganz, halb, genug, allein, voll, lauter, nichts, eitel, (für nichts als,) sind wahre Umstandswörter, und können als solche zwar Substantiv« be^ stimmen, muffen aber, so fern sie uncoucresciert gebraucht werden, nie für Adjective gehalten werden, theils weil das Concretions-Zeichen eine wesentliche Eigenschaft derselben ist, theils auch, weil die Art der Bestimmung sehr verschieden ist. jAn Schäfer aus der goldnen Zeit, ganz Ruhe, ganz Zufriedenheit, Gell. Geld genug, genug ^Vein, Gott allein, voll tVasser, lauter Gold, nichts Gutes; sind lauter Bestimmungen durch Umstandswörter. Das ganze pohlen aber, das halbe Europa, ein volles Glas, smd wahre Adjective, theils weil sie die Concretion haben, theils auch, weil sie Eigenschaften darstellen, dagegen sie in den vorigen Fallen nur Umstände bezeichneten. In halb Frankreich, ganz Deutschland, ist die Besinn- V ZZ2 i.TH. 4. Abschn. Syntax. Bestimmung adjectivisch, die Form aber denUin- standswörtern gemäß, daher man auch sagen kann, das halbe Frankreich, das ganze Deutschland, und in den Casibus obliquis ohnehin sagen muß, in dem halben Frankreich, des ganzen Deursch- landes. Daß kein, viel und wenig eben so gemischter Art sind, ist bereits §. 277 f. bemerket worden. Siehe von allen diesen Umstandswörtern auch §. 7Z4. IV. Gebrauch der Zahlwörter. Bon Jahr- §' Außer dem, was schon Th. l. §. 259 f. und Stnn- Von den Zahlwörtern gesagt worden, merke man von denzahlen. ihrem Gebrauche noch folgendes. Die Zahlwörter werden, wie andere Bestimmungswörter, ihrem Substantive vorgesetzt; nur in Rechnungsgeschasten setzt man die Zahl zuweilen -hinter den Nahmen der Münze: Aeichschaler fünfzig. Es gibt einige Fälle, in welchen die Grundzahl an Statt der Ordnungszahl gesetzt wird, da sie denn zugleich hinten stehet. Diese sind theils die Jahr, zahlen: im Jahr ein tausend sieben hundert und achtzig, im Jahr der lVelc vier tausend; theils die Anführungsformeln, Buch l, Rap. 4, Vers z, wo doch nur Zahlen in Ziffern und nicht in Worten üblich sind. Die Stundenzahlen haben gleichfalls etwas besonderes, indem das Wort Uhr ihnen entweder beygefüget, oder darunter verstanden wird. Beygefüget wird es, obgleich nicht nothwendig, wenn die- Stundenzahl mit dem Verbo seyn ausgedruckt wird, oder auch, wenn eine Präposition dabey ist: es ist zwey Uhr, oder es ist zwey, es ist um zwey; welcher Ausdruck elliptisch ist, und so viel bedeutet, i.Kap. 4. Zahlwort. §.331. zzz bedeutet, als, es ist zwey an der Uhr. So auch, er kam um zwey Uhr, nach drey Uhr, er verließ uns vor vier Uhr. Das Zahlwort ein lautet, wenn Uhr gesetzt wird, ein, wenn es aber nichr stehet eins: es ist ein Uhr, aber es ist eins, halb eins, es gehet auf eins, es schlug eins. Wird ein anderes Verbum gebraucht, so bleibt Uhr weg, und die Zahlen drucken, wenn es nöthig ist, den Dativ der Mehrheit aus: es gehet auf drey, es schlägt vier, er ging vor fünfen, ich komme vor vieren. Die Form Glock acht, Glock eins, ist Niederdeutsch. §. 6zi. Wenn das Hauptwort die ganze Classe, Zahlwörter Gattung oder Art bezeichnet, woraus die Zahl ge- mit dem nommen worden, so wird es nach den Zahlwörtern, Gemttve. sie seyen nun bestimmt oder unbestimmt, Grundoder Ordnungszahlen, auf gedoppelte Art ausgedruckt: 1. Vermittelst der Präpositionen von, aus oder uncer: einer von den sieben, zwey von uns, viele aus der Gesellschaft, keiner unter allen, einer von beyden, die dritte unter ihren Schwestern. 2. Vermittelst des Genit«. ves, besonders in der edlen und höhern Schreibart, doch nur, wenn das Nennwort einSubstanti- vum oder Pronomen ist: einer der Diebe, vier der hiesigen Einwohner, keines deiner Glieder, viele solcher Freunde, die leyre deiner Freuden, der erste meiner Brüder, manche unsrer Bekannten, einige deiner Freunde. Die persönlichen Pronomina stehen alsdann allemahl voran: es waren unser sechs, es kamen ihrer sieben. Die Possessiven stehen lieber hinten: vier der Unsrigen, keiner der Deinigen. Sie, und die Substantiv« voran zu setzen, ist im Hochdeutschen veraltet: der Obersten einer, Matth. 9,i8z 324 r. TH. 4.AbM. Syntax. 9,18; der traurigen Jahre zehen. Nur die Dichter pflegen diese Form noch zuweilen zu erneuern, ^jemand und niemand erfordern allemahl eine Präposition und leiden keinen Genitiv, jemand von uns, niemand unter den bürgern. Gebrauch H. 6z2. All leidet wegen seiner genauen Be-- des all. stjmmung keinen Artikel vor sich, S. §. 275. Es wird sowohl distributive, als collective gebraucht, S. eben daselbst. Collective kann es nur im Singular gebraucht werden, und wird alsdann seinem Substantive allemahl vorgesetzt: alle Freude ist nun vorbey, alle meine Arbeit ist umsonst. Nur die abstracren Possessiva leiden nicht allein den Artikel nach dem all, sondern erfordern ihn: alles das i Ncinige, alle die Deinigen. Wenn es im Neutro eine Allgemeinheit bedeutet, und absolute stehet, leidet es auch die Versetzung: alles dieses, und dieses alles, alles das sind Thorheiten. Doch ist die regelmäßige Form anständiger. Wenn es distributive gebraucht wird, kann es nur allein im Plural stehen, und alsdann in Ansehung der Stelle auf doppelte Art behandelt werden: i. es kann vor dem Nennworte geseßet werden, welches aber alsdann keinen Artikel haben dars: alle übrige, alle Thränen fließen umsonst, mit allen den vergeblichen Aeden; wo den nicht der Artikel, sondern das Pronomen für diesen ist. Diese Stellung findet bey allen Nennwörtern Statt, nur nicht bey den persönlichen Pronominibus, welche allemahl der folgenden Analogie folgen. 2. Es kann hinter seinem Nennworte stehen, welches alsdann den Artikel bekommen muß, die persönlichen Pronomina ausgenommen, welche keinen Artikel leiden: die übrigen alle, von den übrigen allen, i. Kap. 4. Zahlwort. §. 6zz. 6^4. 355 len, die Thränen alle fließen umsonst, mir den vergeblichen Reden allen, wir alle haben unsere Fehler, ihr alle, unser aller Vater. Da denn das all auch hinter dem Verbo stehen kann, die Thränen fließen alle umsonst, wir haben alle unsere Fehler. Diese Form ist nothwendig bey allen persönlichen Pronominibuö, und zwar in allen Endungen; geduldet wird sie bey den übrigen Nennwörtern, nur nicht im Genitiv; nicht die Rechtschaffenheit dieser Menschen aller, sondern aller dieser Menschen. Indessen ist, wo auch diese Versetzung Statt findet, doch die erste Form im Hochdeutschen edler und anständiger, weil sie die meiste und gewöhnlichste Analogie vor sich hat, und sich die Hochdeutsche Mundart immer mehr zur Regelmäßigkeit neiget. §. 6zz. Daß auch die unbestimmten Zahlwörter Unbestimm- den Genitiv ihres Classen-Wortes zu sich nehmen te Zahliv'ör- können, ist bereits §. 6zi bemerket worden. Beson- ^ ""^ ^ dcrs thut dieses jeder in der edlern Schreibart, im Singular: erlebt in jedem meiner Gedanken. Die Formen jedes, manches, keines, eines, für jedermann, mancher, keiner, oder niemand, jemand gehören in die niedrigen Sprecharten. §. 6Z4. Eine bestimmte Zahl ungefähr zu be- Unzeführe zeichnen, hat man verschiedene Ausdrücke. In der Bqeich- anständigern Sprechart durch ungefähr, bey na? "".".3 ^"'^ he, etwa, oder, fast: es waren ihrer unge- A^""""" fähr, etwa, fast zehen; bey nahe sechs Pfund; drey oder vier. Eine ungefähre Zahl zwischen zwey bestimmten Gränzen auszudrucken, gebraucht man bis: drey bis vier, zehen bis zwanzig. Im gemeinen leben und in den Provinzen: 5. den unbestimmten Artikel im Plural, ich will noch gz6 l.TH. 4.Abschn. Syntax. noch eine acht Tage warten, S. §. 601. 2. Ein Stück oder zehen, eine Ehle oder sechs, d. i. ungefähr zehen Stück, sechs Ehlen; wo das oder oft mit dem vorher gehenden Substantive zusammen schmilzet: ein Grückcr zehen, ein LLHler sechs, ein Iahrer vier. z. Mit an, an die, bey, bey die, gegen: es kamen an, oder an die zehen Personen, es waren bey oder bey die zwanzig Pfund, gegen zehen Thaler. 4. Mit beyläufig, welches Wort im Oberdeutschen sehr gangbar ist. 5. Mit einige oder etliche, doch nur von zwanzig an bis hundert: einige zwanzig, etliche dreyßig, d.i. zwanzig, dreyßig, und einige darüber; wo eigentlich und ausgelassen ist, einige und zwanzig. Da es aber wider die Analogie ist, ein kleineres unbestimmtes Zahlwort dem größern bestimmtem vorzusetzen, so enthält man sich in der anständigen Schreibart derselben am liebsten. Wenn einige das folgende Wort auf die gehörige Art bestimmt, einige hundert, einige tausend, d.i. hundert, tausend, einige Mahl genommen, so ist der Ausdruck ohne Fehler. Allein mit bestimmtenZah- len unter hundert wird einige nicht so gebraucht. V. Gebrauch der Pronommum. Allgemeine §. 6zz. Wenn die Pronomina adjectiva ihr Regel. Nennwort bey sich haben, so folgen sie demselben, wie alle übrige Bestimmungswörter in dem Geschlechte, in dem Cafu und in der Zahl: jag's meinem Freunde, von dieser Aeic an, in jener N)elt. Daß die Possessiva der dritten Person im Singular zugleich das Geschlecht desjenigen Dinges anzeigen, auf welches sie sich beziehen, ist bereits Th.i. §.352 ange-merket worden. Beziehen i. Kap. 5. Pronomen. §. 6z6. 337 Beziehen sie sich aber nur auf ein vorher gegangenes Substantivum, so folgen sie zwar demselben in der Zahl und dem Geschlechte, aber in Ansehung des Casus hangen sie von dem Verbo ab, mit welchem sie verbunden werden: die Tugend und das Laster, jener befleißige dich, dieses fliehe. i. Gebrauch der persönlichen Pronommum. §. 6z6. Man wiederhohle sich hier das, was Sie lerd»m bereits Th.i. §.zz6 f. von diesen Pronomimbus ge- eine Ansaget worden. Von ihrer Verbindung mit dem Verbo wird im Folgenden gehandelt werden. Hier merke man nur noch. Die personlichen Pronomina sind substantive Umstandswörter, welche die Person, in Ansehung ihres zufalligen Verhältnisses, in dem Augenblick der Rede so genau bezeichnen, daß kein anderer Nahme nöthig ist. Wer sich mit ick ankündiget, kündiget sich zugleich mit allen seinen übrigen Merkmahlen an. Allein, da sie Arten von Substantiven sind, so leiden sie auch andere Nennwörter neben sich, sowohl in der Apposition, als zur Erklärung, als auch zur Einschränkung: ich, der Herr; er, der Rönig; er,!xläger; du Thor; sie, die edelste ihres Geschlechtes; ihr frommen Leu, re; dir, Eduard, nur dir, gab sie der Rache Schwert. Das Pronomen nach dem Nennworte Zu wiederhohlen, du, verruchter Bube, du l duldet nur der höchste Affect; außer dem wird es schleppend und kindisch: du, theure Seele, du; ihr, lieben Ältern, ihr. Von der Declination der Adjectiven nach den persönlichen Pronominibus ist bereits an seinem Orte, §. 298 geredet worden. Adel. D,Spr. u.V. Y Das ZZ8 !. Th. 4. ASschn. Syntax. Das persönliche Pronomen der dritten Person folgt bey Personen-Nahmen sächlichen Geschlechtes zuweilen dem natürlichen Geschlechte der Person: er verstieß sein N?eib und ließ sich von ihr scheiden; er nahm das Frauenzimmer bey dsr Hand, und eröffnete mit ihr den Tanz. Siehe auch §. 645. Vcrbin- §. 6z?. Die persönlichen Pronomina nehmen dmig mit gern das Nelativum der in ihre Gesellschaft: der du dem Rela- von Anngkeic bist, oder du, der du von Ervig- me der. ^ ^. ^ Z-wigkeit ist; von dem, der ich war, ist kaum ein Schatten mehr übrig; wir, die wir uns selbst nicht kennen; er, der sich meiner so treulich angenommen hac. Der du mit Allmacht dieses Element beherrschest, Naml. Ihr, die ihr im Überflüsse geboren worden, die ihr nur leben dürft, um zu genießen. Gebrauch §. 6z8. Der Dativ mir stehet in der vertrautes mir lichm Sprechart oft, wo nur eine sehr entfernte Be- nnd dir. ziehung auf die sprechende Person Statt findet: ich lobe mir das Lebendige; du wirst mir einmahl eine feiner Gast werden; das ist mir eine Freude; das mag mir eine Freude heisst». Der ähnliche Gebrauch des dir und euch ist niedrig: das war dir eine Lust, d. i. das war eine rechte 4ust, ich versichere es dir; das war euch eine Jagd; das war dir selbst Damöc, der harte sich verkleidet, Rost; es ließ dir auch recht frey, eben ders. er weiß dir allemahl was neues anzugeben, eben ders. Da man eigene Pronomina hat, den Besitz in Ansehung der Person zu bezeichnen, so können auch die Genitive der persönlichen Pronominum nicht, ^ . ^ - ' ' ' - wie i. Kap. 5. Pronomen. §. 6z8.639. 339 wie andere Substantiv« auf diese Art gebraucht werden: er ist mein Freund, sein Vetter, unser Feind; nicht ein Freund »neiner, ein Ve^rer seiner, ein Feind unser. Die Umschreibung mit von ist zwar sehr gewöhnlich, ein Freund von mir, ein Vetter von ihm, ein Feind von uns; allein, den Fall eines besondern Nachdruckes ausgenommen/sollte man sich ihrer lieber enthalten. Wenn zwey verbundene Verba einerley persönliches Pronomen regieren, so wird dasselbe, wenn sie einerley Casum erfordern, einmahl weggelassen: ich will ihn ehren und lieben; ich muß ihn sprechen oder doch sehen; es wird dir weder gelingen noch gefallen. Sind aber die Casus verschieden, so muß es wiederhohlet werden: du sollst sie lieben und ihnen dienen; er sahe mich an und sagte mir nichts. §. 659. Die persönlichen Pronomina der drit- Gebrauch ten Person werden auf gedoppelte Art gebraucht: der dritte»» 1. absolute persönlich, so wie die Pronomina der er- Person, sien und zweyten Person, welcher Fall aber nur dann Statt findet, wenn man jemanden in der dritten Person anredet: guter Freund, komm er her; hören sie. 2. Relativ, in Beziehung auf ein vorher gegangenes selbständiges Ding der dritten Person, in allen übrigen Fällen, wo diese Pronomina gebraucht werden. Hieraus erhellet zugleich, wo ein Pronomen der dritten Person Statt findet oder nicht. Wird ein Ding in der dritten Person mit einem Pronomine angeredet, so vorträgt diese Anrede ein anderes Substantiv in der Apposition, zur Erklärung oder zur Einschränkung. (S. §. 6z6.) Wird das Ding durch ein Substantivum ausgedruckt, so findet das Pronomen nur Statt, wenn ein Ausspruch auf dasselbe zurück geführet werden foll: Y 2 der Z40 I. Th. 4.Abschn. Syntax. der arme Mann, rvie sehr danert er mich. Aber nicht unmittelbar bey demselben in einem und eben demselben Satze, weil jedes Ding, welches nicht als die erste oder zweyte Person angekündiget wird, für die dritte Person gehalten werden muß. Nicht, der Fremde, er ist gekommen, auch eigentlich nicht, er ist gekommen, der Fremde^ sondern, der Fremde isi gekommen. Der Nachdruck verstattet hier indessen sehr gern und oft eine Ausnahme, in welchem Falle denn das Substantiv mit seinem Pronomine, oder auch umgekehrt, das Pronomen mit seinem Substantive, eine Apposition ausmacht: der balsamische Schlaf, er fliehet die Elenden, oder er, der balsamische Schlaf, fliehet die Elenden, oder mit der Inversion, die Elenden fliehet er, der balsamische Schlaf, alles für das mattere, der balsamische Schlaf fliehet die Elenden. So auch: dieses Leben, rvie kurz ist es, oder rvie kurz ist es, dieses Leben; er kann ihn nicht fassen, den Schmer;; Antonin, er, der nicht die Pracht, nur die Einfalt der t^atur liebte. Aber nur der Nachdruck allein entschuldigt diese Wiederholung, oder gedoppelte Bezeichnung der dritten Person; geschiehet sie im gemeinen ^eben ohne Absicht eines Nachdruckes, so wird sie ein Fehler: sie sind noch nicht reif, die Äpfel; die Fremden, sie sind fchon rvcg; besser, die Äpfel sind noch nicht reif, die Fremden sind schon rveg. Genitiv §. 640. Daß die persönlichen Pronomina, wenn nach Zahl- sie mit Zahlwörtern verbunden werden, gern in den Wörtern. 'Genitiv treten, und alsdann allemahl voran stehen, es sind unser zehen, ihrer waren viel, ist bereits §. 6zi bemerket worden. Reiner, mancher, einige i.Kap. 5. Pronomen. §.641. ,341 einige und jeder vertragen diese Verbindung mit Pronominibus nicht, sondern erfordern von: jcdcr von uns, keiner von euch, mancher von oder unter uns. Unser einer, d. i. eine Person meines sder unsers gleichen, ist niedrig, weil einer hier wider die Analogie derHochdeutschenMundart ein unbestimmtes, persönliches Pronomen vorstellen muß. S. Th. 1. §. Z46. §. 641. Das Reciprocum sich wird gebraucht, Von dem so oft das Subject und der Gegenstand des Verbi Reciproco eine und eben dieselbe Person sind, oder wenn das Verbum auf das Subject zurück wirkt: er bildet sich ein, nicht ihm; sie nahmen es sich, nicht ihnen; er nahm sich zwar nichts, behielt sich aber doch etwas zurüc'c. Werden aber beyde, als verschiedene Personen vorstellig gemacht, so stehet Statt desselben das persönliche Pronomen: er nahm sich nichts, sondern bath, daß man es ihm geben sollte, wo zwar beyde freylich anch nur eine und eben dieselbe Person sind, aber doch in der Rede als verschieden vorstellig gemacht werden. So auch, er that es mit der ihm eigenen Herablassung, eigentlich, mit der Herablassung, welche ihm eigen ist. Im Oberdeutschen gebraucht man dafür gern die persönlichen Pronomina der dritten Person: er bildet ihm viel ein, sie bildeten ihnen etwas ein. Wenn aber der Verstand der Rede zwey Ne- ciproca erfordern sollte, d. i. wenn das Subject, der Gegenstand der Sache und der Gegeilstand der Person nur ein und eben dasselbe Ding sind, so wird um des Wohllautes willen Statt des letzten sich ein persönliches Pronomen gesetzt: er gibt sich ihm selbst wieder, für er gibt sich sich selbst wieder. Wenn einander für sich gesetzet werden kann, ist bereits §. 446 gezeiget worden. V z §.642, 342 i. Th. 4. Abschn. Syntax. Gebrauch §« 642. Da die persönlichen Pronomina in den dec- Deter- meisten Fällen zugleich relativ sind, und einen Aus- nw-anvi spruä> auf die vorher genannte Person zurück siih- fm c-as ^ j^. G^^jet mit den determinativen Pro- Prrsonale. derselbe und selbiger oft stremg, oder vielmehr, man ist oft ungewiß, ob man ein determinatives oder persönliches Pronomen setzen müsse. Man merke daher: die Bestimmtheit und Deutlichkeit der Rede, der Wohlstand und endlich derWohl- laut erfordern oft, das persönliche Pronomen mit dem determinativen zu vertauschen. 1. Die Deutlichkeit und Bestimmtheit derRe- de. Wenn ein Ausspruch auf das Subject der Rede zurück geführet werden soll, so geschiehet solches der Regel nach, allemahl durch ein persönliches Pronomen: die Römischen Münzen haben den Vorzug der Menge vor den Griechischen, weil man ununterbrochene Lolgen von ihnen zusammen bringen kann. Obgleich auch hier ein Determinativum stehen kann. Kommt in dem Satze noch ein Substantivum vor, so gebraucht man gleichfalls ein persönliches Pronomen, wenn keine Mißdeutung zu besorgen ist, d. i. wenn der Zusammenhang der Rede so beschaffen ist, daß man das Pronomen nicht auf ein unrechtes Substantiv ziehen kann: Gott har seinen Sohn gesandt, daß er uns erlösere, wo ohnehin niemand das er auf Gott ziehen wird; man richtete ihn hin, weil er gestohlen hatte, wo das er von selbst nicht auf das Subject man gezogen werden kann. Ist aber eine Mißdeutung zu besorgen, so wählet man für dasjenige Pronomen, welches sich auf ein anderes Substantiv, als das Subject ist, beziehen foll, lieber ein Determinativum oder anderes Besrim» mungswort: der General fiel, und als der 5Vu»d- i. Kap. 5. Pronomen. §. 642. 34z NAmdarzr ihn verbinden wollte, bekam er einen Schuß durch den V.opf; wo das cr der gewöhnlichen Analogie zu Folge auf das Subject, den General, gezogen werden muß, soll es aber auf den Wundarzt gehen, so muß dafür derselbe, dieser oder letzterer stehen, so wie man das Subject noch deutlicher zu bezeichnen auch in dem ersten Falle für das bloße er, jener oder ersterer gebrau- chen kann. So auch, ein Brief Caji an Sem- pronium, worin er ihm Nachricht gibt, besser worin derselbe, ersterer letzterem, jener diesem; wenn jemand ein Thier rödrer und ihm (demselben) seine Jungen nimmt. Auch das sie macht oft Zweydeutigkeit, weil es sowohl der Sin- gular als Plural seyn kann. Man sagt richtig, eine Schaumünze aufihn; aber eine Schaumünze auf ste, lieber auf dieselbe, oder wenn es der Plural seyn soll, dieselben. 2. Der XVohlstand, weil die persönlichen Pronomina oft Vertraulichkeit undGcringschäßung verrathen, daher man sie gern mit den Determinativen vertauscht, wenn man mit Achtung sprechen will: der Kaiser ließ das Schreiben, worin derselbe von der Gewalt der Vischöfe redet, dem Papste übergeben; für das vertraulichere er. In der erzählenden Rede ist dieses Vertrauliche nicht so^ merklich: der Aönig erklärte, er wolle die Sache nicht so verstanden wissen u. s. f. Siehe auch den folgenden §. z. Der N)ohllaut, zugleich aber auch die Ver« siändlichkeit, besonders wenn zwey sie zusammen kommen: nun weiß ich, warum ste sie so sehr lieben, jbesser, warum sie selbige, oder dieselbe. y 4 4. End Z44 ' Th. 4. Abschn. Syntax. 4. Endlich gebraucht man von leblosen Sachen sachlichen Geschlechtes im Singular, außer dem Nominativ und Accusativ, Statt des persönlichen Pronominis ein Determinativum: nimm das Messer und brich demselben die Spiye ab, nicht ihm. S. §.644. Übrigens gleichen die Per- sonalia in diesem Stucke den Possessivis, welche um der Bestimmtheit der Rede willen auch oft mit den Determinativen vertauscht werden müssen, S.§.650» Besonders §. 64z. Verrath das persönliche Pronomen, in derSpra- ^mi eS einen Ausspruch auf Personen, von welchen Mtttt^ '"'^ ^^ung spricht, zurück führen soll, oft ' Vertraulichkeit und Geringschätzung, so gilt sol6)eS nach dem Urtheil der neuern Höflichkeit noch Mehr in unmittelbaren Anreden, daher man sie auch hier mit dem determinativen derselbe vertauschet, welches alsdann im Plural siehet, und im Dativo nach Oberdeutscher Art noch dmenselben lautet: Dieselben haben befohlen, für das vertraulichere sie; ich habe es denenselben gegeben, für ihnen. Der Curial-Styl verlangt für hohe Personen noch das hochdieselben, höchstdieftiben, allerhöchst? dieselben. Da das selbst nicht allein ein persönliches Pronomen naher bestimmt, (S. Th. 1. §.344.) sondern auch eine Gradation bezeichnet, und für so gar stehet, so wird es oft zweydeutig. Die Rede hebt diese Zweydeutigkeit durch den Ton, indem das selbst im ersten Falle den Ton hat, er hat sich selbst geadelt, im zweyten aber nicht, er hat sich selbst geradelt. Da die Schrift den Ton nicht bezeichnet, so muß man in dem letztern Falle einen andern Ausdruck wühlen, wenn man die Zweydeutigkeit vermeiden will. §. 644» r. Kap. 5. Pronomen. §. 644. Z45 §. 644. Das Pronomen es wird auf gedoppelte Von dem Art gebraucht. cs. 1. Auf eine bestimmte Art, einen Ansspruch auf ein Substautivum sachlichen Geschlechtes zurück zu führen, wo es aber nur den Nominativ und Accusativ der Einheit bezeichnen kann: hier ist es; das Gewitter ist vorbey, ich sehe es nicht mehr. In dcn übrigen Endungen der Einheit gebraucht man dafür, wenn das Substantiv eine Person, oder wenigstens ein lebendiges Geschöpf ist, seiner und ihm, wenn es aber eine leblose Sache ist, das determinative dasselbe oder selbiges: das Pferd lief davon, aber ich eilte ihm nach; aber, man brachte das Fahrzeug auf das Land und feyte demselben einen neuen Voden ein, nicht ihn:. Im Plural gebraucht man zwar im Nominativ und 'Accusativ hier auch sie, aber die beyden übrigen Endungen druckt man doch wieder lieber durch ein Determinativum ans. Do da6 männliche und weibliche Geschlecht, alle Dinge, welche eines voil beyden tragen, als Personen darstellet, so können sie auch die persönlichen Pronomina ohne Bedenken bekommen. Siehe auch Th. i. §.Z4?. Da dieses bestimmte es sich auf alles beziehen kann, was sich als die dritte Person sächlichen Geschlechtes betrachten lässet, so muß man sich hüten, )urch dessen öftere Wiederholung den Wohllaut zu beleidigen : sie müssen mir es erlauben, es iimen zu sagen, daß ich es nicht glauben kann, daß es sich fo verhält; wo e6 die drey ersten Nahle überflüssig ist. 2. Auf eine unbestimmte Art, wo es lur den Nominativ der Einheit leidet. Es wird h:r wieder auf zwiefache Art gebraucht: (i) ein unb«timm- Y 5 teS 346 i. Th. 4. Abschn. Syntax. tes und unbekanntes Subject zu bezeichnen, es blitzt, es har gedonnert. Siehe Th. 1. §. 448. (2) Ein bestimmtes Subject unbestimmt anzukündigen: es ist noch nicht L.iebe, roenn man ans dern Gutes wünscht; es ist ein braver iVaini. Ja oft einen jeden Satz unbestimmt anzufangen, um ihn desto bestimmter zu endigen: es lebe der Aaiser! es ranze rver da rvill; es steigen Seraphim von allen Grernen nieder. Für die mattern: der Kaiser lebe! rver da rvill, tanze; Seraphim steigen von allen Sternen nieder. 2. Von den possessiven Pronomimbuö. Gebrauch §.645. Die Possessiva sind entweder concret derselben, oder abstract, S. Th.i.§.Z5i. Wenn die concre- ten ihr Substantivum bey sich haben, so stehen sie vor demselben, und folgen demselben in dem Geschlechte und der Zahl: die Rothe deiner N)ans gen. Vater unser für unser Vater ist theils ein Überrest der alten Gewohnheit, die csncrescierten Bejtimmungswörter hinter ihr Substantiv zu setzen, theils eine buchstäbliche ÜbersilMg des lateinischen l^rer notier. Daß die Concreta der dritten Person außer dem Geschlechte ihres Substantives auch noch das Geschlecht der Person oder Sache, worauf sie sich beziehen, ausdrucken, die Gas ehe !?at ihre Richtigkeit, es hat seine Richtig- keicM bereits Th. 1. §. 352 bemerket worden. Eben dasebst ist §. 354 f. auch gezeiget worden, daß die Conjmctiva der dritten Person sich nicht mit dem Genilv der Person verbinden lassen, und daß die concreen auch auf gedoppelte Art absolut gebraucht werder können. Die Possessiva folgen so, wie die versuchen, bey Personen-Nahmen sachlichen Geschlecht oft dem natürlichen Geschlechte der Person: das i. Kap. 5. Pronomen. §. 646.647. 347 das arme Mädchen, trockne ihr ihre Thränen ab; er nahm das Frauenzimmer bey der Hand und führte sie herein. Die abstraften Possessiva, (S. Th.i. §. Z59.) können im Hochdeutschen nie anders als substantive gebraucht werden: die Meinigcn, das Geinige zu Rache halten. Im Oberdeutschen gebraucht man sie auch häufig adjective, ein unsrigcr Gfsi- cier, d.i. einer unserer Officier, oder einer von unsern Gfflcicren, ein Gfficier von unsern Truppen; welches aber im Hochdeutschen ein Ar- gerniß ist. §. 646. Mehrere durch eine Conjunction ver- Ein Pösses- bundene Substantiv« eines Geschlechtes, allenfalls sivum bey auch, wenn eines ein Masculinum und eines ein webrern Neutrum ist, bedürfen nur eines Possessivi: mein Leben und Vermögen, sein Haus und Hof. In andern Fällen muß daö Possessivum wiederhoh- let werden: euer Leben und eure Ehre; euer Leben, eure Ehre, euer alles ist in Gefahr. §. 647. Eine gedoppelte deutliche Bezeichnung Fehlerhafte eines und eben desselben Verhältnisses ist eigentlich Possessiva in allen Sprachen ein Fehler, weil die Natur alle nacy Geni- unnöthige Weitläufigkeit fliehet. Der Begriff des Besitzes wird durch den Genitiv eines Substantives bereits deutlich genug bezeichnet, S. §. 6iz; es ist daher nicht allein überfltissig, sondern selbst fehlerhaft, dem Genitive des Besitzes noch ein Possessivum nachschleichen zu lassen: unsers Vaters seine Freude, weil unsers Vaters Freude eben das sagt. Man glaubt oft, das Pronomen sey hier zu entschuldigen, wenn das Substantiv den Genitiv nicht bezeichnen könne: Frau 5Volf ihre Töchter; allein, warum sagt man nicht lieber, die Töchter 943 i.TH. 4.Abschn. Syntax. Töchter der Frau N?olf^ Eben so fehlerhaft ist es, wenn man anstatt der Wicdcrhohlung des Substantives dein Genitive ein Possessivum beyfüget, dieß Beywort ist noch mahlerischer als Homers seines, weil hier wieder eine gedoppelte Bezeichnung des Besitzstandes ist; folglich besser, als Homers Äeyrvsrt. Ost sucht man sowohl der Wiederholung als dem Possestwo durch das der auszuweichen: dieses Veprvorc ist noch mahlerischer als das des Homer, das Licht der Gönne ist Heller, als das des Mondes. Eigentlich ist auch diese Form fehlerhaft, weil der Artikel hier ohne sein Substantiv stehet, welches doch ganz wider die Analogie der Sprache ist, und denn macht auch das das des, der des, die des einen merklichen Übellaut. Ganz kann man diese Forin nicht allemahl entbehren, Zumahl in der historischen und didactischen Schreibart, und sie verlieret etwas von dem Anstößigen, wenn der eben gedachte Übellaut wegfallt: die berühmte Schule, rvelche Alcuin zu Cours nach dem Muster der ZorL anlegte. Indessen ist doch die Wiederhol)- lung des Substantives einer so unanalogischen Art des Ausdruckes allemahl vorzuziehen: nach dem Muster der Schule zu RorÜ; das Licht der Sonne ist Heller als das Licht des Mondes» Wo der Übcllaut, welchen manche in der Wiederholung eines und eben desselben Substantives zu. finden glauben, bey weitem nicht so groß ist, als der Gebrauch des Artikels ohne das Substcmtivum, welches er bestimmen soll. Im Oberdeutschen hat man noch eine andere Art, die Wiederholung zu vermeiden, indem man anstatt des Artikels das Pronomen derjenige gebraucht: das Licht der Sonne ist Heller als dasjenige des Mondes. Allein i.Kap. 5.Pronomen. §.648.649. 549 Mein auch diese Form gibt den vorigen nichts nach, weil hier ein Determinativum gebraucht wird, wo e6 nicht Statt findet, weil eö nichts ankündiget, worauf ein Ausspruch vermittelst eines Relativi zurück geführet werden foll. §. 648. Wenn nach dem Eigenthums oder Be- Ihr Besitze eines DingeS gefraget wird, so geschiehet sol-'^auch in rheS entweder im Genitive oder im Dative. Im Alttworwu Hochdeutschen ist die Frage im Genitive selten, indessen kann sie doch vorkommen: wessen ist der Huc^ Man antwortet darauf entweder mit dem bloßen Genitiv, wenn der Nahme des Besitzers durch ein Substantiv ausgedruckt wird: meines Bruders; oder im Nominativ und mit dem Verbs seyn, wenn mit einem bloßen Possessivs geantwortet werden muß: es ist mein Hm, oder im gemeinen Leben, es ist meiner. Wird im Dative gefraget, wem geHörer der Hm? so kann nicht anders als mit dem Dative eines persönlichen Pro- nominis, oder eines Substantiv! geantwortet wer- werden, meinem Bruder, nur, uns u. s. f. §. 649. Da die neuere Höflichkeit und Ebrerbie- Und in>Ci»- thung so viele Abweichung und Ungleichheiten in ".ü^Stple» dem Gebrauche der Pronominum eingeführet haben , fo sind auch die Possessiva davon nicht frey geblieben. Die Sprachlehre hat dabey freylich we- ,üg zu sagen, weil die Mode ihre Gesetze nicht er. kennet, allein es ist doch ihre Pflicht, solche Abwei. chungen der Analogie so nahe zu bringen, als es möglich ist, zumahl, wenn es geschehen kann, ohne dabey dem Curial - Style zu nahe zu treten. Dieß ist nun der Fall mit den Possessivis der zweyten und dritten Person, vor den absiracten Titclwörtern Majestät, Hoheit, Durchlaucht, Gnaden, Excel- Z55 l. Th. 4.ASschn. Syntax Excellenz u. s. f. Unmittelbare Anreden geschehe»» mit dem Possessiv» der zweyten Vielsachen Person, Eu?re, oder verkürzt, Ew. ohne Unterschied des Geschlechtes, weil in der ersten und zweyten Person kein Geschlecht bezeichnet wird: Ew. Majestät geruhen, Ew. Exellenz haben befohlen. Allein, da die Possessiva der dritten Person außer dem Geschlechte ihres Substantives auch noch das Geschlecht der Person bezeichnen, worauf sie sich beziehen, so sollte dieser Unterschied auch hier beobachtet werden, obgleich der Curial-Styl hier die Pronomina nicht selten unter einander zu werfen pflegt. Man sollte daher, wenn man in der dritten Person von männlichen Personen spricht, allein das Seine oder verkürzt Ge. in der dritten Person von weiblichen Personen das Ihre, oder wenn man lieber will, das alte Oberdeutsche Ihro, und im Plural von mehrern Personen ohne Unterschied des Geschlechts das Ihre gebrauchen: Ge. Majestät (der König,) haben befohlen; Ihre Majestät (dieKöniginn,) sind ausgefahren; IhreMa>estäcen (der König und die Königinn,) werden kommen. So auch Se. Excellenz, Ihre Excellenz und Ihre Excellenzen, Seine Hoheit, Ihre Hoheit und Ihre Hoheiten. Der alte Genitiv Dero wird eigentlich nur in Beziehung auf eine Person, ohne Abstracta, gebraucht. Allein in manchen Gegenden seht man ihn auch den Abstractis an Statt des Euer vor: Dero Excellenz haben befohlen. Man hat zur Vertheidigung deö Ihre von einfachen männlichen Personen, eingewandt, daß eS der Plural sey, weil das Verbum im Plural stehe: Ihre Majestät ( der König) haoen befohlen; allein alsdann müßte auch Majestät im Plural stehen, 5. Kap. 5. Pronomen. §. 650. 551 hen, welches doch unläugbar nicht ist: Se. Majej? Mr, der König, haben befohlen. Der Plural des Verbi rühret von einem andern Grundgesetze der neuern Hösiichkeir her, emzele Personen im Plural anzureden, und von ihnen im Plural zu sprechen. Das )hre von einer einfachen männlichen Person läßt sich also mit nichts entschuldigen, weil sie dadurch schlechterdings weiblich gemacht wird. §. 650. Von den Possesswis der dritten Person Ihre Vergilt eben das, was bereits von den persönlichen Pro- ^usch«ng nominibus der dritten Person gesagt worden; sie sind zugleich relativ, und da nun mehrere Subsian- ^Ms. tiva in einem Sahe vorkommen können, so kann es oft dunkel seyn, auf welches sich das Possessivum beziehen soll, wenn man der Dunkelheit nicht durch den Genitiv des Determinativi dessen oder deren abhilft. Man merke davon: 1. Das Subject der Rede bekommt allemahl ein Possessivum: er büße sein Verbrechen; hier ist man doch sein eigener Herr; der glückliche Landmann, er bebauet mir seinem Pfluge die Erde, im XVimer kehren seine fetten Herden von der 51'tastung zurück, der Herbst liefert ihm seine mannigfaltigen Gürer, indessen hangen seine Binder schmeichelnd an seinem Halse u. s. f. Die Sprachen sind älter als ihre Regeln. Unter dem Subjecte muß man indessen hier nicht allein das Subject des ganzen SaheS, sondern auch eines einzelen Gliedes desselben verstehen: das Haus verlor den Baum, der ihm seinen Scharren gab; wo das sein auf das Subject der gehet. Er verlor den Freund, welcher ihn mit seinem Rache unterstützte. 2. Auch Z52 I. Tl). 4.Absch... Sytttaz'. 2. Auch ein anderes Substantiv, wenn keine Verwechselung mit dein Subjecte zu besorgen ist: noch sah ich Edmunds Geist auf seinen Lippen schweben. Hier ist ich das Subject, allein, da niemand das Possessivum der dritten Person auf dasselbe ziehen kann, so stehet ganz richtig sein. Sagte man aber in der dritten Person, hier sah er Edmunds Geist, so würde die Deutlichkeit erfordern, auf dessen Lippen schrieben. Alles, was seiner Glückseligkeit in ihrem Laufe entgegen stehet, wo das ihre ohne hin nicht auf das Subject alles gedeutet werden kann. Das Unglück des Salomo rvar nicht geringe, denn der Sturm wütete dreyßig Tage gegen seine Flotte, wo sich wohl niemand einbilden wird, daß das Unglück eilte Flotte gehabt. z. Ist Mißdeutung zu besorgen, so bekommt das nächst vorher gehende Substantivum dessen oder deren; wer Gott liebt, hält dessen Gebothe, wo seine auf das Subject wer gezogen werden könnte. Lajus vertrauet dem Gilen alles an, weil er von dessen Redlichkeit überzeugt ist. Ticius meldet seinem Freunde, er habe dessen Garten verkauft, wenn es des Freundes Garten ist, aber seinen, wenn er dem Titio gehöret. Der ^»ochbothsmann ist dem Schiffer untergeordnet, und vertritt dessen Stelle in dessen Abwesenheit» Der Zxönig von Preussen schickte England seinen Gesandten zurück, wenn es der Preussische Gesandte ist, aber dessen, wenn der Englische verstanden werden soll; aber der Aönig von Preussen schickte der Rrone England ihren Gesandten zurück, wo diese Mißdeutung schon nicht Statt findet. 4. Ist i. Kap. 5. Pronomen. §. 650.651. 35z 4. Ist der Mißdeutung einmahl durch ein De- terminarivum vorgebeuget, so kann in den folgenden Fällen wieder ein Possessivum gebraucht werden: der Hochborhsmann ist dem Schiffer untergeordnet und vertritt dessen Stelle in seiner Abwesenheit. Die Physik beschäftigt sich mir den Dörpern; ihre Absicht ist, deren ZTIarur, oder die LTlarur derselben, ihre Eigenschaften, und ihre Verhältnisse zu entdecken. 5. Noch bestimmter laßt sich die Zweydeutigkeit in vielen Fällen durch den Genitiv der Demonstrativen dieser, jener, oder der Zahlwörter der erstere, der leycere heben: Casus vertrauet dem Silen alles an, weil jener (oder ersterer) von dieses (oder des lerzrern) Redlichkeit überzeugt ist. 6. leblose Dinge, besonders sachlichen Geschlechtes, bekommen auch außer diesen Fällen, vornehmlich in der edlern Schreibart lieber ein Deter- minativum als ein Possessivum: das ist ein schönes Haus, wer ist dessen Besitzer, oder der Besitzer desselbenman hat das Schloß geplündert und dessen Thore abgebrannt; die Aus- senlinien des Aörpers stellen unsern Augen dessen Gestalt vor; es kam ein Schiff und man schickte einen Offlcier an dessen Bord. z. Demonstrative Pronomina. §. 6;i. Die Demonstrativs zeigen gleichsam Von ihrem mit Fingern auf einen Gegenstand, da denn dieser Gebrauche den nähern, jener aber den entfernter» Gegenstand überhaupt, bezeichnet. Der zeiget entweder ohne Nebenbegriff der Nähe oder Ferne, oder stehet verkürzt für dieser. Alle drey können sowohl vor ihrem Substantive ste« Adel. jL.Spr. U.25. Z hen, X 354 !. TH' 4.Abschn. Syntax. hen, als auch ohne dasselbe, doch allemahl in Beziehung auf ein vorher gegangenes : wie angenehm duftet diese schöne Blume! meide das Laster, denn nur dieses kann dich unglücklich machen; der Vaum, der Scharren gibt, den Freund, den muß man schonen, Weiße. Jener stehet auch zuweilen für das determinative derjenige: ich neige mich mir Ehrfurcht gegen jenes Niesen, dessen Güte unendlich ist; sie suhle es, rvie sehr ihr jene tVürde mangelt, welche nur die Unschuld ertheilen kann; doch im Hochdeutschen nicht so häufig, als im Oberdeutschen, wo man es fast ohne Unterschied für dasselbe gebraucht. Es für dieser zu setzen, wenn ein naher Gegenstand bezeichnet werden soll, ist ungewöhnlich: du bist verständiger als deine Schwester, wenn jene (besser diese) gleich schöner ist, Gell. Trennung §. 652. Alle drey können auch durch schärfere von Sub- Bestimmungswörter, selbst wenn diese wieder neue Hantive»., Bestimmungen bey sich haben, von ihrem Substantive getrennet werden: diese einer andern Belohnung würdige Tugend; jener von allen verlassene Nlann. Nur nicht durch den Genitiv des folgenden Substantives, diese der Sachen Beschaffenheit. S. §. 627. Wenn sich gleich diese Pronomina, sowie alle übrige Bestimmungswörter, den bestimmten Artikel ausgenommen, auf ein vorher gehendes Pronomen beziehen können: so wird doch diese Beziehung in dem Genitive in den meisten Fällen zu hart. Dieser Thorheit ist erträglicher, als jener ZVeisheic; jener Göyen aber sind Silber . und Gold, Ps. uz. Ihnen noch ein Possessivum beyzufügen, vermehret die Härte mit einem Sprach- fehler, i.Kap. F.Pronomen. §.653. 355 fehler, dieser ihre Thorheit, jener ihre lT>eis-- heir; weil der Genitiv schon den Besitz bezeichnet, S. §. 647. Vorzeiger dieses, nähmlich Briefes, den vierten dieses, nähmlich Monathes, sind im gemeinen ieben einmahl gangbar. §. 65z. Die Neutra von dieser, der und jener Fernerer stehen gern absolute für alle Geschlechter und Zah- Gebrauch len, da denn das Verbum in der Zahl nicht von derselben, dem Pronomine, sondern von dem vertretenen Substantive abhängt: sind dieß oder das, die Männer, die uns 5Veisheic lehren sollend Alles das sind Thorheiten; glaube nicht, daß dieses (dieß) der erste Brief ist, weichen ich dir schreibe. Das Pronomen jenes wird zwar nicht so häufig auf diese Art gebraucht, als die beyden übrigen, aber doch zuweilen: ist jenes der Baum, von welchem du sagtest^ Übrigens wird jener im gemeinen teben häufig gebraucht, eine Person ohne Unterschied des Geschlechtes oder anderer Umstände unbestimmt zu bezeichnen: rvie jener sägte; jener machte es auch so. Um eines besondern Nachdruckes willen kann ein Demonstrativum auch nach seinem Substantivs ,,, wiederholtet werden: (!>rbil, der sollte hier seyn? den Baum, der Scharren gibr, den, Freund, den muß man schonen. Wo kein Nachdruck diese Wiederhohlung erfordert, da ist sie fehlerhaft: die erste N)elt, die hac das Feld nicht können bauen. Eben so fehlerhaft ist es, ein Demonstrativum als ein Adverbium durch das Verbum von seinem Substantivs zu prädiciren: der Verlauf ist dieser; die Sache rvar die; die Geschichte ist diese. Weil ein Verbum nur Adverbia dem Sub« Z 2 stantivo Z56 i.TH. 4.Abschn. Syntax. siantivo beylegen kann, diese Pronomina aber nicht ohne Concretion üblich sind; also besser, dieß ist die Geschichte; die Sache verhielt sich so; die Geschichte lautet folgender Gestalt. Der stehet am häufigsten für dieser: er ist den Augenblick gestorben; man trägt sich mir der und jenen Gage. Oft aber auch ohne alle Bezeichnung der Nähe, da es denn in Verbindung mit dieser auch wohl für jener stehet: rvenn man allein ist, so denkt man an dieß und an das; o, wie flattert er umher, bald zu dieser, bald zu der! Fort« §« 654. Wenn drey Substantivs durch Demon- fttzung. strativa zurück gerufen werden sollen, so bezeichnet dieser das nächste, der das mittlere, und jener das entferntere. Sind ihrer mehr als drey, so gebraucht man dazu Ordnungszahlen, welche auch in dem vorigen Falle Statt finden, wenn die Deutlichkeit dabey gewinnet. 4. Determinative Pronomina. Gebrauch §. 655. Die Determinativ« werden auf gedop- »erselben. pelte Art gebraucht: 1. Sie kündigen das Subject an, auf welches der folgende Satz gezogen werden soll, welcher alsdann vermittelst eines Relativi auf dasselbe zurück geführet wird, welches vornehmlich derjenige, den selbe, das verkürzte der und solcher thun: diejenige Tugend ist nur groß. welche auch in N?iderwärcrgkeiren die j^-robe hält; es ist eben derselbe Mann, welchen wir gestern sahen; wie glücklich sind doch die, welche nicht mehr erwachen; gib es solchen, weiche es verdienen. Man kann ihnen noch das wer und i.Kap. 5. Pronomen. §.655.656. 357 und was beyfügen, wenn sie in dem Vordersatze stehen und ein Relativum nach sich haben: wer glücklich leben will, der muß tugendhaft seyn; was ich dir gesagt habe, das thue. Welches doch eigentlich Versetzungen sind, wo der Nachsatz mit seinem Relativo voran stehet. Der Unterschied in der Bedeutung dieser Pronominum ist bereits Th. 1. S. Z7Z gezeiget worden. 2. Sie führen den Satz selbst auf das Sub. ject zurück, und gleichen darin den Relativen, doch mit dem Unterschiede, daß sie schärfer bestimmen, und sich darin den Demonstrativen nähern, welches derselbe, der und selbiger thun: das Unglück ist zu groß, als daß er dasselbe ertragen könnte; wie viel hast du deren noch^ zu dessen Ur- kund. Besonders nach dem wer und was: wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren. Man kann die Determinativ«, wenn sie auf diese Art stehen, d. i. kein Relativum nach sich haben, sondern einen Ausspruch mit der ihnen eigenen scharfem Bestimmung auf ein vorher genanntes Substantiv zurück führen, zum Unterschiede von dem vorigen Falle, Demonstrativs-Relaciva nennen, weil sie beyder Bestimmung in sich vereinigen. §. 656. Derjenige kann nie anders als deter- Von derje- minativ in der engsten Bedeutung stehen, d. i. eS >"ge und muß ein Relativum nach sich haben. Es ist also derselbe, auch aus diesem Grunde ein Fehler, es, wenn ein Substantiv wiederholtet werden sollte, mit Verschweigung desselben anstatt des Artikels zu gebrauchen : die Größe der Sonne übertrifft diejenige des Mondes, für übertrifft die Größe des Mondes. Zz Wenn 358 i. Th. 4. Abschn. Syntar. Wenn das zu derjenige und der gehörige Substantiv ein Possessivum vor sich hat, so bekommt es entweder eine Präposition oder es stehet im Genitive: diejenigen von meinen alten Freunden, unter meinen alten Freunden, oder meiner alten Freunde. Ist es ein Demonstrativum, so gebraucht man am häufigsten eine Präposition, seltener den Genitiv: diejenigen unter diesen braven Leuten, welche u. s. f. wo doch der Genitiv wenigstens kein Fehler seyn würde, wenn er gleich nicht so gangbar ist. Nur in einerley Casu können die Determinativa hier nicht mit dem Substantivs stehen, weil hier nicht einerley Verhältniß ist. Derselbe kann aus beyderley Art gebraucht werden, d.i. sowohl determinativ im engsten Verstände , als dsmonstrativo - relativ. Determinativ, wenn es zugleich die Identität mit bezeichnet, da es denn zu desto schärferer Bestimmung gern noch das eben vor sich nimmt: es ist eben derselbe ZTIann, welchen rvir gestern sahen; auch mit Verschweigung des Nachsatzes: er ist noch immer eben derselbe, er ist nicht mehr ganz derselbe, nähmlich, der er sonst war. Demonstras rivo-Aelativ, d. i. ohne Nachsatz und in Beziehung aus ein vorher gegangenes Substantiv: wer sich seinen; Varcrlande widmet, muß dassek be für unvermögend halten, ihn zu bezahlen, denn was er für dasselbe wagt, ist unschätzbar. Daß es in dieser Bedeutung häufig sowohl für die Personalia als Possessiva der dritten Person gebraucht wird, ist bereits im vorigen bemerket worden. Von dem ohne Noth verlängerten derselbe ge S. Th.i. §.z?i. Von dem §. 65?. Man hüte sich, das Determinativum d"'- der mit dem vorigen Demonstrativs und folgenden Relativo i. Kap. 5. Pronomen. §. 657. 359 Rclativo zu verwechseln, S. Th. l. §.369. Es wird sowohl determinativ gebraucht, als demon- strativo-relativ. 1. Determinativ, so daß es ein Relativum nach 'sich hat, da e6 um der Kürze willen für derjenige stehet: sollte der Mann nicht mein Freund seyn, welcher mir meine Fehler aufdeckt ^ das ist der VVille deß, der mich ge, fandthat; warum sollte ich den Verlust derer beweinen, welche nicht gestorben sind^ Wenn eö in diesem Falle absolute stehet, d. i. kein Substantiv bey sich hat, so ist der weibliche Geni- eiv der' Einheit deren oder der ungewöhnlich» Nicht, sie ist die Töchter deren oder der, welche wir sahen; sondern der Frau. Ohne Zweifel geschiehet solches zu Vermeidung der Zweydeutig. keit, indem deren leicht für den Genitiv des Plurals, der aber für den Artikel gehalten werden könnte. 2. Demonstrativs-Relativ, in Beziehung auf ein vorher genanntes Subject: ich habe dessen genug; die aber gegessen hatten, deren waren bey fünftausend Mann. Besonders nach dem wer: wer reich werden will, dee fallt in Versuchung; wo es, wenn keine scharfe Bestimmung nöthig ist, auch wegbleiben kann: wer reich werden will, fallt in Versuchung. Ich habe bereits mehrmahls den aus übel verstandener Kürze herrührenden Gebrauch getadelt. Statt eines Substantives, welches wiederhohlet werden müßte, ein Pronomen, besonders ein Deter- minativum zu setzen: dieser Vogel singt schlecht, aber der im rothen Bauer singt besser. Man siehet leicht, daß dieser Gebrauch nicht in die Be° Z 4 ' deutun- Z6e> I.TH. 4.Abschn. Syntax. dcutungen des Determinativ: paßt. Eigentlich ist das der hier auch der bestimmte Artikel, der aber nicht ohne Substantiv stehen kann. Soll hier ja ein Pronzmen stehen, so schickt sich in diesem Falle dazu keines als jener, weil dieser vorher gehet. Aber in andern Fallen ist die Wiederholung besser, zumahl vor einem Genitive: hier ist mein Ärief, aber den ihres Freundes finde ich nicht. §. 658. U)er und im Neutro was werden sehr häufig determinativ gebraucht, da denn ein der darauf folgt: rver mich in das Gesicht lobc, der ist mein Freund nicht. Indessen ist dieß eigentlich eine Versetzung, wo der mit einem Ralativo begleitete Nachsatz voran stehet, für derjenige ist mein Freund nicht, welcher mich in das Gesteht lobt; in welchem Falle gern das kürzere rver für welcher, und der für derjenige gebraucht wird. Selbiger bestimmet um des fehlenden Artikels willen schwacher als derselbe, (S. Th.i. §.z?i.); es wird daher im Hochdeutschen nicht mehr eigentlich determinativ gebraucht, wie wohl noch im Oberdeutschen geschiehet: selbiger Mensch, welchen wir gestern sahen, besser derjenige, oder wenn die Identität mit bezeichnet werden soll, eben der-« selbe. Wohl aber gebraucht man es noch demon- strativo-relativ: so wie die Vögel ankamen fing man selbige weg, für ste oder dieselben; doch auch hier noch am liebsten einen Mißklang zu vermeiden: fingen ste selbige weg, für ste ste; oder wenn keine so genaue Bestimmung, als derselbe gewähret, nothwendig ist: man bestraft die Fehler an den Rindern, damit sts selbige nicht wieder begehen. §. 659. i. Kap. 5. Pronomen. §. 659. z5r §. 6z9. Solch hat allemahl den Nebenbegriff Von der Vergleichung bey sich, welcher bald stärker, bald solch, schwächer, aber doch allemahl vorhanden ist. Es siehet: 1. Determinativ, da e6 denn entweder das Relativuni welcher, oder auch die Partikel als nach sich hat: gib es solchen Personen, welche es verdienen; solche tVerkc, als diese sind; er ist kein solcher Mann, als du glaubst. 2. Demonstrativs-Relativ,, in Beziehung auf ein vorher gegangenes Substantiv, aber immer mit dem Nebenbegriffe der Vergleichung: von solchem Kampfe ward mein Her; gefoltert; er ist auch ein solcher; kein solcher. Wenn es den unbestimmten Artikel vor sich haben sollte, kann derselbe auch hinten stehen, in welchem Falle das Pronomen seine Concretion und Biegung verlieret: solch ein Mann, solch eine Heldenthat. Indessen ist diese Form nur dem gemeinen Leben angemessen; die edlere Schreibart folgt der gewöhnlichen Analogie, ein solcher Mann, eine solche Heldenthat. Ein Fehler wird es, wenn man die Biegung vor Adjectiven wegläßt, solch schönes tVers ter, solch gutes Deutsch; besser solches. Ein fehlerhafter Gebrauch dieses Pronominiö ist, wenn man e6 Statt anderer Determinativen gebraucht, wenn keine Vergleichung Statt findet: man bestraft die Fehler an den Kindern, damit sie solche nicht wieder begehen, besser selbige. Angleichen, wenn e6 anstatt eines persönlichen Pro- ' nominiö der dritten Person gebraucht wird: Cajus ist zwar angekommen, aber solcher will, oder es will solcher, weiter reisen, besser er will; die Engländer weigerten sich Truppen zu hal- S 5 ren, Z62 I.TH. 4. Abschn. Syntax. ten, auch wollten solche die Gnadengehalte nicht auszahlen, besser sie. 5. Relative Pronomina. Von ihrem §. 660. Die Relcttiva führen einen Satz oder Gebrauche AuSfpruch auf ein vorher genanntes Subject zurück', überhaupt, welchem sie in dem Gefchlechte und der Zahl folgen; in Ansehung des Casuö aber, hängen sie von ihrem Verbo ab: das ist der Mann, welchen wir sahen. Führen sie einen Ausspruch auf zwey oder mehr Substantiva zurück, fo stehen sie im Plural: tVeisheir und Tugend sind es, welche uns glücklich machen; die Stadt und das Land, welche du verwüstetest. Es ist daher ein Fehler' in solchen fallen einen AuSfpruch nur allein auf das lehce zurück zu führen, die Stadt und das L.and, welches du verwüstetest. Wenn ein Ausspruch auf einen ganzen Satz zurück geführet werden soll, so stehet das Relativum im Aeutro: welches zu erweisen war. Won dem §. 661. welcher ist, weil es das vollständigst« «welcher. Relativum ist, der feierlichen Rede und der edlem Schreibart am angemessensten, das kürzere und schwankende der, welches fast alle Pronomina vertritt, der kürzern und vertraulichern, S. Th.i. §.375: . der Schlaf besucht gleich der N)clt nur diejenigen gern, welchen das Glück lächelt. Nothwendig ist das welcher, selbst in der vertrau» liehen Sprechart, wenn unmittelbar auf das Pronomen der gleichlautende bestimmte Artikel folgt: die Gradr, welcher der Rönig diese Freyheit verlieh, wo der der Aönig das Ohr beleidigt. Hingegen muß anstatt des welcher das Relativum der gebraucht werden: 1. Statt des Genitives i» i.Kap. 5. Pronomen. §.662. 363 in? beyden Zahlen: derjenige Vorzug, dessen er so würdig ist; diejenige Personen, deren wir erwähnten; nicht welches oder welcher, welcher Verstand verfinstere ist, besser deren. 2. Wenn ein Relativum ein persönliches Pronomen in der Apposition begleiten soll: Gott, der du mit Allmacht dieses Element beherrschest, Raml. ihr die ihr im Überflusse lebt. S. Th.i. §.375. §, 662. Da die Deutlichkeit und Bestimmtheit Iwcydeu, das erste Grundgesetz der Rede ist: so hat man sich tigkeir des zu hüten, ^daß die gleichlautenden Nominative und ^lche un Accusativs welche und die keine Zweydeutigkeit und Dunkelheit verursachen, indem sie sowohl die beyden gedachten Casus im weiblichen Singular, als im , Plural seyn können. Die Truppen, welche die Feinde verfolgten, wo der unkenntliche Casus an dem welche einen doppelten entgegen gesetzten Verstand leidet, und auch bedeuten kann, daß die Truppen von dem Feinde verfolget worden. So auch: die Fremde, die die Nachbarinn sahe, oder welche die Nachbarinn sahe; es liefen einige Fregatten aus, welche die Spanischen Schift fe aufbrachten. Man hebet die Zweydeutigkeit durch eine andere Wendung, besonders durch das Passivum: die Truppen, welche den Feind verfolgten, wo schon der Accusativ der Mißdeutung vorbeugt, oder die Truppen, von welchen die Feinde verfolgt wurden; oder wenn die Truppen der leidende Gegenstand sind, welche von dem Feinde verfolgt wurden. So auch, die Fremde, von welcher die Nachbarinn gesehen wurde, oder wenn der Sinn des Redenden es erfordert, welche von der Nachbar rinn gesehen wurde. §. 66z. z64 i. Th. 4.Abschn. Syntax. Al« »or §. 66z. Im gemeinen leben ist es sehr gewöhn» Relativen, licl) den Relativen zu genauerer Bestimmung noch ein als vorzusetzen, welches aber in den meisten Fällen unnöchig ist, und die Rede nur schleppend macht, weil das Relativum selten eine nähere Bestimmung bedarf, als es in sich selbst enthält: die vier ersten Gedichte, als welche zuerst heraus kamen; unser gemeinschaftlicher Freund, als welcher bereits angekommen ist, sagte es mir. Welches auch von relativen Partikeln gilt: was sich an den Gränzen zuträgt, als wohin er auch selbst reiset; als wozu schon der Befehl ergangen ist. Der Imperativ verträgt, vermuthlich wegen seiner scharfen Bestimmung, kein Ralativum vor sich, fondern erfordert ein Determinarivum nach sich: es stehet im vierten Rapircl, welches siehe, besser siehe dasselbe; hier ist ein Blatt, welches nimm, bester nimm dasselbe. Auslassung §.664. Wenn zwey durch ein Relativum Herdes der. bundene Sähe umgedrehet werden, so daß der sich auf wer beziehet, und folglich eigentlich determina- tiv ist, so kann es auch oft wegbleiben, wenn keine schaffe Bestimmung nothwendig ist: wer reich werden will, fällt in Versuchung, für der fällt u. f. f. Ist eine genaue Bestimmung nothwendig, oder ist der Vordersah lang, so darf es nicht wegbleiben; wer da will selig werden, der u. f. f. wer sich begnügen läßt, der ist der reichste. Überhaupt findet diese Auslastung nur im Nominative Statt, nicht aber in den übrigen Casibus: wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. 6. Fra/ l.Kap. 6. Verbum. §.665.666. 365 6. Fragende Pronomina. §. 665. Nach dem, was §. zZi f. bereits von Fragende diesen Pi-onommib»5 gesagt wvlden, ist hier wenig Pronvmi- mehr z» erinnern übrig. Man merke nnr noch, daß in eben dnn Casu geantwortet werden müsse, in welchem gesraget worden: rvcm gehöret dieses «^aus ^ Artw. mir, unserm Lrcunde. Nur wenn mit dem Verbo seyn und dem Dativ oder Genitiv eines Pionominiö nach dem Besitzstände gefragt wird, kann, wenn mit einem Pronomine geantwortet werden muß, nur das Adverbium eines Possessivs stehen: wessen ist diellhr:' oder wem ist dieMr? Anrrv. sie ist mein. Indessen kommt die Frage mir dem Genitive im Hochdeutschen selten vor, die mit dnn Dative aber gehöret in die Sprache des gemeinen Gebens. S. auch §. 648. VI. Gebrauch des Verbi. 1. Gebrauch der Personen. §. 666. Das Verbum bezeichnet zwar die Per- Jhre Be- sonen schon an sich selbst, vermittelst des Endlautes; Zeichnung allein, da diese Endlaute aus den frühesten Zeiten der die Sprache entlehnet sind, folglich nach und nach so dunkel wurden, daß man von ihrer Bedeutung keinen klaren Begriff mehr haben konnte, so fanden die Deutschen nothwendig, die Perfvn des Subjectes bey dem Verbo noch besonders zu bezeichnen, welches denn durch die persönlichen Pronomina geschiehet, welche dem Verbo gewöhnlich vorgesetzet werben. Diese Pronomina sind daher bey dem Verbo so nothwendig, daß eigentlich kein Verbum das persönliche Verhältniß ohne dieselben ausdrucken kann. Die erste und zweyte Person können es am wenigsten ent- - Kehren, ich fliehe, du rasest; selbst nicht, wenn der z66 i.TH. 4. Abschn. Syntax. der Nahme des Subjectes ausdrücklich genannt ist, indem jcdes Substantivum ohne ein persönliches Pronomen für die dritte Person gehalten wird: ich, derAönig, will. Es ist daher wider die Natur der Deutschen Sprache, das Pronomen in der ersten und zwenten Person zu verbeißen: armer Sperling hast gemacht, daß mir die Augen roch geweiner habe. Die niedrigen Sprechmten verschweigen dasselbe zwar oft, Habs gesehen, will kommen, bins zufrieden; allein dieser darf sich die gesittete Schriftsprache ohnehin nicht gleich stellen. Man halte es für keine Weglassung des Pro- nominis, wenn es durch eine Apposition oder Erklärung von seinem Verbo getrennet wird: ich, armer Mann, habe ihn so lange vergebens gesucht; du, himmlische vpeisheir, hast mich bisher geflohen. Ist der Zwischensaß ein wenig lang, so kann die Wiederhohlung oft nothwendig werden: du, der du dich jo sehr vergangen hast, der du alle menschliche und göttliche Geseye übertreten hast, du mußt Strafe leiden. Wenn, wie hier, ein persönliches Pronomen vermittelst des Relativ! der wiederhohlet wird, so darf es in der ersten und zweyten Person gleichfalls nicht verschwiegen werden: du, der du das gethan hast; ich, der ich dich so zärtlich liebe. Wohl aber in der dritten, wo eö im Singular weg-- bleiben muß: er, der sich meiner so treulich angenommen hat; im Plural aber auch stehen kann: sie, die sie dieses nicht glauben wollten. In der ersten und zweyten Person das Verbum in die dritte zu seßen, du, der das gethan hat, ich, der dich so zärtlich lieber, ist zwar kein Fehler, «ber doch in der edlern Schreibart nicht so üblich. Da i.Kap. 6. Verbum. §.666.667. 367 Da fast in allen bekannten Sprachen ein jedes Snbstantivum, wenn es kein Pronomen der ersten und zwerten Person bey sich hat, für die dritte Person gehalten wird, so ist auch das Pronomen der dritten Person unnöthig, so bald das Subject derselben ausdrücklich genannt ist: Anst dichter, der N?ind brauset. Wäre e6 auch nur durch ein Pronomen oder anderes Bestimmungswort: rver lügt, der stiehlt; zwey sind schon da; es heißt; es lebe der Röntg. Dock können das Pronomen und der Nahme des Subjectes auch in der dritten Person zugleich vor einem Verbo stehen, wenn beyde um des Nachdruckes, eine Apposition machen: er, der Röntg, hacs befohlen; sie, diese rechtschaffenen Männer, bezeugen es alle; für die martern, der Rönig hacs befohlen, diefe — bezeugen es alle. §. 667. Indessen gibt es doch Fälle, wo das Verschwe!- persönliche Proncmen verschwiegen wird, und ver- gnng des schwiegen werden kann, wovon die vornehmsten sol- Pronsmi-j gende sind: 1. Die Mode-Höflichkeit, welche der Grammatik schon manche Furche abgepflügtt hat, hat es als ein Merkmahl der Bescheidenheit eingeführet, in Briefen an Höhere, das Pronomen der ersten Perfon, wenn es hinter dem Verbo stehen sollte, zu verschweigen: denenselben habe hiermit mels den wollen; Ero. Excellenz kann hiermit versichern; aus Dero Schreiben habe ersehen. Doch hat wohl noch niemand versucht, es wegzulassen, wenn es vor dem Verbo stehen muß. 2. Wenn zwey oder mehr Verba in einem und eben demselben Sahe zu einer und eben derselben Person gehören, so kann und muß das Pronomen, wenn z6Z i.TH. 4. Abschn. Syntax. wenn es einmahl geseht worden, die folgenden Mahle verschwiegen werden: ich kam und fand ihn nicht; weil du nichts thust, beständig müßig gehest, immer tändelst, und sters außer dir bist, so kannst du auch nichts vor dir bringen; wo es in dem Nachsatze, als einem neuen Satze wieder nothwendig wird. So auch in der dritten Person, wenn das Subject einmahl genannt worden, es sey auf welche Art es wolle: er rvill und will nicht; der Fremde kam, reifere aber bald wieder roeg, wo zwey Satze in einen zusammen gezogen worden. Aber: der Fremde kam zwar; aber er reifere bald wieder weg, wo beyde Sätze verschieden sind, daher in dem zweyten das Pronomen wieder nothwendig ist. z. Wenn zwey sehr kurze Satze durch eine Conjunctiv» verbunden, oder vielmehr in einen zusammen gezogen werden: wagst du es, und willst, daß ich es thun soll; er habe es oder habe es nicht; wo es aber auch stehen kann, und willst du, und stehen muß, wenn die auf solche Art verbundenen Satze einige ja'nge haben: wagst du - es wider aller Freunde Rath, und willst du, daß ich es thun soll. 4. Das veraltete Verbum geschweige», für schweigen, wird noch oft mit Weglassung des Pro- nominis der ersten Person, wie eine Partikel für viel weniger g/brauebt: ich habe es nicht gesehen, geschweige gehöret; geschweige dessen. Besonders §. 658. Es ist das Pronomen eines unbestimmtes es. ten oder unbekannten Subjectes, sowohl eines an sich unbestimmten, es regnet, es donnert; als auch eines bestimmten, weieyes nur unbestimmt angekündiget wird, es lebe der Aönig; es spricht der Unweisen i.Kap. 6. Verbum. §.668.669. 569 Anweisen !11und. Da die letztere Form bloß um des Nachdruckes willen gebraucht wird, einen Saß unbestimmt anzufangen, um ihn auf das bestimmteste zu beschließen, fo ist es eigentlich keine Abweichung von der Regel, oder Auslassung des es, wenn . man der gewöhnlichen Analogie folgt, und das bestimmte Subject voran seht, da denn das es von selbst wegfallen muß: der I^önig lebe? der Uns weisen Mund spricht. Hingegen kann das es in dem erstem Falle, wenn es nähmlich ein wirklich unbestimmtes Subject bezeichnet, bey solchen unpersönlichen Zeitwörtern verschwiegen werden, welche zugleich reciprok sind, oder vielmehr den Casum des leidenden Gegenstandes bey sich haben: mich frieret, uns gelüstet, davor grauet ihm; für es frieret mich, es gelüstet uns, davor grauet es ihm. So auch in Fragen: gelüstet dich ? durstet dich? §. 669. Eigentlich hat der Imperativ nur die Von dem zweyte Person, weil es erst in einigen neuern Spra- 2>npera» chen aus einer sehr übel verstandenen Höflichkeit üb- lich geworden, einen andern in der dritten Person anzureden. Weil nun die angeredete zweyte Person eben durch die unmittelbare Anrede schon hinlänglich bestimmt wird, so bedarf sie eigentlich keines Prono- minis: gehe hin und thue desgleichen; suchet^, fo werdet ihr finden. Indessen kann es stehen, wenn man die Person mit Nachdruck heraus heben will: sprich du in meiner Sache. Und es muß stehen, wenn mehrere Personen zu unterscheiden sind: wenn er es nicht haben will, so nimm du es. Da aber die'dritte Person des Imperatives keiner Sprache natürlich ist, und daher auch von dem Präsent! des Conjunctives entlehnet wird, so kann diese auch das Pronomen nicht entbehren: guter Freund, Ad-l.jV.Spr.ll.v. Aa komm 570 i.TH. 4.Abschn. Syntax. komm er her; meine Herren, lassen sie es sich gefallen. 2. Gebrauch der Zahlen. Das Ver« §. 670. Das Verbum legt eim'M Subjecte ein bum im gewisses Prädicat bey, und ist daher so t-ingcrichtet, Singular, es sowohl der Person als auch dessen Zahl folgen kann. Stehet also das Subject im Singular, so kann auch das Verbum eigentlich in keiner andern Zahl stehen: Gocr sprach, die Rose dufter. Ausnahmen machen: 1. Einige Collectivs welche ein Verbum im Plural leiden, wenn man sich die begriffene Mehrheit klärer vorstellet, als das Ganze, welches sie ausmacht: eine Menge von Beyspielen beweisen dieses. Indessen ist doch der Singular üblicher: eine Menge von Beyspielen beweiset dieses; es kam eine große Anzahl Menschen. 2. Die Neutra derjenigen Pronominum und Zahlwörter, welche alle Zahlen vertreten, wenn sie eine Mehrheit bezeichnen: alles übrige sind Possen ; alles dieses sind Unwahrheiten; sind dieß die Männer, welche uns XVeisheir lehren wollend wer oder welches sind die Leute da^ tVas sind das für Leute. In welchen Fällen sich das Verbum nicht nach dem Subjecte, sondern nach dem folgenden Substantive bequemet, weil dessen Plural zeiget, daß ich das vorher gehende Neutrum nicht sowohl collective, als vielmehr distributive nehmen müsse. Wo dieses nicht Statt findet, da bleibet auch der Singular: beydes ist- ungegründer. z. Die scheinbaren Singulare nach Zahlwörtern: zehen Pfund kosten einen Thaler; wo aber i, Kap. 6. Verbum. §. 671. 57» aber das Zahlwort zeiget, daß es eigentliche Plurale seyn füllen. Daher auch das Verbum keine andere Zahl bezeichnen kann. 4. Die modische Höflichkeit, welche es einmahl eingeführet hat, nicht nur alle Personen von gleichem und höherm Stande in der dritten Perlon des Plurales anzünden, werther Freund, besuchen sie uns; sondern auch von Höhern in eben dieser Person zu sprechen: der Herr Graf haben befohlen. §. 671. Hingegen siehet das Verbum im Plural, Das Vcr, theils wenn das Subject ausdrücklich mehrfach ist, bum im die Vogel singen; theils auch, wenn es sich auf Plural, zwey oder mehrere Subjecte der dritten Person beziehet, oder vielmehr jedem derselben ein und eben dasselbe Präoicat beyleget: erinnern sie sich, daß Ehre, Liebe und Freundschaft ihre Sicherheit sind; wo ist ein Fehler seyn würde, weil Sichers heit mit zum Pradicate gehöret, das Verbum aber die Zahl des Subjectes ausdrucken muß. Das Bedürfniß schuf die Handlung, und der N)ohl> stand und die Bequemlichkeit erweiterten sie. Folglich ist der Plural des Verbi nothwendig: 1. wenn gleich die Mehrheit des Subjectes verstecke ist: es har mehr als einen Philosophen gegeben, welche dieses behauptet haben; wo zwar das Substantiv des Subjectes im Singular stehet, aber doch das mehr als eine Mehrheit bezeichnet. 2. Wenn das im Singular stehende Subject mehrere Arten und Verhältniße bezeichnet: die wahre Und die fulfche Selbstliebe kommen darin überein; die edlere und höhere Schreibart ziehen diesen Ausdruck vor; wo das doppelte Adjectiv zeiget, daß der Nahme des Subjectes einmahl verschwiegen worden. Aas . Ich Z72 Z.TH. 4. Abschtl. Syntax. Ich sagte, das Verbum stehet im Plural, wenn es mehrern Subjecten ein und eben dasselbe Prä- dicat beyleget; folglich nicht, wenn das Prädicac verschieden ist, wo das Verbum eigentlich doppele stehen sollte, wenn es gleich einmahl verschwiegen wird: zwey Regimenter, wovon eines in der Gradr und eines in der Vorstadt lieget; wo es nicht liegen heissen kann, weil in derSradtund in der Vorstadt zwey verschiedene zu dem Verbs gehörige Prädicate sind, und nur das Verbum einmahl ausgelassen worden. Man gebe der Rede eine andere Wendung, so wird solches noch mehr einleuchten: es sind zwey Regimenter, eines lieget in der Gradt, das andere in der Vorstadt. So auch: es waren zwey Fremde aufderVost, wovon einer nach Dresden, der andere nach Meisten reifere. In einigen Sprachlehren findet man die Regel, daß das Verbum im Singular stehen könne, wenn es den Subjecten vortritt: den Vogel har Casus und Semprom'us abgeschossen; diesen Krieg har der Bauer und Bürger empfunden. Ein wenig Überlegung zeiget die Unrichtigkeit dieser Regel , indem das Verbum hier nothwendig im Plural stehen muß, weil es einerley Prädicat mehrern Subjecten beyleget, und die Stelle hieran nichts verändern kann. Indessen kann doch ein Verbum im Singular stehen, wenn es sich gleich auf mehrere Subjecte be. ziehet, i. In der höhern und affectvoll. n Scbrnb- «rt: ha! Vlirz und Donner stürmt! Weiße. Aufruhr, Rebellion, Derrug und Stolz giere schon nach dem verwaisten Thron, eben ders. s. In der Rechenkunst: drey und zwey ist oder mache ftmfe. §. 672. r.Kap. 6. Verbum. §.672. Z7Z §. 672. Wenn aber die verschiedenen Subjecte Fortzugleich verschiedene Personen sind, so ist die Fra-sttzunz. ge, welcher Person das Verbum folgen soll, indem es nur eine ausdrucken kann. Hier ist es eigentlich willkührlich, nach welcher Person sich das Verbum bequemet; indessen ist man doch im Deut» schen darin überein gekommen, daß die erste Per- son der zweyten, und die zweyte der dritten vorgezogen wird; das ist, stehet ein Subject in der ersten, und das andere in der zweyten oder dritten Person, so stehet das Verbum in der ersten, aber im Plural: du und ich wissen das nicht, oder ich und du wissen das nicht; ich und er, (oder er und ich,) rverden das nicht einsehen lernen; ich, er und du können das nicht. Ist aber eine Person die zweyte und die andere die dritte, so stehet das Verbum in der zweyten Person des Plurales; du und er, (oder er und du,) werdet das nicht erfahren. Wollte man die Rede vollständig machen, so müßte man im ersten Falle das wir, und im letzten das ihr voran sehen, und die übrigen Pronomina zur nähern Bestimmung folgen lassen: wir, du und ich, wissen das nicht; ihr, du und er, werdet das nicht erfahren. Welche Ergänzung in der fcyerlichen Sprechart nothwendig ist: wir, ich und Anst, haben dich lange gesucht. Hierher gehöret wieder der Fall nicht, wenn das Verbum nicht einerley Prädicat den Subjecten beyleget, und daher doppelt verstanden werden muß, wenn es gleich nur einmahl stehet, in welchem Falles der letzten Person folget, auf die es sich unmittelbar beziehet, sie sey übrigens welche sie wolle: nicht ich, der Rönig hat es befohlen; nicht er, du hast es gethan; nicht eure Brüder, ich habe es gesagt. Wo das Prädicat bey dem einen Sub- Aa z jecte Z74 i.TH. 4' Absthn. Syntax jecte verneinend und bey dem andern bejahend ist, da« her sich auch das Verbum nicht auf alle erstrecken kann. Eigentlich sind diese Ausdrücke elliptisch, für die vollständigem: ich habe es nicht befohlen, sondern der Röntg hat es befohlen. Ist aber ein gemeinschaftliches Prädicat vorhanden, so muß das Verbum im Plural stehen. Es ist daher, wie schon g-dacht, ein Fehler, wenn man es, wenn es voran siehet, in den Singular seht: das muß er und fein Bruder wissen. Und es, wenn verschiedene Pri sonen vorkommen, nach der nächsten beugt: wenn wirft du und Gempronius kommen ? Wo sich die Unschicklichkeit durch eine Apposition oder andere Wendung leicht vermeiden läßt: das müssen sie, er und fein Bruder, wissen; wenn werdet ihr, du und Sempronius kommend oder wenn wirft du mit dem Sempronius kommen? wo sich im letzten Falle das Verbum nur allein auf die zweyte Person beziehet» z. Gebrauch der Zeiten. Verwechse, §. 67z. Wir haben es hier vornehmlich mit den Kmg der Zeiten des Indicatives zu thun, indem die Zeiten De-ten mit des Conjunctives im folgenden vorkommen werden, «nander. drey Hauprzeiten sollte eigentlich das Prä- sens allemahl die gegenwärtige, das Präteritum die vergangene und das Futurum die künftige Zeit bezeichnen. Im Ganzen wird solches zwar sehr richtig befolgt; allein es zeigen sich doch hin und wieder manche Abweichungen, besonders in Ansehung des Präsentis und Futuri, ohne Zweifel, weil beyde Zeiten in der ersten Kindheit der Sprache nicht von einander unterschieden wurden, daher das Präsens, wie in m"hr alten Sprachen, das Futurum mit vertreten mußte. Dieses erhellet unter andern auch daraus, i. Kap. 6. Verbum. §. 67z. 674. 575 daraus, weil die Deutsche Conjugation das Futurum nicht aus sich selbst machen kann, sondern dasselbe »imschreiben muß; daher man dessen Verhältniß erst in den spätern Zeiten klar empfunden zu haben scheinet, da die vornehmste Bildung der Sprache schon vorüber war. Daher stehet denn das Präsens noch häufig anstatt des Futuri: ich reise morgen nach Berlin; ich bin bald wieder hier; wenn du wieder zurück kommst; ich gehe den Augen? blick; es geschieher erst in einigen lochen; ach! wenn kommt die Hülfe aus Zion! Hin» gegen wird auch das Futurum, besonders in der ver« traulichen Sprechart zuweilen anstatt des Präientis gebraucht: ich hoffe, er wird schon da seyn; so oft ich ihn erblicke, so wird er traurig seyn. Gell, welche letztere Art des Ausdruckes doch nur in dem gemeinen Leben gangbar ist. §. 674. Nicht seltener wird das Präsens anstatt Gebrauch des Präteriti gebraucht: ihr höret es ja, daß ich desPräse»« mich nicht zwingen lasse, wo billig dasPerftctum ^/U-^ stehen sollte, ihr habt es ja gehöret, weil diese ^ ^ Empfindung doch schon wirklich vorüber seyn muß. Besonders pflegt man in lebhaften Erzählungen, um eine geschehene Sache dem Zuhörer als gegenwärtig darzustellen, gern das Präsens anstatt des Imperfecti zu gebrauchen: ich reite gestern spazieren, und da begegnet mir ein Armer, de^ spricht mich um ein Almosen an. Indem ich ihm nun etwas geben will, so u.s. f. wo die ganze Geschichte im Präsenti fortlaufen kann. Beden? es nur einmahl, ich schenk ihm jüngst ein Band, Und knüpf es ihm dazu noch selber um die Hand, Und gestern seh ich g«r, u. s. f. Gell. Indes- I 576 i.TH. 4. Abschn. Syntax. Indessen ist diese ganze Form theils nur der vertraulichen Sprache des gemeinen Lebens, theils nur der mahlerischen und dichterischen Schreibart angemes- sin, nicht aber der ernsthaften historischen, weil sie eine wahre Täuschung ist, der Geschichtschreiber aber auf keine Weise täuschen darf. Hierher gehöret aber der Fall nicht, wenn die didaktische Schreibart geschehene Begebenheiten im Präsenci erzahlet, weil sie nicht sowohl erzählet, als lehret, und eigentlich geschehene Dinge als solche dar- stillet, welche noch täglich geschehen können und wirklich geschehen: im rohen Stande der Nacur har der Mensch wenig Bedürfnisse, und folglich auch keine Gelegenheit, feine Verstandes- kräfre zu üben; feine Religion ist so einfach, als sein Leben, und bestehet in rvenig Begriffen von dem höchsten liefen, dem Urheber aller Dinge u. s. f. Neplelial- §- 675. Es ist eine allgemeine, und in allen Spra- tsnq einer-chen gangbare Regel, daß eine Rede in demjenigen !ep Zeit. Tempore fortgehen müsse, in welchem sie angefangen hat, so lange sich nähmlich das Verhältniß der Zeit nicht verändert, welches allerdings auch eine Veränderung des erstern erfordert. Man sigt ganz richtig: die Cultur der Deutschen ging sehr langsam von Starten, weil der Übergang von dem äußerst wilden Leben zum verfeinerten bürgerlichen ohne einen Mittelweg allemahl fchwer ist. Weil hier zwey verschiedene Verhältnisse der Zeit Statt finden, eines der geschehenen Begebenheit, und das andere der Ursache, welche noch jetzt bestehet, und unter ähnlichen Umständen noch jetzt Statt findet. Aber nicht, fo bald er mich erblickte, hat er..mich angeredet; oder, ich rhar alles, was in i. Kap. 6. Verbum. §. 675.676. 377 in meinem Vermögen gestanden hat; oder, die Stände ließen eine Bittschrift überreichen, welche auch sehr gnädig aufgenommen worden, besser wurde; weil sich hier das Verhältniß' der Zeit nicht merklich verändert. Um deswillen muß auch in einer Antwort, wenn sie schlechterdings bejahend oder verminend ist, das Tempus der Frage beybehalten werden, weil die Antwort in solchem Falle eigentlich eine Fortsetzung der in der Frage angefangenen Rede ist: sind ste schon in Berlin gewesen ? Antwort: ja, sie sind schon da gewesen; nicht, ste waren schon da. Ändert sich aber das Verhältniß der Zeit, so muß sich freylich auch das Tempus ändern: ist er schon weggegangen? Antw. erging eben jeyt weg ; wo die Antwort vollständig heijsen müßte: nein, er ist noch nicht weggegangen, aber er ging eben jeyr weg. §. 676. Das Präsens bezeichnet etwas das ge- Von dem genwärtig geschiehet, oder das noch jcßt Statt findet Präreriro und geschehen kann; es ist daher das eigentliche überhaupt. Tempus des lehrenden und unterrichtenden, oder didaktischen Gtples, so wie des schildernden und erzählenden in allen als gegenwärtig beschriebenen Veränderungen. Das Präteritum stellet etwas Vergangenes als vergangen dar, und theilet sich wieder nach den drey Stufen des Vergangenen in das Imperfectum, das perfectum und plus- quamperfecrum. Die vornehmsten Unterschiede dieser drey Temporum sind bereits Th.i. §.410 angegeben worden; allein ich gestehe gern, daß sie nicht aus alle Fälle passen, zweifele aber auch, daß sich wenig einfache Regeln werden ausfindig machen lassen , welche alle, oder auch nur die vornehmsten Fälle Aa 5 umfaß- Z78 r.TH. 4.Abschn. Syntax. umfaßten, daher der richtige Gebratich der Zeiten im Deutschen, so wie in allen andern Sprachen, welche eine der drey Hauptzeiten in mehrere Unterarten zerfallen, größten Theils ein Werk der Übung und ves dadurch erworbenen Geschmackes und feinen Gefühles ist. Die Ursache ist auch nicht schwer zu finden. Ursprünglich hatten die Deutschen nur ein einiges Tempus für die vergangene Zeit, das Imperfectum, welches daraus erhellet, daß die Deutsche Conjugation nur dieses allein auS sich selbst machen kann. Allein bey mehr Aufklarung, vielleicht auch bey mehr Umgang mit Völkerschaften, welche vollständigere Conjugationen halten, fingen sie an, zu merken, daß ein >>nd eben dasselbe Tempus für alle Grade und Verhältnisse der vergangenen Zeit nicht allein Zweydeutigkeit und Dunkelheit verursachte, sondern auch der Rede eine ermüdende Eintönigkeit gab. Wie soll-en sie sich da helfm ? Die Zeit war vorbey, da die Sprache nach der dunklen Empfindung des Hörtaren gebildet ward und gebildet werden konnte, folglich konnten weder neue Wörter noch neue Vie- gnngssylben mehr gemacht werden. Die Deutschen thaten daher das, was andere Völker in ähnlichen Umflä'ndsn gethan haben, sie umschrieben, und wählten dazu das Participium der vergangenen Zeit mit den Hülfswörtern, und so waren sie im Stande, nicht ollein das Perfectum, sondern auch das Plusquam- verfectum anderer Sprachen nachzuahmen. Alles dieses konnte, so wie alles in der Sprache, nicht anders, als nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten geschehen ; aber diefe Empfindung war in den meisten Fällen fo dunkel, daß sie sich noch jetzt nicht klar machen läßt. Ich bemerke bey dieser Gelegenheit noch, daß die Nahmen dieser Zeiten, Imperfectum, Per- i. Kap. 6. Verbum. §. 677. 379 Perfectum und pllisquamperfectum diese Dunkelheit gleichfalls beweisen, daher man keine Definitionen und noch weniger Regeln darauf bcm-'N darf. Wenn ich sage, er fiel von dem Dache und brach den Hals, so wird die Handlung ebni so vollkommen vorüber geschildert, als wenn ein anderer sagt, er ist von dem Dache gefallen und hat den Hals gebrochen, weil der Hals in beyden Fällen auf immer gebrochen ist. Derjenige Unterschied, weicher sich an diesen drey Zeiten noch am klarsten bemerken läßt, rührt nicht von derArtde» Vergangenen an sich selbst, sondern von dem Zu-- sammenhange der Rede, und der Stellung eines Anöspruches in derselben, her. Man merke davon folgendes. §. 677. Das Imperfectum wird überhaupt Gebrauch gebraucht, wenn eine Handlung erzähb.t werden sol>, des Jiupew welche in Ansehung des Redenden, oder vielmehr des Zusammenhanges der Rede, als erst kurz vec- ^ ' gangen dargestellet werden soll. Folglich: 1. Wenn mehrere zusammen hängende vergangene Veränderungen erzählet werden, von welchen die eine noch nicht vorüber ist, wenn die andere anfängt, da denn beyde im Imverfccte stehen: die Sonne fing an, die leyren Stunden des Tages zu beschließen, als mich ein Freund in seine stille Laube einlud, wo frische Kühlung aus dem Gewölbe der Blätter fiel; als Deutschland in der Völkerwanderung mit wilden Völkern angefüller ward, welche den Boden zur Viehs Zucht zu enge machten, fo mußten sie sich zu gesitteten Völkern umbilden. 2. In zusammen Hangenden Erzählungen, wo Dinge auf einander folgend dargestellet werc-en; daher ZFo I.TH. 4.Abschn. Syntax. her e6 in einer zusammen Hangenden Geschichte am Häufigsien gebraucht, und um deswillen auch das wahre Tempus historicum der Hochdeutschen ist. Dieser Fall ist eine Figur des vorigen, indem die auf einander folgenden Begebenheiten hier als in einander gegründet angesehen werden: Adam lebte von dem, was der Erdboden freiwillig trug, Cain war ein tVilder und Abel ein Lands bauer und Viehhirc; die Menschen vermehrten sich unter diesen Umständen sehr schnell, u. s. f. wo die ganze Geschichte in diesem Tempor« fortläuft, wenn nicht ein anderes Zeitverhältniß in einzelen Gliedern der Rede ein anderes Tempus erfordert, worauf aber doch die Erzählung so gleich wieder in das Imperfect tritt. Daß indessen dieser Gebrauch des Imperfectes seinen Grund nicht in der Ncrm- der Sache hat, sondern ursprünglich wirklich willluhrlich war, erhellet nicht allein aus der lateinischen und andern Sprachen, welche hier sehr häufig das P^-fectum gebrauchen, sondern auch aus manchen gc!.i?inen Oberdeutschen Mundarten, in welcbm das Perftctum das eigentliche historische Tempus ist. Unter diese beyden Regeln werden hoffentlich die «leisten und wichtigsten Fälle gehören, in welchen das Imperfect gebraucht wird, und in dunkeln Fallen wird mchrentheils die erste Regel zum Grunde liegen. Z. B. so wie das Bedürfniß den Menschen lehrte, die Thiere zu seinem Unterhalte zu zähmen, so lehret es ihn auch, wenn ihm der Raum zu enge wird, das Pflanzenreich zu zähmen; wo in der That der Vordersatz auf die oben gedachte Art mit dem Nachsäße verbunden ist, und überdies? das Ganze eine Art zusammen han--. Sender Erzählung ausmacht. Soll indessen das Ganze i. Kap. 6. Verbum. §. 677. M Ganze als ein emzeler Saß bekrachtet werden, so kann es auch im ^> rftcto heißen: so wie das Bedürfniß — gelchrcr hat, worauf denn der Nachsaß, wenn er gleichfalls als vn gangen dargestellet werden soll, lieber wieder in das Perfectum als in das Imperfectum gefetzet wird. Das perfeemm hingegen stehet, wenn eine vergangene Verär.oerung für sich allein, und ohne Be^iehnnq auf eine andere Begebenheit vorgestellet wird: es har geblilzr; er ist schon weggegan- gen. Wer da anfangt, es blitzte, er ging weg, der erreget die Erwartung einer zusammen Hangenden Geschichte, jener aber nicht. Es kann daher dasPerfectum auch gebraucht werden, wenn man mehrere Begebenheiten als einzeln oder nebm einander gestellt, (nickt auf einander folgend,) darstellet: ein Zxaper hat die Nachricht gebracht, daß der Feind geschlagen rvorden. Der Befehlshaber hac allen Einwohnern befehlen lassen, die Insel zu räumen, und viele haben sie schon wirklich verlassen. — Ierzr hat die Luft ihre balsamischen Gerüche verloren, ihre Heiterkeit ist in Nebel und feuchte 5Volken entwichen, die Schwalbe ist verschwunden und die Nlelodie der Vogel ist verstummt. Eine zusammen Hangende Erzählung erfordert allemahl das Jmperfect; allein die fragmentarische, d.i. die, welche dieBe. gebeuhciten neben einander stellet, kann oft in den Ton der vorigen fallen, so bald sie den Zusammenhang zu beobachten anfangt: der Feind hat den Einwohnern befehlen lassen, dieInfel zu räumen,welches sie auch mic fo großer Eilfertigkeit thaten , daß sie auch ihre besten Sachen darüber vergaßen. — Er hat so schön geranzt, daß alle Anwesende ausriefen: welch ein Tänzer. §. 6?8. Z82 i. Th. 4-Abschn. Syntax Gebrauch ' §- 678. Das plusquamperfectum wird vor- des Plus- nehmlich in Vordersätzen ge braucht, wenn die in den» quainper- sx^en enthaltene Veränderung schon völlig vergangen ftttcs, ^ Veränderung des Nachsatzes anfängt. Der Nachsatz bekommt alsdann am häufig, sten das Jmv-'rfect, weil hier eine ordentliche Erzählung Statt findet: man harte seit einiger Zeit alle Arbeiten an dem Schlosse eingestellet, daher man glaubte, daß es nicht mehr bewohnet werden sollte; wo die Einstellung der Arbeit schon vorüber war, als man dadurch bewogen wurde zu glauben u. s. f. War sie noch nicht vorüber, so müßte das Imperfectum stehen: man stellere alle Arbeiten ein, "daher man glaubte u. f. f. So auch: von den Sommerblumen, in deren Schoß der müde Schmetterling schon eingeschlummert rvar, hauchte uns ein kühler N)ind angenehme Düfte entgegen; alle Sänger waren verstummt, die nur ihrer Musik die Anmuth des Landes vermehrten. In dem Nachsäße, Statt des Jmperftctes, wieder ein PluS- quamperfecr zu gebrauchen, ist in den meisten Fällen ein Fehler: Herr Zweyer Ewigkeiten, wovon die eine vergangen war, ehe sich des Engels Ewigkeit angefangen hatte, besser ansing. Obgleich der Sah des PlusquamperfecteS gar wohl die Stelle des Nachsatzes einnehmen kann: ich bekam den Brief, da ich eben abgespeiset hatte; du hast mich aufgeweckt, da ich schon erwachet war. Von dem Plusquamperfecre des Conjuncti- ves S. §. 689. Da man in einigen Oberdeutschen Provinzen, z. B. in Baiern, der Ober.Pfalz, und einigen Gegenden Frankens das Imp^rftc.' fast gar nicht kennet, so kann man daselbst auch kein PluSquamperfece a»f i. Kap. 6. Mrbum. §. 679.680. Z8Z auf Hochdeutsche Art bilden, weil dieses mit dem Jmperfecr? des Hüliswortes gemacht wird; man ge« brauet daher Statt dessen das Perfect des Hülss- n^cr-es nur dem Participio: was ich begehrt gehabt habe, für begehrt hatte. Auf ähnlich- Art vers»cht man wohl selbst im Hochdeutschen ein Plus« quamrerfectdeS Infinitives zu bilden: er soll zu derselben Zeit schon gestorben gewesen seyn; wo doch die anständigere Sprechart lieber eine andere Wendung nimmt: er soll schon rodt, nicht mehr am Leben gewesen seyn. §. 679. Das Plusquamperfekt ist unter den drey Gebrauch verqcmgenen Zeiten am deutlichsten bestimmt. In- ^ 2mver« dessen kommt es auch bey diesem, so wie bey den bey ^^.^^ den übrigen, oft bloß darauf an, wie der Sprechende ^ ' eine Veränderung gedacht wissen will, da denn in manchen Fällen mchr als eines dieser Zeiten stehen kann: dein Her; ward bloß darum so tief gebeugt, damit es seine wahre Stürze sollte kennen lernen; hat die Gestalt einer Erzählung; allein man kann es auch als eine Sentenz, im Per- fccto vortragen: dein Herz ist bloß darum so tief gcbeuget worden; und wenn man zu verstehen geben will, daß die Beugung schon vorüber war, als die Absicht Statt fand, so findet auch daö Plusquampersect Statt: dein Herz war bloß darum so tief gebeuger worden. §. 680. überhaupt pflegen die edlere und höhere Gebrauch Schreibart, wenn die obigen Zeitverhältnisse nicht 2".""» zu merklich hervor stechen, das Jmverfect um der ^Mn» kernhafren Kürze willen gern dem Perfecte vorzu- Schreibart, ziehen: fühle die große VVahrheir, welche die Nacht des Irrthumes zerriß, wo eigentlich das Perfect zerrissen har^ stehen sollte. Äch Z84 i.TH. 4. Abschn. Syntax. Ich bemerke hier noch den sonderbarm Unterschied, welchen Gottsched in seiner Sprachlehre unter dem Imperfccte und Perfecte angibt. „Wenn man, sagt er, etwas erzählet, wobey man „ selbst zugegen gewesen, oder woran man selbst Theil „gehabt; so bedienet man sich der unlängst vergan- „genen Zeit (des Imperfecteö); redet man aber von „dem, was andere ohne uns gethan haben, so nimmt „man die völlig vergangene Zeit. — Gewisse tand- „ schaften bemerken diesen Unterschied nicht, und wer- „den dadurch so unverständlich, daß man sie fragen „ muß, ob sie dabey gewesen oder nicht. " Es ist unnöthig, den Ungrund dieses Unterschiedes zu beweisen ; das erste das beste Beyspiel ist dazu hinlänglich. Wenn ich erzähle, im Anfang schuf Gott Fimmel und Erdeu. f. f. wer wird sich da wohl träumen lassen, daß ich mit dabey gewesen? oder wenn ich sage, ich bin gestern zu Gaste gewesen, welcher vernünftige Mensch wird wohl zweifeln, daß ich mit dabey gewesen? Wäre dieser Unterschied gegründet, so könnte, wie schon Aichinger angemerket hat, das Perfectum keine erste Person haben. Gottscheds Beyspiele beweisen nichts von seinem Satze. „Wenn ich sagen wollte, heißt es: „gestern bervirrhete Casus verschiedene gute „Freunde und Titius war auch dabey; so . würde ein jeder denken ich wäre mit dabey gewe- „ sen." Gewiß nicht; er wird nur denken, ich wollte eine ordentliche Erzählung anfangen. „ Sprä- „ che ich aber: gestern hat Casus Gäste bey sich „ gehabt, und Titius ist auch bey der Gesellschaft gewesen, so wird ein jeder glauben, ich sey „nicht dabey gewesen, sondern habe es nur vernom- „ men." Nichts weniger als das; er wird nur glauben, und zwar mit Recht, daß er keine Erzählung i» i. Kap. 6. Verbum. §. 68r. M zu erwarten habe, sondern daß mein Ausspruch zu Ende ist, weil ich die Begebenheiten einzeln neben einander stelle, sie aber nicht als auf einander folgend vortiage, in welchem Falle der Zuhörer noch den Verfolg erwarten würde. §. 68>. Die beyden Futura, S. Th.i. §.410. Gebrauch unterscheiden sich eben so von einander, als das Per- des Zumri. fecti'M und Plusquamperfecmm; das Lururum absolMUM wird gebraucht, wenn eine Veränderung überhaupt und ohne alle Beziehung als künftig angegeben werden soll: bald wird der Frühling kommen; wenn werde ich ihn wiedersehend wenn Felsen zerschmelzen und Gebirge verschwinden werden, dann werden diese ihren Gcharz kennen lernen. Dos Lumrum cracrmn aber, wenn die eine Veränderung bey dem Anfange der folgenden als völlig vergangen vorgestellet werden soll; oder wenn etwas nach der gegenwärtigen Zeit als zukünftig und nach einer gewissen folgenden Zeit zugleich als vergangen vorgestellet werden soll: wenn mein Gebein längst wird verweset seyn, dann werden die lVelren alle vergehen. Man hat mir die Aufnahme dieses zweyten Fu- turi getadelt, S. Th.i. Vorr. S XU, i. weil das- ' selbe zur Conjugatione periphrastica gehöre; 2. weil nran auch das Perftctnm dafür gebrauche, und z. weil es allenfalls nur im Activo vorkomme, nicht aber im Passive». Allein diese Gründe sind nicht hinlänglich, dasselbe um seine Stelle in der Sprachlehre zu bringen. Denn 1. gehöret das Fnturum eractum nicht mehr zur Conjugatione periphrasiica als das absolutum, weil außer dem Präsent! und Jmperfecro im Deutschen alles Conjugatio periphrasiica ist. 2. Freylich gebraucht man oft das PerAdel.-V.Spr. II. L. Bb fecmm z86 ?.TH. 4. Abschn. Syntax. fectum dafür, wenn der Sinn nicht sehr leidet: wenn mein Gebein längst verweset ist, dann werden die N)elren alle vergehen; aber gewiß nicht allemahl, weil der Sinn in beyden Fällen verschieden ist. Morgen hat er es überstanden, prädicieret den Sah mit Gewißheit; morgen wird er es überstanden haben, mit mehr Ungewißheit; so bald er es wird gethan haben, wird er kommen. Der Gebrauch des Perfecti Statt die« ses Futuri scheinet vielmehr bloß um der Kürze, oder wohl gar aus Unkunde des eigentlichen Temporis eingeführet zu seyn, weil die Bedeutung beyder im Grunde sehr verschieden ist. z. Es ist ungegründet, daß eö im Passlvo nicht vorkomme. Zwar sagt man nicht, morgen wird meine Arbeit schon verrichtet worden seyn, aber doch, morgen wird sie verrichtet seyn; und das ist denn doch im Grunde auch nichts anders, als eben dieses. Futurum eractum. /i. Gebrauch der Modorum. Allgemeine §' 682. Die Modi bezeichnen die Art, wie das Regel für Prädicat von dem Subjecte gesagt wird. Wird es dieselbe, als wahr oder gewiß von demselben gesagt, so stehet der Indicativ, wenn es aber nicht mit völliger Gewißheit gesagt werden kann oder soll, der Conjunctiv, welcher daher nach allen Verbis oder Partikeln gesetzt werden muß, welche einen noch zweifelhaften oder ungewissen Erfolg bedeuten. Der Indicativ siehet also, wenn etwas mit Gewißheit prädicieret wird: ich weiß, daß er komL men wird, oder ich weiß, er wird kommen; wie mans treibt, so geht es; weil du mich bathest, so vergebe ich es dir; ob du es gleich wußtest; > i, Kap. 6. Verbum. §. 6g2. 937 wußtest; es kann geschehen, daß er nicht wieder kommt; er sprach so laut, daß es jeder hörce; ich habe es nicht verschuldet, daß man so mir mir umgehet; du siehest ja, daß er da ist; ich sage dir, daß es an dem ist; ich freue mich, daß du gesund bist; ich danke dir, daß du es gethan hast; er gestehet, daß er es gethan hm; wenn du unschuldig bist, so wird dir nichts widerfahren. Wohin auch der gewisse Fragestand gchörer: wird er kommen 5 weißt du es, daß er es gethan Kar? Der Conjunctiv hingegen, wenn der Erfolg noch zweifelhaft oder ungewiß ist, oder als ungewiß und unentfchieden angedeutet werden soll: es wäre zu wünschen, daß wir mehr mit den Sitten, als mit der Macht Frankreichs Arieg führen möchten; wo in dem Nachsäße der Conjunctiv stehen muß, weil der Erfolg des Wunsches immer noch ungewiß ist, dagegen im Vordersatze auch der Indicativ stehen kann, wenn er mit mehr Gewißheit prä- dicieret werden soll, es ist zu wünschen. So auch: es schien, als wenn alle unsere V.räsie wären verjünget worden; eine ganze Schaav Vögel fing an zu schlagen, als wenn sie sich vereinigt hätte uns zu begrüßen; ich befehle dir, daß du kommest, weil die Wirkung des Befehles immer noch ungewiß ist; jeyr müsse ein jeder dem Aerker der Städte entfliehen! das wolle Gott nicht! und so in allen ähnlichen Arten des Wünschens. Ferner eine Gleichgültigkeit zu bezeichnen: er thue es oder nichr; er komme odev bleibe weg; er säge was er will, wo im Nachsatze der Indicativ stehen muß, weil hier keine Ungewißheit Statt findet, nicht, er sage, was er wolle. Bb 2 §. 6Lz. z88 i.TH. 4.Abschn. Syntax. F»rt- ^'^^ ^^el ist im Deutschen allgemein, sehung. und m«cht alie übrige Regeln unnöthig. Wenn daher der Conjunctiv mit gewissen Conjunctionen verbunden wird, so rüyret derselbe nicht von den Con- junctionen, sondern von dem zweifelhaften Zustande des AuSspruches her. Daher müssen die Conjun- ctionen als wenn, als ob, wie wenn, allemahl mit einem Conjunctive verbunden werden, weil sie einen zwar möglichen, aber noch ungewissen Fall bezeichnen. Die meisten übrigen können sowohl mit dem Indicative als mit dem Conjunctive stehen, nachdem der Erfolg gewiß oder noch zweifelhaft ist: ich melde dir solches, damit du dich darnach zu richten wissest; aber, sie bethet darum so fleifsig, damit der Himmel wieder erkenntlich seyn soll, wo die Gewißheit nach der Absicht der Bethenden zu beurtheilen ist, wie auö dem Verbo soll erhellet; ohne dasselbe würde es im Conjunctivs heißen müssen, damit der Himmel wieder erkenntlich sey. Ferner: ich besorge, daß er stolz werden möchte, aber, ich sehe, daß er kommt; wenn er kommen sollte, aber, wenn er kommen wird; ich bin nicht würdig, daß du unter mein Dach eingehest, aber, woher weißt du, daß er todt ist^ Conjunctiv , §. 684. Hierher gehöret auch der Fall, wenn im relati- man seine oder eines andern Worte erzählungöweise ven Styl, oder hsoß ihrem Inhalte nach anführet, weil man dabey die Wahrheit des erzählten Satzes gleichfalls linentfchieden lässet; es mag übrigens die Aussiih- rung mit oder ohne daß geschehen : ihr habt! ja immer gesagt, daß er ein ehrlicher Mann sey; ich bewies ihm, daß er verbunden sey, zu gehorchen; wir antworteten, daß dieses Statt haben könne. Werden aber die eigenen Worte wieder- i. Kap. 6. Verbum. §. 635.696. 389 lviederhohlet, so bleibt der Modus, welchen diese Worte erfordern: er sagte, nein, ich thue es nicht. Indessen kann auch in der relativen Art der Indicativ Statt finden, so bald man zugleich seine vder des Sprechenden Überzeugung von der Wahrheit des Anspruches mit bemerken will: sage ihm, daß er ein Thor ist; ihr habt ja immer gesagt, daß er ein ehrlicher Mann ist. §. 685. Das Verbum wissen schließt eigentlich Von Km allen Zweifel aus; es erfordert daher auch in allen Verb» Fällen, wo die gewußte Sache nicht ausdrücklich als ungewiß bezeichnet werden soll, den Indicativ: ich weiß, daß er da ist; weißt du, daß er da ist! Es ist daher ein Fehler, wenn es bey Gellerten heißt: ich dächte, ihr Vormund sollte am besten wissen, wie hoch sich ihr Vermögen belöffe, für belauft; nun, man sollte denken, ein fünfzigjähriger Mann sollte wohl wissen, was ein Glück wäre, für ist; er geht, ich weiß fürwahr nicht, was die Ursach sey, für ist. Indessen können auch Fälle kommen, wo die gewußte Sache nicht mit solcher Gewißheit prädicieret wird, besonders in den zusammen gesetzten Zeiten des Ver- . bi wissen: ich wußte es lange, daß er kom- - men würde; ich möchte doch wissen, was er mir zu sagen hätte, wo aber doch hat besser ist, weil sich die Ungewißheit nicht bis auf den letzten Saß erstreckt. - §. 686. Eben so fehlerhaft ist es, wenn man Fehlerhaf- um eines oder mehrerer in einem Satze vorkommen- ter Geber Conjunctiven willen, auch den Saß, welcher mit ^"ch des Gewißheit prädicieret werden soll, oder auf welchen sich die Ungewißheit wenigstens nicht erstrecket, in den Conjunctiv setzet, welcher Fehler in Obersachfen sehr Bb z gewöhn- » M I. TH. 4.Abschn. Syntax. gewöhnlich ist: es würde sehr gemein lassen, wenn man nichts anders sehen wollte, als was durch eine natürliche Folge aus einander flösse, für fließet; er hat mich versichert, daß er ein scharfsinniger Mann wäre, und mehr Bücher gelesen hätte, als Stunden im Jahre wären, für sind, Gell, man jage, was man wolle, für will; ich habe versprochen, daß ich ihn? so lange nachsehen wolle, bis er seine N)aaren zu Gelde gemacht habe, für hat. So wie überhaupt der Gebrauch des Conjun« ctweö unschicklich ist, wenn keine Ungewißheit densel« b n erfordert: sprich, warum käm er nicht,wenn er beständig wär, Gell, für kommt und ist. f leickigl'il- §. 687. Indessen kann es oft gleichgültig seyn, lm.r Ge- wacher Modus gefetzt, oder wie das Predicat von r!! Modo- wird, oder vielmehr, wie es tum.° Sprecht »de genommen haben will: der Spiegel erinnert mich, daß es Zeit sey (oder ist), ernsthaft zu werden; wo der Nachsah entweder relativ oder positiv genommen werden kann; freue dich, als einer, der da weiß, daß die Betrüb- niß sich zur Freude erheben könne, bezeichnet nur die Möglichkeit, kann aber die Gewißheit; sollte man es ihm wohl ansehen, daß er zornig seyn kann oder könntet gäbe es nicht noch in allen lVeltcheilen wilde Völker, so wür> den wir gesittetere uns vielleicht kaum träu- ,nen lassen, daß ein solcher Zustand möglich sey, oder ist. yrüsens §. 6Z8. Was §. 677 von der Bedeutung des nndJmpcr- JmperfecteS gefügt worden, gilt bloß von dem In. ftmnnCon- dicatwe, nicht aber von dem Conjunctive, dessen Im- Mmv«. perfett nichts vergangenes, sondern etwas ungewisses i.Kap. 6. Verbum. §.688.639. M wisses zukünftiges bedeutet. Eigentlich sollte das Präsens Conjunctiv! von einer gegenwärtigen ungewissen Sache gebraucht werden: er behauptete, er sey es nicht; er leugnete, daß er es habe. Das Jmperfect aber von einer noch nicht geschehenen ungewissen, ohne sie doch eben als künftig zu bezeichnen: ich bath, daß er kommen möchte; und scheute sie uns nicht, sie gäb' ihm selbst den Thron, Weiße. Indessen werden beyde Tempora im Hochdeutschen sehr häufig für einander gebraucht, besonders, wenn das eine Mißdeutung verursacht, oder der Modus an demselben nicht kenntlich genug ist. Man sagt ganz richtig, es hieß, er habe es, aber nicht, sie haben es, sondern sie hätten es, weil sie haben auch für den Indicativ genommen werden könnte. In Obersachsen ist es sehr gewöhnlich, an Statt des Präsentis Conjunctiv» des Verbi seyn, das Jmperfect zu setzen: man hae mich versichert, daß er ein gelehrter Mann wäre, besser sey. Der Plural des Präsentis ist im Hochdeutschen noch seltener, und wird fast durchgängig durch das Jmperfect ersetzt: man sagte, daß sie unschuldig wären. Der Fehler mancher Ober- sachftn, den Conjunctiv des Imperfectes an Statt des Präsentis des Indicatives zu setzen: wenn sie wüßte, daß wir von ihrer Andacht sprächen. Gell, für sprechen, gehöret eigentlich zu dem §.üz6 bemerkten Fehler. §. 689. Das Perfcctum des Conjunctives be- 'Perfectum, zeichnet eine geschehene Sache als ungewiß: man Plus^uam- beschuldigte ihn, daß er sich nicht die gehöri- pI^m ge Zeit genommen habe. Das Plusquamperftct hingegen deutet an, daß etwas geschehen wäre, wenn eine andere mögliche Bedingung wäre erfüllet worden: er wäre ein berühmter Mann geworden, Bb 4 wenn Z92 I.TH. 4.Abschn. Syntax. wenn er länger gelebt hätte; wir hätten unsere Absicht erreicht, wenn ihr nur gewollt hä:cer. Ingleichen einen Wunsch, daß etwas geschehn ircn'e: hätte er es doch gethan! Was im vorigen §. von der Zweydeutigkeit des Prasentis und ImperfectcS gesagt worden, gilt auch hier. Wenn der Modus unkerrnlich ist, so gebraucht . man sür das Perfect gern das Piusguamperfect. So sagt man ohne Dunkelheit im Singular: man vers sicherte, e: habe ihn hinrichten lassen, aber im Plural lieber, sie hätten ihn hinrichten lassen. Um der eben daselbst schon angezeigten Ursache willen, pflegt man auch, wenn seyn das Hülfswort ist, besonders im Plural, gern das Plusquamperfekt an Statt des Perfectss zu setzen: man sagte, sie wären schon da gewesen; ich wünschte, es wäre schon überstanden. D-e höhere Schreibart gebraucht um des Sylbenmaßes und der Kürze willen zuweilen das Im- perfect des Conjunctives an Statt des Plusquam- perf.ctes: vielleicht, ach, raubte man mir mic Gewalt sie nie, für, vielleicht hätte man mir sie mic Gewalt nie geraubt. Die beyden Futura des Conjunctives kommen in dem Gebrauche mit den Futuris des Indicatives überein , nur daß auch hier der Begriff des Ungewissen herrscht: er sagte, daß er es thun werde, daß er es morgen werde überstanden haben. Gebrauch §. 690. Der Imperativ wird nicht allein zum des Zmpe- Befehlen und Verbiethen, sondern auch zur Aufmun- raNves. t^-una., znr Ermahnung, zum Bitten und zur Anrede überhaupt gebraucht. Die höhere Schreibart gebraucht ihn überdieß noch, einen möglichen Fall, oder eine Bedingung verkürzt auszudrucken: sey ohne z.Kap. 6. Verbum. §. 691. 39z ohne Freund, rvie viel verliert dein Leben, b. i. wenn vu ohne Freund bist. §. 691. Der Infinitiv piädicieret das Prädicat Und de« oder den Begriff des Verbi ohne alle Bestimmung 2»fiuiti» Her Person, und wird auf gedoppelte Art gebraucht. 1. Zur Ergänzung des unselbständigen Prädikates solcher Verborum, welche nur einen allgemeinen Amstand bedeuten, in welchem Falle er an das Adverbium gränzet: ich roill gehen, ich soll reisen, ich muß lachen; davon im folgenden §.697 f. 2. Als ein Substantivum, und zwar wieder auf gedoppelte Art. a. Ohne Bezeichnung der Selbständigkeit, b. i. ohne Artikel, in welchem Falle er doch nur als das Subject, folglich nur im Nominative gcbrsucht werden kann: eine Gottheit glauben, ist der Freude Anfang; eine Gottheit lieben, ist der Freude völlige Reife. b. Mit genauer Bestimmung der Selbständigkeit, folglich mit dem Artikel, oder einem andern Bestimmungsworte, in welchem Falle er doch weder mit dem unbestimmten Artikel noch mit einem bestimmten Zahlworts, und nur allein im Singular gebraucht weiden kann, weil er den Begriff des Verbi zwar selbständig, aber zugleich abstract ausdruckt : das Trinken ist zur Gesundheit nothwendig; viel Essen od?r das viele Essen ist ungesund; alles Fluchens ungeachtet; von vielem Meinen blind werden. Von dem Gebrauche der Participien wird im folgenden §. 696 und 82z f. geredet werden. Bb 5 5. Gt- M i.TH.'4.Abschn. Syntax. 5 Gebrauch der Hülfswörter. Hürfe« el- §. 692. Die Hülfswörter sind eigentlich Verba «cntlicb mit unvollständigen Prädicaten, deren Prädicat durch «lcht vcr- Participium eines andern Verbi seine Vollstän- w^de»^ ^^^^ erhält, daher denn beyde zusammen genommen gebaucht werden, die mangelhafte Deutsche Conjugation zu ergänzen, S. Th.!. §.412. Sie machen daher in diesen zusammen gesetzten Zeiten das wahre und eigentliche Verbum aus, weil alle Verhältnisse an ihnen allein bezeichnet werden, dagegen das Participium, welches ihren Begriff vollständig m^cht, nicht anders als ein Adverbium betrachtet werden kann. Zn den Deutschen Sprach- , lehren hat man es bisher umgekehret, und das Participium für das wahre Verbum, und das Hülfswort, — nun für was? — für das Hülfswort gehalten, von welchem man keinen andern Begriff hatte, als daß es das Hülfswort sey. Diese verkehrt Vorstellungsart verursachte in der lehre von der Wortfolge tausend Verwirrungen und Widersprüche, welche man hätte vermeiden können, wenn , man beyde Theile für das gehalten hätte, was sie sind, nähmlich das Hülfswort für das einige wahre Verbum und das Participium für das Adverbium. Es erhellet hieraus zugleich, daß die Hülfswörter eigentlich nicht weggelassen werden dürfen, weil sie allein die Verhältnisse des Verbi bezeichnen, außer in denjenigen Fällen, wo man auch ein jedes anderes Verbum weglassen kann. Ein Hülfswort kann daher eigentlich nur verschwiegen werden, wenn mehrere mit einander verbundene Verba einer Zeit, Person und Rection, d.i. einerley Verhältnisses, einerley Hülfswort haben sollten, in welchem Falle eines die Stelle mehrerer vertritt: Dinge, welche r. Kap. 6. Verbum. §.692. 395 ich weder gesehen, noch gelesen, noch gehöret habe; Schönheiten, deren Reihe das Alcer nicht vermindern, sondern vielmehr Vermehren wird; ich habe gesehen, daß einige dadurch sind gerühret, andere belehret worden. Man hat mehrmahls geklaget, daß die Hülfswörter, besonders wenn mehrere derselben zusammen kommen, Mißklang und schleppende Dehnung verursachen. Allein, i. ist derGebrauch der Hülfswörter in dem Wesen der Sprache selbst gegründet, so sind der Mißklang und die Dehnung bloß eingebildet. Eine Sprache darf nie nach der andern beurtheilet werden^ Können Sprachen mit vollständigem Conjugationen in manchen TemporibuS sich kürzer ausdrucken, als die Deutsche, so kann diese dafür in andern Fällen kurz seyn, wo jene weitschweifig seyn müssen. Die Kürze ist kein Grundgeftß in der Sprache, wohl ober die allgemeine Verständlichkeit. Oft rühret das Schleppende von einer ungeschickten Stellung der Hülfswörter her: bis dasselbe noch vermehren werde können, für werde vermehren können. 2. Ist aber die Häufung der Hülfswörter nicht in der Sprache gegründet, so verräth es wieder Ungeschicklichkeit und Armuth des Geistes von Seiten des Sprechenden, sie ohne Noth zu häufen. Wer heißt uns, jeden Gedanken gerade so ausdrucken zu wollen, als er sich das erste Mahl darstellet, ohne erst zu überdenken, ob er sich auch geschickt so ausdrucken lasse ? Das erlaubt keine Sprache, sie sey, welche sie wolle, am wenigsten die Lateinische, so oft man sie auch in diesem Stücke der Deutschen hat vorziehen wollen. Aber im Deutschen will man sich oft Freyheiten Heraus-znehmen, welche keine andere Sprache verstattet, und wenn denn. der. Ausdruck Z96 i. Th. 4.Abschn. Syntax. schief oder überzwerch heraus kommt, so schmähet man auf die Sprache. Erlaubte §. 69?. Indessen können die Hülfswörter ha<- Wegl«s- den und seyn, doch nur, wenn sie hinten stehen soll- ^"6. ten, und die Deutlichkeit nicht zu sehr leidet, um der kernhaften Kürze willen, in der höhern und dichterischen Schreibart weggelassen werden: ihr alle, die ihr die Unbequemlichkeiten des 5Vinters getragen, und euch in eure lVohnung verschlossen gesehen, vergesst nun die Unlust der rauhen Monathe; wo zwey Mahl habt ausgelassen worden. Der Zwierrachtsgei'st der Brieten, Der »och den Schimpf empfand, daß Schottland ihn bestricken, Weiße. Die seines Lebens Gift, ihm stets ei» Fluch gewesen, eben ders. Doch was geschehn, ersetzt jeyr Leine Reue wieder, eben ders. Ich, der an sie zulerzc den Rönig selbst verrathen. So sehr sei» Mißgeschick und Freunde für ihn bathen, eben ders. In der gewöhnlichen Schreibart macht diese Weglassung allemahl eine Härte, weil nicht Kürze, sondern die höchste mögliche Verständlichkeit ihr Grundgesetz ist. Am wenigsten ist sie erlaubt, wenn das Participium zweydeutig ist: er trauet denen, rvelche ihn verrathen, wo es für das Präsens genommen werden könnte. In vielen Provinzen sucht man etwas darin, die jetzt gedachten Hülfswörter, wenn sie hinten stehen sollten, fast allemahl wegzulassen, und glaubt, man schreibe sehr körnig; allein einem Hochdeutschen Ohre von nur einigem Gefühle ist solches, den Fall der höhern Schreibart ausgenommen, unerträglich, weil die Kürze kein Vorzug seyn kann, so bald sie Verstümmelung wird. i.Kap. 6. Verbum. §.693.694. 397 Man treibt diese Weglassung daselbst oft so weit, daß man auch wohl das Verbum seyn wegläßt, wenn es ein für sich besiehnwes Verbum ist: ich habe deinen Freund besucht, welcher krank. Wenn haben und seyn in einem und eben demselben Säße zugleich als Hülfswörter und eigens Verba vorkommen, so dürfen sie nicht ein Mahl verschwiegen werden: er rvar von adeliger Herkunft und war zu XVien geboren; er ist krant und ist dennoch verreiset; ich habe es, und habe es sorgfältig verwahret; wo war, ist und habe ein Mahl nicht verschwiegen werden können; eigentlich auch nicht, wenn sie hinten stehen, ob gleich die Weglassung hier erträglicher ist: da er von adeliger Familie, und zu 5Vien geboren ist. Am besten gibt man der Rede eine andere Wendung, sowohl die Wiederholung als auch die Dunkelheit zu vermeiden: da er aus einer adeligen Familie herstammt, und u. s. f. Das Hülfswort werden kann in keinem Falle weggelassen werden. §. 694. Mangel an Gefühl und Provinzial- Ungeschi« Mängel verleiten oft zu ungeschickten Arten des Ge- ter Gebrauches der Hülfswörter: ich habe zu vernehs brm'H der men gehabt, für ich habe vernommen; ich A^n^ hätte es thun würden, für ich würde es ge- ^' than haben. Wohin besonders das §. 678 schon gedachte Oberdeutsche Plusquamperfect gehöret, ich habe es ihm gesagt gehabt, für ich harre es gesagt. Da die Deutschen zu Ersetzung ihrer mangelhaften Conjugation in Vergleichung mit andern Sprachen, und besonders der Lateinischen, die Umschrei- bung durch Hülfswörter angenommen haben, so sind sie 59Z i. TH. 4.Abschn. Syntax sie dadurch zugleich in den Stand geseht worden,' mehrere Zntverhaltnisse auszudrucken, a^ selbst andere Sprachen auf eine so bestimmte Ar^ durch die Conjugation bezeichnen können; z. B. ich würde ihn lobrn,wenn er es verdienere; ich würde es gethan haben, wenn es möglich gewesen wäre; er würde geehret werden, wenn u. s. f. Es ist nur die Frage, ob man dergleichen Formen, so bald sie üblich sind, mit in die Demsche Conjugation aufnehmen müsse oder nicht. Ich glaube das erste; denn wenn man einmahl die Umschreibung der Zeit durch Hülfswörter mit zur Conjugation rechnet, wie man denn doch nicht wohl Umgang nehmen kann, so muß man auch alle Zeitverhältuijse angeben, welche sich auf diese Art ausdrucken lassen. Die lateinische Sprache kann hier nicht weiter zur Regel diesen, theils weil keine Sprache der andern Gesetze vorschreiben kann, theils auch, weil ihre Conjugation auf ganz andern Grundsätzen beruhet, als die Deutsche. Manche Sprachlehrer haben solches auch wirklich gethan, z.B. Herr Aichinger, welcher im Conjunctiv ein Futurum Imperfectum, ich würde lieben, und ein Futurum Plusquampsrfectum, ich würde geliebt haben, folglich zustimmen vier Futura hat. Ich habe es bey zweyen bewenden lassen, um den Vorwurf der Erschwerung der Conjugation zu vermeiden, würde aber bey einer neuen Bearbeitung der Sprachlehre kein Bedenken tragen, diese und vielleicht noch einige andere Tempora aufzunehmen , so bald sie in der Sprache gegründet sind. Daraus folget aber nicht, daß man nun auch die von manchen Sprachlehrern irrig als Hülft-wör« ter angegebene Verba sollen, wollen, mögen, müssen u, f. f. mit zur Deutschen Conjugation zie- hen i.Kap. 7. Verbum u. Verbum. K.695. 399. hen müsse, in welchem Falle diese freylich unendlich werden würde. Daß diese keine Hülfswörter sind und seyn können, ist bereits Th.i. Angezeiget worden. Wahre Hülfswörter sind nur die drey, seyn, haben und Werben, und wenn diese einmahl mit zur Conjugation gezogen werden müssen, so muß man auch so viele Tempora annehmen,, als sich Zeicverhältnisse durch sie bezeichnen lassen. Vll. Verbindung eines Verbi mit dem andern. §. 695. Ein Verbum kann auf verschiedene Art Von der- mit dem andern verbunden werden, entweder so, daß selben Über» beyde oder auch mehrere verschiedene Prädicate ent- halten, in welchem Falle sie durch Conjunctionen verbunden wei den: er gab es nur und ging davon; oder daß beyde nur ein und eben dasselbe Prödicat ausmachen. Wir haben es hier nur mit dem letztem zFalle zu thun, und da kann ein Verbum mit dem andern in verschiedener Absicht verbunden werden, entweder das unvollständige Piädicat des einen zu erganzen, oder einen Gegenstand, eine Absicht, eine Art und Weise u. s. f. zu bezeichnen, oder endlich auch zwey Satze vermittelst eines Theiles eines Verbi zu- sammcn zu ziehen. Von dem letztern Falle reden wir in dem folgenden dritten Kapitel besonders; hier haben wir es nur mit den beyden ersten zu thun. Da das eine Verbum bereits die Zahl, Person und Zeit ausdruckt, so darf das andere Vcrbum die beyden ersten Umstände nie, und den letzten nur selten ausdrucken, daher können nur der Infinitiv und das Participium desselben zur Bestimmung des einen Verbi dienen, von welchen das erste oft noch die Partikel zu vor sich nimmt. §. 696. I. Th. 4. Abschtt. Syntax. ,. Verbi»- §- 696. 1. Soll ein Participium ein andres dnng der Verbum bestimmen, so darf es nicht concrescieree Participien seyn, weil die concrescicrtm Bestimmungswörter mit Vec- Substantiv« gehören. Ein unconcre- sciertes Participium ist nichts anders, als ein von dem Verbo abgeleitetes Adverbium, folglich lön- nen die unconcrefcierten Participia, wie ein jedes anderes Adverbium mit d4 r.TH. 4. Abschtt. Syntax. kannst du dich einen Engel nennen hören, ohne zu erröthen ^ Dusch. Wo aber auch häufig daß gebraucht wird: ich höre, daß der lVind brauset, wir hörten, daß geschossen wurde, für wir Hörren den N)ind brausen, wir Hörren schießen. Lehren: jemand reiten, singen, ranzen ledren; Noch lehrt bethen; Änsechtung lehret auf das lVorr merken; man lehre das Wnd da vornehmlich erschrecken und sich schämen, wo es die Vernunft am meisten befiehlt, Gell, er schlichtete ihre kleinen Zwiste und lehrete sie gütig seyn, eben ders. Wo es unnöthig und fehlerhaft ist, d-m Infinitiv noch das zu vorzusehen, er lehrte sie gütig zu seyn; welches nur erträglich und zuweilen nothwendig ist, wenn der Infinitiv zu weit von dem Verbo getrennet ist: gleich einem ungezcchmren Rosse, das noch kein Gebiß des Reiters gelehret hat, sei? ne Schritte mit Vorsicht abzumessen, Dusch. Der Rnabe den Irin gelehrt,. Auf jede Schönheit der Natur zu merken, Kleist» Lernen: ranzen, reiten, fechten, gehen lernen ; ich lernte ihn erst recht kennen; lerne aus anderer Leute Schaden klug werden; jeyr lernte er über sein eigen Herz erröthen; so lernt ich mich mir wenigem begnügen, Gell. Sehen: ich sehe ihn kommen; ich sehe dich leiden, weinen, deine Hände ringen; einen Mann von Renntniß und Geschmack siehet man wohl lächeln, hört ihn aber nies mahls lachen; soll ich dich in kurzem an dem Nöthigen Mangel leiden sehen. Anm» i. Kap. 7. Verbum u. Verbum. §. 697. 405 Anm. 1. Diejenigen von den Verbis dieser und der vorigen Nummer, welche Activa sind und den Accusativ des leidenden Gegenstandes bey sich haben, machen hier oft Zweydeutigkeiten, weil der Infinitiv sowohl active als passive verstanden werden kann. L.aß ihn rufen, kann bedeuten, verstatte, daß er rufe, und veranstalte, daß er gerufen werde; laß ihn tragen, leide, daß er trage, und veranstalte, daß er getragen werde; ich höre ihn rufen, ich höre, daß er ruft, und daß er gerufen wird; ich sahe ihn schlagen, ich sahe, daß er schlug, und geschlagen ward. So auch, ich habe ihn mahlen sehen, man lasse ihn würgen, laß ihn kommen. Wo nun eine solche Zweydeutigkeit zu besorgen ist, da muß man derselben durch eine Umschreibung zuvor zu kommen suchen. Ar hört sich gerne loben, wird indessen allemahl in passiver Bedeutung gebraucht. Anm. 2. In den zusammen gesetzten Zeiten stehen die Verba dieser und der vorigen Nummer nicht in dem Participio Präteriti, sondern gleichfalls in dem Infinitiv: rver hat dich kommen heissen, nicht geheissen, ich habe ihm arbeiten helfen, nicht geholfen. Da dieß eine wahre Abweichung von der Regel ist, welche durch unrichtiges dunkeles Gefühl veranlasset worden, so scheinet auch die Hochdeutsche Mundart hier nach und nach wieder zur Regel zurück zu kommen, daher auch in manchen an Statt des Infinitives das Participium, entweder allein, oder doch mit dem Infinitive gleichgültig gebraucht wird, dagegen in andern der Infinitiv nur noch allein gangbar ist. Im Participio allein wird gebraucht, has Verbum fühlen, welches doch ohnehin auch in den einfachen Zeiten selten mit dem Infinitiv verbunden Cc z wird; 4o6 i. Th. 4. Abschn. Syntax. wird; oder vielmehr, man umschreibt in den zusammen gesetzten Zeiten mit daß. Für, ich habe seinen puls schlagen fühlen, sagt man nicht, ich habe seinen puls schlagen gefühlt, sondern lieber, ich habe gefühlt, daß sein puls schlug. Mit dem Infinitiv und Participio gleichgültig werden gebraucht hören, lehren und lernen, doch so, daß der Gebrauch des Participii, als die regelmäßigere Form, in der edlern und höhern Schreibart am Häufigsten vorkommt: Leinen habe ich singen gehört; wie, sie hätten mich reden gehört^ für singen hören, reden hören. Alles hat mich sein Herz kennen gelehret; ein zwanzigjähriger Ehestand hac mich die vortrefflichkeit der bösen Männer einsehen gelehrer, Raben, seitdem ich dich habe kennen gelerner; sie haben die Unschuld unsrer Liebe kennen gelerner, Cron. bey wen» haben sie tanzen gelerner^ tLin Ungeheur, das mich nach Blure dürsten. Und meinem Herzen selbst mich widersteh» gelehrt, Weiße» Alle übrige hingegen, werden selbst in der edlern Schreibart nicht in das Participium gesetzt, sondern behalten den Infinitiv Statt desselben bey: das hättet ihr nicht thun dürfen; du hättest es mir nur sagen dürfen; wer hat dich das sagen heissen? habe ich doch den Darren nicht kommen heissen ; diesen Brief habe ich ihn, schreiben helfen; ich habe es nicht thun können; das hätte ich beweisen können; ich habe es ihm schreiben lassen; es hat sich etwas sehen lassen; hätte sich das wohl sagen lassen ^ er hac es nicht thun mögen; ich habe es nicht sagen mögen; ich habe es wohl thun müssen; sie haben bezahlen müssen; ich habe ihn i.Kap. 7. Verbum u.Verbum. §.697. 407 ihn kommen sehen; ich habe ihn in großer Wl aus dem Hause laufen sehen; du hättest es thun sollen; ich habe nicht kommen wol- len. Daher es hier immer noch ein Fehler ist, wenn man sie auf die gewöhnliche Art beuget: Gott hat mich wandern geheifsen, iMos. 20. welchen Gorr gewollt hat kund thun, für har kund thun wollen. (?) Folgen diesen Beyspielen noch einige andere Verba, gemeiniglich nur in einigen Bedeutungen. Diese Verba sind: Bleiben, mit den Infinitiven solcher Verbo- rum, welche einen Zustand bezeichnen: hangen, kleben, knien, leben, liegen, styen, stecken, stehen, wohnen bleiben. Däuchten, doch nur im Oberdeutschen: da die Sonne aufging, däuchte die Moabicer das Gewässer rorh seyn, 2K0N. z; und es däuchre gut die Apostel, aus ihnen Männer erwählen und senden gen Anriochiam, Apost. 15; den eilften deuchc Susanna nicht keuscher seyn, als ste, Scultet. Andere Mundarten gebrauchen dafür den Infinitiv mit zu: das däucht mich gut zu seyn. Im Hochdeutschen sind beyde Formen fremd, und man wählt dafür die gewöhnlichere, mich däucht, daß das guc sey. Fahren, doch nur mit dem Infinitive spazieren: sparzieren fahren. Finden, die Art und Weise zu bezeichnen, wie man etwas gesunden, doch nur mit einigen Verdis: ich fand ihn schlafen, gehen, siyen; ich habe es auf dem Tische liegen gefunden. Wofür doch auch das Participium gewöhnlich ist, besonders Cc 4 wenn 4OZ l.TH. 4.Abschtt. Syntax. wenn der Infinitiv vor dem Vcrbo stehen sollte: ich habe es auf dem Tische liegend gefunden. Gehen, nur mit einigen Infinitiven, die Absicht dcö Gehens zu bezeichnen: betteln, Hausiren, schlafen, fpayieren, wallfahrten gehen. In den niedrigen Sprecharten sagt man noch, spielen, melken gehen, siyen gehen, d.i. sich setzen u.s.f. Dem» Schulzen» Hadriai» ging klagen, Lichtw. Haben, nur mit einigen Infinitiven: Geld auf Zinsen stehen haben; vieles Geld liegen haben; er har eine große Last auf sich liegen; viel Schafe auf der weide gehen haben; er hat 5Vein im Neller liegen. Legen, nur mit schlafen: sich schlafen legen. Machen, auch nur mit einigen Infinitiven: jemand weinen, lachen machen; die Uhr wieder gehen machen; verflucht sey, wer einen Blinden irren macht auf dem lVege, 5Mos. 27; weil du die Feinde des Herren hast lästern gemacht, iKön. 14; und machte die zu Jerusalem huren, 2Chron. 21; du ließest mich einschlafen, und machtest mich leben, Es. z8. Indessen ist diese ganze Form im Hochdeutschen selten; allein da6 Participium dafür zu gebrauchen, der Herr macht die Blinden fehend, Ps. 146; die Uhr gehend machen, ist ein Fehler. Nennen, so wie heijsen: das nenne ich doch schlafen, tanzen, schreiben, essen, spielen, u. s. f. eine Bewunderung zu bezeichnen. Reiten, nur mit einigen, die Absicht zu bezeichnen : fpayieren, fouragieren, fchmaroyen reiten. Seyn, -.Kap. 7. Verbum «.Verbum. §.698. 4O9 Seyn, nur mit einigen Verbis: hier ist gut seyn; Gelehrten ist gut predigen; hier ist nicht gur wohnen, fahren, gehen, reiten; in diesem L.ande war damahls übel reisen; in diesem Monach ist gut Haber säen, nicht gut Aderlässen. Thun, nur noch mit nichts als: er thue nichts als schlafen, spielen, müßig gehen u. s. f. Der ähnliche Gebrauch im bejahenden Verstände, er thut fchlaftn, er that fpielen, für er schläft, er spielte, ist im Hochdeutschen längst veraltet, und kommt nur noch in einigen niedrigen Sprech- arten vor. Ob nun gleich alle diese Verba den in den beyden ersten Nummern darin ähnlich sind, daß sie den Infinitiv nach sich haben: so unterscheiden sie sich doch darin, daß sie in den zusammen geseßten Zeiten der gewöhnlichen Analogie folgen, folglich nicht den Infinitiv an Statt des Particip« setzen: ich habe ihn schlafen gefunden, nicht schlafen finden. So auch, wir sind fparzieren gegangen, er hat nichts gethan, als schlafen; sie haben sich schlafen gelegt; er ist stecken geblieben. §. 698. z. Der Infinitiv mit zu, oder das z. Jnfinr- fiilschlich so genannte Gerundium, wird nach vielen tiv mit z«. Verbis gebraucht, den Gegenstand derselben, eine Absicht, zuweilen auch eine Nothwendigkeit zu bezeichnen, und dabey zuweilen zwei, Sähe zusammen zu ziehen, welche mit und oder daß verbunden sind: (1) Einen Gegenstand der Handlung des vorher gehenden Verbi: es fängt an zu regnen; er höret auf zu fpielen; ich befehle dir zu kommen; er begehret aufzustehen; er bemüher, bceiferc, bestrebt sich reich zu werden; Cc 5 tm 4ic> i.TH. 4. Mschn. Syntax. du bathest mich, es dir zu geben; wir denken noch heute abzureisen; sie drohen sich zu rächen; ermähne ihn zu folgen; sie hoffen glücklich zu werden; er fürchter sich zu kommen ; er getrauet sich nicht es zu sagen; er glaubt zu irren; das hindert uns zu kommen; man riech mir es zu thun; sie fchämer sich es zu gestehen; es scheinet zu verschwinden; er trachtet sich hervor zu thun; du untersiehest dich zu reden; er verboth mir es zu sagen; er verlangt es zu sehen; ich verspreche zu folgen; ich wünsche es zu erleben; ich vergaß zu kommen. Ungleichen mit dem Participio Prä. teriti, sowohl im passiven Verstände: die Schöpfung schien einem ewigen Tode übergeben zu seyn; es kränkte ihn, sich übertroffen zu sehen. Als auch im activen: er behauptet es gesehen zu haben; er bekannte es gethan zu haben. Welche Arten des Ausdruckes mit daß aufgelöset werden können: es schien, daß die Schöpfung einem ewigen Tode übergeben sey; er behauptet, daß er es gesehen habe. Oft können auch zwey mit und verbundene Sähe auf diese Art zusammen gezogen werden, doch nur, wenn der lehte in dem ersten gegründet ist: Ich darf mich nicht der Gefahr aussetzen, diefen gefährlichen Menschen zu fehen, für und diesen gefährlichen Menschen sehen. Aber nicht, wenn beyde bloß neben einander gestellet sind, und zwey verschiedene Prädicate enthalten: ich will so gleich an ihn schreiben, und ihm danken; nicht ihm zu danken, so häufig dieser Gallicismus auch bey ungeschickten Übersetzern und Schrift- siellern vorkommt. (2) Eine i.Kap. 7> Verbum u.Verb. §.698.699. 411 (2) Eine Absicht: ich kam nur her, mit ihnen zu sprechen. Soll die Absicht oder der Be- wegungsgrund noch deutlicher hervor stechen, so wird noch ein um hinzu gesetzt: wir leben nicht, um zu essen; ich breche hier ab, um nicht zu weitläuftig zu werden. Besonders, wenn die Absicht die Rede anfängt: bloß um dich zu sehen, komme ich her; um diese Stärke zu zeigen, muß unsere Geduld durch manche Fälle geübt seyn; in wklchem letztern Falle doch der Satz lieber mit wenn aufgelöset wird, weil hier keine eigentliche Absicht, sondern eine Bedingung herrscht: wenn unsere Geduld diese Stärke zeigen soll, so muß sie u. s. f. Noch fehlerhafter ist es, in der vorigen Bedeutung des bloßen Gegenstandes ein um hinzu zu setzen: große Kerzen sind bestimmt, um hier zu leiden; wenn ich innere Ruhe ge- nug hätte, um mein Herz den Vergnügungen zu öffnen. Häufige Fehler dieser Art kommen in unsern neuern Schriften reichlich genug vor. (?) Eine Möglichkeit nach dem Verbo seyn: hier ist etwas neues zu sehen; bey der Sache ist nichts zu verdienen; daran ist nichts zu gewinnen; er ist immer daselbst anzutreffen; es ist nichts mehr davon zu sehen. Ingleichen eine Nothwendigkeit, sowohl nach seyn, als nach haben: was ist bey der Sache zu rhun^ es ist noch viel zu bezahlen; mir dem Tode ist nicht zu scherzen; er hat viel zu thun; ich habe zu schreiben; was hast du hier zu suchend du hast meinen Befehlen zu gehorchen; ich habe ihm viel zu danken. §. 699. Außer dem stehet der Infinitiv mit dem Fehlerhaf- Wörtchen zu noch theils nach gewissen Subsianti- rer Ge- ven. / '412 !.Tl). 4. Abschn. Syntax. brauch des ven, einen Gegenstand, eine Absicht u. s. f. zu be- Infinitives zeichnen; theils nach den relativen Adverbiiö, theils «üt z». ^hx^ ^uch dem Umstandsworts ohne; davon im Folgenden. Hingegen wird derselbe unrichtig gebraucht: 1. Wenn der Infinitiv das Subject der Rede ist: berühmt werden ist keine Runst; Gore dienen ist die erste Pflicht. Außer wenn die Rede umgekehret wird, in welchem Falle die Bedeu. tung des Gegenstandes eintritt: es ist keine V.unst berühmt zu werden; die erste Pflicht ist, Gott zu dienen. 2. Nach denjenigen VerbiS, welche einen bloßen Infinitiv ohne zu erfordern: jemanden lachen , machen; er thut nichts als spielen. z. Wo das Eigenthümliche der Deutschen Sprache und die ihr wesentliche Deutlichkeit die Umschreibung mit daß erfordert. Die Französische Sprache macht von dem fo genannten Gerundiv einen weit größern Gebrauch, als die Deutsche, und ungeschickte Übersetzer und Schriftsteller pflegen denselben sehr häufig in die letztere überzutragen, werben aber dadurch dunkel, hart nnd undeutsch: er glaubte es entschieden zu seyn; der Staat scheinet sich einen allgemeinen !77uyen davon Versprechen zu können; er versicherte dieß nicht thun zu dürfen; ich habe es thun zu müssen eingesehen u. f. f. wo die Rede überall mit daß aufgelöset werden muß, wenn sie deutsch seyn soll. 4. Der pleonastische und tavtologische Gebrauch dieses Infinitives: so schlecht, als ich es zu seyn vermuthen mußte; man hätte es kürzer zu seyn gewünscht, iess. für man hätte es kürzer gewünscht; i.Kap. 8. Verbum u.Subst. §.7OO-7O2. 41) gewünscht; er ist im Stande etwas dazu beytragen zu können, wo im Stande seyn und können einerley sagen. VIII. Verbindung des Verbi mit dem Substantive. §. 700. Das Substantiv kann nur auf eins ge- Verschleiß." doppelte Art mit dem Verbo verbunden werden; "e Arte» entweder als das Subj-ct, folglich als der regierende Ver- Theil, oder als ein Theil deö PrädicateS, folglich " als der regierte Theil. In beyden Fällen kann das Substantiv entweder mit dem Verbo insinito, oder mit dem Verbo finito verbunden werden. §. 701. Geschiehet solches mit dem Infinitive, Substanti» so bezeichnet derselbe allemahl den Gegenstand des wir dem Begriffes des Substantives, und bekommt daher das Infinitt» Wörtchen zu, das Substantiv stehe nun in der Stelle^ des PrädicateS oder des Subjectes: der Vefehl etwas zu thun; er har Erlaubniß wegzugehen; er brennt vor Begierde empor zu kom? men; das Verlangen nützlich zu seyn, ist löblich; die Ehre vorgezogen zu werden; der Eifer Gutes zu thun; du hast Freyheit es zu lassen; aus Furcht gefangen zu werden; die Gefahr zu sterben; Macht zu schaden. §. 702. Wird aber ein Verbum finitum mit RectiondeS einem Substantive verbunden, so sind die beyden Verbi von Fälle des Subjectes oder PrädicateS sehr verschie- Sub- den. Ist das Substantiv das Subject, so regieret l^"^ es das Verbum, d. i. dieses muß sich in der Zahl und der Person nach demselben bequemen, wovon schon §. 666 f. und 670 f. gehandelt worden. Die übrigen 414 r.TH. 4. Abschn. Syntax. übrigen Verhältnisse des Verbi hängen von dem Sinne der Rede ab. Recttondes §. ?oz. Weit wichtiger und von mehrerm Um» Substauti- fange ist der Fall, wenn das Substantiv in dem Prä- V rbo ^'^^ vorkommt, wo es durch das Verbum in sehr em ^er o. ^g^^j^^^j^x Verhältnisse gegen das Subject oder auch gegen das ganze Prädicat versetzet wird; welche Verhältnisse durch die Casus, Und wo diese nicht zureichen, durch die Präpositionen ausgedruckt werden müssen. Beyde Fälle müssen näher untersucht werden ; in Ansehung des lehcern aber haben wir es hier vornehmlich mit denjenigen Verhältnissen zu thun, welche durch Casus bezeichnet werden, oder wo das Verbum den Casum eines Substantives regieret; die übrigen gehören in die jehre von den Präpositionen. i. Von dem Vervo mit dem Nominative. Der Nomi- §. 724. Der Nominativ und Vocativ sind nativ der die eigentlichen Casus des Subjectes, nur mit dem Casus des Unterschiede, daß jener das Subject der ersten und Subjectes. h^j^, dieser aber das Subject der zweyten Person ausdruckt, (S. Th.i. §.172.). Beyde machen im Deutschen nur einen und eben denselben Casum aus, weil sie einerley Biegungszeichen haben, daher ihnen alles das fehlt, was sie zu verschiedenen Casibus machen könnte. Der einige Fall, wo der Vocativ von dem Nominative verschieden zu seyn scheinet, verlieret sich bey einer genauern Untersuchung und die Regel bleibt ohne alle Ausnahme. (S. Th.i. §.zoz.) Fortse. §'7°5' Man hüte sich daher, daß man bey un- tzunz. persönlichen Verbis, den Casum des leidenden Gegenstandes nicht für des Subject halte. Es frieret mich, mich frieret, mir grauet, ist zwar freylich i.Kap. 8. Verbum u. Subst. §.705.706. 415 freylich so viel, als ich empfinde Frost, Grauen; allein nur dem Verstände, nicht aber der Form nach, daher können auch mich und mir nicht Casus des Subjectes seyn. Der Nominativ es ist das eigentliche Subject, freylich ein sehr unbestimmtes Subject, aber doch ein Subject, selbst wenn es ausgelassen wird. Es frieret mich, oder mich frierer, ist so viel als ein unbekanntes Etwas erwecket mir Frost, oder macht mich frieren. S. Th.i. §.449. Bey eigentlichen Impersonalien, wo das Subject wirklich unbestimmt ist, und das es weiter nichts als das unbekannte Etwas bezeichnet, kann es auch verschwiegen werden: mich frieret, mich Hungers re, durftet dich? vor solchen Sachen grauer mir. Aber nicht, wenn dieses unbestimmte es zugleich das bestimmte Pronomen sächlichen Geschlechtes ist: reuet es dich? verdrießt es dich? Ich habe es gethan, aber es gereuet mich; wo das es ein doppeltes Amt hat, und sowohl das unbestimmte Subject, als auch die vorher genannte Sache bezeichnet. Eben so wenig-kann es weggelassen werden, wenn es gebraucht wird, ein bestimmtes Subject unbestimmt anzukündigen: es lebe der König! es sind viele Menschen gestorben. Soll es hier wegbleiben, so muß die ganze Form verändert, und das bestimmte Subject voran geseht wer- den: der König lebe! viele Menschen sind ge? „ storben. §. 706. Das Subject wird entweder thätig dar- Nominati» gestellet, daher denn das Verbum im Activo siebet: des leiden, das Glas schneidet, wohin auch das thätige Sub- den Subject mit einem Verbo neutro gehöret, der König will; oder es ist leidend, und hat alsdann ei» Verbum passivum bey sich: das Glas wird gefchnir, cen. 416 i.TH. 4. Abschn. Syntax ren. Der Gegenstand der Wirkung des Verbi ist im Activo von gedoppelter Art, entweder die Wirkung des Verbi erstrecket sich unmittelbar auf denselben, und alsdann stehet er im Accusativ, welcher der Accusativ der Sache ist, oder sie erstreckt sich mittelbar und vermittelst eines Umweges auf denselben, in welchem Falle er iin Dativo stehet, der alsdann der Dativ der Person heißt. Es ist im Deutschen eine allgemeine Regel, daß nur allein dasjenige Substantiv, welches im Activo der Accusativ der Sache, folglich der wahre leidende Gegenstand ist, dieses auch im Passiva seyn, folglich alsdann im Nominative stehen kann; oder mit andern Worten, kein Nennwort kann im Nominative vor einem Passivs stehen, welches nicht im Activo im Accusativ? stehen muß. Der Beweis ist leicht; man darf sich nur einen richtigen Begriff von dem leidenden Gegenstande machm, welcher der Sache nach einerley bieibt, er mag mm das Prädicat oder das Subject seyn. Wenn ich sage, mein Freund sucht mich, so ist mich der wahre leidende Gegenstand des Activi, weil es der Accusativ der Sache ist; folglich kann eben derselbe auch im Passivs in den Nominativ treten, weil er immer der leidende Gegenstand bleibt, er mag das Subject oder das Prädicat seyn: ich werde von meinem Freunde gesucht. Ferner, man rufet mich, man nenner mich, folglich auch, ich werde gerufen, genannt. Hieraus folget nun ferner, daß der Dativ der Person, weil er nicht der eigentliche leidende Gegenstand ist, im Passlvo nie derNominaciv werden kann: Ich kann daher nicht sagen: ich werde berichtet, er ist übel begegnet worden, ich bin versichert worden, wir stnd geholfen worden; weil ich nicht sagen kann, man berichtet mich, man begegnet r.Kap. 8. Verbum u. Subst. §.707. 417 gegnet mich übel, man versichert mich, man hilft mich; sondern in allen diesen Fällen der Dativ der Person gesetzt werden muß, welcher im Passivs unverändert bleibt. Folglich: mir ist berichtet worden, ihm ist übel begegnet worden, mir ist versichert worden, uns ist geholfen worden. In welchen Fällen das verschwiegene es die Stelle des eigentlichen Subjectes vertritt: es ist mir berichtet worden. Diejenigen Verba also, welche im Activo zwey Accusativ? in der Apposition bey sich haben, erfordern im Passiva zwey Nominative auf ähnliche Art: ich nenne ihn Vacer, folglich im Passivo, er wird Varer genannt, S. §. ?zo. §. 707. Daß ein Prädicat vermittelst eines und Verba mlt eben desselben Verbi von zwey und mehr Subjecten zweven N»» gesagt werden kann, daß folglich mehrere Nomina- tive vor einem Verbo Statt finden, ist bereits § 670 bemerkt worden. Aber es gibt auch Fälle, wo zwey und mehr Nominative eines und eben desselben Subjectes bey einem Verbo stehen können. Diese sind: 1. Die Apposition, Erklärung und Einschränkung eines Nominatives durch den andern, wovon schon §. 608-610 geredet worden. 2. Die unbestimmte Ankündigung eines bestimmten Subjectes durch es, in welchem Falle das Subject zweymahl genannt wird, einmahl unbestimmt und das andere Mahl bestimmt: es ist ein Gort; es war einmahl ein Nlann; es lebe der König! S. §. 705. Bey einigen Neutriö mit unvollständigen Prädicarm, welche das vollständigere Prädicat durch einen andern Nominativ genannt wissen wollen. Diese Verba sind vornehmlich: seyn, werden, Adel. jO.Spr. U.V. Dd blei- 4i8 Th. 4.Abschn. Syntax. bleiben, heissen und scheinen. Salomo war ein Ronig; Lajus ward ein Aausmann oder ist ein Kaufmann geworden; L.älius bleibe immer ein Nind; Alexander hieß der Große; er scheint ein ehrlicher Mann. iLr schien ganz von dem G!ück des Vaterlands beseelt, Ganz pacrioc und Freund, Weiße. Wo doch bey scheinen immer zu seyn ausgelassen ist. 4. Diejenigen Verba, welche im Activo einen gedoppelten Nahmen im Accusativs erfordern, Siehe §. 7Zo, verlangen im Passiva diese Nahmen im Nominative. Dergleichen Verba sind heisten, wenn es für nennen stehet, nennen, schelten, schimpfen, taufen, für in der Taufe benennen, firmeln, in der Firmelung benennen: er ist ein Becrieger geheissen, genannt, geschimpft, gescholten worden; das Rind wird Friedrich getauft, Caspar gefirmelt werden. Dieser und der vorige Fall sind genau mit einander verwandt, und in beyden sagt man eigentlich, daß das Verbum zwey Nominative regiere. Verbi«- §. 708. Wenn zwey Substantive vermittelst der dung Partikel als mit einander verglichen, durch dieselbe zweyerNo- ^kläret, erläutert oder eingeschränket werden, so sie- mit?. he" beyde in einerley Casu, S. §. 610, folglich im Nominative, wenn sie das Subject ausmachen: er blüher als eine Rose; wir schreiben uns als Freunde; ich als ein alter Mann sollte wohl wissen, was ein Glück ist; er fiel als ein Held. Wo aber dieses als nicht weggelassen wer- den darf, weil dessen Bedeutung durch nichts ersetzet werden würde: Gott strzr Rönig immerdar, OpiH z ein kleiner Mars stund er, Gleim; ein i.Kap. 8. Verbum u.Subst. §.709.710. 419 Held fall ich, eben ders. wo der Verstand mangelhaft und dunkel ist. §. 709. Bey den Reciprocis kann es zuweilen Bey Rezweifelhaft werden, ob sich das mit als begleitete ciprocis. Substantiv auf das Subject beziehen, folglich im Nominativ stehen, oder ob es dem Pronomine reci- proco folgen, folglich in den Accusativ treten müsse. Die Fälle, wo dieses zweifelhaft ist, sind indessen selten, weil gemeiniglich der Nominativ stehet: er beträgt sich als ein rechtschaffener Mann; er hält sich als ein Held; er verhielt sich als ein Feiger; du fuhrst dich auf als ein lxind; sie freuere sich als ein Aind; du geberdest dich als ein N>ahnsinniger. Selten der Accusativ: er hat sich als einen großen Mann gezeiger, wo doch der Nominativ richtiger und analogischer seyn würde. Nur bey den unpersönlichen Reciprocis folgt das Substantiv dem Pronomine, weil es mit dem unbestimmten Subjecte nichts zu thun hat: es hungert mich als einen lVolf; es fror ihn als einen Fieberhaften. Freylich ist hier im gemeinen Leben der Nominativ sehr gewöhnlich; allein man darf nur den ganzen Ausdruck ergänzen, und das Verbum wiederhohlen, so fällt das Fehlerhafte des Nominatives sogleich auf: es hungert mich, als einen N)olf hungert. Soll hier der Nachsatz im Nominative stehen, so muß das Verbum nicht unpersönlich, sondern persönlich ausgedrucket werden: ich hungere als ein N>olf. 2. Von dem Verbo mit dem Genitive. §. 710. Die Casus der Nennwörter sind dazu Gebrauch bestimmt, die Verhältnisse der selbständigen Dinge >"s Geni- zu bezeichnen. S. Th. 1. §. 171. Das Verhältniß Nres über. Dd - des^' 42c> ?.TH. 4. Abschn. Syntax, des Subjectes bezeichnet der Nominativ, alle übrige Verhältnisse aber, so viel der Deutsche an dem Worte selbst zu bezeichnen gut gefunden, werden durch die übrigen Casus ausgedruckt. Man wiederhohle sich hierbei) das, was in der Vorrede zu dem ersten Bande bemerket worden, daß die erste Einrichtung der Casuum in dein Hörbaren gegründet ist, und daß nachmahls, als nicht mehr das Hörbare den Sprechenden leiten konnte, die dunkele Empfindung des Ähnlichen an dessen Stelle trat. Daher ist der Gebrauch der Casuum nicht allein in verschiedenen. Sprachen so verschieden, sondern es finden sich selbst in einer und eben derselben Sprache in diesem Stücke so viele Ungleichheiten und Abweichungen, sowohl in der Bildung und dem Ausdrucke der Casuum, als auch in ihrem Gebrauche. Der Genitiv der Einheit ist in der Deutschen Declination, da wo er ausgedruckt wird, am stärksten ausgedruckt, ein Beweis, daß man sein Verhältniß am lebhaftesten empfunden. Aber welches Verhältniß? Da die Empfindung der Verhältnisse der selbständigen Dinge überhaupt nur dunkel seyn konnte, und es j-tzt so oft noch ist, so scheinet es, daß man jedes Verhältniß, welches man seinem Daseyn nach zwar lebhaft, aber seiner Art nach nur sehr dunkel, empfunden, durch diesen Casnm ausgedruckt habe» Man gebraucht daher den Genitiv: 1. diebeziehenden Begriffe eines andern Substantives zu erklären, e6 mag nun im Subjecte oder im Prädicate stehen, von welchem Gebrauche, welcher die älteste und eigentlichste Bestimmung des Genitives zu seyn scheinet, weil er in allen bekannten Sprachen angetroffen wird, bereits §. 611 f. geredet worden. 2. Mit manchen Präpositionen ein ähnliches Verhältniß mit ihnen gemeinschaftlich zu bezeichnen, S. §. 504 s. Z. Mit r.Kap. 8» Verbum u. Subst. §.711. 421 z. Mit manchen Beschaffenheitswörtern, deren relative Bedeutung auf eben dieselbe Art erkläret werden muß , S. §. 742. Und 4. mit verschiedenen Verdis, gewisse Verhältnisse zu bezeichnen, in welche ein selbständiges Ding durch das Verbum gesehet wird, und mit diesem Gebrauche haben wir es jetzt hier eigentlich zu thun. §. 7". In dieser Rücksicht nun war der Ge- Alter Ge. brauch des Genitives im Deutschen ehedem von einem »itiv mit sehr weiten Umfange, lind es scheinet, daß dieser Ca- V^bis. sus alle Verhältnisse ausdrücken müssen, welche man zwar lebhaft, aber zugleich sehr dunkel empfand, und doch fühlte, daß sie nicht Verhältnisse waren, welche durch den Dativ oder Accusativ bezeichnet werden konnten. Vielleicht hatte auch der Vorgang der Lateinischen Sprache, welche von diesem Casu einen eben so weitläufigen und schwankenden Gc- brauch macht, Einfluß auf die Deutsche. Doch dem sey wie ihm wolle, genug der Genitiv ward mit Verdis ehedem sehr häufig gebraucht, wie man sich leicht überzeugen kann, wenn man Deutsche vor dem sech- zehenten Jahrhunderte geschriebene Schriften liefet. Als sich die. Deutsche Sprache in der Hochdeutschen Mundart mehr auszubilden anfing, als man durch die Cultur in Obersachsen selbst in Ansehung der Sprache mehr klare Begriffe bekam, und selbigen mit mehrerm Bewußtseyn folgte, so suchte man viele solcher Verhältnisse, auf eins bestimmtere Art auszudrucken, und wählte dazu die Präpositionen, welche eigentlich um solcher Verhältnisse willen da sind, welche die Biegung nicht deutlich genug bezeichnen kann. Die Oberdeutsche Mundart hingegen, welche in der Cultur zurück geblieben ist, hat noch vieles von diesem alten schwankenden Gebrauche des Genitives mit Verdis beybehalten, und leihet von Dd z Zeit 422 Th. 4.Abschn. Syntax. Zeit zu Zeit noch manches davon der höhern Schreibart der Hochdeutschen, welche sich dadurch da6 Anmutiger sehe" der Neuheit und Kürze gibt. Gebrauch §. 712. Indessen hat die neuere Hochdeutsche dieses Ca- Mundart bey weitem nicht den ganzen Gebrauch des sus. Genitives mit Verbis aufgehoben, sondern sie kennet denselben noch. Allein ihr ganzer Gebrauch desselben ist bloß ein Überbleibsel des ältern weitläufigern, und da dieser ganz auf dunkele Begriffe eines lebhaft empfundenen unbekannten Verhältnisses beruhet, so lassen sich auch keine bestimmte Regeln davon geben, sondern man muß sich begnügen, die klar erkannten Verhältnisse, welche noch jeht durch diesen Casum ausgedruckt werden, anzugeben, und die unter jedes gehörigen einzelen Fälle der Erlernung durch den Gebrauch überlassen; man müßte denn von dem Sprachlehrer verlangen, daß er alle diese einzelen Fälle nach einander aufzählen soll, welches doch ohne »«nöthige W-'itläufigkeit nicht würde geschehen können. Es ist genug, wenn er den Gesichtspunct, woraus der Gebrauch dieses Casus betrachtet werden muß, überhaupt angibt. Die vornehmsten Verhältnisse, welche der Genitiv noch mit Verdis ausdruckt, sind demnach folgende. i. Verhält- §. i. Das Verhältniß der Zeit, und zwar: "iß der (i) Auf die Frage wenn, wo dasselbe doch nur noch bey einigen Substantiven durch den Genitiv ausgedruckt wird; aber auch bey diefen nicht allemahl, sondern nur noch theils in manchen Fällen, theils nur im gemeinen Leben. Die gebräuchlichsten Substantive dieser Art sind: i. Tag, und die Nahmen der Tagezeiten, Abend, Morgen, Mittag, Nacht, vormittag, Nachmittag: Abends kommen; wenn es des Morgens regnet; des Tages schlafen, besser am Tage oder bey Tage; Nach- i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 71z. 42z Nachmittags oder des Nachmittags schlafen; eines Tages für das unbestimmte einmahl; nach- fter Tage, besser nächstens; heutiges Tages; aber nicht morgendes Tages, weil morgend kein Wort ist, auch nicht morgen des Tages, sondern morgen schlechthin. Fü- gestern Morgens, gestern Abends, gestern Mittags, sagt man lieber im Accusativs gestern Morgen, Abend, Mittag. Da6 weibliche Nacht wird, wenn es in diesem Falle in den Genitiv treten soll, als ein männliches Wort behandelt, des Nachts reisen, des Nachrs quälen mich böse Träume; besser in der Nacht, zur Nachtzeit. 2. Die vorigen Substantive und Jahr und Monath, wenn sie Wiederhohlungs» zahlen bey sich haben: des Morgens einmahl; zweymahl des Tages; dreymahl des Nachrs aufstehen; viermahl des Jahres, des Monas thes; wofür doch an dem Tage, in der Nacht, in dein Jahre u. s. f. oft besser sind. Andere Substantive stehen nicht selten im Accusativs: die LVoche zweymahl spayieren gehen, z. Die Nahmen der Wochentage: wir kamen Montags an, die Post gehet Sonntags ab. Das weibliche die Mittwoche, wird alsdann gleichfalls, wie ein männliches Wort behandelt, Mittwochs fahren wir ab. Überhaupt gränzt der Genitiv in ollen diesen Fällen sehr nahe an das Adverbium, und man würde ihn wirklich dafür annehmen müssen , wenn nicht die Ausdrücke des Tages reisen, des Morgens dreymahl, des Nachrs fahren »i. s. f. de» Genitiv außer allen Streit sehten. Indessen wird Statt des Genitives bey den Wochentagen auch häusig die Präposition an, und nach Befinden auch auf gebraucht, er kam am Montage, wir reisen auf den Sonntag; welches nochwen- Dd 4 big 424 i. Th. 4. Abschss. Syntax. big ist, wenn der unbestimmte Artikel dazu kommt, an einem Sonntage reisen. (2) Auf die Frage wie langes eine Zeitdauer zu bezeichnen, aber nur noch selten, und in einigen wenigm Fällen: er warrere zwey ganzer Grun- den, Jahre, Tage u. s. f. wofür doch der Accusc^ tiv theils gewöhnlicher, theils besser ist. ».Verhält- §- 7l4. 2. Das Verhältniß des Ortes, gleich- niß des falls nur noch in einigen Fällen: aller Orren, hie- Lrtes. sigen Orces, etwas gehörigen Ortes melden. Auch hier ist der Gibrauch der Präpositionen im Hochdeutschen gewöhnlicher und bestimmter: an allen Orren, an hirsigem Orte, etwas an dem gehörigen Orte andringen. z. Der Art §. 715- Z> Das Verhältniß der Art und und Weise, weise, wo der Genitiv gleichfalls anstatt einer Präposition stehet; freylich in sehr vielen Fällen, welche aber doch immer von dem Gebrauche abhängen, folg- lich nicht willkührlich vermehret werden dürfen. Dahin gehören z. B. einiger Maßen, gewisser Maßen, für auf einige, auf gewisse Art; dieser Gestalt; folgender Gestalt; geraden Weges; stehenden Lußes; sporenstreichs, wo der Genitiv schon in das Adverbium übergehet; guten Theils, größten Theils, ich meines Theiles; sich einer Sache alles Ernstes annehmen, mit allem Ernste; meines Wissens, meines Bedünkens, so viel ich weiß, wie mir däucht; unverrichteter Sache; Hungers sterben, vor Hunger; eines schmählichen Todes sterben; der Hoffnung, des Zutrauens, jemandes Gnade leben; seine Waare guten Raufes geben. Besonders in manchen Fällen mit dem Verbo seyn: Willens seyn, (wofür in Willens seyn und in Willens haben i.Kap. 8. Verbum u.Subst. §.716. 425 haben fehlerhaft sind); er ist meiner Meinung; das ist deines Amtes nicht; guten Muthes seyn; des Todes seyn; es ist so Herkommens; eines Geschlechtes, eines Sinnes seyn. §. 716. 4. Den Gegenstand der Sache, 4. Des Genach vielen Verbis, welche den leidenden Gegenstand genstandeS der Person durch den Accusativ ausdrucken, da denn ^ Sache« > die Sache in den Genitiv tritt. Erfordern sie hingegen den Gegenstand der Person in dem Dativs, so siehet der Gegenstand der Sache in d?m Accusativ?, davon im folgenden. Die vornehmsten Verba dieser Art, welche die Person in den Accusativ, die Sache aber in den Genitiv gesetzt wissen wollen, sind: - Anklagen: jemanden des Hochverrathes, des Straßenraubes anklagen; wo doch wegen üblicher ist. Defreyen: jemanden einer Sache befreyen; jetzt durchgängig mit von. Belehren, nur in der Redensart: jemanden eines bessern belehren. Berauben: jemanden einer Sache berauben. Bereden: Baruch beredet dich dessen, Ier. 4Z. Beschuldigen, wie anklagen: jemanden ei? „es Verbrechens beschuldigen. Bezüchtigen, wie das vorige, nur daß es im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird. Entblößen: alles Schmuckes entblößet seyn; die höhere Schreibart ausgenommen, lieber mit von, von Gelde entblöße-- seyn. Entladen: jemanden seiner Last entladen; auch mit von. Entlassen: jemanden seines Amtes, seiner Pflicht, seines Eides entlassen. Dd 5 Lntle- 426 i. Th. 4. Abschn. Syntax. Entledigen: jemanden einer Sache entledigen; auch mit von. Entsetzen: jemanden feines Amtes entferzen. Gewähren: einen seiner Bitte gewähren; besser, einein seine Bitte. Überführen: jemanden einer Sache überführen; mich mit von. Überheben: jemanden einer Sache überheben. Überweisen, Überzeugen, wie überführen: einer Sache überzeuget werden; auch mit von. Versichern: er versicherte mich seiner Freundschaft. Auch und noch häufiger: er versicherte mir seine Freundschaft. Aber das Re- ciprocum, sich einer Sache versichern, wenn es bedeutet, sie in sichern Besitz nehmen, erfordert nothwendig den Genitiv; bedeutet es aber überzeugen, so kann auch von stehen. Verweisen: jemanden des Landes, der Stadt verweisen. lVürdigen: jemanden keiner Antwort, großer Ehre würdigen. Fort- §. 717. Dahin gehören auch viele Reciproca, fttzung. wo das Pronomen sich der Accusativ ist, daher sie die Sache im Genitive verlangen. Bey einigen kann auch die Sache im Accusativs stehen, in welchem Falle aber das Pronomen durch den Dativ erklaret werden muß. Anmaßen: sich eines Titels anmaßen; aber auch, maße dir diese Sache nicht an. Annehmen: sich einer Sache annehmen. Äußern: sich eines Dinges äußern. Bedanken: sich einer Sache bedanken; jetzt durchgängig mit für oder wegen. Bedens i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 717. 427 Bedenken, nur in der R. A. sich eines bessern Bedenken. Bedienen: sich der Gelegenheit bedienen. Besieisslgen: sich der Zxürze befleissigen. Befürchten und das veraltete Befahren: sich einer Sache befürchten, besser ohne Necivrocum, eine Sache befürchten. Begeben: sich einer Sache begeben. Beklagen und Bekümmern, jetzt durchgängig mit über und um. Bemächtigen: sich des Besitzes bemächtigen. Bemeisiern, wie das vorige. Bescheiden: ich bescheide mich dessen. Besinnen: sich eines andern, eines bessern besinnen; ich besinne mich meiner Jugend, besser erinnere mich. Entäußern: sich einer Sache entäußern, auch eine Sache entäußern. Einbrechen: sich der Thränen nicht ent- brechen können. Enthalten: sich des Lachens kaum enthalten können. Entschlagen: sich aller Sorgen entschlagen. Entschritten: sich alles Verdachtes enr- schütten. Entsinnen: sich einer Sache; besser erinnern. Erbarmen: sich eines Dinges; auch mit über. Erfreuen: sich eines Dinges erfreuen. Erheben: sich einer Sache. Erinnern: erinnere dich der vorigen Zei- ten; auch mit an. Erkundigen: sich einer Sache; häufiger mit nach oder wegen. Errveh- 428 i.TH. 4.Abschn. Syntax. Lrwehren: sich des Schlafes nicht erwehren können. Freuen: freuet euch des Herren, Ps.zz; hau- figer mit über. Fürchten, nur in der R. A. sich der Sünde furchten. Gereuen: es gereuer ihn feiner Sünden; besser feine Sünden gereuen ihn. Getrosten: sich jemandes Hülfe getrosten. Jammern: es jammert mich serner. LTlähren: sich feiner Hände Arbeit nähren; auch mit von. Rühmen: sich seiner Stärke rühmen. Schämen; sich der Arbeit schämen. Unterfangen, Unrerwinden und Unterstehen: sich einer Sache. Verlangen: mich verlanget dessen; besser darnach. Verlohnen, doch nur in der niedrigen Redensart, es verlohnt sich nicht der Mühe, d.i. es belohnt, oder lohnt die Mühe nicht, S. die Vorrede zu dem ersten Th. S.I^ll. Vermuthen: ich vermuthete mich dessen nicht; häufiger, ich vermuthete es nicht. Versehen: ich hatte mich dieses Zufalles nicht versehen. Verwundern: sie verwunderten sich seines Verstandes; besser über. Verzeihen: sich einer Sache. 5Veigern: er weigerte sich dessen. Viele dieser Verborum sind nur in einem und dem andern Falle auf diese Art gebräuchlich, andere werden nur zuweilen in der höhern Schreibart mit dem Genitiv gebrauche; welches denn die obige Bemerkung i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 718. 429 merkung bestätiget, daß unser ganzer heutiger Genitiv mit Verbis nur ein Überrest des alten Gebrauches ist, welcher sich im Hochdeutschen immer mehr und mehr verlieret. §. 718 5. Das Verhältniß des leidenden 5. Deö leK Gegenstandes, welches sonst durch den Accusativ denden Ge- ausgedruckt wird. Die vornehmsten Verba dieser senstandeS. Art, welche den leidenden Gegenstand noch jetzt, entweder durchgängig oder nur in einzelen Fällen, durch den Genitiv bezeichnet haben wollen, sind: Achren: des Silbers achtere man nicht, i Kön.io; welches doch im Hochdeutschen, die höhere Schreibart allenfalls ausgenommen, jetzt den Accusativ bekommt, das Silber achrere man nicht. Bedürfen: die Rranken bedürfen des Arztes nicht; der Herr bedarf ihrer. Wo aber auch der Accusativ häusig ist, besonders in der Sprache des täglichen Umganges: ich weiß, was er bedarf. Begehren: jetzt durchgängig mit dem Accusativ. Brauchen, Gebrauchen; jetzt am häufigsten mit dem Accusativs, brauche die Zeit; außer allenfalls unpersönlich: rvas braucht es fo vieles Redens? Denken: denke der vorigen Zeiten, jetzt lieber denke oder gedenke an die vorigen Feiten. Entbehren: einer Sache entbehren; aber auch im Accusativs, eine Sache. Erwähnen: einer Sache erwähnen; auch mit dem Accusativs. Erwarten: jemandes erwarten; häufiger und lieber mit dem Accusativs. Fahren: des nächsten vpeges fahren; jetzt durchgängig mit dem Accusativs. Fehlen: 4zo i. Th. 4-Abschn. Syntax Fehlen: des rechten lVeges fehlen, besser den rechten N)eg verfehlen. Führen: ich will dich des tVeges führen. Es. z?; besser, den ^Veg oder auf den: lVege. Gedenken, nur wenn es sich ennn-rn, und Mel. dung thun bedeutet: gedenke meiner im Desien, auch mit an; einer Sache gedenken, ihrer erwähnen. Gelten: es gilt Aufmerkene; in andern Bedeutungen stehet der Accusativ. Genesen, entbunden werden : eines Sohnes genesen; im Hochdeutschen sagt man lieber, von einem Sohne entbunden werden. Genießen: der Ruhe genießen. Außer der höhern Schreibart lieber mit dem Accusativ?. Geschweige»,: ich geschweige der übrigen Fehler; des übrigen zu geschweige». Gewöhnen: einer Sache gewöhnen; edler derfelben gewohnt werden. Harren: harre des Herren, Ps. 27; besser auf den Herren. Hoffen: einer Sache hoffen; jetzt durchgangig mit auf. Hüthen: eines Dinges; jetzt jederzeit mit dem Accusativs. Aennen: ich kenne des Menschen nicht, Matth. 26; jetzt allemahl den Accusativ. Lachen: einer Sache lachen, lieber, sie verlachen, oder über sie lachen. Mangeln: sie mangeln des Ruhmes; jetzt gewöhnlicher unpersönlich, es mangelt ihnen an dem Ruhme. Mißbrauchen: einer Sache; jetzt lieber mit dem Accusativs. Pflegen: i. Kap. 8. Verbum u.Subst. §. 718.719. 4Z» Pflegen: seines Leides pflegen; auch häufig mit dem Accusative. Nur die halb veralteten Ausdrücke, der Liebe, der XVolluft pflegen, sind nur allein im Genitive qewöhnlich. Schonen: schone meiner; seiner Gesund, heir schonen. Sonst auch mit dem Accusativs. Sporren: jemandes sporren; sonst auch verspotten, mit dem Accusativ, oder Über etwas spotten. Verbleichen und Verfahren, nur mit dem Ge. nitive Todes, in den veralteten Ausdrücken Todes verbleichen,Todes verfahren, d.i. sterben. Verfehlen: des rechten Zweckes verfehlen, bester mit dem Accusativs. > Vergessen: jemandes vergessen; jetzt durchgängig mit dem Accusativs. Verschonen, häufiger jetzt mit dem Accusativs. XVarrcn, einer Sache rvarccn, jetzt dafür auf etrvas rvarren. Für seines Amres warten, gebraucht man lieber abwarten mit dem Accusativs. Wenn aber das Substantiv nicht gerade der leidende Gegenstand ist, sondern die Materie, das Ganze u. s. f. bezeichnet, so gebraucht man statt des alten Genitives im Hochdeutschen lieber die Präposition von: trinke des ^Veincs, besser von dem tVei- ne, oder etwas N>ein; iß des Vrores, besser von dem Broce. z. Verbindung des Verbi mit dem Dative. §. 719. Der Dativ bezeichnet überhaupt das 1. DoS Verhältniß desjenigen Dinges, an welchem die Wir- G.-»z>',wor- kung des Verbi vorgehet, oder auf welches sie sich ""^A". durch einen Umweg erstreckt. Da dieses nun ge- meiniglich eine Person ist, indem dieses Verhältniß bey Sachen am häufigsten durch eine Präposition bezeichnet 4Z2 I. Th. 4. Abschlt. Syntax. zeichnet wird, so wird dasselbe das Verhältniß des persönlichen Gegenstandes genannt, wenn es gleich keine eigentliche Person, sondern eine Sache ist. So muß man auch die Ausdrücke der Dativ der Person und Accusativ der Sache, oder des leidenden Gegenstandes verstehen, indem die wahre Person in die Stelle der Sache, die wahre Sacke aber in die Stelle der Person treten kann. Sache ist hier dasjenige Ding, auf welches sich die Wirkung des Verbi unmittelbar, Person aber, auf welches sie sich durch einen Umweg beziehet. Der Dg5i6 bezeichnet folglich: -I. Das Ganze, an welchem der Begriff des Verbi vorgehet, so fern eö eine Person ist, oder doch als Person gcdacht wird. Einem das Brot aus dem Munde nehmen; wo zwey selbständige Dinge sind, welche verschiedene Verhältnisse bezeichnen, und beyde von dem Verbo regieret werden; eines, auf welches sich der Begriff des Verbi unmittelbar beziehet, das Vror, welches folglich im Accusativ» stehet, und eines, an welchem die Handlung des Verbi vermittelst dieses AccufativeS, folglich durch einen Umweg, vorgehet, welches daher der persönliche Gegenstand ist, einem. Es ist zwar noch ein drittes da, welches den Umstand des Ortes andeutet, allein dieser wird durch die Präposition aus bezeichnet. Am häufigsten ist dieser personliche Gegenstand «ine wirkliche Person: denn eine Sache wird, wenn sie in dieses Verhältniß tritt, gern durch eine Präposition ausgedruckt; einem etwas nehmen, aber den Hut von der tVand, das Buch aus dem Fenster nehmen. Oft bekommt freylich auch die Sache den Dativ, besonders in der höhern Schreibart, der Asse die Vlärrer abbrechen; allein alsdann wird sie auch als eine Person betrachtet. Dieser i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 719. 43z Dieser Dativ kann nun sowohl bey Transitivis stehen, welche denn gememiqlich einen Accusativ der Sache oder des ladenden Gegenstandes be» sich haben, aufweichen sich die Wirkung des Virbi unmittelbar erstreckt: jemandes ^Vorcen einen falschen Sinn andichten; einem Vogel die Zunge lösen; man entzog ihm das seinige; löse ihm die Schuhcreme» auf. Als auch mit In- transitivis, da denn der leidende Gegenstand wegfällt: ihm pocht, ihm schlägt das Herz, wo pochen und schlagen intransitive stehen; die Haare gehen ihm aus; mir frieret das Gesichr; der ^opf thut mir weh; ihm hlutece das Herz. Oft wird statt der leidenden Gegenstände bcy Transitivis, oder der Umstand des Ortes bey Intransiti- vis, durch eine Präposition ausgedruckt, da denn das Verhältniß in einen eigentlichen Umstand übergehet: sich in die Finger stechen; einem auf die Achsel klopfen; es ist mir aus den Gedanken gekommen; einem an die Hand gehen; es ist mir nicht in den Sinn gekommen. Und da kann es oft zweifelhaft werden, in welchen Casum die Person gesetzt werden soll; z. B. ob ich sagen muß: er sticht mich in den Finger, oder mir; du roirst ihm in die Fersen stechen, oder ihn; er lobt mich in das Gesicht, oder mir. Eigentlich hat der Dativ, als der eigentliche Casus der Person, schon das Vorurtheil vor sich; allein, da sich die Wirkung des Verbi auch unmittelbar auf Personen erstrecken kann, die aber alsdann als Sachen angesehen werden, er schlügt mich, er sticht mich: so ist es, wenn sich nicht der Gebrauch schon für einen Casum entschieden hat, folglich der andere das Gehör beleidigen würde, gleichgültig, welchen Casum man Adel,D.Spr.II.L. "Ee ge- 4Z4 l»TH. 4.Abschn. Syntax. gebraucht: du wirst ihm in die Fersen stechen, oder ihn, wo doch der Accusativ Wvohnlich-r scheint. Hingegen ist einen in das Gesicht loben, richtiger als einem, weil loben wohl mit dem Dativs commodi, lobe mir das Pferd, aber nie mit dem eigsntlichcn Dativ der Person in dieser Bedeutung gebraucht wird. Siehe auch die Vorrede zum ersten Theile, S. l.UI. 2. Der per- §. 72L. 2. Da6 Verhältniß der Person oder sönilchc Ge- Sache, um deren willen das Prädicat dem Subjecte genstand z„kommt; eigentlich eine Figur oder Fortsetzung des b^^tt^'vorigen F^g^ wo der Dativ wieder den personlichen Gegenstand im grammatischen Verstände bezeichnet, oder dasjenige Ding, auf welches der Begriff des Verbi vermittelst des Accusatives wirkt. Der Dativ stehet daher vornehmlich bey solchen transitiven Verbis, welche im Activo den leidenden Gegenstand im Accusativ?, iin Passivs aber im Nominative bey sich haben; einige wenige ausgenommen, welche bey dem Accusativs vorkommen werden. Die Verba, welche auf solche Art gebraucht werden, sind si>hr zahlreich: einem etwas abbitcen, abfordern, abzwingen, abstreiten, abnehmen, ab- dringen, abkaufen, abrarhen, abschlagen, absprechen, anbefehlen, anbiethen, andeuten, angeloben, anheimstellen, ankündigen, anmerken, anpreisen, anrarhen, amuhmen, ansagen, befehlen, bringen, berichten, bezahlen. So auch biethen, borgen, erlassen, erwiedern, , erzählen, geben, gebiethen, geloben, gestatten, einem sein lVorr halten, glauben, gönnen, klagen, leihen, liefern, leisten, und hundert andere mehr, z. Bey In- §« ?2'. Z« Eben diesen Gegenstand der Person, transitivis. bey den meisten IntranfitiviS, sie mögen nun haben oder Z.Kap. 8. Verbum u.Subst. §.721.722. 455 oder seyn zum Hülfsworte annehmen. Da sie In- trunsltiva sind, welche keinen leidenden Geqenstcnd haben, so fällt auch der Accusativ desselben von selbst weg. Verba dieser Art sind: einem anliefen, angehören, ausweichen, begegnen, dasbes komme mir, stehet mir bevor, bleibet mir, einem bey allen, danken, dienen, drohen, fluchen, folgen, fröhnen, an die Hand gehen, das gedeihet ihm, einem gefallen, gehören, gehorchen, gelingen, gerathen, geschehe»», geziemen, glauben, gleichen, leuchten, lohnen, nüyen, einer Sache obliegen, einem rathen, schaden, schmeicheln, das scheinet mir, ihm ist ein Zxind gestorben, sich einer Sache unterziehen, das ist mir zu hoch, er ist mir gecreu, einem Dinge steuern, widerstehen, einem rroyen, wehren, weichen, winken, wohl wollen, das wird mir zur Last, wie wird mir, und hundert andere mehr, wohin auch die unpersönlichen Verba gehören: es ahndet, bekommt, ekelr, beliebet, gebricht, geziemet, grauer, träumet, schwindelt mir, es verschlägt mir (nicht mich,) nichts, es schauert mir. §. 722. Bey einigen Verbis scheint es Zweifel- Streitige haft zu seyn, ob der Dativ oder Accusativ siehe» Verb«, müsse. Die vornehmsten sind: Ankommen. Da kam mich Furcht und Zittern an, Hiob 4; und es kam sie hart an über der Geburt, i Mos.zS-, es wird dich Angst ankommen, Jer. 1?; doch kömmt mich bald die Lust zu schreiben wieder an, Opih; gittern und Entsetzen möchte einen ehrlichen Nerl ankommen, Less. Ich weiß nicht, woher in diesen und Ee s andern 4?6 r. Th. 4. Abschn. Syntax. andern Fällen der Accusativ gekommen seyn muß. Gründet man ihn auf die Präposition an, so ist die Folge unrichtig, weil die Präpositionen, wenn sie mit Verbis zusammen gesehet werden, bloße Adverbia sind, folglich keinen Casum regieren können. Wenn man einen klaren Begriff von dem Dativ der Perfon hat, so wird man denselben hier nicht zwei- felhast finden können. Daher ist es richtiger, das kommt mir sauer an, Gell, die Verstellung kommt mir weit beschwerlicher an, als rvenn ich sage, wie mirs ums Herze ist, eben ders. Sagt doch ohnehin jedermann ohne Ausnahme, einem ankommen, für beykommen, und es kommt mir darauf nicht an, es muß ihnen auf einen Tag nicht ankommen, Less. Alle drey Bedeutungen sind genau verwandt, wenigstens ist der Dativ der Person immer derselbe. Däuchten und dünken. Beyde werden bald mit dem Accusativs, bald mit dem Dative gebraucht: doch geh, mich däucht, sie kömmt, Gell, mich däuchte, wir bunden Garben auf dem Felde, iMos. 37; was den Sinnen hier im Finstern schöne däucht, Can. ein jeglicher that, was ihm recht dauchre. Richt. 17. Da däuchten ehedem scheinen bedeutete, so spricht die Analogie dieses Wortes für den Dativ. Dünken ist zwar in dem Stamme mit däuchten verwandt, aber in der Form verschieden, und wird häufiger mit dem Accusativs als mit dem Dative gebraucht: 8ie ciunket mir^Iicn, Willer. einem jeglichen dünkec seine A)ege rein seyn, Sprichw. 16; ein jeglicher, was ihm recht dünker, 5Mos. 12; dünkec sie solches unmöglich seyn ^ Zach. 8; du dünkest dich unglücklich, Dusch. Da bey beyden der Sprachgebrauch selbst im Hochdeutschen getheilt ist, so gehet man i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 722. 437 man in beyden mit dem Dative am sichersten, weil das Verhältniß der Person am klarsten her- vor sticht. Ekeln. Dieß ekelc mich, Opiß; welcher Accusativ auch im Hochdeutschen nicht ungewöhnlich ist. Doch ist der Dativ häufiger, weil der ganze Ausdruck so viel sagt, als dieß erwecket mir Ekel; wo wieder der persönliche Gegenstand unläugbar ist. Der Zepter ekelt ihm, rvie dem sein Hirten- stab, Haller. Gelten, wenn es, auf etwas gerichtet seyn, etwas zum Ziele haben, bedeutet. Ist der Accusativ der Sache dabey, so ist der Dativ der Person unstreitig: rvie ein Vogel zum Strick eilet, und weiß nicht, daß es ihm das Leben gilt, Sprichw. 2z; es gilt ihm das Leben; es gilt mir alles gleich. Allein, wenn dieser fehlt, so scheint es ungewiß, ob das Nomen der persönliche oder der sächliche Gegenstand seyn soll, daher wird es sowohl mit dem Dative, als mit den Accusativs gebraucht: ach, daß der Traum deinen Feinden gülte! Dan. 4; ich wußte nicht, daß dieser Seufzer mir gelten sollte, Dusch; nun, wem gilt das? Less. nein, Liebe, nein, dir gilt nicht dieses Lied, Haged. Allein hier ist das Verhältniß der Sache unläugbar, folglich der Accusativ richtiger: was einem gesagt wird, gilt alle; es schien mich zu gelten. Sagt doch ohnehin niemand, das gilt deinem Aopse, deinem Leben, sondern deinen V,opf, dein Leben; wo eben dasselbe Verhältniß Statt findet. Getrauen, kann nur den Dativ haben, weil hier der persönliche Gegenstand unläugbar ist: das getraue ich mir nicht zu behaupten. Das ein- Ee z fache 4Z8 '.Th. 4-Abschn. Syntax. fache trauen und zutrauen werden gleichfalls mit dem Dative der Person verbunden. Helfen für befehlen, wird von vielen Neuern mit zweyen Accusativen, einem der Person und dem ondt'- n der Saci'e gebraucht: höre, was ich dich Heisse, i Mos. 27; wer hat dich das geheissen? wer heißt dich solche Sachen? Gell. Da zwey Accusauvc düser Art ein wahrer Fehler in einer jeden Sprache sind, weil der eine wider den klaren Begriff dt 6 persönlichen Gegenstandes ist, auch die Ver- Handlichkeit der Rede dabey leidet; so ist es kurzsich. tige Pedanterey, sie da einführen zu wollen, wo die Sprache sie nicht hergebracht hat, bloß darum, weil die lateinische Sprache sich nicht auf diese Art ausdruckt. Man folgt daher richtiger der gewöhnlichen Analogie, welche die Person in den Dativ seßt, wenn die Sache in dem Accusativs stehet: der Herr hars ihm geheissen, 2Sam. ,6; der Rönig hat es ihm geheissen. Der Herr hieß ihm verkaufen sein N)eib, Match. 18. Aber ganz richtig sagt man, mit Einem Nennworte, heiß ihn kommen, habe ich doch den Narren nicht kommen heissen, Less. Gott hat mich wandern heifsen, iMos. 20; der Rönig hieß ihn binden; wie man sagt, laß ihn gehen, ob man gleich sagen muß, laß es mir, weil hier der Accusativ der Sache oder des leidenden Gegenstandes, mit dem Infinitive verbunden wird. Die Unrichtigkeit des Accusatives der Person erhellet noch deut, licher, wenn man das Verbum in das Pussivum seßt. Da ich nicht sagen ckann, ich bin die Sache geheissen worden, sondern schlechterdings sagen muß, die Sache ist mir geheissen worden, so muß ich auch sagen, ich hcissc es dir. Helfen, r.Kap. 8. Verbum u.Subst. §.722.' 439 Helfen, muß den Gegenstand der Person jederzeit im Dative haben: Arzt hilf dir selber, juc.4; hilft dir der Herr nicht/ woher soll ich dir helfen? 2K0N.Ü; Gott hilft dem Elenden, Hieb 40; wem nicht zu rathen ist, dem ist auch nicht zu helfen; Herr hilf mir von meinen Verfolgern, Ps. 7; der Herr half ihm aus seinen Nöthen, Ps. Z4. Welcher Dativ daher auch im Passivo bleibt: mir wurde geholfen; damit ist mir nicht geholfen. Nur die seltsame Nachahmung des Casus des Lateinischen ^suvgre hat diese einige richtige Analogie gestöret, und hin und wie- der den Accusativ eingeführet, gerade, als wenn die abweichenden Analogien einer fremden Sprache den richtigern Deutschen Geseße vorschreiben könnten: ^Vg5 jMt i! ir grZer M? Reinmar der Alts; was hilft miche? i Cor. 15; das möchte dich helfen, Judith 10; es half sie nichts, Marc. 5. Reichard, Bödicker und Aichinger leiten aus diesen und andern ähnlichen Beyspielen gar die unrichtige Regel her, daß helfen, wenn es unpersönlich stehe, den Accusativ erfordere; gerade, als wenn das unpersönliche Subject den persönlichen Gegenstand verändern könnte. Kosten» Von diesem Verbo gilt eben das, was schon bey heijsen bemerket worden. Nur Unwissenheit des wahren Ganges der Deutschen Sprache, und thörichte Anhänglichkeit an dem jateine, welches Verba mit zweyen Accusativm hat, konnte es zur Regel machen, daß sowohl der Gegenstand der Person als der Sache im Accusatt?« stehen müsse, und dadurch die gute alte Deutsche Analogie stören, und Dunkelheit in die Sprache einführen, wo sie selbige weislich zu vermeiden gesucht hat. Das kostet Ee 4 die 440 i. Th. 4. Abschn. Syntax. die Frau den Mann; welches ist da der Person« liche, und welches der leidende Gegenstand? Indessen haben doch auch gute Schriftsteller sich mit zu diesem wahren Sprachfehler hinreißen lassen: ich weiß nicht mehr, wie viel sie mich kosten. Gell, kostet er sie so viel^ eben ders. es kostet ihn nur ein einiges TVort, juth. es kostet sie nur ein tVorc, Rabrn. ich habe, so viel es mich auch kostete, mir ihm gesprochen, Hermes. Wer sich den Unterschied des persönlichen und leidenden Gegenstandes klar denkt, wird nicht in Versuchung gerathen, die Person in den Accusativ zu setzen: das koste ihm seinen ersten Sohn, Jos. 6; es kostete ihm seinen ersten Sohn, i Kön. 16; man glaubt seine Dienstsertigkcit koste ihm viele Mühe, Gell, es mag ihrem Herzen viel ko- . sten, dieß zu verschweigen, eben ders. Dagegen der Pleiö als der leidende Gegenstand jederzeit den Accusativ erfordert: es wird denAopf nicht kosten; wenn es auch meinen Hals kosten sollte. Lehren, S. davon §. ?zc>. Nnmerkun- §- 72?. Man merke voll dem Dative des verfingen über lichen Gegenstandes noch, den Dstw. ^ Verbum kann in einer Bedeutung den Dativ, und in einer andern den Accusativ erfordern, nachdem dessen Begriff entweder auf den persönlichen oder auf den sächlichen Gegenstand wirkend gedacht werden muß: die Sache hat mir nicht wollen angehen, d. i. gelingen, und die Sache gehet mich an, betrifft mich; einem rufen, ihm zurufen, ruf mir in meiner letzten Noch, und einen rufen, rufen, daß er komme. 2. Aber auch in einer und eben derselben Bedeutung kann ein Nennwort bald im Accusativs, bald i.Kap. 8. Verbum u.Subst. §.723.724. 441 bald im Dative stehen. Im Accusativs, wenn eö der leidende Gegenstand ist, aufwelchm das Verbum un- mittebar wirkt: seinen Gläubiger bezahlen; je- mandes Treue belohnen; das schmerzt mich. Mit dem Dative, wenn noch ein näherer leidender Gegenstand dazu kommt, auf welchen das Verbum noch unmittelbarer wirkt, da denn jenes in den Dativ tritt und zum persönlichen Gegenstande wird: seinem Gläubiger die Schuld bezahlen; belohne ihm seine Treue; mir schmerzt der V.opf. Von lassen und andern Verbiö mit unvollständigen Prädicaten S. §. 727. z. Bey manchen Verbis, welche den persönlichen Gegenstand im Dative, und den leidenden im Accusativ erfordern, läßt sich der persönliche zwar auch durch den Accusativ ausdrucken, allein alsdann muß der leidende in den Genitiv treten, oder eine Präposition vor sich nehmen: rvie sehr beneide ich ihnen ihre Einsamkeit, und rvie sehr beneide ich sie wegen ihrer Einjamkeit; gewähren sie mir meine Bitte, und gewähren sie mich meiner Bitte; ich versichere es ihnen, und ich Versichere sie dessen; er versicherte mir seine Treue, und er versicherte mich seiner Treue. §. 724. Wenn man bey transitiven Verbis un- Fort- gewiß ist, ob ein Nennwort der persönliche oder der sctzmig. leidende Gegenstand ist, folglich, ob es in den Dativ oder Accusativ gesetzt wenden müsse, so dars man nur die Rede in das Passivum setzen. Muß das Nennwort alsdann in. den Nominativ treten, so erfordert das Activum den 'Accusativ; bleibt aber der Dariv, so muß derselbe auch im Activo stehen. Man sagt, das Ixind wird von seiner Mutter geliebkoser, E e 5 ich 442 i.TH. 4. Äbschn. Syntax. ich werde von vielen teuren angegangen, ich werde in den Finger gestochen; folglich, das Aind liebkosen, einen angehen, einen in die Finger, in die Fersen stechen. Aber nicht, ich bin geholfen, geheissen, berichtet worden, sondern, mir wird geholfen, mir ist berichtet worden, das ist ihm geheissen worden, folglich, einem helfen, einem etwas berichten, heist sen. Finden im Passiv» beyde Casus Statt, so erhellet, daß auch im Activo die Person in den Accusativ creien kann, in welchem Falle aber die Sache in dem Genicive stehen muß: die Sache ist mir versichert worden, und ich bin dessen versichert worden; folglich, einein etwas versichern, und einen einer Sache versichern. 4. Dativus §. 725. Es ist bereits §. 6z8 bemerket worden, Lommodi. haß der Dativ der persönlichen Pronominum in der vertraulichen Sprechart oft eine sehr entfernte Beziehung bezeichnet, welche im gemeinen leben oft in einen vertraulichen Pleonasmus übergehet: du wirst nur ein feiner Mann werden, nach meinem Urtheile; das war dir eine rechte Lust, ich versichere es dir. Nahe ist damit der Gegenstand des Nutzülis der bewegenden Ursache, der Gegenwart u. s. f. verwandt, welchen die höhere Schreibart gern durch den Dativ ausdruckt, dagegen die gewöhnliche in den meisten Fallen dafür eine Präposition ge« brauch: dir grüner Berg und Thal, dir läutert sich die Luft, für dich, Opiß; dir schmückt das fromme Mädchen sich, bey seinem Mor- genlicde, für dich, um deinetwillen, Raml. dir ficht der sorgenvolle Greis, 0 Stifter der Geschlechter, zu dir, eben ders. laß ab, laß ab, schon blutet dir das Opfer, vor dir, Zach, wie an der Drust ein früh unglücklich Mädchen dem z.Kap. 8. Verbum u. Subst. §.726.727. 44z dem blanken Stahl des wilden Mörders lächelt, eben dcrs. der Gurgel cß ich nicht, ich esse nur dem tragen, Opitz; ihin duften frühe Diolen, ihm grünt der^rde beschatteter Schoß, Utz. §. 726. Es gibt freylich noch eine Menge ande- Datlv mit »er Verhaltnisse, welch- durch den Dativ ausgedruckt Pr-positis- »verden, z. B. des Mittels und des Werkzeuges, der "eu. Gesellschaft, der Verbindung, der Zeit, des Ortes der Ruhe, des Ortes des Anfanges einer Bewegung u. s. f. Allein sie werden nicht durch den Dativ allein bezeichnet, sondern nehmen zu desto größerer Deutlichkeit eine Präposition zu Hülfe, S« Th. 1. §. 510.526.527. 4. Verbindung deß Verbi mit dem Accusativ?. §. 727. Wir reden hier wieder nur von den Ver-1. Er be- hältnWn, welche der Accusativ für sich allein, und zeichnet»«» ohne Zuziehung einer Präposition ausdruckt. Diefe Ag^" Verhältnisse sind nun: ^„d.' 1. das Verhältniß des leidenden Gegenstandes, Bey Mieder desjenigen Dinges, auf welches der Begriff des Verbi eigentlich wirkt. Oben ist schon gesagt worden , daß dieser leidende Gegenstand in den Sprachlehren die Sache genannt wird, es mag nun übrigens an sich eine Person oder Sache ftyn, um es von der Person, oder dem Dinge, worauf das Verbum nur durch einen Umweg wirkt, zu unterscheiden. Dieses Verhältniß des leidenden Gegenstandes, ist nicht allein von den Deutschen, sondern auch von fast ollen bekannten Völkern sehr lebhast empfunden worden, daher sie es alle durch den Accusativ ausdrucken, außer in solchen Fällen, wo die Empfindung nicht klar 444 i.TH. 4.Abschn. Syntax. klar genug war, oder wo man ein Nebenverhältniß zu erblicken glaubte, da man ihm denn einen andern Casum, besonders den Genitiv unterschob. Da nun olle Verba Activa vermöge ihres Begriffes einen leidenden Gegenstand außer sich haben, so ist es auch eine sehr allgemeine Regel, daß ein jedes Verbum Activum einen Accusativ erfordert, außer, wo der eben gedachte Fall eine Ausnahme macht: ich suchte dich; ich sahe ihn; sie fanden einen Schay; der Grurm entblätterte die Rose. Da der leidende Gegenstand im Passivo in die Stelle des Subjects tritt, so muß er auch den Casum des Subjectes annehmen, folglich in den Nominativ treten: du wirst gesucht, er ward gesehen. Es gibt einen Fall, wo das Subject, dessen Casus sonst der Nominativ ist, in den leidenden Gegenstand übergehet, folglich in den Accusativ tritt. Dieses geschiehet nach denjenigen Verbis, welche einen bloßen Infinitiv nach sich erfordern, wo das Subject des Infinitives allemahl in den Accusativ tritt, und dieß ist der einige Fall, da die Deutschen einen Accusativ mit dem Infinitive verbinden: laß ihn machen; ich höre ihn weinen; sehe ihn kommen; mache ihn lachen, loset man diese Formen auf, fo wird aus dem Accusativ ein Nominativ : gib zu, daß er mache, ich höre, daß er wclner. Woraus denn zugleich erhellet, daß der Accusativ eigentlich nicht von dem Verbo finito, son» dem von dem Infinitive regieret wird, weil er dessen Subject, als den leidenden Gegenstand darstellet. Daher können auch Verba, welche den Dativ der Person erfordern, eben diefe Person im Accusativs nach sich haben, wenn sie von dem folgenden Infinitive abhängt, und dessen Subject ausmacht. Z. B. heiß ihn kommen, d. i. befiehl, daß er komme; » -.Kap. 8.Verbumu.Subst.§.727.728. 445 wo der Accusativ ganz richtig ist, ob man gleich ohne Infinitiv sagen muß, wer hat dir das geheis- sen. Außer diesem Accusative des Subjectes, kann der Infinitiv auch noch den Accusativ des leidenden Gegenstandes bey sich haben: laß mich diesen Tag vollenden - ich ließ es ihn merken, laß ihn deinen Reichthum nicht merken, d.i. verstatte, daß ich diesen Tag vollende. Ist hingegen das folgende Nennwort nicht das wahre Subject des Infinitives, sondern die Person entweder des Verbi finiti oder des Infinitives, so kann es auch nicht anders, als im Dativo stehen: laß dir an meiner Gnade genügen, laß dir Wohlgefallen die Rede meines Mundes; ich half ihm arbeiten, hilf ihm suchen; wo der Accusativ unrichtig seyn würde, weil hier nicht das Subject des Infinitives, sondern der Dativ der Person bezeichnet werden soll. Hilf ihn suchen, würde passive bedeuten, hilf, daß er gesuchet werde. Fälle, die dunkel scheinen, lasten sich durch die Auflösung leicht aufklären. Laß ihm deinen Reichthum nicht merken, ist unrichtig, weil die Auflösung, hüte dich, daß er deinen Reichthum merke, zeiget, daß ihm das Subject des Infinitives ist, daher es in dem Accusative stehen muß. §. 728. Da die meisten Reciproca wahre Activa Bey Reci- sind, nur daß ihr Begriff auf das Subject zurück ge- pro"s und führet wird, welches alsdann durch das Pronomen ^'^s°' Reeiprocum wiederholtet wird, und wiederholtet " ' werden muß, weil ein neues Verhältniß zu bezeichnen ist: so muß dieses Reeiprocum auch in dem Ao cusanve stehen, wenn das Subject, als der leidende Gegenstand wiederhohlet wird: ich erinnere mich, unterstehe mich, besinne mich, schäme mich, gehe > 446 i.TH. 4.Abschtt. Syntix. gehe mich müde. Wird aber das Subject als der persönliche Gegenstand dargesi-llet, so stehet der Dativ: ich getraue mir, weil hier eben dasscibe Verhältniß herrscht, welches in, ich traue ihm, traue es ihm zu, herrscht. So auch bey unpersönlichen Zeitwörtern, wenn ihre Bedeutung activ ist, sie folglich einen leidenden Gegenstand erfordere: es befiel ihn ein Schwindel; es befremdet mich; es betrifft dich; er dauert mich; es durftet, hungert, frieret, freuet mich; es gereuer, verdrießt, wundert mich. Accusativ §. 7-9. Eigentlich sollen die Neutra keinen leibe? Neu- denden Gegenstand außer dem Subjecte haben: ich lache, Cajus weint, er dankte ab. Allein in der Folge hat man doch oft Accusativs mit ihnen verbunden, entweder als Nahmen wirklicher leidender Gegenstände, oder auch als Umstände, welche mit Weglajsung der Präposition die Gestalt leiden, der Gegenstände angenommen haben: sich einen Buckel lachen; Cajus weint sich die Augen roth; ich möchte Dlur weinen; ein Amr abdanken; ich gehe diesen N?eg, d.i. auf diesem Wege; die Treppe auf, und abgehen; den Verg hinauf steigen. Dahin gehören auch manche unpersönliche Verba, welche das unbestimmte Subject, als den leidenden Gegenstand ausdrucken: es regnet Blut; es fchneyere Flocken einer wälschen Nuß groß; es hagelt Steine. Man vermeide sowohl bey Neutris, als bey Acti- Vi6 solche Substantive, welche den Grundbegriff des Verbi wiederhohlen, indem sie in den meisten Fällen wider die Natur der Deutschen Sprache sind : ein herrliches L.eben leben; einen guten Schlaf schlafen; einen ^ampf kämpfen; einen Streit streuen; i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 730. 447 streiten; des Todes sterben; wo die Verba schon eben das sagen. Außer, wmn das Substantivum eine besondere Art u. s. f. bedeutet. So sagt man ganz riomg: eines natürlichen Todes sterben; einen bittern Trank rnnr'en; einen sauern Gang gehen; einen ervigen Schlaf schlafen. §. 7?o. Ein Vei bum kann mehrere Substantive Verba mit bey sich haben, welche verschiedene Verhältnisse be- Zweyen Bezeichnen; allein es kann nur zwey davon unmittelbar "Naiven, regieren, und die Verhältnisse, welche auf solche Art ausgedruckt werden, sind immer nur das Verhältniß der unmittelbaren und der mittelbaren Wirkung, oder der Wirkung in einen Gegenstand vermittelst eines Umweges, oder vermittelst eines unmittelbaren Einflusses. Soll eine von beyden näher bestimmt werden, so ist eine Präposition nothwendig, welche auch zu Bezeichnung all-r übrigen Verhältnisse er« fordert wird. Werden nun diese Verhältnisse ohne Präposition ausgedruckt, und folglich die Substantive von dem Veibo regieret, so müssen sie eigentlich durch zwey verschiedene Casus ausgedruckt werden. Dieß ist ein Grundgesetz nicht allein der Deutschen, sondern auch aller übrigen Sprachen, welche nach klaren Begriffen ausgebildet worden, weil die Deutlichkeit, das erste Gesetz in einer jeden Sprache, schlechterdings will, daß zwey verschiedene Verhältnisse auch auf verschiedene Art bezeichnet werden müssen, weil das Gegentheil Verwirrung und Zweydeutigkeit machen würde. Findet dasselbe hier und da dennoch Statt, so ist solches eigentlich ein Mangel, und ein Beweis, daß die dunkele Empfindung, welche alles in der Sprache leitet, oft so dunkel gewesen, daß sie Fehltritte veranlasset, oder von einer andern klärer empfundenen Analogie überwogen worden. Dies- 443 i.TH. 4. Abschn. Syntax. Diese verschiedenen Verhältnisse der unmittelbaren und mittelbaren Wirkung werden in, Deutschen eigentlich auf gedoppelte Art ausgedruckt. 1. So, daß das Verhältniß der unmittelbaren Wirkung, dessen Gegenstand der sächliche Gegenstand heißt, durch den Genitiv, das Verhältniß der mittelbaren Wirkung aber, dessen Gegenstand der persönliche ist, durch den Accusativ bezeichnet wird, (S. den Genitiv); oder 2. daß jener durch den Accusativ, dieser aber durch den Dativ ausdruckt wird, (S.den Dativ); welches der gewöhnlichste Fall ist, weil er im Deutschen am häufigsten befolgt wird. Indessen gibt es noch einen dritten Fall, wenn nähmlich z. beyde.Verhältnisse durch einen und eben denselben Casum, und zwar durch den Accusativ bezeichnet werden, und alsdann regieret das Verbum zwey Accusativs, einen der Sache oder der unmittelbaren Wirkung, und den andern der Person, oder der mittelbaren Wirkung. Daß diese Bezeichnung zweyer so verschiedener Verhältnisse durch einen und eben denselben Casum in jeder Sprache, wo sie vorkommt, eigentlich ein Fehler ist, wird nunmehr wohl einleuchten, daher man sie in solchen Fällen, wo sie einmahl eingeführet ist, so wie eine jede andere Ausnahme, zwar beybehalten, aber sie nicht erweitern, oder als eine Analogie ansehen muß, welche man zum Nachtheil der richtigern befolgen könnte. Hieher gehören aber folgende zwey Fälle nicht: 1. wenn ein Activum zwey Nahmen eines und eben desselben Dinges, oder eine Erklärung und Einschränkung eines Substantives durch den Begriff eines andern erfordert: ich nenne ihn Dacer; man schalt ihn einen Verrieger; ich liebe ihn als meinen Sohn; ich hasse ihn, nicht als meinen Feind, sondern als einen Lasterhaften. Siehe r.Kap. 8. Verbum u. Subst. §.7zo. 449 Siehe §. 707, vergl. mit §. 607 f. W?il hier eigentlich ein gleiches Verhältniß der unmitk>'lbaren Wirkung Statt findet. 2. Wenn der Umstand der Zeit oder Wiederholung außer dem sachlichen Gc- ^ gensiande durch den Acclisativ bezeichnet wird; dieses Jahr wird er uns nicht besuchen; ich sehe ihn alle Tage; ich habe ihn drey Mahl gesehen. Weil hier eigentlich ein Einstand und kein Verhältniß ausgedruckt wird. S. den sola>nden §. Wir haben es hier bloß mit denjenigen Verbis zu thun, welche zwey verschiedene Verhältnisse durch den Accusativ bezeichnet wissen wollen. Düse sind nun dem gewöhnlichen Gebrauche nach folgende wenige. Bitten, nur selten: eines bitte ich dich; die-» fes bitte ich dich. Am gewöhnlichsten wird süc den Accusativ der Sache die Präposition um gebraucht: um eine Sache bitte ich dich; darum bitte ich dich; er hat mich darum gebethen, wo niemand sagen wird, er hat es mich gebethen. Fragen, nc>ch seltener: einen etwas fragen; eines frage ich dich; er fragte mich bald dieß bald das. Auch hier sind die Präpositionen um und nach gewöhnlicher, und müssen stehen, wenn die Sache, nach welcher man fragt, durch ein Substantiv ausgedruckt wird. Heissen und Kosten. Daß diese Verba von ei« tilgen aus einem Mißverstande gleichfalls mit zweyen Accusativen gebraucht werden, ist bereits bey dem Dative getadelt worden. Richtiger gebraucht man sie mit dem Accusativs der Sache und dem Dative der Person; weil keine Ursache vorhanden ist, warum man gerade diese beyden Verba von der gewöhnlichen Analogie ausnehmen sollte. R5.l.D.Spr.ll.v. Ff Lehren, 45c> r. Th. 4. Abschn. Syntax. Lehren, dieses Zeitwort ist schon von den äste« ßen Zeiten an mit zweyen Accusativcn verbunden worden, wozu ohne Zweifel der Vorgang der jatei- nischsn Sprache Anlaß gegeben. 'I'lia? ir mili ier- tut, was ihr mich lehrtet, Ottfr. lere mili (Zins reclUunAS, Notk. ciu jei teil mili eben ders. welsche es nicht rvissen die lehret es, Esr. 7; lehre mich deine Rechte, Pf. i>y; lehret solches eure Zxinder, Tob. 14; er lehret die Elenden seinen N)eI, Ps. 25. Die nächste Veranlassung zu dieser den Deutschen so fremden Wortfügung lieget wohl darin, daß dieses Wort sowohl unterrichten, als auch durch Unterricht beybringen bedeutet. In der ersten Bedeutung wird es mit dem Accusativs der Person verbunden, lerne vor selbst ehe du andere lehrest; in der zweyten aber mit dem Accusativs der Sache, die Mathematik lehren, Nreurz lehret Geduld; in beyden Fällen, weil der Be- H> iff unmittelbar auf das Substantiv wirkt. Aber nun kamen auch Fälle vor, wo beyde Bedeutungen in eine verbunden wurden, und da ward man durch den Vorgang der Lateinischen Sprache verleitet, beyde Accusativ? beyzubehalten, da man doch der gewöhnlichen Analogie hätte folgen, und den einen Accusativ in den Dativ der Person verwandeln sollen, wie solches in andern Fällen geschiehet, z.B. ich nehme dich, und ich nehme das Vrot, aber nicht, ich nehme dich das Bror, sondern ich nehme dir das Vror. Nach dieser Analogie hätte man auch sagen sollen, ich lehre dir dieje Aunst. In den gemeinen Mundarten, auf welche die pedantische Nachahmung des Lateines keinen Einfluß gehabt hat, spricht man wirklich so, und es wäre zu wünschen , daß auch die Schriftsteller von dieser Abweichung wieder zurückkämen, wie schon wirklich von i. Kap. 8. Verbum u. Subst. §. 730. 45! von einigen geschehen: jede Rettung die ihm das Gegentheil lehret, Herd. Die Diene im Zxor- be bauet mir 0er tVeisheit, die >^gcria ihrem Z^uma nicht lehren konnte, eben Vers. Sagt Sterbliche der Sphären ihre Zahlen Und lehrc dem wilden winde seine» Lauf, Raml. Bey den beyden vorigen Verbis fragen und bitten ist der doppelte Accusativ aus eben dieselbe Art entstanden. Man gebraucht sie mit dem Accu- sa'iv der Person, entVeder ohne Sache, ich bitte dich, ich fragte ihn, oder man gibt der Sache eine Präposition, :ch bitte dich darum, ich fragte ihn nach der Sache. Erst später, wen» die Sache durch ein Zahlwort oder Pronomen ausgedruckt werden mußte, setzte man auch dieses in den Accusativ mir Boybehaltung des erster«: dieses frage ich dich, eins bttte ich dich. Da Heisien, wenn es befehlen b.deutet, und kosten, auch diesen Grund nich einmahl vor sich hoben, so ist der doppelte Accusativ hier desto v.rwcrfiicher. Noch ein Beweis, wie wenig die Bezeichnung verschiedener Verhältnisse durch zwey Accusativ, der Deutschen Sprache angemessen ist. Wenn ein Verbum im Activo den Accusativ erfordert, so gehet derselbe im Passwo in den Nominativ über: ich schlage dich, und du wirst geschlagen. Erfordert e5 im Acrivo zwey Accusativ? eines und eben desselben Verhältnisses, so gehen im Passwo auch beyde in den Nominativ über, er wird Vater genannt, das Ixind ist Johannes getauft worden. Aber wer getrautt sich zu sagen, ich bin die Sache ge- heissen worden, und sagt nicht vielmehr, die Sache ist mir gcheissen worden^ Zwar haben eini- ge eö gewagt zu sagen, ich bin die Mustk geleh- Ff» rec 45^ i. Th. 4,Abschn. Syntax. ret worden; allein schon das dunkele Gefühl sagt, wie widerwärtig diese Form ist, und daß es Heister» muß, die Musik ist mir gelehrer worden; folglich auch im Activo, ich lehre dir die Musik. 2. Verhütt- §« 7Zi' 2. Das zweyte Verhältniß, welches «iß dcr durch den bloßen Accusativ ausgedruckt wird, ist das ?»it. Verhältniß der Zeit und der Wiederholung. (1) Der Zeit, worin etwas geschiehtt, auf die Frage wenn ? doch nur in einigen Fällen: es geschahe den dritten Tag nach unserer Ankunft; künftige Ostern hoffe ich sie zu sehen; ich sahe ihn vorigen Sonnabend; er reiset den ersten May; er kam die Epoche dreymahl. In andern Fällen gebraucht man entweder den Genetiv, oder, und zwar noch häufiger, eine Präposition. Wenn das Verbum ein Activum ist, so kommen hier freylich wieder zwey Accusativs zusammen, welche verschiedene Verhältnisse bezeichnen; allein es scheint auch, daß man die Unschicklichkeit davon dunkel empfunden, daher Statt des Accusatives der Zeit in den meisten Fällen eine Präposition gebraucht wird. (2) Der Zeitdauer, auf die Frage wie lange? warten sie noch ein paar Tage; noch einen Augenblick, so sind wir verloren; wir sind bereits einen Monath hier; die ganze Rede über stehen. (?) Der Wiederhohlung, auf die Frage wie oft? ich sehe ihn alle Tage; die Feinde sind dreymahl geschlagen worden, wo der Accusativ drey Mahl in ein Adverbium übergegangen ist. z. Der §> 7Z2. z. Das Verhältniß der Größe oder Au«« Größe, dehnung, des Gewichtes, Alters, Werthes und Preises: es kostet einen Thaler; es wiegt einen Zentner. Besonders mit näherer Bestimmung ver« ' mittelst i. Kap. 8. Verbum u.Subst. §. 7Z2-7Z4. 45z mittelst eineö Adverbii, welches alsdann hinten sie. het: es ist eine Ehle lang, zwey Fuß breit, sechs Zoll dick, einen Schuh hoch, eine Ruche rief, zehen Tage lang, acht Pfund schwer, zwanzig Jahre alt, tausend Thaler schuldig seyn, er ist eine Million reich, es ist eine wälsche VÄ,ß groß. Wo der Accusativ nicht, wie in manchen Sprachlehren behauptet wird, von dem Adverbio, sondern von dem Verhältnisse selbst herrühret. In manchen Fällen stehet dafür der Genitiv, einer wälschen Nuß groß; in andern aber eine Präposition: ich habe es für zehn Thaler gekauft, verkauft. §. 7ZZ. 4- Das Verhältniß des Raume«, in 4. De» welchem, oder vielmehr des Ortes, auf welchem eine Ortes. Bewegung vor sich gehet, welcher alsdann als der leidende Gegenstand betrachtet wird. Doch wird dieses Verhältniß nur noch in einigen Fällen mit dem Accusativs ausgedruckt, der alsdann auch bey Neutris stehen kann, ungeachtet sie sonst eigentlich keines leidenden Gegenstandes fähig sind: wir rei» sen, gehen, fahren diesen lVeg; den Berg hinauf steigen; die Treppe auf- und abgehen; eile den Berg hinan. Wo in den letzten Beyspielen der Accusativ nicht zunächst von den Umstandswörtern hinaüf, auf und ab, hinan, abhängt, weil sie bloße Adverbia sind, und nur zur nähern Bezeichnung der Richtung dienen. IX. Gebrauch der Adverbien. §. 7Z4. Alle Adverbia bezeichnen etwas Unselb- Gebrauch ständiges, und zwar dasselbe abstract, oder an und derselbe,» für sich betrachtet. Sie theilen sich in zwey große überhaupt. Classen, nachdem dieses Unselbständige entmed->r ein Ff z Umstand 454 r. Th. 4-Abschn. Syntax. Umstand oder eine Beschaffenheit ist, und beyde dienen dazu, dasjenige, was von einem Dinge gesagt werden soll, näher zu bezeichnen, oder das Unselbständige in der Rede zu bestimmen. S. §. 470 f. Das selbständige Ding selbst, wird eigentlich nicht von Adverdiis als /ldverbiis bestimm; indem es ein Grundsatz der Deutschen Sprache ist, daß ein jedes Adverbium , es sey nun ein Umstand? - oder ein Veschaffenheirswort, vorher concrescieret werden muß, ehe.es unmittelbar mit dem Substantive verbunden werden kann. Nur einige Umstandswörter sind von dieser Analogie ausgenommen, indem sie das Vorrecht haben, das Substantiv auch ohneCon- cretion zu bestimmen, wohin nicht allein die Zahlwörter gehören ( S. di selben,) nebst viel, mehr und rvenig, sondern auch die Umstandswörter ganz, halb, genug, laurer »nd eitel, so fern beyde nichts als, bedeuten, allein, rvsiland, voll, etwas und nichts: ganz Deutschland, halb Frankreich, Gorc allein ober allein Gott, ein Glas voll Mein, lauter Soldaten, nichts Gutes, etwas tVein. Es gibt unter diesen Wör- kein einige, welche zugleich concrescieret werden können , und da verstehet es sich, daß sie nur Adverbia bleiben können, so fern sie einen bloßen Umstand bezeichnen, aber concrescieret werden müssen, so fern sie Beschaffenheiten ausdrucken sollen: ganz Deutschland, aber das ganze Deutschland, halb Frankreich, aber das ha'.be Frankreich; ein Glas voll lVcin, aber ein volles Glas; er ist lauter L.iebe, aber lauteres (reines) lVaft ser. S. §. 629. Alle übrige Adverbia müssen con- creftiert werden, wenn sie das Substantiv unmittelbar bestimmen sollen. Dis r.Kap. 9. Adverbia. §.734.735. 455 Dle Adverbia dienen daher zunächst und eigens lich, das Unselbständige in der Rede zu bestimmen, d.i. alles dasjenige, was von einem Dinge gesagt werden kann und soll, näher zu bezeichnen. Dieses Unselbständige ist nun entweder ein Adjectiv, ein außerordentlich großes Haus, ein sehr schöner Vogel; oder ein Pronomen, ich selbst, er allein, dieser hier; oder ein Zahlwort, sehr viel, überaus wenig; oder ein anderes Umstandswort, überaus sehr, sehr weit, dort oben, hier unten; oder ein Beschaffenheitöwort, halb todt, schön geschmückt, völlig fertig, hell glänzend ; daher denn auch mehrere Adverbien, besonders Umstandswörter, hinter einander stehen können, wovon ' - immer eines das andere bestimmt: von nun an bis auf immer und ewig. §. 7Z5> Am Häufigsien wird das Verbum durch Fort- die Adverbia bestimmt, als welches die eigentlichen fttzung. Bestimmungswörter des Verbi sind, oder mit andern Worten, der Begriff des Adverbii wird vermiß telst des Verbi einem selbständigen Dinge beygelegt: die Dlume wird welk. Nach dem, was in dem ersten Bande an mehrern Orten von dem gemeiniglich so sehr verkannten Unterschiede des Adverbii von dem Adjective gesagt worden, ist es wohl unnöthig, - noch einmahl darauf zu kommen. Jedermann wird sich leicht überzeugen können, daß es zwey sehr verschiedene Dinge sind, ob ein Begriff unmittelbar von einem Substantive gesagt wird, oder mittelbar vermittelst des Verbi, d. i. ob ein Begriff zunächst das Substantiv oder zunächst das Verbum bestimmt. Die Sache ist an sich gar sehr verschieden; allein nicht alle Völker waren aufgeklärt genug, diesen Unterschied zu bemerken, oder geschickt genug, ihn auszudrucken. Die Deutschen waren beydes, daher ist Ff 4 die 456 i. Th. 4.Abschn. Syntax. die Concretion, bis auf einige unbedeutende Ausnahmen, dos allgemeine und unwandelbare Merkmahl dieses U»r rschiedes. Dii st Bestimmung des Verbi durch das Adverbium geschiehet nun entweder, den Begriff eines Zeitwortes mit einem unvollständigen Prädicate S. § 65,7. zu ergänzen, wozu besonders die Beschaf- ftnheitswörter dienen: Cajus ist krank, Crösus war reich, die Blume wird welk, der 5Vcm macht uns beredt; oder auch die Art und Weise näher zu bestimmen, wie der Begriff des Verbi einem Ding? zukommen soll, welches durch Umstands- ' Wörter, Beschaffenheicswörter oder Participia geschehen kann: die VOunde schmerzet sehr, unser Freund starb plöylich, er liegt gefangen, ich fand ihn schlafend, er gehet jeyr hin. Da das Adverbium eigentlich nur das Verbum, und folglich nicht unmittelbar das Substantivum bestimmen kann, so ist es nach dem heutigen Sprach- gebrauche ein Fehler, da ein Adverbium zu gebrauche», wo der Verstand ein unmittelbares Bestimmungswort des Substantives erfordert; z. B. er har die Vacken roth, wo roth das Verbum nicht bestimmen kann, sondern unmittelbar auf das Substantiv gehen muß, folglich: er har rorhe Backen. M? Participiis, welche den Nebenbegriff der Zeit haben, findet diese Form zwar zuweilen Statt, er har den Ropf verbunden, ober auch nur selten, und mit reinen Adverbiis niemahls. Im folgenden §. 820 f. wird erhellen, daß di« Adverbia sehr fruchtbar sind, sowohl die Sähe zu verkürzen, als auch zwey Sätze in einen zusammen zu ziehen, und da kann es geschehen, daß sich ein Adverbium unmittelbar auf ein Substantiv zu beziehen scheinet: wenn ich der Thorheit müde sie bereue; 5. Kap. 9. Adverbia. §. 735.736. 457 bereue; allein es wird daselbst zugleich gezeiget werben, daß hier eine wahre Ellipsis ist, indem das Verbum ausgelassen worden. Vollständig müßte «6 heissen, wenn ich der Thorheit müde bin und sie bereue. Bey dieser Verkürzung kann es kommen, daß das Adverbium sowohl auf das Verbum, als auf das Substantiv gezogen werden kann, folglich die Rede dunkel und zweydeutig macht. D<^. dieses ein Fehler ist, so muß man die Dunkelheit durch eine andere Wendung zu heben suchen. Z.B. er beschreibt ihn sehr einfältig; da gehet da« Adverbium der gewöhnlichen Analogie zu Folge auf bas Verbum, und erweckt den Begriff einer sehr einfältigen Beschreibung. Soll es aber auf den beschriebenen Gegenstand gehen, so hebt man diese Zweydeutigkeit durch eine nähere Bestimmung: er beschreibt ihn als sehr einfältig, oder noch bes. ser, als einen sehr einfältigen Menschen. Eben so fehlerhaft sind ungeschickte und wider den Sprachgebrauch streitende Verkürzungen dieser Art: man glaubt ihn treulos, für man glaubt, daß er treulos ist, oder man hält ihn für treulos. §. 756. Ob wir es gleich hier noch nicht mit der Stell« der Folge der Wörter zu thun haben, so taun es doch Adverbien nicht undienlich seyn, hier vorläufig zu bemerken, daß ^ «in Adverbium in dem Sahe allemahl neben dem Worte stehen muß, dessen Begriff es bestimmen soll. Gemeiniglich stehet es vor demselben: es ist ein gar guter Mann, weil gar den Begriff des guc erhöhen soll, folglich nicht, es ist gar ein gucer Mann, ob es gleich sehr häufig ist, weil der Artikel ein von dem Adverbio weder bestimmt werden kann noch soll. Besonders ist die genaue Beobachtung der gehörigen Stelle bey den verneinenden Adverbii« nothwendig, weil es nichts weniger als gleichgültig Ff 5 »st, 458 i. Th. 4. Abschn. Syntax. ist, welcher Begriff verneinet wird. Es ist uns nicht erlaubt, dieses ;u thun, ist etwas anders als, es ist uns erlaubt, dieses nicht ;u thun; ich habe es oft nicht hören wollen, ein anderes als, ich habe es nicht oft hören wollen. Doch können einige BesiiimnungSwörter der Substantive und Pronominum sowohl vorn als hinten stehen, z. B. allein, selbst, voll, genug, viel, wenig u. s. f. So und solch stehen als Adverbia vor dein unbestimmten Artikel, so ein Mann, solch ein Mensch. Wird aber das letztere concresciert, so stehet es unmittelbar vor seinem Substantive, ein solcher Mensch. Absolute 7??' Adverbium gibt entweder für sich uuvrelative allein einen vollständigen Begriff und hcjjzt alsdann Adverbia, absolut, die Blume ist schön, er kommt oft, der Berg ist groß; oder es ist relativ, wenn es sich auf einen andern nachfolgenden Begriff beziehet. Der letztere Fall theilet sich wieder in zwey andere, indem der Begriff des Adverbii zwischen zwey andern Dingen gedacht, oder zwey Dinge vermittelst eines Adverbii mit einander verglichen werden können, oder auch ein Adverbium zu seiner nähern Erklärung und Bestimmung noch anderer Begriffe und Wörter bedarf. Der erste Fall, wenn ein Adverbium absolut stehet, bedarf keiner weitem Erläuterung, wohl aber der zweyte, weil ein Advcr- bium in demselben auf mannigfaltige Art mit andern Wörtern verbunden werden kann. Wird der Begriff eines Adverbii zwischen zwey andern Dingen gedacht, fo wird er ihnen entweder in «inem gleichen oder in einem ungleichen Grade zu- oder abgesprochen. Im ersten Falle geschiehet solches vermittelst der Partikeln so und als: so schön als i.Kap. 9. Adverbia. §.737.738. 459 als eine Rose, er ist nicht so groß als du. Die Ähnlichkeit noch genauer zu bezeichnen,, dienen oft gerade, und besonders eben: er ist gerade so groj? als du; sie sind eben fo gut als ihr. Anstatt des als, w-c und als wie zu gebrauchen, ist nur im gemeinen Leben und den niedrigen Speech- arten üb!ich. Wird der Begriff eines Adverbii einem andern Dinge in einem ungleichen Grade zu - oder abgesprochen, so fmdm wieder zwey Falle Statt, i. Es kann eine Beschaffenheit einem Dinge in einem höhsrn oder geringen! Grade zugeschrieben werden; oder 2. es kann ein Ding in Ansehung seiner Beschaffenheit, oder vermittelst eines Adverbii über alle übrige stin--r Art erhoben werden. Daö erste geschiehet th-ils durch die Umschreibung mit minder, wem- gor und mehr, (S. §. 498.), oder im Falle des hohem Grades durch den Comparativ, (S. §. 487 f.), w''!ch-r denn gleichfalls als nach sich bekommt: es ist süßer als Honig, er ist gelehrter als sie alle. Da eine Verneinung »ach dem als einen Widerspruch init sich führet, so ist sie fehlerhaft: größer als kein zweyschneidigcs Schwert, besser als ein. Das letzte geschiehet vermittelst des Superlatives mit am und auf das, da denn das am oft noch die Präposition unter mit einem Nennworts nach sich ha.-: er lief am geschwindesten unter allen, sie sang auf das beste. Man wiederhol)!? sich hier das, was schon bey der Steigerung der Adverbien hiervon gesagt worden. §. 7"8. Ist der Begriff eines Adverbii nur in so Crklüwus fern unvollständig, als derselbe einer nähern Be-eines Abstimmung bedarf, so finden dabey wiederum ver- «erbn durch schiene Fälle Matt. Oft geschiehet die nähere ^ ' Vestim- 46o i. Th. 4. Abschn. Syntax. Bestimmung vermittelst einer Präposition mit ih« rem Nennworte: gegen alle Menschen höflich. Man merke noch besonders: i. wenn der Besitz oder Mangel durch ein Adverbium ausgedruckt wird, so bekommt der Gegenstand desselben das Vorwort an: reich an Tugend, an liegenden Gründen, arm an Freuden leer an Begriffen. 2. Der Sih einer Beschaffenheit wird mit im oder am bezeichnet: krank am Geiste; imZxopfe verrückt; arm am Geiste; leer am Verstände, welche daher mit arm an Geist, leer an Verstand nicht gleich bedeutend sind. Am stehet nicht für an dem, weil hier kein bestimmter Artikel Statt findet, sondern das m ist ein bloßes Merkmahl des Casus, z. Der Theil des Ganzen, von welchem die Beschaffenheit eigentlich gesagt werden soll, bekommt von, zuweilen auch nach mit dem Genitive: klein von Person, oder der Person nach; ein Vogel schön von Ledern; von Schenkeln leicht, schön von Gestalt, Gell, schwarz von Haaren, blau von Augen, Haged. Mit dem §. ?Z9. Oft muß der Begriff eines Adverbii Infinitiv, durch ein Verbum erkläret werden, welches denn allemahl durch den Infinitiv geschiehet, und zwar entwe- der durch den Infinitiv mit einer Präposition: müde von arbeiten, marc von vielem Gehen; oder durch den Infinitiv mit zu, welcher denn besonders nach solchen AdverbiiS stehet, welche eine Möglichkeit, Leichtigkeit, Schwierigkeit, Nothwendigkeit, Pflicht, ein Verlangen u. s. f. bedeuten: leicht zu bewerkstelligen, schwer zu sagen, möglich zu glauben, begierig zu sehen, hart zu beijsen, bereit zu folgen; da denn der Infinitiv bald thä- M, bald auch passiv erkläret werden muß, nachdem es i. Kap. 9. Adverbia. §.740.741. 46- es der Sinn des Adverbii erfordert. Einige wenige, B. gut, übel, böse, schlecht u. s. f. sind mit' dem bloßen Infinitiv zufrieden: hier ist gut woh- nen, du hast gut sagen, hier ist schlecht gehen, übel wohnen. §.740. Wenn das Umstandswort ohne die Ohne mit Conjunctiv», daß mit einem Verbo finito nach sich dem Iufi- haben sollte, so gehet letzteres, um der Kürze willen, "Uve un» mit Wcglassung der Conjunction gern in den Jnfi- niriv mit zu über: so stirbt er ohne daß ers nüyr, oder, ohne es zu nützen; ich sprach mir ihm, ohne daß ich rvußre, rver er war, oder ohne zu wissen ; kannst du dich einen Engel nennen hören, ohne zu errörhen / für ohne daß du errörherest? ohne mir einen Grund des Abscheues anzugeben, verwirfst du einen würdigen Mann, Weiße. Oft enthält diese Art zu reden eine Bedingung, da sie denn mit wenn —- nicht aufgelöset werden kann: der Freund kann nicht Freund seyn, ohne sich mir mir zur Tugend zu vereinigen; der Elephant kann sich nicht wenden, ohne einen großen Umfang zu nehmen. Indessen läßt sich diese Verkürzung nur anbringen, wenn beyde Sätze einerley Subject ha» ben; ist das Subject verschieden, so muß daß mit dem Verbo finito bleiben: er that es, ohne daß ich das geringste davon wußte; er ging ja fort, ohne daß du ihn daran gehindert härtest; können nicht auf diese Art verändert werden. §. 74,. Wenn derjenige Begriff, wodurch ein Adverb!« Adverbium erkläret werden muß, ein Nennwort ist, mir so wird die Verbindung oft durch den bloßen Cafum b»s. des Nennwortes ausgedruckt, und alsdmn können auch Adverbia Casus regieren. Diejenigen Casus, , welch« 462 Th. 4. Abschn. Syntax. welche auf solche Art mit Adverbien verbunden werden, sind der Genitiv, der Dativ und der Accusativ. Mit dem §. Mit dem Genitive werden verbünden: Genitive. 1. gewisse Umstandswörter, welche, well fi? cils Umstandswörter einen Casum erfordern, zu den Piävo- sitionen gerechnet werden müssen, wohin auch die von Substantiven gebildeten Präpositionen kraft, laut n. s. f. gehören, S. § 504 f. 2. Die Zahlwörter, so fern sie unconcrescicrt und als Adverbia gebraucht werden: es waren ihrer sieben, so viel ihrer sind. S. §. 6zl. z. Verschiedene relative Beschaffenheitswörter, welche zum Theil beständig, zum Theil nur in der höhern Schreibart, zum Theil auch nur in einzelen Fällen, den Genitiv des folgenden Nennwortes verlangen. Die vornehmsten derselben find: Bedürftig: der Hülfe, jemandes Beystandes bedürftig seyn. BestMn, und das wenig mehr gebräuchliche ge? flisten: der Theologie beflissen seyn. Befugt: er ist dessen nicht befugt. Auch mit zu, du bist dazu nicht befugt. Begierig; allenfalls nur noch in der höhern Schreibart, sonst lieber mit nach. Benöthigt, wie bedürftig: des Beystandes anderer benöthigt seyn. Berechtigt; am liebsten mit zu: du bist dazu nicht berechtigt. In der höhern Schreibart noch zuweilen mir dem Genitive. Bewußt: er war sich seiner selbst nicht be- rvußr; ich bin nur keines Vergehens bes wußt. Bloß, jetzt allemahl mit von. Eingedenk: i.Kap. 9. Adverbia. §. 742. 46z Eingedenk: seines Versprechens eingedenk seyn. Erfahren, jetzt lieber mit in, in der Lecht- kunft erfahren. Fähig: einer Sache fähig seyn. Auch mit zu, zu einer Sache fähig seyn. Frey, jetzt am liebsten mit von. Froh, nur zuteilen: feines Gutes, feines Lebens nicht froh werden, es nicht genießen können. Schissen, S. Beflissen. Genug, eigentlich ein Umstandswort, welches noch zuweilen mit dem Genitiv verbunden, noch öfter aber ohne alle Rection dem Substantive bengesüget wird: er har Jammers genug, häusiger Jammer genug. Gewahr: einer Sache gewahr werden; auch mit dem Accusativ?, eine Sache. Gewiß: feiner Sache gewiß feyn. Gewohnt: der Arbeit gewohnt feyn. Kundig: einer Sache kundig feyn. Leer, nur noch zuweilen in der hohem Schreibart, sonst lieber mit von. Los: einer Sache los seyn; sonst auch mit von. Mächtig: seiner selbst nicht mächtig seyn, einer Sprache mächtig seyn. Müde: der Arbeit müde seyn, überdrüssig. In einer andern Bedeutung sagt man von der Arbeit müde. Müßig, in der veralteten Bedeutung, einer Sache müßig gehen. Qm'rt, 464 i. Th. 4.Abschn. Syntax. Quitt, ein im Hochdeutschen veraltetes Work, für los, ledig: einer Sache quitt seyn. Satt, so fern es überdrüssig bedeutet: seine» Lebens, der Arbeit sarr seyn. Schuldig, nur in der Bedeutung, eines Vergehens schuldig seyn, sich keines Verbrechens schuldig wissen. Zn einer andern Bedeutung bekommt unschuldig die Präposition an. Theilhaft, Theilhaftig: sich anderer Sünden theilhaftig machen. Überdrüssig: einer Sache überdrüssig seyn. Verdächtig: eines Vergehens verdächtig seyn; auch mit wegen. Verblichen und Verfahren, nur mit dem Ge. nitive Todes in den veralteten Ausdrücken, Todes verblichen, verfahren seyn. Verlustig: einer Sache verlustig werden. Verständig, nur in der Bedeutung, einer Sa» che verständig seyn, sie verstehen. Voll, in der hohem Schreibart, voll der Güte des Herren. Außer dem ohne Rection, ein Glas voll wein, ein Beutel voll Geld. In einer andern Bedeutung auch mit von. Werth: ein Arbeiter ist seines Lohnes werth; aller Ehre werth. Wird der Werth in Zahlen oder nach Geld bestimmt, so siehet der Accusativ: das Haus ist zehen Thaler werth; keinen Heller werth. Würdig: er ist dieser Ehre, dieses Vorzuges, dieses Amtes nicht würdig. So i. Kap. 9. Adverbia. §. 74z. 465 So auch ihre Gegensätze, unbefugt, unbewußt, uncingedenk, unerfahren, ungewohnt, unfähig, unkundig, unwerrh und unwürdig. Diejenigen aller dieser Adverbien, welche conerescie- ret werden können, behalten den Genitiv auch nach der Concretion, S. §. 627. §. 74z. Von den Umstandswörtern, welche den Mit dem Dativ erfordern, ist bereits bey den Präpositionen Dative, gehandelt worden. Hier haben wir es nur mit den Beschaffenheitswörtern zn thun, welche mit diesem Casu verbunden werden. Der Dativ ist überhaupt der Casus Veö persönlichen Gegenstandes, und dieser Begriff ist auch der herrschende, wenn er nach Be. schaffenheitSwöi'tern gesetzt wird, indem er allemahl nach solchen Wörtern dieser Art siehet, deren Begriff sich durch einen Umweg auf ei» andres Ding ' beziehet, besonders wenn es eine Person ist, oder als Person betrachtet wird: das ist dir heilsam, vor- theilhaft, nochwendig, nützlich. Wird das Ding hingegen nicht als eine Person betrachtet, so wird das Verhältniß durch eine Präposition ausgedruckt: heilsam für die Augen, zu einer Absicht nothwendig, nützlich. Ost wird freylich auch das Verhältniß drs persönlichen Gegenstandes > durch eine Präposition ausgedruckt: gegen jedermann freundlich, dankbar gegen Gocc, mir jemanden verwandt seyn, seltener mit dem bloßen Dativ, einem verwandt seyn. Allein aus allem erhellet, daß die Empfindung des pn'sönlichen, Verhältnisses nicht allemahl gleich klargewesin, u«d daß oft Fälle gekommen, wo man eS durch eine Präposition näher zu bezeichnen nöthig gefunden. Die Beschaffenheirswörter, welche das Verhältniß des persönlichen Gegenstandes durch den bloßen Adel. D.Spr. U.V. Gg Dativ, 466 i.TH. 4.Abschtt. Syntax. Dativ bezeichnet wissen wollen, sind sehr zahlreich- Die vornehmsten sind etwa: abgeneigt, abgün- stig, abhold, ähnlich, ärgerlich, angenehm, angelegen, anständig, bange, bedenklich, befreundet, (häufiger mir,) behülsiich, (die Sache bekommt zu,) bekannt, (die Sache bekommt mit,) beliebig, benachbart, bequem, beschwerlich, bewußt, bitter, deutlich, dienlich, (dieSache bekommt zu,) dienstbar, dunkel, encseylich, erbaulich, erfreulich, ergötzlich, ersprießlich, (die Sache erhält zu,) erträglich, erwünscht, fremd, gefährlich, (auch wie die Sache mit für,) gefällig, gehässig, gehorsam, geläufig, gelegen, gemäß, geneigt, gesund, getreu, gewogen, glaublich, gleich, gleichgültig, gnädig, günstig, gut, (in der R. A. einem gut seyn,) harr, (häusiger gegen,) heilsam, (die Sache bekommt zu,) hinderlich, hold, leicht, lieb, mißfällig, mißgünstig, (häufiger auf) nachrheilig, nahe, (eigentlich ein Umstandswort, welches aber auch als ein Beschaffenheitöwort gebraucht wird,) nöthig, nothwendig, nüylich, (die Sache bekommt bey allen dreyen zu,) rarhsam, recht, rühmlich, schädlich, schmerzlich, schrecklich, schuldig, schwer, theuer, tröstlich, überlegen, übrig, verderblich, verdrießlich, verhaßt, verwandt, (häufiger mir,) vortheilhafc, wahrscheinlich, werth, wichtig, widerspenstig, (lieber gegen,) widerwärtig, zugethan, zuträglich, zweifelhaft. Ingleichen ihre Gegensahe mit un, unähnlich, unangenehm, unanständig, unbekannt, unbequem, undeutlich, unerlaubt und so ferner. Ferner gehören dahin die Participia solcher Ver- l'orum, welche den Dativ regieren, w» der Dativ des i. Kap. 9. Adverbia. §. 744.745. 467 des persönlichen Gegenstandes bleibt: einem ZUges dachr, verbunden, befohlen u. s. f. seyn. §. 744. Gemeiniglich gibt man die Adverbia, und mit welche ein Maß, ein Gewicht, ein Alter lind einen dem Accu- Werth bedeuten, wenn diese Umstände durch Zahl- s'ttive. Wörter bezeichnet werden, als solche an, welche den Accusativ erfordern: es ist zehen Ehlen lang, fünf Pfund scdwer, fünfzig Jahr alt, einen Fuß breir, keinen Thaler roerrh. Altnn hier rühret ver Casus gewiß nicht von dem Beschaffen- heitöworte, sondern von dem Verhältnisse selbst her, und das Adverbium dunct nur den mangeliaften Begriff des Verbi seyn zu ergänzen. DufeS erhellet sehr deutlich, wenn man Statt desselben ein Verbum mit einem vollständigen Prädicate sehet, da denn das Adverbium als unnöthig wegfällt und dcch der Casus bleibt, daher derselbe nicht von diesem herrühren kann. Es ist zehen Pfund schwer, ist eben so viel als, ee rviegcr zehen Pfund; es ist einen Fuß lang, eben so viel als, es erstreckt sich einen Fuß in die Länge; das Zxind ist erst vier lVochen alt, eben so viel als, es lebt erst vier tVochen. Hier ist kein Adverbium und doch der Accusativ, welcher daher von dem Verhältnisse selbst herrühren muß, welches als der leidende Gegenstand des Verbi betrachtet wird. Es gibt also üine Adverbia, welche den Accusativ erfordern. S. §. 732. §. 74?. Zum Beschlusse dieses Abschnitt-'S muß Gebrauch noch etwas von den VcrneinungSwörtern gesagt wer- der Ver. den, weil in Anschling derselben der Gebrauch oft """""2' abweichet. Die rohen Völkern so natürliche Begierde, Nachdruck durch leere Schälle zu erhalten, hat in man- chen Sprachen die Häufung der Verneinung ein- Gg 2 gcsiihret, 468 i.TH. 4-Abschn. Syntax. geführet, und in der Deutschen war sie ehedem/ehr allgemein. Ottfried, Notker und alle ihre Zeitgenossen setzen oft zwey Verneinungen zusammen: nieclit ne, Notker für nicht. Diese Gewohnheit hat sich nicht allein im Oberdeutschen, sondern auch in an» dem gemeinen Mundarten bis auf die neuesten Zeiten erhalten: sie haben kein Glück nicht mehr; wenn der nichts nicht fühlt, Logau; das hat nie kein Mensch gesehen, für nie ein Mensch; wer nimmer nichts versucht, der weiß nicht, was er kann, Logau, für nimmer etwas; wenn der nichts nicht fühlt, johenst. es ist in ihm kein Geist mehr nicht, Opiß; habt ihr nichts eignes nicht? eben ders. Im Hoch- deutschen ist diese Verdoppelung der Verneinung fehlerhaft, außer wenn beyde Verneinungen als zwey verschiedene Sähe angesehen werden können: nein, zu keiner Zeit, oder niemahls will ich ihn wieder sehen; nie, nie, zu keiner Zeit soll es geschehen. Wenn daher ein Verbum bereits eine' Vernei« ming in sich schließt, so darf solche gleichfalls nicht wiederhohlet werden: er läugnece, daß er es ge, than habe; sie verboth, untersagte mir, ihren Nahmen zu nennen. Bey hindern und sich hüten, ist die Verneinung nicht fo deutlich, daher sie wiederhohlet wird, wenn der Nachsatz durch daß ausgedruckt wird: er hinderte mich, daß ich nicht kommen konnte, hüre dich, daß du nicht fallest. Folgt aber der Infinitiv mit zu, so muß sie wegbleiben: das hinderte mich zu kommen; hüre dich zu fallen. Noch verwerflicher ist diejenige Nachahmung des lateinischen, da man nach fürchten den Gegenstand der Furcht, wenn er einen eigenen Sah ausmacht, mit nicht verbindet: ich fürchte r. Kap. io. Präpositionen. §.746. 469 furchte, er werde nicht kommen, ist fehlerhast, wenn es bedeuten soll vereor ne vcnist, aber richtig, wenn es so viel ist, als vereor ut veniat. Indesser» haben sich auch wohl gute Schriftsteller verleiten lassen, der Deutschen Sprache die ihr fremde Lateinische Eigenheit aufzudringen: ich fürcht, Achat, daß meine Schwäche nicht, wenn ich sie sprechen will, aus jeder Sylbe spricht, Schleg. So fehlerhaft nun zwey Verneinungen in einem und eben demselben Sahe sind, ss können sie doch zuweilen in zwey verschiedenen Sätzen stehen, und alsdann eine Art von Bejahung ausmachen: da war keiner, der sich nicht geschämet lMtce, ist so viel, als jedermann schämete sich; es war niemand, der nicht wünschte, ist so viel, als jedermann wünschte. So auch, lich zweifele nichts daß er es nicht sollte gehöret haben, be. jahet schwächer, als, daß er es sollte gehöret ha- ben; das hindert nicht, daß nicht jeder sollte glauben können, was er will. . X. Gebrauch der Präpositionen. §. 746. Das meiste von ihrem Gebrauche ist be- Wiederhch reitö im zweyten Abschnitte H. 499 f. gesagt worden, lung der daher hier nur noch einige allgemeine Anmerkungen Präposi- beygebracht werden dürfen. Wenn mehrere Substantive durch eine lind eben dieselbe Präposition bestimmt werden sollcn, und diese Substantive sind entweder gar nicht oder nur durch und und oder verbunden, so darf die Präposition nur einmahl stehen: durch List, Betrug und Verrath; obgleich der Nachdruck die Wieder- Höhlung erfordern kann: durch List, durch betrug und durch Verrath; man nahm durch Gg z Schmei, 470 i.TH. 4.Abschn. Syntax Schmeichele^, durch List und durch Gewalt, der Hlurcer ihren Sohn, Weiße. Sind aber die Substantive durch weder, entweder, theils oder andere Partikeln verbunden, so ist die Wiederholung nothwendig: entweder durch List oder durch Gewa'r; weder mir Güte noch mit Lernst; theils mit Geld, theils mit Waare bezahlen. BesUm- §- 747. Eben so oft kann auch ein und eben das- nmnq eines selbe Wort durch zwey Präpositionen bestimmet wer» Wortes den. Erfordern beyde einerley Casum, so kann das durch meb- Substantiv einmahl verschwiegen werden: Herr Mtwml. und zu Adlerstein; kraft und laut des Vcfcchls. Regieren sie aber verschiedene Casus, so sollte das Substantiv nicht verschwiegen werden: er kam von und an den VerF, besser von dem Verge und an denselben; obgleich solches im ge« meinen leben häusig geschiehet, und in dem Falle such geschehen kann, wenn der Casus an dem Substantive nicht bezeichnet werden kann oder darf: mit und durch Geld, wo man ohnehin nicht sagt, mit Gelde, fondei n mit Geld. Von den Fällen, w» der Casns nach einer Präposition unbezeichnet bleibt, S. §. 597. Zwey unmittelbar auf einander folgende Präpositionen , welche zu verschiedenen Nennwörtern gehören, verursachen Dunkelheit und Härte: durch mit Geld bestochene Stimmen; wo der Härte leicht durch den Artikel abgeholfen werden kann: durch die mit Geld bestochene Stimmen. Die Ursache des Mißklcmges ist leicht zu finden. Wenn Adverbia neben einander gesehet werden, so bestimmet immer das vordere das hinters, bey an,. ^ ran, von unten an. Allein hier sollen die beyden Präpositionen nicht einander, sondern zwey Nennwörter be- bestimmen, !.Kap. lO. Präpositionen. §.748.749. 4?r stimmen, daher jedes sein Nennwort, oder wenig« stenS einen Begleiter desselben, wie in dem gegen« wattigen Falle den Artikel, neben sich haben muß. §. 748. Präpositionen bestimmen allemahl ein PrZpositio, Nennwort. Wenn nun Adverbia, welche als Prä- neu bey zu Positionen gebraucht werden, mit Verbis zusammen sammcngc gesetzt werden, so bestimmen sie zunächst das Ver- Atzten kcr bum,, hören also auf Präpositionen zu seyn, und werden wieder Umstandswörter. Erfordert also der Verstand eine Präposition, so muß sie wiederhohlet, und nicht unter dem Verwände verschwiegen werden, daß sie bereits in dem Verbo stecke, weil sie dort nicht als Präposition, sondern als bloßes Umstandswort stehet; folglich nicht, Deutschland gränzt Frankreich an, sondern gränzt an Frankreich an; nicht, was für Bilder gehen meine Seele vorbey, welches einen falschen Verstand gewähren würde, sondern gehen vor meiner Seele vorbey. Wenn es scheinet, daß die Partikel in der Zusammensetzung dennoch einen Casum regiere, z. B. den ganzen vvald durchlaufen, so rühret der Accu« sativ nicht von dem durch her, sondern weil das Nennwort als der leidende Gegenstand des durch die Partikel bestimmten Verbi laufen betrachtet wird. §. 749. Da es mehrere Präpositionen gibt, wel- Vielfache che einen und eben denselben Umstand zu bezeichnen Bezeich- scheinen, so muß der Gebrauch derselben in einzelen nung d-« Fällen bloß aus der Übung erlernet werden; denn ' durch Regeln läßt sich derselbe nicht bestimmen. Zu einem Beyspiele mag der Umstand des Ortes, «der vielmehr der Richtung der Bewegung dienen , welcher mit verschiedenen Präpositionen ausge» druck! werden kann: >. Mi! 472 i.TH. 4.Abschn. Syntax. l. Mit nach, den terininum sä c^uem zu bezeichnen: (i) Vor den eigenthümlichen Orts-und jä'ndernahmen: nach Leipzig, Berlin, Hamburg, Frankreich reisen; nach England segeln; nach Holland, Paris, Rom schreiben; Maaren nach Rußland schicken; ich gehe morgen nach Hamburg ab. Ehedem war daftu gen üblich, welches nur noch vor dem Worte Himmel gebraucht wird: gen Himmel fahren, sehen, gerichtet seyn. In den gemeinen SpreciMtm gebraucht man vor Ortesnahmen oft auf: auf Hamburg reisen, Maaren aufAm- sierdam schicken. Jngleichen noch in Wechsel- geschasten: auf Hamburg Jassiren; einen Mechftl auf Mien ziehen. (2) Vor den ap- pellc.tive» Wörtern Hos und Haus, wenn sie ohne Artikel gebraucht werden: nach Hofe gehen, fahren, reisen, schreiben; nach Hause eilen, gehen, schicken, kommen. (?) Vor verschiedenen andern Kattungswörtern, welche aber alsdann den besn'mnnen Arrikel haben müssen: nach der Stadt gehen, reisen, fahren, eilen' der Meg gehet nach dcmMalde, nach dem Flusse. Besonders >ve»n bloß die Gegmd bezeichnet werden soll: derMind drehet Ich nach Niesten; sich auf der Reise nach Morgen wenden; den Mantel nach dem Minbe hängen. Zuweilen mit Bey- fügnng des zu: der Meg gehet nach dem Mal- de zu. Oder der Gegenstand der Richtung: nach jemanden hauen, schlagen; nach etwas greif- fcn; sich nach jemanden umsehen. Auch mit Bemerkung der Absicht: nach Mein gehen; nach der Mache, nach einem Arzte schicken. Ehedem bezeichnete man die Himmelsgegend mit gsn: der Mittd drehet sich gen Morgen. 2. Mit i. Kap. iO. Präpositionen. §. 749. 47z 2. Mit auf. (1) Die Richtung der Bewe« gung nach einem höher gelegenen Orte zu bezeichnen: auf den Berg steigen; auf das Schloß gehen ; auf den 2?aum klettern; auf den Gipfel gelangen. (2) Vor manchen andern Substantiven, vermuthlich so fern man die dadurch bezeichneten Örter ehedem als höher gelegen betrachten konnte: auf das Rachhaus, auf die Mache, auf die Dorfe, auf die Post gehen; auf die Universität ziehen; auf das Land, auf das Dorf, auf das Feld gehen; auf die tVelr kommen. Wenn nicht vielmehr diese- Präposition ehedem eine jede Richtung der Bewegung, ohne Rücksicht auf die Höhe und Tieft bezeichnet hat, daher sie (z) noch vor manchen andern Substantiven gebraucht wird, bey welchen der Begriff der Höhe wohl nicht leicht Statt gefunden haben kann; auf die Gasse laufen; das Fenster gehet-auf die Gasse; auf die Reitbahn, auf die Hochzeit, auf den Vall gehen; auf die Messe, auf den Jahrmarkt reifen. z. Mit an, doch nur so fern die Bewegung, als horizontal nach der äußern Fläche eines Dinges gerichtet, bezeichnet werden soll: an feine Arbeit gehen; sich an einen (!)rt begehen; an den Galgen führen; an den Hof gehen; etwas an den Hof melden, berichten, schicken; an das Ufer fahren; einen Bothen an jemand schicken; an einen Freund schreiben. 4. Mit M, eigentlich und zunächst, wenn die Bewegung nach dem Innern einer Sache gerichtet ist: in die Scadt kommen, gehen, reifen; N)asscr in den Vrunnen tragen; in den IlVald, in den Garren, in die Zxirchs, in die Schule, in das Feld gehen; in das Gg 5 Haus 474 r. Th. 4.Abschn. Syntax Haus brechen; in die Tasche stecken; in de» N?eg treten. 5. Mit zu. (l) In vielen einzelen Fällen, wenn das Substantiv unbestimmt, folglich ohne be- stimmten Artikel gebraucht wird, und bloß die Art oder Materie bezeichnet werden soll, da denn die Präposition daö Casus-Zeichen oft bekommt, oft aber ouch nicht bekommt: zu Hause gehen, kommen, dringen; zur Hochzeit, zum Tanze, zu weine, zu Felde gehen; zu Boden fallen; zu Dorfe, zu Grunde, zu Bette, zu Markte, zu Stuhle, zu Tische, zu Schiffe gehen. (2) Vor Personen und Personen-Nahmen: zu jemanden gehen; zu einem Freunde fahren; zum Do- ctor, zum Richter gehen. Auf eben so verschiedene Art wird auch dee Stand der Ruhe ausgedruckt, wobei/ ich mich aber hier nicht aufhalten will, zumahl da auch hier das meiste auf den Gebrauch ankommt; denn fo fthr auch jede Präposition ihre eigenthümliche Bedeutung hat> so schwankend ist doch die Anwendung derselben in einzelen Fällen, vermuthlich weil jene nur dunkel empfunden werden konnte. Nnmerkmtg §. 750. Wenn in die Präposition ist, so bleibe se» i». sie unverändert, sie mag den Stand der Ruhe, oder den Stand der Bewegung bezeichnen, oder mit andern Worten, sie mag den Dativ oder den Accusativ erfordern^ in der Stadt seyn, und in die Stadt gehen. Allein wenn es ein bloßes Adverbium oder Umstandswort ist, so lautet es ein, wenn es den Stand der Bewegung bezeichnet, folglich als Prä« Position den Accusativ erfordert, und in, wenn es den Stand der Ruhe ausdruckt. Daher sagt man richtig tVald ein, Verg ein gehen. Am merklichsten ist dieser Unterschied in Zusammensetzungen: gehe i. Kap. io. Präpositionen. §.750. 475 gehe hinein; thue es darein, aber, es ist darin; komm herein; lege es hierein, aber, es ist hierin, hierin bestehet es. So auch mit Verbiö, einstecken, eintreiben, einärnren, einjagen; aber, inhaben, instehend, inliegen. Daher sind Einhalt und Inhalt, Einlage und Inlage niche gleich bedeutend. Für Eingeweide und einheis misch, sollte man dieser Analogie nach billig Ingeweide und inheimisch sagen; allein jene sind im Hochdeutschen schon so allgemein, daß man sie als Ausnahmen ansehen kann. Da aber Einwohner und einländisch den allgemeinen Gebrauch nicht so bestimmt für sich haben, so sagt man dafür richtiger Inwohner und inländisch, weil hier in der That «in Stand der Ruhe bezeichnet wird. Wenn in als ein Adverbium in Zusammen« ßßungen von dem Stande der Ruhe gebraucht wird, so ist es im Hochdeutschen, noch mehr aber in den gemeinen Sprecharten sehr gewöhnlich, e6 zu verlängern, und für darin, worin, hierin, entweder darinnen, worinnen, hierinnen, oder darinne, worinne, hierinne, oder auch nur darinn, wor- im», hierinn, zu schreiben und zu sprechen. Alle drey Formen sind fehlerhaft; die beyden ersten, weil hier die abgeleiteten Adverbia inne und innen, (inne halten, inne behalten, inne werden, von innen und außen, S. mein Wörterbuch,) mit der Präposition in verwechselt werden, welche mit da> hier und wo zu einen^ rela/wen Umstandsworts zusammen gezogen worden; die letzte aber, weil sie Wirkung ohne Ursache ist, indem die Verdoppelung des n von der Verlängerung beS Wortes durch di« Ableitung herrühret, hier aber kein abgeleitetes Wort, sondern die reine Präposition in Statt findet- Siehe davon auch §. 475. XI. Ge- 476 i. Th. 4. Abschn. Syntax Xl. Gebrauch der Conjunctionen. Gesuch §- 75^ ^l'e Conjunctionen sind Umstandswörter, derselben welche sowohl einzele Begriffe, als ganze Sähe ver- Lberhiuixt. binden, v. i. ihr Verhältniß gegen einander bezeichnen. Die verschiedenen Classen derselben sind bereits §. 544 angezeiget worden, daher hier nur theils einige allgemeine Amerkungen beygebracht, theils die Bedeutungen einer jeden insbesondere bemerket wer« den dürfen. Wenn die copulativen und disjunctiven Conjun- ctionm einerley Nennwörter verbinden sollen, so müssen diese in einerley Ccisu stehen, Zahl und Geschlecht aber können verschieden seyn, oder mit andern Worten, es können nur Nennwörter, welche in einerlei) Verhältnisse gegen das Verbum stehen, durch Conjunctionen geseht oder ausgeschlossen werden: das widerfuhr uns und ihn?; sowohl der Äönig als seine Unterthanen; weder die Ein, heimischen noch die Fremden. Sollm mehrere Verba in einem und eben demselben Satze durch eine Conjunctiv» verbunden werden, so müs-en sie wenigstens in einerley Modo stehen, die übrigen Verhältnisse können verschieden seyn: was wir fürchteten uiid Hoffeten; was ich befürchte und noch lange befürchten werde ; was weder du glaubest, noch ich für wahr halte. IßreSttlle § 752. In Ansehung der Stelle sind die Ccm- i« der juncrionen sehr verschieden. Einige stehen jederzeit vicde. ^ ihrem Sahe oder Worte, wie daß, denn, wenn es eausal ist, und, oder, weil und wenn; andere / allemahl hinter einem oder mehrern Worten, wie das concessive auch, und denn, außer wenn es cau- sal ist; andere aber können in einerley Bedeutung sowohl i. Kap. ii. Conjunctionen. §. 752.75z. 477 / sowohl zu Anfange, als auch nach einem oder mehrern Worten stehen, wie aber, auch, doch, entweder, zwar u. s. f. Siehe das folgende Ver- zsichniß der Conjunctionen, wo bey einer jeden die Stelle besonders angemerket wird. Daß die Conjnnctionen eigentlich keinen Mo. dnm des Verbi regieren, fondern daß derselbe bloß von dem gewissen oder ungewissen Zustande der Rede abhängt, ist bereits im vorigen §. 6L2 bemerket worden. Man würde in allen Sprachen besser thun, Anfängern den Gebrauch des Conjunctives auf diese Art begrifflich zu machen, als ihn von den Conjnnctionen abhängen zu lassen, weil man doch bey jeder Conjnnction wieder darauf zurück kommen muß. Ich sehe, daß er kommt, und, ich wünsche, daß er käme, wenn er kommt, und, wenn er kommen sollte, lassen sich aus der Conjunctiv» nicht erklären, sondern müssen, so wie alle übrige «hnliche Fälle, aus dem ganzen Zustande der Rebe hergeleitet werden. §. 75z. Viele Conjunctionen beziehen sich auf Conjunclio« kmander, d. i. es gibt Verhältnisse zwischen einzelen welche Begriffen und ganzen Sähen, welche nicht anders ^' ""^"1- als vermittelst mehrerer zusammen gehöriger Con- ^"^i^ junctionen bezeichnet werden können. Eö ist nothwendig, daß man sich diese bekannt mache, damit man nicht Conjunctionen verbinde, welche der Sprachgebrauch in dieser Verbindung nicht hergebracht hat. Die vornehmsten, welche sich auf einander beziehen, sind: entweder-oder; weder-noch; weil, oder da — so; wenn — so; wie, gleich- wie—so, also; so —so; je—desto; je—je; zwar— aber, allein, doch, jedoch, gleichwohl, hingegen, nichts desto weniger; nicht — sondern; 478 r.TH. 4-Abschn. Syntax. Hern; nicht allein, nicht nur —sondern auch; obgleich, obschon, obwohl, wenn gleich, wenn schon, wenn auch, rvie rvohl — so, so doch, so nichts desto weniger; so wohl— als, als auch. Ein mehreres wird im folgenden bey jeder Conjunction selbst vorkommen. MMbeti- 754. Da auf den richtigen Gebrauch der Par- sckes Ver- tikeln, sowohl in Ansehung ihrer Bedeutung, als z^ichniß der ^eh der Verbindung mit der ganzen Rede fehr vie- ttionen° ankommt, so ist ein Verzeichniß der vornehmsten Conjunctionen in einer Sprachlehre desto nothwendiger, je weniger sich dabey durch allgemeine Regeln bestimmen läßt. Die vornehmsten Deutschen Conjunctionen sind demnach folgende. Aber ist I. Copulativ, einen unerwarteten Umstand, einen Einwurf mit dem vorigen, zu verbinden, zu Anfange des SaHeö, aber in Beziehung auf etwas vorher gegangenes: in melancholischen Gängen von Laub will ich irren. — Ader Himmel, was entdeckt »nein Auge am User im Sande? Gesn. 2. Adversativ, im Nachsähe: die schöne Morgenröche hatte ihm sonst oft Lieder abgelockt; aber jerzc sang er nicht. Besonders zur Einschränkung: ich.suchte ihn, aber er war nicht da; ingleichen zur Compenfa- tion: ihre Schönheit blendet zwar nicht, aber sie gehet an das Herz; zur Ankündigung einer Bedingung, oder Ermahnung: morgen erwarte ich sie, aber daß sie mir den Daphnis nichc vergessen. Zur Begleitung eines EinwurfeS: die V^arur ist hier schön; wird sie es aber auch für mich seyn? Die Stelle dieser Conjun- ction hängt von dem Nachdrucke ab; liegt dieser auf Ser Conjunction.. so stehet sie voran, ich warrere, aber 5. Kap. n. Conjlinctlonen. §. 754. 479 «der er kam nicht; liegt sie aber auf einem andern Redetheile, so siehet sie demselben nach: er aber kam nicht. Wenn wenn ausgelassen ist, so stehet sie gern nach einigen Worten: kommt er aber nicht, so u. s. f. Allein, adversativ, sowohl im Vordersatze als Nachsatze, allemahl aber zu Anfangs: er wollte gern, allein er konnte nicht; er ist ein rechtschaffener Mann; allein, was hilft ihm das? Beyde zu verbinden, aber allein, ist wider den Sprachgebrauch. Als, welches allemahl vor seinem Worte oder Satze stehet, ist i. comparativ: so roth, als eine Rose; süßer, als Honig; so viel, als genug ist. Wo es nach dem so, wenn beyde eine Steigerung machen, oder der Maßstab der Vergleichung ein Verbum ist, auch wegbleiben kann: so viel genug ist; so geiyig er auch ist. Ihm noch das wie anzuhangen, ist ein fehlerhafter Überfluß: süßer, als wie Honig. Noch fehlerhafter ist e6, die bejahende Begleichung verneinungsweise auszudrucken : schärfer, als kein zweyschneidig Schwert. In Gleichnissen hat es oft gerade, eben und gleich vor sich: gleich, als wenn er schon überwunden hätte. 2. Exvlanativ: er hält sich, als ein rechtschaffener Mann. Wo es nicht weggelassen werden darf, S. §. 7^8- Z. Restriktiv: der Röntg, als Churfürst; ich habe sonst keine Vorzüge, als meine Unschuld. 4. Consecutiv: «ls dieses geschehen war; ich dachte eben zu verreifen, als ich deinen Brief erhielt. 5. Causa! , doch nur mit daß, im Nachsatze wenn zu vorher gehet: ich bin zu sehr gerührt, als daß ich viel reden könnte. 6. Circumscriptiv, für daß, doch 480 i.TH. 4« Abschn. Syntax. doch mir mit wenn und ob: er will das Anses hen haben, als wenn er es recht gut meinre. Auch wohl mit Weglassung beyder: der Derdachr, als meine er es nicht redlich. 7. Copulativ, doch nur mit auch; im Nachsatze, wenn sowohl vorher gcht: sowohl dieser, als auch jener; wo auch wegfallen kann, sowohl Tugend, als Der- stand. 8. Zur Anführung eines Beyspieles oder der Theile eines Ganzen: die Wörter auf all sind männlichen Geschlechtes, als Vall, Lall u. s. f. 9. Vor den Rs.'arivis ist es überflüssig: unser Freund, als welcher bereits angekommen ist; was sich an den Gränzen zuträgt, als wohin er schon gcreisec ist. Als». 1. Comparativ, doch nur zuweilen in der feyerlichen Rede für das kürzere so: ich will es also haben; besonders am Ende derRrde, um sie nicht mit einem einsilbigen Worte z» schließen: sprach dein Herz also^ 2. Causal, oder vielmehr illativ, eine Schlußsolge zu begleiten, sowohl zu Anfange des Satzes, als nach einigen Worten: er erbt alles, also auch das Rittergut; also bleibt es dabey; es bleibt also dabey; die vielen Geschäfte nöthigten mich also. z. Con- tinuativ, doch nur im gemeinen leben, die Rede fortzusetzen. Auch. 1. Copulativ, mit dem Nevenbegriffe der Vermehrung oder Steigerung: der Reichthum, die A-Hre, auch das Vergnügen stnd eitel; auch dieses will ich noch entschuldigen; wenn wir ja sagen, so sagt er auch ja; wo es 11m des Nachdruckes willen auck voran steht, so sagt auch er ja; er ist auch ein solcher, ein solcher ist er auch, auch er ist ein solcher; besonders i.Kap. ii. Conjunctionen. §.754. 48t ders mit aber lind wie: ein redlicher, wie auch gelehrter Mann; ein gelehrter aber auch gefährlicher Main,. Und mit sondern und als im Nachsätze, wenn im ersten Falle nicht allein oder nicht nur, im lchtern aber sowohl vorher geht: er hat nicht allein sein Geld, sondern auch seine i^hre verloren; sowvhi dieses als auch jenes. 2. Conc.ssiv, nach einigen Worten: es geschehe auch, wenn es wolle; wer er auch ist. Auf daß, causiil, eine Endursache zu bczeich. ncn mit dem Conjunctiv, weil diese noch ungewiß ist, nur noch zuweilen in der höhern und feierlichen Schreibart, für damit: auf baß es mir künftig nicht an Mitteln fehle. Ausgenommen, eigentlich ein Participium, tvclchis aber doch oft die Gestalt einer Conjunctiv», annimmt. Es ist erceptiv, und wird am liebsten mit dem Accusativ eines Nennwortes verbunden: keinen ausgenommen. In andern Fällen gebraucht man lieber das folgende: ich bin überall gern, ausgenommen, wo man mich nicht gern stehet, besser außer, oder nur da nicht; er schenkte einem jeden etwas, ausgenommen mir nicht, besser außer, oder nur mir nicht. Älißcr, erceptiv, für ausgenommen: ich habe niemanden außer ihn gesehen; wir gehen alle. Tage sparzieren, außer wenn es regnet. Da: I. Consecnttv, im Vordersatze für als: da ich ihn sahe, bewegte sich mein ^-erz vor Lreude. Da denn im Nachsatze oft noch ein zweytes da ftlgt: da die Sonne aufging, da ging L.orh in Zoar ein, besonders wenn der Vordersatz Advl.T. Spr.U.0. Hh ein 482 i. Th. 4. Abschn. Syntax. ein wenig lang ist. 2. Causal mit dem so im Nachsahe : da weder Stolz noch Lkhrgeiy dich dazu bewegen, so ist deine Absicht tugendhaft, z. Adversativ, sowohl im Vordersahe: da einer genug wäre, kommen ihrer acht. Als auch im Nacksahe mit doch: du lachst, da du doch Thränen vergießen solltest. Nur nicht mit schon: da ich schon nichts begangen habe, besser, da ich doch. 4. Conditional, und mit dem Conjunctiv, doch selten mehr in der edlen Schreibart, für wenn: da er ja sterben sollte; da es ja so seyn müßte; besser wenn. Dagegen, adversativ, allemahl zu Ansänge: er ist dein Feind, dagegen bin ich dein Freund. Im Hochdeutschen ist dafür hingegen häufiger. Daher, illativ, sowohl zu Anfange, als nach einigen Worten: er war abwesend, daher entstand denn der Verdacht; es ist nichts an der Sache, ängstige dich daher nicht. Dahero, dannenhcr und dannenhero sind müssige Oberdeutsche Verlängerungen. Der Ton ruhet am häufigsten auf der letzten Sylbe, außer wenn der Nachdruck ibn zuweilen auf die erste legt. Damit, causal, eine Endursache zu bezeichnen, mit dem Indicativ, wenn sie bestimmt und gewiß, und mit dem Conjunctiv, wenn sie ungewiß oder bloß möglich ist: ich melde dir solches, damit du dich darnach zu richten wissest; ich warnte dich, damit du dich in Acht nehmen mochtest; thue es nur, damit er nicht zu sehr bestraft wird, besser werde. Dann, welches mit denn nicht zu verwechseln. 1. Continuativ, nur noch im Kanzelley-Style. 2. Consecutiv: wir müssen erst lernen und dann reden. i.Kap. ii. Conjunctiollen. §»754. 48z reden, z. Conditional, nach wenn: wenn ich dich sehe, dann will ich es dir geben; inglei- chsn mit der Versehung, dann, wenn ich dich sehe, will ich es dir geben. Darum, mit dem Tone auf der erstm Sylbe, causal, sowohl im Vordersahs, da denn im Nachsahe weil folgt, ich konnte darum, oder darum konnte ich nichts sagen, weil ick nichts wußte. Als auch im Nachsatze, die Brücke war abgerissen, darum konnten wir nichr hinüber. Nur nicht wenn weil den Vordersatz ansängt: weil die Vrücke abgeriAm rvar, darum u. s. f. wo so stehen muß. Darum daß für weil ist veraltet. Daß, ist 1. Circumscriptiv, wenn es bloß den leidenden Gegenstand des vorher gegangenen Verbi durch einen Umweg, »der vermittelst eines andern Verbi bezeichnet, wofür der Lateiner gemeiniglich den Accusativ mit einein Infinitive gebraucht: ich sehe, daß er kommt; ich weiß, daß es nicht reche ist; das Gesey bestehet darin, daß man Gocc liebe. Auch mit der Inversiondaß es nicht recht ist, habe ich lange gewußt. Inglcichen einen Umstand zu beschreiben und zu erläutern: er that es, ohne daß er es wußte, oder auch, ohne es zu wissen; indessen, daß ich aus ihn warre; es sind nun zehn Jahr, daß ich hier bin; 0, daß du den Fimmel zcrrijsest! Nach Art der Lateiner mit Wegiassung des daß den In- sinitiv zu setzen, ist außer den bey dem Verb» bereits angezeigten Fallen undeutsch: wir glauben nicht möglich zu se^n. Indessen kann daß auch wegg la^n werden, in welchem Falls aber auch die Folge der Wörter geändert werden muß: ich höre, er wird kommen; er hat mir sagen lassen, Hh 2 daß 484 i. Th. 4.Abschn. Syntax. daß er nicht habe kommen können, oder ep habe nicht kommen können. Wenn der Gegenstand noch ungewiß ist, so stehet der Conjunctiv, ich rathe dir, daß dn es nicht thuest; ich dach ihn, daß er es thun möchte; ich wünsche, daß du zu ihm gehest; sollte man es ihn» wohl ansehen, daß er zornig seyn könnte? Dieser Conjunctiv siehet auch bey Anführung seiner und fremder Worte, so fern man sie relativ anziehet, und folglich ihre Wahrheit unentschieden lasset: ich antwortete, sagte, bewies u. s. f. daß dieses nicht Statt haben könne, (S. §. 684.). 2. Caufal, sowohl, a) wenn der Nachsatz zugleich die Ursache, den Grund des vorigen enthält, mit dem Indicativ: ich freue mich, daß du gesund bist. Ingleichen, wenn er die Wirkung enthalt: ich ha- be es nicht verschulder, daß man so mir mir umgehet; mache es so, daß man dich loben kann; wo auch der Conjunctiv stehen kann, wenn die Wirkung noch ungewiß ist, daß man dich loben könne. Die Verneinung kann mit als um- schrieben werden: es war zu schwer, als daß ich es heben konnte. Als auch b) eine Endur. fache, mit dem Conjunctiv für damit, und das veraltete auf daß: komm her, daß ich dich betrachte ; zeige mir es, daß ich sehe, ob es richtig ist. Conditional, eine Bedingung zu begleiten, gleichfalls mit dem Conjunctiv: mit der Bedingung, daß er komme; aber auch mit dem Indicativ, ich will es thun, nur daß ich mich nicht zu lange aushalten darf. Demnach, illaciv, zu Anfange des SaßeS, aber noch besser, nach einigen Worten: es gibt demnach L.euce, welche u. f. f. wie glücklich muß demnach ein Tugendhafter feyn! E« caufal, i.Kap. n. Conjunctiven. §.754. 485 causal, zu Anfange einer Periode für weil zu gebrauchen, demnach dieselben mein Gutachten verlangt, als habe u. s. f. ist nur noch in den Kanzelleyen üblich. Denn. 1. Causal, die Ursache des vorher gegangenen PwdicateS zu bezeichnen, zu Anfange des Satzes und mit dem Indicativ: er ist immer vergnügt, denn er ist mir allem zufrieden; erinnere dich deiner Ahnen, denn sie sind Beyspiele für dich. Wo die Ursache auch versteckt seyn kann: lebt er noch? denn in meiner Einsamkeit höre ich nichts von ihm; wohlan, vernichte denn durch deinen Unverstand, die Sorgfalt, die ich angewandt, Gell. Besonders in Fragen: hat denn ein süßer Herr Dcrstand? 2. Illa- tiv, einen versteckten Schluß zu bezeichnen, mit so: so mag es denn gut seyn; so bleibt es denn dabey, z. Conditional, mit dem Conjunctiv, und nach einigen Worten: ich siihe denn nicht recht; es sey denn, daß er es läugne; du sollst nicht sterben, du habest denn den Herren gesehen. 4. Comparativ, nur nach Comparativen für als: ehe denn ich sterbe; wer ist reicher denn er. 5. Nestricriv, auch für als: nichts denn Gold; dieß hat kein anderer gethan, denn du. 6. Wenn es consccutiv seyn, und eine Zeitfolge bezeichnen soll, so ist dafür dann üblich: erst wollen wir esien, dann spayiercn gehen. S. Dann. Dennoch, adversativ und concessiv: es sind Mährchen, und dennoch glaubst du es; sie reden sehr hitzig, dennoch werde ich nicht aus meiner Fassung kommen. Gehet ein anderes Bindewort vorher, so stehet es nach einigen Worten: er zürner zwar, aber er wird sich Hh z dennoch 486 i. Th. 4. Abschn. Syntax. dennoch befriedigen lassen; ob man ihm solches gleich verboch, so that er es dennoch. Derhalben und deßhalb oder deshalb, aber nicht derohalben ober defsenhalben, illativ lind causa!, beyde nur selten für daher: euer Gehorsam ist unter jedermann ausgekommen, der- Hai den freue ich nnch über euch, Rom. -5. Wenn deshalb t'n beuchendes Adverbium ist, eben deshalb Lsmme ich zu dir^ so gehörst es nicht hierher. Desto. 1. Intensiv, eine Steigerung nach Maßgebung des vorher gehenden SaheS, vor Comparativen: ich habe es nicht gewußt, daß sie zugegen waren, desto aufrichtiger ist mein Bekenntniß: gib cs her, damit ich es desto besser betrachten könne. Um noch hinzu zu setzen, ist muwchig und fehlerhaft: dieses ist um desto gewisser; daß ist nur um desto lieber» 2. Proportional, ein gleiches Steigen und Fallen zweyer Sätze zu bezeichnen, im Nachsahe, und in Beziehung ans je: je größer unsere Freuden sil:d, desto mehr empfinden wir ihre Vergänglichkeit. Haben beyde Sätze ein gemeinschaftliches Verbum, so stehet je siir desto: es wird jö Zänger je schlimmer, auch wohl außerdem in kurze!? Sätzen: je höher du bist, je mehr demüthige dich. Ein doppeltes desto ist sprachwidrig: desto (je) größere Noch, desto nähere Hülfe. ^ Eben sv fehlerhaft ist die Umschreibung des desto durch um so viel: je mehr Güte er mir erwiesen hat, um so viel mehr.Erkenntlichkeit hege ich gegen ihn. Dieweil. 1. Causa!, für weil, nur noch im Oberdeutschen, und in andeni gemeinen Munde-rtcn, wo r. Kap. ü. Conjunctionen. §.734. 487 wo auch noch alldieweil vorkommt: dieweil er ein göttlich Leben führere. 2. Adversativ) auch nur noch im Oberdeutschen: wie könnt ihr Gutes reden, dieweil ihr döse seyd:' Match. 12; besser, da ihr doch. Doch. i'. Adversativ, im Nachsähe, wie aber und jedoch, und zu Anfange: er hatte verspro- chcn zu kommen, doch er kam nicht; er spricht schlecht, doch schreibt er gut; du hättest alles erhalten, wo nicht mit Gewalt, doch mir Güre ; ich erlaube dir viel, doch nicht zu viel. Auch einen Einwurf zu begleiten: die Natur ist hier schön, doch wird sie es auch für mich seyn ^ 2. Conccssiv, wie dennoch : ob er mich gleich sahe, so rcdcre er- mich doch nicht an; zanken sie immer, ich weiß doch, daß sie mich lieb haben, z. Con- ditional: morgen erwarte ich dich, doch dasi du ihn mitbringest; ich will es dir sagen, doch mußt du nur versprechen u. s. f. 4. Illa- tiv, doch nur eine versteckte Schlußfolge zu bezeichnen : auf diese Art weiß man doch, woran man ist; ich will doch zu ihm gehen. Auch mit Imperativen und Fragen: wirf mir doch das nicht vor! es ist doch nichts böses ^ Ehe, besser eher, consecutiv, im Vordersatze: sie wollte eher sterben, als sündigen. Ingleichen mit Verdoppelung des ehe und eher: eheste sich in ihrer Andacht stören läßt,, eher läßt sie Herrn Simon wieder fort reisen, Gell. Entweder, allemahl im Vordersatze, mit oder im Nachsäße, i. Disjunctiv: entweder mit Gewalt oder mit Äst; entweder auf diese oder auf jene Arr. z. Partitiv: alle lebendige Ge- Hh 4 schöpfe 488 !. Th. 4.Abschn. Syntax schöpfe sind entweder Menschen oder Thiere. Wenn mehr als zwey Glieder vorkommen, wird oder mehrmahls wiederholet und dem letzten ein oder auch, oder und endlich zugesellet: die Thiere sind entweder vicrfußige Thiere, oder Dö- gel, oder Fische, oder Schlangen, oder In- secren, oder auch N)ürmer. - Falls, conditional, nur im gemeinen jeden für im Lalle oder wenn: falls ich ihn nicht sehen sollte. Ferner, cominuativ, zu Anfange der Rede oder auch nach einigen Worlen: ferner ist zu wissen; es folgt ferner daraus. Folglich, illativ: du bist ein Menfch, folg- lich hist du auch sterblich; es ist eine Schwachheit, welche einiger Maßen nothwendig, folglich leicht zu entschuldigen ist. Die dafür üblichen folgfam, folgbar, cinfolg- lich, vcrfolglich, allfolgiich sind theils niedrig, theils Oberdeutsch. . Gleich, i. Conccsslv, doch nur mit wenn und ob, S. Obgleich und N>nn. 2. Comparativ, soweh! zwifchcn zwey einzclen Dingen mit als und wie: er lebt gleich als oder wie ein Engel, besser als oder wie allein; oder auch mit dem Dative des Nennwortes, besonders in der hohem Schreibart, gleich einem Engel; gleich einem Strome, welchen sein Reichthum ungestüm machc; wo es auch zuweilen hinter dem Nennworte stehen kann: tVolken, die Gebirgen gleich am Saume des Meeres aufsteigen. Als auch zwischen zweyen Sähen, im Vordersatze, mir also oder so im Nachsäße: gleich wie das Gold besser ist als das Aupfer, also u. s. f. Zuweilen auch im Nach. satze: i. Kap. ii. Conjunttioncn. §. 754. 4Z9 sahe: ihr sollt vollkommen seyn, gleichwie euer Darer vollkommen ist, Matth. 5. In dem lctzcern Falle kommt es im Hochdeutschen selten mehr vor. Hingegen und das niedrigere hergegen, adver. sativ, einen Gegensatz zu begleiten, wie dagegen, zu Anfange des Satzes, oder auch nach einigen Worten: die Demuth ist überall angenehm, alles hingegen ist wider den Stolz, oder hingegen ist alles. Je, proportional, i. Im Nachsatze, mit nachdem: es ist gleichgültig, ob dieses oder jenes geschiehet, je nachdem es die Umstände erfordern. 2. Das gleiche Steigen und Fallen zweyer Sätze zu bezeichnen, je — je oder je — desto. S. Desto. Jedoch, adversativ, wie das kürzere doch. S. dasselbe. Immaßell, causal, eine im Hechdeutschen un. bekannte, und nur noch im Oberdeutschen gangbare Conjunction. IlNMittelst, eonseentiv, doch nur noch selten, weil dafür indessen üblicher ist: gehe hin und mache dich fertig, immircelst will ich das übrige besorgen. Indem. 1. Consecutiv, für da, als, sowohl im Vordersatze: indem ich ihm danken wollte, ging er weg; ich bemerkte, indem ich stille stand, daß n. s. f. Wo um mehreren Nachdruckes willen im Nachsäße auch wohl so oder da folgen kann: indem er aber also gedachte, stehe, da erschien ihm ein tLngel, Match. 1. Indem nnn Sylvia sich nach dem Bande bückt, so küßt sie ihn geschwind, Gell. Als auch im Nachsätze: Sohn, fing der V^arer an, indem Hh 5 er 490 i. Th. 4. Abschit. Syntax. er sterben wollte; der Strom ergriff ihn, in-? dem er stchs am wenigsten versähe. Nur hlics man sich, es hierfür wenn zu fth?n: ich will so gar meine Vernunft vergessen, ind-iu ich mit ihnen rede, Gi.'ll. Noch mehr vermeide man die nng^schick.e Nachahmung des Französischen er umarmte ihn, indem er weinte, besser, er un?-- armte ihn weinend, oder mir Thränen; er stieg i-n die Rutsche, indem er dem Fuhrmann einen besonder!- -Meg zeigte, besser, nachdem er — gezeigt hatte; und ihr geliebte Gesähr- ren meiner zErgeyungen, indem ihr euren Geist in dein Schonen der ^?s.cur tinterrich-- tec, so vergönnet mir mit euch, die frohen Monathe des Jahres als ein lVeiser zuzus bringen; wo der Satz eins ganz andere Wendung bekommen muß, wenn er Deutsch seyn soll. 2. Cau-- sal, für das bFsil'rc weil: er wurde ein trauriger Gesellschafter, indem der Gram alle scuie Lebhaftigkeit verzehret hatte; sie verließ das «^aus ihres Vaters, indem sie ihren Freund wieder zu stndcn hoffte. Jttdcssm, im gemeinen Leben unterdessen, in der höhern Schreibart indeß, sonst auch inzwischen. 1. Conftcutiv, sowohl im Nachsätze: gehe nur hin, ich will indessen hier bleiben; du lebest in allen Lüsten, indessen schwimme dein K.and in Thränen, oder da indessen dein^and m Thrä.?cn schwinunt, oder indessen daß dein L.aud u. s. f. Ohne als oder da das Verbum an das Ende zu setzen, ist undemsch: wie die man- mgfaltigcn Stimmen der Vögel, in das (vc> schwäy der Frösche tönen, unterdessen ein warmer Mest unsere langen umstießt, ^füc ^ da i. Kap. ii. Conjunctionen. §. 754. 491 da indessen. Als auch im Vordersatze: indessen, daß dem L.and in Thränen schwimmt, lebst du in allen lVollüsten, oder indeß dcinL.and in Thränen schwimmt. 2. Compensativ: sie war in dem größten Zxummer, indcssin, wurde ihr Schn'-erz doch dadurch gelindere, n.s.s. z. Con. ccsi-v: es taugt freylich nichs, indessen gib es nur her. Inglcichm, (nicht ingleichem oder imglei- chen,) ui^d desgleichen. 1. Copulatw: weil er eine einnehmende Gestalt, ingleichen alle zur Verführung nöthige Gaben befaß. 2. Lon- timmtiv: sowohl er als sie, desgleichen fein Vater, wie auch feine Schwester. Inzwischen, wie indessen, am bäusigsten im gemeinen Leben und der vertraulichen Schreibart. KaNM, consecutiv, am haustgsten im Vordersahe, mit als, als da oder so im Nachsähe: kaum hatte ich einige Schritte gethan, als der Los den uurer mir wich; ich hatte den Vrief kaum gelesen, oder räum hatte ich den Driesgelesen, als er in das Zimmer crac. Mithin, illativ und causal, doch nur im gemei« nen Leben, und in den Kanzelleyen für folglich. Nachdem, conseeutiv, von einer vergangenen Zeit, sowohl im Vordersatze ale Nachsitze: nachdem er das gesagt hatte, verschied er; ich will nun gerne sterben, nachdem ich dich ge, sehen habe» Nehmlich, besser nähmlich, für nahmentlich, e.rp!ane.tiv, eine nur allgemein angegebene Caci e nä> her zu bestimmen: es kamen ihrer drey, nähm^ lich Cajus, Tmus und ^ylius. Nicht ^ 49s 1. Th. 4. Abschn. Syntax. Nicht allem, oder nicht nur, copulativ im Vordersatze, da denn im Nachsahe sondern auch folget: nicht allein er oder nicht er allein, sondern auch wir; ich habe es nicht nur gesehen, sondern auch geHörer. Noch, exclusiv, doch nur in einer Verneinung von mehrern Gliedern, wenn das erste nicht, weder, oder ein anderes Verneinungswort bekommt: ich will dich nicht verlassen noch versäumen; ich habe es niemahls gesehen, noch etwas davon gehört; ein herrlicher Tod, nicht auf dem Rosenbetce der weichlichen Muße, nicht gleichgültig dem Vaterlands, noch unberühmr bey den künftigen Enkeln. Vorzüglich nach dem weder: weder Freude noch L.eid, weder Glück noch Srcrn, weder Ruhm noch Ehre. Nun. i.Illativ: hast du nicht hören wollen, «un so magst du fühlen; oder, nun du nicht hast hören wollen, so u» s. f. Besonders in der historischen Schreibart, als eine verbindende Partikel: nun war aber damahls ein Gebrauch u. s. f. 2. Causal: ich habe ihn immer geliebt, nun aber da ich sehe, daß er meine L.iebe mißbraucht, hat sie ein Ende, oder nun ich aber sehe; nun du nicht kommen willst, so sollst du es auch nicht haben, z. Concesstv: nun ist zwar gewiß, aber u. s. f. fliegen kann der Strauß nun wohl nicht, aber ich glaube, er muß gut lausen können, Less. 4. Einen Ein- wurf, oder möglichen Fall zu begleiten: wenn er sich nun nicht bessert; und wenn ich es nun auch wäre. 5. In manchen Fällen ist die Bedeutung dieser Conjunccion so dunkel, daß sie sich nicht allemahl deutlich bestimmen läßt: nun ja, nun wie Kap. n. Eolyunctionen. §. 754. 49z wie ich dir gesagt habe; ich will es nun haben ; es ist nun einmahl so; wer wird denn nun alle XVorce auf die Goldwage legen; nun, wie befinden sie sich^ nun, das muß ich bekennen! nun, so will ich denn kommen; nun, nun, wir wollen sehen. Nur. 1. Resinctiv: gib mir nur ein wenig; es kostet nur Zehn Rcichsthaler; er verschenkte gerne alles, nur um jedermann froh zu sehen. Es stehet so nahe als möglich bey dem Worte, auf welches sich die Einschränkung beziehet: er weiß es nur besser, richtiger, nur er, oder er nur weiß es besser. 2. Erceptiv: sie sind alle ganz, nur dieser nicht; ich will es thun, nur heute nicht, z. Conditional: wie sie befehlen, nur daß ich mich nicht zu lange aufhalten darf. 4. Mit allerley dunkeln Nebenbegnssen: thue es nur; mache nur nicht, daß ich lernst brauche; wenn er nur käme! wozu er nur Luft hat; das Beste, was du nur haben kannst; ich will es ihnen nur gestehen. Obgleich, das seltene obwohl, und das nicht so «dele obschon, concessiv, im Vordersatze, mit doch oder so im Nachsahe: obgleich ein Geist keinen ,uhe des Grabes, er habe denn süße Früchte getragen, d) Conc.ss-v: so unhöflich diese Frage auch ist, so muß ich sie doch thun; dieß kann ich, so alt ich bin, wohl leiden; so gern ich auch wollte, jo unmöglich ist es doch, e) Restrictiv: so wie ich ihn kenne, ist er ein ehrlicher N?ann; so viel ich weiß, f) Proportional, sowohl im Vordeesatze, als im Nachsalze: so plump der Einfall war, so sehr verfehlte er seine Absicht. Sowohl — als auch, copulativ, S. Als. Sondern. 1. Adversativ: nicht du, sondern dein Bruder; ich habe es nicht gesehen, sondern gehört. 2. Copulativ im Nachsahe, mit auch, wenn nicht allein, nicht nur vorher gehet: er ist nicht allein unwissend, sondern er Hasser auch allen Unterricht. Sonst, ereeptiv, oder vielmehr ccmsal, für im entgegen gesetzten Falle, wo nicht: bezahle mich, sonst verklage ich dich ; ich will ihm nachgehen, er möchte sonst Händel anfangen. Theilstheils, partiliv, eins Eintheilung zu begleiten; sein Vermögen bestehet theils in Geld, theils in Wechseln, theils in Grundsrücken» Um, eausal, eine Absicht zu bezeichnen, mit dem Insmitiv und dem Wör.chcn zu: ich habe es 496 i. Th. 4-Abschn. Syntax. es gethan, nicht um reich zu werden, sondern um andern Gutes zu thun; wo (wer der Mißbrauch zu vermeiden, da,^ mcin das um nicht sehe, wenn der Infinitiv mit zu diese Absicht schon allein ausdruckt. Am liebsten steht es im Vordersatze: um dich zu beruhigen, habe ich diesen Entschluß gefaßt. Wenn keine Absicht zu bezeichnen ist, ist um fehlerhaft: wenn ich innere Ruhe genug hätte, um mein ^erz den Vergnügungen ZU öffnen. Eben so fehlerhaft ist es vor dem desto: je öfter ich ihn sehe, um desto mehr gefallt er mir. Und, die einfachste copulanve Conjunction, welche sowohl einzelne Dinge, Handlungen, Beschaffenheiten und Umstände, als auch einzele Sätze neben einander stellet: Arme und Reiche; groß und schwer; essen und trmken; er kam von und aus Lranksurr. Bey Substantiven verbindet sie nur einerley Casus, der Glanz der Sonne und der Sterne. Wenn mehrere auf einander folgende Wörter verbunden werden sollen, so stehet sie mir zwischen den letzten: Religion, Tugend, Pflicht und Gewissen verachten. Den Fall eines Nachdruckes ausgenommen: Religion und Tugend, und Pflicht und Gewissen verachten. Dagegen der Äfftet sie auch wohl ganz verschweiget: Corneille starb arm, voll Verdruß, voll Unmuth. Eben so oft verbindet es ganze Sähe: er lieget da und ist kranL; er sagte, er wäre unruhig, und das war eben schlimm. In der hö'hern Schreib- arc stehet es auch für das c-uisaie so: harre, und du wirst sehen, daß die Übel zu deinem größten Glücke dienen, Gell. Uttge- i. Kap. ii. Conjunctionen. §.754. 497 Ungeachtet, (nickt unerachter, noch weniger ohnerachret,) conc sstv, für obgleich: er that es, ungeachtet ich es ihm verboten hatte. Vielmehr und vielweniger, adversativ, ersteres dcm geringern etwas höheres, und dieses dem höhern etwas geringeres entgegen zu setzen: da es ihm nicht unmöglich ist, rvie vielmehr wirst du ee rl?un tonnen; einem Freunde verzeihet man nicht gern, viel weniger dir. Weder, erclusiv, wenn mehrere Dinge in ein- zelen Gliedern oder Sähen verneinet werden, da es denn das erste Glied, so wie noch dü folgende» begleitet. S. ^!och. Dasweder, anstatt des noch, zu wiederhohlen, rveder du, weder er, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Weil. I. Causas, sowohl im Vordersatze, da denn im Nachsätze so siehet: weil du gefehlct hast, so mußt du auch Strafe leiden. Als auch im Nachsatze: ich that es, weil es mir so gefiel. 2. Consecimv, wo es auch dieweil lautet, am häufigsten im gemeinen jeben, für indem: koms men sie, weil oder dieweil ich noch hier bin. Wenn. i. Consecutiv, mit so oder dann im Nachsatze: wenn ich ihn sehe, so will ich es ihm sagen; wenn die Sonne ausgehet, dann wollen wir reisen. 2. Conditional, sowohl im Vordersatze, mit so oder dann im Nachsatze: wenn du mitgehest, dann sollst du es erfahren. Als auch im Nachsatze: du sollst es erfahren, wenn du mitgehest. Ost auch mit anders; wenn du anders mitgehen wirst, z. Conces- siv mit gleich, auch, schon, sowohl im Vordersatze: wenn du gleich hundert Augen hättest, so würde er dich doch betrügen. Wo wenn Adel. iV.Spr. u.V. Ii «uch 498 i> Th. 4. Abschn. Syntax auch weggelassen werden kann, in welchem Falle sich aber die Wortfolge ändert: hätteft du gleich hundert Auge,,, so u. s. f. Als auch im Nachsahe: Cajus ist verständiger alsTmus, wenn dieser gleich gelehrter ist. 4. Comparativ mit als: er rhuc eben als rvenn er noch Recht übrig hätte. Wie. 1. Comparativ, sowohl im Vordersatze, mit so im Nachsahe: wie das Leben, so der Tod. Als auch im Nachsähe für das bessere als: so reich, wie du, besser als. 2. Caufal, für daß: ich wundere mich, wie er es thun können, z. Cx- planativ mit denn, am häufigsten im gemeinen Lebe»: wir konnten wenig sehen, wie es denn auch ein dicker ^lebel war. 4. Coueissiv mit wohl, für das bessere obgleich: er kaufte es nicht, wiewohl er reich genug war. Wo, conditional, für das bessere wenn, sowohl jm Vordersatze, mit so im Nachsäße: wo du mir nicht hilfst, so u. s. f. Als auch, aber am selten, sten, im Nachsatze : ich werde böse, wo du nicht folgest. Wofem und dafern, conditional, für wenn: ich will es dir geben, dafern du zu mir kommen wirst, oder dafern du — jo will ich es dir geben. So auch wofern. Wohl, concessiv, für sich allein nur im gemeinen Leben, für das bessere zwar: wir stnd woh! arm, aber u. s. f. Am häufigsten mit ob, S. Obwohl. Zumahl, explanativ, doch zugleich mit einer Steigerung verbunden, mit da: ich kann es dir nicht geben, zumahl da du es nicht verdienest. Zwar, r. Kap. !2. Ittterjectionen. §.755. 499 Zwar, concessiv, im Vordersatze, sowohl zn Anfange, als nach einigen Worten, mit aber, allein, doch, nichts desto weniger, oder hingegen im Nachsatz?: zwar har der NAnter die Bäume entlaubet, aber u. f. f. Für ob zwar, ist obgleich edler. Ein mehrereS kommt von diesen Conjmickionen in meinem Wörterbuche vor. Hier ist eS genug, daß man sie und ihre vornehmsten Bedeutungen und Arten des Gebrauches nur überhaupt kennen lerne. XII. Gebrauch der Interjektionen. §. 75;. Man wiederhohle sich hier, was bereits Von densel- §. 54; f. von diesem Redetheile gesagt worden. Sie den Ube^ sind Ausdrücke der Empfindungen als bloßer Empfin- düngen, und folglich keine 5Vorce, so fern man darunter Ausdrücke klarer Vorstellungen versiehet. Da nur klareVorstcllungen unter einander verkünden werden können, einzele Empfindungen aber keiner solchen Verbindung fähig sind: so können auch die Interjectio- nen eigentlich weder etwas regieren, noch von einem andern Worte regieret werden. In Ansehung der Stelle der Rede aber hängen sie bloß von dem Bedürfnisse ab, eine Empfindung als bloße Empfindung auszudrucken. Im ersten Theile ist §.547 f. schon bemerket worden, daß sich die Interjektionen nach den Cm« pfindnngen in Ausdrücke innerer und äußerer Empfindungen unterscheiden. Die ersten sind wieder von gedoppelter Art, indem sie entweder eigem!ici)e oder uneigentliche sind. Eigentliche Interjectio- nen sind solche jaute, welche ursprünglich dazu bestimmt sind, die Empfindung als bloße Empfindung darzustellen, wie ach! ho! ha! n. s. f. Die un? eigentlichen aber bestehen aus Wörtern, d. i. Aus» Ji s drücken 5OO I. Tl). 4.Abschn. Syntar. drücken klarer Vorstellnngen, so fern sie zur Bezeichnung einfacher Empfindungen gebraucht werden, wie rvohl! wehe! gottlob! u. f. f. Sie rezie- §. 756. Die eigentlichen Interjectionen nun kön- ren eigene- nm uin der schon angezeigten Ursache willen, weder Zich nichts, einem andern Redetheile regieret werden, noch selbst etwas regieren. Scheinet es oft, daß sie wirklich einen Casum zu sich nehmen, so rühret derselbe nicht von der Jntcrjection oder einem gewissen Verhältnisse her, in welchem ein Ding nothwendig durch die Empfindung geseht würde, sondern bloß von dem Verhältnisse, worin man sich dasselbe denkt; daher kommen die eigentlichen Interjectionen, so fern sie Ausdrücke innerer Empfindungen find, fast mit allen Cafibus vor. Am häufigsten ist der Nominativ, weil der Nahme eines Dinges, wenn er mit einer Interjection verbunden wird, gemeiniglich der Nahme des Subjectes ist: ach, ich armer Mann! ach, du armes Rind! ey, der kluge Mensch! 0, rvelch ein Glück! Zuweilen stehet aber auch der Genitiv, besonders in der höhern Schreibart: ach, des armen Menschen0, der Entzückung ! 0, des klugen Mannes! pfuj, des garstigen Menschen ! Noch seltener der Dativ: pfuj, dein garstigen Menschen! Ein wenig öf. rer der Accusativ: 0, mich unglücklichen! pfuj dich an! Welche ei- §. 757- Die »»eigentlichen Interjectionen nen Casum behalten das Verhältniß bey, in welches sie ein Ding regieren. ^ Wörter, d. i. als Ausdrücke klarer Vorstellungen, setzen, daher können sie auch allerdings einen Casum regieren. Dahin gehören besonders rvohl, rvehe, ' heil, Glück auf, Glück zu und Kider; wovon die i.Kap. 12. Interjectionm. §.758. 501 ersten den Dativ erfordern, weil hier das Verhältniß des persönlichen Gegenstandes Statt findet: wohl mir! wehe dem Menschen! heil dem Könige ! Glück zu den Arbeitern! Das letztere aber mit dem Genitive des Wortes Gorr verbunden wird, leider Gottes! §. 758. In Ansehung der Stelle, welche die In- Ihre Stelle terjectionen in der Rede bekommen, kommt es bloß in dcr darauf an, wo der Sprechende den Ausdruck seiner einfachen Empfindungen hinzustellen gut findet, oder welcher Begriff den Ausdruck derselben erfordert. Am häufigsten stehen sie zu Anfange eines SaHes, da denn die folgende Rede die dunkele Empfindung zu einer klaren Vorstellung entwickelt: ach, rvie schlägt mir das Herz! oder, ach, rvie nur das Herz schlägt! ach, daß der gute Mann gestorben ist! ach, das ist schön! ey, ey, bey Leibe nicht! ha, diese kleine Furcht steht Männern gar nicht an! oho, finde ich dich da^ Aber auch oft am Ende der Rede, die Reihe von Vorstellungen mit einer einfachen Empfindung zu beschließen: alles ist nun für mich verloren, ach! — das hat dir doch gefallen, ha^ Oder in der Mitte: ich habe ihnen viel zu sagen, ach, recht viel; sie geht, ha! welchen Srslz gibt ihr die Tugend ein! er ist, leider! nicht mehr am L.eben; es gehet, gottlob! wieder besser. Ii z Zweytes 502 I.TH. 4. Abschn. Syntax S»->iM?Zü!-! zweytes Kapitel. Von der Wortfolge ober der Ordnung, wie die Wörter in der Rede auf einander folgen. Inhalt I. Von der Folg: der Wörter überhaupt, §. 759- 784. Erklärung dieser Sehre,Z.7Zy. Allgemeiner Grundsatz derselben, z. ?üo. Anwendung desselben im Deutschen, §.?öl. Das Subject macht den Ansang der Rede, Z. 7Ü2. z. Bestimmung deö Substa»-- tives oder des Selbständigen in der Rede, §. 76z-76z. Steile der B^srimmungS- >vörle5übechaupl,5.7üz. Der Aublwörter, z.764. Der Präpositionen und Umst«ndswvrcer,§,7ü5. 766. Stelle der Apposition, Z. DcS Genitives, der Prä- vvsition mit ihrem Ca- su, und des Infinitives mit zu, §.?6Z. Bestimmung des Unselbständigen in der Rede, 5. 7ÜY-785. (5) Von derselben überhaupt, §,76?. II (b) Bestimmung des Adverbii, §.770. (c) Des Umstandswortes, §> 7?l. (d) Des Verbi, §. 772 f. Durch die Casus Verbi, §.773-774. Durci, eine Prüpositis» mit ihrem Casu> §.775. 776. Durch Adverbia, §.777. 7?S. Won zusammen gesetzten Verdis, §.779. DurchParticipia undJn- finitiva, Z. 780-782. Durch den Infinitiv mit ;», 5- 7«Z. Stelle der Verneinung, §. 784- von der Wortfolge nach der Gemüchsstellunz des Redenden, H. ?85- 805. Abweichung von der «bigea Wortfolge, §.?85> Verschiedene Arten der Rede in Ansehung der Ge-- muthsstcllung, §^786. 1. Von der natürlichen Wortfolge, S.?87-7->2. Wo sieStatt finder, §,787. NeUti- I.K. Von der Folge der Wörter. §.759. 5O9 Nelativische Rede, 788. Erste Art derselben, H.78?. Zweyte Art, Z.790. Einfluß der Conjunctiv- neu, S 7?l- Abweichung von dieser Wortfolge, §.792. Fragende Wortfolge, oder Stellung des Subjectes hinter das Vcr- , bum, §.?9Z-7?Y. Gebranch derselben in Anreden , ^. Fra- Jn unmittelbaren gen, 8.794. In Verwunderungen und Ausrufen, 795. In Wünschen, §,796. Nach dem es, Z. 797. Nach Partikeln , §. 798. 799- Z. Verbindende Wortfolge, oder Stellung des Verbi an das Ende der Rede, 8, 800-8»;. Worin sie bestehet, Z 8-?». Wo sieStatt findet, H.801. Stand der Partikeln, S. 802. Des Casus Verbi, Z. zoz. Und des Verbi, ^804^8-5. III, Von der Inversion ober der Abweichung vs« derclcwshnlichcnIVorl- solcze um ves Nachdruckes willen, §. 806- 810. Erillirnng derselben, Z. 8--d. Worin sie bestehet, §.807. Versetzung bloßer Wörter, Z. 808. Und ganzer Sätze, 5.72?. Wenn sie fehlerhaft ist. §. Lio. I. Von der Folge der Wörter überhaupt- §. 759. c^n dem vorigen Kapitel ist gezciget worden, wie Crklürvnz ^) einzele Wörter mit einander verbunden werden dieserLehre. müssen; das gegenwärtige lehret, in welcher Ordnung die zu einer Rede verbundenen Wörter aufeinander folgen müssen, wenn sie dem Zuhörer verständlich seyn sollen. Es begreift daher dasjenige in sich, was man im Lateinischen die Conftrucnons-Ordnung, im Deutschen aber die N?ortfc»lIe, oder auch den Rcdesay in engerer Bedeutung nennet. Diese N?orrfc>!ge ist nun entweder die gewöhnliche, welche sich doch nach dem Gemüthsstande des Svrechcr.dm wieder in drey verschiedene Arten thei- I i 4 ler. 5^4 i.TH. 4.Abschn. Syntax let, oder die abweichende, welche um des Nachdruckes willen von der gewöhnlichen abweicht. Allgemei- §. 760. Wenn wir sprechen, so drucken wir un- ner Giund- sere Empstndungen und Vorstellungen durch Worte s»tz derlei- ^,^ar aus, und unsere Absicht dabey ist, eben dieselben, Empfindungen und Vorstellungen in andern zu erwecken. Unsere Empfindungen und Vorstel» lungen betreffen allemahl ein gewisses Ding und dessen Bestimmungen und Verhältnisse. In der jehre von den? Ursprünge der Wörter ist bereits bemerket worden, daß wir uns bey der Eingeschränktheit unsers Verstandes, und bey der rohen sinnlichen Art, wie der Mensch zur vernünftigen Erkenntniß und Sprach? gelange ist, ein Ding mit allen seinen Bestimmungen nicht auf einmahl klar denken, und noch weniger es auf solche Art ausdrucken können, sondern das Ganze in eine Menge einzcler Vorstellungen und Begriffe auflösen, diese wieder in Gedanken zusammen sehen, lind so wie dieses geschiehet, durch Worte ausdrucken muffen. Oder vielmehr, unser g.mzer Reichthum in Ansehung der Erkenntniß und Sprache bestehet aus einer Menge zu verschie- dmen Zeiten erworbener Begriffe und gebildeter Ausdrücke derselben, aus welchen wir in jedem einzelen Falle diejenigen heraus heben, welche unserer jedes- . mahligen Vorstellung gemäß sind, und sie zu einer verständlichen Rede an einander reihen. In der Lehre von den Redetheilen ist bereits gezeiget worden, daß unsere Begriffe von den Dingen und ihren Bestimmungen von sehr verschiedener Art sind, und entweder das selbständige oder als selbständig gedachte Ding, oder dessen Eigenschaft, oder dessen Beschaffenheit, oder verschiedene Arten von Umständen , oder endlich auch ein Verbum betreffen. Schon 2.K. Vsn der Folge der Wörter. §.760. 505 Schon aus diesen verschiedenen Classen der Begriffe und ihrer Ausdrücke erhellet, daß eine gewisse Ordnung unter ihnen Statt finden müsse, wenn sie zu einer verständlichen Rede verbunden werden sollen, und daß eS nichts weniger als gleichgültig ist, wel- chcr Art man diesen oder jenen Platz anweiset, weil immer ein Begriff zur Bestimmung des andern dienet, folglich eine gewisse angewiesene Stelle haben muß, we>-m er seiue Absicht erfüllen und dasjenige bestimmen soll, was der Sprechende bestimmen will. Es ist daher nothwendig, dasjenige Grundgesetz aufzusuchen , welchem die Menschen in der Folge und Verbindung ihrer Vorstellungen duukel folgen. Der Ausdruck dunkel folgen wird nun nicht mehr anstößig seyn können, da man aus so vielen andern im vorher gehenden angeführten Fällen bereits weiß, daß die ganze Sprache und ihre ganze Einrichtung von rohen sinnlichen Menschen herrühret, welche dabey nicht anders, als nach dunkeln Vorstellungen der Schicklichkeit und Ähnlichkeit ver« fahren konnten. Aber eben um deswillen muß dieses Grundgesetz sehr einfach, und iu der Absicht des Sprechenden selbst sehr tief gegründet seyn, weil es sich ihm gleichfalls von selbst und ohne klares und deutliches Bewußtseyn aufdringe» mußte. Dieses Grundgesetz ist denn nun kein anderes, als daß das unbestimmtere allemahl dem bestimm, tern, und zwar nach dem Grade seiner Bestimmtheit vorstehet, so daß eine ganze Rede oder ein Satz eine wahre Steigerung ist, wo der Sprechende zn immer schäefern Bestimmungen fortschreitet, bis die Reihe seiner Vorstellungen am Ende des Satzes ihren völligen Ausschluß erhält. Dieses Grundgesetz ist dem Menschen und derMngeschränktheit seines Geistes so , Ii 5 narür- 5?6 i.TH. 4.Abschtt. Syntax natürlich und angemessen, daß man es ursprünglich in allen Sprachen annehmen kann, ob sie gleich in der Anwendung desselben sehr von einander abweichen und abweichen müssen, theils weil die dunkele Empfindung von den Graden der Bestimmung bey meh» rern Völkern nothwendig fthr ungleich seyn mußte, theils auch, weil die spätere zufällige Einrichtung mancher Sprachen allerley Abweichungen von diesem ersten Grundgesetze eingeführet hat. Wir haben es hier bloß mit der Deutschen Sprache zu thun, und müssen daher die Anwendung dieses Grundgese- ßes auf andere Sprachen andern Sprachlehrern überlassen. Anwendung §.761. Im Deutschen lassen sich die gewöhn» desselben in ljchm Erscheinungen in der Wortfolge sehr natürlich der Deut- diesem Grundgefehe herleiten. Die vornehm- f M «pl . ..^ solche: l. Eine jede Rede besiehet aus zwey Theilen, einem Dinge oder Begriffe, von welchem etwas gesagt wird, oder dem Subjecte, und demjenigen , was von ihm gesagt wird, oder dem Prädl- cate. Das Subject ist zwar an und für sich betrachtet,, allemahl hinlänglich bestimmt; allein nicht in Absicht der Rede, weil ihre ganze Absicht dahin gehet, das Subject zu bestimmen. Es ist daher allemahl der unbestimmteste und dunkelste Begriff, und stehet als ein solcher allemahl voran, und das Prädicar folget. 2. Ein jeder Begriff kann durchwandere auf mannigfaltige Art näher bestimmet werden. Ein jeder auf solche Arr bestimmte Begriff, nur das Verbum finitum nicht, hat seine Bestimmungswörter vor sich, und zwar nach dem Grade ihrer Bestimmung , so daß die schwächer bestimmenden den schärfer bestimmenden vortreten, weil der bestimmteste Begriff der ganzen Reihe von Bestimmungen ihren wahren Aufschluß gibt. z. Aber bey dem.Verbs finito 2.K. Von d.Folged.Wörtcr. §.761.762. 507 sinito oder dem wahren eigentlichen Verbo verhält es sich eben um deswillen umgekehret, weil dieses an und für sich ein sehr unbestimmter Begriff ist, der auf mannigfaltige Art näher bestimmet werden kann und muß, daher er seine Bestimmungswörter nach dem Maße ihrer Bestimmung gemeiniglich nach sich hat, bis das dazu gehörige Adverbium, Participium oder Verbum infinitum der ganzen Vorstellung am Ende ihre völlige Bestimmtheit ertheilet. 4. Wenn ein Wort das andere regieret, so ist es diesem Grundgesetze gemäß, daß das regierende dem regierten vorgesetzet wird, weil die Rection eine wahre Bestimmung ist. Allein eö können auch Fälle ein« treten, wo das regierte zur nähern Bestimmung des regierenden dienet, z. B. bey den Genitiven, Gottes Sohn; und in solchen Fällen erfordert eben dieses Grundgesetz, das regierte voran zu setzen. Dich sind die vornehmsten Fälle, welche von diesem Grundgesetze abhaugm, welche nun im folgenden näher bestimmt werden müssen. Wir reden hier immer nur von dem, was gewöhnlich geschiehet; denn die Abweichungen, welche der Gemüihsstand des Sprechenden, oder der Nachdruck verursachen, kommen im Folgenden vor. §. 762. Das Subject, und alles, was als Sub- Das Subject dargestellet wird, ist der unbestimmteste Theil ucc machr der Rede, weil es eben durch die ganze Rede seine ^"I^ Bestimmtheit und Ausklärung erhält, und folglich ^ der ganze übrige Theil derselben, oder das Prädicat, nur um desselben willen da ist. Es macht daher auch mit seinen Bestimmungswörtern allemahl den Anfang der ganzen Rede. Es sin nun ein selbständiges Ding: dasjenige Leben ist lang, welches den großen End5'.veck des Lebens erreicht; auch wenn es durch das unbestimmte es unbestimmt angekündigt 5o8 i.TH. 4.Abschn. Syntar. gekündigt wird: es kommt jemand, es grauer mir, wo es das eigentliche Subject vorstellet, mit weichem der nachfolgende Nominativ, wenn einer vorhanden ist, eine Apposition macht: es war einmahl ein Mann; oder es sey ein unselbständiger Begriff: graben mag ich nicht; gestern sahe ich ihn. Im folgenden dritten Abschnitte werden wir sehen, daß der Deutsche die Freyheit hat, um des Nachdruckes willen von der gewöhnlichen Wortfolge abzugehen, und einen jeden Begriff, auf welchen er die Aufmerksamkeit des Zuhörers vorzüglich lenken will, heraus heben und in die Stelle de6 Subjectes setzen kann. Das ist nun eigentlich kei» ne Ausnahme von dem oben gedachten allgemeinen Grundgesetze, sondern vielmehr eine Bestätigung desselben, weil diese Freyheit nicht Statt finden könnte, wenigstens ohne Nutzen seyn würde, wenn nicht das Subject, und alles, was in dieses Verhältniß gesetzt wird, als der unbestimmteste, folglich wichtigste Theil der Rede angesehen werden müßte. Concres- §. ?6z. Ein Substantiv, es mache nun das cierte Be- Subject aus, oder es stehe in dem Prädicatc, kann ^"^'^ auf doppelte Art bestimmt werden, zunächst und ei- Eubstantt- göttlich durch concrescierte Bestimmungswörter, zu» ves. weilen aber auch durch unconcrescierce Umstandswörter. Alle concrescierte Bestimmungswörter gehen vor dem Substantive her, weil sie schwächer bestimmt sind, als dieses, Haus, jstcm und für sich schon stärker bestimmt, als das und groß, daher treten diese, wenn sie jenes bestimmen sollen, voran, das große Haus. In dem vorigen ist gezeiget worden, daß die con- crescierten Bestimmungswörter von doppelter Beschaffenheit sind, indem sie entweder aus Umstandswörtern, 2. K. Von der Folge der Wörter. §. 76z. 509 Wörtern, oder aus Beschaffenheitswörtern concrescie- ret sind, S. §. 286. Die letztern geben die Adjectiva oder Eigenschaftswörter. Da Eigenschaften scharfer bestimmen, als bloße Umstände, so stehen auch die Adjectiva nach den concrescierten Umstcmds- Wörtern, und allemahl unmittelbar vor ihrem Substantive : der große Mann; zrvey schöne Häuser; dieser grüne Vaum. Allein unter den concrescierten Umstandswörtern findet wieder ein großer Unterschied Statt, indem sie entweder Artikel, oder Pronomina mancher Art, oder auch Zahlwörter, und zwar wiederum von gedoppelter Art sind. Sie haben bey dieser Verschiedenheit «uch einen sehr verschiedenen Grad der Bestimmung, daher sie, wenn ihrer mehrere vor einem Substantive zusammen kommen, nach diesem Grade geordnet werden müssen, so daß diejenigen, welche schwacher bestimmen, immer denen vortreten, welche eine schärfere Bestimmung gewähren. Da die Selbständig, keit eine schwächere Bestimmung ist, als der Umstand der Person und des Ortes, und dieser wieder schwächer bestimmet, als der Umstand der bestimmten Zahl: so stehen auch der Artikel oder in dessen Ermangelung das Pronomen allemahl voran; auf diese folgt das bestimmte Zahlwort, und auf dieses das Adjectivum: die drey tapfern Männer, diese vier glänzende Steine, deine sechs raschen Pferde. Da oft zwey Pronomina zugleich vor einem Substantivs stehen können, besonders ein Relati- vum oder Demonstrativum und ein Possessivum: ss treten die beyden ersten dem letztern vor, wiederum aus der Ursache, weil der Umstand des Ortes eine schwächere Bestimmung ist, als der Umstand des Besitzes: V " > ^ 5io i.TH. 4. Abschü. Syntax. Besitzes: dieses mein ungerachenes Ijxind; diese deine drey schonen Häuser. Die unbestimmten Zahlen sind sich in den Stellen, welche sie erfordern, nicht gleich. All tritt allen übrigen Bestimmungswörtern vor: alle diese deine drey schönen Häuser; und leidet nur allein ein persönliches Pronomen vor sich, rvir alle, ihr alle, sie alle. Wenn die übrigen allgemeinen Zah, len mit einem Genitive vorbunden werden, so stehen sie als der regierende Theil gleichfalls voran: jede dieser unserer süßen Freuden; viele deiner traurigen Nichte; mancher unserer besten Freunde. Außer dem stehen viel und wenig unmittelbar vor dem Adjective, wenn eines vorhanden ist: diese vielen ängstlichen Sorgen; alle deine vielen Güter. Fort- §. 764. Wenn eine Grundzahl und Ordnunzs- seyung. zahl zusammen kommen, so stehet die letztere der erstem gemeiniglich nach: die drey ersten tapsern Männer. Aber freylich nicht allemahl: die er^ sten drey tapfern Männer; die ersten achc Tage unsers Hierseyns. Daher es oft gleich, gültig ist, welches man voran setzet, vermuthlich, weil der Unterschied in der Schärfe der Bestimmung hier nicht so merklich ist. Fast eben so unbestimmt ist das Verhältniß der Ordnungszahl gegen das Adjectiv. Eigentlich stehet jene, weil sie auS einem Umstcmdsworte concrescieret ist, diesem vor: das ist nun der vierte traurige Tag nach seinem Tode. Aber nicht selten siehet sie demselben nach: der traurige vierte Tag. Im Grunde kommt es in beyden Fallen darauf an, welches von den beyden Bestimmungswörtern mit dem Substantive als ein Ganzes angesehen werden muß, welches von dem andern bestimmt wird. Ist dieses Ganze bestimmt, 2. K. Von der Folge der Wörter. §. 764. M bestimmt, so ist auch die Stelle unveränderlich. Der schöne erste May, wo der erste May das Ganze ist, welches durch dos Adjectiv schön bestimmet wird; der erste schöne May würde einen andern Verstand gewahren. So auch, die ersten acht Tage, der traurige lcrzre Tag seines Lebens, die überflüßigen vier Thaler. Macht aber die Stelle keine Veränderung in der Bedeutung, alsdann ist eö auch in den meisten Fällen gleichgültig, wie man sie ordnet. Da es auch Adjectiva gibt, welche aus Umstandswörtern concrescieret sind, (S. §. 484.) so bekommen sie ihre Stelle gleichfalls nach dem Grade ihrer Bestimmung. Umstände des Ortes, der Zeit u. s. f. bestimmen schärfer als der Umstand der Selbständigkeit, und schwächer, als der Umstand der Zahl; daher stehen sie auch gemeiniglich zwischen beyden in der Mitte, und treten besonders den aus Bcschaffenheitswörtern concrescierren Adjectiven vor: die gestrigen drey leeren Flaschen; die hiesigen vielen Einroohner; das ganze fruchtbare Land; der völlige dritte Theil; das halbe südliche Frankreich; alle unsere dortigen lieben Freunde. Von mchrern aus Beschaffenheitswörtern con« crescierten Adjectiven stehet allemahl dasjenige voran, welches schwächer bestimmet, oder als ein Bestimmungswort des Ganzen angesehen werden muß: diese schönen neuen Thaler; wo die neuen Thaler das Ganze sind, welches durch schön näher bestimmt wird. So auch: verschiedene gleichlaus rende Endungen; eingesalzene große Fische; eingemachte halbreife Früchte; gefärbte rohe Seide. Werden aber die Eigenschaften bloß neben 5l2 r. Th. 4. Abschn. Syntax. neben einander gestellet, so ist auch ihre Stelle gleichgültig : ein großer, schöner, grüner Garten. Fort- §. 765. Eine Präposition gehet sowohl als die setzung. Bestimmung eines bloßen Verhältnisses, folglich als ein bloßes Umstandswort, als auch als der regierende Theil allen übrigen Bestimmungswörtern des Substantives vor: in allen diesen deinen Angelegen- heiren; von jeder deiner Handlungen; mit dem besten und edelsten Anstande. Hat eines von den Bestimmungswörtern des Substantives wieder sein eigenes Bestimmungswort, so stehet dasselbe unmittelbar vor dem bestimmten: diese drey überaus angenehmen Tage. Eben dieses gilt auch, wenn ein Bestimmungswort einen Casum regieret, oder eine Präposition mit ihrem Casu bey sich hat, welche denn gleichfalls unmittelbar vor demselben hergehen: diese große UNS vor Augen scbrvcbende Gefahr; jener arme dei- ner Hülse bedürftige Mensch. S. §. 627. Oben §. 6^2 ist bereits bemerket worden, daß Adjective und Ordnungszahlen, wenn sie mit eigenen Nahmen verbunden werden, denselben gemeiniglich Nachtreten: Alexander der große, Carl der zwölfte. Eigentlich ist dieses keine Ausnahme von dem allgemeinen Grundgesetze der Wortfolge, sondern eine wahre Apposition, daher der BeysaH auch von vielen mit einem großen Buchstaben geschrieben wird, weil er die Stelle eines Substantives vertritt. Stelle un- H. 766. Wenn uneoncrescierte Umstandswörter concr^cir- xm Substantiv bestimmen, so hängt ,hre Stelle ter Besinn- dem Gebrauche ab, ohne Zweifel, weil daS mnngewör-, Grundqefetz der Wortfolge hier nicht klar genug einpfnnden soard. Daher- stehen einige, und zwar die meisten, jederzeit vor dem bestimmten Substantive, 2. K. Von d.Folge d.Wörter. §.766.767. 51z stantive, andere stihen demselben nach, und noch andere können sowohl vorn als hinten flehen. Vorn stehen: ganz, halb, etwas, nichts, viel, wenig, solch, so, weiland: ganz poh- len, er ist ganz Zärtlichkeit, viel N)cin, wenig Geld, solch ein Mensch, so ein Haus, weiland Kaiser Carl. Hinten: selber, allein, satt für genug, und die Umstandswörter des Ortes da, dorr, hier, her u. s. f. Ich selber, wir allein, Geld satt, der Mann da, die ganze Zeit her, von Hause aus. Sowohl vorn als hinten können stehen: genug, mehr, selbst und voll, doch dieses in verschiedenen Fällen. Genug Zeit und Zeit genug; mehr Vror, etwas Vror mehr, ein wenig U?em mehr; der Kaiser selbst, selbst der Kaiser, selbst deine heitersten Tage; ein Glas voll, und voll N>ein. §. 767. Wenn ein Substantiv eine Apposition Stelle der bey sich hat, und das eine ist ein Titel oder Ehren- Apposition, nähme, so stehet derselbe allemahl voran: dein Herr Druder, ihre Frau Murrer, der Fürst Bischof. Sind es zwey Nahmen, und der eine ist ein eigener, so stehet er am hausigsten hinten: die Sradr Berlin, das Königreich England, der Kaiser Joseph. Seltener vor, außer allenfalls, wenn das Appellativum Bestimmungswörter bey sich hat: Berlin, die große Sradr ; England, das stolze Königreich; Italien, das schöne L.and. In andern Fallen sicher das bestimmende oder erklärende am häufigsten hinten: der Schlaf, der Müden Freund. Da es hier oft gleichgültig ist, welches von beyden als das erklärte oder bestimmte angesehen werden soll, so ist auch alsdann Adel. L>. Spr. II. L. K k die ZI4 I.TH. 4.Abschn. Syntax. die Stelle gleichgültig: mein Vater, der Aonig, oder der Zxönig, mein Vater. Mine Er- §. 768. Außer der Apposition und den eigcnt- M'.umen sjchen Beftimmungswö! tern des Substantives kann, der Sud- dasselbe noch auf verschiedene Art erkläret oder näher p«"^. best.mmt werden. 1. Durch einm Genitiv. Daß dieser mich voran stehen könne, ist bereits §. 621 bemerker, und dasilbst zugleich erinnert worden, daß diese Stelle des Genitives fehlerhaft wird, wenn dadurch das andere Substantiv von feinen Bestimmungswörtern getrennet wird. Wohl aber läßt sich die Präposition durch einen solchen Gmitiv von ihrem Substantive trennen, in welchem Falle aber dasselbe den Artikel verlieret, weil der Genitiv die Selbständigkeit schon hinlänglich bestimmet: mir des Landes Bes rvillung, für, mit der Bewilligung des Landes. 2. Durch eine Präposition mit ihrem Casu od?r mit einem Umstandsworts, welche allemahl auf das erklärte Substantiv folgen: der Aörn'g von Spanien, Liebe zur Tugend, ein Überfall von hinten. Eigentlich siehet jede Präposition, als der regierende Theil vor ihrem Cafu oder dem regierten Worte. Allein es gibt deren doch einige, welche demselben entweder allemahl oder nur in manchen Fällen nachgesetzet werden, wie bey der jehre von den Präpositionen bereits bemerket worden: Jederzeit stehen hinten: halben und halber, (§.506,) entgegen, (§. 51?,) zuwider, (§. 517,) und gewis. ser Maßen auch gegen über, (§. 522.). Nur zm- weilen: ungeachtet, (§. 508.) wegen, (§.509,) nach, (§. 514,) durch, (§. 520,) und zu Folge, (§. 526.). z. Durch ' . 2.K. Von der Folge der Wörter. §.769. 515 z. Durch den Infinitiv mit zu, welcher gleichfalls hinter dem bestimmten Substantive siehet: Begierde zu lernen, Lust zu spielen; außer wenn der Infinitiv die Gestalt eines Substantives annimmt, da ergern voran stehet: er hat zum Spielen Lust. §. 769. Außer dem Substantive bezeichnen alle Nestlm- tibrige Redetheile etwas Unselbständiges. Diesi-s "'u^ des Unselbständige kann wieder auf mancherley Art nä- U'Mlbst'i» her bezeichnet oder bestimmet werden; entweder durch ein Beschaffenheits-und Umstandswort, oder durch ein Substantiv, oder durch eine Präposition mit ihrem Casu, oder auch durch den Infinitiv. Überhaupt gilt davon die Regel, daß alles Unselbständige, das Verbum finitum ausgenommen, seine Bestimmungen vor sich nimmt. Das Adverbium: sehr schön, recht gut, unglaublich groß, Rühmens rr^rch, des Aachens müde, seiner Aufmerksamkeit unrverrh, zu allem geschickt. Das Adjectiv: ein vorzüglich schönes Haus, ein rvohl betagter Mann, ein der Wahrheit begieriges Gemüth, die vor Freude trunkene Seele. Das Participium, es mag nun concresciert seyn oder nicht: ein schnell lausendes Pserd, das von dem Grame gebeugte Herz, tiefgebeugt» Das Zahlwort und Pronomen: nur dieser, säst hundert, selbst dieser; wo doch selbst auch hinten stehen kann, selber und allein aber allemahl hinten stehen müssen: ich allein, er selber, dieser selbst oder selbst dieser. Ferner, der Infinitiv: schnell laufen, bald kommen, in den XVald gehen, um von der Sache zu kommen, schön geschrieben haben. Aus diesem Grunde stehet auch in den zusammen geftßten Verbis die Partikel in dem Infinitive, allemahl vorn, wenn gleich dasVer- Kk 2 bum 5,6 i.TH. 4. Abschn. SytM. bum finitnm sie nach sich nimmt: ich gehe aus, aber ausgehen; es läuft ein, aber einlaufen. Der Ad- §. 770. Nur die Beschaffenheitswörter machen verdien, hier eine Ausnahme, wenn sie durch eine Präposition mit ihrem Casu, oder durch den Infinitiv mit zu bestimmt werden, in welchem Falle sie ihre Bestimmung am häufigsten nach sich haben: geneigt rvohl zu thun. Indessen kann sie auch vorn stehen, besonders wenn eine Präposition mir ihrem Casu die Bestimmung ist: gütig gegen jedermann, oder gegen jedermann gütig. Der Um- §. Ein bloßes Umstandswort kann entwe- sm»ös- der durch ein Substantiv bestimmt werden, gestern Wörter. Abend, hellte Morgen, oder durch eine Präposition mit ihrem Casu, gestern vor Tage, hier zu Lande, oder durch ein anderes Umstandswort. In den beyden ersten Fällen nimmt e6 seine Bestimmung nach, in dem letztem Falle aber am häufigsten vor - sich: von oben, feit gestern, sehr bald, recht früh, gar nichts, durchaus nicht. Erst und noch können auch hinten stehen: heute noch rvird er kommen, gestern erst fahe ich ihn. Ist das bestimmende Wort aus einem Substantive zu einem Umstandsworts gebildet, so stehet eö allemahl hinten : heute Nachts, gestern Abends. Da es nicht allemahl deutlich genug ist, welches von zwenen Umstandswörtern das bestimmende oder bestimmte ist, so stehet oft dasjenige, welches das wahre bestimmte zu seim scheinet, voran, gestern früh. Sind der Umstandswörter mehrere, so stehet das bestimmte gern in der Mitte, von oben her, nach unten zu, von unten herauf, sehr weit her; außer wenn nnige davon einander selbst bestimmen, weit von hier. §. 772. 2.K. V. d. Folge d. Wörter. §.772.77?. 517 §. 772. Das Verbum kann auf sehr vielfache Des Aerbi. Art, und fast durch alle übrige Redetheile bestimmt werden, und macht alsdann mit allen seinen Bestimmungen zusammen genommen, eigentlich dasP?ädi- cat auö, dessen vornehmster Theil eö ist. Diese Bestimmungen bezeichnen demnach entweder etwas Selbständiges oder etwas Unselbständiges. Jene begreiffen sowohl die Gegenstände der S ache und der Person, oder die Casus Verbi, a!6 auch alleren Umstände und Bestimmungen, so fern sie durch Präpositionen mit ihren Substantiven ausgedruckt werden. Zu dem Unselbständigen gehören sowohl das Beschaffenheit!-- und Umstandswort, als auch der Infinitiv und das Participium, und zwar die beyden lehtern vorzüglich bey den Verdis mit unvollständigen Prädicaten. Da das Verbum finitum der unbestimmreste Thei! des PrädicareS ist, welcher eist durch seine Bcysätze und Bestimmungen die gehörige Verständlici-keit erhalt, so hat es auch im Ganze« genommen, alle seine Bestimmungen nach sich, und zwar wiederum nach dem Maße der schälfern oder schwächern Bestimmung, so daß dasjenige, welches am stärksten bestimmt, den Schluß der ganzen Rede macht. Da alles dieses sehr viele und mancherley Fälle unter sich fasset, so muß umständlicher davon geredet werden. §- 77?« Das Verbum nimmt seinen Casum nach Stelle des sich, es sey nun solcher der Gegenstand der Sache, Casus er nahm das Vucl?, oder der Person, rveiche einem Vornehmer«. Kommen binde Casus, des sächlichen und des persönlichen Gegenstandes hinter einem Verbo zusammen, so stehet im Ganzen der Dativ dem Accusativs vor, ohne Zweifel, weil der Accusativ der Sache den Begriff des Verbi ftbäl fer ' bestimmet, als der Dativ der Person: ich rtah meinem Freunde einen Räch. Nur die Pro- Kk z nomina 518 I.TH. 4.Abschn. Syntax. nomina machen hier allersey Ausnahmen, weil em jedes Pronomen gewisser Maßm relativ ist, w-'lcheS sich auf ein vorher genanntes Substantiv beziehet, daher die Deutlichkeit erfordert, eS diesem so nahe als möglich zu stellen. Die dahin gehörigen Falle sind etwa folgende. , 1. Hat einer von beyden Casibus em Pronomen bey sich, so siehet er dem andern gerne vor, er bezeichne nun den Gegenstand der Sache oder der Person: der Sterbende vermachte sein Vermögen fremden Personen; der Sterbende vermachte seinem Bruder alles; gib diesen Rath einem andern; gib unsern Freunden einen Räch; offenbare deine Geheimnisse niemanden. Wenn sich aber das Pronomen des einen Casus auf den andern Casum be.iehet, so muß es diesem nothwendig nachstehen: man verband dem Aranken seine lVunden. 2. Haben beyde Casus Pronomina bey sich, so sollte eigentlich die allgemeine Regel wieder Statt finden, und der Dativ dem Accusativs vorstehen; allein hier ist eS gemeiniglich gleichgültig, welcher» Casum man voran sehet: der Sterbende vers machte seinen: Vruder sein ganzes Vermögen, oder sein ganzes Vermögen seinem Vrus der; gib deinem Freunde diesen Rath, oder diesen Rarh deinem Freunde. Nur, wenn der Dativ unconcrescierte Bestimmungswörter bey sich hat, so wird er dem Accusativ? gerne nachgesetzet: offenbare deine Geheimnisse nur allein deis nem Freunde. ?. Ist einer von beyden Casibus ein Pronomen, so folgt dieses aus dem obigen Grunde allemahl unmittelbar auf das Verbum, es bezeichne nun 2.K. V.d. Folge d. Wörter. §.773.774. 559 nun den Gegenstand der Person oder der Sacke: gib es deinem Druder; sage dieses einein andern; gib uns einen guten Räch; er vermachte mir sein Haus. 4. Sind beyde Casus Pronomina, so wird der Accusativ gemeiniglich dem Dative vorgesetzet: sas ge es mir; schicke ihn uns. Doch treten die persönlichen Pronomina, und besonders die R-^ciproca den übrigen am liebsten vor: sage mir es; gib mir dieses; nimm dir dasselbe; sie ergaben sich ihnen; er bildete sich es ein; sie maßten sich ihn an. Indessen ist es oft gleichgültig, welches Pronomen voran gesetzet wird: sie maßten ihn sich an; er bildete es sich ein; ich will ihn dir, oder dir ihn anvertrauen; er gab es mir, oder mir es, mirs. §. 774. Wird der Gegenstand der Sache durch Fort- den Genitiv, der Gegenstand der Person aber durch sehung', den Accusativ ausgedruckt, so siehet der Genitiv, weil er den ganzen Aufschluß gibt, dem Accusativs nach: man überführte den Verbrecher vieler Missethaten; er begab sich der ganzen Sache; ich versicherte ihn dessen; man verwies ihn des Landes. Wird ein Verbum mit zweyen Accusativen verbunden, so siehet derjenige, welcher den eigentlichen persönlichen Gegenstand bezeichnet, dem andern vor: du nanntest deinen Freund dein alles; er schalt den Mann einen Verführer. Wird außer den Gegenstanden der Person und Sache noch ein Umstand durch einen Casum ohne Präposition ausgedruckt, so stehet er jenem nach: wir erwarteten den Gast drey Tage lang; Kk 4 man 52O I. Th. 4. Abschn. Syntax. man verband dem Rranken seine IlVunden des Tages dreymahl. Wird einer dieser Casuum durch ein Substantiv mit seiner Präposition oder durch einen Zwischensatz näher bestimmt, so erfordert die Deutlichkeit, daß er all? diese Bestimmungen so gleich nach sich nehme: der Röntg von Preußen gewann die Schlacht bey Prag; Cajus vermachte sein Haus vor der Scadc einem Fremden, welchen er nie gesehen hatte. Stelle der §. 775. Wird das Verbum außer dem Worte, Piüposition welches es unmittelbar regieret, noch durch eine Prä- mit ihrem pg^im, mit ihrem Substantivs bestimmet, so stehen diese gewöhnlich hinter jenen: die reiyendste Auss sicht erfüllet unser Auge mir dem sanftesten Vergnügen; das machte einen tiefen Eindruck auf unsere Sinnen; der Himmel gab dem Menschen die Vernunft zu seiner Füh- rerinn. Bezeichnet die Präposition mit ihrem Ca- su einen Umstand der Zeit und des Ortes, so kann derselbe auch oft voran stehen: die reitzendste Aussicht erfüllere an diesem Tage unser Auge u.s. f. Besonders wenn der Casus des Verbi kein Pronomen b?y sich hat: der^Vind zerbrach vor drey Tagen einen Vaum; ich fand in Berlin ein paar alte Bekannte. Die Ursache scheint darin zu liegen, weil Umstände schwächer bestimmen, daher sie in diesen Fällen den CasibuS des Verbi vortreten. Haben aber diese ein Pronomen bey sich, so erfordert die Deutlichkeit aus dem schon oben bemerkten Grunde, sie den Umständen vorzusehen, damit sie dem Gegenstande, aufweichen sie sich beziehen,^ nahe als möglich kommen: der XVind zerbrach diesen Vaum vor drey Tagen; ich fand unsern 2. K. V. d. Folge d. Wörter. §. 776.777. 521 unsern Freund in Berlin. Wenn daher einer von den Casibus des Verbi ein Pronomen ist, so stehet es den Umständen allemahl vor, und folget unmittelbar auf das Verbum. Werden Zeit und Ort zugleich durch Präpositionen mit ihren Substantiven bestimmet, so gehet die Zeit als die schwächere Bestimmung, deni Orte vor: der N)ind zerbrach vor drey Tagen in dem N)a!de einen Daum; ich sprach ihn vor vielen Jahren in Mien. §. 776. Wird ein Verbum durch mehrere Prä- Fort- posttionen mit ihren Substantiven bestimmet, so fol- sttzung. gen sie wieder nach dem Grade der schärfern Bestimmung auf einander. Zeit und Ort stehen, so fern sie bloße Umstände bezeichnen, und also am schwächsten bestimmen, allen übrigen vor, und da die Zeit die schwächste Bestimmung enthält, so gehet sie dem Orte vor: du rechnest ihn ohne Ursache unter die Ungetreuen; er trat wegen seiner Uns schuld mit fröhlichem Gesichte vor das Ge? richt, wo die letzte Bestimmung nicht bloß den Umstand des Ortes, sondern die Hauptbestimmung des Verbi enthält, daher sie auch zuletzt stehet; das Glück stehet mir dem Tode in einem grausamen Bündnisse; der Gefühllose blieb an diesein Tage, auf der schönsten Flur, bey aller Errveckung der zärtlichen Narur dennoch ohne alle Empfindung, wo die Bestimmung mit jeder Präposition und ihrem Casu steiget. §. 777. Auf eben dieselbe Art stehen alle uncon- Stelle der crescierte Bestimmungswörter hinter dem Verbo Adverbien, sinito, und zwar wiederum nach dem Maße ihrer Bestimmung, so daß die Umstandswörter, und unter diesen die der Zeit und des Ortes voran gehen, KtS die - 522 I.TH. 4.'Wschtt. Syntax. die des Umfanges, des Grades u. s. f. folgen, und das Bfchaffenheirsworr, als die stärkste Bestimmung den Beschluß macht: der^Vind wehet heftig ; der tVind wehet überaus heftig; der XVind weher heure überaus heftig; derN?ind wehete heute früh bey uns überaus heftig; ich sehe dich heute hier nicht gern; er reifere vorgestern früh von hier wieder weg. Fort- §. 778. Hat das Verbum einen Cafum bey sich, fttzung. und dieser ist ein Pronomen, so gehet er allen übrigen Bestimmungen vor: ich liebre ihn überaus zärtlich; er sägte es mir fehr offenherzig. . So auch gemeiniglich, wenn das Substantiv ein Pronomen bey sich hat, um es den Gegenstand, worauf es sich beziehet, fo nahe als möglich zu bringen: entdecke nur deinen Gram jeyr und an diesem Orte offenherzig. Hat der Accusativ der Sache kein Pronomen bey sich, so stehet er unmittelbar vor dem Beschaffenheitsworte, und nimmt die Umstände, als schwächere Bestimmungen, gern vor sich: der lVind wehete heute früh allen Staub auf der Gasse weg, oder heure früh auf der Gasse allen Staub weg; entdecke mir jerzr und an diesem (Drre das ganze Geheimniß offenherzig. Bezeichnet der scheinbare Casus Verbi einen bloßen Umstand, so wird er wie ein bloßes Umstandswort betrachtet: ich fahe ihn noch diesen Morgen hier ganz heirer, ebenso, wie man sagen wurde, ich fahe ihn noch gestern hier ganz heirer. Daß, der Nachdruck die gewöhnliche Wortfolge oft ändert, und ein Wort aus stincr gehörigen Stelle ziehet, um die Aufmerksamkeit vorzüglich darauf zu lenken, werden wir an seinem Orte sehen. Aber, da s.K. Von der Folge der Wörter. §. 779. 52z da es nicht selten dunkel ist, welches Glied der Rede schärfer bestimmet, a!6 das andere, so finden, auch süßer dein Felle des Nachdruckes, manche Abweichungen Statt, und oft ist es um eben deßwillen gleichgültig, wie man eines oder mehrere Worte ordnet. Z. B. ich schickte meinen Bedienten neulich über Land, und ich schickte neulich meinen Bedienten über L.and; obgleich die erste Stellung die bessere ist. 5?ing?gen in dem Satze, er vermachte dem Fremden gestern vor Gerichte sein ganzes Vermögen, würden sich die Worte nicht ohne Zwang anders ordnen lassen, weil hier, die Grade der Bestimmung zu deutlich sind. §. 779. Dasjenige Unselbständige, wodurch der Von dm Begriff eines Verbi finiti am stärksten bestimmt zusammen wird, macht den Beschluß der ganzen Rede, und ^c^" nimmt folglich alle übrige Bestimmungen zwischen ' sich und dem Verbo in die Mitte. Das gilt nun, 1. sowohl von dem eigentlichen Beschaffenheitsworte: das Pferd gehet sehr sicher; das Pferd gehec selbst auf unebenen N)egen sehr sicher; das Pferd ging neulich auf unserer Reise von Leipzig nach Dresden, und von da wieder zurück, überaus sicher; wo sicher dasjenige Be- schassenheitswort ist, welches den Begriff des Verbi gehen am schärfsten bestimmet, daher es auch den Beschluß der ganzen Rede macht, wobey nur dahin zu sehen, daß es nicht durch allzu viele und lange Nebenbestimmungen und Zwischensähe zu weit von seinem Verbo getrennet werde, weil sonst die Aufmerksamkeit den Faden verlieren, und die höchste mögliche Verständlichkeit leiden würde. Als auch 2. von den trennbaren Partikeln in zusammen ge« setzten Verdis; z. von den Participien in den zusammen gesetzten Zeiten, und 4. von den Infinitiven, X / 524 i. Th. 4. Abschn. Syntax. ven, so fern beyde zu Ergänzung der Verborum mit unvollständigen Prädicaten dienen. Die drey lehren Fälle müssen noch ein wenig näher betrachtet werden. In dem ersten Theile ist §. 4?4 f. gezeiget worden, daß die sogenannten zusammen gesetzten Verba im Deutschen von gedoppelter Art sind, indem sie entweder ächte od^r unächre Zusammensetzungen ausmachen. In den ersten ist nach der Natur einer jeden Zusammensetzung der bestimmende Theil auf immer mit dem bestimmten verbunden, daher auch dessen Stelle vor dem Verbo unveränderlich ist: das Land durchreisen, ich durchreise das Land, er hat das Land durchreiset. Nicht so die unächten Zusammensetzungen, welche bloß aus Mangel deutlicher Begriffe mit unter die zusammen gesetzten Wörter gerathen sind. Die Partikel folgt hier dem allgemeinen Grundgesetze der Wortfolge, indem sie im Infinitivs und den Participiiö voran tritt, bey dem Verbo finito aber nachstehe. Abgehen, abgegangen, abgehend, ich gehe ab, sie gingen ab; gerade so, wie man sagt, schnell gehen, schnell gegangen, schnell gehend, ich gehe schnell, sie gingen schnell. Dergleichen Verba ändern daher die gewöhnliche Wortfolge nicht im mindesten, und der ganze Unterschied bestehet bloß darin, daß man sich gewöhnet hat, sie in denjenigen Fällen, da die Partikel voran stehen muß, mit dem Infinitivs und Participio als ein Wort zu schreiben, da es doch besser gewesen wäre, man hätte sie getrennet gelassen, weil man sie in dem Verbo finito doch wieder trennen muß. Wenn daher ein solches Verbum finitum mehrere Bestimmungen bey .sich hat, so stehet die Par. tikel, 2.K. Von der Folge der Wörter. §.780. 525 tikel, als der am schärfsten bestimmende Theil, gleichfalls an dem Ende der Rede, und nimmt alle übrige Bestimmungen zwischen sich und dem Verbo in die Mitte: meine Hoffnungen fahren erschrocken auf, und schauen über den fchmahlen Rand des L.ebens hinab; er schenkte mir den De, eher der Trübsal voll ein; Tiberifche Künste hüllen feinen Anschlag in die dunkelfte Nachr der «elften Verstellung ein; wo die Verba in« finita auffahren, hmab schauen, einschenken und einhüllen heissen. §. 780. Eben dasselbe gilt auch von den so ge- Stelle der nannten zusammen gesetzten Zeiten, wo die Stel- Particivim lung des Pam'cipii nach dem Hülfsworte keine ""b Ausnahme von der Regel machen kann, so bald""""' man nur einiger Maßen deutliche Bgriffe von einem Perbo stnito und von einem Participio hat. Allein, da sich Sprachlehrer unter allen Geschöpfen Gottes bisher am wenigsten um klare und deutliche Begriffe bekümmert haben, so haben sie auch hier die Sachen ganz verkehrt angesehen, und das Participium für das eigentliche Verbum, das Hülsswort aber, für — nun für das Hülfswort gehalten, und da wollte denn freylich die Regel, daß das Verbum finitum seine Bestimmungen nach sich nimmt, nirgends passen. Es ist sihr erbaulich zu sehen, wie sie sich theils winden, theils auf gespitzten Zehen über die Sache wegeilen, wenn sie auf diesen Punct in der Wortfolae kommen. Man scblage z. B. Gottscheds und aller übrigen Sprachlehren nach, welche ihm in der grammarischen Kunst ahnlich sind. Die so genannten zusammen gesetzten Zeiten der Deutschen Conjugation bestehen aus einem Verbo finito 526 i. Th. 4. Abschn. Syntax» finito mit einem unvollständigen Prädicate, dessen mangelhafter Begriff durch ei» von einem andern Verbo abgeleitetes Participium elgänzet wird. Weil die Deutsche Conjugation den Begriff der völlig vergangenen Zeit aus der Wurzel eines Verbi nicht selbst machen kann, so muß sie ihn umschreiben, und dazu gebraucht sie ein Verbum finitum mit einem unvollständigen Prädicate, und das Participium Präteriti desjenigen Verbi, welches de» Hauptbegriff gewährtt, ich habe geliebt. Das erste wird daher das Hülfswort genannt, weil es den Begriff der Zeit mit den Nebenbegriffen der Person und Zahl ausdruckt, welche die Wurzel lieb nicht an sich selbst ausdrucken kann. Wer stehet nun nicht, daß dieses Hülsswort hier das eigentliche Verbum sinitum ist, indem alle Veränderungen der Person und Zahl an demselben allein vorgehen, dagegen das Participium, ob «6 gleich den Hauptbegriff enthält, in allen Fällen unverändert bleibt, und folglich weiter nichts, als ein von dem Verbo abgeleitetes Adverbium oder Beschaffenheit swort ist: ich habe geliebt, du hast geliebt, sie haben geliebt, ich werde geliebt, sie sind gclieber worden. Da es nun vor einem jeden andern Adverbis nichts weiter voraus hat, als die Abstammung von einem Verbo, daher ihm auch der Nebenbegriff der Zeit anklebt: so findet es auch in der Wortfolge seine Stelle da, wo ein jedes anderes Adverbium stehen würde, weil es den Begriff des Verbi finiti am stärksten bestimmet; folglich nimmt es auch alle übrige Bestimmungen zwischen sich und seinem Verbo finito in die Mitte: wir wurden bewirthet, wir wurden gestern bewirthet, wir wurden gestern von ihm bewirthet, wir wurden gestern überaus herrlich von ihm bewirthet; 2.K. Von der Folge der Wörter. §.780. 527 nicht die rollende Sonne, nein, die Tu? gend hat seinen Geist zur Reife gebracht. Kommt daher noch ein anderes Adverbium dazu, welches in den einfachen Zeiten die Hauptbestimmung enthält, folglich am Ende der Rede stehet, so überläßt cö in den zusammen geseßten seine Stelle dem Participio, theils weil dasselbe die schärfste Bestimmung enthält, theils aber auch, weil jenes Adverbium eigentlich wieder zur Bestimmung des Parti- cipii dienet, alles Unselbständige aber außer dem Verbo finito seine Bestimmung vor sich nimmt: er bewirthete uns überaus herrlich; aber, er wurde von uns überaus herrlich bewirthet. In den dreyfach Zusammen gesetzten Zeiten , wo das Verbum finitum durch zwey Partici- pia bestimmet wird, stehet dasjenige, welches die Hauptbestimmung der Zeit enthält, demjenigen, welches den vornehmsten Begriff der Sache enthält, nach: rvir sind überaus herrlich von ihm bewirthet worden. So auch der Infinitiv, so fern er zur Bestimmung eines Verbi finiti mit einem unvollständigen Prädicate gebraucht wird, in welchem Falle er wieder nicht anders betrachtet werden kann, als ein Adverbium, daher er auch mit demselben einerley Sttlle hat: ich will gehen, laß es fahren, er wird kommen. Kommen mehrere Bestimmungen dazu, so nimmt auch dieser selbige vor sich, folglich zwischen sich und dem Veibo finito in die Mitte: da ruhet er unter dem Scharren seiner Lorbern, heißt den Lärm des Hofes stieben, und nur eine kleine Fahl weifer Geister stch ihm nahen; ich sahe diefen Morgen die schwarze Gewitterwolke schnell über dem TVaide daher fahren. §. 78!. 528 i. Th. 4.Abschn. Syntax. Fort- §« Kommen zwey Infinitive hinter einem setzung. Verb» zusammen, so gehet der bestimmende vor dem bestimmten her, weil alles Unselbständige außer dem Verbo finito seine Bestimmung vor sich nimmt, und der bestimmte den Begriff des unvollständigen Verbi finiti am stärksten aufklär! t: ich habe ihn gehen lassen; ich will es dir verfertigen helfen; wir haben ihn kommen sehen. Wo lassen, helfen und sehen, durch gehen, verfertigen und kommen bestimmet oder erkläret werden. Drey auf einander folgende Infinitive find zwar weder ungewöhnlich noch völlig zu tadeln; allein, da sie viele Dunkelheit mit sich führen, so vermeidet man sie gern, so sehr man kann, zumahl da auch die Grade der Bestimmung hier dunkel werden. Ich habe dir die Sache verfertigen helfen wollen, scheinet die einige richtige Stellung zu seyn, weil wollen derjenige Infinitiv ist, der der Aufklärung am meisten bedarf, folglich die beyden übrigen als seine Bestimmungen vor sich nimmt; allein dem Wohlklange nach sagt man lieber, ich habe dir die Sache wollen verfertigen helfen, und siehet alsdann den Begriff des Helfens als denjenigen an, welcher dem ganzen Säße den völligen Ausschluß gibl-, fo daß derjenige Infinitiv, welcher den Hauptbegnff der Sache nach enthält, zwischen den zwey Infinitiven mit Nebenbegriffen in der Mitte stehet. Fort- §. 782. Da das Verbum durch sein unlelbstän-- setzung. diges Bestimmungswort, es sey nun eine Partikel in den unächren Zusammensehungen, oder ein Be- schafftnheicsworr, oder auch ein Participium und Infinitiv, seine ganze Verständlichkeit erhält, so erfordert die Deutlichkeit, es nicht durch zu viele und lange 2. K. V. d. Folge d. Wörter. §. 782.783. 529 lange Zwischensatze oder Bestimmungen von demselben zu trennen. Die Sonne ging am frühen Himmel über bethaure Hügel, welche ihr Haupt in ferne Thäler strecken, mit majestä- tischemIGlanze auf; wo das Verbum ging schon der Aufmerksamkeit entwischet ist, ehe sie »och an das Bestimmungswort auf gelanget. In dem gegenwärtigen und andern Fallen lasset sich die Dunkelheit dadurch heben, daß man das Bestimmungswort vor einem der Zwischensätze stelle, besonders wenn sich derselbe mit einer Partikel oder einem Re- lativo anfängt: die Sonne ging mir majestätischem Glänze am frühen Himmel über be- thaure Hügel auf, welche u. s. f. Der Reichsund Kanzelley-Styl ist voll solcher dunkeler Sätze, in welchen man oft den Athem verlieret, ehe man an das Bestimmungswort des Verbi gelanget. §. 78?. Was von allen diesen unselbständigen Von dem, Bestimmungswörtern des Verbi finiti gesagt wor-JnsMtive. den, gilt auch von dem Infinitive mit zu. Dienet derselbe zur Bestimmung eines bloßen Verbi finiti, so stehet er hinten: ich befahl ihm zu gehen; ich befahl ihm diefen Morgen in allein Ernste zu gehen. Hat er seine eigenen Bestimmungen bey sich, so nimmt er sie, wie alles Unselbständi- ge vor sich: ich befahl ihn, diesem Morgen in allem Ernste, mir so gleich aus den Äugen zu gehen; wo von, mir so gleich, an alles Besinn- mung des Infinitives ist, und daher vor demselben stehet. In den zusammen gesetzten Zeiten, d. i. werm das Verbum finitum noch durch ein Participium oder einen andern Infinitiv bestimmt wird, kommt es daranf an, welches Wort zunächst durch den ^n- Ade!.j?.Spr.U,?ö. !l finitw 5ZO I.TH. 4'Abschn. Syntax. finitiv mit zu aufgekläret oder bestimmet werden soff. Bestimmt er zunächst das Participium, so stehet er vor demselben, aus dem schon mehrmahls angeführten Grunde: ich habe es ihm zu wissen gethan. Dienet er einem in dem Sahe vorkommenden Substantive zur Bestimmung, so siehet er unmittelbar nach demselben: sie haben ihm ^Vcin zu trins ken gegeben, wc zu trinken nicht von dem Sub. stanrivo VVein getrennct werden kann. Bestimmet er das Ganze, b. i. das Verbum finitum mit seinem Participio oder Infinitive, so stehet er hinten, weil er hier den vornehmsten Aufschluß gewähret: wir haben beschlossen, diesen Tag auf dem Lande zuzubringen; er befürchtete, erkannt zu werden; ich wünschte ihn kennen zu lernen. In welchen beyden letzten und andern ähnlichen Fällen erkannt und kennen auch als Bestimmungen des Infinitives mit ZU angesehen werden können, daher sie ihm aus diesem Grunde vortreten. Oft ist es zweifelhaft, ob dieser Infinitiv zunächst das Ganze, oder das Verbum finitum, oder auch das Participium bestimmt, und alsdann ist auch dessen Stelle gleichgültig: ich habe ihm befohlen aus dem Hause zu gehen, oder ich habe ihm aus dem Hause zu gehen befohlen. In dem letztern Falle wird aus dem Hause zu gehen als Bestimmung des Participii befohlen, im ersten aber als Bestimmung des Ganzen betrachtet. Nur wenn er der eigenen Bestimmungen viele hat, so erfordert die Deutlichkeit, ihn hinten zu fetzen. Man kann allenfalls sagen, wir haben diesen Tag auf dem Lande zuzubringen beschlossen; aber nicht, ohne große Undeutlichkeit, wir haben diesen Tag mit unfern Freunden drey Meilen von hier 2^K. Von der Folge der Wörter. §.784. 5Z4 auf dem Lande zuzubringen beschlossen, weil das Bestimmungswort hier viel zu weit von dem bestimmten entfernet wird, daher es heijsen muß, Wir haben beschlossen, diesen Tag u. s. f. §. 784. Befindet sich in dem Satze eine Ver- Stelle der neinung, so verneinet sie entweder den ganzen Sah, Vemei- oder nur einen emzslen Begriff in demselben. Im erstem Falle stehet sie in den einfachen Zeiten, wenn das Verbum keine andere Bestimmungen als seine Casus bey sich hat, hinten: ich gebe es dir nicht; ich sahe ihn den ganzen Tag nicht. Hat dasselbe aber andere Bestimmungen bey sich, so tritt sie der letzten unmittelbar vor: er ist nicht zu Hause; er wohnet nicht hier; wir gehen heure nicht aus; wir werden dießmahl nicht zu Hause speisen. So auch, wenn das Verbum finitum durch ein Participium oder durch einen In. finitiv bestimmt wird: ich habe ihn den ganzen Tag nicht gesehen; er ist nicht zu Hause gekommen ; sie haben es nie gesagt. Verneinet sie einen einzelen Begriff, so stehet sie unmittelbar vor demselben, und kann ohne Veränderung des Sinnes nicht von demselben getrennet werden. Ich wünsche ihn nicht zu sehen, sagt etwas anders, als ich wünsche nicht ihn zn sehen, oder, nicht ich wünsche, ihn zu sehen. So auch: es ist dir nicht erlaubt zu gehen, und, es ist dir erlaubt nicht zu gehen; ich verlange nie, daß du verlieren sollst, und, ich verlange, daß du nie verlieren sollst. u. Von 5Z2 I. Tß. 4. Abschn. Syntax. II. Von der Folge der Wörter nach der Gemnthsstellung des Redenden. Abweichn»- §. 785. Was bisher von der Folge der Wörter LNIron die-irn Deutschen gesagt worden, betrifft den gewöhnst Folge, ljchs^,,, natürlichsten Gang der Vorstellungen und der Rede, aber auch nur nach dem darin zum Grunde liegenden allgemeinen Grundsätze. Freylich weicht der Deutsche, selbst in der einfachen unterrichtenden Rede, mehrmahls von der im vorigen bezeichneten Ordnung ab, und dieses geschiehet entweder auö Unwissenheit, aus Mangel des Geschmackes und des dunkeln Gefühles, welches allein den größten Theil der Menschen in jeder Sprache leitet, und alsdann auf eine fehlerhafte und sprachwidrige Art; oder auch auf eine erlaubte Art, wenn wider einander streitende Analogien zusammen kommen, und der Gebranch sich nicht auf eine bestimmte Art für eine von beyden erkläret hat, oder auch, wenn es zweifelhaft oder gleichgültig ist, auf welches Wort eine Be- siimmung gezogen werden muß. Es sind im vorigen von jeder Art einige Beyspiele vorgekommen; allein es gibt deren noch weit mehrere. Sie alle, oder auch nur einen beträchtlichen Theil derselben anzuführen , würde theils nicht ohne große Weitläufigkeit geschehen können, theils aber auch wenig Nutzen bringen. Hat man den allgemeinen Grundsalz, welcher in der Wortfolge zum Grunde lieget, einmahl recht gefasset, und in der Sprache nachzudenken gelernet, so wird man dergleichen Abweichungen leicbt selbst beurtheilen, und sich ihren Grund erklären können. Allein außer diesem Falle gibt es noch zwey sehr wichtige Gründe der Abweichung von der im vorigen beschriebenen Wortfolge, und diese sind, 1. der Gemüths»- 2. K. V. d. Folge d. Wörter. §.786.787. 5Z? Gemüthssiand des Redenden, wohin ich auch diejenigen Veränderungen rechne, welche durch die Con- junctioncn bewirket werden, und 2. der Nachdruck und die Abwechselung der Rede. Beyde sind sehr wichtig, daher wir umständlich davon reden müssen. §. 786. In Ansehung der Gemüthsstellung ist Verschiß die Rede eigentlich nur von gedoppelter Art; der denhcit Sprechende zahlet entweder seine Vorstellungen, so Rede wie er sie hat, ohne merkliche Gemüthsbewegung^.^ nach einander auf, oder er wird dabey von einer merklichen Veränderung des ruhigen Gemüchssian- des geleitet, welche denn auch eine merkliche Veränderung in der Folge der Ideen hervor bringet. Jeder dieser beyden Fälle theilet sich wieder in zwey andere, indem die Vorstellungen entweder ganz einfach ohne alle künstliche Verbindung der Sätze vorgetragen, oder die Sähe durch Conjunctioncn verbunden werden, welche denn wiederum eine Veränderung in der gewöhnlichen Wortfolge verursachen. Indessen lassen sich diese vier Fälle auf drey zu« sammen fassen, weil die Veränderungen, welche sowohl durch die verschiedene Gemüchssiellung, als auch durch die Conjunctionen bewirket werden, eigentlich nur dreyfach sind. Wir theilen daher die Wortfolge ein, in die natürliche, in die fragende und in die verbindende. 1. Die natürliche Wortfolge. §. 787. Unter der natürlichen Wortfolge verstehe Welche xiil- Zch hier diejenige, wo die Vorstellungen, so wie man le darunter sie ohne alle merkliche Gemüthsbewegung hat, so ein- schören, fach wie man sie hat, und ohne alle künstliche Verbindung der Sähe aufgezählet werden. Diese Wortfolge ist die erste und einfachste, und heißt daher die Ll 3 nacürs 5Z4 i. Th. 4. Abschn. Syntax. natürliche, obgleich dieser Ausdruck, ich gestehe es gern, eben nicht der schicklichste ist. Allein ich weiß deinen andern, der nicht wenigstens eben so viele Unbequemlichkeiten hatte. Dicse natürliche Wortfolge ist nun eigentlich diejenige, welche bisher in dem vorigen beschrieben worden, welche das Subject mit seinen Bestimmungen voran setzet, und auf dasselbe das Prädicat folgen lasset, doch daß das zum Prädicate gehörige Verbum finitnm seine Bestimmungen , nach dem Grade der Scharfe der Bestimmung, nach sich hat, daher das zu demselben gehörige Adverbium oder Verbum insinitum den Beschluß macht. Diese natürliche Wortfolge findet denn in der erzählenden, beschreibenden und unterrichtenden Rede Statt, so fern sie auf die einfachste Art ohne alle Verbindung der Sätze eingerichtet ist. Indessen findet hier wieder ein gedoppelter Fall Statt. Entweder macht der Sprechende seine eige- - ncn Empfindungen auf die fchon gedachte einfachste Art hörbar, woben er zugleich für die Wahrheit dessen siehet, was er saget, oder er führet sich oder einen andern empfindend oder redend ein, ohne für die Wahrheit dessen zu stehen, was er erzählet. Im ersten Falle gehet die Rede auf die im vorigen be« schriebene Art im Indicative fort, daher wir uns nicht weiter dabey aufhalten dürfen; der zweyte Fall aber macht die relative Hede aus. Rel-itivt- §. 788. Die relarivische Art der Rede bestehet sche Art der eigentlich aus zwey Theilen, aus dem Hauptsatze Lieds. 2t>^ Worte, welches die Empfindung oder Rede an- kündiget, und welches eigentlich im Indicative siehet, ich sprach, er jagte, man glaubte u.s.f. und aus der angeführten Empfindung oder Rede selbst. Diese kann nun auf gedoppelte Art angeführet werden, entweder 2.K. V. d. Folge d. Wörter. §.789.790. 5Z5 weder in der Person, in welcher sie gesprochen worden, ich sprach zu ihm, du bist ein Thor; oder noch mehr relativ, durch den Conjunctiv, entweder mit daß oder ohne diese Conjunction, ich sprach zu ihm, er sey ein Thor, oder daß er ein Thor sey. §. 789. Im ersten Falle, wenn man nähmlich Erste Art seine oder eines andern Worte in der Person, in derselben, welcher sie gesprochen worden, wiederhohlet, kann der Hauptsatz, welcher diese Worte ankündiget, entweder voran, l>der auch nach einigen der angeführten Wortestehen: ich sprach zu ihn,, du Thor, du bekriegest dicH; oder, du Thor, sprach ich zu ihm, du bekriegest dich. Stehet der Hauptsah nach einigen oder etlichen Worten, so tritt das Subject zugleich hinter das Verbum, und alsdann findet die folgende erste Abweichung von der natürlichen Wortfolge Statt: es schmerzt gar sehr, sprach er, sich so mir Undank belohner zu schen^ wobey nur dahin zu sehen ist, daß man durch den ankündigenden Saß nicht Worte trenne, welche nothwendig zu einander gehören. Allenfalls könnte man sagen: es schmerzt, sprach er, gar sehr, sich so u. s. f. aber nicht: es, sprach er, schmerzt gar sehr, noch auch: es schmerzt gar sehr, sich jo, sprach er, mit Undank u. f. f. Den fo gemeinen Fehler des großen Haufens, das sagte er, in Ansehung einerley Rede mehrmahls und oft bis zum Ekel zu wiederhohlen, wird man bey ein wenig Erziehung und Geschmack leicht vermeiden. §. 790. Führet man aber seine oder eines an- AnMeArt. dem Worte nicht in der Person, in welcher sie gesprochen worden, sondern mehr relativ, und allemahl in der dritten Person an, so kann solches im Deutschen auf gsdsppelte Art geschehen: Ll 4 -.Mit 5)6 i.TH. 4.Abschtt. Syntax. 1. Mit der Conjunction daß, und da diese eine von denjenigen Conjnnctionen ist, welche die Wortfolge ändern, und das Verbnm bis an das Ende der Rede werfen, so findet alsdann auch die folgende dritte Art der Wortfolge, oder die verbindend? Statt. In Ansehung des Modi, welcher in diesem Falle gebraucht werden muß, kommt eö auf die Gewißheit an, mit welcher die angeführte Rede begleitet ist. Eigentlich und am häufigsten, läßt man die Gewißheit unentschieden, und alsdann stehet der Conjunctiv: man jagte mir, daß er gekommen sey; es ist lins gemeldet worden, daß er es nicht thun wolle. Oft aber stehet auch der In. dicatw, besonders, wenn die Anführungsformcl im Präsenti stehet: man sagt mir, daß er schon gekommen ist, daß er es thun will; in welchem Falle denn der Sprechende die Gewißheit zugleich mit bestätiget. 2. Ohne die Conjunction daß, in welchem Falle die angeführten Worte allemahl im Conjunctive, stehen, und die natürliche Wortfolge bleibt, e6 müßte denn eine andere Partikel eine Veränderung nothwendig machen: man sagte mir, er sey gekommen. Es ist uns gemeldet worden, er wolle es nicht thun. Als man den paolr überreden wollte, zu den Französischen Truppen überzugehen, sagte er zu seiner Nation: was er suche, sey das schätzbarste unter allen zeitlichen Gütern, die Freyheit; die Anerbies tungen der Franzosen stritten wider seine Ehre, und wider den Geist der Freyheit, welcher in seinem Bluce walle, u. s. f. Wenn die angeführten Worte aus vielen auf einander folgenden Sähen bestehen, so pflegt nnn lieber 2.K. Von der Folge der Wörter. §.791. 5Z7 lieber die letzte Art als die erste zu erwähle». Hat man einmahl mit derselben angefangen, so muß man auch!darin fortfahren, und es ist nicht erlaubt, die Rede mir daß fortzusetzen; weil die Conjuuction alsdann Zweydeutigkeit verursachen, und causal scheinen könnte, da sie doch bloß circumscriptiv seyn soll. Hingegen pflegt man, wenn man die angeführte Rede mit daß angefangen hat, die Conjunction in der Folge oft wieder zu verlassen, und die Rede in dein Conjunctive ohne daß fortzusetzen, weil die eben gedachte Mißdeutung hier nicht mehr Statt findet: als man. den paoli — sagte er: daß dasjes itt'ge, was er suche, das schätzbarste Gm sey; die Anerbiechuugen der Franzose»» sinnen, und so ferner. §- 79i> den bisherigen Fällen litt die natür- Einfluß der tiche Wortfolge keine Veränderung, außer wenn eine Lonjunclie- dazu kommende Conjunction sie veranlaßte. Es ist ^"„^. ^ schon bemerket worden, daß die meisten Conjunctio- ^' neu sie verändern; indessen gestehe ich gern, .daß ich es mir noch nicht völlig deutlich machen können, was die Deutschen dunkel bewogen haben muß, nach den Conjunctionen von der gewöhnlichen Wortfolge abzuweichen. Um die ganze Aufmerksamkeit auf die Conjunction und ihren Begriff zu lenken, mußte man sie freylich voran stellen. Dadurch ward sie denn aber auch der unbestimmteste Theil des Satzes, zu dessen Bestimmung die ganze folgende Rede angesehen werden muß. Aber warum man eben nöthig fand, die Ordnung der folgenden Rede zu müdem, und dcis Verbum smimm an daö Ende derselben zn werfen, ist mir nicht völlig deutlich. Mai» sagt: er wird heute konuueu, er reisig diesen !11orgen ab. Aber warum sagt man nicht auch: ich weiß, daß er wird beute rommeu, wenn Ll 5 er 5zZ i. Th. 4. Abschn. Syntax. er reiset diesen borgen ab' sondern, ich weiß, daß er heute kommen wird; wenn er diesen borgen abreiset 2lllem Ansehen nach sahe man das Verbum finitum in diesem Falle als denjenigen Theil der Rede an, welcher am stärksten bestimmet, nnd fand daher nothwendig, dasselbe an das Ende der Rede zu werfen, und dessen Bestimmungen, welche demselben sonst Nachtreten, alsdann vorher gehen zu lassen. Indessen verändern eben nicht alle Conjunctio- nsn die natürliche Wortfolge, sondern eö gibt deren doch einige, welche sie uugeändert lassen. Diese sind denn, aber und sondern, wenn sie allein stehen, und kein anderes Wort in ihrer Gesellschaft haben, welches eine Änderung nothwendig macht; ferner vielmehr und zwar, wenn sie nicht am Anfange des Satzes, sondern nach einigen Wörtern stehen) doch und dennoch, wenn sie im Vordersatze stehen, oder wenn zwar vorher gehet; und hingegen und hergegen, wenn sie ein Substantiv begleiten, welches einem andern entgegen geseßet ist: seine Brüder müssen erst einwilligen, denn sie sind seine Mirerben, nicht, denn sie seine Miterben sind; die Tugend adelt, aber das Laster, oder das Laster aber schändet; du hast es nicht allein gethan, sondern du hast es auch nach der Thar gcläugnet; ich habe nichts unterlassen, ich habe vielmehr alles mögliche ge, tbcm; sie waren zwar unschuldig daran; ich j eue mich doch oder dennoch darüber, wenn gleich u. s. f. er ist zwar zornig, doch er wird sich noch besänftigen lassen. Auch die Partikeln allein, entweder, oder, nähmlich, und und weder ändern an der Folge der Wörter eigentlich nichts, sondern lassen diejmige stehen. 2.K. V.d. Folge d. Wörter. §.792.79?. 5Z9 stehen, welche anderer Ursachen wegen beobachtet werden muß. §. 792. Daß die merklich veränderte Gemüths- Arten der stellung des Sprechenden die natürliche Wortfolge Abweicdm,! verändern könne, ist leichter zu erklären, weil als- dann der unbestimmteste Begriff in der Rede, "uf^^" welchen folglich die ganze Aufmerksamkeit gelenket werden soll, voran gestellet wird. Bey einer Frage z. B. ist der Begriff des Verbi finiti in Ansehung des Sprechenden gemeiniglich der wichtigste, folglich auch der unbestimmteste Begriff, daher dasselbe alsdann auch voran gesetzet wird. Macht nun entweder die Gemüthsstellung des Sprechenden, oder auch eine Conjunction, ein Pronomen , und eine relative Partikel eine Abweichung nothwendig, so ist dieselbe nur von gedoppelter Art; entweder wird das Subject der Rede, oder der Nominativ hinter das Verbum gesetzt, olles übrige aber bleibt in der natürlichen Ordnung, oder es behält zwar der Nominativ seine Stelle vor dem Ver- bo sinito, aber dieses wird an das Ende der Rede geworfen, und nimmt alsdann alle seine Bestimmungen vor sich. Die erste Art heißt die fragende, die zweyte aber die verbindende Wortfolge. Von beyden muß noch etwas gesaAwerden. 2. Fragende Wortfolge. §.79?. Sie heißt die fragende, weil sie den Ihr Ge- Fragen vorzüglich eigen ist, ob sie gleich auch in man- brauch: chen andern Fällen gebraucht wird, wie ans dem fol- genden erhellen wird. Sie bestehet darin, daß das Subject, welches in der natürlichen dem Verbo fini- to vorstehet, hier demselben unmittelbar nachgesetzet wird, weil das Verbum hier als der wichtigste Ve- griff reden. 54Q i. Th. 4. Abschlt. Syntax. griff angesehen, und daher an die Spißs der Rede gcsicllsc wird, so daß selbst das Subject zu dessen Bestimmung dienen, und daher süne Stelle hinter demselben nehmen muß. Diese Wortfolge wird gebraucht : 1. In Anreden, Befehlen, Bitten und Aufmunterungen, wenn sie durch den Imperativ ausgedruckt weiden, und do6 Subject ein Pronomen ist: sage du es; erlauben sie mir, ee ihnen zu sagen; lasset uns gehen! Ist aber das Subject der zweyten Person ein Substantiv, so kann es sowohl vorn, als an einem schicklichen Orte in der Mitte, als endlich auch am Ende stehei,: 0 Gott, sende einen mitleidigen Strahl herab mich zu erleuchten! oder, sende, 0 Gott u. s. f. oder, sende einen mitleidigen Strahl, 0 Gott, herab u. s. s. oder auch, sende — erleuchten, oGocr! Ist der Saß ein wenig lang, so erfordert die Deutlichkeit, das Subject wmiastenS nicht bis an das Ende der Rede zu verschieben. Wird das Subject durch einen Bcy- saH umschrieben, so stehet es am schicklichsten voran, es mag nun durch ein Pronomen, oder durch ein Substantiv ausgedruckt werden: du, dessen 5Vorr aus der Finsterniß den Funken, die Sonne, heraus schlug, entzünde N?e:sheic in meiner Gecie! da man denn, wenn die Umschreibung ein wenig lang ist, auch wohl das Subject durch ein Pronomen hinter dem Verbo zu wiederhohlen pflegt: du, dessen N)orr — entzünde du N?elöhcie und so ferner. 2. In u'.?- §. 794. 2. In unmittelbaren Fragen, das ei- Mttelbarcn Amtlichste Feld dieser Wortfolge: wird dein Zraqen. F^tmd kommen ^ hast du es gethan? Stehet em 2.K. Von der Folge der Wörter. §.794. 541 ein fragendes Pronomen an der Stelle des Subjectes, so tritt es dem Verbo finito vor: wer ist hier? was ist zu thun:' wer hat das gethan? Wird die Frage von Fragwörtcrn begleitet, sie seyn nun fragende Pronomina oder auch Partikeln, so gehen sie mit allen ihren Bestimmungen dem Verbo vor, weil sie als der wesentlichste aber auch nnbe- siimmtcsie Theil der Frage die ganze Aufmerksamkeit auf sich lenken: wo sahest du ihn:' welchen Menschen meinest du? rvas für einen Fehler hast du begangen? Wo es folglich in unmittelbaren Fragen ein Fehler ist, das was für zu trennen: was hast du für einen Fehler begangen? Erlaubter ist diefe Versetzung in einer in eine Verwunderung eingekleideten Frage, wenn sie das Verbum an das Ende der Rede wirst: was das für ein Fehler ist! Da das fragende Wort alle seine Bestimmungen bey sich hat, und mit denselben vor das Verbum tritt, so gilt solches auch von dem wie, wenn es mit Adverbien, Adjectiven und ihren Substantiven verbunden wird: wie oft sagt er es? wie viel gab ich dir? wie viele Thaler waren es? wie viele Männer find gekommen? Ist die Frage von einer Conjunction begleitet, welche nicht eigentlich fragt, sondern die Frage nur durch einen Nebenbegnff bestimmt, so siehet sie hinter dem Verbo, und zwar entweder unmittelbar, oder mittelbar: steigen wohl füße Gerüche von uns entflammtem Weihrauch auf? Soll denn des Himmels doppeltes Eigenthun; verloren seyn? Mo bist du denn? welches im Nebenbe- griffe von: wo bist denn du? verschieden ist? Ist aber der Mann auch da? oder, ist der Mann aber auch da? Hat aber dein Freund es denn auch? 542 i.TH. 4. Abschn, Syntar. auch ^ Diejenigen Conjunctionen, welche beständig vom» stehen müssen, behalten ihren Plcch auch in Fragen, z. B. oder har er es denn auch ^ da- g?g?n diejenigen, deren Stelle in der natürlichen Wortfolge gleichgü'tlg ist, auch hier voran stehen können: aber hac er es denn auchSiehe den Abschnitt von den Conjunctionen. Wenn man die Frage eines andern unmittelbar wiederholtet, so bleibt die natürliche Ordnung, folglich nimmt das Subject seine Stelle wieder vor dem Vrrbo, da denn der bloße Ton der Stimme die Frage bezeichnen muß, nur daß das Verbum, weil hier nichts mit Gewißheit prädicieret werden kann und soll, im Conjunctivo stehet: ich härce das ge- sagt? dein Bruder sollte das gethan habend Wiederholtet man sie mittelbar oder mehr relativ, so findet die folgende dritte Art der Wortfolge Statt, folglich tritt das Verbum an das Ende der Rede: wer das gethan hat ^ S. §. 801. In Ver- H. 79;. z. Kleidet die Frage eine Verwunde- indcrun- nmg. oder einen Ausruf ein, so findet ein doppelter Fall Statt. Entweder ist die Frage mehr relativ, ' in welchem Falle denn, wie in allen relativen Fragen die folgende verbindende Ordnung gebraucht, folglich das Verbum bis an das Ende der Rede verschoben wird : was das für ein Fehler ist^ S. §. 8^i. Oder die Frage ist unmittelbar, da denn die gegenwärtige Wortfolge bleibt. Da eine solche in eine Frage eingekleidete Verwunderung allemahl Fragewörter bey sich hat, so stehen diese auch hier voran: wie voll war dieser 'Abend von den süßesten Freuden! wie glücklich sind doch die, welche nicht mehr erwachen! So auch mit der Verneinung: wie viele sanfte Ergebungen erwachen 2. K. V. d. Folge d. Wörter. §. 796^798- 543 wachen nicht mir jeder Morgenröthe für uns! Dos was für kann hier gttrcnnet werden, welches in eigentlichen Fragen nicht erlaubt ist: was sind doch das für seltsame Begebenheiten! für, rvas für seltsame Begebenheiten sind doch das^ Hat das zu dem Fragworte gehörige advcrbi- sche Bestimmungswort ein fo bey sich, so ist die Trennung am gewöhnlichsten: wie war dieser Abend so voll von den süßesten Freuden! für, rvie so voll war u. f. f. So auch: wie hast du doch alles so weislich eingerichtet! §.796. 4. In Wünschen, doch nur, wenn 4.Jn Wüm der Wunsch durch die vergangenen Zeiten ausg«- scheu, druckt wird, und keine Partikel da ist, welche eins andere Ordnung erfordert: hatte ich es doch nicht gethan! wärest du nur gekommen! möchte doch mein L,ied noch feuriger seyn! sollte Gorr, daß es nicht geschehe! Wird der Wunsch im Prasenti ausgedruckt, so bleibt die natürliche Ordnung: Gott wolle nicht, daß es geschehe! der Fimmel segne dich! Eine Ausnahme macht das im gemeinen ieben übliche behüte Gorr! Wenn in andern Fällen der Nominativ hinter dem Prasenti stehet, so rühret solches von einem ausgelassenen es her: segne dich der Himmel! §. 797. 5. Wenn das bestimmte Subject durch 5. Noch das Pronomen es unbestimmt angekündiget wird, dem r«. in welchem Falle jenes gleichfalls hinter dem Verbo siehet: es Lommc jemand; es steigen Seraphim von allen Scernen nieder, Raml. S. §. 644 iind 705. §. 798. 6. Wenn wenn, so oder da ausge- ö.und?. lassen sind, und von obgleich, obschon, da doch, N-ich P^. over "kein. 544 i'TH. 4. Abschn. Syntax. oder andern zusammen gehörigen Conjnnctioncn eine verschwiegen wird: kommt er, so ist es gm, für, wenn er koinmc; fthe ich ihn, so will ich es ihm sagen, für, wenn ich ihn sehe; bin ich gleich arm, so bin ich doch tugendhaft, für, ob ich gleich arm bin. 7. Nach so lind da, wenn sie im Nachsäße stehen: wo ich bin, da will er auch seyn; wenn es drey schlügt, so will ich kommen. Jnglei- chcn nach den vergleichenden solch, so, wenn sie die Rede ansangen: solch ein Mann, so ein Mensch, für die edlem ein solcher Mann, ein solcher Mensch. 8. Bey der §. 799- 8. Nach allen Wörtern und Ausdrü-- Aiversion. cken, weiche vermöge der Inversion die Nede ansangen: also will er es nicht thun:' für, er will es also nicht thun^ desto größer ist er, für, er ist desto größer; alsdann will ich es dir geben, für, ich will es dir alsdann geben. Wohin auch die adverbischen Ordnungszahlen, erstens oder erstlich, zweyten» u. s. s. gehören. Ferner alle mit da, dar und hier zusammen gesetzte determinative Partikeln, wenn sie den Saß ansangen: dahin sollst du gehen, für, du sollst da, hin gehen; hierin liegt es; damahls geschahe es; daraus sagte er. Jngleichen alle übrige Arten der Versetzung: einen solchen Mann habe ich nie gesehen; sterben will er noch nicht. Die Ursache ist, weil dergleichen Wörter hier wider die gewöhnliche Ordnung an den Anfang der Rede gestellec werden, die Aufmerksamkeit vorzüglich auf sie zu richten. Da sie nun zunächst zur Bestimmung des Verbi dienen, so muß dasselbe ihnen so nahe als möglich gebracht werden, daher denn der Nomi- Ä.Sap. Von d. Folge d. Wörter. §.800. 545 Nominativ, welcher eigentlich zwischen ihnen und dem Verbo stehen müßte, hinker dasselbe treten muß. Ein mehrereö sehe man im folgenden bey der Inversion. Hierher gehöret auch der Fall, wenn in der relä- tivischen Rede, der Sah, welcher die Anfühmng enthält, einem oder Mehrern Worten nachgesetzet wird; du Thor, spracb ich, du bekriegest dich, für, ich sprach, du Thor u. s. f. z. Verbindende Wortfolge. §. 8oo. In dieser Art der Wortfolge wird das EMWng Verbum, d.i. daö Verbum finitüM, als das wahre derselben» eigentliche Verbum, bis an das Ende der Rede geworfen, und nimmt daher seine Besi.mmungen alsdann nicht nach sich, sondern allemahl vor sich. Sie heißt die verbindende, weil sie nur nach verbindenden Und relativen Wörtern, besonders nach solchen Partikeln gebraucht wird, welche daher allemahl den Anfang machen, und die übrigen Bestimmungen des Verbi zwischen sich und demselben in die Mitte nehmen. Ich habe unsern Freund in langer Zeit Nicht gesehen, ist die natürliche Wortfolge; hast du unsern Freund in langer Feit nicht gesehen^ die erste abweichende oder frag-nde; weil lch ihn in langer Feit nicht gesehen habe, die zweyte abweichende oder verbindende» Daß diese Veränderung von den Partikeln, die sie veranlassen, herrühret, ist wohl gewiß; daß sie voran stehen müssen, weil sie dem ganzen Satze zur Verbindung dienen, läßt sich auch leicht begreiffen; daß dadurch eine Veränderung der Wortfolge nothwendig gemacht wird, weil etwas Unselbständiges in die Stelle des Subjectes gesetzt wird, ist gleichfalls nicht schwer einsehen. Nur das bleibt noch dunkel, warum man Adcl.iL.Spr.U.L, Mm eben 546 i. Th. 4-Abschn. Syntar. eben das Verbum bis an das Ende der Rede geworfen hat. Sahe man es etwa als die stärkste Bestimmung des ganzen Satzes an, und fand man es um deswillen nothwendig, ihm die Stelle des stärksten Bestimmungswortes einzuräumen? Wo sie §. 801. Doch dem sey nun wie ihm wolle, so Statt jm- findet diese Wortfolge Statt: i. Nach folgenden Conjunctionen: ,Alö, wenn eö consecutiv, comparativ und cau- sal ist: als dieses geschehen war; als wenn er es nicht gethan hätte; es kränkt mich zu sehr, als daß ich es vergessen könnte. Auf daß: auf daß er es künftig nicht wieder thue. Vevor, für ehe: bevor er es entdecken wird; bevor ich es werde gethan haben. Bis: bis die Sache geschehen ist; bis ich es werde gesagt haben. Da, in allen Bedeutungen: da es aufgehös ret hatte; da du es dennoch gethan hast. Dafcrn: dafern es geschehen sollte; dauern ich ihn nicht wieder sehen sollte. Daher, doch nur, wenn es mehr relativ gebraucht wird, besonders mit denn: daher es denn geschahe; daher denn der Verdacht entstand. Mehr positiv stehet die fragende Ordnung: daher geschahe es denn. Damit: damit es nicht geschehe, damit du dich darnach zu richten wissest. Daß, in allen Bedeutungen: ich sehe, daß er es ist; ich freue mich, daß du wieder angekommen bist; komm näher, daß ich dich betrachten könne. Demnach, 2.K. Von der Folge der Worter. §.8oi. 547 Demnach, doch nur in der veralteten Bedeutung für weil: demnach dieselben es verlanger haben. Desto, proportional, doch nur bey einigen, obgleich eben nicht auf die beste Art: je größer unsere Freuden sind, desto mehr rvir ihre Ver? gänglichkeit empfinden, besser, desto mehr em? pfindcn wir u. s. f. Dieweil, so ftrn eö noch für das bessere weil gebraucht wird: dieweil er es nicht thun wollte. Ehe und eher, doch nur im Nachsahe: er ließ sich lieber schlagen, ehe er es thäte; auch wenn derselbe voran siehet: ehe sie sich in ihrer Andacht stören läßt, eher läßt sie Herrn Simon rvieder sortreisen, Gell. Falls rind im Lalle: falls er kommen sollte; im Falle ich dich nicht wieder sehe. Gleichwie, für das bessere wie: gleichwie ich es dir schon gesagt habe. In, im Vordersatze: se größer du bist, je ( besser^ desto ) mehr demüthige dich. Und mit nachdem: je nachdem es die Umstände erfordern werden. Indem, wenn es zum Nachsäße oder Zwischensätze gehöret: er ging weg, indem ich ihm danken wollte; auch wenn der Nachsaß voran stehet: indem ich ihm danken wollte, ging er weg; ich bemerkte, indem ich stille stand, daß u. s. f. Macht eö einen Saß allein, so stehet die vorige zweyte Ordnung: ich wollte eben abreisen, indem kam er gegangen. Indessen, wenn es für indeß daß, oder da indessen stehet: du lebst in Freuden, indessen dein Land in Thränen schwimmt; besser da in- Mm s dessen- I 548 i.TH. 4. Abschn. Syntax. dessen. In andern Fällen bleibt die vorige zweyte Wortfolge: indessen geschahe es. Die nur noch in den Kanzelleyen üblichen maßen nndimmaßen: maßen er es auch verdienet, har. Nachdem, als eine consecutive Conjunction: nachdem er das gesagt harre. Stehet es für nach diesem, so findet die fragende Wortfolge Statt: nachdem (besser nach den,) habe ich ihn nicht wieder gesehen. 57?un, wenn es caufal ist: nun du nicht kommen willst, so u. f. f. (!)b: ich weiß nicht, oh er kommen wird. (Obgleich, obwohl, ovschon: sogleich kein Geist einen Raum einnimmt; oh er es gleich gewußt hat. Seit, seit dem: seit ich ihn gesehen habe, seit dem du gekommen bist. Das veraltete sintemahl: smtemahl ich von keinem Manne weiß. So, doch nur, wenn es conditional, coneesstv, resirictiv und proportional ist: so Gott will; so mirs nach Wunsche gehen wird; so gern ich auch wollte; so wie ich ihn kenne; so viel ich weiß; so albern der Einfall war, so sehr verfehlte er auch seine Absicht; wo nur im Vordersatze die gegenwärtige, im Nachsähe aber die vorige Wortfolge Statt findet. Ungeachtet, und das schlechtere unerachtet: ungeachtet ich es ihm verbothen harre. weil: weil du das gethan hast; weil ich noch hier bin. wenn: wenn ich ihn sehe; wenn du gleich größer bist; als wenn er es gesehen hat- te. Nur nicht in unmittelbaren Fragen. wie: 2. K. Von der Folge der Wörter. §. 8Ol. 549 lVie: wie ich ihn sahe; ich wundere niich, wie er es thun konnte; wie er es denn auch gesehen hac. NAewohl: wiewohl ich es weiß. lVo: wo du mir nicht folgest; wo du mir nicht hilfst. N?ofern: wofern ich es bewerkstelligen kann. Zumahl: zumahl da ich nichts davon wußte. 2. Nach den Pronominibus der, welcher, wer und was, wenn sie relativ stehen, folglich nicht unmittelbar fragen: eben derselbe, welchem ich es gegeben habe; nachdem es kommen wird; alles, was ich dir sage. z. Nach den Partikeln, weswegen, wo, wobey, von wannen, woher, wohin, womit, wozu, woran, woraus, worauf, worin, wovon, u. s. f. doch nur, wenn sie bloß relativ stehen, folglich nicht unmittelbar fragen: das ist eben der Grund, weswegen ich hier bin; wo ich es nur finde; wobey es fein Bewenden harre; von wannen er gestern wieder abreifere; woher ich diefcs weiß:' der Grc, wohin du gehest; die Sache, worauf alles ankommen muß. Fragen sie unmittelbar, fo ist die vorige Wortfolge nothwendig: wo ist er:' woher weißt du dieses^ Die mit da und dar zusammen gesetzten Partikeln werden zwar oft auch relativ gebraucht, und alödann mit dieser Wortfolge verbunden: daher es denn geschehen ist; dabey es denn blieb. Allein an seinem Orte ist bereits angemerket worden, daß dieser Gebrauch ein Fehler ist, und daß die Parcire!,-. dieser Art eigentlich nicht anders Mm z qlö 55o i. Th. 4. Abschn. Syntax. als determinativ oder demonstrative-relativ gebraucht werden sollten, in welchen Falle denn auch die vorige zweyte Wortfolge Statt finden muß: daher ist cs denn geschehen; dabey blieb es denn. 4. Nach ollen Fragewörtern, z.B. warum, was, rvas für, rvie, wo u. s. f. wenn sie nicht unmittelbar, sondern bloß relativ siagen: ich weiß nicht, warum er es nicht gethan hat; ich ses l>e schon, wie ich es anfangen muß; man fragte mich, rvas das für ein ^Nann sey. Stelle der §> 802. Alle diese Partikeln und Pronomina Partikw. fangen ihren Saß unmittelbar an, um die Aufmerksamkeit des 5?sers vorzüglich auf sie zu richten, da denn die ganze folgend? Rede als eine Bestimmung derselben angesehen wird, und da sie eigentlich zu dem Verbo gehören, dieses folglich die schärfste Bestimmung derselben gewahret, so macht es auch den Beschluß der Rede. Hat eines der im vorigen angeführten Wörter wieder seine Bestimmungen b-y sich, so nehmen wie, so, je, der (so fern es bloß relativ für welcher gebraucht wird,) welcher und wer dieselben unmittelbar nach sich: er weiß selbst nicht, wie gut er es haben wird; so sehr er sich auch darnach sehnet; bey welchem von euch beyden ich es finden werde; wen unter ui?s das Los treffen wird. -TtcSe des §. Zoz. Auf die Partikel und ihre Besiimnnm- Noniins? , wenn sie deren hat, folget eigentlich der Nominativ, oder das wahre Subject: wenn der Himmel uns damit beglücken wird. Ist der Casus Verbi ein persönliches Pronomen, so kann dieses jenem auch vortreten: wenn uns der Himmel damit beglücken wird; wenn dir dieses, (oder dieses dir) gelingen sollte. Ist aber der Nominativ 2. K. Vond.Folged.Wörter. §.805804. 551 nativ ein persönliches oder relatives Pronomen, so bleibt die natürliche Ordnung und das Subject stehet voran: wenn er dich damit beglücken wird, was sich nur finden wird. So auch, wenn zwey Casus Verbi durch Pronomina ausgedruckt werden: wenn der Himmel es dir gewähren wird, oder wenn er es dir gewähren wird. Läßt sich die zusammen gesetzte Partikel, welche den Anfang der Rede macht, theilen, oder hat die einfache Partikel noch eine andere in ihrer Gesellschaft, so können sie den Nominativ und die persönlichen Pronomina auch in die Mitte nehmen: ob ich ihn gleich warnrc; wie er es wohl weiß; wenn dein Freund nur das nicht verstehet; wenn es ja so seyn sollte. §. 804. Da das Verbum hier am Ende der Der Ve- Rede stehet, so gehen dessen BestinnnungSwörtcr, smmmmgS. anstatt daß es selbige in den vorigen Arten nach sich hatte, hier alle vor demselben her, und zwar in der ^' obigen natürlichen Ordnung und nach dem Grade der Bestimmung, daher alles, was das Verbum finitum unmittelbar und am stärksten bestimmet, als das Adverbium, die trennbare Partikel der unächtcn Zusammensetzungen, das Participium und der Jnfini. tiv unmittelbar vor demselben stehen: weil ich dich gewarner habe; wenn du nur kommen wirst; »ch weiß, was ihm am Herzen liegr. Da die trennbare Partikel der unächten Zusammensetzungen hier wieder vor das Verbum tritt, so wird sie auch, der einmahl angenommenen Gewohnheit zu Folge, mit demselben wieder als ein Wort geschrieben: als er es abschlug; daß er von hier ausgehe. Es gibt Schriftsteller, welche in diesen Fällen den Infinitiv und das Participium dem Verbo fini- - Mm 4 t» 552 i. Th. 4. Abschtt. Syntax. to nachsetzen, und vielleicht dadurch viel Einsicht in die Bestimmtheit der Rede zu verrathen glauben: wenn du einmahl zu reifern Iahren wirst kommen; warum Gorc solches über uns har beschlossen. Allein sie verrathen durch diese ungewöhnliche Versetzung wenig Kenntniß von dem Baue der Sprache und dem Gange der Vorstellungen in derselben. Wer das Participium und den Infinitiv dem Verbo finito hier nachsetzet, muß ein gleiches mit dem Adverbio, der trennbaren Partikel, und andern unmittelbaren Bestimmungen des Verbi thun, und z. B. sagen, daß er von hier gehe Kus, damit er es mache recht, was ihm liegt am Aerzen; weil hier einerley Grund vorhanden ist. llnd da es den» nicht fehlen kann, daß er sehr bald neue Fehler in der bisherigen Wortfolge entdecken wird, so wird er es auch in kurzem dahin drin-- gen, daß niemand ihn mehr verstehen wird, Stelle §. 805. Nur wenn zwey oder drey Infinitive ei- zweverIn? „em Verbo finito vortreten sollten, so erfordert der fmmve. WchMa,,.«., und vielleicht auch die Deutlichkeit der Redx, sie demselben nachzusetzen: ehe ich dich will unterdrücken lassen; weil ich ihn mußte gehen lassen; damit ich ihn nicht möchte kommen sehen; für, ehe ich dich unterdrücken lass sen will, well ich ihn gehen lassen mußte, damit ich ihn nicht kommen sehen möchte; gegen welche Härten sich das Ohx sträubet. Bey drey Infinitiven tritt der, welcher der Sache nach den Hauptbegriff enthalt, hier den beyden übrigen wieder vor: weil ich dir die Sache habe verfertigen helfen wollen^ für habe wollen verfertigen helfen; obgleich auch diese Hrdnuug eben kein Fehler ist, S> auch §. M, Wenn A.K. Von der Folge der Wörter. §.8O5. 55Z Wenn das Verbum durch ein Participium und einen Infinitiv zugleich bestimmt wnd, so ist diese Versetzung zwar auch nicht selten; allein sie ist hier unnöthig, weil der Wohlklang sie hier nicht erfor- dert: wenn ich es durchgesehen haben werde, weil cr sich die Sache so vorgestellt haben muß. Außer allenfalls, wenn sich daö Participium und der Infinitiv auf eine gleichlautende Art endigen : wenn ich es werde durchgesehen haben, wenn ich ihn werde gesprochen haben. Wenn bisher gesaget worden, daß diese Art der Wortfolge das Verbum bis an das Ende der Rede verschiebet, so verstehet eö sich, daß darunter nur derjenige Theil der Rede zu verstehen ist, welcher als ein eigener Satz betrachtet werden kann. Da die Deutlichkeit der Rede erfordert, das bestimmende Wort nicht so weit von dem bestimmten zu entfernen , daß dadurch der Faden der Vorstellungen abgerissen wird, und der jeser oder Zuhörer das bestimmte vergißt, ehe er an das bestimmende kommt, hier aber das Verbum die stärkste Bestimmung der Partikel ist, so muß die allzu große Entfernung beyder so viel als möglich vermieden werden. Der Kanzelley - und Curial-Styl, besonders in den Oberdeutschen Provinzen, ist hier ein Muster einer durch solche fehlerhafte Verschiebuug geflissentlich verdunkelten Schreibart. Z. B. wir wollen dir hiermit, das; du solches höchsten Fleisses vermeidest, und dich unserm ^Villen gemäß bezeigest, nachdrücklich und alles Ernstes anbefehlen. Ingleichen: wie cr, daß solches geschehen, auch von ihm nichr gehindert, oder geahnder, sondern vielmehr befördert worden, verantworten wolle. Die widrige Dunkelheit entstehet daher, daß man den Nachsatz als Mm 5 - einen 554 l.TH. 4« Abschn. Syntax. einen Zwischen sah behandelt, und ihn ans solche Art in den Vordersatz cinschiebet, daher sie wegfällt, so bald man beyde gehörig trennet: wir wollen dir hiermit — anbefehlen, daß du solches u. s. f. wie er es verantworten wolle, daß u.s. f. Auf welche Art auch wahre Zwischensätze ost in Nebensätze verwandelt werden können und müßen, wenn dadurch das Verbum zu weit von der Anfangs-Partikel , oder auch von seinem Adverbio getrennet werden sollte. Noch unerträglicher wird der Kanzelley - Styl, wenn er ganze lange Perioden als einen einigen Sah behandelt, und alle übrige Säße als Zwischensätze zwischen dem Verbo und seinen Bestimmungen ein- schiebet, oder wohl gar mehrere solche in einander verschrobene Sätze auf obige Art in einen zusammen dränget, da er denn gewiß versichert seyn kann, von niemanden unter dem Monde verstanden zu werden, ob es gleich scheinet, das? dergleichen unnatürliche Perioden in den Oberdeutsche» Kanzelleyen für vorzügliche Schönheiten gehalten werden müssen. I!l. Von der Inversion oder Abweichung von der gewöhnlichen Wortfolge um des Nachdruckes willm. ^Mirnnz §. Fo6. Die bisher beschriebenen Arten der ierftlbcn. Wortfolge machen die gewöhnliche aus, welche die, Natur der Rede oder die Gemüthssiellnng des Sprechenden erfordert. Indessen ist der Deutsche an diese Arm, der gewöhnlichen Wortfolge nicht so strenge gebunden, daß er nicht um des Nachdruckes, und ost um der bloßen Abänderung der Rede willen, davon sollte abweichen können, und diese Abweichung wird die Inversion oder Versetzung genannt. Der 2.K. Von der Folge der Wörter. §.8o6. 555 Der Grund dieser Freyheit liegt denn wohl ohne Zweifel in der Declination der Nennwörter, welche eine Versetzung der Glieder der Rede verstattet, ohne daß dadurch die Deutlichkeit und allgemeine Verständlichkeit gehindert würde. Sprachen, welche die Casus nicht an den Nennwörtern bezeichnen, wie z. B. die Französische, verstatten entweder gar keine oder nur eine sehr geringe Versetzung, weil das jedesmahlige Verhältnis; der Nennwörter und der zu ihnen gehörigen Bestimmungswörter nur aus der Stelle ersehen werden kann, in welcher sie stehen, daher sie ans derselben nicht verrücket werden dürfen, wenn nicht die Verständlichkeit leiden soll. Sprachen hingegen, welche vollständige Viegungs- zeichen haben, wie die Griechische und Lateinische, haben daher in der Oidnung der Wörter die größten Freyheiten, welche nur in wenig Fällen an bestimmte Regeln gebunden ist, weil das Verhältniß an jedem Nennworte und dessen Vesiiinmungswörtern so ge- nau bezeichnet ist, daß es immer kenntlich bleibet, es mag stehen, wo es will. Ob aber die Griechen und Lateiner in dieser Freyheit nicht oft ein wenig zu weit gegangen sind, und sich von alier bestimmten Ordnung in der Folge der Wörter los gemacht haben, und ob nicht bey aller vollständigen Declination die Verständlichkeit dennoch oft leidet, ist eine Frage, deren Untersuchung nicht hierher gehöret. Die Deutsche Sprache stehet zwischen denjenigen Sprachen, welche vollständige Biegungssylben haben, und zwischen denjenigen, deren Nennwörter aller Biegung beraubt sind, in der Mitte, d.i. sie bezeichnet einige Casus an den Wörtern selbst, aber sie bezeichnet sie nicht alle, und auch diese »reuigen nicht an ullen Wörtern. Sie hat daher mehr Freyheit zu versetzen, als die Französische und die ihr ähnlichen 556 i. Th. 4.Abschn. Syntax. ähnlichen Sprachen, aber weniger als die Griechi- sche und Rönnsche, und diese ganze Freyheit bestehet größten Theils darin, daß sie verschiedene Arten von Begriffen mit ihrem Zubehör aus ihrer gewöhnlichen Stelle heraus nehmen, und sie in die Stelle des Subjectes sehen kann. Womi sie §- 827. Das Subject ist allemahl der wichtigste, destcher. aber zugleich der unbestimmteste Theil der Rede, zu dessen Aufklärung der ganze folgende Theil derselben gereichet. Fange ich eine Rede mit ich an, so ist dieser Begriff an und für sich so unbestimmt, daß sich ohne den folgenden Sah nichts dabey denken läßt. Aber eben um deswillen wird mich die ganze Aufmerksamkeit des Zuhöhrers auf dieses Subject gelenket, und mit jedem neuen Ausdrucke in dem Sahe immer höher getrieben, bis sie am Ende,völlig befriediget wird. Man sieher leicht, wie viel der Nachdruck und die Abwechselung der Rede gewinnet, wenn es erlaubt ist, einen jeden beliebigen Begriff aus seinem Platze heraus zu heben, And ihn in die Stelle des Subjectes zu sehen, weil er dadurch zu dem Hauprbegriffe in dem ganzen Sahe gemacht, die ganze Aufmerksamkeit auf ihn allein gerichtet, und alles übrige, selbst das natürliche Subject der Rede, als Bestimmung desselben dargestellet wird. Ich liebte ihn einst zärtlich, ist die gewöhnliche Wortfolge, und da ist ich das natürliche Subject, welches als der Hauptbegriff angesehen, und daher auch durch den Ton hervor gezogen wird. Allein ist dem Redenden daran gelegen, lim des Nachdruckes willen, einen andern Begriff als den Hcmptbegrjff darzustellen, so kann er sagen: ihn liebte ich einst zärtlich' oder einst liebte ich ihn zärtlich' oder auch, zärtlich liebte ich ihn einst. Dkse Freyheit hat nun die Deutsche Sprache, 2.K. Von der Folge der Wörter. §.8c>8. 557 che, allein weiter erstreckt sie sich auch nicht, einen einigen eben nicht sehr beträchtlichen Fall ausgenommen. §. 808. Man merke noch vorläufig, daß so oft Fort- bey der Versetzung einzeler Begriffe mit ihrem Zu- Atzung, behör, ein Begriff in die Stelle des Subjectes tritt, welcher eigentlich nicht dahin gehöret, der Nominativ oder das wahre Subject allemahl hinter das Ver- bum tritt, wie in der fragenden Wortfolge, weil es nun nicht mehr den Hauptbegriff ausmacht, aber doch dem Verbo so nahe als möglich ist, bleiben muß, und sich daher hinten au dasselbe anschließt, wenn eö die Stelle vor demselben einem andern Begriffs einräumen muß. Diejenigen Begriffe, welche auf solche Art aus ihrer natürlichen Ordnung gezogen, und in die Stelle des PrädicateS gesehet werden können,, sind: 1. Ein Adverbium, als das Bestimmungswort des Prädicates, eö bestehe nun aus einem Umstandsworts, oder aus Einern Beschaffenheitsworte, oder auch aus einem Particip!»: noch immer liebst du Sclaverey und Mühe, siir du liebst noch immer u. s. f. So auch: mächtig sind die, welche mich hassen; dein ist alles, dein ist der Tag, und dein ist diese Finsterniß der !7lachr; noch vor morgen soll es geschehen; dort strahlen die edelsten Wahrheiten; nach und nach wurden wir vertrauter; bettübt sollte er seyn^ gesagt ist es zwar leicht. 2. Der Infinitiv, welcher in der Wortfolge nicht anders, als wie ein Adverbium betrachtet wird: graben mag ich nicht; fragen wollte er dich^ Doch läßt sich der Infinitiv nicht allemahl auf diese Art hervor ziehen. Boy zwey Infinitiven wird diese Verse- 558 r. Th. 4.Mschn. Syntax Verschung zu hart, man spreche nun, sagen hätt rest du cs sollen, oder sagen sollen harrest du es» Bey dreyen findet sie gar nicht Start: du hättest es mir sollen wissen lassen, leidet diese Versetzung nicht. Ein Umstand, oder eine Präposnion mit ihrem Casu: bloß für andere ist dieser Überfluß da, für, dieser Überfluß ist bloß für andere da. So auck: wenn von ihrem Genusse unsere ganze Seele erfüllet ist; auf diese Are weiß man doch, woran man ist; selbst in dieser !7?achr der Schwachheit schenkt sie der Seele Ruhe. 4. D.'r Casus Verbi: eine solche Ruhe ge- nießc die sterbende Unschuld, für, die sterbende Unschuld genießt eine solche Ruhe. So auch: die Elenden und Armen gibst du ihm, (dem Tode,) die Jugend und die Fröhlichen raubet er; ihm sollte ich ungehorsam seyn ^ dir grünet das Thal, dir sprießen die Blumen; sein ganzer Reichthum ist eine elende glitte. Von einem Fehler, weicher hier sehr gewöhnlich ist, wird sogleich §. 810, Num. 4 geredet werden. 5. Gehören dahin auch die Impersonalia, welche mit dem Dativs verbunden werden, und sich auf mehr als eine Art versetzen lassen: es grauet mir davor; mir grauer es davor; davor grauet co mir; und mit Weglasiung des es: mir grauer davor; davor grauer mir. 6. In der ersten abweichenden oder fragenden Wortfolge stehet das Subject allemahl hinter dem Verbo; allein es kann auch, um eines besondern Nachdruckes willen, demselben zuweilen vorgesetzet werden. Allein da dadurch das wesentliche Merkmahl 2.K. Von der Folge der Wörter. §.8c>8. 559 mahl einer Frage und der ihr ähnlichen GcmüthS- srelluugen zerstöret wird, so wird sie nur der höhern Schreibart, und auch hier nur in Fragen und Aue- rufungen erlaubt, wo die Stimme dieses aufgehobene Merkmahl allenfalls ersetzen kann, und auch alsdann findet sie nur Statt, wenn das Subject ein Substantiv ist, da es denn hinter dem Verbo vermittelst eines Pronominis wiederholtet werden muß/, die ewige ^achr, rvas ist sie sonst, als ein zorniger BlicL von dir! die Blüthe der Gesundheit, wie bald verwelkt sie in Arafrlo- sigkcir und Zxranrheit! In allen diesen Fällen ward ein Nebenbegriff in die Stelle de6 Hauptbegriffes oder Subjectes gefetzct. Allein es gibt noch einige andere Arten, wo es erlaubt ist, Nebenbegriffe in dem Säße selbst zu versehen. Einige der gewöhnlichsten sind bereits in dein vorigen bey der gewöhnlichen Wortfolge gelegentlich mit bemerket worden. Hier will ich de> en noch zwe» anführen, weil sie vornehmlich auch um des Nachdruckes willen gebraucht werden, i. Der Dativ kann, wenn er dem Accusativs vorstehen sollte, demselben folgen: ich gebe den Räch dir; laß diesen einzigen Trost der leidenden Unschuld; der Milch aus dem Felsen und tVein sich erschuf, Willam. Die Bestimmungswörter des Verbi nehmen in der natürlichen und fragenden Wortfolge in der Schärfe der Bestimmung zu, je weiter sie sich von demselben entfernen, in der verbindenden aber, je naher sie demselben rücken. In beyden Fällen wird die Aufmerksamkeit vorzüglich auf den Dativ gerichtet, wenn er dem Accusative nachgesetzet wird. 2. Die höhere Schreibart psiegt zuweilen, gleichfalls um des Nachdruckes willen, einen Umstand, oder Casum des Verbi, zwischen das Subject —^——— - - 560 i. Th. 4. Abschn. Syntax ject und das Verbum zu setzen, in welchem Falls das Subjit durch ein Pronomen hinter dem Verbo wiederholtet werden muß: die Freude des verjüngten Jahres, überall blickt sie hervor; der boje Mensch, gestern läugnete er es mir noch, oder der böse Mensch, mir läugnere er es noch gestern; für, der bose Mensch läugnere es mir gestern noch. Es gibt freylich noch Manche andere Arten der Versetzung, wovon aber die wenigsten empfohlen zu werden verdienen, theils wnl sie der Sprache zu viele Gewalt anthun, theils aber auch, weil sie die Absicht einer jeden Inversion, den Nachdruck, nicht befördern. Dahin gehöret z. B. wenn das Verbum in der verbindenden Wörtfolge vor dem Nennwerte siehet, an Statt, daß es den Beschluß der Rede ausmachen sollte: daß wer zu menschlich ist, nicht vernehme das Ach derer, die sterblich sind, Klopst. wo die gewöhnliche Wortfolge ohne allen Nutzen zerrissen ist. Überhaupt läßt sich das Verbum nicht leicht auö der ihm einmahl bestimmten Stelle verdrängen. Versetzung §. 809. Die Versetzung ganzer Säße geschiehet ganzer gleichfalls vornehmlich um des Nachdruckes willen, Satze. bestehet besonders darin, daß der Nachsatz in die St ile des Vordersatzes gesehet wirdi warum er das gethan hat, begreiffe ich nicht, für ich begreiffe nicht u. f. f. daß er heute kommen wird, rveiß ich. Sie hat gleichfalls die Wirkung, daß in dem versetzten Vordersahe das Subject hinter seinem Verbo tritt. Nur vermeide Man hier alle dunkele und harte Verstzungen, welche der Ver- siä'idlichkeü schaden, ohne diesen Nachtheil an dem Nachdrucke wieder einzubringen; besonders die Ein- schiebung 2.K, Von der Folge der Wörter. §.8lO. 561 schiebung des Nachsatzes zwischen dem Vordersatze und seiner Partikel, welche nebst andern ähnlichen gewaltsamen Verschlingen mehr zu den widrigen Schönheiten des Curial-und Kanzelley. SlyleS, besonders in den Oberdeutschen Provinzen gehö- ret: daß Ew. XVohlgcb. mit diesem Schreiben beschwerlich zu fallen, ich mir die Freyheit nehme; und damit er, daß man ihm rvohl gerathen, durch den Ausgang erfahre. §. 8io. Die Versetzung geschiehet allein um des Fehlerhaft» Nachdruckes willen, und dieser gründ. t sich, wie in Wersetzun« dem vorigen gezeiget worden, darauf, daß ein Ne- sen, benbegriff in die Stelle des Hauprbegriffes gesetzet, und dadurch zum vornehmsten Gegenstände der Aufmerksamkeit gemacht wird. Die Abänderung dev Rede kann nur in so fern die Verfßung berechtigen, als sie zugleich mit dem Nachdrucke verbunden ist, d. i. einen fruchtbaren Nebenbegriff in die Stelle des sonst gewöhnlichen Hauptbegriffeö sitzet. So sehr nun die Versetzung unter den gehörigen Umständen eine Schönheit ist, so verwerflich und fthl-rhaft wird sie, wenn ihr die nöthigen Erfordernisse fehlen. Die vornehmsten Fälle, in welchen sie unerlaubt ist, find etwa folgende: 1. Wenn sie bloß um des Reimes und Sylben- maßes willen geschiehet: eh Treu zu schwören ward zur Runst, für eh Treu zu schwören zur Nunst ward; wo der Nachdruck durch die Versetzung nichts gewinnet, zumahl da die Versetzung des Verbi in den meisten Fallen unerlaubt ist. So auch, wer heilig zu leben sich wagt, und die 5Vege der Tugend zu gehen. Nichts ist bey ältern und neuern Dichtern gewöhnlicher, als Versetzungen dieser Art; allein sie we den um deswillen Äd-l. D. Spr. 11. N. N n keine 562 i.TH. 4.Abschü. Syntax. keine Schönheiten, ob man sie gleich anderer wesentlicherer Schönheiten wegen übersehen kann und muß, wenn die Härte nicht gar zu überwiegend ist. 2. Wenn die trennbare Partikel der zusammen gesetzten Verborum aus' ihrer gewöhnlichen Stelle gerissen wird. Eine solche Partikel ist allemahl das stärkste Bestimmungswort des Verbi, und stehet als «in solches am Ende der Rede, der sie den völligen Auf- Muß gibt. Hier ist also ein wahrer und wesentlicher Nachdruck, welcher in der Natur der Sache gegründet ist. Nimmt man der Partikel diese Stelle, so kann man ihr keine andere als eine niedrigere geben, welche den Nachdruck aufhebt, und kein anderer Begriff, welchen man in ihre Stelle setzt, kann den Nachdruck ersetzen, weil die Partikel die stärkste Bestimmung enthält. Wie widrig klingt nicht folgende Stelle: dann sehen Engel weinend an der Hölle Zungen Bundsgenojsen. So auch: fort ist er schon gegangen, weg wäre er gereiset^ z. Wenn ein Wort zum Nachtheil anderer, welche nothwendig voran stehen müssen, hervor gezogen wird, oder mit andern Worten, wenn ein Begriff, welcher keinen Nachdruck gewähren kann, einem andern vorgesetzet wird, welcher einen natürlichen Nachdruck hat. Wer verstehet z. B. folgende Stelle: doch unnatürliches, wie schwer mans oft erkennet, weit schwerer wird dennoch Natur von Zxunst genenner^ Hall, wo die verschwiegene Conjunction so die Dunkelheit völlig unerträglich macht. 4. Wenn der unkenntliche Casus des hervor gezogenen Aecusativeö eine Zweideutigkeit verursacht. Die Frenheir der- Inversion hat ihren Grund in der eigenen Declination der Nennwörter, daher kann 2.K. Von derFolge der Wörter. §. 8io. 56Z kann sie den Casum Verbi in die Stelle des Subjectes setzen, weil man wegen des an den, Worte selbst sichtlichen Casus nicht in Versuchung gerathen wird, ihn für das wahre Subject zu halten. Allein da die Declination im Deutsche» nur mangelhaft ist, weil nicht alle Casus, und diese nicht einmahl an allen Arren von Substantiven bezeichnet werden können : so hat auch die Inversion ihre Gränzen, und ist unerlaubt, wenn die Unkenntlichkeit des Casus Dunkelheit und Zweydeutigkeit verursacht, weil die höchste mögliche Verständlichkeit das erste Grundgesetz in allen Sprachen ist, welchem Schönheit, Kürze und nicht selten selbst die grammatische Richtigkeit untergeordnet sind. Der Nominativ und Accusativ sind sich im Singular bey den Fämininis und NcutriS, im Plural aber bey allen Substantiven gleich. In der gewöhnlichen Wortfolge hat das für die Verständlichkeit keine weitere Unbequemlichkeit, weil die Stelle schon zeig-t, welches das Subject, und welches der sächliche Gegenstand des Verbi ist. Z. B. der Vögel Schaar durchschnitt die jovialische L.uft; wo man zwar an den Sub. stantiven Schaar und Luft und ihren Bestimmungswörtern den Casum nicht erkennen kann, aber doch aus der natürlichen Stelle ersiehet, daß Schaar das Subject, folglich der Nominativ, L.ufc aber der sächliche Gegenstand, folglich der Accusativ ist. Allein hier eine Inversion zu wagen, die jovialische Luft durchschnitt der Vögel Schaar, würbe bey der Unkenntlichkeit der Casuum Mißdeutung erzeugen, und folglich fehlerhaft seyn, weil man allemahl die gewöhnliche Wortfolge voraus setzt, und daher nothwendig Luft für das Subject, Schaar aber für den Gegenstand der Sache halten muß. Oft hebt zwar der Zusammenhang die Dunkelheit, Nil 2 MK 564 ?. Th. 4. Abschn. Syntax. wie'in dem eben angeführten Beyspiele; allein es bleibt allemahl ein Fehler der Schreibart und des Ausdruckes, wenn der Wortverstand versteckt ist, und erst mühsam erforschet werden muß, und überdieß gibt es der Fälle genug, wo auch der Zusammenhang nicht hinreicht, beyde Casus zu unterscheiden, wenigstens der erste Eindruck allemahl verworren und dunkel ist, wie in folgenden versetzten Ausdrücken: so beweint dein Grab die Liebe; meine Stimme höre deine Jugend; die frohe Jugend züchtigt das strenge Alter mit mürrischem Ernste; unvorsichtige Herzen überraschen die Laster. In allen diesen und tausend ahnlichen Fallen wird die gewöhnliche Wortfolge den Nominativ schon hinlänglich von dem Accusativs unterscheiden, und aller Verwirrung vorbeugen. Wenn aber auch diese nicht hinlänglich seyn sollte, z. B. in der höhern und dichterischen Schreibart, wo die Inversionen häufiger vorkommen, daher der jeser daran gewöhnet wird, und sie leicht da vermuthet, wo sie nicht sind, so erfordert die Deutlichkeit, der Rede eine andere Wendung zu geben, oder den Accusativ durch einen Beysatz kenntlich zu machen; z.B. unvorsichtige Herzen werden von den Lastern überrascht, oder die Laster überraschen nur unvorsichtige Herzen; wo das nur schon die Zweydeutigkeit hebt. 5. Wenn gleichgültige Wörter, welch? keinen wahren Nachdruck gewähren können, aus ihrer Ordnung gerissen werden. Die Inversion ist bloß dazu da, einen Begriff an eine Stelle zu fetzen, wo er die Aufmerksamkeit des Lesers oder Zuhöi-ers mehr auf sich ziehet, als in seiner gewöhnlichen Stelle. Geschmack und Beurtheilung?frafr müssen entscheiden, welche Begriffe dazu am schicklichsten sind, und einen wahren Nachdruck gewähren können, d. i. der Auf- 2.K. Von der Folge der Wörter. §. 810. 565 Aufmerksamkeit des Zuhörers vorzüglich werth sind, und zwar mehr als das Subject. Oft glaubt man, die Inversion sey als bloße Inversion schon eine Schönheit, allein man irret sich. Die Deutlichkeit und allgemeine leichte Verständlichkeit machen es zur Pflicht, das Gewöhnliche nicht oHne Noth, und überwiegenden Nutzen zu verlassen. Beyspiele ohne Noth und Nutzen angebrachter Inversionen sind etwa folgende: ungestümer von stürmischer Freude wallt nicht das ängstliche Herz des Missethäters auf; wo zwar die Stellung des ungestümer in den Platz des Subjectes zu dulden ist, die Aufmerkfamkeit vorzüglich darauf zu lenken, und folglich den Begriff zu erhöhen, aber die Versetzung der wirkenden Ursache von stürmischer Freude keinen begreifflichen Nutzen hat, und nur Dunkelheit macht. So auch: und hätt in Frieden bis an deinen Tod zu lassen dich der Herr der Herrscher beschlossen, ein wahres Muster einer verunglückten Inversion; zur Ordnung ward was ist, eh etwas war erlesen. Überhaupt sind zwey oder gar mehr Inversionen nicht leicht zu vertheidigen ^ weil sie wider die einige Absicht dieser Freyheit sind, nähmlich die ganze Aufmerksamkeit auf einen Begriff zu lenken, auf welchen sie sonst nicht fallen würde; zwey oder mehr Begriffe aber die Seele nicht gleich stark beschäftigen können, daher die übrigen Versetzungen wenigstens unnütz, folglich fehlerhaft sind, und nicht selten die Wirkung der ersten stören und aufheben. -H^^AAilsH» Nn z Drittes 566 i. Th. 4. Abschn. Syntax. «-- ,.,.,, . > ^.— --------^-K? -»-'-— ...... Drittes Kapitel. Von den Sätzen. Inhalt. ?. Verschiedene Arten derselben, Z. 8N-8IY. Erklärung eines Sarzes, §. 8ii. Von dem Subjecte und prädicate, z, zi2. Cintheilung der Sätze der Macerie nach, Z. 81Z.814. Der Form nach, Z. 815. Von den zusammen gesetzten Sätzen, Z. 816. Verschiedene Arten derselben, §. 817.818. Fehler bey denselben, Z.8iy. Z. Zusammenziehung der Sä- ye durch die Adverbia und parricipia, oder von der parricipial- «Lonstruccion, Z> 820- Erkiärung derselben, Z.820. Wenn sie Statt findet, H. 821. 822. g. Ausammenziehiing der Sätze durch die Adverbia, 8. 82Z. 824. b. Durch das Participium präceriri, §. 825 f. Wenn sie Statt findet, §. 825. 826. Wo sie gebraucht wird, §. 827. Fehlerhafter Gebrauch derselben, §. 828. c. Durch das Participium präsenris, §. 829 f. Wo sie Stattfindet, 82?. 8Z0. Wo sie nicht gebraucht werden kann, §. 8zi. cl. Feblerhafter Gebrauch dieser Construction, Z.8Z2, z. Verschiedene Arten der Sätze. §. 8». Erklärung /As ist zwar bisher nicht gewöhnlich gewesen, in eines Sa- V^. ^ Sprachlehren von den Sätzen zu handeln; allein es ist leicht zu zeigen, daß diese Lehre in denselben schlechterdings nothwendig ist, ja, was den Bau derselben betrifft, hier ihr eigentliches Feld fin» det, weil die Vernunftlehrc nicht eher von der Wahrheit und Anwendung der Sätze handeln kann, als bis z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §. Zu. 567 bis die Sprachlehre ihr durch den richtigen Bau derselben vorgearbeitet und dm Weg gebahnet hat. Die Sprachlehre hat es mit der Richtigkeit der Rede zu thun, und da die Sahe der wesentlichste Theil einer jeden Rede sind, so muß sie die Wörter wenigstens bis zu einem Satze verbinden lehren, wenn sie ihrem Amte eine Genüge thun will, zu geschweigen, daß die ganze iehre von den Conjunctionen hier ihre eigentliche Anwendung findet, und auch von der Par- ticipial-Construction, diesem so nothwendigen und in allen Sprachlehren so sehr vernachlässigten Gegenstände, nicht eher gehandelt werden kann, als bis man von den Sätzen erst die nöthigen deutlichen Begriffe hat. Herr Rector kleiner ist, so viel ich weiß, der erste, welcher in seiner philosophischen Sprachlehre auch hierzu mit dem ihm eigenen fruchtbaren Scharfsinn den Weg gebahnet hat. In dem Abschnitte von dem Ursprünge der Sprache ist bereits gezeiget worden, daß wir alle unsere klaren Vorstellungen und Begriffe den Eindrücken der Dinge von außen auf unsere Sinne zu danken haben. Eben daselbst ist auch bemerket worden, daß wir uns nicht ein Ding mit ollen seinen Bestimmungen ans einmahl klar denken können, sondern jede Bestimmung an demselben einzeln nehmen, «nd sie uns von demselben abgesondert denken müssen. Eine jede klare Vorstellung löset sich daher eigentlich in zwey Theile auf, in das Ding, welches den Eindruck auf uns gemacht hat, und in diejenige Bestimmung an demselben, von welcher der Eindruck zunächst herrühret. Allein, da diese beyden Theile noch keine klare Vorstellung ausmachen können, weil nothwendig auch das Verhältniß der ein« zelen Bestimmung gegen das Ding bestimmet werden muß, so erfordert eine jede klare Vorstellung Nn 4 drey 568 >.TH. 4.Abschn. Syntax. drey Theile, den Nahmen des Dinges, die Bestim- mung desselben, und das Verhältniß oder die Verbindung der Bestimmung mit dem Dinge. Der erste Theil oder das Ding, welches den Eindruck auf uns gemacht hat, heißt das Subject oder der Ge- gestand der Vorstellung, die beyden übrigen aber machen das prädicat aus; beyde zusammen genommen heissen ein Say. Da die Rede nichts anders N, als der hörbare andern vernehmliche Ausdruck unserer klaren Vorstellungen, so kann sie auch nicht anders beschaffen seyn, sondern sie zerfällt in Särze, deren jeder aus einem Subjecte und dessen prädicate besiehet. Ton dem H. 812. Das Subject ist dasjenige Ding, von Subjecte welchem eine Bestimmung gedacht oder ausgedruckt ^^''^ wird, es bestehe nun aus einem selbständigen Dinge, die Rose ist eine schone Vlume; oder aus einem unselbständigen Begriffe, so bald er nur einer Bestimmung fähig ist, oder sich etwas von demselben denken und sagen läßt: schwarz und weiß istzwexerley; Land und Volk regieren hemmt die Sorgen nie, Haged. In einer andern Betrachtung ist das Subject entweder das wahre oder logische Subject, dessen eigentliche Bestimmung der übrige Theil des Satzes ist; oder das grammatische oder künstliche Subject, wenn vermöge der Inversion ein Begriff aus dem Prädicate in die Stelle des Subjectes gesetzet wird, um die Aufmerksamkeit vorzüglich auf denselben zu lenken, da - denn der übrige Theil des Satzes als das Prädicat dieses hervor gezogenen Begriffes betrachtet wird: graben mag ich nicht, für ich. mag nicht graben; heirer war der Tag, für der Tag wa? heiter; wo ich und der Tag die logischen Subjecte ausmachen, welche aber durch die.Versetzung in Z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §. 812. 569 in die Stelle des Prädicates gerathen sind, dahex graben und heicer nicht anders als grammatische oder kunstliche Subjecte betrachtet werden können. Dahin gehöret auch das unpersönliche es, wenn es ein bestimmtes Subject unbestimmt ankündigt, und in Fragen, wenn mit einem unbestimmten Frage- Worte nach der Beschaffenheit eines Dinges qefrageS wird: rvas für ein Mann ist das? rvie groß rvar die Summe? In allen Fällen kann der Nahme des Subjectes wieder auf mancherley Are näher bestimmt werden, und zwar bey selbständigen Dingen durch concrescierte Bestimmungswörter, durch den Genitiv, oder eine Präposition mit ihrem Casu, bey unselbständigen Begriffen aber durch Ad« verbia, und wenn das Subject ein Infinitiv ist, auch durch den Casum Verbi, oder durch eine Präposition mit ihrem Casu. Das prädicar enthält die Bestimmung des Subjectes, und ist daher der wesentlichste und vorzüglichste Theil des Satzes, weil er dem Subjecte die ganze Aufklärung ertheilet, oder vielmehr, weil das Subject bloß um des Prädicates willen da ist. Da nun diese Bestimmungen sehr vielfach sind, so ist auch das Prädicar von sehr verschiedener Art. Eigentlich bestehet es aus zwey Theilen , einem unselbständigen Begriffe, welcher die eigentliche Bestimmung enthält, und der Verbindung desselben mit dem Subjecte; der erste macht das Präs dicat im engsten Verstände aus, die zweyte aber wird gemeiniglich die Copula, und im Deutschen das Verbindungsrvorr, aber da dieser Ausdruck zweydeutig ist, und auch von gewinn Conjunctio- nen gebraucht wird, bestimmter das Einverlei- bungsrvorr genannt. Da der Einverleibungö- begriff verschiedener Verhältnisse und Nebenbegriffs N n 5 fähig 5?o r.Ts> 4» Wschn. Syttt^. fähig ist, z. B. der Zeit, der Person, der Zahl tt.s.f. so hat man diese an dem Einverleibungöworte selbst auszudrucken gesucht, und daraus sind die Verba entstanden: der Tag ist schön; der Fluß war rief; alle Menschen find sterblich. Das Prä- dicat, welches vermittelst eines solchen Wortes dem Subjecte einverleibet wird, ist entweder der Nahme eines selbständigen Dinges, du bist ein Thor; oder ein unselbständiger Begriff, und besonders ein Beschaffenheitswort: der Baum ist hoch. Ohne Zweifel bestanden die ersten und ältesten Verba aus solchen Einverleibungswörtern, welche die bloße Einverleibung des Prädicates im engsten Verstände mit den schon gedachten Ncbenbegriffen, und weiter nichts ausdruckten. Allein, da man einmahl gelernet hatte, die Verhältniße der Zeit, der Person u. s. f. an diesen Wörtern selbst zu bezeichnen, so ging man um der Kürze der Rede willen, noch weiter, und druckte alle diese Verhältnisse und Nebenbegriffe auch an dem Prädicate selbst aus, der Apfel reifet, die Blume welket; für er wird reif, sie wird U?elk; und daraus entstanden unsere übrigen Verba, welche den Begriff des Prädicates nebst der Einverleibung zugleich ausdrucken, und daher Verba mir vollständigen, so wie jene Verba mit un- vollständigen prädicaten heißen. S. §. Z95. Ein solches Verbum mit einem vollständigen Prädicate nun ist oft schon allein fähig, den verlangten klaren Begriff zu erwecken, und alsdann karm es das Prädicat allein ausmachen: dein Feind schläft; die Uhr schlägt; die Sonne scheinet. Allein sehr oft und gemeiniglich ist es noch mancherley näherer Bestimmungen fähig, welche denn auf vielfache Art ausgedruckt werden können, entweder durch die Casus des Verbi, oder durch Präpositie- nen Z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §.8l2.8iz. 571 nen mit ihren Casibus, oder durch Beschaffenheitsund Umstandswörter, oder endlich auch durch alle oder mehrere dieser Bestimmungen zugleich: dem Feind schläft fest; dein Feind schläft dir zum Glücke fest; die Sonne scheiner rvarm; die Sonne schien diesen Mittag auf der freyem ZLbene überaus vvarm. Beyde Theile des Saßes, sie seyn nun von welcher Art sie wollen, können entweder bejahend oder verneinend seyn, nachdem ein Pradicat einem Subjecte zu-oder abgesprochen wird; das Subject nur, wenn ein Pradicat allen Dingen einer Art beygeleget oder abgesprochen wird, welches vermittelst der allgemeinen Zahlwörter all, jeder und kein geschiehet: alle Menschen sind sterblich, jeder Mensch ist sterblich, kein Mensch ist ohne Fehler; das Pradicat aber, wenn eine Bestimmung einem gewissen Dinge zu - oder abgesprochen wird : die Uhr gehet, und die Uhr gehet nicht. Doch da dieser Unterschied für die Sprachlehre nicht weiter fruchtbar ist, und es dabey nur auf den gehörigen Gebrauch der Zahl- und Verneinungswörter ankommt, welcher im vorigen bereits gezeiget worden: so halten wir uns hier nicht weiter dabey auf. §. 81z. Ein jedes einem Subjecte entweder zu- Einthei- oder abgesprochenes Pradicat macht einen Sah aus, wng der und da die Natur immer nur von dem Einfachern Sätze nach durch unmerkliche Übergange zu dem zusammen ge- ^ ^ ^ setztern fortschreitet, so bestand in der ersten Kindheit der Vorstellungen und der Sprache die ganze Rede aus lauter solchen einfachen neben einander gestellten Sahen, deren jeder sein eigenes Subject und Pradicat, und auch nicht mehr als eines, allenfalls mit einigen einfachen nahern Bestimmungen hatte. .Allem 572 r. TH. 4.Abschtt. Syntax. Allein mit der Zeit lernte man die Eintönigkeit und Weitschweifigkeit einer solchen Art des Vertrages empfinden, und sich Mittel verschaffen, die Rede abzuändern und abzukürzen, ohne der Verständlichkeit zu nahe zu treten. Man lernte zwey Sätze, welche einerley Subject oder einerley Prädicat hatten, in einen zu verwandeln, der Feind kam und todtere, für der Feind kam, der Feind todtste; man lernete bis Wiederhohlung der Nahmen durch die Pronomina vermeiden, man fand Mittel, mehrere Säße auf mannigfaltige Art in einen verbinden, und selbst die Gemüthsstellung des Sprechenden durch die Folge der Wörter in dem Satze zu bezeichnen. Dadurch entstand nun nach und nach eine große Verschiedenheit in den Sätzen, welche sich doch ins- Zssammt auf zwey Gesichtspuncte zurück führen lässet, auf die Materie des Satzes, d. i. auf die Begriffe und Vorstellungen, welche er enthält, und auf die Form desselben, welche von der Gemüthöstellung des Sprechenden abhängt. In Ansehung der Materie ist ein Saß entweder einfach, wenn er bloß aus dem Subjecte und dessen Prädicate bestehet; oder zusammen geseyt, wenn zwey und mehrere Sätze zu einem einigen Satze verbunden werden, der denn folglich mehrere Subjecte mit ihren Prädicaten enthält. Beyde Arten sind entweder nackte Sätze, wenn fowohl das Subject als dos Prädicat, ohne alle nähere Bezeichnung ausgedruckt werden, oder ausgebildete, wenn beyde nach ihren Verhältnissen, Eigenschaften oder Um- ständen, doch nur vermittelst einzeler Redetheile oder Bestimmungswörter, z.B. durch Adverbia, Adjectiva, Präpositionen mit ihren Casibus u. s. f. näher bezeichnet werden; oder endlich erweiterte, wenn Verhältnisse, Eigenschaften, ^ Umstände,, Bedingungen Z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §.814. 575 gen u. s. f. zwischen dem Subjecte und dem Prädicate in eigenen Sähen einqeschvben, oder auch als eigene, aber nicht vor sied besiehende Satze dem Prä« dicare angehänget werden. Dergleichen eingeschobene oder angchän'^te Sätze werden Nebensätze genannt, und stehen alsdann dem Hauprsarze entgegen, welchem sie zur nähern Bestimmung dienen. In allen Fällen können sowohl das Subject als das Prädicat entweder einfach oder mehrfach seyn, in welchem-Falle sie denn entweder ohne alle Verbindung neben eincm^r gestellet, oder durch Conjun- cuon verbunden oder ausgeschlossen werden. H. 814. Ein Paar Beyspiele sind zur Erläute- Fort- rung hinlänglich. sehnn«. l. Beyspiele einfacher Sätze. 1. Ein nackter einfacher Saß. (a) Mit einem einigen Subjecte und Prädicate: der Frühling nahet sich, (b) Mit mehrern Subjecten: der Frühling und die warmen Tage nahen sich. Schwäche des Geistes, Mangel des Geschmackes, Unruhe der Begierden, Ver, wöhnung an betäubende jLrgeyungen, pflegen das Vergnügen an den Aeirzen der tTxas rur zu rödten. (c) Mit mehrern Prädicaten: der Frühling naher sich und erfüllet alles mit Freude. 2. Ein ausgebildeter einfacher Satz: (a)Mit einem einigen Subjecte und Prädicate: der holde und so sehnlich erwartete Frühling naher sich mir schnellen Schritten, (b) Mit mehrern Subjecren: der holde und so sehnlich erwartete Frühling, und mir ihm die wieder verjüngte Freude nahen sich mir schnellen Schritten, (c) Mit mehrern Prädicaten: der ^ Schritten, . 574 Th. 4. Abschn. Syntax. ten, und verbreitet Leben und künftigen Überfluß um sich her. Der bescheidene Mond hebt sein Haupt hinter dem dunkeln lValds hervor, vecsuberc die Spiizen derDerge umher, und steigt feyerlich langsam am "blauen Fimmel herauf. z. Ein erweiterter einfacher Sah: der Frühling, auf welchen die Schöpfung bisher hars rete, und welcher Segen und Freude in feinem Gefolge har, nahet sich jetzt. Wo der einfache Hauptsatz durch Zwey Nebensätze erweitert worden. So auch mit mehrern Subjecten und Prädicaten. II. Beyspiele zusammen gesetzter Sahe. 1. Ein nackter: der Frühling nahet sich und der NAncer fliehet; wo zwey Sähe durch Und in einen zusammen gezogen sind. 2. Ein ausgebildeter: der holde und so sehnlich erwartete Frühling naher sich nur schnellen Schritten, und vor seinen erwärmende» Lußtapfen fliehet der mürrische lVinter. z. Ein erweiterter: der Frühling, aufweichen» die Schöpfung bisher harrece, nahet sich seyt, und nun siieher auch der lVinter, welcher die ländliche Freude in finstere Zimmer verbannece. Man siehet leicht, daß der Veränderungen in allen diesen Fällen sehr viel seyn tonnen, nachdem die Subjecte oder Prädicate gehäuft, die Nebensätze, vermehret, nackt vorgetragen, oder ausgebildet werben. Die Erweiterung der Nebensätze durch neue Zwischensätze aber wird wohl nicht leicht in einem Falle zu entschuldigen seyn können, weil sie Verwirrung verursacht, und die Aufmerksamkeit auf die schärfste Z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §.814.815. 575 schärfste Bestimmung des Hauptsaßes störet- Wer kann den Satz ertragen: der Frühling, auf welchen die Scdöpfung, die bisher mir Schnee und Eis verschlossen war, so lange harrere, naher sich ieyc; wo die drey auf einander folgenden und zu drei, veifchiedenen Sahen gi-höngm Prä- dicate, nothwendig die Aufmerksamkeit zerstreuen und Verwinung verursachen müssen. E'N-äasicher wird es, wenn man das Einschiebsel des Nebensahes, als einen zweyten Nebensatz ne^en dem ersten ssllet: der Frühling, auf welchen die Schöpfung harrere, die bisher mir Schnee und 5Äs verschlossen war, naher sich jerzr; oder das Einschiebsel in ein Participium verwandelt; der Frühling, auf welchen die bisher mir Schnee und jAs verschlossene Schöpfung fo lange harrere , naher sich jeyr, oder noch besser, wenn man das Prädicar des Hauptsaßeö durch die Inversion hervor ziehet: jerzr nahet sich der Frühling, auf welchen die Schöpfung, die bisher — verschlossen war, fo lange harrere. Das erste Mittel ist nur alsdann anwendbar, wenn das Rela- tivum des zweyten Nebensatzes dem Begriffe in dem ersten, welchen es erweitern soll, nahe genug gebracht werden kann. Es läßt sich nicht sagen: der Frühling, auf welchen die Schöpfung so lange mir Schmerzen harrere, die bisher u. s. f. weil das Relativum die hier zu weit von seinem Substantivs entfernet ist, und wohl gar auf Schmerzen gezogen werden könnte; wohl aber, der Frühling, auf welchen bisher die Schöpfung harrere, die u. s. f. §. 815. Die Form der Säße, d. i. die Art, wie Form der sie vorgetragen werden, hängt von der Gemuthsstel- Sätze, lung des Sprechenden ab , welche entweder erzählend 576 i. Th. 4. Abschn. Syntax. lend und unterrichtend ist, wenn derselbe Begs» benheiten und Urtheile, so wie er sie empfunden hat, darstellet, oder bittend und befehlend, oder fragend, oder wünschend, oder endlich auch ausrufend. Ost können mehrere Formen in einem und eben demselben Sahe mit einander abwechseln. Die erzählende mit der ausrufenden: ich weiß du bist stolz, 0 der Stolz erblaßt vor einer solchen Scene! für das kältere, aber der Stolz u. s. f. Die erzählende mit der fragenden: wenn dieses ist, welche lVorre find denn traurig genug, ein solches Bild zu schildern? für das mattere, wenn dieses ist, fo sind keine N>orce u.s.f. ßusammen §- 8-6. Zusammen geseßte Säße sind solche, wo gesetzt» zwey oder mehrere Sätze vermittelst der Conjuncrio- EäSe» nen in einen Saß zusammen gezogen werden, sie mögen übrigens verschiedene Subj-cte, oder ein und eben dasselbe Subject haben. Da die Conjunctionen dazu dienen, Verhältnisse zwischen den auf solche Art zusammen gezogenen Säßen zu bezeichnen, so sind diese Sätze so vielfach, als e6 Verhältnisse gibt, welche sich durch Conjunctionen ausdrucken lassen, folglich fo vielfach, als die Conjunctionen in einer Sprache sind. Und da jede Art durch Nebensäße wieder mancherley Erweiterungen verstattet, so siehet man leicht, daß die Sätze unzähliger Abänderungen fähig sind. Die copulativen, cantinuativen, disjunktives und erclusiven Conjunctionen können drey und mehrere Sätze in einen zusammen nehen, allen, die übrigen verbinden deren nur zwey, welche allemahl in einem gegenseitigen Verhältnisse stehen, und wovon derjenige, welcher den Grund des andern enthält, »der um deswillen der andere vorhanden ist, weil er gemei° Z.Kap. Sätze, r. Ihre Arten. §.817. 577 gemeiniglich voran stehet, der Vordersatz, verändere aber der 57?achsarz genannt mi- d. Beyde lassen sich, sowie das Subject und prädicar, in den wahren oder logischen, und in den künstliche»» oder grammatischen Vorder- und Nachsatz eintheilen. Der wahre oder logische Vordcrsay ist derjenige, welcher der Natur der Sache oder dem Verstände nach, den Grund des andern enthält: weil die Anstalten so schön getroffen rvaren, so gingen sie gut von Statten, wo die wirkende Ursache der Natur der Sache nach vor der Wirkung her gehet. Der künstliche oder grammatische ober, der nur in die Stelle des erstem gesetzt wird: die Anstalten gingen gut von Statten, weil sie so schön getroffen waren, wo die Wirkung der wirkenden Ursache vorstehet. So auch mit den Nachsähen. §. 8'?. Die vornehmsten Arten der "zusammen Arten lm- geseßten Säße nach Maßgebung der Conjunctjomn selben, sind folgende. I. Copulatl've, wenn' ;we» oder mehrere Sähe in einem gleichen Verhältnisse stehen, und daher entweder nur neben einander aufgezählet, oder mit einem Nebenbegriffe der Steigerung neben einander gestellet werden. Das erste geschiehet twrch die Con- junctionen und, ungleichen, desgleichen, dergleichen , sowohl — als auch; das letztere durch auch, wie auch, nicht allein — sondern auch u. s. f. Die dicken 5Volken zerflogen, und der Himmel lächelte über das hervor- sprießende Grün der Felder hin. — Graben mag ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. — Durch dergleichen Streitigkeiten wird nicht allein alle Hoffnung zur LAnig-- Zldel.jv.Spr.u.D. Oo keit 578 r.'TH. 4. Absthn. Syntax. keir benommen, sondern auch vieles Aergerniß angerichtet. — Gtax ist bey dem allen nicht allein blödsinnig, er ist auch wirklich boshaft, oder, sondern er ist auch wirklich boshaft. Man vermeide hier das Oberdeutsche nicht nur allein, für nicht allein oder nicht nur. 2. Continuatl've, mehrere Gründe, Urtheile oder Sähe ihrer Zahl oder Folge nach mit einander zu verbinden, (S. §. 544.) Zum ersten, oder erstens war die Nlurerung nicht günstig zu reisen, zum andern (zwcycens) fehlete es mir noch an einigen Bedürfnissen, dann fanden sich noch einige andere Hindernisse, und endlich hörre auch die Ursache der Reise auf. Z. Circumscriptive, wenn der eine Satz den leidenden Gegenstand oder das Pradieat des andern vorstellet, S. §-544 und 754 bey dem daß: es schien, daß oder als rvenn unsre Sinnen ge, schärfet würden. — Der Rönig verordnete, daß in jedem Bezirke Aufseher über die Handlung und das Gewerbe verordnet, Bergwerke angeleget, und Jahrmärkte eingeführet werden sollten. — Das Vergnügen unterscheider sich von der Zufriedenheit bloß dadurch, daß es lebhafter ist. Ost auch mit der Inversion: daß er ein ehrlicher Mann ist, weiß ich lange. — Daß es fo kommen würde, habe ich mir wohl vorgestellet. 4. Condmonale, wenn der eine Satz die Bedingung , der andere über den möglichen Erfolg enthält, welcher Erfolg den Hauptsatz ausmachet, der wenn wenn die Bedingung begleitet, sowohl vorne als hinten stehen kann: wenn ich dir zeigte, daß du dich bemegcst, und deiner Leidenschaft blind? Z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §.817. 579 blindlings folgest; so würdest du dich schämen, odev, du würdest dich schämen, wein? ich dir zeigte u. s. f. oder, wenn ich dir nun zeigte, daß — wie würdest du dich da schäme» ! Wo Bedingung und Erfolg auch ohne Con- junction Verbund«» we>.d>n können: man lehre den Menschen nachdenken, Urtheile bilden und Ideen nur einander vergleichen: sogleich wird er ansaugen, sich mehr mir geistigen Gegenständen zu beschäftigen, als vorher. Ich thue es nicht, er verspreche mir denn, daß er zu mir kommen wollte. — Ich will es dir sagen, doch musc du mir versprechen, daß du mich nicht verrathen willst. — Da hast du bare sunszig Thaler, nur unterlasse den Gesang, Hag. Oft ist der Sah der Form nach condttional, aber dem Verstände nach causal: wenn häustge Zujammenkünfte die Geselligkeit unterhalten, die Girren verfeinern, und den guten Geschmack allgemeiner machen: so haben die Gesellschaften der feinern lVelc noch einen neuen Vorzug / und es ist nicht nur Wohlstand, sondern auch Pflicht, sie zu besuchen. 5. DisjlMctive, wenn mehrere mögliche Fälle oder Bedingungen einander ausschließen: entweder alles ist Vlenbwerk, und es :st kein Zu? sammcnhang, kein Ginn, kein Endzweck in allem, was unter der Sonne ist; oder der Himmel ist ein unendliches, ein unschätzbares Kleinod. — Sein Leben war so rugcnds haft und sein Herz so rein, daß entweder künftige Scenen Palmen zu geben haben, oder er wäre nie gebohren worden. Oo - 6. Adver- 58O !. Th. 4. Mschn. Syntax. 6. Adversative, wenn von zweyen Sätzen einer dem andern entgegen gesetzet, oder einer durch den andern eingeschränkt wird: ich gestehe es, dieser Beweis ist alr, aber die VVahrhcir wird durch keine Jahre geschwächt. — Die Vernunft ist keine erworbene Geschicklichkeit, sondern sie ist eine Gabe der Narur. — N)ie glücklich sind doch die, welche nicht mehr erwachen; allein auch dieses wäre vergebens, wenn Träume das Grab beunruhigen. — Das Lesen des Euclides erwecket Vergnügen, aber freylich nur den: Geomccer. - Alle alte Spartaner liebten die Leibesübungen, die Jagd, den Ixrieg und die Beschwerlichkeiten; alle Sybariren hingegen die XVeich- lichkeir, den Müßiggang und die sinnlichen Argeylichkeiren. 7. Concefsive, wenn der eine Saß die scheinbare Aushebung des andern verneinet, oder wenn von dem einen Sahe behauptet wird, daß er der Wabrhnt des andern keinen Eintrag thue: ich ha? be gefehlt, so sehr ich mich auch bestrebte, nicht zu fehlen. — «Obgleich alle Menschen Ainder eines gemeinschaftlichen Stammvaters sind, so sind sie doch in der äußern würde von einander unterschieden. — Unsere Neigungen sind ihren: tVerthe nach gar sehr verschieben, ob sie gleich in ihrem Ursprünge alle gleich edel sind. — Glänzt der Lands »:?ann gleich nicht in Purpur, so erserzr ihm cd die ländliche Ruhe die Abwesenheit des städtischen Schwulstes reichlich. 8. Causale, wenn der eine Saß die Ursache -chc- den Zweck unv der andere die Wirkung enthält, ws z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §. 8'?. 58» wo gemeiniglich die Folge oder Wirkung vor der wirkenden Ursache hergehet, aber auch auf dieselbe folgen kann: der Landmann ist frey von den Schmerzen des Mitleidens, weil er keinen Dürftigen Mangel leiden siehet. — Gefällt den: Ehrgeizigen fein Rang, wozu er sich erhoben hat, weil er sich geschmeichelt und gefürchtet sichert — N?ie mancher hat mit Freuden allen fußen Ergebungen der Sinne entjagt, um sich ganz dem geistigen Vergnügen zu widmen! — Frankreich fürchtete, daß Corsica unter eine fremde Seemacht kommen möchte, daher vereinigte es sich mit der Republik, die Ruhe in derselben wieder herzustellen. — lVie sollte der Peruaner nach dem Gelde begierig feyn können, da er die Vortheile nicht kennet, welche es ihm verschaffen kann^ — Die Lebhaftigkeit unsers Vergnügens entstehet aus dem Verlangen; denn ohne Verlangen gibt es in der N)elr keinen lebhaften Grad des Vergnügens. 9. ErplüNative, wenn der Nachsah eine Erklärung, Erläuterung, oder nähere Bestimmung des Vordersatzes ist: die Erfahrung lehret uns, daß ein genossenes Vergnügen in Schmerz und Verdruß ausarten kann, das ist, (oder) daß es die Ursache eines größcrn Verdrusses werden kann, als in seiner Art das Vergnügen war. — Es gibt eine Art von Mörtern, welche für den Philosophen sehr voichcig sind, nähmlich diejenigen Ulörter, weiche natürliche Zeichen derjenigen Ideen sinv, welche sie ausdrucken. Qo z lo. Com- §F2 i.TH. 4.Abschn. Syntax. io. Comparative, wenn entweder der eine Satz ein sinnliches Bild des andern enthält, oder überhaupt zwey Dinge in verschiedenen Säßen mit einander verglichen werden: seine Stirn lächelte so heirer, als das Kickt, welches in vergoldeten Abendwslken niedersinkt. — Alles, auch noch so verschiedene Vergnügen, entstehen aus einer und eben derselben Grundkraft der Seele, so wie in der körperlichen Natur aus einer einigen Araft eine Menge verschiedener Erscheinungen entstehen. — Das Denken kann eben so wenig von unserer Natur ges trennet werden, als das Anziehen des Eisens von dem Wagner, oder das Vrenncn von den, Leuer. — Gleichwie der Gefangene, wenn er aus einen? finstern Derker erlöset worden, wie neugebohren von seiner Vcrän- dcrung entzückt wird: so frohlockt die Seele, wenn sie von irdischen Verbindungen befreyer, sich zur Gegend der Vernunft ausschwingt, und unsterbliche Hoffnungen athmet. i!. Proportionale, wenn die in mehrcrn Sätzen enthaltenen Auöspniche in gleichem Verhältnisse steigen und fallen, und Iutenjwe, wenn ein Satz ein «rhöheteö oder vermindertes Verhältniß des andern enthält: so viel sie durch dieKist verloren, so viel gewannen sie durch den Überfall. — Je mehr wir das geistige Vergnügen genießen, desto lebhafter wird unser Geschmack daran. — Der Mensch beschäftiget sich immer weniger mit sinnlichen Gegenständen, je fähiger er zu deutlichen Begriffen wird. — So eifrig die Mächte des Lichts hemühct waren, diesen Endzweck zu erreichen, eben so heftig strebte Z.Kap. Sätze, i. Ihre Arten. §.8!?. 58z strebte das Heer der Hölle ihn zu hintertreiben. ---Die Menschen unterscheiden sich durch Stand und llVürde, nachdem (oder je nach dem) das Schicksal sie hüt vornehm oder geringe lassen gebohren werden. 12. Consecutive, wenn der eine Saß die Zeit bezeichnet, wenn der AuSspruch des andern Satzes Statt findet oder Statt gefunden hat, und zwar auf verschiedene Art. i) Wenn die Begriffe beyder Satze zu einer und eben derselben Zeit Statt finden, vermittelst der Partikeln, indem, indem daß, indeß, indessen, indessen daß, während, so bald, so bald als, als, da, rvcnn, und des veralteten weil: die legten Farben des abgeschiedenen Tages singen schon an, zu verbleichen, als wir das geliebte Sommerhaus erreichten. — Steig empor, steig empor, meine Seele, dein Thron ist in der Höhe, indessen daß mein sterblicher Theil darnieder sinre, hier zu sterben. — N?enn die Tugend ohne Mitgift erscheint, so wird sich ein jeder lieber mit der eigennützigen Selbstliebe vermählen. — Indem (oder wenn, oder indessen daß) dort die TValdströme sich in finstere Abgründe hinab stürzen, so locken hier stille Thäler und sanft rieselnde Dache. — Sobald das Verlangen, aufhöret, sinkt das Vergnügen zum bloßen Gefalle« hinab. 2) Wenn abwechselnde Hand- lungen als solche, ohne genaue Bestimmung der Zeit bezeichnet werden, durch bald — bald, jerzr — dann: bald streiften wir durch die Zimmer des Sommerhauses, bald in dem Garten, bald in den benachbarten Fluren umher. — Ieyr schien er ganz im LTzachdenken vcrloh- ren zu seyn, dann erhob er seineBlicke zur cnt- Oo 4 weichen- 584 i. Th. 4.Abschn. Syntax. weichenden Sonne, und endlich brach er in diese tVorce aus „. s. f. z) Wenn das, was in dem Haupt-oder Nachsähe gesagt wird, eher geschiehet, als das in dem Vordersatze, durch ehe, oder besser eher, ehe noch und das halb veraltete be- vor: ehe noch der ruhige Abendglanz anfing, sich über die Fluren zu verbreiten, wandelte er schon in einsamen Gegenden umher. 4) Wenn der Ausspruch des Nachsatzes erst nach dem Auöspruche des Vordersatzes Statt findet; durch als, nachdem, kaum, sobald, seit, seitdem: kaum haben wir einen tVunsch erreicht, so machen wir Anschläge auf neue Vergnügungen. — Er war kaum eingeschlummert, als ihn schon ein Geräusch erweckte. — Nachdem der rohe Naturmensch Sprache erfunden hatte, so konnte er seinen Begriffen und Vorstellungen immer mehr Licht und Rlar- heic mittheilen; oder, der rohe Naturmensch konnte — nachdem er u. s. f. — XVenn die Göttinn des Glücks ihr Rind aus dem Gesträuche der Niedrigkeit hervor gezogen, und es zum prangenden Mittelpuncre aller Augen gemacht hmre, dann sahe ich es oft auf einmal herab stürzen, und den, der unsers Morgens Neid war, das Mitleid unsers Abends werden. IZ. Illatl've, wenn der Nachsaß eine Folge, ei. nen Schluß aus dem Vordersatze enthält: es ist nichts an der Sache, mache dir daher, oder demnach, keine Unruhe. — Die hloße Ermahnung war nicht hinlänglich, ich mußte also nachdrücklichere Maßregeln ergreifen. — Alle diese Dinge sind der Einbildungskraft angenehm, folglich haben sie eine natürliche Schon- z. Kap. Sätze. I. Ihre Arten. §. 817. 585 Schönheit. — Du hast nicht hören wollen, nun so magst du fühlen. 14. EMPtl've, wenn der eine Saß eine Ausnahme von dem andern enthält: es gehet alles gut, außer daß der eine Punct noch nicht bewilliget worden; welches außer in der ediern Schreibart doch häufiger gebraucht wird, einzele Dinge, als ganze Sähe auszunehmen. Sie sind alle unbeschädigt, nur zwey haben ein wenig gelitten. — Alles fühlet die Reicze der verjüngten N'amr, nur du hast keine Empfindung für sie. 15. Restriktive, wenn ein Satz eine Einschränkung des andern enthält: die Erfahrung ist oft der stärkste und deutlichste Beweis der Wahrheit, und in so fern ist sie auch ein Zuwachs der Vernunft. — Einheit, Mannigfaltigkeit und Übereinstimmung der Theile machen lins einen Gegenstand nur in so fern angenehm, als sie auf die wirksame Zxrafc der Seele eine vorrheilhasie Beziehung haben. Wo der Satz oft in der That conditional oder causal ist: so fern du ein Mensch bist, in so fern darfst du dich der Thränen nicht schämen, d.i..wenn oder da. — Die wesentliche Arafr der Seele bleibt auch in ihrem ruhigen Zustande einer- ley, nur daß sie mir weniger Stärke wirkt. 16. EMlswe oder Remotl've, wenn ein Sah eine Ausschließung enthält, wohin in Ansehung ganzer Säße, besonders ohne mit dem Infinitiv und dem Wörtchen zu gehöret: die Seele denkt über alles nach, was sich ihr mir Ixiarheit vorstellet, ohne sich zu bekümmern, von was für Art die Gegenstände sind. —> (i)hne mich Oo 5 bey 586 i. Th. 4. Abschn. Syrttazv dc'p dieser Sache aufzuhalten, will ich nur untersuchen u. s. f. Einzele Begriffe und Dinge werden durch nicht, ingleichen durch weder und noch ausgeschlossen. M,lcr l--'y §. 819. Die vornehmsten Fehler, welche bey zu- Mummn sammen geatzten Sähen begangen werden, sind fol- seftl-.ten «üycn. ^ Wenn nicht die gehörigen Conjunmoncn gebraucht, oder selbige verseht werden: der Arzt . wird durch die Theorie, nicht nur durch die Erfahrung auch zu einem großen Arzte gebildet; für wird nicht nur durch die Theorie, sondern auch durch die Erfahrung. 2. Wenn die zu einander gehörigen Säße getrennet oder verworfen werden, welches Verwirrung und Dunkelheit verursachen muß: ich sende ihnen dao deygeschlofsene Vuch, um ihnen ein Vergnügen zu machen, als eine Nleßncuigkeit mit der ersten Post, wo der Nachsatz einer Bestimmung des Vordersatzes vorgesetzet worden; besser: ich sende ihnen — als eine Meßneuig- kcit, mit der ersten Post, um ihnen u. f. f. oder auch mit der Inversion: um ihnen ein Vergnügen zu machen, sende ich ihnen u. s. f. z. Wenn die Hauptsätze mit so vielen Neben» >md Zwischensätzen überladen werden, daß die Aufmerksamkeit zerstreuet wird, und den Faden verlieret; welches Fehlers schon im vorigen gedacht worden. 4. Wenn die circumfcriptivm Sätze mit daß auf eine ekelhafte Art zu fehr gehäufet werden: Ca- jus sollte nicht wissen, daß wir es gerne sehen, daß er nicht leiden will, daß sein Sohn studieret. Wo immer ein Saß das Prädicat des vor» her gehenden ist. Die gedoppelte Wiederhohlung des z.K. Satze. 2. Particip. Constr. §.520. 587 des daß zu vermeiden, dienet entweder die Weglassung desselben, oder auch in manchen Fällen das wie, oder der Infinitiv mit zu: ich höre, daß er in der Absicht hingegangen ist, es ihm zu sagen; man meldete mir, wie er behaupte, daß die Sache wirklich geschehen sey; ich höre, er gibt sich alle LVühe, daß es verschwiegen bleibe. Sind aber die gehäuften cir- cumscriptiven Sähe insgesammt Prädicate deö Vor» dersatz-'s, so ist die Wicderhohlung des daß, wenn diese Partikel einmahl gebraucht worden, nicht allein unsträflich, sondern auch nothwendig: ich weiß co, daß du es gethan hast, daß du es nach der That gcläugnet hast, daß du es auch noch jeyt nicht bereuest u. s. f. 2. Zust^mmenziehung der Sätze durch die Adverbia und Participia, oder von der Participial. Construction. §. 820. Die älteste und einfachste Art der Reds ErMrung bestand in lauter einfachen neben einander gestellten derselben. Sätzen ohne alle äußere Verbindung, wodurch denn die Rede nothwendig sehr eintönig, matt und weitschweifig werden mußte. Je enger die gesellschaftliche Verbindung ward, je mehr sich folglich das Be- dül fniß zu sprechen mehrte, und je mehr die Menschen iu der klaren Erkenntniß wuchsen, desto mehr suchten sie auch diese Eintönigkeit und Weitschweifigkeit zu vermeiden. Das erste geschahe vornehmlich durch die Conjunctionen, und das letztere unter andern auch durch die Zusammenziehung der Sätze. Eigentlich liegt schon in einem jeden concrescierten Bcstimmungsworte, besonders aber in dem Adjective und dem zu einem Adjective concrescierten Par- ticipio 588 i. Th. 4. Abschn. Syntaz-. ticipio ein zusammen gezogener Satz zum Gründe» Der große Mann, d. i. der Mann, welcher groß ist, der geliebte Freund, d.i. der Freund, welcher geliebt wird; allein, da wir nebst andern Völkern an diese Art der Zusammenziehung bereits so sehr gewöhnt sind, daß wir sie uns auch nicht mehr als Zu- sammenziehung denken: so halten wir uns auch nicht weiter dabey aus, sondern reden hier nur von derjenigen Zusammenziehung, welche noch jetzt mit deutlichem Bewußtseyn, und zwar vermittelst der Ad- verbien geschiehet. Diese Zusammenziehung der Satze geschieh; t in der Absicht, der Rede, ihrer Verständlichkeit unbeschadet, Neuheit und kernvolle Kürze zu ertheilen; sie ist daher unter den gehörigen Umständen eine Schönheit, und um deßwillen vorzüglich in den höhern Schreibarten üblich. Für das weitschweifigere der gewöhnlichen Schreibart, da ich nunmehr von aller Furcht bcfreyet bin, so eile ich zu dir zurück, oder, ich bin nunmehr von aller Furcht befreycr, und eile zu dir zurück, sagt die höhere Schreibart kürzer und kernhafter, ohne doch der Verständlichkeit zu nahe zu treten, von aller Furcht bcfreyc eil ich zu dir zurück. Da diese Art des Ausdruckes zu den Schönheiten der Schreibart gehöret, so erhellet daraus zugleich, daß sie so gar alt noch nicht ist, wenigstens erst in denjenigen Zeiten entstanden seyn kann, da man die Sprache mit Geschmack auszubilden v.rsuchte. Diese Zusammenziehung zweyer Säße geschiehet nun eigentlich durch die Adverbia, doch mit dem Unterschiede, daß die eigentlichen Adverbia bloß Beschaf- fenheit n und Umstände ohne allen Nebenbegriff der Zeit oder des thätigen und leidenden Verhältnisses, die Participia ader Beschaffenheiten mit den gedachten z.K. Sätze. 2. Partici'p.Constr. §.821. 589 M« Nebenbegrissen ausdrucken. Da nun die Par- ticipia um dieser Nebenbegriffe willen für die Zu- sammenziehuug zugleich fruchtbarer find, so hat sie «uch von ihnen den Nahmen bekommen, und wird die Participial-Constniccion genannt, obgleich die eigentlichen Adverbia eben so vielen Theil an derselben haben. Da die Deutschen Sprachlehrer bisher nicht gewohnt waren, ihren Unterricht bis auf die Satze fortzuführen, so hatten sie auch keine Veranlassung, von dieser Construction zu redm, so wichtig sie auch für die Sprachlehre ist, und das wenige, waö einige von ihnen beyläufig davon gesagt haben, mußte desto mangelhafter seyn, da sie von dem Adverbio nnd adverbifchen Panicipio, welches der Haupttheil dieser Zusümmmzichung ist, so verkehrte Begriffe hatten. §. 821. Da Kürze und Schönheit der höchsten Wo sie möglichen Verständlichkeit allemahl nachstehen müs- Statt fin sen, so findet diese Zusammenziehung auch nur alsdann Statt, wenn zwey oder mehrere mit einander verbundene Sähe nicht allein ein und eben dasselbe Subject, sondern auch dasselbe in einerley Casu haben, da denn die Sätze, welche verkürzet werden sollen, entweder ihr Verbum wegwerfen, oder dasselbe in ein Participium verwandeln. In beyden Fällen gehen sie in ein Adverbium über, bestimmen als ein solches das Verbum des Hauptsatzes und machen mit demselben nur einen und eben denselben Sah aus. In dem folgenden wird alles dieses deutlicher werden; hier bemerke ich nur noch in Ansehung der Stelle der verkürzten Sätze, daß sie so, wie ein jedes anderes Adverbium, dem Hauptsatze bald vor- bald nachgesetzet, bald aber auch zwischen dessen Subject und Prädicat eingeschaltet werden können, da denn, wenn 59« i. Th. 4.Abschn. Syntax. wenn sie voran stehen, der Nominativ des Haupt» saheS hinter sein Verbum tritt. Zvrt- §. 822. Im Deutschen kann diese Zusammen, lehmig, ziehung nicht anders als durch eiu Adverbium oder ein nnconcresciertes Participium geschehen, welches gleichfalls nichts anders als ein Adverbium ist, da. her denn auch die Verba mit vollständige» Prädica- ten in ihre Adverbia, d.i. Participia, verwandelt werden müssen, wenn sie Statt finden soll. Die Sahe, er war froh, daß die Suche so abgelaufen war, und ging weg, er fang und ging davon, lassen sich daher in einen zusammen ziehen, froh, daß die Sache so abgelaufen war, ging er weg, fingend ging er davon; weil in dem ersten Falle ein Adverbium das Prädicat des SaheS ist, und in dem zweyten das Verbum sich in ein Adverbium verwandeln lässet. Dadurch unterscheidet sich die Deutsche Zusammcnziehung von der ahnlichen im Griechischen und Lateinischen, wo an Statt des Adverbii ein eoncresciertcs Bestimmlmqewort gebraucht wird. Für, von aller Furcht defreyer, komm ich zu dir zurück, muß der Lateiner sagen, sb omui r-ericulo iibergw5 scl tc recicn. Dieß macht zugleich einen wesentlichen Unterschied zwischen der Participial-Construction der Lateinischen und der Deutschen Sprache. In der ersten ist das Bestimmungswort, in welches der eine Sah übergehet, concrcscieret, und kann als ein solches das Subject des Hauptsatzes unmittelbar bestimmen; in der letzter» ist es ein Adverbium, und kann als ein solches nur etwas Unselbständiges in der Rede unmittelbar bestimmen, nie aber das Subject, daher der verkürzte Satz auch allemahl in eine Bestimmung des in dem Haupsahe befindlichen Verbi übergehet. In dem anZch'ihrten Lateinischen verkürzten Sah gehet Übe. rstu» Z. K. Sätze. 2. Pattl'cip.Constr. §.822. 59l x-gtuz auf das Subject oder das verschwiegene cZo, in dem Deutschen aber kann befrcycr nur unmittelbar auf das Vei'bum kommen gezogen werden. Die Lateinische Zusammenzichung dieser Art erstreckt sich daher viel weiter, weil sie fast alle Sähe, welche zur Bestimmung des Subjectes dienen, sofern sich selbige nur in ein angemessenes Participium verwandeln lassen, verkürzen kann; der Deutsche aber diese Freyheit nur hat, wenn sich ein Sah in eine Be> siimnnmg des Verbi verwandeln laßt. Der Rö. mer kann sagen: Ivliln'ocic« ni»iÄimi temjZvü neu Knbenz, curlum clirexit czno tcndcbgt; aber nicl't so der Deutsche, keine Zeit sich ;u verweilen habend, segelte Llulriades nach, dem Orte, wohin er wollte; weil sein Bestimmungswort sich nur unmittelbar auf das Verbum beziehen kann, diese Beziehung aber hier nicht Statt findet, weil das Subject unmittelbar bestimmt werden soll. Soll diese Zusammenziihung dem Eigenen der Deutsche Sprache angemessen siyn, so muß sie so ausgedruckt werden, der keine Zeit sich zu verweilen habende Milriadcs segelte u. s. f. welches aber eine unangenehme Härte bey sich führet. Eben so wenig kann man sagen, sehend, daß dieses gee schahe, sprach er, gesund geworden reisece er ab u. s. f. weil die adverbischen Participia lauter Subjecte bestimmen, da sie doch nur Verba bestimmen können, aber diese Bestimmung hier nicht Statt findet. Ganz richtig sagt man hingegen, gesund reisere er ab, weil gesund das Verbum reisen bestimmet, welches sich von gesund geworden nicht sagen läßt, welches unmittelbar auf das Subject gehet. Bey di-sem wesentlichen Unterschiede zwischen den beyden Sprachen muß man alle Hoffnung schlechterdings 592 i. Th. 4. Abschn. Syntax. terdings aufgeben, die vielfachen lateinischen Arten, der Verkürzung vermöge der Participien im Deutschen nachzuahmen, zumahl da die Deutschen Statt der vier Lateinischen Participien deren nur zwey ha« ben, und daher auch schon durch diesen Umstand weit mehr eingeschränkt sind. Die Vernachlässigung dieses Unterschiedes hat bey manchen neuern witzigen Schriftstellern tausend Mißgeburten zum Vorscheine gebracht, welche kein Hochdeutsches Ohr ertragen kann, und die Sprachlehrer, welche sie wieder auf den rechten Weg leiten sollten, waren dazu völlig ungeschickt, weil sie von dem Adverbio und Participic» nicht den geringsten Begriff hatten, und beyde immer mit dem Adjective verwechselten, daher sie keinen Grund anzugeben wußten, warum die Lateinische Pinticipial-Construction nicht auch im Deutschen nachgeahmet werden kann. Es kommt daher bey dieser Zusammenziehnng im Deutschen alles ausfolgende Sähe an, welche ich hier noch einmahl wiederhohlen will, damit man sie nicht aus den Augen verliere, l. Das Adverbium, folglich auch das unconcrescierte Participium können unmittelbar keinen selbständigen Begriff, sondern nur etwas Unselbständiges, und besonders das Verbum bestimmen. 2. In der Deutschen Participial- Consiruction gehet der Sah, welcher verkürzet werden soll, allemahl in ein Adverbium oder unconcres- ckrteö Participium über. ?. Sie findet folglich nur da Smtt, wenn der zu verkürzende Sah als eine Bestimmung des Verbi in dem Hauptsahe an- ges-hen werden kaun, nnd muß unterbleiben, so bald derselbe unmittelbar aus das Subject der Rede gezogen werden muß. Zu der Parncipial-Consiruction sind sowohl die eigentlichen Adverbia, als die Participia geschickt; da Z.K. Sätze. 2.Particip.Constr.§.82z. 59Z da nun die letztem im Deutschen gedoppelt sind, so zerfällt diese ganze Lehre in drey Abschnitte, von der Zusammenziehung der Sahe i. ve-mittelst der eigentlichen Adverbien; 2. vermitteist des Parricipil PräsentiS; und z. vermittelst des Particip« Präteriti. s. Zusammenzichung der Sätze durch die eigentlichen Adverbia. §. 82?. Das Adverbium im engsten Verstände, Wo sle so fern es noch von dem Participio verschieden ist, Statt fin bezeichnet eine Beschaffenheit für sich allein bet' ach- ^ tet, und ohne allen Nebenbegriff der Zeit. Wenn also zwey oder mehr mit einander verbundene Sätze einerley Subject in einerley Casu haben, so können sie ihr Verbum wegwerfen, und vermittelst dcS Adverbii desselben, in bloße Bestimmungen des in dem Hauptsatze befindlichen V.rbi üb>-rqehen. Es verstehet sich dabey, daß diejenigen Sätze, an welchen diese Zusammmu'ehung geschehen soll, ein Adverbium enthalten muffen, weil nur vermittelst desselben dieZusammenziehung geschehen kann. Die Fälle nun, in welchen diese Art des Ausdruckes unter den obigen Umständen angebracht werden kann, sind folgende: 1. Wenn zwey oder mehr solcher Sätze zugleich ein gemeinschaftliches Verbum haben, so kann dieses in den folgenden Sätzen verschwiegen werden, da denn die dazu gehörigen Adverbia in Bestimmungswörter des Verbi in dem Hauptsätze übergehen: dann ist das Leben ein Siy des Trostes, reich an Ruhe, noch reicher an künftigen Hoffnungen; für, es ist reich, oder dann ist es reich an Ruhe, es ist noch reicher, oder dann ist es noch reicher an künftigen Hoffnungen. So auch: wie schnell stießt nicht unser Leben vorüber, zu schnell für unsere Geschäfte, oft zu schnell selbst für unsere Empfindung. Adel. D.Spr. U.V. Pp -.Wenn 594 r.TH. 4.Abschn. Syntax 2. Wenn zwey ober mehr Säße, welche einerley Subject in einerley Casu, aber verschiedene Verba haben, mit und verbunden werden sollten, so können diejenigen, welche das Verbum seyn nebst einem Adverbio bey sich haben, ihr Verbum wegwerfen, und in bloße Bestimmungen deö nächsten Verbi übergehen. Kommen sie alsdann vor dem Hauptsahe zu stehen, so tritt dessen Nominativ, wie bey ähnlichen Inversionen, hinter das Verbum: froh, daß die Sache so abgelaufen war, und des langen lVarrens müde, ging ich schnell nach Hause; für, ich war froh, daß — ich war zugleich des langen tVarcens müde, und ging daher schnell nach Hause. So auch: des Blutes satt schmilzt mein Herz von so viel heisscn Thränen; oder, mein Herz schmilzt, des Blutes sarr, von so viel heissen Thränen : oder, mein Herz schmilzt von so viel heissen Thränen, des vielen Blutes sarr; oder endlich, mein Herz, des Blutes satt, schmilzt u. f. f. Ferner: wenn ich der Thorheit müde sie bereue. Von kalten, Schrecken bleich barh jeder um sein Leben, oder, ein jeder bath, von kaltem Schrecken bleich, um fein Leben. Doch Herr, ein Fehler ists, wenn man zu großmurhsvoll, den Frevs ler stets verschont, den man bestrafen soll, Weiße. Und mit inehrern Sätzen: diese schroffe Klippe, welche an Gutem unfruchtbar, von gefährlichen Nbeln rauh, stündlich durch überhangende tVoiken geschwärzt wird. Auf ähnliche Art lassen sich auch Säße vermittelst der Substantiven zusammen ziehen, da sie denn die Gestalt einer Apposition bekommen: in feinem Haufe ein Fremdling wandert der Geist mit Erstaunen auf und nieder, und verwundert sich über das stinige. Z. Wenn z.K. Sätze. 2.Particip.Constr. §.Z2Z. 595 z. Wenn ein Nebensatz, dessen Prädicat das Verbum seyn mit einem Adverbio ist, eine Beschreibung eines vorher gehenden Substantives ist, auf welches er vermittelst der relativen der oder rötlicher zurück geführet wird; da denn sowohl das Re- lativum, als auch das Verbum seyn ausgelassen wird. Eigentlich und zunächst nur, wenn ein solcher Nebensah das Subject der Rede beschreibet: o Anschlag, deiner werth, groß, rvie du selber bist! Weiße; für, o Anschlag, welcher deiner werth, und so groß ist, als du selbst bist. Zwey Rirrer, mir gcrreu, und tapfer in dein Streite, eben ders. «Lill Gaul, der Schmuck von welsscn Pferde», Von Schenkeln leichc, schön von Gestalt, Und wie ein Mensch stolz von Gebsrdrn, Trug seinen Herrn durch einenUZaid, Gell. Freylich wird diese Verkürzung auch oft zur Erklärung eines in dem Prädicate befindlichen Substantives gebraucht: o Freund, du sahest st'e, die Scene voller Tod, von königlichen Blur, von Bruderblute roth! wo der verkürzte Satz das Substantivum Scene erkläret. Allein, da sie hier Zweydeutigkeit verursacht, so läßt sie sich in den wenigsten Fällen entschuldigen. Die Ursache ist leicht einzusehen. Da das Adverbium kein Geschlecht und keinen Casum bezeichnet, so bleibt es ungewiß, auf welches in dem Satze befindliche Substantiv der Erklärungssich gehen soll, und da die Gewohnheit für das Subject spricht, so entstehet Mißdeutung. So auch: ich sahe den Freund von Freude trunken; wo niemand wissen kann, ob das trunken von Freude auf das Subject ich oder auf den Freund gehet. Ja selbst in solchen Fällen, wo der verkürzte ErrlärungsKtz aus das Subject gehen soll, hat man sich dieser Vertürzung Zu emhlüten, wenn Pp 2 ein 596 i. Th. 4.Abschn. Syntax. ein vorher gehendes anderes Substantiv die allgemeine Verständlichkeit störet, wie in dem eben angeführten Beyspiele der Fall ist. 4. In einigen Causa! - Sätzen, wo cmßer dein Verbo seyn auch die Conjunetionen da und weil in dem Vordersahe weggelassen werden können: zu schwach ein Treffen zu liefern, zog er sich zurück, d.i. da oder rveil er zu schwach war. Zu furchtsam für den Thron, vergaß cr oft die Pflichten Des Richters, Königes und Helden zu entrichten, Weiße. 5. In concess-ven Sätzen, mit Verschweigung sowohl des Verbi seyn als der Conjunction. Allein, diese Verkürzung ist keine der besten, weil sie Dunkelheit verursacht: ihre zärtlichen Erinnerungen, die sie uns auch rodr noch gab, sielleren sich mir dar; für, die sie uns, obgleich sie schon todt war, oder, auch da sie schon rodc war, noch gab. Die Dunkelheit rühret daher, weil hier ein Zwischensatz in einem Nebensatze einge- schlössen ist, welche Häufung der Nebensätze allemahl Verwirrung verursacht. Man löse den verkürzten Satz so auf, wie die S^ele ihn wirklich dunkel auflösen muß, wenn sie ihn verstehen soll, so wird das Dunkele sogleich in die Augen fallen: ihre zärtlichen Erinnerungen, die sie uns, ob sie gleich schon rodr war, noch gab, stelleren sich mir dar. Eben so widerwärtig, und völlig sprachwidrig klinget es, wenn man die Conjuncrion beybehält, das Verbum aber verschweigt: dennoch prahlst du noch immer damit, obgleich mir Schande bedeckt, für, ob du gleich mir Schande bedeckt bist. 6. In comparativen Sätzen, doch nur, wenn das Adverbium gleich die Vergleichung macht: da inzwischen der Zirkel der Natur, gleich einem Rade, fortrollet» N>o das lange Leben, gleich Z.K.Sätze. 2.Partic.Constr.§.825.824. 597 gleich einem dreymahl erzählten Mährchen, keine Annehmlichkeit mehr hat. Gleich verschwenderischen Vorfahren hahen seine frühern Jahre seine künftigen Srunden enterbt. Diese Zusammenziehung ist eine der Ältesten und gewöhnlichsten, so daß auch eine Vergleichung, so bald sie einen Nebensah ausmacht, und mit diesem Ad- verbio gemacht wird, nie leicht anders ausgedruckt wird. Man ist ihrer schon so gewohnt, daß man den verkürzten Sah, wenn gleich ein anderes Substantiv vorher gehen sollte, doch allemahl auf das Subject ziehen wird: du flohest vor deinem Freunde, gleich einem Missethäter, wo niemand das Gleichniß auf den Freund deuten wird. §. 824. Da diese ganze Zusammenziehung, wie Ihr Gc- schon oben bemerket worden, neuer ist, als das übn- brauch, ge in der Sprache, so ist sie auch, so fern sie mit Verstände angewandt wird, eine Schönheit, und daher vorzüglich der höhern Schreibart eigen. Indessen gibt es doch auch einige Fälle, in welchen sie auch im gemeinen leben gebraucht wird: Caspar Schwarz, aus Franken gebürtig, oder gebürtig aus Franken. Jngleichen auf Briefen: Herr d"?. wohnhaft in Berlin. b. Zusammenziehung der Sähe durch das Participium Präteriti. §. 82;. Will man bey derselben vor den so ge- Wie sie zu wohnlichen Fehltritten unachtsamer Schriftsteller gebrauchen, sicher seyn, so muß man sich aus dem vorigen folgende Sähe wiederhohlen, i. Das Parricivium Präteriti hat in der Conjugation sowohl eine thät'üL als leidende Bedeutung, nachdem es mit dem Hülfsworte haben oder seyn gebraucht wird. S. §. 461. 2. Die Deutsche Participial-Construckion darf kcm anderes Verbum wegwerfen, als das erbum seyn. S. Pp Z §.821. 598 i. Tl>. 4. Abschtt. Syntax. §. 821. Sie kann daher auch ?. das Participium Präreriti der Regel nach nie anders als leidend ge- brauchen, oder mit andern Worten, diese Zusammenziehung läßt sich nicht anbringen, wenn das Participium Präteriti nicht eine leidende Bedeutung hat, und zum Beweise derselben mit dem Verb» seyn verbunden ist. Wo sie H. 826. Dieß vorcus gesetzt, läßt sich dieses Et«,» sin- Participium zur Zusammenziehung eines oder mehre- dct. S itze gebrauchen. 1. Wenn die Erklärungöjaße mit dem Hauptsatze einerlei) Subject haben, so können diejenigen, welche ein Participium Präteriti in leidender Bedeutung mit dem Verbo seyn enthalten, sowohl dieses Verbum seyn, als auch die Partikel und oder die Rslativa der und welcher wegwerfen, und in bloße Bestimmungen des Verbi in dem Hauptsätze übergehen: getäuscht von diesem Traume, oder von diesem Traume getäuscht, folgt ich ihm blindlings, oder auch, ich folgte dem Traume blind- lings, von ihm getäuscht' für, ich war von dem Traume getäuscht und folgte ihm. So auch: stehe hier der Tiefe große Herrschaften entrissen, große Herrschasten, welche der Tiefe entrissen sind. Gegenden von der Natur mit allem kurzen bereichert und mit der ganzen 2xuust der Mahlerey geschmückt. Die Nachwelt, angesteckt von ihrer Ahnen N>urh u. s. f. Hall. Von aller Furcht befreyt, eil ich zu dir zurück. Umgeben von Rosengebüschen ftrbec die reiizende Flora da. Mas für be- l.:dene Meere, beladen von Menschen, des Zxc:chsthums oder des Krieges wegen! 2. Auf cbcn dieselbe Art läßt sich ein solcher negativer Satz in ein mit UN zusammcn gesehtcö Participium ve Wandeln. Die Thiere weiden auf unge- Z.K. Sätze. 2.Pmticlp.Constr. §.826. 599 ungcpflngrcn Rastn, sie trinken den Strom ungekünstelt, und unverbiccert durch Ungewißheit und fruchtlofe Hoffnung, für, sie trinken den Strom, welcher nicht gekünstelt ist. Allein noch ungelehrt sich niedrig zu verstecken, glaubt er dem Morrimer, Weiße; für, da er noch nicht gelehrcr ist — fo glaubt er, oder, cr, welcher noch nicht gelehret ist--- glaubt u. s. f. Besonders wenn ohne mit zu und einem Insinitivo Pcisswo stehen sollte: wenn das schlimmste kommt, fo kommt es ungefürchrer, ohne gefürchtet zu seyn, oder ohne daß es gefürchtet worden. Sonnen leuchten ungesehen, ohne gesehen zu seyn. Es scheinet, daß hier oft das Verbum werden ausgestoßen worden; allein es ist solches in der That das Verbum feyn, ob sich gleich die Zusammenziehung auch durch werden auflösen lasset, indem die Deutsche Participial-Construction nur allein die Verschweigung des seyn verstattet: wo ist der Sterbliche, welcher ewige Freuden unemzückt, unerhoben, unentflammt erwägen kann? d. i. ohne entzückt — zu sey». Völlig fehlerhaft wird sie, wenn der Infinitiv eine thätige Bedeutung hat: cr ist ungegessen zu Bette gegangen, für ohne gegessen zu haben. z. Einige neuere Dichter haben noch eine andere Art der Zufammenziehung versucht, und von zweyen Sahen mit einerley Subjecten , das in dem einen befindliche Verbum Activum in ein Participium Prateriti verwandelt, und dem ersten Satze einverleibt: reirzend steht Flora da, das Ge? ficht nach ihren aufblühenden Blumen ge, kehrc; jerzr folgen wir dem Menschenfreund, den Blick gekehrt nach lT>ien; wie müfiig.er da steht, die Hände in den Schoß gelegt! Allein, «6 kommen mehrere Ursachen zusammen, Pp 4 welche 6oc> !. Th. 4. Abschn. Syntax. welche dieser Zusammenziehung nicht günstig sind, und sich leicht stlbst entdecken, so bald man nur versucht, sie in die gewöhnlichere Art deö Ausdruckes aufzulösen, i. Löset man sie so auf: reiczend steht Flora da, und kehrer das Gesicht —; jeyc folgen — und kehren den Blick nach NAen; wie müßig — und die Hände in den Schoß legt: so st het man bald, daß hier das Participium Präreriti sehr unschicklich ist, indem eigentlich das Participium Prasentis stehen, und es so lauten müßte, — das Gesicht —kehrend, den Blick nach NAen kehrend, die Hände in den Schoß legend. 2. Will man sie aber mit dem Verbo haben auf- löfen, und hat das Gesicht — gekehrt, und haben den Blick nach N>ien gekehrt, und die Hände in den Schoß gelegt hat, nicht ein Per- fcctum zu bezeichnen, sondern wie man im gemeinen Leben sagt, erhardenAopfverbunden, d.i. er hat einen verbundenen Kopf: so ist der ganze Ausdruck niedrig, und der höhern Schreibart unwürdig, und auch um deswillen fehlerhaft, weil hier ein un- concresciertes Bestimmungswort anstatt eines con-> erescierttn stehet; den Aopfverbunden, für, einen verbundenen Aopf. l'lberdieß darf die Deutsche Parkicipial-Consiruction kein anderes Verbum als seyn, nie aber das haben verschweigen, z. Bey der eisten Auflösung durch das Präsens Activi, und kehret, kommt noch der Fehler dazu, daß das Participium Prateriti eine thätige Bedeutung bekommt, welche es doch hier nie haben kann. Soll es ja beybehalten werden, so muß es concresciert werden, und in eine unmittelbare Bestimmung deö im Prädicate befindlichen Substantives übergehen: jeyr folgen rrir dein L-Ilenschenfreund, mit nach tVien gekrhrrcm Blick; rvie müßig er da sieht, mit in dcn Schoß gelegten Händen! wo aber die Zusam- z.K. Sätze. 2.Particip.Constr. §.826. 601 Zusammenkunft zweyer Präpositionen wieder eine sprachwidrige und unerträgliche Härte macht. Kurz man löse die Zusammenziehung auf, wie man will, so wird sie sich allemahl in einem nachtheiligen Lichte zeigen. Noch fehlerhafter und verwerflicher wird sie: 1. wenn ein Verbum rcciprocum auf diese Art verwandelt wird: der Schäfer, der, auf seinen Stab gelehnt, aus seiner Hütte heraus schauer, für, sich auf seinen Stab lehnend; weil ein thätiges Verbum lehnen, von welchem gelehnt allenfalls das Participium Pasiivi seyn könnte, welcher auf seinen Stab gelehnet ist, nicht Vorhand»» ist. 2. Wenn die Zusammenziehung auf ein anderes Substantiv als das Subject gehet, oder vielmehr, wenn vermittelst derselben zwey Subjecte in dem Satze aufgestellet werden: der Berg, sein Gipfel mit Bäumen umkränzt, ragt in die N?c>lken, wo sich das Undeutsche und Widersinnige durch eine sehr leichte Versetzung heben läßt: mit Bäumen umkränzt ragr der Gipfel des Berges in die lVolken, welche Zusammenziehung der Sprache völlig gemäß ist, weil sie so ausgelöset werden muß: der Gipfel des Berges, welcher mit Bäumen umkränzt isr, ragt in die N)olken, oder der Gipfel ist--umkränzt und raget in die Wolken. Alles, was in der Sprache eine Schönheit seyn soll, muß sich auf Sprachrichtigkeit und leichte Verständlichkeit gründen; oder mit andern Worten, man darf sichs nie eher einfallen lassen, einen Gedanken schön auszudrucken, als bis er erst seine grammatische Richtigkeit hat. Erst alsdann kann man versuchen, ob er sich nicht auf eine erlaubte Art und ohne Nachtheil der Verständlichkeit abkürzen, lässet. Allein viele unserer witzigen Schriftsteller - Pp 5 glau- 602 r. Th. 4.Abschn. Syntax. glauben, die Dunkelheit allein sey schon eine Schönheit, und daher erlauben sie sich die unnatürlichsten Verdrehungen und sprachwidrigsten Zusammenzic- hnngen, um nur fein dunkel zu erscheinen. 4. Es ist bereits mehrmahls bemerket wordcn> daß die Deutsche Participial-Construction um der Verständlichkeit und Bestimmtheit der Rede willen nur allein da6 Verbum seyn ausstoßen kann. Indes-, sen gibt e6 doch einige Fälle, besonders in bedingten Sähen, wo nebst der Partikel wenn auch das Verbum werden weggelassen wird: gesetzt, dieß bep Seite geseyr, dieß ausgenommen, dieß ab? gerechnet, alles dieses ungerechnet, dieß voraus geseyr; dieses auf den gegenwärtigen Lall angervendet, rvird man finden, u. s. s> Less. Allein dieß sind einmahl eingeführte Formeln, welche sich noch au6 der ehemahligen Oberdeutschen Schrift- und Kanzelley-Sprache erhalten haben, wo der ganze participialische Ausdruck die Gestalt einer Partikel angenommen hat. Da sie einmahl allgemein, und daher verständlich sind, so sind sie nun ohne Tadel; allein sie sind auch eben keine Schönheiten, und lassen sich daher auch nicht als Muster zur Nachahmung empfehlen. Ihr Te- §. 82?. Da auch diefe Art derZusimimenziehung brauch. zu den Schönheiten der Sprache gehöret, fo ist sie auch vorzüglich der höhern Schreibart eigen. Indessen gibt es doch auch Fälle, wo sie in der Sprache des gesellschaftlichen Umganges vorkommt: ein Stück Vror mir Butter bestrichen. Besonders auf den Titeln der Bücher: popens Lockenraub übersetzt von — Neues N)örrerbuch heraus gegeben, verbessert und vermehrt von —. Vermuthlich sind dieses Überbleibsel der ehemahligen Gcwohnbcit, die Adjectiva nneoncresciert den Sub. fionn'vtn nachzusetzen, die Rose roth, deren sich die Hoch- V^- Z. K. Sätze. 2. Part.Constr. §. 827.Z28. 60z Hochdeutsche Mundart, als sie sich mit mehr Bewußtseyn und Geschmack zur heutigen Schriftsprache auszubilden anfing, nach und nach entledigte. §. 828. Im vorigen ist schon bemerket worden, Fehleres- daß sich diese Zusammenziehung nicht anbringen las- ter Gc- set, wenn nicht das Participium eine leidende Be-^'"^' deutung hat. Die Ursache ist nicht schwer zu finden. Verständlichkeit und Bestimmtheit sind die ersten und wesentlichsten Eigenschaften einer Rede, daher- jeder zweydeutiger Ausdruck, und jede zweydeutige Verbindung eigentlich ein Fehler ist. Das Participium Prätcrm ist in der Conjugation an und für sich zweydeutig, indem es sowohl thätig als leidend gebraucht wird. Allein, da es hier allemahl sein Hülfswort bey sich hat, durch welches dessen Bedeutung näher bestimmt wird, so höret auch die Zweydeutigkeit auf: ich habt geschlagen, ich bin geschlagen, ich werde geschlagen. Die Partici-- pial-Construction wirst aber das Verbum weg, und nun wurde die dem Participio anklebende Zweydeutigkeit nachtheilig werden. wenn ihr nicht durch den Grundsatz vorgebeuget wäre, daß nur allein das Hülfswort seyn verschwiegen werden darf, oder mit andern Worten, daß diese Zufammenziehnng nicht gebraucht werden soll, wenn nicht das Participium eine leidende Bedeutung hat, weil es nur alsdann mit dem Verbo seyn verbunden wird. Jede Zusammenziehung dieser Art ist folglich fehlerhaft, so bald das Participium eine thätige Bedeutung hat, folglich das Verbum haben verschwiegen werden muß: ihre nacdren Zweige bekleidet, verjüngen sich die Bäume wieder; die Erde, sich verjüngt, bringt Blumen und V.räurcr. Man gebe hingegen beyden eine solche Wendung, daß das Participium eine leidende Bedeutung bekommt, s>> ist die Zusammmziehung untadelhaft: mir frischen, L.aube 6c?4 I.TH. 4.Abschn. Syntax. Laube bekleidet verjüngen sich die Väume wieder. Hieraus erhellet zugleich, daß kein Participium eines eigentlichen Reciproci zu dieser Verkürzung gebraucht werden kann, weil es allemahl eine thätige Bedeutung hat, folglich mit haben verbunden werden muß. Es ist nur noch die Frage, ob die Neutra, welche das Hülfswort seyn bekommen, folglich eine mehr leidende Bedeutung haben, diese Zusammenziehung nicht verstatten. Dem Anscheine nach sollten sie es, weil ihre leidende Bedeutung die herrschende ist, daher die Gefahr des Mißverstandes wegfällt. Allein der Sprachgebrauch ist dawider und verwirft alle .Zusammenziehungen dieser Art, vermuthlich aller Ausdehnung derselben auf die Activa den Weg abzuschneiden. Von dir gegangen, schwebt dein Dild beständig vor nur; wenn ich vom Tode erwacht dich wieder sehe; find daher fehlerhaft, so unsträflich sie sind, wenn man an Statt des Neu- triuS ein Activum in leidender Bedeutung seht: von dir getrennet, wenn ich vom Tode erweckt u. s. f. Indessen gibt es doch einige Neutra, deren Participia auf diese Art gebraucht werden: ein Ges schlecht von dir entsprungen; dein Her; zum Guten verdorben, wo sich doch in dem letzten Falle verdorben, als das Passivum von dem Activo verderben gedenken läßt, obgleich dieses billig regelmässig gehen, und verderbt lauten sollte. c. Zusammenziehung der Sätze durch das Participium Präsmlis. Gebrauch §. 829. Dieses hat die thätige und neutrale Be- dieses'pt!!'- deutung seines Verbi mit dein Ncbenbegriffe der ticipü. gegenwärtigen Zeit, und wird allemahl gebraucht, wenn die Art und Weise, wie der Begriff eines Verbi fiimi verstanden werden soll, durch den Begriff z.K. Sätze. 2. Particip.Constr. §. 829. 6^5 griff eines lindern Verbi in der gegenwärtigen Zeit ausgedruckt werden kann: singend ging er davon, d. i. mit singen; er that es siyend; bethend legt sie sich nieder, Gell, lächelnd siehet er auf die Derrvüsiung herab; halb träumend kämpft ihm nur der kleinste Theil entgegen , Weiße. Da das Participium hier wieder ein Adverbium ist, so kann es auch unmittelbar nur den Begriff des Verbi, nicht aber eines Nennwortes bestimmen. Ich fand ihn schlafend, ich traf ihn tanzend an, sind daher fehlerhaft, weil fchlafend und ranzend hier nicht auf die Verba finden und antreffen, fondern auf das Pronomen ihn gehen; es muß daher im ersten Falle heissn, ich fand ihn schlafen, fo wie man sagt, ich fahe ihn schlafen, im zweyten Falle aber muß man der Rede eine ganz andere Wendung geben, weil sich antreffen nicht mit dem Infinitiv verbinden läßt, der obige Ausdruck aber nicht anders verstanden werden kann, als daß derjenige, welcher den andern angetroffen, getanzet habe. §. 8?o. Da hier kein Hülfswort ausgelassen wer- Fort- den kann, fo findet die Zusammenziehung vermittelst setzung- dieses Particip« auch nur in zwey Fällen Statt. 1. Wenn ein selbständiger Begriff durch dasselbe bestimmet" werden soll, welches in relanvischen Erklärungssätzen erlaubt ist, wenn sie ein Verbum im Präsenti haben, da denn dasselbe mit Weglassnng des Nelativi in das concrescierte Participium Prä- sentis übergehet. So kann man für, der Schmuck der Väume, rvelche sich belauben, sagen, der Schmuck der sich belaubenden Bäume; für, die Sorgen, welche dich fliehen, die dich fliehenden Sorgen. Eigentlich aber gehöret dieser Fall nicht Hieher, weil wir es hier nur mit den Par- ticipiis 6o6 i.TH. 4.Abschn. Syntax. ticipiis zu thun haben, so fern sie als Adverbia gebraucht werden. 2. Zur Bestimmung des Verbi, folglich un- concrescicrt, welcher Fall eigentlich und zunächst hierher gehöret. Er findet Statt, wenn zwey Sahe mit einerley Subjecte, deren Verba in einerley einfachen Zeiten stehen, mit und verbunden sind, da denn das Verbum des einen in das Participium übergehen, und mit Weglassung des und das Verbum des andern bestimmen kann. Der Schäfer, welcher auf feinem Haberrohre spielend, die Reirze des jungen Frühlinges fühlet, welcher— spielet, und u. s. f. Wo doch der Wohlklang leidet, weil der eingeschobene Erklärungssah welcher u. s. f. wieder ein Einschiebsel hat, folglich hier drey in einander geschobene Sähe vorhanden sind, welche allemahl das Gehör beleidigen. Die Sonne bricht alles mir Freude belebend hervor. Wo spielend und belebend zunächst die Verba fühlen und brechen bestimmen, und nicht anders als mittelbar und vermittelst dieser Verborum auf die Subjecte Schäfer und Sonne gedeutet werden können» Man muß daher den verkürzten Satz so stellen, daß §ö auch nicht scheine, als wenn er auf das Substantiv gezogen werden sollte. Der Schmeichler, niederträchtig sich vor dir bückend, hält schon den Dolch auf dich gezückt; — die Berge, ihr stolzes Haupt empor streckend, verkündigen den Frühling; sind ganz richtig verkürzte nur ungeschickt gestellte Sähe, deren Härte dnrch die Inversion leicht abgeholfen werden kann: ihr stolzes Haupt empor streckend verkündigen die Berge den Frühling; niederträchtig sich vor dir bückend hält schon u. f. f. wo die unmittelbare Beziehung auf das Verbum deutlicher wird. Zuweilen laßt sich der verkürzte Sah dem Hauptsahe nach- V-^- z.K. Sätze. 2.Part.Constr. §.8zo.8zi. 607 nachsetzen: hier sieht die Bildsäule des Dich- rers, die Leyer in der Hand haltend; wo die höhere Schreibart der neuern Dichter auch wohl das Participium haltend verschweigt: gern rvill ich große Thaten thun, die Leyer in der Hand, Gleim. §. 8zi. Hieraus erhellet zugleich, daß eine jede Fchlervas^ Verkürzung dieser Art fehlerhaft und sprachwidrig ^ ist, so bald das Participium unmittelbar aus ein ^' Substantiv gezogen werden muß, oder dem Verslande nach, nicht unmittelbar auf das Verbum gedeutet werden kann, weil e6 wider die Natur der Deutschen Sprache ist, einen selbständigen Begriff durch ein unconcresciertesWort zu bestimmen. Man kann daher nicht sagen, sehend, daß dieses geschah, sprach er, hörend, daß er verrathen sey, entwich er; weil hier die Parncipia schlechterdings auf das Subject gezogen werden müssen. Wenn sich der Lateiner so ausdrucken kann, so rühret solches daher, weil sein Participium von Natur concresciert ist, viciens, suchen-, , und daher nicht anders als zur unmittelbaren Bestimmung eines Nennwortes gebraucht werden kann. Es kommt noch dazu, daß hier eigentlich continuative Sätze verkürzet worden, wo folglich als verschwiegen werden muß, als er sahe, daß dieses geschahe; welches gleichfalls unerlaubt ist. ä. Fehlerhafter Gebrauch dieser Cvn- struction. §. 8?2. Es sind zwar bey einer jeden der drey Anzeige der Arten dieser Construction bereits die vornehmsten^"^' Fehler angezeiget worden, welche dagegen begangen ^"^^ werden können, allein es gibt noch einige, welche ihnen allen gemein sind, welche daher noch angezeiget werden müssen. EL sind solches folgende. r. Wenn 6oZ i. Th. 4. Abschn. Syntax. 1. Wenn zwey Sätze zwar einerley Subject haben, dasselbe aber in beyden in verschiedenen Casi- bus sieher. Mitleidig würde dich daß Todesurtheil gereuen, d.i. du würdest mitleidig seyn, und dich würde das Todesurtheil gereuen, wo es im ersten Sahe in dem Nominative, im zweyten aber in dem Accusativs stehet. Der Grund des Fehlerhaften liegt hier wieder in der Art der Bestimmung, weil das Adverbium in solchen Fallen nicht unmittelbar auf das Verbum gezogen werden kann, sondern auf das Nennwort gehen muß. Man gebe beyden Sähen einerley CafuS, so ist die Zusammen- ziehima. ohne Tadel: mitleidig würdest du das Todesurtheil widerrufen. So auch: durch mein eigenes Her; verdammt ist mir das Leiben verhaßt, da ich durch mein eigenes Herz verdammt bin, ist mir u. s. f. Erträglicher ist, durch mein eigenes Herz verdammt hasse ich das L.eben. Eigentlich ist zwar hier das Verbum werden weggelassen worden, dessen Verschweigung die Deutlichkeit verbiethet; allein der Satz läßt sich doch auch mit seyn auflösen, da ich — verdammet bin, u. s. f. und in so fern ist er ohne Tadel. 2. Wenn die verkürzten Sätze verschiedene Subjecte haben: das lVeccer gut seyend, trat er die Reise an , für, weil das N)errer gut war, so trat er die Reise an; weil hier das Participium wieder nicht zur unmittelbaren Bestimmung des Verbi antreten dienen kann. Das in der größern Sprachlehre angeführte Beyspiel: die Bildsäulen der Dichter, welche oben an der Allee stehen, das Haupt mir jungen Rosen bekränzt, gehö- ret nicht hierher, weil hier eigentlich nicht zwen Subjecte sind, sondern nur eines. Indessen ist es doch um zweyer anderer Ursachen willen lavelhaft: l. weil hier die Sähe ungeschickt geordnet worden, für, die Bild- Z.K. Sätze. 2. Patticip.Cottstr. §. 8^2. 609 Dildsäulen der Dichter, welche das Haupt mit jungen Rosen bekränzt, oben an der Allee stehen, — wo aber die dreyfach in einander geschobenen Säße den Geschmack beleidigen. Und 2. weil der verkürzte Satz selbst, das Haupt mit Rosen bekränzt, sprachwidrig ist, weil er dnrch haben aufgelöset wei den muß, dieses aber keine Zusammenziehung leidet, und überhaupt der ganze Ausdruck, das Haupt mir Rosen bekränzt habend, un- edel ist. Man lasse den Accusativ das Haupt, welcher hier kein schickliches Regens hat, weg, so ist die Zusammenziehung an und für sich richtig, wel? che mit Rosen bekränzt an der Allee stehen. z. Wenn der verkürzte Sah ein anderes Substantiv als das Subject bestimmt. Eigentlich und unmittelbar kann der in ein Adverbium verkürzte Saß nur das Verbum bestimmen, allein mittelbar gehet er doch vermittelst des Verbi auf das Substcmtivum, und zwar am bestimmtesten und richtigsten auf das Subject. Wird er nun so gestellet, daß er auch auf ein anderes Substantiv als das Subject gezogen werden kann, so wird der Verstand schwankend und ungewiß, und folglich die ganze Stellung fehlerhaft. In dem Sahe: welches Leben in den erheiterten Lüfte«, voll von dem Triumpfliede der Ler-- che» ! ist der Verstand dunkel und unbestimmt, weil der verkürzte Nachsatz auf Lüste gehen soll, aber eigentlich nur das Subject Leben bestimmen kmm. Soll daher der Saß feine gehörige Deutlichkeit bekommen, so müssen erst die Lüste zu einem Subjecte gemacht werden: welches Leben in den erheiterten Lüften, wenn sie, (oder welche,) voll von dem Triumpfliede der Lerchen, erschallen! So auch: von tiefer Nacht beherrscht, sah ich den in Fesseln schmachten, welcher u. s. f. wo der ver- kürzte Satz der Regel nach nur das Verbum fehlen Adel.S.Spr. Il. S» Q q und 6iO l. Th. 4. Abschn. Syntaz'. und vermittelst desselben das Subject ich bestimmen kann, und folglich den Sinn hat, daß ich der ich sehe, von tiefer Nacht beherrscht werde. Allein der Dichter wollte eigentlich die dritte in Fesseln schmachtende Person in der tiefen Nacht vorstellen, hat aber durch die übel gewählte Stellung des verkürzten Sahes seine Absicht ganz verfehlet. Soll der Sah diesen Verstand haben, so muß es heissen: ich sahe den, von tiefer Nacht beherrscht in Fesseln schmachten, u. s. f. da denn die Verkürzung auf schinachten, und vermittelst dieses Infinitives auf die mit den bezeichnete dritte Person gehen kann. Ferner: flies he das Laster, schrvarz, rvie die Finsterniß der Nacht; wo der Sprechende die Schwarze des Lasters schildern wollte, aber da der verkürzte Satz nur auf das Verbum fliehen gehen kann, wider seinen Willen das angeredete Subject der zweyten Person so schwarz, wie die Finsterniß der Nacht schildert. 4. Wenn bey dem Adverbia und Particip!» Präteriti ein anderes Verbum als seyn ausgelassen wird. Oben ist schon bemerket worden, daß die Par- ticipial-Construction der Bestimmtheit und Deutlichkeit der Rede auf keine Weise zu nahe treten muß. Die Sprache hat sich also das Geseh aufgeleget, hier kein anderes Verbum als seyn zu verschweigen, weil dessen Begriff am leichtesten zu ersetzen ist, man alsdann auch bey einem verschwiegenen Verbo nicht lange mühsam rathen darf, welches verschwiegen seyn möchte. Das Participium Präteriti hat als ein Adverbium eine thätige und leidende Bedeutung, nachdem es mit seyn und haben verbunden wird. Könnten bende Verba ohne Unterschied verschwiegen werden , so würde der Sinn in den meisten Fällen eine unerträgliche Dunkelheit bekommen, weil alsdann ungewiß bleibt, ob das Participium leidend oder thätig genommen werden sott. Geschlagen ging er weg Z.Kap. Sätze. 2. Patticip.Constr. §.832. 6u weg, könnte alsdann bedeuten, daß er geschlagen habe , und sey geschlagen worden. Auch das Verbum werden darf nur alsdann verschwiegen werden, wenn es mit seyn gleich bedeutend ist, weil dessen Weglassung in andern Fällen wieder eben dieselbe Dunkelheit verursachen würde. Z. B. der an dem Nerven des Lebens reißt, welcher ein wenig mehr gerissen, die Glocke läuten wird; wo die anstößige Dunkelheit von dem verschwiegenen Ver- bo werden, welches hier nicht durch seyn ersetzet werden kann, herrühret. Ein Geschlecht, welches, von dem Verhängnisse verschlungen, in ewige Nacht versinken mußte, d. i. nachdem es verschlungen worden. Da sich indessen hier das wers den auch durch seyn ersetzen lasset, welches von dem — verschlungen ist, und daher — mußte, so läßt sich die Verkürzung hier noch vertheidigen. So bald ein Mensch, durch die Zeit erfahrner, den Schlüssel des Lebens gesunden, so offner er ihm die Thore des Lebens; wo bey erfahrner, geworden ist, oder gemacht worden ist, hinzugedacht werden muß; übcrdieß ist die Verkürzung hier such darum fehlerhaft, weil sie nicht unmittelbar auf das Verbum, sondern auf das Subject ein Mensch gehet. Lasset mich sterben, von grausen Gespenstern in U>olken zerrissen, wo wieder beyde Fehler zusammen kommen, indem zerrissen mehr aufmich, als auf sterben gezogen werden muß, und überdieß werden bey demselben verschwiegen ist. An dem erschrecklichen A?«gen gespannt, erscheinet zur rechten Schnaubend und stolz, hoch seyend, die Mähne g»r sträubet, die Brust breit, Eines der tapfersten Rosse vom Hüget, Deniö; wo die fehlerhaften Verkürzungen die Mahne ge-» sträubt und.die Brust breir das ganze Bild ver° s derben. 612 I. Th. 4. Abschn. Syltt. z. K. Sätze:c. derben. In der ersten stehet das Participium thätig für sträubend, wo folglich haben verschwiegen ist, und die zweyte, für breit von Drust ist völlig un- deutfch, lmd noch dazu platt, wenn sie durch die Brust breit habend aufgelöset werden soll. Auch die zwey auf einander folgenden br in Brust breit machen einen harten Mißklang. 5. Wenn in eii.ander geschobene verkürzte Sätze Dunkelheit und Verwirrung verursachen. Dieses Fehlers ist bereits im vorigen gedacht worden. Hier will ich nur noch ein Beyspiel anführen, welches ein Muster eines solchen verunglückten Sahes ist, an dessen Auflösung und Verbesserung Anfänger ihre Kräfte versuchen können: die .immer lebendige Duelle, die in ein Nlarmorbecben, von Liebesgöttern gehalten, herab fallend, einen fällst kühlenden Thau verspritzet. -A- »H- »4- In der größern Sprachlehre habe ich hier noch ein eigenes Kapitel von den Perioden folgen lassen; nicht sowohl diese Lehre hier vorzutragen, oder dadurch zu behaupten, daß sie nothwendig in einer Sprachlehre abgehandelt werden müßte, als vielmehr nur den Übergang der Sähe in Perioden an einigen Beyspielen zu bemerken, lind die Verbindung der Sprachlehre mit der Redekunst zu zeigen, wohin diese Lehre eigentlich gehöret. Ich kann dieses Kapitel daher hier füglich übergehen, da ich, wenn die Gränzen der Sprachlehre nicht überschritten werden sollen, doch nichts anders thun könnte, als die dort gegebenen Beyspiele hier zu wiederhohlen, wozu ich doch keine Nothwendigkeit vor mir sehe. ^ÄSS-^KU-SSS-stz» Der Der Deutschen Sprachlehre Zweyter Theil. .,>— —^ -sN x-, ' --^' ."" >->. Von der Orthographie oder der Fertigkeit richtig zu schreiben. Qq Z >' Der Deutschen Sprachlehre Zweyter Theil. Von der Orthographie oder Fertigkeit richtig zu schreiben. ^.'S^ Erstes Kapitel. Allgemeine Grundsätze derselben. Inhalt. 1. Durze Geschichte der Deutschen Schriftlichen, 8. i-5. Erklärung und Ursprung des Schreibens, Z. i. Lrsprung der Deutschen Schriftlichen, §. 2. Veränderliche Gestalt derselben, g. 3. Gothisch- oder Mönchsschrift, §.4.5. 2. Allgemeines Grundgesetz der Orthographie, §. S» 7. Z. Grundsätze der Deutschen Orthographie, §.L-2Z. a) Einieituug, §. s«io. Geschichte de« allgemeine» Sckrcibegesetzcs bey dea Deutschen, z. 8. Abweichungen davon, §. ?. 10. b) Entwickelung der Grundsätze selbst, Z. 11-22. Erklüruug der Orthographie, z. ii. Grundgesetz der Deutsche« Orthographie, S.12. Man schreibt mit Deutsche» Buchstaben, §.iz. Man schreibt wie mas- spricht, §. 14. Der allgemeinen besten Aussprache gemäß, S. »6. Qq 4 1 6i6 2. Th. Von der Orthographie. Nach der erweislichen n?ch- c) Folgen hieraus, §. 20. sten Abstammung, z 17. d.> Von dem Unterschiede der Ä?sn dem allgemeinen Gc- Bedeutung, Z. 21. ^ brauche, §. 1^. c) Erlaubte Abiveichung von der Wie fern die Analogie in gcwvlmlichen Art zu schrei- Bttrachtuligkommr,z,iy. ben, §, 22. ' ^ > ^ §' r. Erklärung /^^prache und Schrift sind beydes Darstel- und Ur- T^^^ lunqen unserer Gedanken und Vorstellun- Echreibens. S'"' dem DarstellungSmittel oder 'der Art und Weise sind sie verschieden, indem die erstere sie durch vernehmliche Tone hörbar, letztere aber durch bekannte, oder angenommene Zeichen dem Auge sichtbar macht. Dieses Unterschiedes ungeachtet, sind doch beyde sehr genau mit einander verbunden, und man wird den Ursprung und Fort» schritt der Kunst zu schreiben nie deutlich einsehen lernen, wenn man dabey nicht immer den Fortschritt der Sprache vor Augen hat. Es würde mich zu weit führen, und hier doch immer an seiner unrechten Stelle stehen, wenn ich die verschiedenen möglichen Arten, seine Gedanken durch Zeichen sichtbar zu machen, anführen wollte; daher ich es nur bey den vornehmsten Hauptarten be, wenden lassen will. So wie man sich eine Sprache denken kann, und denken muß, in welcher jede Vorstellung durch einen einigen laut ausgedruckt wird, und eine Sprache, in welcher jeder einzelcr Theil der Vorstellung seinen eigenen jaut hat: so druckt auch die Schrift entweder ganze Vorstellungen durch eigene Zeichen aus, oder sie löset den hörbaren Ausdruck der Vorstellung in einzele Töne aus, und sucht diese durch Zeichen auszudrucken, und durch deren Zu» sammcnsetziuiq den Begriff deö Ganzen darzustellen. In r.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.i. 617 An jedem bender Fälle sind wieder zwey andere möglich, indem die Darstellung der Vorstellimg entweder durch ganz willkührliche Töne und Zeichen geschehen kann, oder durch ähnliche, denn natürliche kann ich sie doch nicht nennen, w^il dieser Nahme wohl auf die ersten eigentlichen Bedeutungen der Töne und Zeichen, nicht aber auf die figürlichen passen würde. Man hat wohl eher die ganze Sprache und Schrift für n'ne Sammlung willkürlicher Töne und Zeichen gehalten, und wie viele gibt e6 nicht, welche dieses Vorurlhsil noch hegen. Allein da beyde nicht ein Spiel des Wihes des müßigen cultivierten Menschn,, sondern ein Werk des Bedürfnisses des ganz rohen und ungebildeten Menschen sind, der zu beyden eine natürliche Veranlassung von außen haben mußte: so läßt sich leicht beweisen, daß hier weder an willkührliche Töne noch an willkührliche Zeichen zu denken ist. Es kommt noch dazu, daß beyde, sowohl Sprache als Schrift, vorzüglich aber die erste, bey sehr rohen und außer der bürgerlichen Gesellschaft lebenden Menschen entstanden sind, welche sich durch die Sprache erst klare Begriffe erwerben, und dadurch zur bürgerlichen Gefellfchaft geschickt machen mußten. Bey Menschen dieser Art fällt alle Verabredung über willkührliche Zeichen von selbst weg, und sie könne«, keine andere Töne ober Schriftlichen wählen , als die sich ihnen g-wisscr Mafien von selbst darstellen, und eben um deswillen den übrigen ihrer Art so gleich verständlich sind. Von der Sprache ist dieses bereits in dem ersten Theile dieses Werkes nothdürstig gezeigct worden; es ist daher nur noch übrig, es auch von der Schrift darzuthun. Sehen wir die Sprachen in ihrem heutigen Zustande an, fo lassen sie sich insgesammt in wenig ein- Q g 5 fache 6lZ 2.TH. Von der Orthographie. fache Töne auflösen, durch deren Zusammensetzung alle Begriffe, deren ein Volk nur fähig ist, ausgedruckt werden können. Eben fo verhält es sich auch mit der Schrift, welche vermittelst weniger Zeichen den ganzcn Reichthum der Sprache dem Auge sichtbar darstellen kann. Aus diesem Gesichtöpuncte betrachtet, zeiget sich in beyden etwas sehr Wunderbares und Vortreffliches, welches viele geblendet und zu dem Satze verleitet hat, daß sowohl Sprache als Schrift das Werk eines höhern Wesens seyn müsse, welches kein geringeres als Gott selbst seyn könne. Allein bleibt man nicht bloß bey dem heutigen Zustan» de beyder stehen, zu welchem sie nicht anders als durch eine immer fortschreitende Cultur so vieler tausend Jahre, und durch die vereinigte Kraft so vieler Millionen Menschen gelanget sind, sondern verfolget sie so weit als möglich ist, bis zu ihrem rohen Anfange, so verliert sich das Wunderbare, und es bleibt nichts weiter übrig, als das plumpe Werk des ganz rohen unmittelbar an das Thierreich gränzenden Menschen. ' Ich habe in dem Versuche einer Geschichte der Cultur des menschlichen Geschlechtes, S. ?z f. zu zeigen gesucht, theils wie genau Sprache und Schrift sowohl in ihrem ersten rohen Ursprünge, als auch in ihrer nach und nach fortschreitenden Ausbildung mit einander verwandt sind, theils auch, wie aus der Bilderschrift, dem ersten rohen Versuche des Schreibens, die heutige Buch- frabenschrift entstanden ist, und will das nöthige davon hicr kürzlich wiederhohlen. Man wicderhohle sich aus dem ersten Theile, daß diej>'!iiq>'n Menschen, welche Sprache erfanden, sich bl. ß duich die Fähigkeit zu derselben und zu klaren Vorstellungen von dem übrigen Thierreiche un- terschie- i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.i. 619 terschieden, und erst durch die Anwendung und Ausbildung dieser Fähigkeit nach und nach zu klaren und deutlichen Begriffen gelangten. Die erste menschliche Sprache war daher eine ungeschlachte Nachahmung der Naturtöne ohne alle Verbindung; daher sie eigentlich nichts hörbar ausdrucken konnte, was sie nicht hörbar empfunden hatte, und es nicht anders als ohne alle Verbindung ausdrucken konnte, daher Minen und Geberden das Chaos unförmlicher Laute zusammen reihen mußten. So auch der erste Versuch zu schreiben. Man stellte die Umrisse der vornehmsten Figuren, welche den Gegenstand der Rede ausmachten, neben einander, und ersetzte das übrige durch Worte, oder ließ es errathen. Die erste Sprache war rohe Natur - Musik, und die erste Schrift plumpe Mahlerey, welche folglich auch nichts sichtbar ausdrucken konnte, was nicht sichtbar empfunden war. So sehen Sprache und Schrift auf ihrer ersten Staffel, in ihrer erste» Kindheit aus. Allein beyde sind in diesem Zustande äußerst eingeschränkt, weil sie keine andere als tönende und sichtbare Gegenstände, folglich zwar den Grund aller unserer klaren Begriffe, aber zugleich auch nur einen sehr kleinen Theil derselben darstellen konnten. Die immer fortschreitende Kenntniß und Cultur verfolgte daher den Weg, weichen ihr die Natur selbst vorgezeichnet hatte, und lehrete den Menschen, in Ansehung der Sprache, die nachgeahmten Naturtöne als hörbare Zeichen anderer Gegenstände »nd Begriffe zu gebrauchen, welche zwar nicht selbst töne- ten, aber doch mit dem tönenden Worte einig? Ähnlichkeit hatten. Der Laut, welchen der in der Nähe vorbey fahrende Dliy m der Luft verursacht, der l zuerst 620 2. Th. Von der Orthographie. zuerst ihm seinen Nahmen liehe, ward wegen einer leicht zu begreiffenden Ähnlichkeit, nicht allein der Nahme der Geschwindigkeit, sondern auch des lichtes überhaupt. So entstand die figürliche Bedeutung der Wörter, der zweyte Schritt zur Ausbildung der Sprache. Die Schreibekunsi folgte ihr langsam nach; die plumpe Mahlerey blieb, aber jede, oder doch fast jede körperliche Figur, welche dazu geschickt schien, bekam eine figürliche Bedeutung. Der Löwe ward das Zeichen der Tapferkeit, die Sonne da-s Zeichen des Jahres, des höchsten Wesens u.s.f. und nun entstand die »swroIlyphe oder die Bilderschrift, welche unkörperliche Gegenstände und Begriffe vermittelst der Bilder sichtbarer Dinge dem Auge auf eben dieselbe Art darstellet, nach welcher die Sprache- unhörbare Dinge vermittelst ähnlicher hörbarer Töne dem Ohre vernehmlich macht. Die erste und älteste Sprache bestand aus lanter solchen einfachen Naturtönen, welche keine Verbindung unter sich haben konnten, sondern wo Mine und Geberde, oft auch der bloße Zusammenhang der Umstände die Verbindung ausmachen, und die Lücken in der Verständlichkeit ausfüllen mußte. Nach und nach fand der Mensch in eben diesen Naturtönen ein Mittel, nicht allein gewisse Verhältnisse und Umstände an den Wörtern selbst zu bezeichnen, sondern auch seine Begriffe an einander zu reihen; wozu er sehr unbestimmt tönende Laute erwählen mußte, weil sein Begriff von diesen Verhältnissen und Umständen selbst nur dunkel seyn konnte. Kurz, er lernete Die Wörter biegen und mit einander verbinden, und nunmehr näherte sich sein hörbarer Ausdruck immer mehr einer vernünftigen Sprache, da er bisher halb cin tönendes Geschrey und halb Pantomime gewesen war. Wiederum so die Schrift. In der Hie- i. Kap. Allgemeine Grundslitze. §.i. 621 roglnphe auf der vorigen zweyten Staffel, bezeichnete jede Figur, sie mochte nun in ihrer eigentlichen oder in einer figürlichen Bedeutung stehen, einen einzeln, Begriff ohne alle Verbindung, und es war immer ein Mann mit einem Stäbchen nöthig, den Mangel der Verbindung durch Ton und Geberden zu ersehen , und das heilige Räthsel zu enthüllen. Allein, nach und nach lernete man auch schickliche Verbin- dungszeichen erfinden, und da auch hier auö der oben angeführten Ursache an keine bloß willkührliche Zeichen zu denken ist, so mußte man solche Figuren wählen, welche wegen ihrer unbestimmten Gestalt und Bedeutung fähig waren, den dunkeln Begriff, welchen man von dergleichen Verhältnissen und Umständen haben konnte, zu bezeichnen. Dieß ist die dritte Staffel der Sprache und Schrift, und so entstand in Ansehung der letzter» besonders die ausge- dildere Hieroglyphe. Allein obgleich die letztere schon einen Grad der Vollkommenheit mehr harte, als die vorige rohe und ungebildete Hieroglyphe, so war sie als Schrift betrachtet, doch immer äußerst mangelhaft und unvollkommen. Da hier jeder Begriff sein eigenes Zeichen hatte, so war der Zeichen eine sehr große Menge, und da bey der figürlichen Bedeutung der Zeichen sehr viel Willkührlicheö mit unterlaufen mußte: so war sie mit Recht eine Art gehnnnr Schrift, welche eben so sehr studieret werden mußte, als man jetzt eine fremde Sprache studieren muß. Zn beyden, sowohl in der Hieroglyphe, als in einer fremden Sprache kommt alles darauf an, daß man wisse, was für figürliche Bedeutungen ein Volk den bekannten Naturtönen und Namibildern beyzulegen gut gefunden hat. Da uns zu den allermeisten der noch übrigen Hieroglyphen der Ägvptier ein solcher Schluss! fehiet, 622 2.TH. Von der Orthographie. fehlet, so ist jetzt alle Hoffnung verloren, sie enträth- sein zu können. Um dieser Ursachen willen war die Hieroglyphe zwar ein nothdürftiges Hülfsmittel d«6 Gedächtnisses für den Kenner und Gegenwartigen, sich bey einzelen Bildern und Gegenständen einer ganzen Reihe von Vorstellungen wieder zu erinnern, aber kein schickliches Mittel, Abwesenden seine Gedanken bekannt zu machen, weil sie immer eines Dolmetschers benöthiget war. Mit dieser im Ganzen noch immer sehr rohen Art zu sprechen und zu schreiben behalf man sich so lange, als das Bedürfniß und die immer fortschreitende Fähigkeit es verstattete. So wie die Ve. griffe sich erweiterten und verfeinerten, und die aus Naturlauten, deren figürlichen Bedeutung und noth- dürftigen Verbindung bestehende Sprache für die neum Begriffe zu enge ward, so fing man nach und nach an, zu bemerken, daß sich die scheinbare große Menge von Tönen, wodurch man seine Vorstellungen ausdruckte, in wenige einfache Töne auflösen lasse, durch deren neue, zwar nicht willkührliche, sondern immer noch auf die Ähnlichkeit mit Natur- lauten gegründete, aber doch viel freyere Zusammen- fügung, sich die Wörter außerordentlich vermehrer» ließen; z.B. tracht von tragen, be-ein-rrächr- ig-en, ver-ge-rviss-er-n. So wie die Sprache auf diesem Wege sich auszubilden und zu erweitern fortfuhr, so verlor sich auch der erste ursprüngliche Naturton mit seiner ersten eigentlichen Bedeutung, und wir würden jetzt gar nicht mehr wissen, daß die Sprache einmahl wirklich getönet habe, wenn nicht die Ausdrücke gewisser allein dem Gehöre empfindbarer Ausdrücke, welche keinen andern Ausdruck verstatten, z.B. knirrschen, schmettern. kracher». z.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.!. 62z krachen, knallen, plarzen, u. s. f. uns wieder daran erinnerten. Gerade wieder eben so die Schrift, nur mit dem Unterschiede, daß sie noch ein Paar Schritte weiter ging, nnd die Auflösung der Naturlmtte viel weiter trieb, und dadurch ihr ganzes Verfahren unendlich einfacher machte, als die Sprache thun konnte. Al6 daö Bedürfniß zu schreiben sich vermehret?, vermuthlich bey dem aufkeimenden Handel an den Küsten des rothen und mittelländischen Meeres, so war die Bilderschrift aus den oben schon angezeigten Ursachen viel zu mangelhaft und beschwerlich. Das Bedürfniß ging daher hier eben denselben Weg, wie in der Sprache. Man hörte auf, ganze Begriffe auf einmahl hin zu mahlen, und versuchte dafür die einfachen Töne, in welche sich die Sprache bereits aufgelöset hatte, zu mahlen, und durch deren Zu- sammenfetzung seine Gedanken auf eben dieselbe Art auszudrucken, als die Sprache that. Da die Natur keinen Sprung thut, und die Schrift bisher der Sprache auf dem Fuße nachfolgte, so ist glaublich, daß sie es auch hier gethan, und erst Sylben zu mahlen versucht, ehe sie diese wieder in ihre einfachen Töne auflösen lernte. Allein dieses ist eine bloße Vermuthung, weil uns alle Beweise davon fehlen. Und gesetzt, man habe diesen Weg auch einmahl eingeschlagen, so muß man ihn doch bald wieder verlassen haben, weil sich bey der Menge von Zeichen für einzele Sylben wieder eben dieselbe Schwierigkeit einstellen, welche die Hieroglyphen so beschwerlich machte. Genug die Schrift sonderte sich hier von der Sprache ab, ging in Auflösung und Zusammensetzung der Töne weiter, als diese gehen konnte, und versuchte es, die einfachsten Töne, welche die Sprache nur hat, d.i. Buchstaben, zu mahlen. Es 624 2.TH. Von der Orthographie. Es kam nur darauf an, für diese Töne schickliche Aeichen zu finden, oder vielmehr, diese Zeichen mußten sich von selbst darbietheu, weil wir es hier noch immer mit rohen sinnlichen Menschen zu thun haben, welche bloß durch das dunkele Gefühl der Ähnlichkeit geleitet werde» können. An willkühr- liche Zeichen ist daher hier eben so wenig zu gedenken, als an willkührliche Töne in der Sprache, weil der Übergang von der Bilderschrift zu der Buchstabenschrift alsdann ein sehr heftiger Sprung feyn würde, welchen der rohe Naturmensch eben so wenig macht, als seine Lehrerinn die Natur. Man bemerkte, daß die einfachen ift entweder von alten schon vorhandenen entlehnet werden, und dann wäre sie nichts neues, oder i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.2. 629 oder sie müßten bloß willkührlich seyn, dieses aber scheuet der Mensch eben so sehr als den Tod. §. 2. Alle Europäische Völker haben in Anfe- Ursprung hung der Schriftzeichen, nebst vielen andern, aus der Dcur- einer und eben derselben gemeinschaftlichen Quelle ^1"-.. . geschöpft, und das alte Phönicische Alphabet ist der H^. Grund aller; nur mit dem Unterschiede, daß einige die Phönicischen Buchstaben unmittelbar von den Phöniciern selbst, andere nur mittelbar, und von einem andern Volke, welches sie aber doch von jenen entlehnet halte, hernahmen. So haben die ältesten Griechen, die Hetruscier und andere an den Küsten des mittelländischen Meeres mohnende Völker ihre Schrift von den Phöniciern bekommen, weil diese vor der Griechischen Periode das gesittetste und blühendste Volk waren, und durch ihre ausgebreitete Handlung die beste Gelegenheit halten, den Samen ihrer Cultur weiter zu verbreiten. Als sich Griechenland durch seine Handlung und Cultur hob, so ward es auch in Ansehung der Schrift der Lehrmeister aller derjenigen Völker, welche sich nach demselben bildeten. So modelten die Römer ihre Schrift nach der ältern Griechischen um, und als die Möso-Gothen und Sciavonier ein wenig gesittet zu werden anfingen, so nahmen sie das Alphaber der neuern Griechen an, weil diese ihnen die nächsten, und zugleich dasjenige Volk waren, nach welchem sie sich bildeten» Als Rom Griechenland verdunkelte, und seine Cultur zugleich mit seiner Herrschaft über einen großen Theil der Welt verbreitete, so nahmen alle diejenigen Völker, welche bis dahin noch keine eigene, oder allenfalls nur sehr unvollkommene Schriftzeichen hatten, die Römischen an, daher sie noch jetzt in den Schriftzügen des ganzen westlichen, und eines grs- R r z sM 6zy 2. Th. Von der Orthographie. ßen Theiles des nördlichen und östlichen Europa zum Grunde liegen. Unter den ältesten Europäischen Völkern waren die Deutschen mit ihren Sprach -und Geschlechtsverwandten eines der vornehmsten und wichtigsten. Man hat sehr oft und lange gestritten, ob sie zu der Zeit, da sie sich durch ihre Kriege mit den Römern berühmt machten, schreiben können, oder nicht. Allein, ohne hier zu untersuchen, ob die Stelle Taciti, welche den Srreit veranlasset hat, ächt ist oder nicht, ist derselbe sehr leicht zu entscheiden, wenn man nur den wahren Gesichtspunct nicht verfehlet, aus welchem ein solches Volk, wie die Deutschen zur Zeit der Römer waren, betrachtet werden muß. Es ist ein sehr gewöhnlicher Fehler, daß man andere immer nach sich, und Vorzüge, Tugenden und jaster nach den Sitten seiner Zeit beurtheilet. Da es jeht eine Schande ist, nicht lesen und schreiben zu können, weil solches den Mangel der höhern Cultur verräth: so glaubt man, daß es ungerecht sey, den alten Deutschen , von welchen überhaupt die Begriffe immer zu hoch gespannt werden, eines solchen wesentlichen Mangels zu beschuldigen. Allein die Deutschen und die mit ihnen verwandten Völker waren vor der Völkerwanderung nichts anders als Wilde, gerade solche Wilde, als die wilden Völker in Canada und dem innern Amerika noch jcht sind; d.i. Völker, welche noch nicht mit den mittlern Graden der Cul- tur bekannt sind, sondern immer noch auf einer der untern Stufe derselben stehen. Mit was für Grunde kann man wohl von einem solchen Volke Kenntnisse erwarten, welche nur ein Eigenthum der höhern Cultur sind, dergleichen die Fertigkeit zu schreiben gewiß ist? Oder was für Ursachen kann ein solches Volk haben, eine solche Fertigkeit zu schätzen und zu üben, i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.2. 6zi üben, da Krieg und Jagd seine einige Beschäftigung ist, und eö alle die Verhaltniste hastet, oder wenigstens nicht kennet, welche das Schreiben nothwendig machen, oder nur dazu fuhren. Wie wenige von unsern Landleuten können in denjenigen Provinzen, welche von blühenden Provinzen und Städten entfernt sind, schreiben, und doch haben sie in der Cultur sehr viele, viele Schritte vor dem unstäten und wilden Canadier und Deutschen voraus. Die Deutschen fingen erst nach der Völkerwanderung, welche mehr Menschen in einen engen Raum zusammen drängte, und den Grund zu den heutigen Staaten legte, an, gesittet zu werden, und so wie dieses geschahe, und eher nicht, lernten sie das Bedürfniß zu schreiben fühlen, und sahen sich nach schicklichen Schriftzeichen um. Indesten geschahe dieses sehr langsam, eben so langsam, als die Cultur vorwärts schritt, und selten eher , als bis ein Volk die christliche Religion annahm, und mit derselben zugleich den Samen der höhern Cultur empfing. Es geschahe dieses zuerst von den Franken, welche bey ihrer Einwanderung in Gallien ein durch Römische Cultur bereits aufgeklärtes und gesittetes Volk antrafen. Da sie hier der Zahl nach die schwächsten waren, so mußten sie sich nach den Sitten und der Cultur der Überwundenen bequemen, und nunmehr fingen sie auch an, schreiben zu lernen. Es war ganz natürlich, daß sie dasjenige Alphabet und diejenigen Schriftzüge beybehielten, welche sie be- reits in dem Lande fanden, und diefes waren nun keine andere, als die Römischen, so wie sie sich aus der großen Quadrat-Schrift, bereits zur Current- Schrift gebildet hatten. Allein, da die Deutsche Sprache, und besonders die fränkische Mundart der- Rr 4 selben, 6Z2 2. Th. Von der Orthographie. selben, und die lateinische, so sehr verschieden waren, so konnte es nicht fehlen, daß die Schriftzeichen der letztem den lauten der erstem nicht allemahl angemessen waren, indem die lateinischen Buchstaben die Fränkischen Töne oft nur ungefähr ausdruckten, für manche aber völlig mangelten. Man bemerkte dieses dem Anscheine nach sehr bald, daher der Fränkische König Chilperik um 580 das lateinisch? Alphabet, so fern es in seiner Sprache gebraucht ward, mit drey neuen Buchstaben vermehrte, und Befehl gab, daß sie in den Schulen gelehret, und die bereits geschriebenen Bücher darnach geändert werden sollten. IViillt e^ilic^gz in univcrlaz civitütcz re^ni sui, ut llc pueri ctocerentur, likri gntic^uitus scrijZtl, planzri puinics re5criberentur, sind E»reI0Nl Worte, B. 5. Kap. 45. Die drey Laute, für welche Chil- perik neue Schriftzeichen für nöthig hielt, waren, so sehr auch die Unwissenheit der Abschreiber Gvegoni Stelle verderbt hat, das ä, ch und ro. Das ä schien ihm darnm nothwendig zu seyn, weil das lateinische Alphabet damahls noch kein eigenes Zeichen für diesen Vocal hatte, sonder» von dem latinischen » vertreten ward, welches denn die Aussprache ungewiß und schwankend machte, zumahl in Ansehung der Fränkischen Mundart, in welcher dieser laut sehr häusig war, und den Franken daran gelegen seyn mußte, den überwundenen Galliern und Römern die Erlernung ihrer Sprache zu erleichtern. Da Chlls perlt auch für das rl), ein eigenes Zeichen nothwendig hielt, so erhellet daraus, daß der laut dieses Bucl> jlabens bey den ältesten Franken von dem heutigen perschieden gewesen, wo das th nicht anders wie t lautet, und daher keines eigenen Zeichens bedurft hätte. Ohne Zweisfel sprachen die Franken dieser Zeit das ch so cmö, wie es noch jetzt bey den Eng» ländern i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §. 2. 6zz landern lautet, welches auch daraus wahrscheinlich wird, weil sie ursprünglich in Nieder-Deutschland einheimisch waren, und folglich mit den Angelsachsen, welche diesen Laut in Britannien einführeten, ein gemeinschaftliches Vaterland hatten. Der dritte Laut, welcher sein eigenes Zeichen bekam, war dasrv, welchen die Lateiner allem Ansehen nach zwar hatten , aber ihn durch v ausdruckten. Allein, da dieses bey den Franken vermuthlich schon den starken Laut des f angenommen hatte, über dieß auch den Vocal u vertreten mußte, so war ein eigenes Zeichen für den ersiern allerdings nothwendig. Die Zeichen, welche Chilperik für diese drey Laute einzuführen suchte, waren die Longobardische Figur des » für das ä, das Mösogothische aus dem Griechischen 9 entlehnte tk, und das Angelsächsische rv. Die Bezeichnung dieser dren Laute war wirklich nothwendig, und die Zeichen selbst waren nicht unschicklich gewählet, weil sie nicht wiükührlich, sondern bey verwandten Völkerschaften bereits gangbar waren. Es scheint daher, das Bedürfniß würde den Befehl (Lhilperiks unterstützt, und seiuen neuen Buchstaben eine allgemeine Aufnahme verschasst haben. Und doch geschahe solches nicht, und so sehr Chilpenk Monarch seiner Nation war, so wenig konnte er doch mit dieser kleinen Neuerung durchdriugen. Dürfte man den Franken dieser Zeit einige Grade feinen Geschmackes zutrauen, fo könnte man glaube», daß sie das Unschickliche empfunden, die Römische Schrift mit neuen barbarischen Zügen zu verunstalten, weiche nicht das gehörige Verhältniß zu den alten haben konnten. Allein, da sie um diese Zeit und noch viele Jahrhunderts hernach noch sehr roh und ungebiidet waren, fo muß man die Ursache wohl in einem andern Umstand« suchen. Und dieser scheinet denn kein Rr 5 and?- 6z4 2. Th. Von der Orthographie. anderer zu seyn, als weil man an die alten Zeichen schon zu sehr gewöhnet war, als daß man sich entschließen konnte, die unbekannten neuen aufzunehmen; oder vielmehr, die rauhe Fränkische Mundart ward um diese Zeit noch sehr wenig geschrieben, weil alle öffentliche Ausfertigungen, um der Überwundenen willen, in lateinischer Sprache geschahen, und die rohen ganz auf den Krieg und die Jagd gestimmten Franken schrieben sehr wenig und sparsam. Der Befehl ging also eigentlich die Gallier und übrig gebliebenen Römer an; allein diese waren fthon zu sehr an ihr Lateinisches Alphabet gewöhnet, und da sie das Fränkische vermuthlich nicht oft zu schreiben Gelegenheit hatten, fo konnten sie auch von der Nothwendigkeit dieser Neuerung nicht so lebhaft überzeugt werden. Ob nun gleich Chilperiks neue Buchstaben ihr Glück nicht machten, so hals sich doch das Bedürfniß sowohl i» Ansehung der gedachten Laute, als auch anderer ähnlicher, in der Folge auf andere Art. Es ist merkwürdig, daß ein Volk, wenn es die Unzulänglichkeit der angenommenen Schriftzeichen in Ansehung mancher Laute fühlet, und es nur erst zu einigen Graden des Geschmackes gebracht hat, immer lieber zusammen gesetzte Zeichen wählet, als daß eS neue erfinden, oder auch nur schon bekannte Figuren aus andern Alphabeten annehmen sollte, weil doch diese nie das gehörige Verhältniß zu den alten Buchstaben haben können. Und dieß stand denn auch wohl den neuen Buchstaben Chil- periks im Wege, weil sowohl die gesitteten Gallier, als auch die in Gallien übrigen Römer zu viel Geschmack besaßen, als daß sie sich hätten an die drey barbarischen Schristzeichen gewöhnen können, und doch waren, auö den schon angezeigten Ursachen, sie es vornehmlich, welche Chilperiks Befehl anging. Zwar i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.2. 6z-> Zwar modelten die longobarden, Angelsachsen und andere barbarische Völker mehr, wenn sie die lateinischen Schriftzüge annahmen, dieselben nach ihrer Sprache, und wählten für manche laute einfache Zeichen; allein, wenn sie e6 in der Cultur bis zur Ausbildung des Geschmackes brachten, so verließen sie dieselben auch allemahl wieder, und wählten dafür lieber zusammen gesetzte Zeichen aus dem Römischen Alphabete, so unschicklich es auch manchen scheinen mag, einfache laute mit zwey und drey Zeichen anzudeuten. Ich habe mich bey diesem Umstände ein wenig lange aufgehalten, weil auch unter uns selbst noch in den neuern Zeiten Vorschläge zu Einführung neuer Buchstaben geschehen sind, ohne sich durch so viele mißlungene ältere, und selbst von Monarchen geschehene ähnliche Versuche abschrecken zu lassen, oder zu bedenken, daß in unsern Zeiten, wo der gute Geschmack weit allgemeiner ist, alle die Ursachen, welche der Aufnahme neuer Schriftlichen in dem Wege stehen, uuendlich stärker wirken, als in den vorigen Jahrhunderten. So dunkel auch dasjenige Gefühl ist, welches wir den Gefchmack nennen, so unwiderstehlich wirkt es doch, wenn sich eine Nation dasselbe einmahl erworben hat, so unwiderstehlich, daß alle übrige grammatische und etymologische Convcnienzen demselben nachstehen müssen. Die Franken nahmen das lateinische Alphabet so an, wie sie es in der Curreut-Schrift ihrer Zeit in Gallien eingeführet fanden, folglich nach allen denjenigen einfachen Buchstaben, welche in derselben üblich waren; obgleich die einzele Anwendung derselben mehrere Jahrhunderte hindurch schwankend und unbestimmt war. Diese Erinnerung ist darum nothwendig, weil man in ältern und neuern Zeiten manchen 6z6 2. Th. Von der Orthographie. manchen Buchstaben mehr als einmahl den Vorwurf gemacht hak, daß sie nicht Deutsch sind. Im schärfsten Verstände ist kein einiger einfacher Buchstab, dessen wir nnS jetzt bedienen, Deutsch, sondern sie sind insgesammt lateinisch, das c und y so gut, als das ^ und ;. Daß das L unmittelbar aus dem Griechischen Alphabete entlehnet worden, ist uner- weislich, und aus der Diplomatik erhellet, daß es m der Lateinischen Current-Schrift der spatern Zeiten vollkommen üblich war. Doch hier ist noch nicht der -Ort, von einzelen Buchstaben zu reden. Als die Angelsachsen sich des heutigen Englau- deS bemächtigten, fanden sie daselbst den Samen der Cultur von den Römern eben so sehr ausgestreuet, als die Franken. Sie nahmen daher, so bald sie sich zum Schreiben bequemten , gleichfalls das Lateinische Alphabet an, doch mit einigen Veränderungen, welche die Beschaffenheit ihrer Sprache nothwendig machte. Ihre in Deutschland und dem südlichen Dänncmark zurück gelassene Brüder sträubten sich noch einige Jahrhunderte gegen die Cultur, weil sie nicht so viele Veranlassung dazu hatten. Erst im 8ten und 9ten Jahrhunderte bekamen sie mit den Anfangsgründen der christlichen Religion anch die erste Anlage zur künftigen Cultur, und da solches anfänglich durch Missionarien aus dem heutigen Groß- Vritcmnien geschahe, so ward dadurch auch die Angelsächsische Schrift in dem heutigen Niedersachsen eingeführet, wenigstens so weit sich bey einem noch so rohen Volke, welches sich gegen alle engere bürgerliche Verbindung sträubet, eine Schrift einführen lässet. In alten StiftS-und Kloster-Bibliotheken sowohl Ober- als Niederdeutfchlandes, z. B. zu S. Gallen, Wurzburg, Fulda, u. s. f. sind verschiedene Angeljachsische und Irländische Handschriften i.Kap. Allgemeine Grundfttze. §.z. 637 ten dieser Zeit übrig, welche beweisen, daß diese Sprachen und Schriften damahls in Deutschland nicht unbekannt waren, ob sie gleich mehr von den vielen müßigenMönchen und Priestern,welche in ganzen Scharen ans England, Schottland und Irland nach Deutschland kamen, als von eingebornen Deutschen und Sachsin herrühren. Als Carl der Große nachmahls dasjenige durch Gewalt vollendete, was diese Geistlichen durch Unterricht und Beredung nicht bewerkstelligen konnten, so mußten auch die Sachsen sich zu der von den Franken angenommenen Lateinischen Schrift bequemen. §. z. Da6 Bedürfniß der Deutschen Sprache, Verlinder- eZ mochte nun wahr oder eingebildet seyn , veranlaßse Uche (Sein den von den Römern entlehnten Schriftzeichen danach und nach manche Veränderungen, welche doch insgesammt nur die Anwendung der einfachen Buchstaben zu Bezeichnung der der Deutschen Sprache eigenen jaute betraf, besonders durch Zusammensetzung derselben. Da im folgenden bey jedem ein- zelen Buchstaben das nothwendigste in dieser Rücksicht gesagt werden muß, so halte ich mich hier nicht weiter dabey auf. Daß zugleich die äußere Gestalt derselben in einem so langen Zeitraume großen und vielen Veränderungen unterworfen gewesen, läßt sich leicht vermuthen, wenn man nur erwäget, daß die Gestalt der Buchstaben theils von dem Bedürfnisse zu schreiben, theils aber auch von dem in jedem Zeitpuncte herrschenden Geschmacke abhängt. Da nun beyde in einem Zeitraume von so vielen Jahrhunderten sehr verschieden seyn mußten, so mußte es auch die Gestalt der Buchstaben seyn. Ze weniger man schrieb und zu schreiben Ursach hatte, desto größer, feyerlicher, und wenn man will, zierlicher machte man auch die Buchstaben. Je häufiger man schrieb und schreiben 6z8 2.TH. Von der Orthographie. schreiben mußte, desto kleiner, leichter und kürzer geriethen die Schriftlichen, bis sie die Gestalt unserer heutigen Eurrcnt-Schrift bekamen. So lange noch Spuren des alten Römischen Geschmackes übrig waren, herrschte auch in den Schriftzeichen eine edle Einfalt und ungekünstelte Schönheit. Als aber der noch übrige Römische Geschmack unter der Rohheit milder Barbaren erstarb, bekamen auch die Schriftzüge ein wildes, widerwärtiges und barbarisches Ansehen. Unter Carln dem Großen fingen Ordnung, Wohlstand, und zum Theil auch der Geschmack an sich zu bilden; allein der Geschmack verfehlte den einigen wahren Gesichtspunct, daher find die Carolinifchen Buchstaben so ungeheuer lang und dürr, als die Bildsäulen dieses Zeitraumes. Doch bey der Gestalt der Schriftzüge kann ich mich hier nicht aufhalten, sondern muß in Ansehung derselben auf die diplomatischen Werke verweisen. §. 4> Ich will nur noch ein Paar Worte von derjenigen eckigen oder gebrochenen Schrift sagen, denm wir uns in gedruckten Büchern bedienen. Sie bildete sich erst in den spätern Zeiten in den Klöstern, vermuthlich aus der zitternden Current - Schrift, welche vorher üblich gewesen war, und wird daher auch die Mönchsschrift genannt, weil sie von den Mönchen, welche Muße genug hatten, lange Zeit auf das Schreiben zu verwenden, am ersten und hau- sigsten in den Abschriften der Bücher gebraucht ward. Nennt man sie auch die Gothische, so kann sie den Nahmen nur in so fern führen, als man den eckigen Geschmack dieser Zeit, welcher besonders in den Verzierungen der Gebäude herrscht, überhaupt Gothisch nennet; denn bey denGochen ist diese Art derSchrist nie üblich gewesen, lind zu der Zeit, da sie entstand, war auch an keine Gothen mehr zu gedenken. Als i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.4.5. 6Z9 Als die Buchdruckerkunst erfunden ward, behielt man diese Schrift, weil sie damahls in allen Handschriften üblich war, auch in ganz Europa in den gedruckten Büchern bey. Allein, als der gute Geschmack sich mehr auszubreiten, und sich selbst bis auf die - Schrift zu erstrecken anfing, so empfand man das Widerwärtige und Barbarische in den eckigen Schrist- ziigen, und vertauschte sie mit denjenigen Figuren, welche in den schönen Zeiten Roms üblich gewesen waren. In Italien, wo der Geschmack am ersten reifte, ge> schahe solches zuerst, und so bildete sich die runde Italiänische Schrift, welche zuerst i» Italien gangbar ward, und sich von da nach Frankreich, Spanien, England und zuletzt nach Holland verbreitete, so wie der gute Geschmack in jedem Lande immer mehr Feld gewann. Gemeiniglich geschahe solches zuerst in Ansehung der in Lateinischer Sprache geschriebenen Bücher, aber für dje Landessprache behielt man die alte eckige so lange bey, bis die Verbreitung des Geschmackes auf die untern Classen der Nation, auf welche bey den Schriften in der Landessprache immer am meisten gesehen werden muß, sie auch hier verbannte. §. 5. Eben so machten es die Deutschen nebst Fort- jhren nördlichen Sprachverwandten, den Dänen und setzuns. Schweden; nur mit dem Unterschiede, daß sie die alte eckige Schrift für die Landessprache noch jetzt beybehalten haben, daher noch jetzt alle Deutsche, Dänische und Schwedische Bücher mit derselben ge- druckt werden, obgleich für die Lateinische schon längst die neuere ruude eingeführet ist. Die Ursache dieser Beybehaltung ist leicht einzusehen. Ein Theil der obern Classen ziehet seit langer Zeit Frankreichs Sitte und Sprache seiner vaterländischen vor, und der gelehrte Theil ehrete ehedem nur sein Latein, und 64c) 2. Th. Von der Orthographie. und hat noch jetzt nicht die gehörige Achtung für seine Muttersprache, obgleich die Liebe für die Römi» sche in den neuern Zeiten gar sehr abgenommen hat. Die Deutsche Schrift ward daher am häufigsten von den mittlern und untern Classen gelesen, allein auf diese hat sich der gute Geschmack in Deutschland noch nicht so sehr verbreitet, daß sie da6 Ungestalte der eckigen Schriftzüge lebhaft genug empfinden könnten. Es haben daher auch alle bisher gemachte Versuche, die Deutsche Sprache mit Lateinischer Schrift zu drucken, noch nicht den gehofften Beyfall gefunden. Es kam noch ein Umstand dazu, welcher das seinige dazu beytrug, den Beyfall, welchen diese Änderung verdiente, zu vermindern, und dieser bestand dann, daß diejenigen, welche diese Änderung unternahmen, sich zugleich allerley Neuerungen in der Orthographie erlaubten, welches viele auf die ungsgrün- dece Meinung brachte, daß beyde nothwendig mit einander verbunden werden müßten. Man hat zur Empfehlung der runden Lateinischen Schrift unter andern auch den Grund angeführet, daß Ausländern, welche in ihrer Sprache einmahl an diefe Schrift gewöhnet sind, die Erlernung der Deutschen Sprache dadurch leichter und angenehmer gemacht werden würde. Allein dieser Grund sagt so viel wie nichts, weil um der Schriftzüge willen wohl niemand eine Sprache erlernen wird, weil sonst die Ungarische, Böhmische, Pohl- uisch? und andere fremde Sprachen, welche die runde Italiänische Schrift gleichfalls angenommen haben, häufiger erlernet werden müßten, als wirklich geschiehet. Bey den verschiedenen Arten der Deutschen Schriftzüge darf ich mich hier nicht aufhalten, weil sie theils einem jeden ohnehin bekannt sind, theils auS l.Kap. Allgemeine Grundsätze. §. 6. 641 sus sehr gangbaren und überall befindlichen Quellen erlerner werden können» §. 6. Nachdem dieses von der Geschichte unserer Allgrmei- Schriftzüge voraus gcseHet worden, muß die Anwen- «es GrunS-- dung derselben entwickelt werden» Daß diese im Gesetz der Grunde nichts weniger als willkuhrlich ist, läßt sich schon daraus schließen, weil in der Sprache eigentlich nichts völlig willkuhrlich ist und nichts völlig willkuhrlich seyn kann; aber daß diese Anwendung auch nicht nach künstlichen und versteckten Grundsätzen geschehen kann, erhellet daraus, weil sie von allen Classen eines Volkes geschehen muß, daher ihre Grundsähe auch den mittelmäßigsten Fähigkeiten be> greifflich und einleuchtend seyn müssen. Die hieroglyphische Art zu schreiben mahlte ganze Begriffe unter körperlichen Bildern, die Buchstabenschrift aber druckt die einfachen Töne, woraus die Nahmen der Begriffe bestehen, mit gewissen von jedem Volke angenommenen Zeichen aus. Ihre Absicht ist mit der Absicht der Sprache einerley, nähmlich verstanden zu werden, nur mit dem Unterschiede, daß sich die Sprach? dem Gegenwärtigen vermittelst des Gehöres, die Schrift aber dem Abwesenden vermittelst des Gesichtes verständlich macht. Da des Sprechens und Schreibens in der engern bürgerlichen Gesellschaft viel ist, und beyde nicht der Gegenstand derselben, sondern nur das Mittel sind, den Endzweck der Gesellschaft zu erreichen und ihren Pflichten eine Genüge zu thun: fo kann und muß man zu der Absicht der Sprache und der Schrift noch fetzen, daß sie so leicht als nur möglich ist, erreicht werden muß. Von dieser höchsten und einigen Absicht sowohl der Sprache, als der Schrift, der leichtesten möIlichen Verständlichkeit, muß man allemahl ausgehen, wenn man beyde mit Grund Adel.S.Spr. U.V. ' Ss und 642 2»!H. Von der Orthographie. und Nutzen beurtheilen oder untersuchen will. Es verstehet sich, daß diese möglichst leichte Verständlichkeit nicht nach willkührlichen Idealen, sondern nach solchen Grundsätzen bestimmet werden muß, welche ein Volk bey Einrichtung seiner Sprache und Schrift dunkel empfunden hat, weil nur das in demselben allgemein verständlich seyn kann, was diesen Grundsäßen gemäß ist. Hieraus folget nun auch das allgemeine Grund- gesetz der Schrift aller Sprachen: schreib wie du sprichst, weil die Schrift die Nahmen der Begriffe nach ihren einfachen Tönen dem Auge darlegen soll, folglich dem Auge keine andere Töne darstellen darf, als wirklich gehöret werden, und sie nicht anders darstellen darf, als sie wirklich gehöret werden. Dieß ist gewisser Maßen das Naturgesetz einer jeden Schrift, und alle Abweichungen und Abänderungen davon sind als so viele positive Gesetze anzusehen, durch welche das Beste der Gesellschaft und der Sprache das Naturgesetz einzuschränken und näher zu bestimmen gut gefunden. Ich bemerke hier zum voraus, daß diese Einschränkungen aufheben und wegschaffen zu wollen, eben so viel seyn würde, als wenn man den in der bürgerlichen Gesellschaft lebenden Menschen auf das bloße Naturgesetz zurück führen wollte, welches ein Widerspruch von der ersten und gröbsten Art seyn würde. Fort- §. 7. Ich behaupte, das Gesetz, schreib wie setzung. Hu sprichst, liege in der Schrift aller Sprachen zum Grunde, und behaupte nicht zu viel, weil es eine unmittelbare Folge aus der höchsten und einigen Ab- sicht der Schrift ist; nur in der Anwendung dessel- Ven ist jedes Volk verschieden, oder, welches eben so viel sagt, jedes Volk hat dasselbe durch Mschwei- gend i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.7. 64z gend errichtete positive Gesetze eingeschränkt oder näher bestimmt, so wie das Beßte seiner Sprache und deren höchster Endzweck, die allgemeine und möglichst leichte Verständlichkeit es erforderten, oder demselben zu erfordern schienen. Wie alte Völker, deren Sprachen wir nur noch auö Schriften kennen, dieses Gesetz angewandt haben, können wir jetzt nicht mehr so genau bestimmen, weil wir von der Art und Weise ihrer Aussprache nicht genau genug unterrich- tet sind. Unter den heutigen Sprachen gibt es viele, deren Schrift gar sehr von der Aussprache abweicht, welche daher, wo nicht eine Widerlegung der eben behaupteten Allgemeinheit des Gesetzes schreib rvie du sprichst, doch wenigstens sehr wichtige Ausnah. men von demselben zu seyn scheinen. Es sind dieses die Sprachen in dem hentigen westlichen Europa, Großbritannien und Irland mit eingeschlossen, dc> ren Art zu schreiben daher von manchen für sehr ungereimt und unnatürlich erkläret worden, weil sie sich so sehr, und oft ganz von der Aussprache entfernet. Allein bey einer genauern Untersuchung findet sich, daß diese scheinbare Ungereimtheit bloß eine weise Einschränkung des obigen Grundgesetzes ist, welche eben so unmittelbar aus der Absicht der Schrift, der allgemeinen Verständlichkeit stießt, als das gedachte Grundgefeß selbst. Sie ist ein positives Gesetz, welches das Naturgesetz nicht aufhebet, sondern nur einschränkt und näher bestimmt. Es ist nothwendig, dieses ein wenig näher zu untersuchen, weil der wahre Grund dieser Erscheinung gemeiniglich so sehr verkannt wird. Das Wesen einer Sprache bleibt bey einem jeden Volke, so lange es sich selbst üb?r!t,ssi'n ist, und eben dasselbe Volk bleibt. Allein dasÄußere,dasZufäll!ge Ss z der 644 2.TH. Von der Orthographie. der Sprache ist veränderlich, und folget außer allerley zufälligen Umständen dem jedesmahligen Grade der Cultur und deö Geschmackes. Das bedarf keines weiteren Beweises, indem es aus der Geschichte aller Sprachen unwidersprechlich erweislich ist. Allein wird ein Volk durch gewaltsame Unterjochungen von andern Völkern zerrüttet, und mit denselben vermischet, so leidet dessen Sprache auch sehr heftige Veränderungen, welche sich nicht bloß auf das Äußere erstrecken, sondern oft das Wefen selbst betreffen. Zwey und mehr Sprachen fließen alsdann nach und nach in eine zusammen, der ganze Bau der Wörter, die Biegung und die Verbindung der Wörter wird verändert, so daß sie in kurzem keiner der Sprachen, woraus sie entstanden ist, mehr ähnlich siehet. Dadurch verlieret eine Sprache alle ihre Eigenthümlichkeit, di« Bedeutungen der Wörter verlieren ihre Stütze, und eine solche Sprache wird in allen ihren Theilen so schwankend und unbestimmt, daß sie mehr einer Sammlung willkührlicher Töne als einer eigenen Sprache ähnlich siehet. Man lasse nun ein Volk mit einer so schwankenden Sprache durch alle Grade der Cultur gehen, so wird diese die Sprache auf die gewaltsamste Art mißhandeln, weil sie wenig eigenes und bestimmtes mehr hat, was ihrer Gewalt widerstehen könnte. Von dieser Art sind nun die schon gedachten Sprachen des westlichen Europa, welche aus zwey und mehrern Sprachen zusammen geschmolzen sind, und dadurch alle Eigenthümlichkeit verloren haben, daher die immer fortschreitende Cultur, welche bey manchen derselben sehr hohe Grade erreicht hat, durch nichts gehindert ward, ihre ganze Gewalt an denselben auszuüben, und die Wörter ihren Stämmen völlig unähnlich zu machen. Zür die mündliche Re- de i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.7. 645 de hat das weiter keine nachtheilige Folgen, weil diese nur für den gegenwärtigen Augenblick gilt, und diese ganze Veränderung der Sprache nach einförmigen dunkel empfundenen Analogien geschiehet. Allein die Schrift ist für eine längere Zeitdauer bestimmt, und der Vortheile des Tones, der Mine und Geberde des Sprechenden beraubt. Sie würde daher ihre erste wesentliche Eigenschaft, die möglichst leichte Verständlichkeit, verlieren, wenn sie der immer veränderlichen Aussprache auf jedem Schritte nachfolgen wollte. Hier hat also die allgemeine Verständlichkeit das Naturgesetz schreib rvie du sprichst durch das positive Gesetz, bezeichne durch die Schrift die nächste Abstammung, rvenn gleich die Aussprache sie nicht bezeichnet, eingeschränket. . Die Abweichung der Schrift von der Sprache bey den Völkern des westlichen Europa's bestehet in der That vornehmlich darin, daß die nächste Abstammung, welche die Aussprache längst verlassen hat, in der Schrift beybehalten, und dadurch die allgemeine Verständlichkeit für das Auge, aller Veränderungen der Aussprache ungeachtet, immer noch erhalten wird. Allein, da die Schrift ein Werk des Bedürfnisses, und kein Spiel des WißeS oder der müßigen Grille ist, so bezeichnet sie auch die nächste Abstammung nur so lange, als sie etwas zur allgemeinen Verständlichkeit beytragen kann. Verlieret sich das Stammwort aus der Sprache, oder wird es durch die Länge der Zeit für den größten Theil der Nation zweifelhaft und unbekannt, so tritt auch das Naturgesetz wieder in feine Rechte ein, und die Schrift nähert sich nach und nach wieder der!. Aus sprach?, weil die Absicht, warum sie sich von ihr^entfemte, nicht mehr Statt findet, und die Ab- Ss z ^ wti 646 2. Tl). Von der Orthographie, weichung die allgemeine Verständlichkeit mehr stören als befördern würde. Daher ist auch die Schrift bey solchen Völkern, deren Sprachen auö mehrern zusammen geschmolzen sind, in der That größern Veränderungen ausgesetzt, als bey andern, welche ihre eigenthümliche Sprache erhalten haben, ob sie gleich nicht so groß sind, theils nicht so schnell erfolgen , als die Veränderungen der Aussprache. Ich würde zu weitläufig werden müssen, wenn ich das, was bisher gesagt worden, durch Beyspiele erweisen wollte; m»n kann sich selbige leicht selbst aufsuchen, nur muß man dabey nicht vergessen, daß ein Volk dabey nicht anders als nach dunkeler Empfindung verfahren kann, bey welcher die strengste Genauigkeit nicht zu erwarten ist, daher es an Abweichungen und Ausnahmen in einzelen Fällen nicht fehlen kann. Ich bemerk? hierbei) nur noch folgendes, l. Die Art, wie ein Volk feine Sprache schreibt, wird unter den gehörigen Umständen, ein ziemlich richtiges Merkmahl seyn, ob selbige alt und eigenthümlich, oder neu und aus mehrern zusammen gesetzt ist. 2. Wenn ein Volk in der Schrift von seiner Aussprache abzuweichen genöthiget ist, so ist solches ein sehr weises, ganz in der höchsten und einigen Absicht der Schrift gegründetes Verfahren, weil es dadurch die nächste Abstammung so lange, als sie einigen Nutzen gewähren kann, wenigstens für das Auge erhält, und dadurch für die allgemeine Verständlichkeit sorgt. Es verdienet daher nichts weniger als den Vorwurf der Ungereimtheit, welcher demselben von vielen gemacht worden, welche die Sachen nur obenhin anzusehen gewohnt sind. z. Dieses Verfahren ist den mehrmahls gedachten Völkern weder von ihren Beherrschern anbefohlen noch von Sprachlehrern empfohlen und vorgeschrieben worden. Es stehet -.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.Z. 647 siehet vielmehr noch dahin, ob selbst ihre Sprachlehrer und Sprachgelehrten sich des Grundes, warum in ihrer Sprache so verfahren wird, deutlich be- . wußt sind. Wenigstens kenne ich keinen, der ihn auf diese Art entwickelt hatte, wohl aber viele, welche mit einer Art von Achselzucken davon sprechen, und dadurch ihre Unwissenheit deutlich genug an den Tag legen. Es ist vielmehr ganz ein Werk der dunkelen Empfindung und des Bedürfnisses, und der einigen und höchsten Absicht der Schrift/ welche je» des Volk eben so einförmig und einstimmig leitet, als sie dasselbe in andern Theilen der Sprache bestimmet. Es sind daher auch alle in diesen Sprachen geschehene Vorschläge, die Schrift der Aussprache gemäß zu machen, oder die Abstammung noch genauer zu beobachten, und nicht bloß die nächste allgemein bekannte, sondern auch die entfernte längst vergessene durch die Schrift zu bezeichnen, woran es wenigstens den Franzosen nicht gefehlet hat, unnütz und vergeblich gewesen, weil sie wider das von der ganzen Nation dunkel anerkannte Gesetz der allgemeinen Verständlichkeit stritten. 4. Es muß uns dieses ein Bewegungsgrund seyn, die dunkele Empfindung zu ehren, welche alles in den Sprachen leitet. Finden wir in irgend einem Theile der Sprache eines Volkes ein übereinsiimmigeS allgemeines Verfahren, so können wir sicher daraus schließen, daß es sehr tief in dem Bedürfnisse und der Absicht seiner Sprache und Schrift gegründet ist, und es ist Pflicht, diesen Grund aufzusuchen, und sich deutlich zu machen, nicht aber darauf zu schmähen, oder ein solches Verfahren aus willkührlich angenommenen Gründen zu verwerfen. §. 8. Ich kehre nach dieser Ansschmeiffung über Geschichte die Schrift unserer westlichen Nachbarn, welche uns des Ml- Ss 4 doch 648 2.TH. Von der Orthographie. meinen doch in der Folge manche nützliche Dienste leisten Schreibe- wird, wieder zu der Deutschen Sprache und ihrer denDeut^ ^^"^ ^ Deutsche Sprache ist, so weit sch^n/ wir sie kennen, eine eigene unvermischte Sprache, wenigstens ist sie seit der Zeit, da man sie zu schreiben angefangen hat, mit keiner andern Sprache vermischet worden. Und schon dieser Umstand macht, haß die Abweichung von dem allgemeinen Naturgesetze der Schrift, schreib rvie du sprichst, bey den Deutschen nicht so groß seyn kann, als bey andern Völkern, welche ihr Blut und ihre Sprache nicht so rein und unvermischt erhalten haben. Es kommt noch dazu, daß die Cultur, welche an allen Sprachen feilt und schleift, siebet und mustert, in Deutschland von ihrem ersten Anfange an nur sehr langsam und unmerklich vorwärts gegangen ist, daher die Veränderungen, welche sie in dem Äußern der Sprache hervor bringt, hier auch nur sehr unbeträchtlich, wenigstens nur selten so wichtig sind, daß der nächste Ursprung der Wörter dadurch wäre verdunkelt worden. Die Deutschen haben daher zu allen Zeiten, im Ganzen genommen, so geschrieben, wie sie gesprochen haben. M-snchun- §. 9. Finden sich Abweichungen von diesem Ge- M^assu. setze, siz rühren sie vornehmlich von der nach und nach geänderten Aussprache mancher Laute her; allein im Deutschen ist diese Abweichung aus den oben bereits bemerkten Ursachen bey weitem nicht so groß, als in Ändern Ntu.ern Sprachen. Einer der vornehmsten Fälle diesie Art ist die Aussprache des s vor dem ch, p, t u. s. f. wo es in der Aussprache der volle Zischlaut ist. dagegen die Schrift ihn nur als den Sause- lau! bezeichnet. Die Ursache dieser Abweichung ist ohne Zweifel in einer Veränderung der Aussprache zu suchen» Vermuthlich kannten die Romer und Gallier ?.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.9. 649 Gallier in dem s keinen andern Laut als den sanften Sauselaut, so wie wir ihn in sehen und Gast haben. Die Franken, das erste Deutsche Volk, welches schreiben lernte, waren Niederdeutsche und sprachen das söhne Zweifel auch nicht anders aus, so wie es noch in Niedersachsen in den meisten Fällen so lautet, und die Westphalen es selbst noch in dem sch aussprechen, welches bey ihnen wie sg lautet. Und in so fern kam auch die Aussprache der Franken mit der Schrift überein. In dem ganzen obern und südlichen Deutschlande herrschte schon von den ältesten Zeiten an der volle Zischlaut in den meisten Fällen, wo das niedere und nördliche bloß den Sauselaut hören läßt. Als nachmahls die Franken sich das obere Deutschland unterwürfig machten, gewöhnten sie sich als der schwächere Theil an die herrschende Mundart des Landes und verirren sich endlich gar unter den Oberdeutschen, und so trat auch bey ihnen der volle Zischlaut in die Stelle des Sauselautes. Daß aber weder die Oberdeutschen noch die Franken daran dachten, beyde iaute im Schreiben zu unterscheiden, rühret aus der bereits oben angezeigten Ursache her. Das Römische Alphabet hatte kein Zeichen für den Zischlaut; woher hätte man also eines bekommen sollen? Hätte man etwa das Hebräische Schin ausnehmen sollen? Aber wer kannte um diese Zeit das Hebräische ? Und hätte man es auch gekannt, so würde man aller Rohheit dieser Zeiten ungeachtet doch gewiß die Unschicklichkeit gefühlet haben, Hebräische Schriftzüge unter die Römischen zu mischen, da beyde nicht die geringste Ähnlichkeit mit einander haben, und daher nie ein nur erträgliches Ganzes ausmachen können. Es blieb also weiter nichts übrig, als ein willkührlicheS Zeichen anzunehmen. Allein die- SS 5 ftS 650 2. Th. Von der Orthographie. ses ist leichter gesagt, als gethan, weil sich der Mensch nie ganz willkührlich bestimmt, sondern wenigstens einigen Grund dunkel empfinden muß, warum er so und nicht anders verfahret, bey der Erfindung eines neuen Buchstabens aber ein solcher Grund wegfällt, weil die Buchstabenschrift jetzt zu weit von ihrer ersten Stütze, der Hieroglyphe entfernt ist, als daß ihr dieselbe mehr dazu dienen konnte. Man war also genöthiget, für den vollen Zischlaut das s beyzubehalten, weil dessen eigenthümlicher laut jenem am nächsten kam. Fort- §. 10. Was also die meiste Schwierigkeit bey sctzung. der Anwendung des allgemeinen Gesetzes, schreib rvie du sprichst, macht, sind die angenommenen fremden Schriftzügs, deren eigenthümliche laute den bauten der Deutschen Sprache nicht so vollkommen angemessen sind, daß nicht auf der einen Seite mancher Überfluß, und auf der andern mancher Mangel herrschen sollte. Ich habe bereits in dem ersten Theile §. 11. die vornehmsten Unbequemlichkeiten angezeiget, welche das Römische Alphabet, so fern es für die Deutsche Schrift dienen soll, bey sich führet, und will selbige hier nicht wiederhohlen. Das sind freylich Unbequemlichkeiten; allein keine Unbequemlichkeiten, welche die Deutsche Sprache allein hätte, sondern die ihr mit allen bekannten Sprachen gemein sind, und die viele andere in einem noch weit größsrn Maße haben. Die Griechische Sprache ist in dem schönen Zeitraume Griechenlandes die wohlklingendste und vollkommenste, die wir kennen, und doch hat ihre Schrift alle die Mängel, welche man der Deutschen nur vorwerfen kann, und wir würden deren weit mehrere entdecken, wenn uns ihre Aussprache bekannter wäre. Die Deutschen haben diese Unbequemlichkeiten auch zu allen Zeiten empfunden, und i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.io. 651 und es ist kein Zweiffel, baß nicht andere Völker sie eben so lebhast sollten empfunden haben, und noch empfinden. Allein, da wir dessen ungeachtet kein Volk kennen, welches sich dadurch bewegen lassen, seinem einmahl angenommenen Alphabete zu entsagen, und es mit einem andern zu vertauschen, so muß eine solche Änderung unter gewissen Umständen und ohne gänzliche Umschaffung des Volkes und seiner ganzen Cultur selbst gewisser Maßen unmöglich seyn, oder es müssen diese Unbequemlichkeiten nicht von der Wichtigkeit seyn, daß ihre Hebung die weit giößern Nachtheile einer solchen Veränderung auf- wicgen könnte. Es verhält sich mit der Schrift, wie mit der Sprache. Jede Sprache hat ben einer genauern Untersuchung unzählige Mängel, Abweichungen und Ungleichheiten, und doch erfüllet jede derselben die Absicht, wozu sie bestimmt ist, vollkommen, und es ist noch niemanden eingefallen, sie um dieser Mängel willen umzumodeln, gesetzt auch, daß eine solche Umschaffung mit einiger Hoffnnng eines guten Erfolges unternommen werden könnte. Ein anderer Umstand, welcher die Anwendung des allgemeinen Naturgesetzes erschweret, ist der, daß die Sprache eines jeden Volkes, wenn es nur einigen Umfang hat, in eine Menge von Mundarten getheilet ist, welche oft sehr weit von einander abweichen. Für die mündliche Rede hat das wenig Unbequemlichkeiten, weil sie in den meisten Fällen an Anwesende von eben derselben Mundart gerichtet ist; allein desto größere für die Schrift, welche ihrer Absicht nach für Abwesende und Entfernte bestimmt ist, folglich in einer Mundart so verständlich senn muß, als in der andern. Allein diese Verständlichkeit würde wegfallen, wenigstens sehr erschweret werden, wenn 652 2. Th. Von der Orthographie. wenn das Gesetz, schreib wie du sprichst, so un- umschrankt und unbedingt genommen werden sollte, als eö lautet. Die eine Mundart spricht Mutter, eine andere Muetter, eine dritte Muter, eine vierte Motter, eine fünfte Moder. Wie leicht ist es da, den Sinn des Wortes zu verfehlen, wenn jede so schreibt, wie sie spricht. Freylich gab es eine Zeit, wo jede Mundart so geschrieben ward, wie sie lautete; allein das ist eben nicht die Zeit, die man zum Muster und zur Nachahmung empfehlen könnte, weil es gerade derjenige Zeitpunct ist, da Deutschland lind dessen Sprache noch von aller höhern Cnl- tur entfernt waren, und sich) derselben erst von weitem näherten. Man versuche cS, die Schriften dieses Zeitraumes zu lefen, so wird man überzeugt werden, wie sehr dadurch der möglichst leichten Verständlichkeit geschadet worden. Selbst wenn ein Volk eine allgemeine Mundart hat, welche in allen Provinzen gleich verständlich ist, läßt sich das Gesetz, schreib wie du sprichst, nicht ohne alle Einschränkung anwenden, vornehmlich wegen deö schon oben bemerkten Mangels der einmahl angenommenen Buchstaben, welche für manche jaute mehr als ein Zeichen, für manche Laute aber gar kein einfaches Zeichen haben. Es kann daher selbst in der allgemeinen Deutschen Mundart nicht ohne alle Einschränkung so geschrieben werden, als man spricht, weil man bey einerlei? Aussprache iLrbe, Ärbe, Errbe und Ärrbe, Hexe, Häxe, Hekse, Häkse, Häckse, Hecd'se, Hecd'ße u. s. f. schreiben kann, so mancherley Schreibarten aber nothwendig die allgemeine Verständlichkeit, die erste und einige Absicht der Schrift stören und hindern müjsen. Ich habe bisher das allgemeine Gesetz, welches in der Schrift einer jeden Sprache zum Grunde liege und ?,Kap. Allgemeine Grundsätze. §.io. 65z und zum Grunde liege:: muß, zu entwickeln, aber auch zugleich zu zeigen gesucht, daß es nicht so unumschränkt genommen werden kann, als es da liegt, sondern, wenn die Schrift ihre Absicht erreichen soll, nothwendig eingeschränkt, oder vielmehr nur näher bestimmt werden muß. Es verhält sich dieses allgemeine Gesetz zu der Sprache gerade so, als das Naturgesetz zur bürgerlichen Gesellschaft. So wie diese die Einschränkung jenes durch positive Gesetze nothwendig macht, und immer mehr Einschränkungen nothwendig macht, je enger die gesellschaftliche Verbindung wird, eben so muß auch das Naturgesetz für die Schrift, schreib wie du sprichst, immer mehr eingeschränkt und näher bestimmt werden, je weiter eine Sprache ausgebildet und durch die Verengung der bürgerlichen Gesellschaft verfeinert wird. Kurz die Schrift muß positive Gesetze haben. Es ist nur die Frage, wer muß sie geben, diese positiven Gesetze, und wie müssen sie beschaffen seyn? Die Sprache, und alles was zu ihr gehöret, ist ein unmittelbares Werk des Bedürfnisses; sie entstehet mit jeder bürgerlichen Gesellschaft und bildet sich mit ihr aus. Ist sie einmahl da, so erfüllet sie auch ihre Absicht, die allgemeine Verständlichkeit unter den Gliedern der Gesellschaft, und es ist dem Staate wenig daran gelegen, auf welche Art solches geschiehet. Da nun die Sprache weder auf die äußere Sicherheit noch auf die innere Ordnung einer bürgerlichen Gesellschaft einigen Einfluß hat, so ist sie auch kein eigentlicher Gegenstand der bürgerlichen Gesetzgebung, daher man, wenn ich hier von posts tiven Gesetzen rede, keine solche Gesetze im bürgerlichen Verstände verstehen muß. Ich rede hier bloß von der innern Einrichtung der bey einem Volke einmahl 654 2. Th. Von der Orthographie. einmahl gangbaren Sprach«', weil Sprachen über- Haupt allerdings ein Gegenstand bürgerlicher Gesetze seyn können, wo man z.B. Ursache haben kann, diese oder jene neben bey übliche Sprache abzuschaf. fen oder einzuführen. Die hier gültigen positiven Gesetze können daher keine andern seyn, als solche, welche durch eine gewisse stillschweigende Verabredung errichtet werden, d. i. nach dunkeler Empfindung sowohl des Beßren der Gesellschaft, als auch deö jeder Sprache eigenen Ganges. Es folget hieraus ganz natürlich: i. die inne? re Bilnchmng der Sprache sowohl als der Schrift hänget von keiner äußern Gewalt ab, weil sie beyde in das Beßte der Gesellschaft keinen Einfluß haben. Noch weniger können einzele Glieder derselben das Recht haben, positive Gesetze in Ansehung derselben -vorzuschreiben. 2. Am wenigsten können sie willkürlich seyn, weil die dunkele Empfindung, worauf sie allein gegründet sind, alles Willkührlich- ausschließt, z. Sie müssen daher in jeder Sprache und ihrem Gange selbst ausgesucht werden. 4. Wenn man sie gefunden hat, oder gesunden zu haben glaubt, so dürfen sie auch nicht willkührlich angewandt, oder weiter ausgedehnet werden, als das Volk, welches sie angenommen hat, sie ausgedehnet wissen will. 5. Was man als solche positive Gesetze aufgefunden zu haben glaubt, muß von der Art seyn, daß es wenigstens von dem größten Theil des Volkes, nicht bloß von den obern und gelehrtem Classen, anerkannt, und mit Bewußtseyn, wenigstens mit dunkeler Empfindung der Ursachen befolget werden kann, weil diese positiven Gesetze selbst keinen andern Grund haben. Von der Sprache, als Sprache, gilt das im weitesten Umfange; von der Schrift in etwas engerm, weil sie nicht ein fo allgemeines Bedürfniß ist, -.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.iO.n. 655 ist, als jene ein Werk der höhern Stufen derCul. tur ist, daher ihre Gesetze nur in den höhern und mittlern Classen jeder Nation sowohl entstehen, als befolget werden können. 6. Diese Gesetze sind nicht unveränderlich, sowohl an und für sich selbst, als auch, und zwar vornehmlich, der Anwendung nach. Da sie in Ansehung sowohl ihres Ursprunges als auch ihrer Befolgung von der Empfindung und dem Bewußtseyn sowohl der Absicht der Schrift, als auch des Eigenthümlichen der Sprache und Schriftzüge abhängen, dieses Bewußtseyn aber nach dem jedesmahligen Grade der Cultur sehr vieler Grade der Dunkelheit, Klarheit und Deutlichkeit fähig ist, so muß auch die Befolgung der in der Sprache gegründeten Schreibegesetze nicht nur zu verschiedenen Zeiten, sondern auch zu einer und eben derselben Zeit unter den verschiedenen Classen einer Nation sehr verschieden seyn. In rohen ungebildeten Zeiten ist dieses Bewußtseyn sehr dunkel, daher ist auch die Art zu schreiben sehr unsiät, schwankend und ungewiß. Eben so dunkel ist diese Empfindung in aufgeklärten Zeiten unter den untern Classen der Nation; weniger dunkel unter den mittlern, zumahl wenn sie gelernet haben auf den Gang der Sprache aufmerksam zu seyn; am klarsten und deutlichsten bey denen, welche es bis zu klaren und deutlichen Begriffen in der Sprache gebracht haben, deren An- - zahl denn aber immer die geringste ist. §. 11. Hierauf gründet sich nun die (Drrhogra? CrMrunz phie oder die jehre, wie eine Sprache nach den in derOrtho- derselben angenommenen Gesehn richtig geschrieben sraphie. werden soll, oder mit andern Worten, die jehre von der Einschränkung des allgemeinen Naturgesetzes der Schrift durch die in jeder Sprache gültigen positiven Gesetze. Der 656 2. Th. Von der Orthographie. Der Nahme ist Griechisch und bedeutet eigent« lich die richtige Art zu schreiben, und in diesem Verstands wird er auch hier genommen. Allein sehr oft bezeichnet man damit auch eine jede Art, wie jemand eine Sprache und ihre einzelen Laute mit angenom« menen Schriftzeichen schreibet, und alsdann spricht man auch von einer irrigen, fehlerhaften, seltsamen u. s. f. Orthographie; eine Bedeutung, welche freylich unschicklich ist, die man aber doch in Ermangelung eines bessern Ausdruckes beybehalten muß, weil Schreibearc bereits in einem andern Verstände gangbar ist. Um für (Orthographie einen Deutschen Ausdruck zu bekommen, hat man es in Rechtschreibung überseht; ein Wort, welches schon hin und wieder aufgenommen ist, ob es gleich eben nicht auf die beste Art gebildet worden, weil von schreiben das Verbale die Schreibung nicht üblich ist, daher auch eigentlich keine Zusammensetzung machen könnte. Es hat überdieß noch den Mangel, theils daß sich kein Adverbium davon bilden läßt, weil rechtschreiberisch Geschmack und Gehör noch mehr beleidigt, daher man denn doch wieder orthographisch gebrauchen muß, theils aber auch, weil es sich nicht in dem zweyten weitern Verstands gebrauchen läßt, weil der Widerspruch hier noch auffallender senn würde, wenn man von einer falschen oder irrigen Rechtschreibung reden wollre, als bey dem Griechischen Ausdrucke, bey welchem man an den Wortverstand so sehr nicht mehr denkt. Die Orthographie lehret, wie eine Sprache und ihre einzelen Laute mit den in derselben ange- nommsnen Schriftlichen richtig geschrieben werden muß. Sie unterscheidet sich dadurch von selbst auf der einen Seice von der Calligraphie, welche es bloß i. Kap. Allgemeine Grundsätze. §. ir. 657 bloß mit der Schönheit oder dem gehörigen Verhältnisse der angenommenen Schriftzeiclien beschäftiget, und auf der andern von der Grammatik im engsten Verstände, welche es bloß mir der Richtigkeit des Ausdruckes zu thun hat, ob sie gleich billig als ein Theil der Grammatik oder Sprachlehre im weiterm Verstände angesehen werden muß, und ihre Stelle daselbst verdienet. Aber was für eine Stelle? Die erste oder die letzte? Fast alle bisherige Deutsche Sprachlehrer räumen ihr die erste ein, und tragen sie gleich nach der Lehre von den Buchstaben und ihrer Aussprache vor. Allein es ist leicht zu zeigen, daß sie dahin nicht gehöret, sondern mit mehrerm Rechte den letz- ten Theil der Sprachlehre ausmachen muß. Das Schreiben seßt das Sprechen voraus, und man muß nothwendig erst richtig sprechen können, wenn man richtig schreiben will. Ueberdieß erhält die Orthographie einen großen Theil ihrer Erweislichkeit aus der Sprachlehre im engern Verstände, daher sie erst nach dieser vorgetragen werden kann. So setzt sie schlechterdings die Lehre von dem Baue der Wörter, von dem Tone, von der Zusammensetzung der Wörter u. s. f. voraus, und die Lehre von der Jnterpun- ction kann gar nicht vorgetragen werden, wenn man nicht von den Sähen und ihren verschiedenen Arten unterrichtet ist. Das letztere haben einige neuere Sprachlehrer gesuhlt t, aber sich nicht anders zu helfen gewußt, als daß sie die Interpunctton aus der Orthographie zu verbannen, und zur Oratorie zu verweisen gesucht, wohin sie doch so wenig gehöret, als die Lehre von den Sätzen, weil es beyde noch mit der Richtigkeit zu thun haben, und daher ihren Platz nothwendig in der Sprachlehre finden müssen. Sie hätten dieses gewaltsame Mittel nicht nöthig gehabt, Adel.D.Spr. U.S. T t wenn 658 2.TH. Von der Orthographie. wenn sie nur der Orthographie ihre gehörige Stelle angewiesen hätten. Ans dem vorigen läßt sich nunmehr leicht be- stimmen, was man von einem Lehrer der Orthogra» ' phie erwartet, und worin seine Pflicht bestehet. So wenig der Philosoph befugt ist, sich eine ganz neue Welt zu schaffen, oder der Geschichtschreiber, Statt einer Geschichte emen Roman zu liefern, eben so wenig darf auch der Sprachlehrer weder eine neue Sprache bilden, noch die alte nach willkürlichen Grundsätzen ummodeln, und eben so wenig darf auch der Lehrer der Orthographie neue Arten zu schreiben ersinnen, oder einzele Grundsähe der eingeführten Art weiter ausdehnen, als die Sprache sie ausgedehnet wissen will. Er muß die Grundsäße, wornach sich ein Volk im Schreiben bestimmet, in dessen Art zu schreiben selbst aussuchen, das, was nur dunkel befolget werden kann, zur Deutlichkeit zu bringen suchen, und die Ursachen zeigen, warum jedes Veränderliche in der Orthographie gerade so und nicht anders eingerichtet ist. Grundge- §. 12. Wenn dieses gehörig befolget, und dabey setz der hjx höchste und einige Absicht der Sprache sowohl als Deutschen Schrift, die allgemeine und möglichst leichte xhie. ^ Verständlichkeit nicht aus den Augen gesetzt wird, so zeiget sich, daß die ganze Deutsche Orthographie auf folgendem kurzen und leichten Grundgesetze beruhet: man schreibe das Deutsche mir den eingeführten Gchriftzeichen, so wie man spricht, der allgemeinen besten Aussprache gemäß, mit Beobachtung der erweislichen nächsten Abstammung, und des allgemeinen Gebrauches. Es ist nothwendig, die in diesem Grundgesetze befindlichen einzelen Sähe näher zu erläutern, worauf erst i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.iz. 659 erst in dem folgenden Kapitel dessen Anwendung auf einzele Fälle gezeiget werden kann. §. iz. 1. Man schreibe das Deutsche mit Man den eingeführten Gchrifrzeichen, folglich mit Meibt mir Deutschen Buchstaben. Diese Regel verstehet A"'^e» - sich eigentlich schon von selbst, gilt auch nur so lcm- ^ ge, als der Schreibende die allgemeine Verständlichkeit zur Absicht hat, weil es ihm fönst unbenommen bleibt, seine Muttersprache mit lateinischen, Griechischen , Hebräischen oder auch willkührlichen Schrift- zeichcn zu schreiben. Allein, da wir im Deutschen sowohl für den Bücherdruck, als auch für die Cur« rentfchrift eine gedoppelte Schrift haben, die eckige, welche einmahl für die Deutsche Sprache eingeführet ist, und die runde, deren wir uns im Lateinischen und den daraus entstandenen neuern Sprachen bedienen , so müssen wir uns noch ein Paar Augenblicke dabey aufhalten. Es können nähmlich im Zusammenhange der Rede sehr oft Wörter aus frein» den Sprachen mit vorkommen, und da fragt es sich nun, mit welcher Art von Schriftlichen sie geschrieben werden müssen. Ehedem schrieb man alle in der Rede vorkommende fremde Wörter, die eigenen Nahmen allen- falls ausgenommen, mit Lateinischen Buchstaben, und trieb diese Sorgsalt so weit, daß man auch dis mit Deutschen Endungen versehene Wörter halb mit Lateinischen und halb mir Deutschen Buchstaben schrieb: holtet, x>uiAiren. Dieß geschahe vornehmlich zu der Zeit, da man es noch für schön hielt, die Teutsche Sprache mit fremden zu vermengen, und sie alle Augenblick und ohne alle Noth mit Latrini» sehen, Französischen und Italiänischen Brocken aus» zustutzen. Der aufkeimende gute Geschmack lernte Tt s endlich ^------.—^ 66o 2.TH. Von der Orthographie. endlich einsehen, wie lächerlich eine solche Vermischung sey, und verbannete sie, und nunmehr fing man auch an, mit dem Gebrauche der lateinischen Buchstaben in einer Deutschen Schrift sparsamer umzugehen, weil die Vermischung hier eben so beleidigend ist, als dort. Die fremden Wörter, welche in dem Zusammenhange einer Demschen Rede vorkommen können, sind von gedoppelter Art; es sind entweder eigene Nahmen oder Gattungswörter. In Ansehung der ersten hat man sich langst dahin verglichen, sie mit Deutschen Buchstaben zu schreiben, und sie allenfalls mit einer Deutschen Schrift anderer Art, z. B. im Drucke durch die so genannte Schwabacher, und in der Current-Schrift durch das Untersireichen, von der übrigen Schrift zu unterscheiden. In historischen Schriften hat das seinen Nutzen, weil die eigenen Nahmen hier der vornehmste Theil der Rede sind, und sie durch diesen Unterschied dem Auge besser aufsallen, und zu einem Leitfaden dienen, eine verlangte Stelle ohne viele Mühe wieder zu finden. Aus eben dieser Ursache pflegt man auch wirklich Deutsche Wörter, und oft ganze Stellen, wenn sie als Beyspiele, als Worte eines andern angeführet werden, oder auf andere Art vor dem übrigen Theile der Rede vorzüglich heraus gehoben werden sollen, durch eine andere Art Deutscher Schrift auch dem Auge, und vermittelst desselben dem Verstände bemerkbar zu machen. Da dieses immer Deutsche Schriftsiige, obgleich von einer andere Gestalt sind, so beleidiget diese Vermischung den Geschmack nicht so sehr, als die Vermengung ganz verschiedener Schriftlichen. Sollte aber jemand ja etwas beleidigendes darin finden, so muß die möglichst leichte Verständlichkeit, da wo es nöthig ist, dem Schmucke i.Kap. MgemcineGrundjatzc. H.iz.14. 66: cke und der Schönheit allemahl nachstehen. Es verstehet sich von selbst, daß diese Vermischung.der Schriftarten nicht gemißbraucht werde. Von andern Wörtern aus fremden Sprachen, welche nicht eigene Nahmen sind, werden alle die- ' jenigen, welche im Zusammenhange der Rede an Statt Deutscher Wörter gebraucht werden, gleichfalls mit Deutschen Buchstaben geschrieben, sie mögen übrigens das Deutsche Bürgerrecht erhalten haben oder nicht: der Apostel Paulus, das Evangelium Matrhär, das Concordar, Antiquitäten. Wird aber ein fremdes Wort aus- drücklich als ein fremdes Wort angeführet, oder findet man nöthig, einen völligen Ausdruck oder Saß aus einer fremden Sprache zu entlehnen, so erfordern nicht allein die Natur der Sache, fondern auch die möglichst leichte Verständlichkeit, alle solche Wörter und Ausdrücke mit der ihnen eigenen Schrift zu schreiben: das TVort ^--705, das Derbum amu, die Sache rvard nemiue contracli^eme beschloss sen, das uon ^!ux ultra der Philosophie. Hier kann die Vermischung verschiedener Schriften, den Geschmack nicht mehr beleidigen, als die Vermischung verschiedener Sprachen, und wenn das Be. dürfniß diese erfordert, so muß es auch jene dulden. §. 14. Man schreibe 2. wie man spricht. Wie man Dieses ist das erste. Gesetz einer jeden Buchstaben- spricht, schrist, welches ganz in der Absicht dersilben, die Töne des Mundes dem Auge sichtbar darzustellen, gegründet ist, und unmittelbar daraus folget. Es ist daher das Naturges ß der Schrift, aber auch weiter nichts, und fo wie das Naturgefth in der bürgerlichen Gesellschaft zwar zum Grunde liegt, aber für dieselbe nicht hinreicht, sondern durch positive Gesetze T t z naher 662 2. Th. Von der Orthographie. näher bestimmt und eingeschränket werden muß, so wenig kann es auch in einer nur einiger Maßen ausgebildeten Sprache zur Leitung der Schrift hinlänglich seyn, wenn es die Absicht derselben, die allge- meine und möglichst leichte Verständlichkeit erreichen soll. In der Hieroglyphe würde dieses Gesetz lauten : mahle roie du denkst; aber wer siehet nicht, daß dieses Gesetz sehr vieler Einschränkungen und näherer Bestimmungen bedarf, wenn die Bilderschrift nicht allein andern, sondern selbst dem Schreibenden nach einiger Zeit verständlich seyn soll, weil die Bezeichnung der Begriffe und Vorstellungen durch Bilder oder Zeichen zwar nicht ganz willkührlich ist, aber doch großen Theils auf stillschweigende Verabredung beruhet. Die Buchstabenschrift ist zwar ungleich vollkommener als die Bilderschrift, und bedarf daher auch so vieler Einschränkungen nicht; aber sie ist doch nicht ganz vollkommen, und kann es nie seyn, weil nichts endliches vollkommen seyn kann. Das bloße Naturgesetz ist daher für sie eben so wenig hinreichend, als eö für den unvollkommenen in der bürgerlichen Gesellschaft lebenden Menschen hinlänglich ist. Die Ursachen, warum dieses Gesetz in einer jeden nur einiger Maßen ausgebildete» Sprache schlechterdings näher bestimmt werden muß, sind bereits in dem vorigen angezeiget worden. Ich will sie hier kürzlich wiederhohlen, i. Die Unvollkommcnheit aller Schriftliche», welche nie das genaueste Verhältniß zu den Tönen des Mundes haben und haben können. Es ist nichts leichter, als hierauf zn antworten, daß man denn solche vollkommne Schriftlichen ersinden und einführen müsse. Allein es ist auch bereits im vorigen gezeiger worden, daß dieses gegenwärtig gewisser Maßen unmöglich ist, iveim die Zcichen nicht ganz i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.14. 66z ganz willkührlich seyn sollen, willkührliche Zeichen ober eben so wenig ihr Glück machen können, als willkührlich erfundene Wörter. Und gesetzt, man könnte solche vollkommene Zeichen erfinden und allgemein machen, wie lange werden sie denn so vollkommen bleiben, da sich die Aussprache mit der Cultur von Zelt zu Zeit verändert? 2. Die eben gedachte Veränderlichkeit der Aussprache. Die Schrift ist nicht so wie die mündliche Rede bloß für den gegenwärtigen Augenblick bestimmt, sondern für eine längere Dauer. Sie würde daher ihre Absicht, die möglichst leichte Verständlichkeit verfehlen, wenn sie allen Veränderungen der Aussprache auf dem Fuße nachfolgen wollte, z. Hierzu kommt bey denjenigen Völkern, welche mehrere Mundarten und unter denselben eine allgemeine und allen gleich verständliche Mundart haben, noch der Umstand, daß alle diejenigen, welche sich dieser allgemeinen Mundart bedimm wollen, ihrer provinziellen Aussprache entsagen müssen. Das heißt mit andern Worten, wer allgemein verständlich deutsch, d. i. Hochdeutsch schreiben will, darf nicht so schreiben, wie er spricht, weil er sonst zwar die Mundart si'iner Provinz, aber nicht Hochdeutsch schreiben würde. Im folgenden hiervon ein mehrcres. Diese nähere Bestimmungen des eben gedachten Naturg."sche6, schreib wie du sprichst, find nun in de» übrigen Sähen des §. 12. angegebenen Grundgesetzes enthalten, und bestehen in Befolgung der besten Aussprache, der erweislichen nächsten Abstammung, und des allgemeinen Gebrauches, welche im folgenden näher untersuchet werden müssm. Nimmt man indessen dieses Gcftß, so wie eö da liegtt, so folget daraus: i. daß man jeden deutlich gehörten einfachen laut mit seinem eigenen Zeichen schrei- Tt 4 ben 664 i'TH. Von der Orthographie. ben müsse; ein Saß, der wegen des bekannten Mißverhältnisses der Schriftzeichen zu den gangbaren einfache» Lauten, die meisten nahern Bestimmungen und Einschränkungen erfordert, 2. Daß man nicht anders schreiben müsse, als es gehöret wird, z. B. nicht verHöhlen, ergötzen, Münch, Gülden, hintern, z. Daß man nicht mehr schreiben müsse, als wirklich gehöret wird, z.B. nicht Ambr,L.amb, Mägdchen, weil in den beyden ersten kein d und jn dem letzten kein g gehöret wird, 4. Daß man das Gehörte nicht doppelt oder überflüßig bezeichne, z. B. nicht Vrodt, unnd oder unndr, Brannd, gany, Hery; und 5. daß man aber auch nicht weniger schreibe, als wirklich gehöret wird, z. V. nicht Damf, smir,Rnab, Muse, otimn, Füse. So sehr nun auch diese fünf Säße jn der Folge näher bestimmt werden müssen, so sind es doch nicht sowohl Einschränkungen, als vielmehr nur nähere Bestimmungen des allgemeinen Naturgesetzes der Schrift, und die Aussprache bleibt, wenn sie einmahl allgemein ist, doch immer das höchste Gesetz, dem alle Übrige Betrachtungen, so fern sie demselben widersprechen, nachstehen müssen. Man schreibt daher Eingeweide, einheimisch, Zettel, Üxnob-- lauch, dreyßig u, s. f. weil sie allgemein so gesprochen werden, wenn gleich die Etymologie und Analogie Ingeweide, inheimiscb, Gchedel oder Schedul , Aloblauch oder nach anderer Ableitung Anopsiauci) und dreyzig erfordern sollte. Eine Schwierigkeit entstehet hier besonders in Ansehung der aus fremden Sprachen entlehnten Wörter, wo die Fragen aufgeworfen werden können, 5. ob man sie so schreiben müsse, wie sie im Deutschen gesprochen werden, oder ob man ihre cigen- khümliche Schrift und Aussprache befolgen müsse, z.V. i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.14. 665 z.B. Ränzel, Dizier, oder Canccl, N>essirt 2. Ob man die aus solchen Sprachen, welche anders sprechen als schreiben, entlehnten Wörter nach der Aussprache oder nach der in ihrer Sprache üblichen Art zu schreiben, schreiben müsse; z. B. Rarral- lier, Scheine, oder Cavallier, Genies z. Ob man die au6 dem lateinischen entlehnten Wörter auf ihre eigene Art oder nach Deutscher Sitte schreiben müsse; z.V. Zizcro, Zitation, Zepter, Rats, oder Licero, Scepter, Limcion, Cars:' Und 4. Ob man die aus dem Griechischen Heistammenden Wörter ausGriechische, oder ans lateinische, oder gar auf Deutsche Art schreiben müsse; z. B. B.atechis- mus, Nadmus, Zxerberus, Filosofie, oderCa-- rechismus, Ladmus, Cerberus, Philosophie^ Es koinmt hier darauf an, die allgemeine und möglichst leichte Verständlichkeit mit der Aussprache, und der jedem Worte eigenen Schrift auf eine geschickte Art zu verbinden, und da wird sich zeigen, daß das bisher in solchen Fällen üblich gewesene Verfahren die ser Absicht am nächsten kommt, wenigstens vor allen vorgeschlagenen Neuerungen sehr große Vorzüge hat. Folgendes sind die Grundsähe, welchen Deutschland bisher in diesem Stücke gefolget ist. Die fremden Wörter, welche in dem Zusammenhange der Rede vorkommen, sind von gedoppelter Art, entweder sie haben bereits das Deutsche Bürgerrecht bekommen, d.i. sie gelten für ächte Deutsche Wörter, und sind alsdann gemeiniglich auch aus eine oder die andere Art Deutschen Wörtern ähnlich gemacht worden, wie Lieder, Pulver, Kinie, !Va- rerie, Fabel, Artikel, Pflaster, Ränzel, Priester, Aberraute, Abenteuer, und hundert andere mehr. Und da ist kein begreiflicher Grund vorhanden, warum man sie nicht nach der einmahl überall T t Z ange- 666 2. Th. Von der Orthographie. angenommenen und jedermann verständlichen AuS- spräche schreiben sollte. Ich wüßte auch niemanden, dem es eingefalln, wäre, Leber, L.mee, iLmpla- fter, Cancett, Presbyter, Abroranum, oder wohl gar Lebris, pulvis, u. s. f. zu empfehlen. Mit dicfen Wörtern hat es also auch keine weitere Schwierigkeit. In völlig gleichem Falle befinden sich manche biblische Nahmen, welche durch die alten Übersetzungen, in einer oder der andern abweichenden Gestalt gangbar geworden sind: Moses, Ijaac, Israel, Ab- salon, Ahasvcrus, Arrhasafta, Gssen, Jacob, Astur, Hiskias, Josua, Jerusalem, u. s. f. welche in dieser Form allgemein bekannt, und Gelehrten und Ungclshrtcn gleich verständlich sind. Es würde daher die allgemeine Verständlichkeit, die erste und höchste Absicht der Schrift und Sprache, siö. ren, wenn man dafür die wahren Formen Mo- scheh, Iiychak, Iisrael, Abschalom, Aha- schaverosch, Arrhaschschascht, Goschen, Ia- hacob, ?lschschur, Iechizkijahu oder Chizrija, Iehoschua!) oder Jeschuäh und Jeruschaläjim, einzuführen suchen wollte; welches uberdieß nicht den begreifflichen Nuhen haben kann, weil morgen- ländische Sprachen und Wörter nur sehr wenigen in der Nation bekannt sind, daher ihr wahrer Bau zur allgemeinen Verständlichkeit nichts beytragen, wohl aber dieselbe aufheben kann. Wieder in eben demselben Falle befinden sich viele morgenländische eigene und Gattungönahmen, welche durch die Kreuhzüge, Kriege mit den Türken, und Reise» nach Constantinopel und Palästinam unter den Deutschen bekannt geworden sind: Ottos mannen, Dttomannisch, Muselmann und Muftk, i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.14. 667 Muselmänner, Sorbet, Moschee, Amurach, Mahomed, Ve;ir, Vafsa, Ianirschar, »segi- re, Nararoane u. s. f. Man hat in den neuern Zeiten mehr als einmahl den Vorschlag gethan, und wohl gar versucht, diesen Wörtern ihre eigenthümliche Gestalt wieder zu geben, und Oschmanen, Gschmanisch, Müsulman, und im Plural, Moslemin,, Scherbech, Messched, Morad, Muhammed, N)essr, Paschscha, Ienkid- schäri, ^.cdsjera, ^ierwane zu schreiben und zu sprechen. Allein, l. die erster» veränderten Formen sind einmahl allgemein gangbar, und sowohl Gelehrten als Ungelehrten verständlich, und haben gewisser Maßen schon das Deutsche Bürgerrecht erhalten, eben so sehr alsAanzel, Pflaster, Priester u.s.f. 2. Die wahren Formen sind nur in so fern zu empfehlen, als dadurch der Bau des Wortes aufgeschlossen, und durch die deutlicheKenntniß des Baues die Verständlichkeit befördert wird. Bey morgenländischen und andern unbekannten Sprachen findet das nicht Statt, weil nur sehr wenige sie bis zu dem Grade kennen und verstehen, und diese wenigen mit dem übrigen. Theile der Nation in keine Verglei- chung kommen. Allen übrigen würden die wahren Formen eben so willkührliche Zeichen seyn, als die veränderten, und noch dazu die Unbequemlichkeit haben, daß sie unbekannt sind, folglich die üllgemeins Verständlichkeit stören, z. In den veränderten Formen sind die fremden Wörter der Deutschen Aussprache näher gebracht, und dadurch gewisser Maßen naturalisierct worden, besonders durch Vertauschung des so widrigen und in den morgenländischen Mundarten noch so häufigen Zischlautes mit dem sanfter» s: Moses, Assur, Gosen, Sorbet, Vassa u. s. f. Die wahren Formen Moschch, Aschschur, Goschen, 668 2. Th. Von der Orthographie. scheu, Scherbcth, paschscha haben daher auch den Wohllaut wider sich. 4. Sollte die Wiederherstellung der wahren Formen in diesen Wörtern norhwsnbig seyn, so mußte sie auch in allen übrigen geschehen, welche je aus fremden Sprachen angenommen smd, und was für eine Zerrüttung würde das nicht in der Sprache machen, indem die meisten mit der christlichen Religion aus dem lateinischen angenommenen Wörter mit noch größerm Rechte umgemodelt werden müßten, weil hier der wahre Bau des Wortes allerdings zur Verständlichkeit etwas beytragt. 5. Uni die gedachten morgenländischen Wörter im Plural gehörig gebrauchen zu können, müßte denn ein jeder auch morgeuländisch declinieren lernen, so wie man uns schon zumuthet, von dem Singular llmsulman im Plural nicht ilmsul- maimer, sondern IVoslemim zu sagen; aber welche Forderung! Es behält also die Regel, welcher Deutschland in Ansehung dieser Wörter bisher dunkel gefolget ist, immer noch ihren überwiegenden Vorzug, und diese Regel heißt denn so: XVörter aus fremden lind unbekannten Sprachen, rvo der rvahre Bau des N?orres zur allgemeinen Verständlichkeit nichts beyträgt, spreche und schreibe man nach der Form, in rvclchcr sie einmahl all- gemein bekannt sind, und bereits das Bürgerrecht erhalten haben. Die wahren Formen können nur silr diejenigen einigen Nuhen haben, welche diese Sprachen kennen und verstehen, und da diese in Vergleichung nicht allein mit der ganzen Nation, sondern selbst mit den Gelehrten in derselben immer der kleinste Theil sind und bleiben werden, so ist es billiger, daß sie sich nach dem größern Theile bequemen, als daß sich dieser nach ihnen richten i. Kap. Allgemeine Grundsätze. §. 15. 669 ten soll. Denn die ganze vorgeschlagene Veränderung hat doch nur eine kleine Einseitigkeit und Vorliebe gegen die morgenlandischen Sprachen zum Grunde. Eine jede vorgeschlagene Neuerung muß einen überwiegenden Nutzen hüben, wenn sie nicht eine bloße Neuerung seyn soll; aber hier zeigt sich, wenn man alles, was im vorigen gesagt worden^ zusammen nimmt, mehr Nachtheil cü6 Nutzen. §. 15. Ganz anders verhalt e6 sich mit Wörtern Fortaus fremden Sprachen, welche theils noch nicht das setz""S. völlige Bürgerrecht erhalten haben, theils aus solchen fremden Sprachen entlehnet worden, welche, wo nicht dem größten, doch einem großen Theile der Schreibenden bekannt sind. Denn eben weil diese Sprachen bekannter sind, so kommen uns die aus ihnen entlehnten Wörter auch in ihrer einheimischen Tracht öfter zu Gesichte, daher die möglichst leichte Verständlichkeit erfordert, ihnen diese Tracht auch außer ihrem Vaterlande zu lassen; theils um den Fremdling, der das Bürgerrecht noch nicht erhalten hat, so gleich durch sein äußeres anzukündigen, theils und vornehmlich auch, ihm dem Äuge, welches an seine eigenthümliche Tracht bereits gewöhnet ist, nicht unkenntlich zu machen. Die hierher gehörigen Wörter sind von dreyfacher Art. Es sind Wörter aus neuern Sprachen, welche anders schreiben, als sie sprechen. Oben ist bereits bemerket worden, daß die Abweichung der Schrift von der Aussprache für diese Sprachen ein nothwendiges Mittel ist, die nächste Abstammung, wenigstens dem Auge, so lange als möglich ist, sichcbar zu erhalten. Selbst die Franzosen, welche doch in An- sehung des Geschmackes das erste Volk in der Welt zu seyn behaupten, unterwerfen sich dieser Unbequem- lichkeit, 670 2. Th. Von der Orthographie, lichkeit, weil die dunkele Empfindung, die einige jchrmeisterinn in allen Sprachen, ihnen sagt, daß ein weit größerer Vortheil dadurch erhalten wird. Es sollte daher allem Ansehen nach gar kein Zweiffel mehr Statt finden, wie dergleichen Wörter, sie seyen «un eigene oder Gacrungsnahmen zu schreiben sind, wenn sie ini Deutschen gebraucht werden müssen. Indessen ist e6 doch einigen, zum Glück aber nur einigen wenigen eingefallen, welche, um doch auch etwas neues auszusinnen, den Vorschlag gethan haben, künftig nickt mehr Voltaire, Chalons, Journal, Cavallier, Caen, Laon, Cl?ishull, Genie , u. s. f. sondern der Aussprache nach XVoltär, Gchalong, Gchurnal, Narvallier, Zxahn, Lahn, Tschishull und Scheute zu schreiben. Wie sehr bey dieser seltsamen Art zu schreiben die möglichst leichte Verständlichkeit leidet, erhellet daraus, weil der jeser solche Wörter allemahl in Gedanken in ihre eigenthümliche Schrift versehen muß, wenn er sie verstehen will. Der Grund, welchen man zum Behuf dieser Neuerung angeführet hat, Ungelehrten die Aussprache dieser Wörter zu erleichtern , ist sonderbar genug. Solche Ungelehrte, welchen die neuern Sprachen ganz sremd sind, haben selten mit solchen Nahmen und Wörtern etwas zu schaffen; und wenn es ja der Fall seyn sollte, so ist es besser, sie sprechen selbige so aus, wie sie wollen und können, als daß man dem größern und edlern Theile durch seltsame Neuerungen ein Ärgerniß werde. Auf eine anständigere Art würde man für die Verständlichkeit des ganz ungelehrren ieferS sorgen, wenn man sich aller solcher fremden Wörter enthielte, welches wenigstens bey GattungSnahmen sehr leicht möglich ist» Ich i. Kap. Allgemeine Grundstitze. §. 15. 671 Ich will bey dieser Gelegenheit noch eine Kleinigkeit erinnern, welche das c der Franzosen betrifft. Da man jetzt alle eigene Nahmen, welche in dem Znsammenhange der Deutschen Rede vorkommen können, mit Deutschen Buchstaben schreibt und druckt, die Deutsche Schrift ablr kein c kennet, s» kommt man oft in Verlegenheit und weiß sich denn nicht anders zu helft», als entweder ein fremdes en,und ihn daher durch einen gleichlautenden ersetzen müssen. Ein anderes ist, wenn ein solches Wort schon eine völlig Deutsche Gestalt und Aussprache bekommen hat, ein Prinz, Prinzessinn. Viele ausländische, besonders Französische, Wörter werden im gemeinen 4eben entweder ganz ode? doch zum Theil auf Deutsche Art ausgesprochen, d. i. so wie sie in ihrer Sprache geschrieben werden: Ac- oord,, Accidenz, Affront, Credit, Concert, Coujon, projecr, Caiibcr, Acrie, Gssicicr, Courier 672 2.TH. Von der Orthographie. Courier u. f. f. Es scheint, daß diese Wörter eiu-- mahl auf dern Wege waren, als Bürger aufgenommen zu werden, welches aber nachmahls bey mehr Verfeinerung des Geschmackes unterblieben ist. Es ist daher der Billigkeit gemäß, und der möglichst leichten Verständlichkeit wegen nothwendig, ihnen ihre fremde Gestalt zu lassen, theils damit sie als wahre Fremdling" erscheinen, theils aber auch, damit vie nächste Abstammung nicht verdunkelt und der Leser nicht immer genöthiget werde, sie in Gedanken in ihre eigenthümliche Schrift aufzulösen. Wer es über sein Gefühl bringen kann Akkord, Akzise, Akzidenz, Akzenr, akkurat, Akzie, Lekzion u. s. f. zu schreiben, unter dem Vorwande, sie als Deu.sche Wörter auf Deutsche Art zu schreiben, erwäget nicht, daß diese Schreibart nichts weniger als Deutsch ist, indem kk und kz im Deutschen ungewöhnliche Verbindungen sind, daher diese Arten zu schreiben doppelt barbarisch sind, und bey einem nur sehr geringen Grade von Gefühl und Geschmack dafür erkannt werden müssen. Da diefe Wörter in einigen Sylben eine Deutsche Aussprache erhalten haben, so ist die Frage, ob man eben diese Deutsche Aussprache in den gedachten Sylben nicht auch durch die Schrift bezeichnen müsse. In Wörtern, welche bereits das völlige Bürgerrecht erhalten haben, ist solches schon gangbar und der Sache angemessen: pallajr, von r'-iistium, Rap- pier, von dem Franz. Kapier, weil im Deutschen die erste Sylbe geschärft wird, folglich der folgende Confonant doppelt lautet. In andern Zwitterwörtern, deren Endsylben nur Deutsch ausgesprochen werden, ist solches noch nicht gangbar, obgleich die Deutsche Aussprache es zu erfordern scheinet. Man schreibt Cader, Cadincr, Billec, Complor, Ca- roussel, i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.15. 67z roussel, Cartcl, Ceremonie! u. s. f. und spricht doch der Lade«, des Caderren, das Cabinett, des Cabinettes, Billett, die Billette, das Car- rell, die Carrelle, u. s. f. Billig sollte man diese Aussprache auch durch die Schrift bezeichnen, zumahl da dadurch die nächste Abstammung nicht verdunkelt, auch dem Worte sein eigenthümliches Ansehen nicht benommen, sondern nur der Ton nach Deutscher Art gesichert wird, damit man nicht gedehnt, des Caderen, die Carrele spreche. Auf eben dieselbe Arc werden auch die aus der lateinischen Sprache entlehnten Wörter, wenn sie das Deutsch? Bürgerrecht erhalten haben, nach Deutscher Sitte lind Aussprache geschrieben: pallast, Sraar, Engel, Zeprer, Zentner, Sklave, Pöbel, Kammer, Arone, Aanzel, Ranzel- ley, Aamcel, oder noch besser Z?.amehl, Zxamin, Fasan, Alaun, Bischof, Pflaster, u. s. f. Ob man sie gleich sonst gern ihrer ursprünglichen Schreibart so nahe als möglich ist zu bringen sucht, so fern solches ohne Nachtheil der Aussprache geschehen kann; A'lnosen, Sylbe. Ehedem schrieb man pabst und probst von t^pn und I'i g»poliruz, die Dehnung der Vocale durch den weichen Conso- nanten zu bezeichnen; allein da dieser kein sicheres Zeichen der Dehnung ist, (Siehe Lchrgeb. und Spracht. Th. r. §. 90.) so schreibt man sie jehf lieber der Abstammung gemäßer mit ein?m p. Alle übrige Wörter hing-gen, welche das Deutsche Bürgerrecht nicht erhalren, und« allenfalls nur eine Deutsche Endsnlbe bekommen haben, werden, dirse Endsylben ausgenommen, auf lateinisch? Art geschrieben , theils die möglichst leichte Verständlichkeit für das Auge zu erhalten, theils auch um des guten Geschmackes willen, welcher die Vermischung der Spra- AdeI.jO.Spr. U.V. Uu chm 674 2,TH. Von der Orthographie. chen hasset, und den Fremdling, wenn man seiner ja nicht entrathen kann, doch wenigstens als einen Fremdling und nicht als einen Eingebohrnen darzustellen verlanget. Dieß gilt sowohl von Gattimgswörtern, als auch, und zwar vorzüglich von eigenen Nahmen: Vocal, Consonam, celebriren, Punct, Medicin, Caro, Cicero, Scipio, Citation, und nicht Vokal, Konsonant, zeledriren, Punkt, Medizin, Zxato, Zizero, Zipio, Zirazion. Hier gilt die Frage: rvie läßt das^ allerdings, weil sie auf den guten Geschmack, d. i. die dunkele Empfindung des Wohlanständigen gegründet ist, die letztern Schreibarten aber denselben doppelt beleidigen, sowohl in Ansehung der lateinischen Sprache, indem sieden Römer in Deutsche Tracht kleiden, ungeachtet er nie ein Deutscher werden kann, als auch in Ansehung der Deutschen, weil sie die Deutsche Tracht mißbrauchen, und dadurch Mißgeburten zur Welt bringen, welche weder Deutsch noch lateinisch sind. Bekommt hingegen ein solches Wort eine Deutsche Endsylbe, so wird diese billig auf Deutsche Art geschrieben, weil die vorigen Gründe hier wieder wegfallen. Folglich Fabel, Clausel, Titel u. s. f. und nicht Fabul, Clauful, Tirul; weil ul-,, ulu8, ^ilum hier in die Deutsche Ableitungssylbe cl übergehet; da denn um die Aussprache zu sichern auch das vorher gehende c in ein k übergehen muß, Artikel , Matrikel. Dahin gehöret auch, wenn durch Wegwerfung der Endsylben von lateinischen Wörtern ein t und c, an das Ende des Wortes zu stehen kommen, und das erste wie z, das letzte aber bald wie z, bald wie k ausgesprochen werden muß. Da die Deutschen das erste gar nicht, das letzte aber am Ende der Wörter Nicht haben, so erfordert sowohl ihr Alphabet, als auch die Aussprache dafür ,ein z und -.Kap. Allgemeine Grundsätze. §,15. 675 undk zu schreiben: Propcrz,Terenz,Horaz, Concorden;, Lonfercnz, Excellenz, Provinz, Justiz, Duodez, Sedcz, von ^rcipcniux, tiu.?, I^oraliu«, t^o^coicigntia^ Lnnferentio, LxLel. lentia, ?rc>viucia, ^usiitin, Ouoclscimv, Leclecimo; und Bibliothek, Fabrik, Rubrik, Ethik, Lo, gik, Musik, N)cchanik, 2lporheke, Apotheker, von ljibliotkecü, 1"sl>rics, Kubrica, LrKiV-z, I^vAicz, Ivluiicg, I^lccliZnica, /^potiiecs, ^^or^ec-zriu«; weil properr, Duodec, Sedec, Fabricen, Musiccn, Aporhecer, u. s. f. -,'ine falsche Aussprache geben würden, das c am Ende eines Wortes aber überhaupt nicht üblich ist. Fallen diese Ursachen weg, so tritt auch die ursprüngliche Schreibart wieder in ihrs Rechte ein. Folglich: provincial, Dibliothecar, Logicus, musicalisch u. s. f. weil hier wieder ganj fremde Ableitungssylben sind, und die Aussprache hier keine Abweichung von der eigenthümlichen Schreibart nothwendig macht. Was das Deutsche Bürgerrecht erhalten hat, oder nicht, läßt sich nicht in allen einzelen Fallen auf das genaueste bestimmen, weil die Gränzen hier eben so sehr in einander lausen, als in andern Theilen der Sprache, und die Aufnahme eines Wortes nur nach und nach und nach unmerklichen Stufen geschiehet, daher zu allen Zeiten Wörter vorhanden sind, welche zwischen beyde» in der Mitte stehen, und uüe Bestimmtheit z» keiner von beyden Classen allein gerechnet werden können. Überhaupt hat ein Wort das Deutsche Bürgerrecht erhalten, wenn es allgemein gangbar und verständlich ist, und andern Deut-» scheu Wörtern dem Baue und dem Tone nach völlig ähnlich ist, welches denn freylich oft nicht anders, als auf Kosten seines eigenthümlichen Baues und Toms geschehen kann. Dergleichen sind denn z.B. Uu - Aber- 676 2. Th. Von der Orthographie. Aderraute, (sbroranum,) Abt, Obbgz,) Zlbtey, (gbbgtia,) Almer, (»llNüiium,) Zllmosen, (slee. mos/na,) Bertram, eine Pflanze, (jzvrerruin,) Bibel und Fibel, (biblig,) Bischof, (epilcnpus,) Darcel, (cluc^Iu.^) Demant, (ciigingx,) Ephcu, (g^ium.) Engel, (liliZelux,) Lieber, Fabel, (fällig,) Form, (fc>rir>->>) Fistel, (Muli-,) Fest, (feüuin,) Feyer,(keiiae,) Fenchel, (tosn:, culum,) Fenster, (feneNrg,) Grieche, (Ql-gecuz,) Zxemnate, (cuminata,) ^xamin, (camillUZ,) Zxans zel, (csiiLelli,) Kanzelley, (cgQLellürig,) Alo- ster, (cjauüruin.) Zvümmel, (cumenum.) Aros ne, (coron-,,) Zxammer, (cümerü,) Zxohl, (csu. lix,) Laie, (l2icux>) Latwerge, (eleciu-Zlium,) Liebstöckel, (leviüiLum.) Linie, (lines,) Marter, (nigl-t^rium,) Merre, (mstutinuz,) Mönch, (lnonscliux,) das Oberdeutsche Mutb, (mociius.) (Odermennige, E>sterlu;ey, (griüo- IvLlü--,) Pattast, (pglstium,) Papst und Pfaff, (pspg,) Pfarre, (pgrocw» Pfingsten, (peuce- coüe,) Pflaster, (emplsttruiri,) Pilger, (pei eZri. QUZ,) Pöbel, (populuz,) Priester, (pre^xtei,) Pulver, (pu1vi8,) Propst, (prgepolttus,) Spiral, (^ospitLle.) Staat, (lluru^) Sklave, (Lcjgvuü.) Sylbe, (lx^öd-i,) Summe, (lummg,) Salbey, (8-,Ivig,) Tempel, (templuin,) Vogt, (a6voLgtu5,) tVein, (vinum,) Zepter, (Lcepttum,) Zirkel, (circulu5 und circinu^) Zucker, (^ccksium,) Zenrs ner, (centengriu!.,) u. s. w. Man würde noch viele andere dahin rechnen können, wenn sie nicht in der Stellung des Tones noch etwas Ausländisches behalten hätten, wieAmes, (im Oberdeutschen aber spricht man schon Änis,) Altar, Alaun, Barbier, Canäl, Fasan oder phasan, Fasele, (pli-zievln?,) Figur, Rapttel, Ramchl, Clysner, Metall, Person, i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.15. 677 Person, Prophet, Regent, Register, Tyrann, u. s. w. welche denn als solche anzusehen sind, welche zwischen den völligen Bürgern, und den völligen Fremdlingen in der Mitte stehen, und daher auch häufig nach Deutscher Sitte geschrieben werden. Ist daher ein Wort nicht allgemein bekannt, sondern nur in einer oder der andern Wissenschaft, Kunst nnd iebenöart gangbar, hat es kein ächtes Deutsches Ansehen, und ruhet der Ton auch wider die Art ächter Deutscher Wörter nicht auf die vermuthliche Stammsylbe, sondern auf eine der Ableitungssylben, (z. B. Cloäk, Musik, Mechanik, musicalisch, Caball,) so hat es auch noch nicht das Bürgerrecht erhalten, und wird daher den obigen Gründen gemäß auf seine eigene Art geschrieben, so fern die Deutschen Schriftzeichen und die Aussprache, besonders in den Endsylben, es verstatten. Nach diesem Grundsatze müßten denn auch alle aus dem Griechischen entlehnte Wörter auf Griechische Art, folglich mit einem k geschrieben werden, wo in der Ursprache ein k ist: katholisch, Antik, V.achcder, Radmus, kanonisch, Katechismus, B.arharina; und nichts ist dem ersten Anscheine nach billiger und gcgiündcter als diese Regel. Allein es ist nur der Umstand dabey, daß das Griechische ehedem unter die unbekannten Sprachen gehöret?, daher alle aus demselben ausgenommene Wörter durch das Latein und vermittelst desselben zu uns gekommen sind, wo das Griechische k bereus in das Römische c übergegangen war, und da galt denn die Regel: alle durch das Latein in die Deutsche Sprache gekommene Nlörcer werden aufÄ,a, reinische Art geschrieben; folgli^ c^ckoiisch, Critik, Carheder, Cadmus, Larec^ismus, Katharina. Seit dem sechzehnten Iah- Hunderte sind Uu? wir 678 2.TH. Von der Orthographie. wir freylich mit der Griechischen Sprache vertrauter geworden, und kennen diese Wörter in ihrer Quelle. Allein eö ist nur der unangenehme Umstand dabey, daß das Römische c, welches ehedem in allen Fallen dem k gleich lautete, nach dcr Völkerwanderung vor ä, e, i, ö, ü und y in ein ; überging, und diese Aussprache denn auch den eigenthümlichen 4aut der aus dem Griechischen entlehnten Wörter veränderte: Cylinder, Lymdel, Cypern, Centaur, Cerbe- rus, Cepheus, Cimon, ThucMdes u. s. f. welche in ihrem Vaterlands insgesammt ein k haben, und auch bey den Römern so gesprochen wurden. Da diese Schreibart nunmehr völlig allgemein ist, nicht allein im Deutschen, sondern auch in dem ganzen übrigen Europa, so ist an keine Änderung derselben zu gedenken, zumahl da sie, wenn sie auch möglich wäre, auf das iatein mehr Einfluß haben würde, als man wohl denkt, und als der gute Geschmack in dieser Sprache jemahls erlauben wird. Wenn man daher auch diejenigen ursprünglich Griechischen Wörter, in welchen das Römische c seinen alten ächten jaut beybehalten hat, im Deutschen mit einem k schreiben will, welches jeßt immer üblicher zu werden scheinet: so darf man doch diese Schreibart nicht auf diejenigen ausdehnen, wo das ursprüngliche L dem jaute nach in ein z übergegangen ist, weil die Aussprache, wenn sie so allgemein ist, als hier, der Abstammung auch in allen übrigen Fällen nachstehen muß, wie aus dem folgenden erhellen wird. Was bisher von der Art, wie die fremden Wörter im Deutschen geschrieben werden, gesagt worden, ist von mir nicht willkührlich angenommen worden, sondern ist ganz der bisher befolgte allgemeine Gebrauch. Nimmt man alles zusammen, so wird man über- i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.16. 679 Überzeugt werden müssen, daß er das allgemeine Schreibegeseß, schreib wie du sprichst, mit der Absicht des Schreibens, der allgemeinen und msgs liehst leichten Verständlichkeit, und der darinn gegründeten nächsten Abstammung sehr gut ver» bindet. Ist das Verfahren nicht in allen Fällen einerley, so muß man bedenken, daß die Sprachen und übrigen Umstände so sehr verschieden sind, daß eine völlige Allgemeinheit nicht möglich ist. Muß doch das allgemeine Schreibegesetz, schreib wie du sprichst, selbst in wirklich Deutschen Wörtern um der Absicht der Schrift, der allgemeinen Verständlichkeit willen, auf mannigfaltige Art bestimmet werden, wie aus dem folgenden erhellen wird; wie vielmehr in Ansehung fremder Wörter, welche schon an und für sich nicht so allgemein verständlich sind und seyn können, als ächte Deutsche, und daher eine desto sorgfältigere Bshandlung erfordern, wenn sie nicht noch dunkler werden sollen, als sie bereits sind. §. 16. Nach dieser nothwendigen Ausschweifung Der all«-» Von der Art, wie die in dem Zusammenhange der meinen be- Rede vorkommenden fremden Wörter geschrieben sten Auswerden müssen, kehren wir wieder zu den eigentlich Deutschen Wörtern zurück. Im vorigen ist be- "' reits überhaupt bewiesen worden, daß das allgemeine Schreibegeseh, schreib wie du sprichst, durch die höchste und einige Absicht der Schrift, die allgemeine und mSglichsi leichte Verständlichkeit auf verschiedene Art theils eingeschränket, theils näher bestimmt wird. Die erste und einige Einschränkung in Ansehung Deutscher Wörter ist denn diese, daß man z. der allgemeinen besten Aussprache im Schreiben folgen mttsse. Uu 4 Daß 6Zc> 2. TH. Von der Orthographie. Daß diese Einschränkung nothwendig ist, läßt sich seicht zeigen. In einer jeden Sprache von einigem Umfange herrschen zu einer und eben derselben Zeit verschiedene Aussprachen, und zwar nicht allein in den verschiedenen Provinzen, sondern selbst unter den verfchicdenen Classen der Einwohner einer und eben derselben Provinz. Ein jeder, welcher spricht, spricht nur für den gegenwärtigen Augenblick, und druckt sich dabey allemahl so aus, wie er glaubt, daß derjenige, mit welchem er spricht, ihn am leichtesten verstehen werde. Hier macht also die Verschieden« heit der Aussprache weiter keine Unbequemlichkeit, eö müßten denn Personen von sehr verschiedenen Provinzen, oder aus sehr weit von einander entfernten Classen einer und eben derselben Provinz zusammen kommen; in welchem Falle aber ihre verschiedenen Aussprachen und Mundarten sich wie so viele verschiedene Sprachen verhalten werden. Ganz anders verhält es sich mit der Schrift, welche, in dem weitesten Umfange ihrer Bestimmung genommen, ein Mittel der Verständlichkeit für alle Zeiten, und für olle, oder doch die meisten Classen einer Provinz, und Provinzen eines iandes, ist. Soll sie diese Absicht erreichen, so kann sie nicht der Aussprache einer jeden Classe oder Provinz folgen, fondern sie muß sich an diejenige halten, welche in allen oder doch den meiste« Classen und Provinzen gleich verständlich ist. Das verstehet sich denn freylich nur, wenn ein jand eine solche allgemeine Mundart und Aussprache hat; allein ein jedes jand von einiger Cultur hat sie, und Deutschland hat sie von 'dem ersten Anfange seiner Cultur an gehabt, und hat sie noch; und diese Mundart und Aussprache ist denn diejenige, welche die allgemeine und beste ist, und in der Schrift zum r.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.16. 68- zum Grunde gelegt werden muß. Man hüte sich, daß man dem Ausdrucke die beste Aussprache keinen willkührlichen Sinn unterschiebe, weil es eine absolute und metaphysische Güte und Richtigkeit in keiner einigen Sprache gibt und geben kann, wie ich an einem andern Orte zu beweisen suchen werde, sondern diese Ausdrücke bloß relativ, in Beziehung ans jede Sprache und Mundart genommen werden müssen. Hat in einem in mehrere Mundarten getheilten lande eine derselben den Vorzug, daß sie in allen oder doch den meisten Provinzen, und unter allen oder doch den meisten und vornehmsten Classen jeder Provinz gleich bekannt und verständlich ist, so ist diese auch die beste Mundart, und ihre Aussprache im Ganzen die beste Aussprache, folglich diejenige, welche in der Schrift zum Grunde geleget und befolget werden muß, daher denn eine solche Mundart auch die Schriftsprache eines Landes genannt wird. Daß wir in Deutschland eine solche allgemeine Schriftsprache haben, weiß ein jeder, und wenn man dasjenige erwäget, was von dem Ursprünge derselben in der Einleitung zum ersten Theile des Lehrgebäudes gesagt worden, so wird man auch in Ansehung ihres Ursprunges und ihres wahren und eigentlichen SißeS nicht länger zweifelhaft seyn können. Kurz es ist keine andere als die Mundart der südlichen Chursächsischen Lande, in welcher sich der gute Geschmack, welcher allein eine Mundart zur allgemeinen Schriftsprache eines Volkes erheben kann, am frühesten entwickelt, und am allgemeinsten verbreitet hat. Daß sie das wirklich ist, lehret der Augenschein, weil die Deutsche Schriftsprache in keiner Provinz weder so rein, noch so allgemein gesprochen wird, als eben in dieser. Diese Mundart hat nun Uu 5 Zwey 682 2. Th. Von der Orthographie. zwey wesentliche Vorzüge vor ollen übrigen, theils daß sie unter allen übrigen durch den langen Fortschritt des guten Geschmackes am meisten ausgebildet ist, weil sie sonst unmöglich die allgemeine Schriftsprache hätte werden können, welches sie doch durch eine freywillige einmüthige Annahme des ganzen Deutschlandes geworden ist, theils- weil sie das Mittel zwischen den einander entgegen gesetzten Ober- lind Niederdeutschen Mundarten ist, und daher in ollen Provinzen gleich verständlich ist. Der südlichste Oberdeutsche und der nördlichste Niederdeutsche verstehen einander nicht, sondern verhalten sich gegen einander, wie Menschen, welche ganz verschie- dene Sprachen reden; allein das Hochdeutsche lernen beyde sehr bald und ohne viele Mühe verstehen, weil es gewisser Maßen auö beyden zusammen gesetzt ist, und das Übertriebene in beyden gleich sehr mildert. Es ist dieses ein sehr schätzbarer Vorzug, welchen wenige Schriftsprachen anderer Völker werden aufzuweisen haben, welche immer nur die Mundart der Hauptstadt des Reiches sind, wo die Umstände nicht allemahl zusammen treffen, welche die Chur- sächsischen lande für sich haben, welche in der Mitte von Deutschland liegen, und deren Einwohner, die einheimischen Wenden abgerechnet, ursprünglich aus Ober-und Niederdeutschen bestanden. Allein die Chursächsischen Lande sind wieder in verschiedene Provinzen getheilet, und jede hat ihre eigene Mnndart. Der Landmann in Meisten spricht anders als der im Churkreise, und dieser wieder an. ders als der im Erzgebirge. Selbst in den Städten findet sich ein Unterschied, weil die untern Classen in der Aussprache von den obern merklich abweichen. Allein, wenn man den Umstand, welcher die Mundart der Chursächsischen Lande,zur Schriftsprache ,.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.i6. 68z che'erhoben hat, erwäget, so kann diese Verschieden-- heit der Mundarten und Aussprachen keinen Ein- wurf wider das Hochdeutsche abgeben. Bloß der ausgebildete gute Geschmack hat dasselbe aus den verschiedenen Mundarten dieser Provinzen heraus gehoben , und da dieser seinen Sitz weder bey dem Land- Volke, noch in den untersten Classen der Städte, son- dem in den mittlern und obern hat, ob er sich gleich von diesen bis zu jenen verbreiten kann: so sind auch diese der eigentliche Sih der Hochdeutschen Mundart, welche in ihnen eben so rein gesprochen wird, als unsere besten Schriftsteller sie nur schreiben können. Aus diesem Gesichtspuncte muß man denn auch die Vorwürfe ansehen, welche manche, und selbst Sprachlehrer, der Aussprache in den Chur- sächsischen Landen machen, wenn sie z.B. sagen, man spreche in Leipzig Fleesci?, Veen, Rollen, Bodden u. s. f. für Fleisch, Dein, Aohlcn, Boden. So sprechen daselbst Aufwärter und Aufwärterinnen, aber keiner aus den obern Classen, er müßte denn in der Erziehung und dem Geschmacke völlig verwahrloset seyn. Das sind Mängel, welche in allen Sprachen Statt finden und Statt finden müssen, weil ausgebildete Sprachen ein Werk des Geschmackes sind, dieser aber unmöglich bey allen einzelen Personen selbst einer und eben derselben Classe gleich seyn kann, daher unter Personen gleichen Standes immer eine besser spricht als die an« dere. In dem alten Rom sprach und schrieb niche jeder, selbst nicht jeder Consul, so rein, wie Cicero, und in dein heutigen Paris, welches sich in Ansehung des guten Geschmackes der erste Ort in der Welt zu seyn dünkt, ist die Verschiedenheit nicht geringer. Einzeln Personen kommen daher hier eben so wenig in VcttachtunZ, als in andern Werken des Geschmackes, 684 2. Th. Von der Orthographie. ckes, und es kommt hier bloß auf die größere und geringere Allgemeinheit cm. Wenn daher die Aussprache der Chursächsischen Lande zum Muster des Schreibens empfohlen wird, und emfohlen werden muß, nx'il die ganze Hochdeutsche Mundart hier einheimisch ist, so wird damit nicht die Aussprache eines jeden Jndividui, auch selbst nicht aus den obern Classen zum Muster empfohlen, sondern die allgemeinste Aussprache der obern Classen, d.i. diejenige, worin die meisten Personen von Geschmack und Erziehung überein stimmen, und da findet sich denn hier eine Allgemeinheit, welche keine andere Provinz anzuweisen hat, und eine Allgemeinheit, gegen welche die Abweichungen einzeler Personen in eben diesem Lande immer Abweichungen bleiben, aber hier doch theils seltener sind, theils starker auffallen und bemerket werden, als in andern Provinzen. Es gibt noch einen Vorwurf, welchen man der Aussprache in den Chursächsischen Landen machen kann, und gemacht hat, nähmlich die Verwechselung der harten und weichen Mitlanter, und besonders des b und p und d und t, oder vielmehr nur die harte Aussprache des b und d, denn daß p und r hier ungebührlich weich ausgesprochen würden, läßt sich wenigstens von den obern Classen nicht erweisen. Das ist denn freylich ein Fehler, welcher den Obersachsen noch von der Oberdeutschen Mundart, welche den Grund ihrer Sprache ausmacht, anhängt, wo die harte Aussprache so allgemein ist, daß man in manchen Gegenden auch gar kein b und d kennet; pam„, pup, (Bube,) Tach, Teutsch. Allein diese Verwechselung ist denn hier doch bey weitem so groß und so allgemein nicht, als man wohl behauptet, wenigstens nicht unter solchen Personen, weiche mit Aufmerksamkeit aus sich sprechen. Wenn - , i sie -.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.16. 685 sie es aber auch wäre, so würde daraus doch weiter nichts folgen, als daß der höchste Grad der Vollkommenheit von keinem endlichen Dinge zu erwarten ist, daher es unbillig seyn würde, ihn von der Obersach- sischen Aussprache zu fordern. Die Niederdeutschen haben in der sorgfältigen Unterscheidung der weichen und harten Buchstaben vor den Obersachfen einigen Vorzug, einen noch größern aber vor allen Oberdeutschen; aber dafür haben sie wieder andere Mängel, worunter ich nur diesen anfuhren will, daß es ihnen so schwer fällt, den Dativ und Accusativ zu unterscheiden. Es fehlet freylich nicht an andern Vorwürfen, welche man aus verschiedenen Provinzen der Obersächsischen Aussprache gemacht hat; allein sie grün, den sich insgesammt auf eine mangelhafte Kenntniß des Hochdeutschen, und dessen Verhältnisses zu den übrigen Mundarten, und setzen dabey immer die Aussprache dieser oder jener Provinz, als die einige wah. re und richtige voraus. Dahin gehöret der Vorwurf, welchen manche Oberdeutsche den Obcrfachfen machen, daß sie so vielen Wörtern das weibliche e anhängen: Bube, Anabe, Rc.de, böse., leise u. s. f. Allein sie verwechseln das weibliche mit dem mildernden e, welches die Hochdeutsche Mundart bey ihrer Ausbildung angenommen hat, die harte Einsilbigkeit mancher Wörter zu mildern, besonders wenn sie sich auf einen weichen Confonanten endigen, der in der Biegung weich bleiben muß. Der Oberdeutsche, welcher, seiner harten Mundart zu Folge, der 25ud, (wie Bup,) spricht, muß doch in der Declination das b wieder weich sprechen, des Buben, die Duben. Der Hochdeutsche hat diese gedoppelte Aussprache eines und eben desselben Buchstaben in einem und eben demselben Worte, in vielen Fällen 6g6 2. Th. Von der Orthographie, Fällen dadurch weggeschaffet, daß er dem Nominative ein e anhängt, und dadurch das harte einsylbige Wort zugleich biegsamer, runder und wohklingender macht. In den mittlern Zeiten gebrauchte man dafür das o, wovon unser dero, ihro, dahero, nuns mehro u. s. f. noch übrig ist. Wer dieses mildernde e den Hochdeutschen als einen Fehler der Aussprache vorrücken kann, verkennet den Gang der Cultur in der Sprache, und setzt die harte Oberdeutsche Aussprache als die einige richtige voraus. Aus allen zusammen genommen ergibt sich nunmehr die erste Einschränkung oder vielmehr nur nähere Bestimmung des Naturgesetzes der Schrift: man schreibe der besten Aussprache gemäß, so ivie sie in den südlichen Chursächslschen Landen, dem Vaterlande der Hochdeutschen Lliundarr, in den obern Classen allgemein ist. Das wird freylich manchen anstößig zu seyn scheinen; allein der ganze Anstoß liegt nur in den Worten , nicht aber in der Sache. Denn ein jeder, welcher Hochdeutsch schreiben wollte, hat ja bisher wirklich so geschrieben, wie man in den Chursächsischen janden spricht, oder wie er dunkel glaubte, daß man daselbst spreche. Er hat nur nicht gewußt, daß das, was er schreibt, wirklich die Chursächsische Mmidart der obern Elasten ist, und daß diese folglich cuich die Richtschnur seiner Schrift seyn muß. Das kann den übrigen Provinzen so wenig nachtheilig seyn, als es für die Italiänischen Staaten nachtheilig ist, daß sie die Flormnsche Mundart zum Muster der Aussprache und Schrift nehmen müssen, wenn sie gut Italiänisch schreiben und sprechm wollen, oder als es den hemahligen Griechischen Provinzen war, daß sie sich in den höhern Graden der Cultur Griechenlandes r.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.16. 637 landes die Attische Mundart zum Muster nehmen mußten. Man schreibt also der Bauer, die Bauern, sauer, dauern, und nicht Baur, Bauren, saur, dauren; Mädchen, und nicht Mägdct)en; Anade, Bube, lose, (mukhwillig,) leise, döse, müde und nicht Zxnad, Bub, los, lcis, dös, müd; spät und nicht spar; schäkern und nicht schökern ; schwarzen und nicht schwärzen; schmeicheln und nicht schmäucheln; golden und nicht gülden; dürfen und nicht dürfen; sprirzen und nicht sprürzcn; Mönch und nicht Münch; hindern und nicht hinrern; süß, Füße, Muße, otiu-n, Buße, und nicht süs, Füsc, Muse, Buse, oder süsse, Füsse, Busse, Müsse; je, jemand, jeder, jcrzt, und nicht ie, iemand, jeder, icrzr; ging, fing, hing, und nicht gieng, fieng, hiencr; verhehlen und nichr verHöhlen; pfropf, Pfeil, Pferd, und nicht Frof, Feil, Ferd, u. s. f. weil die gute Chursachsische Aussprache sie so und nicht anders hören lässet. Eben dieselbe unterscheidet e und ö, i und ü, ei oder ey von. cu und äu, I, ch, j und k, zu Anfange einer Sylbe, sehr genau, daher diese jaute daselbst nichts weniger als gleich bedeutend sind. Da nun nicht jeder, welcher Hochdeutsch schrei- ben will und schreiben muß, Gelegenheit hat, diese Aussprache in dem Lande selbst zu erlernen, so muß die Hochdeutsche Orthographie so eingerichtet seyn, daß sie die Aussprache der Provinzen leiten könne, und im folgenden wird sich zeigen, daß sie diese Absicht sehr gut erfüllet, wenigstens besser, als alle bekannte Schreibarten anderer Sprachen, und unendlich besser, als alle bisher vorgeschlagene Neuerungen. §- -7» 688 2.TH. Von der Orthographie. Nach der H. 17. Wenn man nun aber unsere einmahl überweise- ^-H^ Schriftlichen mit den in der Sprache gang- steir M^' bauten vergleicht, so finden sich hier allerley swmmmg. Unbequemlichkeiten, indem auf der einen Seite Mangel , und auf der andern Überfluß herrscht. Mangel, indem es für manche einfache Laute an einfachen Zeichen fehlet, daher dafür zusammen gesetzte gebraucht werden müssen, ch, sch; Überfluß, in« dem einerley laut oft mehr als ein Zeichen hat, z.B. k, q und c; cundz; f, v und pH; tundth; s und s; fund sch; chs, ts und r; das tiefte und ä; eu und äu; das gedehnte i und ie; das gedehnte e, ee und eh; das gedehnte a, aa und ah u. f. f. Da nun einerley taut bey einerley Aussprache auf verschiedene Art geschrieben werden kann, z. V. lies bei, und libcn; lieblich, lieplich, Üblich, lip- lich, lieblig, liepiig; die Gräber und Greber; d^rin, worin, hierin und darinn, rvorinn, hierinn; die Ältern und Eltern; Bäcker und Vecker; adclich und adelig; Ärnce, j^rnte, Erndte und Arndte, und tausend andere mehr; so verschiedene Schreibarten eines und eben desselben Lautes aber die allgemeine und möglichst buchte Verständlichkeit eben so sehr siören würden, als meh, rere Aussprachen: so siehet man bald, daß die Aus» spräche allein, auch wenn sie noch so genau bestimmet wird, nicht hinreicht, die Absicht der Schrift, so genau als möglich ist, zu erfüllen. Es muß daher tine neue Einschränkung oder vielmehr nur nähere Bestimmung hierzu kommen, und diefe ist 4. die erweisliche nächste Abstammung. Diese Einschränkung befördert die Absicht der Schrift, die allgemeine Verständlichkeit, auf ein? gedoppelte Art. 1. Sie erhält in allen Wörtern eines und eben desselben Stammes eine einförmige Schreibart, und 2. sie i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.17. 639 2. sie schließet den Bau des Wortes auf, so fern derselbe zur aligemtt'neu Verständlichkeit nothwendig ist. Wer lieblich schreibt, verweiset dadurch sogleich theils auf das nächste Stammwort Kiebe, oder vielmehr lieben, th-ils auf die Ableitungssylbe lich, und erleichtert dadurch die möglichst leichte Verständlichkeit, oder gibt den Sinn des Wortes dadurch schon selbst an, welches der nicht thun kann, der lieplig oder lipu'g, schreibet, woderjeser, der den Sinn deS Wortes nicht aus dem Zusammenhange erräth, nicht wissen wird, was er aus demselben machen soll, weil der Bau des Wortes durch dle Schreibart verdunkelt ist. Min schreibt also Gräber, weil das Wort in, Singular Grab lautet, und das a in der Biegung allemahl in ä übergehet; Altern auS eben dem Grunde, weil es ursprünglich der Comparativ von alt ist; Ärmel und Näc'c'er .ms eben dem Grunde von Arm und backen ; adelig, untadelig, allmählig und nicht adclich, umadelich, allmählich oder almä!)-- lich, weil hier die Ableitungssylbe lg und nicht lich ist, und das letzte aus all zusammen geschet ist. Wäre hier die Ableitungssylbe lieb, so müßte man adellich, umadellich, allmählich schreiben, weil sich die Stamm-rörcer Adel, Tadel und T-Ilahl schon auf ein l endigen. Hingegen schreibt man fröhlich und nicht frohlig, von froh und lich. Fei ner schreibt man um deswillen, darin, worin, hierin, und nicht darum , worinn, hierin» , weil sie aus der Präposttio» in und den relativen Partikeln da, wo und hier zusammen gesehet sind, folglich das von der Präposition abgeleitete Umstandswort innen hierher nicht gezogen werden kann. Fer^ ner ruhmredig, von reden und nicht ruhmrä- thig' Schar;, Satz, Pla?, kragen, leyen Aöel.K.Spr.ll.B. Xx und 690 2. Th. Von der Orthographie. und hundert andere auf ein y, welche vermittelst des Ableitungslautes s oder scn von einem Stammroor- te abgeleitet sind, welches sich auf ein r endiget, nach welchen das s und s gern in das harte z übergehet. Solche Wörter Schazz, krazzen u. f. f. schreiben wollen, hieße den Bau des Wortes vorschlich vcr- dunkeln, und ganz falsche Stämme annehmen; aber Gchaz, kraze.i schreiben zu wollen, hieße überdieß noch, wider die Aussprache sundigen, weil die Wörter alsdann gedehnt lauten müßten Schäz, kräzen. Hingegen schreibt man Gränze, Tanz, Schanze, Herz, Schmerz u. f. f. weil hier das t nicht den geringsten Grund haben würde. Allein, da viele Wörter in der Ableitung der Wörter allerley Veränderungen leiden, theils durch Veränderung der Buchstaben, möchte, Tracht von mögen, tragen, ich gebe, gab, gib, daß ich gäbe, theils durch Einschiebung anderer, darin, rvorin, von da, wo und in, gelegentlich, theils durch Wegwerfung, Bübchen von Bube, Rüßs chen von Nüssen, Bällchen von Ballen; von audern aber die nächsten Stammwörter verloren gegangen sind, und nur nahe oder entfernte Seitenverwandte übrig gelassen haben, welche denn nicht als die nächsten Stammwörter angesehen werden dürfen, überhaupt aber die Mundarten von den ältesten Zeiten an sehr mit einander vermenget worden, wodurch allerley Ungleichheiten unter verwandten Wörtern verursacht worden, welche ohne eine unbefugte gänzliche Umbildung der Sprache nicht weggeschaffet werden können, und so fern sie allgemein, folglich auch allgemein verständlich sind, beybehalten werden müssen : so darf diese Regel nicht anders als mit Behutsamkeit, wenigstens niemahls einseitig, «nd als die höchste Richtschnur der Schrift, fondern jederzeit i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.17. 691 jederzeit mit Befolgung sowohl der besten allgemeinen Aussprache, und mit Beobachtung der möglichst leichten Verständlichkeit und des darin gegründeten Gebrauches, angewendet werden. Verlieret man diese Stücke aus dem Gesichte, so ist cS sehr leicht, hier auf Abwege zu gerathen, und die nächste Abstimmung, welche nur eine nähere Bestimmung, eine Claufel, eines höhern Gesetzes ist, zu dem höchsten und einigen Gesetze zu machen. Die vornehmsten Regeln der Behutsamkeit, welche hierbei) angewendet werden müsse», sind etwa folgende. 1. Man hüte sich, ein Wort nicht für abgeleitet zu halten, welches es nicht ist, sondern für ein eigenes Stammwort gelten muß. Diese Behutsamkeit ist vornehmlich um derjenigen Wörter willm nothwendig, welche aus fremden Sprachen entlehnet und zu Bürgern aufgenommen worden, welche denn jede Sprache nach ihrer eigenen Art umzumodeln pflegt. So können pobel, Teufel, Bischof, Pflaster, u. s. f. nicht als abgeleitete von pc^uluü, ch-idolus, c^ilcci^uü. ein^iLiiiuin, angesehen werden, sondern es sind eben dieselben Wörter, nur nach Deutscher Art und Sitte umgemodelt. Es würde daher unbillig sei,n, sie um der vorgegebenen nächsten Ab-- siammung willen Popel, Deudel oder gar Dia? del, pifchof, plaster schreiben zu wollen. Hier ist die allgemeine Aussprache wieder das einige Gesetz, weil sie hier keiner nähern Bestimmung bedarf. 2. Man hüte sich, daß man nicht Seitenverwandte, welche durch den Gebrauch, die Vermischung der Mundarten und fo ferner, einander unähnlich geworden sind, für die nächst u Stammwö'icer halte. In diesem Verhältnis' stehen, z. B. N7ago und i-l'iäbchen, (letzteres zunächst von dem Niederdeutschen Mad, Magd,) Dach und decken, hoch Tr 2 «nd 692 2.TH. Von der Orthographie. und Höhe, Hahn und Henne, serzen, styen, Say, anscissg und seßhaft, Borste und Dürfte, Vetter und Vater, fließen und Fluß, genießen und Genuß , Mensch und Mann, Geld und gelten, hinter und hindern, und tausend andere, welche zwar Verwandte sind, wo sich aber nicht eines für das nächste Stammwort des andern annehmen läßt. Bey der Lehre von den irregulären Verdis ist bereits bemerket worden, daß die vornehmsten Zeiten derselben von einander unabhängig nach der dunkeln Empfindung des Hörbaren gebildet worden, siezen, saß, gesessen, fließen, floß, geflossen, Fluß. Hier lässet sich keines für das nächste ^lcnnmwort des andern annehmen, und zur Bestimmung der Schrift anwenden, z. Überhaupt hüte man sich, daß man die ganze Absicht und Bestimmung dieser Einschränkung nicht verkenne. Sie ist bloß dazu da, das Mangelhafte in der Aussprache zu ergänzen, wenn diese allein nicht hinreichend ist, die Schrift zu bestimmen, besonders in denjenigen Fällen, wo ein Laut auf mehr als eine Art bezeichnet werden kann. Die Aussprache bleibt immer das höchste Gesetz, und die nächste Abstammung kommt ihr nur zu Hülfe, wenn sie allein nicht hinreichet; allein sie ist nicht das Grundgesetz. Sie muß daher allemahl nachstehen, so bald sie der allgemeinen besten Aussprache widersprechen würde. Man schreibt folglich dreyßig, zwanzig, Rnoblauch u. s. f. weil jedrr Hochdeutscher so spricht, was auch die nächste Abstammung dawider einzuwenden haben mag, weil sie bloß ein Hülfsmittel der Aussprache in zweifelhaften Fällen, nicht aber ihre Beherrscherinn ist» Diejenige Abstammung, welche die Schrift in denjenigen Fällen, wo die Aussprache allein nicht hinreicht, bestimmt, ist 1. die nächste, und 2. die erweis- ' V ' V r.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.17. 69z erweisliche. Daß dieser Satz nicht willkührlich angenommen, sondern ganz in dem Wesen nicht allein der Deutschen, sondern einer jeden Sprache nnd Schrift, gegründet ist, laßt sich leicht erweisen. Die Absicht der Schrift ist, die Töne des Mundes dar. zustellen, und dadurch die allgemeine und möglichst leichte Verstand ichkeit für das Auge zu befördern. In denjenigen Fallen, wo einerley Töne des Mundes auf verschiedene Art bezeichnet werden können, würde die möglichst leichte Verständlichkeit gestöret werden, wenn sie wirklich ans verschiedene Art geschrieben würden, wenn man z.B. bald Vilhcir, Vielheit, Vielheit», Liilheit, Fielheid, oder gar Vihlheir oder Lihiheit schreiben wollte. Es muß also ein Bestimmungsgrund vorhanden seyn, der diese mannigfaltigen Schreibarten auf eine einige zurück führen kann. Dieser darf nicht willkührlich seyn, weil nichts Willkürliches allgemein werden kann, und des einen Willl'ühr hier so gut ist, als des andern; er muß auch einleuchtend seyn, d.i. er muß zur Absicht der Schrift, der allgemeinen und möglichst leichten Verständlichkeit das seinige beytragen; und dieser Beytrag muß die höchste mögliche Be- greisiichksit haben, und wenigstens von dem allergrößten schreibenden Theile nicht allein eingesehen, sondern selbst dunkel befolget werden können. Da findet sich nun kein anderer, als die nächste Abstammung, welche dnrch Darlegung des nächsten Stamm- worteS die allgemeine und möglichst leichte Verständlichkeit befördert, und in den allermeist«» Fällen, wo sie zur Bestimmung der Schrift gebraucht wird, auch die möglichst leichte Begrciffichkeit hat. In dem angeführten Beyspiele lehret sie mich, daß unter den vielen möglichen Schreibarten Vielheit die einige richtige ist, weil sie mich so gleich an das nächste Tx z Stamm-- 694 2.TH. Von der Orthographie. Sammwort viel und die Ableitungssylbe heit erinnert, und der möglichst leichten Verständlichkeit auch nicht die geringste Schwierigkeit mehr übrig läßt. Die entferntere Ableitung, z. B. Dülheit oder Lül- heir, von Fülle, oder auch Vielheit), von dem veralteten Subsiamivo ^eid, ^e-sona, von welchem die Ableitungesylbe heir abstammet, würde theils wider die Natur der Sache sey», theils die möglichst leichte Verständlichkeit nicht befördern, theils nicht die möglichste Begre-istichkeit haben, weil man dabey olie Schreibende als tiefgelehrte Sprachkcnncr voraus sßen müßte, theils endlich auch wieder zu dem WullMrlichen führen, weil in tausend Fällen bey einerley Aussprache sehr vielerlei) entfernte Abstammungen und folglich auch Schreibarten Statt finden können. Um eben deswillen muß sie auch erweis- lich senn, weil unerweisliche Ableitungen die Absicht der Schrift wieder eben so sehr zerstören, als bloß willkührliche Schreibarten, und im Grunde selbst nichts anders als willkührlich sind, weil ohne überzeugende Beweise tausend mögliche Ableitungen eines und eben desselben Wortes angegeben werden können. So sind die Ableitungen und darauf gegründeten Schreibarten, üinslI von Ameise, be- luren von L.ux, i)'nx, ergötzen von Görze, schmäucheln von Schm^ucl), V.näbelb^rt von Anabe, N'Zägdchen von N'iVigd, und taufend andere unerweielich und folglich willkührlich, zu geschweige«, daß die meisten noch dazu wider die Aussprache anstoßen, und folglich doppelt fehlerhast sind, weil die Abstammung nie zum Nachtheil der Aussprache gemißbrauchet werden dars. Daß es hier nicht an Abweichungen und Aus- Nahmen fehlen kann, wird denjenigen nicht befremden, welcher erwäget, daß in den Sprachen alles, folglich i. Kap. Allgemeine Grundsätze. §. -7. 695 folglich auch die Art zu schreiben nur nach einem dunkeln Gefühle eingerichtet werden kann, welches denn nicht in allen Fallen bestimmt genug ist, und auch oft irren kann. Behende stammt zuverlässig von Hand, und Heu sehr wahrscheinlich von hauen ab, und doch werden sie durchgängig mit einem e geschrieben. Altern und Ärmel sind sehr lange mit einem e geschrieben worden, und werden noch jetzt sehr häufig so geschrieben, ungeachtet ihre Abstammung von alt und Arm unläugbar ist. Überhaupt werden ä und das riefe e noch schr häufig mit einander verwechselt; doch davon im folgenden. Zu diesen Ausnahmen gehöret aber mcht, wenn ein Wort durch die Ableitung seinen Ton verändert, und daher auch in der Schrift von seinem nächsten Stammworte abweicht; z.B. fliehen, Flucht, mögen, ich mochte, tragen, die Tracht u. s. f. wo der gedehnte Ton des Stammwortes in den geschärften übergehet, daher auch die gelinden Mitlau- ter in die verwandten härtern verwandelt werden. Aber eine wahre Ausnahme ist es, wenn der Ton in den geschärften übergehet, und das Abgeleitete dennoch wie das gedehnte Stammwort geschrieben wird, dergleichen Fälle aber doch nur wenig sind: z. V. jährlich von rvähr, der vierte, das Viertel, dieß von diescv, wo die Schreibart der Abstammung zum Nachtheil der Aussprache folgt, zum Beweise, daß be,) Einrichtung der Schrift die Aussprache in diesen Wörtern gedehnt, oder doch schwankend gewesen, wie denn manche derselben noch jetzt selbst im Hochdeutschen nicht selten gedehnt gesprochen werden. Eine andere Art der Ausnahme ist, wenn die Ableitung vermittelst eines oder mehrerer Confonan- !m geschiehet, und sich das Stammwort auf zwey Tx 4 Conso- 696 2. Th. Von der Orthographie. Consonantcn einer Art endigt, da man denn wohl den einen der letztem weglaßt, um das Auge durch die Häufung der Consonanten nicht zu beleidigen: Geschwulst, Anstalt, Brunft, Drand, brünstig, Ixunsi, blutrünstig, Gunst, Gespinst, u. s. f. für Gcschrvullst, Anstatt?, Lrunnst, Drannd, 2xunnst, blurrünnstig, Gunnst, Gespinnst, von schwellen, anstellen, brennen, können, rinnen, gönnen, spinnen. Da hier die Aussprache nichts dabey verlieret, auch die nächste Abstammung dadurch nicht verdunkelt wird, so ist diese Abweichung nicht nur unschädlich, sondern vielmehr für das Auge vorteilhaft. Und dem §. 18. Die nächste Abstammung erseht das allgemei- Mangelhaft? der Aussprache nur in den abgeleiteten neu Ge- Wö> ter-ii, auch hier nur, wenn sie erweislich und allgemein begreiffiich ist. Aber in vielen abgeleiteten Wörtern ist die nächste Abstammung schwankend, ungewiß oder gar unb'kmmt, und denn find noch die vielen Stammwörter übrig, wo die Möglichkeit sie aus verschiedene Art zu ftbreiben wieder eben dieselbe Unbequemlichkeit verursachen würde, als bey den abgeleiteten Wörtern. Man kann schreiben, Z.iebe, L.ihbe, L.libc und Libc, v>aar, >^ar und Hahr; chun, thuun, tuhn und run; vor, for, foor, sohr, voor und vohr n.s.swo iminer die Aussprache eine und eben dieselbe bleibt. In^i.'seu Fällen nun wird die Art zu schreiben durch den allgemeinen Gebrauch bestimmt, w-lcher, so fern er von den vorigen Grund« säßen noch verschieden ist, der Schreibcgebrauch im engsten Verstände genannt wird. Der Schreibegebrauch ist sür die Orthographie das, was der Sprachgebrauch für die mündliche Rede ist; er bestimmet und entscheidet alles das, was sich i.Kap. Allgemeine Grundjatze. §.18. 697 sich nicht aus andern hier gültigen Gründen entscheiden läßt. Beyde sind nichts weniger als will- kührlich, weil in der Sprache eigentlich nichts will- kührlich ist; allein sie beruhen auf Gründen, welche uns jetzt bey der so sehr veränderten Art unserer Erkenntniß in ähnlichen Fällen nicht mehr bestimmen und bestimmen können, die wir aber doch als verbindlich beybehalten und beybehalten müssen, weil sie zur Erhaltung der Übereinstimmung und folglich der allgemeinen und möglichst leichten Verständlichkeit unentbehrlich sind. Man hatte bey Einrichtung der Sprache gewiß einen Grund, und einen für die damahlige A>t der Erkenntniß gewiß sehr guten und gültigen Grund, warum man geben, ich gab, gegeben, oder lieben, ich liebte, geliebt zu eon- jngiercn gut befand, warum man den Plural von Hans, Mann und lVald, Häuser, Männer und TVäldcr, und nicht Haufe, Manne und ^Valdc, oder Hände, Männe und VVälde machte. Bey der irregulären Co-ijugation und bey der Bildung des Plurales, war es so, wie in so vielen andern Dingen, die dunkele Empfindung des Hörbaren ; da unö aber diese in der Sprache nicht mehr bestimmt, und bey unserer gegenwärtigen Art der Vorstellung nicht mehr bestimmen kann, so sind wir uns auch dieses Grundes nicht mehr bewußt, behalten ihn aber bey, weil der größte Theil der ganzen Einrichtung unserer Sprache darauf beruhet, und nennen ihn alsdann den Sprachgebrauch. Ist dieser in irgend einem Falle allgemein, so ist er von der höchsten Verbindlichkeit, und alle übrige Betrachtungen müssen demselben nachstehen. So gleichgültig eö uns auch jetzt seyn kann, ob der Plural von Mann, Manne, Mannen, Manner oder Männer heißt, so verbindlich ist doch diejenige Form, wel- Tx 5 che 698 2. Th. Von der Orthographie. ,che in einer Sprache und Mundart einmahl allge» mein angenommen ist. Eben so verhält es sich auch mit dem Schreibe- gebrauche. Man hatte bey Einrichtung unserer ge- gcnwärcigen Orthographie gewißGründe,warum man sich unter mchrern möglichen 'Arten, ein Wort zu schreiben, gerade nur für die eine erklärte, und diese Grunde müssen triftig und gut gewesen seyn, weil sie sonst gewiß nicht die Allgemeinheit erhalten haben würden, welche sie wirklich erhalten haben. Sind wir unS gleich jetzt dieser Grunde nicht in allen Fällen deutlich bewußt, so folget daraus doch nicht, daß sie willkührlich sind, und noch weniger, daß e6 lins fre» stehet, mit den einmahl eingeführten Formen willkührlich umzugehen. Aus dem folgenden Kapitel wird erhellen, daß manche angenommene Arten unserer gewöhnlichen Hochdeutschen Orthographie, welche man bisher für sehr willkührlich gehalten hat, bey genauerer Untersuchung ihren sehr guten Grund haben; allein, gesetzt auch, dieser Grund bestimme uns jeht nicht mehr, geseht, wir konnten ihn in tausend Fällen nicht einmahl errathen, so sind wir doch zur Erhaltung der Übereinstimmung und solgiich der allgemeinen und möglichst leichten Verständlichkeit eben so sehr verbunden, vor, für, That, sehr, Liebe, ZEy u. s. f. zu schreiben, bloß darum, weil der allgemeine Gebrauch sie so geschrieben wissen will, als wir verbunden sind, Häuser, dllänuer, VVeiber, gib, gab, lief, lebte, gelebt u. s. s. zu sprechen, bloß darum, weil alle Hochdeutsche so sprechen, wenn gleich taufende die Gründe nicht einsehen, und nicht einsehen können, warum sie so und nicht lieber onders sprechen. Die Ursache ist in beyden Fällen einerley, es ist die einige Absicht der Sprache und Schrift, die allgemeine und möglichst leichte Verstand- i.Kap. Allgemeine Grundstitze. §.18. 699 ständlichkeit, hier für das Ohr und dort für das Auge. In das Gebieth dieses Schreibegebrauches im engsten Verstands gehören nun alle diejenigen Halle, wo in Stammwörtern und in Abgeleiteten von ungewisser Abstammung , der Aussprache unbeschadet, mehrere Arten zu schreiben möglich sind, besonders wo ein f oder v, ein t oder tl) geschrieben werden muß, wo ein gedehnter Hüifslant durch die Verdoppelung, oder durch ein h, oder durch ein angehängtes e, oder auch gar nicht bezeichnet werden soll > wo ein ä oder e zu schreiben ist, wo die vier flüssigen Hauptlante l, m,' n nnd r ein l) erfordern oder nicht, und noch manche andere Fälle mehr, welche im folgenden vorkommen werden. Ist der Gebrauch in solchen Fällen allgemein, oder hat er nur die meisten Stimmen für sich, so ist es eben so sehr Pflicht, ihm zu folgen, als in andern Theilen der Sprache, und eine voisetz- liche Abweichung davon hat keinen andern Nuhen, als daß sie einen Sonderling als Sonderling auszeichnet, und von dem Lesen seiner Schrift abschrecket. Da nichts in der Sprache eine vollkommene Allgemeinheit hat und haben kann, oder mit andern Worten, da keine Regel ohne Atisnahme ist, weil der Grund der Ähnlichkeit, welcher die Regel macht, nicht in allen Fällen gleich lebhaft empfunden worden, so ist anch von dem Schreibegebrauche keine Allgemeinheit zu erwarten, nnd zwar von ihm noch weniger, weil die Gründe, wornach er bey seiner Einrichtung bestimmt wurde, in vielen Fällen schwacher wirkten, als in den übrigen Theilen der Sprache, in manchen auch durch dunkel empfundene Gegengn'in- de, oder durch Analogien anderer Art häufiger überwogen wurden. Es ist daher kein Wunder, wenn de? 7OO 2.TH. Von der Orthographie. der Schreibegebrauch in vielen einzelen Fällen schwan« kend und ungewiß ist. Es kommt noch dazu, daß es zu allen Zeiten Personen gegeben, welche sich durch Neuerungen in der Orthographie einen Nahmen zu machen gesucht, theils, weil der scheinbaren Mängel hier sehr viele waren, theils aber auch, weil es sehr leicht war, neue Arten zu schreiben ohne große An« strengung des Verstandes auszusinnen. Ob nun gleich von allen seit zweyen Jahrhunderten vorgeschlagenen Neuerungen noch keine ihr Glück gemacht hat, auch künftig keine es machen wird, weil unsere einmahl gewöhnliche Orthographie kein Werk der Will« führ, sondern des Bedürsnisss ist, sie auch diesem Bedürfnisse so genau angemessen ist, als irgend etwas in der Sprache seyn kann: fo ist doch die Allgemeinheit in manchen einzelen Fällen durch solche Versuche gestöret worden, und der Schrsibegebrauch ist hier und da schwankend und ungewiß geworden, ws er es vorhcr nicht war. Ist er nun in einzelen Fäl- len wirklich unentschieden, so daß keine unter mehrern üblichen Formen eine überwiegende Mehrheit für sich auszuweisen hat, so bleibt es dem Willkühr eines jeden überlassen, sich nach der erkannten grö- ßern Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Doch da» von §. 22. Von der H. 19. Gemeiniglich setzt man 6. noch die Ana- Analogie. ^er Ähnlichkeit mit unter die Grunde, welche die Art zu schreiben unter mehrern möglichen bestimmen können, und behauptet, daß was in einem ähnlichen Falle auf eine gewisse bestimmte Art geschrieben wird, auch in andern ähnlichen so geschrieben werden müss'. Allein so fruchtbar sie in den übrigen Theilen der Sprache ist, so übcrflüßig und schwankend ist sie in der Orthographie, so fern sie als ein eigener von dem allgemeinen Gebrauche und der nächsten i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.19. 701 nächsten Abstammung noch verschiedener Vestini« mungsgrund angesehen wird. Übersiüßig ist sie, weil Aussprache, nächste Abstammung und allgemeiner Gebrauch bereits hinlänglich sind, die Art zu schreiben in den allermeisten Fällen zu bestimmen, diejenige!, aber, welche durch sie nicht bestimmet wer. den sollten, durch die Analogie wohl nur selten eine zuverlässige Bestimmung erhalten werden, weil sis schwankend ist, und keinen festen Grund hat. Man führet zum Beyspiel daö Wort Geduld an, welches von vielen, besondere! in Oberdeutschen Provinz?«, wo die weichen und harten Confonanten in der Aussprache nicht gehörig unterschieden werden, mit seinen Verwanden, Gcdult, gedulten, ft,e- dulng geschrieben wird. Hier soll die Ähnlichkeit mit »ou!d und Schuld zeigen, daß auch jcnes einen weichen Buchstaben bekommen müsse. Allein, wenn nu» jener die Ancuogie von Pult oder gar das Oberdeutsche U! d ncch ähnlichere Dult, Freyheit vcn In- chiltum, für sich anführet, so ist seine Art zu schreiben der Analogie nach richtig, so unrichtig sie auch der Hochdeutschen Aussprache, und dem Gebrauche nach ist. Es hindert nichts, daß Pult und Dult ursprünglich fremde Wö-ter sind; sie sind zu Bürgern aufgenommene frcmde Wörter, und taufend können sie gebrauchen, ohne es zu wissen, daß sie fremden Ursprunges sind. Es kommt be» der Analogie immer darauf an, daß man die wahren Ähnlichkeiten treffe, und da dieß ohne andere Bestim- mungsgründe bloß Don dem Zufalle abhängt, so ist die Analogie ein fchr betrieglicher Grund der Orthographie, der eben fo leicht den falschen als wahren Weg führen kann, daher ich mich nicht länger da- bey aufhalten will. §. 22. 7O2 2.TH. Von der Orthographie. Folgen aus §. 20. Hoffentlich wird nunmehr ein jeder über- dem bishe- zeuget seyn, das? unsere gewöhnliche Orthographie «gen. weder so ungereimt und thöricht, noch so willkührlich ist, als von vielen behauptet wird. Sie ist in ihren Grundsätzen sowohl der Absicht der Sprache und Schrift, als auch der Faßlichkeit des größten Theiles derer, weiche schreiben müssen, auf das genaueste angemessen, und hat darin sehr große Vorzüge vor den Schreibarten aller bekannten Völker, selbst der Griechen und Römer nicht ausgenommen, deren keine mit so vielem richtigen Bewußtseyn der Absicht und der Mittel eingerichtet worden, als die bisher gewöhnliche Hochdeutsche. Es rühret dieses vermuthlich daher, weil sie erst in den neuern Zeiten eingerichtet morden, da sowohl der Verstand als auch der Geschmack bereits hinlänglich aufgekläret waren, das; sie das dunkele Gefühl, welches in Sprachen und was damit zusammen hänget, alles allein bewerkstelliget und bewerkstelligen muß, so sicher leiten konnte», als es die Sache und die übrigen Umstände nur verstatteten. Der Ursprung der Schreibarten anderer Schriftsprachen fällt immer in unaufgeklärte Zeiten jeder Nation, wo das dunkle Gefühl solcher wohlthätigen Führer größten Theils beraubt war, und daher oft den wahren Weg verfehlte. Ward man bey mchr Aufklärung die Mängel dunkel gewahr, so waren sie doch zu tief in das Ganze verwebt, als daß sie ohne eine gänzliche Umfchaffung der ganzen Art zu schreiben weggeschaffet werden konnten, diese aber, findet bey allen Völkern und zu allen Zeiten zn viele leicht begriffliche Hindernisse, als daß sie mit einiger Hoffnung eines guten Erfol- zes unternommen, oder nur für möglich gehalten werden könnte. Es « -.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.20. 70z Es kommt nur darauf an, ob die Hochdeutschen in Anwendung dieses Grundsatzes eben so glücklich gewesen, und mit eben so vielem Verstände zu Werke gegangen sind, als bey Enrwerfung desselben, und da wird sich in dem folgenden Kapitel zeigen, daß die Deutsche Orthographie auch darin vor der Schrift aller bekannten Völker wesentliche Vorzüge har. Hier will ich nur noch die vornehmsten Folgen anführen, welche unmittelbar aus dem Grundsätze der Hochdeutschen Orthographie herfiießen. Es sind folgende. 1. Unter der Hochdeutschen Orthographie verstehet man die Orthographie der Deutschen Schriftsprache, und da die Bezeichnung der Aussprache das erste ganz in der Absicht der Schrift gegründete Gesetz derselben ist, so kann nur die Hochdeutsche Aussproche, d. i. die Aussprache der obern Classen, in welchen das Hochdeutsche einheimisch ist, zum Grunde der Schrift gcleget werden, weil man sonst nicht Hochdeutsch, sondern Provinzial-Deutsch schreiben würde. Man schreibt folglich Dampfs Pferd, propf, Nlädcben, ergeben, u. s. f. und nicht Damf, Lerd, Frof, Mägdchen, ergöyen, weil kein Hochdeutscher so spricht. 2. Die Aussprache ist selbst im Hochdeutschen, bey dem bekannten Mißverhältnisse der Schristzei- chen zu den Tönen deö Mundes, nicht hinlänglich, die Art zu schreiben auf eine einförmige Art zu be. stimmen, weil einerley Aussprache auf verschiedene Art geschrieben werden kann, verschiedene Schreibarten eines und eben desselben Wortes aber die möglichst leichte Verständlichkeit stören, und zugleich den guten Geschmack beleidigen. Sie muß also näher bestimmt werden können, und diese nähern Bestimmungen 704 2.TH. Von der Orthographie. gen dürfe» nicht willkührlich seyn, sondern müssen aus der Absicht der Svra6)e und Schrift hergenommen werden. Sie müssen zugleich faßlich und bs-> greifflich seyn, so daß sie von dem größten Theile der Schreibenden dunkel empfund. n und befolger werden können. Diese Bestimmungen sind nun i. für abge« leitete Wörter von bekannter Ableitung, die erweisliche nächste Abstimmung, und für 2. ungewisse und dunkele abgeleitete und alle Stammwörter der allgemeine Gebrauch. Die Abstammung ist folglich bloß einHülfs- Mittel der Aussprache in zweifelhaften Fallen, d.i. in solchen Fallen, wo einerley Aussprache auf verschiedene Art bezeichnet werden kann. Sie ist also keine Beherrscherinn der Aussprache, welche immer das erste und höchst? Gesetz bleibt, sondern nur ihre Dienerinn, welche sich nickt an der Aussprache vergreif- fen darf, so bald sie im Hochdeutschen allgemein ist. Sie darf folglich Zettel nicht in Schedcl, Rirche nicht in Tvürche, Helleparre nicht in Helmbarte, Mädchen nicht in Mägdchen, Eingeweide und einheimisch nicht in Iugervcide und inhei-- misch, hindern nicht in hintern, dreyßig nicht in dreyßig, u. s. f. verwandeln, wenn gleich die letztern Schreibarten der Abstammung gemäßer seyn sollten. Der Einwurf, daß eö auch fehbrhatte Au6- sprachrn gebe, sagt nichts, weil in einer Sprache und in einer Mundart nichts fehlerhaft ist und sei,» kann, was in derselben allgemein ist. Denn siößt gleich ein Wort, oder eine Forin wider eine bekannte Analogie an, so sind sie doch gewiß einer andern Analogie gemäß, wenn diefe gleich jetzt nicht mehr auf den erst?" Blick zu entdecken ist, und am Ende ist eine Analogie immer so gut, als die andere. 4. Aber i. Kap. Allgemeine Grundsätze. §.20. ?OZ 4. Aber auch bloß als ein Hülfsmittel der Aussprache kann sie, wenn mehrere Schreibarten möglich sind, sich nur in abgeleiteten tVortern für eine derselben erklären, und sie alsdie einige wahre und richtige anempfehlen» Die Ursache ist sehr leicht einzusehen. Die Gründe, welche die Schrift leiten sollen, müssen dem größten Theil der Schreibenden einleuchtend und faßlich seyn, und zur möglichst leichten Verständlichkeit mitwirken. Dös kann aber nur die nächste Abstammung der abgeleiteten Wörter« 5. Aber auch bey den abgeleiteten kann diese Absicht nur durch die nächste, erweislich wahre unv allgemeine, oder doch dem größten Theile der Schreibenden einleuchtende Abstammung thun; wieder aus dem vorigen Grunde. Je mehr die nächsten Stammwörter veraltet sind, je dunkler und ungewisser sie sind, desto unfähiger sind sie, die Art zu schreiben zu bestimmen, theils, weil sie nur we- nigen, selbst uncer dem gelehrten Theile der Schreibenden einleuchtend sind, theils aber auch, weil si6 wieder zu dem Willkürlichen führen, welches doch die Sprache, und alles, was zu ihr gehöret, hastet» Man bemerkt es an der Deutschen Sprache sowohl als an ändern, daß wenn ein Stammwort so sehr veraltet, daß es zur allgemeinen Verständlichkeit nichts mehr beyträgt, es auch selten weiter Mehr zur Bestimmung der Schreibart gebraucht wird. So stammen besser, bessern und beßce oder beste un- streitig von dem alten positito baß, selig von einein alten Substantivs Sal, ereignen, im Oberdeutschen ehedem erauganan, von äugen, sehen und sich.bar seyn, n. s. f. allein da ihre nächsten Stämme für den allergrößten Theil der Schreibenden fo sehr veraltet sind, daß sie nichts mehr zur Verständlich- Äd-l.D.Spr.li.V. Yy k«it 706 2.TH. Von der Orthographie. keit beytragen können, so kann die Änderung d?r ge« wohnlichen Schreibart um der Abstammung willen, nicht den geringsten Nutzen gewahren, zumahl da auch in ereignen die allgemeine Hochdeutsche Aus- spräche diese Änderung verbiethet. Ärnde, oder der Aussprache nach noch richtiger Ärnte, stammet vermittelst der abstracten Ableitungssylbe de oder re von einem veralteten Verbo arnen ab, und wird in so fern richtig mit einem ä geschrieben. Allein, da dieses Verbum im Hochdeutschen längst veraltet ist, so schrieb man eö sehr lange Zeit mit einem e, und man könnte diese Schreibart immer beybehalten, wenn nicht in den neuern Zeiten das ä sehr üblich geworden wäre, also hier ein schwankender Gebrauch Statt findet, in welchen Fällen man sich billig für diejenige Schreibart erkläret, welche den meisten Grund für sich hat, und dieses ist denn Ärnre. Anders verhält es sich mit Ärmel, Ältern, schlämmen, gälten, einhättig, mißhällig u.s. f. deren nächste Stammwörter Arm, alt, Schlamm, Galt und Halt, theils noch völlig gangbar, theils noch in frischem Andenken sind. Dürfen nun völlig veraltete Stämme, wenn sie gleich erweislich richtig sind, nicht zur Änderung einer einmahl eingeführten Schreibart gebraucht werden, fo dürfen ungewisse, zweifelhafte, oder gar willkührliche und ungegründete Ableitungen es noch weniger. In diesem Falls befindet sich eine überaus große Menge alter und neuer Neuerungen, indem nichts gewöhnlicher ist, als willkührliche und auf bloße Ähnlichkeiten des lautes gegründete Ableitungen anzunehmen, und auch sogleich die Schreibart darnach zu ändern; z. B» ömsig für emsig, von Ameise, Äset für Esel, von aiuiuz, Ärz für Erz, von ses odergar von dem Hebr» sere-, Gottscheds Rnäbslbart und Rnäbelspieß, von i. Kap. Allgemeine Grundsätze. §. 20. 707 von Anabe u. s. f. Am unverantwortlichsten ist eö, wenn die gewöhnliche Schreibart um solcher will- kührlicher Ableitungen willen selbst auf Kosten der allgemeinen Hochdeutschen Aussprache geändert wird, wie Gottscheds päkelhering von päkel, Salzbnihe, fm pickelherinI, schmäucheln von Schmauch, für schmeicheln, (welches unstreitig von schmei- chen, lächeln und liebkosen abstammet, S. mein Wörterbuch,) anderer Aaß, csdgver, für Aas, im Plural Äser, nicht Äßer, als wenn es von essen ab- siammece, I^nopiauch, Zxnopflauch oderlxnof-- lauch von Rnopf, für Knoblauch, fo aus dem alten LblobeliMLli, welches in allen alten Vocabula- riis für slliurn vorkommt, entstanden zu feyn scheinet, weil die Zwiebel dieses Gewächses nach weggenommener Schale in kleine Aloben zerfällt, welche im Englischen noch jetzt Liove^ heißen. Daß m diesem Falle die Aussprache verderbt sey, und durch die Schrift auf das wahre Anoblauch zurück geführet werden müsse, ist, wenn auch das letztere erlaubt wäre, noch unerweislich; denn wer sagt uns, ob ehedem nicht irgendwo Rnoben für Globen üblich gewesen? Wenigstens muß man bey einer ss allgemeinen Übereinstimmung als Rnoblauch im Hochdeutschen für sich hat, allemahl eher einen hinlänglichen Grund vermuthen, als leichtsinnige Änderungen wagen. 6. Der Schreibegebrauch ist ein Theil des Sprachgebrauches im weitesten Verstände, und hat mit demselben gleiche Rechte, weil sie beyde nur «ine und eben dieselbe Absicht, die allgemeine und möglichst leichte Verständlichkeit haben. Er gründet sich allemahl auf die Aussprache, und hat nur da einiges Recht, wenn bey einerley Aussprache mehrere Arten zu schreiben möglich sind, und die erweis- Py » lich 7oZ 2. Th. Von der Orthographie. lich nächste und bekannte Abstammung zu Bestimmung einer derselben nicht hinreicht. Dieses geschiehet d>"">n, i. in Stammwörtern, oder solchen alten abgeleiteten, welche jcht für Staiumwörrer gelten; und 2. in solchen Ableitungen, deren nächste Stämme veraltet, dunkel oder ungewiß sind. 7. Der Schreibegebrauch ist eben so wenig unveränderlich, ; lauter Wörter eines Stammes, welche wider Gottscheds eigene Regel hier sehr unschicklich durch die Schrift unterschieden worden. Aber wenn sich auch die Verschiedenheit mit der Gewißheit beweisen ließe, als hier nothwendig ist, und wenn sie der Begreifflichkcit und Faßlichkeit des größten Theiles der Schreibenden so gemäß wäre, als hier erfordert wird, so reichen doch unsere Schriftlichen nicht hin, diese Verschiedenheit ohne Nachtheil der Aussprache, welche doch allemahl das erste und höchste Gesetz bleibt, durch die Schrift anzudeuten. Nur wieder ein Paar Beyspiele zur Probe: acht, das Zahlwort, die Acht, Aufmerksamkeit, und Acht, Verbannung; Arm, brsciiium, und arm, xaujzer; die Äsche, ein Fisch, und diebische, P y 5 -in 7i4 2. Th. Von der Orthographie. ein Baum, wenn nicht beyde den Nahmen von der Farbe haben, welches doch sehr ungewiß ist; der Bär, ein Thier, eine Ramme, ein Damm im Fe- siungsbaue, welche Wörter sich nur sehr willkührlich als drey verschiedene Bedeutungen angeben lassen; Beute, prsecja, und ein Gefäß; Beutel, kleiner Sack, ferner in den Mühlen, mittellat. KstiUux, von lzüttcrs, schlagen, weil er beständig erschüttert wird, ingleichen ein Bläuel, bey den Tischlern in Stect)beurel, eine Art Stä'mmcisen, wo die Verbindung wieder sehr willkührlich gerathen würde; Dock, ein Thier, ein Gerüst, ein Klotz, eine gebogene oder erhöhet? Fläche, ein Fehler; die Ehe, und das Umstandswort ehe; ey, die Interjection, das Ey, und ey die Ableitungssylbe; Elend, mi- seriü, und ein Thier; Erz, -ZKÜ, erz, die Vorsylbe; Feige, 6cw5, und feige; Fest, 5el!uin> und fest, /ll-tt!U5; Finne, Sumpf, der Gipsel, eine Blatter, eine Floßfedsr; Futter, psvulum, und Unterfutter; Galle, rundliche Erhöhung, fehlerhafte Stelle, Feuchtigkeit, lcl; Geißel, oble5 und jigAcilum, (Geisel, oblex, ist wider die Aussprache;) geras de und die Gerade; grauen, sich fürchten und grau werden; Hader, Zank, und pumpen; Hund, ein Thier, ein Werkzeug zum Hemmen oder Halten, ein Gefäß; Ramm, in Roßkamm, von csindigie, eine Steinart, das Oberste eines Dinges, pcc^en; Raye, ein überaus vieldeutiges Wort, dessen Bedeutungen sich nicht ohne den größten und willkühr- lichsten Zwang als bloße verschiedene Bedeutungen eines und eben desselben Wortes annehmen lassen, ob gleich auch nicht mir Gewißheit erwiesen werden kann, was bloß verschiedene Bedeutung, und was ein verschiedenes Wort ist. Ich habe in meinem Wörterbuche neun dem Anscheine nach ver- fchiedene i.Aap. Allgemeine Grundsätze. §. 2r. 715 schiedene Wörter dieses jautes angenommen. Die Volkssprachen werden deren vielleicht noch mehr haben. Da nun unsere Schriftzeichen in den wenigsten Fällen hinreichen, gleichlautende Wörter verschiede« nen Stammes ohne Nachtheil der Aussprache durch die Schrift zu unterscheiden, und auch bey diesen wenigen mehr Willkürliches mit unterlaufen muß, als die Sprache verstattet, so ist der Unterschied der Bedeutung ein sehr untauglicher Bestimmungsgrund der Art zu schreiben. Daraus folget aber nicht, daß man nun Recht habe, solche gleich lautende, aber in der That verschiedene Wörter, auf einerley Art zu schreiben, welche der einförmige oder doch allgemeinste Gebrauch wirklich durch die Schrift unterscheidet, weil diese Wörter wieder in das Gebieth des SchreibegebraucheS fallen, welcher ohne die höchste Noth nicht verletzet werden darf. Dergleichen sind z. B. Aal und Ahle; Bar und Beere; Ü.eib und das Oberdeutsche Laib^ obgleich beyde eines Stammes sind; leer, die L.ees re und die Lehre; Meer und mehr; man und Mann; mein und meynen, wofür doch jetzt meinen üblicher ist; Noch, die Note; Rain,Rhem und rein; Saite, cKoi^z, und Seite, Isw«; sein und seyn; Tod,mor8, und todt, mortuus; Uhr und ur; rvahr und er war; währen, dauern, und sich wehren; der N)aife, orplisnuz, der lVeife, lspienz; wider und wieder u. f. f. Zumahl da sich von den allermeisten, wo nicht von allen, beweisen läßt, daß nickst der Unterschied der Bedeutung, sondern gegründetere Ursachen, die ver- schiedene Sckreibart veranlasset haben. So ist wdr, dss Participium eines alten Verbi rode,^ sterben. 716 2. Th. Von der Orthographie. sterben, für roder; seyn, meynen, und andere ähnliche Verba mit einem y vor der 'Ableitungssylbe sind zum Andenken des Srammwortes beybehalten, welches sich ans ein y endigte; der übrigen zu ge- schweigen. Wo aber der Unterschied der Schrift nicht das Herkommen -und den allgemeinsten Ge» brauch vor sich hat, sondern erst in den neuern Zci. ten zum Unterschiede der Bedeutung vorgeschlagen worden, da ist er von keiner Verbindlichkeit, wie in Gottscheds Heyde, puZanux, Heide, ein unfruchtbares jcmd, Hayde, ein großer Wald; Herd und Heerde, und die übrigen oben schon angeführten; zumahl, da nicht leicht ein Fall vorkommen wird, ws nicht die Stellung, der Zusammenhang und andere Bestimmungen die scheinbare Dunkelheit gleich bey dem ersten Anblicks heben sollten, daher auch die Allgemeine Verständlichkeit die Abweichung von der gewöhnlichsten Schreibart nicht nothwendig machen kann. 2. Der zweyte Grund ist erst in den neuesten Zeiten aufgestellet worden, und bestehet in dem Gesetze der größten möglichen Sparsamkeit. Soll dieses so viel sagen, daß nichts geschrieben werden darf, was nicht in der guten Aussprache wirklich gehöret wird, so ist es vollkommen richtig; allein es ist unnöthig, es als einen besondern Bestimmungsgrund der Schrift anzugeben, weil er schon in dem allgemeinen Grundgesetze der Schrift, schreib rvie du sprichst, liegt. Nur die Anwendung, welche man davon gemacht hat, ist ein wenig sonderbar. Man schrieb, dem Gesetze der Sparsamkeit zu Folge, Damf, Ferd, Fros> xvisen, plaz, nüzen, für Damps, Pferd, pfropf, wissen, Play, nützen; man schrieb ste, len, es mochte stehlen oder stellen, bedeuten, fu« le„, i. Kap. Allgemeine Grundsätze. §. 21. 717 len, es mochte fühlen oder füllen seyn sollen, fchlif, es mochte schiicfoder schliff bedeuten, zerr, es mochte von zchrcn oder zerren abstammen, Ha? ken, es mag hacken oder einen Haken bedeuten, u. s. f. Man könnte fragen, nicht bloß, ob ein Hochdeutscher so spricht, oder jemahls so gesprochen hat, sondern selbst, ob irgend in einer Provinz so gesprochen wird. Die Verdoppelung des Consonan- ten nach einem geschärften Vocale ist ganz auf die Aussprache gegründet, die doch bey diesem Gesetze der Sparsamkeit zum Grunde liegen soll, und ;e-- ren, plaz, rvisen u. s. s. können nicht anders als gedehnt gesprochen werden. Mit so willkührlich angenommenen Grundsätzen, wobey die ganze Absicht der Schrift, die allgemeine Verständlichkeit, und die darauf gegründete Aussprache, zerstöret wird, kann man mit eben dem Recht? auch alle Vocale verwer- fen, und fit, silr, ;rn, Dmf, Frfu. f. f. schreiben, denn die Vocale werden hier doch nicht mehr gehöret, als die weggelassenen Consonanten. Ich weiß, daß Herr Alopftock es ist, welcher diesen Satz der größten Sparsamkeit nicht allein aufgestellet, fondern auch die jetzt gedachte Anwendung davon gemacht hat. Allein ein Mann, welchem ein großer Theil der Nation viele Sprachkennt- «iß zutrauet, der sich selbst als einen tiefen Sprachkenner angekündiget hat, konnte unmöglich etwas im Ernste behaupten, was auch den gemeinsten und ungelehrtesten Menschenverstand zurück stoßen muß. Ich bin daher vollkommen überzeugt, daß er diesen Sah bloß i» einer kleinen boshaften jaune dchin geworfen hat, den Schwärm unverständiger Nachahmer zum Besten zu haben, und die Welt zu überführen, daß keine Ungereimtheit so groß ist, welche nicht ihre Anhänger bekommen sollte, zumahl wenn s<- 7^8 2.TH. Von der Orthographie. sie dem Scheine nach von einem berühmten Nahmen unterstützet wird. Alopstock fand Thoren genug, welche seinen Hohn verkannten, sich vor der vernünftigen Welt lächerlich machten und ungeleftn blieben. Allein es gibt noch eine andere Anwendung des Gesetzes der Sparsamkeit, welche nicht wesentliche und zur Aussprache schlechterdings gehörige Theils wegwirft, sondern nur das h und die verdoppelten Vocale, als Zeichen der Dehnung, für überflüßig hält, weil der folgende einfache Consonant die Dehnung bereits hinlänglich bezeichnet. Ick) werde mich darüber in dem folgenden Kapitel umständlich erklä» ren, hier will ich nur noch bemerken, daß die Sparsamkeit, so bald sie in der Schrift auf Kosten der Aussprache, und der nächsten Abstammung angewandt wird, ein Fehler der ersten Art ist, theils weil sie das Grundgesetz der Schrift, schreib wie du sprichst, axfhebet, theils auch die allgemeine und möglichst leichte Verständlichkeit störet, welche doch die höchste und einige Absicht der Schrift ist. Mandat diefe Sparsamkeit sogar auf die Sprache selbst ausgedehnet, und nicht allein die sogenannten Hülfswörter, welche doch da, wo sie vorkommen, das einige wahre Verbum find, sondern auch andere wesentliche und zur Verständlichkeit schlechterdings nothwendige Theile der Rede weggelassen. Allein, es wär? sehr leicht zu zeigen, daß eben diese Herren, weiche dem Scheine nach mit Buchstaben und einze- len Worten so geitzen, in dem Falle der Pharisäer in dem Evangelio sind, welche Mücken säugen und Ka- mehle verschlucken. Wie unendlich besser köm-ten sie ihre Sparsamkeit anbringen, wenn sie selbige auf ihre Gedanken ausdehnten, und das Publicum mit so> VK'len unverdauten, nur halb verstandenen, und noch Lbeler au^edruckcm Vorstellungen und Begriffen verschonten. i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.22. 719 schonten. Sie würden alsdann Platz genug übrig behalten, das wenige Gute oder Nützliche, was sie zu sagen haben, auf eine verstandliche und folglich desto gemeinnützigere Art vorzutragen. §. 22. Da der Schreibcgebrauch nur alsdann Freyheit Statt findet, wenn er allgemein ist, und er auch vo" dem nur in Ansehung der Stammwörter und veralteten oder zweifelhaften Ableitungen verbindlich ist: so ist^"^° ° es keine Verletzung desselben, wenn man in solchen Fällen von demselben abweicht, welche ohnehin nicht in sein Gebieth gehören, besonders wenn erweislich ist, daß das von der Nation angenommene Schreibe- geseh, schreib wie du sprichst, der besten Aussprache gemäß, mit Beobachtung der nächsten Abstammung, entweder aus Unkunde, oder aus Nachlässigkeit nicht in allen einzelen Fällen gehörig befolget wird. Es verstehet sich dabey von. selbst, daß solche Abweichungen nicht willkührlich seyn dürfen, sondern auf erweislichen Gründen beruhen, auch der Faßlichkeit des größten Theiles der Schreibenden angemessen seyn, folglich die allgemeine und möglichst leichte Verständlichkeit nicht stören, sondern vielmehr befördern, auch die beste Aussprache nicht beleidigen müssen. Dahin gehören besonders folgende Fälle. Wenn von einem Worte ein bisher ver« kannteö nächstes, wenigstens höchst wahrscheinliches und noch nicht ganz vergessenes Stammwort aufgefunden, und durch die Abweichung die Aussprache nicht verletzet wird. Durch eine solche Änderung geschiehet weiter nichts, als daß das von der Nation angenommene Schreibegeseh auf solche Fälle ausgedehnet wird, welche sich demselben bloß aus Unkunde oder Nachlässigkeit der Schreibenden entzogen haben. S» X 72t) 2. Th. Von der Orthographie, ' So ist schlämme» von dem Schlamme reinigen, erwägen von rv^gen, einhällig von hallen, Glänze von Rain, Rand, wenn ai'ch das Oberdeutsche Gr^.niz im Hochdeutschen zu unbekannt seyn sollte, besser, als wenn sie mit einem e geschrieben weiden. Nähmlich ist besser als nehmlich, weil es wahrscheinlicher von Nahme als von nehmen stammet; ergehen, besser als ergäyen oder erexöyen, weit das Srammworc gerzen zwar veraltet, aber doch noch nicht ganz vergessen ist, das ö aber nberdieß die gute Aussprache beleidigt. Ablugsen und belugsen sind besser als mit einem r, weil sie vermittelst der intensiven Ableitungssylbe sen von dein Oberdeutsche» lugen, schats sehen, abstammen; Heurach besser als ^errath, weil es wahrscheinlicher von Heuer, Miethe, Kauf, als von einem andern Stamm? herkommt. Die Gränzen sind auch hier, wie in allen übrigen Theilen der Sprache, nicht genau z» bestimmen, daher hier immer noch manches Wilttühr bleibt, zumahl, da sich >"cht in allen Fällen genau bestimmen läßt, was di< nächste Abstammung ist, und wie fern sie noch bekannt ist, folglich die allgemeine Verständlichkeit befördert. So werde ich lieber besser und beßce, als bäfser und büßte schreiben, obgleich die nächste Abstammung von baß ein ä erfordert, theils wil baß im Hochdeutschen veraltet ist, vornehmlich aber, weil der Begriff von besser und beßte bereits so bestimmt und deutlich ist, daß die Verständlichkeit daben nichts gewinnen kann, folglich die Veränderung ohne Noth und Nuhen seyn würde, welches sich von den vorigen Beyspielen nicht sagen läßt. Verbiethet die allgemeine gute Aussprache die Änderung, so fällt sie ohnehin weg; daher ist es, z.B. unerlaubt drevzig oder dreyzi'ig, zweynziI oder zweynzüg schreiben zu i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.22. 721 zu wollen, weil kein Hochdeutscher so spricht. Ereignen, sich zutragen, riech ich ehedem wohl selbst, eräugnen zu schreiben, weil die Abstammung von Auge und dem alren augan, sichtbar werden, un- läugbar ist; aber seitdem ich bemerket habe, daß die allgemeine Obersächsifchc Aussprache der höhern C'as. sen für ereignen ist, so nehme ich diese Änderung billig wieder zurück. Ist aber die Aussprache schwankend, wieinReurer, ecme->, so ist eö auch erlaubt, der nächsten Abstammung von reiten nach, Reirer zu schreiben, zumahl da eben das Schwankende der Aussprache beweiset, daß die Nation ihren Irrthum dunkel empfindet, und sich nach und nach der Wahrheit nähern will, welcher Neigung man denn durch die Schrift zu Hülfe kommen kann. 2. Wenn ein Wort aus Unachtsamkeit oder Unkunde anders geschrieben wird, als die allgemeine gute Aussprache eö erfordert. So spricht i. B. kein Hochdeutscher giebst, giebt, gieb, hieng, gieng, fieng, gedehnt, sondern aesckärft, gibst, gibt, gib, hing, ging, fing, daher man sie billig auch fo schreibt, indem die erster» Schreibearten bloße Überbleibsel der ehemahligen Oberdeutschen Aussprache sind. Ein anderes ist, wenn zwen Analogien wider einander streiten, z. Bt Aussprache und nächste Abstammung, wo eine so viel Recht zu herrschen hat, als die andere, da man denn dem einmahl eingeführten Gebrauche billig folget, und der geschärften Aussprache ungeachtet vierte, Viertel, vierzig, und dieß schreibet, um die nächste Abstammung nicht zu verdunkeln. z. Die Hochdeutsche Orthographie hat sich, so wie alles in der Sprache, nach dunkler Empfindung Äer Absicht und Mittel gebildet. Es ist daher leicht Adel.jL.Spr.II.L. Zj mög- 722 S.TH. Von der Orthographie. möglich, daß sie dabey auf einen irrigen Grund"ge« rathen kann, den sie aber wieder verläßt, so bald sie ihren Irrthum dunkel gewahr wird. Indessen können doch manche einzele Fälle davon übrig bleiben, und in andern haben kurzsichtige Sprachlehrer, die diesen Grund so gleich zum Gesetze machten, die Rückkehr erschweret und ausgehalten, ob sie gleich im Ganzen wenig Einfluß auf das Allgemeine haben können. Des Grundsatzes, daß gleichlautende aber verschiedene Wörter auch durch die Schrift unterschieden werden müssen, ist schon im vorigen gedacht worden. Ein anderes Beyspiel ist der Sah, daß man nach einem Doppellaute keinen Consonanten verdoppeln müsse, der wieder auf dem irrigen Grundsätze beruhet, daß nach demselben kein Consonant verdoppelt gehöret werde, oder, welches eben das ist, daß kein Doppellaut geschärst gesprochen werde, welcher Irrthum eine Folge der verworrenen Begriffe war, welche man von den langen nnd kurzen Sylben hatte. Man schrieb daher schleifen, reißen, schmeißen, reifen, da man doch deutlich schleif- fen, reis-sen, schmeis-sen, reif? fen spricht, eben so wie man reirzcn, beirzen, ^Veirzen schreiben und sprechen muß. Hier würde ich der Aussprache gemäßer den Consonant auch verdoppeln, weil der Doppellaut wirklich geschärft wird. Indessen ist doch auch wahr, baß die Aussprache dabey wenig oder nichts gewinnt, weil f und ß nach einem Doppellaute nur auf einerley Art ausgesprochen werden können. Ob das h und die Verdoppelung der Vocale zur Bezeichnung der Dehnung auch mit unter die irrigen Gründe gehöre, die man folglich zu verlassen berechtigt ist, werden wir im folgenden sehen. 4. Wenn die Aussprache die Schrift allein nicht bestimmen kann, die nächste Abstammung ungewiß, i.Kap. Allgemeine Grundsätze. §.22. 723 gewiß, und der Schreibegebrauch schwankend ist; so laßt sich nicht mit Gewißheit entscheiden, welche Schreibart die richtigste ist, beredtsam, Beredt- samkeit, oder beredsam, Beredsamkeit, weil sie mit eben dem Rechte unmittelbar von bereden, als unmittelbar von beredt abstammen können. So . auch rrieglich, becrieglich, und rrüglich, betrüg- lich, welche sowohl von Trug und Betrug, als von kriegen und bekriegen gemacht seyn tonnen, die Aussprache auch schwankend ist, und bald ein ü, bald ein ie hören laßt. Da indessen die letzte Aussprache die häusigste zu seyn sch-inet, so hat auch das je den Vorzug. Bem'eger aber ist nur allein -ich, tig, weil es, so wie alle Verbalia auf — er von o. in Infinitiv abstammer. S. auch §. 59. Beiisäin?g bemerke ich noch, daß man sich hüte, die Infinitive mancher irregulären Veiborum von ihren Imper- fectis oder Substantiven abzuleiten, und betrügen, flühen,fiüßen, Iüßen, schüßcn, zichen u. s. f. schreiben zu wollen, weil die von den Präm itis abgeleiteten Substantiv« Betrug, Flucht, Fluß, Guß, Schuß, Zucht, lanren. Aus der !chre von den irregulären Verbiö erhellet, daß alle ihre Theile unabhängig von einander gebildet worden, und daher nur Seitenverwandte sind, nicht aber von einander obZelkitet werden dürfen. Zz s Zweytes 724 2. Th. Von der Orthographie. --- > > » —> ^ 1İ ! > ^__^. > ^ - ----- Zweytes Kapitel. Von der Orthographie einzeler Buchstaben. ^ I»lhalr. Mnlcitmig, §. 2Z. Von äu und eu, §. 4z. Gebrauch großer Anfangsbuch- Orthographie cinzeler Consa- nanten, §.44-63. Verwechselung der weichen und harten, Z.44. Won dem c, §. 45. Unterscheidung derGaumen- laute. §.46. Von dem chs, x,gs und cks, §-47- Von dem dr, §.48. Von dem f und v, H.49. Verwechselung des g, ch, j und k, §. 50. Von dem h, §.51. Von dem c und ck, §.52. Von dem pf, §.53. Ton dem pH, §-54. Von dem qu, §.55. Unterscheidung der Sauselaute, §.56.57. Von dem sch, §.68. Von dem r, §. Von dem ch, §. 60-62. Von dem y, §. 6z. §. 2Z. Einleitung, dem vorigen Kapitel sind die allgemeinen ^) Grundsätze entwickelt worden, nach welchen die Deutsche Orthographie eingerichtet worden, und wer unpartheyisch ist und seyn kann, wird gestehen müs. sen, staben, §.24. Verdoppelung der Consonau- ten,z.25-2?. Von den Dehnungszeichen, §.28-40. Von denselben überhaupt, §. 28. 2Y. Bezeichnung des gedehnte» a, §. Zo. Des gedehnten e, L. zi. Des gedehnten i, §.32. Des gedehnten 0, §.zz. Des gedehnten n, §^ 34. Von den ä, ö, ü, §.35- Verwechselung des 6 und tiefen e, 5.36. Dehnung des «, §.Z7. Des ö, §.38. Des ü, §. 39- Verfahren in zweifelhaste» Fällen, §.40. Von dem y, j.41. Von dem at, §.4». 2.Kap. Einzeler Buchsraben. §.2?. 725 sen, daß sie alle Eigenschaften hat, welche man nur von ihnen erwarten kann, und daß die bisher gewöhnliche Deutsche Orthographie die Orthographie aller bekannten Sprachen an vernünftiger Einrichtung, Bestimmtheit und leichter Faßlichkeit sehr weit übertrifft. Die Ursache liegt darin, weil sie erst in den neuern Zeiten nach der Reformation, da die Hochdeutsche Mundart zugleich die Schrift- und gesellschaftliche Sprache des gesittetem Deutschlandes ward, eingerichtet worden, zu welcher Zeit Verstand und Geschmack hinlänglich aufgeklaret waren, so daß die dunkele Empfindung, welche allein alles in Sprachen bewerkstelliget, hier mit mehrerer Sicherheit zu Werke gehen konnte. Nicht, als wenn man vorher gar keine bestimmte Grundsätze gehabt hätte; denn die sämmtlichen Grundsätze der heutigen Orthographie sind schon in den ältesten Zeiten sichtbar, allein sie wurden nur noch sehr dunkel empfunden, und daher nur sehr mangelhaft und unvollkommen befolgt. Es kommt nur darauf an, ob die Hochdeutschen in Anwendung dieser Grundsätze so glücklich gewesen, ass sie in Annahme derselben waren, und dieses wird in diesem und dem folgenden Kapitel untersucht werden. Ich bemerke dabey vorläufig, daß man nicht vergessen muß, daß die Hochdeutsche Orthographie die Orthographie einer Schriftsprache ist, welche allen übrigen Provinzen zugleich die wahre Aussprache des Hochdeutschen auf eine den Bedürfnissen und der Faßlichkeit einer jeden von ihnen gemäße Art benbrmgm soll. Zu der Zeit, als sich die jet-r übliche Orthographie in Obersachsen bildete, und sie Hut sich hi>'r eb«>n so sehr gebildet, als die Hochdeutsche Mundart s lbst. zu der Zeit, sage ich, warm die Chursäcbfifchen Universitäten mit P^rsonm aus allen Pr;vi"ine andere. Sie gebraucht große An- fangöbuchstübrn. 1. Zu s.Kap. Einzeler Buchstaben. §.24. 727 r. Zu Anfange einer jeden Rede und Periode, folglich so oft ein Punct die vorher gegangene Rede beschließt. Ingleichcn nach einem Frage - und Auö- rufungözeichen, wenn beyde einen Satz beschließen, folglich an Statt eines Punctes stehen. 5Ver ist er? N?o kommt er her? XVas will er? Kommen sie aber in der Mitte eines Satzes oder einer Periode vor, so ist der große Buchstab unnöthig. XVie lange willst du, Unglücklicher! noch zaudern. 2. In distributiven Säßen, auch wohl nach einem Colon, in beyden Fallen doch nur, wenn die Satze mit Zahl-Figuren bezeichnet sind, kleine Gründe sind: 1. N)eil u. s. f. Indessen sind hier auch kleine Buchstaben hinlänglich, und die großen scheinen bloß durch den Punct, mit welchem man gemeiniglich die Zahl-Figuren zu begleiten pflegt, veranlasset zu seyn. z. Vor eigenen Nahmen und den davon abgeleiteten Adverbiis und Adjectiven. Europa, Europäisch, Asiatisch, Deutsche Sprache. In Ansehung der von eigenen Nahmen abgeleiteten Be- schassenheitS - und Eigenschaftswörter finden zwey streitige Analogien Statt, nach welcher die eine sis als eigene Nahmen mit großen, und die andere als Adverbia und Adjectiva mit kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben wissen will. Der Gebrauch hat sich für die erste erklärt, um sie so gleich durch di-' Gestalt dem Auge als eigene Nahmen oder davon ab« stammend, darzustellen. Verba, welche von eigenen Nahmen abgeleitet werden, bedü'-fen keines großen Anfangsbuchstaben, weil sie die Eigenschaft eines eigenen Nahmens ganz ablegen, und völlig av- pellativ werden: verdeutschen, bailhornistren. Da es Arten von eigenen Naiunen gibt, welche aus Zz 4 einem 728 2. Th. Von der Orthographie. einem appellativen Substantive und einem appella- tiven Adjective bestehen, so bekommt das erste auch als Substantiv schon einen großen Buchstab, allein bey dem Adjective ist er unnöthig, weil es immer appellativ bleibt: das schwarze Meer, der weist- se Berg bey Prag, das alte Testament. So auch, wenn ein eigener Nahme ein appellatives Adjectiv vor sich hat, die obere Donau, eben so wie man schreibt der große Christopf, der berühmte ^euron. Ein anderes ist es, wenn beyde in ein Wort zusammen gezogen werden, Ober 5 Deutschland, wieder-Sachsen. 4. Vor allen Substantiven und als Substan- tiva gebrauchten Wörtern. Hierin hat die Deutsche Orthographie vor allen bekannten Sprachen etwas voraus, indem sie auf die übereinstimmigste Art alles, was ein Substantiv ist und als ein Substantiv gebraucht wird, mit einem großen Anfangsbuchstaben bezeichnet: der Herr, die Geliebte, der Meise, das Rund der Erde, dein theures Ich, das Mein und Dein, das Gehen, das böse Aber. Der Grund davon scheint theils darin zu liegen, weil wir so viele Substantiv« haben, welche mit Adverbiis gleich lautend sind: gut und das Gut, übel und das Übel, licht und das L.icht, fett und das Fett, morgen und der Morgen u s.f. theils aber auch, weil die Deutsche Sprache das Vorrecht hat, daß sie einen jeden andern Redetheil als ein Substantiv gebrauchen kann. Daher die möglichst leicht? Verständlichkeit erfordert, sie in ihrer neuen Würde di m Auge so gleich kenntlich zu machen. Allein es komm.m hier oft ^alls vor, wo eine entgegen gesetzt! Analogie e-ttweder Ausnahmen veranlaßt, oder doch die wahr-- Schreibart ungewiß und schwankend macht. Die vornehmsten sind etwa folgende: 1. Oft wird 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.2z. 729 wird bey einem Adjective das dazu gehörige Substantiv nur verschwiegen, daher eö zwar die Stelle eines Substantives vertritt, aber doch niclit selbst ein Substantiv wird: ein offenbar gottloser, nähmlich Mensch. Allein, da Gottloser auch häusig als ein wahres Substantiv gebraucht wird, so kann es mit eben dem Rechte auch einen großen Buchstab erfordern. Es kommt daher in solchen Fallen bloß darauf «n, welcher Begriff am deutlichsten hervor sticht, der Begriff eines Adjectives, oder Substantives. 2. Wenn Adjectiva mitSubstantiven in der Apposition stehen: Alexander der Große, Carl der Zwölfte. Hier sind sie zwar an sich nur Adjective, welches deutlich erhellet, wenn man ihre Stelle verändert, der große Alexander, der zwölfte Carl; und in so fern wäre ein kleiner Buchstab für sie hinlänglich. Allein, da nur Substantiv« in der Apposition stehen können, das Adjectiv folglich in die Würde lind sämmtlichen Gerechtsamen eines Substantives eintritt, so schreibt man es in solchen Fällen am häufigsten mit einem großen Buchstaben, z. Oft bekommen Adjective die Gestalt eines Substantives, stehen aber als Umstandswörter: aufs beste, am ehesten, mir dem frühesten, aufs neue, in allem. Hier hat der große Buchstab nur einen Grund für sich, aber zwey wider sich. Der erste ist die äußere Gestalt eines Substantives, die beyden letztern aber sind, der adjectivifche Ursprung und die adverbische Bedeutung; daher man sie am liebsten mit einein kleinen Buchstaben schreibet. 4. Sehr oft stehen Substantiva als Umstandswörter: an Sratt, an Rindes Statt, Statt haben, Play greift fen. So lange die substantivische Gestalt und Bedeutung nicht ganz verloren gehet, schreibt man sie billig mit einem großen Buchstaben. Ist aber die- Zz 5 ses. 7Zv s. Th. Von der'Orthographie. fts, z.B. statt meiner, um meinetwillen, ss ist auch ein kleiner Buchstab hinlänglich, zumahl da »vir ohnehin viele Substantiv« haben, welche ursprunglich Adverbia sind. Aber 5. wie, wenn vermittelst eigener Ablcitungslaute Umstandswörter von Substantiven gebildet werden, abends, nachts, mittags, vormittags u. s. f. Da diese Wörter zu wahren Adverbiis, werden, so scheint der kleine Buchstab allein richtig zu seyn; indessen werden sie doch gemeiniglich mit einem großen geschrieben, vermuthlich weil man sie für bloße Genitive gehalten, welches doch um nachts willen nicht angenommen werden kann. 6. Wenn Substantiv« mit andern Redethei- len zusammen gesetzt werden, so verlieren sie mit ihrer ganzen übrigen Selbständigkeit auch den großen Buchstaben: die gesetzgebende Macht, goldgelb, ehrenrührig, rachschlagen, handhaben und so ferner. 5. Die Pronomina und Adjectiva, wenn sie sich in schriftlichen Anreden auf die angeredete Person beziehe!,. Ew. königliche Majestät geruhen, Dieselben. Auch wohl in der dritten Person, wenn man von hohen Personen mit Ehrerbiethung spricht: Se. Majestät haben befohlen es Ihnen ;u berichten. Außer dem sind große Anfangsbuchstaben vor Adjectiven und Pronominibus mmörhig: der geheime Rath, die kaiserlich- königlichen Gerechtsame, göttlich. Das Zahlwort Ein, zum Unterschiede von dem Artikel ein mit einem großen Buchstaben zu schreiben, ist nur bey einigen wenigen gangbar. 6. Bey dem Anfange der Zeilen in Versen. Da diese Gewohnheit bey allen neuern Völkern allgemein ist, so muß sie ihren Ursprung wohl einer dunkelen 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §. 25. 7zr dunkelen Empfindung des Wohlanständigen oder Schicklichen zu danken haben, daher ihre Unterlassung weiter zu nichts dienet, als daß sie einen Sonderling als Sonderling ankündiget, und über- dieß noch die Feinheit seines Geschmackes verdächtig macht. §. 25. Da nach einem gedehnten Hülfslaute der Verdoppefolgende Hauptlaut nur einfach gesprochen werden lung der kann, nach einem geschärften aber doppelt lautet, so Cmisonan- erfordert das erste orthographische Gesetz, sie auch also zu schreiben. Lal, schlaf, kam, können im Deutschen nicht anders als gedehnt fäl, schlaf, käm gesprochen werden. Sollen sie geschärft lauten, so ist schlechterdings nothwendig, daß der ConfonanS, wenn kein anderer Consonanö auf ihn folget, verdoppelt werde, folglich fall, schlaff, Ramm. Wenn sich also ein Wort auf einen Consonanö endiget, und der vorher gehende Vocal ist gedehnt, so bleibt er einfach; ist der Vocal aber geschärft, so wird er verdoppelt. Folglich Haken, Ekel, der Schlaf, die Schafe; aber hacken, schmecken, Ecke, schlaff, schaffen, Lall, irren, Lasse, Schlamm, und nicht haken, Eke, schlaf, schlafen, fal, iren, Läse, Schlam, weil kein Deutscher diese anders als gedehnt auSsprechen kann und wird. Es darf wohl nicht erst bewiesen werden, daß dieses orthographische Gesetz ganz in dem ersten Schrcibe- gesctze, schreib wie du sprichst, gegründet ist, wel» ches nur der läugnen kann, dessen Gehör und Em- pfindungskraft verwahrloset sind, und bey dem wür» de auch jeder Beweis vergeblich seyn. Es scheinet auch, daß alle Völker dieses Gesetz dunkel gefühlet haben, allein keines hat es im Ganzen gekommen mit so vielem Verstände und mit so vieler Übereinstimmung angewandt, daher dieser Umstand eine der schätz- 7Z2 2. Th. Von der Orthographie. schätzbarsten Eigenheiten der Deutschen Orthographie ist, vornehmlich, wenn das Hochdeutsche als eine Schriftsprache betrachtet wird, deren Orthographie so eingerichtet seyn muß, daß sie dem Provinzialen die wahre Aussprache des Hochdeutschen sichtbar macht. Man weiß, daß eine der größten Verschiedenheiten sowohl der Provinzial-Mundarten unter sich, als auch derselben vcn dem Hochdeutschen, in dem Tone bestehet, mit welchem man die Sylben belegt. Wenn der Hochdeutsche IM, süß spricht, so spricht der Schlesier kutt, süsse, oder vielmehr sifse; Mann geschärft, sprechen manche Oberdeutsche Mundarten gedehnt Man. Um allen Mundarten die wahre Aussprache des Hochdeutschen aus eine allgemein faßliche Art beyzubringen und zu erleichtern war gewiß kein schicklicheres Mittel, als diese ohnehin schon ganz in dcm Naturgesetze der Schrift gegründete Regel, so allgemein zu machen, als das Bedürfniß es erforderte, und die übrigen Verhältnisse es verstatteten. Man urtheile nunmehr selbst, was man von den Vorschlägen derer zu halten habe, welche diese Verdoppelung nach geschärften Vocalen für unnöthig und übe, flüssig halten, und glauben, Lall dürfe nur Fal geschrieben werden, weil man es doch nicht anders aussprechcn könne. Ich habe gesagt, die Verdoppelung eines und eben desselben Consonanten am Ende nach einer geschärften Sylbe, sey im Hochdeutschen allgemein. Sie ist es auch wirklich, und zwar so sehr, als nur etwas in der Sprache allgemein seyn kann. Indessen gibt es doch hier einige Ausnahmen, welche aber schon Th. i. §.87 f. angezeiget worden, daher ich sie hier nur kürzlich wiederhohlen will. l. Manche einfylbige kleine Redetheile lauten zwar gefchärft, allein ihr End-Consonant wird um deswillen -.Kap. Einzeler Buchstaben. §.25. 735 deswillen nicht verdoppelt: ab, ob, das, des, rvas, es, bis, hin, in, vveg, an, er die Vorsylbe, man, un, von, ur. Daß man die Regel nicht auf diese Wörter ausgedehnet hat, muß seine Ursache haben. Man hat verschiedene Ursachen angegeben, welche aber nicht hinlänglich sind. Daß diese Wörter am Ende nicht verlängert werden, kann nicht als ein Grund angenommen werden, weil das, des, rvas wirklich in dessen und wessen verlängert werden. Auch liegt die Ursache nicht darin, weil sie tonlos sind, indem manche derselben einen sehr bestimmten Ton haben, wie ab und ob. Da diese Regel vorzüglich zur genauen Bestimmung der Pro. vinzial-Aussprachen angewandt worden, so schmiet es, daß diese in den gedachten Wörtern diese Hülfe nicht nöthig gehabt, weil vermuthlich alle Provinzen, oder doch diejenigen, welche man damahls in Obersachsen vor Augen hatte, diese Wörter schärften. Da nun der nach dunkeln Empfindungen des Bedürfnisses handelnde Menfch, so lange er von seiner Empfindung nicht mißgeleitet wird, nichts ohne Noth und Nutzen thut, so hielt man die Verdoppelung hier für überflüssig, weil die Ursache derselben nicht mehr Statt fand. 2. Einige andere Wörter lauten gleichfalls geschärft, ob sie gleich nur einen einfachen End-Con- sonanten hergebracht haben: er hat, gib, grob, genug, Vortheil, derGchmid, und bey einigen auch das L.ob. Diese Wörter scheinen im Hochdeutschen ursprünglich gedehnte Vocale gehabt zu haben, wie sie denn auch noch in manchen Provinzen gedehnt gesprochen werden. Allein nach und nach bekamen sie eine geschärfte Aussprache, behielten aber um des einförmigen Gebrauches willen die alte Schreibart bey, entweder die nächste Abstammung nicht 7Z4 2.TH. Von der Orthographie. nicht zu verdunkeln, oder auch, weil manche in dee Biegung so gleich wieder gedehnet werden: des 6.05 des, die grobe», Genüge. ^ z. Das ch und sch werden nie verdoppelt, wenn gleich der vorher gehende Vocal geschärft wird» Die Ursache ist leicht zu begreiffen. Sie sind an lind für sich schon nicht die schicklichsten Zeichen einfacher Laute, weil jenes aus zwey und dieses aus drey Buchstaben bestehet. Wollte man sie verdoppeln, so würden dort vier und hier sechs Consonanten zusammen kommen, einen einigen gedoppelten Consonanten zu bezeichnen: Aochchen, Maschsche, waschschen. Daß dieses sowohl das Auge als auch die möglichst leichte Verständlichkeit beleidige, empfand man schon im sechzehnten und siebzehcnten Jahrhunderte; daher wählte man das kleinere Übel, und verdoppelte b«-! de Buchstaben nie. Man schreibt daher Rache, Sache, Roch, Aüche, sprechen, Nlasche, waschen, rasch, zwischen; sowie man schreibt, fluchen. hoch, Schmach, sie wuschen. §. 26. Es ist die Frage, ob auch nach Doppellauten der folgende Consonant verdoppelt werden müsse, wenn die Aussprache eö erfordert, das ist, wenn der Doppellaut wirklich geschärft ausgesprochen wird. Daß auch Doppellaute geschärft werden können, ist wohl unläugbar: Reise und Reiser lauten doch anders als reijsen und schineissen; Häuser anders als Haussen und draussen; sie liefen anders als pfciffen. In den ältern Zeiten, da das dunkle Gefühl der Absicht und Mittel durch die Neuerungen kurzsichtiger Sprachlehrer noch nicht war irre gemacht und verführet worden, schrieb man wn^lich so, und der Aussprache nach richtig. Al- ? > Sprachlehrer aufstanden, und etwas von der Lehre 2. Kap. Emzeler Buchstaben. §.26. 7Z5 ichre des Tones zu wittern glaubten, aber dafür aus Irrthum die jänge und Kürze der Sylben in der Prosodie erwischten, so ward nach und nach der Saß allgemein, daß nach einem Doppellaute der Conso- nans nicht verdoppelt werden dürfe, und zwar aus dem scheinbaren aber irrigen Grunde, weil er in der Prosodie lang ist. Lang ist in der Prosodie alles was den völligen Ton hat, es sey gedehnt oder ge» schärft, nimm, komm, kürz so gut als Drer, Rauch, vvelfe. Die Verdoppelung des Conso- nanten hat mit der prosodischen 5änge und Kürze nichts zu thun, sondern hänget ganz von der Schärfung das vorher gehenden VocaleS ab. Da nun Doppellaute wirklich geschärft werden können, so sollte man billig der ältern richtigern Schreibart wie- der folgen, indem die neuere auf einem bloß irrigen Grunde beruhet. Die beyden Consonanten, vor welchen die Doppellaute am häufigsten, vielleicht nur allein, geschärfet werden, (denn y ist kein verdoppeltes z,) sind f und s. In Ansehung des letztem hat man den Irrthum des Sahes am ersten eingesehen, weil hier die AuSspmche am merklichsten entscheidet; allein man suchte sich mir dem ß zu helfen, und beging einen neuen Fehler, reißen, schmeis ßen, Meißel; indem das ß in der Mitte der Wörter nur nach einem gedehnten Hülfslaute stehen kann, hier aber der Doppellaut wirklich geschärft ist, dagegen er in Preußen, Meißen gedehnter lautet. In Ansehnung des f kann die Aussprache oft zweifelhaft seyn, indem der Unterschieb des lautes nach einem gedehnten oder geschärften Doppellaute in vielen Fäl« len unmerklicher ist, daher es zweifelhaft scheinen kann, ov es verdoppelt werden müsse, z. B. in lau? fen, raufen, kaufen u. s. f. dagegen in pfciffen, keiffen, zanken, fchleiffen, greiffen, kneiffen, bis 7z6 2.TH. Von der Orthographie. die Schärfung deutlicher ist, welche auch aus den PrcNeritis pfiff, kiff, schliff, griff, kniff erhellet, dagegen laufen, lief hat. Wenn ein Consonans wegen des vorher gehen- den geschärften Vocales verdoppelt wird, so bedienet man sich alsdann der zusammen gezogenen Schriftzeichen, wenn dergleichen vorhanden sind, nähmlich des ff, ssund ck, denn von den übrigen Consonanten hat man dergleichen nicht: raffen, wissen, Hacke. Nickt ab-r, wenn durch die Zusammensetzung zwey Consonanten einer Art zusammen kommen. Man schreibt daher auffahren, auffangen, auffliegen, aussenden, ausstehen, AussaiZ, aussprechen, ausschöpfen, die Vakkosten, von Bake, ein Zeichen für Schiffer, und nicht auffliegen, auffahren , auffangen, aussenden, aufstehen, Aufsey, aufsprechen, ausschöpfen, Backosten, welches nichr allein die Zusammensetzung verdunkeln, sondern auch zu einem falschen Tone verleiten würde. Fort- §. 27. Ich will das übrige, was die Verdovpe- setzung. lung dei' Consonanten betrifft, hier kürzlich zusammen fassen. 1. Wenn ein Wort mit verdoppelten End- Consonanten durch die Biegung am Ende wächset, so bleibt die Verdoppelung, so lange der vorher gehende Vocal geschärft bleibet, welches denn gewöhnlich der Fall ist: Fall, des Falles, die Fälle, Riß, des Risses, die Risse, Acunm, des Rain- mes, die Ixämme, schaffen, schaffst, schafft. Nur einige irreguläre Verba verwandeln den geschärften Vocal in den gedehnten, und umgekehrt, unv alsdann folgt auch die Schrift der Aussprache: backen, buk, gebacken; schaffen, schuf, geschaffen; s»cden, socr, gesotten; fallen, fiel, geMsn. 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §. 27. 737 2. Auch die Ableitung läßt die Verdoppelung der Regel nach unberührt, so lange sich der Ton nicht ändert: Hoffnung von hoffen, nicht Hoffnung, weil solches leicht von Höf abgeleitet, und folglich gedehnt gesprochen werden könnte; Herr/ sehen, Herrscher von Herr; vortrefflich von treffen; Schifffahrt vsn Schiff; männlich, N^annfchafr, inannbar von Mann; sammt, sämmtlich von faminen; Gottheit, göttlich von Gort; bekannt, Bekanntschaft, kenntlich, Bekenntniß, Kenntniß von kennen; 2lnkömm- ling von kommen; Narrheit von ^7?arr; bewaffnen von Waffen; öffnen von offen; schlucken von schlucken; mittelst, vernntscln, vermittelst von Mirre; Irrthum von irren, u. s. f. Nur in einigen wenigen rechtfertigt der alte und allgemeine Gebrauch die Unterlassung der Verdoppelung, wenn ein ConsonanS darauf folget: Gunst von gönnen; Aunst, künstlich, künsteln von rönnen; Gewinst von gewinnen; Gespinst von spinnen; Brunst von brennen; Anstalt von stellen; Geschäft von schaffen; Runzel von Rinne; bei- fen, belfern von bellen, u. s. f. Vermuthlich weil in den meisten die nächste Abstammung für den größten Theil der Schreibenden bereits zu dunkel ist, daher man ihre Bezeichnung für mmöchig gehalten, zumahl da der Ton nicht darunter leidet, und unnö« thige Häufung der Consonantcn nur das Auge beleidiget. z. Wenn von einer geschärften Partikel, in welcher der Csnsonans nicht verdoppelt wird, ein an^ dereS Wort abgeleitet wird, so wird der ConsonanS verdoppelt. In und hin haben aus dem oben bereits angemerkten Grunde kein verdoppeltes n, wohl aber die davon abgeleiteten von innen, inner, inAdel. D. Spr, u. V, An« mr, 7Z8 2. Th. Von der OrchoMphie. nerhalb, von hinnen. Aus verdoppelt sein s nichts ob gleich der Doppellaut geschärft lautet, wohl aber außen, außer, außerhalb, äußern, oder vielleicht noch richtiger aussen, ausser, ausserhalb, äujsern. Daß darum, hierum, worinn, darinnen, hierinnen, worinnen, unrichtig, und darin, hierin, roorin, die einigen wahren Formen sind, ist bereits in der Sprachlehre selbst gezeiget worden. 4. Eben so nothwendig ist die Beybehaltnng des verdoppelten Consonanten in der Zusammensetzung , wenn die einzelen Wörter sie hergebracht haben: vielleicht von viel und leicht; allmählig, allbereirs, allda, allgemein, allhier, Allmacht u. s. f. von all; Sonnrag, Sonnabend von Sonne; Mittwoche von Mitte; Statthalter von Statt, Stelle; willfahren von N?il- le, u. s. f. Nur einige wenige alte machen einige Ausnahmen, z.B. Mittag für Mitr-rag, den Übelstand des dreyfachen t zu vermeiden. 5. Daß der End-Consonant fremder Wörter, wenn sie auf Deutsch? Are gesprochen werden, und der vorher gehmde Vocal geschärft wird, auch billig doppelt geschrieben werden sollte, Dallett, Danques rott, Bankett, Gallopp, ist bereits im vorigen bemerket worden. 6. Da die Ableitungssylbe der weiblichen Wörter— inn einen halben geschärften Ton hat, welcher in d-r Declination unläugbar wird, fo ist eö auch billig, stt mir einem gedoppelten n zu schreiben, Königinn, Dichterinn, zumahl da man es in der Declination doch verdoppeln muß, Königinnen, Dichterinnen. Wer Nöniginen, Dichrerinen schreiben wollte, wurde das Gesetz der Aussprache übers 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.28. 739 übertreten; wer ober zwar im Pkural Königinnen, im Singular hingegen nur V.önigin schreiben wollte, würde eine unnöthige Augnahme mehr in die Sprachlehre bringen. Aus und aussen, in und innen, hin und hinnen machen hier keine Analogie, weil die zweysylbigen Wörter wahre Ableitungen sind. 7. Wo nun die Aussprache weder allein, noch in Verbindung mit einem der vorigen Umstände die Verdoppelung der Consonanten nicht erfordert, da ist sie fehlerhaft. Folglich — schaft, — haft, af- rcr, oft, Schrift, Trift, Almosen, erden, irden und irdisch, (von Erde,) Brcc, Schämel, -Ehle, nicht Äle, weil kein Hochdeutscher so spricht,) dolmetschen u. s. f. und nicht —schafft, — hafft, , affcer, offr, Schriffru. f. f. §. 28. Die wenigen in dem vorigen bereits an- gz^ den geführten Fälle ausgenommen, ist der einfache Con- Dehmmgs« sonanS allemahl ein Zeichen der Dehnung, ob man Eichen- gleich nicht umgekehrt schließen darf, daß wo zwey überhaupt, und mehr Consonanten auf einen Vocal folgen, derselbe schlechterdings geschärst werden müsse; indem sowohl die Biegung als Ableitung meh.ere Consonanten zu einer gedehnten Wurzelsylbe bringen kann, welche denn der Regel nach gedehnt bleibt: ich lobe, du lobst, er lobt. S. im ersten Theile §. 87. Diese Fälle allenfalls ausgenommen, hätte die Deutsche Orthographie keine eigenen Zeichen der gedehnten Vocale bedurft, weil der einfache folgende Consonant die Dehnung bereits hinlänglich bezeichnet. Indessen hat sie selbige doch nicht allein für nöthig gehalten, sondern so gar mehr als eine Art der DehmmaSzeichen angenommen. Da dieses seit so langen Zeiten, auf eine im Ganzen so überein. Aaa 2 stim- 740 s. Th.. Voll der Orthographie. stimmige Art geschehen ist, so kann man schon daraus mit Recht schließen, daß triftige Ursachen dazu vorhanden gewesen seyn müssen, ob sich solche gleich nicht mit völliger Gewißheit bestimmen lassen. Da diese Bezeichnung der Dehnung besonders vor den vier flüssigen Buchstaben, l, m, n und r geschiehet, so glaubte ich anfänglich in meinem Wörterbuchs, daß man aus etymologischen Gründen dazu bewogen worden, und daß besonders die mit dem Dehnungszeichen h versehenen Wörter von Stämmen hergeleitet werden müßten, welche sich ehedem auf einen starken Hauchlaut geendigt haben; z. B. fehlen von fech-elen. Allein, obgleich solches von einigen bewiesen werden könnte, so läßt es sich doch von den allermeisten nicht darthun, und über- dieß hat eine so entfernte Etymologie nie einigen allgemeinen Einfluß auf die Orthographie gehabt, daher wir unö nach einem bessern Gr unde umsehen müssen. Dieser ist denn wohl ohne Zweifel in der Absicht der Hochdeutschen Orthographie, als einer allgemeinen Schriftsprache zu suchen, nach welcher sie die jaute nicht bloß zu ihrem eigenen Gebrauche noth- dürftig darstellen, sondern auch die Aussprache der Provinzialen leiten und bestimmen soll. In die? sem Bedürfnisse der provinzialü Mundarten scheinet mir der wahre Grund der eingeführten Dehnungszeichen zu liegen. Die vier flüssigen Buchstaben, vor welchen die Dehnung am häufigsten bezeichnet wird, gehen eben wegen ihrer Flüssigkeit in manchen Mundarten gern in die verdoppelte Aus- spräche über, da denn der vorher gehende gedehnte Vocal natürlich geschärft werden muß: kall, lamm, für Lahl, lahm. Bey diesem manchen Provinzen so natürlichen Hange war der einfache End-Consc« nant 2. Kap. Einzeler Buchstaben. 9.28. 74! «ant kein hinlängliches Zeichen der Dehnung, sondern es mußte selbige noch besonders bezeichnet wer« den, wenn die wahre Aussprache bey ihnen gesichert werden solle. Hierin lieget denn auch die Ursache, warum die Dehnung nicht in allen Fallen vor den gedachten flüssigen Buchstaben besonders bezeichnet wird, weil nähmlich diejenigen Mundarten, auf welche man vornehmlich Rücksicht zu nehmen Ursache hatte ^ dieser Hülfe nicht in allen, sondern nur in einigen Wörtern bedurften; und da der bloße sich selbst überlassene Menschenverstand allen unnöthigcn Überfluß hasset, so unterließ man diese Bezeichnung da, wo sie nicht nothwendig war, d. i. wo niemand in Versuchung gerieth, den Vocal zu schärfen, und den folgenden Consonant zu verdoppeln: gar, Eram, ich war, dem, der u. s. f. Aber eben hieraus wird auch der große Unbestand begreifflich, welchen man vom Anfange an in dieser Bezeichnung bemerket, indem nicht einem jeden Schreibenden die Ursache derselben gleich klar bewußt seyn konnte. Aber, könnte man fragen, wenn die Dehnung nun ja besonders bezeichnet werden mußte, warum blieb man denn nicht bey einem einigen gleichförmigen Zeichen? Warum mußte man sie eben auf so vielfache und zum Theil sonderbare Arten ausdrucken, das gedehnte i bald durch ie, bald durch y, und die übrigen Vocale bald durch die Verdoppelung, bald aber auch durch daß Es wäre freylich zu wünschen, daß hier eben so viel Übereinstimmung angetroffen würde, als in andern Theilen der Orthographie, und als darin angebracht werden könnte, wenn verbindliche Vorschriften in Dingen dieser Art möglich und wirksam wären. Daß aber diese Einheit hier nicht herrscht, rühret wohi vornehmlich daher, weil die Absicht dieser ganzen Bezeichnung der Deh. Aaa z nung 742 2. Th. Von der Orthographie. nung unter allen orthographischen Bedürfnissen am dunkelsten empfunden ward, daher sie theils nicht allemahl, theils nicht auf eine einförmige Art angebracht ward. Indessen haben wir im Grunde nur eine gedoppelte Art, die Dehnung zu bezeichnen, die Verdoppelung de6 VocaleS und das h, denn aus dem folgenden wird erhellen, daß ie und y ursprünglich eine andere Absicht haben. Aber hat denn diese Bezeichnung der Dehnung auch noch jetzt ihren Nutzen? Und wenn sie ihn nicht hat, wäre es nicht besser, sie ganz abzuschaffen und zu unterlassen? Machte das Bedürfniß mancher Provinzial-Mundarten anfänglich die besondere Bezeichnung der Dehnung nothwendig, so ist leicht einzusehen, daß eben dasselbe auch ihre Beybehaltung erfordert, und zwar in unfern Zeiten desto mehr, je mehr sich jetzt Geschmack, Litteratur und nützliche Kenntnisse, und mit denselben auch die Hochdeutsche Mundart in den Provinzen verbreiten. Da also die Absicht dieser Bezeichnung nicht allein nicht weggefallen ist, sondern vielmehr stärker Statt findet, als jemahls, so ist cö billig, daß auch daS Mittel fortdauere. Aber gefetzt, diese ganze Bezeichnung hätte jetzt nicht den mindesten begrifflichen Nutzen mehr, sondern wäre ein wahrer Überfluß, so ist es doch wahrlich der Mühe nicht werth, so viel Aufhebens über dieselbe zu machen, als mehrmahls geschehen ist, und ein ganzes Register von Schmähungen zu erschöpfen, um sie verhaßt und verächtlich zu machen. Sie winde, wenn sie auch keinen Nutzen hätte, in das Gebieth des Schreibegebrauchss gehören, welcher ohne Noch nicht verletzet werden darf.' Da sie seit so langer Zeit allgemein ist, so hängt die mög. lichst 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.23. 74z lichst leichte Verständlichkeit für das Auge großen Theils mit von derselben ab, und die Beförderung derselben ist schon Nutzens, und folglich Grundes zur Veybehaltung genug. Die möglichste Erspar.üß des Raumes ist kein Schreibeges.-tz; soll sie ja angebracht werden, so läßt sie sich auf andere nützlichere Art anbringen, als auf Kosten der möglichst lochten Verständlichkeit. Wie vielen Handlungen muffen wir uns in dem gefellfchaftlichen Leben nicht unterwerfen, welche, strenge beurtheilet, unnütz und über- fiüßig sind; und doch unterwirft sich ihnen ein jeder gerne, weil gesellschaftliche Gewohnheit sie einmahl eingeführet hat, und die verflacht« nm Verhältnisse des bürgerlichen Lebens sie erfordern. Sollte es jemanden einfallen, das Gesitz der größten möglichen Sparsamkeit auch auf sie auszudehnen, fo würden wir für Sonderlinge der seltsamsten Art, (noch immer ein sehr gelinder Ausdruck,) nicht zu sorgen haben. Ich habe.noch einen andern Grund in Gcdan» ken, welcher bey dieser Bezeichnung der Dehnung mit gewirket haben kann, der gute und ausgebildete Geschmack, der mit dem nackten Bedürfnisse nicht zufrieden ist, sondern in seinen Werke» eine gewisse Ründe und Vollständigkeit sucht. Den bildenden Künstler vermittelst des Gesetzes dcr Sparsamkeit ganz auf das nackteVedürfuiß eitiscbräuken zu wollen, hieße ihn in die magern geschmack!osen Zeiten der mittlern Jahrhunderte versetzen, und verlangen, daß er lauter ausgedö-rte Mumien mit dm ren langen Beinen, ausgetrockneten MuSk?ln, und verwelkten Gesichter» bilden sollte. Wozu, könnte man sagen, die fleischige Vollständigkeit, die wollüstige 5)'ü"de, die nervige Kraft der Muskeln? Das ist thö? icl^ei Übe, flnß,!m!> die menschliche'Bwcgung ist mit wenigum zufrieden, Aaa 4 und 744 2.TH. Von der Orthographie. ? und das Bedürfniß erfordert nicht so vielen Aufwand. — Man wage es einmahl, einem Künstler diese Lehren zu geben; er wird gewiß den Knicker zu den Samojeden und Lappen verweisen, wo er sein Gesetz der größten möglichen Sparsamkeit ungestört wird befolgen können. Jede Sprache ist in ihrem Ursprünge ein Werk des Bedürfnisses; aber jede ausgebildete Sprache, folglich auch jede Schriftsprache, ist ganz ein Werk des Geschmackes. Dieser ist sich in allen seinen Werke» gleich, und'erfordert für den Ausdruck jeder Art eine gewisse Runde und Voliständigktif. Al, ist für das nackte Bedürfniß freylich schon hinlänglich; allein, welch ein mageres und dürres Zeichen in der Empfindung des Geschmackes für einen vollständigen Begriff; also Aal oder Ahle. Ich behaupte zwar nicht, baß dieses die einige Ursache dieser Art zu schreiben gewesen, allein sie hat doch gewiß sehr beträchtlich mit gewirket, besonders be» cinsylbigen und gar zu kleinen, oder wenn ich so sagen darf, magern Wörtern, wie ZVahl, Beere, Heer, >^aar, Aar, Aas, Saal, Ahm, Bahn, leer u. s. f. wo der vollständige Begriff auch eine vollständigere Bezeichnung zu erfordern scheinet, zumahl wenn sie aus eine so unschuldi- dige und der Aussprache unschädliche Art erhalten werden kann. Man wird davon noch mehr über» zeugt, wenn man erwäget, daß die Hochdeutsche- Mundart bey ihrer Auebildung das mildernde e se- häustg angewandt hat, die harte und magere Einsyk« bigkeit zu vermeiden, und manchen Wörtern eine gewisse Ründe und Vollständigkeit zu geben, die sie auf die vorige Art nicht erhalten konnten: Bube, Anabe, Aabe, Glaube, Schade, weise, leis se, döse, Rose, Löwe, Schwabe, Sachse, Franke, Schwede, Däne, u. s. f. wofür die nicht s» 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.29. 745 so ausgebildeten Oberdeutschen Mundarten noch immer ihr Vub, Zxnab, Rad, Glaub, Schad, weis, leis, bös, Ros, L.ow, Schwab, Sachs, Lrank, Dän, Schweb, haben. Wozu, wird hier der Buchsiabenknicker fragen, der Überfluß? Bub sagt nichts mehr und nichts weniger als Vu>- de. — Freylich wohl, aber nur weit rauher und härter. Doch da ich in meinem Magazin für die Deutsche Sprache Gelegenheit nehmen werde, umständlicher von den Wirkungen des Geschmackes auf Sprache und Schrift zu handeln, so halte ich mich hier nicht weiter dabey auf. §. 29. Ehe wir aber auf die Dehnungszeichen Allgemeint, einzeler Vorale kommen, wird es nöthig seyn, eini- Anmerkun- ge allgemeine Bemerkungen über die Bezeichnung ^"^^^ der Dehnung überhaupt voran zu schicken. ^chen"'^' 1. Die Dehnung wird nur bey Voralcn bezeichnet, nie aber bey Doppellauten. Da nun ü, ö und ü wahre einfache Vocale und keine Doppellaute smd, so können auch sie mit dem Dehnungszeichen ' versehen werden. 2. Die Dehnung wird nur in Wörtern, welche einen vollständigen Begriff enthalten, und welche daher auch im äußern eine Art von Vollständigkeit erfordern, bezeichnet. Folglich nicht in eigentlichen Partikeln: da, so, wo, zu, her, ja. Ausgenommen sind: 1. das gedehnte i, weiches allemahl durch ie bezeichnet wird, hier, nie, und 2. ohne, welches aber ohnehin schon ein ausgebildetes Wort ist. z. Die Dehnung wird nur vor dem End-Con- soMnten der gedehnten Sylbe bezeichnet, folglich nicht, wenn der gedehnte Vocal am Ende stehet. Ausgenommen sind das e und i, wenn sie am Ende zu stehen kommen: See, sie, bey. AaaZ '4. Die 746 2.TH. Von der Orthographie. 4> Die Dehnung wird auf dreyfache Art bezeichnet, i. Durch Verdoppelung desVocaleS, bey dem a, e und o, wohin auch das ^ gehöret, welches eigentlich ein verdoppeltes il oder vielmehr ij ist; ' 2. durch ei» bengesügres e, bey dem l, und z. durch daö h. Die Verdoppelung des Vocales ist das unbequemste Zeichen der Dehnung, weil eö leicht zur falschen Aussprache verleiten und zweyfylbig gesprochen werden kann, Aal, wie A-al; daher man dasselbe auch bald wieder verlassen zu haben scheinet. 5. Das h ist nicht allein das schicklichste, son- dern auch das allgemeinste Zeichen der Dehnung, welches nach allen gedehnten Vocalen gebraucht werden kann, auch wenn sie in einzelen Fällen andere , Dehnungszeichen hergebracht haben. 6. Man l.ttke sich, daß man das h, wenn es zur Wurzel gehöret, nicht für ein bloßes Dehnungszeichen halte. In Fehde ist es aus dem starkern Hauche, der noch in dem verwandten fechten herrschet, entstanden. Am wenigstens kann eö für das Dehnungszeichen gelten, wenn es in der guten Aussprache deutlich gehöret wird: frob, der frohe, Schuh, des Schuhes, die Schlehe, nicht Schlee, die Spreche, ein Vogel, nicht Spree, welches ein Fluß diefeS Nahmens ist, früh, die frühen, die Rahe, in der Schifffahrt, Niederdeutsch Nüa. 7. In der Mitte des Wortes, das ist, vor dem End-Consonanten der Sylbe, wird die Dehnung gemeiniglich nur vor den vier flüssigen Con- sonanten l, m, n und r bez?ichuet; in einigen Fallen auch vor dem s und r. In ^Vaage, Haabe, Ü.aa- ken, Haafen und so ferner, ist daher die Deh- nnng unrichtig. Doch ist hier das gedehnte i ausgenommen, welches zu Anfange einer Sylbe zuweilen 2. Kap. Einzcler Buchstaben. §. 29. 747 len durch h bezeichnet wird, ihm, ihn, ihr; in der Mitte allemahl durch ie, es folge ein Consonans darauf, welcher wolle; am Ende, nach einem Con- sonanten gleichfalls durch ie, und nach einem Vocal durch y. 8. ä, ö, ü und u werden nie verdoppelt, sondern die Dehnung wird hier durch das h bezeichnet. 9. Wenn die Dehnung in einem Stammworte durch die Verdoppelung des Vocaleö bezeichnet wird, und dasselbe bekommt in der Biegung und Ableitung den Umlaut, so stehet der daraus entstandene Vocal nur einfach: das Aas, Plur. die Äser, der Aal, das Wcheu, das Haar, ein Härchen, sich hären, ein Paar, ein Pärchen. 10. Außer diesem Falle bleibt das Dehnungszeichen auch in den nächsten Ableitungen: drehen, Draht, nähen, Naht, fahren, Fahrt, Fährte; welche daher nicht fo richtig, Drarh, !7?ach, Farch, Färche, geschrieben werden. Aber nicht alkmahl in den entminten oder vergessenen: Schuster von Schuh, Blume, Blut, Blüthe von blühen. Wenn in der Ableitung zugleich der Ton geändert wird, so fällt das Dehnungszeichen billig weg: lVol- lust von rvohl und L.ust, rvarlich von wahr, Furc, fertig und Farnkraut von fahren. Nur einige wenige behalten eö bey, die nächste Abstammung nicht zu verdunkeln: vierte, Viertel, vierzig, dieß. 11. Die Dehnung wird nicht in allen Wörtern bezeichnet, selbst nicht in allen Wörtern mit vollständigen Begriffen. Allein es lassen sich weder Regeln geben, wenn sie bezeichnet werden soll, auch nicht allemahl, wie sie bezeichnet werden soll. Wer das, was in dem vorigen §. von dem Ursprünge und h?? 743 2. Th. Von der Orthographie. der Absicht dieser Dehnungszeichen gesagt worden, gehörig erwäget, den wird das nicht befremden. Es gehören daher die allermeisten Fälle dieser Art in das Gebieth des Schreibegcbrauches, welchen man billig beybshält, weil die Verletzung desselben die möglichst leichte Verständlichkeit für daß Auge stö- 5en, in vielen besonders einsnlbigen Wörtern auch die Vollständigkeit aufheben, und übrigens nicht den geringsten begreifflichen Nutzen gewähren würde, jndem der wenige Raum, welchen ein Paar Buchstaben mehr einnehmen, wenn ja gesporet werden - muß, leicht an minder wichtigen Worten und Gedanken ersparet werden kann. Wezeich- §. Zo. Das gedehnte a wird, nung des ^ Verdoppelt, in Aa, ein Fluß, Aachen, die aed-hntm ^al, ein Fisch, Aalen, der Nahme eines Ortes, Aar, ein Raubvogel, Aas, cscl^ver, Haag, eine Stadt, (ehedem auch in Hag, ein Hain,) Haar, -Alaas, ein Fluß, auch von vielen noch in 511aß, inenlurg, welches doch ohnehin Vollständigkeit genug hat, paar, wofür doch auch von vielen par geschrieben wird, Raa, die Segelstangs, bester die Rahe, Saal, wenn es ein großes Zimmer, einen Wohnsitz und Besitz bedeutet, daher Saalbuch, Gaalgur, Gaalmann; die Saat, Schaar, wofür doch auch Schar, sich scharen, die Schar- rvache, gebräuchlich genug ist; der Sraar in den Augen, der Sraat, die N)aare. 2. Durch h bezeichnet, in Ahle, ein spitziges Werkzeug, die Ahm, der Ahn, die Ahnen, «chnden, in beyden Bedeutungen, die Bahn, die Bahre, (besser als Vaare,) bewahren, Drahc von drehen, fahl, Lahne, fahren, mit allen Ab- keitungen, wenn das a gedehnt bleibt, folglich Fahrt, Fährte, ' ' 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §. zo.zi. 749 Fährte, Geführte u. s. f. genmhnen, Gemahs, Gefahr, gewahr, Hahn, Jahr, kahl, der Rahm, Nahn, B.rahn, lahm, Lahn, Mahl iind mahlen, in allen Bedeutungen, folglich auch einmahl u.s.f. Mahr, der Alp, mahnen, V^ah- me, (die Abstammung von nomen, um deren wil» len viele ^ame schreiben, ist unerweielich,) ^?«ihc von nähen, nähren, Nahrung, Pfahl, prah- . len, der Prahm, Rahm, Rahmen, Sahl- band, Sahlleisic, Sahibache und Sahlweide, Sahne, sichmahl, noch häufiger ohne h, schmal, Srahr, ein Vogel, Stahl, Strahl, Vorfahr, N?ahl, N)ahn, wahr, wahrnehme», Zahl, zahm, sahn, und andere mehr. z. Unbezeichnet bleibt es in Alran, Altar, bar in allen Bedeutungen, folglich auch bar Geld, Barbar, Barr, Barte, Bram,Geniste, die Bra- me, der Rand, da, Damhirsch, dar, Fasan, gar, in beyden Bedeutungen, gethan, Gram, Gran, Hamen, haben, Habe, kam, klar, Rram, Rranich, laben, Marschall, Maß, Mäße, Plan, «Dual, Roman, in den Ableitungssylben sal und sam, Game, (ehedem Saa- me,) schal, Schale, Scham, Schar, am Pflu. ge, Scharbock, Scharwerk, Schwan, Span, sparen, Spital, Thal, Thran, ich war, zwar, und andere mehr. §. zi. Das gedehnte e wird: r. Verdoppelt, in dem niedrigen und im Hoch- Des gedeutschen fremden beede für beyde, die Been-dehnten », t^uß, besser Rehen, Behen-V7uß, Beere, dem Niederdeutschen Beest für Bestie, das Beet im Garten, die Beere, rothe Rübe, doch auch häufig Bete, dem Niedersächsischen Geest, Heer, Rlee, leer. 75-2 2. Th. Von der Orthographie. , leer, Meer, Reede, oder noch besser Rehde, eine Schisss'.ände, (die gemeine Schreibart Rhede hat keine Analogie für sich, weil rl) im Deutschen ungewöhnlich ist, und nur noch in Rhein von I^lienus, be>,behalten wird,) Rundecl, Schlee, besser zwey, sylbig Schlehe, Schmeer, besser Schmer, weil das Wort schon Vollständigkeit genug hat, Schnee, See, Seele, Speer, die Spree, ein Fluß, dis Spree, ein Vogel, besser Gprehe, Theer, verheeren von «seer, »nd dem Oberdeutschen zween. Dahin gehören auch die Endsylben in den ausländischen Armee, Lee, Raffee, Rappee, Thee, wo e6 doch nicht ein bloßes Zeichen der Dehnung oder Vollständigkeit ist, sondern theils in der ursprünglichen Schreibart dieser Wörter gegründet, theils uin der Sicherheit des Tones willen nothwendig ist. 2. Mit h bezeichnet, in angenehm, annehmlich, befehlen, begehren, dehnen, Sble, (besser als Elle oder Ele, weil das e in der Hoch, deutschst, Aussprache gedehnt lautet,) empfehlen, Fehde, (nicht zur Bezeichnung der Dehnung, sondern um der Abstammung willen,) fehl, fehlen, Lehm, der Gehren, genehm, Gewehr, Hehl, hehlen, das alte hehr, erhaben, heilig, Namehl, (als ein schon halb mit dem Bürg/rrechte begabtes Wort, besser als A.ameel oder Ramel, welches letztere leicht Aamel gesprochen werden könnte,) Vehle, kehren, der Lehm, ietten, (nicht Leimen,) lehne, schräge, die Lehne, lehnen, in allen Bedeutungen, das Lehn , besser Lehen, lehren, Mehl, mehr, mehren, nehmen, (Duehie, Sehne, fehnen, sehr, verfehren, si ylen, das LVehr, sich wehren, zehn, besser zehen, zehren. z. Nicht 2. Kap. Einzcser Buchstaben. §.32. 751 z. Nicht bezeichnet, in bequem, bescheren, dem,Demmh, denen, der, derer, Elend, er, jLrde, Fasele, Galere, her, Herd, Herde, (oft auch Heerde, um der Abstammung von Heer willen,) Herlinge von herbe, Herold, je, Ins wele, Pferd, qner, schel, der ScL)einen, Schatten, Schemel, besser Schäme!, Schere, scheren, Schmer, schwer, Schwert, selig, wen, wer, werden, llVcrrh u. s. f. §. Z2. Das gedehnte l hat das besondere, daß es Dcs ge- nie verdoppelt, sehr selten durch ein h, fast aliemchl schulen i aber durch ie bezeichnet wird. Daß die Verdoppelung sehr unschicklich seyn winde, weil sie eine Verwechselung mir dem ü veranlassen niuß, hat man schon von den ältesten Zeiten an empfunden. Indessen ist unser heutiges ie ursprünglich kein bloßes Zeichen der Dehnung, sondern ein Überbleibst! einer alten Oberdeutschen Auespracbe, welche dem gedehnten i noch jetzt ein e nachschleichen, und beyde zwey- sylbig hören läßt, mi- er, di-er, 5Vi-en, Bi-cr; obgleich diese Aussprache wieder in der Absicht, dem Worte mehr Vollständigkeit zu geben, gegründet seyn mag. Die Hochdeutsche Mundart legte bey ihrer Ausbildung die Aussprache ab, und dehnte dafür das i, behielt aber das e im Schreiben bey, theils um des bereits allgemeinen Gebrauches willen, theils auch aus Empfindung der Unschicklichkeit des verdoppelten i. Das gedehnte i wird daher, dem heutigen Gebrauche zu Folge, nicht bloß vor den flüssige» Con- sonanten, sondern in allen Fällen mit ic bezeichnet, es stehe in der Mitte oder am Ende, und vor welchem Hauptlaute es woll?: Bier, Viene, Degen, Friederich, das t^ieth, Aiebirz, ziehen u. s. f. Ausgenommen sind^ i. Das 752 2.TH. Von der Orthographie. i. Das gedehnte i zu Anfange eines Wortes, wo es nie bezeichnet wird, Igel, Isopp. Nur in ihm, ihn, ihr, ihnen, ihren mü) ihren Abgeleiteten , wird es mit einem h bezeichnet. Je, ieder, jemand, ieyt sind keine Ausnahmen im Hochdeut« schcn, sondern bloße Eigenheiten einiger Mundarten, z. B. der Schlesischcn. Im Hochdeutschen werden diese Wörter je, jemand, jeder, jeyr geschrieben und gesprochen. z., Folgende: das veraltete bidcr und Viderl mann, welches, so fern es von manchen wieder erneuert worden, doch billig dem heutigen Gebrauche zu Folge, bieder und Biedermann geschrieben werden sollte; dir, nur, rvir und wider, wenn es gegen bedeutet, wo die Unterscheidung von wieder, i'mluz, alt und allgemein genug ist. z. Die aus fremden Sprachen entlehnten, Vers lin, Didel, Viber, Visam, Lider, Fescr, Ramm, Mine im Festungsbaue, Pike, pipe, Rubin, SpiL, Tiger, der Stil, besser Gtpl, die Schreibart, Titel u. s. s. Haben sie aber das Bürgerrecht bereits erhalten, so sollte man sie billig auf Deutsche Art schreiben, wie Fiedel, Fieder, die Krankheit, die Niete in der Lotterie > Gpiek, ein Kraut, Paradies, der Anieß, vielleicht auch t7?ie-- sct)e. Zumahl wenn ihre nächste Abstammung aus einer fremden Sprache ungewiß, verdachtig, oder gar erweislich unrichtig ist, wie Fiedel, Miene, von Gesichtszügen, Spieker, eine Art Nägel. Dahin gehören auch diejenigen fremden Wörter, welche entweder eine Deutsche Endsylbe oder doch eine Deutsche Aussprache in der Endsylbe angenommen haben, und daher in Ansehung dieser Endsylbe auch auf Deutsche Art geschrieben werden müssen: Papier, Saphier, 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.32. 75z Saphier, Rappier, Lüselier, Musketier u.s. f. In gleichem Falle befindet sich die Endung iren so vieler Zeitwörter, welche zwar fremden Ursprunges ist, und aus sre, ere, Ire, gebildet worden, aber doch ein völlig Deutsches Ansehen angenommen hat, und daher auch billig aufDeutsche Art ieren geschrieben werden sollte, regieren, spazieren, hanrhie- ren, haselieren, obgleich in den meisten, zumahl wenn das Verbum selbst ausländisch ist, das i am häufigsten gebraucht wird, marschiren, decliniren. 4. Das Wort Schmid weicht im Hochdeutschen von der gewöhnlichen Form sowohl der Ableitung als Aussprache ab, und veranlasset daher auch eine abweichende Schreibart. Im Singular lautet das i geschärft, und wird daher auch ohne e geschrieben, der Schmid, des Schunds, dem Schmid, so auch Mefserschnud, Hammerschmid, Gold-- schmid, Hufschmid. Im Plural hingegen kommt der gedehnte und in der Abstammung von schmieden gegründete Ton wieder, wo folglich auch das e nothwendig wird, die Schmiede, zwey Hufschmiede, alle Goldschmiede in der Sradt. In den mir bekannten Oberdeutschen Mundarten ist es auch im Singular gedehnt, der Schmied, und im Niederdeutschen bleibt es auch im Plural geschärft, welches sich auch eher thun läßt, weil es daselbst den Plural auf s machen kann, die Schunds. Da das ie die Dehnung bereits bezeichnet, so kann selbige nicht von neuem angedeutet werden» Wohl aber wird das h beybehalten, wenn die nächste Abstammung es erfordert, folglich du stiehlst, he- fiehlst, hefiehl, von stehlen, befehlen. Wer daher gebühren, gehohren und verlohren schreiben will, muß auch geblehrst, verliehrst schreiben. Ab«l.D.Svr.li.V. Bbb In 754 2.TH. Von der Orthographie» In einigen doch nur wenigen Fällen gehet der gedehnte Ton des nächsten Stammwortes in dem abgeleiteten in den geschärften über; allein das ie bleibt dessen ungeachtet, um die nächste Abstammung nicht zu verdunkeln: der vierte, das Viertel, vierzehn,, vierzig, dieß, Dienstag, welche im Hochdeutschen am Häufigsien geschärft lauten. Des gc- §. zz. Das gedehnte o wird bezeichnet: dehnten s. , ^Verdoppelung, obgleich auf diese Art nur noch selten. Am häufigsten geschiehet es noch in Moor, Morast, Loos, lor!, Moos, Roos, das Bienengewirk, Gchoos, lmu5, um den gedehnten Hülfslaut und das folgende gelinde s, nicht mit dem g> schärften Hülfslaute und doppelten f in Roß und Schoß, Steuer, zu verwechseln. Für Boot, ein Fahrzeug, Lootse, Pilot, welches vermuthlich von leiten abstammet, und das Meißnische !7?oos, ein Stück Vieh, smdBorh, Lotse oder Lochse und LTlöß, die Nößer, besser. 2. Durch das h und zwar am häufigsten, in Argwohn, Bohle, Bohne, höhnen, bohren, Dohle, Dohne von dehnen, Drohne, Lohre, Lrohne, gewöhnen, hohl, hohlen, Hohn, Rohl, Rohie, Lohn, Mohn, Mohr, sowohl setKiops, als auch der Zeug, E>hm, Oheim, Ohme, ohne, Dhr, pohle, pohlen, Rohr, Sohle, in allen Bedeutungen, Sohn, Thon, srZillg, wohl, wohnen u. s. f. z. Eben so oft hingegen wird es gar nicht bezeichnet, wie in Bord, Borre, geboren, gegoren, geschoren, Dom, fror, Flor, in allen Bedeutungen, groß, Honig, erkoren, Aanone, Trone, Rloß, los, losen, (letzteres wenn man das Substantiv Loo» nur mit einem 0 Los schreibet,) - 2.'Kap. Einzeln Buchstaben. §.Z4.55. 755 bet,) Monath, Mond, Morast, Person, pol, xoiu8, empor, Pistol, Scbloße, Hagel, schon, schonen, Strom, schmoren, ronu«, Thor, verloren, vor, u. s. f. H. 34. Das gedehnte u wird nie mehr vcrdop- Des ge- pelt, weil zwey neben einander stehende u einen dehnten ,r. Übelstand für das Auge machen. Für das ehemalige Muus, Brey, schreibt man richtiger das Muß, des Müßes, weil das S hier wirklich geschärft lau- tet, ob eö gleich in Gemüse gelinde ist. Wohl aber, 1^ bezeichnet man e6 mit einem h, in buhlen, Huhn, Muhme, Pfuhl, Ruhm, Ruhr, Schuh, Spuhle, Stuhl, Uhr,vpuhne, und vielleicht in noch einigen andern. 2. Noch häufiger bleibt es unbezeichnet, wie in Vlume, Vlur, Lusen, Buße, Chur, Flur, Geburt, die Gur, im Bergbaus, von gären, »sure, V^rume, Muse, das Muß, Brey, die Muße, onum, Narur, nur, pur, Schule, Schnur, in beyden Bedeutungen, Schur, Schus ster, ob es gleich von Schuh abstammet, Schwur, Spur, der Ableitungssilbe thum, thun, der Vorsylbe ur, und andern mehr. §. Z5. Die drey einfachen Vocale ä, ö und ii Gebrauch kommen entweder in Stammwörtern oder in Abge- des a, S leiteten vor. In beyden Fällen hangen ö und ü zu- "'^ nächst von der guten Aussprache ob, welche das o hinlänglich von dem e, und das ü sehr deutlich von dem i unterscheidet. Allein, da das ä mit dem tiefern e gleich bedeutend ist, so kommt es in Ansehung der Stammwörter, und solcher Wörter, welche in der Orthographie für Stammwörter gelten, d. i. deren nächste Abstammung dem größten Theile der. Schreibenden unbekannt ist, bloß auf den Gehrauch Bbb s an? 756 2. Ty. Von der Orthographie.' an, wo ein e oder 6 geschrieben werden muß. So schreibt man Pferd, Herd, lesen, Netz, lehnen u. s. f. aber bähen, mähen, gähc, gären, gähnen, und so ferner. In Ansehung der abgeleiteten Wörter werden diese drey Vocale nur in solchen geschrieben, welche den Umlam bekommen, d.i. welche in der Biegung und Ableitung einen der tiefern Vocale a, 0 und u in den nächstfolgenden höhern verändern: Vater, die Därer, väterlich; der Sohn, die Söhne* Zäunst, die Zxünste, künstlich; Gnade, gnädig; empor, empören; 01eum,Öhl; Burg, Vürgcr. In Ansehung der Stammwörter entscheiden folglich Aussprache und Gebrauch, in Ansehung der abgeleiteten aber Aussprache und nächste Abstammung, waö für ein Vocal gebraucht werden muß. Man schreib? folglich nicht schobern, weil jeder Hochdeut- scher schäkern spricht; nicht ächt, weil es von dem alten Ehe, Gesetz, abstammet, und chedem auch beständig echt geschrieben ward, bis eine irrige Ableitung hin und wieder das ä in den Gang brachte; nicht ämsig, weil die Ableitung von Ameise, nicht allein unerweislich, sondern höchst unwahrscheinlich ist; nicht ergötzen, weil der Hochdeutsche ergerzen, mit dem tiefen e spricht, und die Abstammung hier für den größten Theil der Schreibenden dunkel und ungewiß ist; nicht Münch, Glörre, gülden, dörfen, u. s. f. sondern Mönch, Glätte, golden, dürfen, weil die Aussprache, und in den drey ersten auch die nächste Abstammung diese Schreibarten erfordern. Verläßt hingegen die allgemeine Ausspracde die nächste Abstammung, so stehet die f, lttere der ersten billig nach; folglich zürnen von sorn. §.Z6. 2. Kap. Emzeler Buchstaben. §.Z6. 757 §. ?6. In Ansehung des ö und ü hat man diese Fort- Regel zu «llen Zeiten ziemlich genau befolget, weil Mmg. die Ausspriche hier bestimmt ist. Nicht so in Ansehung des ä und tiefen e, welche beyde gleichlautend sind, daher sie nicht nur häusig verwechselt wurden, sondern man zog so gar das e dem ä vor, und schrieb jenes, wo die nächste Ableitung dieses erfordert Härte. Man schrieb daher, Vecer, beschedigen, Meg- de, Städte, für Väter, beschädigen, Mägde, Städte. In den neuern Zeiten fing man an, die obige Regel mit mehrerm Bewußtseyn zu befolgen, und vertauschte das e mit dem ä allemahl, wenn e6 in der Biegung, und sehr oft, wenn es durch die Ableitung aus dem a entstanden war. Man schreibt daher jetzt am häufigsten und liebsten, Ägypten, Elster, Ältern, Ärmel, ansässig, Ärme,.Äsche, ein Baum und Fisch, Äspe, ein Baum, Ästrich, «iycn, Bäcker, dämmern, einhällig, mißhäls lig, errvägen, Lächer, gälten, Gränze, Häckerling, Häher, gräßlich, Häring, Häller, häßlich, Arämpe, Lärchenbaum, von lsrix^. L.ärm, nähmlich, von l^ahme, (aber ganz richtig vornehm, vornehmlich von nehmen,) schwämmen, Schäffel, von dem noch Oberdeutsch--» Schaff, Sänfte, Srämvel, Stängel, stämmen u. s. f. weil die nächste Abstammung hier ein ä erfordert. Indessen ist noch eine große Menge von Wörtern übrig, welche noch durchgängig nach alter Art mit einem e geschrieben werden, obgleich die nächste Abstammung ?in ä erfordert, oder doch zu erfordern sch?int; ><. B. messen von Maß; besser, Beste von dem alten baß; Geberde von dein alten sich gebaren; behende von Hand; edel von Ade!; entbehren von bären, tragen, daher Bahre: fertig von fahren; Fessel, fest von fas- Bbb 3 ftn; ^ , . - - ^ 758 ».Th. Vsn der Orthographie. sen; Hecke von Hag; Heft, heften von haften; henken von hangen; Henne von Hahn; Jen- ner von Januar; Aerl von Ixarl «der Carl; ZVehl von mahlen; neyen von naß; prellen von prallen; Rercig von rgclix; Schelle von schallen; schmecken von Gchmack; verwegen von wagen; Vetter vonVarer, und hundert andere mehr. Allein man hüte sich, daß man hier nicht vorschnell einseitige Änderungen vornehme, ohne die übrigen Umstände zu erwägen, welche erwogen werden müssen. Diese sind vornehmlich: i. die Ungewißheit, was nächste und entfernte Abstammung, unmittelbare Herkunft und Seitenverwandtschaft ist. Man weiß, daß in entfernten Abstammungen und Seitenverwandtfchaften ein Hülfölaut durch alls Vocale gehet, sprechen, ich sprach, daß ich spräche, gesprochen, sprich, Spruch, die Sprüche. Hier würde man irren, wenn ma» sprächen schreiben wollte, weil man im Imperfecr ich sprach spricht und schreibt. Eben so sind edel und Adel, Vetter und Vater, fertig und fahren, Henne und Huhn, Rerl und Carl, u. s. f. mehr Seitenverwandte, als unmittelbar von einander abgeleitet. 2. Die Dunkelheit der nächsten Abstammung für den größten Theil der Schreibenden, roel« ches von Hecke, fest, besser, behende, verwegen u. s. f. gilt. Was die Orthographie bestimmen soll, muß nicht allein unstreitig gewiß, sondern auch dem größten Theil der Schreibenden einleuchtend seyn. Bezeich- §. z?. Da jeßt wohl niemand mehr diese drey nung des Hülfslaute für Doppelluute hallen wird, so darf auch gedehnte» ^ ^diesen werden, daß sik so wie alle einfache Vocale bald gcdehnt, bald aber geschärft sind. Es 2.K«P. Elnzeler Buchstaben. §.Z7.?8. 759 Es gilt daher von der Bezeichnung der Dehnung eben das, Pas bereits von den übrigen Vocalen gesaget worden, nur mit dem Unterschiede, daß sie nie verdoppelt werden. Die Ursache liegt ohne Zweiffel in der ehemahligen und noch in der großem Schrift üblichen Art sie durch a, ö, ü oder ü, Ae, (L>e, Ue oder Ui auszudrucken, dq denn bey der Verdoppelung vier Zeichen zusammen kommen würden, einen einigen gedehnten Laut zu bezeichnen; eine Unschicklichkeit, welche msn bereits in den ältesten Zeiten empfunden hat. Um deßwillen unterbleibt auch ihre Verdoppelung da, wenn sie durch die Biegung oder Ableitung aus einem verdoppelten tiefern Vocale entstehen: das Aas, die Äser, der Aal, das Äls chen, das Haar, das Härchen, hären. Das gedehnte ä wird demnach, 1. Mit h bezeichnet, in ähnlich, Ähre, äh-- ren, pflügen, allmählich, bewähren, erwähnen, Fähre, Fährte, Gefährre, Gefährde, Gemählde, Gewähr, gewähren, gähnen, Mähne, Mähre, in allen Bedeutungen, Mährte, nähmlich, nähren, ohngcfähr, schmählen, Gträhne, wählen, wähnen, währen, zählen, Zähre u. s. f. 2. Nicht bezeichnet, in Där, Dräme, gären, gebären, hämisch, mäßig, quälen, sä- misch, schälen, schämen, Schämet, schwäs- ren, Eiter ziehen, Thräne u. s. f. §. z8. Das gedehnte ö wird l. durcb h bezeich- Des geriet, in argwöhnen, dröhnen, fröhlich, fröh-dehnten »>- nen, gewöhnen, Höhle, höhnen, I chler, Möhre, Öhl, Öhr, Röbre, M?»en, versöhnen. 2. Nicht bezeici" et, i» ^ örje,, böse. empören, hören, Zxönig tön-?:, krönen, lösen, Bdo 4 j'chön, 76c? s. Th. Von der Orthographie. schön, schwören, Stör, stören, strömen, tönen, rhönern, u. s. f. D?s ge- §. zy. Das ü lind i werden zwar in der guten dehnt", ^' Hochdeutschen Aussprache sehr deutlich unterschieden, allein es sind doch verwandte jaute, und wenn die nächste Abstammung ungewiß oder dunkel ist, so ist oft auch die Aussprache schwankend. So spricht man Findling und Fündling, weil es dem Anscheine nach, sowohl von finden als gefunden abstammen kann; ausfindig und ausfündig, weil es sowohl von ausfinden, als von dem veralteten Ausfund, wie ausbündig von Ausbund, hergeleitet werden kann. Allein, da denn doch die eine Art immer einen Grad des Gewichtes mehr für sich hat, als die andere, so werden besser mit i als ü geschrieben und gesprochen: ausfindig, Findling, Findelkind, in welchem letztem ohnehin niemand LündeMnd schreibt und spricht; flistern, triegen, bemegen , betrieglich, Gimpel, der Am, kirren, der Airre!, V.iyel, Riste, c!K->, (aber Allste, Strand,) Gebirge, liederlich, (weil die ehemahlige Ableitung von L.uder erweislich unrichtig ist,) Milbe, fchwierig, Schwierigkeit von schwer, Sprichwort, wirken, XVirkung, wirklich, schließet?, schließlich; theils weil das t hier aus dem c und nicht aus dem u entstanden ist, theils auch um der allgemeinen Hochdeutschen Aussprache willen. Besser hingegen mir ü alK i, aus^ bündig von Ausbund, flüssig, überflüssig von Fluß, Überfluß, schlüssig von Schluß. Das gedehnte ü wird i. mit h bezeichnet, in Bühne, fühlen, führen, gebühren, kühl, ruhn, L-Mhle, Pfühl, rühmen, rührest, schroühl, spühien, wühlen u. s. f. 2. Nicht bezeichnet, in Blüthe, 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §. 4o. 761 Blüthe, die Dünen, für, Gemüse, Geschwür, grün, ^>üne, ein Riese, küren, müßig, schnüre», schüren, schwürig von schwären, Thür, ungestüm, XVMür, und andern mehr. §. 40. Ich will diesen Gegenstand von der Be- Allgemeine Zeichnung der gedehnten Vocale mit der Wiederhoh- Anmerkun- lung der bereits oben gemachten allgemeinen Anmer- ^" "b" die kungen beschließen. Bchen.^ ° 1. Die Verdoppelung des Vocals ist kein so schickliches Zeichen der Dehnung, als das h, weil sie leicht zu einer unrichtigen zweysylbigen Aussprache verleiten kann. Ist sie in einem Worte einmahl allgemein, so muß sie freylich beybehalten werden; ist aber derGebrauch schwankend, oder hat ein Wort noch keinen festen Hochdeutschen Gebrauch für sich, so erkläret man sich lieber für das h. So wird das Niederdeutsche Raa, die große Segelstcmge, zwar in seiner Heimath mit einem doppelten a geschrieben; allein, da der Hochdeutsche kein Wort hat, welches sich auf ein doppeltes aa endigt, fo ist es feiner Mundart gemäßer, das Wort mit einem h und mildernden e zu endigen, die Rahe; so auch die Lehe, das poetische Mittclwesen, für Lee, das Niederdeutsche Reh- de für Reede oder gar Rhede, die Schlehe für Schlee u. s. f. wodurch zugleich die Vollständigkeit des Wortes für das Auge besser erhalten wird, als durch die Verdoppelung. 2. Da fremde Sprachen keine Regel für die Deutsche sind, fo ist auch billig, daß jedes aus einer fremden Sprache entlehntes Wort, so bald es das Bürgerrecht bekommen, Deutsche Gestalt und Aussprache angenommen h«t, auf Deutsche Art geschrieben werde, folglich das Öhi, Pohlcn, der Pohle, der Staat, das paar, das Aamchl, Bbd5 (besser 762 2. Th. Von der Orthographie. (besser als Rameel,) der Brief, das Lieber, «ihren, pflügen. Noch nothwendiger ist dieses, wenn die Abstammung von einem fremden unerweis- lich, und dieses ein bloßer Seitenverwandter ist, wie von Nahme, Sohle, Pfahl, Pfuhl, Miene, Gesichtszug, u. a. m. erwiesen werden kann. z. Die Bezeichnung der Dehnung findet, das ie ausgenommen, in der Mitte der Sylbe nur vor den flüssigen Hauptlauten, und in einigen wenigen Fällen vor dem s und t Statt. Haabe, Kaaken, Braachcn, Haafen, Haafer u. s. f. sind folglich unrichtig. 4. Man hüte sich, das h, wenn es zum Stamme gehöret, mit dem bloßen Dehnungszeichen zu verwechseln. In Fehde von fehen, fechten, Nahe von nähen, Draht von drehen, Mahd, Mäh- der von mähen u. a. m. gehöret es zur Wurzel. Von dem y. § 41. Von dem y, dem zusammen gezogenen is, ist bereits in dem ersten Theile des Lehrgebäudes §. 19. das nöthige gesaget worden, welches ich hier nicht wiederhohlen will. Es ist eben so, wie die Dehnungszeichen ein Stein des Anstoßes seit mehr als einem Jahrhunderte gewesen, hat sich aber dessen ungeachtet in seinem Besche behauptet, daher derselbe ohne Zweiffel gegründete Rechte vor sich haben muß. Eines derselben ist unstreitig auch die Vollständigkeit des Wortes für das Auge, zumahl da es eigentlich und zunächst nur in einsylbigen Wörtern vorkommt, welche ein zu dürres Ansehen haben würden , wenn sie sich auf ein bloßes i endigen sollten. Man gebraucht es noch: l. Am Ende der Wörter nach einem andern Vocal, da es denn mit dem a und e einen Doppellaut ausmacht und ai und ei lautet: May, Vay, Ey, frey, bey, 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.41.42. 76z bey, zwey, drey, die Ableitungssylbe —ey, in Ainderey u. s. f. Nach dem 0 und u, wo es aber nur selten vorkommen konnte, wird es wie j gesprochen, Doy, huy, pfuy; indessen wird an dessen Statt jeht lieber ein j geschrieben, um die Aussprache desto kenntlicher zu machen, Boj, huj, pfuj. 2. In den nächsten Ableitungen dieser Wörter: Freyheit, freylich, beyde, zweyte, Z^leye u.s.f. Man behält es daher billig in allen Abgeleiteten so lange bey, als die nächste Abstammung für den größten Theil der Schreibenden noch kenntlich ist: Geyer, frey-en, Freyer, beyde von dem alten frijan, lieben, schrey-en, schney-en, spey-en u.s.f. Ist aber das nächste Stammwort völlig vergessen und unbekannt, oder ist es schwankend und ungewiß, so daß eö zur möglichst leichten Verständlichkeit nichts mehr beytragen kann, so verläßt die Nation das y nach und nach wieder von selbst, und begnüget sich mit dem bloßen i. So schrieb man ehedem meynen, (nicht bloß zum Unterschiede von mein, meil nen,) Meyer oder Mayer, abmeyern, Heyde, wofür jeht aus der obigen Ursache, meinen, Meier, abmeiern und Heide üblicher sind. §. 42. Der Doppellaut ai, war, als eine Eigen- Von dem heit der Oberdeutschen Mundarten in der ältern DvppM»- Hochd«utschen Schriftsprache sehr häufig anzutreffen. ^ «>- Allein, da er, wenn er vollständig ausgesprochen werden soll, wirklich etwas rauhes und widerwärtiges an sich hat, so hat sich die neuere Hochdeutsche Mundart bey ihrer Ausbildung desselben nach und nach entledigt, und auch da, wo sie ihn beybehalten hat, die Aussprache gemildert, und sie dem ei näher gebracht, ob sie gleich nicht vollkommen mit demselben gleichlautend ist. Sie behält ihn jetzt noch bey: 764 2.TH. Von der Orthographie. 1. In einigen eigenen Nahmen und aus fremden Sprachen enlehnten Wörtern, wie Main, Main;, Mai oder richtiger Maj oder May, TVaid, Aaiser, nicht von Lseszr, sondern aus dem Neu-Griechischen x-n?«?, Maiß, Türkischer Weisen, welches doch am häufigsten zweysylbig gesprochen wird. 2. In einigen Oberdeutschen Provinzial-Wörtern, wenn sie sich derselben bedienen muß, wie Frais;, Laib, matta, ein Laib Vror, ob es gleich mit Leib, corj)u8, nur ein und eben dasselbe Wort ist. z. Noch in einigen andern völlig Hochdeutschen Wörtern, theils der Abstammung, theils auch des Unterschiedes wegen, welcher letztere zwar kein Grund zu Änderungen abgeben darf, aber wenn er als eine Nebenabsicht mit dem allgemeinen Gebrauche verbunden werden kann, immer seinen Werth hat. Dahin gehören Hain, Rain, Saite, cKor^z. Waise, vl^gnuz, und vielleicht noch einige wenige andere. Hingegen ist in eichen, ein Maß berichtigen, meischen, lnilcere, Leich, jAmer, Getreide, Meise, weidwerk, weihen, Heide, Wald, beiyen, u. s. f. das ei im Hochdeutschen theils völlig allgemein, theils am gewöhnlichsten, in vielen auch der erweislich.n Abstammung gemäßer. Von den §. 4?. Die Doppellaute äu und eu sind in der Dopxcllau- Aussprache nicht unterschieden, daher die nächste Äbten au und stammung, und wo diese nicht hinreicht, der allgemein ne Gebrauch die jedesmahlige Schreibart bestimmen muss',,. Äu wird geschrieben, wenn das erweisliche nächste Stammwort au hat: folglich bauchen, düuchren, HLucheln, läugnen, Anäuel, schlau- dern, das Activum von dem Neutro schlaudern, Säule 2. Kap. Einzeker Buchstaben. §.43.44. 765 Säule u. s. f. Hingegen Beute, Leumund, H icuchelmörder, schmeicheln, Arciscl von Nreis und nicht von kraus, u. s. f. Widerspricht die allgemeine Absprache der nächsten Abstammung, so ist dieses ein Beweis, daß sie vergessen und unbrauchbar ist, daher darf sie auch nichts andern; folglich ereignen, wenn es gleich von augan, sehen und sichtbar seyn, abstammet. Da aber das ä und tiefe e sehr häufig für einander stehen, so ist auch das eu noch in manchen üblich, wo die Abstammung ein äu erforderte, z.B. Heu von hauen, Aeule von dem Niederdeutschen kaul; gleichfalls ein Beweis, daß die nächste Abstammung hier vergessen, und veraltet ist, daher man sie ohne Nutzen wieder erneuern würde, weil die allgemeine Verständlichkeit nichts dabey gewinnen kann. §. 44. In Ansehung der Hauptlaute kommt es Von den vornehmlich auf eine gute und richtige Aussprache Consonäns an, welche die weichen, scharfen und harten Conso-^" nanten einer und eben derselben Art gehörig unter- ^' scheiden lehret. In Ansehung des b und p, und d .ind c klebet den Obersachsen noch von der ältern Oberdeutschen Mundart her, eine Neigung zur Verwechselung derselben an, welche aber auf die Schrift keinen Einfluß hat, es müßte denn in den des Schrei-- ^ bens ungewohnten untern Classen seyn. Die Nie- dersichsen wissen, wenn sie Hochdeutsch sprechen und schreiben, wegen der mehrern Feinheit und Biegsamkeit ihrer. Sprachwerkzeuge diese Consonanten sehr gut zu unterscheiden. Hingegen verwechseln sie desto häusiger das ch, g, j und k, in deren richtigen Unterscheidung die Aussprache der Oberfachsen in den obern Classen einen großen Vorzug vor allen übrigen mir bekannten Provinzen hat, indem man daselbst diese Confonanten nie leicht verwechseln wird. Da ^ s ' 766 2.TH. Von der Orthographie, Da ein weicher ConsonanS am Ende eines Wor- teö nicht anders als hart ausgesprochen werden kann, ob, Grab, Tod, Rad nicht anders als ap, Grap, Tor, Rat, so hüte man sich, da einen harten zu schreiben, wo ein weicher stehen muß. Ist das Wort beugsam, so zeiget die Verlängerung den wahren Consonanten, weil er hier wieder weich lautet. So erhellet aus Grabes, Gräber, daß man auch im Nominative Grab schreiben müsse. Ist das Wort unbiegsam, wie ab, ob, oder stehet der Buchstabe in der Mitte eines Wortes, so zeiget die nächste Abstammung, und wo diese fehlet, der allgemeine Gebrauch die richtige Schreibart; die nächste Abstammung in löblich, leblos, Grobheit, Erbschaft, bildlich, Bttndniß, Händchen; der allgemeine Gebrauch in jLrbse, Herbst, Gbst, Rrebs u. s. f. Da entfernte Ableitungen nur in zweiffelhaften Fällen entscheiden können, so müssen sie auch in Ansehung der weichen und harten Buchstaben nachstehen, so bald eine oder die anders Aussprache im Hochdeutschen allgemein ist. So schreibt und spricht man Aprikose, Haupt, Pudel, Pilz, pökeln, pöller, preyel, puy, purzen u. s. f. wenn gleich die Abstammung oder Verwandtschaft ein b zeigen sollte. S. was von dem b in dem ersten Theil des L.ebrgeb. §> 22. 2z. gesaget worden. Von dem §. 45. Eben daselbst ist §. 24. von dem dreyfa- c, e und z. Gebrauche des c das nöthige gesagt worden, welches hier nicht erst wiederhohlet werden darf. Man nehme dazu, was in dem vorigen ersten Kapitel §. 14 f. von der Art die fremden Wörter zu schreiben gesagt worden, so werden wenig Zweiffei in Ansehung des c und k mehr übrig bleiben. In eigentlich 2. Kap. Elnzeler Buchstaben. §. 45.46. 767 eigentlich Deutschen Wörtern, und solchen, welche bereits das Bürgerrecht erhalten haben, ist das c schon längst mir dem k und 5, nach dem es die Aussprache erfordert, vertauschet worden, (das ch, cö und einige eigene Nahmen ausgenommen:) Kaiser, Ränzel, Rloster, Bakel, Rammer, Rreurz, Rüster, Riste, Reller, Rrone, Rörper, Rer- ker, Ranienchen, Zins, Zöezirr', zingeln, Zentner, Zinnober, Zimmer, Zirkel, Ziffer, Spe- zerey, welches desto mchr zu billigen ist, da manche dieser Wörter, w- lch? man wohl ehe für fremd gehalten, wahren Deutschen Ursprunges sind, und nur als Seilenverwandte der gleichlautenden Lateinischen Wörter betrachtet werden können. Indessen kann «6 in manchen einzelen Fällen zweisselhast seyn, ob «in wirklich aus einkr fremden Sprache entlehntes Wort bereits das Bürgerrecht erhalten hat oder nicht, zumahl wenn der Ton eine im Deutschen ungewöhnliche Stellung hat: Aalender, Rapelle, Racheder, Ransne, Rrcarur, Rafiller, die Zenr, Zirrher, Prozeß u. s. f. Hier ist es gleichgültig, für welche Schreibart man sich erkläret, ob ich gleich solche Wörter lieber andern Deutschen Wörtern gemäß mit einem t und z schreiben werde. Nur in völlig fremden Wörtem, welche ihre ganze ausländische Gestalt, eine oder die andere Abkürzung allenfalls auegenommen, behalten, behält man auch ihre eigentliche Schreibart billig bey. S. §. 14 f. wo auch von den Griechischen und morgenländischen Wörtern das nöthige gesagt worden. §.46. G, ch, j und k werden in der guten Von Hochdeutschen Aussprache sehr genau unterschieden, H/i das I und ch am Ende, und die wenigen Fälle ausgenommen , wo ch und I wie t lauten. S. Lehrgebäude Th. i. §. 26. zi. Z2. Ein Hochdeutscher wir!» 768 2. Th. Von der Orthographie. wird daher auch nicht in Gefahr gerathen, Iott ober Aorr für Gorr, jm oder kutt für gut, Rlocke für Glocke zu schreiben, weil er nicht so spricht, und die Provinzialen müssen die wahre Hochdeutschs Aussprache au6 gut geschriebenen Hochdeutschen Büchern erlernen. Ich bemerke daher nur noch folgendes: 1. Da I und ch am Ende einer Sylbe gleichlautend sind, so lassen sich die Ableitungssilben iz und lich nicht durch die bloße Aussprache unterscheiden, sondern die iehre von der Bildung der Wörter muß alle vorkommende Zweiffel entscheiden. Siehs Lehrgeb. Th. 2. §. 478; wo unter andern gczeiget worden, daß man adelig, untadelig, kitzelig, ncs delig u. s. f. schreiben müsse. 2. Die Ableitungssylben icht lind licht müssen nie igc und ligc geschrieben werden. S. Lehrgebäude Th.i. §.!?? und 478. z. Die Verkleinerungssylbe chen darf nie gen geschrieben werden, weil die gute Hochdeutsche Aussprache ch und g zu Anfange einer Sylbe genau unterscheidet. S. Th.i. §.iz6. 4. Die Fälle, wo das ch am Anfange der Wörter wie k lautet, sind Th.i. §.26. gleichfalls schon angeführet worden. 5. Da in Jagd, das a im Hochdeutschen gedehnt lautet, so ist auch das g sehr merklich. Die Holländer sprechen das a geschärft aus, und müssen daher auch Jacht schreiben. Jagd, venstio, und Jacht ein schnelles Schiff, durch die Schrift zu unterscheiden, wäre darum ungegründet, weil beydes nur verschiedene Bedeutungen eines und sben desselben Wortes sind; allein so fern man Jacht ols ein Niederdeutsches Kunstwort betrachtet, und das a mit 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.47.48. 769 mit den Niederdeutschen in demselben schärfet, Jacht, so läßt sich auch diese Schreibart vertheidigen. S. Th. 1. §. ^9. In Achat, welches oft irrig Agac geschrieben wird, vereinigen sich die Aussprache mit der Abstammung für das ch. §. 47. Wo ch, r, gs oder cks zu schreiben ist, Vsn dem muß der Gebrauch, in Ansehung der beyden letzrern chs, x, gs aber die Abstammung lehren. Das ci) bekommen, ""^ Achse, Achsel, Büchse, Dachs, Deichsel, Drechseln, Flachs, F-echse, oder richtiger Flächst, Fuchs, Luchs, Lachs, Ochse, Sachsen, sechs, d'c>achs, wachsen, Wechsel. Das x, Axr, Duxbaum, Eidexe, Hexe, I^ux, fix, und die fremden Gxhosi, Tax oder Taxus, Taxe, Exempel, Fixstern, laxieren u. s. f. Ein gs erfordern flugs von Flug und stiegen, und die niedrigen belugsen und ablugsi'n, von dem Oberdeutschen lugen, schen. Das cd's stehet, wenn vermittelst der Abieitungslaute lind Sylben, s, scl und scn, Wörter von Smmmwörtern, die sich auf ein ck endigen, abgeleitet werden: gacks, stracks, Häcksel von hacken, gacksen, glucksen, mucksen, schlucki- sen u. s. f. §. 48. Das dt findet eigentlich nur dann Statt, Von dem wenn eö ans der, zusammen gezogen ist, beredt für dr. beredet, (aber beredjam und Beredsamkeit können auch unmitteibar von bereden abstammen,) gesandt, bewan.dr, Dewandtniß, verwandt, encwandc, befreundr, besser befreundet, rode von dem veralteten Verbo roden, sterben, gescheidc von scheiden in unterscheiden. Hingegen haben Gchwerr, Dror, (nicbtDrod,) Ärnre, u. f. f. kein Rtcht auf das dt. Stadt, urb», ist das eini, ge, waches noch mit dc gefchrieben wird, ohneZweif- Adel.D.Spr.H.D. Ccc fts 77v s.TH. Vsn der Orthographie. fel eS von Statt, locus, zu unterscheiden, obgleich beyde eines Stammes sind. Da hier der Unterschied der Schreibart so allgemein ist, so hat er seinen Ursprung wohl nicht dem Gutbefinden einer oder der andern Person zu verdanken, sondern die Nation muß dunkel gefühlet haben, daß beyde Wörter zum Nachtheil des wahren Verstandes häufiger verwech- selt werden können, als andere. Won dem §. 49. Von der Verdoppelung des f nach gs- f und v. schärften Doppellauten ist bereits in dem vorigen gehandelt, und zugleich bemerkt worden, daß es gut seyn würde, das f nach solchen Doppellauten gleich« falls zu verdoppeln, so wie man es nach andern geschärften Vocalen verdoppelt, folglich schleiffett, pfeijfen, reiffeu u. s. f. zu schreiben. Das f und v sind in der Aussprache nicht ver- schieden, und wechseln daher in Wörtern eines Stammes mit einander ab, vor, vorder, für und fördern, voll und füllen, Volk und folgen. Dah/r nur der Gebrauch lehren kann, wo eines oder das andere geschrieben werden muß. Fest, Fehde, Festung, Fließ, Fell, Firnis), werden jeht durchgängig mit einem f geschrieben; dagegen Vorwerk, (nicht Fuhrwerk,) und die größten Theils veralteten Titelwörter vest und ehrenvest noch das v haben. Daß man fremden Wörtern billig ihr ursprüngliches v lässet, erhellet aus dem vorigen. Folglich Vocal, Sclave, activ, passiv, naiv und so ferner. Von dem?, §.50. Da die gute Hochdeutsche Aussprache das ch, j und 'k. g, ch, j und k, die §. 46. bemerkten Fälle ausgenommen , sehr genau unterscheidet, so ist sie hinlänglich, die Schrift in diesem Stücke zu leiten. Wer aber nicht Gelegenheit hat, die erstere zu hören, muß sich aus 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.55.52. 771 aus richtig geschriebenen Hochdeutsche» Büchern zu belehren suchen. Der Hochdeutsche schreibt und spricht, gähnen, gähren, gäschen, Gäschr, Zischen , Gischt, gären, Glocke, gluchzen, Glucke, Gork, Griebs, das KerngehäuS in dem Ob- sie, Grapp, die Pflanze, Nieders. Ivcappe, gucken, Guckguck, Guarg, Välgenrreter, (nicht Balkenrrerer,) Dogge, ein Englischer Hund, flügge (von fliegen, nicht stücke,) N?errig, ilu- x-,, (nicht XVerk,) Rutsche, Markgraf, (nicht Marggraf,) Jagd, jähe, Jähzorn, (nicht Iachzorn oder Gähzorn.) Reiger für Reiher zu schreiben, gründet sich aus eine unrichtige Aussprache. §. 51. Von dem h als einem Dehnungszeichen Vondemh. ist bereits in dem vorigen das nöthige gesagt worden. Außerdem schreibt man es, wo die Aussprache und nächste Abstammung es erfordern: Habe, Hand, hoch, Hebräisch, Ehe, leihen, drohen, Drohworre, Schlehe, Schlehdorn, Floh, es geschiehet, Hanseestadt; aber Elfenbein und Ungarn, nicht aber Helfendem und Hungarn, weil man im Hochdeutschen nicht mehr so spricht. §. 52. Da von dem k sowohl in fremden Wör- Vondemk. tern, als in Ansehung der möglichen Verwechselung mit dem I bereits im vorigen hinlänglich gehandelt worden, so will ich hier noch die Warnung wiederhohlen, das? man sich hüte, diesen Buchstab nach einem geschärftttt Vocale einfach zu schreiben, oder nach einem gedehnten zu verdoppeln. Folglich: Ekel, Häken, blöken, sie büken, Gleke u. s. f. aber Acke, Hacke, locken, backen, lecken. Statt des verdoppelten kk ist seit undenklichen Zeiten ck eingeführet, und aus sehr guten Gründen. Ccc 2 Das 772 2. Th. Von der Orthographie. Das k war in den ehemahligen Schriftarten der schwerste Buchstab für den Schreibenden und ist es zum Theil noch. Uberdieß ist e6 wegen feines krausen Kopfes eben nicht der zierlichste und angenehmste. Das empfand man fchon vor mehrern Iahrhunde» ten dunkel, und nahm daher für r'k das an, sowohl zur Erleichterung der Hand, als des Auges. Und in den neuern Zeiten, wo Geschmack und feine Empfindung weit höher gestiegen sind, können sich noch Schreibende finden, welche diefe Unbequemlichkeit nicht fühlen, und das langst verworfene oder vielmehr nie aufgenommene kk wieder hervor suchen, um doch auch etwas Neues erfunden zu haben. Von dem §. 5z. Das pf ist ein durch das p verstärkter pf- Blasilaur, und beyde werden in der Aussprache deut, lich genug gehöret, daher das erstere nicht weggelassen werden darf: Pferd, Pfand, Pfahl, klopfen, Schöpfer, V.opf, pfropfen, Pflaume. Hingegen wird es überfiüßig und fehlerhaft, wo die gute Hochdeutsche Aussprache es nicht erfordert, wie in Pacht, Flaumfeder, Finne, welche nicht pfachr, Pflaumfeder, pfinne geschrieben werden dürfen. «o» dem §. 54. Das pH ist kein eigentlich Deutsche» pH. Schriftzeichen, weil es nur in fremden Wörtern, und manchen nach dem Lateinischen geformten eigenen Nahmen vorkommt, da es denn wie ein f lautet: Rampher, Zütphen, N?efrphalen, Gst- phahlen, Rudolph, Adolph, Philosophie, Phantom. In solchen Wörtern, welche bereits das Bürgerrecht erhalten haben, vertauscht man es gerne mit dem f, z. B. Fasan. Wer Fanrafl, Fantasie-, Fafeole oder Faftle, oder noch besser, um den gedehnten Ton der mittlern Sylbe nicht zu verkennen, Fasehle, fstr eingebürgerte Fremdlings hält, 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.55-57. 77z hält, kann sie immer so schreiben, ob sich gleich noch vieles wider ihr Bürgerrecht einwenden lässet, sollte es auch nur.die fremde Stellung deö Toncö seyn. §. 55. Daß qu sü'r kw stehet, ist bereits in dein Von dem ersten Theile des Lehrgebäudes gezeiget worden. Da q»> indessen Hl! seit dem ersten Ansauge des Schreibens im Deutschen eingeführet worden, und daher so allgemein und verständlich ist, als nur irgend etwas in der Sprache seyn kann, so ist nicht abzusehen, was niit einer Veränderung gewonnen werden könnte. Das u mit dem v zu vertauschen, winde eine falsche Aussprache geben. §. 56. Wenn dasjenige, was in dem ersten Thei- Von den le des L.chrn.cb. §. 40 f. von dem dreyfachen Sause- SMselau- laute und dem vierfachen Zeichen desselben gesagt ^n. worden, gehörig erwogen wird, fo bleibt hier wenig mehr davon zu erinnern übrig. Das s stehet alle, mahl zu Anfange und in der Mitte einer Sylbe, s aber am Ende: suchen, Rose, weislich, bös- lich. Das erstere wird auch beybehalten, wenn ein e verschlungen wird, welches aber alsdann allemahl durch den Apostroph bezeichnet werden muß: aufgeblasener, verwais't, weis' und gütig; obgleich diese Verbeissung nur den Dichtern über- sehen werden kann. Wenn die Ableitung die Wegwerfung deö e erfordert, so ist der Apostroph, uni> folglich auch das lange s unnöthig, weil der Sauselaut hier wieder an das Ende der Sylbe zu stehen kommt, und zugleich einen geschärften Laut annimmt, böslich, weislich, Röschen, als wenn es boß- lich , weißlich, Roßchen geschrieben wäre, von böse, weise und Rose. §.57. Nicht leicht werden Buchstaben in allen Fort- Deutschen Provinzen so sehr mit einander verwech- sthung. Ccc z selt, 774 2.TH. Von der Orthographie. seit, als das s, ß und ff. Qhne Zwsiffel liegt der Fehler entweder in einer irrigen Aussprache, oder auch in einem harten und mangelhaften Gehöre, wel- ches nicht fein genug ist, den dreyfachen Unterschied zu bemerken und ihn mit den gehörigen Zeichen anzudeuten. Das s ist der weiche oder gelinde Sause- laut, welcher allemahl nach einem gedehnten Hülfslaute stehet: preisen, reisen, die Greise, die Äser, des Eises, die Rose, die Rreise, speisen, lose, Vesen, lesen, leise, die XVeisen, die 17?a- se, Blase, rasen, Drüsen, Fliesen, die Musen. Das ß stehet, wenn der Sauselaut nach einem gedehnten Hülfslaute geschärft lautet: groß, die Größen, die Größe, vergrößern, die Büße, süß, die süßen, versüßen, die Muße, otium, derSchösß, die Schöße, bloß, entbloßen, der Fuß, die Füße, fließen, schießen, des Maßes, sich anmäßen, verdrießen, sie äßen, saßen, fräßen, u. f. f. Das ssist das verdoppelte j) vder vielmehr das verdoppelte ß, welches nur nach geschärften Hiufs- und Doppellauten ausgesprochen werden kann: lassen, fressen, passen, messen, wissen, müssen, Meisten, beissen, reissen, des Fleisses, sich defleisslgen, das Aussen, des Reisses, or^se, die heissen Tage, der weisse Schnee, die Russen. In einigen wenigen Fällen ist die Aussprache schwankend, besonders i» größer lind vergrößern, welche oft auch mit einem geschärften ö gesprochen werden, und alsdann ein ss erfordern würden. Allein im Hochdeutschen har der gedehnte Ton, der auch der Analogie gemäßer ist, den Vorzug. In außer, äußern, Preußen, und einigen andern kann es ungewiß scheinen, ob in dem vorher gehenden Doppellaute die Dehnung oder die Schürfung mert- ».Kap. ElnzelerBuchstaben. §^57.58. 775 merklicher ist, obgleich auch hier das ß den Vorzug zu verdienen scheinet. Doshaft und Ooshcic müs- sen bittig doßhasr und Voßheit geschrieben werden, weil das 0 gedehnt, und der Sauselaut geschärft lauten, sie auch nicht zunächst von böse, sondern von sich erbößen herstammen. Daß das s am Ende der Sylbe sowohl den gelinden als geschärften Sauselaut,, wenn dieser aus jenen? entstanden ist, oder in der Biegung in jenen übergehet, das Eis, des Eises, der preis, . preisen, und das ß das gedoppelte s am Ende der Sylbe vertritt, daß, Schloß, Schlosser, ist bereits in dem ersten Theile erinnert worden. Da das s vor einem ausgesioßenen e dennoch seine lange Figur behält, so sollte man auch billig verlassener, er iss'r für issec schreiben. Allein, hier ist das ß gebräuchlicher, verlaßner, ißt. Aber statt des ßr ein bloßesst zu gebrauchen, er läjr, stöst, ist, ist ein wahrer Fehler. §. 58. Daß das sch aus guten Gründen nie ver- Von dem doppelt wird, wenn gleich der vorher gehende Vocal ^ geschärft lautet, waschen, die raschen Pferde, ist bereits in dem vorigen bemerket worden. In den aus dem Französischen entlehnten frem» den Wörtern, welche bereits das Bürgerrecht erhalten haben, vertauscht man das ch billig mit dem gleich lautenden sch: Laschine, Maschine, Schalotte, Schaluppe, Marschall, kuschen, Marsch, marschieren, Tusche, und wenn man will, auch Mische, oder noch richtiger, um die Dehnung nicht zu verkennen, l^iesche. In andern behält man das ch mit eben dem Rechte bey, zumahl wenn sie auch in andern Stücken ihre fremde G stall behalten müssen: Chagrin, Chaise, Charlacan, Cheva- ' Lec 4 lier, 7?6 2. Th. Von der Orthographie. licr, Lhicane, Chimäre, Genie u. s f. Sie um des ganz unwissenden qroszen Haufens willen SAa- gräng u. s. f zu schreiben, wäre sehr unnöchig. Für ihn sind dergleichen Wörter nichr, und sie bleiben ihm immer unverständlich., man mag sie ihm schrei» ben, wie man will. V»n dem K §. 59. Das t darf nach einem gedehnten Hülfs- laute so wenig verdoppelt werden, als ein anderer Consonant, folglich nicht Vrerr, sondern Vrer, weil jeder Hochdeutscher Brer, des Vrcres, die Vre- ter spricht. Wenn das r vor einem i in fremden Wörtern wie ein z lautet, so behält man es billig bey, weil der, welcher das Worc verstehet, die säuselnde Aussprache des ti in solchen Fällen ohnehin schon aus dem Lateinischen und Französischen weiß, bey andern aber die Verständlichkeit nichts gewinnet, w?nn ihnen gleich die Aussprache erleichtert wird. Wenn aber ein solches säuselndes r ein Wort oder eine Sylbe schließe, so ist kein anderes Mittel, die Aussprache zu bezeichnen, als es in ein z zu verwandeln : Iusii;- CcAegium , Intelligenz - Coin- toir, Lllalcfiz. Doch davon ist das uöchige schon im vorigen gesagt worden. Von dem §. 6o. Das rl) ist einer von denjenigen Buch- th> staden, welche in den ältern und neuern Zeiten am häusigsten angefochten worden, weil dessen Nutzen nicht auf den ersten Blick einleuchtet, und das !) an demselben sehr überflüssig zu seyn scheinet, weil th jetzt nicht anders als r lautet. Da die Franken ursprünglich ein Niederdeutsches Volk, und mit den Angelsachsen sihr nahe verwandt waren, so ist es auch sehr wahrscheinlich, daß sie außer dem d und t noch ein gezischtcs oder säuselndes t hatten , welches dem ö der Griechen »iahe kam, und als 2. Kap. Einzclcr Buchstabe«. §. 6c>. 777 als ein Mittellaut zwischen dem d und s auSgespro- che» ward. Diesen Laut bezeichneten nun die ältesten Franken, als sie in Gallien die Römischen Schriftlichen annahmen, mit rli, so wie die Römer d^s Gu.chische g auf eben dieselbe Art ausdruckten, und die heurigen Englander, welche diefcn Laut noch haben, bezeichnen ihn gleichfalls mit t!>. So wie sich nachmahls die Franken unter den Oberdeutschen verloren, so daß auch ihre Mundart fast völlig Ober« deutsch ward, so verlor sich auch die säuselnde Aussprache dnö rh, und ging völlig in ein t über. Und in so ferne wäre uns das rl) jeht überflüssig, und wir könnten es immer mit dem r vertauschen, weil es doch einmahl nicht anders aussprochen wird. Da der gesunde Menschenverstand, selbst wenn er nach dunkeln Empfindungen der Absicht und Mitte! hand elt, wie er denn in Sprachen nichts anders handeln kann, sich keinen unnützen Überfluß zu Schulden kommen läßt: so hat die Nation dieses Zeichen auch gewiß nicht aus einer blinden Gewohnheit beybehalten, sondern sie muß triftige Ursachen gehabt haben, warum sie das rh in manchen Fällen noch immer, und zwar auf eine sehr übereinstimmige und allgemeine Art schrieb, obgleich die wahre Aussprache seit tausend und mehr Iahren verloren und Vergessen war. Da das rh wirklich nur allein vor oder nach gedehnten Hulsslauten gebraucht wird, so scheinet es, daß man das h in demselben sehr frühe als ein Dehnungszeichen gebraucht, und dann würde es das äl» tiste Dehnungszeichen seyn, welches wir haben. Freylich wird sonst die Dehnung nur nach dem Vocal, nicht aber vor demselben bezeichnet; allein da man keine einige Regel oder Analogie hat, welche ohne Ausnahme wäre, d.i. welche nicht in manchen strei- Ccc 5 tigm 778 2. Th. Von der Orthographie. tigen Fällen einer andern klärer empfundenen Anals- gie weichen müßre, so kann es nicht befremden, das; solches auch hier geschehen ist. Ohne Zweiffel fand das alte th, es mag nun säuselnd oder hauchend seyn ausgesprochen worden, nur vor und nach gedehnten Hülfölauten Statt. Da die Aussprache desselben nur nach und nach , folglich nach sehr unmerklichen Graden verloren ging, so blieb d.iS th in der Schrift, und als endlich die Aussprache völlig vergessen war, so war doch das th noch immer ein Zeichen der Dehnung, und ward als ein solches beybehalten. Selbst die neuere Hochdeutschs Mundarr behielt es bey, als sie sich im sechzehnten und dem folgenden Jahrhunderts auszubilden, und dadurch zugleich den Grund z» der h-uligen Orthographie zu legen anfing, ver. muthlich als ein bequemes Mittel, die richtige Aus« spräche mancher Provinzen zu leiten. Es kommt noch dazu, dzß das t, wenn es vor oder nach einem gedehnten Hüifslaute stehet, wirklich gelinder ausgesprochen werden muß, als vor oder nach einem geschärften. Thal, Theil, Muth, lauten doch wirklich gelinder als Tand, ranzen, har; obgleich nicht so gelinde, als der, Dieb, doch. Ohne Zweiffel empfand man auch das, und dieß war denn ein Grund mehr, das th beyzuhalten. Freylich wird das th nicht vor oder nach allen gedehnten Hülsslauten geschrieben. Man schreibt Tadel, Tafel, Tag, Tod, Tuch, Tugend, Gut, Blut u. s. f. Allein der Fälle sind in Vergleichung mit den übrigen in der That mir wenige, und diesen kommt denn das zu Statten, was von den Deh» nungszeichen überhaupt gesagt worden. Wo die Provinzal-Aussprache keine Leitung bedürfte, da ließ man sie weg. Da 2.Kap. Einzeler Buchstaben. §.6o.6r. 779 Da das th einmahl als ein Zeichen des t vor oder nach einem gedehnten Hülfslaute bekannt war, so ward es in manchen Fällen mit dem in der nächsten Abstammung gegründeten h verwechselt, und dem t angehänget, da es doch demselben billig vorstehen sollte. Drath, V7arh, Farch, für Drahr, ZTlath, Fahrt von drehen, nähen, fahren. In solchen Fällen, deren doch mir wenige sind, bleibt e6 »mverwehrt, es wieder an seine gehörige Stelle zu setzen, weil die Änderung unbedsuteud'ist, und dlirch Bezeichnung der nächsten Abstammung die Verständlichkeit befördert. Aber um deswillen mit Mos- henn und einigen Neuern, das h überall von dem r zu reisscn, eö unmittelbar an den gedehnten Vocal zu hängen, auch wo die nächste Abstammung es nicht erfordert, und ^7oht, rahten, Tahl, lVehrr, ruhn, Tiehr, Ttthrm, n. s. f. zu schreiben, heißt die Sache zur Ungebühr übertreiben, und Neuerun« gen ohne Noth und Nutzen wagen. Gottsched glaubte, das th siehe nur in solchen Wörtern, wo die Niederdeutschen ein d haben, und gründete darauf die Regel, daß man es in allen den Fällen im Hochdeutschen schreiben müsse, wenn es im Niederdeutschen das d ausdruckt. Allein das widevlegt sich durch den ersten Anblick, weil das Hoch- nnd Oberdeutsche r im Niederdeutschen eben so oft durch d ausgedruckt wird, als das th. Man müßte alsdann Thoth, Thag, Thing, rhapftr u. s. f. schreiben, weil die Niederdeutschen Dod, D«g, Ding, dapper schreiben und sprechen. 61. Man siehet aus dem bisherigen wohl, daß Henriger man keine Regeln erwarten dürfe, wo ein th zu Krauch schreiben ist, oder nicht, eben so wenig, als man die desselben. Fälle, wo die Dehnung durch h oder auf andere Art bezeich- 78o s.TH. Von der Orthographie. bezeichnet wird, durch Regeln bestimmen kann. Es kommt hier bloß auf den Aebrauch an, und der in Ansehung des tl) so einstimmig, als er nur in irgend einem Theile der Sprache seim könn. Das th stehet sowohl am Anfange der Wörter, als in der Mitte, und am Ende, allemahl oder doch dem allergrößten Theile nach, vor oder nach gedehnten Hülfslauten. Am Anfange vor gedehnten Hiüfölauten, in Thal, Thaler, That, Thau, r<>5, (aber Tau, das starke S^il,) Tbcer, theidigen, Theil, theuer, Thier, Thon, arM-,, (aber Ton, rom,-,,) das und der Thor, Thran, Thräne, Thron, thun, Thunfisch, der Ableitungssylbe thum, Thür und Thurm, worunter das letzte das einige ist, welches das rh vor einem geschärften Hülsslaute hat, vermuthlich als ei» Überbleibsel der Oberdeutschen Mundart / welche gedehnt Thürn spricht. Ingleichen in fremden Wörtern, wenn sie das th anö ihrer Sprache mitbringen, wie Thee, Theater, Theologie, Theorbe, Theorie, Theriak, Thomas, Thymian u.s. f. Am Ende der Wörter, in den Ableitungssylben «th und urh, daher Armuch, Zierach, Heurath u. s. f. ferner in Fluch, Gemüth, Roch, Loch, Monath, Müth, Noch, Rath, roch, Unflach, ^Vermuth, werth, NArrh, (ob gleich das igeschärft ist, vermuthlich auch als ein Überbleibsel der Oberdeutschen gedehnten Aussprache, lVirrh,) N)uch. In der Mitte, in Athem, Blüthe, Rarthau- ne, gerathen, miethen, Parhe, Ruche, wüthen u. s. f. ' Fort- §. 62. In einigen ist der Gebrauch schwankend, s-tzmiz. wie in bethen, Gebeth, biethen, gebiethen, Gebieth, Geboth, L>0the, ob gleich das ch hier am üblich- 2. Kap. Einzeler Buchstaben. §.62.65. 78- üblichsten ist. Geburt ist ohne h fast allgemein. Alphabet und Abenteuer werden gleichfalls am häufigsten mit einem bloßen r geschrieben; will man aber die Dehnung des e in dem erstern nicht übersehen lassen, zumahl da e6 schon halb als ein Deutscher Bürger angesehen werden kann, so müßte man Alphaberh schreiben. Da das rh seinem heutigen Gebrauche nach ein Zeichen eines gedehnten HüifslauteS ist, so dsrf die Dehnung eben derselben Sylbe nicht noch einmahl bezeichnet werden. C'6 würde daher fehlerhaft seyn, wenn man thuun oder lhuhn, Thrahn oder Thraan, Thaal oder Thahl schreiben wollte. §. 6z. Aus der Lehre von der Bildung der Wör- Von dem«, ter erhellet, daß das rz nichts weniger als ein verdoppeltes z ist, sondern daß es allemahl durch die Ableitung entstehet, wenn sich das Wurzelwort mit einem r endiget, und der Ableitungslaut entweder s ist oder sich doch mit einem s ansänget, da denn das letz, tere nach dem harten t gern in das eben so harte ; übergehet: reichen, Schar-z, Dlir-z, platzen, sec-zen u. s. f. für reir-sen, Schar-s, Vlir-s, plar-sen, ser-sen. Es verräth also sehr wenig gründliche Sprachkenntniß, wenn man daö c hier für überflüssig hält, und sezen oder sezzen, plas zcn oder plazzen, blizen oder blizzsn, Gchaz u. s. f. schreiben will, indem die letzten Formen der nächsten Abstammung zuwider sind, die ersten aber noch überdies; die Aussprache verletzen, weil SU)az, Bliz, sezen, plazen, nicht anders als gedehnr> Schäz, Bl,Z, sezen, pläzen, gesprochen werden können. «H ^!'>>!>!^>^H zH^ H^77? 'H» Drittes 782 2. Th. Von der Orthographie. «- » ^ ^.^^ll.^" Drittes Kapitel. Von der Theilung der Sylben. Inhalt. Theilung zusammen gesetzter Vvn zusammen gesetzten Vuch- und dm'ch Vorsplben abgc- srabn?, §. 6?j. leitcter Wörter, Z. 64. Von dem auvgestoßenen e, Theilung durch Nachsylben ab- Z. 6y. geleiteter und gebogener Theilung mehrerer Consonan- Wörter, 8- 65. 66. ten, Z> 70. Won zusammen gezogenen Theilung sremder Wörter, Buchstaben, S. 67. - §.71. §. 64. Theilung ^^ie Aussprache, überhaupt das erste und höchste zssammen Gesetz der Schrist, ist es auch für die Thei- gesetzter jung der Wörter und Sylben, und diese folgt wie- Wörter, h^, der nächsten Bildung des Wortes, nicht aber der entferntem. Zur nächsten Bildung gehören die zusammen ges?hten und mit Vorsylbsn abgeleiteten Wörter, welche gewisser Maßen auch als zusammen gesetzt angesehen werden können, und daher so ausgesprochen und getheilet werden, wie sie zusammen gefttzet sind: da-mahls, nun-mehr, das-selbe, Ard-recht, Haus-rath, verpachten, be-stehen, ge-rinnen, ;cr-fließen, enr-springen, er-v?^chen. em-pfinder>, em-pfehlen, weil das p nicht sowohl zur Vorsvlbe gehöret, als vielmehr zur Verstärkung des f dienet, daher es auch in der Aussprache unmittelbar mit dem f, nicht aber mit dem m verbunden wird. Da die möglichst leichte Verständlichkeit erfordert, diejenigen Laute, welche einen vollständigen Begriff ausdrucken, beysammen Z.Kap. Theilung der Wörter. §.65. 783 stimmen zu lassen, und in den zusammen g?sehten und vermittelst der Vorsylben abgelöteten Wörtern dieser Begriff einem jeden Schreibenden einleuchtet, oder doch einleuchten kann: so folget die Aussprache hier der Zusammensetzung, und es ist Pflicht für die Schrift, ihr nachzuahmen. ' §. 65. Nicht ganz so in Ansehung der durch Der durch Nachsylben abgeleiteten Wörter. Diese sind von RachsWen gedoppcltcr Art; sie fangen sich entw der mit einem abgelette- Consonanten an, wie dar, chen, de und re, haft, heit, kcit, lein, ley, lich, ling, niß, fal, fam, ^mr. fchafc, rhum, und au den Zahlwörtern zig und ßirs; oder mit einem Vocale, wie ich, e, ey, ig, ichr, ing, unI, el, en und cm, er, es, iv, isct), arh, uch. In Ansehung dieser beyder"Arten von Ableitungssylben folget die Aussprache dem Baue d.-s Wortes verbunden mit dem Wohlklange. Es bleiben daher alle mit einem Consoncmten sich ansaugende Ableitungssylben, dergleichen die von der ersten Art sind, in der Theilung beysammen, das Wur- zelwort mag sich endigen, wie es will: frucht--bar> fühl < bar, dllann - eben, Freu - de, Gclüb < de, Gün-de, Gnakeit, S»hn-!ein, Neuling, Geheim-niß, Scheu-fal, Räch-sel, müh--fam, Graf-schaft, Atter-chum, zrvan-- ;ig, drey-ßig u.s.f. Hingegen bekommen die mit einer?, Vocals anfangenden Ableitungssylben in der Aussprache den letzten Consonanten des Wurzelworteö, und die Schrift folget ihr nach, da sie verbunden ist, die Auöspra- . che zu bezeichnen, so lange sie kann. Jedermann- ^ spricht Aöni?ginn, Bürge-rinn, Tände-lcy, L.iey der letzten Sylbe, rvack-er oder rva- cker, kost--en oder totsten. Beyde fehlen wider die Aussprache, die sie wirklich theilet, daher auch die Schrift sie theilen sollte. Bey dem ck findet sich nur die Schwierigkeit, daß das c keine Sylbe schließen kann, daher man es durch ein L ersetzen müßte, rvak-ter. Das st aber laßt sich bequem theilen, kos-ren, oder weil kein langes seine Sylbe schließt, kos - ren. Da in dem ff, js und y die Zusam. menji.hung nur schwach ist, so lassen sie sich auch sehr bequem theilen, N>af-fen, las-sen, het-zen. Schär.-ze. §. 68. Da ein einfacher Laut sich nicht theilen läßt, so müssen auch zusammen gesetzte Zeichen eines einsacken Lautes jederzeit zusammen bleiben, folglich ch, pH, sch, ß und rh: Spra-che, pro-phec, sie dra - sehen, fto -- ßen, zumu - rhen. Da ch und sch nach geschärften Hüifslauten zur Schonung des Auges nie verdoppelt geschrieben werden, so können sie auch in der Theilung nur einfach geschrieben werden, wenn sie gleich doppelt lauten: ma-chen, Adel.ZV.Spr. U.V. Ddd N6L Von den zusammen gezogenen Buchstaben. Von zusam? men gesetzte» Buch- stab»n.. ?7 786 s. Th. Von der Orthogr. z. Kap. :c. na-schen, oder in diesem Falle vielleicht richtiger, machten, nasch-en, weil sich der Consonaut das zweyte Mahl leichter ersetzen und hinzu denken läßt, alö das erste Mahl. Von dem H. 69. Kommen zwey Hauplaute durch ein au6- «usgestoße-gestoßenes e zusammen, so folget man wieder der ^ Aussprache, die sich hier n<-ch dem Wohlklange be. stimmet, und bald beyde Hauptlaute zur solgmden Sylbe zieht, ei-friI, tl-drig, hei^srer, besser heis'-rer; bald sie aber auch theilet, kuglich, üb - ler. Theilung H. -^O. Wenn sich die Ableitungssylbe mit einem mehrerer Konsonanten anfangt, so folgen, wie schon im vori. Conjona - ^merket worden, Aussprache und Schrift dem Baue des Wortes: fterd-llch, Dirz-thum, Des rvandr-niß, Derderdüniß. Gehören aber die Consonanren sämmtlich zur Wurzel, so bestimmet sich die Aussprache nach dem Wohlklange, und ihr folget wieder die Schrift. Daher werden bald einer, bald auch zwey Consonantcn zur folgenden Sylbe gezogen : Aräm-pfe, sum-pftg , Herb,ste, Aürb - se, Erd - ftn. Theilung H. Da in fremden Wörtern die Aussprache fremder weniger dem Baue des Wortes folget und fol- ' gen kann, weil nur der allergeringste Theil der Schreibenden der fremden Sprachen fo weit kundig ist, als dazu erfordert wird, so theilet sie auch billig nach der Aussprache. Jedermann spricht van- gelium, pro-sodie. Warum sollte man denn Ev-anIelium, Pros-odie schreiben, da di? Verständlichkeit dabeo nichts gewinnen kann, wohl aber die allgemeine Aussprache verletzet wird? Viertes ij' ^ - ^^ - . '«LAx Hi«»»!- !- Viertes Kapitel. Von der Orthographie zusammen gesetzter Wörter. Inhalt. Welche Wörter als zusammen Wie die zusammen gesetzte» gesetzt zu schreiben sind, Wörter zu schreiben sind, §. 72. Z. 73. 74. §. 72. Ansehung der zusammen gesetzten Wörter W-s als zu. herrscht im Deutschen eine eben so große Ver- l""'""» ge° schiedenheit, als in irgendeinem Theile der Ortho-^h' ^ graphie, besonders unter solchen, welche aus Liebe zu Neuerungen die gewöhnliche und allgemeinere Art verlassen, oder weder Sprachkenntniß noch Geschmack genug besitzen, sich die Grundsätze, welchen die Nation bisher dunkel gefolget ist, ein wenig klar zu den- ken. Diese Verschiedenheit betrift denn sowohl diejenigen Wörter, welche als zusammen gesetzt zu schreiben sind, als auch wie wirkliche Zusammensetzungen geschrieben werden müssen. Was wahre Zusammensetzungen sind, wird aus dem vorigen §. ;?8. f. nunmehr wohl deutlich genug erhellen, daher ich es hier nicht wiederhohlen will« Sollten in einzelen Fallen ja noch Zweifel übrig bleiben, so würde solches ein Beweis seyn, daß der Begriff der Zusammensetzung in denselben sehr dunkel ist, und in solchen Fallen schreibt man die Wörter lieber getheilt, als zusammen gesetzt, weil die möglichst leichte Verständlichkeit bey der erstem Art alls- Ddd s mahl 7Z8 2. Th. Von der Orthographie. mahl mehr gewinnet, als bey der leßtern. S. im vorigen §.551. Wie die Zu- §- 7Z- Ehedem, da die Nation noch nicht so summense- sehr daran gewöhnt war, sich zwey klare Begriffe als tzungen zu xj„ einiges Ganzes zu denken, schrieb man solche schreiben Wörter einzeln, verband sie aber mit dem Bindezei- ' chen: Abend-Stunde, Erb-Gcharz, Meister, sehnsuchrs-voll, und damahls war das um der möglichst leichten Verständlichkeit willen nothwendig. Jetzt da man mehr an die Zusammensetzungen gewöhnet ist, ist dieses Hülfsmitttel der Verständlichkeit in den meisten Fällen unnöthig, und daher schreibt man nunmehr jedes wirklich zusammen gesetztes Wort auch nur als ein einiges: Abendstunde, Arbfthaymeister, sehnsuchrevoll, Tagelöhner. Indessen gibt es doch noch manche Fälle, wo so wohl der gute Geschmack als auch die möglichst leichte Verständlichkeit die Beybehaltung des Bindezeichens anrathen. Fortsetzung- §-74- Diese sind denn vornehmlich: r. Wenn ein Deutsches Wort mit einem fremden zusammen gesetzt wird, wo so wohl der gute Geschmack, als auch die Verständlichkeit das Bindezeichen nothwendig machen; jener, weil ein fremdes Wort mit einem einheimischen eigentlich kein Ganzes ausmachen kann, und diese, weil ein solches unnatürliches Ganzes Dunkelheit verursacht. Man schreibe also: Conststorial-Rath, privat-Grunde, Real- Schule, Ober-Konsistorium, Rachs-Colle5 gium, Unter--Dfficier. Unnöthig ist es, dieses auf die Deutschen Endsylben fremder Wörter auszudehnen, und ^>sra;-isch, reformier-en zu schreiben, weil solches bloß abgeleitete, aber nicht zusammen gesetzte Wörter sind.«- s. S» 4- Kap. zusam. ges. Wörter. §. 74. 789 2. So auch, wenn ein eigener Nahme mit einem Gattungsnahmen zusammen geschet wild: Neu-Stettin, Alt-Brandenburg, t"lcu- Zort, (Ober--Italien, Groß-Pohlcn, (Ober- Demschland. (Obersachsisch, Hochdeutsch, Oberdeutsch, Niederdeutsch können auch ohne Bindezeichen geschrieben werden, weil deutsch hier auch als ein Gattungsnahm? betrachtet wei den kann. z. Wenn zwey fremde Wörter, welche in ihrer Sprache keine Zusammensetzung ausmachen können, im Deutschen zusammen geschet werden: Justiz-- Collegium, Intelligenz-Comtoir, Proviant-» Commisiarius. So auch, wenn eigene Nahmen zusammen gesetzt werden, welche wieder kein Ganzes machen können: Anhalt-Bernburg, Sachsen Coburg - Saatfeld. 4. In drey- und mehrfach zusammen gefeßtett deutschen Wörtern, wo sich die gehäuften Begriffe schwer als ein untrennbares Ganzes denken lassen, zur Erleichterung der Verständlichkeit: (Ober- Rechnungsrach , Berg - (Obergeschrvorner, Aron - Groß - Feldherr, (Ober § Hofmarschall, DDachholderbeercn-Branntwein oder XVach, holder-Beeren-Branntwein; wo man diejenigen Wörter ohne Bindezeichen beysammen läßt, welche auch außerdem bekannt und verständlich sind, wie Rechnungsrach, Hofmarschall u.s. f. wo Mars schall schon als ein einheimisches Wort angesehen werden kann, ob es gleich fremden Ursprunges ist. 5. Auch in zweytheiligen Zusammensehnngen, wenn Dunkelheit oder Verfehlung des Tones zu befürchten ist. So schreibt man Erb - Lasier, der eine Erbschaft hinterläßt, wenn zu besorgen ist, daß das Wort leicht Erblajsir, von erblassen gelesen werden könnte. So auch Strom-Anker, (Opern- Arien, Berg-Aron, Berg-Erle, Berg- Ddd 5 Eremit, 796 s. Th. Von der Orthographie. Eremit, unter andern auch darum, damit man nicht Stro-manker, Gpcr-narien, Ver-ga- ron, Vcr^gerle, Der-geremir lese, oder wenigstens in Versuchung g?- ache so zu lesen. Eeschich- te des Lechrains, gure ^acht Leinachen, wer- den unter zehen ü^e-chrains, L.ei?nathen lesen und nicht wissen, >ras das für Menschen sind. Schreibt man Kech--Rains, Ü.ein-Athen, so höret die Dunkelheit auf, »ud der müi?te sehr unwissend seyn, der nicht wenigstens rach°n wollte, was gemeint ist. Die höchste mögliche Verständlichkeit ist dc>s erste und höchste Gesetz in jeder Sprache, weil man doch aus feiner andern Ursache schreibt und spricht, als verstanden zu werden. 6. Wenn durch die Zusammensetzung zwar nicht das Ohr, aber doch das Auge beleidiget wird. Dieses geschiehet sehr oft, wenn sich das bestimmende Wort mit zwey Consonamen einer Art endigt, und sich das bestimmte mit eben demselben Consonanten wi-der anfängt; z.B. Schiff-Fahrt, wo doch Schisffahrt noch erträglich ist , weil man für zwey f ein zusammen gezogenes Zeichen hat. Aber nicht so mit andern Consonanten, Vettmch, pfarrre- gister, Stammmutter, Vrennnuyen, u. s. f. welche daher lieber Bett-Tuch, Pfarr-Register U.s.f. geschrieben werden. Den einen Consonanten auözulassen, könnte leicht eine falsche Aussprache ver« anlassen, Veltuch, wie Dcttuch, von berhen. 7. Wenn von mehrern auf einander folgendeil Zusammensetzungen mit einerley bestimmten Worte, dieses in den erstem weggelassen wird, so deutet man solches durch das Bindezeichen an: Oder- und Umergcwchr, das Hinter- u„h )?ordercheil, drey- vier - und mehrfach. Fünftes 79! , >.....»>>» >>>^ ^»i« > <»....... »,..... Fünftes Kapitel. Von den im Schreiben üblichen Zeichen. Inhalt. Ursprung und Elnrheilung die- Von dem Schlußpuncte, §. 77. ser Zeichen, §. 75. Von dem Colvn, §. 80. Zeichen zur Ersetzung des To- Von dem Semicolon, z.8i. nes der lebendigen Stimme Von dem Comma, 82- oder für den Affect, S.76. übrige Zeichen, §. 8Z. 7?. Von dem Apostroph, §. Z4- Abtheilungszeichen, §. 78 - 82. §. 75. in dem Schreiben üblichen Zeichen sind ganz^ ^x, e«»^ in der Absicht der Schrift, der möglichst leich-sprung und ten Verständlichkeit gegründet; man findet sie daher ihre Ein- nur immer alsdann in einer Sprache, wenn sie sichtheilunx.. mit Verstände und mit klarem Bewußtseyn ihrer Absicht auszubilden anfängt, und desto mehr dieses geschiehet, desto bestimmter und regelmäßiger wird auch der Gebranch dieser orthographischen Zeichen. Dis ältesten Sprachen hatten sie entweder gar nicht, oder doch deren nur wenige; die neuern haben sie in größerer Anzahl, aber in keiner ist ihr Gebrauch so bestimmt, als in der Deutschen. Diese Zeichen sind überhaupt von dreyfacher Art; 1. solche, welche den Ton der lebendigen Stimme ersetzen; 2. solche, welche die Glieder eines Satzes oder einer Periode absondern, und dadurch die möglichst leichte Verständlichkeit wesentlich befördern; und z. solche, welche zu dieser Absicht nur i» einic, Ddd 4 5 - 792 2.TH. Von der Orthographie. Nebendingen mitwirken, und folglich zu dem Wohlanständigen in der Schrift gehören. Der Gebrauch aller drey Arten wird die Imerpunction genannt. Zeichen M §- ?6. Derjenigen Zeichen, welche den Ton der den Affect. lebendigen Stimme ersitzen, ober zur Bezeichnung Frasezei- Aftectes dienen, sind nur zwey, das Lrages ^ zeichen (?) und das Ausrufungszeichen. (!) Beyde werden nur gebraucht, wo sich in der lebendigen Stimme d-r Ton merklich verändert. Folglich das Fragezeichen mir nach unmittelbaren Fragen: wie heißt dein Freund ^ aber nicht nach mitteiba- ren oder erzählten Fragen, weil hier keine merkliche Veränderung des Tones der lebendigen Stimme vorgehet: er fragte mich, wie er hieße; man wollte wissen, ob er kommen würde. Auskiz- §- 77. Das Auorufungszeichen stehet gleich- ftmgi-z?!- falls da, wo der Ton der lebendigen Stimme es chttu nothwendig macht, d. i. nach denjenigen Worten, welche durch den Ton vorzüglich vor den andern herausgehoben werden. Folglich nach allen Interjectio- nen, wenn sie allein stehen: ach! oh! leider Z play l da lag er» Dienen sie einen, ganzen Säße zur Einleitung, fo daß sich der Ton des Affectes auf den ganzen Sah mit erstrecket, so bekommt der Saß das AttSrufungSzsichen, die Jnterjection aber nur das Comma: ach, welch ein Schmerz! Hat dee Ausruf die Gestalt einer Frage, so stehet das Aus- ruftingszeichen, nicht aber das Fragezeichen, weil der Ton des Ausrufes in der lebendigen Stimme der herrschende ist: wie glücklich bist du nicht! der Vocativ bedarf keines Auörufungszeichens, wenn er nicht mit einer merklichen Leidenschaft ausgesprochen M'rd, Überhaupt wird msn in der Anwendung die» s«r 5. Kap. Otthogr. Zeichen. §. 78-80. 79z ser beyden Zeichen nicht fehlen können, wenn man nur erwäget, daß sie den Ton der lebendigen Stimme ersetzen, folglich ihm auf das genaueste folgen müssen. §. 78. Diejenigen Zeichen, welche zu Abthei-Vo» de» lung der Glieder eines Satzes oder einer Periode die- Mthet- nen, und zur möglichst leichten Verständlichkeit we- sentlich nothwendig sind, werden Abrheilungszei? ' chen genannt. Es sind ihrer vier: der Schluß? Punkt, (.) das Colon oder derDoppclpunct, (:) das Semicolon oder der Srnchpuucc (;) und das Lomma (,). Ihr richtiger Gebrauch hänget ganz von der Kenntniß des Baues, des Satzes und der Periode ab, daher man sich hier die Lehre von beyden wiederhohlen muß. §. 79. Der Schlußpunct scheidet völlige Säße Von dem und Perioden und siehet da, wo man in der Rede Schluß- frischen Athem schöpfet. Außerdem gebraucht man puuttk. ihn auch nach Abbreviaturen, und da man auch die Zahlsiguren als Abbreviaturen anzusehen pflegt, so begleitet man auch sie gemeiniglich mit einem Puncte. Allein da sie keine Abbreviaturen sind, so ist der Punkt nach ihnen wenigstens nicht nothwendig. §. 80. Das Colon oder der Doppelpuncr Von dem wird besonders in folgenden drey Fällen gebraucht. Csloo. z. Den Vorbei sah von dem Nachsatze in conces- siven, conditionalen, causalen, nnd zuweilen auch in comparativen Sähen zu scheiden, besonders wenn sich der Nachsah mit so ansängt. In allen Fälleu aber »ur, wenn die Sähe von beträchtlicher Länge sind, folglich der Verstand einen so merklichen Un. Ddd? ter- 794 2. Th. Von der Orthographie. terichied erfordert, als dieses Zeichm gewähret. Sind sie sehr kurz, so ist ein blosses Comma hinlänglich. ^ 2^ Wenn man seine oder eines andern Worte unmittelbar anführet, und die Ankündigung ausdrücklich vorh-'r gehet. Er sprach: nein das hätte ich nicht gedacht. Stehet die Ankündigung nach ein»-m oder mehrern Worten, so bekommt sie , nur ein Comma: nein, sprach er, das hatte ich nicht gedacht. z. So oft man ein Beyspiel anführet, oder ?'-> ne oder mehr Sachen gleichsam auszählet: was ich davon weiß ist dieses: es war u.s.s. Won dem §. 8tt Das Semicolon unterscheidet theils Semicolon. mehrere Glieder eines Saßeö, wenn sie von einiger Länge sind, so daß das Comma allein nicht Verständlichkeit genug gewähren würde; theils auch den Nachsatz von dem Vordersahe in continnativen, adversativen, e.rplanativen, illativen, exclusiven, excepti- ven und proportionalen Sähen; aber immer, wenn sie von einiger Länge sind. V«u dem §- L2. Das Comma unterscheidet alle übrige Comma. kleinere Glieder, welche nicht unmittelbar mit einander verbunden sind, und wird allemahl da gebraucht, wo man in der Rede den kleinsten Absatz macht. Es stehet folglich: 1. Vor oder nach einem eingeschobenen Worte oder Sah?: Hier spannt, o Sterbliche, der Seele Rrasie an! Nein, dachte ich, das ist zu viel. 2. Vor einer Apposition, doch nur wenn sie er, kläret, und daher einen Genitiv, oder einen Artikel vor 5. Kap. Orthogr. Zeicheil. §. Zi. 82. 795 vor sich hat: die V^acht, des Todes Freund; sein Bruder, der Aönig, oder der ^vönig, sein Bruder. Bloße Nahmen oder Titel bedmsen keines Coinma: die Gradt Derlin, Ixönig Friedrich, der Fürst Bischof. ?. In copulativen, circumscriptiven, kurzen re- strictiven, proportionalen nnd partitiven Sähen. Ja in allen Sahen, deren Glieder von keiner erheblichen jänge sind, wo folglich das bloße Cemma scbon Unterschied genug gewähret: wenn du ihn siehest, so sage es ihn?. Wäre der Satz von einiger Länge, so wurde statt deö Comma ein Colon nothwendig seyn. 4. Vor allen Relativen: der Mann, welchen ich sahe; der Voden, worauf du stehest. 5. Zwischen mehrern Subjecten und Prä'dica- ten, ingleichen zwischen mehrern Bestimmnngswör- lern, wenn sie nicht mit und oder oder verbunden sind. Zwischen mehre: n Subjecten: Ehre, Gut, L.cden, kurz, alles ist in Gefahr. Zwischen mchreni Prädicalen: ich habe ihn gesehen, gesprochen, Und umarmet. Zwischen mehrern Bestiinmunqen, es seyn nun Adjectiva oder Adverbia: ein steifster, tugendhafter, wohlgesitteter, junger Mensch; er war groß, reich, wo'ol gedi der und geehrt. Einzele Begriffe, welche mit und und oder verbunden werden, bedürfen keines Comma, wohl aber ganze Sätze. §.8?. Die übt igm Schreibezeichen, welche Auge zur Wohlansiändigkeit gehören, aber doch immer zu- Scimitt- nächst die möglichst leichte Verständlichkeit befördern, ^ei'.. obgleich nur in Nebendingen, sind folgende. 1. Das 796 2. Th. Von der Orthographie. 1. Das Anführungszeichen, (>.) die unmittelbaren W^rte eines andern, sowohl bey ihrem Anfange und Beschlusse, als auch vorn an den Zeilen zu bezeichnen. 2. Das Theilungszeichen (-oder-), eingetheiltes' Wort zu bezeichnen; so wohl am Ende der Zeilen, frucht-dar, als auch, wenn die Endsylbe und in Zusammensetzungen das bestimmte Wort einmahl verschwiegen wird, ein-und zweiseitig. ?. Das Vindezeichen, welches dem vorigen gleich ist, zusammen gesetzte Wörter zu bezeichnen, wenn man Ursache hat, sie nicht völlig als ein Wort zu schreiben, wovon §.72. f. hinlänglich gehandelt worden. 4. Der Einschluß oder die Parenthese, ( ) oder ^, einen eingeschobenen Satz oder Begriff zu unterscheiden; wo man sich aber vor dem Mißbrauch solcher Einschiebsel zu hüthe» hat, weil sie die Rede verdunkeln. 5. Das Zeichen einer abgebrochenen Rede, - -, wohin auch der nur zu oft so sehr gemißbrauchte Gedankenstrich — gehöret. Und endlich 6. Der Apostroph ('), ein willkührlich wsgge. worftnes e zu bezeichnen, kaum hatt' cr dieß gesagt. §. 84. Ich sage willkührlich, weil das e in der Biegung und Ableitung sehr oft weggeworfen werden kann und muß, ohne daß es durch einen Apostroph ersetzt werden dürft: dieß für dieses, Tag- arbeit für Tagearbeir. Ja in der vertraulichen Sprache des Umganges wirft man das e am Ende gleichfalls häufig weg, hab ich, zu Derr gehen; ws 5. Kap. Orthogr. Zeichen. §. 8z. 797 wo gleichfalls der Apostroph unnöthig ist. Man gebraucht ihn daher vornehmlich nur da, wo nach dem weggeworfenen e die Aussprache leiden könnte, in welchem Falle die Verständlichkeit ein Zeichen des auögestoßcnen Vocales eisordert. Dahin gehöret vornehmlich der Fall, wenn das e nach weichen Con- sonanten ausgeworfen wird, damit sie nicht hart lauten. Wollte jemand die dritte Person von rasen zusammen ziehen, und rast schreiben, so würde man leicht rast wie die Rast lesen und verstehen können., daher der Apostroph hier unentbehrlich ist, ras'r. So auch prüf't, verrves'c. Ingleichcn in Ansehung des es, er sprach's, hab ich's? Ausser der vertraulichen Sprechart ist indessen diese Zusammenjie- hung nur Dichtern erlaubt. Man hat seit einiger Zeit angefangen, die Lehre von dem , - > . A. K, dessen Aussprache, I, iZ4- wie das gedehnte geschrieben wird, II, 748. 6, ob eS ein Doppellaut ist, I, i?4. dessen Gebrauch, II, 7??. Bezeichnung des gedehnten, 758. aa, dessen Aussprache, I, -z?. wo eS geschrieben wird, 11,748. Ab, trennbare Partikel, I,z6?. Präposition. Il, iz?- Aber, die Conjunction, ihre Bedeutungen, II, 478. Ablativ, findet sich iiu Deutschen nicht, I, Z90. Ableitung der Wörter, ihr Ursprung, I, 212,, f. Ableitung durch bloße Änderung deS Vocales, 215. Ableitung der Substantive, ?iz. Ableüungssylben, 1,217. ihre verschiedene Arten, 218-f. veraltete, 22z. eingeschränkter Gebrauch derseibcn, 2Z2. Beyspiel ihrer Fruchtbarkeit, -,z->. Slbleitungswlben für die Substantive, z-5- f. eingeschränkter Gebrauch derselben, Z40. Lateinische, 47;. ^brenunclAtici cligkoli, alte Deutsche, I, Abstammung, wie fern sie die Orthographie leitet, II, 688.7^4. Abstracr, Erklärung, 1,290. absiracte Substanriva, 290. zoz^ ihr Ursprung, Z05. Emrhcilimg, Z04. Ac>7» wiefern sie den Plural leiden, Z07. Ableitungssylben für dieselben, zzz. Abrheilungszeicken, ihr Gebrauch, 11,79z. Accusativ, Erklärung dieses Casus, I, z?>. Gebrauch mit Verdis II, 44Z- »ach Adverbiis, 467., Adjectiv, Erklärung desselben, I, 275.278. allgemeine Betrachtung desselben, 6-6. dessen Ursprung, 609. nicht Register nicht alle find als Adverbia üblich, 6io. 642. II, 8y, f. verschiedene Alten derselben, I, 614. ihre Declination, 616. Verkürzung derselben, 6??. unbiegsamc Adjective, 6?8. Steigerung der Adjective, 64?. adjccrive Zahlwörter, 646. Gebrauch der Adjective als Substantive, 658. Verbindung deS Adjectives mir dem Substantive, II, Z2z. wenn es einen Casum regieret/ Z29. deAn Bestimmung durch Adverbia, zu. Adverbium, Erklärung desselben, I, 606. f. II, zz. Abhandlung desselben, II, z^.f, Einthcilung?4- Bil- dung, 47. Zusammensetzung, 77. Concretion der Adverbien, 79. ihre Steigerung, 90. ihr Gebrauch, 45z. ihre Stelle in der Rede, 457. Erklärung dnich eine Präposition. 459. Gebranch mit dem Infinitiv, 460. mir Casibus, 461 mildem Genitive, 462. mit dem Dative, 465. mit dem Accusativs, 467. ihre Stelle in der Rede, ?i<5. 521. wie sie zur Zusammenzichung der Satze gebraucht werden, 5«7- 59Z. f- ^ (Qualiracis, I.278. ihre Erklärung, II, 44. f. ihre re Form und Ableitung, II, 54. f. — Lircumsiantiä, s. Umstandswörter. Adversative Sätze, II, ?8o. Aster, untrennbare Partikel, I, 857- ai, dessen Aussprache, I. 4-. wo es geschrieben wird, II. 76z. All, dessen Declination und Gebrauch, 1,584- dessen Gebrauch, II, ZZ4- Allein, daö -Adverbium, Gebrauch zur Bestimmung der Pronominum, l, 687. die Conjunction, 11,479- Als, dessen Gebrauch vor relativen, II, - '4. zwischen zweyen Nominativis, 4'8- f. Bedeutungen dieser Conjunctiv», 479- Also, Conjunction, ll, 480. am, alte Ableitungssylbe, 1,22z. An, Präposition, II, -58. Analogie, s. Sprachahnlichkeit. Ob sie die Orthographie leitet, II, 700. — and, alte Ableitungssylbe, l, 224. Ander, dessen Gebrauch, 1, 651. Anfangsbuchstaben, große, ihr Gebrauch, 11,726« Ankommen, welchen Easum eö regieret, 11,435. Anno, der vornehmsten Sachen. Arms, Lcbgedicht 8. ihre Stelle in der Rede, 5^. — ard, alte Ableitungssylbe, 1,224. Aristolelis (vrganon, alte Uebcrsetzung desselben, 1,45. — art, alte Ableitungssylbe, I, 224. Artikel, dessen Erklärung und Bestimmung, I, 275. 276. 54?. dessen Nothwendigkeit, z->o. Gebrauch zur Declination eigener Nahmen, 512. Abhandlung von demselben, 542. f. er bestimmt die Selbständigkeit, 541. Ableitung 547- Biegung, eb. nachgesetzter Artikel, 551. wie cc das Substantiv bestimmt, II, 28;. Gebrauch vor eigenen Nahmen, 286. Amculus partitivus, zc>i. Stelle und Gebranch beyder Artikel, zoz. — aß, Ableitungssylbe, 1,221. — Kth , Ableitungssylbe, I, 222. 224. Au, dessen Aussprache, I, -41. Äu, dessen Aussprache, 1,141» wo geschrieben wird,' ll, 764. Auch, Conjunctiv», 11,48^ Auf, Präposition, ll, l6i. wie sie den Ort bezeichnet, 47z.' Auf daß, Conjunction, 11,48-, Aus, Präposition, II,'24. Ausgenommen, Conjunction, II, 4Z1. Ausnüiwnen von den Regeln, wie sie entstanden, 1,44) Ausrufnngszeichen, dessen Gebranch, 11,792. Aussprache, wie fern sie die Orthographie leitet, II. 64s. 661. 674. Außer, Präposition, II, 12;. Conjunction, 4«r. Ay, dessen Aussprache, 1,141. B- V, i) der Buchstab, dessen Aussprache, ?, 14». f. 2) Der AbleitungSlaut, I, 217. Lacken, Conjugation, I, 805. — bar, Ableitungssylbe, 1,225» für Beschaffenheit»^ Wörter, II, 56. Adel. B. Epr. II.»« Eee b-. Register be - die Vorsylbe, I, 217. hilft Gattungswörter bilden, zi^. Veiba, ?'y- Conjugation solcher Vcrborum, 857. Ablcirungssvlbe für Beschaffenheitswörtcr, II, 55. Bedeutung der Wörter, figürliche, s. Spracbfigur. Befehlen, Conjugation, I, 814. Bcflcissen, Conjugation, I, 807. beginnen, Conjugation, 1,8-6. Beicktformeln, alle, 1,40. Bcissen, Conjugation, 1,807. Beklemmen, Conjugation , l, 812. Bellen, Conjugation, I, 812. Benedicts Regel, übe» setzungeu derselben, l,zz. 49. Bergen, Conjugation, 1,814. Bersten, Conjugation, 1,8-4. Beschaffenheit, Erklärung derselben, 1,275.279.285. II, Z4. Unterschied von der Eigenschaft, 606. f. Beschaffenheirswörter, s. Adverbium. Besinnen, Conjugation, I, 8>6. Bestimmungswort in der Zusammensetzung, II, 21z. Bekriegen, Conjugation, I, 8lo. Bewegen, Conjugation, l, 8-2. Bey, Präposition, II, 126. Beyde, Abhandlung davon, 1,581- Beywort, s Adjectiv, Bibel, alte Deutsche Übersetzung, I, 42. f. Biegen oder flectiren, Erklärung desselben, I, 282. Conjugation dieses Verbi, 8>o. Biegung der Worter, ihr Ursprung, I, 212. f. verschiedene Arten. 28?. f. Biegungssvlven, Verzeichnis? derselben, I, 214. Erklärung, 28z. Viegungssylben für die Declination, 394. Biethen, Conjug. I,8io- Bilderschrift, ihr Ursprung, II. 620. ihr Übergang in die Buchstabenschrist, 524. f. Binden, Conjug. 1,816. Binnen, Präposition, II, N7- Bitten, Conjug. 1,8>8. Gebrauch mit zweyen Accusctti- ven, 11.449- Blasen, Conjug. I, 804. Bleiben, Conjug. I, 807. Verbindung mit dem Jnfini- tive, IIi 407. Bserius, alte Deutsche übersetzunz desselben, I, 47. Bra- der vornehmsten Sachen. Braten, Conjug. 1,804. Vrechsn, Conjug. l, 8>5. Brennen, dessen Conjugation, 1,796. Bringen, dessen Conjugation, I, 796. Buchstab, Declination dieses Wortes, I, 445. Lucbstaben, Erklärung, Verzeichniß und Eintheilung derselben, 1,12z. Mängel der Deutsche», izi. Aussprache derselben, i?z. Deutsche, ihr Ursprung, II, 629. veränderliche Gestalt, 6z?. f. Buchstabenschrift, ihr Ursprung, II, 618. f. Bunveseio der Könige Ludwig und Carl, I, 44. C. 6, dessen Geschichte und Laut, 1,144. f. wo es geschrieben wird, II, 766. Carl der Große, dessen Verdienst um die Sprache, I,z?.f. Casus der Nennwörter, ihre Erklärung, I, z88. Anzahl derselben, 390. Casus recti, Z94. obliqui, Z94. Casus Verbi, ihre Stelle in der Rede, II, 577. t^leckeiis tKeotitV-s, l, 44» Lausale Satte, II, 580. ch, 1) der Buchfiab. dessen Laut, 1,146. wird im Schreiben nie verdoppelt, II, 734. wo es geschrieben wird, 767. f. 770. 2) Der Ableilungslaur, 1,218. — chen, Ableitungssylbe für Verba, I, 222. 756. si'ir Nomina, 22;. Z17. f. Declination derselben, 4Z?» Chilperik, dessen neue Buchstaben, I, 28. II, 652. Circumscriptive Satze, tl, 578. ck, dessen Laut, 1.145. f. dessen Ursprung, II, 772. cks, wo es geschrieben wird, II, 769. Loclex 8-. si z?6. Dehnungszeichen, Abhandlung von denselben, II, ?z?» Allgemeine Anmerkungen, 761, Demnach, Conjunctiv«, 484. den, Ableitungssylbe für Verba, I. 740. Denken, n?e!.iu es bestehet, I, 272,. Conjugation dieses Verbi, 796. Denn^ Conimiction, II, 48;. Dennoch, Conjunction, II, 485. Der ,, i) der bestimmte Artikel , dessen Amt, 546. 549. Declination, 548. Gebrauch dieses Artikels, II, 2.87. dessen Abwesenheit,. 292. 2) das Pronomen, das demonstrative, I, 701. das determinative, 705. dessen Gebrauch, II, Z58. Gebrauch des relativ!, z6z^ f. des- ftwAuslassttüg, Z64. Derhalben, Cvnjunction, II, 486. Derjenicte, determinatives Pronomen, 1,705.706. dessen Gebrauch, II, Z57. Derselbe, determinatives Pronomen, 1,705.707. wenn eS anstatt eines persönlichen Pronominis gebrauch! wird, II, Z4--. dessen Gebrauch, zj?« Desiderative Verba, I, 75z., Deßhalb, Conjunctivn, II, 486. Desto, Conjunction, 11,486. Deutsch, oder Teutsch, I, l6. Deutstjie, alte, ihre Sitten und Sprache, I, -5. f. An-, fang ihrer Cultur, 24. ob die alten Deutschen schreiben können, 2,7. langsame Cultur derselben, zz, Deutsche Sprache, s. Sprache. Eee z Dias Register. Dialect, s. LNundart. Dieser, Pronomen, I, 700. Dieweil, Conjunctiv», II, 486. Diminutive Verba, I, 75z. Dingen, Conjuq. l, 8'?. Diphtdongus, f. Doppcllaut. Dir, Gebrauch desselben, II, zz8. Disjuncrive Sätze, II. 579. Doch, Conjuncrion, II, 487. Doppellaute, Erklärung derselben, I, lz.7. ihre Aussprache, iZ7- f. 141. f. ob sie geschärst werden können, 25?. Dreschen, Conjng. 1,812. Drey, dessen Declination, I. ?68.571. Dreylaute , hat die Deutsche Sprache nicht, I, 127. Dringen, Cvnjug. 1,817. t>t, dessen Aussprache, 1,150. wo es geschrieben wird, II, 76?. Du, Pronomen, Declination, I, 67p. Gebrauch, 68!. Dünken, welchen Casum es erfordert, II, 436. Durck, in zusammen gesetzte» Verdis, 1,867. Präposition, II, 18. Dürfen, dessen Conjugation, 1,797. Verbindung mit dem Infinitiv, II, 402. E. B, 1) der Vocallaut, verschiedener Laut desselben, I, iz6. niederes, >z?. hohes, eb. Verzeichnis) der Wörter beyder, z.6-.. Bezeichnung des gedehnten, II, 745. 2) Das weibliche e. I, zu. zi8. Z) Das mildernde, eb. 4) Der Biegungslaut, I, 214. darf im Dative nicht verbissen werden, 4»o. 5) Der Eoncretions - Laut, I, 28;. 6) Der Ableitungslaut, I, 215. für Ab- stracra, z,? es, ob es ein Doppellaut ist, 1,157. wo es geschrieben wird, II. 745. Ehe, Conjuncnon, II, 487. iLi, dessen Aussprache, I, 141. Ligener Nahme, s. Nahme. Eigenschaft, Erklärung derselben, I, 2.75. 2^5. 614. Lizenschaftswort. s. Adjectiv. Lin, l) der unbestimmte Artikel, I, 546. dessen Declination, der vornehmsten Sachen. nation, 5?o. nnd Gebrauch, II, 296. Zusammenziehung niit Präpositionen, zoo. 2) Das Zahlwort, dessen Declination, 1,56z. dessen Gebrauch. 566. Z)Das Pronomen, 691. 4) Das Adverbium, II, 474. Einander, bey Verdis reciprocis, 11,477- Einig, das allgemeine Zahlwort, I, 599. Lkeln, welchen Casum es regieret, II, 457. cl, der Ableitungslaut, I, 22,?. für Appcllativa, ?2?. für Abstracta, zZ4- für Zahlwörter, 576. für Beschaffenheitswörter, II, 58. — eln, Ableitungssylbe für Verba, I, 22z. 737. — em, l) die Biegungssylbe, 1,214. 2) Die Vorsylbe, 218. z) Die Nachsylbe, 220. hilft Appellativ« bilden, Z2c>. emp- Vvrsylbe für Verba, ?zl. ist unttennbar, LZ". Empfinden, Conjug^ 1,817. Empfindungswort, s. Interjection. — cn, 1) dieBiegungssylbe, 1,214. 2) Der Mleitungs- laut, 220. für Appellativs, Z20. für Participia Pm- tcriti,!!, 8. für Umstandswörter, 48. für Beschaf- ' fenhciiswörter, 58. — end, Ableirungssylbe des Participii Prasentis, II, 7- 59. em- die Vorsylbe, I, 218. für Verba, ?zi. Conjugation solcher Ve> borum, 857. Entgegen, Präposttisn, II, 127. Entweder, Conjuncnon, 11,487. — enzen, Ableitungssylbe für Verba, I, 22z. 757. sr- 1) Der Biegungslaut, I, 21;. 2) Die Vorsylbe, 218. für Verba, 7Z2. ist untrennbar, 8??. 3) Die Ableitungssylbe , I, 221. für Appellativs, 321. für Abstracta , zz4- für Zahlwörter, 577- für Umstandswörter, 11,50, für Beschaffenheitswörter, 60. Er, Pronomen. Declination, I, 680. Gebrauch, 684. Erbleichen, Conjugation, I, 807. Erküren, Conjug- 1.8>v. — ern, Ableitungssilbe für Verba, I, 22z. 7Z8. für , Bcschaffenheitöwörter, II, 60. Erschallen, Conjug. I, 8>S. Erschrecken, Conjug. 1,815. — err, alte Ableitungssylbe, 1,224. Erwägen, Eenjr.g, !, 8>z. Register »- es, i) der Biegungslaut, 1,2.15. 2) Der Ableitungslaut, 221. Es, bestimmtes Pronomen, 1,655, f. unbestimmtes, 69^ Gebrauch beyder, I!» Z45- dessen Verschweignng bey Berbis, 368. Gsscn, Conjugation, 1, 806. — est, der Biegungslant, l, 215. — er, 1) der Biegungölaut, 1,2-5. 2) Der Ableitungslaut für Participia Prateriti, N, 8. für Besch.iffenheilö- wörter überhaupt, 60. Ltlich. dessen Bedeutung und Gebrauch, l, 599. LStwas, dessen Bedeutung und Gebrauch, I, 602. Etymologie, wie fern sie in der Sprachlehre clttsckcidetz Z, iio. Vortrag der Grammatischen, «21. f. Erklärung und Geschichte der Etymologie, 17?. f. wie fern sie die Orthographie leitet, II, 688. 704. ZLu, dessen Aussprache, !> 14-. dessen Gebrauch, II, 764. Lxceptive Sätze, II, 585. SLxclusive Sätze, 11,585. Erplanarive Satze, II, 581. Ly, 1) Der Doppellaut, dessen Aussprache, ?.i4ü. 2) Die Ableitungssylbe, I, 225. für Appellativa, z-,?. für Collectiv«, zzc>. für Frequentativa, zz2. für Ab- ftracta, z?4» F. 8, i) der Buchstab, dessen Aussprache, I, wo es geschrieben wird, II, 77°- 2) Der Ableituugslaut, r, 219. für Appellativs, 32z. — fach, macht Berdvppelungszahlcn, 1,656. Factitive Verb«, I, 75?. Fahren, Conjugation, I, 805. Verbindung mit dem Infinitive, II, 407. Lallen, Conjug. 1,804. Falls, Conjunction, 11,488. Aalten, Conjugation, I, 804. — faltig, dessen Gebrauch zu Verhältnißzahlen, I, 657. Langen, Conjugation, 1,804. Fechten, Conjug. I, 8--Z. <— fen, Ableitungssylbe für Verba, I, 22z. 740. Ferner, Conjunction, II, 488. Figur, f. Sprachfigur. Finden, der vornehmsten Sachen. Finden, Conjugation, I, 8>?. Verbindung mit delk .Infinitive, II, 407. 8leci>ren, Conjug. I, 8>z. Llectiren, s. biegen. Flexion, s. Zöiegnnfl. izlexione-Sylben, f. Viezungssvlben. Fliegen, Coujug. I, 8io. Fliehen, Conjug. I, Fließen, Conjug. I, 8-o. 8olge der worrer, s. Ivortfolgt. Folglick, ConMrc-ion, I!> 48Z. Form der Verdoruin, I, 7??. Fragen, Conjugation, 1,805. Gebrauch mit zweyM Aecusariven, II, 449» Fragende Xvortfckgs, II, -5-9. Fragezeichen, dessen Gebrauch, II, 792. Fremde WSrrcr, wie sie im Oeutsehen zu schreibet».!!, 664. Freqncnralive Gndstanrivc, I, zoz^ ihre Libleitungo^ sy!be, zz2. — Verba, I. 755. Fressen, Conjugation, I, 806» Frieren, Conjug. 81c?. — fr, Ableitungslaut, I. 219. für Z-bstracm. ^5. Fühlend Verbindung nur dem Jnsinitwe, 1!> 4' Z. Für, Präposition, II, 140. Uutcrschied von vor , eb. Fürwort, s. Pronomen. Furmmn, Erklärung dieses Tcmporis, l, 76s. 766. dessen Gebrauch, ll, z»;. G. G, 7) der Buchstab, dessen Aussprache, I, i??. wo geschrieben wird, ZI, 767. 770. 2) Der Ableitungs-- laut, I, 217. Ganz, desien Gebrauch , I, 60?. Gören, Conjugation, I, 8lz. Gattung, CrWruug, I, Ga-ningeworr, Erilärmiq, I. 291.298. ihr Ursprung 296. Ableitungosylbe-r für dieselben, Z15. ihre De- clinarion, s. Dec!i»c>li^n. Gaiinng.-'Zablen, I, 6^z. Gaumenlaute, 1,128. Ge- die Vorsylbe, I, 217. für Gattuugs.vörter, für Coliecliva, Z29. für FrequenMtwa, zz2. für Vor- Eee 5 ba. Register ba, ?zv. ist untrennbar, 8??. Gebrauch vor Parti- cipiis. Il, 5. Ableitungssylbe für Adverbia, II, 55- Gebären, Conjug. I> 8:5. Geben, Conjug. I, 8--6. Gebietheil, Conjug. I, 811. Gedeihen, Conjug. I, 807. Gegen, Präposition, II, 147. Gehen, Conjugation, I- 8-8. Gebrauch mit dem Infinitive, 408. Gelingen, Conjug. I, 817. Gelten, Conjug. I> 815. welchen Casum es regieret, II. 4?7- Gen, Präposition, II, 147. Genesen, Conjugation, I, 806. Genießen, Conjug. l,8n. Genitiv, Erklärung dieses Casus, I, Z92. mit Präpositionen, II, 117. wenn er nach einem andern Substantive siehet, II, zio. wenn er durch von umschriebe» wird, -52». dessen Stelle, z-,2. nach Zahlwörtern, Z40. nach Verdis, 419. heutiger Gebrauch dieses Casus, 42z.. nach Adverbiis, 462. Genus Nominum, s. Geschlecht. — der Vervorum. I, 757. Gerundium, Erklärung, II, zo. Gesammt, ob es ein Zahlwort ist, I, 60z. Geschehen, Conjug. I> 5o6. Geschlecht der Substantive, Ursprung desselben, I,?4Z. ihre Anzahl, Z45. Grund derselben, 546. Allgemeine Regeln des Geschlechtes, Z47- für das männliche, eb. für das weibliche, ?4S- für das sächliche, Z50. Geschlechtswort, f. Artikel. Gesetze, alte deutsche, I, Z4- Getrauen, wachen Casum es regieret, II, 4Z7- Gewinnen, ConjucMwn, I, 8.6. Gießm, Conjug. I, 8ii. Glaubenshekenntnisje, alte Deutsche, I, 44. 47. 49. Gleich, Conjunction, 11,4^8. Gleichen, Conjugation, I, 807. Gleisten, Conjug. 1,8^7- Gleiten, Conjug. I, 807. Glimmen, Coujug, I» 8«. Glossen und Glossaria, alte Deutsche, 1,25.40.41.47. ;o. Gon- der vornehmsten Sachen. Gönnen, dessen Conjugation, I, 797. Gothen , Nachricht von ihnen und ihrer Sprache, I, 21. Gothische Schrift, II, 6zz. Gottsched, dessen Verdienst um die Sprache, I. 6s. Graben, Conjug. I, 80;. Grammatik, s. Sprachlehre. Greiffen, Conjugation, I, 808. Greinen, Conjug. I. 8^8. Grundwort, tn der Zusammensetzung, I!,-.,?. Grundzahlen, Erklärung und Declination, I.. 5?6. f. Gebrauch als Substantiv», 575. gs, wo es geschrieben wird , II, 769. GurgeUaute, 1,128. H. H, Aussprache desselben, I, dessen Gebrauch als eines Dehnungszeichens, II, 7??. 748. f. Haben, dessen Conjugation, I, 77?. 797. das Hülfswort für intransitive, 82z. 82z. Gebrauch mit dem Infinitive, !I, 408- — haft, Ableitungssylbe, I, 125. für Bcschaffcnheits- Winter, ll, 6r. — Kalb, macht halbircnde Zahlwörter, 1,575- dessen Gebrauch, I, 6sz. Halb, halben, halber, die Präpositionen, II, 115. Halb-Vocalc, I, 129. Halten, Conjugation, I, 804. '— band, macht Gatttmgözahlen, I> 6?z, Hangen, Conjugation, 1,804. Hauen, Conjug- I,8--4. Haup-iaut, s. Cor.sonant. Hauptwort, s. Substantiv» -Heben, Conjug. I, 8-z- Hehlen, Conjug. I, 8>Z. -Hcisj':?', Conjug. !.8>«. VcibiudungmitdemJnfi!iitiv>> II^ 4c>z. welchen Casmn es regieret, 4??. — heir, Ableimngösvlbe, !, ^^5- für SIbstracta, Helf.n, Conjug. I. 8-5. Verbindung mit dem Jnsiuiln ve, ll, 4^'. welchen Casnn'. eS regieret, 4iv. Hergeben, Conjuncnon, II, 4?9- Herr, dessen Ocelinalioi,, I, 440. Hiatus- ob die Deutschen ihn vermeiden, ll, ??7- Hisr?' Register Hieroglyphe, f. Bilderschrift. Hingegen, Conjunction, II, 489. Hinken, Conjugation, I, 817. Hinter, in zusammen gesetzten Vcrbis, I, 8;?. Bedeutungen als Präposition, ll, 166. Hockdcutscb, f Mundart. Hören, Verbindung mit dem Infinitive, II, 4°Z- Hülfslaut, s Vocal. Hülfswort, Erklärung, I, 77«. Conjugation, 77». f. ihr Gebranch, II, Z94. wenn sie weggelassen werden können, 396. ungeschickter Gebrauch, 397. dessen — Stelle in der Rede, 526. I. der Vocal. I, der Vocal, Bezeichnung des gedehnten, II, 750. — ich, MleitungSlaur, I, 21z. für Appellativ«, 32z. Ich, Pronomen, Declination und Gebrauch, l, 679. f. — icht, Ableitungslaut, l, »19. für Collectiv«, 330. für BsschassenheitSwöricr. II, 6z. ie, Erklärung und Aussprache desselben, 1,138. wo cö geschrieben wno, !?, 75-. — ig, Ableitungslaut, I, 218. für Appellativ«, z»z. für Beschaffelcheitswortcr, ZI, 6;. >— igcn, Ableitungssylbe für Verba, I, 223.741. Illative Sätze, ^4- Immittelst, Conjunction, II, 4K?. Imperariv, dessen Erklärung, I, 759. Conjugation, 767. dessen Gebrauch, I?, 369.392. Imperfectum, Erklärung dieses Temperis, 1,765. dessen Gebrauch, II, z?9- Z8z. Impersonale Verba, Erklärung, I. 87?« f- In, Präposition, II, 167. Unterschied von ein, 474. Ind'.-n,, Conjunction, 11,48?. Indessen. Conjunction, ri.^o. Indicativ, dessen Erklärung, I, 75?. dessen Gebrauch, II, Z86. Individuum, Erklärung, I, 291. Infinitiv, dessen Erklärung, I, 759. Conjugation, 76z. dessen Gebrauch, II, z?z. nach Verdis, 4°2. Ge- brauch des Infinitives mit zu, 409. nach Substantiven, 41z. nach Adverbiis, 460. dessen Stelle in der Rede, 52;. 529.552. — ing, der vornehmsten Sachen, — incs, Ableitungssylbe, 1,219. für Appellativ«, Z2Z. Ingleichcn, Conjunctiv», II, 491. ^— inn, Ableitungssylbe, I, 220« für Appellativ«, Z24. ihr Gebrauch, eb. Intensive Verba, I, 75?. Interjectionen, sind der erste Grund der Sprache, I, 200. 27«. f. Erklärung derselben, 281. Ii^ 2O?. ihre Form, II, 22z. Einteilung, 20z. ihr Gebrauch, 499. f. Intransitive Verba, I, 751. Erklärung, 820. Bedeutung, 8-,l. Arten, s-,2. ihre Hülfswörter, 82?. welche haben erfordern , 82;. N'elchc seyn bekommen, 8?o. Verzeichnis; der Intransitiven, 852. Inversion, Erklärung und WhandKmg derselben, II, 554. Versetzung ganzer Sätze, 56°. fehlerhafte Inversion, 561« Inzwischen, Conjunction, 11,45". >— iren, Ableitungssylbe für Verba, 1,748. — is, — iß, Ableitungslcmr, I, 221. 224. — isch, Ableitungslauc, I, 220. für Veschaffeuheits- wörter, 11,6?, Isidor, alte uberfttznng desselben, 1,--?. Ilerativum, f. Lrequenrarivum. itz, alte Ableitungssylbe, I, 224. I. der Consonünt. I, dessen Aussprache, 1,161. wo es geschrieben wird, II, 767. 770. Jagen, Conjugation, I, 804. Je, Conjunction, II, 489. Jeder, dessen Bedeutung und Gebrauch, k, 589, Jedermann, I, 65^. Jedoch, Conjunction, II, 489. Jedweder, dessen Bedeutung und Gebrauch, !, M° Jeglicher, dessen Bedeutung und Gebrauch, eb. Jemand, 1,690. Jener, I, K. R, ,) der Buchstab, dessen Aussprache, !, -62. dessen Verdoppelung, eb. wo es geschrieben wird, II, 76b. 771. 2) Der AbleitungSlaur, I, 22». Raum, Conjunction, II, 45". Aeiffcn. Register Ac'.ff>n, Conjugation, I, 8o8. Rein, dess-n Bedentui^g und Gebrauch, I, 59?. — keil, MlcttungssMe, 1,225. für Abstracta, zz6. — kcn, 'Ablcitungssylbc für Verba, I, 225. 740. Renne», dessen Conjugation, I, 797. V.er!, wie es dcclinirt wird, I, 422. Acrs's Übersetzung der Regel Venedicts, I, zz. Alagen, Conjugation, 1,805. RIcib?n, Conjug. 1, 808. blieben, Conjug. I, 8n. Rlimmen, Conjug. I, 8n. Rlingcn, Cvnjng. I. 8-7. Anrissen, Conjng, I, 808. Kneipen, Conjug. eb. Nommen, Conjug. 1,8-8. Gebrauch mit dem Partie, Präc. II, 4v>. Rönnen, dessen Conjugation, I, 797. Verbindung mit dem Infinitive, II. 402. Rosten, welchen Casnm es regieret, II, 4Z9. Arafr, Gebrauch als Präposition, II, 120. Arcischen, Conjug- I, 8°8. Nrcissen, Conjug eb. Griechen, Conjug. I, 8rr. Rüren, Conjug. s. LrMren. L. L, N der Buchstab, dessen Aussprache, 1,16z. 2) Der Ableitungslaut, I, 22s. Laden, Conjug. I, 805. Län^s, Präposition, II, Lassen, Conjugation, I, 804. Verbindung mit dem Infinitive, II.452 Laufen, Conjug. 1,804. Laut, Gebrauch als Präposition, II, 120. Laurund Lamer, Unterschied, I, 124. Läuten, Conjugation, I, 808. Lebendig, ein abweichendes Wort, II, 16. Legen , Verbindung mit dem Jnnnirive, II, 4--?. Lehren, Verbindung mit dem Jvfinitive, 404- ob es zwey Accusative erfordert, 45». Leiden, Conjug. I, 8oZ. Leihen, Evnjug. eb. der vornehmsten Sachen. -— lein, Ableitungssylbe für Appellativa, 1,226.327. ihre Declination, 4??. Lernen, Verbindung mit dem Infinitive, II, 404. Lesen, Conjugation, I, 8c>6. Leute, Gebrauch dieses Wortes, I, 468. — ley, Ableitungssylbe, I, 226. für Gattungszahlen, 65z. — lich, Ableitungssylbe, I, 226. für Appellativ«, 527. für Umstandswörter, II, 51. für Veschaffenheirswör- rer, II, 70- — licht, Ableitungssylbe für Beschaffcnheitswöi tcr, 11,7z. Liegen, Conjugation, I, 8-8. — Ung, Ableitungssylbe, 1,226.579. Lippenlame, I, 128. Ludwig der fromme, dessen Verdienst um die Sprache, I, 4-. Lügen, Conjug. 1,8ir. Lungenlaure, I, 12«. Luther, dessen Verdienst um die Sprache, I, 62. M. M, i) der Buchstab, dessen Aussprache, l, i6z. 2) Der Viegungslant, 214. Machen, Verbindung mit dem Infinitive, 11. 408. — mahl, dessen Gebrauch in Zahlwörtern, I, 654. Mahlen, Conjngatiou, I, 805. Man, das Pronomen, I, 6yr. Mancher, dessen Bedeutung und Gebrauch, I, ?95>> Mann, wie die damit zusammen gesetzten Wörter zu de- cliniren, I, 468. f. Martianus Capella, alte Deutsche Übersetzung desselben/ I. 47- Material!«, Substantiv«, I, 291. z??. Mehr, dessen Sreigenmg und Gebrauch, 1,597- ^ Meiden, Conjug- I, ic-8. Melken, Conj. 1,8iz. — men, Ableitungssylbe für Verba, 1, 22?. 742. Messen, Conjug. 1,806. Minnesinger, f. Schwäbische Dichter. Mir, Gebrauch desselben, II, zz8. Miß — von den damit zusammen gesetzten Verbis, 1,86.. Mir, Präposition, H- Mithin. Register Mithin, Conjunttion, ll, 45>l. MittcKvort, s. Participium« Mitlaut, s. Tonsonanr. Modus Verbormn, I, 7;8. Kren Gebrauch, ZZ5. ZllSgen, dessen Conjugation, I- ?5>7- Verbindung mi! dem Infinitive, II, 402. Möncksscb'.ift, II, 6z8. Motion der Wörter, ihre Erklärung, 1,284» Movircn, Erklärung, I, 284. f. Mundart, Erklärung, I, 9. alte Mundarten Deutschlandes, >>,. heutige, 72. f. was Mundarten und verwandte Sprachen sind, 239- — Nied--rdcurschc, ältestes Fragment derselben, I, z6. Elandcnsbekcnntniß, 49. ihre Eigenheiten, 7?. f. — Hochdeutsche, ihr Ursprung und ihre ÄuSbildnng, I, 6i. Charakter derselben, 8->. f. ob und wie sie zu bereichern, 85- — Oberdeutsche, Eiaenhciten derselben, I, 74. f. Müssen, dessen Conjugation, I, 791. Verbindung mit dem Infinitive, II, 402. Muttersprache, Erklärung, 1.6. N> N, i) der Buchstab, defst-.: Aussprache, 1,16z. 2) Der Biegungslaut, 214. z) Der Ablcilungslaut, 2-.--. für Umsiandsworter. I!, 48. für Veschasscnhe:töwortcr,i58» Nach, Präposition, 11,129. wie es den Ort bezeichnet, 4?2. Nacbdeni, Cvnjnnction, II, 49». Nächst, Präposition, II, izs,. Nachsylben, Erklärung und Verzeichniß derselben, 1,21?. Nahmsn, allgemeine, ihe Ursprung, 1,202. s. Gar- tungsnanme. Eigene Nahmen, ihre Erklärung, 291. sind "eigentlich appellariv, 292. verschiedene Ärten, 29?. sie bedürft» teincs Artikels, eb. können Appellativa roerden, 296. ihre Declination, 5'-» nothwendige Bezeichnung des Casus, 5Z4. Nähinlich, Conjunction, 11,45". der Nähmliche, liiedrigeö Pronomen, I, 710. Nasenlaut, I. -28. Neben, Präposition, ll> 170. N^-benworr, s Adverbium. Nehmen, ConjugatlSN, 1^ 8t5» nen, der vornehmsten Sachen. — iien, Ableitungssylbe für Verba, 1,2.23.74z. Nennen, dessen Conjugation, I, 798. Verbindung mit dem Infinitive, II, 408. Nennwort, Erklärung, I, 258. Neutrale Verba, s. Intransitive, ng, Aussprache desselben, I, ,54. Nicht, Gebrauch dieser Partikel, II, 467. ihre Stelle in der Rede, 5Z>. Nickt allein, nicht nur, Coujuuctiou, II. 492. Nichts, dessen Bedeutung und Gebrauch, I, 60z. Nicdcrsächsische Mundart, s. Mundart. Niemand, I, 689. f. — inß, Ableitungssylbe, I,-26. für Appellativs, z-s. für Abstracta. ?Z7. Noch, Conjunction, II, 492., Nomen, Erklärung, I, 288. — appellarivum, s. Gattungswort. — collcctivum, f. CoUecrivum. — matcriale, 1,291. — proprinni, s. Nahme. Nominativ, Erklaruirg dieses Casus, I, Z90. wenn er mit dem Verb» verbunden wird, II, 414. dessen Stelle in der Rede, Nord, dessen Declination, I, 44'. Nolber, Nachricht von demselben, 1,47. Numeralia, s. Zahlwörter. Numerus Verbi, 1,760. dessen Gebrauch, II, 370.° Nun, Conjunctiv», II, 492. Nur, Conjunction, II, 49Z. O. G, der Vocal, Bezeichnung dcS gedehnten, 11-754» H, ob eS ein Doppellaut ist, 1,1-4. dessen Gebrauch, II. 75;. Bezeichnung des gedehnten, 759. Ob, Präposition, II, >Z8. Obgleich, obwohl, obschon, Eonjunctionen, l!,49Z. (Dder, Conjunction, 4K4. Ghnc, Präposition, II, »4?. mit dem Infinitiv und zu, 461. oi, dessen Aussprache, 1,141. — old, alte Ableitungssylbe, -?4. Adel.jd.Spr.U.L. Fff Construction, Abhandlung derselben, II, 587. ihre Erklärung, eb. wo sie Statt findet, 589. fehlerhafter Gebrauch, 607. Participium, ob es ein eigener Redetheil ist, I, 282. ob es ein Modus Verbi ist, 759. Arten desselben, 769. allgemeine Betrachtung desselben, II, z. Erklärung, 4. Verschiedenheit und Ableitung, 7» ist im Deutschen ein Adverbium, 12. leider daher die Steigerung und Concrctwn, eb. Verbindung mit Verbis, 4-so. dessen stelle in der Rede, 525. Gebrauch zur Zusammen- Ziehung der Satze, 587. f. — präsenris, dessen Bildung, II, 7. Bedeutung, iz. kann einen Casum regieren, »7. Steigerung, 18. Gebrauch zur Zusammenziehung der Sätze, 604. —. präteriti, dessen Bildung, II, 8. Bedeutung, 19. Concretion, 20. thätige Bedeutung, 2z. Fehlerhafter Gebrauch, 25. Zusammensetzung mit un, 26. Steigerung, 27. Anmerkungen darüber. 28. dessen Gebrauch nach kommen, 4c». Z»>r Zusammenziehung der Satze, 597. °- Lumri, vb es die De»tschen haben, II, z». Par« der vornehmsten Sachen. Partikel, Erklärung, I. 288. trennbare, L56. 86i. uiu trennbare^ 856. f. Passivum, dessen Bildung, l. 770. perfectum, Erklärung dieses Tempons, I» 765. dessen Gebrauch, II, Z79. Person des Verbi, Erklärung, I, 76«. ihr Gebrauch, II, Z65. Pf, dessen Aussprache? 1,164. wo es geschrieben wird, II, 772. Pfeiffer», Conjug. I, 8<-8. Pflegen, Conjug. I, 8-z^ PH, dessen Aussprache, I, 164. wo es geschrieben wird, II. 772. Plural, dessen Nothwendigkeit, I, zoi. Plusquamperfecmm, Erklärung dieses Tempons, I, 765. dessen Gebrauch, II, Z82. positivus, dessen Erklärung, II, 91. prädicar, dessen Erklärung. I, 27z. II, ?68. f. Präposition, Erklärung derselben, I, 27-;. 280. Abhandlung von denselben, U, 107. f. sie sind wahre Adverbia, m. ihre Bildung, uz. ihr« Rection, »8. ihr Gebrauch als Umstandswörter, 180. nehmen die Ca- suszcichcn an, >8>. Jusammenziehung mit Pronvmi- «ibus und Umstandswörtern, »82. Gebrauch solcher Partikeln, »86. Syntar. der Präpositionen, 469. ihre Stelle in der Rede, 520. Präsens, Erklärung dicscsTemporis, I, 760.765. dessen Gebrauch, 574. Präteritum, Erklärung dieses Tempons, 1,760.765. dessen Gebrauch, II, Z75. f. Z77> Preisen, Conjug. I, 808. Pronomina, ihre Erklärung, I. 27?. 278. Abhandlung von denselben, 669. ihre Eintheilung, 672. persönliche , 676. ihre Declination, 679. Gebrauch, 681. reciproca, 687. possessive, 69z. demonstrative, 700. determinative, 70z. relative, 710. fragende, 715. Syntar derselben, II, zz6. f. der persönlichen, zz?. der possessiven, Z46. fehlerhafter Gebrauch nach Genitiven, ?47- Gebrauch der demonstrativen , z;z. der determinativen, Z56. der relativen, Z62. der fragenden, 365. Verschweigung des Pronominis bey Verdis, Z67. Zff - Pro- " 5 Register Proportionale Sätze, II, 582. prosodie, ob sie in die Sprachlehre gehöret, I» n?. Grundsatz für dieselbe, 265. Psalter, aller deutscher, 1,4". Q. G, Ursprung im') Aussprache desselben, 1,164. dessen Gebrauch, 11,77- Gucllen, Conjug. 1,8iz. R. R, 1) der Buchstab, dessen Aussprache, I, i<56. 2) Der Biegungslau-, l, 2-4. z) Der Ableitungslaut, I, 220. Raban MauruS, I, 4». Rächen, Conjug. I- 8iz. Rathen, Conjugation, I, 8?4. Rechtschreibung, s. Orthographie. Reciproke Verba, I, 7Z2. Erklärung. 872. Form, 8?z. Conjugation, 874. CasuS des Pronominis, 875. Rection der Wörter, Erklärung, II, 284. Redesatz, s. Svnrar und Wortfolge. Redetheile, Erklärung u Eintheilung derselben, I, 267 f. allgemeine Übersicht derselben, 274. Reformation, ihr Einstuft auf die Sprache, I, 61. Regeln, Erkläruug derselben, I, 91. Ausnahmen von denselben, 94. Reiben, Conjug. I, 8c>S. Reisten, Conjug. I, 808. Rciccn. Conjug. 1,508. Verbindung mit dem Infinitive, ll, 4^8. Remotive Sätze, II, 485. —. ren, Ableitungssylbe für Verba, I, 74z. Rennen, dessen Conjugation, 1,795. Resrriclive Sätze, II, 58;. Riechen, Conjng. I, 8li. Ringen, Conjug. I, 817« Rinnen, Conjug. I, 8'<5. Roman, ältester Deutscher, l,;6. Rufen, Conjug. I, S-b. S. S, der vornehmsten Sachen. S. S, i)der Buchstab, dessen Aussprache, I, '66. 2) Der Bicgungslaut, 2-5. z) Der AbleitungSlaut, 221. für Umstandswörter, II, ;z. — fal, Ableitungssylbe, I, 226. für Appellative!, Z28. für Aosiracta, zz?. Salischcs Gesetz, 1,34. Salzen, Conjugation, 1,805. — sam, Ableitungssylbe, I, 2:6. für Abstraeta, ?z8. für BcschaffenbeitSworter, II, 7z. Sanimcl'.vort, f Colleciivum. Sämmtlich, ob eS ein Zahlwort ist, I» 60z. Gäste, Erklärung derselben, II, ;66. ihre Eintheilung nach der Materie, 57'- nach der Form, 57?. zuscmi^ men gesetzte, 576. ihre Arten, 577- f. ihre Ansam- menziehuug durch die Adverbia und Participia, 587- , Sausen, Coujug. I, 8'8. Sangen, Conjug. 1.8>S. Sauselattte, ihre Emrheilung, 1,129. Aussprache, 166. f. wie sie zu schreiben, II, 77z. Sä?, i) der Buchstab, dessen Aussprache, I, 172-. wird im Schreibe» nie verdoppelt, ll> 7Z4°--775. -) Der Üib- leirungslaut, I, 221. Schaffen, Conjugation, I. 806. — schaft, Ableitungssylbe, I, 226. für Collectivs, zzi. für Abstracia, z?8. Scheiden, Conjugation, I, 8^8. Scheinen, Conjug. I, 8^8. Sctielten, Conjug, I> 8-;. — scken, Ableitungssylbe für Verba, I,---z-74Z. Gckeren, Conjug. 1,8>z. Scheuen, Conjug. I, 809. Schieben, Conjug. I, 8-r. Schießen, Conjug, I, 8i-. Scbinden, Conjug. I, 5'7« Scklafen, Conjug. 1,8^5» Schlagen, Coujug, i. 8c>6. Schlcicken, Conjug. 1,809. Scrileiffiii, Conjug. I, 8^9. ?. Schnieben, Conjug. I, 8n. Schrauben, Conjug, I, 8>8. Schrecken, Coujug. I, 8i?. Scdreibegebrnuck, Erklärung und Ansehen, II, 696. 707. Freyheit voir demselben abzuweichen, 7'5>. Schreiben, Conjug. I, 8^9- Erklärung und Ursprung desselben, II, 6,6. , Schreiten, Conjug. I, 80?. Schreyen, Conjug, l, 805. Schrift, ihr Ursprung, II, 616. Schroten, Conjug, 1,8>8- Schwäbische Dichter, ihre Veranlassung und ihr Charakter, l, 5->. f. Ursachen ihres Verfalles, 56. Sckwären, Conjug. I, 8>z. Schweigen, Conjug, I, 809. Schwellen, Conjug. 1,814. Schwimmen, Conjug. I, 816. . Schwinden, Conjug. I, 817. Schwinge», Conjug. 1,817. Schwören, Conjug. I, 8l4- Gehen, Conjug. 1,807. Verbindung mit dem Infinitive, II, 4?4- Seihen, Conjug. 1,809. Seidiger, determinatives Pronomen, I, 7^7. f. Gebrauch statt des persönlichen, II, Z42. dessen Gebrauch, ?6c>. Selbst, Gebrauch, I, 686. Selbständig, Erklärung, 1,2,7z,. Selbständigkeit, wird durch die Artikel bestimmt, l, 54s. verschiedene Arten derselben, 542. — seiig, AbleitungSwott für Veschaffeuheirswörter, II. 75- — seln, Ableitungssylbe fürVer^a, I, 22.?. 744. Semi-Colon, dessen Gebrauch, II, 794. — scn, Ableitungssylbe für Verba, I, 22z. 744. Senden, Conjugation, 1,75^. Seyn, der vornehmsten Sachen. Seyn, dessen Conjugation, I> 774. Gebrauch bey Jntransi- tivis, 8?-?. 825. Verbindung mit dem Infinitive, 11,409. Sich, Gebrauch desselben, II, Z4-. Sieden, Conjug. I, 8>>. Siegeslied auf Ludwig z. I, 46. Singen, Conjug. I. 817. Sinken, Conjug. I, 817. Sinnen, Conjug. l, 8>6. Sinrcniahl, veraltete Conjumtion, II, 45,4. Sitzen, Conjug. I, 8>8. So, relatives Pronomen, I, ?>?. Conjunctiv», ll. 494. Solcher, determinatives Pronomen, I, 709. dessen Gebrauch, II, Z61. Sollen, dessen Conjugation, 1,74z. Verbindung mit dem Infinitive. II, 40?. Sonder, Präposition, II, 150. Sondern, Conjunclion, II, 495. Sonst, Conjunclion, II, 495. Spalten, Conjugation, I, 805. Speisen, Conjng. I, 809. Speycn, Conjug. 1,809. Spinnen, Conjug. I, 8>6. Gpleissen, Conjug. 1,8-^9. Sprachahnlichkeit, Erklärung derselben, l, ??. ihre Herrschaft, 1,110. Sprache, Erklärung, l, z. lebendige, todte und gelehr« te, 6. sie folgt der Cultur, 7. erste Sprache, rs. alte europäische Sprachen, n. Ursprung der Sprache, 177. f. wer sie erfunden, »8z. ist Nachahmung der tönenden Natur, 192. 20s. entwickelt sich mit der Vorstellung, 192. Gründe der Verschiedenheit der Sprachen, »97. f. 204. 229. was fremde Sprachenverwandte Sprachen und Mundarten sind, 259. f. Deutsche, ihie Geschichte, 14. f. Veränderung im i4tcn Jahrhundert, 58. f. S. auch Mundart. Sprachfehler, Erklärung derselben, l» l«4. Sprachfigurcn, Ursprung derselben, I, 201. ihre Vermehrung, 229. Sprachgebrauch, Erklärung und Herrschast desselben, I> 97- lc-9. Sprachkenntniß, Erklärung, I» 92. Sprachkunde, Erklärung, I, 92. Eprachrunst, Erklärung, I, 52. ihre Würde, 1,4. Sprach- » Register Sprachlehre, Erklärung derselbe», 1,91. ihre Einthei- luNZ, ll?. Sprachlehrer, dessen Pflichten und Befugnisse, I, -iz. Sprachre^eln, Erklärung derselben, 1,9,. Ausnahmen davon, 94. sie umfassen nicht alle Fälle, 96,. wie sie beschaffen seyn müssen, 11z. Sprachwissenschaft, Erklärung, 1,9-. Sprechen, Erklärung, l,z. Conjugation dieses Verbi, 815. Sprießen, Conjug. I, 8n. Springen, Cvnjug. 1,817. ß, dessen Aussprache, I, -66. f. 171. f. ss, dessen Laut, 1,167. f. 172. st, i) oer Bieguugslaut, I> 2,1?. 2) Der Ableitungslaut, 1,^2. sürAbstiacta, zz8. für Umstandswörter, II, 54. Srainmwort, Erklärung, I, 2,27. Statt, die Präposition, II, »18. — ste, der Ablcilungslaut, 1,222. Stechen, Cvnjug. 1,815. Stecken, Cvnjug. I, 8«?. Stehen, Cvnjug. I, 818. Stehlen, Conjug. 1,815. Steigen, Cvnjug. -I, 8c?9. Steigerung, Erklärung, !, 2,87. 640. II, 90. Arten derselben, I, 640. II, 92. wie sie geschiehet, 94. abweichende, ic>z. defcctive, is4> Umschreibung der Steigerung, 105. Sterben, Cvnjng. I, 815. Stieben, Conjug. I, 8>i. Stinken, Conjug. I, 817. Stoßen, Conjug. I, 8i8. Streichen, Conjug. I, 809« Streiten, Conjug. 1,809. Subject, dessen Erklärung, 1,27z. 11,568. Substantiv, dessen Erklärung, 1, 274. 275. f. Arten desselben, --59. concrcle, 290. f. abstracce, 2>>o. Z??. f. Bildung der Sui'stamive, ?V9. Wurzclwörter unter denselben, eb. Ableitung derselben, zlz. ihr Geschlecht, f. Declination derselben, 387 f. de-^ fective Substantive, 46-. indeclinabile, 465. Sub- siantiva mehrerer Declinationen, 466, dessen Bestimmung durch den Artikel, II, 285. dessen Verbindung mit andern Substantiven. 307. mit dem Adjective, Zbz f. mit dem Verbo, 4-Z f. Sud- der vornehmsten Sachen. Substanz, was es ist, I» 272,. SUd, dessen Declination, 1,441. Superlativ, dessen Bildung, II, 46. wird nicht als Adverbium gebraucht, II, i der Ableitungssylben, 2-:?. tonlose Sylben, 254. gedehnter und geschärfter Ton, 25?.' Übergang des ersten in den letzten, 256. Merkmahle des gedehnten Tones, 2,58. und des geschärften, 261. Ton der zusammen gesetzten Verkomm, 859. der zusammen gesetzten Wörter, II, 267. Tragen, Conjugation, 1,806. Transitive Verba, 1, 752. Treffen, Coujng. I, 815. Treiben, Conjug. 1,8^9. Adel.D.Spr.H.O, Ggg Treten. Register Treten, Conjugation, 1,807. Triefen, Conjugation, 1,812. Trinken, Conjugation, I, 817« Triphchsngus., s> Dreylaut, tz, dessen Gebrauch, ll, 781. u. U, der Vocal, Bezeichnung des gedehnten, II, 754. ü, ob es ein Doppellaut ist, 1.1?4- dessen Gebrauch, II, 755. Bezeichnung des gedehnten, 760. Über, in zusammen gesetzten Verdis, 1,867. Bedeutungen als Präposition, ll, ,71. Mphilas, Nachricht von demselben, I, 21 f. Um, 1) Partikel, in Zusammen gesetzten Verbis, I, 867. 2) Präposition, ihre Bedeutungen, II, 151. z) Conjunctiv«, II, 495. Umstand, Erklärung, !l, 34. Umstandswörter, ihre Erklärung, I, 274 f. 606. II, 34. wie daraus Adjectiva zu bilden, I> 6io. Betrachtung derselben, II, z6. ihre Bildung, II. 4«. wie sie con- cresciert werden, II, 8?. ihre Stelle in der Rede, 5'6. Un —, Ausammensetzung mit Participiis Prä'teriti, 11,26. Und, Conjunction, II. 496. Unfern, Präposition, II,-21. — ung, Ableituugslaut, I, 2,9. für Appellative-, 329. für- Collectiva, zzi. für Abstraeta, zz9- Ungeachtet, Präposition, II, '2?. Conjunction, 11,497. Unpersönliches Verbum, S. Verbum. Unselbständig, dessen Erklärung, I, 27^. Einthcilung desselben, 27; f. Unter, in zusammen gesetzten Verbis, 1,86?. Bedeutungen als Präposition, II, 175. Unrveit, Präposition, II, 12». Ur—, untrennbare Partikel, I, 8??» —uth, Ableitungssylbe, I, 222.224. Uu, ist veraltet, II, 755. V. V, dessen Aussprache, I, 174. wo es geschrieben wird, II, 77°. Vater unser, alte Deutsche, I, z?. 44. 4?. Ver— die Vvrsylbe, l, 218. für Verba, 72z. ist untrennbar, 857. Ver- der vornehmsten Sachen. Verbleichen, Conj. I, 809. Verbum, Erklärung desselben, l, 275. 279. 718. dessen Bildung, 718. Ursprung und Materie, 721. Ableitung von Substamiven, 725. von Verbis, ?»6. Ableitung durch Vorsylben, 729. Ärtcn der Verborum, 75?. intransniva, 751. S. Intransitive, transitiv«, 752. rcciproca, eb. 872. factitiva, intensiva, u. s. f. 75z. persönliche und unpersönliche, 7?^. reguläre, cb. Conjugation der Verborum, 755- Form und Genus, 757 f, Modus, 758. Tempus, 760. Ursprung der irregulären Verborum, 78z. ihre Einchcilimg, 794 f. zusammen gesetzte, 8;6 f. unpersönliche, 877 f. Syn- «ar des Verbi, II, 365. Gebrauch der Personen, z6z. der Zahlen. -70. der Zeiten, 74. der Modorum, -85. Verbindung eines Verbi mit dem andern, Z99. mit dem Substantive, 41z. mir dem Nominative, 414. mit dem Genitive, 419- mit dem Dative, 4?i. mit dem Accusatwe, 44z. Verba mit zweyen Accusativen, 447. dessen Stelle in der Rede, 517 f. Verderben, Conjug. 1,8'5. Verdoppclungszahlen, I, 65S« Verdrießen, Eonjug. I, 8r^ Vergessen, Eonjug. l, 807. Vergleichen, Conjug. I. 80?, Vcrhältnißzahlen, I, 65?' Verlieren, Conjug. I, 812. Verlöschen, Conjug. I, 814. Vermittelst, Präposition, II, »l« Vermöge, Präposition, II, 121. Verneinung, Gebrauch derselben, II, 467. »hre Stelle in der Rede, Lzi. Verschwinden, Conjug. l, 817. Verfngon, Conjug. I, 809. Vervielfältigungszcchlen, I, 654. Verwirren, Conjug. I, 812. Verzeihen, Cvnjug. I, 810. Viel, dessen Declination und Gebrauch, 1,591.' Vielmehr, Conjunction, II, 497. Vscabnlaria, alte Deutsche, l, z;. 40 f. 47.5^ Vocale, Erklärung derselben, I, 124.125 f. ihre Aussprache, -LZ f. so genannte unreine, iz?, ihre Ver- Ggg s doppe- Register Koppelung, iz?. sind der minder wesentliche Theil de," Wörter, -99. Vocativ, Erklärung dieses Casus, I, ?so. Gebranch, II, 4'4. Volk, Erklärung, I, 5. Völkerschaft, Erklärung, 1,5- Voll, in zusammen gesetzten VcrbiS, I, 8,7- Von, Präposition, I, wenn es den Genitiv um- scyreibt, II, ?>o. z^o. Vor, Präposition, Unterschied von für, II, 140. -45- Bedeutungen , II, 177. Vorsylben, Erklärung und Verze.ichniß derselben, I, 217. W. U), dessen Aussprache, I, -75. rvachsen, Conjugation, I, 8s<5. U?ägen, Coujug. I, 8-4. Nährend, Gebrauch als Präposition, II, 12». LVas, relatives Pronomen, I, 71z. fragendes, 716. determinativer Gebrauch, II, z6o. Waschen, Conjugation, I, 806. Xvcven, Conjug. 1,514. lvcder, Conjunction, II, 497- wegen, Präposition, II, 12z. ZVeichen, Cvnjug. I, 8'->. ZVeil, Conjunction, II, 497. weisen, Conjug. I, Lio. Welcher, relatives Pronomen, I» ftagendeS, 715. Gebrauch desselben, -II, ?6». Wenden, dessen Conjugation, 1,799. Wenig, dessen Declination und Gebrauch,!»592. Wenn, Conjunction, II, 497. wer, relatives Pronomen, I, 712. fragendes, 715. determinativer Gebrauch, II, z6o. werben, Coujug. 1,815. werden, dessen Conjugation, l, 777. Verbindung mit dem Infinitive, II, 40z. Werfen, Conjug. I, 8-;. West, dessen Declination, I, 441. Wider, macht zusammen gesetzte Verba, 1,857« Bedeutungen als Präposition, II, 154, Unterschied von wieder, eb. wie. der vornehmsten Sachen. U?ie, Conjunction, H, 498. rviederhohlungszahlen, I, 654. wiegen, Conjng. I, 812. rviUeram, Nachricht von demselben, I, 49. Winden, Conjug. 1,817. rvittl/en, Conjug, I, 8>7- rvissen, dessen Conjugation, I, 799- ob es den Conjunctiv erfordert, II, Z8?. rvo, relatives Pronomen, I, 7'4. Conjunction, II, 45>8. wofern, Conjunction, II, 4?8. Wohl, Conjunction, II. 4Sli. Wohllaut, wen» er in der Sprachlehre entscheidet, I, m. Wollen, dessen Conjugation, 1,799. Verbindung mir dem Infinitive, II, 40z. Wort, Erklärung desselben, I, 178. Wörter entstehen wie die Begriffe, 191. Ursprung ihrer Biegung und Ableitung, von den Wörtern als Nevctheilen, 267 f. Theilung der Worter, II, 782. Wortfolge, Vortrag derselben, II, 59z. f. Erklärung derselben, 50z. von derselben überhaupt, ?->z f. von der Wortfolge nach der GemmhSsiellnng des Redenden, 5?2 f. die natürliche, zz?. die fragende, 5-y. die verbindende, wmiscken, Conjug. l, 817. Wurzellante, nackte, I, 19?. Wurzelwortcr, 1,194. sind ursprünglich einsyldig, 200^ der Zahl nach in allen Sprachen geringe, 201. Erklä- rung derselben, 227. X. X, dessen Aussprache, 1, -75. wo es geschrieben wird, II, 769. V- P., dessen Erklärung rmd Aussprache, I- -Z9, drssen Gebrauch, II, 762. Z. 5, 1) der Buchstab, dessen Aussprache, l, 167 s. -75. ob es ein doppelter Buchstab ist, 17;. wo es geschriebett wird, II, 766 f. 2) Der Adleitungslaur, l,>2>. Ggg Z " Zahl- Register der vornehmsten Sachen. Fahlwörter, Erklärung derselben, 1,277. Abhandlung von denselben, ;^4 f. ömthcilnng, 556. bestimmte, cb. ihre Zusammensetzung, 560. ob sie den Artikel leiden, 5^2. balbirende Zahlen, 57?. allgemeine Aahlwöi'tcr, 58?. Aejeciivische, 646. Arten derselben, 648 f. ihr Gebrauch, II, zz2. Verbindung mit dem Genitive, zzz. Zahnlaute, 1,128. Zeich-n, orthographische, Abhandluirg derselben, II, 791. IeiKni, Coiijug. 1,870. AciiWorr, 5 Verbum. Untauglichkcit dieses Ausdruckes, I, 720. — zcln, Adlcitungssvlbe für Verba, I, 745. —-zen, Äbleitungösnlbe für Verba, I, 22,7. 74;. At>r — die Vvrsnlbc, I, 2,8. für Verba, 7Z4. ist untrennbar, 857. Ziehen, Conjug. I, 8-2. — >ut, Ableitungssylbe, I, 226. Zischlaute, I, 129. Zu, Präpesirion, II, 155. vor Infinitiven, Gebrauch, !l, 4c?!). ^I'. Aussige, Präposition, II, 156. Zumahl, Conjunctiou, II, 49z. Zungenlaute, I, -28- Zusammensetzung der Wörter, II, 2»? f. ihre Erklä« nmg, 209. Absicht derselben, 21z. bestimmte Stelle jedes Theils, 2,6. fehlerhafte, 219. Veränderung der Wörter in derselben, 222. Trennung derselben, 227. vielfache Zusammensetzungen, eb. verschiedene Arten der zusammen gesetzten Wörter, -zi f. Regeln für die Zusammensetzung,^ 252 f. Ton der zusammen gesetzten Wörter, 267 f. wie sie zu schreiben, ?!? f- Zusammen gesetzte ^>erba, Abhandlung derselben, I,8;6 f. ächre, mmchle, »62. ihre Behandlung in d»r Wortfolge, II, 52z. Zuwider, Präposition, !I, >Z7» Zwar, Eonjunction, II. 499. Zwev, dessen Declination, 1.568. 57«. Zwingen, Conjug. I, Zi?. Zwischen, Pmpvsnion, II, -79. H-r^M?:-^ K m W ^ ^ S- -^O^^