? Beyträge zur Kunstgeschichte der Reichsstadt Nördlingen, von Daniel Eberhardt Beyschlag? Rektor in Nördlingm. Erstes Stück» Von der Formschneideret). Nördlingen, bey Karl Gottlob Beck, 179L» Semer Hochwürden und Gnaden dein Herrn Michael des H. R. Reichs Prälaten, regierenden Abt und Herrn des unmittelbaren, freyen Reichsstiftes Neresheim für die großgünstige Bewilligung literarischer Hülfsmittel auö der Reichsstift Neresheimischen Klosterbibliotheß zur schuldigsten Dankesbezeugung devotest gewidmet - von dein Verfasser» Beytrage zur Kunstgeschichte der Reichsstadt Nördlmgen. Honos alit: Aktes. Von der Formschneiderey. am Schlüsse des sechsten Stückes meiner Schulgeschichte gethane Versprechen zu erfüllen, und dennoch dem gerechten Vorwurfe zu entgehen, daß ich durch zu ausführliche Nachrichten von Nebensachen mich zu weit von der Hauptsache verliehre, Az will will ich diese Nebensachen nach und nach miter eigenen Aufschriften dein Publikum mittheilen, dabey aber mir die Freyheit vorbehalten, bey der Fortsetzung meiner Schulgeschichte, solche Nebensachen in aller Kürze anzuführen, die zur Erklärung oder Bestätigung derselben dienlich seyn möchten. Für jetzt mache ich mich an den Versuch einer Kunstgeschichte der Reichsstadt Nördlingen, die ich in einigen Stücken zu vollenden gedenke. Auch hier habe ich den verdienten Herrn Rektor Gchöppei-- lm zu meinem Vorganger, dessen Hand» schriftlich hinterlassene Arbeiten (l) ich dank- ,) Herr Rektor Schvpperlin widmete den Nedeactus von 1769 laut des Programms ganz der Nördlingischen Kunstgeschichte aus den alten Zeiten. Deren erstere handelte äe csulis Anticzui splenäons AorälmAae sb artikus conclligti; die vier übrigen aber handelten von den so- ? dankbarlich benutzen, aber auch hie und da durch geneigtest mitgetheilte archivalische Nachrichten vermehren und berichtigen werde. Dießmal werde ich mich allein mit der Formschneidekunst beschäftigen, von den übrigen Künsten, die Schöpperlin bearbeitete, soll die Buchdrnckerkunst und die schö, ncn Künste bald folgen; die andern aber werde ich erst dann vor die Hand nehmen, wann ich meine dazu bestimmte Kollecta- rieen hinlänglich angefüllt sehe. Wenn ich den bey Untersuchungen über die älte« sie Kunstgeschichte fast allgemein befolgten Grundsatz, aus dem Zunahmen eines Mannes auf fein oder seiner Vorfahren A 4 Ge, genannten schönen Künsten; von den mechanischen Künsten; von den ritterli, chen Künsten; und von den gewerblichen Künsten. Im Jahr 1771 aber ließ er unter mehrern andern historischen Neben auch eine von den Nörolingischen Dn»< ckerpressen halten. . 8 Gewerbe zu schließen , als gültig anen kennen könnte, so würde ich gegen einen Schöpfen, Meennann, von Heine- cken, Sreirkopf, Denis, Zapf und andere, die über die Buchdruckerkunst ge, schrieben, und durch die bereitwilligste Mittheilung aus den Bibliotheken des Aeict) stifls lTleretcheim, des Herrn Professor's N?ill zu Alldorf, und anderer schätzbarer Gönner meine Führer und Lehrer in diesem Fache geworden sind, behaupten, baß der Anfang der Buchdruckerkunst , oder vielmehr ihrer Vorspiele nicht in -Hartem, Strasburg und Maynz, sondern zu !7?ördlingen, oder wenigstens in di-ss-n Nachbarschaft zu suchen sey. Denn in den Stemrbüchern von 1405 und 1406 finde ich in Reimlinger Gasse einen Drucker und in dem Zinßregifter der St. Geor» gen Kirche, aus eben diesen Zeiten, einen andern Drucker, der in dem benachbarten Dorfe Reimlingcn gewohnt.^! Allein, da ich 9 ich Sey weiterm Nachschlagen den hiesigen Drucker als einen ehrsamen Becker, den von Reimlingen aber als einen Bauersmann charaklerisirt finde, so könnten diese zwey Drucker, odereiner ihrer Vorfahren von dem langsamen Bezeugen im Ncdcn und Handeln, das man noch heut zu Tage von dem bessern Worte Druck-n in fte- qucntaliver Form Drocksen oder Drucksen nennt, eben so gut ais von ihrem Ge? schäste, oder von dem ihrer Vorfahren, den Zunahmen Drucker oder Drockser erhalten haben. Doch vielleicht ließe sich aus einer andern Angabe erweisen, daß das Drucken am Ende des vierzehnten Jahrhunderts in Nördlingen kein unbekanntes Geschäfte gewesen. Wie aus Galem und anderen (2) bekannt ist, so A 5 ga> 2) Fortsetzung der allgemeinen Welthisiorie der neuern Zeiten, z?. Theil von G. A. Galetti, Hall?, bey Gebauer 178?. Ceite 217. gaben vermuthlich die Franziskaner und Dominicaner, die sich in den ältesten Zeiten den Unterricht des Volks vorzüglich angelegen seyn ließen, den ersten Holz - oder Formschneidern die Idee an die Hand, Bilder der Heiligen anfangs ohne, dann aber auch mit Text, in Holz zu schneiden, abzudrucken und mit Farben ausznstreichen, oder ausstreichcn zu lassen, damit sie nicht nur ihren Unterricht anschaulicher machen, sondern auch die frommen Gaben mit kleinen, wohlfeilen Geschenken erwiedern und zugleich die Verehrung der Heiligen befördern könnten. Nördlingen nun hatte gleich nach dem Ursprung des Ordens schon 1208 eine Kolonie Franziscancrmönche erhalten, die bis zur Reformation thätigst den Zweck ihres Ordens zu erfüllen sich bestrebten. Im ältesten Necrolog dieser Mönche, der sich mit dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts schließt, finde ich VII. 16. Zuüi. 0. fr. K. luZer Is/cy optim9 inci- incilor ÜFnor^.. welcher demnach der älteste bekannte Holzschneider wäre, da bisher vor dem Johann Meidenbach, der um 1445 für Johann Guttenberg arbeitete, kein Holz - oder Formenschneider namentlich bekannt war. (z) Da unser H. Luger zwischen dem Ende des vierzehnten und dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts gelebt hat, so wäre es wohl mög, lich, daß er bey seinen Arbeiten sich eines Gehülfen bedient hätte, der von der Neuigkeit der Sache den Namen Drucker erhielt, welcher dann auch auf seine Nachkommen fortgepflanzt wurde. Freylich könnte man aus dem incilor ÜAnorum auch einen Bildschnitzer oder Bildhauer machen, allein ich finde immer, daß unsere z) Herrn von Heineckens Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen, 2 Theile, Leipzig 176z und 1769. 8. Hier wird Theil II. Seite 108 dieß noch als zweifelhaft angegeben. 12 sere Franziscaner die Beschäftigung der letztem durch tculpere ausdrücken. Da- her glaube ich auch, daß sie bey ihrer sonst gewöhnlichen wörtlichen Ueberschung deutscher Wörter auch dießmahl das mci» sor iiZnorum buchstäblich genommen, und sich zugleich ächt lateinisch ausgedrückt ha, ben. Gesetzt auch, daß man unsern H. Luger für keinen Holz - oder Formschneidee anerkennen, und so unser Nördlingen um die Ehre bringen wollte, das erste Vorspiel zu der Erfindung der Buchdrucker- kunst gegeben zu haben, so kann ich ihm diese Ehre durch eine andere Angabe sichern. Gerade in dem Jahr, in welchem Lorenz Ianszon, unrichtig Koster genannt, seine erste Versuche zu Harlem (4) soll gemacht haben, findet man in dem Steuerbuche von i428einen)VithalmBrifrrucker. Durch die« 4) Herr von Heinecken Theil II. Seite 114» Galetti a. a. O. Seite 218. -? diese Angabe aufmerksam gemacht, schlug ich die bereits durchgebläiterten Steuerbücher der vorhergehenden Jahre nochmals nach, um durch ihr Zeugniß gewiß werden, daß das Wort Briftl ucker kein Annahme, sondern der GewerbSnahme des aufgefundenen Wilhelms sey , wiewohl auch ersteres für die Buchdruckergeschichie nicht unwichtig wäre, da man zu den Zöriefmahlern, die als Vorarbeiter der Buchdrucker angeführt werden, nunmehr «ach Urkunden auch einen Vriefdrucr'er zählen könnte. Da ich den nemlichen Mann , der 1428 Wilhaun Rriftrucker heißt, von 1417 an, wo sein Vater mit ihm steuert, ülViihelm Regler genannt sah : so zweifelte ich nicht mehr, daß er 1423 statt des ZunahmenS, wie es in alten Ur« künden etwas gewöhnliches ist, mit seinem Gewcrbsnahmen benannt werde. In die» ser Meynung wurde ich dadurch bestärkt, weil er zwar bis 14Z8 als Wilhelm Keg- Regler sortgchVork wird, 1439 aber, als Wilhelm BrieftlUcker unter den Zünfte meistern vorkommt. Unter diesem Nahmen lauft er unter den Zunftmeistern fort bis zum Jahr 1450, wo er unter seinem eigenen Nahmen als N)i!helm Regler erscheint, unter welchem er auch noch 1451 als Zunftmeister angeführt wird. Im Jahr 1452 steuert er als "Wilhelm Vrieftrucker wieder unter den Bürgern, und muß vor Martini 145z gestorben seyn, da ich ihn in dem Steuerbuch dieses Jahres nicht mehr finde, wohl aber seine Wittib. Denn so lese ich 145z: Aic Drieftruckerin (steuert) Li Ort 1 U. Neugierig den Vater unseres Wilhelm Keglers kennen zu lernen, um aus seinem Gewerbe auf die Briefdruckerey des Soh- ues einen Schlnß machen zu können, gieng ich in den Steuerregistern immer vorwärts, und da fand ich von 1416 bis 1410, daß sein !5 sein Vater, (neben dem er immer als Wil- helin sein Sohn steuert) bald Heinrice Kegler, bald Heinrice Keller, bald Hern- rice Gucker genannt wird. Gewohnt, im fünfzehnten Jahrhundert bey einem Hainz an einen Bürger, bey einem Hainrich an einen Geschlechter, bey einem Heinrice aber ün einen Gelehrten, Schreiber, oder Künstler zu denken, hielt ich auch diesen Heinrice für einen aus der leßtern Klafft, und fand ihn auch 1412 als Schreiber angeführt« Daß er bald Keller, bald Kegler genannt wird, kommt daher, daß er, nach der im sechsten Stücke der Schul- gescbichte angeführten Gewohnheit, den Nahmen seines Weibs annahm, die vorher einen andern Mann gehabt, und ihm unsern Wilhelm Kegler als Sliessohn zugebracht hatte. Denn in dem Stadtpfand- buch, das mit dem Jahr izyo anfängt, steht gleich auf dem dritten Blatte: ,,Jt« -,?lno dni m, ccc. Ixxxxlj uf lelare Hain- „rics ?6 „rice keller vud It!mel keglerin sin hussco ,,sind schuldig worden Hainrich im Rathus „von petzen vnd sinen erben xxxij U „der stat wcrunq vnd der sollen si all „qotemb iz E bezalen in Hanß PsemangerS „gemalt als lang bis das bezalt wird vnd „darvmb sol der selb Hans ysemanger dez „selben hainrichs im RauthuS vollen gcwalt „haben als er selb." Demnach war also „unser Bn'efrrucker, der niemals Reller, aber wohl Regler heißt, der Stiefsohu -Heinrice NeUers des Schreibers, der, weil er nirgends unter den hiesigen Amt- leuten vorkommt, vermuthlich vom Ab, schreiben der Bücher lebte, und zu einem reichlichern Broderwerb auf mancherley Vortheile verfiel, die andern Abschreibern unbekannt waren, oder von ihnen wenigstens nicht benutzt wurden; daher ihm der Brodneid den Bey - oder Spitzname» Gucker gab. Da -7 Da nach Breitkopf (z) die Künste der Schönschreiber und Buchstabenmahler schon in vielen Jahrhunderten vor Erfin» düng der Buchdruckerkunst darin bestanden, daß sie durch Holzformen die Buchstaben und Figuren vordruckten, welche sie theils mit Farben umzeichneten, theils damit ausmahlten: so möchte sich vielleicht Hein- rice Keller auf die Verfertigung solcher Holzformen oder Stampillen gelegt, und dadurch den Neid seiner Kunstgenossen er» regt haben, die ihn dafür mit dem Spottnahmen des Guckers beehrten, welches Wort von Gucken, neugierig nach etwas sehen, herkommt. Da mit Gucken das alte deutsche Lugen, nach Wachter und Hal- 5) I- G. I. Breitkopfs Versuch, den lw sprung der Spielkarten, die Einführung des Leinenpapiers und den Anfang der Holzschneidekunst betreffend. Erster Theil 1784. 4» Seite 8. B / -8 Haltaus, einerley Bedeutung hat, uue mit weniger spöttischen Nebenbegriffen, so könnte unser Heinrice Gucker und der incilor IiZnorum H. Luger wohl gar eine und die nemliche Person seyn, wenn nicht sein Todesjahr 1424. über die Reno, valion des dritten Necrologs vom Jahr 1416 hinaus fiele, worinn man den H. Luger vergeblich sucht. Vielleicht aber daß beide, aus der nemlichen Ursache einerley Beynahmen erhielten, der für einen Zunahmen galt, nur der eine früher, der andere später; so daß wir mit einem Mahle zwey Fvrmschneider nach einander hallen, den einen H. Luger, den andern Heinrice Gucker zubenannt. Daß ich dieses, ohne Zustimmung der Urkunden von dem letztem vermuthe, dazu berechtigt mich das Gewerbe des Sohnes, der 1428 Willialm Brieftrucker genannt wird und als solcher mehrere Jahre lang unter den Zunftmeistern vorkommt. Nach seinem Tode steuert von I45Z !45Z sein? Wittwe mit Ihrem Sohn Icronimus Brieftrucker, neben dem 1455 noch sein Bruder, Vviihelm Brieftrucker vorkommt. Mit 1457 zog seine Wittib von hier weg, und sein Sohn N):!helm Brieftrucker verlieh« sich 1461 aus unsern Steuerbüchern, weil er entweder hinweggezogen oder gestorben war. Der zweyte Sohn Hieronimus Brief- erucker kommt bis .484 in unsern Ur, künden vor, aus welchen zu ersehen, daß er zwar den zum Zunahmen gewordenen Gewerbönahmen seines Vaters, aber nicht sein Gewerbe oder Kunst fortgeführt. Denn nach einer Urphed vom Jahr 1484 war Ierommus Brieftrucker ein Tuch, scheerer. Da er sich Montags NachtS vor exalt. cruc. auf der Gassen übel auf» geführt, kam er ins Narrmhauslem und von da ins Loch, und wurde darauf bis zur ausgehenden Messe ans der Stadt ver, wiesen, aus der er wahrscheinlich ganz B s ge>- 20 geblieben. Daß sein Bruder Wilhelm gleich dem Vater den Briefdrucker gemacht, getraue ich mir aus Mangel an sichern Nachrichten nicht zu behaupten. Die seit izoo auch in Deutschland bekannt gewordenen Spielkarten wurden anfänglich gemahlt, nach und nach aber dachte man auf Mittel sie so wohlfeil als möglich zu liefern, und so kam man dann auf den Einfall (6) die Figuren der Kar« ten gleich den Fumren der Bücherabschreü ber in Holz zu schneiden. Diese Holzschnitte bestrich man mit Farbe, legte ein etwas angefeuchtetes Papier darauf, und fuhr mit einem hörnernen, oder vielmehr härenen Reiber über das Papier hin und her, worauf die Kartenbilder auf der andern Seile gedruckt erschienen, die man dann durch Patronen oder Pappen mit pro? 6) Siehe Breitkopf a. a. O. Seite 42. uns Dems a. a. O. Th. 1. Seite 89. 2! proportionirlich ausgeschnittenen Löchern vollends mit den erforderlichen Farben aus? strich. Das erste Geschäfte besorgten gewöhnlich die Holz - oder Formschneidee selbst, das letzte aber die sogenannte Brief« und Kartenmahler, die öfters auch beyde Geschäfte zugleich übernahmen, und damit noch andere Nebengeschäfte verbanden, wozu das Schneiden, Abdrucken und Ausmahlen der Heiligen Bilder gehört, die, anfänglich nur mit dem Nahmen des Heiligen und einem Denkspruch versehen, nach und nach zu immer mehreren eingeschnitte- neu Zeilen und vergrößerten Vorstellungen, und endlich gar zu ganzen in Holz geschnittenen Seiten Text mit und ohne Bilder Gelegenheit gaben, die dann auf die nem- liche Weise, wie die Karten abgedruckt und auf ihren weißgelasscnen Seiten zusammen geleimt, zu Büchern von mehrern oder wenigem Blättern angewandt wurden. Einzelne nur auf einer Seite gedruckte Dlät« B z ter 22 ter aber, auf weiche Weise sie immes gedruckt waren, nannte man in ältern Zeiten, wie es scheint, nach der Analogie einzelner ans einer Seite beschriebener Blätter, Briefe, wie man noch heutiges Tages nach Briefform in ein einzeln Blatt zusammengepackte Nadeln oder Taback ei, neu Brief Nadeln, oder einen Brief Taback nennt. Daher war es ganz natürlich, denjenigen, der einzelne Blatter ans einer Seile bedruckte, Briefdrncker zu nennen, woraus sich dann sowohl der Nahme, als das Geschäfte unseres Wilhelm Bncfdni- ckers erklären läßt. Zwar wollen von Hei- necken und Breirkopf (7) durch das Wort Briefe in der Verbindung von Bncfmcch- ler, oder auch Briefdrncker blos und allein die 7) Herr von Heinecken a. a. O. Th. Is. S. 92, und Breitkopf a. a. O. Seite 42. Desgleichen M. Denis Einleitung in die Bücherkunde, zwey Theile, Wien, 1777 und 78. 4> Theil I» Seite Ly. 23 bie Karten verstehen; allein meines Erach- !ens werden die Karten nur darnm Briefs genannt, weil fie einzelne auf einer Seite bedruckte Blätter sind; so daß sich Briefe und Karten, wie Zenus und species verhalten. Daß aber das Wort Briefe in ältern Zeilen nicht blos gedruckte und auS5 gemahlte Karten, sondern jedes nur auf einer Seite, entweder blos bedruckte, oder auch ausgemahlte Blatt Papier von unbe, stimmter Form beditten habe, dieß erhellt aus der Stadtkammerrechnung von Georg! 15 2Z bis 1524» Hier finde ich: ,,Zahlt „dem Buchtrugker von Augspurg für Re» „gel getruckt brief des Verbots gotzlesternS „und zuirinkens halb Illl Gl. tt Orl.^ Diese auf Regalpapier gedruckte Briefe sind aber nichts anders, als die älteste der Länge nach in Patentform gedruckte hießige Znchtordnung vom Jahr 1524, die fol, gende Aufschrist hat: „Der Stat Nörd- „lingen verpol Goßlesterns, schellens, flu- B 4 chsn§ 24 „chens, MmkenSvnd überfüKenS halben.^ Am Schlüsse steht: „Offenlichen bemfft an „unserer lieben frawen Lichimeß, den an- „dern tag Hornung. — Ano ^VXXIll!.^ Hieraus erhellt deutlich, daß in ältern Zeiten ein auf einer Seite bedrucktes Blatt ein Brief genannt wurde. Ja es scheint mir, daß man nach der endlichen Trennung der Karlenmacher, Briefmahier, Form- schneide? und Buchdrucker, Karten und Briefe im Handel von einander unterschieden, und unter Briefen blos einzelne mit und ohne Holzschnitte auf einer Seite bes druckte Blatter verstanden habe, die, wenn die Holzschnitte die Hauptsache ausmachten, von dem zusammengezogenen Wort Heiligen wie nock heut zu Tage, auf gut Schwäbisch, Helgen genannt wurden» Daß 2^:rren und Briefe wenigstens in der erst,'» Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts genau von einander unterschieden wurden, dieß erhellt aus dem Rachsprvlokol: von 25 von !ZZ9, tvo unter dem 26. Septemb. folgendes zu lesen. „Franz Böglin (Kar, „tenmacher) Supplicirt, Franz scharpfen „(Kartenmahlern und Buchdruckern) abzu- „siricken, das er karren uit offenrlich im „laden neben Büchern vnnd prieftn feil „haben soll. Ist im gecuuwort sein Bitt „hab nil statt, well er, so mög er auch „einen Laden besteen vnd drin feil haben „sein arbc.it. ^ Hieraus daucht mich, er- hellt zur Genüge, daß man unter Srüfen etwas mehr, ja wohl gar uwas anders als unter Aarcen zu verstehen habe Daher auch das Geschäfte des BriefmahlerS etwas ausgedehnter war, als das des Kar, renmahlerS. Wirklich werden auch in unsern Urkunden Briesmahler, Karteumahler und Karlemuacher von einander unterschieden. Denn zu einer und der nemlichen Zeit kommt 1509 bis 1512 Six Saur der B' iefmahler, und Claus Reinhart genannt Sanrlin, Kartenmacher, als Vater und B 5 Stich 26 Stiefsohn in unsern Urkunden vor. Uebri- gens aber will ich keineswegs in Abrede seyn, daß Briefmahler, Kartenmahler, Karlenmacher und Formfchneider zum öftern in einer Person vereint waren, da wir selbst «n oben angeführtem Scharpf und seinem Sohn ein nnbezweifelteS Beyspiel davon haben. Nur so viel wünschte ich mir eingeräumt zu sehen, daß zuweilen, ja an» sanglich öfters, die an sich verschiedenartigen Geschäfte des FormschneidenS, Dru>' ckcns und Mahlens der Karten und Heiligen Bilder, von verschiedenen, wenigstens zweyerley Personen verrichtet wurden. Da unser Kegler ganz bestimmt Briefdrucker genannt wird, Briefe aber etwas mehr als blos Karten bedeuten, so halte ich ihn für keinen Rarcenmacher, sondern für einen eigentlichen Vn'efdrucker, der einzelne Blätter und Heiligen Bilder mit und ohne Text abgedruckt hat. Hierauf S7 «uf konnte ihn sein Stiefvater, der Gucker^ durch die von ihm gebrauchten Stamm? pillen, ohne daß er je was vom Karlenma, chen gesehen, gebracht, oder ihm nach dem obigen darinnen vorgearbeitet haben. Ue» brigenS will ich keines Wegs die von sachs kundigen Männern (8) angenommene Meynung widerlegen, daß die Spielkarlen zu den ersten Vorspielen der Bucht» ucksrknnst gehören, und daß man von den Karren auf den Gedanken gekommen, auch andere, be, sonders Heiligen Bilder mit und ohne Text in Holz zu schneiden und abzudrucken, aus welchen Bildern mit langen» Text, die mit ihrem weißen Rücken zusammen geklebt wurden, nach und nach Bücher wurden, wozu Bild und Text sür jede Seile auf eine 8) Denis a. o. O. Theil I. Seite 89 und 90. Vornehmlich aber von Heinecken a» a. O. Theil II. in der Abhandlung von der Formschneioerey und den ersten ge, druckten Büchern. 28 eine Tafel eingeschnitten, oder Bild und Text jedes auf eine besondere Tafel geschnitten einander g?gen über abgedruckt wurde. Das aber wird man mir zugeben, daß man von einem Punkte ans auf zwey verschiedenen Wegen zn dem nemlichen Ziele kommen, und der Vriefdrucker eben so gut wie der Aarcendrucker, von den Stammpillen der Abschreiber veranlaßt werden konnte, der eine i>ine Rarren, der andere seine -Heiligen Dtlder in Holz zu schneiden, und zn w?i?er-n Verbreitung ab, zudrücken. Nur ist noch die Frage, wer von beyden f-nher war, der Brieforucker, oder Kartendrucker. So lange man keine gedruckte Karlen mit einer Jahrzahl auft weisen kann, wird der illnminirte Holz, schnitt des h. Christophs in der Karthause Burheim mit der Umschrift: Chr-stofsri faciem, die quacunque meris. Ilia nempe die morce mala nsn morieris, mille- 2Y millestmo cccco xxo tercio (y) iminer noch für die älteste Probe der Holzschneidekunst angesehen werden; von dem es uni entschieden ist, ob er sich von einem Brief- drucker, oder von einem Aarcendnici^r herschreibt, indeß es durch dieIllumnnnion gewiß ist, daß er einem Briefmahlcr durch die Hände gegangen. Da besagter h. Christoph mit dem Jesus Kinde in Bogcngrößs geschnitten und abgedruckt für jetzt noch keiner Stadt angehört, so könnte er eben so gut in Nördlingen, als nach Herrn von Murr in Nürnberg oder Augsburg gemacht, und unser Wilhelm Kegler wenigstens der Drucker, wo nicht gar der Formschneider davon seyn. Das in der Nahe unserer Stadt befindliche Karlhäuser Klo- 9) Denis a. a. O. Theil I. Seite 90. 10) Paul von Stellen Kunst - Gewerb? -nid Handwerksgesä ichte von Augsburg, zwey Theile, Augsburg 1779 und 1788.8. und daselbst Theil I. Seite 369. Zo Kloster, Christgarten genannt, macht es begreiflich, wie dieser Holzschnitt nach Buxheiin kommen konnte, wenn er auch durch den natürlichen Weg des Handels nicht dahin gekommen wäre. Dem sey nun wie ihm wolle, so bleibt so viel richtig, daß unser Wilhelm Kegler der erste Briefdrucker in Nörblmgen gewesen, der Vielleiche auch Karten, aber sicherlich weit mehr an» dere Briefe gedruckt, da mit dem Karlen- druck hier nicht viel anzufangen war, weil das Kartenspiel bis zum Jahr 1440 unker die gänzlich verbotenen Spiele gehörte, und erst in diesem Jahr nach einem in der izi. Note der Schulgeschichte angeführten Zncht- gcsehe bey dem gewöhnlichen Platz - oder Schotter Meister, und auf der Trinkstube erlaubt wurde. Wirklich werden in den Jahren 14Z6, Z9 und 40 mehrere angeführt, die Karrens wegen gestraft wurden. Zu den ehemals öfters gehaltenen Gastereyen der Rachöherren, worunter das Rechneroder ^ oder Steuermahl und das Gänsemahl alljährlich gehalten wurden, kommt erst von 1456 an die Ausgabe für Karlen vor. Den ehemaligen Preiß der Karten kennen zu lernen, siehe hier aus der Seadlkam- merrechnung vom Jahr 1461 folgende An» gäbe: „Umb drüw Carlenspiel zum GenS- mal XII 6 ^ llebrigens finde ich der Kar? 5en in unsern Urkunden nicht eher erwälmt, als im Jahr 1426 wo unter den Ausgaben Folgendes vorkommt. „Cunzlin dem Butt „tel von dreyen Gefangen die man im „Markt fing der einer gekare und der „andre mit hölzlin gespielt." Schade, daß von den Arbeiten unseres Wilhelm Briefdruckers nichts auf die Nachwelt gekommen, und das in unsern Urkunden kein bestimmtes Datum zu finden, woraus sich klärlich erweisen ließe, zu was für einer Art der Drucker er gehört« Z- hört, (n) Doch etwas habe ich gefunden. Ist es gleich zweydeutig, so verdient es doch angemerkt zu werden. Zur Zeit des Ti) Da, noch Denis a. a. O. Th. 1° Seite y6. Loreiiz JonszonS erstes mit geschnitzten hölzernen Buchstaben gedruck, tes Werk, ein sogenanntes Horarium soll gewesen seyn, welches das Alphabet das Vater unser, das Ave Maria, daö Apostolische Glaubensbekenntniß, und noch drey Gebete enthielt: so kam ich schon lang auf den Gedanken, daß diese Stücke einzelne oder zusammen genommen ein gangbarer Artikel für die ersien Formschneider und Briefdrucker könnten gewesen seyn. Daß man keine Exenu plare mehr davon antrift, thut zur Sache nichts. Hat man ja von dem 1470 zu Augsburg bey Günther Zainer auf einer Folio Seite gedruckten deutschen Cisia« nus oder Kalender, wovon sicherlich meh, rere Exemplare aufgelegt worden, nicht mehr als ein einziges, das Herr Biblio, 3Z des besonders auch unserem Rieße gellenden Städtckriegö im Jahre 1449 wurde, laut der Stadtkammerrechnung, nach Dün, kels, thekar Steigenberger zu München a» dee Decke eines alten Buches entdeckte, wie man aus Herrn Geheimenrath Zapfs Augsburgischer Buchdruckergeschichte Th. I. Seite y ersieht, weiches Buch, nebst mehrern andern eigenen und fremden bibliographischen Werken der Herr Ges heimerath Zapf unserer Schulbibliothek geschenkt, und sowohl dadurch, als auch durch seinen Briefwechsel mein vorzüglich, sier Führer in dem bibliographischen Fache geworden, welches ich öffentlich anzurüh« men für meine Pflicht halte. Da übri, gens Schulbücher das eigene Schicksal haben, früher als andere den Weg aller Bücher zu gehen: fo bleibt es immer möglich, daß unser Wilhelm Briefvrm cker, einen oder den andern Schulbrief könnte gedruckt haben. C 34 kelsbühl, das eine der sieben mit Nördlin- gen vereinten Städte gewesen, ein Bote mit den verzfichneren Vu'nden geschickt; dieß Verzeichnis der Feinde öffenl' h zu allgemeiner Nachachtung aufhangen zu tön» nen, wurden von Jörg dem Schreiner zwey Veindrafeln gemacht, und ihm VI t! ij hlr. dafür bezahlt. Bey diesen FeindS, tafeln nun hatte auch unser Wilhelm Brief, trucker sein Geschäfte, denn in der Sradt- kammerrechnung des nemlichen I449sten IahrS findet man: „Item dem Brieftru» „cker von den Veinden auf die Tafel zu „leimen. V Gr." Bey der Kürze des Ausdrucks fragt sichs nun, wofür Kegler eigentlich bezahlt worden: für das Auflei, men, oder für das Verfertigen des Ver, zeichnisseS? Letzteres scheint mir wahrscheinlicher. Denn da dem Schreiner für zwey hölzerne Tafeln nur 6 Schilling 2 hlr. be« zahlt wurden, so kann man für das Auf, leimen unmöglich V Gr. bezahlt haben. Ueber» 35 IKbsrditß verstand man sich auf der Kanz» ley auf das Leimen zu gut, als daß man unserem Briefdrucker dazu gebraucht hatte, wie man aus den Einbänden der alten Schriften sieht, wo so manche Urkunde für das Auge des neugierigen Forschers ver, leimt ist. Es bleibt mir daher wahrscheinlich, dc>L Kegler für das Drucken, aber nicht für das Aufleimen des Verzeichnisses mit 5 Gr. bezahlt worden. Vielleicht bin ich so glücklich mit der Zeit in andern Urkunden bestimmtere Angaben zu finden, woraus man genauer über das eigentliche Geschäfte unseres Wilhelm BriefdruckerS belehrt werden kann» Geschieht das, so werde ich nicht ermangeln, solches nachzutragen. Für jetzt merke ich nur noch an, daß unser Wilhelm Kegler gleich andern, die sich um die Vorspiele und die Erfindung der Buchdruckerkunst verdient gemacht, ein Tausendkünstler gewesen, und besonders bey der 14 to von Maister Walther von C 2 Wem- 36 Wemdingen auf das Rathhaus verfertigten Schlaguhr oder Urlay, die mit dem Glockenthurm und der großen und kleinen Glocken zusammen 41 z fl. i Pfund ro Sch. gekostet, von 1417 an als Orwarter oder Uhrrichter angestellt gewesen, wofür er bis 1420 XVI Pfund, von 1421 an aber bis an seinen Tod XXI Pf. alljährlich gezogen» Auch in dieser Rubrik der Stadtkammer, rechnung heißt er bald Wilhelm Kegler, bald Wilhelm Brieftrucker. UebrigenS war das Geschäfte eines Uhrrichters einem zeitigen Zunftmeister und Rathsglied, das er von 1459 bis 1451 gewesen, gar nicht unanständig, da nach Herrn von Stetten (12) 1Z92 ein Geschlechter Wesisbrunnee die Uhr zu Augsburg wieder herstellte, und sein Schreiber für das Uhrrichten jahrlich 4 Pfund erhielt. Auch bey uns versah nach Keglers Tod des StadlschreiberS Unterschreit ber 12.) Paul von Stetten a. a. O. Theil II. Seite 6z. 37 Ker oder Substitut auf einige Zeit die Uhr, denn so findet man 1455 in der Stadtkam» »Verrechnung: „Johannes bey dem Stadt» „schreiber für die Uhr zu richten alle Qua» "tember VII Pfnnd." Wenn nicht Keglers 1461 aus unsern Steuerbüchern sich vermehrender Sohn Wilhelm das Briefdrucken allhier foitge- sitzt: so wurde nach seinem Tode an diese Kunst wohl nicht eher wieder gedacht, als bis die Verfertiger der im Jahr 1470 hier vollendeten Armen Bibel, lateinisch Libliz pauperum genannt, im Jahr 1460 hieher kamen. Da ich, durch den Aufruf des Herrn Professors Eschenburg in Nro. 40 des JntelligenzblatlS der allgemeinen Litte- raturzeitung vom Jahr 179z veranlaßt, genauere Untersuchungen über diese zwey Künstler angestellt, so will ich das, was ich gefunden, so wenig es auch ist, dem Publikum mittheilen. Zu genauerer Kennt, C Z ms 3» nis ihrer Arbeit aber will ich zuvor, für den davon nicht unterrichteten Leser, aus Panzers Annalen der altern deutschen Litteratur (iz) verbunden mit Herrn von Hei, neckens Nachrichten von Künstlern und Kunstfticheu (14), eine so viel möglich deutliche Beschreibung der hier verfertigten deutschen Armen Bibel zu liefern suchen. Hiebey wird mir die Einsicht eines in die Bibliothek des Karmelitcnklosters zu Augsburg gehöligen Exemplars, das mir mit ganz vorzüglicher Gefälligkeit von dem R. Stift iz)?M. G. W, Panzers Annalen der ältern deutschen Litteratur, Nürnberg i?88. Seite 57. 14) Herr von Heinecken o. a. O. Theil II. in der Abhandlung von der Form schnei, derey, und besonders Seite 117 und 11p; und dann 147 bis 149, wo man auch das ersie Blatt der hiesigen deut, schen Armen Bibel getreulich abgebilder antrist. 39 Stift Neresheimischen Archivar, Herrn p. Augustin XViedenbauer zu dieser Absicht mitgetheilt worden, treflich zu statten kommen, und mir zugleich zur Berichtigung einiger und anderer Angaben dienlich seyn. Die Bibel der Armen, lat. Libliz pzuperum genannt, ist ein anfanglich mit lateinischem Texte erschienenes biblisches Bilderbuch, das 1470 in Nördlingen mit Beybehallung der alten Vorstellungen, (die aber minder gut ausgefallen, und bey rvei» tem nicht so fleißig und so vollständig als im Original gearbeitet sind) mit einer abge, kürzten deutschen Uebersetzung des lateini, scheu Textes zum erstenmahl herausgegeben worden. Diese deutsche Ausgabe besteht, die etwas veränderte Einrichtung mit schicklicher Stellung der größern Texte und die Weglassung der zu jeder Vorstellung gehö? rigen lateinischen Verse abgerechnet, ge- C 4 rade 4» rade wie das Original in den erstere: Ausgaben, aus vierzig Holzschnitten oder Blattern in Folio, die nur auf einer Seite, und zwar also gedruckt sind, daß allezeit zwey gedruckte Seiten gegen einander überstehen, und zwar in der Ordnung wie sie auf einander folgen, so daß i und 2 auf der innern Seite eines Folio Bogens, und eben so z und 4, und 5 und 6, und so die übrigen Numern bis 59 und 40 immer Paarweise auf einem Folio Bogen ange>- bracht sind. Werden nun die weißen Sei? ten zusammen geklebt, so machen je zwey Seiten zusammen einen geleimten Bogen aus. Da man bey 40 Blättern nicht mehr als Seilen wirklich zusammen kleben kann, so erhielt man bey einem kompletten Exemplar ein Buch von 19 Bogen und zweyen einzelnen Blättern, deren äußere Seite weiß blieb, und diese sind das erste und vierzigste Blatt. Wenn daher das von Herrn von Heinecken in seinen Nach? rich.- 4i richten beschriebene Exemplar nnr eine Lage von 11 Bogen oder 22 Blättern aiwmacbte: so muß es absichtlich, und mit etwas mehr Aufmerksamkeit als die gewöhnliche Manier erforderte, gedruckt seyn. Die Einrichtung der Holzschnitte selbst ist diese, daß in der Mitte allzeit drey historische Vorstellungen cmgebrachc sind. Die mirt» lere Vorstellung ist jederzeit aus der Ge- schichte Jesu genommen, von der Verkündigung Maria an bis auf das Pftu,:s>ftst, wozu die Vorstellungen von Nro. i bis ZZ gehören. Die übrigen fünf Vorstellungen von Nro. z6 bis 40 sind die Krö, nung Maria, das jüngste Gericht, die Hölle, die ewige Seeligkeit. wo der Heiland die Seelen in einem Tuche tragt, und die Krönung der Seeligen nach diesem Leben. Die zwey anderen Vorstellungen sind Vorbilder auf Christum und feine Zeilen, samtlich aus dem alten Testament, bis auf beyde der zwanzigsten und die zweyte Vor, C 5 siel- 4- siellung der zwey und dreysigsten Tafel, wo der Vater den verlohnten Sohn wieder annimmt, und die zweyte Vorstellung der vierzigsten oder letzten Tafel, die aus dem N. Testamente genommen, aber doch zu Bildern auf Christum und seine Zeilen angewandt sind. Ueber der mittlern Haupt- Vorstellung und eben so unter derselben sind je zwey Brustbilder angebracht, die verschiedene Verfasser der biblischen Bücher mit ihren darunter stehenden Namen vorstellen. Neben den Brustbildern stehen rechts und links über und unter den allegorischen Vorstellungen kurze Stellen aus den abgebildeten Schriftstellern, die auf die Hauptvorstellung Bezug haben. Hier ists nun freylich etwas lacherlich, wenn, wie auf der n. Tafel, das Verschen unter der zweyten allegorischen Vorstellung aus dem Buche der Könige genommen ist, in der lateinischen Ausgabe bey dem Brustbild Kezum II. steht. Dieß fühlte der Angeber 43 ber und Uebersetzer der deutschen Ausgabe, daher er das Brustbild bey jener Stelle, und so auch das zweyte oben auf der Z l. Tafel von der Prophetin Anna benennet, desgleichen steht bey dem vierten Brustdilde der zc>. Tafel der Nahme Jacob i» Bezug auf die nebenstehende Stelle, eben so wird das vierte Brustbild auf der 20. Taie! mit dem etwas personellen Worte TuK^s benennt, wofür bey dem ersim Bild der z8> Tafel das Wort Zapientie gebraucht wird. Bey dem 2. Bilde der ^7. Tafel aber ist trotz aller Sorgfall ein KeZum als Unter» schrift des Brustbildes hingerathen, >o wie bey dem sonstigen Bestreben ganz deutsch zu seyn, bey dem 2. Bilde der zz« Tafel ein !Ks ülius 8^racK angebracht ist. Die über und unter den allegorischen Vorstellungen angebrachten Schriftstellen, nebst den Paar» weiß dazwischen stehenden Brustbildern und den drey historischen Vorstellungen nehmen etwas weniger als zwey Drittheil des Holzschnitt ^ 44 schnitteS ein, dessen letztes etwas größeres Dritcheil in zweyen Kolumnen eine aus der Bibel genommene Erklärung und Deutung der darüber stehenden allegorischen Vorstellungen enthalt. Jede Holziafel ist unten, wo die zwey Kolumnen des Textes absondernde Linie sich gabelförmig spaltet, mit einem Buchstaben bezeichnet; deren von a bis Z, weil das s doppelt vorkommt, 26 sind. Hierauf folgen drey lateinische Abbreviaturzeichen (deren ersteres mir unbekannt ist, das zweyte aber die Endsilbe us, das dritte tur ausdrückt,) dann i l große Buchstaben von A bis L, in sehr aller gothischer Form. Zu bsmer? ken ist, daß vom kleinen t an die Buch» staben nicht in ihrer natürlichen Folge, som dern also fortlaufen: r. rv. v, u. x. y, Z. Das von Herrn von Heinecken zuerst beschriebene Exemplar hatte nur 22 Blatter, oder 11 zusammen geleimte und eine einzigs Lage 45 Lage ausmachende Bogen, davon ee das erste Blatt zu einer belehrenden Probe nachstechen lassen. Bey eben demselben findet man ein Verzeichnis aller historischen Vorstellungen der vierzig Blätter der Armen Bibel, die, wie bereits erinnert worden, in der deutscheu und lateinischen Ausgabe ihrem Inhalte nach einerley sind. Anfanglich kannte Herr von Heinccken nur das unvollständige Exemplar der deutschen Armen Bibel, das sich in wolfenbürtel befindet, nach der Hand beschrieb er aber auch ein vollständigeres mit vierzig Blattern. Beyde Exemplare sind vom Jahr 1470, von denen besonders das letzte Blatt für die Bibliographen von Wichtigkeit ist. Die historischen Vorstellungen nebst den Brustbildern und dem deutschen Texte sind gerade wie in den übrigen Blättern gereiht. Zu vberst erblickt man zum Beyspiel auf dem letzten Blatte die Brust? bilder des Davivs und Iefiyas, und ne- 4ü neben jedem eine kurze Stelle seiner Schriften, die ans die Hauptvorstellung Bezug hat. Darunt°r sieht man unter drey Portalen drey historische Vorstellungen. Die mittlere stellt als die Hauptvorstellung die Aröl-ung der Geeligen nach diesem lieben vor, neben der vornen, die von ihttin Bräutigam gekrönte Tochter Zions, hinten aber der heilige ^ohan, nes, rvie er mir dem Engel nach der Apokalypse reder, als allegorische Bil-> der angebracht sind. Unter dirsen histon- schen Vorstellungen sieht man abermahls zwey Brustbilder von Lzechie! und Ho» seas, neben denen Stellen aus ihren Schriften angebracht sind, die ebenfalls ans die Hauptvorstellung Bezug haben. Unter diesen nun folgt, durch zwey Linien davon abgesondert, der jeder allegorischen Vorstellung zugehörige Text in zwey Kolumnen, die durch eine Linie getrennt werden, welche sich unten in eine Gabel theilt, ZM- 47 zwischen deren Zacken der gothische Buchstabe L. steht. Der Text der ersten oder linken Kolumne ist seinem Inhalte nach aus dem 4. Kap. des Hohenlieds, der aber der zweyten oder rechten Kolumne ist aus dem 2l. Kapitel der Apocalypse genommen. Unter dieser letzten Kolumne nun stehen zwey Wappenschilde, nebst der Jahrs« zahl 1470. Im erstem Wappenschild sie, her man einen an einem Baumstamm hin» aufkletternden Eichhorn, in dem andern aber zwey krcuzweiß über einander liegende Schnitzmesser gen. In der ersten oder linken Kolumne 'aber ist , in den von Herrn von Heinecken beschriebenen Exemplaren. der für die Nahmen der Verfertiger bestimmte Raum leer gelassen, weil ste vermmhlich erst mit dem Verschluß von Probeabdrücken einen Versuch des Abgangs machen wollten, ehe sie sich als bisher unbekannte Künstler nannten. Wirklich hat auch nach Herrn Pr. Eschenburgs Nachricht 48 rich! das Wolftubüttelsche Exemplar alle Zeichen eines ersten Abdrucks. Nie würde man in spätern Zeiten aus den mit Bcr dacht in Holz geschnittenen Wappen der Künstler ihre Nahmen, noch weniger aber den Druckort errathen haben, wenn sie es nicht für gut befunden hatten, bey später'.! Abdrücken folgendes in den dazu leer gelast senen Raum der ersten, oder linken Kolumne noch hineinzusehen: Lriderich ivalthern mauler zu ZTtördlingen rnd -Huns -Hmnmg hadenr dis buch micc ein ander gemacht. Dieß hatte bereits 1788 Herr von Steilen in dem zweyten Theil seiner AugS, bu'gischen Kunstgeschichte, S» 227 der Hauptsache nach bekannt gemacht, wo man folgendes l>eß^ „Ein Alterthum der Holz- „schneidekunst ist in der Bibliothek des „Äarmelilenklvsterö» Es enthält biblische 4? „Figuren von bloßen Umrissen, eine LidliA „xauperum von 12 Blättern: hinten „sieht: Friderich Walter, Mäuler zu „Nördlingen, und Hans Hürning Habens „gemacht 1414. Dabey sind auch zwey „Wappen, die mir unbekannt sind." Diese für die Bibliographen wichtige Nachricht hat aber bisher keiner benutzt, daher Herr Professor Eschenbnrg, die zuerst angeführte richtigere Unterschrift mit Recht als eine neue Entdeckung, die er in seinem ewenen Exemplare gefunden, 179z bekannt machte und zugleich den Wunsch äußerte, daß Liebhaber typographischer Alterthümer über die von ihm bekannt gemachten Künstler nähere Untersuchungen anstellen möchten. Was ich über beyde in unserm Archive gefunden, soll sogleich folgen, wenn ich zuvor die Angaben des Herrn von Stetten, deren eine alle Kennzeichen eines Druckfehlers hat, nach dem vor mir liegenden Ex, emplar der deutschen Armen Bibel, das in D die 60 die Bibliothek des KarmelitenklosterS zu Augsburg gehört, werde berichtiget, und dieses Exemplar ganz kurz werde beschrieben haben. Was nun die Unterschrift anbe, langt, so ist sie buchstäblich die, welche oben mit Schwabacherschrift nach Eschen, bürg abgedruckt ist. Auch die Wappen sind mit denen von Herrn von Heinecken abgebildeten und von Herrn Eschenburg erklärten einerley; und eben so steht neben den Wappen nicht das Jahr 7414, sondern 1470, woraus deutlich erhellt, daß das Augsburgische Exemplar mit dem Eschenburgischen von einem und dem nein» lichen Abdruck ist, wozu noch die Ueberein» stimmung der völlig schwarzen Farbe gehört. Der erste Besitzer, vermuthlich Vvilhalm Rephun, dessen Nahmen und Wappen auf der innern Seite des vordern Einbanddeckels sich befindet, und vielleicht auch noch einige spätere Besitzer besaßen, daran ein vollständiges Exemplar von 40 Blät» Blättern, oder 19 ganzen und zweyen hal, ben Bogen, da auf dem letzten Blatte unten mit Dinte hingeschrieben ist: „Item, „es sind Ixxx matery auß dem alten T. „vnd xxxx matery in den niuen T." welches mit den 40 Hauplvorstellungen und den zweymahl 40 allegorischen Vorstellunk gen, die dem größten Theile nach jene aus dem N« diese aus dem A. Testamente genommen sind, genau übereinstimmt. Ge, gsnwärlig aber ist dieß Exemplar defect, und besteht nur aus Blättern, oder 15 ganzen, und einem halben Bogen« Es fehlen demnach 9 Blätter. Davon gehen vorne herein ab die ersten sieben Blatter von Littera a bis I, und dann in der Mitte das 16. und 17. Blatt, die mit q und r bezeichnet sind. Der Abgang der fehlenden Blätter des deutschen Exemplars wird in etwas durch die erster» Blätter eines unvollständigen lateinischen Exemplars ersetzt» Diese sind an der Zahl 16, und machen 7 D 2 gan5 AH ganze »nid 2 halte Bogen aus, von denen das Blatt mit Littera A zuvörderst, das mit Littera q zu hinderst sich befindet, so daß die ib ersten Blätter ohne eine Lücke auf einander folgen. Uebrigens kommt dieß unvollständige lateinische Exemplar ganz genau mit dem überein, das Herr von Heinccken auf der 14z. Seite des II. Theils seiner Nachrichten als in Dresden befindlich angegeben. Die Farbe ist blaß und ich möchte beynahe sagen röthlich, die Striche des Kontours in den Figuren sind fein, und zugleich mit den Buchst«» ben so scharf in das Papier gedruckt, daß man solches auf der weiß gelassenen Seite mehr als zn deutlich gewahr wird. Das Papierzeichen des lateinischen Exemplars ist ein gothisches d mit einem unten daran gehenkten Kreuze. Das Zeichen des deutschen Exemplars ist eine ausgestreckte Hand, auf deren Mittelfinger ein Stern von sechs Strahlen aufgesteckt sich zeigt. Diese zwey Frag» 5Z Fragmente der Armen Bibel, davon das lateinische nur hineingelegt, das deutsche aber hinein gebunden ist, haben zwischen zwey Decken mit rothem Leder überzogen zu Bandgesellschafteren: erstlich ein deut« sches etwas defectcs Manuskript der Baum- zncht und der Zubereitung der Obstsafte vom Jahr 1466; zweytes ein Gespräch Christi und einer gläubigen Seele in Versen, ebenfalls deutsch und von dem ncmli- chen Jahr; drittens verschiedene Augsburgische Verordnungen, die Polizey und die öffentlichen Beamten betreffend, nebst Kleider-und Prachtgesehen, vom Jahr 1466. Doch nun genug von der Armen Bibel, und dafür endlich etwas von ihren Verfer- tigern. Mit Friderich Walthern wäre ich so weit in Richtigkeit, daß er um die Zeit der Herausgabe der Armen Bibel hier Bürger gewesen. Daß ihm das von D z Eschen- 54 Eschenburg zugeschriebene Wappen wirklich zugehört, leidet keinen Zweifel, nur hält es schwer solches richtig zu erklären. Da gemeine Bürger zu ihren Wappen entweder Zeichen ihres Gewerbes, oder Zeichen ihres Nahmens, oder Zeichen von merkwürdigen Begegnissen nahmen, so könnte man bey einem Formschneider wohl kreuzweiß gelegte Schneidemesser gen suchen; allein man könnte auch wie Herr von Heinecken Pilgerstäbe darinnen sehen, wenn man an WalcherS herumziehendes Leben denkt; end« lich könnte man aus den Pilgerstäben sehr leicht AmtSstabe oder auch Scepter mache», wodurch auf rvalten, etwas regieren angespielt würde, wiewohl mir die erste Meynung immer am besten gefällt, ob ich gleich aus dem Wappen des Hailebronni? schen Kellers, Heinrich BeltmdorferS, ge? nannt Kellers, der von 142b big 1444 hier Zunftmeister gewesen, und zwey kreuzweiß gelegte Schlüssel im Wappen führte, ein Bey- Zs Beyspiel für die leßte Erklärung anführen könnte. Genug, Walther war um die Zeilen, als er an seiner Armen Bibel ar, bettete, hier Bürger, aber nicht von hier, sondern von Dünkelsbühl gebürtig, und ist 1460 hier Bürger worden, denn so lese ich im Rathsprvtokoll^von besagtem Jahr: „Item Friderich Walther der mawler von „Dünkclspühl herkommen ist Burger wor- „den ter. IVta poK snärec und hat den „gemeinen Burger Ayd geschworen vnd „ist die ersten V Jar fon steur und wachen „gefreyt vnd weiter nit soll jarlich in den „V Iaren dafür eim Rat ein bofesen „(iZ) geben vnd ob er in unsrer Steur D 4 „ich- 15) Bofesen, gewöhnlicher Pafosen genannt, waren eine im funfzehenten Jahrhundert aus Italien nach Deutschland gekommene Art kleiner, runder, gewölbter Schilde von Eisenblech, inwendig mit starkem Leder ausgefüttert, und außen auf dem Mittelpunkt mit einer io bis 12 Zoll „ichßes ererbte oder kaufte davon soll ex „alle fach pflichtig zu thun seyn wie ein „an, langen hervorstechenden ziemlich starken Spitze versehen, die mit einem größern Riemen um den Hals gehangt, uud mit einem kleinern zur Handhabe dienenden nach Gefallen regiert wurden. In um serm Zeughause kann man deren aus ver, schiedenen Zeiten noch sechse sehen. Einer davon ist ohne Mahlereyen und bloß mit aus dem Centro auslaufenden Strahlen versehen. Die andern aber sind gemahlt, «nd enthalten zum Theil sehr schöne Ge, mählde, die auf das Kriegs - und Ritter, Wesen Bezug haben. Auf einem sieht man ganz oben einen gepanzerten Ritter, der in der Rechten ein Schwerdt, und in der Linken so einen Pafesen hält. Auf einem andern sind zwey Kampfer, auf einem dritten der Ritter St. Jörg mit dem Lindwurm, auf einem vierten ist Saul, wie er in sein Schwerdt fällt mit einer Umschrift, auf dem fünften zwey tournirende Ritter zu sehen. Bey », ^ . 57 „anderer Bürger, vnd ob er nach den fünf „Jaren länger bleibt so soll er sitzen als „ein andrer unsrer Burger als den der Ayd D 5 „des den fünf letzten Schilden nehmen die Gemählde den ganzen Schild ein. Die zwey zuletzt angeführten sind ziemlich jung, besonders der letzte mit der Jahrzayl 1657. Daß aber Pafesen wirklich Schilde waren, erhellt aus Qloü'ürio, wo man findet: ?aveüum tcut! j^nas, Lallis ItÄÜs panese. Daß sie aus Blech gemacht, mit Leder ausgefüt, tert, mit einer Spitze versehen und ge< mahlt waren, ersieht man aus folgenden Angaben der Stadtkammerrechnung vom Jahr 1444 : Hainzen Schüttenhelm, Mahler, und seinem Bruder umb xxn Pasesen zu 1^ Gl. xxxm Gl. Henslin Spengler davon zu fassen Gl. dem Schlosser zu beschlahen vii Pfund vn Pfenning. Bencdict Satler um 4 Pafosen Züj fi. Desgleichen Mo 14^5 Hansen Degen Sattler um 2 Pafosen 2 Gl. War, 58 „des einem vßweißt äct. sn. Ix 6ie qur» „tuprz." Hieraus erhellt also, daß Wal« „her tin Sattler für z Pafcsen 12 Pfund, . und um ein Geyschild z Gl. Da der vom Sattler verfertigte Setzschild dreymahl so viel kostet, als ein Pafose, so mag er eine größere Art Schild gewesen seyn, die dem Nahmen nach die Stelle der Schanzkörbe und Wollsäcke bey um fern alten Büchsenmeistcrn oder Kanoni, rern ersetzten. Sie scheinen aus Dielen, mit Eisenblech und Leder überzogen, be, standen zu haben, wie man aus folgen, der Angabe sieht: „Geben dem Schlosser um Klammern, Tüll, und Türiach zu den Setzschilten iz Pfund 6Schl. 2 Pf." Von diesen Sctzschilden sind die Tart, schen zu unterscheiden, die zwischen ihnen und den Pafesen in der Mitte stunden, und so ziemlich den ganzen Oberleib be, deckten. Daß beyde verschieden waren, sieht man aus einer Angabe von 1467: „Geben für n Setzschilt und xvur „tartschen zu überziehen xl Gl." Die 59 ther 1460 hier Bürger geworden, und man von seiner Geschicklichkeit sich sehr viel veri Tartschen trift man von bis 4 Schuh Länge und 18 bis 20 Zoll Breite an. Sie sind aus Holz gemacht, inwendig mit Leder gefüttert, und auswendig mit Leinewand überzogen, die gewöhnlich mit dem Stadtwappen bemahlt war. Denn so finde ich 1465: Geben für haut zu den Tarzen 44 Pfund 5 Schl. i hl.; und 1480 dem Mahler vor 146 Adler an die Tarzen zu mahlen 15 Pfund z6 Pfen, ning. Von solchen Tartschen kann man in unserm Zeughause noch eine ganze Menge sehen. Unter denen mir einznse« hen vergönnten bemerkte ich mehrere, die in der Mitte eine Larve hatten, durch die man ohne das Gesicht bloß zu geben vor sich Hinblicken konnte. Diese Larven lassen zugleich einen Schluß auf die Tür- lach oder kleine Thüren in den Setzschilden machen, die vennnthlich eben dazu dienten, wozu man die Larven an den Tartschen gebrauchte. Daß endlich die 6-Z versprochen habe, we-il er auf solche Weise jns Bürgerrecht genommen worden, wie man gewöhnlich nur die geschicktesten Künstler aufnahm. Ob er bald nach seiner Anst «ahme bey öffentlichen Arbeiten gebraucht worden, läßt sich darum schwer entscheiden, weil von 1462 an der geschickte Mahler, Friedrich Herlin, neben ihm lebte, steuerte und arbeitete. Wenn man daher in den Stadtkammerrechnungen, wahrend Wal- thers hiesigem Aufenthalt, zum öftern die Angabe findet: „zahlt M. Friedrich „MaUer:" so kann dieß eben so gut auf Herlin als auf Walthern gehen. Gegen das Ende seines hiesigen Aufenthalts finde ich einmahl in zwey nicht weit von einander entin unserm Zeughause befindlichen runden Schilde mit ihren hervorragenden Spitzen wirklich die alten Pafesen sind, er, hellt vorzüglich aus ihrer Spitze, da «ach l)n ?rs5ne, ?avelus, ?Äveliu8, I^nce-s heißt. entfernten Posten: „M. Friedrich Herlein „von VI schilllach in die Leuchter auf der „Trinkstuben zu malen i l Pfund n Schl. ii hl." und dann: „Meister Friedrich „Maler mit dem Bart für 20 schiltlach die „er in den Ofen auf die Trinkstuben ge- „macht, zu 6 Pfenning IV Pfund." Hier möchte wohl der Mahler mit dem Bart unser Walther seyn, den der Re« chenschreiber von Herlin unterscheiden wollte. Wüßte man nicht aus seiner Aufnahme zum Bürger, daß er von Dünkelsbühl gewesen, so würde man ihn in den Steuerbüchern vergebens suchen, wo man 1469 bey den Barfüßern, 1470 und 1771 bey der Fleischbank, und 1472 bey dem Anger, brunnen einen Maister Friedrich Maller von Dünkelspühl, der 11 Pfund steuert, anlrist, und durch besagtes Datum ^auf unsern Friedrich Walther den Mahler von Dünkelspühl gebracht wird. In der Ordnung sollte er schon im fünften Jahre ge, gesteuert haben, allein weil er einer Aus» nähme werth war, so wurde er erst im nennten Jahr dazn angehalten. Er steuerte aber im Ganzen nicht länger als 4 Jahre, da er sich 1472 aus unsern Steuerbüchern verlieh«, und wie ich aus handschriftlichen Nachrichten vernommen, nach Bern gezogen ist, wo seine Nachkommen noch heut zu Tage leben, und nach Nachrichten von ihrem Stammvater und seinem Geschlechte begierig sind. Diese Nachrichten aber dürfen nicht hier, sondern müssen in Dünkels, bühl gesucht werden. Freylich wird man da in den Kirchenbüchern, die erst mit 1525 angehen, wenig antreffen» Mehr könme man vielleicht in dortigem Archive finden, wenn man Steuer Rechen - und Bürger-Bücher in der Absicht durchblätterte. Da unser Walkher sich anheischig machte, was er in der S:adt ererbte, zu vcrsteu- reu 6Z ren wie andere, so möchte das wohl von einer Erbschaft, die ihm durch eine derein- siige Heurath zufiele, zu verstehen seyn, und er sich demnach also hier erst verheurathet haben. Daß er aber vor seinem Abgang von hier bereits verheurathet gewesen, dieß erhellt aus einer Stelle des Rathsproto» kolls, die zugleich über seinen Abgang von hier einigen Aufschluß giebt, sie ist fok gende: „Als maister friedrich maler ge- „nannt Walther umb ettlich sein vnbillig „an seinem weib vnd sonst begangen in „gefängkniß kommen ist er darnach vff ein „vrfthd ledig gelassen die fankniss In arg „nit zu rächen des hat er geschworen vnd „dabey was er dabey von seines weibs „halb geschworen hat das soll für in sei- „nen krefften vnd wescn beliben soll sich „auch fürs seiner dirnen mit der er zu hcm, „deln gehabt hat euwßern vnd weder Weg „noch steg geen soll Inmaasen er vornials ^.gethan hab getreulich vnd one alle gevcrde 64 „actum vff fteytag nach St. Jacobslag „Ano dni !xr!!°.^ Dieser ziemlich ernstliche Rachsverlaß mag dem Künstlcrstol; unseres Wallhers nicht ganz angenehm gewesen seyn, und ihn vielleicht dazu bervo, gen haben, nach Martini 14^2 von hier fortzuziehen. Aus Achtung für seine Talente mag man ihm übrigens die Nachsteuer geschenkt haben, da uirter dieser Rubrik nirgends was von ihm in den Rechnungen zu finden. Daß er von hier aus nach Bern gezogen, habe ich bereits erinnert, daher ich aus der Hieher gekommenen Anfrage blos noch das anmerke, daß er darum Friedrich Walther Glas? mahler von Nördlingcn genannt wird. Da er als Glasmahler viel mit biblischen Geschichten zn thun hatte, und solche wohl gar aus der lateinischen Libliz p^uperum nahm, wie deren erster Verfasser sie zum Theil von den Arbeiten allerer Glasmahler erborgt und abgesehen Halle , so ist «S —^- 65 es sehr begreiflich, (16) wie er auf d.^ neue Herausgabe einer verteutschlen Armen Bibel kommen konnte, die blos dem Nahmen nach für Arme„ im Grunde aber für gesammte Layen, als ein Mbnerus ante Wbncrum, bestimmt war« Da dieses Bilderbuch allerdings hier verfertigt wurde, so möchte wohl auch der Usbersehcr und Verkürzer des lateinischen Textes hier zu suchen seyn. Wirklich war ich auch anfangs der Meynung, daß Hans Hür, Z6) So findet man in den Epitaphien um serer St. Georgen Kirche verschiedene Gemähide aus den ältern Zei'en, die beynahe ganz oder Theüweise aus der Armen Bibel kopirt sind, wie ioicheS in der Geschichte der Mahler^ noch weiter soll gezeigt werden. Daß dle alt?ster» Holzschnitte gegenseitig oft von den Fen» sierscheiben genommen worden, sagt Ga- !etti a. a. O. Seite 217. E 66 -Hürm'ng, der als Walthers Gehülfe ge, nannt wird, der Uebersetzer des Textes könnte gewesen seyn. Weil ich ihn vergeb? lich in den Steuerbüchern suchte; so glaubte ich um so mehr, er seye ein hiesiger Welts oder Klostergeistlicher gewesen« Allein da auch in der Ausgabe der Armen Bibel von 1475, die den nemlichen Text und Figuren aber von andern Handen hat, zwey Wav» pen vorkommen, die auf zwey Arbeiter vielleicht den Zeichner und Formschneidec hinweisen, so gab ich den Gedanken auf, den Hans HürninI unter den Kleriken zu suchen, da er wohl mehr unter kunsiver, wandten Layen zu suchen seyn möchte, Al, lein aller Mühe ungeachtet habe ich nirgends einen Hans Hürning finden können, wohl aber einen Hans Hornung, dessen zu Mn, tenau gelegenes Lehn 1464 Hans Schöp- perlin von dem Spital bestanden, daher er wohl derjenige seyn kann, von dem 1460 folgendes im Rathsprolokoll vorkommt: „Jlem . 6? ,/Ftem der Hsrnung schreiner von Mutenau „ist ingesessener Burger worden on geding der „fünfjcir vnd soll steuren wachen und andrer „fach pflichtig seyn zu thun als ein anderer „Burger, und man hat ihm Burgerrecht und „Zunftrecht geschenkt. luravit üäem ker. v „pok converf. psull Ix." Dieser Hornung könnte wohl bey der in alten Zeiten im Schreiben der Nahmen so gewöhnlichen Verwechslung der Buchstaben (wornach der Mo« nat Hornung, bald Horning, bald Hür, ning geschrieben wird,) Hans Hürning, der Gehülfe unseres Walthers seyn, der als Kunstschreiner sich ohnehin aufs Bildschnitzen verstand, und unter Walthers Anleitung leichtlich zum Holzschneiden abgerichtet wer, den konnte. Walther also zeichnete die Ta/ feln, Hornung schnitt sie aus, und druckte sie vielleicht mit Walthern in Gemeinschaft, der aber, wo es gefordert wurde, die Illumina, tion allein besorgte, wie man wirklich in der Bibliothek zu Wolfenbüttel ein illuminirtes Exemplar antrift, das noch wie neu aussieht. (17) UebrigeiÄ stimmt mit dem Nahmen Hor- 17) Herr von Heinecken a. a. O. Th. II. ö8 Horittmg das Eichhorn in dem einen Wap, pen der Armen Bibel so gut «verein, als mit dem Nahmen Hürning. Daß man Hür- ning, der 1460 ohne Geding Bürger wurde, in keinem der Steuerbücher antrift, thut zur Sache nichts, da es gar leicht möglich, daß er nach damahliger Gewohnheit, ohne sciücn Zunahmen eingetragen, unter den vielen Ham sen selbiger Zeiten schwerlich herauszufinden, oder nach seiner Aufnahme als ein Künstler auf einige Zeit disvensirt, nach der Hand aber, als einer, der vielleicht bey Walthern im Brod stand, völlig Übergängen worden ist. Genug, er war Wallhers Ge, hülfe, was er weiter gewesen, davon kann uns vielleicht mit der Zeit ein ungefährer Fund belehren. 14Y sagt: „In Wolfenbüttel befindet sich „ein Exemplar von diesem Werk, welsches illuminirt ist, und so neu aussteht, „als ob es erst heute aus der Druckerey „gekommen."