Beytrage ^Zur .Kunstgeschichte der Reichsstadt Nördlingcn, von Daniel Eberharde Beyschlag? Rektor in Nördlingen. Zweytes Stück. ^» Volt der Formschneiderey und Buchdruckerkunst» Nördlingen, bey KM Gottlob Beck, Beytrage zur Kunstgeschichte der Reichsstadt Nördlingen» Dies 6iom äocet« Von der Formschneiderey und Buchdruckerkun st. Fortsetzung» ^he ich in der Geschichte der Formschneiderey weiter fortfahre, habe ich von Fi ie- derich N?althern und seinem Gehülfen an der Armen Bibel von 1470, -Hans Hürning genannt, noch einiges nachzuhö, A s lsn. ^ len, worüber ich indessen weitere Aufkla» rung erhalten. Hücning nemlich ist nicht 1460, sondern nach dem mir unter der Zeit erst bekannt gewordenen Bürgerbuch 1461 Bürger geworden. Denn hier findet man unter dem besagten Jahre „Der Hör- nung schreiner fer. lecunä. p. conv. pzuU." Daß er von Mntenan gewesen, wird durch die Hospualis'chen Saalbücher bestättigt, nach denen sein Vater Hans Hornung 1428 daselbst zwey Lehen besessen. Vor ihm besaß eben daselbst Chunz Hornung, dessen Weib noch 1409 lebte, ein Lehen, und vor diesem hatte Seih Hörnung bereits iz6ü ein Lehen allda. UebrigenS hieß Muten au ehemahls Speckbrot, woher der jetzige Nahme Speckbroty entstanden. Denn so finvet man in dem Hospilalischen Saalbuch von 1428. „Das Weiler Mut» nau hat vor Zeiten Speckbror geheißen, und liegt bey Holzkirch." Da Hürnings Vor» fahren bald Hornung, bald Hörnung ge, schrie, ' schrieben werden: so konnte daraus mit der Zeit wohl Hmning werden. UebrigenS gehört ihm von den am Schlüsse der Armen Bibel vorkommenden Wappen nicht das er« sie an, wie ich unterdessen von Bern aus selbst, dann durch Nro. 270 der allgem. Lilleramrzei:ung von diesem Jahre, und durch Herrn Hofrcuh Eschendurg eines bessern belehrt geworden, sondern daSzw.nte mit dem Schnitzmessrgcn, die für mien Schreiner, der zugleich den Formschneider mach!?, das sprechendste Wappen sind. Durch vor mir liegende Abdrücke des noch heut zu Tage bey Walthers Nachkommen in Bern gewöhnlichen Siegels belehrt, ersehe ich für gewiß, daß der Eichhorn, den ich, durch eine gemntkmaßte Anspielung auf den Nahmen verführt, vorhin Hürning beylegte, unserm Wäschern angehört. Denn WallherS Nachkommen in Bern führen noch jetzt einen an einem Baumstamme hinaufkletternden Eichhorn im goldenen Felde. A Z Auch ö Auch dieses Wappen halte ich für sprechend^ da Wallher sich nach der Ü berschrift dex Armen Bibel eigentlich VValrhern nannte^ welches Wort mit Eichhorn ehemals syno, nym gewesen zu seyn scheint. Denn wenn die Endsylbe -Horn im Eichhorn nicht ohne Bedeutung seyn soll, so kann sie am füg, lichsten von hören, jetzt horchen abgeleitet, und der Eichborn als ein Hören oder Hör» cher auf der Eiche erklärt werden, wornach in einer veränderten Zusammensetzung und Aussprache Walchern mit Eichhorn einer« ley, und letzterer für unseren Friederich Wallhern das sprechendste Wappen wäre. Doch dem sey wie ihm wolle, genug, der Eichhorn gehört ganz gewiß unserm Wal- therü zu, der nach seiner Annahme zu einem Bürger in Bern, so wohl dorten als in Frenburq die noch vorhandenen Glasmahlereyen in den Hauptkirchen verfertigt. Von seinen Kindern ist bis jetzt keines bekannt, als sein Sohn Mathias, der im Jahr ? Jahr ?Zoz in Bern lebte, und der Stammvater der noch jetzt daselbst florirenden Waltherischen Familie ist. Von dieser Familie setzte sich vor ungefähr hundert Jahren einer in Berlin, von dem vermuthlich noch Abi kömmlinge daselbst sind» Daß die von Walther und Hürning 1470 hier verfertigte Armen Bibel keine Kopie einer frühern, sondern eine nach den ältern lateinischen Exemplaren ohne Zweifel jn Nördlingen selbst gemachte Uebersetzung sey, davon bin ich beynahe völlig überzeugt» Durch die zuvorkommende Güte des Herrn Senior Geuders aus Augsburg, der als ein gebohrner Nördlinger an allem, was seine Vaterstadt angehl, den wärmsten Antheil nimmt, erhielt ich die von dem seeligen Herrn Pfarrer Sremer, im fünften Stücke des litterarisch - bibliographischen Magazins des Herrn Hofrath Meusels von Seite 1 - z8/ beschriebenen seltenen Jnkuna- A 4 beln s beln zur Einsicht, von denen die eine nem? lich das biblische Geschichtsbuch »ach der Schlußschrift 1462 durch Albrecht Psister zu Bambcrg gedruckt worden, die beyden anderen aber durch Papier und Lettern den ucmlichen Drucker verrathen, der sie entweder in dein nenilichen Jahr, oder in dem vorhergehenden, wo er auch BonerS Fa- belzammlung gedruckt, aufgelegt hat. Die eine dieser Inkunabeln, welche in dein alle drey Stücke vereinigenden Band vora. sieht, ist eine Aüegoric auf den Tod; die andere hinten angebundene aber ist die Annen Bibel, die bereits Herr vonHeiuccken in seinen Nachrichten Th. II. Seite 150 ff. und in seiner Ic?ee ^ener^s collectiv« ä'Ktt-^mpes Suce 327 ff. als in der Wol- fenbüllelschen Billiorh?t btsindlich bcschne, ben, wobey er aber sich einige Fehler zu Schulden kommen lassen, die im 7. und 8» Slück deö angeführten Menselfchen Magazins mit Recht gerügt werden. Auch das Wol- Wolftnbüttler Exemplar liatt? ebemals 18 Blatter, wie das von Steiner beschriebene, nur sind drey bedruckte und das letzte un? bedruckte davon veriohren gegangen, daher eö gegenwärtig nur 14 Blätter oder 28 Vorstellungen hat, die in allem -mit den von Steiner beschriebenen übereinkommen. Von der in Nördlingen hcrausgekommsnen unterscheidet sich diese Armen Bibel schon dadurch, daß sie mit Lettern und zwar mit Missallypen gedruckt und durchaus anders eingerichtet ist, und statt der vierzig Vor, siellungen, die sich in der Nördlingischen befinden, deren nur Z4 hat; indem hier die 19, 20, 57, z8. Z9 «"d 4n Ende beschloß man gar, den Kartenmachern eben so wie den Salpetersledern das hiesige Bürgerrecht zu verweigern, und sie nur in Beysitz anfzunehmen. Den Anfang machte man 1585 mit Hans Merklin. Wirklich fin, z) Die Meistersänger kommen »539 ulrinw Isnuario unter dem Ruvro Meister ge« sang zum erstenmal)! in unsern öffentlichen Acten im Rathöprolokoll vor, wo es heißt: Ist dem jungen Buttschbacher zugelassen ein Singschul zu halten. Bey einer am dern Gelegenheit soll mehr von ihnen kommen» i6 findet man bis zum Jahr 1650 keinen Kart tenmacher im Bürgerbuche angeführt. Erst in diesem Jahre steht unter dem 21. Jan» Salomon Kurz von Reutlingen, Karten» wacher, dessen Nkykömmlinge Mahler geworden. Der letzte von ihnen, Johantt Jakob Kurz, starb als hiesiger Stadlmahlee den 5 May 177z. Neun Jahre nachher wurde mit dem 1782 verunglücklen Kartenmacher, Johann Adam Weilenmeyer die Fonuschueiderey zu Grabe getragen, da sein Ve-ter, Johann Georg Weilenmeyer, der sie fonzUlreiben von Dresden hergekommen, solche mit dem Soldcuenstcmde vertauschte. Zwar suchte der noch lebende Mahler Jo, hannes Müller, der sich mit obrigkeitlicher E'-lanbiuß 178z als Kartenmahler in die Kram'rsznnft einschreiben ließ, die Form? schueiderey von ihrem völligen Anssterben zu retten, aber er war nicht glücklicher, doch klüger als seine Vorfahren. Er ließ ein Geschäfte, das bey der Menge auelan» di» X I? bischer Karten keinen Mann nährt, liegen, und blieb bey der Mahlerey, wo ich meh- reres von ihm sagen werde» So wenig Glück die Kartenmahlcrey Lind Kartenmachercy als Zweige der Form« schneideren in Nördlingm machten, so darf man darum nicht glauben, daß in Nord» lingen nach Wailhern und Hürning keine Formschneider von Bedeutung mehr gewesen. Ich brauche hier mir an unsem Hans Scheuftlin zu erinnern. Zwar ist zwischen ihm und jenen ein Zwischsnranm von beynahe fünfzig Jahren, da Scheufe- lin erst 1515 FceyiagS nach ^scens. hier Bürger geworden. Allein seine Arbeiten lassen uns die große Lücke zwischen ihm, Hürning und WaKhcrn um so mehr über» sehen, da er Holzschnitte lieferte, die.mit denen der besten Meister wetteifern, wie in der Folge, wo er unter den Mahlern näher soll beschrieben werden, des weiten! erholen B wird. -8 Nach seinem 15ZY erfolgten Absterben erscheint 1540 Martin Koch, Bildschnitzer zugleich als Formschneider. Denn so findet man in der Stadtkammerrechnnng vom Jahr 1540 „Martin Koch, Bildschnitzer von „einem Model als man Adler dann trugken „khend zu schneiden 2 gl." Ohnerachtet dieser Adler von den vier verschiedenen Socken, deren zwey vor und einer nachher in Holz geschnitten wurden, der schönste ist: so hat sein Ve fertiger doch damit nichts Gutes gestiftet, da er zur Verunstaltung unseres StadlwappenS die erste Ursache gegeben. Nach den in der Folge anzuführenden Siegeln ist das Wappen der Stadt Nörw lingeu der einfache Adler, anfänglich ungekrönt, vom funfzehnden Jahrhundert an aber gekrönt. Er ist als ein Abzeichen des Kayserlichen SchulM ganz der von Oetter (2) beschriebene schwarze Adler mit gelben Füs- 2) Samuel W-lhelm Oetters WappenbM- st'LUNg. Acht Stücke, Augoomg 1764 -9 Füßen und gelbem Schnabel im goldenen Felde, und hat auserdem eine rothe Zunge und eine goldene Krone. So findet man ihn bereits 1420 auf dem pergamentenen Schuidbuche der Stadt abgemahlt, und eben so in der ältesten Schabe, welche die B 2 Wap, und 65 in 4. Hier sieht in der Vorrede Zum ersten Stück Not. ä. „Warum der „vccidentalische schwarze Adler mit gelben „oder goldenen Klanen und Schnabel „abgebildet wird, ist die nähere Ursache: „Die schwarzen Adler haben gelbe Füße „und gelbe Schnäbel. Man hat also- „einen schwarzen Adler in seiner natürlt- „chcn Farbe vorstellen wollen." Gerade so ist unser Stadtadler, der nach eben demselben Oetter im ersten Stück ein Ab, zeichen des Kayser.ichen Schutzes und der Verbindung unsrer Stadt mit dem Reiche ist: denn so sagt Octter. „Der ein, „fache Adler ist für die Reichsstädte schon „genug an den Tag zu legen, daß sie „zu dem Reich gehören," 2S Wappen sämmtlicher Mitglieder enthält, die, in der 1469 erbauten neu n Trinkstube, 1470 eine eigne Stubengesellschaft errichtet, oder vielmehr fortgesetzt haben. Da die jetzige Trinkstube in selbigem Jahr die neue Trinkstube genannt wird. Und in den Stadtkammerrechnungen bereits 1415 „Zinß von der neuen krum unter dem Trinkhaus" und 1426 „Ein Pfund Wachs aus Sitzen Amans Haus, da das Trink» Haus ist" vorkommt, und auserdem unter den Wappenschilden, zwey Pfauen, derer von Hall vorkommen, von denen der Letzte, Hcinnch von Hall, 1434 wegen seinen beständigen Händeln mit Pauls von Bopfin, gen des Raths entsetzt von hier fortzog; auch von den Müllern, von denen Heinrich Müller der Burgermeister bereits 4465 nach Augsburg gezogen, zwey Wappen angetroffen werden; und von den Hamzeln, (von denen HanS Hainzel der Vater von 1128 bis 1454 zu Rathe gieng, der Sohn Rav, per 2Z per oder Aapvold Hainzel aber von 1455° 146» im Räch saß,) nach ihren Wappenschilder, in der Kirche, der Vater bereits 14Z5, und der Sohn 1461 verstorben; sy muß die Scheibe der erneuerten Stubengesellschaft bereits in der ersten Halste des funfzchuden Jahrhunderts gemacht seyn» Der Mahler verstand es, wie die sämmtlichen Wappen zeigen, nicht nur schön, sondern auch heraldisch richtig zu mahlen, da, her das in der Mitte angebrachte, einen: Engel auf einem goldenen Schilde über die Brust bis zu den Füßen herunterhängende, dem bereits beschriebenen ganz ähnliche Wappen, für das ächte und richtige zu hasten. Wie es daher auch ganz diesem Gemählde getreu in das um 1445 verfertigte größere Secretinsiegel aufgenommen worden. Ohne mich auf die übrigen Scheiben der Stuben? gcsellschaft vom Jahre 1542, 156z, 158t», 1601 und 165z zu berufen, in deren Mitte mau das nemliche Wappen ganz unveran- B z der! 22 dert in Schnitzarbeit findet, u.^ ohne sn die an den Stadtthoren, an dem Zeughaus und dem Spital angebrachten Wappen, und an den bereits 141z von einem hiesigen Klistier mit Schnitzarbeit verfertigten Behälter zu den Briefen im Gewölbe zu er, innern, woran der beschriebene Sradladlcr zweymal auf einem Schilde, den ein Engel über die Brust herunter hangen hat, vor, ko-nmt; so beruft ich mich bloß auf die an den zwey Erkern des ZahlhauseS angebrach» ten, und von dem hiesigen Bildhauer HanS Fuchsen 1542, laut ihrer Jnschuft und der Stadtkammerrechnung, in Stein gehauenen Adler, wenn ich behaupte, daß der Adler ohne einen'Herzschild, das wahre Stadt» wappen sey. Denn berührte zwey Adler werden nach dem Rathsprotokoll ausdrück, li.l? die Stadtadler genannt. Denn so sin, det man unter dem 10. Jul. 1542. „Uf dein Weinmarkc entschloß sich ein Rhat aus allerley Ursachen den Sladtadler und nicht den Km Reichsadler an zweyen Orten an das neue Haus zu machen. Act. m tupr." Da nun diese Adler, so wie der im Jahr 1544 von dem ncmlichen Bildhauer auf die alte Orgel verfertigte Adler keinen Schild haben, auch in der Bundstube die Adler über der Thür und am Ofen keinen Herzschild haben, und selbst der bey der Reperamr des Räch- hauöelkers im goldenen Felde gemahlte schwarze Adler keinen Herzscdild Heu: so glaube ich dem Formschneider Martin Koch nichc Unrecht zu thun, wenn ich behaupte, daß er unser Stadtwappen verunstaltet, nnd die Veranlassung zu weiteren Abweichungen von dem eigentlichen ältesten Stadtwappen gegeben habe. Der von ihm zuerst angebrachte Herzschild ist roth und silber quer getheilt. Daß er damit unsere Stadt, die damals unbezweifelt zn Schwaben gerechnet wurde, zu Franken, das vonje an sz) B 4 roch z) S. Oett. a. a. O. an mehreren Stellen^ besonders im I. Stück 9. ioz. 24 roch und weiß führte, habe ziehen wollen, glaube ich nicht; vielmehr scheint der Herzschild auf den gedruckten Adlern die Absicht gehabt zu haben, die Numern der auf ein» ander folgenden Bücher hinein zu schreiben» Allein, da er doch hiezu zu klein war, so erlaubte sich ein weiterer Formschneider, der den von Erasmus Scharpf gedruckten und unt Farben cmögesirichenen schlechtesten aller Adler geschnitten, in dem Herzschilde einen silbernen Balken im rothen Felde anzubringen. Auch dieß halte ich wieder mehr für eine Spielerei) des FormschneiderS, als für einen ernstlichen Bezug auf das Oesierrei- chische Wappen. Da bereits bey der ersten auf öffentliche Kosten hier gedruckten Schrift der SladtMsr als ein Stock vorausteh:: so behielt man auch in der Folge bey solchen Schriften, die nichl in Patemsorm herauskamen, aber auf öffentliche Kcsten gedruckt, vder zum Stadlgebranch, wie besonders mehrere Schulbücher, bestinmu waren, diese Ge- SZ Gewohnheit bey, und schte den Stadtadlev voran, in dessen Herzschiio, woran man nun einmal gewohnt war, die Sigle der Stadt ein Kl gemacht wurde, welches man dann allmählich auch bey andern Abbildungen des Stadtwappens anbrachte, mit dem Unterschied, daß^man zum öftcrn dem Stadtadler ohne einen Schild die Sigle blos auf die Brust sehte, wie solches an den neuesten Scheiben der Stubengesellschaft vom Jahr 1667 und l685 zu sehen, und so auch auf dem gewöhnlichen Kanzleyinsiegel gesehen wird. Dagegen man auf oem Secrcnnsie- g-l der Stadlkammer, das mir wenigstens von 1600 her bekannt ist, und eben so auf dem Stempel, womit die Bnchrr der Kirchen und Sladlbidliolhe? von dem Schlüsse des sieben;ch:,len JahchündettS an bezeichnet werden, den Herzschilo mit der Sigle erblickt. Meiner Vermin thung nach hat die Verfertigung Petschaft- ähnlicher Secrennsiegel, die nicht wie die B 5 älte- / 26 Alkeren Secrete eine Umschrift haben, die Veränderung unseres SladlwappenS in dem siebenzehnten Jahrhundert begünstigt. Denn da man uni die Siegel der Sladtkammec und Kanzlei) keine Umschriften machte: so war es wegen dem von ander» Reichsstädten ebenfalls in Wappen geführten Adler nöthig, solchen mit einer Sigle zu bezeichnen, indeß in unsern größer» Siegeln mit Umschrift der Adler weder einen Herzschild noch eine Sigle hat. Der nemliche Fall ist mir dem Spital. Auf dem Siegel mit einer Umschrift hat das Symbol des h» Geistes keine Sigle, aber auf dem keinen Siegel sieht man anfdcr Brust dieses Symbols die zusammen geschobene Buchstaben dZ-I. (^oercilinAilclier 54olptt°!l.) Ich unterfange mich keineswegs, hiemil bestimmen zu wollen, welches für seh? das eigentliche Stadrwappen seyn solle, sondern über, lasse es denjenigen, die das Recht haben, das Wappen unserer Stadt zu fixiren, hoffe aber aber auch, daß mir diese kritische Untersuchung , die ich nach der Forderung des vorzüglichsten Lehrers der Diplomatie und Heraldik angestellt, (4) nicht werde übel ausgelegt werden. Das einzige muß ich noch erinnern, daß im WcigeUschen Wap- penbuch das hiesige Smdtwappen beydnnal falsch abgedruckt ist; wenn im ersten Stücke 2iy ein goldener Adler im silbernen Feld, und im sechsten Stück ein goldener Adler im schwarzen Feld als das hiesige Scadt- wc-ppen abgebildet ist» Nach dieser etwas lan- 4) Gatterer sagt in seiner praktischen Heraldik, im dritten Hauptsiück vom Kritisiren der Wappen, daß eine kritische Untersuchung der Wappen eine Sache sey, die dem Historiker die Heraldik zur Pflickt macht, dal>cr ihm auch solche Niemand übel nehmen köm.e noch dürfe. Besonders'empfiehl er dar, auf zn sehen, wie sie durch NachiaMkeit oder Künstelei) und Supsrklugheit veruw staltet geworden. sF sangen Digressisn, auf die mich die Spie, lercy eines alleren Formschneiders gebracht, kehre ich nochmals zu diejer Kunst zurück, von der ich nach dem angeführten Koch (5) weiter keinen Holzschneider cuiscr Scheufelitt mchr anführen kann, welcher bis in die gegenwärtige Zeiten herein etwas zum Ab» drucken in Holz geschnitten hätte. Damit > will ich gar nicht läugnen, daß nicht unter den hiesigen Bildhauern und Bildschnitzern der eine und andere gewesen, der besonders für unsre tmzi'msoge und zünftige Buchbinder Stempel in Holz geschnitten, wos mit sie die Einbände der Bücher auf den Taftln und dem Rücken so lange verzierten, bis 5) Koch scheint auch das sehr gut geschnit, tene Scherbische Wappen gemacht zu haben, das die nenillche Einfassung hat wie der 1540 von ihm geschnitzte Adier, und in einigen vv» Christoph Scherv zur Stadt, und Kirchenbibliothek geschenkten Bücher.» zu sehen ist. 29 bis sie die hölzernen Stempel mit stählernen vertauschten, wovon bey den Buchbiu» T>ern etwas mehr vorkommen wird» Nicht weniger mögen unsere seit dem 2Z. April .7Z1 privilegirte und auf die gefünfte Zahl bestimmte Schwarzfarbereyeu zu dem Leinwanbdruck ihre eigne Formschneider der erforderlichen Mödcl entweder hier gefunden, oder auf einige Zeit sich gelialten haben. Ihr Gewerbe ist nneS der ältesten in der Stadt. Es wurde zum Behuf der Weberzunft, für die bereit» in der Mine des vierzehnten Jabrhunderls (6) eine eigne Bleiche da war, zu gleicher Zeit in der noch jetzt sogenannten Mangqasse, in -der Rothischcn Färberei) l^itt. L. Nr. 8y und H) Bereits IZ75. ier. czumt» Ände lvlarrlnl wurde die Bleich, als sie umgriffen ist, mit dem Graben biz an die Eger vnv an den newen Graben um rvi Psund Heller ewigs gelts an Zritz Aininai» uns seine Erden verlilM. Z0 m,d i zy auf öffentliche Kosten eine Mangs errichtet, die schon 14dl in den Stadtkammerrechnungen vorkomnit, und einen eigenen Beamten der Sradt hatte, der anfänglich den Nahmen des Kellermeisters führte, vermuthlich wegen der bey ihm sich befindenden Niederlage der Baumwo! en- und Leinenwaaren, laut eines ausgeschnittenen Zettels, der um 1460 dem Mangmeistec Ulrich Modler zugestellt wurde, worinnen er wie seine Vorgänger von 1401 an Kellermeister genannt wurde. Aus diesem Zettel ersieht man, daß er alle Barchcnl- und Leincnwaaren, die schon sehr früh ihre g/schwornc Schau hatten, welche 1410 von 854z Tücher 1Z29 A einbrachte, cmszu- wessen und davon wie von seinen übrigeu Einnahmen etwas Gewisses der Stadt ab, zugeben hatte. Wie dann 142Q der Keller» mnster Peter Resche „von der Elle, dem K ler und der Mange 12 fl. bezahlte. Er hatte die gemangte Tuche zusammenzulegen, und und in Ballen oder Fardall (7) zu binden» Zur Bereitung der Tuche hatte er eine eigne Mang 7) Fardall, Vardall, Zardell sucht man in den alten deutschen Glossarien ver, gebens. Selbst I. 6. LcKer^Ii Llossii- rium LermÄnicum meäii aevi, ^i^en» wrüti, 1781 UNd 1784. ll 1'om. m folio, läßt es unter Varäel unerklärt, und sagt nur : num vecturz, merces Äljvectae? Unter ^Al-tel macht es nach Eck ein UN« bekanntes Gewerbe- daraus. Blos der fleißige Geschieht, und Sprachforscher, Herr p, Bernhard G:oc?er, Archivar und Bibliothekar an dem Benedikimer, kivsier zum H. Kreuz in Donauwörrh, bemerkt es in seinem erst dies; Jahr er, schienenen Beytrag zu den frühern Glossarien, wovon er mich mit einem Excuu plnre beehrt. Sein jeden?, der grünere Werke entbehren muß, nützliches Buch führt den Titel: p, ^ernharr Grockcr Diplomatische Erklärung alccr d-ur? schrr Wörrer vom 12. bis 17. I^hr, hundert, Donanw. L. 1798. Hier 32 Mang und Presse, die 1450 aufs neue Hers gestellt wurden, und mcmgte solche eulwedec weiß findet man: Fardell ein Päckchen. Diese Erklärung wird in der Bedeutung eines Ballen Barchenttücher durch den Zettel unseres Kellermeisters bestätiget. Da dieser, für ein einzeln Stück zn messen vom Käufer und Verkäufer einen Pfennig bekam, für einen Vardal! aber sieben Pfennig, so mag der Balle, (nach dem Italienischen karäello ein Pack, Bündel, Vardall genannt,) ungefähr aus sieben Siücken bestanden haben. Denn so finde ich: „Welcher ain Vardall hie verkauft, „so! ir yeder, der kawffer vnd verkawffer, „dem Kelermcisier Syben pfening davor» „geben zvm vnderkawfi^'.^ Ucbrigens finde ich im Stadtbuch, wo sehr viele Käufe der Barchenttücher rcgisirirt sind, 1422. der Fardel zuerst erwähnt. Die darinnen enthaltenen Stücke waren nach eben demselben Buche entweder mit einem Ochsen, oder einem-Löwen, odereiner Traube bezeichnet, und hatte jedes Stück . 25 Weiß oder gefärbt. Die Farben» die in seinem Zettel vorkommen, sind blau und schwarz, und wurden ebenfalls von ihm besorgt, und zwar letztere aus bestimmten Farben. Denn so steht in dem Zettel „Ztein l2oc> Faden minder zo. Aus einem Sacke Baumwolle wurden 1415, 42 Tuch gemacht, deren eines mit 8 einem halben, auch 9 Pfund bezahlt wurde. Diesen Beytrag zu Scherzens Glossario glaubte ich um so mehr liefern zu müssen , da die Schule in diesem Jahr dieses schätz, bare Werk vom Herrn Kaufmann Be, nedikr Ronstanrm Düctel zu einem Geschenke erhielt. Da wegen des K. K» Feldspitals der Rektor vom 2. May 1797. bis Anfangs Jul. 1798, in feinem Hause gewohnt, so bestimmte er einen Theil des ihn treffenden Hauszinses zu Anschaffung dieses beträchtlichen Werkes für die Sckui- ibivliothek, welckes öffentlich anzurühtmst ich für meine Pflicht halte. C > ' ' - ^ ^ 34 „Item er sol auch verben mit Rausch, Alandt vnd Gallas. (8) Eben diese Ver» ordnung wurde den iz. Jun» 1546 wie» derholt, wo bereits zwey Mangen existirten, deren zweyte der seit 1498 bey der Korn» schrann I^itt« O. I^r. 40. vorkommende Jörg Mayinger inngehabt, und solcher von 1504 bis 1515 vorgestanden ist. Diese zwey Mangmeistereyen nebst den Schwarzfärbereyen, deren Bestände? 154b angewiesen wurden, auf gute Farben zu sehen, und nach Nürnberg und Regensburg sich zu richten, blieben bis in die zweyte Hälfte des sechszehnden Jahrhunderts ein Eigen» thum der Stadt, deren älteste von 149z an die Familie Paul Gundelfingers, die jüngere aber Jörg Meyingers Nachkommen in Pacht hatten, bis beede Familien, die erste 1560, die andere etwas später das Ei» 8) Hiemit ist das zu vergleichen, was von Stctten a. a. O. von den Augsburgs» schen Färbereyen Seite 250 ff. anführt. 38 > Eigenthum an sich kauften. Wahrschein« Lich zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurde die dritte, jetzige Beyschlagische Fär, bcrey l.itt. L. I^r. 71 errichtet, da bereits 1668 den Z. August der sie von Thomas Herpfer übernehmende Johannes VeriuS von Strasburg hier Bürger geworden» Die älteste Färberey kam lübz (9) an die Münzingerische Familie, in die sich 1679 Georg Friederich Hinkeldey, Schön-und Schwarzfärber von Winsen c.n der Luhe im Lüneburgischen ohnweit Hamburg ein, heyrathele. Da er solche an seinen Stieft söhn abtreten mußte : so errichtete er in dem 1701 durch Kauf an die Stadt gekom» menen Klosterzimmcrer HauS die jetzige Seningische Färberei) I^itt. O. k>Ir. 45» Die neueste unter allen Schwarzfärbercyen C 2 ist 9) Siehe N/l. G. W. Hinkeldey's heilsame Erinnerung an die sämtlich Wintcr-Mün- zinger, und Hinkeideyische Descendenten» Nördlingen 1726. 8. Seite 91 ff. i Z6 ist die Wuchererische Litt. I^r. yz, die 1726 von Herrn Benedict Wucherer er« richtet wurde, der zu dieser Absicht von gemeiner Stadt den ehemaligen Karrenstadel erkaufte. Da feines Bruders Daniel Wucherers Sohn, Johann Caspar Wu« cherer, die von Ballhas Simons Wittib 1669 an ihren Vater und Großvater verkaufte Farberey an der Kornschrann bereits an sich gebracht halte: so suchte Tobias Wucherer, ein Vetter von Johann Caspar und ein Bruder von Benedict Wucherer eine sechste Schwarzfärberey und Mang zu errichten, allein da dieß den bereits bestehenden Schwarzfarbern an ihrer Nahrung hinderlich schien: so ließen sie sich, wie schon oben gesagt worden, den 23. April zyzi auf ihre bereits gemachte Einrichtungen und Häuser ein ausschließliches Privilegium ertheilen. Dieser Tobias Wucherer nun war eigentlich der erste, der die in Augsburg schon länger bestehende Leinwand- dru, 37 druckerey vermuthlich von dort auch hieher brachte und bey uns einzuführen suchte, da er selbst ein geschickter Formschneider oder Modelstecher war. Allein, da er wegen dem aus reiflicher Uebcrlegung den übrigen Schwarzfärbern ertheilten Privilegio seinen hiesigen Aufenthalt mit dem in dem benachbarten Dorfe Allerheim vertauschte, wo er bis um das Jahr 178 z die Schwarzfärbe, rey fortgetrieben: so blieb der angefangene Lcinwanddruck einige Zeit liegen, bis in den vierziger Jahren der 1784 verstorbene Herr Johann Christoph Arnold, des Stadt, gerichtS Beysitzer und Schwarz und Schönfärber allhier, welcher die alte auf die Münzinger gekommene Schwarzfärberey 1739 mit einer Münzingerin erheyrachet hatte, solchen aufs neue in den Gang brachte. Anfänglich druckte man blos mit Bleyweiß auf schwarze und blaue Leinwand, uachmals aber fieng man eine Art Kotton- druck an, von der die Sorte mit schwar- C z zem ^ ».> Z8 zem Dessein auf rothem Grunde Mohrens bombasin genannt wnrde. Gegenwärtig druckt man noch theils auf die altere Manier, theils auf eine erst seit einigen Jahren von Heilbronn und andern Orten her bey uns bekannt gewordene Kottonmanier. Die erste Manier liefert vornemlich sogenannte Bcmrenwaare , in der zweyten aber werden sehr artige Sachen zu Halstüchern, Schnupftüchern , Schürzen und ganzen Kleidern gedruckt. Die Möbel zu der neuen Manier ließen sich die Färber mehrenlheilö durch Auswärtige, die sie einige Zeit dazu herge» halten, stechen, zu den älteren gröbern aber wurden ehedem die Mödel von Hiesigen geschnitten, von denen mir aber keiner, als der 1764 verstorbene Zim giesser und Eich» m ister, Georg Balkhas Gnnzler bekannt geworden, der ein sehr guter Zeichner gewesen , mid sich auser seinem Gewerbe auch ant Metailittchen und Modelschneiden ge, !egt hat. Au- ÄS Auser der Formschneiderey zum Lein, wanddruck ist in den neuern Zeilen eine eigne Art der Formschneidekunst hier ein» geführt worden, die mit der, welche für Gipeabdrücke Formen bereitet, sehr viele Aehnlichkeil hat. Sie wird seit 1779. von Ehrenftied David Henning, der sich als Lebküchner von Weissenburg Hieher verhey- rathet, und seit 1785. von Vitus JeremiaS Adam, Konditor und Specereyhändler, von hier, getrieben. Beyde schneiden in Holz manchfaltige Modelle, die sie dann in Tragant - oder Marzipanmasse abdrucken» Letzlerer arbeitet vorzüglich im antiken Ge, schmacke, und seil einiger Zeit liefert ee auch sehr schön geformte und nach der Na» tnr gemahlte Naturhistorische Gegenstände, besonders Sauglhiere, die er Stück für Stück in einzelnen Kästchen verkauft. Man findet seiner in Herrn Hofrath MeuselS Museum für Künstler und Kunstlieber C 4 mit :o) Siehe Herrn Hofrath Meusels Mm 40 mit verdientem Lobe gedacht. Der erstere befleißiget sich nicht minder, schöne Tragant- und Marzipanarbeiten zu liefern, und hat besonders in den Jahren 1794. und 1795. die vorzüglichsten Nationen und Völker in Tragambildern, jedesmal zu zwölf Stücken, sammt einer kurzen Beschreibung geliefert, wobey er sich als einen geschickten Holzschm.der und guten Illuministen gezeigt. Zugleich lieferte er auch eine Suite «on Handwerkern nach I. P. VoitS Un» terbattungen, und machte dadurch, wie durch seine übrigen Arbeiten, die ehemals sehr bizarren Marzipanbilder auch bey seinen übrigen Klmslqenvssen den Zeiten ange, niessnier und zugleich als Unierrichtsmiltel nützlicher. Buch- senm für Künstler und Kunstliebhaber. Zehntes Stück und daseibst Mro. z. Nachricht von Kunstsachen und Künst, lern in der Reichssiart Nördlinaen. Von Herrn Johannes Müller, einem dvrti, gen Maler. 4! Buchdttlckerkuttst. Nach der Geschichte der Formschneide» kunst in ihren verschiedenen Arten, komme ich nunmehr auf die Geschichte ihrer vor» züglichsien Tochter, der BuäMuckcrkünst. Hier muß ich aber sogleich im voraus erinnern, daß Nördlmgsn in dieser Rücksicht mit noch großer« Städten, bey denen wegen den in ihrer Nachbarschaft angelegten frühern Bnchdruckersyen, diese Kunst erst sehr spät einheimisch werden konnte, gleiches Schicksal hatte. Denn so wie Fvcnikfurt, wegen der Nähe von Mainz und Bambkrg, erst 15 (i>) seinen eigenen Buchdrucker erhielt, so geschah das Nämliche mit Nero, lingen, wo wegen der Nähe von Augsburg, Ulm und Nürnberg vor izzZ kein eigner Buchdrucker auskommen konnte, da, her alles, was auf öffentliche oder Prival- ii) Siehe den Artikel Buchdruckerey in der Deutschen Encyklopädie. 42 kosten für Nördlingen zu drucken war, in benannten Slädrm besorgt wurde. So finde ich in der Stadlkammerrechnung von 1477. „Geben dem Günrber Buchdrucker „von Augspurg umb lxxx formen schicßbrief „zu tcukken ij Gulden, vnd dem formen „setzer geschenkt, l Ort." Welche Stelle nicht nur das im Gutthaterbuch der Karthause Buxheim angegebeile Todesjahr des Günther Zaynerö bestätiget, (^2) sondern auch mit einem merkwürdigen Armbrust« und Büchsenschießen uns bekannt macht, das 1478» zu ausgehender Nördlinger Messe gehalten wurde, womit der mehrern Anlockung wegen ein Glückshafeu verbun, den war, und der Stadt einen Aufwand von 814 st. » Ort, und l ibo Pfund 2 hlr» verursachte, wie solches die Rechnung be, zeu« 12) Siehe d'.'s H-'rrn Geheimen Rath Znpfs Augsburgische Buchdruckergeschichlc in der historischen Einleitung Seite IX und folgende. 4Z zeuget. .Nach Günthers Tod druckte für hiesige Sladl der bey dem geistlichen Gericht in Augsburg angestellte Notar, Io, dolms Pflanzmann, die von Hrn. Bürgermeister Dolp siz) bekannt gemachte und von Herrn Geheimen Rarh Zapf bei schrieben? Jndulgenzbnlle Pabst Sirtns V, Das Original ist vom Jahr 147Z. dalirt und in Rom sehr niedlich in Palentform gedruckt worden. Der Nachdruck davon fällt in das Jahr 1482, nach noch vorhandenen lateinischen Briefen des Pflanzmanns (54) an unsern Stadtschreiber Ulrich Tcng» iz) D. E. Dolps Gründlicher Bericbt vsn der Neformalion der Sladt Nördlingen. Nvidiiiijzen 17Z8. und daselbst Seile iz und in der Urkundensammlung Rro. Xls, So auch Zapf a. a. O. Theil !l. S. 218. >4) Von Iodokns Pflanzmann siche Herrn Geheimen Rath Zapf a. a. O. in der historischen Einleitung Seite XXVll, wo «uch Seite XXIV und folgende das Nö, 44 Tengler, worinnm er sagt: 6e copiis ma- suribus ultr^ triz miltia impreslj. Zugleich druckte er zu der nämlichen Zeit: Cz» sl.,8 reservati in LuIIa ^orälinAen, woran sich unten die t^rmz ilbfolulionis befindet, die er zum Vertheilen unter die, die hier und auswärts von der Jndulgenz Nutzen haben wollten, 20,000 mal abdruckte, je auf einen Bogen, der ihm mit z hlr. be, zahlt wurde, sechs Stücke. Diese Lon» Leüionzliz oder Beichtzettel, wie er sie in seinem Schreiben nennt, hatte er bereits im Jahr »480. zu 3500 Stücken für die Sradl gedruckt; da er selbst zu mehreren nicht Zeit hatte, so wurde eine Parthie von Bämler gedruckt, denn e'c sagt: qu»e mit: suikicizntcum zliis per Premier f^cris. Ein vor mir liegendes Exemplar dieser Beicht» zettel, das weit schönere Lettern hat, als die thige von dem bald zu erwähnenden Io, hcmn Bämler vorkommt. 45 die Kopie, scheint wirklich von Bamler zu seyn. Aus einem Brief vom i. Mär; habe ich noch anzumerken, daß Pflanzmann für seine Zeilen recht gut eingerichtet war, denn er sagt: l^beo unum forrem im» xreslorem et 6uss optimss prestzs prop- ter multiluäinem copizrum et celerem neAotiorum expeäitionem. Um die nämliche Zeit, als Nördlingen seine Sachen auswärts mußte drucken lassen, und folglich keinen eigenen Buchdrucker hatte, machte sich eines seiner Stadtkinder als Buchdrucker in Italien berühmt. Er hieß Johannes von Nördlingen. 15) Denn Nach Panzer druckte 1480. lokarmes cls Norä- ., - / . -' - O 15) (Z. ^V. panier! ^nnsles 1"^p«j;rz- , VI. Vol. Uvrimder^ge, >79.^- 17Y7. und daseibst in den ili6icibus veS fünften Bandes, und im ersten Bande Unter ttcmonia, p. 2il n. 55. und p. 214 r>- 7Z 74- 75- deßgleichen im di irret» Bande unter Venetiis x. «01 n. ?qo. 46 ^örälinZen zu Bologna Lyia'oms man!« xulum curatorum allein, 1482. eben das selbst mir ^einricus 6e tZarlem: ^nzto^ mi^m X^luncZini emen6atzm, dann l^Ac>° ni8 conliliz, meäicz; und Lzbrielis ^ebri (^.üiellionum metzpn^ücarum libros 6uoclecim. Und mit eben demselben ^le- zi^n^ri (Zrsmztici 6c>ctrinz!e cum Lc>m- msmario I^uclovici 6e (ZuzscKis, an dessen Lude es heißt: Impressum Venetiis per >c>nannem <5e noercllinAen et iienri- cum 6e nzrlem fc>cic>s. 148z. 6ie 2c. /^prilis Ob gleich ehemals ein Geschlecht der vcm Nödlingen hier, in Augsburg und Hall floiirte, und selbst einige Bürgerliche von 14zi. bis 149z. unter dem Namen Nördliuger in den Steuerbücher» vorkommen: so glaube ich doch, daß dieser Johann von Nördlingen, gleich mehrem anoern Buchdruckern, seinen GeschlechtS- uamen mit dem Namen seines Geburtsortes vertauscht und sich eben so Hans von Nörd, lin- 47 Augen genannt habe, wie sich sein Associe Heinrich von Hartem, und ein anderer, der sm nemlichen Jahre mit ihnen zu Venedig druckte, Nikolaus von Frankfurt nannte» Daß er aber von Venedig aus sich nach Rom begeben und allda bey einem andern Buchdrucker in Diensie getreten sey, möchte ich fast glauben, denn ich finde in der Stadtkammerrechnung von 1497 ' „Mai- „ster Hans Nördlinger zu Rom gab Nach- „sieuer 2 Gl. dy Hand im die Rechner „verert, aus Bevebl ainS Rats, das hat „er sich um einen Rat zu verdienen erbv5 „teil." Nach und zugleich neben Johann von Nördlmgen glaubte ich im Ra-Hsprolo, koll 1485. einen hiesigen Buchdrucker gefunden zu haben, der mit einem gewissen EndreS Höchsiätler aus dem Gefängnis entwischt war. Allein bey genauerer Durchsicht seines Verhörprocokolls, Samsiag« nach Lucia z. 84. fand ick, daß er von Nürnberg gewesen und als falscher Spieler ein. 48 eingesetzt worden, der unter andern einem fremden Goldschmidt zu Donauwerth Ho, sen und Wammeö abgewonnen» Von der Zeit an, wo 148Z. die Rech» nung über die von dem enlsprnngenen Her? mann verursachten Aßungskosten vorkommt, finde ich weder eines Buchdruckers, noch einer Druckschrift in den öffentlichen Akten erwähnt, bis zum Jahr 1524. wo indem Reckenblich der Stadlkammer die Drucker» kosten über die älteste hiesige Znchtordnung vorkommen, die, wie bereits im ersten Slück angeführt worden, zu Augsburg in P.veiuform abgedruckt wurde. Mit 1528. gewinnt es, nach dem Rechenbuch dieses Jahres, das Ansehen, als wenn ein wcm, dernder Buchdrucker sich auf einige Zkit hier aufgehalten hätte. Denn ich lese: „Zallt in die lrnckhercy für Wintermeßzettel zu truckhen l fl. 1 Ort." Diese Angabe, die den Drucker für bekannt annimmt und kei, 49 keinen Ort dazu seht, ließe beynahe vermu« then, daß sich in besagtem Jahre ein Dnis cker hier aufgehalten hätte, wenn nicht un» »er dem Jahre izzZ. in dem Rathsprotokoll «s ausdrücklich stände, daß in diesem Jahre die erste Druckerey nach Nördiingen gekommen. Denn unter dem Rubro: Neue Tiuck-'rey zu Nördlmsx, finde ich unter, dem 26. Angust 15Z8. folgendes: „Die „erste Truckerpreß und kram (Zngehör) „gleichwohl in altfrenkischer Form kauft „AßmuS scharpff aim von Augfpurg ab um „15 fl. Lih ihme ein rhat das gellt uff „mein (Stadtschreiber Vogelmanns) pro- „moviren, zu nämlichen Zilen wider zu „bezalem ^ctum 26. ^uZ. ^. zZ.^ Dieser AßmuS, eigentlich Erasmus ScKarpst. der von 154z. bis 1575. in unsern Steuer? büchern vorkommt, war ein Sohn des ob-m angeführten Kartenmahlers. Franz Sckar? pfen, der 1522. nach dem Bürgerbuch und der Sladikammerrechnung Bürger gemors - D tzen. 86 den. In letzterer fand ich Folgendes: „Franz Scharpf, genannt Tausendschön, „zalt um sein Burgerrecht 7 Guld. aber die Bürgschaft der 40 fl. (die er) aus RatS „Versahung (haben sollte) ist im vom „Bund (dessen Versammlung damals hier „war) erbeten." Schon dieser Umstand zeigt, daß er nicht sehr bey Mitteln müsse gewesen seyn, daher er auch, wie oben gemeldet, neben dem Kartenmahler und vermuthlich auch Formschneider, zugleich den Buchbinder machte, und am Ende, wie mehrere Briefmahler und Formschneider, gar sich an die Buchdrucker?» machte, die sein Sohn Asmus Scharf, der bis 144z in seinem Brod gewesen, eigentlich für sei» ven Vater mit erkaufte. Nach einer von Schöpperlin hinterlassenen Rede von den Nördlingischen Druckerpressen (16) soll Scharpf 16) Diese Rede hat im Jahr 1771 unser verdienter Herr KanMst G. D. Lvie- denmann gehalten. Zr Scharpf die bey Dosp unter den Dokumen? Sen und Urkunden Kr. XI. II. befindliche Kirchenordnung vom 15. May 1538 gedruckt haben. Da Herr Bürgermeister Dolp a. a. O. auf der 68. Seite in dee Note sie als gedruckt annimmt, aber von dem Drucker nichts erwähnt: so getraue ich mir nicht an der Angabe eines so sachkundigen Forschers zu zweifeln, nur kann ich nicht glauben, daß sie bey Scharpfen, der erst im August seine Presse kaufte, gedruckt worden. Zwar setzt Schöpperli» den Druck derselben in das Jahr IZZ9^ und hält eine dritte Auflage des allerersten Werk? chenö des ehemaligen Karmeliter Mönch?,,«, Kaspar Kannzens, der uach dem Abgang Theobald Gerlachcrs den 21. Iun. 15 hier Prediger geworden, für diese Kirchen- ordnung. Dieses Werkchen, das auch keuerlin in seiner LibliotKecs s/mboiica x. 287 anführt, ist folgendes: Von der Avangelyschen Messz nur schöne Christ« D 2 tichn l 82 iichn gebeten vor vn nach Empfachung des Gacramenrs. Durch Caspar Ranny von LTZordlingen. ^Zm Iar M. D XXIIll. ein Bogen in klein Oktav, dessen Titelblat eine portalmäßige Einfas? sung ziert, woran unten ein Wappen angebracht ist, das bis auf eine Kleinigkeit dem von Johannes Schaffet zu Mainz geführten gleicht, und von zwey sitzenden Figuren gehalten wird, deren eine einen Hirten Stab zwischen den Füßen liegen hat, oben über dem Wappen sieht man in einem Tafelgen den verk.hrt gestochenen Buchstaben F. Nach Niederer soll '525 eine zweyte Auflage, und dann noch eine dritte ohne Iahrzcchl erschienen scyn, auf welcher sich der Buchdrucker durch ein über einem Kreuze stehendes 8 kenntlich gemacht habe. Da Niederer hierinnen den SliaS- burger Buchdrucker, Johannes Sctiott sucht, so glaubt Schöpperlin eben darinnen unsern Scharpf gefunden zu haben. Es mag mag drum seyn, ich will ihn nicht widerlegen, nur kann ich nicht zugeben, daß KannzenS angeführtes Werkchen, die bey Dolp zu findende Kirchmorbnung sey. da ich solches, durch die Güte des Herrn Pfarrer Nopi'tsth zu Aleenlhann unweit Alt, dorf, nebst mehreren andern zu meiner Kunstgeschichte tauglichen Sachen zur Ein» ficht erhallen. Es ist selbst seiner Aufschrift nach nichts mehr und nichts weniger als ein kurzer Unterricht von der evangelischen Meß nebst dazu passenden Gebelen, mit einem Wort ein so genanntes Nachtmahls büchlein in nuce. Daß indeß der nm sein Forlkommen besorgte Franz Scharpf seine Presse nicht feyren lassen, ersieht man aus der im ersten Stücke angeführten Slelle des Nathsprolokolls vom 26. Sept. 1539, wornach er Bücher und Briefe im Laden feil hatte, unter denen wohl auch welche von seinen eignen Verlagsarlikeln gewesen» Daß darunter auch die »ach Dolp im Jahr D z (17) 64 (i?) I5Z9 Zum erstenmal erschienene und Z567 zum zweytenmal aufgelegte: Histo- rie des Leidens unseres Herrn Jesu, Christi n.:ch den vier Evangelisten famr der Juden Osterlamm beede mir kurzer crotiticher Auslenung gehöre, und lAZy in Nördlingen erschienen sey, getraue ich mir mit Schöpperlin nicht zn behaupten; von der zweyten Ausgabe aber bin ich durch sichere Angaben überzeugt, daß solche ver» mehrt und gebessert 1567 12^ Bogen start in Octav mit Figuren und Holzschnitten du> ch Valentin Geißlern in Nürnberg aufgelegt worden. Das erste Produkt, das ich aus sichern Angaben und dem eigenen Anblick aus der Scharpfischen Drnckeiey kenne, ist die äuserst seltne Zuchlordnung hiesiger Sradl, i» Parenlfonn auf zwey zu» sammengeleimten Bogen, vom Jahr 1542. Sie führt den Titel: Der Star Nord- im- 17) Siehe Dolp a. a. O. Seite 62 in der Note. 55 lingen Newe Gesacz vnd zuchrord- nung. Darunter steht Ocffenrlich verrusse, publicirc vnd eröffnet vff 14 ^e- bruaryAno 1542. Hievon machte Scharpf uoch einen Abdruck auf 2 Bogen in 4. Das Titelblatt ist mit einem Portal geziert, wor, unter der Stadtadler steht, oben drüber steht: Der Gcac Norvlingen Ernervte Gesay und zuchtordnung 1. 5. 4. 2» Da in der Sladlkamrmrrechnung 1541 auf 1542 bloß folgende Rubrik: „Franz Scharpf für 100 gedruckte Ordnung eines Erbern RatS Verbots uf regal 5 fl. 2 Ort." vorkommt: so scheint die Quartausgabe für den Handel abgedruckt zu seyn, daher sie auch so rar ist, daß ich nichts als den ersten Bogen davon im Archive gesehen. Wenn man beyde Abdrücke vergleicht, so sieht man, daß die Scharvfen von Augsburg weiter nichts, als diejenige Sorte von gegossenen Lettern gekauft, die man heut zu Tage kleine Kanon Fraktur nennt. Die grobe Cicero D 4 Schwa» z6 Schwabacher, womit die Titel und dis Rubriken der verschiedenen Verordnungen gedruckt sind, erkennt man gleich bey dem ersten Anblicke für in Holz geschnittene Buchstaben , die sich in der Presse verschoben, und zackichte Zeilen verursach! haben. Diese haben die Scharpftn entweder, selbst geschnitten oder sich hier schneiden lassen. Wirklich findet man daher unter dem letzten Februar 1^42 im RachSpro!'^koll: Die Rechner sollten sich mit den Scharpftn vertragen wegen dem Mandat, und ihnen das Geld dafür auszahlen, damit sie sich auf eine neue Schrift gefaßt machen könnten, zu welchem Ende auch die Schuld der 15 fl. noch länger stehen bleiben sollte. Die nach dieser obrigkeitlichen Unterstützung vermehrte Druckercy wurde nunmehr von AsmuS Scharpf dem Sohn, auf eigne Rechnung fortgeführt, da der Vater, Franz Scharpf, zwischen Z542 und 1Z4Z gestorben. Die erste unter ErasmuS Namen mir bekannt gewordene Schrift Z? Gchnft ist der, nach Dolp in der Note der 62. Snce, 1542 gedruck-e Katechismus von Kaspar Kannz. Hierauf folgte, nach ^chm'rzer (18) die in dem Leben des ersten hiesigen Superintendenten M. Caspar D 5 ' Lö-' 18) Der verdiente Herr Süperintcndenc G. M. Schnitzer, zu Neustadt an der Aisch, hat seit 178z. angefangen, Anzeigen der Kirchenbibliothek zu Neustadt an derAisch in mchrern Stücken herauszugeben, darinnen nicht nur der Bibliograph, soiUern auch der Geschichtsfeeund recht viel Bei lehrendes findet. Das Leben unseres ersten Superintendenten. N. Kaspar Lömrs, hat er in der zweyte» und dritten Anzeige nur einer solchen Genauigkeit uns Vollständigkeit beschrieben, als es vorher Nie? wanden gelungen. Daß er mir nicht nur diese Anzeigen zugeschickt, sondern auch mit Beytragen zur Scdulgeschichte mich unterstützt habe, rühme ich hiemit, meiner Pflicht gemäß, öffentlich an. In dem dritten Stücke nun dieser Anzeigen findet man Seite si die Lönerischen Schriften/ 58 LönerS in dem Schriftenverzeichnisse ange- Heben? Erneuere Rüchenordnunc, zu LTlördiinI^n vom Jahr 1544. Ick habe zwar solche weder selbst gesehen, noch irgendwo als gedruckt angeführt gefunden, allein umcr dem 4. Jul. 1544/ die bereits im Occober 15411 nach der Nürnbergischen zu entwerfende Kirchcuordnm g, (die den 24. Nov. desselben Jahrs von der Geistlich- keit einem Ausschuß zur Revision übergeben, den 2z. Febr. 154z einzuführen anbefohlen, nachmals aber dem den 14. Nov. ,54z Hieher berufenen M. C. Louer nochmals zur Revision zugestellt ward,) endlich unter besagtem Dato ralisicirt wurde, finde ich im RalhLprotokoll: „Die Kirchenordnung über- „gab der Pfarrer meinen Herrn zu besichri- „gen und in Druck zu geben. Ein rhat ent» „schloß sich aber der Pfarrer möcht seine Ord? „nung selbs drucken zu lassen übergeben." Die- in so weit sie dem Herrn Superintendenten bekannt waren, angeführt. 59 Dieser Angabe nach möchte die Kirchenordnung von 1Z44 wirklich gedruckt seyn, aber sie kam als Privatimpressum nicht zu den Akten. Im folgenden 1545. Jahr erschien bey Scharpf: Das Gesang Süchlein der Christlichen Airch-n zu Nö: dingen. Gaspur Löner ps. l.XV!Ii. Ir Königreiche auff Erden singec Gore, lobsnu ger dem Herrn. Gedruckt zu Nord- lingen bey Erusmc» Sct)arpf im 1545. Jahr (19) 5 Bogen in 8- Nach einer mir von Sr. des Herrn Superintendenten Freyh. von Tröirsch Hochwürden gütigst mitgetheilten Nachricht meldet Lönec in der Vorrede, daß dieß Gesangbuch eben das- 19) Diesen vollständigen Titel findet man bey Schvpperlin in seinem Proara»?"!?, woinnen er schätzbare Beyträge zur Nörd« lingischen Reformationöhistorie geliefert, unter dem Titel: pi-vluüo^crlolaüi^, qu» Zac. 8r?llälirii vits 6escrib!tur. ^orck- liv^»e 4. 1768. und daselbst?. 24. 6c, dasjenige sey, so die Wittenbergische Kirche gestellt, durchaus gur und rein und meisterlich geinacht. Da nun, nach den sogenannten um schulvigen Nachrichten, oder der fortgesetzten Sammlung von alten und neuen theologische» Sachen auf das Jahr , Löncr bereits iz2y in Hof mit dem dortigen Rektor D. N. Medler Lntheri Gesangbüchlein vermehrt, und solches in Wittenbcrg auf Luthers Gutachten drucken lassen: so ist die hiesige Ausgabe von 1545 vermuthlich eine abermals vermehrte und verbesserte Auflage. Ob darinnen der zwis-ben dem zweyten und dritten eingcschobene und von Löner verfertigte Vers, in Luthers Wir glauben alle an einen Gott, sich befinde, ircnß ich nicht, da ich keine der von Lötier ver, anstaittten Ausgaben je zu Gesichte bekommen. So wie Löncr eine neue Auflage seines Ge, sani;buchs veranstaltete, so mag er auch seinen Ccuechismus haben neu auflegen lassen. Zum ersrennal wurde solcher iz?y. in 8. auf 11 ein halbes Blatt in Nürnberg bey Friedrich Peypus gedruckt, wovon man nach einer vermehrten Handschrift in den 174z. Jahrgang der Un, schul. 6! schuldigen Nachrichten p. Z44 ff. einen neuen Abdruck veranstaltete, von dem, nach einer genauen Vergleichung, die ohne Zweifel in Nördlingen veranstaltete Ausgabe ganzvet'chie, den ist, da sie in der Hauptsache einen .Nom, mentar über Luthers kleinen Katechismum, oder vielmehr einen erweiterten Luther enthält. Nach Schöpperlin ist der Tittel: Der klaine Catechismus Da? ist: «in kurzer Unnde« richt der Christlichen Iugent,inden Haupc, stücken der christlichen'Religion, in Gesprächs vnd Gesangs VVc?se, mir schönen Exempeln des Alren vnd V7ewcn Tcstas menrs. Laspar Toners. 6 Bogen in 8. Hievon hade ich einen jüngern Abdruck vor mir, der mit etwas veränderter Orthographie den nemlicheri Titel, und unten die Stell? aus Maul), Marc. und Lucas: Lasset die Kln^lein zu nur kommen, und aus Pauluc an dieEphe« ser im 6. Kap die Worte hat: Ihr Värter reizer ewere Kinder u. s, w> Uedrigens hat diese Ausgabe nur fünf Bogen, von denen die zwey letzten Blatter unkedruckr sind. Od die nach Schövperlin angefühlte Ausgabe hier ge< druckt worden, kann ick nicdt behaupten, da weder Jahr noch Dn-cker angegeben ist. Ge< wisser ist nach Doipö Annotulen Folgendes ein Produkt der SÄarpfnct'.en Presse. Das evangelische Gesancchüchiein: das ist die Gons rage Evangelien zu sprechen und zu singen gemacht du!ch A. Ged'.l»cki zu Vlördlingeu bey iLrasmo Scharpf. 7 Bo, gcn. 62 gen, in 8- ohne Anzeige des Jahrs. Wenn dieser M. A. nicht Wolfgang Ampffcr ist, der 154z als Konrektor aus Sachsen Hieher kam, und von 1545 bis 1597 Pfarrer in Goldburg- Hausen gewesen, so weiß ich unter den h^ßü gen Theologen jener Zeit keinen, der unter dem M. A. verborgen seyn konnte. Eben so wenig weiß ich, ob das im Nathsprotokoll 1545 angeführte Zuchtbuch je hier gedruckt worden. Unter dem 2. September 1545 finde ich unter dem Rubro Zuchtbuch: „soll dem „Stadtschrciber zu besichtigen bevoln vnd nach, „malen wieder anzubringen seyn ob es dem „Trucker vergönnt werden soll." Da Jot). Agncolas Katechismus, 1528 zu Nürnberg, den Titel führt: lLyn Christliche Rinderzucht, in Gorres VSorc und -Lere, und sf!i>st Löners erste Ausgabe seines Katechismus Unterricht des Glaubens, oder Christliche Rinderzucht genannt wird: so möchte wohl gar die neue Auflage des Lonerischen Katechis« inus darunter zu verstehen seyn. Daß der Stadtschrciber hier den Censor einer theolvgi« scheu Schrift machte, thut zur Sache nichts, da die Censuraeschäfte erst spät zwischen dem zeitigen Herrn Nathskonsulenten und Stadt» psarr. r Mheilt wurden, in den ältesten Zeiten aber Bü aermeistern und Rath vorbehalten waren. Denn so findet man im Rathsproto, toll unterm 15. May 1542: „Trucker soll hin« „für nichts irucken dann mit Wissen eines. „BurMmeisterö oder NathS. Geschehen aiiss „an» 6z „anhalten der Pfaffen," die vielleicht mit Kannzens Catechiömus nicht zufrieden, oder darüber neidisch waren. Sein Meisterstück als Formscbneider und Buchdrucker lieferte Erasmis Scharpf 1549, wo er Der Starr. dling iLrnervte Gesay vnnd Zuchrords nung lieferte, nach der Unterschrift: tLrnewt, vnd mit aine Erb», n Rhars Decret publi- cierr den .zo Marrii Ans 1549. Er druckte zvlche mit seinen vermehrten Lettern auf jwey susammenzuleimenden Negalbögen in Patent, form ab, und schmückte das Ganze mit einer nicht gar Übeln architektonischen Einfassung aus. Im Ganzen wurden davon 150 Stücke, und darunter einige auf Pergament, abgedruckt, von denen die Einfassung eines vor mir liegen, den Exemplars nach Kartenmanier mit Farben ausgesirichen ist. Er erhielt für das Stück z Kreuzer, und nach der Stadtkammerrech, nung zusammen für alle Stücke 7 fl. 20 kr. Die ehemals in Holz geschnittene grobe Cicero Scbwcu acher ist hier mit Terlie Fraktur ver, tauscht, und erstere Schrift nur mehr im Titte! zu sehen. Von 154c) an, wo Franz Scharpf nach einem oben angeführten Natsex» trakt zugleich den Kartenmacher machte, ist von seiner Druckerey nicht viel mehr zu hören. Vlelmehr scheint es, er habe von 1550 an sein Brod auswärts bey einem Kartenmacher oder Buchdrucker als Geselle zu verdienen gesucht, da gewöhnlich sein Weib für ihn steuert, und ,;Z4 der oben angeführte Kartenmacher Stof« ftl 64 fel Schwülmüllev »ach der S^adtkammerrech? mmg 50 Wappen der Siaor Nördlingen zlt drucken bekam, davon er 25 mit Farben aus, strich; wofür er 6 Pf. fürs Drucken aber 2b Pf. erhielt. Erst 1562 bekam Eraßmus Scharpf wieder etliche Adler zu drucken und mit Far, den aurzustreichen, und zwar 50 große, 70 wtttiere und 50 kleine. Nach dieser Zeit scheint er wieder auswärts sein Brod gesucht zu ha» den. Endlich aber nöthigte ihn das Alter, hier zu bleiben, und weil er mit seinen bisher getriedenen Künsten nicht viel verdienen konnte, so machte er von 1570 an nach den Steuer« bücbern den Taglöhner. Er scheint um 1575 gestorben zu seyn, und mit ihm erstarb auch die durch ihn nach Nördlingen gebrachte Buch, druckn'kunst, die erst in der Mitte des drey, figjährigett Krieges wieder aufgeweckt wurde»