S. L. E. Stosch Predigers zu iüdersdorf Versuch in richtiger einiger gleichbedeutenden Wörter der deutschen Sprache. Erster Theil. Neue vermehrte und verbesserte Auflage. >- > Frankfurt an der Oder, verlegts Carl Gottlieb Strauß, 1777. Vorbericht zur ersten Auflage. as Werk des Abts Girard, welches er von den gleichbedeutenden Wörtern der französischen Sprache geschrieben, ist mit einem so allgemeinen Beifall aufgenommen worden, daß schon verschiedene Ausgaben davon heraus gekommen, und es ist in der That einem jeden, welcher zu einer gründlichen Kenntniß der französischen Sprache gelangen will, ganz unentbehrlich. Da ich Gelegenheit gehabt, verschiedentlich mit solchen Auslandern umzugehen, welche sich auf die Erlernung unserer deutschen Sprache geleget, und diese bisweilen gewünschet, eben dergleichen Werk, zu ihrem Unterricht im Deut- * 2 sehen Vorbericht zur ersten Auflage. schen zu haben, aus welchem sie den rechten Gebrauch eines Wortes ersehen könnten, so fiel ich auf die Gedanken, selbst einen Versuch, in richtiger Bestimmung einiger gleichbedeutenden Wörter zu machen, und daraus sind gegenwärtige Bogen entstanden. ^ Es ist also nur ein blosser Versuch, den ich gemacht, und womit ich mich, zur Erholung voil anderer Arbeit, und zu meinem Vergnügen . beschäftiget habe. Meine Absicht war dabei gar nicht, diese Bogen jemals dem Druck zu übergeben; Allein der BeiM, welchen sie bei einigen Kennern unserer Sprache gesunden, und das Anreden derselben, hat mich dazu ermuntert. Nichts sollte mir lieber seyn, als wenn ich durch diese Arbeit, andern, welche mehr Geschicklich- keit und Hülfsmittel dazu besitzen, als ich, Gelegenheit gebe, dieselbe fortzusetzen. Indem solches gewiß ein vieles zu Verbesseruug unserer Sprache beitragen, und den Ausländern, die Erlernung derselben erleichtern würde. Borbe- Vorbericht zur zweiten 'Auflage. an sollte fast denken, es sey etwas leichtes, die wahre Bedeutung und den eigentlichen Unterschied, der ahnlichbedeutendcn Wörter, in unserer Muttersprache, die uns so bekannt ist, zu bestimmei:. Allein wer es versuchen will, der wird gewiß manche Schwierigkeiten dabei antreffet,, welche er gar nicht vermuthet hatte. Oft ist der Unterschied ihrer Bedeutung so gering, die Nuancen , welche sich zwischen ihnen befinden, sind so unmerklich, daß es viel Nachdenken und Ueberlegung kostet, sie auseinander zu setzen, und wenn man gleich wirklich einstehet, daß das eine mehr ausdrucket als das andere, und noch einen gewissen Nebenbegriffmit sich führet, so ist man doch nicht sogleich im Stande, den eigentlichen Unterschied mit hinlänglicher Deutlichkeit zu bestimmen. * z Es Vorbericht zur zweiten Auflage. Es geschiehet oft, daß man ein Wort gar zu sehr von einer Seite und l> der gewöhnlichen Bedeutung ansiehet, da es doch wirklich noch eine andere Bedeutung hat, welche man aus der Acht lasset, und eben diese, hatte uns doch den Nebenbegriff desselben, am ersten entwickeln können. Da ich selbst, diese und andere dergleichen Schwierigkeiten, bei meiner Arbeit aus der Erfahrung habe kennen gelernet, so habe ich mir niemals geschmeichelt, daß dieselbe vollkommen seyn, und keiner Verbesserungen nöthig haben würde; sondern ich habe vielmehr diejenigen Erinnerungen, welche mir hin und wieder von Kennern unsrer Sprache sind gemacht worden, mit Dankbarkeit angenommen, und sie auch bey dieser neuen Auflage genutzet, so oft ich sie richtig befunden habe. Wein: sie mir hingegen nicht hinlänglich genng gegründet zu seyn geschienen, habe ich die Ursachen angeführet, welche mich bewegen, meine in der ersten Ausgabe geäußerte Meinung, Vorbericht zur zweiten Auflage. Meinung, oder gegebene Erklärung noch immer vorzuziehen. In meinen kritischen Anmerkungen über die drey Theile der gleichbedeutenden Wörter, (denen neulich ein Hauptregister über alle vier Bande dieses Werkes angehängt worden,) habe ich mich weitläuftig und hinlänglich über alle gegen meine Arbeit gemachte Erinnerungen erklart, und darinn auf alle Einwürfe geantwortet. Ich beziehe mich daher auf dieselben, weil man darinnen manche richtigere Bestimmung und genauere Entwickelung meiner Meinung über dieses oder jenes Wort finden wird. Bei dieser neuen Auflage des ersten Theils habe ich denselben aufs neue durchgesehen, da, wo ich es nöthig gefunden, verbessert, und hin und wieder einige neue Zusätze geliefert: auch Habe ich nicht umhin gekonnt, einiges aus meinen kritischen Anmerkungen, um der Vollständigkeit willen, hier zu wiederholen.' Man Vorbericht zur zweiten Auflage. Mail hat mich verschiedentlich gefraget, ob ich dem» nun meine Arbeit völlig geendet hatte, und glaubte, daß nicht mehrere gleichbedeutende Wörter in unserer Sprache gefnnden würden? -Und ich muß gestehen, daß noch manche vorhanden sind, welche ich aus der Acht gelassen, wie mir denn schon verschiedene dergleichen vorgekommen sind, und vermuthlich werde ich »loch mehrere antreffen. Vielleicht entschließe ich mich auch diese, mit der Zeit, in einem kleinen Anhange bekannt zu macheu. Stosch. Versuch Versuch in richtiger Bestimmung einiger gleichbedeutenden Wörter der deutschen Sprache. !. Gelingen. Glücken. eide Wörter, zeigen den guten Ausgang einer Sache, oder Unternehmung an: Das erste aber hat vornehmlich eine Beziehung, auf dasjenige, was wir selbst dabei thun: Das zweite auf so etwas, was ein besonderer Zufall dabei zuwege bringet. Was durch unsere Bemühnng, und nach unseren Absichten, gut ausgeführet wird, das gelinget. Was durch einen blossen Zufall gut ausschlaget, das glücket. So wird man sagen t Meine Anschlage, oder Ab« "sichten in dieser Sache sind mir gelungen. Hingegen: Ich wagte es, bei der Feuersbrunst aus dem Fenster zu springe«/ und es glückte mir. Der Anschlag des Feldherrn ist ihm gelungen. Hingegen: Dasjenige, was er wider die Meinung des ganzen Kriegeörathö unternommen, ist ihm durch einen besond^n Zufall geglücket. die Besatzung der Stadt Messagä in Indien, einen usfall auf Aletandern that, befahl er seiner Reu- terei siu) MÜck'zuzichen, in der Absicht daß er die Befa- Hung von den Mauern entfernen, und sie hernach mit sei, Sroschl.TH. A ner 2 Gelingen. Glücken. Glücklich. Glückseelig. ner ganzen Macht angreifen möchte. Dieser Anschlag gelnng ihm. Bei Belagerung einer Stadt der Mattier, warf er sich von der Mauer hinab, in die Stadt. Diese That, welche an sich höchst verwegen war, und worüber er l-nchr sein Leben häcte einbüssen können, glückte ihm doch in so weit, daß e-' mit einer geringen Verwundung davon kam, und die Stadt erobert ward. Die Maßregeln, welche der König Sobiesky N'hm, Wien zu entsetzen, gelungen ihm so gut, daß er die Türken schon angris, ehe sie noch seine Ankunft erfahren hatten. Hingegen seine Unternehmungen aus die Moldau und Walachei, wollten ihm nicht glücken, weil ihm in einem Jahre, die Dürre, und indemandern, der viele Regen zuwider war. Anmerkung. Die Wörter, geratben und einschlagen, welche ebenfalls einiger Maaßen, Hieher können gerechnet werden. S« besonders. 2. Glücklich. Glückseelig. aS durch einen Zufall gut ausschlagt, oder von dem Glücke und einem besondern Schicksale herrühret, nennet man glücklich, was an sich und seiner Natur nach, unseren Wolstand befördert, ist glückseelig. Man kann sagen: Ein glücklicher Krieg, wenn er ohne Schaden geführet wird, und zufalliger Weife, gut ausschlagt. Aber nicht ein glücksceliger Krieg, denn an sich selbst, ist der Krieg niemals gut. Hingegen: Ein glücksceliger Frieden, weil er an sich felbst, und feiner Befchaffenheit nach, das Beste und den Wolstand der Menschen befördert. Meine Bemühung ist glücklich ausgeschlagen. Es fiel mir ein glücklicher Gedanke ein. Es gehet alles glücklich, und dergleichen. Diefe Redensarten beziehen sich auf etwas Zufalliges. Eine glückseelige Unternehmung, ein glückseliges jeden, beziehet sich auf die ^-ache selbst. Einen Glücklich. Glückseelig. Einen glücklichen Tag, nennen wir denjenigen, an welchem wir durch einen besonderen Zufall, etwas Gutes erlangen: Einen glückseligen Tag, denjenigen, an welchem wir so etwas erlangen, waö unseren wahren Wolstand befördert. So sagt man auch: Ein glückliches Naturel, ein glückliches Temperament, weil man es gleichsam, ei« nem guten Zufalle, oder gutem Schicksale zuschreibt, daß jemand ein solches Naturell oder Temperament bekommen hak. Man wird zwar das Wort glücklich, zuweilen ohne Beziehung auf einen Zufall oder besonderes Schicksal, und in der Bedeutuna der Glücksecligkeit gebraucht finden. Z. B. Hier auf der Welt, ist noch niemand vollkommen glücklich gewesen: Wenn der Mensch, sich noch so viel Mühe giebt glücklich zu werden, und wenn er alles erlangen sollte, was er sich wünschet, so wird er doch in dem Besitz der irdischen Dinge, niemals vollkommen glücklich seyn: Durch die Gerechtigkeit, werden die Lander blühend, und die Königreiche glücklich gemacht, und dergleichen. Allein es würde'doch die Frage bleiben, ob solcher Gebrauch auch gut sey? Zum wenigsten würde sich in allen solchen Redensarten, das Wort glückseelig besser schicken: Hier auf der Welt ist noch niemand vollkommen glückseelig gewesen: In dem Besitz der irdischen Dinge, kann der Mensch niemals vollkommen glückseelig seyn: durch die Gerechtigkeit, werden die Länder blü- hend und die Königreiche glückseelig gemacht, und dergleichen. Daß zwischen diesen Wörtern, wirklich ein Unterschied sey, welcher besonders darin bestehet, daß glückseelig mehr von solchen Dingen gebraucht wird, die an sich und ihrer Natur nach unseren Wohlstand besördern, scheinet mir daraus klar zu seyn, wett man dte>cs ^on, m A 2 der 4 Glücklich. Glückseelig. der Verbindung mit einem Hauptworte, niemals von sol- chen Dingen gebrauchen kann, die ihrer Natur und Beschaffenheit nach schädlich sind, da man ihnen doch, wenn sie durch einen Zufall oder besonderes Schicksal gut ausschlagen, zuweilen das Beiwort glücklich beilegen kann. So s>gt man wol : Ein glücklicher Acü-g, wenn er ohne Schaden gesührct wird, und man darin Vortheile erhalt, aber nicht ein glücksbeliger Rrieg. Von jemand, welcher einen gefährlichen Fall thut, und sich doch nicht beschädiget, sagt man wol: Er that noch einen recht glücklichen Fall, aber nicht, er that einen recht glückseeligen Lall- Man sagt auch: Ein glücklicher Zufall, aber nicht, ein glückfecliger Zufall. Herr Adelung hat dieses in seinem Wörterbuchs nicht bemerket, und giebt sich viel Mühe zu zeigen, daß das Wort glückstelig ,'n allen Bedeutungen des Wortes glücklich gebraucht werde, welches er auch aus der Etymologie zu beweisen sucht, „indem das Sufsitum „feelig, von fal abstammet, und mit der Sylbe lich, „ziemlich einerlei Bedeutung hat. Es fallt dadurch, sagt „er, zugleich Hrn. Stoschens Unterschied weg, nach „welchem glücklich, dasjenige ist, was durch einen Zu- fall gut ausschläget, und glückseelig, was an sich und „seiner Natur nach, unseren Wohlstand befördert.,, Allein es wäre nicht nur, gegen verschiedene seiner gegebenen Beispiele, manches einzuwenden, da er sie in einer Bedeutung anführet, welche sie wirklich nicht haben, sondern er gesiehet auch zuleßt selbst, das; in den ersten Bedeutungen, wo der Begriffdes Zufalls, am meisten hervor sticht, das lVorc glückfeelig, in der anständigen Gprechare der Hochdeutschen, wenig mehr gebraucht wird. Dieses Geständniß selbst, kann also wirklich meinen gegebenen Unterschied bestätigen, daß das Wort glücklich, dem heutigen Gebrauche nach, sich mehr auf einen Zufall beziehe, als Slücrsecl'g. u-berdem. Nachahmen. Nachthun. Nachmachen. 5 Ucberdem, da das Hauptwort Glückseligkeit, alle« zeitmehr anzeiget, als das Hauptwort Glück, indem dieses etwas Gutes bedeutet, was uns von außen, durch einen Zufall, oder Verknüpfung gewißer Umstände wiederfährt; Jenes hingegen, die höchste Wohlfahrt deren man unter gewißen Umständen fähig ist, oder den wirklichen Genuß eines Guten anzeiget, wodurch unfcr Wohlstand befördert, und unser Herz vergnüget wird, so scheinet es, per Analogie gemäß zu seyn, die Beiwörter glücklich und glückselig, auf gleiche Weise zu unterscheiden. Das erste zeiget mehr etwas zufälliges an, das zweite so etwas, welches an sich und seiner Natur nach, unsere Wohlfahrt befördert. z. Nachahmen, tlachthun. Nachmachen, 5V>achahmen siehet mehr auf die Art und Weise. Nachrhun auf die Handlung selbst. Nachma-? chen auf gewisse Dinge, welch? hervorgebracht oder verfertiget werden. Wenn man auf die eigentliche Bedeutung der bei. den Stammwörter, thun und machen Acht hat, so wird man auch die eigentliche Bedeutung der zusammengeseß- ten Wörter, nachthun und nachmachen, leicht treffen können. Einem nachahmen, heißt sich auf eben die Art und Weife zu betragen und zu verhalten suchen wie er sich verhalt. Dieser Dichter ahmet die Schreibart des Homers, nach, will fi> viel sagen: Er beobachtet genau, die Art und Weise seiner Schreibart, und bemühet sich eben so zu schreiben. Man nennet eine Nachahmung des, Cicero, des Julius Cäsar, der Aesopischen Fabeln:c. dasjenige worin die Art und Weise der Schreibart und des Vertrags dieser Männer genau beobachtet wird. Der A 3 lehr. 6 Nachahmen. Nachthun. Nachmachen. Lehrling ahmet seinem Meister nach, das ist, er bemühet sich, es auf eben die Art und Weise zu machen, wie es sein Meister gemacht hat. Jemanden ermas nachthun, heißt eben die Handlungen verrichten. So könnte man sagen: Diesem , Manne ist von dem Arzte gerathen worden, alle Tage zwo Stunden lang, sich eine starke Bewegung zu machen, und sein Nachbar thut es ihm nach, ob er es gleich nicht nölhig hat. Scanderbeg konnte mit einem Hiebe, dem stärksten Ochsen den Kopf abhauen; Der Sultan wollte es ihm nachrhun, allein erkannte nicht, ob er gleich eben den Säbel dazu gebrauchte, und Scanderbeg sagte darauf: Er habe ihm zwar seinen Säbel, aber nicht seinen Arm geliehen. Alexander hatte von Natur den Fehler, daß er den Kopf etwas nach einer Seite hangen ließ, und feine Hofleute thaten es ihm nach, die meisten ge, wohnten sich ebenfalls, den Kopf nach einer Seite zu tra- gen. Etwas nachmachen, heißt eben dergleichen Dinge hervorbringen. Man hat die Pariser Tapeten, und das Dresdener Porcellän zu Berlin nachge»nacht. Da man sagt, Minen machen, eine freundliche, eine zornige Mine machen, so kann man auch sagen: Jemandes Minen nachmachen. Man könnte auch, noch folgenden Unterschied, zwi. scheu diesen Wörtern bemerken. Nachahmen drücket mehr die bloße Bemühung aus. L7?achthlin und nachmachen, zeiget einigermassen an, daß die Bemühung gelinget. So möchte man sagen können: Themistocles be- strebte sich in seinerIugend schon, dem Miltiades nachzuahmen, und in dem mannlichen Alter, that er es ihm nach, ja in vielen Stücken zuvor. Man hat in Berlin das sächsis6)e Porcellän nachgeahmet, würde nur so viel sagen: Man har sich bemühet, dergleichen zu verfertigen, oder zum höchsten, manhatetwaß gemacht, was demselben einigermassen gleich kommt. Man hat eö nachgemacht, würde Zerstreuet seyn. In Gedanken seyn. 7 wurde anzeigen, daß die Bemühung gelungen sey, und man wirklich dergleichen Porcellan verfertiget habe. 4. Zerstreuet seyn. In Gedanken seyn. kann einerlei Handlung, in einer Zerstreuung oder ^ in Gedanken geschehen. Man kann so wol aus Zerstreuung a!6 in Gedanken, das Tinten aß für die Streubüchse ergreiftn, und auf einen Brief schütten. In Zerstreuung und in Gedanken ausgehen und den Hut vergessen: Vor feinem Haufe vorbei gehen, und erst hernach, wenn man an die andere Ecke kommt, sich besinnen , und dergleichen. Nnr dieGcmüchsverfassung desjenigen, welcher es thut, entscheidet ob er es in einer Zerstreuung oder in Gedanken gethan habe. Allein weil man lieber für einen Menschen der in Gedankenist, als für einen Zerstrciieten will angesehen seyn, so sagt man gemeiniglich von allen dergleichen Handlungen: Ich habe es in Gedanken gethan, ob sich gleich wirklich zwischen diesen Redensarten, ein großer Unterschied befindet. Zerstreuet seyn, heißt von allerlei fremden Gedanken eingenommen seyn, und daher nicht an dasjenige denken, woran man denken soll. In Gedanken seyn, heißt auf eine gewisse Sache mit solcher Aufmerksamkeit denken, daß man dadurch ver- hindert wird, auf andere Acbt zu haben. Der Zerstreuere, denket an tausenderlei Dinge zu- gleich, und fällt immer von einem auf das andere. Wer in Gedanken ist, denket nur auf eine einzige Sache, die ihn aber allzusehr beschäftiget. Wenn der Zerstreuere gleich aus seiner Zerstreuung wieder zu sich selber kommt, und an dasjenige denket, woran er denken soll, so wahret es doch nicht lange, sondern er wird bald wieder, auf fremde und ausschweifende Gedanken verfallen. A 4 Wekx 8 Zerstreuet seyn. In Gedanken seyn. Wenn man hingegen den, der in Gedanken ist, auf einen Vorwurfvon mehrerer Wichtigkeit bringet, oder welcher ihn, vorjeho zum wenigsten, naher angehet, so wird er seinen ersten Vorwurf fahren lassen, und sich mit demjenigen beschäftigen, womit er sich beschäftigen soll. Regnard führet in einem iustspiele, einen Menschen auf, der beständig an fremde Dinge denket, und von andern Sachen redet, als wovon er reden sollte. Er ver- gißt einen Stiefel anzuziehen, und reitet viele Meilen, nur an einem .Beine gestiefelt. Er fetzet sich in Gegen, wart seiner Geliebten, auf einen Armstuhl, und läßt sie stehen, Er siehet sie, für ihren Bruder an, und verspricht ihr ein Regiment zu verschaffen, und dergleichen. Diesen Menschen nennet er mit Recht; I.e ciiürait, Den Zerftrcueren. Ärchimedes war bei der Belagerung von SyracuS, mit Erfindung neuer Kriegeswerkzeuge beschäftiget; Die Stadt aber wird eingenommen. Ein Soldai bricht in sein Zimmer ein / und gehet mit blossem Degen auf ihn zu. Ärchimedes hat auf nichts anders Acht, als aufdis Erfindung womit er beschäftiget war, und sagt nur; I^i turbare circuloü. Ärchimedes war in Gedanken. 5. Zwingen. Nöthigen. AH>enn wir in eine Nothwendigkeit geseht werden, etwas zu thun, oder zu lassen, oder zu erlauben, so können wir sagen; Ich bin dazu gezwungen/ und auch: Ich bin dazu genörhiger. Zwingen aber, ist weit stärker als nöthigen, es führet den Begrif einer Gewaltthätigkeit mit sich, welche uns wider unseren Willen angethan wird. Man Zwinger jemand mit Drohungen, mit Schlägen, und andern gewaltsamen Mitteln. Daher sagt man; Zwangsmittel gebrauchen. Ein Mitthäter, wird durch die Tortur zur Bekenntniß gezwungen. Der Amtmann zwinget Zwingen. Nöthigen. 9 tzet die Bauern. Der Feldherr hat die Stadt zur Uebergabe gezwungen. Das alles geschiehet durch gewaltsame Mittel. Man sagt auch seine Begierden Zwingen/ weil man sich dabei selber gemissermassen Gewalt anthun muß- Nöthigen heißt nur, jemand in solche Umstände setzen, da er durch allerlei Ursachen gedrungen wird, etwas zu thun. Ein Missethäter, wird durch mancherlei Fragen, welche ihm der Richter vorleget, oder durch Versprechungen, welche er ihm thut, oder wenn er sich selbst, in seinen Reden widerspricht, endlich genörhigec die Wahrheit zu sagen. So sagt man: Weil der nächste Weg gefährlich zu reisen war, so war ichgenöthiget einen Umweg zu nehmen. Das schlimme Wetter nöthiget mich zu Hause zu bleiben. Man kann jemand auf eine freundschaftliche Weiss nöthigen, das ist, ihn durch Bitten und Zureden, in solche Umstände setzen, da er gleichsam gedrungen wird, etwas zu thun, was er sonstcn nicht gethan hätte; Weil er es nicht abschlagen kann, ohne unhöflich zu seyn. Da- her kommen die Redensarten; Einen zum Essen, zum Trinken, zum Sitzen nöthigen, Was wir zu thun gezwungen werden, geschiehet allemal wider Willen. Wozu wir genöthiget werden« thun wir freiwillig. Ja bisweilen geschiehet es, daß, wenn wir es Anfangs, gleich ungerne thun wollen, wir doch hernach, wenn man uns viel gute Gründe vorstel? fet, es gerne thun. Anmerk. Mich dünkt also, das Wortnäthigen, werbenicht in dem rechten Verstände gebraucht, in der Allgem. Weltgeschichte , 27 Th. 471. S- da e6 heißt: Die Tochter Ses David«, vie er vorher ;u seiner Gemahlin ausgesucht hatte, nöthigte er als Rammerfrau zu dienen. Hier würde sich da« Wort zwingen besser schicken. Er zwang sie, denn es gescha« he mit Gewalt, sie muste es wider ihren Willen thun. A 5 6. Nackend lo Nackend. Bloß. Entblößet. 6. Nackend. Bloß. Entblößet. .xkend drucket den natürlichen Zustand des Menschen aus, in welchem er ohne alle Bedeckung ist. XVachrer leitet eö her, von dem Angelsachsischen riscen- neci, nzcencit-, welches neugebohren bedeutet, von dem acluerbio nui^er u >d ceMan, n^sci. Hos. 2, v- ?. heißc es: Auf daß ich sie nicht nackend ausziehe, und darstelle, wie sie war, da sie gebohrcn ward. Man sagt daher auch im gemeinen Reden H mrrernackend, das ist, so wie ein Kind, welches erst von seiner Mutter kommt. Vloß siehet nur auf die Beraubung dev Kleider. backend, beziehet sich gemeiniglich auf den ganzen jeib des Menschen: Äioß kann auch von einem und dem anderen Gliede gesaget werden, welches unbedeckt ist. Wenn der ganze Leib unbedeckt ist, so heißt er nackend; Wenn nur ein oder das andere Glied unbedecket ist, so heißt es bloß. So sagt man: Im Stande der Unschuld, waren un- sere ersten Eltern nackend: Verschwimmen will, muß sich nackend ausziehen: Er saß nackend im Bade: Die Gratien werden nackend abgebildet: Dieses Gemälde stellet eine nackende Venus vor: Die Gymnoso- phisten gingen nackend, und dergleichen. In allen solchen Redensarten, wo von dem ganzen Leibe die Rede ist, welcher keine Bedeckung hat, und sich in seinem angebohrnen Zustande zeiget, kann das Wort bloß nicht gebraucht werden. Man wird nicht sagen: Im Stande per Unschuld waren unsere erste Eltern bloß u.s.w. Hingegen sagt man; Mit bloßem Haupte: Mit bloßen Füßen: Er streifte den Ermel seines Kleides auf, und focht mit bloßem Arme: Dieses Gemälde stellet die Cleopatra vor, welche sich eine Schlange an die bloße Brust setzet, und dergl. In allen solchen Redens- arten, Nackend. Bloß. Entblößet. n arten, wo nur von einem unbedeckten Gliede die Rede ist, würde sich das Wort nackend nicht schicken. Man kann nicht sagen: Mit nackenden: Haupte u. s. w. Man sagt auch ein bloßer Degen, wenn der Degen auö der Scheide gezogen, und also »»bedecket ist. Und es ist sehr gewöhnlich, beide diese Wörter, nackend und bloß mit einander zu verknüpfen; z. B. Er hat nackend und bloß entfliehen müssen.- Sie haben ihn nackend und bloß gelassen. Solche Verknüpfung zweier ahnlichbedeutenden Wörter, hat in unserer Sprache gemeiniglich einen besondern Nachdruck, und auch hier stellet das erste den Zustand des ganzen jeibes vor, der eben so unbedecket ist, als er zur Welt gekommen; Das zweite siehet auf die Beraubung der Kleider, als das Mittel, wodurch er darein versetzet worden. Zuweilen werden diese Wörter, auch in einer uneigentlichen Bedeutung genommen. So heißt bloß, so viel als einer Sache, und besonders des Schutzes beraubet seyn, und Frisch führet aus Lronspergern von der Nriegesrüstung an, daß er nackte Leute, diejenigen nennet, die keinen Harnifch anhaben. In solcher Bedeutung, da es so viel heißt, als mit keinen Schutzwaffen bedecket seyn, kommt es auch vor, im Buche Judith 5, v. 25. Sind es doch eitel nackte Leute und keine Krieger. Und in Heinrich von Osterdingen, Heldenbuch, werden solche nackend genannt, welche ihre Waffen abgeleget hatten. An Waffen wurden gefangen Die Helden Hochgemeyt Wann das sie nackend waren Imgleichen sagt Frisch, es bedeute zuweilen, da» gehörige Oberkleid nicht anhaben, er führet aber keine Beispiele an. Herr iA Nackend. Bloß. Entblößet. Herr iVieland schreibt: Nickt phanias, der Günstling des Geschicks, Nein phaniqs, der nackte der Verbannte Ist neidenöwerth — — — — -^ S. Viel, Musm'jon, Auch die Ausdrücke: nackende Felder, nackende Berge, ungleichen, die bloßen Felder, wird man öfters hören. Allein auch in solchen uneigentlichen Redensarten, findet sich ein gewißer Unterschied zwischen diesen Wör? kern, welcher mit demjenigen übereinkommt, den sie in ihrer eigentlichen Bedeutung haben. Nehmlich man sagt: Zwackende L.eurc, von denenjenigen, welche mit keinen Schutzwaffen bedecket sind, entweder weil man anzeiget, daß der ganze jeib ohne Schußwaffen sey, oderweil man zu verstehen gibt, daß sie niemals dergleichen gehabt ha« ben, und sie daher auch nicht zu gebrauchen wissen. So war der größte Theil der Besatzung zu Bethulia, wel? che mehrentheils aus dem verfammleten jandvolke be, stand, die keine Krieger waren, und keine Schußwaffen hatten. Wenn man einen elend und schlecht bekleideten Men-, scheu nackend nennet, so siehet man darauf, daß sein ganzer ieib, elend und schlecht bekleidet ist, denn wofer- ne nur von einem Theile desselben die Rede wäre, so würde man das Wort bloß gebrauchen, -und z. E. sagen: Sein Kleid war noch gut, aber die Strümpfe urch Schuhewaren ganz zerrissen, und er ging mit bloßen Füßen oder die Beine waren bloß. Wenn man sagt: Die Gegend um diesen Ort, ist sehr unfruchtbar, und voller nackenden Sandberge, so gibt man zu verstehen, dgß wirklich die Berge niemals sind mit Körne bedeckt gewesen, wejl sie zu unfruchtbar sind, als daß etwas darauf wachfett könnte. Hingegen wird man nach der Erndte sagen; Per Winter nahet heran. Nackend. Bloß. Entblößet. ,z und die Felder sind schon wieder bloß, weil ihnen das Korn genommen ist, womit sie bedecket waren, und sie nun desselben beraubet sind. Das Wort entblößet, zeiget ebenfalls die Beraubung einer Sache an, man braucht es aber, nicht nur von der Kleidung, sondern auch von allerlei anderen Dingen. Er ist von Gelde entblößet. Die Baume sind von Blattern entblößet. «Ein entblößter Degen, und dergl. So auch von Gelde entblößet seyn. Seiner Güter entblößet seyn. Von Freunden entblößet seyn, und dergl. Anmerk. Hr. Adelung hat, in seinem Wörterbuch? den Unterschied getadelt, welchen ich zwischen diesen Wörtern gemacht habe, aber gewiß ganz ohne Grund. Es ist vielmehr unerweis- lich, was er schreibt: „Nichtiger sagt man, daß nacket der „niedrigen und gesellschaftlichen, bloß aber der anständigen , Sprechart eigen sey.,, Wäre kein anderer Unterschied als dieser, so müste man im anständigen Reden, allemal das Wort bloß gebrauchen können, wo man in der niedrigen Sprechart nackend sagt, und umgekehrt, welches aber wider den Sprachgebrauch ist. Und in den Redensarten : Nackend und bloß entfliehen! Sie haben ihn nackenv und bloß liegen laßen, müste das eine die Niedrige, das andere die anständige Sprechart seyn ; Diese beiden Sprecharten aber wird man wol niemals miteinander verbinden, und es wäre auch itlem per icicm gesagt. Nach demjenigen Unterschiede hingegen, welchen ich angegeben,, hat jedes Wort, seine eigene Bedeutung, und die Verknüpfung derselben ist nachdrücklich. So ist es auch falsch, daß das Wort nackend, nur der nie« Vrigen Sprechart eigen sey, denn man findet eine Menge von Beispielen, daß es die besten Schriftsteller, in der anstand», den und erhabenen Schreibart gebrauchen. Wir finden es in der Bibelübersetzung seht oft z. B. Hieb i. v. 2t. Ich bin nackend von Mutterleibe kommen. Apost. Gesch. 19, v. tS. Also daß sie nackend entflohen u. a. m. ^r.XVieland schreibet, imMerkur6TH. 47-S.vomAmoe. Man hat ihm befohlen nackt zu gehen. Auch nackt hat er sei» ne ganze Rüstung. Ebendas iz6. S. hat er unsere Weiber nicht bereden wollen, nackend zu gehen, wie die Weiber der Gymno- sophisten? 2»5 S. Seines nackenden Leibes. Man Setzen. Legen. Stellen. Man sagt gewöhnlich ln der edlen und anständigen Sprechart: Der Mensch kommt nackend zur Welt: Sie haben ihn nackend ausgezogen. In erhabenen Reden selbst, kann man sich ganz gut dieses Ausdrucks bedienen: Die Liebe lehrct uns, die Hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Nackenden kleiden. Wäre dieses Wort niedrig, so würde man sagen mu^n: Die Liebe lehrct uns die bloficn kleiden. So wird aber gewiß kein Deutscher sprechen. Hagedorn schreibt in dem Gedichte: Die Glückseeligr'eir: Die Nackenden bekleidt, bekleidete entblößt und-Haller, in dem Gedichte über den Ursprung des Uebels: Sie kleidet Nackende, vom Raub der fetten.Trift. Imgleichen, in dem Gedichte, die Falschheit der menschlicher» Tugenden: — — — — wenn nacke und unbewegt, Er Jahre lang, den Stral der hohen Sonne trägt. Und man wird mehr dergleichen Beispiele bei Rednern und Dichtern antreffen, woraus man sehen kann, daß dieses Wort, nicht der niedrigen Schreibart eigen ist. 7. Seyen. Tegen. Stellen. as an einem Orte stehen soll, setzet man dahin. Was liegen soll, wird hingelegt. Was in einer gewissen Ordnung und Verhältniß mit andern Dingen stehen soll, wird hin gestellet. Also hat das erste von diesen Wörtern, eine Beziehung auf den Stand, das zweite auf die üage, das dritte auf die Ordnung eines Dinges. Man sagt: Das Glas auf den Tisch seyen. Das Messer auf den Tisch legen. Die Bücher auf den Bücherschrank stellen. Der Bauer seyet die Mandeln auf dem Felde, denn sie sollen stehen. Der Zimmermann leget die Balken, denn sie sollen liegen. Der Hauptmann stellet die Soldaten, denn sie sollen in einer gewissen Ordnung stehen. Das Wort stellen scheinet zwar bisweilen bloß eine Beziehung aufden Ort oder die Stelle zu h.aben, welche eine Art, Gattung. Geschlecht. Classe. 15 eine Sache einnimmt, man sagt: Den Stock in den Winkel seyen, und auch: Den Stock in den Winkel stellen. Allein es ist doch wirklich auch bei dieser Re. densart, indem Worte stellen/ der Vegrif einer Ordnung enthalten. Den Stock in den Winkel seyen, zei- get nur an, daß er da stehen soll. Hergegen, ihn in den Winkel stellen, zeiget zugleich an, daß dieses die eigentliche Stelle sey, welche ihm zukommt. Es würde eine Unordnung in dem Ve> halrniß mit andern Dingen seyn, die sich in der Stube befinden, wenn er nicht die. se Stelle hätte, sondern auf der Erde läge. Eben so sagt man: Die Glaser auf den Tisch, oder auf die Schenke seyen, und zeiget nur den Ort an, wo sie stehen sollen, ohne aus eine Ordnung zu schen. Her- gegen, die Glaser aufden Tisch, oder auf die Schenke stellen, zeiget eine gewisse Ordnung an, welche dabei beobachtet wird, daß jegliches feine gehörige Stelle habe. Man kann also bisweilen von stehenden Dingen, in verschiedenem Sinn, seyen oder stellen gebrauchen; Aber von liegenden, kann man niemals sagen: Sie werden gesteller; Sondern wenn man in ihrer jage eine gewisse Ordnung beobachtet, heißt es: Sie an ihre gehörige Stelle legen, sie in Ordnung legen. 8. Art. Gattung. Geschlecht. Classe. enn man von der Natur und Beschaffenheit eines Dinges redet, so braucht man das Wort Art. Von der Gestalt und Eigenschaften desselben, das Wort Gattung. Von dem Unterschied zwischen Mann und Weib, oder von dem Herkommen und Ursprung, das Wort Geschlecht. Und von der Ordnung solcher Dinge, welche die Künste und Wi ssenschaften betreffen, das Wort Classe. Man sagt, z. E. Ein Knabe von guter Art. Eine gute Art Aepfel oder Birnen. Ein gut gearteter, ein übelgearteter Mensch» Thonarrige, Glasartige, Ralk- i6 Att. GattU!»g. Geschlecht. Classe. talkartige Steine, in Absicht auf die Natur und Be, fchaffenhcit dieser Dings. Dinge von einerlei Art, die aber der Gestalt und Eigenschaften nach verschieden sind, machen verschiedene Garrungen. Es sind verschiedene Gattungen, der Aepfel, der Birnen, der Tulpen, der Edelsteine, u. s w. Wenn man sagt: Die Coralliten, sind eine Art versteinerter Meergewächse, so beschreibt man die Natur und Beschaffenheit derselben. Sagt man weiter: Es sind verschiedene Gattungen davon; runde, glatte, gestreifte, netzförmige, kettenförmige, und dergleichen Coralliten, so beschreibt man sie, nach ihrer verschiedenen Gestalt, und Eigenschaften. Eben so sagt man:, Die Echimiten, oder so genannten Krötensteine, sinb eine Art versteinerter Schalcn- geschöpfe, in Absicht auf ihre Natur und Beschaffenheit. In den Naturalicncabinetten, findet man verfehle» Vene Gattungen davon, in Absicht auf ihre verfchiedene Gestalt und Eigenschaften, daß sie nemlich rund, oder eiförmig, oder erhoben, oder platt, oder kranzförmig sind, den Mund im Mittelpunkt, oder am Rande haben und dergl. Das Wort Geschlecht, beziehet sich seiner eigentlichen Bedeutung nach,aufdenUnterschied, zwischen Mann und Weib. Die Menschen sowol als die Thiere, sind männliches und weibliches Geschlechts. Einige Insekten, sind beiderlei Geschlechts. Die Naturkündiger haben gefunden, daß auch unter den Pflanzen, zweierlei Geschlechter sink In so weit aber, wie dieses Wort, mit den vorigen einigermassen gleichbedeutend ist, drücket es den Ursprung und das Hei kommen einer Sache aus, oder es bedeutet auch einen gewissen Stamm und Familie, alle diejenigen, die von einem Stammvater herkommen. Man sagt: Er ist aus einem guten oder berühmten Geschlechte entsprossen. Art. Gattung. CcMcch. Class/. l? scn. Ein adelicheö, ein bürgerliches Geschlecht. Sein Geschlecht vermehren. Das Geschlecht ist uurerge. gangen. In diesem Verstände, wird es auch von andern Dingen gebraucht: Man kann sagen: Der Kalkstein und Marmor, sind zwar von sehr verschiedener GatMNI, aber doch einerlei Geschlechts, das ist, sie haben ihren Ursprung aus einerlei Materie. Die Blumen, die auö einerlei Saamen gezeuget werden, sind auch einerlei Geschlechts, ob gleich ihre Gattungen verschieden sind. DerHnnd und dcrWois sind einerlei Geschlecht?, das ist, einerlei Herkommens. Man braucht bisweilen das Wort Art, auch von dem Herkommen oder dem Geschlechte. Z. E. Ein Pferd von spanischer, von arabischer Art; Allein man zeiget da. durch nicht bloß dieses an, daß es aus Spanien oder Arabien herstamme, sondern auch, daß es die Natur undBe- sihassenheit der spanischen, oder arabischen Pferde habe. Das Wort Classe, ist eigentlich kcin deukschesWort, es hat aber durch den vielen Gebrauch unter den Gelehrten, sclM das Bürgerrecht empfangen, und man braucht es, besonders von der Ordnung solcher Dinge, welche die Künste und Wissenschaften betreffen. Sosagt man: Die Historische, die Mathematische, die Philosophische Classe. In den Schulen sind die Schüler nach gewissen ClaZsen eingetheilet. In der Botanik, werden die Gewächse und Krauter, nach gewissen Classen geordnet,und dergl. Dieser häufige Gebrauch des Wortes Classe aber, bei solchen Dingen, welche die Wissenschaften betreffen, hat es auch zuweilen, in anderen Fallen gewöhnlich gemacht. So sagt man z. B. Er ist werth, in die niedrigste Classe der Bö- sewichter verstoßen zn werden. Ich weiß nicht, zu was für einer Classe von Menschen, ich ihn rechnen soll, und dergl. Stoschl.TH. B s.Ve- iZ Berühmt. Berüchtiget. 9. Berühmt- Berüchtiger. L^n so weit kommen diese Wörter mit einander überein, daß sie beide etwas anzeigen, was in der Welt sehr bekannt geworden ist, und ein grosses Aufsehen gemacht hat, aber darin sind sie unterschieden, daß das eiste allemal in einem guten, das andere in einem bösen Sinn gebraucht wird. Eigentlich zwar, kommt das Wort berüchtiget von Ruf, berufen her, und könnte also seiner Abstammung nach, sowol in einem guten als bösen Verstände gebraucht werden, wie es denn auch von den Alten zuweilen in einem guten Sinn genommen wird. Allein dem heutigen Gebrauche nach, pfleget man ihm allezeit einen böstn Verstand beizulegen, eben wie dem Zeitworte berüchtigcn, welches so viel heißt, als in ein böses Gerücht bringen. Luc, 16. v. 1. Der ward vor ihm berüchtiget, als hät^> cr ihm seine Güter umbracht. Tit. 1. v. 6. Nicht berüchtti- get, daß sie Schwelger und ungehorsam sind. Man sagtalso jetzt: Demosthenes war der Berühmteste unter den griechischen, und Cicero der Berühmteste unter den lateinischen Rednern. Cäsar hat sich durch seine Schriften, eben so berühmt gemacht, als durch seine Siege. Hingegen der berüchtigte Mörder, Heinrichs des vierten. Der berüchtigte Cartouche. Herostra- tuö wollte sich durch Verbrennung des Tempels der Diana berühmt machen; Aber er ist bei der Nachwelt, unter den gottlosesten Mordbrennern berechtiget. Der General Tylly hatte sich durch verschiedene Siege berühmt gemacht; Aber die berüchtigte Verheerung der Stadt Magdeburg, hing seiner Ehre, einen unauslöschlichen Schandfleck an. Eben diesen Unterschied beobachtet man auch, wenn man von leblosen Dingen redet. Der berühmte ColossuS zu Rhodus. Das berühmte corinthischeErz. Die be- rühnv Trunk. Trank. Getränke. 19 rühmten Werke des Neuton. Der berüchtigte Ochse des PhalariS. Die berüchtigten Schriften des Eoel- manns. 10. TrunV. Trank. Getränke. in Trunk ist so viel als man auf einmal trinken kann. Ein Trank wird von Krautern oder Saften ge. macht, und gehöret zur Arzeneiwissenschaft, er kann nütz- lich oder schädlich seyn. Getränk bedeutet jede flüßige Sache, welche den Durst zu löschen vermögend ist. Man thut einen Trunk für den Durst. Ein Trank wird eingegeben, oder eingenommen. Man gibt oder nimmt einen Wermuthtrank, Giftrränk, LiebeStrank, u. f. w. Daher brauchen auch die Aerzte das viminutivum Tranklein. Brustrrankiein, Purgiertranklein, n. s. w. Es sind verschiedene Arten von Getränk, theils für den Durst, theils für den Grfchmack. Wasser, Bier, Wein, Thee, Coffe, Puntsch, und dergl. Ein Schlafkrank, ist also eine Arzenei, welche man einnimmt, damit man gut schlafen möge. Ein Schlaftrunk ist dasjenige, was man gemeiniglich trinket, ehe man sich schlafen legtt. In einem Verzeichnis? derTafel- ausgaben Kaiser Karl des sechsten, habe ich gefunden, daß der Kaiserin zwölf Maaß ungarischen Weines zum Schlaftrunk bestimmt gewesen, welche hernach dieBe- dienten unter sich theileten. Als Alexander an einer Schlaflosigkeit krank lag, gab ihm sein Arzt, Philipp der Acar- nanier, einen Schlaftrank ein. Ein Trunk, Einen Trunk thun, sagt man nur von demjenigen, was kalt getrunken wird. Ein Trunk Wasser, Ein Trunk Wein, Er hat einen guten Trunk aus dem Becher gethan. Von denenjenigen Getränken hingegen, welche warm getrunken werden, wird diese Redensart nicht gebrauchet. Man kann nicht sagen: Ein Trunk Coffe, Thee, unddergl. B 2 n.Ab, 2o Abdanken. Absetzen. Entsetzen. Erlassen. ii. Abdanken. Abseyen. Entsetzen. Erlassen. Abschied geben- Verabschieden. Ein Amt niederlegen. Hsbdanken kann gesagt werden, sowol von demjenigen, ^ welcher ein Amt besitzet, und cS nicht mehr verwalten will, als auch von den Obern, welche es ihm anvertrauet haben, und ihn nicht langer dabei lassen wollen. Sie dain'en ihn ab. Adsi".zen, ctttjeczen, erlassen, wird nur bloß von den Ober» gesagt, welche ans geivisten Ursachen, jeman- den ein bisher geh les Amt, wieder nehmen. Abschied geben und verabschieden, wird von de- nenjcnigcn gesagt, welche jemand in ihren Diensten haben, wenn sie ihn nicht langer d'.U'in b.halten wollen. Abdanken, ist eigentlich mit lAner Unehre verknüpft. Absetzen und entsetzen, führen allemal den Begriff gewisser Vergehuna.cn, oder begangenen Fehler mit sich, warum man eines Annes beraubt wird. Erlassen, setzet voraus, daß jemand die Beseelung, von seinen bisherigen Diensten selbst gesodert habe, oder sie ihm, wenn er wegen Schwachheit und kranklicher Umstände^ ein Amt nicht mehr zu verwalten tüchtig ist, zu seiner Nuhe ertheilet werde. Abschied gebe-z und verabschieden, scheinen den Begriff der Erthcilung eines schriftlichen Zeugnisses mit sich zu führen, welches man jemanden darüber gibt, daß er wirklich entlasse, ist, worin man auch wol anzeiget, wie er sich in seinem Dienste v.'rhal.en hat. Zum wenigsten werden diese Wörter, besonders von den Soldaten, Bedienten und solchen Personen gebraucht, denen man bei ihrer Entlassung dergleichen schriftliches Zeugniß zu ertheilen pfleget. Man nennet Abschied, sowol zuweilen die Entlassung selbst, als auch besonders daö schriftlicheZeug- mß, Abschied geben. Verabschieden. Ein Amt m'ederl. 21 niß, welches darüber gegeben wird. So sagt man: Der Officier hat seinen?ibscl?icd gefordert. Weil ich meinem Bedienten, denäohn nicht erhöhen wollte, foderte er seinen ^, cielulioucz, lusuü, jcxmz. Es scheinet also seiner eigentlichen Bedeutung nach, solche Possen auSzu. drücken, womit man andern ein Blendwerk vormachet, es geschehe mm mit Worten, oder mit der That. Man findet bisweilen Menschen, die einen besondern Witz darin snchen, allerlei Zweideutigkeiten in Reden vorzubringen, welche man aus französisch I^Znoterie« nennet, lustige Schnaken zu crzehlen, wunderliche Gesichter zu schneiden, ,md dergleichen. Alle solche Possen, worin wirklich kein Witz, noch gesunder Verstand ist, sind albere Dinge. Solche Menschen sind alber. Man nennet ein alberes Mährchen, dasjenige, worin solche Possen enthalten sind. Einen alberen Kerl, denjenigen, der andern solche ungereimte Possen vormacht. Es kommen auch daher die Wörter Ahlfanz, Ahls fanzcrei, welche man noch bisweilen höret. Der vernünftigste Mensch, kann bisweilen eine Thorheit begehen, aber die Narrheit undAlberbeir, ist nur Unverstandigen, und Kindern eigen. Doch kann man sich bisweilen närrisch oder alber stellen, und darunter eins Klugheit verbergen. Das Wort Geck oder Gack, ist nur ein niederdeut« schcöWort, ich erinnere mich zum wenigsten nicht, es bei einem guten Schriftsteller gefunden zu haben. Es kommt mit Alberer überein, indem es ebenfalls, einen Possenreißer, oder alberen Menschen bedeutet. Den Geck stechen, ist eine albere Scherzrede, es heißt, den Knochen unter dem Ohr, eines Kalbökopss auflösen. Weil nun jemand, welcher damit nicht gut um. zugehen weiß, sich gemeiniglich in die Hand zu stechen pfleget, Stern. Gestirn. 29 gec, so sagt man: Er hat denGee? gestochen, nehmlich sich selber. 14. Stern. Gestirn. t^ie kleinen leuchtenden Körper, welche wir desNachtS —am Himmel sehen, nennen wir Grcrne. Alle Sterne überhaupt, oder doch mehrere Sterne, und besonders diejenigen, welche sich die Stcrnseher, unter gewissen Bildern und Figuren vorstellen, führen die Veneniumg des Gestirns. Ein Stern ist einzeln; Ein Gestirn bestehet aus mehreren Sternen. Die vorgesetzte Syllbe ge, welche Collective- anzeiget, als Gewürm, Gehirn, Geflügel u. s. w. scheinet dieses deutlich zu beweisen, und ich zweifle, daß man das Wort Gestirn, in der Bedeutung eines ein. zigen Sterns, bei guten Schriftstellern antreffen werde. Die Srerne werden abgetheilet, in Irrstcrne und Fixsterne, und diese wieder, in Sterne der ersten, der mittleren, und der geringsten Größe. Die Kometen nennet man Schroanzsterne. Die Sterne überhaupt, oder mehrere Sterne, begreift man unter der Benennung des Gestirns, wenn man sagt: Das Gestirn betrachten: Sich nach demGcstir- ne richten: Aus dem Gestirne weißagen. Ps.74. v.16» Du machest, daß beide Sonne und Gestirn ihren gewissen lauf haben. Ap. Gesch. 27. v. 20. Da in vielen Tagen, weder Sonne noch Gestirn erschien, und dergl. Von den Sternbildern, oder einer Anzahl mehrerer Sterne, welche sich die Sternkundigen unter gewissen Bildern und Figuren vorstellen, sagt man; Daö Gestirn der Jungfrau, des Wassermannes, der Fische, u. s. w. Unter einem gewissen Gestirn gebohrcn seyn, unddergl. Weil die Alten, den Sternen einen Einfluß in die irdischen Dinge zuschrieben, und aus dem Stande des Ge? stirns in der Geburtsstunde, das Schicksal eines Menschen Zo Sternseher. Sterndeuter. schen vorher zu wissen glaubten, so sind daher die Redens« arten gekommen: Ein glückliches oder unglückliches Gestirn: Der Glücksstern: Der Unglücl'sstern. Er muß unter einem sehr glücklichen Gestirn gcbohren seyn, und dergl. 15. Sternscher. Sterndeuter- H>ie Etymologie dieser Wörter lehret uns schon einen —^ Unterschied zwischen ihnen machen. Srcrnseherzei- get einen solchen an, welcher fleißig nach den Sternen siehet, und ihren Lauf beobachtet. Sterndeuter führet den Begriff mit sich, daß man aus den Sternen, gewisse Bedeutungen, auf zukünftige Begebenheiten machen wolle. Ein Sternseher beobachtet den Himmelslauf, er be» stimmet die Abwechselung der Zeiten, die Mondsverande- rungen, die Finsternisse, und dergl. Seine Ausrechnungen sind gemeiniglich richtig, und haben bei der Schiffarth, der Erdbeschreibung, und überhaupt, in dem ganzen gemei» nen Leben großen Nutzen. Der Sterndeuter, will aus dem Stande der Gestirne, und ihrer Zusammenkunft, das Glück oder Unglück der Menschen, fruchtbare oder unfruchtbare Jahre, und andere zukünftige Begebenheiten verkündigen. Aber feine Schlüsse sind sehr betrüglich, und seine ganze Wissenschaft hat keinen Nutzen. Die Erkenntniß des Scernsehers, gründet sich auf gewisse Wahrheiten, welche man unwidersprcchlich beweisen kann; Der Sterndeuter, nimmt solche Satze an, welche weder in der Natur noch in der Erfahrung gnugsa- men Grund haben. Daher findet man, daß die Sterndeuter, nur bei unwissenden oder abergläubischen Menfchen, in Achtung gestanden, je mehr aber die Zeiten erleuchtet und aufgeklaret worden, desto mehr hat sich die Hochachtung, welche man gegen diefe Leute hatte, verlohren. Die Wissenschaft des Laufs der Gestirne hingegen, hat sich um so Lohn. Belohnung. Gebur. Lohnen. Belohnen, zi so viel desto mehr Achtung erworben, je mehr man eingese« hen, daß sie in unzahlichen Dingen ihren Nutzen hat. -6. Lohn. Belohnung. Gebür. Lohnen. Belohnen. an nennet den Lohn, dasjenige, was jemand verdient hat, und was man ihm zu geben schuldig ist. Belohnung dasjenige, was man ihm a»6 freiem Willen, für geleistete Dienste oder für ein Wohlverhalten schenket. Ein Arbeiter verdienet feinen Lohn. Ein fleißiger Schüler bekommt eine Belohnung. In Engelland hat man sich genöthiget gesehen, der Schiffe« Lohn zu erhö. hen. Daö Parlament hat zwanzigtausend Pfund Sterling, zur Belohnung für denjenigen ausgesetzt, welcher den nordwestlichen Weg nach Indien durch Hudsons Meerbusen finden wird. Der Lohn wird als etwas verdientes betrachtet, und man nennet daher, auch die Strafe, welche eine böfe Handlung verdienet, den Lohn derselben. Man kann sagen: Dieser Mensch bekam den Lohn seiner Verratherei. Es ward ihm der Lohn für so viel Böses gegeben, und dergleichen. Die Belohnung ist eigentlich noch etwas mehr, als was man verdienet, und wird nur guten Handlungen ge« geben, oder zum wenigsten solchen, welche wir als gut ansehen. Wenn wir mit einem Arbeiter zufrieden sind, so können wir ihm über seinen verdienten Lohn, noch eine Belohnung geben. Der Anführer einer Diebesbande, gibt demjenigen eine Belohnung, welcher einen besondern Streich hat ausgeführet, aber er siehet solches auch, als etwas Gutes an, in Absicht auf seinen besonderen Nutzen. Im Fall die Belohnung, als etwas verdientes betrachtet wird, so geschiehet solches nur in Absicht auf ein vorhergegangenes Versprechen, weil jemand die Bedingung Z2 Lohn. Belohnung. Gcbur. gung erfüllet hat, littter welcher die Vclohnnng versprochen war. Woferne jemand den nordwestlichen Weg »ach Indien finden sollte, würde man sagen können: Er hat die Belohnung der zroanzigtausend Psnnd Sterling verdient, in Absicht dessen, daß sie dem Erfinder versprochen ist- Eben dieser Unterschied, muß billig, bei den Zeitwörtern, lohnen und Belehnen beobachtet werden. Da6 erste heißt, jemand dasjenige geben, was er verdienet hat, oder den L.ohn auszählen. Das zweite, ihm aus freiem Willen zur Vergeltung seines WohlverhaltcnS, etwas schenke!?. Dieser Unterschied gründet sich zwar bloß auf den Gebrauch, denn her eigentlichen Bedeutung nach, sollte belohnen soviel heißen als den Ä.ohn ertheilen; Da aber der allgemeine Gebrauch, mit diesem Worte den Begriff eines srciwilligen Geschenks verkuüpset, welches jemanden, zu Vergeltung seines Wohlverhaltens gegeben wird, ohne daß er ein Recht hatte es zu sodcrn, so können wir nicht umhin, uns nach demselben zu richten, und kein Schriftsteller ist berechtiget, dieses Wort in seiner eigentlichen Bedeutung zu nehmen, weil sie nicht gebräuchlich ist. Selbst in solchen Fallen, wo sich das Wort belohnen, einiger Maaßen auf einen wirklichen Verdienst beziehet, z. B. wenn man sagt: Einen Arzt, einen Geistlichen, einen Sachwalter belohnen, ist doch allemal der Nebenbegriff dabei, daß man etwas mehr gebe, als der Verdienst betragt. Wenn man sagt: Einen Arzt belohnen, so hat hieses Wort eine Beziehung darauf, daß er etwas verdienet hat; Aber es ist Zugleich der Ncbenbegn'ff damit verknüpfet, daß man ihn nicht nach einem gewissen vestgcseß- ken Preise bezahlet, sondern ihm für die gehabte Mühe, nachdem man vermögend ist, so viel gibt, daß er zufrieden sey» kann, und welches mehr betraget, als erfodern könnte, wenn Lohnen. Belohnen. zz kenn ihm ein gewisses dafür ausgemacht wäre. Im Fall dem Arzte, für jeden Besuch, für jedes Recept, welches er geschrieben, und dergleichen, etwas gewisses zu bezahlen vesigesehet wäre, und man ihm nicht mehr gäbe als dieses, so würde man nicht sagen können: Ich habe den Arzt belohnet) sondern man würde sagen müssen: Ich habe ihm sein Gebür gegeben; Denn dieses Wort ist in solchen Fällen gebräuchlich, um den unangenehmen Neben« begriff, der Worter L,ohn und lohnen zu vermeiden. Auf eben solcheWeise) belohnet man, einen Geistlichen, wenn man dasjenige, was man ihm gibt, nach der Erkenntlichkeit und Dankbarkeit einrichtet, welche man für seine Bemühung hat, und ihm mehr gibt, cls ihm sonst, dem hergebrachten Gebrauche, oder der oberkeitli- chen Verordnung nach, vestgeseHct und ausgemacht ist; Gibt man ihm bloß dieses allein, waö ihm gegeben werden muß) so gibt Man ihm auch nur sein Gebür, unv kann nicht sagen: Ich habe ihn belohnet: Es ist den Geistlichen an einigen Orten, sür jede Taufe, Trauung, und dergl. welche sie verrichten, etwas gewisses ausgemacht, fo ihnen gegeben werden muß) und als ein Theil ihrer Besoldung angesehen wird» dieses heißt, ihr Gebür. Daher findet man in einigen Kirchen-Ordnnn» gen> an solchen Oertern) wo sowol Lutherische als Nesor- mirke ihre Kirchen haben, daß den Verlobten, wenn sie von verschiedenen Conftßionen sind, erlaubet wird, die Trauung verrichten zu lassen, von welchem Prediger sie wollen, „doch müssen sie demjenigen Prediger, welchem ^eigentlich, der Verordnung nach, die Trane zukommt, vor. ,cher sein Gebür entrichten. 7, Es heißt nicht: Sie müssen ihn vorher belohnen: Eben so nennet man Gebür, dasjenige, was dem Sachwalter gegeben werden muß, und was ihm durch die KammergcrichtS-Ordnung bestimmet ist. Wer ihm nicht mehr als dieses gibt) gibt ihm nur sein Gebür: Wenn Stoschl-Th: E wir ?4 Befehlen. Empfehleil. wir hören, daß ein Sachwalter sagt: Ich bin von diesem Manne gut belohnet worden, so werden wir gewiß nicht verst( hcu,dlcs!".'Mann habe ihm nur seine Gebären richtig und in gutem Gelde bezahlet, sondern wir werden sogleich den Begriff damit verknüpfen, er habe aus Erkenntlichkeit, für seine gehabte Bemühungen, ihm noch mehr gegeben, a!6 die Ge'oüvcn betragen. Das Wort Ge'oür, gibt allezeit den Begriff, daß man etwas als eine Schüldigkeit sodern kann. Weim gleich einer oder der andere Schriftsteller, sich des Wortes belohnen, in einem bösen Sinn bedienet, so ist doch solches allemal auffallend, und die Redensarten: So würd ihm snn? Untreue belohnet. Er ist für sein Verbrechen mit dcmSchwerdte belohnet worden, belei- digen, meinem Erachten nach, wirklich ein hochdeutsches Ohr. Man wird allemal besser dafür sagen: So würd ihm für seine Untreue gclohnet: Für so viele Verbrechen ist ihm mit den: Schwerdte gelohnec worden, weil belohnen indem gewöhnlichen Gebrauche, einen guten Sinn hat, und fo etwas anzeiget, was jemanden über sein Verdienst, au6 freiem Willen für fein Wohlverhalten gegeben wird. , r?. Befehlen. Empfehlen. /Eigentlich sind diese Wörter gar nicht gleichbedeutend, ^ denn befehlen heißt so viel, als das lateinische berc, Empfehlen hingegen, soviel als coinlnenclsle, unterdessen pflegten doch die Alten, sie in dem letzteren Verstände, als gleichbedeutend zu brauchen. Daher siehet Ps. Z7- Befiehl dem Herren deine Wege. Apost. Gesch. 20, Z2. Ich befehle euch Gott, und dem Wort seiner Gnaden, und daher kommen die Redensarten: Seine Seele Gott befehlen. Gorr befohlen, und dergleichen. In dieser Bedeutung wird man das Wort befehlen um der biblischen Redensarten willen, noch zuweilen in den Schrif. ten Verbergen. Versteckes Verhehlen. Verkriechen. 35 ten der Gottesgelehrten gebraucht finden. Ja in einigen Provinzen, sagt man noch jeßo: Ich befehle mich Ihnen. Ich befehle mich Ihrer Gewogenheit. Es ist aber besser, beide Wörter auf solche Weise zu unterscheiden, daß man befohlen allezeit in dem Verstan- de als das lateinische ^ubere, empfehlen hingegen, als comiuencj-ire brauche. Und dieser Unterschied wird sowol von guten Schrift, siellern, als auch in den meisten Provinzen Deutschlands beobachtet. Man sagt: Ich befehle dir, dieses zu thun. Ich habe meinem Bedienren befohlen, dahin zu gehen. Ich empfehle mich Ihrer Gewogenheit. Ich will mich Ihrem geneigten Andenken bestens empfehlen. Wir sagen auch nicht: Ein Befehlungsschreibcn, sondern ein ^mpfehllmgs schreiben. In der Modesprache der Höflichkeit wird empfehlen für Abschiednehmen gebraucht. Ich will mich Ihnen empfehlen, d.i. Ich will Abschied nehmen. So sagt Gellert: Nein, denn sie fangt schon an sich bestens zu empfehlen. -8. Verbergen. Verstecken. Verhehlen. Verkriechen. M>enn wir auf die Etymologie Acht haben, so werden wir auf die Spur des eigentliche» Unterschieds zwi» schen diesen Wörtern kommen. Das Stammwort, bcr- gen, heißt so viel, als in Sicherheit bringen. Man sagt: Das Schis litt zwar Schifbruch, aber die Leute undWaa- ren wurden noch geborgen. Dieser Mensch birger sich schon. Er hat schon so viel gesammlet, daß er sich bergen kann, das ist, er hat schon so viel, daß er vor allem Mangel und Noth gesichert ist. Wenn ich erst dahin kom-> me, bin ich schon geborgen, das ist, ich werde da sicher seyn. C s Das z6 Verbergen. Verstecken. Verhehlen. Verkriechen. Das Stammwort stecken, heißt eine Sache in die andere thun: Man sagt: In den Sack stecken, in die Tasche stecken. Verbergen hat also eine Beziehung aus die Sicherheit. Verstecken zeiget nur an, daß eine Sache nicht soll gesehen, oder gefunden werden. Was sicher seyn soll, verdirgct man. Was nicht soll gesehen werden, verstecket man. Aoam versteckte sich, > B, Mosi 18. Er wollte sich in seiner Blosse vor Gott nicht sehen lassen. Der Prophet Elia verbarg sich am Bache Erich, i Buch der Kön. 17, z. damit er vor den Verfolgungen AHabs sicherware. Viele Thiere verberge,' sich in ihren Holen, um sowol vor den Nachstellungen als vor der rauhen Witterung sicher zu sey», und in solchem Verstände wird man dieses Wort mehrentheils gebraucht finden, wenn von lebendigen Geschöpfen die Rede ist. In der oberdeutschen Mundart aber, heißt das einfache Wort bergen auch so viel als verhehlen, den Augen oder der Kenntniß entziehen, in welchem Verstands es auch in der Bibel vorkommt, Sprüchw.l?. v.16. Wer die Schmach birget, ist wihig. Syr. 12. v. z. Wenns aber nbel gehet, so kann sich der Feind nicht berge»»; Daher wird auch das zusammengesetzte verbergen zuweilen in solchem Verstände genommen, und zwar mehrentheils wenn von leblösen Dingen oder gewissen Sachen die Rede ist, z. B. 1B. Mos. 18. k 17. Wie kann ich Abraham verbergen, was ich thue. Pf 14?. v. 7. Verbirg dein Antlih nicht von mir. Man nennet verborgene Dinge/ verborgene Wahrheiten, diejenigen, welche der Kennt- niß der Menschen entzogen sinv> und dergl- Doch wird man hiebe! auch diesen Unterschied finden/ das? man verborgene Dinge, verborgene Wahrheiten, diejenigen nennet, welche geheim gehalten werden, oder ihrer Natur nach so beschaffen sind, daß sie nicht leicht zu der Kennmiß einesMenschen gelangen können; Hingegen ver- Wörter. Worte. z? versteckte Dinge, versteckte Wahrheiten, diejenigen, welche man vorfehlicher Weis?, mit erwas anderes gleichsam bedecket, damit sie nicht sogleich gesehen werden, und in die Augen fallen. Der Metaphysikus suchet verborgene Wahrheiten zu erforschen; der Dichter verstecket die Wahrheit unter eine Fabel. Noch ein anderer Unterschied zwisthen diesen Wörtern, bestehet darin, daß in solchen Fällen, wo man beides verstecken und verbergen gebrauchen lönnrc, das erste mehr der gemeinen, der zweite hingegen mehr der erhabenen Sprechart eigen ist. Verhehlen kommt her von dem alten Vcrbc, Heh. len, welches aber jcht nicht mehr gebrauchet wird, da eS von seinem cnmj)otnn vn drenget worden. Man verhehlet dasjenige, was nicht bekannt werden soll. Du hast mir die Wahrheit verhehlet, das ist, dn hast sie mir, nicht bekannt gemacht. Die gestohlenen Sachen verhehlen, heißt, sie verschweigen, damit der Diebstahl nicht bekannt werde. Seine Sünden verhehlen, heißt, sie nicht bekennen , oder bekannt machen wollen. Ierem. 16, ,7. stehet dieses Wort zurückkehrend, (als ein reciprocum) steh verhehlen, es ist aber jctzo nicht mehr als ein zurückkehrendes Zeitwort gebrauchlich. Verkriechen drücket ebenfalls, ein Verbergen oder Verstecken aus, es führet aber zugleich den Begriff einer grossen Furcht mit sich, und scheinet hergenommen zu seyn von den wilden Thieren, welche aus Furcht, in ihre Höhlen kriechen. Die Israeliten verkrochen sich, in Höhlen, Klüften und Felsen, vor den Philistern. 1 Sam. iz, 6. 19. Wörter. Worte. A>on beiden ist die Einfache Zahl ein N)c»rt, und es sind viele, welche dafür halten, ein lVort habe nur die mehrere Zahl doppelt, so, daß man beides lVorre und lVörter, in einerlei Verstände brauchen könne. C z Wip- z8 Wörter. Worte. Wippet schreibt in seinen Anmerkungen über BödikerS Grundsätze, S- 75. „Man macht diesen xluralem sbun. „ci-zncem eben nicht zur Sünde. Er scheinet aber so tyrannisch zu werden, daß erH?orte, fastverdrenget, unt» „allein regieren will. „ Aber der Gebrauch hat wirklich einen großen Unterschied der Bedeutung, bei dieser doppel- ten mehreren Zahl eingeführet, er lehret sogar diejenigen recht sprechen, welche nicht einmal darauf Acht haben; Und wer irgend ein deutsches Ohr hat, dem wird es gleich fremde vorkommen, wenn jemand die mehrere Zahl N)ör? rer brauchte, da, wo er y?orce sagen sollte, oder umge^ kehrt. Frisch sagt in seinem Wörterbuch, 2 Th. 458 Seite: „N?c»rc hat im plurgli N)örter, wenn eö die blossen „Buchstaben andeutet: Die N>orte aber, sagt man, „wenn man auf den Verstand derselben siehet.,. Dieser Unterschied ist richtig. tVörter gehören zur Sprache: N)orte zur Rede, Eine Sprache bestehet aus vielen Wörtern, aber in der Rede werden die U)orte ausgesprochen. Wer eine Sprache lernen will, der muß viel tVörccr in dem Gedächtniß behalten. Manchem Menschen, muß man viel gute N>orre geben, ehe man etwas von ihm erlangen kann» Die lVorre geben einen verständlichen Sinn, die Wörter find nur blosse Bilder einzelner Sachen. Hieraus siehet ein jedergleich, daß imDeutschenzwl- schenN?örrcr und lVorte, eben der Unterschied sey, welcher sich im Französischen, zwischen ciez mok und cies xaroie; befindet. Alle unsere Sprachlehrer, sagen deswegen recht: Hauptwörter, Zeitwörter, lTlebenrvörter, nicht Hauptrvortc, Zeitworte, LTlebenrvorre; Man sagt nicht ein N)orrebuch, sondern ein iLVörrerbuch; Denn mau braucht die mehrere Zahl U?örter von der Sprache. Man wird niemals hören, daß ein Prediger sagen wird: Die Wörter, Worte, 59 Die tVörter unseres TextS, enthalten folgende Wahrhei- ten, sondern er sagt: Die N?orre unseres Texte, die Terrworre, weil er auf den Verstand derselben siehet. So ist es recht: Sprüchw. itz, 8. Die N?orre des Ver- laumders sind Schlage, und gehen einem durchs Herz. Amgleichen Ioh. 6, 6z. Die N?orre die ich rede, sind Geist und sind Leben; weil man von einer Rede, dje mehrere Zahl lVorte braucht. Anmerkung. Es ist wohl der Mühe werth, zu untersuchen, woher dieser doppelte Plural, welchen einigeWörter imHochbeur« scheu haben, seinen Ursprung genommen. Zn den ältesten Urkunden unserer Sprache, erinnere ich mich nicht, den Plural in er ge» funden zu haben; Im Gegentheil, man findet beim Ottfried, ZDillecam u. s, w. Lkinclo, uuorre, ni-znnc, xilscii, fürKinter, Wörter, Männer, Biidcr, und vergl. Herr Aichinger scheinet den Plural in er, für eben so alt alt den anderen zu halten, er schreibt in s.'inen Unvorgreiflicken Vorschlagen, die teutsche Äibel nach der Ueberseyung de» seel.Luthers betr. in der Vorrede, a. d. 8 S- „Ich halte die ,,Seltenhcit des er, für einen Fehler der vorigen Zelten. Die Al- „ten kamen mit sich selbst nicht überein. In den Schriften deS izten „Jahrhunderts, findet man schon, Dörfer, Chinder, Gelter, „Thäler und bergl. Im 14 8ec. schrieb man fast beständig Güe- „ter, und doch findet man noch U?älve. JnI.H.Lalkenfleina „Alterthumern auf dem Nordgan, - Th. 2.79 S. ist eines im „9 Lee. geschriebenen CodieiS gedacht, in welchem die Phylakteria, „Plechir, (von Plech) genannt werden: Da hingegen im Reli- „gious Frieden i;;;, noch Gchlost, für Schlösier stehet. Woher „kam nun wohl die Endung der mehreren Zahl ohne er< Ich will „es sagen. In der nachlaßigeu Sprache, der Oberdeutschen Lan- „der, hat das bloße e, am Ende etlicher Wörter, das en etlicher „Wörter, und das er, ganz einerlei Klang. Man spricht z. D. ,,pfanna, Saama, fang«, singa,Lelda, Schusta,sürPsayne, „Saame, saugen, fingen, Felder, Schuster. Weil nun die „ten wüsten, daß diese Endung bisweilen ein bloßes e bedeutet, ss „setzten sie aus Unachtsamkeit, oft ein e, wo die sftatur der Hpra- „che, das er erfodert hätte. „ Herr Adelung hält dafür, „daß der Plural in er, ans den „nordlichen Gegenden herstamme, indem er die gewöhnliche En- ^dung des Plurals im Dänischen und Schwedischen ist, auch unter C 4 ,.°e» Wörter. Worte, „den Deutschen Mundarten, in der Sächsischen und ihren Töchtern, „am häufigsten, und aus derselben i» die Hochdeutsche gekommen „ist.,, rvorcerk.iTh. 1706S. Es ist wo! l glaublich, das; der Plural in er, aus einer besonderen Muncarr herrühre; Aber darin kann ich der Meinung dcs-Hrn» Adelung nicht beitretcn, daß er ;unächsi aus den nördlichen Gegenden kersiamme, und in der Sächsischen Mundart und ihren Täctitern am Haufigsien sey. Denn es findet sich nicht nur dieser Plura', in der ganze» Englischen Sprache, welche doch eine Tochter der sachsischen Mundart ist, und in der hollandischen gar nicht, sondern ich habe ihn auch, so weit ich bei meinem geringen Büchervorrathe die Oberdeutschen und Niederdeutschen Schriftsteller vergleichen können, eher bci,jenen als b>>i diesen gcfundm. Ich habe zwei alte niederdeutsche Pastionale, oder Level» VerHillighen vor mir, deren das eine »4^7, und das andere^-? gedruckt ist, in beiden aber komr der Plural in er niemals vor; Ich finde allezeit, Manne, rvjwc. Gcesie, für Männer, Weiber, Ge ster, und bei denenjenigen Wortern, die schon im Singular ein r haben, welches im Plural nicht kann weggeworfen werden, wird t>och allemal ein e hinten angehenget, als Zvenere, Vrödere, für Diener, Brüder. In der Sassen Rroneke von 1492!, stehet ebenfalls der Plural Xvorme, für Würmer. In falschen fanden kemen rvsrme de vargheheren s/e stapele ro Loolin Locusie. In einer alten Pommerschcn Bibel, gedruckt zu Barth 1588, habe ich den Plural in er zuweilen gesunden, z. B. Eoder, B6- ker, für Götter, Bücher, wofür die Paßionale noch allemal G6- de, 2)oke haben. Vermuthlich rühret solches daher, weil der Niederdeutsche Ueberschcr, die Hochdeutsche ttebcrsehung T?. Luthers zum Grunde geleget, und aus derselben, den Plural in er angenommen hat, wiewol er es nur selten gethan, und diesen Plural, auch oft, mehr nach seiner Mundart bequemet, und durch ein anqehengtes e, weicher gemachthat, z, B. Aeckerc, Rindere, sonst sch,t er gewöhnlich rvirve, Gckwerde, ÜVorme, Lyrve, Geesie, für Weiber, Schwerster, Würmer, Leiber, Geister, und dergl. Hingegen in den Oberdeutschen Bibeln, wird er schon eher gefunden. Ich habe zwei alteAusgaben nachschlagen können, deren eine zu Jürig 15Z6, und die andere zu Nürnberg 158Z gedruckt ist, in beiden wird dieser Plural häufig gebraucht. Im Thcuer- dauk, kommt er ebenfalls schon vor. Mei. Wörter. Worte. 41 Meinem Erachten nach, kann man hieraus einen Beweis nehmen, daß dieser Plural, eher im Oberdeutschen als Niederdeutschen ist gebräuchlich gewesen, und vielmehr aus jener, als aus dieser Mundart herstamme, welches auch mit der Natur beider Mundarten übereinzukommen scheinet, da, wie der-Herr tN. Fuloa, von beiden ganz richtig bemerket, 40 S. Schnarrn, und Aschen, das bekannte Eigenthum des Hochdeutschen ist, der Niederdeutsche hingegen, die weicheren Töne liebet. Wenn gleich das er, die gewöhnliche Endung des Plurals im Dänischen und Schwedischen ist, so folget doch daraus noch nicht, daß sie aus diesen Sprachen in das Deutsche gekommen sey, oder aus den nördlichen Gegenden hcrstammen müsse, denn so müstena- türlicher Weise, der Plural in er, eher von dcn niederdeutschen als oberdeutschen Schriftstellern gebraucht seyn, wovon man aber das Gegentheil findet, Und noch jetzt, da die hochdeutsche Mundart, in den niederdeutschen Provinzen schon gewöhnlicher geworden, wird man doch den Plural in er, unter den acmclnen Leuten nur selten hören. Sie sagen noch D. t'e, für Tücher, 2ööb'c, für Bücher, unddergl. -Herr Avelung sagt weiter: „Daher rühret es denn, daß „viele Wörter, die jm Hochdeutschen Plural ein er bekommen, bei „den älteren und mittleren Oberdeutschen ein bloßes e haben, die ,,Manne, Xveibe, Pfanve, Xvälve, u. s. w.„ Ich sehe aber gar nicht, warum er dieses, nur von den Oberdeutschen behauptet, denn man findet es ebenfalls, bei den niederdeutschen Schriftstellern: Manne, Xviwe, Dob'e, Silve, für Männer, Weiber, Tücher, Bilder, und dergl. ist ihnen ganz gewöhnlich, und sie haben diesen Plural noch länger beibehalten, als die Oberdeutschen. Ich will nur ein Paar Beispiele ansühren. In dem Pafiional, heißt es von S. Clara! Unde rvuesck Ven zekcn vrourven ere Dör'e, und wusch den siechen Frauen, ihre Tücker. 207 Bl. Der heil, Longinns, sagt zu den bösen Geistern: XVarumme rvane gy in den bilden'! Warum wohnet ihr in den Bildern? Esha.- bcn also diejenigen Wörter, welche jetzt den hochdeutschen Plural in er bekommen, vormals nicht nur im Oberdeutschen, sondern auch im Niederdeutschen ein bloßes e gehabt. Nachdem aber der Plural in er, in Oberdeutschland angefangen gewöhnlich zu werden, ist er auch in das Hochdeutsche gekommen, und zwar scheinet o gar kein Licht zu finden ist, da ist es finster. Wo das Licht so weit entzogen ist, daß man nicht gnug- sam sehen kann, da ist es dunkel. Wo das Licht durch zwischtnkommende Korper zu scheinen verhindert wird/ da isiesduster> oder düster. Im Finstern kann man gar nichts sehen, im Dunkeln und im Dustern, kann man zwar noch etwas sehen, aber doch die Vorwürfe nicht recht unterscheiden. Finster ist eine ganzliche Beraubung des Lichts. Dunkel und Düster nur eine Beraubung des nöthigen Lichts- - Da diese beiden leßten Wörter > in solchem Begrif miteinander übereinkommen, so werden sie auch gemeiniglich, eins für das andre gebraucht; Man sagt: Ein bunk- 46 Finster. Dunkel. Dusier oder Düster. dunkler Wald, dunkle Kammer, dunkle Wolke, und auch, ein düsterer Wald, duftere Kammer, duftere Wolke, und dergleichen. Allein es scheinet doch dieser Unterschied zu seyn, daß dunkel sich bloß auf die Beraubung des nöthigen Lichts, dufter zugleich aufdaö- jenige beziehe, wodurch das Licht zu scheinen verhindert, oder wodurch es uns geraubet wird. Ein Wald ist dunkel, weil nicht Licht genug darin ist: Er ist duster, weil die Bäume mit ihren Blättern das Licht verhindern, hin» einzufallen. Eine Wolke ist dunkel, weil sie kein Licht hat, im Gegensatz der helleren, durch w-lche noch einige Lichtstrahlen, aufuns herabfallen: Sie ist duster, weil sie die Strahlen der Sonne zurück hält, und uns zu- scheinen verhindert. Die Etymologie selbst, scheinet es anzuzeigen, daß duster sich auf so etwas beziehe, wodurch wir zu sehen verhindert werden. Frisch leitet es in seinem Wörterbu« che, auf der 21z Seite von duseln, düstln, düselich, her, und dadurch wird eine Betäubung des Gehirns angezeiget, die durch einen Schlag, oder starke Herumdre- hung verursachet ist. Auch nach dieser Etymologie, wür- de also duster, auf so etwas gehen, welches uns verhin« dert, die Vorwürfe genau zu sehen, und zu unterscheiden, wie bei einer Betäubung und dem Duseln geschiehet. Mich dünkt aber, duster oder düster, könne besser von dem alten Worte Dust hergeleitet werden, welches Staub bedeutet. In der englischen Sprache ist es noch vorhanden, tlis 6uü, der Staub. Und in der Mark, nennen die Müller an verschiedenen Orten, Dust, oder Dus, das allerseinste Mehl, welches wie Staub ist. Wie man nun, bei einem aufsteigenden dicken Staube, wenig sehen, und dasjenige, was dahinter ist, nicht recht unterscheiden kann, so hat man duster, oder düster, eine solche Dunkelheit genannt, in welcher uns etwas ver- hindert, die Vorwürfe genau zu sehen und zu unterscheiden. Finster. Dunkel. Duster oder Düster. 47 Das Wort Dust, wird an einigen Orten Daust ausgesprochen, und Hr. Heynay führt es an, in seinen Briefen die Deutsche Sprache betreffend: „Daust ,,sagt er, findet man wirklich noch in einigen Landschaf, „ten, wo man das feinste Mehl, das bei der geringsten „Bewegung der Luft davon stiebet, so nennet 4 Th. zi „Br. 246 S.,, Hr. Adelung halt die beiden Wörter, dunkel und düfter für einerlei, und meinet, „daß düster, nieder- sächsisch und niedrig sey, auch in der edlen anstandigen „Sprechart, eine schlechte Figur machen.,, In der Vorrede zum 2. Th. seines Wörterbuchs sagt er: „Was besonders das den gemeinen, besonders aber der nieder« „sächsischen Mundart eigene düster betrifft, so kann man „es Hrn. Srofch, als einen Märker, wo das Hoch» ,.deutsche, schon sehr mit dem Niederdeutschen vermischt „ist, und wo man folglich auch mehr an das Wort du- „ster gewöhnt ist, nicht verdenken, wenn ihm der unangenehme Eindruck unfühlbar ist, welchen dieses „Wort, einem mehr Hochdeutschen Ohre macht, und „welcher durch das Beispiel großer Dichter nicht aufgehoben wird.., Ich will mich nicht darauf einlassen, die Frage zu untersuchen, ob ein markisches Ohr, gegen das unangenehme im Hochdeutschen, nicht eben so fühlbar sey, und es eben so gut beurtheilen könne als ein sächsisches oder thüringisches» Hr. Heynarz hat schon gezeiget, daß die Märker ihre provinzial Fehler, nicht so häufig gedruckt in die Welt schicken als die Sachsen. Briefe die Deutsche Sprache betreffend 28 ff. S. Es ist genug, wenn ich mich auf das Ohr guter Hochdeutschen Schriftsteller, und so gar der Oberdeutschen berufe, bei welcher da6 Wort düster, keinen unangenehmen Eindruck gemacht hat, und welche es so gar für edler zu halten scheinen, weil sie eö in den erhabensten Stellen gebrauchen, da sie doch 48 Finster. Dunkel. Dllstee oder Düster. doch ganz wohl dunkel dafür hätten setzen können. Halter schreibt: Wie bei der Fackeln düstern Brand Und jedes Glas scheint ein Demant, -Hall. GeO. Z-. S. Bodnier im verlohrnen Paradies 71S. lVmn die düsteren lVolken von den Gipfeln der 2?ergc aufsteigen. Hr. Denis hat esinderUebcrseyungdesGßian, bei nahe aus allen Blattern, z. B. 194 ^7>. Langsam steiget vom See der düstere Nebel. S.58. düster umwölket. 20; S Ein düsterer Schatten. In einem uneigentlichen Verstände, braucht es N)icland> in der Uebersetzung der theatralischen N)erke des Schakespcar 4 Th. 55 S. daß ihr mir saget,-rvarmn ihr so düster seyd. Imgleichen im Merkur) Gesch. des philos. Daiuschmende i6Cap. Wie soll es zugehen, wenn dis Elend sie nicht vielmehr elend, düster, undankbar machte? Und wiederum Denis im Oßian: . Sänger! du sage dem düsteren Sohne von Semo. 28S Auf düsteren Betten des Todes. ?z S. u. a, m. Warum sollte eS in allen diesen Stellen, eine schlech- te Figur, odereinen unangenehmen Eindruck, auf ein Hochdeutsches Ohr machen? Der Gebrauch bey guten Schriftstellern, in der edlen Schreibart, adelt die Wörter, also kann man dieses > wol nicht in die niedrige Sprechart herunter setzen. In der Bibelübersetzung ist es ebenfalls gebraucht, z. B. Ief. 59, v. io. Wir sind im düstern wie die Todten, und das abgeleitete verdüstert i Tim. 6, v. 4. der ist verdüstert und weiß nichts. Und man wird bei mehreren Schriftstellern finden, daß sie sagen: Eine düstere Wolke > > düstere Nacht > düsterer Wald, und dergleichen- Selbst Belohnen. Vergelten. 49 Selbst in den Niedersachsischen sind beide Wörter düster und dunkel gebräuchlich. So finde ich in dem paßional von 1487 a. d. 184 Vl. ?tlse nu dak Lichr geseht in dar du stere. Und i8yBl. dedösen Ghe- ste de de hyr sye in deine bunkere n. Imgleichen in der Niedersachsischen Bibel 1 Sam. z, v. 2. Syne Dgen höven an d ll n k c r to werden. 2z. Belohnen. Vergelten. ur alödenn, wenn das Wort Vergelten in einem guten Sinn gebraucht wird, kommteSmitZ5cloh- nen einigermassen überein. Man sigt, das Gute belohnen, und auch, das Gute vergelten. Vergelten ober, schließt allezeit den Begrif, einer gewissen Ueber, einstimmung und Gleichheit in sich, zwischen den Diensten, welche uns geleistet werden, und demjenigen, was wir dafür wieder thun: Da man hingegen auch ohne Absicht auf dergleichen Uebereinstimmung, crwas belohnen kann. Ich weis nicht, wie ich ihm das wieder vergelten soll, will so viel sagen: Ich weis nicht, wie ichchm dafür eben so viel Gutes wieder thun soll. Sonsten ist das Wort vergelten allgemein, und beziehet sich sowol auf gute als auf böse Handlungen. Gott vergilt Gutes und Böses, nachdem es der Mensch verdienet hat. Man sagt in einem guten SinnSo ward ihm seine Treue vergolten: Und in einem bösen Sinn: So wavd ihm alles das Unrecht vergolten, was er gethan hatte. In beiden, ist allemal der Begrif, einer gewissen Uebereinstimmung, zwischen dem, was man gethan hat, und dem, was man dafür empfangt. Richt. 1, 7. Wie ich gethan habe, hat mir Gott wieder ver? gölten. Hiob z?, v. 6. Gott wird dem Menschen nach seiner Gerechtigkeit vergelten. Cap. Z4, v.n. Er ver? gilt dem Menschen nachdem er verdienet hat. Srosch l. Th. D 24. Lohn. zo Lohn. Löhnung. Sold. Besoldung. Gehakt. 24. Lohn. Töhnung. Sold. Besoldung. Gehalt. Insoweit, als diese Wörter gleichbedeutend sind, drü- o>) cksn sie dasjenige aus, was jemanden für seine Ar, beit oder Dienste gegeben wird. Lohi? wird eigentlich nur von den Arbeitern, oder dem Gesinde, Löhnung und Sold, von den Soldateil, Besoldung von dcnenjeuigen gebraucht, welche in öffentlichen Aemtern stehen. Man sagt: Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. Ein Tagelöhner verdienet so viel Lohn. Daö Gesinde hat seinen Lohn bekommen, z B. Mos. 19, v. iz. Es soll des Tagelöhners Lohn, nicht bei dir bleiben bis an den Morgen. So nennet man auch Avczrlohn, Lehrlohn, dasjenige, wasdemArßte, oderdemLehr- meister zur Vergeltung gegeben wird, obgleich das einfache Lohn in solchen Fällen nicht gebrauchlich ist«, Löhnung und Sold, bedeuten zwar beide, dasje- nige, was ein Soldat sür seine Dienste empfanget, aber dem heutigen Gebrauche nach, ist das Wort Löhnung in dem Falle gewöhnlicher, wenn man mit einer Absicht auf die Zeit redet, in welcher es ihm ausgezahlet wird; Sold hingegen, wenn von dem Gelde selbst die Rede ist, welches ihm gegeben wird. So sagt man: Der Soldat bekommt alle fünf Tage seine Löhnung. Hingegen, er bekommt alle fünf Tage acht Groschen Sold. Man nennst Löhnungstag, denjenigen Tag an welchem er feinen Sold empfanget. Doch scheinet der Gebrauch, diese Wörter eigentlich nur, auf die gemeinen Soldaten einzuschränken. Von ih. ren Befehlshabern, pfleget man nicht zu sagen: Sie haben ihre Löhnung oder ihren Sold empfangen, sondern da ihre Bedienungen zugleich Ehrenämter sind, braucht man gemeiniglich das Wort Besoldung. Die Besoldung eines Hauptmanns, belauft sich auf so viel hundert Loh». Lohmmg. Sold. Besoldung. Gehalt. 51 hundert Thaler. Der Reichsfeldmarfchall hat noch so viel rückständige Besoldung zu fodern. Ueberhaupt bedienet man sich des Wortes Besol» düng, wenn man von öffentlichen Aemtern, und Eh- renbedienungcn redet. Z. B. Bei diefem Amte ist fo viel Besoldung. Er hat eine einträgliche Besoldung. Die Besoldung ist gar zu schlecht, uud dergl. Bei den Alten, würd das Wort Sold, häusiger und in einem wcitlauftigeren Sinn gebraucht, für einen Hohn oder auch für dasjenige, was jemanden für eine gehabte Mühe oder Arbeit gegeben wird. So sagt Paulus, er habe Sold genommen 2Cor.1l, v. 8. Der Tod ist der Sünden Gold heißt es Rom. 6, v. 2z. Jetzt aber ist es in solchem Verstände nicht mehr fo gewöhnlich, wicwol es in manchen Fällen nicht unrecht seyn mochte, dieses Wort in einer feyerlichen Bedeutitng zu nehmen. Man konnte hiebei fragen, ob das Wort Goldar von Sold, oder dieses von jenem herkomme. Das letzte scheinet mir am wahrscheinlichsten zu seyn, denn man findet in dem Cambrifchcn das Wort.m'aelium, und.^MV/?5v, miles, wovon ohne Zweifel, das Wort Soldat abstammet. Hernach hat man den Lohn eines Soldaten, Sold gsnennet. S. I^eibn. Lvlleäi. Lt/. mol. P. IZl. Das Wort Gehalt, kommt her von dem Zeitworte hatten / wenn dieses eine Besorgung des Unterhalts anzeiget, wie man denn in solchem Verstände sagt. Viel Bediente halten: Sich einen Schreiber halten: Eine Armee auf den Beinen halten: und dergl., fo daß es überhaupt alles ausdruckt, was jemanden, für feine Dienste oder ungewisser Verdienste willen zu seinem Unterhalte gegeben wird, es sey, daß er es an Gelde, oder Korn und dergleichen bekomme. Man sagt: z. B. das Gehalt dieses Predigers bestehet größkentheils in Korn. Der Förster bekommt so viel an baarem Gelde, so viel D 2 an 52 Listig. Schlau. an Korn, und ein gewisses Schießgeld znm Gehalt. In einer alten Urkunde, findet sich, daß indem Gehalt eines Raths bei einem Fürsten, auch 15 Thlr. jährlich zu einem Ehrenkleide gerechnet werden. Man nennet auch Mirrwengehalr, dasjenige, was einer Wittwe zu ihrem Unterhalte gegeben wird und dergl. Wenn man dieses Wort nicht von dem Gesinde braucht, so rühret solches daher, weil von diesem das Wort Lohn gewöhnlicher ist. Zwischen Besoldung und Gehalt, möchte man auch noch diesen Unterschied Machen können, daß das Wort Gchalt sich besonders auf jemandes Unterhalt be. ziehet, nach? Verhältniß des Standes in welchem er dienet, und den Begrif giebt, er bekomme so viel/ daß er nach seinem Stande davon leben kann: das Wort Besoldung hingegen, zwar nicht der eigentlichen Be» deutung, doch aber dem gewöhnlichen Gebrauche nach, etwas mehreres anzeiget, nehmlich eine Belohnung oder Vergeltung seiner Arbeit und Dienste, welche nicht allemal auf den bloßen Unterhalt eingeschränket ist, sondern oft noch ein mehreres betragt» 25. Tistig. Schlau. ei den Alten, hieß das Wort schlau so viel als klug oder verschlagen, und im Schwedischen sagt man schlug für klug. S. Frisch, Wörterb. Auch jetzt wird es noch zuweilen unter uns, für klug, rvlyig, verschlagen, gebraucht. So sagt Hagedorn: Der schwarzen Augen schlauer Scherz. -Hag. Fab. u. Erzähl. Laurette. Man wird also zwischen diesen Wörtern, fürs erste, den Unterschied machen müssen: Listig wird allezeit in einem bösen, schlau sowol im Guten als bösen Verstände gesagt» Zweitens Listig. Schlau. 5? Zweitens, wenn das Wort schlau, in einem bösen Verstände genommen wird, scheinet es anzuzeigen, daß man jemanden, unter einem angenommenen guten Schein, auf eine verschlagene Weise hintergehe. Der Listige leget nur Fallstricke, und sucht andere zu berücken : Der Schlaue verstellet sich mehr, er schmeichelt oft, um heruach zu schaden, und gibt sonderlich aus alle schwache Seiten des anderen Acht, die er zum Schaden desselben zu nußen weiß. In solcher Absicht, braucht Haller das Beiwort schlau, von der Heuchelei. Ihm steht mit krummen Hals die schlaue Heuchelei Und mit verlarvtem Haupt, Betrug sein Vater bei. -Hall. Geo.öi S. wie auch von dem Neide: Kein schlauer ^eid dem fremde Mangel schmeicheln 215 S. Und Hagedorn sagt in der Fabel, der vertheidigte Schwan: Man tadelt einen Schwan, der Wasservogel König, Da nimmt sich seines Ruhms, ein schlauer Vv' gel an. Das Schlaue dieses Vogels, bestehet d-n-in, daß er unter dem guten Schein der Vertheidigung des Schwans, ihn wihig und auf eine verschlagene Weise verspottet, und sich über ihn aufhalt. Man bedienet sich daher drittens, in einigen Fallen des Wortes listig, mehr von demjenigen, welcher eine List erfindet und brauchet: Schlau von demjenigen, «elcher sie merket und ihr entgehet. Die Kaße ist listig, wenn sie sich anstellet, als ob sie schliefe, um die Mäufe sicher zu machen, und sie de- sio leichter zu fangen. Der Fuchs ist schlau 5 er mer. ket bald die Fallstricke, die ihm geleget sind. D z Der 54 Trocken. Dürre. Der 4öwe, der in seinem Alter, va er nicht mehr auf den Raub ausgehen konnte, die Thiere nach seiner Höhle berief war listig. Aber der Fuchs war ihm zu schlau, da er auf die Fußstapfen Acht hatte, und sagte : VesiiZia ine rcirout. 26. Trocken. Dürre. eide Wörter zeigen den Mangel der Feuchtigkeit an, allein das erste wird von einer äusserlichcn, das zweite, von einer innerlichen Feuchtigkeit gebraucht, welche zur Natur, oder zum Wachsthum einer Sache gehöret. Der Acker ist trocken, wenn es lange nicht geregnet hat, und ihm diejenige Feuchtigkeit mangelt, welche ev von aussen bekommen sollte. Ein dürrer Acker , dürres jand ist dasjenige, was in sich selbst nicht Feuchtigkeit genug hat, den Wachsthum der Früchte zu befördern. Man jagt; Das Gras ist trocken, man kann trockenes Fußes darauf gehen, wenn die Nasse, welche es durch deil Thau oder Regen bekommen hatte, sich wieder verlohren hat, und durch die Sonnenstrahlen abgetrocknet ist, Das Gras ist dürre, wenn es nicht Feuchtigkeit genug zu seiner Erhaltung aus der Erdebekommt. Trockene Farben, sind diejenigen, welche ohne einige Feuchtigkeit aufgetragen werden, In Trockenen sitzen, heißt unter einer solchen Beschirmung sitzen, dg man von dem Regen nicht kann getroffen werden. Dürre weiden, heißt aus Mangel der nöthigen innerlichen Feuchtigkeit vergehen. Man sagt: Ein trockener Sommer, in Absicht dessen, daß es nicht genugsam regnet; Ein dürrer Sommer in Absicht dejsen, daß den Früchten die nöthige Feuchtigkeit zu ihrem Wachsthum mangelt. Trocken Holz ist dasjenige was nicht naß geworden, und daher gut brennen kann. Dürres Holz, ist dasjenige, was öus Mangel der nöthigen innerlichen Feuchtigkeit ersior- 5'" ist- 2?. Gehen. Gehen. Wandeln. Wandern. Wallen. 55 27. Gehen. Wandeln. Wandern, wallen. H Überhaupt zeigen diese Wörter eine Bewegung mit ^ den Füssen an, wodurch der Leib von einem Orte zum andern gebracht wird. D^S ist der allgemeine Vc- grif, wenn sie mit einander überein kommen. Jedes aber hat noch einen besondern Begrif, wodurch es sich von den andern unterscheidet. Gehen wird von Menschen und Thieren: 5Van- deln nur allein von den Menschen; tVandern von Reisenden, und lVallen nur von einer gan^n Menge Menschen gebraucht. Man sagt, der Mensch Jeher, und auch das Thier gehet. Einen guten Schritt gehen, geschwinde gehen, langsam gehen, u. s. s. Uneigentlich saget man auch, der Wind gehet, die Rede geher, das Geld gehet fort, und dergleichen. Aber wir betrachten hier, dieses Wort nur in seiner eigentlichen Bedeutung. wandeln bestimmet den Gang eines Menschen, und zwar einen solchen Gang, der mit keiner Beschwerlich, keit verknüpfet ist, sondern mit Lust geschiehet. Man sagt nicht von den Thieren: Sie wandeln, und auch , nicht von einem Menschen, der unter einer schweren Last gebückt gehet; Er wandelt. Man wandelt zur Lust, um frische Luft zu schöpfen, um sich eine Bewegung zu ' machen, und dergleichen. Uneigentlich nennet man auch tVandel, dieAuffüh- rung und Lebensart eines Menschen. Er führet einen guten tVandel. Unsträflich wandeln. tVandern wird jetzt im Hochdeutschen von denenje- tilgen gebraucht, welche zu Fusse reisen, daherkommen die Wörter: Ein U?anderer. lVandersmann. N)andergerarhe. lVanderstab, u. f. Sonderlich sagt man von den Handwerksburfchen: Sie wandern, D 4 wenn z6 Gehen. Wandeln. Wandern. Wallen. wenn sie zu besserer Erlernung ihres Handwerks, fremde Oerter besuchen, wo dasselbe getrieben wird, weil sie solche Reisen, gemeiniglich zu Fuße thun. Die Alten brauchten dieses Wort überhaupt für reisen in fremde Länder. So finde ich in dem Niederdeutschen paßional oder Leven der hillighen. 184 Bl. Dovan stunc, he sicd gas) mir vlyre darheil ro wand er nde mir scheuen over water, unde he quam in Vreßland. Ebendaf. do rvanderde he van der over cyn IVater. Man sagt auch uneigentlich: Aus dem leben wandern. lVallen scheinet von Wellen herzukommen, denn es drücket eigemlich dje Bewegung aus, welche die Wellen auf dem Wasser machen, wenn sie eine der andern folgen. Daher sagt man: Das Mcer rvallet. Ps.46, 4. Wenn gleich das Meer wütete und wallcte, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Imgleichen, weil das Korn auf dem Felde, wenn es vom Winde bewegt wird, gleichsam Wellen schlägt, so sagt man auch, das Korn rvallet. Das wallende Korn. Die Bewegung einer Menge Volks, welches in dicken Haufen, und mit langsamen Schritten nach einem Ort hingehet, hat ebenfalls etwas ähnliches, mit der Bewegung der Wellen, und man hat daher diefes Wort, von einer Menge Menschen gebraucht, welche sich in dicken Haufen drengen, nach einem Ort hinzugehen. So kann man sagen.-' Es rvallere eine Menge Volks, um den Triumphbogen des Königes her. Gemeiniglich aber bedienet man sich dieses Worts, von denenjenigen, wel- che in grosser Menge an gewissen Orten den Gottesdienst besuchen. In diesem Sinn stehet es Ps. 42,5. Ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen, und mit ihnen wallen, zum Hause Gottes. Daher kommt das Wort: Waller für Pilgrim. Wallkirche, ist eine solche Kirche, Wallen. Wallfahrten. 57 Kirche, wo das Volk hinwallet, wallbruder der- jenige der mit einem wallet. In diesem Sinn kommt esmitN)allfahrrenüderein. In einem uncigentlichen Sinn, sagt man, das Herz wallet vor Freude». Die Regungen der Dankbarkeit durchwallen mein Herz. 28. Wallen. Wallfahrten. ^n so weit sind diese Wörter gleichbedeutend, als sie ei- ne gottesdienstliche Reise anzeigen, welche man nach heiligen Oertern thut; Aber darin sind sie verschieden, daß lVallen mehr auf einen Menschen siehet, welcher zu Fusse gehet: ^Wallfahrten, mehr die Reise selbst nach heilige Oerter ausdrückt, ohne Absicht, ob sie zu Fusse, oder reitend, oder fahrend geschiehet. Frisch leitet das Wort Wallfahrten, von dem alten Worte N)al her, welches todt bedeutet, und faget, es bedeute eine Reise, welche man nach den Grabern der todten Heiligen thut. (Siehe Frischs Wörterbuch, 2TH. auf der 4,8 Seite.) Mich dünkt vielmehr, es sey von lVallen entstanden. Man hat vielleicht Anfangs ein solches tVallen, odereine solcheReise nach heiligen Oertern, damit angezeiget, welche zu mehrerer Bequemlichkeit fahrend geschiehet. Hernach ist es überhaupt ohne Unterschied von allen Reisen nach heiligen Oertern gebraucht, ja das Wort N)allen, ist davon fast verdrenget worden. Man sagt jeho gewöhnlicher: Die Pilgrimme wallfahrten häufig dahin, als: Sie wallen dahin. Er thut eine N?allfahrr nach Rom, als: Er wallet nach Rom. 29. Neid. Misgunst. Abgunst. L^n dem allgemeinen Begrif, worin diese Wörter gleich- bedeutend sind, zeigen sie eine solche Gemüthsbeschaffenheit an, in welcher man das Glück und den Wolstand D 5 anderer 58 Neid. Msgimsi. Abgunst. anderer Menschen, mit scheelen Augen ansiehet, und ihnen das Gute, so sie gemessen, nicht gönnet. iTteid drücket den höchsten Staffel davon aus, eSist damit der Begrifeiner innerlichen Traurigkeit, und eines herzfressenden Kummers über den Wolstand anderer Menschen verknüpft, da hingegen die beiden anderen Wörter, nur ein Misvergnügen darüber anzeigen. Ein Neidischer betrüber sich recht, und grämet sich innerlich, wenn er siehet, daß es andern wol gehet. Da- her wird der ^lcid anch abgemahlet, als ein Mensch, welcher sein eigen Herz fristet. Der Misgünstige, und Abgünstige, gönnen nur andern das Gute nicht, was sie gemessen. Derzeit), kann nichts Gutes, auch keine Tugenden, an andern leiden, und ergreifet daher alle Gelegenheit, wo er irgend ihre gute Eigenschaften verkleinern, und verläumden kann. Die NWgunst und Abgunst, wollen nur diejenigen Tugenden nicht leiden, die ihnen im Wege stehen. Der i7Ieid, sticht andern in allen Stücken zu schaden, wo es ihm nur möglich ist. Die Misgunst und Abgunst, suchen nur in Ansehung desjenigen zu schaden, was sie andern nicht gönnen. Man brauchet zwar die Wörter, L-Insgunst und Abgunst, oft als ganz gleichbedeutend, und vielleicht sind sie es auch in der That, nur mit dem Unterschiede, daß das erste in der edlen Sprechart gebräuchlicher ist. Man braucht sie aber beide, in dem gemeinen Leben hausig, und zwar dünkt mich, man werde dabei, mehren? theils diesen Unterschied wahrnehmen, daß man mies günstig denjenigen nennet, welcher andern eine Sache nicht gönnet, weil er sie selbst gern haben möchte: Abs günstig denjenigen, welcher einem anderen auch so etwas nicht gönnet, was er selbst, nicht einmal begehret, oder doch nicht haben kann» Ein Kind gönnet dem andern Ecke. Winkel. 59 ein Spielwerk nicht, und bittet die Mutter, daß sie es demselben wegnehmen und ihm geben soll. Die Mutter strafet es deswegen, und sagt: Du must nicht so inisgttnjriI seyn. Hingegen, ein Kind nimmt dem andern eine Blume weg, und reißet sie entzwei; Es verlanget selbst, die Vlume nicht, aber es gönnet dem anderen das Vergnügen nicht sie zu haben. Die Mutter sagt, indem sie es strafet: du must nicht so abgünsiig seyn. Der i-1n'sgüttstlIe, gönnet dem Andern ein Glück nicht, weil er es selbst gerne haben möchte, der Akgün? j'rige, sucht es ihm zu entziehen, oberesgleich sclbstnicht erlangen kann. Er verdirbt oft eine Sache, bloß darum, weil er nicht will, daß ein Anderer sie gemessen soll. Ein Mensch, welcher am Hofe lebet, gönnet einem Anderen die Gnade des Fürsten nicht, weil er sie selbst zu besitzen wünschet; Er ist also nusgünstig. Eine adeliche Wittwe, muß das iandgut ihres Mannes, welcher ohne Kinder verstorben ist, an seine Vettern abtreten, sie gönnet es ihnen nicht, und ob sie gleich selbst keinen Nutzen davon haben kann, so läßt sie doch die jungen Baume ausreisten, und allerlei Dinge verderben, bloß darum, damit ein Anderer sie nicht gemessen möge. Diese Person ist abgünstig. zo. Ecke. Winkel. ie Ecke ist das Aeussere, dertVinkel, das Innere einer Figur, welche zwo auf einander stossende jinien beschreiben. Ecke beziehet sich auf die beiden auswendigen Seiten, die in eine Spitzezusammenlaufen. lVmkel auf den inwendigen Raum. Man sagt, die Ecke von einem Hause, der 5Vin- kel in einer Stube. Indem ich sage: Ein dreieckiger oder viereckiger Tisch, so beschreibe ich nur die äusserliche Figur. Hingegen, wenn ich sage: Ein spitzer, oder stumpfer Ecke. Winkel. stumpfer NAnkcl, so sehe ich zugleich auf den Raum, welchen er in sich fasset. Inder gemeinen Sprechart, wird man zwar bisweilen, einige Redensarten hören, in welchen das Wort Ecke, anstatt tVinkel, und also von dem inneren Raume gebraucht wird. Z. B. Sich in einer Ecke verstecken: Der Stock stehet in der Ecke: Die Zager ha- ben das Wildpret, dort in die Ecke des Waldes getrie- den. u. d. m. Allein in solchem Verstände wird man sich doch in guten und zierlichen Reden, und wenn Man sich mit genauer Richtigkeit ausdrücken will, allezeit bes-. ser des Wortes N?inkel bedienen. Die Etymologie selbst, scheinet dieses zu fodern, denn das alte Wort Eck, bedeutet eigentlich eine Spitze oder Schneide, womit auch das Griechische«»^ und das Englische T<^e übereinkommt; Weil nun nicht das Innere, sondern das Aeußere einer Sache sticht oder schneidet, und eigentlich die Spitze oder Schneide genannt werden kann, so scheinet sich das Wort Ecke, allezeit mehr auf das Aeußere zu beziehen. Auch die zusammengesetzten Wörter, Eckhaus, Eckstein, Ecksaule und dergleichen, scheinen dieses zu beweisen, indem sie alle den Begrif des Aeußeren, oder des äußersten Theils einer Sache geben. Ein Eckhans ist das äußerste der Straße, ein Eckstein der äußerste Stein an den Seiten eines Hauses, u. s. w. Und in der Mathematik wird man nicht sagen: Eine Ecke von neunzig Grad, oder eine stumpfe Ecke, welche mehr als neunzig Grad enthält, sondern wenn man von dem inneren Raume redet, brauchet man das Wort tVinkol. Dieser lVinkel hält neunzig, oder mehr als neunzig Grad. Im gemeinen !eben kann man sich wol der gewöhnlichen Redensarten bedienen; Aber wenn man genau und mit völliger Richtigkeit reden will, oder im Schreiben, Lein. Flachs. 61 ben, wird man doch allezeit besser thun, wenn man den eigentlichen Unterschied beobachtet. In einem uncigentlichen Sinn, braucht man das Wort vpinkel für etwas Heimliches. Alle Winkel durch, suchen, heißt die heimlichsten Oerter durchsuchen. Eine lVinkelehe, ist eine heimliche Ehe; Aber in solchem Sinn ist es nicht mit Acre gleichbedeutend. zi. Lein. Flachs. in Gewächs, aus dessen Bast Garn gesponnen, und Leinwand gemachet wird, nennet man Lein, und auch Flachs. Der erste Name aber wird ihm gegeben, so lange es noch als ein Kraut, grün auf dem Felde stehet, und kei. nen Bast hat. Man saget nicht: Dieses Stück Land, ist mit Flachs besäet, der Flachs stehet gut, sondern: Dieses Stück, ist mit Lein besäet, der Lein stehet gut. Hingegen wenn es anfangt reif zu werden, und Bast bekommen hat, Heisset es Flachs. Man saget alsdann nicht mehr, den Lein ausraufen, den Lein brechen, sondern, Flachs ausraufen, Flachs brechen. Herr Ade- lung behauptet zwar, „daß man im Hoch, und Oberdeut» „schen, die Pflanze, in jedem ihrer Zustande, Flachs uen- „net, und nicht bloß wenn sie anfängt zu reifen; „ Allein der angezeigte Unterschied, wird hier von den Landleuten allemal beobachtet, und er scheinet in der Etymologie selbst seinen Grund zu haben. Denn da das Wort Flachs, ur- sprünglich Haare, und alle den Haaren ähnliche Faden bedeutet, so kann dieses Kraut, eigentlich nicht eher Flachs genennet werden, als bis es dergleichen Faden bekommen hat, welches geschiehet, wenn es anfängt zu reifen, wie denn auch in allen von Flachs abgeleiteten und damit zusammengesetzten Wörtern, eine Beziehung auf die Fa- den ist. In 62 Lein. Flachs. In der Zusammensetzung dieser Wärter mit andern aber, ist der Gebrauch ganz besonders. Die Saamenkör- ner heissen nicht Flachbahnen, sondern Leinfaainen. Ohngeachtet die Leinwand, eigentlich nicht aus dem Lein, sondern aus dem Flachs verfertiget wird, so sagt man doch nicht: Flachjen U?and, sondern Leinwand, von Lein und dem alten Worte 5Vand, welches ein Zeug bedeutet. Nicht flächsen Geräthe, sondern leinen Gerüche, u.s.m. Hingegen nicht eine leinene Schnur, sondern eine flachsene Schnnr. Und doch sagt man: Eine Leine. Eine Zeuglcine, eine pferdeleine, das Pserd an der Leine haben, u.s.f. welches Wort unstreitig von Lein ab« stammet. Man verknüpfet sog^ar beide Wörter, und sagt in dem gemeinen Gebrauch, flachZene Leinwand, wenn man sie von der Hänfenen oderdVergenen unterscheiden will. Ja ohngeachtet die Zusammensetzung, hänfene Leinwand eigentlich widersprechend ist, indem ein Wand, oder Zeug, welches aus Hanf gemacht ist, nicht Leinen seyn kann, so wird doch diese Redensart, durch den Gebrauch unseres Frauenzimmers gerechtfertiget. Der Gebrauch aber ist ein Tyrann, welcher sich an keine Gesetze bindet, sondern einen blinden Gehorsam fodert. Vielleicht ist diese Unrichtigkeit, in Zusammensetzung der Wörter, überhaupt dem Frauenzimmer zuzuschreiben, welches am meisten, mit Flachs und Lein umgehet, und sich in dem Gebrauch der dazu gehörigen Benennungen, nicht nach den Regeln der Sprachkunst gerichtet hat. Man möchte hicbei sagen, was der Abt Olivet, im Französischen, von dem Buchstaben ^ sagt: I^ex jinZeies ont imrociuit I'ulli^e, cie 6ire: 'I'oile ä'I^ollgncle. Ohn- gcachtet sonst dieser Buchstab, in dem Worte ?Ic>IIgucie, eigentlich mit einem starken Hauch, muß ausgesprochen, und also nicht verschlungen werden. Wie man sagt, I^c» Ltsc« Lei,». Flachs. 6Z Ltst8 cZc l-lollsnäe, so müste man eigentlick) auch sagen: l'oilcelel^oll-iucle. Siehe deS?tbt Olivctt'iosu^ie I^,n- cnise, vom Buchstab Unser Frauenzimmer, hat in Zusammensetzung der Wörter Lein und Flachs, und >5auf, einige Unrichtigkeiten eingeführet, welche aber schon, so zur Gewohnheit geworden sind, daß man wider den Strom nicht schwimmen kann. Die Grammatik selbst muß dem schönen Geschlechte etwas nachgeben. Anmerkung, Wenn man das Wort Leine, von Linie, und also aus dem Lateinischen herleiten wollte, wie in der Allg. D. Vibl. 15 T>. 2 St. Z67S. geschiehet, so würde solches der ersten Etimio- logischen Regel zuwider seyn, welche Llauberg schon gegeben hat, in der kleinen Schrift, welche den Titel führet: är« Kkymoloßica l'eittoinim, und in Lcibnihens LollcA. Lt)',nol. p. 19?. zu fiuven ist, da er sagt: (Zernuinici, vciczbula ^rius 6c ^nrius e ßenii-nn- cis, czuam pei-c^rini« fonribus clcrivsnciz. Und warum sollte man diesem Worte einen lateinischen Ursprung geben, da cS so natürlich von dem deutschen Worte Lein kann hergeleitet werden? Das Francnzimmer, und die Kutscher oder dieFischcr, welche zum ersten Leinen gebraucht haben, haben sich gewiß wenig um Linien bekümmert, und es war ihnen nichts natürlicher', als die Benennung der Sache von demjenigen herzunehmen, woraus sie verfertiget wurde, nehmlich vom Lein. Frisck bestättiqet dieses im Wörterbuch?: Leine, sagt er, kommt her von Lein, weil die Schnüre oder dünne Seile, erstlich von Flachsfäden gemacht wurden, hernach ist es auch von denen, so aus Werg und Hanf gemacht sind, gebraucht worden. Und Wachter b/tracktet ebenfalls das WvrtLeine als ein abstammen« des von Lein, er übersetzet es tuniculuz ex Nur-g. Z2. Recht. Richtig. Regelmäßig. Ordentlich. echt ist dasjenige, was der Gerechtigkeit und den Gesehen gemäß ist. Es ist recht, daß man dem Kaiser Zins gebe. Es ist recht, daß m-m seine Schulden bezahle. Es ist recht, daß der Böse gestraft werde. Die Gerechtigkeit bringet es mitsich, dieGefttze besehl.cn es. Daher 64 Recht. Richtig. Regelmäßig. Ordentlich. Daher kommen die Redensarten, recht haben, recht behalten, und dergleichen. Man sagt auch bisweilen uneigenllich: Du hast recht. Du hast recht geredet, für, du hast die Wahrheit geredet, weil die Wahrheit zu reden, den natürlichen Gesehen gemäß ist. wichtig nennen wir dasjenige, woran nichts mangelt, und worin keine Fehler sind. Die Stimme ist richtig, des ist, es mangelt nichts daran. Die Rechnung ist richtig, das ist, es sind keine Fehler darin. Die Uhr ist richtig, oder sie gehet richtig, will so viel sagen: Sie fehlet nicht in Bemerkung der S tunden. Eine richtige Strasse, ein richtiger Weg, heißt eine grade Strasse, ein gradcr Weg, worauf man nicht fehlen kann, der un- fehlbar an den vorgeseßten Ort hinführet. Richtigkeit machen, oder eine Sache in Richtigkeit bringen, heißt sie so zu Stande bringen, daß nichts daran mangelt. Regelmäßig, ist t> Wenige, was nach den Regeln einer Kunst oder Wissenschaft eingerichtet ist. Ein Haus ist regelmäßig gebauet, wenn die Regeln der Baukunst dabei beobachtet sind. Ein Gedicht, Ein Schauspiel ist regelmäßig, wenn eö nach den Regeln der Dichtkunst, und der Schaubühne gemocht ist. Ein Arzt handelt regelmäßig, wenn er den Regeln folget, welche ihm in der Arzeneimissenschaft vorgeschrieben sind. Ordentlich, heißt dasjenige, was an seinem gehörigen Orte, oder was mit andern Dingen, in einem guten Verhältnisse stehet, es sey in Absicht auf den Nutzen, oder auf die Bequemlichkeit. Eine Wirthschaft ist ordentlich, wenn alles an seinem gehörigen Orte und in einem guten Verhaltnisse stehet, wenn ein jeder die Arbeit, die ihm ob. lieget, zu rechter Zeit verrichtet, u. s. w. Ein Haus ist ordentlich gebauet, wenn die Gemacher in einem guten Verhältnisse mit einander stehen, und jedes sich an dem gehörigen Orte befindet, wie es zur Bequemlichkeit, oder zum Nutzen des Besitzers dienlich ist. Die Exempel. Beispiel. Muster. Vorbild. Model. 65 Die Soldaten stehen ordentlich. Die Bücher sie. hen ordentlicb, das ist, sie stehen in einem guten Ver. Haltnisse gegen einander. zz. Exempel. Beispiel. Muster. Vorbild. Model. an braucht alle diese Wörter, um eine gewisse Art der Nachahmung auszudrücken. Jemandes Exempel folgen, seinem Beispiel folgen, sich ihn zum Muster setzen, ein Vorbild an ihm nehmen, und in so weit sind sie gleichbedeutend. Das Wort Exempel, gehöret unter diejenigen aus. landischen Wörter, welche schon lange in die deutsche Spra- che sind aufgenommen worden. C'S ist ein Fremdling, der aber das Bürgerrecht bekommen hat, und wird vielfaltig gebraucht. Dennoch bedeutet es eigentlich nicht mehr, als das deutsche Wort Beispiel. Das Exempel, oder das Beispiel, lehret uns nur die Möglichkeit der Nachahmung einer Sache, aus der Erfahrung erkennen. Das Muster/ zeiget die Art und Weife, wie man sie nachmachen soll. Das Vorbild stellet die Sache selber vor. Wenn ich also sage: Ich will deinem Exempel, ober deinem Beispiele folgen, so würde es soviel heissen: Da ichgesehen, daß du esgekhan hast, will ich es auch thun. Ich will mir, dich zum Muster vorstellen, würde so viel sagen: Ich will genau Acht geben, wie du es gemacht hast, und mich bemühen, es eben so zu machen. Ich will mich nach deinem Vorvilde richten, heißt: Ich will mich eben so verhalten, wie du dich verhalten hast, und dir gleich werden. Karl der zwölfte, folgte dem Beispiele, oder dem Exempel, Alexanders des Grossen, das ist, da er gehört, daß Alexander sich durch seine Thaten berühmt ge. Sroschl-Th. E macht, 66 Exempel. Beispiel. Musier. Vorbild. Model. macht, und oft mit kleinen Heeren geübter Völker, die grösseren Siegs erhalten, so erkannte er die Möglichkeit davon, daß er auf gleiche Weise berühmt werden könne, und bemühete sich, es ihm nach-uthun. Er sehte sich den Alexander zum Muster vor, das ist, er richtete seine Handlungen, auf eben die Art und Weise ein, wie Alexander gethan hatte. Er stellte sich den Alexander zum Vorbild, ix'ö ist, er wollte ihm gleich werden. Das Exempel oder Veijpiel, zeiget nur die Möglichkeit einer Sache, und macht uns dieselbe deutlich. Wenn ich jemanden sage, ^n.,c!-^vl>8 sey eine rhetorische Figur, welche den folgenden Sah, mit eben dem Ausdrucke anhebt, mit welchem sich der vorhergehende endigte, so ist ihm dieses noch einigermassen dunkel. Ich gebe ihm also ein Exempel odcr Dcispicl, in dem bekannten Spruche, Rom.;, z. Trübsal bringet Geduld, Geduld bringst Erfahrung, Erfahrung bringet Hofnung, Hofnung läßt nicht zu Schanden werden. Dadurch wird ihm nicht nur dasjenige, was ich gesagt habe, deutlich gemacht, sondern er lernet auch aus der Erfahrung, daß es möglich sey, den folgenden Sah, mit dem Ausdrucke anzufangen, mit welchem sich der vorhergehende gecndiget hat, und er solches nachahmen könne. Das Muster, zeiget, wie eine Sache nachgemacht werden muß, nach ihrer Lange, Breite, Verzierungen, U. s. w. Der König läßt eine kostbare Tapete verfertigen, und hat selbst t^aS Muster dazu gegeben. Das Vorbild stellet uns entweder die Sache selber, oder ein Bild davon im Kleineren, vor. Gott zeigte dem Mose, einvorbiid der Hütte. Unser Frauenzimmer hat Muster, zu Kopfzeugen, zu Halstüchern, zu Kannten, u. s. w. Es find auf Papier gezeichnete Blumen, welche sie unter ihre Arbeit legen, und sich bei dem Ausnahen darnach richten, um fowol den rechten Schnitt, nach der Länge und Breite, als auch die Ver. Umsonst. Uimützlich. Vergeblich. 67 Verzierungen zu treffen. Haben sie aber ein ander Kopszeug, Halstuch, oder Kannten vor Augen, wornach sie sehen, um eben dergleichen zu verfertigen, so würde man sagen müssen, sie richten sich nach diesem Vorbilde. Allein in dem gemeinen jeden, wird das Wort Vorbild, wenig mehr gebraucht, man hat dafür, das französische Wort Model eingeführet, und das erste, ist von diesem fast verdränget worden. Es hat nur sein Recht, noch in sittlichen Nachahmungen, und bei Rednern und Dichtern behalten. Man nennet daher jeßo auch Modelle, diejenigen kleinen Vorstellungen, cin^ ('cbaudes, oder einer Bildsaule, und dergleichen, welche sich der Künstler vor Augen stellet, wem, er eben solche im Grösseren verfertigen will. Es will z. E. jemand ein HauS nach chinesischer Bauart aufführen lüssen, weil aber der Zimmcrmann diese Bauart nicht verstehe, so laßt er, durch einen andern Künstler, ein solches Haus, nach allen seinen Theilen im Kleinen verfertigen, und giebt es dem Zimmcrmanne zum Model. Auf gut deutfch würde man eigentlich jagen müssen zum Vorbilde. 34. Umsonst. UnnützlLch. Vergeblich. AAan arbeitet umsonst, wenn man von seiner Arbeit keinen Nutzen hat, oder keinen Lohn dafür bekommt. Man arbeitet unnüylict), wenn die Arbeit zu nichts dienet, und niemand nutzen kann. Man hat vergeblich gearbeitet, wenn man seinen Zweck nicht erreicht, und durch die Arbeit nichts ausrichtet. Der Gelehrte schreibet umsonst, wenn er weder für seine Arbeit bezahlet wird, noch sich dadurch einigen Beifall erwirbt. Unnttylich, wenn seine Arbeit niemand dienen, und keinen Nutzen schaffen kann. Vergeblich, wenn er dadurch den Zweck nicht erreicht, den er sich vor. E 2 gesetzt 68 Züchtigen. Strafe»?. Ahnden. gesetzt hakte, und nichts ausrichtet, dann ist alle seine Ar« beic und Mühe vergeblich gewesen. Er hat sich umsonst bemühet, heißt, er hat von seiner Bemühung keinen Vortheil gehabt. Er hat sich un-» nützlicher lVeife bemühet, heißt, er hat sich eine Mühe gegeben, die doch niemand nutzen konnte. Er hat sich vergeblich bemühet, heißt, er hat durch seine Bemühung nichts ausgerichtet. Ein Tagelöhner, welcher für seine Arbeit keinen Lohn bekommt, hat umsonst gearbeitet. Jener Mensch, welcher sich geübt hatte, ein Hirsekorn so genau zu werfen, daß er damit eine Nadelspitze treffen konnte, und es darauf sitzen blieb, hatte sich eine unnütze Mühe gemacht, denn diese Kunst konnte keinen Nutzen schaffen. Der Schuster, dessen Rabe das 8alve(^sgi- nicht ler« nen wollte, lind der deswegen ausrief: Oleum 6c opei-m» xerckcii, meinete, er habe sich vergebliche Mühe gemacht, weil er seinen Zweck nicht erreichen, und den Raben zum Sprechen bringen können, bis endlich der Rabe, als der Kaiser einmal vorbei gieng, die ganze Lection hersagte, wodurch der Schuster überzeugt wurde, daß er sich nicht vers geblich bemühet habe. Z5- Ächtigen. Strafen. Ahnden. ADan züchtiger jemand um eines Fehlers willen zur Besserung, damit er sich hüte, dergleichen ein ander mal zu begehen. Man straft den, der etwas Böses gethan hat, um ihn andern zum Exempel zu setzen. Man ahnder eine Sache, wenn man sein Misfallen darüber mit Worten, oder mit der That bezeiget, Ein Vater züchtiget sein Kind, aber der Richter strafet den Uebelthacer, und beide müssen das Böse ahnden, sonst bestärken sie es. Die Züchtigen. Strafeil. Ahnden. 69 Die Züchtigung hatallemal die Besserung des Mcn. schen zum Zweck. Die Strafe hingegen soll das Böse gleichsam aussöhnen, und demjenigen wehe thun, d^r es begangen hat. Bei der Ahndung ist beides verknüpft. Man ahndet das Böse, so jemand gethan hat, sowol um ihn zu bessern, als auch ihn einigermassen zu strafen. Man kann die Züchtigung mildern, oder gar erlassen, wenn manschen wirklich Reue und Besserung findet. Aber die Gerechtigkeit fodert allezeit, daß ein Verbrechen mit der gebührenden Strafe beleget werde. Und man muß niemals etwas Böses, ganz und gar ungeahndet lassen. Man muß nicht mit aufgebrachtem Gemüthe, oder in Aergerniß züchtigen, weil man sonst leichtlich Zu viel thut, sondern allemal so, daß derjenige, welchen wir züchtigen, dabei überzeuget werde, wir haben nichtSanders, als seinen eigenen Nutzen, und seine Besserung zum Zweck. Die Gerechtigkeit, siehet nicht auf den Nutzen desjenigen, der gestrafer wird, sondern fodert nur eine Gnugthuung für das Verbrechen, sie bringet es allezeit mit sich, daß ein grosses Laster, scharf gestrafet werde, und siehet nur auf den Nutzen dexerjenigen, welche an der Strafe ein Exempel nehmen sollen. Gott züchtiger den Frommen, aber er strafet den Gottlosen, und er ahndet das Böse an beiden. Eben dasselbige Uebel, welches dem Frommen eine vaterliche Züchtigung ist, kann dem Gottlosen, eine gerechte Strafe seiner Sünden seyn. Eltern, welche aus thörichter Liebe, ihre Kinder nicht züchtigen wollen, werden oft, dadurch von Gott gestrafet, daß die Kinder, ihnen ungehorsam werden , und ihnen Herzeleid machen. Das Wort strafen, wird auch zuweilen von einer Bestrafung mit Worten gebraucht, und in der Bibel heißt es an verschiedenen Orten so viel, als mit Ernst ermähnen, beleh- E z ren, 70 Reinigen. Läutern. Saubern. rcn, überzeugen: Matth.18. 0.15. Sündiget dein Bruder an dir, so a/he hin, und fr^af^ ihn, zwischen dir und ihm allcine. Ioh. 16. v. 8- Der heilige Geist wird die Welt strafen, um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gerichte. 2 Tim. z. v. 16. Alle Schrift von Gott eingegeben, ist nutze zur jchre, zur Strafe, u. d, m. Allein in diesem Verstände gehöret es hier nicht her, weil es darin mit den andern nicht gleichbedeutend ist. 36. Reinigen. Läutern. Saubern. as von Flecken oder Schmutz befreiet wird, wird ge- reiniget. Was von einem fremdenZusätze, welcher damit vermischet war, geschieden wird, wird gelaus kerr. Was von groben oder schädlichen Unrcinigkeiten befreiet, und dadurch schön und glanzend gemacht wird, wird gesäubert. Deinigen, wird von einer jeglichen Sache gebraucht, von welcher der Schmutz hinweggmommen wird. Kantern, wird vom Metall gebraucht, und zeiget eine Absonderung von den schlechteren Arten der Erze an, womit ein besseres noch vermischt ist. Oder man brauchet e6 auch von flüßiqen Körpern, wenn man sie durchseihet, »m eine Unreinigkeit davon zu scheiden. Saubern, wird von dem Schemen, Abkratzen und solchen Arbeiten gebraucht, wodurch die grvberenUnreinigkeiten weggenommen werden, so daß die Sache, wieder ein gutes Ansehen bekommt. Wachter leitet dieses Wort, von dem Celtischen lavv h^, welches Wassr bedeutet, und meinet, es habe eine besondere Absicht, auf ein Waschen und Schemen. Wir brauchen es aber gemeiniglich überhaupt, von dem Scheuren, Abkratzen und solchen Arbeiten, wodurch die auswendigen und gröberen Unreinigkeiten weggenommen werden. Z. E. Man sagt: Ein Eisen vom Roste faubern. Die Bau, me von dürren Aesten, oder vom Moos faubern, und dergl. Dornen. Dörner. 7! Das schmutzige binnen wird durch Waschen, Ein Glas durch Ausspühlcn gerc-niger. Das Metall wird durch das Feuer ge'äurcrt. Allerlei Hausrath, wird durck) Scheuern und vielcsAbreiben gesäubert. Da die Weg. nehmung der gröberen Uneinigkeiten, einer Sache gemeiniglich wieder ein gutes Anscheu gibt, so braucht man das Adjectivum sauber, auch bisweilen von solchen Dinqcn, welche ein schönes Ansehen haben. So sagt man: Eine saubere Arbeit: Eine saubere Dose. Aber das Verbum saubern, wird nicht in der Bcdentung genommen. Wenn man sagt: Die Dose ist gesäubert, so wird ein jeder verstehen, daß sie vorher schmuhig und voll Unrei» nigkeit gewesen, wovon sie nun durch Schcurcn oder Abfraßen derselben gereiniget worden. In der Bibel kommt das Wert sauber nur ein Mal vor, lind hat daselbst eine Beziehung ans ein Waschen, und Wegnehmen grober Uneinigkeiten. Man hat dich nicht mit Wasser gebadet, daß du sauber würdest. He- sek. 16. v. 4. 37. Dornen. Dörner. AHei dem zwiefachen Plural N)örter undN)orte, habe ich schon von dem Ursprünge desselben gehandelt, und dabei bemerket, daß, Nachdem er in das Hochdeutsche aufgenommen worden, man ihm auch, wenigstens in einigen Wörtern, eine verschiedene Bedeutung beigeleget hat, so daß zwischen vpörter und lVorte, Gesichter und Ges sichre, Vander,Vande und Dande, von allen Schriftstellern ein Unterschied gemacht wird. Nun würde die Frage seyn, ob denn bei allen Wörtern, welche einen doppelten Plural im Hochdeutschen haben, derselbe auch in verschiedener Bedeutung gebraucht werden müsse. Ich gestehe, daß viele Schriftsteller, bei den meisten keinen Unterschied machen, sondern bisweilen den einen für den anderen zu setzen pflegen. Allein je mehr E 4 man / 5 72 Dornen. Dörner. man in einer Sprache die Wörter unterscheidet, desto bestimmter und richtiger wird man sich ausdrucken und anderen seine Begriffe mittheilen können; Darum wenn durch Unterscheidung eines solchen Plurals, entweder eine Sache naher bestimmet, oder zuweilen eine Zweideutigkeit vermeidet werden kann, so werde ich allemal den Unterschied gerne annehmen, sobald ich finde, daß er von einigen Schriftstellern beobachtet wird, oder auch nur in dem gemeinen Umgange bei einigen gebrauchlich ist. Zwischen Dornen und Dörner nun, macht schon Gottsched in seiner Sprachkunft den Unterschied: Daß «r durch Dornen ein ganzes Gebüsch, wenigstens die dornigten Zweige oder Acste zugleich; durch Dörner her- gegen bloß die Stacheln derDornen verstehet. (S. Gott- scheds Sprachkunft, auf der 242 S. in der Ausgabe von 1752) Und ich finde, daß dieser Unterschied, hier zu Lande, sogar unter den Weibern gebräuchlich ist, welche ganz richtig, von den Dornen die an den Zäunen wach. senDornenftraucher sagen, hingegen die Stacheln derselben, womit sie die Würste zumachen, y^urstdörner nennen. Man sagt daher nichA eine Dörnerkrone, sondern eine Dornenkrone, weil sie aus Dornzweigen geflochten ist. Wc ftrne man diesen Unterschied nicht beobachtet, so würde es zweideutig seyn, wenn man sagt: Er hat eine Handvoll Dornen hereingebracht. Man würde dabei noch nicht wissen, ob es ganze Zweige von Dornen, oder nur die Stacheln gewesen sind. Nimmt man aber diesen Unterschied an, so siehet ein jeder gleich, daß es Dornenzweige sind, weil es sonst heissen müste: Er hat eine Handvoll Dörner hereingebracht. Herr Adelung nimmt einen anderen Unterschied an, nehmlich daß in den figürlichen Bedeutungen, und wenn Zweige von einem Dornen tragenden Gewächse verstanden wer- ^ Schilde. Schilder. 7Z werden, dieses Wort ohne alle Ausnahme die Dornen hat, obgleich bei den Schlcsischen Dichtern, sich häufig dcr Plu. ral Dörner findet. In so weit kommt er also mitGott. scheden überein. In Ansehung der Spitzen und Slacheln hingegen zeiget er aus verschiedenen Schriftstellern, daß beides Dörner und Dornen üblich sey. Unterdessen würde doch derjenige, welcher Gottsche« den folgen, und Dörner nur von den Stacheln: Von den Strauchern und ganzen Zweigen hingegen Dornen gebrauchen wollte, sich nicht nur niemals unrecht, sondern auch allezeit mit mehrerer Deutlichkeit ausdrucken. Und da man in verschiedenen anderen Wörtern, den doppelten Plural wirklich unterscheidet, und jeden in einer anderen Bedeutung nimmt, so könnte man ganz wohl auch diesen Unterschied gelten lassen. z8- Schilde. Schilder. uch diese beiden mehreren Zahlen, unterscheidet Gottsched , in seiner Sprachkunst am angeführten Orte. Schilde, sagt er, bedeutet die kriegerischen Schilde der Helden. Schilder hingegen, die silbernen Zierrathe eines Hochzeitbitters, oder die gemahlten Zeichen der Künstler und Handwerker. (Siehe Gottsch. Spracht. S. 242.) Dieser Unterschied ist ganz richtig, und wird so gar im gemeinen Reden mehrentheils in Acht genommen. Man sagt: DieAltenbedecktensichmitihrenSchilden. Wenn sie Sturm liefen, hielten sie, die Schilde über den Kopf, >im vor den Pfeilen sicher zu seyn, welche von derMauer herabgeschossen wurden, u. s. w. So wird es auch in der Bibel gebraucht: Sisack nahm die goldenen Schilde, die Salomo machen ließ, an welcher statt, ließ der König Rehabeam eherne Schilde machen. » Chron. 12, 9. Air glänzet daher mit Schilden. Ies. ,2. v.6. u.a.m. In diesem Verstände ist das Wort Schild männliches Geschlechts, und hat in der einfachen Zahl der Schild. E 5 s Sam. 74 Oerter. Orte. s Sam. i. v.2i. Der Schild Sauls, als war« er nicht gesalbet mit Oel. Imgleichen Ps. z> v^ 2. Ergreife den Schild und Waffen. Wenn aber das Wort Schild des ungewissen Geschlechts ist, so hat es in der vielfachen Zahl, die Schilder. Z. B. Das Schild, welches die Handwerker über ihre Thüren aushängen. So sagt man: Die Handwerksleute sind leicht an ihren Schildern zu erkennen, indem die Schneider eine Scheere, die Tischer einen Hobel, die Buchbinder ein großes Buch, auf einer Tafel gemalet ha, den; Hingegen die Schilder der Gastwirthe haben oft nichts, woran man sie erkennen kann, indem sie oft Bilder der Städte, Thiere und dergleichen, zu Schildern über ihre Thüren setzen. Das Schild heißtauch bei einigen Handwerkern ein silberner Zierrath, welchen sie an den Willkommen hangen. Imgleichen nennen die Schlösser das Schild ein Blech, welches zu Bedeckung und Verzierung des Schlüsselloches dienet, und dieses Wort wird noch in mehreren Bedeutungen genommen, dann hat es aber allemal in der vielfachen Zahl die Schilder. Das Wort Schild wird auch in der Wapenkunst gebraucht, da es seinen Ursprung von den Schilden hat, womit sich die Alten im Kriege zu bedecken pflegten, und die Vorstellung eines solchen Schildes ist, daher ist es in dieser Bedeutung des mannlichen Geschlechts, und Frisch führet die Redensart an: Einem in den Schild reden, ifttlAma alicuju8 in chiklUln voczre, folglich muß der Schild im Wapen, auch im Plurali die Schilde haben. So sagt Frisch: Schildig, was einen oder mehrere Schilde hat. 39. Oerter. Orte. )ie mehrere Zahl Derter, braucht man vors erste, als eine allgemeine Benennung, der Städte, Flecken und Länder. Lande. 7? und Dörfer, welche zustimmen (!>rrer genannt werden. So sagt man: Alle Gcrrer dieser Provinz. Wer die Erdbeschreibung lernen will, der muß genau auf die Lage der (!)ercerAcht haben, und dergleichen. Hier kann man nicht sagen, die Lage der (Drtc, oder alle (!)rre diefcrPro- vinz. In diesem Sinn stehet auch die mehrere Zahl Gerter. Luc. 4,14. Das Gerücht erschall von ihm durch alle umliegende werter. Zweitens, so dünkt mich die mehrere Zahl (werter, werde mehrentheilS in einer gewissen Bestimmung gebraucht, wenn entweder das bestimmte Geschlechtswort, oder ein anzeigendes Fürwort dabei stehet. Z. E. Diese Oerrer sind den Schiffahrenden gesährlich. Die (Derrer, wo wir vormals so vergnügt zusammen waren. Die schat- tigten Gcrtcr dieses Waldes. Hingegen sagt man Orre in einem ganz unbestimmten Sinn. Niemand kann an allen (Drten seyn. Ich habe dich an allen cDrren gesucht. Ich bin aller (Drren herumgelaufen, u. s. w. Ich muß aber gestehen, daß dieser Unterschied nicht allemal beobachtet wird. Unterdessen wird man doch finden, daß die neueren Schriftsteller, von den Städten, Flecken, und Dörfern, mehrentheilS den Plural Gcrtcr; In einem unbestimmten Sinn hingegen Orte gebrauchen. 4«. Länder. Lande. ^ievon sagt Frisch im Wörterbuch, auf der 57z Seite, ^ i Th. „Der doppelte kluralix, welcher vom blinden „Gebrauch eingeführet worden, kann zu den andern zersetzet werden, die auch den doppelten klurslem haben; „Aber in doppelter Bedeutung von den Sprachverstandi- „gen genommen werden. Als wie tVorte und lVörtev „von einander unterschieden sind, so, daß lVorte, zusammenhangende Wörter, zu einem völligen Verstände „andeuten, durch N)örcer aber, nur diejenigen, so im „Lexi« 76 Lander. Lande. „Lexico, oder sonst ohne völligen Zusammenhang stehen, „angedeutet werden; Also kann man auch sagen: Z. E. „Die asiatischen Lande, sind in viel andere Lander ab- „gctheilet, da denn Lander, eine Abtheilung der Lande ..andeutet.,, Mich dünkt, man könne überdem in dem Gebrauch dieser mehreren Zahl noch folgendes bemerken: 1) Die mehrere Zahl Lande, ist nur in einem unbestimmten Sinn, und zwar mehrentheilS in einer erhabenen Schreibart gewöhnlich. Z. E. Alle Lande sind sei- ner Ehren voll. Ies. 6, z. HErr unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen. Ps. 8, ic>. In Verbindung mit dem bestimmten Geschlechtsworts, oder mit einem anzeigenden Fürworte, erinnere ich mich nicht, die mehrere Zahl Lande, bei neueren und guten Schrift, stellern gefunden zu haben. Und ich glaube daher nicht, daß man sagen könne: Diejenigen Lande, welche unter dem Nordpole liegen, oder: Die Lande, welche die En. gellander in Amerika besitzen, sondern in solchem bestimm, ten Sinn, sagt man: Die Lander. Eben so kann man nicht sagen: Er ist König, oder er herrschet, über so viel Lande, sondern muß in dieser Redensart, die mehrere Zahl Lander brauchen. AhaSveroS war König über hun. dert und sieben und zwanzig Lander. Esth. i, >. 2) Die mehrere Zahl Länder, wird sowol in einem bestimmten als unbestimmten Sinn in der erhabenen Schreibart, und in dem gemeinen Umgange gebraucht. Man kann in einer Rede sagen: Der Ruhm des Königes, ist in allen Landen erschollen, und auch: Er ist in allen Landern erschollen. Im gemeinen Umgänge aber, braucht man gewöhnlich, die mehrere Zahl Lander. In allen Ländern sind verschiedene Sitten. Die Länder, welche der König erobert hat, und dergl. z) Wenn das Wort Land, mit andern Wörtern zu« sammengesetzet wird, so ist nur die mehrere Zahl Länder gebrauch» Lichte. Lichter. 77 gebrauäuch. Man sagt zum Exempel: N>el'nlander, Rornlinder, Beiländer, Binnenländer, N7arsch- länd^/ wie auch Morgenlander, Abendländer. Nu das einzige Wort Niederland, nimmt die mehrere Zai Lande an, wenn man dadurch diejenigen Provinzen vestehet, welchen dieser Name besonders beigeleget ist, odr dasjenige Land, welches ehemals kclZium hieß. Man fgt: Die vereinigten Niederlande, die österreichischen Niederlande: Verstehet man aber, gewisse Bezirke, oder Striche Landes, welche in Ansehung anderer niedriger liegen, so sagt man: Niederländer, eben wie Oderlander. So könnte man z.E. sagen: Die Ober. lä»der in dieser Gegend, haben nichts von den Ueber, ftswemmungen zu fürchten; Aber die Niederländer lei- dn davon oft großen Schaden. 4>. Lichte- Lichter. sAttsched, seßet in seiner Sprachkunst, S. 2Z2. das ^ Wort Licht, unter die Wörter der zweiten Declina. tio, welche in plursli, ein blosses e annehmen, die Lichte Herr Heinze tadelt ihn darüber in seinen Anmerkun. oi, weil, wie er sagt, jeyo wenigstens, jedermann /ichrer schreibt, und Herr Gottsched selbst in seier Grammarick, die großen Lichter der Kirche «ennec; Allein mich dünkt, es sey noch nicht ausgemacht, zaß die mehrere Zahl Lichter, allein gebraucht werde. Zum wenigsten ist es sehr gewöhnlich, daß man sagt: Ein Pfund Lichte. Lichte ziehen. Lichte gießen, und der. gleichen. Das Wort Licht möchte vielleicht ebenfalls unter diejenigen gehören, deren mehrere Zahl doppelt ist, und Gottsched also an beiden Orten recht haben Der Gebrauch muß es entscheiden, und wenn man genau darauf Acht ihat, so wird man finden, daß die mehrere Zahl Lichte gebraucht wird, so lange das Licht nicht brennet, »der scheinet. So sage man gewöhnlich: lVachslichre. Talch- 78 Flecke«. Fleck. Talchlichre. Ich brauche zu meinem Vorrah auf den Winter so viel Pfund Lichte. Dieser Lichtziehel. macht bessere Lichte, a!6 jener, u. f. w. Hingegen, wenn das Licht brennet, oder fchmiet, braucht man die mehrere Zahl Lichter. Eö warcnlber hundert Lichter angezündet. Der Saal war von vdlen Lichtern erleuchtet. In allen diesen Redensarten, wird das Wort Licht in dem eigentlichsten Verstände genommen, da es bloß ein Wachslicht oder Talchlicht bedeutet, dessen man sich des Nachts zum leuchten bedienet. Nimmt man es aber in einem andern Verstände, für jeden leuch, tenden Körper, so ist allein die mehrereZahl Lichter ge» brauchlich. Gott sprach: Es werden Lichter an der Beste des Himmels, i B. Mos. i, 14. Alle Lichter -rn Himmel, will ich über dir lassen dunkel werden. Hestk. 32. v. 8- Sie halten die Lichter am Himmel für GK, ter. Weish. iz. v. 2. Im moralischen Verstände, da sich dieses Wort alle, mal auf eine Erleuchtung beziehet, kann man alfo ebenfalls , nur die mehrere Zahl Lichter gebrauchen. Ilnd Herr Gottsched sagt recht: Die großen Lichter der Kirche. So stehet es auch Phil. 2. v. 15. Unter welchen ihr scheinet als Lichter in der Welt. 42. Flecken. Fleck. L^e öfter diese Wörter, sonderlich in der mehreren Zahl mit einander verwechselt werden, desto nöthiger ist es, einen richtigen Unterschied zwischen ihnen zu bestimmen. Gottsched sagt in seiner Sprachkunst, auf der 242 Seite: „Ist ein Flecken in der Wasche und Kleider, fo heißt eS „fowol einfach, als vielfach, ein Flecken; Aber ein jap. 5,ven oder Stück von etwas Heisset ein Fleck Tuch, und „vielfach, die Llecker. „ , Doch diefer Unterfchied ist noch nicht hinlänglich. Das Wort Flecken, bedeutet auch einen offenen Ort, welcher etwas mehr als ein Dorf ist, und eini- Flecken. Fleck. 79 einige Freyheiten der Städte geniefsct, in diesem Sinn ist es so viel, als das Lateinische Vlcu-., und dc?S Französische: Nom-A, koui^cle, und dann hat eö unstreitig in der mehreren Zahl: Die Flecken. Wenn eö aber etwas ge. fleckteS, auf einem Kleide oder Tnche ausdrücket, und so viel heißt, als das Lateinische mscula, und das Französische une tacke, sagen einige: tAn Flecken, andere ein Fleck. Dieses letztere scheinet mir besser zu seyn, aus dcr Ursach, weil mau in der Zusammensetzung sagt: DaS Flcckfieber, eine Fleckkugel. Nicht Lleckenfiebcr, Fleckenkugel. Man könnte also diesen Unterschied machen. ' Flecken bedeutet einen offenen Ort. Lateinisch V!cu5, Französisch un kourA, und hat in der mehreren Zahl die Flecken. Man sagt auch ein Flecken Landes, Acker odce Wiesen, und dann ist derPlural ebenfalls Flecken. So wird man sagen: Ich will dir für diesen Flecken Landes, zwei andere Flecken geben. Das lateinische Wort ma- cuis, und das französische une tsclie, heißet ein Fleck, und hat in der mehreren Zahl die Flecke. Man sagt, die Flecke gehen nicht aus. Er- hat ihm blaue Flecke geschlagen, u.sw. Ein Lappen oder Stück vom Tuche, ungleichen ein Stück Leder, welches die Schuster unter die Absätze legen, heißt auch ein Fleck, hat aber in der vielfachen Zahl, die Flecker. Die Schuster sagen: Die Schuh verstecken, das ist, Flecker auflegen. Vielleicht aber möchte dieses letztere eigentlich, ein pflöck heissen müssen, weil solches Leder, mit hölzernen Pflöcken angehestet wird, und so würde es noch besonders von einem Fleck Tuch unterschieden werden. Der Ort oder die Stelle, wo sich etwas befindet, wird auch zuweilen ein Fleck genannt. Z. Ans diesem Flecke hat es gelegen: Aus einem Flecke sitzen bleiben: Hier stand er auf diesem Flecke, und dann hat es in der meh- Wahret,. Dauren. mehreren Zahl Flecke. So würde man von zweien Per. sonen sagen müssen: Diese beiden Flecke sind es, wo sie gestanden, und sich mit einander unterredet haben. Alles was man hierwidcr einwenden könnte, würde vornehmlich aufdem Gebrauch des Wortes Fleck beruhen, in so weit eö das lateinische macula ausdrücket, da einige, wenn sie etwas beschmutztes, auf einem Tuche oder Kleide anzeigen wollen, sagen: jAn Flecken, und in der meh. reren Zahl, die Flecken, andere Ein Fleck, und in der mehreren Zahl, die Flecke. Ich muß gestehen, daß das erste am gewöhnlichsten ist, und auch so in unserer Ueber- seßung der Bibel gesunden wird. Hohe Lied Sal. 4,7. Du bist allerdings schön, meine Freundin, und ist kein Flecken an dir. Unterdessen wird doch auch oft, in eben dem Sinn, das Wort Fleck gebraucht, wie unter andern in verschiedenen Wörterbüchern geschiehet, und ich finde, daß Frisch selbst, bisweilen ein Flecken, bisweilen, Ein Fleck, saget. Ein Fleck im Auge. SieheFrischWörterb. iTh. 27z Seite. Sollte man also, nicht denjenigen Gebrauch, für den besten erklären müssen, welcher sowol die Sachen deutlicher unterscheidet, als auch in der Zusammensetzung mehreren Grund hat. Da man sagt: Fleckfieber, Fleck, kugel, nicht Fleckenfiebcr, Lleckenkugel, (wie doch sonst bei denen Wörtern geschiehet, welche auf en ausge« hen, die in der Zusammensetzung ihre Endsylbe behalten, als Schlittenfahrt, Bratenwender, Rückenkrarzer, nicht Gchlirrfahrc, Drarvvender, Rückkrayer,) so dünkt mich, die Analogie der Zusammensetzung, sey ein deutlicher Beweis, daß man besser sage, Ein Fleck, als ein Flecken, wenn man das lateinische Wort msculs ausdrücken will. 4?. Wahren. Dauren. M>äl)ren siehet nur bloß auf die Lange der Zeit. Dau- ren zugleich auf die Beschaffenheit einer Sache, und Zeit. Währung. Dauer. und das Vermögen, welches sie hat, lange oder kurz zu wahren. Man sagt: Der Krieg hat lange gewährer. Der Schmerz wahrere nicht lange. Das leben des Menschen, wahret eine kurze Zeit. Hingegen: Eisen und Marmor dauren lange. Ein hölzernes Gebäude kann nicht lange dauren. Man kann auch wol sagen: Wenn der Schmerz zu heftig ist, so kaun er nicht lange dauren. Allein dabei siehet man zugleich auf seine Beschaffenheit. Die Freude daurerc nicht lange, weil sie ihrer Natur und Beschaffenheit nach, nicht dauerhast war. 4l. Zeit. Währung. Dauer. t^>er Unterschied dieser Wörter, laßt sich nach den von- gen bestimmen. Durch die Zeit, verstehen wir die Ordnung der Din. ge, in welcher sie beständig auf einander folgen. Vor der Schöpfung war keine Zeit: Sobald aber die Dinge von dem Schöpfer hervor gebracht wnrden, folgete eins dem andern, und diese beständige Folge, wird durch das Wort Zeit ausgedruckt. Alle Dinge kommen unaufhörlich von einem Zustande in den andern, sie wachsen oder nehmen ab. So lange sie sich nun, in diesem Zustande, des Wachsthums oder Abnehmens befinden, so lange wahren sie. IhretVah? rung ist diejenige Länge der Zeit, in welcher sie wirklich da sind, oder bestehen. Da eine Sache vor der andern, gewisse Eigenschaften hat, wodurch sie in den Stand gesetzet wird, langer zu währen, so nennen wir Dauer, nicht nur diejange der Zeit, in welcher sie da ist, sondern auch das Vermögen, welches sie hat, lange oder kurz da zu seyn oder zu bestehen. Das Wort Zeit, braucht man sowol von dem Anfang, als von dcr N?ahrung und Dauer einer Sache. Der erste PunifcheKrieg nahm seinen Ansang, zu der Zeit, da Sloschl.TH. F Appius 82 Drehen. Wenden. Appiuö Claudius Caudex unv M. Fulvius Flaccus Consul waren, und währete oder dauerte ohngefähr eine Zeit von vier und zwanzig Jahr, bis unter dem Consulat, des C. Luretius CatutuluS, und A. Posthumius. lVahrung wird, wie oben bemerket ist, nur bloß von der Lange der Zeit; Dauer zugleich in Absicht auf die Beschaffenheit, und das Vermögen einer Sache gehraucht. Wenn man sagt: Unser Leben, wahrer nur eine kurze Zeit, so siehet man bloß darauf, daß wir nur eine kurze Zeit da sind oder bestehen. Wenn man sagt: unser Leben ist von kurzer Dauer, so gibt solches zugleich den Begriff, daß wir nicht das Vermögen haben, lange zu bestehen. Dieser Apfel ist von guter Dauer, das ist, er hatdasVer- mögen, oder ist so beschaffen, daß er sich lange erhalten kann. 45. Drehen. Wenden. Horchen, führet den Begriff einer zirkelförnugen Ve. ' wegung mit sich. lVenden, drücket bloß eine Umkehrung aus. Der Drechsler, drehet auf der Drechselbank. Der Glasmacher, drehet das Glas oft herum, damit eö rund werde. Der Schneider wendet ein Kleid um. Die Sternkundiger halten dafür, daß sich die Sonne, um ihreAchfe drehe. Wenn sie ihren Lauf vollendet hat, wendet sie sich wieder zu uns. Die Rader drehen sich herum, der Fuhrmann wendet den Wagen nach einer andern Seite. Wenn man sagt: Er drehetesich herum, so zeiget solches eine geschwinde Bewegung an, die nur auf einem Fusse, wie in einem Zirkel geschiehet. Er wandte sich herum, drücket nur eine blosse Umkehrung aus. In einigen Redensarten, wird zwar das Wort drehen, für wenden, oder in eine andere Richtung bringen gebraucht. Z. B. Jemanden den Rücken drehen: Der Wind hat sich Dreist. Kühn. Herzhaft. Verwegen. :c. 8z sich gcdrehct: Das Glück drehet sich, und dcrgl. Sie drucken aber doch allemal etwas stärkeres aus, als wenn man wenden dafür sagte. 46. Dreist. Rühn. Herzhaft. Verwegen. Dreistigkeit. Rühnheit. Herzbaftig- keit. Verwegettheit. Äeck. er in seinen Unternehmungen keine Schwierigkeiten scheuet, ist dreist. Wer keine Gefahr scheuet, ist kühn. Wer sich nicht fürchtet, ist herzhaft. Wer sich unnöthigcr weife in Gefahr begiebt, ist verwegen. Die Dreistigkeit, ist ein getroster Muth, welchen uns eine gute Sache giebt, oder wclchm wir aus der Kenntniß gewisser Vertheile erlangen, die wir besitzen, und die uns einen guten Ausgang unserer Unternehmungen vermuthen lassen. Die Kühnheit, ist eine Dreistigkeit in Gefahren. Dlc-Her.chaftiIkeir, ist ein gesetzter Muth, wel. cher sich von keiner Furcht einnehmen läßt, und uns in unseren Unternehmungen freudig macht. Die Verwegenheit, ist eine übertriebene Kühn« hcit, sie bestehet in einer Neigung die Gefahr zu suchen, oder sich doch ohne Noth darin zu begeben. Man sagt: Ein dreister Knabe, das ist, einKna« be, der ein gutes Zutrauen zu sich selber hat, der keine Schwierigkeiten scheuet, wenn er eine Sache uuterneh. men will. Man ermähnet diejenigen, welche zum erstenmale öffentlich reden, sie sollen nur dreiste seyn, das ist, sie sollen guten Muth, und ein Zutrauen zu sich selber haben, die Schwierigkeiten nicht scheuen, sondern glauben, daß sie dieselben überwinden werden. Der Prophet Nathan , redete den König David mit derjenigen Dreistigkeit an, welche den Bothen der höchsten Gottheit, so anstandig ist, 2 Sam. 12,7 folgende. F - Als 84 Dreist. Kühn. Herzhaft Verwegen. Als Alexander den PoruS fragte, wie er von ihm wollte gehalten seyn, antwortete dieser dreist: lVie ein- Aönig. Man brauchet aber das Wort dreist, auch bisweilen in einem bösen Sinn. Ein dreister Bube. Als Catalina die Rede des Cicero angehöret hatte, war er noch so dreist, den Cicero einen neuen Nlenschen zu nennen, der nicht einmal ein eigen Haus in Rom hätte, und die Rathsherren zu bitten, sie mochten sich nicht wider ihn, durch die Verleumdungen seines bittersten Feindes einnehmen lassen. Aber auch in diesem Sinn, drücket es ein gutes Zutrauen zu sich selber aus. Ein dreister Bube, der etwas Böses unternimmt, verlaßt sich auf seine Gefchicklichkeit oder andere Umstände, woraus er vermuthen kann, daß er ungestraft bleiben werde. Catilina war dreist, er hatte ein gutes Zutrauen zu sich selbst, und hoffcte durch seine Verleumdungen, die Rarhsherren wider den Cicero aufzubringen. Die Wörter kühn und Aühnheir werden gemei. niglich in einein guten Verstände gebraucht, wenn ein Mensch, aus Uebel legung und Einsicht, die Gefahrnicht scheuet, weil er siehet, daß es am besten ist, derselben entgegen zu gehen. So kann man sagen: Die Kühnheit der preussischen Truppen, mit welcher sie oft eine weit überlegene Anzahl ihrer Feinde angegriffen, ist gemeiniglich von glücklichen Folgen gewesen. Parmenio stellete dem Ale- rander vor, daß es gefährlich sey, über den Granikus zu gehen, fowol wegen des reißenden Stroms, und der steilen Ufer desselben, als wegen des jenseit stehenden persischen Heers; Aber Alexander war so kühn, dem ohnge- achtet den Uebergang vorzunehmen, weil ersähe, daßeS wirklich am besten sey, den Persern, eben dadurch, sogleich einen grossen Begrif, von der macedonifchen Tapferkeit beizubringen, und ihnen ein Schrecken einzujagen. Wenn diese Wörter in einem widrigen Sinn gebraucht Dreistigkeit. Kühnheit. Herzhaftigkeit. :c. 85 gebraucht werden, so setzet man gemeiniglich ein Beiwort hinzu, welches dieselben näher bestimmet. Tollkühn. Dmnmkühn. Tollkühnhcir. Es war eine kühne That des Milo, daß er den Clodius ermordete. Es war zwar viel Gefahr dabei, aber nachdem, was zwischen ihnen vorgefallen war, sahe er ein, daß es besser sey, ihm ganzlich das ieben zu neh. men, als ihn verwundet liegen zu lassen. Cicero vertheidigte den Milo nicht mit gnugsamer Herzhafrigkeir. Die Gegenwart des Pompcjus, und die Soldaten, die um ih» her stunden, verursachten ihm solche Furcht, daß er den Mund kaum austhun konnte. Man sagt: Den Feind herzhaft angreifen. Eine Sache herzhaft unternehmen, wenn man e6 ohne Furcht, und mit einer gewissen Freudigkeit thut. Verwegen, wird allemal in einem bösen Sinn ge< braucht, es drücket eine unüberlegte Nühnhcic aus, wodurch man sich ohne Noch in Gefahr begiebt. So würde man, z. E. eine kühne Antwort, diejenige nennen müssen, da man sich in solchen Umstanden befindet, wo eine jegliche Antwort gefährlich seyn könnte, und man noch am besten thut, die Gefahr nicht zu scheuen, sondern frei heraus zu antworten. iAne verwegene Antwort, würde eine solche seyn, durch welche man sich ohne Noth den Unwillen des Fragenden zuzieh-t, und sich in Gefahr sehet, betrübte, oder zum wenigsten verdrießliche Wirkungen davon zu empfinden. Die Antwort des Poruö, er wolle als eintönig gehalten seyn, war eine dreiste Antwort, in Ansehung dessen, weil es allemal schwer ist, ausdergleichen Fragen, eines erzürnten UeberwinderS gut zu antworten, PoruS aber, es mit getrostem Muthe, und im Vertrauen, auf seine gute Sache that. Allein man konnte auch sagen: Es war eine kühne Antwort, in Ansehung dessen, daß Gefahr dabei war, den Alexander noch mehr zu erzür- F z nen, 86 Dreist. Kühn. Herzhaft. Verwegen. :c. nen, und Porus am besten that, die Gefahr nicht zu scheuen, sondern frei seine Meinung zu sagen. Hingegen war es eine verwegene Ancwort, welche einige vom Bajazech crzehlcn, daß er dem Tamerlan, der ihn frag, te, wie er ihn würde gehalten haben, wenn er von ihm wäre gefangen worden, zur Antwort gegeben: Er hatte ihn in einen Käfig einsperren lassen. Denn dadurch sehte er sich ohne Noth in Gefahr, von dem Ueberwin- der, eine gleiche Bcgegnnng zu erfahren. Alexander grif gemeiniglich die Feinde mit grosser Kühnheit an; Aber er war auch oft so verwegen, sich in die dicksten Haufen der Feinde zu wagen. Man kann auch das Wort keck, noch Hieher rechnen, ob es gleich selten gebraucht wird, und zu veralten scheinet. Es kommt her, von dem alten Worte Oueck, oder (Quick, welches munter, lebhaft bedeutet, daher (Vueck Silber -ii-Aemum vivuu,. Man hat es Anfangs, sagt Wachter, in seinem Glaßario, für lebhast, stark, vermögend, hernach aber für kühn gebraucht, weil diejenigen, welche ihre Starke und Vermögen kennen , gemeiniglich dadurch kühn gemacht werden. Es scheinet also, den Begriff, einer solchen Dreistigkeit, oder Zxühiiheit zu geben, welche mit einer besondern Lebhaftigkeit und Munterkeit verknüpft ist, und wobei man viel auf feine Kräfte trauet. Man braucht , so wol in einem guten als böfen Verstände. Jemand keck unter Augen treten: Aeck auf den Feind los gehen: Aeck antworten, und dergl. In der allgemeinen d. Vibl. hat man ganz richtig angemerket, daß ich dieses Wort anzuführen vergessen habe, welches ich auch selbst, schon in dem Vorbedacht zum 2ren Th, erinnert. Allein die Erklärung, welche da'elbst gegeben wird, nehmlich; „So wie derjenige „drcisc genannt wird, der in seinen Unternehmungen „keine Schwierigkeiten scheuet, so heißt derjenige keck, „der Gebrauch. Brauch. Gewohnheit. :c. 87 „der an diese Schwierigkeiten gar nicht denket, und sich „aufjede Unternehmung ohne Anstand einläßt,,, scheinet mir nicht richtig, und dem Gebrauch entgegen zu seyn. Ich will nur ein Paar Exempel aus der Bibel anführen. 2B.d.Maccab. ii, v. 9. stehet. Sie lobcten alle, den barmherzigen Gott, und wurden keck, daß sie ihre Feinde schlagen wollten, wenn sie gleich die wildesten Thiere waren, und hatten eiserne Mauren vor sich. Hier will das Wort keck keinesweges sagen, daß Maccabaus und die mit ihm waren, gar nicht an dis Schwierigkeiten gedacht, und sich ohne Anstand, in die Unternehmung eingelassen hatten. Nein sie kannten vielmehr die Schwierigkeiten, und überlegten sie, dar- um baren sie mir Seufzen und Thränen den Herrn, daß er einen guten Engel senden wolle, der Israel Hülfe, v. 6. Und da sie Gott gelobet hatten, wurden sie keck, das ist, sie empfanden gleichsam ein neues ieben, eine lebhaste Dreistigkeit und Kühnheitden Feind anzugreifen, wobei sie sich auf die Hülfe Gottes verließen, und auf die Starke baueten, welche sie von Gott zu erlangen Hoffeten. B. d. Weish. 12, v- 17. Du hast dich erzeuget an denen, die sich keck wüsten. Das kann nicht heißen, an denen welche an die Schwierigkeiten gar nicht dachten, und sich ohne Anstand in die Unter- nehmung einließen, sondern es heißt vielmehr, an denen die sich mit einer besonders lebhaften Dreistigkeit und Kühnheit auf ihre Kräfte verließen? 47- Gebrauch. Brauch. Gewohnheit, Herkommen. Ceremonie. AI>as der gröste Theil der Menschen thut, oder was von dem größten Theil, in einem gewissen Stande beobachtet wird, ist ein Gebrauch. Was von vielen Jahren her geschehen ist, oder was jemand schon seit lan« F 4 g" 88 Gebrauch. Brauch. Gewohnheit. ger Zeit gethan hat, ist eine Gewohnheit. Was nur an gewissen Orten, und bei gewissen beuten, von ihren Vorfahren der im Gebrauch gewesen, oder was als eine Regel des Verhaltens von langen Zeiten eingeführet ist, wird ein Herkomme«» genannt. So kann man sagen: Es ist ein Gebrauch des spanischen Hofes, das? die Grossen, mit einer Brille auf der Nase vor dem Könige erscheinen. Diese Gewohns hcit ist so alt, daß man sich wundern würde, einenVor- nehmen ohne Brille zu sehen. Und sie halten so vest über diesem Herkommen, daß es der König selbst nicht abbringen kann. Der Gebrauch bringet es mit sich, daß wir dieje« nigen, welche uns zu Gaste gebeten haben, wieder bitten. Wer von Jugend auf, Wasser getrunken hat, bei dem ist das Wassertrinken zur Gewohnheit geworden. Daß der Magistrat zu Frankfurt am Main, den Abgesandten hoher Haupter, ein gewisses Gefchenk von Rhein, wein macht, oder daß die Schüßengilde, in einigen Städten, jährlich ein Königsschiessen halt, ist ein altes Herkommen. Es ist ein allgemeiner Gebrauch, daß man bet dem Absterben seiner Freunde, schwarz gekleidet gehe. Sich nach der französischen Art zu kleiden, ist unter uns schon langst zur Gewohnheit geworden. Um nicht von dem alten Herkommen abzugehen, tragen die Schweizerin Zürich, an grossen Festtagen, und in ihren Rathsver- sammiungen, noch eben solche Kleidung, wie ihre Vorfahren, vor einigen Jahrhunderten getragen haben. Der Gebrauch hat eine gewisse Art der Kleidung eingeführet. Die Gewohnheit, macht, daß wir keine andere Art von Kleidung tragen können, ohne darin sehr gezwungen zu seyn, und sich nach dem alten Herkommen zu kleiden, ist in manchen Stücken sehr unbequem. Man Herkommen. Ceremonie. 89 Man muß bisweilen, eine Gewohnheit ablegen, wenn es der Gebrauch verlanget, weil man sich sonst lächerlich machen würde. Aber ob gleich das alte Hers kommen bisweilen lacherlich ist, so können sich doch ver. schiedene Ursachen finden, warum man dabei verbleiben muß. Das Wort Brauch, ist von Gebrauch gar nicht unterschieden, sondern kommt damit völlig überein, es ist auch schon einiger Maaßen veraltet, und man bedie. uet sich desselben nur noch in einigen Redensarten, Z. B. Nach dem alten Brauch, nach ritterlichem Brauch, und dergleichen, wo aber allemal Gebrauch dafür sie- hen könnte. Die vorgesetzte Syllbege, ist hier, wie in mehreren anderen Wörtern, bloß eine rednerische Ver. langerung. So sagt man jetzt Geruch, anstatt daß die Alten öfters nur Ruch sagten, wie es auch noch in der Bibel gefunden wird. Z. B. Hohe Lied Sal. 2, v. iz. Die Weinsiöcke haben Augen gewonnen, und geben ihren Ruch. Hos. 14, v. 7. Und soll Ruch geben wie Libanon, u. a. m. Imgleichen Genick für !7lick: Genau für nau, gering für ring, u. s. w. Oder sie ist von dem Präterita des Verbi beibehalten worden, wovon das Wort herkommt, wie im Gedicht, Gemals de, und dergl. S. Frisch N)örterb. von der Sylbe ge. Beide, Pachter im Gloßar, und Frisch im Wörterbuche, nehmen daher Brauch und Gebrauch, für eiuerleibedeutend an, und Hr. Adelung sagt. Brauch sey im Hochdeutschen veraltet, und durch das zusammengesetzte Gebrauch verdränget worden. Auch das Wort Ceremonie kann Hieher gerechnet werden. Es gehöret unter diejenigen auslandischen Wörter, welche durch den häufigen Gebrauch in unsere Sprache sind aufgenommen worden. Wir haben es, wie die Franzosen das Wortccremsme, von dem latei- F 5 nischen 9« Gebrauch. Brauch. Gewohnheit. Nischen ceremonia angenommen, und es ist vermuthlich zuerst mit dem Christenthume, in Absicht auf gewisse Gottcödienstliche Gebrauche, von den geistlichen eingeführet morden, welche die lateinische Sprache gebrauchten. Die Franzosen setzen in ihrer Aussprache, den Ton auf die letzte Syllbe, und einige Deutsche folgen ihnen darinnen nach, weil sie dafür halten, daß wir dieses Wort zunächst von den Franzosen bekommen haben: Allein es ist doch gewöhnlicher, und dem ursprünglichen Herkom- mcn dieses Wortes gemäßer, den Ton, wie die iateiner aufdie Syllbe zu legen. So wird es hier, von den mehresten ausgesprochen; Und da in den zusammengesetzten Wörtern, ein Ceremonien-Geister, Ceremonien Gesei; der Juden, gewiß niemand, den Ton auf die Syllbe ni, legen wird, so scheinet das einfache Ceremonie, es ebenfalls zu fodern, daß man es mit dem Ton auf mo, wie das lateinische ausfpreche, aus welcher Sprache es auch eigentlich, in die unsrige gekommen ''st' In vielen Stücken, kommt es mit dem Worte Gebrauch überein, und man kann dieses oft dafür setzen. Man kann z. B. sagen: die Ceremonien einer Kirche, und die Gebrauche einer Kirche. Die Ceremonien bei der Taufe, bei der Krönung, bei der Vermählung, und die Gebrauche bei der Taufe, bei der Krönung, bei der Vermahlung, und dergl. Darinn aber sind diese Wörter unterschieden, daß man einen Gebrauch, überhaupt alles dasjenige nen. net, was von dem grösten Theile der Menschen, in einem gewissen Stande, oder bei gewissen Gelegenheiten beobachtet wird: Ceremonie hingegen den Begriff einer gewissen Feierlichkeit giebt, oder ein solcher Gebrauch ist, welcher bei besonders feierlichen Gelegenheiten beobachtet wird. So Herkommen. Ceremonie. 91 So sagt man: Die Messe wird beyden Catholischen, mit vielen Ceremonien gehalten: Die Einweihung der Kirche, würd mit großen Ceremonien verrichtet: Das Veilager würd mit vielen Ceremonien gehalten. Es wurden bei der Krönung, alle Ceremonien beobachtet, das ist, alle feierliche Gebräuche, welche bey solchen Gelegenheiten gewöhnlich sind. Er würd mit vielen Ce- remonien empfangen, das ist, auf eine gewisse feierliche Weise, mit allen denen Gebrauchen, welche man zu beobachten pstegct, wenn man in solchem Falle, jemand auf eine besondere Weise ehren will. Zuweilen wird das Wort Ceremonie gebraucht, für Complimente, oder bloße Höflichkeitsbezeigungen, sonderlich, wenn sie übertrieben werden. So sagt man wol: Machen sie keine Ceremonien: Oder auch für höfliche Entschuldigungen, wodurch man eine Sache, von sich abzulehnen sucht. Z. B. Er machte viel Ceremonien, ehe er sich dazu entschließen wollte. Denn aber leget man nicht nur diesem Worte, eine andere Bedeutung bei, sondern dergleichen Redensarten, sind auch nur bei einigen, im gemeinen leben üblich, und können in der edleren Schreibart nicht Statt finden. Herr Adelung, hat hicbei, ganz ohne Ursach, die Anmerkung gemacht: „Aus dem obigen erhellet, daß der „Unterschied, welchen Hr. Stosch zwischen Gebrauch, „Gervohichcic und Herkommen annimmt, sehr un, „glücklich gerathen ist. Gebrauch ist ihm zu Folge, „etwas was der größte Theil der Menschen thut, oder „was von dem größten Theile, i» einem gewissen Stande beobachtet wird, welche Erklärung auf der einen „Seite zu enge, auf der andern aber wieder zu weit „ist.,, Ich fehe nicht, warum diese Erklärung zu ens ge seyn sollte, denn ich behaupte ja nicht, daß dieses Wort keine andere Bedeutung hat, und nicht auch die Anwendung einer Sache zu unsern Bedürfnissen anzeige, sondern 92 Gebrauch. Brauch. Gewohnheit, zc. sondern nehme es hier nur in derjenigen, worin es mit Gewohnheit und Herkommen gleichbedeutend ist. In dieser Bedeutung, sagt meine Erklärung, nur mit andern Worten, eben das was Hr-Adelung sagt, und ick finde kein einziges von seinen gegebenen Beispielen, wo sie nicht Statt finden könnte. Er sagt, das Wort Gebrauch, bedeute die mehrmalige Wiederholung einer willkührlichen Sache. Allein was der gröste Theil der Menschen thut, wird auch mehrmals wiederholet. Eine gewisse Art der Kleidung, ist im Gehranch wenn die mehresten Menschen sich so kleiden, u. s. w. Ich sehe auch nicht, worin diese Erklärung ZU weit seyn sollte, eö müßte denn seyn, daß sie nicht durch das Wort willkührlich eingeschränket habe; Allein ich glau- be nicht, daß dieses so nöthig sey, indem ein jeder gleich selber siehet, daß alle diese Wörter, Gebrauch, Ge, wohnheit, Herkommen, sich bloß auf willkührliche Handlungen beziehen. Mir kommt es nur darauf an, den Unterschied zu zeigen, welcher sich zwischen ihnen befindet, und ich glaube diesen wird man nach einer gege, denen Erklärung in allen Fällen bestimmen können. Hr. Adelung scheinet vielmehr die Bedeutung dieses Wortes zu weit auszudehnen, da er sie auch auf dasjenige erstrecket, was von einem mehrmals wiederholet wird. Ich zweifle, daß wenn nur einer, eine Sache mehrmals wiederholet, man sie einen Gebrauch nenne, sondern man bedienet sich alsdann besser und auch gewöhnlicher, des Wortes Gewohnheit. Für Crispin harre den Gebrauch alle Jahr einmal zur Ader zu lassen, wird man gewiß gewöhnlicher sagen: Er hat die Gewohnheit, oder er ist gewöhnt, eben wie man sagt: Er hat die Gewohnheit sich immer im Spiegel zu besehen, oder, er hat die Gewohnheit, alle Tage eine Stunde spaHieren zu gehen, nicht, er hat den Gebrauch. 48. Vekla- Beklagen. Bedauern. Bejammern. 9z 48. Beklagen. Bedauern. Bejammern. eklagen, zeiget bloß die Aeußerung, derBetrübniß und des Mitleiden-? an, welche man mit Worten zu erkennen gibt: Bedauern, drucket eigentlich mchr die innere Empfindung aus, und hat eine Beziehung auf den Verlust eines Guten, welches man für unersetzlich halt, auf ein Unglück, dem nicht kann abgeholfen werden, oder auf den Verlust einer Sache, welche uns durch keine andere, genugsam kann vergütet werden: Bejammern giebt eine heftige Aeußerung des Schmer- zens zu erkennen, welchen man bei einem großen Elende empfindet- Man beklaget sich selbst oder andere, in Krankheiten oder in einem Unglück. Man sagt: Jemandes Zustand beklagen, sein Unglück beklagen, das Elend der Menschen beklagen, und dergleichen, und diefes Wort, kann von einer jeglichen Anzeige der Betrübniß und des Mitleidens, welche man mit Wor- ten an den Tag leget, auch in Kleinigkeiten, gebrauche werden. Eine Mutter, beklaget ihr Kind, welches sich in den Finger geschnitten hat. Ein Frauenzimmer beklaget, daß ihr Kleid einen Fleck bekommen u. f. w. Man bedauert, dasjenige was nicht wieder ersetzet, oder genugsam vergütiget werden kann. Die Mut. ter bedauert ihre Tochter, deren Gesicht durch die Pocken verdorben ist: Sie bedauert den Verlust ihres «inzigen Sohnes. Man sagt: Er bedauert die Abwesenheit seines Freundes, weil er sie als etwas ansiehet, was ihm kein anderer erseßen kann. Er bedauert den Verlust der Zeit, welche er daraus verwandt hat. Ich bedauere den Arbeiter, welcher sich das Bein gebrochen. Ich bedauere es nun, daß ich deinem Rathe nicht gefolqet bin, und dergl. Hr. Jacobi schreibt in einer Antwort an Hrn. Gleun: Ja « 94 Religion. Gottesdienst. Ja Freund, in deinem Sans Souci, Wo bei der Musen Harmonie, u. s. w» Da ruft den ungetaufchten Blick Von der Palläsie stolzen Mauern Die Weisheit freundschaftlich zurück, Und lehrt dich, Könige bedauern. Sie scherzen nicht mit uns im Hain, Sie ladet nicht der Rasen ein, Ka»m sehen sie das Veilchen blühen, u. s. w. Die Könige werden bedauert, daß sie nicht so wie er die Annehmlichkeiten der FrühliugSluft genießen, deren Beraubung ihnen, seinem Urtheile nach, durch alle Vergnügungen der Pallaste und des Hofes, nicht kann er, setzet oder genugsam vergütiget werben. Man bejammert ein großes Elend z. B. die Verwüstungen welche der Krieg verursachet, das Elend worinn man durch den Verlust alles des Seinigen gestürzct ist, unddergl. Es zeiget eine heftigere und zugleich wehmüthigere Aeußerung der Betrübniß an. Frisch »agt von diesem Worte: Es scheinet eine onomatojzoei'g zu seyn. Nero hat im Gloß: nur amern, es kommt überein mit rveinmern, für weh nur, Also amern gleichsam: Ach mir. 49. Religion. Gottesdienst. enn wir das Wort Religion, in feiner weitläuftig- sten Bedeutung nehmen, so verstehen wir dadurch alle Pflichten, welche der Mensch, vermöge seiner Unterwürfigkeit unter Gott, zu beobachten schuldig ist. Der Gottesdienst hingegen, begreift eigentlich nur diejenigen Pflichten, welche den Dienst und die Verehrung des Schöpfers betreffen. Es bedeutet aber das Wort Religion, auch bisweilen eine gewisse Art und Weife, nach welcher man fein Verhal- Religion. Gottesdienst. 95 Verhalten einrichtet, um Gott gefällig zu seyn, und sie. het auf die Vorschrift, welcher die Menschen darin fol- gen. In diesem Verstände sind vier Hauptreligionen in der Welt. Die jüdische, die heidnische, die christli- che und die mahomethanische. Die jüdische Religion, richtet sich nach dem Gescrz Moses und den Ueberlieferungen der Rabbinen. In der heidnischen rich. ten sich die alten Perser, nach dem Zend oder Zenda? vesta des Zoroasters: Die Bramannen, nach dem Des dam, und andere, wie die wilden Völker in America, nur bloß nach den Gewohnheiten ihrer Vorfahren. Die christliche Religion richtet sich nach der Bibel, und die mahometanische, nach dem Roran. Man nennet auch wol Religionen, diejenigen besonderen Partheien, worin sich eine Hauprreliglon unterscheidet. So sagt man, die catholische, die lutherische und die reformirte Religion. Die wahre Religion, muß eitel heilige, Gott geziemende, und dem Menfchen nützliche Pflichten vorschreiben. Was Gott, als dem allervollkommensten Wesen, nicht anstandig, oder was unnütz ist , gehöret nicht zur wahren Religion. Und wer die verschiedenen Religiös nen in der Welt, nur mit Aufmerksamkeit, hiernach prüfen will, der wird die wahre finden können. Jede Religion schreibt besondere Gebrauche des Gottesdienstes vor, alle aber kommen darin überein, daß man Gott, nicht bloß äusserlich, sondern vornehmlich mit einer innerlichen Verehrung des Herzens dienen müsse. Also bestehet der Gottesdienst, nicht nur in gewissen ausserlichen Gebräuchen, wodurch man den Schöpfer zu verehren fucht, sondern vornehmlich in einer innerlichen Verehrung des Herzens, welche man durch den ausserlichen Dienst zu erkennen giebt. Wer in seinem Her- zen Gott wahrhaftig ehret, der wird es auch gewiß äus- serlich an den Tag legen, und eö ist billig, daß wir mit beyden 96 Tausche,:. Hintergehen. Betrügen. beyden Theilen, mit Leib und Seele Gott dienen, da er uns beydeö gegeben hat. Die abergläubischen und unnützen Gebrauche, bei dem äußerlichen Gottesdienst, verrathen eine falsche, oder zum wenigsten eine verfälschte Religion. 50. Tauschen. Hintergehen. Betrügen. 2)e!isten. Ueberlisten. Berücken. §Vt>cnn man genau, auf den eigentlichen Unterschied dieser Wörter Acht hat, so wird man finden, daß Täuschen sich gemeiniglich auf ein nicht gehaltenes Versprechen, «hintergehen auf eine Verstellung, und Betrügen auf etwas schlechtes beziehet, welches für etwas Gutes gegeben wird. Man rauschet jemanden, wenn man ihm etwas ver« spricht, und sich hernach unter allerlei Vorwand, davon los zu machen suchet, oder sein Versprechen nicht in allen Stücken erfüllet. Man hintergehet ihn, wenn man sich anders gegen ihn stellet, als man in der That ist. Man betrüget ihn, wenn man ihm etwas schlechtes für Gutes giebt. Wer mir für gewisse Dienste, so ich ihm leisten soll, eine Belohnung verspricht, hernach aber, mir dieselbe unter allerlei Vorwand entziehet, der täuschet mich. Wer sich anstellet, als ob er es gut mit mir meine, aber doch wirklich nur zu schaden sucht, der hintergehet mich. Ein Kaufmann, welcher mir schlechte Waare für gute verkauft, oder nicht so viel giebt als er billig geben sollte, der betrüget mich. Jacob sagte zu Laban, du hast mich getäuschet, l B.Mos. zi, 7. In Absicht dessen, daß Laban sein Versprechen nicht erfüllet hatte. Die Gibeoniter, Hins rergingen den Iosua, da sie sich anstelleten, als ob sie aus fernen Landen kämen. Ios. 9. Michal betrog die Boten Belistcn. Ueberlisten. Berücken. 97 Boten Sauls, da sie ein Bild an Davids Stelle, ins Bette legte. 1 Sc.m. 19.1?. Die reichen Juden octro? gen die Armen, da sie ihnen Spreu für Korn verkauften. Amo6 8, 6. Es ist wahr, diese Wörter werden bisweilen, eins für das andere, von einerlei Sache gebraucht; Allein sie ha« ben doch allemal eine gewisse Beziehung, auf den angeführten Unterschied. Man kann sagen: Laban rauschere den Jacob, weil er ihm sein Versprechen nichc hielt, und auch: Er betrog den Jacob, weil er ihm die hcsiliche Tochter, an statt der schönen gab. Die Gibeoniter l)in-- rcrglcngcn den Iosua, in Absicht aufihreVerstellung, sie betrogen ihn, in Absicht dessen, daß sie das Bünd- niß, welches sie verlangeten, als etwas Gutes vorstelle- ten, ohngeachtet es den Israelnen schädlich war. Jupiter schickt, beim Homer, einen Traumgottzum Agamemnon, welcher ihn durch Eingebung eines TranmS, verleiten muß, die Trojaner in Abwesenheit des Achilles anzugreifen. Dieser Traum tau sichere den Agamemnon, weil das Versprechen, oder die Vorbedeutung desselben, nicht erfüllet ward. Man kann auch sagen: Dieser Traum betrog den Agamemnon, weil er anstatt des Guten, welches er Hoffete, etwas schlimmes empsieng, und an statt des erwarteten Sieges, eine Niederlage erlitt. So sagt man auch: Meine Hosnung hat mich in dieser Sache getäuscdet, in Absicht, daß das Gute, so ich mir davon versprach, nicht geschehen ist. Imglei. chen: Ich habe mich in meiner Hcfnung betrogen, weil ich an statt des Guten, si> ich erwartete, etwas schlechtes bekommen habe. Die Wörter Vollsten, und Üeberlisten, werden selten gefunden, unterdessen hat sie doch Frisch, in seinem Wörterbuche, und sie scheinen mir in der That, sehr gut zu seyn. Sie führen über den Vegrif des Himerrte- Srosch l. Th. G hens, 98 Tauschen. Hintergehen. Betrügen. :c. hens, noch diesen mit sich, daß es mit einer besondern List geschehe. Es würde ganz gut geredet seyn: Die Gibeoniter belisteren den Iosua. Thcmistocles beli-- stere die Lacedemonier, als er die Mauern zu Athen aufbauen ließ. In der Süßen Rroneke, von 1492. sinde ich in einem ahnlichen Verslande, das niederdeutsche Wort bei!!okc,:, von klug, beklugen. De keiser de sach dat he bekloket was. Belisten, kann von einer jeglichen List, überlisten nur von einer solchen gesagt werden, wodurch man entweder, jemand plötzlich in Schaden bringet, und das Unglück ganz unvermuthet über ihn führet, oder welche eine andere List, so man wider uns hat gebrauchen wollen, übertrist. Man kann auch daö Wort berücken Hieher rechnen, ohngeachtet es nur in einem uneigcntlichen Sinn, mit den vorigen gleichbedeutend ist. Eigentlich wird es von den Vögeln gebraucht, über welche das Netz zusammen gezogen, oder zusammen gerückt wird, wenn sie gefangen werden. Jemand berücken, will also so viel sagen: Ihm heimlicher weise allerlei Nachstellungen machen, wodurch er sich plötzlich, gleichsam verwickelt und gefangen siehet. Daher kommt auch die Redensart: Jemand das 57lerz über den Rspfwerfen. Vielleicht aber möchre mancher, dieses lieber von den Keugrii« herleiten, welche in den Schauspielen der Römer, sich mit einem blossem Netze, wider die bewafneten Fechter vertheidigen musten, und deren gröste Kunst, vornehmlich darin bestund, daß sie ihrem Widerpart, das Netz über den Kopf warfen, und ihn darin verwickelten. Zum wenigsten würde diese Ableitung gelehrter klingen. Es sind noch andere Redensarten der deutschen Spra.- che; welche hiemit einigermassen überein kommen, als z. E. Einen hinter das Acht führen. Zhm eine Nase andrehen. Trost. Tröstung. Trostlos. Untröstlich. 99 andrehen. Ein T, für ein U, machen. Etwas weis machen. Bei der Nase herum führen. In die Fichten führen. Etwas aufbinden, u. a. m. Doch solchegehö- ren mehr, unter die Sprüchwörter, undGleichnißrrdlN, als unter die gleichbedeutenden Wörter. 51. Trost. Tröstung. i^>asjenige, was uns wirklich bei einem Unglück auf- —^ richtet, und beruhiget, ist ein Trost. Die Uefa, chen und Gründe, welche man uns zu unserer Beruhigung vorstellet, find Tröstungen. Hebr. iz, ly- heißt eö: Unser Trost ist der, daß wir ein gut Gewrssen haben. Und man sagt oft: Unschul- big seyn, ist ein grosser Trost. Das gute Gewiss», und die Unschuld, ist dasjenige selbst, was uns beruhiget. Ps. 94,19. heißc es: Deine Tröstungen erquickten meine Seele. Und man kann sagen: Bei diesem Unglück, stclleten mir meine Freunde, die kräftigsten Tröstungen vor. Die Tröstungen, sind dasjenige, wodurch man sich die Beruhigung und den Trost zu verschaffen sucht. Man legt auch den Tröstungen, bisweilen die Be- Nennung des Trostes selber bei; Aber es geschiehet uneigentlich, und ist nur eine oder Verwechselung der Wirkung für die Ursache. Ich h.,be ihm guten Trost gegeben. Er will keinen Trost annehmen. 52. Trostlos. Untröstlich. trostlos beziehet sich auf den Trost und die Beruhi- ^ gung in dem Unglück selbst. Untröstlich auf die Tröstungen und Gründe, welche man uuö zu unserer Beruhigung vorhält. Wer IOO Tod. Hintritt. Abschied. Ablcbcn. Absterben. Wer gar keinen Trost hat, der ist trostlos. Bei wein die Tröstungen keine Wirkung rhun, der ist uns tröstlich. Man sagt: Dieser Mensch, ist in seinem Elende ganz trostlos gelassen, das ist, er hat nicht das geringste, womit er sich aufrichten und trrstcn, was ihn einigermassen beruhigen kann. Hingegen: Er ist untröstlich, heißt: Er will keine Tröstungen annehmen: Ob man ihm gleich alle Gründe zu seiner Beruhigung vorstellet, so ist doch seine Traurigkeit so groß, daß diese Gründe, bei ihm keinen Eindruck machen. 5Z. Tod. Hintritt. Abschied. Ableben. Absterben. od ist das allgemeine Wort, welches den Gegensah vom Leben ausdrücket, und wird nicht nur von Men- schen, sondern auch von Thieren, ja von allen Dingen gebraucht, die ein Leben gehabt haben, sogar, daß man von einem verdorrcten Baume sagt: Er ist tod. Die andern Wörter werden nur bloß von dem Menschen gebraucht. Hintritt führet den Begriff eines Ueberganges in ein anderes Leben mit sich, und hat eine Beziehung auf die Religion, welche uns lehret, daß wir nach diesem zeitlichen in ein ewiges Leben eingehen werden. Abschied siehet auf die Verlassung der Welt und aller irdischen Dinge, von welchen wir im Tode uns fchei- den müssen. Ableben zeiget bloß an, daß der Mensch zu leben aufhöre, und Absterben drücket die Hinwegnehmung aus der Zahl der Lebendigen aus, es stehet besonders auf dieienigkn, mit welchen wir in dem Leben Umgang gehabt haben, und denen wir durch den Tod entrissen worden. Der Sterbende, stirbt besonders seinen Freunden ab. Natur. Sterben. Umkommen. Entschlafen. :c. Natürlicher weise, siehet man den Tod, als etwas schreckliches an, aber ein Christ hat bei seinem Hinrrirc den Trost, daß er zu einem besseren ^eben übergehe. Der Abschied ans dieser W^lr, ist nur deswegen betrübt, weil wir alles verlassen müssen, was uns lieb gewesen ist. Und weil wir unseren Freunden entrissen werden, so kann es nicht anders seyn, ihre Tranrigkeit bewegt sie, bxi unserem Absterben Thränen zu vergiessen. Ein Testament wird nur erst vest durch den Tod, und es ist daher unrecht, die Erbschaft eines Menschen, noch vor sei- nein Ableben in Besih zu nehmen. 54, Sterben. Umkommen. Entschlafen. Im Treffen Fallen. Bleiben. Mit Code abgehen. Abgehen. rerben wird von einer jeden; Umkommen nur von einer gewaltsamen Todesart; Entschlafen nur von einem sanften Tode auf dem Bette, gebraucht. > Man sagt: Eines natürlichen, und auch: Eines gewaltsamen Todes sterben- Vor Alter sterben. An ei- ner Krankheit, an einer Wunde sterben. Hungers sterben, u. s. w. Sogar von einem Missethäter, welcher hingerichtet worden, sagt man: Es wahrste lange, ehe er sterben konnte. Nachdem er lange den Händen der Gerechtigkeit entgangen war, muste er endlich am Galgen sterben, oder auf dem Rade sterben. Das Vieh stirbt. Es ist ein Sterben unter den Schafen, unter dem Hornvieh , unter den Pferden. Umkommen, wird nur von einem gewaltsamen oder elenden Tode gebraucht. Im Wasser umkommen. Im Treffen umkommen. Durchö Schwerdt umkommen. Vor Hunger umkommen. Elendiglich umkommen. Das Vieh muß vor Kälte und Hunger umkommen, u.s.f. G z Ent- iO2 Sterben. Umkommen. Entschlafen. Im Treffen Entschlafen, sagt man nur von denen, welche auf dem Bette eines sanften Todes sterben, weil ein solcher Tod etwas ähnliches mit dem Schlafe hat, daher auch die Heiden schon ges'gt haben: Lnmnus ekl czugll mortiz ima^o. Und die Religion lehret uns den Tod, als einen Schlaf betrachten, von welchem wir zu einem unendlich glücksee- ligeu Leben erwachen werden. Man sagt: Er ist in dem HErrn entschlafen, i Thess, 4,14. Gott wird, die da entschlafen sind durch Christum / mit ihm führen. Lallen wird jetzt eigentlich nur von solchen gebraucht, welche in einer Feldschlacht oder in einem Treffen umkom» men. Man sagt: In diesem Treffen, sind bei zweitau- sendMann gefallen: Er fiel in dem Treffen neben mir: Bei dem Angriff der Batterie, fielen zwar einige von unseren Leuten, aber sie würd doch bald erobert, und dergl. In der Bibel, stehet es auch von denen, welche wegen ihrer Versündigung mit dem goldenen Kalbe erschlagen wurden. 2 B. Mos. Z2. v. 28. Und fielen vom Volke dreitausend Mann. Imgleichen von einem plötzlichen Tode. Cap. 19. v. 21. Daß nicht viel aus ihnen fallen. In solcher Bedeutung aber ist es nicht mehr gebräuchlich. Das Wort bleiben hat seinen Ursprung von dem alten Worte leiben, welches für leben gebrauchlich war, und der vorgesetzten Syllbe bc, welche hier so viel als ab oder ocr bedeutet, so daß es eigentlich soviel hciffen würde als ableben, verleben, aushören zu leben. Daß dieses die wahre Etymologie des Wortes sey, erhellet daraus, weil es in den alteren Zeiten überhaupt für sterben gebraucht würd. Beim Ottfried heißt es: Iü I^xaruü bi-. libiiuk«. LazaruS ist geblieben, das ist, gestorben. Und beim Schiller 8^-1 ein meiner dübet, wenn einMeier stirbt. S.Ac>cl.N?örterb. So sagt auch Gellere noch: An einer hitzigen Krankheit bleiben. Unter- Fallen. Bleiben. Mit Tode abgehen. Abgehen. ioz Unterdessen obgleich die Alten das Wort bleiben über. Haupt für sterben genommen haben, so ist es doch jetzr in solcher Bedeutung nicht mehr gewöhnlich. Denn wenn man gleich ein oder das andere Beispiel finden mochte, so macht solches doch noch keinen allgemeinen Gebrauch, und gewöhnlicher Weise bedienet man sich dieses Wortes nur von sochcn, welche in einem Treffen oder Schiffbruche umkommen, da es eine Beziehung auf ein ;urückbleis ben oder nicht wiederkomnnn hat, welchen Begriff die heutige Bedeutung des Vortes bleiben s'gleich darstellet. So sagt man: In dieferSchl..cht sind auf beiden Seiten einige tausend Mann geblieben. Gujrav Adolf blieb in der Schlacht bei Lühen. Bei dem Schiffbruche haben sich noch die meisten gerettet, nur fünf Personen sind geblieben. Man sagt auch von dem Schiffe selbst: Das Schiff ist geblieben, alsdann heißt es so viel, als eö ist verunglücket, untergegangen, und in solcher Bedeutung hat es gewiß eine Beziehung darauf, daß das Schiff zurück bleibet, oder nicht wiederkommt. Wenn Geliert sagt: An einer biyigenArankhcit bleiben, oder wenn jemand sich des Ausdrucks bedienen wollte: egbleibene oder ' Zurückbleibens damit verknüpfen. Man braucht auch bisweilen die Redensart: tIAt Tode abgehen. Vielleicht ist sie von der Schaubühne G 4 h"' II4 Umfallen. Verrecken. hergenommen, und eine Anspielung, auf das Abgehen der Sch auspieler, welche ihre Rolle ausgespielet haben. Sie wird gewöhnlich nurvon einem natürlichen Tode gebraucht, und scheinet zu verstehen zu geben, daß der Mensch gleich, sam seine Rolle auf der Welt ausgespielet, oder dasjenige gethan habe, warum er auf der Welt gewesen, und nun von dem Schauplätze abgehe. Bisweilen braucht man auch dafür nur schlechthin das Wort abgehen, wieCaniy sagt: Geht wo ein Schul-Rcgent in einem Flecken ab, Mein Gott! wie rasen nicht, die Dichter, um sem Grab. Es ist aber dabei dieser Unterschied, daß man das Wort abgehen, mehrentheilS mit einer gewissen Geringfti)ätzung braucht, und es auch wohl von dem Viehe zu sagen pfle« get, z.C. Er hat das Unglück gehabt, daß ihm in diesem Winter viel Schafe abgegangen sind: Die Bauern kla, gen in diesem Dorfe, daß ihnen bei dem Viehsterhen, so viel Stück Rindvieh abgegangen sind, und dergl. Die Redensart Mit Tode abgehen, wird in einem guten Sinn genommen, und ist anstandiger. Man sagt z. B. Sobald der König mir Tode abgegangen rvar; An dem Tage, da er mir Tode abging: Seine beide Eltern, sind sehr frühzeitig nntTo.de abgegangen, und dergleichen, - 55. Umfallen. Verrecken. cide diese Wörter, werden nur von dem Sterben deß Viehes gebraucht, und zwar das erste, gewöhnlich nur von dem grossen Vieh. Man sagt: Das Pferd ist lMlgefallen. In diesem Dorfe, sind zwanzig Stück Rindvieh ningcf.i llen. Hingegen wird man nicht sagen: Es ist ihm der beste Jagdhund umgefallen, oder: Seine Katze ist umgefallen, sondern man braucht alsdann das Mohr. Maur. oder Mauritam'cr. 105 allgemeine Wort sterben, oder das letztere verrecken. D'r Hund ist gestorben, oder verrecker. Die Katze ist gestorben, oder verrecket. Dieses letztere wird sowol vom grossen als kleinen Vieh gebraucht. Man sagt: Das Pferd, der Ochse, das Schis ist verrecket, aber es wird allemal in einem groben und verächtlichen Verstands genommen. Einige sagen auch wol: Es sind so viel Stück Schafe Umgefallen : Allein es ist doch gewöhnlicher und besser, zu sagen: Die Schafe sind gestorben. 56. Mohr. Maur, oder Mauriranier. L^ch würde diese Wörter, nicht unter die gleichbedeutend den anführen, wenn sie nicht von vielen Schriftstellern, mit einander verwechselt würden. Ein Mobv, ist so viel, als ^rliivxz. iLinMaur heißt, !vlsunt!iuu« oder ^^uiu-i, ein^auriranier. Das erste drücket zugleich die schwarze Farbe, das andere, bloß das Vaterland eines Menschen aus. Es ist daher unrecht, daß einige Schriftsteller sagen: Die N?ol)rcn sind aus Spanien vertrieben worden, da eö doch eigentlich heissen .sollte: Die Mauren, oder die Mauriranicr. Anmerk Frisch meinet, das Wort Mohr komme von Ksmi» rus, und dieses von dem griechischen^--^-- her, welches finster oder schwär;, bedeutet. Allein ich finde zwar, daß das Wort ^«vLi-x oder «,«--^<>c, finster oder dunkel, nicht aber, daß es schrvar; bedeutet. Das erste kann von den Mauritanicrn gesagt werden, welche eine dunkle Farbe haben, nicht aber das letztere. Da wir jetzo in unserer Sprache, durch dos Wort Mohr einen Schwarzen verstehen, so ist es billig, daß wir die Einwohner Mauritaniens, zum Unterschied, Mauren oder Mauritanier, pnd nicht Mohren nennen, 57. Vor. Vorne. as Wort vc)r bemerket die erste Zeit, oder den ersten E>rr. Von dsr Zeit sagt man: Er ist schon vor G 5 mir IO6 Vor. Vorne. Es gehet die Sage. Die Rede. :c. mir da gewesen, und von dem d>rrc: Er stand vor mir in der Kirche. Das Wort vorne zeiget das crsie oder vorderste Theil eines Dinges an. Die Mauerbrecher der Alten, waren vorne mit Eisen bclchlageu. Vor ist ein Dorrvorr, (?i^olitio) und hat zum Gegensatz nach in Absicht auf die Zeit, und hinter in Absicht auf den E>rr. Wir haben den Alten, welche vor ^ uns gelebet haben, viel nützliche Erfindungen zu danken, und wer weis, ob diejenigen, welche nach uns kommen, dergleichen von uns werden sagen können. Er nahm das Buch, welches vor ihm lag, und warf es hinter sich zurück. Vorne ist ein Nebenwort, (^verbium) und hat zum Gegensatz, hinten. Dieses Haus, ist vorne neu gebauet, aber hinten ist es noch sehr altvaterisch. Man führetc mich vorne herein, und Hinren wieder heraus. Von hinten war mir dieser Mensch unbekannt, sobald ich ihn aber von vorne sahe, kannte ich ihn gleich. 58. Es gehet die Sage. Die Rede. Das Geschrei. iese Redensarten, drücken die mündliche Fortpflanzung' einer Zeitung oder Begebenheit ans, und obgleich die Sache, welche erzehlet wird, wahr oder falsch seyn kann, so zeigen sie doch zugleich an, daß man keinen sicheren Grund habe, ihr Glauben zu geben. Die erste, wird sowol von alten, als neuen Begebenheiten gebraucht. Es ist eine alte Sage, daß auf dem Blocksberge die Hexen zusammen kommen. Die gemeine Sage gehet unter den ieuten herum, daß der Herr N» keines natürlichen Todes gestorben sey, u. s. w. As gebt die Rede, sagt man nur von neuen Begebenheiten, welche erst kürzlich geschehen seyn sollen, oder in kurzen geschehen werden. As geht die Rede, daß der Schmecken. Kosten. 107 der Kaiser todt sey. tLs geht die Rede, daß in einem benachbarten Reiche, eine große Veränderung in der Regierung vorgefallen sey. LLs geht die Rede, daß ein besonderer Reichstag soll gehalten werden, und dergl. As geher das Geschrei, bedeutet noch eine» stär- keren Ruf von einer geschehenen Sache, und wird nur in einem böse» Sinn genommen. Es geht das Geschrei, in der ganzen Stadt, dieser junge Mensch, habe seinen Vater ermordet. Obgleich die Redensarten: 4Ls geht die Rede, oder das Geschrei, bisweilen in der vergangenen Ait gesetzt, und von längst geschehenen Dingen gebraucht werden; Z.E. Unter den Jüngern Christi, ist eine geraume Zeit, die Rede gegangen, daß Johannes nicht sterben würde; So ist doch allemal eine Absicht aus das gegenwärtige dabei: Die Rede ist gegangen, zu der Zeit, da Johannes noch unter den Jüngern gegenwärtig war. 59. Schmc^en. Rosten. ach dem allgemeinen Begriff, worin diese Wörter mit einander überein kommen, drücken sie die Empfindung aus, welche bei dem Essen und Trinken, durch den Sinn des Geschmacks verursachet wird. Nach dem besonderen Begriff, wodurch sich das eine von dem andern unterscheidet, zeiget Schmecken, überhaupt diejenige Empfindung an, welche das Esten oder Trinken einer Sache bei uns erwecket. Kosten hingegen, heißt, nur etwas weniges von einer Sache tn den Mund nehmen, oder gemessen, um zu versuchen, wie sie schmecket. Man sagt; Das Gerüchte hat mir gut geschmecket. Der Wein schmecket gut. Ich schmecke, daß es süß, oder daß es sauer, oder daß es bitter ist. Es schinecket nacb Bollen, nach Rosenwasser, nach Pfeffer, und dergl. Ich habe den Wein gekostet, heißt, ich habe nur etwas weniges getrunken, zu erfahren, wie er schmecket, ob er gut sey. Der IO8 Sanft. Sachte. Leise. Gemach. Der Koch kostet die Speisen. Er nimmt nur et- was weniges davon in den Mund, und versucht, wie sie schmecken. Uneigentlich sagt man: Dem Kinde die Ruthe zu kosten geben. Das Pferd die Sporen kosten lassen. dVacktcr bemerket, daß die Alten, dasWort kosten, auch für versuchen gebraucht haben. Er führet aus der Angelsächsischen Bibelübersetzung die Stelle an, Marc-1. v. iz. ^nci Iie xv(!8 j'rsm 8-tgne ZeLvlmcxl, Und er ward vom Satan versucht: Jmgleichen ans dem Gebete des Herrn: ^'i Zileitelt unli in Lv^unZa, Und führe uns nicht in Versuchung. Jetzt wird kosten nicht mehr eigentlich in solchem Verstände genommen. In den Redensarten: Dem Kinde die Ruthe zu kosten geben: Das Pferd die Sporen kosten lassen, stehet es aber noch ebenfalls für versuchen. Man könnte auch sagen: Dem Kinde die Ruthe zu versuchen geben. Es hat schon versucht, daß die Ruthe wehe thut: Dem Pferde die Sporen zu versuchen geben. Und man braucht das Wort versuchen auch für kosten: Versuchen , wie eine Sache schinecket. S. Lrischens N>ör- terb. beim Worte versuchen. An einigen Orten, wird schinecken auch für riechen gebraucht, und bei den Alten war es fehr gewöhnlich, wie Frisch mit verschiedenen Bejfpielen zeiget. So stehet es auch im Theuerdank, Thewrdank ward desFewerö bald gewar, Er schmeckt den Rauch von Stunden an. Theuerd. ?z Cap. 60. Sanft. Sachte. Leise. Gemach. Gemächlich. Tangsam. /F!anft beziehet sich auf das Gefühl. Sachte und Heise auf das Gehör und auf den Ton. Gemach auf Gemächlich. Langsam. 109 auf die Bewegung. Gemächlich auf die Mühe und Beschwerlichkeit. Langsam auf die Geschwindigkeit und ist der Gegensatz davon. Man streichelt einem sanfte die Backen. Ein weiches Fell fühlet sich sanfte an. Eine sinfte Luft, nennet man eine solche, welche nicht rauh, sondern dem Gefühl angenehm ist. Man sagt jemanden etwas sachte oder leise ins Ohr, wenn es kein anderer hören foll. Man spricht sachte oder leise, wenn man keine starke Stimme, und eine schwache Brust hat. Man gehet sachte oder leise, wenn man nur auf die Zehen tritt, um kein Geräusch zu machen. Man arbeitet gemach, wenn man sich nicht übereilet, noch sich heftig dabei beweget. Man arbeitet gemächlich oder mit Gemächlichkeit, wenn man nicht mehr thut, als man ohne alle Beschwerlichkeit und Mühe thun kann, und die Arbeit liegen laßt, sobald sie uns sauer wird, oder man keine Lust mehr dazu hat. Ein gemächlicher Mensch, ist ein Menfch, welcher sich keine Mühe machen will, und alles, was ihm eine Befchwerlichkeit verursachet, sorgfaltig meidet. Man arbeitet langsam mit der Hand, wenn man bei jeglicher Bewegung derselben gleichsam ruhet. Man arbeitet langsam mit dem Kopfe, wenn man eine Sache nickt leicht einsehen kann, fondern erst lange darüber nachdenken muß. Mail redet langsam, wenn man die Wörter eins nach dem andern deutlich auöspricht. Zu langsam, wenn man sie ziehet, oder gar zu lange zwischen jeglichem anhält. Man gehet langsam, wenn man keine- geschwinde Schritte Macht, sondern sich gleichsam bei jeglicher Bewegung des Fusses etwas aufhalt. Es ist also unrecht gesprochen, wenn man zu jemanden, der gar zu geschwinde redet, oder liefet, sagt: Rede sachte. Lies sachre. Oder zu jemanden, der gar zu geschwinde gehet: Gehe na Aussuchen. Auslesen. Wahlen. Erwählen. Gehe sachte. Hier kann nur das Wort Langsam gebraucht werden. 6t. Aussuchen. Auslesen. Wahlen. Erwählen. Erlesen. Riesen. Rühren. >, dem allgemeinen Begriff, worin alle diese Wörter übercin kommen, zeigen sie die Bemühung eines Menschen an, welcher aus mehreren Dingen, eins oder einige heraus nimmt, so ihm zu seinem Zweck die besten zu seyn scheinen. Allein jegliches enthalt zugleich, noch einen besonderen Begriff, wodurch es sich von den andern unterscheidet. DaS Stammwort, Suchen, zeiget schon die Bemühung an, eine verborgene Sache zu entdecken. Lesen hingegen drücket keine solche Bemühung aus. Wer etwas auflieser, oder zusammen lieser, hat nicht nöthig mit vieler Mühe zu suchen, sondern darf nur nehmen, was vor ihm lieget. An einigen Oertern gehen die Armen aus das Feld, Gerste oder Erbsen zu lesen. Das ist, sie lesen auf, was bei dem Einsahren dieser Früchte entfallen, oder liegen geblieben ist, ohne einen Unterschied zu machen. So siehet B-Ruth 2, z. Sie läse auf, den Schnittern nach, auf dem Felde. Aussuchen ist also mit mehrerer Sorgfalt und Mühe verknüpft, als auslösen. Ein Mensch, welcher unter verschiedenen Sachen aussuchet, mnß sie genau mit einander vergleichen, und auf ihre Eigenschaften Acht haben, ehe er sich bestimmet, die eine daraus zu nehmen. Wer auslieset, kann durch einige gleich in die Augen fallende Vorzüge bestimmet werden. Man sagt: Ein König muß seine Bedienten wohl aussuchen, damit er ihrer Treue versichert sey, weil dazu viel Sorgfalt und Ueberlegung er- fodert wird. Hingegen kann man sagen: Der Feldherr hat Erlesen. Kiesel,. Kühren. m hat aus jeder Rotte, zehen Mann ausgelescn, weil nur gewisse, gleich in die Augen fallende Eigenschaften, ihn bewogen haben, diese zu nehmen. Wenn man aussuchet oder auslieset, so siehet man auf gewisse vorzügliche Eigenschaften, welche man an ei- ner Sache vor der andern wahrnimmt: Sind abxr der- gleichen vorzügliche Eigenschaften nicht da, so braucht man das Wort wählen. Unter zwei oder drei neu gcschlage. nen Schaustücken, von demsilben Gepräge, kann man nicht aussuchen oder auslosen, denn sie find einander gleich, aber eö kann uns überlassen werden, eins davon zu wählen. Aussuchen und auslosen, geschiehet unter Dim?en von einerlei Gattung; Aber wählen kann auch bei ganz verschiedenen Dingen geschehen. Z. E. Ein Vater hin. terlaßt zween Söhnen, ein Haus von zehntausend Thaler an Werth, und eben so viel an baarem Gelde, wobei er im Testamente verordnet: Es solle bei dem ältesten stehen, zu wählen, ob er das Haus oder das Geld haben wolle. Hier kann man nicht sagen, der älteste soll aussuchen, oder auslosen, sondern man muß nothwendig das Wort XVählen brauchen. N)ählen wird auch bei gewissen Würden und Aem. tern gebraucht. Die Churfürsten wählen den Kaiser. Das Stift wählet den Probst. Die Gemeine wahlec den Prediger. Ein Zahlreich ist ein solches Reich, welches das Recht hat, sich einen König zu wählen. Erwählen und erlesen setzen mehrentheils noch einen anderen Begriff hinzu, welcher eine besondere Beziehung auf denjenigen hat, für welchen man etwas erliefet oder erwählet. Jemand zum Freund erlesen: Sich eine Person zur Braut erlesen: Jemand zum Anführer erwählen: Die Gemeine hat diesen Mann zum Prediger: Der Rath hat ihn zum Burgemeister erwählet: Ich habe dieses für meine Braut erlesen, und bergt. Alle diese Leib. Kölper. diese Redensarten, haben eine besondere Beziehung auf diejenigen, zu deren Besten oder Vortheil etwas erlesen oder erwählet wird. Wenn man sagt: Die Kuhrfür« sten wählen den Kaiser, so zeiget man nur an, daß sie aus mehreren einen herausnehmen, welchen sie zum Kaiser machen. Hingegen die Kuhrfürsten erwählen den Kaiser, hat eine Beziehung darauf, daß sie ihn für sich, oder für das ^eich wählen und zum Kaiser machen. Die beiden ver.'.lteten Wörter, Auren oder Ixören, und Zxiescn gehören auch hierher. Von dem ersten ist nur noch bloß die vergangene Zeit, erkoren, und das Mittelwort, ein Auoerkorner, gebräuchlich, es bedeutet so viel, als erwähle». Das andere möchte man wol in neueren Schriftstellern gar nicht mehr finden. Es kommt in feiner Bedeutung mit aussuchen überein. Im Plattdeutschen hat man noch das Wort Riessät-- tig, oder Ixiesfräßig, welches von dsm Vieh gebraucht wird, so das Futter nicht rein weg fristet, sondern lange darin wühlet, um das beste herauszusuchen. Wachter halt die beiden Wörter küren und kiesen, für einerlei, ^oilera ntgii, sagt er, m'xit/ttl>M, libiio, m iTjZe aliüZ, caiiingin mut-ito. Lecl Ixieseii vetulliu« eil, <5c sb illo orti lunt relic^i liAiiin'caUiz. Er zeiget, daß es in der ersten und ältesten Bedeutung, für schmecken, Zuüsre, gebraucht worden, und hernach habe man es auch für cle- liberale, examiuars, eli^ere genommen, j)er li^nslatio. nein, c^uig meu!> clum cleliberst, examinat, eliZit, vi- cletur AullarL iciemc^ue ^scere c^nncl Auttu5. 62. Leib. Rörper. /Eigentlich braucht man das Wort Leib, nur von leben- ^ digen, und Zxorper, von leblosen Geschöpfen. Man sagt: Der Leib des Menschen. Der Rörper der Sonne. So auch von Thieren: Dieser Ochse hat einen starken Leib, er ist gut bei Leibe. Hingegen der Stein ist ein Leichnam. Leichc. Rumpf. tiz em.vestrr, das Wachs ein weicher/ das Wasser ein stößiger Rörper. Uneigentlich sagt man auch von einem Menschen: Er pfleget seinen Zxörper, aber ee ist nur im Scherz, man beschuldiget ihn damit gleichsam einer gewissen Trägheit daß er gar zu sehr die Ruhe liebe> und jxist wie ein blosser Aörper ohne Bewegung sey. Bisweilen braucht man auch das Wort Zv5rper, in einem sehr weitlauftigen Sinn, und verstehet dadurch ulleö) was eine Ausdehnung hat, und dann kann man lebendige und leblose Aorper unterscheiden. In der Zergliederungskunst, nennet man mich einen Leichnam einen Körper. Man sagt: Einen Aörper zergliederm 6z. Leichnam. Teiche. Rumpf. ^>ie Wörter Leichnam und Leiche, werden oft eins für das andere gebraucht. Frisch selber halt beides für einerlei, denn er schreibt in seinem Wörterbuch?: ^.Leichnam ist im feinen Reden so viel als Leiche.,; (Siehe Frisch Wörterb. i Th. auf der 601 Seite.) Allein mich dünkt dem jetzigen Gebrauch nach, werde wirtlich einiger Unterschied dazwischen beobachtet. Man nennet nemlich einen Leichnam, den todten Leib eines Menschen, es sey nun, daß er erst kürzlich, oder schon lange verstorben sey. Leiche hingegen bedeutet einen Todten, welcher erst kürzlich gestorben ist, oder auch> welcher noch auf der Baare liegt. Man sagt: Es ist ein Leichnam ausgegraben worden, welcher schon halb verweset war. Hingegen: Es ist eine Leiche in diesem Hause, verstehet sich nur, von einem Todten, welcher erst vor kurzen gestorben ist. Von einer ägyptischen Mumie, kann man wol sagen: Es ist der Leichnam eines ehemaligen Königes, nicht aber: Es ist die Leiche eines Königes von Aegnpten. Man sagt: Das Sroschl-Th. H Schlacht- i ii4 Leichnam. Leiche. Rumpf. Schlachtfeld lag voller Leichen, es war mit Leichen bedeckt; Aber ich glaube nicht, daß man sagen werde: Als die Erschlagenen schon drei Wochen begraben waren, fand man noch in einem Gesträuche eine halb verwesete Leiche, sondern man wird in diesem Falle sich lieber des Wortes Leichnam bedienen: Man fand einen halb verwefcten Leichnam. LeichcndeIanrsniß, nennet man die Gebrauche, welche bei der Beerdigung eines Todten beobachtet werden. L.eichenbegleirer, diejenigen, welche der Leiche folgen, u. s. w. Das Wort Leichnam, ist in erhabenen Reden ge. brauchlicher, wie Frisch schon anzuzeigen scheiner. Man wird in erhabenen Reden lieber sagen: Der erblaßte Leichnam, als die erblaßte Leiche. Sein Leichnam wu'. o mitvie. lem Gepränge zur Gruft bestattet. Als AntoniuS dem Cäsar die Leichenrede hielt, suchte er das Volk zu Rom, besonders dadurch wider seine Mörder aufzubringen, daß er demselben, feinen blutigen Rock, und die vielen Wunden an dem Leichnamme zeigete. Bei den Alten wurden beide Worter, nicht nur von einem verstorbenen, fondern auch von dem lebendigen Leibe eines Menschen gesaget, wie Wachter im Glossar, zeiget. Und in der Niederdeutschen Bibel, heißt die Schriftstelle Luc. i. v. 4?. Ghebenediet systu bawen alle Vrouwen, unde ghebenediet is de vrucht dyues Lychammcs, und v. 44. Sü do de Stemme dynesGruteö in myne oren quam, do vervrouwede jyck dat Kynb in mynen Lychamme. In einigen theologischen Schriften, wird man auch jetzt noch die Redensart finden: Unser sterblicherLeich- nam. Und es könnte feyn, daß dieser alte Gebrauch de« Wortes Leichnam für Leib, in einigen Provinzen noch Statt findet. Rumpf) bedeutet einen verstümmelten Leichnam, dessen Kopf, oder auch Arme und Beine abgehauen sind. 64. Spra- Sprache. Rede. 175 64. Sprache. Rede. aS ein ganzes Volk redet, ist die Sprache desselben. Wenn man gewiß« Wörter einer Sprache zusam- men setzet, und dadurch andern seine Gedanken zu verste- hen giebt, so macht solches die Hede aus. Die Sprache bestehet eigentlich in den Thonen, wcl. che man mit dem Munde hervorbringet, und welche gewisse Sachen bedeuten. Die Rede bestehet darum, daß man durch die Verbindung virler Wörter, einen vernünf- tigen Sinn heraus bringe, und dadurch andern, den Zusammenhang seiner Gedanken bekannt mache. Die deutsche, die polnische, die französische Sprache, sind diejenigen Thöne oder Wörter, deren sich die Deut» schen, die Polen, die Franzosen, als Zeichen ihrer Gedanken bedienen. Eine deutsche, eine polnische, eine frauzö. sische Rede, ist die Verbindung vieler solchen Wörter, in einer gewissen Ordnung, worin dieselben demjenigen, welcher die Sprache verstehet, einen deutlichen Sinn geben. Eine Sprache ist lieblich, wenn sie viel sanfte Thöne hat, welche auf ein? angenehme Weise, in die Ohren fallen. Eine Rede ist lieblich, wenn dadurch das Ge- müth und das Herz, auf eine angenehme Weise gcrühret wird. Eine Sprache, welche der einen Völkerschaft lieblich ist, kann der andern hart vorkommen; Aber eine Rede, kann in allen Sprachen lieblich seyn. Col.4, 6. Eure Rede sey allezeit lieblich. Die Sprache ist ihm vergangen: Er hat die Spra- che verlohren, heißt so viel: Er hat das Vermögen ver- lohien, diejenigen Thöne hervorzubringen, durch welche man die Sachen auszudrücken pflegt. Er ist in der Rede stehen geblieben, heißt: Er hat sich auf dasjenige nicht besinnen können, was er sagen wollte. Er hat seine Sprache, oder seine Muttersprache vergessen, heißt: Er hat die Wörter vergessen, welche in seiner Sprache H 2 die n6 Sprechen. Reden. die Dings bedeuten. Er hat seine Rede vergessen, heißt 5 Er h^c den ganzen Zusammenhang, und die Verbindung desjemgen vergessen, was er zu sagen, sich hatte vorgenommen. Beeilen werden diese Wörter, auch in einer unei- gemlichen Bedeutung genommen, al6Sprache für,Bekenntniß. Er will mit der Sprache nicht heraus, das ist, er will nicht bekennen. Rede für Gerücht. Es ge- her die Rc?dc. Es gehen schlimme Reden von ihm« Eine Rede aussprechen, und dergleichen» 65. Sprechen. Reden. prechen gehet mehr auf die Hervorbringung derjenigen Thone, welche in einerSprache gewisse Sachen bedeuten, oder auf die Aussprache der Wörter: Reden hingegen, mehr auf die Zufammenfehung vieler Wörter/ weiche einen verständlichen Sinn geben, und unsere Gedanken ausdrücken» Das Kind lernet sprechen, würde also eigentlich so viel heissen, es sänget an die Thone hervorzubringen, und die Wörter auszusprechen. Es lernet reden, würde so viel saa,en, es fanget an, durch Verbindung der Wörter, seine Gedanken auszudrücken. Unterdessen da beides ge- meiniglich mit einander verknüpft ist, so geschiehet es öfters, daß dies-Wörter mit einander verwechselt, und eins für das andere gebraucht werden. Man sagt z. E. Ich habe mit ihm von der Sache gesprochen, und auch: ^ch habe mit ihm davon geredet. Er läßt mit sich sprechen , und auch: Er laßt mit sich reden. Er spricht gut französisch, und auch: Er redet gut französisch. Der Vogel hat sprechen gclernet, und auch: Er hat reden gelernet, Wiewol in den mehresten von diefen Redensarten, das Wort sprechen, dennoch eigentlich, mehr auf die Hcrvorbringnng der Thöne, reden, mehr auf die ordentliche und geschickte Zusammensetzung der Wörter ge- h-t, Freude. Frdlichkcit. Lüstigkeir. Freudig. :c. 117 het, fo daß ein vernünftiger Sinn daraus entstehet. Er spricht gut französisch, würde so viel siigen dißjelnand den rechten Thon in diestr Sprache fasset, und eine gure Aussprache hat. Er redet gut französisch, würde noch diese- anzeigen, daß er auch die Wörter i» ihrer gehörigen Ordnung, lind nach den Regeln der Sprache v-rbuidct. Wenn man sagt: Der Voacl hat sprechen gelernet, so würde man nur anzeigen, daß er einige Wörter ausspricht. Wenn man sagt: Er hat reden gelernet, würde es so viel heissen, er könne auch mehrere Wörter zusammensetzen, und ganze Redensarten hersagen, welche einen verständlichen Sinn geben. Die Redensart: Ich habe mit ihm von der Sache gesprochen, würde, der eigentlichen Bedeutung nach, unrecht seyn. Man würde besser thun, wenn man in diesem Fall allemal sagte: Ich habe mir ihn: davon gereder. Woserne man nicht, diese sowol, als einige andere; Z. E. Ich wollte ihn nur auf einen Augenblick sprechen; Kann ich ihn nicht zusprechen bekommen? und dergleichen; mit einer rhetorischen Figur entfthuldigen, und sagen wollte: Es sey eine Verkleinerung, da man weniger sagt als man verstehet, oder als man wirklich sagen will. (k-1eiol!i!, cum iuinu5 cÜL!tui> -nimn ilNciÜAttur.) Man will zwar wirklich mit dein andern, von einer Sache reden, aber man brauchtdasWort sprechen, umesgerin- ger vorzustellen, als ob unsere Rede, eben keine sonderliche Aufmerksamkeit von dem andern erfodern, und er dabei, nicht vielmehr werde zu thun haben, als wenn er nur bloß die Thone einiger Worte hörete. 66. Freude. Frölichkeit. Lustigkeit. Freudig. Frölich. Lustig. H^ie Freude ist ein Vergnügen, welches man empsin» det über den Genuß eines gegenwärtigen, oder auch in der Erwartung eines zukünftigen Guten, welches man Hz sich 1-8 Geben. Mittheilen. Schenken. sich gleichsam als gegenwärtig vorstellet, und bestehet also in einer angenehmen Empfindung der Seele. DieFrö- lichkcic ist eine solche Freude, welche sich äusserlich durch gewisse Handlungen und Gebehrden zu erkennen giebt. Die Lustigkeit hat ihren Sitz in dem Gemüthe, sie macht, daß ein Mensch niemals lange traurigen Gedanken nachhanget, sondern nur immer Vergnügen sucht. Die Freude kann sich bisweilen verbergen. Die Frölichkeir läßt sich allemal sehen. Die Lustigkeit ist bestandiger, und erweckt andere zum Vergnügen. Ein Mensch hat Freuds, wenn ihm ein besonderes Glück begegnet. Er ist frölicd, wenn er seine innerliche Freude zugleich äusserlich an den Tag leget. Lustig, vermöge seiner Gemüthsbeschaffenheit, die nur immer Vergnügen suchet. Man nennet einen lustige» Ort, denjenigen, dessen Annehmlichkeiten zum Vergnügen reizen. 67. Geben. Mittheilen. Schenken. Verehren. Bescheren. it allen diesen Wörtern drücken wir die Übertragung einer Sache, welche uns zugehört hat, an einen andern aus. Geben ist das allgemeine Wort, welches weiter nichts, als diesen Begriff in sich fasset. Mittheilen ist eingeschränkter, es wird nur in Absicht auf solche Personen gebraucht, welche geringer al6 wir, und einer Sache benöthiget sind, deren wir entbehren können. Schenken heißt, jemanden etwas geben, welches er eigentlich nicht verdienet hat, wodurch wir ihn aber aufmuntern, oder uns verbindlich machen wollen. Bescheren heißt so viel, als Schenken oder Mits theilen. Es kommt von dem alten Worte Scheren her, Verehren. Bescheren. 119 her, welches theilen bedeutet, wird aber jeHo gemeiniglich nur von Gott gesagt, und ist besonders denen Wohlthaten gewidmet, welche uns die göttliche Vorsehung zufließen laßt. Geben wird ganz allgemein, fast von allen Dingen gebraucht, welche wir einem andern zukommen lassen. Wir geben den Zoll und den Schoiz an die Obrigkeit. Wir geben den Armen. Wir geben unseren Bedien, ten ihren lohn. Wir geben unseren Kindern, was sie nöthig haben« Mittheilen ist viel eingeschränkter. Nur den Armen, und denen, die unseres UeberflusscS benöthiget sind, können wir mittheilen. Schenken können wir höheren als wir sind, oder unseres gleichen, oder auch germgeren. Man schenket bisweilen eine Seltenheit, in das Cabinet eines Vornehmeren. Man schenket jemand von seines Gleichen, eine Sache, welche ihm angenehm ist. Man schenket auch geringeren eine Sache, welche sie brau- chen können, und die uns eben nicht nöthig ist, und der- gleichen. Bisweilen ist das Geschenk, eine ausserordentliche Belohnung geleisteter Dienste, bisweilen soll es nur eine Aufmunterung seyn, bisweilen wollen wir uns dadurch jemand verbindlich machen, bisweilen schenken wir etwas zum Andenken, wobei man sich unserer erinnern soll. Ost ist das Geschenk mit einer gewissen Ehre verknüpft. Ein Lehrer schenket einem fleißigen Schüler ein Buch, welches ihm nicht nur zur Aufmunterung dienet, sondern ihm auch bei seinen Mitschülern Ehre macht. Und bei vielen Gelegenheiten, ist das Geschenk eines Grossen , dem Geringeren eine Ehre. Daher kommt es, daß die gemeinen Leute, anstatt des Worts schenken, ge- nieiniglich das W»rt verehren, zu gebrauchen pflegen. Er hat mir das verehret. Sonst ist das Wort verch- H 4 ren, i2s Geben. Mittheilen. Schenken, w. rcn, ziemlicher massen aus dem Gebrauch gekommen^ und wird wol selten bei den neueren Schriftstellern angetroffen. Gegenseitige beschenke unter Personen verschiede« neö Geschlechts werden oft, als eine Art von Verbindung, zwischen ihnen angesehen. Es ist nicht allem >l die Freigebigkeit, welche jemanden bewegt, etwas zu stedcn, mitzutheilen, oder zu schenken. Oft thut man es nur, weil man darinn eine gewisse Ehre sucht: Oft geschiehet es auch aus Eigennutz, weil man hoffet, etwas anders dafür zu bekommen. Bescheren hat, dem jetzigen Gebrauch nach, alle, mal eine Beziehung auf Gott, oder das Glück. Man k.'.im nicht von einem Menschen sagen: Er hat mir das bescheret. Aber man sagt: Gott bescheret alles Gute. Diesen Seegen hat mir Gott bescheret. Gott hat mir in diesen gefahrlichen Unistanden Gesundheit und Kräfte bescheret. Von unglücklichen und bösen Dingen, kann man nicht sagen: Sie sind von Gott bescheret. Man braucht alsdann das Wort zuschicken» Sie sind von Gott zugeschicket, oder verhanget. Man sagt auch wol: Das hat mir mein guter Stern, mein gutes Glück bescheret. Das Wort bescheren, hat seinen Ursprung, von dem alten Worte scheren, welches theilen hieß, und kommt,also in seiner eigentlichen Bedeutung, mit dem heutigen ertheilen überein. Unterdessen ist der Gebrauch desselben, da es nur von Gott gesigt wird, oder von solchen Dingen, welche uns ohne unsere Bemühung, durch einen Zufall, oder ein Glück zu Theile werden schon sehr alt. 'Ni der Bibel kommt cS zu verschiedenen Malen vor. Z. B. Sprüchw. zi, v. 10. Wem ein tugcndfam W ib bescheret ist, die ist viel edler, denn köstliche Perlen, i B. Mof. 51, v. n. Gott hat mirs bescheret. Syr. Zi, v. 12. Gib dem Höchsten, nachdem er dir bes scheret hat, u.a.m. L-,l>l> Ewig. Immerwähr. Beständig. Dauerhaft. 121 Frisch bemerket, daß man es vor Alters, auch des scharen geschrieben hat, und führet aus dem Tschudi an: Kaiser SigismunduS sagt: Der Herren Gaben, sind nicht allezeit denen, die sie verdienen, sondern denen, die sie bescharet sind. C'bcndas. Das war dir nicht descharet. Hiemit gab der König zu verstan, daß aller Anfall des zeitlichen Guts, an der Aeschas rung liegt. 68. Gwig. Immerwährend. Bestandig. Dauerhaft. L^n dem eigentlichsten und strengsten Verstände, nennet man ewig dasjenige, was weder Ansang noch Ende hat, und in solchem Verstände kann dieses Wort allein von der Gottheit gebraucht werden. Der ewige Gott, ist der Gott, welcher ohne Anfang von Ewigkeit her ist, und derselbe ohne Ende in Ewigkeit bleiben wird. In einem andern Verstände nennen wir ervig, dasjenige, was zwar einen Anfang hat, aber doch niemals ein Ende nimmt. So sagen wir: Die Frommen werden ewig leben in dem Himmel. Und noch in einem andern Verstände, nennen wir dasjenige ewig, dessen Wahrung sich auf eine sehr lange Zeit erstrecket. So wird dieses Wort auch verschiedent- lich in der Bibel gebraucht. Z. E. 1 B. Mos. 17, 8. Eine ewige Besitzung. Ebendas. v. 19. Ein ewiger Bund, 5 B. Mos. 15, 17. Ein ewiger Knecht. Und nur in dieser letzten Bedeutung, kommt es in gewissen Redensarten, mit immerwährend, beständig und dauerhaft überein. Man sagt zum Exempel: Eine ewige Freundschaft. Eine immerwährende Freundschaft. Eine beständige Freundschaft. Eine dauerhafte Freundschaft. Aber das Wort Immerwährend, beziehet sich bloß auf die Zeit; Beständig, auf das Daseyn oder H 5 Beste- 122 Ewig. Immerwahr. Beständig. Dauerhaft. Bestehen; Dauerhaft, auf das Vermögen, oder die Beschaffenheit einer Sache, welche sie hat lange zu bestehen; LAvig, scheinet alles, sowol die Mährung der Zeit, als auch das wirkliche Daseyn, und die Beschaf. fenheit der Sache mit einander zu verknüpfen. Wie Gott seiner Natur nach, fo beschaffen ist, daß er ohne Anfang und ohne Ende seyn muß. Wie die Frommen im Himmel, ihrer Natur nach, so beschaffen sind, daß sie ewig leben können, so führet das Wort crvig, anch alsdann, wann es nur eine lange Zeitbe- deutet, doch den Begriff einer so chen Beschaffenheit mit sich, welche der Grund und die Ursach, dieser langen Wahrung ist. Wenn man sagt: Ich verspreche, oder gelobe dir eine immerwährende Freundschaft, so beziehet sich dieses, nur auf die Zeit oder Währung. Es will fo viel sagen: Diese Freundschaft soll zu keiner Zeit aufhören. Ich verspreche dir eine beständige Freundschaft, beziehet sich auf das wirkliche Daseyn oder Bestehen derselben, es heißt, unsere Freundschaft foll allezeit bleiben und fortgesetzet werden. Ich verspreche dir eine dauerhafte Freundschaft, beziehet sich auf die Natur der Freundschaft selbst, die an sich so beschaffen seyn soll, daß sie lange wahren kann. Es heißt, unsere Freundschaft soll eine veste und starke Freundschaft seyn, welche wider alles aushalt, wodurch sie konnte vernichtet oder unterbrochen werden. Ich verspreche dir eine ervige Freundschaft, begreift alles in sich, es heißt, unsere Freundschaft soll ihrer Natur nach so veste und dauerhaft seyn, daß sie beständig bleiben, und zu keiner Zeit aufhören könne. Ein immerwährender Bund, drücket die Unauf? hörlichkeit aus. Ein beständiger Bund, das Daseyn oder Bestehen. Ein dauerhafter Bund, dieBeschaf- senheit desselben. Ein crvigcr Bund, fasset alles zu. sainmen Rauch. Dampf. Dusi. Dunst. :c. 12z sammen in sich, es heißt: Unser Bund, soll nicht nur niemals aufhören, und beständig stehen bleiben, sondern auch seiner Natur nach, so dauerhaft seyn, daß er niemals verändert werden könne. 69. Rauch. Dampf. Duft. Dunst. Ausdünstung. (Qualm. t^er Rauch entstehet von Sachen, welche verbrannt ^ werden. Dlr Dampf, von Kohlen oder Hitze, Der Duft von Rauchwerk oder Blumen. Dunst oder Dünste, kommen aus der Erde oder fiüßigen Sachen. Ausdünstungen aus allen Körpern. (Qualm ist ein grosser und dicker Rauch oder Dampf. So sagt man: Als die Stadt brannte, sahe ich den Rauch aufsteigen. Etwas in den Rauch hangen, u> s w. Der Dainpfvon Schmiedekohlen ist ungesund. Der Duft von Weihrauch oder Blumen ist lieblich. Im Sommer siehet man oft die Dünste aus der Erde aufsteigen. Die Dünste des Weins in einem Weinkeller nehmen den Kopf ein. Die Ausdünstungen des menschlichen Leibes verursachen den Schweiß. Weil in London so viel Steinkohlen gebrannt werden, so soll man von weiten, «inen beständigen (Qualm über die Stadt schweben sehen. Ein Feuerbrand rauchet. Der Kalk dampfet, wenn er gelöschet wird. Des Abends duften die Blumen den angenehmsten Geruch. Das Masses dunstet, wenn es scharf kochet. Im Winter qualmen die fiies. senden Wasser, weil die untere Hitze viel Dünste davon in di» Höhe treibet. 70. Hieb. Hau. H>>an nennet Hieb, das Zuhauen auf etwas mit ei. nem schneidenden Werkzeug, es mag nun treffen oder ^ 124 Hieb. Hau. Vorzug. Vorrecht Freiheit. oder nicht. So sogt man: Viel Hiebe nach einem thun, Dem Hieb ausweichen. Einen Hieb bekommen. Hieb heißt auch bisweilen die Wunde selbst: Ein Soldat tragt die Narbe eines Hiebes, welche«, er in der Schlacht empfangen hat. Und da eine Ruthe oder Peitsche ebenfalls verwunden kann, so sagt man auch: Ein Hieb mit einer Nuche oder Peitsche. Das Wort Hau, wird nur eigentlich in dem Forstwesen, und von denen gebraucht, welche viel in den Wäldern zu thun haben. Man verstehet dadurch besonders, einen Hieb, welcher mit der Axt in einen Baum gechan wird. Wenn man jemand im Walde hauen höret, und dem Schall nachgehet, sagt man nicht: Ich bin dem Hiebe, sondern, ich bi'ti dem Hau nachgegangen. Imgleichen: Dieser Vaum hat vor einigen Iahren einen Hall bekommen, aber ihn schon wieder verwachsen. Der alte Halt ist ganz zugewachsen. Man nennet auch Hau, einen Wald, worin Holz gehauen wird, oder ein gewisses Revier, welches jemanden zum Holzhaucn bestimmt ist. Verbotene Haue, sind gewisse Gegenden, da man wegen des jungen Holzes, keinen Baum abhauen, ja nicht einmal mit der Axt hineingehen darf. ?l. Vorzug. Vorrecht. Freiheit. tA>ie Verdienste schaffen uns Vorzüge. Die Aemter, ^ Ehrenstellen und Würden, bringen Vorrechte. Die Gnaden des Fürsten, oder die höchste Obrigkeit, ertheilet Freiheiten. Vorzüge müssen wir uns selbst erwerben, damitwir zu Würden und Ehrenstellen erhoben werden. Vors rechte bringen die Würden mit sich, oder wir erben sie von unsern Eltern, welche in Würden gestanden haben, wie die Vorrechte des Adels geerbet werden. Lrel5 heircn werden uns gegeben. Unter Finden. Erfinden. Ansfnndig machen. 125 Unter dreien Männern, welche zu einem Amte vorgeschlagen werden, erhalt der eine den Vorzug, wegen seiner grösseren Verdienste. Ein hohes Amt, giebt oft die Vorrechte des Adels, ob man gleich nicht von ade- liehen Stande ist. Eine Stadt erlanger gewisse Freiheiten , wodurch sie von Diensten oder Abgaben losgemacht wird. Ein Mensch erlanget die Freiheit, diesen oder jenen Handel zu fuhren, von dem Fürsten, oder der höchsten Obrigkeit Man nennet Freiheirshrief diejenige Urkunde, worin jemanden gewisse Freiheiten ertheilet und bestatti« get wei den. Das Wort Freiheit, ist eigentlich der Gegensatz von Knechtschaft, allein, dann hat es einen andern SinN. Indem Verstände, wie wir es nehmen, wird es nur uneigentlich gebraucht. 72. Finden. Erfinden. Ausfündig machen. Ainden, wird eigentlich von verlohrnen oder solchen ^) Dingen gesagt, welche man suchet: Erfinden, von solchen, welche wir durch unsern Verstand und Nachdenken heraus bringen: Ausfündig machen von solchen, wovon man zwar etwas weiß, aber ein mehrereS durch forschen herausbringen und entdecken muß. Ein Hirte findet das verlohrne Schaf: die Mechanik erfindet Werkzeuge und Maschienen. Die Mathematiker haben gewust, daß die Sonne, weit von der Erde abstehet, aber durch fleißiges Forschen und nachsm- nen, haben sie ihre eigentliche Entfernung mit ziemlicher! Richtigkeit ausfundig gemacht. Man findet fast überall versteinerte Seegewachft, welche von einer allgemeinen Ueberschwemmung der Erde zeugen, als Meerschwämme, Muscheln, Schnecken, und bergt. Das 126 Erfinden. Entdecken. Das Schicßpulvcr ist von Varrhold Schwär), liiid die Buchoruckerkunst von Johann Gurrenderg erfunden. Die eigentliche Ursach, warum der Magnet das Ei» sei« an sich ziehet, hat man noch nicht ausfundig mas chen können. Man sagt: Ich habe dieses bey vielen Schriftstellern gefunden. In Paris werden viel neue Moden erfunden. Nach vielem Forschen hat man endlich den Thäter ausfundig gemacht. Was in die See geworfen wird, wird man nicht wieder finden. Eine Maschiene zu fliegen, oder ein jusrschiffist noch nicht erfunden. Was e6 mit der Ebbe und Flut für eine Bewand- niß habe, und woher sie entstehe, ist noch nicht aus, fündig gemacht. 7? Erfinden. Entdecken. /Erfinden, wird wie vorher bemerket worden, von ^ solchen Dingen gesagt, welche wir durch unseren Verstand und Nachdenken herausbringen. Entdecken, von solchen, welche vorher nicht sind bekannt gewesen, die wir aber hernach wahrnehmen. Oder, erfinden, beziehet sich auf solche Dinge, welche vorher, wirklich noch nicht dawaren; Entdecken auf solche, welchezwar vorher wirklich da gewesen sind, aber noch nicht bemerket worden, und nun erst bekannt werden. Man sagt: Neue Wahrheiten erfinden: Eine Kunst erfinden: Eine jist erfinden. Er erfindet Tücke zum Verderben. Ies. 32, v. 7. Es ist eine neue Maschiene zum elektrisiren, eine neue Art Reisewagen erfunden worden, und dergl. Hingegen, Schönheiten, Vollkommenheiten an ei- ner Sache entdecken, Mangel oder Fehler entdecken: Neue Länder entdecken: Die Schiffer entdeckten endlich jand, und dergl. ^ Aue. Wiese. Fluhr. 12? So wird man sagen; Nachdem die Vergl ößerungs- gläser sind erfunden morden, hat man unzählige Entdeckungen gemacht, und man hat so gar, in dem reinsten Wasser, eine Menge kleiner Thierchen entdeckt. Das erste, nehmlich erfinden, vondenVergrößerungS- gläsern, weil die Kunst und da6 Nachdenken «6 herausgebracht hat, wie sie verfertiget werden müssen, und weil sie vorher, wirklich noch nicht sind da gewesen. Das zweite entdecken, von den kleinen Thierchen, weil sie vorher wirklich da gewesen sind, aber noch nicht bemer- ket, sondern nun eist gesehen und bekannt geworden. Vielleicht möchte man zuweilen, die Redensart hören : Neue Lander erfinden. Die neue Welt ist vom Columblis erfunden; Allein e6 ist doch nicht sehr gebräuchlich; Gewöhnlich heißt es von den Seefahrenden: Sie entdeckten, eine Küste, ein Vorgebirge, eine Insel. Nachdem sie lange auf der See herum geschwebct hatten, entdeckten sie endlich Land. Die Engländer haben vor kurzem, auf dem Südmeere verschiedene unbekannte Länder entdecket und dergl- H>ag Wort Aue hat seinen Ursprung von dem alten «—^ Worte Ach, welches Wasser bedeutete, und woraus das Gothische sN'Na, das lateinische ac^i«, das Spanische . das Französische esu, entstanden ist, wie Wachter im Gloßar, bemerket. Nach Hrn. Ade- lungö N>6rrerb. hat man auch zuweilen Aha, Au- cha und Auha geschrieben. In dieser Bedeutung, da das Wort Aue von der al- ten Benennung des Wassers herkommt, wird es über- Haupt von einer jeglichen Gegend gesagt, welche am Wasser liegt, oder von Bachen und Flüssen gewässert wird. So stehet es 5 B. Mos. 8, v. 7. Ein Land, da Bache und Brunnen und Seen innen sind, die an den 74. Aue. Miese. Fluhr. Bergen, 128 Aue. Wiese. Fluhr» Bergen, und in den Auen fließen. Imgleichen von gewässerten und fruchtbaren Feldern. Ps. 65, v. 14. Die Auen stehen dicke mit Korn. Weil min in den wasserichen, oder mit Bachen und Flüssen durchströmten Gegenden, gemeiniglich gute Weide für das Vjeh zu feyn pfleget^ so hat man das Wort Aue/ besonders in der Bedeutung eines guten Weidelandes genommen» So erkläret es auch Frisch im Wörterd. Ein Feld wo gute weide ist, Om. PU!> j>alcuu5. Und in dieser Bedeutung kommt es auch oft in der Bibel vor. Z. V. 2 Chron. 26, v. io. Usia hatte viel Viehes, beide in den Auen, und aufdenEbe. nen. Hes. d. iz. 14. Ich will sie weiden in allen Auen und auf allen Angern des Landes. Ies. zo,v.2z. Dein Vieh wird sich zu der Zeit weiden in einer weiten Aue. Wiese nennet man einsumpfigtes, oder nasses Land dessen Gruß zu Heu getrocknet wird, (krumm) Flur ist ein Bezirk Landes, welcher zu einer Stadt oder Dorfge» höret. (OillrilIuz, territoiium). Die Hirten weiden das Vieh auf den Auen, daher stehet Ps. 2z, 2. Et weidet mich auf grüner Auen. Auf den wiesen wird das Gras gemähet, daher kommt das Wort Wiesenmahr. Er hat so viel an wiesemnahr, das ist, so viel an Wiesen, welche zum Heumachen gcmahet werden. wicsebmun, ist der Baum, welcher aufden Wiei sen, über ein aufgeladenes Fuder Heu gebunden wird, damit es vester liege, Und nichts herab fallen könne. Man treibt das Vieh auf die Wiesen, nur im Anfang, ehe das Gras recht wachset, und hernach, wenn sie schon gemähet sind, damit das kurze Gras, welches im Herbste noch wachset, abgefressen werde, aber den Sommer über werden die wiesen zum Heumachen geschonet. Aue. Miese. Flur. Gegen. Wider. 129 Das Wort Lllchr, wird jetzo mehr von Rednern Und Poeten, als im gemeinen Reden und Schreiben, gebraucht. Ein gewisser Poet, sagt in einem Gedichte auf der Schlacht bei Hochstädt: So ließ Germanien — — ^— — — ^- auf Hochstädts fetten Fluhren, In rauchend warmen Blnr, gewisse Sicgesspuren. Man muß dieses Wort, nicht mit Alle, oder ^eld, verwechseln , denn ob man gleich sagt: Das Vieh weidet auf unseren Fluhre,,: Der Feind trieb das Vieh, von unseren Liuhren weg, die blumichtcn Fluhreu, und dergleichen, so wird doch dadurch, nicht eigentlich das Weideland, sondernder Bezirk, und die Grenzen des Ortes angezeiget. Die abgeleiteten und zusammeNge- setzten Wörcer können dieses beweisen. Fluren, heißt, die Grenzen eines OrtS bezeichnen. Flurbuch, das Buch worin die Grenzen beschrieben sind. Flurrechc, das Recht über eine» gewissen Bezirk iandeö. Siehe Frisch Wörterbuch, beim Worte Flur. 75. Gegen. Wider. /Gottsched will, man soll diese Wörter so unterscheiden/ daß man „Gegen in einer freundschaftlichen, „der in einer feindschaftlichen Bedeutung nehme. Ein „Freund hat gegen den andern Hochachtung. Amglei- „chen: Man hat Ehrfurcht und Hochachtung gegen jemanden; Nicht wider. Hergegen heißt es : Du reibest wider deinen Bruder. Man streitet wider den ,.Feind. „ Er führet zur Ursach an: „ÄUß es logisch zu „reden sehr heilsam sen, wenn die Wörter, so viel möglich ist, bestimmte Bedeutungen haben, und man nach „dem Grundsahe des besseren, lieber wider von gegen ..unterscheiden, als beide mit einander vermengen müs- Srosthl.TH. I „se.., Gegen. Wider. „je.,. Siehe Gottscheds Sprachkunst, in der Ausgabe! von 1752, auf der 485 Seite, u. f. Es sind verschiedene hierin nachgefolget , obgleich an- dere, ihm widersprochen, und behauptet haben, diese Wörter wären einerlei, und man könne damit abwechseln, wie unter andern Hr. Heinze gethan hat, ül seinen An- tnerk. über die Gottsched. Gpr. Lehre 19t S. Ich selbst habe sonst die Gotlschedische Meinung für richtig gehalten, und sie zu vertheidigen gesucht; Allein ich muß nunmehr gestehen, daß wirklich einige Falle sind, in welchen man diese Wörter als einerleibedeutend brauchen, und damit abwechseln kann» So sagt man: Gegen die Gesetze handeln, und roider die Gesetze han. dein: Sich gegen die Obrigkeit auflehnen, und sich wi. der die Obrigkeit auflehnen: Gegen den Strom schwimmen, und wider den Strom schwimmen: Mit dem Kopse gegen die Wand laufen, und wider die Wand taufen, u.dergl. im Es würde also kein anderer Unterschied seyn; als 1) erstlich/ daß das Wort gegen, zuweilen auch eine freundschaftliche Bedeutung hat, welche das Wort wider niemals annehmen kann. Viel Zuneigung, liebe, Freundschaft, Gewogenheit gegen jemand haben. Hier kann man nicht mit wider abwechseln und sagen: Viel Zuneigung, Liebe, u. si w^ wider jemand haben. 2) Zweitens, so ist die Bedeutung des Wot'tss gegen, in dem Mehresicn zusammengesetzten Wörtern, gelinder als die Bedeutung des Wortes wider, Gegner, Gegen part, und dergl. sind nicht so hart, als Widersacher, Widerpart- Der beste Freund kann in einer Sache unser Gegner seyn, wenn er Nicht einerlei Meinung mit uns hat, aber er ist deöwegeU nicht Unser Widersacher. Bei den Disputationen, auf hohett Schulen ist der Opponens, der Gegner oder Gegens part des Respondentett, nicht aber sein Widersacher oder Sollen. Müssen- Einzig. Allein. Einzeln, izl öder XVidMpart. Ja man braucht oft die ersten dieser Wörter, wenn man gewisse Urs.chen hat, die harre Bedeutung der lehren zu meiden. In solchem Falle, würde man wol von einem Menschen, verwirklich unser Lcuid und N?ldelsacher ist, sagen können : Ich habe einen harten Gegner an ihm. 76. Sollen. Müssen. )llen, beziehe sich auf ein Gebot, öder auf einen Befehl. Mujji-'-, auf eine Ve-Kindlichkeit, worin wir durch gewisse Umstände gcsetzet werden. Wenn wir etwa? befehlen, sagen wir: Du sollst das thun. Wenn wir einem Mensche» seine Schuldigkeit vorstellen, heißt es! Du mußt das thun. Ich habe Meinem Bedienten befohlen, er soll dahin gehen. Hier ist der Befehl. Woferne du gelehrt werden willst, mußt du viel Bücher lesen. Man muß sich in die ^eit schicken. Man muß schweigen. Wir müssen einen Vorgänger haben. Der Mensch muß sterben- Hier ist die Verbindlichkeit. Die Gebote Gottes sagen: Du solljt keine andere Götte? haben, u. s. w. Hingegen, wenn die Absicht auf eine Verbindlichkeit, in gewissen Umständen ist, heißt es: Man muß. Wer zu Gott kommen will, der muß glauben, d.iß er sey. Hebr. n, 6. Wer viel lehret, der Muß viel leiden, Pred. l, 8. Selbst in der Redensart: Ich habe es meinem Bedienten befohlen, er Muß es thun, siehet das Wort muß, nicht auf den Befehl, welchen er empfangen hat, sondern auf die Verbindlichkeit, worin er stehet, zu gehorchen- 77. Einzig. Allein. Einzeln. ^Ame Sache ist einzig / wenn sie ihres gleichen nicht ^ mehr hat, oder wenn keine andere, von derselben I 2 Gattung !Z2 Einzig. Allem. Einzeln Gattung mehr gefunden wird. Sie ist allem, wenn fiö nicht mit andern Dingen vergesellschaftet ist. Sie ist einzeln, wenn sie nicht von mehreren ihrer Gattung begleitet ist. Es ist nur eine einzige Sonne am Himmel, und Alexander sagte: Wie nur eine einzige Sonne am Himmel ist, so müsse auch ein einziger Beherrscher der Erde seyn. Ein Kind, welches weder Brüder noch Schwestern hat, ist seiner Eltern einziges Kind. Ein Mensch, welcher auf eine wüste Insel ausgesetzt ist, ist allein, er ist der Gesellschaft aller andern Menschen beraubet. Ein Mensch schlaft allein, wenn niemand bei ihm schlafet. Man schränket diese Wörter, auch bisweilen nur auf einen gewissen Bezirk ein, in welchem eine Sache ihres gleichen nicht hat, oder ohne Gesellschaft anderer ist. So kann man sagen: Ich traf nur einen einzigen Menschen im Häufe an. Er sitzet auf seiner Studierstube alleine. Es stehet nur noch ein einziges Buch auf dem Bücherschränke. Oder: Auf dcm Tifche liegen viel Bücher, bringe mir aber dasjenige, welches auf der Ecke ganz allem lieget. Die Soldaten liefen einzeln auf dem Lande herum zu plündern, daher wurden viele erschlagen, das ist, sie gicngen nur immer einer, ohne von mehreren begleitet zu seyn. Die Schiffs können nur einzeln in den Hasen einlaufen, das ist, sie können nur eins nachdem andern, und nicht mehrere zugleich einlaufen. Man nennet auch bisweilen, einen einzelnen Menschen, denjenigen, welcher nicht verheirathet ist, im Gegensaß dessen, welcher vcrheirathet ist, und alfo in Gesellschaft, von Frau und Kindern lebet. So sagt man: Ein einzelner Mensch, kann wohl mit dieser Besoldung fertig werden, aber für den, welcher eine Familie hat, ist sie zu gering. Etwas vereinzeln, heißt die Zahl, oder Sammlung gewisser Dinge, auf solche Weise verringern, das; eins nach dem andern davon weggebracht wird. Z. E. Die Sammlung, welche Helfen. Veistehen. Zu Hüsfe kommen, izz welche dieser Mann, von alten Münzen hatte, ist in der Auction vereinzelt worden. Das ist, ein Stück ist nach dem andveen^verkauft, und also die ganze Sammlung zerstreuet worden. 78. Helfen. Beistehen. Zu Hülfe kommen. an hilft dem Schwachen, oder Unvermögenden. Man stehet bei, in der Noth, oder in einer Verlegenheit. Man kommt ZU Hülfe, in Gefahren. Wir helfen jemanden eine Last tragen, welche ihm zu schwer wird, oder ein Geschaffte verrichten, welches er allein, nicht verrichten kann, und wozu seine Kräfte zu schwach sind. Wir stehen dem Nokhlcidenden bei, wem, wir uns seiner annehmen, und ihn von der Noth zu befreien suchen, Man sagt: Jemand mii- Rath und That beistchen: Hierin hast du mir treulich beigestanden. Wir sehen jemand in Gefahr, und eilen dahin, ihn zu retten, so kommen wir ihm zu Hülfe. Helfen und Heistehen, setzet voraus, daß wir schon nahe genug sind. Zu Hülfe kommen, begreift in sich, daß wir erst naher her.m nahen muffen. Diejenigen, welche in einer Feldschlacht beisammen sind, helfen sich unter einander, und stehen sich bei: Oft aber muffen einige Regimenter, von einem Flügel, dem andern zu Hülfe kommen. In vielen Fällen, können alle drei Wörter, von derselben Handlung gebraucht werden, jedoch in verschiedenen Absichten. Z. E. Es rettet jemand einen Menschen, welcher von Straffenraubern angegriffen ist, die ihm das je- 'ben nehmen wollen; So können wir sagen: Er hat ihm geholfen. Er hat ihm deigestanden, und auch: Er ist ihm zu Hülfe gekommen. Das erste in Absicht, daß dieser Mensch zu schwach war, den Straffenraubern zu widerstehen, und also seiner Hülfe nöthig hatte. Das I Z zwei- iz4 Schwer. Wichtig, zweite in Absicht, auf die Noth, worin er war, und worin sich der andere seiner angenommen. Das dritte in Absicht, auf die Gefahr, in welcder er schwcbce, und daß der anoere, ihn zu retten, herbeig-^iler. Bei dem Worte Hülfe, beschuldiget mich Herr 2lde. lung, in seinem il.Vörrerducl)e, „ich schranke das- „seloe gufdie Ercermng aus einer Gcfakr allem ,.ein.„ Allein nicht das Wort Hülfe selbst, habt ich darauf eingeschränket, den» ich habe ja vorher gesagt? Man hilft dem Schwachen, u, s. w. sondern nur die Redensart: Zu^ÜIfe kommen, in dem Verstände, worin sie mit beiftehen, eine ahnliche Bedeutung hat. Ich weiß ganz wohl, i?aß man sagt: Jemanden Truppen M Hülfe schicken: Ich brauche bei dieser Arbeit keine Hülfe, und dergl. Allein die Redensart zu Hülse kommen, wjrd sich in dem eigentlichen Verstände, wohl allemul auf eine gewisse Gefahr beziehen. Die Truppen von dem einen Flügel kommen dem anderen zu '-.;Ü!f?, wenn dieser in Gefahr ist üben» ltiget zu werden. Sogar i» der Redensart: Jemandes Gednchmiß zu Hülfe kommen, scheinet eine Beziehung darauf zu seyn, daß Gefahr da ist, er möchte fönst die Sache vergessen, oder sich ihrer nicht, erinnern. 79. Schwer. Mchtig, Kreide Wörter, werden sowol in einem eigentlichen als uneigeurllchen Verstände gebraucht. In dem ersten bestimmt man, entweder durch das Worr schwer, die eigentliche Grösse oder das Maaß der Schwere, so sagt man: DieSache ist zehen oder zwanzig Pfund schwer. Oder man zeiget an, daß man selbst die Schwere derfelben empfunden hat, oder noch davon gedruckt wird. Wir sagen: Der Stein ist schwer, wenn wir ihn tragen müssen, und die Last desselben fühlen, oder wenn Schwer. Wichtig. >)5 wenn wir ihn vorher schon aufgehoben, und seine Last cm. pfunden haben. Nichtig braucht man ohne Bestimmung der inner- lichen Schwere einer Sache. Man fagt: Sie ist wichtig, das ist, sie hat eine gewisse innerliche Schwere, wel- che man aber nicht eigentlich bestimmen kann. Daher kann man nicht sagen: Sie ist zehen oder zwanzig Pfund wichtig. Bisweilen drücket auch dieses Wort, eine gewisse be- stimmte Schwere aus, jedoch ohne Benennung desMaas- ses. Der Dukaten ist wichtig, heißt, er hat die be- stimmte Schwere, die er haben soll. Aber man kann Nicht sagen: Er ist ein O.uentlein wichtig, sondern muß bei Benennung des Maasses, das Wort schwer gebrau- chen. Er ist ein Ouentlein schwer. Oder man bedienet sich des Worts Gewicht. Er hat einQuenllein am Gewicht. In dem uneigentlichen Sinn, Heisset schwer, eine Sache, welche viel Mühe verursachet, und viel Kräfte des Verstandes erfodert: Nichtig eine Sache, welche un- ser Glück oder Unglück betrift. Kreuz und Leiden ist schwer, es werden viel Gemüths, kräfte erfodert, es mit Geduld zu ertragen. Die Sorge für unsere Seelen ist wichtig, unfer ewiges Glück oder Unglück hanget davon ab. Es ist eine schwere Frage, welche Regierungsform die beste sey. Es kostet viel Mühe, man mußviel Kräfte des Verstandes anwenden, wenn, znan sie mit einiger Richtigkeit entscheiden will. Es ist eine wichtige Frage, ob nach diesem Leben ein anderer Zustand der Menschen zu gewarten sey, denn sie betrift unser ewiges Glück oder Unglück. Die Regierung eines ganzen Landes ist eine schwere Sache, in Absicht, daß viel Mühe und Verstand dazu erfodert wird: Sie ist aber zugleich eine wichtige Sache, in Absicht, daß die Glück, seeligkeit so vieler tausend Menschen davon abhänget. I 4 Lo.Scho- iz6 Schonen. Verschonen. 80. Schonen. Verschonen. choncn, heißt, etwas der Gefahr, oder einem Uebel nicht aussetzen, 1?crsct:onen, heißt, so ecwas erhallen, was schon dem Untergänge gewidniet ist, oder jemand von einer Beschwerlichkeit, die ihm schon bereitet ist, frei machen. Ein Feldherr schöner die Soldaten. Er will sie der Gesihr nicht bloß stellen, Schone deines Gebens, deiner Gesundheit, d!>6isi, stelle dein Leben, deine Gesund- hcit, keiner Gef'hr aus. Ich schone meinen Degen» meine Bücher, meine Kleider, heistt^ ich will sie der Gefahr nicht aussetzen, sie zu verderben. So auch ^oel 2» v. 17. Herr schone deines Volks, und laß dein Ertheil nicht zu Schanycn werden. Nehem, iz. v, 22. Schone meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, Match. 16. v. 22. Petrus sprach: Herr schone dein selbst. Um des frommen joths willen, verschönere Gott die Stadt Zoar. Das Unglück war ihr schon bereitet, aber Gott erhielte sie, und wandte es von ihr ab. Bei dem Uiuerg.nige der Stadt Jericho, ward das Haus der Ra- hab verschonet. Alle Emwohner sollten mi/ dem Schwerdt gelödtec werden, aber weil Nahab die Kund, schafter hatte aufgenommen, so ward sie mit ihrem Haufe in dem allgemeinen Untergänge erhalten. Der König David, verlchoncre Mcphiboseth, 2B.Sam.21. v.?, Er war ans dem Hause Sauls, dessen Ausrottung die Gi- hepniter begehrten, aber David wollte ihn erhalten. Alexander hatte beschlossen, die Stadt LampsakuS zu zerstören, und als der Geschichtschreiber AnaximeneS für sie bitten wollte^ rief er ihm gleich entgegen: AnaximeneS, ich fchwöre feierlich, daß ich nicht thun will, was du von Mir bittest, Worauf dieser lächelnd erwiederte: So bitte, ich, daß du jqmvsakuö verbrennest. Dieses gefiel dem Alexander so wohl, daß er die Stadt verschönere, Er scho- Sich schonen. Sich hüten. Sich in Acht nehmen, iz? schonet keines Menschen, das ist, cr macht keinen Unter» schied zwischen ihnen, sondern stellet sie alle einerlei Gefahr bloß. Er verschonet keines Menschen, auch dc6 Kindes nicht in Mutterleibs, das ist, er erhält keinen einzigen in dem allgemeinen Verderben. Bei dieser A-lxit, soll keiner geschonet werden, das jst, sie sollen alle einer so viel thun wie her andere, und alle dem Uebel oder der Beschwerlichkeit ausgesetzet seyn, welche sie mit sich führet. Verschonen Sie mich mit der Arbeit, das ist, ob Sie mir dieselbe gleich schon zugedacht haben, so befreien Sie mich doch von der Beschwerlichkeit, welche sie mir verursachen winde. Verschonen: Sle mich mit dergleichen Reden, das heißt, ich sehe zwar, daß Sie sich vorgenommen haben, mir harte Worte zu, sagen, aber es wird mir zu beschwerlich, sie anzuhören, also befreien Sie mich davon. 81. Sich schonen. Sich hüten. Sichln Acht nehmen. AAenn das Wort schonen, zurückkehrend wird, sich schonen, so ist es einiger mästen gleichbedeutend, mit sich hüten und sich in Acht nehmen. Allein es ist doch dieser Unterschied dabei, daß sich schonen nur so viel heißt, als sich der Gefahr nicht aussehen wollen, etwas Gutes zu verlieren, und man es nur bloß in Absicht, auf die Gesundheit oder Kräfte gebraucht. Ich muß mich schonen, heißt, ich muß mich der Gefahr nicht aussetzen, meine Gesundheit oder Kräfte zu verlieren. Ich muß mich bei dieser Arbeit schonen, das ist, ich muß nicht zu viel arbeiten, damit mir die Kräfte nicht entgehen, oder jch lM'ine Gesundheit nicht verliere, Sich hüten, heißt, etwas Böses vermeiden, so unS begegnen könnte, Man sagt: Hüte dich vor Schaden? Hüte dich vor diesem Menschen. 5 B. Mos. 24. v. 8, Hüre dich vor der Plage des Aussatzes. Ierem.g-v. 4. I 5 IZ8 Sich schonen. Sich hüten. Sich in Acht nehmen. Ein jeglicher hüte sich vor seinem Freunde, und traue auch seinem Bruder nicht, i Ioh. 5. v. 21. Huret euch vor den Abgöttern. Sich in Acht nehmen, kommt größtentheils mit sich hürcn überein. Man kann auch ganz wohl sagen: Nimm dich vor Schaden in Acht: Nimm dich vor diesem Menschen in Acht. Allein e6 begreift noch mehrere in sich. Es zeiget nicht nur eine Vermeidung des Unglücks, oder des Schadens, sondern auch eine Aufmerksamkeit auf stine Handlungen an, und bisweilen ist dieses der vornehmste Sinn, so, daß man die Redensart, sich huren, gar nicht dafür brauchen kann. Z.E. Ich habe mich fthr in Acht genommen, daß ich in allen Stücken, der mir gegebenen Vorschrift, nachlebte. Hier kann man nicht sagen: Ich habe mich gehütet, daß ich der Vorschrift nachlebte. Sich hüten, hat mehr eine Beziehung auf dasjenige, was man thut, um ein Unglück von sich abzuwenden. Sich in Acht nehmen, beziehet sich mehr auf die Sorgfalt, welche man hat, nichts zu thun, woraus ein Unglück entstehen könnte. Hüte dich vor diesem Menschen, würde so viel sagen: Suche den Schaden, welchen er dir zufügen könnte, abzuwenden. Nimm dich in Acht vor diesem Menschen, würde so viel sagen: Hab« sorgfältig auf deine Handlungen Acht, daß du dich nicht gar zu weit mit ihm einlassest, und ihm Gelegenheit gebest, dir zu schaden. Sich hüten, siehet allezeit auf die Vermeidung eines wirklichen Unglücks. Sich in Acht nehmen, kann auch bloß von dem Verlust eines Guten gebraucht werden. Ich würde daher lieber sagen: Nimm dich in Acht, daß du das Geld nicht verlierest, als, hüte dich, daß du es nicht verlierest. Wiewohl ich doch dieses letztere nicht ganz verwerfen will, man kann hier sagen, hütedtch. Falsch. Verfälschet. rZ9 weil man den Verlust des Geldes als ein wirkliches Unglück anstehet. 82. Falsch. Verfälschet. t^n dem eigentlichen Sinn, bedeutet das Wort Falsch, eine Sache, welche an sich selbst dasjenige gar nicht ist, w. f ir sie ausgegeben wird, verfälscht, eine Sache, welche zwar etwas, von demjenigen hat, wofür man sie ausg'.evt, aber durch Zusehung schlechterer Dinge geringer gem ichc worden, so, daß sie den wahren Werth nicht hat, welchen sie haben sollte. Falsch Gold, falsch Silber, ist gar kein Gold oder Silber, sondern hat nur den Schein davon, als golden pder silbern Lahn, Flittergold, und dergleichen. Ders fälschreoGold, verfälschtes Silber, ist dasjenige, was mit einem gar zu starken Zusah, von geringerem Metall vermischet wordcn. Eine falsche Münze heißt eine Münze, die gar nichts gilt, und die man in der Ausgabe nicht brauchen kann. Die Münze verfälschen, heißt, sie geringer machen als sie seyn sollte, so, daß sie zwar einen gewissen innerlichen Werth hat, aber nicht denjenigen, wofür man sie auöge. ben will. Man sagt von einem Menschen: Er tragt ein falsches Haar, weil er es für sein eigen Haar ausgiebt, da es doch wirklich, nicht das seinige ist. Der Perukenmacher verfälschet das Haar, wenn er das gute Haar, mit schlechterem vermischet, Man nennet einen falschen Freund, denjenigen, welcher sich äusserlich anstellet, als ob er unser Freund sey, aber es wirklich in dem Herzen nicht ist. Die Wahrheit verfalschen, heißt, sie durch Zusetzung verschiedener Um, stände anders vorstellen, als sie wirklich ist. Ein Sah ist falsch, wenn er gar keine Wahrheit in sich enthalt: Verfälscht, wenn man zu einem wahren Satze, ,4<-> ZMeln. Mäkelil. Satze, Dinge hinzusetzet, durch welche er verdunkelt wird, oder welche ihn anders vorstellen, als er in der That ist. Daß dje Sonne um die Erde herum gehe, oder, daß der Mond sein eigen Licht habe, sind falsche Satze: Die Sternkundiger beweisen das Gegentheil. Zu den Zeiten Christi, waren die Gebote Gottes, durch die Aufsätze der Schriftgelehrtcn und Pharisäer verfälschet worden. In einem uneigentlichen Verstände, nennet man bis» weilen falsch, dasjenige, was bctrüglich ist, oder, wo« durch man betrogen wird. So sagen die Fischer, wenn ein Thauwetter einfallt: Das Eiß ist falsch, weil es be- trüglich ist, und leicht zu brechen pfleget. Ein falscher Eid, ist derjenige, welcher eine Unwahrheit bekräftiget, wodurch der Richter sowol als die Parthei betrogen wird. Man nennet bisweilen, falsche Münze, alle diejenige, womit man betrogen wird. 8z. Tadeln. Makeln. H^as Wort Makeln, oder, wie einige e6 schreiben, märkeln, heißt eigentlich, bei einem Kauf ein Unterhändler seyn. Daher kommt Makler, das ist derjenige, welcher den Kauf machen, oder schliesset, hilft. In dem Sinn, worin es mit Tadeln übereinkommt, scheinet ?S mir nur ein niederdeutsches Wort zu seyn, allein es wird doch oft, und in verschiedenen Provinzen gebraucht, und führet eine besondere Bedeutung mit sich. Man tadelt nehmlich, wenn man die Fehler einer Sache bemerket und anzeiget. Man mäkelt, wenn man jn Kleinigkeiten Fehler zu finden sucht. Eine Waare ta« ideln heißt, die Fehler, welche man daran entdecket hat, anzeigen. Eine Waare mäkeln, heifit, Fehler darin zu finden suchen, urtd etwas davon aussetzen wollen, ob man gleich keine sonderliche Ursache dazu hat. Tadeln, wird von allerlei Sachen, und auch von wichtigen Dingen gebraucht: Makeln, gemeiniglich nur von » Nothwendig. NöchG 141 von Kleinigkeiten. Z. E. Man radelt beim Kaufe ein Pferd, wegen wirklicher und grosser Fehler, welche ee an sich hat, es fey in dem Bau seines Leibes, oder in dem Gange, und dergl. Man mäkelt etwas an einem Pferde, wettn man geringe Dinge, etwa einen Fleck, welchen es hat, oder, daß es ein wenig vom Sattel gedrückt worden, und dergleichen, für wirkliche Fehler rechnen will, in der Absicht, es etwas wohlfeiler zu kaufen. Tadeln, kann sowol von den Sachen als von den Handlungen, mäkeln, nur allein von den Sachen gebraucht werden. Der Tuchmacher radelt die Wolle, wenn sie storr ist. Der Tischler radelt das Holz, wenn eS spröde ist. Man tadelt die Aufführung eines Feldherrn. Wenn man ein Haus tadelt, siehet man auf die Handlung des Baumeisters, der eS nicht recht gemacht hat» Man tadelt den Koch, man mäkelt das Essen, oderdas Gerüchte. 84. Nochwendig. Nöthig. 5V>orhwendig ist dringender als nöthig, und das Nothwendige muß alfo dem Nöthigen vorgezo- genwerdcn. Was wir nicht entbehren können, ist noth« wendig, was wir brauchen, ist nöthig. Das Brodt ist nothwendig, wir können es nicht ent» kehren, mehrere Speisen sind uns nöthig, weil wir eine Veränderung brauchen, denn wenn wir einerlei Speise beständig gemessen, wird sie uns endlich zuwider. Das Wasser ist nothwendig, weil wir es nicht entbehren können: Der Wein ist nöthig, den Magen zu stärken. Eine Wohnung, darin wir vor Sturm und Wetter beschirmet seyn können, ist uns nothwendig: Ein bequemes Haus, und solcher Hausrath, welcher mit unserem Stande über, ein kommt, ist uns nöthig. Die Kleidung können wir nicht entbehren, sie ist nothwendig, aber wir brauchen " »42 Elend. Noth. Jammer. ein gn^es Kleid, das unserem Stande gemäß sey, wenn wir in Gesellschaften gehen wollen, es ist nöthig. Die Natur begnüget sich mit dem Nothwendigen» Der Gebrauch und die Gewohnheit, haben viel Dinge nöthig gemacht. 85. Elend. Noth. Jammer. as Elend ist überhaupt ein hoher Grad der vhysi- schen sowol, als der sittlichen Unvollkommenheit, und besonders die Wirkung der Armuth und des Unglücks. Man sagt von einem Armen: Er ist in elenden Umstanden. Ein Kranker liegt elend darnieder. Es ist ein grosses Elend im Lande, das ist, die Armuth wird groß, es hauset sich allerlei Unglück. 2 B. Mos. z. v. 7. Ich habe gesehen das Elend meines Volks in Egypten. Ps. 88. v. 19. Meine Gestalt ist jammerlich vor Elend. Ierem. 14. v. 2. Ihre Thore stehen elend. Die Noch ist die Bedürfniß nothwendiger Dinge, und entstehet aus dem Mangel derselben. Die Noch des Landes ist groß, will so viel sagen, es mangeln diejenigen Dinge, welche nothwendig zum Unterhalt der Einwohner gehören. Man nennet <^ungersnoth, denjenigen Zustand, da es am Brodte mangelt, und also der Hunger verursachet wird. In Nöthen seyn, hejßr, der Hülfe bedürfen. Man sagt von einer Frau: Sie ist in Nindesnörhen, weil sie in solchen Umständen, sonderlich der Hülfe und des Beistandes bedarf. Man jagt: Leuers- und tVassersnorh, weil man in Feuers- und Wassersgefahr, der Hülse nöthig hat. Er ist in grosser Noth, heißt, er ist in solchen Umständen, darin er besonders Hülfe bedarf. Das Wort Jammer hat mancherlei Bedeutungem Bisweilen wird dadurch ein grosses Mitleiden angezeiget, daher sagt man: Ich habe es mit Jammer angesehen^ Mich jammerr des Menschen, und dergleichen; und da- her Oft. Häufig. her kommt auch die Redensart, welche hier, unter den gemeinen teuren sehr gewöhnlich ist: Der Jammer kam ihm ins Herz. Das ist, es jammerte ihn, er ward von besondern und ausserordentlichen Mitleiden gerührt. Bisweilen heißt es eine grosse Klage, daher kommt Jammergeschrei, und die Zeitwörter, jammern und bejammern. Er jammert erbärmlich, oder er führet grossen Jammer, das ist, er klaget so sehr, daß man sich über ihn erbarmen muß. Jemand bejammern, heißt, ihn sehr beklagen. In so weit, wie es mit den vorigen gleichbedeutend ist, bedeutet es das grosse Elend und Noth mit einander verknüpfet. Man drücket dadurch solchen unglückseeligen Zustand aus, der vor allen andern Mitleidens und Bc. klagens würdig ist. Man sagt: Ich kann denIammer nicht aussprechen. Alles war voller Jammer. Es ist ein Jammer anzusehen. Die fallende Sucht, wird auch von einigen, mit Nachdruck, der Jammer genannt. Er hat den Jammer. Er liegt im Jammer, weil es ein besonders un- glückseeliger, und beklagenswürdiger Zustand ist. 86. Oft. Häufig. ^">ft, bedeutet eine vielmalige Wiederholung/ derselben ^ Handlungen, oder Vorfälle. Häufig, eine Mehr, heit der Sachen oder Dinge. Man gehet oft in die Kirche, Und wo ein guter Pre. diger ist, da laufen dieieute häufig zu^ Es geschiehet oft, daß man von seinen Freunden in der Noth verlassen wird. Die Exempel sind häufig. Es geschiehet oft, daß man betrogen wird, weil die Betrüger häufig sind« ö?« Lieb/ »44 Lieblich. Liebreich. Liebenswürdig. 87. Lieblich. Qebreich. Liebenswürdig. tiieblicb, nennet man diejenigen Dinge, welche ange- ^ nehm in die Sinne füllen, i B. Mos. z, 6. Das Weib schanete an, daß von dem Baume gut zu essen wäre, »md lieblich anzusehen. Man sagt: Diese Blumen ha. ben einen liedlichen Geruch. Diese Frucht hat einen lieblichen Geschmack. Ein lieblicher Thon. Eine liebliche Stimme. Eine liebliche Farbe, und dergl. liebreich, wird nur von Menschen gebraucht, welche viel Freundlichkeit und Annehmlichkeit, in ihrer Ge-- slchtöbildung und ganzem Betragen haben. Ein liebrei« cher Mann, ist derjenige, welcher sich gegen jedermann freundlich bezeiget. Man sagt von einem Fürsten: Es ist ein sehr liebreicher und gnädiger Fürst, wenn er die Gnade, so er beweiset, mit einer besonderen Freundlichkeit und Annehmlichkeit verknüpfet. Liebenswürdig, wird ebenfalls nur von den Menschen gesagt, und zwar nicht von ihrer Gestalt, sondern von ihrer guten Gemürhsbeschaffenheit. Eine schöne Person »st nicht allemal liebenswürdig: denn nur die innerlichen Vollkommenheiten und Tugenden sind es vornehm» lich, welche den Menschen liebenswürdig machen. 88. Hell. Rlahr. Heiter. as erste von diesen Wörtern, scheinet den Begriffemer Erleuchtung, das zweite den Begriffeiner Durchsichtigkeit, das dritte den Begriff einer Abwesenheit, derjenigen Dinge in sich zu fassen, welche eine Sache verdunkeln können. Das Licht ist hell. Das Glas, oder das Wasser ist klahr. Der Himmel ist heiter. Ein hell Gemach ist dasjenige, in welches entweder bei Tage das Licht der Sonne gut hereinfallen kann, oder welches bei Nacht, durch angezündete Lichter erleuchtet ist. Ein Hell. Klahr. Heiter. »45 Ein klahres Wasser, dasjenige, was nicht trübe ist, wo man durchsehen kann. Ein heiterer Himmel, derjenige, welcher mit keinen Wolken verdeckt ist. Alle drei Wörter, können bisweilen von einerlei Sache gebraucht werden; Allein jegliches hat doch allemal eine gewisse Beziehung, auf den Begriff, welchen es eigent» lich in sich fasset. Wenn wir sagen: Ein Heller Tag, so haben wir eine Absicht darauf, daß er durch das Licht der Sonne gut erleuchtet ist. Ein klahrer Tag, beziehet sich auf die Durchsichtigkeit der Luft, welche rein ist, so, daß wir die Vorwürfe, die um uns sind, auch von weiten deut, lich sehen können. Ein heiterer Tag, darauf, daß der Himmel von keinen Wolken oder Nebel verdunkelt ist. Man sagt: Ein klahres Glas, und auch, ein Helles Glast RIahres Wasser, und Helles Wasser; Allein auch hierbei hat das erste mehr eine Beziehung auf die Durchsichtigkeit, das zweite auf die Erleuchtung der Licht, strahlen, welche dem Glase, oder dem Wasser, einen gewissen Schimmer zu geben scheinen. Daher werden diese Wörter sogar mit einander verbunden: Ein hell und klahres Wasser» Wir sagen: Der Diamant ist hell, weil er im Lichte, einen gewissen Schimmer hat. Er ist klahr, weil er durchsichtig ist. In der uneigenttichen Bedeutung selbst, scheinet solche Beziehung einiger Massen statt zu finden. Wir sagen: Diese Wahrheit, ist so hell als der Tag, oder, als die Sonne, und vergleichen sie also mit einem Lichre, welches den Verstand erleuchtet, und einem jeden in die Augen fallt. DieseWührheit ist klahr, zeiget an, daß Man sie gleichsam durchsehen, und sogleich ihren ganzen Zusam. menhang, und Beschaffenheit erkennen kann. Wir sagen auch: Eine helle Stimme, eine klahre Stimme, eine heitere Stimme, und eignen der Stimme gleichsam diejenige Wirkung auf unsere Ohren zu, welche Scoschl.^h. K das 146 Bekannt. Berufen. Verrufen. Befchrien. das licht auf unsere Augen zu macheu pflegt, wie man daher im Lateinischen ebenfalls sagt: 8^>1encior vociü. Eine helle Stimme, ist diejenige, welche gut in die Ohren fallt, sowie dasjenige, was hell ist, in die Augen fallt. Eine klahrc Stimme, diejenige, welch? deutlich ist, und alles genau vernehmen läßt, so wie man eine klahre Sache, gleich durchsehen kann. Eine heitere Stimme, diejenige, welche nicht rauh ist, und durch keine Heiserkeit der Brust, oder andere Mangel der Sprache verhindert wird. Ein heiteres Gemüth, ist ein solches, welches durch keine Traurigkeit oder Schwermürhigkeit gleichsam verdunkelt ist. 89. Bekannt. Berufen. Verrufen. Beschrien. 8)^ekannr, zeiget nicht nur so etwas an, wasnicman- den verborgen ist, sondern der ganzen Welt vor Augen liegt, berufen und Verrüfen, scheinet besonders auf solche Dinge zu gehen, welche nicht nur bekannt sind, sondern wovon auch in der Welt viel gesprochen wird. Dcschrien, zeiget ebenfalls fo etwas an, wovon viel gesprochen wird, aber es wird nur von bösen Dingen gebraucht, welche allen Menfchen zuwider sind, und worüber jedermann schreiet. Bekannt, wird sowol in einem guten, als bösen Sinn genommen, ohne daß dieses Wort, der Sache selbst, weder ein Lob noch einen Tadel beilege. Man sagt: Die bekannten äsopischen Fabeln. Das bekannte Buch des Cicero, von den Pflichten. Der bekannte Diebstahl, welcher an der goldnen Tafel zu Braunschweig begangen worden, u. s. w.! Berufen, wird bisweilen in einem guten Sinn gebraucht, und dann drucket es etwas weniger aus, als berühmt. Ein Künstler kann wegen seiner guten Arbeit berufen Held. Acker, Angcr. 147 berufen seyn, ohne deswegen, den Namen eines berühmten Künstlers zu verdienen. Bisweilen leucht Man auch das Wort berufen, in einem ganz gleichgültigen Sinn, bloß um dadurch anzuzeigen, daß eine Sache bekannt sey, und viel davon geredet werde. Man sagt z. E. In Schlesien ist das Mährchen vom Rübezahl, sehr berufen. Es kaun aber auch in einem bösen Sinn genommen werden, und man kann ganz wohl sagen: Er ist schon wegen seines Geizes berufen, oder: Er ist überall berufen, als ein Mensch, auf welchen man sich nicht verlassen kann, der weder Treue noch Glauben halt, und dergl. Verrufen und beschreien, haben allemal eine nachtheilige und schlimme Bedeutung. Man sagt; Ein -verrufener Dieb, ein verrufener Bösewicht. An solchem Verstände braucht auch Moser dieses Wort, in seinen Reliquien, a. d. 16?. S. dis fagr der so verrufene Machiavell. Dio und noch niedreres von gleichem Inhalt. Ein beschriebenes Weib. Mes. salina ist wegen ihrer Unzucht, und Nero wegen seiner Grausamkeit befchrien. Und zwar scheinetzwischen diesen Wörtern, der Unterschied zu senn, daß das erste noch etwas gelinder ist, und bloß, einen Übeln Ruf, oder bösen Namen anzeiget, daß viel böses von einer Sache gesprochen wird: Das andere hergcgen harter ist, und so etw.is Böses, oder solche Laster ausdrückt, worüber jedermann zu schreien, und zu klagen Ursach hat. Man sagt auch verrufenes Geld, für abgesetztes Geld; Aber dann hat dieses Wort eine andere Bedeutung, es beziehet sich darauf, daß gemeiniglich ausgerufen wird, es solle solches Geld, nicht mehr gelten. 90. Feld. Acker. Anger. eld, ist das allgemeine Wort, welches ein offenes tragbares Land bedeutet, es mag solches gebauet K 2 seyn. 148 Feld. AckVr. Anger. seyn, und Früchte tragen oder nicht. Acker, ist ein gebaueleS Feld, welches Früchte träget. Anger, ist das äusserste, eines Ackers oder Wiese. Man sagt: Das freie Feld. Aufs Feld gehen. Brachfeld, Winterscld, Getraidefeld, u. s. f. ^ Wenn man das Wort Acker braucht, so hat es allemal eine Beziehung, auf ein solches Feld/ welches zum Fruä)tt'.'agen bearbeitet wird. Man sagt: Wcizenacb'er, Gcrstenacker, schwarzer Acdcr, jeimenackcr, Brach- a^.'cr, u. s w. Grosanger, sagt Frisch, Heisset ein Raum > zwi- fthcn den Aeckern, meistens zum Gras wachsen. Man braucht also das Wort Fe!d> erstlich von einem solchen offenen Lande , welches wirklich mit Früchten bewachsen ist. Z. B. die Saat stehet schon äufdcm Felde. Der Hagel hat alles Korn auf dem Felde danieder geschlagen. Und so wird es auch in der Bibel gefunden 2 Chron. zi, v. 5. Allerlei Einkommen vom Felde. Hcsek. z6, v. ?o. Ich will das Gewächs auf dem Felde mehren, u. s. w. Man kann aber auch zweitens, Feld, ein solches offenes Land nennen, welches nicht gebauet wird, ob es gleich tragbar ist. Daher sagt man, die Thiere 6uf dein Felde, ein wüstes Feld. Ies. 16, v. 8< Hesdon ist ein N'üjt Feld worden. An den Englischen Provinzen in America, sind noch viele Felder unbebauet: Es werden aber denenjettigcn welche, welche sich daselbst niederlassen wollen, Felder zu bearbeiten angewiesen. Man liesct zuweilen von den Reisenden, daß sie über wcilläuftige Felder gcreiset, welche mit Büschen und wilden Kräutern bewachsen gewesen, und bergt- Das Wort Acter, hingegen bedeutet allezeit, eirt wirklich gel.v.uere6 Feld, und zwar nicht nur ein solches welches jeht bearbeitet wird, oder beackert ist, undFrüch- te traget, sondern auch ein solches, welches zwar jetzt nicht Feld. Acker. Anger. 749 nicht bearbeitet ist, aber doch zu den gewöhnlichen Zeiten pfleget bearbeitet zu werden. In den mageren Sandlandern, findet man an einigen Orten, große Stücken Land, welche nur alle drei Jahr, auch wol nur alle sechs Jahr besäet, aber doch allezeit zum Acker gerechnet werden. So nennet man auch Dorfackcr' alles Land was zu einem Dorfe gehöret, nicht nur dasjenige, was in diesem Jahre wirklich gebauet ist, sondern überhaupt al- les was zu der gewöhn!ichen Zeit pfleget gebauet zu werden , und es ist darunter auch dasjenige begriffen, was in diesem Jahre, nicht gebauet oder beackert wird. Daher kommt es, daß man im gemeinen Leben, und dem gewöhnlichen Gebrauche nach, Brachacker nicht bloß denjenigen nennet, welcher jeßo wirklich zur künftigen Frucht beackert wird, sondern auch denjenigen, welcher unbearbeitet Brache lieget. Und da das Wort Leid überhaupt ein tragbares Land bedeutet, so ist es garnicht unrecht, Brachfeld, sowol dasjenige zu nennen, an welchem jetzt die Bracharbeit geschiehet, als auch das« jenige, was bis ins künftige Jahr unbearbeitet liegen bleibt. Auf gleiche Weise, können die Wörter Sommers fcld und Sommeracker, N>ei;enfeld undN)ci;en- acker, und dergleichen, ganz füglich eins für das andere gebraucht werden, wenn von demjenigen die Rede ist, was darauf wachset. Will man aber durch N?ei;eii5 acker, Gerfrenacker, eine Beschaffenheit des Bodens beschreiben, und anzeigen, der Boden sey so gut, daß Weizen oder Gerste darauf wachsen könne, so ist in solchem Verstände das Wort N)eizenfeld, (Lcrstefeld nicht gebrauchlich. Das Wort Anger leitet Frisch von enge her, und Hr. Adelung bemerket dabei, daß das Griechische «-/xsc und «-/xi-t-. ein Thal bedeutet, auch die Wörter sncrs, sn^rz, snckrg, indem Latein der mittleren Zeiten, für K z ei» izo Haut. Fell. Balg. ein Thal vorkommen, und das Schwedische ünZunddaS Isländische au^uü, eigentlich eine Fläche am Ufer deS Meers bedeutet. Es kann ganz wohl seyn, daß man die Benennung des Angers, zuerst solchen äußersten Enden, eines Ackers oder einer Weise beigeleget hat, welche an Flüsse? oder Seen gestoßen, und daher wegen ihrer niedrigen jage, am meisten mit Gras bewachsen gewesen, hernach aber überhaupt einem jeden mit Gras bewachsenen Platz, einen An.zer genannt har; Wie denn dieses Wort, in, solcher Bedeutung an vielen Orten gebräuchlich ist. So sagt man auch: Schindanger, weil ein solcher Platz gemeiniglich mit Gras bewachsen ist. 9'. Haut. Fell. Balg. EVr Gebrauch hat einen ganz besonderen Unterschied, —zwischen diesen Wörtern cingesührct. Von den Lifchcn, welche abgezogen werden können, braucht man überhaupt das Wort »patit: Man sagt; Eine Fischhaut. Eine Aalhanr, und auch: Eine Schlangenh.nit, u. s. w. In Ansehung derjenigen Seegeschöpfe aber, welche etwas ähnlichesmitdenThie- ren auf dem iande haben, richtet man sich nach der Benennung, welche dem abgezogenen Fell, solcher jand« rhiere, gegeben wird. So sagt man: Die Ham von einem Mecrpferdc. Die Ham einer Seekuh. Ein Seebmidfcll. Bei dm viersüßigcn Thieren, beobachtet man den Unterschied, daß man von den grossen sagt: Sie haben eine »^aur, von den kleinen hingegen, sie haben ein Fell. Eine cl>chfcnl)anr, Pferd eh am, Rnhham; Abcrein Aalbfell, Schaffell, Hnndcfcll, u.s. w. Und dieser Unterschied, hat auch alsdann statt, wann die Haut schon gegerbct ist. Man sagt: Eine gegerbte chftnha>.it; Hcrgegen, ein gegerbet Aalbfell, Lammfell, u. s.w. 9,»» Haut. Fell. Balg. 15 k Von den Vögeln, braucht man das Wort Fell, wenn die Haut mit den Federn abgezogen ist. Man sagt: Ein Schwanenfell. Er trägt einen Brusttuch von Schrvanenfell. Hergegen, wenn mir allein die Federn abgerupfet sind, und die Haut aufdem ^eibe bleibet, sagt man: Eine Haut. Eine Gänsehaut. Die Hühner, welche gelbe Füsse haben, haben auch gemeiniglich eine gelbe Haut, welches ihnen in der Schüssel, kein gutes Ansehen giebt; Daher hält man sie nicht so gerne zur Zucht als diejenigen, welche blaue Füsse haben, denn diese haben gemeiniglich die weiseste Haut. Die Jager brauchen kunstmäßig d^S Wort Fell gar nicht, sie nennen insgemein, die Felle des WildpretS «saure. Schweinsbaur, Hirschham: Bärenhaut, u s. w. Solche Felle aber, welche zu Pelzwerken gebraucht werden, nennen sie Balg. FuchsbalA, Marderbalg, Gtlerbalg, u. s. w. Ob man also gleich von einer zahmen Kaye sagt: Ein Zxayenfcll, so s^gen doch die Jäger^ von einer wilden Katze, ein Aaycnbalg. Wer erwaö von der Jägerei verstehet, kann diesen Unterschied noch besser, auf folgende Weise bemerken. Diejenigen Thiere, welche sie ungeöfnet abzuziehen, oder wie sie kunsimäßig reden, abzustreifen pflegen, weil ihnen das Fell über die Ohren gestreifct wird, haben einen Z)alsI. Daher sagen sie auch: wiesclbaltt, LuchsbalI, II- tisbalg, u. s.w. Diejenigen Thiere hingegen, deren Fell auf dem Bauche aufgeschnitten, und, nach dem Jäger Ausdruck, abgewirket wird, haben eine Haut. Als derHirfch, die Gemfe, das Schwein, u. s. w. Da die Schlangenhaut ebenfalls abgestreifet wird, sa sagen auch die Jäger bisweilen: Ein SchlangendalA. Man nennet daher auch Valge, die abgestreiften Häute, der Seidemvürmer, Raupen, und anderer Insekten, welche sie bei dem Hauten zurück lassen. K 4 92. N)ach- !Z2 Wachsen. Zunehmen. 92. Wachsen, Zunehmen. er eigentliche Unterschied zwischen diesen Wärtern bestehet darin, daß Sachsen besonders von solchen Dingen gesagt wird, welche durch die Nahrung grösser werden; Zunehmen hingegen, die Vergrößerung einer Sache bedeutet, welche daher entstehet, wenn von dersel- bigen Gattnng, etwas hinzugethan wird. In folgenden Redensarten wird dieser Unterschied genau beobachtet, Ein Kind wächset, und das Mittel seines Wachs, thums ist die Nahrung, welch? es zu sich nimmt. Die Baume und Pflanzen wachsen, durch den Sast und die Nahrung, welch? sie aus der Erde ziehen. Je mehr der Acker gedünget wird, desto besser wachsen die Früchte, weil sie mehrere Nahrung bekommen. Man sagt von einem Menschen, er wachse zwei und zwanzig, bis vier und zwanzig Jahr in die 5änge, hernach in die Dicke, Hingegen: Der Geldhaufen eines Geizigen nimmt zu, weil er oft ein mehreres beilegt, und mehr Geld hinzu thut. Je mehr Einkünfte wir haben, desto mehr nimmy unser Vermögen zu. Ein Kornhaufen auf dem Boden nimmt zu, wenn in der Scheune viel zu dreschen ist, welches nach und nach heraufgebracht, und zu dem vorigen hinzugethan wird. Einige Redensarten aber, gehen ganz von dieser Bedeutung ab. Z. E. Von einem Menschen, welcher durch eine langwierige Krankheit ganz mager geworden ist, und hernach durch die Nahrung seine vorige Dicke, nach und nach wieder bekommen hat, sagt man nicht, er ist wieder gewachsen, sondern: Er hat wieder zugenommen. Allein hier wird has Wort zunehmen, in einem uneigentlichen Verstände gebraucht, es heißt so viel, als dicker, fetter, oder starker werden. So sagt man auch von einem Kinde: Es nimmt zu, öderes hat gut zugenommen, wenn es fetter und dicker geworden ist. Frucht. Obst. Gewächse. rzz Und von dem Mastvieh : Es hat schon gut zugenommen. Imgleichen sagt man von den Leidenschaften des Menschen: Einige icidenschasten nehmen mit den Iah. ren ab, (das ist, sie werden schwächer). Der Geiz aber nimmt gemeiniglich mit den Iahren zu, das ist, er wird starker. Ueberdem so scheinet das Wort wachsen, in dem eigentlichsten Verstände, auch den Begns einer mehreren Ausdehnung in die Höhe mit sich zu führen, denn wenn man es von einer Ausdehnung in die Dicke verstehen will, muß man ausdrücklich hinznsetzen: Er wachset in die Dicke. Nun fangt das Pserd an in die Dicke zu wachsen. Der Baum ist dieses Jahr, fehr in der Dicke gewachsen. Und das scheinet die Ursach zu seyn, warum man von einein Menschen, der schon seinen Wachsthum in die Höhe gethan hgt, nach einer ausgestandenen Krankheit lieber sagt: Er hat wieder zugenommen, weil dieses Wort gleich anzeiget, er sey dicker und stärker geworden. Von einem jungen Menschen, bei welchem sich nach einer ausgestandenen Krankheit, beides zusam. men finden kann, würde man auch beides sagen: Er ist gewachsen, und hat wieder zugenommen» Man sagt anch von dem Wasser, es wachset und es nimmt zu. Daö Wasser ist diese Nacht, einen halben Fuß gewachsen, und auch: Es hat diese Nacht einen halben Fuß zugenommen. Das erste bloß in Absicht dessen, daß es höher geworden ist. Das zweite in Absicht dessen, daß mehr Wasser hinzugekommen ist. ?z. Frucht. Obst. Gewächse. L^n so weit wie das Wort Frucht, mit Obst undGe- wachse/ gleichbedeutend ist, wird dadurch alles ver« standen, was in dem Felde, oder in den Garten wachset, und den Menschen, oder dem Vieh, zur Speise dienet. K 5 Weizen, 154 Frucht. Obst. Gewächse/ Weizen, Rocken, Gerste, Erbsen, und dergleichen, sind Leldfrüchtc. Aepfel, Birnen, Kirschen, Spargel, Sallat, Schoten, u. s. w. sind Garrenfrüchte. Die Eichel ist die Frucht der Eiche. Die Buchnuß ist die Frucht der Bliche, u. f w. Öbst nenuct man die saftigen Früchte, welche roh, und ohne weitere Zubereitung gegessen werden. Dieses Wort ist sehr alt, es kommt schon bei dem lVilleram vor O^eL, Wiliergmo elt m/m.^ //'«K?^ »rborevü. S. Leibn. Loll. l^tvin. r>. izi. Das (D'ost wächset entweder aus den Bäumen, als Aepfel, Birnen, Pflaumen, u. s, w. oder auf Sträuchern, als Stachelbeeren, Himbeeren, und dergleichen, oder auf niedrigen Pflanzen, al6 Erdbeeren, Melonen, u. a. m. Auch die Weintrauben werden zum Obst gerechnet. Da wir ein besondres Wort haben, dergleichen Art Früchte zu bezeichnen, so ist es bloß eine unnöthige Nachahmung dev Franzofen, denen ein solches Wort mangelt, wenn einige sagen: Haben wir keine Früchte zum Nachessen? Gebt uns Früchte, und dergl. Ein Deutscher wird sagen: Haben wir kein Obst:' Gebt uns Obst. Denn das Wort Frucht, hat eine zu weitlauftige Bedeutung» Gartengewächse, nennet man diejenigen Pflanzen und Kräuter, welche in den Gärten gezogen werden, die man isset, ehe sie zur völligen Reife gelangen, und wieder Examen tragen. Artischocken, Spargel, Kohl, Mohrrüben , u. a. m. Man hat auch ausländische Bäume und Pflanzen, welche, weil sie die Kälte nicht vertragen können, im Winter, in besondern dazu eingerichteten Häusern müssen verwahret werden, diese nennen die Gärtner bisweilen schlechrweg, und gleichsam x«?-' kA^»,,, Gewächse. Die Häuser worin sie aufbehalten werden, heißen Ge- svöchshäuscp. 94. Ven Vergrössercn. Vermehren. Fehlen. Mangeln. 155 94. Vergrößeren. Vermehren. L^n dem eigentlichen Sinn, wird dasjenige vergröi/ fert, was in der Ausdehnung zunimmt. Hingegen, was inder Zahl und Menge zunimmt, wird vermehret. Man vergrößert eine Stadt, und vermehret die Zahl der Häuser, oder die Einwohner. Mcm vergrof- scrt einen Garten, und vermehret die Baume darin. Wenn sich die Einkünfte des Geizigen vermehren, so wird sein Goldklumpen vergrosserr. In dem uneigentlichen Sinn braucht man das Wort vergröjseren, in Absicht aus die Sache selbst, welche zunimmt. Vermehren, in Absicht aufdasjcnige, was das Zunehmen verursachet. Man sagt, das 'Ansehen, oder die Gewalt, dieses Mannes ist sehr ve-rgrössert worden, in Absicht auf sein Ansehen und seine Gewalt selbst, welche einen Zusatz bekommen haben. Man kann auch sagen: Sein Ansehen, oder seine Gewalt ist sehr vermehret worden, in Absicht auf die neuen Ehrenstel- lcn, welche er erhalten hat, oder auf die Mehrheit der Menschen, welche mm unter seiner Gewalt stehen. 95. Fehlen. Mangeln. enn man auf die eigentliche Bedeutung dieser Wörter Acht hat, so wird man auch den Unterschied in derjenigen Bedeutung, worin sie glcichgcltend sind, leicht entdecken können. Fehlen heißt, etwas nicht recht ma« chen: Mängeln heißt, nicht da seyn. Ich habe in diesem Stücke gefehlet, das ist, ich habe es nicht recht gemacht. Ich habe hier gemangelt, ist so viel, als, ich bin nicht da gewesen, und in diesem letzteren Sinn, nehmlich in der Bedeutung eines nicht Daseyns, werden diese Wörter bisweilen eins für das andere gebraucht. Man sagt.- Es fehlet noch etwas an dieser Summe, und auch: Es mangelt etwas daran. Dieser gute Freund fehler noch bei unserer Gesellschaft, und auch: Er mangelt dabei. Wir wollten das Spiel iz6 Fehlen. Mangeln. wohl spielen, aber es fehlet uns noch der vierte Mann, und auch: Es mangelt uns noch der vierte Mann. Aber auödem Unterschied dieser Wörter, in ihrer eigentlichen Bedeutung, lässet sich auch der Unterschied, hier in dieser Bedeutung bestimmen, da sie beide den Begrif eines Zeicht da seyns mit sich führen. Nehmlich fehlen zeiget an, daß die Abwesenheit nicht recht sey, und siehet zugleich auf denjenigen, der nicht recht gethan hat, daß er abwefend ist, öderes nicht recht gemacht hat. Mängeln, zeiget eine Abwesenheit an, wobei die daraus entstehende Unvollkommenheit, uns selber betrift. Fehlen siehet auf die Sache, welche nicht da ist, oder auf die Person, welche wegbleibet: Mängeln aufdaS- jenige, was durch die Abwesenheit, dieser Person, oder dieser Sache, unvollständig wird. So sagen wir: Es fehlet etwas an dieser Summe, und sehen dabei zugleich auf denjenigen, welcher den Fehler begangen, und sie nicht recht gezahlet hat, oder zum wenigsten ist unsere Absicht, auf die Sache selbst gerich- tet, welche nicht da ist, auf das Stück Geld, welches fehlet. Es mangelt etwas daran, drücket nur bloß die UnVollständigkeit aus, daß nicht alles da ist, was billig da seyn sollte. Indem wir sagen: Dieser Freund hat in unserer Gesellschaft gcfehlec, zeigen wir einiger Massen an, daß er nicht recht gethan habe, abwesend zu seyn, wir sehen besonders, auf diesen Freund selbst, welcher nicht gekommen ist. Er hat in unferer Gesellschaft gemangelt, zeiget an, daß unsere Gesellschaft durch feine Abwesenheit unvollkommen gewesen, und wir sehen dabei auf uns selbst, die wir feiner Gesellschaft haben entbehren müssen. Er hat uns gemangelt. So auch, wenn wir sagen: Es fehler uns noch jemand zum Spiel, so sehen wir auf eine Person, welche wir noch gerne bei uns haben Fehlen. Mangeln. Unsinnig. Sinnlos. 15? haben wollten, wir geben gleichsam zu verstehen, es sey nicht recht, daß sie nicht da sey. E6 mangelt uns noch jemand, siehet mehr auf uns selbst, die wir eines Mitspielers beraubet sind. Man sagt zu einem Kranken: Was fehlet dir? und siehet aufdie Sache selbst, deren ?lbwesenheitseine Krankheit verursachet, und welche daran schuld ist. Hiugegen, wenn man sagt t Was mangelt dir? so siehet man auf seinen Zustand, welcher durch die Abwesenheit einer Sache unvollkommen ist. Welcher Schüler fehlet in dieser Ordnung? Welcher Soldat fehler in dieser Rotte? siehet aufdiejenigen, wel- che nicht dasind, und Nicht recht gethan haben, daß sie weg bleiben. Welcher Schüler mangelt? Welcher Soldat Mangelt? siehet aufdie Ordnung, oder aufdie Rotte, welche durch ihre Abwesenheit unvollständig ist. Herr' Adelung hat bei dein Worte fehlen die Anmerkung gemacht: „Was Gottsched undHr.Stosch „von dem Unterschiede zwischen fehlen und irren, feh- „len Und mangeln behaupten, ist theils willkührlich, „theils spihfündig.,. Allein bloß ein solcher Ausspruch kann die Sache nicht entscheiden, und ich will es dem Urtheil, anderer Kenner unserer Sprache überlasten, obste Nicht wenigstens in den mehrcsten Redensarten, den von mir angezeigten Unterschied wahrnehmen werden. Ob Gottsched, dasselbe gesagt hat, ist mir nicht bekannt. 96. Unsinnig. Sinnlos. triefe Worter scheinen nur, gleichbedeutend zu seyn, und beide eine Beraubung der Sinne anzuzeigen, aber sie haben doch wirklich eine ganz verschiedene Be- deutung- llnsinnig drücket eine Beraubung der Vernunft aus, welche macht, daß man seine Sinne nicht rcchtge- braucht. Sinnlos / zeiget einen solchen Zustand an, da !58 Unsinnig. Sinnlos. Blüthe. Blume. Flor. da man keine Empfindung hat, und seine Sinne garnicht brauchen kann. Ein Mensch, welcher solche Dinge vornimmt, die eine Beraubuna der Vernunft anzeigen, ist unsinnig: Wer in einer Ohnmacht lieget, ist Sinnlos. M m sagt: Er schreiet, oder gebehrdet sich, als ob er unslnnig wäre, das ist, als ob er der Vernunft beraubt wäre, und die Sinne nicht recht brauchen konnte. Er stand bei dieser Nachricht ganz Sinnlos, will so viel sagen: Er schien ohne Empfindung zu seyn, und den Gebrauch seiner Sinne verlohren zu haben. 97. Blüthe. Blume. Flor. 6^>as Wort Blüthe kann überhaupt von dem ganzen »—^ Pflanzenreiche, so wohl von den Bäumen und Sträuchern, als von den niedrigeren Gewächsen und Kräutern gebraucht werden. Man sagt nicht nur von den Bäumen, welche eins eßbare Frucht tragen, als Aepfel, Birnen, Kirschen und dergleichen, sie stehen in der Blüthe: Dle Acpfcls blürhe, Birnblürhe, Ixirschblürhe, sondern auch von solchen, welche keine Frucht tragen, und nur einen bloßen Saamen zu Fortpflanzung ihres Geschlechts hervorbringen, sie sind in der Blüthe: Lindenvlüche, j^spcnblüthe, Pappclklürhe, und dergl. Und voii den Sträuchern Hiindeerblürhe, Schlecblürhe, Icsminb-üthe, u. s. w. Imgleichen von niedrigen Gewachsen und Krautern, Arddeerdlürhe, der Klee, der Flachs in der Blüthe: Dieses Kraut muß mit der Blüthe gesammlet werden: Man muß das Unkraut ausreißen ehe es in die Blüthe kommt, u. d. m. Die Naturforscher unterscheiden in dem Pflanzenreiche , die männliche und weibliche Blüthe. Die männliche Blüthe der Haselstaude, sind die Palmen, welche daran Blüthe. Blume. Flot. 159 daran hängen; die weibliche Blüthe, lässet sich anfden Trageknospen, in Form eines kleinen rothen Sternchens sehen, nnd wird von dein Staube, welcher aus den Palmen darauffällt befruchtet. Einige Gewächse haben eine swltrerdlüthc, und dergl. Die Benennung der Blumen, leget man besonders solchen Pflanzen bei, deren Blüthe, sich durch ihre schöne Farben oder angenehmen Geruch, vor anderen hervor thut, nnd welche theils wild, ohne alle Pflege, anfden Feldern nnd Wiesen wachsen, theils mit besonderem Fleiße, und vieler Wartung in den Gärten gezogen werden. . Softgt man: Die Wiesen stehen jeho voller Dlu-- men: Wenn die Kuhe im Frühjahre, die gelben Blumen fressen pfleget sich auch die Butter zu färben: Diese Blume wird zwar nicht geachtet, weil sie allenthalben wild wächset, sie ist aber so schön, daß sie zur Zierde in einem Garten dienen könnte. Die Aornblume hat die schönste blaue Farbe. Tulpen, Nelken, Anemonen, Hyacinthen, Auri- keln u. d. m. sind Blumen, welche in den Gärten gezogen werden. Aber auch von dieser pfleget man zuweilen das Wort Blüthe zu gebrauchen, sonderlich wenn das Wort Blume von den Pflanzen selber gebraucht, und von der Zeit redet, in welcher sie blühen. Z.B. die Aurikcln, die Tulpen, stehen jetzt in seinem Garten in der schönsten Blüthe. Dieses Wortes, kann man sich auch ganz wohl, für das ausländische Flor bedienen, obgleich dieses in dem gemeinen jeden, und unter den Blumenliebhabern gewöhnlicher ist, der Tulpenflor, der Nclkenflor. Von den Bäumen und Strauchern, pflcgetman daS Wort Blume nicht zu gebrauchen, obgleich einig« ihrer Blüthen, schöne Farben und einen angenehmen Geruch haben. Man sagt nicht: Eine Apfeldlume, Bir- nendlume, Alt werden. Aeltern. Veralten. nendlume, po»neranzenblume, pfirsichdlume, zErdbeerblume, sondern Apfeldlürhe, Öirnenblü, rl)e, n. s. w. Sogar den Spanischen Flieder, welcher doch in den Gärten, bloß um der Farbe und des Geruchs willen pfleget gepflanzet zu werden, rechnet man nicht unter dieÄlumen. Man sagt: Spanische Fliederblürhe, und der blaue^ heißt an einigen Orten die blaue Blüthe. 98. Alt werden. Aeltern. Veralten. enn die Redensart alt werden, von lebendigen Geschöpfen gebraucht wird, so siehet sie bisweilen blos auf die Zeit, und zeiget nur an, daß sie schon viele Jahre gelebet haben. So sagt man von einem Menschen: Er ist sehr alt geworden. Man findet jeßo verschiedene Exempel solcher Leute, welche sehr alt geworden sind, bloß in Absicht dessen, daß sie lange gelebet haben. Es wird gemeiniglich dafür gehalten, daß ein Raabe, über hundert Jahr alt werden könne, u. s. w. Bisweilen aber führet diese Redensartzugleich den Begrifeines Abnehmms, und untüchtig werdens, mit sich, und in solchem Verstände, wird sie von allen Dingen gebraucht. Ein Mensch wird alt/ wenn er in die Jähre kommt, da seine Kräfte abnehmen, Und er anfängt schwächer zu weeden. In gleichem Sinn, sagt man von einem Hunde, oder anderem Thiere, sie werden alt, wenn ihre vollkommene Kräfte abnehmen, und sie nicht mehr, so wie sonst, zur Arbeit tüchtig sind. Ein Kleid wird alt, wenn es abgenuhet und dünne wird. Ein Haus wird alt, wenn es anfangt baufällig zu werden. Ein Buch wird alt, wenn es abgenutzet wird, u. s.w. Aelrern, oder wie einige schreiben, Aelteln, wird eigentlich nur von den Menschen gesagt, denen man es nach den männlichen Iahren ansehen kann, daß dasAl« ter bei ihnen heran kommt, und sie abzunehmen anfangen. So sagt man: Dieser Mensch altert schon, daö ist, man siehet Alt. Bejahrt. Betagt. ,6, stehet es ihm an, daß ?r seine besten Jahre zurückgelegt habe. Seit dem ich ihn nicht gesehen habe, hat er sehr gealtert, das ist, ich kann es ihm ansehen, daß in der Zeit, das Alter bei ihn, herangekommen ist, und seine Kräfte abgenommen haben. Es geschiehet nur im Scherz, und uneigentlich, wenn man von einem Pferde sagt: Es altert schon. Einige sagen auch ältcln, von seiche» Dingen, welche anfangen nach der Faulniß oder dem Schimmel zu riechen. Das Fleisch alrelr schon, das ist, es sangt an übel zu riechen. Hingegen sagt man: Der Rheinwein altelt, in einem guten Verstände, wenn man schmecken kann, daß er alt und also besser wird. Veralten, sagt man von solchen Dingen, welche durch vielen Gebrauch, z» ihrer Bestinmnmg untüchtig werden. Das Kleid ist veraltet. Es sind eitel veraltete Sachen, welche man durch diesen Ausruf zu verkaufen sucht. 99. Alt. Bejahrt. Betagt. Alt, wird überhaupt von allen Dingen gebraucht. Bes ^ jährt und Betagt, nur allein von den Menschen. Man sagt: Ein alter Mann. Ein altes Haus. Ein altes Kleid. Ein altes Thier, n. s. w. Aber nicht: Ein bejahrtes oder betagtes Thier. Ein bejahrtes oder betagtes Haus, u.s.w. Hingegen: Ein bejahrter oder betagter Mann. Eine bejahrte ober betagte Frau. Ohngeachtet es scheinen mochte, als ob bejahrt, noch ein grösseres Alter ausdrücken müste, als betagt, so hat doch der Gebrauch das Gegentheil eingeführet. Einen bejahrten Mann, nennet man bisweilen denjenigen, welcher nur in dem Anfange des Alters stehet. Wenn wir sagen wollen, daß jemand nicht mehr jung sey, sondern schon die Jahre des männlichen Alters zurück gelegt habe, so sagen wir: Er ist schon ein bejahrter Mann. Scoschl.TH. L Frisch l62 Nachlaßigkeit. Faulheit. Nittßiggattg. Frisch übersehet daher das Wort bejahrt seyn: ^t-u« x> vvcctum eile. A ber ein betagter Mann, zeiget einen solchen an, der schon ein hohes Alter erreicht hat: 1.c>nZA> vuii. 8enio contec^uz. (Siehe Frisch Wörterb. bei den Wörtern Jahr und Tag.) Man pflegt auch das Wort betagt, in dem gemeinen Umgänge nicht zu gebrauchen, sondern bedienet sich desselben nur, in einem höheren Styl, als einen edleren Ausdruck für das Wort alt. In der Bibel findet man den Ausdruck: Alt und wohl berager. l B. Mos. i8,Item i B. d.Kön. i, i. iOO. Na6)läßilzkeit. Faulheit. Müßig? gang. HVeNackläßigkeit undFanlhelt, stehen dem Fleiß: «-^ Der ^ jüßlggang, stehet der Arbeitsamkeit, entgegen. Ein nachlaßiger Mensch, verrichtet entweder die Arbeit gar nicht, die ihm vermöge seines Berufs oblieget, oder er verrichtet sie nur obenhin, ohne darauf die gehörige Sorgfalt zu wenden. Ein Fanler scheuet die Arbeit, alles was nur einige Bemühung ersodei t, ist ihm zuwider. Ein Ll'iüßigganger findet ein Vergnügen darin, daß ernichrs thut, und Hasjet die Arbeit. Er ist also in der menschli« chen Gesellschaft ganz unnütze. Man kann bisweilen in seinem Berufe nachlaßig, und doch in andern Dingen, arbeitsam und fleißig seyn. Ein Mann, welcher sich gar nicht zu Unterweisung der Jugend schicket, und doch viel Wissenschaften besitzet, ist aus Noth gedrungen, einen Schuldienst anzunehmen. Er siehet selbst, wie wenig Fähigkeit er dazu besitzet, und da ihn feine Neigung zu höheren Dingen treibt, so wird er nachlaßig in seinem Berufe, und befchafftiget sich mit andern Dingen. Er leger sicl? auf die Naturkunde, er erforschet die Alterthümer, er schreibt Bücher. Darin ist er arbeitsam und fleißig. Ei" Arbeitsam. Geschaffn^ Emsig. Ein Fauler ist niemals fleißig, und wenn er arbeit» muß, so kann er es nicht anders, als mit der gröffc'^'u Langsamkeit thun. Ein Müßiggänger ist ebenfalls niemals fleißig, aber wenn er bisweilen zur Arbeit gezwungen wird, so km», « r es doch mit Hurtigkeit thuu, ja er stellet sich oft sehr ^c- schäfftig an. Dem Faulen ist bisweilen seine eigene Faulheit zisr Last, und er ist darüber mit sich selber misvcrgnügr. Der Müßiggänger findet allemal einVergnügeu darin, daß er nichts thut, er hastet alle Arbeit und alle Geschaffte. Die ^lachlaßigkeit, rühret oft von einer Übeln Erziehung her, wenn man in der Jugend nicht dazu ang^ halten ist, die Arbeit, die uns oblieget, sorgfältig zu vorrichten. Sie ist allemal unrecht. DieFaulhcir, hatgemeiniglicheine üble Beschaffenheit des Körpers zum Grunde, und ist ein Fehler, od^> Gebrechen. Der Müßiggang kommt aus einer böfen Gemüth- befchaffenheir her, und ist ein Laster. Daher kaun m manchen Fäitrn eher die Faulheit als der MüßMane,' entfchuldiget werden. Arbeitsam. Geschässtig. Gmstg. er niemals müßig ist, fondern sich allezeit etwas thun machet, den nennen wir arbeitsam. wirklich zu thun hat, und sich dabei viel Mühe giebt, i)b sie gleich oft unnöthig ist, den nennen wir geschäh t! . Wer beständig über die Arbeit liegt, die er sich vorgen^ , men hat, und sich alle mögliche Mühe giebt, sie gut zu machen, der ist emsig. Der Arbeitsame, verrichtet nicht nur diejenige Ar. beit fleißig, welche ihm oblieget, sondern er macht sich auch zu thun, wenn er keine Arbeit hat. Der Gejci>5si> hat etwas zu thun, aber er giebt sich oft viel unui)chu^ L 2 Mi 164 Arbeitsam. Geschasstig. Emsig. Mühe dabei, und man wird gemeiniglich finden, dciß soll cheMenschen, welche wenig zu thun haben, sich bei einer vorfallenden Arbeit, am Zeschafjngjtctt erweisen. Der Emsige/ leget sich rechr auf seine Geschaffte, und verrichtet sie mit grosser Gesiissenheit. Arbeitsam, siehet mehr auf die Gemüthsbeschaffenheit eines Menschen, welche ihn zur beständigen Arbeit antreibt: GeschäsftlI, auf das ausserliche Betragen, wodurch er zeiget, daß er zu thun habe: j^mslg, auf die Sorgfalt und Gefiissenheit, womit er seine Arbeit verrichtet. Das Wort Geschafftig heißt eigentlich, Geschaffte verrichtend, und man braucht es wirklick in dem Verstände, daß man dadurch anzeiget, ein Mensch gebe sich viele Mühe bei seiner Arbeit, und in demjenigen, was er zu thun hat. So sagt man: Er hat sich hierbei sehr ge- scbäffriI erwiesen. Ein geschafftigeo Leben, ist ein sol. ches Leben, in welchem man viel Geschaffte verrichtet, und immer zu Verrichtung derselben geneigt ist; Allein man verknüpfet auch sehr gewöhnlich, mit diesem Worte den Begriff, daß manche Mühe, welche man sich giebt, unnöthig sey, lind man. sich nur darum Iejct)äfftlg bezeige, damit die Leute sehen sollen, daß man sich Mühe gebe. Ein Mensch, welcher in einem öffentlichen Amte stehet, verrichtet nicht nur diejenige Arbeit sorgfaltig, z:: welcher er verbunden ist, sondern nimmt sich auch in denen Stunden, da er eigentlich keine Gcschäffte hat, allemal mihliche Arbeit vor: Oder einer, welcher von seinen Zinsen lebt, und kein Amt hat, das ihn besonders zu einiger Arbeit verpflichtet, macht sich doch bestandig zuthun: Er kauft sich ein Landgut, auf welchem er wirthschaften kann, oder er liefet, schreibt Bücher, und dergleichen. Diese Menschen sind arbeirstun. Eine Edelfrau auf dem Lande bekommt Gaste, sie läuft in dem Hauss aus und nieder, um alles in gute Ordnung - ° ^ Muße haben. Müßig sey!:. Müßig gehet:. 165 ming zu bringen, die Mahlzeit zu bestellen, ihr Schlafgemach zu bereiten, uud dergleichen; bald fallt ihr dieses, bald jenes ein. Diese Frau ist geschaffn«., sie lasset es recht sehen, daß sie sich Mühe gebe, ihre Gaste gut zu bewirthen. Ein Künstler verfertiget eine Arbeit, für welche er eine ansehnliche Belohnung erwartet, er arbeitet alfo ohne Unterlaß daran, und giebt sich alle Mühe, sie gut zu ma. chen. Dieser Künstler ist emsig in seiner Arbeit. Gemeiniglich schaffet der Arbeirsame Nutzen. Der Ge- -schaffrige giebt sich oft viel Mühe, die ohne Nutzen ist, und deren er sonnte überheben feyn. Der Amsige verrichtet feine Arbeit ernstlich »nd gut. 102. Muße haben. Müßig seyn- Müßig gehen. 5IH>er feine Arbeit verrichtet, und einige Zeit übrig hat, die er del' Ruhe, oder dem Vergnügen widmen kann, der hat Muße. Wer keine Geschaffte hat, der ist müßig. Wer sich mit nichts beschäftigen will, der gehet müßig. Etwas bei guter Muße verrichten, heißt, es in solchen Stunden thun, da man keine andere Geschaffte hat, und sich Zeit dazu nehmen kann. Müßige Stnn. den haben, heißt, keine Geschaffte haben, ohne Arbeit seyn. Müßig gehen, heißt, sich nicht bescdäffngen wollen, und ein Vergnügen darin finden, daß man nichts thue. Das Wort Muße, bedeutet eigentlich eine Zeit der Ruhe, die man nach der Arbeit hat. Das Wort Müßig hat zweierlei Bedeutungen, bisweilen wird «6 in einem guten, und bisweilen in einem bösen Sinn gebraucht. In dem ersteren zeiget es nur an, daß man keine Arbeit hat, welche man nothwendig zu verrichten verbunden wäre. In dem anderen zeiget es L 5 ein > i56 Gabe. Geschenk. rin solches Gemüth an, welches sich mit nichts beschaffti- gc» will, und alle Arbeit hasset. Ich bin jetzo müßig, will weiter nichts sagen, als, ich habe keine Arbeit, die ich nothwendig verrichten müßte. So sagt man auch: Die Pferde stehen im Stalle müßig, das ist, sie haben keine Arbeit. Hingegen in den Redensarten: Dieser Mensch gehet müßig; Er sitzet den ganzen Tag müßig, hat diesem Wort, einen bösen Sinn: Eö zeiget an, daß dieser Mensch, nichts thun will, und also eine unnütze Last der Erde ist. I0Z. Gabe. Geschenk. igentlich heißt eine Gabe, alles was man freiwillig und umsonst giebt. Die freiwilligen Opfer unter dem alren Testament, wurden G^ben genannt. Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst. Matth. 5. v. 2z. Mau sagt: Ä.cibesgaben, Gemurbsgaben, weil sie uus Gott, aus freiem Willen und umsonst gegeben hat. Sonderlich nennet man dasjenige eine Gabe, was man den Armen giebt. Geschenk, nennet man dasjenige, was man einem andern ans freiem Willen giebt, um entweder, gewisse Dienste, welche er uns geleistet hat, außerordentlich zu belohnen, oder ihn aufzumuntern, oder uns ihn verbind» lich zu machen. Wir sagen: Der Arme hat eine Gabe empfangen. Wenn etwas zum Besten der Armen gesammlet wird, können wir sagen: Dieser Mensch hat eine reiche Gabe dai zu beigetragen. Wir machen unseren Bedienten bis, weilen ein Geschenk, um sie auf eine austerordeutliche Weise zu belohnen, oder aufzumuntern. Wir machen jemanden, der uns in einer Sache helfen kann, ein Ges schenk, um ihn desto mehr dazu zu bewegen, u.s.w» Beide Wörter werden bisweilen zusammen gesetzt. Man sagt von einem ungerechten Richter: Er nimmtger» ne Nicht recht. Unrecht. 167 ne Gaben und Geschenke an. Sprach sagt: Gesehen- kc und Gaben verblenden die Weisen. Snr. 20, zi. In diesem Fall dünkt mich, ist das Wort Gabe nur allgemeiner, und zeiget alle, auch die genügst?», Dinge an, welche man einem solchen Menschen zufliestsn laßt. Geschenk, bedeutet etwas grösseres, wodurch man ihm besonders zu verstehen giebt, daß man dafür eine andere Gefälligkeit, nehmlich seinen Beistand und Hülse verlange. ,04. Nicht recht. Unrecht. ^V>ichr recht, bedeutet bloß eine Einziehung des Rech- tes, oder desjenigen, was einer Sache zukommt. Unrecht, drücket zugleich so etwas aus, was dem Rechte entgegen stehet. Wir sagen: Der Richter hat jemanden sein Recht nicht wiederfahren lassen, wenn er ihn abgewiesen hat, und feine Sache nicht hat hören wollen. Er hat ihm unrecht gethan, wenn er ihm nicht nur fein Recht entzogen, sondern auch solchen Spruch gethan hat, wodurch er zu einer Strafe verurtheilet, oder auf eine andere Weife beleidiget worden. Es ist nicht recht, wenn man den Armen nichts geben will. Es ist überdem noch nnrecht, wenn man sie verspottet, oder sie mit harten Worten beleidiget. Wir sagen: Er hat mich nicht recht verstanden, wenn jemand, den eigentlichen Sinn unserer Worte, nicht begriffen hat. Er. hat mich unrecht verstanden, wenn er unseren Worten eine ganz andere Bedeutung giebt. Die Jünger Christi, verstunden nicht recht, was er zu ihnen von seinem Hingang zum Vater redete. Die Juden verstunden seine Worte ganz unrecht, die er gesagt hatte: Brechet diesen Tempel. Als Alarich Rom eingenommen hatte, und dem Kaiser Honorius die Nachricht gebracht wurde, Rsm sey vcrlohren, verstund er es unrecht, j 4 indem I6Z Scheiden. Trennen. indem er meinetc, es sey ein geliebter Hahn, welchem eb den Namen )>om gegeben. 105. Scheiden. Trennen. AV>cnn diese Wörter von körperlichen Dingen gebraucht werden, so hat Scheiden eine Absicht auf dasjenige, was vermischet; Crenncn, auf dasjenige, was ver« bunden oder verknüpfet ist. Man scheidet die Metalle, welche mit einander vermischet sind, um die edlen von den unedlen abzusondern. Ein Hirte scheidet die Schafe von den Böcken, welche unrer einander vermischt hemm laufen. Gott scheidere die Wasscr über der Veste, von den Wassern unter der Veste, t B. Mos. 1,7. welche vorher mit einander vermischet waren. Man trennet eins Nach aus. Der Schneider trennet ein Kleid auf, welches er umwenden will. Durch einen Säbelhieb, wird der Arm vom icibe Ierrenner. Im moralischen Verstand?, hat oft eben die Bedeu- tung Platz. Man sagt: Eheleurc scheiden sich. In Absicht dessen, txiß vorher, alles was sie hatten, vermischt und gemeinschaftlich war. Dc?s Band der Ehe wild ges trennet; Der Tod trennet die Eheleute: In Absicht auf ihre Verbindung, welche aufhöret. Zween Kaufleute, die in Gesellschaft gehandelt hatten, scheiden sich, wenn jeder von den Waaren, die unter einander vermischet sind, und aus der gemeinschaftlichen Easse, dasjenige nimmt, was ihm zukommt. Diese Kaufleute trennen sich, wenn sie ihre Verbindung aufheben, und nicht mehr gemeinschaftlich handeln wollen. So sagt man auch: Ein Vündniß trennen. Die Vereinigten haben sich gcrrenncr. In beiden aber, sowol im eigentlichen als im figürlichen Verstände führet das Wort Trennen, den Begriff einer Absonderung mit sich, welche mit Gewalt geschiehet. Wenn Scheiden. Trennen. 169 Wenn man sagt: Diese Kaufleute haben sich geschieden, so zeiget solches an, daß sie es freiwillig und ohne Zwang gethan haben. Hingegen: Sie haben sich gctrennec, giebt zu verstehen, daß sie durch besondere Ursachen, dazu gleichem sind gezwungen worden. W ?7O Gottesfurcht. Gottfeeligkeit. Frömmigkeit. 106. Gottesfurcht. Gottseeligkeit. tH!>ie Gottesfurcht ist diejenige Furcht vor Gott, wel- "^-^ che unö bewegt, niemals so etwas zu thun, wodurch er beleidiget werden, oder was ihm miöfallen könnte, und hingegen alles zu vollbringen, was ihm wohl gefallt. Das Wort Gorrfeeligkeit, hat eine Beziehung auf das Vergnügen und die Glückseligkeit, welche ein Mensch empfindet, der die Pflichten der Religion erfüllet, und im Gebet und heiligen Uebungen, einen genauen Umgang mit Gott hat. Das Wort Frömmigkeit, enthalt den Begriff einer besonderen Sorgfalt und Eifers, womit man die Pflichten der Religion beobachtet. Ein gorceefurchriger Mensch, thut alles was Gott von ihm fodert, weil er sich fürchtet, ihn durch Ungehor» sam zu beleidigen. Ein Frommer, thut es mit grossem Fleiß undEifer, damit er Gott desto mehr gefallen möge. Ein Gottsceliger, empfindet das Vergnügen und die Glückseligkeit, welche daraus entstehet. Wo wahre Gottesfurcht ist, da ist auch Frömmigkeit und Gorrfceligkeit, alle drei sind gemeiniglich mit einander verbunden; Allein wenn wir sagen: Man muß Gorr fürchten, so sehen wir doch allemal mehr darauf, daß man sich scheuen muß, etwas zu thun, was Gott niisfallig seyn könnte. Wenn wir sagen: Man muß fromm seyn, so sehen wir mehr darauf, daß man mit Sorgfalt und Eifer die Pflichten der Religion beobachten muß. Wenn wir sagen: Man muß gottfeelig seyn, so sehen wir mehr daraus, daß man sich bemühen muß, durch Beobachtung dieser Pflichten, mit Gott vereiniget und glückseelig zu werden. Bisweilen werden diese Wörter, auch in einem sehr tveitläuftigen Sinn genommen. Da ein gottesfurchti- Frömmigkeit. gcr Gottesfurcht. Gottseeligkeit. Frömmigkeit. 171 ger Mensch sich allezeit scheuet, Böses zu thun, und alles vollbringet, wodurch er Gott zu gefallen gedenket, so beobachtet er alle Pflichten der Religion, er thut alles, was er Gott, dem Nächsten, und sich selber schuldig ist, daher begreifen wir unter der Gottesfurcht, bisweilen alle Pflichten des Menschen, die ganze Religion. So wird dieseöWort, sehr oft in der Bibel gebraucht: Pf.m, 10. Die Furcht des Herr»,, ist der Weisheit Anfang. Pred. Sal. 12, iz. Die Hauptsumma aller jehre ist: Fürchte Gorr, und halte seine Gebote. Auf gleiche Weise, weil der Fromme alle diese Pflichten, mit besonderem Eifer vollbringet, so nennen wir Frömmigkeit, in einem weitläufigen Sinn, eine sorgfaltige und genaue Beobachtung, alles dessen, was die Religion lins vorschreibt. Und in eben dem Verstände, wird auch das Wort Gotrfceligkcir, bisweilen genommen, weil eben aus der Vollbringung, aller, von Gott befohlnen, Pflichten, das Vergnügen unddieGlückfkilig- keit entstehet, welche man in dem Umgange und der Gemeinschaft mit Gott genieffet. In solchem weitläuftigen Verstände, werden diese Wörter oft eins für das andere gebraucht. Gorresfurchrig, fromm, gotrseeliI seyn, heißt, Gott dienen und alle Pflichten der Religion erfüllen. Das Wort Frömmigkeit, wird auch bisweilen sehr eingeschränket, und nur bloß auf die Pflichten des Gottesdienstes erstrecket. Man sagt; Ein Mensch ist fromm, wenn er fleißig betet, dem öffentlichen Gottesdienste beiwohnet, das Wort Gottes liefet, und dergleichen. In dieser Beziehung , hat die Frömmigkeit etwas von der Andacht an sich, und sie kann heuchlerisch, oder aufrichtig seyn. Jene nimmt nur den Schein an, diese kommt aus gutem Herzen her. 107. Aw ,72 Andacht. Imbrttttst. Andächtelci. 1O7. Andacht. Imbrunst. Andächtelen ?i «dacht, ist eine innerliche Erhebung des Herzens «—^ zu Gott, welche sich äusserlich durch gewisse Gebehr- den zu erkennen giebt. Sie siuder sich bei allen Pflichten de5 Gottesdienste!?. Mau nnisi andächtig seyn, bei dem G.bcr, bei d?r Anhörung des göttli6)en Wortes, bei dem Gesänge, und in ulle» Stücken, welche beim Dienst Gottes beobachtet werden. Ein Andächtiger, wird bei allen diesen Pflichten, nicht nur sein Herz innerlich zu Gott erheben, sondern sich mich äusserlich so verhalten, daß sein ganzes Betragen, von der innerlichen Ehrfurcht zeuge, die er vor Gott hat, und die Erhebung seines Herzens zu ihm au den Tag lege. ^inlxunz?, wird, in so weit wie es mit Andachc übereinkommt, nur von dem Gebet gebraucht. Da hingegen das Wort Andacht, sich, auch auf die Anhörung des göttlichen Worts, und andere Stücke des Gottesdienstes beziehen kann. Es ist eine Eigenschaft des frommen Beters, welche sich nicht aussprechen, sondern nur empfinden laßt, wodurch die Seele sich dergestalt zu Gott erhebt, daß su' wirklich empfindet, wie sie mit ihm umgehet, mit ihm redet, und die Versicherungen seiner Liebe empfängt. Bisweilen braucht man auch das Wort Andachc, in einem bösen Sinn, für Scheinheiligkeit: Er hat sich unter die Andächtigen begebm, das ist, uuter die Secte sol« chcr Leute, die einen besonderen Schein der Frömmigkeit haben wollen. Und einige übersetzen daher auch das französische Wort un cicvnt, welches ebenfalls bisweilen in einem böfen Sinn genommen wird, durch : Ein Andächtiger. Ludewig der vierzehnte, wurde in den leßtenIah- reu seines Lebens ein Andächtiger. Er ergab sich in seinem Alter der Andacht. In den Nachrichten, zu dem leben der Frau von Maintenon, finde ich es durch ein Lrömm- Werth. Preis. Gehalt. 17z LrömmlinI gegeben. Dergleichen falsche Andacht nnd Schcinheiligkeir, nennet man auch Andächrelei, dieses Wort aber führet allezeit einen verächtlichen Begriff mit sich, welchen man nur dadurch zu mildern sucht, daß mal» das Wort Andacht dafür setzet, wenn man von solchen Personen redet, denen nian einige Achtung schuldig ist. io8. Werth, preis. Gehalt. L^cde Sache hat einen gewissen lVerth an sich selber: Was man aber dafür bezahlet, ist der preis. Die Nutzbarkeit oder auch die Schönheit einer Sache bestimmet ihren N)errl), aber der preis derselben, wird oft bloß nach unserer Einbildung gesetzt. Mai, bezahlet bisweilen eine Sache in hohem preise, weil sie selten ist, ohngeachtet sie weder Nutzen noch Schönheit hat. Der preis einer alten Kupfermünze, übersteiget bisweilen wohl zehcn mal den N>errh derselben, bloß darum, weil sie selten gefunden wird. Weil die goldenen Mmnzen vom Kaiser Otho, so selten sind, werden sie von den iiebhabem der Alterthümer, mit einem sehr hohen preise bezahlt, ob sie gleich an sich, keinen grösseren XVerrh haben, als andere von den damaligen Kaisern. Was wir brauchen können, dessen N)crtb wird durch den Nutzen, was bloß zur Zierde dienet, dessen N?errH wird durch die Schönheit bestimmt. Wir brauchen Rocken, Tuch, ieimvand, und andere Dinge zu unserem Nutzen, also haben diese Dinge, einen innerlichen Merth, welcher sich nach ihrer Nutzbarkeit, oder n^ch ihrem Verhältniß mit andern Dingen richtet, wenn sich aber ein Mangel daran findet , steigen sie höher im preist'. Ein schönes Gemählde, welches von einem geschickten Künstler verfertiget worden, ist mehr rvcrrl?, als ein anderes, wel» ches ein schlechter Mahler gemahlt hat, darum, weil es schöner ist. Wenn aber der Künstler längstens verstor- ben, -74 Werth. Preis. GeHall. ben, und selten mehr ein Stück von seiner Arbeit zu haben ist, so steigen dergleichen Gemählde, oft so hoch im Preise, daß der preis den N>erth übertrifft. Man kann also nicht allemal, aus dem preis einer Sache, den^Verrh derselben beurtheilen. Wenn die Liebhaber der Alterthümer, diesen Dingen einen besondern lVerth zueignen wollen, so besiehet solcher lVerrh nur in der Einbildung, an sich selbst haben sie denselben nicht. Eine goldene Münze vom Kaiser errh, als eine andere dergleichen vom Kaiser Attgustus; Allein weil die ersten viel seltener sind, so legen ihnen, die Sammler alter Münzen, auch einen weit höheren lVerrh bei, und bezahlen sie in einem viel höheren preise. Hingegen, i„ Ansehung solcher Dinge, welche uns nothwendig oder nühlich sind, kann die Seltenheit den N)errh derselben erhöhen, und erwirb nach dem Verhältnisse bestimmt, worin sie mit andern Dingen stehen. Zum Exempel: Zur Zeit eines MiSwachseS, können sechs bis acht Scheffel Rocken, so viel werth seyn, als ein fetter Ochse, da sonst ein fetter Ochse, wohl vier und zwanzig Scheffel Ro- cken werth ist, weil sich der 5Verrh nothwendiger und nützlicher Dinge nach dem Verhältniß bestimmt, worin sie mit andern Dingen stehen, und nach dem Nutzen, welchen wir davon haben. Gehalt, wird in dem Verstände, worin es mit den vorigen gleichbedeutend ist, besonders von dem innerlichen Werth des Goldes und Silbers, oder anderer Metalle, und der Münzen, gebraucht. Man jagt: DasKronen- gold ist nicht so gut an Gehalt, als Dukatengold. Das Silber ist zwölflöthig, vierzehenlöthig an Gehalt. Man sagt: Diese Münze hat so viel an innerlichen lVerrh, und auch: Sie hat so viel an Gehalt. Imgleichen: Geringhaltiges Geld. 109. Ei« Scharf. Scharfsichtig. Durchdringend. 175 109. Eigennützig. Gewinnsüchtig. Kleides hat eine Absicht, auf den Vortheil und Nutzen, welchen ein Mensch bei aller Gelegenheit zu erlange» sucht. Aber die Gewinnsucht ist schlimmer als der ^lgennurz. Dc>6 etste zeiget eine Neigung und Bemühung an, seinen eigenen Nutzen zu befördern; Das zweite eine unmäßige Begierde, bei aller Gelegenheit einen Gewinn zu machen. Ein elgennürziger Mensch, thut nicht leicht etwae, wovon er keinen Vortheil hat. Ein Gewinnsüchtiger, will au6 allen Dingen Vortheil ziehen. Der Eigennützige, nimmt die Gelegenheit iii Achr, und brauchet sie, wo er einen Vortheil erlangen kann. Der Gewinnsüchtige, sinnet beständig darauf, und sucht nur immer sich solche Gelegenheit zu verschaffen. Der Eigennürzige, liebet zwar den Vortheil, mehr als er sollte, aber er überleget noch dabei, ob dasjenige, was er bekommt, auch der Mühe werth sey, welche er sich darum geben muß. Der Gewinnsüchtige, scheues keine Mühe, woraus ihm nur der geringste Vortheil zu« wächset, ja, er läßt sich oft verleiten, unanständige und unerlaubte Mittel zu gebrauchen, wenn er nur davon sei» nen Vortheil ziehet. "O. Scharf. Scharfsichtig. Durchdringend. 5^n dem eigentlichen Verstände, wird scharf gebraucht von schneidenden Werkzeugen: Scharfsichtig von guten Augen: Durchdringend von einer Sache, welche durch eine andere durchgehet, und eindringet. Man sagt: Ein scharfes Messer, ein fcharfts Schrverdt, u. s. w. Scharfsichtige Augen, welche in der Ferne sehen, oder solche Dinge, deutlich entdecken können, die andern dun- ^ 576 Scharf. Scharfsichtig. Durchdringend. kel sind. Ein durchdringender Regen: Ein durch, dringender Schlag. In einem uneigentlichen Sinn, werden diese Wörter Such von dem Verstände des Menschen gebraucht, und nur alödann sind sie mit einander einiger masscn gleichbedeutend, in so weit, daß sie einen Verstand anzeigen, welcher leicht etwas entdecken kann. Allein sie unterscheiden sich in folgenden Stücken. Ein fcharfer Verstand, siehet leicht alle Umstände einer Sache ein, und entdecket, in welchen Fällen sie möglich sind. Ein scharfsichtiger Verstand, erblicket die Wahrheit, auch hinter den Decken, womit man sie verhüllen will, er lasset sich durch den Schein nicht betrügen. Ein durchdringender Verstand, ergründet die Wahrheit, und erforschet die Ursachen derselben. Wer leicht übersiehet, ob eine Sache ihm nuheu kann, und ohne viele Mühe alle Fälle entdecket, in welchen es möglich ist, daß sie ihm Vortheil bringe, oder wer leicht siehet, wie eine Wahrheit mit der andern zusammenhanget, und wie dasjenige, worin sie sich zuwider zu seyn scheinen, verglichen werden, und doch mit einander bestehen kann, der hat einen scharfen Verstand. Wer durch alles, womit man die Wahrheit vor ihm zu verbergen sucht, oder durch allen falschen Schein, welchen man einer Sache giebt, sich doch nicht verblenden läßt; z. E. ohngeachtet aller Verstellung eines Hochmüthi- gen, und ohngeachtet aller äußerlichen Demmh und Höflichkeit, welche er annimmt, dennoch den Hochmuth erblickt, der darunter verborgen ist, und siehet, daß ein solcher Mensch, nur höflich und demüthig sey, um desto mehr geehret zu werden, der ist scharfsichtig, oder hat einen scharfsichtigen Verstand. Wer neue Wahrheiten entdecket, wie z.E. Newton, die Figur der Erde, und die Ursachen davon erforschet) imglei- Einbildung. Hochmuth. Stolz. Hoffarth.:c. 177 imgleichen, wer allezeit auf den Grund einer Sache gehet, ohne sich bei den Nebendingen aufzuhaken, von dem kann man fagen, er hat einen durchdringenden Verstand. Alle drei Eigenschaften / sind gemeindlich mit einan- der verknüpft, aber die eine pflegt doch allezeit, einenge« wissen Vorzug zuhaben, so, daß ein Mensch die Scharfe, oder die Sckarfftchrigkeit, oder das Durcbdnn. gende, des Verstandes, in einem höheren Grad besitzt als der andere. in. Ginbildung. Hochmuth. Stolz. Hoffarch. Aufgeblasenheit. Dünkel. Eigendünkel. <^>ie Einbildung bestehet in einer allzu guten Meinung, ^ welche ein Mensch, von sich selbst und seinen Ver- diensten hat. Der Hochnnitl) ist eine Begierde, sich über andere zu erheben, und mehr zu seyn, als man in der That ist. Der Stolz bestehet in der wirklichen Erhebung über andere, welche man gegen sich selber gering schätzet. Die Hoffarrt? hat den Hechmuth zum Knin, de/ und bestehet in einer ausserlichen Prucht, wodurch man sich über seinen Stand zu erheben, und bei andern ein Ansehen zu erwecken sucht. Die Aufgeblasenheit, ist aus Einbildung, ^ochmurk, Stolz und Hof- fartl) zusammen geseßet und der höchste Staffel davon. Ein eingebildeter Mensch, eignet sich selbst, gewisse gute Eigenschaften und Vorzüge zu, welche er in der That nichr hat. Ein Hochmütbiger, kann wirklich Vorzüge und gute Eigenschaften besitzen, aber er will eben deswegen mehr seyn als er ist, und sucht sich über andere zu erheben. Ein Stolzer, erhebet sich wirklich mehr als er thun sollte. Weil er einige Vorzüge besitzet, so siehet er dieje- Srofch l.-Tb. M nigen, ,73 Einbildung. Hochmuth. Stolz. Hoffarty. nigen, welche solche Vorzüge nicht haben, mit verächtlichen Augen an. Ein Hosfartiger, bezeiget den Hochmuth, in seinem ganzen Betragen, er liebet die Pracht, und setzet eine Eh^e ourin, wenn er kostbarer / als andere, gekle,detisi> mehr Bremen hat, u. s. w. Der Anfgeblaje-.e, ist ganz unmaßig von sich selber eingenommen, er w!ll allenthalben der Vornehmste seyn; Er siehet andere verächtlich an; Er redet mit niemand freundlich, den er nicht für seines Gleichen hält: Er ist gtbiecherisch gegen Geringere; Er treibet die Pracht, so weit als er nur immer kann, weil er denket, daß man ihn! um desto mehr ehren werde, U. s. w. Ein eingebildeter Mensch ehret sich selbst. Ein »^ochmüchiZer will von andern geehret seyn. Ein Stolzer trotzet aus seine Vorzüge, und verachtet diejenigen, welche sie nicht haben. Ein Hojfarnger suchet die Ehre dadurch zu erlan« gen, daß er seine Vorzüge, Reichthümer, und dergleichen , allen Menschen vor Augen leget. Ein Aufgeblasener kann, seiner Einbildung nach, niemals genug geehret werden, alle Menschen scheinen ihm, gegen sich selbst gering zu seyn. Die Einbildung verleitet zum Hochmuth. Der Hocbmuth ist gemeiniglich mit iLinbildiing verknüpfet, und verleitet zum Stolz. Bei dem Srolze sind Einbildung und Hochmuth zugleich; und ein Stolzer ist auch gemeiniglich hoMrtig. Bei der Aufgeblasenheit, kömmt alles in dem höchsten Staffel zusammen: Man hat eine übertriebene Meynung von sich selbst, und seinen Verdiensten, man trotzet aus einige Vorzüge, welche man besitzet, man will über alle andere erhoben seyn, man ergiebt sich der Pracht, und siehet andere gegen sich verächtlich an. Die « Aufgeblasenheit. Dünkel, Eigendünkel. 179 Die Einbildung und der Hochmuth > lassen sich bisweilen verbergen, sie stellen sich sogar demüthig an> und bewegen uns, andern Ehre zu erzeigen, in der Ab« ficht, damit uns hernach desto grössere Ehre wiedcrfahren möge. Der Stolz, die Hoffarthund dieAufgeblas- senheir, können sich niemals verbergen, sie blicken in allen Handlungen des Menschen, auch wider seinen Willen, hervor. Auch die Wörter, Dünkel und Eigendünkel, kön. nen einiger Maaßen Hieher gerechnet werden, indem sie ebenfalls eine übertriebene gute Meinung zu erkennen gebm, welche jemand von sich silbstund seinen Verdiensten hat, und welche aus der Einbildung und dein Stolze entstehet Man sagt: Er hat einen unaussprechlicheil Dünkel: Sein Dünkel ist unausstehlich. Auch in der Bibel, koinmt es in dieser Bedeutung vor. Hiob 15, zu Der Gottlose ist in seinem eiteln Dünkel betrogem Syr; z. v. 26. < olcher Dünkel har manche betrogen; Der Dünkel, unterscheidet sich von der Einbil? düng dadurch daß er mir vielem Stolze undVerachtung anderer verknüpfet ist< Ein eingebildeter Mensch, hat eine gar zu gute Meinung, von sich selbst und seinen Ver« diensten, er eignet sich auch wol gewisse gute Eigenschaften und Vorzüge zu, welche er wirklich nicht besitzet: Aber er verachtet deswegen nicht allemal andere. Der Dünkel hergegen, ist allemal mit einem unerlraglichert Stolze und Verachtung anderer verknüpfet. Es ist daher harter > von jemand zu sagen: Er besitzt vielen Dünkel, als, er besitzt, viele Einbildung, und man braucht das erste in einem verächtlichen Verstände > wenn! man die Einbildung, welche jemand von sich selber hat, zugleich als etwas ungereimtes und thörichtes vorstellen willi Das zusammengesetzte Wort, Eigendünkel, kommt vielleicht mit dem einfachen Dünkel, mehrentheils überein , so daß es in den meisten Fallen / auch dafür geseheö M » werden I8O Frohlocken. Jauchzen. Juchzen. werden kann; Doch scheinet die Verbindung mit eigen besonders anzuzeigen, daß ein solcher Mensch, bloß auf sich selber sehe, und nur sich zu erheben suche. Vielleicht möchte auch dieser Unterschied richtig seyn, daß der Dünkel sich auf alles beziehet, weswegen je« man» eine stolze Einbildung von sich selbst, und seinem Werthe hat, auf gewisse Vorzüge, Verdienste, Fähig, keite», Eigenschaften, und dergl. Der ^LlIendünkel hingegen, besonders diejenige stolze Einbildung anzeige, welche jemand, von seinen Fähigkeiten und guten Eigenschaften hat. Ein Edelmann oder Landjunker z. B. welcher bloß auf seinem Adel stolz ist, und sich deswegen dünken läßt, aus besserem Leimen gemacht zu seyn, weil er sechzehen Ahnen zählen kaiui, so daß ob er gleich sonst, gar keine Verdienste hat, er dennoch alle diejenigen, neben sich verachtet und gering schätzet, welche nicht von solchem Herkommen sind, hat vielen Dünkel, man kann sagen: Er ist wegen seines Adels, von einem unausstehlichem Dünkel eingenommen. Ein Mensch welcher wegen einiger guten Eigenschaften und Fähigkeiten, die er besitzet, eine gar zu stolze Einbildung von sich selber hat, und daher mit Verachtung alles guten Raths, welcher ihm von anderen könnte gegeben werden, nur immer nach seinem eigenen Gutdünken handeln will, sich selbst für klüger als alle andere, und alles was er thut, für besser hält, als was andere vernünftige Leute gethan haben, oder auch sich einbildet, daß er allein alles in einer Sache ausrichten könne, hat einen Eigendünkel. ,12. Frohlocken. Jauchzen. Juchzen. ^>iese Wörter drücken das Verhalten aus, womit der ^ Mensch eine grosse und ausserordentliche Freude zu erkcnnen giebt. Das erste aber wird besonders von den fröhlichen Gebehrden, das andere von dem fröhlichen Rufen Frohlockeil. Jauchzen. Itlchzen. iZ. ^Rufen gebraucht. So sind diese Wörter ausdrücklich unterschieden. Ps. 47, 2. Frohlocket mit Handen, alle Völker, und lauchzec Gott mit fröhlichem Schall. Frisch sagt zwar im Wörterbuche: Frohlocken n^c der Stimme. Allein ich smde kein Exempel, wo dieses Wort von der Stimme gebraucht wird, wenn nicht zugleich fröhliche Geberden damit verknüpft smd. Die Ewmologie selbst, da es Frisch von Froh und backen (exwinile) herleitet, beweiser ganz deutlich, daß eö be» sonders die fröhlichen Gebehrden ausdri'icke, und eigentlich so viel sagen wolle, als froh oder vor Freude springen. Hernach aber, hat man es in einem weiilauftigeren Sinn, von allen demjenigen Gebrauche, wodurch der Mensch einen sehr hohen Grad der Freude an den Tag leget, worunter die Stimme begriffen ist, wenn sie die fröhlichen Geberden begleitet, z B. Mos. 9, v. 2.'. Da das alles Volk sahe, frohlockeren sie und fielen auf ihr Antlitz. Ps. 95, v. 1. Lasset uns dem Herrn frohlocken. Uneigentlich wird es auch von leblosen Dingen gesagt. Ps. 98, v. 8. Die Wasserströme frohlocken und olle Berge seyn fröhlich. Ies. 44. v. 2z. Ihr Berge frohlocket mit Jauchzen. Von einem fröhlichen Geschrei, braucht man das Wort Jauchzen. Als Aaron den Israeliten, das goldene Kalb gemacht hatte, jauchzere das Volk: Und Mose sagt davon: Ich höre ein Geschrei, als eines Sin- getanzes. 2 B- Mos. Z2,17.18. Sie tanzeten unter fröhlichem Rufen und Schreien. Man verbindet auch oft diese beiden Wörter mit ein- ander. Frohlocken und Jauchzen, in welchem Fall, das erste besonders auf die Gebehrden, das zweite aufdie Stimme gehet. Ps. 95, v. 1. Lasset uns dem Herrn frohlocken, und jauchzen dem Hort unsers Heils. Bei dem Worte Jauchzen, macht Frisch diese Anmerkung , daß man das gemäßigte Freudenge- M z fchrei Z82 Theil. Stück. Antheil. schrei von dem Bäurischen, und vom Geschrei der Besoffenen, Zls unterscheiden, an vielen Orten, das lcyre mir juchzen auszudrücken pstcgcSiehe Fr. Wörterb. auf dex 485 Seite. Ich weiß, daß man diesen Unterschied, in einigen Provinzen von Nieder- dentschland, meistentheils beobachtet, ob es pber überall geschehe, und das Wort Juchzen, auch hochdeutsch sey^ daran möchte inan wol mit Recht zweifeln können. In der Niederdeutschen Bibel, ist das Wort jauchzen , durch suchen gegeben. Z. B. Richt. 15. v. 14. Do he quam bet to jehi, juchcden de Philister. Pf. 100. v. 1. Juchec dem Heren alle Werlt. i-z. Theil. Stück. Antheil. m Theil, ist dasjenige, was von dem Ganzen abgesondert ist. Ein Stück, ist ebenfalls von dem Ganzen abgesondert, aber ein Theil kann ans vielen Stücken bestehen, da hingegen ein Stück, nur ein einziges zu- sammenhengendesTheil ist. Antheil, bedeutet dasjenige Theil, was uns an einer Sache zukommt. Das Theil einer Erbschaft, kann aus vielen Stücken, aus liegenden Gründen, aus baarem Gelde, aus Hausrath, und dergleichen bestehen. Ein Stück aus dex Erbschaft, ist nur eine einzige Sache davon- Unser Antheil an der Erbschaft, ist dasjenige, was uns davon gebühret. Wenn man das Wort Theil gebrauchet, fi> stehet man allemal auf das Ganze, wovon es genommen ist. Stück beziehst sich bloß auf dasjenige, wovon man redet, ohne daß man dabei eine besondere Absicht auf das Ganze hat, wovon es ein Theil gewesen ist. Antheil hat eine Beziehung auf denjenigen, welcher das Theil empfangt , oder welchem es zukommt. So sagt man: Ein Theil des Buchs, ein Theil des menschlichen jcibes, und siehet dabei zugleich auf das Mannigfaltig. Verschieden. 18Z das ganze Buch, auf den ganzen jeib, dessen dasjenige, wovon wir rcd.n, ei» Theil ist. Hingegen, wenn wir sa^en: Ein Stück Fleisch, einStückKuchen, sehenwir bloß aufdas Stück selbst, ohne das Ganze, wovon es genommen ist, sonderlich in Betrachtung zu ziehen, ob es groß oder klein gewesen, und dergleichen. Da6 Antheil an einem Landgut, an einer Summe Geldes, bs« ziehet sich allemal auf denjenigen, welcher an der Sache T^eit hat, und weichem etwaS davon zukommt. Das Wort Stück, drücket auch bisweilen etwas Ganzes aus, man sagr: Ein Stück Geld: Ein -itück Dich: Ein Stück N)ildprct: Allein, ohngeachtet man dabei keine besondere, und unnn'ttelbare Absicht, auf etwas getheiltes hat, so ist doch in dem Worte selbst der Beauf davon verborgen. Ein Stück Dich, ist ein Theil der Heerde. Ein Stück N?lldpret, ist eins Von den Thieren, welche im Waide herumlaufen, und sogar, wenn man lagt: Es sind nur hundert Stückvon dieser Münze gepraget worden, so ist die Zahl hundert das Ganze, und Stück beziehet sich auf den einen Theil, wovon wir reden. 114. Mannigfaltig. Verschieden. as viele Abänderungen hat, ist mannigfaltig. Was nicht einerlei ist, nennet man verschieden. Die Farben sind mannigfaltig, die Gattungen der Krauter und Blumen sind mannigfaltig. Die Gemüther der Menschen sind verschieden. Mannigfaltig, wird daher allezeit von vielen, verschieden, auch bisweilen nur von zweien Dingen gebraucht, zwischen welchen sich ein Unterschied findet. Diese beiden Blumen sind fthr verschieden. AristideS und Themistocles, waren von einer sehr verschiedenen Gemüthsart. M 4 «5. Leu- i84 Leute. Personen. N5. Leute. Personen. it diesen beiden Wörtern, zeigen wir eine Vielheit von Menschen an, ohne Unterschied des Geschlechts. Das Wort Leute aber. ist nur eine Benennung solcher Menschen, die von schlechtem und geringen Stande sind, oder unter andern stehen: Personen hingegen wird auch von solchen gebraucht, die sich in einem höhern Stande befinden. Könige, Fürsten, Regenten, kann man nie. mals Leute nennen. Man kann nicht sagen: Königliche, fürstliche Leute, sondern man braucht alsdenn das Wort Personen: Königliche, fürstliche Personen. Hingegen sagt man; Vaucrlcule, ^»andwerksleure, schlechte Leute. Wenn man von einer Versammlung solcher Menschen redet, die von vornehmen Stande sind, sagt man nicht; Die Versammlung bestund aus vielen Leuten, sondern aus vielen Personen. Das Wort L.eure, hat bisweilen cinsn sehr unbestimm. ten Sinn, man drücket dadurch etwas allgemeines aus, und nimmt hernach das Wort Personen in einem eingeschränkten Verstände. So kann man sagen: In einer Gesellschaft, wo alle Leute uns unbekannt sind, wessen wir gemeiniglich nicht, mit wem wir uns in ein Gespräch sollen einlassen; Aber wenn wir nur einige Personen ken. nen, so ist es leicht durch ihre Vermittelung mit der ganzen Gesellschaft bekannt zu werden. Imgleichen: Wenn man bei Tische vergnügt seyn will, müssen Leute von aufgeräumtem Gemüthe zusammen kommen, aber die Gesellschaft muß nicht aus gar zu vielen Personen bestehen. Bisweilen wird das Wort Leute, durch Zusammen- sehung mit andern Wörtern, welche das Geschlecht, den Stand oderdie Lebensart anzeigen, naher bestimmet, und in solcher Zusainmensehung, kann es auch von Vorneh. nie» gebraucht werden. So saht man: Hofleute, Rncholeure, Mannsleute, Frauensleute, vors nedmc Leute, geringe Leute, Bettelleute. Das Wort Leute. Personen. 185 Wort Personen leidet nicht, alle diese Ziijammensctzun. gen, doch sagt man auch: Rarhspcrsonen, Manns? Personen, Frauenspersonen, Srandcspersonen, und vielleicht sind noch einige andere. L.eure, verbindet man auch mit solchen Wörtern, wel. 6)e eine besondere Beziehung aufdas mannliche Geschlecht haben, und dann drücket c6 so viel aus, als Männer. Man sagt: Amtleute an statt Amtmänner, Haupt- leure, Ariegeöleure, Fuhrleute, u. a. m. In solcher Verbindung aber wird doch der Plural Männer für edler gehalten, und besonders indenenFäl- len gebraucht, wo man mit einer gewissen Achtung redet. Frisch sagt, daß Landmainic nndü,andleure, im Tschudi unterschieden werden, jene als vornehmere und Lehensleute. S. Frisch B- W. Mann 641 S. Auf gleiche Weise findet man zuweilen bei den Alten, Dienst- manne und Dicnstleute unterschieden. Die ersten waren vornehmere, Grafen, Freiherren und dergl. welche wegen eines Lehens, im Kriege zu dienen verpflichtet wa- ren, die anderen waren geringe Unterthanen. Hr. Ade« lung bemerket bei dem Worte Achrmann, daß man von niedrigen Personen, im Plural, auch wol die Acht- leure sagt. Bei dem Worte Amtmann aber hat er allein den Plural Amtleute angeführet, obgleich auch Amtmänner, mit einem ahnlichen Unterschiede gebrauchlich ist. Man wird z. B- sich des Plurals Amt, leure bedienen, wenn man ohne Absicht auf besondere Personen von ihnen redet. Die Amrleure klagen, daß sie bei jetzigen Zeiten ihre Pacht nicht herausbringen können. Oder die Lieferungen, welche von den Amtleuten gefedert werden, fallen ihnen sehr beschwerlich, und dergl. Hingegen wenn man mit einer gewissen Achtung von ihnen redet, oder die Rede an mehrere gegenwärtige Beamte richtet, wird man lieber den Plural Amts manner gebrauchen. Z. B. die beiden Herren Amt- M 5 manner i86 Handlung. That/ nianner, werden mir erlauben, gegen ihre Meinung etwas einzuwenden. Ich will die gegenwärtigen Herren Amtmänner als Wirthschaftsverstandige darum befragen. Im Schwadensp. heißen die Hascher Amtleute, sie werden aber nicht Amtmänner genannt, weil dieser Plural für edler gehalten wurde. Man nennet auch besonders, das Gesinde, oder diejenigen, welche unter unfern Befehlen stehen, bellte, und fagt sehr gewöhnlich: Ich habe meinen Leuten das befohlen. Ich werde meine ieuce dazu anhalten. Die Äcute aussöhnen, und dergleichen. 116. Handlung. That. andlung, ist eine allgemeine Benennung alles dessen, was ein Menfch thut. Jegliche Verrichtung der Seele, jegliche Bewegung des Leibes kann eine Hand» lung genannt werden. That, ist eine solche Handlung, welche mitUeberlegung und Vorfahgeschiehet, und dieses Wort wird eigentlich nur von grossen und wichtigen Handlungen gebraucht. Die Handlungen sind sehr verschieden. Es sind nothwendige Handlungen, welche wir nicht verhindern können, sondern nothwendig thun müssen. Z. E. Wenn vor unserem Fenster ein Schuß geschiehet, so können wir die Handlung unseres Gehörs nicht verhindern, wir hören nothwendiger weise den Knall davon. Es sind freiwillige Handlungen, welche in unserem Willen stehen, ob wir sie thun wollen oder nicht. Gehen oder Sitzen, Reden oder Schweigen, sind Handlungen, welche blos von unserem Willen abhengen. Es sind unwissentliche Handlungen, welche wir thun, ohne uns derselben bewußt zu seyn. Ein Mensch, welcher sich angewöhnt hat, mit den Augen zu blicken, oder welcher im Schlafe redet, thut es, ohne zu wissen, daß er es thut. Es sind Handlungen, die wir wider unsern tVillen thun. Handlung. That. Thun. Machen. 187 thun. Wer an etwas stösset, und fallt, handelt wider seinen Willen, u. s. w. jAne Handlung, setzet also eine wirkende Kraft voraus, welche aber oft, ohne Vorsaß und Absichten wirket. jLine That, setzet nicht nur eine wirkende Kraft, sondern auch einen Vorsatz und gewisse Absichten, desjenigen voraus, der sie verrichtet. Unsere freiwillige Handlunge», verrichten wir zwar ebenfalls mit Vorsatz und Absichten, Aber diese Benennung siehet mehr aufdie gegenwärtige Zeit, in welcher die Sache noch wirklich geschiehet, und aufdenjen igcn, der sie thut: That hingegen, siehet mehr auf die Sache selbst, und auf die vergangene Zeit, wenn sie schon gesche« henist. So kann man sagen: Es war eine kühne Hands lung des Alexanders, daß er im Angesicht des persischen HeerS, über den GranikuS gieng; Aber da er übergegangen war, war es eine wichtige That, welche ihm den vollkommensten Sieg zuwege brachte. In der mehreren Zahl, wird das Wort Thaten, ohne ein Beiwort, gemeiniglich von den Verrichtungen der Helden, und grosser Manner gebraucht. Mansagt: Die Thaten Friedrich Wilhelms des Grossen. Die Thaten des Eugens. 117. Thun. Machen. hun, hat eine Absicht auf die Handlungen vernünftiger Wesen. Aachen, aufdie Dinge, welche sie hervorbringen. Gott thut es, und führet alles wunder« barlich hinaus. Er ist wunderbarlich mit seinem Thu» unter den Menschenkindern. Pf. 66, 5. Gott hat die Welt gemacht. Er machet das jjcht, und schaffet die Finsterniß. Ies. 45, 7. Er machte den Menschen aus einem Erdcnkloß. 1 B. Mos. 2, 7. Thun, kann also von allen Beschäftigungen, und Verrichtungen des Menschen gebraucht werden. Mas chen, i88 Thu,,. Machen. chen, nur von solchen Dingen, welche hervorgebracht, oder verfertiget werden. Wenn wir denken ^ lesen, gehen, schreiben, arbeiten, u. s. w. so thun wir etwas. Aber der Tischer macht einen Schrank, der Schneider macht ein Kleid, der Goldschmidt macht einen Ring, weil sie diese Dinge verfertigen, und gleichsam hervorbringen. Thun, beziehet sich auf die Beschäftigung des Menschen selbst. Aachen, auf die Sache, welche er durch seine Arbeit hervorbringen will. Man kann daher ganz unbestimmt sagen: Der Mensch thut etwas. Indem der Goldschmidt, der Schneider, der Tischer arbeitet, so thut er etwas, weil er beschäftiget ist; Aber indem wir nur sagen: Er thut etwas, so wissen wir noch nicht, was eigentlich der Vorwurf seiner Beschäftigung ist, und was er verfertigen will. Machen hingegen, muß allezeit mit dem Vorwurf der Beschäftigung verknüpft werden , man muß fagen, was gemachec wird. Der Glaser machet ein Fenster. Der Töpfer machet einen Topf, u. s. w. Man sagt auch: Jemand zu erwas mach?,,. Einen zum Feldherrn, zum Doclor, zum Hof- rath, zum Narren machen. Imgleichen: Minen machen Er machte mir eine freundliche, eine drohende Mme. Auch dieses ist hierbei zu bemerken, daß das Wort Machen, nur von kleineren, oder geringen Sachen ge- br 'iicht wird. Man kann sagen: Wer hat diesen Schrank, diese Uhr, diesen Tisch gemacht? u. s. w. Nicht aber, wer hat dieses Haus, diesen Garten gemacht? In Ansehung der grösseren, gebraucht man solche Wörter, welche du' eigentliche Arbeit näher bestimmen. Wer hat dieses Hausgebanet, diesen Gatten angelegt? Von einigen Dingen braucht man beides, sowoldaS Wort Machen, als auch ein anderes, welches die Arbeit näher bestimmt. Z. E. Von einem Buche, kano. man Thun. Machen. Gleich. Aehnlich. 189 man sagen: Wer hat dieses Buchgemacht^ und auch: Wer hat dieses Buch geschrieben^ Man sagt auch von leblosen Dingen, daß sie etwas machen, aber nur. in besonderen RedenSanen. Z. E. Daß das Wasser zu Eiß wird, machet die Kalte. Daß die Ft üchre von den Bäumen sallen, machet der Wind. Daß der Mensch grau wird, machet das Alter, oder die Sorgen. Sich auf den Weg machen. Sich aus dem Staube machen, sind uncigeiuliche Redensarten. '-8. Gleich. Achnlich <^>as Wort Gleich, hat verschiedene Bedeutungen: 1) Bisweilen heißt es soviel, als eben. Eine Sa« che gleich machen, ?as ist, sie eben oder glatt machen. 2) Das Nebenwort (uclvei bmm) gleich, heißt bisweilen alsobald. Gleich will ich da seyn. Ich will es gleich rhun. z) Bisweilen ist gleich so viel, als eben dasselbige. Sie kamen zu gleicher Zeit an, das ist, zu ebendersel- bigen Zeir. Mit gleichem Maasse messen, dasist, mit eben demselbigen Maasse. 4) Bisweilen wird gleich genommen, sür eben so, oder eben so viel Die Summe muß umer ihnen gleich getheilet werden, das ist, der eine muß eben so viel bekommen, als der andere. Gleich schnell, d.'S ist, eben so schnell. Gleich stark, das ist, eben so stark. Auf diese Bedeutung des Wortes Gleich, muß man wol Acht haben, und es darin von dem Worte Aehnlich, genau unterscheiden. Denn wenn m.in sagt: Diese beiden Frauenziinmer sind sich an Schönheit gleich, so zeiget man'dadnrch nicht an, daß in ihren Gesichtszügen etwas Gleiches sey, sondern eS heißt nur so viel: Die eine ist eben so sch.'n als die andere. Hingegen, wenn man sagt: Diese beiden Schönhei-' ten, sind sich ähnlich, so zeiget man, eine Uebereinstimmung !9o Gleich. Aehnll'ch. munA und Gleichheit, in ihren Gesichtszügen am Der Sohn ist dem Vater gleich, das heißt, er ist eben so beschaffen, oder, er ist eben so viel als der Vater. Z.E. Wenn der Vater ein Geheimerrath wäre, und der Sohn wäre es auch geworben, so würde man sagen können: Nun ist der Sohn dem Vater gleich. Oder, wenn der Vater geizig wäre, und der Sohn wäre eben so geizig, sa würde man sagen können: Der Sohn ist dem Vater gleich. Man sagt daher nicht: Es ist der Wahrheit gleich. Denn das würde heißen: Es ist eben so viel, als die Wahrheit; Sondern: Es ist der Wahrheit ähnlich, das ist, es kommt einiger Massen mit der Wahrheit überein. 5) Bisweilen aber drücket das Work Gleich, auch nur eine gewisse Uebereinstimmung der Dinge aus, welche sie mit einander haben, es sey in ihrer Gestalt, oder Bcschaffmhcit, und nur in diesem letzten Verstände, ist es mit dem Worte ahnlich gleichbedeutend. Doch Drücket das erste mehr aus, als das letzte. Aehnlich ist dasjenige, was nur in einigen: Gleich, was in den meisten Stücken, mit einem andern Dinge übereinkommt. Aehnlich, gehet nur auf einige Züge: Gleich, aus die ganze Beschaffenheit einer S^che. Z. E> Wenn man sagt: Der Sohn siehet seinen Vater ahnlich, so zeiget man nur an, daß eine Uebereinstimmung sey, zwischen den Gesichtszügen, des Vaters und des Sohnes. Hergegcn: Der Sohn siehet dem Vater gleich, welche Redensart auch B. Tob. 7,2. vorkommt: Wie gleich siehet der Innggeselle unserm Vetter? drücket schon eine grössere Uebereinstimmung aus, es will so viel sagen: Ihre Gesichtszüge kommen sehr Miteinander überein, man kann sie beinahe nicht unterscheiden^ Sie sehen sich beide so gleich, wie ein Ei, dem andern, oder wie ein Tropfen Wasser, dem andern, heißt nicht: Einer ist so viel, oder so gut, als der andere; Sondern: Gleich. Aehnlich. Einer ist dem andern so ähnlich, daß man sie kaum unterscheiden kann, eben wie sich ein Ei, von dem andern, oder ein Tropfen Wasser, von dem andern, schwer un> terscheiden läßt. Dieser Unterschied kann auch durch die Etymologie bestätiget werdein frisch bemerket schon aus des Tschudi (^iion. ttel- vet. d. ß das Wort ähnlich, von den Alten zuweilen an-- gellch sey geschrieben worden. Der alre Briefist dem alren der Sudstanz nach angelich für ähnlich. Hr.AdelunI sagt dabei: „Inder Niedersachsischen ,,Mundart, wird a» häusig mit Beiwortern verbunden, „wenn nur etwas weniges von den angezeigten Eigen« „schaften angedeutet werden soll, in welchem Falle die „Hochdeutschen, ihr l-ch anzuhängen pflegen. Z. B. ^angelb, gelblich, anroth, röthlich. ansuß, süßlich, „anharr, härclich, anrveich, weichlich, u. s. f. An- „gleich oder ähnlich würde dem zu Felge, ein wenig „gleich bedeuten, und dessen heutigen Gebrauch vortrefflich „ausdrücken. An wird in dieser Zusammensetzung zugleich lang ausgesprochen, und kann das seit langer „Zeit hergebrachte h, in ahnlich einiger Maaßen entschuldigen. „ Diese Etymologie ist sehr wahrscheinlich, und nach derselben würde ahnlich, wie ich bemerket habe, nicht so viel sagen als gleich, sondern nur ein wenig gleich heißen, wie angelb, ein wenig gelb, ansüß, ein wenig süß bedeutet. AnMerk. Hieraus ließe sich auch die Frage entscheiden, ob es besser fty das Wort Sxnonima, im Deutsche», durch gleich- dtveurenve, öder durch Äehrilichbeveutend« XVorrer zu gebe», nehmlich es kann beides Rcchr seyn; Ab't die Benennung gleichbeveutenve Wörter, führet etwas dunkeles und zweideutiges mit sich. Wenn man sagt- dieses Wort ist mit dem anderen gleichbe« Vemend, so kan» solches zweierlei Begriffe geben. Mm> kann dadurch verstehen, daß das eine Wort, völlig ebendasselbe auedrucke !92 Zuredet!. Berede«. Einreden. Ueberreden. drucke al« das andere, oder seiner Kraft und Winde nach, demselben völlig gleich sey; wie mau in solchem Verstände sagt; gleich groß, das ist, eben so groß. So ist z.B. Eiöam und Schwiegersohn, -Holundev und Flicver, Dienen und Immen, Hammel und Sctiopa, Sperling und Spay gleictibeoeu- tenS. Man kann ober auch dadurch verstehen, das> ein Wort mir dem andern nur in einigen Stucken übereinkomme/ so ist glücklich und glücr'seclig, gletchbeSentenv. Um nun dies.'» Doppelsinn zu vermeiden, scheinet es mir am beste» zu seyn, daß man die erste» Wo ler einerleibeveurend, und die anderen p.biilichbedeutenv nenne, das Wort gleich- beveutend aber gar nicht gebrauche. Ich habe es aus der Ur- sach beib, ha!te», weil ich es schon von GotlsckeSen, und anderen Schriftstellern gebraucht gefunden, und mtM kann es zwar nichc für Unrecht erklären; Allein ich muß gestchen, daß mir ähnlichbeSeurenv, beßer »n!> richtiger zu seyn scheinet, weil dabei gar keine Zweideutigkeit ist. 119. Zureden. Bereden. Ginreden. Ueberreden. lle diese Wörter, können in den Fall gebraucht werden, wenn man jemand durch Vorstellung einiger Gründe, sie mögen nun an sich richtig undgut, odernur wahrscheinlich und scheinbar seyn, zu etwas zu bewegen sticht. Da6 erste aber, zeiget nur bloß eine Bemühung an, jemand zu etwas zubewegen; Die anderen führen zugleich einiger Maaßen den Begriff mit sich, daß diese Bemühung gelinget, und unsere Gründe ihre Wirkung thun, oder sie haben zum wenigsten, allemal eine Beziehung auf dasjenige, was wir mit unseren Vorstellungen und Gründen ausrichten. Wenn man sagt; Ich habe ihm stark zureden müs. fen. Ich will ihm schon zureden: Es hilft kein zureden bei ihm, und dergl. so siehet man bloß aus die Be. mühung, welche man anwendet, Jemand zu etwas zu bewegen. Wenn man hingegen sagt: Ich habe ihn dazu beredet: Ich will ihn schon bereden: oder ich ha-- Zureden. Bereden. Einreden. Ueberrcden. 19z be ihm dieses eingeredet: Ich will es ihm schon einreden: Oder, ich habe ihn überredet, ich will ihn überreden, so siehet man zugleich auf die Wirkung der Bemühung, man giebt zu erkennen, daß sie gelinget. Zwischen diesen letzten Wörtern aber, findet sich noch folgender Unterschied. Bereden unterscheidet sich von einreden , dadurch daß es besonders auf die Handlungen und ein Verhalten siehet. Man sagt: Jemand zu etwas bereden: Ich will ihn schon bereden, daß er dieses thun soll: Ich habe ihn beredet, dieses Buch zu lesen, und dergl. Einreden beziehet sich mehr auf die Sachen, von deren Wahrheit oder Nothwendigkeit man jemand zu überführen, und welche man in fein Gemüth gleichsam einzudrücken sucht. Wenn ich jemand zum Hcirathcn berede, fo sehe ich mehr auf die Handlung, und auf dasjenige, was er thun soll, nehmlich sich verheirarhen: Wenn ich jemanden das Heirachen einrede, fo fehe ich mehr auf die Sache, welche ich ihm vorstelle, und deren Nützlichkeit oder Nothwendigkeit ich i-)m versichere. Man findet zwar einige Redensarten, in welchen das Wort bereden auch von den Sachen, mit der zweiten Endung gebraucht wird, und Herr Adelimg führet die Stelle an, Ierem-4Z. v. z. Daruci) deredcr dich dessen. Imgleichen: Seine Aufführung hat mich dessen längst beredet; Allein er erklaret anch diese Redensarten für Oberdeutsch, und sagt, einige Hochdeutschen ahmeten e6 nach. Unterdessen wenn man sie gleich nicht gänzlich verwerfen wollte, so scheinet mir doch auch hier, ein Unterschied zwischen bereden und einreden zu seyn. Das erste giebt mehr zu erkennen, daß man zu etwas bewogen wird, es zu thun, oder zu glauben. Das zweite, daß uns eine Sache recht ins Gemüth gebracht, und gleichsam eingedrückt wird. Scoschl.TH. N Ein- i94 Zureden. Bereden. Einreden. Ueberreden. Einreden ist starker als bereden, es giebt allemal zugleich den Begriff, daß derjenige, dem ich eine Sa>ye einrede, von der Wahrheit oder Nothwendigkeit derselben, Ungleich eine Gewißheit bekomme. Denn obgleich die Sache, welche ich ihm einrede, an sich falsch wäre, so hatt er sie doch ans mein Einreden für w chr und , v- wiß, und - her habe ich ,'iö ihm nicht eingeredet, als bis cr sie für gewiß hält; So lange er d ran zweifelt, habe ich sie ihm noch nicht eingeredet. Bereden zeiget nur an, daß man jemand zu etwas bewege, ohne den Begriff zn geben, daß cr von der Wahrheit oder Nothwendigkeit d'sseibcn eine Gewißheit bekomme. Z. B. Ich habe ihn beredet, mit mir diese Reise zu thun, das will weiter ni. tS 'agen, als, ich habe ihn daui bewogen. Es kann seyn, d-iß er es aus einer bloßen Gefälligkeit gegen mich gethan hat, oder nur damit ich ihn nicht weiter mit Vorstellung meiner Gründe belästigen möchte, von welchen er genugsam eingesehen, daß sie nur schlecht sind« Wenn ich sage: Ich habe es ihm eingeredet, daß dieses eine alte Münze ist, so gebe ich zu verstehen, daß ich ihn so weit gebracht, es mit völliger Gewißheit zu glauben, und es wirklich für eine alte Münze zu hatten. Oder, ich kann es ihm nicht einreden, daß fein sogenannter Freund, ein Betrüger ist, das will so viel sagen: Ich kann ihn nicht von dieser Wahrheit versichern, ich kann ihn nicht dahin bringen, daß erste mit Gewißheit glaube. Zum wenigsten sind diese'Redensarten viel starker, al6 wenn man sagt: Ich habe ihn beredet, daß dieses eine alte Münze ist, oder ich kann ihn nicht bereden, daß sein sogenannter Freund ein Betrüger ist. Das Wort überreden hatte bei den Alten auch die Bedeutung des Ueberweisens, wie Frisck aus dem Schwabenspiegel zeiget. Es scheinet also den Begriff zu geben, daß wir jemanden stärkere Gründe vorstellen, als er uns entgegen setzet, oder ihm solche Gründe zn Gemüthe führen, Gut. Wohl. -95 ren, welche seine Weigerung überwinden, und also durch unsere Reden gleichem über die seinigen kommen. Durch diesen Begriff, unterscheidet es sich, wie ich glaube, von dem Worte bereden, mit welchem es sonst großen Theils übereinkommt. Man kann jemand zu etwas bereden, bloß durch Vorstellung eines und des andern Beweggrundes. Wenn ich Z. E. ihn, sage, er werde mir dadurch einen besonderen Gefallen erzeigen, und ihn durch diese Vorstellung bewege etwas zn thun, so berede ich ihn schon dazu. Wenn ich ihn überreden will, so muß ich ihm solche Gründe vorstellen, welche seine Meinung oder Gründe schwachen, und dieselben überwiegen. Wenigstens scheinet überreden, den Begriff zu geben, daß man mit seineil Reden, dem andern überlegen sey, und seine bisherige Weigerung überwinde. Einige brauchen das Wort Einreden, auch für in die Rede fallen. Ihr habt mir nichts einzureden. Man sagt aber in diesem Verstände besser, dareinreden. Rede mir nicht darein. B. Ruth i, 16. i2o. Gut. Wohl. as alle nöthige Eigenschaften, oder was solche Eigenschaften hat, wodurch es tüchtig wird, den Zweck seiner Bestimmung zu erreich?», nennen wir gut. Von demjenigen, was A unserem Besten abzielet, oder angenehme Empfindungen bei uns hervorbringet, brauchen wir das Wort wohl. Das erste siehet mehr, auf die Beschaffenheit einer Sache, das zweite, mehr auf eine Hand- lung und den Auögang derselben. So sagt man im physischen Verstände: Ein gutes Haus, ein guter Wagen, ein gutes Messer, guter Wein, und dergl. und verstehet dadurch, daß diese Dinge solche Eigenschaften haben, welche sie tüchtig machen, zu dem Endzweck, wozu sie gebraucht werden sollen. Im. gleichen, ein gutes Pferd, ein guter Jagdhund, u. f. w. N 2 Wenn Gut. Wohl. Wenn von den Menschen und ihrer sittlichen Beschaf- fenheit die Rede ist, nennen wie denjenigen gut, weicher solche Eigenschaften Hut, die seiner Bestimmung gemäß sm?, und wodurch er anderen nützlich wird. Ein guter Bürger, ein guter Ehemann, ein guter Soldat, smd dieje»u;.'n, weiche sich !,em Zweck ihrer Bestimmung ge- ma!? vergalten, und anderen nützlich sind. Eine gute Gesellsci asr, ist diejenige, deren sittliche Eigenschaften anderen nützuc!) werden. So sagt man auch: Ein gutes Thier, von demjenigen, welches teme schädliche, sondern nützliche Eigenschaften hat. Da die Eigenschaften, einen Einfluß auf unsere Gesinnungen haben, so sagt man auch: Jemand gur seiin: Es gut mit ihm meinen, wenn man solche Gesinnungen gegeu ihn hat, die auf sein Bestes abzielen. Und wie man böse seyn, döse werden, für zornic; seyn, zornig werden gebraucht, so ist auch gut seyn der Gegensatz davon: Ich bin schon wieder gut, das ist, ich bin nicht mehr erzürnet: Jemand wieder gutmachen, das heißt, ihn besänftigen. Uneigentlich nennet man auch zuweilen gut, dasjenige so etwas gutes mit sich führet. So war es bei den Alten, und ist noch jetzt bei den Landleutcn, die gewöhnliche Begrüßung, daß sie sich einen guten Tag wünschen, das ist, einen solchen Tag welcher Gntes für sie mit sich bringe, oder an welchem ihnen Gutes begegne. Man nennet ein gutes Jahr, dasjenige, in welchem die Früchte gut gerathen sind, welches Secgen und Gutes mit sich führet. DaöWvrt rvohl, hat gemeiniglich mehr eineBezie- hung auf dieHandlnngen und das Verhalten, man fagt: N)o!)l thun, rvob! machen, sich wohl befinden, und dcrgl. Beide Worter können oft in einerlei Fällen gebraucht werden, und scheinen anch einerlei zu bedeuten; Allein wenn man genau darauf Acht hat, wird man doch den Böse. Boshaft. Böölich. Uebel. Schlimm. Arg. 197 den angezeigten Unterschied wahrnehmen. Z. B. Du hast gut gethan, siehet mehr auf ?ie Sache, es heißt, dasjenige, was du gethan hast, is. beschaffe», daß eS zu Erreichung deines Endzwecks tüch-ig ist. Du hast ^ohl gethan, heißt, du hast dich so verhalten, oder so gehandelt, daß du einen guten ^.uSqang erwarten kannst, und es dir angenehm seyn wird. Das Reiben mit warmen Tüchern, ist de-n Kranleu IM, das ist, es befördert sein Bestes, und seine Gesundheit. Es ehut dem Krausen n?oh!, das heißt, die Handlung des Reibens bringt angenehme Empfindungen bei ihm zuwege. Gut wird nicht nur als ein Ncbenwort gebraucht, IM seyn, IM machen, es IM haben, und dergleichen, sondern auch als ein Beiworr: L^mIMcrtliann, ein Jure-Redner, ciiie Inre Sache, u.s.w. lVshi ist nur allein eii-N benwort, denn da es sich besonders aus e.ine Handlung beziehet, so muß das Zeitwort, welches die Handlung ausdrücket, allemal dabei stc- Heu. In den Redens, nen Mohl dem, lVohl mir, und dei gl, wird das Zeitwort darunter verstanden, nehmlich Mohl wird es dem gehen, und dergl. i2l. Böse. Boshaft. Böslich. Uebel. Schlimm. Arg. Hinter diesen Wörtern, hat das Wort böse, die weitlänf- ^7 tigste Bedeutung. Es ist überhaupt der Gegensah von IM, und wie wir dasjenige IM nennen, was solche Eigenschaften an sich hat, wodurch es tüchtig wird, den Zweck seiner Bestimmung zu erreichen, so nennen wir im Gegentheil, dasjenige böse, was solche Eigenschaften an sich hat, welche diesen entgegen stehen, oder auch dasjenige, dem es an den nöthigen und guteu Eigenschaften mangelt. So sagt man im physischen Verstände: Böse Augen haben, das ist, solche Augen haben, welche den Zweck ih- N z rer > !98 Bdse. Boshaft. Bdslich. rer Bestimmung nicht erreichen, oder welche solche Eigen» schaftcn haben, die den guten entgegenstehen, mit welchen man nicht wohl sehen kann. Böse Waare, das ist, solche, deren Eigenschaften dem Zweck ihrer Bestimmung züwider sind, und sie unbrauchbar machen, die mau nicht los werden kann. Ein böser Ruf ist derjenige, dem e6 an den guten Eigenschaften mangelt, u. s. w. Wenn von den Menschen, und ihrer sittlichen Be, schaffenheit die Rede ist, so ueuuen wir einen bösen Men- sehen, denjenigen, welcher solche Eigenschaften hat, welche dem Zwecke seiner Bestimmung zuwider sind, und wo-« durch er anderen schädlich wird, anstatt daß er ihnen nützlich seyn sollte. Eine böse Gesellschaft ist diejenige, deren sittliche Eigenschaften anderen schädlich werden. So sagen wir auch: Ein böses Thier, von demjenigen, welches solche Eigenschaften hat, wodurch es schädlich wird, z V. Mos. 26. v, 6. Ich will die bösen Thiere aus eurem Lande thun. Hesek. 14. v. 15, Wenn ich böse Thiere ins Land bringen würde, das ist, schädliche Thiere, Uneigentlich nennet man auch böse, dasjenige, so et- was Böses mit sich führet. So nennen wir einen bös sen TaI, denjenigen, an welchem uns etwas Böses begegnet, im Gegensatz des guten Tages, an welchem uns etwas gutes wiederfähret. Imgleichcn da die Eigenschaften einen Einfluß auf die Gesiimungen und den Willen haben, so nennet man oft besonders denjenigen, einen bösen 51?enscben, welcher nachthcilige Gesinnungen, und einen bösen Willen gegen anbei e hat, wodurch er ihnen zu schaden bewogen wird, und alle Gelegenheit dazu ergreift. Boobafr wird nur von der Gemüthsbeschaffenheit gebraucht, zugleich aber ist es harter, und drücket mehr aus, als das einfache böse; Es zeiget einen sehr hohen Grad der bösen Gesinnungen an, in welchem man mit Vor- ^ > Uebel. Schlimm. Arg, 199 Vorsaß, sowohl überhaupt allem Guten entgegen handelt, als auch insbesondere anderen zu schaden sucht» In dem ersten Verstände, kommt es verschiedentlich in der Bibel vor: Z.B. Ies. 1. V.l4- O! wehe des bos- hastigen Saamenö, Cap. z. v.n. Wehe den Gottlosen, denn sie sind boehaftige. Apost. Gesch. 1 . v. 5. Vos» heftige Männer, u. a. m. Und in dem zweiten Verstau- de ebenfalls: Ps. 119.v.750. Meine boshaftige Vcrsol- ger. Ierem. 20. v. iz> Der des Armen Leben, aus der Aoshafti^cn Handen errettet. So nennen wir besonders, einen boshafrigettMenschen, denjenigen, welcher mir Vorsaß und ohne alle U» fach, andere in Unglück zu stürzen sucht. Z.B. Es muß ein recht boshaftiges Gemüth seyn, welches eine» Unschuldigen vorschlichet Weise so unglücklich machen kann. Oder, dadurch, daß er Diesen Menschen, welcher ihm doch nichts gethan hatte, soquälete, verrieth er sein boshaf. tes Gemüth, unddergl. Wie man böse seyn, dose werden, zuweilen str zornig seyn, zornig werden gebraucht; Imgleichen böse inachen, für erzürnen, böse thun, für sich zornig an- stellen, so bekommt auch das Wort boshaft bisweilen die Bedeutung, der Geneigtheit zu einem sehr hohen Staffel des Zorns, und man nennet einen boshaften Menschen, denjenigen, der sich leicht und heftig erzürnet; Ja man braucht dieses Wort überhaupt, von demjenigen Zustande des Gemüths, worin es durch einen sehr heftigen Z rn versetzet wird. So kann man sagen: Ob er gleich sonst, sich nicht leichtlich aufbringen ließ, so setzte ihn doch das unverschämte Betragen dieses Menschen außer alle Fassung so daß er endlich recht boshaft ward: Er ward so boshaft, haß er sich nicht enthalten konnte, mit dem Stocke über ihn her zu fallen, und ihn aus dem Hause zu jagen. N 4 Das 2oo Böse. Boshaft. Boslich. Das Wort boslich wird jetzo wenig mehr gebraucht, und man möchte es wohl, kaum anders als in einigen Redensarten hören, welche noch bei den Gerichten, und in Rechtssachen gewöhnlich sind. Z.B. Jemand böslich verklagen: Eine bösllche Anklage: Eine bösliche Verlassung seines Ehegatten. Es heißt alsdann so viel, als mit böscm Vorsätze, oder auf eine vorschlich böse Weise. Uebel ist der Gegensah von wohl. Loses thun, siehet auf die Sachen, es heißt, so etwas thun, was nicht gut ist, dessen Eigenschaften dem Guten entgegen stehen, oder was Schaden bringet. Uebel thun, siehet mehr auf die Handlungen, es heißt, sich auf eine solche Weise verhalten, die dem Recht und den Gesetzen zuwider ist. Hesek. ?z. v. iZ. Wo der Gerechte Vöses thur, das ist, wo er so etwas thut, was nicht gut ist, was dem Zweck sei. lier Bestimmung zuwider, oder schädlich ist. Die Israe- liten lhaten übel vor dem Herrn, Richt. 4. v. 1. das ist, sie Handelken seinen Gesehen zuwider. Jemand böjes thun, heißt, so etwas thun, was ihm Schaden bringer. Nehem. 5. v. 2. Sie gedachten mir böses zu rbun. Uckel an jemand thun, heißt, sich so gegen ihn verhalten, oder auf eine solche Weise gegen ihn handeln, die dem Rechte zuwider ist. Richt, il. v. 27. Und du thust so übel an mir, daß du wider mich streitest. Etwas übel nehmen, oder etwas übel auslegen, siehet auf eins Handlung, welche zum wenigsten unseren Gedanken nach nicht recht, und den Gesetzen der Höflichkeit zuwider ist. Vose scheinet allemaletwas nachtheiliges bei der Absicht einer Handlung oder Gesinnung vorauszusetzen: Uebel zuweilen mehr auf die Wirkungen und Folgen zu sehen. So nennet man einen bösen Nachbar, denjenigen, welcher die Absicht hat, uns zu schaden, und immer damit umgehet, solche Dinge zuthun, die uns nachlheilig seyn können; Da man hingegen einen übclen Nachbar, auch Uebel. Schlimm. Arg. 201 auch wohl denjenigen nennen kann, dessen Nachbarschaft, für uns allerlei übele Folgen hat, ob er gleich selbst nicht böse gegen uns gesinnet ist. Bisweilen wird das Wort übel nur in einem gelinde, ren Sinn genommen, um die harte Bedeutung des Wortes böse einiger Maaßen zu verringern. So sagt mau wohl: Ein übelcr Mensch, für ein böser Mensch, eben wie man übeler Geruch für Gestank sagt, um die harte Bedeutung dieses Wortes zu mildern. S. Frischen? N>orrerb. Das Wort schlimm, leitet Frisch her, von dem asten Worte schlicm, oder schläm, welches so viel als schief, überzrverchs bedeutet, und sa^t, diese eigent. liche Bedeutung, stecke noch in der Redensart: Die Sache stehet schlimm: Es stehet schlimm mir ihm, das ist, es stehet, als wenn es fallen wollte. Es kommt also nur in einer uneigentlichen Bedeutung mit übel oder böse überein. Man brauchet es in diefem Sinn gemeiniglich von demjenigen, was Schaden thut. Ein schlimmer Mensch, ist ein Mensch, welcher anderen Schaden zufüget. Ein schlimmer Hund, ist ein Hund, welcher bcis- set, oder naschig ist, oder sonst allerlei Schaden thut. Eine schlimme Sache, ist eine solche, woraus uns ein Seba- den entstehen kann. Ein schlimmes Haus, wo man verführet werden und zu Schaden kommen kann. Schlimme Zeiten, sind diejenigen, in welchen man Schaden leidet. Das Wort arg, hieß ehemals faul, piZer, i'ßngvu5, wie Pachter bemerket, worin es mit dem griechischen «^-5 übereinkommt. Bisweilen hieß es auch unnüy, furchtsam, verzagt, wie er aus!', viac. I.. Vl.cie (?eü. I^onAob. L. 24. beweiset: ?vleineuto Oux ferdullc, l^uoä rne inertem <5c inutilem dixerix, A vul^zri verbo a?-^ vocsverix. Und auS dem Inä. Verel. wo dasWorta»-^ durch iZnsvux, timiciux gegeben ist. N 5 In 202 Bekommen. Empfangen. Erhalten. In demjenigen Verstände, worin es jetzt noch gebräuchlich ist, scheinet es die Bedeutung der beiden Wörter, böse und schlimm, mit einander zu verknüpfen, und man wird gemeiniglich eins von diesen bciden dafür sehen können. So sagt man: Etwas zum ä^gjren auslegen: Die arge Welt: ' rg mit jcmand verfahren: Einem unnützen Menschen soviel ^ esoldung zugeben! Das ist zu arg, und dergl. Wofür man auch sagen könme: Etwas zum schlimmsten auslegen: Die dcse Welt: Schlimm mit jemand verfahren: So viel Besoldung! Das ist zu schlimm, So wird auch der Teufel, nach der biblischen Redensart, besonders der Arge, oder der Böse genannt. Imgseichen, wie man das Wort schlimm, zuweilen in einer gelinderen Bedeutung zu gebrauchen pfleget, von jemand welcher im Scherz, einem anderen gewisse kleine Leichtfertigkeiten beweiset, und sich geneigt bezeiget, ihm zu schaden, z. B. Sie sind heute sehr schlimm : Schlimm genug sind Sie dazu, so sagt man auch: Sie sind heute sehr arg. Sie sind arg genug dazu. Doch scheinet in allen solchen Redensarten, das Wort arg, immer eine härtere und stärkere Bedeutung zu haben. -22. Bekommen. Empfangen. Erhalten. Erlangen. Rriegen. emeiniglich werden hiess Wörter, als vollkommen einerlei bedeutend angesehen, und in gewissen Redensarten, auch so gebraucht. Man sagt: Icv habe den Wechsel, oder den Brief erhalten, ich habe ihn empfangen, und, ich habe ihn bekommen. Allein es findet sich ein wirklicher Unterschied dazwischen. Bekommen, wird ganz allgemein, sowol von guten als bösen Dingen gebraucht, sie mögen uns von aussen her zufallen, oder aus unserer Natur selbst entstehen i) Lnv Erlangen. Kriegen. 20z i) Empfangen, kann vors erste niemals von solchen Dingen gesagt werden, welche die Natnr einer Sache giebt, oder, welche aus ihrer innerlichen Beschaffenheit selbst entstehen. Man kann sagen: Dieser Mensch, hat nach seiner Krankheit, wieder eine recht gute Farbe bekommen. Er hat das Fieber bekommen. Er hat die Pocken bekommen, und dergl. Aber nicht: Er hat eine gute Farbe, er hat das Fieber, er hat die Pocken empfangen. Imgleichen sagt man: Laub bekommen, Wurzeln bekommen, Haare oder Federn bekommen, Augen bekommen. Die jungen Hunde liegen neun Tage blind, am zehcnten bekommen sie Augen. Hier kann man ebenfalls nicht sagen: Laub empfangen, Wurzeln empfangen, Haare oder Federn empfangen, Augen empfangen. Man sagt zwar, Kinder bekommen, und Kinder empfangen, aber alsdann heißt das letztere so viel, als concipcre, und wird nur von dem weiblichen Geschlechte gebraucht, da man hergegen das erste, von beiden Eltern sagen kann. Diese Eheleute bekommen viel KHder, oder haben viel Kinder bekommen. s) Zweitens, man sagt nur von vernünftigen Geschöpfen, daß sie etwas empfangen, von unvernünftigen und leblofen, braucht man das Wort bekommen. Das Vieh hat sein Futter bekommen, das Faß hat ein Loch bekommen, das Papier hat einen Riß bekommen, die Mauer hat Borsten bekommen, und man kann nicht sagen: Das Vieh hat sein Futter, das Faß hat ein Loch, das Papier hat einen Riß, die Mauer hat Borsten empfangen. Daher kann eS auch nicht unpersönlich, (im. xerlonslitei) gebraucht werden. Man kann wohl sagen: Es ist nichts mehr von dieser Sache zu bekommen, aber nicht: Es ist nichts zu empfangen. z) Drittens, so dünkt mich, das Wort empfangen, könne eigentlich nur in einem guten Sinn, und von quten Dingen gebraucht werden. Man sagt: Ich habe das Geld 204 Bekommen. Empfangen. Erhalten. Geld oder den Wechsel empfangen. Er hat ein Geschenk empfangen, n. s w. Aber man sagt nicht: Ich habe Verdruß empfangen. Er hat einen Stoß »der Schuß empfangen. Wenn man ans Reisen, in den elenden Dorfwirthshaustrn übernachten muß, kann man leicht Ungeziefer empfangen; Sondern man braucht alsdann, das Wort bekommen. In dieser Meinung werde ich durch die Etymologie bestärket, weil das Wort empfangen, herkommt von Langen oder Fähen, (daher es von einigen, cmpfahen, geschrieben worden,) und also eigentlich soviel bedeutet, als eine Sachs auffassen: Sie gerne annehmen, welches von bösen Dingen nicht gesagt werden kann. Ich weis zwar wohl, daß einige sagen: Eine Wunde empfangen. Er starb an der Wunde, welche er in der Schlacht empfangen hatte. Schläge empfangen, und dergleichen. Allein es ist noch nicht ausgemacht, v'.> dieses recht se», und man wird allemal besser und richtiger sagen: Eine Wunde bekommen. Schlage bekommen. Zum wenigsten ist soviel gewiß, daß das Wort empfangen, mehr von guten, als v.m bösen Dingen gebraucht wird, und wenn ein Auslander nicht wüßte, ob er von einer bösen Sache, sich des Worts empfangen, bedienen, und z.E. sagen dürfe: Ich habe Verdruß empfans gen, so kann er allemal sicher, das Wort bclommen, nehmen. Herr Adelung bemerket bei 5em Worte empfangen, daß es sowol in der Deutschen Bibel, als auch im Oberdeutschen, noch häustg von leblosen Körpern gebraucht werde, i B. Mos. 4. v. 11. Die Erde, die deines Bruders Blut, von deinen Handen empfangen. 4 B. Esr. 9. v. ?4. Wenn die Erde den Saamen empfanget. Er sagt aber auch dabei, daß man sich im Hochdeutschen, lieber des Zeitwortes bekommen, oder eines anderen Ausdruckes bediene. Imgleichen führet er die Schrift- steilen an: 2 Eor. n. v. 24. Vierzig Streiche empfangen. Matth. Erlangen. Kriegen. Match. 25. v. 14. Die Vei dammniß empfangen. Allein auch diesen Gebrauch des Wortes empfune-en, wird man jetzt, wohl kaum mehr bei guten Schriftstellern antreffen, und man wird allezeit besser, betvlninen dafür sagen. Erhalten, sagt man nur von solchen Dingen, welche man gesucht, und worn^ch man sich bemühet, oder, welche man zum wenigsten, zu haben gewünschet hat. Ich habe eine gute Nachricht erhalten. Er hat das Amt erhalten. Endlich habe ich -.6 von ihm erhalten, daß er sich dieses Menschen hat angenommen. Man sagt: Den Sieg erhalten: Beute erhalten: Wegen eines Verbrechens Gnade erhalten, und dergleichen. In allen solchen Redensarten siehet das Wort erhalten, auf etwas gutes und angenehmes, welches man gesucht oder doch zu haben gewünschet hat. Zw.,r möchte man dasWort erhalten, auch von unangenehmen Dingen gebraucht finden, und ich gestehe, daß man im gemeinen jeden wohl sagt: Eine unang. nehme Nachricht erhalten: Abschlägige Antwort erhalten: Der Missethäter hat sein Todesurtheil erhalten, und dergl. Allein solcher Gebrauch ist gewiß nicht der beste. Von angenehmen und solchen Dingen, wonach man sich bemühet, oder welche man doch zu haben gewünschet hat, ist es viel gewöhnlicher, und wofern Frischens Etymologie richtig ist, so würde dieser Gebrauch allein der rechte seyn, er sagt: „Halten hieß vor Alters und im I^l- „pkila, cuüociii e, sonderlich das Vieh. Aus dieser Be- „deutung stießen die oben gesetzten alle. Das Hüten des „Viehes, geschiehet um des Nahrens willen, daher heißt ,,es auch slere. Was man nähren will, halt man in Achtung und Sorge.,, Die anderen Bedeutungen des Wortes erhalten, ha- ben ebenfalls einen guten Sinn. Bei jeden erhalten, bei Ehren erhalten, ein Haus im Stande erhalten, sich gesund erhalten, Weib und Kinder . rhalcen, u. d. in. Mich 2O6 Bekommen. Empfangen. Erhalten. Mich dünkt daher, man werde dieses Wort, auch in dem Verstände, da e6 so viel heißt als bekommen, allezeit besser von guten und angenehmen Dingen gebrauchen. Jedoch nur von solchen, welche wir durch unsere Bemü- hung erlangen odcr erlangen können; Von solchen hingegen, wobei alle unsere Bemühungen nichts ausrichten können, ist nur allein das Wort bekommen gebrauchlich. Das scheinet mir auch die Ursach zu seyn, warum man nicht sagt: Augen erhalten, Laub erhalten, Haare vderFedern erhalten, u, s. w. weil dieses Dinge sind, welche wir nicht durch unsere Bemühung erlangen können. Man sagt nicht: Ein Glück erhalten, weil wir das Glück, durch keine Bemühung, in unseren Besitz bringen können. Man wird nicht sagen: Einen Vortheil erhalten, wenn man den Vortheil als etwas zufälliges ansiehet, wozu unsere Bemühungen und Arbeiten nichts beitragen. Hingegen wenn der Vortheil eine Frucht unserer Bemühung und Arbeit ist, so möchte man ganz wohl sagen können: Er hat bei dieser Sache viel Arbeit und Mühe gehabt, aber auch daraus viel Vortheil erhalten. Man sagt nicht: Schlage erhalten: Schaden oder Verdruß erhalten, das ist gewiß, Niemand wird diese Redensarten brauchen. Ich sehe aber gar nicht, warum es von anderen unangenehmen Dingen besser seyn sollte, und meinem Bedünken nach, hat das Wort erhalten, wenn es von unangenehmen und widrigen Dingen gebraucht wird, wenigstens etwas anstößiges, so daß ich allemal, lieber bekommen dasür sehen würde. Ich würde allemal lieber sagen: Eine traurige Nachricht dckom- men, als eine traurige Nachricht erhalten: Abschlagige Antwort bekommen, als abschlagige Antwort erhalten. Der Missethater hat sein Todesurtheil erhalten, würde ich nur in dem Falle sagen, wenn er selber gewünscht oder verlanget hatte, daß man ihm nur bald das Urtheil fallen, und durch den Tod hinein jammervollen Zustande ein Ende machen Erlangen. Kriegen. 2O7 machen möckte; Im gegenseitigen Falle, würde ich lieber eine andere Redensart brauchen. Erlangen unterscheidet sich von erkalten nicht nur dadurch, daß eS eine größere Bemühung ausdrucket, und d.her bewnders von wichrigeren Dingen gebraucht wird, si^ ?rn ^ uch daduich, daß ee nur allcin von solchen Dinge,! üblich n:, die wir durch unsere Bemühung bckom. mc», da hingegen e-, halten, auch von solch- »gesagtwird, welche uns angenehm sind, oder welche wir zu hoben ge. wünschet. Ein Amt erlangen, den Zneq erlangen, seinen Zweck erlangen, süyi et den Begriff einer größeren Bemühung mir sich, welche man sich darum gegeben, als, ein A im, den S>eg, seinen Zweck erhalten. Man kann sagen: Einen Brief, eine Nachricht erhalten; Aber, man wird nicht sagen: Einen Brief, eine Nachricht erlangen. In der Redensart: Ich habe denBriefbekom- men, würde man also folgenden Unterschied beobachten müssen: Ware es ein verdrießlicher Brief, der etwas böses enthielte, so könnte man nur allein sagen: Ich habe ihn bekommen. Ware es ein angenehmes, oder zum wenigsten ein gleichgültiges Schreiben, welches nichts Böi'es in sich enthielte, so könnte man beides sagen: Ich habe den Brief bekommen, und, ich habe ihn empfangen. Harren wir den Brief verlanget, oder unseren Freund gebeten, uns zu schreiben, so könnten wir alle drei Wörter gebrauchen, und sagen: Ich habe ihn bekom» men, ich habe ihn empfangen/ und ich habe ihn erhalten. Das erste würde nur bloß anzeigen, daß er uns zugestellet worden; das zweite zugleich zu verstehen geben, daß er uns angenehm gewesen; und das dritte, den Begriff mit sich führen, daß wir ihn zu bekommen gewünfchet, und darnach verlanget haben. So 2v8 Geiz. Kargheit. Filzigkeit. Eigennutz. So auch von einer Nachricht. Ware sie böse, so könnte man nur allein sagen: Ich habe die böse Nachricht bekommen. Ware sie gut, so könnte man beide Wörter, bekommen und empfangen, davon brauchen. Hätten wir sie gewünscht, und uns darnach bemühet, so könnten alle drei Wörter, bekommen, empfangen und erhalten,' statt finden. Ein gutes deutsches Ohr, lehret uns gemeiniglich, den Unterschied wirklich beobachten, ohne daß wir es wissen, und daraus Acht haben. Das Wort kriegen, ist schon sihr veraltet, man höret cS nur noch, meistens in gemeinen Neden, und von geringen Leuten, da es eben wie bekommen, ganz allgemein, und von allen Dingen gebraucht wird. Man sagt: Eine gute Farbe kriegen, einen Riß kriegen, das Fie- der kriegen, Geld kriegen, Schlage kriegen, u. s. w. Im zierlichen Reden und Schreiben, wird es beinahe gar nicht, oder zum wenigsten sehr selten gebraucht. In der Bibel wird es noch gesunden. Iac. 4, z. Ihr bittet und kricgec nichts, u. a. m. 12z. Geiz. Rargheit. Filzigkeit. Eigennutz Geizig. Rarg. Filzig. Ei; gennützig. ir nennen Geiz die unmäßige Begierde nach Reichthum, welche den Menschen verleitet, alle mögliche und oft unerlaubte, oder ungerechte Mittel zu gebrauchen, wodurch er etwas gewinnen kann. Die Kargheit, ist ein geringerer Grad des Geizes, sie braucht zwar keine ungerechte, aber doch oft ungeziemende Mutcl, ein mehreres zu erlangen, und ist besonders ein übertriebener Grad der Sparsamkeit. Die Filzigkeit, ist der höchste Staffel des Geizes, sie brauchl auch solche Mittel, welche ganz niederträchtig sind, Schimpf und Schande bringen, und wobei man sogar, seine Geizig. Karg. Filzigkeit. Eigennützig. 209 seine Ehre und guten Namen aufopfert. Frisch übersetzet daher daöWort Filzig durch ^>ix>i^ av-zru!.. Ein Geiziger, will nur immer Geld zusammen Haufen, und mehr einnehmen als ihm zukommt. E.ulxar- gcr will fein Geld, in den Kosten verschliefsen, und nicht so viel ausgeben, als er billig follte. Ein Filziger treibt beides, den Geiz und die Kargheit, auf den höchsten Staffel. Der Geiz, bewegt den Menschen, unerlaubte »nd ungerechte Mittel, zu Vermehrung feines Reichthums zu gebrauchen. Er verleitet denAichtcr, die Gerechtigkeit zu verkaufen: Den Hausvater, feinen Kindern das Nöthige zu entziehen: Den Ariegeemaun, zu Grausam« kciren und Erpressungen. Ein rieiziger Mensch, wendet die Noth des Nächsten zu seinem Vonheil an, und zwin. get ihn oft, eine Sache ums halbe Geld zu verkaufen. Er wuchert mit dem Gelde: Nimmt übermäßige Zinsen, und dergleichen. Ein Zxarger, braucht zwar keine ungerechte, aber doch ungeziemende und unanständige Mittel. Z. E. Weil er alle Ausgaben scheuet, fo zündet er kein iicht an, wo er nicht dabey mit feiner Arbeit mehr verdienet, als das iicht werth ist, sonst sihet er lieber im Dunkeln. Er kann Stundenlang über einen Dreier dingen. Was er zu verkaufen hat, ist ihm niemals theuer genug, hingegen, was er kaufen muß, kann niemals wohlfeil genug fcyn, und dergleichen. Ein Filziger, braucht nicht nur ungerechte und ungeziemende, fondern auch sogar m'edcrträchtige Mittel, wodurch er sich bei allen Lenken verächtlich und lächerlich macht, und ohngeachtet er weis, daß man allenthalben mit Fingern auf ihn zeiget, und ihm Schimpfnamen anhanget, so ist er doch ganz gleichgültig dabei, wenn er nur etwas gewinnen kann. Sroschl.TH. O ' Der .^^/^ ^U^^ ^.^^^^z/^- ^/^/^- 2iO Geiz Kargheit. Filzigkeit. Eigennutz. :c. Der Geizige, ist zwar ungerecht, aber er siehet doch noch etwas auf seine Ehre, und scheuet sich lächerlich zu werden. Der Aargc achtet es nicht, daß man ihn bisweilen lächerlich macht, wenn er nur d^bci sein Geld behalten kann. Der Filzige hingegen, opfert um des Ge- winnsteö willen, auch seine Ehre selber auf. Der Geizige, laßt wohl bisweilen, in gewissen beson- deren Fällen, noch etwas drauf gehen, sonderlich, wenn es seine Ehre betrifft, oder er in andern Stücken davon einigen Vortheil hoffen kann. Der Aarge scheuet allezeit die Ausgaben, und wenn er sich Ehren halber dazu einschliefen muß, so findet man doch, daß er in allen Stücken etwas abbricht. Der Filzige kann sich niemals dazu entschließen, er verliehret oft einen wichtigen Vortheil, weil er nicht einmal etwas geringes hat auswenden wollen. Alle diese Laster nehmen mit den Iahren zu. Von der Kargheit kommt man zum Geiz, und von dem Geiz, bis zur Filzigkeit. Sie sind auch oft mit einander vermischet, so, daß verbärge, in gewissen Stücken, aucl> geizig, und der Geizige, in gewissen Stücken auch filzig ist. Der Eigennutz, kann wohl nicht eigentlich zum Geiz gerechnet werden. Ein eigennütziger Mensch, liebet zwar den Gewinn, und thut nicht leichte etwas, wovon er keinen Vortheil hat; Allein er kann doch bisweilen dabei freigebig seyn, und dasjenige, so er gewonnen hat, mit seinen Freunden verzehren, ja, sogar bis zur Verschwendung gehen, und es bloß zu seinem Vergnügen wieder durchringen. Gemeiniglich aber, ist ein eigennütziger Mensch, auch zugleich karg oder geizig, und es sind nur gewisse besondere Gelegenheiten, worin er sich freigebig beweiset. Der Geiz, die!Rargheir, die Filzigkeit, sind alle, zeit mit Eigennutz verknüpft. i-4. Anatt- Knauser. Knicker. 211 124. Rnauser. Rnicker. inen geizigen Menschen, nennet man oft einen Anau- ser oder Zxnl^ei-, aber beide Wörter haben doch eine verschiedene Bedeutung. In beiden kommt der Geiz und die Kargheit zusammen, aber sie äusseren sich auf verschiedene Weise. Ixnauser kommt her von genau seyn, und ist das g in k verwandelt worden. Man nennet Zxnauscr, einen solchen Menschen, der in allen Stücken gar zu genau ist, und allenthalben von seinen Ausgaben etwas abbrechen will. Z>!ucker, dünkt mich, kann von Rnicken hergeleitet werden, und einen solchen Menschen bedeuten, welcher die Dukaten knicket oder bieget, um zu sehen, ob sie von gutem Golde sind, wodurch hcrnach überhaupt ein solcher Mensch angezeiget worden, der alles Geld gena., besiehet, und es zehenmal herumdrehet, ehe er es in seinen Kasten leget, damit er ja nichts geringhaltiges beilege. Am Zxnauser, will an allen Orten etwas abbrechen und ersparen. Wenn er ein halb Maaß Wein auf die Person geben sott, und dreizehen Personen am Tische hat, so giebt er nur sechs Maaß, um ein halbes zu ersparen, oder er setzet jeglichem sein Theil vor, und machet die Maasse kleiner, damit ihm doch etwas übrig bleibe. Jedem von seinem Gesinde, soll er ein halb Pfund Fleisch geben, er hat aber sieben am Tische, also giebt er nur drei Pfund, um noch ein halbes abzubrechen. Zu seinem Kleide braucht er sieben Ellen Tuch, aber er läßt enge Falten und kleine Aufschlage machen, so kann er ein Vier» theil weniger nehmen. Ein Knicker, will gar nichts ausgeben, das Geld dünket ihm schöner zu seyn, als alles, was er dasür bekommen kann. Wenn die Noth ihn zu einigen Ausga- O 2 ben 212 Rennm. Lauft,:. ben zwinget, so bestehet er doch jeden Dreier noch erst etliche mal, und giebt ihn nicht anders <',ls mit Widerwillen von sich. Der Knauser sparet, lind bricht an allen Orten ab, um seine» Geldhausen zu vermehren. Der Anicr'cr will ihn nichtverringei n, und man sindet solche A-uct'er, die, ob sie gleich ihr Geld vermehren könnten, wenn sie es auf Zinsen legten, sich doch nicht entschlossen können, es von sich zu lassen, und sich lieber mit einein geringeren Einkommen begnügen, als daß sie ihr Geld, andern in die Hände geben wollen. M.M sagt: Ein alter Knicker, von einem Alten, der seinen Schah verwahret, und nichts davon ausgeben will. 125. Rennen. Laufen. nmen, zeiget noch eine grössere Geschwindigkeit an, als kaufen, es begreift in sich, daß man alle seine Kräfte dabei anwende. Daher sagt man: Eine Rcnns bahn, wo man ans allen Kräften lauft. Kaufen ist geringer, und wird bisweilen nur von ei« nem starken Gange gebraucht. Man sagt: Ein guter Boche, kann alle zwo Stunden eine starke Meile laufen, ohngeachtet er nur einen guten Schritt gehet. Ich habe den ganzen Tag, viel gelaufen, ob man gleich nur stark gegangen hat. Rennen, wird eigentlich nur vonjebendigcn: kaufen, auch von leblosen Dingen gebraucht. Die Zeit iaufc geschwinde vorbei. Die Sonne lauft vom Morgen nach Abend. Der Schweiß lauft ihm über die Wangen herunter. Das Stundenglas ist ausgelaufen. Das Wasser laufr den Berg herab. Einige sagen zwar auch: Das Wasser rcnncr herunter; Aber sie verwechseln Rennen mit Rinnen. Einig werden. Eins werdeil/ 21z r?6. Einig werden. Gins werden. ortschi.'d hat diese Redensarten so unterschieden, daß einig seyn hieße, in einein gnren Verständnisse le- bcn: S?ms seyn, mit jemand in einer Sache übere n- kommen, und nur von der Uebereinstimmung der Meinung und des Willens gebraucht werde. Ich hatte sonst diese Meinung von ihm angenommen; Allein ich muß gestehen, d -ß solcher Unterschied von den wenigsten Schrift-, siellern beobachtet wird, und also mit dem Gebrauche nicht Übereinkommt. In di?r Bibel, wird das Wort einig, in diesem verstände , nur ein einziges Mal gefunden. 2 Maecab. 14. v. 20. Da sie der Sachen ein I waren, bewilligen sie den Vertrag, sonst ist allemal eins seyn dafür gebraucht, z.B. Amos z. v. z. Mögen auch zween mit einanderw >i- heln, sie seyn denn eins unter einander Syr. 2;. v. s. Wenn Brüder eins sind. Ap. Gesch. 5. v. 9. Warum seyd ihr eins worden, zu versuchen den Geist des Hn rn. Cap. 2?. v. 2-0. Die Juden sind eins worden. Hiob 2. v. n. Die Freunde Hiobs wurden eins, daß sie kämen, ihn zu trösten, u. a. m. Es möchte also wohl kein anderer Unterschied seyn, als derjenige, welchen Herr Adclunc? anzeiget, daß nehmlich eins in dieser ganzen Figur niedriger ist als einig, nnd nur in der vertraulichen Sprechart gebraucht wird. Siehe Wörterb, 159z. S. Wenigstens habe ich noch kein Exempel gesunden, - daß sich jemand desselben in der höheren Schreibart bedienet hätte. 127. Uneinigkeit. Zwist. Zwistigkeit. Zwietracht. Zwiespalt. Mishauigkeit. t^>iejenigen, welche in einem guten Verständniste mit ^ einanderleben, sind einig; Also ist die Uneinig, keit der Mangel eines guten Verständnisses. O z Zwist 214 Uneinigkeit. Zwist. Zwistl'gkcit. Zwist kommt her von zwei, und bedeutet eine Uneinigkeit, die nur unter Zweien, oder doch nur unter zwei Partheien ist. Zwistigkcit kommt her von Zwist, und stehet auf die Gemüthsbesthassenheir, und widrige Gesinnung, derer, welche in Uneinigkeit leben. Zwietracht, auf ihr Betragen gegen einander. Zwiespalt, auf eine Absonderung oderTrennung. Nnshalligkeit, auf eine Uneinigkeit in Worten und Reden. Das Wort Uneinigkeit ist sehr allgemein, es be- greift die andern größtentheils in sich, und wird sowohl von der Gesinnung, als von der That selber gebraucht. Diese Nachbaren leben in Uneinigkeit, zeiget an, daß sie nicht nur widrig gesinnet sind, sondern sich auch allerlei zuwider lthun. Zwist, scheinet einen geringeren Grad derUneinig-- keic anzuzeigen. Freunde können in einer Sache, einen Zwist mir einander haben, sie leben aber deswegen nicht in Uneinigkeit. Der Zwist machet sie zwar in einer Sache uncins, aber es ist noch keine Uneinigkeit unter ihnen. Die Uneinigkeit kann nicht nur unter zweien, sondern auch unter vielen, der Zwist nur allein unter zweien seyn, und wenn man von mehreren sagt: Sie leben in Zwist mit einander, so begreift doch dieses Wort in sich, daß sie nur in zwei Partheien getheilet sind. Man kann z. E. sagen: Zwischen derHofparrhei und dem Parlement in Engelland, ist ein Zwist entstanden. Hingegen, wenn eine Stadt in viel Partheien getheilet wäre, die alle insgesammt, verschiedener Ursachen wegen, in keinem guten Verständnisse, mit einander lebeten, so würde man nicht sagen müßen: Die Einwohner dieser Stadt leben in Zwist; Sondern man müßte sagen: Sie leben in Uneinigkeit. Zwietracht. Zwiespalt. Michatligkeit. 215 Zwistigkeit, beziehet sich aufdie Gemüthsbeschaffen- heit derer, welche einen Zwist mit einander haben. Z.E. Wenn man saget: Sie leben in Zwist mit einander, so beziehet sich diese Redensart, mehr aufden Zwist und die U,icmigkelt selbst. Hingegen, wenn man sager: Sie leben in Zwistigkeit, so beziehet es sich mehr auf die Gcmuthsversassung, daß sie widriggesinnet sind. Daß Jacob den Esau um den Segen seines Vaters gebracht hatte, erweckte einen Zwist, oder eine gewisse Uneinigkeit, unter diesen Brüdern, nnd hernach waren sie beständig in Zwistigkeit, das ist, sie waren allczeicwidriggcsi'.mct. Die Etymologie des Wortes Zwietracht, welches von Tragen herkommt, zeiget genugsam an, daß es besonders auf das Betragendererjenigen sehe, welchem Uneinigkeit leben, oder einen Zwist mit einander haben. Sie leben in Zwietracht, oder sie sind in Zwietracht, das heißet, sie betragen sich so gegeneinander, wie diejenigen zu thun pflegen, die in keinem guten Verständniste leben, nehmlich, sie beweisen sich keine Gefälligkeit, und suchen wohl gar einer dem ander« zu schaden. Zwiespalt kommt her von Spalten, und begreift «ine Absonderung oder Trennung dcrerjenigen in sich, welche vorher sind vereiniget gewesen. Es ist cin?wu'!palc unter diesen Freunden entstanden, das ist, da sie vorher genau mit einander verbunden waren, so sind sie nun getrennet. Sie leben in Zwiespalt, das ist, sie haben sich voneinander abgesondert oder getrennet, einer will nichts mehr mit dein andern zuthun haben. Man saqec auch: Ei» Zwiespalt in Meinungen, wenn zwei in ihren Meinungen weit von einandee abgehen. Hall und Hallen ist so viel als Schall und Schallen. Daher saget man: Ein llViederhall, und auch: Ein YAederschall. Mishalligkeir, würde also der Etymologie nach, einen LIAslauc bedeuten, und man O 4 brauchet si6 Zank. Zänkerei. Hader. braucht auch gemeiniglich dieses Wort, von einem Mangel der Uebereinstimmung in Werten und Reden. Es findet sich hierin eine dlnskalligrcir unrer den Schrift» siellern, das heißt, die Schriftsteller kommen in demjenigen, was sie davon sagen, nicht übcrein. -Oder man branchtcs von einer solche«? Uneinigkeit, welche aus den Reden entstehet. Z. E. Wenn ni»n sagt: Es entstund eine LIAshällirskeit nnter ihnen, so beziehet sich dieses darauf, daß sie sich in ihren Reden zuwider gewesen. 128. Aank. Zänkerei. Hader. Zaninm. Hadern. Aank, ist eine solche Uneinigkeit, welche in einen Streit c^) mit Worten ausbricht. 1 B. Mos. 2t>, 20. Die Hirten von Gerar, zankten mit den Hirten Isaacs und sprachen: Das Wasser ist unser. B. Richt. 8, 1. Die Manner von Ephraim sprachen zuGideon: Warum h.-ft du uns das gethan: Und gurten sich mit ihm heftiglich Bei dem Zai?k, pflegt man sich gemeiniglich in Worten unhöflich zn begegnen, und Grobheiten zu sagen. Man nennet daher einen Zank unter den Gelehrten, wenn sie einen heftigen Streit in ihren Schriften haben, wobei sie sich allerlei Grobheiten sagen. Im Ansänge der Reformation, war ein heftiger Zank, unter den Theologen: Einer verketzerte und verdammte den andern, in seinen Schriften. Der Zank, ist etwas pöbelhaftes. Gesittete und artige 5eute, sagen sich die Wahrheit mit höflichen Worten; Weil aber nicht alle Gelehrte artig sind, und gute Lebensart haben, so geschiehet es oft, daß manche über Kleinigkeiten, in einen groben Zank gerathen. Ob aber gleich das Wort Zank, in der eigentlichen Bedeutung, und dem mehrcsten Gebrauche nach etwas niedriges und pöbelhaftes anzeiget, so wird es doch bisweilen im Scherze, und in einem gelinderen Verstände, auch Zanken. Hadern. 217 auch von solchen Streitigkeiten gebraucht, welche gar nichts niedrig mit sich führen. So nennet man zuwei- len, den Streit welchen zwei Gelehrte, auf eine ganz anstandige Weife, in ihren Schriften mit einander führen : Einen gelehrten Zank. Wenn bei einer öffentlichen Disputanon, der Keijionclen!. und Opponeu?, scharf miteinander disputirm, so saget man wohl: Sie haben sich tapfer herum gezanket. Oder man sagt von zweien Verliebten, welche allerlei kleine Wortstreite mit einander haben: Sie müssen sich immer zanken. Daher kommt auch das Sprüchwort im gemeinen Reden In derÄ-ies be rvill gezanker seyn, und dergl. Zänkerei, ist ein oft wiederholter Zank, ieute, welche in Zänkerei mit einander leben, nehmen von jedem Dinge Gelegenheit her, sich zu zanken. In der Sprache der gemeinen Leute, kommt hierzu Lande, das Wort Hader nicht vor, und es ist übel Haupt mehr in der Bücherfprache gebräuchlich. Frisch sagt in seinem Wörterbuche: „Hadern hat vor diesem absonderlich , das Hadern nm eine Ehrenstelle bedeutet. Da« „her uennet Stumpf. ?Ie1v. ^liÜ. ic>I. 112. Die, so „um ein Amt zanken, und andere verdrcngen wollen Has „derleutc, und einen solchen Abt, einen Haderadt,„ Der eigentliche Unterschied dieser Wörter, scheinst mir darinnen zu bestehen, daß Zank über jede Kleinigkeit: Hader nur über wichtigere Dinge seyn kann. Imglei- chen, daß man bei dem Zank, mehr mit Worten streitet, und sich im Reden unhöflich begegnet: Bei dem Hader hingegen mehr die Gründe anführet, warum man uneins ist, oder eine Sache verlanget, welche der andere nicht zustehen will. B. Richt. 6, zi. Die Leute zu Ophra, Haderren mit Ioaö um Baal. Und IoaS sprach zu allen: Wollet ihr um Baal hadern? Wollet ihr ihm helfen? Wer um ihn hadert, der foll dieses Morgens sterben. Sie wollten den Gideon herausgegeben O 5 und 218 Zank. Zänkerei. Hader. Zanken. Hadern. und getödtet haben, und führeten den Grund oder die Ursach an, weil er den Altar Baals zerbrochen hätte, welches sie als ein Verbrechen ansahen. Ioas aber sehet ihnen einen andern Gründ entgegen, nehmlich, das göttliche Geseß, welches die Götzendiener, mit dem Tode zu strafen, befohlen hatte. Es ist doch aber gewiß, daß sonst in unserer Bibelübersetzung , zwischen diesen Wörtern, kein Unterschied beobachtet, sondern das eine oft für das andere gebrauchet wird, und dasselbige Wort welches in der Grundsprache stehet, ist zuweilen in einer Stelle durch Hader, jn einer anderen durch Zank übersetzet. tVachrer saget bei dem Worte Hader: ?grmucize, ^JNUU!> jacerntu.'i. I^letii^iorlcech'clturciejul'Aio, czuis sltei^inte-i llluilc?-Ilint eorum, c^ui 4e nmtuo lacei^uc et clilcerpum. I^inc apucl ViiAilium /c/^ii D//co»^/a incluLitur, ciuia vel^>5 Igcers, ell lvmboluiii ccm. temiomz et ciiscoräiae. Und von dem Worte Zank : a SM^?>, morclicare, et ciicitur cle iurAi'o, c^uia slter- c^utes, viäentur le mutua clencilzu« ^cersre. I^iuc ^ et /^«^tt, iu are vul^i ctimnuum luntj/nouiniz. Es würde also beides, ein uneigentlicher Ausdruck seyn, welcher auf das zerreißen der Ehre durch ehrenrührige Worte und Reden seine Absicht hat. Woferue man nicht darinnen einen Unterschied suchen wollte, daß das Wort Hader, dessen Bedeutung von zerrissenen Kleidern oder Lumpen entstanden ist, nicht so etwas hartes ausdrücke, als das Wort Zank, welches von dem Beißen mit den Zahnen seinen Ursprung hat, und daher noch etwas empfindlicheres und schmerzlicheres anzeigen würde, das sich auf eine solche Uneinigkeit beziehen könnte, wobei man sich untereinander grobe und schimpfliche Worte saget, die noch heftiger die Ehre angreifen, und sich unter gesitteten Leuten nicht einmal schicken. Dieser Etymologie würde der gewöhnliche Gebrauch gemäß seyn, in welchem das Wort Zank, etwas pöbelhaftes Einigkeit. Einmüthigkeit. Eintracht. :c. 219 Haftes und niedriges anzeiget, und ein Aank auch über allerlei Kleinigkeiten seyn kann. Hader hingegen, mit mehrerer Anständigkeit, und auch von wichcigeren. Dingen gebraucht wird. 129. Einigkeit. Einmüthigkeit. Gintracht. Einhalt igkett. Hlslle diese Wörter, drücken ein gutes Verständniß nnd ^ Uebereinstimmung der Menschen mir einander aus. Atnigkeir, hat die weirläufcigste Bedeutung. Es begreift sowol die Uebereinstimmung des Gemüths, als auch ein gutes Vertragen in sich. Man saget: Eheleute Geschwister, Anverwandte, müßen in j^inigkcic mit einander leben. Das ist: Es muß eine Uebereinstimmung der Gemüther unter ihnen seyn, und sie müssen sich gut vertragen. Die Republiken in Griechenland lebeten gemeiniglich in Streit mit einander; Wen» sie aber von auswärtigen Feinden angegriffen wurden, Herrschere eine große Einigkeit unter ihnen 'Daöist: Sie stimm» ten in ihren Gesinnungen und Handlungen, wider die auswärtigen Feinde überein. ?ffnen,wi"d von allen Dingen gesaget,sowohl wenn das-- 6^ jenige, wodurch eine Sache zugemachet war, hinweggethan, als wenn in der Sachs selbst eine Oeffnung, oder ei» Loch gemacht wird. Man saget von einer Stadt: Sie öffnete die Thore. Man öffnet eine Thür, einen Kasten, einen Brief, ein Pack, den Beutel, u. s. w. Und in eben diefem Sinn, wird auch das Wort Aufmachen gebraucht, welches in so weit, mit «Veffnen einerlei bedeutend ist. Man kann sagen: Die Thore aufmachen, eine Thür, ein Pack einen Brief, den Beutel aufmachen, u. s. f. Wenn aber in der Sache selbst eine Oeffnung, oder ein Hoch gcmachet wird, kann man nur allein das Wort (!)eff^ nen gebrauchen. In der Zergliederungskunst, sagst man: Einen Aufchun. Aufsthlicsseu. 221 Einen Leichnam, oder einen Körper öffnen. Man öffnet eine Ader, ein Geschwür, u.s.f. Die Kricgesknechre öffneten die Seite Christi, mit einem Speer. Bei Bela- gerungen, hat man die Redensart: Die Trencheen cff- nen. In allen diesen Redensarten, kann das Wort Aufmachen, nicht statt finden. Man kann nicht sagen: Einen K örper aufmachen, ein Geschwür aufma- chen, u. s w. Herr Adelung dehnet also die Bedeutung dieses Wortes zu weit aus, da er es durch öffnen erklaret, und saget es werde als ein allgemeiner Auedruck dieser Handlung gebrauchet, welcher die Art und Weise derselben unbestimmt läßet, indem viele Falle sind, in welchen das Wort aufmachen, nicht für die Handlung des Oeffnens gebraucher werden kann, wie aus den angeführten Beispielen zu sehen ist. Aufchun, kommt größtentheils mit Aufmachen überein, nur siehet das erste mehr aus die HandlmiI desjenigen, welcher öffnet; Das zweite aufdie Sache, welche geö ffnet wird. Aber der Gebrauch hat noch einen besonderen Unterschied, in gewissen Redensarten eingeführet. Man sagt: Die Thore aufchun, die Thüre aufchun , den Beutel aufchun, u. a. m. Aber nicht: Einen Brief aufchun, ein Pack aufchun, und dergleichen. Diesen Unterschied kann man vielleicht nicht anders, al6 aus dem Gebrauch selber lernen. Die Wörter «Deffnen und Aufchun, können auch zurückkehrend werden. Man saget: Der Himmel cffncre sich, und der Himmel that sich auf. Die Erd? Offnere sich unter se nen Füssen, und, die Erde charfchui «er seinen Züssen auf. Das Wort Aufmachen aber, fann nicht auf solche Weise gebrauchet werden. Man kann nicht sagen: Der Himmel machetc sich auf. Aufjchilefsen, komme blos; in dem allgemeinen Begriff, einer Oeffnung, mit den vorhergehenden Wörtern, überein. 222 Frau. Weib. Fraulem. überein. Es unterscheidet sich aber sogleich, durch den besonderen Begriff, welchen es von einer vorhergegangenen Verschliessung mit sich führet. Nur dasjenige, was zugeschlossen ist, kann aufgeschlossen werden. Doch wird dieses Wort auch »«eigentlich gebrauchet. Man kann sein Herj gegen jemand aussckliessen. Das ist, zur Erbarmung bewogen werden. Es sind einige Blumen, welche sich des Morgens auf und des Abends wie, der zuschliessen. Hr. NAeland saget: Und jcde Blu. me schloß den holden Busen auf. IZI. Frau. Weib. Fraulem. i?>iese Worter kommen in so weit überein, als sie eine —Person weibliches Geschlechts anzeigen, aber sie werden sehr verschiedentlich gebrauchet. 1) Das Wort Frau, brauchet man erstlich, als einen Ehrennamen, da es so viel heißet, als eine Gebiecherinn. Wie man im mannlichen Geschlechte saget: Der Herr, so saget man im weiblichen, die Frau. Man schreibet an einen König: AllerInädlIster Herr, und an eine Königinn: AllerInadigjteFrau. In den ZueignungS- schriften, findet man sehr gewöhnlich: Der Durchlauchtigen, der Hochgebohrnen Frau , u. s w. Wie man saget: Der Herr General, der Herr Geheimerath, der Herr Professor, so saget man auch: Die Frau Gene- ratinn, die Frau Geheimerathinn, die Frau Professorinn. So heißet auch bei den römisch catholischen die Jungfrau Maria, unsere liebe Frau. 2) Zweitens, bedeutet das Wort Frau, eine Ge- bietherinn im Hause, und in diesem Verstände, wird es sonderlich von den Bedienten, und von dem Gesinde gebrauchet; welche man oft sagen Hörer: DieFnm hat es befohlen. Ich werde es der Frau klagen. Man saget: Eine Frau muß auf ihre Mägde Acht haben, und dergleichen. Ps. !2z, 2. Wie die Augen der Mägde, auf die Frau. Weib. Fraulein. 22z die Hände ihrer Frauen sehen. 1 B. Mos. 16, 4. Ha- gar achtete ihre Frau geringe. Ebend. v. L. Ich bin von meiner Frauen geflohen. z) Drittens, bedeutet es eine Ehefrau. So saget man: Eine Frau nehmen, eine Frau haben. Ieman- den eine Frau geben. Ein Ehemann, welcher von seiner Ehegattinn spricht, saget: Meine Frau. 4) Wenn man das Wort Frau, nur bloß in dem Sinn gebrauchet, um eine Person weibliches Geschlechts, dadurch anzuzeigen, sehet man gemeiniglich das Wort Person oder Zimmer hinzu. Eine Frauensperson, die Frauenspersonen, das Frauenzimmer. Das Wort N?eib, wird nur in einem verächtlichen Sinn genommen. 1) Es bedeutet erstlich, eine Person weibliches Ge- schlechts, man brauchet es aber nur von geringem Stande. Es war ein N)eib da. Ein altes N?eib gab mir den Brief, u. s. w. In diesem Sinn, setzet man bisweilen noch das Wort Vild hinzu. Ein U>eibebild. Oder man brauchet dasWortTVelb, auch miteiner ge- wissen Verachtung, des andern Geschlechts. DieN?ci- der müssen nicht mitreden. Die Leiber sind plauderhast , u. s. w. Daher kommen die Wörter, weibisch, welberhafc, tVelberregimenr, tVeibcrrede, lVei- dermahrichen, womit man eine Verachtung der Sache ausdrücket. 2) Zweitens, bedeutet das Wort N)eib, ein Ebe- weib, aber auch nur unter geringen Leuten, oder mit einiger Verachtung. Er hat ein lVeib genommen. Man muß ihm ein lVeib geben. Man brauchet auch von gerinaen Leuten, das Zeitwort beweiben. Er hat sich beweibet. Er ist beweibet. Vor Alters war das Wort N)eib, nicht so verächtlich. In der Bibel hat es Luther, von den vornehmsten Personen gebrauchet. Saulgab dem David seine Tochter Michal 224 Frau. Weib. Fräulein. Michal zum N)eibe. i B. Sam. 18, 27. Salomo hatte viel lVeiber. 1 B. Kön. n, 1. Ictzo aber siehet es bei» he eine jede Frau für einen Schimpf au, wenn mau s.e ein lVcib nennet. Es sind zwar einige Redensarten , in welchem man auch jetzt noch das Wort dVcib gebrauchet, ohne es in ei- nein verächtlichen Sinne zu nehmen; So jaget man: Mann und lVelb sind eins. Gott hat Mann und N>elb erfch iffen: Es ist eine böfe Sache, wenn Mann und N)cib sich nicht vertragen. Mein solches rühret nicht nur, noch aus dem Gebrauche der Alten her, bei welchem das Wort lVcil) gar nicht verächtlich war, sondern man brauchet es alsdann, auch nur als eine unterscheidende Benennung des weiblichen Geschlechts, ohne eine Absicht auf eine gewisse besondere Person haben. Wenn hingegen von gewissen Personen des andern Geschlechts die Rede ist, wird man sich desselben niemals anders als mit Verachtung, oder Geringschätzung bedienen. Es ist allemal geringschätzend, wenn man saget: Dort sitzen die N^etber beieinander, oder wenn man von einer Person redet, welcher man Achtung schuldig ist und sagen wollte, das N)etl). Das Wort Frau, ist in den alten Zeiten, auch von dem männlichen Geschlechte gebrauchet worden. ^V.'.ch? ter führet aus dem LvanZ. (Zocli. den Schristorc an: Matth. 6, v. 24. Niemand kann zweien Herren dienen: I^imin-ma iriaF txvain lkMiuon, wo das Wort /?-att/<»tt, für Herren stehet, und/6tt//c^--?nst so viel als schalr'cn, oder dienen, von dem alten Worte Schalk ein Knecht. Auch Hr. Ihre zeiget, daß/-^aOvmi. NU8, /,-a?t//»MZ ciominari geheißen. S. Di^. c!e nvm. tubll. ec acsj. ^lnetoA. 192. Von dieser Bedeutung der Wörter srauj-», und ir-iujiuon, ist in den folgenden Zeiten, das Wort Frau, auch dem weiblichen Geschlechte, in der Bedeutung einer Gebie? Frau. Weib. Fräulein. 225 Gebierherinn beigeleget worden. So findet es sich im Theuerdank, du der Königini, Et)renreich, eheste verheirathet war, der Titel Frau gegeben n'ird. Darum gnad Frau edle Königinn Woller ihr nehmen in euren Sinn — Cap. 5. und kurz hernach Der Marschalk sprach: Mein Frau die will Der Sach nach nothdürft ratschlagen. In so weit wie das Wort Frau, eine Person des weiblichen Geschlechts anzeiget, hat es vielleicht seinen Ursprung von dem Worte frey, welches bei dem Alten, hübsch,, schon, liebenswürdig bedeutete, freyen hieß lieben. In I^eibn. Loll. kt/mol. stehet das Celti- sche Wort krack^tt/c/ke?-. 120 S. und man hat die Per. sonen des weiblichen Geschlechts Frauen genannt, weil die Schönheit ihrem Geschlechte besonders eigen ist, oder weil sie über alles geliebct werden. S. N?acht. B. W. tre/. Andere wollen es von frei, Über herleiten und halten es für ein ^ije6t. S. Frisch B. W. Frau. Das Wo t N?cib, leitet N>achrer von rvcbcn her. Ich will seine eigene Worte anführen: !''> ^ i- sagt er: b.uic cieriuationi, ^ucici rex rextvi ia, anli^uilluiiis temj)oribui!, viäetur suille ^romium et c!omesiicmn o^us, 5exu8 muliebrix, nc>n i'oluln gjzuci I^ebraesx, krov. ZI. v. iz. teä elism g^ucj (ZcrmIiiux. Lecnnliuin NSNL ^tvmoIc>Aiiim, M'^V» ^rnririe crit textrix, »VF. texere, siL'^t mviitrix, « malere, (^uoä etiain bauci incommocie clici pn/Ht, veiosln'.ilius tginen elt, vocem ex antic^uiare -i^oco^tüin eile. I^am primi linAuae nu/rrae sutore«, tutum Ae- nu5 b.umanum, cjivi^ebunt, in et Iioc eil, in Iiorninex grm» 5erentex, et telain tinAgn- tez. I'esiis mi'li! verlio ^,nAlc>5. >,^trb^ l.-). v. 4. //e z,/o?-^^eMici ?^i////n??. ^ascuiuin et 5i>em!nain ^seeit ecix. — — — Lt in nsc jsenteiuia, consirina. Srosch I. Th. P rs 226 Uebersetzci!. Dollmctschen. rc noz ciebet, c^uoel lllnüi izrc>r5u^ n^z?c>litic>ne, cciAua- tio vil i, vetLl ibu-i 6icitur: 5^e?-^ ?//a^?z, uxori-i ^/'/// n^,'». Illg a Alüäic), I^ec ü 5uic>. ^n^liz i^ulicr et- i.iinuum ciicitur ?^o?^att, ab giiti^uo Liit^nui^o tcla. Fräulein, ist zwar eigentlich dasDimiMitivumvott Frau, und vor alters auch in diesem Sinn, sowohl von Menschen als Thieren gebraucht worden. 1 B. Mos. 1,27. Gott schuf sie, ein Männlem und ein Fräulein. 1 B. Mos. 7,2. Noah nahm zu sich in den Kasten, von allein Vieh, ein Mannlcin nnd sein Fraulein. Ietzo aber braucht man e6 nur als einen Ehrennahmen, der unver- heirarheten Personen, adeliches Geschlechts. Und vor diesem hat man auch die Fürstinnen lind Prinzeßinnen, Fräulein genannt. Daher ist noch d.'S Wort Fräu? leinsteucr gebräuchlich, vön der Mitgift oder Aussteuer, welche das land, bei Vermählung einerPrinzeßinn, aufbringen muh. Das Dlminutivum von Frau, pflegt man jeHozum Uitterschied, mit der Sylbe chen zu machen. Ein artiges Frauchen. ,Z2. Ueberseyen. Dollmetschett. an übersehet aus einer Sprache in die andere. Man dollmetscher, was in einer unbekannten Sprache geredet, oder geschrieben ist, in diejenige, wel. ehe wir verstehen. Uedcrserzen, ist also allgemeiner. Die englische, franzosische, deutsche Bibel, sind Uebersehungen des GrundrextS, wer aber diese Sprachen nicht verstehet, deni sind sie noch keine Dollmetschunclen. Dem En° gelländei- ist nur die englische, dem Franzosen nur die französische, dem Deutschen nur die deutsche Ueberj'e? tzung zugleich eine DollmerschunZ. Ein Uebersetzcn. Dollmetschen. 227 Ein Dollmetscbcr, muß also nicht nur ans einer Sprache in die andere, sondern auch in diejenige ükcrse? yen, welche wir versiegen, und es kann jemand, ein Buch oder eine Rede qut übersehen, ohne daß er sie in Absicht unserer vcrdoll.ners^er. Das Wort Dollnu ljchen kommt her von dem al- ten Worte Tal, wovon im Englischen noch das Wort wie, und im Holländischen 'l'uel, zu smden ist, welches eine Rede bedeutet, und mischen. Es heißt also gleichsam, die Rede mischen» Anmc-rk, Die Ableitung des Wortes dollmetschen, von dem alten Worte rale, die Sprache, undmisel) es >ius dem Polnischen ttnm?!tc7.e t,er- „leitet immer noch für die wahrscheinlichste,, erkläret, so kann ich ihm doch darinn nicht Beifall geben, indem mir die Frischische Etymclogie, Noch überwiegende Gründe der Wahrscheinlichkeit zu haben scheinet ^Herr ASelung bemerket selbst in dem folgenden, daß die Nitdersachse'i und Dänen, einen Dollmclscker, Tolre, die Schweden Tolk, die Isländer l'nlks, die Nüssen l'ulk, nennen, und Dollmetscben im Niedersächsischen kolken, verrol- ken, und im Schwedischen tolka heißt: „Dieses (lagt er) sram- ,,met ohne Zweifl von dem gedachten Worts Tal, die Sprache! >,ab, von welchem bei den En,:elländern noch jes-t to tulk für „sprechen üelich ist! Und es kann sey», d.iß die erste Halfre des Wor- j.tes Äol, auch dahingehöret.,, Ist aber dieses nicht wahrschein, lich, daß die erste Hälfte des Wortes dal'.i» gehöret, so ft!>.> ich Nicht ab, warum die letzte Hälfte des Wortes, von dem Zeitworte mischen, so unwahrsckieinlich seyn soll al-! n.^ ^l-6) Da das Wort Tal, die Sprache, von einem so hohen Al- tertbume ist, und in so vielen, mit der deutsche» verwanden Sprachen gefunden wird, so ist wohl nichts w>i!!N'ch> uilichcr, als daß die Syllbe Dol, in den Wörtern D^llmclschcn und Zvollmerscher daher ihren Ursprung habe; Denn es ist gar keine Ursnch, warum wir die Ableitung von einem ausländischen P » Werre 22g Ueberseheii. DollmcrsciW. Worte machen sollen, wenn wir in unserer eigenen Sprache eis Wo« haben, welches uns eine ganz natürliche Herleitung darbietet. Das Italiänische Wort "I'm'cimznnv, und das Französische l'niclit'Nu'm, können wel ans Dnijjnmsn entstanden seyn, wie ?el<,»,i>;c im Diät, l?k>ni. vermuthet, daß aber das Wort Dc-ll- nx lschcr, ein fremdes Worc, und wie-Hr. Avelung behaupter, so viel qe'.viß seyn soll, daß es an den mor.ienlaudischen Höfen, und befind.rs an dem Türkischen, zuerst iiblich .zeworden, möchte so leicht .u i t zu beweisen seyn. Denn wenn es gleich in keinen ältern Schnften vorkommt, so giebt doch dieses Noch keine völlige Gewißheit, daß es vorher nicht ist vorhanden gewesen. Man kann vielmehr für gewiß annehmen, daß die Deutschen , schon bei ihrem Umgange mit den Römern, ja vielleicht schon liui>>e vorher, bei den Griechen und andern Völkern , Doll- merschcr gebrauchet haben, und es ist gar nicht glaublich, daß sie damals in ihrer Sprache, keine Benennung für solche Leute gehabt hatten. Ob man gleich nicht behaupten kann, daß sie sich des Äc Alterthum des Wortes Tal, machet es sehr glaublich, daß dieses in solcher Benennung zum Grunde gelegen. Wenn man auch annehmen wollte, ja wenn es gewiß wäre, daß d ejenigen Deutschen, wclche sich an den morgcnländischen, und besonders an dem Türkischen Hofe aufgehalten, damals zu allererst das Wort Dollmetscber aufgebracht Härten, so würde doch daraus noch nicht folgen, daß es ein fremdes Wort sey; De n> warum sollten sie nicht, ans ihrer eigenen Spracke ein Wort haben bilden können, welches wren Landsleuren verständlich gewesen? Und aus welchem türkischen oder morgen'ändhchen Worte, sollten sie da« Wort Dollmelscliccgemacht haben? Wachters Ableitung von dem Polnischen Worte tlumstcie, ist vielmehr unwahrscheinlich, da wir sonst keine Polnische Wör» ter i-i unserer Sprache haben, welche allgemein geworden, und bis an dlc äußersten Grenzen durchaedrumien, sondern die wenigen so etwa in den Namen einiger i>rtcr und dergleichen, vorhanden seyn möebren, bloß an den Grenzen geblieben sind. Dcch Hr. Adelung giebt es selber zu, daß die erste Hälfte des Wortes, von b.m deutschen Tal, abstammen könne. Es wurde «lsa nur noch zu untersuchen seyn, ob denn wirklich die Cnim>. letue der l>'l?ren Hälfte, von dem Zeitworte mischen, so tmw..hr;chcinlich sey als möglich ist. Wir Uebersetzm. Dollmelschen. 229 Wir sagen ja gewöhnlich von einem Menstl?en, welcher im Deutschen viel lateinische oder französische Wörter und Redens, arten gebraucht, er mischet viel lan inisch oder französisch in s ine Reden ein; Und warum sollten die Alten, das lieblichen aus einer Sprache in die andere, nicht ein Mischen der Sprachen, ode» Calmischen, voljmetschen iiab>n ne. neu tonn n? Ein Sctmlcr, wclcher ein Capinel aus demE. rn> l>l> ^7^- poa verdolmetschen soll, liefet einen P>riodue aus dem L-u> i- sck n her, hernach sa,it er was dieses auf Deutsch heißt, da auf liefet er wieder Lateinisch, u. f. w. Er miscl'cr al>o .,l.ich im beide Epochen untereinander, indem er ha ) l.'teunsch, b>ld deutsch reder. Ausgleiche Weift, gehet der Dollm^lchcr zu Werke, Er sagt uns in unserer Sprache, was ein ?i' i»0er, in einer uns unoerständlichcn Sprache aercdet hat, >>nd !>i»ter^in- get dem Fremden, was wir in unserer Sprache gesag t Hai en, welche er nicht verstehet. So mischet er bi srant-ig zwei S'.'ra» chen untereinandcr, indem er sich bald der einen bald der an. ni bedienet. Und daß aus mischen, metschen, entstanden st, wird wohl niemanden befremden, wenn man bedenket, ix.ß -uS eben diesem Worte, auch maischen, meii'chcn , und im Niederdeutschen mecschen, matschen gemacht worden. Es kann auch hier die Etymoiogilche Neg»l gelten : (Z^rrnz- nics, vucslznlz, prli>5 er pvliui? ßcrmsnicis, ^iisin pereßri- „is tontilms, s»nt clcrivoncllZ. Die bloße Achnlicbkeit einet Worts in zweien Sprachen, ist noch kein Beweis, daß eines » sn dem anderen herkomme, und bei dem Polnischen Wort.' tk>» Mgl.-!?, würde noch zu untersuchen seyn , ob es auch ursprünglich Polnisch ist, und ob in der Polnischen Spracke, wirklich solche Stammwörttr sind, woraus diese« füglich in der Bedeutung eines Dollmetsckers hat können zusammen gcsctzet werden. Da ich der Polnischen Sprache nicht kundig bin, so kann ich l»e>e« nicht entscheiden; All-in wenn es auch wirklich seine Richtigkeit hatte, so würde doch daraus noch nicht unwidersprecklich folgen, daß das deutsche Wort Dolmetscher davon herkomme. ?rn Gegentheil würde die Ableitung aus dnn Deutschen selbst, v .1 sie gleich ebenfalls nicht vollkommen überzeugend ist, dennoch im< mer einen größeren Grad der Wahrscheinlichkeit behalten. da In unserer ganzen Sprache, sich sonst keine polnische Wörter finden, welche allgemein wären aufgenommen worden, lind die Niederdeutschen Wörter, Tale, Tolk, tolken, vertolron, sich schon aus den ältesten Wörtern her schreiben. In dem alten Hollä' di-> schen, findet sich das Wort 'I's.mstVKen für bereden, weiches P z mit 2zo Wetter. Witterung. mit Dollmetscher, eine große Aehnlichkeit, obgleich andere Bedeutung hat, ir brauchen das Wortwctte«. gemeiniglich um die- jenigen Veränderungen, oder diejenige Beschaffenheit der Luft »nd des Himmels auszudrucken; welchewir iin Sonnenschein, Regen, Wind, und dergleichen, empfinden. Witterung hingegen, brauchen wir mehr, von derjenigen Beschaffenheit der Luft welche zu gewissen Jahreszeiten, und untergewiffenHimmeisstrichengewöhnlich ist. Mit dem ersten Worte bestimmen wir sonderlich diejenigen Veränderungen der Luft, welchewir taglich, ja öfters stündlich mahrnehmen: Mit dem andern diej.'nizen, welche von länqerer Dauer sind, und zu gewissen Zeiten, gleichsam herrschen. Wir sagen z. E. Es ist schön Wetter, hell Wetter, Re^einvem-r, Thauwerrcr, u. s. w. Hingegen, die Witterung, ist gemeiniglich desto rauher in einem Lande, je näher dasselbe dem Nordpole lieget- Man hält dafür, Engellaud geniesse den größten Theil des Jahres hindurch, einer sehr gemäßigten Witterung. Hier zu Lande ist die Witterung im Frühlingegewöhnlicher wei- se abwechsclud, im Herbste hcrgegen regnig, u. s. w. Sogar in einigen Redensarten, da manbejdeWör- ter brauchen kann, haben sie doch eine Beziehung aufob- erwehnten Unterschied. Man sagt: Sonnnerrverrer, 'ocrbzriverter, u. s. m. und auch: Gommerrvittc- ruiig, ^ervjlwitterung. Allein das erste beziehet sich doch allemal mehr, auf eine besondere Veränderung der Luft; Das zweite, auf eine solche, die nach der Jahreszeit gewöhnlich ist, und langer anhält. Sommer- werrer zeiget bloß ein schönes und warmes Wetter an, so wie es im Sommer gewöhnlich ist: ^crbstwetter ein rauhes und regniges Wetter, so wie es der Herbst IZZ. Vetter. Mtterung. gememig- Wetter. Witterung. Dauchten. Dünken. 2Zi gemeiniglich mit sich bringet, ohne den Begrifeiner Währung desselben zugeben. SominerwtrreruilI, '^erbsr-- rvirreniüg, giebt zugleich den Begrifeineriängern Dauer und Anhalaing dieses ^Vetters. Vian kann mitten im Sommer, wenn auch nur ein einziger rauher Tag ein. fällt, sagen: Wir h .ben heute ein rechtes Herbjirvi-t? ter. Wenn wir aber sagen: Wir haben eine rechte HcrbsnvirterunI, so zeiget solches an, daß das rai.he ^Verrer schon lange gedauret habe. Wenn roir sagen: Wir haben fruchcbür N?etter gehabt, zeigen wir bloß an, daß ein solches ^Vetter eingefallen, daß die juft warm, gehöriger Regen und Sonnenschein gewesen sey. Wir haben fruchtbare N?itterlinI gehabt, drücke- zu- gleich aus, daß solä)eö der Jahreszeit gemäß sey, und eine zeitlang gedauret habe. Wenn das Wort '(Vetter, schlechthin ohne Beiwort gebraucht wird, drücket es ein Ungewitter oder Donner- wetter aus. Hiob ?8, l. Der HErr antwortete Hiob aus einem ^Vctrer, das ist, aus einem Dcmnerrret- rer. Man sagt: Es rausch t ein Wetter d.her. Es ziehet sich ein lVerrer zusammen. Das N?ecrer hat eingeschlagen. Pom sperre».' gerroffen werden, und Dergleichen. i?4- Dauchten. Dünken. er Unterschied, welchen Gottsched zwischen diesen Wörtern gemacht hat, daß das erste, die dritte Endung zu sich nehmen, und von solchen Dingen gesagt werden soll, welche in die äußerliche Sinne fallen, das zweite die vierte Endung erfordere, und von der innerlichen Meinung, welche wir haben, oder von dem Urtheile , welches wir über eine Sache fällen gebraucht werde, dieser Unterschied ist zwar Anfangs von einigen angenommen worden; Aber hernach hat man doch die Unrichtigkeit desselben eingesehen. In der That, ist er weder auf P 4 dem > 2Z2 Ehrerbietigkeit. Ehrerbiethung. Ehrfurcht. dem Gebrauche, noch auf der eigentlichen Bedeutung der Wörter gegründet. Daueren hat, seiner eigentlichen Bedeutung nach weder mehr noch weniger Beziehung auf die äußerlichen Sinne als dünken; Und in Ansehung des Gebrauchs, hat »^r. Adelung, mit sehr vielen Beispielen bewiesen, dü i beide Wörter, von den alten und neuen Schriftstellern, bald mit dem Dativ, bald nut dem Accusativ, sowohl von den äußerlichen binnen, als von den Meinungen lind Urtheilen gebr.inchc werden. Es kann auch diese Unterscheidung gar keinen Nutzen haben, indem sie nicht einmal einer Zweideutigkeit vorbeuget, und man es oben so gutvcrstcher, wm:, jemand von den äußerlichen Sinnen, das Wort vauchten, als wenn er dünken davon gebraucht. Ob ich also gleich sonst, den Gottschedischen Unter- schied ebenfalls angenommen, so muß ich doch gestehen, daß derselbe nicht nur ungegründet, sondern auch unnöthig sey. >Z5- Ehrerbiethigkeit. Ehrerbiethung. H>ie Hauptwörter, (Lubllainiva) welche sich mit der Sylbe kcic endigen, kommen von den Beiwörtern, (^jecsiivi-.) her, die ihre Endung in ig oder ich machen : Und diese zeigen ein Haben an. Z. E. Ehrlich bedeutet etwas, das Ehre hat. Barmherzig, etwas, das Erbarmung hat, u. s. w. Sogar das Wort wenig, kommt her von dem angelsächsischen V/an, ein Mangel, wovon im Englischen die Wörter w ^Vgnt mangeln, und Wsm ein Mangel gefunden werden, und bedeutet also etwas, das einen Mangel hat. Durch die Zusetzung der Sylbe keil zu diesen ^6je- 6t>vi«, macht man davon 8ubl1gntiva abllrsHg. Zum Exempel: Von Ehrlich kommt das --bür-uüum Ehr- Ehrfurcht. llchkcic: Ehrerbietigkeit. Ehrerbiethung. Ehrfurcht. 2zz lichkeit: Von Barmherzig, Barmherzigkeit: Von Versöhnlich, Versöhnlichkeit: Von Dienstferrig, Dienstferrigkcit: Von wenig, Wenigkeit, u.s. w. Die Hauptwörter (Lubliantiva) auf ung, kommen von den Zcitivöitern (ve^i-i) her, und zeigen eine That oder eine Handlung an. Zum Exempel von Sammle,,, kommt Sammlung, von Achren, Achtung, Von Drohen kommt Drohung, die That des Dro. hens. Von Befragen kommt Befragung, die That deö BcfragenS, u.s.f. Da nun das Wort Ehrerbiethig, von Ehre und Bieren, oder Erbieten, zusammengesetzetist, so heißt «6 so viel, als jemand zu ehren erbörig seyn. Ehrer- biethigkeir, drücket daher die Gesinnung oder Neigung eines Menschen aus, welche er hat, jemanden zu ehren. Ehrerbiethung, drücket eine Sorgfalt aus jemand auf alle mögliche Weise zu ehren, oder die That selber, daß man ihn wirklich ehret. Ich habe viel Ehrerbierhigkeir gegen ihn, würde also heißen, ich bin innerlich so gesinnet, daß ich ihn ehren will. Ich habe viel Ehrerbiethung gegen ihn, wür- de heissen: Ich beweist ihm wirklich viel Ehre, oder ich bin allezeit darauf bedacht, ihm i?ie gebührende Ehre zu beweisen. Haman hatte keine Ehrerbiethigkeir gegen den Mar. dochai; Aber er mußte ihm doch auf Befehl des Königes, Ehrerbiethung beweisen, da ervor ihm ausrufen mußte: So wird man thun, dem Manne, den der König gerne ehren wollte. Esth. 6, ri. Ehrfurcht, ist eine, mit Untertänigkeit und Furcht, vermischte Ehrerbierhigkeit, welche man gegen diejenigen hat, die weit über uns erhoben sind, oder den Mangel unserer Ehrerbierhigkeit strafen könnten. Ehrerbierhigkeit und Ehrerbiethung, kann man auch gegen solche haben, welche dem Stande nach, niedri« P z gev 2Z4 Binden. Knüpfen. Haften. ger als wir sind, woferne sie nur einige Eigenschaften besitzen, welche sie der Ehre würdig machen: Ehrfurcht, nu. gegen solche, die über uns erhoben sind, und zu gebieten haben. Man muß Ehrerbiethigkeir und Ehrerbiethung haben, gegen oje Alten, gegen dieTugendhaften, gegen die Frommen. Ein Kind, muß nicht nur dieses, scn- dern auch Ehrfurcht haben, gegen seine Eltern, und ein Uncerchan gegen seine Obrigkeit. Ein König kann eine gewissiEhrerbierhigkeit oder EbrerbiechunI haben, gegen einen Mann, dem er seine Erziehung, oder sein Leb?,,, oder die Erhaltung seines Reichs, zu danken hat, dieser aber muß doch allezeit noch Ehrfurcht haben gegen seinen König. iz6. Binden. Rnüpfen. Haften. A^inden, siehet auf das Werkzeug: Anüpfen, auf die Art und Weise: haften auf die Bevestigung. Binden, geschiehet mit einem Bande, Anüpfcn, durch einen Knoren. »saften, auf mancherlei Art. Da alles, womit verschiedene Dinge umwickelt, und zusammen bevestiget werden, ein. Band genannt wird; So wird auch das Wort Binden, von vielen Dingen gebraucht. Man bindet die Garben, mit einem Strohbande. Man bindet die jungen Bäume, mit Ruthen von Weiden an. Man bindet die Fasser, mit hölzernen oder eisernen Banden, oder Reifen. Man sagt sogar: Mit Ketten binden, ohngeachtetes eigentlicher gesagt ist, in Ketten schließen B. d. R. 16, 21. Die Philister bunden Simion, mit zwo ehernen Ketten. 2 B. d- Kön. 25, 7. Die Chaldeer bunden Zedekia mit Ketten. Und weil der Umschlag, welcher um die zusammen gehafteten Bo. gen, eines Buchs gemacht wird, auch ein Band heißet, so sagt man auch Bücher binden. Die Krank, ttnpas. Siech, kränklich. :c. 235 Die zusammengesetzten Wörter haben ebenfalls eine Beziehung auf das Werkzeug, womit die Bevesrigung geschiehet, nehmlich, ein Band. Zubinden, anbinden, zusamme n binden, u. f. m. Man knüpftr, w.'ö mit einem Knoten bevcstiget wird. Zum Exempel: Man k-iüpftr einen zerrissenen Strick wieder zusammen, und dergleichen. Rahali kuüpftrc das rothe Seil ins Fenster. In einem unci- gcurlichen Verstände, braucher man zuweilen dieses Wort, für genau vereinigen. So sagt man: Das Band der Ehe knüpfen. Das Band der Blutsfreundfchaft, ist von der Natur selbst geknüpftr. Haften, kommt her von haften: Es ist so viel, als machen, daß etwas haftet. Man haftet, mit nähen, daher sagt man: Eine Wunde zusammen haften. Ein Buch haften, das ist, die Bogen desselben zusammen nahen. Man haftet mit Nägeln. Die Tischer sagen, eine Leiste anhaften, wenn sie eine Leiste anleimen, und so lange mit ein Paar Nagel bevestigen, bis der Leim trocken geworden, da sie denn die Nägel wieder ausziehen, und dn-gleichen. Ierem. io, 4. Und heftet sie mit Nägeln und Hämmern, daß sie nicht umfallen. 2 B.Mos. 28, ??- Und sollet es heften an eine grobe Schnur. Match. 27, Z7> Oben zu seinem Haupte hefteten sie die Ursach seines Todes beschriebe». Uneigentlich sagt man: S.ine Augen auf etwas heften: Seine Aufmerksamkeit auf einen gewissen Gegenstand heften, und dergl. 1Z7. Rrank. Unpas. Siech. Rränkl.ch. Schwächlich. rank, zeiget nicht nur den Mangel der Gesundheit, sondern auch das Dasenn eines wirklichen Uebels, und eine solche Unordnung in der Leibesbeschaffenheit des Men- scheu an, wodurch er bettlägerig, und zu seinen Verrichtungen untüchtig gemacht wird, Unpas, 2Z6 Arattk. Unpas. Siech. Unpas, sagcweniger, alsZxrank, manbrauchtes nur von solchen Anstössen der Gesundheit, welche nicht viel zu bedeuien haben, und wovon man bald wieder hergestellet wird. Siech, wird zwar in den meisten Wörterbüchern, und sogar in einigen Provinzen mit !>rank in einerlei Bedeutung genommen. Man sagt gemeiniglich ohne Unterschied, ein Siechberte, oder auch: Ein Z>ran- kendecre. Unterdessen scheinet mir doch wirklich ein Unterschied dazwischen zu seyn. Wir nennen nehmlich einen Menschen Siech, wenn er eine auszehrende, oder langwierige Krankheit hat, wovon er nicht wieder befreiet wer« den kann, und die ihn endlich zu Grabe bringt. Ein Krankenbette, würde also ein jegliches Lager bedeuten müssen, worauf der Mensch, durch iraend eine Krank- heil , darnieder gelegt wird. Ein S'.echberte hingegen, besonders ein langwieriges Lager ausdrücken. Zxranküch, giebt den Begrif, einer solchen Leibes- beschaffenhcit, welche oft allerlei Zufällen, und geringen Uebeln unterworfen ist, woraus hernach Krankheiten entstehen können. Schwächlich, wird von einem Menschen gesagt, der, wenn er gleich gegenwärtig kein Uebel empfindet, dennoch seiner schwachen Leibesbeschaffenheit wegen, zu Krankheiten geneigt ist. Es giebt den Begrif einer großen Schwache, sowohl in den äußerlichen Gliedmassen, als in den innerlichen Theilen des Leibes. Ein heftige« Fieber, die Pocken, Nitteln, rothe Ruhr, und dergleichen, machen den Menschen krank. Husten, Schnupfen, Kopfwehe, Zahnschmerzen,», a.m. machen ihn unpas. Wer die Schwindsucht oder eine andere langwierige Krankheit in solchem hohen Grade hat, daß er nicht wieder davon befreiet werden kann, sondern nach und nach immer mehr entkräftet wird, und sich nicht anders als durch beständiges arzeneien erhalten Kranklich. Schwächlich. 2zy erhalten kann, der führet ein sieches leben. Wer öfters von allerlei Uebeln angegriffen wiid, welche seine Nalur allmählich schwachen, der ist kranklich. Wer schwache und zarte Gliedmassen hat, keine schwere Ar- beit vcrrich en, keine harte Speisen vertragen kann, und deswegen allezeit eine ganz besondere Diät halten muß, der ist schwächlich. lLin Rranker, ist bettlägerig, und außer Stande, seine Arbeit zu verrichten. Die blosse Unpäollchkeit, zwinget den Menschen nicht, das Bette zu hüten, er kann auch einige geringe Arbeit verrichten, dennoch aber wird er zu wichtigen Dingen nicht recht geschickt seyn. Der Sieche, muß manches langwierige Lager ausstehen, und wenn er sich am besten befindet, so fühlet er doch fast bestandig, das Uebel, welches ihn quälet. Er kann daher auch nur selten einige Arbeit verrichten, welche überdem, nicht so sehr den Leib, als das Gemüth beschäfftigen muß. Der kränkliche, wird öfters von allerlei widrigen Zufällen angegriffen, er erholet sich zwar immer wieder, aber sie untergraben doch, nach und nach seine Leibesbeschaffenheit, und ziehen ihm endlich schwere Krankheiten zu. Der Schwächliche, kann, wenn er gute Diät hält, ziemlich gesund seyn, und viele Arbeit verrichten, nur darf er sich mit keine-' schweren Arbeit beschäftigen. Eine Arankheit k^nn bisweilen todtlich seyn. Die Ilnpäslichkeir, ist niemals tödtlich. Wer siech ist, siehet den Tod schon vor Augen, und fühlet lange vor- her, diejenige Krankheit, an welcher er sterben wird. Der kränkliche, empfindet allerlei Uebel, welche all. mählich härtere Krankheiten, und den Tod herbei füh. ren. Der Schwächliche, ob er aleich kein Uebel oder Schmerzen empfindet, so kann er sich doch gemeiniglich, kein langes Leben versprechen. iz8. Schar, 2Z8 Schatteil. Schemen. i?8 Schatten. Schemen. dem hamburgischen gemeinnützigen Magazin vom Jahr 1761 finde ich von dem Unterschied, dieser Wörter gehandelt, auf der 754 Seite, u> f. Und mich dünkt, ich werde am besten thun, wenn ich dasjenige, was der Herr Verfasser davon anführet, mit seinen eigenen Worten hierher sehe. „Scharren und Schemen, (sagt er) werden von „den meisten, vor gleichgültige Wörter geHallen, da doch „jedes Wort, seine besondere Bedeutung hat. Es ist „nicht Wunder, daß man das Wort Schemen, nicht „recht verstehet, da es so selten gehöret wird. Ich „kann mich eben nicht besinnen, daß es in Niedersachsen sonderlich gebräuchlich sey, man bedienet sich allenthal. „ben, an dessen statt, des Wortes Scharren. Und „solches thun auch selbst die Obersten zum Theil. Man „spricht: Ich habe meinen Scharten im Wasser gesehen. „Die Gelehrten selbst, verwechseln diese Wörter. Schlagt „man in Hederichs Wörterb. das Wort Schemen auf, ,,so verweiset er uns auf das Wort Schatten. ,,Der eigentliche Unterschied der beiden Wörter beste» „her darinn. Wenn ein Körper den Zufluß des Nichts, „auf der Erden hindert, so sagt man: Es entstehet ein „Schatten. Hindert er aber den Zufluß deö Nichts im „Wasser, so nennet man es eimn Scheinen. Folglich „bedeuten beide Wörter zwar einerlei Sache, aber ihr „Name ist in Ansehung der Materie unterschieden. „Daß es mit dem Worte Schemen,die Beschaffen« „heit hat, lehret uns der sel. juther. Er übersetz? Spr. „Sal. 27,19. Wie der Schemen im Wasser ist gcgen das „Angesicht: Also ist eines Menschen Herz gegen den an. „dern. Wiewohl man kann nicht leugnen, daß Luther sel« „bcr die beiden Wörter vertauschet habe. Im Z9 Psalm „übersetzet er den ?ten v. also: Sie gehen daher wie „ein Leihen. Lehnen. Borgen. 239 „ein Schemen, da eö doch heißen sollte: Wie ein „Scharren. „Soll ich einer Muthmaßung Platz geben, sodeucht „mich, das Wort Schemen, h^be seinen Ursprung aus „der griechischen Sprache. Ohne Zweifel, ist es das „Wort die Gestalt. Ich werde in der Mej, „nung bestärket, wenn ich bedenke: i) Daß mehrere „griechische Wörter in unserer Sprache stecken. Zum ,-.Exempel: Die Thür von Z^«. Das Feuer, oder „niedersachsisch Für von 7?uf, und viele Wörter mehr, „2) Weil sich der Begriff sehr gut zur Cache schicket, „denn der Schemen hat vor dem Scharren dieses vor. „aus, daß er dem Menschen, seine Gestalt deutlich ab- „bildet. z) Weil einige bloß der Schein schreiben. „Ich will andere Urcheilen laßen, wie weit ich Recht „habe. „ Ich habe hierbei nicht viel zu erinnern. Der ange« gebene Unterschied , zwischen Scharren und Schemen, hat an sich seine Richtigkeit. Ich finde aber in Frischens Wörterb-, daß dis Wort Schemen, auch ein gemachtes Antlitz, oder eine Larve bedeutet, wie er denn solches a»6 Datvr>»clü Mexico und In'ilckiini nnmencigtorLbeweiser- Es scheinet mir also das Wort Schemen, eine dunkle oder verzogene Verstellung des menschlichen Angesichts auszudrücken, so wie die Bewegung der Wellen im Wasser, das Angesicht bisweilen ganz verlogen vorstellet. Und daher (glaube ich) hak Man auch die jm-ven Sehe? men genannt, weil sie gemeiniglich wunderliche und ve» zogen« Gesichter vorstellen. 1Z9. Leihen« Tebnen. Borgen. m angeführten O?ke in dem hamburqischen g?mein»ü« tzigem Magazin, geschiehet auch dieser Wörter Er« wehnung. „Ich weis nicht, (sagt der Versasser) ob mehrere ,,Wvrter sind, die man so sehr oft verrauschet, als diese. „Matt 240 Leihen. Lehnen. Borgen. „Man höret sowol sagen: Ich habe ihm Geld gelehnec, „als, ich habe ihm Geld geliehen. Da doch beides „ganz falsch ist. „Der richtige Unterschied ist dieser. Wer einem et« „was znm Gebrauch giebt, das er nach der bestimmten „Zeit wieder zurück geben muß: Der leihet. Wer aber „etwas auf einige Zeit: zu seinem Gebrauch von einem „andern nimmt, der lehner. Kurz, wer etwas giebt, „der leihet. Wer etwas empfangt, der lehner. Der „sel. juther braucht das Wort Leihen, beständig indem „Verstände. Z. E. Freund, leihe mir Brodt. Leihe „nicht einem Gewaltigern als du bist. Die Sünder lel-. „hen den Sündern auch. „Das Wort Lehnen kommt, so viel ich mich erin. ,.nere, bei ihm nicht vor, sondern er bedienet sich anstatt „dessen, des Wortes Vorgen, welches dan.it aber, doch „nicht völlig einerlei ist. Wir finden aber bei andern „Exempel davon. Herr Gottsched sagt, im Zten Theil „der Weltweieheit, §. 285. Wir müßen versichert seyn, „daß wir das Geliehene, von dem, der es entlehnet hat, „unvcrschlimmert; und zur rechten Zeit wieder bekommen „werden, und §. 247. Es wäre in diesem Falle „billig, daß Reiher und Lehncr, den Schaden miteinander „theilen sollten. Hier siehet man den Unterschied ganz „offenbar. In dem Mexico des Faberö stehet auch ganz „recht: Hui mutuat pecumsm clat mutuo. Er leihet. „Hui inuttuitur, mmuo 2LLij)it. Er lehnet. „Das Wort Borgen, gehöret zu den Mittelwörtern, denn es bedeutet sowol Leihen als Lehnen. „Man sagt, einem etwas borgen, und von einem et. „was borgen. Z. E. Gottsched §, 290. Wir sind „verbunden, andern etwas vorzustrecken, oder ;u bors „gen. Und §. 291. Wenn jemand bei theurer Zeit „Getraide von dem andern borgte. Was höret man ,.öfter als dieses? Ich muß es von dem Hei rn borgen. ','Der Leihen. Lehnen. Borget?. 241 „Der andere aber antwortet: Ich borge euch nicht. Herr „Gottsched macht zwischen den Wörtern Borgen und Leichen, aber auch den Unterschied, daß man bei dem Lei- „Heu, eben dasselbige wiederbekommt, was manausgiebt, „bei dem Borgen aber die Sache verzehret, und etwas „gleichgültiges wieder gegeben wird. Z. E. Getraide, „Holz, Geld. Dieser Unterschied aber wird sehr sparsam „beobachtet, und vielleicht dürften andere nicht durchgängig der Meinung seyn.,, Der Unterschied zwischen diesen Wörtern, scheinet mir hier ganz richtig bestimmet zu seyn. Ich will also nur folgendes dabei bemerken: 1) Erjilich, daß es vielleicht gut seyn möchte, wenn der Unterschied, welchen Herr Gottsched, zwischen Leihen und Borgen macht, beobachtet würde, unterdessen ist er doch wirklich durch den Gebrauch nicht eingeführet, und man nimmt das Wort leihen, ganz allgemein, von allen Dingen, welche einem anderen auf eine Zeitlang zu seinem Gebrauche gegeben werden, nicht nur wenn man eben dasselbige wieder bekommt, sondern auch wenn das geliehene verzehret, und etwas gleichgültiges an dessen Stelle wiedergegeben wird. So stehet tue. 11. v. 5. Lieber Freund, leihe mir drei Brodte; und B.Tob. 4. v.21. Daß ich ze- hen Pfund Silber geliehen. Man fagt auch ganz gewöhnlich: Ich habe ihm Geld geliehen: Ich habe ihm ein Malter Haber, eine Klafter Holz geliehen, und dergleichen. 2) Zweitens, das Wort, ein Lehner, kommt auch in der Bibel vor, und zwar nicht in dem Verstände, welcher hier dem Worte lehnen, beigeleget wird, sondern in dem gegenseitigen. Sprüchw. Sal. 22, 7. Wer bor-? get, ist des Zehners Knecht. Und wir haben in eben dem Verstände die zusammengesetzten Wörter, belehnen, darlehnen, die Belehnung/ das Darlehen. Sroschl.TH. Q Ans 242 Koppel. Kuppel. Anmerk. Es ist auch an d'csem Orte, in dem hamburqischen gemeinnützigen Ma.zazin, die Bedeutung der Wörter Rarghcit und Gei'5, aus einander acschct. Ich habe aber davon schon oben auf der 208 Seite gehandelt. 140. Roppel. Ruppel. Doppel und Nuppel, unterscheiden die meisten, sowol ^ im Reden als im Schreiben gar nicht. Man findet beides: EineNoppel, und auch, eine Nuppel Hunde, Pferde, u. s- w. Imgseichen, von dein obersten Theil eines Thurms, die Noppel, und auch, die Nuppel. Frifch selbst, macht in seinem Wörterbuch, keinen Unterschied, und will dieses Wort, von dem lateinischen Loriulz, und dein französi schen Loujzle, herleiten. Mich dünkt aber, e6 sey allerdings ein Unterschied zu machen. DaS Wort Noppel, kommt her von Lopulg, Lo- xulnre, und bedeutet gewisse Dinge, die mit einander verbunden sind. Man müßte also sagen: Eine Noppel Hunde. Eins Noppel Pferde. Ein Noppelnem. EineNoppclrveioe, wo mehrere zusammen weiden können, und dergl. Es wäre auch besser, und der Etymologie gemäßer zu sagen: Ein Noppler, einNoppelpelz, eine Noppleriu, Noppeln, als Nuppler, Nuppel- pelz, Nupplerin, Nuppeln, u. s.w. Das Wort Nuppel, kommt her von (Xma, eine Kufe, oder von dem französischen L'oupe, ein Kelch, und bedeutet in der Baukunst den obersten Theil eines Thurms, welcher die Figur eines umgekehrten Kelches hat. Oder vielleicht ist es das italienische Wort Lupaia, welches eben das bedeutet, und auch nach dieser Etymologie, müßte es mit einem u, und nicht mit einem 0 geschrieben werden. Nuppel und nicht Noppel. Es könnte auch wohl aus dem deutschen Worte Nuppe entstanden seyn, welches den rundlichen Gipfel, oder die rundlicheSpitze einesDingeS bedeutet. So heißt an verschiedenen Orten, der Gipfel eines Frist. Weile. 24z eines Berges die Ruppe, und vielleicht ist dieses auch das Stammwort, wovon (-'ou^e und (-'u^ola herkommen. 141. Frist. Meile. <^>ie Alten brauchten diese beiden Wörter bisweilen für »-^ Zeit insgemein. Sie sagten: Zu dieser Frist, zu aller Frist, das ist, zu dieser Zeit, zu aller Zeit: Zu der lVeil, in der lVcil, das ist, zu der Zeit, in der Zeit. Aber in solcher Bedeutung werden sie jeho gar nicht mehr genommen. IeHo braucht man beide Wörter, nur von einem gewissen Zeitraume, und zwar wird Frist, nur von einem gegenwartigen und zukünftigen, lVeile, auch von einem vergangenen Zeiträume gesagt. Jemanden Frist geben, er hat ihm nur eine kurze Frist gegeben, er laßt ihm noch Frist, und dergleichen, siehet aus das Zukünftige. Man kann nicht sagen: Vor einer kmzen Frist' Aber wohl, vor einer kleinen tVeile, und auch, über eine kleine N>eile. Frist, hat allezeit eine Absicht auf etwas, das in einer bestimmten Zeit, oder nach deren Verfliessung geschehen soll, und zwar auf eine solche Zeit, welche jemanden von einem andern gesetzet wird. Ich gebe dir noch Frist, dich zu bedenken: Gott giebt den Menschen Frist zur Buße. Auch in der Redensart: Sich Frist auskitten, kommt es auf einen andern an, die Zeit zu sehen und zu bestimmen. tVeile siehet nur bloß auf die Verfliessung einer gewissen Zeit, ohne den Begriff mit sich zu führen, daß diefe Zeit von einem andern bestimmet w?rde. Ueber eine 5Vellc kam er zu mir: Es daurete noch eine Meile: Sich tVeile nehmen. Mit dem Worte Frist, kann man ein gewisses Zeitmaaß, Stunden, Tag, Jahr, u. s. w. verknüpfen, mit dem Worte N>eile aber nicht. Man sagt: In Monats, Q 2 in 244 Eingedenk seyn. Sich erinnern. in Jahres Frist. Gott gab den Menschen vor der Süud- fiulh, hundert und zwanzig Jahr, Frist zur Buße. Aber man l^nn nicht sagen^ In Monats, oder Jahres N>lle. Ich gebe dir drei Tage lT>eile, dich zu bedenken. 142. Ü7w?edeni7 seyn. Sich erinnern. Sich besinnen. Sich entsinnen. ^s)an ist einer Sache eingedenk, wenn man sie nicht vermisset. Man erinnert sich derselben, wenn sie unö durch einen Zufall, wieder ins Gedächtniß gebracht wird. Man besinnet sich daraus, wenn man einige Mühe und Nachdenken anwenden muß, ehe man sich derselben wieder recht genau erinnern kann. Ich will meines Versprechens eingedenk seyn, lvißr, ich will es nicht vergessen: Es soll mir so vefte in dem Gedächtnisse bleiben, daß ich es nicht aus der Acht lassen will. Ich erinnere mici?, daß ich dir dieses versprochen habe, heißt so viel: Es war mir zwar einigermaßen, aus dem Gedächtniß gekommen, aber nun denke ich wieder daran. Ich besinne mich, es dir versprochen zu haben, heißt, indem ich jeho nachdenke, fällt es mir ein, daß ich e6 dir versprochen habe. DerjenigenDinge, welche uns besonders angehen, und wovon wir einen große» Nutzen haben können, stnd rvir gemeiniglich eingedenk. Was uns aufeine gewisse Weise gerührt hat, dessen können wir uns bei vorfallender Gelegenheit, bald wieder erinnern. Was keinen sonderlichen Eindruck bei uns macht, darauf können wir uns oft, nach einer kurzen Zeit, kaum wieder besinnen. N>ir erinnern uns bisweilen, eine Sache gelesen zu haben, aber wir können uns nicht besinnen, an wel« , chem Orte, das ist, ob wir uns gleich Mühe geben, und nach- Sich besinnen. Sich entsinnen. 245 nachdenken, so können wir uns doch nicht erinnern, in welchem Buche, oder an welchem Orte wir es gelese-- haben. Ich werde mich wohl darauf besinnen, d.-.ü> ist, wenn ich einiges Nachdenken anwende, werde ich mich wohl daran erinnern. So sagt man auch: Ich kann mich auf den Namen diesesManneö nicht besinnen. Besinnen und entsinnen kommen fehr mit einander übercin, und können in vielen Redensarten, eins für !v.S andere gesetzet werden. So känn man' sagen: Ich besinne mich, eö dir versprochen zu haben, und auch: Ich entsinne mich, es dir versprochen zu haben: Ich des sinne mich nicht, daß ich solches gesagt hatte, iMv auch: Ich entsinne mich nicht, daß ich es gesagt hatte: Wo- ftrne ich mich recht besinne, und, woferne ich mich recht entsinne, und dergleichen. Allein in solchen Fällen, wo man einige Mühe und Nachdenken anwendet, sich etwas wieder jns Gedachmiß zu bringen, kann man nur das Wort besinnen gebrauchen. Man sagt im gemeinen Le. ben: Ich besinne mich hin und her. Besinndich nur daraus. Ich mag mich besinnen, so viel ich will, und dergleichen. Hier kann das Wort entsinnen nicht Statt finden. So kann man auch sagen: Ich habe mich lange darauf besonnen, wo ich dieses gelesen hatte, endlich entsann ich mich, daß es im Plutarch sey. Das erste beziehet sich auf das Nachdenken, das zweite auf Erinnern. 14?. Zierde. Zierrath. Schmuck. Puy. (Dasjenige, was zur Verschönerung einer Sache dienet, wird durch diese Wörter ausgedrück'5. Zierde aber, hat eine Beziehung ans so etwas, was der Sache selbst eigen ist. Zierrach gehet nur auf solche Dinge, welche von aussen hinzu kommen, und nicht eigentlich zu der Sache selbst gehören. Schmuck, wird nur von demjenigen gebraucht, womit man die Gestalt zu verschönern sucht, Q z und 246 Zierde. Zierrath. Schmuck. Putz. und Purz, ist nach dem jetzigen Gebrauch, noch eingeschränkter, man verstehet dadurch eigentlich nur gewisse Kleinigkeiten, welche in dem Anzüge, und der Kleidung des Menschen angebracht werden. Man sagt von einer Person, Sie ist die Zierde ihres Geschlechts. Cchamhaftigkeit ist die Zierde des Frauen- zimmers. Der Barr wurde ehemals für eine Zierde de6 männlichen Geschlechts gehalten, jetzo aber achtet mansol- cher Zierde nicht mehr, uud dergl. Auf die Tafeln großer Herren, werden viele Dinge, nur zum Zltrrach aufgesetzet. Bildsaulen, angebrachtes Handwerk, Blumentöpfe, und dergl. dienen zum Zier- räch eines Pallasts. Schmuck, wird im gemeinen Umgange mehrentheilS nur in Absicht auf das Frauenzimmer gebraucht, ob e6 gleich in erhabenen Reden auch wohl von anderen Dingen gesagt werden möchte, wie es denn auf solche Weise in der Bibel vorkommt. Z.B. 2Chron.z.v.6. Salomo überzog das Haus, mit edlen Steinen zum Schmuck. Ps. iio. v. z. Dein Volk wird dir williglich opfern, im heiligen Schmuck. Sprüchw. 20. v. 29. Graue Haare ist der Alten Schmuck. Zum Schmuck einer Frauensperson, gehört alles, was sie anlegt, ihreSchönheit zu erhöhen, und es wird auch, ihr Geschmeide und Iuweelcn darunter begriffen. Ierem. 2. v. zz.jVergijset doch eine Jungfrau ihres Schmucks nicht. 1 Pet. z. v. z. Welcher Schmuck, sott niN)t auswendig seyn, mit Haarsiechten, und Gold umhängen, oder Kleider anlegen. Man jagt daher gewöhnlicher, der kaiserliche oder königliche Zierrarh, als, der kaiserliche oder königliche Schmuck, weil diese Personen, solche Dinge nicht anlegen, ihre Schönheit zu erhöhen, sondern nur ihre Pracht und Majestät sehen zu lassen. In so weit, wie das Wort pur; mit den andern über- «in kommt, wird es cbensallö mehrentheils von dem Anzüge Zieren. Schmücken. Putzen. Anszicren. :c. 247 zuge de6 Frauenzimmers gebraucht, und man verstehet dadurch gemeiniglich mir, Kannten, Bänder, Blumen und dergleichen Dinge, welche nach der herrschenden Mode zubereiret werden. Daher heissct eine Putzmacherin, diejenige Person, welche sich mit Verfertigung solcher Dinge bcschäfftiget. 144. Zieren. Schmücken, puyen. Auszieren. Ausschmücken. Ausputzen. <"^b man gleich denken sollte, daß diese Zeitwörter, (ver. ^0.1) mit ihren Hauptwörtern, (Lubitgiuivid) in der Bedeutung übercin kamen, so sind sie doch wirklich invie- len Stücken, davon sehr verschieden. Zieren, wird von solchen Verschönerungen einer Sache gebraucht, welche bestandig sind, oder zum wenigsten eine lange Zeit bei derselben bleiben, sie mögen nun der Sache selbst eigen sey!?, oder von aussen hinzu kommen. Der Bart zierer den Mann. Ein schöner Kamin zieret die Stube. Schöne Bogengänge zieren einen Garten, diese Dinge bleiben bestandig bei derSache, welche sie verschönern. Tapeten und Gemählde, werden in einem Zimmer ausgehänget, gemeiniglich in der Absicht, daß sie beständig, oder so lange man es bewohnet, darin bleiben sollen: Daher kann man ganz wohl sagen: Tapeten oder schöne Gemählde, zieren ein Zimmer. Man verknüpfet mit dem Worte Zieren, zum wenigsten allemal den Be. griff einer langen Dauer der Verschönerungen. Wenn aber dieses Wort zurückkehrend wird, sich Zieren, so bekommt es einen ganz andern Sinn. Man sagt von einem Pferde, es zieret sich, wenn es den Kopf gut trazt, die Beine wirft, und dergl. Sagt man hcr- gegen von einem Menfchen, er zieret sich, so hat solches eine böse Bedeutung. Es will so viel sagen: Er nimmt allerlei Gebehrden und Stellungen an, von welchen er Q 4 zwar 248 Ziereil. Schmücken. Putzen. Auszieren. :c. zwar denket, daß sie ihm gut anstehen, die aber wirklich übel sind, und eine gewisse Einbildung, oder Art von Thor« heit an ihm verrathen. Schmücken wird nur von solchen Dingen gebraucht, welche kurze Zeit währen, und hernach wieder weggenommen werden. Die Alten schmuckeren bisweilen die Altare mit Kränzen und Blumen. An einigen Orren schmücket man in dem Psingstfeste, die Kirchen mic Meien, und die Einfalt führet sogar, für solchen Gebrauch, die Worte der Bibel an: Schmücket das Fest mit Meicn, bis an die Horner des Alrars. Ps. n Z, -7- Man sagt: Die Braut ist geschmücktt, wenn sie alle ihre hochzeitliche Kleidung angeleget hat. Alle diese Dinge, welche eine Sache schmücken, führen den B.-griffeincr kurzen Dauer mit sich, sie werden nach einiger Zeit wieder weggenommen oder abgeleget. In dem Verstände, worin das Wort putzen, mit den vorigen gleichbedeutend ist, kommt es in so weit mit Schmücken übercin, daß es ebenfalls nur von solchen Dingen gebraucht wird, welche eine Sache nur auf eine kurze Zeit verschönern sollen, und das Frauenzimmer ver- stehet unter dem Worte purzen, mehrentheilS die Anlegung deijenigen Sachen, welche den purz ausmachen. Ja in dem gemeinen Umgange sagt man viel gewöhnlicher, von einem Frauenzimmer: Sie hat sich Iepuycr, ein gepumcs Frauenzimmer, als, sie hat sich geschmücker, ein geschmücktes Frauenzimmer. Vielleicht, weil man den Schmuck so sehr nicht achtet, woferne er nicht von den Kleinigkeiten, an Band, gemachten Blumen, Kannten, und dergleichen, begleitet ist, welche die herrschende Mode eingeführet hat. Wiewohl man im Schreiben, und öffentlichen Reden, das Wort Schmücken allemal vorziehen wird. Man sagt auch wohl: Ein Gemach, ein Zimmer purzen oder ausputzen, und verstehet dadurch die inwendige Verzierung desselben mit allerlei Dingen, welche Fels. Klippe. Schrof. Felsstcm. 249 welche in die Augen fallen, z. E. Schildereien, Aufsähen von Porcellan, und dergl. Die zusammengesetzten Wörter, äusseren, aus- schmücken und auspuycn, kommen mii ihren Stamm, Wörtern übcrein, führen aber zugleich noch den Begriff mit sich, daß man etwas in der Absicht, ziere oder schmücke, damit es von allen gesehen werdc, und weis man es gleichsam zur Sckau ausstellen will. So kann man sagen: Dieser Mann hat das Zimmer, worin er seinen Besuch anzunehmen pfleget, prachtig auszicreu lassen. Denk» er hat es in der Absicht gethan, daß seine Pracht gesehen werden, und in die Augen fallen soll. Der Herold ritt auf einem kostbar ausgeschmückten Pferde, zeiget an, das Pferd sey deswegen geschmückct worden, daß der Schmuck soll gesehen werden. Man sagt von einem Frauenzimmer: Sie hat sich ausgeschmücket, oder ausgeputzet, wenn sie es nur deswegen gethan hat, um sich sehen zu lassen. 145. Fels. Rlippe. Schrof. Felsstem. Krisch erklaret das WortZxlippe durch einen N)afse» ^) felscn, und leitet es her von Ixlipp, als dem iaute, welchen die an den Felsen anschlagenden Wellen machen. Ich habe sonst diese Meinung von ihm angenommen, lind zwischen Felscn und Alippen, den Unterschied gemacht, daß die ersten auf der Erde, die anderen im Meere sind. Fels. Klippe. Schrof. Felsstein. Die Etymologie, welche er von diesem Worte giebt, hat auch eine weit größere Wahrscheinlichkeit, als Lri- schens, von dem Schalle der anschlagenden Wellen, da er eö von klicken, spalten herleitet, so wie das lateinische ruj,e!> von iun>pcre, und das holländische Kntt von reisten kommt, und aus gleiche Weise, dieZxlippen in der Ostsee Schären oder Scheren genannt werden, von dem alten Worte scheren, theilen. Daher erkläret er das Wort Zxlippe, durch einen ja. hen schrofcn Felsen, besonders wenn sein Gipfel in meh. rcre Spitzen getheilet und gleichsam gehaltet ist, er befinde sich übrigens aus dem festen iande oder im Mcere. Imgleichen eine jähe, gleichsam abgespaltete Spitze eines Felsen. Es würde also der Unterschied zwischen diesen Wörtern darin bestehen, daß Fels das Geschlecht ist, welches die Materie bezeichnet, Zxllppe hingegen die Gestalt ans. druckt, und dieser Unterschied, welchen Herr Adelung macht, scheinet mir vollkommen richtig zu seyn. Von dem Worte Schrof sagt Frisch: „Es sey ein „Wort, so in den Gegenden, wo keine Felsen sind, weni- ,.gen bekannt ist. „ Er übersetzet es, 8axum mgjux, gs^e- rius 6c clru IU8. Ich finde es in einigen Wörterbüchern, bald durch 8axvm, bald durch kur-ex gegeben. Es be, deutet eigentlich, wie Frisch ganz recht bemerket, einen rauhen und harten Leisen. Das Beiwort (gcheAivum) schrof, welches davon herkommt, ist bekannter, und wird oft gebraucht. Man sagt: Ein schrofer Felsen. Ein schrofcr Weg, das ist, ein steiniger und rauherWeg. DieErde ist schrofgesro. ren, wenn der Moder vom Frost so hart und scharf gewor« den, daß man nicht sicher treten kann. In verschiedenen Reisebeschreibungcn, der Lander um den Nordpol, habe ich die Redensart gefunden: Ein schrofes Eiß. Das Sammlen. Versammlen. Zusammenkommen. 251 Das Wort Lelsstein, unterscheidet sich dadurch von Fels: Daß es i) erstlich, nur die Art des Steins, und 2) zweitens, eine geringere Größe ausdrückt. Der Art nach, beschreibt ihn Woltersdorf, im Mine, ralsysiem: „Daß er aus Guar;, Hovnstein, Llufi- „spar!?, Sand, Zxalkstein und Blende zusammengesetzt sey. „ Gemeiniglich ist es ein rauher grobsandiger Stein, welä)cr sich nicht polieren laßt, obwohl einige Gattungen desselben, welche meist aus Hornstcin bestehen, die Politur annehmen. Man kann also sagen: Ein Fels von N7armor, und in den Mährchen finden wir Felsen von Diamanten, weil Fels nur einen Berg von Stein bedeutet, welcher sowohl von Marmor oder Diamanten, als einer andern Gattung der Steine seyn kann. Hingegen kann man nicht sagen: Ein Lelsstein von Nlarmor oder Diamanten, weil der Lelsstein ftiner Natur nach anders beschaffen ist, und da er aus Quarz, Hornstein, Sand, u. s. w. bestehet, nicht Marmor oder Diamant seyn kann. In Ansehung der Größe, ist Lelsstein, entweder ein Stück vom Leisen, oderein kleinerer Stein, von der Art, wie gemeiniglich die Lelsen zu seyn pflegen. Nicht in allen Ländern, findet man Lelsen; Aber man findet fast überall Lelssteine, das ist, Steine von der Art, wie die Lelsen sind, welche hin und her zerstreuet liegen. 146. Sammlen. Versammlen. Zusammenkommen. Sammlung. Versammlung. Zusammenkunft. /^ammlcn und Sammlung, wird nur von leblosen: Dcrsammlen und Versammlung, nur von lebendigen Geschöpfen: Zusammenkommen und Zusammenkunft, aber von beiden gebraucht, wenn sie eine Kraft haben. 252 Sammle». Versammle«. Zusammenkomme,?. haben, sich nach einem Ort hin zu bewegen, oder solche Kraft ihnen zum wenigsten zugeeignet wird. Sammle», ist so viel, als zusammen lesen, zusam- men bringen. So sagt man: Seltene Münzen sammle» : Allerlei Arten von Steinen sammle»: Geld sammle», und dergleichen. Man braucht auch dieses Wort, (als ein zurückkehrend rcci^iocuiu,) in eben demVerstan. de, bloß von leblosen Dingen. Das Wasser sammlec sich, in den Gründen. Die Unreinigkeit sammlet sich auf dem Boden des Gefäßes, u. s. w. Versammlen, ist fo viel, als zusammen berufen. Z.E. Der Rath hat die Bürgerschaft versammlet. Der König hat befohlen, daß die Regimenter sich an diesem Orte versammle?! sollen. Kurz vor seinem Ende ver? sammlete er alle seine Freunde, um ihnen seinen letzten Willen bekannt zu machen, u s. m. Wenn dieses Wort zurückkehrend wird, heißt es so viel, als in einer gewissen Absicht, oder zu einem gewissen Endzweck zusammen kommen. Die Vornehmsten des Raths, versämmlcre» sich, um darüber zu raihfchla- gen. Es versammlere sich eine große Menge Volks, den Einzug des Königes anzusehen. Die Bürgerschaft vcrsammlcre sich, zu hören, was der Magistrat bekannt machen würde. Ja man braucht es sogar von den unvernünftigen Thieren, die bloß aus natürlichem Triebe, zu einem gewissen Zweck zusammenkommen. Z. E. Wo Korn ausgeschüttet ist, versammle» sich die Sperlinge, in der Absicht, es zu fressen. Man sagt gewöhnlich, von den Zugvögeln: Sie werden bald wegziehen, denn sie versammle» sich schon. Die Störche versammle» sich auf dem Felde, die Schwalben versammle» sich auf den Dächern, weil sie aus einem natürlichen Triebe den Zweck haben, in großen Haufen wegzuziehen, und deswegen gemeiniglich, einige Tage vorher, Haufenweife zufammen kommen. , In Sammlung. Versammlung. Zusammenkunft. 25z In der Bibel hat D Luther diesen Unterschied, zwischen sammle» und versammle» nicht beobachtet, i B. Mos. 49,1. stehet es recht: Jacob berief seineSöhne und sprach: versammlet euch. Hingegen ist cö unrecht, Ierem. 6, i. Sammler euch, ihr Kinder Benjamin. Ies. 48, 14. Sammlet euch alle und höret. Ierem. 12, 9. Mein Erbe ist wie der sprenglichte Vogel, um welchen sich die Vögel sammlen. Matth. 24,28. Wo ein Aas ist, da sammle» sich die Adler. Nach dem jetzigen Gebrauch aber, wird der angeführte Unterschied, von allen guten Schriftstellern jederzeit in Acht genommen. Man sagt aber doch, ein Sammelplatz, fürVersammlunIS- plarz. Z.E. Hier haben die Soldaten ihren Sammelplay. Dieser Ort ist zum Sammelplatz bestimmet, und dergl. welches vermuthlich daher rühret, weil die Alten zwischen diesen Wörtern keinen Unterschied zu beobachten pflegten. Sie brauchten ansanglich, wie Wachter im Glossar, bemerket, das einfache Wort sammen, die Sammung. Daraus ist hernach das Frequentativum, sammlen entstanden, welches mit der Zeit gewöhnlicher geworden, und das Primitivum gleichsam vei drnnget hat. Hernach sehte man noch die Syllbe ver vor, ohne jedoch einen Unterschied zu machen, und vielleicht bloß um die Bedeuiung zu verstärken. Eben das scheinet auch die Ursache zu seyn, warum in der Bibelübersetzung kein Unterschied beobachtet wird, weil er damals noch nicht gebrauchlich war, sondern nur in den folgenden Zeiten erst, durch den Gebrauch der Schriftsteller ist eingeführet worden. Wenn das Wort Zusammenkommen, von leben- digen Geschöpfen gebraucht wird, so ist es in so weit mit sich versammle», einerlei bedeutend, daß es ebenfalls einen gewissen Zweck anzeiget. Man kann sagen: Der Rath versammlerc sich, und auch, der Rath kam zusammen, darüber zu berathschlagen. Imgleiche»: Wenn aus den Gebirgen viel Schnee gefallen ist, so versamm- len 254 Sammlen. Versammlen. Zusammenkommen. :e. len sich die Wölfe haufenweise, und auch, sie kommen haufenweise zusammen, in den mittägigen Provinzen von Frankreich, nehmlich in der Abficht, ihre Nahrung zu suchen. Allein es findet sich i) vors erste dieser Unterschied, daß Versammle,: nur von vielen. Zusammenkommen hingegen, auch bloß von zweien gejagt werden kann. Man kann nicht sagen: Hier habe ich mich vor einigen Wochen mit meinem Freunde versammlet. Aber man kann sagen: Hier bin ich mir meinem Freunde zusammen gekommen. Das Wort Versammlen,>s'ihret alfo jederzeit den Begriff einer Vielheit mit sich, welcher in dem Worte Zusammenkommen nicht ist, indem dieses allein den Begriff einerZusammennahung der Dinge giebt. 2) Zweitens, das Wort Zusammenkommen, kann auch von leblosen Dingen gebraucht werden, wenn sie eine gewisse Kraft haben, sich zu bewegen, oder solche Kraft ihnen auch nur zugeeignet wird, versammle» aber nicht. Man kann nicht fagen: Hier versammlen sich die Flüsse, sondern hier kommen die Flüsse zusammen. Ja man sagt sogar: Die Linien kommen zusammen: Die Grenzen kommen zusammen, weil man den Linien, welche gezogen werden, oder den Grenzen, welche nach einer Linie gezogen werden, gleichsam ein Laufen zueignet. Denn man sagt auch, die Linien laufen zusammen. Die Grenzen laufen oder stoßen zusammen. Die Hauptwörter (8udngmivg) Sammlung, Versammlung, Zusammenkunft, richten sich in der Be. deutung, und dem Gebrauch, völlig nach ihren Zeitwörtern (verlns). Das Wort Sammlung, braucht man von leblosen Dingen. So stehet 1B. Mos. 1,10. Die Sammlung derWasser, nennete er Meer. Man sagt: Eine Sammlung von seltenen Münzen, von Steinen und versteinerten Sachen, von Muscheln, von Alterthümern, u. s. w. jAne Rein. Lauter. 255 Eine Versammlung der Menschen, derThlere, der Gelehrten, der Nathsherren, des Pöbels, und dergl. Es war eine große Versammlung von Menschen zugegen. Ich sahe eine ganze Versammlung von Störchen auf dem Felde. In der Versammlung der Rathöherren ist dieses beschlossen worden, u. s.w. Sammlung und Versammlung, drücken den Zustand, oder daö Befinden einer Sache an einem Orte aus in IvLv). Zusammenkunft, siehet mehr auf die Bewegung nach einem Orte, (morum scilocum.) Man sagt: Es ist den Gesandten verschiedener Machte, eine Zusammenkunft angesetzet worden. Dieser Ort, ist zu ihrer Zusammenkunft bestimmt. Man braucht auch dieses Wort, eben wie das Zeitwort Zusammenkommen, von leblosen Dingen, wenn sie eine gewisse Kraft haben, sich zu bewegen, oder ihnen dieselbe zugeeignet wird. Eine Zusammenkunft der Sterne. Des Jupiters und Saturns. Der Punkt der Zusammenkunft zweier Linien. ,47. Rein. Lauter. as keine Unsauberkeit oder Schmutz hat, ist rein. Was nicht mit anderen Dingen vermischet ist, ist lauter. Ein reines Wasser, ist dasjenige, worin keine Unsau- berkeit ist: Ein lauteres Wasser, dasjenige, was unver- mischt ist. Ein reines Gold, dasjenige, was nicht besteckt, oder schmutzig ist: Ein lauteres Gold, dasjenige, was keinen Zusatz von schlechteren Metallen hat. Wenn ein golden Gesäß schmutzig ist, so ist es nicht rein; Aber das Gold ist doch lauter. Man sagt: Der Spiegel ist rein, wenn er keine Flecke hat. Reine Wasche, ein reines Kleid, ein reines GlaS, wenn diese Dinge nicht befleckt oder schmutzig sind. Ein lauterer Honig, ein lauterer Wein, wenn sie nicht vermischt sind. Seine Leute sind lauter Löwen, das heißt, si- 256 Muth. Herz. Tapferkeit. sie sind alle beherzte Leute, e6 sind keine verzagte oder feige darunter. Einen unverfälschten Wein, nennet man zwar bis« weilen einen reinen Wein. Der Wein ist rein; Allein auch in dieser Redensart, hat das Wort rein eine Absicht darauf, daß die Verfälschung, eine gewisse Unsiuberleit mit sich führet, wodurch der gute Wein gleichsam verunreiniget wird. Daher nennet man auch einen Wein, welcher durch einen Zusah süß gemacht worden, einen ge- schmierten Wein, weil man den Zucker, Rosinen, und dergleichen, wodurch ihm die Süßigkeit gegeben wird, als eine Unrcinigkeit anstehet, welche den Wein beschmieret oder beschmutzt. Man sagt figürlich: Jemanden die reine Wahrhkit einschenken, das ist, sie ihm ohne Verstellung, und ohne Unwahrheit sagen. Es ist aber auch hierin der Begriff, daß die Unwahrheit oder dasjenige, was die Wahrheit verbirgt, sie gewissermaßen befleckt. Zmgleichen, weil bei dem rcin machen, nichts unreines übrig bleibt, so braucht man das Wort rein, auch in dem Verstände, wenn man sagen will, daß nichts von einer Sache übrig bleibt, als rein wegkehren, rein abnehmen, rcin abschaben, rein wegtragen, und dergl. 148. Muth. Herz. Tapferkeit. ml), drücket eine gewisse Freudigkeit und Munterkeit in allen Handluugen aus. Herz, in so weit es mit Llnith übereinkommt, zeiget eine Freudigkeit und Uncr- schrockenheit, bei schwierigen und gefährlichen Dingen an. Tapferkeit, giebt den Begriff eines muthigen und herzhaften Betragens, welches mit einer besonderen Stand- haftigkeit, und Vestigkeit in der Entschließung und Gesinnung sowol, als in der Ausführung verknüpfet ist. Man sagt von einem Pferde, es hat !1 nirt), oder es ist muchig, ein inurhiges Pferd, wenn es allezeit freudig Muth. Herz. Tapferkeit. 257 big ist, und die Arbeit munrer und frisch verrichtet. Je. mand iVurh machen, l-lnirh einsprechen, heißt, ihm zureden, daß er munter und freudig seyn soll. Keinen Muth zu einer Sache haben, heißt, sie nicht mitMun- terkeit und Freudigkeit vornehmen. Ein Mensch hat Herz, man sagt: Er hat das Herz, dieses zu thun, wenn er eine schwierige, oder gefahrliche Sache, unerschrocken und freudig unternimmt. Ein Herz fassen, heißt, sich muthig zu einer beschwerlichen Unternehmung entschließen. Die Elephanten des Pyrrhus verursachten anfangs, den Römern ein Schrecken, endlich aber fasseren sie das Her;, dieselben anzugreisen. Jemand Her; machen, heißt, ihn bewegen, eine beschwer, liche oder gefährliche Sache, unerschrocken zu unternehmen. Er hac Herz roie ein L.öwe, das ist, er ist so unerschrocken und freudig wie ein Löwe. Ein Mensch beweiset Tapferkeit, wenn er sich mu- thig und herzhaft betragt, und wenn er alles Widerstandes ohngeachtet sein Vorhaben ausführet, und die Schwie-- rigkeiten oder Gefahren zu überwinden sticht. Siegrissen muthig den Feind an, das ist, sie thaten es mit Mun. terkeit und Freudigkeit. Sie harren das Herz, ihn anzugreifen, das heißt, ob es gleich gefähr lich, und mit vielen Schwierigkeiten verknüpfet war, so unternahmen sie es doch freudig und unerschrocken. Sie griffen ihn mit vieler Tapferkeit an, das ist, sie waren bei dem Angriff, nicht nur muthig und herzhaft, fondern auch standhaft und anhaltend, sie ließen sich durch keinen Widerstand abschrecken, und thaten alles, was man fodern konnte, die Schwierigkeiten zu überwinden. Beide Wachter und Frisch, leiten das Wort tapfer, von dem Sclawonifchen Dol?ry her, welches gut bedeutet, und Frisch führet einige Beyspiele an, daß es vorzeiten, in solchem Verstände gebraucht worden, her- Stoschl.TH. R nach 253 Kleid. Kleidung. Anzug. nach hat man es besonders, für gut im Kriege genommen. In dem ersten Sinn, kommt es noch zuweilen vor, da man im gemeinen jeden jagt: Tapfer laufen, rapfcr trinken, sich tapfer halten; Imgleichen: Du mußt tapfer zureiten, wenn du zur bestimmten Zeit da seyn willst, und dergl. Unterdessen begreift es doch, auch in diesen Redensarten, sowohl die Munterkeit, als auch die Ueberwindung der Schwierigkeiten, und das veste Anhalten in sich. ,49. Rleid. Rleidung. Anzug. <^>urch das Aleid, verstehet man eigentlich nur dasje, ^ nige, was man auf dem jeibe anziehet, und was vom Schneider verfertiget wird, ohne darunter zu begreifen, was zur Bedeckung des Haupts und der Füße gehöret, und was die Arbeit der Nahtcriun ist. Das Zxl:id eines Mannes, ist Rock, Weste und Hosen. Man sagt: Der Schneider hat mir meinZxleid gebracht. Das beste Zxlcid, welches man hat, nennet man ein Ehrenkleid, u. s. w. Das Aleid eines Frauenzimmers, ist eigentlich nur dasjenige, welches sie über die Röcke und Schnür- brüst anlegen, und es hat, nachdem die Mode sich ändert, verschiedene Namen. Robe, Adrienne, Volante, und dergl. Eine bloße Contusche und Rock, nennen sie nicht ein Rleid. RleidttiiI, drücket alles dasjenige aus, was man zu seiner Bedeckung anziehet, und es wird darunter verstanden nicht nur, was wir zur Bedeckung desieibeS, fondern auch des Haupts und der Füße gebrauchen, ja überhaupt alles, womit der menschliche ieib, sowol zur Nothdurft, als, zum Wohlstande bekleidet wird. Man sagt: Jemand in Kleidung erhalten, für seine Zxlcidling sorgen, und darunter wird alles begriffen. Wenn wir sagen: Er hat mir ein neues Zxleid geschenkt, so wird dadurch von einer Mannö, Nutzbarkeit. Nutzen. Vortheil. 259 Mannsperson, nur dasjenige verstanden, was der Schneider verfertiget, und von einer Frauensperson, nur das Oberklcid. Hingegen: Er hat mir die Zxlei- düng gegeben, begreifft «lles in sich, was zur Bede, ckung des ganzen Leibes gehöret. Anzug, erstrecket sich noch weiter, man begreifft darunter auch diejenigen Zicrrathe der Kleidung, welche die Mode eingeführet hat. Znm Anzüge eines Man- neS, gehöret der Huth, ein sauberes Oberhemde, Man. schetten, und dergleichen, welches nicht unter die Zxlei-- dung begriffen ist, denn man kann das Haupt, ohne Hurh, mit einer Mühe bedecken, ohne Oberhemde und Manschetten bekleidet seyn. Zum Anzüge des Frauen. zimmerS, gehöret noch mehr, ein Kopfzeug, Manschet, ten, Bander, Kanten, Geschmeide, ja die Mode hat ihre Zierrathe fast unzahlich gemacht. Sie nennen auch besonders, einen Anzug, nur dasjenige, was diefe Zierrathe ausmacht. Ein Anzug von Kannten, Blonden, und dergleichen. ,50. Nutzbarkeit. Nutzen. Vortheil. t^>ie Nutzbarkeit, ist das Vermögen einer Sache, ^ uns etwas Gutes zu verschaffen, dessen wir zu un- serem Gebrauch benöthiget sind. Der Nutzen, ist das Gute selbst, welches wir daher zu unserem Gebrauch be. kommen. Der Vortheil, ist ein außerordentlicher Nutzen, welchen wir bei gewissen Gelegenheiren erlangen, und eine Frucht unserer Bemühung und Arbeit. Die Sache selbst ist nutzbar, der kurzen entstehet aus den Diensten, welche sie uns leistet, und aus dem Gebrauch, welchen wir davon machen können. Der Vortheil, aus einem besonderen Gewinn, welchen sie bei gewissen Gelegenheiten schaffet. Ein Landgut ist nutzbar an sich selbst. Wir haben Nutzen davon, wenn wir dasjenige, so es hervorbrin. R 2 get, 2<5o Durstell. Lechzen. Schmachten. gct, zu unserem Gebrauch anwenden. Es fließet uns daraus ein Vortheil zu, wenn wir Gelegenheit finden, die Früchre so es trägt, gut zu verkaufen. Das Schaf ist ein milzhares Thier. Wir haben ^m,>en davon, weil wir die Welt, das Fleisch, und sogar den Dünger gebrauchen können. Und die Schafzucht, bringet Vonheil, wenn die Wolle theuer ist. Ein Buch ist nutzbar, wenn es solche Sachen enthält: die wir zu unserem Gebrauch können anwenden. Wir haben kurzen daraus, wenn wircs fleißig lesen, und unsere Erkenntniß vermehren. Es bringet unö Vortheil, wenn wir Gelegenheit habm, mit demjenigen, was wir daraus gelernet, andern zu dienen, welche uns reichlich dafür belohnen. Wir nurzen unser Geld, wenn wir es gut gebrauchen und anlegen. Wir machen Vortheil damit, wenn wir Gelegenheit haben, durch Umsatz, oder Handeln, und dergleichen, etwas zu gewinnen. Ein Kaufmann nutzet alfo sein Geld nur, so lange er weiter nichts davon hat, als etwa die jahrlichen Zinsen betragen, und ihm zur Belohnung für seine Mühe gebühret. Aber er macht Vortheil damit, wenn er Gelegenheit hat, die Waaren wolfeil einzukaufen, und sie hernach wieder theuer zu verkaufen, so, daß erweitmehc dabei gewinnet. 151. Dursten. Lechzen. Schmachten. H^aS Verlangen zu trinken, welches sowol Menschen, als Thiere empfinden, wird durch das Wort Durst ausgedrückt. Lechzen, zeiget eine besondere Heftigkeit dieses Verlangens an, welche aus einer langen Beraubung des nöthigen Getränks entstehet. Bödiker sagt: Dieses Wort kommt her, vonL.ect°, Leck werden, JZere. Di« Erde lechzet, wenn es nicht regnet. Wenn die Thiere vor Durst das Maul aufsperren, wird auch Dursten. Lechzen. Schmachten. 261 auch Z.ech;en genannt. Siehe Bödikers Gr. S- Seite ,320. Nach dieser Etymologie würde es nur uneigcntlich von den Menschen gesagr werden. Schmachren, b^deu- tct das größejre Verlangen nach Trinken, welche durch einen gäuziichcn Abgang der Kräfte verursachet wird. Wir sagen: Un6 durstet, wenn wir gerne trinken wollen, und ein Verlangen darnach empfinden. Wir lechzen nach einem Trunk, wennwir inlangcrZcit nicht getrunken haben, und die Narnr uns durch nne gewisse Unruhe und Sehnsucht zu erkennen giebt, daß es zur Erhaltung unseres Leibes nothwendig sey. Si?r. 26,15. Wie ein Fußgänger der durstig ist, lechzer sie. Wir schmachten darnach, wenn wir wirklich schon einen gänz!ichen Abgang unserer Kräfte vcrspühren, welcher nicht anders als durch einen Trunk ersetzt werde»' kann. Man weis ans der Erfahrung, daß die Verwundeten, welche viel Blut verlohrcn haben , einen Durft empfinden, weil die Natur den Abgang der Feuchtigkeit, durch einen Trunk zu ersetzen verlanget. Mangelt ihnen das Getränk eine Zeitlang, so lechzen sie recht, sie fühlen eine außerordentliche Begierde und Sehnsucht darnach. Wenn sie endlich ganz matt werden, und ihnen die Kräfte vergehen, so schmachten sie nach einem Trunk Wasser. Daher sagt man auch, vor Durst verschmachten. Man braucht auch das Wort Schmachten von einer großen Hitze, welche nian ausstehen muß. Man schmachtet vor Hitze; und vielleicht kommt es daher, daß wir das Wort Schmachren von dem heftigsten Durst gebrauchen, weil derselbe gemeiniglich von einer großen Hitze verursachet wird, und damit verknüpfet ist. In einem uneigentlichen Sinn, bedienet man sich dieser Wörter auch bei einer großen Dürre. Die Erde durstet oder lechzer nach Feuchtigkeit. Die Gewächse schmachten vor Hitze. Jerem. 14, 4. Darum daß die Erde lechzet, weil es nicht regnet auf die Erde. R z 152- Esse». 262 Essen. Speisen. Fressen. 152. Essen. Speisen. Fressen. er Gebrauch hat zwischen essen und speisen einen ganz besonderen Unterschied eingeführet, nehmlich, man saget insgemein von den Menschen, sie essen, und braucht dieses Wort, auch von vornehmen Leuten, wenn dasjenige dabei genannt wird, was sie essen, oder man nicht von der ordentlichen Mahlzeit redet. Z. E. Man kann ' sagen: Der König reisete sehr eilend fort, und aß nur ein Stück Kuchen zum Frühstück- Hier wird man nicht sagen: Er spcisete nur ein Stück Kuchen. Ein Arzt, welcher dem Könige, in einer Krankheit, gesalzene Speisen verbieten wollte, wird nicht sagen: Er müsse keine gesalzene Gerichte speisen, sondern, keine gesalzene Speise essen. Ist aber die Rede von einer ordentlichen Mahlzeit, welche gehalten wird, so sagt man von vornehmen lind angesehenen Leuten sie speisen, hingegen von ganz geringen Leuten als Handwerkern, Bauern und dem Gesinde , sie essen. Die Herrschaft hat gcspeiset, das Gesinde hat gegessen. Bisweilen heißet das Wort Speisen, soviel, als ZU lassen geben, und dann sagen wir: Wir haben unser Gesinde gespeiscr. Unsere Bediente werden auf solche Weise gespeiser. Wir haben einen Armen gcspciser, u. s. w. Fressen, brauchet man eigentlich von den Thieren. Man muß nicht sagen: Dos Pferd, der Ochfe, der Hund, die Hühner, essen, fondern, siefressen. Man beobachtet sogar diesen Unterschied, wenn man von den Würmern redet. Die Raupen fressen die Blatter von ollen Bäumen. Die Seidenwürmer fressen nur allein die Blatter des Maulbeerbaums. Die Maden fressen den Käse. Aber uneigentlich, sagt mcm von einem Menschen, der übermäßig und gierig ißet, er frisser, weil mau ihn darin» einem Thiere vergleichet. Daher kommt auch das Wort ein Vielfraß, welches man bisweilen von Blöde. Furchtsam. Zaghaft. Verzagt. :e. 26z von einem solchen Menschen brauchet, der ganz übermäßig isset. Uneigentlich sagt man: Der Krieg hat viel Leute gefressen: Der Neid frißt ihm das Herz ab: Der Krebs frißt um sich, wenn er sich weiter ausbreitet, und die gesunden Theile mehr und mehr angreifet. Auch sind ei- nige niedrige Redensarten, worinn dieses Wort im gemeinen Leben gebräuchlich ist, z.B. Er bildet sich ein, alle Weisheit gcf.'essen zu haben, für er hat eine übermaßt» geEinbildung von seiner Klugheit undeigencm Verstände. Einen Narren an etwas gefressen haben, für eine unmaßige und thörichte Liebe gegen etwas haben. Sein Leid, seine«, Kuinmer i>> sich fressen, für geheim halten, und sich heiinlich damit quälen, und dcrgl. 15?. Blöde. Furchtsam. Zaghaft.Verzagt. Blödigkeit. Furchtsamkeit. Zaghaftigkeit. Verzagtheit. AHlöd, ist der Gegensatz von Dreist, die Furchtsam- keit stehet der Äuhnheir, die Zaghaftigkeit und Verzagtheit, der Herzhaft-gkeit entgegen. Wer keinen getrosten Muth und kein gutes Zutrauen zu sich selber hat, ist blöd. Wer die Gefahr als gar zu groß anstehet, oder sich bei einer Sache, Gefahren einbildet, ob gleich wirklich keine da sind, und daher sich scheuet, solche Sache anzugreisen, der ist furchtsam. Wer in einer Sache den Muth sinken laßt, so, daß er von seinen Unternehmungen keinen guten AuSgang erwartet, der ist Zaghaft oder verzagt. Ein Mensch, der nicht oft in Gesellschaften kommt, ist gemeiniglich blöd, er hat nicht das Zutrauen zu sich selbst, daß er der Gesellschaft gefallen, oder sich durch sein Verhalten, ihren Beifall erwerben werde. Ein ind ist gemeiniglich blöd, gegen diejenigen, welche es noch niemals gesehen hat; Es mangelt ihm an einer innerlichen R 4 Zuversicht, 264 Blöde. Furchtsam. Zaghaft. Verzagt. Zuversicht, daß es ihnen gefallen, oder sie ihm Gutes thu» werden. Wenn sie ihm aber liebkosen, wird es bald dreister. Ein Redner ist blöd, wenn er kein gutes Zutrauen zu sich selber hat, und zweifelt, daß seine Rede Beifall erhalten werde. Man braucht auch das Wort Blöd bisweilen für schwach. Ein blödes Gesicht, blöde Augen, das ist, ein schwaches Gesicht, schwache Augen. Ein blöder Verstand, das ist, ein, schwacher Verstand. Allein in diesem Sinn, ist es nicht mitden andern gleichbedeutend. Die Furchtsamkeit, unterscheidet sich dadurch von der Furcht, daß die Furcht auch vor solchen Dingen seyn kaun, welche man in der That zu fürchten Ursach hat: Die Furchtsamkeit hingegen, eine Neigung mit sich führet, die Gefahr als gar zu groß anzusehen, oder sich Geschrei einzubilden, wo wirklich keine vorhanden sind, die Furchtsamkeit, zeiget auch mehr eine Ge- müthsbeschaffenheit: Die Furcht, eine wirkliche Aeusserung derselben an. Ein Redner ist furchtsam, vermöge seiner Gemüthsbeschaffcnheit, wenn er denket, seine Rede werde einigen von den Großen unter seinen Zuhörern misfallen, und ihm ihren Unwillen zuziehen. Daher redet er nicht mit gnugsamer Freimüthigkeit, er drücket die Wahrheiten, welche er vortragt, nicht lebhaft genug aus, und lasset wohl gar seine Furcht, an dem Zittern der stimme und andern anßerlichen Gebehrdcn sehen. Wenn man zum ersten male öffentlich reden soll, ist man gemeiniglich blöd, man hat noch kein gutes Zutrauen zu sich selbst, und daraus entstehet die Furchtsamkeit, man stellet sich eine große Gefahr dabei vor, lind denket, man werde es nicht gut machen, den Zuhö. rern misfallen, oder sich ihren Spott und Verachtung zuziehen, und scheuet sich deswegen zu reden. Ein Soldat ist furchtsam, nach seiner Gemüthöbeschaffenheit, w,enn Blödigkeit. Furchtsamkeit. Zaghaftigkeit. :c. 265 wenn er die Gefahr scheuet, und sich dieselbe größer vor. stellet, als sie in der That ist. Daraus entstehet hernach die Furcht selbst, welche er dadurch äußert und an den Tag leget, daß cr den Feind nicht angreifen will, oder zurückweichet, und dergleichen. Die Wörter zaghaft und verzagt, drücken einerlei Gemüthsbeschasscnheit aus, nur ist da6 letzte starker. Zagen heißt, den Muth verliehren, die Hosnung ansgcben. Zaghaft ist also derjenige, der keinen Muth mehr hat, der keinen guten Ausgang, seiucr Sache, mehr erwartet. Die r'iaLpolitio ins<^gi2bil>!> ver, macht die Bedeutung des Verbi, zu welchem sie gesetzet wird, starker, als in vermehren, verbessern, u. a. m. Verzagen oder verzagt seyn, heißt also, den Muth dergestalt sinken lassen, daß man alles verlohren giebt, und gar keine Hof- nung übrig bleibt. So würde man sagen können; Die Feinde thaten nur einen zaghaften Angriff, (das ist, sie hatten keinen Muth dabei, und erwarteten selbst, nicht einmal einen guren Ausgang davon). Und da sie einen tapferen Widerstand fanden, wurden sie ganz verzagt, und begaben sich auf die Flucht. (Das ist, sie gaben alles verlohren, es blieb ihnen keine Hofnung übrig. Ein zaghafter Mensch, ist der, welcher keinen Muth in seinen Unternehmungen beweiset, und weil er selbst, keinen guten AuSgang davon erwartet, sie auch nicht mit Lust und mit Freudigkeit thut. Ein verzagter Mensch, ist der, welcher bei den geringsten Schwierigkeiten, alle Hosnung verlohren giebt. Der Zaghafte, thut bisweilen noch etwas, um sich zu helfen, ob er es gleich nicht mit iust, und, mit Freudigkeit thut.. Der Verzagte, wifl gar nichts mehr thun, er siehet alles, schon als vergeblich an. Ein Redner ist zaghaft, wenn er nicht mit Muth und Freudigkeit redet, und nicht glaubt, daßer durch sei, ne Rede, dasjenige erlangen werde, was er erlangen wollte. Er ist verzagt, wenn er allen Muth ganzlicl) R 5 verlieh» 266 Traurigkeit. Betrübniß. Traurig. Verliehret, und gar nichts Gutes von seiner Rede er« wartet. So kühn auch Demosthenes, in seinen Reden, wider den Philipp von Macedonien war, so zaghaft war er doch in der Schlacht bei Cheronnäa. (Er ließ den Muth sinken, es fehlete ihm an kriegerischem Muthe.) Und so--- bald die Athenimser in Unordnung geriethcn, ward er so verzagt, daß er seinen Schild von sich warf. (Er ließ den Muth dergestalt sinken, daß er alles verlohren gab, Und keine Hofnung übrig behielt.) Ja seine Furchtsamkeit war so groß, daß, als sein Rock, aufder Flucht, an einem Strauche hengen blieb, er sich einbildete, er sey von einem Feinde ergriffen worden, und ausrief: Ach schone meines Lebens. (Er bildete sich eine Gefahr ein, wo keine war, oder sahe sie doch für grösser an, als sie wirklich war, weil er glaubte, der Feind sey schon hin- ter ihm, da er doch noch weit entfernet war.) ,54. Traurigkeit. Betrübniß. Traurig. Betrübt. Leid. Herzeleid. H Überhaupt bedeuten diese Wörter eine unangenehme Ge- ^ müthsbewegung, welche entweder durch den Verlust eines Guten oder die Empfindung eines wirklichen Uebels erwecket wird. Das Wort Traurigkeit, beziehet sich mehr auf die innerliche Gemüthsbefchaffenheit selbst, ja in gewissen Fallen, kann die Traurigkeit, bloß aus der Gemüthsverfassnng des Menschen entstehen. Das Wort Derrübniß, hat allemal eine Beziehung aufdie Sache, welche die Betrübniß erwecket. Es kann keine Verrüb- niß seyn, ohne daß sie durch ein zugestosienes Unglück verursachet worden. Das Leid, hat ein Unrecht oder Beleidigung zum Grunde. Das Herzeleid, wird durch ein solches Unglück verursachet, welches wir an Personen erleben, die uns besonders nahe und zu Herzen gehen. Wenn Betrübt. Leid. Herzeleid. 267 Wenn man sagt: Dieser Mensch ist traurig, so siehet man bloß auf seine Gemüthsbeschaffenheit, oder auf die Traurigkeit selbst, die er empfindet, ohne dabei eben vorauszusetzen, daß ihm ein Unglück begegnet sey. Hin» gegen wenn man sagt: Dieser Mensch ist betrübe, so siehet man zugleich auf die Sache, welche ihn betrübe macht, man sehet voraus, daß ihm etwas widriges, oder unglückliches zugestoßen sey. Die Traurigkeit, findet sich bisweilen bei einem Menschen, ohne daß er dazu wirkliche Ursach hatte, und er ist dabei nicht eben betrübt, sondern nur niedergeschlagen. Die Betrübniß rühret allemal von einer Ursach her, und hat ein erlittenes Unglück zum Grunde. Man betrübet sich über das Elend seines Vaterlandes, über den Verlust seiner Güter, über den Tod solcher Personen, die uns vor andern lieb sind, und dergleichen, insoweit als wir diese Zufalle, für ein wirkliches Unglück halten. Man brauchet daher das Wort Betrübniß zuweilen von der Sache selbst, welche Traurigkeit erwecket, das Wort Traurigkeit aber nicht. So sagt man, z. B. Die Betrübniß, welche ihm den kurzen Rest seines Le. bens bitter machte, war der Tod seiner Ehegattinn. Svrüchw. 17,25. Ein narrischer Sohn, istein Betrübniß seiner Mutter, die ihn gebohren hat. Auf solche Weise aber, ist das Wort Traurigkeit nicht gebrauch, lich. Man wird nicht sagen: Die Traurigkeit, welche ihm sein iebcn bitter »nachte, war der Tod seiner Ehegattinn: oder: Ein närrischer Sohn ist eine Traurigs .keit seiner Mutter. Man sagt: Sich der Traurigkeit entschlagen: Die Traurigkeit aus dem Sinne schlagen: Einem melancholischen Menschen, die Traurigkeit des Gemüths, durch allerlei Ergetzungcn vertreiben. Aber ich glaube nicht, daß man sagen werde: Die Betrübniß aus dem Sinne schlagen: Die Betrübniß eines Menschen durch Erg«. 268 Traurigkeit. Betrübniß. Traurig. Ergehungen vertreiben, und die Ursach davon, scheinet mir eben darinn zu liegen, weil man sich wirklich der Traurigkeit des Gemüths eutfchlagen, und sie, wenigstens eine Zeit lang vertreiben kann, wena man das Ge- mürh mit angenehmen und ergehenden Gegenstanden be- schafftiget. Die Betrübniß hingegen, weil sie ein wirk- licheö Unglück zum Grunde hat, nicht anders vertrieben werden kann, als durch Wegnehmung des Unglücks selbst. Die Beiwörter traurig und betrübt, kommen in der Bedeutung mit ihren Hauptwörtern überein. Traurige Gedanken kann man alle diejenigen nennen, welche das Gemüth beunruhigen, und ihm seine Heiterkeit rau. ben. Betrübte Gedanken, sind solche, welche entweder durch ein wirkliches Unglück, oder durch die Vorstellung und Befürchtung desselben verursachet werden. Wenn man zu jemand sagt: Was machst du dir für traurige Gedanken? So kann dieses, bloß überhaupt so viel sagen: Warum hangest du solchen Gedanken nach, welche nur dein Gemüth beunruhigen. Wenn man sagt: Was machest du dir für betrübte Gedanken? so ist dieses viel starker, es giebt zu verstehen, daß der andere solche Gedanken habe, die ihm entweder, ein gehabtes Unglück größer vorstellen, als es in der That ist, oder welche ihm ein Unglück befürchten lassen, das er sich doch nur selten einbildet. Zuweilen werden diese Beiwörter, von der Sache selbst gebraucht, welche Traurigkeit oder Betrübniß erwecket. Man sagt: Eine traurige, und auch; Ei- ne betrübte Begebenheit. Er hat eine traurige, und auch, er hat eine betrübte Veränderung des Glücks erfahren, das letzte aber ist doch starker als das erste. Wir haben L.eid, sowohl, wenn wir selbst ecwas unrechtes gethan haben, da wir sagen: Es ist uns leid; Als auch, wenn uns von einem andern ein Unrecht ist angethan Betrübt. Leid. Herzeleid. 269 gethan worden, da wir sagen: Es hat uns leid gethan. Daher kommt auch das Wort Beleidigen, jemand Leid oder Unrecht anthun. Dieser Begriff scheinet sogar in der Redensart übrig zu seyn: L.eid tragen über einen Codren, weil man in den heidnischen Zeiten die Todten beschuldigte, daß sie Unrecht gethan hatten, ihre Freunde zu verlassen, und sie daher bei dem Begräbnisse, zu befragen pflegte, warum sie gestorben wa- rcn, da ihnen doch niemand etwas zuwider gethan, und sie alles nöthige auf der Welt gehabt hatten. Siehe Alerand. Roß. Juden- und Heldentempel. Herzeleid erlebet man an solchen Personen, die unS besonders nahe gehen. Eltern haben Herzeleid, an uugerathenen Kindern. Es ist ein großes Herzeleid für sie, wenn ihnen erwachsene Kinder, von denen sie die beste Hofnung hatten, durch den Tod entrissen werden. Es ist ein großes Herzeleid für einen Ehegatten, wenn er des andern beraubet wird, den er gleichsam, wie sein Herz geliebet, u. s. w. Syr. 25, v. 17. Es ist kein Wehe so groß als Herzeleid- Sprüchw. Sal. 19, iz. Ein narrischer Sohn ist seines Vaters Herzeleid. 1 B. Mos. 26,35. Die Wei- ber Esaus, machten Isaae und Rebecca viel Herzeleid. Doch wird das Wort Herzeleid, auch sonst für einen sehr hohen Grad des Kummers gebraucht, welcher uns sehr zu Herzen gehet. So sagt man: Jemanden alles gebrannte Herzeleid anthun, und dergl. Mancher Mensch kann traurig seyn, vermöge seiner Gemüthsbeschaffenheit, bei einer geringen widrigen Empfindung, dadurch ein anderer, nicht einmal würde gerühret werden. Die Betrübniß ist allezeit mit Traurigkeit verknüpft, diejenigen Dinge, welche uns betrübe machen, machen uns auch traurig. Und da wir das Leid und das Herzeleid, so uns begegnet, als ein Unglück ansehen, so sind wir dabei allemal, sowol traurig als betrübt. Anmerk. 270 Schwermuth. Kummer. Gram. Harm. Anmerk. Von dem'deutschen Worte Leid, willklenzZe, daS französische Wort I^i-l herleiten. Er sagt; l.z>ci, ne v>em ni cls /.^ze/tt^, ni äe /7/e^>it^eo>m, etnoviilimct??,??//. ^u^Iix eli luljzirium, et/o^oo», jn^emilce- re, <^uac c-ieteiiz suut co^ngt^i. Dieser Etymologie nach, möchte man beide Wörter so unterstl)eiden können, daß Harm sich mehr auf die innerliche Empfindung beziehe: Gram hingegen, zugleich den Nebenbegriff der Aeußerung derselben, durch Seuf- zen, Klagen und dergleichen, mit sich führe. Unterdessen glaube ich nicht, daß dieser Unterschied wirklich beobachtet werde. 156. Unordentlich. Verwirret. a6 nicht an seinem gehörigen Orte stehet, oder mit andern Dingen kein gutes Verhältniß hat, ist un- ordenr, > i 272 Unordentlich. Verwirret. ordentlich. Was in einander geschlungen ist, so, daß man es nicht gut wieder aus einander bringen kann, ist verwirret. Unordentlich, kann von allen Dingen gebraucht werden. Eine Wirthschaft ist unordentlich, wenn darinn viele Sachen nicht an ihrem gehörigen Orte stehen, die Arbeit nicht zu rechter Zeir geschiehet, bald in einem, bald in dem andern Stücke, zu wenig oder zu viel gethan wird, und dergleichen. In einem Walde stehen die Baume unordentlich durch einander, das ist, sie haben kein gutes Verhältniß gegen einander. Ein Mensch, denkt unordentlich, wenn seine Gedanken nicht in einem guten Verhältnisse, aufeinanderfolgen, sondern oft von fremden Dingen unterbrochen werden > oderwenn er an dasjenige zuletzt denket, was billig das erste hätte seyn sollen. Derwirret, wird eigentlich nur von Haaren, Flachs, Garn, und andern langen und dünnen Fäden gebraucht, welche in einander geschlungen, und verwickelt sind. Hernach wird es auch uneigentlich von allerlei andern Dingen gebraucht, welche man nichtgut auflösen, oder aus einander bringen kann. Z. E. Man sagt : Der Proceß ist sehr verwirret, wenn vielerlei Begebenheiten, durch einander vorgefallen, oder auf beiden Seiten, so viel Gründe, für und wider die Sache sind, daß man ihn nicht leicht entscheiden kann. Man sagt von einem Menschen: Es stehet ziemlich unordentlich in seinem Kopfe, das ist, feine Gedanken stehen in keinem guten Verhältnisse mit einander; Er hat zwar Begriffe von vielerlei Dingen, aber er weis sie nicht an ihrem gehörigen Orte anzubringen. Er ist im Kopfe, oder im Gehirne verwirret, das heißt, er ist aberwitzig, er ist nicht wohl bey Sinnen. Ein Buch ist unordentlich geschrieben, wenn die Sachen in keinem guten Verhältnisse vorgetragen werden. Eine Unordentlich. Verwirret. Tisch. Tafel. 27z ^ ° Eine Geschichte ist verwirret, wenn die Begebenheiten so wunderlich durch einander laufen, daß man sie nicht gut entwickeln kann, oder die eine mit der andern ver» wechselt. Anmer. Sowol in der eigentlichen als uneigentlichen Bedeutung, kommt da6 Wort Verwirret, mit dem lateinischen in- tricgms überein, und di,s s kommt von ni.c».- her, w.'lcdeö die kleinen Haare oder Faden bedeutet, so sich bisweilen den Vögeln um die Fusse wickcln. Man la.;r oft, der Proeeß ist sehr intrieac, welches man doch eben so gut auf deutsch ge. ben könnte: Er ist sehr verwirret. 157- Tisch. Tafel. an braucht das Wort Tafel von verschiedenen Din. gen. In dem Verstände aber, in welchem es mit Tisch übercin kommt, unterscheidet sich doch der Tisch von der Tafel, inderGrösse, inderFigur, und in dem Gebrauch. Ein Lusch ist kleiner, eine Tafel giebt den Begriff einsr mehreren Größe. Der Tisch kann rund, viereckig, achteckig seyn, eine Tafel ist allezeit lang. Ein' Tisch wird zu allerlei Dingen gebraucht,'zum Essen, zum Schreiben, zum Coffetrinken, in der Küche, u. s. w. Die Tafel ist mehrencheilö zum Essen bestimmt. Weil die Vornehmen, gemeiniglich in großen Ge- sellschaften, an langen Tafeln speisen, so saget man: Sie sind an T:fel. Sie filzen bei Tafel. Tafel halten. Sick zur Tafel begeben. Der König hat ihm die Gnade erzeiget, ihn an seine Tafel zu nehmen, und dergleichen. Von Geringeren, welche gewöhnlich nicht in so großen Gesellschaften, ihre Mahlzeiten zu halten pflegen, saget man: Sie find bei Tische. Es ist daher nicht recht geredet, wenn man von zwei oder drei Personen, welche an einem kleinen Tische speisen: sagt: Sie find bei Tafel. Stoschl-Th. S l58. woh- 274 Wohnung. Hans. Pallast. Schloß. 153. Wohnung. Haus, pallasi. Schloß. t^u dem allgemeinen Begriff zeigen diese Wörter einen e<) solchen Ort an, worinn sich der Mensch gewöhnlicher weise aufhalt, um sowohl wider die Unfreundlichkeit des Wetters beschirmet zu seyn, als auch des Nachts seine Ruhe zu nehmen, und worin er sich alle Bequemlichkeiten verschaffet, welche er nach seinen Umstanden erlangen kann. XVohnlinI, ist eine ganz allgemeine Benennung, und bedeutet einen jeden solchen Aufenthalt des Menschen, er sey durch die Natur oder Kunst bereitet. Ein Wilder hat seine XVohnung oft in einer Höhle, ein Armer in einer Hmre, und diese selbst verschaffen sich darin alle mögliche Bequemlichkeiten. Sie streuen Moos, oder Laub, oder Stroh an einem Ort, oder breiten Felle aus, um darauf zu schlafen, und dergleichen. Ein Haus, ist eine solche Wohnung, welche die Kunst, zu mehrerer Bequemlichkeit, erbauet hat, darin verschiedene Absonderungen find, deren jegliche zu einem besonderen Gebrauch gewidmet ist: Zum Arbeiten, zum Schlafen, zum Kochen, u. s. w. Und in großen Hausern, hat man nicht nur die nöthigen Bequemlichkeiten, sondern es ist auch vieles, was nur zum Zierrath dienet, und die Augen ergöhet. Pallast, ist ein großes und prächtiges Haus, worin nicht nur alle mögliche Bequemlichkeiten zu finden sind, sondern welches auch, auf eine ausnehmende und kostbare Weise, gezieret ist. Die Großen wohnen gemeiniglich in Pallasten. Schloß, ist noch größer und prachtiger als ein pallast, es bedeutet gemeiniglich nur die Wohnung, könig- lichcr und fürstlicher Personen, wiewohl man auch diepals laste, welche vornehme Adeliche, auf ihren Landgütern hoben, bisweilen Schlösser nennet. Welches vermuthlich seinen Ursprung noch aus den alten Zeiten hat, da Feig. Verzagt. 275 da dergleichen Wohnungen der Adelichen auf dem Lan. de, gemeiniglich veste Schlösser, oder auch Raubschlösser waren.' Wer ein Haus an einem Orte hat, der ist zugleich daselbst angesessen, ergeniesset das Bürgerrecht, und an, dere Freiheiten, muß aber auch die Abgaben rragen. Wer nur blos seine lVohnung an einem Oire hat, in dem Hause eines andern, ^er geniesset deswegen noch nicht das Bürgerrecht, oder andere Freiheiten. 159. Feig. Verzagt. eig, drücket mehr eine Muthlosigkcic und solche Furcht, samkeit aus, welche ihren Grund in der Gemüths, bcschaffmheit eines Menschen hat: Verzagt, eine Furchtsamkeit, welche durch gewisse schlimme Umstän. de verursachet wird, worinn man sich besindet, und die da machen, daß man alle Hofnung verlohren giebt. Ein feiger Mensch ist bei allen Schwierigkeiten furchtsam, er hat niemals einen vesten und mannlichen Much: Ein verzagter laßt sich nur in gewissen Umstanden von der Furcht einnehmen, wenn ihm solche Schwierigkeiten oder Gefahren vorkommen, divon er sich ein. bildet, daß er sie nicht werde überwinden können. Der Feige ist allezeit zugleich verzagt, aber der Verzagte nicht allezeit feig. Ein feiger Soldat ist niemals herzhast, er scheuet allezeit die Gefahren: Hin. gegen derjenige, der heute einen herzhaften Angriffgethan hat, weil er aus gewissen Umstanden einen guten Auögang vermuthete, kann bei einer andern Gelegenheit verzagt werden, weil er sich einbildet, in solchen Umstanden zu seyn, da alles verlohren und keine Hofnung übrig ist. Man beschreibt die südlichen Amerikaner, als feige Menschen, das ist, sie haben eine surchtsiime Gemüths, befchaffenheit, daher sind sie auch in Gefahren allemal verzagt. Die Polen sind nicht feig, man giebt ihnen S 2 das 276 Herzhaft. Beherzt. das !ob, daß sie gemeiniglich den erste» Angriff mit vieler H.'rjhaftigkeit thun; lAber wenn sie einen tapferen Wi« nd, und viel Schwierigkeiten antreffen, so werden sie bald verzagt. Anmerk. In dem tZloilsiio Llisneieo, welches in I^eilin. coü.Klym. bkfiildltch ist, stehet das Wol t/ee/?, ein Mensch, dessen '< . stunde herunn.chet, Wobei der Verf. sagt: tioc lin^nlzre! /Vn Iiino/k/^, Isii^ütijulu? ?6o. Herzhaft. Beherzt. ^^iese Wörter scheinen vollkommen einerlei zu bedeuten. ^ Sowol die Endsyllbe haft, als auch das unzertrenn. liche Vorwort (?i^oiitio inlepJrobilix) be, machen ? -^ r r, wodurch einer Sache dasjenige zugeeignet wird, wovon die Rede ist. Herzhaft, würbe also anzeigen, das; jemand Her; hat: Beherzt, daß er Herz besitzt. Beides ist einerlei. Man sagt daher: Eine Sache herzhaft angreifen, und auch: Beherzt angreifen. Er gierig herzhaft zum Tode, und auch: Er gieng beherzt zum Tode. Unterdessen dünkt mich doch, das erste werde mehr, im Gegensatz der Furcht, das andere mehr, im Gegensatz des Schreckens gebraucht. Der Herzhafte fürchtet sich nicht. Der VeherZte erschrickt nicht. Er gieng herzhaft zum Tode, würde alfo so viel sagen: Er fürchtete sich nicht vor dem Tode. Er gieng beherzt zum Tode, würde heiffen: Er crfchrack nicht vor allen dem, was sonst bei dem Tode den Menschen schrecklich zu seyn pfieget. 161. Ropf. Haupt. 4^n dem eigentlichen Verstände, sind diese Wörter fast ^) ganz einerlei bedeutend, nur daß Aopfmehr von den Durren gebraucht wird. Man sagt nicht: Ein Pferde- Haupt, Ralbeshaupr, sondern pferdekopf, Ralbeo- kc>pf. Von den Menschen hraucht man beides. Ich kann Kopf. Haupt. 277 kann sagen, sowol der Kopf thut mir wehe, als das Haupt thut mir wche. Er stand mitblosem Kopfe da, und, erstand mit b'oßein Haupte da, «nd de.gl. HalZpt, ist erhabener, une? daher mehr bei den Dichtern und Rednern, ja überhaupt, in einer zierlichen Schreibart gebrauchlich. Hingegen, sind doch in dem gemeinen Umgange gewM Redensarten, in welchen allein das Wort Aufgebraucht wird. Z.E. Den)_.opfhan- gen: Jemand beim Kopf nehmen: Den Kopfwäschen: Sich etwas in den Kopf sehen, und dergleichen mehr. Man wird lieber das Wort Hal?pt gebrauchen, wenn man mit einer gewissen Ehrerbiethung redet. Z. E. ? B. Mos. 19. v. zZ. Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen, und die Alten ehren. Da die Kundschafter Jos. 2. v. 19. mit einer Ehrerbietung gegen ihren Eid reden, heißc es, sein Blut, sey auf seinem Haupt, und wir un- schuldig. Ihr Blut soll auf unserem Haupte seyn. Hin» gegen in einer Verachtung und Geringschätzung brauchet man lieber das Wort Kopf. i B. derKön. 2. v. 32. Der Herr bezahle ihm sein Blut auf seinen Kopf. it. v. zz. Daß ihr Blut bezahlet werde, auf den KopfIoad. Pf. 22. v. 8-Alle, die mich sehen, spotten mein, sperren das Maul auf, und schütteln den Kopf. In einem uneigcntlichen Einn haben beide Wörter' mancherlei Bedeutungen, welche man aus dem Gebrauch, oder aus einem Wörterbuchs lernen muß. Hier kann nur dieses bemerket werden, daß, wenn man diese Wörter, in einem figürlichen Verstands, für Menschen gebraucht, das Wort Kopf, die Geringeren, Haupt, die Großen anzeige, und so viel bedeute, als die Vornehmsten. So sagt man: Die Armee bestund ans so viel Köpfeu, das ist, aus so viel Menschen. Es waren viel unruhige Köpfe darunter, und dergl. Hingegen: Die Häupter einer Parthei, oder einer Verschwörung, S z das 278 Kopf. Haupt. das ist, die Vornehmsten. Das Haupt der gefallenen Engel, das ist, der Vornehmste unter ihnen. Man braucht auch beide Wörter von einer Erhaben, heit oder Vorzugs in allerlei anderen Dingen. Nur mit dem Unterschied, daß Haupt mchrentheils von großen und wichtigen, Aopfvon geringeren und schlechten Din, gen gesagt wird. Man sagt: Diese Stadt ist das Haupt des Landes, weil sie die erste Stelle hat, und die Regierungen dasind, denen das ganze Land unterworfen ist. Man sagt von einem hohen Berge: Er erhebet sein Haupt über alle andere. Hingegen: Der Aopfeines Nagels: Der Zxopfan den Gewächsen: Ein Mohnkopf: Ein Dlstclkopf, und dergl. Wiewohl die Dichter und Redner, das Wort Haupt, auch bisweilen von geringen Dingen brauchen, weil eö er- hcchnu'r ist. Ein gewisser Dichter schreibt, von der Tulpe, sie trägt ihr stolzes Haupt empor. Amncrr'. Diese Wörter, wögen Anfanas sowol elnerlei Ve» dcutunq als Wurde gehabt habe», und vielleicht ist das eine in Nicderdcutschlaud, das andere in Obcrdcurschland gewöhnlicher gewesen. 1T>acl?ter l-get ihnen auch einerlei Ursprung bei, nehmlich das Worr Ropf, i» cem Verslande, in welchem es das oberste Theil eines Dine.es, liunmitss, bedeutet, wovon er sagt: Voxantiquis. , pkn-ibui linßiiis commum'z, liebr. (?o/z//K err üllitu^o. Lamkris Lo/?/?it, vertcx. opex. ^nzloszx. to/I, toMi', spex, csciimen.. Ksciix i^edr-TZ ett altuni cl-itiiiii eüc, Le» «isnies //^/>e>/, leven e, tollere in sltum. (Z, ?I ü: ii tunt liter« convertitiuc^, l^i,,^ riorro eognciseimus, c^uoä L/eö^/L/^/t/, vel sunt ciimiinitivs a /^o/?/, vel certs eoclem r>srtu cum il!o ciiir^. Hernach beim Worte Ropf, capitt. ,. I?elss. ^o/? ex eoilcm foiue. It^Ii a (Zerwsniz ksbent c«/?o, L^IIi c///'/. xones, 6!c relil^ni veternm, rioc sensu clicunt l^!>i c>»venllum, ne illucl obrepzt, czuoZ incioÄlis surez <1ecipere l'-ilct, t^'c>u,ni k?ec lint ci»5«1cm rei iliverls nomiim. t^»!«I minime vermin I^?zm inter nnllius nioinciirt liikcrciiti.i ctt. Lcler-, non llitkerunt, nit'i moclo (lcrivsncii. Im« gleichen Irre. Unreimisch. Aberwitzig. :c. 279 gleichen beim Worte S: //a»/>/, iimt voce- s»ro- r>T, coclcm scuiine ^ro^natT, j>er iccretü iitersililn convcrti. büüim. I» den folgenden Zeiten erst, Hot vcrmnthlich der Unterschied statt gefunden, daß man das eine für edler als das andere gehalten. 162. Irre. Unreimisch. Aberwitzig. Wanrvitzig. Mansinnig. Unsinnig. Asllc diese Wörter zeigen eine Beraubung des Verstärk. ^ des an, und werden in dem gemeinen Gebrauch sehr oft mit einander verwechselt. Unterdessen scheinen sie doch nach einer stärkeren oder schwächeren Bedeutung unterschieden zu seyn, sie bringen gleichsam mehr oder weniger Sch-ttten, auf das Bild eines Menschen, welcher seiner Vernunft beraubet ist. Die Etymologie kann den eigentlichen Unterschied bestimmen helfen. Irre, in so weit es mit den andern gleichbedeutend ist, braucht man nur blos, als ein höfliches Wort, alle Arten von Beraubung deöVerstandes auszudrücken. Man sagt: Dieser Mensch ist irre geworden, ohne dadurch zu bestim» men, ob er rvanwirzig oder unsinnig, und dergleichen sey. Man braucht auch das Wort Irrenhaus, für Tollhaus, bloß aus einer Höflichkeit. Das Wort Unreimisch, erinnere ich mich nicht, bei einem guten Schriftsteller gefunden zu haben, allein man höret es oft in dem gemeinen jcben, da man sagt: Der arme Mensch ist unreimisch geworden. Er war in der Hitze des Fiebers, etwas unreimisch, und dergl. Es scheinet den geringsten Grad der Beraubung des Verstandes auszudrücken, wobei nur die Gedanken einigermaßen verwirret sind, und der Mensch allerlei ungereimte, oder übel zusammenhangende Dinge redet. Aberwitzig, kommt her von Aber, wodurch man vor Alters, etwas Unächtes, oder Unrechtes angezeiget hat, wie denn ein Afrerpapst, oder ein unächter Papst, S 4 auch 2gc> Irre. Unreimisch. ' Aberwitzig. auch ein Aberpapst heißt. S. Frischen«? N)örrcrb. 4te Seite. Aberwu?ig, würde also einen Mensche» bedeuten, mit dessen Witz oder Verstände, c? nicht recht beschaffen ist, der sich zwar klug zu seyn dünket, aber doch allerlei Dinge vornimmt, welche keinen rechtcn Verstand «»zeigen. dVanwiyl'g, drücket einen Mangel des Verstandes ous. Es kommt her von dem alten Worte ilVan, ein Fehler oder Mangel. I'c, Vv'um, heißt im Englischen, fehle» oder mangeln. Ein Mensch, dem der Verstand Zanzlich mangelt, ist rvamvirziF. Jener At^euienser, der sich einbildete, daß alle Schiffe, welche in den Hasen einliesen, ihm zugehörclen, war w^urvirzig. ilVanstttMI, zeiget einen solchen Mangel des Ver. standcs an, der auch die äußerlichen Sinne angreift, so, daß der Mensch nicht recht sichct, höret, und dergl. Ein ivansumiger Mensch kennet bisweilen seine Freunds nicht, er bildet sich ein, Dinge zu sehen, welche wirklich nicht da sind, und dergleichen. Man erzählet, es habe jemand sich eingebildet, daß ein Kalbsgeschlinge an seiner Nase hange: Ein vernünftiger Arzt aber, habe ihn dadurch curiret, daß er ihm einen Schnitt in die Nase ge« than, wovon sie heftig geblutet, worauf er ihm sog-eich ein frisches Kalbsgeschlingc vorgezeiget, und ihn? überredet, eS sey solches von seiner Nase abgeschnitten. Dieser Mensch war wansmniI. Ui'smui'I kommt mit XVansilmitr. überein. Die ki^oliuo iniepiZ-abilix un, zeiget einen Mangel desjenigen an, was das Wort bedeutet, und nnstttnig, drücket also ebenfalls einen solchen Mangel des Verstandes aus, wobei der Mensch zugleich des rechten Gebrauchs seiner Sinne beraubet ist. Unterdessen scheinet doch die Bedeutung des Wortes Unsinnig, etwas starker und harter zu seyn. Ein N?.:!>siui!lIer, kennet bisweilen seine besten Freunde nicht; Aber er thut ihnen deswegen^ nichts Böses: Rasnd. Toll. Raserei. Tollheit. 281 ses: Ein Unsinniger, siehet sie wohl gar für Feinde an, er schilt auf sie, und will sie fort jagen. Der'wansin- nige bildet sich ein, Dinge zu fehcn, welche wirklich nicht da sind; Aber er lärmst und schreiet nicht darüber, wie der Uusimiige thut. IenerMensch, der in seiner Stube sich einbildete, daß cr im Sturm auf dem Meere sey, und daher allen Hausrath, mit vielem Geschrei, zum Fenster hinauswarf, um, wie erdachte, das Schiff zn erleichtern, war unsinnig. Ichu trieb als ob er unsinnig rvare. 2B. derKön. 9, 20. Das ist, er trieb dieThiere, welche seinen Magen zogen, und diejenigen, die mit ihm waren, mit solchem Geschrei und Ungestüm an, als ob er seines Verstandes und seiner Sinne beraubt wäre, als ob «r nicht sahe, daß sie wirklich schon alle mögliche Eilfertigkeit anwendeten. So lange die Unsinnigkcir, nicht gar zu stark ist, und dadurch niemand Schaden geschiehet, siehet man,sie nur, als eine bloße Beraubung des Verstandes an, wenn sie aber zu heftig ist, und den Menschen zu allerlei schädlichen Handlungen verleitet, so wird sie zur Tollheit. 16z. Rasend. Toll. Raserei. Tollheit. an drücket mit diesen Wörtern eine solche heftige Verwirrung des Verstandes aus, bei welcher der Mensch ganz wütend wird, und allerlei schädliche Dinge vornimmt. Ob gleich das Zeitwort (verkum) Rasen, bisweilen in einem sehr gelinden Verstände gebraucht wird, so hat doch das davon abstammende Wort Rasend allezeit eine härtere Bedeutung. Man saget z. E. von einem Men- schen, der im Fieber, oder in einer hitzigen Krankheit liegt, und allerlei Phantasien hat, die ihn zu verwirrten Reden bringen: Er raset. Mancher.Mensch, fängt bei S 5 der 282 Klumpen. Haufen. Kloß. der geringsten Fieberhitze, gleich zu rasen an. Imgleichen sagt man von den jungen beuten: Sie haben gewisse Jahre, da sie rastn. Er hat noch nicht ausgerascr, und dergleichen. Aber man kann von solchen nicht sagen: Sie sind rasend. Die Raserei, ist eine Krankheit, welche das Gehirn angreift, und den Verstand eines Menschen so heftig verwirret, daß er sich einbildet, allerlei fürchterliche und ge« fährliche Dinge zu sehen, die ihn beängstigen, und die er mitWüten und Toben zu entfernen suchet. Die Tollheit, unterscheidet sich dadurch von der Raserei, daß diese allezeit mit einer heftigen Krankheit vergesellschaftet ist, bei jener hingegen, der Mensch, sonst ganz gesund zu seyn scheinet, außer in dem Anfall der Tollheit, da er eben wie der Rasende wütet und tobet. Da die Raserei mit einer erstaunenden Hitze im Geblüts verknüpfet ist, so kann sie so sehr lange nicht anhalten. Entweder ein solcher Menscb, stirbt bald, oder er ivird besser. Die Tollheit aber, kann oft viel Jahre dauren. Man bewachet daher einen Rasenden, gemeiniglich als einen Kranken, damit er nicht Schaden thue. Den Tollen hingegen, muß man einsperren, oder wohl gar anschließen. In manchen Redensarten werden diese Wörter gar nicht unterschieden, sondern in einerlei Verstände gebraucht. Man saget z. E. von einem Hunde: Er ist roll, und auch: Er ist rasend geworden. Uneigentlich saget man: Vor Wuth rasend, oder, vor Zorn rasend, und auch, vor Wuth oder Zorn roll werden. .64. Rlumpen. Haufen. Rloß. /Kin Rlmnpen, macht nur ein einziges Stück aus. Ein ^ Haufen, bestehet aus vielen Stücken. Man sagt: Ein Alumpen Erde. Ein klumpen Erz. Ein Schnee. klum- Klumpen. Haufen. Kloß. 28z klumpen. Gold, Silber, Kupfer, Zinn, können in einen Almnpen zusammen geschmolzen werden. Hingegen sagt man: Ein Steinhaufen. Einkaufen Geldes, weil dazu viele Stücke gehören. Imgleichcn: Ein Zxori? Haufen, ein Haufe» Weizen, weil er aus vie- len Körnern besiehet. Ein Heuhaufen, Holzhaufcn, Scheiterhaufen, 2ln»eiöhaufen, u. s. w. Uiieigentlich sagt man: Ein Haufen, füreineMen- ge. Ein Haufen Leute. Ein Haufen Zeugen. Ein Haufen Soldaten. Ein Haufen Kinder. Ein unor- deutlicher Haufen, :c. Der große Haufen, der kleine Haufen, für die große Anzahl, die geringe Anzahl. Ein Zvlumpcn ist allezeit unförmlich. In einem Kaufen, können die Dinge, woraus er bestehet, auch or. deutlich auf einander geleget werden. Man brauchet daher das Wort Alumpen, im gemeinen Reden, auch zuweilen von einem Haufen, mehrerer ohne Ordnung über einander geworfener Dinge. Z. B. Alles in einen Alumpen zusammen werfen. Der Wind warf das ganze Haus auf einen Alumpen, wiewohl man in der anstandigen Sprechart, sich allemal lieber des Wortes Haufen bedienen wird, welches sowohl von ordentlich gelegten, als unordentlich über einander geworfenen Dingen gesagt werden kann. Z.B. Man muß gleichwohl nicht alle Schriftsteller auf einen Haufen werfen. Schröckh Biographie iTH. 259 S. Nloß kommt mit Alumpen überein, giebt aber den Begriff einer geringeren Größe. Es ist ein kleiner runder Klumpen. Ein großes zusammenhangendes Stück Erde ist ein Ixliunpen, aber si> viel, wie man etwa in die Hand nehmen kann, ist ein Erdenkloß. Hiob z8-v.z8. Wenn der Staub begossen wird, daß er zu Haufe lauft, und dieZxlöße an einander kleben. In den Salzkoten, nennet man Rlöße, die Stücken Stein, womit der Heerd verkleidet wird. In der Küche saget 284 Dunkel. UndeutlE Verwirret. saget man: Rlöße machen, von Eier, Mehl, Fleisch, und dergleichen. Aber von den Metallen, wird dieses Wort niemals gebraucht. 165. Dunkel. Undeutlich. Verwirret. jt^n Ansehung des Verstandes, nennen wir dasjenige dunkel, was unser Verstand nicht fassen kann, oder wovon wir die Ursachen nicht entdecken können. Undeutlich ist dasjenige, was uns nicht klahr genug vorgestellt wird: Verwirret, was sehr unter einander geworfen ist, oder wo vkl Dinge mit einander vermenget sind, welche man nicht anders als mit vieler Mühe, oder wohl garnicht in Ordnung bringen kann. Eine dunkle Sache, können wir nicht begreifen, was undeutlich ist, nicht verstehen, und was vervvlrrec ist, muffen wir erst aus einander setzen, und in Ordnung bringen, wenn wir es verstehen wollen. Die metaphysischen Wahrheiten sind einem Ungelehrten dunkel, sie sind dem Gelehrten selbst undeutlich, wenn sie nicht mir gnugsamer Klahrheit vorgetragen werden. Und wenn ihre Beweise nicht in gehöriger Ordnung gcseHet sind, so sind sie verwirret. Die Geheimnisse der Natur sind uns kdunke', weil wir die Ursachen davon nicht erforschen können. Ein Künstler wird sich undeutlich gegen uns ausdrücken, wenn er gewisse Kunstwörter gebraucht, welche wir nicht verstehen. Eine Erzählung ist verwirret, wenn man die Begeben- Heiken ohne Ordnung durch einander vorträgt, und dasjenige zuerst erzahlet, was hernach geschehen ist. Die Schriften der Alchymisten sind dunkel, man kann ihre Satze nicht begreifen. Sie sind dabei undeurs lich, weil sie sich solcher Worte und Redensarten bedienen , welche niemand verstehet. Und die Schriften der Enthusiasten und Schwärmer, sind gemeiniglich nicht nur dunkel und undeutlich, sondern auch verwirret. Die Wahr- Hochzeit machen. Beilager halten. :c. 2x5 Wahrheiten, welche noch darin gefunden werden, sind ohne alle Ordnung durch einander geworfen. 166. Hochzeit machen. Beilager halten. Ehelichen. Heirachen. Sich vermahlen. Freien. Sich beweiben. lle diefe Wörter drücken die Verbindung zwoer Personen, von verschiedenem Geschlechte aus; Aber das erste siehet mehr auf die Gebrauche, welche bei dergleichen Verbindungen gewöhnlich sind, die andern mehr auf die Verbindung selbst, wiewohl mit einem gewissen Un- terschied. Man sagt von den Personen selbst, welche sich verbinden: Sie machen Hochzeit an dem Tage, da ihre Verwandte und Freunde sich dem Gebrauch nach versamm- len, uni als Zeugen bei ihrer Verbindung gegenwärtig zu seyn, und da es der Gebrauch eingeführet hat, daß den Verwandten und Freunden, an solchem Tage, ein Gast, mahl gegeben wird, so sagt man von denen, welche die Kosten dazu hergeben: Sie haben dem neuen Paare die Hochzeit gemacht. Ein Vater giebt seiner Tochter die Hochzeit, oder macht ihr die Hochzeit, wenn er die Kosten dazu hergiebt, auf solche Weise, daß ihr dieselben in derErbschafr nicht angerechnet, und das Theil, welches sie nach seinem Tode zu hoffen hat, desweqen> nicht geringer, als der andern Kinder ihres werden soll. Ein Bruder, welcher eine unverheirathete Schwester bei sich hat, macht ihr die Hochzeit, wenn er alle Kosten tragt, weiche bei ihrer ehelichen Verbindung, dem Gebrauch m:ch, erfodcrt werden, ohne daß sie von dem Ihrigen, d^zu beitragen dürfe» In eben dem Verstände si'.gt man: Ein Herr hat seinem Bedienten die Hochzeit gemacht, u. s. w. Das 286 Hochzeit mache». Beilager halte». :c. Das Wort Hochzeit, hieß vor diesem auch, ein großer Festtag. Inigleichen ein großes Gastmahl, und daher scheinet diese Benennung, dem Tage einer ehelichen Verbindung gegeben zu seyn, weil es ein besonders festlicher Tag ist/ welcher auch gemeiniglich mit einem großen Gastmahl wird zugebracht. Die Hochzeit, königlicher oder fürstlicher Personen, wird das Deilager genannt, welches sich auf ihre ehcli- che Verbindung selbst beziehet. Man sagt: Sie haben ihr 2)eilager gehalten. Gegen das Äeilagcr des Prinzen, wurden viel iusibarkeiten angeordnet, und dergleichen. Ehelichen und Heirarhen, sind so weit einerlei, daß man sowohl von eincrMannöperson, welche sich mit einer Person des andern Geschlechts verbindet, sagt: Er hat. sie geheirarher, oder geehelichcc, als von ihr: Sie hat ihn geheirarher, oder gcehclicher. Beide Wörter werden auch zurückkehrend, wenn sie den Zusah ver be- kommen: Sich an jemand, oder mit jemand verheira- then, oder verehelichen. Hierin aber ist ein Unterschied, daß man sagen kann: Er heirathet nach Geld, er heirarhet viel Geld mit; Nicht, er ehelicher nach Geld, er ehelicher viel Geld mit. Er hat das Landgut erhei- rarher, nicht, er hat es erehelichet. Sich vermahlen, hat eben die Bedeutung, als sich verehelichen, man braucht es aber nur von vorneh- ' men, oder zum wenigsten angesehenen Personen. Wenn jemand die Verbindung mit einer Person sucht, sich bei ihren Eltern oder Verwandten in Gunst zu sehen bemühet ist, und alles thut, was ihm den Weg zu ihrer Einwilligung bahnen kann, so sagt man: Er freier nach ihr. Ist solche Bemühung gegenseitig, so sagt man wohl: Sie freien sich mit einander. Bisweilen aber wird das Wort Freien, auch als heirarhcn oder ehelichen gebraucht, i Cor. 7/ 9- Match. 19, 9. Bei den Alren hieß Bewerbe». Anwerbung thun. 287 hieß freien, eigentlich lieben, wie IVachter im Glos. sario zeiget. Nach dem heutigen Gebrauch, ist dieses Wort, in beiden Bedeutungen, sowol wenn es heißt, sich um eine Person bewerben, als sie heirathen, nur in dem gemeinen teben üblich, in dem edleren und anständigen Sprachgebrauche, wird man eö nicht leicht hören. Da das Wort lVeib jetzo ganz verächtlich geworden ist, so wird auch beweiben, nur von ganz niedrigen und geringen Leuten gebraucht. Er ist beweibet. Er hat sich beweibet. Anmerk. Das Wort -Heirathen, wird gemeiniglich, von teuren oder Miethen hergeleitet, und daher auch -Heurachen geschrieben. Ich will diese Etymologie, eben nicht verwerfen. Vielleicht aber könnte man eö, mit eben so gutem Grunde, von heim oder Heimen, und rathen oder berathen, herleiten. Da es denn so viel hcissen würde, als eine Person nehmen, '"> lchc ^us daheim, oder in unserer eigenen Wirthschaft uud Wohnung, rathen oder berathen soll, womir es also auf die gegenseitige Hülfe sehen würde, welche sich Eheleute leiste» müssen. Bei den Alten, ^ hieß Heimen, eine Frau heimführen. Heimsteuer, die Mit- gäbe, u. s. w. Nach dieser Etymologie, würde es klahr seyn, warum man nicht sagen kann: Nach Geld ehelichen, aber wohl: Nach Gelö heirathen. Weil man sich nehmlich mit dem Gelde, heim oder Vaheim, gut rathen und l,clftn kann. Ich finde, daß die Etymologie, welche Wachter im Glostario, von dem Worte -Heirathen giebt, mit derjenigen, welcke ich hier angeführet l>abr, ziemlich übereinkommt. Er leitet es her, von dem alten sächsi« scheu Worte, -Hyrev 5smilig,.vder Heiro: ilc-mus, und reiten oder bereiten, daß es also heissen würde: S>ch ein Haus bereiten. Wobei er hinzufttzet: Einige leiten es sehr übel her, von Heuren, miethen; Denn obgleich die Ehe ein Contracc ist, so ist sie doch kein Micthscontcact, ist auch dergleichen niemals, bei den alten Deutschen gewesen. Denn diesen war die Ehe ein heiliges Band. 167. Bewerben. Anwerbung thun. enn diese Wörter von der Bemühung gebraucht wer« den, welche man sich glebr, .'in- Person zur Ehe zu erhalten, so siehet das erste auf dasjenige, was man thut, 2ZZ Bewerbung. Anwerbung thun. thut, lim ihre und ihrer Eltern, oder Vormünder Einwilligung z» erlangen: Das zweite begreift das Begehren, oder die Foderung in sich, daß diese Einwilligung öffentlich gegeben werden soll, damit man zu Vollziehung der Verbindung schreiten könne. Man bewirbt sich um eine Person, wenn man ihr und ihren Angehörigen, durch öfteren Besuch, durch allerlei Gefälligkeiten, und dergl. zu verstehen giebt, daß man Willens sey, sie zu seiner Gehülfinn zu erwählen. Man sucht mir ihre Gunst zu erlangen, und erforschet gleichsam, ob man hoffen dürfe, sie zu erhalten. Man thut Anwerbung um eine Perfon, wenn man sich frei darüber erklaret, und eine ausdrückliche Antwort fodert, ob man die Person zur Ehe bekommen könne, welche man verlanget. Bewerben muß man sich selbst, und sich gefällig zu machen fuchcn. Die Anwerbung kann auch durch einen andern geschehen , welchen man in seinem Namen abschicket, das Jawort, somol von der Person selbst, welche man begeh- ret, als von ihren Eltern oder Vormündern zu fodern. Wer sich zuvor selber beworben hat, wird hernach selten, wenn er Anwerbung thut, eine abschlagige Antwort befürchten dürfen. Er siehet schon, wie man ihn aufgenommen hat, und wie man gegen ihn gesinnet ist, woraus er fchliessen kann, was er für eine Antwort zu ge-- warten Habs. Wer sogleich Anwerbung thut, oder thun laßt, kann leicht einen Korb bekommen. Nur die Personen männlichen Geschlechts, können sich bewerben und Anwerbung thun, weil es dem Gebrauch nach, für das andere Geschlecht, nicht anständig ist. 16z. Hol?. Holz. Wald. Heide. Busch. Hain. Forst. 259 M. Holz. N?ald. Heide. Busch. Ham. Forst. an braucht diese Wörter oft, eins für das andere; Allein wenn man genau darauf Acht hat, wird man doch einen Unterschied finden. Holz / in so weit e6 mit den andern übereinkommt, bedemet jeden Ort, wo viel Holz gewachsen ist. E:ch- holz, ist ein Ort, wo viel Eichen gewachsen sind: Verholz, wo viel Birken stehen: LLlsdol.- , wo viel Elsei» sind, und in diesem Verstand, wird es oft für Wald gebraucht. Man sagt: Ins Holz gehen, für, in den Wald gehen. lVatd, bedeutet eine Menge grosser Baume, und ist der Gegensah von Gebüsch, welches nur kleine Straucher anzeiget. Heide, wird ebenfalls oft für Wald gebraucht; Allein da das Wort Heide, eigentlich ein ungebaueteö, unfruchtbares, ebenes Feld bedeutet: (Siehe Frisch Wörrerb. beim Worte Heide,) fo scheinet es mehr einen dünnen Wald auszudrücken, welcher nicht gar zu viel Schatten macht, oder einen solchen, da unter den Bäumen noch andere kleine Sträucher und Früchte wachsen können. Daher kommen die Wörter, Heidekraut, Heidekorn, Heidclbeer, u.s.w. welches solche Sträucher und Früchte sind, die auch in den Wäldern wachsen können, wenn die Baume nicht gar zu dick stehen. Kusch, heißt ein kleiner Wald, welcher sowol keinen grossen Umfang hat, als auch mehr aus Stauden und Sträucher», als grossen Bäumen bestehet. Hain, heissetein kleiner dicker, oder ein heiliger Wald, wie bei den Alten, oft um die Tempel qepsianzct war. Abraham wohnete im Hain Mamre. i B. Mos. iz, i8. Gideon ließ den Hain abhauen, der bei demAitarBaals stund. B. Richt. 6, 28. Den Israeliten war auSdrück- Sroschl.TH. T lich Erkenntlichkeit. Dankbarkeit. lich verboten, einen Hain zu pflanzen bei dem Altar Goc. tes. 5 B.Mos. 16, 21. Forst, bedeutet einen großen Wald, oder einen ge« wissen Bezirk, welcher zu einer Herrschaft gehöret. Forst- bedienter oder Förster, ist derjenige, welchem die Aussicht über einen solchen Bezirk anvertrauet ist. Forstge- rechtigkeir, das Recht, welches jemand hat, in einem Walde zu jagen, Holz zu fallen, und dergleichen. Forstrecht Heisset dasjenige, was man für Anweisung des Holzes, an den Förster entrichten'muß. 169. Erkenntlichkeit. Dankbarkeit. ie Erkenntlichkeit besiehet in einer innerlichen Em« pfindnng, daß man jemanden für gewisse Wohlthaten und Gefälligkeiten verbunden ist. Die Dankbarkeit bestehet nicht nur in einer solchen Empfindung, sondern auch in einer Bemühung, das empfangene Gute, auf alle mögliche Weise wieder zu vergelten. Die Erkenntlichkeit ist nur ein Staffel der Dankbarkeit , welche viel weiter gehet. Der Erkenntliche istvondsrGüce seines Wohlthaters gerührt; DerDanks bare ist davon recht durchdrungen. Die Erkenntlichkeit ist daher mehr eine Rührung des Gemüths, die Dankbarkeit mehr eineEmpfindung desHerzenS. Wer nur blos Erkenntlichkeit hat, rühmt zwar die Wohlthaten, so er empfanget, aber er ist nicht fehr darum bekümmert, wie er sie wieder vergelten will. Hingegen, wer eine wahre Dankbarkeit hat, der bemühet sich recht, seinem Wohlthater alle mögliche Gefälligkeiten zu erzeigen, und ihm das Gute auf gewisse Weise wieder zu vergelten. Der Erkenntliche macht sich die Gelegenheit zu Nutze, wenn sie ihm gegeben wird, seinem Wohlthater eine Gefälligkeit zu erweisen. Der Dankbare suchet sie rechr mit Fleiß, und wenn er gleich bisweilen nicht im Standeist, seine Dankbarkeit zu beweisen, so thut er doch Undankbarkeit. Undank. 291 doch alles was möalich ist, um Gelegenheit zn finden, wo» durch er sie einigermaßen an den Tag legen tonne. 170. Undankbarkeit. Undank. ine solche Gemüthsbeschaffenheit des Menschen, inwel« eher er dnrch keine Wohlthaten abrührt wird, und gar nicht darauf bedacht ist, ein empfangenes Gute wieder zu vergelten, nennen wir Undankbarkeit. Eine Handlung, wodurch man seinem Wohlthäter, anstatt des Guten, Boj^s vergilt, ist ein Undank. Rohe und eingebildete Menschen, welche meinen, daß jedermann ihnen zu dienen verbunden sey, sind auch gemeiniglich undankbar. Gottlose, die alle Empfindung des Gewissens unterdrücken, lohnen die Wohlthaten mitllndank. Die Undankbarkeit, will die Wohlthaten nicht wieder vergelten, wenn sie es gleich thun könnte. Der Uns dank, lohnet sie noch mit Böftm. Daher kommt das Sprichwort: Undank ist der tVelr Lohn. Da man aus dem Bösen, was ein Mensch seinem Wohlthäter thut, die undankbare Gemüthöbeschaffen« heit desselben ersichet, so nennet man bisweilen dergleichen böse Handlung selbst, eine Undankbarkeit, in Absicht aufdie Gemüthsbeschaffenheit, wovon sie zeuget. So kann man sagen: Judas begieng die schnödeste Undankbars keir, da er Christum verrieth, in Absicht aufsein undankbares Gemüth, wovon die Verrärherei ein Zeuge war. Hingegen, wenn wir sagen: Zudas lohnete Icsu mit Undank, da er ihn verrieth, so sehen wir mehr auf feine böse Handlung, und auf dieVerrätherei selbst. Die Liebe zur Freiheit, bewog den Brutus zur Un? dankbarkeir gegen den Cäsar; Aber er wollte lieber undankbar seyn, als sein Vaterland unterwürfig sehen, ja für alle die Wohlthaten, welche er von dem Cäsar empfangen hatte, lohnete er ihm sogar mit Undank, weil er sich kein Gewissen machte, ihn zu ermorden. T 2 l?l.Dan. 292 Danken. Bedanken. Danksagen. 171. Danken. Bedanken. Danksagen. Dankbar seyn. Verdanken. on allen diesen Wörtern hat das Wort Danken die weitläufigste Bedeutung, man braucht es, fowolvon der innerlichen Gesinnung des Herzens, als auch, von den Werten und von der That, womit man dieselbe äusserlich zu erkennen giebt: Bedanken und Danksagen, verstehet sich blos von den Worten: Dankbar seyn, beziehet sich auf das Gemüth und auf die That: Derdai»? ken, allein auf die That. Man danker jemanden, innerlich in dem Herzen, für seine Wohlthaten, wenn man sich derselben oft mit Dankbarkeit erinnert, und eine Bereitwilligkeit empfindet, ihm hinwiederum alle mögliche Gefälligkeiten zu erweisen. Man danket ihm mirtVorren, wenn man ihn von seiner Erkenntlichkeit und Dankbarkeit versichert, und ihn davon zu überzeugen sucht. Man danket ihm mir der That, wenn man ihm wirklich wieder etwas Gutes thut, oder Gefälligkeiten erzeiget. Man braucht auch das Wort Danken bisweilen von den Gebehrdcn. Wir danken jemand, der uns mit Abnehmung des Hutes, oder andern Gebehrden grüßet, wenn wir wieder den Hut abnehmen, und dergleichen. Allein in diesem Sinn Heisset es nur so viel, als einen wieder grüßen. Das Wort Bedanken, verstehet sich blos von den Worten und Reden, wodurch wir einen andern von unserer Erkenntlichkeit und Dankbarkeit zu überzeugen suchen. Aber diese beiden Wörter, Danken und Bedanken, werden auch bisweilen in einem andern Sinn genommen, nehmlich, man danket oder bedanket sich für eine Sache, welche man nicht haben will. So sagt man: Diese Bedienung ist mir angetragen worden, aber ich habe mich dafür bedanker. Diefe Arbeit folite ich über mich neh- Dankbar sey«?. Verdanken. 29z nehmen, aber ich dankte dafür, oder bedankte mich dafür. Er bedankt sich für die Ehre, das ist, er will fie nicht annehmen. Danksagen kommt in fo weit mit Gedanken über, ein, daß es ebenfalls nur diejenige Erkenntlichkeit und Dankbai kcit andrücket, welche man für ein empfangenes Gute, jemanden mit Worten bezeiget; Aber es Meinet überdcm einen höheren Staffel davon anzuzeigen, den Begrif mit sich zu führen, daß man schon mehrere und nachdrücklichere Worte gebraucht, wodurch man feinen Wohlthäter, von einer aufrichtigen Dankbarkeit überzeugen will, da man hingegen bisweilen sich ganz kurz, oder auch auf eine kühle Weise, gegen jemand bedanken kann. Ein Grosser z. E. bedanket sich ganz kurz, für eine Gefälligkeit, welche ihm von einem Geringeren ist erwiesen worden, ohne viel Worte zu gebrauchen, ihm Dank zu sagen. Der Geringere herqegen, suchet die verbindlichsten Worte aus, um für eine Wohlthat, welche er von einem Grossen empfangen hat, Dank zu sagen, und ihn von der Aufrichtigkeit feiner dankbaren Gesinnungen zu überzeugen» Dankbar seyn, beziehet sich bisweilen blos auf die innerliche Empfindung des Gemüths, bisweilen zugleich auf die That, wodurch man dieselbe an den Tag leget. Wir können dankbar seyn gegen jemand, ohne es ihm, weder mit Worten noch mit der That zu ernennen zu geben. Z. E. Es lasset uns jemand eine besondere Wohlthat zufließen, welcher aber nicht haben will, daß wir wissensollen, eS komme von ihm her, so können wir aufrichtig dankbar dafür seyn, ob wir ihm gleich die innerliche Regung unseres Herzens, auf keinerlei Weife bezeigen können. Wir sagen aber auch von einem Menschen, der sch bemühet, uns für ein empfangenes Gute, wiederum etwas Gutes zuthun, und uns wirklich allerlei Gefälligkeiten erweiset: Er ist dankbar dafür. T 5 'ver- -94 Schicksal. Verhangmß. Verdanken, giebt uns den Vegrif einer solchen Dankbarkeit, welche wirklich das empfangene Gute, auf gleiche Weise ersehet. Man sagt: Ich weis nicht, wie ich ihm dieses verdanken soll, das ist, ich werde ihm nicht eben so viel Gutes wieder erweisen können. Er hat mir diese Gefälligkeit doppelt verdanket, dasist, erhar mir noch einmal so viel Gefälligkeit erwiesen, als ich ihm gechan hatte. Danken, Bedanken, Danksagen, kann man auch durch einen andern, dem wir auftragen, eöinun, serem Namen zu thun. Dankbar seyn und verdans ken, kann nur allein von uns selbst geschehen. '72. Schicksal. Verhangmß. HH>ir verstehen durch das Schicksal, dasjenige, was die Lateiner lsrumnannten, nehmlich, einegewissa Bestimmung der Begebenheiten undDinge, wovon uns die Ursachen unbekannt sind. Die Heiden bildeten sich ein Schicksal und Bücher des Schicksals ein, worin alles bestimmt seyn sollte, und dem die Götter selbst unterworfen wären. Wir gebrauchen dieses Wort von solchen Dingen, welche über einen Menschen ergehen, ohne daß er sie vermeiden kann, und wobei man nicht auf die Hand eines höheren Wesens siehet, welches diese Begebenheiten herbei führet. Verhängnis), nennen wir zwar ebenfalls, die Bestimmung gewisser Begebenheiten und Zufälle, welche über uns kommen, ohne daß wir sie vermeiden können, aber wir sehen dabei auf eine höhere Hand, von welcher sie gclenkct werden. Wer das Daseyn Gottes leugnet, muß alle Dinge einem blsßen Schicksale zuschreiben; Wer aber ein höchstes Wesen erkennet, siehet alles, was ihm begegnet, als ein Verhängnis; desselben an. Das Schicksal stellen wir uns blind, und ohne gewisse Absichten handelnd vor. Das Verhang-uß hak allemal gewisse Absichten in Bestimmung der Dinge. In Schickung. Geschick. Fügung. 295 In der Redensart: Es ist ein unglückliches Schicksal für uns, sehen wir weder aufden Urheber einer Begebenheit, noch auf die Absicht, warum sie uns zustoßet. Hingegen, wenn wir sagen: Es ist ein unglückliches verhangniß, so sehen wir zugleich auf denjenigen, welcher die Sache verhengct, unv welcher dabei gewisse Absichten haben muß. Daher kann man nicht sagen: Es ist ein Schicksal Gscrcs, aber man sagt: Es ist ein Verhängnis) Gottes, oder eine Schickung Gottes. Wer alles dem blinden Schicksale zuschreibt, der hat nicht den geringsten Trost in Unglücksfallen, weil das Schicksal keine Absichten noch Ursachen hat, warum es ihm dergleichen begegnen läßt. Wer aber ein Verhängnis) Gstteö glaubt, hat den Trost, daß .-.lles aus weifen und heiligen Absichten, die auf fein wahres Beste gerichtet sind, über ihn verhen- get werde. 17z. Schickung. Geschick. Fügung. L^n einem uneigentlichen Sinn, drücken die Wörter ^ ein gewisses Verhangniß auö, so über einen Menschen ergehet. Wir brauchen sie von solchen Begebenheiten, welche gewisser Massen ausscrordcntlich sind, und welche man nicht vermeiden kann. Schickung, beziehet sich auf denjenigen, von welchem das Verhangniß herrühret, auf ein höheres Wefcn, welches uns solche Begebenheiten zuschicket. Geschick, hat eins Absicht auf die Begebenheiten selbst, welche uns zustossen. Fügung, siehet zugleich aufdie Ordnung und Verbindung der Mittel, wodurch diese Begebenheiten hervorgebracht werden. Wenn wir sagen: Es ist eine besondere Schickung für diesen Menschen gewesen, daß er eben zn der Zeit dahin hat reisen müssen, als die Begebenheit vorfiel, die thn glücklich gemacht hat, oder wodurch er unglücklich T 4 gewor- 296 Schickung. Geschick. Fügung. geworden; So sehen wir auf das Verhangniß, oder vielmehr auf die Vorsehung Gottes,welche es so Zuschicket hat. Aus gleiche Weise sagt man: Dieses ist durch eine besondere Schickung geschehen. Man sagt auch ausdrücklich , eine Schickung Gottes Wenn wir sagen: Dieser Meiisch hat ein besonderes (^es^dick erlebt, ehe er zu solchen Ehren gekommen ist; Oder: Das Geschick dieses Menschen ist ganz ausserordentlich, so sehen wir auf die Begebenheiten selbst, welche ihm zugeflossen sind. In diesem Fall aber brauchet man auch das Wort Schicksal, sein Schicksal ist ausseror- demlich. Er hat ein ganz besonderes Schickjalgehabt, und dieses ist gewöhnlicher. Endlich, wenn wir sagen : Dieses ist durch eine besondere Fügung geschehen. Es ist eine besondere Lu? gung gewcsen, daß ich dazu gekommen bin, und dergleichen , so sehen wir nicht nur auf die Vorsehung, welche es so gesuM, sondern auch, aus die Ordnung und Verbindung der Mittel, welche sie dazu gebraucht hcu, wo- durch alles gleichsam so zusammen gefüget worden, daß diese Begebenheit entstanden. Es war eine besondere Schickung, daß die Stadt Rom, welche über so viel Völker triumphiret^ und ihr Gebiet, von einein Ende, der bekannten Welt, bis zum andern ausgebreitet halte, hei nach von dem Alarich einem Barbar erobert wurde, der nicht einen Fuß breit iand hatte, welches er sein eigenes nennen konnte. Der ^i onig Karl der zwölfte von Schweden, hat ein ganz ansserordemlicheS Geschick gehabt, da er erstlich ei» Liebling des Glücks zu seyn schien, hernach miteinem male, von demselben verlassen wurde, und so lange Zeit unter den Türken in Bender zubringen muste. Es hat sich alles fügen müssen, oder: Es ist eine besondere Lugung gewesen, bei dem Untergänge de6 mo-genläudischen KaiserchumS, daß esmeisiemheilsvon elenden Ohngcfähr. Zufall. Glück. Loos. :c. 297 elenden und schlachten Fürsten beherrschet worden, welche sich die Wohlfahrt des Reichs mcht angelegen seyn liessen: Daß eö von allerlei barbarischen Völkern angefallen wur- de, denm man geineiniglich den Frieden mit Gelde abkaufte, wodurch sie eben, nach den Reichthümern von Constaminopel, nur lüsterner wurden: Daß die besten Kriegcsleiite, bei den innerlichen Unruhen, sich unter einander aufrieben, anstatt ihre gesammre Kräfte, wider die auswärtigen Feinde zu vereinigen. Alles kam zusammen, alles fügte sich gleichsam so in einander, daß daraus nothwendig der Untergang dc6 Reichs entstehen muste. 174. Ohngefähr. Zufall. Glück. Toos- Schanz. Schlump. b gleich diefe Wörter vcrfchiedene Bcdcntungen ha- ben, fo kommen sie doch in so weit überein, daß sie so etwas anzeigen, was ohne unseren Vorsatz undWillen geschiehet, oder wozu unsere Handlungen nichts beitragen können. ^in Vhngefahr, nennen wir dasjenige, was sich zuträgt, ohne unsern Willen, und, ohne daß wir gedacht haben, daß es sich zutragen würde. iA>» Zufall, ist ebenfalls eine Begebenheit, welche geschiehet, ohne daß wir sie Vorher sehen können, welche aber aus dem OhnIcfahr entstehet. iAn Glück, nennen wir solche ohngefähre Zufalle, welche zu unserem Besten auS- schlagen. Es ist ein Ghngcfahr, daß cm Stein vom Dache, auf einen unten stehenden Menschen fällt. Daß dieser Mensch davon beschädiget oder getödtet wird, ist ein Zufall. Von (Dhngesahr fiel ein Funken in den Schwe- fel und Salpeter, welche Barrhold Schwarz, unter ein- ander gemcnget hatte, und da es mit grosser Gewaltaufflog , fo gab ihm dieser Zufall Gelegenheit zu Erfindung des Pulvers. Die gröjsestcn Begebenheiten, haben oft T 5 einen 298 Ohngcfähr. Zufall. Glück. Loos. Schanz. einen Zufall Zum Grunde, welchen ein blosses Ohn- gefahr herbei geführet hat. Man brauchet auch das Wort Ohngcfähr, als ein Beiwort, und verknüpfet es mit Zufall, ein ohngefahs rer Zufall. Z. E. Ein ganz odngefahrer Zufall, brachte den Hans Guttenberg, auf die Erfindung der Buchdruckcrkunst, und überhaupt haben blos ohnge- fähre Zufalle, zu den wichtigsten Erfindungen Gelegen- heit gegeben. Wenn die ohngefahren Zufalle, zu unserem Vortheil ausschlagen, so nennen wir sie ein Glüc^. Es ist em Glück für uns gewesen, daß Guttenberg, die Buch» druckerkunst erfunden hat, weil wir nun des mühsamen Abschreibeils der Bücher überhoben sind. Man sagt: Dieser Mensch hat viel GlücÜ im Spiel, und dcrgl. Wicr können hierbei noch das Wort Loos betrachten, weites ebenfalls ein blosses Dhngefähr'/im Grunde hat. Wir verstehen dadurch eine Entscheidung gewisser Dinge, welche auf ein blosses OhnZefahr beruhen, und wovon wir also nicht vorher sehen können, wie sie werden entschieden werden. Denn das Loos, hat eine gewisse verborgene Bestimmung, welche wir nicht entdecken-kön- nen, bis sie sich offenbaret. In allen Glücksspielen ist ein gewisses Looo, wovon man nicht vorher sehen kann, ob es glücklich oder unglücklich für uns ausfallen werde. Man überlässet es bisweilen dem Loos, solche Streitigkeit zu entscheiden, in welcher man nicht wissen kann, welche Parthei recht oder unrecht hat. DasLoosistein blinder Richter, welcher nicht auf Vorzüge oder Verdienste siehet. Man braucht auch das Wort Loos, bisweilen für Schicksal. Elend und Ungemach, ist das Loos aller Menschen. Ich kann nicht umhin, auch hier die beiden alten Wörter, Schau; und Schlump, anzuführen, sie sind zwar Schlump. Schürzen. Knüpfen. 299 zwar wmlg bekannt, werden aber doch bisweilen noch in einigen Redensarten gehöret. Das erste kommt mit dein französischen cliauce überein, und vermuthlich ist es ans der alten frankischen, in die französische Sprache gekommen. Ich stnde es in cmem alten französischen Wörterbuchs, welches 1669 zu Basel gedruckt ist, dlirch clianc.s I^',7!Zl-cI, und auf Lateinisch, durch ^l'u^fortuittiz, übersehet. Frisch scheinet anzuzeigen, daß es eigentlich von dem Würfelspiel sey gebrauchet worden, und führet einige Redensarten an, in welchen e6 noch geblieben ist. In die Schanze schlagen, eine Schanze wagen, seiner Sckanze wahrnehmen, u. f. m. Von dem Worte Schlump, führet Frisch ein altes Sprichwort an: Schlump mein «Dchcm. Siehe Frisch Wörterb. 2 Th. 202 Seite. Eö soll so viel bedeuten , als ohne Kunst, unversehens. Schotte! braucht die Redensart: Schlumpsweise, in der 6ten jobrede der deutschen Sprachkunst. Ich erinnere mich nicht dieses Wort anders, als von den Jagern gehöret zu haben, bei welchen es noch gebrauchlich ist. Sie nennen nehmlich, Schlumpschlch, einen solchen Schuß, welcher nicht sicher ist, sondern nur von ohngefähr trift. Sie sagen z. E. Ich wollte doch einen Schlumpschuß darauf wagen, das ist, ob ich gleich keinen sichern Schuß hatte, so wollte ich doch versuchen, ob ich es von ohngefähr treffen würde. Es war ein blosser Schlump, daß er in solcher Weite das Stück Wildpret traf, das ist : Eö war ein blindes Glück, es kam von ohngefähr. 175. Schürzen. Rnüpftn. Eigentlich heißt das Wort Schürzen, ein langes Kleid, ^ um mehrerer Bequemlichkeit willen, in die Höhe gürten. So stehet es juc. 17, 8. Schürze dich und diene mir. Bisweilen aber heißt e6 auch einen Knoten machen, und nur in diesem Verstände ist es mit knüpfen gleich, bed»u- Zoo Schürzen. Knüpfen. Befehlen. Gebieten. bedeutend, man sagt: Einen Knoten knüpfen, und auch, einen Knoten schürzen. Das erste führet den Begrif mit sich, daß durch den Knoten etwas bevestiget wird; das andere hingegen drücket blos das Machen des Knotens aus. Man knüpfet einen Knoten, wenn man etwas zusammen bindet: Man schürzet einen Knoten in einem Band oder Strick, welcher ganz ist. Der Fischer knüpfet den zerrissenen Strick mit einem Knoren wieder zusammen. Der Fuhrmann schürzet einen Knoten in seine Peitsche, damit sie besser durch- dringe. Die Barfüsser Mönche tragen einen Strick um den jeib, worin unten einige Knoten gefchürzer sind. Man kann dahkr auch uncigentlich sagen: Die Natur hat ein vesteS Band, zwischen Brüdern und Schwestern geknüpfcr. Es ist ein unzertrennliches Band zwischen Eheleuten geknüpfet. Aber das Wort Schürzen kann in solchem Verstände gar nicht gebraucht werden. .76. Befehlen. Gebieten. L^n dem gemeinen Umgange, wird das Wort geboren/ ^) fast gar nicht gebraucht, und man wird sich in allen Fällen, dafür des Wortes befehlen bedienen. Man sagt: Ich habe es meinem Bedienten befohlen; Der König hat befohlen; Er hat in seinem Testamente, oder in seinem letzten Willen befohlen, und dergl. Man würde also fürs erste, diesen Unterschied machen können, daß das Wort befehlen allgemeiner, und sowol in der höheren Schreibart, als im gemeinen Um, gange, von wichtigen sowol als geringen Dingen üblich se», hingegen das Wort gebieten, vornehmlich in der höheren und edleren Schreibart gebraucht werde. Daraus entstehet zweitens, ein anderer Unterschied, nehmlich, weil das Wort gebieten, höher und edler ist, so braucht man es mchrentheils, auch nur von größeren und / Befehlen. Gebieten. zor und wichtigeren Dingen. So wird man in der erhabensten Schreibart selbst, von geringen Dingen und Kleinigkeiten, wol niemals sagen, sie sind geboren, son. dern alknwl lieber befohlen dafür setzen. Hingegen von großen und wichtigen Dingen, woran mehreren ge- legen ist, oder die einen Einfluß auf das allgemeine Be. ste haben, oder gewisse Anordnungen betreffen, und dergleichen , kann man schon füglieher das Wort gebieren brauchen. Daher sagt man es besonders, von den Oberkeiten, und solchen Personen, welche ein vorzügliches Recht haben, dergleichen zu befehlen und anzuord- nen. Ein jeder welcher über einen andern gesetzet ist, kann ihm etwas befehlen; Ein Herr befiehlt seinem Knechte, und dergl. Aber nur der, welcher ein Recht hat, in großen und wichtigen Dingen, etwas anzuordnen, kann gebieten. Drittens, wenn wan von einzelnen Handlungen re- det, welche sogleich oder in kurzem geschehen sollen, wird man allemal das Wort befehlen gebrauchen: Von dem. jenigen aber was beständig, oder wenigstens lange Zeit beobachtet werden soll, kann das Wo-t gebieten gesagt werden, obgleich befehlen, auch hier Statt fiudet, weil es ganz allgemein ist. Ohngeachtet dieser Unterschied, in der Etinnologie keinen Grund hat, wie Herr Adelung ganz richng bemerket, so glaube ich doch, daß er, wenigstens in den mehresten Fällen, dem heutigen Gebrauche gemäß sey, ob ihn gleich die Alten nicht beobachtet haben. So stehet z. B. Ierem. ?6,5. Ieremia gebot Baruch. Im- gleichen Marc. 8, 6. Er gebor dem Volke, daß sie sich lagerten, und dergl. m. Allein jetzt wird man wol nicht sagen: Der König gebot dem General, die nahe liegende Hol>e zu besetzen, sondern er befakl ihm, und ich weist keine andere Ursach davon zu finden als blos diese, weil es geivvhnlich ist, von solchen einzelnen Handlungen, ZO2 Fltßstapftn. Spur. lungen, welche sogseich geschahen sollen, das Wort bö« fohlci? zu brauchen. Hingegen kann man ganz wol sa« gen: Der König gebietet allen seinen Unterthanen, diesen Tag, als einen Gedachmißtag zu feiern, und dergl. i?7- Fußstapfen. Spur. enn diese Wörter von Menschen oder Thieren gebraucht werden, so bedeuten sie den Abdruck ihrer Füsse, welchen sie an einem Ort zurück lassen, wo sie gewesen sind. Fußstapseu, scheinet eigentlich nur den Abdruck des Fusses anzuzeigen. Spur zugleich gewisse Merkmale des Ganges. Es können bisweilen wenig Flißstapfeil gefunden werden, und alsdann siehet man auch nur, daß Menschen oder Thiere da gewesen sind. Spur begreift eine Mehrheit derMcrkmale in sich, wor. tniS man zugleich sehen kann, woher sie gekommen, und wohin sie gegangen sind. Viel Fuß stapfen zeigen die Spur an. Man muß erst die Fufistapfen erblicken, ehe man der Spur folgen kann. Der Fuchs in der Fabel, konnte aus den Fußstapfen der Thiere, welche nach der Löwcnhöhle gegan. gen waren, abnehmen, daß keinö von ihnen zurück gekommen, darum wollte er solcher Spür nicht folgen. Aus den Fußstapfen, welche ein Thier zurückläßt, kann man leicht wissen, von was für einer Art es gewesen sey; Aber ein guter Jager, kann aus der Spur, und verschiedenen Merkmalen des Ganges sehen, ob es ein Hirsch, odereine Hirschkuh gewesen, ob diese trächtig sey, wie viel Enden der Hirsch trage, und dergleichen. Das Wort Fußstapfett, wird nur allein von Menschen oder Thieren gebraucht: Spur, auch von andern Dingen. Die Spur eines Wagens, odereiner Karr,e, Heisset der Eindruck, welchen die Rader in der Erde gemacht haben. Wenn man auf der Neise irre fahret, und keinen Weg vor sich siehet, freuet man sich, die Spur eines Fußstapfen. Spur. Stechen. Stecken, zoz eines Wagens zu finden, welcher man folgen kann. Die Spur eines Wurms, ist der Eindruck, welchen er beim Forcschleichen in den Sand macht. Man bedienet sich sogar dieses Worts, von allen Merkmalen, woraus man sehen kaun, daß eine Sache an einem Orte gewesen sey. So kann man sagen: Verschiedne prächtige Werke des Alterthums, sind dergestalt von der Zeit vernichtet worden, daß jetzt auch keine Spuren mehr davon zu finden sind. Imgleichcn: Die verbrannten Dörfer und niedergeschossenen Hauser, sind noch traurige Spuren des Krieges, u. f. w. In einem uneigentlichen Verstände, sagt man: In jemandes Fußstapfen treten. Er tritt in die Fußsrapfen seines Vaters. So auch : Etwas auf der Spur haben, auf die Spur einer Sache kommen, wenn man etwas entdecket, woraus man hoffen kann, daß man sie erlangen werde, und dergleichen. !?8. Stechen. Stecken. ie Gleichheit des iautö in diesen Wörtern, verleitet Manche sie als gleichbedeutend zu gebrauchen, ohngeachtet sie in ihrer eigentlichen Bedeutung sehr verschieden sind. Srcchen, wird von -einem spitzigen Werkzeuge gebraucht, welches man in einen Körper einsiösset, oder durchstößet, und der Stich verursachet den lebendigen Geschöpfen, allemal Schmerzen. Daher sagt man Sei- tenstechcn, von einer Krankheit, welche solche Sckmer- zen verursachet, als ob man mit einem spitzigen Werkzeuge gestochen würde. Stecken, heißt, nur eine Sache in die andere thun. Man sticht ein 5och, man sticht eine Wunde: Man stecket etwas in den S<.ck, man stecket den Schlüssel ins Schlüsselloch, u. s. w. Ein Mensch ist' mit dem Degen gestochen worden, und der F ldschcerer hat den Finger in ZO4 Stechen. Stecken. in die Wunde gestecket, um zu erfahren, wie tief sie sey. Zu dem Worte Stechen, setzet man bisweilen das- Verbindungsmorc mir, und zeiget also das Werkzeug an. L-l ur dem Degen, nur dem Messer, mir der Nadel, u. s w. Srcc^en wird mit ein verbunden, einstecken. Beide Wörter können auch mit durch lind in verbunden werden, aber jedes erhalt alsdann, cineverschie- dene Bedeutung. Durchstehen, zeiget an, daß der Stich durch die ganze Dicke deö Körpers gehe, u»5 man sagt noch mit besonderem Nachdruck: Er hat ihn durcd und durchgestochen. Durchstecken, heißt, eine Sache durch eine Ocfnung, oder durch ein Loch bringen. Man stecket den Zwirn durch das Oehr der Nahnadel, die Hand durch den Ermel, wenn man ein Kleid anziehet, u. s.w. Wenn Stechen mit in verbunden wird, so zeiget es die Stelle des Stichs an. Er hat ihn in die Hand, in den Leib gestochen. Wenn Stecken mit in verbunden ist, so zeiget es den Ort an, wo eine Sache bleiben soll. Ich stecke den Nagel in die Wand, das Geld in die Tasche. Es sind noch mehr Verbindungen dieser Wörter, wodurch sie eine verschiedne Bedeutung erlangen. Z. E. Ausstcchen, die Augen ausstcchcn. Einen Graben ausstechen. Herausstecken, den Kopf zum Fenster herausstecken. Verstecken, er verstecket sich, u.s. w. Man sagt auch uneigentlich: Jemand ausstechen, das ist, ihn aus der Gunst eines andern bringen. Man sagt von einem Menschen, ersticht, wenn er spitzige und empfindliche Reden wider jemand führet. Seine Worte stachen mir ins Herz. Imgleichen: In Schulden stecken, bestandig unter den Büchern stecken, und dergl. Ich kann nicht umhin, hierbei noch einige Fehler zu bemerken, welche gemcinigllch mit Verwechselung dieser Wörter Stecken. Stechen. 555 Wörter begangen werden. Man sagt vielfältig! Ich weis nicht, in welchem Winkel du gestochen hast, da es doch hetssen müßte, gcstcckcr hast. G'csroclxi», ist ganz widersinnisch, denn in einen Winkel kann manmchc stechen, aber man kann in einen Winkel I?sic.!'>.'c werden. Jmgleichen sagt man: Eine Nadel .^stechen für anstecken. Die Nadel sticht, wenn sie wehe thut, oder wenn sie ein Loch in eine Sache machen soll. M.,n sticht mit der Nadel Löcher in das Papier, aber sie stehet, wenn sie eine Sache anheften soll. Eben so unrichug ist es zu sagen: In die Tasche stechen, in den ^ack stechen, durch das Loch stechen, u. s. w. Von der Bezeichnung eines Lagers, findet man beide Wörter gebraucht: Ein Lager abstechen, uud auch, abstecken: Das Lager ist an dem Orte abgestochen, und auch, es ist abgestecket worden. Vieiieichr kann beides recht seyn. Wenn ein Graben um das Lager gemacht wird, so möchte mau von dieser Ausstechungdes Grabens, richtiger sagen, das Lager abstechen. Hingegen, wenn der Umfang nur mit Pfählen be. zeichnet wird, welche in die Erde gesteckct werden, so möchte man richtiger sagen, abstehen. Da der Gebrauch, beides eingeführet hat, so kann man auch beides gelten lassen. Anmerkung, Stechen, ist ein unrichtiges Zeitwort, und hat in der jüngstvergangenen Zeit, oder impcrtrNo, ,'ck stach/ und im r>erte6tc>, ick bade geftocken. Sk>c>^>i, ist ein richtiges Zeitwort, und Hit: Ick sieckte. Ick habe gesiecr'ct. Siehe Gottscheds «Sprackkunst. Frisch nu,chc zwar den Unterschied, daß er sagt, wen» flecken ei» i-6r>vmn ist, sv habe es! Jch ftvckre, wenn es aber >-n Heilem» ist- Ick siack. Allein ich kann ihi'i hierin nicht Bcifall qeben, zumal da ich finde, daß er in Ansehung des im>?e, 5c6ri und per- kec-ti bei einiqen verkis irret. Er sa.'.t z, E. vo» Hinken , es habe im perlcätc,, ick habe gehunken, worin i!'M gewiß niemand nachfolgen wird. Und ob gleich Geliert selbst, das im- SrOsch I. TH. U pcrseÜum Zv6 Mittel. Weg. peit-Hum, ick stack, gebrauchet hat. Siehe Gallerts Fabeln, l Th. Seite uz. Ein armer Schiffer srack in Schulden. So dünkt mich doch, man könne sicherer Gottsched folgen, und eö sey den Regeln der Sprachkunst gemasser, zusagen: Ick steckte. Hätre da« vcrlnim, si'eckett, im ili>verft.6to ick stack, so wäre es ein unrichtiges verbum, und man müßte folglich im xcrt'^r» sagen, ick habe gestocken, eben wie, ick srack, ick babe gesiockcn. Ick spr^ck, ick habe gesprocl?en, weil alle unwichtige Zeilwörter, die im impcrteLto cinsyllbig find, im pei fec^o, en haben. Siehe Gottscheds Sprachkunst. Eben daraus aber, weil man'im pertccw nicht sagen kann: Icii habe gestocken. Er hat in Schulden gestocken, folger nothwendig, daß man im imr-ertecto nicht sagen könne: Ick stack, sondern sagen müsse, ick steckte. 179. Mittel. Weg. it diesen Wörtern zeiget man bisweilen dasjenige an, was uns zu>em Besitz einer Sache, oder zn Erreichung unserer Absichten verhelfen kann. Und nur in diesem Verstände sind sie gleichbedeutend. Aber ein Mittel, wodurch wir unseren Endzweck erreichen, drücket die Handlung, und dasjenige selber aus, was wir zu dem Ende thun. Ein lVeg hingegen , wodurch wir zu unserem Endzweck gelangen, drücket die Art und Weise aus, wie wir es ansangen. Fleiß und Arbeitsamkeit, ist ein Mittel, zu Ehrenstellen zu gelangen, und wer ein geringes Amt treulich verwaltet, der erwählet den rechten lVeg, in ein höheres zu kommen. Beide, der lVeg und das Mittel, können recht oder unrecht, gut oder böse seyn, wenn man aufihreBeschaffenheit selber siehet: So sagt man: Sich durch ungerechte Mittel bereichern: Durch unrechte tVege in ein Amt kommen, u. s. w. Bisweilen aber beurtheilet man das Mittel, nur nach dem Ausgange, den 5Veg hingegen nach dem, was Recht oder Unrecht ist. Man nennet ein gutes Mittel dasjenige, wodurch wir gewiß zu unserem Zweck kommen: Einen guten N>eg aber denjenigen, Straflich. Strafbar. Straffällig, zo? nigen, welcher dem Recht und der Billigkeit gemäß ist. Wenn wir durch dasjenige, was wir gethan haben, unsere Absichten erreichen, so können wir sagen: Es ist ein gutes Mittel dazu gewesen, ob es gleich nicht allemal der gute weg ist. Für einen Kaufmann, welcher in Schulden stecket, ist es bisweilen ein gutes Mittel, seiner Schulden los zu werden, und noch etwas übrig zu behalten, daß er ein freiwilliges Bankerott macht, aber es ist kein guter lVeg dazu. Für einen Menschen, welcher nicht viel gelernet hat, ist der Beruf unter der Schürze, ein gutes uud oft das einzige Mittel, ein Amt zu erlangen, aber es ist nicht der gute und rechte, sondern ein unrechter lVeg dazu. Man verknüpft bisweilen diese beiden Wörter, und sagt von einem Menschen: Er braucht alle Mittel und lVege, dahin zu gelangen, wenn man anzeigen will, daß er alles mögliche thue, und es auf allerlei Art und Weife anfange. iZo. Sträflich. Strafbar. Straffällig. ine böse oder ungerechte Handlung ist sträflich. Das Böse selbst, und derjenige, der es gethan hat, ist strafbar. Wer über einer bösen That entdeckt wird, ist straffällig. Das erste beziehet sich nur auf,die Handlungen, welche Strafe verdienen: Das zweite, auf die Sache, oder auf den, welcher sich der Strafe schuldig macht: Das dritte, auf die Strafe selbst, worin man wirklich kommt, oder verfallt. Man fagt nicht: Der Dieb ist sträflich, der Mensch ist straflich; Sondern: Der Mensch hat straflich ge- handelt: Erführet ein höchst sträfliches ieben,und der« gleichen. Hingegen: Der Dicbstahl oder der Dieb ist strafbar. Wer Böfeö gethan hat, ist strafbar. U 2 So M Staffel. Stuffe. Grad. So lange das Böse veiborgen bleibt, ist es zwar an sich selber strafbar: Das ist: Es macht der Strafe schuldig. Derjenige, der es gethan hat, ist auch straft dar, er hat sich der Straft schuldig gemacht; Aber er ist noch nicht straffällig,er verfällt noch nicht wirklich in die Sn-afe. Dein, >v-'il niemand weis, daß er Vöseö gethan hat, kann ihn auch niemand zur Strafe ziehem Hingegen, sobald das Böse ^itdcckc wird, und vor den RÄcer kommt, so ist er auch straffällig: Er fällt alö-- da:m wirklich in die Strafe. Dem Befehl der Obrigkeit zuwider z» handeln, ist strasucd. We^ es thut, der macht sich dadurch strafbar. Wer darüber entdeckt wird, der wird straffällig. An denen Oerkern, wo nur zn gewissen Zeiten ein Geriättstaq gehalten wird, führet man ein Register der Straffälligen, das ist, es werden diejenigen aufgezeichnet, welche über etwas Unrechtes betroffen worden, und also in Strafe verfallen sind. 181. Staffel. Stuffe. Grad. lA>er eigentlichen Bedeutung nach, sind Staffel und Stuffe einerlei. Beide bedeuten die Tritte an einer Treppe, oder diejenigen Bretter, auf welche man eine Treppe hinauf steiget. Frisch schreibt von dem Worte Staffel: Es veralte sehr im saubern Stylo, sey aber noch in einigen Ländern des obern Deutschlands gebrauchlich. (Siehe Frisch Wörterbuch beim Worte Staffel)» In dem eigentlichen Verstände, höret man es hier zwar nicht mehr, allein in dem mieigentlichcn, istes nocheben so wol, als Sruffe gebräuchlich. Man verstehet nehmlich dadurch eine mehrere Erhebung in gewissen Dingen. Sosagtman: DieSttiffen oder Staffeln des menschlichen Alters. Eine B)ren- stuffe, oder ein jLbrcnstaffel. Er hat die höchste Stuf- fe, oder den höchsten Erajfel der Ehren erreicht. Er sitzet Unterlassen. Ermangelil, Z09 sißet auf der höchsten Stnffe, oder dem höchsten Staffel der Ehre. Seine Macht, seine Gewalt, sein Ansehen, ist noch zn einem höheren Staffel, oder auf eine höhere Stufte gestiegen, und dergleichen- Das Wort Grad, ist das lateinische QiacZuz, lind kommt, in der eigentlichen Bedeutung , mit den Wörtern Stufte und Staffel überein; Allein der Ge- brauch hat einen ganz besonderen Unterschied, zwischen diesen Wörtern eingeführet. Denn es sind einige Redensarten, in welchen man beides, sowolGrad, als Stufte oder Staffel brauchen kann. Es sind aber auch andere, in welchen blos daä Wort Grad gebrauchlich ist. Man sagt z. E. Durch das Schmelzen, wird das Gold Zu einem höheren Grad der Reinigkeit gebracht, und kann eben so gut mit dem deutschen Worte sagen; Es wird zu einer höheren Gtuffe, oder zu einem höheren Staffel der Reinigkeit gebracht. Hingegen sagt man; Die Mathernakifi theilen den Zirkel in zoo Grad. Hier kann man nicht sagen, in dreihundert und sechzig Stufte«?. Imgleichen: Die Grade der Lange oder der Breite der Erde. Dieser Ort lie^c im ^sten Grad, nordlicher Breite. Hier kann man ebenfalls nicht das Wort Stuf- fe oder Staffel brauchen. Die Gelehrten haben in diesen Dingen das lateinische Wort angenommen, und man muß es darin auch für ein deutsches gelten lassen. 182. Unterlassen. Erzzmngeln. anchs brauche» dies- Wörter ohne Unterschied, blos nach dein Wolklange, so, daß wenn sie kurz vorher das eine gesetzt haben, sie sich hernach in gleichem Sinne des andern bedienen, damit nicht durch Wiederholung des vorigen, ein Uebelkiang in der Rede entstehe. Sie sagen z. E. Ich habe nicht unterlafsen, und auch: Ich habe nicht ermangeln wollen, Ihnen davon Nachricht u z z" ziO Unterlassen. Ermangeln. zu geben. Ich habe nicht unterlassen, und auch: Ich habe nicht ermangeln wollen, an Sie zu schreiben. Ich habe nicht unrerlassen, und auch: Ich habe nicht ermangeln wollen, Ihnen meine Aufwartung zu machen, und dergleichen. Allein es scheinet wirkliä) ein Unterschied, in der Bedeutung dieser Wörter zu seyn. Unterlassen, kann von allem demjenigen gesagt werden, was wir nicht thun, es sey, daß wir es zu thun schuldig sind, oder nicht. Man unterlasset eine Pflicht, die man schuldig ist, man unterlasset auch eine Sache, die man nicht schuldig, und wozu man ans keine Weise verbunden ist. Eine Gewohnheit, und dergleichen. Z.E. Ein Mensch unterlasset es, seine Zinsen abzutragen, so thut er nicht, was er- doch zu thun schuldig ist. Er unterlasset es, in eine Gesellschaft zu gehen, bei welcher er sich sonsten eingesunden hat, so thut er eine Sache nicht, die er aber mich nicht zu thun verbunden ist. In beiderlei Verstände kann das Wort Unterlassen gebraucht werden. Eö ist allgemein. Ermangeln, scheinet eingeschränkter zu seyn, und blos die Unterlassung der Pflichten , und der Schuldigkeit anzuzeigen. Es kommt her von Mangel, und führet d.iher, den Begrifeines Fehlers mit sich, welchen man durch die Unterlassung begehet. Man könnte also sagen: Ich habe nicht unterlassen wollen, Ihnen davon Nachricht zu geben, es'möchte solches, unsere Schuldigkeit erfodert haben, oder nicht. Aber ich habe nicht ermangeln wollen, es zu thun, könnte nur in dem Fall gesagt werden, wenn wir auf gewisse Weise es zu thun verbunden sind, und uns eines Fehlers schuldig geben müßten, woferne wir es nicht gethan hätten. Wenn wir sagen: Ich habe nicbt ermangeln wollen, an Sie zu schreiben, Ihnen zu antworten, Ihnen dieses zu schicken, Ihnen aufzuwarten und dergleichen, fo ist allemal in diesen Redensarten, der Begnf eines Fch- , lers Unterlasse». Ermangeln. zu lerS, dessen wir schuldig seyn würden, wofcrne wir es nicht thäten, und die Höflichkeit braucht eben diese Redensarten, um eine gewisse Verbindlichkeit gegen den anderen zu erkennen zu geben. Daher kommt es, daß das Wort Ermangeln nie- malS von solchen Dingen gebraucht wird, deren Unterlassung, auf keinerlei Weise für einen Fehler gerechnet werden kann. Man sagt nicht: Ich habe heute ermangelt, zu spielen: Ich habe ermangelt, in den Garten zugehen, lind dergleichen. Aber man kann sagen: Ich habe es unterlassen. Anmerk, Ohngeachtet Hr. Avelung den Unterschied tadelt, welchen ich zwischen diesen Wörtern gemacht Habs, da er bei dem W^n'te ermangeln i» der Bedeutung, worin es mit unterlaisen übereinkommt, sagt: „Es ist nicht , wie Hr. Stosck will, von „so eingeschränktem Gebrauche, daß es nur in solchen Fällen gebraucht wird, die man als eine Art von Schuldigkeit ansieher: „Nur daß es nicht leicht bejahender Weise vorkommt. Indessen kann man es füglich entbehrea, da unterlassen eben das „sagt.,, So finde ich doch hierin, noch keine hinlängliche Ur- fach, welche mich bewegen könnte, meine Meinung zu ändern, indem alle die Redensarten, welche Hr. Avelung selber angeführet hat, den Degrif einer gewissen Schuldigkeit enthalten. Man sagt: Er crmangelte nickt ;u mir ;u kommen, wenn man es als eine Schuldigkeit del! anderen ansiehet, oder zum wenigsten als eine Sache, wozu er auf gewisse Weise verbunden ist. Ein und das andere Beispiel kann es deutlicher machen. Der Arbeiter, welchen ich auf morgen bestelle, seine Bezahlung zu holen, wird nickt ermangeln zu mir zu kommen. Er muß es thun und ist auf gewisse Weise dazu verbunden, wenn er seine Bezahlung haben will, indem ich nicht nöthig habe sie ihm zu schicken. Der Soldat welchen sein Hauptmann aus den folgende» Tag zu sich bestellet hat, wird nickt ermangeln zu kommen, es ist seine Schuldigkeit und dergleichen. Nack erhaltener Nackrickt wird man nickt ermangeln, die Delinquentin abholen ;u lassen, gibt den Begrif daß es uns obliege, sie abholen zu lassen, und der andere hingegen nicht schuldig sey sie zu schicken. Wenn das Wort ermangeln, nicht allemal wirklich, eine Beziehung auf eine gewisse Art von Schuldigkeit oder Verbind- U 4 iichkeit zi2 Unwissenheit. Unverstand. Dummheit. lichkcit hätte, so würde man auch sagen können: Er kann nickt ermangeln sich zu betrinke», zu spielen, sein Geld zu verschwendn, und dergl. el'en wie man sagt: Er kam, es nickt Unterlast:,, sich zu b trinke», zu s.iclen, sein Geld zu verschwm- 5eu. Abcr, eben bis, daß man in diesen Fallen, wo keine Beziehung auf eine Verbindlichkeit, oder auf einen Fehler ist, dessen man sich durch die Unterlassung sclmldig macht, das Wort ermangeln nicht gebraucht, kann die Nichtigkeit, des von mir an« gezeigten Unterschiedes bestätigen, W n» jemand sagen wollte: Er wird nickt ermangeln dir unhäflicn ;u antworten, so würde es ein eben so unangenehmer Gallicismus für das französische m-iiicz»er seyn, als die Redensart: Sie Natur ermangelt nie sick für Sie Beleidigungen, Sie man ihr zufügt, ;u racken, welche Hr. Avelrmz dafür erkläret, ja man könnte vielleicht diese noch eher als jene entschuldige». i8> Unwissenheit. Unverstand. Dummheit. ? Unwissender lasset sich unterrichten. Ein Unverständiger will keinen Unterricht annehmen, er überlebt nicht, wie nützlich er «hin sey. Bei einem Dummen hilft kein Unterricht, die Arbeit ist bei ihm verlohren. Der Unwissende hat nichts gclernet, weil er keine Gelegenheit dazu gehabt hat. Der Unverständige hat nicht-Z lernen wollen, wenn er gleich Gelegenheit gehabt, nno man sich Mühe genug mit ihm gegeben hat, weilet? nicht eingesehen, daß. ihm die Wissenschaft nützlich sey. Der Dumme hat nichts lernen können, weil ihm die nechig.cn Fähigkeiten gemangelt haben. Man kann in einer Sache unwissend feyn, und doch in andern eine sehr gute Erkenntniß haben; Also kann man auch unwissend seyn, ohne daß man dabei un- vcisi.mi)-'g und dumm wäre. Aber der Unverstand, und Vereinige!!. Vergleichen. und die Dummheit, sind allezeit mit Unwissenheit verknüpfet. Der Unwissende bildet sich bisweilen ein, er verstehe schon viel, aber je mehr er lernet, desto mehr siehet er, daß er nnr wenig weis. Der Unverständige dünket sich oft vielen Verstand zu haben, sonderlich wenn er reich ist, nnd von Schmeichlern gelobet wird, und dann ist es sehr schwer, ja oft unmöglich, ihn von dem Gegentheil zu überführen. Der Dumme hat keine Empfindung von dem Werth der Erkenntniß und Wissenschaft, und kümmert sich daher, auch gar nicht darum. 184. Vereinigen. Vergleichen. A>ereinigen, zeiget eine blosse Verbindung an, ohne den Begrif einer vorhergegangenen widrigen Gesinnung mit sich zu führen, Dergleichen, sehet eine Verschiedenheit der Meinungen oder Gesinnungen voraus. Diejenigen vereinigen sich, welche ihren Willen und gcsammte Kräfte, zu Erreichung eines gewissen Endzwecks mit einander verbinden. Diejenigen, welche verschiedene Meinnngen und Gesinnungen hatten, und hernach mit einander übereinstimmen, vergleichen sich. So sagt man: Diese Kausieute haben sich in dem Handel vereiniget, das ist, sie haben sich zu Erreichung einerlei Endzwecks mit einander verbunden. Der Schuldner hat sich mit seinen Gläubigern, über die Zahlung verglichen, das ist, da sie vorher verschiedentlich gesinnet waren, und die Gläubiger, die ganze Schuld mit einem male bezahlt haben wollten, so sind sie mm übereingekommen, daß nur ein Theil davon, oder, daß sie in gewissen Terminen bezahlt werden soll. Die Fürsten von Griechenland vereinigten sich, Troja zu zersiohren, sie konnten sich aber bisweilen über der Beute nicht vergleichen. U 5 Wenn zi4 Versöhnen. Vertragen. Aussöhnen. Wenn man sagte: Die deutschen Gesellschaften) zu Göttingen und Leipzig, haben sich vereiniget, eine neue Grammatik zu schreiben, so würde solches Heisien: Sie wollen mit gestimmten Kräften daran arbeiten. Herge- gen: Diese Gesellschaften haben sich verglichen, heißt: Sie haben ihre Streitigkeiten beigelegt, und kommen nun in ihren Meinungen überein. Wir vereinigen verschiedene Schriftsteller, wenn wir sie zu einerlei Endzweck gebrauchen, und aus dem , was sie gesagt haben, einerlei Wahrheit beweisen. Wir vers gleicher» sie, wenn wir den Widerspruch heben oder auflösen, welcher unter ihnen zu seyn scheinet, und zeigen, daß sie wirklich einerlei Meinung haben. Man siehet gleich, daß in diesem Verstände, das Wort vergleichen, nichc herkommt von gleich, limüi^ son- dern von gleich, squus, r>Isnn8, und so viel Heisie, als das lateinische conciliaic. In einem andern Verstände sagt man auch: Schriftsteller mit einander vergleichen, wenn man dasjenige, was sie geschrieben haben, gegen einander halt, und urtheilet, welches das Beste sey. Dann heißt es so viel, als comr>srgrs. -85. Versöhnen. Vertragen. Aussöhnen. an kann diese Wörter auf zweierlei Weise brauchen, und sagen: Ich habe mich mit jemand versöhnet, vertragen, ausgesöhnet; Und auch: Ich habe an- dere versöhnet, vertragen, ausgesöhnet, welche in Haß oder Feindschaft gelebet hatten. Versöhnen, gehet mehr auf die innerliche Gemüthsbeschaffenheit und Gesinnungen des Herzens. Vertragen, mehr auf die äußerliche Aufführung. Man Versöhner sich mit jemanden, wenn man den Haß, oder die Feindschaft, welche man gegen ihn hatte, ableget, und freundschaftlich gesinnet wird. Man ver- traget Versöhnen. Vertragen. Aussöhnen. 315 traget sich mit ihm, wenn man ihm äusserlich nicht mehr wie einem Feinde begegnet, sondern gut mit ihm umgehet. Ich habe diese beiden Freunde mit einander versöhnet, heißt, ich habe sie durch meine Vorstellungen und Zureden so weit gebracht, daß sie ihre Feindschaft abgeleget, und wieder gute Gesinnungen gegen einander gefastet haben. Ich habe sie vertragen, heißt, ich habe sie so weit gebracht, daß sie sich gut begegnen, und mit einander umgehen. Nachdem Achilles sich mit dem Agamcmnon versöhnet hatte, vertrugen sie sich ganz wohl mit einander. Ausjohnen kommt mit Versöhnen überein, nur hat es noch eine stärkere Bedeutung, e6 heißt gänzlich versöhnt machen, und zeiget eine völlige Aufhebung aller Feindschaft an, so, daß nicht der geringsteGroll oder Bitterkeit mehr übrig bleibt. Man kann sich bisweilen mit jemand versöhnen, in so weit, daß man die Feindschaft gegen ihn fahren läßt, und bessere Gesinnungen hat, jedoch noch heimlich einigen Groll behält. Wenn man aber nach und nach auch diesen Groll ableget, so ist man ausgesöhnet. OctaviuS versöhnete sich mit demAntonius, und dieser heirathete sogar des ersten Schwester. Allein sie wurden dadurch nicht ausgesöhnet, ihre Eifersucht gegen einander war so groß, daß sie bald in einen neuen Krieg verwickelt wurden. Das Wort Dcrtragen, braucht man auch in einem andern Sinn, ohne Absicht auf eine vorhergegangene Feindschaft. Diese Brüder, diese Nachbaren, vertragen sich gut miteinander, das ist, sie haben eine gute Aufführung gegen einander, sie thun sich nichts zuwider, sondern erzeigen sich alle mögliche Gefälligkeiten. Anmerc. Die Redensart : Ick habe sie vertragen, ist mir getadelt worden, und ich gestehe, daß ich anfänglich selber bei mir anstand, 516 Fehler. Mangel. Gebrechen. anstand, ob ich sie acbrauchen dürfte, indem ich mich nicht erinnern konnte, sie bei einem Schr:ftstell-r gesund n ->: I,abcn, ob man sie gicicy im aemeii^n ^!eben ö'tcrs ''örel. Z. id. Es ist mir aufgegebn» worden.' di4 Leute mit einander ;u vertragen! Endlich ha?c ich dun!' mein Zureden, sie wieder vertragen: Es hac mir piel Muhe gefestet, sie ;u vertragen, und dergl. Ich schlug also Lrij'cliens voorterdncii auf, »> d fand sie ausdrücklich angeführet- Er sagt: Versr, gen, einen mir einem, coiicilisre all- tjucin slicui. I>. ge.itiaiu re.iucere .ili^ni.«. 'Z6. Fehler. Mangel. Gebrechen. s^>ie Uuvollt'ommeicheit eines Dinges, kann man einen Fehler, oder einen NianFe!, oder ein Gebrechet; nennen; Aber in verschiedener Bedeutung. Das Wort Fehler, hat allemal eine Beziehung auf denjenigen, ires, cher an der Unvolikoinmenheit Schuld ist, oder den Fehler begangen hat: Nlqngcl, zeiget nur blos die Unvoll- kommenheit seil st an, ohne Absicht auf den Urheber derselben. Gebrechen, wurde iw>N' ehemals bei den Alten, für einen jeden Mangel oder Un'/ollkoinmenhett gebraucht. Z. B. Pf. ioz. v. ?. Der dir alle deine Sünde vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen. Syr. z. v. 12^ Spotte deines Vaters Gebrochen nicht, denn es ist dir keine Ehre. Man sagte: Gebrechen an Brode, an EUde leiden, und dergi. Ein jeder hat feine Gebrechen, und dergi. In solcher weitlauftigcn Bedeutung aber, ist es jetzo sehr veraltet, und man braucht es am gewöhnlichsten, nur von solchen Mängeln und Unvollkommenheiten des Weihes, wodurch der Mensch zu gewissen Handlungen un- tüchciwird, oder welche ihn zum wenigsten sehr verunstalten. Ein Baumeister kann einen Fehler begehen, bei dem Bau eines Hauses: Das Haus selbst hat alsdann einen !11.;!iIcl. Blind, lahm, einäugig, höckerig seyn, und dergleichen, sind Gebrechen. Daher kommt das Bei» wort Gebrechlich, welches man von solchem Menschen s"gt/ Leichtsinnig. Unbeständig. Veränderlich. Zi? sagt, der nicht seine gesunde Glieder hat. Man nennet auch besonders die fallende Sucht, das schwere Gebrechen. Wenn wir sagen: Es ist ein Fehler in dieser Rechnung, so sehen wir damit zugleich auf denjenigen, welcher den Fehler gemacht hat. Es ist ein Ma-!gel an Ge- traide, an Brodt, und dergleichen, drücket blos die Un- volikommcnheir selber aus, daß diese Dinge nicht in solcher Vollkommenheit lind Menge, als sonsten vorhanden sind. Dieser Mensch hat das Gebrechen an sich, heißt, er hat eine Unvollkommenst an sich, welche ihn verunstaltet, oder zu gewissen nothwendigen Handlungen untüchtig macht. Dal)cr kann man von den Schwachheiten des Alters, ganz wohl sagen: Die Gebrechen des Alters. Man sagt auch uneigentlich: Gebrechen der- Seele. Ein Fehlerwird gemacht oder begangen. EintTIan» Ml entsiehet, oder er rühret aus gewissen Ursachen her. Ein Gebrecheu ist dem Menschen angebohren, oder er bekommt es durch besondere Alifalle. Den Fehler kann man bisweilen verbessern: Dem HlanIel kann man abhelfen: Dem Gebrechen kann selten, oder gar nicht geholfen werden. 187. Leichtsinnig. Unbeständig. Veränderlich. !N leichtsinniger Mcnfch wird sich niemals mit wahrem Ernst und Eifer auf eine Sache legen, es ist nichts, was er recht zu Herzen nehmen sollte. Ein Unbeständiger, kann zwar im Anfange sehr hihig und ernstlich eine Sache treiben, aber es währet nicht lange. jAr» Veränderlicher, fallt von einem auf das andere. In der Freundschaft meinet es alfo ein leichtsinniger Mensch niemals recht ernstlich, er ist kein wahier Freund, und man kann ihm kein Geheimniß anvertrauen. Der ZiZ Tempel. Kirche.. Der Unbeständige, meinet es zwar anfangs ernstlich und gut, aber seine Gesinnung dauret nicht lange, nach und nach wird seine Freundschaft erkalten. Der Veränderliche, ist zu einer Zeit recht hitzig in seiner Freund- schaft, und zu einer andern ganz kal> sinnig. Heute wird er seinem Freunde alles zu Gefallen chun, und morgen wieder alles abschlagen, bis hernach eine Zeit kommt, da seine Freundschaft gleichsam von neuen erwachet. Der leichtsinnige Mensch, nimmt weder ein Glück noch ein Unglück sehr zu Herzen. Der Unbeständige, kanndabei eine grosse Freude oder Traurigkeit empfinden, allein sie dauret nicht lange. Der Veränderliche, freuet sich einen Augenblick über ein Glück, das ihm begegnet, und gleich darauf hat er es wieder vergessen, bis etwas vorfallt, welches ihm das zugeflossene Glück aufs neue in die Gedanken bringet, und also seine Freude erneuret. Eben so verhalt er sich auch bei dem Unglück, bald ist er traurig, bald giebt er sich wieder zufrieden. i88. Tempel. Rirche. /Kin Gebäude, welches dem öffentlichen Gottesdienste ^ gewidmet ist, nennen wir einen Tempel und auch «ine Kirche. Tempel, ist allgemeiner, und wird auch vondenheid- nifchen Götzentempeln gebraucht. Airche, sagt man nur unter den Christen, von denen Gebäuden, in welchen sie sich zum Dienste des wahren Gottes versammlen. Eine Zxirche einweihen, heißt ein solches Gebäude, mit gewissen Gebräuchen, zum Gottesdienste widmen. Tempel, scheinet etwas prächtiges auszudrücken, und wird daher mehr in der erhabenen Schreibart gebraucht. Airche ist gemeiner. Das Wort Rirche, setzet man bisweilen mit andern Wörtern zusammen, welche ihren Vorzug oder Bestimmung Unterscheiden. Unterschied machen. Absondern. 319 mung anzeigen. Z. E. Hauprkirche, Pfarrkirche, Domkirche, Klosterkirche, u.s.w. Bei dem Worte Tempel, sehen wir mehr auf da< äußerliche Gebäude, welches der Gottheit gleichsam gehej. liget ist; Bei dem Worte Kirche, niehr auf die Versammlung der Glaubigen, welche darin gehalten wird. Denn Äirche, bedeutet eigentlich die Versammlung der Gläubigen selbst. Durch die Zxirche Gottes, verstehen wir alle Gläubige, welche er durch sein Wort und Geist, zu der Gemeinschaft des ewigen Gebens berufen läßt. Die Gottesgelehrten, unterscheiden die sichtbare und unsichtbare, die streitende und triumphirendeRirche. Wenn wir also das Wort Rüche, von dem äusser- lichen Gebäude brauchen, welches zu unseren gottesdienst- lichen Versammlungen gewidmet ist, so ist es nur eine mc- tttii^mig contineutis pro conrento. Unsere Gotteshäuser sind Tempel, welche zum Dienste des wahren Gottes gewidmet, und ihm zu Ehren erbauet sind. Sie sind Zxirchen, worin wir uns zu seinem Diensie versammle«, sein Wort hören, ihn anbeten, ihn loben und preisen, und alle die Pflichten vollbringen, welche wir nicht nur als vernünftige Geschöpfe, zum Dienst unseres Schöpfers, sondern auch als Christen, gegen den Gott, der uns durch Christum erlöset, und durch seinWort crleuch- tet hat, zu beobachten schuldig sind. »89. Unterscheiden- Unterschied machen. Absondern. Unterscheiden und Unterschied machen, möchten " zwar in manchen Fällen als völlig einerlei bedeutend angesehen, und eins für das andere gesehet werden können; Allein bisweilen verknüpfet man doch mit dem ei- nen, einen gewissen Nebenbegriff, welcher bei dem anderen nicht Statt findet. So braucht man das Wort unterscheiden, zuweilen besonders von derjenigen Handlung uns«. Z2O Uitterschciden. Ulttcrschied machen. Absoiidem. unseres Gemüths, welche aus gewissen Eigenschaften oder Merkmahlen der Dinge, siehet oder erkennet, daß sie ein» ander nicht völlig gleich sind: Unterschied inachen hingegen, von dem Vorzuge, welchen man dem einen vor dem anderen beileget. Wir unterscheiden ein schwarzes Schaf von dein weißen, durch die Farbe: Einen Menschen von dem anderen, durch die Gestalt undGesichtSbildung: Einen Tugendhaften von dem Lasierhaften, durch ihre Handlungen, u. s. f. - Wir machen einen Unterschied, zwischen einem tugendhaften und lasterhaften Menschen, zwischen einem recht vertrauten Freunde, und einem solchen, mit welchem wir nur Umgang haben, indem wir jenem den Vorzug geben. Oder, man braucht auch das Wort unterscheiden, zuweilen besonders in dem Falle, wenn wir für uns selbst, und in unseren Gedanken, gewisse Eigenschaften oder Merkmaale der Dinge entdecken, woraus wir erkennen, daß sie einander nicht völlig gleicli sind: Unterschied machen, wenn wir diese Eigenschaften und Merkmaale, welche wir entdecket haben, anderen anzeigen und sie ihnen bekannt machen, damit sie ebenfalls die Dinge daran unterfcheiden können. Ein Krauterkenner, unterscheidet eine ahnliche Pflanze von der anderen, wenn er selbst gewißc Eigenschaften oder Merkmaale daran entdecket, welche die an- dere nicht hat: Er macht einen Unterschied zwischen diesen Pflanzen, wenn er die Merkmaale, welche er daran entdecket hat, hernach auch anderen bekannt macht, damit sie ebenfalls, diese Pflanzen daran unterscheiden können. Ich unterscheide ein ahnlichbedeutendcsWort von dem andern, wenn ich dasjenige entdecke, worin es mit dem anderen nicht völlig übereinkommt: Ich mache den Unterschied zwischen diesen Wörtern, wenn ich die Merk. Neu. Neulich. Z2I Merkmaale oder Eigenschaften, welche ich entdecket habe, anzeige und sie andern bekannt niache. Man sagt auch ganz eigentlich: Einen Unterschied machen Zwischen zweien Dingen, wenn man ctw.is dazwischen setzet, wodurch sie verhindert werden zusammen zu kommen, und diese Redensart unterscheidet sich dadurch von dem Worte absonderen, daß sie dasjenige anzeiget, wodurch die Absonderung geschiehet. Der Schaser macht einen Unterschied in dein Stalle, zwischen den Lammern und Schascn, wenn er eine Hürde zwischen ihnen sehet. Er sondert die Lämmer von den Schafen ab, blos dadurch, daß er sie von einander bringet. Er sondert das räudige Schas von der Heerde ab, wenn er cö davon wegbringet. In diesem Verstände, macht dasjenige, was zwischen stehet, einen Unterschied, was von einander bringet, sondert ab. Eine weite Entfernung sondere mich von meinen Freunden ab. »90. Neu. Neulich. as noch nicht gebraucht, oder vor kurzem erst gemacht, oder noch nicht lange da gewesen ist, nennet man neu, und dieses Wort hat eine Beziehung aus die Sachen selbst. Zeitlich hingegen beziehet sich blos auf die Zeit, und zeiget an, daß noch keine lange Zeit verflossen sey, seit dem etwas da gewesen oder geschehen ist. Eine Sache kann neu seyn, weil sie noch nicht gebraucht worden, ohngeachtct sie schon vor vielen Iahren verfertiget ist. Was in einem Kaufladen feil stehet, und noch nicht abgenutzet worden, ist neu, ob es gleich schon eine lange Zeit in dem Laden gelegen hat. Ja wir nen. nen sogar manche Dinge neu, blos in Absicht auf uns selbst, weil wir sie noch nicht gebraucht haben. So sagt man: Morgen werde ich meine neue Wohnung beziehen, ob gleich sonsten andere schon da gewohnet haben. Wir Sroschl.TH. X sehen Z22 Neu. Neulich. sehen sie an als neu in Absicht auf uns. Ein neues Haus ist dasjenige, was noch nicht lange gestanden hat, und erst vor kurzem erbauet ist. Ein neues Kleid, dasjenige, welches noch nicht getragen, und erst kürzlich gemacht ist. Ein neuer Gedanke, derjenige, welchen wir vorhin noch nicht gehabt haben, u. s. w. Das Wort neulich, wird gewöhnlich, als ein Ne- benworr (-^ivcrbium) gebraucht, und beziehet sich allemal auf etwas, welches vor kurzem geschehen, oder da gewesen ist. Man sagt: Dieses ist neulich geschehen; Als ich neulich bei ihm war: Ich bekam neulich ein Schreiben von ihm, u. s. w. Bisweilen aber wird es doch in eben dem Verstände, als ein Beiwort (acijecltivum) gebraucht. Eine neuliche Begebenheit ist diejenige, welche erst vor kurzem geschehen ist. Man sagt, ein neulicher Schriftsteller, das ist, derjenige, welcher erst vor kurzem etwas geschrieben hak. Einige sagen auch «ol, mein neulichee Kleid, und verstehen dadurch dasjenige, welches sie vor kurzem angehabt haben. Meine neuliche Bemühung von derjenigen, womit sie sich vor kurzem beschäftiget haben. Mein neulicher Gedanke von demjenigen, welchen sie vor weniger Zeit, über eine Sciche gehabt, oder vorgetragen haben , und dergleichen. Vielleicht sind diese Redensarten nicht ganzlich zu verwerfen, unterdessen scheinet es mir besser zu senn, das Wert treulich, hier als ein Neben, wort zu gebrauchen. Das Kleid, welches ich neulich anhatte. Die Bemühung, womit ich mir neulich zu thun machte. Der Gedanke, welcher mir neulich beifiel, oder welchen ich neulich vortrug. .91. Erneuren. Verneuen. Verjüngen. an braucht das Wort Erneuren von den Hündlun- g, n. ^erneuen von den Sachen. Verjüngen von dem Ansehen und der Gestalt. Wir Erneuren. Verneuen. Verjüngen. Z2Z Wir erneuren unsers Bündnisse, oder Versprechungen, oder Bitten. Die Soldaten erneuren den Angrif, und dergleichen. So sagt man auch, den Schmerzen erneuren. In Absicht auf die Handlung, daß man ihnaufs neue wieder ins Gedächtniß bringet. Man verneuet die Sachen, entweder durch Ausbesserung, daß sie gleichsam wiedcr neu zu seyn scheinen, oder durch Ablegimg des Alten und Anschaffung des Neuen. 'Ein altes Gemählde wird verneuet, wenn ein geschickter Mahler es ausbessert, und den Farben ihren vorigen Glanz wieder giebt. Einige vornehme jeute verneuen alle Jahr ihre Kleiderzimmer, sie geben die alten Kleider den Bedienten, und lassen neue machen. Das Jahr ver-- neuer sich, wenn wir ein neues anfangen. Dieser Unter- schied aber, gründet sich nicht auf die Et»mologie, öder eigentliche Bedeutung der Worter selbst, sondern blos auf den gewöhnlichsten Gebrauch. Ich habe noch kein Beispiel, bei guten Schriftstellern gesunden, daß sie sich des Wortes verneuen, in solchen Fallen bedienen, wovon einer Wiederholung oder Erneuerung einer Handlung die Rede ist, sondern ich sinde vielmehr, daß alsdann das Wort erneueren gesetzet wird. Man sagt nicht: Die Soldaten verneueren, sondern, sie erneuerten den Angriff: Nicht, seinen Fleiß, seine Bemühung bei einer Sache verneuen, sondern erneueren, und dergs. Der mehreste Gebrauch guter Schriftsteller aber, ist die vornehmste Regel, welcher man folgen muß. Wenn gleich das Wort erneueren, auch zuweilen von den Sachen gebraucht werden möchte, so kann es doch allemal eine Beziehung auf die Handlung desjenigen haben, welcher die Erneuerung verrichtet. Z. B. Ein Gemählde, einen Bund, eine Versprechung erneueren, kann sich auf die Handlung derjenigen beziehen, welche es thun. X - Wenn Z24 Vollbringen. Vollführen. Ausführen. :c. Wenn ein Mensch fchon etwas alt ausgesehen hat, hernach aber eine bessere Gesundheit bekommt, und daher muntere und frischer ausstehet, so sagt Man, er verjünget sich. Er ist ganz verjünget. Die Fabel sagt von dem Adler, sein Schnabel werde in dem Alter so krumm, daß er nicht mehr fressen tonne, er wetze ihn aber an cmem scharfen Felsen ab, und hernach werde er wieder verjünget. 192. Vollbringen. Vollführen. Ausführen. Vollstrecken. Vollziehen. ie Ausführung einer Sache bis zu ihrem letzten Punkt, ist der allgemeine Begrif, worin diese Wörter mit einander übereinkommen, und sie werden daher nicht so sehr von der Sache selbst, als von der Arbeit und Be> mühung gebraucht, wodurch eine Sache zu ihrem letzten Punkt gebracht wird. Man sagt nicht: Ein Haus vollbringen, vollfühs ren, ausführen, u.s.w. sondern: Den Bau vollbringen, vollführen, u. f. Man kann nicht sagen: Ich habe dies Buch vollbracht, u.s.w. sondern: Ich habe meine Arbeit an diesem Buche vollbracht, u.s.w. U-berdem aber haben diese Wörter noch unter sich einen Unterschied, welcher theils durch die Etymologie, theils durch den blossen Gebrauch bestimmet wird. Vollbringen, hat blos eine Beziehung aufdie Handlungen und Arbeiten selbst. Vollführen, siehet zugleich auf die Absichten, welche man hat, oder auf die Mitte!, welche man brauchet, es zeiget eine mehrere Schwierig, keit an. Ausführen, scheinet besonders den Begriff ei- ner verwirretcn oder wenigstens einer schweren und wich, tigen Sache zu geben, welche man aus allen Schwierig, keiten entwickelt, und glücklich hinausführet. Vollzieh hcn und Vollstrecken, werden vornehmlich von dem Willen und dem Befehl eines andern gebraucht. Man Verschiedenheit. Unterschied. Veränderung. Z25 Man sagt, der Tagelöhner hat seine Arbeit voll- bracht, weil man blos auf die Arbeit und die Bemühung siehet, die er gehabt hat. Der Feldherr hat seinen Anschlag vollführet, weil man dabei auf die Absicht siehet, welche er gehabt, und auf die Mittel, welche er gebraucht hac, um die vorfallenden Schwierigkeiten zu heben. Oder der Feldherr hat seinen Anschlag ausgeführet, wenn man darauf siehet, dasi er sich aus allen Schwierigkeiten glücklich heraus gewickelt, und alles nach seiner Abficht zu Stande gebracht hat. Der Gelehrte hat eine Wahrheit gründlich ausgeführet, weil sie vorher dunkel und ver» wirrt gewesen, nun aber aus allen Schwierigkeiten entwickelt ist. So sagt man auch: Seine Sache vor Gee richte au5führen: Sie mit dem Schwerdte ausführen : Etwas nicht ausführen können, und dergl. Es ist aber allemal, der Begriff gewisser Schwierigkeiten dabei, welche man überwinden, und aus welchen man sie gleichsam heraus bringen muß. Der Sohn hat den letzten Willen seines Vaters vollstreckt oder vollzogen. Jemandes Befehle vollziehen oder vollstrecken. Ein Urtheil vollziehen oder vollstrecken. Imgleichen: Ein eheliches Verlöbniß, ein Beilager, vollziehen oder vollstrecken. 19-' Verschiedenheit. Unterschied. Heränderung. t^>ie Verschiedenheit findet sich in den Dingen selbst; —^ der Mensch macht einen Unterschied darunter, und er hat eine Veränderung, wenn er andere Gegenstande bekommt, welche mit denenjenigen, die ihn vorher beschäftiget hatten, keine Gleichheit haben. Es ist eine grosse Verschiedenheit in allen Dingen, und kein einziges ist dem andern vollkommen gleich. Unterdessen findet sich doch zwischen einigen Dingen eine besondere Ähnlichkeit; Wenn wir nun solche ähnliche Dinge T Z nicht Z26 Verschiedenheit. Unterschied. Veränderung. nicht mit einander verwechseln wollen, so müssen wir ihre besondere Eigenschaften genau bedachten, damit wir einen Unterschied zwischen ihnen machen können, und wir unterscheiden sie nach ihren Eigenschaften, oder durch gewisse Merkmale, welche wir ihnen geben. Weil das Gemüth des Menschen so beschaffen ist, daß es einerlei Sache endlich müde wird, und nicht gerne beständig mit eben den- selben Gegenständen umgehet, so suchen wir eine Veränderung, wir wählen uns andere Dinge zum Vorwurf unserer Gedanken, oder zu unserem Gebrauch, die mit- den vorigen keine Gleichheit haben. Es ist eine grosse Verschiedenheit in den Speisen, welche uns die gütige Hand des Schöpfers, zu unserer Nahrung gegeben hat. Wir machen einen Unterschied darunter, wenn wir schmecken, was süß oder sauer ist, sie auf mancherlei Weise zurichten, einige für gesund, andere für schädlich halten, und die Eigenschaften der einen, den Eigenschaften der andern vorziehen. Wir lieben die Vers anderung darin, weil wir einerlei Speise bald überdrüssig werden. Die Verschiedenheit der Wörter ist in der Spra« ehe nöthig, wenn wir die Verschiedenheit unserer Gedanken ausdrücken wollen. Wir machen einen Umers schied unter den Wörtern, wenn wir sie in Hauptwörter, Zeitwörter, Nebenwörter, u. f. w. abtheilen. Oder auch, wenn wir aus verschiedenen Wörtern, welche einander gewisser massen ahnlich, und gleichbedeutend sind, diejenigen wählen, die uns am nachdrücklichsten scheinen, und unfere Gedanken am besten zu erkennen geben. Wir lieben auch die Veränderung in den Wörtern und ihrem Klänge, und hüten uns, daß nicht dasselbige Wort, oder derselbige Thon gar zu ofte vorkomme, weil solches dem Ohr unangenehm ist. 194. Ain- Abtheilung. Eintheilung. Theilung. 327 »94. Eintheilung. Abtheilung. Theilung. Eintheilen. Abtheilen. Theilen. intheilen, heißt eigentlich, gewisse Theile einer Sache bestimmen, und jolcheS kann blos in unseren Gedanken geschehen. Abtheilen heifit, die bestimmten Theile einer Sache bezeichnen, daß auch ein anderer sehen kann, wie sie getheilte werden soll. Theilen heißt, sie wirklich von einander absondern. Die Eintheilung machen wir für uns selbst, die Abtheilung um anderer willen, welchen wir sie bekannt machen, und anzeigen wollen, was wir sür Theile bestimmt haben. Die Theilung ist eine wirkliche Trennung des Ganzen. Einen Zirkel können wir blos in unseren Gedanken eintheilen, in dreihundert und sechzig Gr.'.d, so, daß jegli, ches Viertheil neunzig Grad halt. Auf dem astronomischen Quadranten, sehen wir die Grade des Zirkels abgetheilet. Und wir theilen eine Kugel, wenn wir sie von einander schneiden, so, daß wir zwo Halbkugeln bekommen. Ein Prediger theilet seine Rede, die er halten soll, in gewisse Theile ein, wenn er für sich selbst die Ordnung bestimmt, nach welcher er handeln will. Er macht die Abtheilung seiner Rede, wenn er die Theile derselben bemerket, und anzeiget. Er theilet seine Rede, wenn sie zu lang wird, und er deswegen die ganze Rede trennet, heute von dem ersten, und zu einer andern Zeit, von den übrigen Theilen handelt. Wenn es uns aufgetragen wird, die Verlassenschast eines Mannes unter seine Kinder zu theilen, so machen wir in unseren Gedanken eine iAnthellung davon, wir bestimmen bei unö selbst, wie viel wir jeglichem Kinde ge- ben müssen. Wir theilen sie ab, wenn wir jedes Theil besonders legen, oder auch nur durch Aufschreiben der Sa- X 4 chen, Z28 Abtheilung. Einthcilung. Theilung. 6)c>', bezeichnen, und den Kindern bekanntmachen, was jegliche bekommen wird. Wir theilen sie wirkliä)/oder machen die Theilung, wenn wir das Theil, welches jegliches Kind bekommen soll, von dem Ganzen absondern, und es ihm zustellen oder übergeben. Da ein zusammengesetztes Wort, aus mehreren Theilen bestehet, so mache ich die EmrhcilunI desselben, wenn ich diese Theile in meinen Gedanken bestimme. Z. B. Das? das ü^-ort ^»berbaumeistcr, aus drei Theilen be» siehet, deren der erste mir den Begriff eines Oberen giebt, welcher über andere geseht, oder der vornehmste unter ih. »cn ist; d?r zweite den Begriff des Bauens und der dazu gehörigen Kunst; der dritte den Begriff eines Meisters in dieser Kunst. Ich theile dieses Wort ad, wenn ich die Theile, woraus es bestehet, anderen merklich mache, es sey mit Worten, oder durch ein dazu erfundenes Zeichen. Und ich theile das Wort wirklich, wenn ich es von einander reiße od.r trenne, anstatt daß es beisammen stehen sollte. So theilet Luuiux das Wort ?ecunis, in dem be, kannten Verse: Dcücieulc ^ec« , clelicit omiis Und (5»;nllZ das Wort Leci etariuz: Des ^ ^ * seinem Leciet sno es nicht beßcr geht. Auch im Theucrdank, siud bisweilen Wörter auf solche Weise gecheilet. Z. B. Cap. 88. Als der edle Held Thewrdank eins mai5 mit seinem Volk geritten was. Mau k nin also die Striche, welche einige zwischen den zusammengesetzten Wörtern machen, z. E. (!)bcr- Dau-Meisrer, ganz füglich ein Alxhcilungszeichen nennen, in der Absicht, daß sie die Theile, woraus das Wort bestehet, dem ieser sogleich merklich machen; Und man kann sie auch ein TheiIu»Is;cichen nennen, wenn man sie als so etwas anstehet, wodurch dicTheile,au6 welchen das Fodcrn. Fordern. 329 das Wort bestehet, von einander abgesondert und getrennet worden. Daher ist ihnen auch nach der verschiedenen Absicht, von einigen diese, von andern jene Benennung gegeben wordeu. 195. Fodern Fordern. igentlich gehören diese Wörter nicht unter die gleichbedeutenden, sondern sind in ihrer Bedeutung sehrvcr- schieden. Das erste heißc so viel, als das lateinische po- Aulare, das zweite heißt momovcre. Allein sie werden von vielen, eins fürdaS andere gebraucht, und weder im Reden noch Schreiben unterschieden, man findet oft: Er ist zu einen: Amte befoderr, und auch: Er ist zu einem Amte befördert worden. Sie foderren, und auch: Sie forderten eine Snmme Geldes von ihm. Andere mache» den Uuterschied, daß sie das erste, xvnu!.ne, fordern, das zweite, xrvmovere, fördern , schreiben. Diesen Unterschied finde ich sowol in der hallischen Bibel, als auch von Frischen, im Wörter« buche beobachtet» Gottsched schreibt das erste fodern, und erklaret eö durch heischen, begehren, das zweite, fördern, befördern, beschleunigen. Siehe Gottscheds Spracht. Ich sehe nicht ab, warum das letzte nothwendig ein ö haben ftile. Es kommt her, wie Frisch selber bemerket, von fort, und heißt so viel, als fortbringen, weiter helfen; Also dünkt mich, man könne das 0 des Stammworts , mit gutem Grunde beibehalten, ohne es in ö zu verwandeln, und das erste, sowie Gottsched thut, fodern, das ziveice, fordern schreiben. Eine Sache fors dcrn, oder befördern. Die Beförderung. Ein Beförderer. Nicht: Befördern, Beförderung, Beförderer. NXichter hat diese Wörter ans gleiche Weise unterschieden, vitlcrum, sagt er, ex Zenio linAuse, T 5 /o?ck>» zzo Sehen. Ansehen. Betrachten. Besehen. et /vck»-n; Illuä eK momovero, nc>L voscere. VulAv winen consun6untur. (^uize conlu^o. etizinll Iiguct n^u?erg 6t, et ^rancorum tein^oi:, verrinnt, vitiollt tüinsn eit, et iinitstorex babeie non 6el^et. Iiniteinur jzutiux l^utlieinm, c^uem in omnious lacrse vcrtioiu8 Incid., ur>! In,ciic? ^i'^in, rieten^! sl^niliciitli occuirit, oliin vttluille/ö.Änn, ex eclitione^rimitiv?«, olzlervst 5tzc!einuZ, in Vc>c. kibl. v. 2>c>. Hr. Hc^NüY will die Auslassung des r, einem faulen Dialekte zuschreiben, und beruft sich auf Lrifchenv Anmerkung. Dr. die D. Gpr. Vctr. 4 Th. 146 S. Aber Frisch hat diese Anmerkung nicht bei dem Worte fordern, voiee- re, jzoüulaie, sondern bei fordern, promovere, vrc>- vebere gemacht, in welchem die Auslassung des r/ frei« lich unrecht ist. Dem jetzigen Gebrauche nach, hat beides fodern lind fordern, das Ansehen guter Schriftsteller für sich. Rabner schreibt fodern. Imgleichen Haller jn, Alfred. Hr. Heynarz schreibt fordern, und Hr. Ade- lung, abfordern, befördern. ,96. Sehen. Ansehen. Betrachten. Besehen. Schauen. Anschauen. Beschauen. ir sehen alle Vorwürfe; welche uns in di^lugen fallen. Was uns besonders betrift, oder unsere Ncugier und Aufmerksamkeit erwecket, sehen wir an. Was uns ausserordentlich ist, oder merkwürdig vorkommt, betrachten wir recht. Wir können in der Geschwindigkeit eine Sache fehen. Ein einziger Blick ist hinlänglich dazu. Was wir ansehen, dabei halten wir uns länger auf. Was wir be- rracHren wollen, müssen wir genau und lange ansehen. Wir fehen in einem Zimmer alles, was um uns ist. Diejenigen, mit welchen wir reden, oder so etwas/ was unsere Schauen. Anschauen. Beschauen, zzi unsere Aufmerksamkeit erwecket, sehen wir an. Einen Fremden, welchen wir nicht kennen, betrachten wir gemeiniglich sehr genau- Wer kein Kenner der Mahlerei ist, siehet ein schönes Gemählde, ohne e6 besonders von den anderen Vorwürfen zu unterscheiden. Wenn er aber eine Gestalt darauf erblicket, welche seine Aufmerksamkeit erwecket, so sieher er es an. Scheinet ihm diefe Gestalt, etwas besonderes oder merkwürdiges zu haben, so betrachtet er es recht. Ein Kenner, dem die Schönheiten gleich in die Augen fallen, wird ein solches Gemählde allemal mit Aufmerksamkeit betrachten. Besehe-,, zeiget etwas weniger an, als Betrachten, dieses führet den Begrif einer besondern Aufmerksamkeit des Gemüths mit sich, jenes kann ohne grosse Aufmerksamkeit geschehen. Betrachten und Ansehen wird auch von den Personen, Besehen nur allein von den Sachen gebraucht. Man bcsicher eine gefallene Sache, ob sie Schaden genommen: Man gehet auf das Feld, das Korn zu besehen, ob es gut stehe: Eine Mutter besieher den Finger ihres Kindes, welches sich geschnitteil hat, ob der Schnitt tiefoder gefahrlich, u. s. w. Besehen, scheinet also jederzeit mit der Absicht verknüpft zu feyn, daß man etwas an einer Sache entdecken will. Man braucht zwar das Wort besehen zuweilen, für etwas in Aligenschein nehmen; So sagt man: Die Gemacher eines Königlichen oder Fürstlichen Schlosses besehen: Ein Naturaliencabiner, eine Kunsikammer, eine Rüstkammer besehen, und dergleichen. Allein auch hiebei ist doch der Begrif, daß man etwas ent- decken, oder zum wenigsten kennen lernen will. Man bestehet die Gemacher eines Schlosses, um zu entdecken, was darin schönes oder prachtiges ist, und worin sie einen Vorzug vor anderen haben. Nlan besiehet ein Natu« raliencabmet, um zu entdecken, waö für verschiedene Dinge M Blicken. Anblicken. Erblicken. Dinge die Natur hervorbringet, und sie kennen zu lernen. Man bestehet eine Kunstkammer oder Rüstkammer, z» entdecken was für Seltenheiten, darin aufbehalten werden, damit man hernach davon reden, oder sie mit anderen, welche man fchon gefehen hat, vergleichen könne, u. s. w. Diefe Bedeutung leget auch >^r. Adelung dem Worte besehen bei, und erklaret es, durch oft und genau ans etwas sehen, in der Absicht, etwas daran zu entdecken. Schallen, Anschauen, Beschauen, kommt mit Sehen, Ansehen, Besehen, meistens überein, nur scheinet es eine etwas grössere Aufmerksamkeit, auszudrücken. Von einer Sachs, welche nur bloß in die Augen fallt, ohne daß man darauf einige Aufmerksamkeit hat, sagt man nicht: Ich schaue sie. Wenn man etwas nur im vorbeigehen gefehen hat, wird man nicht fagen: Ich schauere es. Hingegen, wo sich einige Aufmerksamkeit findet, kann man das Wort Schallen gebrauchen. Schaue das; Schaue hier. Und in einigen Provinzen braucht man in solchem Verstände das Wort Schauen, Anschauen, viel gewöhnlicher, als Sehen, Ansehen. Bei einigen Handwerkern nennet man Schau, die genaue Besichtigung und Untersuchung derjenigen Dinge, welche als Probestücke sind verfertiget worden. Ich werde in dieser Meinung von der eigentlichen Bedeutung des Wortes Schauen bestärket, da ich in Frischens Wörterbuche finde, daß er sagt: Schauen, schließe etwas mehr in sich, als das blosse sehen, nehmlich, ein Betrachten, Besehen, Einsehen. 197. Blicken. Anblicken. Erblicken. L^n einer grossen Geschwindigkeit, und mit einer einzk-- gen Bewegung der Augen, etwas sehen, nennet man blicken. Anblicken wird gesagt, wenn wir die Augen geschwinde auf eine Sache richten, die wir vorher schon Fähigkeit. Geschicklichkeit. Fertigkeit, zzz schon gesehen haben, und sie sogleich wieder davon abwenden. Erblicken, wenn uns plötzlich waö in die Augen fallt, was wir vorher noch nicht gesehen haben. Eö heißt, mit einem Blicke etwas plötzlich gewahr werden. Eine Sache laßt sich blicken, wenn sie nur einen Augcnblickzum Vorschein kommt, undsogleich wiederun- fern Augen entzogen ist. Man blicket jemand an, gemeiniglich um ihm etwas zu erkennen zu geben , unsere Zufriedenheit oder MiSvergnügen, oder ihn aufeineSa- che aufmerksam zu machen, auf welche wir selbst aufmerksam sind. Man crblict'ct etwas unvrrmuthct, oder doch ohne zu wissen, daß man es eben in dem Augenblick sehen werde. Man blicker bisweilen nach einer Sache, ohne darauf eine sonderliche Aufmerksamkeit zu richten. So sagt man : Ich blickte nur dahin, so ward ich es schon gewahr. Wenn die Blicke mit einiger Aufmerksamkeit auf jemanden gerichtet werden, so blicket man ihn an, und alsdann haben die Blicke eine Art der Sprache. Man muß erst jemand erblicken, ehe man ihn anblicken kann. So kann man sagen: Ich erblickte meinen Bruder schon von ferne, und fobald er mir naher kam, fand ich bei dem ersten Anblick, daß er sehr gealtert habe. Blicken und anblicken, geschiehet nur in der Nahe, aber man kann auch ^?n weiten etwas erblicken. 193. Fähigkeit. Geschicklichkeit. Fertigkeit. aö Vermögen, welches wir haben, eine Sache zu verrichten, nennen wir Fähigkeit; Eine gewisse Uebung, welche wir schön darin gehabt haben, bringt uns die Geschicklichkeit zuwege: Eine grosse Uebung, wodurch wir so weit gekommen sind, daß wir sie mit besonderer Geschwindigkeit verrichten, schaft uns die Fertigkeit. Man 4Z4 Nie. Niemals. Nimmer. Man kann die Fähigkeit, in eine natürliche und errvorbene unterscheiden. Wer Verstand und ein gutes Gedächtniß hat, der hat eine natürliche Fähigkeit, etwas zu seinen. Wer wirklich etwas gelernet hat, der hat sich die Fähigkeit erworben, dasjenige zu thun, wovon er nunmehr weis, was dazu erfodcrt wird. Wer die natürliche Fähigkeit seines Verstandes auf die Erlernung der Rechte wendet, der erwirbt sich dadurch die Fähigkeit, einen Prorcß zu fuhren. Wer schon oft dergleichen geführet hat, erlanget eine Geschick» lichkeir darin. Und die grosse Uebung bringet ihm eine Fertigkeit zuwege, daß er geschwinde alles übersiehet, was für oder wider eine Sache gesagt werden kann. Man muß viel Fähigkeit haben, einen guten Entwurf zu machen. Viel Geschicklichkeic, ihn auszu- führen. Viel Fertigkeit, wenn man ihn geschwinde zu Stande bringen will. 199. Nie. Niemals. Nimmer. Nimmermehr. Je. Jemals. AHan braucht diese Wörter, wenn man sagen will, daß eine Sache noch nicht geschehen ist, oder nicht geschehen wird. Nie und niemals, beziehen sich sowol auf das Vergangene als auf das Zukünftige, man drücket dadurch aus, daß eine Sache bisher noch nicht geschehen ist, oder daß sie nicht geschehen wird. Zimmer und nimmermehr, beziehen sich blos auf das Zukünftige, und zeigen an, daß eine Sache zwar schon gewesen ist, aber nicht wieder seyn wird, oder nicht wieder geschehen soll. So sagt man: Nie oder niemals, wird ein Mensch dazu kommen, daß er alle Wissenschaften aus dem Grunde lerne. Nimmer oder nimmermehr, wird ein König aufkommen, der dem Salomo an Weisheit gleich fey, und bergt. Nimmermehr. Je. Jemals. zz5 57?ie nnd niemals, kann man auch brauchen, wenn man einer Sache, blos in Absicht auf das Vergangene, die Wirklichkeit abspricht, und sagen will, daß sie vorher noch nicht geschehen sey, ob sie gleich jeßo wirklich geschiehet. Zum Exempel: Das ist noch nie erhört. Dergleichen ist noch niemals geschehen. Die Alten brauchten das Wort nimmer, auf zweierlei Weise, bisweilen um einer Sache gänzlich das Daseyn oder die Wirklichkeit abzusprechen, und anzuzeigen, daß sie noch nicht gewesen oder geschehen sey, lind auch nicht seyn oder geschehen werde. So stehet z Mos. 6,12. Das Feuer auf dem Altar, soll brennen und nimmer verleschen, das ist, es soll gar nicht, zu keiner Zeit ver- leschen- Ps. 109, 15. Der Herr müsse sie nimmer aus den Augen lassen, das ist, niemals, zu keiner Zeit. Pred. Sal. 1, 8. Das Auge siehet sich nimmer satt, und das Ohr höret sich nimmer satt, u. a. m. Bisweilen aber, brauchten sie auch das Work nim-- mer für nicht mehr, um einer Sache bloß fürs Gegenwartige und Zukünftige, die Wirklichkeit abzusprechen, und anzuzeigen, daß ob sie gleich schon gewesen, oder geschehen sey, sie doch nun nicht mehr seyn oder geschehen solle. In solchem Verstände, heißt es Sprüchw. Sal. 26,20. Wenn nimmer Holz da ist,verleschet das Feuer, das ist, wenn nichr mehr Holz da ist. Ps. 72, 7. Bis der Mond nimmer sey. 1 Kön. 21, 15. iTla? doch lebt nimmer, sondern ist tod. Und von dem achtzigsten Jahre in den Stussen des menschlichen AlterS heißt es: Achtzig Jahr, nimmer weis' das ist, nickt mehr weise oder verständig, weil ln sol« chem Alter, der Mensch gemeiniglich nicht mchr, die völligen Kräfte des Verstandes und des Gemükhö bescher, das Gedächtniß Verliehret, und in die Kindhe it zurück zu kehren pfleget. Vielleicht ZZ6 Nie. Niemals. Nimmer. Nimmermehr. :c. Vielleicht hat es in dieser zwiefachen Bedeutung, auch einen zwiefachen Ursprung. In der ersten möchte es, wie Wachter meinet, von ni und immer herkommen. Er sagt im Gloßario: a comraric) sein^ z?cr, et iian. (?IuiI'. ?s?. in aeternum m'o?//^'. LcAe in gekcrnum nou, nam vi com^oltti aLtLinitatein ncAat. Es würde also fo viel heißen, als in Ewigkeit nicht, oder zu keiner Zeit nicht. In der zweiten, scheinet es aus nie und mehr entstanden, und aus diesen beiden Wörtern, in eins zusammen gezogen zu seyn, da es denn vermöge dieses Ursprungs, einer Sache auf das Zukünftige die Wirklichkeit absprechen, und anzsigen würde, daß sie zwar gewesen, oder geschehen sey, aber nicht mehr seyn, oder geschehen soll. Ietzo ist es in diesem Verstände veraltet, und wir machen allemal einen Unterschied, zwischen nimmer, nnd nicht mehr. Das erste wird überhaupt gesagt, wenn wir anzeigen wollen, daß eine Sache, zu keiner Zeit sey oder seyn soll. Z.B. Ich werde das nimmer zulassen: Du wirst nimmer dazu gelangen: Der Geizige hat nimmer genug: Pred. Sal. 5, 9. Wer Geld liebet , wird Geldes nimmer satt. Das zweite brauchen wir nur, wenn wir zu erkennen geben wollen, daß eine Sache, welche zwar schon gewesen, oder geschehen ist, doch gegenwärtig nicht sey, und iuskünskige nicht wieder seyn, oder geschehen soll. Z.B. Ich werde diefts nicht mehr thun, zeiget an, daß ich es zwar schon gethan habe, aber inökünstige nicht wieder thun will. Du sollst mich nicht mehr betrügen, seßet voraus, daß ich schon betrogen bin, und zeiget an, daß ich mich inskünftige nicht wieder will betrügen lassen. So jagt man auch: Es ist nicht mehr Raum da: Du hast nicht mehr Zeit dazu: Erdenket nicht mehr daran, und dergleich. Er ist nimmer beschäftiget, das ist, er hat zu keiner Zeit etwas zu thun. Er ist nicht mehr beschäftiget, das Meiden. Fliehen. 557 das heißt, er hat zwar Geschäfte gehabt, aber sie mm geendiget, und noch keine neue Geschäfte vorgenommen. Je und jemals, sind zwar bejahende Wörter, aber wenn sie mit einer Verneinung verknüpfet werden, machen sie die Bedeutung derselben stärker. Niemand hat Gott je gesehen. Ioh. i, 18. Niemand wird jemals so weit kommen: Nie ist das je, oder jemals erHörer: Nie hat man je, oder jemals dergleichen gesehen, u.s.w. 200. Meiden. Fliehen. Griefe Wörter drücken eine Bemühung aus, sich von solchen Dingen zu entfernen, welche uns zuwider sind, oder uns schaden könnten. Meiden, zeiget nur an, daß wir selbst uns hüten, an solche Oerter hin zu kommen, wo wir sie antreffen. Fliehen, führet den Begrif mit sich, daß wir verfolget werden, und uns zu entfernen suchen. Man »neidet im Kriege einen Hinterhalt, wenn man einen andern Weg nimmt, auf welchem man den Hinter« halt vorbei gehet, oder gar zurück bleibet. Man ftiehec einen Feind, welcher uns verfolget, wenn man vor ihm läuft, lind ihm zu entkommen sucht. Man meidet die Trunkenheit, wenn man nicht an solche Oerter hin gehet, wo mau dazu verleitet werden könnte, und sich selbst vor aller Gelegenheit hütet. Man sicher die Trunkenheit, wenn man indem Fall, da man wider seinen Willen dazu gereizet, und genöthizct wird, sich zu entfernen fucht. Die Crunkenheir fliehen, ist eine uneigentliche Redensart, da die Trunkenheit, als ein Feind vorgestellet wird, der uns fangen will, und dem wir zu entkommen suchen. So sagt man auch, die Sünde meiden und siichen. Das erste siehet daraus, daß man sich den Versuchungen nicht blos stellet, und sich nicht an solchen Oertern finden läßt, wo man verführt werden kann. Das zweite darauf, daß wenn man im- Stoschl.TH. Y vermuthet Flaß. Arbeitsamkeit. vermuthet von einer Versuchung überfallen wird, man sich zu entfernen sucht. Es ist oft eine große Klugheit, die Zusammenkunft mit einem Feinde, zu meiden; Aber die Furcht bewegt uns gemeiniglich, ihn zu fliehen. 2Oi. Fleiß. Arbeitsamkeit. tA>er Fleiß, ist eine Tugend, welche den Menschen an- treibt, alles dasjenige sorgfältig zu verrichten, was ihm oblieget. Die Arbeitsamkeit, ist eine Gemüths- befchassenheit, in welcher man niemals ohne Geschäfte seyn kann, fondern auch alsdann, wann uns wirklich keine Arbeit m-hr oblieget, sich etwas zu thun macht, und sich mit allerlei Dingen beschäftiget. Der Fleiß, kann durch eine gute Erziehung bei jemanden zuwege gebracht werden. Die Arbeitsamkeit ist mehr ein Geschenk der Natur. Man kann bisweilen fleißig seyn, in seinem Beruf, und dasjenige, was uns oblieget, sorgfältig verrichten, ohne daß man dabei arbeitsam ist, und sich beständig zu thun macht. Ein Tagelöhner ist fleißig, wenn er in der Zeit, da er zur Arbeit gedungen ist, dasjenige, was ihm anbefohlen wird, sorgfältig und emsig verrichtet. Aber er ist nicht arbeitsam, wenn er in den übrigen Stunden, oder in solchen Tagen, da er nicht gedungen ist, zu Hause keine Arbeit vornimmt. Nur der ist arbeitsam, der auch in solcher Zeit sich mit nützlichen Dingen beschäftiget, allerlei Hausrath macht, und dergleichen. Ein Hauswirth ist fleißig, wenn er auf feine Haushaltung Acht hat, und dahin siehet, daß jegliche Arbeit zur gehöriaen Zeit verrichtet werde. Aber er ist nicht ar- bcirsum, wenn er in denenjenigen Stunden, in welchen er sich nicht nothwendig beschäftigen muß, stille sitzet, oder sie den Gesellschaften widmet. 202. Ge? Gewiß. Sicher. Best. zzc, 202. Gewiß. Sicher. Des?. /Uewiß, beziehet sich aus dasjenige, was wahr ist. Sicher, auf dasjenige, wobei kvinc Gesahrist, und worauf man trauen kann. Vest, auf dasjenige, was dauerhaft ist, lind nicht geändert werden soll. Die Wahrheiten, welche die gesunde Vernnnst uns lehret, oder, welche durch glaubwürdige Zeugen bestätiget sind, sind gewiß. C'6 ist gewiß, daß wir eine ver. nünftige Seele haben. Es ist gewiß, daß diese Seele unsterblich ist. Es ist gewiß, daß der Kaiser August zu Rom geherrschet hat, u. s. w. Ein sicherer Weg ist derjenige, auf welchem feine Gefahr ist, wo man trauen kann, daß man nichts zu fürchten habe. Die Arzcneimittel, deren gute Wirkung schon aus einer langen und vielmaligen Erfahrung be. kannt ist, sind sicher. Die China ist ein sicheres Mir. tel wider das Fieber. Nichts Vv'ses thun, ist ein sicher rcs Mittel, ungestraft zu bleiben. MaS dauerhaft ist, und nicht geändert werden soll, nennen wir vesi. Eine Mauer ist vesi, wenn sie dauerhast ist, und nicht so leicht kann darnieder gerissen werden. So auch, ein vestes Schloß, eine vesie Stadt, und dergleichen. Man sagt auch, eine vesrc Freundschaft, ein vesier Bund, wenn sie dauerhaft und bestän- big sind. Diese Wörter werden auch vielfältig, als ganz einerlei bedeutend gebraucht, und gleichsam mit einander vermenget. Man sagt, eine gewisse Wahrheit, eine sichere Wahrheit, eine veste Wahrheit. Eine gewisse Nachricht, eine sichere Nachricht. Eine gewisse, eine sichere, eine vesie Entschließung. Ich habe es ihm gewiß, ich habe es ihm sicher, ich habe es ihm vest versprochen, und dergleichen. Allein Z42 Gewiß. Sicher. Best. Allein in allen solchen Redensarten behält doch jegliches von diesen Wörtern allemal eine Beziehung ausseine eigentliche Bedeutung. Wenn wir von einer gewissen Wahrheit, auch bisweilen sagen: Es ist eine sichere Wahrheit, so sehen wir alsdann auf die Mittel, wodurch wir von ihrer Richtigkeit überzeuget worden, und welche so beschaffen sind, daß wir ihnen trauen können. Es ist eine sichere Wahrheit, daß die Frommen »ach diesem Leben von Gott werden belohnt, die Gottlosen hingegen gestraft werden, denn wir können den Empfindungen unseres eigenen Herzens, und dem Worte Gottes trauen, welche beide diese Wahrheit behaupten. Eine veste Wahrheit beziehet sich aus die Unveränderlichkeic derselben. Es ist eine vcste Wahrheit, daß alles in der Welt, von Gott qelenket werde. Sie wird beständig und unverändert bleiben. Wir sagen: Eine gewisse Nachricht, in Ansehung dessen , daß sie gewiß wahr ist. Eine sichere Nachricht in Ansehung dessen, daß wir sie durch solche Mittel, denen wir träum können, unverfälscht bekommen haben. Eine gewisse Entschließung, weil wir sie mit Wahrheit und Aufrichtigkeit gcfasset haben; Eine sichere Entschließung, weil man sich darauf verlassen, und uns trauen kann; Eine veftc Entschließung, weil wir sie nicht andern wollen. Ich habe es gewiß versprochen, in Ansehung dessen, daß unser Versprechen wahr werden soll, und wir es erfüllen wollen. Ich habe es sicher versprochen, in Ansehung dessen, daß man uns trauen kann, und in keiner Gefahr stehet, hintergangen zu werden. Ich habe es vesi versprochen, in Ansehung dessen, daß unser Versprechen nicht geändert werden soll. Das Wort gewiß, hat auch noch eine andere Bedeutung. Man braucht es ganzuubestimmt, von solchen Dingen, welche man nicht nennen will. Z. E. Ich habe noch eine gewisse Sache zu thun. Ich habe es von einem Versichern, Sicherheit geben. Sicherheit:e. 341 einem gewissen Menschen erfahren. Er trug mir ein gewisses Geschäfte auf, welches mir sehr verdrüßlich war, und dergleichen. Es sind eimge, welche in eben dem Verstände, das Wert sicher gebrauchen. Ein sicherer Freund hat mir dieses gejagt, ich habe noch ein sicheres Geschäfte zn verrichten, und dergleichen. Allein ich glaube nicht, daß man dieses bei guten Schriftstellern finden werde, »^r. Adelnng sagt ebenfalls, es sey bei einigen, obgleich nicht auf die hefte Art in diesem Verstände üblich. 20z. Versichern. Sicherheit geben. Sicherheit stellen. enn man genali aufdcu Gebrauch dieser Wörter ?tcht hat, so wird man finden, daß versichern mit Morren, Sicherheit geben, mit der That, und Sicherheit stellen, vor Gericht geschiehet. Er hat mir das versichert, das heißt, er hat mir die Gewißheit dieser Sache bekräftiget. Wenn wir selbst, von einer Begebenheit Zeugen gewesen sind, und sie hernach andern erzehlen, so versichern wir ihnen, daß sie wahr sey, und sie dieselbe glauben können, aus dein Grunde, weit wir selbst gesehen haben, und keine Un» Wahrheit sagen werden. Man versichert eine Sache, bisweilen mit einer Betheuruug, oder bei seiner Ehre, und dergleichen, das alles geschiehet mit Worten. Sicherheit geben / geschiehet mit der That, und beziehet sich nur nuf Dinge, welche wir versprochen, oder worüber wir gewisse Bedingungen eingehen. Ob wir gleich jemanden mit den stärksten Betheurungen versichern, daß wir ein geliehenes Geld zur gesehten Zeit bezahlen wollen, so wird er doch, , woserne er unsere Ehrlichkeit nicht kennet, damit nicht zufrieden seyn, wir müssen ihm also Sicherheit geben mit der That, und etwas in seinen P z Handen Z42 Vorziehen. Den Vorzug geben. Händen lasst», welches er behalten, oder woran er sich erholen könne, im Fall wir unser Wort brechen sollten. Wir geben ihm Sicherheit, mit. unse^r Handschrist, oder mit einem Pfande. Sicherheit stellen, wird gemeiniglich nur von solcher Sicherheit gebraucht, welche zu desto grösserer Gewißheit, vor Gericht, oder vor der Obrigkeit gegeben wird. Man stellet Sicherheit, über ein empfangenes Geld, daß man e6 bezahlen wird, wenn man vor Gericht sein Haus, oder sein Landgut, oder andere Dinge zum Pfande setzet. Wer ein Amt bekommt, wobei er viel Gelder in Handen hat, mus? Sicherheit darüberstellen, daß er nichts veruntreue» werde, und er thut es dadurch, daß er bei der Obrigkeit eine Summe Geldes, oder liegende Gründe glcichfain zum Pfande setzet. Wer auf Leib und Leben angeklaget ist, und sich nicht will ins Gefängniß sehen lassen, muß Sicherheit stellen, daß er nicht davon gehen, sondern allemal zur Verantwortung erscheinen wolle. Man kann auch Sicherheit stellen, durch einen andern, welcher sich für uns verbürget, und für uns gut saget. In gewissen Fallen kann man wol genöchiget werden, eine Sache auch vor Gerichte eidlich zu versichern, allein es dl'ibr doch dabei, die angeführte Bedeutung, daß versichern nur mit Worten geschiehet. 204. Vorziehen. Den Vorzug geben. A>iese Wörter unterscheiden sich dadurch, daß das erste ''^ in-hr eine innerliche Gesinnung des Gemüths, das zweite mehr eine äußerliche Handlung zu erkennen giebt. Wir ziehen die Tugend dem Laster vor, wenn wir innerlich bei uns selbst ihrm Werth erkennen. Wir geben ihr den Dor;nI, in unseren äußerlichen Handlungen Jung. Neu. Frisch. 34z gen, wenn wir uns selbst bemühen, tugendhaft zu seyn, und die Tugendhaften ehren. Ein jehrer ziehet den fleißigen Schüler allezeit vor, aber er giebt ihm den Dorzug, wenn er ihn über die andern setzet. Innerlich ziehen wirallezeit, unseren Freund, einem Unbekannten vor. Wenn beide uns um eine Gefälligkeit bitten, die wir nur einem von ihnen erweisen können, so werden wir auch unserem Freunde den Vorzug geben. Allein in gewissen äußerlichen Höflichkeitobezeu. gungen, geben wir doch bisweilen einem Unbekannten, den Vorzug, vor unserem Freunde» 2O5. Jung. Neu. Frisch. A>ur in so weit sind diese Wörter gleichbedeutend, als ^ ^ sie etwas anzeigen, was noch nicht lange da gewe« sen, und daher zum Gebrauch noch vollkommen tüchtig ist. Jung, beziehet sich auf das Alter. !77cu, auf das Daseyn. Frisch, auf eine Unverdorbenheit. Das erste wird von lebendigen, die beiden andern eigentlich von leblosen, aber in einem uneigentlichen Verstände auch bisweilen von lebendigen Dingen gebraucht. Jung, zeiget an, daß ein Geschöpf noch nicht die Jahre erlanget hat, da cS in seiner völligen G'össc und Kraft ist. Die ersten zehen Jahre des menschlichen je. bcns, nennet man das kindische Alter. Wenn man also sagt: Ein junges Kind, so zeiget man dadurch ein solches an, welches noch nicht lange auf der Welt ist, oder, dem noch einige Jahre fehlen, ehe es aus der Kindheit heraus kommt. Ein junger Menfch, ist derjenige, wel- cher das mannliche Alter noch nicht erreicht hat. Ein junger Mann, derjenige, der noch bei völligen Kräften ist, bei dem das Alter noch nicht heran kommt. Eo anch eine junge Frau, eine junge N>irrvve. Die junge Mannschaft. Ein junger Herr, u. s. w- Y 4 Die ?44 Jung. Neu. Frisch. Die Thiere nennet man jung, so lange sie noch im Wachsthum sind, und das Alter noch nicht erreicht haben, in welchem sie ihre völlige Grösse und Krafte'bekom^ men. Ein junges Pferd, ein junger Hund u. s. w. Da auch diePstanzen ein gewisses Leben haben, so nennet man sie ebenfalls jung, so lange sie noch iin Wachsthum sind, und ihre völlige Grösse noch nicht erlanget haben. Man sagt: Ein junger Bauin. Junge Mohrrüben, junger Sallat, u. s. w. lVeioh. 2, 8. Lasset uns Kränze tragen, von jungen Rosen, ehe sie welk werden. Man nennet neu, diejenigen Sachen, welche noch nicht lange da gewesen, oder noch nicht viel gebraucht worden. Ein neues Kleid, ein neues Haus, ei» neuer Tisch, sind Dinge, welche noch nicht lange da gewesen, oder gebraucht worden. So sagt man von den Menschen, ein neuer Bedienter, das ist ein solcher, welcher noch nicht l.MZi.' gedienet hat. Man sagt bisweilen von jemand : Er ist in diesen Sachen noch ganz neu, das ist, er ist noch nicht lange damit umgegangen, er ist noch unerfahren darum. Ein neues Pferd ist dasjenige, was man noch nicht lange gehabt hat, u. s. w. Das Wort Frisch, braucht man von solchen Din- gen, welche noch unverdorben sind, und ihre völlige Gut« haben. So nennet man ein frisches Wasser, dasjenige, n>-,s nicht unrein, oder warm geworden ist, sondern sich noch in der Güte besindet, wie es aus seiner Quelle gekommen. Frische Austern, frische Hceringe, sind diejenigen, welche noch vollkommen gut und gar nicht verdorben sind. Die Waaren sind frisch, das heißt, sie sind gli: und unverdorben. Man braucht das Wort Frisch, in Ansehung der Eßmaarcn, auch sonderlich von solchen, welche erst vor ^ kurzem gemacht sind, weil diesenoch umsovieldesto mehr ihre völlige Güte haben. Frisch Brodt ist dasjenige, was Jung. Neu. F.usch. 345 was erst gebacken ist: Frische Butter diejenige, welche erst vor kurzein gemacht ist. Mann nennet frisch Fleisch dasjenige, welches erst vom Schlächter geholet ist, im Gegensatz des Gerekelten, welches schon eine Zeit lang eingesalzet ist: Hingegen, frisch Pekelfleisch, dasjenige, was noch nicht gar zu lange im Salze gelegen hat, u. s.w. Weil die Eßwaaren, wenn sie gut in Tonnen vcr» wahrt sind, sich lange gut zu ei halten pstea.cn, so nennet man bisweilen frisch, alles dasjenige, was von solchen verwahrten Sachen zuerst heraus genommen wird. Von den, Biere sagt man, eine frische Tonne anstecken. Die Krämer sagen: Eine frische Tonne ausmachen, und sie nennen frisch, alle diejenigen Waaren, welche sie erst bekommen haben, weil sie voraus sehe», daß sie gutund unverdorben sind. Man bedienet sich auch des Wortes Frisch, in Absicht auf eine Unvcrdorbcnheit bei allerlei andern Dingen. Z. E. Eine frische Ruthe, die noch nicht vertrocknet ist. Eine frische Wunde, worin sich noch kein Eiter oder Faulniß befindet. Ein junger frischer Mann, der noch bei völligen Kräften ist, dessen Kräfte noch nicht erschöpft sind. Daher sagt man auch, frische Pferde nehmen, das ist, andere Pferde, deren Kräfte noch nicht erschöpft, die noch nicht durch kaufen ermüdet sind. Den Anfall mit frischen ieuten thun, und dergleichen. Ja man braucht sogar dieses Wort, um eine iebhaf- tigkeit und Munterkeit auszudrücken. Ein frischer Muth. Frische Augen. Frisch an die Arbeit gehen, das ist, sie mit Lebhaftigkeit und Munterkeit vornehmen, u.s.w, Allein in diesem Verstände kommt es nicht mit den vorigen überein. Man muß auch dieses noch bemerken, daß man das Wort Frisch niemals von solchen Dingen brauchen kann, die durch Menschen Hände sind verfertiget worden, wo- ferne es nicht Eßwaaren sind. Man kann wol sagen: Y 5 Lnsches Z46 Neues. Neuigkeit. Neuerung. Frisches Brodt. Frische Butter, abernicht, einfri- scdes Kleid, ein frisches H.ms, u. s. w. Hingegen wird auch das Wort Neu, nur selten von Csi'vaarcn gebrauä)t. Man kann nicht sagen: Neu Fleisch, nelie Butter, neuen Käse, u. s. m. Nur sagt man wol, neuer Rocken, neu Brodt von dem Rocken, welcher gleich nach der Erndte gedroschen, und dem Brod« te, welches daraus gebacken worden. Imgleichen sagen die Kaufleute: Neue Heeringe, von denenjenigen, welche nach dem Fang zum ersten ankommen. Wiewol man auch in diesen Redentarten nicht unrecht das Wort Frisch gebrauchen würde. 206. Neues. Neuigkeit. Neuerung. t^ViSjenige, was wir noch nicht gesehen, oder gehöret haoen, ist uns etwas neues. Neuigkeiten, nennen wir solche Begebenheiten, welche vor kurzem gesche- hen sind, und uns von andern erzehlet werden. Wer sich zum ersten male in einer grossen Stadt befindet, dem ist alles etwas neues. Die prächtigen Gebäude, die Versammlung so vieler Menschen, die Schauspiele , u. s. w. Er kann sagen: Ich sehe und höre jetzo viel Neues. Die Zeitung erzehlet uns die Neuigkeiten, oder die Begebenheiten, welche vor kurzem in der Weltsmd vorgefallen, und welche wir noch nicht gehöret haben. Neues ,md Heiligkeit, zeigen so etwas an, was uns noch un. bekannt ist, und daher werden beide diese Wörter in solchem Verstände, als gleichbedeutend gebraucht. Man sagt: Er hat mir viel bleues erzehlet, und auch: Ich habe viel Neuigkeiten von ihm erfahren. Was ist bleues? Was haben Sie für Neues mitgebracht? Und auch: Was bringen Sie für Neuigkeiten mit? Unterdessen findet sich doch dieser Unterschied, daß Neues, sich mehr auf uns beziehet, denen eine Sache noch unbekannt Neues. Neuigkeit. Neueruug. Z47 kannt ist. Neuigkeit, mehr auf die Sache selbst, welche noch neu, und erst vor kurzem geschehen ist. Beide dies? Wörter haben aber auch »och eine andere Bedeutung, sie drücken nehmlich so etwas aus, was je» mand unbesugter Weise aufbringen will, und in diesem Sinn kommen sie mit Neuerung überein. Ein Amtmann leget den Bauern solche Dinge auf, welche sie sonst noch nicht gethan haben; Er zwinget sie Vorspann zu thun, in solchen Fallen, da sie sonst davon sind frei gewesen; Oder er sodert gewisse Abgaben von ihnen, welch? sie nicht zu entrichten schuldig sind, so klagen sie, er fange etwas Neues an, er bringe ihnen Neuig? keitcn auf. Wer solche Wörter in eine Sprache einfüh. ren will, welche noch nicht gebräuchlich sind, der fangt et- wasNcuesan, er bringt Neuigkeiten auf. Jndiefem Verstände beziehet sich daöWortNeucs, ebenfalls mehr auf denjenigen, dem die Sache neu ist. Neuigkeit auf die Sache selbst. Die Veränderung der alten Gebrauche oder Gewöhn- heiten, ist eine Neuerung. Man hat allezeit den Buchstab D in der deutschen Sprache gebraucht, und Guaal, (Duelle geschrieben. Philipp von Zcsen und einige andere, fiengen die Neuerung an, daß sie das Zxw dafür einführen, und Rrvaal, Rrvelle schreiben wollten. Es ist eine Gewohnheit auf dem Lande, den Arbeitern in der Erndte, fünf bis sechs Mahlzeiten zu geben: Woferne ihnen jemand eine weniger geben wellre, würden sie sich beschweren: Er fange Neuerungen in ihrem alten Her- kommen an. 207. Unwille. Zorn. Grimm. Iachzorn. »"^ kommen, ist der, daß sie ein Miövergnügen anzei- gen, welches, man über eine Beleidigung empfindet, die uns oder andern ist angethan worden, und wodurch man gcrei- worin diefe Wörter überein Z48 Unwille. Zorn. Grimm. Iachzorn. gcrelzct wird, selbige zu ahnden oder zu strafen, im Fall e6 uns möglich wäre. Unwille, ist der geringste Staffel eines solchen Miö- Vergnügens, welches man bisweilen blos in einigen Ge- bchrden oder Worten zn erkenne» giebt. Man wird unwillig, über geringe Versehen eines Menschen. Z. E» Ueber jemand, der uns zu viel fragen will, über einen Bedienten, der eine Kleinigkeit vergessen hat, und der- gleichen, man ahndet solches blos mit einer vcrdrüßlichcn Mine, oder mit einem kleinen Verweis, welchen man ihm giebt. Bisweilen aber braucht man das Wort Unwillen oder unwillig für Zorn, blos um die harte Bedeutung dieses letzten Worts, einiger massen zu mildern/ Werden Sie nicht unwillig über mich, das ist, zürnen Sie nicht. Behalren Sie nur keinen Unwillen gegen mich, das ist, keinen Zern. Zorn, ist ein heftiges Misvcrgnüqen, über etwas, daö uns zuwider gethan worden, wobei sich allezeit die Begierde stndst, es zu strafen oder zu rächen. Der Zorn, gehöret unter die Leidenschaften, welche ihren Grund in dem Temperament eines Menschen haben. Es ist allezeit eine heftige Wallung des Geblüts dabei, welche man nicht sogleich wieder stillen kann. Ein Mensch ist mehr zum Zorn geneigt als der andere. Mancher kann durch ganz geringe Dinge aufgebracht, und darüber zornin, werden, dahingegen, ein anderer sehr schwer, und nur durch grosse Beleidigungen, zum Zorn bewogen wird. Aber je leichter der Zorn entstehet, desto geschwinder pflegt er auch zu vergehen, und je langsamer ein Mensch ausgebracht wird, desto langer pflegt er den Zorn zn behalten. Iachzorn, kommt her von dem alten Worte Jach, welches so viel heißt, als plötzlich, geschwinde, und verstehet dadurch einen plötzlich auffahrenden Zorn, welcher aber bald wieder vergehet. Der)achzornige, wird in Unwille. Zorn. Grimm. Iachzom. 349 in einem Augenblick erhitzt, sein Geblüt ist gleich in heftj. ger Wallung, aber so bald er nur Zeit hat, die geringste Ueberlegung zu machen, kommt er auch wieder zu sich selber, die Hitze verliehret sich, und er erkennet, daßcrUn« recht gethan hat. Grimm, ist der heftigste Zorn, welcher den Men. schen gleichsam wütend macht, und ihn bewegt, in dem Aligenblick die schrecklichste Rache auszuüben, welche er nur immer ausüben kann. Man sagt daher: Ein Irim- migcriöwe, das ist, einiöme, welcher zudem heftigsten Zorn gereizet, und so wütend gemacht ist, daß er alles zu zerreißen sucht. Ein grimmiger Krieg, das ist, ein Krieg, in welchem die streitenden Partheien so sehr auf einander erzürnet sind, daß sie gleichsam wüten, und sich auf eine ganz unmenschliche Weise begegnen. Ehemals wurde das Wort Grimm, auch oft für einen jeden hohen Grad des Zorns gebraucht, daher es in der Bibel, auch vielfaltig von Gott gesagt wird; Allein in solcher Bedeutung ist es jetzo veraltet, und man drücket dadurch gemeiniglich einen solchen heftigen Zorn aus, wel- cher sich durch eine außerordentliche Verstellung der Gesichtszüge zu erkennen giebt. Im Unwillen ahndet man eine Sache, oder strafet sie gelinde. Im Zorn und Iachzorn, suchet man sie zu rächen. Im Grimm, sucht man eine grausame und schreckliche Rache. Den Unwillen kann man leicht verbergen, wenn es nöthig ist. Der Zorn giebt sich bald durch die Wallung des Geblüts, und äußerliche Gebehrden zu erkennen; Aber wer eine grosse Herrschast über sich selber hat, kann es auch bisweilen so weit bringen, daß er seinen Zorn nicht merken läßt. Den Iachzorn und Grimm, kann man niemals verbergen; Denn der erste übereilet den Menschen so plvtz- l'ch, Leiten. Führen. lich, daß er nicht Zeit hat, einige Ueberlegung zu machen, und der andere setzet ihn dergestalt ausser sich, daß er nicht mehr im Stande ist sich zu zwingen, seine Augen funkeln, der Mund schäumet, er knirschet mit den Zahnen, bricht in die schrecklichsten Schelnvorte aus, und man siehet gleich die äusserste Heftigkeit des Zorns, in allen seinen Gebehr« den und Handlungen. 208. Leiten. Führen. (Vs>an leitet diejenigen, welche nicht im Stande sind, ohne Hülse zugehen, oder, welche ohne solche Hülse den Weg nicht finden können. So leitet man ein Kind mit dem Leirbande, weil es noch nicht im Stande ist, alleine zu gehen. Man leitet einen Blinden mit der Hand, oder mit einer Schnur, oder mit einem Stäbe, woran er sich halten muß, er würde sonst den Weg nicht finden können. Mau leitet einen Hund, ein Pferd, oder andere Thiere, mit einem Strick, damit sie auf dem rechten Wege bleiben, und davon nicht abweichen. Man fuhrer diejenigen, welche selber gehen, nur, damit man ihnen den Weg zeigen, oder ihnen im Gehen eine Bequemlichkeit verschaffen möge. Sosagtman: Ich will sie den kürzesten, oder den bequemsten Weg fuhren. Man zeiget nur den Weg und gehet mit. Man führet ein Frauenzimmer unter dem Arm, damit sie sich stützen könne, und im Gehen eine Bequemlichkeit habe. Wer geleitet wird, wird allezeit vest gehalten: Wer geführet wird, kaun auch frei geheu. Keiren, kann man nur diejenigen, welche gehen: Führen, auch diejenigen, welche reiten oder fahren. Man kann sagen: Als ich durch den Wald fahren wollte, nahm ich mir einen Weg- weifer, welcher mich da durch führen mußte. 209. Besorgen. Befürchten. Befahren. ' 351 209. Besorgen. Befürchten. Befahren. as Wort Besorgen, heißt bisweilen so viel, als dafür sorgen, daß etwas geschehe, oder ausgerichtet werde. So sagt man: Das Geschäfte, welches du mir aufgetragen hattest, habe ich besorger. Bisweilen aber heißt es auch, über irgend einen widrigen Zufall, oder eine widrige Begebenheit, die uns zuflössen konnte, bekümmert feyn, und nur m diesem lehren Sinn, ist es mit Befürchten gleichbedeutend. Besorgen aber, zeiget nur blos eine gewisse Unruhe und Bekümmemiß an. Befürchten hergegen, eine solche Unruhe, welche mit Furcht oder Angst verknüpfet ist. Das erstere wird daher nur von geringeren, das andere von grösseren Widerwärtigkeiten gebraucht. Man besorget dasjenige, was uns zuwider geschehen, oder unsere Absichten hindern kann. Man befürchtet ein wirkliches Unglück, oder so etwas, woraus ein Unglück entstehen kann. So wird man sagen: Ich besorge, du werdest dich in dieser Gesellschaft zum Trunk verleiten lassen. Hingegen, ich befürchte, deine Neigung zur Trunkenheit, werde dich einmal in Unglück stürzen. Ich besorge, mein,Brief werde nicht recht bestellet werden. Ich bcj?nchre, dieser Menfch möchte mit dem Gelde, welches ich ihm anvertrauet habe, durchgehen. Du hast nicht zu besorgen, daß ich dir werde im Wege stehen; Aber ich habe deine Vcrläumdungen und böse Nachreden zu befürchten. Man besorger, das schlimme Wetter werde uns an einer Lustreise verhindern; Man befürchtet ein Gewitter, weil es Schaden thun kann. Mit diesen Wörtern, kommt auch das Wort besah- ren überein; Aber es ist schon einiger Maaßen veraltet, und wird jetzt im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht, ja vielleicht möchte es nur noch zuweilen bei den Dichtern, um des Reims willen vorkommen. Es hat seinen Ur- sprung M Anfangen. Anheben. Beginnen. sprung von dem alten Worte Fahr, in dessen Stelle jetzt Gefahr gebräuchlich geworden. Seiner eigentlichen Bedeutung nach, würde es alss die Vorhersehung einer Gefahr anzeigen, welche uns sswol beunruhiget, als auch eine gewisse Furcht bei uns erwecket. Besorgen scheinet mehr eine bloße Unruhe und Be« kümmerniß anzuzeigen, welche man wegen einer Sache hat; Befürchten insbesondere^die Furcht, und eine gewisse Bangigkeit zu erkennen zu geben, welche wir bei der Vorstellung eines Unglücks empfinden; Befahren das Vorhersehcn, und die Kenntniß einer Gefahr auszudrücken, welche bei einer Sache ist. Befürchten siehet mehr auf das Unglück selbst, und die Furcht, welche wir davor haben; Befahren auf die Gefahr, worin wir sind, daß uns ein Unglück begegnen werde, und da dieses gemeiniglich mit einer Furcht vergesellschaftet ist, so wird befahren, auch für befürchten gebraucht. Man sagt: Ein Unglück befürchten, und auch, ein Unglück befahren. Du hast nichts zu befürchten, das ist, du darfst nicht fürchten, daß daraus ein Unglück entstehen werde: Du hast nichts zu befahren, das heißt, es ist keine Gefahr dabei. 2io. Anfangen. Anheben. Beginnen. enn man auf den heutigen Gebrauch dieser Wörter Acht hat, so wird man finden, daß anfangcn, ganz allgemein, und fowol im gemeinen Leben, als in der edlen Schreibart gewöhnlich sey; Anheben im gemeinen Leben gar nicht, und bei den Schrittstellern nur selten vorkomme; Beginnen ebenfalls wenig mehr gebrauchlich sey, und am gewöhnlichsten in der Bedeutung gebraucht werde, da es so viel heißt, als nach und nach anfangen. Man sagt: Ich fange an zu reden, zu schreiben, 'zu arbeiten, zugehen; Die Thränen siengen an ihm in die Augen Anfangen. Anheben. Beginnen. 35z Augen zu treten; Da6 Wasser fangt an zu kochen; Das Wachs fangt an zu schmelzen; Es fangt an warm zu werden, zu frieren; Das Wort fangt sich mit diesem Buchstab an, u. s. w. Das Wort anheben, ist jetzt so gebräuchlich nicht mehr, als eSvor diesem gewesen, und man kann desselben ganz wohl entbehren. In der Bibelübersetzung kommt es verschiedentlich vor, aber es könnte allemal ansangen dafür stehen. Z. B. 2 B. Mos. 12. v. 12. Dieser Mond, soll bei euck der erste seyn, und von demselben sollt ihr die Monden des Jahrs anheben. Es konnte eben so gut heißen: Die Monden des Jahres anfangen. Marc. 14. v. 72. Petrus hub an zu weinen. Luc. 14. v. z. Dieser Mensch hub an zu bauen, wofür es eben so gut wäre: Er fing an zu weinen, er sing an zu bauen. Unterdessen findet man doch, daß auch unter den neueren, gute Schriftsteller, sich desselben noch zuweilen bedienen. Vielleicht scheinet es ihnen, in einigen Fällen, nachdrücklicher und edler zu seyn, welches ich auch nicht ganzlich laugnen möchte. So sagt Rabner: Nun hebt fZch das Schreiben an. Und Geliert: Wie? hub sie an, hast du mich kommen hören? Hier scheinet mir das Wort anheben, besser zu seyn als anfangen. So auch in einigen Schriftsiellen. Z. B. 2 B.Mos. 27. v.7.18. Bileam hub an seinen Spruch. »Sam. 7. v.29. So hebe nun an, und secgne das Haus deines Knechts. Man könnte ganz wohl, anfangen dafür setzen, aber anheben scheinet mir besser zu seyn; Vielleicht aus keiner anderen Ursach, als weil das Wort anfangen, so gemein ist, und so oft vorkommt, daß man sich in erhabenen Reden, lieber zuweilen eines anderen bedienet, welches zwar gebräuchlich, aber doch seltener ist. Von dem Worte beginnen, sagt Herr Adelung: „Es ist im Hochdeutschen größten Theils veraltet, und Srofchl.TH. Z „wird 354 Anfangen. Anheben. Beginnet:. „wird nur noch in der höhcrn Schreibart gebraucht, theils „weil man es für edler und erhabener hält, als das söge, „meine anfangen, theils aber auch weil es gegen das „Syllbenmaaß biegsamer ist als dieses.,, Mehrentheils wird man es zwar von den Neueren, m der Bedeutung gebraucht finden, da es so viel heißt, als nach und nach anfangen, z. B. jLs beginnet zu regnen, zu schneien: Das Kind beginnet zu lesen, zu schreiben: Seine Haare beginnen grau zu werden. lB. Mos. 6. v. i. Da sich die Menschen begunren zu mehren auf Erden, i B. Sam. n. v. 9. Wenn die Sonne beginnet heiß zu scheinen. Unterdessen wird es doch auch zuweilen bloß für ansangen genommen; So sagt man: Was wird er nun wieder beginnen, und im Sprüchwort: Wohl begonnen, ist halb gewonnen. Und auf gleiche Weife, wurde es auch von den Alten gebraucht, wovon ich nur ein Paar Beispiele aus dem Theuerdank anführen will. Cap. z6. Derselb Knecht bcgunnr zu lachen für, er fing an zn lachen. Cap. 22. Der Held begunnc zu gehen, für, er fing an zu gehen. Und in der Bedeutung des nach und nach Ansangen?: Cap. 46. Darum das eys begunt zegan Cap. 26. Bis es begunt zu werden nacht. Man siehet auch hieraus, daß dieAlten ick iinperte^o beginne sagten, welches Gottsched in seiner Sprachkunst, für unrecht erklaret. Ich begann, ist freilich jetzo gewöhnlicher, und ich würde mich ebenfalls dafür erklären: Unterdessen darf man eö niemanden für einen Sprachfehler anrechnen, wenn er das imperfecIum be- gunre braucht. So sagt auch Gellert, in der Erzählung: Der baronisirte Bürger: Eh ich zu seyn begonnre. Herr Schwierigkeit. Hinderniß. 355 -Herr Adelung führet beides an begann und begsnn- te, und vertheidiget dieses letzte, gegen Herrn Aichin« ger. Wie die lateinischen Wörter, initmm, s^recl!, von eo, und Al-a^ior herkommen, so hat auch, aller Wahr, scheinlichkeit nach, im Deutschen, das Wort beginnen, von gehen seinen Ursprung. Es heißt, etwas angehen, oder an etwas gehen, so sagt man noch in der gemeinen Sprechart: Eine Sache angehen, frisch daran gehen, für anfangen, und Frisch zeiget, daß man im Angelsächsischen, auch 2NZllinen, 2NZinn2li gesagt habe. zu. Schwierigkeit. Hinderniß. ^>asjenige, was eine Sache schwer machet, nennet ^ man eine Schwierigkeit: Dasjenige, was die Ausführung derselben aufhält, ist eine Hinderniß. So könnte man sagen: Die Rückkehr des Ulysses nachIcha- ka, wurde durch mancherlei Hindernisse aufgehalten, und als er endlich daselbst angelanget war, fand er viel Schwierigkeiten, die Liebhaber seiner Gemahlin bei Seite zu schaffen. Aeneas fand viel Schwierigkeiten, das von dem Orakel, ihm versprochene Land, ausfündig zu machen und zu erreichen, und als er endlich darin Fuß gefasset hatte, war derKrieg mit dem Turnus, eine neue Hinderniß, welche ihm die ruhige Besitzung desselben verzögerte. Oder man kann folgendesErempel nehmen. Dämon unv Philliö verlobten sich mit einander; Sie fanden aber viel Schwierigkeiten, ehe sie ihre Eltern bewegen konnten, die Einwilligung zu ihrer Heirath z» geben, und nachdem sie die Einwilligung derselben erhalten hatten, ereigneten sich verschiedene Hindernisse, welche die Vollziehung ihres Verlöbnisses aufhielten. Zu einer Zeit war Phillis krank, zu einer andern, mußte Dämon eine weite Reise thun. Z s Man Z56 Behalten. Zurückhalten. Man ftgt: Jemanden viel Schwierigkeiten machen. Dio Schwierigkeiten vorher sehen. Die Schwierigkeiten heben, oder sie überwinden. Einem viel Hindernisse im Wege legen. Hindernisse antreffen. Die Hindernisse aus dem Wege räumen, oder sie übersteigen. 2!2. Behalten. Zurückhalten. ehalten / hat eine Absicht aus unsere eigene Güter. Zurückhalten, auf die Güter eines Andern, die wir in Besitzung haben. Was uns zugehörct, und wir nicht zu geben schuldig sind, können wir behalten, waö Andern zugehöret, oder was wir ihnen zu geben schuldig suid, müssen wir nicht zurückhalten. Wer das Scinige selber braucht, beHaltes: Wer ein geliehenes Geld nicht wieder geben will, der halt es dem Gläubiger zurück. Imgleichen, wer eine Sache, die ihm zur Verwahrung anvertrauet worden, nicht wieder ausliefern will, der halt sie zurück. Behalten, heißt in dem Besitz einer Sache bleiben: Zurückhalten, heißt dasjenige nicht wieder geben, was von uns gesodcrt wird, und was wir wiederzugeben schuldig sind. Vchalre was du hast, das ist, bleibe in dem Besitz desselben. Behalte dieses für dich, ich schenke es dir, das ist, bleibe in dem Besitz desselben, es soll nun dein Eigenthum seyn. So sagt man auch: Seinen guten Namen behalten, Recht behalten, und dergl. Warum haltest du dieses zurücke das ist, warum giebst du es nicht wieder, da es von dir gesodert wird? Bisweilen wird das Wort behalten, auch von dem Gute eines andern gebraucht, welches wir in Besitzung haben, z. B. Hestk.18- v.,6. Behält das Pfand nicht. Mein zurückhalten drücket allezeit etwas mehreres aus. Der Wucherer behalt gern das Pfand, wenn es nicht wiedergesodert wird, oder in Vergessenheit kommt: Er Häuslich. Wirthschaftlich. Sparsam. 357 halt es zurück, wenn er unter allerlei Vorwand, es nicht wiedergeben will, ob man eö gleich verlanget. 21z. Häuslich. Wirthschaftlich. Sparsam. e7>er allgemeine Begrif dieser Wörter, zeiget eine Be» mühung an, etwas von seinem Einkommen zu entübrigen, und auf einen Nothfall beizulegen. Häuslich, siehet eigentlich auf diejenigen kleinen Vortheile, welche man in dem Hauswesen machen kann. Wirthschaft- lich, siehet auf die Ordnung, welche man in seinen Ausgaben und Einnahmen halt. Und Sparsam, auf die Ausgaben selbst. Häuslich seyn, wird besonders für eine Tugend der Frauen gerechnet, weil es gemeiniglich solche Kleinigkeiten im Hauswesen betrift, um welche sich der Mann, dessen Geschäfte mehr ausserhalb dem Hause sind, nicht allemal bekümmern kann. Man sagt: Eine Frau ist häuslich, wenn sie das Ihrige zu Rathe halt, auf ihren Hausrath Acht hat, daß davon nichts beschädiget werde, ihre Mägde zur Arbeit anhält, und dergleichen. Man ist wirthschaftlich, wenn man in seinem Hause eine gute Ordnung hält, jedem seine bescheidene Arbeit anweiset, den Vorrath eines reichen Jahres für ein schlechteres beilegt, und die Ausgabe nach der Einnahme einschränket. Man ist sparsam, wenn man nichts unnühlich ausgiebt, und noch etwas beizulegen sucht, was man in einem Nothfall brauchen kann. Man kann häuslich, wirthschaftlich und sparsam seyn, ohne karg und geizig zu werden. Im Gegen- theil, wenn man bei einem Kargen, an allen Orten das Knausern erblickt, so ist bei dem Häuslichen, N)irth- schaftlichen und Sparsamen, nicht nur das Nöthige, Z , son- ?58 Wieder geben. Erstatten. Ersetzen. Wieder sondern auch, wenn es erfodert wird, Ueberfluß zu finden. Wer häuslich, rvirthschaftlich und sparsam ist, suchet auch dazu etwas zu encübrjgen, daß er bisweilen seine Freunde bewirthen, und mit ihnen vergnügt seyn könne, da hingegen der Karge, gegen seine Freunde selber knauserig ist. 214. Meder geben. Erstatten. Ersetzen. Meder zustellen. Mieder einräumen. Meder einseyen. asman uns geliehen, oder zu verwahren anvertrauet hat, geben wir wieder. Was man andern ge- nommenhat, oder verursachte Schaden und Unkosten, muß man ihnen erstatten. Wir leihen etwas, in der Absicht, es rvieder zu geben. Man nimmt aber selten andern das Ihrige, in der Absicht, daß man es wieder erstatten will. Geliehene Sachen muß man richtig rvieder geben: Verursachte Schaden und Unkosten, oder was man genommen hat, völlig rvieder erstatten. Ersetzen kommt mit erstatten überein, es wird aber allgemeiner gebraucht, von einer jegliche n Sache, welche an die Stelle einer abgegangenen gesehet wird. Man kann daher ebenfalls sagen: Jemanden einen Schaden ers seyen: Ihn zu Ersetzung des Schadens anhalten: Die gehabten Unkosten erserzen, so gut als man sagt: Jemand zu Erstattung eines Schadens anhalten. Er muste den Schaden, welchen seinV-eh auf des Nachbars Acker verursachet hatte, wieder erstatten: Ich werde das ausgelegte Geld, mit vielem Danke erstarren, und dergl. Aber man sagt auch: Jemandes Stelle erserzen» Den jahrlichen Abgang des Viehes, durch junge Zuzucht ersetzen: Die verlohrnen Kräfte erseyen: Den Mangel evseyen. zustellen. Wieder einräumen. Wieder einsetzen. Z59 ersehen. In allen solchen Fällen kann das Wort erstarren nicht gebraucht werden. In der Bibel siehet zwar 2 Cor. 11. v. 9. Meinen Mangel erstatteten die Brüder, ungleichen 1 Thess. z. v. iO. Erstatten, so etwas mangelt an eurem Glauben; Allein in solcher Bedeutung, ist dieses Wort jetzt veraltet, und man braucht es gewöhnlich nur in Absicht auf etwas genommenes, oder verursachte Schaden und Unkosten. N?ieder zustellen, wird gemeiniglich in eben dem Sinn gebraucht, als wieder geben. Man kann sagen: Ich habe ihm das Geld, das Buch, so er mir geliehen hatte, wieder gegeben, und auch: Ich habe es ihm wieder zugesteller. Aber wieder geben, gehet nur auf kleinere Sachen, welche man jemanden in die Hände geben kann, wieder zustellen/ auch auf grössere. Wenn mir jemand seine Kutsche zu einer Reise geliehen hatte, könnte ich nicht sagen: Ich habe sie ihm wiedergegeben, sondern müßte sagen: Ich habe sie ihm wieder zugestellet, oder, wieder zustellen lassen Imgleichen könnte man nicht sagen: Der Sohn dieses Ritters hat dem Könige den Orden wiedergegeben, welchen sein verstorbener Vater getragen, sondern es heißt: Er hat dem Könige den Orden wieder zugestellet. Sind es liegende Gründe, welche man uns auf eine Zeitlang zu nutzen gegeben, so kann man alle drei obige Wörter nicht brauchen, imm sagt alsdann, wieder einräumen. Z. E. Es hätte uns jemand, aus besonderer Freundschaft, sein Haus auf eine Zeitlang zu-bewohnen, oder ein Landgut zu nutzen gegeben, so räumen wir es ihm nach Verfliessung der gesetzten Zeit wieder ein. Man kann nicht sagen: Wir geben es wieder, oder stellen es ihm wieder zu. Von Ehrenstellen, Rechten, oder Vorzügen, welche jemanden unschuldiger Weise genommen worden, aber hernach ihm wieder gegeben wqxden, braucht man das Wort Z 4 wie- z6o Zufrieden. Vergnügt. Verheeren. wieder einsetzen; Er ist in alle seine Ehrensrellen wies der eingesetzet worden. 2»5. Zufrieden. Vergnügt. A>>an ist zufrieden, wenn man dasjenige erlanget, was man begehret: Dcrgnügc, wenn man nichts weiter verlanget. Oft ist man doch nicht vergnügt, ob man gleich zufrieden gestellet worden. Die Besitzung einer Sache, kam, uns auf eine Zeitlang zufrieden machen, aber man ist nicht vergnügt, wenn man seine Begierden nicht einschränken kann. 216. Verheeren. Verwüsten. Zerstören. Verstören. ie Etymologie kann uns die eigentliche Bedeutung dieser Wörter einsehen lehren; Sie drücken insgesammt den ganzlichen Untergang und das Verderben einer Sache aus, und das ist der allgemeine Begrif, worin sie übereinkommen; Aber sie unterscheiden sich durch einen besondern Begriff, welchen jegliches giebt, entweder von den Mitteln, wodurch solcher Untergang verursachet wird, oder von der Art und Weise, wie es geschiehet. Verheeren kommt her von Heer, und siehet also auf das Mittel, wodurch der Untergang verursachet wird, daß nehmlich solches durch ein Heer, oder wenigstens durch eine Menge vieler Menschen geschiehet. Verwüsten, hat das Wort, eine Neuste, zum Grunde, und zeiget die Art und Weise des Unterganges an, daß alles einer Wüste und Einöde gleich gemacht werde. Zerstören und Verstören, haben ihren Ursprung von dem Skammworte Stören, welches beunruhigen, oder in Unordnung bringen bedeutet, und würden also ebenfalls die Art und Weise ausdrücken, daß nehmlich alles Verwüsten. Zerstören. Verstören. 561 alles in der größten Unordnung gebracht, und gänzlich umgekehret wird. Bei den Alten, wurde auch das Wort Stören von den Sturmwinden gebraucht, welche alles durch einander wehen, den Himmel trübe machen, und den Staub in die Luft treiben. Gcstore, hieß ein Ungewitter. Woll- te man hiervon die Wörter Zerstören und Verfroren ableiten, so würde die Bedeutung doä) einerlei seyn, und eine solche Durcheinanderwerfung und ganzliche Umkehrung anzeigen, wovon der Staub in die Luft steiget. Beide Wörter, Zerstören und Verstören, bedeu« ten also in der Hauptsache einerlei. Der einzige Unterschied zwischen ihnen, wird durch die?i ac^olitiones in5e- zz^rsbileü, zer und ver gemacht. Zer, bedeutet ein gewaltsames Theilen und Trennen des Ganzen, wie in zerbrechen, zerknirschen, zerfallen, zerreiben, u. s. f. Zerstören zeiget also an, daß alles gewaltsamer Weise, von einander gerissen und zerbrochen wird. Die kraexivlitio ver, zeiget ein gänzliches Aufhören und Endigen an. Z. E. Verbluten, das ist, aufhören zu bluten, weil man nicht mehr bluten kann: Verdursten, das ist, aufhören zu dursten, so, daß man nicht mehr dursten kann: So auch, verblühen, verschmachten, verbleichen, verfließen, u. s. w. Verstören, heißt also, dergestalt in Unordnung bringen und umkehren, daß nichts mehr umgekehrt werden kann; Alles von Grund aus darnieder werfen. 1) Hieraus nun wird man vors erste sehen, daß es ganz unrecht geredet sey, wenn man sagt: Diese Stadt ist durch ein Erdbeben verheeret; Weil kein Heer dazu gebraucht worden. Man muß nothwendig hier sich des Wortes Verstören bedienen. Oder man könnte sagen: Die Stadt ist durch ein Erdbeben verwüstet worden, wenn sie ganzlich verschlungen, oder wenn der Ort, wo sie gestanden, einer Wüste und Einöde gleich gemacht Z 5 wäre- Z62 Verheeren. Verwüsten. Zerstören. Vcrstören. wäre. So ist der Ausdruck, ganz unrichtig, nachdem er alle Schiffe verwüstet. Allgem. Welchist. z?r. Th. 272. S. 2) Zweitens, wird hieraus klahr, daß man von dem platten jande, wo es blos auf Verderbung der Früchte und des Ackers ankommt, nicht sagen kann: Der Feldherr ließ, durch ausgeschickte Partheien, das ganzeiand zerstören, sondern man hier das Wort Verheeren, oder Verwüsten brauchen müsse. Das erste würde anzeigen, daß das !and dergestalt sey verdorben worden, wie man es von einem feindlichen Heere erwarten kann: Das zweite würde zu erkennen geben, daß, daesvorher schöne Früchte gehabt, es nun wie eine Wüste aussehe. ?) Von dem Untergange, und dem Verderben einer Stadt durch feindliche Völker, kann man alle vier Wörter mit gutem Grunde brauchen, wiewol jedes, dem ei- gentlichen Verstände nach, eine besondere Bedeutung gibt. Der Feldherr ließ die Stadt verheeren, Magdeburg wurde von dem kaiserlichen General Tylli verheeret, würde anzeigen, daß die Armee alles ganzlich verdorben, und dergestalt geraubet und geplündert habe, wie ein Heer, dem es befohlen ist, einen Ort gänzlich zu verderben, in solchem Falle zu thun pflegt. Der Feldherr ließ die Stadt verwüsten, würde anzeigen, er habe sie ihrer Einwohner beraubet, sie ganzlich schleifen, und gleichsam zu einer Wüste machen lassen. Der Feldherr ließ die Stadt zerstören, würde so viel sagen, er habe die Gebäude und Mauern umreißen, oder sonst auf eine gewaltfame Weise darnieder werfen lassen. Und er ließ die Stadt verstören, würde noch den Begrif hinzufügen, daß alles umgekehrt, und von Grund aus darnieder geworfen worden. Das Frühling. Frühjahr. Lenz. z6z Das Wort Zerstören, wird auch uneigentlich ge- braucht, man sagt: Eine Versammlung zerstören; Ein Reich zerstören, und dergleichen. Ludwig der vierzehente, schickte Dragoner nach Lan. guedok, welche die Versammlungen der Hugenotten, so- bald sie davon Nachrichtbckamen, mit gewapneterHand zerstören musten. Carl der Grosse, hatte das Reich der Longobarden in Italien, zerstöret. Man kann also in einem ganz eigentlichen Verstände sagen: Titus hat Jerusalem zerstöret, weil diese Stadt verbrannt, und darnieder gerissen worden. Und in einem vneigentlichen Sinn: Tituö hat das gemeine Wesen der Juden zerstöret, weil er demselben ein gänzliches Ende gemacht, und die Juden aus der Besitzung ihres Landes vertrieben. Hergegen kann man nicht eigentlich sagen: Maho- meth der zweite, hat Constantinopel zerstöret, weil die Stadt stehen geblieben ist, und weder ihre Hauser, noch Mauern niedergerissen worden. Aber uneigentlich, wenn man durch eine Metonymie, die Stadt für die Einwoh. ner nennet, könnte man diese Redensart gebrauchen: Mahometh hat Constantinopel zerstöret, weil der größte Theil der Einwohner niedergehauen, oder aus der Stadt vertrieben worden. Imgleichen, Mahometh hat das orien. talische Kaiserthum zerstöret, weil er demselben, durch die Eroberung von Constantinopel, ein Ende gemacht. 217. Frühling. Frühjahr. Lenz. A1l)an bedienet sich der Wörter Frühling und Lrüh- jähr/ mehr in dem gemeinen Gebrauch. Lenz hingegen, wird mehr bei den Dichtern, und in einer erhabenen Schreibart gefunden. Zwischen Frühling und Frühjahr, macht man eben keinen sonderlichen Unterschied, doch scheinet das erste bestimmter zu seyn, und zeiget eigentlich diejenige Zeit Abscheu. Haß. Widersmmgkekt. Widerwille. 365 und lViderwille, haben allezeit eine Beleidigung, oder etwas, das un6 zuwider gethan ist, zum Grunde. Wir haben Abscheu, an gewissen Lastern und Untugenden, die uns vor andern zuwider sind: An solchen Menschen, welche dergleichen Laster und Untugenden an sich haben, und deren Anfführung und ganze Lebensart, der unsrigen entgegen stehet. An einem ungcstalten Wurm, dessen Eigenschaften eine widrige Empfindung bei uns erwecken, u. s. w. Wir hassen, oder haben Haß gegen dasjenige, wodurch uns etwas Böses geschiehet. Die Beleidigungen, welche uns jemand angethan hat, erwecken unseren Haß, wir suchen gemeiniglich ihm ebenfalls alles zuwider zu thun, und wir hasse» die Laster, in soweit, als sie uns und anderen Menschen schädlich sind. Eine Ungleichheit in der Gemüthsöeschaffenheit, etwas besonderes in der Gestalt und Gesichtsbildung eines Menschen, ja oft so etwas, wovon wir nicht einmal sagen ton- nen, was es sey, ist der Grund einer N>idersiuniI. keic, welche bei uns entstehet. Der erste Anblick eines Menschen, den wir gar nicht kennen, der uns niemals etwas zuwider gethan hat, erreget doch oft eine^Vidersm- nigkeit bei uns, ohne daß wir sagen könnten, woher dieses komme. Gewisse geringe Beleidigungen, welche wir von jemand empfangen haben: Ein Mangel der Achtung, die er unseren Gedanken nach hätte haben sollen: Eine Höflichkeitsbezeigung, welche er gegen uns unterlassen, der Vorzug, welchen er einem andern vor uns gegeben hat, und welchen wir uns zu verdienen einbilden, und dergleichen , erwecket unseren Widerwillen. Wir hassen ihn eben nicht, und thun ihm nichts Böses; Aber wir sind ihm doch zuwider, seine Gesellschaft ist uns unangenehm, wir werden ihm bei aller Gelegenheit widersprechen, oder sonst 566 Rauben. Plündern. sonst etwas thun, wodurch wir ihn einiger Massen kranket! können. Man sagt daher von solchen Menschen, welche in einiger Uneinigkeit leben, und sich einander entgegen sind, nicht eben: Sie hassen sich, aber wol: Es istein Widerwille zwischen ihnen. 219. Rauben. Plündern- eide Wörter drücken eine gewaltsame und ungerechte Wegnehmung desjenigen aus, was einem andern gehöret. Das erste ist allgemeiner, ein jedes ungerechte Wegnehmen fremder Güter, welches mit Zwang und Gewalt geschiehet, wird Rauben genannt. Daher kommen die Wörter, ein Räuber, Srrassenraub, Airchenraub, u. s. w. plündern, ist eingeschränkter, und wird am gewöhnlichsten von einer solchen gewaltsamen Wegnehmung fremder Güter verstanden, welche den Soldaten im Kriege bisweilen von ihren Befehlshabern verstattet wird. Das Rauben, ist den Soldaten eigentlich niemals erlaubt, derjenige, welcher darüber ergriffen wird, daß er etwas gerauber hat, wird gemeiniglich gestraft. Das plündern wird ihnen bisweilen anbefohlen. Man verknüpft oft diese Wörter mit einander: Sie rauben und plündern, dann siehet man darauf, daß sie den Befehl ihrer Obern überschreiten, und auch an solchen Orten etwas zu sich reissen, wo es ihnen nicht erlaubt ist. Oder wenn man sagt: Der Feldherr verstattete seinen Soldaten, das Rauben und plündern, so zeiget man an, daß er ihnen nicht nur an gewissen Oertern, die Plünderung verstattet, sondern auch zu andern Räubereien , durch die Finger gesehen und sie nicht gestrafte habe. Das Wort plündern, kommt von Plunder her, man nennet verächtlicher Weife allerlei geringe und schlechte Aufrichtigkeit. Ehrlichkeit. Redlichkeit. :e. 367 te Sachen, einen Plunder. Es würde also heissen: Alles bis auf die geringsten und schlechtesten Dinge wegnehmen. Daher sagt man auch: Jemand auoplündern, das ist, ihm alles bis auss Hemde wegnehmen. Eine Stadt ausplündern: Rein ausplündern. 220. Aufrichtigkeit. Ehrlichkeit. Redlichkeit. Offenherzigkeit. Aufrichtig. Ehrlich. Redlich. Offenherzig. Rechtschaffen. Rechtschaffenheit. H>ie Aufrichtigkeit, ist diejenige Tugend, vermvge welcher wir uns allezeit in Worten und Werken so gegen andere betragen, wie wir wirklich gesinnet sind. Die Ehrlichkeit, bewegt uns in allen Stücken, der Gerechtigkeit und Billigkeit nachzuleben. Die Redlichkeit kommt mit der Aufrichtigkeit überein, und bestehet sonderlich in einer genauen Beob- achtung, unserer Verbindungen, oder alles dessen, wozu wir uns anheischig gemacht haben. Die Aufrichtigkeit stehet der Verstellung, die Ehrlichkeit dem Betrug, und die Redlichkeit der Falschheit entgegen. Man sagt: Er ist ein aufrichtiger Mann, von demjenigen, welcher sich nicht verstellen kann, sondern allezeit so redet und handelt, wie er es wirklich meinet: Ein ehrlicher Mann, von demjenigen, welcher niemals betrüget, sondern allezeit nach Recht und Billigkeit handelt: Ein redlicher Mann, von demjenigen, welcher keine Falschheit begehet, sondern sein Wort halt, und seine Versprechungen erfüllet. Wir sind aufrichtig, wenn wir uns niemals gegen jemand freundschaftlich anstellen, dem wir doch in dem Herzen zuwider sind, sondern wenn wir wollen, daß jemand uns für seine Freunde halten soll, es auch in der That z6Z Auftichtigk^hrlichk. Redliche. Offenherzig?. That sind. Oder wenn wir einem Menschen, der uns über eine Sache befraget, unsere Meinung frei heraus sagen, und ihm nichts verschweigen, von demjenigen, was ihm schaden könnte, ohngeachtet wir Gelegenheit haben möchten, aus solcher Verschmelzung einigen Vortheil zu ziehen, und dergleichen. Daher sagt man: Ein aufrichtiger Freund, von dem, welcher sich nicht verstellet : Er hat mir aufrichtig die Wahrheit gesaget, von demjenigen, welcher nichts von der Wahrheit verschweiget, u. s. f. Wir handeln ehrlich gegen jemand, wenn wir ihm allezeit dasjenige geben, was wir ihm nach Recht und Billigkeit geben müssen; Wenn wir uns niemals mit seinem Schaden zu bereichern suchen, ob wir es gleich unvermerkt thun könnten, u.s. w. Daher kommen die Redensarten: Er hat ehrlich gehandelt: Erhandelt als ein ehrlicher Mann, und dergleichen, von demjenigen , welcher kein Unrecht thut, sondern allezeit giebt, was Recht ist. Wir handeln redlich gegen jemand, wenn wir ihm dasjenige heilig halten, was wir ihm versprochen haben. Z.E. Wenn wir versprochen hätten, ihn in einer Gefahr zu verbergen, es wirklich thun, ob wir gleich selbst deswegen einige Ungelegenheit befürchten müßten. Daher sagt man: Er hat mir sein Wort redlich gehalten: Er hat sein Versprechen redlich erfüllet, und dergleichen. Ein Kaufmann handelt aufrichtig, wenn er die Wahrheit sagt, wie hoch ihm seine Waaren zu stehen kommen, und wie viel Vortheil er haben wolle: Ehrlich, wenn er nicht übermäßigen Vortheil oder Wucher nimmt; Oder im Fall die Waare einige Fehler hätte, solche Fehler selber anzeigt, damit der Käufer nicht betrogen werde: Redlich, wenn er sein Wort halt, und seine Versprechungen erfüllet: Z. E. Im Fall er ver- sprechen hatte, uns eine Waare, welche er wolfeil eingekaufet, Aufrichtig. Ehrlich. Redlich. Offenherzig. :c. 369 kaufet, gegen einen mäßigen Vortheil zu lassen, es auch wirklich thut, ob gleich der Preis dieserWaare unvermu- thet hoher gestiegen wäre. Die Offenherzigkeit, stehet der Zurückhaltung und besonders der Heimtückfchigkeit entgegen, sie kommt in so weit mit der Aufrichtigkeit überein, daß der (Offenherzige so redet, wie er es meinet; Aber die Aufrichs tigkcic, ist allezeit mit der Ehrlichkeit und Redlichkeit verknüpfet, der Offenherzige hingegen, hat bis- weilen keine einzige von diesen Tugenden an sich, seine Eigenschaft bestehet nur darin, daß er ohne Verstellung seine Meinung entdeckt, und redet wie es ihm umö Herz ist. Man kann hier auch noch die Worter Rechtschaf- fenheir und rechtschaffen beibringen: Das Hauptwort (Ludllgmivum) Rechrschaffenheir, ist ein neues Wort, und wird meistentheils nur in den Schriften der Gottesgelehrten angetroffen. Die Rcchrschaffenheir ist der Heuchelei, oder dem blossen äußerlichen Schein entgegen, gesetzt, und bestehet in einer genauen Beobachtung aller unserer Pflichten, aus der Ueberzeugung, daß sie billig und gut sind. Das Beiwort (^ch-ärivum) rechtschaffen, ist sehr gebräuchlich. Man sagt: Ein rechrfchaf- fener Soldat, von demjenigen, der alle Pflichten erfüllet, wozu er sich als Soldat verbunden achtet. Ein rechtschaffener Gelehrter, der alles an sich hat, was zu einer wahren Gelehrsamkeit gerechnet wird. So auch, ein rechtschaffener Bürger, rechtschaffener Freund, und dergleichen. Der Aufrichtige, saget die Wahrheit mit Bedacht, und kann sie verschweigen, wenn es nöthig ist, oder e6 nicht ausdrücklich von ihm gefodert wird, die Wahrheit zu sagen: Der Offenherzige kann sich nicht genug enthalten, er kann nicht gnug verschweigen, was ihm in dem Herzen ist, und entdecket daher bisweilen zur Unzeit, feine Sroschl.TH. Aa eigene Beschirmen. Besthützen. eigene Fehler, und was er Böses gethan hat. Der erste redet so wie er denket, der andcre sagt alles was er denket. Die Offenherzigkeit, ist also öfters ein Fehler; Aber wenn sie mit Ehrlichkeit und Redlichkeit verknüpft, und durch die Klugheit eingeschränket ist, so ist sie etwas Gutes, und eine Tugend. Ein Offenherziger, ist gemeiniglich angenehm in dem Umgänge, und in Gesellschaften. Man bekommt gleich ein Vertrauen zu ihm. 221. beschirmen. Beschützen. AT>enn die Abstammung dieser Wörter mit Gewißheit bekannt wäre, so würde man dadurch, vielleicht auf die eigentliche Bedeutung, und den Unterschied derselben gcführet werden können; Da es aber ungewiß ist, ob das Wort beschirmen, von dem Hauptworte Schirm, eine Bedeckung, oder von dem alten Zeitworte schirmen herzuleiten sey, welches sowol bedecken, als auch streiten oder fechten hieß, und wovon, nach NX-.chters Zeugniß, im Holländischen noch dcis Wort Lcüermmce. Aer, /a»//?tt gebräuchlich ist: Imgleichen ob das Wort beschützen, von 5<:ntum, ein Schild, oder dem alten Celtischen Worte t^ere, oder wie Frisch meinet, von (^utto« seinen Ursprung hat, so kann die Etymologie hier keine Hülfe leisten- Unterdessen, da man beide Wörter, bisweilen mit einander zu verknüpfen pfleget: Irland in Schirm und Schurz nehmen: Schirm und Schulz gewähren 7 Beschirmen und beschützen, so dünkt mich, es sey allerdings ein gewisser Unterschied zwischen ihnen zu machen. Denn unsere Sprache pfleget niemals ohne Ursach, gleichbedeutende Wörter auf folche Weise bei einander zu setzen, und man wird allemal finden, daß dergleichen Verknü. pfmuzen Beschirmen. Beschützen. 371 pfungen einen besonderen Nachdruck haben, und das eine Wort, darin mehr ausdrucket als das andere. Weil nun das Wort Schirm, zuweilen nur eine bloße Bedeckung, oder eine Sache bedeutet, wodurch etwas von uns abgehalten wird; Schurz hingegen, in ge- wissen Fallen, die Vertheidigung bei einem wirklichen Angriffe, und leistung der Hülfe anzeiget, so glaube ich, man werde diesen Unterschied machen können, daß das Wort beschirmen, mehr das lateinische ^roteZere, beschützen hingegen, mehr das Wort a'etcnclerö ausdrucke. Ich gestehe, daß die Wörter beschirmen und beschützen, oft von einerlei Sachen gebraucht werden. Man sagt z.B. Ein guter Pelz beschirmet vor der Kalte, und auch, er beschützet vor der Kalte: Unter dem Dache ist man vor dem Regen beschirmet, und auch bcschürzec, und dergl. Allein zuweilen werden sie doch auch i» der angezeigten verschiedenen Bedeutung genommen, daß nehmlich das erste mehr aus eine Bedeckung oder auf ein Abhalten; das zweite mehr auf eine Vertheidigung siehet. Ein Sonnenschirm, ist eine Bedeckung in der Sonne. Ein Schirm vor dem Bette, halt die Zugluft zurück, oder dienet auch wohl, nur bloß zu verhindern, daß man nicht sehe, was dahinter ist. Man nennet ein Schutzbündnis;, nicht ein Schirmbündniß, dasjenige, wodurch man sich verbindlich macht, einem anderen, im Fall er angegriffen werden sollte, zu vertheidigen und ihm Hülfe zu leisten. Daher dünkt mich, beschirmen könne überhaupt, von einer jeglichen Bedeckung vor einem ' lngriss gesagec werden, welchen man erwartet oder befürchtet, und beziehe sich vornehmlich auf dasjenige, was man thut, um einen Angriff zu verhüten, und sich davor inSicherheit zu fetzen: Beschützen hingegen, sehe mehr auf einen gegenwärtigen Angriff und die Zurücktreibung desselben. Aa 2 So Z?2 Beschirmen. Beschützen. So würde man sagen können: Der Hirte beschirm mer seine Heerde, wenn er dnrch die Achtsamkeit, weiche er darauf hat, und durch die Hunde, welch? er vor sie stellet, die Raubthiere zurück halt, daß sie keinen Anfall wagen dürfen. Er beschützet sie, wenn sie wirklich angefallen wird, und er alsdenn hinzueilet, und sie vertheidiget. Der König beschirmet seine Unterthanen, wenn > er für sie wachet, und alles in solchen Stand zu setzen sucht, daß sie nicht können angegriffen werden, wenn er sie mit seiner Macht gleichsam bedecket, daß kein Angriff auf sie geschehen kann; Er beschützet sie bei einem wirklichen Angriffe, wenn er denselben von ihnen zurück treibet. Und in der Verknüpfung dieser Wörter, Jemand in Schirm und Schurz nehmen: Schirm und Schurz gewahren: Beschirmen und beschützen, würde das erste, sich mehr auf etwas beziehen, was man thut, um jemand vor einem Angriff in Sicherheit zu sehen, oder den Angriff von ihm abzuhalten, das zweite, sich besonders auf die Leistung der Hülse, bei dem Angriffe selbst, und die Zurücktreibung desselben beziehen. Nehmen wir an, daß diese beiden Wörter, von schirm und Schild, icutum^ ihren Ursprung haben, so scheinet die Etymologie selbst, diesen Unterschied zu bestätigen. Denn das Wort Schirm, kann von einer je- glichen Bedeckung gesagt werden, wodurch man vor etwas in Sicherheit gesetzct wird: Das Wort Schild giebt besonders den Begriff einer solchen Bedeckung, die man gegen einen Angriff nöthig hat. Oder wollte man das Wort schützen, von schießen, scvten herleiten, so würde es doch ebenfalls, mehr den Begriff der Zurücktreibung eines wirklichen Angriffes geben. 222. Feindschaft. Groll. t^>icse beiden Wörter, drücken eine widrige Gesinnung "-^ aus, welche wir wider jemand haben. Die Feind- schaft Feindschaft. Groll. z?z schafr legt solche Gesinnung an den Tag, sie sucht öffentlich zu schaden: Der Groll verbirget sie, und schadet heimlich. Man wird niemals, weder Feindschaft noch Groll wider jemand haben, woferne man sich nicht von ihm beleidiget zu seyn dünket, also haben beide cineRachbegicrde zum Grunde. Die Feindschaft aber rächet sich öjsent- lich, sie leugnet es gar nicht, daß sie Gelegenheit suche, das Unrecht wieder zu vergelten. Der Groll verdecket die Nachbegierde so lange, bis er Gelegenheit findet, sie auszuüben, und dann ergreifet er solche Gelegenheit mit Freuden. Die Fcindfchaft gehet gemeiniglich weiter, als der Groll, sie sucht eine stärkere Rache, sie will allen möglichen Schaden thun. Der Groll ist mit einer geringeren Rache zufrieden, er will nur in einigen Stücken schaden. Hingßgen dau- ret er auch gemeiniglich langer, und ist nicht so leicht zu versöhnen. Man leget oft zwar die Feindschaft ab; Aber man behalt noch Groll in dem Herzen. 22z. Faul. Träge. Nachläßig. Läßig. Verdrossen. aul, begreift einen Mangel der Arbeitsamkeit und des Fleisses: Träge, einen Mangel des Eisers: Nach- läßig, einen Mangel der Achtsamkeit: Lässig, beides den Mangel der Achtsamkeit und des Eifers: Verdrossen, den Mangel der Lust in sich. Der Faule, will beständig still sihen, er scheuet alle Bemühung und Arbeit. Der Trage, hat einen geringeren Grad der Faulheit, er arbeitet wol bisweilen, aber ohne Ernst und Eifer. Der Nachlässige, verrichtet seine Arbeit nur obenhin, ohne die gehörige Sorgfalt und Achtsamkeit, oft lasset er sie auch gar liegen. Bei dein Aa z Läßi- z/4 Faul. Träge. Nachläßig. Läßig. Verdrossen. Lästigen ist Trägheit und Nachlästigkeit, mit einander verknüpft, er bemühet sich nicht gerne, und wenn er es thun muß, so thut er es, sowol ohne Ernst und Eifer, als ohne Sorgfalt und Achtsamkeit. Wer verdrossen ist, thut alles mit Unlust und Widerwillen, wenn er gleich bisweilen geschwinde fortarbeitet, so ist ihm doch seine Arbeit verdrüßlich. Den Faulen und den Trägen, kann man durch nichts zur Arbeitsamkeit und zum Fleiß bewegen, ihrFeh- ler steckt grossen Theils in der Natur, und in der Beschaffenheit des Körpers: Si? lieben die Ruhe und das Stillsitzen mehr, als alle Vortheile, welche ihnen aus der Arbeit zuwachsen könnten, und werden nicht leicht eine Arbeit verrichten, wo sie nicht durch die Noth, oder durch die Empfindung eines Uebels, dazu gedrungen werden. De-r Nachläßige, kann durch Bestrafung seiner Unachtsamkeit, oder durch einen grossen Vortheil, welchen er bei sorgfaltiger Verrichtung siiner Arbeit erlanget, achtsam und sorgfältig gemacht werden. Eben das kann auch bisweilen den Lästigen bessern, wiewol er niemals lanZe inchem Eifer bei eincrArbeit anhalten wird. Wer z» einer Arbeit verdrossen ist, dem kann man nicht anders, als durch Vorstellung grosser Vortheile, dazu iust erwecken. Es scheinet, als ob das Wort Lästig, etwas zu veralten anfange, unterdessen findet man es doch noch in den meisten Wörterbüchern, und in der Bibel stehet es auch an verschiedenen Orten. Z. E. Sprüchw. !o, 4. Lästige Hand machet arm. Imgleichen Sprüchw. 12,24. Fleis- sige Hand wird herrschen; Die aber lästig ist, wird müs- sen zinscn. Ebendas. V. 27. Einem Lästigen gerath sein Handel nicht, u. f. In der Zusammensetzung aber ist es noch gebrauchlich. Man sagt: Nachlässig, Hin lästig, und dcrgl. 225. Ar- Arbeit. Werk. Z75 224. Arbeit. Lperk. /Eigentlich drücket das Wort Arbeit, die Bemühung ^ aus, welche man sich bei Verfertiqnng einer Suche giebt. lVerk hingegen, die verfertigte Sache selbst. Man braucht aber auch beide Wörter, von einer verfertigten Sache, doch mit dem Unterschiede, daß alsdann Arbeit mehr eine Sache anzeiget, welche mit Handen gemacht ist. N?erL hingegen, eine Sache, woran der Verstand gearbeitet hat. Wenn ein Künstlei' oder Handwerker, etwas smbereS lind artiges a/macht hat, zum Exempel: Eine schöne Bildsaule, ein schönes Gemählde, citisn bequemen oder zierlichen Schrank, und dergleichen, so sagt mau: Es ist eine' schöne oder saubere Arbeit. Hergegen, von einem guten und nützlichem Buche: Es ist ein gutes oder nützliches N?crc'. Man sagt von einer Uhr: Es ist eine saubere oder kostbare Arbeit, in Absicht auf die äußerliche Schönheit derselben, auf die angebrachten Zierrathe, und dasjenige, was die Hände des Künstlers gemacht haben. Man sagt acher auch: Es ist ein künstlich-s lVerk, wenn der Künstler darin seinen Verstand gezeiget, und eine besondere Kunst bewiesen hat. 225. Der Andere. Der Zweite. Gottsched sagt in seiner Sprackkunst: «Viele pfle- „gen so zu zahlen: Der erste, andere, dritte, „vierte, aber falsch: Es muß heißen, der Zweite. Denn „wie im tateine auf pi imu-, nicht alter, sondern secunclu; „folget: so ist es auch im Deutschen. Wenn nur zwei „Dinge sind, so kann man gar wohl sagen, das eine, das .^andere, wie sich im tateine, alter auf alter beziehet. „Auf den ersten aber, muß der zweite folgen. „ Es sind ihm hierin einige gefolget, und vielleicht möchte es nicht unrecht, sondern vielmehr der Natur der Aa 4 Spra- z?6 Der Andere. Der Zweite. Sprache gemäßer seyn, wenn man diesen Unterschied beobachtete, welcher auch in anderen Sprachen Statt findet. Der Engelländer, wird auf rlie fü ll, nicht tn'ockei-, der Franzose, auf Premier nicht 1'autre im Zahlen folgen lassen. Unterdessen ist es doch gewiß, daß man in unserer Sprache, von den ältesten Zeiten her, das Wort der andere, auch sür der zweite gebraucht hat, so wie es noch jetzt, von den mehresten geschiehet, wie Herr Adelung im Wörterbuche mit vielen Beispielen zeiget, und die Gottschedische Regel, ist also dem allgemeinen Gebrauche zuwider. Wer ihm folgen will, wird zwar keinen Fehler bege- hen; Allein man muß auch nickt den gegenseitigen Gebrauch, für falsch erklären, und als einen Sprachfehler verdammen. 226. Belangen. Ansangen. Angehen. Betreffen. L^n dem Verstände, da diese Wörter ein Antheil aus- drücken, welches wir an einer Cache nehmen, sind sie a.leichbedeutend, und werden oft ohne Unterschied gebraucht. Man sagt fthr gewöhnlich von einer Sache: In so weitste mich belanget, mich anlanget, mich angehet, mich kerrifr, ohne darauf zu sehen, ob wir ein grosses, oder geringes Antheil daran nehmen. Unterdessen steigen doch diese Wörter staffelweise, das eine drücket mehr aus, als das andcre, und wenn man mit vollkommener Richtigkeit reden will, so muß man den Unterschied zwischen ihnen zu bestimmen suchen« Mich dünkt, wenn man auf die Redensarten Acht hat, von welchen fie hergeleitet werden, so wird man diesen Unterschied finden können.' Was nur bis an uns langer, und nicht weiter kommen kann, das trift uns nicht sehr. Anlangen, würde man Belangen. Anlangen. Angehen. Betreffen. Z77 man also von einer Sache sagen können, woran wir zwar einiges Antheil nehmen, aber nns doch nicht sehr darum bekümmern. Es drucket blos ein gewisses Verhältniß gegen eine Sache aus. So sagt man: Was mich anlanget, bin ich damit zufrieden, das ist, in so weit wie diese Sache ein Verhältniß gegen mich hat, kann ich damit zufrieden seyn. Was diese Sache anlanget, so mag sie gehen wie sie will, ich werde mich nicht darum bekümmern. WaS deine Aufführung anlanget, so kann mir dieselbe ganz gleichgültig seyn, und dergl. Belangen bedeutet eigentlich ein wirkliches Erreichen, und figürlich sagt man in dem Kanzellei-Styl: Eine Sache von Oelang, für eine Sache von Wichtigkeit. Imgleichen, jemand rechtlich, oder vor Gericht belangen, für verklagen. Es scheinet also schon etwas meh- reres auszudrucken, und einen gewissen Einfluß einer Sache, auf eine andere anzuzeigen. Dieser Proceß belanget auch mich, das ist, er hat einen Einfluß auf meine Umstände. Angehen, wird oft für angreifen gebraucht: Jemand mit dem Degen in der Faust angehen, hart angehen, mit harten Worten angehen, u. f. w. Bisweilen zeiget es auch eine Verbindung an, worin wir mit jemand stehen: Er gehet mich nichts an, das ist, er ist nicht mit mir verwandt, und man braucht es, wie ^err Adclung richtig bemerket, am besten von solchen Dingen, wo eine Theilnehmung des Herzens angedeutet werden soll. Z.B. Die Ermahnung gehet dich an: Was dem einen gesaget wird, gehet die anderen alle an. Was gehet es dich an? das ist, dein Herz darf daran kein Antheil nehmen. Ios. 22. v. 24. Was gehet euch der Herr an? Das Wort betreffen, hat auch in anderen Fällen, allemal eine starke Bedeutung. Man sagt: Von vielem Unglück betroffen werden: Es hat ihn ein großer Ver- lust betroffen: Er ist im Diebstahl betroffen worden: Aa 5 Er 378 Belangen. Anlangen. Angehen. Betreffen. Er wor über diese Sache ganz betroffen, und dergleichen. Auch daö einfache treffen, bedeutet zuweilen so etwas, was uns besonders nahe gehet, und empfindlich oder schmerzlich ist. Ein Schlag, ein Schuß, ein Wurf, welcher uns trifft, ist uns sehr empfindlich. Mich dünkt daher, daß auch in diesem Verstände, worin das Wort betreffen, mit den vorhergehenden ähnlichbedeutend ist, es eine stärkere Bedeutung habe, und in den mehresten Fallen, besonders von solchen Dingen gebraucht werden könne, wodurch wir empfindlich gerühret werden. Z. B. Das Unglück meines Freundes betrifft auch mich, ist starker, es drucket ein größeres Antheil aus, als wenn ich sage, das Unglück meines Freundes gehet auch mich an. Ich will thun, oder, ich will mich diestr~Sache annehmen, als ob sie mich selbst berrafe, scheinet mir stärker zu seyn, und eine größere Theilnehmung auszudrücken, als die Redensart: Ich will thun, als ob diese Sache mich selbst anginge. Es betrifft die Wohlfarth des gan« zen Landes, ist starker, als es gehet die Wohlfarth des ganzen Landes an. In einigen Redensarten ist der Unterschied, zwischen allen diesen Wörtern, sehr merklich. Man wird nicht sagen: Die Ermahnung langet auch an mich. Das Unglück meines Freundes belanget auch mich. Ein gu- teS deutsches Ohr merket es gleich, daß in der ersten Redensart, das Wort angehen, - in der zweiten das Wort betreffen, sich besser schicke, und Nachdrücklicher sey; Und wer nur erst genau Acht geben will, der wird leicht finden, wie diese Wörter staffelweise steigen, und in welchem Falle jegliches gebraucht werden müsse. Wenn ich sage: In soweit wie diese Sache mich anlanger, so gebe ich bloß zu verstehen, daß ein gewisses Verhältniß derselben gegen mich sey; In so weit sie mich belanget, zeiget einen gewissen Einfluß derselben auf meine Umstände an; In s? weit sie mich angehet Weg. Bahn. Strasse. Pfad. Steig. 379 gehet, gibt zu erkennen, daß mein Herz auf gewisse Weise daran Theil nimmt; In so weit sie mich dcrnffc ist noch stärker, e6 zeiget an, daß ich dadurch gerührt bin, und druckst noch eine größere Thcilnehmnng aus. 227. U?eg. Bahn. Strasse. Pfad. Steig. an bezeichnet mit diesen Wörtern, diejenige Strecke Landes, auf welcher man von einem Orte zum andern reiset. tVeI, ist das allgemeine Wort,, man braucht es sowol von einer breiten als schmalen Strecke Landes, so- wol wenn sie viel, als wenn sie wenig von Reisenden betreten wird. Man nennet auch 5Veg, besonders den Eindruck, welchen die Wagenräder der Reisenden, in der Erde gemacht haben. So sagt man: Dieser 5Vcg, führet dahin. Es war so dunkel, daß man den Weg nicht sehen konnte, und dergleichen. Man sagt auch uneigentlich, der lVcg, von einem jeglichen Raum, welchen man von einem Orte zum andern zurück leget. So stehet: Sprüchw. zo, 19. Des Adlers lVeg im Himmel, der Schlangen lVcI aufeinem Felsen , des Schiffs N)eg mitten im Meer. Es ist sehr gewöhnlich, daß man sagt: Das Schiff hat schon einen weiten 5Veg zurück geleget. Es hat seinen lVeg dahin genommen, und dergleichen. Bahn, heißt ein sehr betretener tVeg, auf wel- chem viele Leute reisen. Sosagtman: Von diesem Orte nach jenem, kann man nicht irre fahren, denn man findet überall eine grosse Bahn vor sich. Man nennet Schlittenbahn, einen Weg, wo schon viel Schlitten gefahren sind- Die Bahn brechen, heißt, zum ersten male aufeinem Wege reisen, und ihn für die Nachfolgen, den schon bequemer machen. Wenn tiefer Schnee gefallen ist, ist es nicht gut, aufeinem Wege zuerst zu fahren. Z8o Weg. Bahn. Strasse. Pfad. Steig. ren, weil man keine Bahn findet, sondern überall die Dal)n erst brechen muß. Strasse, ist ein grosser breiter ^VeI. Man sagt: In der Strasse bleiben, wenn man allezeit dem breiten Wege nachfahret, ohne a»ft>iekleinenNebenwegezufah. ren. Daher kommen die Wörter: L.andstrasse, das ist, ein grosser breiter Weg, welcher auf Kosten des Landes, unterhalten wird, ^»eerstrasse, das ist, ein breiter Weg, worauf ein ganzes Heer gemächlich reisen kann. Beide Wörter, ^Veg und Straße, werden auch bisweilen von einer gewissen Strecke auf dem Meere gesagt, z. B. Aus dem A?ege von Hamburg nach London, hat das Schiff einen heftigen Sturm ausgestanden. Dle Schiffleute sagen, wenn sie von weiten, den Lauf eines Schiffes beobachten: Es halt diese, oder jene Straße. Die Meerenge von Gibraltar, heißt besonders die Straße, und weil alle Ena/llandische und Hottandische Schisse, welche nach der Levante handeln, dadurch fahren müssen, so hat man solchen die Benennung der Straßfahrer beigeleget. Imgleichen nennen wir Milchstraße, eine Menge bleicher Sterne, welche in unseren Augen, als ein breiter weißlicher Strich am Himmel erscheinen. Vermuthlich weil die alten Dichter gesaget, daß dieser weiße Strich, von der Milch der Juno gemacht sey, und ihn zuweilen als den Weg, oder die Straße vorgestellet haben, aus welche die Götter, oder die Bothen der Götter zur Erde hernieder gekommen. In den Städten nennet man Strasse, den gepflasterten breiten Weg zwischen den Häusern, da man hin» gegen die engeren, gemeiniglich Gassen nennet. Pfad, ist derjenige tVeg, den die Fußgänger neben dem grossen Fahrwege gemacht haben, welcher gemeiniglich dichter, und zum Gehen bequemer ist. Frisch sagt bei Loben. Rühmen. Preiset?. M bei dem Pfad, es kömmt mit 7?«?--^ übel ein conculcc,. Die Niederdeutschen sagen Pfad, wie sie denn über» Haupt, diejenigen Wörter, welche im Hochdeutschenein Pf haben, mit einem bloßen p auszusprechen pflegen, als perd für Pferd, Pahl für Pfahl u. s. w. Einige dieser Mundarten, brauchen noch jetzt daS Zeitwort pedden für treten, nedderpedden, für niedertreten. Vermuthlich ist dieses das Stammwort von pad oder Pfad, welches also einen Gang bedeuten würde, der sehr betreten, oder durch vieles Gehen vestgetretcn ist. Steig, oder Fußsteig, kommt mit Pfad überein, man verstehet aber besonders einen solchen U)eg dadurch, welcher den Fußgängern, über das Feld vergönnet wird, weil er ebener oder kürzer ist: Oft wird ein solcher Steig mit einem niedrigen Zaune zugemacht, damit die Fußganger übesteigen können, aber niemand darauf reite, oder mit einer Schubkarre darauf komme. Vielleicht ist das Wort Steig, von solchem Uebersteigen herzuleiten. Einige schreiben e6 auch Steg, und man findet die Redensarten: Weder 5Veg noch Steg sehen: Weder Stege noch N)ege wissen; Hier aber scheinet Steg, vornehmlich um des gleichen Lauts willen gebraucht zn seyn. Da Steg auch bisweilen einen Balken oder starkes Brett bedeutet, welches über einen Graben oder schmalen Fluß geleget wird, damit man zu Fusse hinüberkommen, und sich etwas in die Richte gehen könne, so dünkt mich, es sey besser zum Unterschiede, wenn von einem Wege der Fußganger die Rede ist, Steig zu schreiben. So wird es auch in der Bibel gefunden. Pf. 17, 5. Er- halte meinen Gang auf deinen Fußsteigen. Ps. 119,95. Führe mich auf dem Steige deiner Gebote. 228. Toben. Rühmen. Preisen. )er Gebrauch felbst lehret uns diefe Wörter unterscheiden: und man wird sie nicht leicht einv für das an. der« z82 Loben. Rühmen. Preisen. dere sehen. Unterdessen ist es doch so leicht nicht, den eigentlichen Unterschied derselben recht genau zu bestimmen. Folgendes wild ihn einigermassen deutlich machen. 1) Diese Werter steigen staffelweise, Rühmen ist mehr als Loden, und preisen mehr als Loben und Rühmen. Man lober jemand, wenn man auch nur etwas Gutes von ihm sagt. Man rühmet ihn, wenn man das Gute schon mehr erhebt, und preisen begreift die größte Lobeserhebung in sich. 2) Wir loben jemand/ in der Absicht, daß wir die gute Meinung, welche wir von ihm haben, an den Tag legen wollen. Es sey nun, daß wir es in seiner Gegenwart, und gegen ihn selber thun, damit er wissen soll, daß wir ihn hoch achten : Oder in Gegenwart anderer, damit sie von unserer Hochachtung, welche wir für jemand haben, unterrichtet werden. Wir rühmen jemand, in der Absicht, daß wir ihm die Hechachtung anderer Menschen wollen zuwege bringen. Wir erzehlen allerlei Gutes von ihm, und machen seine gute Eigenschaften bekannt , damit andere ihn hoch schätzen sollen. Wir preisen jemand, um grosser und wichtiger Dinge willen, die er gethan hat, wenn wir sie überall bekanntzu machen suchen, und auf eine ganz besondere Weise erheben, damit wir nicht nur zu erkennen geben, wie hoch wir selbst ihn deswegen schätzen, sondern auch eben solche Hochschatzung bei andern, gegen ihn erwecken mögen. z) Loben, wird mehr von dem Verhalten und den Handlungen, Rühmen, mehr von den Thaten und Sachen gebraucht. Man lobet die Aufführung eines Feldherrn, man rühmet seine Heldenthaten. Wenn ich von jemand sage: Er ist ein ehrlicher und redlicher Mann, so lobe ich ihn schon, und gebe zu erkennen, daß ich selber ihn hoch achte. Will.ich ihn aber rühmen, so muß ich seine Thaten, womit er die Ehrlichkeit und Redlichkeit bewiesen hat, erzehlen, und sie bekannt machen, damit andere Loben. Rühmen. Preisen. M andere ihn ebenfalls deswegen hochschätzen mögen. Der Herr lodere den ungerechten Haushalter, da er über» Haupt sagte, er habe klüglich gehandelt. Luc. 16,8. Pau- lus konnte sich vieler Vorzüge rühmen, die er aber nrn des Evangclii willen hindan geseßethatte. Phil, z, 4.«. f. preisen, wird nur von sehr grossen und wichtigen Dingen gebraucht. Man preiset die weise Regierung eines Königes. Salomo wurde überall, wegen seiner grossen Weisheit, gepriesen. Sonderlich bedienet man sich dieses Worts in Absicht auf Gott: Gott preisen. Und wenn man alle drei Wötter mit einander verknüpfet: Gott loben, rühmen und preisen, so hat das e.ste eine Beziehung darauf, daß man überhaupt Gntes von Gott sagt, um die innerliche Hochachtung nnd Verehrung, welche man selber gegen ihn hat, an den Tag zn legen: Das zweite darauf, daß man seine herrliche Eigenschaften oder Wohlthaten bekannt macht, um auch bei andern eben solche Hochachtung und Verehrung gegen ihn zu erwecken: Das dritte daraus, daß wir seine herrliche Eigenschaften und Vollkommenheiten, auf eine ganz besondere Weise erheben, um beides, sowol unsere Verehrung gegen ihn an den Tag zu legen, als auch andere zu eben solcher Verehrung zu bewegen. Das Wort preisen, wird nur mit dem einzigen Vorworte, an, zusammen geseßet, anpreisen, dann aber bekommt es einen andern Sinn, es heißt, eine Sache vor jemand loben , in der Absicht, daß er sie erwählen soll. Der Kaufmann preiset seine Waaren an. Anm, Einige brauchen das Wort Preisen, als ein richtiges Zeitworr: Ick preise, ick preiscle, ick habe gepreiser. So wird es in der Bibel gesunden. Z. E. Matth. 15, zi. Sie preiscten den Gott Israel. Luc. 2, Z8, Hanna preisere de-, HErrn. Andere machen ein unrichtiges Zeitwert daraus. Ick preise, ick pries, ick habe gepriesen. So setzet es Gottsched in der Cprachkunst, auf dcr ?z? Seite. Frisch nimmt beides für gut an. Siehe Irisch Wörter». Sn'te6s. 229. Zic- 384 Zittern. Beben. 229. Zittern. Beben. iA>iese Wörter drücken eine ungewöhnliche, hin und her —Bewegung eines Körpers aus, mit dem Unterschiede, daß eine zitternde Bewegung, geschwinder und kürzer, eine bebende, langsamer, aber starker ist. Man sagt: Die Erde zittert, wenn es scheinet, als ob sie sich unter unsern Füssen, geschwinde hin und her bewegte, wie gemeiniglich geschiehet, wenn eine grosse jast danieder fällt, eine Mauer einstürzet, ein Geschütz gelöset wird, und dergleichen. Die Erde bebet wenn wirklich einige Theile derselben, sich auf und nieder bewegen, so, daß die darauf stehenden Gebäude mit bewegt werden, und endlich einfallen müssen. Der Mensch zittert, wenn durch eine ungewöhnliche Wallung des Geblüts, seine Glieder sich geschwinde hin und her bewegen. Er bebet, wenn der ganze ieib mit einer langsameren, aber heftigeren Bewegung, von einer Seite zur andern weichet, als ob er fallen wollte. Man verknüpft auch beides zusammen: Er zittert und bebet, und drücket alsdann durch das erstere, die geschwinde Bewegung der Gliedmassen, durch das andere: die lang, saniere Bewegung des ganzen ieibes aus. Gemeiniglich zittert der Mensch, vor Furcht, oder vor Kalte, oder auch vor Alter: Er beber, vor heftigen Schrecken, oder, wenn er in Ohnmacht fallen will. 2zo. Genug. Genugsam. Zur Genüge. !ese Wörter zeigen eine gewisse Menge von einer Sa« che an, welche wir zu etwas brauchen. Das erste aber beziehet sich auf eine solche Menge, welche wir verlangen: Das zweite auf eine solche, welche wir wirklich brauchen: Das dritte, auf eine solche, als nöthig ist, unsere Absichten zu erreichen. Man hat genug, wenn man nicht mehr verlanget: Man hat genugsam, wenn man nicht mehr brauchet: Man Genug. Genugsam. Zur Genüge. z85 Man hat zur Genüge, wenn man so viel hat, daßman dadurch seinen vorgesetzten Zweck erlangen sann. Man sagt: Es ist genug, wenn man so viel von einer Sache hat, als man davon haben will: Es ist genugsam, wenn man so viel hat, alö nöthig ist: Es ist Zur Genüge, wenn so viel da ist, daß wir unsere Absicht damit erreichen können. Ein Geiziger, hat niemals genug, denn er will immer ein mehrcres haben. Ein Verschwender, hat nie« mals ein genügsames Auskommen, weil er immer mehr ausgeben will, als er einnimmt. Ein zufriedener Mensch, hat bald zur Genüge, weil sich seine Absichten nichtweit erstrecken. Wenn ich zu jemand sage: Du hast genug gearbeitet, so zeige ich an, daß ich nicht mehr Arbeit von ihm verlange. Wenn ich sage: Du hast genugsam gearbeitet, oder genügsame Arbeit gethan, so zeige ich an, daß er so viel gearbeitet hat, als nöthig ist. Wenn ich sage: Du hast zur Genüge gearbeitet, so zeige ich an, daß die Arbeit, die er gethan hat, zu Erreichung meiner Absichten hinlänglich ist. Ich habe Auskommen genug, wenn ich nicht mehr verlange. Ich habe ein genügsames Auskommen, wenn ich nichr mehr brauche, und so viel habe, als zu meinem Unterhalt, nach dem Stande, worin ich lebe, nöthig ist. Mein Auskommen ist mir zur Genüge, wenn ich damit meine Absichten erreichen, und auf die Art und Wcise leben kann, wie ich es mir vorgenommen habe. 251. Vollbringen. Eichigen. Gin Ende machen. an vollbringet eine angefangene Sache, indem man daran zu arbeiten fortführet, bis man sie so weit bringet, wie man sie haben wollte. Man endiger sie, wenn sie so weit gekommen ist, daß man die letzte Hand anleget. B b Man zg6 Vollbringen. Endigen. Ein Ende machen. Man macht einer Sache ein Ende, wenn sie nicht langer währen soll, und man eö so weit bringer, .daß sie aufhören muß. Vollbringen, giebt also den Begrif, der weiteren Arbeit an einer Sache, bis man siezuihrem letzen Punkt bringet. Endigen, beziehet sich aufdiesen letzten Punkt, oder auf die letzte Arbeit selbst, welche man daran thut. Ein Ende machen, führet den Begrifeincr Aufhörung mit sich, daß diese Sache nicht weiter fortgesetzet werden soll. Wir vollbringen ein Geschäfte, welches uns aufge- tragen ist,, wenn wir so lange daran arbeiten, bis wir es zu Stande gebracht haben. Wir endigen eine Reise, wenn wir den letzten Theil des Weges zurück legen, oder die letzten Schritte thun. Wir machen einem Streit, oder einem Hermen, ein Ende, wenn wir es soweit bringen, daß er aufhören muß. Der Noth oder dem Elend ein Ende machen, das ist, machen, daß die Noth oder das Elend aufhöret. Der Lust ein Ende Machen/ das ist, Machen, daß die just aufhören Man kann sagen: Ich habe meine Reise vollbracht, und diese Redensart beziehet sich vornehmlich, aufdiebe- ständige Fortsetzung derselben, bis man zu dem bestimm« ten Ort gekommen. Man kann auch sagen: Ich habe meine Reise Ieendiget, uud siehet alsdann mehr darauf, daß man den letzten Theil des Weges zurück geleger hat. Eine Rechtssache wird geendiget, wenn der Richter darin einen Spruch thut, und den Streit nach den Rech» ten entscheidet. Es wird ihr ein Ende gemacht, wenn sie durch einen Machtspruch aufgehoben, und den streitenden Partheien, das fernere Rechten verboten wird. 2zs. Ge- Gesicht. Erscheinung. z8? 2Z2. Gesicht. Erscheinung. L^n demjenigen Sinn, worin diese Wörter einiger mas- ftn gleichbedeutend sind, zeiget Gesicht, bloß eine innerliche Vorstellung in dem Gemüthe des Menschen an. Erscheinung hingegen so etwas, welches in dieäusser- lichen Sinne fallt, einen Vorwurs, der sich wirklich unseren Augen darstellet. In den ehemaligen Zeiten, hatten die heiligen Man. ner und Propheten, beides Gesichte und Erschein»»? gen. In einem Gesichte ward dem Abraham dn-Isaac verheißen, und es war eine Erscheinung der Engel, welche zu ihm kamen, und ihn von dem bevorstehenden Untergange der Städte, Sodom und Gomorrha, benachrichtigten. Durch ein Gesicht ward dem Joseph befohlen, nach Egypten zu fliehen. Die Erscheinung Christi selbst, nach feiner Auferstehung, überzeugte die Jünger von der Wahrheit derselben. Zu unseren Zeiten haben die göttlichen Gesichre und Erscheinungen aufgehöret, weil sich Gott der HErr genugsam in seinem Worte geoffenbaret hat; Allein man findet doch noch jeßo bisweilen schwärmerische Menschen, welche sich einbilden, Gesichte und Erscheinungen zu haben, die aber nur blos von den wunderlichen Vorstellungen herrühren, so sie sich in ihrem Gemüthe Machen. Es sind auch furchtsame Menschen, denendie Furcht bisweilen des Nachts, Erscheinungen der Geister und Gespenster vorstellet, die noch keinen andern Grund, als in ihrer Einbildung haben, Nach welcher sie gewisse Dinge, ganz anders ansehen, als sie in der That sind. 2n. Ganz. Vollständig. Vollkommen. /Aanz, nennet man in dem eigentlichen und physischen Verstände dasjenige, was nicht zerrissen, oder von einander getrennet ist, sondern noch aus allen seinen Theilen bestehet. Bb, Voll- z83 Ganz. Vollständig. Vollkommen. Vollständig, wird nur allein von solchen Sachen gesagt, welche viele Eigenschaften an sich haben, oder aus vielen Theilen bestehen, die in einer gewissen Ordnung unter sich gefetzet sind. Solche Sachen sind vollständig, wenn es ihnen an keinen vondenenjenigen Theilen mangelt, wodurch sie zu dem Gebrauch, wozu sie dienen sollen, bequem gemacht werden. Allein dieses Wort drücket noch nicht so vielauö, als vollkommen. Eine Sache kann vollständig seyn, und alle nöthige Eigenschaften haben, aber diese Eigenschaften noch nicht in dem höchsten Grad besitzen. Eine vollkommene Sache hingegen, hat nicht nur alle nöthige Eigenschaften , sondern hat auch jegliche davon in dem höchsten Grad, der zu ihrer Bestimmung nöthigist. Ein Glas ist ganz, so lange eö nicht zerbrochen ist. Eine Zahl ist vollständig, wenn nichts daran fehlet. Ein Engel ist vollkommen, weil er nicht nur alle Eigenschaften an sich hat, die zu feiner Bestimmung nöthig sind, sondern sie auch in dem höchsten Grade besitzt, dessen er fähig ist. Ein Buch ist ganz, wenn es nicht zerrissen ist, und keine Blatter fehlen. Ein Wörterbuch ist vollständig, wenn alle Wörter, nach ihren mancherlei Bedeutungen, darin gefunden werden, und es würde vollkommen seyn, wenn es nicht nur alle Wörter derganzen Sprache, und ihre verschiedene Bedeutungen, sondern auch alle besondere Redensarten in sich enthielte. In einem uneigentlichen Verstände braucht man daS Wort Ganz, auch von der Seele des Menschen, und ihren Handlungen, oder solchen Dingen, wobei die Seele mit beschäftiget ist. Man sagt: Von ganzer Seele. Seine ganze Aufmerksamkeit auf etwas richten. Jm- gleichcn in einem sehr weitlauftigen Verstände, von dem Beisammensein aller Theile einer Sache. Die gan? ze Rede, die ganze Sprache, daöganzeHaus durchsuchen, Gaiy, Vollständig. Vollkommen.' 389 suchen, ganz austrinken, das ganze Volk, und der- gleichen. Vollständig, wird nur von solchen Werken gebraucht, die aus mancherlei Theilen bestehen, welche der Verstand des Menschen in eine gewisse Ordnung gebeacht hat. Daher s.igt man nicht: Ein vollständiger Tisch, eine vollstängige Mauer, denn diese Dinge bestehen nicht aus mancherlei Theilen, und sind nicht Werke des Verstandes. Aber ein vollständiges Buch, eine vollständige Zahl, ein vollständiger Entivurs, u. s. m. In dem strengsten Verstands, ist niemand vollrom- men, als allein Gott, weil er allein alle Tugenden besitzt, und in einer jeglichen unendlich ist. Man sagt auch: Hier auf der Welt ist kein Mensch vollkommen, weil kein Mensch alle Tugenden an sich hat, und in de- nenjenigen selbst, die er wirklich besitzet, sich noch immer Mangel befinden. Hingegen, in der Ewigkeit werden wir vollkommen werden, weil wir alle Tugenden, in dem höchsten Grade besitzen werden, dessen wir unserer Natur nach fähig sind. Die unendliche Vollkommens heit aber, bleibt allezeit einzig und allein, eine Eigenschaft des höchsten Wesens. In dem gemeinen Umgange, nennen wir bisweiten einen Menschen vollkommen, wenn wir keine Fehler an ihm wahrnehmen. Wir sagen: Eins vollLomme- ne Schönheit, von einer Person, welche unseren Gedanken nach, alle Eigenschaften der Schönheit, in dem höchsten Staffel besitzet: Ein vollkommener Mann, von demjenigen, welcher die Jahre des männlichen Alters völlig erreichet hat, oder auch tn einem andern Sinn, von demjenigen, an welchem uns keine Fehler bewußt sind, und dergleichen. Bb 3 2Z4. Last- Last, Bürde, 2Z4. L-ast. Bürde. an zeiget mit diesen Wettern etwas schweres an, was jemandenzu tragen auferlegt wird, nuristdie Last, nicht so schwer als die Bürde. Man nennet daher bis. weilen eins Last, dasjenige, was man ordentlicher Weise tragen kann. Die Last, welche ein Mann den ganzen Tag über tragen soll , muß sich nicht über vierzig Pfund erstrecken, sonst wird es ihm Zu sauer, und er kann es nicht aushalten. Man nennet eines Kameels Käst, so viel als ein Kamee! tragen kann. Hingegen nennet man Bürde, dasjenige, was einem Menschen auferlegt wird, und was er tragen muß, und das Wort Bürde 7 führet allezeit den Begrif einer Beschwerlichkeit mit sich. Eine Last kann man biöwei, len tragen, ohne viel Mühe und Kräfte anzuwenden. Man kann z. E. sagen: Dieser Mann ist so stark, daß er die Last, welche der andere nicht heben konnte, ohne Mühe auf seine Schultern warf, und damit so hurtig fort lief, als ob er nichts trüge. Eine Bürde ist allemal schwer, und wenn man von jemand sagt: Er traget eine Bürde, oder er muß diese Bürde tragen, so ist allemal der Begrif damit verknüpfet, daß sie ihm zu tragen schwer und sauer wird. Eine Bürde zu tragen, erfodert alle Mühe und Kräfte des Menschen. Last, scheinet auch mehr eine Beziehung, auf die Schwere der Sache selbst zu haben. Bürde, mehr auf die Beschwerlichkeit, welche derjenige empfindet, der sie trägt. So sagt man: Du kannst die Last nicht tragen, in Absicht auf die Sache selbst, welche zu schwer ist. Diese Sache wird mir endlich zur Bürde, das heißt, ich fühle, daß sie mir beschwerlich und sauer wird. DaSje. nige, was einen starken Mann nur eine ordentliche Last ist, wird dem schwächeren schon zu einer Bürde. Auch dieses kann man als einen Unterschied, zwischen den Wörtern Last und Bürde bemerken; Daß mit dem Worte Last. Bürde. Worte Bürde, in dem eigentlichen Verstände worin es mit Last übereinkommt, und so viel heißt al- dasia- teinische vin>5, allezeit der Begrif des Tragens verknüpfet ist, das Wort Last hingegen, nicht cllcnial die. sen Begrif mit sich führet. Eine Bürds wird allemal getragen, oder zu tragen aufgeleget: Eine Last wird zwar biöweilen getragen, aber sie kann auch gezogen odergefchlep- pet werden. Und wenn von dem Ziehen, oder Schleppen, oder einer anderen Weise des Fortbringens einer schweren Sache die Rede ist, so braucht mau allemal daöWorr Last. Man sagt nicht: Die Pferde haben eine schwere Bürde zuziehen, oder, dieser Mann zog eine schwere Bürde hinter sich her; sondern: Die Pferde haben eine große Last zu ziehen: Er zog eine schwere Last hinter sich her. Man sagt ganz wohl: Ungeheure tasten, welche tausend Arme nicht zu bewegen im Stande sind, können durch die Werkzeuge der Bewe. gungskunst, wmn man Winden, Rollen, Hebebaume und dergleichen gebraucht, auf eine leichte Weise fortgeschaffet werden; Aber man wird nicht sagen: Ungeheuere Bürden, können durch die Werkzeuge der Bewegungskunst, auf eine leichte Weife fortgebracht werden. Anmerk. Hr. Adclung sagt von dem Worte Vkrde, ,,E« ,,hat freilich den Ncbenbegriff der Schwere bei sich, allein es ist „unerweislich, daß es mehr oder weniger als Lust bedeute.,» Diese« ist zwar in so weit richtig, wenn von dem Gewichte, oder der Schwere selbst, und dem Maaße derselben die Rede ist. Wenn aber beide Wärter von demjenigen gesagt werden, welcher etivss traget, so drucket allerdings Bürde ein mehrere« ans als L,ss?, nicht zwar in Ansehung des Gewichts, sondern in Absicht auf die Beschwerlichkeit, welche derjenige empfindet, der es träget. Und daß das Wort BürSe, sich allemal besonders auf den tragenden beziehet, weicheres empfindet, daß eine Sache schwer, und zu tragen sauer ist, läßt sich, meinem Erachten nach, auch daraus erweisen, weil man von leblosen Dingen, welche die Beschwerlichkeit nicht empfinden können, niemals das Wort Bürde, sondern allezeit L,ast gebraucht. Man wird z.B. nicht Bb 4 sagen-. 292 Pflicht. Schuldigkeit. Verbindlichkeit. saaen: Es ist eine große Bürde auf diesem Wagen geladen, oder: Dieser Balken hat eine schwere Bürde zutragen; sondern man sagt: Es ist eine große Last aufgeladen, der Balken hat eine große Last zu tragen. Mannennet den Faulen, eine unnütze Las! der Erde, nicht eine unnütze Bürde, weil die Erde keine Beschwerlichkeit davon empfindet, daß sie ihn träget. Von einem Menschen, kann man beides sagen: Er krümmet, «der er beuget sich, unter der Last welche er tragen muß, und auch: Er krümmet sich, unter der Bürde, welche er traget. Desgleichen von einem Thiere, weil es ebenfalls die Beschwerlichkeit empfindet. Aber man wird nicht sagen: Der Wagen, oder der Balken, bieget sich unter der Bürde, sondern, er bieget sich unter der Last, welche darauf lieget. Hiemit kommt auch die Etymologie überein ^ denn Bürds hat seinen Ursprung von dem alte» Worte baren, welches heben, oder tragen bedeutet, und ebenfalls niemals von lebloser« Dingen gebraucht wird, welche die Schwere nicht empfinden können. 2Z5. Pflicht. Schuldigkeit. Verbindlichkeit. Verpflichtet. Schuldig- Verbunden. Mflicht, beziehet sich mehr auf dasjenige, was wir, ^ vermöge unseres Gewissens, thun müssen: Schuldigkeit, auf dasjenige, was uns die Gesetze oder die Befehle der Obern auferlegen. Es sind dreierlei Hauprpflichren des Menfchen: Gegen Gott, gegen den Nächsten, und gegen sich selbst, diese Pflichten müssen wir, vermöge unseres Gewissens, beobachten. Je mehr Besehle von der Obrigkeit gegeben werden, desto mehr werden uns Schuldigkeiten auferlegt. Man braucht das Wort Pflicht, auch mehr von den Tugenden selbst, welche wir beobachten müssen: Schuldigkeit hergegen, mehr von den Thaten und Werken, womit wir diese Tugenden beweisen. Gott lieben, der Obrigkeit gehorsam seyn, einem jeden das Seinigc geben, sind Pflichten. Fleißig zur Kirche Verpflichtet. Schuldig. Verbunden. 59z Kirche gehen, ist die Schuldigkeit eines Christen. Der Obrigkeit die gebührende Abgaben zu entrichten, ist die Schuldigkeit eines Unterthanen. Dem Irrenden den rechten Weg zu zeigen, ist die Schuldigkeit eines jeden Menschen. Man könnte also sagen: Wenn ein iehrcr^in der Schule, die Jugend in den Wissenschaften unterweiset, so gut als es ihm möglich ist, so beobachtet er seine Pflicht. Wenn er so viel Stunden hält, als ihm von seinem Vorgesetzten verordnet sind, so beobachtet crseine Schuldig- keir. Das eine thut er nach seinem Gewissen, das an- dere, um den ^Befehl seiuer Obern ein Genüge zu leisten. Oder, wenn ich gegen meinen Wohlthäter, eine wahre Dankbarkeit in dem Herzen habe, so beobachte ich meine Pflicht. Ich habe schon die Tugend der Dankbarkeit selbst, ohnqeachtet ich noch nicht Gelegenheit habe, ihm für seine Wohlthaten, wieder elwaS Gutes zu erzeigen. Wird mir.aber dazu Gelegenheit angeboten, so ist es meine Schuldigkeit, solche Gelegenheit in Acht zu nehmen, und ich beobachte meine Schuldigkeit, wenn ich die Dankbarkeit, welche ich gegen meinen Wohlthäter, in dem Herzen habe, dadurch au den Tag lege, daß ich ihm wiederum alle mögliche Gefälligkeiten erzeige. Die Redensart; Eid und Pflicht, jemand in Eid und Pflicht nehmen, beziehet sich ebenfalls hierauf. Man lässet ihn darum, mit einem Eide die Treue angeloben, damit sie eine Pflicht werde, die er, vermöge seines Gewissens, beobachten muß. Lehens-Pflicht, ist dasjenige, was ein iehenträger gegen den beobachten muß, der ihm das jehen verliehen, hat. Da er bei Empfangung des iehens, sich mit einem Eide dazu anheischig gemacht, so muß er es nach seinem Gewissen thun. Das Wort Verbindlichkeit, hat eine Beziehung auf so etwas, was in gewissen besonderen Umständen von Bk>5 uns 394 Pflicht. Schuldigkeit. Verbindlichkeit. :c. uns erfodert wird, was wir um des Wohlstandes, um des Gebrauchs, oder anderer Ursachen willen, thun müssen. Die Höflichkeit, verbindet uns diejenigen wieder zu grüssen, welche uns erst gegrüsset haben. Der Gebrauch setzet uns in die Verbindlichkeit, uns nach der Mode zu kleiden. Wenn wir jemand etwas versprochen haben, so sind wir in der Verbindlichkeit, unser Wort zu halten. Ein hoher Stand leget uns die Verbindlichkeit auf, mehr Aufwand zu machen, als wir es in einem geringeren nöthig haben, u>s. w. Auf gleiche Weise unterscheiden sich die Beiwörter, Verpflichtet, Schuldig, Verbunden. Ich bin dazu, vermöge meines Amts, verpflichtet, das heißt: Ich muß es thun, wenn ich meinem Amte gewissenhaft will ein Genüge leisten. Ich bin, vermöge meines Amtes, dazu schuldig, das ist: Ich muß es thun, weil es von meinen Obern, die mir das Amt gegeben haben, befohlen ist. Ich bin, nach meinem Amre, dazu verbunden, das ist: Ich muß es thun, weil verschiedene Umstände meines Amtes es fodern. 2z6. Gewitter. Ungervitter. Unwetter. an braucht das Wort Gewirrer, mehrentheils für ein Donnerwetter. Wir sagen gewöhnlich: Es ziehet sich ein Gewitter zusammen. Das Gewitter hat eingeschlagen. Ungervitter, bedeutet ein solches Donnerwetter, welches mit Sturm, Platzregen, oder Hagel vermischet ist, daher sagt man: Das neuliche Ungervitter, hat den ' Feldfrüchten Schaden gethan: Bei diesem Ungervitter, war der Sturm und der Hagel am fürchterlichsten. Unwetter, nennet man jedes unfreundliche, rauhe und ungestüme Wetter. Ich habe auf dieser ganzen Reise bestandig Unwetter gehabt, heißt: Es war bestandig ungestümes und rauhes Wetter. Das Unwetter war so Recht. Gerechtigkeit. Z95 so schlimm, daß meine ganze Reisekleidung mich nicht dagegen schützen konnte, und dergleichen. 2Z7. Recht. Gerechtigkeit. asWortRecht, hat mancherlei Bedeutungen. Bis» weilen heißt es soviel, als grade, daherkommt senkrecht, wagerecht, u. s. w. Bisweilen heißt es, wahr. Der rechte Gott, das ist, der wahre Gott. Der rechte Verstand, das ist, der wahre Verstand, und noch andere Bedeutungen mehr. In soweit, wie eö mit Gerechtigkeit übereinkommt, verstehen wir durch Recht, dasjenige, was einem zu. kommt, und was man ihm zu geben schuldig ist. Die Gerechtigkeit beschäftiget sich mit dem Rechte, sie be- stehet in einer Uebereinstimmung unserer Handlungen, mit demjenigen, was recht ist, oder sie ist diejenige Tugend, vermöge welcher wir einem jeden das Seine zu geben besuchet sind. Das Recht, gründet sich auf die natürlichen oder bürgerlichen Gesetze. Die Gerechtigkeit, siehet auf die Beobachtung derselben, und bewegt uns, sowol selbst diesen Gesetzen nachzuleben, als auch andere dazu anzuhalten. Das Recht, kann bisweilen eine Veränderung leiden, was in einem Falle Recht ist, kann in dem andern unrecht seyn. Die Gerechtigkeit, ist unveränderlich, wir müssen allezeit einem jeden geben, was wir schuldig sind, und den Gesetzen nachleben. Man nennet auch insbesondere das Recht, dasjenige, was den Gesetzen eines Landes gemäß ist, und die Gebräuche, welche in gewissen Fällen beobachtet werden müssen, um einer Sache ihre Gültigkeit zu geben. So müssen z. E. nach dem Rechte, gewisse Zeugen bei einem Testamente seyn, wenn es seine Gültigkeit haben soll, und dergleichen. Daher Z96 Ehrliche. Ehrbegierde. Ehrgeiz. Daher werden diese beiden Wörter, Recht und Gerechtigkeit, auch mit einander verknüpft. Man sagt: Nach Recht und Gerechtigkeit handeln: Recht und Gerechtigkeit ausüben, und man zeigetdadurch an, daß man nicht nur die Tugend der Gerechtigkeit selbst, sondern auch die Gesetze und Gebrauche des Landes beobachte, und sich allem demjenigen gemäß verhalte, was dadurch verordnet ist. 2zZ. Ehrliebe. Ghrbegierde. Ehrgeiz. Ehrsucht. Ruhmbegierde. in Verlangen und eine Bemühung, Ehre und Vorzüge zu erhalten, wird durch diese Wörter ausgedruckt, und ist der Hauptbegriff, welchen sie mit einander gemein haben: Sie steigen aber staffelwcise, das eine ist stärker, und giebt auch andere Nebenbegriffe, als das andere. Wie die Liebe überhaupt, ein Vergnügen ist, welches man aus den Vollkommenheiten einer Sache schöpfet, und ein Verlangen dieselbe zu besitzen, so scheinet auch das Wort Ehrliche, besonders das Vergnügen anzuzeigen, welches man in der Besitzung solcher Dinge oder solcher Vorzüge findet, welche uns Ehre zuwege bringen, und ein Verlangen derselben theilhastig zu werden. Die Ehrhcgicrde gehet weiter, sie bestehet in einem heftigen Verlangen nach solchen Dingen, welche uns wirkliche Vorzüge und Ehre bei anderen verschaffen können. Der Ehrgeiz gehet noch weiter, und wie der Geld- geiz eine zu weit getriebene Begierde nach Reichthum ist, so ist auch der Ehrgeiz eine zu weit getriebene Begierde nach Ehre, die da macht, daß man nur immer sich über andere erheben will, und ein Vergnügen darin findet, von ihnen gcehret zu werden, man mag solcher Ehre würdig seyn, oder nicht. Das Ehrsucht. Ruhmbegierde. Z97 Das Wort Sucht, kommt her, von siechen, Seuche, und wird verschiedenen Krankheiten beigeleget. Ehrsucht scheiner also der Etymologie nach, gleichsam eine Krankheit der Seele, oder etwas fehlerhaftes in der Begierde nach Ehre anzuzeigen; Und man nennet Ehrsucht, eine solche heftige Begierde nach Ehre, welche dem Menschen keine Ruhe laßt, sondern ihn immer antreibt, nach mehrerer Ehre zu trachten, und alle mögliche Mittel dazu zu gebrauchen. Die Ehrliebe und Ehrdegierde, sind löblich, und wenn man diese Wörter ohne Zusatz gebraucht, haben sie allemal einen guten Verstand. Im gegenseitigen Falle, pfleget man es durch ein Beiwort, oder Umschreibung anzuzeigen. Eine falsche, eine übertriebene Ehrliebe oder Ehrbegierde, und dergl. Ehrgeiz und Ehrsucht, haben einen nachtheiligen Verstand, sie drücken allemal etwas übertriebenes in der Begierde nach Ehre aus, und das letzte ist der höchste Staffel davon. Der Ehrliedende, liebet die Ehre, und suchet sie in rechtmäßigen und guten Dingen: Er findet ein Vergnügen in solchen Handlungen, welche ihm eine wahre Ehre verschaffen können, und hütet sich vor allem, was ihn derselben könnte verlustig machen. Der Ehrbegierige, thut eben das; Aber sein Verlangen nach Ehre ist starker, es treibet ihn mit mehrerer Heftigkeit zu solchen Handlungen, welche ihm Vorzüge können zu Wege bringen. Der Ehrgeizige, schätzet die Ehre allzuhoch, ersuchet nur sich zu erheben, und Vorzüge zu erlangen, ohne sich darum zu bekümmern, ob er sie verdienet ho.be oder nicht. Alle seine Reden und Handlungen, sind dahin gerichtet, anderen eine große Meinung von sich, seinen Verdiensten, Vorzügen, Geschicklichkeiten u. s.w. beizubrin- gen, und er laßt nicht gern etwas gegen sich thun, oder von sich reden, wodurch er die gute Meinung, welche an- dere Z93 Ehrliebe. Ehrbegierde. Ehrgeiz. Ehrsucht. :c. dere Menschen von ihm haben, bei ihnen verliehren könn, te, wenn er gleich überzeugt wäre, daß sie mit Unrecht solche gute Gedanken von ihm haben, und er dessen nicht werth sey. Der Ehrsüchtige, gehet noch weiter, er ist niemals zufrieden, die gröste Ehre beruhiget ihn nicht gänzlich, sondern er will noch immer mehr geehret seyn, und macht aus der Ehre einen Götzen, welchem er alles aufopfert. Vielleicht könnte man sagen: Aristides war ehrliebend, denn er fand ein Vergnügen, in allen solchen guten und rechtmäßigen Handlungen, welche ihm Ehre in seinem Vaterlande konnten zu Wege bringen; Wie er denn sogar, da die zehen Feldherren der Griechen, wech- selsweise jeglicher einen Tag die oberste Gewalt hatten, der erste war, welcher seinen Tag, demNnlriades abtrat, weil er diesen für geschickter als sich selbst hielte, die Trup. pen anzuführen. Limoii war ehrbegierig, er hatte ein recht heftiges Verlangen, von allen in seinem Vaterlande geehret zu werden, wovon besonders seine außerordentliche Freige« bigkeit zeuget, wodurch er sich einen jeden verbindlich zu machen suchte. pericles war ehrgeizig, er suchte nur sich selbst zu erheben, und die höchste Gewalt in Athen zu erlangen. Alexander war ehrsüchtig, seine Begierde nach Ehre, ließ ihm keine Ruhe, sondern trieb ihn beständig an, noch immer nach größerer Ehre zu trachten, daher er auch mehrere Welten wünschte, damit er sie erobern kön. ne, und als ein Gott wollte angebetet seyn. Er opferte alles seiner ungezahmten Ehrbegierde auf, sogar den guten Namen seiner Mutter, da er wollte, daß Man ihn für einen Sohn Jupiters halten sollte, und seinen Freund Clyruö, welcher nur in der Trunkenheit, seine Thaten verkleinert, und denPhilippuS erhoben hatte. Ruhm- Saat. Saamen. 599 Ruhmbegierde, kommt mit Ehrbegierde sehr überein, denn alles, was uns Ehre bringet, pfleget uns auch gemeiniglich Ruhm zu erwerben; Nur siehet dieses Wort mehr auf das iob und den Ruhm, welchen uns an- dere Menschen beilegen; Ahrbegierde, mehr auf die wirkliche Ehre selbst, welche wir zu erlangen suchen. Ein böser und gottloser Mensch, suchet zwar auch zuweilen Ruhin und Ehre, in sündlichen und bösen Dingen; Aber nur solche, die eben so gottlos und böse sind als er, werden ihn deswegen ehren und rühmen. Alle vernünf- tige und tugendhafte verabscheuen ihn. Man nennet das ausdrücklich eine falsche Ehre und Ruhmbegierde, denn diese Wörter, werden sonst in einem guten Sinn gebraucht. 239. Saat. Saamen. j"An so weit kommen diese Wörter überein, daß sie solche k^) Körner bedeuten, welche in die Erde gestreuet werden, damit sie wachsen und Frucht bringen sollen. Saar aber nennet man nur diejenigen Körner, welche gesäet werden, damit man eben dergleichen Körner wie« der bekomme, und wovon die Körner die Frucht selber sind. Saamen hingegen, nennet man eine solche Art Kör« Ner, welche nicht die Frucht selber sind, die gegessen wird, aber eine solche Frucht hervorbringen. Oder, davon die Frucht gegessen wird, ehe sie so weit kommt, daß sie neue Körner tragen kann. Zur ersten Gattung gehöret Weizen, Rocken, Gerste, Erbsen, Linsen, und überhaupt alle Feldftüchte, welche man unter der Benennung des Getraides begreift. Man sagt nicht, Rocken Saamen, GersteGaamen, Erbsen Saamen, u.s.w. sondern: Saar Rocken, Saar Gerste, Saar Erbsen, u.s.w. 4Oo MarkLfthreicr. Quacksalber. Saalbadcr. :c. Zur zweiten Gattung gehören die Garkenfrüchte. Man säet Kohl Saainen, Sallat Saamen, allerlei Kräuter und Blumen Saamen, nicht so sehr um die Vermehrung der Körner, als um den Kohl, Sallat, Kräuter und Blumen zu haben, und läßt nur etwas stehen, daß es Saamen trage, welchen man in einem andern Jahre wieder säen könne. Saat, heißt auch die Handlung des Saens. So sagt man; DieSaar ist geschehen. Man nennet Saatzeit, diejenige Zeit, in welcher gesäet wird. Imgleichen nennet man Saar, das aufgegangene Korn. Die Saat stehet schön. Die Saat sicngelt, oder schösset. 240. Marktschreier. (Quacksalber. Gaalbader. Markrschreierei. (Quacksalberer. Saalbaderei. an nennet Marktschreier und «Quacksalber, solche icute, welche, ohngeachtet sie die Arzeneikunst nicht verstehen, dennoch mit Arzeneien dastand durchziehen, und dieEinfaltigkeit desPöbelS misbrauchen, indem sie sich rühmen, solche Geheimnisse zu besitzen, wodurch sie alle Krankheiten heilen können. Der Marktschreier uuterscheidet sich dadurch von dem (Quacksalber, daß er eine Bude auf öffentlichem Markte bauet, uud seine Heiluugömittel ausschreiet, dieser hingegen nur in die Häuser läuft, und seine Arzeneien anpreiset, oder gedruckte Zettel herum schickt, worin er seine Euren rühmt, und die jeute an sich zu ziehen sucht. Man leget daher den Namen der Quacksalber, gemeiniglich solä)en Aerzten und Wundärzten bei, die, ob sie gleich wenig verstehen, dennoch viel Rühmens von sich machen, oder, welche einerlei Mittel in allen Krankheiken brauchen, und es für alle Zufälle anpreisen. Im- Marktschreierek. Saalbaderci. Quacksalberei. 4^ Imgleichen nennet man (Quacksalbereien, solche Mittel, die weder helfen noch schaden können, sondern nur den beulen das Geld abzulocken, dienen. D.e sogenannten apoplecktischen Säcklein, welche vor einiger Zeit so berufen gewesen, und wodurch man sich, wider den Schiag- fiuß zu verwahren glaubte, war u.chcS anders, als eine (Quacksalberei. Wenn gewisse Mittel, ohngeachtet sie an sich gutsenn mögen, dennoch über die Massen gelobet, und ui allen Ze-tungen bekannt gemacht werden, damit man sie nur kaufen, und der Erfinder Gelo bekommen möge, so nennet man solches eine Nlarrrjchrciere:. Mmche Zeitungen, sind voll solcher MarLtscdreie- reien, und es geschiehet bisweilen sogar, daß selbst geschickte Aerzte, a»6 einer gar zu guten Mciiumg, die sie von ihren Hülfsmitteln haben, oder auch aus Gewinnsucht, sich zu solcy^n Markrschreiereien verleiten lajsn. Das Wort Saaibadcr, kann auch einiger Massen Hieher gerechnet werden. Mich dünkt, wie nie,',! den Namen ver Marktschreier und (Quacksa-dcr, ungeschickten Aerzten und Wundärzten gegeben hat, so hat in,?!, den Namen der Gaaibader, ungeschickten Badern beigelegt. Saaldadereien, Saalbader Possen, nennet man allerlei abgeschmackte Erzählungen von nichtigen Dingen, und alberne Schwanke. Vermuthlich, weil die ungeschickt ten Bader, gemeiniglich Hre Kunden, mit solchen Dingen zu belustigen suchen. Anmerk. Einige wollen das Wort Guscksalbcr von Ou.'ken herleiten, welches eigentlich von den Fröschen gesagt wird, 'es soll einen Menschen bedeute», der den Leuten die Ohren voll schreiet. Andere leiten esh.'r, von dem Worte Gnackeleien, welches so viel heißt, als allerlei nichtige Dinge, und so konine es einen Menschen anzeiqen, der allerlei nichtige Arzeneien verordiu't. Noch ancere wollen die Abstammung von dem alten Worte (Unock herführen, welches munter oder lebenSig bedeutet, weil ein solcher Arzt s'ch Sroschl.TH. Cc nch- 4O2 Abrichten. Unterrichten. nchniet, durch seine Salben Wunder zu thun. Vielleicht köimtt niaa cS auch von dem plattdeutschen Worre Äuav herleiten, wel« cheScin Uebel oder einen Schaden bedeutet, so, daß es eigentlich «^.uaos.'.ibce hnssen, und einen Menschen anzeigen wurde, der sich '.'-wm-, für alles (Qiinöe, oder für alle Schäden, gewisse Salb.'n zu h»ben, B^n dem Worte Saalb^ver, sagt Frisch, essoll von einem Dadce herkommen, der zu Jena an der Saale, zugleich eine Va» bi-rsiine gehabt, dessen Bader Diseurse sich allezeit vom Wettet angefangen.'- Es taun seyn, daß dieses die wahre Etymologie ist/ aber man konnte es eben so gut, von dem plattdeutschen Worte S^al herleiten, welche eine schwarzgclbe Farbe bedeutet, und mir dem französischen b^n.- übereinkommt. Ich finde auch in l^ibn- (.'ollccl. l?ej'mc>I. das Wort, lslu, is!o, wovon es heißt: Vet. I'cut. in er, l^urcus^ kvclie (?z!Iis iclcm. Saaldadex, wäre als» eigentlich einer, der nicht rein badet, sondern allen Schmuz auf dem Leibe lasset, oder der mit unreinem Wasser badet, welches die Haut sa^l mach?- 24,. Abrichten. Unterrichten. AVe Thiere werden abgerichtet: Die Menschen wer^ den unterrichtet. Man sagt: Einen Hund, einen Vogel abrichten: Die Jugend unterrichten, jemand in einer Sache unterrichten. Die Jäger richten ihre Hunde ab, zu verschiedenen Arten der Jagd. Ein Hühnerhund, wird abgerichtet, die Rebhühner anzusuchen, und wenn er sie gesunden hak, davor zu stehen. Ein Sausinder, wird abgerichter, die wilden Sckweine auszuspüren, und sie durch sein Bellen zu melden. Ein Schweißhund, wird abgerichtet, dem Blute, oder nach der Jägersprache, demSchweisse zu folgen, welchen ein angeschossenes Thier verlohren hat. Man findet Hunde, welche abgerichtet sind, allerlei Künste zu machen, und dergl. Was einige von dem Mahometh geschrieben haben, daß er eine Taube abgerichtet, sich auf seine Schulter zu fetzen, und aus feinem Ohr zu fressen, wovon er vor« gegeben. Abrichten. Ulttemchrm. 40z gegeben, daß eö der heilige Geist sey, der mit ihm rede> wird für eine blosse Erdichtung gehalten. Wenn man das Wort Abrichten, von Menschen gebraucht, so geschiehet es nur im Scherz, oder Gleich- nißweise. So sagt man: Jemand zu etwas adrichren. Seinen Bedienten gut abrichren, und dergleichen. Ent. weder in Absicht ans die Mühe, welche man schriebt, ihm eine Stiche beizubringen, oder ihn sehr genau zu untere richten, so wie man sich bei Abrichtunz eines Thiers, vi?! Mühe geben muß; Oder in Absicht dessen, daß man ihn so genau aufmerken lehret, wie ein Thier, welches abgerichtet ist, aus jeden Wine seines Herrn ansmerksant seyn muß. Aiu.ierk. Herr ÄdelnNg sagt bei betn Worte abrick-tcn: figürlicher Bebeutnno, durch mechanische Mittel, zu elwas ,,c,eschickt ma6>en, besonders von Thieren: Einen Jagdhund ab« >,riebten, u. f. w. Dann aber auch ron Menschcn: Einen Verdienten, einen Lehrling abricl)!e». Gemeiniglich aber nur im rböscn Verstände.-, Und hernach in der Anmerkung: „Abrieb- j,ten setzet eine mechanische L-brart voraus, wodurch es sich von >,unterci6?tcn hinlänglich unterscheii-et.,, ' In Ansehung der Thiere, ist zwar dieser Unterschied richtig; Aber wenn das Wort abriebren, von einem Menschen gebraucht wird, findet er nicht allemal Statt, und kann also auch nicht hinlänglich seyn« Viele Handwerker nud Künstler, unterrichten ihre Lehrlings blos; mechanisch, und man sagt doch nicht: Sie haben sie abgerichtet. Der Tischler z. B. zeiget seinem Lehrjnngen, wie er ein ovalesTischblatt machen soll: Er schlauer zwei Stifte in cinVret, leget einen an den Enden znsammenacbmidenen langen Faden darum, welchen er an einem Orre fasset, und um die beiden Stifte herumführet, wobei er zugleich die Grenzen bezeichnet, so dieser Faden beschreibet, und aufsvlche Weise, hat er das Oval gezeichnet Diese Lchrart ist bloß mechainsch. Man wird aber nicht sagen: Der Tischler hat seinen Lehrling abgerichtet, ein Oval zu machen, oder wie er ein Oval machen seli. Hingegen, ist das Wort abrichten, in Absicht auf den Unterricht, welchen man einem Menschen gibt, auch in solchen Fällen gebräuchlich, wo gar nichts mechanisches Statt findet. So sagt 2, man 4Q4 Abrichten. Unterrichten. man wol: Ich habe meinen Bedienten schon abgerichtet, wie er sich verhalten soll, wenn man ihn über meine Umstände befragen möchte. Hiebei ist gar nichts mechanisches. Ich habe ihm gesagt, was er thun soll, und vielleicht auch die Ursachen angezeiget, warum ich solches von ihm fodere, und warum er sich so verhalten soll. Die Redensart: Er ist zu aller Bosheit abgerichtet, kam« ebenfalls nicht bloß einen mechanischen Unterricht anzeigen, denn man braucht sie oft von solchen Menschen, die durch ihr eüicneS Nachdenken, Mittel und Wege auSfünsig machen, allerlei Bosheiten zu begehen. Auch dieses ist uncrweislich, daß das Wort abrichten, vSN Menschen, gemeindlich nur im bösen Verstände gesagt werde, denn man wird es sehr oft, auch meinem guten Verstände höre». Z.V. Seine Bedienten, sind allevorrrcsslich abgerichtet, sie seheji es den Gälten gleich an den Angni an, was sie haben wollen, und man darf sich nicht einmal die Mühe geben, es zu fodcrn. Er hat seinen Kutscher so gut abgerichtet, daß er jedem Steine aus dem Wege fähret. Ich nehme gern solche Leute in Diensten, welche bei einem Officicr gewesen sind, denn diese pflegen gemeiniglich ihre Bedienten gut abzurichten, und dergl. Es scheiner mir daher richtiger zu seyn, daß, wenn das Wort abrichten von den Menschen gebraucht wird, es nur im Scherj oder Gleichnißwcise geschehe. Denn in solchem Falle« hat es alle, mal eine Absicht, entweder auf die Mühe, welche man sich gibt, jemanden etwas beizubringen, oder darauf, daß man ihn so genau aufmerken lehret, wie em abgerichtetes Thicr, welches auf jeden Wink seines Herrn, aufmerksam seyn muß. 242. Lehren. Unterweisen. Unter- richten. t^ehren, ist das allgemeine Wort, welches man von allen ^ Dingen braucht, wovon inan jemanden eine Erkenntniß beibringen will. Unterweist?,, scheinet sich mehr auf dasjenige, was man wissen; Unterrichten, mehr auf dasjenige, was man thun soll, zu beziehen. Ein Prediger lehret aus der Kanzel, die Wahrheiten und Pflichten des Christenthums. Ein Professor lehret auf hohen Schulen, die GotteöHelehrcheit, die Rechte, die V Arze. Lehret,. Unterweisen. Unterrichten. 405 Arzeneikunst, die Welcweisheit. Ein Meister lehret sei- nen Jungen das Handwerk. Man lehret einen Hund ranzen, einen Vogel pfeifen, einen Ochsen pflügen, u. f. w. Dieses Wort ist ganz allgemein. Ein^ehrer unterweiset seine Schüler in den Wissenschaften, in der Rechenkunst, in der Meßkunst, in der jo^ik, in der Weltweishcit. Eine Mutter unterrichtet ihre Töchter, wie sie sich in einer Gesellschaft aufführen und verhallen sollen. Man Uiiterrichrct jemand, dem man ein Geschäfte auftragt, wie er sich dabei verhalten, waö er in diesem oder jenem Falle, thun oder antworten soll, und dergleichen. So>M in der Redensart: Jemand von einer Sache unterrichten, scheinet dieses Wort, eine Beziehung darauf zu haben, daß man ihn deswegen unterrichte, damit er wisse, wie er sich verhalten soll. So sagt man z> E. Ich habe meinen Advokaten, schon von der ganzen Sache unters richtet, nehmlich in der Absicht, damit er wisse, was er dabei zu thun habe, was er auf die Einwürfe des Gegners antworten soll, und dergl. Wenn man sagt: Jemand im Christenthum unterweisen, so siehet man vornehmlich darauf, daß imm ihm eine Erkenntniß, der Wahrheiten des Christenthums bei. bringet. Wenn man sagt: Jemand im Christenthum unterrichten, so siehet man zugleich darauf, daß man ihm zeiget, wie er sich als ein Christ verhalten, und was er thun soll. Auch wenn einige sagen: Jemand in den Wissenschaf, ten, in der Erdbeschreibung, in der Geschichte, in der Weltweisheit unterrichten, hat dieses Wort zugleich eine Absicht darauf, daß man ihm zeiget, waö er thun, und wie er sich verhalten muß, um zu einer Erkenntniß dieser Wissenschaften zu gelangen, oder wie er die Kenntniß dieser Wissenschaften anwenden und davon Gebrauch machen soll. Cc z Die^ 4-?6 Lehren. UnterwciM. Unterrichteil. Dieser Unterschied scheinet durch d!e Etymologie bestätiget zu werden, indem Unterweisen von rveisc, '.vci- sen, wissen herkommt. Die Alten sagten weis lna-- chcn, für wissen machen, belehren, Nachricht gebe»; So stehet im Thcuerdank: Eap.iz. So will ich solchs mit allem Fleis Meiner Frawen der Künigin machen weis. Es scheinet also mehr aus das bloße Wissen, und die Kenntniß einer Sache zu sehen, welche jemanden beigebracht wird. Unterrichten hat seinen Ursprung von Rechr, richtig, richten; im Gothischen ist ? cilriZeie. Man sagt ausrichten, einrichten, verrich» ten, u. s. w. Pahcr scheinet unterrichten, znglcich besonders auf die Anwendung der Erkenntniß zu sehen, daß ' man jemanden darum eine Kenntniß beibringe) damit er wisse, was er thun soll. Man muß selbst eins gründliche Erkenntniß haben, wenn man andere Ichren will. Man muß eine gute Lehr» ort und Ordnung halten, wenn man unterweisen will. Man muß sich das Zutrauen, und die Liebe dercrjenigen erwerben, welche man unterrichten will. Manche wollen schon lehren, was sie selbst noch ler» neu müssen. Wenn man keine gute Lchrart und Ordnung im Unterweisen hat, so wird man seinen Schülern nie» malS eine gründliche Erkenntniß der Wissenschaften beibringen, sondern sie werden nur unordentliche und dunkle Begriffe davon erlangen. Wenn wir die Zuneigung und Liebe dererjemgen nicht haben, welche wir unterrichten, so werden sie unsern Unterricht nicht annehmen, sondern oft uns zum Verdruß, sich ganz anders verhalten, als wir es ihnen vorgeschrieben haben. ?4Z. Härre. Harte. Hartigkeit, S4Z. <>ärte. Hurtigkeit. -A^as Wort Härte, wird am gewöhnlichsten mehr von körperlichen Dingen, Härtigkcit von dem Gemü- , the gebraucht, und das erste, wird in unserer ilxln^r- sctzmig gar nicht gefunden. Man sagt: Die Harre des Steins: Die Härcigkeic des Herzens. Wenn der Marmor in die Erde vergraben wird, und lange darin liegen bleibt, so Verliehret er cnras von seiner Harte, und laßt sich hernach leichter bearbeiten. Die Sandsteine oder Quaderstücke, welche zu Pirna, und im Magdeburgischcn gebrochen werden, sind im Anfange sehr weich, wenn sie aber eine Zeitlang in der Luft gelegen haben, bekommen sie ihre Härte. Man sagt: Die Harte der Haut in den Handen. Die Harte verliehre.i. Das Eisen verliehret seine Härte, dem Eisen, oder dem Stahl, eine mehrere Harre geben. Ein Körper ist von grösserer Härte als der andere, und dergleichen. Hingegen, mit grosser Hartt'gkeic über seine Meinung halten. Mit Hartigkeit auf feinem Kopf bestehen. Eine grosse Hartigkeir gegen jemand beweisen: Jemand mit vieler Hartigkeir begegnen. Sprüchw. Sal. 2;. v. 15. Eine linde Zunge bricht die Härrigöclt. 5 B. Mos. 9. v. 27. Siehe nicht an die HarriIkcir dieses Volks, v. s- w. Man braucht auch das Wort Harre, von der Strafe selbst, Hartigkeir von der Gesinnung desjenigen, der da straft. So kann man sagen: Die Harte der Strafe, mit welcher er belegt wurde, brachte ihn zur Verzweiflung. Hingegen, er bewies solche HärrigLeir im Strafen, dasi er sich niemals durch Flehen bewegen ließ, das geringste Verbrechen zu vergeben, oder die Strafe, welche einem Verbrecher zuerkannt war, im geringsten zu mildern. Cc 4 Der 4^8 Pein. Schmerz. Wehe. Wehtage. Der Rath zu Rom bewies eine grosse Harrigkeir, gegen die Carthaginicnsischen Gesandren, (in Ans hung der Gesinnung, welche er gegen sie hatte) er wollte sich durch ihr sufifalligeö Bitten nicht bewegen lassen, ihnen gelindere Friedensbedingungen zu ertheilen. Es wurde den Cartha^inienslschen Gefangenen mit vieler Härte begegnet, (in Ansehung desjenigen selbst, w.'.S ihnen angeth'n wurde, und wae sie ausstehen mußten.) Unterdessen ist es nicht zu leugnen, daß dieser Unterschied nicht allemal beobachtet wird, wie denn auch der Etymologie und eigentlichen Bedeutung nach, das Wort Harcigkeic nichts anders ausdruckt, als das Wort Harte. 244. Pein. Schmerz. Wehe. tVehtage. Aslle diese Wörter, drücken eine nnangcnehme Empstn- ^ düng aus, welche ein Leiden verursachet. lX'iii/ ist das höchste, man braucht es von den heftigsten Schmerzen. Pein leiden. DieHollenpctn. Einen peinigen, sagt man von der grvssesten Marter. Schinerz, ist geringer als Pein, aber heftiger als Wehe, die Redensart: L^ö thut ihm webe, zeiget nicht eine so grojse Empsindung an, als wenn man sagt: Er hat Schmerzen, oder: Er stehet Schmerzen aus. Wir sagen gewöhnlich: Das Dauchwehc, das Ropfrvehe, das Zahnrvehe. Imgleichen: Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, das letztere aber zeiget eine grössere Heftigkeit des Leidens an. Man sagn Gichtschmerzen, Sreinschmerzen, nicht Steimvehe, Gichtwche, weil der Stein und dis Gicht, ein sehr heftiges, und gefährliches Leiden verursachen. N)chcage, drücket ein solches Leiden aus, welches gemeiniglich nicht gefahrlich ist, und nur einige Tage anhält. So sagt man: Aopfwebtage, Zahnwehrage, weil dieses U?ehe gemeiniglich nur einige Tage währet. Die Betrachten. Erwägen. Ueberlegen. 409 Die Wörter Pein, Schmerz, 5Vel)e, haben gar keine Absicht auf die Zeit. Man kann eine kurze, und auch eine lange Zeit Pein leiden: Imgleichen eine kurze und eine lange Zeit Schmerzen ausstehen: Es smd Leute, welche fast beständig über Kopfwehe klagen. Diese Wörter führen insgesammt keinen Begriff einer bestimmten Zeit mit sich. Hingegen das Wort N)el)taIe, hat allemal eine Beziehung auf die Zeit, und giebt den Begriff, daß das Leiden oder der Schmerz, nur einige Tage anhalte. Von einem Leiden, welches ganze Monathe und Jahre dauert, kann man das Wort tVehrage nicht gebrauchen. Anmcrk. Das Wort Pein, brauchte man ehemals, auch für Strafe, und schrieb es Peen, odcr pön. Eine Sache hoch ver« pönen, hieß so viel, als bohe Straft darauf sehe». Frisch führet aus Kaisers». PoMc an, daß der Nachdruck dieses Buchs verboten wiri-, bei einer Pein von zehn, Mark, löthlgen Gold.'s. Zm- gleichcn h''eß Pein, vorMcrs soviel alsMühe, und davonkommt das französische Wort peine her. Siehe Frisch im Worterb. beim Worte Pein. Die Alten nannten die fallende Sucht, !zas bose Xvehe, und das Fieber, das b'alceU?ehe. 245. Betrachten. Erwägen. Ueberlegen. t^>as Wort Betrachten, wird auch von körperlichen ^ Dingen gebraucht, welche man aufmerksam ansie- het. Man betrachtet ein schönes Gemählde, eine Seltenheit, welche man noch nicht gesehen hat, etwas ausser, ordentliches, was uns in die Augen fällt, und dergl. Erwägen und überlegen, werden nur von solchen Dingen gebraucht, welche allein das Gemüth beschäftigen. Und nur alsdann, wenn das Wort Betrachten, ebenfalls auf solche Dinge gehet, ist es mit den beiden andern gleichbedeutend. Es bedeutet alsdann überhaupt eine Sache, welche man nur noch unvollkommen erkennet, bester und genauer zu erkennen suchen, und man wird mehrentheilS diesen Unterschied wahrnehmen, daß das Wort Verrach- Cc 5 ren. X 410 Betrachren. Erwägen. Uebersegen. ten, mehr von einer Aufmerksamkeit, auf die Sache selbst, Erwägen, von einer Aufmerksamkeit, auf ihre gute und böse Eigenschaften, Ueberlcgeil, von einer Aufmerksamkeit auf dasjenige gebraucht wird, waö wir dabei thun müssen. Man betrachtet eine Wahrheit. Man erwäget die Gründe, worauf sie beruhet. Man überleget, wie man sich dabei zu verhalten hat. Ich betrachte-, z.E. die Wahrheit, daß der Menfch eine vernünftige Seele hat, wenn ich der Sache selber nachdenke, und auf meine Handlung Achthabe, zu sehen, was ich daraus von dieser Wahrheit entdecken kann. Ich erwäge die Gründe, welche ich zum Beweis der- selbigen finde, ob sie stark oder schwach sind, undgnugsame Ueberzeugung mit sich führen. Ich überlege, was ich noch weiter thun muß, um zu einer völligen Erkenntniß dieser Wahrheit zu gelangen, oder was ich thun muß, um mich der Erkenntniß, welche ich davon habe, gemäß zu verhalten. Ein erfahrner Befehlshaber, redet mit seinem Feldherrn von einer Schlachtordnung, und macht ihm einen, Entwurf davon. Der Feldherr betrachtet diesen Entwurf, wenn er der Sache selbst mit Aufmerksamkeit nachdenket, und sich von der Stellung der Soldaten, von der Gegend, wo die Schlacht vorfallen wird, und allen andern Umstanden, deutliche Begriffe zumachen sucht. Er erwäget den Entwurf, wenn er untersuchet, wqs daran gut oder mangelhaft ist, was daraus entstehen könnte, wenn sich diese oder jene Umstände eräugneten, und dergleichen. Er überleget den Entwurf, wenn er bedenkt, ob er auch auszuführen, was in diesem oder jenem Falle, dabei zu thun sey, was für Hindernisse dabei vorfallen, und wie man sie aus dem Wege räumen, wie man irgend einen besonderen Umstand, sich zu Nutze machen könne, u. s. w. Mas Wort Gesicht, ist ebenfalls unter diejenigen zu rechnen, welche die mehrereZahl doppelt haben, wo-, von schon oben, auf der 71 Seite, u. s. f. verschiedene angeführt worden. Wenn es ein menschlich Angesicht bedeutet, so sagt man in der vielfachen Zahl, die Gesichter: Bedeutet es aber eine Offenbarung oder Erscheinung, so sagt man: Die Gesichte. Z. E. Einige jente wollen aus den Handen und Gesichtern der Menschen wahrsagen. Alle ieute in diesem Hause haben recht ehrliche Gesichrer. Als ich di-se Nachricht brachte, machten sie saure Gesichter dazu. Unter dem alten Testamente offenbarete sich Gott den Propheten, durch Gesichre in Traumen; IeHo aber haben die göttlichen Gesichte aufgehöret. So steht Ioel 3,1, Eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. Ierem. 14. v. 14. Sie predigen euch falsche Gesichte. Dan. 1. v. ??. Daniel aber gab er Verstand, in allen Gesichten und Traumen. 247. Men 412 Mengen. Mischen. 257. Mengen. Mischen. igcntlich möchte man diese Wörter wol so unterscheiden müssen, daß man Mengen, von trockenen; Mischen hingegen, von flüßigen Sachen brauchte. Ver- schiedene Redensarten sowol, als auch die abgeleiteten und zusammengesetzten Wörter, scheinen dieses zu beweisen. Man sagt z. E. Gemengetes Futter, gemengetes Korn, nicht gemischtes Futter, gemischtes Korn, ^und daher kommt auch das plattdeutsche Wort, Manktorn. Imgleichen, dasFulter'für die Pferde mengen. Hächsel unter das Futter mengen, und dergl. Ein Handgeinenge, nicht Handgemische. An. mengen, einmengen, durchmengen, u. s. w. Alle dergleichen Wörter, beziehen sich nur auf trockene Sachen. Im Gegentheil sagt man: Wein mit Wasser vermischen. Gift mischen, weil die Alten das Gift gemein,', glich in einem Tra>cke zu geben pflegten. Vermischtes Metall, weil das Metall geschmolzen, und wenn es durch das Feuer flüßig geworden, mit einander vermischet wird. Man kann nicht sagen: Vermengtes Metall. Unterdessen sind doch einige Redensarten, in welchen das Wort Mischen, auch von trockenen Sachen gebraucht wird. Man sagt: Die Karten mengen, und die Karten mischen. Vermischte Schriften, und dergleichen. In einem uneigentlichen Sinn, sagt man ebenfalls beides: Sich in allerlei Handel mengen, und sich in allerlei Handel mischen. Es scheinet also, daß das Wort Mischen, bisweilen nur eine grössere und sorgfältigere Vermengung der Dinge anzeige. Die flüßigen Sachen vereinigen sich viel genauer mit einander, so, daß man hernach die eine nicht einmal mehr von der andern unterscheiden kann, da man Herzögen Begehren. Verlangen. Wünschen. Lnst haben. 41z gen die trockenen Sachen, ob sie gleich vermenget sind, doch noch immer eine von der andern trennen, und sie davon unterscheiden kann. Vielleicht ist es daher gekommen, daß man das Wort NAschen, ohngeachtet es sich eigentlich auf flüßige Dinge beziehet, doch auch von andern gebraucht hat, um eine genauere und größere Vcrmengung derselben anzuzeigen. Unterdessen möchte es doch wirklich besser seyn, wen» man den eigentlichen Unterschied zwischen diesen Wörtern genauer beobachtete. 248. Begehren. Verlangen. Wünschen. Aust haben. Sich gelüsten lassen. Austern seyn. Sich sehnen. err Adelnng erkläret im Wörterbuche das Wort begehren, durch sinnlich verlangen, und dieses scheinet die ursprüngliche und eigentliche Bedeutung zu seyn, indem auch das Wort Begierde, mchrentheils eine sinnliche Empfindung ausdrücket. Da man aber das Wort begehren, auch oft von einem solchen Verlangen zu gebrauchen pfleget, wobei nichts sinnliches Statt findet, und wo man allemal verlangen , für begehren sehen könnte, z. V. Die Eltern haben das Recht, von ihren Kindern Gehorsam zu begehren, und auch: Sie h.'ben das Recht, Gehorsam zu verlangen. Etwas zu wissen begehren, und auch zu wissen verlangen, und Vergl. so ist es nöthig, daß man den rechten Gebrauch dieser Wörter zu bestimmen suche, und zeige, wodurch sich das eine von dem anderen unterscheidet. Folgendes könnte dazu dienlich seyn. 1) Erstlich der Gebrauch des Wortes verlangen ist allgemeiner, und man kann sich desselben auch in solchen Fällen bedienen, wo sonst da6 Wort begehren Statt findet. So kann man sagen: Hülse begehren, Gehorsam begeh- 414 Begehrctt. Verlangen. Wünschen. Lust haben. gehrcn, Gegenliebe begehren, ein Amt begehren, waö begehrest du von mir? und dergl. Und auch Hülfe verlangen, Gehorsam verlangen, Gegenliebe verlangen, ein Amt verlangen, waö verlangst du von mir? u. s.w. Begehren ist eingeschränkter, es zeiget eine mehrere Empfindung an, und man braucht es daher, nur von solchen Dingen, welche uns näher sind, und einen stärkeren Affect bei uns erwecken, oder woran gewisser Maaße»/ das Herz ein Antheil nimmt. Hülse begehren, Gehorsam begehren, u. s. w. ist starker, als Hülfe verlangen, Gehorsam verlangen,; Es zeiget nicht nur einen heftige» rcn Affecr an, sondern auch, daß man sogleich die Hülfe, den Gehorsam, und dergl. haben wolle. 2) Zweitens von solchen Dingen, welche keinen starken Affett bei uns erwecken, oder woran das Herz keinen sonderlichen Antheil nimmt, kann man nur allein das Wort verlangen brauchen. Man sagt z.B. Mich verlanget zu erfahren, was diese Sache sür einen Ausganz gewinnen werde, oder wie dieser Z.ink endlich ablaufen werde. Hier würde begehren zu stark seyn. Daher wenn das Wort verlangen etwas stärkeres anzeigen soll, oder so etwas, woran das Herz einen Antheil nimmt, so psic- gen wir es durch einen besonderen Zusah auszudrucken. Mich verlanget sehr, mich verlanget herzlich, und dergleichen. z) Drittens, in solchen Fällen, wo von einer starken und heftigen, sinnlichen Begierde die Rede ist, kann ma>l zwar ebenfalls, das Wort verlangen brauchen, aber- begehren ist doch schicklicher und nachdrücklicher. Man könnte ganz wohl sagen: Der verlohrne Sohn, verlängere sehr seinen Bauch zu füllen, mit Trebern, die die Säue aßen; Aber er bcgchrete seinen Bauch zu füllen, schicket sich hier besser, es zeiget sowol einen stärkeren Äfftet an, als auch, daß er dieTreber gern sogleich gehabt hätte. Eben so ist es starker, Du lollt nicht begehren deines Sich gelüsten lassen. Lüstern seyn. Sich sehnen. 419 deines Nächsten Haus, als Du sollt nichc verlangen/ deines Nächsten Haus. 4) Viertens, wenn man v?n weit entfernten Dingen redet, ob sie gleich das Gemüth auf eine kräftige Weise rühren, so braucht man doch das Wort verlangen. So heißt es 2 Cor. 5. v. 2. Die Glaubigen verlangen nach ihrer zukünftigen Herrlichkeit. Und wenn wir von einem entfernten Freunde reden, welchen wir gewiß, in langer Zeit, nicht wieder sehen können, so wird man nicht sagen: Ich begehre sehr, meinen Freund einmal wieder zu sehen. Aber man kann ganz wohl sagen: Mich verlanget sehr, ihn einmal wieder zu sehen. Ueberhaupt scheinet das Wort begehren, sich allemal auf etwas näheres zu beziehen, welches man sogleich, oder doch im kurzen genießen kann; Verlangen hingegen, kann auch von solchen Dingen gesagt werden, welche noch weit entfernet sind, und welche wir erst, nach Verlauf einer geraumen Zeit genießen können. Das Wort wünschen, führet eigentlich den Begriff mit sich, daß man ein Verlangen oder Begehren mit Worten ausdrucke. Z. B. Sich den Tod 'wünschen: Jemand etwas Gutes wünschen, und dieser Begriff ist auch in den zusammengesetzten Wörtern, anwünschen, erwüuschen, verwünschen. Selbst von der Redensart: Er hat, was sein Hcrz wünscher, möchte man sagen können, sie zeige zugleich eine Aeußerung des Verlangens an, daß jemand alles bekomme, wovon er sich nur merken läßt, daß er es gern haben möchte, und in seinem Herzen begehret Ueberdem aber drucket das Wort verlangen!, etwas ernstlicheres aus, es giebt zu erkennen, daß wir wirklich eine Sache gern haben möchten: wünschen kann auch von solchen Dingen gesagt werden, woran uns oft wenig, oder wohl aar nichts gelegen ist. Das Verlangen ist stärker, dieN?ünscke und oft aus, schweifender. In solchem Verstände, ist das Wort 5VnnscH 416 Begehre». Verlangen. Wünschen. Lust habei^ lVunsch gebraucht, in der iebensgeschichte Tobias Zxnauts, des weisen, a. d. ?44S. „Eigentlich war „der l^Vunsch der Frau Gräfin, nichts als ein plötzlicher „unwillkürlicher Gedanke, an welchem das Herz keinen ,,Antheil hatte, dergleichen sehr oft in den Seelen der „Sterblichen, wenn sie von einer angenehmen, oder unangenehmen Sache, zu sehr erfüllet sind, wie die Dünste „aus einem vollgestopften Magen, aufzusteigen pflegen.,. Und weiter: „Auch hatte die Grafin, ihren (Vunjch, so „schnell als er herausgefahren war, vergessen.,, Zu etn-asLust haben, scheinet eben wie Begehren, sich allemal auf etwas näheres zu beziehen / welches wir sogleich oder doch in kurzem genießen können. Man sagt: »Haben Sie nicht Lust zu diesem Gerichte? Ich habe Lust heute spatzieren Zu gehen, und dcrgl. Aber das Begehren ist heftiger, und daher oft mit einer gewissen Unruhe verknüpfet. Der Geizige, der das Guc seines Nächsten, der Elende, der Hülfe begehret, empfindet dabei eine Unruhe. Lust haben hingegen, drucket bei der Gemüthsbewegung, welche man empfindet, eine mehrere Ruhe, und ein gewisses Vergnügen aus. Die Alten brauchten das Wort Gelüst/ für appeti- tu8, wie Frisch im Wörterbuche zeiget, und daher ist das Wort gelüsten, und die Redensart, sich gelüsten lassen, entstandcn. In der Bibel, findet man das Wort gelüsten an verschiedenen Orten, für Lust haben. Z.B. 5 B. Mos. 14. v. 26. Gib das Geld, um alles was deine Seele gelüstet. Ruth z. v. iz. Gelüsters ihm aber nicht, dich zu nehmen, u. a. m. Die Redensart, sich gelüsten lassen, finde ich nur von verbotenen Dingen gebraucht. 2 B. Mos. 20. v. 17. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Sprüchw. Sal. 6. v. 25. Laß dich ihreScköne nicht gelüsten. Das erste, nehmlich gelüsten für Lust haben, ist jetzt veraltet, und das zweite, sich gelüsten lassen, mochte man ebenfalls nicht oft Sich gelüsten lassen. Lüstern seyn. Sich sehnen. 417 oft gebraucht finden, und auch nicht anders, als meinem bösen Verstände, und von verbotenen Dingen. Lüstern seyn, wird von einer heftigen, dabei aber ganz unzeitigen und ausschweifenden Lust, nach solchen Dingen gesagt, die weder nützlich noch nöthig sind, und deren man ganz wohl entbehren könnte. 4 B. Mos. ii. v. 4. Das Pöbelvolk unter ihnen, war lüstern worden. 2 B. Sam. 2z. v. 15. David ward lüstern, zu trinken des Wassers, aus dem Brunnen zu Bethlehem. Ps. 106. v. 14. Sie wurden lüstern, in der Wüsten. Man sagt von den schwangern Frauen, welche bisweilen eine ganz unordentliche, und dabei doch überaus heftige Lust, nach gewissen Dingen empfinden: Sie sind lüstern. Man nennet uneigentlich lüsterne (!>hren, diejenigen, welche «ine unmäßige Begierde haben, solche Dinge zu hören, die doch weder nützlich noch nöthig sind. Das Wort sehnen, leitet Frisch von nachsehen her, er sagt, es sey soviel, als einem Dinge, das uns lieb gewesen, aber von uns weggegangen, oder aus andere Art weggekommen ist, nachsehen oder nachseufzen, und dasselbe verlangen wieder zu haben. Oeiicierare Konum, Huoä amillmux. Es kann ganz wohl seyn, daß diese Etymologie richtig ist, und das Wort sehnen, zuerst in solcher Bedeutung gebraucht worden, welche auch jetzt noch gewöhnlich ist. Man sagt: Die Eltern sehnen sich nach ihren Kindern, wenn sie von ihnen sind: Ein Kind sehe net sich nach seiner Mutter: Wir sehnen uns in der Fremde, nach unserem Vaterlande. 1B. Mos. zi. v. zo. Weil du denn je wolltest ziehen, und sehncrest dich so fast nach deines Vaters Hause. Unterdessen hat man doch hernach die Bedeutung dieses Wortes weiter erstrecket, und es wird jetzt, überhaupt von einem heftigen Verlangen, nach solchen Dingen gebraucht, welche uns sehr am Herzen liegen, oder welche die Natu» selbst zu fodern scheinet. Man sagt: Der Müde sehnet sich nach der Sroschl.TH. Dd Ruhe: 4,3 Durchscheinend. Durchsichtig.' Ruhe: Der Durstige sehnet sich nach einem Trunke« Der Kranke sehnet sich nach einein Labsal, oder nach ei- „er gewissen Speise, und dergl. l B. Mos 34, 8- Meines Sohnes SichemS Herz, sehnet sich nach eurer Tochter. Hiob 7, 2. Wie ein Knecht sich sehnet nach dein Schatten, und ein Tagelöhner daß seine Arbeit aus sey« Rom. 8, 22. Alle Creatur sehnet sich mit uns, u. s. w. 249. Durchscheinend. Durchsichtig. jeglicher Körper, durch welchen die Lichtsirahlen einiger niassen durchfallen, kann durchscheinend genannt werden. Durchsichtig, wird nur von selchen Dingen gebraucht, welche die Lichtstrahlen so häufig durchlajsen, daß man gar nicht verhindert wird, alle andere Vorwürfe, durch diese Dinge, ganz genau und deutlich zu sehen. > Das seine japanische Porcellan, das Horn, die versteinerten Meerschwamme und Korallengewächse, und dergleichen, sind durchscheinend. Es fallen nur einige Lichtstrahlen durch, man kann nicht alle Vorwürfe, doch aber das Licht dadurch sehen. . Das Glas ist durchsichtig, man kan dadurch alle Vorwürfe ganz deutlich sehen. 250. Froh. Frolich. Freudig. ir sind froh, wenn wir ein innerliches Vergnügen empfinden, über etwas Gutes, oder über ein Glück, so uns begegnet ist, oder wenn wir wirklich Freude empfinden. Wir sind frolich, wenn wir das innerliche Vcrgnü- gen , und die Freude, so wir empfinden, auch äusserlich, durch unsere Handlungen und Gebehrden, an den Tag legcn. Wir sind freudig, wenn das Gute, welches uns wiederfähret, eine besondere Munterkeit und Lebhaftigkeit bei uns erwecket. Die Aroh.Frölich. Freudig. Wort. Redensart. :c. 4.9 Die Hohenpriester und Acltesten der Juden, wurden froh, als Judas sich erbot, Jesum z>> vcir.uhcn.Mare. 14,11. Sie sahen dieses als einen glücklichen Zufall für sie an. Es war ihnen lieb, sie empfanden ein innerliches Vergnügen und freueten sich darüber, daß ihnen diese Gelegenheit angeboten wurde, Jesum in ihre Hände zu bekommen. Man nennet Scb^denfrol), einen Menschen, welcher sich über den Schaden und das Unglück anderer freuet, und darüber innerlich vergimgt ist. Die Ifraeliten waren froücl), über den reichen Beitrag, den jedermann zum Tempclban gethan hatte, und lobeten Gott. 1 Chro». 29, 9. Das ist, sie legten die Freude, welche sie darüber empfanden, äusserlich, durch das Lob Gottes, an den Tag. David war frölicd, als er die Bundesladc nach Jerusalem brachte. 2 Sam. 6,14.15. Man sagt: Jemand freudig machen, das ist, eine Munterkeit und Lebhaftigkeit bei ihm erwecken, und weil der Wohlstand und das Glück, gemeiniglich den Menschen munter und lebhaft macht, fo brauchtman das Wort Freudig, überhaupt für murhig, frisch. Freudig an seine Arbeit gehen: Seine Arbeit freudig verrichten/ das ist, es mit Munterkeit und Lebhaftigkeit thun: Gu- ten Murh dabei haben. 251. Wort. Redensart. Ausdruck. t^Virch ein tVort, stellen wir bloS eine einzelne Sache —-^ vor. Die Redensart, ist eine Zusammensetzung mehrerer Wörter, welche einen deutlichen Sinn geben. Der Ausdruck, istein^Vorr, oder eine Redensart, wodurch wir dasjenige, was wir denken, mit besonderem Nachdruck vorzustellen, oder das Bild, welches wir in den Gedanken eines anderen hervorbringen wollen, nach allen seinen Eigenschaften lebhaft zu entwerfen suchen, Dd s Die / 42O Wort. Redensart. Ausdruck. D'e N>6rter, finden wir in der Sprache, und der Gebrauch entscheidet, ob sie gut oder schlecht sind. Die Regeln der Grammatik entscheiden, obeineRe- densart der guten Wortfügung gemäß sey: Und ihre Uebereinstimmung mit der Sache, wovon wir sie gebrauchen, entscheidet, ob sie sich dazu schicken. Die Ausdrücke, haben ihren Grund in den Gedanken des Redenden; Je stärker er denket, desto stärker werden auch seine Ausdrücke seyn, und ihre Güte wird durch den Nachdruck entschieden, welchen sie der Sache geben, wobei sie gebraucht werden» Die Reinigkeit einer Sprache, beruhet aufdenN?örs tern: Die Nichtigkeit und Deutlichkeit, auf den Redensarten: Die Schönheit, auf den Ausdrücken. In einer ausgearbeiteten Rede, muß man sich keiner fremden und ausländischen N?örrer bedienen, sonst ist sie nicht rein. Man muß die N)orrer in den Redensarten, nach den Regeln der Sprachkunst verbinden, widrigenfalls ist sie nicht richtig; Man muß auch keine schwülstige und unverstandliche Redensarten brauchen, sonst ist sie nicht deutlich. Die Ausdrücke, müssen kräftig und rührend, oder erhaben seyn, sonst ist sie nicht schön. Man kann bisweilen in unserer Sprache, neue lVorrcr bilden, aber sie müssen aus der Sprache selbst hergenommen, und so beschaffen seyn, daß ein jeder sie gleich verstehen kann. Gottsched verwirft die Redensarten: Ein Mann von Vermögen; Ein Mann von Grande, und dergleichen, weil sie den Regeln der Grammatik, und der Wortfügung nicht völlig gemäß sind. Siehe Gottfch. Sprachk. Seite 414. Man muß sich niemals, niedriger und pöbelhafter Redensarten von erhabenen Dingen, oder erhabener Redensarten bei niedrigen und schlechten Sachen bedienen. ^ Wort. Redensart. Ausdruck. 421 Es sind erhabene und kraftige Ausdrücke, welche IesaiaS von Gott gebraucht: Er misset die lVasser mir der Laust, und fasset den Himmel mir der Spannen, und begreift die Erde nur eine,,, Drei- ling, und wieger die 2)crge mit einem Gewicht, und die Hügel mir einer lVage. Ics. 40,12. Man sagt von einem Dichter, er hat seine Ausdrücke gut gewählet, wenn er solche Worter gebraucht, die das Bild, welches er in unseren Gedanken hervorbringen will, recht lebhaft schildern. So find es gut gewählte Ausdrücke eines gewissen Dichters, welcher bei Beschreibung einer Schlacht unter andern sagt: Da saugten die Klingen, da blitzten die Säbel, Da schwirrte der Kugeln zerschmetterndes Blei, Da deckte den Himmel ein rauchender Nebel, Da zischten zcrborstne Granaten vorbei. Anmerkung. Hv -Heinarz hat diese Erklärung des Worte« Ausdruck getadelt, und will nichts einen Ausdruck nennen, alsrv^sin einem tropischen, ooer uneigentlickei. Ginne stehet. Briefe Vie D. Spr. betr. ZTH. 17S. Al- lein mich dünkt, auf solche Weife, schränke er nicht nur die Bedeutung dieses Worts viel zu sehr ein, sondern es sey auch dem Sprachgebrauche zuwider. Man braucht das Wort Ausdruck ganz gewöhnlich, von ei- lier jeglichen besonders lebhaften Vorstellung, welche durch gewisse äusserlich? Zeichen, in unserem Gemüthe hervorgebracht wird. So sagt man: Der Ausdruck eines Tones in der Musik, oder von einem Tonkünstler, er hat vielen Ausdruck in seiner Musik. Der Ausdrnck eines Gemäldes, einer Bildsäule, und dergleichen. Man sagt: Dieses Gemälde hat keinen Ausdruck, das heißt, es stellet dasjenige nicht deutlich und lebhast genug vor, was der Maler hat vorstellen wollen. Hingegen, Alle Zeichnungen des-Hog^rths, haben einen vortreflichenAusdruck, das ist, sie stellen sehr lebhaft und vollkommen, alles dasjenige vor, was sie vorstellen sollen. Wenn «r einen zornigen Menschen schildert, so kann man den Zorn aus allen seinen Minen und Stellungen lesen. Wenn 422 Vermögend. Bemittelt. Wolhabend. Wenn wir nun das Wort Ausdruck, von dencnjenigen Bilden und Vorstellungen gebrauchen, welche durch die Rede eines anderen, in unserem Gemüthe hervorgebracht werden, so dünkt mich, man könue ebmftlls alles dasjenige einen Ausdruck nennen, was diese Vorstellung, die man bei lurs zu erwecken sucht, deutlich und mit Nachdruck, nach allen ihren Eigenschaften hervorbringet. Ein bkßes Wort kann also ei» Ausdruck werden, wenn cS zu Erreichung dieser Absicht beitraget, und denjenigen Zug, welken es malen soll, recht eigentlich und lebhaft zeichnet. Z. B. Es will jemand das heftige Verlangen eines Kranken nach dem Arzte vorstelle», so ist das Wort verlangen, er verlanget nach Sem Arzre, «icht zureichend, dieses Bild nach allen seinen Eigenschaften hervorzubringen. Wenn er aber sagt: Der Kranke sehner sich »ach dem Arzte, so braucht er das rechte Wort: Sehnen wird hier ein Ausdruck, welcher das Verlangen gleichsam abmglec, und e6 recht lebhaft, nach allen s. inen Eigenschaften vorstellet. Auch das Zeitwort ausdrucken, von welchem das Hauptwort der Aufdruck entstände» ist, wird »icht tloßvon tropischen oder uncigcurlichen Wörtern und Redcnscirtc» gebraucht. Man sagt gewöhnlich. N?al?n drucket mehr aus als Meinung, sehne» drucket mehr aus als verlangen und dcrgl. Warum sollte man denn, auch nicht sagen können: Wahn ist ein härterer Ausdruck als Meinung, sehnen ei» härterer Ausdruck als Verlangen? Und man wird in der That finde», daß das Wort A usdruck, ganz gewöhnlich von den besten Schriftstellern, in derjenige» Bedeutung genonunen werde, welche ich ihm hier beigeleget habe. -Hr. Heynar; selbst, hat es verschiedentlich von bloßen Wörtern und Redensarten gebraucht. Z. B, Briefe die D. Spr. betr. -Th. 50S. 2TH. 265S> ZTH. iz.S. 252. Vermögend. Bemittelt. Wolhabend. Begütert. Reich. NDan nimmt bisweilen das Wort Reich in einem sehr weitläufigen Sinn, und nennet alle diejenigen reich, welche mehr cm zeitlichen Gütern haben, als sie ihrem Stande nach brauchen, oder, als die Leute ihresStan- deo gemeiniglich zu haben pflegen. So Begütert. Reich. 42z So sagt man: Ein reicher Bauer, das ist, der nach seinem Stande, Ucb-rfluß, und mehr hat, alsgc. meiniglich die Bauern zu haben pflegen. Mau nennet eine Erbschaft oder Mitgift reich, nach dein Verhältniß des Standes, worin sich derjenige befindet, welcher sie bekommt. Einige hundert bis taufend Thaler, sind schon eine reiche Mitgabe für eines Bauern Tochter, odereine reiche Erbschaft, für einen geringen Menschen, da tiefes in einem höheren Stande, nur für eiue schlechte Mirga. be, oder Erbschaft würde gehalten werden. Bisweilen aber braucht man das Wort Reich, auch in einem eingeschränkteren Sinn, und nennet nur diejenigen reich, bei welchen sich ein grosser Ucberfluß an allerlei Gütern findet, die viel liegende Gründe, und Capitalien besitzen, und vor andern viele und grosse Einkünf- te haben. In diesem Verstände, nimmt man das Wort Reich, wenn man schlechthin sagt: Ein reicher Mann, oder die Reichen der Welt. Die Grossen und Reichen. So wird auch jener Reiche im Evangelio vorgestellt, der alle Tage herrlich und in Freuden lebte, weil er alles im Ueber- fiuß hatte. Lue. 16,19. Und in diesem Verstände, nimmt man auch das Wort Reich, wenn es bei den andern stehet, welche damit überein kommen. Z. E. Wenn man sagt: wohlhabende und reiche ieuce, oder begüterte und reiche ieute, so drücket reich den höchsten Staffel des zeitlichen Vermögens aus. Man kann also folgenden Unterschied machen. Alle diese Wörter, zeigen den Besitz zeitlicher Güter an, aber Vermögend, ist der geringste Staffel davon. Man sagt: Es ist ein vermögender Mann, von demjenigen, welcher nicht arm ist, sondern nach dem Stande, worin erlebet, sein Auskommen hat. Bemittelt zeiget etwas mehreres an, es führet den Begrif mit sich, daß ein Mensch schon einige Mittel hab?, sich verschiedene Bequemlichkeiten zu verschaffen. Dd 4 wol- 424 Leedig. Leer. N?olhabend, drücket noch ein grösseres Vermögen aus. Ein Mensch ist roolhabcnd, wenn er ein gutes Auskommen, und so viel Einkünfte hat, daß er sich alle Bequemlichkeiten verschaffen kann, welche dem Stande, worin er lebet, gemäß sind. Begütert, nennet man denjenigen, welcher noch mehr besitzt; als er auch zur Bequemlichkeit, nach seinem Stande braucht, dessen Einkünfte so beschaffen sind, daß er nicht nur alle Bequemlichkeiten in seinem Stande ha, ben, sondern auch noch immer etwas entübrigen kann, der an vielen Dingen einen Ueberfluß hat. Reich, ist der höchste Staffel, und drücket einen grossen Ueberfluß, an allen zeitlichen Gütern aus. Man würde also sagen können: Es sind in diesem Dorfe, vermögende Bauern, blos, wenn sie nicht arm sind, sondert, durch ihre Arbeit, sich und den Ihrigen, einen hinlänglichen Unterhalt erwerben können. Es sind bemittelte Bauern, wenn sie schon einigermassen mit Bequemlichkeit leben können. Es sind rvolhabcnde Bauern, wenn sie ein gutes Auskommen, und alle Bequemlichkeiten haben, die sie nach ihrem Standegeniessen können. Es sind begüterte Bauern, wenn sie viel Acker und Vieh besitzen, und so viel erwerben, daß sie nicht nur alle Bequemlichkeiten ihres Standes, sondern auch an vielen Dingen, einen Ueberfluß haben. Reiche Bauern, nach dem strengsten Verstände dieses Worts, möchten wol nirgend, als zu Sardam in Holland > gefunden werden. Die Einwohner dieses Orts nennen sich Bauern, aber durch Assecuranz der Schiffe, gewinnen sie oft viel Ton- nen Goldes, und verschiedene unter ihnen, können unter die reichsten jeute in Holland, gezahlet werden. A>as Wort Ledig, scheinet von erlediget, oder ent. lediget, herzukommen, und so etwas auszudrücken, 25z. Ledig. Leer. was Leedig. Lccr. 425 was nicht beladen, oder mit nichts beschweret ist. Daher sagt man auch, ledig von Banden oder Ketten, das ist, mit keinen Ketten oder Banden, mehr beschweret oder beladen. Der ledige Stand, ist der ehelose Stand, weil man darin nicht mit so vielen Sorgen, beladen oder beschweret ist. Leer, ist ein Stammwort, wovon ausleeren her« kommt, und wird nur von den Gesäßen gebraucht, wel« che nichts in sich enthalten. Man würde also sagen müssen: Ein lediger Wagen, wenn er nicht beladen ist: Ein lediges Pserd, wenn es nichts traget: Ein lcdiger Tisch, wenn nichts darauf geseßet ist- Ein lediger Stuhl, wenn niemand darauf sitzet, oder nichts darauf gelcget ist, was ihn beschwerer, u. s.w. Hergegcn: Ein leeres Glas, eine leere Tonne, ein leerer Beutel, wenn in solchen Gesässen nichts ent. halten ist. In einigen Provinzen von Deutschland, wird dieser Unterschied ziemlicher Massen beobachtet: In andern hingegen, wird das Wort L.edig, sehr oste, an statt leer gebraucht. Es scheinet, als ob man die Gefasse, wenn sie voll sind, gleichsam als beladen ansehe, sodaßsie durch die Ausleerung ihrer last entlediget werden, und daher kommt es, baß man in dem gemeinen Umgange, auch sagt: Ein lediges Glas, eine ledige Tonne, ein lediger Beutel. Hier hat also der Gebrauch, blos diesen Unterschied eingeführet, daß das Wort L.edig allgemeiner ist: Leer hingegen, nur auf folche Dinge eingeschränket wird, welche etwas in sich fassen und enthalten können. Man kann nicht sagen: Ein leeres Pferd, ein lees rer Wagen, ein leerer Tisch, sondern muß davon das Wort Ledig brauchen. Von den Befassen aber, und solchen Dingen, welche etwas in sich enthalten, sagtman beides: Ein leeres und ein lediges Glas, eine leere Dd 5 unh 4-6 Antworten. Beantworten. und eine ledige Tonne, ein leerer und ein lediger Beutel, ein leererund ein lediger Magen, leere und ledige Hülsen, u. s. w. Unterdessen dünkt mich, daß man besser thue, de- nenienigcn zu folgen, welche das WortKedig, von solchen Dingen, die nicht beladen oder beschweret sind, und Leer nur allein von den Gefassen brauchen, welche nichts in sich enthalten. Man würde also besser sagen: Der päpstliche Stuhl ist ledig, oder erlediget, als, er ist leer. Hingegen besser: Ein leeres Hauö, als ein lediges HauS, und dergleichen. Z54. Antworten. Beantworten. Erwiedern. Versetzen. 6 wird oft kein sonderlicher Unterschied zwischen diesen Wörtern beobachtet, sondern bisweilen eins für das andere gebraucht; Aber wenn wir auf den wahren Verstand derselben sehen, so werden wir finden,, daß sie wirklich unterschieden sind, und jedes in besonderen Fällen gesetzt werden müsse. Das erste ist sehr allgemein, und kann von allem gebraucht werden, was man auf eine Sache sagen kann; Die andern hingegen sind viel eingeschränkter, sie beziehen sich auf gewisse Dinge, und man kann sich derselben nur alsdann füglich bedienen, wenn sie in solcher Beziehung stehen. Wir antworten auf eine Frage, welche man uns vorleget, auf eine Bitte, welche man an uns thut, auf einen Einwurf, der uns gemacht wird, auf die Gründe unserer Gegner, auf einen Brief, auf einen Scherz, u. s.w. Beantworten, heißt eigentlich in der weitlauftig- sten Bedeutung Antwort ertheilen, es führet aber zugleich den Nebenbegriff, einer gründlichen, oder doch hinlänglichen Antwort mik sich. Man beantwortet, einen Erwiedern, Versetzen. 427 einen Brief, eine Frage, eine Schwierigkeit, cinenEin- wurf, eine Schrift, und dergleichen, wenn man darauf, die nöthige ober eine hinlängliche Antwort erthcilet. Das Wort Erwiedern, scheinet mir noch nicht lan. ge aufgekommen zu seyn, unterdessen wird e6 doch von vielen gebraucht, es giebt uns den Vegrif einer solchen Antwort, womit wir dasjenige, was uns gefagtworden, gleichsam zurückschieben, und auf gleiche Weise wieder geben, Man erwiedert auf eine Beschuldigung, auf einen Einwurf, auf einen Scherz, durch eine andere Beschuldigung, Einwurf, oder Scherz, womit man den Einwurf oder Scherz seines Gegners nicht nur entkräftet, sondern auch macht, daß er aufihn selber zurück fallt. Aufetwas verserzen, kommt von der Redensart her: Jemanden einen Hieb oder Schlag versetzen: Jemanden eins versehen, das ist, ihm einen Schlag anbringe». Es führet also den Begrif, einer empfindlichen, und stachli- chen Antwort mit sich, oder einer solchen, wodurch man eine Stachelrede eben so spihig beantwortet. Antworten und Beantworten, kann man beides mündlich und schriftlich. Erwiedern und auf etwas versetzen, führet den Begrif, einer hurtigen und geschwinden Antwort mit sich, die man gleich in der Gegenwart desjenigen giebt, wider welchen man sich vertheidiget, und können alfo nur von einer mündlichen Antwort gebraucht werden. Antworten ist allgemein, es kann auch in denen Fällen gebraucht werden, wo man gemeiniglich mit mch- rerem Nachdruck, sich eines der andern Wörter zu bedienen pflegt. Wo aber keine Beziehung auf solche Ding« ist, bei welchen die andern Wörter pflegen gefetzet zu werden, da kann man allein das Wort Antworten brauchen. Z. E. Hanmdal hatte seinen Bruder Mago ausgeschickt, die Armee der Römer zu beobachten. Dieser sagte ihm bei seiner Zurückkunft, daß die Feinde sehr zahlreich 428 Antworte». Beantworten. zahlreich waren; Hannibal aber antwortete darauf: Sie mögen so zahlreich seyn als sie wollen, so wirst du doch keinen unter ihnen finden, der !^ZaI0 heißt. Womit er nicht nur sehr artig, die Tapferkeit seines Bruders erhob, sondern auch den Soldaten, einen sehr hohen Be- grif von ihm beibrachte, alö ob er keinen unter den Rö- mern, an Tapferkeit seinem Bruder gleich schätzte. Hier kann man nicht sagen: Hannibal beantwortete die Nachricht des Mago, oder er erwiederte, oder er verseyre darauf, weil die Beziehung nicht da ist, in welcher die Wörter Beantworten, Erwiedern, Versetzen, allezeit stehen. Ich habe auf den Brief meines'Freundes schon geantworter, will oft weiter nichts sagen, als daß ich ihm schon wieder geschrieben habe. Ick habe den Brief meines Freundes beantwortet, giebt zugleich zu erkennen, daß ich auf den Inhalt desselben,, oder dasjenige was mein Freund zu wissen verlanget, die nöthige und hinlängliche Antwort gegeben. Bei einer Verschieden, heit der Meinungen scheinet das Wort beantworten, auch den Begris einer mehreren Gründlichkeit in der Antwort zu geben. Wenn man z. E. sagte: Demosthenes antwortete auf die Gründe, welche die Freunde Philipps von Macedonien vorgebracht hatten, so würde solches noch gar nichts von der Beschaffenheit seiner Antwort bestimmen , man könnte dabei auch denken, daß er nur blos etwas dagegen gesagt, oder eingewandt habe. Aber er beantwortete die Gründe, zeiget ein mehreres an, eS giebt zu verstehen, daß er gründlich darauf geantwortet , und sie widerlegt habe. AnaximeneS hatte sich vorgenommen, eine Fürbitte für die Stadt iampsa- kus, beim Alexander einzulegen: Sobald er aber dem Alexander vor Augen kam, rief ihm dieser gleich entgegen: Anaximenes, ich schwöre feierlich, das; ich dasje- Erwiedern. Versetzen. 429 rüge nicht thun will, was du von mir bitten wirst. Worauf Anaximenes lächelnd erwiederte: So bitte ich dich, daß du jampsakus zerstörest. Hier könnte man auch sagen, Anaximenes antwortete darauf. Aber erwiederte, ist besser, eö drücket eine gewisse Gleichheit zwischen der Rede des Alexanders, und der Antwort des Anaximenes aus, und zeiget gleich an, daß dieser dem Alexander, seine eigene Worte gleichsam zurück gegeben, und sie dadurch entkräftet habe. Metellus Nepos, wollte dem Cicero seine niedrige Herkunft vorwerfen, und wiederholte deswegen oft, die. se spitzige Frage: N)er ist dein Vacer ^ Endlich ver- setzte Cicero darauf: Du würdest viel verlegner seyn, auf die? Frage zu antworten. Seine Antwort war eben fo stachlich und beissend, als die Frage; Indem die Mutter dieses Metellus, den Ruf hatte, daß sie die Regeln der Keuschheit, nicht sonderlich beobachtet habe. Man könnte hier ebenfalls sagen: Cicero ants worrete darauf; Aber er versetzte ist starker, es giebt gleich den Begrif, einer durchdringenden und empfindlichen Antwort. Man muß allezeit deutlich und richtig antworten: Gründlich beantworten: Hurtig und lebhaft erwiedern : Fein und ohne Grobheit versetzen. Anmerk. Ich gestehe, daß einige, die Wörter, crrviever» und versetzen, bloß zur Abwechselung, für antworten, zu gebrauchen pflegen; Allein man wird sich allezeit eines Wortes am besten und schicklichsten, in solchen Fallen bedienen, wo cS einen besonderen Nachdruck hat, und ein anderes nicht so gut dafür gesagt werden könnte. Das ist die Ursach, warum ich gl»u« be, daß errviedernund verseyen, nicht so gut für antworte,, insgemein, sondern beste» und bestimmter, in dem angezeigten Fällen gebraucht werden, wo gewiß allemal ein ander Wort, zu wenig oder zu viel sagen würde» 255. Vers 4ZO Vermögen. Kraft. Starke. 255. Vermögen. Rraft. Stärke. Mächt. Gewalt. lle diese Wärter, zeigen eine gewisse Beschaffenheit 'an, wodurch man etwas zn thun, oder zu verrichten in den Stand gesehet wird. Das Vermögen, bestehet blos in einer solchen Einrichtung der Eigenschaften eines Dinges, wodurch es zu gewissen Wirkungen tüchtig wird, oder es ist eine Möglichkeit etwas zu thun. Die Rraft, besiehet zugleich in einer Fähigkeit oder Bemühung, das Vermögen zu gebrauchen und anzuwenden. Die Grärke, ist eine grössere Kraft. Die Macht, beruhet auf der Freiheit, welche wir haben, unser Vermögen, Kraft oder Stärke zu gebrauchen. Die Gewalt, kommt von einer Überlegenheit der Starke her. Wir sagen: Der Mensch hat das Vermögen, zu denken, zu reden, u. s. w. das ist, seine Eigenschaften sind so eingerichtet, daß er dadurch zu denken, zn reden, geschickt ist. Es ist die Möglichkeit da , daß er denken, oder reden kann. Er hat die Arafr, zu reden, das heißt, er hat auch die Fähigkeit, solches Vermögen anzuwenden , und es zu gebrauchen. Wenn jemand durch einen Zufall gänzlich stumm geworden wäre, so würde man sagen können: Er hak das Vermögen, zu reden, verlohren, das ist, seine Eigenschaften, oder die Werkzeuge der Sprache, sind bei ihm nicht mehr so eingerichtet, daß er zu reden geschickt ist: Wenn er in sehr grosser Schwachheit läge, so würde man sagen: Et hat die Z^raft nicht mehr, zu reden. Er hat zwar noch das Vermögen selbst, seine Eigenschaften sind noch so eingerichtet, daß er reden könnte, aber die Schwachheit hat ihm die Fähigkeit benommen, dieses Vermögen zu gebrauchen. Sobald die Schwachheit aushöret, bekommt, «r auch die Rrafr, zu reden, wieder. Die Macht. Gewalt. Die Starke ist eine grössere Rrafr. Die Arafc des menschlichen Leibes, istindenNervcnundMuökeln: Die Grarke, rühret von einer besondern Vestigkeit derselben her^ und man braucht daher das Wort Stärke, von solchen Handlungen, wozu eine grössere Vesiigkeit der Nerven und Muskeln crfodert wird, und bestimmet dadurch naher, wie groß die Nraft sey. Z. E. Der Mensch hat die Arafr, etwas zu heben. Er hat die Stärke, dreihundert Pfund zu heben. Er hat die Starke, diese grosse Last zu tragen. Der König Au- gustus, in Polen, hatte solche Stärke in den Handen, daß er ein Hufeisen zerbrechen konnte. Milo von Cro- tona, war von solcher Stärke, daß er einen Ochsen mit der blossen Faust konnte todt schlagen. Wenn wir sagen: Verstand, Wille, Gedächtniß, Beurtheilung, sind Aräfre der Seele, so eignen wie der Seele das Vermögen zu, zu verstehen, zu wollen, sich zu erinnern, zu urtheilen, und die Fähigkeit, oder eine Bemühung, solches Vermögen zu brauchen. Mit dem Worte Stärke, bestimmen wir dieses Vermögen nähet. Er hat eine besondere Stärke des Ge« dächtnisses, der Beurtheilungskraft, u. s. w. Ein Mensch hat eine grössere Starke des Verstandes, als der andere. Man kann das Vermögen, die Rrasi und Starke haben, eine Sache zu thun, aber nicht die Macht. Z. E. Ein Bösewicht hätte wol die Stärke, einen Reisenden auf der Landsirasse zu berauben, aber nicht die Macht. Die Freiheit seiner Handlungen, ist durch die Gesetze und Strafe eingeschränket. Der Känig hat die Macht, Gesetze zu geben und abzuschaffen. Er kann darin mit völliger Freiheit handeln. Er hat Macht, über Leben und Tod. Man sagt: Das stehet nicht in meiner Macht, und dergleichen- Die Macht, eignet uns ein gewisses Recht zu, eine Sache zu thun. Man 4Z2 Vermögen. Kraft. Starke. Macht. :c. Man erlanget die Gewalt, durch eine Überleg?», heitder Starke, eö sey nun, daß wir solche Stärke von uns selber haben, oder sie mit Hülse anderer bekom. ,nen. Jemand Gewalt thun, heißt, blos nach der Überlegenheit der Starke, mit ihm verfahren, ohne darauf zu sehen, ob es recht und billig sey. Die Gewalt bringet eine Herrschast zuwege. Fürsten und Obrigkeiten, haben die Gewalt in Handen, iaber sie müssen dieselbige allezeit nach den Regeln der Gerechtig. keit und Billigkeit brauchen. Regi- 433 Register. A. Seite. Seite. Zttbdanken 20 Anlangen Z76 ^ Aberwitzig 279 Anschauen zzc> Abgehen mit Tode ioi Ansehen zzc, Abgunst 57 Antheil ig2 Ableben 100 Antworten 426 Abnchrcn 402 Anwerbung thun 287 Abscheu 364 An?ug, Kleidung 258 Abschied geben 20 Arbeit 375 Abschied ioc> Arbeitsamkeit zzz Absetzen 20 Arb«itsam 16z Absondern 319 Arg 197 Absterben ioo Art 15 Abtheilen, Abtheilung 327 Aue 127 Acht, sich in Acht nehmen 1 z? Aufgeblasenheit 177 Acker 147 Aufmachen 220 Aehnlich 18? Aufrichtig, Aufrichtigkeit 367 Aeltern, veralten ,60 Aufschließen, Austhun 220 Ahnden 68 Ausdünstung 12z Alder, Albercr 25 Ausdruck 419 Allein iZi Ausfuhren Vollziehen 324 Allemal 25 Ausfündiz machen 125 Allezeit 25 Auslesen no Alt, veraltet 42 Ausputzen 247 Alr, bejahrt ibi Ausschmücken 247 Alt werden ibo Aussöhnen 314 Altvaterisch 42 Aussuchen iio Alterthum 42 AuSziere» 247 Anblicken 3Z2 ^» Andacht, Andächtelei 172 ^' Andere, der 375 Bahn 379 Anfangen Z52 Balg 150 Angehen z/6 Beantworten 426 Anger 147 Beben 384 Anheben 352 Bedanken 292 Srosch l. Th. E e Vedau« 4?4 Registe r. Bedauren Scirc 9z Defakren, Befürchten zzi Vefel?len, Empfehlen Z4 Befehlen, Gebieten 300 Befürchten zzi Begehren 41z Beginnen 352 Begütert 422 Bchallen 35b Behcrzt 276 Bejammern 9z Bejahrt 161 Beichte 43 Beilager halten 285 Beispiel bz Beisiehen izz Bekannt 146 Bekenntniß 43 Beklagen yz Bekommen 202 Belangen 376 Belisien yü ^>clol?nen, lohnen Zt Delohnen, vergelten 49 Belohnung Zl Bemittelt 422 Bereden 192 Berüchriget iZ Berücken 96 Berufen 146 Berühm 18 Beschauen zzo' Bescheren 118 Beschirmen 37c) Bcschiieen 146 Beschützen 370 Besehen zzcz Besiunen sich 244 Besoldung 50 Besorgen Z51 Beständig I2l Beragt 161 Betrachten 330 Betrachten 409 Betreffen 376 Betrübniß, betrübt 2Ü6 Betrügen 96 Beweiben sich 285 Bemerken 287 Binden 2Z4 Blicken ZZ" Bleiben 101 Bläoe, Blödigkeit 263 Blos! 10 Blüthe 158 Blume 158 25ösc, bdslich, boshaft 197 Borgen 2Z9 Brauch 87 Bürde 390 25uscl), Forst 289 Classe Ceremonie C. Dauchten Dampf Dankbar seyn Dankbarkeit Danken Dank sagen Dauer Dauerhaft Daurcn Dollmctschen Dornen, Dörner Drehen Dreist, Dreistigkeit Dünken, bauchten Duft , Dummheit 15 87 2Zl I2Z 292 290 292 292 8- I2l 80 22 6 ?l 82 83 231 I2Z 312 Register. 4Z5 Dunkel S. 45 Emsig S. iüz Dunkel, undeutlich 284 Ende machen Z85 Dünkel 177 Endigen Z85 Dunst 12z Eindecken 126 Düne 54 Entbleiet ic> Durchdringend 175 Entschlaffcn rar Durchscheinend 418 Entsetzen 2c» Durchsichtig 418 - Entsinnen sich 244 Dursten 260 Erblicken ZZ2 Dufter, düster 45 Erfinden 125 Erfinden 126 Ecke 59 Erhalten 202 Ehelichen 285 Erinnern sich 244 Ehrbegierde zy6 Erkenntlichkeit - 2yc> Ehrerbietigkeit, Ehrerbic- Erlangen 202 tung 2Z2 Erlassen 2c» Ehrfurcht 232 Erlesen 11c» Ehrgeiz 396 Ermangeln Z09 Ehrlich, Ehrlichkeit 467 Erneuern 322 Ehrliebe zyk Erscheinung Z8? Ehrsucht zyk Ersetzen Z58 Eigendünkel 177 Erstatten z;8 Eigennützig 175 Erwägen 409 Eigennützig 208 Erwählen 110 Eigennutz 208 Erwiedern 426 Einbildung ^ 177 Es gehet die Sage, die Rede, Eingedenk seyn ' ^244 das Geschrey ioü Ein'halligkeit ^19 Essen, Speisen 262 Einigkeit 2iy Ewig i^r Einig werden 21z Erempel 65 Eins werden 21z „ Einmüthigkeit 219 ^' Einräumen z-8 Fähigkeit ZZZ Einreden 192 Fallen, im Treffen ior Einsetzen Z58 Falsch IZ9 iLinrheilen, Einthcilung Z27 Faul Z73 Eintracht 219 Faulheit 162 Einzeln izi Fehlen 155 Einzig izi Fehler Z>6 Elend 142 Feig, verzagt --75 Empfangen 202 Feindschaft Z72. Empfehlen 34 Feld 147 E e 2 Fell 4?6 Register. Fell S. 150 Gebrauch S. 87 Fels, Felsstein 249 Gebreche» z,6 Fettigkeit zzz Gebür Zl Filzigkeit, filzig 208 Geck 25 Finden 125 in Gedanken seyn 7 Finster 45 Gegen 129 Flachs «di Gehalt 50 Flecken 78 . Gehalt, Werth 17z Fleck 78 Geltet» 55 Fleiß ZZ8 Geiz-, geizig -08 Fliehen zz? Gelingen / l Flor, Blüthe 158 Gelüsten lassen ' 41z Fluhr 127 Gemack, gemachlich ioz Fodern, Fordern ^29 Genüge, M Genüge Z84 Fors?, Busch 289 Genug, genugsam Z84 Fräulein 222 Gerechtigkeit Z9Z Frau 222 Geschäftig 16z Freien, Heirathen 285 Geschenk 166 Freiheit 124 Geschick 295 Fressen 262 Geschicklichkeit zzz Freude, freudig 117 Geschlecht 15 Freudig, frölich 418 Geschrei, es gehet das 10b Frisch, neu 34z Gesicht, Erscheinung z87 Frist 24z Gesiebte, Gesichter 411 Fröhlich, Fröhlichkeit 117 Gestirn 29 Frömmigkeit 170 Getränk iy Frok, fröhlich 418 Gewächse 15z Frohlocken zzo Gewalt 4Z0 Frucht 15z Gewinnsüchtig 175 Frühjahr zbz Gewiß zzy Frühling z6z Gewitter 394 Fügung 295 Gewohnheit 87 Führen, leiten zzo Gleich, ahnlich >89 Furcktsam,Furchtsiimkeit2bz Glück, Zufall 297 Fußstapfen 302 Glücken 1 Glücklich, glückselig » ^' Gottesdienst 94 Gabe 166 Gottesfurcht, Gottseligkeit Ganz Z8? 170 Gattung iz Grad, Stuffe Zo8 Geben i>8 Gram 270 Gebieten zoc» Grimm Z47 Groll Register. 4Z7 Groll S. Z/2 Jammer S. 142 Gut 195 Jauchzen -Zo , Je, Jemals 334 ^' Jinbrunst 172 -Hader, hadern 216 Immerwährend 121 Hafren, binden 234 In Gedanken seyn 7 -Hörte, Härtigkeit 407 Irre, unsinnig 279 Häufig 14z Juchzen >8c> Hauslich Z57 Jung 34z -Hain, Heide 289 -Handlung, That 186 Harm, Gram »70 Rargheit, Karg 208 Haß 264 Keck 8Z -Hau, Hieb .23 Kiesen il» Haufen 282 Kirche Z>8 Haupt 276 Rlar, hell 144 Haus »74 Rleld, Kleidun 258 Haut 150 Rlippe, Felö 249 Heide 289 Rlyst, Haufen 28» Heirathen 285 Klumpen 282 Heiter 144 Knauser 2,1 Helfen izz Knicker 211 Hell 144 Knüpfen 234 Herkommen 8? Knüpfen 299 -Her?, Muth 256 Körper 11» Herzeleid 266 Kopf 276 Herzhast, Herzhaftigkeit 83 Roppel, Kuppel 242. Herzhaft 276 Rosten, schmecken 107 Hieb 123 Kraft 430 Hinderniß zz; Rrank, kranklich 235 Hintergehen 9b Rriegen, empfangen 202 Hintritt ioo Rühn, Kühnheit 8Z Hochmuth ' 177 Kühren nc» Hochzeit machen -85 Kummer 270 Hoffahrt 177 Kuppel 24» -Holz, Heide 289 ^ Hülfe, zu Hülfe kommen ^ 133 Länder« Lande 7z Hüten, sich hüten 137 Läßig 373 ^ Läutern 70 ^' Langsam 108 Iachzor» Z47 Last zyo Ee 3 Laufen / 4?3 Laufen Lauter, rein Lechzen, dursten Leviz, leer Legen Lehnen, leihen Lehren Leib Leiche, Leichnam Leichtsinnig Leid Leihen Lein Leise Leiten, führen Lenz Leute Lichte, Lichter Lieblich Liebenswürdig Liebreich Listig Loben Löhnung Lokn, Gebühr Lobn, Sold Lohnen Los«. Glück Lust haben Lüstern seyn Lulr-g, Lustigkeit Register. S. 212 -55 260 424 14 2?9 404 112 "Z Zl? 266 2^9 61 ioZ 350 Z63 184 77 -44 144 144 52 38' 5° 3l 5o ?r 2Y7 4-3 4>Z "7 M. Macht 4Z0 Mache,, 187 Märeln, tadeln 140 Mangeln 15? Mangel 316 Manuiq faltig 183 Marktschreier, Marktfchrcie- rei - 4c:c> Maur, Mauritanier 105 Meiden S. Mengen Mischen Misgunst Mishalliqkeit Mittel, Weg Mittheilen Model Mohr Müssen Müßiggang Mnse haben Müsiig gehen Müßig seyn Muster Muth N. Nachahmen Nachmachen Nachrhnn Nachlaßigkcit Nachlaßig Nackend Narrisch Narr Neid Neu, neulich Neu, jung Neues Neuerung, Neuigkeit Nicht recht Niederlegen, ein Amt Nie, niemals Nimmer, nimmermehr Nöthig Nöthigen Noch, Elend Nothwendig Nutzen, Nükbarkeit G. Obst Ocfnen Z37 412 41? 5? 2-3 zo6 i'8 65 i°3 !3r lt>2 165 ,b5 165 65 256 5 5 5 »62 Z7Z 10 25 25 57 Z2I Z43 346 346 ib? 20 Z34 ZZ4 14^ 8 142 141 259 153 220 Ocrter Register. 4)9 Oerttr S. 74 Offenherzig 367 Offenherzigkeit 367 Ost I4Z Ohngcfahr 297 Ordentlich 6z Orte 74 p. Pallast 274 Pein 408 Personen >84 Pfad, Steig 379 Pflicht 3Y2 Plündern 366 preis, Werth, Gehalt 17z Preisen, Preiswert!) M Putz 245 Putzen 247 8 Sage, es gehet die Sage, die Rede, daS Gcschrcv 106 Sammle,,, Sammlung 251 Sanft 108 Saubern 70 Sckan,, Zufall 297 Scharf 175 Scharssichtig i?5 Scharren 2zz Schauen zzo Scheiden ibz Sckeinen, Schatten 238 Schenken i>8 Schicksal 294 SÄ)ickung 295 Sckildc, Schilder 73 Schlau 52 Schlimm 197 Gckloß, Pallast 274 Scklump, Glück 297 Schinachten sbo Schineckcn ,07 Schmerz 408 Sckmücb'en, zieren 247 Schmuck 245 Sckonen, verschonen iz6 sick sckonen, sich hüten 137 Schrof, FelS 249 Schürzen 299 Sckuldig, verbunden 392 Schuldigkeit 392 Schwächlich 235 Schwer 134 Schwer, 44s N e g Schmermuth S. 270 Schwierigkeit 355 Sehen 330 Sehnen, sich 4>z Setzen >4 Sicher zzy Sickerheit geben, Sicherheit steilen Z41 Sieck, schwächlich 2Z5 Siunlos, unsinnig 157 Svlv 50 Sollen izi Sparsam Z57 Speisen, essen 262 Sprache «5 Sprechen "6 Spur 302 Stärke 4Z0 Staffel Z08 Stecken, stecken 30z Steig 379 Stellen 14 Sterben iQi Stern 29 Sterndeuter 30 Stern scher 30 Stolz 177 Sträflich, strafbar, straffällig 307 Strafen 68 Strasse 379 Stück iZ2 Stuffe 308 T. Tadeln 140 Tafel, Tisch 27z Tauschen yt> Tapferkeit 256 Tempel ?>8 That 18Ü Theil 182 Theilen, Theilung Z27 ister. Thöricht S. 25 Thor 25 Thun, machen iL7 Tisch 273 Tod 100 mit Tode abgehen 101 Toll 28l Tollheit 281 Trank 19 Trage 37z Traurigkeit, traurig 2Ü6 Trennen 1Ü8 Trocken 54 Troff, Tröstung 99 Trosiloö 99 Trunk 7 Unordentlich 271 Unpaß 2Z5 Unrecht, nicht recht 167 Unreimisch 279 Unsinnig 157 Unsinnig 279 Unterlassen 3oc) Unterrichten 402 Unten'ichtcn 404 Unterscheiden Z-9 Unterschied 325 Unterschied Register. 441 Unterschied machen 319 Untröstlich yy Unterweisen 404 Unverstand 312 Unwetter 394 Unwille 347 Unwissenheit . Z12 V. Verabschieden 20 Veränderung 325 Veränderlich Zi? Veralten -üo Veraltet 42 Verbergen 35 Verbindlichkeit, Verbunden Z92 Verdanken 292 Verdrossen Z?z Verehren 118 Vereinigen ziz Verfälschet izy Vergeblich 67 Vergelten 49 Vergleichen Ziz Vergnügt 360 Vergrößern 155 Verhängnis! 294 Verheclen Verheeren 360 Verjüngen Z22 Verkriechen ZZ Verlangen 4>Z Vermählen, sich 285 ' Vermehren 15z Vermögen 430 Vermögend 422 Verneucn Z22 Verpflichtet Z92 Verrecken 104 Verrufen 146 Srosch I. Th. Versammle,,, Versammlung ^ 2 Ver.ragcn Z14 Verwegen, Verwegenheit 8Z Verwirret, Unordentlich 271 Verwirret, Undeutlich 284 Verwüsten zbo Verjagt, feig '275 Verzagtheit, verzagt 26Z Vesi, sicher ZZ9 Vollbringen 324 Vollbringen Z85 Vollführen 324 Vollkommen 387 Vollständig Z87 Vollstrecken . 324 Vollziehen 324 Vor 105 Vorne 105 Vorbild 65 Vorrecht 124 Vortheil 259 Vorziehen Z42 Vorzug 124 Vorzug geben Z42 N>. Wachsen Währen 80 Währung 8r Wählen, Erwählen 110 rvalv, Forst 289 Wallen 55 Wallen 5? 5 f Wallfahr- 442 Register. Wallfahrten 57 Wandeln 55 Wandern 55 XVansmnig, Wanwikig 279 N?sg, Mittel " Z06 Xveg, Straße Z79 ZVehe, Wehrage 408 Weib 222 Weise 24z Wenden - 82 rvere. Arbeit z?; U?erch, Preis 17z Wetter 2zo Wichtig 134 Wider 129 Widci sinnigkeit 364 Widerwille ZÜ4 Wieder einräumen Z58 Wieder einsetzen zzF Wiedergeben Z58 Wiese 127 Winkel ' 59 Wirrhschaftlich Z57 Witterung 2ZO Wörter z? ZVdhnunz» HauS 274 Wohl 195 Wolhabend 422 U?orr, Redensart 419 Zworcs, Wörter Z? Wünschen 41z 5. Zaghaft, Zaghaftigkeit 26z Zänkerei, Zank 216 Zanken 216 Zeit 8r Zerstören z6o Zerstreuet seyn 7 Zierde, Iierrath 245 Zieren, Auszicren 247 Zittern Z84 .Zorn Z47 Züchtigen 68 Zufall, Ohngefehr 297 Zufrieden Zbo Zu Hülfe kommen iZZ Zunehmen 1^2 Zur Genüge Z84 Zureden 192 Zurückhalten, Behalten zz6 Zusammenkommen 251 Zusammenkunst 251 Zustellen, wieder zustellen Z58 Zweite, der 375 Zwingen 8 Zwiespalt 2iz Zwist, Zwistigkeit 2iZ Zwietracht 21z ^-- Ein Hauptregister über alle vier Bande dieses Werks findet man in den kritischen Anmerkungen über die gleichbedeutenden Wörter, welche den vierten Band ausmachen. Verbesserungen. Seite, Zeile, stehet für 7 — 2; tausenderlei — mancherlei 11 — 29 An Waffen — In (ohne) Waffen »0 - 6 ist nach d. W. verwalten will, hinzu zu setzen, er danket ab. z; — 5 befohlen. — befehlen 40 — 24 lootin — latin 56—7 Dovan — Do van ib. — ie> van der — van dar 82 — 4 CarutuluS — Catulus 84 — li drücket — drucket 86 — 18 Glaßario — Gloßario ib. — Zi Vorbedacht — Vorbericht. 52 —> 20 einer — meiner ib. — 29 hatte — hat ic>7 29 Gerüchte — Gericht. 122 — 3 Mährung — Währung 141 — 18 Gerüchte — Gericht 147 — 19 beschriebenes — bcschrieene< »48 — ir Grosanger — Grasangcr 149 — i<5 unbcarbeiteS — unbearbeitet 151 — »2 weiseste — weißeste i;8 — 2k- Flach in — Flachs ist in 159 — 22 von dieser — von diesen 181 — iz Gebrauche — gebraucht. »9» — zo drückt — drucket S,o i — Z4 sr^us — ürgur 22; — 21 k'roet — ksvet 2,27 — 16 lilumstczs — l'lumstcTe ib. — 2z l'ulk? — l'ulkr ib. — 29 wahrscheinlich -> unwahrscheinlich 260 — 5 Welt — Wolle 268 — 26 selten — selber 269 — zo dadurch — wodurch 270 — 5 Isit — Isiä »98 >- 15» beruhen — beruhet zz r — 2z gefährlich — gefährlich sey zzz — 2 was — etwas z68 —. 2 befräget — befraget «-------- M« ^ » ^