M^'O^ Briefe Deutscher Gelehrten an den Herrn Geheimen Rath Klotz, Erster Theil. > i Herausgegeben von I. I. A. v. Hagen, Amt. deö Königs» Preuß. Reg. von Anh. Bernburg. Cosmopolis 177 z. Dem Hochwohlgebohmen Herrn Anguß Christoph FrWrr°°m Hagen/ Hochfürstlich- Hessen - Casseltschen Geheimen Rath und Gesandter an dem Ober - Rheinischen Kreist/ des Kaiserlichen St. Josephus Qrdens-- Ritter, Erb-und Gerichts-Herr auf Düna und Niederorsla zc. Hochwohlgebohrner Herr! -e» xcs^K H D^ero edler und großmüthiger Tharak- ter, die ruhmwürdige Liebe, die Sie, auch mitten unter Dero vielen und wichtigen Geschafften, denen Künsten und Wissenschaften schenken, und dann die Hochachtung, mit der ich Dero rühmliche Eigenschaften verehre, diese sind es, die mir den Gedanken einflößten, Dero Namen gegenwärtiger Sammlung von Briefen vorzusetzen , die an einen Mann geschrieben sind, der in dem Reiche der Litteratur einen unsterblichen Ruhm sich erworben hat, und dessen fühlbares Herz seinen zurückgebliebenen Freunden ewig unvergeßlich bleiben wird. - z Auch Auch ich gehöre unter die Anzahl dieser Freunde; Vergeben Sie es also der Warme, mit der ich sein Andenken verehre/ wenn ich Ihnen einige Worte von dem Mann sage, in dessen Umgange ich ein eben^ so lehrreiches Vergnügen, als die edelsten Empfindungen der Freundschaft genoß. Nehmen Sie übrigens von mir diese Sammlung als ein Merkmal derjenigen vollkommenen Hochachtung an, mit der ich zeitlebens seyn werde Euer Hochwohlgebohrm ^ Halle den 24. September ! 7 7 2> geyevsamster Diene« I. I. A. v. Hagen. Vorrede» ^D^as Publikum empfangt hier einen klei- ^Z^F nen Theil von dem weit ausgebreite- G ten Briefwechsel des verstorbenen Herrn Klotz. Ein Geschenk von der Art kann ihm wahrscheinlicher Weise nicht anders , als angenehm seyn. Gelehrte, die sich größtentheils in der gelehrten Welt schon bekannt genug gemacht haben, treten in dieser Sammlung auf, und unterhalten den Leser theils durch unerwartete Urtheile, theils durch die Grazie der Schreibart. Von el- nem Manne wie Klotz war, der mit den größten Gelehrten Deutschlands in Verbindung stand, laßt es sich leicht erwarten, daß er mit seinen Freunden sich nicht von alltaglichen Dm-, * 4 S'n Vorrede. gen werde unterhalten haben. Freylich sah er sich auch oft in die Nothwendigkeit gesetzt, von einfältigen Menschenkindern einfaltiges Geschwätz zu lesen, und die Schwachen geduldig zu ertragen. Mein der Leser hat nicht zu befürchten, daß man ihm auch diese Hülsenfrüchte vorsetzen werde, die eben nicht jedem Gaumen schmackhaft sind. Man hat sich bemüht eine strenge Auswahl zu beobachten, und sowohl die leeren Briefe wegzuwerfen, als auch diejenigen zur Zeit noch zurück zu halten, worin- nen gewissen Leuten ihre Schande gar zu sicht- barllch aufgedeckt wird. Eben diese Behutsamkeit ist Ursache, daß hier und da einige Stellen nicht jedermann verstandlich seyn werden, weil einige Namen ganz und gar haben weggelassen werden müßen. ^ Vielen wird hingegen der Schlüßel hierzu nicht schwer zu finden seyn. Auf diesem Wege vermeidet man denjenigen Vorwurf, der diesem und jenem Briefsammler in unsern Tagen mit Recht gemacht worden, daß das Publikum weder freundschaftliche Com- pllmentc, noch Heimlichkeiten lesen wolle, die nicht für die Druckerpresse geschrieben worden. Vcrrathereyen von der Art sind eben sowohl mit dem Zeichen des bösen Herzen gestempelt, als andere. Diesen Vorwurf, sag ich noch einmal, wird man dieser Sammlung niemals mit Recht machen können. Und keiner von denen hier aufgeführten Gelehrten wird sich schämen, Klo- Vorrede. Klotzens Freund gewesen zu seyn, und mit ihm einen Briefwechsel unterhalten zu haben. Diejenigen weitigen unbesonnenen Leute, die sich nach dem Tode dieses Mannes haben unterstehen wollen (denn sie waren zu unbedeutend , Aufsehen wirklich zu erregen) haben freylich in dieser Sammlung keinen Platz finden können. Sie sind mit öffentlicherSchande und der Verachtung aller Rechtschaffenen zu sehr gebrant- markt worden. Und Leute die schon mehr als einmal am Pranger gestanden, dürfen nicht unter ehrliche Gesellschaft sich mischen. Dem Verfasser des gelehrten Artikels in den Hamburger Zeitungen Nro. 92. möchten wir zwar hier einige triftige Wahrheiten ins Ohr sagen, allein da wir noch nicht wissen, ob dieser Mann, mehr aus Schwachheit des Verstandes, als aus Bosheit des Herzens Klotzens Asche verunehrt habe ; so wollen wir noch einige Zeit damit anstehen. Aber, der allein Anschein nach, junge, unbartige Knabe, der es sich hat einfallen lassen, in den B * * * Nachrichten von gelehrten Sachen, bey der Beurtheilung der Zeibichischen Schrift von der Abbildung des Todes, einen hämischen Ausfall auf den Herrn Klotz M thun, und der, seiner Unwissenheit nach Zu urtheilen, nichts anders als ein Currentaner oder Kinderlehrer in einer Winkelschule seyn kann, dieser mag es uns nicht übel nehmen, oder, wenn es ihm so gefallt, mag er es uns übel nehmen, daß * 5 wir Vorrede. wir ihn öffentlich hier für einen Menschen erklaren , dessen Körper eine sehr niederträchtige Seele bewohnen muß. Wie sehr sicher wir uns dieses Urtheils wegen glauben, kann er unter andern daraus sehen, daß wir angeloben, seinen Namen, so bald wir ihn erfahren, und dieses wird gewiß sehr bald geschehen, öffentlich bekannt zu machen. Der größeren Anzahl von Rechtschaffenen aber, die Klotzen nicht persönlich, sondern nur nach dem Gerüchte seiner Freunde und Feinde gekannt haben, diesen zum Unterrichte will ich nur noch einige Worte von dem sittlichen Charakter dieses, selbst nach dem Gestandniß seiner Ieitgenoßen, großen Mannes hinzuthun. Man brauchte Klotzen nur einmal gesehen zu haben, um von der Größe seines Genies sich einen würdigen Begriff zu machen. Eine offne, freye Stirne, Augen die zu brennen schienen, und eine unglaublich schnelle und unaufhörlich arbeitende Bewegung der Gesichts- Muskeln, ließen niemanden, selbst seinen Feinden, einen Zweifel von der Geschwindigkeit und Thätigkeit seines Geistes übrig. Und eben so leicht war es seinen sittlichen Charakter zu durchschauen. Ein Umgang von einigen Tage-l, war hierzu hinlänglich genug. Viele, die dieses lesen, und Klotzen gesprochen haben, wäre es auch nur bey einer Durchreise geschehen, werden mir in ihrem Herzen Beyfall zurufen, wenn ich sage: Klotz hatte das fühlbarste, das freund- Vorrede. freundschaftlichste und redlichste Herz von der Welt; seine Freundschaft belebte eine Warme, eine Dienstwilligkeit, die im eigentlichsten Verstände außerordentlich war; bey ihm war nur ein kleiner Schritt von den ersten Empfindungen der Freundschaft bis zur Vertraulichkeit. Ein allgemeines Wohlwollen war die erstc Stimmung seiner Seele, die ihren nächsten Grund zugleich mit in der natürlichen Feinheit und Empfindlichkeit seines Nervensystems hatte. Die widrigen Umstände seiner Freun.de rührten ihn mit einer ungewöhnlichen Stärke, und oft that er mehr, als ihm andere Pflichten zu erlauben schienen, diesen seinen Freunden heitre und ruhige Tage zu verschaffen. Widerspruch, seine Feinde mögen sagen was sie wollen, ertrug er, wenn er ihm auf diejenige Art gcmacht wurde, wie man ihn Leuten von ausgemachter Gelehrsamkeit machen muß. Aber, wenn Leute ihm auf eine so grobe Art widersprechen wollten, die eben selbst nicht viel von dergleichen Dingen verstunden, dann gieng es ihm freylich bisweilen so, wie es allen großen Leuten von je her gegangen ist, daß er manchmal einen Irrthum, der bloß aus der Geschwindigkeit, mit der er arbeitete, herrührte, wegen der Heftigkeit seiner Gegner vertheidigte, und mit seinenFreun- den belachte. Widersprach man ihm aber auf eine liebreiche Art, so, daß man ihm keinen Verdacht von hei-nlicher Bosheit übrig ließ; so war er sehr bereitwillig seinen Fehler zu gestehen, Vorrede. und ihn zu verbessern. Dieses allgemeine Wohlwollen und die offenherzige Vertraulichkeit mit seinen Freunden artete endlich bey ihm Zu einem Fehler aus. Er hatte nichts vor seine:; Freunden geheim; Bey der Wahl dieser Freunde war er nicht behutsam genug , weil er überhaupt die Menschen für besser hielt/ als sie oft sind. Mithin schlich sich nicht selten ein Judas in seine Vertraulichkeit ein, mißbrauchte sie auf eine niederträchtige Weise, und, da dieses mehr als einmal geschah, ward der b-.ste Mann argwöhnisch und mißtrauisch auch gegen diejenige«/ welche nicht seine Feinde waren. Dieses Mißtrauen nährten seine heimliche Verfolger noch mehr. Ich selbst habe zwey Briefe m Handen, wodurch ich alle Stunden einen sehr angesehenen Mann eines Meyneids überzeugen will, der zu eben der Zeit Klotzen die heiligsten Versicherungen gab, sich in die Cabale seiner Feinde nicht einzulassen, da er ihn um eine wichtige Stelle auf einer gewissen Universität brachte. Dergleichen niederträchtige Verschwörungen, die man ganz im Stillen ecgen ihn machte, mußten ihn nothwendiger Weise aufbringen, und seine natürliche Hitze dcS Temperaments brachte ihn leicht dahin, sanen heimlichen Feinden die Larve öffentlich vom Gesichte zu reißen, und ihnen zu sagen, daß er sich lieber öffentlich Feinde, als heimtückische Freunde wünsche. Ueberhaupt hatte Klotzens Seele die mannliche Festigkeitjmoch nicht ange- nom- Vorrede. rommen, welche sie eben anzunehmen anfieng, da sein frühzeitiger Tod sich näherte. Sein allzuedleö Herz brachte noch andere Fehler hervor , er konnte niemanden, am wenigsten seine Freunde leiden sehen. Er suchte ihnen zu helfen , und dieses sehr oft mit seinen: eigenen Schaden. Seine Freygebigkeit hatte keine Gränzen , wenn er auch den Beystand anderer zu Hülfe nehmen sollte. Alle diese Fehler zeigen von dem edlen, großmüthigen und menschenfreundlichen Charakter unsers verewigten Klotz. Die Quelle, wo sie herkamen, war so rein, so schön, so liebenswürdig, daß man wünschen sollte, sie möchte nicht so selten unter den Menschen angetroffen werden. Eine einzige Anekdote will ich noch hinzufügen, weil sie nicht bekannt genug ist, und Klotzens Denkungsart doch unendlich viel Ehre macht. Als vor einigen Iahren der verdiente Rector an der Domschule zu Riga Herr Schlegel in Halle war, und Klotzen besuchte, und ein dritter Freund einige Anmerkungen über Klotzens Charakter machte, umarmte Klotz seinen neuen Freund, und sagte: „nehmen sie von mir die Idee mit zurück, daß ich mich täglich deßre.« Wie edel mußte derjenige Mann denken, der diese Worte zu einem Fremden sagen konnte? Ver- v SHZ!°I!Zsi°»6is°i!ZSSl-ilZl^ O ^ ^'^A7»°H° die Freundschaft eines ManneS, der dies se Freundschaft nicht gerne verschwendet, sind einem Schriftsteller und rechtschaffenen Manne, das schmeichelhafteste Geschenk für seine Bemühungen. Ich werde nun mit neuen Kräften auf meiner Bahn laufen, da ich Sie gleichsam zum Zeugen habe, und mir einbilden darf, daß Sie mir maÄs svimis! zurufen. — D mein theurer Freund, wie viel wa» get ein Mann nicht in einem Lande zu denken, wo es Kriegöheere von Leuten giebt, denen daran liegt, daß die Vernunft nirgend einen Strahl ihres Lichtes ftn? Wien den 25. Oct. 1768. den den möge, bey dem man etwan die Häßlichkeit diese? Niederträchtigen in wahrer Gestalt erblicken möchte! Habe ich auch sonst zu dem allgemeinen Besten der Literatur in unserm Vaterlands nichts beygetragen; so wird mir vielleicht mein Muth, mich der Unwissenheit/ der Vorurtheilen entgegen gesetzt zu haben, dieser Muth, der mich nicht selten an den Rand des Untergangs dahin riß, wird mir wenigstens zum Verdien- ste gerechnet werden: und wer weiß es, bin ich nicht so glücklich, von unsern Nachkömmlingen als ein standhafter Mann genennet zu werden, wenn ich auch, als Schriftsteller, kaum änderst, als wo Sie in Ihren Schriften meiner Erwähnung machen, bey der Nachwelt bekannt seyn werde. Nicht bloß, als ein Schriftsteller, auch als Lehrer habe ich manche Verfolgung erlitten I und cS reuet mich nicht. Die Geschichte meiner Kriege ist zu stark, sl6 daß ich Ihnen sie ganz übersenden könnte. —- Weil ich mich der Sittenlosigkeit unsrer Schaubühne entgegen gesehet, wo man unter dem Schuße des ExtemporirenS, und der Hanswursten - Jacke die schandlichsten Unflacigkeiten, Zoten und Pasquille auskramte, so hat man gegen mich eine eigene Kc.nö- die, die zehnte Muse genannt, gemacht; wo Hanswurst am Ende auf den Parnaß erhoben und gekrönt wird. Ich wünsche, daß Sie dieses Hergangs wegen an Hrn. Weisst schreiben, und sich von ihm den Brief, worinnen er beschrieben wird, mit allen Urkunden, die ich ihm beigelegt, möchten übersenden «ssen' es verdient gelesen zu werden. Dieser Z?ic- ^ ^ xunkt macht in unsrer Literatur Epoche so sehr die Parthey des grünen HutS zu triumphiren schien; so fiel doch von diesem Tage an das Ansehen der Hraze völlig zu Boden; und ob es gleich noch eine Menge Frazenspieleaufunsrer Bühne giebc; so haben dieselben nur wenige Zuschauers und die guten Stücke immer einen vollen Hörsaas. Meine ,'tzigen Briefe über die Schaubühne haben mir auch schon Verdrüßlichkeiten zugezogen. Ueber einen recht wohl vecmeynten und höflichen Vorschlag, den ich der Theatraldirektion darinnen that, wußte man den Imprsllsrius, der em Wäl'cher ist, aufzu- wiegeln; und wurden auf seine Veranstaltung zween Briefe voll Anzüglichkeiten, der Zeitung, die bey uns die Bildsaule des Pasquinus ist, beygelegt. Man glaubte, ich würde antworten I ich that es nicht; und schrieb in dem Tone fort, wormnen ichehehin gespro- chen. Ich sende Ihnen mit meinen Briefen auch diese Beylagen.— Gle-ch der Parthey des grünen HutS stund die furchtbarere Parthey des rothen HutS gegen mich auf, als ich auf meinem Lehrstuhle, und in meinem Wo- chenblacce, b?r Mann ohne Vorurtheil, die ketzerischen Lehren vorzutragen ansiengdaß der geistliche Stand in engere Grunzen gezwungen, daß seinen Erwerbungen Ziel gesetzt, daß die Zahl der Studierenden , als die Pstanzschule der Geistlichen, und der Müßiggänger beschränket; daß die geistlichen Gut?r steuerbar seyn', im Nochfalle dee Staates die Äirch n- schätze dem Regenten in die Hände geliefert; daß die A 2 Frey- !^ ^ Freystätte aufgehoben; die Verführung der Jugend unter dem Titel Beruf gehindert; daß die Ehen bes fördert, und alle Sorgen des Regenten auf die Bevölkerung gerichtet seyn sollten. Urtheilen Sie., was ein Professor auf einer katholischen Universität, wo eS so viele Mönche und andere Klöster giebt, mit solchen Neuerungen für Aergerniß geben müsse ? Viele beschlossen sogleich, dieser Natter, wel> che ohne Zweifel eine Brüt der alten Schlange seyn muß, das Haupt zu zertretten. Sie hielten Blmrach über mich; und in diesem Synedrium ward ich schon verurtheilt i die dringendsten Borstellungen wurden gegen mich nach Hofe gegeben', aber, anstatt mich zu stürzen, sahen sie mit Herzens wehe meine Grundsätze Wurzel schlagen, und die Früchte meines SaamenS in mancher Verordnung reifen, welche ohne Zweifel die nahe Ankunft des Antichrists ankündiget, von dem ich in---'als Vorlaufer bin gerühmet worden. — Ich konnte mir, nach ihrem mißlungenen Anschlag, die boshafte Freude nicht versagen, den zten Band meines Man- neS ohne Vorurtheil einem Bischoffe mit zween Stern: chen zuzueignen, deren Satyre Ihnen nach dieser Anekdote deutlicher seyn wird. Dieses sind zwo große Perioden meiner Sendung', die dritte ist nicht weniger wichtig und merkwürdig. - Die---als sie unmittelbar gegen mich nicht siegen konnte, erweckte mir unter der Hand Widersacher, von denen sie erwarteten, daß sie mich aufreiben würden. Nach dem frommen Bmsviele de» ' Man- ^ ^ 5 Manneö nach dem Herzen Gottes sprachen sie zu den Salomonen Oesterreichs: handelt nach eurer Weisheit, damit seine grauen Haare nicht ohne Blut zur Grube fahren! Ueber einige bey meiner Disputation auegesetzten Lehrsahe, welche freylich weder Farina- ciue, noch Weingarten gebilliget haben würden: z. B. daß man die Tortur, die Todesstrafen abstellen ; daß man gefallenen Madchen keine Kirchenbuße auflegen; daß man ihnen alle Beschämung ersparen, und sogar eine geheime Entbindung erleichtern soll ; über solche Satze, welche ich drucken ließ, machten ein auöcrmahlteö Myrrhenbündlein frommer Hofrathc einen Vortrag nach Hofe, worinncn sie unter andern Kleinigkeiten sagten: dieser junge Mensch — daö war ich — setzt seinen Eigendünkel über die göttliche und menschliche Rechte hinweg. Es war daher auf nichts Geringeres angetragen, als mich des Lchrstuhls zu entsetzenetwan noch zu meiner Besserung ein Paar Jahr Schanzarbeit, das weiß ich so eigentlich nicht. — Aber auch dieses Gewitter zog über mich unschadhaft hin. Fürst Kaunitz vertrat meine Sätze im Staats- rath: und v. Swieten, dieser für unsere Wissenschaften so nochwendige Mann, dem wir daö kleine Licht, so sich blicken laßt, einzig zu verdanken haben , de>- zum Nutzen der Philosophie bey unS ewig leben sollte, dieser vertheidigte, was er censirt hatte. Noch kleine Husarenkrieg? mit Kanzleyen, Soldaten, Weibern, u. s. w. aber diese sind mir mit allen denen gemein, welche den Thorheiten eine Fehde ankündigen: die gezüchtigten Thoren werfen immer mit 3° Stei- s t^u ^. ^ Steinen nach ihren Zuchtmeistern. Sie werden in dem Manne ohne Vorurtheil die Stellen leicht erkennen, worüber der Verfasser zu streiten hatte. — Denn ich begnüge mich nicht. Ihnen nur meine neuerm Schriften zu senden: Sie sollen alles haben! sowes N'g als darunter auch seyn mag, das einen Plaß in Ihrer Sammlung verdiente. Sie haben, hoffe ich , meine Theresis und Eleo» nore schon erhalten : ich sehe Ihrem Urtheile mitBe- gierde entgegen; e6 gilt mir das Urtheil von ganz Deutschland. Mit nächstem Postwagen sende ich daS übrige. Diesen Brief aber hat Ihr Freund beyzus schließen über sich genominen, für dessen Bekannt- sch.ift ich Ihnen verbunden bin, und den ich bald auch den meinigen nennen zu können hoffe. Leben Sie wohl, mein theurer Kloz, weil Sie mir dieses freundschaftlich? Betragen erlauben, und erfüllen Sie bald die Hoffnung, die Sie unS gemacht, Sie bey uns zu sehen: Sie werden da eine grosse Anzahl Ihrer Verehrer finden , aber keinen aufrichtigern und ergebnem als Ihren garu eigenen. Wien dm 50. Nov. 176?. chmalen Sie nicht auf mich, verehrungswürdls gec Herr! daß ich die verheissenen Schriften noch nicht eingesendet habe: ich wollte Ihnen zugleich einen Abdruck von meiner letzten Abhandlung emsen^ den; und da verzögerte der Buchdrucker von einem Tag auf den andern, sie fertig zu machen. Heute endlich erhielt ich den letzten Correkturbogen, unv mit künftigem Postwagen sende ich ein grosses, grosses Paket nach Prag, wo mein Freund ,von dessen Gut ich Ihnen diesen Herbst zuschrieb, es unter Ihrer Adresie aufgaben wird. Sie werden da wichtige Neuigkeiten sehen : Fa- beln , Gemälde — denn unfti e jungen Schriftsteller haben eine Raserey zum Schreiben, bey der ich manch« mal das Gebet thue Oii kurorem IivKibuz illum! Von mir empf ngen Sie drey Quartale Briefe über die Schaubühne : einen Band gesammelte kleine Schriften: ein Paar Reden — und die neue Abhandlung von dem Verdienste des Porträtmalers ir. Auch noch mehr, wobey Sie vielleicht die Zeit be- dauren werden, die Sie darüber hinbringen. Die Briefe über die neueste österreichische Literatur ver« gesse ich nicht. Ich bin darinnen wegen meiner Thereste und Eleonore gar zu erbärmlich gclobt worden —- A 4 Aber 8 ^ ^ ^« Aber was sagt Klotz dazu? denn, Sie haben sie nun doch schon? und wenigstens hat die Neugierde Sie zum ^esen verleitet: wie ungeduldig, und mit welchem bangen Herzen erwarte ich Ihren Ausspruch? Lassen Sie mich doch nicht so lange zwischen Furcht und Hoffnung schweben! daß ist für einen Schriftsteller, der sein Urtheil abwartet, der grausamste Zu» stand: lieber sagen Sie mir gerade zu: Freund, dem Wochenblatt taugt nicht sonderlich viel! — Wie unglücklich ist ein Schriftsteller, der nicht bey der Presse stehen, und die Korrektur selbst besorgen kann. Gleich als hatte ich nicht an meinen eigenen Fehlern genug zu verantworten ; so habe ich beym ersten Anblicke alles von Druckfehlern wimmeln gesehen : und oft Druckfehler, die man gar leicht auf meine Rechnung schreiben könnte, z. V. in dem Borberichte zum Anhange gleich auf der achten Zeile heißt es meine lauschende Satyre: da eS heissen muß eine: würde ich denn meine Satyre selbst charakteristren? dieses Mein ist alle Augenblick da, auf der 44« Seite in eben dem Borberichte iote Zeile von unten, obermal meiner Schrift: statt einer Schrift — auf der 487 Seite, Zeile 7 ist ein gar voßirlicher Fehler: der Morgengeruch einer Nase, statt einer Rose: und dergleichen giebt es so viele. Wenn Sie etwcm in ihrer Bibliothek dieses Blattes eine Erwähnung machen ; so verbinden Sie mich doch, dieser Druckfehler wegen dem Hrn. Verleger eine kleine Erinnerung zu machen. Man ^ ^> ^ ^ Man hat mir von Prag Ihre Streitschriften gegen Leßingen gesendet: sie sind noch IN der Revision: ich weiß etwas von dem Unterschiede Ihrer Meynun- gen; der auch von Welssm in seiner Bibliothek angemerket worden, aber wer hatte glauben sollen, daß eö zu einem öffentlichen Bruche kommen sollte. Ich weiß nicht, mit welchen Waffen von beyden Seiten gekampft wird: Ansehen, Geist und Feuer ist auf beyden Seiten: sollte man nicht von LeßlNgeN, dessen Hiße bekannt ist, sagen: VIttlts gm6em nodis tzcimus mzla po^'tAv Ich darf das Vc Vineta eZomet caeäam ir-sa — nicht weglassen — —»>—»»» cum!ae6imur voum LI ^uis smicorum ek susus lepreksnäere verlum —» Beehren Sie mich mit Ihrer Zuschrift, mit Ihren Befehlen, und mit Ihrer kostbaren Gewogenheit, um welche ich mit aller Ergebenheit bitte. Ich bin mit der vollkommensten Verehrung ;c. A 5 Was Wien den 17. Dec. 1768. aS für ein unschaßbareS Geschenk machen Sie mir mit dieser vertrauten innigen Freundschaft, die Sie mir anbieten? ich sage mir mit der Zuversicht eines redlichen Herzens : ich bin dieses Vertrauens werth; und dieser Gedanke selbst vergrößert meinen Muth, auf der becretnen Bahn fortzuwandern, und bey allen Hindernissen, die ich noch zu übersteigen ha- ben dürfte, mich mit Ihrem Beyfall zu ermuntern. Der Beyfall eines Rechtschaffenen ist dergrößte Lohn, den man für eine wohlgemeynte Handlung empfangen kann. Es ist bey meinem Unternehmen mehr Muth als Vermögen: immerhin! auch dieser Muth ist in Ihren Augen verdienstlich. Kann ich mein Vater- land nicht von der Tyrannei) der Vorurtheile befreyen; der Untergang des Brutus auf dem Schlachtfeld?, worauf die Unterdrücker siegten, ist der rühmliche Tod eines Patrioten, wünschenswerter, als der Triumphwagen seiner Ueberwinder. Halten Sie mich, theuerster Mann,HreS Zutrauens nicht unwürdig, und giessen Sie in den. Schooß eines theilnehmenden Freundes Ihr Geheim- niß aus? wäre es doch von der Art, daß mein Beytrag etwas zu Ihrer Beruhigung thun, daß ich Ihnen meine Ergebenheit beweisen, daß ich Sie überzeugen könnte, daß mein Herz zu eben dieser sreund- fchaftlichenHii)e, dieser angenehmenSchwarmerey fähig t^i s^i II ist. Es ist wahr, ich liefere mich nicht leicht ohne Zurückhaltung; ich bin so oft von denen Hintergan» gen worden, denen ich so gar gedienet; und ich Habs mirs zum Gesetze gemacht, meine genauere Freund» schaft nie j?manden einzuräumen , an dem ich nicht zugleich erhobene Eigenschaften zu verehren harte: und solite ' Sie es denken, ich bin so glücklich, die Vorsicht ist g! gen mich so verschwenderisch, daß ich neben Ihnen noch zween Freunde, dieses eigensinni» gen Bedingeö ungehindert, besiße: einer davon ist Born, dem ich meine Wochenschrift zugeschrieben: ich werde mich einmal von ihm mit Ihnen unterhal» ten'. denn ich mache meine Freunde immer am liebsten zum Gegenstande meiner Briefe, meiner Gedanken, memer Gespräche: Und so sind Sie iht sehr oft der Gegenstand davon' ich rühme mich Ihrer Güte, und thue damit groß l ich wollte gerne, daß die Welt von Ihnen ein wenig auf mich schlöffe. Diese Freundschaft würde, nicht bloß irgend eine Verschiedenheit der Mennnng, nein, auch eine kunst» r chternche Strenge würde sie nicht lau machen. Aber S'e sind m't mir zu nachsehend umgegangen. Im Ernste? Sollten Sie an meiner Wochenschrift, für deren übersendete Beurtheilung ich Ihnen danke, nicht mehr auszuseßcn finden ? oder waren Sie nur gegen österreichische Madchen aus Galanterie so gelinde? Ich habe gleichwohl die^e Blatter zu gleicher Zeit ge» schrieben, da ich noch wöchentlich zwen andere verfer» tigte, und mir bey meinen vielen Arbeiten für so ein Stück nur zwo Stunden übrig waren. — Sie mele den ls ^ ^ den von einigen Fehlern des Ausdrucks: ich wünschte, Sie wiesen Mich darauf, wenigstens zu meiner Belehrung ; denn eine dritte Auflage, wo ich sie verbessern könnte, werdeich wohl nicht erwarten dürfen: die Neugierde aus einem, seiner Unwissenheit wegen so verschriebenen Lande, etwas zu lesen, wird diesem Blatte mehr Leser schaffen, als sein innerer Werth, und diese Neugierde ist bald geiMlet — das zwo Finger breite Gedicht ist zu lang; Sie haben vollkommen recht: aber sollte es in der boshaften Scttyre. die eben'in dieser Lange lauscht, nicht seine Entschuldigung finden? — Entschuldigung! Freylich ist das kein Vorzug an einer Schrift, daß man Sie gerade zu nur entschuldigen kann. — Die Wörter BootS- knechcschcrz?Zotendrescher u. s. w. fodern freylich die vollen Backen eines MadchenS : aber bey Gelegenheiten dieser Art ist der Eifer eines Madchens doch auch ertraglich — abermal nur ertraglich, weiter nichte! '— Und doch wäre ich sehr zufrieden, wenn meine übersendeten Schriften in Ihren Augen wenigstens nur ertraglich erschienen, und nicht etwcm die gute Meynung, die Sie von mir gehabt, zernichten — Ich bin der erste, der die Halbscheide davon zum Feuer verurtheilst: sünfZwölftheil davon haben einer sehr grossen Ausbesserung nöthig; und ein Zwölsthcil, kaum noch dieses, ist ertraglich. Ich erwarte nun von Ihnen > ob Sie die Geschichte des grünen HutS etwan von Welsjen erhalten können: wo nicht, so werde ich Ihnen alles dazu, und dann noch meine übri- >^/. ^ , z übrigen Schriften senden, damit Sie Gegenstand genug haben, Ihre fünf Bogen im 9ten Stücke mit meiner Beiehrung anzufüllen. — In dem Laufe dieser Streitigkeiten, welche ich mit dem Theater gehabt , werden Sie den Verfasser des Geburtstags u. dgl. kennen lernen; denn das >md imine würdigen Gegner. Ich werde zu den Schriften, die Sis von mir zu erwarten haben, auch einen Abdruck von meinen Grundsaßen legen'. es ist das Vorlesebuch , und dem Kaiser zugeeignet; Sie werden daraus abnehmen, daß man seine Mühe nich: immer verliert, wenn man für eine gute Sache standhast ist. Ich trage nun Meynungen als angenommene Lehrsähe vor, die es vor mir, nur bey sich selbst, zu denken, ein HalS- verbrechen war. — Es ist endlich so weit gekommen, daß durch eine Hsfresolution besohlen worden, einen Unterschied zwischen Lesern zu machen, und Bücher, welche dem Haufen billig aus den Handen genommen werden, Leuten von Einsicht nicht ;» versagen. Be- lisaire, ^urorirs 6u L1sr^6 sind bey uns nicht nur erlaubt, sondern gar aufgelegt worden, und uns Professoren wird so ziemlich alles in die Hände gsge; ben. Alles daß ist eine Dämmerung gegen den Tag hin: und Ihr Freund darf vielleicht den stolzen Gedanken mit sich herumtragen, daß er etwas zu dies sem noch schwachen Lichte beygetragen hat. Welch? Beruhigung für mich, pnter allen Anfallen, die man auf mich machen kann? denn Anfälle werde ich noch immer gewartig seyn müssen. Unsere hiesigen Schriftsteller »4 ^ ^ steller sind eben so unartig, als ihre AßlNgs I und alles, was ich thun kann, sie von dieser Übeln Ges wohnheit abzubringen, ist, daß ich ihnen das Bey« spiel gebe, wie man eine gegründete Kritik mic Dank aufnehmen; wie man eine ungegründete mit Bescheid denheit widerlegen, und eine unbescheidene verachten soll. Ich bin meinen Landsleuten dlrscöBei'spiel schul« dig: die Verfasser der Briefe über die neuesteOesterr. Literatur geben mir dazu Gelegenheit.' ich werde bey dem Beschlusse meiner Theatralbriefe Gelegenheit er? greisen, von der Aufnahme der Kritik zu reden. — Ich lese Ihre Briefe immer über das dritte mal, und zähle die Augenblicke unter die angenehmsten meis neö Lebens, da ich mich mit Hynen gleichsam im Gei« sie bespreche, und Ihnen die B«theurungen meiner Ergebenheit tausend und tausendmal wiederhole. Leben Sie wohl, vergnügt, und eingedenk Ihres -c. Möchte Wien den 28. Dec. 1768. echte ich doch Ihren Kummer über den Vers lust Ihrer Kinder lindern können! Doch viel» leicht ist der Tod in den Jahren der Kindheit oftmals eine Wohlthat, KleistS wehe dir, daß dugebohren bist.' ist leider nur zu wahr, und wenn auf der Wags schaale alles Uebel, dem man durch einen frühzeitigen Tod entkömmt, gegen das Gute, so unS im Leben wiederfährt, abgewogen wird, so wird die letzte Schaas le ungemein steigen , waö auch Maupertuie dawider einwenden mag. Dem Kinde selbst also ist einigermassen Glück zu wünschen I und wer weiß es, ob nicht auch den Aeltern ! so süße der Name Vater von den stammelnden Lippen einer kleinen unschuldigen Kreatur tönet, in der wir un6 gewiffermassen repro» ducirt erblicken; so traurig ist uns denn der Verlust! und werfen Sie einen Bl-ck in die Zukunft, wieviele Sorgen wegen der Erziehung! und wie viele mißlungene Sorge! wie schmerzlich muß cö dem Herzen eines rechtschaffenen Vaters seyn, wenn er sein Kind von dem ihm vorgezeichnetenWege abweichen sieht? wenn Schande der Lohn seiner zärtlichsten Sorgfalt ist? und »st ein Vater nicht immer diesen Füllen ausgesetzt ? Ich denke mir einen Vater auf dem Sterbelager, den eine Familie in Thränen, wimmernde und unversorgte Waisen umgeben, wie bitter muß ihm bey einem solch?» Anblicke die Scheidung werden?—Zwar diese Bitterkeit empfindet mein, eben itzt mit dem Tode täm? kampsender , Bater nicht: er läßt zween Söhne, die beyde versorgt sind, er laßt den Ruhm eines redli- chcn Mannes hinter sich, und vielleicht bin ich ihm einiger Trost, wenigstens seinem Namen keine Unehs re: er also kann mit Beruhigung seiner Auflösung entgegensehen', aber mir, der ich sein Benjamin war, dem er in seiner langivierigen Krankheit durch hundert klein eSorgsaltigkeicen die rührendsteZärclichkcic bewie» sen hac, wie muß mir da zu Muthe seyn? Ich habe bey diesem Anlasse eine Betrachtung gemacht: die langwierigen Krankheiten, die man sürein so großes Uebel in der Natur ansieht, sind vielleicht eine ihrer wahren Wohlthaten, und ihrer größten: ohne sie würde die Trennung von so vielen Gegenstanden, die uns an sich ziehen , zu empfindlich, und der Verlust uns theurer Personen unausstehlich seyn: diese Ueb^r- gange aber, welche den Körper entkräften, machen, daß der Kranke den Tod, um von seinem Leiden bes freyt zu werden, die Angehörigen aus Mitleiden ges gen ihn, mit Sehnsucht wünschen. Lassen Sie mich von diesen düstern Gegenstanden zu meiner Aufrichtung noch lange mit Ihnen sprechen. Ja, mein theurer Freund: ich habe eine Gemahlinn, und wenn Ihre Geschäfte eö zugelassen hatten, den Brief, der von meiner Theresie und Eleonore vorher» geht, aufmerksamer zu durchlesen, so würden Sie eS gefunden haben: daß meine Frau Theresie heißt, und das zärtlichste und liebenswürdigste Weib von der Welt ist. i Wissen Wissen Sie, daß ich ee der Recension meiner Wochenschrift angemerkt habe; sie sey nicht von Ihs rsr Feder? ich kenne Ihre Schreibart zu sehr; denn ich habe sie studiert, und suche sie nachzuahmen. Ich wünschte aber, daßZiedaS Gemälde nicht für mei; ne Arbeit angesehen hatten! trauen Sie'mir wenig« stens ein wenig mehr, als versprühte Ufer, und kollerende Donner zu. Ich werde mit künftiger Post Ihnen noch mehr Stücke von mir, und eine Sammlung aller mit mir vorgefallenen literarischen Streitigkeiten absenden, und zu allem, den nothwendigen TommcntariuS. Die- sc Sammlung istnichc mein: Sie werden sie indessen so lange behalten, bis ich dieselbe selbst abzufodern komme; welches nach meinem Plane den kommenden Augustmonat geschehen soll. Wie werde ich da mit Meinem Klöße angenehme Stunden hinbringen ? was wollen wir im Vertrauen von den grossen Mannern sagen, die es der Welt selbst rorpredigen, daß sie cS sind, oder durch eine blinde Parthey dafür auSges schrien werden. Oeserwar in meinen Augen immer nur mittelmaßig; freylich im Verhältnisse gegen die Zwerge ist ein mittelmäßiger Mann auch groß. — Und BüUse ? ich fieng an, von dem Augenblicke, als ich das von BttUsen gestochene Bild unsers Gel/Ms so ungemaßigt gelobt, und Willens Arbeiten verglichen fand, aufdie WelßlschenUrtheile in der Kunst sehr mißtrauisch zu seyn. Achnlichkeit, wenn Sie wollen; aber sonst kein Drucker, der die Sicherheit des TonturS anzeigte, und die Figur g.?r mmt vom Grunde adgelößt, sondern wie mit einem Flor über«- B zogen. zogen. — Und die Erfindung von Oeser? eine steife, leblose, und wenn Sie genau darnach sehen , nicht einmal korrekte Stellung; so malen und stechen bey uns sehr mittelmäßige Künstler; und Bause würde für so ein Stück gewiß kein Mitglied unserer Akademie. Darf ich noch offenherziger werden. Strange — Heisien Sie mich kühn in meinem Urtheile, aber ich widerrufe nicht — Strange, den Weijse den Fürsten der Kupferstecher nennet, hat seinen Ruhm ohne alles Verdienst: er hat weder Kühnheit noch Sicherheit in seinem Grabstichel; seine Lichter sind alle mit Punkten, welches die unedelste und leichteste Art ister hat nie gewagt, wie e6 die Kupferstecher nennen , zu schneiden, und SchMUtzer schämte sich so zu arbeiten. Er hat den verstorbenen Kaiser unter dem Grabstichel, der ehestens vollendet seyn wird, da werden Sie eine Arbeit sehen, aber nur der Kenner wird die Vollkommenheit der Kunst darinnen entdecke».—> Nach dem Kaiser wird er meinen Kopf radiren. — Dieses Jahr war für mich eines der glücklichsten, weil ich Sie zum Freunde bekommen: das folgende, und alle Jahre meines LebenS sollen den Bund unsrer Freundschaft unverbrüchlich erhalten, und meine Ergebenheit sich vermehren sehen, wenn es möglich ist, noch mehr zu seyn:c» ^-SÄ-z Zuerst Wien den si. Jan. 1769. Auerst, mein theuerster Freund? muß dem Befehl c^) le Ihrer Gemahlinn gehorcht werden! Ich wer- de mich Ihnen sehr genau bekannt machen , intus c- in cute würde ich sagen, wenn meine Schilderung nicht einer liebenswürdigen Frau hauptsachlich gewidmet wäre, der mit der gelehrten Sprache sehr wenig gedienet ist. Mein Gemälde sott mit aller Unvarthen- lichkeit vollendet werden! ich habe Selbsterkenntniß genug, meine Mangel nicht zu verbergen; abcrauch Eigenliebe genug, das wenige Gute nicht zu verkennen , daö etwan in mir seyn dürfte. Vielleicht aber dürfte ich dennoch zu bescheiden, vielleicht auch zu eigenliebvoll von mir urtheilen, und im Guten oder Argen überladen. Eine Person soll mir also in die Feder sagen, was ich Ihnen zu schreiben habe, eine Person, die mich durch fünf Fohre von allen Seiten zu beobachten Gelegenheit gehabt, und von der ich es zu erbitten hoffe, daß sie heute gegen mich weniger nachsehend sey. Ich schreibe nun nieder, was mir Theresia vorsagt. „ Mein Mann ist in der That von den Mannern, „ deren Gestalt unserm GeschmackeEhre macht.Wenn „ man ihn schön findet; so bin ich immer versucht „ eine Verbeugung zu machen, we l das Lob, so man „ ihm ertheilt, meiner Wah! schmeichelt, In seinem » 36 Jahre mit der blühenden ?arbe eines Hüna,? „ lings, und einer Bildung, die ihn jünger l 'gt,unv B 2 „ den so ^> ^ den Jahren trotzen wird: eine offene Stirne , an „ der ihm das Nachdenken ein Paar Falten gezogen „ hat, die ihm ein ernstes Ansehen geben: ein brau- „ neö Auge, eine etwas gebogene, nicht lingestalte „ Nase, eine aufgeworfene, und wohlgeärbte Lippe; das sind die Theile eines regelmäßigen Ovals, das ^ der gute Mann, der auf seine Gestalt ein wenig zu viel halt, mit einer gewählten Haarlage ziert: doch „ hält er das Mittel zwischen den Stußern, die nach „ der jüngsten Mode laufen, und den Sauertöpfen, „ welche sich durch eine Peruke von dem vorigen Jahrs „ Hunderte Ehrfurcht zu verschaffen suchen: wirFrauen „ finden wenigstens unsere Rechnung besser beyartis „ gen, als bey ehrwürdigen Mannern. Sein schö- ncs Haar sagt dem übrigen Anputze zu, der gar y, keinen bestäubten Schulmann verräth: er weiß, daß „ sein Wuchs ein niedliches Kleid nicht verunstaltet, und er hält dafür, daß ein Mann vom Geschmacke es auch in seinem Anzüge seyn dürfe. — Nach einem fünfjährigen Ehestande tonnen Sie mir im- „ mer zutrauen, daß mir keine blinde Leidenschaft den „ Pinsel führe: vielleicht können Sie einmal meine „ Schilderung gegen das Original halten, wenigstens wenn meines Mannes sehnlicher Wunsch in Erfül- ,? lung geht. „ An diesem Manne hat mich Anfangs die Ge- stalt, aber als ich ihn naherkannte, sein redliches ,, H^ gerühret: ich würde ihm die Hand gereicht „ haben, wenn er auch häßlich gewesen wäre. 1lr>5 eigennützig in seiner Liebe, beschäftiget er sich noch „ itzt hauptsachlich, mich und meine Schwestern glück- „ lich ^ ^ ^ S! ^, lich zu machen. Aber seine Uneigennüßigkeit geht ^ manchmal bis zur Verschwendung; das Rechnen 5, ist seine Sache nichts und da geschieht eS sehr oft, 5, daß die Ausgabe die Einnahme übersteigt. Ver- 5, geben Sie ihm diesen Fehler, er ist die Wirkung n seines fühlbaren Herzens. Dieser Mann, der bey n den empfindlichsten Beleidigungen, die man ihm ^ angethan, immer ungerührt blieb, und bey allen 5, Verfolgungen nie eine trübe Stirne zeigte, sah nie 5, einen Unglücklichen ohne Thränen; und bey sei- 5, ner Bereitwilligkeit beyzustehen, zieht er immer 5, mehr seine Empfindung, als sein Vermögen zu 5, Rathe: ich sehe mich nicht selten gezwungen, ihn dar- 5, an zu erinnern, daß er auch eine Haushaltung zu n besorgen habe. Auch diese Mildthätigkeit ist nur die 5, Tugend seines Temperaments, oder eine gewisse ^, Schwachheit, der er nicht widerstehen kann, und 5, welche ihn sogar gegen seine Thiere mit gleicher 5, Starke hinrußt. Sein winselnder Hund macht ^ ihm Hcrzpochen, und, aus Mitleiden gegen seine 5, Pferde, geht er bisüber die Knie im Kothe, da, ^ mit den armen Thieren nicht hart geschehe. ^ Dachten Sie wohl, daß dieser weichherzige 5, Mann gleichwohl recht sehr den Eheherrn zu spielen 5, weiß? und den Herrn, dessen Namen ich nicht 5, weiß, Lügen strafte, der einmal sagte: die Weiber 5, herrschten entweder mit Gewalt, oder bittweise; ja 5, doch ! ich bin meines Manneö unterthanige Diene» ^ rinn, im strengsten Verstände, und er behauptet 5, immer, die Bibel müsse in seinem Hause ein heili- », ges Buch bleiben, und der Mann über die Frau B 3 « Herr- ^ ^? ^ herrschen: erträglich, gelinde ist sein Haußzevter ^, freylich; aber was er rvill — und die Lust dazu 5, wandelt ihn oft an — das will er von ganzer ^ Seele. ^ Seine Freunde können auf ihn Staat machen, 5> aber sie muffen auch seineOffenherzigkeit vertragen können. Die Offenherzigkeit ist seine Lievlmgsei? „ genschaft: er sucht ein eigenes Verdienst darinnen, „ jedermann seine Fehler zu sagen; wenn die Leute nur auch so geneigt waren, sich dieselbevon ihmsas „ gen zu lassen ? aber seine Freimüthigkeit hat ihm vie> le Ungelegenheit zugezogen. — DaS machte ihn „ nicht zurückhaltender; er vertauschte die ansehnliche z, sie Beförderung gegen dae Vergnügen, dem Thoren zu sagen: du bist ein Thor.' „ Der Himmel weiß, wie der Mann, mit einer so ungeschmeidigen DenkungSart auch zu einem ehrs lichen Stück Brod gelanget ist; denn das werden Sie wohl leicht schließen, daß er auch einen guten z. Theil Stolz besitze, welcher ihn hindert, vor den Götzen der Welt sein Knie zu beugen. Er muß sei- „ ne Beförderung nur ertrotzt haben l denn der Adel hat wohl keinen argem Feind als ihn, imdderihm daS Nichts seiner Pergamente mit deutlicheren und ungeschmücktcren Ausdrücken und so oft vorwirft'. „ das werden Sie auS seinen Schriften ungefähr ges ., sehen haben. Der Adel und andere mehr haben lange „ schon einen Bund gegen ihn errichtet: und wie viele ^ sagen'. so ist der Mann. Gott behüt uns dafür, ein s, Freygeist.— Ich weiß es nicht, ob er das ist: » aber ^ ^< ^ ZZ ^, aber cm guter Hausvater, bis auf kleine und nicht 5, anhaltende Aufwallung, ein redlicher Freund, ein 5, Enthusiast für den guten Geschmack, und ein ehr« n licher Mann ist er gewiß.' ich weiß nicht, ob das 5, die Freygeister sind! ^ Nehmen Sie immer nicht alles so nach der buchstäblichen Lage, was ich auf Geheiß einer Freundinn Hinsehen mußte? Ihre Güte verkleinert meine Unarten , so sehr sie sich die Mine der Aufrichtigkeit zu geben sucht; und die kleinen Anflüge vomGutcn werden in ihrem Munde sehr schätzbare Tugenden. Ich kenne mich, daß ich jähzornig gebohren bin, und Theresie muß mich oft übertragen, aber erlauben Sie hinzu zu seßen: schmollen kann ich nicht» Meine Freymü- thigkeit geht oft zu weit, und mein Hang zur Saty- re sieht sehr durch alle meine Schriften. Eigenliebe und Stolz sind vielleicht die eigentlichsten Triebfedern meiner Anwendung, der ich dennoch das Glück ihrer Freundschaft schuldig bin. Nur was meine warme Freundschaft betrift,da glauben Sie Theresicn ohne Abbruch. Ich würde mich für einen Mann aufopfern, den mein Herz zum Freunde gewählet, aber diese Wahl trist es schwer , und unleugbare Verdienste müssen dieselbe rechtfertigen; wie sehr rechtfertigen die Ihrigen, theurer Klotz ? die Wahl meines Herzens — Da ich in der Feeundschaft so niedlich war, denken Sie, mit welcher Behutsamkeit ich in der Liebe zugeschritten sey ? Aber, wenn eine gütige, zärtliche, sanfte und reihende Frau ein Zeichen von der Gunst der Vorsicht, und ein Lohn der Tugend ist; V 4 gewiß gewiß so bin ich ein erklärter Günstling des Hims melS, und mcineTugenden sind unleugbarer bestattigct, als alle Wunderzeichen. Theresia ist einsehr schönes Weib; nur erst itzt 2-. Jahr alt, groß, schlank, mit dem Wüchse einer Grazie, und der lieblichen BiK dung der Mutter VenuS. Die Sanftmuth lacht auö ihrem Blicks — und ihr Blick tauscht nicht. Traurig seyn, kann sie wohl, wenn ihr Mann unartig ist, aber böse zu werden, weiß sie nicht. Alles, was sonst die Freude eines, wie die Manner sagen, eiteln Geschlechts ausmacht, Kleider, Puß u. s. w. ist nicht die ihrige: sseist das genügsamste Weib, das nie an mich eine Foderung gemacht hat, und wenn meine Liebe ihr ein Geschenk macht, es immer mit der regen Freude annimmt, die ein Beweis ist, daß ihr das Geschenk dadurch werth ist, weil eS von mir kömmt. Sittsam ohne Grimasse bemitleidet sie die Schwachheiten ihres Geschlechts, und vergiebt einem Madchen einen Fehltritt, wenn es nur zur Ehrbarkeit wiederkehrt. Der Freundschaft, und eines Geheimnisses mehr als Mann fähig, ist sie die getreue Theil- nehmerinn meiner Sorgen, meine Rathgcbermn, meine Trösterinn. Kurz, der Himmel hat ihr alles gegeben, was sie uebenSwürdig, und mich glücklich machen kann; Gestalt, Vernunft, Häuslichkeit, ohns Kargheit, Freygebigkeit mit Maße, ein fühlbares Herz— nur den Geist der Drdentlichkeit nicht in dem hohen Grade, in dem er ihr nothwendig wäre, da ich selbst unordentlich bin, und dennoch immer im Hau>- se Ordnung wünsche, oft mit Ungestüm fodere. Wir Wir sind ohne Kind, und Sie, mein Freund, haben schon einst die Gründe gehört, mit wc'chenich mich tröste'. vielleicht liegt es daran, weil meine Frau, wider die Art der blonden Weiber, wenig Temperas ment hat. An Kindesstatt sind mir zwo Schwestern meiner Frau, die meine Sorgfalt durch ihre vorcress- lichen Herzen reichlich belohnen. Bin ich nicht beneidenSwürdig, da ich bey so vielem Glücke auch noch ganz zureichende Einkünfte habe; und KlolM/ und Born zum Freunde? diesen Mann den Sie auf mein Wort immer nicht zu viel schätzen können! er ist Ihrer ganzen Hochach» tung werth. Er ist gerade zu Herr R. in Gellerts schwedischen Gräfinn; in einer grossen Gesellschaft stumm, aber in einem kleinen Kreise seiner Freunde ganz uns entbehrlich: hat man sich einmal an seine äusserlich-; Art gewöhnet, die nichts weniger als glänzend ist; s» kann man sich von ihm gar nicht trennen; denn sein ganzes Herz steht seinen Freunden offen: aber ihre Zahl ist so klein, vielleicht sind es kaum drey Menschen, die er so nennet. Er hat einen ganz besondern Abscheu vor den Grossen, und da er mit Vermögen ge- segnet ist, üixerdz xorsnriorum vitat limins: seine runde Denkungöart kann sich nicht nach den Krüms mungen schmiegen, welche in die Vorzimmern der Grossen, und zu ihrer Gunst führen. Diese Entfernung ist Schuld, daß er noch ohne Dienst ist, weil er Menschen, die er verabscheut, keine Aufwartung machen wollte: endlich hat man ihn aufgesucht. Sem B z Lieb- Lieblingestudium ist die Naturlehre, worinnen er eine weitlauftige Kenntniß hat, und besonders in dem Theile des Steinreiche: er besitzet in Prag, wo er wohnet, eine ansehnliche und kostbare Sammlung, welche sich auf alle Theile des mineralischen Reiches und auf alle Arten von Versteinerung erstreckt. Wes gen dieser gründlichen Wissenschaft in allen Theilen der theoretischen und praktischen Metallenkunde ist er nun als Bergrath nach Schannih ernennet worden: er wird hier zwey Jahre den Bergbau studieren dann ist seine Bestimmung in Wien, oder wenigstens in Prag. Bergreferent zu werden. Die Naturlehre ist nur seine auSerwahlte Wissen» schaft, aber er schließt nichts von nühiichen und am genehmen Wissenschaften aus: alle neue Schriften liefet er, und eben so studiert er die alten , aus wel« chen er seine Musmlo^izm vstsrem sammeltnie haben Sie bey so grossen Einsichten so viele Bescheidenheit gesehen; er laßt es sich kaum merken, daß er ein Buch kennt. Für alleö, was Gelehrsamkeit heißt, und für wahre Gelehrte hat er die unbegranz- teste Verehrung, und für Sie also eine Hochachtung, der nichts gleicht! Ihr Werk von geschnittenen Steinen kann er auswendig, und AßtNg hat über den antiquarischen Briefen sich allen seinen Haß zuges zogen. --- . FK- Die Wien den 5. März 1769. t^.ie Angelegenheit Ihres Freundes hat eine un- vermuthete Hinderniß gefunden, die sie zwar nicht zerschlagt, aber doch um etliche Wochen in der Zeit zurückseht. Der Kaiser ist auf etliche Wochen iu> coMito verreift', niemand weiß wohin; und dicjeni- gen, welche wissen, waS der König der Königinn die Hhren zischelt, tragen sich von dieser geheimen Reise mit allerhand policischen Muchmassungen herum: was liegt uns daran? wenn er nur bald wieder kömmt, um dem Verlangen unsers Freundes bald den erwünschten Schluß zu geben. Sehen Sie, ich bin doch ein Mann, der Fh- nen mit der Achtung zu begegnen weiß, die ein armer Schriftsteller dem Kunstrichter schuldig ist.'Ich sende Geschenke voraus, um Ihr Angesicht gegen mich heiter zu machen'. 1) Das Olxloma von der Akademie, welches ich Ihnen nebst den Statuten im Namen der Akademie übersende '. Sie erlassen mir doch den Cere? monielbrief? folgt s) der Schluß meiner Theatralbricfe mit einem Briefe an Sie', wir bekommen hier alle Journale so spat, daß ich mir nichts von den Kricikcn der Bi» bliothek zu Nuße machen können. 3) Sende ich Ihnen den Schluß von den Literaturbriefen , die es sehr kurz gemacht haben, vermuthlich hqb-n sich HeuftW und KiM/dieHauptversaft -8 Verfasser davon, gefühlt. Ich werde gleich mehr von diesen Leuten sprechen. 4) Kommt mit ein Exemplar des ersten Theils meiner Säße: ich zweiste,ob dieses Buch , so wie cS liegt, auf einer protestantischen Schule zu brauchen seyn dürfte: aber ich glaube, daß die Hauptgrund» säße anwendend seyn könnten. Der zweyte Theil, so die Handlung enthalt, und etwan in 8 Wochen fertig seyn wird, kann gewiß die Grundlage eineö gu- ten Commerzialcollegiumö seyn. Sie werden schon damit bedient werden. Sollten Sie ein Buch von dieser Art in Ihrer Bibliothek oder auch in Hallischen Blattern recensircn: so bitteich, auf die Materie vom Berufe; von Verminderung der Studierenden, von der Tortur, von Asylen, und Strafen, ein wenig aufmerksam zu seyn. Mein Mann ohne Vorurtheil dient hie und da zur Erörterung. Bey einigen Materien habe ich durchgedrungen'. z. B. bey den Asy- len: man hat mir Anfangs ein Verweisdekret darüber gegeben; aber endlich ist zur Untersuchung der Sache eine eigene Hofcommission niedergesetzt worden, welche vermuthlich die Asyla sehr beschranken wird. In der Abhandlung von Strafen habe ich einen Zweifel aufgeworfen, der unsere Rechtögelehrten stützen macht: ich beweise gewisiermassen; daß die Regenten kein Recht haben. einen Misiethacer zu begnadigen: weil sie ihn nur dann mit dem Tode strafen können, wenn eS remeäium neceüzrium ruranclüm rei- xudliczs lalutem ist: auch die gewöhnlich angenommene Meynung: lzuoä xoena üt lztizfaÄio 26 xu- blicum: habe ich wankend zu machen gesucht. Ich A< Ich mache Ihnen gleichsam einen Auszug aus einem Buche, da6 Sie, nach meinem Wunsche doch selbst lesen sollen! ich bin neugierig Ihre Meynung zu hören, und werde stolz seyn, wenn ich Ihren Beyfall verdiene» Fast fürchte ich mich Ihr Urtheil über meinen Mann ohne Vorurtheil zu wünschen! eö ist eine im Ganzen wunderlicheRhapsodie: aber in einzelnenThei» len. — Aber kein Wort vorhinein; Sie sollen mir es selbst melden, was Sie von meinen Schriften denken , von dem M. o. V., von meinen Reden aus Theresim, dem Bilde des Adels, u. s. w. In dem Reiche der Literatur ist bey uns nichts Merkwürdiges vorgefallen. Aber der grosse Gegen» stand der allgemeinen Erwartung ist die Schaubühne, welche ein junger reicher Wechsler, mitNamen BeN- der übernommen, und die Aufsicht darüber Heufel- den aufgetragen hat. Hmftld nahm KltMMeN zum Thcatralsekrecar und Gehülfen an: und Sie sehen wohl, daß ich, unter solchen Aspekten, meine Briefe über die Schaubühne nicht fortsehen konnte. In dem letzten Blatte finden Sie die Verheißung der neuen Impressa; ich wünsche aufrichtig, daß sie in Erfüllung gehen ' mein Schluß ist ein wenig nackisch: Sie erinnern sich doch der Anrufung im Lucanus: t^lunli ti non slism veoturo süts Lrc. Daraus habe ich ange'pielt. Bender ist entschlossen einige zwanzigtausendGulden aufdie Verbesserung der Bühne zu wenden: prächtige Schauspiele werden wir ha« ZV ^ haben; nun sollten sie nur auch gut gewählt, und vorgestellt werden. Zwar verschreibt man , woher man immer kann, Schauspieler und Schauspielerinnen; aber leider haben wir in Deutschland nirgend was Bedeutendes. Lv* ** hat mir von einem Abt und seiner Frau geschrieben, die viel Talent besitzen sollen; man hac sie wirklich mit guten Bedingungen beyde berufen: aber ich fürchte, es sind Schauspieler, die in einem kleinen Städtchen erträglich waren ; in einer grossen werden sie vielleicht kaum anständig gehen , oder stehen können. Unsern Schauspielern fehlt überhaupt der Ton dee Umgangs: und, unter uns gesprochen, das fehlt auch meistens unsern Gelehrten, und man sieht es ihren Schriften an. Der beste wird vielleicht auf mich zürnen, daß ich ihm über diesen Punkt eine freundschaftliche Vorstellung gemacht habe. Warum heißt er den sehr kleinen einen gnädigen Herrn? einen Staatsmann? und spricht: daß er auf Schriftsteller und Gelehrte hinab sehe? der gute Mann muß sehr glücklich seyn, daß er der Verfasser einiger Blätter ist, die die Journalisten so gut waren zu loben, welche aber wegen der häufigen Lokalspasse bey uns wenig Anziehung haben. Doch ich denke nicht, daß ^zürnen wird, er ist mein sehr ämsiger Korrespondent, und Hot mir mein Bildniß abgcfodcrt, um es seinem ersten Bande vorzusetzen. Ich sende es ihm mit heutiger Post: es ist mit Geschmack und Wahrheit gemahlt, wenn er nur einen guten Kupferstecher findet. Un- Ungerne fasse ich noch diesen Raum unausgefüllt: sber, ich habe noch 4. Briefe zu vollenden; also muß ich mich mit Gewalt von Ihnen loereissen. Leben Sie so glücklich, als es wünscht Ihr ;c. - Wien den 24. IM 1769. ach einem so langen Schweigen war Ihr Brief, theuerster Freund, meinem Herzen ein rechtes Labsal: ich trug mich mit hundert traurigen Vermuthungen , und forschte mein ganzes Herz durch , ob ich vielleicht etwas geschrieben hatte, was sie beleidig gen konnte. Liebster Klotz! es ist so leicht, daß Ihnen etwas verdachtig werde, nach so vielen unartigen Begegnungen derjenigen, die Sie zu einer andern Zeit bis in Himmel, zwar nicht über Ihr Verdienst, aber immer doch erhoben hatten, und nun gegen Sie die unanständigsten Pasquille verbreiten. Die meisten dieser Schandblatter habe ich gesehen, bis auf die Anekdoten und die moralischen Beytrage. Sie schänden nur ihre Verfasser'. würdigen Sie doch dies sen Schmierereyen keine Antwortich wünschte hatte für Sie auch keinen Turnierkampf angesagt; so wäre die Sache von selbst gefallen. Zwar Ihrem Ruhm kann es keinen Nachtheil bringen; er ist bey der Welt durch unauölöschbare Verdienste gegründet', aber es ist ein? Schande für unsere Zeiten, daß schon seit geraumer Zeit nichts als Schmähschriften gegen den verdientesten Mann erscheinen: die Literatur ratur leidet darunter; und die Hiße ihrer Freunde d ient nur einen Streit langer zu unterhalten, der sehr ungleich ist. Sie haben einen Ruhm zu verlieren; und daß haben Ihre Gegner nicht. Aßillg allein ist ein Mann, der um die Literatur verdient ist, aber Leßing hüt vielleicht nicht den Ruhm, der noch wesentlicher ist, den Ruhm eince so guten Man« nes. Dieses Wort sey unter uns beyden auf unsere wechselseitige Ehre verschlossen, ein Zeichen meines Zutrauens gegen Sie! und in eben diesem Zutrauen fahre ich fort, Sie zu bitten: lassen Sie Ihren Mitarbeitern an der Bibliothek, alle kleinen, und oft sehr herbey gezogenen Anspielungen auf LeßtNgeN und Herdern nicht angehensolche Stichelcyen entscheiden nichts, aber sie erwecken den Argwohn der Parthcylichkeit, und machen die gcgründesten Urtheile verdachtig. Ihre Freunde müssen da« Herz haben, durch edlere Beweise, der Welt zu zeigen, daß sie Ihre Freunde sind! und Sie, mein Freund, widerlegen olle Verlaumdungen am kräftigsten, wenn Sie fort« fahren die Welt durch ewige Schriften aufzuklaren. Abt ist wirklich nicht selbst von hier gegangen, sondern verabschiedet worden, weil er so gar erbärmlich ist: so elend als er den ^roöman gespielt, habe ich mir ihn gar nicht denken können. Das Publikum wollte das Stück gar nicht zu Ende kommen lassen: allo gab man ihm nach der ersten Rolle die Beurlaubung: seine Frau ist etwas ertraglicher, doch mchr auch nicht; und ich wünschte, R^'*^ hatte sie nicht empfohlen: man hat dadurch gegen ihn eine starke Vermuthung auegebracht, die seine Urtheil über die Schau» >>^, t^d/ Schauspieler verdächtig machen. Ich habe ihm das in einem Briefe gesagt: er findet AbttN selbst elend» Wirklich hat man bey Ihnen eine gar zu geringe Idee von unsern Schauspielern : S e wissen, daß ich nicht heuchle I aber ich kenne das Kochische Theater: kaum würde Bttlckner bei) unö ertraglich gefunden werden. Kommen Sie nur einmal zu uns! und, wenn Sie die Reisekosten schrecken, so habe ich Freunde, die sich eine Freude machen werden, Ihnen alles an» zubieten, was Ihnen eine solche Auslage erleichtern kann: es geschahe ohne hin, um unsers Vergnügens willen; wir würden uns die Freude, Sie von Per- son zu kennen , und zu umarmen, gerne um jeden Preiß verschaffen. Ich würde Sie dem Kaiser v erstellen lassen: Sie würden bey mir wohnen, und, auch Ihre Reise mißlich zu machen, würde ich Sie in unsere Bergwerke nach Ungarn führen, welche Reise Ihrer Neugierde werth ist. Nehmen Sie meinen Antrag zum Bedenken! ich habe ihn von Herzen gemacht. R^* hat mir zwar lange nicht geschrieben, und ich vermuthete, er zürnte; aber vor kurzem erhieK ich das freundschaftlichste Schreiben von ihm. wo er sein langes Schweigen sehr rechtfertiget. E>' kann gegen Sie nicht lau seyn; und er wird eS nicht. Seine Umstände werden auf Fhren Briefwechsel einen Einstuß gehabt haben. Sie wissen doch , daß ihm seine Braut gestorben. Ich danke Zhnen vorhinein für die Beur- lhcilung meiner Grundsätze und Zhren Beyfall. Ich T werde werde wegen der Häuser Ihnen einst in eineM eigmcn Briefe meine Meynung eröffnen» Die--— — --ist abscheulich: ober ich hoffe, sie wird nicht lant ge dauern, und diese Hoffnung gründe ich darauf, daß meine Grundsätze von der Kaiserinn und dem Staatvrathe auf allen Universitäten zum Vorlessbuch vorgeschrieben worden'. ich habe schon 6. Schüler von mir in unsere Provinzen, als Lehrer der Kameralwift senschaften gesendet; und diese Lehrstühle hat man erst gestiftet! also habe ich Grund zu erwarten, daßmei? ne Grundsäße allgemein verbreitet werden. Haben Sie nicht eine Abhandlung von der Thcu:> rung in grossen Städten bey Hilschern gedruckt gese« hen ? die elenden Buchdrucker! immer künsteln sie, und verstehen doch nichts, und verhunzen atlcS, und schieben offenbare Lächerlichkeiten ein. In dieser Ab- Handlung S. 8. steht, und „in der Masse der Ve, volkerung unrverche Geschöpfe ausmachen,^ eö stand im Manusrript Unwerthe uoovslsurs: der klü< gere Korrektor, dem daS arabisch war, machcdcieinc solche, ich darf sagen, Säueret). Ißt habe ich be- reics 16 Bogen von dem 2ten Theile meiner Grund- säße abgedruckt: und künftigen Monat halte ich eine Rede in der Akademie: von der Urbanität der Künstler. Sie sind eine besondere Zierde der Akademie: dey uns ist keine Taxe, und keine Etikette, wenn Sie der Akademie in einem kleinen Briefe danken wollten; so ist es eine unterscheidende Ehre: den Brief aber richten Sie nur an mich, als den Sekretär, der in seinem AHA seinem Namen die Torrespondenz der Akademie ju fuhren berechtiget ist. Ich wünschte wohl alle Ihre deutschen Schriften zu haben; hier kann man sie nichtsammeln? darf ich Sie bitten, sie mir von einem Buchhandlet übersen- den zu lassen. Zum Beschlusse eine kleine Bitte: ich arbeite an einer Schrift über die Phisionomie: ich kenne den la Porta , und die Schriftsteller, so er anführt, auch die I.ecrres ^kilolo^K. lur la kniüonomis , und le BrUNs Zeichnungen. Wissen Sie noch mehrere alte und neue Schriftsteller, die hievon handeln ; so unterrichten Sie mich davon, ich möchte gern alles lesen, was Hieher einschlagt. Nun aber leben Sie vergnügt, und eingedenk ?c. Wien den 3. Sept. 1769» Atheme Theresia wünscht den Augenblick mit vieler -»VH- Ungeduld herbey, wo sie, ich darf ohne Zwei? fel sagen, meinem theuren Klotz personlich für seine gewogenheitövolle Erinnerung danksagen könne. Sie kennet meinen Freund aus einigen seiner Briefe, und verehret ihn über alles das Äortreffliche, so ich von seinen Verdiensten ihr zu sagen verpflichtet war. Wie sehr muß es mich in den Augen oller Welt ehren, wenn so ein Mann mir ein so stattliches Denks mal seiner Freundschaft aufführen will, als Sie durch L S A6 ^ die zweyte Auflage de6 schönen Werkes von geschnittenen Steinen, gesinnt sind! Aber ohne Ziererei), oh- ne eine tückische Bescheidenheit gesprochen : können Sie diese Zuschrift in den Augen der Welt rechtfertigen ? was habe ich gethan, thun können, dae diese Ehre verdient? werde ich Ihnen nicht sagen müssen , was mein Kaiser zu mir sprach, als ich um die Erlaubniß bat, ihm meine Polizey zu zueignen: was können Sie von mir sagen, darüber ich nicht als über einen unverdienten Lobspruch crröthen müsse? Mein Wille, der Literatur und den Wissenschaften einen Dicnst zu leisten, da6 ist alles. — Mag es also die Welt als ein unentgeltliches Geschenk Ihrer Li?be ansehen, die Welt, welche mit uns Zeitgenossen ist: und mag die Nachwelt, auf welche ihr Ruhm immer lebhaft wirken wird,'wenn sie meine Versuche langst wird vergessen haben, mag sie Klotzen für einen Bürger» annehmen, daß ich nicht ohne Verdienste war. Eine fast ahnliche Ehre hat mir R*** im --. —. —. — zugedacht; ich weiß nicht, ob er das thun wird, was er vor vielen Monaten zu thun willens war: er ist in seinen Zuschriften gegen mich sparsamer ; aber immer in dem wärmsten Tone der Freundschaft: ich weiß nicht, warum mein Herz sich bestandig dem Gedanken widersetzt, M'^ wäre nicht mehr Ihr Freund: in meinen Briefen redet er bestandig mit der Hochachtung, die Sie verdienen, immer mit einem gewissen Antheil — und auch Er ist ein Genie, das Klotzens Aufmerksamkeit verdient. Mein lieber Freund! lassen Sie sich doch nicht durch das Zutragen solcher Leute in ihrer Liebe gegen ihn irre süh. führen, deren Glaubwürdigkeit eben darum verdacht tig wird, weil sie zutragen: R*** hat nicht von Ihnen ohne Hochachtung gesprochen, dann er konnte es nicht: eS liegt vielleicht gewissen Leuten daran, Sie mit ihm zu entzweycn, von denen dieß Gewasch her» rührt. Müßte ich nicht langst auch schon Ihr Feind seyn, wenn solch Zeug in meiner Seele nur eini? gen Eindruck machen könnte: eö ist hier ein Officier, der öffentlich behauptete, mit Ihnen gespeißt zu ha» den, da Sie von mir auf da6 Verächtlichste gespro- chen hatten: anstatt dieß zu glauben, was that ich? ich veranlaßte eS, daß dieser Mensch um die Zeit ge» fragt ward, da dieß geschehen seyn sott: damals, versetzte er, ohne sich lange zu bedenken, als er vor zwey Jahren nach Halle kam: er ließ sich bey Klotzen melden, aber er ward nicht vorgelassen. Ich war vor zwey Jahren in Leipzig; der Mann urtheilte also, ich wäre auch in Halle gewesen, und baute darauf seine Lüge» Er ward aber davon überführt, der Herr, an dessen Tische diese Rede vorkam, sagte ihm trocken. ihre Zeitrechnung muß sehr unrichtig seyn, S0NMN» fels kam nie nach Halle. Wenn Sie wollen, so will ich R*** über diesen Punkt ausholen- eö ist nicht möglich, sage ich noch einmal, daß der Mann Ihre Freundschaft nicht erwiedere» Weisse mag wohl ein wenig kalt gegen Sie seyn: und dieß von Rechtswegen; warum veranstalten Sie auch eine Bibliothek, die der seinigen so nachtheilig >st. Ich kenne ihn von Person; er hat mir unlängst geschrieben, und mich versichert, ich gehörte unter die klaßischen prosaischen Schriftsteller Deutschlands: T z mei» meine Dramaturgie wäre gewisse: messen nußbarer, als die Aßittgische- aber eö scheint, er hat nicht das Herz so etwas von mir vor aller Welt zu sagen, da er weder meiner Briefe, noch meiner andern Wo- chenbläcter in seinem Journal erwähnt. Wissn Sie denn nicht, ob die allgemeine Vi; biiothek mich mit Ehren durchkommen lassen ? ich bin, wenn ich wo angegr ffen werde, fest encschloss-n, mich nie zu vertheidig m; das ist mem Plan in Absicht auf die Kritik. W>.nn man gegründet tadelt; so will ich die getadelten Stellen verbessern, oder weglassen: ist der Tadel ungegründet; so lasse ich die getadelte Scel>. le stehen; das ist statt der Antwort. ,ÄiS ißt hat man mir immer so gut mitgefahren - ich werde dadurch nicht verwegen gemach'. — Hatt te man mich übel recenfict; so würde ich auch das durch nicht seyn abgeschreckt worden» Ein Schrift- sieller muß immer selbst von seinem Werthe ein tM, damit ich auf ihn komme, ist schon lange bey uns- ich habe ihn in grosse Häuser zu empfehlen Gelegenheit gehabt, und er ist noch immer Verurtheilt, eins elende Dramaturgie zu schreiben. —- Im Vorbeygehen .- er triumphlrt mächtig., daß in Ih- rer Bibliochet Abt und sein Weib a"6 eine gute Ac, quisitlon für das hiesige Theater gerühmt werden: ich selbst wünschte diese Stelle weg: denn so was Elendes, als diese Leute, wüßte ich nicht gesehen zu haben: e« Ware dann noch einmal die — ----- Dramaturgie» h'be Ihnen darüber einige Erläuterungen Verheis» ftn: hier si^o^ sie, vielleicht MZZcn sie Ihnen dienen« Der Unternehmer ist Herr v. BtNdcr, ein Wechsler, der großes Vermögen hat, und in der That sehr viel darauf wendet, um das Theater auf einen guten Fuß zu setzen: er verliert wirklich viel, das hindert ihn nicht, sein? Verbesserung durchzusehen ; er laßt nur gute Stücke, so gut man sie hat, aufführen; und damit das Publikum sich daran gewöhne , hat er die prächtigsten Novcrrischen Bailete mit dabey: es laßt sich vermuthen, daß etwas damit zu Stande kommen werde. Wenn eS nur in dec Welt gute deutsche Akteurs gäbe! Wie keine guten AkreurS? und Klein hat so von einem vollkommenen Steigentesch, von einer vollkommenen TeUtsHmn, von einem vollkommenen Slephmü ( dem jungen ) gelärmt ? — das war eS eben, wo ich Ihnen etwas darüber zu sagen hatte» Dieser Steigentesch / den Klem für einen so großen Schauspieler angiebt, ist ein Anfanger, der. eins unangenehme, immer entlehnte Stimme hat; der jede Kleinigkeit mit emphatischem Tone herauS- würgt; der den Kopf zwischen die Schultern steckt, da sonst seine Figurartig wäre; der mit seinen Geder- den unnatürlich weit ausholt, und gerade daö von Stephan! dem altern nachahmt, was dieser an sich unangenehmes hat. — Diese Teutschem: ist gleichfalls ein Mädchen, die nie eine Bühne betreten hat, mit der unangenehmsten und unverständlichsten Stimme von der Welt, einer unverständlichen Aussprache, ohne Einsicht, mit gezwungenen Geberden, welche sie von Noverren gelernet hat, der eine Tänzerinn ganz wohl unterricht- L 4 ten ^ ten wird, aber die Geberde der Schauspielerinn'ist von jener sehr unterschieden. Ihr Gefühl muß wenigstens sich sehr unglücklich ausdrückendenn im Schmerzen scheint sie zu lachen: im Fischbeinrocke kann sie nicht gehen. — Und diese beyden Neulinge spielen, und wollen nurjttste Rollen spieleneine Borstellung von Nani- nen hätten Sie sehen sollen, da machte StetgenteslH de» Baron — TeUtscheNN Naninen, und zum Unglücke Bruckmamn , welche sonst die Soubretten leidlich spielt, machte die Baroninn; das Mensch wußte gar nichts an diesem Platze anzufangen , sie spielte als ein wahres Trödelweib. Der jüngere Stephani hat viel Natur zu dem mürrischen Alten, wie Storrenfels — auch zu den Bauren, wie Herzog Michael: den Simon in Geß- nere Erast; solche Rollen spielt er unverbesserlich, ober wenn er nur den geringsten Anstand in einer Rolle haben muß, da ist er nicht zu sehen: er weiß keinen Fuß ;u setzen, hat nur zwo Hände zu viel, und ganz keine Geberde, die was taugte, also im hohen Komischen und Tragischen ganz unbrauchbar: aber auch in chargirten Väterrollen nicht zu sehen denn er faselt unerträglich, lärmt, trippelt, daß mir dar« über der Schweiß auöbricht. Das sind die neuen Eroberungen : die junge Ja- ket ist ein vortressl cheS Mädchen, schade daß sie nicht sehr fein hört, aber sonst die angenehmste Figur, eine schöne Hand und edle Geberde, Gefühl, Anstand, »ur ihre Stimme muß noch mehr bearbeitet werden» Ein Kd/, ^ ^ 4l Ein Wort von Herrn Hetzendorfv.Hochberg, dem Theatraldekoratcur, dessen Contour Kieitt so sehr rühmtSie dürfen mir glauben, weder die poes tische, noch die moralische Komposition taugt ecwaö: Haltung ist ganz keine beobachtet, ein grosser gelber Fleck, in dessen Mitte Apoll weder steht, noch sitzt, sondern wie man sagt, hauzelt, denn man sieht nicht, woraus er sihe: die Figur des Apoll ist sehr uuedel und klein. Hingegen stehen drey Grazien auf einem Flecke, so eine Wolke seyn soll, in cmer ziemlichen Höhe, und dennoch in einer Tolossollischen Grosse', eine dieser Grazien, unter andern, hat ihr Gewand um den H^^ geworfen, wo der Maler eS völlig, wie ein nasses Gewand angelegt, und noch den Uebel- stand beobachtet hat, das Gewand, wo sich der A555>- theilet, mit einem Schatten hinein zu drü» cken, das sieht gerade zu, als hatte sich die Grazie unrein gehalten, und das Hemde wäre ihr angepicht. Hinter dem Schein des Apoll ist ein Adler mit dem Kopfe hervorragend, der, ich weiß gar nicht wie, dazu kömmt. Von diesem Manne, dessen Theater alle sehr bunt« schackicht, unendlich chargirt, und ohne alle Wirkung in der Ferne sind, weil er die Vertheilung der Lichtmas; sen nicht versteht, und meistens das obere Licht, oder Mittag annimmt, mithin keine grosse Parthien, kcü ne Schlagschatten hat, welche so schöne Wirkung machen, und eine Wirkung des Lichtpunkts von i o Uhr frühe, oder gegen die Neigung deö TageS sind, von dichm Manne macht KleM so viel Aufhebens, und C 5 von ^ ^ ^ von Noverrenö Balleten ist er so trocken, wo er da« von so viel hatte sagen können. Der Recensent meiner Briefe, dem meine Be» schreibung von Noverrischen Balleten so wohl gefällt, hätte nicht sagen sollen; das wären die zwoen einigen -.im zten Theile des ManaeS ohne Beurtheil I^. X. Stück angefangen, habe ich eine kurze Theos rie vor den Balleten gegeben, ans die Alelt! ganz wohl verwiesen werden kann. Vergeben Sie die Unordnung dieses Briefes: ich sende Ihnen ehestens den sten Theil der österreichi> scheu Bibliothek, meine Handlungswissenschaft, einen schönen Medaillon auf deö Kaisers Reise, und er- warte von Ihrer Güte, alles, was Sie mir immer sen- den wollen: es ist schahbar, weil es Ihr Werk ist- Die Zensur wird mir keinen Anstand machen. Lies den Sie ihren :c. Wien den 9. März 1770. W5?cht sehr, mein theuerster Klotz, bin ich Ihnen z^v" . dafür verbunden, daß Sie sich durch kleinge- sinnte Leute von Ihrer Gewogenheit gegen mich nicht abbringen, daß Sie sich in Ihrer guten Meynung von meinem Herzen nicht irre machen lasten. Ich habe Stolz genug zu sagen, daß ich mich von nie- manden in der Welt von dieser Seite will über» treffen lassen. Selbst ) ^ ^ ^ 4 z Selbst der Vorwurf, den Sie mir wegen meiner theatralischen Vromsmoriz machen, ist mir lieb, weil er eine kleine Hitze anzeigt; diese Art von freundschaftlicher Eifersucht ist ein Beweis Hrer Liebe, um die ich Sie immer bitten werde. Erst also will ich mich darüöer rechtfertigen; dann soll auch meine Reihe kommen, Ihnen Lorwürfe zu machen. Sie wissen, ich bin mit RiedelN in einem Brief-, Wechsel: mir hat, ausser Heufclden, niemand vor- werfen können, daß ich aufgehört habe, diese oder was immer für eine Art von Freundschaft fortzusehen. Rjedel ist jedoch mit seinen Griefen an mich sparsam' ich antworte nicht öfter» Aber da mir daran lag, dem Eindruck, welchen Nikolais hämische Nachricht von mir etwan in Deutschland machen dürfte, etwas, und zwar bald entgegen zu setzen. welches beweisen könnte, daß meine Absicht, als ich schrieb, patriotisch sey, daß SotMenfels von seinen Monarchen geschaßt werde; so sah ich mir hiezu seine Zeitung aus; nicht Ihre Bibliothek, theils weil ich nicht wußte, daß Sie solche Nachrichten da würden einrücken lassen; denn gewohnlicher Weise thun Sie so waö nicht; hauptsächlich aber, damit ich nicht dadurch zwischen Ihnen und Nl5vl(N einen neuen unangenehmen Auftritt öffneteSie würden auS Freundschaft etwas auf jenen angespielt, dieser würde entgegen gestichelt haben» — Uebersehen Sie mir den Provinzialauödruck seiner Eigentlichkeit wegen — ich würde also den Gegenstand eines ZankeS gewesen seyn, der keinen Ruhen bringt. Endlich erm iern Sie 44 ^> ^ Sie sich auch, daß Sie mir geschrieben, Sie würden, auf diese Osiermesse mit Ihre? Bibliothek schlügen .' Konnte ich also wohl glauben , es wäre am Schlüsse einer kritischen Schrift , da man den Lesern vor der Beurlaubung so manches Zu sagen hat,Plah für solche Kleinigkeiten, die ganz nicht für den Druck zu- gepußt sind? Da ich mich nun ganz gegen Sie gercchtferti- get, so sagen Sie mir, liebster Klotz? warum bin ich nicht auch unter der Zahl der Schriftsteller, de» ren Herzen und DenkungSart Sie von dem Haufen unterscheiden? warum lese ich meinen Namen nicht bey denjenigen, gegen welche Sie eine so warme Liebe empfinden? Ganz unfehlbar würde ich mir lieber hier ein Plätzchen wünschen, als in allen Bibliotheken in der Welt und am meisten, als in der —--- —- deren Verfasser, 54 55, es der Himmel zu Gnaden halten möge, daß er mich so sehr gelobt, und wohl gar besungen hat. Es geschah gewiß nicht vorsetz« lich, daß ich Ihnen den Sammler — den Verfasser kann man doch nicht sagen —> nicht genennet: ich selbst hielt lange ihn einerley mit dem Verfasser der Briefe über die---> — obgleich jene mich tadelten, dieser zu seinem Helden zu machen schien; so was ist nicht verwunderlich, die Umstände und Aussichten konnten sich geändert haben: mit diesen ändern solche Leute ja auch ihre Töne. r Hat / ^ ^ 45 Hat doch Klem neulich in einem Blatte von nur geschrieben, daß ich zu edel dachte, an Streitig« keiten , die verjährt sind, zu gedenken Der Verfasser des grünen Huts nennet mich edel: er hat sein Sekretanst bey der Schaubühne, und seine Inte« rimsdirektion (^KiZio hat HeufeldM beurlaubt) niedergelegt, ist katholisch geworden, und nun Sekretär beym Fürst Kevenhüller. Schreiben Sie mir doch, wie weit Sie seine Theatcrblaccer haben, da« mit ich sie Ihnen ergänze! Von Klem aufBernardon! der Abstand ist nicht so groß. '— Diesem Gaukler hatAWgionun die Direktion aufgetragen, weil er ihm von einem Cavalier Vorschuß zuwege gebracht, — und der Hof duldet e6 ? die Frage ist natürlich , aber nun wundern Sie sich — mein zweytes ?romemor!z g«gen daö Extemporiren, welches dieser Gaukler wie« der einzuführen suchte, hatte die gewünschte Wir« kung; das Extemporiren ist auf ewig verboten; und da man den Impressarius wegen seines Pachckon- trakts nicht hindern kann, jemanden, wem er will die Aufsicht zu geben ; so hat man mich — zum Thea- tralcensor gesetzt. Dieser Vorfall ist in der Gec schichte der hiesigen Schaubühne wichtig i ich habe sogleich ein tiomsmonÄ, wie die Censur einzurichten wäre, eingerichtet, welches vom Hofe mündlich schon genehm gehalten worden, worüber ich noch die schriftliche Entschlüssunq erwarte. Ich sende es Ihnen mit künftiger Post in Abschrift. Die Dieser Gedanke dcö Hofs kann uns gewissem Massen in Augen Deutschlands wieder zu Ehren bringen, da man wegen BernardVN sehr über uns zu spotten berechtiget war: er beweist zu« gleich, daß man das Theater auf einen bessern Fuß zu setzen gedenke, weil man eS dem unversöhnlichen Widersacher des UnflathS und der Unsitt- lichkeit unter die Geissel giebt. Leben Sie, mein theurer Freund, so glücklich, als ee mein Herz wünschet: und versichern Sie mich bald Ihrer unveränderten Lieb«. O O BM Briefe Von dem Herrn Weisse. Leipzig den zo. März 1765. H^>i'e schmeichelhaft muß mir nicht die Zuschrift --v-A eines Mannes seyn, der, ncchdcm ich ihn schon lange wgen seiner seltnen Einsicht, wegen seiner grossen und weicläuftigen Gelehrsamkeil, wegen seines feinen und geläuterten Geschmacks im Stillen bewundert und hochgeschätzet habe, mir auf die lieb- reichste Art von der Welt seine Freundschaft schenkt! ein so kostbares Geschenk für mich, daß ich es durch nichts, als durch die aufrichtigste Gegenlicbe zu ver? gelten weiß. Ich müßte allen Stolz verlauqnen, wenn ich Ihnen nicht gestehen wollte, daß, als ich m Ihrer schönen Ausgabe des Tyrtaus meiner flüchs tigen Muse so rühmlich gedacht fand, ich mir so sehr in Zhrcn Lobsprüchen gefiel, daß ich mehr als einmal die Feder in die Hand nahm, um Ihnen meine Er« kenntlichkeit schriftlich zu bezeigen. Blos die Furcht, daß ich Sie in Geschäften, die für die Welt zu wichs tig sind, alv daß man Sie darinnen stören sollte, unterbrechen möchte, blos diese hielten m'ch zurück. In der That übersteiget die Ehre, die Sie mir dac durch erwiesen Haben, und die gütige Gesinnung, die 4s ^ ^ Sie mir' in Ihrem werthesten Briefe bezeigen, alle meine Verdienste. Mein Beruf, der mich zu einem Geldeinnehmer bestimmt, hat mich dem vertrauten Umgänge der Musen gänzlich entrissen i und ich darf Ihnen nicht erst sagen, wie wenig sich der Goct der Steuerrcchnungen, wenn e6 anders einen solchen giebt, mit ihren süssen Gesängen vertragt. Die wenigen Augenblicke, die ich ihnen widme, muß ich abstehlen: wie kann e6 also anders kommen, als daß dasjenige, was ich oft unter dem Tumulte von einer Menge Bauern aufs Papier werfe, gar nicht diejenige Politur hat, die Horah von den Dichtern verlangt. Meine Freunde werden mich allenfalls deswegen entschuldigen, aber von der kritischen Welt habe ich kein Recht, eS zu fodern. Das Griechische höre ich beynahe auf zu verstehen, und im kurzen werde ich kaum die Buchstaben mehr kennen. Lassen Sie sich aber deswegen nicht abhalten , mir Ihre Absicht in Ansehung der von Ihnen gesammelten Stellen aus den Tragödien der Alten mitzutheilen. Ihr Unterricht wird mir um desto willkommener seyn, je weniger ich itzt im Stande bin, mir ihn selbst zu verschaffen. Wenn Sie, liebster Freund, meine pottischen Kleinigkeiten Ihrer Aufmerksamkeit würdigen, so kritisiren Sie mich mit aller Strenge eines ÄunstrichterS. So gern ich mich von Ihnen werde loben hören, so wird eS mir doch noch lieber seyn, wenn Sie mich auch in Stand sehen, Ihr L)b zu verdienen. Wir verschlissen nur zu gern die Auqen vor msern Fehlern, und der wahre Freund bleibt immer derjenige, der sie unS öffnet, und uns auf den den rechten Weg führet. Leben Sie übrigens so glücklich, als Sie es zu seyn verdienen, und entzie« hen Sie mir niemals die Freundschaft, die Sie mir so großmüthig geschenkec haben : ich bin mit der vollkommensten Hochachtung!c. Leipzig den 9. May 1765. ie geben mir die Freyheit, Sie in demjenigen Tone anzureden , der meinem Herzen so gemäß ist, und mir mehr schmeichelt, als alle Titel, die sich die Zeremonie geben kann. Ich werde es meine gan» ze Bemühung seyn lassen, mich derjenigen Freunds schaft würdig zu machen, die Sie mir so liebreich angeboten haben. Freylich ist der Zwang , den unS ron beyden Seiten unsere Berufsgeschäste austeg«n, nicht angenehm! Sie haben aber darinnen immer noch den Vorzug, daß Sie die Ihrigen zum Musen zurückführen, und die Belohnung nicht geringe ist, junge Leute zur Wissenschaft, zur Tugend und zum guten Geschmacke angeführet, und zur Glückseligkeit gebildet zu haben. Zumal wünsche ich der Universi» rät Halle Glück zu Ihrem Besitze; die schönen Wissen» schafften haben daselbst einen Mann nöthig gehabt, der Gelehrsamkeit, Geschmack, Fleiß und Muth ge? nug besitzt, ihr Reich zu erweitern , und mit den Musen die Grazien auszusöhnen. Die Ueberseßung deö TyrtäuS vom Mr. Poit?» sinet de Sivry, kenne icki bloß aus den französischen D . Jour- ^ ^ !A Journalensie ist seiner Übersetzung des Anakreon, der Sappho und andrer kleinen griechischen Gedichte angehängt. Es thut mir leid, daß ich dem Herrn **** durch die Recension seiner Gedichte in der Bi» blwcbek zu nahe getreten bin : ich verehre ihn als einen rechtschaffenen lieben Mann: aber fürs i) kann? te ich den Verfasser nicht: 2) wünschte ich doch, daß er, so bald er drucken laßt, erst einen Freund von Geschmacke und Einsicht, wie Sie sind , zu Rathe zöge: denn wenn man einmal drucken laßt, so muß man sich gefallen lassen, nicht nach seinem moralischen Charakter, sondern als Autor beurtheilet zu werden: wir selbst, wenn wir ihm schmeicheln, machen uns der Parteylichkeit schuldig. Er hat wieder einen ganzen Band-----herausgegeben, und ich muß Ihnen ausrichtig gestehen, daß «ch gar nicht damit zufrieden bin', soll man davon schweigen, so kann er eö mit Recht als eine Beleidigung ansehen; denn unter aller Kritik zu seyn, ist, dünkt mir, noch demüthigender, als Tadel zu verdienen: überhaupt fehlet e6 ihm gewiß an poetischem Genie, und er suchet die Muse auf, anstatt, daß sie ihn mit sich fortreißt : Sie können sonst gewiß glauben, daß ich eine rechte wahre Hochachtung für ihn habe, da ich ihw von mehr als einer liebenswürdigen Seite kenne, und um desto unruhiger bin, wenn sich die Kunstrichter über ihn lustig machen. Mit was für vortrefflichen Sachen beschenken sse uns wieder diese Messe, und wie viel versprechen Sie uns n»ch auf die Zukunft? Ich habe nur mit flüchw gen ^ ^K, !^ zen Blicken den Meßcatalogue durchgelaufen, aber sie sollen meine erste Leccüre seyn, so bald mir nuc meine Meßgsschafce ein wenig Erholung lassen: ich habc noch nicht an die Disputacion kommen könne», womit Sie mich beschenket haben, so sehr der Titel auch schon meine Neugierde gereihet hat. Des V!- «Zse srtsm xoslicam nach Thomas Tristram Ausgabe wüßte ich in ganz Leipzig nicht aufzutreiben, sollte sie mir aber vorkommen, so werde ich aufmerksam seyn, Ihnen dieselbe zu verschaffen. Leben Sie glücklich, werthester Freund, und behalten Sie mich lieb. Ich bin mit wahrer Hochachtung ?c. Leipzig den 25. Nov. 17S5. L^ch kann nicht läugnen, daß ich Sie bey Ihrer, e^) Rückreise mit Sehnsucht erwartet habe: stetS schmeichelte ich mir, daß Sie noch in Ihrer Vocer- stadt seyn müßten, bis mir endlich der Hosrath Bel die angenehme Hoffnung, Sie zu umarmen, durch die Nachricht verderbte, daß Ihnen Ihre eilfertige Durchreise nicht erlaubt habe, Ihre Freunde zu se» hen. Sehen Sie, liebster Freund, wie stolz ich bin, daß ich mich darunter rechne, und die Versicherung, die Sie mir durch Ihren Brief davon gegeben, ist? die größte Vergütung für diesen Verlust. Ich freue mich, daß Sie meinem lieben ehrlichen Hagedorn die Ehre Ihres Besuches gegönnet haben: er hat mir durch einen Pries seine Zufriedenheit dar? D « über über zu erkennen gegeben: er ist Ihr Freund und Verehrer, wie ich, und Fhrer Liebe gewiß auch in jeder Absicht würdig-, sein Eifer für die Künste und Wissenschaften ist so groß, daß er ihn ordentlich verzehret. Wenn man denket, daß Lt'ppert ein Glascr- geselle semer Profession ist, so verdient er die größte Bewunderung.- Schade? daß er nicht vierzig Jahre zurücke hat, und itzt erst feine Laufbahn anzutreten hat? ich wüßte nicht, was der Mann zu thun fähig wäre i ein bischen weniger Eigensinn und Heftigkeit würde ihn in Stand gesetzct haben, noch weiter zu kommen, als er ist '. er hac mich vor ein Paar Iah« ren mit einem kleinen Tabinerce von eclichen der auserlesensten Abdrücke von Gemmen beschenkt, worzu er eine Erklärung aus den Stellen der Alten hinzugefügt, die meistens so glücklich angewandt sind, daß man sie von den größten Gelehrcen kaum besser erwarten könnte'. er läßt ißt einen Commentar auf diele Art über seine ganze Sammlung beyBreitkopfen drucken ,und ich bin überzeugt, daß eö für die Künstler ein recht brauchbares Buch werden wird. Sie wollen mich in der neuen Ausgabe Ihres TyrtauS mit Namen nennen? in Wahrheit, so wenig ich es zu verdienen glaube, so groß wird die Ehre für mich seyn, von einem Manne, wie Sie sind, gelobt zu werden. Die Furcht vor einem verdienten Tadel hat mich allezeit zurück gehalten, mich als den Verfasser meiner kleinen Versuche zu bekennen, aber alsdann glaube ich ohne Schamröche hervortreten zu dürfen, wenn sie von Kennern gebilliget werden: man müßte kein ^ kein Autor seyn, wenn man sich von aller Eigenliebe lossagen wollte. Die Schriften der Leipziger Gesellschaft der freyen Künste besitze ich nicht: es wird aber doch ein theures Mitglied hier zu finden seyn, das mir zu dein ver» langten dritten Theile verhilft i Sie sollen ihn unvcr- züglich haben, sobald ich ihn finde. Von der Wachs- malerey findet man auch vieles in des Pemettt vi> Äionslre 6ss dsaux ^.rts, wo eine ganze Abhandlung von den verschiedenen Arten zu malen, vorgefaßt ist. Leben Sie wohl, und im steten Genusse aller Glückseligkeiten des Lebens, und behalten Sie mich lieb. Ich bin Zeitlebens:c. Leipzig den 4. Febr. 17S5. AViemand, als die elenden Schriftsteller werden böse seyn, daß ein Mann, wie Sie, die ge- lehrten Zeitungen zu schreiben übernommen hat. Ich vor meine Person wünsche dem guten Geschmacke und der gelehrten Welt dazu Glück, denn ich kenne keine Recensionen, die ich lieber lese ^ als die Ihrigen: ein lebhafter muntrer Witz, ein richtiger und seiner Geschmack, eine ausgebreitete Gelehrsamkeit, eine schöne blühende Schreibart, alles empfiehlt sie, und ich wer« de niemals müde, sie zu lesen. Daß Pernetti ein elender Ausleger des PlMMs ist, glaube ich, ohne ihn geprüft zu haben: er ist ein Franzos, und das ist genug gesagt. Des Grafen Cayluö Leben ist noch D z nicht nicht heraus : ich habe aber an einen Freund in Paris geschrieben der mir ee schicken wird, sobald es dort in der Akademie abgelesen wird, und alsdann werde ich es Ihnen unverzüglich schicken: ich werde mich auch bemühen, Nachrichten von Trevier einzuziehen: frey» lich ist er nicht der Mann, aus dem man die Ge» schichte studiren darf, inzwischen laßt er sich doch gut lesen. Die Nachricht von Ihren studierenden Schauspielern ergößt mich, und es wundert mich um so viel mehr, da die meisten doch wenige gute Muster werden gesehen haben: sie haben z>var wohl die Natur vor sich, aber eben dies-? zu studieren, ist keine gerin, ge Kunst: vielleicht werden einige dadurch so klug, daß sie ihren wahren Beruf fühlen lernen: denn so lang? nur Waschcrmadchen und HandwerkSpursche unter unsere deutsche Truppen gehen, werden wir keinen RosciuS finden. Ich habe immer geglaubt, und von Nicolai gehört, daß Winkelmann die Stelle bey dem ^luü«eo in Berlin erhalten würde? Desto besser, wenn eS nicht geschieht i denn dieser ist an keinem Orte besser, als in Rom aufgehoben, und seine klei> ne Eitelkeit findet dort mehr Nahrung: er hat mir letzthin geschrieben, daß sein grosses Werk, welches lauter noch unbekannte Alterthümer enthalten soll, doch noch, ungeachtet seines StreitS mit Casanova , das Licht sehen sollte. Baust kann, wenn er will, schon etwas gutes stechen: die beyden Bilder aus dem Winklsrischen Cabinette, die er nach Rembrandt gestochen, sind ihm sehr gut gerathen; nur muß er eine gute Zeichnung vor sich haben: endlich ist diese Art von Leuten so theuer, daß kein Verleger gern von UK/ ^ ^ 55 von Kupferstechen hören will: ich muß für ein kleines Bildniß für die Bibliothek itzt immer zo bis 4» Rthlr. bezahlen. Der arme GleitN dauert mich: ich habe aber immer die gute Hoffnung, daß, wenn «in Gelehrter krank ist, die Hypochondrie der Siß deß Uebels sey. Der Berlinischen allgemeinen Bis bliothek zu gefallen halt schwer '. cS wäre schon der Mühe werth, daß ihre Urtheile bisweilen beleuchtet würden: aber die Verfasser haben sich so furchtbar, wie ihre Soldaten gemacht: jeder friedliebender Aus tor ist froh, wenn sie über der Gränze bleiben. Mit ehesten schicke ich Ihnen einen neuen Beytrag zum deutschen Theacer. Ich umarme Sie indessen von ganzem Herzen, und bin Lebenslang rr. Leipzig den 21. März. l?ss. 5?ch müßte Ihrer Freundschaft und Güte nicht ^ werth seyn, mein theuerster Freund, wenn mich eine so liebreiche Kritik, wie die Ihrige ist, beleidig gen könnteso empfindlich ich für das Lob wahrer Kenner bin, so dankbar bin ich auch gegen ihren Ta» del: die Eigenliebe verblendet uns ohnedieß nur allzu- oft gegen unsere Fehler. Glauben Sie inzwischen nicht, daß ich so wenig Autor bin, meine Poeten ohne alle Vertheidigung aufzugeben, nein, es ist die erste Frucht meiner komischen Muse, und wer hat seis ne Kinder nicht lieb? Ich brachte sie zur Welt, da der Streit zwischen den waßerigen und einherdonnern- D 4 den z6 ^ ^K, ^ den Poeten auf dem Parnasse am ärgsten war, Gottsched und Schonaich an der Spitze der einen gähn- te, und Bodmer vor der andern herum trampelte. Leßing nahm sie im Manuskripte vor l i Jahren mit nach Hamburg, und gab sie der Schönemannischen Gesellschaft, wo sie ohne mein Vorwissen lange ge« druckt und gespiclct war, ehe ich etwas davon wußte: doch, ich wollte mich ja verantwörten? Sie sagen, liebster Freund , der Inhalt des Stücks ist nicht gut gewählt, weil es blos den Gelehrten intereßiret. Fürs i) muß meinen Gedanken nach dieComödie eine Schule für alle Arten von Menschen seyn, ri° 6sn6o c^stiFgrs more8 , wo sie etwas Lächerliches findet: wollten wir sie blos auf Fehler, die allen Menschen gemein sind, einschränken, wie bald würde e6 den komischen Dichtern an Materie fehlen ,da die meisten lacherlichen Charaktere schon bearbeitet sind. Mokiere hat deswegen nicht blos den Tartüfe, Misantrsp und Geißigen genommen, sondern er hat sich auch an die Aerzte, an die gelehrten Weiber gemacht, und der feine DestoUches hat ausser den Ruhmredigen und Unschlüßigen, an den Philosophen einen komischen Gegenstand gefunden: wie unendlich viel Stellen sind aber in dem^la^cjs im3Zin3ire, IVle^ecin mz1^r6 lui und?emms8 lzvsnrss, die für jedes andere, als Gelehrte unverstandlich sind, zumal in den leßtern, wo er den Abt Cotin und Menage unter den Namen Fricotin und D. VagiuS lacherlich gemacht hat: im knete esmpg^grcZ vom AestVUcheö wird von den Wirbeln des CarteslUs und der anziehenden Kraft des Neut0N geredet, und waSthut vollends Palt's- fot ^ ^ sot >n der L.'omödiel.esI'nilosoxnss.indcrdcrEn- cyclopedisten gespottet wird ? wie viel mögen es versieg hen, wenn Crispin auf allen Vieren gekrochen kommt, um des Rousseau Menschen in seinem Buche tur I'ine-Z2lit6 6ss Kommes zu spotten? Inzwischen hat sie niemand darüber getadelt. Ich weiß, daß Ex» empel nichts beweisenaber nach dem Begriffe und der Absicht der Comödiekann ich mir nicht vorstellen, daß die Gelehrten nicht ein Gegenstand des Lächerlichen werden können, gcsehc auch, daß eö stellenweise nicht von ollen verstanden wird: überhaupt sind ja die Zuschauer so untermengt, daß keine Comödie in der Welt aufgeführet werden wird, die keine Stellen enthalten sollte, die allen deutlich Ware. Aber ich muß fürs s) fragen untereßiret denn der Gegenstand, den ich gewahlet habe, blos die Gelehrten? ich glaube, am allerwenigsten. Geschmack soll jeder haben, wer ein Glied von der feinern Welt seyn will: schlimm genug, wenn eS OfficicrS, Kaufleute, Frauenzimmer giebt, noch schlimmer, wenn eS Gelehrte giebt, die sich nicht ein wenig darum bekümmert haben. Da dieß ein Mittel ist, den Verstand und daß Herz zu bilden'.verstehen sie die kleinen Anspielungen nicht, so müssen sie sich dieselben erklären lassen, oder sich blos an die komischen Tarrikaturen halten ,die ihnen verständlich sind: doch es laßt sich darüber weit besser mündlich reven. Um den Verdacht zu vermeiden, daß ich Klop- stoFel! dadurch selbst lacherlich mache, so habe ich ein paarmal ihn, alle Mißdeutung zu vermeiden,auS5 drücklich genanntich konnte aber die elenden Nach' D 5 ahmer ahmer nicht anders treffen, als daß ich den Ton an> zeigte, wodurch sie KlopstockM ähnlich zu seyn glauben: in Hamburg und hier, wo man das Stück so oft aufführet, hat man mir wenigstens diesen Vorwurf nicht gemacht. Waö endlich den Ausdruck be-> trift, so fürchte ich, daß wir durch eine zu übertrie- bene Delikatesse den Ton der wahren Comödie verlieren. Die klebrichten Blatter, und der schwarze Toback, sind für den Geruch und das Gesicht ekel, aber ist man nicht zu ekel, wenn man sie nicht einmalnennen hören will,da sie einen schmutzigen Men> schen sonst wohl charakterisiren, und einem Bedienten diese Schilderung wohl zu verzeihen ist. Die Ausdrücke der egyptischen Fleischtöpfe, und die Turckerey in die Morgenröthe, will ich nicht entschuldigen, ob ich gleich wider alle Zweydeutigkeit protestire,die mir nicht in die Gedanken gekommen ist» Den Bärenhäuter und Schurken kann ich mir unmöglich nehmen lassen.- es sind noch die einzigen leidlichen Schimpfwörter auf dem deutschen Theater, und ohne zu schimpfen, geht es bey Bedienten unmöglich abldeS Meer- schweingenß nehme ich mich auch an, und ich kann eö um so viel mehr thun , da die Damen in Spanien sich dessen statt der Schooßhündchen bedienen. Daß Dunkels Charakter zu übertrieben ist, glaube ich nicht: die Nachahmung inuß in der Comöd'ie eine Carrikatur seyn, wenn sie lacherlich seyn soll. Plau- tUs sagt von seinem Geizigen in der Fulularia, daß er das Fleisch, daß er den Göttern opfere, wieder vom Altare mausete, er verlangt von seinem ver- meynten Diebe, daß er ihm die erste, zweyte, dritte Hand ' ^ ^ Hand weisen solle; ist dieß nicht übertrieben? ich glau« be, nein — doch, meine Verantwortung ist viellan» ger, als Ihre Kritik geworden: verzeihen Sie einem Autor, der so stolz auf Ih re Freundschaft ist , daß er gern Ihr Lod verdienen möchte. Künftig wollen wir von etwas mteressantern plaudern. Des Gras von Caylus Leben schicke ich Ihnen , so bald ich es erhalte. Leben Sie wohl, und lieben Sie ferner zc. Leipzig den 5. April 176S. l^ch schicke Ihnen, theuerster Freund, meinen neuen Beytrag zum Theater brühwarm: wie sehr wird es meiner Eitelkeit schmeicheln, wenn er Ihnen nicht mißfallen sollte! es ist die einzig? Belohnung , die wir witzigen Schriftsteller uns wünschen , so wenig Stolz wir auch immer affektiren mögen: und einem Kenner, einem Klotz , zu gefallen, ist immer noch in meinen Augen ein Ehrgeiß, der vergebungSt würdig ist. Glauben Sie deswegen nicht, liebster Freund, daß ich Ihre Kritiken dadurch verbitten will! nein, sie werden mir willkommen und heilsam seyn; ich werde meine Fehler kennen lernen, und sie zu verbessern suchen: da ich selbst die Mine des Kunst» richterS annehme, so würde mir cö am allerübelsten anstehen, wenn ich einen vernünftigen Tadel nicht ver» tragen könnte: sagen Sie mir selbst, daß ich meiner Muse den Abschied geben soll, und ich werde es ohne Widerwillen thun: ein verbotener Umgang, wie ich mit 6s ^ ^ mit diesem guten Kinde pflegen muß, ist ohnedicß gefährlich ; doch — genug von mir? Ich habe Ihnen noch für einige durch unsern Herrn Reich mir zuge- schickte Schriften vom Hrn. Prof. Jakobt Dank ab- zustatten, welches ich hiemit ausö verbindlichste thue. Sie zeigen von einem guten Genie, das noch mehr durch die Ausbildung einer gesunden Kritik reifen wird: auch das Programina hat mir überhaupt wohl gefallen, ob ich gleich nicht in allem mit dem Verfasser übereinstimme: z. E. in der Stelle S. 4. wo er des Guercino de Cruco Gemälde, die Dido vorstellend, tadelt, daß er nicht die Beschreibungen des Birgils besser genutzt. I'repiils et coextiz etc. Ich glaube, daß der Maler vollkommen Rechthat. Es giebt gewisse Gränzen in der Maln ey und Poesie, so viel sie sonst Ähnlichkeit mit einander haben, wo sie von einander abgehen, die man nicht überschreiten muß. Wenn uns Virgil die Dido vorstellet: Lsn- xuinsam volusns ^cism, maculis^us tremenrss interfula Fsnzs, oder die Schwester, wie sie vnZui- bu8 orz koe6st Ätczus atro» siccst vsKs cruores: so halte ichs für schön : so bald es ein Maler malet, wird es ein eckleS Bild, und es zeigt einen grossen Verstand, wenn ein Maler meine Seele, ohne mir Ekel zu verursachen, erschüttern kann: Horaß giebc schon den dramatischen Dichtern den Rath, daß die Medea nicht ihre Kinder auf dem Theater zerfleischen soll, und die Alten haben dieß in den Werken der Kunst ungcmem wohl beobachtet. Ich könnte vieles hier- s^d/. ^ 6l hierüber zuseßen, aber der Herr Verfasser darf in Winkelmanns Schriften auf allen Seiten nachsehen: unser Hagedorn hat aber in seinen Betrachtungen ein ganzes Kapitel überdies? Behutsamkeit der Maler ; und von der Vermeidung des Haßlichen in Nachahmung der Natur. Ich habe daö Bild in der Düsseldorfischen Gallerie nicht gesehen, aber nach der Beschreibung des Herrn Verfassers selbst: Ks^inss in vulru 6o1or sminst, mosüug pzllor occupztka- ciem, rriltia lumina in cosluin lublstz eü, würde sie mir besser gefallen, als wenn ich sie mit demsnl« cruors 5xum3nte, lxzrlisguL msnibus sahe. Ich überlasse es ihrer Beurtheilung, umarme Sie in Gedanken, und bin ewig der Ihrige. Leipzig den 18- Sept. 1766. t^ch freue mich unendlich, mein theuerster Freund, daß Sie bey uns in Deutschland bleiben: noch mehr, daß man Sie mit Ehren und Würden fesselt, die Sie 'langst verdient hatten. Ich weiß wohl, daß sich ein Weiser darüber wegsehet, aber wenn wahre Verdienste dadurch belohnet werden, so ist es allezeit ein Zeugniß, daß man sie erkennet, und kein Vorur- theil mehr. Ich habe Ihre Schrift über daö Studium des Alterthums mit innigem Vergnügen gelesen: der Geschmack wird nicht eher allgemein, als bis die Lehrer öffentlicher Universitäten anfangen, ihn zu predigen, die Barbarei) unterdrücken, und wieder junge Boten 62 ^ ^ ^ Boten in die Welt schicken, die ihn andern lehren. Von Winkelmannen glaube ich nicht, daß Sie viel zu befürchten haben; er giebt bey allen seinen Ber- diensten Schwachen genug, wo man ihn angreifen kann. Ueber die Recension der Allegorie kann es wohl nicht seyn, daß er böse ist; wenn er6 anders ist', denn sie ist noch zu neu, als daß er sie schon dazumal in Rom sollte gehabt haben. Er nimmt aber über« Haupt gern die stolze und verächtliche Mine gegen an« dere Gelehrte an, um seinen Ruhm hervorstechender zu machen! doch wollte ich alleö darauf wetten, daß er Sie gewiß nicht angreift. Ich habe ihm den Ge» legenheit der Historie der Kunst, und seinen Send- schreiben über die Schönheit in der Malerei.), in der Bibliothek bey allen Lobsprüchen nichts geschenkte und ihm die Stücke selbst überschickt: gegen Herr Mein» harten , der ihn dazumal mit dem Grafen Mvltke besuchet, hatte er zwar sehr gedroht: aber ich habe doch aus dem Briefe wider Casanova, den er in die Göttingischen Zeitungen setzen lasten, gefunden, daß, wenn er auch hin und wieder auf meine Recen» sionen angespielt, er rwch doch nicht. noch mein Buch, sondern allezeit die Deutschen überhaupt genennet. Ihre Recension über die Allegorie ist so vortrefflich, und so bescheiden abgefaßt, daß er allezeit eine böse Sache verrathen würde, wenn er grob wäre. Ich veranstalte itzt eine für die Bibliothek , wo ich ihn eben so wenig fürchten werde: ich sehe nicht, was er bey allen Ihren Einwendungen sagen kann, oder womit er sein? Meynungen vertheidigen will, er müßte denn seine Autorität für wichtig genug halten, um sie A ^ 6Z allen entgegen zu seßen: aber diese braucht kein Gee lehrter zu erkennen. Es ist ihm Weihrauch genug gestreuet worden, als daß er sich über seine Landöleute beschweren darf, und am Ende wird er sie immer noch für ehrlicher halten müssen, als seine ißigen. Casanova in Dreßdcn droht sich wegen der Beschuldig gungen in Götcingischen Anzeigen durch einen öffent- lich gedruckten Brief an ihm Zu rächen, und ich furch- te, daß die Italiänische Rache nicht so gelinde seyn wird, als der Tadel eines deutschen Patrioten, der wie Sie, ihm die Pille noch so schön übersilbert. Leben Sie wohl, und behalten Sie mich lieb. Ich liebe Sie ewig. Leipzig den is. Febr. 1767. t^ch bin Ihnen, mein theuerster Freund, noch -x) den Dank für das letzte Stück Ihrer deutschen Bibliothek schuldig, und schon erhalte ich ein neues. Wie sehr bin ich Ihnen für dieß gütige und freundschaftliche Andenken —> wie sehr für das mir so rühmliche Urtheil von meinen kleinen Spielwerken für Kinder verpflichtet/ In der That, wenn mich nicht mein eigen Gefühl noch von meinen Schwachheiten überzeugte, so würden Sie mich stolz machen können denn wir Schriftsteller mögen noch so sehr die demüthige Mine annehmen; im Grunde ist der Beyfall eines solchen ManneS, wie Sie sind, doch daö höchste Ziel unsers EhrgeißeS, und das vornehmste Trieb-- werk unserer Arbeiten. Ihre Bibliothek unterscheidet sich ourch so viel Gründlichkeit, feinen Geschmack und Lebhaftigkeit des Ausdrucks, daß Sie uns übrigen Kunstrichter bald von dem kritischen Richcerstuhl verdrängen möchten. Vorzüglich bewundere ich den Muth, mit dem Sie alles vom Herzen wegjagen, ohne sich das Ansehen der Person schrecken zu lasten, oder die Folgen ihrer Ausfalle zu fügten. Aber man muß sich seiner eignen Stärke bewußt seyn, und schon selbst ein Ansehen in der gelehrten Republik erhalten haben. Bey Gelegenheit der Recension von der Fa- ömschenTheorie der schönenWissenschaftcn inMaynz, muß ich Sie, liebster Freund, doch fragen, ob Sie den Mann dieses Buchs kennen ? Kaum vermuthe ichs, weil Sie sich wundern, wo er die geäusserten guten Kenntnisse her hat . Es ist dieses der Bruder von unsers hiesigenStallmeisterS Roseiizweigs Frau, der viele Jahre hier studiert hat, endlich vor ungefähr zwey Iahren zurück in seine Vaterstadt Straß- bürg gegangen, sich verheiratet, dadurch aber sein Glück daselbst verscherzet, und hierauf nach Maynz gegangen, und daselbst katholisch geworden ist. Wie sehr freue ich mich aus Ihr Buch von der Stcinschneidekunst! WaS für neue Aussichten werden Sie hier wieder Ihren Landeleuten öffnen! Kaum begreife ich es, wie es möglich ist, soviel grosse und weite Felder der Wissenschaften, wo fast jedes einen besondern Mann zur Bearbeitung ersoderr, zu gleicher Zeit zu umfassen. Was Was sagen Sie zu Leßings Dramaturgie? ists nicht Schade, daß Voltaire nicht um AO Jahre jünger ist, um Deutsch zu lernen ? das sollte ein feis nes Gefechte werden! Leben Sie wohl und glücklich! Einen Glückwunsch zu der schönen ^arrikatur, die man von mir der Allgemeinen Bibliothek in Berlin vorgesetzt, erwarte ich von Ihnen nicht: aber dieß, daß sie niemals aushören zu lieben ;c. Leipzig den 29. May 1767. t^ch bin Ihnen, theuerster Freund, noch den ver« o) Kindlichsten Dank für das angenehme Geschenk, das Sie mir durch Ihre schöne Schrift, über den Geschmack in Münzen, gemacht haben, schuldig: Nur die Menge überhaufter AmtSgeschafte, der Anlauf von witzigen und unwißigen Meßbesuchen , und tau« senderley andere Zerstreuungen, haben mich von die» ser so süssen Pflicht abgehalten. Wie sehr machen Sie sich nicht um die Ausbreitung des feinsten G?5 schmacks, in den Künsten und Wissenschaften, bey der deutschen Weltverdient, und wie undankbar, wie unempfindlich, für wahre Verdienste, müßte man nicht seyn, wenn man solches nicht erkennen wollte. Ich freue mich unendlich, daß Ihnen mein Eifer, diese nach meinem geringen Vermögen der Weit bes kannt zu machen, nicht gleichgültig gewesen ist. Wenn ich meinen Empfindungen hatte folgen, und nicht den Verdacht einer freundschaftlichen Parteylichkeit mei« E den 66 ^! ^ den wollen, so hätte ich Sie noch weit mehr loben müssen. Glauben Sie nicht, geliebtester Freund, daß mich die Ankündigung der allgemeinen Biblio» chek der schönen Wissenschaften, im Meßverzeichnisse, beunruhiget: es war mir vielmehr eine wahre Freude, einen Mann eine Bahn betreten zu sehen, der ich mich gewiß nicht gewachsen fühle, und von dem ich weit würde zurückgelassen werden. Sie wissen aus der Erfahrung, wie beschwerlich das Amt eines Kunst» richters ist, und wie wenig man in meisten Fallen durch die Wahrheit Dank verdienet. Sahe ichs nicht alö ein Mittel an, mich unter den vielen AmtS» geschaften, die mich von aller Vertraulichkeit mit den Musen abziehen, noch in einer gewissen Bekanntschaft mit ihnen zu erhalten, so hatte ichs langst aufgegeben. Bey Ihrer weitlauftigcn und grundlichen Kenntniß in dem ganzen Reiche der Wissenschaften, können Sie Zeiche Ihren Feinden Troß bieten, und immer des Siegs gewiß seyn. Leben Sie wohl, mein würdig- ster Freund, und behalten Sie mich lieb. Ich bin lebenslang ic« Leipzig den 9. May 1763. ^ie sehr mich die Versicherung Ihrer mir uns ^ schaßbaren Gewogenheit und fortdauernden Freundschaft erfreuet, mein theuerster, liebster Freund, das kann ich Ihnen nicht genug sagen : nur durch gleiche Empfindungen kann ich Sie erwiedern, und dieß soll auch der ganz? Dank seyn, den ich Ihnen für für das neue Pfand Ihres Andenkens, ich meyne, Zhr Buch über die geschnittenen Steine, gewähre, ^ch will mich noch heute , etliche Tage lang, aufs Land begeben, und da soll eö, nebst derUeberseßung der Caylußischen Abhandlungen, meine Lcctüre seyn. Sie demüthigen mich in der That, wenn Sie von mir ein Urtheil verlangen: Ich bin in den Alterthums? Wissenschaften viel zu fremd, habe niemals Gelegenheit gehabt, etwas wichtiges zu sehen, ißt wenig Zeit darüber zu studiren, oder nachzulesen, und ausser demjenigen, waS Sie, WtNkelMaNN, Ll'ppttt und LeßlNg davon geschrieben haben, wenig im Gedacht- nifse: indessen will ich Ihnen das , was mir meine Empfindung saget, sie mag wahr oder unwahr reden, mit der Freymüthgkeit entdecken, die sich freund» schaftiiche Seelen schuldig sind. Noch kann ich Ihnen zuschwören, daß ich von der ganzen Sündsiuth der neuen Meßschriften nichts als den EataloguS gelesen habe. Ein KreiSeinneh- mer ist diese ganze Zeit über, wegen des VorbeschiedS und der Einrechnung, ein geplagtes Thier, und muß sietS auf der Expedition schildern, et üc ms lsruz- Ait Apollo. Denn am Ende habe ich, nach dem, was Sie mir schreiben, mehr dabey gewonnen, als verlohren. Daß die Wespen schwärmen , kann ich mir vorstellen, denn diese wollen nicht gesiöret seyn : aber wer so viel Muth und Kraft hat, drunter hin» ein zu schlagen, der kann sich für Beulen rächen, die sie ihm anzubringen suchen. Glückliches Talent, wer dabey sich immer gleich bleibt, und ein kaltes Geblüts behalt! man hat den gedoppelten Vortheil, daß E s man ^ ihn beur> theilen kann. Wenn Sie aber auch keinen grossen Künstler an ihm gewonnen hatten, so ist er mir doch als ein fleißiger Mann bekannt gewesen. Leben Sie wohl und glücklich, nur gönnen Sie mir ferner Ihre freundschaftliche Gewogenheit. Ich bin allezeit mit der vollkommensten Hochachtung ic. Leipzig L^ch will nicht entscheiden, ob eS besser sey, einen «>) mittelmäßigen Dichter ganz mit Stillschweigen zu übergehen, als ihn scharf zu kritisiren: für die Welt wird es allerdings gleichgültig seyn, weil er ohnedieß bald vergessen wird, aber in Ansehung sei« ner selbst kann es immer den Vortheil haben, daß er den Umfang seines Gemee kennen lernt, und nach dessen Verhältniß in Zukunft seine Arbeiten abmißt. Ich bin ü erzeugt, daß der Herr ^ Mann ist, der auf mehr als eine Art mißlich seyn kann, aber als ^oet wird «r leicht nicht glänzen: denn wenn wenn auch ein Gedicht voller Nachlaßigkeiten wäre, so sieht man doch bald, ob die Anlage zu einem künftigen Dichter da ist'. ich finde aber in des Hrn. Gedichten auch nicht einen neuen oder unerwarteten Gedanken, nicht einen Funken von poetischem Genie i überall ängstliche Bemühungen etwas schönes zu sagen, die ihn aber immer hintergeht. Ich habe dieß aufs neue in seinen-----gesunder»'. ich habe ihn auch frey beurtheilet, aber allezeit mit der Ächtung, die ich seinen übrigen Verdiensten schuldig bin. Wenn Sie etwas über ihn vermögen, so halten Sie ihn nur zurück, daß er seine---> nicht drucken laßt, oder ihnen denselben erst zur Kritik mittheilet. Er hat mir vor einigen Jahren die Ehre angethan, und mir eine Probe davon geschickt: aber ich muß gestehen, daß ich sie zu seiner Ehre unterdrückt wünschte : ich habe eö ihm auch mit aller möglichen Freimüthig- keic geschrieben, und um ihn davon zu überzeugen, eine weitläuftige Kritik beygeleget« Ueber dasjenige, was Sie, liebster Freund, an der angeführten Stelle des Homer tadeln, bin ich nicht mit ihnen einig. Ich finde kein Wortspiel darinnen, da Homer nicht auö der Bedeutung des Namens einen Schluß zu machen suchet. Er saget, wir führen einerley Namen, wir haben einerley Gesinnungen, also laß uns auch beyde ?c. er machet also gar nicht aus seinem Namen ein Spielwerk, sondern es ist eben das, als ob ich sagte: du führest den Namen Achilles, sey auch ein Achilles in deinen Thaten! Es ist eine blosse Vergleichung der Ideen, die ich mit den Namen eines grossen Mannes, der ihn durch seine 76 ^ ^ feine Handlungen verherrlichet hat, verbinde'. alle dergleichen Redensarten : sey deines NamenS, den du trägst, würdig ; er heißt Raphael, und ist ein zwey» ler Raphael; wir sind Brüder, laß uns auch brüderlich? Gesinnungen haben, u» s. w. sind nach meinern Bedünken keine Wortspiele, und passen nicht auf die» jenige Instanz, die Sie anführen: spräche er: Ajax heißt tapfer, also mußt du tapfer seyn, so würde ich eö für ein Wortspiel halten. Eben auö diesem Grunde glaube ich auch, daß der Vers des Sophokles wohl zu entschuldigen ist, wenn er sagt: wer sollte es wohl glauben, daß mein Name so sehr mit meinen Schicks salen übereinkömmt? eS ist einem kummervollen Gemüthe, sehr natürlich, daß es solche Vecgleichungen anstellet, und eine Nebenidee, die sich ungefähr an» beut, auf sich zieht: wenn ich sagte: er hat den Titel Vater des Vaterlandes, und seine Handlungen stimmen damit überein — er führet den Namen in der That; so ist doch etwas ganz anders, als der Schluß, den Herr Theodor auf seine Dorothea machet; denn hier ist nicht die mindeste Ähnlichkeit zwischen einer Gottesgabe, und dem Heirachen, und die Namen führen auf nicht die geringste Nebenidee zu einer Ver» anlasiung auch eines solchen Schluß. Weisen Sie mich zu rechte, werthester Freund, wenn ich irre: nie» mand laßt sich lieber belehren, als ich, zumal von einem Manne, der, wie Sie, Geschmack und Gelehrsamkeit verbindet. Nehmen Leipzig. ehmen Sie, liebster, theuerster Freund, mei- neu innigsten Dank für Ihren vortrefflichen Tyrtäus an. Wenn ich alle Empfindungen der Freu» de und Erkenntlichkeit, die mir dieß angenehme Geschenke verursachet, und der Bewundernng über den unglaublichen Fleiß , den Sie auf diesen Dichter verwandt, niederschreiben sollte, so würde ich nicht fers tig werden. Und was soll ich zudem Lobspruche sagen, den Sie mir darinnen gegeben haben? was zu der Würde, zu der Sie mich durch Einrückung meiner Uebersehung erhoben haben? gewiß, ich kenne meine Schwäche, ich weiß, daß ich daS Gute, was Ihnen die Freundschaft von mir zu denken und zu sagen eingiebt, nicht halb verdiene; ich bin beschämt, und weiß Ihnen nichts, als! eine ewige Ergebenheit und Hochachtung entgegen zu seßen. Was die Recension Ihrer Gedichte in der Neuen Bibliothek betrift, so habeich nichts, als meine Pflicht gethan, und ich bin Ihnen einen Abtrag derselben auf viele Ihrer vortrefflichen Schriften schuldig, die noch alle nach der Reihe folgen sollen. Das einzige Mißtrauen in meine Kräfte, Sie beurtheilen zu wollen, hat mich immer noch zurück gehalten, aber Sie selbst machen mir durch Ihre bezeigte Zufriedenheit Muth. Der Ueberscher des MttrMVNtels hatte allerdings noch 2 3 ^ ^/ roch mehr Züchtigung verdienet: aber ich bin ein so mitleidiger Narr daß es mir selber wehe thut: endlich ist bey gewissen Leuten auch alle Züchtigung umsonst, und ich denke immer, wer nicht kleine Winke versteht, nimmtauch etliche blaue Flecke, die ihm gestoßen werden, für Scherz auf. Der Tod dee Herrn Abts ist ein wahrer Verlust für Deutschland. Er würde uns Deutschen gewiß eine Bahn, hauptsachlich im historischen Felde, gebrochen haben, die wir noch nicht recht finden können. Warum muß doch so ein Mann sterben, da em Gottsched sich und seinen Ruhm überlebt hat — doch bs to )us ^5nss. Wie sehr wünschte ich Ihnen cm so glückliches »riumlit^ ter.irium, daö Ihnen, wie Sie mir melden, hatt? werden können: Ihre Gesinnungen sind dießfallö edel: aber verdankt sie uns allezeit die Welt, oder würde sie nicht dabey mehr gewinnen, als verlieren ? ich glaus be es kaum. Leben sie wohl, liebster Freund? Ich umarme Sie in Gedanken, und bin lebenslang:c. Leipzig t^ch statte Ihnen vielfältigen Dank für das neue Stück Ihrer Bibliothek ab. Ich bewundere Ihren und Ihrer Freunde Fleiß, und freue mich über die schönen und lebhaften Kritiken, die gewiß zur Ausbreitung des guten Geschmacks ein nicht gerin<- ges beitragen werden. In Ihrer Beurtheilung meiner komischen Opern habe ich mir gefallen : denn wem kam? ^ ^ 79 kann das Lob eines Kloß gleichgültig seyn? Die ans tikritischen Don Ouixotte würde ich beklagen, wenn ich nicbt von allen Seiten hörte, daß sie ein so dickes Fett haben, daS eine Zeitlang kann gegerbet werden, ehe sie es fühlen. Sie haben bey Ihrer Bibliothek einen Vorzug, der Sie über alle kritische Mitbrüder erhebt'. dieser ist (ausser dem innern Werthe derselben,) die Geschwindigkeit, mit der Sie die Leser von den neuesten Sachen unterrichten, da wir anderen Jahre lang nachschleppen, wenn die Bücher lange gekauft und gelesen, ja langst vergessen sind. Es fallt aber dadurch ein großer Theil der Absicht weg. Wie viel Theile von deS I.epici6 LstsloZus heraus sind, weiß ich nicht: Sie sotten es aber mit nächsten erfahren; und wenn ich ausser den zweyen, die Sie haben, noch einen folgenden, oder mehrere antreffe, so schicke ich sie Ihnen. Ich bedaure Sie, liebster Freund, daß Sie ein Paar solche Freunde, wie Herr Jacobi und Herr Meusel sind, verlieren sotten; aber der Gedanke, sie beyde so wohl versorget zu sehen, muß Sie über ihren Verlust trösten: noch ist es gut, daß Sie dieselben in der Nahe behalten. -»> Eben da ich diesen Brief schreibe, erhalte ich Jh» ren Brief, der mir von WinkelmaNüs Tode Nachricht giebt. Ach? schon den s iten dieses habe ich diese traurige Botschaftvon Prag und von Wien aus in etlichen Briefen zu gleicher Zeit erhalten. Der eine >. eine meldet mir alle traurigen Umstände dieses schreck» lichen Mordes, die ich Ihnen der Lange nach ab» schrieb, wenn ich nicht vermuthete, daß Sie dieselben bereits wußten. Was für ein neuer Äerlust für Deutschland! und wenn zehn andere seine Fähigkeiten , seine Talente, seinenunermüdeten Aeiß, und Enthusiasmus für diese Art von Wissenschaften hat» ten, so haben sie nicht die Gelegenheit, die Sachen selbst zu sehen. Wie viel wichtige Pcojecte gehen mit ihm verlohren! ich habe nicht leicht einen Brief von ihm erhalten, worinncn er mir nicht von einem neuen Borhaben geschrieben, wozu er die Materialien bereits liegen hätte. Ich wünschte sehr, daß seine Tol> lectaneen und Handschriften an einen Mann, wie Sie, kamen, der sie für die Welt brauchbar machen, und ihm dadurch noch ein Denkmal nach seinem Tode seßen könnte. Besonders hat er mir viel von einem Commcntar über alte griechische Münzen gesagt, den er lateinisch zu schreiben gedachte. Er hat alles dem jüngern Cardinal Franz AlKaM vermacht. — Leben Sie wohl, und behalten Sie mich lieb. Leipzig. A>och habe ich nicht so viel Müsse gehabt, den deutschen Marmontel anzusehen, und beynahe habe ich nun noch weniger Lust, da mich die vorge egs ten Proben abschrecken l inzwischen haben sie Recht, daß solche Dinge geahndet werden müssen: ob aber nicht ^ Zl nicht mein mitleidiges Herz bisweilen für die Verfasser spricht, dafür will ich nicht stehen. Ich mache immer einen Unterschied unter alten verstockten Sün> dern, und unter jungen Leuten, denen die Hoffnung eines kleinen Gewinstes, ode^ die Dürftigkeit eine Ar» beit abgelocket, der sie nicht gewachsen waren: den letztem, so wenig ich ihre Fehler verbergen werde, wünsche ich doch nicht den Muth ganz nieder zu schla« gen, sie müßten denn keine menschliche Vernunft ha» den: ich bin auch ein junger Autor gewesen, und weiß, daß, wenn sich sonst ein dienstfertiger Buch» handler hatte finden wollen, ich im 17cm Iahreal» leö, was ich niedergeschrieben, hatte drucken lasten: wollte Gott! daß mich nichts reuen dürfte, was ich ißt schreibe. Sie haben mir durch Ihren Lobspruch über meinen neuen Beytrag zum Theater viel Muth eingeflößt, und ich werde stolz darauf seyn, wenn Sie nach einer genauern Prüfung bey Ihrem Ansprüche beharren I auch würde ich nicht unzufrieden seyn , wenn Ihre mir unschätzbare Freundschaft einigen Antheil daran hatte 1 inzwischen sollen Sie der kritischen Gerechtigkeit doch nichts vergeben, und Ihr Tadel auch wird Ehre und Vortheil für mich seyn : es ist ein Unglück für mich, daß ich bey meinen übrigen Geschäften nicht des Horaz nonmn xremsrur in an- num beobachten kann denn die leßte Auöseilung muß ich allezeit aufgeben. Ich freue mich sehr, daß Sie in Ansehung Winkelmanns Buche von der Allegorie mit mir einig sindvon einem Werke, daran er über zehn Jahre gearbeitet und gesammelt zu haben vorgiebt, hatte ich mir mehr versprochen; F ich j2 ^ ich bin begierig zu hören, was er über LeßlNgs Le^ ctü're sagen wird. Ich leugne aber nicht, daß ich eine kleine boshafte Freude habe, daß die kleinen deutschen Magisterchen, wie er die Gelehrten seiner Landsleute bisweilen verächtlich zu nennen pflegt, auch noch Einsicht und Geschmack genug haben, ihn zu beurtheilen: ich sehe Ihrer Kritik mit Verlangen entgegen. -— Bald hätte ich vergessen , daß Sie mit der Lucina zu thun haben: ich wünsche, daß Sie Ihnen die erwartete Hülse möge geleistet haben, und Sie ißt ein glücks licher Vater seyn mögen! Ich will Sie aber nicht langer um Ihre kostbare Zeit schwatzen, sondern Sie in Gedanken umarmenich bin ewig ,c. Brie- Briefe") Von dem Herrn Abbt. ? . —,— ? - 6^ l Rinteln den 29. Nov. »764. /Aw. Wohlgebornen gütige Zuschrift ist mir heute zugeschickt worden, und hat mir das Ver.znü» gen gemacht, welches ein unvermuthetes Glück alle- mal zu erwecken pflegt. Ich nehme mit Dank und mit Freuden die Freundschaft des Hrn. Prof. Kl0lM an, deren Anerbieten ich, wie die Erfüllung eines alcen Wunsches, betrachte : und mit allem Rechte so betrachten kann. Denn ich bin mir bewußt, daß ich schon vor beynahe vier Iahren meine Hochachtung vor Ew. Wohlgeb. gefasset, und ungeheuchelt bezeuget habe. Wo aber erst Achtung für einen Mann in der Brust sich zeigetda braucht es nur eine kleine Aufmunterung, um sie in Freundschaft zu erweichen. Am Ende des lZten Theils der Berliner Briet fe, werden Sie finden, daß der eifrige und gelehrte F 2 Luthe- Diese Briefe sind ;war in dem -zsten Stücke der Klotzischen Bibliothek, als eine Beylage zu Abbts freund? schaftlicher Corresvonvenz, schon abgedruckt worden? ich habe sie aber deswegen auch in diese Sammlung aufgenommen, weil ich glaubte, daß sie hier an ihrem rechten Orte stünden, und man sie, aus dieser Ursache, «ngern vermissen wmv«. ^ Lutheraner, Hr. M- AiegM / mir die Ehre erweist , mich zu einem Legions^eufel von gleichem Range mit Ew. Wohlgeb. zu machen. Da wir also doch in der Aicgrmschm Hölle dereinst bey gleicher Hiße neben einander brennen sollen'. so lassen Sie uns erst hier noch einander herzlich gut seyn, um alsdann das bey» derseitige Elend wenigsiens durch einen freundschaftlich mitleidigen Anblick einer dem andern zu erleichtern. Dieß ist zwar eine traurige Aussicht, von der unsere Freundschaft anfangen soll', doch sie ist, Gott Lob, nur in einem elenden Zeitungs.'latte vorgemalt, und die Musen sollen un6 hoffentlich bessere Vorzeichen verschaffen. Ich betrachte die-Bereinigung zu einer gemeinschaftlichen Arbeit, wozu mich Ew. Wohlgeb. einladen, als eine wahre Ehre, die Sie mir crweijen , und grösser, als ich sie verdiene. Denn ich bin von schwerer lateinischer Zunge, und zu eifersüchtig, um mich als den einzigen Gothen oder Vandalen unter Römern zu zeigen. Ich kenne die Einrichtung der Schrift überdieß noch nicht; denn ich lebe an einem Drte, wo kein Buchladen ist, und kriege also alles Neue, wenn ja noch, um ein halbes Jahr spater, als andere, zu sehen. Arbeiten von einer ahnlichen Art halten mich noch auf eine Zeitlang angebunden. Ew. Wohlgeb. können daraus abnehmen, daß ich zaghast und mit Mühe zu der Ehre mich werde hindrängen können, mit Männern, die ich hochschätze, in Gesellschaft zu stehen. Aber, was ich zur Befriedigung meines Ver- Verlangens thun kann, soll geschehen. Denn e6 wird ohnehin immer nöthiger, dem Keßergeschrey eimger Leute mit vereinigten Kräften zu widerstehen. Ich verharre mit der vollkommensten Hochachtung :c. Rinteln den 9. Febr. ,»765. 5^ch denke, wir werden die Titulatur an der Spi« ^ he der Briefe bald weglassen können'. Unsere Bekanntschaft scheint mir schon nach und nach alt zu werden. Ich bedaure die Verdrießlichkeit, welche Ihnen Dummheit und Neid erreget habendas akademische Leben hat gewiß äusserer Verfolgungen nicht nöthig, um den Usberdruß , den eS oft erreget, bis zum Ekel zu vergiften. Auf jeder Universität scheint beynahe die Verordnung von oben zu ruhen, daß eineSamm» lung von Köpfen und Herzen da ist, über die man sich wundern muß, ohne sie bewundern zu können; und von denen man sich entfernt halten muß, um sie nicht zu verabscheuen. Ich habe von Hrn. Basedows Streitigkeiten gehört, ohne irgend eine der beyderseitigen Schriften gelesen zu haben. Herr BüsedDW wird hoffentlich finden, daß es besser sey, in die Hände sündiger Litteraturschrciber zu fallen, als in die Hände hei.iger Götzen. F z Der ^ ^ Der Herr vonMvser hat in seinem zweyten Theile vermischter Schriften den Litteraturbriefcn mit dür« ren Worten gehäßige und feindselige Absichten gegen die christliche Religion Schuld gegeben', warum? weil wir den ersten Theil dieser Schriften nicht sehr ge'obt haben : ich hege eine starke Vermuthung, daß wir den zweyten Theil noch weniger loben werden: und dann kann uns nichte geringeres, als der Atheismus Schuld gegeben werden» Auf Ostern, denke ich , wird eine kleine Schrift, etwa ein halbes Alphabet stark, von mir herauSkom) men, deren Titel ist: Vom Verdienste. Da ich da-i rin einiges ganz dreiste hingeschrieben habeso erwärm ts ich die ganze Wuth der Scheinheiligen. Mit gegenwartigem Briefe schicke ich an Ew. Wohlgeb. eine Lebensbeschreibung vonBaUMgarteN, die gegen alles Vermuthen in Halle herausgekommen ist. Ich hatte sie im Jahre 176z. in unsere hiesige Wochenblatter eingerücktund nun erscheint sie An. 176-;. besonders. Der Hallische Censor hat eine Stelle, wie ich sehe, weggestrichen,die auf verachten Seite nach den zwey Strichen hatte stehen sollen, und so lautet. „ und die Abneigung gegen dieselben für „ das untrüglichsteZeichen der Sinnesänderung an» 5, gesehen wurde. Ueberhaupt stellt diese Periode ein „ Gemälde des Lächerlichen auf, daS * * * * dieß- „ mal eigen ist. Es verlohnt sich auch ißt noch der „ Mühe zuzusehen, wie durch Veranstaltung einiger „ Theologen der Philosoph als ein Gotteöläugner zum „ Lande hinausgejagt wird, weil er Mir einet!/ „ aber „ aber desto stestem Beweis vom Daseyn Gottes „ gegeben, und als ein Feind der Tugend und Moral verabscheuet wird, weil er historisch an- „ gerühmt hatte, daß TonfuciuS sehr gute Grunds „ säße darüber vorgetragen habe. ,» Diese arme Stelle ist vertilget. Wenn der brockurs in den Göttingischen An- zeigen, mit zweyen Worten erwähnt würde, muß» te es mir lieb seyn , da sie doch nun einmal bestimm met ist , das Tageslicht auf ein Jahrlang etwa zu sehen» Weil ich ißt von den Göttingischen Anzeigen re- de, so will ich Ew. Wohlgeb. zwo Fragen, dieselbe betreffend vorlegen: i) ob der Jahrgang in locoei- nen halben Louisd'or koste? 2) ob Sie sodann einen Jahrgang für mich aufnehmen, und ihn, nämlich den laufenden, alle zwey oder drey Monate mir übersenden wollten? Ich hatte mir vorgenommen, den Taci'tus einmal in meinen alten Tagen zu übersetzen, und mich unterdessen an einigen seiner Stellen zu üben. Allein , e6 giebt rüstigere Leute, als ich bin. Im MeßcataloguS finde ich, daß auf nächste Ostern Taciti sämmtliche Werke verdeutscht herauskommen sollen. Glück zu? Unterdessen will ich doch noch über meinen TacituS ein paar Fragen an Ew. Wohlgeb. thun: 1) ob Sie meinen Einfall billigen, den ich in den Briefen der Litteratur kund gegeben habe, daß die verdorbene Stelle verum snimum 6i- sxlicsre, (wo so viele vrerum Ännuum seßen) so zu lesen sey: verum, gnimum äiHlicsrs? s) ob Si? F 4 mir 88 ^ mir nicht Nachricht geben können , was für alte deutsche Uebersetzungcn vom TacituS schon heraus seyn? Doch es ist billig, daß ich mich erinnere, daß mein Vergnügen, mich mit Ew. Wohlgeb. zu miterhalten, aus Kosten Ihrer edlen Zeit gehe. Gönnen Sie mir ferner Ihre freundschaftliche Gewogenheit, und zweifeln Sie nicht an meiner aufrichtigen Hochachtung:c. Ninttln den 21. Merz 1755. 4^ch habe mich zurückerinnert, daß ich aus Ueber- sehung zwo Fragen Ihres vorhergehenden Schreibens unbeantwortet gelassen I diese sollen dießmal erst noch nachgeholt werden, ehe ich Ihnen für den letzten Brief, der mir richtig zugestellet worden , danke. Die Schrift, von welcher Sie den Hrn. Dvfth als Verfasser vermuthen, und auch nicht vermuthen, ist mir ganzlich unbekannt. Herr Dusch scheint mir nicht so schlecht zu seyn, als er sich in einigen seiner Ausarbeitungen unstreitig gezeigt hat, ob ihm gleich, meinem Erachten nach, bey der Beurtheilung derselben harter begegnet worden, als vielleicht eine traurige Situation, in der er sich damals mag befunden haben, verdient hatte. Tgo vsc Ms msculis 5u> xrz moclum oKenclor, ^»d/ erinnere bey dieser Gelegenheit , daß Sie nur die Briefe, ohne sie einzuschlagen, gerade auf der Post an mich ablaufen lassen , da sie mir sonst schon ein paarmal etwas lange zurückbehalten worden. Ich bin mit tzen bekannten aufrichtigen Gesinnungen?c. Ninttlndm z. Jul. 1765. 6^ch sollte Ihr Lehrer seyn? ich schabe mich glück- ^ lich genug, wenn ich Ihre Gedanken über das Verdienst erreicht habe. Sagen Sie frey heraus, was Ihnen mißfallen hat. Denn schwerlich ist es mir gelungen, besonders mit dem Maße beS Verdienstes alle zu befriedigen. Herr Mosös z. E. ist gar nicht mit meinem Schciftstellermaße zufrieden, und glaubt, daß ich blos auf die Extension, und nicht genug auf die Jntension dcS Verdienstes dabey gesehen. Was kann ich thun? eö ist mir lieber, daß ich mitvernünft tigen Leuten verschiedener Meynung bin alS mit Nar; ren. Jene machen mir vernünftige Einwürfe, diese würden nur gegen mich schreyen. Ich erkenne meine Sünde, daß ich Hr. zu viel gelobt habe, und werde vermuthlich nun dafür büssen. Dann ich hatte wissen sollen, daß zu den unersättlichen Dingen des Salomo noch ein viertes gehöre', mancher Gelehrter nach Lob. Doch ich ge- stehe es Zhnen aufrichtig, daß ich noch immer lieber auf diese Art fehlen will, als aus die andere. Ich habe oft wider Willen den Ton der litterarischen Briefe ange- 94 W A angenommen, und bin auf eine gewisse Art froh, daß sie aufhören: denn ich fürchte immer, zufalliger We» se jemand zu schaden, und verflucht sey der Einfall, der dazu aueschlüge. Sagen Sie mir, ob Sie mit der Uebersehuiig des Stückes aus dem Lucian zufric» den sind. Sonst kann ich wohl sagen, daß ich mich fast bey keinen Briefen so sicher weiß, als bey denen gegen Hr. — Ihr Polyglotten Vi6a würde mir ganz wohl gefallen. Wenn ich mich todt suchte'. so würde ich es nicht finden: aber gelesen habe ich es kürzlich, daß Ihr Vicia zu einem platten Dichter ge» macht worden. In einem Französischen Journal muß es stehen. Eö erfordert einen Mann, der mehr weiß, als ich, um Ihnen zu sagen, wie sie das l'Mtnu mouvant der Wissenschaften von BacvNs Zeit an, bis auf unsere herunter vorstellen sollen. Wenn ich mich nicht gctrauece, auf alles mich einzulassen i so würde ich etwa nur das anführen, was nicht verbessert worden, um zu zeigen, obBacvauch das Nicht —verbessern Vorausgesehen, und woran eS liege. Ich habe ein» mal eine prachtige Ausgabe der Werke des BacvN in der Hand gehabt, die der sel.Oberconsistorialrath Baumgarten zu Berlin besaß. Darin war immer der Englische Text, wenn auch das Original lateinisch geschrieben war, mit abgedruckt. Wird Ihre Aus» loge auch so werden? Herr Nicolttt vertheidigt seine allgemeine deutsche Bibliothek auf Kosten der Deutschen. Die pro« fanen Herren, sagt er , die in einem Buchladen keine Predigt ansehen, und kein theologisches Journal !?sen, wissen ^ ^K. ^ wissen nicht, wie viel Predigten jährlich Herauekommen. Ich lasse Sie dieses auf einmal erblicken, und nun erstaunen sie. Dieß ist schon gut - aber es ist doch immer schrecklich', so viel Predigten auf einmal einem vorzulegen, und zu loben. Ihre Nachrichten von**** sind sehr erbaulich, und die Herren **** in **** lassen sich vielleicht in zwo Klassen bringen; nur die dritte der Humani- sten fehlt. 5*** hat e6 sehr nöthig, daß die Stud. eine andere Beugung ihres Fleisses annehmen, der ofte sehr unnüße verwandt wird: und ich wünsche Ihnen Glück, daß Sie dieses Verdienst um einen grossen Theil unserer studierenden Jugend davon tragen. Mir deucht zu der sten Auflage von Herrn 55555 hghe ich mein Bißchen Haab und Gut zur Tharacterisirung ^^** ganz inkognito hergeben müssen. Ich will eS nicht gewiß behaupten, weil ich die erste Auflage nicht gesehen; aber es wäre erstaunend , wenn wir uns in gewissen Nuancen, die ich gebraucht, ehe Herr **** geschrieben, so ungefähr antrafen. Leben Sie wohl, mein hochgeschätzter Freund, und lieben Sie serner :c. Rinteln den so. Nov. 176Z. ben, da ich mich gegen Sie freuen wollte, daß ich Sie aufOstern als meinen liebsten Collegen in Halle sehen würde- eben in dem Augenblick verändert sich mein ganzes Schicksal. Ich verlasse nicht nur N'nceln, sondern alle Akademien, und gehe als wirk- wirklicher Hof-und RegicrunqSrath, und als Freund zum Portugiesischen Feldmarschall, Sr. Durchlaucht dem regierenden Grafen von Schaumburg-Lippe. Ich muß Sie also bitten, mich noch langer in der Ferne zu lieben, und mir Ihre Liebe und Freundschaft in Briefen zu erkennen zu geben. Wenn Sie, der Sie in Leipzig bekannt sind, eine kleine Nachricht von meiner Veränderung in die dortige gelehrte Zeitungen können einschalten lasien: wird eS mir gar lieb seyn. Nur bleibt das („als Freund,,) weg. Herrn 5^5* ^ Freyheit weiter fort zu schimpfen, ohne daß ich ihn darum kranken werde. Wie er aber aus dem offenbaren Druckfehler mit 55555 ein Aufhebens machen kann, begreife ich nicht. Denn ich konnte ja nichts anders, als von ihm abschreiben, wie ich die Stelle citirte, und also war es nicht möglich eine Verwechselung zu machen, an der im Grunde wenig gelegen wäre. Hch glaubte daß sie auf diesen 5^555 ^ ^-^^ Briefe zielen. Für Ihre Anmerkungen über meine Schrift bin ich Ihnen unendlich verbunden. Ich bin allerdings in den falschen Geschmack einiger neuern Fahre gefallen, dem zu Folge man auf biblische Stücke anspielt: ich werde, wenn ich eine neue Auflage erlebe, verschiedene ausmir/n. In das ste Stuck der deutschen Bibliothek habe ich die Recension von Meters Betrachtungen gegen den d'Al'gens über Julianen gemacht, und meine Gedanken frey gesagt. Auch noch ein Paar andere unter unter eben dem Buchstaben. Aber nunmehr werden wohl alle Verglichen Arbeiten aushören, und da ich mcistenS aus d^-r Streicbahn der Autoren heraus» treteso bleiben Sie ja soweit mein Freund, daß, wenn ich unbillig oder tückisch angegriffen würde, Sie mich benachrichtigen, unv mir etwa Platz zu einer Vertheidigung verschaffen. Bey dem grossen, Haufen Schwärmer, den man gegen sich hat, müssen, deucht mir, Leute, die gleich denken, auch an einander halten» Leben Sie wohl, mein schaßbarster Freund, und lieben Sie ferner:c. l--" ——.................... ^ Ninrcln den 23. Nov. 17S5. einem Schreiben, das an Hrn. GebaUtt ein» -x) geschloffen war, habe ich Sie gebeten, eine Nachricht von meiner Veränderung in die Leipziger gelehrte Zeitungen einrücken zu lassen. Bey reiferer Ueberlegung halte ich dieß nicht für ralhsam, wenigstens für itzt noch nicht, und ersuche Sie also durch gegenwärtiges, auf meine erste Bitte nicht zu achten , sondern dieses letztere bey sich statt finden zu lassen. Nächstens mehr. Verzeihen Sie mir das Horco für einen unnützen Wisch. Hch bin lc° / G 3hc Bückeburg den 29. Dec. 176Z. L?hr leßtcr Brief an mich enthält alle Proben der ausrichtigsten Freundschaftund ich danke Ihnen herzlich dafür. Versichern Sie sich, daß ich mir es allezeit zur Ehre und zum Ruhm rechnen werde, Ihre Freundschaft mir erworben zu haben: und daß ich sie an meiner Seite mit Eifer unterhalt ren würde, wenn ich auch der eigennützigste Mensch von der Welt Ware, weil sie mir so nützlich ist, und seyn kann. Ich habe die ganze Lage, in die ich zu kommcn würde, vorausgesehen, und war entschlossen, mit zugedrückten Augen in den Sumpf zuspringen; mit den Fröschen so harmonisch al6 möglich zu quacken, und wennS nöthig, Koth um mich zu sprudeln, sobald ich erst mit zugedeckt seyn würde. Da man mich gleichsam unbefragt nach Marburg schicken wollte: so hielt ich c6 für besser, Universität für Universität, an einem Orte zu seyn, den ich selbst gewählt hatte. Und wo ist denn wohl daö Vorzügliche tinter der Universitätenwahl? Ich weiß nicht, wie sich die Schwierigkeit mit der dortigen Facultat würde gehoben haben: allein, ich weiß wohl, daß ich eher würde weggegangen seyn, als eine Äusschliessung erduldet haben. Nun vorißt? gehabt euch wohl, Fakultäten. Nicht nur die Universitäten; auch unser eigentliches gelehrtes Wesen in Deutschland, und das fast unvermeidliche Zanken darin, wenn man vornehmlich ^ lich den Handwerkeschild aushängen hat, wurde mir lästig'. u«d so habe ich mit Freuden eine Gelegenheit ergriffen, wo ich die Musen zu Maicresscn haben kann, anstatt mit ihnen in einer langweiligen Ehe zu leben. Nicht als ob ich mir iht lauter arkadische Freuden verspräche. Jeder Stand ist das, wozu man ihn macht; und sein Schweif von Unbequemlichkeiten schlagt einem über kurz oder über lang an das Schien« Kein' aber das ist doch auch wahr, daß die Eesich« ter, die man zunächst um sich sehen muß, sich imt den verschiedenen Standen abandern, und dabel^ kann man viel gewinnen', so wie wohl einer einen Kirchstuhl verkauft. Er muß etwa auch an der neuen Stelle eine schlechte Predigt hören I ober er ist doch unange- nehmer Kirchennüchbarn losgeworden. Ich wünsche, daß Sie, mein schätzbarster Herr und Freund, auch mit dem neuen Jahre alles erHals ten, was sie verdienen und begehren. Das erstere ist viel, und das andere maßig. Also kann der Him- mel das M'ttel treffen, und sie damit vergnügt machen. Nun warum ich eigentlich noch schreiben wollte, sind die Zeitungen, die Sie in Halle herauszugeben versprechen. Kann ich mich an Sie immediare ad» dreßiren, oder muß ich sie in Minden besorgen lasten ? Ich habe Ihre ^.ÄA lürrersrls noch nicht von meinem Buchhändler erhalten. Den inliegenden Brief werden Sie wohl an die Addrssfe bestellen. Vsls et taue. G 2 Gegen- Bückeburg den zc.. Marz 1766. /gegenwärtiges ist nur ein AnmahnungSschreiben, um zu hören, ob Sie sich meiner noch erinnern. Denn daß Sie noch leben, sehe ich auS ihren Arbeiten, czui Kloxium lxir-mr. Ich habe mir Ihre I.itter3riÄ und Ihre Zeitungen kommen lassen: und lese beydes, wie Sie leicht denken kommen, mit Vergnügen. Ich freue mich, Ihren Freund Herrn **** zum Gesellschafter an der Welthistone zu be> kommen, und bitte Sie, mich ihm unbekannterweise zu empfehlen. Mich soll wundern, ob Ihnen de Ton, den ich im Auszuge der alten Historie angenommett habe, gefallt. Aber wer hat das neue Avercissement gemacht? Ich schäme mich, dort Lobeserhebungen von mir zu lesen, über eine Arbeit, die nicht fertig ist. Man könnte denken, daß ich sie einrücken lasse. Aber meine Freunde wissen, wie weit mein Charakter davon entfernt ist. Zu meiner Demüthigung wollte ich gerne abdrucken lassen, waö Herr * * * * von mir geschrieben hat, wenn man es nicht für einen versteckten Stolz halten könntt. Leben Sie wohl, und beweisen Sie mir, daß Sie mich nicht vergeft sen haben- Ich KK/! ^< IQ l Bückeburg den 21. Sept. 1766. 5^ch habe aus den gelehrten Zeitungen erfahren, daß o.) Halle Sie behalt. Ich bin froh darüber, und wünsche, daß Sie damit zufrieden seyn mögen. Herr Gebauer schrobt mir auch, daß Sie in meine Stelle beym Auszug treten werden. Darüber muß das Publikum eben so froh seyn, als ich es bin. Sie mögen denn die einzelne Bogen, die von mir herrühren, zu Gotteö Ehre neben Ihren künftigen erziehen , so wie sich ein Vater zuweilen über Kinder aus erster Ehe, die ihm zugebracht worden, erbarmet, und ihnen als Stiefvater besser forthilft, denn der rechte hatte thun können. Ich glaube mit Ihnen, daß einige triviale Reflexionen in gedachten Bogen stehen geblieben, die billig hatten auSgeftrichen werden sollen. Dieß würde noch öfters so gekommen seyn, wenn ich diese Arbeit beybehalten hatte, weil ich eine Ausarbeitung von Rechtswegen einige Monate muß ruhen lassen, ehe ich in die Laulichkeit komme, um das Unschickliche und Ueberflüßige wegzustreichen. Aber eben diese Pause hat mir gefehlt, und würde mir immer gefehlt haben. Dieß ,st für das Publikum keine Entschuldigung: aber mir deuchc, ich entschädige es durch meinen Abtritt. Was den Ton betrift, liebster Herr und Freund, den ich im Auszuge gewählt habe: so müssen Sie sich einzig und allein damt befriedigen, daß er mir so gefallen hat. Ich müßte Ihnen die Analyse von meiner G z gan- 102 ^ -L^ ganzen Art, dergleichen alte Geschichten zu betrachten, machen'. wenn ich es vorhatte, Sie auf meine Seite zu bringen, tlnd am Ende wurde Ihnen doch ein anderes Gesicht besser gefallen. Der Ton einer Schrift ist, deucht mir, wieder Accent, den der Verfasser im Sprechen hat. Er kann ihn nicht gut andern, weil er grossentheilS von der Gewohnheit, und von dem Eindruck, den die Gedanken auf ihn machen, abhangt. Deswegen mißfallt er dem einen, und einem andern wird er gar unerträglich. Ich habe aus Ihrem Schreiben nicht abnehmen können, ob das, waö Herr ^ wider sch^i» ben will, seine lateinische Dissertation, oder ein gan; neues Lerk ist; und ferner, wo wider es gehen »oll. Ich weiß ganz gewiß, daß ich mich in gar keine Streik tigseit mit niemanden einlasse, deines gefallen mög, meine Arbeiten anzugreifen. Persönliche Zumuthun- gen werde ich an den gehörigen Orten , und aus die schicklichste Weise, aber nicht vor dem Publiko abzutreiben suchen. Also, willkommen Herr^*^^! fri> cassren Sie mich als Autor vor allen Asnsroüsz.I^o diliil. 0ms ^uäitor. Lommil. asüum. so lange und so oft es ihnen beliebt. Ich empfehle mich Ihrer Gewogenheit und Freundschaft, und versichere Ihnen meine state Hoch- achtung. ^ >- ^ ^ Briefe Briefe von dem Herrn Gleim. Halberstadt den 5. Icnner 1766. März des vorigen IahreS war ich zu Berlin ^ so krank, daß ich ansieng an meiner Genesung Zu zweifeln; ich entwarf meinen lehten Willen, und vertheilte meine besten Bücher unter meine Freunde. Für Ew. Wohlgebohrnen bestimmte ich den Pinischen Horaß! Zwar habe ich daß Vergnügen nicht, unsern deutschen Horah und Ariftarch persönlich zu kennen, dennoch weiß ich, daß ich Ihn zu meinen Freunden zahlen darf? Alle seine fürtrefflichen Schriften lese ich mit grossem Vergnügen, und war sein Lobredner schon damals zu Berlin, als man daselbst seinen Namen noch nicht wußte, wie sollte ich eS als nicht w,ssen? Jht, da ich von neuem krank bin, m^cilzz 6c nc>u» tebrium conors incumdir, aber noch lesen kann, iht ergötzen mich seine schönen Gesänge, und seine Oxulcul--. In dreyen Oden erkenne ich den Freund von meinem sel. Kleist! Unter den vielen großen Verdiensten, die ich wahrnehme, ist dieses, daß er meinen Kleist besinget, nicht das Geringste. Die Ddc allein, die sich ansangt: nc>5 amsmus, verdient den Lorbeer der Musen, und den Dank der Freundschaft. G 4 Ew. AO4 Ew» Wohlgebornen erlauben, daß der Pinischö von dem sterbenden Freunde meines Kleistes schon im vorigen Jahre zugedachte Horatz diesen Dank Ihnen ihc überbringe, und gönnen ihm in Ihrer Bibliothek, bey Ihren übrigen Horatzen, einen Platz zum freundschaftlichen Andenken dessen, der mit der roll, kommensten Hochachtung gewiß von ganzem Herzen ist:c. Halberstadt den 14. Iulii 1766. ÄAaS sagen Sie dazu , wem werthester Herr Pro; fessor, daß ihr kranker, ihr noch immer kran-, ker Freund, mit einem Fuss im Grabe noch immer anakreontisiret? Schon längst war Ihnen ein Exemplar von seinen Liedern nach dem Anakreon zugedacht, aber er wollte es erst sauber einbinden lassen, und eö Ihnen selbst überbringen. Mit dem gebundenen Exemplare halt ihn der Berlinische Buchbinder zu lange auf, und an der Reise wo nicht ganz zu Ihnen nach Halle, dennoch auf die Hälfte des Weges nachLauch- stedt verhindern ihn seine Geschäfte! Es mag also cm ungeschmücktes Exempwr voraus wandern, solche Lie- derchen verdienen keinen bessern Schmuck! Mehr für unsere deutschen Schönen, oder welches besser klingt, für unsere Madchen, als für unsere großen Kenner gesungen, werden sieden Beyfall eines Mol? sich schwerlich erwerben ? Für diesen Athenienser wurden sie einmal auf eine ganz andere Weise gesungen; dem Och ^ !^ z^>^ Lciginal so getreu, wie der gctreueste Schäfer seiner Schäferinn; und von Diesen Liederchensende ich Ihnen, bey etwas mehr Muffe, einmal eine Topie, wenn ich Ihnen mit solchen Kleinigkeiten beschwerlich fallen darf. Aber was höre ich? Sie wollen uns verlassen? Sie wollen, mein werthester Freund, so weit von unsern Gränzen sich entfernen? Zugleich höre ich, zu meinen, Troste, Sie müßten bleiben, der fürtreffiichs Fl'iebench wollte Sie nicht ziehen lassen. Es sey nun, daß dieses Ihren Wünschen gemäß sey, oder nicht, so freuet es mich doch von ganzem Herzen, wenn es nur wahr ist, daß Sie bleiben. Sagen Sie mir, ich bitte Sie recht herzlich, sa> gen Sie mir doch bald, was daran ist; vielleicht sage «ch zur Dankbarkeit Ihnen bald mündlich , daß ich mit der unveränderlichsten Hochachtung bin zr. Lauchstedc den -.Sept. 1766. L^ch danke Ihnen mein werthester Freund, für c^) Ihren Viäa! Sie hatten mir kein angenehme- reS Geschenk machen können! Allenthalben findet man in Ihren Schriften zu lecnen. Könnte man einem so gelehrten Mann doch auch einmal was lehren! Wissen Sie z. E. daß NttMler das Schachspiel in poetischen Versen Nachgeahmethat? Das erste Buch davon habe ich vor vielen Iahren für Liebhaber der schönen Wissenschaften abdrucken lassen. So bald ich G 5 zu zu Hause bin, sende ich Ihnen ein Exemplar davon! Aber gehört dieß ;u wissen, auch zur Litteratur ? Wir Deutschzelehrte glauben es i Wie dürfte ich einen solchen Griechen und Römer, wie mein Klotz ist, nur irgend in Verdacht haben, aus der alten Litteratur etwas nicht zu wissen. Im Lesen Ihres Kommentars, mein Freund, kam ich von diesem Morgen um F Uhr an, biSpÄ^. 79. und beschloß meine Lektüre mit den vier Zeilen an meinen künftigen Sohn: Apelles lehre dich, willst du die Venus bilden Unv willst du Gatter dir erschaffen, Phidias! Willst du mit Mädchen gehn in lieblichen Gcfil>?n, So führe Vida, dich und Klotz auf den Parnaß. Den dritten VerS soll mein Sohn verbessern. Leben Sie beständig vergnügt, mein lieber Kldß, studieren Sie nicht zu viel, und vergessen Sie nicht Ihren Freund und Verehrer zc. M>'U«NIM»»MiSWM»«WWe»>»»SSi>M>»»«Ml>>IIUi»»>^>!»»» MI Halberstadt den 8. Febr. 1767. 5Hch habe eö recht wohlverdient, mein theuerster ^ Freund, daß Sie auf Ihren neuen TvrtauS mich so lange warten lassen. (AuS Ihren Handen muß ich ihn empfangen, daS versteht sich , er ist mir dann noch einmal so theuer und werth.) Denn ist eö nicht wahr, nach so viel Beweisen der zärtlichsten Freundschaft war mein steifes und langes Stillschweis gen gar nicht zu vergeben. Wüßten Sie aber, wieviel Arbeit nach meiner Zurückkehr ich nachholen mußte, und und wie krank ich ein paarmal wieder war, Sie sollten doch wohl mit Ihrem GleilN einiges Mitleiden haben. Bon Woche zu Woche glaubte ich einen -Tag zu finden, den ich meinen Freunden, und den Mus sen ganz widmen könnte, aber ich schwöre eS Ihnen, nicht diesen einzigen Tag konnte ich finden. Gezwungen also, denn wie konnte ich eS länger verschieden ? sage ich mit dieser störrischenWne eines Akten^reichers Ihnen nur kurz, daß diesen ganzen traurigen Winter hindurch mich nichts vergnügte, als das Andenken an das Äergnügen, das meine Freunde den vorigen Sommer in Lauchstedt mir machten. Den mshresten AntheilVaran hatte mein grosser gelehrterMvtz/ eines noch hatte ich, ich las Ihr Urtheil überLeßlNgs Lao« coon. Wie sehr zu beneiden sind Sie, mein theuerster Freund. Allen Ihren Schriften sieht man es an, daß Sie mit ganzer Seele bey Ihren lieben Musen sind, ohne durch eine Menge von Zerstreuungen alle Augenblicke einmal in dem Umgange mit ihnen gestös ret zu werden. Wie wäre es sonst möglich eine so erstaunliche Gelehrsamkeit zu besitzen! Wir andern ge« plagten Leute, wieselten können wir eine Schäferstun» ge mit den fürtrefflichen Mädchen ungestört verbrins gen. Mit Ihren Erinnerungen kann und wird Herr LeßtNg eben so zufrieden seyn, als mit Ihrem Lobe. Wenn Sie loben, mein liebster Freund, so hört man eine der Musen. Die Worte sind so harmonisch, eine Grazie vergaste zu erröthen, wenn sie ins Gesichte also gelobt würde ! Herr LeßlNg selbst hat mir noch nichts darüber gesagt/er ist nach Hamburg verreiset, und man sagt, er sey daselbst Direktor der Schau? spiele ,oS ^ spiele mit 1000. Rthlr. Gehalt» Bisher hatte ich noch immer die gute Hoffnung, daß man ihn zu Ber- lin festhalten wurde, es scheint, wir sind aufden Ruhm des deutschen Athens nicht eifersüchtig; zu Wien, Leipzig, Hamburg, Maynz. haben wir Bühnen, welche wird uns einen Sophokles geben? Mit der vollkom- mensten Hochachtung und zärtlichsten Freundschaft bin ich auch denn, wenn ich schweige, mein theuerster Freund Ihr zc. «^-^ meinen Brief an Sie, den ich schon am 8tcn anfieng, zur Post schicken will, empfang ich Ihren TyrcauS. Was für ein fürtrefflicher Mann sind Sie, was für ein Freund ! Mein fatales Stillschweigen hielt Sie nicht ab, mich mit dem fürtrefflichen Geschenke zu erfreuen. Ich war auf dem Punkt, weil ich mich nicht wohl befand, zu B'tte zu gehen, alle Lebensgeister kamen auf den Anblick Ihres TyrtauS zurück, wie da, als Doris mich mit einem Kusse vom T>, de rettete. Und nun ward TyrtZuö gelesen, und KlolzMs, die ganze Welt war nun todt —Könnte ich ihn nur erst auch studieren. Wie aber, liebster Freund , kömmt eö daß Sie xzx. 49- auch an den Tod gedenken? Rosen und Lilien auf Ihr Grab streuen, so'len erst meine KindeSkinder? Sie waren doch nicht krank? könnte ich Sie doch den Augenblick Halberstadt den 14. Febr. 1767. mein liebster Freund, da ich umar- umarmen, und Ihnen für alle die schöne Arbeit, die,- Sie mir und allen Liebhabern zu gefallen, übernehmen, einen recht dankbaren Kuß geben. Was für unbeschreibliche Gelehrsamkeit, liebster Freund! Noch einmal ! Wie glücklich sind Sie, daß Sie so ganz Ihren griechischen Musen sich überlassen können! Wie könn- te ich es wohl anfangen, Ihnen meinen ganzen Beyfall zu sagen? Ich komme zu Ihnen, oder Sie zu mir, das ist der einzige Weg. Womit ich den traurigen Winter hinlebte ? fragen Sie mich I ich that meine den Sommer hindurch versäumte Geschäfte, war oft krank, arbeitete an dem Manuscrivte zu der Ausgabe meiner sämmtlichen Werkchen, sang zur Erholung ein Liedchen oder Sinngedichte , von diesen sehen Sie hier gleich eines. Ich bekam ein Schreiben aus Madrit, von dem jüngern Herrn Klvpstock/über den dort sich aufhaltenden grossen MengS, und just las ich in meines Klotzen Werke, Sie werden eS also leicht sehen, wovon es eine Nachahmung ist: ÄloH *), Leßing, Hagedorn, ihr grossen Kenner, Menas, unser Raphael, malt einen Philoctet, In Thränen schwimmt sein Auge schon , sein Schmerz Ist unaussprechlich! wess-n Herz Bleibt ungerührt? Ich seh den weisen Maler an, Und aufgebracht sag ich: Ein ander mal, Erwecke solchen armen Mann Doch nicht zu neuer Vual! Mit solchen Kleinigkeiten nur darf man sich zu thun machen, wenn man nur verstohlen den Musen sich ergeben darf. Leben Sie doch den Musen, und Ihren IIS KH/. ^ Ihren Freunden immer so gesund, so vergnügt, als cö wünschet Ihr zc. Vermuthlich hatte Herr Glei'mden Anlaß zu diesem Sinngedichte, und auch wohl zugleich diesen Briefver» gesscn, da er die Aufgabe seiner Sinngedichte reranstal, tete: denn sonst hättecr, glaubich, den Namen AlotZ in selbiger hier nicht weggelassen. aber die Erklärung, die Herr Glcim, in einem Briefe rom 2ö.Dec. 1770, dem Herrn ^lotz hierüber thut, mitdemüber- einkömmt,was er in diesem Briefe sagte, mag er selbst entscheiden. Sie lautet also: „ Das Sinngedicht: ?Leßing, Hagedorn?e. war ^, vorher gemacht, ehe ich meinen Bloy noch kannte. „ Die erste Handschrift wurde zum Drucke weggegeben, „ und vergessen, daß ich in einer Abschrift meinen „ Vlcizden bcydenandern grossen Kennern beygefüget „ hatte. Daß Sie diese Vergessenheit nicht bemerkten, „ mein theurer Freund, dafür dank ich Ihnen. In „ der neuen Auflage der Sinngedichte soll es hergestellt „ werden, Sie mögen nun bey L^ßing stehen wollen oder „ nicht. Die unparthcyische Welt wird es finden, daß „ ihr da beysammen an der rechten Stelle steht. „ Halberstadt den 29. Julii 1767. H H nd könnt ich meinem Klotz weiter nichts sagen, als daß ich sein Freund, und sein Bewunderer bin, so muß ich dennoch mich loSreissen, und Ihm schreiben. Ja , doö muß ich, bester Freund! Welch ein fürlrefflich Geschenk machten Sie mir mit Ihrem kleinen Buche von dem Geschmacke in Münzen :r. Wie riß ich cS an mich, mit wie viel Vergnügen las ich es zehnmal, wieviel wichtiger als alles Lob, war mir das Beywort, das ich bey meinem Namen fand, und ^ ^ >^d/« III und doch blieb ich Wochen lang meinen Dank für ein so angenehmes Geschenk schuldig.' Wie konnte ich andere? Nur einen gesunden, und zugleich ruhigen Tag, nur einen, und ihn zu Gesprächen mit meinen Musenfreunden anzuwenden, hoffte ich von Tag zu Tag zu erleben; allein, ich schwör es bey meiner Freundschaft, nicht diese kleine Hoffnung wurde in den dreyen Monaten erfüllet. Und nun, mein liebster Freund, nun ist beschlossen, gewaltsam mir mehr al6 einen ruhigen Tag zu verschaffen. Man wolle mich lassen oder nicht, so reise ich davon, und überbringe Ihnen meinen schuldigen Dank in eigner hohen Person» Sind Sie, mein werthester Freund, damit zufrieden? Den istcn Aug. nämlich denk ich nach Lauch- stedt abzureisen, den zten aber bey Ihnen in Halle einen Besuch abzulegen. Unterdcß, mein Werthester, lesen Sie beygehende Kleinigkeiten, und sagen mir dann, ob etwas Ihres Beyfalls würdiges darunter ist, damit eS, in der Ausgabe meiner Werk» chen, an der ich ißt mit etwas mehr Ernst, als bisher, arbeite, aufgehoben werden kann. Dem Herrn Prof. Meyer und Iacobi bringe ich Ihre Exemplare mit, wenn ich sie unterdessen noch von Berlin erhalte. Ihnen, meine wertheste Frau Geheimderathinn, denn Sie stehen doch eben bey meinem Freunde, Ihnen sage ich, für Ihr gutes Andenken an mich, den zartlichstcn Dank, und versichere Sie, mit meiner besten Aufrichtigkeit, daß ein grosser Theil der Freude, die zu Halle auf mich wartet, oder vielmehr, die ich mir verspreche, von der Freundlichkeit abhanget, mit wel- 516 ^ welcher Sie den Freund IhreS^ Freundes aufzuneh' nien belieben werden. Was sagen Sie zu dieser Versicherung', mein werthester liebster Freund! Sie geht von Herzen, das ist gewiß, und wollen Sie mich vergnügt sehen, so sorgen Sie dafür, daß unsere drey Damen, eben so gern,, wie Sie selbst, ankommen sehen, Ihren ge-, treuen Freund :c«. Lauchstedt den 2. Aug. 1767. §^?echc sehr, mein liebster Freund, danke ich Ihnen »-/^ für das Leben Petrachs. Welch ein Werk! Die Franzosen werden noch ganz gewiß werden, was wir waren, Sammler aller unerheblichenÄlemigkeitenund endlich wird ein Erfinder eine Analysin dazu zur Welt bringen. In Wahrheit, die Wissenschaften wandern wie dieGochenund Wenden, und auch der Geschmack wandert von Ost zum West. Was für Folianten, wenn alle besungene Madchen einen solchen Geschichte schreibcr finden? Indeß lese ich doch vieles mit Vergnügen. Z. E. wie er Voltaren wegen seiner entsetz- ilchcn Flüchtigkeit zur Rede stellt? Erführt von unserem Croncgk dle Ode an Thloris 'an, die eine Nachahmung seyn soll, von Petrachs !4ten Lan^ons, der sich anfangt: Liusrs srelclis, e öolci ac^ue eto. Wollte Herr Aacobl mir seinen Petrach senden, oder mir diesen Lsn^ons und Cwnegks Dde an Chloriö abschrei- ^ IIA abschreiben lassen, so würde ich es ihm sehr verdanken. Weil ich mich nur in solche Kleinigkeiten ein> lasten darf, so möchte ich doch untersuchen, wie weit dieser weitläufige Kunstrichter in dem Streit mit Voltairen Recht hat. Gestern konnte ich nicht zu Ihnen kommen. Es war unausstehlich heiß! Ich komme, sobald sich daS Wetter gekühlt hat! der arme Freund Meyer, auf seinen heutigen Pickenick! Wenn Sie dabey sind lieber Freund, so tanzen Sie ja nicht, und wenn Mel- pomene selbst Sie zum Tanz fordert, ich babe schon einen Freund durch eine Erhihung beym Tanz ver- lohren. Warum habe ich nicht das Vergnügen, Herrn Riedel bey mir zu sehen! Er wird doch nicht schon wieder nach Jena seyn? Ist er so gü- tig, und nimmt den Weg über Lauchstedt, so laß ich ihn mit Vergnügen nach Merseburg fahren, wo die Post durchgehen soll, od,r auch wohin er will. Ich umarme Sie, bester Freund, und unsers Freunde:r. W»»«»MMW«S«»S«»»»SIWW«IW«M«IIMMWWWI>»»W»«WS Lauchstedt dm 28 Aug. 1767. Unendliches Vergnügen, mein liebster Freund, ^ machten mir diesen ganzen Tag Ihre fürtreffli, che Akten! Weich ein Unterschied zwischen diesen Klotzischen und den Gleimischen Akten in meiner Dohmstiftöregistratur! Was hätte ich nicht davon mit Ihnen zuschwaßen, wenn ich Zeit hätte! Wie mögen die Trescho, bie Ziegra/ dieBartl)t>mei- H nen I'4 ^ ^ nen 5tll)tz so tief in die Hölle verdammen! Insonderheit ist dem leichtsinnigen d'Al'gens die Wahrheit fürtrcfstich gesaget, und es gereichet meinem Klotz zur größten Ehre, daß die Freundschaft des Kö- nigö, den Kunstrichter nicht bestochen hat, ihm irgend eine Schmeichelei zu sagen. Leben Sie wohl, bester Freund! Es kann Sie niemand so hoch schähen, und so lieben, als Ihr :c. Halberstadt den Z. Nov. 1767. t^hnen, mein bester, liebster Freund, danke ich für ^) Ihren gütigen Besuch.' Mir dürfen Sie nicht danken. Wie wenig Vergnügen konnte ich Ihnen machen, ich armer Kranker! Tausendmal habe ich es meiner Nichte geklagec, daß ich meinem Klotz s» wenig Vergnügen gemachet hätte. Nicht allein mei» ne Kränklichkeit, die hatte ich überwunden, sondern das fatale Generalkapitel war Schuld daran. Wie glücklich wäre auch ich , wenn ein Klotz mein gnadiger Herr Ware? Ware er aber denn auch wohl mein Freund? Zwey und dreyßig Ahnen sind gefahrlich ? nur einen B * * und einen Kleist kenne ich, über die sie nichts vermochten. Mein Klotz wäre der Dritte! An die Ausgabe meiner Werklein denk ich oft genug; aber eine kleine Mühe ist eö nicht, sie zu Stande zu bringen. Mehr Zeit, und mehr Gesundheit ist dazu nöthig. Kein verdrüßlicher Geschäfte, als ^ alö das, seine jugendlichen Arbeiten zu verbessern! Sie wissen es, mein liebster Klotz, wie mit den Jahren der Geschmack sich ändert, man will vollkommen seyn, man will den Beyfall der Klotze sich erwerben, in jüngern Jahren hat man noch kein vollkommenes Ideal, nach welchem man arbeitet. Und dann fehlt cS mir an einem Musen-Freuns de, der hier bey mir wohnte. Wie sehr würde mir daö die Arbeit erleichtern! Indeß will ich meinem Klotz folgen, und allen mir möglichen Fleiß anwenden, endlich fertig zu werden; nur muß auch mein Klotz mit mir zufrieden seyn, und nicht überall die höchste Vollkommenheit fodern: eö kömmt darauf an, ob ich diesen Winter hindurch nur ertraglich gc- fund seyn werde? Sodann denk ich bis Ostern ziemlich weit zu seyn. Von S***Rede las ich die französische, und darin finde ich das angeführte Spielchen m'cht. Die ganze Rede aber ist eines berühmten S^** auch gar nicht würdig. Der gute Mann wird alt! Er sollte seinem Sohne nun die Werke des Geistes überlassen. Schönen grossen Dank, mein lieber Freund, für die schöne neue Historie! Wie werden die sich argern! Ich bedaure den armen wenn er nicht fest entschlossen ist, nimmer in seine Vaterstadt zurück zu kehren. Wir müssen im Ernst daran denken, ihn bey uns zu versorgen zc. i Halberstadt den n. Nov. 1767. Ht>enn Sie mit Ihrer Geschichte der Hölle, -^t) mein liebster Freund, nicht fertig sind, so ist es fürtrefflich! Trotzig kam mit Pfeil und Bogeil Amor auf mich zugeflogen; Kindchen, sagt ich, keinen Trotz! Zeit, sprach er, ist nicht zu scherzen, Tief in meinem Gotterherzen Bin ich bos' auf deinen Klotz! Er, der tief ist eingedrungen, In die Weisheit aller Zungen, Sollte wissen, wer ich bin! Sieh! er sitzt in seiner Zelle, Schreibt die Chronikc der Hölle, E agr kein Wort von mir darin! Das ist es alles, was ich Ihnen sagen kann, denn ich muß den Augenblick meinen Mantel umhängen» Zweene Halberstadt den 22. Fcnner 1768. wcene Briefe von Hncn ^ mein t'^e crsier Freund, ^ bliebe,-, unbeantwortet; viele Geschäfte, Krankheit, und selbst der Besuch unsers lieben kleinen Ja- tobt waren Schuld dqran? Mir thut es recht sehr leid, daß er so wenig Neigung hat, in Halle zu bleiben, oder nur, daß er die Zeit seines Daseyns nicht vollkommen zufrieden zubringet. Denn er scheint, mit diesem seinem Aufenthalte äußerst mißvergnügt zu seyn. UnzalFgemale wünschten wir, wahrend seines angenehmen Besuches , daß unser Klvtz uns nicht fehlen möchte. Für das neue Stück der Bibliothek danke ich meinem werthesten Freunde, dem Verfasser der Kritik über die Lieder der Deutschen! Nimmer hätte ich gedacht, daß der Verbesserungen, oder vielmehr der Veränderungen, so viel waren; dann noch nie nahm ich mir die Mühe, meine eigene Lieder nachzusehen! «eil-ich sie einmal nicht für meine Lieder halten wollte, wenn ein anderer Verstand daran geholfen hätte ? Ein anderes sind Kritiken, diese nimmc der Virtuose seib- sten mit Vergnügen an, aber auch den Pinselstrich einer fremden Hand duldet der Kenner in keinemGe- malde eines grossen Meisters? Meine Kleinigkeiten durften noch wohl entheiliget werden, sie waren die ersten Versuche meiner Jugend , aber an die Meisters stücke eines Naphael mußte kein verbessernder Pinsel H 3 sich ,1» t^i ^ Vck/. sich wagen. Was würde daraus werden, wenn dieser Frechheit kein Einhalt geschahe ? Hatten wir einen Horah, einen Virgil, wenn die Kritik der Alten so wenig Achtung für den Originalcharakter eines Schriftstellers bezeiget hatte? Doch, Sie haben alles darüber gesaget, mein liebster Freund, denn ohne Zweifel sind Sie selbst der Verfasser dieser männlichen Kritik, die meinen vollkommenen Beyfall hat. Den Gedanken, Halle zu verlassen, müssen Sie, mein theurer Freund, nicht haben. Wo finden Sie einen König, der, wie unser Anedench, dem Verdienste Lobreden halt? Ich sihe unter einem Thurm vonRechnungen, eine traurige Beschäftigung I ^ Mit dem Kopfe voll Zahlen, was könnte ich, mein Theurer, Ihnen noch schreiben ? Leben Sie alle» zeit wohl ic. Halbcrstadt den 4. Febr. 1768. ier haben Sie, mein theuerster Freund, hier haben Sie den Huber? Sie können ihn immer so lange behalten, als Sie wollen. Wollen Sie ihn beurtheilen, so machen Sie es immer einmal nicht zu arg! Ich lernte vorigen Sommer ihn kennen, den französischen Deutschen. Er ist ein sehr liebenswürdiger Mann ; der noch viel gute DorsHe hat, eine all- zustrmgc Kritik würde ihn abschrecken, sie auezuführen. Hier ^> ^/ 11^ Hier haben Sie auch den vergessenen SectanuS, »der, wie er eigentlich heißt, den Sergardi, in de« Blainwillischen Reisebeschreibung, 2ten Bandes lste Abtheilung xsx. 342. xzx. Z98. und sonst an inehl rern Drten, finden Sie sehr gute Nachrichten, von diesem Horazischen Satir! Eine neue Ausgabe wäre den Kennern der lateinischen Musen ganz gewiß ein fürtreffiiches Geschenk. Hatten Sie, mein theurer Freund, nicht selber Lust, eine zu besorgen, wie? wenn Sie alsdann unserm Mellsel / oder Ihrem Herel sie besorgen liessen? Ich wollte dann die typographische Gesellschaft überreden, sie zu verlegen« Die Bedingungen sollen Sie selbst machen^ ich will sie suchen durchzusetzen. Endlich, mein liebster Freund, empfangen Sie auch emen Davidischen Klagegesang? Neulich besuchten mich dreye von Ihren Musensöhnen, einer sagte mir, Sie hatten mein Mosaisches Lied öffentlich vorgelesen, und Ihren Beyfall bezeiget. Wozu kann der Beyfall eines Klotz, nicht ermuntern? nicht begeistern! Sagen Sie mir also doch, ob auch dieses Liedchen Ihnen gefiel, vielleicht versuche ich dann noch einige solche ernsthafte hebräische Krieg?Sgesäng ! Manche Davidische Psalmen sind gewiß nichts anders als Kriegeölieder! Aber unsere Theologen müssenSie zurückhalten, denn was werden sie sagen, wenn sie sehen, daß ein scherzhafter Liederdichter sich unterstehet, die hohen Gesangs zu singen! Ich umarme Sie, mein liebster Freund, mit den Empfindungen der zärtlichsten Liebe, und bin swig,c. H 4 Law Halberstadt den 17. May 1768. (Langer, mein theuerster Freund, kann ich es un- möglich aufschieben, Ihnen zu sagen, daß Sie unö mit einem fürtrcfflichen Werkchen beschenkten. Singen wollte ich Ihnen meinen Beyfall, so sehr begeistert war ich, umsonst, man ließ mir keine Stunde Zeit dazu? Kaum konnte ich es lesen, das Werk meines Kiotz, nach welchem mich ein halbes Jahr verlanget hatte. Wie man über die Menge fürtress- iicher Werke der Alten erstaunet, wenn man Rom in einem Tage durchwandert, und nun den TorsalZ fastet, eine lange Zeit aus ihren Anblick zu verwenden, eben so gieng es mir bey dem flüchtigen Lesen. Amor und die Musen haben ihn begeistert, meinen K»0h! In den schönsten Tagen des Frühlings werd ich es studiren, das Werk, daö unter meinen LieblingSbü- chern hingestellet ist, zum Denkmal der zärtlichsten Freundschaft, und das, so bald ich reicher werde, mit allen barin beschriebenen Gemmen ausgeschmückt erscheinen soll! Wie aber, mein theuerster Freund, wie geriethen Sie auf die wunderbaren Fragen'. Hab ich ihn beleidiget? Haben andere mir leine Liebe geraubt? Beleidigen kann mein Klvß mich nicht, er liebt mich allzusehr. Ich kann meine Freundschaft niemand rauben, sie gründet sich aufallzugrosse Verdienste! Mein langes Stillschweigen kam von der Furcht, Sie, mein theu- ^ ^ lL^ theurer Freund, in Ihren unzählichen Arbeiten zu stören, oder sollte ich mit meinen leeren Briefen mich an einem Manne versündigen, der an Ausbreitung der Liebe zu den Künsten und des guten Geschmacks so patriotisch arbeitet? Von unserm Iacobt erfuhr ich von Zeit zu Zeit > daß mein Klotz mich nicht vergessen lMte, damit zufrieden unterließ ich, mich in seinem Andenken zu erneueren. Kommen Sie also, mein werthester Freund, niemalen wieder auf böse Gcdan- ken, allezeit werden Sie ungegründet seyn, denn ich bin mit der zärtlichsten Hochachtung ewig Ihr Freund. Eine Reise nach Rom sollten wir vornehmen, mein theurer Freund! Nur Gesundheit, so wellten wir dreye, Sie, unser Jgcobt und ich Gesellschaft machen. Mit welchen Schahen bereichert würden wir zurücke kehren! Klotz sähe die Werke der Kunst mit andern Augen als WinkelMMM; unser Iac»- bi wieder'mit andcrn, was für Betrachtungen könnte da der Kenner und Freund der Künste sich verspre- chen! Wa6 für schöne Anwendungen die Freunde des Geschmacks. Halberstadt den 2ten Iul. 176g. on einer sehr angenehmen kleinen Reise dV.m ich zurück, und fand Ihren Brief! Welch eine Nachricht, theuerster Freund! MiNreimattN, der sürlreffliche Winkclmcmn! der satanische Mörder? H 5 Denn I»» ^ ^ ^ Den ganzen Tag konnte ich mich nicht erholen, zu unserm Lichlwehr lief ich, zu allen, die nur einigermassen es wissen, was an ihm vcrlohren gieng; endlich floh ich zu den Musen! Charitinnen, Liebesgötter, Venus, Herkules, Apoll! Aller schönen Gottheit voll Stirbt er. Mörder! alle Götter Gehn dich morden! o ihr Götter! Äst kein Helfer? kein Erretter? Pallas, Herkules, Apoll, Stirbt er, eurer Gottheit voll, 5? so werd ich euer Spötter! Menschen! «s sind keine Götter l Mehr laßt die Betrübniß über solchen Verlust selbst mit einem Patrioten nicht sprechen. Leben Sie, mein theurer Klotz, zu dem Vergnügen der Musen, die über der Urne des grossen Mannes trauren! Für das allzugroste Lob der entwendeten Briefe darf ich nicht danken; Klotz lobet für keinen Dank! Bald aber habeich das Vergnügen in meinem Freunde denKunsts richter zu umarmen, und dann werd ich ihn bitten, mir auch den Tadel zu sagen, den die Freundschaft ihn verschweigen hieß Z Einige kleine Gedichte von GleNNM stehen Ihrer Bibliothek zu Befehl, Sie werden neben den Gedichten eines Wieland und Iacobi nicht sonderlich sich ausnehmen, was kann man von einem Actenliegec erwarten? Ueber ihnen ist der Angstschweiß mir schon Zehn« t^i ^ IgA zehnmal auSgebrochen. Doch will ich die besten aus? suchm. Die Nachahmung deö Sapphischen Liedes wird nicht darunter seyn. Sie gefallt mir noch gar nicht! Wann werden wirWielandsZdriö ganz zu lesen bekommen. Mich verlanget darnach, wie nach dem Gedichte von einer Muse. Vortreffliche Stellen find in der'?robe, die ein vortreffl'cheö Ganzes vrvs phezeihen. Daß Sie Ihren Mevsel verlieren, dar» über möchte ich Ihnen ein Klagelied singen. Einen- Gehülfen haben Sie bey Ihren unzahlichen Arbeiten höchst nöthig, ich wünsche den Musen und Ihnen, daß Sie einen Mann nach Ihrem Herzen finden mögen. Dem sürtrefflichen Niedel wird es desto ange« nehmer seyn , ihn zum Collegen zu bekommen. Wa« rum lassen Sie auch alle gucen Köpfe von sich weg? Höchsibetrübt Ware e6 , wenn Sie in Lauchstedt mich nicht besuchen könnten. Ich hoffe daS beste, empfehle mich meinen werthesten Freunden, und bin ewig Ihr:c. Halberstadt den 21. April. 177-. HTasedow/Ebert, Eschenburg, Bode,sind gestern hierdurch gereiset, und haben mich nicht gesehen. Schande für Sie, und für mich! Sind sie auch durch Halle gegangen, wie ein Pfeil durch die Luft , nun, dann ist es ihre Natur so zu reisen, und jch nehme e6 ihnen nicht übel. Sie. 124 !^ ^ Sie, mein liebster Klotz, sind ein ganz anderer Freund. Sie nehmen im schlimmsten Wetter einen Umweg aufHalberstadc, finden einen kranken Mann, und haben Geduld mit ihm, und haben Vergnügen daran. Immer noch denke ich an diesen Tag mit Betrübniß zurück! Warum blieben Sie doch nicht, nur noch einen Tag? denn den andern Tag war ich ziemlich wieder besser! Und im Wirthshause mußte ich Sie wohnen lassen — So oft ich daran gedenke, so oft ärgere ich mich noch; sehr unweise werden Sie sagen, mein liebster Freund; und ich ärgere mich doch so lange, die Sie mich noch einmal in diesem Hahre besuchen. Unser Jacobi hat mich schon wieder verlassen, er soll der Herumstreicher heissen. Endlich, mein liebster H-reund, die Ursache,warum ich dieses so geschwind dahin schreibe, die ist, meinen Alexis bey Ihnen einzuführen; zwey Zeilen waren genug gewesen zum Begleit, für so ein kleines unbc, crachtlichesDing! Indeß ist es von Ihrem GletM/ und deswegen hoffe ich, werden Sie es nicht schlecht finden. Sie aber sollen es dem Publico nicht sagen, daß es Ihren GletM zum Verfasser hat, ich hoffe verschiedene meiner Freunde damit anzuführen, die mich immer errathen wollen; so wie es mir neulich mit dem armen Lazarus gelungen ist. Ich bin, mein liebster Freund, mit wahrem Herzen, Ihr ?c. G Briefe Briefe Von dem Herrn Flöget. Jaucr den -4. Lumr 1707. bgleich Ew. Wohlgebornen Verdienste um die Wiederherstellung der wahren Gelehrsamkeit und des Geschmacks in Deutschland, so bekannt und gegründet sind , daß Sie keinen fremden Lobrcd- ner nöthig haben, ihren Glanz zu erhalten, oder zu erhöhen; so hoffe ich doch Vergebung zu erhalten, wenn ich freymüthig bezeige, daß ich uncer die Ver; ehrer Dero wahren Verdienste vorzüglich gehöre. Und das ist das Bekenntniß eines jeden Mannes, der die Alten mit Geschmack studiret hat, obgleich derei, in Schlesien sehr wenige sind. Ihr patriotischer Eifer der falschen Methode auf hohen Schulen die Larve abzureißen, das Studium des Alterthums von dem Wust der deutschen Compilatorcn zu reinigen,"die wahre Philologie und Kritik unter uns herzustellen, verdient alle Erkenntlichkeit unsers Zeitalters; weis cheS die Nachkommen noch besser einsehen werden. Ich halte mich besonders zum Dank verpachtet, da Sie in der vortrefflichen Schrift, Beytrage zur Geschichte des Geschmacks und der Kunst aus Münzen meine AbHand- ,26 ^ ^ !^! Abhandlung des Klima aufden menschlichen Verstand einer Empfehlung gewürdigt. Ich bekenne offenbar, daß mich das Zeugniß eines Klotzes mehr gerührt hat, als der Keysall der Litteraturbriefe, und der allgemeinen Bibliothek. Die Hallischen Zeitungen, die unter Dero Aufsicht herauskommen, fangen an den Geschmack allgemeiner zu machen, der vorher durch trockne Recensionen und elende Ranke vernichtet wurde. Da ich die erste Schrift von Ihnen sahe, fiel mir ThuSneldenS Rede an den Hermann ein: Schon im Eichenhain sahe ich dir die Unsterblichkeit an. Ich wünschte, daß meine Geschichte des menschlichen Verstandes, worin die Abhandlung vom Klima mit abgedruckt ist, ein Jahr jünger wäre, daß sie könnte in den Hallischen Zeitungen recensirt werden. Unsere Schulen in Schlesien nehmen taglich mehr und mehr ab, und sind allenthalben um die Halste der vorigen Anzahl der Schüler heruntergesetzt. Dieses Verder; den werden die Akademien und das ganze Land bald empfinden; arme, geschickte Köpfe werden von Er; munterungen auegeschlossen, der Landmann ist zum Pfluge verbannt, und der Reichen sind durch den letzten Krieg sehr wenig worden. Schulen müssen mit elenden Lehrern besetzt werden, da sich niemand, der nicht mit einem unwiderstehlichen Triebe zu den schönen Wisienschaften und einer Lust zu hungern begabt ist, entschliessen kann, eine Lebensart ohne Ehre und Einkünften zu ergreifen, die dem gemeinen Wesen doch so nützlich ist. Ich darf wegen Dero überhäuften und wichtigen Beschäftigungen keine Antwort erwarten, ob mir gleich ein so schätzbares Andenken zur ^ ^ ^ 127 zur Aufmunterung dienen würde; versichre aber nochmals, daß ich kein Schmeichler, sondern ein von Ueberzeugung durchdrungner Verehrer des wahren Verdienste bin; der ich mit größter Hochachtung und Verehrung ersterbe ic. Jauer den 26. Aug. 1767. <^>e Antwort, womit Sie meinen Brief beehrt hoben, ist mir auenehmend schaßbar , da Sie mich nicht allein versichert, daß der Mann, den ich längst unter die Zierden und Beförderer unsere sich der Vollkommenheit nähernden Jahrhunderts zahlte, meine geringen Abhandlungen einiger Aufmerksamkeit würdigt, sondern mich aus die liebenswürdigste Art seiner Hochachtung versichert. So sehr mich die Fein» heit des Geistes, und das über das weite Feld der Kritik herabsehende Genie in Ihren Schriften gereizt hat; sosehr, und noch weit mehr freue ich mich über die Züge des vortrefflichen Herzens, die mir in Ihrem Briefe vor Augen liegen. Ob ich mich gleich viel zu unfähig achte Ihren Ruhm, der durch den Beyfall des grossen Königs sicher gegründet ist, unter uns zu befördern; so nehme ich doch an allen Begebenheiten des Helden Antheil, der in dem Roman meines Her» zenS eine so glänzende Rolle spielt. Oft habe ich mich über meine Parteylichkeit gewundert, die mich an den Schicksalen eines Gelehrten immer mehr Antheil neh» men ließ, als an des andern, der dsch auch mit Ver» I2Z ^ ^? Verdiensien begabt war; aber ich fand, wie eS eine Sympathie des Herzens giebt, baß auch eineSym- parchie des Bersiandeö statt finde, wodurch man sich in die individuelle Denkungsart beffer hineinwinden kann, als irgend ein anderer. Ich habe unserer LiK teracur aufrichtig Giück gewünscht, daß der erleucht tete König den Berdicnsten eines Deutschen hat Ge- rechligkeic wicderfahren lassen; daß er den Geist nichc nach dem französischen Himmel, den Philosophen nach dem Mantel, noch den Philologen nach dem Barte beurcheilc hat. Sie klagen über den Mangel an Büchern und kritischen Freunden in Halle; wenig; stenö werden Sie doch welche in der Nahe haben; aber ich — mir selbst überlassen, keinen Stamm, um den ich mich winden könnte; denn der Dssiw ant übt die sublime Kunst des Schreibens und Geld- zählene, und der Schulmann pedantisirt. Entfernt von Buchladen, öffentlichen und Privatbibliocheken sißeich, wie ein unglücklicher Robimon aufdem Aari- bischen Eilande, und sehe durch das Fernrohr derZei- ttmgcn und Journale aufdas ftste Land der Litteratur seufzend hinüber; und mein Amt ist so unergiebig, daß ich mir nur Esel anschaffen darf, die mir Brobc herbeytragen. Die Beurtheilung in den ^Äis litter-irüs er- warte mit dem größten Verlangen, und freue mich im Voraus den belehrenden und erleuchteten Achter zu finden, den ich mir langst gewünscht hatte. Die Realschulen, deren Sie in Ihrem Briefe gedenken, sind auch in meinen Augen nicht die besondere Erscheinung, die Mosel in den Reliquien findet; oder daß M- Mittel den vor das gemeine Wesen brauchbaren Mann zu bilden, wie der Verfasser der Fragmente glaubt. Man bearbeitet da6 Gedächtniß aufeine encyclopedisch handwerksmäßige Art, und versäumt die Cultur des Geistes, die meines Erachtens das Hauptwerk in Schulen seyn sollte. Freylich mögen manche Stifter und Aufseher vor dem Geist, wie vor einem Gespenst erblassen, wenn sie in ihren Busen greisen, und fühlen, daß sie nur Fleisch und Blut haben. Die Schulen sollten in einer Subordination gegen einan- der stehen , von der hohen bis auf die Dorfschule; so würde man ihre Gränzen besser übersehen, und die Mittel bestimmen können, wie eine der andern in die Hand arbeiten sollte. Sie müßten mit mehr Ehre und Einkünften versehen werden, die das klägliche Ansehen eines Zuchthauses vertilgten und dem Bür« ger dieWissenschaften selbst ehrwürdig machen könnten. Aber Ehre und Einkünfte sind an Leute verpachtet, die nichts dürfen gelernt haben, als hurtig Buchsta» benzu malen, ein wenig zu addiren und zu subtrahi» ren. Dieses Feld könnte niemand besser urbar ma> chen, als der Herr Geheimderath Klotz; das Pu> blicum würde Einsichten, der Staat Nutzen, und die Nachkommen einen Leitfaden bekommen, der sie immer gerührt aus den Orpheus zurückführen würde. Erlauben Sie, daß ich noch ein Wort von meiner Einleitung in die Ersindungökunst sagen d.irf. Es war dieses eine Ausdünstung der ersten Jahre/da ich Hatte verlassen hatte, und die Demonstrirsucht mich juckte. Herr Moses beurtheilte sie in den Litteratur- triefen sehr oortheilhaft; Abbt wurde darüber ver- I drüß- drüß'ich, (dcsscn Verdienste ich hier aufkeme Weise zu beleidigen gedenke) und holte in dem iZssten Briefe sehr hart gegen mich aus. Er glaubt, wie Moses vermuthet hatte, ich müßte Baumgartens Schüler seyn, und behauptete noch darüber, ich hatte die angebrachte Encyclopädie aus einem geschriebenen Baumgartischcn Collegio genommen; dieser Meynung war er so gewiß, daß er sie als BaUMgartMs Biograph wiederholte. Seine Fehler zugestehen, ist Ehre, und ich würde mir diese Busse gewiß auslegen, wenn sein Vorgeben Grund hatte. Allein ich bin niemals BaUMgM'tens Schüler gewesen, und ich kann bey allem, was billig ist, versichern, daß ich nie ein geschriebenes Collcgium von Baumgarten gesehen; auch nie gewußt, daß er eine Encyclopädie g?!esen; wie meine besten Freunde bezeigen können. Baumgartens gedruckte Schriften habe ich mit Eifer gelesen, und Ihre norionsZ cüreÄricss waren oft mein Leitfaden. Aber in einer demonstrativischen Schrift die Erfinder aller Begriffe zu citiren'. wäre lacherlich und dem Leser verdrüßlich. Und Abbts zweyBe, weise sind ohne Gewicht. Die mantischen Künste, die in daö Feld der Hermenevtik gehören, waren damals schon in Herrn Professor Meiers AuslegungS- kunsi gedruckt; ob er sie vom BaUMgarten hac, weiß ich nicht, wenigstens sagt er nichts davon. Und der Augenschein zeigt, daß ich sie durch PeUttrs und BllltNgers Hülfe besser vorgetragen, und gleichsam auf meinem Acker aufwachsen lassen. De.- andere Beweis, daß es BaUMgaMN allein eigen gehabt, die xbiwloxlüam iuÜrumsutZlem über die Philologie ' ^d/ ^ Igl g!c hinauszulehnen, hält noch weniger Stich. Geßx nel' und Lvi^e haben das vorher gethan,' und das mußte einem jeden einsallen , daß man die Phil l gie philosophisch behandeln könnte. Ich bin überzeugt, daß in der Erfindungskunst Fehler vorkommen, und ich habe sie besonders in den Begriffen von der hohem Meßkunst selbst gefunden, die zu meiner Zelt in Halle nicht gelesen wurde; die ich aber hernach durch- eigenen Fleiß, ohne mündlichen Unterricht vor mich studiert habe. Ueberhaupt bin ich in vielen Begriffen und Einthcilungen ganz von BüUMgiN'teN abgegan« gen, wie der Augenschein offenbar zeigt. Abbt war von seinem Lehrer so sehr begeistert, daß er in jeder Ähnlichkeit ein Ccnto von ihm fand. Man weiß wohl, daß Baumgarten den Voßius und Geßner auch gebraucht hat, ohne sie allemal zu nennen. Sie sind so gütig und vergeben mir diese Ausschweifung, die ich zu meiner Rechtfertigung einigermassen nöthig fand. Ich versichere nochmals, wenn ich mich über ir» gcnd ein Glück in meinem Leben gefreut habe, so ist es über den Zufall, der mir die schätzbaceEhre Ihrer nähern Bekanntschaft zuwege gebracht hat; und ich weiß ctt meinem Dämon Dank, daß er die Idee an Sie zu schreiben, bey Lesung der vortrefflichenGeschicht re des Geschmacks aus Münzen so hurtig in meine Einbildungskraft hineinschob. Mit welchem Vers gnügen würde ich vor dem Lehrstuhl deö Mannes stßen, „ der das Mark der lateinischen Denkart und „ Sprache in sich gesogen, „ un') nn^ m'ßte ich on dem lernen, der den wahren Geschmack, un^ den 2 s Ton Ton der Nacur unS auSden Alten lehren wird; nach--' dem wir so lange durch die damrigen Felder der Kri-- cik gewandelt, und die Sonne nur durch StaubwoK ken gesehen. Gönnen Sie mir ferner das Glück, Sie, theuerster Herr Geheimderctth, auö meiner niedrigen Sphäre bisweilen mit meinen Einsallen zu unterhalten, oder belehrenden Unterricht einzuholen, das wird die größte Belohnung seyn, für den, der mit größter Hochachtung Zeitlebens verharret ?c. Jauer den 26. Der. 1767. HAermuthlich wundern Sie sich, daß ich Ihren auf alle Weise schaßbaren Brief so lange unbeantt wortet gelassen; aber ich wollteerst die neue Biblio» thek und das Stück von den ^.Äis littsr. erwarten, worin das Buch recensirt ist. Ob ich gleich wie ein Mädchen auf einen modischen Puß lauerte, so sind sie doch noch nicht ankommen ; so langsam gcht die Fahrt des faulen Buchhändlers nach meiner Insel.. Wir müssen wider Willen in Rousseaus glücklichen Stand der Natur hinabfallen, so sehr wir wünschen unglücklich zu seyn. Aber diese unwirksame Pause ist mir schmerzlich, da sie in einigen Stücken der Halii- schen Zeitungen meiner mit so vieler unverdienten Achtung gedacht haben. Ich sehe in der That, daß Ihr Herz so edel und wohlthatig ist , daß Ihnen da,? Verhältniß ihrer Freude nicht gleichgülig ist; und daß Sie mit der wunderbaren Wirksamkeit des Ge? nieö Kck/ ^z. !^ nies jedes sanfte Gefühl der Zärtlichkeit vereinigen, welches denjenigen ungemein rühren muß, der den stolzen Namen Ihres Freundes unter seine rühmlichsten Vorzüge rechnet. Nun auf den Brief. Herrn Riedels Theorie ist vortrefflich, und ich bin begierig den zweyten Theil zu sehen, welcher nach meiner Einsicht neue,aber schwer zu bearbeitende Gegenstande enthalten, und über BaUMgartens Horizont noch weiter hinaus seyn wird, als der erste. Der Englander hat ihm mehr auf die Bahn geholfen, als der Deutsche. Wo lebt denn dieser tiefe Denker, und was hat er für einen Charakter? ich bin ihm meinen Dank noch schuldig. Es ist schon ein Antrieb für mich, daß er unter Ihre Freunde gehört, welchem glanzenden Kreise ich mich nach und nach zu nahern gedenke. Sie find sehr glücklich, daß der Umgang eines GlelMs, dieses Originalgcists,auf dem das Feuer des TyrtauS und die Anmuth des AnakreonS jwi.sach ruht, Ihre geschäftigen Stunden bisweilen erheitert« Dort wünschte ich wenigstens den längsten Winters abend zu horchen. Die Anstalten in der Realschule in Breßla» sind mir genugsam bekannt. Alle Welt ist der Meynung, daß nur Geistliche Schulen einrichten und regieren können. Als der v. Burg gestorben war, ließ der Magistrat in Breßlau einen Geistlichen aus Züllichau, mit grossen Ehrenbezeugungen holen; mich deucht, er heißt Steinbart, die Realschule einzurichten; dieser r'-hmte sich, er wollte die verfallenen Gymnasia wieder aufrichten, wie mir der Rettor Arlet zu Elisabeth 3 3 erzählt erzählte. Zu Professoren in der Realschule machten sie zwen Dorfpsarrer, die einigeZeic in der Berliniü scheu Realschule insormirt hatten. Ich enthalte mich aller Urtheile. Ich bin selbst eine kurz? Zeit einDo- cent in dem Magdalenischen Gnmnasio gewesen, wel» cheS iht in eins Realschule verwandelt ist; und ich Ware vielleicht noch in Breßlau, wenn sie mir eine bessere Stelle ausgetragen hatten. Ais die krotsMo Miitneleo^ vacant war, bot sie mir der O. Burg selbst an; aber eö kam ein anderer dazwischen, dessen machtige 'Anverwandten mich verdrängten, ob er eS gleich wegen seiner Geschicklichkeit sonst wohl werth war. Da ich also nur eine Tollegenstelle erhielt, und mir das Tonjugiren und Formuliren unerträglich war, indem ich vorher bestandig jungen Edelleuten die Phis losophie und Mathematik gelesen, so nahm ich in mei-. ner Vaterstadt daß Prorectorat an; wo ich mir wes nigstenS einen Kreis nach Belieben bilden konnte. Obgleich dieser Kreis sehr eingeschränkt ist, so sind meine Geschaffte doch gehaust, indem ich öffentlich die Dratorie, Logik, Historie, das Griechische und einige lateinische Auctores erklare, und privatim die Mathesm Izuram und s^xlieztAm, das Hebräische, Italianis sche und Französische vortrage. Ich möchte eben sols che Klagen fuhren, wie der Rector zu Segeberg in sei» neu Declinationen über das Schulwesen, aber ich enthalte mi,h ihrer mit Fleiß, und suche mir wider Willen eine Erratische Gleichgültigkeit einzupfropfen. Der Antrag,' ein Mitarbeiter an Ihrer Bibliothek zu werden, gereicht mir zur Ehre, und ich nch» me ihn mit Vergnügen an; ob ich gleich von der Eins ^! ^ »ZZ Einrichtung derselben noch nicht unterrichtet bin, da ich sie noch nicht von Brcßlau erhalten habe. Aber allzuviel Beytrage werde ich nicht liefern können, theils wegen der gehäuften Schularbeit, theils weil wir hier keinen Buchladen haben. Dieses Mangels wegen wünschte ich , daß Sie mir nach und nach selbst die Bücher vorschlügen, welche Sie von mir wollten re- censirt haben. IselinS Geschichte der Menschheit war mir ganz unbekannt, und ich glaube nicht, daß sie vorher nach Schlesien gekommen ist; denn ich finde sie in keinem Tataloqo ; doch habe ich sie itzc, und sie gefallt mir sehr wohl. Da aber im Meßcatalogo eine neue, verbesserte Austage angekündigt worden, so ha> ben Sie die Gütigkeit und unterrichten mich , ob ich die alte Edition recensiren soll, oder ob wir auf die neue warten wollen. Die Frage, was ich itzt schreibe? erschütterte meine Nerven wie ein Muschenbrokischcr Funke; aber ich habe ißt nichts für das Publikum. Ich habe bis- her zu meiner Erholung die Algebra studiert, um die analytische Lehrart in der Mcßlunst mir bekannt zu machen, da ich sonst blos die synthetsische erlernt hatte. Sonst schreibe ich über einem Trauerspiel, und einigen Zwischenspielen , welche ich nach hiesiger Gewohnheit künstiges Jahr durch unsere junge Leute werde aufführen lassen; das ist aber blosvoc daS JauerscheThea- ter. Ich habe einen Aussaß liegen, von der Formation der hebräischen Verborum nach dem DtMH; ungewiß, ob ich ihn bey einem Vuchführer werde anbringen können; denn diese Herren verlegen am lieb» sten Wcrbehistörchen, Cubache und Nachtwächters I 4 roma; romane. Zu meinem Zeitvertreib lege ich mir ein Stcincabinet an; einige Reisen auf das Riesenge'- birge, wo ich die erste Kenntniß von Steinen er; langte, weckte diese Idee in mir auf. Die Kritik über die geschnittenen Steine erwarte ich mit größtem Verlangen; dieses Feld ist für mich ganz neu, und ich denke viel daraus zu lernen. Ich habe in Warmbrunnbey Hirschberg einen vortrefflichen Steinschneider kennen lernen, der nach England und Rußland arbeitet. Einem KopfdcS Lyeurguö von ihm, den er nach dem Stein eines Londonschen Künstlers gestochen hatte, ist in London von einer Versammlung Englischer Künstler der Prciß vor dem Englischen Ori- ginal zugesprochen worden; nach der Wette eines Hirschberger Kaufmanns mit einem Englander, welcher behauptet, daß die Deutschen Künstler die Englischen nicht erreichen könnten. Ich habe herzlich lachen müssen, daß die Geschichte deS Verstandes von den erleuchteten Geistern in Wien, unter die verbotenen Bücher ist gestellt worden ; eS ist mir ein wahres Vergnügen in der Gesellschaft grosser Kopse in die Hölle zu fahren, die doch vermuthlich nicht so tief sevn wird, wie Homers Hölleobgleich die Troßbuben, Schelmufskp und der mit d^m Schnapsack dieser Ehre nicht werth sind. Aber der goldne Ast ist uns Bürge, daß wir lebendig wieder Herauesteigen werden. Dort finden wir vielleicht die Inczuiürores Kzerericae Arüu'tt2tl5. Inxenti trepülsrs metu: pzrz vertere Zs — — — psrs tollLre vocem Lxitzusin; iueextuz clswvr kruKratur Iii-uites. Wenn lck/, ^> ^ Wenn wir stolz in die Wohnungen derjenigen eilen Iiiueutus — >z>ii vit-iin exroluers per ariez, ^ue t'ui wsuiores ulioz secers niersoäo. Ich bin mit größter Verehrung, Hochachtung und eiriger Ergebenheit:c. Jauer den i2. Febr. 1763. t^ch hoffe, Sie werden meinen Brief vom sten -x) December erhalten haben. Endlich bin ich so glücklich gewesen, die und die Bibliothek von Breßlau zu bekommen. In der That würde ich verlegen seyn , theuerster und schahbarster Freund, wo ich vor so viele unverdiente Güte, womit Sie mich in beyden Schriften beehrt haben, genugsam Dank finden sollte, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Sie gewohnt sind zu geben, ohne Vergeltung zu fodcrn. Ich bin so sehr von ihrem Patriotismus überzeugt/ daß mein Herz in heissen Empfindungen wallet, wenn ich denke, welch einen edlen Charakter der Mann haben muß, der ohne einiges Interesse einem geringen Verdienst Gerechtigkeit wiederfahren laßt, und es dem Publico inS Gesicht sagt. Dieser Zug Ihres Herzens ist mir so angenehm, daß ich ihn um alle Vorzüge des Geists, der so wirksam auf mich ist, nicht geben möchte. Weit entfernt über die Stellen unwillig zu sevn, wo Sie in den .^Äis von meiner I 5 Mey- Meynung abgehen, muß ich e6 mit Dank erkennen, daß Sie mich unterrichtet habe^. Ich mag die Stimme der Wahrheit allzugern hören, und bin in dieser Absicht gegen niemand strenger, als gegen mich. In der Geschichte des Verstandes ist S. 3c>. ein Druckfehler eingeschlichen; es sol! heißen : die theils noch die Bewunderung der Nachwelt verdienen. Dieses wird auö dcmArion klar; von dem Sie mir erlauben, eine Stelle aus des HerodotUs I. 2Z. anzuführen: ^/ov«7^v Ivl>,^//v«7civ —so^« ^colovT'aT'T 5SV?ÄV L^vs? il^l/^a^, ^X/^jZoV TZ'sÄ'T'oV «VZ-0Ä77Ü)V, ?c^v >s/^!^5 /'^/-t5!-, A'otts- o'avT'oe 55 övo/^oco'av?«, ^ ^-^«^«VT-A xv xo^v^. Ihre Bibliothek ist für mich unterrichtend und angenehm, und ich glaube, diese Wirkung wird sie auf jeden unpartheyischen Leser thun. Sie haben der Welt mit offener Stirne Wahrheiten gesagt, die nur hier und da ein Eremit in der Zelle dachte, und sie wieder verschluckte, weil er sich nicht für autorisirt genug hielt, den prächtigen ActeurS den Larvenkopf abzuziehen, denen man so oft zugeklatscht hatte. Was werden die Berliner zu der Beurtheilung der Dden sagen ? Man muß ihnen die angelöthete Mythologie und die allzumerkliche Kunst ansehen. Der MaguS aus Norden hat mich belustigt; ich habe die Kreußzü- ge deS Philologen mit den sinnreichen Holzschnitten, und die Paste des SokrateS neben die Weissagungen des NostradamuS und Merlins gestellt. Glücklich, wer erweckt ist, in die hohen apokalyptischen Geheim» niste hineinzuschauen 5 aber das ist für unS Laien nicht. DerBerlinischeZeitungSschreiber ist vermuthlich widec Ihre !^! iAy Ihre Bibliothek in Sold genommen; er mag nur loben, was auf seinem Boden keimt; denn ekunt^ bexms zt Iioms. ?lber wer achtet dieses litterarische Gericht eigenmächtiger Amvhicmoncn! Eben schickt mir Meyer aus Lreßlau dasDenk» mal des Herrn Meinhards ron Herrn Rltdel. Wie kläglich für die Litteratur, daß dieser vortreffliche Geist seine Laufbahn so geschwind endigen mußte. Ich habe eine Recension für Ihre Bibliothek bellgelegt, wo Sie dieselbe würdig finden, abgedruckt zu werden. Da die Schrift eines Auszugs fähig war, so habeZich sie concentrirt; doch überlasse ich eÄ ganzlich Ihrer Beurtheilung. Ungemein freute ich mich, da mir Meyer schrieb, Sie würden durch Brcßlau nach Pohlen gehen, die Zaristische Bibliothek einzurichten, wenigstens unter einem Himmel mit ihnen zu athmen ; aber mein Vergnügen wurde bald durch eine gegenseitige Nachricht zerstört. Da das Schicksal die Tage unserer besten deutschen Genies zu verkürzen scheint, so wünscheich, daß die Vorsehung an Ihnen, theuerster Freund, eine Ausnahme machen, und Sie zum Besten der feinen Litteratur, die Ihnen so viel zu danken hat, erhalten wolle; d-nn wem würde grösserer Nutzen und empfinds lichere Wollust daraus entstehen, als dem, der mit zärtlichster Rührung und größter Verehrung verharret zc» W Iauer den i Iul. 1763. A^ie Antwort auf Ihren vortrefflichen Brief vom irren März kommt etwas langsam. Ich wollte aber nicht eher schreiben, bis ich den Iselin hatte, den mir nun endlich mein Buchführer nach langem Warten ge'chick hat. Meine Recension ist beygelegt, aber ich schmeichle mir nicht, daß sie nach ihrem Geschmack ist; daher bin ich zufrieven, wenn Sie dieselbe unterdrücken, oder nach Gutbefinden verändern; denn da Sie die Bibliothek mit Ihrem Namen beehren , so müssen Sie allerdings dieses Recht haben, eine schickliche Einförmigkeit zu erhalten. Manche Kleinigkeiten, die man rügen könnte, habeich übergangen, um nicht allzuweitlauftig zu werden. Sie schmeicheln mir mit einer glanzenden Aussicht, mich dereinst in Halle zu sehen; allein, theuerster Freund, so hohe Begriffe ich von der Ehre habe, auf einer hohen Schule zu lehren, so glaube ich doch, daß man in Halle, ohne eine besondere Pension, nicht leben kann ; denn wo ich nicht irre, ist der gewöhnliche Gehalt eines?rvfelloriL oräinarij 200. Rthlr. und der Beyfall ist eine sehr zweydeutige Sache. Ich weiß, was zu meiner Zeit Leute für Zulauf hatten, wo ich die Stunde bedauerte, da ich sie behorchte. Aber das würde ich allerdings für daS größte Glück halten, was mir je begegnen könnte, aus Ihrem belehrenden Umgange meine Einsichten zu erweitern, da ich aus Ihren Schriften so viel gelernt habe; welche neue neue, unbetretne Gänge des Genies, welche ausgebreitete Kenntniß? — aber ich schweife auö; doch Sie vergeben mir diesen Taumel, der mich nicht selten befallt, wenn ich an Sie denke, und mein Herz von heissen Empfindungen der Freundschaft überwallet. Die Berlinischen Litteratoren, welche unter der Fahne des Buchhändlers, wie jene unter dem Petrus Eremita, ihre Äreutz^üge angetreten haben, möchten gern stolz von dem wegrisse igrer Hauptstadt, die ars men Gelehrten in der Provinz als gebietende Dema» zogen behandeln; gern ihnen beybringen, daß sie ihr Antheil am Menschenverstände vor ihrem Throne zu Lehn empfangen müßten. Aber was werden sie zu den Zeichen und Wundern sagen, die in unsern Tagen geschehen' Die Bibliothek, die^-Äa littsruria und die letzte gründliche Kritik in den Hallischen Zeitungen , werden ihnen zu erkennen geben, daß der Schluß ihrer Periode nicht mehr weit sey, daß die Welt ohne ihre Brille auch sehen kann , und daß der freye Staat der Gelehrsamkeit in unsern Umstanden nur auf eine kurze Zeit kann untere Joch gebracht werden. Und die Bekehrung des Herrn Schmidts in Leipzig! Aber im Ernst, ich glaube sie haben Lust zu antworten, so gut es ihre Sache zulaßt; das schlüge ich aus Nikolais Erinnerung im Seen Bande seiner Bibliothek. Die Beurtheilung der Geschichte des menschlichen Verstandes in der Berliner Bibliothek, konnte ich so voraus sehen, wie sie ist. Denn Sie durften m ch nur loben, so nahmen j-ne ihren Weihrauch weq, d--n sie in den Litteraturbriefen, und in den ersten B^den her >^ >^ der Bibliothek so reichlich über meine Abhandlungen gestreuet haben. Ich weiß, daß ich den Ausdruck nicht genug polirt habe; aber woher denn ihr Lob Meiner Schreibart vorher, und der ^adel nachher? die Antwort muß jedem einfallen, der die Cabale ansieht. Ich habe mich ungsmcin erfreut, daß Sie von Herrn LüMbert eben das schreiben, waö ich langst von ihm gedacht habe. Weit entfernt, daß sein >Or» ganon eine Epoche machen sollte. Dunkelheit und Finsterniß werden die Philosophie nicht erweitern , neue Namen zu alten Sachen, und das algebraische Ansehen mit dem lieben Calculo werden wenig Neues ent» decken. Ebenso habeich den hochgspriesencn Bellsar des Marmontel nicht durchlesen können, der nur allzuviel Ähnlichkeit mit einer Schuldeclamas tion hat. Ueber den bewußten Magistrat muß ich m>ch allerdings außerordentlich wundern; denn obgleich die meisten Mitglieder aus Cameralisten und^uatiermci- srer bestehen, so hat es doch auch gute Köpfe unter ihnen; allein das Ansehender Pacricier ist verschwunden , und kein Schatten der alten Republik mehr vorhanden. Das Elogium ist immer ein schatzbares Stück , und die kurze Zeit der Bearbeitung zeigt uns den Verfasser als ein außerordentlich wirksames Genie. Sie muntern Mich auf, mehr zu schreiben, gemeinnützige Dinge zuschreiben; wie gern woliteich, aber cS fehlt mir an Zeit und an Hilfsmitteln. Die Wölfische Epoche ist vorbey, da man aus einem Wor- >^ »4Z Worte ein System saugen konnte. Es gehet uns hier wie den Spinnen, von weichen Hombelg sagt, daß sie nicht mehr als drey Gewebe aus ih» ren Warzen ziehen können. Zwar schwebt eine Idee in mir herum, die ich gern vixiren möchte; aber der Stoff ist in Büchern zerstreut, die ich nicht bc> siße, hier nicht erlangen kann, und vielleicht nicht einmal kenne; und die vorher davon geschrieben ha» ben, arbeiteten entweder ohne gehörige Kenntniß, oder zu einer Zeit, da der Boden noch nicht urbar war. Der Steinschneider in Warmbrunn heißt Schneider. So ungegründet das Gerüchte von Ihrer Reise nach Sohlen war, so abentheuerlich war neulich der Ruf, der sich von mir auebreitete, als wäre ich nach Göttingen berufen worden. Innerhalb 8- Ta> gen bekam ich Privatnachrichten von Leipzig, Breß« lau und Hirschberg; endlich fand ich mich aus dem Chaos, daß man den Namen Feder vermuthlich zu flüchtig gelesen oder gehört hatte. Sie sind mit Ihrem Zustande nicht zufrieden; freylich glaube ich, daß Ihrem freyen Geiste gewisse Fesseln höchst unangenehm seyn müssen. Ich wünsch, te Ihnen das Schicksal eines Tat'.ucci / wozu Sie würdig und sahig genug waren. Aber Ihr Laus ist noch nicht bald vollendet, wie Sie sagen. Das verhüte der Genius, der über unsere Künste und Wissenschaften wacht. Sie haben nochso viel Schatze in sich, worauf das feine Publikum einen gerechten An» sprach macht. Wie sehr haben Sie sich dasselbe durch den ,44 ^ — den Versuch über die geschnittenen Steine vom neuen verpflichtet; ein Studium, welches bey uns selten, unbekannt und ungebraucht ist. Nun haben Sie uns die Bahne geöffnet; glücklich, wer die Lip- M'tschen Pasten besitzt, und Kenntniß genug hat, sie nach Ihrer vortrefflichen Methode zu brauchen. Die Geschichte des Amors! welch ein liebliches Stück, linter griechischem Himmel erdacht, und urv. ter der Aufsicht der Grazien ausgeführt. Möchte ich doch die Lcda sehn, die jede feine Einbildung erhitzen muß! Wird des Engellanders Versuch über daö Ori'- ginalgenie nicht überseht, wie Sie in Ihren Zeitungen versprachen? Ich bin ausserordenllich begie> rig ihn zu lesen. Sein schöpferisches, und mein erfinderisches, scheinen mir sehr verwandt zu seyn. Herr LeßiNg ist die Ostermesse in Leipzig gewesen, vermuthlich hat er Sie in Halle besucht? Herr Riede! ist ein allerliebster Mann; ich Habs mit Ihrer gütigen Erlaubniß einen Brief an ihn bey? gelegt. Fahren Sie fort, verehrungswürbiger Freund, mir Ihre Gewogenheit zu gönnen, und glauben Sie, daß ich Sie mit dem größten Enthusiasmus liebe, und ewig hochschätzen werde :c. M Eben Jauer den »4. Nov. 1763. ben schreibt mir Herr Prof. StNlensee aus Lieg» nih: Herr Klotz geht als Dberbibliothekar nach Dreßden: wissen Sie elwaö nähers? Nein, mein lieber Struensee, ich weiß gar nichte. Diese Nachricht war mir so unerwartet, daß ich an meinen Schreibctisch eilte, um Ihnen, theucrster und bester Freund, Glück zu wünschen. Denn ich glaube, Sie sind überzeugt, daß ich an allen Ihren Schicksalen sehr viel Antheil nehme, und daß mich olles rühren must, was Sie irgenvS betrist. Denn könnte ich nach den überzeugenden Proben der uneigens nühigsten Freundschaft, die sich bloß auf die süße Syms pathie unserer Geister gründet, eine Empfindung in mir aufspüren, die Ihnen entgegen wäre, ich wollte ihr bis an die Ouelle deö LebenS nachdringen, und sie todtem Aber dürfen Sie auch auö Halle sort? die Universität würde durch Ihren Abgang einen wichtigen Verlust erleiden. Ihr Name schallet so weit, und Ihre Verdienste sind so unstreitig, daß ich glaube, eine kurze Frist würde meine Weissagung rechtfertigen. Da ich weiß, daß Sie auch manchmal Kleinigkeiten der Schulen eines Blicke würdigen, fo habe ich einige Zidros mmore8 beygelegt; ich bin überzeugt, daß sie weit unter Ihrer Erwartung seyn müssen; aber man darfja auch einem Freunde seine Gebrechen zei» gen; deckt er sie sanft mit seiner Huld, so wird selbst K nm »46 ^ in dem leidenden Theile ein angenehmes Gefühl erregt. Ich wollte, daß es der Raum erlaubt hätte, die Abhandlung über die Sotratische Lehrarc weiter auszuführen. Wundern Sie sich nicht, daß Iarbas in der Dibo vorkommt; ich lasse ihn blos ineognito erscheinen, eine Grille von einer Situation auszuführen; und in Iaucr bin ich Kunstrichtec gemy, um den Ton allein anzugeben. Herr Riedel hat mich auf die allerangenehmstc Weise durch seine Briefe über das Publikum überrascht. Fast möchte ich mich schämen, unter den glanzenden Tirkel seiner Freunde mit auszutrecccn. Aber da er es nun einmal haben will, so bin ich ihm viel Dank schuldig, und er hat die hypochondrische Laune durch diesen Beweis seiner Freundschaft auf eine Weile von mir weageschcucht. Möchte sie doch zu den Feinden meiner freunde fliegen, und st so lange cmalcn, bis sie menschlicher und gesitteter denken lernten. Muß mir nicht hier Herr LeßtNg einfallen? Er hat durch seine Briefs seinen moralischen Tharakter der Welt nicht empfohlen, wenn auch Herr Nicolcü daß Papier dazu aus Rom holen ließ» Ich finde ihn weder roscnroth noch purpurfarbig, sondern ganz gelbe von Galle. Wir hielten seine Hihe gegen LangM vor Hefen der aufbrausenden Jugend; aber nun wissen wir doch, daß sie ein Bestandtheil seines Charakters ist. Herr Riedel schickte mir zum Spaß die Bibliothek der elenden Scribenten mit, und Mirakel! ich fand auch unter der schwarzen Bande der Pränumes rancen den Rector Bauer aus Lauban, nun in Hirschberg, zwar noch nicht auf goldnen Stühlen sißen, aber !A ^ j^i 147 sber doch fo gut wie Unkepunz ein Miterbe des taus sendjabrizei! Reiche» Die Lommentsrü 6e librls mmoribus haben den Mann, wie sichs gebührt, ins Verirr genommen. Lioch neulich ließ er ein Traktats lein über daö Vergnügen der Schulbühne aussliegen. in weichem so ri«t Unsinn auf einmal zusammengoß, daß es in einer römischen Tloaca nicht Raum gehabt hatte. Er schimpft frisch weg aufdie Driginalgeister, und sagt: „ Wie können sie rechte Schauspiele ma» chen, sie sind ja leider fast alle Junggesellen ; das höchste Ideal der Schulbühne ist HolbergS politischer Kannengiesser, " und er drohet der Welt, solch ein Drama zu schreiben. Herr VodM»'!' wird eS al 5 dann vermuthlich s?insn politnchen Schauspielen a.'S ein LoroU^rium in oxlimg forma anhangen. Ich wollte zum Spaß eine Recension davon in den hinter» sten Winkel Ihrer Bibliothek schicken , aber es lohnt sich kaum der Mühe. Diese Leute sm^unverbej'strlich in unsern und ihren Augen. Daß die Recension über den Isclm gedruckt ist, habe ich zwar in Ihren Zeitungen gelesen , aber dnS Stück denke ich wohl, so Gott will, erst auf Weihnachten zu erhalten. So langsam gehc meine Blich« führerpost. Ich erfahre die Moden erst, wie die kleinstädtischen Damen, wenn man sie bereits in groi, ßen Städten abgelegt hat. Wo Sie ja Halle verlassen, so lasten Sie doch dae Andenken IhreS Freundes nicht dort zurück, wovon er so vortreffliche Proben auszuweisen hat; so"« dern gönnen Sie ihm auch in der neuen Sphäre H5 res sowohl verdienten Glucks ein Raumlein; denn er K s ist ist stolz genug darauf Anspruch zu machen. Mußte« Sie ihn durch Ihre Güte verwöhnen ? Wo Sie auch hinziehen, mein schatzbarster Freund! so begleiten Sie tausend von meinen besten Segen; denn Ihr Gluck hat einen wahren Einfluß auf mich, und ich kann es nie ohne das wärmste Gefühl einer geistigen Wollust empfinden ; platonisch und schwärmerisch genug, das Geschlecht zu verkennen, um fühlbar warme Ideen in der Freundschaft zu schmecken, die man nur in den eleusinischenGehelmnißen der verliebtenVer- lraulichkeit kostet. Eins von den besten Gütern unsers Lebens, besage meines moralischen CatechismuS. Und eiltest du vom heissen Sand Der Wüsie, bis an Zembla's Strand, So folgte dir mein Schutzgcist nach, Der gern in Sympathien sprach, Er säuselte b.'y sternenheller Nacht Im Gipfel--- Hier deucht mir, zupfen Sie mich auf gut apollisch beym Ohr, und gebm mir die Lehre'. Mein Freund, bleiben sie fein bey der Prosa, und lernen sie von den Mcisterzügen eines GleM! und IacM / daß man zu solchen Dingen muß geboren seyn, oder die Welt sieht unö die Stümperschaft auf das erstemal an." Ich verstehe die Kritik so gut als Gvtsched, und gehe ab. Nur erlauben Sie mir noch, Sie in Prosa ss gut als in Versen zu versichern, daß der Freundschaft und Verehrung nichts beyksmmc, die ich gegen Sie in meinem Herzen trage; und wenn Sie es vergönnen, so grüsse ich auch zum erstenmql die Muse, die mit ^ ^/ mit Ihnen in Erfurth war, den grossen Satyr, der Sie nach Herr Niedels Offenbarung inimer begleit ten soll, und der vermuthlich von gutem Soldatischem Adel ist, mit eingeschlossen.-- ^5^7^^^^^^^"^ ' ".^ ^^'IV 1.7^ /./^ _ .7.^ ^' ^17..' Janerden io. Jenner 1^69. L^hr«n vortrefflichen Brief hat mir der Herr von Seydliß aus Glogau überschickt; der Mann ist einer von meinen besten Freunden, denn er war ehemals Postmeister in Jauer, und ich habe in unsern letzten Aemdtenserien zehn Tage sehr vergnügt bey ihm zugebracht. Durch mich hat er Sie kennen lernen. Glauben Sie wohl, mein allerliebster, bester, verehrungswürdigster Freund, daß ich über Ihren Brief Thränen vergossen habe; nicht weil Ihnen der rühmliche Eifer vor mich mißlungen ist; nein, zart- liche, wollüstige Thränen, wie sie das füh'bare Madchen weint, wenn sie in der Einsamkeit sich dem erwärmenden Gedanken überläßt, daß Dämon lebt, sie glücklich zu machen, den sie mit allem Glänze der Welt nicht vertauschen würde. Ihr Thoren, die ihr von der Natur^vcrkannt, zum Thier, von seinem Gefühl entfernt, hinab geschaffen seyd , kommt her und empfindet. Unser Glück ist in unserm Herzen, und wer diese Quelle nicht kennt, der ist nach meinem moralischen System nicht klassisch. Mag doch LeßtNg über die gothische Höflichkeit lachen, mag er doch K 3 ami- !Z» j^I ^ !^ ^ zMicmorum liomwum seyn; genug wir suhlen, daß er nicht Recht lM. Ich habe mit dem Manne, dessen Einsichten ich sonst verehre, ein Paar Fahrein Bres- lau gelebt, aber wir haben es über die allgemeine Höflichkeit nie bringen können; er sahe mir immer zu hoch herab, und konnte !'.ichc den geringsten Wider- spruch vertragen. Ueber Ihre Recension des Laocoons konnte er unmöglich so aufgebracht werden; Nicvlai, * * ^ * * * mögen sicher daö ihre beygetragen haben, ihn zu einer so unsinnigen Wuth anzu- flammen. Aber wie lange werden solche Schriften gelegn, die aus persönlicher Feindschaft herrühren, ba!d müssen sie unter dm alten polemischen Papieren vermodern. Abbt mag sagen, was er will, seine Klaßificacion der Verdienste ist falsch; der Held ist nicht der erste Mann; ist er es, wenn er ein böses Herz hat? der wohlwollende Mann sucht alles um sich herum glücklich zu machen, wie Gott, jener aber kann lachen, wenn Kometen um ihn brennen. Dieses Wohlwollen, mein lieber Motz, macht Sie mir vorzüglich schaßbar ; wenn Sie auch gar nichts für mich bewirken können, so sind Sie mir doch eben so theuer, als wenn Sie mich aufdie höchste Stufe des Glücks versetzen könnten. Die heldenmüthigen Charaktere im Drama erregen in mir nur eine geschwind vorbeybrausende Hihe, aber das Wohlwollen macht mein Her; schmelzn, und preßt Thränen heraus, die ich mit Vergnügen fliesten fühle, und die ich für die Ehre meiner Natur halte» Frey» ^> ^ z^l Freylich gehört mehr als Mensch dazu, sich über dlle äusserlich? Umstände hinaus zu setzen, und ich weiß es leider, wie schwach ich bin, ob ich gleich nie» wanden mit Klagen beschwere. Mein Aemtlcin ist schlecht; e6 erhal: meinen Magen nothdürftig, mein Reposicorium kümmerlich, und kaum ein Hündlein, das mir aufwartet. Ich seufze nicht nach einer Ber- befterung; aber ich glaube, daß mein Blut freyer und hurtiger fliesten wird, daß meine Nerven höher gespannt seyn werden, und daß meine Seele bester und freyecdenten wird, wenn ich nicht in so eng? Schranken eingeschlossen seyn werde. Ihre Bemühungen um mein Glück fühlt das arme Herz, daö Ihnen immer zärtlich entgegen klopft, aber sich kaum zu Hof fen wagt, einst an Ihrem Busen zu erwärmen. Muß ich denn immer von Ihnen entfernt bleiben, und ist der heitre Tag nicht vom Schicksal aufgeschrieben, da ich denn Mann an die Brust drücken soll, der mir so werth ist? DaS Geschenk, welches Sie mir machen wollen, erfüllt mich schon voraus mit der lebhaftesten Freude; und wenn ich sterblich bin , so denke ich da- durch der Vergessenheit zu entwischen . und rufe mir das stolze nc>n omnl8 mori.ir zu. Ich wünschte mir keinen bessern Gefährten zur Himmelfarth als Sie. Sie finden hier einen Beytrag zu ihrer Bibliothek, welcher an Herrn Riedcl gerichtet ist, indem er aus der Durchlesung seiner Briefe über daS Publikum entstanden ist. Er kann in zwey oder drey Stücken der Bibliothek nach Ihrem Gutbefinden cinge; schaltet werden; und da er noch nicht vollständig ist, so wird noch eine Fortsetzung folgen. Ich war zwox K 4 wik willens diesen Versuch besondere drucken zu lassen; aber Sie haben ein näher Recht an mich, als alle Buchführer. Es ist das erstemal, daß ich über die» scn Gegenstand denke, und ich habe nicht einmal alle Schriftsteller, die von der Schönheit geschrieben haben. ^>ch hoffe, Herr Riedel wird es nicht übel nehmen, daß ich in einigen Meynungen der Antipode von ihm seyn muß; nicht Widerlegung, sondern Wahr» heit ist mein einziger Endzweck. Ich habe gegen den Archivar bewiesen , daß die Meynung von Vsr Ver» ändcrlichreit der Gefchmocksregeln nicht neu, sondern alt sey ; gegen Herr RirdclN, daß es objective Schön» heit gäbe, daß Schönheit nicht immer ein «e^T'ov sey. In der Forts-Pung denke ich einen Begriff der Schönheit vorzutragen, der mir deswegen der wahre und einzige zu seyn scheint, weil alle Phanomena der Schönheit daraus fliessen, wenn er auch den bisher angenommenen Systemen nicht angemessen seyn sollte. Denn das ist mein wenigster Kummer. Ich suche zwischen der Englischen und Deutschen Mode zu phi» losovhircn einen Mittelweg , der meiner Einsicht nach der beste ist. Es hangt von Ihnen ab, ob Sie meinen Namen über den Versuch von der Schönheit seßen wollen, oder nicht. Ich unterwerfe mich hier durchaus Ih» rem Urtheile. Ich schließe, damit ich noch ein Paar Zeilen an Herr Ricdeln schreiben kann, und nachdem ich mich ^hrer Muse bestens empfohlen habe, bin ich mit ewi» ger Hochachtung und Verehrung ;c. End» ^ ^ M»M»»W»«W»««S!->i^?^»^^««^-«^^ ^.„i»«»»««» Jauer den 20. Juli 1769. ndlich folgt der Schluß meiner Rhapsodie über die Schönheit und den Geschmack, weiche nur daher einigen Werth erhalten kann, wenn ich weiß, daß sie Ihnen ZUM Theil gefällt. Es scheint paradox bey so viel tausend Widersprüchen da6 Gesetz der Schönheit festzusetzen ; doch bin ich so kühn zu de, Häupten, daß ich es gefunden habe, da sich allePhä- nomena der Schönheit herleiten lassen. Eben diese Widersprüche müssen hauptsächlich mit in Anschlag kommen, und ich denke sie vereinigen sich alle unter dem allgemeinen Gesichtspunkte, den ich angegeben habe. Es ist ein Unglück für die Wissenschaften und für die Deutschen, daß sie immer nachbeten, und durch das Ansehn ihrer Vorgänger geblendet, ihre Erklärungen alSalgebraischeAecjuationen gelten lassen, denn können wir freylich tausend Schlüsse herauöccü- culiren, die der Erfahrung zuwider sind; und wir denken nicht daran, ob die Gleichung erst richtig war. Wir werden in der Philosophie niemals Progrcssen machen, so lange wir altgläubig am System unserer Vater hangen, oder so lange wir Grillen nicht verdammen wollen, die wir blos deswegen lieb haben, weil sie in unser System passen. Wie hat sich daS unschuldige Interesse müssen mißhandeln lassen; zer« slören wir uns nicht selber, wenn wir eö verdam» men? Die Theologen machten den Anfang, und schafften es glücklich aus ihrer Moral kunaus; di- K 5 ' UM TZ4 ^ ^ Philosophen waren so gutherzig und folgten ihnen nach; ober es blendete sie das hucchesonische spinnen- gewebe. Hutcheson ist ein ungetreuer Führer, er blendet, aber er leuchtet nicht; wir auch so ? Wo ich nicht leuchten kann, da mag ich auch nicht glänzen. Wundern Sie sich nicht, mein theuerster Herr und Freund, daß S?e die Schreibart in diesem Sersuche nicht lebhaft genug finden ; der Schulstaub verwischt alle feurigen Empfindungen, und bald mochte ich bitten .' Bater Jupiter mache es doch lichte, daß ich nicht im Finstern sterbe. Ein Licht blickte mir erst, aber es kam mir so schwach für, wie die Lampe eines Berg» mannlein6,und also folgte ich ihm nicht erst; deutsch, ich erhielt vor einiger Zeit einen Ruf zu dem Rectorat in Glogauallein die Schule war nach meiner Ein« ficht nicht so beschaffen, daß ich hatte Lorbeeren erwerben können, und die Anstalten schienen mir auch nicht so zu seyn , daß sie hätten in Flor kommen können; ob sie mir gleich g?nug schmeichelten; aber alle freundliche Gesichter erwerben doch keine Realität. Ueber das Toben des guten Nici)l(tt im Zten Bande seiner Bibliothek habe ich herzlich lachen müssen, und mit mir alle die, welche daö wahre Publikum kennen. Ein leibhaftes Protocoll eines alten Rabulisten; mich wundert nur, daß er nicht Zeugen hat gerichtlich abhören, und alles formell beschwören 'assen. Ich weiß, daß Sie über das papiernc Auto da Fe lachen, und alle gemalte Tcufelslarven verspotten. So weic sind wir in Deutschland. So lachte ich über den Pricschenschiag des Antitricicus in zten Stück ^ <^> ^ lAZ St'-ck der elenden Bibliothek, den er auch mir, Gott sei" Dank, verseßt hat. Genug Ehre, mit berühm» ten ^eüttn gestäupt zu werden ? Die guten Leute mögen sich einbilden, daß die Recensionen in Ihrer Biblio- thek mit dem Buchstaben?, von mir he r ühren. Und Herder, der Waldbruder, sucht unter der Nebelt tappe unsichtbar zu werden, weil er merkt, daß die Welt seinen >.!nsinn kennt. Sein Geschmack aufge- gohrenvonDrientali'chen und Salomonischen Tropen, >md vom Nordischen Eise niedergeschlagen, überrascht anfanglich,aber er haltdiePrüsung nicht aus. Sollt te nicht gar der große MaguS aus Norden, HaMttN/ in diesem microscopischen Waldchen in Hinterhalt lau» rcn? Wer mag doch der Verfasser der. literarischen Briefe seyn? Ist er nicht Herr Herel? Der Mann schmeichelt sich unwiderstehlich mit seiner vertrauten Mine ein, und überzeugt durch seine gründliche Den- kungsart, daß man ihm durchaus wohlwollen muß. Und wo bleibt denn die Geschichte der Holle ? wer könnte sich in den Abgrund hinein lassen, so tief unter der Ecde, als die Erde vom Himmel entfernt, als der, der die Geschichte des AmorS aus alten Gern« mm so unnachahmlich gemalt hat. An einem Führer wird es Ihnen nlcht mangeln: zwar brauchen Sie keine Sibvlle, da Sie von GlelMs und Ja« cobi's Amor begleitet hinabsteigen. Diesen Sommer habe ich mich mit der Botanik beschäftigt, die ich iht als einen Theil der Naturge, seichte lese, und nun auch, Gott verzeih mirs, die Algebra. Ich kann mich von der dürren Dirne nicht ioöreijlen ; sie jagt wie ein Schatten hinter mir st xoü xoü ehmösm feöst. Mir deucht, es fehlt lins noch an einem geschmackvollen Weltweisen, der die untereinander geworsnen und auögerisscnen Glieder als cia neuer Prometheus zusammenfügte. Die Mitarbeiter an Ihrer Bibliothek möchte ich kennen, besonders diejenigen, welche meiner einigemal gedacht haben, I.. und lVI. den Herr Tisch, der die Wahrheit deutsch schreibt, glaube ich zu kennen ;L. ist vielleicht Herr Iacobl. Wenn ich Amor5 Flügel hatte, oder den Beutel des Plutus, so hatte ich Sie langst in Halle besucht. Da es nun das Schicksal nicht zulaßt, so will ich wenigstens Jhrs Schriften fleißig studiren , um den vortrefflichen Geist so gut zu nuhen, als eS nur erlaubt ist. Wenig» stenö vergessen Sie den nicht ganzlich, der mit stärkster Rührung und ewiger Verehrung erstirbt ic. Jaucrdcn 20. Jumi 1770. Endlich habe ich doch den Bayer erhalten, auf ^ den ich so lange gehofft, und den ich so oft von dem Buchsührcr verlangt hatte. Wie Viel Dank bin ich Ihnen schuldig, ewig verehrungSwürdigerFreund, daß Sie von dem glänzenden Namen dieses grossen Geistes einiges Licht auf den Mann fallen lassen, der bestimmt ist, in der Dunkelheit der Schule zu kam» pfen. Noch mehr muß ich Sie lieben, wenn mein Eifer gegen Sie eines ZusaßeS fähig ist, daß Sie nicht'cushören, und neue Merkmale Ihrer höchst schaß» baren ^ ^ ^ »Z? baren Gewogenheit zu geben. Und doch fühle ich bey allen diesen füssen und warmen Empfindungen der zärtlichsten Freundschaft einen Schmerz, der mich be> unruhigst; daß ich in meiner ißigen Lage, wo eine Menge verorüßlicher kleiner und unbelohmer Geschäft te mir alle weite Aussichten verschließt, und mich in einen sehr engen Kreis zaubert, unfähig bin, mein dankbares Herz durch ein würdiges Geschenk an den Tag zu legen. So nehmen Sie venn, seltner Mann, zum Wohlthun und edlen Empfindungen geboren, und als ein gutthätiger Genius zu uns Erdensöhnen geschickt, ein Herz, in welchem Heisse Dankbarkeit klopft, zum ewigen Eigenthum. Unsers durch glei- chenGeschmack und sympathetischesGesühl vergeschwi- sterts Seelen kannten einander schon, ehe Sie mir so herablassend Ihren Beyfall zuwinkten. Bttyerö Charakter isi mir sehr schätzbar worden, nachdem Sie ihn in der vortrefflichen Prafation so wohl geschildert, und die Geschichte von der Entwickelung seines Genies mit Meisterzügen entworfen haben. Diese kleine Schriften sind ein Schaß von ausgebreiteter, tiefer Gelehrsamkeit, und das Gchyenk derselben ist mir um desto angenehmer , da sie mir zwar größtentheils bekannt, aber nie vorkommen waren. Ich beklage mit Hhncn die schändliche Zerrüttung, welche unserm gelehrten Deutschland allerdings zum ewigen Schimpfgereicht; der größte Bortheil dabey ist, baß sie unter uns ersterben, und den Auslandern nie völlig wieder bekannt werden. -Offenbar ist, daß die antiquarischen Briefe den ersten Ton angaben, und den Anfang zu einer Schandchronik gemacht haben, und und die allgemeine deutsche Bibliothek betet treulich nach; ihre Parlhevlichkeit ist so sichtbar und grod, daß auch ihre vorigen Verehrer ihrem Absterben mit Vergnügen entgegen sehen, und doch droht man uns mit neu?n zwölsBanden. Die Recmsion vom Uqvlin» stemmt sichtbar von Herdern her. Herrn Schel- lcrs Buch ist mit Einsichten geschrieben, und des !i!ob 'S wohl würdig, welches Sie ihm ertheilt haben. NeÜgebtUlern, dessen in Zhrer Bibliothek gedacht wird, und der in Wien gestorben ist, habeich sehr wohl gekannt, als ich in Breßla» studierte. Er war eines 'Advokaten Sohn in Breßlau, ist niemals in eine Schule kommen, sondern war in dieser Absicht ein AvtodidactuS und ein enthusiastischer Verehrer der. Dichtkunst. Sein erster Versuch war ein Roman Bellamonte im Geschmack des Don Quixotte. DaS aber kann ich ihm nicht vergeben, daß er sich mit Sonnenfelsen messen wollen, den er nie erreichen konnte. Er war bisweilen mit der fallenden Sucht behaftet, welches ich einst mit Schrecken erfuhr, da er mich besuchte, und ich nicht daS geringste davon wußte. Ist doch der AntikritikuS auch entschlafen; V-ts^ue cum xemitii luxit ilickixnst!» lud vaibrzs. wir wollen ihm die Ruhe gönnen; so müssen alle Dunse entschlafen, und mit ihm alle grobe Kunfwch; ter, die Herr Iacobt mit den Baren vergleicht; wofür ihn die Berlinische Bibliothek weidlich angebrummt hat. Solche Kritiken können nur von niedrigen See» !en entstehen, die unter der Hand eines Gewu-^und Papier- ^ Papi'erkrämerS gebildet worden; ihre Waare geht auch zurück in den Ort ihres Ursprungs. Oeleior in vlcuin veMemem rdus er vlZorcs. Sie, vortrefflicher Freund, sindmuchig genug, allen Cabalen feiler Kunstrichter Troß zu bieten, und e6 ist ein wahres Glück für Deutschland, daß Sie sich der gemkincn Sache der Litteratur so mannlich angenommen haben. Denn der Berlinsche Ton war so desvo« tisch worden, daß man nur einseitige Urtheile hörte, und man schwieg entweder aus Feigheit oder Nach» laßigteit allzulange; es ist also gar nicht zu verwun» dern, daß Kritiken im Sanfttntragercon über Ihre Schriften ergshn, die aber zum Glücke Freunde und Feinde mit Unwillen ansehen; denn von einem Ge« lehrten können sie unmöglich herkommen, so rauh und ungeschliffen sind sie. Unterdessen wacht Ihr guter Genius über Ihnen, stahlt Ihre Brust gegen stroherne Pfeile, das feinere Publikum winkt Ihnen Beyfall zu, und ein glan» zender Üirkel von edlen Freunden sieht Sie mit Vergnügen in ihrem Mittelpunkte stehen, der aller einfältigen Tabale und groben Zudringlichkeit verschloss sen ist. Leben Sie wohl, vortrefflicher Geist, edler Freund; würdigen Sie den nvch ferner Ihrer Gewogenheit, der seine trüben Tage durch den Gedanken erhellet, daß er sich nennen mag :c. Sie Iauer den n. Aug. 1770. /^.'ie werden vom 4ten Jul. ungefähr einen Brief von mir erhalten haben, in welchem ich für L^sri Opul^b>/! ?6l Talent seyn, und er muß ihr entsagen. Sonst aber habe ich gute philosophische Einsichten an ihm be- merkt, und ihm billiges Recht widerfahren lassen; ob er sich gleich noch mehr auebilden muß; denn er hat von andern manche Begriffe angenommen, wo ihn mehr das Ansehn, als die Untersuchung der Wahrheit mag geführt haben» Für die Dissertation über das Genie des Talli- machuS danke ganz ergebenst, sie ist sehr gründlich durchgedacht» Ueberhauvt wünschte ich alle Ihr- Schriften, und besonders die lidros miuorss zu ha» den, weil viel daraus zu lernen ist. Die Präfation vor Wagners Erläuterungen des Horaz aus Grie«, chischen Schriftstellern, hat mir ausnehmend gefallen. Die Erinnerungen waren sehr nöthig, denn Herr Wagner scheint manches für Erläuterungen angesehen zu haben, wodurch gar nichts erläutert wird. Vorlesungen über de>. Horaz, sind in meinen Augen sehr mittelmäßig, und ich weiß nicht, ob sie viel Geschmack bilden werden. Wie der ^.xplzuius auf Universitäten veränderlich ist, so eben ist es auch der äusserlich? Flor der niedern Schulen. Ich habe bisher beständig erwachsene Leute gehabt, denen ich ausser den ordentlichen Pri- vacstunden noch 4 auch 5 Tollegia gelesen; aber aus Ostern gehen sie weg, und ich bin wieder zu Kleinigs keiten verdammt. Wir haben hier keine Wohlthaten, wodurch wir Fremde anlocken könnten, und der Orc ist zu klein, daß beständig erwachsene, einheimische Schüler hier seyn könnten, und ist durch Krieg; und In<- vasionschulden in betrübte Umstände verseht worden-- 16» ^ ^! Da Sie oft Uebersetzungen aus dem Französischen besorgen, so wäre mir es lieb, wenn Sie mir eine auftrügen, dem Müßiggange vorzubeugen. Ich habe die Sprache durch eine vieljahrige Uebung in der Gewalt, und die meisten Ucberseßungen in den Breßlauer Beytragen find von mir. Mit Herr RiedelN geht es mir eben so; ich habe Jahre lang keinen Brief von ihm gesehen. Sei-, nc Streitigkeiten mit Leßitlg und Nikolai sind mir nicht gänzlich bekannt; ausser die Beurtheilung des Laokoons in der philosophischen Bibliothek. Vermuthlich mögen sie in den Erfurter gelehrten Zei« tungcn stehen, die ich aber nicht gelesen habe, weil ich hier keine Gesellschaft dazu finden kann; ich ha« be Mühe genug gehabt, die Hallischen Zeitungen durchzutreiben. Herr 5^555 ^ trösten, daß er ehemale grossen Zulauf hatte, und vielleicht so viel erworben hat, daß er ruhig davon leben kann. Freylich hat die Philosophie ißt einen andern Gang genommen, und wer zu lange in eine alte Form eingeklemmt ge> wesen, ist unfähig sich in eine neue zu bequemen. Unsere Aerndtenferien erlaubten mir eine Reise in das berühmte Adersbachische Gebirge in Böhmen zu thun, welche« der Kaiser vor zwey Iahren selbst bec sucht hat. Nie hat die Natur im Steinreiche so was Majestätisches und Grosses herfürgebracht. Tausend himmelansteigende Tolossen von nackten Sandfelsen in wunderbaren Gestalten; Figuren wie die höchsten Thürme in Gestalt der Mönche, alter Weiber, umgekehrter Zuckerhüte, Hangender pisanischer Thürme . Todten^ . Todtenköpfe, Hunde, Windelkinder, Gasgen, schrecklicher Gewölber und Wasserfälle, Bastionen, enge mäandrische Gange auf beyden Seiten mit Thurmhohen senkrechten Mauern eingefaßt, über den Weg Hangende gebogene Felsen, welche alle Augenblick den Einsturz drohen. Ich glaube, in der ganzen Welt ist keine so wunderbare Arbeit der Natur zu finden. Daß sie noch immer, mein Vielgeliebter, an die Verbesserung meines Glücke denken, und nur einen bequemen Platz in der Welt wünschen, ist mir ein höchst schätzbarer Beweis von der Güte Ihres Her» zenS. Sie wollten gern alle Ihre Freunde glücklich wissen. Aber ich bin unter keinem günstigen Sterne geboren, und habe fast alle Hoffnung zu einer reellen Verbesserung aufgegeben. Herr Ramb ttch hat einen Ruf als Rectorbeym Martineo in Braunschweiger» halten, aber ich glaube wohl, daß er in Quedlinburg bleiben wird. Ich tröste mich, daß es tausend ehrlichen Leuten seit je her so gegangen ist, wie mir, und wünsche mir nichts, als die Stärke des SokrateS, die Welt entbehren zu können; aber leider habe ich sie noch nicht erlangt, ob ich gleich täglich mich darum bemühe. Glücklich, daß ich der Liebe des vortrefflichen Klotz versichert bin, glücklich, daß ich mich nennen kann ganz den Ihrigen :c. L 2 Wenn »64 ^ ^ > >> > > »», Jauer den iZ. April 1771. ^enn ich nicht wüßte, daß sie in tausend Geschafft te verwickelt waren, so würde ich Sie langst um einen Brief gebeten haben; denn meine ganze Seele hangt an Ihnen, und jede Zeile von ihnen dringet wie ein erquickender Balsam in mein Herz. Bald möcht te ich daö Schicksal einer Harte beschuldigen, daß e5 uns noch immer trennt, deren Seelen doch so nahe ver« schwistert sind, und die einander in dem verfloßnen Platonischen Zeitraum gewiß gekannt haben. Schwer schwer wird es mir, wenn sich der finstre Gedanke cinschlcicht, ob ich Sie erst diesieit deS Monds erbli» cken und umarmen soll. Ich nehme mir die Freyheit, Ihnen, theuerster Freund, ein Programma zuschicken, über den ißigcnZustand der schönenLiteratur inDeutschland. Sie werden daraus sehen, was ich für Wahrheiten in meinem Sprengel auszubreiten suche. Ich dächte, eö sollte eine Recension in Ihren Hallischenge» lehrten Zeitungen verdienen, da ich oft nützliche Schul« schriften darin beurtheilt finde. Auf Michael werde ich Ihnen einen Herr von Seydkjtz schicken, der aus der reformirten Realschule zu Breßlau nachJauerin meine Unterweisung ist geschickt worden.Gern möchte ich in ein weitlauftiger Feld verseht werden,denn die hiesigeSchm leist mir zu klein. Mein Brief ist zwar kurz,wegen dringender Geschaffte aber lang—doch nicht lang, sondern ewig, wird meineLiebeund Hochachtung gegenSie.vor- trcfflicher Mann, dauern. Vergessen sie mich ja nicht, meine Zufriedenheit beruhet darauf. Ich ersterbe mit zärtlichster Rührung:e. ' BlÄft v Briefe Von dem Herrn Jacobi. Düsseldorf den iz. Oct. 176z. 6^ch befinde mich nunmehr in dem Lande, wo fast alle Leute keine Liebhaber der schönen Wissenschaften sind, und empfinde um so viel mehr den Werch eines Briefwechsels mit Freunden, die edler denken, und ihre feinere Seele durch die Künste gebildet haben. Wie glücklich bin ich, an Sie schreiben zu dürfen! Sie wissen, was ich Ihnen oft von der hiesigen Barbarey gesagt habe, und ich kann Fh« nen versichern, daß davon nichts übertrieben war. Man lebt in der ruhigsten Unwissenheit, Geliert und Klopstvck sind unbekannte Namen, und ausser sei« nem Berufe zu denken, wird für überflüßig gehalten. Einige wenige, mit denen ich das Glück habe bekannt zu seyn, sind hiervon ausgenommen. Vielleicht ist mir das Schicksal günstig genug, noch wenige andere zu entdecken. Unser Landesherr soll wirklich viel Ge» schmack besitzen, und die schönen Wissenschaften auf alle Weise zu befördern suchen. Er hat zu dem End« in Man heim eine kleine Societät errichtet, und zu Belohnungen und Pensionen sechs tausend Gulden «usgeseht. Vorige Woche ist dieselbe eröffnet worden. L I Meine i66 ^ !^ Meine Disputation Hot der Churfürst sehr gnädig aufgenommen , und es sind noch einige Exemplare ver» Kingt worden. So bald Sie hören, daß unser Ma- zenat, der Herr Gottsched, stch gegen unsere Lobes« crhebungcn erkenntlich bezeugt, so vergessen Sie nicht, mich mit einer so angenehmen Nachricht zu erfreuen. Mein Bruder hat mir Versprochen, meine Disputa« tion postfrey nach Noverode zu liesern, wenn alsy Ew. Wohlgebornen es für gut befinden / so bitte ich mir Dero gütigen Rath, nebst einem kleinen Schrei) ben an die Gesellschaft darüber aus. Ihre edlen Gesinnungen, und die Bereitwilligkeit, womit Sie dem Verlangen Ihrer Freunde zuvorkommen, macht mich so dreiste, Ihnen bestandig neue Bemühungen meinetwegen zu verursache". Wie glücklich würde der Augenblick für mich seyn, der mir Gelegenheit gäbe, Ihnen die zärtlichste Erkenntlichkeit auf eine rechl überzeugend? Art an den Tag zu legen! Unser Herr v. hat wieder ein Buch her- ausgegeben, worzu die Vorrede unserer Stadt würdig ist. Es scheint, a'S ob z» lauter komischen Producren verdammt wäre. Es enthalt die Vorrede eine Klage über den Tod seiner kürzlich Vers srorbenen Gemahlin n. lernest vrds, nzulsar Kortus, ngulszr cZomus, rizule^r, csmpus, naulszc biblio- t^scs H-'. Dieses nimmt über eine Seite ein. Ferner! odür lpes me^, lux mes, sojztium meum, AZrieZmm msi!m, cZelicioc- ms^s Diese xrZe^ie^t^ nehmen gewiß zwey Seiten ein, und auf die Art ist die ganze Borrede beschrieben. Und hierüber soll man weincn? Er hat das Buch, nebst der Bor. 16? Borrede, dem Churfürsten überreicht. Was mag der gedacht haben? Verdiente der Verfasser nicht, in dem Neuesten * * gelobt zu werden? Wenn ich das Glück hatte, Sie hier bey mir zu haben, wir wollten oft zusammen lachen. Bon dem Lustigsten, wa6 hier vorfallt, werde ich Ihnen immer Nachricht ertheilen. Was macht Herr B***? Sollte er wohl nicht schon einige Ahndungen haben ? Diesen Winter werden Sie doch seinen !?2ne^ricuni herausgeben? Vielleicht vereinigt er sich mit dem starken MüNNe in Leipzig. Vi5 vnitÄ MÄior. Aber ich muß auf heute von Ihnen Abschied nehmen. Beglücken Sie mich bald mit einer Antwort, der ich recht sehnlich entgegen sehe. Bleiben Sie mir immer gewogen, und erlauben Sie mir, auch in meinen künftigen Bemühungen Sie zum Führer zu erwählen, wie Sie es bisher gewesen sind. Glauben Sie nur, daß nie- mand Ihre Freundschaft besser zu schaßen weiß, als ich, der ich Zeitlebens verharre:c. ist, daran muß auch wohl des Herrn C**** sein Teufel schuld seyn. Den Ihrigen hat er frey paßiren lassen, vorgestern hatte ich schon das Vergnügen ihn zu erhalten. Wissen Sie wohl, daß so ein glücklicher Positag ein rechtes Fest für mich ist? L 4 Herr »6z ^ H> ^ Herr G*^* kömmt mir vor, als ein Student, der herausgefordert wird, und, statt zu erscheinen, zum Prorector geht, weil ihm seine zitternde Geliebte, mit der Schönen im RetWtNlsteN, zuruft: „Wärst du ein Leipziger, du wurdest ihn verklagen." Merken Sie es wohl? er hat Sie gefürchtet, und sich an dem Beyspiel des Herrn B * ^ * gespiegelt. Er wird seinem Schicksal doch wohl schwerlich entgehen, und ich glaube, Ihre Fabel wird sich so enden , daß der ehrliche Bürger seinen langen Arm ausstreckt, den grossen Mann bey der Kehle faßt, und ihn für seine Verwegenheit doppelt büssen laßt. Sie werden sich wohl erinnern, was Sie mir von dem Nußen der laNgM Arme gesagt haben. Hatte G *** unschriftlich angegriffen, und in seinem NevestöN einen Triumph aus unS gemacht, so hatte ich schon aufeine Antwort gesonnen. Ich hatte ihm eine förmliche Abs bitte und Ehrenerklärung gethan, mit dem Vcrspre- chcn, mich künftig auf seine Seite zu schlagen , und mit Ablegung des EideS, den man thun muß, wenn man zu seiner Bande übergehen will. Ich würde ihm bey den Schriften eines Lohenstein und Hof- lliannswaldau geschworen haben, allen guten Geschmacke aufewig gute Nacht zu sagen, Schönaichs Hermann und seinen Tato fleißig zu lesen , Klopstvck, Hal/er, Uz und alle unsere besten Dichter für seichte Köpfe zu halten, MiltDNs Verlornes Paradieß, ein Buch, das unter der Kritik ist, zu nennen, und die Hermanniade der Aenaide an die Seite zu sehen, u. s. w. Doch G * * * hat eine Kriegslist gebraucht, «ilen Machinationen zu entgehen. Es scheint, es wird V wird ißt Mode, daß grosse Leute, wie unser Christoph, sich auf die Art rächen. Ließ Formay nicht dem Premontval die Presse verbieten , weil er ihm seine Schnißer gegen die Französische Sprache corris gierte? Gottsched hat unS was anders gezeigt,,, unS Spöttern, Die wir mit verwegner Faust wollen seinen Ruhm entblättern. ,» wie sein geliebter SchvNMch singt in dem (im eigentlichen Verstände ) komischen Heldengedichte des Pickenicks. Die Zeitungen nebst dem Briefe nach Roverodo werden mir vieles Vergnügen machen, und ich danke Ihnen schon im Voraus: für Ihre gütige Aufmerk, samkeit für mich« Sie haben Recht, ich kann hier einer recht phk losophischen Ruhe gemessen, doch würde ich nicht bö- se darüber seyn, wenn mich zuweilen ein Freund, wie Sie, oder ein artiges Madchen, in meiner weisen Ruhe stöhrte. Den Tod des Herrn Ebels habe ich recht sehr betrauret, ich habe in ihm einen wahren Freund, und die Welt die Hoffnung eines würdigen Mitbürgers verloren. Wollten Sie woh- nicht gütigst dem versprochn?« Paquete Ihre Gedichte beylegen ? Ihre Schriften sind mir durch sich selbst, und durch ihren Verfasser, doppelt schaßbar. Ich fordre Ihnen Ihre Gedichte ohne Bedenken ab, weil mir schon in Göttingen Ih? Versprechen einen Anspruch darauf gegeben hat. L 5 An An Manuscripte ist hier schwerlich zu gedenken; man liefet nicht einmal gedruckte Bücher. Ich will mir indessen alle mögliche Mühe geben, vielleicht kann ich in einem hiesigen Kloster etwas auftreiben , und dann sollen Sie es unfehlbar haben. Sie machen ja ein recht fürchterliches Bild von einem KriticuS. Was müssen die Kritici für einen CatechiSmuS haben? Die verlangte Italiänische Stelle müßte sich im Tasso oder Ariost finden. In jenem habe ich gestern ge; sucht, und diesen will ich auch noch durchblättern. An meinem Fleiße soll es gewiß nicht liegen, wenn ich sie nicht finde. Ich bin :c» Halberstadt den 27. Der. 1768. leich bey meiner Ankunft wollte ich Ihnen alles dasjenige sagen, was ich bey meiner letzten Umarmung empfand. Keine Besuche, keine Zer- sirsuung hatte mich davon abgehalten; wäre eS mir sonst möglich gewesen, zu schreiben. Aber eine gewisse Traurigkeit begleitet mich überall. Selbst an der Seite meines GlktMs, der gegen mich zärtlicher als jemals ist: unter allen Vergnügen, die man mir ^u machen sucht, bin ich nichts weniger, als heiter.— Doch warum soll ich mit meinen Nachtgedanken, denn ich schreibe dieses um Mitternacht, Ihnen beschwerlich fallen? Sagen will ich Ihnen, daß unser Abschied mich auf das lebhafteste gerührt hat; daß ich für die tausend mir erwi'eseneProben der aufrichtigstcnFrem'id- schast ^ schast Ihnen danke; daß die Erinnerung an die mit Ihnen zugebrachten Jahre mir immer schahbar seyn, und Ihre Liebe beständig zu meiner Glückseligkeit gehören wird. Vergessen Sie, liebster Freund, Ihren Zakobi nicht, den Sie wenigstens als einen ehrlichen Mann kennen, und der einer wahren Zärtlichkeit fähig ist. Bon meinem hiesigen Aufenthalte kann ich Ihnen noch nicht viel sagm. Die wenigen Tage wurden damit zugebracht, bey Hochwürdigen, Hochwohl- würdigen Herren und gn.'idigen Damen herum zu lausen. Bon meiner Prabende denke ich künftigen Mo« natBesih zu nehmen. Es ist mehr Arbeit dabey, als ich glaubte, denn 26 mal im Jahre muß ich zu Thore gehen, und barbarisch Latein singen. Das vergessene Stück der Bibliothek erwartet GleitU mit größter Ungeduld. Er empfiehlt sich Ihnen nebst unserm Nvckvw / auf das freundschaftlichste. Herr Riedes wird ja auch einen blutigen Krieg an« fangen müssen, und Sie, liebster Freund, werden ohne Zweifel Ihr Kontingent geben. Vielleicht singen Sie schon auf ein Kriegslied, um den Mann, der hinter seiner Fragm^ntenschanze Sie herauSsor-,- derte, anzuweisen« Gleim fragte mich nach den Poesien, die Sie ihm versprochen hatten ; ich gab ihm zur Antwort, es würde so etwas fürch^rlicheS seyn, daß man e? als eine Vorbedeutung des jüngsten Tages ansehen würde. Ich bin !c. Ihr z' l^Zi >^> «T«»««»»M>W»»«»»»»«»W»»»» Hannover den 2 7. Febr. 17 69. L^hc liebenswürdiger Brief, dtr in Halberstadt an- kam, als ich schon weggereiset war, wurde mir von GleltN nach Zelle nachgeschickt. Wie sehr, mein Liebster, freute ich mich darüber, noch von Ihnen geliebt zu werden! Der Tag, an dem Sie, ein zweyter Anakreon, sich in meinem Gartchen mit Rosen bekränzten, soll mit vielen andern Tagen mir unver» geßlich seyn. Welch ein Glück, daß ich so nahe in Ihrer Nachbarschaft bin! Sehr leicht können wir uns auf halbem Wege zu einem Feste der Freude versammln. Jetzt aber, jetzt entferne ich mich immer von Ihnen; doch nur auf kurze Zeit. Morgen in aller Früh scße ich, der bösen Fahrö- zeit zum Troß, mich in den Wagen, um meine Reise nach Düsseldorf fortzusetzen. Aon dort aus schreibe ich Ihnen einen langen Brief: jetzt kann ich nur zwey Worte Ihnen sagen'. Sie rathen leicht worüber, über -H^* seine Kriegölieder. Diese haben hier in Hannover einen ganz entsetzlichen Larm gemacht, und R.alxiuz !ors csntÄbitur vrbs. Verschlungen hat das Publikum in wenigen Tagen alle Exemplare, die davon :m Buchladen waren: in allen Gesellschaften wurde von den Kriegeliedern gesprochen, und fast überall freute man sich, den Mann gedemüthigt zu sehen, der die Höhe des Winterkastens erreichen wollte, und ctzt das Schicksal des Nebukadnezars erfahrt, von dem dS^ L. Z>7A Sem Llchtweht in seiner Kindheit einmal gesuns zen hat: „ Nebukadnezar sprach: daÄ ist die grosse Babel », Da kam der liebe Gott, und schlug ihm auf dc? Schnabel. „ Dem Himmel sey Dank, daß die Periode geendigt ist; ich fürchtete, me heraus zu kommen. An Feind W*** habe ich geschrieben; sein gedruckter Brief an mich ist allerliebst! Hier haben Sie ein kleines Gedicht auf eine hie» fsge Schauspielerinn, worinn kein einziger Amor vorkömmt. Ueberhaupt werde ich den Knaben bald abschaffen, damit er nicht bey mir zum Invaliden wird. Leben Sie wohl, liebster Freund, ich umarme Sie «uf das zärtlichste, und bin in alle Ewigkeit ic. Düsseldorf den 2z. Jun. 1769. Langst schon hatte ich Ihnen, mein liebster Freund, ^ einen kleinen Brief geschrieben; aber viele Wo? chen lang hat ein starkes Augenweh von allem Lesen und Schreiben mich abgehalten. Kaum war ich etwas besser, so endigte ich ein Werkchen, das ich auf der Reise angefangen hatte, und von dem Sie nächstens einige Exemplare erhalten werden. Ganz ernsthast ist es; so gar kommt ein wenig Philosophie darin vor. Wenn ich nur nicht von den Bänken der Philosophen in die Thaler der Amoretten zurückgewiesen werde? Welch 174 ' ^ ^ Welch ein Unglück aber, in einer so barbarischen Gegend zu leben, wo man weder Journal noch Zeitungen hat! Im Reiche der Todten erfahrt man von den übergeschifften Schatten mehr, ale in un» serm lieben Düsseldorf. Ihre Bibliothek haben wir un6 kommen lassen, mein Bruder und ich. H*** wird entsetzlich brüllen. Nie sahe ich in einer Schrift mehr bittre Galle, als in der seinigen; aber er verliert dabey. Seine Verzerrungen bey dem las chenden Witze seines Gegners machen ihn nur noch lächerlicher. Dieser macht sich mit seinen Waldchen eine bloße Kurzweil, und er stampfet und schnaubt. Ich laugne nicht bey alle dem, mein Liebster, daß ich die Wiederherstellung aller Dinge wünscht?, und mit Klotz, Leßing und Htt'der, in einer Rosens laube lachen und trinken mochte. Mit meinem K^*, der seine Lieder mir sang, werden Sie doch, aus Freundschaft für mich, sauberlich fahren? Es ist wirklich ein liebenswürdiger Mann, voller Enthusiasmus, und von allem Stol» ze frey. Der Sanger der sieben kleinen Gedichte, ist gewiß B*** in F55**, ob er s^hst weder geschrieben, noch ein Exemplar geschickt hat. AuS den vielen Sprachen schließ ich eS, aus der Beschreib bung seines Vaterlandes, und aus dem unter die Zu» schrift gesetztem L. — Genie, deucht mich, ist darin? ne gar nicht' alles zu roh, zu wenig bearbeitet. Um die Seurilischen Briefe, und um die littera- cischen, hat mein Bruder schon einigemal vergebens nach Frankfurt geschrieben; eben so können wir die Herrmannsschlacht und den fortgesetzten Rhingulph noch ^ »75 noch nicht bekommen. Ißt haben wir in Leipzig Tommißion gegeben» Bon Wieland erhielte ich neulich einen alleriieb- sten Brief, voll Freundschaft lind Vertraulichkeit. Sie, mein lieber Freund, schreiben mir doch auch nächstens ein Paar Worte? nur ein Paar Worte dürfen es seyn, damit ich weiß, daß Sie mich noch lieben. Erlauben Sie mir, Sie zärtlich zu umarmen. Ich bin ewig lc. Halberstadt den 24. Nov. 1769. (sausend Dank sage ich Ihnen, mein lieber Freund, für dae Stückder Bibliothek, in welchem Sie meiner SoMMermse eine so niedliche Lobrede gehal» ten haben. Die L^** konnten Sie nicht besser abführen'. der Einfall ist allerliebst, und treffend. Nach Halle käme ich gewiß, wenn eö möglich wäre; allein meine Hannoverische Freunde quälen mich so sehr, daß ich, sobald ich mich loSceissen kann, bey ihnen ein Paar Wochen zubringen muß. Ich hatte es vorige Michaelis versprochen: nun halten sie mich beym Worte, und sie mir zu Feinden machen, möchte ich auch nicht gern. Riedels Fehdebrief bin ich sehr begierig zu sehen: hier weiß man von diesem neuen Kriege noch nichts. Ueber die Pauken, die Sie incognito willkommen hiessen, habeich recht gelacht, das gehört in ein Händchen gelehrter Anekdoten, Auch 1^6 >A ^! ' Auch ich habe mich über Wtttenberg geärgert, daß er mit dem guten 7Aso»ssy Schmied so unsäuberlich umgeht. Er muß etwas auf ihn haben. Was sagen Sie zu ? Den Brief, der im Postreu« ter stand, hat er auf ein Blättchen Löschpapier besonders abdrucken lassen; darüber geseßet: durch gute Gerüchte, und böse Gerüchte, und ein Nachschreiben angehängt, worinn er meinen Charakter antastet. Als ein Geistlicher könnte er in den hiesigen Gegenden mich leicht verdachtig machen, und Gleiltt billigte selbst, daß ich in dem Hamburg'schen Corrcs spondenten ihm antwortete. Nächstens werden Si? meine Vertheidigung darinn finden. Gelegcnhcitgenug hätte ich gehabt, ihn lächerlich zu machen; aber ich- wollte eS nicht thun. Herders Ankunft hat uns noch niemand gemeldet. Sie wissen doch alle KabinetSgeheimnisse? Was aber will er bey den Halbstädtern machen? LeßlNg wird täglich in Braunschweig erwartet. Langens Comet ist ohne Zweifel das, was Sie mir in Halle schon vorlasen. Wir konnten es nicht recht verstehen. K*** hat seine Ehre wieder ein wenig gerettet; wenigstens sind seine neuen Oden besser , als die letzten Lieder. Einige darunter sind in einzelnen Stellen ganz artig. Seine größte Kunst hat er in dem Schlüsse der Oden gezeigt, welcher mehrentheile glücklich ist. Wenn er nur nicht so geschwind schriebe? Von wem ist Friederike in der Bibliothek ? Der Ton hat viel von dem Wielandi- schen. Vergessen Sie nicht, mir das folgende Stück ^ Stuck der Bibliothek so bald zu schicken, als es fer< cig ist. Hatten sie wohl geglaubt, daß ich aus meine alten Tage anfangen würde, mich in das antiquarische Feld zuwagen? Hier sehen Sie einen Beweis davon. — Doch ich habe Ihnen genug vorgeschwatzet; eS ist Ein Uhr in der Nacht; schlafen Sie wohl, mein lieber Freund! HalbcrstadL dM lv.Febr. 1772- /A^ie bekommen hier, mein lieber Freund, die Entschuldigung meines so langen Stillschwei- gens; eine kleine Dperette, die ich in Hannover zur Welt brachte, und aufführen sah. Bon dem Di« rcctor der Schauspielergesellschast, von dem Concert- und Ballecmeister, von dem Copisten und Buch; drucker überlaufen, blieb mir kein Augenblick für mei» nen Briefwechsel übrig. Kaum war das Stück aufgeführt, so reist ich nach Zelle, wo ein starkes Au» gcnweh mich am Schreiben verhinderte, und nun bin ich erst seit wenigen Tagen wieder hier, unter so vielen Zerstreuungen, daß ich auch iht nur wenige Zeilen schreiben kann. Zuerst dank ich Ihnen für das leßte Stück der Bibliothek; insonderheit für den Aufsatz^ in welchem Sie meinen Amor so liebenswürdig vertheidigt, und mir eins so schmeichelnde Lobrede gehalten haben- M Fürs ^ Kill FurS andere muß ich Ihnen sagen, daß Ihr letzte? Brief mich recht erschrocken hat. Ich bitte Sie, mein lieber Freund, legen Sie die jähe Hiße meines Gleimö nicht so übel aus. Sie haben ja Krieg rund um sich herum'. wag hilft es Ihnen, eine ncueFehde anzufangen ? Gleimö wahre Gesinnungen gegen Sie haben so wenig feindseliges, baß er ganz bekümmert darüber ist, keinen Brief von Ihnen z'u bekommen. Könnt' ich Ihnen etwas von meiner Friedensliebe doch in die Seele singen! Beyliegendes Stück ist in Hannover ungemein gut ausgeführt worden, und man hat ihm mehr Beyfall gegeben, als ich jemals erwarten durste. Die Musik zu den Arien ist ganz göttlich; sie hat den Hr. Kapellmeister Schweißer, der lange sich in Italien aufgehalten hat, zum Verfasser. Ein rechter Bösewicht bin ich, daß ich noch immer nicht der ' *' schrieb. Das beständige Herumreisen bringtmich allzusehr in Unordnung', und doch ist das Reisen eine so hübsche Sache! Hr. Boysen hat uns Hoffnung gemacht, Sie bald in unsrer Nachbarschaft zu wissen. Kommen Sie doch, und sagen es mir zuvor, damit ich nach Quedlinburg hinfliegen kann. Leben Sie wohl, und schreiben mir bald. Sie wissen, daß ich mit der aufrichtigsten Freundschaft der Ihrige bin. Sie Hannover den-ZZ. April. 1770. ie sehen, mein lieber Freund, wo» ich für ein gewaltiger Mann bin, so bald es ans Reisen ankömmt! Hand hoch stoß das Master mir durch die Kutsche, und dennoch ließ ich mich nicht abschrecken. Morgen reiseich von hier nachdem Nmnsterlande.wo Gochcn und Bandalen wohnen, und wo die Leute gar keine Lieb Haber der schonen Wissenschaften sind. So sehr ich auch auf der Flucht schreiben muß; so kann ich es doch nicht über da6 Her; bringen , meine Antwort bis Düsfeldorf zu verschieben. Danken muß ich ^hnen für Zhr schönes Geschenk- und für Ihre gütige Zuschrift, in welcher Sie nur allzugrau« sam mich gerächt haben. Ein Schauder überfiel mich, als ich es las ? Das Lob, welches Sie meiner Muse geben, ist desto schmeichelhafter, da cS in der Sprache, worinn es geschrieben ist, auch unter unsern Nachbarn mir Freunde erwerben wird. Wenn einst alle Journale untergegangen find, dann wird man es noch lesen, und--doch ich merke, daß ich in das Pathetische falle. Lieber will ich Sie mit der Simplicität, die Sie lieben, dafür auf das zärtlichste umarmen« Nach ^ > > i Auf eine Gemme Europa, von Jupiter als Stier entführt, den sie mit einem Stäbe lenkt. in sprödes Kind , verfolgt vom jungen Pan, Will lieber sterben, als ihn küssen: Sein Leben rühmlich zu beschlossen, Sucht es den fernen Ocean. Europa, durch die Flut vom schönen Stier getragen, Sieht unter sich ein nahes offnes Grab. Ein leichter Sprung! wird ihn das Mädchen wagen? Sie bebt. Nein, lieber zeigt ihr Stab, Voll Furcht, dem Rauber ihre Ehrcc Den Weg durch ungebahnte Meere. M 4 Nach Ich kann mich nicht erinnern, daß folgende Zwey Gedichte vom Herrn Jacobi, die ich unter den Briefen an Herrn Klotz fand, schon irgendwo abgedruckt flnd; wenigstens stehen sie nicht in der Ausgabe seiner sämmtlichen Werke. »84 i^! ^ ^ Nach überstandener Gefahr, Wenn sich der Gott mit ihr anS Ufer leget, Hört Sie, wie Syrinx sich im lauten Schilf beweget, Und freut sich, daß sie klüger war. Traueridylle auf dm plötzlichen Tod einer Ziege. Unterbrecht, im Hain von Mirthen, Euer Fest , ihr jungen Hirten, Denn ein Auge voller Gift Tödtet Heerden auf der Trift« Schnell entfernt euch von Gestrauchen, Welche Zauberer durchschleichen; Mit den zarren Lammern flieht, Ehe sie der Mörder sieht. Bey dem hingeworfnen Stäbe, Sißet weinend hier ein Knabe, Weil ihm, unter Scherz und Spiel, Seine schönste Ziege fiel. Ach! auf jugendlichem Rasen Frische Krauter abzugrasen, Locket serner nicht, im May, Sie die ländliche Schallmey» Unter / Kck/ Unter andern weiften Ziegen Wirv sie nichc auf Blumen liegen: Gcune Schalten decken sie Vor der heissen Sonne nie. Nimmer wird sie an den Kriegen Ihrer Jungen sich vergnügen, Wenn zum Kampfe fercig stehn Sie den Mann der Heerde sehn« Rühmlicher war es, zu fallen Unter Liebern, die erschallen Am Altare, wo den Tod Ein geweihtes Messer droht; In den feierlichen Reihen, Wo die Madchen Blumen streuen, Und das Opserthier , gekrönt, Mit den Göttern sie versöhnt! M 5 l86 ^ ^ A Briefe Von dem Herrn von Hagedorn. Mw. Wohlgeb. lieben mich, wie ich hoffe, mit ^ meinen Fehlern. Damit schmeichle ich mir; sonst würde ich mit der spaten Antwort, die ich zu einiger Entschuldigung am lo. oder ll. dieses MonatS ablausen lassen, nicht so lange angestaut den, sondern auch in den dunkelsten Tagen de6 verflossenen May »Monatö dem einigen Äuge, dessen gesunder Gebrauch mir noch übrig geblieben ist, eine kleine Anstrengung zugemuthet haben. Andere Zufälle, die Folgen der auöwartS unvermeidlich gewesen heissen Stuben, gehörten eher einem Tissot, nach dessen Grundsaßen ich gelebt, als einem Geheis menrath Klotz erzählt zu werd?n: Meine Geschäfte vermehren sich und zu diesen gesellen sich unnöthige Verhinderungen, wenn an statt den Donnerstag, welcher zu akademischen Vorfallen ausgesetzt ist, mich zu besuchen, diejenigen Künstler, die sich einander nicht lieben, sich geflissentlich auszuweichen scheinen, andere Tage in der Woche wählen, und oft die besten D resden den 16. Iunii 176z» v ^ ^ 137 Morgenstunden verderben. Manner, welche doch sehr gut wissen, waS lsccatori in ihrer Landessprache bedeutet. Viel Reden macht auch mit ihnen den Leib müde, und vielleicht könnte man auch in dieser Rück» ficht, solche Leute, Austtockner, heispn. Hch muß gleichwohl sehr säuberlich mit denselben umgehen, und lieber mir, als dem Ganzen schaden. Dann kommen milde Ausheilungen dazwischen, welche ich vom hoch- seel. Churfürsten für procestantischeDürftige übernommen, aber wenn ich eö nicht unbelohnt thun sollte, nicht für den ganzen Betrag übernehmen möchte, und langst abgegeben hatte, wenn nicht mit der völligen Einziehung gedrohet, und nach meinem Ableben ein» zuziehen versichert würde. Eine leichte Beschäftigung wenn ich bey dem großmüthigen Vertrauen des HoftS stehen bleibe und keine Rechnung ablegte! allein ich lasse über alles— aber alles wollen Sie Nichtwissen. Spüren Sie nicht an meiner langen Erzählung, daß ich ältere? —Meiner Augen also zu schonen,, bin ich noch darzu den würbigsten Männern in Mitten- berg, Hr. Boden und Schröcken Briefe schuldig; des lehtern christl. Kirchcngeschichce wünscht ich von Ihnen selbst beurtheilt. Ich nehme es als ein gutes Kennzeichen an, daß er nicht eilen will. An den Hr. Weiße habe ich zuweilen einen noch undeutlichern Brief als der gegenwärtige ist , da er mir so vieles zu gute halt, abgehen lassen. Ich wollte einen ihrer unwürdigen Gegner nicht sowohl kennen lernen, als erfahren, ob er nicht gestraft worden. Des Hrn. *** Schrift habe ich hier nicht finden tonnen. So viel weiß ich, daß er sie in Berlin vergeblich de» Buchhändlern angetragen hat. Verschickungen waren zu der Zeit mein Beruf, als er alles in allen bey dem kremier Minister galt, und ungeachtet ich ihm in seine malerische Laufbahn keine Hinderniß in den Weg zu legen begehrte, von der Stunde an mich verfolgte , da ich ihm treuherzig und auf sein Befragen über ein Gemälde, das in der Mi- nister Gallerte mir damals unwissend von ihm herrührte , den Schüler ^Mslm 6s Usulcli na.mte, und hinzufügte i der Name des Lehrmeisters I-ilm LotK würde vermuthlich angegeben seyn. Der grast. Be- diente mußte den Namen aus dem Verzeichnisse lesen und laß ihn so wie ich gemuthmaßet, nicht den Schüler, sondern den Namen des Meisters. Da er mir nun, ohne meine Veranlassung, währender Zeit das Kupfer - Tabinet , so an seiner statt Wenzeln zum Jnspector bekommen, übergeben müssen, so ist seine Gehaßigkeit und deren Ursache leicht entdeckt. Vielleicht waget er auch Säße wegen der Perspectiv der Alten, die er denselben abspricht, und entscheid dender reden will, als ein Cayluö und die größte Kenner berechtigt waren zu reden, und doch nicht reden, weil die Bescheidenheit mit zu dem Character eines Mannes gehört, der edel denket. Und hier» auf mag der Hr.bis'er noch nicht gesonnen haben. Sein Mißfallen würde ich gern als ein Gegengift gegen das mir vielleicht zu angenehmeLob rechtschaffener Manner gebrauchen I aber auch in vieler Augen ehret dergleichen Mißfallen. Ein Mann, der s° ^ ^ 189 so niedrig denken konnte, sobald S* ** gefallen war, die Zueignungsschrift an die junge**** vor dem L*** zurückzunehmen, und die alte Ausgabe mit einem neuen Ticel und der den Verfasser abges nöthigten und von ihm genug bereuten Vorrede drucken zu lassen, verräth schon durch diese Handlung seine ganze Seele. Dem Glücklichern, alsDonRodrigo vonTalderona in derSpanischenGcschichce ist sein übriges Gtück, der gehäufte Fluch so vieler Armen zu gönnen. Der gelehrten Welt wird wenig gedient seyn , wenn man über das Mittelding eineö öffentlichen und PrivatMcrkeSde6***Glossen anstellen wollte. Ihm werde ich gar nicht antwortenaber es ist mir erlaubt, Ew. Wohlgeb. und würdigen Gelehrten zu danken, deren Beyfall ich allein ehren kann. Ihr schönesBuch über denNußen undGebrauch der alten geschnittenen Steine habe ich wenig zu Hause gehabt. Jedermann hat eö lesen wollen, und mit Hoch» achtung gelesen. Deß Hr. Lippert Zweifel wogender Grazie scheint mir mehrern Grund, als der wegen der Perspektiv zu haben, denen von Herkulanum kann man nicht allgemeine Schlüsse ziehen. Den OstaloZue rzildmi6 des habe ich von einem guten Freunde auf vierzehn Tage ael-eben. Es ist das erstemal, daßdiesesBuch aus meine Stube kommt. In Blattern fand ich, als es herauskam, daß aufdee Michel Angelo Buanaroti Leben,w?r. Gemälde angegeben wurden. Das eine von vzniel RiccwsIU od?r äs Voltsrre,- das andere geringer und und zweifelhaft. Da mochte ich dieses Werk nicht kaufen . und zu meinen Absichten war die veldription 6e Calais Ko^sl hinlänglich. Der ehrliche I.e^iLi6 kann aber nicht dafür, daß er bey den alten—>—hat bleiben müßen. Ißt habe ich einen rechten langen Brief und von Ihren schönen Schriften Ihnen gar nichte geschrieben. Ich hatte wissen mögen, ob Sie dem Thiirfürsten ein Exemplar geschicket haben. Gewisser Ursachen wegen Ware es mir lieber gewesen. Hr. Schluck!) hat mich übertrieben gelobet, allein zu meinen Entwürfen ge- hörtnoch einer, den Sie allein errathen können. Behalten Sie mich lieb, entschuldigen Sie meine slüchtis gen Briefe und auch deren Verspätungen. Ich bin mit der größten Hochachtung. Dresden dcn Tz. August 1763. t^ch dachte, der gute Freund machte sich die Be- kanntschast mit dem Herrn von Foreli »u Nutze, und nähme Gelegenheit, Ew. Wohlgeb. geschrien bene Werke über Münzen und geschnittene Steine dem Herrn Bicecanzler GlltschMtd zu schicken, welcher das leerere bey dem Churfürsten, den er unterrichtet und rechtschaffen unterrichtet, gesehen hatte. Diesem in -jeglichem Betracht, der Gelehrsamkeit,vem Geschmack an schönen Wissenschaften und Nechtschaffenheic nach, wür- ^ ^ würdigen Manne könnte der Freund sein ganzes Herz ausschütten, wiewohl, wenn derselbe blos auf den diesjährigen Zeitraum sieht, ihm der bey S.K. H.dem Administrator vielvermögende Hr. Major von Seyferc mehr helfen könnte. So viel von Ihrem Freunde! Ew. Wohlgeb. wünsche ich nicht weniger viel gus teö, wenn Sie sich einmal aus gelehrten Unruhen m andere vcrseßcn wollten, ungeachtet ich Ihnen, eine gelehrte Muße bey einer Bibliothek am liebsten gönnte, so würdeich mit Vergnügen vernehmen, daß der Geheime Rath Kircheiscl! in Berlin Sie zu seinem Nachfolger vorgeschlagen hätte. Allein solche Be» schüftigungcn lassen sich schwerlich mit Ihren bisherigen Lieblingswissenschaften verbinden, und alles, was ich hier schreibe, ist nur eine Antwort auf Ihren Wunsch, und dieses wicd schwerlich der Wunsch der Musen seyn. Das Werkchen des und Konsorten habe «ch eine Stunde auf der Stube gehabt, und doch keinen Umstand gefunden, der nicht demjenigen könnte aufgeklaret werden, der Aufklärung verlangte. Auf der lF2. S. meiner TLlsircisssmsnz habe ich deutlich gemeldet, daß ich überall die Künstler selbst, oder ihre Lehrlinge und nächste Befreundte befragt, oder befragen lassen» Strudel/ der sich auf Gemälden mit seinen deutschen Namen schrieb, konnte leicht mit seinen Aeltern in Verona die erste Jugend zugebracht haben, ohne daß solches den deutschen Geburtsort Ausschließt. Von unserm SchölMU in Paris liesse »92 ^. sich leichter daß Geburtsdorf Groß«Schöne (nach der Aussprache) dl»ch Groß-Schönau verbessern, weil der Ort der Fabriken wegen bekannt ist, allein das unbeträchtliche Dorf Cammcrn, wie ich auf dem Grabstein selbst gelesen, hat uns erst vielleicht nach- her BÜschlNq deutlicher schreiben gelehrt, Und eS steht noch dahin, ob nicht Balthasar, wie alle Lehr» linge sagen, ein Salzburger gewesen: wenigstens hat er in einem Salzburg schen Granzdorfe eine Schreibund Lese - Schule für zwölf Kinder gestiftet, damit solche den Unterricht gemessen mochten, dessen er in der Kindheit entbehren müssen. LonjeÄurs xour (.'onisÄurs. DaS Studium des Paul Veronei'e von dem Rembrand, zu vermuthen, blieb den mir ein? blosse Möglichkeit, aber die wirkliche Vermuthung war von unserm Dietrich , der gelehrtere Augen hat, als der Hr. Und das Studium nach Veronese schließt ja abermals die Abweichung oder Ausartung nicht miS, der jegliches Studium bey einem Rembrand unterworfen geblieben wäre. W'? leicht liessen sich aber die Spuren dieses Studii beweisen: nur mcht gegen den wirklich in solchen Dingen unmißenden Verfasser, der als Kupferstiche Verleger bessere Kenntnisse hat. Wie seltsam lalltet e6, man lege radirte Blätter von Liebhabern, Standes wegen den, und hernach könne es dem Sammler gleichgültig bleiben, ob der Lieb» Haber den Geschlechts < Namen oder den Namen sp>- nes Versuchs f'-bre, Ls^Ius, Z?re^eui1 oder Lsszj? Diese Gleichgültigkeit be! t ja jene Rücksicht auf das persönliche aus. Wie gründlich haben Ew. Wohl- ^ -LZ. ^ck/ , Wohlgeb» nicht die * * * lacherlichen Zweifel geho« beNt Dem Wunsche, die Kupferstecher cm der Dresdner Gallerie möchten lieber in Dresden , als m Paris gewesen seyn , konnte nach * * ^ Auöle: gung, als schlösse dieses die Zeichnung aus, liach welcher der Kupferstecher steche, ohne äusserste Bosheit nicht angedichtet werden: aber das dcmöüc.'ium comx>3rÄtionis blieb allemal ein Bortheil mehr, dessen der abwesende entbehren müßte, und sollte eine Gegenwart bey Gemälden dem Kupferstich schaden, so folgte daraus, daß die Abwesenheit und Zuschickung der Zeichnung vortheilhaftcr sey. Der Mann verwickelt sich in lauter ungeräumte Sähe» Von Preiölern ist mir erzählt worden, wie dieser noch beklagt, daß man ihm solche schlechte Zeichnung von hier aus, nach einem Gemälde (vermuthlich deS <^uiäo) geschickt, davon er zuverläßig sagen konnte i eine solche Hand kann <5uiäc> nicht gemalt haben. Soll ich sie bessern, so wirst man mir vor, eine Aenderung sey nicht dem Original gemäß, und könnte es auch nicht seyn, und gleichwohl kann die Hand/ die man mir schickt, nicht von dem Meister so gezeichnet gewesen seyn. Die Anmerkung: öosliuz soll sich schreiben, wie sein Vater, betrift nicht blos das vo^LR 5cu1xM (wenn eS noch Argve-xmr Loece geheissen hätte) in dem (Zallsris > Werke, sondern war überhaupt gesagt. Würde sich aber wohl der Englische Kupferstecher in schwarze Kunst, der leßtvcrstor- N bsne ^ .v^i bcne berühmte Faber den Franzosen zu gefallen, so weit erniedrigt haben, daß er in einem in England hcrauögekommenm Werke, wenn auch die Kupfers - stecher französische Unterschriften hatten, sich wie l'anzczuil ?2ber, Is ?evrs geschrieben, weil ?udsr, wie^^^ wohlanständigst aus dem Vi-Nou- uzirs beweisen möchte, Französisch ls ?evis geschries den wird. Ich danke also Ew. Wohlgeb. um so viel mehr, daß Sie aus eigener Bewegung ges schrieben haben, da ich selbst niemals gegen einen solchen ungesitteten Schriftsteller ein Wort, das seinen Neid nicht beruhigen würde, verlieren möchte. Und vielleicht hat sein Consvrre geglaubt, die vermeintliche Unterlasfunge-Sünde der Bibl. der s. W. die sei- ner Bilder »Verzeichnisse nicht erwähnt, an mir rächen zu müssen. Er thut mir mit seinem Mißfallen eine zwar unverdiente, aber, allemal grosse Ehre. Ich bin mit aller Hochachtung. Dresden den 12.Der. 1768. /A'.v. Wohlgebornen geehrteste Zuschrift habe ich sofort weiter laufen lassen, wo sie Nutzen stiften kann. Sie ist nicht ohne Beyfall zurückgekommen. Ich habe noch niemand gesprochen, der diejenige Schrift, welche durch die ungeziemendste Heftigkeit so viel rechtschaffene Manner geärgert hat, im mindesten vertheidigen mögen. Die Hallische gelehrte Zeitung ^ ^. ^ lyz lung ward mir zuerst mitgetheilt, und ich konnte bald darauf das einstimmige Urtheil aus der Ienaischen dagegen schicken. Ueberhaupt kenne ich auch unter unsern hiesigenGotteSgelehrten keine Kehermacher, und der Herr Superintendent ist sanftmüthigen Geistes. Da die angegriffenmGelehrten ein kluges Stillschwei- gen beobachten, fallt der Angriff selbst leichter in Vergessenheit, als wenn man eine klügere Antwort, ihre? Verfassers wegen, aufgehoben hatte ^ und ich irre mich sehr, wenn eine weisere Macht nicht schon Frieden und Stillschweigen geboten hat. Ich freue mich schon im Geiste auf ihre Schrift von geschnittenen Steinen. Hütten wir hier nur de« ren mehr auszuweisen. Unsere Anstalten alles öffentlich zu zeigen und gemeinnützig zu machen, verdient auch Ew. Wohlgeb. öffentlichen und besondern Beyfall. wenn Sie das Schreiben an den Churfürsten noch ab« gehen lassen wollen. Ich habe auch für die Nachkoms men Sr. Durchl. gebeten, niemals die Gallerien zu Ihro alleinigenGebrauch versperren zu lasten, denn ich hatte bey Antretung meines Amtes das Vorurtheil eines vornehmen Mannes zu bestreiken, welcher meynte. grosse Herren müßten etwas für sich allein voraus ha« den, und solche Gallerien nicht jedermann sehen lassen. Welchen guten Eindruck machte nicht letzthin unsere öffentliche Gemäldeausstellung auch bey angesehenen Marktleuten, da jene gerade in die Zeit des Jahrmarkts fiel! Wie soll sich sonst der Geschmack in allen Manufakturen ausbreiten, wenn dem sogenannten N s meinen meinen Manne nichts zu Gesichte kömmt. Und wer ,st wohl der gemeine Mann: Der nützliche Manu» fakturist oder ein apolejischer ^.nts^mduZo? Sie wissen doch, daß der Churfürst LippertS Einrichtung selbst m Augenschein genommen hat? So uneigennützig Ew. Wohlgeb. Absichten sind, so wünschte ich, daß Sie für uns eigennütziger waren, und einen Mann, bey Gelegenheit der Bibliothek Hers zögen, der denWissenschaften hier ein neues Leben gäbe. Selbst die Buchladen leiden darunter oder umgekehrt« Die neuesten Schriften,, nach welchen man fragt,, sind schon ba gewesen» Ich önnte dieses mit dem 2tm Stück der ClodiuSschen Versuche:r. nach welchen, ob ich den Medon gelesen ? die Lhurfürstinn mich befragte, weitläufig erläutern , wenn Ew. Wohlgeb. allgem. Bibl. mir nicht ein näheres Beyspiel gäbe. Auf Pütters I. ?. habe ich vier Jahr warten und es «ndlich von Leipzig verschreiben müssen. Unsere hiesigen Anzeigen sind zu geringe, um davon zu urtheilen; aber gewisse Abhandlungen, z. E. letzthin von der Ehe mit des Serstorbenen Frauen Schwester, da man nur den LIeutlisrum?»xiMLneZ abschreiben dürfen, und besser geschrieben hätte, beweisen, daß man hier seicht schreiben darf. Man sey unter der Kritik, soistman sicher! Ich will damit nicht sagen,daß wir von dergleichen auf einen möglichen argern Grad der Unwissenheit schl;'?tze!',,md endlich dahinkommen möchten,woBayern ror zu Iahren war. Allein von dem Einfluß der Bari bgrey barey auf die Religion liesse sich ein nüßlicherS Pro» gramma schreiben oder aufwärmen, als von der bewußten Materie, wenn nächstens der Stoff dazu mangeln sollte oder müßte. Dem Hrn. D. Am Ende werde ich bey Gele» genheit die Meynung benehmen, welche Ew. Wohl- geb. wegen der Ihnen beygemessenen Theilnehmung an der Höllischen Geschichte der Protest, demselben beymessen. Es ist ein Mann, der Gründe annimmt. Den P. Pernety habe ich für den Verfasser ges wisser chymischen und mineralischen Schriften gehal» ten. Daß ihm daher die Antiken anvertrauet wor» den, will ich eben nicht schliessen, obwohl es an Höfen nichts außerordentliches ist» Die Beurtheilung der RamlerischM Lieder in der Hall. gel. Zeitung war vielleicht in einer Absichc hinlänglich. Ew. Wohlgeb. kritischer Eifer vergnügt den Leser. Ist er aber auch der Gesundheit des Schrift» siellerö zuträglich? Und verspricht es langes Leben, wenn man immer im Streite ist. Doch scheint mir es auch, daß Sie sich nicht sehr über die elenden Scribenten ärgerten. Was macht Hr. Pr. Faco- bi? Ich wünsche ihm viel Gutes. Hr. v. L. hat hier weiter keinen eigentlichen Mitarbeiter, so viel ich weiß. Hr. GleitN nannte mir einen Stadtprcdi- ger in Quedlinburg. Der Raum wird zu enge, die Hochachtung zu beschreiben, mit welcher ich hin :c,° N 3 Sollten Dresden den i,. Nov. 1769. ollten Ew. Wohsgebor. wohl glauben, daß ich den i iten Theil der Nachrichten von Kunst- lern und Kunstsachen noch mit keinem Auge gesehen habe? Ihre Vertheidigung, mein hochgeehrtester Herr Geheimder Rath, welche ich sowohl, als deren gütigste Mittheilung, für eine Folge Ihres bestandigen Wohlwollens angesehen habe, machet mich mit einigen Ausdrücken'jenes gegen so viele rechtschaffene Manner aufgebrachten Schriftstellers bekannt ; und mit deren Schicksale tröste ich mich gerne» Ich weiß nicht, wie sehr er Ew. Wohlgebor, beleidigt hat; doch halt ich bey jeglichen Widerlegungen, sobald man Recht, und gute Gründe anzuführen hat, den glimpflichsten Ausdruck für den überzeugendsten» Vielleicht mildern Sie selbst noch einige Ausdrücke, wenn das Ueberschickte nur ein Probebogen gewesen. Ich eile daher mit der Antwort, in der Hoffnung, daß Ihnen - mein hochgeehrtester Herr Geheimder Rath, meine Liebe zum Glimpf nicht z - wider ist. In den ersten Augenblicken denkt man freylich nicht also. Allein die würdigsten Waffen sind Sie sich selber schuldig. Behalten Sie ja das Rostische Lied zurück. Es widerlegt nicht den Schriftsteller, und mit diesem haben Sie doch nur zu schaffen. ^ ^ 199 Wie sehr wünschte ich, daß alle ihre Widersacher sich in Freunde verwandeln möchten! Meine Kleinigkeiten im Radiren verdienten aller- dings weniger Beyfall, meine Betrachtungen kein so lautcsLob, und ich für beydes keinen Haß. Freunde und Feinde sind partheyisch. Man hat mir zwar gesagt, daß Ew. Wohlgebor, hier durchgereiset waren I ich habe es aber da« malS nicht glauben können. Ein anderesmal vergessen Sie nicht Ihre Freunde und die Gallerie der Antiken zu besuchen, die im vorigen Jahre einen beträchtlichen Zuwachs an der Graslich»Brühlischen Sammlung erhalten hat. Alsdann habe ich das Bergnügen, die Versicherungen meiner unveränderlichen Hochachtung zu wiederholen, mit welcher ich bin Ew. H rungen der Ergebenheit sind nicht minder lebhaft, und ich bin von Herzen:c.