Brief des heiligen Jambres in Elysium » an seinen Freund Ianneö, im Limbuö der Väter den schwarzen Mann auf dem Berge Sinai betreffend. Elysium, 1786. Lieber Bruder Iannes! >^Hu wei>zt, aus eigner Erfahrung, wie e» in lener Welt, wo wir uns weiland einige Zeit aufhielten, zu gehen pflegt. Du weißt, daß da des Streits über Wahrheit und Zrrthum, leider, und dem Ammun sei'Dank, noch kein Ende ist. Was aber deinen Glauben und dein Vcrmu.- then eben so stark wie den meinigen überraschen wird, ist die Nachricht, welche-ich von zuvcrläßiger Hand erhielt, daß Moses,, welchem wir beide so großen Widersrand thaten, noch immer in der Dunkelheit des Aberglaubens für mehr angesehen wird, als wir; weiter, denn was that er sonst A - vi« 4 > viel mehr als wir beide? weil er—L.ause machen konnte, und wir nicht. Aus diesen eben so unchrbaren als lächerlichen Vorzug, den er vor uns hatte, bauten die Theologen der Unterwelt, (welche aber, wohl zu merken, nur die lebten, und ^» ?«/»o?v-?« Fe»tt'?-m unter den Theologen sind) den Beweis seiner göttlichen Sendung. Alles was wir ihm gleich thaten, ernährten sie für Zauberei, und Werke eines Dämons, der, wie du weißt, zu unserer Zeit noch nicht erfunden war. Du weißt, lieber Zannes, daß dieser Moses mit uns in einer Schule lernte und unterrichtet wurde; du weißt, daß zwischen ihm und allen unsern Mitschülern weiter kein Unterschied war, als der, welchen die zweckmäßigere Anwendung seiner Fähigkeiten, oder die stärkere Ausbildung seiner Talente gibt. Solisten pflegt man die Menschen, welche miteinander aufgewachsen, und von einerlei Lehrern unterrichtet sind, und einerlei Proben ihrer Kenntnisse und Wissenschaften ablegen, auch nach einerlei Maaßsrabe zu beurtheilen. Anders aber verfahrei, jene Dunkelgläubige der Mcnschcnwclr, welche es für einen Satz, der der reinsten Vernunft Ehre Ehre macben soll, annehmen, baß Gott und der Teuft! in einer und derselben Schule unterrichten, und zwar beide, bewundere lieber Ianncs die Philosophie dieser Männer! beide ebendasselbe. Nach ihnen waren unsere Werke dlachahmungcn des höllischen Dämons, oder Blendwerke; jene unsres Mitschülers Mosis aber, Wunder. Sagemir, Jannes! kannst du aus diesem vcr- morrnen, oder lacherlichen Unsinn, dich zur Ehre der Altgläubigen wohl herausfinden? Wir alle, am wenigsten aber unsre Lehrer in der Naturkunde, glaubten damals wohl, da wir um sie her wandelten, und den hohen Unterricht aus ihrem Munde hörten, daß Moses diesen Unterricht zum Verderben unsers Landes anwcndcn, oder daß nach ein paar Jahrtausenden, christliche Priester uns verläumden, und behaupten würden, Gott und Satan habe aus einem Menschen zu gleicher Zeit geredet, und uns und Mosen gelehret. Wir können aber dieses nicht anders , als mit dem freundlichsten Mitleiden erwiedern, lieber Iannes! denn, was mögen arme Menschen, die solche Widersprüche glauben> nicht ausserdem noch für eine Menge Irrthümer als Wahrheiten annehmeu? A ? nnd und ist es wohl eine Haß - oder Mitleidswürdige Lage, von der Dunkelheit und Finsterniß des Aberglaubens und Wahnsinns, wie von einem unbarmherzigen Alp gedrückt zu werden? Damit du aber den Menschen nicht Unrecht thust, und etwa glaubest, als wären alle Theologen gleich finstere Köpfe, worinnen du sehr irren würdest; so muß ich dir eine Nachricht erzählen, welche ich von einem Ankömmling in Elnsium gehört habe. Sie betrist ein Buch und sein Schicksaal, welches er uns durch Vergünstigung des Engels, der ihn hiehcr führte, mitbrachte, und welches den Titel führt: philosophische und kritische Untersuchungen über das Alte Testament und dessen Göttlichkeit, besonders über die Mosaische Religion. Dieses Buch hat den gutgemeinten Zweck, alle Barbarei aus derjenigen Religion zu entfernen, welche jetzo auf dieser ganzen Unterwelt, ohne Widerrede die beste ist, welche je darauf zu finden war. Der Verfasser desselben zeigt überall die herzlichste Anhänglichkeit an ihre vernünftige Lehren, und spricht mit einem Enthu- fiasmus von ihr, welche unsrer Anhänglichkeit an die die heilige LebrM unsrer Weisen gleich ist. Freilich, lieber Iannes! huldigt er nicht jenen gleichgültigen Glaubenssätzen, welche irrende Menschen in der Kindheit der Philosophie erfanden, oder in jener Zeit, wo man die Philosophie deshalb haßte, weil ihre Verehrer Mitbürger politheistischcr Böller waren. Wie wenig aber dieses Benehmen Tadel verdiene, erstehest du leicht daraus, weil Glau- bensmeinungen keinem Menschen gegen sein vernünftiges Wollen aufgedrungen werden dürfen. Zweifeln, ist oft, und in vielen Fallen bei solchen nnerweislichcn Dingen, und das sind alle Glaubcns- sachen, weiser, als 'zu leicht und zu rasch glauben. Ersteres, hat weder.Narren, noch Schwärmer, noch schwachsinnige Köpfe gemacht, da alles dies von deni letzteren nicht zu läugncn ist. Wenn ich so aus meinem Standpunkt in Elysium die ganze Erde, unsern vorigen Aufenthalt, vom äussersten Mccrc bis an die entgegen gesetzte Grenze überschaue; heiliger Amun! welche ungeheure Verschiedenheit zwischen den Glaubcnssachen der. Menschen! Siehe die Lamas, die Völker am Hindus, dem gelben Flusse, dem fruchtbaren Japan, dem BosphoruS, der Tybcr, Elbe, Spree, dem Mlssisippi/ Oronokö, . A 4 - den t 8 ' den freundschaftlick)cn und allen Inseln der Südsee; welch ein unendlicher Unterschied von Meinungen! Aber nicht so ist es, lieber I-mnes! mit den Dingen der Ueberzeugung, welche die Menschen durch mannigfaltige Erfahrungen belehrte. Alle diese Völker, die sich in Glaubensmeinungcn eben so ungleich sind, als an Farbe, Gewohnheiten, Sitten uud Cultur, alle diese haben, im Verhältniß ihrer Ausbildung, gleiche Ueberzeugungen von den wechselseitigen Pflichten der Menschheit; sie thun wohl, sind mitleidig, gerecht, gütig, menschenfreundlich, jedes in seiner Maaße; und sind über alle diese Dinge der Ueberzeugung, entweder schon von Natur einig, oder doch leicht, wenn sie noch ungebildet sind, durch Cultur und Beweise zu überzeugen. Du wirst den Verfasser der angezeigten Schrift es also nicht verdenken, wenn er unsere Theologie, wie wir sie am Nil lehrten, nicht glaubt, so wenig als irgend etwas, das mehr Grade der Wahrscheinlichkeit gegen, als für sich hat. Du bist gerecht und billig, Iannes! und kein verfolgender Hartgläubiger, der im ganzen weiten Felde der Gelehrsamkeit, wie ein Freibeuter da Mgr ' sengt und brennt, wo man nicht glaubt wie er; aber desto mehr wird es dich wundern, daß es in der besten Religion der Unterwelt noch Leute gibt, welche bey der Löblichkeit eines Zwecks, wie der angezeigte des Verfassers ist, mit einer Wuth losfahren, welche man kaum dem Cerberus an seinen Ketten zutrauen sollte. Dein Erstaunen aber wird sich um vieles vermehren, wenn ich dir sage, daß ^er gutdcnkendc Verfasser des Buches, d17osi alle nur mögliche Gerechtigkeit wiedcrfahren läßt, und sogar in vielen Stellen seine Vertheidigung übernimmt; daß er nur das Unmoralische, Un- , glaubliche, und allem vernünftigen Erkenntnis Widerstreitende, aus dem heiligen Buche der Juden verbannen, und die Gottheit von der Beschuldigung retten will, als habe sie uns durch mannigfaltige Wunder verfolgt, getödtet, unsere Kriegsheere ersauft; Diebstal, und sogar Mordeil der armen Palcstiner, ihrer Schwangern, Säuglinge, und selbst des unvernünftigen Viehes befohlen; u. s. w. Gegen eine solche Arbeit stand ein Mann auf, von jener Menschcnklasse, die, wenn sie kairc vernünftige Denker, ohne vorgefaßte Meinungen, und A s gcrechre 10 ^---^-- Aercchtt Prüfte der Wahrheit enthält, eine nützliche Menschenrasse; wenn ihnen aber diese Tugen- den ftKIcn, ein Mitleidverdiencndcs Völkckei: sind; villeiäit gar ein Mann der noch nicht einmahl zu dieser leztern Klasse gerechnet zu werden verdienet, da er, wie er selbst sagt, ein L.aye ist. Was dies für eine Art Menschen sei, habe ich wohl nicht nöthig meinem guten Bruder Iannes zu sagen, der so oft mit unsern Weisen in den Hehle» des Labyrinths, von den Geheimnissen der heiligen Philosophie, mit so viel größerer Wonne sprach, weil kein ungewcihtcr Laye, dein Wissenschaften, und die geheime Erkenntnisse der Natur, unbekannt waren, seine tiefe Betrachtungen mit alltäglichem Unsinn stören konnte. Fern hielten wir immer den ?rc>5znum Vu?AU8. Weil uns nicht unbekannt war, daß durch sie jene Verwirrungen in unsere Weisheit hätte kommen können, welche sich in die jczige beste Erdenreligi- ou, durch die Bemühungen der Laycn, irrender Grafen, Milzsnchrigcr Lcincnwebcr, Schneider, Schafte und Kaufleute einschlich; und daß leichter . - -''j ... , . Prose, -^..^ II Proseliten durch sie, und allen schwärmerischen Unsinn gemacht werde, als jeder gesunde Menschenverstand machen konnte. Ein Laue, und aufs billigste genannt, ein Mann ohne Kencniß der Weisheit, trat auf, und beurtheilte im 222 StücL der allgemeinen Litteratur-Zeitung vom Jahre 1785, das dir nun bekannte Buch, und gleich im Anfange seines Urtheils schüttet er das ganze Füllhorn seiner Layen-Bcredt- samkeit aus, welche dich beiden: ersten Blick nur dem herzlichsten Mitleid, über den gutgemeinten Unverstand des Laycn rühren wird, der die ganze Religion fallen sieht, weil jüdischer Glaube gekrankt wird. Was für ein Geist den Mann beseele, werden dir seine eigne Worte sagen. Kaum hatte er alle Beleidigungen die der trivialste Critikastertsn anstimmen kann herdeelamirt, so flüstert ihm ein gerechter Genius ins Ohr, du hast unrecht: und er sagt mit einer Offenherzigkeit, welcher nur ein ehrlicher un- bedachtsamer Laye fähig ist: vergeltet nicht Schclt- rvorte mit Scheltworten. O! allmächtige Gewalt der Wahrheit, was vermagst du nicht über die Menschen! Z" Zn wissen sey dir lieber Iannes! um diese Lx- rlamation zu verstehen, baß der Verfasser des Buchs, mit aller Wärme eines gerechten Mannes, sich gegen die Verfolger der Vernunft im allgemeinen, und zwar mit jeder Lebhaftigkeit erklärte, welche der Unwille über solche sinnlose Verfolgungen , die,- se Pestilenz der Gelehrsamkeit, des Verstandes, und der Wahrheit, ihm abnöthigte; daß er aber auch jedem Verdienstvollen Manne, wcs Standes er sei, alle Gerechtigkeit wicdcrfahrcn lies. Er schalt also in einem gewissen Verstände genommen, die Thoren die er hätte bemitleiden sollen, die alt und hartglaubigcn Verfechter angccrbtcr Vornrrheile. Du weist also mm, wen der Verfasser schalt, und wirst inm den Mann von Angesicht zu Angesicht kennen lernen, der sich selbst zur Klasse derjenigen rechnet, die gescholten sind; zugleich wirst du auch ein untrügliches Vorgefühl, von der Art empfinden, wie dieser Layc den Verfasser, und seine Meinungen behandeln kann. Ich muß dir indessen den schwarzen Mann, der aufSinai den Gipfel des heiligen Berges festhalt, damit keine Gewalt ihn niederstürze, auch in seinen Ansprüchen auf Gelehrsamkeit und Philosophie, die er bei all seiner seiner Laycnschaft affectirt, in seinem wahren Lich te kennen lernen. Zuerst — denn ihm ist der Verfasser ein Man, von jener abscheulichen Klasse der Menschen, wel- che man Deisten nennt, die nur einen einigen, guten, volkommnen Gott erkennen, und ihn durch getreue Befolgung der sittlichen Pflichten der Menschheit, am besten zu verehren glauben; ohne sich mit vielem Nebenglauben abzugeben, und ihn für die Quelle der empfindbaren, nicht erträumten Glücksceligkeit anzusehen. Um ihn recht zu brandmarken, und ihm wehe zu thun, sczt er den Verfasser in eine Reihe mit den Vertheidigern des geraden Menschenverstandes, Morgan, Chubb, Tindal, ZZolingbroke, Hume und Voltaire. Er nimmt es ihm sogar übel, (wie kann ein Mensch so sehr die Sache vergessen die er liebt und vertheidigen will) daß er die Religion der Juden nicht mitHu- mens Scharfsinn und mit Voltaire Witz angegriffen habe, sonsien würde er wohl dem Verfasser deshalb keinen Vorwurf gemacht haben. Armer Man! warnm thut es dir leid, daß das Schwerdt gegen dich, nicht Rolands Duranda ist? Was dir aber höchst sonderbar vorkommen wird Iannes! ?st, daß 14 ^ daß ein Lane welcher fönst einen guten Verstand für sein Haußwesen haben mag, sich mit der Beurtheilung von Humes Scharfsinn und Voltairs Witz abgibt, ohne den hohen Standort in feinen Bemerkungen zu zeigen, von welchem er sie beide zu über» sehen und andere darnach zu messen vermag. Ue, bcrdem wirst du aus keinem Blatt des beurrheiltcn Buches finden, daß der Verfasser Ansprüche auf etwas mache, worüber ihn der Laye aushöhnen zu können, besugt zu sein glaubt. Verzeih indessen dies alles dem armen schwarzen Manne, da du weist, daß selbst kein Apelles den eritisirendcn Schuster bei seinem Leisten zu halten vermochte, und daß diese ArcLcutc gerne über alles ihre Meinung sagen mag, unbesorgt, wie sie aussallc. Nachdem der Laye einen Theil der Vorrede, ohne die geringste Widerlegung abgeschrieben, so macht er bei den Worten: „Indessen lies er es bewen« den, Mosi die Existenz zu lassen,, die unreinliche Bemerkung —mn ihn mit Roth zu werfen. — Der Verfasser aber lieber Iannes! sieht mir gar nicht darnach aus, daß er an etwas Vergnügen finden follre, was so sehr unter der Würde eines belehrten ist; aber dcm Layen ist es wieder nicht zu ver.- verdenken, daß er gerade diese Muchmasung und keine andere, hat. Gemeiniglich vermuthet man an andern dasjenige am leichtsten, was man selb, sren thun würde, und was zur Kunst gehört, et H/iMi/tte/-^tt o^c--'e?/i. Dies alles lieber Ianncs! ist von der Art, daß ich es deiner Aufmerksamkeit nicht würdig geHall ten hatte, wenn der Laue es dabei hätte bewenden lassen. Nach deiner Menschenkenntnis; aber weift du, daß Leure von niederem Stande, auch gewobn/ lich jene Denkungsarc haben, welche demselben angemessen ist, und daß diese Niedrigkeit, zugleich in ihre Empfindungen über geht. Unwahrheiten und Verläumdnngen sind die gewöhnlichen Gefährten der Unwissenheit und des Gottes Stnpor, dem der Pöbel'aller Stände opfert. Leute dieser Kaste der Sudders, verstehen die von jedem redlichen Manne verabscheute Kunst, >» (Ä/.>kl. ll>. IV. so an, daß er wohlbcdachtlich alles hinwcgläßt, was die Unparteilichkeit des Verfassers ins Licht seht. Wenn dieser sagt: daß sich in den Anordnungen Mosis, viel gutes, aber auch viel ungereimtes fände, so läßt der Laye diese Worte „viel gutes" mit vieler Vorsicht aus, weil sein Jntressc, n-i ^ama-^-»«, dabey leiden würde. Ebendaselbst S, Hl. sagt der Verfasser: in den Psalmen Hörteich oft einen Unmenschen reden, und einen Barbaren, (siehe die BeweisePs. 79.8Z.?4-und soviel? andere: ) Ueber- zeugt das dies der Fehler des uncultivirtcn Zcital« rere war, und nicht des Menschen, hatte der Ver, fasser vorher die Worte ausdrücklich hingesczt, nach , unsern (aufgeklärten) Zeiten zu beurtheilen, und hinter die angeführte Stelle die Entschuldigung Davids beigefügt: seine Sprache hatte dazumal keinen LIahmen für das Vvc-rt Tugend. Diese Zusaze aber, welche aus harten Ausdrücken, historische Wahrheiten machen, lies der Laye weis, -7 Weislich hinweg, um einen Mann anzuschwärzen, den er weder verstand, noch verstehen wollte, »och vielleicht — konnte. Mir eben dem Geiste übergeht er die ganze Stelle S.4. von der Unnüzlichkeit der Wahrsagungen, für die Christliche Religion, und zieht nur dasjenige aus, was in seinen Kram dient. Nichts ist dies alles lieber Iannes! gegen den Humischeu Scharfsinn, den der Laye in der Criti? zeigt. Bei den Worten des Verfassers, S. z. 1 Cav. (wo er es wieder für gut findet abzukürzen;) „Moses, so zweckmässig und gut seine Meinungen, für sein Zeitalter, für sein Volk, „und das ganze eines angehenden Staates „waren, welcher aus einem nomadischen „Volke gebildet werden sollte; ist das ewige, „unverwerfliche Modcl, der groseTypus der „Theologen im achtzehnten Jahrhundert „geblieben. Die Lehre der Unbeschnittnen, „wird auf die Lehre der Deschnittnen, die „Gnade, auf alle Flüche des jüdischen Gesezes „erbauet" fragt der Laye mit einem Verstände und Scharfsinn, der ganz seiner würdig ist, „thaten denn dies die Theologen ? " ich solte wohl denken daß die harten und selbst jene Theologen diesen Vor- B wurf 18 ^ wurf verdienten, die entweder die mosaischen Beschreibungen von Gott, für göttlich, und was Moses als Pflicht vorschrieb, glcichfals für göttlich ansahen, welche die beiden Testamente für verträglich miteinander, und das alte für vorbereitend auf das neue ausgeben; oder von gewissen Erzichungsanstal.- rcn der Gottheit sprechen, welche, wenn sie wahr sind, bei Hottentotten, Caraibcn, Cassern und Neuseeländern eben so gut statt finden, da sie so gut wie die Zuden sich ausbilden; da die Vorsehung es ihnen nicht, und eben so wenig an Gelegenheiten schien läßt, als den andern Völkern des Erdbodens. Wenn ihre Jahrtausende, wie bei den ursprünglichen Stanimvölkcrn der Zuden, werden verflossen sein, so wird es ihnen an keinen Männern fehlen, die ohne Göttlichkeit ihres Berufs vorzu- wcnden, ihre höhere Ausbildung so gut bewirken werden, als es die Lehrer der Griechen, Römer, Deutschen, und anderer Völker, mit gröserem Glücke thaten, als Moses. Ucbcrdem aber behauptet der Verfasser dieses , mcht von andern, als jenen schwachen Theologen, welche dem alten Sistcme noch treu sind; und die Frage des Laven „obs alle Theologen thäten? räumt ' 19 räumt ja ohnehin schon die Wahrheit der Behauptung des Verfasser ein, sonst wäre die Frage alle? sehr Nonsensicalisch. Aeuserst verwirrt aber wird sie durch die eigne Beantwortung des Lauen, welche er sich, hätte er kalt und vernünftig nachgedacht, aus denen Worten abgezogen hätte, welche er von S. 6. . obgleich aufs unrühmlichste verfälscht, anführt; wovon an seinem Orte ein mchreres. Ists unrecht, fährt der Laye zu fragen fort, aus der Religion der Beschnittnen das zu nehmen was gut ist ? Ivir dachten wo man Wahrheit findet, darf sie der N?ahrheitsfreund nehmen, ohne den Menschen z» visitiren, ob er Vorhaut habe oder nchit? diese überflüssige Frage lieber Iannes! verdient kaum eine Antwort. Welcher vernünftige Mann wird es läugncn, daß man die Wahrheit nicht in allen Büchern, wo sie sich findet, als solche könne gelten lassen? Und hat es der Verfasser etwa nicht gethan, da er einräumte, daß viel gutes mitunter zerstreut wäre? Beym großen verborgnen Ammun! Wir würden einen elenden Wortverdrcher und Verläumder zum untersten Kast der Schweinehirten verstoßen haben, der unverschämt genug hätte'sein können, so etwas B - . «n 20 an uns nur zu bezweifeln! Lies Freund! im 7. Kap. S. 117. die Stelle: „die Wahrheit ist nicht in Testamenten, nicht in der Torah, dem Talmud, dein Fendavesta, denDedams, und andern heilig genannten Büchern Allein enthalten, sie liegt einzig im Menschlichen Verstände, und einzeln zerstreut in allen diesen Dnchern u. s. w„. Kann eine Frage bei solchen ausdrücklichen Stellen, die die deutlichste Beantwortung sind, andere als sehr übel angebracht sein? — Wahrheit konnte Moses von unsern Lehrern, und Obelisken lernen; das kann der Christ vom Juden, wenn ihm sein heiliges Buch, - seiner Meinung nach etwa zu wenige, oder zu dürft tige sagt — mag er sie doch denn nehmen aus dem Alten Testamente, oder dem Koran, oder wo er will — oder sieht sein Verstand schief, ist seine Bcurchcilungskrafc arm, laß ihn hingehen wohin er will, um eine Ruhe zu suchen, die der Verstand nicht schenkt, wer wird ihn darüber beneiden, oder es der Mühe werth halten, sich mehr als nöthig ist darum zu bekümmern? Und dann visi, tire oder visitire nicht, dem Vernünftigen ist» gleichviel? 2" 2l In solchen Labyrinthen überflüsiigcr Bemerkungen, verwickelt sich der Laye immer tiefer. Viel Mangel an gesunder Philosophie mns: man schlechterdings besitzen, um seine eigne Unwissenheit zu gestehen. Er fragt nämlich bei einer Stelle, S> unten, nnd S. 4. biß zürne» Zeile; „<1> theurer „philosophe! sage mir L.aycn wie man „Schriftstellen richtig verstehen könne, welsche aber dochalsdenn unrichtig sind, nnd »nichts beweisen? — Das lieber Iannes.will ich dem L.ayen an statt des Vers, beantworten. Wenn irgend jemand (wir wollen eine Stelle aus deinem dir so lieben Alten Tcs^niento w> ^.'n) gegen dich behauptete, Sau» und S.'mucl h.°t> ten sich, nach dem Mord welchen der letzter? am Könige Agag in Gegenwart des ersteren verübte, so sehr cntzweiht, daß sie sich inz ihrem Lei en nicht wieder gesehen hätten; und führte dir die S lclle an 1 Sam. 15, zs. Und Sainuel sche San! forthin nicht mehr sein L.ebenlang' lnc du wohl diese Worte, richtig verstehen? Nun aber hättest du im 1 Sam. 15, 24. gelesen: und Saul zog auch aus ftine Rlcider, und weissagte vor Samuel u. s. w. »r.d behauptetest Kraft dicht D ? ^ Ct,eLe 22 ——. Stelle die sehr verständlich ist, senc Behauptung sei unrichtig, hätte da nichr einer von euch beiden ans einer richtig verstandenen Stelle, etwas das „„richtig sein muß — denn Widersprüche lassen sich nicht vereinbaren — weil sich beide Stellen widersprechen, bewiesen? und eine gleiche Beschaffenheit hat es mit derjenigen Stelle, die du, so verständlich sie «uchjcdem nur mittelmäsigcn Philosophen sein mag, nicht verstanden zn haben, vermuthlich mir vorgibst. Dieses lieber Jannes! war eine Probe der philosophischen Kcntnisse des Layen, von welchen du noch einige erhalten sollst; nun muß ich dir auch eine von seinen historischen vorlegen. Der Verf. des Buchs bediente sich des Ausdrucks: «Der „Sancta'Lides Apostoli'ca sollThcma- »sianisch geglaubt werden.» Würdest du wohl bei dieser Stelle folgende Bemerkung nur vermuthet haben. „Glaubt doch nur wieLhomasius „glaubt! oder was ist ein Thomasianü z>scher Glaube? „ Läßt sich wohl eine solche lächerliche Verwechslung, zwischen einem Patriarchen der Recht6gelahrhcit,'und einem heiligen der Cato- lischen Kirche, ohne die tiesste Ignoranz, (gesezr «6 solte auch hier Toinisiisch stehen) in der Patri- 2Z Patristik, oder besser in der Catolischen Kirchen Geschichte gedenken? LpeLiarum acimiili, iilum tsneatiz »mici. Wem unserer Critiker und Theologen ist wohl der grose Vertheidiger des blinden Glaubens nnd Gehorsams, der heilige Thomas Acminas, unbekannt? Venm grosen Phtas ! wenn nichts dich überzeugen könnte, daß der Layc ein wirklicher Layc ist,Ia>m?s,so müsie es diese Frage thun, selbst dann,wenu statt thomasiauisch,thomistisch stehn sollte. Nachdem der Laye der Geschichte diese Ehre gemacht hat, geht er zu der nicht minder weisen Bemerkung, über die Wunder, über. Der Verf. sagte nämlich: -,Wo der Verstand Ausnahmen „machte, mußten Wunder auftreten, nm zu „überzeugen, gleich als wenn Wunder den .^erstand erleuchten, und Widersprüche zu „Wahrheiten umschmclzcn könten», Hier macht der Laye die wichtige Bemerkung. „Gleich „als wenn man je Wunder genuzt hatte, um „aus Staub Gold zu machen, oder nur um „einzelne Lehren zu beweisen.)? Ich gestehe dir gerne lieber Iannes! daß es ein origineller Einfalt ist, Ueberzeugungen m?d Alchimisterei mit tinande-r B 4 zu zu verwechseln, auch findet sich solche unsiunige Behauptung nicht in der angeführten Stelle des Verf. eine Antwort hierauf ist also völlig unnöthig. Ein anders aber ist die Frage, geschahe» ^vunder zum Beweise einzelner Lehren? und so unbegreiflich auch dieses dem Layen sein mag, so ist es doch nichts weniger wahr. Zu den Säzzcn der Vernunft lieber Iannes! bedarf es wohl keiner Wunder. Zu allen Sazzen der Ueberzeugung noch weniger. Wirst du den Saz des Widerspruches; den Saz des zureichenden Grundes; den Saz, von Möglichkeit und Wirklichkeit; und endlich den Saz, daß nicht jeder, der sich für einen Critikcr ausgibt, auch deshalb ein Crititer sei, besonders wenn er ein Laye ist, je bezweifeln? wird es mit dir nicht jeder vernünftige Mann, ohne alle^vunder glauben? Daraus folgt, daß die ganze Moral, alle Erkenntnisse der Mcnschenpflichten, welche ohnehin Kinder der menschlichen Bedürfnisse und gemachter Erfahrungen sind, daß die Religion mit einem Worte, welche die Beförderung der Sittenlehre, und der nur aus ihr einspringenden Glückseligkeit zu ihrem Gegenstände hcss, keiner Wunder bedarf. Wozu sollen sie also geschehen sein? Das sagt uns Moses Moses zu Raemses. Sie sollten beweisen was wir nicht glauben konnten, und anders wüsten, "Er sey ein Gesandter Gottes» :e. Und was sollen sie beiden Juden gewirkt haben, welche cbenfals ohne Wunder wie Most Iehova vorhergeht haben soll, nicht glauben würden? Sie mußten die Stelle des Verstandes vertreten; sie mußten Israel von einer Sache überzeugen, die es mit allem Rechte nicht glauben wollte. Und wie sehr hat der Laue die Worte unsres Freundes Paulus vergessen, der so ausdrücklich sagt: daß die N?nnder zum Zeugnis der Wahrheit der Schrift geschehen wären. Er sagte nämlich in seinem Sendschreiben an die zerstreuten Hebräer, »Gott habe seinein Worte Zeugnis gegeben, „durch Zeichen und "Wunder:e. 'Hcbr. 2. v. 4. Für die deutlichen Forderungen des Menschenverstandes habe ich dir schon bewiesen, daß es nicht nöthig war. Der praetischc Theil des Christenthums bedürfte ihrer nicht; es bleiben also blos die Glaubenslehren übrig, die zwar im Alten Testa? mcntc'zahllos, aber in dem Christenthum nach der mivcrfälschten Lehre Christi, sehr, sehr einzeln waren. Sie bestanden in der Lehre von der Vor, V s sehung sehung Gottes, und einem künftigen Leben, und zu glauben, daß er ein Lehrer sei, der mir Wahrheit und Glück der Menschen zum Zwecke habe. Die Wunder Mosis zielten auf Verheerung und Mord und Raub ab, und waren Misbrauch bekannter Naturkcnntnißc, und vorgegebene Beweise, für die Göttlichkeit dcsGesezes. Die.Wunder Christi, dieses heiligsten aller Menschen, hatten Glück der Menschen zum Zwecke, und waren rvohltharen womit er aller Herzen, die ihn nicht verkanten, aufs innigste an sich zog; aber bei beiden waren es nichts wem- gcr als gestörte Naturgesetze, sondern bei leztercm gute rechtschafne Benutzung der Naturkenutniße. Was man nach ihm in den christlichen Glauben mir eindrang, gehört nicbt Christo, sondern den Vätern. Da es dem L.ayen unmöglich war zn widcrle, gen, so mußte er sich mit Scheltworten, wie er den Anfang seiner Recension selbstcn zu nennen beliebt, welche aber eben so gut den Titel: „Beweis ).der Schwäche des Verstandes eines Laycn" verdient, inil leeren Bemerkungen behelfen; und da er auch diese Pfeile seiner armen kleinen Rüstkammer verschossen hatte, zu offenbaren Unwahr- leiten und unrichtigen Beschuldigungen seine Zuflucht ' 27 flucht nehmen, um den Verfasser als einen Mann ohne Kenntniß, dem Publikum darzustellend Der Verfasser soll nämllch S. 6. gesagt haben: „Erst unter Friedrichs des Großen duldenden Ac- giernng traten LNanner auf, die als "vernünftige dachten, und deren Vernunft sich von denDaumschrauben desVorurtheils und des Aberglaubens loswand." Es gehört wirklich mehr als Unverschämtheit dazu, lieber Jan» ncs! einem vernünftigen Manne seinen leeren Kopf auf den Numf zu setzen, und ihn eines Anachronismus zu beschuldigen, dessen er unfähig ist. Sollte man nicht denken, der Verfasser zähle den Anfang der Aufklärung vom Jahre 1740. Aber entweder sahe der L.aye nicht die vorhergehende Stelle S. 5. wo der Verfasser unter den Aufklärern des menschlichen Verstandes, einen Grotius und Socin nannte; wo er ausdrücklich sagt, daß sie zum künftigen Tage Anstalten trafen: .muß er nicht die Note haben sehen wollen, wo der Verf. deutlich sagt, daß die Aufklärung einen langsamen Gang genommen hatte; oder in seinen historischen Kenntnissen so weit zurück seyn, daß er glaubt, Grotius und Socin hätten nach nach dem Jahre 1740. gelebt. Und wo kommt das Wort "Erst,, her, welches der Laue dem Verfasser unterschiebt? Heißt es nicht im Gegenrbeil ausdrücklich: „LTach ih.nen (Grotius, So- „ein u. a.) kamen in dein jeizigcn Jahrh««- „dert u. s. w." ist es weniger als Unredlichkeit, einem Manne falsche Meinungen unterzuschieben, die seinem Verstände Unchrc machen, und seine Kenntnisse herabwürdigen, um damit das Publikum, das Wahrheiten erwartet, zu hintergehen? heißt es nicht seiu Zutrauen auf eine unedle Weise misbrauchen? Ast dies etwa der Beweis einer guten Sache, wenn man sich mit Verdrehungen durchhelscn muß? Immerhin, Ian- nes! immerhin, laß die Feinde des Verstandes sich solcher Waffen bedienen, die Pseilc fahren zurück, und solche unwahre Bcschnldigimgen sind der redcndstc Beweis von der Güte eines Werks, worinnen die größte Ausgelassenheit nichts fand, das sie mit Grund schänden konnte, und mit solchen unedel» Behelfen sich abgeben mußte. Mit vieler Vorsicht läßt der Laue die Worte „in „dem jeyigen Jahrhundert" hinweg, um aus einer Zeirevoche, eine ansschliessende Beziehung auf ein 29 ein einziges Land zu machen, um fragen Zu kz„„e„, Ihre Nahmen? und in andern Segenden, unter andern Regierungen, giebts weder Forscher, nochDeisten, noch Aufklärung? Dies, Iannes, fragt der Laye einen Mann, der ihm einen Grotins zc. mit Nahmen nennt; den er selbst, im Anfange beschuldigt, einen Tin- dal, Morgan u. s. w. zum Muster genommen zuhaben; einen Mann, der eine Zcicepoche angibt, unter welcher alle Menschen leben, und die kein ausschlicssendes Beneficium eines einzelnen Landes ist. So verwickelt er sich in Widersprüchen, und kommt mit einer pharisäischen Frage: „Ihre „Nahmen?" VcymAmmun, Iannes! wenn sie der schwarze Mann nicht kennt, so verdient er auch Nahmen nicht zu hören, die? zu ehrwürdig sind, durch Befriedigung einer boshaften, erdichteten Nenbegierde, entweiht zu werden. Mit Freuden, glaube ich, würde der Verfasser die Behauptung unterschreiben, daß jetzo ganz Deutschland und andere Völker, so gut ihre großenManner hatten, und noch haben, als sie schlechte und eingebildete Laycn und Critikasters besitzen. Der Der Laye geht nun weiter, und fängt an die Rolle eines Philosophen zn spielen, beschuldigt einen Moses Mendelssohn der Sophisterei, dadurch, daß er einen Verf. derselben beschuldiget, welcher mir Mendelssohn einerlei Meinung hat. Der Verf. sagte nämlich: daß eine menschliche Religion ohne Sünde verändert, und von Menschen dem Verhältnisse der Zeit und Cultur angepaßt werden konnte: „Mit einer göttlichen Religion, „fährt er fort: dürfen (darinn haben die (Orthodoxen völlig Recht) keine Veränderung „gen getroffen werden, da Gott selbst unver- „anderlich ist, und ihn nie (oder er wäre der „weiseste Gott nicht, wäre abhangig von Umstanden,) gereuen kann, was er einmal ...gesagt hat, daß es Wahrheit sei. Und „Moses Mendelssohn sagt mit richtiger „Weisheit: ist Mosis Gesey von Gott selbst „gegeben,^ so können die, welchen es gegeben ist, und ich seye hinzu, die, welche es „glauben, nur durch eine ähnliche Feierlich» „keit davon dispensirt werden." Hier ruft der Laye aus : „auch hier laßt sich die Sophisterei „des Philosophen leicht entdecken. Auch »göw „göttliche Belehrungen richten sich nach Bedürfnis, Aufklärung und Fähigkeit des .-Menschen, und sind daher so gut als diese, „so gut, wie jedes andere Tverk Gottes, der „Veränderung unterworfen, und ohne N^.ch- „theil der Gottheit, von den Umständen „abhangig. Unveränderliche Wahrheit gibt „es eben so wenig, als unveränderliche Men« „schcneinsicht." Du siehst wohl leicht ein, lieber Ianncs! daß sich der Verfasser bei der Behauptung von Um Veränderlichkeit der göttlichen Verordnungen, nicht nur auf das System der Orthodoxie, sondern auch auf die Behauptungen eines Moses Mendelssohns suchte, welcher eben dieses mit Ausnahme dessen, was das Loealc unmöglich macht, behauptete. Diese miteinander beschuldigt der Laue der Sophisterei, weil sie alle einerlei Meinung haben. Er spricht zuerst von göttlichen Belehrungen. Hierunter kann er nichts anders, als unmittelbare göttliche Belehrungen verstehen, weil der Verfasser die natürlichen, welche durch die Einsichten der Menschen entstehen, zum Grunde aller nöthigen Verordnungen gelegt wissen will; und ei» Widern Widerspruch, der dasselbige behauptet, kein Widerspruch seyn würde. Daraus ergebe sich, daß Gort mit jeder Veränderung der Sitten, Cultur und Zeit, auch andere unmittelbare Belehrungen gebe, und geben müsse. Denn sie richten sich, sagt der Layc, nach Bedürfnis, Aufklärung und Fähigkeit der Menschen. Obgleich Herr Abt Jerusalem dieses schon vorlängst gesagt hat, so weis doch die ganze Geschichte alrcr und neuerer Zeiten von diesen sueeessivcn unmittelbaren Belehrungen, oder Offenbarungen nichts. Alle Volkslehrer der Juden beriefen sich immer, und noch bis jctzo, auf das alte Gesetz Mosis, welches nichts anders als das Naturgesetz der Völker, (Nvachidcn) lange vor Mosis Zeiten war, selbst die Verordnungen von Opfern ie. nicht ausgenommen. Dies halt Moses Mendelssohn selbst noch für verbindlich, insoferne die L.ocalität seine cvbservanz zuläßt. Kein Prophet machte darinnen Neuerungen, und die Saddueäer wurden verketzert, weil sie andere Meinungen hatten, als man m Alten Testament zu finden glaubte. Die Essacr ebtcn isolirt, und behielten ihre Leh/en für sich und ihren Orden aus-- Messend. Wo war denn die Zeit, da Gott eine sol- solche unmittelbare Veränderung vornahm? wo er, wie er auf Sinai gethan haben soll, sich nach den mehr cultivirten Umständen des jüdischen Volkes gerichtet, und eine veränderte Lehre gegeben hätte? War es eine unmittelbare Belehrung der Gottheit, daß die Juden nach der Gefangenschaft, und zu den Zeiten der Herodianer, reinere Grundsätze hatten, oder nicht viclmehr das Werk des Par- sismus, und des Umgangs mit Hellenistischen Juden, welche die Weisheit Griechenlands auf jüdischen Boden verpflanzten? und behauptet denn der Verfasser nicht ausdrücklich, daß alle Neligionsveran- derungen auf ähnliche Art, und durch den menschlichen Fleiß und Verstand bewirkt worden sind? Nennt ihr aber dieses göttliche Belehrungen, in soferne die göttliche Vorsicht die erste Quelle alles menschlichen Verstandes und seiner Resultate ist, alles aber auf eine natürliche Weise ohne Wunder und unmittelbare Wirkungen seinen Gang fortgehen läßt, was thut ihr denn mehr als der Ver, fasser? und warum tadelt ihr euren eignen Glauben mit so viel Unbesonnenheit und Bitterkeit? ^ Zn den Zeiten, des Neuen Testaments finden wir ebenfalls keilte Spuren, daß sich Gott nach L Z-i- Zeiten, Bedürfniß und Uniständen gerichtet hätte; im Gegentheil belehrten der heilige Benedicr, und dern ihrem gesunden Verstände, ihrer guten Philosophie haben wir das Licht zu verdanken, das jetzt leuchtet. Und nun philosophischer Laye! erweise allenfalls das Gegentheil, wenn du glaubst, die Neligionsveränderungen seien anders als durch Menschen, und auf mcuschliche Art bewirkt worden. Ein höchst seltsamer Schluß war es, aus der Veränderung der Werke der Natur, auf jene der Religion zu schließen. Und selbst hier verräth der Laye eine gründliche Unwissenheit. Geschehen denn die physi- " 35 phrs.schen Veränderungen durch Wunder? oder nach festen Naturgesetzen? Auch hier wirkt Gott so wenig unmittelbar, als in irgend einer andern Sache, welche zum Gebiete der Natur und Mensch/ hcit gehört. Und welch ein ungeheurer Schluß ist es — weil (Lalabrien durch ein Erdbeben verwüstet worden, darum muß eine Veränderung in der Religion Statt finden? hat wohl je ein Schüler dem priscian eine ärgere Maulschelle gegeben, als dieser Recensent der Philosophie? Bei diesen unphilosophischen Behauptungen bleibt der Laye nicht stehen, er geht zur Aeußerung eines Satzes über, welchen kein Xenovhanes in der Kindheit der Philosophie, kein Zeno von Elea, kein Gorgias, prodikus, Thrasima- chus, AMdamas, Stesimbrotus, und wie die Sophisten alle heißen mögen, ärger ausdachten, und welche der phyrronischen Schule Ehre machen würde. Einen Satz, der bei allen die Quelle des gröbsten Atheismus, und recht glimpflich beurtheilt, des äußersten Scepticismus seyn muß. Er heißt mit den Worten des philosophischen Layen: C 2 „Unver, „Unveränderliche Wahrheit giebt es eben „so wenig, als unveränderliche Men- „schcneinsicht. Also kann die Wahrheit verändert werden: Daß ein Gott, daß eine Vorsehung, daß eine Tugend, und diese Tugend nöthig sei; daß Menschen sich die Pflichten des bürgerlichen Lebens schuldig sind; daß, wir wollen es nun aufe Physische anwenden, daß eine Sonne scheine, Menschen existiren, und ein Lcwc sich zu einem Kritiker aufwerfen könne; daß Layen Philosophen lasiern, und Unsinn erzählen, und selbst nicht wissen, was sie sagen wollen. Alle einfachen Sätze der vernünftigen Speculation, alle mathematische und arithmetische Sähe wären ungewiß? also veränderten sich die menschlichen Einsichten zum Nachtheil der Wahrheit, und nicht zu ihrem Vortheile? Wenn man so etwas in einem Tollhause sagte, lieber Jannes! so wäre es zu verzeihen. Sage mir, wie ein Verfechter des Zu, denthums und ein vermuthlicher Christ, etwas behaupten kann, das alle seine Einsichten und Gründe (doch die hat er nie gezeigt) und Be, hauptungen, für Unwahrheiten erklahrr. Ohngeach, Ohngeachtet dieser unsinnigen Behauptung, fragt der Laye in einem Dclirio voll Widerspruch „Und wo ist dann das, was bey Moses „Vvahrheit war, durch >Lhrisnnn oder die „Vernunft Irrthum geworden?" Also kann eine Wahrheit verändert werden, und doch dieselbe Wahrheit bleiben, die sie bei ihrer Entstehung war? Komisch genug! Soviel ist mir berannt, lieber Ian- nes! daß man Wahrheiten durch höhere Grade einer verbesserten Äcwcisart, zu mehrerer Evidenz erheben, sie mit neuen zukommenden Vcr- nunftsatzcn unterstützen; aber nicht. davon, baß mai, Wahrheit umändern rönne; daß sie bei veränderten Mcnschcneinsichten etwas anders werden, und doch dasselbe.bleiben könne, was sie wTU", das ist über alle menschliche Philosophie, und — wahrer Unsinn. Du weißt, daß über die reinen Vernunftsätzc, so wie über jene der Erfahrung, die vernünftigen Mcnschencinsichten eben so unverä«. dcrlich bleiben, als ihre unznsammengesebte Objecte; du weißt, daß positive Wahrheit ganz unveränderlich, ihrer Natur nach seyn muß; und ich bedarf es wohl nicht, hierüber noch ein Wort zu verlieren; und dieses wird genug senn, eine rich- C ? rige Z8---- tige Idee von der Philosophie des Layen zu erhalten. „N?er mit Rindern spricht, spricht an- „ders, fährt der Laue fort, als wer mit Man» „nern spricht." Sage ich ihnen aber andere Wahrheiten als Zeit und Erfahrung sie belehren werden? Werde ich, wenn ich ein Kind gütig, mit? leidig u. s. w. erziehen, und einen guten Mann aus ihm bilden will, sagen: schlage einem jeden auf den Kopf und bringe ihn um, der anderer Religion ist als du? — werde ich ihm erlauben, gleiches mit gleichem zn vergelten, wenn ich sein Herz zur Edelmuth erziehen will? Werde ich ihm fluchen, wenn es fehlt, ihm sage», ich will dich zerschmettern, erwürgen, an deinem Leibe mit den schrecklichsten Martern plagen; wenn ich es bessern will? oder ihm nicht lieber meine ganze Güte und Liebe zeigen, um sein Herz mit Zutrauen und Dank zu mir zu erfüllen, und seinen Handlungen die edle Richtung der L.icbe zum Guten, und nicht des eigennülzigen Guthandclns zu geben? oder sollte Gott niinder weise als unsere jetzigen vernünftigen Erzieher seyn? Gerade das Kindheitsalter der Welt war es, wo Gott, wenn er unmittelbar '--- zs telbar hätte wirken wollen, die Mensche» zn den besten, gütigsten und tugendhaftesten Geschöpfen tn gewissem Verstände, bilden konnte, wenn es seiner Weisheit angemessen gewesen wäre, durch die mindere Grade des Bösen, auch jene der Empfindung des Guten herabzuwürdigen. „Und welcher Philosoph, geht der Laye „weiter: würde es wagen zuschließen: weil „die Vernunft noch vieler Aufklärungen und „Perioden, ihrer Dildunz fähig ist, jene „Kenntniß von Gott und Religion sich zu „verschaffen, so hat sie es auch gethan." Allerdings, Iannes, wird jeder vernünftige Philosoph, so ba!d von der Vergangenheit die Rede ist, also schließen; nur sollte es so heißen: „5Veil die „Vernunft viele Aufklärungen :c. erhält, sich „Renntnisse von Gott und Religion zu vcr, „schaffen, so wird sie es auch thun." Die Aufklarung des Verstandes setzet Wahrheiten, ihrer Natur nach, in ein helleres Licht, oder sie wäre nicht aufgeklarter als vorher; sie geht also vor? wärtS, und bleibt nicht stehen, und nothwendig müssen also die Berichtigungen der Wahrheit und Religion dabey gewinnen. Ucbrigens ist die analo- C 4 g'schc gische Schlußart, vernünftig angewandt, sehr gut und brauchbar: ich kann mit Recht schließen: „weil so lange die Menschen mit Vernunft „begabt rvaren, so werden sie es auch in Zu« „kunft seyn;" weil es so lange vernünftige und unvernünftige varinn, dies möchte der Laye gern wissen, „warum üben sich die Dcisten (dazu rechnet er „auch den Verf.) nicht an Jerusalem :c." Ver- muthlich i) weil es von einem jeden abhängt, sich zu üben woran er will, und am wenigsten von einem C s Orbi- Orbilius abhängen möchte, der, wie sein Schulmeisterten zeigt, die aufzugebende Themata, wenn sie nicht nach seinem Kopfe ausgearbeitet sind, ^e»- I?ttc?//,-»/ c? ^>F-?m eher berichtigen möchte, als mit Gründen: 2) Weil die Bemühungen eines Jerusalems alle Hochachtung, selbst vom strengsten Deisten, verdienen, welcher in Bemühungen eines solchen vernünftigen Mannes, das Vahnbrechcn zu seinen eignen Bemühungen sieht: z) Weil es Von jedem abhängt, ob er erst ans die hohen Baume mit vieler Gefahr hinan glimmen, und seine Acstc beHauen, oder mit leichterer und kürzerer Mühe den Stamm am Fuße des Baumes stürzen will. Der Laye macht eine wichtige Bemerkung bei Cap. z. S. 12. wo der Verf. zum Theil von Einflüssen eines rauhen Climas auf die Cultur der Menschen spricht, mit der Frage: »5var das überall?" eine sehr würdige Frage für einen flüchtigen Leser, welcher liest, ohne sich zu bekümmern, rvie man lesen muß, und was im Buche steht. Der Verf. spricht kurz nachher, von mannigfaltigen Hindernissen, welche die Beschaffenheit der Erdgegenden, wozu doch wohl die Geist- und Körper- schwächende Hitze eines Heine» Climas gehört? der Cultur in den Weg legt. Die 4Z Die Ausbildung, sagt der Verfasser a. a. O. thut äusserst laugsame Fortschritte; und hier bemerkt derLaye: „Eben hieraus haben verschie» „dene die Dichtigkeit einer göttlichen Offenbarung geschlossen." Die Geschichte zeigt aber, lieber Iannes! baß das, was ihm und seines gleichen wichtig zu seyn scheint, es derjenigen Gottheit nicht war, welche den Versrand des Menschen durch keine ?'» »ar»i-a, sondern aus sich selbst, wie die Existenz aller Dinge die Leben haben, sich entwickeln läßt: und den zum Theile barbarischen und unmoralischen Zargon eines LNoscs (nach Begriffen der Aufklärung beurtheilt) für göttliche Empfindungen, für die Abdrücke der ganzen Gottheit; (denn sie handelt wie sie denkt) auszugeben, ist entweder Unverstand, oder sinnlose Lästerung, wie der Verf. hinlänglich in dem lehten Kap. seines Buches dargcthan hat; ob er gleich nicht alle überzeugen wird, für welche denn der Verf. auch vermuthlich nicht geschrieben hat. Ucbcrdem beantwortet das 260 St. der allgem. lit. Zeit. S. z. diese Behauptung der Nothwendigkeit einer göttlichen unmittelbaren Offenbarung dahin, daß dies „eine mißliche und dreiste De- ,zh-U!ptUNg „hauxtung sei," womit der Laye zufrieden seyn mag. '7 Der Laye lenkt aufs neue, da er nichts Erhebliches, »nd das Gegentheil von den Behauptungen des Verfassers beweisendes aufzubringen vermag, und seine ganz« Geschicklichkeit nun ausgekramt hat, in dasMitrcl, „Unwahrheitenzu erdichten" cm. Er behauptet nämlich von dem Buche des Verf. daß folgendes darinnen stünde: „auf gleiche TVeise „sind auch die andern «tosmogonien (Cav. 4.) „derLhaldäer, nachBerosns; derAegyptier, „nach Diodor; der Phönizier, nach San» „chuniathc-n, vernünftiger, als dieUti?- ,-saische.'' Der Verf. sagt aber gerade das Gegentheil, mit Ausnahme der Aegyptischcn. S."?'?. spricht er von der Cosmogonic der Chaldacr, daß sie der Mosaischen in einigen Stücken nahe i'a-nc-, und S. ?8. seht er nach Erzehlung ihres System» hinzin Dieses System ist gewiß eben so verworren : (als das Mosaische) und S. 40. gibt er das Verhältniß dieser Cosmogonicn gegen die mosaische dahin an, daß sie zwar nicht gcring-r, aber auch nicht viel besser seyen als die mosaische. Heißt das einer' Coömogonie vor der andern einen Vorzug —^—- 45 Vorzug von wirklichen» Werthe und 5vürde einräumen? Die Bemerkungen über das erste und vierte Tagewerk des Verf. nennt der Laye trwial — eine bekannte Wahrheit wird nichts weniger als trivial, wenn sie an Ort und Steile gehörig angebracht wird, sonst sind es alle moralische Wahrheiten, welche beim Ammun! sehr alt sind, und deshalb den Beinamen, triviale Wahrheit nicht verdienen. — - „Aber wie war es möglich, setzt der Laye »hinzu: die Uebereinstimmung zwischen Mooses und den andern zu übersehen? u?ie mög» „lich zu sagen, die mosaische (Losmogonie sei „den Phöniziern von Lsra abgeborgt? Und „doch den Moses zu tadeln?" Wenn die Verdrehungen des Layen Wahrheit wären, so hätte diese Beschuldigung wenigstens den Schein eines Grundes; da aber der Verfasser jene Cosmoqonien wo sich die Uebereinstimmungen zeigen, eben so sehr radelt, so ist es wohl eine sehr grundlose Beschuldigung,- da sie der Verfasser nichtswenigcr als übersehen, und in den allgemeinen Ausdrucken seines. Tadels gerügt hat. Eben so ist die Beschuldigung, gung, daß der Verf. an Moses etwas tadle, was er dem Esdra zuschreibt. Vorerst hatte sich der Verf. schon in der Vorrede erklährt, daß er Mo- sen für eine Person wollte gelten lassen — du darfst nur im-?. Cap. S. 22z, 12 z.^nachsehen, wo der Verf. sich hierüber deutlich erklährt: daß nämlich Es» dras aus der mündlichen Sage, sie enthalte Wahrheit oder Erdichtung u. s. w. gesammelt habe, das? vieles Mahre und Unwahre zum Grunde dieser Sammlungen unter Mosis und anderer LTahmen herausgegeben, zum Grunde liege: und in S. auf welche Stelle doch der Laye hier nur Rücksicht nehmen konnte, steht ausdrücklich: „aber laugnen kann doch „niemand geradezu, daß nicht Moses, „oder Esdra ihre Geschichte vom Apfel „der Heva aus dieser Sage der Phönizier :c. „genommen habe." Heißt etwa die Existenz eines Mannes bezweifeln, wie in der Vorrede steht, sie nicht glauben? Und gesetzt, der Verf. hätte die ganze Existenz Mosis geläugnet, welcher vernünftige Mann wird es tadeln, wenn er die Meinung von Mose wie sie, richtig oder unrichtig, gleichviel, gang und gäbe ist, suvponirt, und von ihm, ihM/ dem alles zugeschrieben wird, nach der allgemeinen Meinung redet? Doch der Fall trift den Verfasser nicht, der ihm seine ganze Exi« stenz ließ, und dies ausdrücklich versicherte, auch daß von seinen Verordnungen durch die im Priesterstande erhaltne und überlieferte mündliche Sage, vieles wahre, aber auch vieles Hinzugesetzte auf Gsdra gekommen sei. Die ganze Beschuldigung fließt also aus einer angedichteten und falschen Erfindung und Behauptung des Layen. „N?ie wars möglich die Erläuterung der „neuen Sprachkenner über die Schöpfungs- „geschichte vorbeizugehen?" so fragt der Laye weiter. Gewiß deshalb, Iannes! weil der Verf. keine Widerlegung der neuern Sprachkenner schreiben wollte; weil die besten Eregeten nichts weiter thun wollten, als sonst unerträgliche Stellen, erträglich machen ; weil bei der besten Absicht, ihre Erklärungen doch nur Vermuthungen sind; weil kein Eregete, so bald er vom Litteralverstcmdc abweicht, und Allegorien oder Lieder, oder was ihm am zweckmäßigsten scheint, supponirt, auch zugleich schwören kann: „Er habe den richtigen Sinn »getrof- 48----- „getroffen, der durch alle Zeiten und perio« „den, als wahr werde angenommen werden. Gewiß ist die Geschichte der Exegese, über gewisse Dinge ein Veitrag zur scandalöscn Chronik des menschlichen Verstandes, und ich wünschte nicht, genöthigt zu werden, über ihre Unzuverläßigkcit und Gewandheit etwas schreiben zu müssen. Zch spreche ihr ihren Nutzen nicht ab — besonders wenn sie das Werk eines Tellers und ähnlicher Männer ist — aber wo lebt der Eregcte, welcher behaupten könne, seine Auslegungeart wäre jene aller Theologen, uno allgemein als richtig in allem anerkannt? und — die Wahrheit ist ja verändere lich, also auch was die Eregetcn als solche angeben; also wäre es Thorheit, von Dingen zu reden, über die derjenige alles eingeräumt hat, der einen ahnli, chen Satz zu behaupten vermag. Nun aber, lieber Iamies! neige deine Aufmerksamkeit herüber auf die folgende Behauptung des Laycn; dieses kostbare Denkmal seines mehr als Humischen Scharfsinns; womit er den Vers, und mit ihm unsern Freund Paulus, und alle vernünftige Philosophen der Welt zu - Sophi/ sten macht. Bey der Stelle des Verf. S. 47. von „Moses ,,Mosee gesucht ein" — bis S. 4?. „unsierb- „lich jeyn" macht der Laye folgende grundgelehrte Bemerkung: „auch der wilde Mensch „fühlt oft, daß er seine Triebe einschränken „muß, er bedarf keine Metaphysik über „Sünde und Unrecht." Wo kommt das Ge/ fühl, einschränken muß, bei einem freyen Wilden her, so lange er Wahl hat, und die Folgen seiner Wahl nicht kennt? Was sollte ihn zu dieser Einschränkung bewegen können? besonders wcnn ec ganz und gar nicht weiß, was aus seiner Handlung entspringen kann? — Doch wir wollen den schärft sinnigen Mann weiter hören. „Erfahrungen in „sich, oder noch früher, neben sich, sind „ihm L-ehrer dessen, was gut oder böse, nüy» „lich oder schädlich ist. Zuerst laß uns, Jan« nes! den Gedanken „Erfahrungen in sich" zergliedern nnd auf Adam anwenden, um dcssent- willen der Laue solche unphilosophische Sachen behauptet. Zugegeben, Adam hatte Erfahrungen vom Gute» und Böftn> vor dem Genuß der vcr- botnen frucht in sich, so ists doch wohl eine große Unwahrheit, wenn die göttliche Belehrungen uns sagen, er habe tue Erfahrung nicht eher erhal, D ren/ ten, bis cr sie machte — habe er!I »ach dem Genuß des Apfels das Gefühl seines Unrechts empfunden — und wo in aller Welt giebt es denn ifo> lirte Erfahrungen in dem Menschen? also spcculative Erfahrung, welche mit der Sin, ncn'.velt nichts zu thun hat? welche Philosophie ! Erfahrungen in sich! O Kanc! i,iee schöpfe Weisheit, und lerne, daß man Erfahrungen haben könne, welche dein ganzes empirisches Reich entbehren! — Der Laye geht wcirer „oder frn, „her, Erfahrungen neben sich." Hilf mächtiger cLanopus! der Mensch soll Erfahrungen neben sich vom Guten und Bösen schon gemacht haben, ehe noch das Böse vorhanden war. Ein Zustand der völligen reinsten Unschuld, des Genusses von laurer Glück im Paradiese, vermischt mit dem Bösen und seinen Folgen! welch ein sonderbarer Widerspruch? Und vielleicht dachte der Laye nicht daran, daß es mit seiner Erfahrung in sich und außer sich vor dem Falle ein misliches Ding seyn mußte, weil er seinen Fidcm, mir jenem der Elohim eompromircirte, von denen einer im i B. Mose Kap.?, 21. Z2. zu den andern, nicht vor, so»/ -dem nach dem Falle sagte: siehe Adam ist ge, worden worden als unser einer, und weiß was gut und böse ist. Doch der Laye hilft sich aus der ganzen schlimmen Lage heraus, und behauptet: daß der Mensch in der ^ahe der Staude die Bemerkung könnte gemacht haben, daß Thiere, welche davon gegessen hatten, gestorben wären; und daß ihm dieses es nahe genug gelegt haben könnte, daß die Frucht verboten wäre: o Humisch scharfsinniger Layei Bist du etwa dabei gewesen, daß du fodcrn rannst, man soll deine Hypothese für erwiesene Wahrheit annehmen? oder gilt etwa bei dir von Möglichkeit auf Wirklichkeit ein Schluß? und mit solchen Hypothesen willst du Philosophen überzeugen? War der Tod vor der Uebertretung des Gebots, wofür er, nicht als eine Folge des Genusses in dem Au,- gcnbllcke desselben, sondern als eine Drohung dem Menschen vorhergesagt war; so ist auch Adam nicht schuld daran, daß er in die Welt kam, und Freund Paulus beschuldigt ihn also fälschlich. Ueberdcm würden die Thiere von dem Genusse der Frucht nicht gestorben seyn, da die Folge war, man ward wie die Elohim, und lernte Gu« tes und Böses unterscheiden? würde es nicht D - ein ein ausserordcntliches Wunder (von dem nun freilich wohl reine Erwähnung geschieht) gewesen seyn, wenn ein vicrfüßigcs Thier, etwa ein Ochse von dem Genusse gestorben, und der kleinere Mensch lebendig geblieben wäre? nein lieber Lcme! Ochsen und Esel wären dann Cricicastcrs geworden, da sie Gutes nnd Böses von einander hätten unterscheiden lernen. — Ianncs, du siehst also wohl ein, was du aus der Philosophie des Layen zu machen hast —' sollte es wohl noch nothig seyn, um den Satz unsers Verf. ins Licht zu setzen, eine gleiche Meinung um scrs College» Paulus zu eiriren? wenn er sagt: wo kein Gesey ist, da ist auch keine Uebertretung: ich wüßte nichts von der L.ust, wenn das. Gebot nicht hatte gesagt, laß dich nicht gelüsten: die Sünde erkannte ich nicht, ohne durch das Gesen, u. s. w. S. si- setzte der Verf. dieses noch weiter auseinander, woraus aber der Layc vorsichtig keine Rücksicht nahm, weil er sonften seine Bemerkung nicht hätte anbringen können. Ebendaselbst sagte der Verf. „Aber welches gutgesinnte Geschöpf «Gottes kann ohne innern Widerwillen die „schreck. „schrecklichen Fluche lesen, welche der N^elt- „schövfer über das erst vollendete /Iverk seltner Güte ausgesprochen haben soll? über „das arme V^eib zuerst: «Quälen will ich „dich, und viel Schmerzen dir machen, wenn „du schwanger bist. Schmerzhaft soll die „Stunde deines Gebahrens, und dn sollst i^die Sclavin deines Mannes seyn" völlig im „Geiste jüdischer Theologie des Alterthums, „wo es Gott dem Allmachtigen Ehre machte, „am Menschen, dem uninachttgen Sescho, „pfe, sich aufs schrecklichste zu rächen: „Vergoldung über die bittre Pille der Scla, „verei der israelitischen Leiber, die wie die „^Veibcr aller halbwilden Völker in den da? „maligen Feiten behandelt, und zum Mobi- „liarvcrmögcn dieses Volcs (nach H. Mi« „chaelis) gerechnet wurden. Zu Adam sagt „Sott: Verflucht sei die Erde um dein et- „willen: mit Harm und Rummcr sollst du „dich auf ihr nähren, so lange du lebest. „Dornen und Disteln soll sie dir tragen, und „das Uraut auf dem Felds sollst du essen, „Schweiß soll bei deiner Arbeit von deinem D ^ „Ange. 54 — — „Angesicht fließen, bis du wieder zn »Lrde „zerfällst, daraus du geschaffen bist. Ist „dies nicht die rasendste Stimme des mc>r- „geiUandischen Despotismus?" Dies nennt derLayc: „doch nurVeschrcibung des mensch- „lichen Zustandes, wie er meist noch ist. „Soll Moses nicht sagen dürfen, daß was „Menschenerfahrung auf der 5Velt ist, ^viile „und Veranstaltung der providenz sey?" Nun beim PhtaS! so kann der Anfang der asiatischen Banisc: Blitz, Donner und Hagel falle auf deine mit Gold bedeckten Thürme :e. auch einmal dahin eregesirt werden, daß der Verfasser nur eine Beschreibung des menschlichen Zustandes wie er meist noch ist, habe geben wollen, und sollte dieser Verfasser nicht sagen dürfen, daß, was Menschen- erfahrung auf der Welt ist, Wille und Veranstaltung der Providenz sei. Noch habe ich kein Capitel von der göttlichen Providenz, die sich ganz auf Huld und Gnade gründet, mit Verfluchungen und Vcrmalcdeyungen anfangen hören. Oder ist dieses vielleicht auch im ÄindheitSalter etwa so nöthig gewesen? so ist die pöbelhafte Erziehung unsrer Trunkenbolde vnle.delhast, wenn sie ihre Kinder mit 55 mir Donner und Wetter und dergleichen Flüchen, nach chrem Willen erziehen. „Die gan»e L.age, fährt dcr Laye fort: trift Lap. 5. den Moftn." Wohl d.-.n Bersasftr, Ianncs, wenn er eine» so nnoartheiische» Kenner für sich gefunden hätte, oder noch finden könnte, wie er für Moses war, Der ganze Anfang dieses Cap. ist Entschuldigung für ihn. Das ist wohl sein großer Feind der von ihm sagt, wie der Verf. S. s^. ss. .Moses hat also gewiß kein ge, „ringes Verdienst, da er die schwerste Zirl'cit „zu bewerkstelligen verstand, und verdient „nichts weniger, als daß aufgeklarte dlach- „konuncn ihn der Mittel wegen verdannnen, „die cr anwenden mußte. Gewiß, es stand „nicht in seiner Macht, falls er auch der „erste Mensch an Fähigkeiten und übcr> „schauender Staatskunst gewesen wäre, an» „ders zu handeln, als er that." Und doch spricht dcr Layc von Koth bewerscn, von Verläum.- den, und von Parteilichkeit — jeder für Moses anzüglichen Stell? wegen, hat dcr Verfasser mit aller Porsicht erklärt, daß er nach Begriffen heutiger Zeiten, und nicht nach den wirkte D 4 che'» chen der Zeit Mosis davon rede.'«,. Bedarfs nun noch wohl einer Entschuldigung, wenn der Laye das Gegentheil sagt? Er wiederkäut seine triviale Bemerkung wegen der Wunder, welche schon beantwortet ist — doch bitte ich den Layen geziemend, uns zu benachrichtigen, wozu die mosaischen Wunder geschehen sind, wcnns in seiner Kraft steht? und die Beantwortung von mir oder dem Verfasser in dem 2tcn Bande zn erwarten. Daß der Verfasser Men- delssohn lesen soll, ist wohl ein unüberlegter Nach, denn vor erst kommt er zu spät; und hernach - er könnte Sophismen daraus lernen, die den Layen in ein philosophisches Cap. verwickeln könnten, aus welchem ihn keine Erfahrung in oder außer sich zu retten im Stande wäre — übrigens hat M. M. kein Werk, so viel ich weiß, geschrieben, um denken zu lehren, denn das lernen ^Kinder ohne alle Philosophie, und das kann auch der Verf. vermuthlich; was aber vernünftig zu denken betrift, das kann man wirklich von M. M. lernen, und aus Gegengefälligkeit empfehle ich dieses dem Layen, im Namen des Verfassers. . Den - 57 Den Beweis, daß Moses die verschiedene Col.- lcgien unsrer Priester in Egyvten gekannt habe, wird er, wenn er meinem Zeugniß nicht glauben will, beim A//^. /i»--!/?. 1.-^. 7X. <7-,/'. 27. /><-^. 4?i./e^. i„ seiner Geschichte finden, wenn er ihn nachdenklich überlesen will. Unrühmlich, und gewiß unredlich ists, den Verf. wie derLaye sich erlaubt, einer unverschämten Verlanmdung zu beschuldigen, als habe er gesagt, „Moses sei ein Giftmischer gewesen/' dies ist, aufs billigste beurtheilt, Iannes! eine — wie seil ich es mild genug nennen, um nichts an.- ders, als Schmähungen mit Mitleiden im Namen des Verf. zu erwiedern — eine Unbcdachtsamkeit, eine übereilte Schnelligkeit im Lesen, und ciue noch größere im Beurtheilen. Nichte hierüber mit dem Publiro. DerVerf. sagt S. 128. „uns erzählt es „ein harter Mann (die Erwürgung der Erstge- „burt) der sich dieser schrecklichen Thaten „rühmt, die ohne Gottes unmittelbare Mit, „rvürlning, durch Vergiftung der Brunnen, „geschehen konnte — (heißt etwa, es kann „seyn, eben soviel, als' es ist geschehen?) wiewohl ich ihn dessen nicht beschuldigen will, D s ,.da ^. ---------- „da ich es nicht zn er.veiscir vermag. Auch S> ü-o. 260. S, m. wo Herr Dö» derlei« und sein nichts dawider habende Recensent einen gleichen Gallimctthias in ihrem Gehirne und Jeder aushecken, indem sie annehmen: „Die <1)f- „fenbar-.mg sei nicht ein iL i n se nrc n nelie r »abgcrißncr Begriffe, sondern blos das „Zusammenleiten von einzelnen in der Seele „vorhandenen Vorstellungen zu einer Ver» ,-bindnng, aus welcher Wahrheiten entste- ,,hen." Ist dies wahr, so verhälr sich die Seele . nicht »-»^ nichr leidend, senden', ftsr^ wie der Verfasser behaupten', den natürlichen Weg ihrer Operationen sorr, oluie alle Srörnng, ohne allen Sroß. ilnd woher sollte sie diesen Eroß erhalten ' — die Erfahrungen in sich sind,, :vie du wcißc, bloße Hirngespinsie. Wie heißt, der Gegenstand der innern Anschauung, von welchem sie sich eine.Vorstellung sol!> machen können? da außer dein enipi- rischen, weder Form noch Realität existirt, weiche Vorstellungen und Begriffe hervsrbringen könnten? wo wollte das Object der Vorstellung successiver physischer Begebenheiten in dem Verstände herkommen, da keine in il-.-n seyn können, wie überhaupt keine Objecte, sondern blos die Formen empirischer in ihm statt finden? Also, ein Sroß von innen ist unmöglich, weil sonst eine Wirkung ohne Ursache statt finden kvume. Alle Vorstellungen^ welche die Seele har, kommen also von cmßcn, und wenn sie richtig fc-yn sollen, so müssen sie mit den Erscheinungen der wirtlichen Dinge harnivniren; mit einem Worre, sie müssen empirische Gegenstände haben. Etwas Göttliches ist nirgends in der Natur, alles ist in ihr — natürlich. Giebt es aber keinen andern Weg, Vorstellungen und Begriffe grifft? zu «rhalten, als vermittelst natürlicher Gegenstände ; exisrirr nichts in, Verstände, das ihm irgend eine Art von Object zu Vorstellungen und Begriffen darstellen konnte; kann er bioc- durch die Körper- weit zu Vorstellungen und Begriffen gelangen; so giebtS keine göttliche Offenbahrung aus Mangel der Objecte; so ist alles bloß natürliche Borste!/ lung, und natürlicher Begriff; so hat der Laye unrecht; so ist selbst jene Association einzelner Vorstellungen zu Hervorbriuguiig neuer Wahrheiten bei Herrn Dodcrlein (ein Mann, für welchen ich alle Hochacktung habe) nichts anders, als das natürliche Resultat, natürlicher Ursachen; und alle andere Arien von Vorstellungen und Begriffen sind unmöglich, selbst deshalb, weil die schon vorhandene, auf natürliche Art erhalten wurden, sich natürlich assocircn, ohne Sprung u. dgl. und folglich nicht geoffenbart, sondern wie alle andere acguirirt sind. , , Dem Layen liegt nun der Beweis ob, daß die Seele andere Begriffe haben könne-, als natürliche. Und gegen die natürliche Religion hat sich der Verfasser nie erklärt, weil sie seine Freundin ist. Das Collegium, das der Laye übrigens über Begriffe und Vorstel- Vorstellungen liest, mag er sich selbst zu Nutz machen, er glaubt, daß vernünftige Leser ihn verstanden haben werden, was er mit unnatürlichen Begriffen der Zudcn zc. sagen wollte, ohne daß e« nöthig war, ihnen Baumeisters Compcndium der Logik und Metaphysik beidrucken zu lassen. Der Laye, nachdem er diese Probe seiner Philosophie abgelegt hat, geht nun zu den Erklärungen über, daß das, was der Verfasser über einzelne Facta tltosis, den Durchgang durchs rothe Meer :c. gesagt habe, so trivial :c. gesagt wäre, daß es Zcitt verdcrb wäre, darauf zu antworten. Lieber Iannco! der Laye thut wohl, daß er sich damit heraushilft, weil er nicht weiter fortkann, und es ihm geht, wie dir neulich Luther im Limbus erzählte - Das N>ort sie wohl mußten laßen ston. Uebrigcns hat der Verfasser das triviale Zeug aus Lessings Beitragen, aus Michaelis, Niebuhr und Euseb größtentheils genommen, und diese Rüstkammer ist freilich sehr elend, gegen jene des Layen, der Humen an Scharfsinn, Voltaire,! an Witz, Lessing an Verstand, Michae, !i» an Einsicht, Niebnhr an Kenntniß des Lo? E calen. calen, und Eused .in — an — Excgetik weit über/ trist, und wenn sie alle einen Straus gegen ihn bestehen wollten, sie zusammen exegcsiren würde, daß ihnen — Hören und Sehen vergehen sollte. — Daß der Laye, ebne irgend einen einzigen Beweis zu führen, die Redlichkeit des Verfassers in Nücksicbt historischer Faeta, verdächtig zu machen, durch Vermuthungen ihn z» kränken, und seine Kcmmüssc herabzusetzen sucht, darüber bleibt dem Verfasser weiter nichts übrig, als den Layen bet der Redlichkeit eines ehrlichen Mannes aufzufordern, „ihm diejenigen Fälle nahmhaft zn >na, „chen, wo er sich dieses 'verbrechen erlaubt „hat." Sollte er dieses nicht vermögend seyn, so wird das Publikum die Gerechtigkeit besitzen, die unbefugte Vermuthungen eines Lauen für das gelten zu lassen, was sie sind; — so wie ihm das Urtheil übcrlaßcn bleibt, ob der Verf. oder der Laye, besserer Philosoph und Historiker sey; — hierüber sich selbst etwas anzumaßen, hält er gcwis für Arroganz, und überläßt es dem vernünftigen Theile des Publikums. Der Laye beschuldigt ferner den Verfasser, daß rr den Grundsatz, „daß der Nlensch nicht von „den richtigen Begriffen von Gott, oder den» Unii „Unirhcicmns zum Polytheismus, sondern „umgervandt, übergegangen sei," mit keinem Beweise nus der Geschichte belegt habe. So weit als es möglich war, ist dieses aus der analogischen Geschichte anderer wilden Völker wirklich geschehe!,; anderer ScitS ists eine sonderbare Zumu- tl>nng von einem Historiker, Geschichte ans dem Kmdheirsalter der Welt zn fvdern, und nicht mit dem philosophischen Beweise sich begnügen zn wollen, daß man in der Wildheit eines reinen philosophischen Begriffs von Gort unfähig sei. Und wenn dieses, wie er vorgiebt, „die jeyigen philoso- „phcn und Theologen nicht zu längnen bekehren;" (thun dieses etwa die meisten oder die wenigsten?) so ist seine Fvderung, über eine ausgemachte Sache historische Beweise zu begehren, sehr unnörhig und nicht an ihrem Platze. Das Alterthum der Deschncidung vor Moses anzugreifen, ist nie in dem Plan des Verfassers gewesen; da er sie älter zu halten Befugnisse hatte, weil ihn die jüdische Geschichte einen Abraham als den ersten Bcschncider nennt, und die Prosangeschichte den Ursprung nach angezeigten Quellen, noch weiter, und vernünftige Gründe E - noch noch weiter sehen — unb historische Facta lassen sich durch nichts Hinwegraisoniren. Der Laue glaubt in seinen einseitigen Benies kungen, den Verfasser zu verwickeln, und dem Leser aufhefte» zu können, als glaubte er, ,,?Z hätte „vor Erfindung der hebratschen Bnmstabcn- „schrist, keine andere gegeben; beschuldigt „ihn, er habe das .lateinische ssiner Litate, ,i^7 „vorEsdra nicht kennen?) ungleich jünger sind „als Moses, daß ihn: auch diese fremd seyn „mußten. Selbst die Erfindung der Hicro? „glyphen (davon wußte wohl der Verfasser auch nicbrs?) bei den Egyptiern. es sei nun „durch Nlenon, oder den ersten Thol, „fällt nicht in das Zeitalter ttlosis ->>.-> ist )>offenbe>r nicht die Meinung des Verfassers, darum „seht er hinzu) nemlich nach den christli- „ch en «t h r o n o l o g i c n." Wenn gleich der Laye behauptet, daß der Verfasser dieses ohne Be weis behaupte, so !si dieses deshalb noch nickt wahr Iannes! du darfst nur das Vlctt umschlagen/ und S. 2?!? nachlesen, so wirst du den Beweis finden. Der Verf. sagt daselbst: „Moses — wir wol» „len die Zeit der Ausführung aus Egyptcn „annehmen — lebte sonach im Jahre der Welt 2,45 z. Menon lebte 2,892. und soll zu dieser Feit -------die Hieroglyphen erfunden haben. Moses lebte also 4Z9 Jahre vorMenon. Thor. I. lebte ^2,700. oder 2,750. Mos-s also srüher 2^7 Jahre. E z -s?eißt Hcißc das nicht beweisen? aber noch deutlicher zu zeigen, daß diese Chronologie nicht seine des Verfassers sei, fahrt er fort: „Die hieroglyphische „Schriften waren unstreitig die ersten, und „nach der christlichen Chronik zu „Mosis Zeiten noch unbekannt. Moses „selbst konnte keine Buchstaben erfunden halben, da die phönicische ungleich spater, die „Volksschrift der Egyptier gleichfalls, die „samaritanische gleichfalls noch nicht eri- „stirtc, und die hebräische bis zur Wiederher, „stellung des Tempels zu Esdras Feiten gänzlich unbekannt war. welche Schrift konnte „er also erfunden haben?" Das heißt nicht wissen, daß vor Esdras andere Buchstaben existir- ren, heißt keinen Beweis fuhren, heißt sich selbst widersprechen, weil S. Z41. steht, „daß Moses „heilige Buchstaben erfunden habe, die in „Figuren von Ibis, Rayen und Hunden be- „standen." Die christliche Chronologie, aus welcher sich solche Absurditäten, als diese ist, herleiten lassen, „daß Moses vor Erfindung der Buch- „siaben, nach ihrer Zeitrechnung 5 große „Lonvolute geschrieben habe," kann wahrlich die die Chronolrgie eines Verfassers nicht werden, der an Absurditäten keinen Geschmack findet. Was keinem Philosophen sonderbar vorkoin- men kann, ist es dem Laven; nämlich, ,.daß nc>r „Entstehung der Lücher und Vorschriften ,,von Priestern und pricsterordnnngen, „Opfer, heil. Feuer, Reim'gunzen :c. alle „diese Gebräuche hätten Statt finden können" welche Unerfahrcnhcit in der Geschichte sel^r dieser Zweifel nicht voraus, da selbst Kinder aus Hüb- ners biblischen Historien wissen, daß Llis, die Einwohner von Italien und die Do- donaer fürcLolonicn der Griechen ausgegeben Wurden, die Griechen aber vor dein trojanischen Rriegeviel zu wenig volkreich gewesen waren, Pflanzörter anzulegen" bemerkt der Laye, daß ein Anfanger wüßte daß Iavan nichtalleindas heutige Griechenland sei" der Verfasser kann dieses mit beiden Händen zugeben, und den Layen die Grenzen von Iavan soweit ziehen laßen als er will, seine Behauptung stehet dem ohnerachtet fest. Dies muß aber noch erwiesen werden. Bckann- Bekanntlich waren die pelaszer die ersten Bewohner dieser Gegenden, welche nach dem Herodot V. 2. «us Samothracien kamen, und liessen sich in der Gegend nieder, welche nachher Attica genannt wurde. Von da gingen sie als Nomaden auf die Seit? wo hernach Dodona lag. Sie nahmen Besitz vom nachhcrigen Arkadien und Hamoiuen. Von da wurden sie durch die Rureten, Lclcgcn, und endlich von Dencalion vertrieben, und mußten sich in Aesiiotis, Phocis ze. niederlassen. Verschiedene giengen nach Asien, andere nach Italien. Deu- calion lebte nach den parischen Marmorn >Lpoch. 1^'. 1400 Zahr vor Christo, ungefähr im Zahre z,zo?. Moses lebte im Jahre zm. ungefähr, und wenn ich ihm auch noch 127 schenken wollte, doch wenigstens 69 Zahr vor Deucalion, unter welchem die pelaoger auswanderten, pe- lasgns, welcher nach dem Scholiaften den Ap-- pollonins von 2?hodus (aä IIK. I. v. gxo.) ein Sohn des Inachns war, und nach dem Pezron (aMo^. 4^?. /?.?.) um diese Zeit erst Hütten bauen, Felle zur Kleidung, E s und und Eicheln zur Nahrung zu gebrauchen. Wo käme» nun Dodona :c. die Städte her, die erst, der christlichen Chronologie zufolge, nach LNofeo erbauet wurden? und wo die Colonien, ehe die Volker Iavans nach Moses vertrieben wurden, oder sich mehrten? Dies folgt unwider- sprechüch aus jener Zeitrechnung, welche die Christlichen Chronologen fest setzten, und zu tausend Anachronismen Anlas giebt. Dem Verfasser kann es übrigens gleichgültig seyn, man rechne gut oder unrecht, seinen Satz kann keine Rechnung umwerfen, und die Stelle kann Mosen nicht zum Verfasser haben, sondern ist ein spateres Fragment, das die verdorbene Sage dem Moses zuschrieb. Der Laye hat überhaupt eine sehr verworrne Art Auszüge zu machen, wozu alles gehört, was er als Inhalt des II. Cap. angicbt, aber am verworrensten ist die Behauptung: daß der Verfasser den Diebftahl auf Mosis Befehl, für unverzeihlich halten soll, da er vermuthlich aus Liebe zu Unparteilichkeit S. 77. und S. zsi. Zs- :e. dafür eine Apologie schrieb, welche der Laye viel, leicht nicht hat sehen wollen. Eine Eine andere Frage wirst der Laye auf: »aber „roennEsdra Verfasser der mosaischen Schriften ist, war denn zu seinen Zeiten l iest Ein- „heit Gottes nicht rein angenommen? darüber habe ich mich schon zum Theile erklärt, Ian- neo! Esdra war hauptsächlich Sammler alter Fragmente, unter welchen sich viele nachmosaische, unter Mosis Namen einschlichen, das ste Buch Mosis aber ist ganz von einem andern, ob von Esdra oder wem, das kann dem Verfasser gleichgültig seyn. Moses lehrte aber auch, so wie Esdra thun konnte, nur einen Gott der Zahl nach, als Israels Gott; ob er gleich son- sten ein Polytheist seinem Glauben nach war. Wenn Esdra nachher kein Polytheist war, so gieng seine ganze Kenntniß doch nicht weit über die arithmetische Einheit, seine Begriffe von ihm blieben übrigens mosaisch, so wie wir sie zu Christi Zeiten noch antreffen. Ucbrigcns hat der Verfasser nie Esdra als Verfasser des ganzen Mosaismus angegeben, denn zu einer solchen Behauptung ist er zu wenig — Laye. — Aeußerst naiv, lieber Iannes! und grob, ist der Schluß der Recension des Layen. Er gesteht nämlich 76 --- ^ - nämlich ein , daß der Verfasser den t?amcn eines aufmerksamen Forschers nnd Lekcn- nero dir IVabrbcit verdienen würde, wenn er nur seiner ?lrbeit die 'Absicht verbünden hätte, zu zeigen, daß wir jeizo die mosaischen Lehren entbehren könnten, weil sie dein Geist «incr bessern und vollkommncrn Religion «icht mehr gemäß sind, daß 517osis 2lnsehen für Christen nicht so wichtig seyn müsse, wie für Juden , nnd daß das Alte Testament weder die Dichtigkeit noch die Brauchbarkeit für Christen liabe, die es für Israelitcn hatte, deren Begriffe, Sitten und Gebrauche sinnlicher und roher auch in der Religion waren, als die nnsrigcn (hat er dies etwa nicht gethan?) -Diesen Ruhm, fährt er fort, würde er ihn! sogar dann noch zugestehen, wenn er selbst mit der feindseligsten Gesinnung, die Ehre eines großen Mannes der altern Zeiten, des Stifters einer Religion, welche doch in derparalelle mit allen alten viel eigenes und vorzügliches hat, ange- griffen hatte. — Viel zugegeben Laye, mehr ,?s deinem Zinei? Namen Ehre bringt, denn feindselige I 77 elige Angriffe gegen einen großen Mann sind doch wohl Schurkenstreiche? die dem redlichen Vertheidiger Mosis, der sei» wahrer Apologet ist, »je einfielen, der ausdrücklich verlangte, man sollte die harren Ausbrücke, welche er sich nach aufgeklarten Begriffen gegen einen Mann bedienen mußte, der nichts weniger als Vorwürfe nach seinen Feiten beurtheilt, verdiente, nicht als wahren Gesichtspunkt für Mosis Zeitalter ansehen. — W wenns auch ans panta- gruels schrecklichem Maule tönte, gilt Heuer nicht mehr: („und lästern mir der sichtbarsten Unredlichkeit) wäre auch noch zu erweisen — für da- Schimpfen? »o?/ r^k^r ,/i»/--75: (als ob kein Jerusalem, bosselt, Michaelis, L.eß, ein Wort zur Aufklärung und Beschämung jener Vecenklichkeiren gesagt hätten) sragt sich; mit aller Hochachtung für diese wirklich großen Männer, obs nicht erlaubt sei, mit ihnen zn disscmiren, und zu glauben — daß noch nicht alle Schwierigkeiten gehoben seien? und ob man 7S man deshalb keinen Ruhm verdiene, weil man einen andern Gang als ihre Widerlegung wählte? Es ist traurig, daß man große Männer in einem Streite mit einem Lu-yen in gewisser Rücksicht evm» promirciren muß: (dies macht einem Philosophen Schande) also ohne jene Männer mir ins Spiel zu ziehen, kann man kein Philosoph seyn, ohne sich zu schämen? das merke dir !Ne»dels» söhn für die Zukunft, bei einem zweiten Jerusalem etwa! (ist eben so arg, als wenn man, wie er meint, den rohen Nloses noch den aufgeklarten Christen in die Hände geben wiü) also wird der sittliche Charakter der Menschen aufs Spiel geseht, wenn Jerusalem, ^löjfelt, iNichatlis n»d l!.eß nicht widerlegt werden; denn welche andere Rücksicht hätte der Verfasser bei seinem Glauben auf sie nehmen können, da er keinen Glauben auf Autorität kennt? „(und mag uns „berechtigen, sein ZZuch das alte Testament „eines Driften ?u nennen) nun aber glaubt der Laye noch unmittelbare Offenbarung durch Ersahrungen in sich, und physische Geclenstoßr, das Buch des Verfassers wäre demnächst eine um mittelbare göttliche Offenbarung, welche ein Deist durch Erfahrungen in sich, und durch Stöße auf feine Seele erhalten hatte? (wenigstens) hier kommt nun eine seine Charakteristik des 'Alten Testaments für einen orthodoxen Laycn „(ist die Philosophie so „schwach, und oft fo rindisch, die Critid' sich „selbst fo widersprechend, die Den'cnngsart „fo intolerant, und die deiftische Orthodoxie noch so verlaumdcrjsch und steif darin) das waren also die Ursachen, warum es den Namen des so des Alten Testaments verdiente? Ei! Ei! „als ob „das Äuch in eben dein Zeitalter und Geist „geschrieben wäre, in welchem Moses und „die Propheten sollen geschrieben haben)" und doch verdiente er Nuhin und Ehre, wenn nur Jerusalem :c. darin widerlegt wären. „5vir „hoffen daher, es werde mit seinem lieben „Brnder Horns (LeÜac) bald vergessen, und „wie es verdient, verachtet werden. Hierauf, lieber Iannes! hat ein vernünftiger Mann nichts zu erwiedern, als den Wunsch dieses Mannes mit Mitleiden anzublicken, und es dem Publcks zu überlassen, ob es den Verfasser oder Reeensenten zuerst verachten oder vergessen wird. Uebrigens sollte ich irgendwo den Siun des Lnycn verfehlt haben, so ist es meine Schuld nicht: dem, seine Neeension ist so undeutsch, und hie und da so dunkel, wie die Begriffe, die der Sprache derselben zuin (Grunde lagen. Dies sei genug für diescsmal, lieber Präsident des Limbus — wenn einst die Seele dieses Laven in deinem Gerichtssprengel ankommt, so sorge für ihre Reinigung, denn — du wirft etwas an ihr zu waschen finden — was nur dein LimbuS wegnehmen kann. Lebe wohl. Elysmm, den lZten December 1755.