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Von
csendcsUMes
Oder
lMd-MM/
so wohl zur natürlichen Wissen-
schafft als der Sitten-Lehre. In welchen gezeiget wird/ daß Licht und
Lufft ein geistiges Wesen sey / und alleLörper
aus Materie und Geist bestehen / auch in der gantzen Natur eine anziehendeKrafft/ in dem Menschen aber ein zweyfacher guter und böser Geist sey. Auffgcftyet und allen Wahrheit liebenden zur Prüfung übergeben Von
Christian Thomasm.
HALLE im Magdeburg. 1709.
Zu finden in Rengerischer Buchhandlung.
ZweyteKHrioo.
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tehalb Jahr/da ich versprochen/wegen gewisser Ursachen / etliche Jahr nichts durch den Druck zu pudiicii en/ ausser was ichnachmeinenBerussthunmüsie. Und ich habe auch bishero solches genau gehalten/ auch so wenig ciilpuriret/daß ich kaum Verantwortung finden dürffte/ wenn
nach denen ^tztuliz ^caciemi-e von mir Re-
chenschafft gefordert werden solte. Nichts destoweniger habe ich eine der starckstett Versuchungen ausstehen müssen/ indem wegen dieser wenigen Oilj?urZrionen/ für- nehmlich aber wegen einer so von dem Laster der Ketzerey gehalten worden/ man allenthalben wider mich zu schreiben / und mich von neuen nicht nur allerhand Ketzereyen/ sondern auch gar der A- a 2 the-
__ Vorrede . ^
' rheisterey in öffentlichen Schafften zu be- ^ schuldigen angefangen/auch noch hie? und dar damit fortführet/ dergestalt daß sich vielleicht viele wundern möchten/worum ich wenig oder nichts biShero darauffge- amworrer.
2. Es ist aber dieses aus vielen Ursa- chen geschehen/ (i) weil ich vorhin in öffentlichen Schrifften zu unterschiedenen mahlen vorher gesagt/ daß ich allen/die bereit waren mündlich mir mir zuconl'^i- ' ren gerne aushallen/ auch ihnen die Reise-Kosten und ein billiges.^nzZ, wenn sie mich eines gefährlichen Irrthums überwiesen/ zahlen wolle; wenn sie aber mit der Feder sich an mich machen wolten/daß ich ihnen zwar ihre Freyheit disfalls gönnen würde/ Sie aber mir wieder gönnen würden/daß ich thuen nicht antworte. (2) Weil ich mich befürchte noch nicht so siarckzu seyn / daß ich meinen Wiedersa- chern/ zumahl «te mich ziemlich harte und unrechtmäßig rr^inet / mit der Sanfftmuth und Glimpffbegegnen tönte / wie ich wo! von Hertzen wünschte. Denn ob ich gleich für GOtt bezeuge/ daß ich keinen Groll noch Femdschafft gegen e?ie trage/ auch zu allen Nebes-Diensten
ge^
^_^ ^ Vorr ede.___^
gegen Sie erbötig bin/ so muß dock ein jeder/ vereine lang angewöhnte ^chwach- heitan sich bat / alle Gelegenheit meiden/ daß er ^ie nicht -rncire / und möchte auÄ bey andern wegen der bisher an mir gewohnten Schreio-Art Gelegenheit gegeben werden/sich etwan an einen yvcydeu- u'gen Wort zu argern/ und es übler auff- zunehmen als ichs gemeinet hatte.
V0 befinde ich (?) die seit dem wider mich eciirteSchrifflen und Beschuldigungen von so schlechter Wichtigkeit/ auch die Furore; derselben (4)zuLeipzig/Witten- berg/Dantzig/ Rostock/ Tübingen und so weiter/ von so wenigeroder ^u- roritat/ daß ich mich nicht befahren darff/ daß ihre Schriffren / denen von nur vertheidigten Warheiten den geringsten Vchaden thun werden / und halte es bey dieser Bewandnüß für gantz unnörhig (5) die edle Zeit auff Beantwortung solcher Kleinigkeiten oder offenbahren Verleumdungen und cZVllizrionen amuwen- den/ und mich dadurch (6) dev der kur- tzenLebens-Zeit eines Menichenvo^ fernerer Ersorlchung nützlicher Warheiten abhalten zu lassen / zumahlen da ich (7) genugsam versichenom/ daß alle v a 3 nünff-
___ Vorrede. __
nünsstige und unpartheyischeLeute/auch die meinen Meynungen nicht Beyfall geben möchten/ entweder die Thorheit oder Unmanirlicykeit meiner Gegner mißbilltchen werdm/ auch vielleicht (8) dieses die fürnehmste Ursache seyn mag/ warumb man an mir Zum Ritter werden will/weil die von mir gelehrteWahr- heiten auch nunmehr über mein Vergossen etwan zu Tübingen und Rostock zc.bey vielen ApprObsnon finden/und die alten Fechterstreiehe in keine consicierAri. on mehr kommen wollen / und der Han- delderer/ dievondem Tempel der vians bisher ihren Nutzen gehabt/stwa anfangen will nichts mehr zu gelten. Bey solchen Leuten macht man am ersten Frieden/wenn man fte ruffenlast: Groß tstdieDiZNÄzuRostock/Tübingen/u.s.w. (Denn wer thut thr was?) als wenn man coners schreyen wolte.
4. So hat mir auch (9) GOtt bißher vielfaltig gezeigct/daß je weniger ich mich wieder die/so mich verfolget/ gereget/ je mehr hüt GOtt an meiner Statt gestritten / oder mir das kleine Leyden mit desto mehr Seeqen ersetzet. Wiewohl es ferne von mir sey/daß ichGOtt dißfallö umb
__Borred?. _ ^ ,
Rache anrussen sollte / theils weil ich versichert bin/daß die armen Leute nicht wissen was sie thun / sondern vermeinen/ sie thun Gott einenDienst dran/weßhalb ich ja wohl Ursache habe/ beyGOtt umb ihre Vergebung zu bitten/ theils weil ich wohl versichern tan/ daß ich in allen ihren Schrifften nichts gefunden / das von der Beschaffenheit gewesen ware/einigeZorn bey mir zu erwecken/sondern ich habe vielmehr allenthalben Ursachen gefunden/ hertzliches Erbarmen und Mitleiden mit ihnen zuhaben. Undmuret michadson- derlichder gute äucor zu Leipzig auch unter andern dißfalls/ daß / da er mir anfangs gedrohet/ daß er gantze Jahrgange wider mich schreiben/ auch allenthalben mir auffdem Tache seyn/ und als ein ?rT- c-pror, ich möchte schreiben was ich wolte/ mir correÄiones undLehren geben wolte/ er so geschwinde/ ohne daß ihn jemand gejaget/ von selbsten eingepackt / und nunmehr sich in andern Schrifften fast nicht regen darff/ daß er nicht seinen i^cepro- rem und mvnirorem an der^Velte har/ der Ihn also nothwendig das Lebensauer ge- nung machet/ und den mir angedroheten Muthwillen rechtschaffen / und mehr als
a 4 ich
^Vorrede. ^
ich wündschen köme (wenn ich auch räch-- gierig wäre) versaltzet»
5- Inzwischen dancke ich bey dieser Gelegenheit gebührend / und schuldigst der löblichen iMosoptüschen ?3Lultät zu Rostock/ daß sie in vorigen Jahre lud 8iZiI1c> ?2Lu!t3ti5 ihr Mißfallen/Über den Unfug des Menschen/ der wieder meine vilpma-
tion cle crirnine Ü!rrelec>8 äispuriret/
schrifftlich gegen mich bezeugen wollen/ und werde die hierunter mir erwiesene Höfflichkeit und FreundschaM bey aller Gelegenheit zu erwiedern gestissen seyn. Ich hatte zwar auch ohne dem leicht ge- muthmasset/ daß dieser Mensch aus einer andern Fechtschule wider mich angestiffttt worden/ wie es sich denn auch in der hernach gehaltenen Oispumcionäe nvn sp?- rancia extrÄ^ccleliam I^utKerz.NÄw 5a!uts
geeussert / darinnen man nicht nur den Herrn v. Spenertapfferund ^-^e i.u- tKeran?ment gelästert / sondern auch mir die Ehre angethan / den lAeojosifchen- Eysser sn mich auszulasten.
6. Wiewoh^ich mich nun hertztnnig- lich freue/ daß man mir die Ehre anthun/ ;Md mich Herrn I). Spenern zugesellen wollen/ auch es mir für eine Schande achten
V^rr'de.__
tenwürden em: ich Vmweder von denen
l'KevIoAis 8.ottc)cKieniibu8, oder Mit ih- MN V0N jemand anders in eine Classe gesetzt/ und gelobet würde / so will ich doch hiermit einmahl für allemahl alle dergleichen 8Lribemcn freundlich gebeten haben/ daß wenn sie Herrn v. Spcnern etwas zu sagen haben / sie doch meine Schrissten nicht mit einmischen/ und ihm / daß er vor mich Rede und Antwort geben solle / zu- mmhen wollen / und wiederum / daß/ wenn sie wieder mich schreiben/sie die cc-n- troverii38, die sie mit Herrn v. ^penern haben/ nicht einmischen wollen.
7. Es hat ja Herr O. Svener in einer Schrifft wider v. Schelwigen deutlich ge- nung von sich geschrieben/ daß er meine Lehren nicht alle Approbirte/ und daß ich mich nie zu ihm bekannt hätte / welches Zeugniß ich danckbarlich erkene/ und mich mir selben gantzlich contormire, Ich habe Herr o. Svenern jederzeit für ein sonderlich WerckzeugGOttes gehalten / dadurch er sehr vielGutesin seinerKirche gc- stiffrec/und noch stifftet/ ich habe aber dabey allzeitwahrgenommen/ daß wie Gott unterschiedene Gaben des Geistes unterschiedlich austheile/ also brauche er auch a 5 tM
^___ Vorrede. . __
unterschiedene WerckZeuge zu Beförderung seiner Ehren und Weißheir / und müsse ein jedes auffsich selbst acht haben/ worzu es berussen fty / nicht aber dem andern Werckzeuae nachäffen. Und ob ich wohl die guten Vermahnungen / die mir Herr i). Vpener in wachsen gegeben / da ich noch in der Thorheit der Satyrischen Schrifften stacke/ Lebenslang mitDanck rühmen werde/ (ob ich es wohl damahls nicht begriffe/) auch sein Gebet das er für mlchthutmir lieber istalSgroAEHre und Geschencke eines machtigen Fürsten; so muß ich doch in der Erkantnis der Wahrheit/wie von aller menschlichen ^.moritTt, also auch von der seinigen abttraKiren/ und demjenigen folgen / was nur selbst von GOtt inLesung helliger Schrifft/undBe- trachtung der geschaffenen Natur gezeiget wird/gleich wie auch seines Ortes Herr v. Spener unrecht thun würde/wenn er seine Bekantnis von der Wahrheit aus Liebe zu mir oder einigen andern Menschen/ nach dererselben Erkäntms einrichten wolte/ wenn er versichert wäre/daß er für sich eine gantz andere Einsicht hätte.
8. So bin ich auch der beständigen Meinung/ daß Herr v. Spener nie in willens
ge-
_ Vorre de.__
gehabt/eine Secte zu machen/noch von je- mands prXtenäirer habe/ daß man sich zu ihm bekennen solle/ glaube auch nicht/ daß es ihm gefallen solte/ wenn sichjemandfür einen 8penerisner ausgeben wolte. Ich aber bin vonNarur gantz ungeschickt/wen jemand/ er sey wer er wolle / ja eine neue Secte anfangen wolte / mich darzu gebrauchen zu lassen/ und mit zu machen. Ich fuche allenthalben Wahrheit/und wo ich solche finde/ so nehme ich sie ohne Ansehen derPerson aus freyenWillm an.Jch erkenne aber niemand als einen HErrn meines Gewissens/atsCHristum. Von allen anderm / wenn es zum Gewissens- Zwang kömmt/dencke ich inEinfalt: Wer ist Paulus? wer ist Apollo? wer ist Ce^ phas ? Diener sind sie/ nicht Herren über die Gewissen. Ja wenn mein bester Freund die besienLehrm hätte/und wolte jemand darzu zwingen/ oder sich etwa» auch in andern Fallen eines so genanten Geistlichen/in der That aber leiblichen Zwangs anmaßen/ (als worinnen das Leben alles Sectiristhen Wesens bestehet) würde ich/ wo nicht der erste/ doch auch gewiß nicht der letzte seyn/ der ihm darinnen widerspräche/ und ihm nach der Kraffr/
die
___V orrede.
die GOttverleihen würde/ bey aller Gelegenheit Widerstand thäte.
9. Aber wttder zu meinen Zweck Zu kommen / ob schon die obangeführren Ursachen genungsam anzeigen werben / wa- rumb ich mit denen / so nuch ftithero verketzert / mich in keinen Wtreit einlassen werde/so habe ich doch der Nothdurfft zu seyn erachtet/ allen falschen Beschuldigungen wider meine Lehre / die so wohl öffentlich als heimlich wider mich ausgestreuet worden / auffeinmahl ihre KrM zu benehmen/und der gesamtenChristenheitzu zeigen/ daß ich kein Ketzer noch sectirer sey. Und solches habe ich gemeinet/ daß es nicht kürtzer und füglicher geschehen könte/ als wenn ich in kurtzen Lchr-Vatzen zeige- te/ aus was für Brunquellen heydnischer Lehre alle Ketzereyen und «ectirereyen entstanden/ und daß meine Lehre hiervon , gantz entfernet/ vielmehr aber in heiliger Schriffc gegründet sey/ und mit derselben überein komme.Diefts habe ich nun in denen für wenig Tagen publi^ten nöthi- genGrund-Lehren für die Tmälvids ^suris zu thun mich beflissen / auch von selbigen den ersten Theil und fürnehmlich die ersten 4. Capitel drinnen nebst dem 16.17»
________Vorre de.
und i8- Capitel/ ingleichen das 6. Capitel des vierdten Theils so eingerichtet / daß auch die / so keine?rvteülon von siudiren machen / sondern nur sonst mit einem guten natürlichen Verstände begabt seyn/ teicht begreiffen mögen / daß ich an keinen Sectirischen Wesen ein Gefallen habe/ weswegen ich diejenigen / die diöfals den Haupt-Grund meiner Lehre zu wissen verlangen/ bitte/ nur diese wenige Bogen Zulesen.
10. Es ist aber hiernechst mein Vorhaben in geringsten nicht / daß ich künfftig wiederum!) als vorher geschehen / mich mit vielen Schrlssten Herfür thun wolle/ wiewohl ich auch eben dieses nicht verredet haben will Denn daß ich diesen Versuch von demWesendesGeistespublicire, ist deswegen geschehen / daß meine Zuhörer/nebst der Vernunfst-und «ckten- Lehre/ auch den Grund hatten zu der Er- kantnißder Crearuren überhaupt. So hat diese publicirung auch die Nothdurfft erfordert/weil der Freund/der mich zum Atheisten machen wollen / etliche Stücke von gegenwartigen Trattat / wiewohl sthrzerstümmelc in seinen Schrifftenwider mich angeführet und drücken lassen.
ii. Die
' V orrede- __
ii. Die ersten 6. Cavitel davon habe ich zu Ende des 96. Jahrs in einem LolleZio ?riv3w meinen ^uäiwribus allbereit abzuschreiben gegeben/ auch hernach ^nno 97- etlichen gelehrten Leuten communi- ciret/ und sonderlich mit einem vornehmen/und in ewIvlopKzÄ (Ärteliana wohl-
erfahrnen Manne durch selbige Lonferi- ren lassen / ob etwan mir gezeigt werde« könne / worinnen meine Satze nicht an einander hiengen/ oder falsch waren. Nachdem ich aber erfahren / daß bloß wider etliche LonLluttoneü einige äubia gemacht werden wollen / wlder die iunäa- inenml-Lehren aber nichts hauptsächliches vorgebracht worden / bin ich in der Wahrheit meiner Lehre desto getroster worden/und habe vermeinet/daß ich mich wohl wagen dörffte/ diesen meinen Versuch allerWelt sehen zu lassen.
12. Was aber das letzteHauptstückvon Geist des Menschen anlangt / habe ich selbiges für weniger Zeit / und zwar unter vielen andern Verrichtungen / zu entwertn angefangen/ weshalben dasselbe vielleicht noch mehrere Ausvolirunßen 0- der Erläuterungen dörffte vonnothm haben/ als die ersten. Und wiewohl mir
^v?
_Vorrede.
dannenhero lieb seyn wird / zu desto besserer Untersuchung der Wahrheit anderer Gelehrten ihre Bedencken undEinwürf- ft wider diesen meinen Tractat zu lesen/so will ich mich doch nicht verbindlich machen/mich dieserwegen mit jemand in einen streit einzulassen/ fondern wenn ich befinde / daß es sich der Mühe verlohner/ werde ich nicht ermangeln / meine Erklärungen dißfalls kurtz und deutlich zu thun; wenn ich aber sehen werde/ daß die Sache der Mühe nicht werth ist/ wird es mir ja frey stehen/ dergleichen Dinge mit Stillschweigen zu beantworten.
i z. Wer das erste Concept von diesen Versuch gelesen hat / wird befinden/ daß in diesen Abdruck etliche harte Redens-Arten wider die carteinnifche ?Kiloü)pliie sind geändert/ oder ausgelassen worden. Denn ob ich gleich in dem ersten Concept nicht gemeinet/ jemand damit wehe zu thun/und bey demselben mehr auff den Irrthum als auffdie Irrenden mein Absehen gerichtet hatte; so bin ich doch meinem werthesten Zreunde und Gönner/ dem Herrn ero5eüori«.oe- tenbecic zu Altdorff deswegen sehr verbunden/ und dancke ihm hiermit nochmals
a
Vorrede.__
mahlen öffentlich / daß er djeserwegen gegen mich freundliche Eri!;nerungen thun wollen-'
14. volte auch annoch etwas über verhoffen seyn stehen blieben/ daß jemand mit Fug coucKiren tönte / so bitte ich deswegen Vergebung/ und daßsich der Le- serverstchern wolle/ daß solches nicht von mir geschehen sey/jemand / am wenigsten aber der Lartelisnischen ?Kil0lopKis zugethane zu beschimpften / sondern bloß- nach meiner Erkantniß zu zeigen / daß ich der Meinung sey/ wie diese ?Kiw5o- plüe voller wiedersprechender Lehren/ und folglich voller Irrthümer steckt Habe ich nun Unrecht/ so bitte mit selbiges zu zeigen. Habe ich aber recht/ so bitte es nicht übel zu deutend noch das Wort Irrthümer / und was dergleichen ist / für eine Beschimpft fung aufzunehmen. Wir sind ja keine Engel/ sondern Menschen. Alle Menschen irren aber/ und ich Messe mich nimmer davon aus. Man tan auch m eines Erachtens einen Menschen keine grössere Gutthat erweisen / als wenn man ihm seine Fehler und Irrthümer mit Lie- be zeiget.
15-Nun
V örtede.
15. Nün bezeuge ich öffentlich/ daß ich keinen Lartellaner anftittse/noch/ wentt er schon meiner Lehre keinen Beyfall geben/ sondern auff seiner Meinung verharren wird / anfeinden werde / sondern ich liebe einen c^i celianer, so wohl als einen / der es mit meiner Meinung halt / und bin bereit/ da es Noch wäre/meine carKe^r jhme / wie auch allen die mich retmiren wollen / zu ley- hen/und mich hinzusetzen ihnen zuzuhören. Widerlegen sie mich mit Grunde / so bin ich ihnen Danck schuldig/ daß sie mich eines Irrthums benommen; Befinde ich dieses in ihrer Widerlegung nickt / so werde ich in meiner Lehre bekräftiget. Thun sie solches mit Liebe / so werde ich angetrieben / sie noch mehr zu lieben: Geschiehet es mit Haß und meiner Beschimpffung; so tan ich ihnen ja gönnen / daß sie sich bey unpartheyischen Leuten proüitm- ren / und kan mich dabey prüffen / ob ich so viel in Bezähmung der offenen zugenommen / daß die losen Worte mich mehr zum Mitleiden / als Zorn bewegen.
h z6. Ss
___Vorrede.__
16. So bin ich auch gewiß versichert/ daß die göttliche Vorsehung sich o-ms- lü bedienet / die Gelehrten aus dem liessen Schtaff des Äverglaupens und des sir^iuckcü 2urorK?ki« M erwecken/ MiH hat L>rreLu5 Miit dem erfugdenen ZweiW Anfang der UntersMul^ der Wahrhch d^ui Reich dex Finster- mß lmrcklichen SchayM gethan/ Weshalb ihn HWrmgen alle Liebhaber der Wahrheit uueMich verbunden sind/ indem sie dadurch zu Erkannrniß dxs Affter'PMGuMs.Md Wd^rLr Irr- Mlmer Mracht wordm. Ob mm
Aon er auch eines andern / wer es auch sey) alsMö-
tzen
Vorrede.
Yen anbeten / dieselben umpfiöcken/und für ein Laster halten / wenn sich jemand unterfangen wolte / weiter zu geben als die Erforscher der Wahrheit für uns gethan.
'7» Ich befinde ferner / daß ^rcelmz dasjenige / was zu denen Kraffren der Corper gehöret / und zur Bewegung gebraucht werden lan / wohl und ge- MMch explicuet/ und also die eine .VelNe der Natur-Kunst / nemlich die die sichtbaren Dinge angelm/ von dem Unfiath und Grillen der Vchul-ekUo- sopiiie gesäubert. Aber man muß deswegen nicht unterlassen / die andere Helffte von unsichtbaren D ngen etwas besser und gegründeter zu untersuchen / welches ich in gegenwartigen Versuch von dem Wesen des G^sis gethan habe. Zürnemlich aberisi nöthig/ daß man beweise / wie in der Natur eine anziehende Krafftsey/ welche «^rle > '»- "'- °'" ^'""- ^
_ Vorrede. __
'menrz die c^rrelms uns die Cartesianer wider diese anziehende Krasst vorstellen/ zu beantworten/also ist mir nach Verfertigung desselben noch eines und das andre beygefallen / das ich hiermit kürtz-
lichcommunicirenwitl.
19. Und zwar anfanglich habe ich.be- funden / daß das Lx^imenc derer Car« tesianer/ dessen in s.Hauptstück i'Kes. gedacht worden/ (daß wenn die lange cz^ irische Röhre/ die oben zuist/indaS in dem langen Kelche stehende Glaßgen mit Quecksilber gesetzt/ und die ^ufft Mö dem Kelche und aus der Röhre guten theils ausgepumpt wird/dasOuecksilber nicht eher in die Röhre hinaufsteige/ bis Luffr in den Kelch gelassen wird/) so richtig nicht sey/sondern daß/ wenn man die ^nciizm ein klein nxnig stehen last/ das Quecksilber / wiewohl wegen seiner Schwere sehr langsam / auch ohne Einlassung der Lufft in den Kelch / von sich ftivsi in die Höhe sieige/ und also das jenige / was die Carttsiauer draus schließen wollen / nicht erwiesen/ vielmehr die an-' ziehende Krafft dadurch erleutert wird.
20. Welches auch durch ein gleiches xxperimenr noch mehr bekrassliget wtrd/
Ha-
_ Vorrede. _^
davon in eben derselben 7^.;. des 6. Hauptstücks zu Anfang gedacht wird: Wennnemlich ein umen und oben offenes chimärisches Maß oben an die ^nrii- sm feste gemacht wird/ und durch Auspumpung der Lufft das Quecksilber doch nicht höher / als an die abgemessenen gewöhnlichen Zolle gebracht werden kan/ woraus dieCanesianer schliessen/daß das
Quecksilber nicht per ^ttrzÄionem inrer^
nsm, sondern durch die ausserliche Drückung der Lufft in die Höhe gebracht wer- de> Nun habe ich bey diesem ^xpenmem wahrgenomen / daß wenn das Quecksilberin die Höhe gebracht worden/und der Stöpsel oder LmKows der ^mii-e zurück geschoben ist / daß die Pumpe inwendig von der Lufft leer gemacht worden / und man den Stöpsel in diesen Stand last/ hingegen den Hahn/ durch dessen Oeff- nung die verdünnete Lufft in der ^mu» nutder verdünneten Lufft in dem c^iin- 6l ijchen Glase communiesrion hat / hee- umb drehet/ und also die commumcztiön verhindert/ alsobald das Quecksilber in Giase gargeschwinde niederfallt / hingegen/ wenn man durch abermahlige Herumdrehung des Hahngens die commu-
HZ ni-
Vorr ede. __________
«z-zrion wieder zuMt /ohne neue M6- pumvunq der Luffr/ in einen Augenblick in die Höbe steiget. Daß man also durch unterschiedene Herumdrehung des HühngensMsOueMlber in dem cyim^ irischen Glase gleichsam tanßenv n:achen kan. Welches alles der äusserlichen Drü-' ckuttgdrrLuffc/als welche immer in einen Stand bleibet/ninmiermehr zugeschrieben/ aus der Lehre von der ^l-attwn aber und derselben durch unrersthi «tupponire / sie entweder vor-
her6srresliprmeipia?i,jIofop!īselbstsiei^
sig lesen/ Mr bey einem pkiwsophc, esr- tciiano.eoUe^i» prüber halten / worzu es ihnen MM M Gelegenheit nicht mangeln/mir aber lieb stynnM/ wenn sie also Gelegenheit bekomme« werden/mir durch ihre oubis entweder einen Irrthum meiner Lehre zu zeigen / oder fer-
_Vorrede.
nere Erfahrung immer voÄrin zu hören.
2z. Denn ich schäme mich nicht / wo ich gefehlet/solches auch öffentlich zu bckenen. Und hiervon eine Probe zu geben / will ich hiermit erinnert haben / daß ich nach reiffern Nachdenken befunden/ daß die n tiielZz in andern Hauplstüct: Je dicker ein durchscheinrnderCörperist/ je weniger kün man durch sehen/ nicht
just und richtig sen/und dannenhero diese iKeKz, wie nicht weniger die daraus hergeleitete 22. ri,cli5 des 5. Hauptstücks ausgestrichen werden müssen.
24. Dieses hoffe ich soll an statt der Vorrede genung seyn- GOtt aber erwecke in uns allen eine Begierde / der Wahrheit ohne Ansehen der Person/ undohne Haß deräilsemirenden nachzuforschen/ auch ein e hertzliche Liebe/die Irrenden mit Sanfftmuth zu weisen/ so wird überall Friede und Vergnügen wachsen / und seines heiligen Nah- mensEhre alle nthalben befördert werden.
VersuH
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HtzWWMPPPMW
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VBersuH vondemWeftn '
W des Geistes.
I. Hauptstück.
Vorbereitung von der Übereinstimmung der Vernunfft mit denen Sinn^
ligbeiten (experimenris). I.
__
stand des Menschen bestehet vsr- nehmlich aus ^weyerley Kläfften/denen ^Sinnligkeiten und der Vernunfft. .2)
A "I'K.
«) Durch die Siiniligkciten verstehe ich/ was die Lateiner ^' st!i,su« oder t^usiones nennen/ lind durch die Vernunfft I^ci'.nem; Jedoch nehme ich dieSinnligkeiten allhier im engcrnVerstande/vor die cuserlichcnLine wie sie insgemein gebraucht und verstanden werden. ' Denn ich Ü!fpucire ttllhier(a!j Komiuem) wider dieze» ) nigcn/ welche die Sinne durch eine ungesunde Ver- ^ nunfft verbessern und cc» li^iren wollen/und danncn- hero zum Grunde des Verstandes gewisscBiloungen, (i^euz) setzen/ die der thätliche Verstand (incelleÄuz attivus) gekünstelt/ und doch sehr übel zusammen hen- gcn. Sonstcn aber gebrauche ich nach meiner Lehr- Art/ so wohl in meiner Vernunfft Lehre/ als auch in meiner cvntezllvn, das Wort Sinnligkcitcn/ in einen etwas weitem Verstände.
^_Versuch von dem Wesen_
2. Durch jene begrciffen wir die einze- len Dinge/ (Ii^iviciua) durch diese betrachte» wir deroselben Übereinstimmung und Unterscheid mit oder von andern Dingen/ und was sie also mit andern gemein/haben b)/ (^niverMa.)
I'K. z. Durch jene empfinden wir das aus- ftrliche von denen Dingen/ und daß sie etwas sei)n/(Lxittemiam) durch diese erforschen wir das innere und was sie seyn/c) (ellenri^m.)
I'K. 4. Durch jene mercken wir/daß die Dingeauff unterschiedene Art beweget werden/ (morus p-zslivus,) durch diese lernen und suchen wir/was dieser Bewegung Ursach sey cl)/(moms zciivns.
^_ ^K- 5.
d) Dieser Satz ist offenbahr / und wird von niemanden geleugnet.
c) Daher pflegt man zu sagen/ daß der Mensch niemahls einen Menschen gesehen habe/ weil ncmlich das Wesen des Menschen innerlich ist. Dahcro sind auch die innerlichen Gliedmasscn/ ober Theile eines Dinges/ nur der blossen Vcrnunfft/ und deren Muthmaßungen/nicht aber denen ausserlichcnSinncn untertvorf- fen/ biß sie äusserlich werden/welches durch dic/ina- romie.inglcichen durch die Mechanischen undChymi- schen Lxpenmenr» geschiehet.
^) Denn die bewegte Sache/welche von denen auscrlicheu Sinnen begriffen wird/ ist allemahl äusserlich/ das ist/ zum wenigsten ausser dem Gehirne. Und ob wohl die ausserlichen Dinge offtmahls sich/ offtmahls andere bewegen/so konten doch keine von diesen Bewegungen geschehen/ wenn nicht eine innerliche unsichtbare Ursach dieser Bewegung wäre.
des Geistes i.'Hauptstück.
9
'I'K. s. Durch jene spüren wir die Wür- ckung derDinge/ (effe^um): Durch diese suchen wir die Ursachen von der Würckung e) (oaulam).
I'K. 6. Durch jene fühlen wir das leibliche? (macerizm)/durch diese lernen wir das geistliches) (spii'irum).
?ti. 7. Gleichwie nun in der Welt sehe wenig s) eintzcle Dinge sind / die nicht was gemeines und ihres gleichen hätten/ die gemeinet?
e)DaherobegreiffenwirdieBewegung und Ursache derselben niemahls aufs einerley Weise. Zum^-empel/ wirbegreiffenzwa: mit denen ausserlichenSinnen die Würckung der ^ntKIie> oder Lufft-Pumpe/ wirbe- greiffen aber niemahls mit denen aufscrlichenSinnen; was die Ursach der Bewegung sey / sondern wir erforschen dicftlbige durch die Vcrnunsst/ zum Exempel/ob die ausserliche Lufft/durch eine Drückung/ 0» der die innerliche durch eine Anziehung solcheBewe« gung verursachen, t) Dieser Satz fliestet aus dem dritten/ denn das Leibliche ist allemahl äusserlich/ und das Geistliche innerlich-, Z) Denn Golt alleine/ und unter denen geschaffenen Din- L^F/t gen/sind die Sonne und der Mond ?e. nebst etlichen «H>7- ^wenig andern eintzele Dinge/ die nicht was gemeines 4w-^und ihres gleichen haben. Wiewohl von demMon- die Sache noch nicht so klar ist/ ob derselbe nicht A^T^A'nserer Erd-Kugel sehrglcichsey. Weshalben die Il^^iieueii Philosoph! auch die Erdkugel vor einen Plane« H^-Ä.tcn halten. Jedoch ist mit dieser Frage / eine ande- ^ /^ »e nichtzu vermischen/ ob nemlich in den Mond und Md^'n PlanttM a»ch MnsclM seyn? Hierbey ist
A 2
aber
4 V ersuch von dem Wcsen
csber ohne eintzete nicht sind/ auch das Seyn unddieDaurung eines Dingeö von dessen Wesen nicht avgesonvcrt ist/ i) vielweniger in der Bewegung eines Dinges eine leidende Bewegung
auch etwas gesaget worden von der Unzulänglichkeit derer exp-rlm-ncen/ so durch die Fcrn-Gläser/ durch welche wir die Srerne betrachten (per rübo, «ptico5>) gemachet werden. Man hat hierbei) ein artlich Exeiw pel angeführet/welches sich vor etlichen Iahren inEn- gelland zugetragen/ da eine lebendige Mauß unvcr- merckt in den tul,um opricum kommen / und als die College« der gelehrten Societät in Engelland solches nicht in acht genommen / haben sie sich eine geraume Zeit eingebildet/ als wenn in den Mond/ ich weiß nicht was vor ein erschrecklich Monstrum zu sehen wäre.
K) Hither gehöret die bekante Frage / ob die allgemeinen Dinge funiverszli») auch in der That?etwas sein/wen
man nicht dran gedencke? s -uiUliiverlilÜii existznr ciri a
-nenris operzrioneiu?) welche Frage ehedcssen unter denen Gelehrten eine grosse Spaltung / und beynahe Ketzereyen gemachet/indem sich etliche derselben nomi-
. nsle«, die andern ---.iles deswegen genennet haben. Kurtz von de:Sache zu komcn/so würde man niemahls die allgemeinen Oinge durch die Gedancken lidttraKi. ren können/ wenn keine eintzelen Subtt.n^en oder Lon- crera in der Welt wären.
Y Hierbey ist dcrllnterscheid zwischen derBetrachtung allgemeiner Dinge/und derer Absonderung/ ( incer sb. ttrsärioncm Sc t-p-lr.^cic-nem) erkläret UNd mit aildcrit
Exempeln darzethan worden. Denn man kan zwar z-e. ein selbständiges Wcsen und dessen Zufälle (lulstt^irism ^cciciens)absonderlich betrachten/
_ des Geistes i. Hauptstück._ 5
gungohne eine thätliche ftyn kan/auch keine Wirckung isi/die nichtihreUrsachehätte/^folglich auch kein leibliches Ding ohne ein geistliches A ; beste-
(cilzttr.il,!ren)abcr dcsweqcnstnd sie nicht von einander abgesondert f »an iunc iep»r.ir.^:) also tan man auch zwar den klcinesten Theil in cinemCorper absonderlich betrachten/ aber deswegen ist dcrselbige nichts absonderliches. Gleichcrgestalt kan bey Betrachtung des guten/ zwar absonderlich betrachtet werden/daß selbiges denen Gesetzen gemäß/ lieblich oder nützlich sc»/ aber deswegen ist das Erbarc/liebliche und nützliche (Kone5tum>^ucu»llum,K uri!<.') nichc eine ab.ondcrli- che Art dtsglltcn/(na7illili'crunr ixecie.) Bey dieser Gelegenheit hat man dieUnzulänglichkeit vorgestellet/ wenn die Natur»Kündigcr insgemein davor halten/ daß ein endlicher Eörper könne in unendliche Theile getheilet werden/oder wenn die Herrn klariiLm-icici insgemein lehren/ daß eine Linie oder Strich/ auffun- endliche Weise tonne zertheilet werdcn-Man hat auch hierbei) dasgemeineExcinpel und dieFrage erwogen/ von einemHunde/ welcher noch cinmabl sogeschwin- de lanffenkan/als einHaase/wennman feste stellet/ daß der Haase-oo. Sprünge vorn Hunde habe/ und hernach fraget/ in wievielsten Sprunge der Hund den Haasen crlauffe? I<)Dcnn dasThun und das Leiben (->Aic>6c^ail,<,) sind nach der Lchr-Att der Schulen entgegen gesetzte ' Dinge/ die zugleich seyn müssen, üinr rel.uivL oppo-
tirz.rel.itA vero tlinc innul n^rni-i,)
I)Diher entstehet der Lehr Sa!'/daß dieWürckung von dcr llrsach zciye/ («luocl Lft^^us cesteru^tls czu^,) welcher doch also ui verstehen/ daß die Würckung anzeige/es müsse eine lis fache vorhanden seyn / ob
gleich
6 Versuch von dem Wesen
gleich dieWürckung nicht allemahl zulänglich ist/ anzuzeigen/was für eine Ursach essey/z. e. Wenn bey den Versuch der Lufft-Pumpe/ derFingcr an das Gefasst/ demoieLuffc ausgepumpet ist/ feste gehalten wird / sozciget zwar diese Würckungan/ daß etwas sey/so solches verurfachc/aber es weiset dieselbe nicht/ «ob die ausserliche Lufft den Finger andrücke/ oder die innerliche denselben anziehe. Also wenn ein Mensch fich überziehet/ und 5. v. in den Gespieenen Wurme »vachsen/so zeiget zwar diese Würckung an/daß eine Nrsach solcher Würmer sey/aber sie zeiget nicht an/ daß der Mensch solche gemachet habe. Also wenn ein Kind gezeuget wird / so zeiget zwar diese Wür- rkung an / daß die Geburt von «ner Ursache entstanden/ aber sie zeiget dcshalben nicht an / daß der Vater die würckcnde Ursache (cs,u5a etKcie-,5) der Geburt sey. Also wenn cineWcibs-Person gcschwän- Acrt worden/so zeiget zwar diese Würckungan/ daß Jemand müsse Vater zum Kinde seyn/ aber ich weiß deshalben nicht wer es ist. Also wenn wir Jemand von aussen die Fenster einschnmsset/ so zeiget zwar dieseWürckung an/daß es jemand müsse gethan haben / aber ich weiß deshalben nicht/ wer es gethanhat. Bey dieser Gelegenheit hat man mit wc- Hngen gezeiget/daß wenn der obige Lehr-Say nicht «uffbesagteWeise verstanden wird/viel allgemeine Irrthümer aus solcher übelen Auslegung entstehen/ c^>i^ei' e. Man halt zwar insgemein davor/ daß derVatcr //e/^-n^ die würckende natürliche llrjache (causa eKci>-us /? )/-.. 3 . der Geburt sey/welches doch so wenig wayr-
' L , ' scheinlich ist/als wcü ich sagen wolle/ daß derMensch ^' ' die würckende Ursachdcr Würmer sey / die aus den Gespeyetenwachsen/oder daß oerSaemmm die wür- «keude Ursach des Getrcydes sey/ dcssen^aamcn er in die Erde geworffen. Wir sind hierinncn denen Hunden fast nicht ungleich/die in den Sccin beissen/ mit «welchen siegeworffeii werden.
des Geistes r. Hauptstück . 7
bestehen und beweget werden kcm: m )aiso kennen auch indem menschlichen Verstände die Sinnligkeiten von der Vcrmmfft nicht warhaff- lig abgesondert werden, n)
'i'K. 8- Zum wenigsten wäre dem Menschen die Sinnligkeit ohne die Vernunfft / und die Vernunfft ohne die Sinnligkeit nichts nütze. Und also braucht der Mensch in crforschung der Warhcit alle beyde/ ja die Sinnligkeit ist der A 4 Grund
zu) Die vorhcrgchcndeLchr-Satze werden insgemein auch von den neuern Philosophis zugegeben. Bey dem gegenwärtigen aber sind sie anderer Meinung. Es wird aber derjenige gar deutlich daraus erwiesen/ wcilauch die neuernPhilosophigargernc zugeben/daß die Materie ein pur leidendes Wesen sey / welche also nimmermehr vereiniget werden tönte / wenn tlicht ein thatiges und zwar innerliches Wesen dieselbe vereinigte. Denn ein äusserlich Wesen/ kan zwar wohl eine Zusammcndrückung / nimmermehr aber eine r.echre Vereinigung verursachen / man stelle sich nur einen in 4« Theile zerschnittenen A- pjfel vor/den man hernach mit denen Fingern zusammen drücket/dahero heben die Eartesianer in derThat/ alle wahre Vereinigung auff. Dieweil aber dieses unten an seinen Ort soll erwiesen und dargcthan werden/als kan man auch allenfalls diesen Lehrsatz/ als noch zweiffelhafft hier gar auslassen/ oder beyseite setzen.
u) Dieser Satz fliesset aus dem andern und folgenden Sa<;en/wenn selbig.' nutzer jetzige»! Äiell und der
Anmerckung Ut.zusammen gchaltti, werden»
8 Versuch von dem Wesen^_
Grund der Vernunfft/ aufweiche/so zusagen/ die Vernunfft ihr Gebäude auffführet. o)
"I'K. 9. Derowegm sind auch die Vernunfft/oder das Nackdencken (Ixacic>Linaric>, meäitaric») und die Sinntigkeit oder die Erfahrung (experiencia) einander nicht entgegen zu setzen / noch in Erforschung der W^rheit eine!? dem andern/als eine Richtschnur/ vorzusetzen/ sondern sie bieten einander die Hand. Indem rrnn die Sachen nicht anders gedencken soll / als sie in denen eintzcln Dingen sind/ und die eintzelen Dinge so beschaffen sind/daß sie von der Vernunfft können in die Gedancken gefasset werden, p)
10. Hieraus folget: Daß akie Lehr- Sähe der Vernunfft für falsch gehalten werden müssen/ welche denen Sinnligkeiten und der Erfahrung zuwieder lauffen. <-i)
0) Dieses ist wcitläufftiger ausgeführet worden / in der Einleitung zur Vernunffr-Lehrc/ im 6ten Hauptsiück
N.2-.22. 2j.24.25. 71.7L.zZ. 74. 75.76. 77- 78- 79-
x) Besiehe abermahls die Einleitung zur Vernunfft Lcbre an besagten Oertern. Aus Unterlassung dieser An- mcrckung/haben die Philosoph! sich hauptsachlich veruneiniget/ in der Frage/ von den Kennzeichen der Warhcit < äs crirerio vsritüii-,) besiehe wasich hiervon wcitlaufftig gemeldet habe in wci^uct..^ rwlos. suUcam c. 5.^.15. biS auff den § 57.
^) Besiehe abermahls die Einleitung zur VernunfftLch- rc in 6tcn HanptstuÄ ü. 20.26. ioo»
_d es Geist es i. Hauptst ück. 9
"I'K i l. Wiederum/daß wir uns in der Erfahrung und Begrciffung der Sinnligl'citen betrogen haben/ wenn die Einbildung/die wir uns davon niachen/ denen gemeinen Lehr-Sätzen zuwider ist.
I'K. i2. Wiewolanch in diesem letzten Fall die Schuld des Betrugs mehr der Vermmfft/ als der Sinnligkeit zuzuschreiben ist/ indemje- ne den Schein eines Dinges mit dem wahren Wesen oder Ursache desselben vermischet und sich übereilet/ wenn sie schließet/ es seye die Sache allemahl so / wi^sie zuweilen / oder einem Sinne scheinet, r)
A z ,z.
r) Besiehe abcrmahls die Einleitung zur Vcrnunfft-Lehre in <5ten Hauptstück 4s. bis 49. allivo ich auch n.46. Exempel und ^>!'crimenr-t angeführet/welche zu der 12. und i?, gehören. Dieses aber ist hauptsächlich wider die Herren Cartcsianer und andere zu mcrckcn/ die da vorgeben/ daß die äußerlichen Sinne betrüglich seyn/ und tonte insu dannen- hero aus dem was gesagt worde/ ihr eigen^Aumene wider sie selbst brauchen^ Sie sprechen nvas einmahl betrügt / daß kan allemahl betrügen/ und tan also folglich kein Kennzeichen der Warheit seyn. Nun/ sa? gen sie/thun solches die äußerlichen Sinne/ wir aber sprechen wieder sie/ nun aber betrügen uns die tha eigen Gcdanckcn der Vernunfft/derowcgen tönte auch die Vcrnunffr kein beständiges Kennzeichen derWar- heil seyn. Deshalb ist leicht abzunehmen/ daß oerEr-
" - fie Lehr-Satz^m^or^ro^ollrio) nicht vii»m ex^sriMLiic.iNum, als in welchen man
öffters sich derer Versuche von cinzelcn Dingen t Lx- zieriüienw^um) bedienet/ als wenn dadurch die Lehr- Satze (ii/potK-ls-!) tonten bewiesen werden. Da man doch inGegenlheil von solchenVe^suchen denVe- weiß durch tüchtige Vcnmnfftschlüsse machen solte/ solchergestalt aber haben die Versuche von einzeln Dingen dieses gemein mit denen Exempeln/ daß sie nichts bcwchen/sondeu, nm dasBeweisete eüautern/
jc^uoci non piovLnc sccl illuKl^ent; ) Wiewohl sie darinnen V0N denen Exempeln entschieden sind / daß man hey denen Exempeln in roiuischei, und ^intt^chen
_ des Geistes'i.Haupt ftück_
müssen sppiiL-ret werben; theils / weil die Gelehrten/ die in Untersuchung vsn denen Ursachen natürlicher Dinge einander schnurstracks zu- wieder sind/ dennoch in denen meisten experi- mcnris einig sind/ u) und davon nicht streiten/ auch nicht füglich streiten können / weil kein kluger Mensche die Dinge zu läugnen pfleget/derer er durch die Sinne versichert wird, x)
is. Jedoch ilasset auch die Vcrsiche-^!^. rung/die wir durch die Erfahrung der Sinn- f 5>- iichkeiten erlangen/nicht zu/da^wir un6 durch Lchx-Sätze/dcrerWarheit noch untersuchet wird/ Dinge bereden lassen /di> der Sinnligkeitgantz ^_^___ znwie«
Dingen sich nicht betümmert/ ob sic in der That sich,
so verhalten/(cjuod LxempIllrum reczuirstur ve-
rit25) da man imGcgentheil bey denen Lx^Ll imente» von natürlichen einzeln Dinge» / von derWahrheiß derselben vergewissert seyn muß. Wicwohlauch bcy- Vorstellung der Exempel./ man besser/als leider ins^ gemein geschiehet/besorget seyn solte/ daß die Excnu pcl zum wenigsten wahrscheinlich waren.
s) Besiehe Gerickens Lxperimenc-l ci- vscuo, Scurmii Lol- curios, lionrici z^tori ^«capl^/ilclim.
zc) Wenn nur die vorgegebeneSachc nicht die Schranckerk der SinnIigkeitcn übertrifft/alsz. c. wenn einer nacl> der cartLii^n^ischen ?^iloioxkie sagen wolte; Se, hct doch/ wie die Lufft meinenFinger andrückt. Den» niemand siehet was davon. Und der andere spricht mit viel bessern Fug ? Fühlet doch wie es den Finger anziehet / wasÄ aber sey/ was denFingcr anziehet/das überlast die Sinnligkeit.derVktNMifft/ besiehe obes Ue. e. »«! 1^-5.5.'
Versuch vordem Wesen_
zu wieder sind/und also können falsche Lehr Sätze doch durch expenmLMa wieverleget werden.
"i'K. -6. Nsch weniger aber leidet es die gesunde Vemunsst/das wiransick) selbsiwahre Lehr^Satze mißbrauchen/ und durch deren üble ÄppÜLZrion Exempel dichten/die andern wahren Lehr-Sätzen zu wieder sind/ und nimmer in die Erfahrung gebracht werden können. 2) _ _l'K. 17
Nehmlich / wenn der Lchr-Satz selbstcn falsch ist/durch eine lnKcm? oder Exeinpcl/ so ans der Erfahrung hergenommen wlrd/ welches dem Lehrsatz zuwieder ist. A. E. Wenn die Herren Eqrtesianer sagen/ daß keine Anziehung in der Welt sey/ und ich mich ausfeines jeden Menschen Sinuligkeit und Erfahrung beziehe/ - krafft welcher er ein kleines Glaß durch dieAnziehnng an seinen Mund befestigen ka». Wenn aber bey Erfahrung eines Lx^erimcncü selbst eine falsche Ursache angegeben wird / kan ich selbige wohl mich schnurstracks/ durch eine andere Erfahrung wicderlcgcn/ ^>. j.c. Wer wolte sich überreden lassen / daß eine Blut- Egel/ die ihm forne an seinem Leibe angesetzet wäre/ nicht das Blut daselbst aussaugc/sondcrn baß dicLufft ihn hinten beym Ruckgrad drucke/ daß das Gcblürh forne in die Blut Egel hineinführe ? Aber was ist es wohl anders/ wenn man uns überreden will/ dicLufft drücke meinen Finger an ein ausgeleertes Gefäß/da ich doch gewiß fühle/ daß ihn inwendig etwas au« jichct.
. 2) Hicher gehören die Exempel derer Herren >t.irl,emar>.
c«rum,die sie geben zu behaupten/daß ^^gcra^eLinien ' minnm einander berühren folren/wcnn sie gleich imed
einan-
des Geistes i. Hauptstück. iz
l'ti. 17. Am aücrwenigstenaber istes v^'- stättdig/ sondern kindisch/wsnn die Vernunfft und Erfahrung in Dingen / die gar keinen Nutzen haben/ entweder gegeneinander gehalten/ voreinander entgegen gesetzt werden/ -z) so ferne mau darinnen Weißheil sucht/ und nicht andern ihren Irrthum dadurchbenehmen trachtet.
I'N.IZ.
einander sich näherten c besiehe Schwendters^l.-'tKe. mArischeErqvick-Stttiidei! 146- ieqq. ic. ^eiLel.
I'^!Id5opK. ^clisn^t. p-?r. ulr. ) da doch solches
nimmer kan zlir Erfahrung gebracht werden/ und auch(andereDinge ictzö zu geschweige!!) vermehre von dem Einfall aller Linien in einen Punct die aus dem Umkreiß des Circkcls in dessen Mittel-Punct gezogen werden/ zuwiedcrläufft. Angleichen die Exempel derer Natur-kundiger von Thcilbarkcit der msrer.'e in unendliche Theile/ durch erdichtete Falle/da doch dic- selbige nicht nur der Erfahrung/ sondern der Ver- uunfft zuwiede: ist. Alles unendliche ist grosser/als das endliche/wenn nun die Theile eines gantzcn unendlich waren/ und das gantze war endlich/ so waren die klci- uesten Theile grösser als ihr gantzes. Von der erstcnArth fuhrctSchwendter an besagtenOrt pn?. 184. ic. ,86. und 187. Exempel an / eine Zahlzu erfinden/ die grosser sey / als Wassertropffen in der Sundfluth/ingleichen eine andere Frage voii lüenrrc, - der Erden. Von der andern Arth/Hat er ein Exempel xnz.189. Ob eineKngcl/die wegen ihrer grosse/nicht durch ein gewisses Loch gebracht werden kan/ grösser als das Loch/ oder das Loch kleiner als die Kugc! sey ? Hieher gehören auch noch andere Fragen/ z, c. Wenn einer den andern/ den ersten Monath/ einen hundert-
taul
t4_ Versuch von dem W esen_
l'K. 18 Die Erfahrung durch die Sinn- ligkeiten ist hauptsächlich zweyerley/ eine wird von den natürlichen Dingen/ nemlich denen Geschopffen GOttes hergenommen / die andere aber von künstlichen/ die mit Menschen Handen scmachet sind.b)
Hi. 19. Beyde sind an sich selbsten/ wie alleGeschöpffe undkünstliche Erfindungen / nicht
zu
, > »_ -
tausendtcnTheil cinesHellers schenckete/undMonat- lich4.Iahr nacheinauder/ das vorige Gcschcnck i>-e
xi^opoitionem quintuj>I.,m niulrijiliciite/ wie reich so-
dann der andere werden würde/ und ob in der gantzcir Welt so viel Geld anzutreffen wäre. Angleichen der Beweiß/ daß nothwendig in der Welt viel Leure seyn müssen/ da einer prNcije so viel Haare hat/als der andere. Bey dicscrGelegcnhcitisi ein gcmeincrIrrthum der Gelehrten bemcrcket worden/ daß ein gelehrter Mann/ mehr auffdie Wahrheit einer Sache/als auff deren Nutzen sein Absehen richten müsse,
Von natürlichen Dingen sind unzehlichc Exempel/ Hieher gehören die Sinnligkeitcn aller Crcaturen/ des Feuers/der Lufft/ des Wassers/ der Erde/ der Sternen/ der Blumen :c. nach Anleitung und Veränderung derer fünssCinnen und so weiter. Die Excm, pel von künstlichen Dingen sind zwar auch unzehlich/ aber es sind ihrer doch weniger / Hieher gehören die Mechanischen Lx^eiimcntz, an irrdifthen Cörpern/ die Chymischcn durchs Feuer / die Pneumatischen durch die Lufft/ die Hydraulischen durchs Wasser/ HieSpchche»,durchs Lichtic. «ndsv weiter.
_desGeisresi, .H auptstü ck._»5
zu verachten/sondern haben ihren guten Nutzen/ c) wenn sie nur ordentlich gebraucht wcr- ven. Die künstlichen Dinge cy zeigen w«n- derbahre Würcrungen dcr Kraffte der Natur/ so ferne selbige durch die Kunst in das kleine gebracht sind/ insonderheit aber die Kraffte des Lichts e) und der Lufft f) empfindlich entweder gleichsam zusammen geprest/ oder zerstreuet und verhindert werden / und zeigen also/wenn man bcroselben Ursachen wohl erlernet hat/in vielen Dingenden Weg/idie natürliche Würckungen und derselben Ursachen sich desto besser einzubilden.
»0. Hingegen ist bey denen natürlichen. Dingen der Vortheil/daß die Erfahrungen in dencnftlben nicht so kostbar sind/und von dem jenigen/der die Weißhelt sucht/ offte und fast
täglich
c) Es ist den Menschen nichts schädlich / wenn er es nicht mißbrauchet- Besiehe die Einleitung zur Sitten- Lehre in ersten Theil am ersten Hauptstuck.
ä) Wie bewundern die kunstlichen Dinge mehr als die natürlichen. Von der Ursach hab ich gesagt in der Sitten-Lehre im sten Theil im 4ten Cap.
c) In BreNN->VpjegellI UNd andern Hxperimentis o^tlci;.
Hieher gehören auch dieGeometrischenInstrumente/ durch welche gleichfalls die Würckung der NalUV vermöge des Lichts ins kleine gebracht werden. 5) In der Hiicliii» lind Wasser-Wüsten»
»8_ Versu ch vondenrW esert_
M 2z. Wiederum isr ein Lehrer/der seine ZGorer nurauff das künstlichste weiset/und die einsaitige Natur verheeltt/ hergegen lauter sämiiacion bey denen Zuhörern zucrwecken trachtet ) Denn wundersamcDinge bezahlet man am theuersten/ denn sie sind rar Wenn man sich aber nicht mchrwun- derr/ worden sie gemeine.
r)Denn die Ehre thUtman einem andern an/wenn matt dencket/er hat was sonderliches/daher kontts/ daß man in allen Facultaten so gerne vorqicbt/man habe etwas geheimes / wiewohl solch geheime Dinge mehr verheltc und vcrkapte Dinge sind / als Geheimnisse/ deshalben sprcechcn auch die Taschen - Spieler/ wer die Kunst lgi, verrathe den Meister nicht»
des G e istes i. Hauptstück.W
wundersam künstlich sind/je mehr liebet unv heget er seine eigene Unwissenheit / weil alle Verwunderung eine Unwissenheit prTl'uppvniret/ und ein Unwissender auch die teichtesten Dmge verwundert, u)
l'n. 25 Soverführetauch die allzugrosse LKbe zu künstlichen exx>erimcnri8 die Menschen dahin / daß sie/dazu sie ohnedem von Natur geneigt sind / immer mehr von sich selbst / und dests weniger von Gott halten x)und an ihrer Selbst» erkantniß desto mehrgehindertwerdcn. Da sie doch billig bedencken sotten/ daß die Kunst ein Affe der Natur/nichtaberdie Natur ein Affe der Kunst sey. v)
B 2 l'n.-S
u) Siehe was ich gesaget habe in der Ausübung der Sitten-Lehreim 4tcn Capitel.
z-)Dennjcinehr wir die Künste lieben/je höher verehren, wir die Künstler/und tragen Verlangen denen- selben nachzuahmen, Beydes führet uns ab von der Verehrung und Gehorsam Gottes/ zu der Be» wunderung des Menschlichen Geschlechts und unse- rer selbst.
y) Wenn sie bedachten/das die Kunst ein Affe der Natur wäre/ würden sie auch bedencken/daß nach dem gemeinen Sprichwort der Affe ein Affe bleibe/wenn er schon ein güldenes Halsband trüge/ und würden dannenhero etwas bescheidener von den Geschöpft fen Gottes/und etwas maßiger von dem Lobe der Menschlichen Erfindung reden.DieLicbhabcr der falschen Weißheit r«ehmm jwar diese Wahrheit als eine
Verachtung
_ Versu ch von dem Wesen
l'K. 26. Weil aber diese Anmerckung/ so leichteste sonsten zu begrciffen ist/ insgemein von denen neuen ?KiIo5oxKi5 ^) selten przÄiciret wird/ so dnrffniKn sich auch nicht wundern/wenn sie GOtt zu einem künstler und seine Geschöpfte zu K^I-lmen machen / a) da es hingegen solte umbgekehret seyn und sie betrachten sotten / daß alle künstler biener derNatur waren/und ihre Werckzeuge und Gemachte/ so künstlich sie auch seyn / sehr geringe und unschMckhaffte abbil- qungen derNatur.
-7.
Verachtung derKünsie ungütig auff/und ziehen dancn- hcro die Vertheidiger dcrersclben/als Verächter gu- ter Künste und Wissenschafften durch/oder hcissen sie wohl gar Enthusiasten/ zumahl wenn diese Erinnerungen thun/ daß man sich hüten solle vor denen Verführungen des thätigen Verstandes. ?) Auch die altsn Philosoph« haben diesen Irrthumb begangen/ daß sie die Natur nach den Regeln der Kunst gerichtet. Dahero entstehet der Jrrlhnmb/daß die würckcnde Ursache (causa cKcie-is) eine äußerliche Ursache sey. lind hieraus haben auch die Cartesianer
ihren Irrthumb cie torinii accillenralibus gcnommelu
Man hat nemlich an beyden Theilen sich allzusehr an den Kunststücken der Menschen vergaffet/und Ware viel besser gefahren wenn man in derNatur zeauss das Gewebe der Seiden-Wurme gesehen hatte. 2) Dahero ist nichts ungcwnliches/ daß man vorgicbt/ Gott habe sich vorgenommen die Welt nach denen Gesetzen McchanischerKünsie / znschaffcn: DasHcr- tze sey einxer^stuum mobile. IjcVlutundPulß-
Mm
_des G eistes '.Hau ptstück. -r
l'K. 27. So ist auch endlich wohl zu beobachten/ das beydes die künstlichen Lxperimen- te der Mensch entweder an sich selbst/ oder an andern Dingen probiret. Geschiehet es an andern/ so hat er weniger Gefahr/b) geschiehet es aber an sich selbst/so hat er mehrere Gelegenheit die Ursach durch sein eigenes Gefühl zu erforschen/ oder d»ch zum wenigsten etliche Irrthume zu meiden, c)
l'K. 28. Derowegen je auffrichtiger ein Lehrer ist/je »mhr weiset er seineZuhörer in un- B z ter-
Adcru warcnHeber/darinnen dasBlut i» z-quilibno
stehe: Die Vasal^m^K.icicaundsanAvineaprseien- tirten ein l^^srmomeciou ?!c>rencilium : in dem Ai'
brosischcn Theile der Haut werde ein Lzrom-rron n^rvirct: Der i'KorÄx darinnen das Hertz und Lunge hanget/sey nichts anders alscinVlaßbalg/das Auge die allerkünsiüchste c-imersoliscura: Der Magen sey eine rscorr?, rubul.n-, u. s.w. Nach meiner einfältigen Philosophie würde ich dieses alles umkehren und sagen/ eine rerort» rulzularascy einnachgeafftcr Magen: cine csmera obicura ein nachgeäfftes Auge, u. s. w.
d) z. c. Wenn er dieWirckuugscharffgcdistilirterSpirl. rmim prolzlrct: Wenn er durch dieLustt-Pumpe andern Geschöpffen das Leben bcnimt. usw.
c) z.e.Wenn ich meinen eigenen fingcr an derLufft-Pumpe oder an ein Gefäß/daraus die Lufft gezogen ist/an^ ziehen laße/so fühle ich gar eigentlich/daß etwas von innen den Fingcr anziehe/oder doch zum wenigsten/ daß der äußerliche Theil dcs.Fina.ers nichtvon der
Lussr
S2._ Versuch v o n dem Wesen
tersuchungder Natur auff dieexperimenrg,die sie selbst/jedoch ohne Gefahr empfinden können/ ri) und je mehr ein Lehrer seine Zuhörer davon abHalt/je mehr verdächtig macht er sich/daß er es nicht wohl mit ihnen meine. Und je mehr ein Zuhörer auff Lxperimenra fället/ die er selbst nicht empfindet/ jemehrspannet er die Pferde hitM den WMn ° o)
!I. Haupt-
Lufft angedrücket werde. Dieses würde ich aber? nimmermehr so gewiß fühleil und erfahren/ wenn ein anderer das Lxpsrimenr machte / und mich bereden wolte/er fühlete gar eigentlich/ dassein Finger angedruckt und nicht angezogen würde.
H Ein dergleichen Lxperimenc ist/wenn einer mit seinem eigenen Munde ein Glaß anziehet / denn bey diesem LxpLrimsntempfindet der Mensch / so wohl das thuende/ als leidendeWesen an sich selbst /dahingegen bey der/ den Finger anziehenden Lufft - Pumpe/ das thuende Wesen außer nur ist.
^«-Man muß hier auff meine Worte wohl Achtung geben/ daß man sie nicht verdrehe / denn ich sage nicht je weniger ein Lehrer dergleichen Lxperimcnra zeiget/ sondern: jemehr er sie davon abhält. Und abermahls sage ich nicht/jemehr ein Zuhörer Lx^e. rimsms rnaHt zc. sondern Mehr er darauft fället.
deß GeistesHaupt stü ck.
^" il. Hauptstück. '
Lehr -Satze / die entweder von de-
nenjcnigen/ i)ie daö Geistige in die.Natur ausgestreuete W-ftn leugnen / eingeräumet werden/ oder doch so vffenbahr sind / das sie keines sonderlichen Beweises vonnöthen haven.
l'Kes.
S ist keinNaum in der Welt/darinnen nicht etwas sey. 3) '
B4
s) Es ist keinRaum/der von allen Dingen ledig fty sn»li^ ^^
ciarur sjizrlurn c>mn!um rerum^vzc^um.lHjerineN sind p-IT^
dieCartcsianerwieder die Gasseichisten mit uns einig. Ich glaube auch/ daß die Gasscndisten solcheswer- den zugeben / oder doch zum wenigsten sagen/ dicserSatz streite nicht wieder sie/indem sie nur vorgeben / es sey ein Raum / darinnen kein Cörpcr sey/ (spatium corj'vrs v-^cuum) welches die Cartcsiancr leugnen. Derowegen -,dttrÄkire ich hier von der social Frage: Ob ein Raum sey/darinnen keinCor- pelsey /ingleichen ob derRaum etwas unterschiedenes von dcmCorper sey/sondern derVer stand meines Satzes ist dieser: Wo ein Raum ist/da ist etwas drin- ne. Woltenun jemand sich unterstehen/ diesen Satz zuleugnen/so beweise ich ihn folgenderGestatt: Man verstehet durch den Raum entweder ein Ding/das etwas insich begrcifft/oder einenOrt (concinens »ut loLum.Mun kan kcinOrt feyn/ da nicht etwas drincn Ware (uuUum iMtuiens elr sme cynceuwiMÜIus In^
24 Versu ch von demWe sen ^^^^
I'K.Z. Etwas ist etwas' Öder/ was «ichts ist/ das ist nicht etwas / und was etwas chut/ist etwas, b)
I'K. z. Alle KKcen'e oder leibliches Wesen §st ein leidendes Wesen, c) l'K. 4.
<^^^ ^ tzliS v" !-:k'i,'..^u:.l>/i? --.^ j)- ,
cii5 llne re locsr^.czuiil funr termml relsrivi.) Verstes
Het man aber durch denRaum dieausserste supcrticiein oder Ausdehnung eines Dinges/so bleibet unserSatz doch auch wahr / nichts hat keine Ausdehnung(niKil
RUÜanr Ksbec excenltorrem, nulli^rm locum, nullum concin en5, czuiz non, entis nulla 5unr prs-ciicsez realis)
b). Es ist ein allgemeiner Satz: jedes Ding ist etwas (0-
inne enz eü-aliquici. ) Nichts ist Nicht etwas (inkil
non sliciiucl, )wicwohl man diesen Satz nicht muß vcr- mischen mit einem andern: Was nichts war / kau
Nicht etwas seyn/quc>cl l,ikil er2r,non pore^ elle sU-
czuiä, als welcherfalsch ist. Was nichts ist/kan ohn- msglich etwas thnn / das ist/ von nichts kau nichts werden/ welches abermahls nicht mnffvermi- schet werden mit einem andern Satz: aus nichts wird nichts / welcher abermahl falsch ist / diese Vermischung haben alle heydnifche ?KN»5oxKi begangen/ welche ich aus der gesunden Bernnnfft wiederlsgct habe/in der Einleitung zm Sitten-Lehre im drittm Hauptstück.
5) Dieser Satz wird gar leicht bewiesen / r) weil alle »t-cerie was leiden kan/ s) weil die klareri-insgemein beschrieben wird / daß sie ein ausgespanntes Wesen sey / z) wann die M-eerie nicht ein pur leidem Kes Wesen wäre/sondern etliche ^lzrericui eine wurmende Krafft hatten/ würde man die n-nene überhaupt und so ferne selbige in eine thätige und leidende Atscerie eingetheilet werden könte/ gar nicht be- greM «ych beschreibe?, fassen/ 4) West Thun und
Zechers
des Geistes -. Hauptstück.
25
^ ^.4- Was ein leidendes Wesen ist/das kan ftir sich nichts thun. 6)
B 5 l'K.f.
Leiden/ als einander entgegen gesetzte Eigenschafften/ auch zwey entgegen gesetzte Dinge erfordern/ derer Eigenschafftcn sie seyn. Hieher gehöret/ was unser Herr rroli-tlor Hoffmann gar schön schreibet in seine« Grund-Sätzen der ^ei->rcrie könne gesehen werden. Sondern gesetzt auch / daß man vorgeben wolle/ es könten etliche leibliche Ding? nicht gesehen werden/ als z. e. Sonnen Staubgen/ fokönte man doch keine andere Ursache vorbringen/ tyarumh solche leibllcheDinge nicht gesehen werden Mnen/ «lSweil sie zu klein wären/oder nicht gm-g-
sames
des Gei stes 2. Haupstü ck. 27
H,. 8.Alles leibliche Wesen/wenn es seine gehörige grosse und dicke hat/ kqn gefüh- iet auch voneinander gesondert und würcklich gctheilct werden.
1^. 9. Alles leibliche Wesen ist entweder ein/ oder viel gantze. i)
l'li.io.Es kan kein Ding etwas, edlers würcken/als es selbst ist. 1)
7!,. u.
samcs Licht verhandelt Ware. Weswegen auch die Sonnen Staubaen in denen Sonnen Strahlen ge- sehen werden können. So wird auch dieser Satz erleutert/ wenn man die Arten der leiblichen Dinge durchgehet/ denn es trifft dieser Satz ein bey lichten/durchscheinenden und schattigten Cörpern. j,) Diese Worte sind abermahls/wegen derer/so davor halten/daß nicht alle t^arsrie könne getheilet werden/ hinzu gesetzet worden/denn man kan abermahls keine andere Ursache geben/ als weil sie zu klein ist/wiewol sonstan sich ftlbst alles leibliche Wesen gefühlet und- gethcilet werden könte / wenn man nur allemahl tüchtige Insirumcnta zur Theilung hatte. Jedoch/ wenn man kein ander Instrumcntzur Theilung hat/ so wäre doch das Feuer Instrument gnug/ solches zuthun.
z)Dcnn zwischen einem und viel gantzen ist kein Mittelding. Dahcro pflegen auch in der >4arKslI die Brüche als nichtsangenommenzuwerden(tr»Mone5se.
. czuipsrnnriir nillilo.)
!)Denn die gcwürcktcn Dinge haben alle ihre Krafft voir der würckendenNrsache.Wenn es nur eine wahrhafte tigewürckcnde Ursache ist.Dcnn der Künstler macht z.e. das Holtz nicht/sondern er giebt ihm nur. die äußerliche Gestalt.
28
Versuch v«i dem Wesen
^u/n,^>
d
'I. Essinddreyerltl) Corper in der Welt: Lichte / durchscheinende und schattich- te. m)
l'K. i2. Alle dreyerley Arten können gesehen werben/wenn sie grvßgenug sind, n) ^ ^?K^z^ di ck erein dur ch schci ner>d^EHi> nian durchsehen, c») Es kan kein leibliches Wesen das andere durchdringen, p)
_ ^K. 15.'
m)DieserSatz wird abcrmahl insgemein zugestandcn/z.e. Die Sonne und das brcnnendeWachs-Licht sind lichte Cörper/Das Wasser und das Maß sind durchscheinende Corper/ Die Erde ist cm schattichter Corper.
s) Dieser Satz fliestet aus dem siebenden. Ich sage noch zur Zeit nicht alle in-Zi viclun von den drcyerlcy Arten/ sondern alle drcyerlcy Arten/und hierinncn ist kein Streit.
») Dieser Satz kan durch das Exempel der tyasscrichten und gläsernen Corper crleutcrt werden.
?) Dieser Satz wird von allen gesiandcn/ob man ihn gleich insgemein nicht recht ausspricht/ indem man saget/ daß kein leibliches Wesen könne durchdrungen wndcn/ und also gcmtz offcnbahr vermischet ein undurchdrin- Hcndes und ein undurchdringbarcs Wesen. Der ,l non c^erur penetr^ric» cki-
^ menticinum. Es bedienen sich auch dieIurisicn dieses ^ ^ Satzes in der Frage: Ob ihrer zwey zugleich etwas
/ gantz besitzcnkönnen: äuv ^olllclerc pvilunr e-in-lem ^ rem in i^Iiäum? vlä, I'Z. H. z,li. äe zccjuir, ve! ZM. l^oS^
^7^.-^ ^7^V>^ x,^-^^. >-a.ci: ?<^e- ^vu^^ei^
^z^-e-v^i^ T^^e^vs^^!>n^^c^»/ Ä^c^V <2.^n^e.»oo6>^.^- Z?^^-/? 7- >v^^ ^q-/'^-^^
-»?>x^/!> <^>^ /he^re.^a.^^^^^s^sl.'c^'-ll.»^ ' >, s.«^- vo^-C ^^ct:ov 'o^vv?'^' ^Ä-«.,^ ^ V<1<^>^
des Geistes 2. Hauptstück. _29
15. Es kan kein leibliches Wesen kei-,>^«^. nen grössern oder kleinern Raum für sich alleine erfüllen / als feine natürliche Ausspannung ist.cz)
Hi. 16. Es ist eine Bewegung in der ^ Welt, r)
17-Nichts beweget sich selbst. Nichts wird.von sich selbften beweget, s)
?n.i8. Also/ was etwas bewegt/bewegt etwas anders/ und was bewegt wird/ wirdvon was anders bewegt-r)
l'K. 19.
-z)Diesu'Satz fliesset aus demdritten:denn wenn ein leibliches Wesen einen grössern Raum für sich alleine durch eine Ausdehnung erfülle» woitc/so würde in der Ausdehnung nothwendig ein v^uum entstehen/ und wenn anderseits ein leibisches Wesen einen geringern Raum durch eine Ausammenzichung erfüllen wolte/ würdedas lciblichcWesen sied nothwendig stlbst duzch- dringen / welches dem vorhergehenden S«tz schnür stracks zuwiedcr ist. Diesen ^>atz tan man rechtschaffen nützen/wenn die ueuen Philosoph: der Lufft/die^.^ sie vor ein leibliches Wesen ausgeben / eincelatticicee (welches Wort / weil es warhässcig nichts ist / und nichcs bedeutet/auch nicht rcutsch gegeben werde kan/) zuschreiben wollen. Vt^, r) Dasist/ die Bewegung ist etwas /wassie aber sey/kan man nicht wohl sagen/ denn sie ist sv klar/daß sie lcich-^tt ter mit den Sinnen begriffen/ als beschrieben^^ werden kau / und möchte es uns sonstwie bemerk?. >>^. tlo gehen/ 'der die Deweguiig so subtil beschrieben/ daß man seine Beschreibung auch auff die Ruhe a^'liciren kan. e/^/Ä^-^ s)Dicser Satz fliessetnothwendig aus dem 5ten. v^;^ tMeferSatz fliesset nothwendig aus dem vorhergehenden ^
^t.
Man-^»
5s_Versuch von dem W esen
,9 Die Bewegung cineS leiblichen Wesesgeschiehet entweder um ein cenrrum,oder aus einem in dns andere/ welche letztere Kioms localisgenennet wird, u)
^li. 2y. Die Bewegung tan leichter empfunden/als beschrieben/ und der iVIorug!oca° !is leichter/ als der cenrrglis empfunden wer- den, x) _ 21.
Man kan ihn aber nutzen/zu beweise»/ daß nicht alleine GOtt/sondern auch ein jeder Geist/ so ferne ich selbigen in der Wurtzel des Lentri oderz.e^ in dem Mittel- Punct einer Kugel betrachte/ unbeweg- ltch sey»
u) Dieses ist ein gemeiner Lehr-Satz/ welcher hier nicht so wohl angenommen wird/alswen alle Arten der Bewegungen zu diesen beyden gebucht werden tönen/ als nu: daß man die bcydenÄitcnderBcwegung nicht mit einander vermische. Und beschcidct man sich oa- hero/daß vielleicht noch andere Atten der Bewegungen seyn kvne / z-e die zitternde Bewegung/wenn z.e eine Seite aufs der Lauche/oder ein in dem Tisch gestecktes Messer beweget wird. Besiehe ^omenii ri^licnm p. 4s. Ich rede auch allhier noch nicht von Her Frage/ ob alle näturliche Bewegung durch eine rechte Liiüe geschehe/welches von denen Cartcsia- nern gantz unzulänglich durch das Exempel mit det Schleuder bewiesen wird.
-<)Besihe dicAnmcrckungen!>-l 'rK. >6.Dcr >iotus cencrs- liz wcrd fast gar nicht empfunden/ wenn die Sache entweder gar zu schnell/oder gar zu langsam beweget wird. Bey dem ^oru locsli empfindet man zwar, die Bewegung selbst gar gewiß/wenn sie gleich sehr geschwinde ist/aber man empfindet bey dergleichen geschwinden Bewegung nicht deutlich und «>p ttrschiedüch die Theile derselben.
des Geistes 2. Hä uptstück. 3>
/rkl 21. K^eiMche Wesen kan beweget werden, y)
51^ -2. Gtöjsen (Pul5io ) nennet man/ wenn das bewegende Ding hinter dem bewegten ist/und solches vor oder von sich wegtreibet.
T^K 2,;. Anziehen (^rrrzärio)I)eist/w,entt das bewegende Ding vor den, bewegten ist/ und solches nach und zu sich ziehet. 2)
7) Ich wüste niemanden der diesen Satz leugnete. Deii beweget werden / ist eine Arth von. einer Leidenschafft. Hute dich aber / daß du den Satz nicht umbkehrest. Was beweget werden kan/ ist ein lcibli.- chesWesen.Denn alleCreatmen können beweget werden/ und GOtt alleinc ist unbeweglich.
5) EsistvorattenDingen nöthig gewesen/dicst'Beschrei- bung des Stosscns und Anziehens herzusetzen/ damit man zil seiner Zeit die neuen rki!c-lo^v5, welche alle Anziehungen leugnen/anweisen könne/ daß ihr Lehr - Satz denen Sinnlichkeiten offenbahr zuwider sey, So viel ich aber weiß / sind sie in der Beschreibung des Stossenö und Anziehens mit uns einig. Man könte aber auch folgenden Unterscheid zwischen beyden Bewegungen geven.Alle Anziehung ge> schiehet aus der per!plieri<-zcl c^nrrum und zwar der- gestalten / daß die bewegende Sache in und aus dem eeucio beweget/ Das Stössen aber geschiehet entweder/ wenn ein Ding ausdemcent?« nach der xeri-
plieris und aus der püri^Iierie nach dein e^eurro be^
weget wird/ jedoch daß auff diesen letzten IM die bewegende Sache Licht iü L-mro ist.
_Versuch von dem Wesen_
. I'n. 24. Zusammen drücken z) ( Lom- preFo ) heist / wenn das bewegende und zwar ein endiges!)) (ämrum) Ding das bewegte von der xeriplierie auffallen / oder zum wenigsten zwey entgegen stehenden Seiten zu dem Lenrro zu bewegt, c)
Hi. 25. Was auffallen Seiten durch gleiche Krafft zusammen!gedrückt ist/ ruhet / so fern es also zusammen gedruckt ist. ch
l'K. -6.
z)Welches ohne Zweiffel/und wie wir denen neuen?Kilo- so^iiis gerne zugeben/ keine Art von Anziehen/sondern von Stössen ist.
i>) Denn ich kan keine Drückung ohne ein cndigcsWesen begreiffen/ ja die gedruckte Sache selbst muß auch ein endiges Ding seyn. Indem keine Zusammendrückung geschehen kan / "ohne daß die beyden äussersten Flechen des druckenden/und der gedruckten Sache einander berühren/ ohne einander zu durchdringcn. Diese Anmerckung hatihren guten Nutzen wieder diejenigen / die da vorgeben/daßGOltan denen äuser, sten Enden der Welt alle Bewegungen durch eine zu- sammcndrückung verursache.
c) Z. E- Wenn ich einen in vier stücken zuschnittenen Apfel oder einen klump Butter zusammen drücke.
«i)Denn wenn es nicht ruhete/müste nothwendig auffder einen Seiten eine siarckere Drückung seyn/ als auff der andern/wie man an der Druckung eines Buttcr- klumpen gewahr wird. Hieraus wird aber folgen/ Saß eine Kugel daraus die Lufft gcpumpcr worden/ nothwendig inder Lufft schweben und ruhen müsse/ wenn die Lufft auff allen Seiten dieselbigc nach der neuen Philosophie mit gleicher Krafft zusammen dru- ckete.
_des Geistes-.Hauptstü ck. 35
l'n. 26. Die Krafft eines Dinges ist et-», was/ aber dsch etwas anders/ als das Ding/ dessen Krafft es ist. e)
27. Der Geist ist etwas. 5) Oder/es ist etwas/ das man Geist nennet.
C l'n.-z.
«)Der isteThcil diesesSatzcsfliesset aus der anderiMiell. den andem Theil werden die neuen Philosoph! gerir gestehen/indem sie sagen/ daß die Kiacerio ein leidendes Wesen sey/ aber daß GOtt derselben einebewe« gende Krafft angeschafft» habe; Also sind wir in diesem Stuck Miteinander einig/ ob aberdieseKrafft ein selbststandigcsoder zufalliges Wesen sey ( an 6c lud-
jrsi^cia all zcci6cni)habe ich allhicr noch nicht cleccrmi-
nircn wollen / wei'l hicrinnen die neuen Philosoph! nicht mit mir einig siud/ wiewohlaus der lo.'rnell gar leicht erwiesen werden tan/ daß die Bewegungs- Krafft ein sclbststandiges Wesen seyn muffe. Dero- wegen wird dieser gantze Lehr-Satz allhier nur angenommen/wieder die neuen Philosophos aus ihren ei« genen Lehr>Satzen selbigen zu brauchen. Denn nach unserer Philosophie muß der Lehr-Satz also eingerichtet seyn: Die Krafft eines leidenden Dinges ist etwas anders/als das leidende Ding. Denn wir werden nimmer zugeben/daß die Krafft desGeistesetwas anders sey / als der Geist selbst/ wie solches unten erwiesen werden wird. Und also gehet der Lehr-Satz nur in leiblichen/nicht aber in geistlichen Dingen an.
5) Dieses geben die neuen Philosophi auch zu / als welche GOtt und die Seele des Menschen vor einen Geist halten/wenn man aber mttMenschen nnd solchenLeu- ten die diesenSatz leugneten ju thun hatte/tönte die-
, - - , - fev
.6_Ve rsuch voy dem W esen_
11i 2. Daß ein solcher Geist sey/ weiset erstlich vas Seyn und die Daurimg der leiblichen Dinge und Cörper. c) Was nurleidend ist/ das kau für sich nicht bestehen / sondern erfordert etwas thuendes/daßes ausnichtszu etwas mache / welches das erste Leiden des leibli- chenjWesms ist. 6) , .
H-lLs. z. So weiset auch das allgemeine
>gWesen e) der macei-ie, daß ein Geist seyn müsse., .
" Ausgespannet seyn erfordert etwas/ das es ausspannet nnd ein leidendes Wesen kan sich nicht selbst ausspannen t)/ es geschehe nun diese Ausspannung von aussen/wie ein Tuch in eincuNah- men ausgespannet ist/ oder von innen/ wie die Kinder durch ihren Odem aus Seiff-Wasser eine Blase ausspannen.
4. Go weiset es auch die Gestaltung der Cörper oder.das absonderliche Wesei^ der andern marerie,IdÄs etwas edlers seyn müsse/ daß dieser die^ Gestalt gegeben. Denn es sey
nun
c) Durch das^eyn und die Daurung der leiblichen Dinge/ versiehe ich das/was man in Schulen exi-
Aentism mareriT nennet/ i. e. czuc>^ llc zlic^uici seu ens re.ilc.
^ ) Besiehe 'riies.). A 5. des andern Hauptstncks,
e) Nach denen Schul^lerininiz sllencm insreriR. Nun
Wird aber insgemein die mareris beschrieben daß es ein ausgespannetes Ding sey (materiam eils rem
exrenl'.im.)
f) Besiehe abermahls i^^. j.. andern HaupHücks,
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des Geistes; . Hzuptstück) _Z7
MIN F) die erste mzrens ein unförmlicher^ ^ Klump gewesen / aus welchem durch unterschied ^ dene Theilungen die Cörper ihre Gestalt gekriegt/ ^ ) so kan sich ein pur leidendes Wesen nicht selbst theilen/noch Don einem andern xur leidenden Wcscn getheilet werden, n)
C
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-----------^----^>z^
4-
V ^
Die Philosoph- sind selbst nicht einig / was sie aus der 4 ersten ungestalteten msc-rie machen. Etliche sagen sie sey aus unendlichen unthcilbahren Theilgen
rnmis) bestanden/als Wit L^icurus, I)e>nocriru5,
(»rceliu-. wiewohl dieser an statt der unendlichen/. nur unzchlbahre (ii^-Knicss) Theilgen setzt. Wiewohl-^. ^ auch diese unzehlbahre theilgcn von ihm beschrieben ^
^
^
5
chne cuserlichc Gestalt ( > sich selbst offcnbahr wieder spricht/indem eine ? jede endliche Ausspannung eben deswegen/weil sie ^ cndcnhat/ auch eine auserliche Gestalt haben muß. ,I "L)?- . Wollen sie nun gleich sagen/diese erste mar-ri- habe ^ keine innere Gestalt (l'ormam) gehabt! So lauffc -Z^j doch auch dieses wider ihre eigene Lehre/ indem Sie sagen/ daß die innerltcheGestalt einem jedenDin- gc sein Wesen giebct (quoci form-, äer e^e rei) Aber sie mögen sehen/ wie sie sich ans dieser Verwirrung auswickeln/wir wollen ihnen allhier aus ihren eigenen ^ Lchr-Satzcn (Kominsm) zeigen/ daß ihre Lehre ^ - ohne einen allgemeinen Geist nicht bestehen könne. ^Besiehe abmnchls rkes. s. des Mgei! Hauptstucks. >^7.t>^o^.
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werben / daß sie in der That denen unendlichen (in. ' sinin-. ) gleich kommen / und mit seiner Lehre von dc- ucn grossen Wirbeln ( cle vorricilius) nicht können^ beysammen stehen.Andcre aber lehren insgemein/ die ^ -i?^ erste m^m-lc sey ein einiger endlicher Klump gewe- ^ scn/ aber ohne cuserlichc Gestalt (llne ull.i K^u»)''^;.^
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z8_Ve rsuch von dem Wesen
l'K. s. Oder es habe die erste maren, aus lauter kleinen Particulgen bestanden/ und durch deren unterschiedene Vereinigung seyn Corper worden/ so kan ein leidendes Wesen weder sich selbst noch andere Dinge vereinigen, i)
6. Man wolte dann alle Vereinigung auffheben und sagen/alle vereinigte Dinge wären nur zusammen gedruckt/ I) welches wieder den lenlum communem und alle üx- perien? ist/ und sich also in keinen vcrnünfftigcn Ursachen gründen kan/m) wiewohl auch dieses
wider
.-') Fließetwicder ausobbcsagten 'riisi'.s. dcnnTheilen und Vereinigen sind Nahmen einer Thatligkeit.
I) Dieses thun die Cartcsianer.
m) Besiehe das erste Hauptstück/ i'Kel'. n. n. i^.i;.l6. und die Erfahrung zeiget uns gar deutlich den-Unterscheid zwischen vereinigten und zusammen gedruckten Dingen/ auch in künstlichen Dingen. Wenn zwey Bretter zusammen gelcimetwcrden/ so drückt sie die Klammer zusammen und der Leim vereiniget sie. Daher entstehet auch bey denen Juristen der Unterscheid/
inrer ferruminationem öc scipIumbztUrzm, I. !Z. K. 5.
6e rei vinciic-lt. Man muß eine starcke Einbildung haben/ wenn man sich die Vereinigung/ durch eine ineinander Verwirrung ästiger Theilgen (x-rimpiica-
rlonem plirciculilium rzmosarum) einbilden Wil/ für-
nehmlich aber wenn man diese Aestigkeit der Lufft zuschreiben/ und mit etlichen fnrgeben will / daß die Theilgen der Lufft eine Kugelrunde Gestalt/ jedoch mit astigenEnden haben/welches der höchste und leichtesten Bewegung der Lufft schnurstracks zuwider ist.
des Geistes z. Hau p tstück z? wider dieexiKen^desGeistes nichts thun würde/ weil es unmöglich ist/ daß ein leidendes «Wesen sich oder etwas anders zusammen drücke.
I'K.?. Weil nun dieses der Unterscheid unter zusammen drücken und vereinigen ist/daß jenes durch eine Bewegung von aussen/ dieses aber durch eine Bewegung von innen geschiehet/ n) so muß nothwendig das zusammen drückende « ) oder vereinigende Wesen / in und ausser der zusammen'gedruckten oder vereinigten maceris seyn/ und weil thun edler ist als leiden/muß es auch was edlers seyn, p)
l'n. 8. Wolte man aber sagen/daß die erste marene aus vjelen unterschiedenen Klumpen und vorricibus bestanden wäre / die sich durch widrige Bewegung abgeschlossen hatten/ so würde man auch zwar zugeben müssen/ daß etwas anders und cdlers diese Klumpen bcwe- C 4 'M
>n) Denn ich kan keine Vereinigung ohne eine Bewegung von ihnen, gedcnckcn/ z. e. in zusammen leimen / in
zusammen schmeltzcn/ ( in fcrruminacione. )
o) Dannenhcro leugne ich nicht / daß eine Zusammen- drückung sey/sondern ich leugne nur/ daß die Zusam men-drückung für die Ursache derVereinigung könne ausgegeben werden.
p) Besiehe die erste'rK-s. dieses Hauprstücks und die >o, in-5. des andern HauptsiückS.
4s_Versuch von dem Wesen_
gct habe/ aber es würde doch diese Meinung sehr wiedersinnisch seyn. ie5 des andern Hauptstücks. Dieses ist auch der Cartesianischcn Lehre selbst zuwider.
s) Also kan man z. e. die Fenster-Scheiben wegen der IM ckel nicht herumbdrehen. ^
des Geiste s z. Hau ptstück._41
l'Kes. 10. Wären aber die Klumpen e- ckicht gewesen / so wären entweder die Ecken in die Ecken der andern Klumpen festeingcschobcn gewesen/ daß kein Raum dazwischen bliebe/ oder es wären wiederum Zwickel dazwischen gewesen. Auff zwe»erley Weise würden die Zweiffel vorfallen/ die man nur jetzt gemeldet, r)
?n. ii. So konte auch keine Bewegung seyn/ wenn alles voll maccrie und kein Geistwäre/der und in welchem die mgrerie beweget würde; Denn es ist wieder alle richtige Sinnligkeit/ daß ich viele einander berührende Corper durch Bewegung des einen/ odereines theils bewegen könne/ wenn alle tpzris vollgcstopffet seynd. u) C s
r) D«nn'in ersten Fall wäre keine Bewegung und Ab- schleiffung/ auff den andern Fall aber ein vscuum o- der unserGeist darinnen gewesen.
u)DieCartesiancr beziehen sich zwar auffein L?per!m-nr von vielen aneinander liegenden Kugeln / daß nehmlich durchBewegung einer eintzigen Kugel die andern mit beweget werden müssen. Aber ^dieses xxperi. inenr ist betrüglich/ theils weil zwischen denen runden Kugeln leere Zwickel bleiben/ theilswcil auch runde Kngeln/ wenn sie in ein Gefäß feste aneinander gedruckt/oder sehr nahe geleget werden / gar nicht beweget werden können / theils weil in dem v-itto der inzrerie nicht nur runde / sondern auch allerhand eckichtc Cörpcr seyn. Nun versuche man doch eine Bewegung in einem Gcfäß/dcssi,'n Boden mit niildeir »Md aiierhand eckichten Corpern anzefüstet ist.
42. Versuch von dem Wesen
"l'K. >2. Also weil^ä»? Bewegung eine» Raum erfordert/darinnen die marene beweget wird/ der doch nicht mit marerie angefüllet ist/ und doch kein Raum seyn kan/ darinnen nichts wäre/ so muß nothwendig in diesen Raum ein geistliches Wesen seyn.
1"K. iz. Wenn alles lauter mzrerie wäre/ würde keine Anziehung in der Natur seyn/denn der mzreria kan nur eine Krafft zu stoßen mitgetheilet werden x). Nun ist aber eine Anziehung in der Natur/ deshalben ist auch ein Geist«
14.
x)Also siehest» nun/ warum die neuen Wlosophi alle Anziehung leugnen/ weil sie nemlich zum Grunde setzen/ daß alles mitm->eerie angefüllet sey / ja du siehest/ was es schade/ wenninan nur einen eintzigen falschen Satz zugiebet. Sie schliessen also: wenn alles mit Materie angefüllet ist/so ist keine Anziehung. Nun aber ist das erste wahr/ u. f. w. Wir kehren es gerade umb: wenn eine Anziehung ist / so kan nicht alles mit macerie angeMetscyn/ nimistdaserste war/ u. s. w: Wir beweisen in den folgenden das erste in unsern Schluß durch die Erfahrung und durch railo». Sie hingegen bejahen das erste in ihren Satz/wieder die Erfahrung und aus einer falschen r»!n, indem sie zum Grund gefetzet haben/daß in der Ausspannung das Wcsen der m^r-rie bestehe/ wenn man gleich die Theilbarkeit/und alle andere Beschaffenheiten auff- tMe/ welches falsch ist.
des Gei stes 5. Haupt stück_43
15. >4. Daß aber eine Anziehung in der Natur sey/ist offenbahr/weil eine Vereinigung ist/)/welche ohne Anziehung nicht begriffen werden mag/ indem durch das Stössen entweder aus einen Dinge viel werden 2) oder nur viele zusammen gedruckt werden, z)
15. 15. So weiset es auch die Erfahrung eines jeden Menschen/wenn er an seincnFinger sauget/ oder ein kleines Glaß durch Anziehung seines AthemS an den Mund befestiget/ oderden Finger an das Mund, Loch eines runden Glases halt/ aus welchen man per gnrlm'zm die Lufft/ gezogen / daß eine Anziehung sey.
15.16.
7) Besiehe oben die 6te Hielui. Man kan auch darzu setzen/ weil einLeben ist. Den die neuen Philosoph! indem sie den allgemeinen Geist auffheben/ beben sie zugleich auch in der That alles Leben auff. Ja auch die Echo- lastici/ indem sie die Seelen des Viehes für leiblich ausgeben/wissen nicht/was das Leben sey. Besiehe
d.iuKsiLi 'tlworiam coi'jiorum vivenrium s>aA.28)»
seqq. P»rri5 ?K^5,c.im cap. Dahero begehen sie auch beyderseits den Irrthumb/ als ob die Steine und Metallen nicht wuchsen oder lebeten. Der gemeine Mann hat diessalls eine viel bessere Philosophie/ als welchem bekant ist/ daß es z. c. lebendige Steinbrüche giebt.
7) Wenn nehmlich die Stossung aus dem centro in die xerlpl,e>ie gehet/als z. e. wenn ein Glaßtropffen in unzehligckleine ^tückicin zuspringet.
s) Wenn nehmlich die Stoßung umb und umb aus der pe-
rij'Iicne nach dem cenrrci zugehet.
44_Versuck) vsn dem Wesen
^1^. 16. Und weil bey dieser Anziehung des Mundes nicht eben der Bauch sich voneinander dehnet/ sondern das angezogene Glaß am Munde befestiget bleibet/ wenn man gleich etliche mahl Odem holet / so fallet auch der neuen ?KjIo5oj?Kt)i-um ihr Einwurffweg/ den sie wieder das Odem holen / (dabey auchsonsteine Anziehung ist) machen/ daß der Anfang der Bewegung nicht vom Anziehen / sondern vom Ausstossen des Bauchs (wie etwa in einem Blaßbalg) geschehe/wiewohl auch disfalls bey dem Athenholen die Sinnligkeit uns ein anders versichert und ein jeder gewiß weiß/ daß das kruiLlpium moms bey ihm von Athen holen anfange und daß das Athenholen Ursache' der Ausdehnung desBauchssey/damit der geschöpff- te Athem darinnen Raum habe. Und weil . ein Blaßbalg nur ein künstliches Ding ist/künstliche Dinge aber nur Affen der Natur seyn also muß man sich hüten / daß man die Kraffte der Natur wieder die Versicherung der Sinnligkeit nicht nach dem Maas der Kunst abmesse / und das Athem holen mit dem Blaßbalg vergleiche/ Va doch ossenbahr / daß beym Blaßbalg das pnncipium MQM8 ausser dem Blaßbalg / beym Athem holen aber in den Menschen oder Thier sey/wenn auch gleich der Anfang der Bewe- gung durch Ausdehnung des Bauchs geschehen solle.
17
_des Geistes z. Hauptftück. _45
1A. 17. Es kan auch beyderAuSsaugung der Lufft durch den Mund/ welche gleichfalls auch bey dem Toback trincken vorgehet/ die Ursache noch weniger einerAusdehnungzugeschrie- den werden/ weil der Mund hierbei) mehr zusammen gezogen wird. So ist auch dem Sinn eines jeden und der Erfahrung zuwieder/ wenn man dieses anziehen der Zurückziehung der Zunge in Munde und der daraufferfolgcn- den Eindrückung der Lufft zuschreiben will / als wie etwan bey Zurückziehung des Stöpsels in der Sprühe vorgehen joll/ weil abermahls die Erfahrung bezeuget/daß die Bewegung der Zung bey der Anziehung des Glases oder Toback- trinckens nichts gebe und nichts nehme.
H,. 18. Und wie hierbei) die AnHaltung des Fingers an die ^ncKIism oder an das ausgepumpte Glaß uns überzeuget/daß das ?rin> cipium morus innen und nicht aussen sey/ als ist das Vorgeben / als wenn die Vereinigung der Glocke mit dem Leder und Teller der ÜX bey Ausziehung der Lufft'/ durch das euscrli- che Andrücken der Lufft geschehen solte / erstlich wieder die Erfahrung/hernach auch vielfältig'wider die Vernunfft. Theils weil dieLüm- 6ri aerei nur erdichtete Dinge seyn/ indem ein Cörper der eine Kugel umgiebct / wenn er in lauter Minder abgetheilet wird / entweder Ke- Selfsrmichte tMis vacuz oder Kegel und
Cl'lin-
46 Versuch von dem Wesen
Cilindcr miteinander umbwechselnd haben müste: b) theils weil sie unbeständig sind/ ob diese Cilinderpepsnciicularirer auffdie Erde zu und den Cörper von oben herunter drücken/ oder von unten hinauff/ oder seitwerö/odermiff allen Seiten zugleich / (indeni die Glocke sich mit dem Teller und Leder vereiniget / sie möge seitwerts/ auffwerts oder unterwerts an die ^.nrKIism gemacht werden/) und dergestalt die armen Cilinder der neuen ?Iiilc>5c»p^orum ihren Gutvüncken nach/ sie aus der Noth der Un- wissenheic zu retten/bald oben/bald unten/ bald rechts/bald lincks u.s.w.sich müssen gebrauchen lassen ;c) theils weil auffdiese weise ungleichenCi- lindern /sonderlich denedie von unten hinauffdl ü« cken sollen/gleicheKraffr zugeschrieben wird; theils weil/ wenn die AnHaltung z.e. zweyer hcilbKu,
gcln
b) Dieses tan sich ein jeder einfältiger Mensch leicht einbilden an dem Rad eines Wagens/ wenn er sich den auswendigen Ring des Rades als die Erd-Kugel/ und die denselbenRing umbgebendeSpeichen als die sogenannten cilin^rorsereos einbildet.
c) Ja es wurde noch über dieses folgen / daß in denselben
Cilindern/ die doch mitder Lufft nach der neuen rKi- loloj'Korum Meynung/ Cvrperlich seyn sollen/einer den andern durchdringe/welchcs dcrNatnr dcrCor- per zuwiderlaufft- j-e.Wen zwey^nfft-Pumpcn hart untereinander siünden/s'ey derer Obersten die Glocke jeirwetts an denTelle: angemachet wa:e/bcy der untersten
_des Geistes?. Hau ptst ück. 4 7
geln daraus die Lufft gepumpetwerdender Zu- sammeudrückung dcrcrselbigen mit gleicher Krasttuml) und umb umgebender Cilinder zu zuschreiben waren/ folgen müste / daß so dann diese Kugel in der blossen Lufft würde schweben müssen 6) und nicht auff die Erde fallen/wel- ches doch der Erfahrung zuwieder ist: Theils weil dieses drücken denLonccpt den sich solche Leute von den Wesen der Lufft machen zuwieder ist/ indem sie gemeiniglich vorgeben/daß dieselbe aus kleinen unzchlichen Cörpern bestehe / die sich stets hin und wieder untereinander bewegen/ wie etwan die Mücken untereinander schwer- men/ bey welcher Bewandnis unmüglichist/ daß dasjenige was meinen Cörper oder einen andern Cörper stets ausweichet/ denselben doch drücken solte/ und es eben so heraus kömt/ als wenn ich jemand bereden wolte/ die Mücke so cmff der Hand sasse/sangeteihndasBlut nicht aus/ sondern die andern Mücken diecominu- umb die Hand herum schwermcten; theils andere Ursachen zugeschweigcn.
__^ l'K.i?.
tersten aber die Glocke ( so just unter der öbcrstm Glocke stünde) oben auff dcu Teller gefttzct würde/ denn auffdieseu Fall müsten die Cilinder der Lufft die unterste Glocke von oben runter drücke»/ und die oberste Glocke würde durch die Cilinder dcr Lufftvon der Seite angedrücket werden/ welche nothwendig die obqedachte Cilinder der untersten Glock durchdringen müsten.
) nichts ^„/.- mehr übrig/ als daß dieses andre eine Lubttsn-? ^,'--4-. sey/und zwar per es, qus: n. 2. conceüslunr. die nicht msrerisl ist/ oder mit einem Worte iubttsnns immsrerislis, diese aber ist nach al- ler/ auch der clillenrirenden Einräumung selbst/ nichts als chirims, (^L.v. zum wenigsten sind tubüsnris immsrerislis Lc msreriz etism lub- rilislims einander entgegen gesetzte Dinge / eben als auch das subtileste schwache aller weissen Farbe entgegen gesetzet ist.K)
l'K. 2i. Wiewohl auch noch andere Ur« fachen seyn/ warum nicht kan zugegeben werden/ daß die subtileste Materie alles thue und erfülle/oder daß diese gleichsam die Wurtzel sey
D aller
8) Besiehe das andere Hauptstück rkes. lo. d) Besiehe das andere Hauptstück lA-s. ,9.
so Versuch von dem Wesen
aller in der Natur befindlichen Bewegung^ Krafft. Je subtiler die marerie ist/ je weniger Krafft hat sie/ z.e. Federn sind leichter alsBley. Eine all^uspitzige Nadel und allzuscdmff Mester kan man wenig brauchen u. s w. So soll auch alle marerie ihrem Vorgeben nach/ porös haben/auch die sublileste/ und ist doch nichts/ daß dieselbige erfüllen tonte / woraus nothwendig ein vscuum erfolgen würde / welches sie doch leugnen. Wollen sie aber ihrer subtilestcn maccrie keine porös zuschreiben/ so würde ein tolicZes und Stahleisen/festes ungeschineidiges Ding daraus werden / welches der von ihnen gerühmten twiäität schnurstracks zuwider wäre» Also mag man sich mit der subtilestcn mz> rerie hinwenden/ wo man hin wolle/so wird ein lederner Stein oder ein böltzernes Schier-Eisen/ mit einem Worte ein Kns rsrionis mere im- poslibils, daß ist ein 5Ion ens oder ein Unding daraus.
Das
des Geistes 4-Hauptstück. ;r
Das IV. Hauptstück.
Was dieser Geist sey/und wie er beschrieben werden müsse/auch von
wie vielerlei) Arten er sey. ^ l'Kec i,
^^UAs vorige Capitel zeiget uns allbereit . ^^Ldaß das geistige Wesen der marerie ihr «^^Seyn und Daurung gebe z)/ daß es sie ausspanne b), zertheile c)/ vereinige c!)/ zusammen drücke e) bewege f)/ darinnen die marerie be- wegetwexde ß)/daß es den Raum erfülle/ darinnen keine marerie ist d)/daß es die Anziehung verursachn) von sich stosse I)/daßes di'eVewegungs, Krafft der mareric sey m)/ und also haben wir all' bereit etliche Eigenschafften des Geistes., Lasset uns demnach versuchen/ ob wir daraus auch die übrigen finden/und so wohl den Geist/ als war«- rie beschreiben können. ^
l'K. Ausspannen/zertheilen/bereinigen/ .tc<«.. zusammen drücken/bewegen / anziehen/flössen/ sind lauter Thatligkeiten/und mit einem Wort/ lauterthZtlicheBeweglingcn. Undalso muß der Geist ein thatiges Wesen seyn/ gleichwie die ma- rerie ein leidendes ist. n)
D ! ^.z.
A)1I,e5. 2. ^ b)?!,^. Z. c.) L'Ke5. 4. c!)1>'.s. e) IXe. 5)^,8. ^'rk.iZ. 15. t) 1-.Ii. .A.
W)Tb^o. n) Besichedas!.Hatlptstück?^ z,8^9. »
5- Versuch von dem Wesen_
, ll.,^ " ^K. z. Weil nun alles thun in bewegen und alles bewegen in thun bestehet/ auch keine Krafft ohne thun ist/ so ist wohl auch Geist und Krafft oder Bewegungs« Krafft ein Ding/ wiederum nur bewegt werden/ leiden/ohnkräfftig seyn und marena, wieder ein Ding.
^4., 4. Hieraus folget ferner / daß alles
thun / was in der Natur ist/ursprünglich dem Geist muß zugeschrieben werden und alles leiden zuletzt auff die marerie komme. Und also ist der Geist überhaupt eineKrafft/allcszuthun/ und die macerie eine Unkrafft/ alles zu leiden.
^ i-.k/^ l'K, s. Das erste Leiden der marerie von dem Geist ist/daß sie ihr Seyn von ihm hat/und alle diese Leiden ausdauren kan. - l'K. 6. Der übrigen sind unzehlig/ so vielerlei nemlich der Geist au ihr thut. Älso istnun die msrerie, nachdem was wir allbereit gesagt haben/ ein unkrafftiges Ding/ daß^ausgespan- net/ zertheilet/ vereiniget/ zusammen gedruckt/ angezogen und gcstossen werden kan / mit einem Worte/ an sich selbst ein unbewegter Klotz.
,-< ! < , I'K. 7. Aber die murerie wird auch erleuchtet/also ist der Geist auch ein erleuchtendes Wesen/ und die msrerle an sich selbst finster, s)
_ 8.
» ) Finsterniß ist nichts thätiges/sondern eine blosse Beraubung des Lichts. Also ist auch die erste Eigm- schafft der macerie, daß sie finster fey. Und cs war finster auff der Tieffe. (Z-n.,
55.
d es Geistes 4. Ha upt stück. ' 6
?n. 8> Es wird auch die mzrerie erwär- -/.,,^ , met' Also ist auch der Geist ein erwärmendes Wesen/ und die mzrerie an sich selbst ein kal-
> «6.
I'n. 9. Doch nein/ b) denn kalt machen ist auch eine Thätlichkeit undKrafft. c) Also ist der Geist auch eiu kaltmachendes Wesen und die mgrene an sich selbst weder warm noch kalt. ^.. ^. ! i-'iv. >»n^!' c^z? ^--»-^'t^^ e^c. ^ ^TI^^-^^^L -
»/^e.^f«»-^>>'^^ , ^>>o^^^!^t^^^ ^^.^^<^^>i^>,^ .»//i^/Do e^t^ Tn-a^'/e.«-«^ SV^r.^?^ v<-?o o<--^^ , ^vtt^^s ^«.^^'»-i^'b-^'b l^i'
5c-?<-^«?n- ^,>f,^^.-n. ^^^e^- Z^Z-a^^o-^^ e.<
de s Geistes 4 Hauptst ück. s?
und um in die Länge und Breite/ jedoch ohne dicke ausstrahlet.
1"K. -3. Du schüttelst den Kovffund sprichst/ ^ daß auff diese Weise folgen müste/ daß der Geist mscerie sey / weil lang und breit zur Quantität und also zur Klarerie gehören. Aber ich wundere mich vielmehr/ daß du die Länge und Breite welche Theile der Dicke und der mscerie seyn/ mit der Lange und Breite ohne Dicke conkmckrest. Und ich nnrcke vielmehr an/ daß die Quantität so wohl zum Geist als zur mgrerie gehöre.
19. Hast» nicht bedacht/was die^s-./,»x tkemsrici sagen / daß sie dieQuantitatbetrachten/ so ferne sie von aller marerie sbttrskiret ist. Mein sage mir nun/tanstdu wohl dieDicke/als das Wesen der marerie von der marerie abziehen? I) Und istwohldieQuantität/dievonder mscerie bezogen ist/ mscerie? doch was wollest du dieses bedacht haben ? haben es doch die K!a- rkemscici selbst nicht bedacht.
D 5
!) Sprichstu - Warumb solte ich nicht können die dicke von der mscerie abziehen/ (»bürgere ?) oder absonderlich betrachten? Kan ich doch die Vernunffr oder die Menschheit ohne dem Menschen/ und dieThierhcit Lsnimalicacem)ohne dasThier betrachten.Ein anders ist eine Sache von der andern absondern/ein anders/ eine Sache ohne die andere betrachten» Hierauff antworteich. 1. Es ist eben so unförmlich/die Ver- «unfft ohne dem Mcnschm u s.w. betrachten wollen/
indem
58 Versuch von dem Wesen ^^^^
indem ich ja an dieDernunfft ohne den Menschen nicht gedencken tan / so ferne es wahr ist/ daß das Wesen des Menschen in der Vernunjft besiehe. Denn wie wolte es möglich seyn / daß ich an das Wesen eines Dinges ohne dasselbigc Ding gedencke/ oder auch das Ding ohne sein Wesen/ die beschriebene Sache ohne ihre Beschreibung/ oderdie Beschrei' bung ohne die beschriebene Sache/( ne eoclsm) bedencken tönte. 2. So ist ein grosser Un- ^.-z?. tcrscheid;. e. zwischen der Menschheit und denMen-
scheN(iar-r.->dttl-s^llm«-cc>QcrLcllm)WeNN ich denselben überhaupt betrachte (canqmnn universale seu tpacism.) Die Menschheit kan ich als das Wesen des Menschen ohne den Menschen nicht betrachten/ aber denMenschen überhaupt kan ich wohl alittr-M- ren ohne eintzele Menschen/ und ein Thier ohne seine
Arten ( liominöm aKKi'.iIiere ^oiHim ^ in6ivu!uiz
animzl ^ lpscielzuz An!mslilim.) Der Unterscheid bestehet fürnehmlich hieriiinen/ daß die Betrachtung derer allgemeinen Dinge (conce^tus u»iverl»lium concr-torum ) mehr eine Zusammensamlung als eine
Abziehung sey (colleÄic, c^uzm ildttraSio. )
Ilnd damit man diesen Unterscheid desto besser begriffen möge/so ist diese Zusammensamlung der Zusammenrechnung in dcrRcchen-Kunst/nnd dieAbzie-
huNgderAbrcchNIlNg gleich (coIleÄio5lmilis»ciäicio. ni, .iKKräÄ!o sudcracUoni). ^. Man lehret insgemein
dasAbziehung nichts andeis sey/als dieVetrachtung derForme einesDinges ohne seine m?n<:rie,z.e.Weni! man die Vcrnunfft/ als die Forme des Menschen . nach der gemeinen Lehre / ohne Ansehung des Menschen betrachtet. Wenn ich nun gleich dieses »nehmen wolte/so würde ich doch draus.schließe/weil dcrGeist die Forme aller Cörper ist/daß auch alle adttractioii
in
d es Geistes4 - Haupt stück. f?
1"n. »o. Mercke ferner / weil der. Geiste, die marerie ausspannet/ und zwar diese Ausspannung ordentlicher Weise von innen geschiehet/ (als wie etwa bey denen Seiffenblasen/der Hauch von innen die Blase ausdehnet/) und also der Geist und msrerie einen Cörper machen / daß auch zugleich der Geist und die mgcerie in einem Raum seyn/und also gantz wider die Erfahrung und gesunde Vernunfft lauffe/ daß ein Geist nirgend sey/wie etliche Philosophi wollen.
in Cörperlichen Dingen nichts anders als die Betrachtung des Geistes ohne die msterie des CörperS sey. Hieraus folget ferner/daß weil das Wesen des Geistes mit dem Wesen der msreri-.und das Wesen der msreri-mit dem Wesen des Geistes nicht vermischet sind/daß ich zwar bey einem jeden Cörper könne dessen Lange und Breite (als welche auch von dem Geist gcsaget werden/ vermöge des vorhergehenden Satzes)al,ttr.iKirenvonder m!,i:eri<- desCorpers o- der von seiner Dicke/ich tan aber nicht die Dicke des Cörvers weder von demCörpcr noch von der mscerie adttraKircn/dcnNsonstrn alzKraKirte ich entweder die mscerie von ihr selbst/ welches nicht angehet/oder ich sklirsklrtc die rnsterie von der Form des Cörpe'rs / welches wider die adkr-i^lon ist/ auch der Natur zuwider laufft/denn m-ccrie ohne Geistnichts ist.Dan- nenhero irren diejenigen die die Cörper in mathcma tische und natürliche Cörper eintheilen, Denn ein mathematischer Cörper ifi ciuc blosse cKimz-rs.
6o Versuch von dem Wesen
l^.n. FragstuwasdannnunderRaum für ein Ding sey? Dieses ist entweder ein flies- fender/ d.i. ein mit viel Geist angefülleter Co'r- per / m) oder der pure Geist/ n) darinnen die Bewegung aller Cörper/oder auch der Geister o) geschiehet/ woraus du zugleich lernest/ wie unzulänglich die Philosoph! lehren/wenn sie entweder sagen/daß die msrerie selbst ihr Raum sey/ x) oder daß ein Raum sey / da nichts inne sey / r^»/c d,i./welches alles leidet und nichts thut. Mas nun in die marerie wircket ist Geist und Krafft. Und der Geist leidet von der mare- rie nicht/ sondern von einem andern kräfftigern Geist. Aberso wohl die stärckern als mindern Kräffte würcken in der msrerie, und al5s sind beyde in Ansehen der marerie was thatliches. ^.55 l'K. 27. So werden sie aber doch unter sich selbstthätig und leidend seyn? Freylich. Aber es folget auch zugleich mit daraus/ daß endlich ein Geist seyn müsse/ der kräfftiger sey/ als alle die andere/ und dessen Wesen wir uns nicht anders einbilden können/als ein pur thuendes We- 'sen/ oder als eine pure Kräfft/oder als die Krasse alier Kräffte.
^».»l, l'tu 28. Woraus ferner folget'/ daß nur «in solcher Geist sey/ gleichwie Nur eine mareris ist/ und daß hingegen viel und vielerlei) Kräffte seyn können/die von diesem Ober«geist leiden/ auch nach Gelegenheit ihrer Starcke in einander selbstwürcken. »/f>^- »^s^ ^»^c.^,». «!,».»cM l'n. 29. -Obaberderen würcklich viel oder wenig/ oder ein einiger sey / muß ferner in denen Wölbungen der Natur untersuchet werden.
^n. zo.
_des Geistes4-Hauptstück._6z
zo. Dieses aber desto besser zu be-^^/c- greiffen/müssen wir erst untersuchen/ was ein Geist von dem andern leide? Und ob alle das/ w.as die macerie vom Geist leidet/ auch ein Geist vöm andern leide? '
zi. Das Leiden überhaupt Heisset ^^«^ beweget wuden a). Alsö muß nothwendig ein Geist ftyn/der die andern beweget/ und ein Geist der von dem ander« beweget wird. Denn sonst litte der Geist gar nickt.
^K. Z2. Ja esmuß ein Geist seyn/der alle ,5-<,.< andere beweget/und von keiner höhern Krafft be- wegetwird/ und also an sich selbst unbeweglich ist. Den wir uns also einbilden können/als ein Len- rrum,b) das an alle Orte/ wo etwas ist oder gedachtwerden kan/ ausstrahlet/ c) und alle Geister auch die subtilesten durchdringet.
zz. Wir haben denen Geistern nuch.«..»^ eine Ausspannung zugeschrieben 6) Also muß nun abermahl ein Geist seyn/ der von andern Krafften ausgespannetwird/aber selbst nichts als die mgrerie ausspannet: lsnd ein Geist der alle
andere
s) Siebe oben 15-5. z.
b) cou/er 15 es. 17.
c) Daß eine Ausstrahlung ohneBewegung seyn könne/ kan man auch aus der Sonne abnehmen/ welche die Erde erleuchtet und doch in ihrem c-ucro bleibet.
^)1Iis5. 2I. ^7^»»^^/'«^'^ ^-l^l^.^'^
^o-T^n^. , v^t.'o^>>^
64 Versuch von dem Wesen
andere Geister ausspannet/ aber selbst nicht aus- gespannet ist. Den wir uns also etwan einbilden können/ als einen concinuirlichen Auefluß oder Ausstrahlung ex Lemro, ohne einiges Lei- den. ^
. //.//^ I^K. Z4- Weil aber die Ausspannung des Geistes ohne dicke vorgestellet und diese des msreris alleine zugeschrieben worden: Die dicken und materialischen Dinge aber eigentlich und empfindlich/d. i. sichtbarlich getheilet/vereiniget/zusammen gedruckt/geflossen und gezogen werden. Also mustu dich zuförderst hüten/ d«ß du denen Geistern nicht leibliche Zertheilungert und Vereinigungen u.s.w. zuschreibest.
^/i^ 1A. Z5. Der pure Geist wird nicht eigentlich getheilet noch vereiniget / noch zusammen gedruckt. Denn er kan nicht gefasset werden/ weil er keine dicke hat.
^ l'K. z6. So ferne er aber mit denen Cör- pern sich vereiniget/oder deren inwendig leeren Raum erfüllet/ kan ihm etwas von der höhern Krafft eines andern Cörpers wiederfahren/ daß eine Gleichheit mit der Zertheilung oder Vereinigung hat/ indem er sodann ausgezogen/ ausgepumpt oder abgesondert werden tan/welches der Theilung der marene nahe kommt: oder eingcschoben / eingepumpt / concsmriret werden kan/ welches einerVercinigung undZusam-- melidrückung nahe kommt.
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c s^c-L^-^i t-»^^^- ^1 2-. ^. A^-^i? ^^//^
^Vs^»- A>?^0-^.'->^^< 9.
des Geistes 4-Hauptstück. 65
Z7- Jedoch ist es keine eigentliche Zer- > ^/< theilung undVereinigung/denn es hat gantz entgegen gesetzte Würckungen. Der abgesonderte ^ Geist zertheilt, die Cörper nicht/sondern vereiniget sie /e) und der concemritte ruinirt und zerschmettert sie f)
^K. z8- Je mehr ich eine- macens und - Cörper zertheile/je unü äfftiger wird er/und je- mehr Cörper eines Wesens/jemehr Krafft ist da. Aber ein Geist wird nicht allein in seiner Krafft" <-^° !^ zmiehmen/jemehr er concenniret/ sondern auch jemehr er exrrakiret/ausgepumpt und puritiLi- 'VT) ret wird/ g) welches in der Lehre vomGeist wohl ^V) zu mercken./^
lü. z y. Hieraus folgetauch/daß ich eins ^ und viele von dem Geiste nicht so empfindlich und handgreifflich sagen kan/alsvonLörpern; denn der pure Geist ist an sich selbst fast innrer eins/ohne daß ich eigentlich weiß/ wo sein Ende und wie seine Gestalt sey/ als welkes beydes auch eigentlich von denenCörpern gef^gctwird. Wenn er aber sich mit der marei ie in denen Cörper» vereiniget/wird er gleichfalls so vervielfältiget/alsCörper sind. E 1^.40
e) z. c. Die ausgezogene Lufft vereiniget die Glocke und
das Leder mit dem Teller an der Lufft-Pumpe.
f) j.e.Das concencr!rtc Licht im Brenn-Glafe/die con-
centrirte Lufft in einem Gefasst, i^ -c. A./,.^.
g) je. Je mehr du Lufft aus der c»mp-ina ausziehest/ ^ je "scharffer ziehet fie das Glaß an/jcmehr du aus einem Saffte iu der Chymie den hiritum ausziehest und je öffters du ihn abziehest/je Mrcker wird er
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66
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^4
Versuch von dem Weseu
l'b. 4c).Dcrowegenwird auch das stos- sen und anziehen nicht eigcntliä) vom Geistge- sagt. Denn wenn schon der Geistetwas cör- perliches anziehet und von sich stößet/so flösset er sich doch selbst niemahlen von sich/oder ziehet sich selbst cigenlich. Denn das Ausstrahlen cxcemrojsteigentlichkckn stossen/unddie Einziehung der Strahlen/ist eigentlich keine Anziehung der Strahlen. GlcicheBewandnißhat es auch mit dem aus und einhauchen.
Hl.Wir haben ferner oben gesagt/ daß die Materie vomGeist auch erleuchtet werde/ erleuchtet den etwa ein Geist den andern? Dennwenn der Geist den Geist beweget/so muß doch endlich eine Art der Beweglichkeit eigentlich von dem Geiste gcsaget werden/weil die bißherigen sich Hieher nicht schicken wollen.
?K. 42. Wir wollen sehen ob wir unter de- üen prsclicaris des Geistes/die wir bißheroge- habt haben / ein Ding finden/ daß einer Erleuch, mng brauche. Wir haben gesagt/ li) daß der Raum auch was geistiges sey. Ein Raum ran wohl ohne Licht begriffen werden, lind also ran etwas / das dasWcsen eines Raums an sich hat/so wohl crleuchtclwcrden/ als die Materie.
H,. 4z So istdemnach abermahl ein Geist/ der alles erleuchtet / und in den, keine Finsterniß ist / und ein Geist ohne Licht.
1^- 44.
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desGeistes 4.Hauptstück
67
l'li. 44. Und also hat auch bereine Geist dieses mit der Materie gemein/daß er finster ist so wohl als die Materie Jedoch ist zwischen der Finsternis der Materie und der Finsterniß des Geistes ein Unterscheid.
I'K. 4s. Die finstere Materie wirfftSchat- ten/das Licht strahlet/und der finstere Geist gie-- bet keinen Schatten / strahlet auch nicht/ sondern nimt das Licht an / und theilet es der finstern Materie mit/ ist also als ein Mittelding/ Vereinigung des Lichts mit der Finsterniß.
4s. Und indem es demnach ausstrah- ^ lende Geister giebt/ die in die Materie einge- schlössen sind/ so folgetauch / daß sie nicht ohnö^/- Finsterniß sind / wiewohl das finstere nicht alle- 5- mal Schatten wirfst/wegenMenge der Strahlen und des Lichts, i)
l'K. 47.Ferner/weil wir oben 1) gesagt/ daß der Geist die Materie warme und kalt mache/ die Warme und Kalte aber entgegen gesetzte eigenschassten sind / so müssen auch nothwendig zweverle» unterschiedene Arten Geister seyn / ein wärmender und Mtender.
1^- 48- Nun ist hier wiederumb dieFra-" ge:Ob erwärmet und erkältet ^werden/ auch E : gleich
4-1 >
ii) Also wirsst der Mond wohl Schatten wenn er Soll nen Finsicrniß machet /aber die Sonne wirfft keinen Schatten wegen menge des LicM. ^ .^s-/-^-^^ !^ ^ 'rkss, 8, V. s« t^^e»- don»ve. >v>>fft ^»K-Wg
ü ^<>Ä>e-^ i ^^^^ , >?-6 ^ x-^°'s ^-»^^v. ^<^>-!i
><»4-) ^1^. ^<^» V^"^^ ^^"-Hi^- ^,^5 ^v^.
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^/^^ 5^ /^"j^A^ ^ ^/^/-^o ^
_ Versuch von dem Wesen _
gleichfals von dem Geiste gcsaget werden könne/wie von Materie.
,5/5^, ?K. 49. Kalt machen und warmen / sind " zwar alles bcydes Kraffte ; Aber die allgemeine Vernunfft versichert uns/ daß erwärmen eine edlere und starckercKrafftsey/alser, kälten/ indem injencr dasLevcn/dicsedcsTo- des Bildniß ist.
'/M T'l,. 50. Hieraus folget / daß zwar der taktende Geist kan erwärmet werden / der erwärmende aber nicht erkaltet werden kan. m)
1K. 57.
M) Es hat ein guter Freund wieder das/was in diesem Hauptstück von derWärme und Kalte gesagt wird/ folgende nbMio» gemacht/die hier vielleicht ihren füglichsteOrt findet/ob sie gleich wider andereLehr- Satze gerichtet ist: Seine Worte sind: i'Kes. z. K9, wird gclchret/daß dcrVcist warm und kalt mache/" undi'K.sz - daß der obere Geist sey eine Warme oh-" ne Kalte / die alles erwärmet. Weil aber alle „ Warme und Kalte nichts anders zu seyn scheine/,, alscine gewißc Art derVewegung des Geistes in,, oder mit der marcrie, auch ohne bewegte marcrie, „ keine Empfindung der Hitze und Kälte zu cc>nci-„ ^ xlrcn/ als halte er davor/daß man eben nicht pro-,,
' xrie sagen kone/daß dcrGcist erwärme und kälte. >. Antworte hieraussWenn auch gleich Wärme und Kalrcnichtanderswäre alsBcwegung desGeisics jn dcr uiaterie, so würde doch der Geist proprie er' wärmen und kalten/ weil derGeist diese Bewegung verursacher. 2. Halte ich dafür/daß indem man cvncijiirct/daß dasLichtdie Lufft d«rchdringet/und
: <^v^^v/- ^> p^.^ ^^ .v- ^ . ^.' il >. <>»^4t^ 5--^- ^^>->»<-^^^ s-^-^t^-^,
>. i>. /I^..^.^,^^-, c>^»« 1?^, ^,»- »-v^Ü: ^<-^^,' '->^..^^.,^^ ^^^V! ^1-^ ^-
des Geistes 4. Hauptstück.
69
l'K.sl. Und wie wir nun gesagt haben, ^.i . daß ein Geist sey/ der lauter Licht sey ohne Finsterniß; Also istaucl) einGcist der lautcrWarme ist ohne Kälte. Denn die Warme ist nichts anders / als die Bewegung des Lichts.
1^.52. Und wie ein anderer Geist war ohne licht/ also ist auch ein Geist ohne Wärme/ der aber erwarmetwird/ indem er erleuchtet wird.
71,. s). Und also muß auch ein Geist den ^4. andern durchdringen. Denn erleuchtet und erwärmet werden / kan ohne durchdringen nicht geschehen.
54. So istdcmnach abermahl cinGeift/. i ^ der alles durchdringet/ aber von nichts durchdrungen wird. Und ein Geist der von andern durchdrungen / erleuchtet und erwärmet wird/ und nichts als die Materie durchdringet / auch dieser das Licht undWarme/die er von dem andern Geist erlanget hat / mittheilet.
il,.ss. Und weil die Vernunfft saget/daß das subtile von dem subtilcrn durchdrungen werde / so folget auch / daß obwohl aller Geist E z keine
sich mit derselbe vcrcin-getsdahin in gegenwärtiger i'l'Lli dasAbsehen gerichtet ist/)man auch gar leicht sich einen c-ncepc von Warme oder Kalte ohne m-lterle machen konne/ob wohl wirMenschcn wege der allenthalben uns umbgebcnden Cvrper ohne »,->rer!s keineHitze oder Kalte empfinden (l-nllone
tcilicet»)
^^^-^-s'^^ ^ /-l^ -^vv Vov Ü^V .'^-l.^ ^/^-^ ^/.^^-s,' ^ . ^
7« Versuch von dem Wesen_
keine Dicke hat/ dennoch der erleuchtende und erwärmende Geist den Raum/ als den kalten Geist ohne Licht/ durchdringet/ nicht aber von ihm durchdrungen werde. ,5^. 1K. ;6. Nun laß uns einmahl zusammen summiren/ was wir in dieser Klcäitsuon gefunden haben. Der Geist ist eine Krafft/ n)da6 ist ein Ding/ welches ohne Zuthuung derMa- bestehen kan / o) in welchem alle materiali- > > 4-. sche^Dinge beweget werden/p) und welches auch diesen die Bewegung giebet/sie ausspannet/ zertheilet/ vereiniget/^usamnicndrückt/anziehet/ von sich stosset/erleuchtet/ erwärmet/ kaltet/ durchdringet^) mit einem Wort/inderMate- rie würcket/ r) und ihr die gehörige Gestalt giebst. 5.)
^'.57
n) z. o)r^l2. x)/r^e5. !7, ,1^5.1.4.^.
r) "riies. 22.
O)^?-?-1^-4- Hieraus folget/daß es ein Irrthum sey/ wenn man die msrer-e für ein selbständiges Wesen halt/und sich alle suiittsntzcn als m^reri- und endlich einbildet (wie nach der gemeinen Lehre von der 5uK- A^ntz nicht leichte em anderer cc>nce^c gegeben werde
kalt, vid» Programms, ciispuc. 5u^>er. Instic. ^urispr.
^iv.) da doch der Geist ein selbständiges Wesen ist/ u. die mzcerie selbständig macht, (besiehe oben Es ist auch ein Irrthum/wenn man die Krafft cineö Dinges unter dessen Beschaffenheiten rechnet (clu-n vücucezreferunrurs-i czualicsres) oder Vielmehr/ weil
. man
des Geistes 4. Hauptstuck. 71
1^.57. Dieser Geist ist zweyerley/ein ober- ster und bann ein dienstbcchrer Geist.
E 4 l'n- 58.
man aus denen Beschaffenheiten zufallige Dinge
Machet / ( cium c^uzlirarss referuntur .icl Acciijenri.i)
da doch die Krafft eines Corpcrsund die BeiHaf- fcnhcitdas selbständige Wesen (lorma su^Kann.ilis) eines Cörpersist. Welches auch hernach in höher» Dingen seinen Nutzen hat. Denn wenn man sich bey dcmGchcimniß der Dreyeinigkeit einen coucepr von dreyenKrafften in einenGöttlichenWcsen macht/ kanman auffdieseWeise nicht vorwcrffen/daßman sich in Gott drey s-cläsmia oder Zufalle einbilde. Es hat auch diese Lehre/ daß der Geist eines jeden Corpcrs ein selbständiges Wesen sey / darinnc ihren guten Nutzen/daß ich mich weder mit denen Scho- lastickern/ noch denen Cartesianern in der Lehre cl« sormis c^rpvrum bcküminernoder verwirren darff. DieScholastickc? ü^r^iircn zwa! kormz-- luliKunnales, sie machen aber ans denselben bald wieder quzliui-
res.und aus den c>u!>li^c!dus zccläenriz, und also he^
bcn sie mit der andern Hand wieder auff / was sie mit der einen geben. Die Cartcsianer im gegen- theil/ als die da wohl spurten/daß diescLchre nicht aneinander hinge/sind auff das andere exn-emum gefallen/indem sie das Wesen oder die to^mss Cors perlicher Substantzcn alle in scci.^entlKüs gesucht/
(cium ^srusrunr flirmaz siiliKcinclgriiin etls ^ccuisn-
und haben nicht gemerckt/daß ein sccicienz, als ein unedleres Ding) der Substantz/ als einem Diel edlcrn Dinge/sein Wesen nicht geben kömic.Be- stehe oben das 2. Hauptsiück n. 10.
72_Ver such von d emWesen_^__
l'K. 58. DerobersteGeist ist ein pur thuendes Wesen / eine pureKmfft/cineKrafft aller Kraffte/ t) die alles beweget/und auch die sub- tilesten Geister durchdringet/aber an sich unbeweglich ist.u) Der alles auch die andern Geister ausspannet/ aber selbst nicht ausgespannet ist. x.) Ein Licht ohne Finsterniß/das alles erleuchtet. 7) Eine Wärme ohne Kälte/ die alles erwärmet?.)
59- Ein dienstbahrer Geist ist eine Krafft/die von dem Ober-Geist ihr Seyn und Wesen bekommet und geschickt ist/seinen Willen zuthun.
^vi<- ^K.6o. Wie vielerlei) aber dieselben seyn g.) ist der sich selbstgelassenenVernunfft schwer zu begreiffen/ ausser daß sie wohl erkennet/da^ in Ansehen der Materie diese dienstbare Geister i zweyerley Art seyn.
l'K. 6i Der eine b) ist eine Krafft/'wel- > /-.4z. ehe nicht nur den Raum / darinnci?dl'e Materie beweget wird/sondern auch dieMaterie selbst durchdringet/ beyde erleuchtet und erwärmet.
?l,. 62.
r) T'lt. !7.u) zs. ^e^e> «^s^^^ se^c^.
des Geistes 4-Hauptstück. « 7z
l'Ii. 62. Der andre ist eine Krafft^di'e die Materie umgiebt/ durchdringet und erkältet/ auch das Licht und die Wärme/ die es selbst von den andernGeistcmpfängct/dcrftlben mit theils
7K. 6z. Der wa rmende Geist i>k ein Männlicher / der kalte ein Weiblicher Geist/c)
die Materie ist gleichsam die ^ ^ Frucht.
/ tt^>^5<^ ^>re^ ^l^H-tH^-^ <^^h-
^ E 5 "Das
c) Man hat mir ohiclrct/daß dieser Unterscheid wohl „ wegfallen dürffte/ weil ein einiger Geist auff un- „ terschiedcne Arien warm oder kaltmache/ wenn ,. man nur achtnng auff die unterschiedenen Be- wegungs-Artcn des Geistes in der Materie gebe/i» nachdem nemlich dcrsclbigc Geist die Lufft und an- derc subtilcCvrperlein in dcrLufft bewege/welches,, mau mit dem cxcmpel des hauchens und bla- „ sens in dieHand erklaren könne. Wenn ich in die,. Hände hauche / so empfinde ich Warme. Wenn >, ich per lineam reÄlnn starck drauff blase/fühle ich „ Kalte. Antwort: In Bcurtbeilung der Warme,, und Kalte überhaupt ist die Empfindlichkeit eines Menschen eine trügliche Probe. Was einem warm ist / ist dem andern kalt. Ja was vielen vorkömt warm zu seyn/ ist doch in der Natur anders. Es frieret manchmahl eine gantze Familie/wenn in dem Wetter-Glaß oder rKermome»o mehr warme zu spüre ist/als vorigeTagcs/und wiederumb schwitzet uns/wenn m dem Wetttr-Glaß.mehr Kalte ist Ich
weiß
74__Versuch von demWesm
weiß nicht/ ob es'andcrc augcmcrcket haben/daß we- gcn dcrwindichten oder stillen Lufft keine Verände« rung in dem Wetter-Glase verursachet werde/welche doch den Menschlichen Corpcr sehr veränderlich -Kcirct. Also dünckt mir auch/ daß bey warmen Winden (die uns iicmlich als warm -iKcircn) nicht allemahl eineaicc^rion indem Wetter-Glase entstehe. Zum wenigsten ist es ausgemacht/daß wenn Nir mitgcspitztcn Munde starck anst die Hände blasen/es unstet vorkomme. Aber blase also(aucl) im ^ Sommer) auffei» Wetter - Glaß / so wirstu sehen/ daß durch dieses blasen/Warme in das Wetter-Glaß kömint. Blase also im Minder an eine bcfrorne Glaß-Scheibc/sowirstu sehen daß esaufftaucnwird. Sonst was die °rii--^n selbst betrifft/hatte ich mir keine objection disfals verschen. Das Licht ist der Mannliche Geist/ und die unsern Erdkreiß umgebende Lufftdcr Weibliche. Jenes ist unstreitig ein wärmender diese aber kaltender Geist. Jenes imprssznirc gleichsam diese durch seine Warme tag- lich.So «st auch bekant/daß man nach der alten Mosaischen Philosophie aus eben dieser Ursachen die Sonne als das Licht/welches den Tag (das Bild der Warme und des Lebens) regirct/einen Männlichen Geist; den Mond aber/ der die Nacht (das Bild des Todes und der Kalte) regieret/ einen Weiblichen Geist genennet/U's.w.
_des G eistess. Ha uptstück. _75
Das V. Hauptstück
Anzeigung dieses Geistes in der Natur. Gott/ Licht/Lufft.
^ ^ef. l.
>
Enn diese bißherige Betrachtungen ^'^c nicht durch die Erfahrung bestärcket ^ werden tönten/ wären es citclePhan- taseyen a)/derowegcn müssen wir nun auch unsere Geister in der Natur suchen ob sie auch würcklich da vorhanden seyn.
7^.2. Aber wir dürffen nicht lange suchen. Gött ist der obere Geist. Licht ist der Männliche und Lufft der Weibliche Geist. Dann die im vorigen Capitel gesetzte Beschreibung dieser drey Geister/ist zugleich die Beschreibung Gottes/des Lichts und der Lufft.
I'K,?, Was GOtt betrifft/kan uns die Krafft seiner Erleuchtung/ Bewegung/ und Erwärmung/ und welches diesen dreyen unterschiedenen Krafftcn gemein ist/seine Durchdringung Gelegenheit zu heiligen Gcdancken geben; die aber jeho unsers Vorhabens nicht ist weiter auszuführen, d)
____71^4?
-> )Besiche das 1. Hauptst.iK.«. d^Z.e. Das Gvttl.Licht stellet uns dc Vater/die Göttliche Bewegung den Vohn/dieGöttliche Erwärmung
den
76 Ve rsuch von dem Wesen _
1K. ^"Durch das Licht verstehen wir das jenige/ was zwar in der Materie/z. e.der Sonnen ist/c) aber doch nicht Materie ist/sondern ausser derselben absonderlich bestehet/z. e. die Sonnen Strahlen. ^
5» Durch die Lufft verstehen wir dieselbe in ihrer höchsten Neinigkeitohne Absehen änff die darinnc schwebenden irrdischen/wäs- serichten oder feurichten Dünste«
Hi. 6. Daß Gott ein Geist sey/leugnet nicht leicht iemand. U'^d weil dieBetrachtung dieses Geistes zu einer hohernciilciplin gehöret: als wollen wir davon nicht weiter sagen/sondern beweisen/ daß neben Gott/der alles erfüllet/ und nebstandern dienstbahrenGeistern/die Engel genennct werden/und die gleichstes in dieser Untersuchung mehr pi-T5upponiret als ciemonttnret werden / Licht und Lufft die beyden allgemeinen Geister sind/ die Gott znsei- ncnDiensten in denen Unterschiedenen Wirkungen dcrCörpcr und sichtbahrenWelt brauchet.
II,. 7.
<
den H. Geist/und daß Licht/Bewegung und Erwärmung eins seyn/ und alles durchdringen/die Einigkeit der Dreyheitvor. u.s.w. . 70 . /. T- ^ ^
N^^«- , ^-^K- -^i^' ^^^^ -
des Geistes 5- Hau ptstück. 77'
7- Nun leugnen die wenigsten den allgcmcinenNutzen des Lichts und der Lufft/son-- oern sie leugnen den allgemeinen Geist/und die Seele der Welt deswegen/weil sie allein Gott und (nebst den Engeln) die Seele des Menschen für Geister/ Licht und Lufftaber für Cör- per halten. Solcher Gestalt aber/ weil sie selber nicht wissen/ was sie aus den Engeln machen sollen/die menschliche Seele aber kein aligemeiner Geist sein kan / so können sie auch a ußerGott keinen allgemeinen Geist erkennen.
i'K. 8. Wenn wir nun werden gewiesen haben / daß Licht und Lufft was geistiges seyn/ so fället diese Meinung bald über denHauffen/ die ohne dem zu solchen Meinungen leichte anführet/ die Gott zu einen Abgott machen.
l'K. 9»Denn wenn ausser Gottkeinallgemeiner dienstbahrer Geist in denen andern Geschöpssen ist/sondern bloß der Mensch einen geschaffenen Geisthatnmddoch dieandcrnGe- schöpffe sich bewegen/keine Bewegung aber oh- ^ ne Geistgeschehen kan/so muß folgen/daß der Mensch durch einen dienstbahrenGeist/ die andern Creaturcn aber unmittelbar vonGott beweget werden.
Ili. lo.Nun scheinet es aber unförmlich zu sein / und wieder die WürdcGoltes/daß er geringern Creaturen/ so zusagen / mehr Ehre undLiebe erweisen solte/als seinem evelstenGe- schöpffe/ dem Menschen / indem j. e. ja einem
mehr
78_ Versuch von dem Wesen _
mehr Liebe geschiehet/ dem der Herr selbst den Weg zeiget/ als dem/ dem er seinen Diener zu giebet/zugeschwcigen/daßauch solchergestalt diese Betrachtung den Menschen mehrvon der reinen Liebe Gottes zu der Liebe der geringen Creaturen abführen möchte.
I'K. n. Wenn auch GOTT die andern Creaturen unmittelbar bewegete/ so würde er alsdenn dieselben entweder von innen oder von aussen bewegen.
I'K. i:. Geschahe es von innen/so wäre Gott ihr ceiiri-um und mit ihnen vereiniget/und Ware also der wesentliche GOttein Theil aller andern Creaturen / außer den Menschen/welches sehr ablurä wäre und niemand zugeben wird.
I'n. iz. Geschähe es von aussen/ so geschehe es durck ein drücken und flössen: (solchergestalt aber wäre Gott endlich/ wo nicht gar macerial, weil ich kein stossen oder drücken begreiffen kan, als wen die excremicat des einen die exrremitat des andern berühret. 6.) Nun sind aberexcre- mitäten und Ende eins/ und was Enden hat/ ist endlich.
1"n. 14. Diese Unformlichkeitenaberkön- neu gar leichte vermieden werden /wenn wir das geistige Wesen des Lichts und der Lufft recht er- wegcn.Lufft ka» nichts corperlichcs seyn/ denn sie kan nicht gesehen werden / was aber groß
____^.P
?li. -4.
_de s Ge istes 5. Ha uptstück. 79
ist und nicht gesehen werden kan/ ist nichtcor- perlich. e)
-s. Es kan die Lufft kein lichter Cör- per seyn / weil ihre Natur ohneLicht ist 5);'auch kein schattichter finsterer denn/ sie wirfft reinen Schatten Z) und man kan durch sie scheu Mich kein durchscheinender/ weil ich kein Cnde sehe dadurch ich sehe. K.)
16. Und alsoistein großer Unterscheid unter durchsichtig seyn / und ein durchsichtiger Cörpcr seyn. Daß ein Ding ein durchsichtiger Cörpcr ist/infeiiret zwey Betrachtungen i) daß man es sehen könne / daß macht ihn zum Cörpcr. 2.) daß man durchsehen könne/ das macht ihn durchsichtig.
1^. 17. Es ist eben so übel gcschloßen: die Lufft ist ein durchsichtiger Corper/weil sie durchsichtig ist/ alswenn ich schliessenwolte/ein grausamer Mensch ist wahrhafflig ein grausames Tyger/ weil ergrausiim ist. Du must erst weisen daß die Lufft Cörperlich scy/ ehe du beweisen wilst/daß sie ein lichter Cörpcr sey.
18. Solcher Gestalt aber d^rffst! du dich mit denen / die die Lufft für was cörperli- ches ausgeben / nicht martern/was die Lufft für
_eine
e) Ili 7. das !. Hauptsiück.
f) Besiehe4z. öc 62. dcs4 Hauptst. und oben 1^.2« x) Besiehe 'rl^. 45. de6 vorigen Hauptst.
K) AIs wie im Wasser .Glast/ und andern durchfthci» nenden Evrpern.
', '!>.-!>, 5, 5.45
8 Versuch von den, W esen_
eine Gestalt/ Grösse und Bewegung habe/welches doch alles mit lauter cinandc^wiederspre- chenden Dingen vergesellschaftet ist. Ist die Lufft ein eintzigerCorper/sokmi keineBewegung so leichte darinnevorgehen/sondernsiewärcEi- senft ste i) Sind es viel kleine Corper/waö haben dieselbe für eine Figury/ und wie bewegen sie si ch?
1K. 19. Sind sie rund/ so köute dZe Lufft so viel unterschiedene partickclchen der Dünste nichtmitsich führen. m)Sind sie astigt oder hackicht/ so würden sie sich in einander
ver-
i)Dmn wenn es ciuCörper ist/so ist es auch ein vereinigter Cörper/ ist es ein vereinigter Cörper/ so ist es ^ ^-S ein fester Cörper. Denn die neuen Philosophi hal- »^.^ tenebcn deswegen dasWasserund andere flüßige 'vT' sichtbare Cörper nicht für einen einigen oder verei- ^ 6o^x> ttigtcn Cörper/ tt'cil sie nicht feste/ fondcrn flüßig 4^ 6^. ' Sie fchreibclii dencnfelbcn deswegen nicht ei- ^ '-^^nc Vereinigung foudcrn nur eine Berührung zu:
nnn cc,ncinuir.irem.)
I) Denn ein jeder Cörper muß ja eine gewisse Figur h^n,
mMangiebtja zu/dasi dicLusst^aipetrischc/Schwesse- ^»-p^, jjj-che/ Quecksilber«schc u. f. w. Partickcln seyn/ die
alle ihre untcrfchic dcne Gestalten und Figuren ha- ^<^-^t>! ben.Ein runder Cl)rpcr aber ist in seinem Unzkreiß ^«.v^-. glatt und treibet in !'er Vewcgung dcrgleicheuPar-
tickcin von sich/und .vereiniget sie nicht mit sich. Es ^j. ksnte aber wol ein solcher Cörper durch dergleichen s^'^^ Partickeln in seiner Bewegung gehindert werden /
zum wenigsten würd§ er dieselben nicht mit sich hin- ^7 /.../.webS fmen.
^>-5>- tv^iü ^^ <»-.^^xchschen/. 0) aber durch die heitere V^.. Lufft kan ich etliche Ellen gleich gut sehen. Die durchscheinenden Cörpcr stellen mir offte ein ^ ^ Ding grösser vor/wenn es von mir entfernet ist/ A?^, F ?)aber^ _____._,
21) Besiehe Hi. 16. des vorige» Hauptstücks. . v) Besiehe iz. des z.Hciuptstttcks.
82 Versuch von demWesen
x) aber in der Lufft seynd die Sachen von ferne kleiner.
iü.2z. So kan ich auch eigentlich/so zu re- den/dieLufft nicht in merckliche/vielweniger in gewisse Theile theilen / da doch ein anderer Cörper der seine Grösse hat/auch die durchscheinenden/ als dasGlaß/dasWasscr/alsogethciletwcrden können,
?li. 74. Sprichstu / die Lufft kan doch zum wenigsten gehöret/odergefühlet weiden/und als» muß sie Cörperlich seyn / denn was mit denen Sinnen gcfasset wird/istCbrperlich undMatcrie- So antworte ich darauf/ daß dieser Lehrsatz falsch sey/ ob er gleich genieine ist. i)
lli. 25. Und also inercke du vielmehr/daß so wohl der geschaffene Geist/ als die Materie durch die Sinne begriffen werden mag/aber auf unterschiedcneWeise. DerGeististunsichtbar/
auch
!') z. e. in einen Glast mit Wasser.
Siehe H>. x. des z. Hanptst. r)Ich habe mich selbst dicsenIrthum noch verleiten lasse« '^»^ " in der Bekantmß meiner Lehre?!', n-. weil ich da- „ .4? mahls vermeinte / daß gehöret nud gcfühlet werden/ / Leidcnschafften waren/die nur von derMaterie/nicht
aber vom Geist gcsaqct würden. Ich lmbe damals nicht bedacht/daß hören und fühlen Wörter waren/ die zwar nach der Grammatick etwas thuendes/nach der Natur-Knnst aber ein Leiden bedeuten. Ich habe daselbst gcsasMaß der Geist ohneKlang ley/welches /-./^. i'.^5. ^.0. a^^^^^-wah>-^ ^^^^-^^^^
5^?^^ ^ - <-^-i-/^i.
^^^/^
^«^t^. A^»^A. <^-6>^^4^>. .
_ des Geistes^ Hauptstück, «z
auch die sehr AeinenCorper s) und zufthr verdün- neten Dünste. Aberwasgesehen wird/iftMa- terie undCörperlich.DerGeist wird gehöret/wen er durch einegcwisse Gestalt der Materie sich beweget. Und daß cörperlicheWeftn oderdieDieke gehNet eigentlich nicht zumGehör-DerGeist und _F2.__dee
wahr ist/wenn derGeist für sich conüäeriret wird/unS- so ferne er an keinen Cörper anstosset oder durchfähret. Aber nichts destoweniger ist doch der Klanz eine Wirckung des Geistes. Hieher gehöret das ex- zzerimenc.welches ich etwa in einerAtisebeschreibung gelesen/ von einem/der auf euiem hohen Berge der über die Wolckcn ging/ein Pistvl loß schösse/welches Anfangs nur pfctfchte/aber heumch erst/da de:Kn«ll die Wolcken zu bewegen anfing/ gewaltig donnerte. Ich habe ferner daselbst gesagt/ daß der Geist ohne dicke sey/unddes wegen nicht könne gefühlet werden. Abe! ich habe nicht bedacht/daß oieDicke oderCöipeu ligkeit/nur zur Fühlung glattcr/r«uher/ weicher/ . harter/ kleberichter Dinge u. s w. nicht aber noth» wendig zur Warme und Kalte gehöre.Denn Warme undKalte tonnen wir fühlen ohne dicke dettt uns wa^ wenden und kaltenden Dinge.
^ Eigentlich davon zu reden/ist die Unsichtbarkeit eine Ti- genschafftdesGeistes/unddiesichtbackeitdesCorpers oder der Materie. Denn der Geist macht dieDünste/ die an sich selbst sichtbar sind/durch allzugrosse Ausspannung und Zertheilung/ unsichtbar. Derowegen scheint/daß auck) der kleinesteEvrpcr müsse sichtbar seyn/dergestalt daß er von gesundenMenschenAugen könne gesehen werden / wenn er beweget wird oder
MUM
86_Versuch von dem Wesen
1K. 27.Derohalben schlicsseich vielmehr/ daß das Licht gleichfals nichts cörpcrlichcs sey/ iveil es keine Dicke hat / und nicht gesehen werden kan/ ob es gleich groß und lang auch breit 5enung ist.
Ib. 28. Ich will nicht erwehneu/ daß die Lufft und Licht deshalb wasgeistiges seyn müsse/ tveilich beydes ohne etwas thätlichen nicht be- zreiffen kan/ dadochdie Materieein pur leidendes Wesen ist.
H,. 29. So ist auch die Beschreibung derer/ die der subtilesten Materie das Wesen des ' Lichts zuschreiben / so gezwungen / daß man sich des billig schämet. Denn wenn ein an sich selbst finsteres Ding/wie alle Materie ist/ noch so subtil geschliffen/und noch so geschwinde beweget wird / so kan man doch nicht begreiffen/wie Finsternüs Licht gebühren könne.
71,. zo. Zu geschweige«/die Fabeln die man von denenKugelchen des Lichts macht/in welchen dieBildungen aller dinge/als einemSpiegel vorgestellet werden/die in emenAugenblick/wenn wir DieAugen wohin wenden/die entfernestcnDiNge/ (denn was ist entferneter als die Sonne) uns -^"/ vorstellen/ und hernacl/wiederum ineinemAu- ^ 1^' genblick uns selbst oder andern/ 1000. andere
Bildun,
erst an der dritte/durch dasLoch das in der andern ist/ das Licht wirfft. Diejenigen die zwischen der Erftcir «nd andern Wand stehen / sehen/, nichts von dem Strahl
_de s Geistes s. Hauptstü ck._87
Bildungen zugleick) und in einerZeitprXsemiren. Welches allesDinge seyn/die man sich von einem mzrencllcn Wesen unmöglich einbilden kan. x) 5li. zi. i Nachdem nun hoffentlich also ge- tiung erwiesen/ daß Licht undLufftGeister seyn/ und wir derselben thun in derMateric taglich empfinden undmercken/sokanmanauch nunmehro gar deutlich begrciffen/ daß das Wesen derGe- schöpffe/so unöMenschen bekandt seyn / aus diesen dreyen Ursprüngen bestehe/ aus Licht/Lufft und Materie ^) oder Erde.
z2. Diese Geftl)öpffe werden entweder vermittelst derer Sinnen mit dem verstände desMenschen begriffen/oder aber sie rühren ohne _ F 4__alle
x)DieserEinwurffist schlecht und einfältig. Ich halte ihn aber für fo starckund beutlich/als der jenige ist/den
der ^litorci? vv^s^e c!n moncie cj«nez im er^
stcn Theil m. 274. iecz. wieder des Cartesil Lehre -vom Licht machet / ob er gleich subtiler ist. Ich »ecammenäire dieses Buch allen denen/ die sich die neue Philosophie allnischr einnehmen lassen/weil ich nichts artigcrs in dieser Materie gelesen. Und würben die neuen Herrn Philosoph! wohlthun/wenn sie solches geschickt widerlegten, z') Eshatzwar schon langst LomLnu-in seiner i'l'x^c. x,. 2;. 5ecz. drey t'liiicipi.i, darausalie Gcschöpsse bestehen / gelehret/Materie/Geist/ (welcher scheinet eben das zu seyn was wir Lufft nennen /) und Licht/ aber er beschreibet diese principla, doch ein wenig anders als ich/ und erkläret auch die Mischung derselben in denen Creaturcn andcrs.Derowegen muß seine Lehre nicht mit der mein.ia.cn. vermischet werden.
88_ Versuch von dem Wesen _^
alle eusserlicheSinnligkeit unmittelbar sein Hertz und Neigung.
lA.zz. Was unsere Sinnligkcit berühret/ Heisset überhaupt ein Cörpcr/nichtdaßes bloß oder mehrentheils aus Materie bestehe/sondern weil Materie darbey ist/ undkan auch wohl in diesem Ansehen Materie genennet werden/nur daß ich alsdann die Materie nicht allemahl muß in allen theilen desselben Cörpers suchen.
Z4- Was aber unmittelbayr ohne Rührung der Sinnen und Verstandes unser Hertz neiget / ist ein Geist ohne alle Materie / o- der ein purer Geist.
^K.z5.Wvnun m einem Corper vielMa-, terie ist / und wenig Licht oder Lufft/wird es ein irrdischer Corper genennct/oder auch wegen der Vielheit der Materie emCorper/odcrErde/ oder Materie schlecht weg/wo aber in einem Corper sehr wenigMaterie ist/aber mehr Licht undLufft/ wird es ein himmlischcrCörper oder auch schlecht weg Himmel oder Geistlich genemiet.
"I"n. ;6. So bestehen demnach alle Corper aus der xroporcion der mixcur des Lichts/der Lufft und der Materie. Ich concipire mir diese Kette also.
^K. zy. Die Erde ist ein Corper darinnen das meiste von der Materie/ das wenigste vom Licht/ und zwischen diesen beyden die Lufft die . mittelste Proportion austrägct/ Dieses weiset , die lMdgreiffliche Dicke und schwere der irrdi-
schen
^_ des Geistes ^. Hauptstück. 8?
schen Cörper/ ihre Finsterniß und Härte/und daß sie keinen lZxcessvom Lichte vertragen können/ sondern eine Lufft nur mit wenig Licht vermischt zu ihrem Unterhalt/oder doch zum wenigsten eine nächtliche Abkühlung erfordern und von der Menge des Lichts 2) zerstöret werden.
I'rl. ;8. Diese Menge des Lichts wird Fcu- crgcncnnet/welches also nichts anders ist/ als eincLmicenn'irung des Lichts in der Lufft/ welche irrdische Cörper berühret.
^K. Z9. Weil aber unzehlige Arten von denen cioüdus seyn können/ die alle an sich unterschieden sind/und doch die Proportion behalten/daß das mehrere Materie/denn das mit» telste Lufft/ und endlich das wenigste von Licht in der Mischung sey / so entstehen daraus auch unzehlige Arten von irrdischenCörpern/ ditin der ?I^5ic hernach fein fleißig und behutsam müssen untersuchet werden.
^ti. 40. Also obwohl in Thieren/ Pflan- tzen/Metallcn/minemlien u.s. w. mehr Materie als Licht und Lufft ist/ sohabendoch dieThiere unter allen daß meiste Licht/und unter benThie- ren z. e. der Affe und Elcphcmte/ und also auch ferner von den andern Cörpern. Das wenigste Licht hat meines erachtens der Sandt u. s. w.
1K. 41. Das Wasser scheinet ein Cörper zu seyn/in welchem die Materie/ dasLicht und die F 5 Lufft
2), Oder auch von der Menge der Lufft in der Fäulung.
Versuch von dem Wesen 91
Lufft gleichsam in gleicher Proportion sind/oder (weil wir diese gleichhcit wegen vieler Ursachen nicht in punöioa) setzen könncn)unter allen an- dernMischungen dieser z.principien einander am gleichsten kommen. Dieses weiset deß Wassers Durchsichtigkeit/ Beweglichkeit undFlüßigkeil/ die umb diejErdegehct/und sich beweget umb das (^enrrum, nicht nach den Lenrro,auch nicht nach der ?eripnerie.
IK.42. Ja weil auch diese gleiche Proportion nicht in punciobestehet/sondern unzehlich mahl varüret werden kan/so enlstehetauchhieraus die unterschiedene Art derwnjMchtenCör- per / die abermahls der weitern Untersuchung der ?Kylic überlassen werden.
I'n. 4Z. Mich dünckt/wo das meiste Licht ist/daszsindbrenende und öhlichte Wasser. Wo die meiste Materie ist/ das sind saltzigte Was^ ser/ und wo die meiste Lufft ist / das sind Fluß- Wasser und was dem gleich ist.
711.44. Diese Mittel Proportion des Wassers ist die Ursache/ daß es von vielen ?KiIoiop'ii3 ist für das cinhige Elemenlaller Dingcgcnom- men worden. Dennin ihm istdasLebender irr-
dischcn
s---->--'---^--
) Denn die flüßigcn Dinge sind unterschiedener Art/ vlichte/saltzigte/u.f.w.Die also nothwendig unterschiedene mixcuren pi-rlupponiren. Derowegcn auch nicht alle eine gleiche Warme!in Dünsie relolvircn/ «och eine Kalte zu Eiß machen kau.
_des Ge istes 5- Ha uptstück._91
dischen Geschöpffe undbcrLimmeiistgleichfam ei'NjMsgespannetesWasser.
I'K. 45. Denn wegen dieserMittel propor. ritzn vereiniget es sich leichtlich mit allen andern '.'/.'^ Cörpcrn/ denen irrdischen und himmlischen/und ^ / daher werden auch die Himmel Wasser zuwei- len gencnnet.
ik. 46. Bekomt das Wasser mehr Licht/^-,,,^ als sein Wesen vertragen kcm/ so wird daraus einDunst/ der in die Höhe steiget-Wird das Licht ihm alizn fehrÄusgezogen/ so wird t^iß daraus.
1K. 47. Weil es nun das Lebender irrdi- schen Cörper ist/ so ist auch fast kein irrdischcr Cörper/ der nicht seine Adern gleichsam habe / darinnen dieser Saft't seinen gang hat. Von Thieren und psiantzen ist kein Zwciffel/ auch die Bergwercke und Steinbrüche b) haben ihre Adern/und ist alles erst unter der Erde flüßig/ehe es erhärtet-
i'li. 48. So ist auch hieraus leicht zu begreift fen/warumb die Dünste/welche aus der Erden oder demWasser vermittelst des Lichts oderFeu- ers ausgezogen werden/von unterschiedener Art seyn/weil das Wasser und die wässerichtcn fasste selbst unterschiedener Art sind. Womehr Licht ist/ daraus wird ein schweffiichter Dunst/ wo mehr Wasser ist/ein saltzigcr/undwomehrLufft ist/ein verfliegender Dunst/der nicht leicht wieder gefangen we rden kan. _ ^K.45.
Lb)Zugeschweigen der Steine / dic aus.WnsscrTropffm Mden.
9^__^Versuch von'dem Wesen_
7^.49. Und also hastu die z. princixia d^/micorum: Lal, Lulplmr, Ivlercurius. ^
lii. 5^ So hat demnach das Wasser zwar wenigerMarerie an sich/alsalle irrdischcCörper/ aber doch noch mehr in betracht des Lpsrii das es einnimbt/als ein Dunst. Und weil nun die Lufft/ die unsere Erdkugel umgiebt/mit vielen Dünsten angefüllet ist/ so folget auch daraus/daß in dieser unserer Lufft/ die wenigste Materie / daß ist weniger als in dem Wa»er und Erden seyn müsse«
^n, s'.Ja es folget noch ferner daraus/ daß diese unseregemischte Lufft zwar ein Cörper/ aber wegen der Wenigkeit der ?)!aterie und ihrer Unsichtbarkeit ein geistiger Cörper/ und wegen der Wenigkeit des Lichts/ das sie in sich hält/ unter den geistigen Cörpern der geringste sey/ ^welchcrwegen dergrossenAnnäherung mildem Wasser/quch wohlWasser/odcr ein waßigerTör ^er kan genennct werden/ wenn man sie nur "ttcht für eine pure Materie ausgicbct.
M. 52. Also wird danninunsererLufftdie Haupt xroporrion der Mischung diese scvn VielLufft,Geist/einwenig Lichtund amaller- wenigstenMaterie.
51,. 5;. Jedoch weil auch diecwlesdieser xropoi-cion unzehlich sind / so entstehet daraus der Unterscheid der so genanten mereororum. In etlichen ist zu viel Licht/ als im Irrwisch/ in etlichen zu wenig Licht/ als im Regen u.s-w.
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^__ des Geistes 5. Hauptstück. 9 z
die gleichfaiß weiter in der Natur-Kunst müssen untersuchet werden.
54- Der Himmel und die Sternen scheinen darinnen überein zu kommen / daß bey beyden dc!s Licht oben an in der Mischung stehe/ und sehr wenig Materie/ ja noch weniger da sey / als in der Lufft hie unten.
55. Aber darinnen wird wohl der Unterscheid seyn / daß bey dem'Himmel das her- schende Licht/ und die reine Lufft/ bey nahein gleicher 606 seyn/ aber dieMaterie am allerwenigsten/ noch weniger als bey denen Sternen. Dieses wird bewiesen weil der Himmel unsichtbar/aber niemals finster ist.
'ttV 56 Was dieSternenbetrifft/mußeiu Unterscheid unter der Sonnen und denen andern Slernen gemacht werden. Bey der Sonnen ist das Licht in dem Allerhöchsten Grad der mixrur, und der Lufft-Geist und dieMateriesind beyde sehr wenig / dergestalt das zwar mehr Materie in derSonnen ist als in demHimmelswelche« durch die Sichtbarkeit bewiesen wird/) aber doch weniger als in allen andern sichtbahren Cörpern/ und daß die Lufft mit der Materie unten an fast in gleicher proporrion stehen. Dieses beweisen die unabnehmenbe Kräffte des Sonnen Lichts.
57- In denen andern Sternen scheint schon nicht so eine starcke cloiis des Lichts zu seyn/ obschon auch bey denenselben dasLichtamstar- ckestcn/ hernach Lufft und unten Materie in der Uixmi-seyn mag. i!i 58'
94__Versuch von dem Wesen
iti. 58. Jedoch ist es wohl augenscheinlich/ daß es mit demMoud eine andere Beschaffenheit haben müsse / als mit andern Sternen/ indem dieMonden-Finsternüsse und seineBeränderun- gen zeigen / daß er sein Licht von derSonnen habe/und also seinem Wesen nach ja so einschat- tichteriCorper fty/als die Erde/und die z. xrin- cipiz bey ihm in solcher mixrur sind/ daß er viel Materie/wenigerLusst u. am wcnigst'eLicht habe.
1^-59- Wiewol deswegen nicht eben nöthig ist zu glauben/daß imMonden/Meere/Wal- der / Falder/Berge/Thaler/u. s. w. oder wohl gar Thiere und Menschen waren/wie in der Erden /zumahl wenn wir betrachten/daß allem Ansehen nachdennoch zwischen denen Zrg6ibu5 mix- rar-rder Erde nnd des Mondes wohl ein Unterscheid seyn müsse-
6o. Die Fruchtbarkeit der Erdkugel ist nicht alleine dcm taglich mitgetheilten Licht der Sonnen/ sondern auch dein in ihrer Uixmr von Natur habenden Licht/ wie auchdemLicht des Wassers mit zuzuschreiben/und glaube ich nicht/ daß die AuödnnstungeiN'er Erdkugel eine solche kalte mit sich führen solten/daß davon bey Nachte dieWirckungbißandenMond zu spüren waren. Aber die von dem Mond ausdünstende Kälte ist schon so kräfftig/ daß sie ihre Augen- scheinlicheWirckungcn hieruntcn cmfErden hat.
?A. 6i. Hieraus schliesse ich nun/ daß ob- schon der Mond wie die Erde in seiner Wxmr
viel
des Geistes s. Hauptstück
viel Materie/weniger Lufft und weniger Licht habe/dennoch der y^ond mchr Luffl/und weniger Li6)t haben müsse/ als die Erde / und also ein viel unfruchtbarer und kälterer Cörper sey/als die Erde.
?n. 62. Dieses kommt nun mit der Sage dererjenigen wohl überein/die dieSonne zu einen mannlichcn/denMond aderzu einem weiblichen Gestirn machen/ c) weil nemlich in der Sonnen der männliche Geist/ das Licht/in dem Mond aber der weibliche Geist / nemlich die Lufft pl'Xcjominiiet.
5. c. iZ, te^. sost
derlich cap. 2Z> von Mond schreibet, ä) Vesiche oben 'rl'.z^
zu gros-
/
. X '
?6 Versuch von dem Wesen _
zu grosse Gerhandnehmung der Lufftinden al- lerersinnlichstcn Frost und geistliche Kälte verwandelt werden, x
H7n. 64. Dieses giebt uns in etwas das Wesen der Engel zu begrciffen. GOtt hatte sie in der schönesten Harmonie erschaffen/ dergestalt daß ihr Wesen sehr gut war. Aber es haben sich deren etliche verderbet/und sind zu Feuer und Frost worden/daher von ihnen gesaget wird/ daß sie Geister der Lufft sind/ und mit Feuer gcqualet werden / ingleichcn daß in der Hölle Feuer oder Heulen und Zahnklappen e) sey.
65. Der-ober Geist aber/ GOtt/ist nur ein Licht ohneMischungmitetwasanders/ aber ein unbegreifflicheö Licht. Denn das Licht ist das edelste unter allen zcn principÜ8, und doch kommen alle drey principia von Gott. Er ist ein Licht ohneFinstcrnis/und das finstere Wesen der Materie komt doch aus ihm her/Er ist ein Geist ohne Kalte/ und doch mnmitderkaltende Geist aus ihm seinen Ursprung/Er ist ein unsichtbares
c) Man kan auch diese Ursach gebcn/warunib von dem Teuffcl und der Ho°l!e so wiedei ivartigeDinge gesagt werden. Denndcr Satan ist nicht allein ein ehrgci- tziger und wollüstiger Geist/in welchen das Feuer ^omiuirct (Denn Zorn- und Huren-Liebe sind beyde feurig) fondern auch ein Geist des Geitzes. Der Geitz aber / als in welchem lauter Mangel der Liebe ist/ ist die höchste Kalte.
X
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c^ ^^.- ^ ^qeii-ö l«."i^c^<^5^
l^^et >^e^ '
_des Gei stes s. Ha uptstück. 97
sichtbares Wesen und doch hat er alle sichtbahre Cörper aus nichts gemacht.
66. Aber wiedcrumbZauff die unterirr- difthen Cörper zu kommen / und die Krafftc des geistigen Wesens darinnen desto besser zu bcgreif- fen/ muß man wohl acht haben / daß'hierunter» das Sonnen-Licht erstin unserer Lufft/ die Lufft unmittelbahr in Wasser und dasWasserindcm dicken Cörper der Erde würcke.
67. Daher kan nun auffgcwisiemaas- fe gesagt werden/daß ein jeder indischer Cörper aus vier 5)pr!nLixiis oder Elementen bestehe/ Licht/ (nicht Feuer/) Lufft/Wasser und Erde.
68. Zwey sind geistig oder unsichtbar und zwey leiblich vder sichtbar. Unter den gei- ^5--.^ stigen ist ein männlichcsdas Licht/undcinweib- liches die Lufft. Und unter dem Leiblichen glcich- fals ist das Wasser mannlich/und die Erde weiblich. Ja die Lufft ob siegleich in Ansehen des Lichts weiblich ist / so ist sie doch in Ansehen des Wass-rs mannlich/und dasWasser in Ansehen der Lufft weiblich.
I'ri. 69. Zwey prMLipia sind extrem : daS ensserste unter Den Thätigen das Licht/und das eüssersts unter den leidenden der Sand/ Staub und Erde/ zwey xrmcipiz sind in Mittel/die Lufft G welche
f) Es ist btl'ant/ daß kyrwFc» ^ und seine Nachfolger cm groß Gehcimnüß in derben Zahl als welche auch die zehende Zahl in sich begreifft gesucht haben. Wir 1.
wollen ^-
_ Mrmch von dem Wesen
welche das Licht in sich verschlingt/ und solches dem Wasser mittheilet/ und dns Wasser/welches diese beyde in die Erde führet.
70. Das Licht ist die Ursache aller Ausspannung. Denn es spannet g) die Lufft aus
in
wollen itzo den ?ycn,Zorsm beyseit setzen /und in der Lehre von denen Anfängen und Ursprüngen ( tcn oder von der Ausdehnung des Lichts,die Anzieht? ng aber von dcri mmn Krafft derLusst herrühre.
H,. 7z. Denn das stossen der Lufft rühret her/!wenn sie in einen engern Spsrio eingeschtoffeil G - ist/
K) Derowegcn ist diese Ausdehnung eine gantz mtterschie dcne Bewegung von der Bewegungdes stosstnsoder Anziehens / als welche ordentlich in einer geraden Linie geschehen»
1) Hicher gehöret auch das Exempel vvn einer Eyerschate mit Morgen Thau angefüllt beym Fludd in ftineic Macrocoswo?. ^86.
l) Der Lufft-Eeisi wckcktt Nichtin das Licht/sondern in das Wasser / und in die Erde vernittlM Hetz Wassers.
loo
Versuch von dem Wesen
./^s
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ist als z. e. Wann man durch die ^nrliam Lufft in einen Romaine oder ein ander Gefäß pumpet/ oder wenn die in dieLusst eindringende Warnn oder Hitze sie in einen verschlossenen Gefasse/oder Ort mit Gewalt ausbreitet/ als wie in den^o- Üpilis wenn sie in Feuer erwärmet werden. Daher man dann auch in etwas das Wesen des Windes / wie wohl sehr dunckel und von ferne begreiffeN kan. m)
in. 74. Das Anziehen ist das Wesen der Lufft/ weil alle Kalte in einer Anziehung bestehet/
wis
m) Christus sagt zu dem Nicodemo/daß er nicht wisse woher der Wind komme/ noch wohin er fahre. Und zerbrechen sich wohl die Physici den Kopffvergebensmit der Ausforschung von der Ursache der Winde. VoKu; sagt gar
recht c?^«2i. lls rnvtu marlum >Zc ventoi-um, p. A,»
Daß diejenigen / die die Ursache des Windes aus denen Wind-Kugeln gel'en wollen/nichts mehr beweisen/als daß eine ausgebreitete Feuchtigkeit(oder nach meinen Lehr Sahen auch ein ausgebreiteter Geist)die aus einen weiten Raum durch ein enges Loch fliesse . auff das gesckwindcste beweget werde. Ein gleiches kan auch auffdieExperimeme gesagt werden/ die beynt Fludd in seinen Macrocosmo i'rZtt. j ui?. 7 csx. 5. zu finden find / wenn jemand daraus die Natur und das Wefen der Winde beweisen wolte. Mit einem Worte - Alle diese künstliche Experiments bringen nachgeäffte Winde zu wege. Wir äffen Gott/ nicht aber Gott unsern Affenwesck nach. Und also wissen wir die Ursach des Windes doch nicht. Die Welsen dieser Welt lachen/ wenn man saget/ daß die Winde
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_^ des Geistes5. Ha upt stück. _
wie die Wärme in der Ausdehnung. Dieses spüren wir mchtalleinin Winter bei) der Kälten) sondern auch bey Auspumpung derLufft/ daß diezurück bleibende Luffc allemahl vermittelst des in ihr befindlichen Lichts ausgedehnet wird/ baß durch die Auspumpung gemachte charium zu erfüllen. Bey dieser Ausdehnung nun ziehet die Luffl so viel ihr Wesen betrifft/ die umb sie herumv stehenden Cörper/ sonderlich aber die/darinnen G 4 Luffr
Engel des Hern, waren/mit Gewalt und Krafft ausgerüstet / seinen Willen zuthun und seiner Stimme zu gehorche»; seine Diener/ die seinen Vcfchl ausrichten. Aber es dürffccn dergleichen Geoancken / w«e
Mdd in seiner?!i>losvpkia ^c>l->ica I. 5.
ca,,. z. führet/doch wohl den Zweck am nächsten konr wen. Wer die Heil/ Schrifft denen Heidnischen Philosöphis auch in der Philosophie fnhrziehet/ wi:d dieses leicht bcgrciffcn. Wer aber an der Lehre der Hcyden hanget / er Heisse nun Gassendistc / Cartesiancr /Aristotelieus oder wie er wolle/ der spotte so lange er will / gnung / daß er selbst nicht weiß was cr lehret oder spottet/und also billig Mitleiden mit chm zn haben ist. ») DicKältc ziehet unszuWintcrsZeit fast empfindlich die Warme aus den Leibe. Sie ziehet die Warme Lufft die in der Stube ist/ an sich/ und weil dieselbe wegen des Hauchs der Menschen mit vieler Feuchtigkeit vermischt ist/ die aber nicht mir durch die Fenster- Scheiben tan/ bleibt diese Feuchtigkeit e?an sitzen und gefrieret..
loz ^ Versuch von demWesen
Luffr >,t/ o) und älsönochmehr die Luffl selosten an sich.
I'K. 7f. So wohl das flössen / als das 'Anziehen der Lufft geschiehet per lineam reAam. Das stossen zwar ex cenrro des moru8 aci peri- pkeriam, nach dem die Lufft einen Ausgang gewinnet/ oder sich durch die'allzugrosse Gewalt der Zusammengepreßten Lufft/ oder des ausdehnenden Lichts selbst macht, p)
76. D16 Anziehen aber der Lufft geschiehet ex peripksriz s6 Lemrum. in dem der mit der Erden oder den Monden Cörper vereinigte Geist der Lufft in dem Lenrro der Erden oder des Mondes auch sein cenrrum hat. Und von dar circumcirca per linsam reätam so weit ausdunstet/als die 8pKer>des Mondes mitscinen Hoff/ und die Speers der Erd-Wasser und Lufft- Kugel gehet. Das dahin strahlende Licht der Sonnen dehnet sie aus und zerstreuet ihre Krafft.
Wenn
0) Also fühlen wir «6/ daß es unsern Finger in der ausgepumpten Vlaß »Kugel anjieyet/ weil unser Fleisch voller ßufft ist.
x) Sie m«cht aber sich selbst den Ausgang/wo sie am allerersten «uch den kleinesten Ritz gewinnet. Ja wo daS Lochelgen »der Ritzgen / gegen der ^«portion der in wendig jusammen gepreßten Lufft ju klein ist/so reisset sie w»h! die festesten und schweresten Cörper aus cinan- ber. Und dieses mag auch vielleicht die Ursache seyn/ warum GlaßHropffm in so kieineStückgen jerschla» gen werden.
__des Geiste s s. Hiu ptstück. lvz
Wenn aoer diese Einflüsse bey winters Zeit/und bey Nacht nachlassen/ bekomt die Lufft ihre scj cemrum anziehende Krafft wieder/ welches wir sonderlich in dem Exempel des Eises spühren.
"^n. 77. Das Licht wircket mit seiner Ausspannung in die Lufft/ das Wasser und die Erde. Die Lufft wircket mit ihren Wesen nicht in das Licht/ sondern verhalt sich gegen dasselbe nur leidender Weise/ d. i. sie ziehet es nicht an sich/ und stösset es nicht von sich/'sondern nimt nur seine sich ihr darbietende Krafft in sich.
I'K. 78. Also gehen ihre Würckungen nur in dasWasier und die Erdenen Cörper. Diese beyde ziehet sie an sich oder flösset sie von sich.'
^.79. Jedoch ist kein Zweiffel/ daß bey c^V der an sich ziehung des Wassers und derCörpee die Lufft frey seyn müsse. Denn wenn zum Exem- pel in der ^mküzdie csmpzns an dem Leder fe- ^/L. sie ist/ und nach der Erden zu hanget/ wirdem darinnen sich befindender Cörper oder gläßgerr Wasser nicht in die Höhe/ noch von der Stelle ^ beweget werden. Oder wenn ich Wasser oder ^ eine Kugel in einer Röhre habe/ und stopffe un- ^ ' ten das Loch mitdemFingerzu/ werdeich weder das Wasser noch die Kugel in geringsten mit dem Anziehen bewegen/sondern alsdann ziebetdie durch das aussaugen oder pumpen verringerte Lufft die centherumb sich befindenden Cörper zusammen und vereiniget sie/ nemlich die Lampz- G 4 nsm
io4 Versuch von dein Wesen_
nam mit dem Leder und Teller/ den Finger oder auch wohl die Zunge mit der Rohre.
Ni. 8c>. Denn die Lufft suchet in anziehen ihres gleichen Lufft. Und diese dringet so dann die ihr im wege stehenden Cörpcr des Wassers oder irrdische Cörper z. e. Kugeln mit fortdaß also diese angezogene Lufft zwar besagte Cörper fortflösset/abernichts desto weniger die haupcUr- sache diefer Fortstossung und der Anfang dieser Bewegung der excenuirten anziehenden Lufft zugeschrieben werden muß.
I'K. 8l. Was das stossen der Lufft betrifft, suchttdie Lufft bey derselben ihre Befrcyung mit Gewalt/ und zwar ist die Krafft zu stossen nach propoi-rionlviel/ viel starcker als die Krafft anzuziehen/welches gar leichte an der ^mKIia gesehen werden tan / als bey weicher die Fortstossung des Lmboli viel eher und mit größerer Vens- menz: fortgehet / als die Anziehung desselben. So kan auch aus einen rundten Glase wohl 50. mahl die Lufft ausgepumpet werden / ohne daß es zu spränge; Aber wenn man nur wenig mahl die Lufft einpumpen will/ wird das Glaß in stücken gehen. >z)
1^.82'
«z) Man hat mir hie: c»ppo»!ret: Daß die beyden hier an- „ geführten Exempel nichts bewiesen/ weil in den „beyden vorgestelleten exp^imenn- gantz cllh>.-n.- rario sey/und solche vor? der externs auc inrerna
tiizur»
_des Geistes s.Hauptstück._lc>>
vi-ri her zu nehmen sey/indem die üuserlichc,. conkZurzrion des Glases der innerlichen entgegen » gesetzet sey und also auch gantz cuncr-ure Eigen- „ schassten haben müsse, Denn es sey bekant/ daß die» gewölbte Figur von aussen die gröste Last tragen „ von innen aber am wenigsten ausstehen könne. „ Müste also das Lx^crimenrgantz anders angestellet,, werden / wo es etwas beweisen solte / und ein rundes Glaßgcnincin metallenes Gefast gesetzet/und dar-,, auff die Lufft mir Gewalt hinnein gepumpt wcrden^,, So alsdenn daS Giaßgen eher zcrsprünge/als wenn,, man die Lufft heraus pumpet / würde es etwas beweisen- Ob nun wohl diese !^sNic>n nur das letzte,, allhier angcführtcExcmpcl betrifft/und solchergestalt/ wenn nur das erste seine Richtigkeit hatte/ der ^atz in der?Ke6 wohl bleiben könte; so habe ich doch schon allbcreit vorher die Nichtigkeit dieser oK5erv,ric>n angemerket / in dem ich gcspüret/ daß die änr>,lisdcn Lnüiolum bald hefftigcr und eher von sich flösset/ bald eher und hcfftiger anziehet. So lange ich denselben in Wasser eingeweichet hatte / habe ich gefunden/daß die Lufft schon viclmahl müste anffgczogcn seyn/wenn der Rest den embvlumsolre wieder zurückziehen / und je vffterdie Auszichung allbereir geschehen war/ie geschwinder war der moru5 des einzichensdes emKoli. Hingegen wenn man be>? dieser Gelegenheit auch nur ein cinigmahl die Lufft in der/mrlilin willzusamen pressen / wird die zusammen gcvrcsscteKrafft dcrLufft den emi^nlum mit Gewalt und mit einer geschwinden Bewegung / zurück ßosscn. Nachdem ich a- ber hernach dcnemdolmn in Baumöhl eingeweichet/ habe ich befunden/ das ich nicht so offtc die Lufft auspumpen dörffcn/als vorher/ wenn die exre-^irte Lufft den LmKolum anziehen soliei!/ und das auch die Anziehung moru ve!!Lmei"ic-l! geschehen als vorhero.
G; Hi«-
Versuch von demW'sen
l'K. 82.Wiederumb/was das anziehender Lufft betrifft/weisen alle experimema, daßjje- wcniger Lufft in einem Cörper sey/oder je kleiner der Corper ist/daraus die Lufft gezogen wird/ je stärckcr sey auch die Anziehung der zurück bleibenden Lufft: Oder iemehr die Lufft in den Gefäß abnimt/ daraus man sie ziehet / je stärcker wird ihre AnjiehungsKrafft/daß man also auch hieraus der Lufft ihr geistiges Wesen erkennen kan. r)
In. 8z- Jedoch ist wohl zumercken / daß dieses einen Abfall leide/wenn aus zwey in einander gesetzten Gefassen zu gleich die Lufft ausgezogen wird / da dann freylich dasjenige so grösser Harium hat/ stärcker ziehet/ als das von geringern 8psrw. Dieses ist die Ursache / daß in denen oper-mcinidus ^mKIi« nachdem aus dem Kelche die Lufft gezogen worden / durch die dem Kelch angeschraubte Spritze kein Wasser mehr aus den Glaßgen in die Höhe gezogen werden kan.
_ 1^.84-
HingegenlwennsichbieLussrinder >»rnl!a zusammen
comprimirer, daß die Zurückstossung desembuli nicht
fo vekrmenr gewesen als vorher/da er, in Wasser eingeweichet war. Dcrohalben will ich nunmehro gar gerne meine Meinung endern/und gestehen/ daß ich noch nicht wisse/was die Krafft des Anziehens in der Lufft für eine Proportion «u der Krafft des fortsios- sens habe, r) Siehe da? vorigen Hauptst. ?K» z«.
d es G eistes 5. Hauptstück _107
84. Hierbei) aber müssen wir nicht so oben hin ansehen / daß bey den meisten experi- memis, dabey man derLufft/ihre Anzicbung spüret/auch eine Vereinigung etlicher soliden irr-» dischen Törper zu spührcn sey/als wenn die Lgm- pzns und das Lcder und der Teller in der ^mK- lia gleichsam zu einen Stück werden: Wenn sich die ^.nrKIl'a gleichsam mit unfern Finger vereiniget/ wenn der Bade - Kopff/sich mit unsern Fleisch vereiniget / wenn zwey gAa es ist auch das Wasser die UrUrsache aller Aufflösnng und Faulung/wie aus denen allgemeinen experimemis offenbar ist.
88. Weil aber vereinigen und aufflösen zwey wiederwmtige Würckungcn seyn/als können dieselben von dem Wasser an und für sich selbst nicht allein herrühren / sondern nqch dem selbiges von einen andern principio getrieben wird / nemlich entweder den Hitzenden oder kaltenden Lufft-Geist. Jener ist Ursach derFaulnng/ dieser der Vereinigung. Wiewohl auch hier vielleicht noch weiter unter denen Geschöpf- fen die über und unter der Erden wachsen ein Unterscheid dürffte gemacht werden müssen. Vielleicht bestehet auch in diesen unterschiedenen Wir- ckungen der führnemste Unterscheid unter den sauren und slcalmischen Gäfften. Aber dieses alles brauchet noch, fernere Untersuchung in der kk^tica.
?K- 8?- So kömt demnach die Ausspan- nung der Lufft/ Wasser und Erden von Licht her/ dieStossung und Anziehung desWasftrs und der jrrdischen Cörper von der Lufft/ vie Vcreini-
Sung
des Ge istes 5. Hauptstück. _709
gung und Aufflösung der indischen Cörpcr von Wasser.
i'K. 90. Die Erde ist das letzte LudjeKmn alles leidenden/das an sich nichts thut/ als das; sie die Wirkungen der drey andern Elemente an, nimt und begierig dazu ist. Sie wird von dem Lichte ausgespannet/von der Lufft gcstosscn und zustunmen gezogen/von dem Wasser vereiniget und cuiffgelsset / und diese veränderliche Wir? ckungcn heisscn (Zenersrion und Lonuprion.
^.'91. Jedoch ist der wesentliche Geistder Erden / Lufft/5) welche auä) an geschicktesten ist der Erden Licht und Wasser mitzutheilen/ so viel sie brauchet/ weil unsere irrdischcLufft dascom- mune üvecspracululn von be»den ist/ und allezeit Feuchtigkeit und Licht in sich hat-
5) Besiehe oben cl,. 975
Das
«r, Versuch von dem Wesen
s 6 Hauptstück.
Nutzen der Lehre/ von dem Wesen des Geistes.
75. r.
' W^Lle Wahrheilen die keinen Nutzen ha-- ^ ^WW den / sind nicht Srücke der Weißheit/ KFZI" sondern Thorheit. Es bestehet aber der Nutzen derLehre von dem allgemeinen Geist und daß das Licht und die Lufft kein leibliches/ son- dern geistliches Wesen sey/anfänglich darinnen/ das man in Begreiffung natürlicher Dinge/deren Krafft und Wirckungcn bessere Konnexion findet / und das Gemüthe mit nicht so vielfältigen Tc>uci-a^ cvlin?iro8 aereos und derer eussere Drückung Po-v-.,. daraus juttiiiciren / die ^rrrz<^ic»nem inrer- nam aber so vielmehr verwerffen könne/weil das Lxperimencum zn^IlT richtig ist/ Krafft wel- ches in ein unten offenes/und oben an die ^nrd- ' liam befestigtes langes Cylindrisches Glaß das , L Quecksilber nicht höher / als die gewöhnlichen und abgemessenen Zolle gebracht werden kan / und ^ ^ wenn die Lufft noch so osste ausgepumpet wird/ welches doch scheinet daß es geschehen umsse / wenn das Quecksilber per ^crra^wnLm in die höhe gebracht würde. So weiset auch das perimem, Sa die lange Röhre die oben zu ist in das in den langen Kelche stehende glüß- gen mit Quecksilber gesetzt wird/ duß/weim die Lu sst aus dem Kelche/ja gutes theils aus der Röhre selbst gepumpet-st/dennoch das Quecksilber nicht eher hinauffin die Röhre steige/biß Lufft in den Kelck) ge^F-n ist/ die also so dann das Quecksilber sehr wahrscheinlich nauff drücket/ zuvor aber solches nicht thun kontc/ weil sie aus dem Kclch ausgepumpt war.
I'l,. 4. Aber hierauffist gar leicht zu ant--0 Worten i. Daß die Lehre 6e l7.vjilläriL aeris
und
«2._ Versuch von dem Wesen_
und derer Drucknng nicht bestchen könne/weil sie viele comrci6icliones mitbringet/ wie schon allverm oben c. ?. §. i8-gczeigct worden.
^' ^^ "t"K. 5. (2) Daß alle diese Lxperimenrz l^rricelliama, ohne die Erfindung derer äusseren Cylindern der Lufft begriffen werden tonnen/ wenn man sagt/ daß man daraus die, Proportion der innern anziehenden Krafft der Lufft sehen könne/wie weit ncmlich diese Anziehung in der Höhhcbung schwerer Corper gehen könne. Daß / ob schon auch sonsten das geringste bisgcn Lufft/ein grosses 8pacium in der Auspumpung ausfüllen / und so dann stocke und schwere Cör- per fortziehen könne/ dennoch GOtt dieser Krafft ihre Grantzen gesetzet habe/daß sie das Quecksilber nicht höher als auff etliche Zoll/ und das Wasser nicht höher als auff gewisse Schuhe / in die Höhe bringen oder halten solle. Und daß diese Ordnung Gottes/ die Menseben mit ihren gekünstele nicht überschreiten können / sondern sich eher zu Narren pumpen würden.
^ 0 in. 6. (z) Daß das Quecksilber in dem Kelch nicht eher in die Höhe derRöhrc steige als biß Lufft in denKM gelassen werde/ sey nicht die Ursache / weil vorher keine Lufft im Kelche sey/ die das Quecksilber in die -Höhe drücken könne; sondern weil die ^rcraciio in der Röhre nicht ftarc? genug sey/das schwere Quecksilber in die höbe zu bringen / indem Kelche eine con- rrsattraeAo ist/ so lange biß Lufft in den Kelch
des Geistes 6.. Hauptstück. nz
gelassen wird / durch welche die Lonrrs ^rrra- 6iio aufhöret.
1^.7. 4.) Welche Ursach trefflich durch ein ander IZxpe, imenr bestarckt wird/ wann an statt dcö Quecksilbers Wasser in ein Glaßgen gethan/ und so dann abermahl die Lufft aus dem Kelch und der darinnen steckenden langen Rohre ge- pumpet ivirö. Da dann/wann diese Auspumpung etliche mahl wiederholet worden/das Wasser von der ^rrtaAivn in der Rohre bald in die Höhe gezogen wird / ehe noch Lufft in den Kelch gelassen wird. ,
8.5), Dieses ^xperimenti ist auch zugleich der Druckung der Cartesianischen Cylinder zuwieder/in dem die Lufft aus dem Kelche/sS wohl als aus der Rohre gepumpet ist/ und also in dem Kelche keine Cylinder sind diedasWai? ser in die Höhe drücken.
ib. 9- Wann man ferner wieder die ^r- tl-aKion der innerlichen Lufft sich auf das Lxs pei-iment bezogen/daß gleichwohl/ wenn dte Luffe ex L2mpana gezogen wäre/und man ein in die (^mpgna vorhergesetztes kleines UMbgekehrteS Glaßgen auff öas Loch des Tellers rüttelte/dennoch solches auf den Teller nicht feste Hafftete/ welches doch geschehen müsse/ wenn inder/mr- jil, die Lufft die eussere Lainpansm arrr-iliiret. hatte / darauf ist auch gar leichte zu antworten, iQ. Denn nach demdie Auspumpung. der Lufft einmahl geschehen/ ist in der ^nrlia« esmpizns die inwe«dtge Lufft dergestalt nach gsei- H eher
114. - Versuch von dem Wesen
cher Proportion expznciiret/ daß so wenig eine neue Anziehung des kleinen Gläßgens gcfthchen kan/alsobm czp^ pr-xcecl. n. 75. davon gesagt worden / wenn ich in einer Rohre Wasser oder eine Kugel liegen habe/ und das eine Ende mit dem Finger zu halte. ^ 0 , ' Es zeiget aber das IZxperlmenc gar-
deutlich/ daß wenn hernach aus dem über das Loch des Tellers gesetzten kleinen Glasigen von neuen die Lufft ausgepumpet/ oder auch wenn man nur durch Herumdrchung des Hahns ein klein wenig eusserliche Lufft in das Gläßgen lässet/ und hernach den Hahn geschwind wieder heruml> drehet/ auch ohne neue Auspumpung des Gläßgens alsobald am Teller feste wird.
^ T^. i2. Und wenn ich so dann aus diesen
' KeckenGlaßgen die Lufft etwan z. mahl gepumpt/ und hernach durch den Hahn diestlbe auf einmahl einlasse / wird das Gläßgen mit Gewalt in der dampznz in die Höhe springen/welches von der in der Lzmpgnz bcfindnchen^rrl'ciciion herrühret/ in dem / wenn ich aus dem kleinen Gläßgen alleine ohne bcyfügung der LmripznT oder Glocke die Lufft noch so offtt ausgepumpt/ und solche auffeinmahl wieder Hinnein lasse/ die eindringende Lufft das Glaßgen gantz nicht in die Höhe flössen wird / weil so dann das denrrum srrracAo- ni3 nur alleine m den kleinen Glaßgen ist.
^ ^ iz. So beweiset auch das Experiment
' nichts wieder die ^rcr-iärion pro L^Iinclris ge- ris, wenn zwey kleine nemispnXrZ!», daraus die
Lujft
des Geists 6. Hauptstück. nx
Lufft gepumpct worden / in der Lsmpgna pott »rrrgKicznom geris von einander fallen/^ well dieses ja so wohl der starckern Krafft der ^rrrz<^i- vn in der Lampzna, als welche grösser ist als die ^rrractt'on in den ^emispZiNrüs, zugeschrieben werden kan/ zu mahlen da die Erfahrung weiset/ daß wann z.e.zwöySpü'gelGiascr durch ein leichtes anhauchen / an einander vereinigt sind/ selbige in der dzmpznz nicht von einander fallen/ wenn schon die Lufft ausgepumpet worden/ welch 2 ches
,)Ich habe noch ctlichcZweiffcl an denExperiment selbst. "Ich habe dergleichen kleine Kngeln nicht/ daß ich das Experiment selbst hatte machen können. Aber ich zwciffle doch dran/daß diese Kemiijil,«ria von einander fallen werden/ wenn sie mit Wachs wohl bestri- chcn sind/und die Lnfft vorher aus ihnen sehr «fft aus gezogen worden. Denn wenn man nur thut/ als ob man die Lufft aus den li^misp^-eriiz auszöge/ und dieselben wohl mit Wachs verwahrt/ sollen dieselbett wohl von sich selbjr in freyer Lufft von einander fallen. Ich überlasse dem Zcscr hiernechst zu bedencken/ ob folgendes Experiment die preslionem serir (.'Arceti.insm
nicht nachdenklicher wiederlege, Wenn man die ^ampANüm in eine ziemliche geraume Vlafe steckt/ und die Vlafe unten/wo das Loch der Omp-ins ist/über die« selbe straffanziehet/ aber doch etliche Löchlein da hinein sticht/oben aber über der (7.n,ipanz die Blase feste zu bindet/hernach aber die Lufft aus derLam^nz auspumpet ; so wird das obere Theil dcrBlase in eben den Lru bleiben/darinnen es einmahl ist/und an die pzn-nn nicht naher gedruckt werden / noch sonsten dcil iicum verändern/man mag so offt pumpen als man will/ welches doch geschehen solte/ wenn das Glaß pe« xreslI^n,M extsrusm iisriz eingedruckt iVÜrde?
!i6 Versuch von demWcscn
ches doch geschehen müste/ wenn die cussere Lufft dieselben zusammendrückte.
i'K. 14. Der bisher gezeigte Nutzen unserer Lehre gehet nur den Verstand an. Und wenn es bey diesen nur alleine bliebe/würde doch auch diese Wissenschafft/wie alle andere/die nicht auf die Ausbesserung des Willens gerichtet sind/ ei« tele Thorheit seyn/ und einen Menschen zum Verderben gereichen. Und hat man dißfals bey Erkentniß der Wahrheit ja so wohl acht auf sich zu haben/ daß man nicht strauchele/ als bey Erlernung unwahrer und sich wiedersprechenden Dinge: Und solches um so viel desto mehr/je enger der Weg ist / der zum Lenrro führet.
11,. 15. Deswegen muß nun auch ein Mensch / der die Lehre von dem allgemeinen Geist wohl begreiffen und recht nutzen will/ die Sachenach denen allgemeinenReguln der Weisheit K), angreiffen. Er muß zu förderst bemühet seyn/sein Hertz zu reinigen, c) Denn sowenig die Meißheit in ein neidisches / hoffartiges und liederliches Hertz eingehet/so wenig schmecket auch einen jölchen Hertzcn die Lehre von allgemei, nen Geist/als welche so sie recht gebraucht wird/ eine treffliche Srkantniß zu erwecken fähig ist/ wie es mit der natürlichen Boßheit unsers Hertzens und dessen Entfernung von dem Geiste GOtteS beschaffen sey.
1^1.16. Da in Gegentheil die Heidnische und allgemeine heutige?KiIolopnie in derMa- ttrie und denen ^bttraäiombus, die der thatige
Ver-
des Geistes 6. Hauptstück;
i,) Damit das/ was in diesen und folgenden rKelibus ge saget wird/ desto besser begriffen werdcii möge/ will ich die in einen absonderlichen Ollc^'o erklärteil 6.
Reguln scle msrkoclo iw^-N-Ii väiverl'-ili) V»N Crler«
nung der Wcißhcit/ncbst denen entgegen gefttzten Re- guln der allenthalben üblichen Schein-Weißhcit vor Augen legen.
Weißheit. . Vorberei- i. Reinige dein Hertz, tung.
Mittel da- -.Bete, zu.
Vlbliotbeck.z. Forsche in deö DdteSchrift Schrifft.
Thorheit.
I. Fülle deinen Kopss. Arbeite.
-)das Buch4.Erkcnne dich selbst, des Gewissens.
?^dasVüch> Verwundere die der Natur. Weißhcit des Schopffers in denen Creaturen. krs-csprc,- S.Gehe mit frommen/ rss so wohl obschou nicht be- lebende als rühmten oder vertodte, achteten Leuten freund'lich umb/ und dencke dem was sie geschrieben/nach.
z. Forsche in unzchli- chcn Hcydnische» Büchern.
4. 8p-culire GOttes und der Creaturen Wesen ausser dir.
5. Bewundere die künstlichen Erfindungen dör Men- schen.
6. Schwitze/ und laß dir es sauer werden/ daß du die Schriss- tcn öder M^ns berühmter nnd geehrter obiehon gottloser oder nicht frommer Leute/ abschreibest oder auswendig lernest.
c)Hierwirddie i. Regelauff gegenwärtige weäKim'o.
nsz Aj'j,Iicir»t.
, 18 Versuch von dem Wesck
^-'- /c- Verstand des Menschen davon gemacht ersof- Z'fen/ und den Sitz der Weißheit in dem Gehirne ^/ - zu setzen gewohnet ist / auch ihre crsteSorge seyn wie sie ihr Gehirne mit Kxperimencis, ^^rvgrionibus und äemonttrarionllzus vollfüllen möge / und daher diese Lehre vom Geist nothwendig auslachen muß/weil sie gemeiniglich das Hertz in Menschen als ein unwerthcs Ding/ einen !VluscuIum u. s. w. betrachtet. ^ ^> ^.l7.Es ist aber ferner nicht genung/wenn ein Weißheitliebender bey vochabender Reinigung seines Hertzens eine Lust über Erkentniß der Wahrheit dieser Lehre von allgemeinen Geist/und derdvnnexion anderer Wahrheiten/ die daraus fliesten empfindet/sondern er muß hierbey sehr behutsam gehen/daß sein Hertz bey leibe nicht auff den allgemeinen Geist dieser Weltund auff dessen allzufürwitzige Untersuchung falle/weil er sonst gantz leichte zu seinem grsssenVerderben/von dem Geiste/der in der Lufft herrschet auff verbothene tuperttirion und schädliche Künste kan verleitet werden.
^ 2 18. Derowegen nimmt er billig in Acht/
daß er fleißig bethe / 6. d. i, ein hertzliches Verlangen zu GOtt habe/daß er als der Geist aller Geister sein Hertz mit seinen guten Geist regieren wolle / daß es die Wirkungen dieses guten Geistes von denen Wirckungen des Geistes dieser Weltwsbl entscheiden lerne/ und diesen Unterscheid zu Bcförderung seiner Wohlfarth auch in
seinen
(iMx-xllc-i'äon dcr andern Regel.
des Geistes 6. Hauplsiück.
H9
feinen eigenen Bewegungen anmercke/ und also geschickt werde/ den Unterscheid inr-r in^i-im weis 6^mgZiam renedrarum in sijnen HerlM zu empfinden-
1"!i. 19. Es ist zwar wahr/ d aß die ?lujolo ^ ^ pliiz corpusculai-js 6c irzecl^niLZ dieser ietztge- meldten Gefahrni6?t untcrworssen ist/ und wird manwohl nicht Ercmpet haben/ oder sich einbilden formen / daß ein Cartcsianerein Schwartz- künstler oder Crystallenseher gewesen fey/ oder seyn könn c.e) Aber es ist diese?I.ilvsop!rraan-
H 4 derer
s) Denn wie wolte einer/ der das Wesen des Geistes in blossen Gedancken fetzet/ausser GOtt und der Menschlichen Seele keinen Geist erkennet/ alles mir Materie angefüllet zn seyn vorgiebcr/ und danncnhcri) gens- thigctwirb/seinen Geist nirgends hinzu seyen / einen Tenffel oder Hexerey leichte glauben können? Nichts deftowcniger ist nichts so »btm^ und wicdersprcchcno/ darein nicht der menschliche Verstand aus allzugrosser Weißheit fallt/oder vielmehr von denen ->l?e^en des Hertzenshingcrijsen wird. Ichhahc erlebet/daß eintieffsiunigcrKopffcin s^ft^nia i'lieoloizicum .^e. rkocw ^i-itliLmarici^ verfertigt/darinnen!zpinos!L und Jacob Böhmens piincijziz nach scine-Meinung vereiniget sind. Also ist es auch wohl möglich/daß einer von der ncnenPhilosophic anss die Cckwmtzklusile- reywerfallcn kvnne^ Wie ich dann auch dieses für was besonderes und iri-c^ul^ires halte/ daß der He? r ?^>i- reu, dessen Lehre auch noch itzo nach dcmCartefto iu vielen schmecket/und der also an dieser meiner Lehre nicht eben gar zu grossen Geschmack finden dörssi cauff den «xcets gerathen/daß er daftir halt/der gri-ste Th il bei? Welr stehe in Bürdniß mir den Satan: davon ich n; meiner ^iilenimcm iZe sci-i^rii- l'.^ii ci iliuert/
;?y Versuch von demWesen
derer Gefahr unterworffen/ das sie nehmlich dadurch/daß sie alles zur Materie machet/ und ihren Geist nirgends hin lo^iret/endlich gar leichtlich alles geistige Wesen überhaupt laugnet/und in 8pmc)5llmum oder LLclieiianismum verfall Kt^ 0
l'K. 20. Welches dann Gott aus gerechten Gerichte zulast/in dem dicse?liilo5c>pdiz nach ihre principüs in derThatnichtvielvomGebete halten xqn-Denn indem sie die Weißheit im Gehirne ß)
sucht
^Ich sage nicht/ daß alle Cartesianer 8pinolisten oder "Beckerianer seyn musten. Sondern ich sage nur/ daß/ wen man nicht sehr behutsam gehe/man ga: leicht in diese beyden Hanpt-Irrthümer/ des s?iuni-e von Gott/ und Beckers von Engeln undTeuffeln verfallen könne; Zumahlen/ da auch von denen Carte- fianern die Schrifft nach denen Grund - Regeln ihrer Philosophie zum vsstern pfleget ausgeleget zu werden/ lwie es nemlich andere Secren nach den Ihrigen Re« gelnzumachenpflegen,^ Zum wenigsten kan ich nicht absehe/wie ein purerCartesianer/nach denen principü,
Qsrcell!, Lpincilzm und Leckern gegründet wiederle-
zen könne? Ich sage ein purer Cartesianer- Und darffmir dannenhero niemand das vorwerffen/ wach ?c>irer wieder Zpinolsm und Beckern geschrieben. Jedoch hat die neue Philosophie diesen Fehler auch mit denen andern Heydnischen Secten gemein: Denn dieser Irrthum : daß das Wesen dex menschlichen Seele hauptsachlich in Kopff operire/ haben 1'i.iro, xpicurus,^rittorelss, und die Stoicker/ja alle Philo- sophi so viel ich weiß/ ausser der H. Schrifft »ls di? UNs ein anders durch und durch lehret) iwuiret,
des Geistes 6, Hauptstück. in
sucht/ und die tägliche Erfahrung zeiget/ daß auch ein gottloser Mensch vermöge seines Gehirns Lxpei'imema ^eLNzniLv^irsuüeZ obne Gebeth erfindet / so kan sie nicht bcgrejffen / i)wie das Gebeth zur Weißheit nöthig fty. Ja wcil ihr Geist und auch ihr Gott nach ihren Lehr-Eä- tzen entweder endlich und also nicht allenthalben/ oder vielmehr gar nirgend ist/was svlte mich antreiben/einen zu bitten/ dcr mich nirgend crbörcn kan/ oder der viel ioc>o. Meilen von mir entfernet ist/ und die vorrices IvlarcriX drücket oder he- xumb drehet-
1^. ^i. Und also ist escmchkein Munder/ wenn die PKijolopKi, so in der Weltbcrühmet seyn / diejenigen auslachen / diedieLchrevomal^ gemeinen Geist in der Schrifft 1^ suchen / und aus derselben behaupten wollen. Denn weil sie diese WeißiM nicht in Gottes Wort/ sondern bey der verderbten Vernunfft des heidnischen ^Moreüs, OemoLriri, Lpicuri u. s w- suchen/ als wollen sie auch hernach die heiligen _H ; S chriss-
Oder nach der Aristotelischen Philosophie subtile .N-
ü!nK!oues, reiolurione5, ^roblem.irg öcc.
i) Ich rede nicht von dem/ was den Worten nach ae schichet/ sondern was in der That bey dem Menschen und aus Hertzensgrunde vorgehet. I6> weist wohl/ daß viel Cartesianer/Aristotelici u^s w. ihre Bibel zum öfftcrn durchlcscn können / aber ich habe anderswo ^ezeiget/daß dieses/ und wenn man die Bibel und Gebetbücher nach dem Calcnder durchliefet/kein Ge- bet sondern eine Arbeitsey.
^ Hier wird die dritte Rcgul der Weißheit sx^''c'ret.
5-2 Versuch von dem Wesen
Schttsstm aus diesen erklären/ d. i. dem Licht ans der Finsterniß «.'inen Glanhund Schein geben.
1^. 22. Dahingegen ein Weißheit liebender sich in dem Herrn freuet / wenn er gewahr wird/dasi diese bißher erklärte Lehre von dem allgemeinen Geist/ nnd das Licht und Lufft ein geistiges Wesen sey/ in derHeil. Schafft m) gar deutlich enbalten sey/ und daß er aus dieser Ii/- pnrl-ietl die heilige Ossenbahrung von der Schöpffung viel deutlicher/ als sonsten begreiffen könne.
^ v 2,. Welche geiftl. Freude vermehret
wird/wenn er siehet/daß ihm zugleich hierdurch auch in ftiner selbst Erkäntniß n)ein grosses Licht angezündet werde/und er nicht alleine von dem Wesen Adams«) vor dem Fall/ sondern auch von dem Fall sclbsten/ von der versiHrerischen Schlangen/von dem übcrbliebenen Funcken des Gottlichen Ebenbildes/von guten und bose^n Engeln/ von der Busse/vom Glauben/von der Rechtfertigung/von der Heiligung/ mit einem Worte von seiner einigen Glückseeligkeit und der wahren Weißheit/ eine helle Und deutliche Erkäntniß überkomme/ und dadurch zugleich den Unterscheid unter Natur und Gnade / als welches das denn-um aller Weißhcit ist/ so viel ihm zu seiner Glückseeligkeit nöthig ist/ erlernst.
^.24.
zn) SieheQen,^.v. 2. junA. Ps. 1^ v. 2c,^zy.Ioh.c>i4.
v. lz. ^4 ^v^i?l^cut ^^l<»^i.»^ ^, , II V
v)/^i'licinmi; der vicedten Regul.
v)Bcsie!)c von diesen Stücken meine unten beygcdrnckt«
Mtkäntniß Mld djc äillerraro^ ^« scrixris l^üeri.
des Geistes 6. Hauptstück. i;z
l'K. 7.4. Welches alles er vorher bey denen andern offt genenneten Lecken vergebens gcsu- 6)et/und daselbst p) nichts als Elend / Jammer/ Unwissenheit/ Tollkühnheit n. d. g. angetroffen. Denn wie man nach Andeutung der gemeinen ?!u!o50pliic wegen Ermangelung des Eckantmß von demWesen des allgemeinenGeistes nicht das bitterste von dem Wercke der Schopffung ver-- Men kan/so ist auch eitetBlindheit von demWesen Adams/von seiner Seele und'Gcist/von dem Fall/von der Schlange u.s.w. welches dieL»m- memzrii über die heilige Schrifft/sonderlich über dis crste z. Capitel des i. Kuch Mosis/ c>) auch nach ihrer eigenen Bekantniß weisen. Und ist dannenhero auch nicht zu verwundern/ daß die armen Leute die Lehre von dem allgemeinen Geist so anfeinden/und sich in ihren l^eKiomKu-; und Schafften mit vielen Lasterungen wieder die Wahrheit prottiruiren / denn sie verstehen die Wahrheit nicht. Weshalben man billig mitleiden mit ihnen haben muß.
7ü.-f.
x) Ncmlich in dem Satirischen Wesen/einenMangcl da/ den andern dort- Denn ich beschuldige die in dem Sectirischen Wesen stehende Lehrer nicht/daß sie samt und sonders alle diese Mangel hatten.
q)Ich erinnere mich in v. Pfeiffers l'^nsoplnä IVlos^ic» gelesen zu haben/daß er gcstchct/cs werde einen der Kopffvicl warmer wenn man die cnmmentsrisübec c^enelin gelesen/als er vorher gewesen/und wisse man. hernach noch weniger als zuvor.
Versuch von dem Wisen
i'I-l. 2s. Dahin gehöret nun auch/ wenn offters gar zu viel prahlens von denen ^xperi- menri^mscl^nici^gemacht wird/wie man aus der ^1eL^2iüc alle pI^Xnnmenä !-) sey/wenn man Gottes Allmacht in seinen Geschopffen bewundere und erkenne/ daß wir Menschen mit unserer ^ecK-mie und allen unsern Künsten nur Affen GOttes seyn / die mit allerihrer Weißheit nicht den hm^ dert tausendsten Theil von Gottts Allmacht und Weißheit/ die er in dem Wesen der Geschöpffe vffcnbahrcr / ausgrübeln können / und daß hingegen dieses der Lehr-Satz der Thorheit sey/ daß ein Künstler sich über die Lxperimenra des andern Künstlers (d. i. An Affe s) über den andern) verwundere/ es heraus streiche und sich bey nahe so künstlich düncken lassen wolle/ als Gott. Und wenn dannenhero gleich auch der Vorwurff der Gegner wahr wäre; So wäre doch eine dcmutkiqe Unwissenheit besser Äs eine ausstehende Wissenschafft.
I'K. 26. Zumahl wann hinter dieser nichts als Lonrraäiöriones seyn. Denn was sind
doch
^ äpplicirung der funfftcn Regul.
«-^> Ich brauche dieses nicht als ein Schmahe-Wort/son-
dern als cin bckantts Sprichwort: DieKunstist ein
Affe der Ratur.
des Geistes 6. Hauptstück. i: 5
doch derer ?iulolojzlim-um Lorpu^culzrium ihr vorgeben anders/ als Dinge die nach langer Ümbschweiffung endlich in Gestandniß der Unwissenheit relolviret werden. Jhrevis moveiM marenX Lonci-ear!?, was ist es nach ihrer eigenen 6o6rnn anders als eine czuuliru!-: occulrg? Ihre vis elzüic^a neiis dergleichen. Was sind die gcdrehetcn schraubichtcnpal-riculse.dadurch sie die Krafft des ^aZners r) auslegen wolle« anders/ als Einbildungen/ die 100». donrni. ciiüionidus untcrworffcn? Was silid die Lehren von denen aus denen unterschiedenen Figuren entstehenden Unterscheiden der Farben anders/ als Dinge die sich endlich in eine Unwissenheit relsiviren ? Indem man nicht geschickt ist/ der meisten Farben ihre Figuren zu ciecei-mimren. Ja was ist es endlich anders / als daß man bey Darthmmg der LolwrgcMionen/ oder bey etwas genaue.renNachftagung zur Antwort gicbet: Man wäre es eben nicht schuldig zu sagen/wie dieses oder jenes beschaffen sey/gcnung daßesGott so haben wollen. Da doch von ihren Lehr- Sä, tzen nichts rnHeil. Schrifft enthalten/die sonsten dasjenige was Gott hat haben wollen / vollständig erklahret._ _27.
t).Hiehex gehöret auch/wetjn Cartesius sagt: Die Lusst und das Wasser hatten keine porös, die geschickt waren/ die Ausdünstungen der schraubichtenPartickeln anzunehmen. Da doch die Erfahrung bezeuget/ daß der Magnet auch feine ox-rnclone- durch daS Wasse< thut. Daß ich von der Luftt nichts erweh- ne/ die ja alleinahl dazwischen ist/ wtlM derMasnet das Eisen an sich jichet,
126 Versuch von demWcscn
27. Hingegen ist die Lehre des allgemeinen Geistes so unnütze und unwissende nicht/ als sie von den andern ausgeschrien wird. Die ^ ^ - Wirckung eincs^Dinges/ d.l. seine Bewegung ^stine Farben/ sein Geruch / sein Geschmack in s. w. sind Zeichen der unterschiedenen Beschaffenheiten des innerlichen Geistes/welche uns anführen / in Einfalt nach zu sinnen/ wozu dies lben nützlich zu gebrauchen sind/ und wie sie bey diesen oder jenen ohne Schaden nicht gebraucht werden können. Wissen wir gleich nicht/ wie es zu gehe/daß der KlaZner das Eisen an sich ziehe/ oder sich nach den Nordpol richte / so ist es doch genung/daß wir dadurch iVlaAnerismum rerr-e erkennen / und der Erfinder der Ivl^noc- Nadel hat ohne dem Ueclianismo l^orpuscuI-Zli vielmehr Lob verdienet / als Cartcsius/ der in seinen , Schliffen den Uzgn-r mitsovielschraublchten , pzi-riculn umgeben/ die doch kein Mensche ausser seinen Büchern sehen / noch ohne (lont^cji^, Aion beg! elften kan. Wissen wir gleich nicht / wie es zugehe / daß die Geister zweyer Saffte in derMischung dein gemischten Saffte eine neue Farbe geben/ so ist es schon genung / wenn wir wissen / daß die Veränderung der Farbe ja so wohl als dieVeranderungHes Geruchsund Geschmacks Aeichenu) sind/ daß die Kraffte des Geistes in dieser Mischung auff diese und diese
Art
u) Die sichtbaren Geschöpffc und was davon in das Ge- sichte/Gchor/Geruch/Gcschmack undGefühlc fallt/sind Anjrigunscn derMrelunsen des Geisieö in selben/
und
des Geistes 6. Hauptstück ,27
Art geändert werden. Denn alle Weißheit bestehet in Erkantniß nützlicher Wahrheiten / und alle Thorheiten in Erkantniß unnützer/ wenn gleich wahrer Dinge.
I'K. !8 Endlich so hat die Lehre der gemeinen ^caäemischcn !)»6i>iii von Geisten dieses Ungeschicke / daß sie entweder inunzehligen I^x- pcrimenren verliesset ist/und mit unzehligenBü- chern berühmter Leutex) in der Welt zwar dieselbe täglich häufst/ aber dabey immer blinder wird/ und mit offenen Augen nichts verstehet/in mebrere Lonn-g-Mion^ sich verwickelt / mit citeler Einbildung von sich und dcmSchmeichel-- Lob seines gleichen eingenommen wird/daß man das grosse Elend darinnen man stecket/ und welches auch ein vernünfftiger Bauer zu erkennen und Erbarmung darüber zu haben fähig ist/ gantz nicht empfindet / sondern eitler Ehre truncken immer weiter und weiter von der Wsißheit abkomt/ in eine Verhärtung geräth/weise Leute verlacht/ für Narren halt/ihreLehre verfolget/weil man sie wegen Blindheit des eigenen Hertzens nicht verstehen kan / für Aberglauben/GottesLasterungen/ Phantastereyen ausschrciet/ undvondieserTrun- Äenheit selten wieder zu rechte gebracht wird.
^K. 25. Dahingegen dieLehre vom Geist/
wie
und des Nutzens und Schadens derselben. Wohl dem/der sich auffdicSi»n->cur derDinge wohl versteht. Hieriunenbesiund die Weißheit Adams^Aber durch Bücher und Lehr-Satze wird sie nicht begriffen- Sondern GOtt giebt sie nach dein Maaß seiner Gaben wen! er will. x) ^^licirnug der letzten Regul,
A c/>„<.' i^, ^>^?.«»» ^^^^^^^-^^ ^Vtcs/. )n.s^t<' : u>c<^>^<^ Ic-v-^^e^r ^^<->->/V^«.^>t ^ 6-^ - -t^, > >^.
Versuch von demWestn
wie wir dieselbe getrieben/dem Menschen Anleitung giebt/ sein elend zn erkennen und demüthig ju seyn/ auch dadurch der Verstand erleuchtet wird / daß man nicht nur die Heil- Schufst inn , wer kiahrcr und klahrer einsiehet / sondern auch die Bücher GottesfürchtigerMänner/die von der ^ ^' Welt und gottloser Clerisey für Narren und Kc- herausgeschrien werden/als Fluts/ Guttmcmns/ Jacob Böhmens/Valentin Weigels/HohburgS u.s.w. zu verstehen/und dasElsnd derer/die mit ihren Sophistischen cxcei-pris y)oder Fragen/ oder Lieblosen Streit- Schafften ihre Ketzermache- rey vertheidigen wollen/ohnerachtet ihrer exclz- msrionum, zutonrarum, carminum gracu^z^ toriorum ^c, gerade durch siehet/hingegen aber auch die Schrifftün solcher Leute/die zwar War- heir gehabt/aber nicht in dcnen Schrancken der Demuth blieben / als l'KsopKrzKl paracelll, LsglT Stiefels/ (^uirim Kuylmanns u. s. w. N'.it solcher Behutsamkeit liefet/ daß man nicht die Spreu fürGetreyde annimt/aber auch nicht den guten Weihen mit der Spreu weg schmeisset/ wie man dann auch bch denen erstgedachrensich hütet/daß man bey selbigen nicht aufdas pr^ju^- «jicium ^ucl^orirsris fallet/ weder ein Böhmist noch Weigelianer u.sw. wird/sondern in allen Dingen alles prüfet und das Gute behalt/allen allerley wird/ und in Liebe alle duldet. Das
?)e.x Vieler oxcerpr.i ex lidris LöKmii.D.HinckclmanNs
Fragen. Dc6^i,M«ri! 7rip»Iir«niSchrifftcn wider Gutmannen und Hohburgcn. Ich muß bekenne»/ daß ich ans Lesen dieser letzten Schrifftcn das Elend »e^Sectirischen Msens mit habe erkennen lermu"
des Geistes 7. Hauvtsiück. 129
Ms 7. Hauptstück.
Von dem Geist des Menschen.
1'Ke5. l,
WMWJr haben in vorhergehenden Capitel ge- ^WMsaget/daß unter andern die Lehre von ^^^dem allgemeinen Geist ihren gutenNü- tzen auch darinnen habe/daß der Mensch sich selbst erkenne. Meilnun nach aller Menschen ciiwclli- genBekantniß derMensch aus einem corpcrlichcn Wesen und zugleich aus einen unsichtbaren Geist bestehet / davon der Leib und dessm Theile mit Augen gesehen und mit Handen betastet werden kan/der Geist aber in uns verborgen lieget/ und doch gleichwohl wegen dcrVereinigungmitdem Corper theils nach Gelegenheit seiner unterschiedlichen clispolmonen vielerlei) Würckungcn in dem Corper verursacht / theils auch sowohl von denen euserlichen mit Geist begabten Corpern/ als auch durch diealrerarion seines eigenen Cör- pers/ (welche selbiger durch die Vereinigung mit denen euserlichen Corpern leidet/) auch vielen rerarionibus unterworffcn ist; solchergestalt aber alle Freude und alles Leid in der Seelen des Menschen ursprünglich ruhet/oder einaewurhelt ist/und also die Erkantniß unseres höchsten Guts und höchsten Übels von wahrcr'Erkantniß unsers ^ Geistes clepen6iret; Als verlohnet es sich wohl der Mühe/ daß.nm nunmehro nach einfältiger
I Betrack-
lzo Versuch von demWesen
Betrachtung des allgemeinenGeistes auch etwas insonderheit von dem Geist des Menschen sagen.
ili. 2. Und ist diese Betrachtung desto nöthiger/ie mehr sie insgemein entweder gar unterlassen / oder doch obenhin rrzKiret/ und die Lehr-Satze von dem Wesen der Seelen nicht/ wie man wohl solte/ aus eigner Empfindligreit und Vergewisserung unsers Hertzens oder aus heiliger Schrisst/ als dem alleredelsten Buch allcr Bücher / sondern vielmehr aus dem unbe- dachtsamcn Vorurtheil/das man von denen blinden Heyden von Jugend auff cingesogen /hergeleitet werden.
I'K. z. Es ist ja wahrbafftig zu bejammern/ daß / da wir arme elende Menschen/ absonderlich aberwir/ die wir Gelehrte genennet werden/ inErkantniß unseres eigenen Geistes in Finstern herum tappen / und da der Geist des Menschen dillig wissen solte / was im Menschen wäre/ dennoch unsern eigenen Geist nicht kenmn; Wir doch so vermessen sind / daß wir nicht alieine in den unbegreiffuchen Wesen des unendlichen GOttes herum grübeln/ und dadurch/ izi
Gedancken nicht anbeten und darauff leben und sterben wollen / unvernünfftiger Weise/ ja ärger als wilde Thiere unter einander / verfolgen und selbige als ob sie Feinde GOttes und des menschlichen Geschlechts / oder allgemcineFnc- denstöhrer waren/ mit Feuer und Schwcrdt aus- z «tilgen trachten.
I'n. 4. Bey dieser Bewandniß aber/ist es so viel weniger zu bewundern/ daß es in dem Geheimniß der Boßheit auch hernach so weit gekommen/ daß man in der Lehre von Menschen selbst und von dem Wesen der menschlichen Seele eben so r^rznniti:et/und diejcnigcn/denenGOtt «twan auch hierinnen eine nützlichereErkantniß verleihet/ zu Phantasten/ oder auch schädlichen Ketzern machet; mithin aber die Erkanmiß sein selbst/ die doch allen Menschen ins Hertze geschrieben ist/ oder vielmehr die eitelen Phantasien des in Heydnischen Thorheiten verwickelten eigenen Gehirns / furGlaubens-Arlickc! aussiebet/ und die so solche nicht anbethcn wollen / ebenfalls verfolget. Denn de r Feind 'nnens chlic her Ruhe begrsifftgar wohl/ daß vo n der wM en Erkant- nch sein M st und seines Gei stes alle Weisheit äe^enMe / und wied^rstedct^derowMli denen/ Wel^WahrheitMen/ auffdas hefftigste.
^n. s. NunWe mäll ja wohl bey Untersuchung des Wesens der menschlichen Seele/ wenn man mit lauter Menschen zu thun hatte/die bereit wären/ das Vorurtheil menschlicher su^ I 2 rvi-i-
tzi Versuch vondem Wesen
concät und eigener Übereilung fahren zu lassem für allen Dingen die heilige Schlifft zur Hand nehmen / und^daraus ä pnori zeigen / wor- z' ^ - innen das Wesen des ersten Menschen nach seinem Leid und Seele bestanden; wie dieses Wesen durch den Fall verrückt/ und in den miserablen Zustand / darinnen es itzo steckt/ gebracht worden; Meine weil die gemeine Irrthümer von dem Wesen des Mnschen noch überall unter denen Gelehrten auff hohen und niedern Schulen herrschen/ und die Wahrheit von dem Wesen des ersten Menschen denen in solchen Vornrtheilen steckenden Menschen nicht alleine lacherlich / sondern auch wohl gottloß vorkommen mochte; So muß man das Heiligthum nicht für die in denen Stricken des Ehr-undGeld- Geitzes gefangen gehaltene zcmckische und neidische Hunde / noch die Perlen für die in dem Koch der Wollust sich weltzenden Saue werf- fm.
I'K. 6. Derowegen will ich mich befleißigen/ nach dem Vermögen das GOtt darreichen wird/a pMcn-isi'i und aus dem Grund/ den ein iedcr Mensch bey sich selbst befinden wird/von dem jetzigen Zustand der menschlichen Seelen etwa nützliche Anmerckungen anzuführen / und bewach den Nutzen derselben theils in Vermeidung allgememer Irrthümer / theils in Besserung unseres Elends/ in etlichen wenigen Exempeln zuzeigen.
des Geistes 7. Hauptstück. i;z
7. Ich werde mich aber hierbei) also verhalten/ daß ob ich schon nichts setzen werde / was nicht ein ieder Heyde wahr zu seyn beqreiffenkön- te/oderwas nichtaus denen ciemonlkrirren Lchr- Satzcn von denn Wesen des allgemeinen Geistes gantz deutlich Herfliesset; so soll doch auch alles der Lehre heiliger göttlicher Schrifft gemäß seyn/als welche das beste Buch ist / daßdasWcfen des Menschen am deutlichsten beschreibet. Ob es so dann denen Gedancken ^littoreüs. ?Iztc>ni!?, Lpicuri, >>enecX, L^ttetu, (!atles>6i und so weiter/naher komme / darum werde ich mich wenig bekümmern.
8. Jedoch bedinge ich mir/daß wo ich etwa nicht allenthalben deutlich schreiben / oder auch wohl eine Wahrheit nicht allzubedachtsiim aus der andern her leiten solte / mir es frey stehen solle / mich deutlicher zu erklären / oder auch mei^ ne Meynung in ein oder dem andern Stück zu ändern. Denn dieses ist in dieser wichtigsten marene der erste Versuch und Grund-Riß-
l'K. 9. Es wird aber veröffentlich diese Betrachtung am ordentlichsten können angestellet werden/ wenn man erstlich überleget/ worinnen der Geist des Menschen mit dem Geiste der andern Geschöpffe übereinkommet / und worinnen er von demselben entschieden sey.
' w. Das erste belangend / muß aus dem was bisher gelehret worden / etwas voraus gesetzet werden (1) daß alleCörpe-r bestehen aus
Iz einer
iz4 Versuch von Sem Wesen
einer mgrerie und doppelten Geiste/ncmlich aus einem sichtbaren und dann aus einem unsichtbah-- ren theils lichten theils lufftigen Wesen. 3.) . l'li. 11. <2 ^ Daß ^weyerley Cörper seyn: /?- himmlische und irrdische. b)Dic himmlischen sind entweder sichtbahr/als wie die Sternen/oder un- sichtbahr als wie dieHimmelö-Lufft. Die Jrr- dischen sind entweder dichte/ als wie die aus der Erden herkommenden Cörper sind/ oder fliessend/ wie die wässerichtcn.
1A. 12. DerLeib nun/ den der Mensch itzo hat / gehöret nicht unter die himmlischen/sondern die irrdischen Cörper/ denn er ist sichtbahr/ finster/ dichte / und vielen Veränderungen und Verderbungen unterworffen.
-z. Daraus folget/ daß der menschliche Cörper in solcher mzxmr stehe/ worinnen das meiste von materie, das wenigste von Licht/ und dieLufftinmittel-proporrion sey. c)
7K. 14, Derowegen bestehet auch der Geist des Menschen so wohl aus Mischung Lichts und Luffts/ als anderer irrdischer Cörper.
7KelI 15. Und ist dem nicht zuwicder / daß im Buch der Weisheit gesagt wird / daß die rohen Keute sprechen: Das Schnauben in unserer Nistn ist ein Rauch und unsere Vernnnfftiffein Füncklein das sich aus unfern Herizen reget. Wann dasielbige vcr-
lo-
s)Besiehedaö 5. Hauptsiuck n.;6. l>)f.Ha«ptMch o.Zf. c)^HaUPtMck cd. Z7. ZK.
des Geistes 7. Hauptstück. izs
loschen ist/ so ist der Leib dahin/ wie eine Loder-Asche und der Gel§r zusiaddert wie eine dünne Luffc. ci) Denn hieraus folget nicht/ daß unser Lehr-Satz unter die Lehren roher Leute gehöre-
1"n. 16. Der Irrgeist verführet nicht durch lauter irrige Satze/sondern er mißbraucht auch die besten Wahrheiten. Wiedie'Lugen/ ^'"1? darinnen die meisten Umstände wahr find / am gefahrlichsten und schädlichsten sind. Das / was ietzo angeführet worden ist nicht rohe/ sondern kömmt mit der Vernmiffr und heiligen Schrifft an andern Orten gantz übcrcin : eben wie die vorhergehende Worte/ damit sich die Rede dieser rohen Leute anfangt: üks !?? ein tury und mühfteiig Ding um unser Leben, e) Denn welcher Gottsfürchliger ?)cann hat nicht ebendasselbe geklaget?
1"b. 17. Gleich wie nun darinnen nur die rohe Lebre bestehet/ daß solche.rohe Leute aus der Wahrheit des kurtzen und mühseeligen Lebens derMcnschenschliessen:Daß/wenncinMe!:sch dahin sep/ jo stp es gar aus mir ihm / und rvifti? man keinen nicht/ dcraus den? Grube wicdcr kommen sty ; ^KngcfaKr näre der Menjchgebohreu/ u>?d fahre wlcder d«?hin I 4 "ls
^)5zp.il :.z^utherus hat an statt dcrVcrnunfft/Acde gcfttzct: Aber ich halte dafür/ dastaühicr dcs Grie chische Wort^-o^G^ fügiichcr für die vcrnüni/tiSe Seele genommen werde, e) 5^',n.v.l.
izs. Versuch von dem Wesen
als wäre er nie gewcst; 5) also ist auch das übrige nicht unwchrno ch gottloß.
I'K. ,8. Werkanlaugnen: daß nicht der Leib des Menschen dahin sey/wenn ihn die natürliche Warme des Hertzens und die aus demselben erweckten Gedancken verlassen? Wcr kan läug- nen/daß das Schnaubenmunscrer Nasen nicht ein Rauch sey/ und wie eine dünne Lufftzerflad- v.-i^x.. dere. "-Jenes können auch die kleinen Kinder im ^-6^ Winter sehen / und dieses spüret iederman gar deutlich auch im bcissen Sommer.
In. 19. Aber das ist liederlich / daß diese rohe Leute daraus schliessen / daß/ wenn wir wegsind/ kein N)iedcrkchrcn ftp / und daß es feste versiegelt st)'/ daß niemand wiederkomme/^) daß sie sich untereinander zur Üppigkeit und Wollust/Gewalt und Betrug/auch zur Ketzermacherey / das ist Verfolgung der From- iyen K) deshalb anfrifchen/ und die Hossimng Nicht haben/ daß einhelliges Leben belohnet werde / auch der Ehre nichts achten / st> lmsträ ssliche Seelen haben werden i) weil sie nehmlich ihre Voßheit ^nicht aberdieErkantniß vom natürlichen Geist des Menschen^ verblendet i) hat/ daß sie sich um das Manchen der göttlichen Rrasst/und um den Strahl der Herrligteit des Allmachtigen m) das ist um
die
f)idiiZ.v.i.z. ^) ikicl. v.f. ti) !lzlcj.v.6.-.!v, Yi^.v.ZI» w)Z^.VI!.?5,
des Geistes ?- Hauptstück. iz?
dieWeishcit/deren /Z.icht und Gwny/so von ihr K?het/»ttchtveriischet n) nicht bekümmert haben.
20. Die Form und das Wesen aller Cörper/sonderlich aber der irrdischen/ist ihr Geist/ denn er giebt ihnen in dem Saamen und ihrer Empfangniß ihre Gestalt/und tormiret denCör- per einen icden nach seiner Art/ er würckt in denen- ftlbennach ihrer Art/ und dadurch wird auch ein irrdischcr Cörpcrvon dem andern entschieden o)
21. Es ist in iedwedem Corper ein Geist/ aber es sind viel Kraffle. p.)
I'K. i!. Des Geistes Wesen kan man für sich selbst nicht erkennen / weil der Geist unsicht-- borisi/ unddiegrobe Sumligkeit des Menschen ohne marei ie unmittelbar nicht rühret.cz)
i'^. 2z. Man erkennet aber des Geistes Wesen verinittelst seiner Würckungen in andern oder unsern Cörpcrn/als welche in die Sinnlig- keiten des Gesichts / Gehörs / Geruchs / Geschmacksund Gefühls fallen.
1K. 24. Ob nun wohl nach unserm B<-- griff das Wesen des Geistes in lauter Krafft bestehet/s) so werden doch die Kraffter) auffzwey- crley unterschiedene Art betrachtet. Denn
Js em-
n) ilzici.v. I» o)?o^'MZ clnceiter«I,li.^rcüKinAVl, iZ,cc>-
psi-zruBesiehc das 4 HauptstückrK^z2.Sc56.Ilt.8.p.) Besiehecsp.4.tk.4.!8- zz. q) Besiehe cap.4. rü.zs, r)ä.tk,25, s) vici,c-i^.4^K.z.Sc 4, r) virluces.
iz8 Versuch von dem Wesen
entweder wird dadurch das innerliche Vermögen u) des Geistes verstanden / »der die aus diesem Vermögen entstehende thätlichen Würckun- Sen.x)
?>i, 2,-. So ferne die Krafftc vor das Vermögen des Geistes genommen werden/ ist nur eine Krafft/ gleich wie ein Geist ist / der alle Cörper beseelet / nenmch die Mischung von Licht und Lufft//) Warme und Kalte/welche alles in denen Cörpern thut und wircket 2)/ auch in diesen oder jenen Corper nicht wegen ftincs des Geistes Mangel / sondern wegen der Ungeschicklichkeit -und'Mangcl dss Cörpers/ nicht alles würcken kan. Wieetwan ein gefthickter Pfeiffer/ nicht auffeinen Strohpck/seiner Kunst unbeschadet/ pfciffen kan.
26. S> lerne sie aber in denen Cörpern in der That würcken / und in unsere Sinne fallen / sind es viel Kraffte nachdem vielfältigen Unterscheid derCbrper. Also ist eine b.'fft/ und sind doch unterschiedene Thone im Pfeiffen/uach unterschiedener Art der Instrumenten.
27. Ob nun wohl der Geist der Steine das in den Steinen nicht t'iun ran/ was er in denPsiautzen/ und in dieftn nicht/ was er indcn Thieren wÜ!ckct/ss ist doch einGcist derMetallen/
Stei-
u) pocsncis-.x)zÄu5. y)oder vom Licht und Schatte»/ denn die Lufft ist eigentlich der Schatten selbst/den dic m-lcerie von sich lvirsft cl,.44- 45-^
c«j' 4.t>i,4.Sc c^>.s.ttl ö/.lic.f. '
des Geistes 7. Hauptstück. i?9
Steine / Pflantzen und Thieren / der aus des Schöpffers freyen Willen dey der Schöpssung das GebvtvonGOtt bekommen hat/ allerhand Cörpcrzuformiren/einen ieden nach seincrArt/ und indenenselben hernach unterschiedene Wür- ckungen nachdem ihm vonGOttgesetzten Maaß/ Ziel und Gewicht zu verrichten.
Hi. 28. Daß also der Geist dißfalls nichts vondermareris leidet/wenn er gleich nicht alles iniedermarene ausrichten kan/ sowenig als die KraA eines Menschen etwas leidet/wenn er keine Drcchsclbanck hat/ sondern wenn der Geist hiebey etwas litte/ so rührte das Leiden von GOt- tes Ordnung her / daß er ans den Saamen einer Mmitze kein Thier/und aus den Saamen eines Haastn keinen Löwen machen dörffte/ wenn er gleich konte oderwolte.
1"K, 29. Also ist nun nach obiger Auslegung ein Geist der in Steinen ist/auch in Pflantzen und Thieren / nur daß derselbige eine Geist unterschiedene Grade der Mischung von Wärme und Kalte nach Ordnung des Schvpffers besitzet / und also nicht von unterschiedenen Wesen / sondern nur von unterschiedenen Graden ist«)
Hl. zo. Wcmnenhero auch vielmehr folget/ daß der Geist / der m einer Pstantze z. E. des Jsops ist/ nicht von dem Geist der andern Pflantze z. E. der Cedern/ und der Geist in einem
s)c->x.5.t!i.ZS. 40.
140 Versuch von dem Wesen
mm Thiere z. E. einer Mmch / nicht von dem Geist des andern Thieres/z.E. eines Lowens wesentlich / sondern nur nach dem Grad der Mischung unterschieden sey.
?i. Wie es denn auch eine gleiche Bewandtniß mit der mzrerie der Corper hat/ welche auch cinesWesens ist in allenCozpern/wie denn auch alle irrdischen Corper in der resolmi. vn wieder zu Swub und Asche / daraus sie entstanden sind/ werden.
z-. Dannenhero obwol auch unter denen Gcschopssen und folglich auä) unter denen Corpern eine sietswehrende Kette anzutreffen/ dergestalt daß immer ein Corper den andern in einem gewissen Grad übertrifft / so werden doch nichts destowemger die gantzen Corper/das ist diemgcei-je, so ferne sie mit dem Geist vereiniget ist/ in unterschiedene Arten und Wesen ^eingetheilet.
H'. zz. Diejenigen werden unter eincr- ' 5s. key Arl c) gerechnet/ die nach der Bildung der marerie einerley 6gur und nach der Regierung des Geistes einerley Krafft/ Tugend und Wür- ckung haben. Und die in diesen beyden Stücken unterschieden sind/sind auch'unterschiedener Art.
I'K. Z4. Die unterschiedene ügur ist zwar sichtbar und eine Beschaffenheit der marerie,
aber
t>) ciiKerunr non folum ^roäu le^ lj>ecie. c) 5um esciem txecis»
des Geistes 7. Hauptstück. 14!
aber ihre Bildung rühret von dem Geiste her / und ist ein Zeichen/ nicht aber/wie die mecl^l- nische?lü!o5optuc lehret/ eine Ursache / was der Geist in demselben Cörpcr würcke/ wie denn auch der Geruch / der Geschmack und das in die Augen und unter das Gefühls fallende Bnm des Cörpers Zeichen sind / was für Nutzen oder Schaden der Geist dieses Corpcrs einem andern Corper zu tbun vermöge.
35. So sind demnach die Mür- ckungeu desGcistes in denen irrdischen Gescböpf- fen zwcyerley / entweder allen Arten derstiben gemein / oder auch einer iedenArt oder etlichen eigen.
Hi. Z6. In allen irrdischen Cörpern wur- cket der Geist dieses / daß sie alle vermittelst der euserlichen Sinne begriffen / das ist / gesehen/ gehöret / gerochen / geschmacket und gefühlet werden können.
z?. Denn ein ieder irrdischer Cör- per hat eine gewisse Kgur, die mit Augen gesehen werden kan/ er giebt einen gewissen Klang von sich/ ein ieder hat einen absonderlichen Geruch und Geschmack / und kan auch durch das Gefühle ein Unterscheid unter ihnen erkcmdt werden.
I'n. z8. Unv hat uns GOtt die Sinne dergestalt zum Erkäntniß des UnterschüdL..d^r Cörper verliehen / daß wir bald bey diesen das Gesicht/ bald bey einem andern das Gehör / u.
' '> -.^ l ^W.
-4» Versuch von dem Wesen
s. w. zur Prüffung brauchen sollen / cl) weswegen wir uns wohl hüten müssen / das? wir mit denen neuen ?nilvlopki8 die Sinnein Erkäntniß der Cörper nicht gantz weg werffen e)
?n. z?. Durch das Gesicht erkennen wir nicht allein die Farbe der Cörper/ sondern auch derselben Grosse und Dicke/ mit einem Wort/ wie der Geist die Cörper auff unterschiedene Art ausgespannet / und nach Anleitung der euferli- chen6?ur gebildet habe.
^K. 40. Und biethen die zwey eusertiche Sinne des Gesichts und Gefühls einander dergestalt die Hand/ daß obwohl die Farbe eines Dinges / die aus der innerlichen Würckung des Geistes in die euscrliche Theile des Cörpers herrühret/ eigentlich für das Gesichte / und nicht für das Gefühl gehöret / wiederum die Grösse und andere Beschaffenheiten der 6Zur eines Cör- pers auch in finstern mit Handen betastet und erforschet werden kan/ dennoch bcy einem Sehenden nicht allemahl nöthig ist die Grösse eines Dinges mit Händen abzumessen / bey einem Blinden aber das Gefühle öffters die Stelle des Gesichts vetritt/ und er vermittelst desselben auch die Farben'eines Dinges zu unterscheiden weiß.
^.41.
6) besiehe Einleitung zur Vernunfft-Lehre. -zp. 6. rli.
57- 58-59. , , '
»)Bes- Einleitung'zur Vernunfft-Lehrec 6.rü.-6.^.
des Geistes 7. Hauptstuck
^K. 41. Weil aber die ?liil»l«plüe nicht denen Blinden zu gefallen / sondern für die Sehenden geschrieben ist / so lassen wir die gemeinen l^ilolopli^ verantworten / warum sie für die Grosse und Dicke einesDinges eine eigene Llalse gemachet f) da sie doch allbcreits zu der Vorhergehenden ^) alle Beschaffenheiten der Cor- per die vermittelst der Sinnen begriffen werden/ ja auch die üZur derselben die doch nichts anders als die Endigung der Grösse und Dicke ist/ gebrachthaben / und also keine gründliche Ursache geben können / warum sie die eör- verliche Dicke und Lange aus der Classe der cör- perlichen Beschaffenheiten ausstossen wslten/ wann erwan dieselbe spatzieren gienge / und sich in der Wiederkehr in das (Zuarrier derBcschaf- fenhcttverirrete.
I'ii^ 42. Was den Geruch und den Geschmack der Dinge betrifft/ zeiget die Erfahrung/ dasi dicselbigen aus der innerlichen Wmckung des Geistes ihren Ursprung nehmen / indem vermittelst des Feuers aus allen Cörpern/ auch an denen :nan sonsten keinen Geschmack und Geruch mercket / ein mit sonderlichem Gcsthmack und Geruch begabtes Wasser oder Oehl/ oder Saffr heraus gezogen werden kan.
1r>. 4z. Und wann man auch dasjenige von der marerie, so nach dem tMiiiiren zurü- _______cke
5)xrN6lcamsltrum Hu»iirirztis Sij pr»ciiczmenru»z Huzlicsu«« K) «erminsn» ^u»nt>r»rix.
?44 Versuch von dem Wesen
ckeblcibet/und c^mmürmum genennetwird/ recht durchlauget ,/ wird man leicht befinden/ daß nichts so genau abgezogen werden könne / darinnen nicht noch etwas von Geruch und Geschmack / als Anzeigunge eines beywohnenden geistigen Wesens übrig bleibe.
I^K. 44. Und überlasse ich denen (Ui/micis zu untersuchen/ ob nicht in allen solchen reloj- virrcn und gleichsam getodteten Cörpern und czpmbusmoi-rms zlim wenigsten einemzZneri- sche Kmfft übrig bleibe/ aus der Lufft oder was- ferichten tuiz^nrien sein zlimenc wieder an sich zuziehen/ welcheKrasitvhncGcistigkeitnicht begriffenwerden kan.
45. Diese Betrachtung giebt uns Anleitung ferner zuerwegen / daß nach denen unterschiedenen Würckungen des Geistes in allen indischen Cörpern dieselben in zweyerley Zustand betrachtet werden können / nach dem Zustand ihres Lebens und ihres Todes.,
l'K. 46. Und zwar ist davon kein Zwcif- fel/ was unter denen irrdischen Geschöpftem die Thiere und Pflantzen betrifft; aber bey denen mersllen / Steinen und minei-Mnwird davon insgemein gezweiffelt/ weil man lehret/ daß diese Cörper niemals leben oder gelebet haben.
?K. 47. Dervw^gen ist zu wissen/daß weil unter den irrdischen Cörpern immer e:n»r vollkommener ist als der andere/ das ist/weil derGcift in einem mehr Würckungen verrtchtet/alö in dem , ......,......^ .an-
des Geistes?. Hauptstück. 245
andern/als wird auch die Wirckung des Geistes/die zwar in einem jeden Eorper anzutreffen ist/manchmahl nur von denen edlern gesagt/weil sie auch daselbst edler oder mit mehrern Mir- ckungen vcrgesellschafftct ist^
'r^. 48. Alss leben zwar auch die miner^- . Üen und Steine/ allein weil dieses ihr Leben oh- 55, ne Vorbringung einer sichtbaren Frucht oder Saamens ist/ wie in den Pflantzen/ alswird von ihnen gesagt/daß sie nicht leben.
Hi. 49. Aus eben der Ursache wird auch vffters das Leben nur von den Thieren/als noch edlcrn Geschöpften genommen / vor die Bewe-
, gungö,Krafft oder dergleichen. Als wenn die Sclirifft saget/ daß in der Gündfluth alle»
i untergangen ser/ was einen lebendigen dem hatte; Wenn gesagt wird: DesLeibes Leben/ ft)» in seinem Blute. Wenn von den abgehauenen Stücken einer Schlangen oder eines Aales/ die sich noch reget/ gesagt wird/ sie
! lebe noch.
^Ii.so.Es kcm auch wohl die Ursache seyn/ daß man denen Steinen und Mineralien das Leben abgesprochen deswegen/ daß selbiges nicht so fort in die Sinne fält : Denn gleichwie der menschlicheVerstandan den Sinnen allzusehr klebet/ und wir beehalben den unsichtbahren Geist vor nichts halten/wenn wir sagen / es sey nichts in einem Gefasst/da doch Lufst i» ist/also ist es auch vielleicht geschehen/ daß wir das Leben
K von
I ,4.:., ,.>.>i>
^«5
»46 Versuch von.dem Wesen
von denen Steinen und Mineralien nicht sagen/ weil es nicht so in die Augen fallet/ als wie vey den Pflantzenund Thieren.
51. Wer Geist ist eine lebendige Krafft/ weil aller Geist eine Krafft ist: Denn eine todte Krafft ist eine Unkrafft. Wasnun eine lebendige Krafft hat/ ist lebendig. Alle Cörper aber haben einen Geist. So sind sie auch alle lebendig. Und ist das / was Sirach i) sagt / daß alle Geschöpfte GOttes leben und für nnd für bleiben.
I'li.sz. Das Licht und Warme ist eine lebende Krafft aller Dinge. Die Kalte scheinet zwar eine todtendeKraffr zu seyn/weil sie alleBewsgung aufhebet/und viel Lörper vernichtet: Welches «vernicht so wohl ihrem Wesen/als dem LxLets des Gebrauchs zuzuschreiben ist/weil auch der Lx- cels des Lichts/das Feuer/vieles todter. Die mit Warme remperirte Kälte d. i. die mit Licht rem. xemte Lufft ist das Leben aller irrdischen Corper.
I'n. sz. Die Steine und Mineralien wachsen ja unter der Erden/ wie Berg-Verständige wissen. So müssen sie ja auch ein Leben haben. Weil man aber dieses wachsen und zunehmen ausser der Erde/ da sie von ihrer Mntter abgerissensind/ nicht mehr siehet/so hat man auch aus Unwissenheit fürgegeben/ als ob sie in der Erde nicht wüchsen/sondern nur von aussen vermehret würden/da uns doch das Exempel der Muscheln/
Auster»
i) c»j>.4!.v.24.
-5^- 4-A /
des Geistes 7. Hauptstück. 147
AusterN/ja der Zahne hatte lehren sollen/ daß steinigtMzrerien auch von innen he:aus wachse» tönten»
Die Steine und Metallen haben auch ausser der Erden eineKrafft bey sich/ das Leben andern Dingen zu erhalten/ geschweige denn/ daß sie nicht leben sotten.
i'K.sz. Jedoch wird das Leben eigentll'-» cher von den Steinen und Mineralien gesagt/ wenn sie noch unter der Erden sind/da sie noch wachsen/ und durch die Nahrung des Erden- Geistes zunehmen. Und also ist das Leben aller indischen Cörper eineKrafft undWirckung des Geistes/ dadurch entweder derCörper sichtbar- lich wachset/ oder doch in seiner Vereinigung er-k halten wird.'
56. Der Todr hingegen ist eine Uni krM/wenndesirrdiMn CörpersVercinigung ^ 67. entweder gar auffhöret/ oder doch die Krafft des Geistes abnimmt. Nach diesen letztern heißet es: Der Cörper stirbt oder fangt doch an zu sterben. Nach dem ersten Heisset es: Er ist schon todt.-
ik. s?. Wenn demnach die irrdischett Cörper nicht mehr wachsen/sondern abnehmen/ so fangen sie zwar an zu sterben/aber sie sind doch noch nicht todt/denn es ist auch denen )untten bekant/ daß das Sterben noch zur Lebens-Zeit gerechnet werde.
K z, 5K.s8.
^
148 Versuch von dem Wesen
l'n. 58. Esist aberwohlzu mcrcken/daß je unedler ein irrdischcr Cörpcr ist/je langer lebet er doch. Die Steine dauren in ihrer Vereinigung/wie auch dieMetaüen langer als djePswn- tzen/und die Baume langer als die Thiere.
Hi. 59- Gleiches ist auch abzunehmen/ wenn die Theile einesD-nges von ihrem gantzcn
' abgesondert werden/ welches sonst ein Mittel ist/ das den Todt des abgesondertenTheils zu befördern pfleget. Die Metalle und Cteine dämm auch am längsten a usser der Erden/ die abge« hauene Bäume nicht so lange/aber dv6) langer als ein abgesondertes Glied von einem Thiere.
60. Wie nun der Geist in allen irrdi-
- schcn Cörpern dencnftlben das Leben gicbet;Al- so istaussgleiche Meise dem Geist aller Cörpcr eine Sinnll'gkel't oder Empsindiigkeit zuzuschreiben/wiewohl auch diese Wirckung dieHeydni- sche PKilolopmenichtalleme Venen Mineralien undSreinen/sondern auch denen Pflantzen und Baumengenommen/und denen Thieren alieine zugeschrieben hat.
^n.6i. Und ob gleich die heutigen soxw furnehmlich in zwey Classen getheilet werden/ deren eine auch denen Bestien alle Simi- ligkeit nimmt/ welches die Cartefiancr thun/die andere hingegsn/derer ^rittorelicorum» denen Bestien zwar eine Sinnligkeit/aber dabey doch eine Csrperllcbe Seele zuschreibet ; so ist doch offenbahr/ daß sie beyds darin übereinkommen/
des Geistes 7. Hauptstück: 149
daß sie weder denen Bestien / noch Pflantzen/ - noch Mineralien einen Geist überlassen/ auch beyde die Lufft und Licht für was Cörperlichcs hatten.
"I'K. 6!. Was demnach die Cartesianer betrifft/ ist aus dem/ was wir in vorigen Capiteln gewiesen haben zu sehen/daß Licht und Lufft was geistiges sey. Und weil sie ohne dem der mit Licht angefülleten Lufft alle Bewegung bey den Thieren zu schreiben/ wird mmmehro gar leichte gefolgert werden können/ daß dieThiere von denen ZVlacmnen nicht nur darinnen entschieden seyn/ daß in denen Thieren der Licht-und Lufft-Geist mit ihren Leibern vereiniget ist/ die ^^Kinen aber, nur durchstreichet/ sondern auch/daß keine maLbi- junge zeuget noch junge hecket/ und daß also zugleich begriffen werden könne / warumb die ma- cm'nen keine Empfindung haben/ da doch die Thiere alles empfinden. /, , ,
1K. 6z. Was aber die ^Motelicc»? betrifft/ ist leicht zu erweisen/ daß die Pflantzen/ Steine und WnerMn nach ihrer Art auch eine Empfindlichkeit haben/ die wahchasstig ist/jedoch mit dem Unterscheid/ so viel die Anzahl der Sinne betrifft/ daß die Pflantzen und tVineraliLi^ nur fühlen aber nicht sehen/ hören/ riechen Md schmücken.
1^.64. Wir haben schon geroieftn/ daß ./x.^^ aller Geist lebe/ und also auch allen indischen Eörpem das Leben gebe. Nun sage mir aber'
K z, >kcmsi
ifs Versuch von dem Wesen
kcmst du dir wohl ein lebendiges Wesen einbilden/das keine Empfindligkeit habe ? Geist und Leben ist eines: ^lacene und Todt auch. Wie nun todt und unempfindlich seyn solche Eigen- schafften sind/die der Klacerie zukommen / auch an sich todt und unempfindlich eins ist; so ist Leben und Empfindligkeit auch eins.
6s. Empfinden heisset etwas mercken oder fühlen .1) Nun weiset solches auch die Erfahrung und kommt mit dem vorigen Begriffvon dem Wesen des Geistes überein. Der Lufft- Geist empfindet alsbald im Wetter-Glase die einrringende Warme/ und breitet sich aus. Sie empfindet dieihreingepresseteLufft und stösset sie von sich. Sie empfindet wenn einem spario oder Raum Lufft mangelt/ undbreiret sich aus/ziehet aber auch zugleich an sich/wie oben in denen ex^ perimenren zur Gnüge gezeiget worden.
^11.66. Und so hast du demnach an der eintzigen Lufft alle der sinnlichen Seelen sonst zugeschriebene drey Kraffte zu erlernen. So ferne sie das / was durch die Auspumpung und Ein- pumpung vorgehet/mercket/empfindet sie; m) so fcrnesiesich ausbreitet und zusammen ziehet/ beweget sie sich n) und so ferne sie anziehet und von sich stösset mit der gröften Begierde/ der keine Gewalt wiederstehen kcm/ kanst du ihre Begierde erkennen.«) ____^K.
!) percipere. m) iencic, locomyver, o^^eutLc.iuZit,
des Geistes 7-Hauptsiück. ,51
67. Diese Kraffte nun theilet auch der . allgemeine Lufft-Geist allen irrdischen Gcschöpf- ftn mit. Die k^inerglien. ^/lersZIen und Steine empfinden den Nahrungs-Safft unter der Erden/ und ziehen ihn begierig in sich/ bekommen auch dadurch ihren Wachsthum und Ausbreitung; Ja sie ziehen auch sichtbarlich zuweilen andere Dinge an sich/ oder stossen sie von sich / wie andcm mIFnerzusehen/und durch 100. andere experimema mit dem Quecksilber und andern Kleinen erläutert wird.
Hi. 6Z. Die Pflantzen und Baume empfinden ihren Lebens-Safft/ saugen denselben in sich/breiten sich aus/bringen dadurch Frucht und Saamen hervor; ihre Liebe und Haß oder ihre Begierden werden durch so viel tausend Exempel dargethan derer/die äss/mparKiaLc znripgrkiz reruin geschrieben haben> Denn die iympgclne ist nichts anders als die Liebe des Geistes der Pflantzen/ Mneralien und Thiere/ und die anri- xackieihrHaß.
Weil aber der menschliche Verstand die Wirckungen desselben nicht allemahl siehet und mitHandsn greiffet/ auch das unsichtbare geiftltge Wesen"gar nicht begriffen / Kater^>i seine Unwissenheit oder Irrthümer zu bemänteln 5 - zu denen yuzlicgridus ocLuKis seine Zuflucht genommen.
I'n.yo. Ich begreisse gar leicht/ daß dir dieses alles wunderlich/ wo nicht nämschvor-
K 4 kom-
i>t ' Versuch von dem Wesen
kommet. Aber alle deine Verwunderung rühret daher/daß du den allgemeinen Geist bißher nicht begriffen. Denn es folget von.sich selber/ wann die Mineralien, Pflcmtzen und Thiere nur materielle Dinge si'yn/ so können sie keine Em- pfindligkeit haben. Denn mgrerie empfindet nichts.
Ln. 71. Ich aber wundere mich vielmehr u- berdich/ wie du denen Bmnnen und Pflantzen nach deiner irrigenMeynung ein Leben ohne Geist/ und denen Thieren eine Empfindligkeit ohne Geist zuschreiben können. ^acerie ist ein todtes unempfindliches Wesen. Derowegen ist em marerielleL Leben ein todtes Leben / oder ein Leben ohneLeben/und eine mareneüc Empfindlig- keit/ ist eine unempfindliche Empfindlichkeit. Wer ist nun mehr Verwunderung s oder äuöla-. chungs würdiz/ der/ so wohl an einanderhangen- und aus einander fliessende Dinge lehret? 0- der der/ so einander widersprechende Sachen vvrgiebet?
^K. Sprichst»: Warum schreibest du dem allgemeinen Welt-Geist nicht auch endlich gar Verstand und Willen zu? Dieses bin ich auch nunmehro zu thun willens. Denn es folget ja auch dieses nunmehro von sich selbst. Wo ein- Sinniigkeil / und Mar eine thätliche Smnligkeit ist/ da muß auch.Verstand oder doch zum wenigsten nichts unverständiges seyn. Und wo wahrhafftige Begierden seyn/ da muß auch Nothwendig ein Wille seyn. ^n»
des Geists 7. Hauptsmck. r5Z
l'rr. 7z. Bist du so kühne/ so beschreibe mir doch die thätliche Sinnligkeitder Thiere/ und ihre sinnliche Begierden. ^ Kanstu keine deutliche Beschreibung geben / so musiu gestehen/daß du was bqahet/ daß du selbst nicht weist was es ist/ nemlich/ daß du was unvernunff- tig bejahet hast. Giebstu mir aber eine Beschreibung/ so wird entweder meine Lehre heraus kommen/oder eine materielle Smnligkcit und eine materielle Begierde. Auffden ersten Fall ^ habeich was ich will. Auffden andern Fall wirstu gestehen müssen/ daß dir deine Lehrmeister wiedersprechende Dingein den Kopffgebracht; Denn eine materielle Thätligkeit und eine ma- rerielle Begierde ist eine leidende Thätligkeit und ein leidendes Wollen.
1^.74. Und was meinstu? Ein Gesihopffe/ dasGOttcs Willen genau in acht nimmt/und seine Ordnung allezeit beobachtet/ solte dasselbe wohl unverständig seyn ? Solte ein Meister /der allezeit sein Werck nach einer gewissen Ordnung verrichtet/ und daran kein Mangel zu spühren^ist/ ^ nicht ja so vernünfftig seyn als sein Lehr-Iunge/ vhnerachtet dieser bey sich ein Vermögen hat/ dergleichen Werck zn verderben?
IK. 75. Hastu nicht von einem Künstler gelesen/ der alle andere Künstler gegen eine grosse Wette ausfoderre/wer dqs künstlichste Meister^ _____ As stücke
x) Lozniti^nem z^ivnm ic>,llizlem, ^) ^^etirmn iLstsitivum,
15 4 Versuch von dem Wesen
stücke machen wurde/und da die andern mit ihren gekünstelten und kostbahren U-icKinen auffgezo- gen kamen/ dennoch denPreiß davon trüge/ da er aus freyer Faust mitKreide einen Circkel mah- lete/ an dem nichts zu tadeln war/ und kurh dar-- auffauch aus freyer Faust den Mittel-Punct hinein setzete.
76. Was haltest» abervon dem Geist der Bienen/der nicht einen/sondern viel hundert sccurzrs Sechs-Ecke ohne Circkel/und von dem Geist der Spinnen / der ohne psrzIIei-Linial in feinem Gewebe lauter accur^re pzrallej -Linien macht/ und in seinem künstlich gewebten Viel-Eck das Lenrrum selbst zu der Spinnen Wohnung machet.
I'K. 77. Ja sprichstu/die Spinne thut dieses ohne Verstand/ denn sie thut es der Natur und ohne Nachdencken/und kan nicht anders thun.
IK.7-Z. Mein sage mir / warumb lehrestu/ daß der Mensch/wenn er im Stande der Unschuld blieben wäre/ so vollkommen würde worden seyn/ daß er nicht mehr hätte sündigen rönnen? Oder ister heute vollkommener weil er sündigen kan ? Warumbist denn nun nicht auch der Geist verständiger/ der nichts ungeschickts machen kan/ als der/so mit grosse:Mühe was geschicktes macht/ und eineelende Freyheit hat/mehr ungeschickte als geschickte Dinge zu verfertigen ?
^'.79.
"'5'8 - ' -r,«...,^^^, -
des Geistes 7- Hauptstück »ss
^-79- Warum sprichst» nicht vielmehr/ daß ein Unterscheid zu machen sey unter einem Geist/der von Natur und der durch mühsame Angewohnheit vernünfftige Dinge zuwege dringet. Aber ist das natürliche nicht edeler als daS angewöhnete.
I'K. 80. Ein künstlicher Mahler mahlet aus freyer Faust und ohne sondercs Nachdcncken eine Abbildung die der Natur sehr ähnlich fällt. Der Lehr-Junge circkelt und künstelt/ und trifft es doch nicht. Wer ist nun unter diesen beyden der Klügsie? OhneZweiffel nach deiner Meynung der Lehr-Junge. Denn der Meister macht sein Bild yhneNachdencken/und plaudert wohl dabey.Der Junge aber denckt nach und ist erpicht/ daß er drüber schwitzt.
I'K. 8'. Es ist wahr. Der Geist der Me, talle/Pflantzen und Thiere kan keine LlümXrcn ^ 7?. und SylloAilmo-; machen/ deswegen sprichst»/ hat er keinen Verstand. Aber er macht hingegen Demanten/ Rubinen/Cedern/ Elephanten/und dein Verstand kan nicht eine Lauß machen: Er macht lauter con^Iullones die feinen Cörper und dessen Daurung unterhalten/ und dein Verstand rechnet Dinge aus/ da das K,cir offt an Galgen kömmt/und machtkünstliche 8^!Ic>Ai5mczs, in deren LonLiusion der Todt ist-Mein-welcher Geist ist nun weiser?
'rk. 82. Ja wendestu ein: Was will aber aus dieser ?diIolopnie werden ? Wenn der Geist
m
!s6 Versuch von dem Wesen
in allen irrdischen Törpern lebet/ empfindet/Verstand und Willen hat/ so wird ja aller Unterscheid- unter ^ü^er-ilien/Bäumen und Thieren auffge- Koben. So würde ja folgen/ daß alle irrdische Cörper nur einerley Art wären? Mit. einem Wort/daß alle ^linei-glien/Psiantzen und Thiere eins waren? Welches ja der Vernunsstund Erfahrung zu wider ist.
^^8?- Wer hat dir aber das gejagt/ daß ich den Unterscheid der Arten auffheben wolle? Laß uns nur erst einig werden/worinnen der Unterscheid der Arten irrdischerCorper besiehe, Ist es nicht wahr/theils aus der unterschiedenen Bildung / theils aus der unterschiedlichen Krafft und Tugend? Ein Hund ist deshalb kein Pferd/weil sie unterschiedene Bildungen haben/ und unterschiedene Dinge verrichten. Ob es eben das bellen und wichern ausmache/will ich itzo nicht, mit dir streiten. Ein Windhund und ein Frauen- Zimmer Hund sind unterschiedene Arten/ weil sie unterschieden gebildet sind und unterschiedliche Dinge verrichten. Mit einem Wort / weil der. Geistdemeinen Eörper «ine andere Pildung gegebenhat als dem andern/aus welcher Bildung denn die unterschiedene Wirckungen des Geistes als aus sichtbaren Kenn - Zciclxn ju erkennen find.
I'K- 84. Was demnach einerley Bildung bat/ist einerley Art/und hat einerley von Natur würckenden Geist. Was unterschiedene Bi'^
düngen
des Geistes/. Hauptstück. 157
düngen hat/istunterschicdcn-'rArt.Diinncnhero werdieNatur eines DcmantS oder Kieselsteines/ eines Slückgen Golds/ oder Bleves/ einer Mauß oder eines Löwensweiß/ der weiß auch die Natur alier Cörpervon eben solcher Art. In so wcitsind wir nun einig/ und nimm dich nur in acht/ daß du Don dieser Warheit nicht abweichest/ ich will wohl di'bey bleiben.
''I'ii gz. Die iVlinerl-ücn/Steine und Metallen/ sind nicht nuralleine unter sich der Bildung und Würckung naä) entschieden/ sondcrn eine jede Clcisse'wird auch wiederum!? in unzehli-^"^ ehe Classtn eingetheilet/ die alle unterschiedene ^ Bildungen und Würcku»igen des Geistes haben/ ob schon in allen ein empfindlicher und ver- mmfftiger Geist wohnet-
Nur ist eszu bedauren/daß wir dieselben Wirkungen nicht wissen / weil wir nicht wissen/was die Zeichen dcrBildung bedeuten. Und hierinnen bistu selbst mit mir einig. Denn du gestehest/daß man die tormaZ lubttan- rmles nicht wisse.
^.87. Eben so ist es auch mit denen Bäumen und Thieren beschaffen.
1"n.88- Es sind aber nach meiner ?Iiiio- iopnie die Pflantzen und Baume von denen Mnerslien auff vielfaltige Art unterschieden. Denn erstlich tragen jeneFrüchte und Saamen/ diese aber nicht; jene wachsen über der Erden/ Sicse unter der Erden; jener ihr Cörper ist nicht
!s8 Versuch von dem Wesen
so harte undkan eher verbrennet werden als die, ser u.s- w.
l'Ii. 89- Was die Baume und Thiere betrifft/daurct zwar/als obgedacht/ das Leben der Bäume langer als das Leben der Thiere; aber jene bewegen sich ni6)t also als wie diese/ und brauchen deswegen kein Gehirne nochNer- vcn u^s.w^ Ihre Empfindung ist nicht so vielfältig als dieser; Denn sie sehen/ hören/ riechen und schmecken nicht/und haben also auch keiner Ohren/Augen/ Nasen und Mund vonnöthen. Es dürstet aber doch undchungert jene so ivehl als diese/aberauffeine andere Art/ drumb haben sie keinen Magen noch Schlund u.s.w.
1^.90. Aber wir müssen noch in einen Stück einig wervm/ehe wir die bisherigen Spitze auffden menschlichen Geist appliciren. Mas meinesiu wohl?Wie viel Seelen hat einHuM oder ein Affe ? hat er eine oder viel Seelen? Ich glaube du werdest leicht antworten - Er habe nur eine Seele/ ob er schon vermöge derselben so wohl sein num'menr annimmt/ und taglich den Leib und seine Kraffte dadurch vermehret/ alsauch die Sinnlichkeiten des Gesichts/ Gehörs u.s.w. ausübet.
^n.pl. Soltestuabervorwenden/eswa^ re gleichwohl die Krasst der wachsthümlichen Seelen/ von der Krasst der sinnlichen / ihren Würckungeu nach unterschieden/und weil Geist And Krasst eius wäre, so müßen auch in den
We-
des Geistes 7. Hauptstück. 159
Thieren zwey unterschiedene Geister oder Seelen seyn/ weil zwey unterschiedeneKrafflewaren-, So würde ich dir anfänglich nur dieses zu bedenckcn geben/ daß nach deinen Schluß in allen Corpcrn/die unterschiedliche Theile oder or- ^anz haben/nicht nur zwey/sondern so viel Geister als unterschiedene »rMnz oder Werckzeuge des Leibes sind/seyn müsten.
^n.92.Dcnnes ist z.e.eine ander Krafft in den Thieren mitden Augen zu sehe»/eine an/^ dere mitden Ohren zu hören u. s. w. eine andre ^ in dem Munde die Speise zu kauen / eine andre in der Gurgel sie zu verschlingen/ eine andre in dem Magen zu verdauen u.s. w. eine andre in den Handen zu greiffen/ eine andre in den Füssen zu gehen u.sf. Und gewiß/wenn ein Thier mehr als einerley Seele haben soll/ wird e6 viel vernünfftiger seyn/ Ihm so viel Seelen zu geben/ als der Leib Werckzeuge hm/ als nur etwa Ihm zwey oder drey Seelen mitzutheilen.
9z. Und weil demnach etliche kluge pjülosoxki, als Irlelmomius, DolXus und andre unterschiedene Seelen/ und ihre Hauptsi- tze in denen Cörpern der Thiere zehlen/ oder würcklichso viel Theile als Werckzeuge ttarui- ren/auch vielleicht daher die gemeine Meynung inderNatur-Kunst von den drey Bauchender Thiere ihren Ursprung mag genommen haben/ diese aber mit denen die eine Seele behaupten
-<5o Versuch von dem Wesen
inderThatnicht streiten/als wie die/ die etwa zwey Seelen dich ten wollen; Als ist nöthig daß diese Lehre ctwcis weiter hergeholet werde / weiches einch fürnehmlich dazu destomehr dienen wird/ den bißheroffterwehntcnScitz: Daß ein Geist und viel Kraffre seyn/ desto besser zu,ver- stehen.
Eins und viclt) wird einander entgegen gesetzt: Angleichen eins und unterschieden«). Der Unterscheid unter viel und unterschieden wird allhicr von uns ni6)t weiter anzu- mcrcken seyn / als daß das unterschiedene hauptsächlich gesagt wird/ wenn man zweyer Dinge Natur und Wesen gegen einander hält/ vielabe.rwenn man unterschiedene Dinge zch- let/ daher auch die Vielheit insgemein von mehr als zweyen Dingen gebraucht wird. Von dem einen aber ist bekandt/ daß es weder eine Zahl mache noch auch einen deutlichen Gedancken bey einem Menschen erwecken konne/ob es gleich der Anfang alles zehlens und aller Gedancken ist.
I'K. 95. Eins und viele werden anders von der puren Materie/anders von puren Geist/ und anders von Cörpern gesagt/die wir oben r) gezeiget haben/ daß sie aus Materie und Geist zusammen gesetzt sind.
7n.6?.
r) Unum A mulrs, z)Unm»leuIäcm üiiversü. -) c.z^4. s.
dis Geistes 7-Hauptstück. i6l
96. Die pure Materie ist nichts u) und also weder eins noch viel / sondern der Ziffer oder Null in zehlen gleich. Und was wol- te sie wohl seyn. Sichtbar ist sie nicht / denn ihre Natur ist finster / und wenn kein Geist da ist/ so ist auch kein Licht da daß man sie sehen kdi:.ne. x) Unsichtbar ist sie auch nicht/ denn sie ist kettl Geist/ und der Geist macht daß sie gesehen wird. Ja die pure Materie ist niemals etwas gewesen / weil die erste Materie nothwendig durch/in/und von dem Geist hat müssen eine Gestatt kriegen und erhalten werden. 2)
^K. 97. Jedoch ist es vernünfftiger und vermuthlicher/"daß n?an die erste Materie sich j> - ^. als einen ungeschickten grossen Klumpen und Massa einbilde / der hernach von Geist in unterschiedene Gestalten geformetworden/ alsdaß man sich die erste Materie als viel Millionen klei- nerDinger/ (doch was sage ich Dinger/ kleiner Nichts / doch was sage ich kleiner Nichts/ da doch Nichts weder klein noch groß ist / als viel Millionen Nichts/) einbilde. Denn die Nulle kommt der Eins viel naher / und viel Millionen Nullen sind der Eins viel näher als der Vielheit: Denn Nulle muI^pIiLiret nichts. Und dieses kommt auch der Scyrifft näher.
L 1^.89,
u) c.ip. 2. rk. Z.4.Sczp,4,rIi.is. x) c.4. rk. 7« y) c. 4. tk. 7.» c, f. rl,. gf. 1,'t. L. 2) II.
" c4.rIi.4W-S: ^M.. .
i62 Versuch von dem Wesen
^K. 98. Die das Gegentheil sich eingebildet/oder noch einbilden/ haben dannenhew etwas zum Grunde gcsttzt / das so wohl der Bernunfft als Achrifftzuwieder ist. Worein sie veröffentlich nicht verfallen wären/ wenn sie nicht den Haupt Irrthum geheget/ daß sie aus einem pur leidenden Wesen alle Bewegung herleiten / oder diese bald aus bissen dencken/ bald aus blossen drücken / und endlich aus weiß nichtwas hervor bringen wollen / und also mehr um die Materie als um den. Geist besorgt gewesen.
I'li. 99. Diese Betrachtung giebet uns auch Anleitung zuerkennen / oaß es eben so unförmlich gehandelt sey/>. Was demnach die sichtbarm Cörper betrifft/ so heisset mctn etwas einen Cör--
per
») conf. c.).t/i.»o.»!.
des Geistes 7. Hauptstück: isz
per / der durch den einwohnenden Geist vereiniget ist/ und dessen Grantzen man entweder sehen/ oder doch mit denen Gedancken begreiffen kcm. Und also ist der Cörper nicht eins / sondern ein Cörper d) mit einem Wort ein Gan- tzes. Und viel Cörper sind viel Dinge/ deren ein iedes vereinigt oder ein Cörper ist/mit einem Wort viel GcMe.
I'n. iOl. Das gantzehatviel Theilt. Also hat auch ein irrdischer und schattichter Cörper (den wir zu erst betrachten wollen)viel Theile/ welche wieder zu gantzen werden / wenn die Vereinigung auffhöret/und die Theilung würck- lich geschiehet. Also hat ein Cörper viel Theile aber nicht viel Kräffte.
I'K. iv!. Alle irrdische und schattichte natürliche Cörper haben Theile von unterschiedener Natur/Gestalt/ Figur und Gebrauch/c)'wel- chcs man an Thieren / Pfiantzen und Bäumen ? siehet/ von denen Steinen und Metallen aber, denen Berg-verstandigen bekandtist.
I'ii. > oz. Von diesen sichtbaren und schat- tigten Cörpern ist es unstreitig war/daß^.dreymahl Eins nicht Eins sondern drey seyn müsse. Daß ist Eins und viele wiederspricht hierinnm «in ander.
I'K. 104. Und können auch natürlicher Weise aus einen Cörper wohl unterschiedene
_ , , L 2, __ we r,..
non Numerus numer»ns, isti nur»ersrur. 6) j>»rc«« ^ÄmiliiL«»«
i6ch Versuch von dem Wesen
werden durch die Theilung. / nicht aber leichtlich aus unterschiedenen Eines. Jedoch gehet dieses schwerer in den Thieren und Metallen/ auch Steine!? an. Denn in Bäumen und Pfiantzen weiset die Pftopffung ein anders/wiewohl erstlich müfte untersuchet werden / ob die Pfropffung.nichtmehr zur Kunst als zur Natur zu rechnen sey?
105. Bey denen durchscheinenden und fließenden waljerichten Lorpern ist es auffgleiche Art beschaffen. Nur daß ihre Vereinigung wegen der Fließigkeit leichter auffgehoben/ und ihre Endigkeit oder Gmntzen nicht wohl ohne irrdlsche Eorper begriffen werden können.
106. Also wird auch die Einheit und Vielheit allhier mehr von denen indischen Ge- fassen darinnen sie behalten werden / als von ihnen selbst benennet. Ich sage nicht drey / vier/ fünff Weine / sondern drey/vier/fünff Tropf- fen/ Gläser/Eimer/ Fuder Wein.
?Ii.io7. Die Flüsse bekommen ihre Namen/ nach denenOertern der Erden dadurch sie fliesten.
l'n.ioZ. Jedoch wird auch ihre Unterfchie- denheitvon der unterschiedenen Krafft des ihnen beywohnenden Geistes angezeiget. Das ist/ob gleich ihre Theile einerley Figur haben chwor- innen sie von denen irrdischen Cvrpem entscheiden sind / so haben sie doch unterschiedene Farbe / oder Geruch / oder Geschmack. Z. E.
rother
«i) p»rte« limilsrs?.
des Geistes 7, Hauplsiück. ,6>-
rother und weisser Wein/ das Wasser zu Halls/ Leipzig u.s.w.
109. Wie sie nun leichte getheilet werden kvnnen/ohne zu sterben oder ihre Krafft zu verlieren/ ( wie bey denen Jrrdischen geschiehet/) so können sie auch leicht vereiniget werden / und ihre Krafft vermischen/ z. E. Milch/ Wasser/Wein.
> 10. Bey denen Jrrdischen kan man dieGrantzengarhandgreiffllch und augenscheinlich weisen; Aber bey denen fiüßigen kan dieses aufs genaueste nicht allemahl geschehen. Z. E. wenn man an einen Ort ist / da zwey Flüsse in einander gehen/ als wie zu Eüstrin/kan man wohl überhaupt sehen / daß zwey Flüsse ineinander lauffenv deren einer dunckler Wasser hat als der andere; Aber ich kan in pun^o nicht aeLu-^ ^ rar die Tropffen zeigen/ wo der eine auffhoret ^ 75, und der ander anfängt.
u,. Also siehest du daß bey dergleichen Corpern zwar nicht Dreye Eins/ und Eins nicht Dreye sind/ aber aus Dreyen leicht Eins / wiewohl nicht aus Einen leichte Dreye werden können/wenn nicht vorhero eine Vermischung geschehen.
1^. 112. Die lichten Corper als die Sonne und Sterne werden gleichfalls so ferne sie sichtbar sind/ nach ihrer Vereinigung/ Figur und Grantzen gezehlet. Der Sonnen Lovper mag in Umkreiß noch sogroß seyn als er will/ so ftden
L z wir
!66 Versuch von demWesen
wir doch seine Endigkeit und Gräntzen vermit- telstunserer Augen. ^
l'K. uz. Jedoch sehen wir die Gräntzen des unsichtbaren Geistes der einzigen Sonne nicht / ja wir begriffen auch nick)t vermittelst unsers Verstandes/ wo sich die Gräntzen dieses Geistes endigen / ob wir gleich begreiffen/ daß der Geist der Sonnen seine Gräntzen haben müsse. Denn es ist wieder die Natur/ daß ein endiger Cörper naturlicher Weise einen unendlichen Geist haben könne.
114. Indessen empfinden wir war- hafftig und wesentlich den Geist der Sonnen vermittelst der Sonnen-Strahlen/ und lernen also/daß der Geist eines Cörpers wesentlich und warhafftig einen Raum erfüllen könne / obgleich der Cörper aus welchen der Geist würcket/ viel hundert Meilen davon entfernetist.K)
l'n. ns. Eine gleiche Bewandnüß hat es mit dem unsichtbaren Lufft-Geist/ der in der Erden seinen Wohn - Platz hat / und dieselbe etliche Meilen / wiewohl nicht so viel/ als der Sonnen-Geist'umgiebet.
116. Hieraus wird nicht ohne Urjach geschlossen/daß auch der Geist ^v^ri^5 ^^5». ^ ^s/l^L^cc^ -
des Geistes 7. Hauptstück -67
unterschiedene Geister unterschiedener Cvrper ausser denenselben sich durchdringen und in dieser Durchdringung sich vereinigen.
I'K. 118. Wie nun ein Cörper deswegen einer ist / weil er vereiniget ist / also muß auch vrdentlich in ieden Cörper ein Geist seyn / ob er gleich durch den Cörper unterschiedene Kraffte würcket. Denn wenn diese Kraffte nicht vereiniget waren/so könten sie auch den Cörper nicht vereinigen.
in. 119. Ja w«l der Geist den Cvrper vereiniget/ und viel Cörper nichts anders als eine Vermehrung und Oiminuarion vieler ein- tzeler'Dinge sind / so folget auch daraus / daß"'^ diegezehlte Zahl eigentlich von denen Cörpern/' ^ die zchlende e) aber von dem Geiste gesaget- werde.
I'n. Ho. Also muß ich nun von dem Geiste/ wenn ick) ihn für sich betrachte / nicht sagen/ daß er eins/zwey/dreye/u.s f. sey/ sondern daß er Einheitund Vielheit sey.
I'K. 121. Denn der Geist vervielfältiget' wohl die Cörper/ aber er vervielfältigt sich selbst nicht/und tan auch deßwegen nichtwie die Cörper eigentlich gctheilet / daß ist zu unterschiedenen Gantzen gemacht werden.
Also ist eigentlich ein Lufft-und Licht--Geist der unsern Erdboden umgiebcr/ und alles/wo nicht macerie ist / anfüllet. Wenn ich
L 4 nnu
e) Numerus uumersrus ^ ^nmer^nz.
168
Versuch von dem Wesen
nun z. E. vermittelst dieses Geistes / aus dem Seiffenwasser unterschiedene Blasen mache / so werden zwar durch denselben zwey / drey und wehr Lorper / aber, es werden deßwegen nicht zwey/drey und mehr Lüffte.
I'K. »z. Und weil ich eigentlich kcincn Be-- griff von Wesen des Geistes habe/ als daß er alles/wo keine mzrerie ist/erfullet / und die marerie durchdringet/auch in dieselbe würcket/so ist auch der Geist in Ansehung der Erfüllung des 8pacii, eines Wesens / in Ansehung der Würckungcn aber/ vielfaltig. Und also ist es in Betrachtung geistiger DitM keine.comrgMtioi,, daß Einheit und Vielheit eins sey/ oder daß ein Geist und viel Kraffte seyn.
1A. 124. Also ist ein Geist der Sonnen/ der ex der Sonnen viel Meilen ausstrahlet/und doch ist eine Dreyhcit dcrWürckun- <7> gen in Ansehen anderer Cörper drinnen. Denn 'dieser einige Geist giebt denen irrdischen Corpern die Bewegung/ das Licht und die Wärme. Wel- che Dreyheit in der Sonnen eins ist.
l'n. 12s. Und ob gleich ein Geist subtiler ist als der andre,/ auch der Lichtgcist den Lufftgeist o^.- vurchdringet / so macht doch diese Durchdrin- <'^^gung in dem puren Geist keine Vervielfältig
' gung noch Streit/ sondern bleibt eine Lufft. ^. sc>5. ^ 126. Daß wir aber oben zwey dienstbare Geister gesetzet/einen warmenden und kalkenden/ ist abermahls in Betrachtung der sichtbar
des Geistes 7, Hauptstück. 169
baren Cörper geschehen / weil diese Würckungen nicht allein unterschiedene / fondern auch wieder- wärtige Dinge in denen Cörpcrn verursachen.
'I'ii. 127. Widerwärtige Dinge können nicht eins seyn / weil unterschiedene Dinge nicht eins seyn / und widerwärtige Dinge sind noch mehr als unterschiedene.
I'K. 128. Also brennet z.E. der Feuergeist die lautere Luffr nicht an/sondern soferne er selbe'"' durchdringet/ist es ein Geist: Er zerstöret aber ^ dieirrdischenCörper/und macht/daß das Wasser verraucht/alss ist er nun dem Geist des Wassers/ und der irdischen Cörper zuwiedcr.
i!?. Wiederum wenn im Winter der Licht-Geist sich zurücke ziehet / und der unsere Erde umgebende Lufft-Geist das Licht aus dem Wasser ausziehet/oder auch das Licht aus dem Wasser sich in die euserliche Lufft ausbreitet/und durch die ex cemro der Erden sich zusammen ziehende Krafft der Lufft das Wasser zu Ei»; macht/ wird gesagt/daß der Lufft-Geist dem Geist des Wassers zuwider sey.
izO. Der Geist aller Geister muß nothwendig einer seyn. Denn er erfüllet alles und durchdringet alles / und würcket in allen. Jedoch ist die Einheit die von GOtt gesagt wird/ gantz unterschieden von der Einheit des gesch afft- nen Geistes und der Einheit der Cörper.
izi. Wann ich auch alle geschaffene Geister die in die Cörper wircken/ vsn dar aus-
L s dun-
»7» VcrfuchvondemWestn
dünsten/dieselbe umgeben/ sich miteinander vermischen u. s.w. zusammen, nehme / so begreisse ich doch oben hin / daß sie endlich sind / wie auch die Corper endlich sind. Und also kan ich eins und viele in diesen Geistern und Cvrpern ohne Endig- keit nicht begreiffen.
7n. iz-. Aber der Geist aller Geister ist eine unendliche Einheit / das ist eine Einheit die ich nicht beschreiben / sondern nur davon lallen ?an.
^K. izz. Die Cörver sind dergestalt beschaffen / daß Eins nicht Dreye/auchDrcye nicht Eins seyn kan. Aber in GOtt kan Einheit und Dreyheit wohl beystimmen stehen/und noch vielmehr als bey denen geschaffenen Geistern / wiewohl es auch auff eine unterschiedene Art seyn muß.
I'n. IZ4. Die Einheit GOttes begreifst alle Vielheit in sich/ und wird doch von derselben nicht getheilet/ leidet auch nichts von ihr.
IK. izs-Die widerwärtigen Würckungen des geschaffenen Geistes in Betrachtung der irr- dischen Dinge giebt ihnen Leben und Todt/ Licht und Dunckelheit. GOtt ist lauter Licht und Leben.
?n. iz6. Die geschahen Geister haben ihre Wirckung von GOtt/ und GOttes Wesen und Würckung ist doch etwas anders/ als die geschaffenen Geister»
1A.
des Geistes/.Hauptstück. i?r
l'K. izy.GOttesWürckungin denen andern Geschöpften ausserden Menschen ist nur einig/daß er ihnen das Leben / Weben und Seyn f) giebt/ ob sie wohl durch die geschaffenen Geister verwandelt werden. Man wolte denn auch in diesen dreyen Worten eine Dreyheit ttaruiren.
iz8. So ist demnach im ieden indischen Geschopffe ausser dem Menschen / ein geschaffener Geist/ ob gleich derselbe einige Geist in so viel^Kräfften sich hervor thut alsderCorver^ Theile oder Gliedmassen hat.
l'K.izy. Sein Sitz ist allemahl in cemro oder mitten inne/wiewohl das cennum nicht eben Mathematischer oder Circkelweise muß verstanden werden.
7K. 140. Zum Exempel in denen Pflantzm und Bäumen ist er mitten in Saamen/ von dar breitet er den Lorpev unter der Erden in Wur- tzeln/ über der Erden aber in Stamm / Aest«/ Blatter/Blüten und Früchte aus.
I'K. 141. Die Thiere/ sonderlich die »»ll- kommenen haben drey Lenrrz in ihren Leibern/ welches die ^eclici drey Bauche zu nennen pflegen / weil deren ieder sein absonderliches Eingeweide hat: Das Gehirne/ das Herhe/ und der Magen.Unter diesen aberist dasHerh das Mittel- ste undHaupt-Lenc! um.als in welche das Blut/ darinnen des Leibes Leben ist/wallet/und welche« der Hauptsitz ist / aller thierischen Begierden.
Wie.
. ^- « . ^ ^
»72 Versuch von demWescn
Wie nun dasselbe durch Blut-und Pulß-Adern mit dem Gehirne und Magen ingleichen mit denen andern in Unter-Leibe befindlichen Eingeweide verknüpfft sey/ muß man m dcr^nzcomie untersuchen.
I'n. 147. In dem Gehirne ist die Resident; von der imaAuzrion der Thiere/ die aus demHertzen und dessen Begierden angefeuret wird, Z.E. wenn die Schafs und Ziegen bey deren Bespringen nach Gelegenheit und Beschaffenheit der ins Wasser gelegten Stäbe einfarbige oder bunte Lämmer und Aickelgen empfangen. Jedoch ist diese imgFi'mirion dergestalt beschaffen/ daß sie durch gegenwartige cintzelne Dinge excirüc wird / und ihre geistliche Wirckungen verrichtet / nicht allgemeine Bildungen davon glzttram'rcn / und dieselbe abwesend betrachten/ vielweniger viel cintzelne Dinge durch eine Rech' nung oder Ausrechnung gegen einander halten tan.
^K. 14z. In dem Magen ist die Residcntz dergeistlichenKrasst/ dasThicrzuernchren/und so wohl dem Hertzen neues Geblüt / als dem Gehirne neue Einbildungs-Krafft/ und denen Saa- men-Gefasscn / neue Zeugungs-Kraffte mitzutheilen.
DieseDreyhcit beydenen Thieren ist nicht nur deßwegen zugleich auch eine Einheit/weil diese drcyerley Kraffte immer einander helssen und gleichsam die Hand bieten / sondern
weil
des Geistes 7. Hauptsiück. 175
weil auch diesen dreyfachen Mirckungen in denen dreyResidcntzen^erSeeledieBcwegungs-K:afft ^ derer äusserlichen Glicdmassen fast auf gleiche Weise unterworsscn ist/iedoch dergestalt das; immer hierbei) das Hcrtze mit seinen Begierden den Vorzug hat.
'1'j>. 14s. Diese Begierden der Tbiere brauchen die Bewegung der äußerlichen Gliedmassen ordentlich darzu/ daß dadurch das Seyn und die Teuerung des Viehes befördert werde. Sie treiben die zu dem Magen dienlichen Sinnligkei- ten darzu an/daß sie/wenn sie sich selbst gelassen sind/ nur solche Speise und Tranck in quanco 6c quzli verlangen / als zu ihrer Datierung am geschicktesten ist/ daß sie orde^lich die Vermehrung' ihres Geschlechts zu gewinn Zeiten begehren/ nach Art und Beschaffenheit des Saamcns der ordentlich in dem Viehe nicht zu hitzig noch zu geil noch in grösserer Huzmirat ist/ als es ihre Art erfordert.
146. Die Begierden desHerhens in dem Vieh treibet dieEinbildungs-KrafftdesGe- hirnesdarzu an/ daß/ob sie schon keine abii^i- ones machen und rechnen kan/dennoch eine vev- nunfftige Einbildung von alle dem hat/ was dem Viehe schädlich un nützlich ist/und dieBewegung der ausserlichen Glievmassen darnach ciisponiret/ es sey nun inVertheydigung ihzes Leibes ode? iluer Zungen wieder diegegenwärtigeGewalt oderGe- fahr/oder inSuchungunGebrauchung dienlicher
i?4 Versuch von dem Wesen
Mittel wieder Kmnckheilcn und Schäden / oder in Schutzsuchung bey andern Thieren oderMen- sehen.
I'K. 147. UndwieinderL^hrevon Geistes ja so eine gewisse Wahrheit ist/daß gleich und gleich sich liebe/als z. E. in der Rechen-Kunst daß 2.mal z. 6. sey/ also wird man befinden/ daß auch die wildssten Thiere/wenn sie bey dem Trieb ihrer Natur gelassen werden/ andre Thiere von ihrer Art/ wieder andere Thiere beschützen / und keine Feindschafft mit ihnen halten; ja auch die wildesten Thiere von andrer Art nicht beleidigen/ wenn sie nicht der Hunger oder die Brunst/ oder äusserlich« irririrung der Menschen darzu antreibet/ worvon für etlichen Jahren bey dem Schauspiele zu Dreßden viel tausend MenschenZeugniß gebenkönnen.
I'K. 148- Der Geist des Menschen kömt dar- 5 - jnne mit del^Geisiern andrer Cörper überein / Z ) ^ daß auch seine Seele bestehe / aus Licht und Lufft/. K)und daß dieserGeist demMenschen in denSaa- men und ihrer Empfängniß seine Gestalt giebst/ seinen Leib formiret und darinnen wircket/ i) und daß dieser Geist eines Wesens ist mit dem Geist der Thiere und Pflantzen/ u.s.w. noch vielmehr aber mit dem Geist andrerMensclM/nur daß unterschiedene Grade in Mischung dieses Geistes sind: I) daß dieser Geist in dem Mensthen wirckt/ ^____^ daß
-) con5. lupr-i §.9. l,) vici.L.,T,l4,feczcz. i) Vlä.§.ZY, !)vi.
de» Geistes 7-Hauptstück. '75
daß sie vermittelst der ausserlichen Sinne tonnen begriffen werden/m) daß dieser Geist das Leben der Menschen ist / und wenn er wieder davon weicht/ die Menschen sterben/ n)daßdicserGcist inMenschen empfindet und sinnlich ist/n)und daß diestr Geist in Menschen verständig und begierig ist.?)
I'K. ,49. Wer den vorigen Satz zuerst liefet/ wird ibn für narrisch halten / weil darinnen fast alle Sahe andren k>kilc>t0pkis närrisch und , unverstandig scheinen. Wenn er aber bey ieden lesen wird/was wir dieftrweqen in vorhergehenden ' für Grund gelegt/wird diese Meinung bald wegfallen. Es wird aber der Leser hierbey erkennen/ warum es nöthig gewesen/ daß wir nns bey Betrachtung des Geistes in andern Geschöpften so lange auffgchalten / und deßwegen keinen Eckel empfinden.
15 0. Mit dem Geist der Steine und^ine- rslien hat der Geist des Menschen dieses überein/ daß er in dem Menschen wiewol zu des Menschen Schaden/Steine Zenerirr, und die Kräffteder KlZnerglien als Artzneyen odersonsten anzieht.
^ 1^151. Mit dem Geist der Pflantzen und Bäume kömmt der Geist des Menschen uberein/ daß er in dem Cörper des Menschen Saamen- Gefasse hat/ und macht daß der Mensch über der Erden wächst.
rk.
iw)viä § z6. iec^. n) viii §. 4;.ü) V'«i.F.7».s«q,
, 76 Versuch von dem Wesen
^"ti. is!. Mit dem Geist der Thiere hat der Geist des Menschen diese Gleichheit / daß er in dein Menschen einen Leib t'ormirt / der Augen/ Ohren/ Nasen u.s.w-ein Hertz und Magen uH w- zum Gebrauch der Sinnligkeiten und Begierden hat.
1'!^ ls?.So ist auch aus obigen BctraD tungen r) weitlaufftig zu sehen/ daß der mensch- liche Geist in icdcn Menschen/ wie in denen Thieren/ja in allen irrdischen Cörpcrn nur einer sey/ vb er gleich unzehlich unterschiedene Kraffte hat-/ x^4"^und"daß dannenhero die Lehre der PKilöinMH /- - bald ins Gehirne und daselbst in ßlgnZulam pi- »«Ism logiren ; bald einen Unterscheid unter der M Ein/
i?ö Versuch von demWesen
Finbildungs -- Krafft der menschlichen Seelen -und den?Berstande machen ; bald aber keinen deutlichen und klaren Unterscheid zwischen diesen beyden geben können oder wollen; bald zwischen denen Sinnen und Gedancken einen Unterscheid machen / indem sie sagen / daß jene betriegen/und -diese der Grund aller Wahrheiten seyn; bald Nichtwissen / was für ein unterscheid unter denen Sinnen und Gedancken sey / indem sie sagen/ daß desMenschcn Sinne zu denen Gedancken ge- ^K^/^ hören; balMnen Unterscheid unter dem Ver- ^ /- 53. siqnde und Willen machen; bald denselben wiederum aUffheben; indem sie glcichfals sagen/daß cherWille zu denen menschlichen Gedancken gehören ; bald demBerftand alle leidende Gedanckm/ .und demWillen alle thatige zllschreiben-bald nicht Missen / wie sie diesen Unterscheid wider dem gemeinen auff die. eigene Erfahrung gegründeten Miderspruch vertheydigen sollen ; bald die bejahenden und verneinenden Gedancken dem Willen zuschreiben / bald nicht wissen/ wie sie dieses ebenfalls wieder das übrige menschlicheGeschlecht vertheidigen / und was sie denn dißfalls zu dem Verstände rechnen wollen: Endlich aber/ was sie mit dem Hertzen des Menschen machen sollen nicht wissen / wenn sie als eine sonderliche Erfindung ausgeben / daß das Hertz- ein pwlculus sey / und nicht betrachten / daß diese Erfindung nicht geschickt sey / dem Hertzen den Hauptschd^r Seelen zu benehnien/. sowenig
des Geistes 7. Hauptstück. 179
als dem Gehirne den Sitz der Gedancken/.ob schon dasselbe noch nicht einmahl so eine feste und lvliäe luKKzn? hat/ als das Hertze/ und s. V. von Rotze dem äuserltchen Ansehen nach nicht viel entfernet ist.
l'K. 157. Diese unterschiedene und sich selbst mehrentheils wiedersprechcnde Meinungen nun weitlaufftig zu widerlegen / läufft wider unser Vorhaben/ und wird dannenhero genung seyn wenn wir den hauptsächlichen Grund / aus welchen dererselben Wiedcrlegung herzunehmen ist/ kürtzlich berühren und ausführen. Dieser aber bestehet darinnen / daß wir in unserer Gegen- einanderhaltung des Menschlichen Geistes mit dem Geiste der Thiere fortfahren/ und uns auff eines jedweden Menschen eigene Smnligkeit beziehen/ daß der Geist des Menschen auch darinnen mit dem Geist der Thiere übereinkomme/ daß die drey Haupt-Kräffte dieses einen Geistes in dem menschlichen Gehirne / Hertzen und Magen auff gleiche Weise wie bey denen Thieren ihre Thätlichkeit verrichten und auff gleiche Weise einander die Hand bieten wie bey denen Thieren.
158. In dem Gehirne des Menschen ist die Residentz seiner imz^nation und Einbildung/ in den Hertzen ist die Residentz seiner Begierden / und im Magen die Residentz der E», nehrungs-Krafft aus der die Zcugungs -Kraffi herrühret. Das Hertz als das Mittelste cemru«;
M 2 ist
i8o Versuch von demWesm
_ . _____>-
ist eben so wohl der Hauptsitz der Menschlichen Seelen / als wie bey denen Nieren/ denn aus dmenBegierdcn des Menschlichen Hertzcns wird die menschliche im-ißmznon in Gehirne gleichfalls angefcuret/ wie bey denen Thicrcn / und die Begierde des mcnschlichenHertzens treibet gleichfalls die Menschen zum Essen und Trincken an. Diese drey Kräffte bieten ebenmäßig einander die Hand. Denn durch denMagen krieget gleichfalls das Hertze frisih Blut/ und durch die imsßi- nztion erreget der Mensch öffterö die Begierden u. s. w. Allen dreyen Kräfflen ist die Bewegungs- Krafft als eine Dicnerin gleichsam/ wiewohl cmff unterschiedene Weise untcrworssen.
?!,. i ^ 9. Die Krafft des Magens wird wohl von allen für die Einehrungs-Krafft/wie sie «6 auch ist/ gehalten. Die Krafft aber des Gehirnes ist nichts anders als was wir menschliche Gedancken oder den menschlichen Verstand nennen / und die Krafft des Hertzcns ist nichts anders als der menschliche Mille.' -
160. Will jemand eins von diesen leugnen/ sokan ich nicht anders mit ihm verfahren/ als daß ich auss^.ller Menschen / auch auff feine eigene jedoch unpartheyischc und von aller Menschlichen -mrOrität abgesonderte Erfahrung mich beziehe. Dcnckt er anders/als in Gehirne/ sosage er mir nur waö und wie er dcnckt- Und will jemand anders als in Hertzen / so sage er mir nur was er macht/ wenn er diesen Willen hat/
und
des Geistes 7. Hauptstück. Hl
und ob er sich den Willen ohne Begierden/ die Begierden aber ohne Liebe / und eine Liebe außer dcmHcrtzen euwildcu könne: Und kommet diese unsere Lehre nicht nur mitder Schrifft sondern auch mit der Rede alier ^ernünsstigen Leute ü- bercin : Denn die Liebe soll eine hertzliche Liebe seyn/ und wenn ich sagte/ ich liebte jemand "von gantzcm Gehirne/ würde mich gewiß jederman auslachen.
Di scn wird veröffentlich jed-- weder Mensch Beyfall geben / der kein Cartesia- nerist. Was aber Cartcsium hierzu bewogen/ daß er den Willen in das menschlich ' Gehirne emlogiret / und das Thun des mensthlichen Verstandes nemlich das Dencken / welches m bsjahenund vereinigen/ bestehet/ den Willen zugeschrieben / und also Willen und Verstand untereinander geworffcn/ kau leichte anderswo ge- zeigerwerden. Allein indem ich auch gesetzt/ daß derWitt'- des m endlichen Hertzcns dieHaupt- Residcntz der menschlichen Seele sey/ die auch die G'edanckcn und dei? Verstaiw beherrsche/ darinnen besch-ide ich mich / daß ich alle heutige Uni. versiräts ?!->i!osopbie aujf den Halse ha.be/ als welche bejahet / daß der Verstand den Willen verderbe und bessere /und daß die Haupt-Resi-s dentz der menschlichen Seele in Gehirne sey.
l'b. 162. Damit nun die Warhut dieser meiner Lehre / an welcher wahrbafftig der gröste Theil der nützlichsten Wahrheiten Hänger/ desto Mz deut-
i8». Versuch von dem Wesen,
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deutlicher gemacht werde/ wollen wir den mensch/ liehen Verstand und Willen etwas deutlicher jedoch anders nicht / als ein seder Mensch es bey sich selbst befinden wK>/ gegen einander halten.
?l,. 16;. Der Verstand so wohl als der Wille / und dieser so wohl als der Verstand/hat so wohl eine leidende als thuendeKrafft.
?K. 164. Wenn nun der Verstand was leidet/so muß dieses Leiden nothwendig in Gehirne vorgehen und das Leiden des Willens im Hertzen. Z. e. der menschliche Verstand leidet/ wenn durch die äußerliche Sinnligkeitcn das Gehirne starck berühret wird / und der Wille /. wenn durch eben diese Sinnligkeiten das Hcrtze starck getroffen und mcliniret wird.
16s. Der Verstand dcsMcnschen übet seine thätliche Krafft aus/wenn er ohne ausserliche vbjeÄ-, an etwas abwesendes oder vergangenes oder zukünfftiges denckt/ und der Wille / wenn er die andern Gliedmassen braucht als Diener seiner Resolution. . /..^ 166. Die Thätlichkeit des Verstandes
wircket nur allein im Gehirn. DenndieGedan- cken sind ausser dem Gehirne nicht. Der Wille hingegen/wenn er etwas thut/verrichtet sein Thun das zwar in Hertzen anfängt/allemahl ausser dem Hertzen. Und zwar gehet seine wirckende Krafft auffalle und jede Theile des Leibes.
7K. 167. Unter solchen Theilen ist auch das, Gehirne / dchero auch der Wille in dem Verstand
des Geistes 7. Hauptstück.' Hz'
stand wirckt / und solchen / wie offcnbahr / durch seine Begierden zu denck n antreibet. Solches gestalt aber leidet der Verstand von deM Willen/ wie er von allen andern Kräfften der Seelen aus- str dem Gehirne leidet.
1> 16K. Der Verstand wircket nicht in den Willen/weil alle semewircklingen / innerhalb des Gehirnes sich einschliessen. Daß Män abergleich- wohl die Eedancken in leidende und thätliche ein^ zutheilen pflegt/ kommt daher- Wenn der Verstand von andernDingen ausser oder in demMen- sehen angetrieben wird / sagt man/.daß er leide: Wenn er aber von dcmWillen angetrieben wird/ sagt man daß er etwas thue.
I'K. 169. Solchergestalt aber ist es falsch/ daß in der menschlichen Seelen/ so ferne selbige verstehet und will / der Anfang des Thuns oded einer Verrichtung von dem Verstände hcrkom-' mc/ oder herkommen müsse/ sondern er kömmt' jederzeit von Willen ber.
I'K. 170. Dannenhero muß man die K>r- mzm des Menschen / oder die Hauplresidentz der Seelen nicht in dem Verstände/ si'Ndernim- Willen suchen. Denn dasjenige ist der Haupt- sitz/ wo die Bewegung der Seelen anhebet / und' wo das thuende oder wirckende ?,incipium im Menschen ist/ da ist seine Form oder Weftn/ nach dem gemeinen Spruch / daß von dem Wesen eines Dinges dessen Wirckungen heMnen. Hu^'
korms äst opersri.
M 4 7K,
»84 Versuch von demWesen
?K, ,71. Hieraus folget ferner/daß der Verstand ein leidendes l»rinc^ium sey / nicht aberein thuendes / weil er von dem Willen etwas leidet/ derWille aber hingegen leidet nicht von demVer- stände.
71,. 172. Leidende Princip-, oderWerckzeu- zekönnen einem Dinge sein Wesen nicht geben/ noch für dessen Form ausgegeben werden. Und dannenhero / wenn gleich z. e. ein Schmid oder Aimmermann u.d.g. Hammer brauchen/ dievon gleick)cr Grösse/ oder von eben dersetbigcnm3teris gemacht sind / sind dennoch der Schmid und der Aimmermann deßhalb nicht für einerley Hand- werckzu rechnen / sondern dem Handwerck nach specis unterschieden.
II!. 17z. Also ob glechalle Menschen einer- -?eMeidendes ?nncipium, oder einerley Werc?- ^^eug ix'r Seelen haben / nemlich den Verstand/ ^ so kan man doch daraus nicht unterscheiden/ob die Menschen von einer/ oder unterschiedenen Arten sind. .
174. Derowegen müssen wir den Unterscheid der Menschen von den Thieren und unter sich in was anders als in dem Verstände suchen/ weil wir oben einem jedweden Geist etwas vernünfftiges zugetheilet/ auch jedem Geist eine Begierde und Art von Willen zugeschrieben. , . " 1K. 175. Wie der Geist des Menschen von 55. dem Geist aller übrigen sichtbaren Geschöpfte unterschieden sey/ist aus demleicht abzunehmen was
wir
des Geistes ?. Hauptstuck. 185
wir von demUnterscheid desGeists derThiere von denen andern Geschopffen oben gelehret.
1K. 176. Was aber die Thiere betrifft/so ist die Krafft des Magens darinnen von den Thieren unterschieden/ daß der Mensch so viel rohe Sachen wie das Vieh nichtwohl vertragen kan/sondern sich seine Speise dasBrod erst zurichten/und das Getrancke / wenn es auch Wasser ist/ erstlich kochen muß/wiewohl es doch auchMmschen giebt die sich mit blossen Wmtzeln und Wasser erneh- ren können.
177. DieKrafft des Gehirnes ist von deinen Thieren unterschieden / daß der Mensch ver- ^ mittelst der Gedancken nicht allein diegegenwar- tigen Dinge in seiner Einbildung fassen / sondern auch vermittelst der »bNrzÄionen und Begriffde- ^er Universslium oder i6een auch von abwesenden/ vergangenen und zutunfftigen Dingen den- ckenkan/daßerzehlen/rechnen und eines aus dem andern schliessenkan.
'rl'. 178. Die Krafft des Hertzen bestehet dar^ innen / daß da die Thiere von Natur keine Feindschasst zusammen tragen / der Mensch von Natur einen andern Menschen nicht liebet/ wohl aber viele hasset/ und da dieBegierden der Thiere zu ihren Unterhalt und Daurung gerichtet seyn / der Geist des menschlichen Hertzens zwar eine Daurung verlanget / aber alle Begierden des Menschen denfelbigenruiniren >- ja/daß da die Thiere von einer Art einerley Begierden und zwar die M 5 gantze
186- Versuch von demWcsen
gantzeZeit ihres Lebens haben/ hingegen bey den Menschen so viel unterschiedene Begierden als Menschen seyn / und ein Mensch in einer kleinen Viertelstunde von unterschiedenen mit sich selbst streitenden Begierden hingerissen und unruhig gemacht wird-
179. Hieraus aber folgen andre neuö Wahrheiten / die abermals aller Heimischen ?l-ulolopliis widersprechen/ aber mit der Schrifft wohl überein kommen; daß die Menschen nicht eincrleyArt seyn/und daß derMensch eine elendere Creatur sey/ als alle andere sichtbare Creaturen.
1K. iZo.Was das erste betrifft/ ist die Sache leicht zu erweisen. Alle Cörper/ die unterschiedene Arten von wirkenden ?nncis)iis haben/ find auch unterschiedener Art. c) Nun haben aber die jenigen / so unterschiedene.inclinztioncs und Willen haben / ein unterschiedenes würckcndes i>nrrctpium. Und alle Menschen haben nicht allein einen unterschiedenen / sondern ihrer viele gantz widerwärtige Willen. Weshalben auch alle Menschen unterschiedene Bildungen als Anzeigungen des unterschiedenen Willens haben, u)
7k,. i8r. Alle Menschen kommen zwar danmt überein / daß sie von Natur weder GOtt/ davon man eben hier nicht sagen will/ noch andere Menschen vernünfftig/ wohl aber alle sichtbare
r) Besiehe oben rk. 55. »4.1.7« ») ci, ii,. zz. 84.
des Geistes 7. Hauptstück.
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bare Creaturen unvernünfftig lieben / und also l>aben sie ein allgemeines Zenerzl Wesen/ x) aber' ihre lieben sind gcmtz unterschieden und wieder-- wartig.
il^. 182. Denn in dem einen herrschet ein wollüstiger Geist / der die Creaturen liebet/ so ferne sie den Magen und das davon 6<-pen6i- rcnde Eingeweide kützeln / in dem andern herrschet ein ehrgeitziger Geist / der die Creaturen liebet/ so ferne sie Ebre und Ansehen zu wege bringen/ und in einem andern ein Eigenthums liebender Geist / der die Creaturen liebet / so ferne sie reich machen.
1K. 18z. Derowegen sind nun drey Haupt- Arten 7 ) der Menschen in der Welt/ Wollustige / Ehr-und Geldgeitzige / in denen nach der Schrifft Fleisches Lust / hoffartiges Leben/ und Augen-Lust herrschet. Weil aber diese drey Willen des Menschen unter ihnen auffunendliche Weise gemischet sind / so sind auch unzeh- liche Unterarten der Menschen-)
1^. 184. Was das andere betrifft/ so ist' deswegen der Mensch eine elendereCreatur als' <, andere Cörper/weil sein Wille allezeit was Böses ^ liebet/ indem wir in der Sitten-Lehre ausfuhrlich gezeiget haben/ daß alle Wollust/ Ehr-und Geld - Geitz solche Dinge begehret/ die dem Menschen schädlich seyn.
I'lics.
A) Zenere convemunc z?) Zeaers,. s^>ec!sz t^ecisllKmN,
!88 Versuch von demWesen
'rl,. 18s. Und dieses Elend der Menschen ist dest? grosser/ daß sie alles dieses Böse mit der Einbildung sieben als ob es etwas Gutes wäre/ und daß sie durch Erlangung desselben / ihre Erhaltung zu befördern suchen; Denn die Liebs 5 seine Daurung zu erhalten / ist allen Dmgm und also auch dem Menschen eingcofianht; jaM ist die Wurkel der übrigen Begierden / weil wir alle Dinge darum lieben, weil sie zu unserer Erhaltung / nach unserer EinbitdnngMwas beytragen, i IK. 186. Daraus folgctferner/daßdevGeist' des Mnscken ein recht thörichter, und Kämscheb Geist / und viel närrischer fty / als der Geist in dem geringsten Wurm / als-eincr Biene öde^ Spinne. ^
i"K. -8 ^. Ja wenn man betrach eet/ daßH-aV ^ len M-'nsthen und deren Hertzen diese drey unterschiedene widerwärtige und streitende Willen' vermischt und vereinet sind / so befinden wir/ daß dariiien auch zwischen den Menschen und deW Thieren ein Unterscheid sey / daß in denen WiM, ren nur ein Geist im Hertzen wohne/ aber in jedem Menschen eine widerwärtige Dreyhett das Hertz besitze/ die doch darinnen vereinigt ist/ wiesiedcn Menschen ruimre/ undunglöcklich mache.
'rl,. -88- Dieses sind die drey Furiennach denen heydnischen Fabeln/ nach der Schlifft aber Sie Welt/ (der Geitz) Belial/ (der Ehrgeitz)und dü-Fleisch (die Wollust.)
^K.
des Geistes 7-Hauptstück. 18?
, - 189. Gleichwobl hat der Mensä) auch in seinem Hertzen ein Melangen zu dem Guten/ welches diese böseDreyheit täglich bestreitet und anklaget/ aber natürlicher Weise nicht besieget/ sondern unterlieget / und also dem Menschen sein Elend und natürliches Unvermögen zu erkennen giebt/ und daß er zu einer hohem Krasstseine Zuflucht nehmen müsse/anweiset.
1K. 190. Dieser Geist nun ist eben deswe- Hen/weil er ohn Unterlaß mit der bösen Dreyheit streitet/ ein guter und anderer Geist/ als derjenige/ von dem wir bißher geredet. Ünd also ist leicht zu begreiffen/wie ein jeder Mensch aus drey Theilen/aus Leib/ Seele (dem natürlichen dreyfachen bösen Geist) und Geist (dem guten Geist) bestehe.
Hi. 191. Der natürliche Geist wird in der Vermischung der beyden Geschlechte eben so fort- gepflantzcl wie bey denen Thieren / aber Vergüte Geist kommet von GOtt/ und ist der Geist GOt- tes/dcr in uns wohnet: Der natürlicheGeist vereinigtste!) nach desMenschen Tode mit dem Licht- und Lufft- Geist/ der in dem Cenrro der Erden seine k(«s!tlentz hat/ und der Geist GOttes fähret wieder zuGOtt/der ihn gegeben hat.
IX192. Der gute Geist GOttes würcket das Verlangen im Menschen zur Liebe GOttes/ das ist/ zu Erfüllung seines Willens / und zu seiner eigenen Seeligkeit/als welches dreyes eins ist. Und dieses Verlangen ist das wahrhafflige Gebet.
IK.
O '92 G
19z. Dieses Verlangen bringt zu wege/ daß GOtt sich immer mehr und mehr mit dem Menschen vereiniget / nnd diesen dritten Theil an- feuret/ daß er kräfftig wird/ und über die böse Dreyheit herrschet/ auch solchergestalt cm neuer Mensch wird.
ili. 194. Dieser neue / übernatürliche/geistliche Mensch istvon dem alten/natürlichcn/flcisch- lichen oder seelischen Menschen/ abermahlseine ^t^/gantz andere Art. a.) Weil er ein gantz entgegen 96- gesetztes und streitendes thatiges ?rincipmm hat.
i'K. 195. Diestr in dem Menschlichen Hertzen herrschende Geist GOttes aber ist ebenfalls eineDreyheit in der Einheit/GOtt/Ehristus unddcrHeiligeGeist/ oder derGeist Verwahren menschlichen Liebe / der Geist der Sanfftmuth und Demuth / und der Geist der Reinigkeit/ Keuschheit und Nüchternheit: Weßwegen diese Dreyheit auch in der Schlifft der bösen Dreyheit entgegen gesetzet wird / nemlich GOtt und die Welt/ CHristus und Belial / Geist und Fleisch: Und in Empfindung dieser Göttlichen
Dreyheit undEinheit in dem mensthtichenHcrtzen bestehet des Menschen seine wahre Glückseeligkeit.
END E.
-») Komo re^enilU! Sc irre^Snirus i^ecie ciiKerunc.
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