I Wristian Womasens, Königl.Preuß. Geheimde» Raths/ DireQoris und?rofes- tons riimsru derFriedrichs-Univerl-tat, wie auch der Juristen kscultat daselbst Orämsiü, on der Kunst VernAftigundTugendhast zu liebett, Al6 dem eintzigen Mittel zu einem glückseligen/ ZAiMen und vergnügten Leben zu gelangen; . Kebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiö- sen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den-kurorem dermaleins in Ruhe zu lassen. Achte AuflageMbessert und eorr und mit einem vollstäw digen Register über Einleitung und Ausübung versehen. Mit Röntgt. PreA aÜergttädigsten gedruckt und verlegt von Christoph Salfelds Wittwc und Erben, ^wno 1726. Dem Durchlauchtigſten Fuͤrſten und Herrn, H E R R R Johann Georgen, Fuͤrſten zu Anhalt, Hertzogen zu Sachſen, Engern und Weſtphalen, Grafen zu Aſcanien, Herrn zu Zerbſt und Bernburg, Chur undMarck Brandenburg hochverordneten Stadthalter General Feld Marſchalck: Meinem Gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herrn. Durchlauchtigſter Fuͤrſt, Gnaͤdigſter Herr. O unterſchiedlich und auf —— menſchlichen Gemuͤther ei⸗ I& menſchlichen——— vbenſchlichen Semurher e ———— nem, der die Welt nur oben hin anſiehet, gemiſchet zu ſeyn ſcheinen, ſo iſt doch unleügbar, daß nicht mehr als Hier afone⸗ dowinantes oder Haupt Gemuͤths eigungen ſind, aus derer Vermiſchungen die Veraͤnderung aller derer andern Affecten, ſie ſeyn nun gut 68B oder boͤſe, entſtehen, auch alle Gemuͤther der Menſchen auch ihre daher ruͤhrende Gedancken a4aus denenſelben beurtheilet J— werden koͤnnen. Die eine darvon iſt die⸗ jenige, ſo gerade zur hoͤchſten Gluͤckſeelig— keit fuͤhret, nemlich die vernuͤnftige Tiebe anderer Menſchen. Die andern drey aber ſind die Liebe zur Wolluſt, die Liebe 3008 eitelen Ehre ꝑ— und die Kiebe zum Gelde. Dieſe dreye geho— ren an und vor ſich ſelbſt runvernne F* tigen UttterchZm'gKe Zuschrift. tigen Liebe/ und fuhren den Menschm unter den Schein einer wahren Glück- seeligkeit von der Gemüths-Ruhe in eine stetswehrende Unruhe; wiewohl immer eine von der vernünftigen Liebe weiter entfernet ist als die andere. Die Wollust-Liebe ist derselben noch am nächsten/ weil sie doch noch mehrentheils mit Treubertzigkeit und Barmhertzigkeit vergesellschaftet ist , und die Wahrheit zu sagen / nicht so sehr anderen Menschen als sich selbften sciMdct. Die Liebe zur «itelen Myre ist schon weiter entfernet/ denn hier ist mehr Neid, Mißtrauen, Un- varmhertzigkeit/ Falschheit, Betrug/ und man schonet seine Ehrgierde zu begnügen keinen Menschen. Jedoch tan man solche Leute noch in menschlicher Gesellschaft brauchen / weil sie gemeiniglich von grossem Verstände sind/ und so lange sie von denen die über sie sind/ Beförderung hoffen/dellenselben doch solche iubmiMon unk Dienste erweisen/ die sonsten von liebenden Personen herzurühren pflegen / auch endlich denen / so sie venerircn/ so lange sie solches thun/ alles gutes erweisen. Aber Geld Liebe ist gar zu i rrailoNabel Denn da sind nicht allcine die Laster/ die mit a? der UiMrchöttlgste Zusckrifv. der Ehrgierde verknüpfet sind, anzutreffen; sondern ein Geitziger schonet keines Menschen/ wenn er nur einen Thaler ?rvKc machen kan/ da hingegen ein Ehr- geitziger dieses für eine grosse!ackere halt. Ja ein Geitziger ist gar zu nichts Gutes Zu gebrauchen/ indem er keinen Menschen Gutes thut ; Wanncnhero auch jener nicht unfügiich den Geitzigen mit einem Schweine verglichen/ das man anders nicht / als wenn es geschlachtet und ertöd- tet ist/ gemessen kan. Und wie wolte ein solcher Mensch andern Gutes thun , indem er stlbsten bey seinem Geld-Sack verhungert? ja es weiset noch dieses gantz augenscheinlich/ daß nichts vernünftiges in dem Geld-Geitz sey/ indem/da sonst gleich lmd gleich einander lieben / und auch zwischen zweyen Wollüstigen und Ehrgeitzigen zum wenigsten eine Scheinend unvernünftige Liebe ist, doch zween Geitzige einander nicht akleine nicht lieben / sondern auch auf das äusserste hassen. Dich Anmerckungen aber sind nicht alleine in der gesunden Vernunft gegründet/ sondern die Göttliche Osscnbahrung ßimmet damit gantz offenbahrlich über- eit^ Die gröste Glückftellgkeit bestehet Uttterchäm'gske Zuschrift » in der Liebe GOttes und des Nächsten' Und obschon die vernünftige Liehe eben so vollkommen ist als die Christliche Liebe/ so ist doch die vernünftige Liebe so zu sagen eine Staffel/ dadurch man zu der Cyristlichen Liebe gelangen tan / und wie derjenige GOtt unmöglich lieben kan/ der nicht einmahl seinen Bruder liebet : Also tan derjenige ohnmöglich andere Menschen Christlicher Weise lieben / der nichi einmahl dicstlbigcn vernünftig liebet» Wiederum werden die Wollust / Ehrgierde und Geld-Liebe unter dem Nahmen der Falsches-Lust/ des hoffar- eigen Lebens und der Augen-Luft zum öftern in Heiliger Schrift/ alö die drey Haupt-Laster/ vorgestellet. Und wiewohl eher ein wollüstiger Mensch/ der halb trunckcn in eines SKiIol»pKi -zuciieo- rium, denselben auszuspotten/ gegangen/ durch dessen vernünftige Lehre von der Mäßigkeit/ der Wollust abgezogen, und zur Weißheit gebracht worden; Also haben sich viel tVollWige zu Christo bekehret/ und kamen am ersten zur Tauft Johanniö/ die stoltzen Pharisäer waren die letzten/ und glaubten die wenigsten unter ihnen an den Heyland, so gar/ daß a 4 er Untercham'gste Zuschrift. er selbst denen Hurern und Ehebrechern das Reich GOttcs eher verspricht / als denen EhrgeiyigenMarisaern. So wird auch endlich derGeiy eincWurtzel alles Übels genennet/ und ausdrücklich gemeldet/ daß es leichter sey/ daß ein Ca- meel durch ein Nadelöhr gehe/ denn daß ein Reicher/ der das Hertz an das;Reich- thum hanget, in das Reich GOttes komme/ und an einem andern Orte wird aber- mahls unter dem Gleichniß vom Auge gemeldet/ daß/ wenn das Auge ein Schalck sey, auch der gantze Leib finster sey / welches nicht unförmlich auf den Gcitz appli- ciret wird / weil derselbe/ wie gedacht/ durch die AugenLust pfleget angedeutet zu werden. So wenig aber als man Exempel von solchen Menschen antrift/ die die vernünftige Liebe in einem sehr hohen Grad besitzen / sondern mchrentheils bey denen Tugendhaften viel Schwachheiten von Wollust/ Ehrgierde und Geld- Liebe mit unterlauffcn s so wenig können wir auch sagen/ daß die drey Haupt- Lasier, ob sie gleich viel öfters in einem hohen Grad angetroffen werden als die vernünftige Liebe/ jedes für sich alieine sey/ sondern es sind dieselbigen gleichfalls mit Utttercham'gste sufchnft. Mit denen andern Haupt-Gemüths-Nei- gungen vermischt/ jedoch solchergestalt, daß allezeit eine von diesen dreyen für denen andern H.l?sÄen/ mit denen sie vermischt ist / die Oberhand behält / und solchergestalt la pMon cZominsnre pfleget genennet zu werden. Man tan dieses gar artig aus denen Vier l'emperawentm der Menschen nach der Natur-Kunst sehen. Wer ein recht?n!egm3 hat/ ist der vernünftigste Mensch/ und muß nothwendig auch der qrösten Glückseligkeit und der verttünftigm Liebe fähig seyn. Diesemlempersmemist ein Zvineus am nähcslM/ bey dcme die ZVoünst die oberste Gemüths-Neigung ist. Ein LKolericuL ist schon weiter von dem PKleZMÄ entfernet/ und bey demselben raget die Ohrgierde über die andern ^.KeQen empor. Die ^eZancKoli- ci, gleichwie sie die wunderlichsten sind; also ist der stärckste Trieb bey ihnen zu der Geld-Liebe. Ja eö ist gantz leichte die Eintheilung des Guten in bonum Kone- Kum, ^ucuncium Lc Utils, wenn man nach Anleitung dessen/ was ich in dem ersten Hauptstück dieser meiner Sitten-Lehre erinnert, das bonum cZecvrum darzusetzet, a 5 nach Umercham'gste Zuschrift. ^ Nach denen vier Haupt-psKoneN/ lind denen itztbesagten vier Temperamenten einzutheilen. Ein?nIe8M3ficu8 ist ein rechter Könner Komme, und trachtet in allen nach der wahren Tugend-Ehre / ober schon von dem grösten Haufen der Welt nicht sonderlich hoch/ sondern wohl gar verachtet wird. Ein ^an^vineus mächt von dem bonc) ^ucunrjo den gröstm Staat. Ein cKolericuL hat mit dem 6s. coro am Nleisten zu thun. Und endlich ein Uei3ncno!jcu5 strebet nach dem donc» vtili. Gleichwie aber in der Mahler-Kunst nur fünf Haupt Farben seyn, Weiß/ Gelb / Roth / Blau und Schwartz, aus deren Vermischung alle die andern Farben entstehen/ die wegen dem unzehli- chen Grade der Vermischung auch un- zehlich sind; also entstehen auch aus denen unterschiedenen Graden der Vermischung derer vier Hauvt-Gemüth6-Nei- gungen unzehlige lemperameme, die ein Mensch, der die Welt recht kennen/ und seine poütique recht verstehen will/ nothwendig begreiffen muß/ wenn er anders die Gemüther recht erforsche«/ und die c^p-ZL-tät der Menschen erlernen will. Dem: bald findet man einen Mcnfchcn, Uitterchättigste Zuschrift. der viel Mottust besitzet, die mit der Mhrgierde nach Gelegenheit derer in- 6ivicji.iorum bald in einem wenigen/ bald in einem höhern Grad vermischt ist. Bald findet man einen Ehrgierigen, bey dem man eine merckliche Vermischung entweder der Wollust oder der GetdZierde antrift. Die Geldgierde und Wollust lassen sich am unförmlichsten zusammen vermischen , und wo man ja dieselben, welches doch sehr selten gcschicht/ in einem hohen Grad beysammen antrift/ so entstehet alsdenn ein solch lacherlich lempergmem daraus / daß man erschrickt/ wenn man die andern Ne- ben-/VKe<5en, die aus dieser Vermischung entstehen, und nicht anders als widerwärtig seyn können, betrachtet. Weßwe- gen auch die Sar^rici und Lommoeöien- Schreiber, wenn sie lächerliche Possen- Spiele vorstellen wollen, gemeiniglich einen alten Mann, der verliebt ist, aufführen , weil das Alter insgemein aei- tzig, und ihre Liebe mehr wollustig als vernünftig ist, Massen dann die Lc>- mWckedesUoliere, die crvondemGeitzi- gen gemacht, bey nahe die allerlacher- Lichste ist. Wiewohl meines Erachtens die Mterchättigsie Zuschrift. die Thorheit / so aus dieser Vermischung entstehet/ viel deutlicher unter der Person eines jungen wollüstigen Kerls abgemahlet werden könte. Was die vernünftige Liebe anlanget/ so ist diesel- bige mehrentheils entweder mit der Liebe zur Lpeltlichen Lust/ oder mit dem SLHrgeiy vermenget, aber mit dem Geld-Geitz hat sie gar nichts zu thun, weil derselbe von ihr noch vielmehr entfernet ist als die Wollust, ob sie schon dann und wann das Geld ein wenig liebet. Und paKrct dannenhero in dieser Unvolltommenheit/ da man nicht alles zur persseZion bringen tan / derselbe durchge- hends für einen Könnet Komme, der seiner ^SeSen am meisten Meister ist, welcher ein lustiges und Mhrgieriges lem> pörsmsnt in einem gleichen Grad besitzet. Denn ein solcher Mensch schickt sich zum Ernst und Freude am besten» Die Myr- Zierde hätt ihn insgemein zurücke, daß er nicht unvernünftiger Weise in denm Wollüsten verfallet, und sich für der Welt prottituiret. Wiederum so halt ihn die aus dem l'empersmem der Tusther- . rührende Aufrichtigkeit und Barmherzigkeit ab, daß er sich in dem Ehrgeitz nicht allzu- UttterchSm'gste Zuschrift. allzuweit versteiget/ sondern durch die- selbige seine Ehrgierde dämpfet/ daß sie andern Menschen nicht zu Schaden/ fondern vielmehr zu Dienste gereichet. Ja es bezeuget es die tagliche Erfahrung/ daß ein folcher Mensch/ wenn er die Schwachheiten und Eitelkeiten der Jugend überwunden / entweder in seinem mannlichen oder hohen Alter sich ein rechtes ?K!eZms erwirbet/ und die vernünftige Liebe am meisten erlanget.Unter denenHcyden scheinet H.lcibiaöe5 mit einem solchem l'em- peramenr begäbet gewesen zu seyn/ und werde ich wenig irren/ wenn ich sage/ daß der Weiseste unter denen Königen ^iomo eine dergleichen Leibes-Mifchung gehabt, wovon fast alle Umstände seines Lebens, welche die heiligen Bücher beschrieben, Zeugniß geben könne»/ als die alle dahin zielen / daß man aus denenselben lauter Mhre und Liebe abmercken kan. Ja es sind endlich solche Gemüther am geschicktesten von der wahren Sitten-Lehre und der vernünftigen Liebe zu urtheilen, da Hingegentheil ein gantz wollüstiges Gemüthe zwar die Wahrheit der Lehr-Satze der vernünftigen Liebe balde hegreiffen/cher wenn sie nicht mit Ehrgier- Unterchäm'gste Zuschrifc._ ernsthafte Großmuth/ vermischet diese Liebe mit einer unterthanigen Ehr-Furcht und Vertrauen-vollen reipeK. So nehmen dann Ewre Hoch- fürstliche DurchlKUchtigkeit diese öffentliche Bezeugung meiner unterthanigsten Liebc und Hochachtung in Gnaden an / und lassen Dero Hochfurstliche Gnade und Hulde mich noch ferner weit genießen, als worum ich in unterHa- nigftem Gehorsam bitte / und Lebenslang verharre Ewrer Hochfürstl. Durchl. Halle den 16.^»-/Ä 169:. mttrthänigster gehorsamster Christian Thottms. Vor- mrede. l. »An pfleget insgemein in denen Vorreden von dem Absehen und Inhalt eines Buchö zu cklcuri- ren. Dieweil aber dieses allbereit von mir in unterschiedenen?ro^r3mmZti» du8 geschehen / auch die für jedem Capitel vorgesetzte 8ummari3 dem Leser in Kürtze den gantzen Inhalt der Sitten-Lehre vorstellen; Als will ich nur Mas weniges noch erinnern wegen der unterschiedenen lucliciorum, die von dieser meiner Lehr-Art und von der läee der vernünfftigen Liebe gefäl- Kt werden möchten. Es werdet? we- b nig Vorrede. nig ^vrLÜttcn seyn / die die UoraZe nicht nach dem Lstslo^v derer n. ttoreiischm Tugenden eingerichtet hätten/ von der ihrer Unvollkonnnenheit ich anderswo ausführlich gehandelt. Wiewohl ich nun mich in geringsten für denen Anbetern des Alterthums nicht fürchte/ wenn gleich meine Lehr-Art gantz neu wäre; fo ist sie doch auch so beschaffen, daß man mich hierinnen entweder gantz und gar einer Neuerung/ oder daß ich dieselbe einem andern gantz abgcborget/ nicht wird beschuldigen können, c-eulinx hat sich schoii in seiner ^tKic um die ^rittorelischcu Tugenden nicht bekümmert/ und in Tnztsch- land haben etliche krolellvres auf einer berühmten l^mverLrät die Liebe in ihren Sitten-Lehren zum Grunde geleget. Zu geschweige» dererjenigen von denen H.rittote!ici8 fclbst / die ex fomidu^ amiciriX die Pflichten und Vcrbindligkciten des menschlichen Geschlechts hergeführet haben. Jedoch wird Vorrede. wird man gar leichte befinden, wenn man meine Sitten - Lehre gegen diese ^mores halten wird / daß ich ohne Ruhm und Eitelkeit dieses Buch für das meinige ausgeben könne, und daß zwischen ihrer Lehr-Art und der meinigen ein grosser Unterscheid sey. 2. Den Loncepc betreffend, den ich durchgehende von der vernünfftigen Liebe gemacht, so will ich nicht prs°ten> ciiren^ daß derselbe allen Menschen oder vielen gefallen solte, denn sonften wäre cö eine Anzeigung, daß ich ihn nicht nach den Regeln der Wcißheit eingerichtet hätte; so will ich mir auch die Mühe nicht machen, alle Lenluren, die man darüber machen wird, zu beantworten; (Denn man muß die Leute reden, und zuweilen auch cawmniren lassen;) sondern ich will nur erinnern, was für Lorrcn Leute ich für ca^be! halte von dieser Sitten-Lehre zu urtheilen, und wegen der zwo fürnehmsten Lensuren, so ctwan gefället werden möchten, ct- b 2 was Vorrede. was anmercken. Es sind drcyerley Art Leute in der Welt/ Unvernünftige Menschen oder Lettien, Menschen oder weise Tugendhaffte Leute/ und endlich Gottseelige Christen. Was die ersten betrifft/ so stecken die meisten Menschen noch leider in der Legalität, wiewohl einer mehr als der andere/ und ist eben diese meine Sitten-Lehre für diejenigen geschrieben/ sie aus diesem elenden Stand heraus zu reisten , und ihnen die Glückseligkeit der vernünfftigcn Liebe, die sie erst zu rechten Menschen machen würde, abzumahlen. Sind nun solche Leute noch jung/ und brauchen in- lormarion, so find sie ohne dem noch nicht allzugeschickt Lenluren über Bücher zu machen, sondern sollen stch vielmehr befleißigen / alles das / was ste nicht ir- railonsbel befinden / mit Danck anzunehmen, ob es schon nicht nach ihren ßout ist/ denn sie können sich gar leicht einbilden, daß sie noch mehrentheils einen verderbten Geschmack haben. Sind sie Vorrede» sie aber bey Jahren / so werden siezwar sehr wohl thun, wenn sie meine Sitten-Lehre ungelesen lassen / indem ich sie nichtvor sie geschrieben / und wohl weiß, daß es Menschen Vermögen übertrifft einen all en Kerl / der noch eine Kettle ist, aus diesem Stand heraus zu reissen. Lesen sie sie aber/ und wollen dieselbe als was cKimeriques durchziehen / so siehet es ihnen auch frey / und werde ich mich darüber nicht moquiren / weil mir alle ihre luckcis vorkommen werden wie trunckener Leute. Denn wie wolle eine Bestie die Empfindlichkeit und reüexlon eines Menschen haben? De- rohalben sehe ich allbereit zuvor/ daß unter allen Stäyden die meisten von denen, die mein Blich lesen werden / sagen werden/ es sey keine vernünfftige Liebe in der Welt, wie ich beschrieben, sondern man müsse selbige in dem zu- künfftigen Leben erwarten; und hätte ich danncnhcro unwcißlich gethan / der Jugend von einer zeitlichen Glückscelig- h z kcit Vorrede. keit für zu schwatzen, die doch zu erhalten nicht möglich wäre. Aber ich bitte alle diejenigen / daß sie sich doch nur alle erbare Heyden und Weisen/ als den 8eueca, Licero, ?omponiu8 Atticus, ^ricolg u.s.w. vorgingen stellen / und aus derer Lebens-Beschreibung oder Schrifften erkennen/ daß diese allerdings die vernünfftigc Liebe / wo nicht in ihrer Vollkommenheit / doch in einem merctlichen Grad geschmeckt und besessen haben. Und ist leider Zu erdarmen/ daß wir Christen hcisien, und noch nicht einmahl die Menschheit erreichet haben; und daß unter denen / die unter uns denen andern ein Erempel eines Christlichen Lebens geben solten / die meisten nicht Meine wie die Leüien leben / sondern auch die armen Einfaltigen und Lernenden auf ihr eigen Exempel weise«/ sich nach demselben einen Concept der Tugend zu machen / da doch ihre Hertzen Tempel der Wollust/ des Ehr-und Gcld-Geitzcs sind. Solchergestalt aber bildet man sich durch- gehcnds Vorrede» gehende ein, dersclbige sey ein tugend- haffter ehrlicher Mann, der keine solche Laster begehe, die der Hencker und die Obrigkeit bestraffe, wenn er gleich sonst neidisch, grausam, betrieglich, stoltz, unbarmhcrtzig, und so weiter sey. Dieses seyen menschliche Schwachheiten, die kein Mensch in dieser Welt, ja nicht einmahl ein Christ loß werden könne» Und wer sich einbilde oder die Jugend anders lehre, und zu einen Tugendhaften Leben anmahnen wolle, seyein Fantaste oder Heuchler. So offen- barlich aber als der grosse Haussen solcher Christen durch die Heydcn beschämet wird, und ftine Viehischheit durch solche Lehre sehen lässet, so wenig haben wir solcher öettien ihre Lenluren All fürchten. z. GOtt sey Dcmck, daß wir noch unter Menschen, ja unter wahren Christen leben, ob gleich derer Anzahl sehr wenig und geringe ist. Beyde werden gar deutlich erkennen, daß ich nicht zuviel von der Tugend und wahren Liebe b 4 ge- Vorrede. geschrieben habe. Beyde werden cr- kennen / daß ich die Vermmfft undOf- fenbahrung nicht mit einander vermischt/ sondern nur in so weit die Tugend beschrieben habe, als man dieselbe vermögend ist durch natürliche Kräfte zu erlangen. Derowegen werden sich auch junge Leute und andere/ die GOttes Güte alsbald auö derVettM- tät in den Stand des Christmthumbs gebracht/ nicht argern / wenn sie finden werden / daß ich in Beschreibung der vernünsstigm Liebe nach ihrer Meynung vielleicht noch zu wenig gesagt/ und solche Dinge für Tugendhafft und vollkomme;: ausgegeben / die in Betrachtung der Christlichen Liebe und der Verlaugnung seiner selbst für lauter Unvollkommensten und Mangel gerechnet werden müssen. Ihr Aergerniß wird bald aufhören / wenn sie betrachten werden, daß ich mir nicht fürgenommen / meine Zuhörer zu Christen/ fondern zu Menschen Zu lnachen. Mein Beruff gehet nicht weiter/ und ich Vorrede. ich gebe mich in dem Christenthum selbst noch für einen Schüler / nicht aber für einen Lehrer aus. Verleihet mir aber GOtt Leben/ Gesundheit und Kräffte, so bin ich gesonnen / wenn ich meines, lolopliie werde Zdlolviret haben / in einen; besondern i> ponnn gutoder böse. ».16. Mas die nrenschlicheRräfte auf eine Lurye Zeit vermehret und seine Dauerung verkür- yet,istböse. »-17.18.19.20. FünfAnmerckun- gen, die aus diesem Lehrsatz folgen. 21.^25. E A - Wro^ Das i. H. von der Gelahrheit Grosse Nothwendigkeit und Nutzen desselbigen ».26. 27.28, Junge Leute müssen sich sehr befleißige» auch denselbigen in prsxi zu beobachten.». 29. Alle Dinge und folglich auch der Mensch werden von der Unvoll- kommenheit zur Vollkommenheit beweget, und nehmen darnach wieder ab. » zo. z r. Diese Bewegung hat diese Eigenschaften, daß sie entweder steiget oder fallet, auch eine gewisse und etwas langsame i'^»--- rionhat.". Z2. Die von GOtt dem Menschen gesetzte Dauerhaftigkeit ist gut, sie kan aber aufdrcverley Weise böse werden. «, zz. Und unter dmenselben auch also, wenn der Mensch seine Vollkommenheit gar zu mercklich befördert.Z4- Die Bewegung der menschlichen Gliedmasseu erfodert eine l, .rmonische Veränderung. ». Z5. z6. Sein Wesen bestehet aus Leib und Seele. ». z/. An seinem Leibe trift man (1) das Leben an,». Z8. welches gut ist, und alles, was dasselbe befördert ».39. Der Tod ist theils gut, theils böse. ». 40. (2) Die Bewegungs-Kraft und Sinnligkeiten, die gleichfalls gut sind, und was ihnen entgegengesetzet, ist böse «.41. 42. Diese Guter hat der Mensch mit denen Bestien gemein, ». 4z. aber durch die Vernunft der Seelen wird er von ihnen entschieden. »- 44. Jngleichen durch den Willen, »- 46. welche wiederum, und was dieselbigen befördert, gut sind. ». 45.47. Alle Dinge ausser dem Menschen berühren unmittelbar seine Sinnligkeiten, und werden nach ihrer augenblicklichen Wür- ckung für gut oder böse gehalten. ».48^ 49. Nach diesen berühren sie die Bewegung des Geblüts und die Gedcmckcn, deren Würckung aber oft sehr entfernet und zukünftig ist. ». 50,51. Alle gar;n empfindliche nnv jrarcke Bewegung ver Gmnligkeiten ist boft u. 5 w. ». 52.5z. Die mitlern Bewegungen sind theils gut, theils böse, ». 54. Die guten Bewegung«, werden böse, wenn sie allzulange con- linui- das Gute und Boje zu erkennen überh. z rinmret werden. ».55. Obiger Lehr-Satz wird auch aufdie Bewegung der ausserlichen Gliedmassen,». 56. ingleichen auf die Bewegung des Geblüts - 57. und die Gedancken der Menschen appiic^et. ». 5z. Alle Dinge ausser dem Menschen können in drey Classen getheilet werden. ». 59. E. Stehlen, Huren, Fressen und Sausten. ». 106. Bittere Artzney brauchen , sich von Lastern entwehnen.». 107. Sein Leben für sein Vaterland wagen.». 105, WohindasOeco- »um zu rechnen sey. ». 109. Andere Eintheilungen des Guten und Bösen nach seinen unterschiedenen zo Allgemeiner Irrthum ziehet das ausserordcntliche Gute dem ordentlichen für, '?.izi.iZ2.undhaltdas Konum xolinvuin für edler als das c» ivzrivum.».i zz.Inglei« chen die unnvthigen Güter höher als die nothwendigen ,». rz4. und bekümmert sich mehr um das kleine Übel als das würckliche Gute. ^. i?5. Was?K,l<>lu- xKispr,Ä!czsey ». IZ». Der Unterftyeid zwischen dek Lcdic, OcconowieUNd?oUric«. IZ7. IZ8. IZ9- ,.Wix das Gute und Boje 5» erkennen überh. 5 r. ^^MJr haben zu Anfang der Ver- .^DH nunft-Lchre gesagt, daß die Gelahr- M>)^M)' heit eine Erkantniß des fahren und HcUjwen, Guten und Rosen sey. Weil wir demnach bißher vondcrErkantnißdesWah? ren und Falschen geredet, so viel wir von nöthen zu seyn erachtet für einen jungen Menschen, der sich aä vi-Äin civilem geschickt machen will; so müssen wir numnehro auch zu dem andern Stück der Er- känlniß, nemlich des Guten und Bösen, schreiten, so viel dieselbe aus der gesunden Vernunft ve- gnWn werden ?an, wiewohl wir hiervon etwas ausführlicher handeln werden, indem ohne die ausführliche iLrkäntmß des Guten und Bojen man im gemcmen bürger!lchenL.eF den gar nicht fortkommen Lan. !. Wir müsien aber zufvrderst hier erwegen,' was für ein Unterscheid zwischen dem Mahren und Guten, ingleichen zwischen dem Falschen und Dosen sey. Denn alles Wahre scheinet gut, und alles falsche oder aller Irrthum böse zu seyn; aber insgemein sagt man doch, daß das Gute und Böse entweder ein wahrhaftiges, oder ein eingebildetes Gut oder Ubcl sey. z. Dieses desto besser zu begrciffen, kommen diese beoderley Benennungen darinnen überein, das; keine aufdasLVfsen der Dinge an und für sich selbst, sondern auf dererselben Beschaffenkeit und Gcgsnemanderhaltungmit andern ziehen. A z 4. Denn 6 Das i.H. vsnderGelahrhe.it 4. Denn dastvahre haben wir beschrieben, daß es bestehe aus der Übereinstimmung der aus- serlichen Dinge und des menschlichen Verstandes, lind das Falsche, weun diese beyde einander zuwider sind. 5. Gleicherweise heist dasjenige überhauptgut, wenn zwey Dinge miteinander übereinkommen, und dasjenige heist überhaupt böse, wenn ein Ding dem andern zuwider ist. 6 Mit einander übereinkommen heist allhier, wenn ein Ding das anderem semer Datierung erhalt, und dessen Niesen und Beschaffenheit rermehrcr. Einander zuwider seyn heist, wenn ein Ding des andern seine DauerungverLüryt, oder dessen XVe, jett und NeschafsenheitVergermgcrt. 7. Und also ist der erste Unterscheid zwischen dem Wahren und Guten, daß das Gute die Übereinstimmung aUer Dinge mit einander benennet, das VOahre aber insonderheit die Übereinstimmung anderer Dinge mit dem »«enschkchen Verstände bemercket. 8. Hiernächst aber ist wohl ausser Zweiffel gefetzt , daß gleich wie andere Geschöpffe, ausser dem Menschen, dasjenige, was ihnen gut oder böse ist, mit den Gedcmcken nicht erkennen noch begreifen mögen, also auch der Mensch sehr unvernünftig wäre, wenn er sich um das, was andern Crea- turen gut oder böse wäre, bekümmern, und um sein eigenes Gutes und Hpses nicht wolle das Gute und Rosezu erkennen üderh. 7 besorget seyn- Derowegen werden wir alleine von dem Guten und Bösen in Ansehen des Menschen ,u handeln haben. 9. Das Gute des Menschen aber ist insonderheit von dem Wahren darinnen unterschied den, daß es in der Übereinstimmung anderer Dinge mit dem ganyen Menschen, oder mit allen seinen Theilen und Kräften, und nicht mit dem Verstände aUeine bestehet. 10. Wiewohl auch unter dem Übereinkommen ein großer Unterscheid ist. Was es in der Beschreibung des Guten bedeute, haben wir nur jcho errechnet. In Beschreibung des wahren heist es nichts mehr, als wie wir allbereit in der Vernunft-Lehre erklaret, daß die ausserlichen Dinge von dem menschlichen Verstand begriffen werden können, und ist das N?ahre,eigent? lich ;u reden, weder gut noch böse, ob schon die lLrkantniß des wahren zu dem Guten des Menschen gehöret, so ferne dadurch der Wille gebessert wird. 11. Wiederum ist daß Gute und Nose entweder rvahrhafcig also beschaffen, wenn nemlich, der allgemeine menschliche Verstand, so ferne er von denen Urtheilen menschlicher Autorität und Übereilung gesäubert ist, ein Ding für gut und böse erkennet, oder aber es ist ein Schein-Gut oder ein Schein-Ubel, wenn es von Leuten, die offmbahrlich in Vorurtheilen stecken, dafür gehalten wird. A4 ü.Dan- 8 Das i. H. Vytt der Gelahrhelt Dannenhero und weil diese letzlere Art einen offenbahren Irrthum mit sich führet, die Irrthümer aber nicht zur Welt--Weisheit gehören, so braucht es nicht eben grosses Erinnerns, daß wir in Untersuchung des Guren und Bösen auf dasjenige, was wahrhaftig Zur und bösetst, unser Absehen zu richten haben. iz. So sind demnach die Dinge, von denen man fragen kan, db st'e m Ansehen des Mcn» sehen gut oder böse se^n, entweder mund att ihm, oder ausser lhm. 14. Jens, als um Exempel stin ^eben, sein Verstand, die Gliedmasien seines Leibes , können nicht anders als gue seyn, weil sie ihm vom GOTT gegeben sind, seine Dauerung zu befördern und sein Wesen zu erhalten. Und muß dem- nenhcro entweder durch eins Bewegung von- m;An geschehen, daß dieselben aus gumi böse Dsnge werden,-. E-Wenu der Mensch widerWil- len sehr erschrickt, wenn er ohne feine Schuld verwundetwird, u.s.w. Oder aber der Mensch ijr selber an ihrer Versil-linnnerimg schuld, wenn er seiner Gesundheit, seiner GlicdmatM, feines Verstandes, u. s. w. mutbwillich mißbrnuchet. cZLeil nun des Menschen Wesen im Willen bestehet , und der Wille der Ursprung alles Übels ist so ist alles am Mengen gut, biß auf den Willen. Alle au ßerliche Dinge sind an sich selber den» Menschen weder gur noch böse, sie rönnen Oer devdes wexdcn, wenn sie dem menschlichen Wesen das Gute und Bc?se zn erkennen überh. 9 Wesen durch eine Bewegung recht oder unrecht Zpplici^t werden, z. E.Speise, Tranck, Gisst, ein Dolch u. f. w. Und muß dcumenhero der LNenscd sein VOesen und dessen Nefchaf- fettheit woH! erkennen, damit er diese Dinge gleichsam bey dem rechten Ende anmgreiffen wisse , und sich nicht selbstm durch seine eigene Schuld damit schade. 16. Jedoch ist es im gemeinen bürgerlichen Leben so Herkommens, daß manapotioridi-aus- ferü'chen Dinge gut oder döse zu nennen psieqtt , nachdem sie mehrenthcils zu des Menschen Ni/, tzcn oder Schaden können avpliciret werden,E. Speije und Tranc? ist was gutes, der Gifft was schädliches, u. s. w. 17. So ist auch hiernach!? in Aiifthnng der ^plicinmg außeriicds? Dinqe diestr Unter? scheid zu mcrcken, dcij; etliche Dinge zwar die mettsch!:chcn Rrafce zu vermehren scheinen, aber dabey die Dallerzmg seiner Lxilren? vergeringern. z. E. ein gemacht Gedächtniß , aüzu- emsige? 8cu6iren , alle sehr empfindliche Belustig gung vcr Sinnen; andere aber seine Dauerung natürlicher Weise besondern, ob sie gleich eben seine RrZfte nicht in einem me-cklichei? (?rciä zu vermehren scheinen; als maßige Speise und Tranck. maßige Beli-ftisung der Sinnen. 18. Jene werden gemeiniglich vsn denen, s» in Vocurcheilen inckeii, vor gute, diese aber ent- NÄer vor byss, »der doch zum wenigen für in- A 5 ciiA-e- ,o D6Si.H.v0>tderGeI.chrhe,'t äUerente Dinge gehalten, da doch die gesunde Vernunft weiset, daß allein diese letztern für wahrhaftig gut zu achten, jene aber vielmehr böse als gut sind. !?. Denn weil alles, was an dem gantzen Menschen ist, wie wir jetzo erwehnet, biß auf den Willen, gut ist, und weil kein Ding bestehen kan, wo keine LxiKen? oder Dauerung ist; so muß nothwendig alles dasjenige, was die Dauerung des gamzen oder eines theils als den Grund alles Guten ^/»/?ct, unter bc>se Dinge gehören, und kan man eine augenblickliche ob wol sehr mercklicheVermehrung der menschlichen Kräfte, so wenig für etwas gutes hallen, wenn in kurtzen eine Niederreisiung oder Bemühung der Kräfte darauf folget; Als wenn man ei, nen^ der ein mittelmäßiges Auskommen hätte, eine Million verehren, und wenn er nach ?rox?or- rion derselben etliche wenige Tage seinen Staat eingerichtet hätte, dieselbige nebst seinen vorigen Vermögen widernehmen, und ihn an den Bettelstab bringen, aber dabey bereden wolle, was man ihm für eine Gutthat bewiesen hätte. ?o. Und weil demnach, wie wir bald hören werden, alle sehr empfindliche Vermehrung des menschlichen Vermögens entweder der Dauerung des gantzen oder eines andern Vermögens emcn mercklichen Abbruch thut, so ist dieselbe or-- deutlich für bc»sc und nicht gut zu achten.. Hieraus folget nothwendig, daß (') alle Dinge das Gute und N äse zu erkennen Zberh, »r Dinge für gut oder böse zu halten, nachdem die Schaltung derDanerungdesMenschen dadurch Verlängert oder verLnryet wird. 2!. (7) Daß ein Vnryes Gute, das mit einem dauerhaften Übel nothwendig oder sehr wahrscheinlich vergesellschaftet ist, für böse und nicht für gut zu halten sey, und das Gegentheil von einem knryenUbel, das mit einem dauerhaften Gute vergeftlifchastet ist, müsse gesagt werden- Und gehet es dißfalls nicht anders zu als in Ausrechnung des Gewinsts und Verluste in einer Handlung. -z. (z)Daß der vorige Satz dahin zu erweitern fei?, es möge nun das kurtze Gute oder Böse vor dem dauerhaften Bösen oder Guten, mit dem e6 vergesellschaftet ist, vorhergehen, oder darauf folgen, wie avermahls durch das Gleichniß vom Gewinn und Verlust erklahret werden kan. 24. (4) Daß in Entscheidunq der unterschiedenen Grade des Guten und RFfen, auch dieselbe von der Dauerhaftigkeit derselhen hergenommen werden müsse. 25. (5) Daß dasjenige, was die Dauerhasi tigLeit einer menschlichen Rrafc befordert, am andern Theil aber eine andere noch dav- erhafcigcre verringert, unter böse Dinge zurechnen tev, vice verl^. 26. Und hieraus lernen wir abermahls den Unterscheid eines Menschen der in xr^ucliciiz steckt, und eines weifen Mannes erkennen. Was r: Dasi.H.vsnderGelahchelt Was die mcnschlichcn Kräfte auIcnbZicklich und daß man es sozusagengreifscnr'an, vermehret oder verengert, das wird wich von denen Unvernünftigsten für gut oder bose gehalten: Wo aber die Wmckung der Vermehrung oder Verringerung nicht so augensHeinlich zu fpühren, oder auf die Zpplicirunyderausserljchen Dinge an den Menschen langsam erfolget, das betrachten die Unweiftn nicht, da Hingegentheil einer der das wahrsGutaufrichtiZ suchet, fich darum eyfferig bekümmert, weil erverspühret, daß durch Unterlassung dieser hochnöthiam Untersuchung dem menschlichen Leben der gröste Schade geschichtt. !7. Denn es gehet dUalls fast eben so;u, wie mit der Erkäntniß der Wahrheit und denen Irrthümern. Was unmittelbar durch die Ginnen begriffen wird, oder dencnftlben zuwider ist, das begriffen ja auch diejenigen, die ungelehrt sevn, und die noch in denen ?rTMclzciis stecken, was aber die aus unstreitigen Wahrheiten herge, leitete, entfernet?, oder wahrscheinliche Lehrsatze anlcmqet, darzu ist die behutsame sttemionemeS weisen Mannes aileine geschickt. 28. Derowegen muß b^ld Anfangs ein junger Mensch, der in Erkäntniß des Guten undBvscn was rechtschaffenes thun will, dieses, was wir bißher äemonttriret, als einen ohnzweiffelhaften Grund feste setzen, daß dasjenige aUeinegut sey, was des Menschen Wesen und Nräfte am das Gute und Bose zu erkennen übsrh. iz am dauerhaftesten crha!c, und vermehret , es möge nun diese p!ici,rtMZ desselbigen »liemaln davon abweiche, je gewvnhlicher das Vorurlheil dem menschlichen Geschlechte eingewurhelt ist, daß so wohl Hohen-als Niedrigen-Stanves, Gelehrt und Ungelehrt, Alt und Jung alleine nach solchen Dingen trachtet und verlanget, die eine gegenwärtige und merckliche Vermehrung der natürlichen Kräfte nach sich ziehen, und in Gegentheil für andern Dingen einen Eckel hat, die eine dauerhafte, aber entfernete und nicht so leichte zu spürende Erhaltung des Menschen wurcken, welches theils von denen bösen und unweifen Exempeln derer andern Menschen, mit denen wir täglich von Jugend auf umgehen, und derer Nachahmung zu «im Mem Natur bey uns wird , theils aus ,4 Das^H. vonderGelahrhsit auö der von Jugend auf uns anklebenden Unge- dult, unser Verlangen ohne Andere Mühe geschwinde und merckiichzu erhalten, herrühret. zo. Wie aber dasjenige, was wir bißherzum Grunde geleqet, aus Vermehre von dem Guten und Nö°sen überhaupt, und so ferne solches alle Creaturen angehet, hergenommen ist; Alsv müssen wir nun Venen Grund-Lehren von dem Guten und Bösen der Menschen etwas näherkommen, und zu förderst aus dem, was wir all, bereit in der Vernunft-Lehre, da wir von denen ' Vorurtheilen geredet, angemeccket haben, xr-e- lupponiten, daß des Menschen !75amr und Wesen von seiner Geburtan in der großen Unvollkommenheit stecke. zi. Wie nun alle Dinge auf der Welt durch eine j-etswährende Bewegung erhalten werden, und ohne dieselbe nichts als ein verwirreles LKaos seyn würden; Also bestehet auch des Menschen seine Z^latur in einer dergleichen Nerve» gtmg, der GOtt, wie bey andern Dingen, gewisses Maaß, Ziel und weise vorgesetzet, nach welcher der Mensch aus einen unvollkommenen Wesen in ein vollkommenes, und von bar wieder biß auf sein Aller in ein unvollkom? menes gesetzt wird. z:. Diese Bewegung hat sonderlich zwever- ley Eigenschaften, (i) Daß sie entweder stei« get oder fället, das ist, daß dadurch entweder die Dinge und also auch der Mensch theile in seinem das Gute und R<5sezu erkennen uberh. »5 nem garchen Wesen, theils in seinem Kräften entweder zu ^ und abnimmt, und daß dannenhcro, wenn et»» Ding nicht mehr zunehmen tan, es nothwendig wieder abnehmen muß. (^) Das sie eine gewisse und mehr langsame als geschwinde Proportion, die aus vielfatti- gen kleinen Graden bestehet, beobachtet, wieelwan in einem Uhrwerck die Bewegung desselben in gewisse Augenblicke abgetheilet wird, welche, wenn sie von dem Menschen überschritten werden, seinem Wesen eben so sehr Schaden dadurch zugefüget wird, als wenn man an denen Rädern eines Uhr- wercks künstelt, daß sie geschwinder lauffen sollen, als die Hand des Künstlers verordnet hatte. zz. Gleichwie aber die von GOtt allen Dingen und folglich auch dem Menschen fürgesetzte Dauerhaftigkeit seine Gräntzen hat, die der Mensch nicht überschreiten kan, und solchergestalt an sich selbst gut ist, also wird sie doch taglich auch von dem Menschen zum Grunde des ZSosen gemacht, so ferne er durch unrechte 3p- xlicirung der ausserlichen Dinge, entweder, wenn er in Abnehmen ist, diese Bewegung gar zu geschwinde bescheiniget, oder aber, wenn er noch zu seiner Vollkommenheit wächst, auch diese entweder verhindert, und sein Abnehmen verursachet, ehe er noch vollkommen worden , oder gleichfalls dieselbe allzugeschwinde befordert, und die gewöhnliche Zeit aus Unge, dult nicht erwarten kan. Z4-De»l» i6 Dasi.H.vonderGelahchelt z4- Denn daß auch diese leyte 2irt der Bewegung nicht gut, sondern dose sey, fiiesset daraus, weil dadurch des Menschen seine Dauerung verköryet wird, indem, wie wir jeHo errechnet, er nothwendig zu ftinem Ende sich nahen muß, wenn er nicht mehr zu nehmen kan. Zu geschweige», daß durch die allzumerckliche Beförderung der Vollkommenheit die von GOlt verordneten Grade der natürlichen Bewegung überschritten, und also auch in diesem Stück das Ende seiner Dauerung befordett wird. z>. Ferner weil der Mensch aus unterschiedenen Theilen des Leides bestehet, die ihre unterschiedene Würckung haben, auch etliche duich unterschiedene Arten der Bewegungen oder durch die Berührung unterschiedener äußerlichen Dinge erhalten werden, so i>i offenbahr, daß die natürliche Bewegung der menschlichen Gliedmassen eine stete und Karmoinsche Veränderung erft»rdere, und dadurch die Kräfte in desto besserer Dauerung und Vollkommenheit erhalten werden können, und daß anderseits eine cvMk'W!>!iche Bewegung oder Ruhe eines Gliedes bc»se sey, weil sie solches entweder zu fernerer Bewegung untüchtig macht oder ein- schläffert. z6. Gleichergestalt ist auch dieses unter die böjen Dinge zu rechnen, wenn man die menschlichen K'äft? entweder jretsw.hrend auf em Zewisses Ding«/?^">st, oder gar zu ofte und Ze- das Gute u.NFsezu erkennen uberh. 17 geschwinde dieselbe auf unterschiedene und zumahln widerwärtige Dinge fallen last, weil dadurch die von GOTT eingeführte ^,/o»/scheVeränderung auf beyderley Wei, se verändert wird. Z7- Dieses, was wir bißher angemercket, et, was deutlicher zu begreiffen, so bestehet des Men, schen Wesen theils in einem S.eibe, der von der mackine des Leibes der Bestien nicht allzusehr entschieden ist, theils in einer Seele, die daden- cket und will. z8- Be» der macKine seines Leibes ist zufor- derst des Leibes Lieben zu betrachten, welches in einer propornoriirlichen Bewegung des Geblüts und anderer Säfte in denen Blut, und Puls- Adern , und andern innerlichen Theilen bestehet. Z9- Dieses L.eben ist nicht alleine gut, sondern auch der Grund alles Guten; und was dasieibige erhält, das ist, wasdie vonGOtt geordnete />o/?o>-tto» befordert, und die Be- -wegung des Geblüts und anderer Safte weder hemmet noch allzu geschwinde forttreibet, «stauch gut; was aber dieselbe langsam macht, oder allzusehr schärffet, das ist bose. 40. Der Tdd ist theils bose, theils gut. Böse, so ferne durch des Menschen Vorsatz oder Nachlaßigkeit seine Dauerung unterbrochen wird. Gut, so ferne derselbe nichts mehr andeutet, als das natürliche Lebens Ende. Denn das Leben ist gcmtz gut, und also auch desselben Ende, und V wir i8 Dasi.H.VvttderGclcchrhelt wir huben nur jetzo gesagt, daß alie von GOlt gesetzte Gräntzen gut seyn. 41. Hicrnachst hat der Mensch auch Senn- Adern, die mit Kidtilen geistigen Cmpern angefüllet seyn, und sich im Gehirn vereinigen, von dar aber in alle innerliche und äußerliche Glied» Massen deö Leibes ausgetheilet sind, und durch welche so wohl das Viehe als der Mensch sich äusserlich beweget, auch durch deren Berührung von denen äußerlichen Cölpern, so wohl bey Menschen als Viehe, eine gewisse Bewegung in dem Gehirne entstehet, die de? gemeine Mann SinnIlgLeiten zu nennen pfleget. 42. Diese Vewegungs-Rrafc und so ge- nandten Sinnilgkeiren sind gleichfalls gut, und der Mangel oder Beraubung derselben, als die Blindheit, Taubheit, der Schlag-Fluß u. s. w. sind bose: wie nicht weniger alles, was die Be- wegungö-Kraft und Sinnligkciten stärcket und erhält, ist gut, was sie aber verringert , ist böse. 4Z. Und dieses Gute undBose hat der Mensch ^ mit Venen unvemlmfttgen Thieren gemem. 44. Endlich aber denckt der Mensch, das ist, er bee reift unterschiedene Bewegungen ausserli- cher D'nve, er behalt selbige in seinen Gedancken, er setzet sie zusammen, sondert sie von einander, ee zehlet sie und misset sie ab- Und dieses heist man die Vernunfr, oder eigentlicher zu sagen den Verstand, der den Menschen von andern Thieren timerscyejdel. 45. Und das Gute u. Bäsezuernennen übech. 19 45. Und gleichwie dieser ohnstreitig gut ist; also ist auch dieNermtbungdesielbigen, welche man Raserey oder Wahnwitz nennet, sowohl auch seine Verringerung oder die Thorheil, Unvernunft u. s w. bose. Und was die Vernunft vder den Verstand starcket und erhält, ist gut, was sie aber schwächet oder verringert, ist bose. 46. Ferner so ist vermittelst dieser seiner Seele der Mensche von denen andern Thieren entschieden, daß der Verstand zwar das Gute und Böse so hin erkennen, aber weder das wahre und höchste Gut erwehlen und ergreiffen, noch das wahre Böse meiden kcm , weil ihn der Trieb seines Hertzens davon abHalt. Und hierinnen sind die unvernünftigen Thiere nicht fiz elend als der Mensch. 47. Dieser Trieb des Hertzens ist der VOllle vder das Gemüthe des Menschen, und ist das rinyige aber auch das vornehmste, was am Menschen böse ist. 48. Bißher haben wir den Menschen in Ansehen seines eigenen Wesens betrachtet; Nun Missen wir auch ein wenig naher auf die Dinge, die außer ihm sind, reüeÄiren, und von derer- selben ihrer Würckung in die Natur des Menschen etwas reden. 49. Alles was von außen den Menschen berühret, das berühret unmittelbahr die äusser- Zichen Sinnligteiten, und dannenhero weil diese Würckung am aUeraegenwättissten ist, wird B - auch 2s Dasr.H.vonderGelahrhel't: auch das Gute und ZSose derselben von denen unvernünftigen Menschen empfunden,und in Ansehen der gegenwärtigen Belustigung oder Verletzung für gut und böse gehalten. 50. Wenn die äusserlichen Dinge durch die äusserlichen ^»nnligkeiten den Leid des Men, schen gerühret, so entstehet hernach auch durch die Fortsetzung dieser Bewegung eine Berührung des Geblüts und der andern innerlichen Säfte, wiewohl das Gute und Böse, so durch diese Berührung verursachet wird, mehreulheils nicht so handgreiflich zu spühren ist, sondern die Vermehrung und Verringerung der meuschli, chen Kräfte dißfals ofte sehr entfernet und zukünftig zu seyn pflegen; dcmnenhero auch nicht ein jeder unvernünftiger und in denen Vorurtheilen cmnoch steckender Mensch caxabel ist da- von zu urtheilen, svndern hierzu eine sonderliche Atrenrion und Weißheil erfordert wird, und zwar desto mehr Weißheit, je weiter die Wür- ckung dieser Berührung der äußerlichen Dinge von deren Anfang entfernet ist. 51. Endlich weil auch der Wille und die Gedancken des Menschen mit dem Leibe genau verknüpffet seyn, und dasjenige nicht alleine, was die Sinnligßeiten scharf berühret, auch zugleich die Begierden und Gedancken mit beweget , sondern auch die alrerirung der geistigen- Corper in dem Gehirne zugleich die Gedancken selbst in einen muntern oder schläfrigen UNS das Gute u Bosezu erkennen überh. 21 und tummen Zustand setzet, und die ^Irerirung des Geblüts auch den Willen, und durch denselben abermcchls die Gedcuicken alreriret, so ist dan- nenherv einem vernünftigen Menschen destvmehv daran gelegen, die entferneten und zukünftigen Verändertingen, die durch Berührung der äusser- lichen Cörper in feinem Leib und Seele verursachet werden, fo genau es möglich ist, zu wissen und zu begreiffen. 52. Es wird aber dasjenige, was wir allbereit oben zum Grunde gefetzet haben, folgende Anmer- (klingen an die Hand geben. Alle oHeÄa, derer Siunligkeiten, die bey dem Menschen Leine neue außerordentliche und sehr empfindliche Bewegung verursachen, sondern nur seine natürliche Bewegung in einem ruhigen Zustande erhalten, sind gut; Und alle Bewegungen derer SinnligVeiten, die gar zu empfindlich sind, oder die die Sinnen gar zu starcr bewegen, verderben; die Senn-Adern der sinnlichen Gliedmassen, und derhalben sind sie bose. 5Z. Sprichst du : woran erkenne ich es aber, ob die Bewegung in denen zur Sinnligkeit gewidmeten Glicdmassen allzusiarck, oder der na? türlichen Bewegung gleichförmig fei)? So kan ich dir dißfalls keine andere Antwort geben, als daß dir solches deine innerliche Versicherung am besten sagen werde, und daß man dißfalls keine allgemeine Regel überhaupt geben könne, weil B; die L2 DaSl.H.vHNderGelahrheit: die ordentliche Bewegung bey einem Menftlien nicht in einem Lracl ist wie bey dem andern, sondern bei) nahe auf so vielfältige Art v^riiret: als Menschen fe^n, welche Veränderung theils von dtm Alter, theils von der Landes-Art, theils von der Gewohnheit u. s. w. herführet. Und solchergestalt darf ein jeder nur auf sich selbst Achtung geben, ob er eine merckliche und zuvvl> her ungewohnte alter-mon bey sich empfindet oder nicht. 54. Hieraus folget., daß die mittlern Bewe- gunyen zwischen dem allzustarcken und ordentlichen bose seyn, wenn sie denen Mustarcken naher kommen, und für gut müssen gehalten werden, wenn sie denen »--deutlichen nahe sind. 55. Es kan aber diese ordentliche Bewegung der sinnlichen Gliedmassen wohl bose werden, wenn sie allzulancle conrinulret wird , weil dadurch die Bewegung der andern Smnligkeiten, die nach der Weißheit des Schöpf- ftrs, als wir oben erwehnet, mit einander durch eine anmuthige Veränderung abwechseln sotten, gehindert wird. 56. Gleiche Bewandtniß hat es mit derVewe- ZzmAs-Rr^federäusserlichenGliedmassen^ Eine'mäßige Bewegung, die nicht sehr empfunden, und nicht alluilange cominuil-et wird, ist gut, eine aüzusebr empfindliche oder lang continnirte aber, ist böse. 57. Ferner was die Bewegung des Geblüts betrift, das Gute v. Bose zu erkennen überh. 2; betlift, so ist dieses für bose zu halten, wodurch des Menschen Geblüt gar zu sehr, oder gar zu langsam beweget wird; Was die Bewegung des Geblüts in seinem ordentlichen Zustand erhalt, ist gut. Ausser daß man hier nicht sagen kan, daß die ordentliche Bewegung desG?bluts, wenn sie lange cominuiretwird, böse seyn solle: Weil der Mensch nur einerley Bewegung des Geblüts hat, ohne welches er nicht leben kan, aber, im Gegentheil vielerlei) Arten der Sinnligkeiten von GOtt erhalten, die sich nicht alle zugleich bewegen können, sondern einen nach der andern sich bewegen muß. 58. Ferner was die Gedancken des Menschen gar zu sehr schärftet, oder gar zu sehr turdiret, ist böse, was aber dieselbe in einer x>ioportionir- lichen Bewegung erhalt, ist gut: Ja was diese Bewegung allzulange continuirct, ist auch bA je, weil die Gedcmcken nicht nur den Menschen gegeben sind, vielfaltige und unterschiedene Dinge zu bedencken, sondern auch zu ihrer Erhaltung eine mit derBeweguna abwechselnde Ruhe erfordern. Endlich was den Willen des Menschen betrift , wird alle natürliche Berührung desielbigen durch ihn selbst verderbet, weil er durch und durch böse ist. Dervwegen kan er nicht anders als durch eine aus- serordenlliche Berührung als durch eine ^leelicin curiret werden. 5?. Dieses wäre als!>dasvornehmste, das in Betrachtung der äusserlichen Dinge über- B 4 Haupt 24 Dasi.H.vonderGelahrheit Haupt amumercken wäre: Wollen wir nun ferner dieselben insonderheit noch ein wenig beschauen, wird es am füglichstcn geschehen, wenn wir dieselbe in drey Classen eintheilen, deren etliche unter den Menschen sind, als die Thiere, Pflantzen, u.s.w. etliche neben ihm, als andere Menschen, und endlich das höchste Wesen über ihm, nemlich GOtt. <5o. WasdieDmge, die unter ihm seyn, be- trift, so wird ein jeder vermittelst einer geringen Aufmerckung gar leichte begreiffen können, daß der Mensch zu Erhaltung seiner Dauerung und seiner natürlichen Kräfte so viel Dinge eben ni hallung seiner L.ebens-Gei- ster und der Kräfte in seinem Leibe braucht er zwar Speise und Tranck, aber hiervon ist schon ein alt Sprichwort berant, daß die ZTlarur mit wenigen vergnügt sey: Zur Erhallung der ans dernäujserlichen Sinne des Gesichts, Gehör?, Geruchs, Geschmacks und Gefühles wird sehr wenig Reichthum erfodert, sondern die Natur des Menschen kan sich dißfolls an fremden Dm, gen, oder die dem Eigenthum der Menschen nicht miterworffen sind, begnügen. Und endlich so ist wohl ausgemacht, daß derjenige, so wenig isset und trincket, auch die Belustigung der Sinnen maßiglich brauchet, am iuttetten. und accurate- sten zu gedmcken geschickt sey. 62. Es das Gute 1». Rose zu erkennen überh. 2; 62. Es wird zwar diese Anmerckung.in praxi fast durchgehende bs» dem menschlichen Geschlecht für lächerlich gehalten, und in Gegentheil geglaubet, der Mensch müsse viel Dinge zu Erhaltung seines vvesens haben. Weine dieses Vorurtheil scheinet theils aus der irrigen Mevnung entsprossen^ seyn, als wenn GOlt alle Creaturen dem Menschen zu gute, (das ist, zu Erhallung seines Wesens) geschaffen halte; theils auch aus einer übelen Gewohnheit, oder sonsten aus einer eitelen Einbildung. 6z. Wiederum ist kein Zweiffel, daß die meisten Dinge, und zwar auf vielfältige Weist, dem Menschen schaden können, und daßdan- ncnhero der Mensch grosse Ursache habe bieselbi, gen zu meiden. 64. Nichts destoweniger muß man die andern Gesctwpffe mehr unter die guten Dinge als unter die bösen rechnen, weil gleichwohl der Mensch zu seiner Dauerung etlicher dererselben nicht entbehren Lan, die übrigen aber dem Menschen nicht in Ansehen Ihrer selbst schaden, fondern nur daß sie unrechl appliciret werden, welche unrechte upplicirung entweder der Mensch sclbstcn thut, ober doch demselben nicht ohne seine gantzli, che Schuld mehrentheils wiederfahret. 6;. Aber bey dem Menschen wird mehr anzu- me> cken seyn. Ohne andere Menschen rvärs der Mensch höchst elende, denn er würde entweder ohne anderer Menschen Hülffe nicht leben B 5 tön, 26 Däsi.H.vonderGelahchet't: können, oder doch ein verdrießliches Leben führen. Ja er würde der meisten , wo nicht alier sinnlichen Belustigungen entbehren müssen, als welche andere Menschen prxKipponiren. Endlich würden ihm auch die Gedancken wenig helffen oder nütze seyn; Denn die Gedancken bestehen aus einer innerlichen Rede, die innerliche Rede entstehet von einer aus? ferlichen, die ausserliche nutzet gar nichts, wenn keine menschliche Gesellschaft wäre. 66. Aber deswegen muß man nicht alsbald zu plumpen, und andere Mensche» ohne Unter, scheid als etwas gutes betrachten: Zumahl wenn man erweget "daß dem Menschen auch von andern Menschen grosserVerdrußan^ gethan werden j^an, indem ein Mensch den an^ dern todten, denen Sinnligkeiten viel Unlust zufügen, und dieselben martern kan. Ja indem taglich einer des andern seine» Verstand durch Beodrin^ gung vieler Irrthümer, durch Betrug im Handel «nd Wandel, u. f. w. wie nici'it weniger seinen Willen durch Verführung zu Lastern und bösen Exempeln verletzet. 67. Gleichwohl kan sich auch der Mensch im Gegentheil anderer Menschen besser als al- Her andern Lreaturen bedienen, semL.eben: zu erhalten, zu veriangerl?, sich zu vergnügen, und am allermeisten seine Vernunft zu saubern, und seine-, Willen durch gute Exempel auszubessern. 6z. Und also ist der Mensch mehr unter die xneen DmZe anderer Menschen, als unter bose zurechnen. 69.Wie- das Gute u. Bäse zu erKennen ubech. 27 69. Wiederum ist kein Zwsissel, daß dißsalls der Mensch für andern Thieren etwas sondeclicheS habe, daß ihm unter seines gleichen Mensche,» cm Mensch beMr anstehet alö der andere, woraus eine abs^nberlicheZreuttdschafcodes L.iebe entstehet. 70. Und zwar so-geschiehet M)es aus vielerlei) Ursachen, entweder wegen einer absonderliche» Dürftigkeit , und wegen Belustigungen der Gmncn, oder wegen Übereinstimmung der Gcdancken, oder des Willens. 71. Im übt igen sind alle Menschen einander von Natur gleich, und die Ungleichheit der Stände ist entweder aus Mangel oder wegen dringender Noth eingeführet worden. Dannenherv steckt es in des Menschen Natur, daß er so viel als möglich trachtet seine Gleichheit: zu erhallen. Und entstehet daher ein absonderliches Gut, das ma« Freyheit zu nennen pfleget. ?e. Nichts destowemger lebet der Mensch von Jugend auf unter lauter UnZl-ichheit, und diese Gewohnheit wird be» ihm gleichsam zur andere Natur. Dannenhcrs trägt er Verlangen entweder andern, die über ihm sind, gleich, oder denen, die seines gleichen sind, vorgezogen zu werden, welches man die Ghrbegierde zu nennen pfleget. 75. Dieweil aber oer wahrhaftige Grund andern gleich geachtet oder vorgezogen zu werden, m Sem rechten Gebrauch der Vernunft, das ist, ii, rechtschaffener Eckäntniß der Außsibuna des. 'Wc>.-> 28 Dasi.H.VdnderGelahrhelt Wahren und Guten bestehet; So ist diese Begierde nur in so weil fnr gut zu achten, so ferne sie sich in diesen Mitteln gründet, weil der Mensch dabey niemahls seinen Schaden oder Übel leiden kan. 74. So ferne sie sich aber auf etwas anders gründet, ist sie boft, weil sie nicht dauerhaft«« seyn kan. 75. Ja wenn der Mensch seine Vernunft recht gebrauchet, wird er auch die Ehrbegierde der ersten Art mehr für in/a//s»ce, u. f. w. nennen kan, woraus ein absonderlich Wesen, das die Lateiner vecorum nennen, entstanden, auch alle Schamhaftigkeit daher ihren Ursprung nimmet. 8«. Dieses Decorum und die aus Verletzung desselben entstandene Gchamhaftigkeit ist, so ferne sie die weisen und tugendhaften Leute vor die zo Das!. H. von der Gelahrheit die lceflichsten hall, und derenselben Thaten imiri- ret, ei» wahrhaftiges Gut. So ferne sie aber die Lasterhafteli mW Gewaltigsie!, zum Spiegel braucht, ist es ein Übel; So ferne es aber auf die Nachahmung inäiKerenrer Dinge zielet, ist es au sich selber mehr ein eiteles ZTlichrs als was gutes, jedoch wirdesexK^ornell, weil wir unter läutern eitelen Leuten leben,billig für was guts geachtet, weil die Unterlassung desselben dem Menschen schädlich ist, und er ohne diesem clecorc» in vira civili ohnmöglich fortkommen kan. 81. Nun ist GOtt noch übrig. Von diesem hat der Mensch sein Wesen bekommen, und wird noch von ihm augenblicklich in seiner Dauerung erhalten. Ihm allein hat er die ausserlichen Dinge, die zu seiner Dauerung nach dem ordentlichen Lauf der Natur etwas comribuiren, zu dancken, und also stehet GOlt unter allen guten billig Oben an. 82. Uno obschon der Mensch gleichfalls erkennet, dcch GOtt ihn aller seiner Güter wider berauben, und den grösten Schaden zufügen könne, so darf er doch GÖtt nicht unter die byjen Dinge, oder für die Ursache des Bösen rechnen, weil er gar wohl begrciffet, daß er der Mensch durch seine eigene Schuld, alle die Übel, die von GOtt herrühren, sich über den Hals ladet. 8z- Denn der Mensch kan auch aus dem S.icyt der Z7;atur erkennen, daß GOtt für seine Wohifarth Sorge trage, und daß er auch in die. smZ das Gute u.Vöse zu erkennen überh. zr sem L.eben (denn von den künstigen weiß die menschliche Vernunft nichts) ihn, nachdem er sein Leben anstellet mit Guten oder.NFjen be- lohnen oder bestraffen wolle. 84. Deßhalben muß er auch nothwendig für gut halten, daß er nach GOlteS Willen, den er ihm in dem Rechte der Natur offenbahret, sein Thun und lassen einrichte, und für dose, wenn er demselben widerstrebet, weil er weiß, daß auf jenes die Belohnung, auf dieses aber die Straffe folgen werde, und daß die Göttliche Belohnung und Straft viel dauerhaftiger sey als ein gegenwärtiges und augenblickliches Übel oder Gut. 85. Wsrzu noch ferner kommt, daß er erkennet, wie das Recht der Natur in der gemeinen Glückseeligkeit des menschlichen Geschlechts gegründet sey, weßhalben er desto mehr für etwas gutes halten muß, daß er sein Leben nach GOttes Willen einrichte, weil unter der allgemeinen Glückseeligkeit auch seine eigene mit begriffen wird. «6. Wenn er demnach sein Leben nach GOtkeS Willen einrichtet, so Heisset solches ein tugendhaftes L.eben, zu diesem aber kan er nicht gellangen, wenn sein Verstand nicht zu vorher durch die Gelahrheit ausgebessert ist. Derowegen ist die Tugend und Gelahrheit, absonderlich aber ( wie wir allbereit iwder Ausübung der Vernunft- Lehre- erwiesen) die Mkäntniß semer selbst was Dasi.H.vonderGelahrheit was Kiltes, und Hingegentheil das Laster die Unwissenheit, und der Irrthum, so wohl auch die Ge- lahrheic, die man mit Unterlassung der Erkantniß seiner seihst in denen andern Geschöpfen sucht, was böses. 87. Aus dem, was wir bißher gesagt, werden wir gar deutlich die gemeinen tLmtl)ellungen des Guten verstehen können, die sonst ziemlich schwer und dunckel von denen, die sich derselben bedienen, fürgebracht werden. Insgemein sagt man, daß dreyerley Güter der Menschen seyn, die Güter seiner Seelen, die Güter des L.etbes, und die Güter des Glücks. 88. Die Güter seiner Seelen sind der rechte Gebrauch des Verstandes und Willens, nemlich Weißheit und Tugend. Die Güter des L.eibes sind sein Leben, seine Sinnligkeiten und Bewe- gungs-Kraft, die Gantzheit seiner äusserlich«» und innerlichen Gliedmassen, und die rechte cli- lpo5icic.n seines Gehirnes, weil von derselben die Vernunft clepenäiret, in Ansehen sie durch die slrer^tion des Leibes und absonderlich des Gehirnes selber alteriret wird, und durch die Krancß- l)eit des Leibes verringert oder mrbirel werden kan, welches alles msammen mit einem Worte die Gesundheit des Leibes heist. Die Güter des Glücks sind Reichthum, Ehre, Freyheit und Freunde. 89. Also siehest du, daß wir alles bißhero einzeln erzehlles Gute unter die gewöhnliche» le» das Gute u. Boje zu erkennen überh» 5en gebracht haben, biß auf GOTT und das die sich nach der gemeinen Beschreibung nicht füglich zu einer von derselben fetzen lassen. Was das ^wn-M betritt, daran hat bißhero niemand gedacht, was es für ein Gut sey, obgleich alle ?Ki'io5ox>Ki darinnen wider die 6>«^-o/ einig gewesen, daß über die Tugend noch etwas anders sey, das man im gemeinen Leben und Wandel als eine Richtschnur in acht nehmen müsse. 9«. Was GOTT betrift, ist es zwar denm Heydnischen?Ki1o5ox>1ien endlich zu übersehen, daß sie dieEintheilung der Güter des Menschen sö eingeschrcnckt, daß sie das nöthigste dämmen versehen, weil sie insgesammt, wegen der Vermischung der Welt--Weißheit und der falschen Offenbah- rung, irrige Meinungen von GOlt gehegtt; daß man aber in Christlichen Schulen diesen Mangel so gelassen, wie man ihn gefunden, ist billig zu bewundern. Wir wollen uns aber nicht eben bekümmern , diese Cintheilung nach diesen ZZnmer- ckungen auszubessern, sondern lieber dieselbe gar fahren lasten, weil wir nicht sehen, was dieselbe füe einen grossen Nutzenhabe. 91. Ferner lehret man durchgehends in denen Schulen, c^uoä doüum lic Konetir-M, utüe Lc Muncium, daß ein ehrbares, und ehrliches, oder rechtmäßiges, nützliches und belustigendes Gut se», und machet in Beschreibung dieser unterschiedlichen Arten, so wohl auch M denen Exempeln den linterft! ied derselben wehe M E ver>- Z4 Dasi.H.vonderGelahrheit verwirrt als deutlich, indem man diese falsche Meynung hat, als wenn diese dreyerley Güter rvürcklich von einander unterschieden waren, da doch ihr Unterscheid nur darinnen bestehet, daß das Gute in unterschiedener Verachtung bald ehrbar, oder ehrlich, oder recht, mäßig, bald belustigend, bald nützlich genennet werde. 9-. Denn alles wahrhaftige Gute (das Schein-Gut haben wir schon oben auögemertzet) ist nützlich, weil es den Menschen in seiner Dauerhaftigkeit erbalt. So ist es auch belustigend, wenn es der Mensche besitzet, weil die Freude, Lust und Vergnügung nichts anders ist als die Bemessung und Besitzung des verlangten Guten. Endlich ist es auch ehrbar oder zum wenigsten nicht unehrbar; denn die Ehrbarkeit gründe? sich in dem gemeinen Nutzen des menschlichen Geschlechts, und wir werden zu seiner Zeit bald darthun, daß der, so ein ehrbares Leben führet, auch alleine ein recht lustig und vergnügt Leben empfinde. Und gleichwie alle Unehrbarkeiten und Laster dem gantzen menschlichen Geschlecht, schädlich seyn, auch jeden Menschen selbst ruini- ren; als wird es sich auch bald weisen, daß derjenige, der ein unvernünftiges Leben führet, auch zu der Zeit, da er sich die groste Lust einbildet, vielfaltigen ja unzekligen Verdrießlichkeiten unterworffen sey. yz. Es krieget aber dieses eintzigeGute unterschiedene Nahmen, nachdem man es auf unter- schier das Gute u. Nose zu erSennen überh. z5 schiedene Weise betrachtet. Wenn man seinen Ursprung anflehet, daß es von GOtt herkomme, und daß es von GOtt oder solchen Menschen, die an GOlles Stelle auf dieser Welt das Ne« giment führen, als eine Richtschnur des menschlichen Thun und Lassens vorgeschrieben sey, so heist es ein ehrbahres Gut, wiewohl es auch manchmahl diese Benennung erlanget, wenn es nichtunehrbahr, ehrlich, oder rechtmäßig oder dieser Richtschnur nicht zuwider ist. 94. Betrachte ich aber das Gute in Ansehen semer selbst und seiner Gegenrvartigkeit, so Heisset es ein belustigendes Gut. 9;. Endlich wenn ich seine lVürckung betrachte, so Heisset es nützlich, nemlich so ferne es ein neues Gute zuwegen bringet, oder das gegenwärtige continuiret- 96. Und also ist kein anderer Unterschied unter dem nützlichen und belustigenden Guten, als daß jenes auf zukünftige Dinge, dieses aber auf gegenwärtige sein Absehen hat. 97. Woltest du gleich sagen, daß man sich auch an vergangenen und zukünftigen Dingen belustige, ja daß man mehr Vergnügen an Betrachtung vergangener und zukünftiger Dinge, wo nicht allemahl, doch öfters, als an gegenwartigen empfinde; z. E. ein zärtlich Verliebter; so wirst du doch gestehen müssen, wenn du die Sache genau überlegest, daß alsdenn erst die Betrachtung vergangener Dinge belustiget, C 2 wenn z<5 Das i. H. von der Gelahrh eit wenn wir uns dieselben als noch gegenwärtig oder die doch leichte wieder gcgenwäm'g scyii können, vorstellen, und daß die Betrachtung zukünf- eiger Dinge uns belustige, wenn wir gebencken, daß sie bald gegenwärtig sc»n werden, und also muß man das gegenwärtige allhier in einen etwas Weilern Verstände nehmen. 98. Denn wenn ich das vergangene Gute als vergangen betrachte, und das nicht mehr gegenwärtig seyn wird, so erfreue ich mich nicht, sondern ich betrübe mich, gleich wie in Gegentheil dieBetracktung des vergangenenBösens uns be-- lustiret. Und wenn ich das zukünftige Gute nur noch als zukünftig ansehe, so empfinde ich keine Lust darvon, sondern ich habe nur ein Vero langen darnach. 99. Daß man aber insgemein die nützlichen, belustigenden und ehrbahren Güter von einander absondert, geschiehet theils daher, daß man diese Güter nicht recht beschreibet, theils dcch man gantz offenbahr das Schein-Gut mit dem wahren Gut,theils auch endlich andere zufallige und geringe Arten des Guten mit denen edelsten vermischet. 100. Man sagt, das nützliche Gute verlange man wegen eines andern, das belu- fiit/ende aber und das ehrbare wegen sem selbst. Meine so ferne alles Gute eine beständige Dauerung imenäiret, Muß es nothwendig wegen eines andem verlanget werden; so ferne das Guteu. Bofeerömttm überh. z? aber durch das andere etwas von dem vorigen gantz unterschiedenes verstanden wird, und daß das vorige nichts unmittelbar zur Datierung contribuixe, z. E. Geld, so bcgreiffet man nuv unter dem Nahmen , des nützliche»? Gutes die ZerinstsArt, nemlich die Mittel zum Guten, gleich als ob, zum Exempel, dasÄ.eben, dieGinnliZ- Veiten und dererjelben mäßige Belustlgun- Zen u-s.w. die man wegen ihrer selbst verlangst, nicht auch nützlich waren, 101. Ferner spricht mau, das ehrbare Gut Verlange die gesunde Vernunft, das belustigende aber ein uns mit denen Thieren gemeiner uppecir. Aber gleichwie alleine der menschliche Wille so wohl das ehrbahre alo belustigende Gut verlanget; Der mensthliche Verstand abes für sich selbst gar nichts verlanget, sondern ein blosses lutti-umem- des menschlichen Willens ist; also wissen die Gelehrten selbst nicht, wie sie dem so genannten sinnlichen Appetit so wohl von dem Verstände, als dem Willen des Menschen eM scheiden sollen. io!. So ist auch darinnen eine ziemliche Un- förmligkeit, daß man diesen appenr, der nacH belustigenden Dingen trachten soll, der gefunden Vernunft entgegen setzet, gleich als ob eins gemäßigte Freude und Lust der gefunden Ver» nunft zu wider wäre, und nicht vielmehr verGe^ brauch de,r gesunden Vernunft ftlbsten m der C z Ge- ;8 Das I. H. von der Gelahrheit Gemüths-Ruhe, diese aber in einer stillen Belusti, gung bestünde. l-?z. Sprichst du gleich: diese mäßigen Belustigungen und alle Belustigungen des Gemüths wären keine belustigende Güter, weil das belustigende Gut eintzig und allein in sehr empfindlichen Berührungen der Smnligkeiten bestünde, z.E-in einer Woüust, in clelicaten Essen und Trincken, und andern Dingen,die wir Wollüste des Leibes nennen; so ist doch diese Ausflucht sehr unvernünftig. Denn erstlich haben wir Ichon oben erwiesen, daß alle empfindliche Belustigung ein Schein-Gut, oder deutlicher, etwas böses sey, und daß denen maßigen Belusti» Zungen alleine die Beschreibung des Guten zukomme. 104. Zum andern, gleichwie es eine grosse Thorheit seyn würde, wenn wir verneinen wol, ten, daß ein Sauffer, Spieler und Hurer in dem Augenblick seiner Belustigung kein Vergnügen fühlen solle; also wäre es auch ungeschickt, wenn man die»enigen, die die Belusti« gung der Seelen würckiich empfinden, bereden wvlte, ihre Empfindlichkeit betröge sie. Denn daß ich anietzo nichts von der stillen Lust und ruhigen Vergnügen eines wahrhafftig weisen und tugendhafften Mannes erwehne, so ist wohl ausser Zweiffel, daß das Gemüthe eines Ehrgei- higen über den gnadigen Blick eines Fürsten; eines Geldgierigen über der Erhaltung eines Gewinsts das Gute u.V o st zu erkennen überh. zg winsts; eines so gcnandten Gelehrten über der Widerlegung eines seiner Widersacher, und eines tiefsinnigen Mannes über der Erfindung der czua- ^lAwrX circuli, eben die Freude und Vergnügung empfindet,als eines, der sich über die empfindlichen Berührungen der Sinnligkeilen belustiget. 105. Und also wird es nunmehro nicht schwer seyn von denen Exempeln zu urtheilen, die man insgemein giebt, um darmthun, daß wohl etwas ein ehrbares Gut seyn könne, ohne daß es nützlich o?er belustigend sey, oder nützlich und doch nicht belustigend, oder ehrbar, oder belustigend und doch nicht nützlich oder ehrbar. Z. E. sein Leben für sein Vaterland wagen, oder sich von Lastern zur Tugend angewöhnen bittere Artzeney gebrauchen, oder stehlen, huren, fressen und sauffen. i-?6. Denn was das Stehlen, Huren, Fressen und Sauffen anlanget, diese gehören nicht unter die nützlichen und belustigenden Güter, weil sie garnicht unter die Güter zu rechnen sind, sondern böse sind. Und vermischen die, so sich dergleichen Exempel bedienen, gantz offenbahr zwey unterschiedene Redens-Arlen. Ein anders ist ein empfindlicher, augenblicklicher Nutzen, oder Belustigung; ein anders, ein nützliches oder belustigendes Gut. 107. Was aber die andern Exempel betrifft, so ist eS wohl an dem, bittere Argeney ist ein nützlich Gut, aber nicht belustigend: Sich von Lastern abgewöhnen, ist ehrbar und nützlich, C 4 aber 4« Das i. H. vHn der Gelahrheie aber es gehet sauer ein. Meine beydes pr^lux,- poniret einen Menschen, der in einem verderbten Zustand ist ; Dergleichen Güter, wie wir bald sagen werden, sind Güter in einem geringern »nd mehrenlheils denen edelsten Gütern^ die man nach dem ordentlichen und natürlichen Zustand deß Menschen erweget, entgegen gesetzt. Was wir aber bißhero von der Vereinigung des eh! bahren^ Nützlichen und belustigenden Guten gesagt, ist von denen edelsten Gütern, wo^u^m äe snulo^to. uobiZiAmo, zu verstehen. 108. Endlich sein L.eben für sein Vaterland Wagen, ist, wenn man einen rechten Menschen, anstehet, ein belustigendes und nützliches Gut; Denn ein tugendhafter Mann thutes mitFceuden, und erhält dadurch den gemeinen Nutzen, in weis, chem sein eigener mit steckt : Und muß man einen Moss n Unterscheid machen unter Sterben und sem- Leben wagen., 109, Derowegen wäre es fast besser gewesen, man hatte in denen Schulen die Emtheiwng des Guten KoneAuM^'scuiicwW L< utile ausgelassen, als daß man sie sv verwirrt und ungegründet fürgetragen, zumahl da man abermahl das ^m'ttm ausgelassen, welches weder zu den, ehrba!,x n, noch nützlichen, noch belustigenden Gütern, nach der gsmeinen Beschreibung, gerechnet werden?an. Solchergestalt abex wollen wir uns nach andern EmtheiwttZen des Guten umthun, das Guten. Nosez» erZemsen übech» 41 chun, die in der Gelahrheit von dem Erkantniß des Guten und Besen, grosser« Nutzen haben-. Zumahl wenn wir voraus mercken, dak die unterschiedenen Atten des Guten und Bösen, die wir m fügenden Eintheilungen vorstellen wol^ len, nicht von gleicher Güte und (^rgä seyn, sondern allezeit die eine Art geringer seyn wird ols die andere, wannenherv nicht allein dieses überhaupt zu erinnern , daß wenn zwey Gute »der Böse von ungleichen (?r^6 zusammen kom? Men, das geringere allezett tn Ansehen des Zrojscm weichen und nachgeben müsse ^ sondern daß wir auch in der Erkantniß des Guten alle« mahl füuiehmM aufden grostenvomehmsten (ZZa^ unser Absehen richten müssen, wie wir denn auch in dessn Ansehen diesen (?r^ mBefthrei? bung des Guten für Augen gehab! haben. in. Denn der Mensch, wie er anfttzo auf dieser Welt lebet, Km auf zweyerlcy Weise betrachtet werden, entweder nach seinem ordent? Ziehen Zustand, wie er nach der Eckanln-ß des wahren Guten seyn s»!te, oder nach seinem außerordentlichen Zustand, in dem ex sich» so viel seinen Willen bet! ist , befindet , oder auch, mdcn er sich durch die Gewohnheit selbst gesetzt hat, oder darinnen er von anderen Menschen gesetzt worden. Der ordentliche sttstazsd ist derjenige, wenn die Bewegung aller Theile des mensch, Sicheu LcibcS in, der. von GOtt geordneten prc^ T ? ^orrion 4^ Dasi.H.vHnderGelahrheit xortion undMaasse, auch Abwechselung verblei, bet, und so zu reden in gleicher Wage bald auf diese Seite,bald aufjene incliniret,welches nicht alleine von der Bewegung des Geblüts, und der geistigen Cörper in denen l^erven/ondern auch von der Be« wegung der Vcrnunfft und des Willens zu verstehen, das; beyde allein zum Guten angetrieben, und vom Bösen abgeführet, in allen andern Dingen aber gleich gültig seyn. Dieser Zustand ist an sich selber gut. uz. Der ausserordentliche Zustand ist derjenige, wenn diese Bewegung von der von GOlt geordneten Maaße abweichet, und entweder den Wachsthum allzumercklich befördert, oder das Abnehmen unmiltelbahr und empfindlich beschleuniget, und wenn der Verstand und Wille zum Guten trage und zum Bösen munter ist,auch keineswegs eine ruhige Bewegung empfindet, sondern von allen ausserlichen Dingen bald da,bald dorthin gerissen wird. In diesem Zustande leben dem Leibe nach dieRrancken,unb nach der Seelen die in Unwissenheit und Irrthümern, Eitelkeit, und L.aftern stecken, ja mit einem Wort zu sagen, so viel den Willen betrifft, alle Menschen. Dieser Zustand ist dose. 114. Nach diesem zweyerle» Zustande ist auch das Gute und Böse unterschieden, davon wir ienes das ordentliche, dieses aber das ausser- das Gute u. Nose zu erkenne»! überh. 4z ausserordentliche Gute und Nose nennen wollen. n;. Jenes Gute erhält und befördert des Menschen seinen ordentlichen Zustand, oder es befördert das wahre Gute; Dieses benimmt ihn den ausserordentlichen, oder das anklebende Böft. 116. Das ordentliche Vose setzet'den Menschen aus dem ordentlichen in dem ausserordentli, chen Zustand; aber das außerordentliche Vo- seist dasjenige, wenn man den Menschen aus dem bösen oder ausserordentlichen Stand durch eine ordentliche Weise wieder in den guten Stand setzen will. 117. Denn hierinnen kommen beyderley Art von dem Guten überein, daß bey beyden eine gewisse Proportion und Maasse nebst einer all- mahligen Veränderung beobachtet werden muß. Und hierinnen kommt beyderley Noses miteinander überein, daß bey beyden selbige Maasse überschritten , und eine allzuschleunige Veränderung vorgenommen wird. 118. Wie was steiget, so fallet es auch. Und wie dannenhero der Mensch sein natürlich Gutes Sluffen-weise gleichsam erhält, also muß er sich auch Gtuffen-weise das Boje wieder abgewöhnen. Man vertreibet eine Kranck- heit nicht in einem Augenblick. Man verderbet die erfrornen Gliedmassen, wenn man dieselbe allzubald in allzugrosse Hitze bringet; Man ruini- 44 Bas l. H. vHtt der Geltchrheit ruiniret Yen Magen, wenn man nach langer Fasts so viel ißt, als die Begierde antreibet' Man richtet nichts aus, wenn man inemem Augenblick oder in einer alim kmtzen Zeit die Irrthümer und Vor-- mtheile will loß werden, oder auf einmahl die lan^ ge eingewurzelten Gewohnheiten und Sitten ode? ,MeÄen abschaffen. 119. Aber hieraus folget zugleich, daß dasjenige, was in Ansehen des ordentlichen Zustandes gut ist, Kose seyn würde, wenn man es einem Menschen, der in dem au sserord entliehen Zustande lebet, sppliciren wolle, und daß Hingegentheil das, was einem Krcmcken, Unwissenden und Lasterhaften gut ist, einem gesunden, weisen und tugendhaften Menschen bose seyn könne. 120. Eine mäßige Bewegung, ein Stücks Rindfleisch, eine frische L.uft, ist einem Gefunden gut, aber einem?o Zwischen, Schwindsüchtigen und ^ebricitanren schädlich. Und was ein Weiser mit Vergnügen für wahr erkennet, .darüber ärgert Mein in Irrthum steckender, odee wird doch gleichsam darüber verblendet. Ein Tugendhafter ist ruhig, wenn er alleine ist, wena er wenig hat, wenn er wenig isset undtrin- cket. Ein Wollüstiger stirbst für Verdruß, wenn er keine Gesellschaft hat, und ein Geitziger hänget sich, wenn man ihm feinen Schatz nimmt; Ein Trunckenbold wird kranck, wenn man ihm 8° Tage allen Wein entziehet. 121. Wie- das Gute u. Vosezu elVennen überh. 45 121. Wiederum : Einem priemen ist eine etliche Tage lang cominuirte Ruhe,eine aufsei- ne Kranckheit gerichtete Aryene^, eine ausier- yrdeutliche Wärme gut. Einen Gesunden oder macht sie faul; und ein Gesunder verderbet sich, wenn er ofte ArHeney braucht, und seine Zimmer warm halt, als wenn er kranckwäre. Einem Irrenden, der noch in pr^uciiciis steckt, muß mal? durch einen ehrlichen Betrug gewinnen« Bey einem Weisen ist aller Betrug verdächtig. Ein Wollüstiger, Geitziger und Trunckenboio bessert sich, wann seine Wollust, sein Geiy und seine Tnmckenheie abnehmen; aber ein keuscher, freygebiger und nüchterner Mensch verschlimmert sich, wenn er in einem derglcichen mäßigen <3l-aä wollüstig, geitzig und der Trun- ckenheit ergeben wird. 122. Mit del' vorigen Einthei'lung des Guten hat folgende einige Verwandniß. Das Gute und Böse wird entweder oder /»-^Mitgenommen, das ist, das Gute bestehet entweder in der Erlangung einer angenehmen Sache, oder in der Beraubung einer unangenehmen« Und dasBose bestehet entweder in Erhaltung einer unangenehmen, oder in Beraubung einer angenehmen Sache. I >.z. Aso ist die Erlernung zuvor unbek) das in Ansehen des menstl)lichen Wesens nothwendige Gute» das unmittelbahre Gute, und endlich das würckliche Gute. Auf diese Arten muß ein Mensch hauptsächlich sein Absehen richten,und auf dieselbigen schickt sich auch fürnemlich unsere gegebene Beschreibung des Guten. izi. Wiewohl in gemeinen Ä.eben und Wandel kehret man es durch einen übelen Gebrauch gemeiniglich um. Denn weil die Menschen mehrentheils, ja in Ansehen ihres Willens , allesamt in einem ausserordentlichen und vererbten Zustande leben, als achten sie auch das ausserordentliche Gute viel Häher, als das ordentliche ; ja sie gebrauchen sich des außerordentlichen Guten auch m dem ordentlichen Zustande zum vflern als einer R-chlscimue zu leben, da wir doch erwehnel haben, daß hierinnen das außerordentliche Gute bvse sey. iz!. Wir können hiervon tausend Exempel für eines geben. Wie viele brauchen bey der Ge, D fund- 5o Das i. H. von der Gelahrheit jundheit Arrzeney? wie viel ^5eäici c>Mni- ren einem gesunden Menschen, er solle sich zuweilen einen Rausch trincken? Wie viele bilden sich ein, das XVasier, das GOTT dem Menschen zum Tranck verordnet hat, sey ungesund, weil der > Wein dem schwachen Magen nöthig ist? Mit ei, nem Worte, unsereganyeRinderzucht taugt wegen dieses xr^ucZicii gantz und gar nichts, weil wir unsere Kinder von Jugend auf nicht anders als Patiencen auferziehen, und zu Mienren an > Leibe, Verstand und Willen fast durchgehends damit machen. izz. Mit dem bono politivo gehen noch mehr Irrthümer vor, weil auch vielleicht viel Gelehrte selbst mich auslachen werden, daß ich das donnm pi-ivÄti vuin für die vortreflichste Are ausgegeben. Alleine wenn man die oben an, geführte Exempel betrachten wird, wird man diese meine Meinung nicht so belachens-würdig halten, zumahl weil wir schon oben erwehnet, daß der Mensch sehr vieler Dinge in dieser Welt I entbehren tonne, und also die bona polirivA mehrentheils unter die nicht nothwendigen Güter gehören. Aus dieser Ursachen willen wird auch in der bürgerlichen Gesellschaft, z. E einer, der aus Rache einen andern umgebracht, oder um reich zu werden gestohlen, scharf, fer gestraft, als der in mocieramine inculMs- cutelX einen excels begangen, oder aus Hunger gestohlen. Zu geschweigen, daß das bonum po-, tmvuin . dasGuteu.Bäse;uerke,menuderh. 5» lmvum die Gemüths, Ruhe mehr mrdiret, als befördert; das privativuin aber dieselbige von denen wiedrigen Verdrießlichkeiten befreyet. Ja wenn wie nichts mehr hätten, das wir denen, die diese unsere Meynung antasten wollen, entgegen setzten, wollen wir sie mit dem Tpicuro schamrot!) machen, der schon zu seiner Zeit aus eben diesen Ursachen die LVoUust beschrieben, daß sie nichts anders als ein Mangel des Schmeryens oder Verdrusses sey. iz4- Was ferner das nothwendige Gut betrift, so ist es offenbahr, daß die ganye vvelt, Freyheit, Reichthum, Ehre und das äecoruin für besser halt, als Gesundheit, Weisheit und Tugend; Ja daß auch unter diesen das Geld, ob es schon ein sehr enlfernetes Mittel ist zum Guten > allen andern Dingen vorgezogen wird, und nach dem gemeinen Irrthum die Narren weise, die Lasterhaften tugendhaft, auch bey nahe die Kranchm gesund macht. !z;. So bekümmert sich auch fast niemand um das würckll'che Gut, weil man in lauter Bösen steckt und also taglich gewöhnet ist, aus zweyen Ube!n,wv nichtgar aus zweyerley Guten,das Ze- rmste zu wehlen. i;6. Weil dannenhero der Mensch alle sein Thun und Lassen darnach einrichten soll, wie er das Gute erlangen und glückseelig leben möge; gleichwohl dieses ohne dem rechten Gebrauch der Vernunft nichtzu wege bringen kan; als ist ein gc- Dwisset 5^ DaSl.H.vsnderGelahrheit wisser Theil der Welt-Weißheil hierzu gewidmet, der auch dieserwegen /^//o/ö/,/^ genennet wird, und also nichts anders ist als die S5elahr- heit, die dem Mensche» weiset, wie et glückseellg leben soll. iz7- Diese Glückseeligöeit aber muß er erstlich wob! und deutlich verstehen, worinnen sie beste, he, und was ihm GOtt dieserwegen zu thun auferleget habe, hernach aber bedacht seyn, wie er die Hindernissen aus dem Wege räume, die ihn abhalten, diese Glückseeligkeit zu erlangen- iz8- Die Hindernissen kommen entweder vön ihm selbst her, durch seine aKeQen. Diese Ich, rel mir dieSitten-Ä-ehre, wie sie be;ahmelwerden sollen; oder sie kommen von aussen. iz9- Und zwar entweder durch Mangel, den zu vertreiben die ^co^o»»^ oder HauShalrungs- ^unst unterweiset; oder durch Furcht für auser- licher Gewalt und List, wieder welche Hinderniß die-po/^c ihre Lehr-Satze giebt. Das 2. Hauptstück. Von der grösten Glückseligkeit des Menschen. Inhalt. Beschreibung der Sitten-Lehre.». t. Worinnen des Men» schen höchste Glückseeligkeit bestehe? ».2. wird voi» denen ktiiiolöxksn sehr gezancket. z. Die höchste Glücks Glückseell'gkeit des Menschen. ;z Elücksccligkeitwird auf zweyerley Art genommen, ) vsr das edelste unter denen menschlichen Gütern. »- 5- In diesem Verstände tan dieselbe nicht in den Glücr's-Gütern bestehen. ».5. 6. Nicht in Reichthum und Ehre, weil diese nicht ii» unsererWillkühr stehen,».7. und derselben Besitzung niemand glücklich, noch der Mangel jemand unglücklich macht.». K. Dieser Lehrsatz wird überall in prsxi negliZiret, 9. Und mit Worten und Werckenauch von denen Gelehrten selbst bcstritten.' ». 10. Nicht in vielen Freunden, so ferne dieselben zum Glücks-Gütcrn gehören, weil ein weiser Mann viel Feinde hat, und der viel Freunde hat, amelendestenist. ?- il.12. Nicht indcrFreyheit, iz. ob schon dieselbe ein unschätzbares Gut ist,». 14- und ein Leibeigener denen Todten glcichgeachtct wird,« 15.16. auch ein auf ewig Gefangener todt ist» 17. Nicht itt dem i)ecoro.^i8. Bey denen Gütern des Leides und der Seelen müssen wir zuforderst die gemeinen Irrthümer meiden,». 19. als wenn das Leben und die Sinnligkeiten zur menschlichen Seele gehörcten, «> 20.2 l. oder der Leib der Kercker dcsMenschen wäre. »-22.2 z. Das Leben des Menschen ist der Grund der grössesten Glückseligkeit, und bestehet aus vier Stücken, ».24, deren keines ohne das andere seyn kan,,-?. 25. (i)Die Gantzheit der Theile des menschlichen Leibes (2 Wie Bewegung des Geblüts. - 26. s)) Die Bewegung der Senn-Adern.«- 27. Die Bewegung des Geblüts und der nerven sind mit einander verknüpft, «.28. und von der sirerining dieser beyder äer-enäiret auch die -Kerirung der Gedancken und Vernunft. ^ 29. (4) Die Bewegung der Gedancken. Ohne diese ist der Mensch kein Mensch mehr ».zo. Beantwortung D z derer 54 Dasl.H.vondergrosten derer Einwürfe hierwideri«. zi. von deit Kindern im Mutter Leibe, von denen, die in Ohnmacht liegen, ». ?2. oder vom Schlag gerühret werden,«, zz. ingleichen von närrischen und rasenden Leuten, »-Z4. welche wahrhastig gcdenckeu, «. zx. und endlich von denen zerstimmelten Menschen. »- z6- Diese vier Stücke aber können doch verringert werden, oder ein Theil kan schwacher seyn als der andere,oder der Mensch tan in eine Noth gerathen eines an das andere zu wagen.». z?- Welches so dann dem ans dern vorzuziehen und das höchste Gut sey ?»- Z8> I» der Gesundheit bestehet die gröste Glückseeligkeit nicht, denn sie ist nicht in unserem Vermögen, «- 39. und ein gesunder, aber in Irrthümern steckender Mensch ist elend, »40. noch vielmehr wenn er lasterhaft ist. »-41. Ein Weiser undTngendbaftcrabcr ist darum nicht elend, ob er gleich kranck ist. ».42. Die Tugend ist edler als die Xveißheit. «. 4z. Der Verstand hilft demMenschen nichts inBetrachtung des Guten, wenn der Wille dasselbige nicht ergreift. ».44, Die gröste Glückseeligkeit bestehet nicht in unnützlichen und belustigenden Wiss'nschaf- tcn, » 45, auch nicht in der?!,)-iic und ^i->cKeli,«, 47. 48-49- Weil sie den Menschen nimmermehr ruhig machen;»- 50. Wiewohl man sich nicht schcuct,hcur zu Tage darinnen diegröste Glückseligkeit zu suchen. ».51. Die Tugcno ist auch die gröste Glückscelig-s kcit nicht».5?.Der Verstand kan nicht ohne Willen, noch der Wille ohne Verstand seyn. Fabel von dem Willen als Könige, und dem Verstand als dessen Ratb. «. 5z. 54.55.56. Die gröste Glückseeligkeit des Menschen muß in dem Willen und Verstände zu- janM!», oder in dem Gemüthe und Gci?an,cj-ei» ge- ii-cht werden.«. 57.58. Ohne Eedanckcn empfindet der Mensch weder Glück »och Unglück.«. 59. Sein GlöckfeeUMit des Menschen. 55 Glück bestehet mehr mGedanckenals in der Genies snilg selbst 6s. Die Gedancken machen auch des Menschen Unglück.". 6l. Seine grösteGlückseelig- keit bestehet in rlchigen und mäßig sich verändernden Gedancken. ».6^. Welche Gemüths s Ruhe «der Belustigung des Gemüths genennet wird? 6z. Diese wird besser empfunden als beschrie<- ben. t>4 Ihre Beschreibung. >?. 65. Sie ist «ine Belustigung und ohne Schmertzen; ».66 aber dabey ruhig und ohne Freude.»- 67 68. Nach ihr trachtet man bey allen denen andern Gütern. » 69. JhrVerlangen sich mit andern zuvereinigen ist mcht unruhig; sondern zeiget nur an, daß ihre Ruhe eine maßige Bewegung sey. ».70. Sie ist ihrem Ursprung und Würckung nach eine vernünftige Liede. 71. 72. Die bestien haben keine Liebe und Gesellschaft, aber der Mensch wäre ohne menschliche Gesellschaft nichts, «.74. ja er wäre kein Mensch. 75. Er hätte kein Vergnügen, 76. wenn er gleich ein m>s-»ickrnpe wäre, und der sich inLiKlio- rkecpie» vergräbt. ".77. Die meistenBelustigunqeir pl-clupponiren menschliche Gesellschaften.« 78-Der Mensch ist zu einer frKdfertigenGesellschaft geschaffen, »79. und alfo zur Liebe ruhigerGemüther. »i>o. Ein vernünftiger Mensch liebet andere Mensche» mehr denn sich selbst, -?. 81 82. auch ^ lasterhaftesten lieben würcklich andereGcschöpffe mehr als sich, 8Z Welches durch das Exempel eines Wollüstigen, Ehr-undGeld- Geitzige» erwiesen wird,» 84. 85. Wegen Benennung der grösteu Glnckseeligkeit muß man sich nicht zancken. «. 86.87 (^) Vor den vollkommenen Begriff eller menschliche» Güter, entweder auch der nicht nochwcndi- M , 88^ 89. oder doch zum wenigsten der D 4 uöchi- DasH. von dergrostei» nöthigen. ".90.91. Der Reichthum ist zur Ge- wüths-Ruhe nicht nöthig. ».92.9z. Die Armuth ist nichts böses. ». 94, Was von äuserstcr Armuth zu halten. ». 95. Die auserliche Ehre ist ein blosser Iierathder gröstenGlücksecligkeit. ».96 - -100 Die auserliche ttnehre macht niemand elend ^ ». 101. 102^ sondern sie vermehret vielmehr die wahrhaftige Ehre. >- l oz, Das clecorum ist nur eine Zicrath. ». 104 105. Der Mangel desselbigen ist zuweilen miter das Löse zu rechnen; ». 106 107. Zumahl Mim er mit einer Unschamhastigkcit vergesellschaftet ist. ^. 108. Sonstcn iff es nur der Mangel eines Zieraths. ». 109. Schamhaftigkeit ist nicht allemahl ein Zicrath eines weisen Mannes. ». 510.111. Die Freyheit ist ein blosser Zierach. ».112. Viel Freunde sind nicht einmahl ein Zie> räch, ». uz sondern eine Anzeigung des Mangels der Gemüths-Ruhe. ». 114. Alle Güter des Glücks sind keine nothwendige Stück derEcmüths- Ruhe, «.115. Das^eben ist der Grund der Ge- müths-Ruhe; jedoch macht ver Tsd denS)>enschcn nicht elend. ».116. Die Gesundheit ist ein riö» thiges Stück der Gemüths-Nuhe- «117. Unterschied zwischen einem weisen und unweisenMann, bey abzehrenden, aber nicht schmerzhaften Rranerheiten. 18-! 19. Bey sthmei tzbasten Kranckhciten ». 12c?. ist ein weiser Mann nicht vollkommen ruhig, aber cp ist doch nicht elende, >?. 1 z 1. Und also ist die Gesundheit kein wesentliches Stück der Gemüths-Ruhe. ,22 EinUnweiser istauchbeyschmertzhastenKranck- heiten elender daran als ein weiser Mann. « 12 z. XVcißheit und Tugend sind wescntlictie Stücke derGemüths Nuhe.^124. und derer Mangel machet Heu Menschen höchst elende,»-,? 5. welches man aber Gluckseeligkeit desMenschen. 57 nicht von der Schein-Weißheit und von der Schein- Tugend verstehen muß. ^.126.127 Warumman der zcvottust desLeibes nichterwehnet? ».128.129. Kein !'K>lv5opKu5 hat die Wollust des Leibes für-das höchste Gut des Menschen ausgegeben,». izo. Q ist demnach die Sitten-Lehre nichts anders als eine Lehre, diedenMen- ' jeden unterweiset, rvorinnen feine n ähre und höchste Glückjectigb'eit bestehe, n ie er dieselbe erlangen, und vie Hindernissen, so durch ihn selbst verursachet werden, ableAen und überwinden solle. 2. Vervwegen, nachdem wir im vorhergehen^ den Capitel unterschiedene Arten von dem Gute des Menschen erzehlet haben, müssen wir nunmchro vor allen Dingen besorget seyn zu erörtern, worinncn seine grc»ste Glückfieligdeit bestehe^ z.Zumahl da die ?WIolopKi so eyfrig und ernstlich über diese FraZe gestritten, und noch streiten; wiewohl dieser Streit mehr den Nahmen als die Sache selbst angehet, oder doch, wie er insges mein getrieben wird, mehr Kidrit und grillenhaf, tig, als deutlich oder nützlich ist. Wir wollen, unserer Gewohnheit nach, die Sache deutlich, und daß sie jederman begreiffen möge, auch so ferne sie in der Sitten-Lehre,, hauptsächlich genutzet werden kan, vortragen» D 5 4-Glück- 58 Dasv daß die irmiwnMesten Leute zu Reichthum und Ehre gelangen, und diejenigen, die nach denen Grund? Sätzen gesunder Bernunffc Reichthum und Ehre suchen, zum vftern arm und in einen Niedrigen Stande bleiben müssen- 8- Ferner so ist der reichste und mZchtiA-- fie König wahrhaftig elend, wenn er kranck und ungesund oder sonst in seinem Gemüthe «ine unruhige Beänstigung empfindet» Da? Hingegentheil der ärmste Mensch, der z. E- nackend und bloß aus einer jählich entstandenen Feuers-Brunst sein Leben retten muß, wenn es anders gesund und tugendhaft ist, wahrhaftig nicht elend ist ; weil er entweder durch Millei- digkeit anderer Menschen (ohne schändliches und tadelns- würdiges Betteln) odtr durch Arbeit sattsam Gelegenheit findet, seine Blosse zu bedecken, und seinen Hunger zu stillen; oder, wenn er seiner ÄSeÄen nur Meister ist, auch in dem wildesten Walde mit Wasser und Wur- tzcln zur Noth begnügt ist. Und da ein Pinien mich unter dem Richt-Beile wegen seiner Gemüths- Ruhe von vernünftigen Menschen Bensidungs-würdig geachtet wit d,geschwei> ge denn, wenn ihn ein Tyrann nur schlechtweg ftiner Ehren? Aembtsr beraubete, und in den gering-? <5o Das-. H. von vergrasten geringste und nach dem äuserlichen Ansehen unehrlichsten Stand letzte. 9. Und was wollen wir uns hierüber weiter aufhalten, nachdem ja auf allen unsern hohen und niedern Schulen diese Lehre, daß das höchste Gut nicht in Reichthum noch Ehre bestehe, denen ttuälrenden vorgesaget wird.. Dem aber unerachtet,. betrachte du diesen Lehr, Satz desto genauer, weil die gemeine/^ .^ auf hohen vnd niederen, ja aufdenen höchsten Schuten, das ist, an Höfen diesem j^ehr-Gay zuwider ist. Jederman, ja diejenigen selbst, die durch ihr Exempel ihre Lehre bestätigen solten, trachten nach Ehre und Reichthum als nach dem höchsten Gut mit Verlust ihrer Gesundheil, mit Beraubung ihrer geziemenden Belustigungen, und Erduldung tausend fast unerträglicher Verdrießlichkeiten, mit Gefahr des Lebens, unddek Gemütl)s-Ruhe°. 10. Ja was thut man anders als durch andere 'lVore und kehren diesen S.ehr-Say umzustossen- Wie ofte sagen die Lehrer, wenn sie ausser denen cackeäer seyn: LVer Geld hat, hat alles. Wer Lein Geld hat, ist ein xilarr. Wie mißbraucht man nicht ein ander Sprichwort: Gut verlohren, Muth verlohren, Ehre verlohren, alles verlohren. Uni) wie drängen sich doch die Gelehrten, daß sie diesen ihren allgemeinen Lehr-Satz um die Wette vrottituiren, wenn sie nachher Redens,Art Glückseeligkeit des Menschen 61 des Frantzösischen Ssy-rici in ihren D^/^/-?»/. mit denen sie die ungeschicktesten 8r33rs->si. nitter> oder die unwürdigsten Wucherer beehren, auf Hebräisch, Griechisch und Lateinisch beweisen wollen, daß dieselben die Gelehrtesten und Tugend, haftesten Leute seyn? Daß ich nichts erwehne von dem, daß, da e6 ftnst Heisse: DielLhre t'st der Tugend «S.ohn, deut zu Tage in der gantzeu Welt die iLhre öffentlich Mit Gelde erkauft wird. vi. Was die Freunde betrift, hatte ich vor nothig dieses zu erinnern , daß wenn die Freunde unter die Güter des Glücks gerechnet werden, weil derer Mangel endlich den Menschen nicht elend macht, eine Menge solcher Men, sehen dadurch verstanden werde, die reich oder mächtig sind, und wegen ihres eigenen lnrerelle unser Glücke zu befördern, und unsern Schaden zu wenden suchen. In dergleichen Freunden kan so viel destoweniger die gröste Glückseelig- keit bestehen, je mehr unstreitig ist, daß ein weiser und tugendhafter Mann nicht viel Freunde haben könne, sondern nothwendig viel, viel Feinde haben müste, weil er sonst nicht weise und tugendhaft seyn würde. Wor- bey nicht zu vergessen, daß diejenigen, die in dieser Welt sich jederman zum Freunde machen und niemand erzürnen wollen, am elendesten dran seyn, weil sie sich den grosten Verdruß täglich anthun, und dennoch di? mw 62 Das von der grasten meisten Feinde haben; wannenhero sie nichtuw billig den NemmMen im Kriege zu vergleichen sind» Was aber die wahre und vernünftige FreondsGafc belrift, die in beständiger Vereinigung Meyer tugendhafter Gemüther bestehet» davon ist itzo nicht die Rede; fondern wir werde« bald sehen, daß ohne dieselbe die höchste Glücksee- iigkeit nicht bestehen könne. iz. Die Freyheit dürfte uns etwas mehrers zu thun machen. Sie wird ja durchgehend^ für ein? unscbäybahres Gut gehalten. Ein leibeigen er Sclave ist nach allen Rechten dem Viehs vder denen Todten gleich geachtet, was ist aber elender als ein Vieh oder ein todtes Aas? Und ein jLmgekerckerter, noch viel mehr aber ein zur eroigen Gefängniß Verdammter» ist lebendig rovt. 54. Aber kehre du dich hieran so bi'el als nichts. Ist die Freyheit gleich ein unschäy-- baresGut, so beweiset dieses doch nur so viel, daß sie allem Geld und Reichthum vorzuziehen sey, nicht aber daß z. E. ein Unterthaner oder auch ein Leibeigener deßhalven elend sey. Du magst noch so ftey seyn als du wilst, wenn du kranck bist, so ist ein gesunder Sclave viel glücklicher als du. 15. Wird gleich ein Sclave in denen bürgerlichen Rechten den Todten gleich geachtet, sy gehet doch dieses nur die Freyheiten cm? die denen Glöckseeligtzet des Menschen. 6z denen freyen Bürgern zukommen, und Hie ein Mensch als ein Mensch gar wohl entbehren kan. In Betrachtung der natürlichen Rechte werden sie so wohl als andere Menschen auch in denen Römischen Rechten geachtet. 16. Ja was will du von denen alten Leibeigenen, daß sie demViehe und Todten gleich geachtet werden, viel sagen? Das Romische Recht ist vfflers gewohnet in seinen ö^ionibus und svnsten eine Sache anders und harter zu beschreiben als sie ist. Die Römischen Ä.eibei- gene halten oft bessere Tage und ein vergnügter Leben , als, ich will nicht sagen, unsere Bcunen, sondern viel von unsern wohlhabenden Bürgern, von was Stande sie auch seyn. Und gesetzt auch, daß ihrer viel in einem geringen und dem äußerlichen Ansehen nach armseelichen Zustand lebeten, so wolle ich doch lieber derarmsee» jige ^/c?sttt/ als ein LTlur oder ^monius, oder auch gar ^uZuttus seyn» 17. Endlich ist schon ein zu ewiger Gefangenschaft Verdammter in anderer Leute Än- dencken lebendig rodt, so hat er doch mehr Gelegenheit in seiner Gefängniß für sich selbst zu leben; ja manchen reistet GOTT durch dieses Mittel aus dem lebendigen Tode der Wollust, des Geld-undEhr-Geitzesheraus, daß er in dem Kercker durch die Erkäntniß seiner selbst zu leben anfangt. Zu dem ist doch auch ein des Landes Verwiesener in Ansehen des Bürger-Rechts (das 64 Das !.H. von der großen (das wir cillhier, wie erwchnet, nicht betrachten) todt, ober schon in der grösten Freyheil lebet. ^8- So zieret auch niernechst zwar das o-?. ro? ttm einem Menschen überaus sehr, ja es siehet auch dasielbige in der Menschen Willkühr, oder es kcm doch zum wenigsten von allen und jeden, in was Stande sie seyn, vhne Mühe und Kosten erhalten werden: Aber es macht doch deswegen das Decorum einen ungesunden, in Irrthümern und Lastern steckenden Menschen nicht glücklich, ja der Mangel des (wenn wir denselben nur von dem inäecoro oder der Unverschamheit recht entscheiden) macht den Menschen so wenig elend, als wenig der Mc.ngel schönen Haares den menschlichen Leib verstümmelt. 19. Aber nun müssen wir diejenigen Guter betrachten, die wiroben als edeleund nothwendige angegeben, aus denen nemlich des Menschen sein Wesen bestehet, nemlich die Güter des Lei bes und der Seelen. Allwo wir zuförderst die gemeinen Irrthümer vermeiden miWn, welche diese Gncer einander entgegen seyen, als wenn eines ohne dem andern seyn und der Vernunft nach erhalten werden könte, oder als ob nurdes Menschen )lVesen in derGeeleaUei- ne bestünde. 2ü> Hieher gehöret, wenn man fast insge. Mein zum Leibe die Gesundheit und Gany, heit der Glieder, zur Seele aber erstlich das Leben GZuckseetttMr des Menschett. 65 L.eben, hernach die Sinnligkeicen, und dann die Vernunft rechnet; man möge nun dafür, halten, daß der Mensch drey Seelett habe, eine tvachölhümliche, eine sinnliche und eine vernünftige: oder daß die menschliche Seele dreyerley würcrende Eigenschaften habe, davon das Leben dem Menschen mit den Pflcmtzen, und die Sinnligkeit ihme mit denThierengemein sey, die Vernunft aber ihme allein zustehe, daher auch der Mensch erst in Mutter-Leibe als einePflcmtzung, hernach nach seiner Geburt in seiner ersten Kindheit M ein Thier lebe, biß er endlich, wenn er seine Vernunft zu brauchen anfange, auch anfange, als ein Mensch zu leben, 21. Woraus man ferner zlt folgern pfleget/ daß das Leben der Gesundheit, die Sinn- jigLeit aber dem Leben, und die Vernunft allen dreyen fürzuziehen, woraus viel inconve- nienriÄ erwachsen, die wir eben jetzo nicht berühren wollen. 2?.. Gleicherweise ist auch ein Irrthum, wcttri Man den Ä.eib nur für ein Gefängniß unv nicht für ein Theil der Seele hält. Weichall) man hernach nicht eben bewundern darf, wenn die Stoiker und Tpicurer auf den Schwärm gerathen, daß ein weiser Mann mitten ini Aeuer eben so ruhig sey, als wenn er in ei- z?em Rosen-Garten jafse, oder wenn sie ge-' sagt, bey ereigneten grossen Gchmetyett ik E schrie-- 66 Das 2. H. von der grasten schrie zwar der Mund eines weisen Mannes, aber seine Seele wäre ruhig; und was dergleichen ungegründete Dinge mehr sürgebrachl werden. 2z. Wir wissen, daß der Mensch ans zwey wesentlichen Theilen, dem L.eib und Seele, bestehet, aber daß diese beyde in höchster und unbe» schreiblicher Vereinigung verknüpft sind, dergestalt, daß die Seele von der Gesundheit des Leibes, der Leib aber von dem Leben, denen Sinnligkeiten und denen Gedancken der Seele ^ xarricipiiet. 24. Denn wie das Ä.eben des Menschen vor die Vereinigung desL.eibes und der See, !en genommen wird, so ist es kein Zweifel, es ist das Leben der Grund des grasten Guts des Menschen; Denn es ist so dann selbiges nichts anders, als die Dauemng des menschli, chen Wesens, und begreift zugleich die Bewegung des Geblüts und der Bewegungs- Geister, wie nicht weniger der Seelen und die Ganyheit derer Theile des menschlichen Lorpers, darinnen diese Bewegungen vorgehen, in sich. 25. Und zwar so sind diese vier Stuck dergestalt mit einander verknüpft, daß keines ohne > das andere se^n kan, und daß von dem beständigen Wohlseyn des einen auch die Güte des andern ^epencliret. 26. Wo keine Theile des menschlichen Lei, Glückseligkeit des Mensche»,. 67 Leibes sind, da ist kein Mensch. Und wo in diesen Theilen Leine Bewegung des Geblütes ist, ist der Mensch todt, und folglich hat er auch keine Sinnligkeiten und Vernunft mehr. 27. Ws Leine Bewegung in denen Senn- Adern mehr ist, können sich auch die äusserlich?. Gliedmasien nicht bewegen, ja der menschliche Cörpsr hat keine Empfindligkeit mehr. Wo aber der M.'nsc!) keine Bewegung und Empfindligkeit mehr hat, ist er todt. Und wie wvlte denn nun in einem todten Menschen das Geblüte sich bewegen, in welcher Bewegung des Leibes Leben ist? Ja wie wolle ein todter Mensch dencken und seine Vernunft brauchen. -8- Zu gejchweigen, daß die Bewegung ilt denen Genn«Adern und BIut>Adernderge-- stalt mit einander verknüpffet ist, und jenes, wenn es recht gebraucht wird, auch dieses in seinem ordentlichen Zustand erhalten hilft, und im Gegen? theil, wenn man die ausserliche Bewegung gar zu sehr spahret, auch die Bewegung des Geblüts stocken und faul zu werden anfanget. 29. So ist auch, was die Vernunft befrist, bekant, daß nach unterschiedenen Att-n der Bewegung in dem Geblüte die Gedanckcn Munter oder verdrossen, und nach denen unterschiedenen Arten der Bewegung in denen ^^ets die Gedancken begierig oi)er gleichgültig seyn, und also allezeit die menschliche Vernunft nach Art dieser beyderley Bewegung geändert wirk E - Was 68 Das 2. H.von der grossen Was solle sie dannenhero wohldencken, wenn keine Bewegung weder im Geblüte noch in denen Scnn,Ädern vorgienge? zo. Endlich wenn die Seele sich nicht mehr in dem menschlichen Gehirne beweget, als deren Wesen in einer steten Bewegung bestehet, so ist der Mensch gleichfalls kein Mensch mehr; ja es wäre dieses eine Anzeigung, daß ee nicht mehr lebetc, weil bey dem Leben des Menschen in dessen Gehirne alle Bewegung des Geblüts und zu den Senn-Adern gehörige Gei- siergen pr^ariret werden. Wenn nun in dem Gehirn die Seele stockte, und sich nicht bewe- gete, wie wolle diese pr^aranon darinnen vorgehen können, und zu was Ende solle dieselbe geschehen? zi. Daß man aber diese dreyerlev Bewegungen des menschlichen Lebens nebst der Gantzheitder menschlichen Gliedmassen insgemein betrachtet, vb kvnten sie von einander abgesondert werden, ist daher kommen, daß man in denen vorkommenden Emwürffen die Sachen, nicht genau untersuchet, und durch eine mercklichc pr^cipirantz sich betrogen. Z2. Wir wollen von dem Zustand der Rinder in Mutter-Leib nicht viel sagen, denen etliche von denen alten Weifen nur eine wachse thümliche, andere aber auch die sinnliche, und noch andere auch die vernünftige Seele scheinen gegeben zu haben, weil .die Empfänglich uno Wer- GlnckseelitMt des Menschen. 65 Verfertigung der Kinder im Mutter Leibs wohl sietswehrend unserer schwachen Vernunft un- erkandt bleiben wird. Wir wollen nur von denen sagen, die in Ohnmacht liegen. Bey diesen scheinet die Bewegung des Geblütes verschwunden zu seyn, und dennoch leben sie noch, weil sie nicht unter die Todten können gerechnet werden. Alleine man muß einen Unterscheid unter einer langsamen und gar keiner Bewegung machen. Das Gebint (wie auch nicht wenigee die Bewegungs-Geisier) beweget sich bey denen in Ahnmacht liegenden sehr langsam, daß man solche von aussen nicht empfindet; aber e6 beweget sich doch. Gleichergesialt wenn einer vom Schlag gerühret wird, wenn der Schlug die Bewegung in denen Senn »Adern gantz aufhebet, so ist der Mensch todt, schwächet er aber dieselbe mir, oder verderbet sie in einem oder etlichen Glied- Massen, so bleibet der Mensch zwar noch am Leben, aber.mankan so denn dieses nicht für ein Exempel annehmen, daß der Mensch könne leben bleiben, wenn er gleich keine Bewegung in denen Senn- Adern Habs. Z4- Ferner, närrische und rasende Ä.e»te haben wahrhaftig eine Vernunft, sie geden- cken würcklich ( und wenn sie auch nicht gedächten , so bewegte sich doch ihre menschliche Seele in ihnen, wie in denen kleinen Kindern md harte Schlaffenden) aber sie gedenckcn ver- E z wirrt 7-> Das von der großen wirrt und närrisch, weil die kleinen Theile im Gehirne verrückt seim, oder wegen anderer Ursachen. Nnd solchergestalt schickt sich dieses Exempel wider nickt darzu, daß ein Mensch ohne Bewegung der Seele jeden könne. ?5, Ich weiß zwar wohl, daß diese meine Lehre denen, die keine Lai-keKsner seyn, wunderlich vorkommen we>,de; aber wenn sie deswegen denen Nasenden und Z^ärriftden die Gedancken Nehmen wollen, ysell ihre Gedancken so un, Vernünftig sind, so müssen sie auch sagen, daß Hje Träumenden nicht gedencken, ja daß so viel wachende, kluge, gelehrte und vornehme Leute nicht gedächten, die z-E. vorgeben, man dürfte von feiner Vorfahren Meinungen nicht abweichen, man müsse einen Beruf haben gures zu thun; Erde, Wasser, Luft und Feuer wären vier Elemente , u. s. w. welches doch gewiß sehr unförmlich und von keinen Menschen geglaubet werden würde- ?6. Endlich so ist zwar an dem, daß der Mensch zur Noth von denen Gliedmasten seines Leibes et» Nen Arm oder ein Bein missen kcm, aber deswegen kan er den Ropf nicht missen, vielweniger eine hauptsächliche Verletzung im Gehine, Heryen, denen grossen Blut-Adei n u.s.w. leiden, geschweige denn, daß erahne giKTl>e.»1edep Leibes solle Wehen können» z?' Hh Glückseeligkeit des Menschen. 71 Z7. Ob min aber schon diese vier Stück des menschlichen Lebens nicht ohne einander seyn können; so ist doch nicht zu leugnen, daß dieseldigen zum Theil verringert werden können, daß es dem ganyen nicht schade, als wenn ein Mensch ein Arm oder Bein verlichrel, wenn er eine kleine und nicht lange daurende alrei-Ätion im Geblüte hat, wenn ihm durch den Schlag eine Hand ge, lahmet wird, wenn sein Verstand einmahl nicht so munter ist als das andere, u. s. w. oder daß ein Theil schwacher seyn tonne als das andere; als z.E. wenn ein Mensch keine Arme hat, kan er sich angewöhnen die Füsse an stakt der Hände zu gebrauchen; wenn er blind ist, kan er den Unterscheid der Farben durch das Gefühle finden; Was dem Gedächtniß ^abgehet, wächset dem ^ucücio zu u. s w. oder daß der Mensch zuweilen in einer grossen ZTloth sich befindet, eines vonzweycnUbeln zu erkiesen, und sich relolviren muß ein Stück zu wagen, daß er das andere erhalte. z8- Und weil demnach, wie wir oben erweh» net, das kleineste Gut für ein Übel, das kleineste Übel aber für etwas Gutes zu halten; so müssen wir freilich untersuchen, welches von denen wesentlichen Gütern des Menschen in GeItncinanderhaltung dem andern Vorzuziehen sey. Aber damit diese unscreBetrach^ lung hicrinnen nicht gar zu weillauftig weide, und weit es ohne dem keines grossen Kopfbre- E 4 chenS / Däsz.H.vsn dergrostm chens in G?a?neinanderhaltung der Theile des »menschlichen Cyrpers oder der Ginnligkei- ten braucht, sondern dieselbe von Leuten, die einen natürlichen Verstand haben, gar leichte erörtert werden tan; Als wollen wir nur überhaupt die Güter de5 menschlichen Leibes, die wir oben allbereit zusammen genommen, Gesundheit: ge- nennet, gegen die Güter der Seelen halten, und hemachmahls diese Lehren gegen einander etwas genauer beleuchten. Z9- Was demnach die Z.eibes-GesunYheiH anlanget, so ist keinZwciffel, daßdieselbigezwa? der grvsten Glückseligkeit des Mcnsthen eine ziemliche Vollronimenheit gebe, aber doch in selbigex die wahre GlücksteliA'slt selbst nicht bestehen könne: td ils weil diese Gesundheit nicht allemahl in des N'isnschen jeitten willen stchet, sondern vielen änlichen Zufallen unterworffen ist, und ein Mensch durch die Gewalt anderer derselben beraubet werden tan ; theils weil diesclbige an zind für sich selbst den Menschen nicht glücfs Zieh, noch dererse'.ben Beraubung ihn elend machen kan. Bilds dir nur einen Menschen ein, der gesunde starke Glicdnasscn hat, der wohl isset iind Mucket, auch seine Spe-se und TrcmcF wohl verdauet, und m cu'len Leibes-Übungen geschickt ist> Was hilft ihm aber dieses alles, wenn er in derUmvMzchcic und schädliche,? Irrthümer. st;(ft, ijsjv weKen der Vortheile GlHckseellgSeit des Menschen. 7; der menschlichen aurorirat und eigenen prXcipi- tam? das wahre von dem feilschen nicht entscheiden kan; Ist er nicht in der That ein recht elender Mensch, weiter wegen dieser Vorurtheile täglich von dem, ihm von GOtt fürgesetzten Zweck immer mehr und mehr abweichet, und sind in soweit die unvernünftigen Thiere nicht besser dran, weil sie durch ihren innerlichen Trieb ihren Entzweck viel besser erreichen,als ein solcher Mensch ? Ja, ist das Elend eines solchen Menschen nicht desto gefährlicher zu achten, weil ihn dasseibige so starck verblendet, daß er es nicht einmahl erkennet, sondern seinen Zustand für gut und sich für glücklich achtel ? 41. Wenn er aber noch über dieses sich wegen seines geführten lasterhaften Gebens in einer rechtschaffenen Gcmüchs-Unnche und Gewissens-Angst' befindet, was ist wohl elender als ein j>)lcher gesunder Mensch? und ist die Unruhe seines Gemüths nicht cspabsl ihm die Kräfte seiner Gesundheit durch einen langweiligen Todt gleichsam abzuzehren, und ihn derselben zu berauben ? 42. Hingegen wenn ein weiser und tugendhafter Mann an einem söchtenden Fieber, an der Schwindsucht u. s. w. darnieder liegt, kan man ihm wohl mit Recht unglücklich nennen, wenn sein Verstand ruhig und sein Gemüthe vergnügt ist, ob er gleich nicht in einem so hohen E? F-'^ 74 Das-.H. von der großen glücklich ist, als wenn cr nebst seiner Weißheit und Tugend auch gesund wäre? 4z. Ferner unter denen Gütern der menschlichen Seele müssen wir uns wohl in acht nehmen , daß wir in Gegeneinanderhaltung der tLröantmsi des wahren und falschen, die im Verstände ihren Sitz hat, und denen aus des Mc-'scden Willen hervorkommenden tugendhaften Thaten nicht einen unvernünftigen Arwscdlng geben. Zwar können diese letztem ohne vernünftige Einrichtung des Wahns in dem menschliche-iVerstande nicht bestehen: allein wenn sonst nichts wäre, so sind sie doch deswegen viel vor- lrefiicher cilS jene, weil der Verstand, so ferne er mit dem Guten zu thun hat, daffelbige nur erken- net,niemahlen aber dasselbige erlanger,sondern das Gute in Ansehen des Verstandes, nur allezeit als ein entfernetes und zukünftiges Ding betrachtet werden muß, welches der Verstand niemahlen er- greiffet noch ergreiffen kan; dahingegen der Wille, so ferne cr dem äuserlichen Thun und Lassen an- bcfiehlet dem Guten nachzujagen, dasseibige auch erhalt, und dadurch der Mensch des Guten ge- niesset. 44- Wir wollen, dieses desto besser zu verste, hen, noch nicht einmahl ein Exempel, von der grössten Giückseeligkcit des Menschen, sondern nur von denen bißher erzehllen andern Gütern geben. Was hilft es dem Menschen, wenn er gleich Glückseeligkeit des Menschen. 75 qleich noch so scharfsinnig rai^nnirct, wie man sich ehrlich in der vvelt hinbringen, nach jLhren erachten, Freunde erwerben, und seine Freyheit recht gebrauchen solle; wenn er von artigen Sitten, die man in gemeiner Gesellschafft braucht, wohl zu äilcourirenwciß; wenn er von der menschlichen Gesundheit, wie man dieselbe erhalten, und die verlohrne wiederbringen solle, gründlich zu reden und zu schreiben weiß, und verschwendet alle das sei, nige, oder ist faul, und will nichts arbeiten, odec achtet weder iLhre noch Schande, und tan sich mit niemand vertragen, oder mißbraucht seine Freyheit, oder hat selbst bäurische oder grobe »-o. e/ an sich, oder verderbet du«l) unordentliches Leben die ihm von GOtt verliehene Gesundheit?' kan wohl die Erkanlniß der Wahrheit, die er, vermittelst seines Verstandes begreift, ihn glücklich machen? oder vermehret sie nicht vielmehr seine Unruhe, je mehr er dadurch sein über den Halß gezogenes Elend zu erwegen Gelegenheit überkommt, und durch feine eigene Pedancken flch zu verdammen genöthiget wird? 45. Betrachte hingegen einen Menschen, der nur einen gemeinen natürlichen Verstand hat, und sich nicht eben für einen Gelehrten ausgeben kan, erse» nun von was für einem Stand er wolle, wenn er ein ehrlich Vermögen für sich bringet, mst dajlcldiZe klüglich verwaltet 76 D.:s 2. H. von der grosse» waltet, sich durch seine Geschicklichkeit aus dem Staube erhebet, und von allen Ehr-und Tu- gend-liebenden Gemüthern geliebet und hoch- gehalten wird, wenn er feine Freyheit in nichts anders suchet, als wie er andern Menschen Gutes thun, und sie für unrechtmäßiger Gewalt undUn- terdrückung beschützen möge, wenn er jedermcm mit Höflichkeit begegnet, und allen allerley wird, damit er viele gewinnen möge; und wenn er endlich durch ein mäßiges Leben und Beherrschung feiner Gemüthö-Nciaungen seine Gesundheit indem Zustand, wie sie ihmGOit verliehen hat, erhalt, findest du wohl die geringste Ursache zu zweiffeln, baß ein solcher Mann nicht weit glücffeeliger seyn solte als der erste? 46. Bey dieser Bewandmß aber ist noch weniger Zweiffel übrig, daß diejenigen Wissenschaften, in denen sich der menschliche Verstand vertieft, um sich nur über andere Menschen durch H?eculinmg subtiler aber unnüyliches Dinge oder nichts bedeutender dunckeler Wör» ter, oder wenn es hoch kömmt, artiger und be» In^igiMder Dinge, zu erheben, gantz nicht, zur g'.östen Glücksceligkeit des Menschen gehören; fondern entweder unter das große Unglücb zu rechnen, oder für blosse Zicrrathsn eines L^cksl'eligen Mannes zu halten seyn, welche, wenn sie keine Glückseligkeit, die sie zieren können, antreffen, bey nahes!) eitel sind, als die Wissen- GlückseellgxettdesMmschett. 77 Wissenschaften der ersten Gattung, als z. E. die 55/'v/-?/isoi-)e?^7o/s/^/e, die gemeine 1.0- F/c, die^/o/^/e, ////?o»ez /?o-?^»-ey, 2^ede- Aunsi, u. f. w. 47- Gesetzt aber, der Mensch suche durch die Wissenschaften dergleichen Vorzug nicht, sondern sey nur bemühet seinen Verstand auszubessern , und durch Erfindung neuer Wahrheiten den menschlichen Geschlecht in der That zu dienen; es waren aber dieselben alsobewand, daß sie ihn, in Bettachtung derer Geschöpfte misser ihn selbst, von der ?-c/ und ungewöhnliches von denen gewöhnlichen Sirren an sich haben, und manchmahlcn ein grosser Überfluß von der Er, mangelung des äecori be» ihnen anzutreffen sev. Denn zu geschweige«, was ich allbereit oben von dem Mangel des ciecori überhaupt angemercket habe, so würden sich bey solchen Leuten Ursachen genug finden lassen, entweder diesen kleinen Fehler zu entschuldigen, oder demselbigen die Artigkeit und denNutzen der von ihnen erfundenenWahrhei, ten entgegen ;u setzen. » 49. So will ich auch nicht erwehnen, daß diese Gelehrte gar selten Meister von ihren M-Ken sind; sondern, ob sie schon gemeiniglich von der grobe» Wollust befreyet leben, dennoch sich selten mderUngedult, Zorn, Eyfer, Mißtrauen, Benei, dung und Ehr-Gierde bendigen können. Denn dieses alles schemet feine Abfälle hin und wieder zu hi'.bm, nnd dcrowegen nicbt so wohl denen Wissenschaften selbst, als deren Mißbrauch zu zuschreiben zu seyn. 50. Sondern ich will nur dieses erinnern, daß sich diese wackere Leute sebr bekriegen, wenn sie meinen, sie hatten eine ruhige Selnsti, gunZ durch diese Wissenschaften erhalten, und komm sich also zu der grösten Glückseligkeit erhe-, Glückleettgkeit des Menschett. 7? erheben. Beyde haben ein unerschöpfliches Meer unzehliger Wahrheiten, die der Mensch nicht auslernen kan, wenn er gleich noch so all würde. Beyde treiben den Mennschen, wenn er einmahl hinein gerathen, zu einer solchen unruhigen Begierde an immer was neues zu erfinden, daß er seiner selbst und aller seiner andern^ auch der grösseren Güter darüber vergißt; daß wir dannenhew allbereit anderswo die Belustigung, die ein Mensch in Erforschung solcher Sachen empfindet, mit dem Vergnügen eines durstig gewesener» Menschen verglichen, der ein liebliches Getrau- cke getnmcken, welches aber den Durst nicht stillet sondern denselben noch starcker zu erwecken vermögend ist. 51. Du magst aber diese Betrachtung wohl bey dir reiflich überlegen, weil etliche gelehrte Leute, die von diesen sonst Lob-würdigen Wissenschaften truncken gemacht sind, aus ?asswn gegen dieselben, sie allzusehr erheben, und die Erfindung dergleichen neuen Wahrheiten für das graste Gut auszugeben, sich unterstehen. 52. Wir haben den Willen des Menschen noch übrig. Durch oieseu muß der Mensch dem erkandten Guten nachjagen, und dasselbige auch ergreiffen, und folglich ist er dem Guttu zwar naher als der Verstand; Aber doch weder er- selbst, als der semerNatur nach eitel ist und nach bojeu Dingen trachtet; noch die von ihm her ßo Das 2. H. von der großen /-^^»-enden ausserlichen Thaten des MeNi- schen können das höchste Gut seyn, weil sie nach demselben trachten, und dadurch anzeigen, daß es m ihnen nicht bestehe. ?z. Daß man aber insgemein das gröste Gut in dem Thun des menschlichen Willens gesucht, ist daher einstanden, daß, wie man bey denen Gütern des Leibes diefclbigen betrachtet, als wenn sie würcklich köntcn von einander gesondert wers den, also auch bey denen Gütern der Seelen diese irrige Meinung geheget, als ob der Verstand ohne dem Mitten se^n Lonre, und der Wille vhne Verstand' woraus hernach die schöne Fabel entstanden, daß man in der Lehre von dem Ursprung und Fortsetzung des menschlichen Thun und Lassens, den Willen als einen König, den Verstand aber als einen Rath vorgestellet, der einen- andern feindseeligen Rath, nemlich die sinnliche Begierde, an der Seile hätte, welche beyde einander iu wider waren, und den guten Herrn König, gleichsam bey dem Ermel von einer Seiten zu dev andern zerrelen, biß endlich einer von beyden die Oderhand behielte» 54. Gleichwie aber die gelehrten Leute, die sich dieses Possm-Spiels in Unterweisung der Kuäi- senden Jugend bedienen, halten bedcncken sollen, daß die sinnliche Begierde ein ungeschliffener Zwitter sey, den i!)^ Gehirne aus Vermischung des Verstandes und Willens gemacht; Klss hätten sie sich auch erinnern sollen, daß sie GIückseeligkeitdesMenschen. 8? setbsten sage, daß man keine Begierde z» etwas haben Lc»nne, was man nicht wisse. Weil nun alle Wissenschaft dem Verstände des Menschen alleine, nicht aber, wie man träumet , auch denen dem Verstände entgegen gesetzten Sinnligkeiten zuzuschreiben ist, so würde gewiß der menschliche Verstand es sich selber zuzuschreiben haben, wenn er von der sinnlichen Begierde angefeindet würde, weil diese Anfeindung nothwendig von der von dem Verstände erhaltenen Er- käntniß herrühren würde: Andere Unförmligkei, ten, die aus dieser 2bluräeil Meynung herfliessen, anjetzo zu gefchweigen. 55. Wir wissen vielmehr, daß der Verstand' des Menschen und sein Wille sietswehs rend mit einander vereiniget seyn, und daß die menschliche Seele ausser diesen zweyen Kräften keine ^dritte habe, fondern daß die insgemein so genandte sinnliche Begierde nichts anders als der verderbte Verstand und Willen des Menschen sey. Wir wollen uns nur hierzu ihrer eigenen gemeinen Lehren bedienen. Man sagt, der Wille trachte allezeit nothwendig nach dem Guten, und der Verstand urtheile von dem Guten, und also kan es nicht fehlen, es kan kein Wille ohne Verstand, noch der Verstand ohne Willen seyn; ja es sey so gar unförmlich, wenn man sage, der'Wille sey dem Verstände zuwieder, und beherrsche ihn, daß vielmehr, wenn wir ja« in dieser Lehre das besagte Gleichniß brauchen wollen, F der 5! Das 2. H. von der Frosten der Verstand Rc?nig wäre; der Wille aber nichts anders als ein Diener, der nichts anders thut, als dasjenige hohlen kan, was ihm der König gewiesen. 58. Und thut nichts zur Sache, daß wir gleichwohl bey uns selbst empfinden, daß wir dasjenige öfters nicht wollen, was wir doch begreiffen und verstehen, daß es gut sey, sondern vielmehr mit unserm Willen, und dem davon äepenäirenden Thun und Lassen diesem Verstand zu wieder lebm. Denn wenn wir die Sache genau überlegen wollen, werden wir be.» finden, daß nicht so wohl der Wille dem Verstände , als LViüe und Verstand zusammen dem vorhergehenden Willen und Verstand zuwider sind. Ein seinen Begierden unterworssener Mensch hat ja etliche ruhige Augenblicke, darinnen er das wahrhaftige Gut erkennen kan, und in denenselben Augenblicken ist auch der Wille bereit darnach zu sterben. Dieweil aber die Begierden alsbald wieder die Oberhand erhalten, so wahret der vorige Wille auch nur einen Augenblick, aber es verändert sich auch mit dem Wille» so fort der Verstand, daß der Mensch zur Zeit, da er nach dem Antriebe seiner Begierden sein Thun und Lassen einrichtet, auch nothwendig die Sache, wornach er strebet, vor das grvste Gut halten, und die vorigen vernünftigen Gedancken ändern muß; welches ein jeder Mensch be» sich selbsten nur abnehmen kan. 57.W0 G!ücksee!ig?cit des Menschen. Z< 57. Wo wollen wir aber nunmehw die grvste Glückseligkeit des Menschen suchen, nachdem selbige wever in dem Verstände noch dem Willen dev Menschen z!i finden ist, und wir nunmehro keinen Theil des Menschen nicht mehr übrig haben? So wird vielleicht die grvste Glucksen ligkeit nur in einer eiteien Einbildung und m blossen Gedancben bestehen? s8. Du hast recht, mein Freund, ob du dich gleich sehr irrest. Es bestehet ja die grvste Glück-- seeligkeit in denen Gedancken und in der Einbildung, ober nicht in blossen Gedan- cken und in einer eiteien Einbildung. Und so wenig als wir in der Vernunft-Lehre das wahre in denen blossen Smnligkeiten, noch in denen bloßen iäeis, sondern in beyden zugleich suchen müssen, so wenig müssen wir auch die grvste Glückseeligkeic in dem Verstände oder Willen Mine, sondern in beyden zusammen, das ist, in der ZTleigung des Menschen und in denen dar- , aus emstchenden Gedancken suchen; welches beyd-s zusammen man pfleget das Gemüthe des Menschen zu nennen. 5<>. Ohne die Gedancken hat der Mensch keine Empfindung auch von der geringsten Glücks-eltgkeit, noch von einigem Unglück, welches man gar leicht begreiffen kan, wenn man sich nur das Exempel eines neugebohr- nen Kindes, eines rasenden, Weines höchst truncke« nen und in einem sehr liessen Schlaffe liegenden F 2 Mm 84 Das-.H.vott der grasten Menschen vorstellet, die sehr verwundet seyn, und dieselben ein wenig mit?1iiIoiopKisiden Augen beleuchtet, auch aus ihrem Schreyen und andern Ungebehrden nicht so fort auf ihre Empfmbligkeit schliesset. 60. So bestehet auch das meiste Vergnügen, daß der Mensch über allerley Güter empfindet, mehr in den Gedancken als in der Geniesung selber; wenn nemiich der Mensch ein ohnlängst genossenes Gut sich als noch oder allbereit gegenwärtig vorstellet, wie wiederum ein Mr bey sich selbst abnehmen, uod dieses paraäoxon durch ioov. Exempel bekräftigen kan. 61. Dieweil aber ein jedweder bey sich felbsten befindet, baß er öfters in seinen Gedancken über Dinge sich belustiget, die eitel, vergebens, oder auch wohl schädlich gewesen, ingleichen, daß ee auch öfters unruhige und verdrießliche Gedancken hat, und wenn sein Hertz unruhig ist, die Gedanckcn nicht vergnügt seyn können; so wird er dannenhero gar leichte mulhmasien können , daß in denen blossen Gedancken des Menschen feine höchste Glückseeligkeit nicht bestehen könne: und muß dannenhero desto genauer besehen, worinne denn eigentlich diejenige Glückseetigkeit besiehe, daran der Verstand wohl dencken und der Wille eyfrig darnach trachttn solle. 6i. Hierzu wiMr aber gar leicht gelangest können, wenn er aus dem ersten Capitel wiederholet GIuckseeliZLeit des Menschen, holet, daß das Wohlseyn aller Dinge in einer ruhigen und nach Gelegenheit des Wesens dee Dinge, mäßig veränderlichen Bewegung bestehe. Woraus denn so fort folget, daß alle unruhige- und allzuveränderliche Gedan- cken des Menschen bäft seynhingegentheil aber in einem ruhigen Verlangen und mäßig sich verändernden Gedancken des Menscher» Keine wahre, einige und graste GlKcksees? jigVeie bestehe. 6z. Und diese ists, worauf die alten Welt- Weisen, die das höchste Gut in einer Gemüths- Ruhe oder in einer Belustigung des Ges müths gesucht haben, ihr Absehen gerichtet. Wir wollen keines wcges mit dir der Worts oder des Nahmens halber streiten, wmn wirnue in der Sache überein kommen. 64. Allen Streit aber dißfalls desto besser zu heben, wäre es wohl gut , wenn wir eine deutliche Beschreibung derselben geben kvnten; Dieweil sie aber einig ist, und ihres gleichem nicht hat , auch solchergestalt von denen, die sie besitzen, besser empfunden , als von ander:? deutlich verstanden wird, muß Vü es so genau nicht mit uns nehmen, sondern zu frieden seyn, wenn wir dir in Beschreibung derselben mehr zeigen, was sie nicht seyn, als was sie sey, oder wenn wie unser Absehen darinnen mehr, auf ihrem Ur» sprung und A?ürc?uncl, als auf ihr eigentliches Oesen richten. F z 65.Sie 86 Das-.H. von der großen 65. Sie ist demnach nichts anders als eine ruhige Belustigung, welche darinnen bestehet, daß der Mensch weder Gchmcryen noch Freude über etwas empfindet, und in diesem Zustande sich mit andern Menschen, die einedergleichen Gemüths-Ruhe besitzen, zu vereinigen trachtet. 66. Sie ist eine Belustigung, denn sonst wäre sie kein Gut, weil wir oben erwehnet, daß alles gegenwarlige Gute eine Belustigung machen müsse. Dannenhero muß sie von allen Schmeryen entfernet se»n. Denn wo Schmertzen ist» da kan keine Lust oder VerciMgen seyn. 67. Sie ist eine ruhige Belustigung, dem: sonst wäre sie kein Gut, weil wir oben gedacht, daß alle sehr empfindliche und folglich mit einer Unruhe vergesellschaftete Dinge böse seyn. Dannenhero bestehet dieses Vergnügen ohne Freude. Denn wo Freude ist, da ist eine unruhige Belustigung: jedoch ist diese Belustigung der Freude näher als dem Schmeryen, und deswegen wird die Freude gemeiniglich für was Gutes, und für diese ruhige Belustigung selbst gehalten, oder diese letzte unter dem Nahmen der Freude vorgestellet. 68- So ist auch in Ansehen berGemüths-Ru- he noch dieser Unterscheid zwischen dem Schmertzen und der Freude, daß nicht allemahl in des Menschen Willen stehe, von allen Schmertzen entfernet zu seyn, sondern das Gemüthe ofte genv-> G'lückjeell'ZSelt des Menschen. 87 geiwihiget werden könne, Scdmertzen zu empfinden, und zu weinen: da hingegenlheil ordentlich die Freude und das Lacken aus des Menschen Will.'n und Begierden herrühret, es wäre denn, wenn man hiervon eine gewaltige Kützelung exi- miren wolle, wiewohl noch dahin stehet.ob dieselbe, wenn sie ein wenig cominuiret, nicht mehr zu dem Schmechen als zu der Freude zu rechnen sey? 69. Daß aber in dieser ruhige,! Nelustt> gung die groste Giuckseeligkeit des Menschen bestehe, ist daher abzunehmen, weil der Mensch bey alle denen andern Gütern, als Reichthum, Ehre, Freyheit, Freunden, dem äecoro, der Gesundheit, der Weisheit, der Tugend, wiewohl bey denen meisten vergeblich nach diesem Guee trachcer, und in denenselben seine Ruhe suchet; wer aber die Gemüths-Ruhe einmahl besitzet, und um nichts mehr als um derselben Erhallung bekümmert ist, auch der andern Güter, die eben zur selben so sonderlich nichts contribuiren, gar leicht entbehren kan. 70. Und ob wir schon gesagt, daß dieGemüths- Ruhe trachte sich mit andern ruhigen Gemüthern zu vereinigen, so ist doch dieses Trachten Leine unruhige Begierde, oder ein solch Verlangen, das den Menschen unglücklich machte, wenn es nicht erfüllet würde: fondern ein ruhiges Bemühen und Darbieten,und folglich eine connnuirung der einmahl erhaltenen Gemülhs- Ruhe, als welche ordentlich durch eine derglei- F4 chen 8S Däs-.H.vondergrWm chen Vereinigung entstehet, oder auch eine sietewahrende Wü- ckung dieser GemülhS-Ruhe, um dadurch anzuzeigen, daß diese Ruhe nicht in einer Trägheit und Faulheit oder Mangel aller Bewegung, als welches alles böse Dinge seyn, sondern in einer muntern aber xroxorüonirlichen Bewegung bestehe. 71. Wollest du dannenhero dieses gröste Gut des Menschen mehr nach seinem Ursprung und Würckung als näch seinem Wesen benennen, kvntest du es eine vernünftige L.iebe hcissen; Denn die vernünftige Liebe ist nichts anders als eine Vereinigung derer Gemüther, die das groste Gut besiyen, und darnach trachten. 72. Wir wollen aber von dieser vernunftigen Liebe etwas mehrers reden, um darzuthun, daß das Wesen des Menschen, dadurch er von den bettien entschieden wird, so ferne das natürliche Licht selbiges begrciffen kan. in nichts anders als in einer tugendlichen Liebe anderer Menschen bestehe, uud daß, man möge auch in denen Schulen von der rechten und verbothen^ Selbst. Liebe reden, was man wolle, alle Menschen , auch so Far die Lasterhaftesten, andere GescK^pH'e rrürcklich mehr lieben als sich selbst. 7?. Die />c/??'en haben alle und jede einen innerlichen Trieb sich selbstcn zu erhalten, und sich s- ldst das Vergnügen, dessen sie fähig sind, GIr»c5ste!lg?e,t des Mensch m. 89 sind, zu geben. Und ob sie schon nicht leichtlich andere beKien einerley Art und Geschlecht verletzen, so suchen sie doch auch nicht in dem Wohlseyn der andern das geringste Vergnügen, weil sie von dem Schövffer zu keiner Gesellschaft unter sich gewidmet sind. 74. Aber der Mensch wäre shne mensch- Ziehe Gesellschaft nichts, nicht so wohl, was die Zeugung und Geburt!) belüft, weiche er in etwas mit denen dettien gemein hat, (wiewohldie Zusammenfügung des Mannlcm und Weibleins unter denen unvernünftigen Thieren nicht verdienet eine Gesellschaft genennet zu werden) als wegen der Auferziehung. Ein Mensch müste verderben, wenn sich andere MenWcn nicht seiner annehmen; da hingegen die beKien MNoth alsbald von der Geburl an Mselber forlhelffen können. 75. Ein Mensch wäre kein vernünftiger Mensch ohne, andere menschliche Gesellschaft. Was wären ihm die Gedanckcn nütze, wenn keine andere Menschen wären? kvnte nicht eben so wohl ein innerücher Trieb m seiner Erhaltung genug seyn, wie bey denen bettien; Die Gcdancken sind eine innerliche Rede: Worzn brauchte er diese innerliche Rede, wenn niemand wäre, mit dem er seine Gedancken communici- ren solle? Diese innerliche Reden prXlupx>oni- rct eine ä'.iFeiliche. lind wo wolle er also imm - jich mit sich reden,wenn nicht andere Menschcn,mic F 5 denen 9» Das:.H.vondergr?sten denen er in Gesellschaft lebet, durch ihre äusser» liche Rede seine innerliche anzündeten? Was brauchte e6 aber endlich wiederum aller äußerlichen Reden, wenn keine menschliche Gesellschaft wäre? 76. Ohne menschliche Gesellschaft wür, de ein erwachsener Nllensch kein Vergnn, gen haben, wenn er gleich dieZanyervelt besässe. Er müste sich selbst bedienen, und diese Bedienung würde ihm, wenn er wollüstig oder ehrgeitzig wäre, unerträglich seon» Ja wenn er gleich, wie die ?oeren von der ?5^cKe melden, von unsichtbaren Geistern bedienet würde, oder so vernünftig wäre, daß er seine eigene Bedienung für keine Last hielte, würde er dvch deßwegen unver, gnügt seyn, weil eö ihm, weiln er ehrgeitzig wäre, an Leuten, denen er befehlen könte, und von denen er geehret würde; oder wenn er geldgeitzig wäre, die er beneiden, betrügen, und sich über ihr Unglück freuen könle: wenn er wollüstig wäre, an wollü, stiger Gesellschaft; und wenn er mr Tugend geneigt wäre, an Leuten, denen er Gutes thun, und sie feines Vergnügens theilhaftig machen kvnle, ermangeln würte. 77. Ja dieses Unvergnügen würde auch selbst dl'e H^n^o/ien treffen, oder die sich in ihre t//o5/^uen verschließen, und von aller menschlichen Gesellschaft entgehen, wenn sie nicht in menschlicher Gesellschaft leben sollen. Denn die A^»^o/>en suchen ihr Vergnügen darinnen. Glückseligkeit des Menschen. 91 daß sie die gegenwärtige Welt tadeln, und die sich in Büchern vergraben, daß sie entweder bey denen Lebenden sich ein Ansehen machen, oder dieselben cenüren wollen, u.s.w. 73. Zu geschweige» , daß die aUermeisien Belustigungen des Gesichts, Gehörs, Geruchs, Geschmacks, und Gefühles entweder in und bebändern Menschen qesucht werden, oder aber in einer Einbildung beruhen, weil wir sehen oder hören, daß andere Menschen, die wir hoch halten, in gewissen Dingen eine Belustigung finden. 79. Es möge dannenhsw der Mensch sich be> trachten, auf was fürWeise er wolle, so wird er befinden, daß ihn GOtt zu einen geselligen Thier geschaffen habe, und zwar, daß er in einer friedfertigen Gesellschaft mit andern leben solle. Ohne Friede ist Leine Gesellschaft, weil Zwiespalt und Wiederwillen alle Gesellschaft zerreisset und aufhebet. Und ohne Gesellschaft Tan Vein Friede seyn, weit der Friede in der Vereinigung menschlicher Gemüther bestehet. Ohne Friede ist dem Menschen weder Vernunft noch Rede nütze, weil man uim Krieg nichts als Gewalt vonnöthen hat, auch die tapferen Helden ihr Schwerd nicht im Munde, sondern in der Faust führen. 8-?. So ist demnach der Mensch zur Liebe anderer Menschen geschaffen, weil er zum Friede geschaffen ist» Denn die Liebe und der Friede grün» 5- Dass. H-VHtt der grDe» gründen sich in der Vereinigung menschlicher Gemüther. Ja er ist zur L.iebe ruhiger oder die Ruhe suchenden Gemüther geschaffen; theils weil e? silier nach der Gemüths-Ruhe, als nach seinem höchsten Gute trachten soll, alle Liebe aber sich auf eine Gleichheit, mit der geliebten Person gründet; theils auch, weil er sonst nicht würde in Friede leben können, wenn er unruhige Gemüther liebte; denn wie wollen diejenigen, die innerlich mit sich selbst keinen Frieden haben, mit andern Leuten und äusserlich friedlich leben können? 81. Es folget hieraus, daß des Menschen höchstes Gut darinnen bestehet, wenn es dem ans dern Menschen, den er liebet, roohlgehet, und daß ihm desselben « Nennung der grvsten Glückseeligkeit des Menschen einen unnvthigen Streit ansähest. 8 7. Nenne es wie du wilt. Denn die Worte sind der Dinge halder, die Dinge aber nM der Worte Glückseeligkeir des Menschen. 95 Worte halber erfunden. Wüt Du es nicht Gemüths-Ruhe nennen, nenne es eine Wollust oder Vergnügender Seele«, oder eine vernünftige l!.iebe, oder die Vereinigung zweyer sich liebenden Seelen, oder die Zöemü? hung der geliebten Person alles gutes zn thun, und zwar für sie zu sterben, oder die Unterdrückungoder 2wstilgung derdas Gemüth verunruhigenden Bewegungen. Ich will wegen keines vvn diesen einen Streit mit dir anfangen. Nur me> cke, daß, wenn du nicht alles dieses, waö du bißher genennet, beysammen Haff, sondern nur eines davon vermisiest, du auch die wahre Glückseligkeit unmöglich besitzen könnest, fondern daß du dir, wenn du dich eines andern bereden wilst, damit vergebens schmeichelst. 88. Wir müssen uns aber nun auch zu der andern Betrachtung der grösten Glückseeligkeit wenden, so ftrne dieselbige in Betrachtung ihrer Vollkommenheit genommen wird; und Heisset so Vcmn die gröste Glückseligkeit des Menschen entweder dasjenige Gut, welches «Ue so wohl nöthige als überflüssige Stücke und Zierrarh^n der Gemüths Ruhe m seinem Begnf hält, oder die Gemüths- Ruhe nur mi« allen wesentlichen dahin gehörigen Gütern, ohn? welche dieselbe nicht bestehen kan, ohne Beti-achtuna derer menschlichen Güter, die nur unnochige Stücke oder dlosseZierrachenseyn. ''89. Dem» 96 Das-.H. von der großen 8?. Denn derjenige, der bey seiner Gemüths« Ruhe tugendhafcig, gesund, ms»/-^!ich, ge, ehrt und reich ist, auch seine Freyheit und viel Freude hat, der kan sich billig als einen voll? Kommenen glücklichen Menschen rühmen. Er ist aber deshaiden nicht alsobald unglücklich, wenn jhm dieses oder jenes von diesen jetzt erwehnten menschlichen Gütern mangelt, sondern man muß den Unterscheid machen: Mangelt ihm nur ein schlechter Zierath der grvsten Glöckseeligkeit, so ist er doch deswegen nicht elend oder unglücklich, (ja er darf nicht einmahl meinen, daß er nicht vollkommen glücklich sey, wenn er nur dieGemüths- Ruheals die höchste Glückseligkeit besitzet,) sondern er hat nur diese grvsteGlückseeligkeit nicht in einem vollkommenen t^r^cl. 90. Mangelt ihm aber ein nothiges Stücke der Gemüths-Ruhe, so ist es entweder ein solches, durch dessen Entnehmung er der Gemülhs'Ruhe völlig beraubet oder entblvsset wird, oder ein solches dadurch er in seiner Gemüths-Ruhe nur ein wenig zerstöret wird. Auf die erste Weise wird er unglücklich oder elend, und hat das grvste Unglück auf dem Halse: Auf die andere Weise ist er zwar nicht unglücklich noch elend, aber er kan sich doch auch nicht vor völlig glücklich halten. 91. Derowegen last uns nunmehro die ober- zehlten Arten der menschlichen Güter betrachten, lim zu sehen, welche von Henenlelben noehi- M GlückseetteMt des Mensche,?. 97 ge Stücke der Gemüths-Ruhe seyn oder nicht, und welche unter jenen entweder die Ge- müths-Riche Sem VOesen oder der VdllSdm- menheit nach bestätigen. 92 Was erstlich das Reichthum anlanget, so weiset baldAnfangs die Beschreibung desselbi- gen, weil es nichts anders als ein Überfluß des Vermögens ist, daß solches ein blosser Zierat!) und kein wesentliches Stücke derGemülhs-Ruhe sey. Was dir üderflüßig ist, damit kanst du an, dern deine Liebe bezeigen, und je grösser der Überfluß ist, je mehr und an mchrern kanst du dich gut- thätig erweisen, und so weil ist Reichthum ei» Zierath der grvstcn Glückseligkeit. 9z. Hast du aber diesen Überfluß nicht, fl; darffst du deswegen in deinem Gemüche nicht unruhig seyn, wenn du nur genug vor dich hast. Denn hast du keinem Überfluß oder Reichthum, so hast du auch desto weniger Sorge, wie du diesen Überfluß anwenden sollest: Und wenn du gleich nsch so arm bist, kanst du andern Menschen doch durch deinen Einrath und Exempel ihre Irrthümer benehmen, und sie von denen Irrwegen abZeiten, welcher Dienst ja so gut und noch viel besser ist, als wenn man einem Dürfftigeu mit Gelde und Reichthum aushilft. 94- Und also siehest du, daß das Armuth nichts böses sey, weil es nur ein Mangel des Überflusses ist. Wollest du gleich sagen, daß?ochdas äusserste Armuth ein Übel sey, roeil dassclbige tL. G in 98 Das H. von der grasten in einem Mangel dessen, das ,ric zu unserer Lebens- Unterhaitung benöthiget sind, bestehe; wirst du doch dich wchl in acht nehmen müssen, daßdu nicht etwas für die äusserste Armuth ausgebest, die doch in der That dasseldige nicht ist. 95. Du must deine Lebens-Mtdurfft nicht nach deinem Verlangen, Begierde und Gewohnheit ausmessen: denn du kaust z. E. mit iOo. Thal- des Jahrs auskommen, und auch looo. Thal, des Jahrs verthun. Bist du unvergnügt, so bist du allezeit arm; gleichwie derjenige allezeit reich ist, der mit wenigen vergnügt ist. Und wie woltest du, ohne Boßheit anderer Menschen, als im Kriege oder einer sonderlichen Hunger-Straffe GOttes, in einen Stand gerathen können, daß dir etwas mangeln solte, das m deiner Leibeö-Nvlhdurft nöthig wäre, weil Wasser, Wurtzeln, und wenn du einen Peltz hast, in welchem du dich wider Hitze und Kalte vertheidigen kanst, schon genuug ist, was du zu deines Leibes Nothdurft brauchst, und hieran mangelt es auch dem elendesten Bettler nicht. 96. Was die Ehre betrifft, sowirdentwedex dadurch der innerliche Grund derselben, nemlich ein tugendhaftes Leben verstanden, wovon wir schon fvlgends handeln wollen; oder aber es bedeutet die durch äusserliche Zeichen bestätigte Hochachtung anderer Leute gegen uns, entweder wegen unserer Macht-, oder w.'gen einer fälschlich von uns eigebiideten Tugend- 97-Das GIuckjeeUMlt des Menschen. 99 97. Das letzte ist vielmehr ein Übel als ein Guc: Denn wenn wir eine salscheTugend besitzen, haben wir gewiß keine wahre Gemüch?-Nu- -he, und die Leure, die uns deswegen hochhalten, müssen ja so blind und elend, oder elender seyn als wir selber, und diese Hachhaltung muß uns noch mehr in unserer übelen Meinung und Lebens-Act deslmcken. 98. Haben wir aber neben der wahren Tugend grosse Mache und Gewalt, weswegen uns auch die Leute Ehre erweisen; so ist abermahl die Ehre ein Zierat!? der höchsten Glückseligkeit, wenn ein solcher geehrter Mann diese Macht anwendet, denen, die die Gemülhs-Nuhe besitzen oder darnach trachten, desto mebr Gutes ;u thun. 99. Aber es ist auch diese Ehre kci-» westntli- cbes Stück, weil dergleichen Gewalt abermahls unter die ohnnöihigm und überflüßigcn menschlichen Guter gehöret, und in Mangel derselben wir memahien Mangel haben, andern Leuten unendliche Gutthaten zu erweisen. 100. Und also kanst du leichtlich absehen, daß der Mangel der ausserlichen Ehre, das ist, der Macht undAnschens wiederum kemUbel sy, weil der Mangel eines Überflusses niemahls waS Böses seyn kan. 101. Aber was wollen wir nun mit der Uneh« re machen? Ich muß bekennen, es ist zwischen derselben und dem Mangel der Ehre ein grosser Unterscheid. Gleichivohl werde ich nichts G » UN- 100 Das z. H.vsn der grosten unrechtes sagen, daß die Unehre, die der Ehre, von der wir jetzo handeln, entgegen gesetzt wird, gantz kein Übel, sondern ein nichts, und eine ei- tele Einbildung unruhiger Gemüther sey, es möge dir dieses nun gleich noch so seltsam vorkommen. !02. Zwar, wenn die Unehre zum Grunde innerlich ein tugendhaftes L.eben hat, müssen wir freylich anders sagen, und uns nicht unter die Zahl derer rechnen, die weder Schande noch Ehre achten ; aber wir haben nur kurtz zu, vor erinnert, daß wir die Tugend-Ehre anjetzo Nicht betrachteten; sondern es gehöret Hieher nur die Zufserliche Unehre, wenn ein Mensch, ohne vernünftige Ursache, in der bürgerlichen Gesell, schaft unehrlich erklaret, zu keinen Ehren-Aemtern gelassen, seine Schriften oder sein Schild durch den Hencker verbrand oder zerbrochen, oder sein Nahme an den Galgen geschlagen, oder er wohl gar im Bildnisie aufgehencket wird. >oz. Die/surltten pflegen unter sich zusagen, daß der Staupen-Schlag nicht unehrlich mache, sondern die Ursache. Diese Ursache aber muß nicht in der ungegründeten Meinung anderer Menschen, sondern in der Wahrheil gegründet seyn. Verdammet dich dein Gemüthe nicht, so können auch alle diese erzehlte Beschimpfungen dein Gemüthe nicht verunru« higen; sontern du würdest recht elende seyn, wenn deine^wahrhaflige Ehre der Gewalt eines Gluckjeeligkeit des Menschen, nes einigen Menschen unterwürffig wäre, oder wenn dasjenige dein Gemüthe anfechten solle, was man mit deinem Nahmen, Schilde, Schriften und Bilde, vornähme. Es ist wahr, die Liebe zu dir wird bey vielen Leuten ausgetilget; aber bey was für welchen? Bey denen, die die wahre Gemüths-Ruhe nicht besitzen. Mit diesen aber sucht ein weiser Mann nicht sich durch Liebe zu vereinigen, sondern hat Erbarm- niß mit ihnen, und diese hindert ihn alleine, daß er die ihm angethane Beschimpfungen nicht verlacht. Bey denen, andern aber, die nach der gwsten Vlückleeligkeit nebst ihm eyfrig sich bemühen, wächst seine Ehre nur desto mehr dadurch, weil die ruhige Erduldung solcher unverdienten Beschimpffuny die Gemüther solcher Leute nur desto kraftiger an sich ziehet, und sie noch mche mit ihm vereiniget. 140. Nun wollen wir die Manierlichkeit, HWgkeit, Artigkeit der Sitten, Wohlanstan- digkeit, mit einem Worte das ^-co?-«?» betrachten. Dieses, gleichwie es in der Nachahmung des Thuns derer Leute, die in menschlicher Gesellschaft für andern hochgeachtet werden, bestehet; also ist es nach denen unterschiedenen Arten des Thuns, das man imirirel, hauptsächlich dreyericv: Denn dieses Thun ist enl'.reoer Tugendhaft, oder Lasterhaft, ode? ?>/^///^-cM. G? zoz.So DäS2.H.vsndergroste»! 105. So ferne als man in dem clecoro tu- gendiiassce oder lasterhafte Thaten zu imiriren sucht, muß eben dasjenige davon qesagt werden, was wir von der Tugend und Lastern selbst al- sobald erinnern wollen. So ferne aber das Thun und Lassen, das man imiriret, ?'»^M> ist, z.E- daß man sich kleidet, wie es der gemeine Gebrauch mit sich bringet; daß man mit einer gemäßigten Höfligkeit jederman begegnet; daß man etlicher Dinge, die zwar niemand was zu leide thun, aber doch insgemein für schändlich gehalten werden, sich enthalt, ist ein Zierath eines Menschen, der die Gemüths-Nuhe besitzet, weil diese zum wenigsten eine gute Ordnung in der gemeinen bürgerlichen Gesellschafft machen, auch theils durch dieselben, weil man allen allerley wiro, man Gelegenheit überkommt, desto mehr Menschen zu gewinnen, daß sie sich mit uns ?.u vereinigen trachten; theils auch, weil wir erkennen, daß wir denen in Irrthümern steckenden, wenn wir ihnen in diesen incliÄerenren Dingen nicht etwas nachgeben, einen Abscheu für uns und der wahren Tugend machen. ?--6. Es ist aber deswegen das Decorum kein nothrvendmcs Stücke der Gemüths- Riihe, wenn es nur nicht mit Vorsah und aus blosser Liebe zur 5-mZuwi-irät unterlagen wird. Damienhem 5er Mangel des ^co?-/ an einem Bauer, der es nicht weiß, oder an einem armen Menschen, der sich z.E. in Kleidung nicht anten, GIückseeMeit des Menschen, rvz gleich halten kcm, ihn an seiner Gemüths-Ruhe im geringsten nicht hindern, noch bey andern vernünftigen Leuten verhast und unangenehm machen wird. ,o7< Wenn es aber wegen einer 8in^ularirae unter lassen wird, so ist es freylich ein Übel, weil es genugsam zu verstehen giebt, daß ein solcher Mensch die wahre Gemüths-Nuhe nicht besitze , der keine inciiKerenre coinplail^nce für andern Menschen haben will: theils weil er hiermit keine Liebe andern Menschen erweiset, theils weil es viel irrAilonMenst, zuoi'Xtenciiren, daß sich viele die eines gleichen seyn, nach einem, als daß sich dieser nach vielen richten solle. 108. Und weil dannenhcro es ohne offenbahre 8inZulanrät, oder wohl gar ohne einer Liebe zue bettialimt, nicht-abgehen kan, wenn man die Dinge, die insgemein für schändlich ge, halten werden, begehet wie die LMici gethan; als müssen wir zugleich einen Unterscheid unter einem Menschen, dem das Decorum mangelt, imd unler dem, hui inäecenter vivir, der unverschämt lebet, zu machen lernen, und diesem letzten unter die Zahl dererjenigen rechnen, die die groste GIücrfteltWezt nicht besitzen- 109. Und zu dieser letzten Classe sind auch diejenigen zurechnen, die die Unterlassung des ciecori aus einer irrigen Meinung, als wenn dasselbe etwas böses wäre, oder aus einer a!Izu- frühzcmgen Begierde, andere allzugeschwin- G 4 de ,04 Dast.H.Vsn der Zrosien de von allen Unvollkommenheitcn, zu reinigen, andern recommenäiren, und sie mit ihrem eigenem Exempel darzu anfrifthen, z. E. wenn einer aus Mo angeführten Ursachen aUe Leute duyen, und für keinem Menschen das Haupe entblossen wolle. Denn dieser Irrthum und Begierde rühren aus einem aKsÄ der unvernünftigen Liebe her. i iDie Freyheit, es sey nun, daß dieselbige mit Ehre und Macht vergesellschaftet sey, wovon wir oben bey der Ehi e schon geredet, oder von einem freyen Menschen, der kein leibeigener Knecht noch gefangen ist, gesagt we^de, ist gleichfalls ein blosser Zierach der Gemüths-Ruhe, weil ein fteycr Mensch mehr Gelegenheit hat mit andern Leuten sich m verbinden, und ihnen gutes zu thun, als ein Sclaöe und Gefangener; dahingegen diese, wenn sie anders nicht umb der Laster willen zu Sclaven und Gefangenen gemacht worden, in ihrem Gemüthe ja so ruhig seyn können, und der eintzige Dienst, den TpIÄe- rus mit seinem TncKiriäio dem menschlichen Geschlecht erweiset, viel edler ist, als vielfältige andere Dienstleistungen, die ein freyer Mensch dürftigen Menschen erweiset. nz. Die Vielheit der Freunde, so ferne dieselbe unter die Glücks-Güter gerechnet wird, kan ich für einen Fierath der grvsten Glückseligkeit nicht achten. Denn die Freundschaft derer die die Gemülhs-Ruhe besitzen, äexencii- ret vom Glücke nicht, sondern ist ein nothwendiges Gut, und wesentliches Stück der Gemüths- Nuhe; aber weil derjenigen sehr wenig sind, die die Gemüths--Ruhe besitzen, so kan es auch G 5 nicht ,o6 Das-.H.vondergrDm nicht fehlen, es muß ein weiser Mann sehr wenige Freunde, oder doch zum wenigsten mehr Feinde als Freunde haben. 114. Derowegen so wäre zwar wohl vor einen Zierach der grösten Glückseligkeit zu halten, wenn es möglich wäre, daß ein weiser Mann viel Freunde haben könte; dieweil aber diese Möglichkeit in diesem verderbten Zustande, darinnen wir leben, nicht zu hoffen stehet, jo ist es vielmehr eine Anzeigung des Mangels der Gemüths, Ruhe, wenn sich ein Mensch ruh» Niet viel Freunde zu haben, weil er so dann Kenungsam zu verstehen giebet, daß er dieser Vielheit gleich seyn müsse, weil eincjede Freund, schafft und Gemüths-Vereinigung in der Gleichheit sich gründet. 115. So bleibet es demnach dabey, daß alle biß- her erzehlten Güter ausser dem Menschen, die ins, sesamt zu denen Gütern des Glücks gehören, -nicht aus dem innerlichen Grund des menschlichen Willens herrühren, auch keine wesentliche «Stücke der grösten Glückseeligkeit seyn können, in Ansehen der Mensch seine Gemüths-Ruhe nicht andern Menschen, sondern GOTT und nach diesem sich selbsien zu dancken hat. 116. Was die Güter des Leibes anlanget, so ist erstlich das Leben des Menschen zwar der Grund der Gemüths-Ruhe; jedoch macht die Beran^-na desselben, ncmlich der Tod, den Mechdm nicht elende oder unglücklich. Denn es Glöckseell'gLeit des Menschen. 107 es sey nun, daß das Gemüthe di-rch den Tod nicht vernichtet werde (dessen der Mensch durch eine die Vernunffc übersteigende Vergewisserung versichert wird) so wird auch durch den Tod die Ge- mütys-Ruhe nicht aufhören, oder aber, daß mit dem Leibe zugleich die Seele vernichtiget werden solle, so würde man doch von einer Sache, die zu nichts worden, nicht »sagen können, daß sie umuo higsey, sondern ich würde in dieftm Zustande von einem Menschen sagen müssen, daßerwede- qlück-' ilich noch unglücklich sey, weil er aufgeholet ein Mensch zu seyn. -17. Die Gesundheit des Menschen oder die Ganzheit der Giiedmass^,, 'und die qcr wohnliche und oidenlliche Bewegung des Geblüts lind der Geistergen, in den> nselben ist ein noc'yittcs Gtüc^ der Gemürhs-Ruhe, und mehr als ein gemeiner Zierat!); weil nicht mir ein gesunder Mensche vermögender ist siinee Gemüths, Ruhe als einer ruhigen Belustigung besser zu gemessen, ( Massen die Gesundheit leidsten in einer ruhigen Bewegung bestehet) und anderer Leute Gemüther durch Leibes- Dienste an sich zu ziehen, und sich mit ihnen zu vereinigen; sondern auch der Mangel der Gesundheit des Menschen seine Gemüths-Ruhe zuweilen stöhren kan. 118. Zwar so ferne die Rranckheiten nur eine dauerhaffte unordentliche Bewegung des Geblütes, nicht aber einen grossen Schmer» tzen lO8 Das H. vHtt der grosten tzen in denen nerven verursachen, ist darinnen ein grosser Unterscheid zwischen einem Menschen, der die Gemüths-Ruhe besitzet, und der dieselbe noch nicht erhalten hat. Dieser wird hierbei) in seinem Gemüthe sehr unruhig seyn: theils weil sein Gemüthe von der cii5x>olmon des Leibes bald da bald dort hin gewgen zu werden gewohnet ist, und also die unordentliche Bewegung des Geblüts auch nothwendig eine unordentliche unruhige Bewegung in seinen Gedancken verursachen muß; theils weil er diese Kranckheiten als eine Hinderniß betrachtet seinen Reichthum zu ver» mehren, oder seine Wollust zu sattigen, oder seine Ehrgierde zu stillen, als worinnen er irriger weise sein höchstes Vergnügen sucht., li-). Aber ein weiser Ma»m, der gewohnet «st, daß fein Gemüthe von dem augenblicklichen unordentlichen Bewegungen des Geblütes (wodurch bey andern sonsten der sKecA pfleget erreget zu iverden) nicht beweget wird, hat durch diese Gewohnheit so viel erhalten, daß auch hernach durch dergleichen dauerhafte unordentliche Bewegungen des Geblütes, ebenfalls seine Ge- müths-Ruhe nickt mercklich gestvhretwird; denn ob ihn schon die ?Äroxilmi eines Fiebers derge, stall?.Kcirten, daß er empfindet, er habe feine Gemüths-Ruhe nichtinder vorigen Vollkommenheit, unddcumenhew dasjenige thut, was die Natur ersodert, die Kranckheit loszuwerden; so öKcim ihn doch in geringsten nicht, daß durch die Kranck-- Gluckseeligkeit des Mensche»?, id? Kranckheit, Reichthum, sinnliche Belustigungen und lobwurdige Thaten hindangesetzet werden müssen. Aber so ferne die Rranckheiten schmeryhafc seyn, und die Nerven mit Härte angreiffen, müssen wir behutsam gehen, daß wir nicht eines Theils dafür halten, als wenn auch diese Kranckheit das Gemüth eines Menschen gar nichts angienge , andertheils aber nicht auf die andere ^veite verfallen, als wenn diese!- bigen einen weisen Mann elend machten. 12s. Es ist wohl an dem, daß ein Mensche eine sehrstarcke ?KantAi1e haben müsse, wenn er sich einbilden wolte, daß ein weiser Mann, wenn er z. E. an dem ?c>äagr^ an Stein, an der Gicht starck darnieder liegt, und grosse Schmertzen da- von empfindet, in seinem Gemüth eben so ruhig sey,, als wenn er in einem Rosen-Garten fasse, und daß, wenn gleich sein Hals sclme, sein Gemüthe doch gantz freudig sey. Wir haben gesagt, daß das Gemüthe mit den Gedancken des Menschen verknüpft sey, und auch bey einem weisen Mann, wenn gleich sein Gemüthe den Leib beherrschet, dennoch wegen der sietswahimden Vereinigung der Seelen mit dem Leibe nicht alle Empsindligkeit der Seelen mit d^m Leiden des Leibes aufgehoben werden. Und weil es demnach bey dieser Bewcmdniß nicht anders zugehen kan, als daß ein weiser Mann, Zeit wehrenden seinem Schreyen, an den Schmertzen gedencken muß ,10 Das: H von der großen muß; so ka» es mich nicht fehlen, eö müsse zu die, ftr Zeit sein Gemüth so ruhig nicht seyn, als sonsten. In diestm Absehen haben wir die Gesundheit als em nöthiges Stücke der menschlichen Mücrsceltgkett gerechnet , und rechnen es unter diejenige, dessen Beraubung durch dergleichen KranckKcit die Gemuths-Ruhe em wenig, aber aber noch mehr als ein Fieber stohret, und verursachet, daß ein Mensch zeit währenden solchen Inlandes , nicht vollkommen glückseelig sey. Aber es ist doch deßhalben dieGejiindheit des Leibes nicht em wesentliches Stück der Gemütds-Nuhe, und die jetzt ermeldten Kranck- heilen tonnen einen weisen Mann dieselbige nicht gar rauben noch elend machen: massmdenn ein weiser Mann, sobald die Scdmertzen vorbey seyn (welche je empfindlicher sie seyn, je eher sie auch m deutlich wieder aufhören ) von seiner verstöhrelen Ruhe bald wieder in Ordnung kömmt, und solchergestalt abermahlö, auch in Ansehung derglei, chen Kranckheit, ein grosser Unterscheid zwischen ei- mm weisen und unweisen Mann ist. 12z. Jener besitzet vor den? Schmsrtzen seine GemüllMNiihe, wie er soll, und pr^x^i-irel sich bey Heiannahung derselben zu einer thme möglichen Gedult; nach vergangenen Schmertzen aber tröstet ihn die Erlangung der entzwischen in etwas turdircen GemüthLMuhe über dem, was e? zuvor erlitten, kräffug!!cd. Aber ein Nnweiser, weil er keine Gemuly^Ruhe hat, stellet er sich die zu- Glückjesll'gkert des Menschm. nr künftigen Schmertzen durch eine irrailonadle Furcht noch schmertzhaffter vor, als sie sind, und erwecket dadurch, Zeit währenden Schmertzen, eine grosse Ungedult, die ihm dieselben vielmehr empfindlich Mcht; Ja es last ihm seine angewöhnte Gemüths-Unruhe nicht einmahl zu, daß er sich mit Betrachtung der vergangenen Pein belustigen solle; sondern das blosse Anhören und Er- wehming des Nahmens derselben präget ihm eine so verdrießliche Iciee ein, als wenn dieselbige alsbald wieder gegenwärtig wäre. 1:4. Nun haben wir noch die Guter der Seelen übrig, Weißheitund Tugend. Beyde sind nöthige und wesentliche Stücke der Gemüths« Ruhe, dergestalt, daß ohne dieselben einMensÄ keine Gemülhs-Ruhe besitzen kan, sondern höchst elend seyn muß. Die N?eißheit reiniget den Verstand, daß er die Eitelkeit aller andern Güter, und die wahre Glückseeligkeit der Gemüths-Nuhe erkennet, und ^ilponiret den Willen, gegen jene inäitlerenczii seyn, nach dieser aber hauptsächlich zu trachten. Und die Tugend jciget der Gemüths- Ruhe nach, und wenn sie dieselbige erhalten, giebt sie ihr durch eine stelswährende Bewegung tuyendhaffter Thaten das Leben, sie treibet den Verstand zu nützlicher Erkantniß des wahren Guten an, und ist also zugleich die Mutter und Tochter so wohl der Weißheit, als der wahren Glückseligkeit. 125. Hingegen wenn ein Mensch ein Sclave seiner il- Das 2. H. von der P osten seiner Begierden ist, und durch diese angetrieben, von den Elkäntniß der wahren Glückseeligkeit verfehlet, und die Schein-Güter für dieselbige annimmt, auch hernach, durch diese Betrügung seines Wahns, an statt tugendhafter liebreicher Thaten, alles sein Thun und Lassen immer hefftiger nach seinem eigenen Imereile, dieses Schein-Gut zu erlangen, einrichtet, der kan nicht anders als Hochstelende seyn, indem er sein Gemüthe höchst ve>»nruhiget, auch taglich in dieser Unruhe als ein Wild im Garne sich mehr und mehr verwickelt, ein Abscheu aller tugendhafter Leute, und seines Geldes oder anderer armseeligen und ja so elenden Menschen als er selbst ist, Sclave wird. 126. Hierbei) aber must du bey der LVeißheit aus dem vorhergehenden wiederholen, daß ich durch selbige weder die Erkanlniß eiceler und ?e- clanrischer, noch zierlicher und artlicher Wissenschaften, auch nicht einmahl solcher dem menschlichen Geschlecht sonst nicht unnützlichen IDilcipli- nen, die aber zu Erforschung anderer Geschöpfe ausser dem Menschen zielen, verstehe. Demi diese sind entweder der wahren Glückseeligkeit entgegen geletzte Thorheiten, oder doch zum wenigsten blosse Zierathen der Gemüths- Ruhe. Die cmylgeSelbsterr'atttmß ist das wesentliche Stücke des höchst« n Guls> und wer diese verfthlet, oder sie anfeindet, braucht keiner weitern Bestraffung, weil er, als sein selbst eigener Feind, hierdurch sich genung selbst bestraffet. 127. Glei- G!KLksee!igtze!t des Menschen, n; 127. Gleichergestalt nivst du die Tugend nicht in den ausserlichcn Bezeugungen allcine suchen> sondern zuförderst in der bn'instigen Liebe gegen andere Tugenv-liebmde Menschen. Diese muß aus dem Hcrtzen kommen^ und zwar durch die äusserlich? Thaten bezeuget werden; aber wenn die äusseriichen Thaten von dieser innerlichen Liebe entblössetsind, ist ein Mensche höchst unglücklich, weil er, als ein allgemeiner Betrieger> auch von jederman wieder betrogen zu werden befahren muß; ja weil er sich selbst durch diese angewöhnte Gleißnerey am meisten bekrieget, und in der Thal ein Heuchler, deßhalben viel elende«? istals einer, der öffentlich in Lasiern lcbet> 128. Wir haben nunmehro bey diesein Capitel nicht mehr nöthig zu erinnern, als daß wie dir mit wenigen noch einen Scrupel benehmen, den du dir Machen töntest, wenn duerwegest, daß weder bey der ersten Frage? welches menschliche Gut die gröste Glückseeligkeit sey? noch be» dee andern von denen wesentlichen Stücken derselben, der AVsttusi des Leibes in geringsten nicht gedacht wo, den, da doch Kpicurus und ^rittipxus das höchste Gut in der Wollust des Leibes gesucht; ja da wir selbst im vorigen Capitel erwehnet, daß alles wahrhaftige Gut be!u<« ftlgend sey, auch die Gemüthe^-Rl-He beschne, den haben, daß sie eine ruhige VelnftiZlmZ sen, und mir kurtzzuvor erinnert, daß, wegen Vereinigung des Gemüths mit dem Leibe, das- K. H ftldif.-- ii4 Das z. H. von der großen selbige der Scdmertzen des Leibes theilhaftig werve: und aliv scheinet es ja auch, daßdasGemü- lhe wegen eben derselben Ursache, gleichfalls auch die Wollust des Leibes empfinden müsse. i!?. Aber hierauf werden wir dir keine andere Antwort geben dürffen, als wenn wir dir nur fürhalten, daß die Wollust des L.eibes eine unruhige, unordentliche und empfindliche Belustigung sey. Und al auch von dem ^,K>/>o sagen was man wolle. Denn nachdem zu unsern Zeiten ein Lailenäus dem ^/rM'o in diesem Stück, und in einem andern <-!e la ?^otke 1e V^er deM/?i^öo, daß ev kein Narr gewesen, die vefenllon geführet, Halle ich alles dasjenige, was man von Venen alten kkilulopken sagt, und der gesunden Vernunft augenscheinlich zuwieder ist> für fabelhast/ unS von ihren Feinden erdichtet- Das z. Hauptstück VonGottalsdemUrsptWg aller menschlichen Glückseligkeit, und was die natürliche Erkantniß desselben zu der grösten Glückseelig- keit comeibuire» Inhalt. tzo^riexion. ».1.2. ManmußbeyderBetrachtMgvoiZ EOtt.Natu: und göttlichenOffenbahrung nichts verwischen. ». z. Daß ein GOtt ftp, kan niemand leug^ nen, sondern es ist nur die Frage, was Er sey ? ». 4. Nemlich die erste Ursache aller veränderlichen Dinge, i». 5. welche von diesen unterschiedenes Wesens ist, 6. und voii sich selbst herrühret.». 7. Warum die Heydendafür gehalten, daß die msreri-prims GOtk gleich ewig sey?». 8- Lehr-Satze wider diese Meinung «. y. Die «rste mzrerjg muß nothwendig aus nichts gemacht seyn.». to, und zwar von GOtt, weshalben sie nicht gleich ewig ist. »-it. Esistnicht unmöglich, Haß aus nichts etwas werde, ». is. (^ines weise»» HA MarMi! 6 Das von GOtt als dem Mannes Behutsamkeit in der Lehre von derSchöpf- fllNg.»-iZ-) sondern dieses erscheinetgantz klar aus her vergänglichen Dinge ihrem Seyn und Wesen, die augenblicklich zu nichts und wieder zu etwas werden.«-14.15.16. Natürliche Erkautniß der göttlichen rroviäen? aus eben dieser Anmerckung.«. 17. Die veränderlichen Dinge können ihr Wesen nicht selbst erhallen; ». l8. sondern es muß nothwendig der Schöpfer thun.». 19, Gemeiner Irrthum wider die göttliche Vorsehung, daß es in dieser Welt tugendhaftenLcuten.übel, und lasterhaften wvhlgehe --.20.21. Unterschied zwischen der Schöpfung und der Erhaltung der Dinge. ».22. ObgleichGOtt alle Augenblick denen Dingen ein neu Wesen und Seyn giebt, so bleibt es doch mit dem alten immer ein einiges, ».2 z, welches mit dem Exempel einer Linie verglichen wird. ». 24 Ei» wahrer?>i>i-)lap!ius gehet in der natürlichen Erkäntniß GOttcs nicht weiter, sondern redet lieber von GOttes unbegreiflichen Vollkommenheiten gar nicht, als daß er ungeschickt reden solle. ».25. Ersuchet aber die bißheri- genLehr-Satze in derSittewLehre sich solchergestalt zunutze zu machen, daß er erkennet, er müsse sei» Thun und Lassen nach EOttes Willen einrichten.». -6. und GOtt lieben, «. 27. das ist, GOtt inniglich vertrauen,».2 8 und demüthig fürchten.«-29. Woraus wiederum folget,daß er keine Ursache habe, eine andere Creatur zu fürchten, ».zo, oder derselben zu vertrauen.«, zi. Die natürliche Erkäntniß weiß auch von keinem andern anfferlichen Gottes- Dienst,«. Z2. Dieser iehr-Satz wird wohlbedächtig erkläret.». zz. Daß er nicht von dem innerlichen Gottesdienst, sondern von dem äusserlichen rede, ». Z4, welcher zweyerley ist, allgemein und unterschieden. Z5. So ist auch nicht die Frage, ob GOtt würdig sey geehret zu werden, ». z6. Oder ob der Mensch schuldig sey GOtt äusserlich zu dienen, wem- Ursprung aller mensch!. Glöckstel. n? es GOttvon ihm begehre; ». 57. sondern ob man ans blosserVerminft erweisen könne, daßGOtt einen ausscrlichen Gottesdienst von dem Menschen verlange? z8. welches geleugnet wird. ». Z9. Man tan keinen Beweiß, «.40. weder aus der göttlichen Natur, »- 41. noch aus der menschlichen ». 42. hernehmen, vielwenigerausdem Stande der Unschuld, oder aus der Gleichförmigkeit mit göttlicher Heiligkeit, ».4z. Alle Lästerung und Verachtung GOttes ist der Vernunft zuwider. ». 44- So siehet auch die Vernunft, daß es besser scyGOtt äusserlich zu ehren, als diese Ehre zu unterlassen; 45. aber sie kan doch die Nothwendigkeit des ausserlichen Gottesdienstes nicht begreiffen,wcder des äusscrlichenGebets,». 46- noch des Lobcns, 47. noch des Danckens, ». 48. weder in AnschenVOttes, ». 49, noch in Ansehen anderer Menschen.». 50,51. Andere Einwürffewider diesen unsern Lehr^Satz,52. Die Heyden haben den äusserlicheu Gottesdienst aus der Offenbah- rung erkennet, ». 5z. Die Glücksecligkeit des ge- meinenWesens kan der wahreAweck des äusserlichen Gottesdienstes nicht seyn. 54.55- 56. Man kan noch vielweniger den absonderlichen unterschiedenen Gottesdienst ausder Natur ei-kenncn.57. Alle Religionen gründen sich auf einc Offenbahrung. ». 58. Und GOtt hat niemahls einen aus der Vernunft erfundenen Gottesdienst --pprobiret. ». 59. Die zweenHanpt-Jrrrbümer in dczErkäntnißGOt- tes sind, die^clieikerev und ein abgöttischer Aber» glaube. 60. Was ein ^rKeike sey? 61.62^ Die ^cKeikerey ist eine der elendensten Thorheiten. ->?. 6z. Was ein abgöttischer nnd abergläubischem Mensch sey? ".64. Die Abgötterei), die mit denen himmlischen Cörpern getrieben wird, gehörezup 'Ikcoio^ie. »> 65. Denn es ist entweder rsilonz- ;)!e oder'^gisonzble Abgötterey. ».66. Die bzrbz- H 5 rischep l-8 Das ?. vstt GOtt als dem rifchen Völcker sind nicht so unvernünftig in ihrer Abgötterey gewesen, als die, bey denen die ?Kiio5o. xKis am meisten getrieben worden.». 67. Gcgenein- anderhaltiing eines wahren ?Kiloü>pKi> eines ^r!ie- itten und eine's Abergläubischen in Ansehen der Sitten ichre,.-?. 68 69,70,71. Der erste ist alleine ein Mensch, der andere aber einem Affen, nnd der dritte einem Schweine oder Esel nicht ungleich.»- 72. Ein Abergläubischer ist mehr als cm ^KMe.«. ^.Warum man heut zu Tage so r iel wider die ^ri^ikerey und so wenig wider den Aberglauben schreyet und schreibet.». 74- Man hat fast alle rechtschaffene?!,;- io/opK-Z5 zu allen Zeiten für ^riieiae». ausgeschrien. «7^ ^^^I ?5-> haben ,'m ersten Capitel gesagt, daß ^^^, insgesamt oder ihre Bewegung einer un-> sichtbaren Urst^che zu uischreiben sey. Und weil dem allgemeinen menschlichen Verstand zuwide? »st, daß er in E> käntniß derer c^uüii-um biß in in- Lnituin sich versteigen solte, gleichwohl aber nach unserer Vernunft - Lehre alles dasjenige vor falsch m halten , was dem allgemeinen mcnsthlu chen Verstand zuwider ist; als ist er gewiß ver^ sichert, daß eine erste unsichtbare Ursache fi^n müsse, von welcher alleveranderllchö und bewegliche Dinge ihren Ursprung Aabcn. 6, Uud diese nennet er Gott weil, aüe Men^ schön und alle Hecken der ?niwü)pnen eine der, gleichen erste, das Wesen und die Bewegung des Dings wücMde Ursache, gleichfalls Gott,.ge- yennet. Ursprung aller menschl. Glöckseel. nennet, und also alle mit einander Gott, als ein von denen bewegten und gemachten Dingen unterschiedenes LVesen, betrachtet haben. 7. Derowegen kommen auch alle ?Iii1o5op!ien darinnen überein, daß der formale cvnce^x dieser ersten Ursache aller beweglichen Dinge oder des göttlichen Wesens darinnen bestehe, daß dieses von keinem andern, sondern von sich selbem herrühre und entstanden, wecchalben man mich diesen concspr insgemein durch das Wort ^seiras auszudrücken pfleget, und in Ansehung der aus dessen Würckung entstandenen Dinge überhaupt alle würgende Ursachen 55^/5/- Fc/F»^ beschreibet, daß von ihnen die gemacht ten Dinge entstehen (aczaidusres 5unt.) 8- Hiernachst erkennet auch die menschliche Vernunft, wenn sie nur ein wenig von denen xrXMäiciis der Heodnischen ?tiilo5opkie sich saubern und recht raisoniren will, daß GOtt den ursprünglichen Stoff und sichtbare Wesen, oder die so genante irmteriam primAm dieser be^ weglichen Dinge aus nichts, das ist, aus unsichtbaren Dingen, welche die an sichtbaren Dingen klebende Menschen nichts zu nennen pflegen, gemacht oder erraffen habe, ob schon die gemeine Meinung dahin zielet , daß die Schöpf- fungvon der Vernunft gar nicht begriffen, sons dern durch ein übernatürliches Licht allsine erkennet werden könne, auch die Heydnische idpki durchgehet durch ein falsches sxiom2. H 5 das l-2 Dasz.H.vHnOVtealsdem das sie für unstreitig wahr angenommen, (nemlich daß aus nichts auch nichts werden könne) in den Haupt-Irrthum verfallen, daß diese erste materie von sich selbst herkommen, und GOTT gleich ewig sey; aus welchem schädlichen Irrthum, und denen daher geleiteten noch schädlichern Folgereyen, auch alle Heydnische 8e<Äen, ja so gar fast alle Ketzereyen in der ersten Christ, lichen Kirche entstanden- Wir wollen den Be- weißthum dieses unseres Lehr-Satzes kürtzlich also zusammen fassen. 9. Die erste würgende unsichtbare Ursache und die erste gervürckte sichtbare Sache sind, wie jetztgemeldet, zwey unterschiedene DinAe, jene ist ein unsichtbares Wesen, von welcher, (ä c^ua) alle andere unsichtbare und sichtbare Dinqe, diese aber ein sichtbares Wesen, aus welcher (ex c^ua) die andern Dinge entstanden. Daß GOTT und die erste materie zwey unterschiedene Z)inge sind, darinnen kommen alle alten und neuen ?KiIolopKen (die nicht offenbahre ^ckeikiM sinv) uberein. So wohl auch hiermnm, daß eine erste gewürckte sichtbare Sache (materia xrima) seyn müsse, weil gleichfalls dem menschlichen Verstand zuwider sey, daß er sich in Erkanmiß derer gewürckten Dinge in in6nimm versteigen solle. 70. So ferne nun der menschliche Verstand von dieser ersten gewürckten Sache oder mare- ria xnma sich den concept macht, daß es die erste Ursprung aller mensch!. GIZckseel. i-z erste st», so muß notwendig folgen, daß sie aus keinem andern sichtbaren Dinge entstanden, denn sonst köüte man sie nicht die erste nennen. Ist sie aber aus keinem andern sichtbaren Dinge entstanden, so muß sie nothwendig aus nichts sichtbaren, das ist, ans dem unsichtbare« entstanden seyn. Und werden dadurch die unsichtbaren geistlichen Dinge nicht m^teriel, so wenig als die Gedancken des Menschen, wenn aus denenstlben neue Wahrheiten enistchen- 11. Woher und von wem aber kömmt nun diese m^rerie her? Entweder von GOtt und dem unsichtbaren, oder von sich selber. Zwischen diesen beyden kan der Verstand kein Mittelding begreifen, käme sie von sich selber her, so wäre sie GOtt selbst, und liefe es abermahl auf die jetztczemeldte abKiräität hinaus; Ja sie wäre keine mzlerie mehr, weil nach aller PKilolopIien Übereinstimmung der Loncexr der msrerie zwar inferiret, daß darinnen etwas ge- wircket werden könne, nicht aber, daß sie selbst für sich etwas wircke. Solchergestalt aber ist nichts mehr übrig, als daß sie von GOtt und dem unsichtbaren herkomme, und daß GOTT diese erste msterie aus nichts sichtbaren gemacht, auch folgende selbige GOtt nicht gleich ewig seyn könne; welches dasjenige ist, welches wir wider die Lehr-Sätze der Heidnischen PKUo- toxkie haben weisen wollen. 12. Und haben sich dminenhero die Heidnischen Z24 Das z. H. von GOtt als dem schen I^i1o5c>x>Ken allesamt darinnen gröblich betrogen, wenn sie diesen Lehr-Satz als unstreitig wahr angenommen, daß es unmöglich sey, daß aus nichts etwas werden solle. Denn gleichwie sie darinnen gröblich geirret, daß' sie allein das sichtbare für etwas gehalten, also hätten sie entscheiden sollen, daß ein grosser Unter, schied darinnen sey, ob man sagt, daß nichts etwas sey, und daß aus nichts etwas werde. Jenes ist wieder alle Vernunft, und dannew herv falsch, so falsch es ist, daß etwas zugleich sichtbar und unsichtbar seyn könne' dieses aber ist, wie jctzo erwiesen worden, der Vernunft allerdings gemäß und folglich unstreitig wahr, ob es gleich über k'ie Vernunft ist, die Art und Weife zu begreiffen , wie es zugegangen, daß GQtt aus nichts etwas gemacht habe. iz. Derowcgen muß auch em achter topkus, der seine Vernunft recht gebrauchen, uno oerslben Gräntze nickt überschreiten will, dißfails für zweyen extremis sich hüten; eines Tyeils, daß er die Schöpfung überhaupt mit dc.ien Heyden nicht für ein der Vernunft zuwider lauffendes Ding halte; anders Theils aber, daß er mit vielen von denen heutigen lolopkis mit seiner Vernunft nicht zu weit gehe, und durch subtile Vernunft - Schlüsse die Are And Meise der Schöpfung auszugrübeln sucde; sondern dasjenige, was seiner ihm selbst gMsseRi; Vsmunft wohl in Ewigkeit unerkmt Ursprung alter mensch!. Gluckste!. 125 bleiben wird, auch als ein unerkcmtcs Ding aussetze, und davon sietswährend, als von ei- xiemVerwunderungs-volienGeheimniß mit gebie- render Ehrerbietung rede, oder die Eckänlmß dieses Geheimnisses bey einem höhern Lichte suche. 14. So hätten auch hiernachst die sich selbst verblendenden Heyden gantz handgreiflich er, kennen können, wenn sie nur viele oxer^iones d^mic^s betrachten wollen, daß öfters aus unsichtbaren Dingen sichtbare werden, ingleichen daß taglich ja augenblicklich aus nichts etwas werde, und aus etwas nichts, wenn sie nur ein wenig ihr eigenes und anderer ihres gleichen veränderlicher Dinge Seyn und Wesen (exi- ttenriam 6c eilemiam) betrachten wollen. iz. Wir haben oben in der Vernunft-Lehre gedacht, daß die L^M-? dreverley sey, ver, gangen, gegenwartig und zukünftig. Die vergangene wäre etwas und ist nichts, die gegenwartige war nichts und ist etwas, die zukünftige ist nichts und wird etwas seyn. Und weil dann nun von diesen exittemien alle Augenblick immer eine auf die andere folget, so ist ja unstreitig, daß auch alle Augenblick aus nichts etwas und aus etwas nichts werde. 16. Was die M»? oder das Wesen betrist, wird einen jeden Menschen seine Vernunft wiederum überzeugen, baß z. E. von dem Saum, gen, daraus hernach ein Baum worden, und von Vem kleinen Rinde, daraus hernach eia Mann !-6 D.!6 z. H.vonGOrtaZsdem Mann worden, in etlichen Jahren nicht der geringste Theil des vorigen Wesens mehr übrig, und also wiederum aus etwas nichts, und aus nichts etwas worden sey; ob gleich dem unerachtet dieser Baum und dieser Mensch der Zahl nach ein Baum und ein Mensch Ml zeit geblieben: nicht anders als etwan ein Mantel, auf den man immer, einen Fleck nach dem andern setzt, oder ein Schif, das man sehr lange gebraucht, und immer geflickt hat, oder ein Volckvon 200. Jahren alt, in welchen ihrer viel täglich gestorben und geboh, ren worden, eben der Mantel, das Schis oder das Volck ist, das es vom Anfang war, ob schon nicht ein Fleck mehr von dem ersten Tuche, oder kein Stück Holtz von dem ersten Schiffe, »der kein Mensch mehr von denen, die von der anfangs chen Vereinigung des Volcks gelebet, mehr übrig ist. 17. Diese beyden Betrachtungen aber leiten einen wahren ?KiI daß sie dererselben Nothwendigkeit zu bekennen durch diesen klaren Erweiß gezwungen werde, und den geringsten auch nur wahrscheinlichen Grund nicht vorbringen könne, diese göttliche Vorsehung zu leugnen. 20. Denn obschon ihrer viele Vahero an der göttlichen Vorsehung zu zweifeln Anlaß genommen, weil es in dieser AVelt denen Tugend? haften übel, Venen Nosen aber rv«?hl gehe, so haben sie doch gantz offenbahrlich darinnen auf zweyerley Arten sich prscipitiret, i. Daß sie die tugendhaften und lasterhaften Leute nicht unterschieden, sondern die Heuchler und verschmitzten Leute, die den Schalck zu bergen wissen, oder diejenigen, die sich derer Laster enthalten, die von dem Hencker gestraft werden, im übrigen aber gantz offenbchr wollü» stig , Geld, oder Ehrgeitzig seyn, vor tugendhast Ursprung allermeyschl. Glückseel. 1-9 pcilNren lassen, und im Gegentheil rechtschaffene und tugendhafte Leute, die nothwendig viel Feindschaft haben müssen, nach dem bezüglichen Zeugniß dieser ihrer Feinde, für lasterhaft gehalten. ü. (2.) Haben sie sich gleichermassen in dem Cotttt^ des Glücks oder Unglücks verstiegen, nicht auf die Gemüths-Ruhe und derer Beraubung, wie sie wohl hatten^hun sollen, sondern auf Reichthum und Armuth, ausscrliche Ehre vdee Schande, oder einen gewaltsamen und frühzeitigen Tod und langes Leben hierinnen ihr Absehen gerichtet, woraus denn allenthalben nichts anders als ein unvernünftiger Schluß erfolgm können; indem, wie es diese gantze Sillen'Lehre weisen wird, es ohnmöglich ist, das tugendhaft 5e S.euve, auch in dieser Welt elende, und lasterhafte glücklich seyn können. 22. So ist demnach unter der Scbopffüng und unter der Erhaltung der Zdinge kein anderer Unterscheid, als daß )ene das Werck GOt- tes ist, durch welches er zuerst aus nichts etwas gemacht hat; und diese ist sein Wcrck, durch welches er dieses etwas wieder zu nichts werden last, und ein ander etwas wieder an seine Stelle setzt. WKwegen du nichts unförmliches begehen würdest, wenn du diese Erhaltung der göttlichen Vorsehung die andere Schaffung nennen wollest, wiewohl wir diese N'dens, Art dir nicht qufdürden, oder wenn etwan über Ver- I hoffen lzo Das z.H. von GOtt als dem hoffen sonsten eine Inconvenientz daraus zu befahren wäre, dieselbe hartnäckigt verlhaidigen wollen. Denn ein weiser Mann zanckt niemal), len wegen der Worte oder Redens-Arten. 2z. Solle dir auch deine Vernunft bey dieser Erkäntniß noch diesem Scrupel machen, daß nach derselben folgen würde, daßGOttauf diese lVeise seinen Geschopffen allezeit em neues Seyn und Wesen gäbe, solchergestalt aber schiene es menschlicher Vernunft zuwider zu seyn, daß dieses nichts und etwas, dieses alte und unzahligmahl darzu gesetzte neue nur stets- ! wehrend ein Ding seyn und bleiben solle; so laß dich doch diesen schlechten und von einem Kinde zu beantwortenden Einwurf nicht irre machen. 24. Wir wollen dich nicht eben auf die Exempel vom Mandel, Schiffe u. s. w. wieder zurücke weisen, sondern wir wollen dir die Nichtigkeit dieses Einwurfs auf eine andere Art zu erkennen geben. Ey lieber nimm Feder und Diente, und mache mir doch eine Linie auf daö Papier. Nun continuire dieselbe. Waswilt du machen ? Du must die Feder nicht weiter ansetzen. Laß die Linie sich selbst continniren, oder conrinnire sie solchergestalt daß du Lem neu Stück daran fetzest. Du sprichst, eS gehe nicht anders an. Nun wohl: conrinuire sie denn nach deinem Gefallen. Wiederhohle sol, He6 noch etliche mahl. Nun sage mir, du hast Ursprung aller mensch!. Gluckste!, izi zu der alten Linie bißher lauter neue Stücke gesetzet, ist es denn dem unerachtel eine Linie blie, den, oder sind viel Linien daraus worden ? Du schüttelst den Kopf; Aber eben so schüttele ich den meinigen über deine oHe6iion. 25. Hier stehst nun die menschliche Vernunft in der EMntniß von GOlt stille, und hütet sich daß sie nicht weiter gehe, als in ihrem Vermögen ist» Sie erkennet, daß dieses göttliche Wesen unendlich viel Vollkommenheiten besitze, die sie nicht begreiffenkan, und also l'cru- puliret sie in dem selbigen nicht weiter, sondern überlast das übrige einem höhern Licht der göttlichen Offenbahrung. Sie will solchergestalt für sich selbst lieber nichts davon, alsauseineunvoli- kommene und vielleicht GOtt nicht gefällige Weise, reden. Sie hütet sich nur, daß sie in keine irrige Lehr-Satze verfalle, die denen bißher behaupteten Lehren schnür stracks zu wieder seyn: darunter die vornehmsten sind: baß das Göttliche Wesei. endlich sichtbar und begreiflich sey. 26. Jedoch bemühet sie sich, wie sie diese wenige Erkantniß, sie möge nun so unvoULom, men seyn als sie wolle, zu Beförderung ihrer Gemüths-Ruhe, als der Horsten Giückscc- ligkeit, sich zu nutze machen möge. Und zwar anfänglich begreift sie gar wohl, da!;, weil des Menschen sein gcmtzes West-, ursprüngttci) von GOtt herkommt, auch nothwendig derselbe alles Gute GOtt allein zu dancken habe, und I 5 schu!. ,Z2 Das z. H. von GOtt als dem sckiuldig sey, fein Thu» und Lassen nach dem «ättlichen VVillen einzurichten. Und weil sie befindet, daß GOtt denselben zum Theil in der allen Menschen gemeine« Vernunft einge- Pflantzet habe; alserkennet sie sich schuldig, den, selben nach dieser Richtschnur gebührend zu untersuchen , und hernachmahls darnach zu streben, daß ihr Wille dem göttlichen Willen nicht zu wider seyn möge. ?.7. Nach diesen, indem sie erweget, daß GOtt alle Augenblick den Menschen mit allen feinen Kräften erhalte; als spühret sie auch, daß sie dieserwegen dieses unbegreifliche Wesen zu lieben schuldig sey. Und halt dafür, daß diese Liebe in nichts anders bestehe, als in einer ftetswährenden Bemühung und Verlangen sich mit GOtt zu vereinigen. Ob sie aber wohl siehet, daß sie, zu dieser Vereinigung zu gelangen, nach ihrem eigenen Willen gantz unvermögend sey; so erkennet sie doch, daß der Mensch diesem ersten Ursprung alles Guten ein innigliches Vertrauen und demüthige tLhrsitcht, als die beyden wesentlichen Stücke einer zu GOtt tragenden Liebe, zu erweisen schuldig sey. 28. Das Vertrauen gründet sich darinnen weil der Mensch erkennet, daß GOtt ohne Noch und ohne seinen Verdienst von freyen Slückci? il'iN aus nichts gemacht, und alles Gute gegeben habe, auch noch täglich darinnen erhalte; Ursprung aller mensch. GlScksee!. ,zz halte; und solcher gestalt schliesset er, daß GOtt es auch noch künftig zu erhalten nicht nur ver» mögend, sondern auch Willens sey. Zum wenigsten findet er die geringste erhebliche Ursache nicht, warum er dißfalls in Vit göttliche Liebe einig Mißtrauen setzen solle. 29. Hiernachst aber begreift der Mensch wohl, daß er sich dieser göttlichen Wohlthäte»? unwürdig machet, wenn er dem göttlichen Willen, der ihm ins Hertze geschrieben, widerstrebet. Und daß er sich im geringsten nicht zu beklagen habe, wenn ihm GOtt dieferwegen alle die verliehenen Gutthaten auf einmahl entziehen , und ihn an dessen statt Böses an statt des Guten wiederfahren lassen solte; Zumahl erauS der obigen Erkantniß gantz gewiß versichert ist, daß GOTT dieses alles m thun vermögend sey. Und auf diese Weise furchest er sich für GOtt. ZV. Aus diesem schuldigen Vertrauen aber und der Furcht GOttes lernet er, daß er sich für keiner andern Creatur zu fürchten, oder derselben zu vertrauen Ursach habe. Denn so viel die Furcht betrift, wird der Mensch durch obige Betrachtung versichert, daß wenn gleich alle Menschen und alle andere Creaturen ihm Böses zuthun, und Schaden zuzufügen gesonnen seyn sollen, sie dennoch solches ohne GOttes Willen ins Werck zurichten unvermögend seyn würden, weil, wie oberwehnek, GOtt I z alle ,j4 Das z.H. von GGtt als dem alle Augenblick, neben den Seinigen, auch dieser feiner Feinde Wesen und Seyn erhält. zi. Eben diese Ursachen trist er auch bey dem Verträum auf andere Creaturen an, indem er spühret, daß alle Menschen unvermögend seyn, ihm wider GOttes Willen nur einen Augenblick sein Leben und da6 andere von GOtt herrühren, de Gute zu verlangern, und daß GOtt dieselben in dem momem, daß sie ihm zu gute etwas für, nehmen, zernichten und vertilgen könne. z:. Ja er weiß endlich, der natürlichen Er, käütniß nach, von keinem ander« Gottes, dienst, als von dieser aus kindlichem Vertrauen und Gir.'Furcht herrührenden Begierde; sein Leben nach GOttes Willen anzustellen, und begreift für sich selbst nicht, ob mW mit was fnv «usserllchen Ceremonien er sonstcn gegen «ÄGtt j'cmen Dienst bezeugen solle, odschon insgemein die Gelehrten das Gegentheil zu behaupten pflegen, und dafür halten, das; der Mensch von Natur angetrieben werde, GOtt einen äußerlichen Gottesdienst durch äußerliche Ceremonien undausferliches beten, loben und dan- ckcn zu erweisen. z?. Dieses aber desto deutlicher zu begreiffen, must du für allen Dingen recht einnehmen, wo, vo i allhier die Frage sey, damit eines Theils Um bcdachtjame an diesen Lehr-Satz si'Ä) nicht ar- geni, anders Theils aber die in den Vorurcheilen der alten L-chren ersoffene nicht Gelegenheit Ursprung aller menschl. Glückseel. iz; i heil nehmen, dieselbige boßhafter Weise zu lästern. z4. Ecklich ist nicht die Frage vom innerlichen Gottesdienst, nemlich wenn der Mensch in seinem Hertzen GOTT vertrauet, ihn liebet, fürchtet, und sein Thun und Lassen nach der Er känlniß seines Willens einrichtet; denn hierzu treibet ihn allerdinges auch die Eckantniß seiner Natur an, wie wir allbereit erwiesen haben; sondern man redet vom äußerlichen G(!>ttes? dienst, der in ausserlichen Ceremonien bestchet, lind der entweder allen Völckern oder doch denen meisten gemein, oder in Ansehen des Unterscheids der Vöicker, auch unterschieden ist. zz. Jener bestehet überhaupt in einem ausserlichen beten, loben und dancken. Denn es ist kein Volck unter der Sonnen, das nicht seinem GOtt diese drey Stücke des äusserlichen Gvt? tesdienstes erweisen solte. Dieser aber beruhet in denen gantz unterschiedenen Arten und Weifen GOtt cmzuruffen, zu loben und zu dancken. Als wenn z. E. bey denen Christen gebräuchlich ist, oder zum Theil seyn solte, GOTT im Nahmen unsers HErrn IEsu Christi ohne Zorn unv Zweiffel, öffentlich, mit aufgehobenen Handen, auch für die Feinde, vermittelst einer ^luüc. auch nacli Gelegenheit bey Fasten und Anhörung Gottes Worts anzuruffen, wohin auch die Heiligung des Sonntags, und der Sacramenten zu ziehen ist. I 4 Nach j iz6 D^s z.H. von GOtt als dem z6. Nach diesen ist davon die Frage nicht, ob unter allen Dingen GOtt nicht am Würdigsten sey, daß man ihn durch ausserliche Bezeugungen Ehre erweise, wohin fürnemlich die ar^u. mentA derer, die den Gottesdienst aus dem Licht der Natur hei leiten wollen, ihr Absehen richten. Denn wer wolle so gottloß se»n, daß er dieses laugnen wolte, da doch auch unter denen Hevden diejenigen, die keine göttliche Versehung Leglau- dct, gewolt haben, daß Man GOlt bloß wegen sei» »lerVvrtrefligkcit ehren solte. ^ ?7- Ja es erkennet auch die Vernunft dieses Kar wohl, dasi der Mensch schuldig sey GGttzu ehre»,, wennGÖtt einen aüsser/ Zichen Gottesdienst von ihnen erfordere , weil er aus dem concepm cauile xn-im.-r, und daß GOtt den Mensche», nebst allen veränderlichen Geschöpffen, aus nichts gemacht, das Recht GOttes erkennet, daß er Hai dem Men, scheu zu befehlen, und vermöge welches der Mensch schuldig ist, ihm zu gehorchen. z8- Sondesn davon ist nur die Frage; Ob tnan aus blosser Vernunft- ohi»e die tzott, Ziehe 6>ffenbahru;iI errveisen könne, daß «VDtt einen ansser'ilchcn Gottesdienst von dem Menschen verlange:' Und dieses ist es, was wir läugncn, und durch deutliche Grunde erweisen wollen. 59. Indem wi> aber dieses laugnen, muß adermcchlö unsere Meinung nicht verstanden werden, Ursprung aller mensthl. Glücks-el. »z 7 den, als ob wir davor hielten, daß die Natur lins sage, man mösse GGet mit äusserlichen Ceremonien nicht ehren, denn solchergestalt würden wir gantz vffenbahr demjenigen zuwider leben, was wir allbereit n. z6.8? z?. prTlupxo- niret; Sondern wir wollen nur zeigen, daß die ZTlatur uns gar nichts von diesem Gottesdienst sage, daß er geschehen müsse, und daß noch der Natur dieser ausscrliche Gottes» dienst unter die Dinge zu rechnen sey, die als Mitteldinge geschehen und unterwegens gelassen werden können; oder daß die Natur uns keinen festschliesienden Grund an die Hand gebe , daraus wir gewiß folgern könten, GOTT wolle ei, nen solchen ausserlichen Gottesdienst von den Menschen haben. 40. Denn wir mögen uns entweder in GGt- tes ZTlatur, was wir davon bcgreiffcn, oder in der menschlichen Natur, darnach umsehen, so werden wir barinneiniichts finden, daraus wir schließen tönten, GOTT wolle einen dergleichen ausserlichen Gottesdienst von dem Menschen erfordern. 41. So viel GOttes Wesen vetrift, so bedarf dieselbe weder des ausserlichen noch des innerlichen Gottesdienstes des Menschen, und ist aus dem I^uci^no bekcmt, das schon ehe dessen dieser aus der Vernunft hergenommenen Entschuldigung sich der vemonax bedienet, als man ihn als einen gottlosen Mann verklaget, daß er I 5 der !?8 Das z.H. von GVtt als dem der Z^inervX niemahls geopffert habe. Denn, sagt er, ich habe solches deßwegen bißhero unter, lassen, weil ich davor gehalten, daß die Minerva mein Opffer nicht benölhiget wäre. 4^- Was den Menschen anlanget und seine ZTlaeur, so kan die Vernunft für sich nicht absehen, daß dieGemüths-Ruhe oder der all, gemeine Friede und die vernünftige Ä.iebe in geringsten gemindert oder verunruhigct werde, wenn gleich dergleichen äusserliche Bezeugungen nachbleiben, wenn nur der innerliche Gottesdienst bey dem Menschen bleibet. 4z. Wolte man auch gleich die Natur des Menschen nach dem Stande der Unschuld richten, oder dieselbe auch der Gleichförmigkeit mit Göttlicher Heiligkeit abmessen' so kan ich doch abermahl nicht absehen, wie und woher man etwas unstreitiges von Adams seinen Kirchen-Zeremonien im Stande der Unschuld behaupten könne, und wie die Göttliche Heiligkeit einen äußerlichen Gottesdienst in ihrem Lon- cepr begreiffe, und daher der Mensch das Muster nehmen könne. 44. Solchergestalt nun begreift der menschliche Verstand wohl, daß die Lästerung und Verachtung GOltes, es möge nun dieselbe in blossen Gedancken bestehen, oder in äusserliche Worte und Thaten ausbrechen, der gesunden Vernunft zuwider sey, weil dieselbe den innerlichen Gottesdienst aufhebet. 45-Der Ursprung aller menschl. Glückseel. iz? 45. Der menschliche Verstand begreift ferner, daß der äußerliche Gottesdienst unter die vortreflicvsten zugelassenen Dinge gehöre, und nicht alleine der allgemeinen Vernunft nicht zuwider, sondern auch es auf gewisse Maasse besser sey, wenn man GOtt ausserlicheEhre bezeige, als wenn man dieselbe unterlasse. 46. Aber dieses alles ist noch nicht gmung, die Nothwendigkeit: des Gottesdienstes zu erhärten. Denn die menschliche Vernunft kan darinnen nichts unvernüüftiges antreffen, wenn stez.E. solchergestalt rcülonim, daß das ausserlicbe Gebet, nach Anweisung der Ncitur, unter die Mittel-Dinge gehöre, weil GOtt, als einHer- tzenkündiger, auch die Seufzer der Menschen verstehe, und als ein SchöMr und Erhalter derselben auch ohne Bitten am besten wisse, was sie bedürffen. 47. So wachset auch durch das susierliche L.ob GOttcs seiner Majestät, und Hoheit nichts zu; ja vielmehr weiset die gesunde Vernunft, daß, wenn ein Mensch, der GOtt nicht innerlich chret und fürchtet, gleich das Lob GOttes in seinen Mund nehmen wolle, er sich hiermit schwerlich versündigen werde, weil er entweder GOtt oder die Menschen durch diese äußerliche Zeichen zu bekriegen suche. Wenn aber ein Mensch in seinem Hertzen GOtt hoch achtet, so wird die Vernunft leichte das äusserliche Lob für überflüßig halten. 48. Eben i4° Das z.H. von GVtt als dem 4Z. Eben dieses müssen wir auch von dem ansierlichen Danck sagen. Zu geschweige, daß, wie wir zu semer Zeit betrachten werden, das äusserliche Dancken unter denen Menschen deß- halbcn Vonnöthen ist, daß einer dem andern bezeuge, wie die erwiesene Gutthat ihm angenehm gewesen, und er allezeit bereit sey dem andern wieder zu dienen. Alleine bey GOtt kan dieses alles durch meine Gedancken verrichtet werden. 49. Mit einem Wort, Beten, Loben und DancLcn, sind dcßhalben unter denen Menschen als äusserliche Zeichen nöthig, weil ein Mensch dem andern nicht ins Hertze sehen kan. Dieses kan aber GOtt thun. 5°. Wollest du nun gleich sagen, daß das äusserliche Beten, Loben und Dancken eben deßhal- den Vonnöthen sey, damit ein Mensch gegen andere Menschen seinen innerlichen Gottesdienst bezeuge, als welche gleichfalls ohne diese Bezeugung nicht wissen können, ob sie ihn vor einen tugendhasten oder gottlosen Menschen halten sollen, so würde dock) auch hier die menschliche sich selbst gelassene Vernunft etwas finden, dassiedarwider einwenden könte. 51. Denn zu geschweige», daß die Zeichendes ausserlichen Gottesdienstes betrüglich sind und öfters von denen gebraucht werden, die in ihren Hertzen Atheisten oder Abgöttisch seyn; so ist es wohl an dem, daß die allgemeine friedliche Gesellschaft und die thätige Gemüths «Ruhe erfordere, Ursprung aller menschl. Glückseel. dere, daß ein Mensch dem andern!seine Gottesfurcht zeige; aber er wird ihm dieselbe am allerbesten, und zum wenigsten besser dadurch zeigen können, wenn ersein L.eben nach dem, in der Z75ub!i^ue auch die Richtschnur eines daselbst veränderlichen Gottesdienstes seyn müsse, welches doch sehr unförmlich und beynahe gottioß klingen würde. 56. Und Ursprung aller menschl. Gluckste!. 14; 56. Und was braucht esdißfallsvielvihuti- rens? gesiehet doch jederman, daß des Menschen seine ewige Glückjeellgkeit das wahre Absehen des Gottesdienstes sey. Nun weiß abee die sich selbst gelassene Vernunft von dem Zustand nach diesem Leben nichts gewisses, wie wolle sie denn des Gottesdienstes, als des Mittels hierzu versichert seyn? 57. Bißher haben wir nur von Km allgemei» nen ausserlichen Gottesdienst geredet. Was den absonderlichen anlanget, so finden sich dabey so viel Gründe zu Behauptung unserer Meinung, so viel man Umstände bey demselben amrift, welches alles alihier weitlauftig auszuführen vonno- then ist, weil jeder absonderlicher Gottesdienst den allgemeinen pi-Tiupponiret, und folglich vffenbahr ist, daß, wenn jener nicht aus der Vernunft werde können erkennet werden, man diesen absonderlichen viel weniger daraus werbe behaupten können. 58. Wollen wir noch über dieses die Al'r- chen-und andere Historien m Hülsse nehmen so würden wir befinden, daß keine Religion in der gantzen Welt wird yenemiet werden können, die nicht auf eine Ofscnbahrung ihres Gvl» tesdiensts halber sich gründe. Wir beziehen uns auf GOttes Wort; Alle Ketzer thun in Verfälschung dejsclben dergleichen. Die Juden gebrauchen sich des Alten Testaments, und derer chren Rabmen geschehenen OffendcchruiWn; Die i44 Das z. H. von GOttalo dem Die Tmcken fussen auf den Offenbahrungen ihres Mahomets; Die Heyden haben ihre u.s.w. die sie, anstatt göttlicher Offen, bahnmgcn, die Lügen des Satans beredet haben. 59. So ist auch hierbei) nicht zu vergessen, daß GOtt, besage der Kirchen-Histvrie, niemahln ein aus der menschlichen Vernunft gekünstelter Gottesdienst gefallen habe; Ob ihm wohl, vom Altfang der Welt her, keine äusserlich? Ehr-Bezeu- gung, wenn sie aus einfaltigen Hertzen geschehen, mißfallen. <5o. Die bißhero erzehlte natürliche wahrhaftige Erkanln iß von GOtt, seiner Schöpffung und Erhaltung dieser irrdischen Dingen, hat zweierlei) falsche Irrthümer, die ihr entgegen gesetzel seyn, Athelsterey und Abgätterey. 61. Einen Ache»ften nenne ich, in Ansehen der natürlichen Erkantniß, denjenigen, der sich GOtt zu fürchten, oder zu vertrauen, oder sich nach feinem Willen zu leben, nicht schuldig erachtet, weil er entweder dafür halt, man könne von GOtt und seiner ?rc>vicient?. vermittelst der Vernunft, nichts gewisses wissen, und habe dannenhero stctswehrend Ursache daran zu zweiffein; oder weil er sich einen solchen GOtt tormirtt, der entweder einem ?aw unterwürj- fig, oder mit denen Creaturen ein Wesen sey, und dieselbe, als^hcilescinessöttlichen Wesens, in sich bcgmffe. 4-. Daß Ursprung aller menschl. Gluckseel. 145 62. Daß ich die Leute von dieser lehken Classe unter die Atheisten rechne, geschiehet oeßhalben, weil wir oben erwehnet, daß alle l^ilosopki durch GOtt ein unterschiedenes Wesen von denen Creaturen die dererselbcn erste Ursache sey, verstanden haben, und folglich derjenige, der die Creaturen und GOtt für eines hält; oder GOtt einem höhern ?alo unterwirffr, in der That GOtt laugnen muß. 6z. Gleichwie aber Atheisterey nicht den ge» Linsten nur wahrscheinliÄ)en Grund aufführen kan, durch den sie diesen Haupt-Irrthum ver- thäydigen könte; also haben wir sie nicht anders als eine der grasten und elendesten Thorheiten zu betrachten, zumahl wenn wir erwcgen, daß mehrentheils die sonst klügsten Leute darein verfallen, weil sie ihre Vernunftgarzu Hochspannen wollen, und über der allzugenauen Ausgrü- belmig äusserlicher Dinge der Eckantniß ihrer selbst ,'und folglich auch hernach ihres Schöpffers vergessen. ^ 64. Einen Abgotter nenne ich, in Ansehen des natürlichen Lichts fürncmlich den, der zwar etwas für GOtt hält, dasseibige fürchtet und vertrauet, und durch einen ausserlichen GOttesdienst demselben dienet; aber der gantz offenbahrlich wieder das Licht der gesunden Vernunft dasjenige fue GOtt ausgiebet, das unmöglich GOtt seyn kan. Z.E. der die Menschen, Thiere und andere irrdi- sche Creaturen für GOtt halt. tL K 5;. Was 146 Das z.H.vdn GOtt als dem 65. Was die Himmlischen Corper, als Sonne, Mond und Sternen belrift, die auch sichtbare Geschöpffe seyn, mit denen hat es, in Ansehen des schwachen natürlichen Lichts, eine andere Bewandniß. Denn obwohl die Vernunft überzeuget ist, daß sie GOtt nicht selbst seyn können, weil sie sichtbar und endlich sind; so tan ich doch nicht absehen, mit was für einem bezwingenden Grund man einen Heyden, der z. E» die Sonne anbetet, überzeugen wolte, daß die Sonne nicht mit eine Ursache der irrdischen und veränderlichen Geschöpffe sey, in Ansehen unsere Vernunft den Einfluß der Sonne in diese Cör- per taglich erkennet, und keine Veränderung in derselben ohne die heilige Schrift gewiß behaupten kan; wiewohl er deßhalb«« für GOtt nicht entschuldiget ist. 66. So kan man nun, nach Anleitung dieser Betrachtung, die Abgotterey in eine nicdr allzu rZiioriable und höchst irr-illonMe Abgötterei) eintheilen. Jene nenne ich diejenige,die die himmlischen Cörper oder ein anders unsichtbares erschaffenes Wesen anbetet; Diese, die die irrdische und sichtbare Creaturen göttlich verehret. 67. Jedoch ist diese Anmerckung nicht zu übersehen, daß die Aschen Vslcker jederzeit nicht si> unvernünftig gewesen in ihrer Abgötterei), als diejenigen, bey denen die ?KiIo5o. x>Kie am allermeisten getrieben worden, wie aus Venen Exempeln der Griechen und Römer zu sehen- Ursprung aller mensch! Glückseel. 147 hen. Die Ursache hiervon ist, weil die Barbarischen Völcker überhaupt viel r^ildnubler geles bet, als die so genanten Zemes morarioi-es. 68. Nun ist nichts mehr übrig, als daß wir gegen einander halten, was die bißher clemon- ttrirte wahre Erkantniß von GOtl und seiner Vorsehung in der I^orale für einen Nutzen habe, und was die Atheistere? oder Abgotterey darinnen schade. 69. Ein wahrer?/A'/o/o^»/ suchet seine Gemüths-Ruhe in dem stetswahrenden Vertrauen und der Furcht GOttes, und bemühet sich dan, nenhero zu derselben Erhaltung der Mittel zu bedienen, die ihm die allgemeine gesunde Vernunft beredet, daß sie GOtt hierzu ordentlich verordnet habe. Er weiß, daß er keinen Menschen ver, drauen, und sich für keinen fürchten, aber sie doch lieben, und sich bemühen solle, fein Gemüthe mit denen, die GOtt fürchten und lieben, zu vereini- gen. Er trachtet durch das, was ihm die Natur an die Hand giebet, gutes zu thun. Und wenn er befindet, daß dasjenige Gute, was er durch diese Mittel bei) andern Menschen zuwege bringen will, von ihm nicht erhallen werden könne, so Mciret ihn solches nicht, weil er wohl weiß, daß GOtt ihm diese Mittel zwar vorgeschrieben habe, aber selbst sich nicht daran habe binden wollen, und daß, wenn er nur selbst diese Mittel nicht muthwillig hindangesetzt, seine Gemüths- Rlche im germssten dadurch nicht gekrancket wer? K- de, »48 Das z.H. von GOtt als dem de, sondern GOtt auch mitten in der grösten Ver»» drießlichkeit ihm nicht alleine beyspringen könne, sondern auch wolle. Er suchet hiernechst anderer Menschen neben sich ihr Wohlseyn zu befördern, so wohl, weil von dem allgemeinen Wohl? seyn auch semeigmeociepenairer, als auch, weil er erkennet, daß es GOlt so haben wolle, und ihme deßhalben einen Trieb gegeben, daß er in andern Menschen mehr als in sich silbst zu leben verlanget. Und dannenhero halt ihm die Liebe GOttes ab, daß, wenn er gleich auf das aller- Keim'.ichste seinen eigenen Vortheil mit seines Nächsten Schaden befördern könte, er doch sek ches zu thun nicht begehret, theils weil er GOlt vertrauet, daß er auch ohne dem werde sein Bestes befördern können, theils weil er sich fürchtet, seine Gemüt?-Ruhe dadurch zu verstöhren, indem ihm sonsten sein Gewissen allezeit vorsagen würde, daß er durch eine dergleichen That wider GOttes Willen gehandelt, und sich dannenhero GOttes ferneren Liebe unwürdig gemacht habe. 70. Ein Atheisie aber, weil er entweder GOlt oder die göttliche Vorsehung nicht glaubet, so liebet er auch und vertrauet oder fürchtet GOtt nicht. Denn wie solte er sich für dem fürchten, oder ihm vertrauen, den er dafür halt, daß er sich um ihn nicht bekümmere. Und wie solle er den lieben, den er für nichts hält, oder an dessen Vereinigung mit sich er verzweiffelt, »der Y;rz. er Muvvrtreflicy zu seyn glaubet, baß es Ursprung aller menschl. Gluckste!. 149 es seiner Vortreflichkeit zu wider sey, einmahl an ihn zu dencken. Dcrowegen weil er GOTT, als den Ursprung alles Guten, nicht betrachtet , so suchet er auch fein höchstes Gut nicht in einer aus einer vernünftigen Liehe anderer Menschen herrührenden und dieselbe wieder wirkenden Gemüths-Ruhe, sondern feine unzeitige Weißheit treibet seine Vernunft dahin, baß er sich bey nahe selbst für einen GOtt achtet, weil er sich beredet, daß er edeler sey als die andern Geschöpffe, die um ihn sind, und ehret, liebet, vertrauet und fürchter niemand als sich ftlbsten. Bey dieser Bewandniß aber thut er zwar mehremkeils alles dasjenige, was ein tugendhafter Mann, der die gröste Glückseligkeit suchet, oder besitzet, zu thun pfleget; aber weil er dieses alles nicht aus Liebe zu andern Menschen , sondern zu sich selbst thut, indem ihm sei- ne Vernunft weiset, daß er sich selbst durch ein unvernünftiges Leben unglücklich machen würde; als macht er sich kein Gewissen, heimlich andern Leuten zu schaden, und wider die allgemeinen Natürlichen Grund-Regeln anzustossen, entweder seine äusserlich? Macht und Ansehen dadurch zu befördern, oder sich die taglich fürfallenden Verdrießligkeiten vom Hälfe zu schaffen. Hierdurch verfehlet er aber gantz offenbar der Gemülhs-Ruhe, wiewohl er sie findet, theils, weil die von ihm mulhwillig untergedruckte Er? käntniß GOtteS zuweilen rege wird, und ihm K z Angst Das z.H. von GOtt als dem Angst machet, theils, weil die heimlich begangenen Boßheiten ihm viel Sorge machen, wie sie ferner heimlich bleiben mögen, lind mehr und mehr andere Boßheiten nach sich ziehen, woraus her, nach zu geschehen pfleqet, daß ein Meiste, ob er schon viel von seine, Freyheit pralet, zuletzt eben so wohl ein Sclave anderer Menschen wird als ein abergläubischer Mensch. 71. Jedoch ist es nicht zu läugnen, daß ein Abergläubischer noch elender dran ist, weil eS viel unvernünftiger ist, einen Menschen, oder Thier, oder Bild, oder auch endlich die andern Geschöpffe u. s. w. GOlt zu seyn Glauben, als GOtt gar nicht erkennen. Denn gleich wie er sich einmahl von GOttes Wesen Dinge beredet, die der Vernunft zuwieder sind; also last er sich auch von dessen Willen dergleichen bereden, und ist nichts so ab5urcl, daß man ihn nicht könne Glauben machen, daß er GOtt einen Dienst damit thun werde. Ja weil er auf diese Weise seine Vernunft gantz und gar zu Boden ge« tretten, und sich von seinen Lüsten nach Gefallen herum schleppen last; so beredet er sich auch, daß GOtt eben so p^Moniret seon werde als er ist, und ob er schon ja so sehr glücklich zu werden verlanget als andere Menschen, so verfehlet er doch diesen Entzweck am allerweitesten, und indem er meinet alles zu seinen Vergnügen zu thun , stültzet er sich in das gröste Unglück und Unruhe, und ist ein Sclave unvernünftiger Men- Ursprung aller menschl. Glückseel. 151 Menschen feines gleichen, oder eines todten Geld- Klumpens, die er so dann zu seinen GOtt machet, ihnen in der That vertrauet, und sie fürchtet, ob er sich fchon mit ausserlichen Ceremonien anstellet, als ob er GOlt wahrhaftig diene. 72. So ist demnach ein Weltweiser Mann der GOtt, nach Anleitung der Vernunft, wie er soll, erkennet, alleine ein Mensch, ein Meiste und ein Abergläubischer sind Bestien, jedoch mit diefem Unterscheid: EinAtheiste ist einem Affen nicht ungleich, weil er einem wahren loloprio ziemlich nahe kömmt, und in vielen nachäffet, aber er ist doch kein Menfch, weil er von GOtt fo wenig weiß als ein Affe. 6o/, und bey nahe fast alle für Atheisten ausgeschriett» Dannenhero pflegen Vernunft Ursprung aller menschl. GlKckseel. 15z nünftige Menschen diese Anmerckung zu machen, daß gemeiniglich derjenige, der von einer dergleichen unvernünftigen Bestie auch zu unseren Zeiten für einen Atheisten ausceruffcn wird, ein rechtschaffener und tugendhafter Mann zu seyn pflege. Das 4. Hauplsmck. Von der vernünftige!! Liebe anderer Menschen als dem einigen Mittel die Gemüths-Ruhe zu erhalten überhaupt. Inhalt. Konnexion. ». 1.2. Lieben wird von vielen Dingen gesägt, ».5. auch von Baume» und leblosen Sachen. 4. Dann von Bestien, Menschen und GOtt.». 5. Von der Liebe des Menschen muß man zu redena»- fangen.»-6. Ihre Beschreibung. ».7. Die Bestien haben eigentlich keine Liebe.8. GOTTES Liebe aber ist unbegreiflich. »-9. Es giebt eigentlich zu reden keine Selbst-Liebe. ». 10. Die Vereinigung in der Liebe ist dreyerley. ».11. Denn ein vernünftiger Mensch inrennnet eine andere Vereinigung in der Liebe anderer Menschen, ».12. eine andere in der Liebe geringerer Gesthöpffe, ». iz. und noch eine andere in der Liebe GOttes. ». 14. Viclcrlcy Arten einer unvernünftigen Liebe. (0 Wen» das Verlangen K 5 zu iz4 Das4 ^» vondervemünfcigett zu der Vereinigung allzuunruhig und hitzig ist. ». 15. Wenn man gleich tugendhafte Personen liebet,». 16. und sich einbildet, man liebe noch so vernünftig,». 17. weil dasjenige nicht vernünftig seyn kau, was die Vernunft bemeistert.». 18, Und weil man öfters sich bekriegetwenn man meinet, man. suche nichts mehr alseineVereinMngderSeelen. -?.l9» cii.) Wenn man schädliche und böseDinge oder Menfthen liebet. ».2o.Wenn siegleich arrig und verstandig seyn. » 21. Dergleichen Menstheid werden allemahl^ von ihres gleichen, geliebet. « 22. Ein vernünftiger Menstt) aber z-kimiret wohl ihren Verstand,, aber er liebet sie nicht , »-2Z. als nurnach den. Regeln der allgemeinen Liebe. »,24.(111.) Wenn man die untersthie- denen Arten der Vereinigung unter einander vermischet. ». 2 5. Als () wemunan GOtt wie die geringere Crearnrcn,^ oder s2) wie die Msnsthen liebet.. 2,6, sz). Wenn man andere Mensthenwiegerin- gere Crearuren, oder (4.) wie GOtt liebet, ». 27? und s5) wenn man geringere Creaturen wie die Menschen, oder (6) wie GOtt liebet. »,2.8 (iv.) Wenn man hauptsächlich die Vereinigung des Leibes sucht.». 29. Aufdiefe Art liebendie Bestien.» zo.Und also ist diese Liebe entweder mehr als Kckiiiisch, oderbettiniisch,, oder beynahe Keilen sch.». z 1. Die letzte Art bestehet darmnen,. wenn man bey denen Personen , die uns gleich seyn, entweder neben der Vereinigung der Seelen alsobald nach derVeremigung der Leider: oder nach dieser hauptsächlich rrachMe-Wiewohl mau dieser den absonderlichen Nahmen der Liebe am meisten zu geben pflegt, ». 52 . auch das Wesen der Liebe noth^ wendig, in der Vereinigung des ausserlichen Thuns des Leibes zu bestehen scheinet.«.;?. Undhiernachst der Mensth von Natur zur Begierde und zu der Vermischung mit Personen von andern Geschlecht angetrieben wird. Z4. Denn dieLiebes-Bezeugungen des A.iebe anderer Menschen überhaupt. 155 des Leibes sind nur Aeichcn, ". 55. aber keine wesentlichen Stücke der vernünftigen Liebe, ». z6. welches durch das Exempel kleiner unschuldiger Gefälligkeiten erwiesen wird. ». z/. zu. So ist auch cm grosser Unterscheid zwischen denen andern Liebes-Le- zeugungen und der Vermischimg des Leibes. «. 39. Die Begierde dieser letzten ist einegrosse menschliche UnvMvmmenlM. »- 4c>. Die Beurtheilung der Schönheit hat keine vernünftige Grund-Regeln, «. 41. und die iiebe schöner Leute kau ja so unvcr- nünstig als die Liebe nicht schöner Personen vernünftig seyn.. «. 42. Es ist ein grosser Unterscheid zwischen einen brennenden.und sehnenden Auge.^-. 4z. Em hreimend Auge kan das Hcrtze eines ivahren xiiiloloplii nicht in Unruhe bringen. ». 44. Man muß die Begierde, Kinder zu zeigen, nicht mit derBegierde sich hierbei) zu belustigen vermischen. ». 45. Diese letztere ist nicht vernünftig. »- 46. Denn sie ver- »virret unsere Vernunft inBeUrcheilung des Guten.^ ^.47. und treibet uns aus unvernünftigen Ursachen zu allen Zeiten des Jahrs an. ». 4 8, Eine vernünf- tM Liebe lasset zwar die Leibes-Vermischung zu,- 49. als Aeicheu eines Vertrauens und Begierde die geliebte Person zu>vergnügen,^ 50. nicht aber als ein Mftntliches Stücke. ».5i^ Jedoch muß sich hierbey «i» vernünftiger Mensche wohl prüssen, daß er sich nicht selbst bekriege, » 5?. eb-sich nicht eine unvernünftige Liebe unter dem Schein einer vernünftigen zu verstecken suche. «- 5z. (1) Wenn man alsofort nach der Leibes-Vermischung begierig ist, ehe man noch das Geinnihe der andern Person erkennet, zumahl wenn dieselbe schön ist. " 54. (2) Wenn man sich fälschlich bereder, man werde zu frieden seyn, wenn man die Vereinigung des Gemüths erhallen habe. ». 55. sz) Wenn die menschliche Regungen nachdem Genuß des Leibes mit Gewalt oder Betrug trach- r;6 Düs 4. H. vsn der vsrnnttftl'Zen trach ten. 56. s4) Wenn man was durch die Gesetze verbotenes begehret. ».57. (5) Wenn man bey diesem Genuß nicht mit Schamhaftigkeit sich seiner Begierde entlediget. ». 58. Denn Unterscheid vernünftiger und unvernünftiger Liebe muß man nicht in dem Unterscheid verheyrathcter undunverheyra- thctcr Personen suchen. ^- 59. Satsnmer Beweiß - daß die vernünftige Liebe anderer Menschen das einzige Mittel >ey glücklich zu werden. »- 60. Ob vernünftige Liebe ohne Schmertzen, Unruhe und empfindliche Freude seyn könne? ». 61. mid ob bey derselben eineEnssersucht statt finden könne? ».62. Wollust, Ehre, Reichthum sind keine Mittelzur wahren Glückseligkeit zu gelanget«." 6z. Die Liebe ist die einzige lugend, und das rechte Maaß aller Tugenden- 64 Die Liebe GOttes, 65. bestehet nach der natürlichen Erkantmß in der Liebe anderer Menschen - 66. Die über natürliche aber gehöret nicht zur Sitten-Lehre.», 57. Ob die Liebe des Viehes zur grösten Glückseligkeit von nötheu sey? »-68, Mdem wir also die groste Gluckste- ilILeit des Menschen nach i!)rem Weser,, auch hernach GGtt al^ den Geber de> >ei0e», und wieweit die wahre Erkäntniß von GOlt in der ^orsle höchstnothig sey, betrachtet; als fordern nunmehro die Regeln guter Ordnung, daß wir sehen, durch was für ein Mittel der Mensch diese Gemülhs-Ruhs erhalte, und sie zu Wege bringe. 2. Nun haben wir zwar Msreit obenerwehs net, ZUebe anderer Menschen überhaupt. 157 uet, daß die Gemüths-Ruhe aus der L.iebe anderer Menschen entsprieße, und dieselbe stels- wahrend wiederum wircke. Wir haben auch schon daselbst etwas ausführlich von der vernünftigen Liebe gehandelt, und dieses pÄtscloxom klar und deutlich erwiesen, daß das Wesen ?e6 Menschen mehr in einer Liebe anderer Maschen, als in einer so genannten Selbst-Lide bestehe. Dieweil aber die unterschiedenen Meinungen von denen Mitteln, die gwste Glückseligkeit zu erlangen, entweder diese Liebe mit einem dunckelem Nahmen der Tugend oder der tttgendllchen Mittel - Maasse'belegm; andere unter einem herrlichern Nahmen Verklebe GOttes irrige und von der Gemüths-Ruhe verführende Dinge vorgetragen; andere aber unter dieser Liebe der Menschen gefährlicher Weise eineNestiaiität, die das gwste Unglück mit sich führet, zu bedecken gesuchet, und noch andere die Ä.iebe anderer Creaturen dieser Liebe an die Seite zu setzen bemühet sind. AIs ist es wohl nöthig, daß wir diese Liebe anderer Menschen nochmahlen vor uns nehmen, und dieselbe ihrem Wesen und Stücken nach auf das ge, nauesie betrachten, auch in diesem Haupt-Stücke noch deutlicher erweisen, daß in ihr das einige Mittel zu der grösten Glückseeligkeit zu gelangen bestehe. z. sieben wird zwar von unterschiedenen Dinge» gesaget, und kan dannenhero in seiner weit- läuf- iz8 Das 4. H.von der vernünftigen lauftigsten Bedeutung nicht füglich beschrieben werden. Wir baden gesaget, daßGOttdie Menschen liebe. Daß der Mensch viele Dinge liebe, wird niemand laugnen. Von denen Nestten spricht man, daß sie sich selbst unterem, ander, auch wohl andere Dinge, oder gar den Menschen selbst lieben. So schreibet man auch denen Bäumen unter einander eine Liebe zu; Ja es ist nichts ungemeines, daß man nicht auch von leblosen Dingen, als z. E. dem Magnet und Eisen, «ine Liebe sagen solle. ^. Zwar was die Liebe der Bäume und der leblosen Sachen betrift, so hält man wohl durchgehendö davor, daß dieselben von diesen Dingen nicht in eigenenVerstande genommen werden, weil es gantz offenbahr, daß sie keiner Gemüths, Neiaimgen fähig sind- Und also bleibet die Liebe G'Ottes, der Menschen und der Thiere noch übrig, die wir uns so dann wohl von einander zu entscheiden befleißigen müssen. 5. Alles dasjenige, was wir an uns be, finden, und doch vonGOtt zu sagen pflegen, das wird nur G!eichniß,H?eise von GOtt, in eigenem Verstands aber von uns geredet. Und alles, was wir an uns befinven, und doch von den Bestien auch zusagen pflegen, davon müssen wir erst, lich an uns zu reden anfangen, (weil uns unsere eigene Sacken am betautesten sind,) da, mit wir hernach erkennen mögen, ob es gleichfall- Klebe anderer MensHm überhaupt. 159 falls von den Bestien in eigenem Verstände gesaget werden könne, wenn es nehmlich ein Lun- cepr ist, der die Dinge angehet, die wir milde, um Bestien gemein haben, oder vb es nur Gleichniß-VOeise von denen Bestien geredet werde, so ferne es die Dinge betrift, durch die wir von denenVestien entschieden seyn. 6. So müssen wir demnach von der Liebe zu reden anfangen, derer die Menschen fähig sind. Und zwar, weil dieselben vielerlei) zu lieben pflegen, GOtt, andere Menschen, andere geringere Creaturen, so wollen wir erst sehen , WSS die menschliche L.iebe Aberhaupt sey. ein Verlangen des Menschlichen Willens, sich mit demjenigen, das der menschliche Verstand zugleich für gut erkennet, zu Vereinigen, oder in dieser Ver- einigungzu bleiben» s. Weil nun die Liebe ein Werck des mensch» lichen Willens ist, der Wille aber zur menschlichen Seele gehöret, so kan von denen Bestien nicht anders als KZurlicher Weise gesagt werden, daß sie etwas lieben, zumahl dieses Verlangen bey den Menschen ohne Gedancken, daß die geliebte Sache etwas gutes sey, nicht concipiret werden kan, dieser Gedancken aber gleichfalls von Venen Bestien, als die gar nicht gedencken auch nicht gesaget werden mag. Und so ferne ist die Liebe/ die vsn denen Bestien ge- i6s DasH.H.vonderVemüttfcigett saget wird, etwas unvollLommeners, als Vie Liebe der Menschen; So ferne aber die Bestien und andere Creaturen das lieben, was ihrer Natur würcklich gut ist, so ferne ist sie vollkommener. 9. Gleicher weise und weil man GOtt einen Verstand und Willen gantz auf eine andere und unbegreiflichere Weise als denen Menftben zuschreibet, so ist auch die Liebe, die von G.Olt gesagt wird, gany eine andere Liebe, zumcch- len die gesunde Vernunft weiset, daß, weil GOlt von sich selbsten ist, und das Wesen seiner Geschöpffe stets wehrend erhält, auch GOlt ausser sich nichts finde, das er in Ansehen seiner für gut halten könne» Und also siehet der Mcnjch, daß die Liebe GOttcs venvimdersäm und un- begreiflich sey, weil er alles thut, was ein Lic'bender zu thun pfleget, und doch keine Ursa» che ausser ihm selbst findet, die ihn hierzu antreiben könne- 10. So folget auch ferner aus dieser Beschrei, bung der Liebe, daß man, eigentlich davon zu rede!> sich selbst nicht lieben könne, weil wir allbereit im vorhergehenden Capitel gesagt, daß kein Geschöpffe sich selbst erhalten könne, vielwe- m'gec aber eine Vereinigung ohne zwey unterschiedene Dinge begriffen werden kan; Und muß demnach die Selbst«Liebe entweder eine eite- le Einbildung unvernünftiger Menschen seyn, oder man wird dadurch nichts anders als einen Man? L.iebe anderer Menschen überhaupt. r6i Mangel einer eigentlich so genanten L.iebe andeuten. li. Es ist aber die Vereinigung, die der menschliche Wille in der Liebe inrenäiret, nach Unterscheid-derer Dinge, die geliebet werden, ouch ihrer Bedeutung nach sehr unterschieden. Wir wollen wieder von der Liebe anderer Menschen, als der eigentlichsten und deutlichsten, anfangen, und hernach die Liebe gegen GOlt und andere Crealuren mit derselben gegen einander halten. i!. So bestehet demnach die Vereinigung, die die Liebe des Menschen nach der natürlichen Erkantniß bey andern Menschen intendiren soll, darinnen, daß, weil andere Menschen gleiches Wesens mit ihm sind, er auch sein Wesen, das ist, seine Seele, fürnemlich aber seinen Willen mit dem ihrigen dergestalt vereinige, daß gleichsam ein Wille daraus werde, und keiner Kber den andern sich einer Botmäßigkeit anmaasse, sondern beyde Wechselsweise aus freyem Willen dasjenige wollen, was das andere will. iz. Eine andere Vereinigung aber ist diejenige , die man gegen andere geringere Ge, schopffe haben soll. Sie haben weder Verstand noch Willen, und also sollen wir unsere Seelen nicht mit ihnen vereinigen. Sie können uns für sich nicht gutes thun, weil sie es nicht verstehen, sie sind aber geschickt, daß wie ce L nach »62 Das 4- H. vsn der vemuttfcigm nach der natürlichen Ordnung GOttes unser und anderer Menschen gutes dadurch befördern können. Dannenhero suchen wir in ihrer Liebe, wenn sie andere vernünftig seyn soll, eine solch» Vereinigung, daß sie unserm Willen unter, rvsrffen sc^n, das ist, baß wir sie nach unserm Gefallen zu unserm und anderer Nutzen gebrauchen, und wenn dieser Nutzen nicht allen Menschen luKciem seyn kan, uns dieselbe zu eigen machen mögen- 14. Lctzlich aber ist die Vereinigung, die wk in der Liebe GGttes inrenclireN sollen, voi? denen vorigen beyden unterschieden. GOTT thut uns alles Guts, und indem er der Ursprung des- selbigen ist, verstehet er unser Guts besser als wir, wir aber können vor uns GOtt nicht das geringste Gutes thun, ja wir sind mehrentheils in Erkantniß dessen , was uns gut ist, blind. Deßhalben wäre es sehr unvernünftig, daß wie in der Vereinigung mit GOtt trachten sollen, daß GOtt seinen Willen mit dem unsrigen zu gleichen Theilen vereinigen solle; noch viel unvernünftiger aber wäre es, wenn wir begehren solten, GOtt solle seinen Willen ganHlich nach dem unsrigen richten ; sondern es weiset uns auch das schwache Licht der Vernunft, daß diese Vereinigung in nichts anders bestehen solle, als daß wir unsern U?il!en dem seinigeir «nterwerffen, und unser Thun und Lassen nach Sem seinigen einrichten, auch nicht ungedulti's oder ZUebe anderer Menschen überhaupt. 16z oder mürrisch werden sollen, wenn uns vonseinee Hand etwas wiedecfähret, das unserm Willen Mt anstehet. 15. So ist demnach die menschliche A.iebe zweynrle», eine Vernünftige undunvernünfi slge. Jene haben wir bisjhero beschrieben und erkläret, diese aber weichet in vielen Stücken Mu der voriqen ab. Denn (1) haben wir schon im andern EaMl gesagt, daß das Verlangen der vernünftigen Liebe ein stilles und kein unruhiges Verlangen sey. Derowegen, wo ein Mensche in seiner Liebe ein dergleichen unruhiges und hitziges Verlangen empfindet, daß er sein selbst nicht machtig ist, und daß er sich vor unglücklich hält, wenn er sich mit der geliebten Person nicht vereinigen soll; so darf er M nur gewiß versichern, daß seine Liebe nicht vernünftig sey. 16. Zch rede hier nicht von denenjem'gen, die einen dergleichen unordentlichen Trieb bey sich befinden, wenn sie etwas unvernünftiges lieben, odec auf eine unvernünftige Vermischung des Leibes ziehlen, denn vondieser Art wollen wir bald absonderlich handeln; sondern von denen, die vemünst tigeperssnen lieben, und ihrerMeinungnach, nach der Vereinigung der Seelen und des Willens trachten, und vor Liebe gleichsam verschmachten oder verzweiffeln, oder doch zum wenigsten vor A-tehe sterben oder ertrancken. L - r?.ES 164 D6S4-H. vonder.vemünftigen 17. E6 dürfte wohl manchem Tugend-lieben- den Menschen dieser mein Satz etwas zu Karte fürkommen, und dürfte er wohl selbst auf sein eigenes Exempel sich beruffen, daß er allezeit ei, ne ehrliche Intention gehabt, und auf keine fleischliche Vermischung gezielct, und dennoch eine Vergleich sochtende Begierte zum oftern bey sich befunden, die ihm wider seinen Willen keine Ruhe gelassen. Ja er wird mich Zweiffels ohne auf so viel Bücher, die von ehrlicher Liebe handeln, weisen, in welchen allen dieselbe beschrie« den wird, daß sie unsere Vernunft bemeisiere, und wider unsern Willen über uns herrsche. ,8. Aber das ist eben, was ich sage, was unsere Vernunft bemeistert, das lstmchts Vernünftiges. ES sind unterschiedene Gracie in der unvernünftigen Liebe. Dieses ist der geringste Zr^cl, deshalben ist sie auch nicht für un<- vernünftig ausgeschrien, sondern nur gesagt, daß sie nicht vernünftig sey. Und also kan sie auch einem Menschen begegnen, der nicht unver, nünftig liebet, sondern ein ehrliches Absehen hat, und unter die Zahl vernünftiger Menschen gehöret. Aber er darf sich auch gewiß noch nicht für ein Muster eines vernünftigen Menschen ausgeben. Dieses ist eine von denen ersten Re, geln in der Sitten-Lehre, daß man nichts unmögliches oder vergebens begehren solle. Und dieses ist gewiß eine von denen Proben, ob man in der Sitten-Lehre Meister oder noch ein Schüler Liebe anderer Menschen überhaupt- 165 sei,, nachdem man bey sich auch in ehrliche»? Absehen eine hitzige oder gleichgültige Begierde empfindet. 19. Ich will jetzv hiervon nichts erwehnen, daß sich manche, die noch in denen Schüler-Jahren sind, selbst bekriegen, und dafür halten, sie ziele- ten in ihrer Liebe auf nichts als die Vereini» gung der Gemüther, da sie doch bald befinden würden, daß sie eine gantz andere Vereinigung suchen, und daß es diese sey, die sie kranck und fochtend mache, und nur von der Schadhaftigkeit, oder Furcht, vderEhr-Geitz u. d. gl. bestritten werde. Denn wie man in diesem Stücke sich prüffen solle, wollen wir bald deutlicher erklären. 20. Die (II) Classe unvernünftiger Liebe ist, wenn man Dinge liebet, die mehr schädlich seyn, als daß ihr Gebrauch unter die Gute»? zu rechnen wäre. Hier können wir zwar wohl kein Exempel geben, das wir von der Liebe gegen GOlt hernähmen, aber so wohl bey der Liebe gegen die Menschen, als bey der Liebe gegen andere Dinge können wir gar viel Exempel einer unvernünftigen Liebe antreffen. 21. Z. E. Wenn man nack jDsier aber ungesunder Speise verlanget. Wenn man denen Dingen nachhänget, die die Sinnen empfindlich belustigen, oder die > a>. sind, und derer Gebrauch uns eine Zärtligöeit angewehnet. Und unter denen Menschen solche Leute, die in denen L z N>Shl- l66 Das4, ^. von dervemunftigett ZcVollüstcn stecken, die Ehrgeiyig, Geldbegierig, mit einem Wort: die lasterhaft smd> . wann sie auch gleich sonsten noch so angenehm und artig, oder auch fcharMnmg und ver- ständig wären. 2^. Und hat sich dannenhero ein vernünftiger Mensch desto mehr für dergleichen Liebe in acht zu nehmen, weil andere vernünftige Menschen ihn nach denen Personen, die er liebet/.gewißlich urtheilen werden , indem alle Liebe, sich in einer Gleichheit gründet, weil sie aus der Meinung von der Güte eines Dinges entstehet, alles Gute aber, wie wir im ersten Capitel gesagt, in einer Gleichförmigkeit mit andern Dingen beruhet. 2z. Woltest du nun gleich fürwenden, du liei betest diesen Menschen nicht, weil er dieses Laster an sich habe, sondern weaen seiner Artigkeit lind fcharWnnigm Verstandes, so must du doch wohl in acht nehmen, daß du dich nicht selbst bekriegest. Ein anders ist, jemand hoch« scdKyen, ein anders jemand lieben. Du kanst einen solchen Menschen wegen seiner Artigreit und Verstand wohl hochhalten, aber in der Liebe suchest du die Bereinigung der Gemüther und des Willens, und also must du dich, wenn du ihn liebest, seiner Lasier theilhaftig machen. 24. Denn obschon das folgende Capitel sa- aen wird, das' man alle Menschen lieben solle, so ist doch erstlich ein Unterscheid zwischen der allge- Liebe anderer Menschen überhaupt. 167 allgemeinen Liebe und absonderlichen, wie wir zu seiner Zeit sehen werden; Ja auch die allgemeine zielet dahin, daß du ihm seine Irrthümer und Laster benehmest, und ist also, wenn man sie gegen einen Lasterhaften ausübet, mehr eine Liebe Bedingungs, Weise, wenn er sich ziemlich seiner Laster werde begeben haben, als schlechter Dinge zu nennen. Und wenn du in deinem Gemüthe versichert bist, daß du dieses lM'ptsächZi'c!) imenclirest, auch mit deinem Thun ,md Lassen nicht offenbahr das Gegentheil dar, thust, so will ich auch eine dergleichen Liebe nicht vor unvernünftig halten, 25- (HI) Ist auch die Liebe unvernünftig, in Ansehung der Art und Weise, die man in der Vereinigung sucht: Wenn man nemlich die Vereinigung, die GOtt gehöret, denen Menschen zueignet, oder mit GOtt sich auf die Art zu vereinigensucht, wie man sich mit Menschen und Bestien vereinigen solle, u. s.w- 26. Solchergestalt aber werden wir in dieser Ciasse 6. ?lrten von unvernünftigen Lieben haben: (1) Wenn man in der Liebe gegen GOtt: verlanget, GOtt solle seinen Willen bloss nach dem unftigen richten, welche Liebe bey allen Abergläubischen Leuten anzutreffen ist. (!) Wenn man wünschet, GOTT solle feinen Willen ja so rvoh! nach dem unftigen richten, als wir in Dingen, die uns nicht eben gar m sehr zu wider seyn, den unsrigen nach seinem Willen L4 t» ,6g Das 4. H. von der vernünftigen zu richten bereit seyn. Welche Liebe be» denen zu finden ist, die nur ein wenig noch auf der Tugend-Nahne gewandelt. 27. (z) Wenn man andere Menschen dergestalt licvet, daß man allezeit über ihren willen zu herrschen sucht, welches nicht nur die iLhrgeiyigen und Stolyen, sondern auch die äusserlich sittsamen Heuchler zuthun pflegen. (4) Wenn man andere Menschen also liebet, daß man seinen Willen ganyund gar dem ihrigen unterwirft, ihnen als GOtt vertrauet, und sie als GOtt fürchtet, auch sich von ihnen zum Sclaven machen last, welche Liebe fürnchmlich bey denen Wollüstigen anzutreffen ist, die wenig Ehr-Geitz haben. -Z. (5) Wenn man unvernünftige und leblose Creature dergestalt liebet, daß man mit ihnen als mit Menschen umgehet, und an ihrem Wohl-oder Ubelseyn eben so viel theil nimmt, als wenn sie vrrnünflige Menschen waren, und einen Willen hätten, der mit uns vereiniget wäre, z. E. Wenn L.ute, die in einer geitzigen und zättlichcn Wollust ihr Vergnügen suchen, Pferde, Hunde, Vogel, so extrem lieben, daß sie ihnen mchr Gutes erweisen als andern Men< scheu (6) Wenn man dergleichen und sonderlich leblose Dinge dergestalt liebet, daß man so zureden gany ihr Sclave wird, als wenn sie einen Willen hätten, der uns befehlen könte. ZUebe anderer Menschen überhaupt. 169 Auf diese Art lieben die Geiyigen ihren Geld- Sack. 29. (IV) Nun haben wir nur noch eine Art unvernünftiger Liebe übrig, von der wir aber etwas ausführlicher reden müsien, damit wir zwischen zween von der Wahrheit allzuweit ausschwciffendcn Meinungen in der rechten Mittel - Strasse Kleiden. Wir haben oben gesagt, daß der Mensch, in der Liebe anderer, suchen solle seine Seele mit der Seele anderer Menschen zu vereinigen, und solchergestalt kcm es nicdt fehlen, es müsse die Liebe, in welcher der Mensch auf die Vereinigung seines Leibes mit dem Leibe anderer Menschen hauptsächlich sein Absehen hat, eine neue Art unvernünftiger Liebe abgeben. zc>. Denn auf diese Art lieben die Mn. Ihr Trieb treibet sie bloß auf die Vermischung des Leibes mit dem Leibe einer andern Bestien an, ohne daß sie einen Unterscheid unter denenzu machen pflcgen; Weswegen auch diese Liebe der B^lim in eigentlichem Verstand mehr eine Brunst als Ä.iebe zu nennen. Im Gegentheil aber ist die menschliche Natur darinnen von denen Bestien entschieden, daß, gleichwie die Menschen unter sich selbst unterschiedene Bildungen oder Gemüths-Neigungen haben, also auch der Mensch, wenn er gleich auf die Vermischung des Leibes verfallt, dennoch gemeiniglich, wenn er nicht gcmtz und gar L 5 >r i?-> Das 4.H. von der vernünftigen zur Bestie worden, einen Menschen für andern zu lieben pfleget. zi. Soicheraestalt' oder ist zubeobachten, daß in dieser Clasie dreyerley Wirten von der un- velnü'lfti'gen Liebe angetroffen werden: (1) lLl- ne mehr als eine Bestialische, wenn man einen unvernünftigcn Trieb bey sich befindet, feinen Leib mit dem Leibe der Personen einerley Geschlechts, oder mitLresturen von gany unterschiedener Are zu vermischen, wofür auch die Bestien einen Abscheu haben. (2) Eine Bestialische oder Huren-Liebe, wenn man seine Begierden mit allerley Personen ohne Ansehen deren Bildmgen oder Gemülhs-Bewegungen m stillen, ober vielmehr zu vermehren und lüstern zu machen trachtet, (z ) Eine- bey nahe Bestialische, wenn man zwar einen Unterscheid unter denen Personen entweder ihrer Bildung oder ihren Gemüths-Neigungen nach machet, aber doch alsöbald bey denenjeni- gen, auf die man mit seiner Liebe fallet, Zugleich aufdie Vereinigung des Leibes, oder wohl gar einig und alleine aufdiese, ohne Vereinigung des Willens oder der Seele,? zielet. Und von dieser letzten müssen wir fürnem- lich etwa? mehrers reden. ?!. Denn weil derselben die allermeisten Menschen ergeben sind, so gar auch, daß deßwegen auch unter denen ?KiIolcipKen diese den Namen der Liebe für sich beHallen, und verändern Liebe ZUebe anderer Menschen überhaupt. 171 Liebe, die auf dergleichen Vereinigung nicht zielet, den kaltsinnigen Namen der Freundschaft zugeleget, da doch in der wahren MloldpKie wcihre Freundschaft und Liebe eines sind; alö ermangelt esauchanSchein-Ursachennicht, durch welche man diese Liebe, wo nicht ;u einer ver, nunftigcn Liebe zu machen, dennoch aber aus der Zahl unvernünftiger Liebe auszunehmen sich bemühet. z?. Und anfanglich zwar ist nicht zu leugnen, das; die Vereinigung der menschlichen Seelen oder zweyer Willen nicht ohne Beytrag des Leibes auch nicht dergestalt geschehen könne, daß aus zwo Seelen wnrcklich und in der That eine Seele und ein Mensch werde; sondern es muß allerdinacs dieselbe in nicht anders, als in der GleichfFr- mWert des Von zween A?l!!en ^>/>»ten äusierZichen Thun und Fassens des Leibes Besucht werden. Und solchergestalt tan weder Freundschaft noch Liebe ohne gleichförmige Wirckung des Leibes begriffen werden: und wenn man in der Gleichförmigkeit des Willens die Vereinigung der Seelen suchet, warum solle man auch nicht sagen, daß, wegen der Gleichför, migkcit der ausserlichen Leibes-Bewegung, auch be» einer jeden Freundschaft und Liebe die Aeiber «lLtchsam V eremiFet se^n, und also aus zween Freunden gleichsam cmL.clbunbemeSee!eal, !emchl werden müsse. ?4° Hiernachsi b?Ddet lzwar der Mensch, wenn Das 4.H.V0Ndervemüiifc!'gm wenn er sich gegen die Bestien conlei-iret, in seiner Ncuur vielen Unterscheid, datz er nicht, wie die Bestien, sich mit allerlei) Personen unterschied denen Geschlechts ohne unterscheid der Gemüther und Bildungen zu vermischen trachten solle. Aber er befindet auch, daß seine Natur ihme nicht alleine das Vermögen gegeben, das Schone oder Angenehme von dem Heßlichen und Ungeistalten m entscheiden; sondern er befindet auch durchgehende' bey dem gantzen menschlichen Geschlecht diesen innerlichen Trieb, daß die Schönheit, und sonderlich ein schönes und liebreizendes Auge, das unter denen Bestien nicdt !u finden ist, bey ihm eine Begierde, dieauf eine Vermischung des Leibes trachtet, erwecke, der er zu widerstehen nichtkräftig ist, und der auch der weiseste ?KUo5oxKu8 nicht widerstreben wurde. Ja er befindet auch, das zwischen zween Personen unterschiedenes Geschlechts ein aüge, meiner Trieb sey, durch leibliche und Wechsel belustigende Vermischung Rinder zu zeugen; Und dannenhero dünckt ihm, das zwischen zween Personen unterschiedenen Geschlechts die Vereinigung der Seelen oder des Willens ohne diese Vereinigung der Leiber nicht vollkommen ge- nennet werden könne. Z5. Aber hierauf ist zu wissen, daß les zwar an dem sey, daß man die Liebe oder Freundschaft ohne Bezeugung des Leibes nicht erkennen könne, weil der Mensch des andern Menschen seine Liebe anderer Mensche» überhaupt. 17z ne Seele oder Gedancken ohne einem ausserlichen Zeichen niemahlen begreiffcn, noch ihm sozu lagen ins Hertze sehen kcm. Und obschon die Rede und Worte dem Menschen gegeben sind ftine Gedancken dem andern mittheilen, so gelten doch diese Zeichen mehr bev dem Verende des Menschen, als bey dessen Willen. Denn be» diesem gilt ein einiges Thun mehr als tausend Worte, wiewohl gemeiniglich Worte vor denen Thaten vorher zu gehen pflegen. Nichts desto weniger aber wird man hieraus in geringsten nicht Messen können, daß die vernünftige Lie, be hauptsächlich oder eben ft> wohl in Vereinigung des äusserlichen Thuns, als in Vereinigung der Seelen und des Willens bestehe. z6. Denn es ist ein grosser Unterscheid unter dem Wesen eines Dinges, und unter dem Zeichen oder Bild desselbigen. Dieses ist allezeit etwas, das mit dem Wesen niedt? zu thun hat, sondern nach demselbigen folget, oder sich da, nach richtet. Und also hat auch die Bezeugung des aus- ferlichenThun und LassenS nicht mit der Vereinigung der Seelen an sich selbstzu lhun, sendernsie folget auf dieselbige, und giebt so wohl in der Freundschaft als Liebe der geliebtenPerson Wech- sels-Weise dieselbe zu erkennen. Z7- Z. E. Wenn ein tugendhafter Mensch ein tugendhaftes und verstandiges Frauen »Zimmer lieb gewinnet und seine Seele mit der ihrigen zu 174 Das4.H.v4ttdervttn8nsilgen zu vereinigen trachtet, so bemühen sie sich beyderseits, nachdem sie durch einen mit Ehr-Furcht und Verlangen vermischten Blick, oder durch einen heimlichen Seufyer einander gleichsam die Losung gegeben, einander durch tausend kleine Gefälligkeiten nicht nur ihren Willen, Wechsels-Weise gleichsam an den Augen anzusehen, sondern auch so zu reden demAbcn noch vorzukommen, geschweige denn, daß sie nicht durch das äusserlich?Thun und Lassen einander indem, was eines von dem andern deutlich beehret, zu gefallen seyn sollen. z8- Wer wolte aber sagen, daß in diesen Kleinen Gefälligkeiten das Wesen der Liebe oder Freundschaft bestehe? die zum vftern, wenn man sie ihrem Werth und Nutzen nach betrachtet, sv geringe sind , daß man sich schätzen müste, wenn man sie dem andern als einen Äuebes- Dienst anrechnen wolte, und die ihren gantzen Werth von der Freywilligkeit und Ungezwungenheit oder der aufrichtigen Erniedrigung einer- mit vielen Beriten begabten Person erlangen? Zumahl da im Gegentheil nach dem Tcix der Liebe auch die kastbarsten Bezeugungen, und die tiefsten Erniedrigungen nichts gelten, wenn man unbetrügliche Proben hat, daß sie nicht von aufrichtigem Hertzen, sondern einer Schein-und Heuchele Licbe entstanden. Und also auch deßwegen diese Zeichen nicht zum Wesen der Liebe L.iebe anderer Menschen überhaupt. 175 gehören, weil sie öfters aus falschem Hertzen herrühren. z». Nach diesen muß man auch einen grossen Unterscheid unter denen andern L.iebes-Ne, AcuFttNZen, die durch 0as äusserlich? Thun und Lasten ausgedrucket werden, und unter der Vereinigung der S.e,ber, die durch die Ver- Mischung derselben ^eschichct, machen. Denn gesttzt, daß zu dem Wesen der Liede die Gefäl? liqkeiten des öusserlichen Thun und Lassens ge- höreten; oder aber gestandenen Falls, daß, weil diese unausbleibliche Zeichen wahrer Liebe ^ei)N, zum wenigsten doch das Verlangen ?u des nenseibm nicht iri-Äilc>n?.b1e seyn könne, so folget doch nicht Klfo fort, daß man auch die Liebeö- Gunsten, die auf die Vermischung des Leides zielen, hierunter rechnen müsse, sondern wir müssen von diesen absonderlich etwas mehrers reden. 40. Ob nun wohl das schwache Ä.icht der menschlichen Vernunft ohne göttliche Of- fenbcchrung in Erkantmß des allgemeinen Übels her Ä.ust-Seuche ziemlich im finstern herum tappet; So weiset uns doch das Licht der Natur zum wenigsten so viel, daß diese Begierde des Leibes-Vermischung nichts gutes, sondern eine ziemliche UnVsUllsmmenhel't sey , wenn sie gleich in coinparsilon anderer gröbern Stuf- fen noch so reimlich scheinet , und daßviele Dinge such von denen , die vermittelst der göttlichen Of- feubcch- ,76 Das 4. H. von der vernünftigen fenbahrung besser raiioniren sollen, zumahl unter Ehe-Leuten, für inäiKerem gehalten werden, die doch auch der Vernunft nach mehr detti3lisch als vernünftig sind. 41. Denn anfanglich ist es eine grosse Unvoll, kommenheit, daß die Menschen in Beurtheilung von der Schönheit des Leibes das wenigste ?unZamenr haben, sondern gantzunterschiedenen und widrigen Meynungen dißfals unterworffen sind, die dennoch, weil sie auf keine Vernunft gegründet seyn, auch nicht für vernünftig können ausgegeben werden, ob man sie schon auch nicht unvernünftig schelten kan, weil doch etliche Ge- stalten seyn, die von jederman für schön oder heßlich gehalten werden. 42. Hiernachst weil es offenbahr, daß die Schönheit des Leibes gar öfters mit der Schönheit der Seelen und der Tugend nicht vereint, get ist; so können wir zwar die Liebe schöner und dabey tugenthafter L.euee eben nicht tadeln, wir können aber auch weder den Haß tugendhafter Mr heßlicher, noch die Liebe lasterhafter , aber dabey wohlgestalter Personen für ver- uünftig ausgeben. 4z. Und hierzu darf man eben, keine allzu- grvsse Weißheit, zu beqreiffen, daß dieReitzung eines schonen Angesichts oder eines schonen Auges, die also bald auf die Liebes-Ver- mischung dencket, mehr viehisch als menschlich Liebe anderer Menschen überhaupt- 177 lich sey. Denn der muß gewiß noch wenig von vernünftiger Liebe wissen, der den Unterscheid zwischen dem tade!swürdigen Feuer eines brennenden oder auch sehnenden Auges, und der untavelhaften Bezeugung eines freundlichen Auges, das auf die Vereinigung der Seelen hauptsächlich zielet, nicht zu machen weiß, unV mir vie Brunst, die jenes erwecket, niemahlen aber die keusche L.iebe dieses letzleren gespüret hat. 44. Ich gebe wohl zu, daß ein durchdringend brennendes oder auch svchtendes Auge das wachferne Hertze eines neuangehenden Tugend- Schülers leicht zuschmeltzen werde; aber diese guten Leute müssen das durch die Weißheit und Tugend ausgehärtete Hery eines rechtschaffenen /^/7o/o^/ nicht nach dem ihrigen rechnen; Zumahlen da auch viele Menschen nach ihrer natürlichen Mischung dergleichen Neitzunaen leichtlich widerstehen können, wie das Gesprach des Socrates mit der bey dem Xeno- pkon ihnen zeigen wird. 4?. Endlich so müssen wir auch den Trieb der zwischen beyderley Geschlecht ist, Rinder mir einander zeugen, und den Trieb nach der L.ust, die mit diesem Werck verknüpft ist, nicht mit einander vermischen. Der Trieb Rinder mit einander zu zeugen, so ferne derselbe vernünftig ist , soll erst nach der Vereinigung der Ge- E M mülher »76 Das 4. H. von der vernünftigen fenbahrung besser raiioniren sollen, zumahl unter Ehe-Leuten, für inciiKerent gehalten werden, die doch auch der Vernunft nach mehr beüialisch als vernünftig sind. 41. Denn anfanglich ist es eine grosse Unvoll- kommenheit, daß die Menschen in Beurtheilung von der Schönheit des selbes das wenigste ?unZamenr haben, sondern gantz untersthiedcnen und widrigen Meynungen dißfals unterworffm sind, die dennoch, weil sie auf keine Vernunft gegründet seyn, auch nicht für vernünftig können ausgegeben werden, ob man sie schon auch nicht unvernünftig schelten kan, weil doch etliche Ge- stalten seyn, die von jederman für schön oder heßlich gehalten werden. 42. Hiernachst weil es offenbahr, daß die Schönheit des Leibes gar öfters mit der Schönheit der Seelen und der Tugend nicht vereint, get ist; so können wir zwar die Liebe schöner und dabey tugenthafter L.eute eben nicht tadeln, wir können aber auch weder den Haß tugendhafter Mr heßlicher, noch die Liebe lasterhafter , aber dabey wohlgestalter Personen für ver- uünftig ausgeben. 4z. Und hierzu darf man eben keine allzu- grosse Weißheit, zu begreiffen, daß die Neitzuny eines schonen Angesichts oder eines schonen Auges, die also bald auf die Liebes-Ver- Mischung dencket, mehr viehisch als menschlich LiebeandererMenjchen überhaupt. 177 lich sty. Denn der muß gewiß noch wenig von vernünftiger Liebe wisien, der den Unterscheid zwischen dem tadelswürdigen Feuer eines brennenden oder auch sehnenden Anges, und der untadelhaften Bezeugung eines freundlichen Auges, das auf die Vereinigung der Seelen hauptsächlich zielet, nicht zu machen weiß, und nur die Brunst, die jenes erwecket, niemahlen aber die keusche L.iebe dieses letzteren gespüret hat. 44. Ich gebe wohl zu, daß ein durchdringend brennendes oder auch svchtendes Auge das wächserne Hertze eines neuangehenden Tugend- Schülers leicht zuschmeltzen werde; aber diese guten Leute müssen das durch die Weißheit und Tugend ausgehartete Hery eines rechtschaffenen ^/7o/o^ nicht nach dem ihrigen rechnen; Zumahlen da auch viele Menschen nach ihrer natürlichen Mischung dergleichen Neitzun'aen leichtlich widerstehe» können, wie das Gesprach des Socrates mit der l'KeoäorÄ bey dem Xeno- pkon ihnen zeigen wird. 4?. Endlich so müssen wir auch den Trieb der zwischen beyderley Geschlecht ist, Rinder mir einander zeugen, und den Trieb nach der K.ust, die mit diesem Werck verknüpft ist, nicht mit einander vermischen. Der Trieb Binder mit einander zu zeugen, so ferne derselbe vernünftig ist , soll erst nach der Vereinigung der Gele M mülher i?8 D6S4-H. vsn der vernünftigen müther folgen, und auf nichts anders sein Absehen richten, als daß zwo liebende Personen an denen Kindern allezeit etwas finden mögen, davon sie sich der keuschen Vereinigung ihrer Seelen erin, nern können, als in welchen dieselbe gleichsam von beyden Theilen concenttiret worden. Und also trachtet dieser TriebMntz nicht hauptsächlich auf die Geniessung der Wollust des Leibes. Ob man wohl so einen vernünftigen Trieb bey denen allerwenigsten Menschen treffen wird, weil die allerwenigsten Menschen tugendhaft vernünftig sind. 46. Was aber die allgemeine Neigung des menschlichen Geschlechts zu dieser Ü?ol- lust des L.eibes anbelanget; Sv ist es zwar an dem, daß ein Mensch nach seiner blossen Vernunft, wie wir allbereil erwehnet, nicht klar und deutlich begreiffen könne, daß diese Neigung fo gany unvernünftig sey, weil er sie bey allen Menschen antrift. Jedoch wird er in ihrer Betrachtuug auch genung finden, warum er sie nicht für gar zu vernünftig halten kan, und wo, durch er erkennet, daß dieser Trieb nicht allemahl natürlich sey. 47. Denn indem er siehet, daß dieser Trieb,' wenn er den Menschen starck antreibet, dessen Gemüth dergestalt einnimmt, daß ereineSache, als das höchste Gut betrachtet, für der er doch bald hernach, wenn diese Hitze ein wenig ver, rauchet Liebe andere? Menschen überhaupt. 179 rauchet ist. einen rechtmäßigen Ecke! überkömmt, so kan er nicht anders Messen, als daß er so raiionabel nicht seyn könne, weil Wahrheil und Wahrheit einander nicht zuwiedeö seyn. 48. Untersuchet er hernach die Natur des menschlichen Cürpers, so befindet er > daß es zwar naturlich sey, daß das Kinder-Zeugen eine Wollust verursache; aber er befindet auch, daß, wie die Bestien mehrentheils des Jahres zu einer gewissen Zeit diesen Trieb an sich befinden, also der Mensche mehr durch einen unvernünftigen Gebrauch Speise und Trancks, und durch Müßiggang und andere böse Gewohnheiten, als durch seine Natur Zu allen Zeiten des Jahres eine Neigung hierzu bey sich erwecke- Und daß es gar natürlich sey, daß ein arbeitsamer, wachsamer Mensch, und der sich hitziger Speise und Trancks enthalt, bey weiten so einen starcken Trieb zu dieser Wollust nicht bey sich spüre. 49. Bey dieser Gegeneinanderhaltung aber schliesset endlich ein weiser Mann, daß eine vernünftige Liebe niemahln auf die Vermiß schung des Leibes ihr hauptsächliches oder auch gleichmäßiges Absehen richten müsie; ob sie gleich nicht allemahl die Leibes-Vermischung gar aus den Augen fetzen kan, und vbschon zuweilen das Verlangen seinen Leib mit dem Leibe der geliebten Person zu vermischen, wenn es M 2 nicht i8o Das 4. H. von der vernünftigen nicht hauptsächlich sondern zufällig ist, eine vernünftige Liebe nicht unvernünftig macht. Denn bey einer unvernünftigen Liebe liebet man sich, weil man die Leiber miteinander vermischet. Bey einer Vernünftigen L.iebe aber kan man wohl zu weilen die Vermischung des Leibes verlangen, weil man einander liebet. 50. Dieses setzte must du auf diese Weise verstehen. Wo zwo Seelen mit einander vereiniget seyn, muß aus zween Willen ein einiger werden, lind eine jedwede liebende Person mehr m der andern als in sich selbst leben. Dieses kan aber nicht geschehen, wenn sie nicht beyde Wech, sels-Weise einander aüee erdenkliches Vergnügen, das der Vernunft nicht zu wider ist, zu wegen zu bringen trachten, und einander alle Geheimnisse auch ihrer Schwachheiten (man muß aber die Schwachheiten nicht mit unvernünftigen Dincen vermischen) Wechsels-Weise entdecken. Denn wahre Ä.iebe leidet kein Geheimniß, und wir werden zu seiner Zeit sagen, daß, obwohl die Unverschaamheit mit vernünftiger Liebe nicht bestehen könne, dennoch auch allzugrossc Schaamhaftigkeit auch eine Anzeigung geringer Liebe sey. 51. Derowegen so ist auch bey vernünftiger Liede die Begierde der L.eibes - Vermischung zwar kein wesentliches Stück, sondern nur ein nychig und nicht unvernünftiges -Zeichen Liebe anderer Menschen überhaupt. 181 Seichen derselben, wenn es unter jetztgesetzten Bedingungen und als ein blasses Zeichen verlanget wird. Solchergestalt nun hast du nichts vorgebracht, das unserm Lehr-Satze zu wider wäre, wenn du gesaget, da!? zwischen zwo Personen unterschiedenes Geschlechts die Verein», gung der Seelen oder des Willens, ohne der Vereinigung der Leiber, nicht vollkommen ye- nennct werden könne. Denn wir haben oben nur dieses behaupten wollen, daß diese Liebe unvernünftig sey, wenn man alsobald bei) derjenigen Person, auf die man mit seiner Liebe fället, entweder zugleich oder wohl einig und allein auf die Vermischung des Leibes sein Absehen richtet. 5!. Aber ich sehe wohl, du freuest dich über dieser meiner Erklärung, und du bild.st dir ein viel erobert zu haben, wenn du deine Begierden, die du bey der Lonverlution mit Personen vom andern Geschlechte zuweilen bey dir befindest, nur ohne Verletzung der Sitten-Lehre stillen darfst, es möge nun solches geschehen, unter wase^lcy Betrachtung es wolle. Denn du sprichst: es sey also, du liebest nur vernünftige Personen, du suchest hauptsächlich deine Seele mit der ihrigen zuvereinigen, und du trachtest nur nach der Vermischung des L.eibes, und durch die Mittheilung dieses Geheimnisses desto mehr Proben von der Zuneigung deiner Mz Ge- »8! Das 4. H. vsn der vemönftlgen Geliebten zu haben, und sie mehr als dich;u, vergnügen, ?z. Aber, mein Freund, frohlocke nicht zu Mich < und bekriege dich selbst nicht. Diese Be, tcachtungen, unter welchen wir die Begierde der Leibes-Vermischung vor unvernünftig und vernünftig ausgegeben haben, sind nicht eitele Grillen einer 8cKo1aHischen>letÄpKMc, die du nach deinem Gefallen in denen Gemüths-Neigungen ordnen oder fetzen köntest, wie du wollest; son, dem sie sind von der Sache selbst und von dem Unterscheid einer bestialischen oder menschlichen Begierde hergenommen; und derowegen prüf, fe dick wohl, Hb deme^^s« so beschaffen fey, als du von ihr auSgiebest, oder ob nicht darunter eine unvernünftige Liehe sich heimlich AU verbergen suche. 54- Findet sich diese deine Begierde attzuzeu ?ig, ehe du noch das Gemüthe der Person, die du liebest, recht genau untersuchet, und gevrüfet, ob man nicht von Hertzen oder aus iritereüe, aus Hochachtung oder auöeinemgeilenAdsehenliebe, zumahlen wenn die geliebte Person mit ausierlicher Schönheit begäbet ist, ss bekriegest du dich, Wenn du dafür haltest, daß du hauptsächlich deine Seele mit einer andern Seele zuvereinigen suchest. Es ist die Schönheit oder eine andere Beschaffenheit des Leibes, die dich verliebt gemacht hat, und Y§W Liehe ist sehr Wvmiünftig, . ^ , Liebe andererMensihen überhaupt. 18z 55. Gesetzt aber, du trachtest zu erst nach der Vereinigung der Gemüther, und du beredest dich, daß du zu frieden seyn wollest, wenn du nur die Hochachtung und vernünftige Liebe eines tugendhaften Frauen-Zimmers, das Verstand hat, und nicht eben schön ist, versichert wärest. Prüfe dich wohl, ob du dieser Beredung trauen dürffest. Denn die unvernünftige Liebe pfleget sich auch unter diesem proerexreinzuschlei- chen, und suchet die Hertzen junger Leute unter der Larve einer vernünftigen Liebe zu betrügen. Fraae nur dein Hertz genau, ob es werde zu frieden seyn, und nichts mehreres verlangen, wenn es die unschuldige Vereinigung, nach der es Anfangs trachtet, werde erhalten haben. 56. Ja untersuche auch hiernachst, wenn du gleich Anfangs iwr nach der Vereinigung der Gemüther gestrebet, und nach langer Zeit erst diese Begierde bey dir empfindest, auch dir dieselbe, als nur ein Verlangen die geliebte Person zu vergnügen, vorstellest, ob du nicht vielmehr dein eigenes Vergnügen als das ihrige, auch deinen Willen wider den ihrigen zu erfüllen trachtest. Vernünftige Liebe raubet auch nicht die geringste Gunst-Bezeugung mir Gewalt, oder gefährlicher arglistiger Zöeredung, sondern sie suchet sie durch aufrichtige tugendhafte Thaten und LIeine Gefalligeeiren zu verdienen , und empnndct desto mehr Vergnügen, M 4 je iZ4 Das4- H-von dervernnnfrige»» je frcywilliger die geliebte Person diese Dienste damit zu belohnen trachtet. Sie ist fähig um das schönste Weibes, Bild, das sie aufrichtig liebet, nahe zu seyn, und sie wider ihren ^Villen nicht anzurühren. Ja sie würde sich selbst die gröste Gewalt anthun, wenn sich die geliebte Person ihren Schutz unterwirft, ihre Schwachheit, und daß sie denen Liebes-Reitzungen nicht langer zu widerstehen vermögend sey, bekennet; aber daneben mit einem keuschen Vertrauen ihre Ehre zu beobachten ernstlich bittet, eher sie sich unterfangen solte, dieselbe durch die geringste Gewalt oder Mißbrauch des gegen sie gehabten Vertrauens zu kräncken. Da im gegentheil eine lmvernünfclge Liebe entweder den Begierden mit Gewalt, oder durch verführerische falsche Versprechungen, oder erdichtete Verzweif- fclung zu stillen trachtet, uM durch eine entweder wahrhaftige oder erdichtete Weigerung nur brennender gemacht wird, auch sich es für eine Schande achten würde, wenn es diese gute Gelegenheit, darinnen man sein Unvermögen gestehet, ferneren Wiederfand ,u leisten, verabsäumen solte. Und wer diese edlen allhier beschriebenen Regungen bey sich niemahlen empfunden, darf sich nur gewiß versichern, daß er noch sehr tief in der Bestialität stecke. 57. Ferner, ob du schon befindest, daß du erst nach der Vereinigung der Seelen getrachtet. Liebe anderer Menschen überhaupt. 185 tet, auch bey der geliebten Person selbst ein Verlangen zu dieser letzten Liebes-Beengung spurest, und dieselbe selbst als ein Zeichen eines vollkommenen Vertrauens begehrest; untersuche ja noch weiter; Ob dir denn diese Liebes-Probe von dieser Person zu begehren nicht etwa durch ein Gesey verboten sey. Denn wir haben dieselbe oben nur in soweit für vernünftig ausgegeben, weil die wahre Liebe trachte der geliebten Person alles erdenckliche Vergnügen, das der Vernunft nicht zuwieder sey, zu geben. Nun ist aber dasjenige, was den Gesetzen zuwieder ist, unvernünftig; und so wenig eine Liebe für vernünftig zu halten ist, wenn die andere Per- son ihr Vergnügen darinnen suchte, daß ich'einen andern Menschen umbrachte, oder andere irrailonMe Thaten begierige: so wenig kan> man auch diese für vernünftig ausgeben, die die Leibes - Verwischung wider die Gescye als eine Liebes-Probe verlanget. So haben wir auch erwehnct, daß man dic GcbWacbhei- ten nickt mit unvernünftigen Dingen vermischen solle. Wenn die Gesetze es vnbicchcn, so wird dir kein Geheimniß einer allgemeinen menschlichen Schwachheit, sondern eines Schelm-Stückes anvertrauet, ja du gar meinem Mit-eon5vrten desselbigen gemacht; Und eine vernünftige Liebe kan so dann nichts mehr thun, als durch andere unschuldige Ä.iebes- Bezeigungen den geneigten Vollen zu er, M 5 kennen. -86 Das 4 H. von der vernünftigen kennen zu geben, die geliebte Person auch hierinnen zu vergnügen, wenn es die Gesetze Messen: auch den schwachem Theil durch ein gutes Exempel mit Liebe und Sanftmuth starcken, daß es nicht von dem Weg gesunder Vernunft auf einen Abweg geralhe. 58. Endlich wenn dir auch schon durch die Gesetze nicht verbothen! wird diese Liebes--Prvbe zu geben oder zunehmen, so must du dich doch auch prüfen, ob du bey derselben durch unflätige U?orte nnd Thaten diese Schwachheit Mehr zu vergrös- fern, oder auf eine fchamhafrige Weise derselben beyderseits dich zu entledigen trachtest. Es ist genug, daß diese Schwychheit allen Menschen gemein ist, und dieselbe ist nur in so weit natürlich, als man sie bey dem gemeinen Triebe last. Die Vermehrung derselben überschreitet dieGrentzen der Vertrau'.igkeit, und die beyderseits einander schuldige Hochachtung, und verwandelt dieselbe in eine viehische Gemeinmachung und Gering- fchatzigkeit, zumaßt wenn man bey Entledigung dieser Schwachheit selbige durch unschamhafte Worte und Thaten ohne Noth wieder zu erwecken sucht. z?. Dieses alles sagt uns min wohl die gesunde Vernunft von der Beschaffenheit vernünftiger Liebe; es ist aber zubedauren, daß man den Unterscheid der Vernünftigen und Pttvemünfrlgen Liebe mehr unter verheyra- chcten und linverheiMthelen Personen, als un- ZU'ebeMderer Menschen überhaupt. ,37 ter diesen klahren und deutlichen Regeln suchet, und solchergestalt alle Liebe nnverheyraeheter Personen unterschiedenen Geschlechts für un« Anläßlich, alle Liebe aber Mannes und Weibes für zulaßig und Vernünftig ausgiebet, da Doch unverheyrathete Personen, wenn sie die Gesetze nicht übertreten^ und die Vereinigung her Seelen hauptsächlich ^tencliren, einander gar vernünftig lieben können, von denen verheyrathe- ten aber es Wider Z die allgemeine Erfahrung bezeuget, daß viel bestialisches Lieben von ihnen verübet werde, und ein vernünftiger Mann , her die allgemeine Boßheit ein wenig kennen lernen, nicht ungegründelen Verdacht überkömmt, daß es zuweilen in einem allgemeinen Huhr,Hause nicht so bestialisch, als m denen Ehe-Betten vemünftig und tugendhast seyn wollender Menschm herzugehen pflege. 60. Nachdem wir also bißhero veröffentlich deutlich gewiesen , worinnen die vernünftige Gebe des Menschen bestehe, wird es nunmehro nicht schwer seyn, darzuthun, daß die Vernünftige L.iebe andererMenschen das csnyige Mittel sey 5» der wahren Gemüths-Riche 5» gelangen. Denn dieses weiset nicht alleine dasjenige, was wir aÄbereit oben von der ^la- enr d^s Menschen bewiesen haben , daß er ohne einer friedlichen Gesellschaft nicht vergnügt leben könne, und daß die Gemüths- Ruhe stcls- wähMv neue Liebe wircke; sondern es giebel es ,88 D66 4-H. vonderverinjnfcigen auch die Beschreibung der Gemüths^Ruhe genug zu erkennen. Wir haben vben<>esagt, sie sey ein ruhiges Vergnügen ohne empfindlicher Fxeude und ohne Schmertzen. Nun sage mir eine einige Sache in der Welt, darinnen du dieses ruhige Vergnügen antreffen tontest, als in der vernünftigen Liebe anderer Menschen. Was für ein Vergnügen ist dieser Liebe vorzuziehen? Was ist ruhiger? Alle Wollust, Ehr. und Geld-Geitz müjftn sich wegen ihrer bey sich führenden Unruhe verkriechen.. Welche Liebe ist ohne einer hüpfenden Freude, als diese? Und was für cinVergnügen ist endlich ohneSchmer- yen, als die Liebe. Ja wo kan ein grösserer Schmertzen seyn, als wo diese Liebe aufhöret, und den Menschen in Haß und Unfriede setzet, woraus die gröste Unruhe und folglich auch das gröste Unglück entstehet. 6i. Ja, sagst du, ich habe aber gleichwohl gehöret, daß eine rechte vernünftige S.iebe nicht ohne Unruhe, Gchmcrlzen, und darauf erfolgenden empfindlicdenFrenve seyn könne; lind daß die Evjfersucht und die kleinen Zan- ckereyen die Probe und der Zunder einer vernünftigen Liebe sey. Alle Liebes-Bücher, die von vernünftigen Auroren geschrieben, bezeigen solches / und der Mangel der Cyfersucht ist auch der Mangel der Liebe. Wo aber Cyfersucht ist, da ist Unruhe und Schmertzen. Und die darauf folgen? Liebe anderer Menschen überhaupt. 189 folgende Versöhnung giebt eine empfindliche Freude- 62. Aber hierauf must du wissen, daß wir in unserer Sitten-Lehre keiner andern Richtschnur als der gesunden Vernunft folgen, und uns die ^o^'tät aller Liebes, Bücher nicht abschrecken lassen, zumahlcn da diese Furores fast durchgehende in Beschreibung vernünftiger Liebe noch mehr Irrthümer begehen. Unvernünftige Leute, oder doch zum wenigsten, die erst anfangen nach der Gemüths-Ruhe Machten, und dexer Liebe sich nur erst ein wenig aus der bestialischen heraus zu reißen trachtet, lieben auf diese unruhige Weift. Wo 5Lyfersucht ist, da ist Mißtrauen, und wo Mißtrauen ist, da ist keine Vereinigung der Seelen, auch folglich keine wahre Liebe. Ein vernünftiger Mensch ist nicht miß, trcmisch aegen die geliebte Person, ob er gleich hierbei) fürsichtig ist wegen der ihr anklebenden menschlichen Schwachheit. Wir werden unten m seiner Zeit mit mehrern von der Eyfersucht reden, wenn wir die Natur derselben etwas genauer untersuchen werden. 5z. Und wenn gleich andere Gelehrte die wahre Glückseligkeit durch cm ander Mittel gesucht haben, so haben sie sich doch nur anderer Worte bedienet, oder aber ihre Meinung ist of, fendahr falfch. Wir haben schon oben erwehner, daß wir uns nicht einbilden können, daß jemah- lm ein ekiloloxliu5 mit Ernst die gröste Glück- seelig- IYO Das 4. H. vSttdervemünftigett fteligkeit in einer viehischen L.iebe dieLVdl- lust gesuchet habe, vb man schon dieses dem Tpicuro und ^iittipps beymisset. Gleiches können wir auch von der Ehre und Reichthum sagen, weil diese Dinge allesamt kein ruhiges Vergnügen geben« das ohne empfindliche Freude und Schmertzcn wäre» 64. So haben wir auch einen merklichen Vortheil, wenn wir das Mittel, die wahre Glück- fteligkeit zu erlangen , in der vernünftigen Liebe suchen, als wenn wir uns hierzu desdUnckelnund zweideutigen Worts der Tugend bedienet hätten. Denn wir dürffen uns >o dann nicht mit anderen vdilolopkenherumbeissen, ob wir dieses grolle Gut per Kadiwik odersÄionemvirturis erlangen» Man muß Meister in der Liebe seyn, und die Liebe ist nicht müßig, sondern sie hat allezeit etwas zu thun. Zu geschweigen, daß bey Beschreibung der Tugend die dabey erforderte Mitte!-Maasie theils sehr tunckel, theils vielem Zancke unterworfen ist. Aber die L.iebe ist das rechte Maaß aller Tugenden, und ohne dieselbe ist dieTugend todt. Ja, woLiebe ist, bekümmere ich mich um keine Mltel-Maasse. Z.E. wenn ich um ein eiteles Ehr-Ansehen mich auch einer geringen Gefahr, der ich noch wohl ges wachsen bin, unterwerffe, bin ich mehr tollkühne als tapfer; wenn ich aber aus Liebe meinen Freund zu retten, mich in die gröste Gefahr begebe, und mein Leben drüber lasse, bin Liebe anderer Menschen überhaupt. 191 bin ich nicht tollkühne,sondern großmüthig. Wenn ich, um meinen Freunde gutes zu thun, nach Ehren trachte, bin ich nicht iLhrgeiyig, und wenn ich ihm zu Liebe hohe Ehren-Stellen ausschlage, kau man mich keines niederträchtigen Gemüths beschuldigen. In der Liebe kommen alle Tugenden viel besser zusammen, als nach der gemeinen Rede in der Gerechtigkeit:. Al- zugerecht ist schon unvernünftig; Aber man kan des Guten so wenig als der vernünftigen Liebe zu viel thun. , 65. Aber ich höre gleichsam vvn ferne einen Heuchler wider diesen unsern Lehr-Satz also seuftzen; Du elender Mensch, was gedenkest du durch die vernünftige Liebe der Mensche»? die gröste Glückseeligkeit zu erlangen; Die bliebe GOttes ist die gröste Glückseeligkeit, und ihr muß alle Liebe zu den Menschen aufgeopfert werden, sie mag noch so vernünftig seyn als sie wolle; Und wie wolte demnach die Liebe der Menschen der eintzige Weg zur Glückseeligkeit seyn? 66. Jedoch ist leichte hierauf zu antworten- Wie kömmt es doch, mein Freund, daß du die Liebe GOltes, den du nicht siehest, so sehr im Munde führest, und doch die Liebe des Menschen, der deiner Liebe täglich bedarf, gantz aus deinem Hertzen verbannest. GOtt weiset dich nach dem Trieb natürlicher Vernunft an die Liebe der Menschen, weil du nach deiner na- ly; Das4.H.V0ttderverm1ttfcl'gett türlichen Erkantnis; keinen vernünftigern Gottesdienst finden kanst, als wenn du dein Heche mit andern Menschen vereinigest, (wie wir »den schon erwiesen haben.) Ader dieweil deine Boßheit von dieser Liebe GOttcs nichts wissen will, machst du dir eine selbsterwehlte aus äusserlichen Ceremonie,», oder aus spitzfindigen Gedancken einer eitelen Ge- lahcheit, die dir nicht sauer ankommt. Und sowenig, als du von der wahren Gemüths,Ruhe hast, oder dieselbe erlangest, si) wenig wirst du auch dieselbe durch diese deine Schein-Liebe GOlles erlangen. 67. Ich bestbeide mich ja wohl, daß eine Liebe G'OTTiLS sei), der alle menschliche Liebe weichen müsse, wenn nemlich dieselbe unvernünftig ist, und auf Wollust, Ehr-odee Geld-Geitz sich gründet: Aber so ferne sie vernünftig ist, ist sie der Liebe GOttes so wenig zu wieder, daß vielmehr ein jedweder den Grund der Liebe GOttes nach dem Grund der Liebe des Menschen bey sich selbst zu prüfen hat. 63. Endlich so wird auch unsere Lehre von denen wenig Anstoß leiden, die gar zu liebreich seyn, und in Erlangung der wahren Giücksee- ligkeit der Liebe anderer Menschen auch die Liebe des Viehes an die Seite setzen wollen. Wir haben schon oben gesagt, daß die Liebe des Viehes unvernünftig sey, wenn wir das Vieh wie Liebe KndererMenschen überhaupt. 195 wie die Menschen lieben wollen. Dem Ochsen gehöret ja wohl sein Futter, aber es gehöret ihm auch Schläge- Und der Gerechte erbarmet sich zwar auch seines Volcks, weiler die wahre Glück- feeligkeit schon besitzet. Denn die Ä.iebe des Menschen ist die Maasie der Liebe gegen dasViehe, und wer jene besitzt, hat auch diese. Was ist denn nöthig, daß wir die Mittel der wahren Glückseeligkeit ohne Noth Haussen solttn ? Das 5. Hauptstücke. Von der allgemeinen Liebe Mr Menschen» Innhale. eotmbxloi7. 5.». Es ist zweyerley Liebe, eine allgemeine und absonderliche, ».2. weil die Gleichheit der Menschen zweyerley ist, Ci) eine allgemeine, daß sie alle Menschen sind, »- z> das ist, daß sie gleichen Vortheilen, und gleichen Schwachheiten der menschlichen Natur unterworsfensind, ??-4. daß sie einander gleichen Schaden thun, und gleichen Vortheil schaffen können, » 5 (2) eine absonderliche, die vielerley ist. 6. Wenn alle Menschen tugendhaft waren, wäre kein Unterscheid unter der allgemeinen und absonderlichen Liebe.«. 7. Jene gründet sich in der allgemeinen Gleichheit,»- 8 und ist vielmehr einMangeldes Hasses als eine Liebe. ». 9. Unter denen absonderliche» Gleichheiten sind etliche,als die Gleichheit des Alters, Standes, u. s. w. so beschaffen, daß sie öfters der Grund eines Hasses sind-10. Die Ungleichheit des N Es- » 196 Das 5. H. von der allgemeinen Geschlechtes befördert vielmehr die Liebe, als daß sie hindern solte. ». il. Daß die Gleichheit der Gemüths-Neigungen bey zweyen Wohllüstigen, Ehrgeitzigen nur auf das höchste eine Schein-Liebe verursache. ». 12. iz. Die eintzigeGleichheit der Tugend-Neigung macht eine wahrhaftige Licbe.--.14. Unterscheid der allgemeinen Liebe eines weisen und unweisen Mannes. ». 16. Die allgemeine Liebe ist die Richtschnur der absonderlichen. ». 17. Man sollkeinen Menschen hassen, ob man schon mit seinem Freunde auch dessen Feinde gemein haben muß.». 18> Man darf auch nicht einmahl die Irrenden und Lasterhaften hassen. ». 19. Die allgemeine Liebe bestehet aus 5. Tugenden. »- 20. Derer (i.) ist Die Leutseeligkcit, «. 21. derer Dienste ein jedweder jemanden erweisen muß. 22. Uitterfcheid zwischen solchen allgemeinen Diensten und Gutthaten, 2Z- muß in den Umstanden, die den Geberbetressen, gesucht werden. ». 24. Wegen der Leut- steligkeit darff man nicht danckbahr seyn 25. Man kan niemand zur Leutseligkeit, Gutthatigkeir und Danckbarkeit zwingen; ».26 wiewohl eine andere Ursache solches bey der Lcutsecligkeit, ».27. 28. eine andere bey der Guttharigkeit und Danckbarkeit zu wege bringet. «. 29. Liebe kan den geringsten Zwang nicht vertragen, ».zo. Etliche Bezeugungen gehören baldzuderLeutsccligkeit, bald zu der^Gutthatigkeit, zi. 92. In was für Fallen man einen ausserordentlich durch Zwangs-Mittel zur Üeutsceligkeit anhalten könne. » zz.Z4> cii-) Die ZWahrhaftigreit. 35. Die Nothwendigkeit des Versprechens unter den Menschen, «. z6. und daß man sein Versprechen halten müsse. 57. Was eigentlich ein Versprechen Heisse. ». zz. Dasjenige ist kein Versprechen, worzn mich der andere durch öffentlich unrechte Gewalt gezwungen hat. »- 39. Unterschiedene Meynungen hierüber und deren Be- Antwor- « Liebe aller Menschen. 197 antwortnngen. ^- 4°- '45- Was eigentlich erfor- dert werde, daß man dergleichen Versprechen nicht halten dürsse. ». 46. Grvj,er Unterscheid zwischen einem Feind,StrasscnÄauver undAuffrührer. ».47. Wir scynd auch Strassen-Naubern, änsser dem Fall der uns angethanen Gewalt, unser Versprechen zu halten schuldig. 48. Man muß auch Ketzern das Versprechen halten. ». 49. 50. Was nichr in unserm Vermögen ist, dörffcn wir nicht halten. ».51. Unterscheid zwischen den zweyen bißher erzehlten und zweyen folgenden Tugenden. ».52. (in.) Die Bescheidenheit. ». 5z. Keine Ungleichheit unter denen Menschen' kan die Bescheidenheit aufheben. 54. Zwischen der Bescheidenheit und Demuth ist ein grosser Unterscheid. ». 55. Die Vernunfft weiß nichts von der Demuth. ».56. (iv.)DieVer- tröglichkeit. », 57. Ihre Nothwendigkeit, allgemeiner Nutzen und Leichtigkeit. «.58. (V.) DieGe- dult, ».59. wie diese von denen vier ersten Tugenden unterschieden. »- 60. Nach denen Regeln der strengen Gerechtigkeit kan der Beleidiger keine Ge-> dultvon uns Pi-Xtenciiren, ». 6l. auch nicht nach den Regeln der Verträglichkeit, Wahrhaffrigkeit und Bescheidenheit; ». 62. Sondern wir sind nach den Regeln der Liebe darzu verbunden; ». 6z. Und thut nichts zur Sache, das man anführet: Wer geliebet seyn will, muß erst lieben. 64. Denn dieses ist mehr für uns, » 65. und über dieses sind wir die Gedult nicht so wohl dem Beleidiger, als dem gantzen menschlichen Geschlecht und uns selbst schuldig. 66. Denn anfänglich verbindet uns die allgemeine Gleichheit der menschlichen Natur dazu- 67. 68. Hernach halt man zwar insgemein dafür, daß der Krieg das wahre Mtttel sey unlere Gemüths-Ruhe zu erhalten und Friede zu machen ;». 69. aber es ist offenbahr falsch, besage der Be» schreihung des Krieges,70. »nd eben so unvernünf. N s tig, i5>3 Das 5. H. von der allgemeinen tig, als wenn ich sagen wolle, der Haß sey ein Mittet Liebe zu erwecken.»- 7>.Kan die Liebe nichtFriede machen, sokanesderKriegvielwcniger.»72. oki.will er nicht, so muß er. Ich will ihn mit Gewalt zur r^i. snnbringen. »,7z. K^'p, Vernunftkaiinichtdurch Gewalt zu rechte gebracht werden, Liebe leidet kciucn ?Zwang. Der andere halt nicht stille, sondern braucht Gegeu-Gewalt, »,74, und stehet also dahin, ob deine oder seine Gewalt denSieg davon tragen iverdc-» 75. Der Sieg falle wohin er will, so macht er keinen Friede, ^ 76. So wenig als die Balger durch die D^ü- lmist^non kriegen- ». 77. Sieget der Beleidigte, was fü : Versicherung hat er, daß der andere werde Friede halten ? Weder sein Versprechen, »-78- noch seine Furcht tan ihn versichern, ".79, noch fein Tod. >?. 80. Sieget der Veleydiger, so heist es i'uciencs piir borce; ». 8^. also ist es besser: ?->tiencL p.v -IM0UI-. ». 82. Derowegen istdieGedult das eintzige Mittel Friede zn erhalten, «.Zz. indem so lange kein Krieg styn kan, als der belcydigte Theil nicht bricht ». 84. OK,, das ist kein Friede, darinnen ich mich alle Augenblick befahren muß, man werde meine Gemüths-Nu- hestöhren, und von kleinen Beleydignngeii bißzu detr grösten steigen.«, 85- Keü>.». 86, Durch Beraubung meines Vermögens und Beschimvffungen kan die Ge- müths-Rnhe nicht gestöhret werden:». 87 88, Wiewohl die meisten Kriegs deßhalbengeführet werden. ». 89. Hiernachst treibet des Beleidigten Ecdnlt de» Beleydiger niemahls an mit seinen Beleydiguugei» fortzufahren, 90. er sey nun genereux 91. oder Ehrgeitzig, ». 92. oder Geldgeitzig,». 9z, oder Wohl- lüstig, » 94- oder grausam, »,95. oder furchtsam. 96, Demi ein furchtsamer wird grausam, wenn man ihn beleidiget.», 97. Furcht und Gednlt ist zwep- crley.^98 Ein Geduinaeristnichtstpnldig zukünftige Beleidigung auszustehen. ». 99. Und also ist er auch widcr irrmionsl-ie Leute sicher, die wegen seiner Gedult Liebe anderer Menschen. 199 Gcdult ihn künftig beleidigen wollen.»- zoo. Dieft Lehre vvn der Eedult macht nicht allein tugendhafte, sondern auch fi->i»»re, artige und Weit kluge Leute. ». iol. 102. In der Gedult kan man niemand zwingen. ». 10z . Unterscheid zwischen der Gerechtigkeit und Liebe. ??. 104. Die Lcutseeligkeit und Gcdult sind die vornehmsten Stücke der Tugend. »- -05. Wie ferne die Bescheidenheit , Wahrhaftigkeit und Vcrcrag- ligkcit zur Gerechtigkeit und Liebe gehören. 106. 107. Andere Nahmen obiger 5.Tugenden.». 108. 1.. >Achdem wir im vorhergehenden Haupt- stück von der vernünftigen Liebe ande» rer Menschen überhaupt zur Gnüge geredet, müssen wir auchnunmehro die absonderlichen Arten dieser vernünftigen Liebe, oder vielmehr derselben wesentliche Söücl'e betrachten. ?. So ist demnach anfänglich die vernünftige Liebe anderer Menschen zweverley: Die allgemeine unddieabsonderiicheLiebe. Jenege- het auf alle Menschen, diese auf etliche insonderheit. Beyde sind vernünftig, und müßen dan- nenhew in der Vereinigung des Willens bestehen, und weil alle Liebe auf eine Gleichheit sich gründet, so muß auch bey beyden eine Gleichheit der Gemüther plXsapxoniret werden. Dieweil aber nicht mir die Gleichheit, sondern auch die daraus entstehende Vercimcumc; der Gemüther von unterschiedener Natur und Graden ist; Als auch zwischen diesen beyderley Liedes-Al-ten ein mercklicher Unterscheid. N; z.Demi :oo Das 5. H von der allgemeinen. z. Denn es ist anfänglich eine allgemeinü Gleichheit, die man bey allen Menschen an, trift, sie mögen seyn von was Stand, Mer und Nation sie wollen. Diese Gleichheit bestehet in vermenschlichen Z75amr, und kan durch keine Ungleichheit, sie möge Namen haben wie sie wolle, aufgehoben werd.".'.; Sondern bindet den mächtigsten Ronig und den ärmsten Ncttler, den gw- sten seligen imd den verdammtesten Reyer, den gelehrtesten Mann und den unverständigsten Bauer zusammen, und verdienet wohl, daß wir sehen, aus was für Theilen diese Gleichheit bestehet. 4. Alle Menschen werden auf gleiche Weise gezeugetund gebohren, sie können ohne Essen und Trincken, Kleider und Wohnung ihr Ä.ebcn nicht erhalten; der Überfluß der Speise und Trancks wird bey einem wie bey dem andern zu stmckendcn Unflath. ,Sie sind alle denen Rranckheiten uuterworffen, lind müssen ster« den, und der Tod machet sie alle gleich. Ist gleich einer unverständiger lind lasterhafter als der andere, so haben sie doch alle gleiche c^-?c/. tat weise und tugendhaft zu werden; oder deut, iicher zu sagen, sie sind alle gleich unfähig durch ihre eigene Kräfte zur wahren Tugend zu gelangen ; Und m gleicher Weise als ein Weiser in seiner Weißheil sich vergehen, vdev derselben durch Kranckheit beraubet werden kan> ein tugendhafter aber vielen Schwachheiten unter« Liebe aller Mensche» 2vr worffcn ist; Also kau auch ein Unweiser und Lasterhafter sich bessern. Die göttliche Vorsehung welches unvernünftige Leute das blinde Glück nennen, spielet mit ihnen auf gleiche Weise, und erhebet bald einen Bettler, daß er reich und mächtig wird, bald aber stürtzet sie den mächtig» stcn König in die äusserste Armuth und Verachtung. Endlich haben alle Menschen, weil sie gleicher Weise unter GOtt sind, und der elendeste und lasterhaffteste Mensch sich von GOtt gleicher Liebe als der voinehmste zu verschen hat, sich auch gleiches Recht bey ihm zu versichern, und muß für diesem Thron auch der al- lcrhochmüthigste für die geringste Beleidigung, die er dem allergerinsten Menschen anthut, gleiche Rechenschaft geben, und gleicher Straffe gewärtig seyn. 5. Sche noch ferner hinzu, daß alle Menschen verderbet sind, und daß der armseeligste, kran- ckeste, tmnmeste Mensch, den vorlreflichsten, stäickesten und verschlagensten, wo nicht mit offenbarer Gewalt, doch mit List, dengrosten Schaden thun könne; Und daß im Gegentheil auch der elendeste Mensch zu weilen dem mächtigsten und vorlreflichsten Manne die grasten Dienste thunkan. 6. Neben dieser allgemeinen Gleichheit der Menschen giebt es noch eine andere absonderliche, die nicht bey allen Menschen, sonder» nur bey etlichen anzutreffen ist. Zwar dieselbe ist N 4 sehr Das5>H. vonderaNgemewen ^ » . .>< sehr unterschiedlich und von vielerlei) Art. Eine andere Gleichheit ist die Gleichheit des Alters, des Geschlechts, desStandes, desVermo- gens, der ?ro5eMon, der Landes-Ars, der Gemüths ^ Neigungen, des Verstandes, u. s. w. doch ist keine unter allen so sehr und wohl m der Natur gegründet, als die Gleichheit derer, die nach der wahren VOeißhcic und Tugend, oder nach der Frosten Glücksee- ligkeit trachten, oder die dleseldige schon würck-?. lich besitzen: weil GOtt den Menschen zu diesem, Ende gemacht hat, und also sem wahrhaftiges Wesen und Natur darinnen bestehet. 7. Wären alle Menschen in diesem letzten Stück einander gleich, wie sie billig seyn fol- ten,so wäre kein Unterscheid zwische n der vernünftigen allgemeinen und absonderlichen Liebe; sondern die gantze Welt wäre ein Hertz und eine Seele zm kämmen , und besässen also insgesamt die wahre Glückseeligkcit, Nachdem aber leider offcnbahr, daß in diesem Stück die Menschen ungleich und die meisten einer narrischen We'ißheit ergeben sind, und ihr Gemüihe in Unruhe setzen , die wenigsten aber eine rechtschaffene Begierde zur wahren Glückseeli'gkeit haben 5 als hat nothwendig ein Unterscheid unter der Vereinigung der Gemüthe? bey der allgemeinen und absonderlichen Liebe entstehen müssen. 8- In der allgemeinen Gleichheit, wie wie sie erklähret haben, gmnkt sich die allgemein? Liebe Liebe aller Menschen» ?vz Liebe, die alle Menschen mit einander in soweit verbindet, daß sie einander gleichmäßig rett, und einer dem andern, er se» wer er wolle, dasjenige erweise, was er in gleichen Fallen von ihm erwiesen haben wolte. 9. Gleichwie aber dieses gantze Capitel zeigen wird, daß diese Gleichheit der Gemüther sich nicht sehr weit erstrecke, sondern der geringste Grad derselben sey, auch mehr ein Mangeldes Hasses und Vermeidung derGemülhs-Unruhe, als eine wahre Gemüths-Ruhe und Liebe m nennen sey, indem selbige auf gewisse Att auch unter denen unvernünftigen Thieren anzutreffen ist; also weiset auch die tägliche Erfahrung, daß die absonderlichen Gleichheiten unter denen Menschen eine viel stärkere Vereinigung verursache, die viel staickere Wirckungen hat und also den Titul der Liebe in diesen Absehen mehs verdienet. 10. Jedoch ist unter denen oben angeführten absonderlichen Gleichheiten der Menschen auch in Betrachtung derer daraus herrührenden Vereinigungen ein mercklicher Unterscheid. Die Gleich? heit des Alters, Standes, Vermögens, der der Landes, Art, des Ver, Landes, wenn sie nicht mit der Gleichheit der Tugend und Weißheil vergesellschaftet sind, sindent- weder nur der Grund einer Schein-Liebe, oder- wohl ja so leichte der Grund eines ungegründeten Hasses als Liebe. N 5 n.Waö :o4 Dasz-H-vonderallgemeinci! 11. Was das Geschieht betrift, so ist billig zu bemercken, daß die Ungleichheit desselben emtzig lind allem? unter denen llngleichhei- ten diejenige ist, die nicht nur an der Liebe nicht hinderlich ist, sonder» vielmehr dieselbe verursachet, oder in einem grossem Grad zum wenigsten zuwege bringet. Nicht nur unter Leuten, die einander unvernünftig lieben; sondern auch unter vernünftigen Menschen; indem nicht alleine diese Zuneigung, die der Mensch mit denen Thieren gemein hat, Leib mit Leib zuvermengen, solches zu wege bringet; sondern auch, wenn man von derselben adKi-z^iret, viel ein grvssers Vertrauen, tLhr,Furcht und Weichheryigkeit unter Personen beyderlei) Geschlechts, als unter denen von einerley Geschlechte durch einen natürlichen Trieb bey vielen Personen zu seyn pfleget. Daß man also hieraus kiärlicl) siehet, man müsse die Gleichheit, die der Grund der Liebe ist, nicht so wohl in äusserlichen Dingen suchen, als wie das Geschlechte ist, al? in der innerlichen Zuneigung, welche der Natur nach bey ungleichen Geschlechte gleich ist. 12. Endlich, so viel die Gleichheit der Gemüths-Neigungen bctrift, so lieben sich zwar wohllüstige und ehrgeizige Gemüther dem Scheine nach untereinander, aber Geld- peinige lieben niemand, und werden wieder von i"u, '.!^ni), auch nicht von denen, die ihnen gleich sm), nur zum Scheine geliebet. Die Ursache wollen Liebe anderer Menschen. 2°5 wollen wir sckwn zu seiner Zeit dey Erklährung dieser Gemüths-Neigungen erörtern. iz. Jedoch ist es unmöglich, daß unter Wohl- lustigen und Ehrgeitzigen eine rechtschaffene bestandige Liebe und Vereinigung der Gmnither seyn könne, sondern es ist nur eine Schein-'Z.iebe, die sich anstellet, als wenn sie der geliebten Person Vergnügen suchte, in der That aber ihr selbst eige, ties zu wege zubringen trachtet, und also eines das andere zu hintergehen bemühet ist. -4. Im Gegentheil ist es unmöglich,, daß die Gleichheit derTugend-ZTleigung nicht solte eine beständige L.iebe machen, weil sie die Menschen antreibet, auf beyden Theilen um die Wette eines daß andere vernünftiger Weis? zu vergnügen, welcher die wahre Vereinigung der Seele ist, und also ist die Gleichheit eintzigundalleinederGn-nv der absonderlichen Liebe, denn es isr ohnm>5g- !tch, daßTugend-IiebendeZ.eute einander hassen können; So gar, daß wenn diese Gleichheit verHanden, die andern Ungleichheiten, des Alters, Standes, Vermögens, der l'rofesswn, der Landes--Art,desVerstandes und der Gemüths- Neigungen, an wahrer aufrichtiger Freundschaft nichts hindern. Obgleich nicht zu lauanen', daß bey Tugend.liebenden Personen die Gleichheit der Gemülhs-Neigungen ihre Freundschaft star? cker und vertraulicher macht. 15. Und also bestehet die Vereinigung der Gemüther in der absonderlichen jUebe, so ferne :o<5 Das 5. H. von der allgemein^ ne dieselbe von der allgemeinen entschieden ist, darinnen, daß man sich in dieser bemühet, ein- ander Gutes zuthu,», da man in jener nur besorget wäre einander nicht zu schaden, lind wiederum bestehet der Unterscheid zwischen der absonderlichen wahrhaftigen und Scheins L.iebe darinnen, daß in jener die Gutthaten wahrhaftig, in dieser aber diesclbigen nur Schein-Gutthaten sind, welches wir untett- fchvn zu seiner Zeit mit mehrem erklaren wollen. 16. Jedoch wird es nicht vergebens seyn, wen.» wir auch einen Unterscheid in der allgemeine«?. Liebe zwischen der Schein-L.iebe und wahrhaftigen L.iebe machen. Ein Unweiser thut deswegen allen Menschen insgemein, auch denk Gcheine nach, nichtvie!zu gute, weiter nicht von allen einen Vortheil Host, oder weil er befindet,, daß ihm nicht alle anstehen wegen unterschiedener Ungleichheiten. Aber ein ZlVeiser, der keinm Vortheil bey andern sucht, wäre bereit allen gutes- zuthun, und sich mit allen rechtschaffen zu vereini, gen, wenn man nur seine Liebe annehmen wolte , und nicht von sich stiesse, oder wenn man nur nicht von ihm an statt wahrer Gutlhateii unmitzliche Dinge begehrte 17. Ob nun aber wohl die absonderliche vernünftige Liebe wegen gedachter Ursachen viel> vortreflicher ist als die allgemeine Liebe, indem sie diese recht vollkommen machet, und die wichre Gemüths,Ruhe zu wege bringet, welche der Z.,'ebe Aller Mensche». -07 der Mensche in der allgemeinen Liebe nicht finden tan. So kan man doch die allgemeine L.iebe auf gewisse Maasss eine Richte Schnur der absonderlichen Liebe nennen, so ferne diese der ersten nicht darf zuwider seyn, indem die erste gleichsam der Weg ;u der andern ist, und derft'- m'ge , der andere Menschen hasset, nicht capabel ist andere zu lieben, weit der Haß eines einigen Menschen der menschlichen Natur zuwieder ist, sintemal)! kerne Ungleichheit des menschlichen Geschlechts ihrer ZTlatur nach soviel rvürcken wtt, daß ein Mensch den andern deswegen hassen sölte. 18. Es ist ja wvh! an dem, daß die absonderliche Freundschaft die Gemüther und Willen auf das genaueste verbindet, und ein Herh und eine Seele aus zween Leibern macht; und dan- nenhero scheinet es auch, daß ich mit meinen Zreunde auch seine Freunde und Feinde gemein haben müsse; Aber daraus folget noch lange nicht, daßich andere Menschen hassen mnske. Denn mein Freund kan wohl Feinde haben, aber er muß deßwegen keines Menschen Feind seyn, weil er, wie wir bald mit mehrern erweisen wollen, seine Feinde mit Gewalt überwinden muß. 59. Wie? sprichst du: Soll denn zum wenigsten Irrthum und Laster nicht eine solche grosse Ungleichheit verursachen, daß einweiserund tugendhafter Mann lasterhafte und irrende Leute nicht 208 Das Z.H. von der allgemeine»! nicht hassen solle? Allerdings nicht mein Freund. Hast du schon vergessen, daß wir erwehnet, die Gleichheit der menschlichen Natur, in der sich die allgemeine Liebe gründet, könne durch keine Ungleichheit aufgehoben werden ? Hast du des gemeinen Sprichworts vergessen: der Laster Feind, der Person Freund? Ein weiser Mann erzürnet sich nicht über die Irrenden und Lasterhaften; sondern er erbarmet sich vielmehr über sie, und betauret sie, weil er siehet, daß sie sich das gröste Unglück auf den Halö laden. 20. Nun wollen wir die absonderliche Liebe biß zu seiner Zeit ein wenig aussetzen, und die allgemeine Liebe etwas genauer betrachten. Es degreiffet aber dieselbe eigentlich fünf andere Tugenden unter sich: die L.e»tstellgkeit, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit, Ver- tragllgöett, Gedult. Alle fünffe kommen darinnen mit einander überein, weil sie sich in der allgemeinen menschlichen Natur gründen, und man dieselbigen gegen jederman erweisen muß, gleichwie man dieselbigen wider von jederman gewattig ist. So bestehen auch diese Tugenden alle fünffe mehr darinnen, daß man andern nichts zu leide thue, oder etwas hartes erweift, als in Bezeugung einer guttkätigen Liebe. 21. Die L.eutfeeligkeit ist eine Tugend, die den Menschen antreibet, allen Menschen, die dessen vonnothen haben, mit allen denen Dingen, die er nicht hoch -/?->,»>et, oder derex L.iebe anderer Menschen. 1.09 derer Mitcheilnng ihm nicht sauer ankommt, bcyzujtehen und einen Gefallen zu erroeistn. Z. E- wenn ich vergönne, daß man bey dem einem Licht ein ander Licht anzünde, aus meinem Brunnen Wasser schöpfe, in meinem Garten spahircn get^, daß ich mein Buch einem andern Kihe, einem Irrenden den rechten Weg zeige, das; ich von meinem Überfluß kleine 'Allmoftn gebe, u.s.w. 'Alle diese Dinge sind so beschaffen, daß ein jeder Mensch, er seil so mächtig, tugendhaft, weise, vermögend als er wolle, dieselben oder derer etliche vonnölhen habe; und ob es schon gewiß ist, daß erdieselbigeninderThatvon allen Menschen nicht fordern werde, oder daß alle Menschen in der That dieselbigen nicht von ihm fordern werden, so weiß er doch nicht, wer die, jenigen künftig seyn möchten, derer Hülffe er, oder sie der seinigen in diesem Stücke vonuötben haben möchten; Massen denn der allerelendeste Bettler, oder ein Rerl, derjeyoin^/n»ij?, in etlichen Jahren heraus kommen, und mir einen dergleichen Gefallen erweisen kcm. Und dannen- hero erfordert die Gleichheit der menschlichen Dürftigkeit, daß ein jeder einem jeden dergleichen Dienste erweise. 2z. Es sind aber dieselbige an sich selbsten so beschaffen, daß weil sie in denen Dingen bestehen, die man nicht hoch achtet, oder die einem nicht sauer ankommen, man auch die Leistung derlei- 2iv Das z.H. von der allgemeinen derselbiyen nicht für Gutthaten HderA.iebes- Dienste ausgeben tan, sondern man würbe denjenigen, der dieselbigen andern nichterweisen wolle, ob man ihn schon für keinen ungerechten und be- straffungs-würdigen Mann schelten tönte, dennoch gewiß für einen harten, unbarmherzigen Unmenschen halten. 24. So bestehet demnach der Unterscheid unter solchen allgemeinen Diensten und denen Gutthaten nicht in der Grösse oder Kleinigkeit des Nutzens, den die Person davon hat, der man dieselbigen leistet, sondern bloß in denen Umstanden, die den Geber betreffen, ob er dicselbige mit seiner Beschwerung thue oder nicht. Also wenn man einen Menschen, den die Fluch an das Land geschmissen, nmstüryct, daß das Wassr wieder von ihm gehet, und er wieder zn sich selbst kommen kan, ist es Leine Gutchat, ob man ftbon dadurch einen Menschen das Leben erhalt. Wenn man aber mit Gefahr seines eige, neu Lebens in das Wasser springet den andern zu retten, so gehöret es billig unter die Guttha, ten. Wiedettim,wenn ich mit Hindanseyung meiner nöthigen Geschäfte einem Zrrcnden den Weg zeige, oder wenn ein Armer den andern auch nur einen Scherf Allmosen giebt, ist es kein gemein oKcium Kumanitatis^ sondern eine Gutthat. 25. Hieraus fliestet ein anderer Unterschied, daß, gleichwie bey der absonderlichen Liebe aus Lei? S.iebeaUer Menschen. 211 Leistung der Gutthaten bei) demjenigen, Der dieselben empfahet, eine andere Tugend, die DanckbarSett entstehet' also man wegen all, gemeiner Dienste der Leutseeligkeit, von dem andern keine Danckbarkeit fordern könne; eben deshalben, weil uns dieselben nicht sauer ankommen sind. . . 26. Hieri'nnen aber ist eine Gleichheit zwischen denen OKiciis KuinaniratiL und denen Gutthaten, daß man weder zu jenen noch zu diesen, so wohl auch zu derDanckbarkeit deinen Menschen zuzwtn, gen pflege. Ja daß, wenn man gleich zu dee L.eurseeligkeit, Gutchätigkeit und Danck- barkeit jemand zwingen wolle, ( wie denn auf gewisse Maasse in denen Gesellschaften, darinnen ein Ober-Herr ist» dieser seine Unteren, gar wohl zu denen Leistungen dieser Tugenden nach Gelegenheit der Sachen und Umstände zwingen tan) dennoch so dann die aus einem Zwang herrührende Leistungen, eben deswegen, weil sie nicht frey- willig, sondern gezwungen geschehen, den Namen der Leutseligkeit, Gulthatigkeit und Dcmckbar- keit verliehren würvert. 27. Jedoch ist hiebey nicht zu laugnen. daß die Ursachen, wegen welcher Man nach Anleitung der gesunden Vernunft Niewand zu einer von diesen dreyen Tugenden zwingen kan, dennoch unterschieden seyn, und solchergestalt dennoch ein mercklicher Unterscheid zwischen der Leutsee- ligbeit an einem und am andern Theile zwischen E O dee 2l- Das 5. H. von der allgemeinen der Gurehatigkeit und derselben correHonäi- rendenDanckbarteie billig zu beobachten sei'. 28. Denn was dieL,eutseel,g?el't betrift, so haben wir oben erwehnet, daß die allgemeine Liebe mehr ein Mangel eines Hasses, als eine wahrhaftige Liebe zu nennen sey. Und weil sie demnach in nichts mehr als in schlechten und gemeinen Bezeugungen bestehet, die einem nicht sauer ankommen, oder die ohne einigen Nachtheil unserer Güter geleistet werden können, und sich in der allgemeinen Gleichheit der menschlichen Natur gründen, auch von allen und jeden Menschen zu erwarten stehet, so hat eben diese Gleichheit und Geringschäyigkeit derer Dienste in Ansehen des Gebers erfordert, daß man zu denen- selben niemand zwingen solle, damit diese allgemeine Liebe desto mehr dadurch erkennet und bey andern yleicbergestalt cmgefeuret werde, wenn man der Schadhaftigkeit anderer Menschen einig und alleine die Bezeugungen der Leutseelig- keit überliesse. Ja es würde auch eben diese Gleichheit der menschlichen Natur gröblich verletzet werden, wenn man einigen Menschen darzu zwingen wvlte. Man erwartet j'a dieselbigen ohne Unterscheid von allen Menschen, indem sie alle wegen ihrer menschlichen Natur darzu verpflichtet sind. Wolle man aber nun unter dem gantzen menschlichen Geschlechte nach seinem Gefallen einen Menschen für den andern sich aussehen, an den man sich zu halten gedächte, und wolte von ihm Liebe aller Mensche». ti; ihm durä) Zwang, diese Leutseeligkeit ohne eine absonderliche Zusage, oder eine andere checia! Ursache erpressen, so würde man ja gantz offen- dahrliÄ) denselben aus dem Stand der Gleichheit dadurch setzen, und ihn andern Menschen un» gleich machen. Was aber die GutchätigSeK und Danckbarteit betrift, so weiset das Wesen einer wahrhaftigen Liebe, zu welcher auch dieselbe gen gehören, gantz klar und deutlich , daß, ob schor» dieselbige nur auf diejenigen ihr Absehen richtet? die in gegenwartigen verderbten Zustande ander» ungleich sind, und mit denen Liebenden für andern nach der wahren Gemüths-Ruhe trachtet, auch solchergestalt die im vorigen xÄraZraxKo angeführte Gleichheit Hieher nicht gebracht werden kan, dennoch auch hierinnen kein Zwang zugelassen werden könne, weil ohnmoglich eine Liebe seyn tan, wo auch nur dergertngsteZrvang vorgehet. zo. Solle ja jemand dieser Satz über Ver- hoffen etwas frembde oder zweiffelyaft vorkommen, der wolle nur auf die Erfahrung feines eigenen HertzenS ein wenig zurücke gehen. Hat «r Mahlen geliebet, und nur im geringsten Orack eine vernünftige Weichhertzigkeit dabey befunden, fo wird er bekennen müssen, daß, gleichwie bey ihm auch nur die schlechteste S.iebe6,ZSe5 zeugung ein grosses Vergnügen erwecket, wenn er erkennet, daß selbige aus einem guten Her- O z ye»i 214 Das z.H. vonderallgemeinen. ^ yen hergerühret, also auch im Gegentheil die nachdrücklichsten e^e/en mehr einen Eckcl als Vergnügen verursachet, wenn er wahrgenvm» wen, daß dieselben auf ein xArricuwir Imerelle der Personen, die ihm dieselbigen erwiesen, gezie, let, geschweige denn, wenn er hätte sehen sollen, daß dieselbigen ihm mit einem U7iederwil!cn oder gar aus Zwang gegeben worden, worvvn wir vielleicht unten mit mehren Gelegeicheil zu reden finden werden. zi. So wird es auch füglicher geschehen, daß wir biß dahin eine andere Betrachtung verspäten. Daß es nemlich gewisse Bezeugungen gebe, die nach Gelegenheit der Umstände bald zu denen allgemeinen Liebes-Bezeugungen, bald aber zu absonderlichen Gutthaten gebracht werden kön, nen, nachdem nemlich dieselben entweder ohne Verdruß und Mühe des Gebers oder Mit derselben vergesellschaftet seyn. zL. HieKergehören unterschiedene Fragen, die von denen Rechte-Lehrern pflegen erötert zu werden : Ob dieses für eine Entziehung der allgemeinen Liebee-Bezeugungen zu halten sey, wenn einer dem andern (i) den freyen Durchzug durch sein Land, oder (:) die freye Durchfuhre allerhand Kauff-Waaren, vder (z) dieErlassung der sonsten gewöhnlichen Zolle, oder (4) die Anlan- dung an sein Land, oder (5) die Beherbergung, oder (6) die völlige Aufnahme auch derer, die aus ihrem Lande durch Unglück sich wegzuma- Liebe aller Menschen. 215 chen genöthiget sind, oder (7) die Gemeinschaft im Handel und Wandel, oder (8) die freye Hev- ratt) versaget? wovon wir auch allvereit anderswo unsere Meynung etwas ausführlicher von uns geschrieben. zz. Vorietzo wollen wir nur noch diese An« merckung beyfügen, daß gleichwohl etliche, wie wohl gar rare Fälle entstehen können, in welchen ein Mensch auch durch Zwang-Mittel dahin gehalten werden kan, daß er die allgemeinen Liebes 5 Bezeugungen andern Menschen erweise, wenn nemlich folgende Umstände vorbanden sind: (1) Wenn des andern seine Bedürfniß so groß ist, daß er ohne Leistung dieser Leutseligkeit verderben würde, l» daß er dieselbe von keinem andern Menschen so wohl als von uns zu Kosten hat, und (z) daß wir nicht m gleicher ZTloth mit ihm stecken. Z4-Z, E. Wenn zwee n Menschen, dieeinander nicht anders als wegen der allgemeinen menschlichen Narur verwandt sind, durch Unglück an einen wüsten Ort verschmissen werden, und einer davon von seinem eigenen Gute so viel aus dem Schiffbruch rettet, dadurch er so wohl sein eig-nalsoes andern sein Leben erhalten kan. zz. Lass't uns dannenher» mmmehro M Wahrhaftigkeit als der andern Tugend der allgemeinen Liebe wenden. Durch die Wahr» haftigkeit verstehe ich allhier dieieniqe Tua-md, nach welcher wir schuldig sind das Ver- O z sprc- Ai6 Das;. H. VH^N d er allgemeinen sprechen, das wir allen Menschen, sie mc?gen seyn wer sie wollen, gethan haben, treu und unverbrüchlich zuhalten. ?6. Es ist leichte abzunehmen, daß das menschliche Geschlecht ohne diese Tugend, und das Versprechen, welches dieselbe xrX5uxpoiüret, nicht hat.die allgemeine Gemüths,Auhe erhalten können, weil dieLeutseeligkeit, und die daher ent, stehende Dienst-Bezeugungen nicht alleine zulang, iich ist« daß die Menschen alle diejenigen Dinge derer sie von einander benöthiget sind, vermittelst derselben erweisen können, weil nicht allein der Au, stand desjenigen, von dem man etwas begehret, zum vftern dergestalt beschaffen ist, daher entwe, der die Sache, oder den Dienst, den man von ihm verlanget, oder zum wenigsten den Werth derselben selbst vonnöllM hat, oder daß er die Sache nicht alsobalb leisten kan, oder weil der Zustand dessen,, der etwas von dem andern haben will, also dewandt ist , daß es sich nicht füglich schickt, dasje- uige, was er von dem andern begehret , umsonst Niio ohneEnlgeld von ihm annehme, oder weil die Sache, die man begehret, qar zu kostbar ist, als daß man sie als einen ftblechten Liebes-Dienstver, langen könne. Zu geschweigen, daß wenn ein- mM ein Zwiespalt undKrieg unter den Menschen entstanden, derselbige durch nichts anders als durch Wechsclweis gethanes Versprechen gehoben, und slso wiederum Friede gemacht werden kan.. 37-Die- L.tede aller Mensche»» 217 Z7. Dieweil demnach der Endzweck aller Versprechungen dahin zielet , daß ein Mensch dadurch dem andern sich vvllkömmlich zu ver« pflichten trachten, der ihm sonst, wie wir allbereit crwehnet, aus der Tugend der Leutseetigkeit un- vvllkommen, und ohne zulänglichen Zwang verbunden wäre, auch die Natur des menschlichen Geschlechts also beschaffen ist, daß alle und jede Menschen ordentlich fähig seyn, durch dergleichen Versprechungen sich mit einander zu verbinden; als ist offenbahr, daß die allgemeine Ruhe und die Gleichheit der menschlichen Natur erfordere, daß ein jeder das gethane Versprechen zu halten schuldig sey. z8- Gleichwie es sich aber von sich selbst verstehet, daß man keine Treue und Glauben von keinem Menschen xrXrenäiren könne, wenn kein Versprechen vorhergegangen; also ist unsers Tluins nicht, allhier weitläuflig zu untersuchen, was denn m dem Wesen eines rechten Versprechens eigentlich gehöre, indem diest Lehre mehr zu der Rechts-Gelahrheit, als der Sitten-Lehre gehöret, wir auch oben allbercit gesagt haben, daß die Liebe, von der wir hauptsächlich hier reden, sich weiter erstrecke, als die strengen Regeln der Gerechtigkeit, und endlich über diefts, wie wie schon anderswo ausführlich erwiesen habcn, bey der Gerechtigkeit man einen grossen Unterscheid unter demjenigen machen muß, was das Recht der Namr, und die Bürgerlichen ?srticuIar>Ge- O 4 setze 2i8 Das 5-H. von der allgemeinen fetze der Menschen zu den Wesen derer?2Äorum erfordern. Jedoch giebt es kürtzlich die gesunde Vernunft, daß dasjenige eigentlich für ein zu der Tugend der Wahrhaftigkeit gehöriges Ver, sprechen zuhalten sei), wenn ein Mensch mit ZlVisien und willen dem andern dasjenige, was in seinem Vermögen ist, zu geben oder zu thun gesagt hat. ;8, Solchergestalt aber ist gantz offenbahr, daß man dasjenige für keine Treubrüchigkeit halten könne, wenn man demjenigen, der durch eine offenbarliche unrechte Geroalt uns zur Zusage gezwungen hat, die Leistung dessen, was man ihm auf diese Weise versprochen hat, versaget, wiewohl die Gelehrte» in diesem Stück sehr unterschiedener und wjderwärnger Meynung zu seyn pflegen. 40. Der berühmte ist zwar der Meinung, als ob aus einer dergleichen Zusage der versprechende Theil gehalten sey, sein Ver- sprechen zu erfüllen, weil die ihm eingeprägte Furcht nicht verhindere, daß man nicht von ihm sagen könne, er habe sein Versprechen nicht mit Wissen und Willen gethan, hingegentheil, fty aber auch der Gcrvalthätiger verbunden,, demje« nige», so Gewal gelitten, die dißfalls ausgepreßte Sachen wiederum zuzustellen, weil er freylich durch die zugefügte Gewalt ihm gröblich beleidi, gct habe, und dannenhero ihm billig dieserwe, gen 53tistsHion zu geben schuldig sey. Von rvel- Liebe aller Menschen. 215 welcher Meynung auch das Römische Recht nur in wenigen abweicht, indem dasselbige fast aus eben dem Grunde demjenigen, der Heralei» chen Gewalt verübet, zwar eine Klage und a Ja es weisen noch über dieses diese drei) Be?mgima?n, daß auf gewisse Maasse auch ein SnasieN'Rauber selbst nicht ausgeschlossen werde, daß er sich dieser allgemeinen Tugend nicht HLiebe aller Menschen. nicht zu trösten hatte, wenn man nemlich mit ihnen einen Lontr^Ä schlieft ohne Zwang, oder wenn der Zwang vmbel) ist. Denn es kan von dieser allgemeinen Liede, als wir schon oft erwehnet, kein Mensch ausgeschlossen werden. 49- Und ist dannenhero eine gantz unvernünftige und liedlose Lehre, wenn man verthäydigen will, daß man denen, die in dem Christenthum eine irrige Meinung von GOlt und göttlichen Dingen haben, die manAcyer zu nenne» pfleget , keine Treu und Glauden halten solle. Denn es wird durch -bieseldige bey nahe dieses höchstnöthige Band des menschlichen Geschlechts gantz und gar aufgehoben. Ist man denen Ketzern deßhalben keinen Glauben zu halten schuldig, weil sie eine irrige Meinung von GOtl haben, und erkennen doch die heilige Schrift für GOttes Wort; so würbe man vielmehr denen Juden und Heyden wegen eben dieser Ursache keine Treu und Glauben halten dürssen, weil sie gleichfalls irrige Meinung von GOtt hegen und die Schrift nicht einmahl oder doch nicht völlig vor GOttes Wort halten, und also würde Treu und Glauben nur zwischen Leuten von ei- nerReligion gelten, ja nicht einmahl zwischen demselben, weil keine 8ecre i und in derselbe» kei, ne ?rc>vintz, ja fast keine Stadt ist, in welcher nicht diejenigen, die sich zu einer 8eÄe bekennen, von andern Gelehrten derselben 8eere> bey diesen letz, ten Zanckö vollen Zeiten in der Lehre von göni'i, chen 224 Das 5. H.von der allgemeinen chen Dinge abweichen, die Geaner verketzern, und als ob sie in schädlichen Irrthümern stackcu, ausschreven. 50. Zu dem so gründet sich die Wahrhaftigkeit der allgemeinen menschlichen Natur, welche, wie wir oben erwehnet, bey allen Menschen» die auch es möge seyn von was für Dingen es wolle, unterfthiedene Meinungen haben, gleich ist, und also auch eine gleiche Obligation und Verpflichtung würcket. Zugeschweigen, daß gleich wie wir uns nicht vergewissren können, baß wir nicht derer Ketzer ihrer allgemeinen Dienste der Leutseeligkeit sollen benölhiget seyn, also auch wie eben so wenig der Ketzer entbehren können, daß wir nicht ihr Versprechen von ihnen annehmen sollen. Und wie es uns nun wohl gefallet? wenn die Ketzer uns ihr Versprechen halten; also würde eine grosse Ungleichheit erfolgen, wenn wir ihnen das unfrige nicht wieder halten, sollen. Zu dem so wäre es sehr irrailoüabe! > wenn wir vorwenden wollen, es halte uns von Haltung unsers Versprechens der elende Zustand des andern ab, der ein Ketzer ist, da doch eben dieser elende Zustand uns zuvorherv nicht abgehalten , sein Versprechen von ihm anzunehmen , oder ihn auf unserer Seiten etwas zu versprechen. 51. Endlich wenn wir oben erwchnet haben, daß die Wahrhaftigkeit aledenn erst statt habe, wenn man etwas zugesagt hat, daß in nn, serm Liebe aller Menschen, -z; serm Vermögen ist, so verstehet es sich gae leichtlich, daß hierzu zweyerlev erfordert werde, erstlich daß die Sache oder die That unsere na? türliche Zxräfte nicht übertreffe; zum andern, daß uns auch durch die Geseye dieselbe nicht verboten oder entzogen sev. Und also können wir uns nicht verbinden (i) unmögliche, (;) linzuläßliche Dinge zu halten , vielweniger von anderer Leute (z) ihren Sachen oder (4) Thaten etwas versprechen, wie wir denn auch aus eben der Ursache (5) unser eigenes Thun und Lassen, das schon andern verpflichtet ist, nicht von neuen andere versprechen können, welches alles so wohl von denen Rechtsgelehrten hin und wieder als auch von uns selbst anderswo allbereit ausführlich er? kläret worden. 5-. Die LeutseeligLeit und Wahrhaftigkeit, von denen wir dißhero gehandelt, treiben den Menschen an, daß er andern Menschen gleiches erweise, was er von ihnen gewartig ist, die folgenden zwo Tugenden aber, nemlich die Bescheidenheit und Vertraglichkeit zeigen ihm, daß er alles Thun und Lassen, daraus eine Ungleichheit entstehen könte,unter wegen lassen solle, nemlich daß er weder sich mehr zu eigne als ihm gehöret, wohin ihm die Bescheidenheit weiset, noch dem andern an dem, was ihm gehöret, einigen Schaden zufüge, welches die Vertrag- ligkeit haben will. 5z. Die Bescheidenheit ist eine Tugend, die 226 Das z.H. von der allgemeinen die den Menschen antreibet, daß er allen Menschen, sie mögen seyn von was Stan» de sie wollen, freundlich und als Menschen, die in diesem Stück seines gleichen sind, begegnet, sie gleiches Rechtmitsich gemessen löst, und sich nicht mehr hinaus nimmet, als ihme vdN Rechtswegen ge, bührer. 54. Denn vbschon der unter denen Menschen eingeführte Unterscheid der Stände und des Vermögens, nebst dem Unterscheid des Ver, standet und Ü?tl!ens Ursache einer grossen Ungleichheit ist, so hebet sie doch die Bescheidenheit nicht auf, indem ein weiser Mann die UNbe» ftändigöeit des menschlichen Glücks betrachtet, daß ein geehrter, reicher» gesunderund gelehrter Mann bald geringe, arm ungesund und seines Verstandes beraubet) und im Gegentheil ein Mensch, der in diesem letzten Zustand lebet, in jenen wieder versetzet werden könne, auch der Irrthümer und lasterhafter! Thorheiten sich erinnert, die er zuvor begangen, und in die er wieder gerathen kan, hingegen aber von dem andern hoffet, er werde sich ja so leichte bessern als er selbst. Diese Betrachtung erwecket bey ihm diese Würckung, daß er sich Keinen Menschen vorziehet, sondern der Meinung ist, daß alle Menschen sich so wohl, oder so wenig ihres freyen Willens bedienen können als er selbst. Denn der Gebrauch des natürlichen Willens ist das einige, das K.iebeaUerMenschen. der Mensch für das seinige halten, und nach dem der Gebrauch vernünftig oder unvernünftig ist, sich hoch zu achten oder zu verachten Ursache hat. 55. Man muß aber diese Bescheidenheit nicht mit der Demuth vermischen. Beyde kommen zwar darinnen übereil?, daß sie dem Menschen antreiben, daß er sich nicht höher halte als andere Menschen; aber darinnen bestehet der Unterscheid , daß die Bescheidenheit den Menschen dahin anweiset, daß er andere Menschen als seines gleichen betrachtet, oder wenn es hoch kommt, ihnen jwegen eines von den Menschen eingeführten Unterscheide eine äußerliche Chr-Bezeigung, als wenn er sich ihnen geringer halte, erweiset; aber die Demuth führet ihn dahin, daß er sich auch innerlich geringer halte als andere Menschen , und diese seine Selbst, Verkleinerung allenthalben, wo es Gelegenheit giebt, durch äusserlich-, und mit dem Hertzen correchonäirende Thaten bezeuge. 56. Woraus dieses noch ferner folget, daß die Vernunft an und vor sich nicht weitergehe, als worzu die Bescheidenheit den Menschen verpflichtet. Von der Demuth aber tan sie nichts gegründetes begreiffett, weil sie bey sich selbst keine Ursache findet, warum ein Mensch sich selbst geringer halten solle als einen an, dern Menschen; sondern es gehöret die Er- känmiß dieser Tugend für eine höhere Gelahrte P heil 2zo Das 5. H. von der allgemeine»? heit, indem dieselbe mchl Menschen sondern Christen macht. und wenn ein plüloioxrius noch sv viel von der Demuth schwatzt, so erstrecket sich doch dieses alles nicht weiter, als daß er der natürlichen Bescheidenheit den Nahmen der Demuth gieber. 57. Die Verträglichkeit ist eine Tugend, die den Menschen antreibet, daß er allen andern Menschen das ihrige in Fried und Ruhe gemessen lasse, und ihnen an ihre», Gütern so rvohl des Leibes als des Glücks xemcn Schaden thue, oder sie derselbe» auf einige weise beraube! oder rvenn ja allen Falls hierrvieder etwas aus Vorsay oder aus Versehen geschehen, die Sache nebst allen verursachten Schaden erstatte , oder sonsten annehmliche Ätti/acÄo« leiste. « ^ 58. Diese Tugend ist hychstnochwendig, we«l die Verletzung derselben den allgemeinen Friede und Ruhe am meisten verstohret, indem die wenigsten Menschen vertragen können, daß man ihnen das ihrige entziehet, ob sie schon sonsten nicht ungeduldig würden, wenn man ihnen die allgemeine Dienste der Leutseeligkeit versagte, oder sein Versprechen nicht hielte, oder sich viel einbildete ; Sie gehet alle Mengen an, weil niemand ist, an den ich mit einiger gegründeten Ursache xrserencliren könte, daß ich ihm seine Güter nehmen oder verderben dörfte, es mü- sten denn dieselbe auch auf gewisse Masse mein Liebe aller Menschen. 2;^ seyn. Endlich ist sie auch leichte, und kömmt mich nicht sauer an, weil ich in Übung derselben keine grosse Mühe haben darf, indem sie mehr darinnen bestehet, daß ich nichts, als daß ich etwas thue. 59. Nun ist die Geduld noch übrig. Diese ist eine Tugend, die die Menschen antreibet, daß sie denen anderen Menschen, die die allgemeine L.iebe nicht wohl in acht ge? nommen, sondern vielmehr wider diebiß- her erzehlren vier Tugenden entweder aus Vorsay oder aus Versehen angesiossen, ch? re Beleidigung aus allgemeiner L.iebeVerziehen, und sich solchergestalt auch der nach denen natürlichen Aechten zugelassenen Mittel freywillig, wegen des allge? meinen Friedens begeben. 60. So siehest du demnach bald anfänglich, daß die Gedult von denen vier ersten Tugenden, darinnen unterschieden sey, das jene den Menschen unterrichten, wie er sich gegen die, die ihm die allgemeine Liebe erweisen, oder doch zum wenigsten ihm dieselbe noch nicht entzogen, verhalten solle. Diese aber erinnert ihm, was er gegen diejenigen, die jene 4. Tugenden nicht in acht genommen, thun solle. 61. Zwar wenn wir nach denen strengen Regeln der Gerechtigkeit die Sache betrachten wollen, so weiset es die gesunde Vernunft, daß derjenige, der die 4. ersten Tugenden gegen uns P - nicht 2zi Das 5. H. von der allgemeine»!. nicht aueübet, sich über uns nicht beschwehren könne, als ob ihm unrecht geschehe, wenn wir ihm hinwieverum keine Leutseeligkeit, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Verträglichkeit erweisen; Denn mit was Recht wolte derjenige pnr. renäiren , daß andere Menschen ihm dasjenige erwiesen , was er doch an seinem Orte ihnen versa» get, zumahlen da obbesagte vier Tugenden in der Gleichheit der menschlichen Natur sich gründen, und solchergestalt eine Ungleichheit würde eingeführet werden, wenn gottlose Leute sich unvernünftiger Weise ein Recht hinaus nähmen, andere zu beleidigen, und hernach diese dahin anweisen wollen, daß man ihnen nicht gleiches mit gleichen vergelten solle. 6-. So weiset auch dasjenige, was wir absonderlich von der Verträglichkeit erwehnet (daß derjenige, so einen andern einen Schaden erwiesen, schuldig sey ihm denselben zu erstatten) daß er von dem Beleidigten die Gedult nicht als ein ihm zukommendes Recht fordern könne, weil sonsten die Pflicht den gegebenen Schaden zu erstatten, keine Wirckung haben würde, wenn der andere von Rechtswegen gedulkig seyn müste. Eben dieses kan man auch von dem sagen, der sein Versprechen nicht gehalten, und sich gegen eit nen andern in hohen Grad unbescheiden erwies fen, und denselben schimpflich traÄiret. Dann weii auch in diesem Stück die Wahrhaftigkeit und Bescheidenheit denselben verbinden, dem belei- Liebe aller Menschen. -zz beleidigten Theil Zarisf^Qion zu thun, so kan er von diesem wiederum oieGeoull nicht als einih- me mummendes Recht fordern. 6;. Aber das ist e? eben, was wir oben gesagt haben, daß ein grosser Unterscheid zwischen der Gerechtigkeit und Liebe sey, und also haben wir allhier ein mercklich Exempel, daß uns die Liebe zu etwas verbinden tonne, darzu wir von Rechtswegen nicht angehalten werden tonte»:, und Saß es nicht allemahl vernünftig sey, allzugerecht zu seyn, oder seines Rechtes sich allzugenau zu bedienen. 64. Ich bescheioe mich ja wohl, daß es ein alt Sprichwort sey; 5 v// 6?»^/, ^m,?,- N)ilt du geliebet se^n, so fimge erst an, und liebe andere, und also scheinet es zwar nach dem ersten Ansehen, daß auch nach den Regeln der Liebe, derjenige, der uns nicht liebet, sondern vielmehr allen Haß und Verdrieß erweiset, von uns nicht prstteiMren könne, daß wir ihm aus Liebe sein Verbrechen verziehen und Gedult mit ihm haben sollen. Aber wenn wir die Sache etwas schärffer überlegen, werden wir bald sehen , daß uns auch dieses Sprichwort nicht im Wege stehe. 65. Denn wir können es gleichergestalt auch für unsere Meinung anführen. Eben deß- halben sollen wir gedultig seyn, damit wir künftig auch von dem, der uns beleidiget hat, gelievel «erden, wenn wir ihm durch die Ge- P z dult !Z4 Das 5. H. von der allgemeinen dult unsere Liebe anfangen zu bezeigen, oder ihm durch dieseselbe als durch eine der ungemeinesten Proben unserer Beständigkeit in der Liebe versichern. 66. Zu dem folget eS nicht, dieser oder jener hat sich meiner Liebe unwürdig gemacht, deß- halben bin ich ihm zu lieben nicht verbunden. Ich laß es seyn, daß man diesem Satz in der ab» sonderlichen Liebe auf gewisse Maasse brauchen könne, wiewohl auch dißfalls noch viel würde zu bedcncken seyn. Aber in der allgemeinen Liebe wird er nicht gelten können. Denn bey dieser können wir wohl dasjenige, waswireinem Menschen in Ansehen feiner selbst nicht schuldig seyn, was ihm zu leisten verpflichtet erkennet, in Ansehen unserer Schuldigkeit gegen das jganrze menschliche Geschlecht, dessen Mitglied er ist, oder in Ansehen unserer selbst^ wei! wir sonsten, wenn wir ihm dasjenige thäten, was er wohl verdienet hatte, unserer Gemuths-Ruhe mehr stöhren als befördern, und also uns selbstcn an unserer grösten Glückseeligkeit hinderlich seyn würden« 67. So will es demnach nöthig seyn zu erweisen , daß die allgemeine Gleichheit des menschlichen Geschlechts diese Gedutt von uns erfordere, und daß wir ohne dieselbe unsere Gemüths- Buhe nicht erhallen können. 68. Jenes ist gantz leichte, indem uns unser eigen Gewissen jagen wird, daß wir täglich^ wen» Liebe aller Menschen -z? wenn wir unser Thun und Lassen genau exami. nircn wollen, anderen Menschen zum Theil aus Versehen zum Theil auch mit Vorsatz dasjenige was wir ihnen aus obigen vier Tugenden schuldig waren, nicht vollkommen erwiesen, auch sie zum öftern beleidiget- Und wie es uns nun wohl gefallet, wenn man uns dasselvige verzeihet, und sein Recht nicht alzustarck wider uns nrxiret; Also erfordert auch die Gleichheit der menschlichen Natur, daß wir gegen andere ebenmäßig das uns angethane Unrecht mit gleicher Gcdult vertragen, u. s. w. 69. Dieses aber scheinet etwas schwerer zu fevn, indem be» nahe alle Gelehrten von diesem allgemeinen Irrthum eingenommen sevn, als ob die Behauptung seines Rechts mit Gewalt das wahre Mittet sey. wider den, der unsere Gemüthö-Ruhe stören witt.dieselbe zu erhalten, und ihm zu einem friedlichen Leben zu nöthigen; Dahero pfleget man in dem gemeinen Sprichwort zu sagen: man könne nicht langer Friede halten, als der Na !'bar wolle. Der Krieg sey das ausserordenlliche Mittel sich Friede und Ruhe zu schaffen. Ein jeder rechtmäßiger Krieg habe keinen andern Eiw-Zweck als den Frieden. So lange man Frieden haben könne, soll man denselben annehmen, wo nicht, müsse man den Krieg zur Hand nehmen. Krieg sey besser als ein unsicherer Friede, u. s. w. Und wir wollen das Gegentheil behaupten, daß man mit P 4 Ge- 2Z6 Das.;. H. von der allgemeinen Gedult alleine den besten Frieden machen tonne. In Wahrheit, wir unterfangen uns eines grossen, denn wir müssen nicht alleine beweisen, daß der Rneq kein vernünftig Mittel sey Friede zu machen, sondern auch, daß man am ersten Friede erhalte, wenn man alles leidet. Beydes scheinet fast allen unsern Gelehrten irr^itonable m seyn. 7?. Aber wir achten solches nicht, wenn wir nur die Vernunft selbst auf unserer Seite haben. Diese wird uns bald anfänglich zeigen, daß der Rneg nichts weniger sey, als ein Mitte! Sriedezu machen. Denn es ist unmöglich, daß auf einer Seiten Krieg, und aufder andern Friede sey, und also ist der Rrieg nichts anders als ein solcher Zustand zwoer Partheyen, in weis chen sie beyderseits einander an statt der K.iebe Haß und Feindschaft erweisen. 71. Sv unvernünftig nun als es wäre, wenn man sagen wolle, daß der Haß ein vernünftig, ordentlich oder außerordentlich Mittel wäre zur L.iebe zu gelangen; sv unvernünftig ist es auch, daß man behaupten will, der Krieg sey ein Mittel zum Friede« 72. Hast du den andern nicht durch dieS.eut, seeligl'eit, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Vetträaligkeit zur Liebe yewegen können, da doch fonsten Liebe Gegenliebe erwecket, so wirst du es vielwenicer durch Unbescheidenheit, Gewalt und VnmenschlichKit thun. 7). ÄS Liebe aller Mensche». -z? Z7- Ja sagst du-, will der andere nicht mit mir Fnede halten, so muß er, weil ich ihn durch den Krieg darzu zwinge, und ihn also mit Geroale zu? /i6?/ön bringe. Ich bitte dich, rede nicht so unvernunftici. Denn du hast be» nahe so viel lächerliche Dinge geredet, alö du Worte gebrauchet hast. 74. Denn anfanglich ist die Vernunft eine Sache, die durch menschliche Gewalt zwar zernichtet , aber nimmermehr zu rechte gebracht werden tan. Hernach so ist ausgemacht, daß ohne S.iebe Lein wahrer Friede, sondern nur ein solcher Zustand, den man einen Stillstand der Waffen nennen tonte, werden kan. Die Liebe aber leidet den geringsten Zwang nicht. Endlich du elender Mensch, der du dir einbildest, du wollest deinen Feind zwingen, daß er Friede halten müste. Mein sage mir, wodurch? Durch Gewalt? Hält er dir denn stille? Oder braucht er GegewGewalt? 75. Ja, antwortest du, er brauchtwshl Ge, gengewalt, aber er thutnichtreche daran. E» wie kömmst du ;u diesen Unrath,daß du im Kriege deinem Feinde vom Rechte vorsagen wilst ? Hat er sich von seinem bösen Vorsatz und Unrecht nicht abwendig machen lasten, da du ihm Liebe oder Gedult erweisest, so wird er es gewiß nicht thun, wenn du Gewalt gegen ihn brauchst. Und also ist es mirjetzo genung, daß du gestehest, er brauche auch Gegengewalt wider dich. Mein, welche P 5 Gewalt 2zs Das 5. H von der allgemeinen Gewaic erhält denn nun den Sieg, und macht Friede? die Deinige oder die Sei- mge? 76. Ich sehe wohl du wirft etwas bestürtzt. Doch erholst du dich wieder, und sagst, daß frey, lich nicht allemcihl der beleidigte Theil, sondern öfters der Beleidiger überwinde. Aber es möge nun seyn wie ihm wolle, und der Sieg möge ausfchlagen, auf was Dr eins Seite es sey, ^--/o^/eÄ.eute gebe, die durch die Gedult ei, nes Beleudigten sich ve« anlassen liessen, grössere Bvßheit auszuüben, und daß also zum wenigsten doch in diesem Fallen die Gedult kein zulänglich Mittel sei) Friede zu erhalten. Ich kan dir auch diese Antwort ertheilen: Daß du auch zum wenigsten in diesen Fällen noch kein besser Mittel als die Gedult anführen könnest. Woltest du dich gleich adermal auf den Krieg beruffen, und aus das Löwen, Gesicht, darvon ich nur jcho geredet: so ist es doch wiederum ein grosser Unterscheid unter einer Nothwehre und Rache: (inrer bei- lurn 6e5enllvum Lc oKenlivum) von jener rede» wir nicht allhier, sondern von dieser. Und wird das. was wir oben wider den Krieg geredet,sattsam aus- L.iebe aller Menschen. -49 ausweisen , daß auch in diesen Fällen die Kriegeö- Nacl)e keinen Frieden geben könne. Was, sagst du endlich; Soll dieses die 101. 1'niloiovnie seyn, die jungen Leuten den Weg bahnen soll, wie sie in der Welt F^m, artig und tugendhaft leben sollen? Sie wird nichts anders als niederträchtige Gemüther machen, und die Eltern^ werden dir treflich verbunden seyn, wenn sie aus deiner Schule, an statt rechtschaffener Kerl, lauter venagte Memmen kriegen, die von keinem point 6'Honneur nichts misten, sondern Schande vor Ehre achten, und zu nichts in der Welt gebraucht werden können. Ich! spüre wohl mein Freund, eS müsse . mit dir auf die Neige kommen seyn, weil du ar» statt vernünftiger Einwnrffe schändest und schmähest. Du redest nicht, wie kluge Leute reden , sondern wie die Balger und Klopff-Fechter» Meine plnlosoonie ist dem gemeinen bürgerlichen Leben nicht zu wieder, sondern vielmehr allerdings gemäß. Der das groste ^^/E?»« hat, kan dett F^mesten und arttsten Äerlm der vl?e!r abgeben. IcmehrG'edultetNerhat, je besser'Vämmt er bey Hoffe fo»t> Es ist wahr, du gebest bey lustiger Geleilsdaft die Ge, dult derSchweirzcr und Holländer wackee durch, und giebest deinen unbegedrte» Nach, wie sie durch Ergreiffungder Waffen, ocier ein wenig mehr Hitze be» den ergriffenen Waff'N, sich in besserer Sicherheit sehen sollen. Aber mein, O. z über- -5« Das 5 H. V^tt der allgemeinen überlege diese Frage ein wenig genau: Wer ist wohl glücklicher, oder besser zureden, weniger elende, als diese beyde I^ationes bey dem ^xce^ ihrer Gedult. ioz. Und also siehest du, daß doch die Gedult den Preist behält, es mag dichverbricssen, wie du wilst. Schmähe noch mehr auf sie, wir wollen dir weiter kein Wort antworten, sondern der Gedult zu Ehren alles mit Gedult vertragen. Jedoch laß dir rathen, und mache es nicht zu arg; damit unsere Gedult nicht zerreisset. Denn es ist ein schlimm Ding um eine in den Harnisch gebrachte Gedult, und must du wissen, daß sie dieses mit der Leutfeeligkeit gemein habe, und von der Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Verträglichkeit dadurch entschieden sey, daß nmnzu der Gedult keinen zwingen tonne, sondern es bloß seiner Liebe anheim stellen müsse. Das ist es eben, was wir oben cnvchnet, daß der Beleidiger von Rechtswege» keine Gedult von dem Be- leydigten prXtenclin'n könne. 524. Nunmeluo erkennest du leichtlich, was für ein Unterscheid unler der Gerechtigkeit und L-iebo überhaupt sc», Die Gerechtigkeit ist dasieniae ^hnl der Liebe, das dem Menschen das Bermogm gicbet, den andern zu d« m, was er ihm willig lcistm solle, zu zwingen ; Dcrowegen kau wohl S.übe ohne Gerechligkeir, nicht aber Ge- rechtiqlcit oknc Z.iebe seyn. Ja es verliehrctdie Gelcchü'gkeit den Namen dn Liebe, wenn mau Liebe aller Menschen. -5? den Zwang würcklich braucht; Und ist daimenhero gar leichte zu erkennen, warum das andere Theil der Liebe den Namen derselben für sich alleine behalt, bey welchen wir nicht einmahl das Vermögen haben den andern zu zwingen. 105. Wollest du demnach die fünff lpecial- Tugenden der allgemeinen Liebe nach diesem Unterscheid gegen ein ander halten, s» wirst du befinden , daß die LeutseeligVeit und Gedult die al- lerevelsien darunter seyn, weil man darzu nicht einmahl gezwungen werden kan, und also für sich einen liebreichen Menschen sattsam zu erkennen geben, auch eine Zmzeigung sind, daß er nicht weniger bescheiden, verträglich und wahrhaftig sey; Da hingegen die Bescheidenheit, Verträglichkeit: und WahrhafeiZLeit nicht so einen hohen Liuä in dieser allgemeinen Liebe einnehmen , indem einer wohl bescheiden, verträglich und warhaflig seyn kan, der nicht leutftelig und ge- dultig ist, weil er sich anderer Gestalt bey Unterlassung jener drey Tugenden eines Zwangs be- fahrt, dessen er sich bey diesen beyden nicht zu besorgen hat. ic>6. Gleichwie aber das, was wir ietzo gemeldet, saltsam weiset, daß ein solcher Mansch nach feinem ausierlichen Thun und Lassm, und in Ansehen des ausserlichen Friedens zmar für gerecht oder zum wenigsten doch nicht für ungerecht gehalten werden könne, gleichwohl aber immer mehr bey andern Leuten feine allgemeine Lie, Q 4 be LZ! B6S5.H. VHttderallgemeittett be zu rühmen einige Ursache hat; Also verlichret doch deßhalben ei» Bescheidner, Vertraglicher und wahrhaftiger den Namen eines Men, schen nicht, der jederman die allgemeine L.iebe erweiset, wenn er durch deutliche Umstände bezeiget, daß er bescheiden, wahrhaftig »nd vertraglich seyn würde, wenn er sich gleich keines Zwangs hierzu zu befahren hatte. Es wird aber nicht leichte ein Umstand dieses andere kräftiger bereden, als wenn er sich dabey leutsecligundgedultig erweiset. 107. Und dieses ist eben, was man sonsten in dem bekandten Verszu sagen pfleget: tM'?'«??/ /vcc^/v öom i?/>tt^/> O^^ ^^^^ccs?^ m^// /ci?'M/^/??^ ^ VernünstigeFreundfchast und Liebe haben allgemeine Regeln, und die Zuläßigket der Liebe ^cpcncliiet nicht alleine vom Ehestände. ".9. Utt. vernünftiger Gebrauch die c7o»-c,^/7-^o« zwoer Personen von unterschiedenen Geschlecht bn treffend.». io. Nothwendige und wahrhaftige gute Dinge sollen wegen Bcfahrnng des Mißbrauchs, m'cht abgeschaffet werden.», ti. Die verbotene vertrauliche c'onverüirion des mannlichen und weiblichen Geschlechts reißet vielmehr zu unordentlicher Liebe an, ». 12. und beförderte vielmehr, alsdaß sie hindert.», iz, Gelegenheit macht Diebe; ».14. aber Gelegenheit prc>diret auch einen ehrlichen Kerl. ??. 15. Die verstatteten öffentlichen Lnnvc> ü.rion(.!> zwischen M. und W. sind in-ziim^del,16 und daß z.E.ein Lautcniste mehrFrepheit hat, als sonst ein anderer tugendhafter Mensth. ». 17. unser Mißtrauen gegen die unstrigen treiben sie desto mehr an solches zu verdienen- ^ -18 Die Liebe erfordert zum wenigsten zwoer Seelen Vereinigung, aberzemchr. sie einander lieben, sc vernünftiger ist es. ». 19- Cs ist unvernünftig jemand zu hassen, daß er das Ziehet, was wir lieben, oder daß er Höben uns jemand anders liebet. Denn es ist nicht in unsern Vermögen der Liebezu widerstehen. ».20 Ein anderer hat eben das Recht als wir dasjenige zu lieben, was uns gefallet, und seine Liebe bringet uns mehr Nutzen als Schaden. ». 21. Und die Person, die nchen uns jemand anders liebet, ist entweder zu loben, vemuttftigettjUebe überhaupt. 255 ben, oder zuverachten, niemahlcn aber zu hassen. ». 22. U?as Tugend liebenoePersonen tiei^n? «.2Z. Unter dencnselben und unter den Tngendhaf- ten ist ein Unterscheid »-24. Die vernünftige Liebe erfordert zwar eine Gleichheit in denen inciin.'.l><,- nen, nicht aber in denen Q^en derselben ». 25.26. Die absonderliche vernünftige Liebe crfodert drey sonderliche Tugenden, ». 27. die alle eine wahre LMm und Hochachtung zmnGrtmde pr^ll,f>puni- ren. ».2829. Was eigentlich Hochachtung hcisse und daß man auch einen Geringen hochachten könne. ». zc>. Aus der Hochachtung entstehet sorgfältige Gefälligkeit. »- zi. Diese ist das unfehlbarste Z2, undnochwendigsteKennzeichen einer wahreir iicbe. ». zz. Sie erfordert mehr die Auge» des Gemüthes als des Leibes z^.Eine sondert. Kunst dieselbe in öffentlicher Gesellichaft der geliebten Person durch öffentlichcThaten,jedoch ingsheim zuvczstchen zugeben. 35. Sie hat keine andere Regeln als die Liebe selbst. ".z6. Grossen Nutzen dreyer Tugenden der allgemeinen iiebe die Sorgfältigkeit desto besser auszuüben. «- Z7- Z8- Worum die Dienst-Leistungen der Gefälligkeit geringe genennet werden.". Z9. Durch die Gefälligkeit erhandelt man die aller theu- resteWaare mit nichts- »- 40. Worum die allerwenigsten sich dieser Handelschaft bedienen. 5.41. Derjenige, gegen dem man sich gefällig erweiset, muß keine Gerechtigkeit daraus machen. 42. Auf wie vielerlei) Art hierwicdcr pfleget angesrossen zu werden. ». 4z. Man macht sich hierdurch der gesuchten Liebe unwürdig. 44. Und ist dieses noch schändlicher, als wenn man keine sorgfaltige Gefälligkeit hat. ».45. Jedoch sind diese noch unwürdiger geliebec zu werde», die keine Gefälligkeit von den andern annehmen wolle» u. s. w.». 46 Wenn die Liebe auf beyde» Theilen recht angehet, höm diese sorgfältige. 256 Das 6. H. von der absonderliche« faltige Gefälligkeit auf. ^47 Derowegen kanman aus dein Gebrauch und Unterlassung dieser Zugend erkennen, wie weit die Menschen in ihrer Liebe sv»s>cn«t seyn. ?- 48- 49. Und diejenigen thun unrecht, die, wenn sie allbcreit derjenigen versichert sind, die schlechte Proben noch fordern, 50. Nach der Gefälligkeit folget (tt) r>ie vertrauliche Gnt- thatigr'eit.» 5 I.Erinnerungen über des 5ene» Bücher von dieser Tugend. » 52. Beschreibung derselben.» 5Z, Diß Vertrauen muß vor der Gutchatigkeit vorher gehen, .^.54 und ohne dasselbe ist keine Gutchatigkeit vernünftig.» 55. Ja es ist keine Gutchatigkeit, fondern eine Verschwendung; .^ 56 oder man sucht sein eigen inrerene dadurch. 57. Wiewohl tugendhafte Personen einander bald kennen lernen und ein Vertrauen gegen einander kriegen. "-58' Es ist unvernünftig diejenigen zu lieben, die uns hassen, oder die uns nicht wieder lieben. ». 59. Und also ist keine vernünftige Liebe, wenn man deswegen kranck wird, oder gar stirbt. 60. Die Wechselsweise Gutchatigkeit ist ein nothwendiges Stück der absonderlichen Liebe. »-6l. Und ein unfehlbares Kennzeichen derselben. ^.62. Weitste weder bey der Leutsecligkeit, 6z. noch bey der sorgfältigen Gefälligkeit, ??- 64, noch bey der unvernünftigen Liebe anzutreffen ist. Bey der unvernünftigen Liebe können wohl kostbahre und mühsame Liebcs- Bczeugungen vorgehen. 65. Man kan auch bey einer unvernünftigen Liebe sein Leben in die Schantze schlagen; 66. aber man suchet bey der unvei nüns- tigen Liebe dadurch sein eigenes, bey der vernünftigen aber das wahre Vergnügen der geliebten Person. Und dieses ist auch der Unterscheid zwischen den wahrhaftigen und Schein Gutthaten. 67. Bey dieser Gelegenheit wird das Wesen der wahren und Schein-Gutthatcn ausführlich gegen einander gchal.- vernünftigen S.iebe überhaupt. 257 gehalten. --.6Z. 69,70 71-72.7z. DieGuttha- tigkeit begehrec rein Entgeld- >?. 74. Sie hat aber wohlUrsach denselben zu hoffen wegen der Dankbarkeit des Geliebten. 75. DieDanckbarkeitist nur bey warhaftigcr Liebe. 76. Es ist schwehr von der Danckbarkeit und Undanctbarkeit eines andern zu urtheilen, 77. Man kan niemand zur Danckbarkeit zwingen. ?. 78. Man kan auch wohl danck- bar seyn, wenn man gleich den andern würcklich nichtszu gute thut «.79^ Ein jedweder, auch der ärmste Mensch ist czpsbel dem andern Gutes zu thu».»- 80. Iu diesen wenigen Sätzen ist die gesamte Lehre des Sene» von den Gutthaten c»nc,enrii>'et. »-8>.Wenn die Liebe vollkommen ist,entsteher daraus (III) Die völlige Gemeinscliaft alles Vermögens und alles vernünftigen Thun unv Lassens82. Bon der Gemeinschaft der Güter im Anfang der Welt und in der ersten Christlichen Kirche. ». 8z. Von der Gemeinsthaft des ri^». ??, 84 Einwürffe wider die Gemeinschaft der Gütern 85. Sie hebet den Unterscheid zwischen Reiche m.d Arme auf; 86. aber eben deswegen wäre sie wohl ?u wün- schcn. 87 Sie würde auch zugleich viel andere Stande im gemeinen Wesen aufheben, die sich durch die Thorheit nndEitelkeit andererMcnlchen mch en. 88- Sie würde aber doch die bürgerliche Gesell» schaft und dasgeiNeine Wesen nicht gank aufheben; ». 89. Weil nicht mir die Einführung des Eigenthums ohne die bürgerliche Kesellsthaft, 90 sondern auch dieses obne jenes wohl bestehen kan. 91. Ein Beyspiel einer solchen NepuKiique > i« der alle Güter gemein waren, ist in der Historie der 5e- versmbex anzutreffen '-.92. Die Gemeinschaft der Güter führet der Müßiggang nicht ein. 9z. 94. Ob^, wenn kein Eigenthum wäre, alle Guschatig- keit und Liebe würde aufgehoben seyn? 95. 96. 258 Das 6. H. von der absonderlichen Ob dann das Eigenthum abgeschaffet und die Gemeinschaft eingeführet werden müste.», 97 Worin- nen die Gemcinsthaft des Thuns und Lassens bestehe, und von der Gutchatigkeit entschieden fey. ^- 98- 99- Einwurf daß die vollkommene Liebe wieder abnehme» müsse, und also nicht ruhig seyn könne. »> 100. Beantwortung desselben. ».101. IO2. l. /^^HEr Anfang des vorigen Capitels wird dir MÄ>^ ?elaen, daß die Sitten-Lehre höchst un» vollkommen seyn würde, wenn wir es bey der allgemeinen Liebe bewenden liessen, und keine Lchr-Sätze von der absonderlichen Ä.iebe gäben, weil dieses eben die rechte Liebe und also das wahre Mitte! ist mr Gemüths-Ruhe zu gelangen. Glcichwob! wirst du aus gegenwärtigem Capitel sehen, daß wir bey dem meisten, so darinnen ab/ gehandelt wird, die Bahne selbst brechen müssen, indem wir unter denen Sitten-Lehrern niemand gefunden, der uns darinnen vorgegangen wäre, iveshalben wir auch Vergebung hoffen, wenn wir nicdt alles auf das genaueste barinnen über Vermuthen sollen erörtert haben. 2. So haben wir auch im Anfang des vorigen Capitels allbereit etwas ausführlich von demUn- ttrscheid unter der allgemeinen und absonderlichen Liebe gehandelt, welches wir dannenhero nicht allhicr wiederholen, sondern aus dem, was eben daselbst von dem Unterscheid der Schein- und wahrhaftigen, oder unvernünftigen und ver- vernünftigen S.iebe überhaupt. 25? vernünftigen Liebe gesagt worden, dievernüns? tige absonderliche Äuebe beschreiben, daß e6 sey die Vereinigung zrooer Tugend-lieben- den Seelen, die durch VL'echseiswelje Gefälligkeit und aufmercks;me Sorgfillt ge, sucht, durch'Wechselsweife Gutthaten er» langet, und durch Gemeinmachung aller Dinge besessen und erhalten wird. z. Was wir durch die Vereinigung vei stehen, haben wir nicht nöthig zu wiederholen, in Ansehen solches allbereil im 4- Hcniplstücke ;ur Guüge erkläret worden. Daß wir aber zrvoerTngend- Uebender Seelen erwehnet, muß etwas deutlicher ausgeleget werden, viele allgemeine Irrthümer desto besser zu erkennen, und das Wesen dieser Dinge desto eigentlicher zu erlernen. 4. Durch die zwo Seelen verstehen wir zween gantze Menschen, und haben deßwegcn der Seelen mehr als des Leibes Meldung gethan, um uns abermahl zu erinnern, was wir schon im 4. Hauptstuck von der Vereinigung der L.e,ber, ob dieselbige ein nöthiges Stück der L.iebe sey, weitläustig gelehret. z.Derowegen ist auch vffendahr, daß, weil der Unterscheid des Geschlechts, wie auch oben erwehnet, den Leib nicht aber die Seele angehst, auch kein Unterscheid »wischen der vernünftigen- triebe unter den Personen einerley oder zweyerley Geschlechts zu machen sey; sondern daß sie beyderseits aus einerlei) gemeinen Lehr» »6o Das 6. H. von der absonderlichen sahen hergeleitet werden müsien,ausgenommen dessen, was wir w^gen der Zuläßlichkeit der Vermischung der Leider zwischen zwoen Personen unterschiedenes Geschlechts gleichfalls oben ange- mercket. 6. Es wi>d zwar insgemein'auch unter denen Gelehrten die Liebe derPersonen einerley und unterschiedenen Geschlechts mit unterschiedenen Namen beleget, indem man diese Ä.eytere allein des Namens der Luebe würdiget, aber jene nur eine Freundschaft nennet; und konten wir ja wohl nach unserer Gewohnheit dißfalls einen jeden reden lassen, wie er wolte ( Massen wir denn selbst uns um Kürtze willen zum vfftern des Worts Freundschaft, die Liebe zwocr Personen einerley Geschlechts zu bemercken, bedienen werden ) wenn man nur nicht in der Thal selbst von der wahren Beschaffenheil abwiche. 7. Denn anfanglich ist irrig, wenn man dafür hält, es werde zu einer jeden wahrhaftigen L.iebe die Vermischung der L.eiber als ein wesentliches Stück erfordert, davon wir auch oben das Gegentheil schon erwiesen. HernachmahlS ist eben so unvernünftig, daß man sich einbildet, es könne die wahre Freundschaft in einer ge, mäßigten Gleichförmigkeit des ausserlichen Thun und LassenS bestehen, wenn gleich die Gemüther veruneiniget bleiben, und ein jedes auf feineigen imereüesehe. 8- Beyde Irrthümer kommen daher, daß wir wegen vernünftigen S.iebe überhaupt. 261 wegen der allgemeinen Thorheiten der Welt fast gar Lein Krempe! weder vernünftiger Freundschaft ohne Absehen auf den Eigennutz, noch vernünftiger Luebe, ohne Begierde sich durch die Leibes-^Vermischung zu belustigen an, treffen; weil fast alles in der Kettislicat stecket, und solchergestalt, als es durchgehcnds so zu ge» schehen pfleget,die Laster der Tugend Nahmen angenommen haben; da doch bey wahrer Freund- schast, da eine rechte Vereinigung der Gemüther ist, ja so ein grosses Vergnügen empfunden werden kan, als beyder vernünftigen Frauen-Liebe. y. Dervwegen so mercke, daß alles dasieniae, was wir in diesem Capitel von der vernünftt- gen S.iebe handeln werden, auf gleiche Maaffe von der Freundschaft und Liebe zu verstehen sey, lind daß man also die vernünftige Liebe der Personen anderes Geschlechts nicht aus dem Ehestand allein ^uäiciren muffe, weil nicht nur, als oberwehnet, die Liebe ehrlicher Personen meisten- theils mehr unvernünftig als vernünftig ist; sons- dern auch, weil wir künftig die vernünftige Liebe unter Ehe-Leuten als einen Schluß aus diesem Ca, vilel herleiten werden, und also dieser Schluß keine Grund-Regel seyn kan, die vernünftige Liebe überhaupt zu erkennen. Bey dieser Bewandniß aber ist es ein, wie« wohl gemeiner, aber schädlicher Irrthum, daß manscht von Jugend aufPersonen unter- schtedenm Geschlechts mix einander ver- lL R nünft -iebe schändet und schmähet: wem, man gleich nichts verdächtiges sonst von ihnen zu sagen weiß. Denn hierdurch wird gantzoffenhahr die gantzeWelt gehindert den besten Theil der vernünftigen und absonderlichen Liebe auszuüben, indem wir allberei! oben gesagt, daß die Vertraulichkeit und Weich- hertzicckeit zwischen zwoen Personen unterschiedenen Geschlechts natürlicher Weise viel stmcker sey, als zwischen denen von einem Geschlechte. ii. Ich weiß ja wohl, daß dieses alles unter dem prTrext geschickt, damit verMißbranch einer unvernünftigen L.iebe dadurch ab» geschnitten werde. Ich bescheide mich auch, daß eben wegen der Übeln Läucarion und gemeinen Verderbniß sehr behutsam mit der Lonver- Kition, so rvohl verehlichter als unverehlich- ter, sonderlich junger Leute, zu verfahren sey. Ader deßhalb taugt doch dieser kr^rexr wenig. vernünftigen L.iebe überhaupt. 26z Aber man wird nicht leichte was unvermmfti- gsrs antreffen können, als diesen ?rTtext. Inäif- ferenre Dinge kan man wohl gantz unterlassen, wenn der Mißbrauch groß ist; «der nothwendige Dinge, oder wahrhaftig gute Dinge gcmtz auszurotten, wegen des befürchteten Mißbrauchs, ist wider die gesunde Vernunft. Was ist aber noth, wendiger, als eine vernünftige Vertrauligkeit auch unter Personen von zweyerlcy Geschlechte indem alle Hi>wrim bezeugen, daß der Haß derselben die grösten Unordnungen anrichte. Zuge- schweigen, daß die Unterlassung vernünftiger Lon- verl-ition zwischen Mannes undWeibes-Perso- nen, die be» vernünftiger Verheyrathung nöthige Erkantniß der Gemüther offenbahr!ich hindert. i2. Zudeme so reiyet dieses destomehrzur unordentlichen L.iebe an, jcmehr man alle zuläßliche LvnversAtion verbietet; sintemahl nick)t nur die verderbte Natur insgemein allen verbotenen sonst unbegehrten Dingen am meisten nachtrachtet; sondern auch bekant ist, daß son- sten durch Wegerung und Verbot diejenigen, so einander unvernünftig lieben, diese ihre Liebe an- zufeuren suchen. iz- Zugeschweigen, daß diese Gewohnheit unvermögend sey, durch Abschneidung aller vertraulicher Lonverl^rion die unordentliche L.iebe zu hindern. Zwo Personen, die sich vorgesetzt einander unvernünftig zu lieben, und einwenig verschmitzt seyn, siiw geschickt die sänke N - Welt 264 Das 6. H. von der absonderlichen Welt mit aller ihrer Obsicht zu bekriegen. Italien ist allezeit wegen Ehebruchs mehr beschrien gewe, fenalsFranckreich; unv wer die Welt ein wenig kennet, wird mir gar leichte Beyfall geben, daß das Leute-scheueste Frauen-Zimmer zur unordentlichen Liebe gemeiniglich viel geneigter se»al5 das, was mit Mannes,Personen frey zu converlnen gewohnet ist; so wenig hindert diese unzeitige Vorsorge das befahrte Ubel, sondern befördert es vielmehr» 14. Gleichwie aber, als ob erwehnet, meine Intention nicht ist, der Lonverlution jungerun- vernünftiger Leute dcis Wort zureden, vielweniger diejenigen, die sonst wegen verbotener Liebe Verdacht geben, zu vertheidigen, also trifft mich die Entschuldigung des gemeinen Mißbrauchs wenig, wenn man sich auf die gemeinen Sprichwörter beziehet: Gelegenheit macht Diebe. ZVo Feuer und Stroh zusammen kommt, da brennets lichterloh. 15. Denn man kan denselben leichtlich einander Sprichwort vorhalten: Durch Gelegenheit probiree man einen ehrlichen Rerl° ZiVegen derFeuers,Nrunstmuß man nicht Feuer und Stroh Mei!en,rve»t von einander thun. Gelegenheit macht keinen Dieb; sondern giebt ein diebisch Hertze zu erkennen. Sollen wir uns nicht wenig schämen, daß wir unsere Söhne insgesamt für leichtfertig, und unsere Töchter für liederlich, oder die unter die Zahl der- vernünftigen Liebe überhaupt. 265 jenigen gehören, von denen der?uec saget: c^/?« e/?, ^tt^i >-c>F^, ans diese Weise aus? Dreyen? Ja das wir uns selbsten der tadelns- würdigsten Nachläßigkeit anklagen, daß wir nicht durch eine vernünftige Zucht sie angewöhnet, auf eine unverdächtige und ehrliche Weise mit einander umzugehen. ,6. Zudem, wie lächerlich ist dock) unsere Vorsorge? Man verdenckt zwo Personen unterschiedenes Geschlechts, wenn sie vertraulich mit einander umgehen, ob man ihnen schon sonsten nichts verdachtiges oder unerbares nachsagen tan, aber das ist gar löblich, wenn sie in öffentlicher Gesellschaffc mit einander essen und rrin- cken, spiele»», tanken, einander selbst oder andere L-eute durchziehen? Ist es nicht eben so viel, als wenn wir behaupten wollen, daß die Tugend und Keuschheit durch wollüstige Speise undTranck, durch betrügerischen Gewinst, durch üppige kleine Spiele, durch anreihende Verkehrungen der Augen und Wendungen des Leibes, und durch die IvleäiiÄnce müsse erhalten werden ? ?7- Gleichergestalt, was ist doch darinnen wohl für eine Vernunft? Einen Tanymeister, Sprachmeister, Laurenisten, Mahleru. s. w. verstatten wir, daß er täglich gcuihe Stunden mit unsern Weibern und Töchtern alleine ist; und einen andern 60?«^? /^mm-.- halten wir ncbst dem Frauenzimmer für unehrlich, wenn sie nicht alle ihre LonverQriones in Gegenwart N; dreyer 566 Das 6. H. von der absotiderll'chen dreyer oder mehr Zeugen (als wie dic^vocsttn die mil denen Inczuiüten reden wollen) verrichten? 18. II) will davsn nicktö erwehncn, daß eben das Mißtraue»», das wir in der unserigen Ehr- ligkeit setzen, sie desto mehi zur UnehrbarVeit anreihet. Es schmertzcl ein Ehrliebendeö Gemüthe, daödisGemüths-Ruhe noch nicht in einem hohen (Zmä besitzet, nichts mehr, als wenn man es wegen eines Lasters, das es bishero schaffet,, verdenket. Und nach der gememcn Anmerckung kluger Leute ist der unrechte Verdacht eines Mannes die erste Staffel zu der aus der unordentlichen Liebe eines, Weibes ihme erwachsenden Schande. 19. Aber wir müssen wieder einlencken, damit wir nicht ,u weit von den Gräntzcn unsers Vorhabens uns entfernen. Daß wir hiernächst zrvoer Seelen oben gedacht, ist nicht so wohl geschehen, daß wir eine grössere Zahl ausschließen wollen; sondern vielmehr anzuzeigen, d?.ß, wie wir schon vberwehnet, kein Mensch sich selbst wahrhafftig lieben könne. Jemehr dannenhero Tugend-lie- bende Seelen mit emandert vereiniget sind, je grösser ist ihr Vergnügen, und je grösser wird ihre Gemüths^Nuhe, weil ein jeder über der andern ihr Wohlseyn sich ruhig erfreuet, und durch die Vermehrung der Anzahl sich liebender Personen die Anzahl der Liebe, nicht vermehret, sondern aus ollen mit einander gleichsam eine SeeK, und wahrhafftig ein Wille und. eine Liebe wird. 20. So ist demnach hieraus leichtlich Muse-, hen, vemüttfcigen Aiebe überhaupt. ^67 hey, daß nichts unvernünftiger sey, als eine Perfön deßwegen zu hassen, daß sie eine Person, die wir lieben, gleichsi.lls liebet, oder daß sie nebe?! uns eine andere Person liebet, oder sich von einer andern lieben last. Die Liebe ist keine Würckung unserer eigenen Will- kühr, sondern der Natur, und so unmöglich es ist, daß der Magnets das Eisen, so ihm nahe lieget, picht an sich ziehen solte, ss ohnmöglich ist es auch, daß glnch gcjmnete auch vernünftige Gemüther einander nicht lieben sotten, wenn sie ihre Gleichförmigkeit des HerHens erkennen. Eine unvernünftige Liede entzündet sich gleich durch den ersten Anblick einer Schönheit oder durch unkeusche Rcitzungen, aber vernünftige Ehr-liebende Gemüther gehen öfters, ehe sie einander kennen lernen, gantz inäiKerem mit einander um, und nichts destoweniger wird hernach, wenn sie beyderseits ihre Verdienste einander zeigen, ihre Liede so ftarck iind brünstig, daß sie nicht ohne einander leben können. Wie solte man dannenhcro einen Menschen hassen, oder sich über ihn erzürnen, wenn er das thut, worinnen er derZTlaeur nicht widerstehen Van? 21. Zudem, aus was für einöln Grunde wollen wir uns insonderheit Aber den erzomen, der dasjenige auch zu lieben ansänget, das wir lieben« Haler nicht eben das Recht dar- zu, das wir haben, und kan wohl das, daß wir jemand zu erst vor Hm geliebet, uns ein Eigenthum R4 geben? 26z Das 6. H.vHnder absonderlichen geben? Die Liebe ist keine Sache, die durch Handel und Wandel erworben oder durch Geld erkauft werden kan.. Sie kan keines Menschen Eigenthum werden, weil sie ohne Abgang des einen alle Menschen vergnügen kan, und weilGOtt sie in unsere Seelen gepflantzet, das ganhe mensch« liche Geschlecht dadurch zu vereinigen, diese Vereinigung aber bloß durch die Menschen selbst unvernünftiger Weise gehindert wird. Zudem so kan mirauch diese Liebe Keinen Schaden bringen, sonvern ich bin demjenigen, der das liebet, was icd liebe, vielmehr verbunden. Denn wenn er die Person liebet, die mit mir vereiniget ist, vereiniget er sich auch mit mir, und indem er ihr Vergnügen suchet, oder sie vergnüget, muß er nothwendig mich mit vergnügen, weil mein Vergnügen mehr in dem Vergnügen der geliebten Person als in dem meinigen bestehet. s:. Eben dieses können wir auch anführen, warum wir über die geliebte Person uns nicht erzürnen sollen, wenn sie sich von einem andern lieben last, und ihn wieder liebet, ausser daß wir noch diese Ursachen beyfügen. Entweder die Person, so wir lieben', liebet neben uns eine PeiOn, die auch nach Tugend trachtet, uns wohl gar übertrifft; oder liebet eine lasterhafte, und die ihre Hochachtung nicht verdienet. Trachtet sie anch nach Tugend, und ist wohl noch tugendhafter als wir, warum sollen wir unsern Freund und Freundin hassen « daß sie das Vemünfct'genjUebeüberhattpt. 269 thun, worzusie die gesunde Vernunft anreißet, was wir selbsten thun würden, ja was wir thun sollen, wenn wir an ihrer Stell- wären? Ist sie lastcchaffc, so haben wir nicht Ursache weder den Lasterhasslen noch unsern Freund oder Freundin zu hassen, (weil wir, als im vorigen Capitel erwiesen ist, niemahZen einige Urjachen werden sin« den können einen einigen Menschen zu hassen.) Wir haben aber nicht Ursache sie zu lieben, weil wir aus dieser ihrer That erkennen, daß sie nicht so tugendlichend sti), als wir sie uns eingebildet, und da>; sie nothwendig an diesem Lastnbaften ihres gleichen gefunden. Und deßwegen sind wir diesem lasterhaften Menschen auf gewisse Masse ver< pflichtet, daß er Ursache gewesen, daß wir eines sehr schädlichen Irrthums sind entlediget worden. s8. Ferner wenn ich in der Beschreibung der absonderlichen Liebe zwoer Tugend-liebende»« Seelen erwehnet, so weiset schon das vorhergehende Capitel, warum wir unter allen patticular- Gleichheiten, die unter denen Menschen anzutreffen sind, keine für geschickter zur vernünftigen Liebe gehalten als diese. Ja cß weifen auch unsere vorhergehende Lehren, daß, weil wir keine andere Tugend.als die Liebe erkennen, diejenigen Personen nur für tugendliebend zu achten seyn, die mit ihrem Thun und Lassen bezeigen, daß sie die L.iebe lieben, das ist, nach Anleitung des vori, gen Capitels, die Leutseligkeit« Wahrhaftigkeit. N 5 Be- 27» Das 6. H. von der absonderlichen Bescheidenheit, Verträgligkeit und Gedult. Das ist es eben, was wir im vorhergehenden Capitel gesagt, daß die allgemeine Liebe die Richtschnur der absonderlichen sey. d. i. daß tie- lenigen, die von obbcsagken fünf Tugenden oder auch nur von einer unker ihnen gänhltth emblöset seyn, sich zur absonderlichen Liede nich: schicken. ^4- Jc!) habe aber mit Willcn Tugend^lie« bende und nicht engsndhafee Seelen erfordert, um zu zeigen, daß die vernünftige Liede nicht nur unter Venen sey, die die Gemüths--Ruhe all- bereit in einem hohen besitzen; sondern auch unter denen, die nach derselben ernstlich brachten, ob sie gleich nur noch Anfänger sind, und auf der Tugend-Bahn noch nicht eben allzuweit fortgewanoert haben; Wiewohl jedermcm gar leichte siehet, daß es auf diese Weise in der vernünftigen Liebe unterfthiedene t?rac! geben müsse, und daß diese die aliervortreflichste sey, wenn zwey oder mehr Hertzen, die schon die Ge- müths-Ruhe erhalten haben, vereiniget sind. 25. Weil wir dannenhero so wohl diejenigen, fo auf der Tugend-Bahn zu wandeln anfangen, als die, fo allbcreit zum Zweck gelanget, für tu, gendliebend achten ; gleichwohl aber zum vftern als eine ausgemachte Sache erwehnet, daß die Aiebe eine Gleichheit erfordere; als ist noch ferner nöthig zu wissen, daß dem unerachtet die vernünftige Liebe nicht nur unter denen seyn kön, ne, auf dem Tugend-Wege, so zu sagen, neben vernünfrigett S.iebe überhaupt« 271 einander gehende mögen nun darinnen weit ^van- ciret seyn oder nicht; sondern auch unter denen, da einer schon einen ziemlichen Vorsprung für dein cmdernbat. Worausftrnerzuschlicssuiist, daß bey der Liede mir eine Gleichheit der Vefthai^ fenheiten und IncümMonen, nicht aber eine Gleichheit der6»erfordert werde. 26. Denn die Gleichheit wird nur erfordert, wegen der VercimgmiZ. Leute die auf unterschiedenen Wegen wandeln, tonnen sich nicht vereinigen ; aber wenn einer auf einem Wege gleich den Vorsprung hat , kcm die Vereinigung wohl geschehen, wenn entweder dieser auf den andern wartet, oder gar zurücke gehet, und ihm forthilft; oder jener eylet, daß er diesen einbohlet. Diese Anmerckung müssen wir uns wohl impmniren, weil wir daraus zu seiner Zeit die unterschiedenen Arten der absonderlichen vernünftigen Liebewer, den machen müssen. 27. Acho wollen wir in der Beschreibung derselben fortfahren. Wir haben darinnen dreier Tugenden erwehnet, (i)der aufmerksamen GesalligZeit oder SorgfaltigLeit, durch welche diese Liebe auf beyden Theilen gesucht werde, (!) der Gutthätigr'eit, durch welche man dieselbe nach und nach, nach ihren unterschiedenen 6--i erhalten sey. Ehe wir aber diese drey Tugenden genauer beschauen, müssen wir von der ^ZM» und Hochachtung, als welche be» einer vernünftigen Liede allezeit in dem Verstände vorhergehen must, etwas weniges erinnern. 28. Äle Menftben sind von Natur nicht tu, gendlievend, und die Tugend ist eine Sache, die zu ihrer Erkantniß eine genaue Aufmerckung fordert. Nach was für Grund,Regeln dieselbe geschehen müsse, wollen wir schon zu seiner Zeit weisen. Vorjetzo isteS genung,daß wir uns leicht einbilden können, daß, gleichwie sich gleich und gleich gerne gesellet, also auch selbiges sich leichte suche und finde. Ein tugendliebender LNann, ob er schon nicht die bey einem andern sich befindende Tugend-Liebe alsobald auf das deutlichste erkennet, so muthmasiet er doch dieselbe bald, wenn er nichts lasterhaftes an demselben spüret, und diese Muthmaßung ist nichts anders als ein M/m oder Hochachtung, krasse weicher ein tugendliebender Mensch einen andern nach seinen äusserlichen Thun und L.affen solange fnr tugendliebend Haiti biß er das Gegentheil gewahr wird. !?. Dieser LNim und Hochachtung ist ein hochstnc»thigerGrundaIIer^!-/3^ö/en Liebe, indem es unmöglich seyn kan, daß die Begierde der Vereinigung vernünftig sey, wenn nicht die Einbildung vorhergegangen, daß die geliebte Person der Tugend ergeben sey. zo. Es wird aber diese Einbildung eine Hochachtung vernünftigen Liebe überhaupt. 27; achtung genennet, in Vergleichunq der Tugendliebenden mit den lasterhaften, nicht aber mit tugendliebenden Personen von geringern e>.^/> Deswegen so achtet nicht als» leine ein Anfanger emen weisen Mann hoch, sondern es tragen auch in dieser Bedeutung zwey Leute vom gleichen Fortgang eine^Hochs «chlung gegen einander, und ein weiser Mann achtet einen Tugend-Schüler hoch, weil er die Beschaffenheit, daß er sich von andern absondert, und sich aus der KettiMat heraus reißen will, bei) «hm für was ungemeines halten muß. zi. Aus dieser Hochachtung fließet die gefällige Gorgfaltigkeit, welches eine Tugend ist, durch welche ein tugendliebendes Gemüth auf des andern sein geringstes Thun und Lassen Achtung giebt, um dadurch nicht so wohl das andere immer mehr und mehr kennen zulernen, als demselben hiermit seine Hochachtung und den Unterscheid, den es dadurch zwischen demselbigen und andern Leuten mache, zu erkennen zu geben; Massen es denn auch eben deßwegen dem andern alle sein Verlangen gleichsam an den Augen ansiehet, und ohne dessen Begehren ihme tausend kleine Dienste leistet, die zwar keine Mühe oder Unkosten erfordern, aber doch so geringe sind, daß sie das andere jenem nicht einmahl würde anmuthen dnrffen, auch diese!bigen mir einer schamhaftigen Stttsamketc annimmt. Z2. Diese -74 D^s 6. H. von der absonderlichen z!. Diese sorgfältige Gefälligkeit ist das erste unfehlbarste und nothwendigste !R>eNn- Kelchen einerängehenden Ä.iebe. Wo man dieselbige an trift, oarf man nur gewiß schliesset!, daß Man eine Persm liebe, weil es unmöglich ist, vaß ein Mensch continuirlich aufmercksam seyn kan, wenn es ÄKeÄirl ist, und nicht von Herhen gehet, sondern er muß nothwendig in die Nachlaßigkeiteinmahl verfallen,und seineSchein« ^iebe verrathen. Alle Worte und Vouceurs, alle Oeülaäen und freundliche Blicke können triegen, lino triegen täglich, wenn sie nicht mit dieser Sorg- fältigkeit vergesellsthafftet sind. Wo aber diese anzutreffen ist, wird sie bei) einem vernünftigen Menschen ohne einiges Wort und andere anreihende Kenn-Zeichen am allermeisten ausrichten. Wer viel von seiner Liebe saget, ist am wenigsten verliebet, und derjenige liebet am stärckstcn, der seine Liebe durch diese stumme Sorgfalt in der That erweiset. Ja dieses ist es eben, worauf ^ec^wn beym 8eneca zielet, wenn er saget: 8i vis mnüri, ama. zz. Ja sie ist auch höchst nothwendig, fs gar, dcißohne dieselbe aucd vie sousten nachdrücklichsten und ungsmeinesten Keim-Zeichen der Lie, be todt sind. 'Wo unser Schatz ist, da muß auch unser Hertz seyn, und wo unser Hertz ist, da müssen auch unsere Augen seyn- Wer liebet, der hat ein Verlangen durch die Vereinigung eines andern Hertzens seinen Mangel zu ersetzen. Wie kan man aber etwas verlangen, ohne an das verlangte vemnnfttgen L.iebe überhaupt. 275 langte stets zu gedencken? Wie kan man aber daran gedencken, wenn man die Gedanckcn wü anders hat, und nicht auf das gechigste Thun unD Lasten der geliebten Person achlung giebt? z4- Indem ich von Augen rede, will ich zwar die Augen des L.eibes nicht gantz ausschliessen; (Massen nicht zu leugnen ist, daß, gleich wie disel- den in der Erkanlniß der Wahrheit uns den grö- sien Vortheil schaffen, also mich dieselbigen'bey gegenwartiger Tugend sehr nothwendig seyn; und ein Blinder also eines grossen Vorthnls beraubet ist, bey andern Liebe zu suchen, und die seinige ihnen rechtschaffen zu erkennen zugaben.) Alleine ich ziele doch mehr auf die Augen des Heryens, nemlich die Gedancken. Wer rechtschaffen liebet, der giebt auch auf die Person, die ee liebet, achlung, wenn er die Augen a» einem andern Ort kehret, nicht nur in denen Dingen, die durch das Gehör begriffen werden; sondern auch in denen, die sonst zum Gesichts gehören, weiches wohl lächerlich zu fe»n scheinet, aber von einem jeden gar leichte begriffen wird, wer nur ein wenig darauf achtung geben will, was man neben derjenigen Linie, da unsere Augen gerade aufgerichtet seyn, seben könne. zz. Ja es muß zuweilen diese Sorgfältigkeit auf dergleichen Art eingerichtet seyn, daß man da« durch in einer öffentlichen Gesellscbafft die Liebe ei'» nerPerson durch dies-lbige suche, und dennoch niemand als diese Person selbst dieselbige gewahr werde, weil wir von lasterhaff- ten 276 Z>as6. H. von der absonderliche»? ten Menschen taglich umgeben seond, die die Tugend und also auch die kugendliche Liebe neiden, sie schinähen, uO ihr lausend Verhinderunge in den Weg zu streuen suchen. Diese Fall- Stucke würden wir nicht entgehen können, wenn wir stets eine Person, die wir hochachteten, mit unverwandten Augen ansehen, und einen Unterscheid zwischen ihr und andern Personen, den je- derman merckte, Macheten. Wer diese Sorg-- faltigkeil besitzt, wird tausend Gelegenheit finden indem er dem auserlichen Scheine nach diegantze Gesellschaft gleich bescheiden tr^ciirtt, demjenigen , dem er seine Liebe und Hochachtung zeigen will, dieselbe mit Worten und Thaten, die kein Mensch sonst in acht nimmt, zuerkennen zugeben. ;6. Ich spühre wohl,diese Lehre kömmt dir wunderlich vor, und du trägst grosses Verlangen, durch gewisse- Regeln diese Kunst zu fassen. Ader, mein Fi eund, hast du schon vergessen, daß wir alsbald zum Anfang gedacht, sie lasse sich durch Leine Regeln lernen, wenn man nicht wahrhaftig liebe. Liebest du aber wahrhastig, so brauchest du keine Regeln, fondern die Liebe wird schon selbst dein bester Lehrmeister seyn. Die tagliche Erfahrung bezeuget solches bey Lieben, die nicht eben gar zu vernünftig sind; woltest du demnach der vernünftigen Liebe, ja die die Vernunft selbsten ist, weniger Kräffte zutrauen. Z7. Jedoch erwege nur in etwas hierbei) den Nutzen der allgemeinen Liebe, und absonderlich der L.e»tseellgöeit, Nahrhaftigkeit- und Ds- vernünftigen Z.iebe überhanput. 277 Bescheidenheit. Wer nicht jederman freundlich und dienstfertig zu traÄiren gewohnet, und kein Sclave von seinen Worten ist, derwixdsich auch zur sorgfältigen Gefälligkeit sehr übel schicken, lind sehr viel Gelegenheit fürbey gehen lassen, seinen Freund und Geliebten eine Höfligkeit oder kleinen Dienst zu erweisen, oder sein Wort punQue! zu halten, indem er, als solcher Sachen unge- wohnek, meinen wird, daß solche geringe Dinge wenig auf sich hatten. z8- Und^ gesetzt, daß ihn die Liebe gegen eine gewisse Person so zu sagen gantz umkehrte, undm einen Augenblick gegen dieselbe höchst sorgfaltig machte; so wird er doch zum theil nicht vermögend seyn, da es, wie wir nur erwehnet, zu weilen nöthig, seine ^/eK/o» zu bergen; sondern ein jedweder wird aus seiner Lonciuite, als aus etwas ungewöhnlichen alsbald die wahre Ursache entdecken; Zum theil wird er auch dadurch wenig bey einer tugendhaften Person ausrichten, weil dieselbe seine Liebe unmöglich als tugendhaft wild annehmen können, so lange er nicht gegen jederman leutseelig, wahrhaftig und bescheiden sich erweiset, weil als ofte gedacht worden, die allgemeine Liebe der Grund und Richt, Schnur der absonderlichen ist. zc>. Es bestehet aber die Gefälligkeit in geringen Dienstleistungen und Bezeugungen, die geringe genennet werden, theils, weil sie dem, der sie leistet, wenige Mühe oder Unkosten E S ver- / 278 Dass. H. von derabsonderlichen verursachen, z.E. etwas aufheben, oder hohlen, einen Stuhl zu rechte setzen, etwas vom geringen Werth, das dem andern gefällt, ihm zum Gc- schencke anbiethen, u. s. w. theils, weil der, der sie erweiset, sich in den Augen des andern dadurch gleichsam geringer mache, als wenn man sich freywillig zu solchen kleinen Diensten anbietet, oder dieselben unbegehret leistet, die sonst ordentlich von Dienern pflegen verrichtet zu werden. 40. Die von ver leyren sind dannen- hero so beschaffen, daß man von ihnen billig sagen kan: nichtswürdige Dinge seyn die kost» barsten in der L-iebe, oder man tonne die groste Glückseeligkeit und die kostbarste und theureste VDaare, nemlich die absonderliche Liebe, um nichts erkauffen. Alle die kleinen Gefälligkeiten, die man dem andern erweiset, sind nichts; Denn derjenige, der sie leistet, würde sehr ausgelacht werden, wenn er sie dem andern als etwas nur von dem geringsten Werth anrechnen, oder nur als eine Wohlthat vorrücken wolle. Aber im Gegentheil hält sie derjenige , dem sie erwiesen werden, desto höher, je vornehmer sonsten die Person ist, die sie leistet, und je tieffer die ludmilNon ist, die man dadurch bezeiget. Derowegen geschiehet es auch, daß man zum vftern durch eine eintzige solche Gefälligkeit das Hertze eines Freundes oder Freundin auf einmahl überkommt. 41. Solchergestalt aber ist sich desto mehr zu ver- Vernünftigen Liebe überhaupt. 279 verwundern, daß sehr wenig Leute in der Ülvett se^n > die sich dieser Handelfthaft befleißigen, und das unschätzbare Kleinod wahrer Freundschaft und Liebe so wohlfeilen Kaufs an sich zu bringen wissen, welches theils daher geschiehet, daß sie gegen alle Mensche,! nachläßig und nicht leutseelig noch bescheiden seyn, oder weil sie es sich für eine Schände achten solche Dinge zu thun, die denen Dienern zukommen; da doch die guten Leute nicht verstehen, daßdeßhalben dergleichen Dienste nichtan Und für sich knechtisch seyn; sondern wenn sie der andere uns anbefehlen, und uns nach Gelegenheit darzu zwingen kan» 4^- Dannenhero verbindet auch die Regeln der Liebe den, dem wir solche leisten, daß er aus dergleichen Gefälligkeiten tzeine Gerechtigkeit mache, ja dieselbigen nicht einmahl ohne Bezeugung einer kleinen Verhinderung annehme/damit ler auch seines Orts bezeige, er betrachte dieselben nicht als knechtische sondern als Liebes'Dienste, die ihren Werth aus der blossen Freywilligkeit her haben. 4Z- Und machen sich solchergestalt der gesuchten Liebe diejenigen unwürdig, die, wenn man ihnen einmahl in solchen Dingen gefallig gewesen ist, sich nicht scheuen, siervievervsn unszu begehren, oder die dieselbigen.ohne die geringste Weigerung geschehen lasten, oder nachdem solche geschehen, kein Zeichen von sich S 2 Zcbwf 28-z Das 6. H. von der absonderlichen geben, daß sie uns deßwegen verpflichtet seyn, oder sie mit gleicher Sorgfälcigeeltzu erwiedern trachten. 44- Denn ob wir schon zuvor erwehnet, daß sie der, so sie geleistet, dem andern nicht anrechnen könne, so kan er doch wol)! ohne Verletzung der gesunden Vernunft dieselbige künftig un, terwegen lassen, weil der andere durch dieses seinVcrfahren sattsam bezeuget, daß unsere Liebe ihm nicht angenehm sey, und wir uns also sehr betrogen haben, wenn wir gemeinet, er wäre so tugendliebend als wir. 4;. Und gewiß die Leute, die sich gegen die ihnen geleisteten kleinen Gefälligkeiten so unbescheiden erweisen, handeln noch irrciiloi^bler als die, die denen, derer Frcundscdaft sie suchen, die, selbige nicht bezeigen. Diese scheuen sich nichts um das kostbarste zu Ka-arciiren; aber jene wollen für das kostbarste, so man ihnen anbietet, nicht einmahl nichts zur Bezahlung geben. Denn was ist doch diese blosse Erkantligkeit, die man von ihnen fordert, anders als nichts. 46. Doch sind diejenigen noch ungeschickter zur Liebe, Sie dergleichen sorgfällige Gefälligkeiten entweder ganiz und gar nicht annehmen wollen, oder dieselben alsofort erwiedern. Jene achten lins gleichsam entweder zur absonderlichen Liebe untüchtig, oder geben zu verstehen, ihre Liebe sei) viel m kostbar, als daß wir sie mit solchen Dingen sollen erhandeln können. Diese thun vernünftigen Z.iebeüberhaupt. 2g! thun fast ein gleiches, ausser daß jene unser nichts nicht annehmen wollen, diese aber suchen unser nichts mit einem gleichen nichts zu bezahlen, das aber noch unzchlichmahl geringer ist, als des Nichts der Crkantligkcit- Und gewiß man kan einem liebreichen Gemüthe keine grössere Neschimpffüng anthun , als rvenn matt seine Sorgfaltlgt'cit gar nicht annehmen will, und wird er einen solchen Menschen mehr unwürdig seiner Liebe erkennen, als wenn er sein gröster Feind wäre; Denn ein Feind hält uns doch noch für seines gleichen, weil er sich über uns erzürnet. Aber ein Mensch, der unsere Liebe verschmähet, setzet uns gleichsam dadurch aus der Menschheit heraus, indem alle Menschen fähig sind von allen Menschen geliebet zu werden; Ja er beschuldiget uns gleichsam dadurch der grösten Laster, weil kein Mensch der absonderlichen Freundschaft unwürdig ist, als der lasterhaft ist. 47. So schätzbar aber und so nothig die sorgfältige Gefälligkeit bey der Liebe ist, so wenig ist sie die fürlreflichste Tugend der Liebe. Sie jaget der Liebe nur nach, und erklähret auf unserer Seite , daß wir zur Liebe bereit seyn, wenn wir die andere Person dergestalt beschaffen befinden, daß sie unsere Liebe annehmen wolle. Sie ist eine ehrliche Rnndschafcerin, den andern zu erforschen ob er unserer Liebe würdig sey. Die Bezeugungen derselben sind viel zu geringe, als daß man sie für ZlVürckungen der rechten L.iebe.und Freund- S z schüft 2Z! Das 6. H.von derabfonderlichen schaft ausgeben könne, Dannenhero muß sie weichen, sobald die rechte Liebe angehet, daß ist, so bald wir der Gegen-Liebe des andern oder feiner Tugend anfangen versichert zu werden, und an? dem vortreflichen Tugenden Platz geben, 48. Laßt uns aber diese Betrachtung, so klar und deutlich sie auch ist, nicht so oben hin berühren, sondern etliche Anmcrckungen daraus herleiten, die nothwendig mit derselben verknüpft seyn müssen, obgleich insgemein darwider pfleget angesios- sen zu werden. Erstlich, daß, so lange als zwo Personen einander noch diese sorgst tige Gesälllgeeit erweisen, man sich nicht alieine bereden könne, daß eines des andern Gewohnheit annoch suche, und noch Keine gewisse Versicherung davon habe; sondern auch, daß die Person, die uns mit dieser sorgfaltigen Gefälligkeit eine lange Zeit begtt gnet, entweder uns zu hintergehen suche, wenn sie uns ihrer Liebe zu versichern trachtet, oder aber ein Mißtrauen in unsere Liebe setze. 49. Zum ander«/ daß, wann zwo Personen, die bißhero einander dergleichen Gefälligkeit erwiesen , solche einander nicht mehr bezeigen und doch einander nicht feindseelig »der Laltsinnig ?,en, wir solches nicht für ein Zeichen aufnehmen, als wenn ihr Liebe und ^Kim vermindert worden; sondern daß wir vielmehr daraus schließen, daß sie in ihrer Freundschaft und A.iebe gnugsame Gegen-Ver, veruüttftigen Liebe überhaupt. 28z ftcherung erhalten, und ziemlich vertraulich worden. 5«. Zum andern, daß diejenigen Personen, die uns allbereit ihrer Gegen-L.iebe ver^ sichert, entweder uns nicht wahrhaftig lieben, oder das VOejen der L.iebe mche verstehen müssen, wenn sie noch fietS- wahrend von uns die eo«^mf- fein aufhören, und wo man einander durch die sorqfallige Gefälligkeit gleichsam biß in das Innerste des Hertzens siehet, damußnolkwendiaein Vertrauen entstehen, daß uns die geliebte Person nicht hinter gehen könne noch wolle. Ja da muß man nothwendig anfangen gegen einander vertraulich zu rvrrden, weil man Wechselsweise erkennet, daß man sich ferner weder für einander S 5 ver- 286 Das 6. H. von der absonderlichen verbergen könne, noch Elches zu thun Ursache habe. 55. Ferner gleichwie ohne die vorhergehende Hochachtung keine Liebe oder Gefälligkeit ver- «unftig ist; also ist auch Keine Gutthätigkeit Vernünftig, wenn nicht dieses Vertrauen vorhergehet, und also ist in Ansehen dessen ein mercklicher Unterstheiö zwischen Venen Diensten der Gefälligkeit und denen Gutthaten, weil das Vertrauen jener ihre Tochter, und dieser ihre Mutter ist. 56. Hieraus folget aber nothwendig, daß dieses nimmermehr für wahre Gutthaten zu halten ft'sn, wenn man alsbald be^m Anfang der Luebe, und ehe man einer Gegen- Liebe sich versichernd«,!, einander N?ech- jeisweise, oder aufeincr Seite solche Dienste erweiset, die mit Verlust unsers Vermos gens, oder mit ^/rung unserer Gesund- Keit und anderer Güter vergefellschafteö find. Dieses Wisset die Perlen für die Saue werffen, und die Güter, dij? uns GOtt gegeben, an wahre Freunde unv Liebens, würdige Personen zu wenden, unnühlich und unverantwortlich verschwenden. 57. Ja man wird sich nicht bekriegen, wenn man von denen, die dergleichen kostbare und gefährliche Dienstleistungen denen, so sie noch nicht kennen, erzeigen, ein solches Urtheil fallet , daß sie entweder verschwenderisch ode? tOll- vernünftigen Liebe überhaupt. 2F7 tollkühne se^n; oder wo man durch andere Aeichen befindet, daß sie mit diesen Lastern nicht behaftet sind, darf man sichnuryewikvenichern, daß diejenigen/ so uns dieftlbige leisten, nicht unser Vergnügen dadurch" sondern ihr eigenes K-ni-A- zu befördern suchen, Mi) also auch aus diesen Ursa6)en der geleistete Dienst unter die Schein, GullhaM gerechnet werden müsse- 58. Jedoch muß man sich nicht einbilden, daß die vor Leistung wahrer Gutthaten gehörige Behutsamkeit sich eben allemahl eine langeZeit erstrecken müsse, und daß man obiges Urtheil von Ben denenjenigen fallen dürfte, die uns Gttha- ten erweisen, wenn sie noch nicht lange mit uns umgegangen sind. Die behutsame Gefälligkeit soll so lange tauren, bis; man einander kennen ler, net« Je grösser nun die Gleichheit zweyer Gemüther ist, je geschwinder erkennet man einander. Derowegen kau es nicht fehlen, es müssen zwo Personen, die sehr offenhertzig find, in einer einigen LonverlÄrion, ja in einer sehr kurhcn Zeit, einander kennen lernen, Wechsels-Weist lieben, und da es Gelegenheit giebet, ihre Gulthaligkeit gegen einander blicken lassen, daß man dannenhero wegen Kürtze der Zeit der Gefälligkeit fast unter ihnen gewahr wird. 59. ZTloch viel unvernünftiger aber ist es diejenigen zu lieben, und idnen Gutthaten, zu erweisen , die uns hassen, oder doch KUM 288 Das6. H. von derabsonderlichen zum wenigsten zu verstehen geben, daß sie unsnichrwiederlieben können. Wo man lins hasset, da zeiget dieser Haß nothwendig eine Ungleichheit der Gemüther an, und müssen also entweder die Persohn, die wir liehen, oder wir selbst nothwendig lasterhaft seyn. Eben dieses ist auch davon zu sagen wenn man uns Gegenliebe versaget Denn man darff dieses nicht etwan dieser Ursachen zuschreiben, daß die Person, so wir lieben, allzuweit in der Tugend zugenommen, und wir nur Anfanger darinnen waren; oder daß im Gegentheil sie in der Tugend noch nicht so weit gekommen wäre als wir, und daherv die Grosse unserer Tugend noch nicht vertragen kvnte. Wir haben schon oben erwehnet, daß die unterschiedenen (-racje tugendliebender Personen sie in gerinsten nicht an der Liebe hindern, und daß die Gleichheit der Neigungen zu der Tugend allgenung sey,, eine wahre Liebe zu erwecken. 6-z. Derowegen ist abermahls aus dieser Ursache abzusehen, daß viel 8cribermn ihren Lon- cept von einer vernünftigen Liebe nicht wohl eingerichtet, wenn sie in Vorstellung derselben solche Personen einführen, die für Liebe gegen ein FrauewVoick, das sie nicht wieder lieben wil, Lranck werden, oder wohl gar sterben. Au geschweige», daß es der Vernunft zu wider ist etwas zu lieben, das wir nicht erhalten können, weil die erste Ncgel des menschlichen Willens darinnen vernünftigen Liebe überhaupt. :8>) innen bestehet, daß wir nichts begehren sollen, was uns unmöglich ist. 61. Wann denn nach der behutsamen Gefälligkeit das Vertrauen bey beyderseits Personen einstanden, und dieHertzsn gegen einander bezeigen, daß sie sich auf beyden Theilen zu der Vereinigung neigen, gleichwohl aber diestlbige» noch nicht wmcklich vereiniget sind, sondern ein jedes noch seine eigenthümliche Güter hat, und so zu sagen noch Herr über sein Thun und Lassen ist, so kan es nicht fehlen, sie müssen ausbeyden Gelten anfangen von ihrem Gurem und von ihrem Thun und Lassen einander gleichsam merckliche Stücke mitzutheilen, und dadurch einander immer näher und naher zukommen. Denn wenn man gleich sagen wolte, es tönte diese Vereinigung wohl geschehen, wenn das eine Hertze dem andern alles gutes erweise, sein Thun und Lassen des andern Willen unterwürffe, und nur auf seiner Seite diese Vereinigung vollbrächte, so haben wir doch schon oben behauptet, daß die Vereinigung in der menschlichen Liebe also beschaffen seyn müsse, daß keines über daßan, dere sich einer Bothmaßigkeit anmasse; sa wir haben nur jetzo aufgehöret zu sagen, daß keine vernünftige Liebe ohne Gegen-Liebe seyn könne. Und derowegen ist die tVectiselsweise Gutthatig- keit ein nothwendiges Stück der Liebe. 6!. Ja sie ist auch ein unfehlbares Renn- Zelchen derselben. Wahre Gutthaten können aus 590 Das6.H.vonder absonderlichen aus ni6)ts anders als aus einer vernünftigen Liebe herrühren. Die unvernünftige Liebe wollüstiger und ehrgeitziger Leute, gleichwie sie nur eine Schein-Liebe ist, in der man sucht das andere Hertze sich unterwürffig zumachen, also sind auch die darinnen vorkommenden Gutthaten nur Schein-Gutthaten, weil sie allenthalben nach ei» genem Intsrelle schmecken. 6z. Man kan dannenhew die wahre Ä.iebe von der Mschen in keinem Stücke besser als hierinnen unterscheiden. Die Dienste der allgemeinen S.eutseelig?el't, gleichwie sie gar keine absonderliche Liebe anzeigen, sondern allen Menschen erwiesen werden sollen, auch in so geringen Dingen bestehen, daß man dieselben für keine Liebes, Dienste ausgeben kan; also können sie auch wohl bey der Schet'n-als wahrhaftigen Hiebe vorgehen. 64. FastgleicheBewandniß hat es mitdenen Diensten der sorgfältigen Gefälligkeit, weil sie eben so geringe sind als die Dienstleistungen der Leutseeligkeit, und nur darinnen von de- mnselben unterschieden sind, daß wir bey der Leutseeligkeit alle Menschen gleich rrs-Hiren, und durch dieselbe auch uns andern Menschen gleich halten, bey der Gefälligkeit aber, wie erweynet, andern durch gewisse Merckmahle den Unterscheid, den wir zwischen ihnen und andern machen, zu verstehen geben, auch zum vftern bey denenselben uns ihnen sehr lubmitmen. Solchergestalt aber katt > vernünftigen Liebe überhaupt. -91 so weh! die vernünftige als unvernünftige Liebe sich dergleichen Gefälligkeit bedienen, nur daß dieselbe bey der falschen Liebe durch ihre noth» wendige ^KeÄacion sehr kantlich wird. 65. Ob aber wohl die GutrhärigLeir dadurch so wohl von der Lemseeligkeit als Gefälligkeit unterschieden wird, daß die Gutthaten rostbar und mühsam seyn müssen. So ist doch dieser Unterscheid noch lange nicht genug die ver- nünfcige und unvernünftige Liebe von einander zu entscheiden, weil in dieser es allenthalben an Kostbarkeit und Mühe so gar nicht mangelt, daß man vielmehr mehr Mühe und Unkosten hier anzuwenden pfleget, als in der vernünftigen Liebe, weil die unvernünftige Liebe hitziger ist als die vernünftige, ebendeßhalben, weil sie unvernünftig ist. 66. Ja man waget das Leben selbst, so wohl in der unvernünftigen Liebe als in der vernünftigen, weil man eine augenblickliche Wollust, oder eine eiteleEhre ja so hoch achtet, alseinTugendlieben- der die wahre Gemülhs-Ruhe. 67. Derowegm so bleibet dieses der eintzige Unterscheid zwischen dem wahrhaftigen und ^cheiN'Guttharen, daß man in dieftn sein eigen Vergnügen sucht, in jenen aber man der geliebten Person ein wahres Vergnügens» geben bemühet ist. Und dieses ist auch der fürnehmsie Unterscheid zwischen der Vernunft ttgen und unvernünftigen Liebs. 68-We? 294 Das 6.H. VON der absonderlichen nicht thut, was der Freund verlanget, weil man -gewiß versichert lebet, daß die Versagung des begehrten Schein-Guten, dem Freunde ein wahres Vergnügen erwecken, und er uns dermahleins dancken werde, daß wir ihm sein Begehren ver, saget. 71. Mit denen Schein-Gutthaten ist es qantz umgekehret; Man last den, der unserer Hülfe vonnörhcn1)at, lange verzappeln, und bitten, um dadurch die begehrte Gutthat destl) höher auszubringen. Man bittet ihn nicht lange drum, sie anzunehmen; sondern wenn er nur das Geringste versi'het, entziehet man «Mi dieselbi- ge wieder, ehe er ihrer noch völlig genossen. Sol^ chergestalt aber machet man, daß dessen Freude, der sie geniesset, sehr gering ist;' Ja man freuet sich hierbei) nicht so wohl darüber, daß die geleiste-- te Gutthat den andern vergnüget, als daß man dadurch Gelegenheit bekommen, von ihm ein gleiches oder mehrers zu fordern. Man rechnet ihm die aufgewendete Mühe und Unkosten theuer genug an, und achtet des andern Freundschafft und Liebe für nichts, wenn er uns unsere Dienste nicht wiederum überflüßig vergelten kan. Man waget wohl in der unvernünftigen Liebe sein selben , aber nur für die Erlangung der Woltust und anderer dergleichen Begierden, nicht aber für die Person, gegen die wir uns anstellen, als ob wie sie liebsten; Ja man gäbe tausend Freunde hin, wenn man nur sein eigen Leben damit retten tönte. Jedoch vernünftigen S.iebe überhaupt. 295 Jedoch ist es nichts ungewöhnliches, daß man sich auch in unvernünftiger Liebe den Todt anthue, wenn man sich seine Wollust und andere Begierden zu erfüllen beraubet siehet. 77. Und weil man ferner bey den Schein- Gutthaten auf sein eigenes Imereile und Belu, stigüng ziehlet; als erweiset man seinem Freunde solche Dinge, die uns vergnügen, und bekümmert sich nicht, ob er einen Gefallen daran habe oder nicht. Man dringet sie andern auf, wenn sie gleich dieselben nicht verlangen, noch deren benöthigel sind. Man wünschet denen andern ein grosses Unglück oder Verdruß an Hals, daß man seine Milde und Gutthcmgkeit an ihme bezeigen, und sie dadurch uns vervfiich, ten möge. 7z. Letzlich weil die unvernünftige Liebe allezeit auf ein unruhiges Vergnügen gegründet ist, so erweiset man auch den andern solche Liebes- Dienste am liebsten, die der Tugend zuwider seyn, und die Gemülhs-Ruhe stöhren, theils damit wir den Freund zu gleichmaßigen unruhigen Diensten wieder brauchen können; theils weil wir aus deren Begehren spühren, daß er uns gleich seyn müsse. Ja wenn man siehet, daß derselbe, weil er nicht so unvernünftig ist als wir, sich schämet, dieselben von uns zu begehren, so frischet man ihn desto mehr darzu an, und wenn er Hingegentheil was Löbliches von uns verlanget, lachet man ihn aus, als einen unverständigen Menschen, T oder 296 Das 6. H. von der absonderlichen oder hintergehet ihn sonsien, indem man allerhand Erfindungen hervorsticht, ihm sein Begehren unter einem Schein abzuschlagen. 74. Und also verstehest du nunmehro, warum wir oben in Beschreibung der Gutthatigkeit gedacht, daß man dieselbe ohne Negehrung einiges iLntgeldw verrichten müsse, weil wir nem- lich in derselbe» nicht unser Inrereile, sondern das Vergnügen der geliebten Person suchen. Wir suchen ja dadurch das allbereit gewonnene Herye unsers Freunde? immer näher und naher mit uns zu verbinden, und dieses übertrift alles anderein- tere/Ie, aber wir suchen doch hiermit nicht unsern ?rivZt-^ulzen; ja wir wollen auch das Hertze unsers Freundes nicht durch die Gutthaten, son, dern mit unsern Hertzen, davon die Gutthaten nur «in Zeugniß seon, erkouffcn. 75. Jedoch ist die GiUthaliMt niemahlen Ohne Hofnung eines Verg^Idts, weil man gewiß veisichertVst, daß dieLicbe unseres Freundes ihm antreiben werde, danckbar gegen uns zu seyn. Denn die Danckbarkeit ist die Tugend, die der Gulthätigkeit auf dem Fusse folnet. Sie ist nichts anders als ein Trieb, die empfangenen wahren Gutthaten nicht a!lemea!si>- bald mir Bezeugung, daß sie uns angenehm seyn, anzunehmen, sondern auch eysiig sich zu bemühen, entweder dieselbe durtt, andere zu erwiedern, oder doch zum wenWen, dg es in unserm Vermöge»« vernönftigen Liebe überhaupt. 297 nicht ist, oder da sich sonst Keine Gelegenheit darzu ereignet durch Worte und VVer« cke zu bezeigen, daß wir solches zu thun grosses Verlangen tragen- 76. Die Danckbardeit hat dieses mit der GutthätigVelt gemein, daß ausser der wahs reu L.iebe auch keine wahrhaftige Danck< barkeit statt hat; Wo man mir nur Schein- Gutthaten erwiesen, nach Art und Weise, wie wir solches kurtz zuvor beschrieben haben, da bin ich nicht undcmckbar, wenn ich dieselben nicht zu vergelten trachte, zumahl wenn man uns dieselben wider Willen aufqetrungen. Ja wenn ich sie gleich vergelte, so ist es doch keine Danckbar- keit, sondern eine Bezahlung dessen, was mir der andere nicht als eine Gutthat erwiesen, sondern gleichscim nur als baares Geld geliehen, und ich auch nicW anders angenommen, oder annehmen sollen. 77. Ferner, gleichwie man von der Guttha- thigLeit nicht leichte urtheilen kan, ob dieselbe recht oder unrecht sey, wenn man nicht selbst die wahre Liebe in seinem Hertzen empfunden, und die falsche Schein-Liebe erkennen lernen; also kan man auch nicht leichte urtheilen, ob der andere danckbar oder undanckbar sey, wenn man. nicht selbsten den jetzt besagte» Grund wahrhaftiger Danckoarkeit wohl verstehet. Bry dieser Bewcmdniß aber ist nicht zu bewundern, woher es doch komme, daß, da die wenigsten Mmschen T z denen 2Y3 Das 6. H. von der absonderlichen Venen andern wahre Gutthaten bezeigen, doch je, derman seine Gntthatigkeit rühmet, und den andern ciner Undanckbarkeit beschuldigte, der sich aber kein Mensche schuldig erkennen will. Denn wir leben ;u einer solchen Zeit, da die Tugend den Nahmen der Lasier überkommen, die Laster aber mit denen Titeln der Tugend einher prangen, und da die allermeisten Menschen von der vernünftigen Liebe, und denen dahin gehörigen Tugenden, wie der Blinde von den Fm» ben urtheilen. 78. Endlich gleichwie die Liebe keinen Zwang leidet, und was gezwungen ist, für keine Gutthat rxMren kan; also kan man auch niemand zur DanckbarKcit zwingen, und derjenige bleibet doch undmickbar, den man gezwungen hat seinen Freunde wieder Gutes zu tkun. 79. Wiederum ill darinnen zwischeifder Gut- thatlgkeit und Danckbarkeit ein g-osier Unterscheid, daß niemand für gutthatig gehalten werde!- kan, derseincn ZreundenichtinderThat Gutthaten erweiset,aber man kanwobldanck- b ar se 0 n, w en m an g! eich d em a n d crn n ich ts wieder zu gute thut, wenn es uns an Gelegen» heir und Vermögen mangelt solches zuthun, und wir unsereBegierde ihm wieder zu dienen nur rechtschaffen .'Uödrücken. 80. Du must aber nicht weitergehen, und aus d m, was wir gesagt habcn, folgern, daß »och diesem Unterscheid zwischen diesen beyden Tugenden sey, vemünfttgen S.iebe überhaupt. 299 sei), daß auf di^e Wei«e niemand unvermögend sey, danckbarzu seyn, abe> daß es ihrer vielen fehlen könne gutthätig zu seyn, wenn sie wegen Armuth hierzu unvel mögeno siiw. Und daß dcmnmIm'oArme sich nicht ftbicketen andere zu lieben, oder ?vch die GutthätlgKeie nicht eben so ein nöthiges Stücke der ru- gendlichen^icbe seyn müsse. Denn es folget dieses aus unserer Lchre gantz nicht. Eö tan ja wohl einem Menschen an Gelegenheit mangcln, einem andern würcklick Gutes zu thun, als wie es ihm an Gelegenheit mangelt, dem andern würckli- che Danckbarkeit zu erweisen. Es kan einer un, vermögend sel?n, die Gutthat, die der andere von ihm begehret, ihm zu erweisen, gleichwie er öfters unvermögend ist, ihm zur Danckbarkeit etwas gewisses zu leisten. Aber das gehet nicht cm,daß wir sagen weiten ein einiger Mensche, sonderlich ein tu, gend-licvender Mensche se» unvermögend dem andern Gutes zu thun. Die Gutthaten bestehen nicht alleine in Mittheilung des Vermögens, sondern in Abwendung alles menschlichen Thun und Lassens zu des andern Nutzen. Hat nicht ein jeder ein Le- ven,,das er für dem andern aufopffern kau? Und hat nicht ein Weiser- über diß guten Rath den andern aus der keiÄÄlirat heraus zu reisten, und seinenVersiand und Willen auszubessern? Diese Gutthaten sind viel edler als die Darleihung aller Schatze. 81. Siehe auf so leichten und dsch deutlichen T 4 Grün- zoo D6S6.H. vonder absonderlichen Gründen bestehet die Lehre von der Gutthätigkeit und Dankbarkeit. In dieses wenige ^/>et sich alles das, was Ä^vz so weitlauf- tig und nicht allzuordentiich, auch zum ofcern nach 2irt der Gtoicker mehr ???/?ttsch als klar und offenbar-handgreiflich in seinen Büchern von denen Gutthaten vorgetragen. So viel ist an einer reckten Beschreibung eines Dinges, und an guter Ordnung gelegen. 8!.Nun folget die unzertrennliche Gemeinschaft alles Vermögens, ingleichen alles vermmffngen Thun und Ä.assens, als die völlige Bezeugung, daß nunmehr» die vernünftige Liebe ihre Vollkommenheit erlanget. Wenn man sich mit der sorgfältigen Gefälligkeit gleichsam in den anfersten VorgemacK der vernünftigen Liebe, darinnen jederman den Zugang hat, eis ue Zeitlang aufgehalten, und hernach vermittelst der Gutthätigkeit in ihr anderes Zimmer, da ihrer wenige nur ihren Zutritt haben, eingegangen, gelanget man endlich m das allervertrauteste Labi^- nec der Liebe, wenn man durch eine Gutthat und Vertrauli'bkeit nach der andern Wechsels <- weise die Hertzen so feste und nnauflößlich verknüpfst hat, daß aus zweyen so zu sagen ein Hertz und eine Seele worden ist, Und also muß demnach in diesem (7^/W5, da die wahre Liebe ihren Thron hat, alles Eigenthum aufhören, und alles gemein seyn, weil ein jedwedes vernünftigen Liebe Aberhaupt. zo2 des Eigenthum zum Wenigsten zwo und zwar unterschiedene und nicht aüzueinige Personen nach seinem Wesen /^/.-/-/n^er, aiich aus dem Mamzel der L.lebe und der Uneinigkeit entstanden ist» 8z. Wir haben dieses anderswo weitlmiftia aus, erführet, da wir behauptet haben, daß von Anfang derVOelt eine Gemeinschaft der Güter gewesen sey, und daß das Eigenthum allein? deS» halben einstanden, weil das Band der Liebe untex denen Menschen zerrissen, und allein in dieser Betrachtung besagte Gemeinschaft für den hierdurch allzusehr verderbtenZustand derMenschen sicb nicht schicke. So weifet es auch die Rirchen Historie, daß bey dem Anfang des Christenthums, als die Christliche Liebe annoch ihre gehörige Brün- siigkeit gehabt, auch alle Güter unter Venen ersten Christen gemein gewesen. Jedoch wollen wir'dieses letzte alihler nicht als den starcksten Bs> weißthum anführen,theile weit die Christliche Liebe viel edier ist als die vernünftigeLiebc,vvn der wir al- leine in vieler Sitren^Lehre handeln,thei!s weil unterschiedene Gelehrte der Meinung sind, daß unter denen ersten Christen nicht eben alle Güter gemein gewesen; welchen Streit ausführlicher zu erörtern, anjcho nicht unsers Vorhabens ist. 84. So wollen wir uns auch nicht des Anst, hcns desbedienen, welcher, wie bekandt T 5 ist, zn- Das 6. H. von der absonderlichen ist, zu der Vollkommenheit des gemeinen Wesens erfordert, daß alle Dinge in demselben gemein seyn sollen; sowohl weil dieser etwas zu weit gehet, und diese Gemeinschaft auch auf die Gemeinschaft der Vl?eibcr erstrecket, davon wir imietz- tenHmiptstück etwa!? vernehmen wollen'theils weil wir nicht gewohnet sind zu Behauptung unserer Lehren uns der auwmäl einiges Menschen Zu bedienen. Genung ist es, daß wir dieselbe allbereit aus dem Wesen der Liebe selbst klar und deutlich hergeleitet haben.. 85. Und ist solchergestalt nichts nnhr übrig, als daß wir etliche wenige Einwürffe, die man aus denen Regeln der aligemeinen menschlichen Vernunft hicrwieder anführen konte, abhelffen. Insgemein halt man dafür, daß die Gemein? schafc aller Güter den Unterscheid der Stände in gemeinen Leben und der bür- gerlichen Gesellschaft ganylich aufheben, und durchgehends einen schandlichen Müfftggang, oder doch zum wenigsten diese Ungerechtigkeit einführen würde, daß die faulen Leute, die nicht arbeiten wollen, besser dran seyn würden als die arbeitsamen, indem sie der Frucht der andern ihrer Arbeit reichlich mit gemessen, die Arbeitsamen aber von ihnen nicht das geringste wiederum zugemessen haben würden, wodurch denn eine grosse Ungleichheit unter denen Menschen würde eingeführet, und also wider die /' vernünftigen Liebe überhaupt. ? Gemeinschaft der Güter hebet einen von denen vorn hmsten Untei scheiden unter den Menschen auf, von welchen sehr viel andere Unterscheide der Stände in menschlichem Gesellschaft cle^en- 6iien, nemlich den Unterscheide nach rvelchem etliche arm , etliche reich sind, und würde gewiß, wenn kein Eigenthum wäre, niemand arm oder reich seyn, sondern ein jedweder geming haben. 87. Aber wolte GOtt, daß Kein Mensch arm oder reich wäre. Jener hat zu viel, und dieser zu wenig. B^des ist böse, und für einen Haupt-Mangel zu achten. AnnulK und Reichthum ist ja be» nahe die Ursache aller unter den Menschen entstehenden Uneinigkeiten. Undwe'>n die Gemeinschaft der Gitter keinen Mangel mehr Z04 Das6.H. von der absonderlichen einführet, a>? daß ein jedweder genunq hat, so hast du wahrhaftig nichts wider dieselbige zu sagen, weil derjenige atlbereit das grvste Theil von der Gemütho-Ruhe hat, der sich begnügen last. 88. Und ob schon von dem Unterscheid der Reichen und Armen, oder von dem unter dem Menschen eingefi'ih! ten Eigenthum sehr viel andere Stände ^e/?e?-^>en, indem ein jedweder dadurch angetrieben wird, etwas in dem gemeinen Wesen zu ersinnen, damit er Geld verdiene, so sind es doch insgemein solche Stande, dadurch die Thorheit und iLicelkeit der Menschen im- »nermehr und mehr gesiärcket wird, indem ein jedweder sich bemühet, durch seine Erfindung gen, immer was neues aus die Bahn zu bringen, dadurch die ans eine ettele curiolirat zielende Gemüther der Menschen an sich zu locken, oder ih« nen dadurch Gelegenheit zu geben, sich von andern Menschen, als wenn sie vortreflicher waren, desto mehr abzusondern, oder unter dem Schein dem menschlichen Geschlecht zu nützen, demselben vielmehr auf tausenderlei) Weise zu schaden. Wer wolte aber sagen, daß dadurch dem gemei, ven Wesen ein Abbruch geschahe, wenn durcl) die Gemeinschafft aller Güter diese Stande aufge, hoben und geändert würden, da sie doch vielmehr das gemeineWesen so sehr hindern, daß, wie die tagliche Erfahrung weiset, die so vielfaltig wieder- hohlctcn Police», Ordnungen nicht vermögend vernünftigen L.iebe überhaupt, zo^ sind, das durch dieselben eingeführte Übel auszu, tilgen. 89-Ja sprichstdu, das gemeine Wesen würde durch die Gemeinschaft der Güter selbst aufgehoben werden, und wenn kein Eigenthum wäre, würde kein Mensch Unterthan seyn, sondern ein jeder seine Freyheit haben wollen. Und solchergestalt würde dasBand der bürgerlichen Gesellschaft gantz offenbar getrennet werden, als welches ohne Obrigkeit unv-Unterthanen nicht verstanden werden kan. 90. Aber wer siehet nicht, daß dieser Einwurf der Vollkommenheit der Gcmeinmachung aller Güter am wenigsten zuwider sey. Wir wollen jetzo hierzu eben nicht anführen, daß alle Regimen* te und Obrigkeiten die Verderbniß der menschlichen Natur und den Mangel vernünftiger Aebe xr^luppomren, und daß, wenn alle Menschen einander gebührend liebeten, es keines Zwangs, und folglich auch keiner Obrigkeit bedürffen würde; sondern wir wollen nur dieses erinnern, daß das Eigenthum der Güser und die bürgerliche Gesellschaft gany nicht nothwendig mit einander verknüpft seyn, sondern eines ohne das andere gar wohl seyn könne. Denn die Einführung des Eigenthums ist Zwe>ffels ohne eher gewesen als die bürgerliche Gesellschaft, und wenn dasselbige ja Ursache an einer allgemeinen menschlichen Gesellschaft ist, so »st es gewiß die Gesellschafft zwischen Herr und zo5 Das 6. H. von der absonderlichen Knecht, welcde nicht seyn würde, wenn alle Güter gemein ! aren. 91. Die bürgerliche Gesellschaft ist zwar nach Ve'mebrun« ver menschlichen Geschlechts, undEmfüh-.ung des Eigenthums auch entstanden, aber sie kau deswegen wohl, ohne daß die, so in bürgerlicher GeKlI!chaft mit einander leben, was eigenes hätte,;, bestehen. Ihr Ursprung rühret von Furcht auserlicher Gewalt her ; und obschon bie'e Gewalt guten theils auf die Güter anderer M -schen ein Absehen richtet, so folget doch des- h.'üxn nicht, daß diese Güter, die dem gantzen gemeinen Wesen eigenthümlich zustanden, nicht allen und jeden, die unter demselben begriffen sind, gemein s»n könten. Ja die auserliche Gewalt zie, let auch öftere m-hr aus die Freyheit des mensch, lichen Thun und Lassns, die so wohl Armen als Reiwen gemein ist, daß dennoch in diesem Absehen das gemeine Wesen unter denen Menschen, die an statt vernünftiger Liebe einander Haß er» weisen, seinen Nutzen haben, und vvnnothen seyn würde, wenn gleich kein Eigenthum wäre. 9!. Es ist wohl an dem, das Eigenthum hat sich in alle Stände des gemeinen W°sens dergestalt eingeflochten, daß man im ersten Anblick nicht wvhl begreiffen kan, was für eine Gestalt dasselbe immermehr haben könte, wenn kein Eigenthum seyn solle. Aber es hat uns diesen Sceupel zu benehmen allbereit ein scharfsinniger Kopf die Mühe ersparet, indem er unter dem Schein, als ob er vernünftigen Liebe überhaupt, zo? ein neu entdecktes Vylck, das er die8eva- rambeg nennet', nach ihrer Negiments-Art und Sitten Historischer weise beschreiben wvlte, die Gestalt einer Kepublique, darinnen alle Güter gemein waren, so artig und geschickt beschrieben, das; der geringste Zweiffel der Möglichkeit nicht mehr zurücke bleibel>wenu nur dieBvßheit dieHer- tzen der Menschen nicht so sehr eingenommen hätte. 9Z. Eben dieser ^umr hat uns zugleich vielen Nachdenckens überhoben, wie der zuletzt oben gemachte Einwurfaus dem Wege zu räumen se», daß durch Einführung der Gemeinschaft aller Güter eine grosse und ungerechte Ungleichheit: zwischen faulen und arbeitsamen teuren zugleich eingeführet werden müsse, indem er gcmtz offenvarlich gewiesen, wie gar leichte es anzustellen sey, daß auch be» der Gemeinschaft der Güter das gantze Volck gleiche Arbeit und gleiche Ruhe, oder Zeitvertreib habe, wenn nur der Müßiggang als eines der schändlichsten und schädlichsten Laster scharf gestraffet werde. 94- Ich will davon nichts erwehnen, daß die Faulheit und der Müßiggang die grvssesten Anzeigungen unvernünftiger Menschen seyn, und daß das gemeine Wesen nicht wohl bestellet seyn müsie, wenn viel Faullentzer und Müßig- ganger darinnen seyn. Der Mensch ist zur Arbeit geschaffen- Die Arbeit erhält seine Gesundheit, verlängert sein Leben, ja sie macht ihn nicht Min geschickt, alle rechtschaffene wahre Lust zu zog Das6.H.vonder absonderlichen ' schmecken und zu gemessen ? sondern sie giebt ihm auch das gwste Vergnügen; indem sie ihm die Zeit niemahlen lang werden last. Derowegen ist es unmöglich, daß die Gemeinschaft der Güter faule Leute machen könne, weil sie unter niemand als vernünftigen Personen statt haben soll. 95. Ader sprichst du, wenn das Eigenthum aufgehoben ist, so ist alle Gütthatigkeit aufgehoben, weil ich die Gütthatigkeit darinnen ausübe, wenn ich dem andern von meinen Gütern was ansehnliches mittheile, nicht aber wenn ich ihm die gemeinen Güter gemessen lasse. Ist denn die Gütthatigkeit aufgehoben, so wird . gleichsam die Seele derÄ.iebe erstickt, uud das Band zerrissen, das zwey Hertzen verbinden soll. Und solchergestalt siehest du ja augenscheinlich, daß die Gemeinschaft der Güter die Gemüths, Ruhe mehr hindere als befördere. 96. Dieser Einwurf ist noch viel leichter m heben, als der erste, weil seine 8opKittere^en viel handgreiflicher seyn. Denn anfänglich Heber die Gemeinschaft aller Güter die Gütthatigkeit nicht gany auf, weil, wie oben gedacht, auch der ärmste Mensch durch sein Thun und Lassen seinem Freunde die grösten Dienste erweisen kau. Hernach so weiset gegenwärtiges Haupt- stück, daß die Gütthatigkeit zwar das Mittel sey, den Menschen aus dem Stande des Mißtrauens in die vertrauliche Liebe zu setzen; aber deßwegen ist sie nicht die Seele, sondern nur das leyte Vor- VemZttfrigen L.iebe Abech ^ ----' - Vorgemacd der L.iebe, und wäre ja augenscheinlich besser , wenn die Menschen in einem so glücklichen Zustands lebeten, daß sie ni6)t erst durch diese Vorgemacher in das LÄdinet der Liebe eingehen müsten. Ja, ich frage dich endlich selber, mein Freund, welche Gutthäligkei! würdest du für grösser achten, wenn dir dein Freund Sie Wahl gäbe, ob-du lieber waltest, daß er dir von seinem Vermögen dann und wann etliche xortiones schenckete, oder daß er dir dasselbige auf einmahl mittheilete? Ich glaube ja wohl, daß sich Leute von so verderbten Geschmack finden fol- ten, die lieber jenes als dieses wählen würden, aber sie würden gcmtz offenbcchrlich hierdurch ihr unvernünftiger Weise imereMrceö Gemüthe zu erkennen geben. 97. So ist es dünn dem rechter Ernst, fahrest du endlich fort, daß man das Eigenthum aufheben, und die Gememschafe der Gü-? ter einführen sölte, damit dieLiebe destobesser unter den Menschen eingeführet und ausgebreitet werde? Mein was ist dieses für eine gefährliche und hämische Frage? Du Heuchler, denckst du, Niß du mich durch diese Frage fangen wollest? Wollest du wohl einem Ziprianer rathen, er solle? so lange er das Zipperle hat, seine Krücken weglegen, und in der Stube herum tantzen, daß erfein gesund und starck auf den Schenckeln würde? Deßhalben ist doch wohl gewiß, daß die Krücken einem gesundm Menschen nichts nütze seyn» Das « erste ZIV Das 6. H. von der absonderlichen erstc Capitel hat allbereit erinnert, daß dasjenige, was einem Menschen, der im ordentlichen Zustau, de lebet, gut ist, dem andern, der mangelhaft ist, böse se». Pedanten und Heuchler fangen bey der Besserung des tNenschen von dem leyten zu erst an, aber ein weiser tNann suchetdcu Grund des Übels zuvorher auszurotten. Die Gemeinschaft der Güter gebie; et nothwendig tausend Ungelegenheiten unter Leuten, die keine Liebe haben. Bringe erst die L.ü be in die L.eute,darnach wird es sich mit demGigem thum oder der Gemeinschaft der Güter S>0N sich selbst geben. 98. Gleichwie nun die vollkommene Liebe alle Güter gemein machet, also entstehet auch daraus eine Gemeinschaft alles vernünftigen Thun und Fassens. Nemlich, daß so dann ein Freund nicht mehr dem andern wie bey der Gulthatigkeit, ihm« durch sein Thun und Lassen einen Gefallen zu erweisen ersuchet, und gleichsam bittet, und hernach über die erwiesene Gutthat ein sonderliches Vergnügen empfindet, das darinnen bestehet, daß er durch diese geleistete Gutthat seines Freundes immer mehr und mehr versichert wird; sondern daß er den andern mit der grosten Zuversicht Dleichjäm anweiset, wie und auf was Weise er wolle, daß ihm dieser helffen, und ih, me etwas zu gefallen thun solle, auch hernach darüber keine neue Freundes-Bewegung empfindet; svndern weil er zuvorhevo gesehen, daß das vernünftigen S.iebe überhaupt, zit das Wesen der Liebe ihm diese Freyheit gebe, und sein Freund sich des begehrten ohnmvglich weder einbrechen werde noch solle, in seiner vorigen Ruhe einmal wie das andere bleibet. 99. Jedoch ist dieses nur eine'Gemeinschaft, nicht aber eine Herrschaft; weil der eine Freund gleichermasien von dem andern eben das gewärtig ist, und demselben eben dieses gestaltet, wessen er sich gegen ihm bedienet. Und alss siehest du, daß zwar bey der Gutchatigkeit nicht eben eine unruhige, aber doch auch nicht so eine ruhige Gemüths-Bewegung sei), als bey der Gemeinschaft, weil bey jener die Liebe noch in ihrem Wachsthum, und also ihre Bewegung desto empfindlicher ist. Bey dieser aber allbereit die höchste Vollkommenheit erhalten, und solchergestalt, weil ihre Bewegung nichts veränderliches an sich hat, dieselbe auch fast gar n»W empfunden wird. 100. Aber du wirst uns vielleicht hier vorwerf- fen, daß wir oben im ersten Capitel erwehnet, daß alle Bewegung entweder steigen oder fallen müsse, und daß dannenhero Vie L.iebe zweyer tu- gendhaffcer Gemüther, rvenn sie ihre Vollkommenheit erlanget, glcichfillls wieder abnehmen müsse. Nahme sie aber ab, so wäre entweder diese Liebe ein vergebenes Mittel zu der höchsten Glückseeligkeitzugelangen, oder es könne die Gemüths-Ruhe die höchste Glückseligkeit nicht seyn, weil sie eine eitele Ein- U 2 bis, zie Das 6. H. VStt der absonderlichen ^ bildung sey, indem alles, wie gedacht, entweder abnehmen oder zunehmen müsse, und folglich nicht beständig ruhen könne. iNi. Wie wollen wir uns diesen Cinwurff vom Halse weltzen, nachdem derselbe uns feste zu hallen scheinet, und von denen ersten Grund-Regeln unserer Lehre hergenommen ist? Wir wollen es ku' tz machen. Es ist wahr, was nicht weiter zunehmen kan, muß nothwendig abnehmen, und die Liebe zwoer vernünftigen Personen, wenn sie vollkommen worden, kan nicht weiter unter zhnen zunehmen, sonst wäre sie nicht vollkommen. Aber sie nimmet deßwegen nicht ab, sondern sie breitet sich weiter aus, und weil sie unter diesen beyden nicht mehr zunehmen kan, suchet sie ihren Wachsthum darinnen, daß sie mehr Her- Hen an sich zu ziehen, und sich also immer weiter und weiter unter andern Menschen auszubreiten bemühet ist. Das ist es, was wir oben gesaget, daß die Gemüthö-Ruhe allezeit trachte sich mit andern Menschen, die nach derselben streben, zu vereinigen. io!. Denn gleichwie der Haß zwoer Personen bald um sich frißt, und noch mehrere in denselben verwickelt; also ist kein Zweiffel, daß das Exempel zweyer tugendliebenden Gemüther, die einander vollkommen lieben, nicht auch gleichfalls von beyden Theilen noch mehrere dergleichen Personen mir ihnen sich zu vereinigen, anlocken solle. Mr Anfang »st schwer; aber wo man nur ein- vernünftigen Liebe überhaupt, ziz einmal)! ein Exempel einer guten Sache vor Augen siehet, bauet dasselbe mehr als hundert deutliche Ahr-Sätze. Bey dieser Bewandniß darfst du dich nicht befahren, daß die Gemüths-Ruhe aus Mangel des Wachsthums werde vonnothm haben "abzunehmen, weil sie sy lange wachsen Lan, so lange das ganye menschliche Geschlecht- nicht einig ist, oder wenn es auch gleich einander gantzlich liebte, so lange noch taglich durch Kinderzeugen dasselbige vermehret wird. Höre vielmehr auf zu bewundern, warum doch bishero die vernünftige Liebe so schlecht sich ausgebreitet ; Wir haben kein Exempel einer vernünftigen Liebe, zwischen zwoen Personen, die zu der hohen Vollkommenheit gelanget. Wie wollen wie denn hoffen, daß viel Hertzen auf diese Att mih einander vereiniget seyn könten. Das 7. Hanptstück. Gegeneinanderhaltung der Anterschiedenen Arten vernünftiges absonderlichen Liehe Inhalt. cüonnexinn.' ». X. Die vernünftige Liebe ist entwedtt: gleich oder ungleich. ».2. Jene ist entweder zweyer Tugend - vollkommener Leute oder zweyer Tugend- Schüler. Diese entweder höherer oder niedrigeres U 5 Per-»-, > . - z .4 Das 7. H. von denen unterschiedenen Personen ». z. Welche unter diesen Arten die starckere, angenehmste und vortrestichste sey 4. Unterstheid der dreyen Tugenden des vorigen Capitels in Betrachtung dieser unterschiedenen Arten --.5. Bey der ungleichen Liebe ist eine absonderliche Hochachtung.» 6. Unterscheid der sorgfaltigen Gefälligkeit nach dem Unterscheid gleicher und unglci- cherLiebe.». 7 Z.BeygleicherLieve fanget dieselbe auf beyden Theilen zugleich an, bey ungleichen aber fanget ordentlich der geringere an. ». y. Die Gefälligkeit dauret bey der gleichen Liebe zweyer Anfänger am längsten 10. Je langer zwo Personen einander die Gefälligkeit erwe isen, je mehr ist daraus zu sehen, daß sie noch unvollkommen, oder daß ihre Liebe wohl gar nicht vernünftig sey. " 11. Mit der Dauerung der Gutthatigkeit hat es gleiche Bewaudniß. » 12. Die unvernünftigste und vernünftigste Liebe kommen am geschwindesten zu ihrem Aweck, «. i z. Die ungleiche Liebe hat mehr empfindliches Vergnügen, als die vortrefliche gleiche. Die unvollkommene gleiche Liebe aber hat das allermeiste empfindliche Vergnügen. 14, Andere Gutthaten erweiset die vollkommene, andere die unvollkommene gleiche Liebe. ». 15. Anders bezeuget sich in der ungleichen Liebe die unvollkommenere, anders die vollkommenere Person ».16. Die Gemeinschaft aller Güter und alles Thuns und Lassens ist nur bey der vortrefliche» gleichen Liebe. (Man tan wohl nichts eigenes haben, und doch in keiner Gemeinschaft leben.) ».17. Und nichts vestoweniger ist diese Gemeinschaft eine Tugend, die zu der vernünftigen Liebe überhaupt gehöret. ». 18. Bey der heutigen Welt ist auch der unterste Grad vernünftiger Liebe etwas rares. 5-. 19. Beantwortung etlicher Fragen: (1) Ob.es Mehr Vergnügen gebe, lieben oder geliebet werde»? ».20,21. (2) Ob esaiigenchmerseymderLiebezu unter- Arten der absonderlichen L.iebe. Z15 unterweisen, oder unterwiestn zu werden? 22.2?. (z) Ob die Liebe aus natürlicher Zuneigung, oder die Liebe ausDanckbarkeit siarcker sey? ».24 25.26. (4) Welche Liebe länger dauret, die vollkommene oderunvoMom'nene.gleiche oder die ungleiche Liebe? ->?. 27.28 - 9> Wenn die unvollkommene vernünftige Liebe c.unimmt, verwandelt sie sichHemeiniglich in eine Kal^sinnigkeit,die unvernünftige aber in Haß und Verachtung. ' zo. (5) Ob es einem Frauens Aimmer schimpflich sey zu erst zu lieben, oder ihre Liebe erblicken zulassen, ^.zo, Ernstzu lieben ist nicht ein Aeichen einer Unvollkommcnheic, zr» Unvollkommenheit ist in der Liebe nicht schimpflich. ». Z2 Ob ein weiser Mann ein Frauen-Zimmer licbendürsse? ^- zz Z4 35. Ein Weiser liebet mehc psr rec^Fnoilsnce alspsr inclin-irion ^ UNdgiebttM- dereLiebes-Probenals ein Tugend-Schüler. «z6. uns nunmehw die unterschiede- nen Arten der vernünftigen abson- ^Z^/ derllchenA.iebeem wenig betrachten,' ,mv gegen einander halten. Wir haben alldem! im vorigen Hcniptstück gesagt, daß wir die- selbige von denen unterschiedenen Grade», der Vollkommenheit derer, die einerley incli. Nation zur Tugen haben, hernehmen wollen. ^ 2. So ist demnach die vernünftige absonderliche Liebe entweder zwischen zwom Personen, die in gleichen Grad tugendliebend sind, oder Mischen denen, derer einer in der Tngend-L.ie- be weiter zugenommen hat, als verändere. U 4 z.Die Zi6 Das 7. H. vdtt denen unterschiedene»? z .Die gleiche Liebe ist entweder zwischen zwoen Personen, die schon einen hohen der Tu- gend-L.iede besitzen, oder zwischen Anfängern. Und die ungleiche, ob sie zwar allezeit nur einerley ist, kiemlich zwischen zwoPersonen, deren eine es in der Tugend^Liebe weiter gebracht als die andere; so kan man doch in Ansehen der geliebten Personen auch dieselbe auf zweyer!«» Weife betrachten, daß nemlich in ungleicher Liebe man entweder höhere oder geringere und niedrigere Personen liebe. 4. Die gleiche Liebe ist wohl so weit siarcker als die ungleiche, weil ihre Vereinigung wegen der doppelten Gleichheit geschwinder von statten gehet, und also der Liebes,Zug starcker ist; aber deßwegen ist sie nicht angenehmer als die uns gleiche, weil die Ungleichheit in diesen beyden lie? benden Personen desto mehr Empfindligkeit giebst, sie ist auch nicht allemahl vsrtreflicher, sondern es scheinet der Vernunft am gemäßsten zu seyn, wen» wir in Ansehen der Vortrefligkeil die gleiche Liebe zrvoer Tugend-Schüler in die erste und unterste Classe, hernach die ungleiche in die mittelst«, und denn in die höchste Staffel die gleiche Liede zwser Personen, diz in der Jugend-Liebe sehr weit gekommen, setzen. Denn die gleiche Liebs zweyer Anfänger hat noch Viel Schwachheiten an sich, denen sie wegen ihrer Gleichheit nothwendig mehr Nahrung geben, als ihnen abbrechen.. Beyder ungleichen aber bemü- Arten der abfonderlichen Ä.iebe. zi? het sich der vortreflichere stetswahrend diese Schwachheiten seines Tugend-Schülers auszubessern , und der Tugend - Schüler befleißiget sich auch selbsi,dieselben durch Betrachtung des guten Exempels seines Lehrmeisters vom Halse lvß zu werden. Jedoch isidiegieicheLiebezweyervor- treflicher Leute die «Uervortreflichsie, weil sie dergleichen Schwachheiten auf beyden TtMk mehr entübriget ist. 5. Aber vielleicht finden wir auch einen Unterscheid unter diesen unterschiedenen Arten der Liebe, in Betrachtung der dreyen Tugenden, da- son wir im vorigen Capitel gehandelt, nehmlich der sorgfaltigen Gefälligkeit, vertraulichen GutthätigLeit, und völligen GemeinMafc sller Dinge.. 6. Zwar was die Hochachtung betrift, die vor der Gefälligkeit vorhergehen soll , sthiene es wohl, als ob dieselbe nur bey ungleicher Liebe höherer, nicht aber geringerer Personen, auch nicht bey der gleichen Liebe vori>ergehen müsse; allein die Beschreibung der Hochachtung im vorigen Capitel weiset schon, wie auf diesen Ein- wurf zu antworten sey. Jedoch ist dieses nicht zu leugnen, daß in der ungleichen Liebe höherer Personen eine absonderliche Hochachtung anzutreffen sey, wie man in dergleichen Liebe wegen allzugrosser Gleichheit,vielweniger aber in ungleich er Liebe geringerer Personen, wegen allzugrosser Niedrigkeit nicht suchen darf» U 5 7-Wor- Das 7. H. von denen uttterschievene» Jedoch wird auch hierinnen nicht lange Zeit erfordert werden, weil der Vortreflichere den Unvollkommenem, seiner Verheelung ungeachtet, doch bald kennen lernet, und sein Vertrauen M erwecken desto ossenhertziger mit ihme umzugehen bemühet ist. Demnach braucht die gleiche L.ie- de zweyer nenangehendertugendliebender Gemüther die längste Zeit zur sorgfältigen Gefälligkeit, weil sie auf beyden Seiten viel Unvollkommenkeiten bey sich befinden, und also auch Wechsels-Weise das Verheelm undMißtraueii ünter ihnen starcker ist. il. Derowegen ist diese Regel wohl gegründet, daß.', je länger zwo Personen einandex »nie sorgfältiger GefättigSeit begegnen, je eine gx^sftre Anzeigung ist es> daß stein der Tugend noch nicht gar weit gekommen seyn, oder daß ihre L.iebe zum wenigsten suf einer Seite wohl gar nicht vernünftig sey. Ja das letztere ist deshalben eher zu vermuthen, weil die wahre Liebe nothwendig nach der Vertrauligkeit der andern Person trachtet. Wo demnach auf beyden Theilendurch eine lang- M'crige Gefälligkeit kein Theil vertraulich sich zu erweisen anfangen, oder der andere der ihm erwiesenen Vertrauligkeit durch eine gleichmäßige nicht wieder begegnen will, da kan unmöglich eine auf- xichtige, und folglich auch wahre vernünftige Liebe dahinter stecken. i-. Bey der GutthZtigkeiö haben wir fast gleiche Arten der absonderlichen ZUebe. gleiche Anmerckungen zumachen. Sieverdindet die gegeneinander sich neigende Hertzen so lange, bis daß das Wechsel-Vertrauen im hochstm <^rad befestiget ist. Weil demnach in der vor- treflichen gleichen Liebe das wenigsie Mißtrauen ist, und zwey vortrefliche Leute gar bald einander in das innerste des Hertzens jeden; als braucht auch die Gutthätigkeit hierbey nicht lange Zeit, diese beyden Hertzen völlig ;u vereinigen, weil sie doch auch ohne würcMche Leistung kostbarer und mühsamer Dienste die aufrichtige Begierde, die sie beyderseits haben, auch für einander das Lebet? zulassen, an sicherkennen. Die unvolwoms mene gleiche Liebe hingegen brauchet wegen ob- gedachten Mißtrauens und Schwachheiten, mie denen sie begäbet ist, die Gutthütigkeit dests länger, dadurch das Mißtrauen desto kräftiger nach und nach auszutilgen. Und endlich ist die «nglciche L.iebe hier wiederum im Mirce!, weil sie wegen des Mißtrauens undderSchwa6)s heil des Anfängers in der Tugend mehr Zeit als die vollkommene, und wegen des Vertrauens» Offenhertzigkeit und hertzlicher Neigung des vortrefliche« Theils, weniger Zeit als unvollkommene gleiche Liebe vonnöthen lM. iz. Hieraus last uns wieder diese Anmerckung überlegen. Die unVsrnunfcige L.iebe,weil sie ungeoultig ist, als pfleget sie gemeiniglich, wo sie ihres gleichen antrift, bald ihren tLndzweck zu^ erreichen: aber du must dich hüten, daß du dich Yeß- z!2 Das7.H.vondenenunterschiedenen dcshaloen nicht etwan verleiten lässet zu schliessen, daß, je vernünftiger die S.iebe sey, jelangsa, merkommesie ar^ch zu ihrem Zweck. Denn dasjenige, was wir nur jctzo gesagt haben, wird dir weisen, daß die unvollkommenste vernünftige triebe am allerlangsamsten zu der völligen Verbindung gelange, und die vollkommenste hingegen ja so geschwinde, wo nicht ge- sckwinder ihren Endzweck erreiche als die unvers nunfcige Liebe, und solchergestalt von dieser nur darinnen unterschieden sey, daß die unvernünftige Liebe, wenn sie nicht mehr wachsen tan, nothwendig wieder abnehmen müsse, da wir hingegen im vorigen Hauptstück schon bewiesen haben, daß die vernünftige Liebe allezeit Gelegenheit finde durch ein stetes Wachsen sich mehr und mehr auszubreiten. 14. Hieraus fliestet noch ferner, daß zwar, wie wir im Anfang gedacht, die ungleiche Ä.iebe mehr empfindliches Vergnügen habe, als die vorcrefliche gleiche L.,ebe, aber doch bey der unvollkommensten L.iebe wegen der viel, faltigen Abwechselung des Vergnügens, Mißtrauens, Verdrusses, Evffcrsucht, Versöhnung u. s. w. auch nach dem gemeinen Sprichwort, daß Veränderung Lust bringe, die allermeisten Qr^äe eines empfindlichen Vergnügens zu zehlen seyn. Wodurch aber der Vortrefiiykeit der vollkommenen gleichen Liebe nichts benommen wird; theils weil die Versnügungen bey der »mvoll- Arten der absonderlichen Liebe, z-z unvollkommenen Liede mit Der Abwechselung vieler Verdrießlichkeiten vergesellschaftet, bey der vollkommenen Liebe aber viel reiner und lauterer sind; theils auch, weil nach denen Grund, Lehren des ersten Hauptstücks und der Lehre von der höchsten Glückleeligkeit die ruhigen Vergnügungen viel edler sind als diejenigen, die die gröste Empfmdlig, keit verursachen. 15. Es findet sich aber hiernechst bey denen unterschiedenen Arten der Liebe auch ein merckli- cher Unterscheid derer Gutthaten. Die unvollkommene gleiche LKbe bezeiget sich meh- rentheils auch ohne Nloth, durch Geschencke und kostbare Sachen, durch zeitliche iLhre, und durch vielfältige angewendete Mühe und Gefahr, die aber zum östern noch ein eiteles Gut zum Endzweck hat. Die vollkommene aber ist viel sparsamer, weil man den Geliebten durch Reich, thum und Ehre nicht vergnüget. Deroweaen sparet sie. ih^e Gutthaten biß z»m Nothfalls aber sie last auch alsdenn dieselbe in dem höchsten Grad erblicken, weil sie auch dasL.eben dem Freunde zu Dienste freywillig daran waget, und in die gröste Gefahr setzet; da hingegmlkeil bei) der unvollkommenen Liebe diese Liedes-P.obe gar was seltzames ist, 16 Bey der ungleichen Liebe bemühet sich der geringere zwar dem vorrreflichern durch Ges schencke und mühsame Ehr - NezeigunMN zu verbinden, weil er denselben annoch nach seinem Sinn Z!4 Das 7. H. VWdemnunterschiedenen Sinn urtheilet; Er kan aber demselben keine grössere Gutthat erweisen, als durä) einen freiwilligen Gehorsam, und durch eine etwas mühsame Ausübung der Lehren und Vermal)- nungcn, die er von ihm täglich empfahet» Der vortreflichere aber in dieser Liede seine Gutthätigkeit ordentlich durch seinen treuen Rath und sorgfältige Ausbesserung so wohl deS andern seines Verstandes als Willens, durch die unermüdete Gedvlt über seine annoch ankleben« de Schwachheiten, durch die Vertrauligkeit^ durch welche er sich ermedriget, und dem andern glei6) machet, und ihm dadurch desto mehrzuM wiimen. u. s.w. 17. Was endlich die Gemeinschaft der Güter und alles Thun und Fassens belüft, so können dieselbe m'cht erfolgen, ehe denn man durch die Liebe vollkömmlich vereiniget worden, und dieselbe ihren höchsten Grad erreichet. Dieses aber kan nichtgeschehen, wenn m'cht beyde liebhabende einander m der Tugend-Voll, kommenheit gleich werden. Und also ist dieselbe nur bey der vollkommenen gleichen Liebe zu lwffen; Die ungleiche kan wohl also beschaf- ^ ftn seyn, daß öemer was eigenes habe, aber deßwegen ist noch keine völlige Gemeinschaft, wenn nicht auch ein jedweder sich der gemeinen Güter nach Gefallen brauchen kan; sonderndem Gebmuch nach demEinrath des vortreflichern, öder, wenn ihm viel durch diese ungleiche Liebe öerei- Arten der absonderlichen S.iebe. Z25 vereiniget seyn, durch die Austheilung gewisser hierzu bestellter Personen anstellen muß, da hin- gegentheil bey einer völligen Gemeinschaft einem jeden frey stehet, von denen gemeinen Dingen nach seinem Gefallen zu verbrauchen, waservon- nölhen hat. Endlich so kanbcy dergleichen unvollkommenen Liebe deswegen so lange keine Gemeinmachung aller Dinge zuhoffen seyn, als dieselbe unvollkommen bleibet, weil die Gemeinmachung erst folgen muß, wenn aus zwoen Personen ein Hertz und eine Seele worden ist. Dieses aber kan bey der unvollkommenen Liebe wegen der vielen untergemengten Schwachheiten und unterschiedenen GemüchS^Neigungen, die nothwendig ein Mißtrauen erwecken, nicht geschehen. De. rowegen erstrecken sich auch solche Lieben m'emah- len über die Gutthatigkeit. i8- Damit aber gleichwohl wir nicht genvthi- get werden unsere Lehren selbst einer Unförmlig- keil zu beschuldigen, indem wir im vorhergehenden Hauptstück gelehret, daß die Gemein- machungzu der absonderlichen Äuebe überhaupt gehöre, anjeho aber wollen wir diesel- bige nur bey der vollkommenen gleichen Liebe su» chen; so ist es gar leichte, diesem Einwurf zu begegnen, wenn wir sagen, daß, weil die drey unterschiedenen Liebes Arten nach denen (-laclen der Vollkommenheit unterschieden seyn, auch die beyden Geringsten allezeit dahin trachten sollen, daß sie zu der Vollkommenheit der gleichen Liebe . X zweyer z-6 Das 7° H.Vytt denMUttterftbiedenm zweyer vollkommenen Leute gelangen, und solchergestalt doch auchauf gewisse ArSdie Gemeinschaft aller Dinge intenäirm, ob sie gleiä) dieselbe, iange als sie noch in ihrer Unvollkommenheic seyn, nicht xmÄiL^en können. Denn z. E. ein vor- Sreflicher Mann o??het auf dem Tugend.Weg dem Tugend-Schüler zum besten, gleichsam ein -wenig zurücke, und bemühet sich ihn dahin zu bringen, daß er mit ihme hernach zugleich forgehen ckönne. Und weil zween Tugend, Gchü!er Darnach streben sollen, die Tugend in einem Hoden ^raä zu erlang^,, so kan es nicht fehlen,'es müsse auch hernach ihre Liebe aufhören unvollkommen zu seyn, und sich der GemeinmaclMg immer mehr «nd mehr Mhern« 79. Dewweqen ist eßeine Anzeigung, daff die sLxempelvolltommener gleicher Liebefthr M fe^n müssen, weil wir so wmigExempel finden, daß unter liebhabenden Personen eine völlig ge Gcmemmachung aller Dinge sey; sondern wir leben in einher sollen Zeit, da auch der unterste Grad der vernünftigen Liebe etwas rares »st. Deßwegen auch ihrer viel alle Liebe vor unvernünftig hallen, oder sagen, die vernünftige Liebe sey gleich wie ein Vogel ?Kcrnix^ der ansser dem Gehirne der Menschen nirgends wo einen Selbstand habe. -o. Aus denen viHerigen Betrachtungen wird es nun gar leicht seyn, etliche Fragen zu beantworten, die man in der Lehre von der Liebe als seh? Arten der absynderlichen Liebe. /ehr zweiffelhaft und schwer zu erörtern ausMebm zzflegett (I) Ob es mehr Vergnügen gebe, lieben Sdergeliebetwerden? Diese Frage ist mehr lubü! als nützlich. Denn wenn wir eines Von diesen beyden, ohne das andere betrachten,' mMich U'eben ohneZeiiebeewerdm, oder ge- Zjebet werden ohne lieben, so ist beydes nicht 5äison^be!. weil es eine Anzeigung ist, daß die Gemüther einander nscht gleich sind, und foiglichf kan auch bey keinen ein wahres VeM5gen> seyn» Auch in der vernünftigen Liebe, so lange als wie durch die Gefälligkeit unsere Liebe dem andern zu Verstehen geben, und seine Gegen-Liebe suchen, is? mehr ein Verlangen als ein Vergnügen in un- ftrm Hertzen. 21. Ist aber Liebe und Gegen/A.iebe, wie eK seyn soll, miteinander verknüpft, so vergnüge ANS woh! eines fs sehr ttis das anderes Denn wenn man gleich sagen wolte, daß die Liebe uns mehr vergnügte als die Gegen-Liede, indem durch jene wir bey unserm Geliebten ein Vergnügen erweckten, durch diese aber die uns liebende Person uns hinwiederum ein Vergnügen zu geben trachtete; und gleichwohl ein jeder Mensch^ der vernünftig liebet, mehr Vergnügen in dem Vergnügen der Person, die er liebet, als m seinem eigenen zufinden gewöhnet sey; so weiset' doch eben diese Betrachtung, daß bey der Gegen - Liebe uns dieses ja so sehr als bey der Liebe vergnügen müsse, wen» wir erwegen^ daß die ge-- Xs liMe z!3 Das ?- H. von denen unterschiedenen liebte Person sich fast sehrer vergnüge, wenn sie uns diese Gegenliebe e» weiset, als wenn sie selbige em- pfahet. Zudem so bestehet die Liebe nicht alleine im Thun, und die Gegen-Liebe im Leiden, sondern beyde vereinigen sich darinne, daß eines dem andern seine Liebe erweiset, und über dessen Liebe wie.' derum eine ruhige Freude bezeiget. 22. (II) Ob es angenehmer sey, in der Lücke zu unterweisen, oder unterwiesen zu werden? Diese Frage, so ferne sie die Vernunft tige Liebe angehet, hat zweyerley Verstand. Gehet sie auf die gleiche Aiebe, so ist sie von der vorigen nur mit Worten unterschieden, und bedeutet so dann unterweisen und unterwiesen zu werden, ( welches beydes auf beyden Theilen in gleicher Maassen geschiehet) nichts als lieben und geliebet werben. Soll sie aber von voriger Frage unterschieden seyn, so müssen wir sie von der ungleichen Liebe verstehen, und Heisset sie demnach sodann soviel: Ob es ein grösseres Vergnügen sey, solche Personen zu lieben, die in der Tugend-A.iebe schon weiter avanciret seyn, als wir, und derer Unterweisung oder Anführung wir benvthiget sind, oder solche, die geringer sind als wir, und welche wir unterweisen müsien, wie sie sich in der vernünftigen Liebe verhalten sollen? 2z. Es scheinet zwar wiederum, daß ein Vergnügen so empfindlich sey als das andere, und daß die geringere Person, wenn sie sich er, freuet, Arten der absonderlichen Liebe, z:? freuet, daß die vortrcflichere ihr zu Liebe sich erniedriget, gleichsam zurücke gehet, und sich ihr gleich machet, eigentlich zu reden, weder ein grösseres noch kleineres Vergnügen empfinde, als die vorlrefiichere, wenn sie siehet, daß die geringere im aufrichtigen Vertrauen bemühet lebet, täglich in der Tugend mehr und mehr zuzunehmen, und sich ihr gleich zu machen. Gleichwohl aber, wenn wir dasjenige, was wir von dem Unter» scheid des Zustandes dieser beyden liebenden Personen erwehnet haben, Hieher Zxpliciren wollen, so können wir Zar füglich mit zweyen Worten den Ausschlag geben, daß das Vergnügen, das wir haben, von andern inronniret zu werden, theils wegen unserer Schwachheiten, theils weil wir taglich neue und uns zuvor unbekante Dinge lernen, viel empfindlicher,das andere Vergnügen aber, andere in der Liebe anzuweisen, viel reinlicher und ruhiger sey. 24. Die Erörterung der vorigen Frage bahnet uns den Weg, die (III) desto geschwinder zu beantworten: Ob diejenige A.iebe srarcker sey, wenn man geschwinde und durch eine«? heimlichen Zug getrieben zu lieben ansänget, dergestalt, daß unser Herye gleichsam in einem Augenblick von der L.iebe entzündet wird; oder wenn man eine Person, mit der man eine Zeit lang inäiKerent umgangen , hernach aber dieselbe gleichsam zur Danckbarteit, weil sie uns viel Proben ih- X; 'rer 5Z o Dös 7 H. von d e»te» unterschied ettsH i?erÄ.iebe gegeben, wieder zu Aebenansänget-?' Denn eö können sich zwar dißfalls unter beyderley Arten Exempel von Mrcken und schwachen Lieben finden, wenn man aber doch dieFra? ge nach den unterschiedenen.Arten der Liebe des antworten soll, so müssen wir sagen, daß die star, Mre Liebe entweder vor diejenige genommen werde, derer Trieb hiyigex ist, oder für diejenige, die stZrckere S.iebes--Z)robe»» giebet. 25. Die Liebe, so bald angefangen, isiAe^ Nch hiyiger, weil auf diese Ärt. gemeiniglich Leute, vie nur. die. Tugend-Slrasie zu.betreten snfaugen> und.einander gleich sind, oder in der ungleichen Liebe diejeniMN> so geringer sind, zulieben pflegenund diese haben allerdings bey ihrerLiebe Fiochviel Hitze, weil sie ihrer ^lksÄen wenig Mi- Fer sind. Da hingegen ein vortreflichsrMann, .der in der ungleichen Liebe mehrentheils xsr re-- LonnoMnce liebet, zwar alles dasjenige empfu^ Del, was die wahreLiebe in unsermHertzen wir-- Lket, aber doch seine Gluth mehr mit einem wärmenden und ernährenden, als einem verzehrendem .Feuer zu vergleichen ist. 26.,Derowegen wcmi wir die Aarckere A.is- .be aus denenÄ.iebes-ZZroben erkennen wollen, .muß nothwendig falgen, daß, gleichwie ein VN- .zehrendes Feuer mehr Flamme, ein ernährendes aber mehr Wärme giebet; also auch die Ä.iz- Des-Proben in der Liebe, die bald fanget , . dem Zusserilchm Scheine nach sehr groß, Arte» der absonderlichen Liebe, zzl aber auch, wenn man sie ein wenig genau bekrachtet) annoch mit vieler, Eitelkeit umgeben sind , da hingegen, wenn in der l^iebe p^r-reconnoiMn- ce die vortreflichere Person ihr Leben für die andere zu lassen bereit ist) diese BereitwilligkeitvielVer- nünfciger und viel liebreicher ich als in der Liebe von der ersten Art. 27. Eben diese Vewandniß hat es bey der (IV) Frage: MelcheK.iebe länger dauret? Denn wenn du durch das längere Daurenverstehest> welche Liebe am spätesten ihren Endzweck -md den höchsten Graderreiche; so wird die das, was wir kuitz zuwr erwehnet, bald zeigen, daß die gleiche Liebe zweyer vollkommenen Gemüther am ersten und geschwindesten , die ungleiche Liebe wegen des Mißtrauens und der Schwachheiten des geringern Theils, schon etwas län» gcr, und endlich die gleiche Liebe zweyer unvollkommener Hechen wegen des Wechsel-Mißtrauens- und des allzuveranderlichen Vergnügens, amspä^ testen hierzu gelangen. 28. Fragest du aber, welche Liebe imme« mchr und mehr KM oder dHcdui^t abnehmet So behalt allhie-r die Liebe zrvHer voU-- kommenen Personen die Oberhand, weil diese allezeit wachsen kan. Die ungleiche L.iebe hat eben diesen Vortheil, wenn der geringere nue beständig den vortreflicheren gleich zn werden tra6)tet; Denn es wird so dann diese in die Liebe» MM gleich vollkommenen Leute verwandelte X 4 UM zz- Dasi H.vondettettUttterscht'edettM Und eben dieses müssen wir auch von der gleichen L.iebe zweyer unvollkommenen Leute sagen, wenn sie beyderseits auf den Tugend-Wege fortfahren, und die ihnen noch anklebenden Ungleichheiten des Eigennutzes und derer Gemüths- Neigungen täglich immer mehr und mehr loßM werden trachten. 29. Daferne aber in der ungleichen Liebe die unvollkommenere Person freiwillig wieder zurücke gehet, oder die zwo unvoll» kommenen Personen mehr dasjenige, was in ihrer Liebe noch unvollkommen ist, als dasjenige, was vernünftig ist, nähren, so kan es nicht fehlen, es müsse so dann ihre Liebe bald anfangen abzunehmen und kaltsinnig m werden» Wiewohl doch diese R und zwar jede vonunterschie-^ denen Graden unter sich, derowegen wurde ein Frauen auch so. gar den Ehestand Or unpäßlich, oder doch zum wenigen für höchst Unvollkommen geachtet, deren Irrthum demnaä) ^ll widerlegen meines Vorhabens nichu'st; sonderw Äh bejahe die Frage ungesti)euet> weil sie keines grossen Beweises vonnvthen hati - ,Z4. Wennentwede^die Weibes»Person ist la»- Aerhasr, so siehet derer Liebe keinem Menschen, om wenigsten aber einem weisen Mann an; vdes He ist so wgend« liebend als er selbst-, so ist ee fchuwig sie ni lieben, und diese seine Liebe istso darm viel vsrtrefiicher als die gleiche Liebe einer ander» -Mannes-Person wegen des stärkeren Triebes und Vertrauens, den GOttdenenunterMedenm Geschlechten insHertze gegeben^ - )5- Ist sie aber nicht tugendhaft, sondern stecket noch in grossen Schwachheiten,, liebes abee gieichWoh! die Tugend, und verlanget ihr ,-Hertze mit dem semigen zu vereinigen, so wäre es- Atz zz6 Das 7. H.von denen unterschiedenen die gröste Unbilligkeit, wenn er sie wegen ihres Geschlechts von seiner Tugend-Schule ausschliessen wolle. Ja es versichert ihn vielmehr eben der natürliche Trieb des Vertrauens bey Personen vom unterschiedenen Geschlechte, daß er weniger Mißtrauen bey ihr alsbey seinen andern Tugend, Schülern werde antreffen, und solchergestalt seine Anführung zur Tugend viel eher gute Früchte brin, gen werde.. z6. Und weil demnach ein weiser Mann unter dem Frauen-Volck vielmehr, welche von die, fer letzten Gattung, als von denen, die ihm gleich seyn, antrift, so ist leichte zu schliessen, daß er sich ordentlich nicht zu erst verliebe, sondern daß seine A.icbemehr ausreconnoiilan- ce und Dankbarkeit als aus eigener Zunei- gung geschehe; und d^ß solchergestalt auch seine Luebes-Bezeugungen gany anders beschaffen se^n müssen , als die Bezeu, gungen eines Menschen, der noch ein An, fanger in der Tugend ist, und ein Frauen, Zimmer liebet, das ihm gleich ist. Denn wenn ein Weiser mit dergleichen Dingen aufgezogen wolle kommen, die man einem solchen Anfänger zu gute halt, würde er sich gewiß höchst xrottituiren. Wir beziehen uns wegen der Hieher gehörigen Exempel kürtzlich auf das, was wir oben n. 15. und 16. gelehret haben. Das D6S8.H. von der vem.s.. gegen uns :c. ZZ7 Das 8. Hauptstück. Von der vernünftigen Liebe gegen uns selbst. Inhalt. Was die vernünftige Liebe gegen uns selbst Heisie? ». i. Was sie sey? ».2. Der Mensch kan sein Lebens-Ziel nicht verlangern. z. Andere Creaturen leben langer als der Mensche.». 4- Andere Creaturen erhalten ihr Leben ohne Verstand durch den ihnen beywohncn- deinnnerlichen Trieb,aber sie verkürtzen es nicht;Der^ Menstl) aber verstehet die Mittel seiner Erhaltung, und verkürtzet sich doch selbst sein Leben. 5. Wor- inncn die Mittel bestehen das Leben zu erhalten, ».6. lind wie selbes verkürtzet werde.»- 7,Weun dcrMensch sein Lebens-Ziel verkürtzen will, pfleget ihn GOtt nicht leichtlich daran zu verhindern. », 8. Aber wenn er es gleich der Natur nach erhalten will, verkürtzet es ihm Gott durch einen andern Zufall zum öfftern.», 9. Wie die Verkürtzung seinesLebens-Diels mit dergölt-- lichen Vorsthung undAllmacht bestehe.». is.Warum in der Erhaltung unseres Lebens dahin zusehen, daß es andern Menschen zu gut geschehe.». 11. Die Liebe anderer Menschen ist der Liebe gegen uns selbst ihr Grund, ».12. und ihre Richtschnur;». 1 z. Dassnem- lich zuförderst aufdie Ausbesserung derSeele gesehen) ».14. und hernach die Erhaltung unseres Lebensader Liebe gegen andereMenschen nachgesetzet werde,», i5. ohnerachtet mein Freund meinLeben höher als das seinige achtet,»-16. und mit mir streitet,daß ich mein Leben behalten solle. ». 17. Dieses ist das eintzige x-rsäoxum, das der menfthlicheVerstand nicht deutlich äemonKnren kau. »-I8- Ob man sich wider Gewalt mit Gewalt schützen könne. ». 19. Sieben xrr- M Äas 8. vMdekvemönstlgM xi«lupp».^r-i zu Erörterung dieser Frage; ». 2s. welche bejahet wird/ 21. Mnn mm« r0» gegenwar- tigerMwalt, «nd nicht von Bedrohungen redet; ss.wieweit die gewaltsame Ertödtung eines Menschen für ein Werck der Liebe könne ausgegeben we r- hsn? «.sz. Von andern Zx>ecisi-Frag»n, so Hieher gehören überhaupt.». s4,W Me )i.iehe geZtt fitrge^ seyte L.ebens--Rel nach denen Regeln dee allgemeinen gesunden Vernunft, denew Menschen, so rvir Vernünftig lieben, zu- gut, n^Ht veMryer, sondern erhalte»? werde. Denn GOtt hat, wie allen Crealuren, also «uch den Menschen ein gewisses Diel ihreis Danerung gesetzet, welches keine Creatur überschreiten kan, und solchergestalt hat der Mensch dieses mit andern Deaturen gemein, daß er das idme von GOtt vorgesetzte Lebens-Zicknichteine Minute lang verlängern könne. 4. Wiewohl es die tagliche Erfahrung aieber,' daß gemeiniglich je unedler die Creai-urew seyn, je länger leben sie auch , und jespä, Ssr verwesen oder verderben sie, wettn sie gleich gefi^rben sind, ausser daß die zahmen Thiere nicht so lange leben als der Mensch, wiewohl sehr wahrscheinlich ist, daß mehr der Mensch entweder durch Tvdlung, oder durrl) allzuüber- maßigen Gebrauch, oder durch ungesunde Nah-s rung ihr Leben verkurtze, als daß sieiucht der Natur nach so lange sollen leben können, als die wilden Thiere, die, wem sie von denen Menschm nicht gefangen werden, gar leichte langer leben, als die Menschen, ilnd also ist hierinnen ein gros» ftr Unterscheid «ntxx den Menschen uns andere Z40 Das 8. H. von der vernünftigen andern Lreaturen, wiewohl die menschliche Vernunft, wenn sie sich selbst gelassen ist, nicht so wahrscheinlich die wahre Ursache dessen zu ergründen weiß, auch wenig Wissenschaft davon hat, daß im Anfang des menschlichen Geschlechts, auch nach dem Fall die Menschen länger, oder doch ja so lange gclebet haben, als andere Crea- turen. 5. Gleichwohl ist noch heut zu Tage dieser andere Unterscheid zwischen dem Menschen und andern Lreaturen gar unstreitig, daß die andern dem, ihnen von GGtt verordneten, innerlichen Trieb nachfolgen, und solchergestalt, ob sie schon die Mittel, die zu Erhallung ihrer Dauerung von GOtt ordentlich gesetzt seyn, nicht verstehen, dennoch nach denenselben leben, dieselbe nichtmißbrauchen, und das ihnen fürgesteckte Ziel nicht veMryen, der Mensch aber, vermittelst seines Verstandes, die natürlichen Mittel zu seines Lebens Erhaltung garleichte und ohne sonderbahres oder sehr tiefsinniges Nachsinnen begreissen, und hinwiederum auch das Lebensziel theils aus Boßheit, theils aus Nachlässigkeit verbürgen könne. 6. Sein Leben erhalt er, wenn er durch Speise und Tranck solche Nahrung zu sich nimmt, durch die sein Geblüte in einer propomo- nirlichen Bewegung, die weder zu hitzig noch zu langsam ist, bleibet, wenn er von aussen durch die Bekleidung und Wohnung seinen Leib Lieb e gegen uns st!b fi. 345 für unproxorrioniilicher Kälte oder Hitze ver? chevdiget, wenn er seinen Corper täglich durch eine gemäßigte VewilligunI und Ryhe erfrischet, und durch eine xioporrionirliche Um-» wechselung alle Gliedmassen insonderheit: vergnüget , auch endlich alle seine Kräfte und Vennogen amvendet, sein Leben wider alle «usssrliche Gewalt zu vertheidigen. Den» dieses alles sind gcmtz offenbahre Loncluliones» die aus der Lehre des nsien Hauptslückes hergeleitet werden. 7. Und also ist gar leichte zu wissen , wodurch er sein L.eben verkürze, nemlich wenn er alles ^ was wir jetzo erzehlet haben, oder nur ^in SnicL davon nicht in acht nimmt, oder vielmehr das Gegenspiel zu thun sich befieißiget» 8- Jedoch muß der Mensch nicht meinen, daß^ wenn er dieses, was er in Erhaltunq seines Lebens in der Natur gegründet zu seyn befindet, in acht nimmt, auch nothwendig sein L.eben so lange? dauren müsse, als nach denen natürlichen Regeln geschienen, daß es dauren solte. Dem? GOtt hat die vernünftigen Regeln nicht sich , sondern den Menschen vorgeschrieben, und durch die tägliche allgemeine Er fahrung lehret er alle Menschen so viel, daß, wenn sie dielelbigen mmhwillig überschreiten, sie an der VerLur- yung ihres Gebens Ursache seyn, auch keine Ursache in der Natur, oder der E-fahrung finden, daß sie wahrscheinlich hoffen sollen, GOtt ^ A wolle Z4: Das 8. H. von der vernünftigen wolle vermittelst seiner Allmacht ausserordentlich wider den Lauf der Natur ihr Leben erhalten. 9. Im Gegentheil aber weiset auch die tagliche Erfahrung, daß GOtt diejenigen, die noch so wohl die Grund-Regeln der Natur in diesem Stück in. acht genommen, durch einen unver, sehenen und gewaltsamen Tod hinweg- reisie, den sie nicht vermögend sind durch allen ihren angewendeten Fleiß nur auf eine Minute aufzuschieben: Es geschehe nun solches entweder, daß GOtt dadurch uns Menschen lehren wolle, daß er als ein HErr der Natur nicht sich, fondern uns gewissesZiel solches zu beobachten gesetzet habe, er aber solches allezeit verkürtzen könne; oder baß so denn unser Lebens»Ziel nicht nach unsere«? natürlichen Muthmassung, sondern nachGOttes Vorwissenheit gerechnet werden müsse; oder aber, daß ein solcher Mensch die Verkürtzung seines Lebens durch Unterlassung vernünftiger Liebe gegen andere Menschen vder durch unvernünftige Thaten wider die Schuldigkeit gegen GOtt selbst, sich über den Hals gezogen habe. 10. Und damit wir selbst nicht wider die Schuldigkeit sundigen, so wollen wir ferner hier nicht nachgrübeln, wie dock dieses mit GOt- tes Vorsehung vndAUmackt bestehen könne, daß ein Mensch sich sein L.ebenS'Ziel »erküryen könne. Denn diese Nachgrüblunz ist vergebens, und nutzet uns nichts, weil alle göttliche EiMschaften unbegreiflich seyn, und zu Liebe gegen uns selbst. 54 ; Erhaltung unserer Gemüths «Ruhe genung seyn kan, daß wir unstreitig bey uns befinden, daß sich der Mensch sein Leben verknrtzen könne. 11. Laß uns vielmehr dieses etwas genauer erwegen, warum wir in Beschreibung der vernünftigen Liebe gegen sich selbst, gedacht, daß die Erhaltung des Lebens denen Menschen, die wir vernünftig lieben, zu gut geschehen müsse. Denn eö fliestet nicht alleine,wie gedacht, die Liebe gegen uns selbst aus verhiebe anderer N?en sehen her; sondern die Liede anderer Menschen ist auch eine Richtschnur der Liebe gegen uns selbst. , i2 Was das erste betrift, so erfordert so wohl die allgemeine als fürnemlich die absonderliche Liede, daß wir unser Leben zu erhallen uns angelegen seyn lassen. Jene zwar, weil wir. ohne Unterscheid anderer Menschen Hülffe, unv derer ihres Lebens benülhiget sind; Diese aber, weil die Liebe erfordert, daß wir der geliebten Person ihr Vergnügen mehr als dasunserige suchen sollen; und weil wir dann wissen, daß derselbe mehr in uns als in sich selbst lebet; alswür, den wir die Liebe höchlich beleidigen, wenn wirin Erhaltung unseres Lebens uns nachlaßig bezeigen sollen. iz. So ist auch hiernachst die Liebe anderer Menschen eine Richtschnur der Ä.iebe gegen uns selbst, theils in Betrachtung, rviedte- selbe einzurichten sey, theils in Ansehen, wie die 544 Das s. H. vondsrvernSnfn'ge» die Liebe gegen uns selbst der L.iebe anderer Menschen weichen müsse. 14. In der ersten Betrachtung weiset die Liebe anderer Menschen uns an, oaß es nicht ßenung sey, das Leben zu erhalten, so ferne dassel- bige nur bloß auf die^ctiine des menschlichen Cörpers gehet; fondern indem diese Erhaltung der Liebe anderer Menschen zu gut geschehen solle, verstehet sichsvonikm selbsten, daß zuförderst die Seele auch dergestalt von aller Unwissenheit und Thvrheit, ingleichen von allen bösen, und die Liebe hindernden Zuneigungen gesäubert werden müsse , vv gleich dieselbige an und vor sich selbst so beschaffen wären, daß dadurch unser Leben nichtverkür- tzet würde, sondern wir wohl indiesen Thorheiten und Zuneigungen unser Leben als wieein Vieh viel Zange Jahre sollen Mvringen können. i?. Nächst diesen soll auch die Liebe gegen uns selbst Ver hiebe gegen andere Menschen weichen, weil wir in Beschreibung der absonderlichen Liebe zum öftern errechnet haben, daß uns dieselbe antreibe, unser Leben vor die Person, die wir vernünftig lieben, zulassen. Und wenn Vanncnhero durch Unterlassung dessen, was wir oben n. 6. zur Erhaltung des Lebens erfordert, das Leben der Decjon, die wir lieben, erhalten werden könle ; so weiset die gesunde Vernunft, daß wir so dann solches vielmehr zu unterlassen, als zu thun schuldig seyn, wiewohl «iv Liebe gegen uns stlbA Z45 wir ni6)t leichte absehen können, in was für einem Fall durch Unterlassung obaesagler Dinge eines andern Menschen Leben erkalten werden könte> ausser was wir daselbst von der Verthey-- digung unsers Lebens wider äußerliche Gewaltgemeldet-. ;6. Ob auch schon jemand hierwider einwenden wblte, ich dürfte meines Lebens Erhaltung nicht meines Freundet Leben nach^tzen, weil mein Freund ja mehr inmir als in sich felbsrlebe, »Mcaus zu folyen scheine, daß ich mehr auf mich,, als auf sein Leben zu erhallen sehen müsse. So ist doch hierauf.zu antworten, daß die Regeln dee Liebe auch qleichfaiis von mir erforderten, mehr in meinem Freunde als in mir zu leben, und also fein Leben dem Meinigen vorzuziehen, und daß, wenn ich mit dieser Gegen-Liebe nicht versehen wäre, ich auch der Liebe meines Freundes nicht werth sey. 17. Ja sprichst du: auf solche Art wird ja dieses folgen, daß in der Liebe nicht ein Hery und eine Seele, sondern zween widersprechende ÄOüIen anzutreffen seyn, indem ein jeder vor dem andern sterben, und des andern seinen TodDerhindem will; solchergestalt aber wird Liebe nicht Liebe , oder doch die Uneinigkeit Liedtz heissen. i8- Aber O angenehmer Streit! O vergnüg- same Uneinigkeit! Dieses ist das einzige x2r2° Zoxum in derlVelt-vveißheit, dessen Wahr- Z) - heit, 546 Das 8. H. von derverttöttftlgm heit wohl von anderen Menschen empfunden wer, den kan, daß es der Vernunft nicht zu wider sey, lind von dem man doch in der Vernunft keine deutliche Ursache findet, dasselbe zu äemonttri. ren. 19. Wir haben aber gesagt, daß dieabsonder, licbe Liebe uns verbinde, unser Leben aus Liebe zu unserm Freund zu lassen. Denn was die allgemeine betrift, haben wir schon oben, als wir von derselben gebandelt, genugsam gewiesen, daß weder die Tugend derLeutseeligkeit, noch eine andere zur allgemeinen Liebe gehörige Tugend sich biß dahin erstrecke, für alie Menschen das Leben zu lassen. Ja wir haben daselbst, als wir von derGedult gehandelt, gesagt, daß wir nur von der Gedult, die man gegen die empfangenen Be- Zeydigungen ausüben müsse, redeten, und zu fei, nerAeit von derGedult gegen die instehenden und künftigen Beleyoigtmgcn schon unsere Meinung entdecken wotten. De rowegen fraget es sich nun- mehr» nicht unbillig: Ob denn die vernünftige Äuebe uns nicht auch verbinde, die von unjcrnFeinden uns zu besorgende ge» rvaltfäme Gefahr und Gcdmacd mit Ge, dulc zu erwarten und auch für dieselben uns ser L.eben zu lassen, oder ob wir nicht vielmehr dieselbe mit Meger.-Gewalt und auch wohl mitEr- wdtung unsers Gcgeners, der Liebe unbeschadet, abtreiben können? To. Die 5Uebe gegen uns selbst. ?47 20. Diese von vielen weitlauftig mich ziemlich uneinig und confus beantwortete Frage kürtzlich und gegründet zu beantworten, wollen wir nue üU?i dem, was' wir bißhero ckemonstriret, etliche Gaize und Gründe Hieher wiederhohlen, (i) Daß ein jedweder einen jedweden Menschen zwar nicht absonderlich lieben könne, aber doch auch nicht hasten solle. c» Daß derjenige, so uns Feindschaft erweiset, nicht pnerenäiren könne, daß wir ihm mit absonderlicher «.iebe zugethan seyn müßen, weil er durch seine Beleydi- gungen gnugsam darthut, daß er nicht tugendhaft sey. (z) Daß wir einen solchen MenftheN- doch nicht hasten dürffen, sondern ihm die allgemeine Liebe erweisen müsien. (4) Daß hast» sen nichts anders sey, als darnach trachten, wie man einen andern Menschen für das uns erwiesene eingebildete Böse Leydes zufügen möge. (5) Daß die Vertheidigung seines Gebens und feiner andern Güter nicht unter den Haß gerechnet werden könne, weil dieselbe nur dahin trachtet, den andern abzuhalten, daß er uns nichts zu levde thue. (6) Daß wir diese Vertheydigu ng der absonderlichen und allgemeinen Liebe schuldig seyn. (7) Daß wir zwar wegen begangener Boßheit oder Versehen uns nicht rächen sollen, weil wir dergleichen Gedult täglich von andern Menschen insgemein benöthiget sind, aber wegen offenbahrer gegenwärtiger Ge, walt, wenn wir nur ein wenig vernünftig seyn, A 4 von Z4« D6S8.H.vHt»dervernunsilZM von keinen Menschen xrTtenäiren, daß ex dieselbe gedultig aushaken solle; weswegen man auch wiederum von uns nicht dieselbe xrxtenäiren könne. 21. Aus diesen Gründen antworten wir nun auf die vorgelegte Hrage. Daß die Aiebe znicht von »ms erfordere, daß Wir die von Unsern Feinden uns gedr^here entstehende Gewalt Zednltig aushalten müßen, sondern daß wir dieselbe gar wohl der Liebe unbeschadet mit Gegen- Gewalt , und wenn es auch mit Erwdtrmg unseres Gegners selbst wäre,, abtreiben können. 22. Ich rede cwervon instehender Gewalt. Denn wegen der Bedrohung brauchen wir dieses Zewalcsame Mittel nicht; rlMs, weil wir dadurch vielmehr die Bedrohungen, als eine allbereit zu- Zefügte Schmach rächen würden, weiches wivee die allgemeine Gedulr streitet; theils weil wir wi- Der die Bedrohungen durch anderwartige Vorsorge und prsepaririing, daß wir künftig Ge, walt mit Gewalt vertreiben köiinen,gmmgsamverF sichert sind. ' 2z. Sprichst du gleich, es se» ganH unver^ i-lünftlg die gewaltsame 5Crt<5dt!Mg jeines Menschen vor einVOerck der L.iebe auszu- Deben; so ist doch gar leicht zu antworten , daß man ja niemahlm getagt, daß man dadurch dem-- senigcn, dm man ertvdtet, Liede bezeige, sondern zs ist gemmg, daß kZgn ihm dadurch keinen Haß K.iebe geFm »NS selbst. erweise, indem wir feinen Tod nicht imenäiren, sondern er sich denselben ftlbst verursacht, und daß wir durch diese unsere Vertheydigung so wohl insgemein allen Menschen, als msern absonderlichen Freunden unsere Liebe bezeugen. 24. Mie aber die uns drohende Gerva!H beschaffen seyn müsse, daß sie mit dergleichen Gegengewalt abgetrieben, und uuüer die Gegenwärtigen gerechnet werden könne? Angleichen, was man zuvorhero versuchen müsse, ehs man es zu dieser Extremität unsern Feind zu ortöd- teu kommen lasse? Und was dergleichen Hiebes gehörender Fragen mehr seyn mögen, die von denen ^soralitten insgemein pflegen gemacht, und beantwortet zu werden, in dieselben wollen wi? nns allhier nicht einlassen; theils weil wegen der vielfältigen und allzusehr vsriirenden Umstände man fast nicht wohl überhaupt dieselben erörtern kcm, fondern sie eines jedweden Tugendhaften seiner eigenen Klugheit und Liebe anheim stellen muß; theils weil es denen L.asterhafcenizdee m dcrTugend Unvollkommenen wenißchelf«? fenwürde, wenn wir dieselben noch so 5ubrileröri- terten, sie aber wegen ihrer Laster oder Unvollkom- menheit nicht fähig waren, diese Beantwortung zu xraQiciren, zumahlen da dergleichen Gefahren einen svlchen Menschen durch die plötzliche Furch! und Erschreckniß in einen solchen Anstand setzen . Da er sein selbst nicht machtig ist, sondern sich von Ässer Furcht und Schrecken regieren lassen muß. Z5S Das 8. H. von der vernünftige» Treffen sie aber einen Menschen an, der die vernünftige Liebe und Gemüthe-Rche allbereit in ei, nem hohen Grad besirzer; so weiß derselbe schon nach dem ihm mitgetheilten Maaß der Liebe sich seiner Gebühr nach hierinnen zu bezeigen. 25. Wann demnach, als erwehnet, die Liebe gegen uns selbst theils in der Sorge für unsere Sesle, theils in der Sorge für unser ^.eben und Gesundheit bestehet; so sollen wir nun wohl von beyden insonderheit zu handeln anfangen. Wir werden aber veröffentlich bey dem vernünf, tigen L hast du schon emen grossen Theil! neuer Wahrheiten in Betrachtung der gesunden Speisen erfunden, wenn du ebenmäßig die Application machst, daß dü'e unschmackdafres sten Speisen drdeNtiiÄ) die gesundesten, die sauren, süssen hingegen, mii> die einen gesunden und nicht verleckerten Mansch m wiedrig und ^ckel find, am ungesundesten sind, u> s w. zi. Wollest du aber auch endlich um besserer Ordnung willen, wie wir bey der allgemeinen und absonderlichen Liebe gethan haben, auch bey der ZUebe gegen m»s selbst die unterschiedenen hiehex z54 Das9. H. vonder vernünftigenLiebe her gehörenden Beobachtungen mit gewissen Namen der Tugenden belegen; Kvntest du die Schuldigkeit in Speise und Tranck, Mäßigkeit, dieje, nige, so die Kleidung und Wohnung angebet, Reinligket, die so aufBewegung der äusserlichen Gliedmassen zielet, Arbeitsamkeit, und endlich die, so den Leib vertheidiget, Tapferkeit nennen. Aber bemühe dich vielmehr diese Tugenden auözu, «ben,als über derselben Benennung oder Beschreibung unnölhigm Streit anzufangen. Das 9. Hauptstück. VonderNothwendigkeit vernünftiger Liebe, in denen vier allge? meinen Gesellschaften menschlichen Geschlechts. Inhalt. connexion. In der Ehelichen Gesellschaft, inglei- ' chen der Gesellsthaft zwischen Eltern und Kindern, Herr und Knecht, Obrigkeit und Unterthanen ».2. scheinet die Liebe nicht viel zu thun zuhaben, weil daselbst Befehl und Zwang ist. ».z. Gleichwohl ist eine jede Gesellschaft eine Vereinigung der Gemüther, wie bey der Liebe.4.Es kan keine Gesellschaft phne Liebe, aber wohl ohne Befehl und Zwang sevn. ».5. Der Befehl gehet in denen Gesellschaften nur der Liebe an die Hand, 6. und ist mit einer Gesellschaft mehr verknüpft als mit der ander», --. 7. nachdem in denen menschl. GestUschafcen. Z55 dem die Gesellschaften entweder wegen des innerlichen Antriebes, oder aus Mangel der Liebe entstanden. » 8. Die Eheliche und Väterliche Gesellschaft braucht den Zwang höchst nothwendig nicht allezeit. «. 9. Bey der Gesellschaft zwischen Herr und Knecht ist man mit der allgemeinen L»cbe zu frieden, jedoch tan eine absonderliche Liebe draus werden. ». 10. Aber in der bürgerlichen Gesellschaft ist die absonderliche Liebe zwischen Obrigkeit und Unterthanen nicht zu hoffen. 11. Wenn aber die allgemeine Liebe nicht cmmahl zu spühren ist, ist der Obrigkeit, und also auch in denen andern drey Gesellschaften, denen, so darinnen zu befehlen haben, es mehren- thcilszu impuriren.». 12. Die Eheliche Gesellschaft ist die allernatürlichste,i z. darinnen man eine absenderliche gleiche Liebe finden soll, «. 14. Vor Vollziehung derselben muß man mit der sorgfaltigen Gefälligkeit sehr behutsam umgehen, ». 15. auch die Gutthätigkeit nicht- bey seite setzen. ». 16. Nach Vollziehung derselben soll die Gemeinschaft alles Thun »nd Lasscns, «»gleichen ihres Vermögens statt haben. »- 57. Wenn zwischen Ehe-Leuten ein unversöhnlicher Haß entstehet, so ist es vernünftig, daß sie geschieden werden. ».18. Von der kni^- lnieUlldcommunioneuxcirum. ». IA. DieGesell- schast der Eltern und Kinder soll mit einer ungleichen vernünftigen Liebe begäbet seyn, ».20. und sich hernach in eine gleiche Liebe verwandeln. «.21. Die Gesellschaft zwischen Herr und Knecht soll aus beyden Theilen alle Tugenden der allgemeinen Liebe besitzen. »- 22. Wenn aus derselben eine absons derliche Liebe werden kan. »- 2z. Die Beschaffenheit vernünftiger Liebe in der bürgerlichen Ge- . Mchast. ^-4- l.Wir Z5<5 Das 9. H von der Vernünftigen L.iebe , > >---- ? —. > > ^> > -» Zr haben bißhero von derL.iebe ges- handelt, wie dieselbe nach dem Tuch der Vernunft erwehlet werd?, und auf eine völlige Vereinigung zweyer Gemüther, von was Stand und Gerechtste auch seyn mögen,ihr Absehen richte. Und ist dannenhero nichts mehx in der Lehre von der Liebe übrig, als daß wir sehen, wie dieselbe in denen vter menschlichen Gesellschaften beschaffen seyn solle, die deshalben na-- kürliche Gesellschaften pflegen genennet zu werden, weil sie allgemein seyn bey allen Völckern und kein Mensch ist, der nicht in einer von denenseiben, wo nicht in allen vieren sich befinde» Dieses sind die GeselisHaft (1) zwischen Mann und LVeib, (2) Eltern und Rindern, andern Freundftt'aftcn und Lieben, wenn man sich in seiner Wahl bctro, gen hat, man allzeit oder doch mchrenlheils den Fehler corriZiren kan, daß man sich wieder von in denen menfthl. GestNschaften. z6z einander sondert , und durch diese Sonderung die absonderliche Liede aufhebet. i;. Derohalben istvffenbahr, daß, wo jemahls bey einer absonderlichen Liebe, gewiß hierinnen vonnöthen sey, die oben erklärte sorgfältige Gefälligkeit in acht zunehmen, und viel und unterschiedene Lcmverüttione- mit derjenigen, so man heyrarhen will, zu haben, damit man ja wohl zusehen könne, ob das Gemüthe, das man siehet, tugendhast und dem unsern gleich se», und ob man uns wahrhaftig oder wegen Geilheit und Imerelle, oder sonsien auf eine unvernünftige Weise liebe. Solchergestalt folget ferner, daß die Heyrathen nicht vor vernünftig tonnen ausgegeben werden, wenn die Personen nicht tugendhaft oder tugendlicbend sind, wenn sie einander mit anderer Leute Augen und Ohren heyrathen, wenn man nach Gelde, Schönheit oder Beförderung freyet, oder wenn nach einer oder zwo Lonverslmorien man sich alsbald verbindet, es wäre denn, daß in diesem letzten Fall zwey Hertzen, die alle beyde sehr Tugend-Iiebend nnd offenhertzig waren, nach Anleitung deffcn, was wir allbereit oben hiervon erwehnct haben, zusammen kamen. 16. So solte man auch ferner in dem Ehestände bey dem allgemeinen unvollkommenen Zustande der Menschen die völlige nnauflößli- che Verbindung so lange aufschieben. dviß beyde Hertzen such die noch stärkeren Proben dec Z 4 Ver- z<54 Das 5. H. von der vernünftigen Liebe Vertrauens vollen Gutthätigkeit ausgestanden hätten, weil es sehr öfters geschiehet, daß diejenigen, die die Proben der Gefälligkeit ausgehalten, uns verlassen, und ihre Ungleichheit zu verstehen geben, wenn sie biß an die Gulthätig- keit gelanget sind. Und vielleicht haben unsere Vorfahren hierauf ihr Absehen gerichtet, wenn sie eingeführet, daß nach der öffentlichen Verlob, niß und zwischen der völligen Vollziehung, Braut und Bräutigam mit einander cmnoch eine Zeitlang converürm sollen, und daß sie bey inzwischen entstandener tödtlicher Feindschaft wieder geschieden werden tönten. »7. Wenn aber die ElMe Gesellschaft einmahl vollzogen ist, so ist es kein Zweiffel, daß akleine dieselbiqe recht vernünftig se», worinncn nicht nur alle Güter gemeine sind, sondern auch auf beyden Theilen eine liebreiche Frey« heid und XVechfelsvoeise Gemeinschaft «lles Thuns und Fassens gespührcl wird- Solchergestalt aber ist weder Zwang noch -Herrschaft des Mannes vvnnöthen » als welcher nur für die unvernünftigen oder sehr unvollkommenen Weiber eingeführet worden. Sondern gleichwie dieFrau demMgnn ein dem ihm gehöligen Thun und Lassen nichts einredet, sondern ans Liebe ihme darinnen beystehel, ss viel ihr Vermögen zuläst; Also lastet auch der Mann feinem Weibe in denen Haußhallunges« Sachen, die er nicht verstehet, ihre gleichmäßige Frey- in denett mensch!. Gesellschaften. ;6; Freyheit, und stehet ihr darinnen bei), so viel das bey denen Völckern eingeführte ciecorum zu- löst. Beyderseits aber lasten sie einander ohne Verdacht und Eyffer die Freyheit mit andern ehrlichen Leuten von beyderley Geschlechten zu con> verüren, wenn sie nemlich ihrer Tugend zu beyden Theilen wohl sicher sind, und aus denen Regeln gefunder Vernunft wohl verstehen, daß die Eifersucht und dasMißtrauen nur für die unvernünftige Liebe gehöre. 18. Solle aber über Verhvffcn eines von bey, den, oder wohl alle beyde in ihrer Wahl sich übereylet haben, und entstünde nach vollzogener Ehe wegen der allzugrossen Ungleichheit und sich äußernden Unvernunft des einen Ehegalten unter ihnen Uneinigkeit, die wegen der Hartnäckigkeit des unvernünftlIen Theils nicht gehoben oder geschlichtet werden konte; so ist offenbahr, daß die Meinungen de- rerjenigen Gelehrten, in denen Regeln gesunder Vernunft allerdings gegründet seon, welche behaupten, daß man in diesem Fall die Ehe, Scheidung zu lassen solle. Denn es kan für einem vernünftigen Menschen keine grössere O.uaal erfunden werden, als wenn er gezwungen ist, mit einer unvernünftigen Person in genauer Verbündniß und Gesellschaft ju verbleiben, und seinen Leib mit selber zu vermischen. Ja es ist mehr als Bestialisch, wenn uneinige und gantz widerwärtige Gemüther keine andere Ge, Z; mein- 66 D»S9.^.vHttdervemünfLtgenS.iebe meinfchaft, als die auf die Ableschung einer Wechsels-Weisen Geilheit ihr Absehen hat, einander bezeigen. Zudem währe keine Proportion zwischen dem Verbrechen und der Straffe, wenn man das Versehen eines Menschen, der sich bey feiner Heyrath mehr aus SchwachlM als absonderlichen Bvßheit nicht wohl in acbt genommen, mit einer so grossen Gemüths - Quaal be- straffen wolle» 19. Was aber im übrigen nach Anleitung dee Natur bey dem Ehestände zu beobachten sey , das von haben wir allbereit anderswo aueführlicher gehandelt, und zugleich erörtert: Ob es der Natur zu wider sey oder nicht, viel Weiber oder Manner, oder die XVeiber mit vielen ge- »nein zuhaben? Wohin wir uns um Küche willen beziehen, und für unnöthig gehalten, unsere Lehr-Satze anhero zu wiederholen. -