Ueber die Geschichte der AM»g der BuchdMrluT - —— » . »" K ^ » > " ^ ' ' Bey Gelegelcheit einiger neuern darüber geäußerten besondern Meynungen. ^ . > > Nebst der vorläufigen Anzeige des Inhaltes seiner Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst. Von Johann Gottlob Jmmcm. Breitkopf. Leipzig, gedruckt bey I. G. I. Breitkopf, 1779. Ueber die Erfindungsgeschichte der Buchdruckerkunst. ^ ^ ^->^M -> «" ^ —. ^ ine so lange Dunkelheit, als in der Geschichte der Erfindung der Buch- druckerey ein paar Jahrhunderte hindlirch herrschte, hatte den Schrift- stellern Gelegenheit gegeben, solche nur so vielen Meimungeii zu vcnm- stalten, daß es desto schwerer wurde, das Wahre darnnrer zu erkennen. Patriotismus, iiebe zu seinem Geschlechte, Weltkenntniß, Belesenheit, Aehnlichkeiten, Mißverstand, Widersprechungsgeist, Uebereilung, Fehler im Auslegen, Nachläßigkeit der Vorfahren, Verheerungen schufen, nach verschiedenen Absichten und Ursachen, dieser Kunst bald ein anderes Vaterland, bald einen andern Erfinder, bald ein anderes Alter, als Zeit und Gelegenheit ihr wirklich gegeben hatten. Wenn nach langem Streiten die Streiter sich endlich bis auf drey vermindert harren; wenn nach vielfaltigem Ausputzen der einen, Forschen der andern, und Zufällen der dritten Parthey sich endlich Strasburg und Mainz vereinigten, und von allen Ansprechen nur noch Hartem und Mainz, Koster und Gnttenberg übrig blieben, die ihr Recht zu behaupten suchten: so hatte man glauben sollen, daß neue Meynungen hiebey weder statt haben, noch möglich seyn würden. Gleichwohl hat man in unsern Tagen, wo die Geschichte dieser Kunst so vieles Licht gewonnen hat, sowohl Deutschland und Guttenbergen an Italien, und Mainz an Bamberg neue Gegner geschaffen, als auch Harlem und ihrem Koster einen Antwerper entgegengestellt, der hundert Jahre älter als jener ist. A 2 Da 4 Ueber die Ersindungsgeschichte Da ich mich zeither mit der Geschichte von der Erfindung der Buchdruckern) beschäftige, und in solcher die Widerlegung dieser neuen Einfälle zu weitläuftig für eine Einschaltung seyn würde; so nehme ich daher Gelegenheit, dieses besonders zu thun, um mich in jenem Werke, das der Erscheinung nahe ist, darauf beziehen zu tonnen, und zugleich eine vorläufige Anzeige von dem zu geben, was man in dieser Geschichte der Erfindung der Buchdruckerey zu erwarten haben dürfte. Diese drey neuen Meynungen von dein Orte der Erfindung, und der Person des Erfinders, sind vom Dominico Maimi zu Florenz im Jahre 176: in einem Werke, das von den ersten zu Florenz gedruckten Büchern handelt; von Joseph Vemazza 1778 zu Caglmri, in einer Abhandlung über die Druckerei) in den Staaten des Königs von Sardinien, und von Jean des Roches in einer Vorlesung bey der Versammlung der Akademie der Wissenschaften zu Brüssel im Jahre 1777, bekannt gemacht worden. Ueber alle drey werde ich meine Gedanken vortragen, und theils die Vermuthungen angeben, wie die Urheber derselben auf diese Meynungen geleitet worden sind, theils den Ungrund davon zu zeigen mich bemühen. > ______-H A?- ?. Dis ^ der Buchdruckerkunst. 5 «- -7 - , , — , ^ , - >...... — . I. 6^ie erste neue Meynung von dem Urheber der Buchdruckerey findet man m «^»^ dein Werke ^rima ^iomul^3/ione 6e'^iidri in?iieu/.e, le/ione ilrorica 6i Oo?«W/5t)7l5K,!»i^c.2) welches zu Florenz^ aus der Druckerei) des Pictro Gaeta- no Viviani, I?6l in 4to herauskam. Manni will behaupten, daß Johann Fust kaum zu Mainz die Buchdruckerkunst erfunden gehabt, als ein Goldschmidt zu Florenz, Namens Bernard Cenninl, ebenfalls auf die Gedanken gekommen sey, Buchstaben erhaben auf Stahl zu schneiden, um damit Schrift, nach Art der Siegel bey den alten Römern, zu drucken. Dieser Bernard sey 1412 gebohren, und habe seinem Sohne Domilüco das Geheimniß, Stempel auf Stahl zu schneiden und Buchstaben daraus zu machen, mitgetheilt. Durch diese Erfindung habe man 1471 das Leben der Katharine von Siena, und 1472 den /^>F?7tttm mit dem Commen- tar des Servius herausgegeben. Allein man gönnte auch in Italien nicht einmal dem Verfasser dieses Werkes seinen Einfall zur Ehre von Florenz in fo spaten Zeiten, sondern wollte es den alten Bewohnern des Landes lieber gönnen. Die Verfasser des Florentinifchcn gelehrten Journals rückten bey der Bekanntmachung dieses Werkes ein Schreiben desv.Ludov. Coltelll'ni zuCortone, an einen seiner Freunde, vom I5ten Julius im Jahre 1761 ein, in welchem er Nachricht von einem gebrannten Steine aus dem Alterthume giebt, der sich in dem Besitze des Maltheser-Ritters Iovan. Semini Cnccmli. befand, und auf dem eine Aufschrift in Etrufeischer Sprache steht, die nicht nach der gewöhnlichen Art dieser Monumente, sondern durch Formen von einzelnen Buchstaben hervorgebracht ist. Ein jeder Buchstabe schiene mit einer eignen Forme gemacht zu seyn, weil man immer eben denselben Buchstaben mit feinem unterfcheidenden Merkmale wiederfände, welches nicht fcyn könnte, wenn man nicht dazu immer denselben einzigen Buchstaben gebraucht hatte. Der Verfasser des Schreibens mcynt daher, daß dieß nothwendig einigermaßen den Ruhm Johann Fllstö verringern müßte, da die Kunst, mit Buchstaben zu drucken, schon den alten Etruriern bekannt gewesen sey. Wenn man auch diese Art, Buchstaben und Figuren auf weiche Massen zu druk- ken, welche man hernach an der Sonne trocknete, oder im Feuer harr machte, für Vorlaufer der Druckerei) annehmen wollte: so irrte gleichwohl Coltellllll, wenn er A z sich s) Ich qebe diesen Auszug, in Ermange- Ivurnal 6es Lcavans im Iunius 176- lung des Italiänischen Werkes selbst, aus dem x. 124. le^. 6 Ueber die Ersindungsgeschichte sich einbildete, daß die Etrurier davon Erfinder wären. Dieser Gebrauch war al- ter, und schon denEgyptiern bekannt; undNl'eblthr hat bey seiner Reise durch Egypten auf diese Art bedruckte Schcrben gesunden welches Kunstwerk unstreitig in einem lande, wo der erste Sih der Künste gewesen war, ein größeres Alterthum vermuthen laßt, als es der Etrufciscbe Ziegelstein beweisen will, wohin die Künste erst durch einen Umweg gekommen sind. Wenn dieß den Weg zu unserer Druckerei) hatte bahnen sollen, so müßten es schon die lange vorher bey den morgcnlandischcn Völkern im Gebrauch gewesenen Siegelringe gethan haben, welche sogar mit starker Dinte, also mit einer Art von Farbe, aufgedruckt wurden c). Die Druckerei) rückte aber in den nachfolgenden Zeiten in eine nähere Verwandtschaft mit einem ihrer wirklichen Vorläufer, den Stamplllen; und derselben Aehnlichkeit in Nachahmung der Handschrift und des Drucks auf Pergament und Papier, mit den Werken und der Ausübung der Buchdruckers«), giebt Anweisung, den Weg auszukundschaften, den dieErfindung genommen hat, dieseKunst nach und nach hervorzubringen. Herr Coltellittt hätte also billig einen Unterschied zwischen dem einfachen Ausdrucke von Figuren aus Thon, dessen Bearbeitern es einerley seyn konnte, ob sie die Figur eines Thieres oder eines Buchstabens eindruckten, und dem vervielfältigenden Abdruck einer ganzen zusammengesetzten Schrift durch die..Hand des Buchdruckers machen sollen, ehe er Allsten etwas von seinem erlangten Ruhme zu nehmen sich belieben lassen. Manni begeht seiner Seits einen andern Irrthum. Wenn Cenllim erst 1471 oder 1472 durch seine Erfindung das erste Buch zu Florenz herausgegeben hat, so konnte er drey und zwanzig Jahre nach Fusten nicht Erfinder, aber wohl Nachahmer einer neuen Kunst seyn. CeNttini war ein Goldschmidt; und diese Art Künstler haben, wegen ihrer Verwandtschaft in den mechanischen Stücken der Grundlage der Buchdruckerey, in den ersten Iahren der Kunst sehr viel zu ihrer so geschwinden Ausbreitung beygetragen. In Metall graben, Metall durch Punzen treiben, Figuren abformen und gießen, war langst die eigene Beschäftigung der Goldschmiede, und trieb manchen an, Theil an der neuen Erfindung zu nehmen, da sie so nahe an ihre schon gewohnten Arbeiten gränzte. Wenn er also seinen Sölmen Anweisung zu Verfertigung der stählernen Stempel und zum Guß der Buchstaben gab: so gab er ihnen Anweisung zu seiner eigenen Kunst, lind zugleich die Anwendung dieser Kunst auf d) C. N.'ebuhr, im 'frei, Theile seiner Nei> noch heutiges Tages, wie man aus den Nächst , S, < 8. ^ richten des Glearms, pocock, Lüvecke «nd c) Dieß thun die morgenlandischcn Völker anderer sehen kann. der Buchdruckerkunst. 7 auf die neu erfundene Bnchdruckerey. Bernard lind seme Söhne Domiiueo und Pl'etl'0 waren wirklich die ersten Buchdrucker in Florenz; und ihr erstes Werk, womit sie sich viele Ehre erwarben, waren Vir^-i c>^e.rg, mit dem L»inlneiit!>rio des wobey sonderlich Pietro sich durch die accurate Correctur sehr verdient machte; dieß Werk kam, nach der Vorrede, 1471, oder, nach dein Schlüsse, 1472 heraus. Das andere Werk aber, das Leben der heiligen Karhcm'ne von Siena, ist gar nicht aus ihrer Werkstätte, und erst 1477 durch die P.P.Dominico de Pistoia und Pietl'0 de Pl'sa, Prediger-Ordens, aus der Klosterdrnckerey des heil. Jakobs von Nipoli Zu Florenz hervor gekommen ^). Die Unterschrift hinter der Vorrede dieses Werkes scheint den ganzen Irrthum dieser Meynung des Dom. Manni durch eine falsche Erklärung hervor gebracht Zu haben. Sie heißt: t'Ioremiae VII. läus Uoveinbns ^4LLLOI>XXI ^e>-?za^^^ L'cttzn'^ll^ ^mitex omnium juciieio zzrgL- I^gntillimus, et /)oMtt!icll/ ejus o^l-eAae in6oli8 aclolescens, 5a//^e ^e/?z^e^e^i/ vvlumen Iioc im^rellerunt. /'tV? (7eK??/?n// Lerngrcli ejusclem iiljux Quanta ^Zotuit cura et cliliZentia omenclavit: ut cernis«?/ e/?. ?lln Ende des Werkes steht nach einer Wiederholung der ersten Worte, und einer Erzählung dessen, was Petrnö dabey gethan habe: ^dsolutum opus I^onis v^odns. ^. LLLL. I.XXII. Keine Unterschrift der ersten Buchdrucker beschreibt so offen und so ordentlich die Wege der Kunst, als diese: durch stählerne, vorher eingeschlagene und hernach gegossene Buchstaben gedruckt °); und besser, als die Unterschrift des Catholikons zu Mainz von 1460, mirs ^ati-onai'um formsrumcme concorc^s, xro^aitione mo äulo imxiellu« atc^ne colifecüux; und wer weis, was die Worte xn'nium und k'Io- rentinis inZenüs nil aräui elt, bey ihin für eine Deutung gelitten haben kann, da es nach der Meynung des CenntNl unfehlbar nichts anders hat anzeigen sollen, als daß die Florentiner die Eefchicklichkeit haben, die Künste so gut zu erforschen, als anders, und daß dieß die erste Probe davon sey? Es ist aber wohl möglich und wahr- rlbuü nichts, als allein die in Stahl geschnittene Stempel bezeichnen wollen : so ist es wohl zwey- deutig, aber immer deutlicher, als alle cmdcre dergleichen Anzeigen der neuen Kunst, welche alle Verfasser der damaligen Unterschriften in große Verlegenheit setzten, mit lateinischen Ausdrücken die Beschäftigung einer Kunst anzudeuten, welche die Römer nicht besessen, und also auch keine Redensarten für solche erfunden hatten, und wodurch in diesen ersten Zeiten die neue Kunst auch nicht so platt verrathen werden möchte. 6) Nsittiurs in ^nnsl. I'om. I. Täit. nov. ?. z?y führt die ganze Unterschrift dieses Werks KN. I^e^snäs 6ella mirsbile vereine Leata Lllstsrina äe Liens, iuora Zella xenitentw 6i Lanto Oomeniclio: >^nno äomini müls'czusttro ceto tsttsnts iette »6äi venti «zusttro äi rnsr^o e Kst» Iexen6s inprontsts in tirsn^s sl moni- sierrio ^ . s>. ... » > >, > > » II. ^V'e zweyte neue MeyNUIig von dem Orte der Erfindung und dem ersten ge- «^-^ druckten Buche tragt Joseph Vernazza e) in der I^e^ione — lopl-a I2 8t2m^)- vor, welches Werk zu Caglicm in der königlichen Buchdruckers» 1778 herausgekommen ist. Vernazza bemerkt in solchen,, daß unter allen gedruckten Werken, welche vorhanden sind, selbst den Mainzer Psalter von 1457 nicht ausgenommen, das Concilium zu Würzburg, welches sich in der Herzog!. Bibliothek zu Parma be. finde, das alleralteste sey; und beruft sich dabey auf das Zeugniß deö TheatinerS P. Pacicmdi. Dieß Buch, welches Vernazza das Concilium von Würzburg, oder Lc>n- cilium 'Mir-burZenie nennt, ist ein Werk, welches eine Sammlung von Concilien enthält, die in Würzburg in dein iSten Jahrhunderte gehalten worden sind, das in Folio mit so genannter Mönchsschrift gedruckt ist, aber keiue Anzeige, weder des Ortes noch des Jahres seiner Ausgabe, bey sich hat. Das letzte der darinnen abgehandelten Concilien ist vom Jahre 145z. Vernazza, und sein Gewährsmann Pc-ciaudl, sind daher in den Irrthum gerathen, zu vermuthen, daß dieß Werk nirgends anders, als in Würzburg, und nicht spater, als in dem Jahre 145z, gedruckt seyn könne. Nach diesem Schlüsse würde es freylich den Mainzer Psalter von 1457 um vier Jahre am Alter übertreffen, wenn solcher richtig wäre. So unbedeutend dieser ganze Einfall für uns in Deutschland ist, da wir von dem richtigen Alter deö Mainzer Psalters gegen alle andere gedruckte Bücher genugsam überzeugt sind: so ist es gleichwohl auch nicht unrecht, den Ungrund dieses Vorgebens untersucht zu haben. Man kann sich davon aus des />. ^c>/ M^s-Z/ei- „u'i 5. ^. Sammlung Lonciliorum Lei-maiüae, die er zu Kölln 176z in Folio herausgegeben, und solches Werk zu seiner Sammlung gebraucht hat, sehr gut unterrichten, dein l'om. V. wo diese Concilien von Würzburg vorkommen, findet man x. z6 gen bey dieser Abhandlung, halt erzählt worden; und ich bediene mich, in B Ueber die Erfilldungsgeschichte continentur Z^nocli I^erc>!vc>1enle8 v^riae; am Ende des Loncilii l^erbixolenl! XIX, im Jahre ^.LLLL.XI^VI. v. 420. wird wiederholt: ex lidro iinprello in toi. Litera ketri, line meiuione ulla snni et loci; creclcz ^urceonrAi iinprell'uni vel in ^1o- xuntia voü LNNUIN 1470, und bey dem letzten Loncilio I^el-dixol. XX, vom Jahre K1.LLLL.I.VI. p. ^zz wird gesagt: Tx iinvrellc» coäice in tolio, Liters ketti, line lwta anni et t^vAraxlii, vrobabiliter ^lerbi^oli imvrellc>. Es ist zweifelhaft, ob diese beyden Italiäner durch das Buch selbst zu ihrer Meynung verleitet worden, oder ob diese Anmerkung des P. HmHeiM ihnen darzu Gelegenheit gegeben haben möge. Für die älteste Ausgabe von Würzburg wird bis ißt ein Filiale lecunclum> ulum eccleliae I-Ierbivolcnt'i8, reverencliÜinn istius ecclellac sntiltetis autoritate ecli- tuin gehalten, welches 1481 ein I. G.Ryser in Fol. gedruckt hat ^), und die einzige ist, welche man von Würzburg aus dem funfzehenten Jahrhunderte entdeckt, und welche Maittaire selbst nicht gekannt hat; so wie er überhaupt von Würzburg nichts, weder in seinen Werken noch in dem Inclice, anführt. Die Anzeige der Schriftart, mit welcher die Concilia gedruckt sind, läßt vermuthen, daß sie mit der Schrift des Missale einerley, und lim eben dieselbe Iahrszeit gedruckt sey. McU'chüttd führt zwar in seinem hinterlaßnen 1Vl8. die Meynung an, daß die Druckerei) in Würzburg wohl noch alter, als dieß Missale angiebt, sey!, könne, weil nach dem Catalogo der Bücher, welche Penzonitts besessen hatein ^?/??-ct'//i.vtt/ 6e ^roprietüte latini lermoniz, als eine Lciitic» »clnioclurn »lUic^ua zu Würzburg gedruckt, darunter genannt wird. Er halt diese Anzeige aber nicht für zuverläsiig, und für verdächtig, weil es zweifelhaft sey, ob Pm'zonius diesen Cata- logum selbst gemacht habe, und weil man dieß Buch selbst nicht in dem Catalogo ' der Bibliothek zu beyden, unter den alten Ausgaben finde, welche PMMMts ha, hin vermacht hat. Man kann indessen ziemlich die Jahre wissen, in welchen, nach solcher Voraussetzung der Aehnlichkeit der Schrift des Missale und der Concilien, dieselben gedruckt seyn können. Da den Bischöfen an den Missalen, für ihre Kirchenspren- gel, vor allen andern Werken gelegen war, wie aus der Menge derselben, die in den ersten Iahren der Druckerey gedruckt worden sind, zu schließen ist: so kann man dieses !,) /!^<-5/-a»-/ lust. >Ze i'Impr. p. 75. wo. deßglelchen L>'-?//,F. 6>/->. «5 e7«^. IiXXXVl. der es aus den 7>a,/5,'/5 ^/„'/o/. 65. iatsr vock. 6«»/. S««^- ^ ,zz. k^o. z,o. anfuhrt. In seinem hinterlaßnen 1^18. eilirt. fand ich auch -LL. ^0. ,700. x. 1515. j) ?. II. x. 6«. der Buchdruckerkunst. Z!l dieses N-'i^!e NeiKI^vIense immer für das erste Werk der Würzburglschen Drucke rcy annehmen. Der Bischof, welcher dessen Ausgabe besorgte, Rudolph de Scheremberg, saß von 1466 bis 1495 ans dem bischöflichen Stuhle; die Concilia, welche wahrscheinlich das zweyte Werk dieser Druckerei) waren, wurden also wohl in dem Jahre 1481 — 95, bald nach dem im Jahre 1481 qeendigcen ersten Werke, zu Stande gekommen seyn. Man würde mehr gewisses davon erfahren können, werm sich jemand die Mühe geben wollte, die Beschäftigungen der Druckerei) in den bischöflichen Sitzen in Franken zu untersuchen, und ihre Werke in den Bibliotheken der Klöster dieser Bischofthümcr auszusuchen, wie eö von vielen ander»! bereits geschehen ist. -W?- ZII. Die 12 Ueber die Erfindungsgeschichte " > Ä^ -!^-^- 7-- --- III. A>ie dritte neue Meynung, von dem Erfinder und dem Orte der Erfindung, «r^-^ wurde von dem beständigen Sekretair der kaiserl. königl. Societät der Wissenschaften zu Brüssel, Hrn.Iean des Roches, in der Versammlung vom ZtenIcn- ner 1777 vorgelesen, und ist von mehrerer Wichtigkeit, als die beyden vorhergehenden. Sie will nicht allein Harlem, und ihren geliebten Koster, um die bisher so eifrig vertheidigte Ehre bringen, solche Antwerpen, und einem Ludwig von Vaelbeke zuwenden : sondern auch die ganze Erfindung um ein Jahrhundert früher hinaussetzen. Ich habe diese in Französischer Sprache abgefaßte Schrift in ihrer Ursprache nicht gesehen, sondern sie nur aus der Holländischen Ueberfetzung kennen lernen, welche in die Hollandische Monatsschrift ^IecZencjiiA5c!ie Vacieila^cis^e 1.et- ter - OeteiiinAen, xvaaiin cie ZoeKcn en Lclinüen, 6ie cj-i^el)^« in ons Vg6eilan6 en elciei'8 uitkoinen, oorc!eeI!^unc1iA tevenz en vrvinoecj^ vei-lianclelcl xvoicien. ^eve»«?e O^e/ ^Vo. 7. 298 — Zo8 und //o. 8- ?- Z52 — 574. Amsterdam 1778 in 8vo. eingerückt ist. Sie hat aber so vieles, theils sonderbares, theils merkwürdiges in sich, daß ich sowohl deswegen, als wegen ihrer Seltenheit für gut gehalten habe, sie aus der Hollandischen Sprache ins Deutsche zu übersetzen, und ganz hier cinzurücken meine Anmerkungen darüber werde ich nachher über. Haupt anfügen. K) Diese Holländische Uebcrschung scheint gleichwohl an einigen Orten, sonderlich im Anfange etwas abgekürzt zu seyn. -M^ ' ^> Neue der Buchdruckerkunst. »z »>L- -- Neue Untersuchung über den Ursprung der Buchdruckerkunst; worinnen gezeigt wird, daß man die ersten Vorbilder davon den Brabantern zu danken habe, durch den Herrn des Roches, beständigen Sec?etair der kaiserl. königl. Akademie der Wissenschaften zu Brüssel. Gelesen in der Versammlung den 8. Ienner 1777. üx^ii-ante vs^oi'e Viäes unäe iAiii8 elucet mortalibu? clivus. //tti-l.'/»/ 2^uä /^nz-Z'. äe I.. Lst. I.. 6. Aus dem Französischen. , >. > ^V^ormals stritten sieben Städte mit einander lim die Ehre des Geburtsorts des Ho- e zum Vorschein gekommen sind. Diese Fremdlinge hatten dabey theils das größte Unglück, und theils das größte Glück. Sie waren darinnen unglücklich, daß sie durchgängig die ganze Erfindung Deutschland zuschrieben, da die Hollander Bücher zeigten, die lange vorher gedruckt waren, ehe in Strasburg oder Mainz ein einziges Werk aus der Drucker- presse zum Vorschein gekommen ist. Diese Bücher fand man nirgends, als in den Niederlanden; und sie waren mehrenthcilö in einer Sprache geschrieben, die nur in den Niederlanden geredet ward; ohne Seiten-Ziffern, Blattweiser und Vogenzeichen, B 3 allein Ueber die Erfindungsgeschichte allein ans n'ncr Seite des Papiers bedruckt, die andere von der durchgeschlagenen Farbe beschmutzt, mit hölzernen jctrern, in einigen beweglich, in einigen fest, allzeit roh, doch unsern Handschriften damaliger Zeit vollkommen ahnlich, mit der schlechtesten Farbe, die man machen kann, gedruckt, die Worte schlecht geordnet, und öfters der letzte Buchstabe des einen zu den Anfang der folgenden Zeile geschleppt; kurz, mit allen Anzeigen der ersten Versuche einer Kunst, und woran alles einen Künstler bezeichnete, der noch wenig in seiner Sache geübt war, der schlechte und elend gemachte Werkzeuge hatte, mit einem Worte eine Kunst darstellte, die nur noch in ihrer Geburt war. Hierzu kömmt die volle Einstimmung der deutschen Geschichtschreiber, welche Angenzengcn von dein gewesen sind, was Guttenbel'g, Fllst und Schdsser hervorgebracht haben, und die offenherzig bekennen, daß diese Erfinder der Buchdruckerkunst die ersten Gedanken dazu von den rohen Anfangen gefaßt haben, welche vorher in Holland erschienen waren. Und hätte man auch dieses wichtige Bekenntniß nicht: so würde die Wahrheit der Sache dennoch eben so unumstößlich seyn. Allein die Betrachtung dieser ersten Denkmale ist genug, den schwächsten Verstand und den unwissendsten Menschen zu überzeugen. Der Unterschied ist auch so groß zwischen dem Donat und den Psalmen von Fnst, zwischen dem 5^eculn liuinüiiao lalvatlonis und der Bibel V0N MaiNz, daß man einen grossen Zeitraum zwischen diesen verschiedenen Werken zugeben muß. Diese Wahrheit hat Hr. v. Mcermann ins volle licht gestellt, und ans das allergründlichstc bewiesen; und die, welche dieß Werk gelesen, und noch mehr die, welche Gelegenheit gehabt haben, die Urstücke zu sehen, mögen widersprechen. Die auslandischen Gelehrten betrogen sich, und ihr Irrthum war unvermeidlich. Sie hatten nichts als die ersten Mainzer Ausgaben vor sich, davon viele Exemplare in Frankreich und Deutschland gefunden werden ; sie hatten keine Kenntniß der Holländischen Gelehrtengeschichte, verstunden ihre Sprache nicht, hatten das nicht untersucht, worauf diese Nation sich gründete, redeten bloß von Hörensagen, lind sprachen folglich nur ungewiß davon. Natürlich mußten sie, wie sie auch alle Augenblicke gethan haben, das Drucken durch hölzerne mir den metallnen, und das durch unbewegliche mit den beweglichen Buchstaben unter einander verwirren. Hatten sie hier nun das höcbste Unglück, so hatten sie dagegen aber auch das größte Glück, daß sie an Lomiz Iansen die Ehre der ersten Ersindung bestritten. Die Beweift, die man davon anbringt, sind wirklich nicht von der Art, daß man mit gesundem Urtheile ihren Gründen beystimmen kann. Kein einziger Schriftsteller, der gleichzeitig mit LoMtzcn ist, thut von ihm Meldung, sondern alle beobachteil das größte Stillschweigen. Die heutigen berufen sich allein auf das Zeugniß des Inm'lls, der Buchdruckerkunst. Iuttl'tls, der es von zween steinalten Mannern erfahren, die es in ihrer Kindheit von cinem achtzigjährigen Greise gehört hatten, der sich einbildete, daß er eö in seiner Jugend habe erzählen hören, da er in Lorenzens Werkstätte nach seinem Sagen in Gesellschaft des Hciusdiebcs °) gearbeitet, der die Gerathschaft mitnahm, die sein Meister erfunden hatte, und hingieng, die Früchte des Diebstahls zu genies. fen; welches er nach Einigen in Mainz, nach Andern in England that; denn man ist ebenso wenig einig über den Ort, als über dieZeit dieser Begebenheit.---^) Ich habe bereits verschiedenemal diese sonderbaren Abdrücke von Hol-formen, die aus der Holländischen unvollkommnen Druckcrprejse gekommen waren, ehe die Deutschen die gegoßnen wettern erfunden hatten, untersucht, und war mit allen meinen Landsleuten überzeugt, daß diese kostbaren Denkmale von 1440, oder da herum, waren, und daß man um solche Zeit noch nirgends, als in Holland, gedruckt habe. Wie groß aber war meine Verwunderung, als mir im vergangnen Jahre einer meiner Freunde in Antwerpen eine Urkunde von der Regierung dieser Stadt, vom 22stenHeumonat 1442 vorzeigte, in welcher ausdrücklich derDrucker gedacht wird, welche eine Gilde ausmachten! Ich bekam einen Auszug dieser sonderbaren Schrift, und nahm mir vor, meine Untersuchung fortzusetzen: und da mich verschiedene Hindernisse dabey aufhielten; so sendete mir mein Freund, der begierig war, der Welt diese Entdeckung bekannt zu machen, den utenNovbr. 1776 einen nahern Bericht von der Sache, wie hier folgt. „Da ich Gelegenheit gehabt habe, ein genaues Vcrzeichniß von alle den Papieren zu machen, welche in dem Archive der Gildekammer von St. Lttkas ZU Antwerpen, gemeiniglich die Schilderkammer genannt, befindlich sind: fand ich „unter ») Dieser Dieb, nach dieser Erzählung, ein Werkgcnosse L.auren? Rosters, packte in der Christnackt, da jedermann m der Kirche war, die Lettern und Gerüche seine« Meister« zusammen, und brachte sie fort. Eine Ladung für verschiedene Wagen, Dieser Diebstahl ist lustig ausgedacht. Hat dieser Knecht, der die Erfindung nach Mainz bringen wollen, glauben können, daß Deutschland nickt Holz genug liefern könne, Pressen und Buchstaben davon zu machen? Man sehe diese Erzählung, oder lieber, diese Fabel, in dem Lstavi» des Innius S. 256. Des Rocb. Der Autor stellt hier die Erzählung des Iu- nws in ein ungünstiger Licht, als sie es verdie. net; und um davon überzeugt zu seyn, lese man sie beym Junius selbst. Besonders fällt es auf, daß er den Dieb mit so einer großen Fracht weggehen läßt. Sein Vorgänger Sckopflin gab ihm doch nur genug für einen Wagen, plus , der es ?zs 9. beantwortet. >HollänV. Uederf. b) Der Holländische Uebcrsetz-r bricht hier von dem Eingange ab, um desto eher ju der Hauptsache zu kommen. Brf. Ueber die Erfindungsgeschichte „unter andern ein Buch von einer sehr alten Hand, das größtentheils Privilegien und Reglements dieser Brüderschaft enthielt, das auf Pergament geschrieben, und meh- rentheils von dem berühinten Cornelis Graphäuö, Sekretair der Stadt, collatio- nirt war. Dieß Blich ist mit Klo. i. bezeichnet. Das erste Stück, welches darinnen vorkömmt, ist auch das älteste, dem Datum nach; ein Reglement von dem Senat, zum Behuf der Gildebrüder von St. iukas, vom 22sten Heumonat 1442, und betrifft das Aufnehmen zur Meisterschaft, Reglements der Gildebrüder, Lehrlinge ?c. nachfolgenden Innhaltes:" „Wir Jan van der Brugghen, Ridder, Herr zu Blaesfeld, Schultheiß zu Antwerpen, und Marggraf des Landes van Ricn, Bürgemeister, Schoppen und Rath der Stadt Antwerpen, thun kund jedermänniglich, daß die guten Manner, und die Gesellschaft, gemeiniglich genannt der Maler, Bildhauer, Steinmetzen, Glaser, Illuministen/ Drucker c)..... und alle die zu der Gilde von St. Lukas gehören, uns haben zu erkennen gegeben zc. " „Das Ende von diesem Reglement lautet also: Sonder Betrug und Arglist zn Urkunde alles, das vorher gesagt ist . .......gegeben im Jahr unsers Herrn, als man schrieb Tausend Vierhundert und Zwey und vierzig, den 22sten Tag des Julius .... collationirt mit dem Original-Briefe, auf dem Rücken gezeichnet mit ä,; ist gleichlautend von Wort zu Wort befunden worden von mir C. Gra- phaeus" „Man könnte hierbey dreyerley Bedenklichkeiten anmerken: 1) über die Aecht- heit des Stückes; 2) über die Genauigkeit des Datums, und z) über den wahren Verstand des Wortes kremeis (Drucker)." „Was die erste und zweyte Bedenklichkeit anlangt, so mag es genug seyn, dabey zu erinnern, daß die Abschrift von Cornelius Graphaus bekräftigt ist, der im Jahre 1558 starb. Er erklart, daß er es selbst nachgesehen lind Wort für Wort mit den, Originale gleichlautend befunden habe. Es ist kein falsches oder verdächtiges Stück; man weis, was es betrifft; man kann es genau unterfuchen, und es läßt keinen Verdacht einer Falschheit zurück. Es kann auch kein Irrthum iu dem Datum Platz haben, weil solcher ganz mit Worten ausgeschrieben ist, eben so wie es hier geschriebeil worden." / „Was c) In Niederländischer Sprache heißt es: Lnyäsrs, LlalemsKers, VerlicKters, F>m. L^liläers, lloutt^uKKer5 (Holzschnittdrucker) wurden genennet Nei1iZe.?rimer8 (Heiligen-Drucker), ?>'Zuer-krimers (Figurendrucker), oderLeelcleKKer-s.knu- ter5 (Bilderdrucker), und nicht ?rimer8 (Drucker) schlechtweg. Die Register sind darinnen so genau, als man wünschen kann. Das Wort Lserte - krinterz (Karrendrucker) findet man überhaupt gar nicht darinnen; sie wurden allezeit (werten - sxel - MÄker-, (Kartenmacher) genannt. Die eottoen.OruKKerz (Kat- tundrucker) oder OruKKer-z Vi-N LtoKen (Leinwanddrucker,) wurden durch die Benennung von e!eerii.-rivere (Kleidersichreiber), so wie die Glasmaler durch (ZejAle. fcrivere (Glasschreiber) angedeutet; und ich behaupte nochmals, daß das Wort krimei-5 (Drucker) nichts anders bezeichne, und nichts anders bezeichnen könne, als einen Buchdrucker." „Man kann vielleicht sagen, daß, wenn in dem Jahre 1442 Buchdrucker in Antwerpen gewesen waren, man sie in der Acte durch den Namen von LoeK-krln- -zm->n6k? durch lVic^rMno'sclis Sprache, und I^iigu-z tto!l!»icwiss, zu unterscheiden. D' lM, nicht NieSerdemscbe ausdrücke, welches sonst man merke, daß es hier nicht auf den Unter- natürlicher!>yn winde: ich muß hier erinnern, schied zwischen Vlämiscb und -Holländisck an- daß ich die^ auch im Folgenden in Acht qenom« komme, welches zu der Zeit, da die Drucker- nie» habe. Anmerr. des Holländ. Ilebers. kunst ist erfunden worden, nicht paßt; und ich der Buchdruckerkunft. dasselbe bezeichnen, und gleichgültig durch einander gebraucht werden. Dieß ist so sicher, daß, wenn von einer andern Gattung von Druckern die Rede ist, man sich des Worts viuKKei- nicht bedienen kann, und gezwungen ist, noch ein Wort hinzuzufügen, alö ?I-ttt.vruKKer (Holzschm'ttdrucker), Lottoen-Vi-uKKer (KatlUN- drucker) und dergleichen, ohne welchen Zusatz man nicht würde verstanden werden." „Alles muß uns in der That überzeugen, daß die?miterz (Drucker), deren in der Acte von 1442 Meldung geschieht, die Loel^iemerz oder Buchdrucker sind. Denn man findet eben dieselbe Einleitung bey einer andern Acte vom 9ten Nov. 1470, wo man diese Worte liest: „ Wie wir in dem Jahre U. H. 1442 den 22sten Iuly, die guten Manner und Gesellschaft gemeiniglich von den Malern, Bildhauern, Steinmetzen, Glasern, Illnministen, Druckern^), und alle diejenigen , welche der Gilde von St. Lucaö angehören, mit einem andern Brief belehnt und gegeben haben, gewisse Veränderungen, Puncte und Freyheiten ?c. Eine dritte Acte vom Jahre 1472 fangt mit eben denselben Worten an; und diese letzte ist durch eine vierte von 1488 erneuert worden, mit eben derselben Einleitung, und mit Benennung durchgehends der knuter» (Drucker) unter den andern Gilden, die diese Brüderschaft ausmachen. Man hat in diesen drey letzten Acten uud in vielen folgenden, niemals gezweifelt, daß diese ?iimei-5 die Buchdrucker wären: warum sollte man nun einen Augenblick beyzustimmen verziehen, daß dasselbe Wort in eben derselben Sprachweise, und in eben denselben Umstanden, nach allen Regeln der gesunden Vernunft, in diefcr Acte von 1442 auch eben denselben Verstand haben müsse, in welchem es in allen folgenden vorkömmt?" „Es ist also genug bewiesen, nicht durch Muthmaßungen, sondern durch eine ursprüngliche Acte, daß die Buchdruckerey schon in dem Jahre 1442 zu Antwerpen im Schwange war, und daß die Buchdrucker damals schon durch eine Gilde daselbst vereinigt waren. Man kann noch hinzufügen, daß sie darinnen vorkommen, nicht als eine neuerlich aufgerichtete Gilde, sondern als eine Gilde, die schon ihre Beständigkeit erhalten hatte. Wenn man nun die Zeit dieser Aufnahme nur ein wenig früher hinaussetzt, so muß man sogleich in einen viel frühern Zeitpunct kommen, als keine der verschiedenen Städte angeben, welche sich der Ehre der Erfindung angemaßt haben." k) Im Holländischen: 8c!iiIZer8, Loliten.Lseläln/äers, IVIet-elr/. Ln>äers, 6e!ulcm». Kers, Verlicliters, kriiUers. Dieß Ueber die Erfindungsgeschichte Dieß ist ein Auszug von dem mir übersendeten Berichte. Ich glaube, daß der Schreiber den Sinn der Bedeutung, die er von dem Worte ?rimer5 hegt, sehr gut getroffen hat. Ich selbst machte in dem ersten Augenblicke der Verwunderung den Einwurf, welchen er hier so kraftig widerlegt hat. Ich falle nun seinen Gedanken vollkommen bey, und will mich begnügen, nur noch anzumerken, daß, wenn auch diese Stelle die?jaat-viuKKer8(Holgschnt'ttdrucker) allein betrafe, (welches ich doch zu glauben nicht geneigt bin,) der Beweis, den man daraus für die Druckerkunst entlehnt, gleichwohl eben so wenig anzufechten seyn würde. Man ist doch ißt überzeugt, daß beyde Erfindungen beynahe von einerley Zeit sind; daß sie einerley Ursprung gehabt, und einerley Prüfung ausgestanden haben, oder lieber, daß es nur eine und dieselbe Erfindung sey. Die, welche die LxeLuIü Ku- manae l^Ivittioniz, das Werk, luZurac t^icse beyder Testamente, die Tafeln von dem hohen Liede, die Geschichte des Evangelisten St. Iohanttis, die ^ morZcn^i, und "I'emstionex aaeinoniz genau betrachtet haben, werden ohne Zweifel die Wahrheit davon einfehen. Und die, welche eine Untersuchung dieser Alterthümer nicht haben machen können, werden bey dem iesen des neunten Hauptstückeö des Mecrmannischen Werkes, OriAQez txxoZiaxliicÄS, und der andern Werke, welche dieser berühmte Scribent anführt, davon überzeugt werden. Es ist wahr, SchöpstlN hatte eine andere Meynung; aber man wird in der Folge dieser Untersuchung sehen, daß dieser berühmte Schriftsteller den Ball fehlgeschlagen habe. Man wird, wie ich hoffe, das Ohr den Beweisen wohl gönnen, welche ich vorbringen werde; es würde unbillig seyn, wenn man, aus Achtung gegen große Manner, die Wahrheit verachten wollte. s) Die Entdeckung, von welcher ich geredet habe, erregtein mir die Begierde, hierinnen noch mehrere Entdeckungen zu machen; und ich glaube, daß es mir einigermaßen gelungen sey. Der ieser mag davon urtheilen; denn ich darf mir nicht einbilden, alle Schwierigkeiten gehoben zu haben. Ich begreif' cö mehr als zu wohl, daß es nothig seyn werde, einen oder mehrere der ersten Drucke zu finden, von denen Ort und Jahre völlig bewiesen sind, oder einigen andern wichtigen Beweis an den Tag zu bringen, um meine Stellung unwandelbar zu befestigen. In Erwartung, daß es einem oder dem andern etwan gefalle, mir dergleichen etwas zu entdek- ken, will ich fortfahren, zu melden, was ich davon selbst schon gesunden habe. Es ist in Brabant noch eine Chronik, wie man glaubt, von einem gewissen Nicolauo de Kiere (L!<.'ricu!>), S^cretar der Stadt Antwerpen, vorhanden. Der Schreiber x) Der ^evende veel No. 8. x. Z5L — 374. liefert den Rest dieser Vorlesung. der Buchdruckerkunst. 21 Schreiber dieser Chronik, wer er auch sey, sieng sein Werk im Jahre iziZ an, wie aus einigen Versen des Vorberichts erhellet, die hier angehängt sind Die letzte Hand legte er im Jahre izSu an Nachdem er einige merkwürdige Begebenheiten erzahlt hat, die unter der Regierung des Herzogs von Brabant Johann deS ll. der im Jahre 1Z12 starb, vorgefallen waren, folgen diese Werte: In 6eler tvt Aicr5 inenlcliel^L Die Avecle Veclclare I^.ocje'M^c Die 6e besls ^'gz c!ie voor 6ien In 6e xverelt ije -«'gz Dienen Van iNA^ene encie inettcr Iisnt Vsn Vselbe^e in Trabant ^lioe ^iv Zlisttgut. ^ a' eerlie 6i v»nt Van Ltsnivien 6ie insnieien Die inün nocli Iioert anticren. Es kömmt in diesem Falle auf eine getreue Auslegung dieser Worte an; ich möchte sie gern so erklären: „In dieser Zeit starb, nach dem gemeinen Schicksale der Menschen, Lude- „Wlg, der geschickte Jttstrumentenmachcr, der größte Künstler, den man darinnen bis Hieher in der ganzen Welt gehabt hat. Er war von Vaclbeck in Bra. ^bant, und davon führt er den Namen. Er war der erste, der das Drucke»! er- ,7 sann, das noch heutiges Tages im Gebrauch ist." Ich habe das Wort Veäe^re durch Instrumentmmacher übersetzt. Da6 Stammwort ist Veciel, eine Geige; also muß Ve^elare jemanden bezeichnen, der darauf spielt, öder der dieselbe macht. Ich habe mich auf das letzte eingeschränkt, weil in den folgenden Versen nicht vom Spielen, sondern vom Machen, Erwähnung geschieht. Erwählt ein anderer lieber das erstere, so kann nur es recht seyn. Es ist keine Ursache in der Welt, warum dieser geschickte Mann kein Musikant habe gewesin ftyi, können. Aber von mehr Wichtigkeit ist dabey das Wort /t.-^,,-''./. n) Oil TZosK vsei't b?Annnsn voorvaer Voe »>e» screef l!ielns LKristus jser DL,r>>i?!i -ic?ittien me6e /^!>nv-?rz>k>il in 6ie Lteäe. i) ^iiiZ ^?vie!e 6ese 6inc X>s men äertienlwuäeit screet C z ^/n?,^/»! x„-je X^IX, <-n6s <!-?r Iielir cl-tt men -c!e»lin:,ilert encl? 1^ isers In 't lüer vsn j;i-!>tien beli^nli vnter >a«-^-'e» kömmt von dem Deutschen Worte staMVM, einstampen, Mit Gewalt eindrücken, her. Dieß Wort, in das Latein der mittlern Zeit aufgenommen, hat darinnen die Bedeutung erhalten, welche ich hier angebe. Ltamxus jagt All 5Ivta, Iin^relIIc>, LiZnum, Llisracrei, j?.xeinolar; t?a//. Lin- meinte, ^loäele; ^/^/. 8t-nnv; Ltainva; und itt der Folge führt er diefe Worte aus einem Schenkungsbriefe vom Jahre 1546 an, den man in dem iSten Theile von Nymer findet: „Wir geben Freyheit..... statt unser und in unserm Namen zu zeichnen.....mit einer Druckplatte, Driestamp genannt. Daß sie auf unsern Befehl zeichnen und einen Eindruck machen, ohne Dinte.....Und nach besagter Zeichnung nnd Abdruck mit genannter Druckplatte ?c.^)." Ich besitze eine alte Handschrift aus dein vierzehnten Jahrhunderte, die das Lebeil der Heiligen und eine sehr rare Chronik enthält. Am Ende von derfelben findet man ein Verzeichnis) der Bücher in der Bibliothek des Klosters WtblingeN, davon die Worte sehr sonderbar abgekürzt sind, und mir in dem folgenden Jahrhunderte geschrieben zu seyn scheinen. Unter den Büchertiteln findet man auch diesen: It) cloicgli irmci 1ilz° lnnr^ i bgpm'rc» no lcio". Wenn man die ausgelassenen Buchstaben hinzuthut, so bekömmt man folgende Worte: Item) Ooininiczlia in varvo libro tlgwvato in vs^ro, non lLiioto. Die Liebe zur Wahrheit verpflichtet mich, zu bekennen, daß das m in der vornehmsten Abkürzung, /»^to, sehr schwer zu unterscheiden ist. Aber der Zweifel, der dar. über entstehen könnte, wird vollkommen durch die Worte wo» /c--?/??o, und noch mehr durch eine Anzeige von eben derselben Hand unter der Seite des Blattes weggenommen, wo man in einer Abkürzung/M/M?-s/Don^o/ liest, welches sagen will: erste Anfange oder Lefebüchelchen für die Kinder drucken. Ich werde hernach Gelegenheit haben, noch einmal auf diefe Anzeige zu kommen. Es sey genug, hier anzumerken, dieß alte Buch zeige mit Gewißheit, daß man im schlechten Latein der mittlern Zeit gesagt habe, /nm/m?-e /-S- o/,- davon haben die Ita- lianer ihr Namxa, ltamvatore, Nüinparc, Druckerei), Drucker, drucken, entlehnt; und davon könmtt das Französische Wort Ma?///,e, Druck-Platte oder Tafel her. Da nun dieß Wort seinen Ursprung der Niederlandischen Sprache schuldig ist: so glaub' ich hieraus schließen zu können, daß die Niederländer sich in den Zeiten I) I^icentism Zümns..... sä lixnsnlZum lixnent et imprsllionem kscisnt lins »trsmen. vice et nomine nosiro.....cum uno üsmpo, to.....Lt polt äittsm tiZriiKcationem öi im» vocato » vnettsmx. noürum in-uiäittum xietlionem cmn äicto ttsui^>o etc. V der Buchdruckerkunft. 2Z Zeiten der ersten Versuche in der Druckcrkunst des Wortes oder anstatt ^reuten oder äruKKen, bedient haben, und daß mithin das /mn/i/e» in der Chronike desClericus eben das bezeichne, was das üamx-u-e in dem Latein der mittlern Zeiten bezeichnet. Ich glaube nicht, daß man etwas gegen diese meine Auslegung werde einwenden können; aber wir wollen sehen, was daraus folgt, und worinnen die Erfindung des guten Ludewigs nach aller Wahrscheinlichkeit bestanden haben mag. Es ist ohne Zweifel leichter, zn sagen, worinnen sie nicht, als zu bestimmen, worinnen sie eigentlich bestanden habe. Aber vielleicht können wir es, wenn wir alles dasjenige davon wegthun, was wir nach der Kenntniß, die wir sonst davon haben, ohnedem nicht zu der Entdeckung von dieser Art und Natur hinzufügen sollen. Es ist sicherlich nicht die Erfindung der gegossenen Buchstaben, die wunderbare schöne Erfindung, welche niemand Peter Schoiffern von Gernsheim wird streitig machen wollen, und wovon die ersten Proben das Kstion»Ie vurAiicii vom Jahre 1459, das Latliolicon ^nue??^/ von 1460, das Oecor lZuellarum von 1461 n)^ (was auch de Boze davon sagen mag,) und die Bibel von Mainz von 1462, waren. . Es sind auch nicht die in Metall geschnittenen Buchstaben, welche Guttett- berg, Genöfleisch, Mmtel und Fust erfunden haben. Diefe Buchstaben kamen zuerst in der Bibel zum Vorfchein, die um das Jahr 1450 gedruckt ward, ohne dabey eine Iahrzahl lind ohne den Namen des OrtS oder Druckers °) zu bemerken, und die daher den Verdacht erweckt, daß diese Künstler dadurch den Betrug haben verbergen wollen, daß sie solche für Handschristen verkauften. Sie wurden auch zum Druck des Psalters von 1457 gebraucht, den man mit Recht für das erste noch bekannte Buch in Europa halt, auf welchem die Zeit der Ausgabe gemeldet ist. Noch weniger ist es die Kunst, Buchstaben und Bildnisse in Siegel zn schneiden , die man in Wachs auf andere Sachen druckte. Diese Erfindung ist schon mehr als 2000 Jahr alt. Die Griechen und Römer haben sie schon gekannt. Die Franken haben sie bestandig gebraucht. Ein Zeuge davon ist der Ring Childcrics; ein Zeuge der gewöhnliche Schluß in den Schenkungsbriesen: „Wir haben dieß mir „unserm Siegel wollen bekräftigen.......unser Siegel, das hierauf gedruckt ist ... . gezeichnet und bekräftigt mit unserm Siegelringe?) . . . ." Zeugen, n) Man si'he den cswloxns rsiion-1-! von Tre- ") Sie ist in der Mazarinischen Bibliothek vennü, 5> U. 6i. Erste Ausgabe. zu Paris; man sehe r. I- p. 32. Miö«//, äe re ciiplom. I.. 2. l^, 10. K. 4. 24 Ueber die Erfindungsgeschichte Zeugen, mit einem Worte, die Anzahl Siegel, mit welchen so viele offene Briefe verschen sind, die vor der Geburt unsers Lttdewl'gs schon ausgegeben worden. Wenn wir nun alles dieß, was fremd ist, wegnehmen: so bleibt nichts übrig, als das Drucke» mit Holz, es sey nun mit Tafeln oder mit Buchstaben. Kurz, so, wie dasselbe sich in den Werken der Kunst darlegt, welche die Hollander dem Lav- venz voll Harlem zugeeignet haben. Ich begreise sehr wohl, daß das wenige, welches unser Chronikenschreiber davon sagt, nicht genug sey, uns vollkommen von dem Wesentlichen und dem Besondern dieser Erfindung zu unterrichten. Hat Ludewl'g anfangs Bilder ohne Schrift, oderSchrift ohne Bilder gedruckt? Waren die Buchstaben fest oder beweglich ? Dieß sind schwere Fragen, die man eher aufwerfen, als beantworten kann, und wobey man deßwegen nicht anders, als mit vieler Vorsicht, zu Werke gehen muß. Das ist aber gewiß, daß der Schreiber von einer ersten Unternehmung in dem Drucke handele; man setze hinzu, daß man keinen vollkommenen Beweis von der Erfindung des Lv- renh hcwe; daß es nicht möglich ist, daß alle die Bücher, die man ihm zueignet, aus seiner Wcrkstätte gekommen sind; und daß es fast unwidersprechlich sey, daß man gedruckr habe, ehe er gebohren worden. Dieß muß ich ferner beweisen, in so weit es die Gränzen meiner Abhandlung verstatten. Ich will das Werk, k'iZurae t^picae veteris, at^us sntit^icae novi l'elts- niertti, sammt der I^ilroria ieu ^roviäemia VirAi'ms ^lanae ex Ontico (7anticc>rulH iconice exliib-ita, als auch die sechs unterschiedenen Ausgaben von der rMoria 8. ^so Kann!; Tv2nZsli/Iac, und noch so viel andere Bücher, mit dergleichen Bildern und mit Sprüchen in Holz geschnitten, übergehen, welche mit fast an einander Hangenden Buchstaben gedruckt sind. Ohne von diesen und dergleichen zu reden, so kennen wir vier Ausgaben von dein 8peLu!o nmnanse salvstionis oder 8xieAeI äer lnentcke- deliouäeniz, zwo in niederländischer, und zwo in lateinischer Sprache, wovon drey ohne Widerspruch den Drucken in Deutschland an Alter sehr weit vorgehen. Das kleine Gebetbüchelchm, wovon Hr. Meermann eine Abbildung gegeben hat, scheint noch älter zu seyn. Die unterschiedenen Ausgaben des Donats, welche dieser gelehrte Schriftsteller fo deutlich bewiesen hat, sind von keinen spätern Zeiten. Dieß Blich ist ein kurzer Inbegriff oder ein iesebuch von der lateinischen Sprache, dessen man sich in den Schulen bediente, um den Kindern die Beugung der Nenn- und Zeit-Wörter zu lehren. Ich finde dessen in einem Reglement erwähnt, das der Herzog von Brabant im Jahre 1Z20 sür die großen und kleinen Schulen in Brüssel gegeben hat. Man findet es in der geschriebenen Chronike des Dtllterus, wo man diese der Buchdruckerkunst. 25 diese Worte liest*!): „Vier Unterfchulhalter die Kinder .... in den ersten Anfangsgründen bis zum Anfang des Donars, und nicht weiter, getreulich zu unterweisen;" und an der andern Stelle'): „Die Ordnung genau zu beobachten, um von dem obengenannten Donat anzusaugen." Man weis in Wahrheit nicht, ob der Donat, wovon dieser Herzog redet, gedruckt oder geschrieben war; aber solche Ungewißheit kam, durch das oben angezeigte Verzeichnis^ der Bücher gehoben werden. An dem Ende findet man diefe Anmerkung mit eben derselben Hand, als das Verzeichniß selbst, geschrieben. /^nno Oni. 1Z4O. ViZuit 5 . . . . . 6. t). „Das Geld, welches sie alle Wochen mit D 2 Schrei- t) ?reti»m Isdonim msnuum luarum -Zs lin- czunä postmo6um pro 20 »ntlquis 8c»6ati5 vsn» xuisrium lcripturix leptimsnztim exaktum in ciicierunt: p. 409. 1?r»lribuz lui5 xro j'rsti» durkm communem reponentex. Und p. 158. lcridere coucelllt. knor äs Wmäetem äeäir eiii doimm mil?»Ie, 23 Ueber die Erfindungegeschichte Schreiben verdienten, wurde von ihnen in einer gemeinen Koste verwahrt. ?. 158. Der Prior von Windesem gab ihnen ein gut Meßbuch, das sie nachher für 20 alte Kro. nen verkauften. Und p. 409. Er ließ die Brüder um Geld sei reiben." Man dnrfte nur wenig zu shun haben, nnd augenblicks war der Gewinnst ansehnlich. Das für 20 Krone!, verkaufte Meßbuch ist davon ein Beweis. Man findet in derselben Chronik 126 noch eine andere Anmerkung"): „Die ganze Bibel, in drey Theilen sehr schön geschrieben, war hundert Kronen werth." Zst es nach diesem allen wohl zu wundern, daß unsere ersten Drucker so wenig Gerücht von sich verursacht haben? Sie arbeiteten nur allein für das gemeine Volk, und für die Kinder in den Schulen. Indessen hat man Ursache, zu glauben, daß sie sich um den Anfang des i5ten Jahrhunderts allmahlig ausgebreitet haben, und daß Antwerpen die einzige Stadt nicht war, woriunen sie seßhaft waren. Dieß findet man sehr deutlich in der Chronike von Kolli?, einem Werke desselben Jahrhunderts. Nachdem der Verfasser, der sich auf das Zeugniß von Ulrich Zell gründet, welcher in dem Jahre 1467 zu Köilll druckte, die Erfindung von GutM!- bergen, das will sagen, von den merallnen Buchstaben, auf das Jahr 1440 festge- seht hat, fügt er mit deutlichen Worten hinzu, daß man das erste Vorbild dieser Kunst von den Donatei! genommen habe, die man vordem in Holland druckte Man vergönne mir, bey diesem allen annoch anzumerken, daß dadurch wohl neue Schwierigkeiten entstehen würden, wenn man die Zeit der Erfindung, wie ich gethan habe, früher fehet; daß im Gegentheile aber die unregelmäßigen Meynungen und Streitigkeiten verschwinden, welche diese Sache umgeben. Man sieht den Ursprung der Unsicherheiten, die man bey den Schriftstellern des fünfzehnten Jahrhunderts antrifft, welche über die Druckerei) von Deutschland geschrieben haben. Man begreift das Stillschweigen vonIanGerbratld, von Jan Veldenaer, und von den andern Holländern, welche Zeitgenossen von LüMenz Koster sind. Man verwundert sich nicht mehr über die merkwürdige Stelle desselben Veldenaers bey dem Jahre 1450: „Die Künstler, insgemein in allen Künsten, sind in kurzer Zeit sehr geschickt, und subtiler geworden, als sie zu seyn pflegten. Und die Buchdrucker wurden sehr vermehrt in allen banden ^)." Worte, welche nicht allein eine schon vollkommne Kunst, einen viel aligemeinern Gebrauch, zu erkennen geben, sondern v) l'otiim cnrpuz Kitili«? in tribvz voliiminibuz x) Die Lc>n5ten!>er5 xliemeeneiick in allen, vptim^ cn»l>i'ipn>m <-ei>m,n coronsi'um in ^slnre. Longen s/n in cotten t>c>en leer lclnelike veel v) Man sei?,'ö!e Aoiiiiec Cliromi? Fvl, Z'I. inktvli-e ß!> v-c-f-jen, cisn li pleßken te welen. WU' > das Zeugniß dcs Accurjtti.';, und des üncie äi? !; nsiiNt'Nü ^vorätN! se?r Vi-I'meniclit Auv.n ^s. v^acco!'?!,, oder di Peulagt'li bn) iu «Neu l^auät-n. Fol, 191. Ausgabe von 1480. dein Wertcoev Hm.Merrmann 5z. u.iXv. zy. der Buchdruckerkunst. 29 sondern auch beweisen, daß der Verfasser nicht der Meynung war, daß die Erfindung von Bücherdrucken zu seiner Zeit, und, so zu sagen, unter seinen Augen geschehen wäre, weil er in diesem Falle ohne Zweifel davon gesprochen haben würde. Ich kann mir fast vorstellen, daß der gelehrte Schöpstitt wenn er noch amiebenware, meine Meynung ergreifen würde; er, der das Drucken mit Tafeln und da hinein geschnittenen Buchstaben, wie er in den Spielkarten voraussetzte, in das vierzehnte Jahrhundert zurück setzt. Er baute gleichwohl hier auf einen falschen Grund, welchen mir die jiebe zur Wahrheit anzunehmen verbietet. Es wurden in dem vierzehnten Jahrhunderte wohl Spielkarten gemacht; aber es ist nicht bewiesen, daß die Karten gedruckt waren. Das Gegentheil sieht man bey dcmsel- ben Schriftsteller, welchen Schöpft»? angezogen hat. Man findet namentlich eine Post in den Rechnungen von Karl Poupart, Schatzmeister von Frankreich, unter Karl dem VI., worinnen gesagt wird: „Bezahlt, an den Maler Iaqnemitt Grin- goimeur für drey Spiele Karten, mit Gold und Farben und mit verschiedenen Sinnsprüchen , 50 Pariser Sous 2)." Diese Anmerkung hat der gelehrte Mecrmann schon vor nur gemacht; und ein jeglicher, der das Werk des Bullet gelesen hat, wird eben dieselbe Anmerkung sogleich machen. Aber vielleicht hat Schöpflin unsern Niederländischen Künstlern nicht wollen die Erfindung der beweglichen oder einzelnen Buchstaben zueignen, die er Gut- tenbergei! zuschreibt, und die, nach seiner Meynung, die ganze Schönheit und den ganzen Werth von der Druckerei) ausmachen. Hierinnen hat er sich sicherlich geirrt. Wenn Schöpstitt, anstatt die Irrthümer nachzuschreiben, welche hundertmal wiederholt sind, selbst die Dvnate, die ersten Ausgaben von dem Niederländischen Spiegel, und die andern Stücke, worauf die Hollander fo viel hallen, untersucht hätte: fo würde er Buchstaben, die umgekehrt stehen, oder die aus ihrer Stelle gerückt sind, Zeilen, die zum Theil schief laufen, die Abdrücke der Stückchen, welche die Worte von einander rücken, und alle andere Zeichen von einzelnen Buchstaben gefunden haben. Aber dieß hat Sel'öpstin nicht gethan; er hat darüber keinen der Holländischen Schriftsteller zn Rathe gezogen, welche die Sache von Hartem vertheidigen; ja, er hat sogar ihre Beweisgründe nicht gewußt. „Ich kann mich," sagt er, „mit den letzten Niederländischen Schriftstellern nicht vereinigen, welche die Erfindung, mit einzelnen und beweglichen Buchstaben zu drucken, der Stadt Harlem zugeschrieben haben, welches weder Scrweriuö, noch Box- D z Horn, ^) .?c/,o.^v/7/». V!n6!c. p. A. 2) Kec!iercKe8 Iiist. tur lez Lsrtes ^ jouer. ?. 27. ») Orix. t/x. x. zzz. zz. > ZQ Ueber die Erfindungsgeschichte Horn, noch Bertl'us, noch Rutgers haben thun dürfen, die gleichwohl die vornehmsten Schriftsteller über diesen Gegenstand gewesen find b)." Ein Schriftsteller, der diefe Sprache führt, hat sicherlich weder Iunius, noch Scriverius, noch Bo^'horn gelesen, welche gerade das Gegentheil in den allernachdrücklichsten Ausdrücken, die man nur erdenken kann, behauptet haben. Man lasse deßwegen ab, nur das Gefage Schöpflins entgegen zu stellen. So ein großer Mann er auch war, so konnte er sich gleichwohl betrügen, und hat sich auch in der That betrogen. Es scheint, daß er in der Behandlung dieser Sache kein fo großer Meister war, als in der Erklärung des allgemeinen Rechts und der Geschichte von Deutschland. Im übrigen hindern diese Irrthümer, welche ich entdeckt habe, nicht, daß in desselben Werke nicht bündige Anmerkungen und wif- senswürdige Entdeckungen zu finden wären. Allein es wird Zeit, diese Abhandlung zu endigen. Um zu sehen, was man daraus für einen Schluß ziehen könne, will ich mich der Art der Mathematiker bedienen, welche uns, durch Darstellung einiger rückwärts gehenden Satze, von dem Bekannten zu dem Unbekannten leiten. Erster Satz. Die gegossene» Buchstaben, welche gegenwärtig gebraucht werden, sind zu Mainz durch Peter Schöffer von Gernöheim erfunden worden; und das erste Blich, daS mit diesen Buchstaben gedruckt ward, ist des K.Atioug!e, im Jahre 1459- Zweyter Satz. Die Buchstaben in Kupfer oder anderes Metall geschnitten, sind von der Ersinduug Guttcnbergs, Gensfleisch, Mentels und Fusts, die sich derselben bey dem Drucke vieler Bibeln ohne Iahrzahl, und einiger andern Bücher, als ^/e^c-tt^-i > Nü^s/?-'«. Vin6. t/x. p. 86. 6) clir. Nslc. -. x. 60-. Erst« „ ^, ^ . Ausgabe, c) öi^/,. 5,rt. /Vureoluz. Neue Ausgabe. e) F^,.. ^rt. ^jiij. Ng. K. ' der Buchdruckerkunst. zi Dritter Satz. Die Buchdrucker hatten in den Jahren 1442 zu Antwerpen zusammen eine Gilde, und machten einen Theil der Brüderschaft von St. iucas aus, ohne daß man die Zeit ihrer Stiftung weis. Vierter Satz. iange vor dieser Zeit waren Buchdrucker in den Niederlanden, welche Bücher mit Bildern, die ersten Ansauge für die kleinen Schulen, und Bücher znm Gottesdienste in Holz geschnitten, druckten. Die ältesten Ausgaben, die davon vorhanden sind, beweisen, daß diese Drucker sich sowohl der emzcluen oder beweglichen, als der unbeweglichen Buchstaben bedient haben. DieseBücher sind ohnsIahrzahl: aber die Art, wie sie ausgeführt sind, zeigt deutlich genug an, daß sie von viel früherer Zeit sind, als alle Drucke von Deutschland. Die Buchstaben von allen insgesammt, und die Sprache, in welcher sie sämmtlich gedruckt sind, beweisen, daß die Niederländer allein Recht darauf haben. Alle diese U:nstände begünstigen die Meynung, welche sie in das vierzehnte Jahrhundert setzt; und ein Schriftsteller des fünfzehnten versichert es. Fünfter Satz. Die erste Unternehmung scheint in Braband, durch Ludwig von Vael- becke, geschehen zu seyn; aber man weis nicht, wie hoch der Künstler seine Ersin. düng gebracht hat. Dieß sind die Säße, welche aus dem Vorhergehenden fließen. Sie sind bewiesen, so viel es der lange Verlauf der Zeit, die Dunkelheit der Sache, und der Mangel an den ursprünglichen Stücken hat zulassen können. Um zur Deutlichkeit zu kommen, um die Ungläubigen zu überreden, müßt'ich Stücke haben, die ich hierzu noch nicht habe entdecken können. Wenn einer oder der andere Gelehrte für gut befinden möchte, diese meine Arbeit zu beurtheilen: so bitt' ich ihn, daß er anf dieß Bekenntniß Acht habe. Ich gebe noch nicht alle Hoffnung auf, daß man nicht in einiger Zeit noch eine oder die andere altere Ausgabe, als die sind, welche wir jtzt kennen, oder einige andere Kennzeichen von Ort und Zeit, sollte entdecken können. Die wichtigsten Stücke dieser Art, die Donate der Holländer, sind auf den Hinterseiten alter Bücherbände gefunden worden; und was findet man nicht in den Bibliothekeil der Klöster für eine Menge alter Bande, welche man zu durchsuchen nicht werth gehalten hat! Ich bin willens, an diesen Orten eine neue Untersuchung ins Werk zu richten; und ich ermähne alle Lebhaber von Geschmack und Gelehrsamkeit, dasselbige zu thun. Lillo van de Scheide. So 5- Ueber die Erfindungsgeschichte . > ^ ---- M-- o simberbare Meynungen diese Vorlesung des Hrn. de Roches iin Ganzen hat: so breitet sie gleichwohl einiges Licht über etliche Theile der Geschichte der bildenden Künste in den Niederlanden, und über die ersten Schritte der nur erfundenen Buchdruckerkunst aus. Alles, was man bisher von der Holzschneidekunst in den Niederlanden gewußt hat, gieng nicht über 1472, von welchem Jahre man nach der Erzählung deö Maüdcm^in dem Leben Quinten Mcssl's nachrechnen kann, daß in Antwerpen von Holzschnitt abgedruckte Bilder bey den Umgangen der Hospitalleute unter die Kinder ausgetheilt, aber er sagt nicht, auch da gemacht worden sind» Allein aus diesem in Antwerpen ißt entdeckten Documcnt, von welchem der Freund deö Hrn. de Roches einen Auszug gegeben hat, kann man es nicht nur vermuthen, sondern man sieht daraus, daß die bildenden Künste daselbst schon lange geblüht , und 1442 eine Brüderschaft hatten, welche aus allen Arten bildender Künste, von Malern, Bildhauer!., Steinmetzen, Glaser»:, Illuministen, Drucksnnc. zusammengeseht war, und eine längere vorhergehende einzelne Entstehung voraussetzt, ehe sie in diese Gilde-Verbindung vereinigt wurden Man sieht aber, daß der Antwerpische Freund des Hrn. de Roches über die Erklaruug des Worts krinters (Drnckcr) in Verlegenheit gekommen, und dadurch auf einen Abweg gerathen ist, der ihn und seinen Freund von dem wahren Sinne ab, und auf den ganzen Irrthum seiner sonderbaren Hypothese geführt hat. Er glaubt in dem Worte ?rimer keine andern Künstler suchen zu dürfen, als die Buch- drncker, und das alte Center müsse so viel, als Loe^-xi-enter, und eben das bezeichnen, was heutiges TageS DruKei- und ZoeKäruKer sagt; und setzt dazu, alle andere Arten Drucker würden mit Vorsehung ihrer eignen Kunstart von andern unterschieden, die Drucker von Holztafeln aber besonders Helllgendmcker, Figurendrucker, ») /^itt u LeliilZer-Voeclv. ?ol. 215 d. d) Diese Brüderschaft hatte zu ihrem Patron den Kcü, Ä.vcas erwählet, weil man glaubt, daß er ein Maler gewesen sey. Es war diese Antwerpische Gilde nicht die einzige dieser Art, welche in diesem Zeiträume errichtet ward. Zn Paris entstand iz^i eine ähnliche Verbindung, die unter gleichem Namen und Schuhe des heil. .ü.ucas in eine Gilde sich zusammen begab. Im Jahre war sie in so grcßem Ausehen, daß sie eine Beftcvung von allen Steuern und Abgaben erhielt. Es wurde zwar wegen des Mißbrauchs dieser Freyheit hernach die König!. Akademie der Maler und Bildhauer errichtet; gleichwohl behielt diese Gesellschaft vom heil. LuraS auch noch 170; die Freyheit, öffentliche Schule zu halten, neben ihren Privilegien. Sie ist aber nachher schr ausgeartet, und hat zuletzt nur aus Hantwerksieuten, Bilder- und Kupferstichyändlern bestanden; und ich weis nicht, ob sie noch itzt besteht oder nicht. Neue D-dl,, der M^n.^iWisch.unv Rün- sie, 2zsrcn B. -jresGr, x. i-z. der Buchdruckcrkunff. zz drucker, Bilderdrucker genannt: Karrcndrucker aber finde'man gar nicht, sondern den Namen Spielkartenmacher; die Kattundrucker aber würden Kleiderund Leinwand - Schreiber, so wie die Glasmaler Glasschrciber genannt. Das Wort Drucker aber komme erst 1542, und Buchdrucker gar erst 1558 vor; lind aus dieser Voraussetzung mengt er sie irrig alle unter einander. Wenn seine, unter den genannten Iahrzahlen in die Gilde aufgenommenen krmteic, Martin Gheerart 1485, Kerstiaen 1486, Henneke v. 1486, und Matthys V. d. Goes 1487, wirklich Buchdrucker zu Antwerpen gewesen sind: so müßten sie entweder niemals ihre Namen auf ihre gedruckten Werke gesetzt, oder sie müssen durch ein sonderbares Schicksal sich aller Augen entzogeil haben, und die eigenen Jahrbücher der Niederländischen Druckerey, die Hr. Adv. Iac. Visser in Haag mit so vielem Fleiße gesammlet hat, müssen sehr unvollständig seyn. Keiner kömmt darinnen, von 1472 an bis 1500, vor, als ein Matthys V. d. Goes, von dem ich hernach reden werde. Hingegen findet man darinnen in eben denselben Iahren Theor. Martini 1476, Gerard Leew 1485—9?, Claes Leew 1488, Nie. Kesler 1489, Adrien Lieovelt 1494 — 99, Gotfr. Back 1496, Claes de Grave 1500, und Jan v. Docsborch, die der Antwer- pische Freund nicht erwähnt, und die also nicht in den Registern der Brüderschaft gestanden haben. Was ist daher wahrscheinlicher, als daß diese l'lnucie der Brüderschaft andere, als Buchdrucker, gewesen seyn müssen? Es ist eben nicht so schwer, zu entscheiden, wer sie denn gewesen sind. Wir finden in Deutschland, Italien und Frankreich, um eben diese und noch spätere Jahre, eben dergleichen Verbindung verschiedener Professionen, die sich mit den bildenden Künsten nähren, und deren Namen sich nach und nach verändert, wie sich ihre Professionen erweitert, in verschiedene Arbeiten getrennt, und in besondere Professionen abgesondert haben. In Deutschland hießen diese Künstler im fünfzehnten Jahrhunderte init ihrem allgemeinen Namen Briefmaler °); und in ihren nachmaligen Vervielfältigungen und Trennungen nannten sie sich, nach ihren verschiedenen Beschäftigungen, Form- schneider, Holzschneider, Kartenmaler ^), Briefdrucker, Briefmaler. Schachtelmaler, Jlluministen, Schdnmaler; und man findet ihre Innung in Nürnberg und Augfpurg noch heutiges Tages. In c) -Hansi Sachsens poetische Beschreibung 6) G?r;c»ii verdeutschter allgemeiner Schau, aller Stände auf Erden, Franks. 1564. zvo. mit platz. Franr'f. bey Merian, 1641, x. 951. Holzschnitten und Abbildungen, nach Jobs? AmiMmis Zeichnung. E 54 Ueber die Erfindungsqeschichte In Italien hieß ihre Kunst um 1441 schon ^rte et menier cielle ra»-/e e /aitt/'/V/e, und die Waare, welche sie verfertigten, Larte cia xuZsr e ^Att^ und /avo^e^io^/?5!M/i!a'o e cie/in^o in teils e in carts; cart» 6a ?uAnie, e /t?vo»'e?'l'o /nAo n ^k«e//o e In Frankreich wurdei? sie genannt saures!Oominotiers, l'aiUsurz et ^k'lmezt»-/ ^^i/?o/? s^, Z?///?;--/»^?^/ ?eintiex et (?r^veuis en Kois, (.Urtiers, und inachtcn ein besonderes Corps einer Profession aus 5). Und in den Niederlanden waren denn dieß die ?i enteis, VerlicKters, (Drucker, Illuministen,) welche hernach unter den veränderten Namen »eiliZen- krinterr, ?lAuer-8nväer8, t'iAuer - Printers, KeeIc?cKens-?rinteiL , N^et-8n^äei!, kj-iet - vruKKei-5, Lae-te - 8j?ei - m^eis, Heiligeudrucker, Figurenschneider, Figurendrucker, Bilderdrucker, Holzschneider, Holzdrucker und Karten- macher bekannt wurden? Wenn van Madem sagt, daß vor Alters meist alle ?l2et-8n)-(lers auch Lcliilclers gewesen sind, so erwähnt er auch ihre hinterlaßnen ?rinten oder Abdrücke; und den Heinrich Golz nennt er 8cKi1äer, klsetni^äer, en (?l2L-8c^r)'ve!-. Herr de Roches, der im Grunde der Meynung seines Freundes beypflichtet, meynt, wenn man auch allenfalls gleichgültig zugeben wolle, daß diese angeführte Stelle allein die Holzschneider angehe: so sey es doch nicht gegen das Alter der Buchdruckerei) zugebrauchen, weil sie eigentlich doch nur Eine Erfindung sey, wie man aus dein 8pecu1o saIv»tion--> und andern Büchern gleicher Art überzeugt werden könne, und wie er in der Folge zeigen wolle. Allein er irrt abermals, durch eine unrechte Vermischung der Gegenstande mit einander. Wenn in der Folge der Zeit, nachdem die Buchdruckerey erfunden war, Künstler, welche in Hervorbringung ihrer so ahnlichen Werke, als die Abdrücke sind, einander so nahe kamen, ob sie gleich in der Grundlage der Kunst sowohl, als in der Ausübung selbst sehr von einander abgehen, ihre Künste zuweilen mit einander zu vereinigen suchten: so war es dabey nicht einerley, und nicht eben dieselbe Kunst; und sie giengen gemeiniglich zuletzt von ihrer unvollkommnern zu der vollkommnem Kunst ganz über. Wir haben davon überall die namhaften Beyspiele sowohl in Deutschland und Frankreich, als selbst in den Niederlanden. So wurden im fünfzehnten lind sechzehnten Jahrhunderte zu Nürnberg, Erfurt, Bambcrg und ieipzig «) /,///o,-/c/?e I'om. V. x. Z2r. ne A lss progiez 6s I'art äs xraver en bvis- f) /oj/,'»/e,- /e/em-Si vitlettstion lur I'orixi. x. 79. und folg. der Buchdruckerkunst. 55 ieipzig aus den Briefmalcrn und Holzschneidern Albrecht Dürer e), Hans Sporcr i»), Hanßeli i) und Nehrlich^) Buchdrucker; so wurden in Paris noch im siebzehnten Jahrhundert Jean le Clerc, Nicoles Calmot, und Rene' Baudry aus Holzschneidern und volninvtieiz Buchdrucker ^); so ward auch in Antwerpen Matthys van der Goes, wenn es eben derselbe ist, aus einem dergleichen krinter ein Buchdrucker; und wahrscheinlich auch Johann Veldener zu Culenburg, der als ein künstlicher Holzschneider seiner Zeit berühmt war. Indessen, daß Hr. de Noches etwan noch die Beweise dieser Hypothese von dem Alter der Buchdruckerey in übrig gebliebenen Büchern finde, will derselbe auf einem andern Wege dieselbe zu beweisen suchen; lind dieß verführt ihn zu der sonderbarsten Meynung, die man nur haben mag. Er fand in einer geschriebenen Chronik, die man dem ehemaligen Stadtschreiber Nlkolans dc Klerc zu Antwerpen im vierzehnten Jahrhunderte zueignet, eine Art von Grab- oder Gedenkschrift auf einen ehemaligen berühmten Musikanten, Lttdwig von Vülbeck, vom Jahre izis, welche nach seiner Meynung beweisen soll, daß dieser die Buchdruckerey erfunden habe. Dieser Gedcnkreim: In dieser Zeit starb mensch iglich Der gute Fiedler judewig. Der der beste war, der vor dem In der Welt je ward gesehn. Von Stückchen-Machen mit der Hand, Von Valbeck in Brabant, Also ward er genannt. Er war der erste, der fand Von Stampien die Manieren, Die man noch hört Hanthieren. E 2 In clieler t)?t llieri? menlcliel^c Die Aoe6e Vcacjgre I.o6e^^c Die cie oesle ^35 cu'e voor clien In 6e bereit ije v?S8 Zliellsn. Vsn mal^ene encle mctter Iisnt Vsn Vglbel^e in Lralzant ^Iloe Iiv Zlicnsnt. 38 6' eeille die vant Vsn stamvien clie msnieren Oie man nocli Iioert antieren. x) Alb. Dürer in Nürnberg druckte seine Werke in Holzschnitt in seiner eigenen Druckerei?, wovon dessen ^poc-ll/xlis cum Kxm'15 Zeugniß giebt, wo am Ende steht: imxresla äsuuo k^urnberxe xer ^lbsrtum Ourer xitiorem. ^0. 510X1. >>) Hansi Sporer zu Erfurlh nennt sich in seiver deutschen Ausgabe der ^1-5 morien^i von 147z einen Briefmaler, und druckte nach der Zeit in den Iahren von >4?8 — 99 verschiedene Bücher. i) -Hansien hat, unter der Benennung eines Vriefmaiers zu Bamberg, Ei» Fießier Büchlein i4?7 >n 4to gedruckt. soll !<) Nicolaus Nerlich war ein Form- schneider, der zugleich in Leipzig in den Jahren 1601 —1- in seiner Druckere» viele Bücher druckte und verlegte. Z) /sA^-c»- /« /-«>,», am angeführten Orte. n>) Dieser sagt von sich in der Unterschrift eines lateinischen Briefstellers, den er 1476 zu Loeven gedruckt hat, cui q. certa MSIIU in. schilpen cki, celsnlji, intarculsnlii, csr--tior!inlii »isst inäukri--., scläe öc Kxur»n6i eKxiencki, A ü ^uiä w srte secreti elt. etc. z6 Ueber die Erfindungsgeschichte soll nach seiner Erklärung sagen: Ludwig, der künstliche Spielinstrumenlmacher, von Valbeck in Brabant gebürtig, erfand das Drucken, wie es noch heutiges Tages im Gebrauche ist. Wen» sich Hr. de Rochcs mit dieser Erklärung nicht eine Gelegenheit hat machen wollen, seine Gelehrsamkeit in vielen Stücken zu zeigen; so muß man sich wirklich über die Mißkenntniß seiner Muttersprache in vorigen Jahrhunderten wundern. Ich kann nichts anders darinnen finden, als: Es starb der gute Fidel- MclNN ") Ludwig, welcher der größte Künstler NN Fingern, der jemals gewesen ist, und von Valbeck in Brabant gebürtig war. Er war der erste, welcher erfand, den Takt mit dem Fuße dazu zu stampfen, wie man es noch heutiges Tages hdrt °). Und aller Wahrscheinlichkeit nach war dieser Musikant ein Mann, der für Geld und einen guten Trunk verstattete, daß eine fröhliche Gesellschaft sich nnt ihm ergötzte; und einer seiner Freunde im Leben, der Hr. Nicolaus de Klerc, stiftete ihm nach diesem Muster auch noch nach semcm Tode eine lustige Grab- und Gedenkschrist in seiner Chronike. Der Hr. de Rothes, der die Worte, mskene encje rnetter Kari6, nicht für das gewöhnliche Fingern bey dem Violi'nspielen annehmen wollte, wurde dadurch verleitet, es mit dem V^ciel->re dergestalt zu verbinden, daß er einen Instrumentmacher daraus schuf; so wie die Aehulichkcit des Wortes mit dem lateinischen Worte des mittlern Zeitalters ihn die Bnchdruckereyersindung darinnen finden ließ. Qb es gleich seine Richtigkeit hat, daß das lateinische 8winp>u5, das Italiänische Ltamvs, das Französische Lll.'.mxe, einerley Wort sey, daß es in allen drey Sprachen, dort das Werkzeug, womit gedruckt wird, hier das Gedruckte selbst bezeichnet: so ist es doch eben nicht so sicher, daß das deutsche Wort stampfen, das Niederländische /m/z/i/e» , und das Englische /-?.'/->/? eben dasselbe bezeichne, ob' es gleich in allen drey Sprachen ebenfalls einerley Sache ausdrückt. Allein n) Ich weis wohl, daß in damaligen Zeiten das man Mit Fußstampstn macht. Wein, das Wort Visiere nicht eben den niedrigen man auch annehmen wollte, daß er Cl'slii- Degriff hatte, den ihr das Wort Fideler hat, der eines mir vergleichen Geräusch von Fuß« und daß es bei) dem -Hornes und den sckwä- stampfen verbundenen Tanzes gewesen st»: so bischen Dichtern desselben Alters auch einen ist doch das gewohnliche Taktkreten, bey einer geschickten Musieus bedeutete, den man ihr einen niedrigen Classe Musikanten, hür am allerschiek- Virmojcn benennt. Mich dünkt aber, daß liebsten zu verstehen: und die letzte Aeile, daß diese Verse in ihrer Verbindung diese Würde man es noch handlhieren höre, drückt das da- nicht ausdrücken wellen. bey gewöhnliche Getöse deutlich genug aus, ») s>!ni'p)'t- heißt noch in den Nicderdeut- daß man nicht leicht auf eine cmdett Erfindung sehen Wörterbüchern ein /^r,„, ein Getost, dabey fallen kann. der Buchdruckerkunst. z? Allein auch diese angenommene Erklärung des Wortes /a,»/.>!'e», und die zum Beweise angeführten Stellen sind mehr wider, als für seine Meynung anzuwenden. Der Ltam^us, oder die 8lam^i!!a, war schon so lange vorher im Gebrauch, daß sich der erste Ursprung in die Finsternisse der ersten Zeiten, und unter die erste,» gesitteten Völker in Asien verlieren würde; und wenn man auch den allerältesten Gebrauch der Asiatcr, die Siegel mit Dinte aufzudrucken r), übergehen, und nicht dahin rechnen wollte: so ist er doch um etliche Jahrhunderte auch schon in derjenigen Anwendung, daß ihn die großen Herren gebraucht, statt ihrer eigenhändigen Unterschrift ihre Namenszifferi! unter ihre Befehle damit zu drucken, alter, als der Antwerpische gute Ludwig. Es ist nicht so gar ausgemacht, wenn eigentlich dieser Gebrauch aufgekommen sey; er ist aber gewiß älter, als daß man den Namen von dem deutschen Worte stampfen herleiten, und durch Erweiterung des Verstandes durch einstampfen, Mit Gewalt eindrucken, endlich das Kunstwort drucken herausbringen möge, und wahrscheinlich unrecht, die Wörter Üampu5 und slsmMa davon in das mittlere Latein aufnehmen zu wollen. Da die Griechen und Römer schon im Gebrauche hatten, ihre Soldaten Knechte und Missethater ^) durch heiße Eisen mit Buchstaben und ganzen Zeilen Schrift °) zu zeichnen; da die Römer sowohl ihre irdene Gefäße ^) und Weinflaschen, und ihre Becker die Vrcdte mit Buchstaben"), als selbst ihre Schriften mit ihren auf Metall erhaben hervorstehenden Namen bedruckten ^): so war es schon keine ganz neue Erfindung mehr, als die großen Herren sich gleicher erhaben gefchnittner NamenSzüge statt ihrer Unterschriften in den ^!onoAr-,mmittibu8 zu bedienen ansiengen. Daß dieß fchon vor Karl dem Großen geschehen sey ist außer Zweifel; und es muß wahrscheinlich in den Zeiten der Gothcn in Italien ihr Anfang, und auch die Benennung gesucht werden. Außer, daß das Wort Ltsmxa noch iht im Schwe- E z difchen p) pococö in dcr Beschreibung des Morgen, Nouv. Irsil. Zs Dix-Iom-tt. I, iv. x. 45. lanixS. ^ ,1 v) M.i,,/->,/?.^ in ^ntiq. Ir-t!. weil. -evi. ..) I^.b.VIII. c. I-. I..I). ^ p ^ sich auch der Ge. ^'5' brauch bis in die Zeiten des Äens?vs Maximi. , ) ^v-.^/. I. ö. ^-W/,. in c-liua, ^. II. Uans II. mit Gewißheit erhallen. Vi^./^.^ 5c. b. nli L.-ipituI. ?tr. VII. c. zi. cle 1^87. t) Hrn»e litterztae; litwr-tt^s epitto- ^) x-ns-re, in xavimentum pxcle-ü t»o. ZV»»/, in Kuä. ^.11. 5c. 5. UNS in I'oeuul. s»pn!oäcre. / . viciion. Lue^ii). ^. IV. sc. 2. liolm. 177z. H>6»,//^> pe^il.n^ terr^im cun> I'^i. n) Von beyden sind Stucke im Hcttulano nitu Nnicii-re. vdterv. iQ Llollsr. Lueo.c-U. gefunden worden. ' ttuc. ^ ll.re eäu. l>. 59. 58 Ueber die Erfindungsgeschichte bischen stoßeil, auf die Erde stampft», und Stamx") einen Stempel bedeutet, wovon das lateinische Wort üampux füglich abstammen kann: so findet man noch in den innern Provinzen eine alte übrig gebliebene Bedeutung dieses Worts, welches eine nähere Erklärung geben wird, warum die Gothen beyde Ideen mit einander verbunden, und den Gebrauch dieses Worts bey dieser Sache angenommen haben können. In Smaland ^) heißt /?-??.--/?-- etwas das hervorragt, ein hoher Sitz, hoher Stuhl, hoher Baum. Da nun die Buchstaben der bey den Römern schon zum Siegeln und Unterdrucken der Namen gebrauchlichen metallnen Täfelchen hervorragend, SW/Wk^e/, waren: so haben die Gothen dieß vielleicht durch das Wort üamxa von ähnlicher Bedeutung ausdrücken wollen, ob es gleich hernach bey der Aufnahme desselben in das mittlere Latein, auch zu den in die Tiefe geschnittenen Münzstempeln, Petschaften, und den Stempeln der Documente auch ohne Dinte gebraucht worden, und aus der Operation des Aufdruckens itamxzre, drucken, und die ganze Ableitung des Italiänischen iiampare, itgmxatore, üum. xeiia entstanden ist Die andere Anmerknng, welche er aus dem alten Bücherverzeichnisse eines Klosters genommen hat, wo von einem libro ltsmj)Atc) in xgxiro non sciixtc» aus dem vierzehnten Jahrhunderte geredet wird, würde wichtiger sür ihn zu einem Beweise seiner Hypothese seyn, wenn dieß Bücherverzeichniß aus einem Niederländischen Kloster wäre. Allein so ist es ebenfalls gegen ihn; denn es kömmt aus dem deutschen Kloster WlblMgM in Schwaben. Diese Anwendung der Stampille, welche in die Klöster gedrungen war, war weit ausgebreitet. Legipontius ^) erwähnt ihrer als einer gewöhnlichen Klosterbeschaftigung, und Carpentier ^) führt verschiedene, auf diese Art hervorgebrachte Bücher aus einem dergleichen Verzeichnisse zu Paris aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderte an. Diese Stam- pl'llen einzelner Buchstaben wurden //Ve>-ne /»^Mn/ne, französisch sis/o^. ?«e i), deutsch Mdnchsschrift, genannt, und scheint dieser Name mit den bischöflichen ») L^-rm/?. Instrumentiim pinlenäi Isu cu. tZensii. ülltssuls leu capitulum, cni imsginez ii^iUi inlcu!ptas. ^. Ditt. Lusc. Impressum c»(jeuäi protot/xon. Odtervst. w vlantils. x. 50. d) Fo/-. //-»'e 8>vens?ct äislett Lexicon. 11x5a- l» ,766. 4to p. 170. 8 7 » ? ^»0/. Kr 8sts vlä 8pi5en i boncZ- ilufvo,-, skilci IV.UI LAUdznIiSN ock nök^olen. >5,«o/. i^vx» tr>iä, t>> v5xte st dosk-ixell tnsr iistv» slijul unäer om tommsren. c) Velrichs, in seinen beyde» ploxi-smmst. 6s tksmxiÜÄ 6ixIom»iic->, und demLi^Io pontikcali S-,-- hat Beyspiele des Gebrauchs des Stampills von allerley Art, bis in unsere Tage gesammlet; aber weder er, rwchBauVis in der Siss. äs monoZMmmst. Imxsr. Slc. Habendessen Alter untersucht. 6) ^>F,>o«,/«5 in liissert. gre äon?.to5 von 1340 gesunden worden ist. Wie wichtig würde dieser Fund gewesen seyn, wenn dergleichen Entdeckung in einem Niederländischen Kloster gemacht worden wäre! Die angeführte Verordnung des Herzogs von Brabant, vom Jahre 1320, würde eö trefflich erläutert haben; und es würde die richtigste Auflosung des Räthsels in der Cdllnischen Chronik ^) von dem Vorbilde der Guttenbergischen Erfindung, den Donaten, welche vordem in Holland gedruckt worden waren, und auf denen aller Grund der Harlemischen Ansprüche beruht, gewesen seyn; da wir uns itzt, der patriotischen Bemühungen des Hrn. v. Meer- mann des Eifers des Hrn. Oosten de Bruyn und des Hrn. Enfchcde ungeachtet, nur noch mit Muthmaßungen über den Verstand dieser Worte des Chronikenschreibers begnügen müssen, so nahe solche auch der Wahrscheinlichkeit kommen mögen. Da also auf keine Art das für den guten Llldwl'g zu erfinden übrig bleibt, was bereits etliche Jahrhunderte vorher erfunden war: so ist die Untersuchung, was für Bücher von ihm gedruckt seyn können, desto überflüßiger, und der Anfall auf das Daseyn des Harlemischen Laurenz Kosters, ihm, aus diesem Gesichtspuncte, die Ehre der Erfindung zu rauben, um so viel mehr unerwartet. Die Dunkelheit, welche über den wahren Harlemischen Antheil an der Erfindung der Buchdrucker«) herrscht, hat freylich den Patriotismus der Holländischen Geschichtschreiber in einer jänge von etlichen Jahrhunderten verleitet, durch immer hinzugefügte neue Hypothesen diesen Theil der Geschichte so Hinzuschaffen, daß sie nun eine ganz fremde Gestalt bekommen hat. Die Veredelung aber Kostcrs, welche Hr. V0N Meermann aufs höchste gesetzt hat, lag fchon in der Einleitung feiner Vorgänger; und man muß daher x) /)e /^att/öc äikUonn. rallvnn. 6k-v!xlomst. K) Lro,?icg van dcr hill!g?n Slatvan1. ?ar, 1774. 1. II, p. 71. ftl. 14YY. fol. ccLXl. ö) si,cz. Ii) //»,? l^ipkilits iUMl'iUus, LtocKIi. 1752. I) ^v,,»«!»», in Ori^inibus t)'pox>'gp!ilc!5. in prasfüt. m) 0o/?e» ,/s »z,,-, in «Zei-. llescliiede- i) BjürnsiähItZ Briefe an Gjörwell, 2ttrB. n 5!k>n ) ^ive^//^, im I^surecrsnz voor I^anreus Kotier, vsn llserlem. ivzz. 4W. x. 11S. 117. der Buchdruckerkunst. 41 Niederländischen und Holländische!, Sprache noch nicht war, welcher ißt zwischen denselben ist. Was für vorzüglichen Grund behalten denn also die Herren Hollander, oder vielmehr Harlemer übrig, die verschiedenen Ausgaben dieses Lrnc-Zel« mcntc^e. ^c-Kei Lclioucleniüs vor den Antwerpner Künstlern sich zuzueignen, deren Daseyn nun durch ein öffentliches Documcnt bewiesen ist, dergleichen ihnen ganzlich fehlt? Ware es nicht billig, sie einem solchen altern Sitze der Handlung, des Reichthums und der bildenden Künste °), als Antwerpen war, zu überlassen, da sie noch nichts ähnliches von Hartem in solchem Zeitpuncte bewiesen haben? Und was bleibt für Unwahrschein-- lichkeit übrig, daß Johann Veldenacr zu Culenburg die Holztafeln des Spiegel!, ich will nicht sagen, als ein künstlicher Holzschneider selbst gemacht, sondern nach der Zeit an sich gehandelt habe? Der Weg von Antwerpen nach Culenburg ist so weit nicht. Wir haben Beyspiele von viel größern Wanderungen der alten guten Holzschnitte der vorigen Jahrhunderte aus einem Orte an den andern, als diese seyn würde. So waren die Figuren zu M^c«?-/-?/^ grte cZ^innaltica aus der Druckerey der Junten 1672 nach Amsterdam in die Hände des Andreas Frisitts gekommen; so waren die Holzschnitte zu des M?/^/o// Oommentarii^ aus Venedig 156z in Prag bey Georg Melantrich, 1565 wieder in Venedig, 1755 in den Handen des Hrn. du Harnel, und wurden seinem 1>2tte ciex arl)ic?3 ct grbuireL', welchen Guerin undDe- latour zu Paris druckten, einverleibt; so sendete Vejalius seine anatomischen Figuren aus Italien 1542 nach Basel an Oporin, 1726 fanden sie sich in Allgspnrg in der Hand Alldr. Maschenbauers, vor wenigen Jahren in dein Besitze des Churbayrischen ieibarztes, Ritters VON Wolter, und 1778 waren sie in Leipzig ; so wanderten die Figuren zu dem berühmten Theuerdank, die doch 1517 zu Nürnberg auf kaiser'l. Kosten gemacht waren, und sich im Jahre, 1519 in Augspurg befanden, im vorigen Jahrhunderte nach IllM? und von da in die Hände der Feyerabende zu Frankfurt am Mayn; und wie sind die Figuren zu dem ebenfalls kaiserl. Werke, der Weiß Kunig, seit fast zoo Iahren hernmgewandert, ehe sie 1776 zu Wien abgedruckt wurden ? Dein v) Daß in mehren, niederländischen großen fuhr ihm auch dergleichen ,5:1 zu Gent, wo ihn Städten dergleichen Verbindungen der Kunst- die Maler durch ihren Dechant empfangen und ler entstanden waren, kann man ans dem Neü bewirthen ließen; und eben so begegneten ihm se-Diario des berühmten Albrecht Dürers die Maler und Bildhauer in Mecheln. Man bemerken, welches Hr. von Mnrr im VHten findet nicht, daß er auch -Hartem besucht habe, Theil seines Runst-und L.ittoramr-IournKls um daraus eine ähnliche Künstlerverbindung x- 55 ^- 9S bekannt gemacht hat. Dürer wur- vermuthen zu können, de nicht nur in Antwerpen 1520 mit vorzüglicher Ehre von ihnen empfangen, und in ihrer Kam> p) Herr Enschede zu Harlem, einer der eif- mer mit Pracht bewirthet; sondern es wieder- rigsten Vertheidiger der Kvsterischen Werkstatt? s w 42 Ueber die Erfindungsgeschichte Dessen ungeachtet würde es unrecht seyn, ohne eine gänzliche Ueberzeugung Laurenz Kostern um den Antheil der Ehre zu bringen, welchen er an der Erfindung der Buchdruckerey bey einer so alten Sage, aller Wahrscheinlichkeit nach, haben kann. Ich hoffe noch immer, daß sich mit der Zeit ein Beweis davon entdecken wird, welcher diese ißt noch bloße Hypothese in der Buchdruckereygeschichte, und deren Zusammenhang mit Mainz so wahr bestätigt, wie die Schöpflinische Entdeckung in dem Pftimigthurme zu Straßburg den Zusammenhang der Straßburgischen alten Sage von der Buchdruckereyerfindung mit Guttenbergen und Mainz zeigte, und wie die Antwerpische Gildekammer das Daseyn einer Gesellschaft von Künstlern in Werken der bildenden Künste, und unter denselben Holzschneider und Abdrucker der geschnittenen Holztafeln, in dem fünfzehnten Jahrhunderte bewiese» hat; obschon seiner die Schriftsteller seiner Zeit und seines Orts nicht als Erfinder erwähnt haben. Es ist hier der Ort nicht, die irrigen Meynungen des Hrn. de Roches bey dem Alter der gedruckten Spielkarten, bey der Mainzer Bibel von 1450, dem Psalter von 1457, und dem Bibelverkauf Fusts für Manuscripte, zu widerlegen. So sehr es bewiesen ist, daß die Spielkarten im fünfzehnten Jahrhunderte schon eine große Fabrik, und ein weit ausgebreiteter Handlungszweig in Deutschland waren: so unausgemacht ist annoch, bey aller Nachforschung der iiebhaber der Litteratur, das Daseyn dieser Bibel. Und hat Fust wirklich eine seiner gedruckten Bibeln für ^188. verkauft, warum soll es deßwegen ein Betrug ^) seiner excolirten Kunst seyn, da es vielmehr der stärkste Beweis seiner vollkommen vollendeten Kunst war? Herr de Ruches hat den Endzweck verkennt, welchen sich die Erfinder der Buchdruckerkunst bey ihrer Erfiüdungsforschnng vorgesetzt hatten. Sie wollten die Handschriften cvpiren; und sobald ihre auszuforschende Druckerkunst so weit gelangt war, daß man ihren Druck für Handschrift ansah, sobald war ihre zu erfindende Kunst vollendet. Darum aber gaben sie keine stümperhafte unvollkommne Proben ihrer Forschung aus; sondern ihre erste Erscheinung war ein ganz vollendetes Meisteren Karlem, und der Merke, welche aus solcher q) Nach allen Umstanden, und nach aller gekommen seyn solleil , unter denen der L^ie- Wahrscheinlichkeit, ist cS mit keiner andern Bibel, xsl onier ZeliouäsnilVs oben an steht, giebt als mit der von 1462, geschehen; also zu einer gleichwohl in einen, seiner Briefe an den Hrn. Zeit, da schon mehrere Bücher mit seines Na- voir !Nnrr in Nürnberg zu, daß die Holz- meus Unterschrift, uud mit Bekanntmachung schnitte der >48z bey Koburgern zn Nürnberg seiner neuen Kunst, seit 1458 aus seiner Werk- gedruckten Bibel, von ,480 bis 152z sich in einer statte gekommen waren; und in Frankreich, wo. Wanderung zwischen ^.vlln, Nürnberg undHal- schon ,458 diese, neue Kunst bekannt war, und berstadt befunden haben. S.v. Murr Journal, dejjen Konig bereits um diese Zeit den Münz- VI. TH. x. 2Li. stemxelschneider Jenson abgeschickt hatte, die Kunst auszuforschen. der Buchdnlckerkunst. 45 Meisterstück. Ist es nicht unrecht, ihnen eine kurze reichlichere Belohnung ihrer gewagten großen Arbeit und Kosten zu mißgönnen, und sie für Betrüger zu erklären, d-, doch ihre Copien nicht schlechter als die Urschrift waren, sondern solche an Ordnung, Schönheit und Richtigkeit weit übertrafen? Dieß konnten allenfalls bange Schreiber aber nicht Gelehrte thun, die dankbar für ihre Erfindung waren. So haben Dunkelheit und Vorurtheile sich über die Geschichte derjenigen Kunst ausgebreitet, welche geschaffen war, jicht über die Wissenschaften zu verbreiten, sie zu erhalten und fortzupflanzen. So viel auch an der Aufklarung dieser Dunkelheit bisher Zufall und Forschung geleistet hat: so hat eö doch noch nicht zugereicht, alles Dunkle zu vertreiben. Vielleicht sind einmal angenommene Meynungen, die irrig zu dem Grunde der Forschung, und zur Grundlage der Geschichte dieser Kunst gemacht worden, daran Schuld, daß die ganzliche Aufklärung derselben noch nicht zu Stande gebracht worden ist. Es würde eine Verwegenheit seyn, wenn ich dieß in der Geschichte der Bllchdruckerkunst, mit welcher ich bisher beschäftigt gewefen bin, geleistet zu haben mir Hofnung machen wollte. Ich glaube aber schuldig zu seyn, das den Forschern der Geschichte mitzutheilen, was ich in der Anzahl von Iahren, sowohl an Materialien als Anmerkungen darüber, gesammlet habe; es wird für mich genug seyn, wenn ich die Gelegenheit gegeben habe, durch eine genaue Prüfung derselben, der Wahrheit der Geschichte näher zu kommen; und ich lege daher desto freimüthiger den Gruudriß meines Werkes dar. Der Umfang der Geschichte, und der Vorrath der Materialien ist so groß, daß nothwendig mehr als ein Theil zu ihrer Verhandlung lind Nutzung nöthig seyn dürste. Die Haupteintheilung wird also 1) Die Geschichte der Erfindung, 2) Die Geschichte der Ausbreitung, und ?) Die Geschichte der mechanischen Entstehung, Verbesserung und Vervollkommnuug der Kunst in eben so vielen Theilen darlegen. F 2 Der r) Man zählte zu Anfange des sechzehnten schaffenheit und Werth gekommen war, daß sie Jahrhunderts allein in Paris und Orleans über nothwendig in Abfall der Nahrung kommen zehn tausend Schreiber, deren Kunst aber, durch mußten. S. vittionn, 6e5 Lens äu ölonäe. die Zunahme der Druckcrey, in geringere Be- lom. 111. x. i-o. sey. 44 Ueber die Erfindungsgeschichte Der erste Theil wird Die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst, bis zu der Vollendung der Erfindung abhandeln. Das erste Hauptstück wird die Qneslen untersuchen, die bisher den Grund dieser Geschichte abgegeben haben, und eine Prüfung anstellen, ob sie dafür ferner anzunehmen, oder ganz zu verwerfen seyn möchten. Ich halte dafür, daß die bisherige irrige Grundlage allein die Ursache seyn dürfte, warum man in der Erforschung des Ursprungs derselben nicht glücklicher gewesen, und nicht weiter gekommen ist. Das zweyte Hauptstück soll die Vorspiele der Kunst aufsuchen, das ist, den Weg zn erforschen suchen, welchen sie genommen hat, bis sie zum Vorschein gekommen ist. Eine Erfindung, welche kein Ungefähr, kein plötzlicher Zufall, sondern Verstand, Nachdenken lind Versuche hervorgebracht haben, muß durch verschiedene Gestalten und Verwandelungen gegangen seyn, eheste das wurde, was sie eigentlich seyn sollte. Das dritte Hauptstück soll eine größere Bekanntschaft mit der Holzschneidekunst machen. Diese ist so genau mit der Buchdruckerey vom Anfange bis itzt vcrfchwistcrt, daß es desto nöthiger ist, ihren Ursprung und ihre Werke zu kennen, um zu unterscheiden, was jeder von ihnen zukomme und nicht zukomme. Ein Anhang dieses Hauptstücks soll versuchen, den Unterschied der Chinesischen nnd Europäischen Holzschneiderey zu finden. Ein Streit der Schriftsteller von fast zweyhundcrtIahren verdient, untersucht, und, wo möglich, aufgeklärt zu werden, um Deutschland das zu erhalten, was ihm wahrscheinlich gebührt. Das vierte Hauptstück ist den Büchern in hölzernen Tafeln gesthnlt- ten gewidmet, welche vor und neben der Druckereyersindung hergegangen sind, und welche die Druckerey gar nichts angehen. Ein bisher so gewöhnlicher Irrthum, welcher die Geschichte der Erfindung der Druckerey sehr verunstaltet hat. Das fünfte Hauptstück wird die Geschichte der Bnchdruckereyerssn- dttNg selbst abhandeln, und zerfallt von sich selbst in fünf Hauptabschnitte. Der erste Abschnitt erzählt die Gnttenbergischcn Versuche in der Erfindung, bey seiner Verbindung mit andern zu Stwsburg/ von den Iahren der Buchdruckerkunst. 45 Iahren 14Z6 bis 14Z9. Dieser Theil der Geschichte, der sonst so viele Verwirrungen unter den Schriftstellern gemacht hatte, ist durch die Schöpflinische Entdeckung nunmehr außer allen Streit gesetzt; nichts fehlt mehr, als zu wissen, womit man sich daselbst beschäftigt habe. EM Anhang dieses Abschnitts wird die alte Sage untersuchen, woher der Irrthum der Strasburgischen Schriftsteller der vorigen Jahrhun. derte gekommen se», daß man Johann Mcnteln für den Erfinder der Buchdruckercy ausgegeben hat, au welcher Sage er allem Vermuthen nach selbst keinen Theil hatte. Der zweyte Abschnitt wird einen Versuch darlegen, ob die Harlenn'sche Buchdruckereyerfindungsgeschichte die iücks der Jahre zwischen dem Weggange Gttttenbergs von Strasburg, und dessen Wiedererscheinung zn Mainz, mit Wahrscheinlichkeit ausfüllen könne. Die Sage von dem Harlemischen Koster ist so alt lind umständlich, als die von dem Strasburgischen Mentel war; und warum sollte sich nicht eben so gut eine Verbindung der Harlemischen Erfindungsgeschichte mit der Mainzer vermuthen lassen, als sich die Strasburgische mit eben derselben bestätigt hat? Gleichwohl ist eö zu der Einsicht nöthig, Eine Einleitung voran zu schicken, welche dis Entstehung der gewöhnlichen Harlemisthen Erfindnngsgeschichte chronologisch darstelle, und bis zu ihrer ißigen Gestalt bringe. Sie wird dienen, das Hinzugedachte von den Vermuthungen zu scheiden, und wird der nachfolgenden Hypothese die nöthige Wahrscheinlichkeir zuwende». Der dritte Abschnitt begreift die Gttttenöergischen Versuche in Mainz in der Fttstischen Gesellschaft von 1450 bis 145;. Dieser Theil der Ersindungsgeschichte ist durch das gesnndene Hilmaspergische Document außer allen Zweifel gesetzt worden; nichts schlt, als die mehrere Erkenntniß ihrer eigentlichen Beschäftigung: und es muß der Zeit überlassen werden, ob uns Mainz hierinncn noch eine eben so wichtige Entdeckung machen werde. Ein Anhang zu diesem Abschnitte soll die Wirklichkeit einer Bibel von 1450 prüfen, und die Reihe der Bibeln untersuchen, die darauf Anspruch gemacht haben. Die liebe zu Seltenheiten, und die wenige Kenntniß in dieser Sache, hat die Anzahl derselben ohne Grund übersiüßig vermehret. F z Der Ueber die Erfindungsgeschichte Der vierte Abschnitt stellt, nach dem Abtritte Guttenbergs von der Auftischen Gesellschaft, die ersten Beweise der zu Stande gebrachten Buchdruckereyerfindung durch die Fust- und Schdffcrifche Verbindung , in dein Psalter von 1457, dar. Ein solches Meisterstück, welches das einzige in seiner Art ist, verdient nicht nur eine genaue Beschrei- bung, sondern auch in Einem besondern Anhange die Gegeneinanderhaltung der fünf itzt bekannten übrigen Exemplare, und ihrer sonderbaren auffallenden Abweichungen von einander, und Eine Darstellung des unterschiedenen Inhalts und der Einrichtung der drey Ausgaben desselben von 1457, 1459 und 1490 aus dieser Wertstätte. Der fünfte Abschnitt wird endlich die ganzliche Vollendung der Buchdruckereyerfindung durch die Schöfferische Erfindung der Schriftgießerei) darlegen, welche nachher zwar immer in sich vollkommener gemacht worden ist, wozu aber nichts mehr hat hinzugethan werden können. Die Zeit dieserVollendung ist mit dem Jahre 1459 bestimmt, nicht aber' die Entstehung derselben; und daher sind folgende angehängte Untersuchungen theils nöthig voranzuschicken, theils zur Erläuterung anzufügen; davon wird die Erste Abtheilung den gedruckten Ablaßbrief mit der Iahrzahl 1454 und 1455 prüfen. Eine dunkle Erscheinung, welche noch nicht alle Aufklärung erhalten hat! Die Zweyte Abtheilung wird von dem Nicolans Jenson handeln, dessen Absendung von Paris und Erscheinung in Venedig einen sonderbaren Anschein zn einer Theilhabung an dieser Erfindung geben. Die Dritte Abtheilung wird den Ungrund des Vorgebens zeigen, daß Johannes Reg^montamls an dieser Erfindung einigen Antheil haben könne. Die Vierte Abtheilung soll von dem ersten mit gegossenen Buchsraben gedruckten Buche, vurancli lvationgle ckvinoi'um vKciorum von 1459 handeln, und die merkwürdigen Abweichungen dreyer gegen einander gehaltenen Exemplarien dieses Werkes darlegen. Die Fünfte Abtheilung wird von dem cwäo/-co» ^»«e»// ohne Datum handeln, das von vielen irrig für ein erstes Werk aus der Fust- und Scböfferischen Werkstätte gehalten worden ist. Das der Buchdruckerkunst. 47 Das sechste Hauptstück soll tins, so viel es möglich ist, mit den drey Personell der Erfindung bekannter machen, und Der erste Abschnitt von Gnttenbergs Person und Familie, die vielleicht noch nicht ganz sicher ausgemacht ist, und von feinem Schicksale nach der Trennung von Fusten handeln, und dabey Eine Untersuchung über seine hintcrlaßneDrnckerey, und Eine Untersuchung des n?/äo/^o» von 1460, das ihm zugeschrieben wird, enthalten. Der zweyte Abschnitt soll von Fustens Person und Schicksalen handeln, dabey denn Eine Untersuchung seiner Reise nach Frankreich , seines dahin geführten Handels, und des ihm Schuld gegebenen Bibelverkaufs für Eine Untersuchung seiner lateinischen Bibel von 1462, und Ge- geneinanderhaltung mit der von 1472; Eine Untersuchung der ihm zugetheilten deutschen Bibel von 1462; Eine Untersuchung der von ihm gedruckten OKciorum ciceroni, von 1465 und 66; und > Ein Verzeichnis seiner in Gesellschaft Schöffcrs gedruckten Werke vorkommen wird. Der dritte Abschnitt wird Schöffern nach seiner Person, Familie und Schicksalen darstellen, und Eine Nachricht von seinen Nachkommen bis auf die ihige Graflich Schöfferische Familie in Schweden geben. Ein Verzeichmß von den Werken seiner Werkstatte bis an seinen Tod liefern, dergleichen Eine befondere Nachricht von seinen drey Söhnen, dem Johann Schdffer und seinen Werken, Peter Schöffer und feinen Werken, Jvo Schdffer und feinen Werken anfügen. Das 48 Ueber die Erfindungsgeschichte Das siebente Hauptstück wird allgemeine Anmerkungen über die ersten Werke der Druckerei) liefern, wovon Die erste, Anmerkungen über die so genannten Kennzeichen des ersten Drucks überhaupt geben soll, wobey so viel bisher geirrt worden ist. Die zweyte wird den Mechanismus der ersten Druckerey erläutern, wodurch die vorhergehende Anmerkung noch mehr aufgeklärt werden kann. Die dritte wird eine Tafel aller Schriftarten der erstell Druckerey geben, um allen Irrthum bey Erkennung der Werke zu heben, die aus dieser Werkstatte gekommen sind. Dieser Theil der Vuchdruckereygeschichte ist also ein Ganzes für sich, womit die folgenden wohl einen Zusammenhang haben, allenfalls aber auch wohl könnten entbehrt werden, und ist zum Drucke fo bereit, daß ihn nur die Umstände der Zeit, einige noch erwartete Erläuterungen, um dadurch etlichen Stellen vielleicht eine mehrere Gewißheit zu geben, und die Verfertigung der nöthigen Kupferstiche noch zurück gehalten haben. Von dem Schicksale der Zeiten, und der Aufnahme dieses ersten Theils, wird auch das Schicksal des zweyten und folgenden Theils abhängen, welche beyde vermuthlich nur einen eben solchen Band ausmachen dürften, und wovon ich hier den ungefähren Grundriß ebenfalls darlegen will. Der ^ der Buchdruckerkuttst. 49 Der zweyte Theil soll dann die Geschichte der Buchdruckerkuttst in ihrer Ausbreitung in zwo Abtheilungen darstellen. In der Ersten Abtheilung wird Das erste Hauptstück von dem Zeitpuncte handeln, in welchem die erste Ausbreitung geschehen ist, und im Ersten Abschnitte die Ursachen der geschwinden Vermehrung angeben, im Zweyten Abschnitte die Deutschen, welche sie durch Deutschsand, und im Dritten Abschnitte die Deutschen nennw, welche sich durch das übrige Europa ausgebreitet haben. Das zweyte Hauptftück soll eine Fortsetzung der Geschichte der Holzschneidekunst liefern, die nun angefangen hat, sich mit der Buchdruckerey auf verschiedene Art zu vereinigen, und im Ersten Abschnitte von den Werken der Holzschneidekunst, welche nach der vollendeten Erfindung der Buchdruckerey ohne ihre Theil- nehmung zum Vorschein gekommen, im Zweyten Abschnitte aber von Werken, die in Verbindung mit der Buchdruckerey erschienen sind, handeln; im Dritten Abschnitte sollen einige Werke angezeigt werden, welche falschlich für Werke der Holzschneidekuust gehalten worden sind; und der Vierte Abschnitt soll die Geschichte derselben bis auf itzige Zeit kürzlich hinausführen; der Fünfte Abschnitt aber eine Abhandlung von den Bemühungen im . o/)/c»?'in allen seinen Graden enthalten. Das dritte Hauptstück soll ein Jahrbuch der Ausbreituug der Buchdruckerey durch ganz Europa bis auf izoo, sammt einem Verzeichnisse der ersten Werke jeder Stadt liefern. Es ist hierbei) das Jahrbuch des Hrn. Marchand, als das vollständigste, zum Grunde gelegt worden, wobey ich nicht nur feine hinterlassenen eigenen, fondern auch anderer Anmerkungen genutzt, und mit meinen eigenen verbunden habe. G Das 52 Ueber die Erfindungsgeschichte Das vierte Hauptstück soll ein starkes Verzeichniß von Büchern darlegen, welche sich durch falsche Angabe des Orts, Jahrs nnd Druckers, aus vorschlichen? Betrug, Irrthum, oder Nachlässigkeit der Ausgeber, bey den jiebhabern der litterarischen Seltenheiten merkwürdig, rar und theuer gemacht haben. Marchattd hat davon eine starke Sammlung geinacht, die seinem Werke hat angehängt werden sollen, und auf die er sich auch an vielen Orten desselben bezieht. Man findet ader nichts davon, als am Ende eine Einleitung, und die darüber gemachte Eintheilung. Entweder hat ihn die Zeit der Ausgabe seines Werks dabey übereilt, oder sein Verleger hat es für überflüßig gehalten, solches dadurch noch mehr zu verstärken : denn das Verzeichniß selbst ist weggeblieben. Ich habe es unter seinen hin- terlaßncn Papieren gefunden, genutzt, und stark, sowohl mit Artikeln, als Anmerkungen vermehrt; und so angenehm es den Liebhabern der iitteratur seyn möchte, so unangenehm dül-fte es denen seyn, die bisher mit dergleichen Werken einen berückenden Wucher getrieben haben. Die zweyte Abtheilung ist der Geschichte der ausgebreiteten Bnchdruckerey durch die verschiedenen Reiche in Europa bestimmt. Dieser Abschnitt allein würde ein weitläuftiges Werk ausmachen, wenn diese Geschichte nach ihrem ganzen Umfange ausgearbeitet werden sollte; theils aber würde sie dann auch auf viele unnütze Kleinigkeiten ausgedehnt werden. Es wird deßwegen genng seyn, von ihrer Beschaffenheit überhaupt daö Nöthige zu sagen, nur das besonders Merkwürdige darzulegen, und das Speciellere auf die Quellen zu verweisen, wo davon gehandelt wird. Es ist ganz natürlich, daß dabey vieles vorkommen müsse, welches den Buchhandel zugleich angeht. Das erste Hauptstück ist billig der Druckerey in Deutschland gewidmet. Da in keinem iande von Europa die Wissenschaften so ausgebreitet sind, so ist leicht zu erachten, daß es auch die Druckereyen seyn müssen; die Schweiz und Preußen sind unstreitig mit dazu zu rechnen. Diesem soll als ein Anhang beygefügt werden, ein Versuch eines Jahrbuchs gedruckter Bücher in dcntscher Sprache bis 1520. Maittaire hat diese Sprache ganz in seinem Werke übergangen. Der vormalige Prof. Johann Gottlieb Krause in WittenbergZ hatte daran gesammlet: ich habe aber nichts von seiner Verlassenschaft hierinnen erfahren können. Der kürzlich verstorbene Bürgemeister und Ktterator Friedrich Gotthilf Freytag in Naumburg hat öffentlich , angezeigt, daß er dieses leere Fach ausfüllen wolle, da er in der Pfortifchm Schulbibliothek eine gute Grundlage dazu hatte, und hat sich die Beytrage der Gelehrten der Buchdruckerkunst. Gelehrte«, dazu erbeten. Er ist aber auch nicht glücklich darinnen gewesen; sein Werk ist nicht zu Stande gekommen, und ich habe auch nicht erfahren, daß sich etwas in seiner Verlassenschaft davon gesunden hatte. Seit solcher Zeit ist zwar von verschiedenen Orten darinnen mehr vorgearbeitet worden, das aber nicht hinreichend seyn dürste, diese Sache zu erschöpfen. Ich weis nicht, ob ich es wagen darf, bey einer gleichartige!, Bitte um einen Beytrag, mir ein günstigeres Glück zu verfprechen, als meine Vorgänger. Der übrige Umfang dieses Abschnittes wird die fernere Geschichte der Drtlcke- rey in den übrigen Theilen von Europa erzählen. Die ehemalige Complutenfische oder Alralaische Druckerei) in Spanien; die königliche Druckereyen in Lissabon und Madrit; die Beförderung, welche die Könige in Frankreich, von Franz dem I. bis auf iudwig den XV, der Kunst gegönnet haben; die Menge von Künstlern in Schriften, welche Frankreich in etlichen Jahrhunderten hervorgebracht hat; die Bemühungen der Badins, Morells, Gonrmont, «nd Dolet, und die Schicksale und Verdienste der Stephane; die Anlegung der königlichen Druckerey; die große Anzahl schöner Ausgaben in unsern Tagen; die Menge von Verordnungen, welche die Kunst angehen, machen Frankreich hierbei), und das Stück dieser Geschichte überaus wichtig. Wie vielen Antheil nimmt nicht gleich in den ersten Iahren der vollendeten Buchdruckerknnst Italien an ihrer Verschönerung ! Die ersten Künstler, welche sich außerhalb Deutschland begaben, gien- gen dahin. Rom, Venedig, Mayland, Florenz, haben um die Wette durch neue Schriftarten die Knnst verschönert, und die Weisheit der Griechen und des Orients gemeiner gemacht; so wie die nachherigen wichtigen Officinen des Vaticans, des LolleZü äe xroxnZ-uicla Lcie, und der Mcdiceischen Familie zu Rom, des Instituts zu Bologna, und andere, bis zn unsern Tagen, solches immer noch weiter getrieben haben. Und hat schon England etwas spater großen Antheil an der Ausbildung der Kunst genominen, so hat es doch Oxford und iondon, vorzüglich Birmingham und Glasgow, in unsern Tagen desto reichlicher gethan. Wem aber kann der Ruhin unbekannt seyn, den sich die Niederlande im vorigen Jahrhunderte durch Werke, deren Schönheit, Pracht und Kostbarkeit hervorleuchten, erworben haben, und wo die Namen der Plantine, der Raphelinge, der Bleans, der Iansons und dcr Elzevire so berühmt geworden sind? Haben oi.' übrigen Reiche von Europa nicht so einen glänzenden Antheil an der Verbesserung und Verschönerung der Buchdruckerei) genommen; so haben sie es doch nicht versäumt, diese Kunst sich bald zuzueignen. Dänemark hat durch Anziehung der berühmten Elzevire nicht nur an ihrer Verschönerung Theil zu nehmen gesucht, sondern es hat sie sogar bis nach Island und nach G 2 Mala- Ueber die Erfindungsge'fchichte Malübaren, das heißt, in der kältesten und wärmsten Himmelsgegend, bekannt gemacht. Schwede» hat sich durch seine große Königinn Christine um ihre Ver- schönermig, durch Anziehung der eben so berühmten Icmsone bemüht, und ist sogar seinein Nachbar Rußland mit dem Abdrucke der nöthigen Bücher zu Hülse gekommen, da dessen Verfassung ihm nicht selbst gcnugthun konnte. Und obgleich erst unter der itzigen großen Kaiserinn und Ausbreiten«» der Wissenschaften und Künste, Katharine der II, gestattet wurde, den Gebrauch der Druckerei) auch Privatpersonen zu erlauben: so haben sich doch schon der Stifter des itzigen großen Reichs, Peter der I, und seiue Nachfolger, mit Anlegung und großer Erweiterung der Druckercycn des Synods in Moskau, der Akademie in Petersburg und Moskau, des Senats und des Kadettenhauses zu Petersburg, und durch die Erlaubniß zum Druck Krusmskischer und Tatarischer Bücher, sehr verdient gemacht. Pohlen, Böhmen und Ungarn dürften vielleicht keine so große Figur in der Geschichte der Buchdruckcrey machen, als es andere Reiche gethan haben; gleichwohl haben sich in vorigen Zeiten Krakau und Rakau in Pohien, und Prag in Böhmen, mit ihren gelieferten Werken bekannt genug gsmacht; und die Druckereyen in den Häusern der Ordensgeistlichen in Pohlcn, Böhmen und Ungarn, sind gleichfalls nicht müßig gewesen, den Wissenschaften nützliche Dienste zu leisten, woran auch die Slavonische Nation ihren Antheil hat. Von weitein Umfange nicht, aber immer interessant genug dürfte die Geschichte der Druckerey der Griechen in verschiedenen Gegenden, der Druckerei) in den Türkischen Staaten, und in den verschiedenen Gegenden von Asien nnd Ame- nca scim, wohin sie durch verschiedene Wege, und durch die Bemühung verschiedener Europaischer Völkerschaften gebrack)t worden ist; und eben dieß wird von den Druckercycn der Juden, welche wirklich in einem und dem andern Stücke zu ihrer Verbesserung und Erweiterung etwas beygetragen haben, und von denDruckeresM der Klöster nnd Privatpersonen gesagt werden können. Es ist leicht zu sehen, daß das Mehresie von dem, was hier gesagt werden kann, von andern schon vorher bearbeitet worden sey. Da es aber stückweise und aus verschiedenen Gesichtspuncten geschehen ist: so wird der Vortrag von alle dein die Sachen mehr mit einander verbinden, und durch die nöthigen, sowohl historischen als mechanischen Zusätze und Erläuterungen, etwas mehr als eine bloße magere Compilation darlegen. Der der Buchdruckerkunst. 55 Der dritte Theil ist der mechanischen Geschichte der Buchdruckerey gewidmet. Dieser Theil der Buchdruckcreygeschichte ist noch gar wenig, und man tonnte wohl sagen, gar nicht bearbeitet worden, und kann deßwegen desto mehr neu seyn. Das erste Hauptstück wird den erste» Mechanismus der Buchdruckerkunst weiter ausführen, und die Zweifel über die sonderbaren gekünstelten Unterschriften in den ersten Büchern aufklaren, wovon seltsame Meynungen vorgebracht worden, welche bis zu den Einfällen von goldenen und silbernen Buchstaben gegangen sind. Das zweyte HaupLstück wird von der Kunst, Stempel zu schneiden, handeln, die berühmtesten Meister in dieser Kunst bekannter machen, und von den verschiedenen Arten und dem verschiednen Gebrauch derselben Nachricht geben. Eine Kunst, die nicht so genährt, und von großen Herren nicht so unterstützt wird, als es zum Besten der Wissenschaften geschehen sollte. Das dritte HaNPtstttck wird die Schriftgießerkunst in ihrem Zusammen- hange erklaren, und die berühmtesten Schriftgießereyen durch Europa erzählen; eine Manufactur, deren wahrer Werth für ein iand bisher nicht überall genug erkannt, und gehörig geschätzt worden ist. EM Anhang wird die neuere Kunst beschreiben, die Holzschnitte, so wie die Buchstaben, zu vervielfältigen, woran lange Zeit versucht worden, ehe sie zur Wirklichkeit gekommen ist, ob sie gleich der Holzschneidekunst nicht zur Aufnahme gereichen möchte. Das vierte Hauptstück wird von den verschiedenen Schriftarten, ihrer Entstehung und Benennung, von ihren verschiedenen richtigen Proportionen und der Leiter ihrer Großen, im ersten Abschnitte von den deutschen Schriften, im zweyten Abschnitte von den lateinischen Schriften, und im dritten Abschnitte von den verschiedenen Cursiven handeln. Alle diese Schriften sind durch eine Menge von veränderten Gestalten gegangen, bis sie zu ihrer itzigm Vollkommenheit gelangt sind, wovon die nöthigsten Abbildungen gegeben werden sollen. Das fünfte Hauptstück wird die Bemühungen in den orientalischen Schriften aller Art, und besonders im G z ersten / 54 Ueber die Ersindungsgeschichte ersten Abschnitte im Griechischen, im zweyten Abschnitte im Hebräische,,, im dritten Abschnitte m allen übrigen erzählen. Man hat Frankreich und Italien hierinnen überhaupt im Ganzen mehr, als allen andern iändern zusammen im Einzelnen, zu danken. Das sechste Hauptstück wird von den Bemühungen handeln, Anwendung von der Drnckerei) zu besondern Theilen der Künste und Wissenschaften zu machen. In, Ersten Abschnitte wird von den verschiedenen Versuchen, mit musikalischen Charakter,, zu drucken, gehandelt werden. Die ersten Versuche sind sehr alt; sie fallen in die ersten Jahre der Druk- kerey, und sind durch eine Menge von Veränderungen lind Vttbesserungen bis zu ihrer ißigen Gestalt gelangt. Der Zweyte Abschnitt wird die Versuche im geographischen Drucke darstellen. Die Versuche davon sind ebenfalls bald in den ersten Zeiten der Druckerei) auf verschiedene Art angestellt, aber erst in unsern Tagen zu einem erträglichen Ansehen gebracht worden. Eine besondere Untersuchung der Ausgaben von des Ptolemans Geographie in Rom, Bonomen, Ulm und Straßburg wird einen Anhang abgeben. Das siebellte Hauptstück wird von Dingen handeln, wozu der Mechanismus annoch angewendet werden konnte. Im Erstell Abschnitte soll vom Druck geometrischer Figuren etwas gesagt werden. Vielleicht hat man durch eine undeutliche Empfehlung eines in den ersten Zeiten von Ratold zu Venedig gedruckten Ettklides die Vermuthung einer solchen Er« findnng geschöpft, die gleichwohl dabey nicht war. Der Zweyte Abschnitt soll von der Anwendung desselben zu Zeichnungen verschiedener Art etwas vortragen. ' Geklmstelt ist damit von jeher genug geworden, wodurch man aber nichts, als abscheuliche Gestalten, hervorgebracht hat. Vielleicht läßt sich etwas Erträglichers angeben, das aber der Kupserstecherey allemal Nachtreten wird. Beyläufig wird etwas von dem botanischen Drucke gesagt werden. Der Dritte der Buchdruckerkunft. 55 Dritte Abschnitt wird einen Grundriß geben, den Druck der Chinesischen Charakter^ dnrch einen Europäischen Mechanismus der Druckerei), möglich zu machen. Wenn sich Europa Nußen von der chinesischen Litteratur schassen kann, so muß cö durch diesen Mechanismus geschehen; alle andere bisherige Anwendungen werden durch ihre nothwendige Weitläufigkeit und Verwirrung sich selbst hindern, so viele Mühe sich Beyer und die Fourmonts auch damit durch große Kosten gegeben haben. Das achte Hauptstück wird von vcrftl)iedenenVerfchötlerm:gen, von dem Putz nnd der Pracht handeln, die man bey dem Drucke -angewendet hat. Dahin gehört der Druck auf Pergament, der Doppeldruck mit zweyersey und mehrern Farben, die Zierrachen durch Holzschnitt und durch Kupferstich, begleichen durch ZnsilWMttsetznng der Figuren, die malt Röschen nennt. Das neunte Hauptstück wird von der Presse handeln, und die verschiedenen Veränderungen nnd Verbesserungen derselbe!» bis auf unsere Zeit erzählen; desgleichen die verschiedenen HanddruckereyM bekannt machen; wobey in einem Anhange etwas von der Druckerfarbe und ihren Veränderungen vorkommen wird. -SÄ>^>---> s ist nicht zu zweifeln, daß vielen meiner Leser, die nicht besondern Geschmack an dergleichen Kenntnissen haben, die Geduld, alle diese Titel der Einteilungen und Kapitel zu lesen, vergangen sey, und sie sich vor der Weitläuftig- kcit dieses Werks fürchten werden. Gleichwohl müssen noch so viele Kapitel zurück bleiben, welche von verschiedenen Schriftstellern, wiewohl stückweise, zu bearbeiten würdig sind geachtet worden. Weder 1. Die Wappen und Zeichen der ersten Buchdrucker; ein Spielwerk, womit man sich mehr beschäftigt hat, als die Sache an sich verdient; noch 2. Die Betrachtungen über Gebrauch und Mißbrauch, Schönheit und Gebrechen, Schaden und Nutzen der Druckerey, welche nach verschiedenem GesickMpuncte wahr oder falsch, wichtig oder unbedeutend seyn können; noch z. Die Erzählungen ihrer Vorrechte und ihrer politischen und bürgerlichen Einrichtungen in den verschiedenen Landern; Dinge, die bisher fast in allen Theilen von Europa in Bewegung, Beurtheilung und Streit gewesen sind; hoch 4. Die 56 Ueber die Erfindungsgeschichte der Buchdruckerkunst. 4. Die Beschreibung der mechanische«, und praktischen Beschäftigungen der Künste, welche die Druckerei) im ganzen Begriffe ausmachen; eine Sache, welche von der französischen Akademie der Wissenschaften schon zweymal unternommen, und eben so oft verworfen worden ist; noch Die Leben und besondern Beschäftigungen der berühmtesten Buchdrucker, noch der berühmten Verbesterer ihrer Arbeiten, welche die besondern Verdienste berühmter Manner erläutern; noch 6. Die Geschichte des Handels mit den Werken ihrer Fabriken, der theils in den verschiedenen Ländern auf andere Art getrieben wird, theils in sich selbst sehr verschieden ist; noch 7. Die classisicirte Erzählung der großen Menge der Schriften, welche sich mit ihrer Geschichte, Ausübung und Werken beschäftigt haben, und eine starke Bibliothek ausmachen, kommen in eigenen Hauptstücken darinnen vor, da sie eigentlich nicht zu der Geschichte der Kunst in ihrer Erfindung, Vollendung und Auöbreitnng gehören. Da ich ohnedem befürchte», muß, durch die Weitläuftigkeit des Werkes die Leser mehr zu ermüden, als zu ergoßen: fo hab' ich sie nicht berühren wollen, obgleich der zte, 4te, 6te und ?te dieser genannten Abschnitte einer besondern Ausarbeitung wohl wür. dig waren. Dieß wird billig der Zeit, und vielleicht auch anderu Personen überlassen, deren Neigung und Bekanntschaft mit dem Inhalte sie Zu deren Ausführung etwan leiten dürfte. Leipzig, den zosten März, 1779. Johann Gottlob Immmmel Breitkopf.