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dem väterlichen Geschäfte zu. Wie nach Salomon'sAusspruch nichts neues unter der Sonne geschieht, somachte auch schon zu Brcitkopfs Zeit sich die Ansichtgeltend, wie sie fort und fort bis zum heutigen Tagegethan, ohne durchzudrängen: die den mittelhochdeutschenHandschriften nachgebildete sogenannte Mönchstype, diedeutsche Letternschrist, müsse verdrängt und abgeschafftund an deren Stelle die lateinische Schrift gesetztwerden, bezüglich welcher Ansicht für und wider vielfachhin und her gestritten wurde, wie es noch der Fallist. Brcitkopf war für die Beibehaltung der deutschenType in deutschen Büchern, suchte diese auf alle Weisezu verschönern, und es gelang seinem ernsten Streben,wie keinem andern seiner Zeit- und Kunstgenoffcn.Sein Vorgang rettete gleichsam den von den Erfindernder Buchdruckerkunst der deutschen Nation gewonnenenSchatz und Satz, die gothische Type, die man als ge-schmacklos zu verdrängen suchte, und erhob sein Ge-schäft in dem Bestreben, immer neues zu erfinden undzugleich die Schriftalphabete aller bekannten Sprachenzu besitzen, zu einer achtungswcrthcn Bedeutsamkeit.Die Vrcitkopf'sche Ofsiein besaß über 400 verschiedeneAlphabete, und immer mehr suchte Breitkopf seine Kunstzu erweitern. Er sah und sprach es aus, wie die har-monische Schönheit der ersten deutschen Drucke nochvon keinem Nachfolger erreicht sei, und daß die un-übcrtreffbare typographische Pracht, wie sie namentlichin Fust und Schöffer's Psalter von 1457 dargelegtsei, kaun: jemals wieder erreicht werden könne, daßaber diese Rückkehr zum wahrhaft schönen mindestensversucht werden müsse.
Breitkopf blieb aber, indem er diesen Grundsatzunablässig verfolgte und auf den Grund mathematischerBerechnungen die Buchstabenschrift verbesserte und ver-schönte, nicht stehen, sondern schritt auf dem Wegenützlicher Erfindungen weiter vor. Er erfand neueMctallmassen (Lctternzcug) für die Schriftgießerei, die
härter und dauerbarer waren, als die bisherigen; erverbesserte Gießformen wie Pressen. Seine Schrift-gießerei schmolz in zwölf Oescn das Letternzeug fürden Guß. Brcitkopf erfand den Notendruck mit beweg-lichen Typen, ließ für die chinesische Schrift, bisher nurdurch Holztafeldruck bewerkstelligt, ebenfalls metalleneCharaktere gießen, begann selbst Landkarten und Si-tuationspläne mit beweglichen Typen zu drucken, richteteeine Musikalicn-, eine Tapeten- und eine Spiclkarten-fabrik ein, beschäftigte ein ansehnliches Personal undhob seine ganze Einrichtung auf eine Stufe der Blütheund des erfreulichsten Gedeihens. Dabei war Breit-kops auch schriftstellerisch thätig; er gab 1779 eineGeschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst heraus,die Frucht seiner Studien über die Letternformcn; dann1784 den «Versuch, den Ursprung der Spielkarten, dieEinführung des Leinenpapiers und den Ansang derHolzschneidekunst in Europa zu ermitteln». Fernererschien von ihm 1793 eine Schrift: Ueber Biblio-graphie und Vibliophilie, u. a. Breitkopf beabsichtigte,aus seinem reichhaltig angesammelten Material eineausführliche Geschichte der Typographie zusammenzu-stellen, die in drei Bänden erscheinen sollte und zu derenVollendung er mit den berühmtesten Kennern der Li-teratur in lebhaften Briefwechsel getreten war. Als7 Bogen abgedruckt waren, überraschte den unermüdlichthätigen Mann der Tod und es fand flch kein weiteresManuskript vor.
Wenn auch Breitkopfs Geschlecht mit seinem SohneChristoph Gottlob erlosch, so lebt doch sein Name inder Literatur und in der Geschichte deutscher Erfin-dungen nicht minder fort, wie in dem blühenden Ge-schäft der Firma «Breitkopf und Härtel», die im SinneJohann Gottlob Jmmanuels Prachtdrucke zu liefernvermag und lieferte, welche der deutschen Buchdrucker-kunst in jedem Jahrhundert zur Ehre gereichen.