Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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beabsichtigte:Westlich der Sinn ist schwerlich etwasanderes als rother Sandstein, es sei denn, daß manvon Obcrsinn gegen Orb gehe. Dann wäre Ihnenvielleicht ein kleiner Abstecher nach Arnstein und Um-gebung nicht unmöglich. Ist vielleicht der Gram-schatzer Wald ein sandiger Wald wie Lichtenfels und der Hauptmoorwald? Ist der Sandstein roth, deran diesen Punkten bearbeitet wird, wie der von Gam-bach unter Carlsstadt? Wie liegt der Gyps vonOpferbaum? Erobern Sie diese Provinz, sie istIhrer Untersuchung würdig, denn diese ist nicht leicht.Wie gern liefe ich nicht an Ihrer Seite, allein wennich bedenke, daß ich fast von hier (der Brief ist 1821in Eichstädt geschrieben) nicht loskomme, und welchesFeld von Untersuchungen noch vorliegt, so treibt esmich vorwärts, südlich."

An einer andern Stelle äußerte Buch: Ich warnie vorher in Muggendorf ; denken Sie, wie ichzusammenfuhr, als ich sahe, daß alle Höhlen in die-sem körnigen Gestein liegen (wie das des Staffelberg-gipfels zwischen Lichtenfels und Bamberg ), welchesman dort Qualle nennt, und welches ich seitdem auchimmer so nenne. Im Kalkstein befindet sich nicht einedieser Höhlen. Diese Qualle ist aber wahrscheinlichDolomit. Um darüber Belehrung zu erhalten, reiseich nach München . Hier finde ich dieß Gestein immerwieder. Zwischen Baireuth und Nürnberg bildetes die höchsten Kuppen, ausgezeichnete Spitzen undThürme; auch hier sind seine Formen noch ebensoabenteuerlich kühn, wunderbar, aber seit der Nähe desAltmühlthals liegt oben darauf die Fisch- und Krebs-formation, die man gar leicht vom unterm Kalksteinunterscheidet. Man kann daher ohne Mühe voraus-bestimmen, wo Fische und Krebse vorkommen, odernicht rc.

Der große Gcoguost vollbrachte seine Wanderungenmeist allein, ohne lästiges Gepäck, in leichter, ihm be-quemer Tracht, und da er unverheirathct geblieben warund keiner Familie angehörte, mit der wünschenswcr-thestcn Unabhängigkeit. Sein Wohnort war Berlin ,aber auch seine Umgebung und seine Freunde erfuhrenhäufig nicht sein nächstes Wanderzicl. Er ging, ohne

zu sagen wohin, einmal von Berlin hinweg und reistenach den kanarischen Inseln. Er bestieg den Pic vonTeneriffa, wie er den Gipfel des Aetna besuchte. Daer über ein schönes Vermögen gebot und einfach lebte,blieben ihm dennoch reichliche Mittel zur Unterstützungwissenschaftlicher junger Talente.

Ein öffentliches Amt nahm von Buch nie an, dochwar er königlich preußischer Kammerherr und durchmehrere Orden ausgezeichnet. Ob er jemals den Kam-merherrndicnst am Hofe wirklich ausgeübt, dürste zubezweifeln sein. Er war nicht ohne Eigenthümlichkeiten,Grillen und Schroffheiten, wie sie so leicht selbstbewuß-ter Männer und zumal alleinstehender Hagestolze sichbemächtigen. So fuhr er, wenn er sich zu fahren ver-anlaßt fand, nie mit der gewöhnlichen Post, um sichnicht der Rücksichtslosigkeit der Tabackraucher auszusetzen,die sich wahlberechtigt glauben, den Mitreisenden mitihrem Stänkerqualm beschwerlich fallen zu dürfen, selbstgegen das Postgesetz, und that daran, da seine Mittelihm jede Bequemlichkeit und Ertraposten erlaubten, sehrwohl. Ein gewisses barsches Wesen wurde als Zeichendes herangenahten Alters und vielleicht persönlicherübler Laune besonders bei der Versammlung der deut-schen Naturforscher und Aerzte in Gotha im Herbst1852 an ihm bemerkt. Er schien es da u. a. sehrungern zu hören, wenn man ihn nach dem BefindenA. v. Humboldts fragte; wahrscheinlich wiederholte sichihm diese Frage in lästiger Weise zu oft, und er schnurrtedie unbedacht Fragenden nicht wenig an. Vielleichtauch drückte ihn ein Vorgefühl des nicht mehr fernenTodes, bei welchem ein nervös gereizter Zustand vor-herrschte; doch litt der Sterbende nicht lange. SeinAndenken ward in Berlin wie in Freiberg durch wür-dige Feierlichkeiten geehrt, seine irdische Hülle wurdenach Stolpe in der Gruft seiner Ahnen beigesetzt.Wenig Begüterte weihen sich wie L. v. Buch mitso ausdauerndem Eifer dem fortgesetzten Anbau derWissenschaft, setzen an sie ihre ganze Zeit, ihre ganzesLeben; ihnen lohnt dann aber auch, gleich ihm, dieAusdauer mit glänzenden Erfolgen und bleibendemNachruhm.