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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
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dafs die urwüchsigen Herrschaftsinstinkte den Menschen heuteverloren gegangen seien.

Übrigens ist auch auf industriellem Gebiete dafür gesorgt,dafs die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die mo-narchischen Stellungen in der Industrie sind nicht erblich; siestehen, wie man sagt, auf zwei Augen. Auch der FirmaKnoop wird diese Erfahrung nicht erspart bleiben; um so un-nötiger aber sind die Warnrufe der russischen Presse gegendie kapitalistische Übermacht des Hauses Knoop.

Bald nach dem Tode Knoops trat ein, was Knoop stetszu vermeiden gewufst hatte: zum erstenmal wurde das Ver-hältnis der Firma zu den Moskauer Spinnern Gegenstandgerichtlicher Verhandlung. Der Strafprozefs gegen Sergejeffwurde ein Sensationsprozefs ersten Ranges. Nicht darin be-stand sein Interesse, dafs der Angeklagte die Firma Knoop ingröblicher Weise zu betrügen versucht hatte; interessanterwar, dafs man einen Einblick gewann in die Beziehungenzwischen Knoop und seinen Klienten, die der Öffentlichkeitbisher entzogen waren.

Sergej eff war Direktor und Hauptaktionär der Lapins-kischen Manufaktur; Hauptgläubiger war Knoop. Da dieübrigen Aktien im Besitz nächster Verwandten des Sergejeffwaren, so hatte die Form der Aktiengesellschaft augenscheinlichden Zweck, im Interesse des finanzierenden Gläubigers diePrivatschulden des Sergejeff von denen der Gesellschaft zutrennen. In der That hat Knoop nur mit der Gesellschaft,grundsätzlich nicht mit Sergejeff persönlich Geschäfte gemacht.

Das Verhältnis zwischen der Lapinskischen Manufakturund dem Hause Knopp war das typische. Knoop hatte dieFabrik in Kommission gebaut, versah sie mit Baumwolle undGarn und liefs sie von seinen Technikern beaufsichtigen.Auch gewährte er der Manufaktur laufenden Kredit. SeineSicherheit bestand in einem Faustpfande, das er an demgröfsten Teil der Aktien der Manufaktur ausübte; in demKnoopschen Kassenschrank aufbewahrt, waren sie der Ver-fügung ihrer Eigentümer entzogen. In gleicher Weise hattedie Firma Knoop das Wechselportefeuille der Manufaktur in