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Landschaftsversammlung, in der diese Wünsche nicht Aus-druck fänden, kein Zeitungsblatt, das diese Frage nicht be-handelte! Thatsächlich geht jedes Jahr eine wachsend gröfsereAnzahl von Kindern durch Landschafts-, Kirchen- undMinisterialschulen, und vermindert sich damit der immer nochweit überwiegende Prozentsatz der Analphabeten in denFabriken. Nach dem Zeugnis einsichtiger Fabrikanten wirdauch hierdurch die Entstehung einer gelernten und ständigenIndustriearbeit befördert; nach ihrer Ansicht bleiben An-alphabeten auf der niedei-sten Stufe der Arbeit stehen; siesind nur dort zu brauchen, wo lediglich rohe Körperkraftverlangt wird: in Rufsland sogenannte „schwarze Arbeit".Ihre Verwendung an Maschinen ist unvorteilhaft; als Aufseheroder Vorarbeiter sind sie völlig unbrauchbar. Selbst dort, woes sich um rein körperliche Arbeit zu handeln scheint, ist derAlphabet vorzuziehen, indem er die Arbeit an der rechtenStelle anzufassen und damit an Muskelkraft zu sparen weifs.In auffallender Weise geht bei Verwendung von Alphabetendie Zabl der im Betriebe vorkommenden Unfälle herab, ebensoauch der Verlust an Stoff und Zeit bei der Arbeit. DieseThatsachen wurden neuerdings auf dem Kongrefs für tech-nische Erziehung in Moskau festgestellt und werden, wieFrau Janschull mitteilt, auch durch amerikanische Erfahrungenbestätigt 1 .
Dem entspricht, dafs die Alphabeten im allgemeinen bessergelohnt werden, als die Analphabeten. Dies gilt merkwürdigerWeise schon bei Eintritt in die Fabrik; der Unterschiedwächst während der folgenden Jahre. Auf dem soeben er-wähnten Kongresse wurde ein Bericht von Schestakoff ver-lesen 2 , welcher aus einem der bekanntesten Moskauer Grofs-
1 Janschull, Mulsestunden. Moskau 1896, S. 186 ff.
2 Vergl. Bussische Nachrichten vom 30. Januar 1896. Die höherenAltersstufen, welche Unregelmäfsigkeiten aufweisen, sind zu vernach-lässigen, weil in ihnen Alphabeten nur erst ausnahmsweise vor-kommen, und die Zahl der Arbeiter über 50 Jahre überhaupt äufserstgering ist.