Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
336
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Nathan der Weise.

Nathan.Leider nicht. So thue, wersAuch immer ist, sein Schlimstcs oder Bestes!Mit Eucrm Buche, Bruder, trotz' ich allen;Und gehe graben Wegs damit zum Sultan.

Klosterbruder.Viel Glücks! Ich will Euch denn nur hier verlassen.Nathan.

Und habt sie nicht einmal gesehn! Kommt jaDoch bald, doch fleißig wieder. Wenn nur heutDer Patriarch noch nichts erfährt! Doch was?Sagt ihm auch heute, was Ihr wollt.

Klosterbruder.

Ich nicht.

Lebt wohl! (geht ab.)

Nathan.

Vcrgcßt uns ja nicht, Bruder! Gott !Daß ich nicht gleich hier unter freyem HimmelAuf meine Kniee sinken kann! Wie sichDer Knoten, der so oft mir bange machte,Nun von sich selber löset! Gott ! wie leichtMir wird, daß ich nun weiter auf der WeltNichts zu verbergen habe! daß ich vorDen Menschen nun so frey kann wandeln, alsVor dir, der du allein den Menschen nichtNach seinen Thaten brauchst zu richten, dieSo selten seine Thaten sind, o Gott!

Fünfter Auftritt.Nathan und der Tempelherr, der von der Seite auf ihn zn kLum-l.

Tempelherr.He! wartet, Nathan; nehmt mich mit!

Nathan.

Wer ruft?Seyd Ihr es, Ritter? Wo gewesen, daßIhr bey dem Sultan Euch nicht treffen lassen?