wandte sich mit Vorliebe zur didactischen Poesie,gab scherzhafte, sittliche und zärtliche Gedichte heraus,von 1751 bis 1766, schrieb eine «Weltwcishcit fürFrauenzimmer», die in erster Auflage 1754 erschien,und erhob sich nicht besonders über ihre Zeit und ihreSphäre, obschon ihr poetisches Streben nicht ohneBeifall der Zeitgenossen blieb. Sie erreichte ein Altervon 58 Jahren und starb 1782, also 17 Jahre vorihrem Manne. Wie weit sie diesen mit ihrer Poesiebeglückte, ist nicht in weiten Kreisen bekannt geworden;es scheint, daß jedes von beiden Gatten seinen eigenenSchriftstellerweg ging. Unzer schrieb über Gemüths-bewegungen, über Schlaf und Träume, über den Ein-fluß der Seele auf den Körper, wie über die Wechsel-wirkungen, welche die Scelenkräfte oder die psychischenVermögen auf den Körper ausüben oder mit dessenBewegungen harmoniren. Auch eine Abhandlung vomseufzen ließ er erscheinen, gab eine Sammlung kleinerphysikalischer Schriften heraus, stellte ein Lehrgebäudevon der Sinnlichkeit der thierischen Körper auf, ver-öffentlichte physiologische Untersuchungen, schrieb überansteckende Krankheiten, auch mehrercs über die Pocken,und arbeitete mit an wissenschaftlich gehaltenen Zeit-schriften. Den meisten Ruf und die meiste Volksthüm-lichkeit erlangte Unzer aber durch die von ihm 1759begründete medicinische Wochenschrift: «Der Arzt»,welche in Hamburg erschien, in mehrere Sprachen über-setzt wurde, und den größten Beifall fand. In einemmeist witzig und humoristisch gehaltenen Tone wurdedaö Publikum über medicinische Wahrnehmungen undWahrheiten aufgeklärt, und es sank von manchem Ge-heimniß der umhüllende Schleier, nur nicht von Unzcr'sselbsterfundenem «Digestivpulvcr», das als Säure til-gend, Galle dämpfend, den Magen reinigend, die Ver-

dauung hebend, gepriesen und als Geheimmittel ver-kauft wurde. Man hat dieß Unzer sehr zur Last gelegt,allein es lag nicht nur in der damaligen Zeitsitte,es blüht heute noch, der von einem Jahrhundert insandere sprossend aus sich selbst fortzeugcnde Polyp,der medicinische Humbug. Jeder bedeutende Arztmußte etwas bedeutend heilsames erfinden. Unzcr'sZeitgenossen waren darin so wenig müssig, wie dieNachfolger, und so lange sich's thun ließ, hütete jedersein Arcanum sorglich vor der Veröffentlichung. Stahl,der alle psychologische Arzt, auch aus Halle, der 1734starb, hatte seine balsamischen Pillen erfunden, Whytsein stärkendes Chinaelirir, Kämpf erfand seine Vis-eeralpillen, Tcichmeier und Hofmann erfanden jedereinen Lebcnsbalsam, Sydenham erfand sein Imucksrmmligulckum, später Himly seinen Augenbalsam, Ortleppsein Augcnwasser und seine Augcnsalbe, und jeder Blickin eine alte Pharmacopöe lehrt fort und fort das pa-racelsische Geheimniß, wie Galenus opes giebt. Warumhätte Unzer kein Digestivpulvcr erfinden, und es denenverkaufen sollen, die sich dessen bedienen wollten? Er-blick darum nicht minder der Mann von philosophischemGeist, physiologischem Scharfsinn und populärer Diä-tetiker. Eigenthümlich war, daß neben ihm noch einUnzer, Ludwig August, aus Wernigerode gebürtig,als Arzt und Professor der Physik und Naturgeschichteam Gymnasium zu Alton« thätig war, auch im diäte-tischen Fach namentlich sich auszeichnete, und nebenbeials beliebter Dichter und Dramatiker glänzte, auch von1772 bis 1780 den «Altonaer Merkur» herausgab.Da mag wohl manche ernste und komische Verwechselungmit dem Doppelgänger und Doppelnamcnsvcttcr vor-gekommen sein. Johann August Unzer endete ziemlichhochbetagt im 72 Lebensjahre.