späteren Arbeiten fünf kunstbegabte Sohne. In Italien war nach dem Verfall des RümerreichS die schöpferischeKunstthätigkeit vvin Pfade der klassischen Antike ab-geirrt, dach diente sie dem neu erwachten und sich ver-jüngenden Knnststrebm jenes Landes zur Zeit deSMittelalters wieder zu edlen Vorbildern und es ent-wickelte sich der schöne und reizvolle Kunststvl, der mitdem passenden Worte Wiedergeburt (Renaissance)bezeichnet wurde. Dieser Styl erscheint in harmonischerWeise auf daS unmuthigste mit den Formen der spä-teren Gothik verbunden am Hauptwerk Peter Vischer'S, dem Sk. Sebaldusgrabe zu Nürnberg, und cS ist mitSicherheit anzunehmen, daß der Künstler vor dessenBeginn die Werke italienischer Kunst mit eigenen Augenschaute, denn Nürnberg konnte ihm kein bezüglichesVorbild bieten; man glaubt, daß diese Reise Vischer'Snach Italien in die Jahre 1505 bis 1505 gefallen sei,hat aber auch dafür keinen sicheren Nachweis.

Peter Bischer hatte sein Hanö und seine Gießhütteam St. Catharinengrabcn zu Nürnberg, da wohnte undarbeitete er in Gemeinschaft mit seinen Söhne», derenFamilien ebenfalls bei ihm wohnten. Von den Söhnenist wenig bekannt worden, außer daß der ältere, welchernach dem Großvater Hcrrmann hieß, nicht nur alsNothgießer, sondern auch als Bildhauer und Modelllrersehr geschickt war. ES scheint, daß unter allen seinenBrudern Hermann allein den Vater überlebte. Derletztere starb nach einem lange» thätigen Leben undfand seine Ruhestätte auf dem St. Rochus-Kirchhof.DaS Hauptwerk Peter Vischer'S und seiner Söhne, anwelchem er auch sein Bildniß, wie er in der Gießbüneaussah, anbrachte, ist das kostbare Grabmal St. Se-bald's in der diesem Heiligen geweihten und nach ihmbenannten Kirche zu Nürnberg. Den Sarg, in welchemdie heiligen Gebeine ruhen und der mir verziertem Gold-und Silberblcch ausgeschmückt ist, umgab Bischer mitdem edelsten und stolzesten Schmuck seiner Kunst. StarkePfeiler tragen daS gothische spitzbogige Dach. an ihnenstehen irr halber Lebensgröße die berühmten Apostel-statuen; zwischen den Pfeilern streben zarte Candelaberschlank und schön bis zur reichverzierten Decke empor.Die Sockel wie die eherne Tumpe, die den Sarg trägt,sind in einer Weise verziert, die ganz im Renaiffanec-styl gehalten und fast überladen zu nennen ist. DaSGanze ruht auf den Häusern kriechender Schnecken.Außer diesem Prachtdenkmal, daS seines Gleichen in

Deutschland nicht hat, umfaßt Nürnberg noch zahlreicheWerke Peter Vischer'S, theils Statuen, theils Reliefs.CineS der werthvollste» derselben, ein herrlich gelungenesGitter von Bronee im großen RathhauSsaale, ließ manmit demselben Sinne einschmelzen, mit dem man Archivean die Papiermühlen nach dem Centner verkauft. Nahedem Altar der Aegidienkirche trägt daS Basrelief einerKreuzabnahme Peter Vischer'S Zeichen; die nackte Sta-tuette eines Apollo ist in der Kunstschule aufgestellt;die Lorenzer Kirche hat von ihm eine Gedenktafel; auchin mehrere» der überaus reichen PrivatsammlungenNürnbergs sind Werke anS der Wischer'schen Gießhüttebefindlich. Außerhalb der Vaterstadt des Künstlersbeurkunden Werke von höchster Bedeutung deS Meistersgroßen -Nils im Ausland und feine volle Beschäftigungdurch dasselbe. In der Stiftskirche zu Römhild ist dieeinfach schöne Statue eines junges Ritters, Otto'S IV.,Grafen von Hcnneberg, von vollendeter Schönheit auf-gestellt, vielleicht noch vorn Vater des Künstlers, we-nigstens noch bei dessen Leben anS der Gießhütte her-vorgegangen. Ein zweites Werk daselbst ist der reicheund edle Kenotoph Graf Hermann VIN. von Heuncbergund seiner Gemahlin Elisabeth, geb. Markgräfin vonBrandenburg, mit Wappen, Statuen von Heiligen undanderem Bildwerk geschmückt, daS zum Theil am Mo-numente deS Erzbischofs Ernst von Magdeburg im dor-tigen Dome sich ebenfalls findet. Auch dieses Magde-burger Denkmal zählt zu den schönsten, welche dieKunstgeschichte kennt. Der Bamberger Dom enthältvon P. Wischer die Grabmäler der Bischöfe Heinrich III., Veit l. und Georg II., der Dom zu Berlin umfaßt dasGrabmal des Kurfürsten von Brandenburg JohannCicero; auch die Berliner Kunstkammcr hat einigeschöne Bildwerke Vischer'S. Im Dome zu Breslau istdaS Monument deS Bischofs Johannes von ihm, ebensorühren im Dome zu Wittenberg die Denkmale derKurfürsten zu Sachsen, Friedrich s des Weisen undJohann's des Beständigen, von ihm und dem SohneHermann her. Außerdem haben noch Regensburg, Aschaffenburg, Prag und andere Städte Werke ausder berühmten Nürnberger Gießhütte erhalten; auchnach Mecklenburg, ja nach Dänemark wurden Arbeitengeliefert. Die Schreibweise Bischer und Fischer erklärtsich einfach aus der Uebergangsperiode zwischen demMittelalter und der Neuzeit, in welche das Leben dieseshochbedentenden deutschen Künstlers fiel.