Mit 11 Jahren schrieb C. M. Weber seine ersteOper «das Waldinädchcn», welche trotz der Mangel,die der jugendliche Komponist selbst an ihr tadelte, den-noch gefiel; im Jahre 1801 entstand zu Salzburg ,wohin man abermals gezogen war, die Oper «PeterSchmoll und seine Nachbarn», und im darauf folgendenJahre wurde eine förmliche musikalische Kunstrcise erstdurch das nördliche Deutschland angetreten, dann aberlockte es nach dem Süden, nach der Kaiserstadt, woJoseph Haydn und Abt Vogler aufmunternd und lehr-reich auf Weber einwirkten. Der erste mit seinemgroßen, kindlichen und neidlosen Herzen erschloß demjungen Tonkünstler, wie er auch Mozart gethan, seinganzes Gemüth, Vogler aber lenkte zum ernsteu gründ-lichen Studium der gediegenen Werke älterer Meister-hin, ohne welches nie bedeutendes durch eigene Leistungauf dem musikalischen Gebiete zu erreichen ist.

Durch manches, was er veröffentlicht., hatte Weber nun schon Ruf in der musikalischen Welt erlangt, 1805wurde ihm die Musikdirektorstelle an der Bühne zuBrcslau angetragen, die er willig annahm und sichungemein thätig in der neuen Sphäre bewies, der ihnaber schon im nächsten Jahre ein anderweiter Ruf ent-führte; Weber wurde Kapellmeister des kunstliebendenPrinzen Eugen von Würtemberg zu Carlsruhe inSchlesien und componirte in dieser Stellung verschie-dene Harmoniestückc und Symphonien. Verhältniß undStellung waren glücklich zu nennen, aber der Krieglöste sie leider und Weber trat jetzt eine Kunstreise an,von der er in Stuttgart rastete, wo er die Oper«Silvana» schrieb und mehreres andere componirte.

Hierauf reiste Weber abwechselnd und nahm dannwieder da oder dort längeren Aufenthalt, so in Darm-stadt , wo er mit Vogler, Meyerbcer und Gensbacherglückliche Tage verlebte und 1810 die Oper Abu-Hafsanschuf bis er sich 1815 als Operndirector nachdemhochmusikalischen Prag berufen sah und diesem Amtedrei erfolgreiche Jahre widmete, während welcher seineKompositionen der sangbaren Lieder Theodor Körner'saus Lcycr und Schwert im Munde deutscher begeisterterJugend allüberall durch die Lande klangen.

Im Jahre 1816 verweilte Weber eine Zeitlang inBerlin , wo ihn der ehrenvolle Ruf zum Direktor derneuen deutschen Oper in Dresden traf, nachdem er schonmehr als eine anderweitc Berufung abgelehnt hatte.Ein schöneres Ziel aber konnte ihm kaum winken; ernahm freudig diese Stelle an, entsprach im vollstenMaaße dem in ihm gesetzten Vertrauen und sah den

Stern seines Ruhmes glänzend aufsteigen, trotz unsäg-licher Mühen und mancher schwer zu besiegenden Kabalen.In dieser Zeit verheirathete sich Weber und schriebgleichzeitig am Freischütz von Kind und an Preciosavon Wolf, schrieb eine Jubelouverture von bleibendemWerth, wie auch Messen, Kantaten u. dgl. Durch denFreischütz erfüllte Weber die ganze musikalische undnichtmustkalische Welt mit Entzücken und Jubel; wunder-bar traf er das volksthümlichc, und kein Komponistjener Zeit hatte sich eines solchen Erfolges zu erfreuen.Dem Freischütz folgte bald die Musik zu dem heiternSchauspiel Preeiosa von Wolf, dann die Oper Eu-ryanthe von Helmina v. Chezy .

Die ungemcine, oft angreifende dienstliche undschöpferische Thätigkeit Weber's blieb nicht ohne nach-theiligen Einfluß auf seine Gesundheit, auch wurde erzu Reisen veranlaßt, da oder dort die Aufführung seinerOpern selbst zu leiten, so die 50ste Wiederholung desFreischütz in Prag am 10. Oct. 1825; dann reiste ernach England , um den Oberon, Tert von Planche, zucomponiren. Diese Oper fand nicht nur in London ,sondern auch auf dem Festland den lebhaftesten Beifall,aber sie kostete auch den höchsten Preis, sie kostete demedlen Meister das Leben. Kränklich an sich, an einemHals- und Brustübel leidend, belastet mit den unum-gänglichen Mühen des rinstudirens und des schulensder Sänger des Conventgartentheaters zu London süd-deutsche Musik, griff sich Weber übermäßig an underlitt auch noch die Kränkung, daß ein Concert, welcheser gab, leer blieb. Am 7. Juni sollte zu seinem Benefizder Freischütz gegeben werden, in der Nacht auf den1. Juni entschlief er sanft und ruhig, gleich einemSchlummernden fanden die Freunde des Morgens dieentseelte Hülle. Mit ihm war ein ächter poetischer,durch und durch musikalischer und durch und durchdeutscher Geist geschieden, der es wie wenige verstand,das Ideale der Kunst in liebliche irdische Formen zugießen, und der in der dem ganzen deutschen Volks-charakter am meisten zusagenden ächt deutschroman-tischen Operncompofltion noch von keinem späterenübertreffen wurde, mindestens nicht im Betreff derglänzenden Erfolge. In jeder Sphäre der Kunst, inwelcher Weber sich bewegte, war er ausgezeichnet, daherdie Trauer um sein frühes Hinscheiden eine allgemeine,daher die spätere Empfangnahme des Sarges mit seinerirdischen Hülle einer Nationalangelegenheit gleich zuachten. Wcber's Ruhm wird noch lange blühen, seineOpern werden noch viele Jahre entzückte Hörer finden.