zu verlieren. Im Jahre 1749 verließ Lcssing Leipzigzu Weißes großem Leid, dvch blieb die gcgenseingeFreundschaft i» beiden lebendig, bis später eine Theater-klatscherei das schöne Band lockerer machte. Alszwischen den beiden literarischen Hauptparteien, derGottsched 'schcn und der jüngeren strebsamen, Klopstockan der Spitze, mancherlei unerquickliche und der Poesieunfvrdersamc Streitigkeiten entstanden, schuf Weißeseine „Poeten nach der Mode»; dadurch und durch diellebersetzung eines englischen Stücks unter dem Titel:«der Teufel ist los» für den Thcaterunternchmcr Koch —erregte Weiße Gottsched's Dietatorzorn gegen sich, bemin vielen gehässigen Angriffen Luft gemacht wurde, aufwelche Weiße so weise war, gar nichts zn erwiedern,immer die beste Art, den Gegnern zu sagen, wie geringman sie nnd ihr Geschreibsel achte. Durch das letzt-genannte Stück und mehrere, die er demselben folgenließ: „Juliane oder der Triumph der Unschuld», «derUnempfindliche», „der bekehrte Ehemann», welche nichtzum Druck gelaugten, stellte sich Weiße mitten in dentheatralischen Verkehr, bis der Ausbruch des sieben-jährigen Krieges die Leipziger Bühne schloß und Kochsich mit seiner Gesellschaft hinweg begab. In dieserZeit befreundete sich Weiße mit Kleist, schrieb dieTrauerspiele: «Edward der dritte» und «Richard derdritte», sammelte 1758 seine verstreuten «scherzhaftenLieder» für die Herausgabe, redigirte 1754 den fünftenBand von Nicolai's Bibliothek der schönen Wissen-schaften, und nahm dann ein Hofmcistcramt bei einemGrafen von Geyersberg an, den er nach Paris be-gleitete. Dort machte Weiße die angenehmsten undanziehendsten Bekanntschaften. Nach der Rückkehr indas Vaterland erhoffte er, da die Aussicht auf Er-langung cincS Schulamtes immer mehr in die Fernerückte, irgend eine andere Stellung, die ihm mehrMuffe vergönne, als ersteres, durch den Einfluß derFamilie seines Grafen zu erlangen; bevor dieß abergeschehen konnte, bot sich ihm durch den jungen Grafenvon der Schulenbnrg auf Burg-Scheidungen eine derangenehmsten Stellen als dessen Gesellschafter an.Schloß Burgscheidungen , auf einem nmgrünten Hügelmitten im romantischen Theile der llnstrut, mit guterBibliothek und allen Annehmlichkeit deS Lebens reichlichversehen, war ein reizendes Dichtcrasyl.
Weiße setzte in Verbindung mit ausgezeichnetenbefreundeten Mitarbeitern, wie v. Hagedorn, Winckcl-niann, v. Gerstenberg, v. Thümmel, Heyne, Garve,Eschenburg , Meißner n. a. die Bibliothek der schönenWissensHaften fort, und folgte 1761 seinem Grafen»ach Gotha , wo er stets dichterisch thätig blieb, dieKriegSlieder deS Tprtäus übersetzte, Amazvncnlieder undneue Dramen schrieb. Auch nach der Rückkehr nachBurgschcidungen lebte Weiße ein glückliches und zu-
friedenes Dasein. Aus dieser schöne» Muffe rief ihn1761 ein Amt — er wurde Oberflcuersecrctair inLeipzig , sein Freund Rabencr, der Kreissteuerrath, ver-pflichtete ihn. Ob dabei nicht beide innerlich lachten— zwei Poeten bei der Steuer, gewiß, ein noch nichtdagewesener Fall — mag dahin gestellt bleiben. ZumGlück blieben beide auch in ihrem trockenen AmteDichter und retteten sich aus der Sphäre der Tarifevoll Ziffern und Zahlen in das Heiligthum der Musen,so oft die gute Stunde schlug. In Paris hatte Weißeviel Geschmack an der leichten Form der Operette ge-wonnen, und er war es, der dieselbe auf deutschenBoden verpflanzte, indem er theils einige französischeOperetten, wie «Lottchen am Hofe» und «die Liebe ausdem Lande», frei für die deutsche Bühne umschuf, theilsdie allbelicbte und lange beliebte «Jagd» und den«Aerntekranz» dichtete. In dieser Zeit wurde Weißevon Bodmer und dessen Schule und Freundeskreis be-fehdet, unternahm indeß abermals keinerlei Abwehr,und es fand später zwischen ihm und Bodmer eineherzliche Versöhnung statt. Weiße's Verheirathung,die im Jahre 1765 erfolgte, führte ihm eine zwarschwächliche, aber liebevolle, sorgsame und zärtlich treueFreundin und Pflegerin zu, und bald darauf betrat erzwei ganz neue Poesicwcge. Er half Zollikofer guteGesangbuchlieder sammeln und versuchte sich selbst alsgeistlicher Liederdichter nicht ohne Glück und Anerken-nung; dann dichtete er «Lieder für Kinder», was ihnspäter, ohne daß er der dramatischen Dichtkunst, in derer noch durch seine Stücke: «Romeo und Julie», «dieFreundschaft auf der Probe», «List über List», «dieBrüder», «Armuth und Tugend», «Jean Calas » u. a.nicht unbedeutendes leistete — zum allbeliebten päda-gogischen Schriftsteller machte, der sich durch sein„Wochenblatt für Kinder», durch seine kleinen «Schau-spiele für Kinder und junge Leute», durch seinen«Kinderfreund» und den «Briefwechsel der Familie desKinderfreundes» beliebt und in den weitesten Kreisengelesen machte. Von Basedow aufgemuntert, ver-schmähte Weiße nicht, auf diesem Gebiete bis zur Kindcr-fibcl hcrabzustcigen und bewirkte dadurch viel Gutes.Nach Rabener's Tode wurde Weiße der Biograph diesesseines heitern, geliebten Freundes.
Durch das ihm zufallende Erbthcil des RittergutesStötteritz bei Leipzig , 1790, gewannen Weiße's Ver-hältnisse viel an Annehmlichkeit, aber ein unglücklicherFall von der Bücherleiter 1792 trübte nachhaltig dasihm noch vergönnte Leben, bis er, allgemein betrauert,im neunundsiebzigstcn Jahre sein Ziel fand. Wohl-wollen nnd Menschenfreundlichkeit sprachen unverkennbarauS Weiße's Zügen, wie er sie stets geübt, und seinenCharakter zeichnete die hohe Bescheidenheit aus, die demwahren Dichter ziemt.