Die Grundrechte. Die Reichsverfassung.
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vom Reichsverweser verkündet, zugleich mit einem EiusühruugS'gesetz, welches befahl, das; die Landesregierungen die dadurch ge-forderten Uerändernngen der Landesgesetze ungesäumt vornehmensollten.
Die Reichsverfassung selbst wurde in der Form, wie sie inder ersten Beratung festgestellt war, den Regierungen mitgeteilt,ihre Wünsche waren vom Bersassungsausschus; zu einigen, dochnicht sehr wesentlichen Abänderungen benutzt worden: das großeWerk, dessen Vollkommenheit wahrhafte Bewunderung verdient, warvollbracht, und nun sollte das Parlament die letzte Entscheidungtreffen. Es war Anfang März 1349. Längst waren die schönenTage des Freiheitsjubels dahin, in Preußen und noch mehr inÖsterreich herrschte die Reaktion. In Österreich war mit Schwarzen-berg und Windischgrätz ein System ans Ruder gekommen, das dienationale Bewegung des deutschen Volkes gänzlich verwarf undim wesentlichen den Zustand vor der Revvlutivu wiederherstellenwollte. Ju Preußen hielt Friedrich Wilhelm IV. trotz ähnlicherNeigung zum alten patriarchalischen Absolutismus fest daran, daßes seiue Pflicht sei, Deutschland den Gewinn der großen Bewegungzu sicherm Unter diesen Umständen gewann die Meinung denSieg, „das Warten aus Österreich sei der Tod der deutschen Einheit".Deutschland müsse sich ohne Österreich zu einem Staate vrgauisieren,und dieser Staat dann mit Österreich ein möglichst enges völker-rechtliches Bündnis schließen. Daß er frühe schon diesen Gedankenmit Nachdruck vertrat, dariu liegt vorzugsweise die politische Be-deutung Heinrichs v. Gagern, des geseierten Präsidenten des Frank-surter Parlaments. Gagern war kein Preuße, und neben ihmhaben nvch andere NichtPreußen die größten Verdienste um dieVertretung und den endlichen Sieg dieser Gedanken, namentlichauch Süddeutsche, wie die beiden Württemberger Paul Pfizer uudGustav Rümeliu. „Ich bekenne mich offen zu denjenigen", sagteRümcliu am 22. Januar 1849, „welche deu Eiutritt Österreichs inden deutschen Bnndesstaat, wie wir ihn nötig haben, sür unmög-lich halteu. Ich will in dem engeren deutschen Lundcsstaate, deuwir hier zu gründen berufen find, den König von Preußen alserblichen Köuig der Deutscheu."