Welcker. Annahme der Verfassung.

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gemischten Großdeutschen, den Mut, sich zn gestehen, daß es un-möglich sei, die Reichsverfassung auf Österreich auszudehnen nndÖsterreich in den Rahmen des Reiches aufzunehmen, und alsbalderklärte er sich auch offen für das Erbkaisertum nnd dafür, dieseKrone dem Könige von Preußen zu übertragen. Nicht leicht hateine Versammlung eine größere Überraschung erlebt als das Par-lament durch Welckers Rede am 12. März 1849, aber Welckersprach so einfach, wie er empfand, daß man sich vor seinem ehr-lichen Mnte beugen mußte. Die Verfassung Nmrde nach diesem Vor-gang in rasch auseinanderfolgenden Beschlüssen angenommen, unddas Werk schien vollendet, als am 28. März 1849 König FriedrichWilhelm IV. von Preußen mit 290 Stimmen zum erblichen Kaiserder Deutscheu erhoben wurde. Es enthielten sich sreilich 248 Mit-glieder der Abstimmung, deren Zahl aber erheblich sinkt, wenn mandie Österreicher abzieht, die über die Verfassung, an der sie nichtteilnehmen wollten, doch wohl nicht abstimmen konnten. Unter den290 Wühlern waren zwei Gruppen, die ihre Stimmen nur aufGrund besonderer Abmachungen und Erklärungen gegeben hatten.Fünfzehn Abgeordnete der Rechten gaben zu Protokoll,daß sieder Versammlung nicht das Recht zuerkennen könnten, die Ver-fassung des Reiches endgültig zn beschließen und dessen Krone zuvergeben, sondern daß die Rechtsbeständigkeit dieser Handlungen vonder sreien Zustimmung der deutscheu Regierungen abhängig sei".Eine größere Gruppe der Linken hatte dagegen unter der Führungvon Heinrich Simon ausbednngen, daß die Erbkaiserpartei das un-bedingte Einspruchsrecht (das absolute Veto) des Kaisers durchdas aufschiebende (das suspensive Veto) ersetze.

In Berlin geriet man in Verlegenheit. Selbst sehr konser-vative Staatsmänner, anch der Prinz von Preußeu und seineeinflußreiche Gemahlin drängten den König, die Krone nicht ai>5zufchlagcu. Andere nannten das einen Bund mit der Revolution.Entscheidend aber war, daß der König wohl an die Spitze Deutsch-lands treten, aber Österreich nicht verdrängen wollte. Indem erzwischen diesen beiden unvereinbaren Absichten schwankte, gab erder Deputation des Reichstags am 3. April eine Antwort, die vielesenthielt, was für die Annahme sprach, aber im Gruude doch eine