426 Die Reaktion von 18SV—18SL, im besonderen in Prenßen.
die Opposition, die das Konkordat in der Kammer fand, und ließes fallen. Hatte er doch beim Abschluß weniger der eigenen An-sicht Rechnung getragen als der Strömung, die damals durch allediese Staaten ging, die sich an Österreich anschlössen. Denn Österreich benutzte die ultramoutaue Partei, der es selbst durch das Konkordatvon 1855 die weitgehendsten Konzessionen gemacht hatte, um seinenEinfluß in den deutschen Mittelstaaten zu stärken, und unterstutztegleichzeitig alle Bestrebungen, welche dieser Partei in den Mittel-staaten erhöhten Einfluß zu verschaffen suchten.
Diese Bestrebuugeu waren schon in den Jahren 1850 nnd1851 namentlich in Baden, Nassau und Darmstadt sehr mächtignnd hatten an dem Bischof Ketteler von Mainz einen ebensodreisten wie verschlagene» und energischen Führer. Sein Einflußreichte weit über seine Diöeese und über das Ländchen Hessen-Darmstadt hinaus. Er war anch im badischen Kirchenstreite dereigentliche Führer. Die wichtigsten Erklärungen und Akten, dieder Erzbischof von Freibnrg in diesem Streit gegen die badischeRegierung veröffentlichte, waren nicht von dem E?zbischof und seinenRäten verfaßt, sondern von dem streitbaren Mainzer Bischof.
Es handelte sich bei diesem ganzen Streit, der alle Staatender oberrheinischen Kirchenprovinz erfüllte, wesentlich um den Ver-such der Ultramontanen, die Gesetze, die hier seit der Nheinbnnds-zeit, also seit mehr als vierzig Jahren in anerkannter Wirksamkeitgewesen waren und dem Staate ein festgeordnetes Aufsichtsrechtüber die katholische Kirche gewährten, zu beseitigen. Namentlichhandelte es sich nm das Recht des Staates, daß kirchliche Erlassenicht ohne die Genehmigung des Landesherrn (das Plaeet) Rechts-kraft erhielten, um ein Einspruchsrecht des Staates gegeu Mißbrauchder kirchlichen Gewalt, um die Mitwirkung bei der Anstellung derPfarrer, um das Recht des Staates auf die Schule und um dieVorschrift, daß die Theologen an der Landesnniversität studierensollten. Diese letzte Vorschrift war besonders wichtig als Schntzgegen den staatsfeindlichen Einflnß der auswärtigen Jesuitenanstalten.Im März 1851 erklärten der Erzbischof von Freiburg und dieBischöfe von Rvttenburg, Limburg, Mainz und Fulda gemeinsam,daß diese, seit über vierzig Jahreu bestehenden Einrichtungen mit