434 Die Reaktion von 18501858, im besonderen in Preußen .

für Preußen eine große Zukunft aufthue und daß es seine Pflichtsei, die Gunst der Stunde zn benutzen. Aber während er nundazn einen Versuch machte, empfand er es wie einen Fluch, das;er dabei doch eigentlich im Dienst der Revolution stehe. Persönlichtrat ihm das entgegen, als er sich zum Krieg gegen Österreich ge-trieben sah und zur Gegnerschaft gegen den Zaren Nikolaus, dener als deu Hüter der Legitimität verehrte.

So fühlte er sich zugleich im Junern erleichtert, während ersich scheinbar zaudernd uud widerstrebend den schmachvollen Be-dingungen von Olmütz unterwarf, die überdies noch von der Gnadedes Kaisers Franz Josef, fast möchte man sagen, erbettelt werdenmußten. Die persönlichen Stimmungen überwogen hier wie alle Zeitin Friedrich Wilhelm IV. die staatsmännischen Erwägungen. Undin diesen persönlichen Stimmuugcu wirkte die Erinnerung an soböse Stunden uud Tage nach wie jener 19. März, da er vor denLeichen der Barrikadenkämpfer stehen mußte, und an die entsetz-lichen Worte und Bilder, die damals in Zeitungen und Flug-blättern von ihm gebraucht worden waren. Bluthund hatten sieihn genannt, hatten ihn einen Narren, einen Heuchler und einenTrunkenbold gescholten. Diese Erinneruugeu raubten ihm vollendsdas Gleichgewicht: er mußte jene Zeit und ihr Produkt, die Ver-fassung, für ein Werk des Teufels ansehen und sich verpflichtetfühlen die zu strafen, die sich an ihm und seiner von Gott ver-liehenen Krone vergriffen hatten. Diese Stimmung wurde vou demKreise der Gerlach uud Genossen genährt, diesen Virtuosen in derKunst mit Worten zu spielen und sehr kleinliche Interessen mit dengroßen Ideen von Thron und Altar zu vermengen und in feierlicheWorte zu hüllen. In Preußen wie in Österreich mußte die Kircheals Vorwand und Mittel dienen, um die Zwecke der herrscheudeuGruppe zu fördern, und als Lohn für diesen Dienst gewannen dieKirchen oder vielmehr die damals sie beherrschenden Fanatiker großeKonzessionen. In Österreich gipfelten diese in dem Konkordat von1855, welches die Ehe, die Schule und die Censur der Kirche imweitesten Umsauge unterwarf und das Aufsichtsrecht des Staatesüber den Gebranch, den sie von ihrer Macht und ihrem ungeheurenVermögen machte, schwer schädigte. Es ist kaum glaublich, aber