Preußen . Radowitz.

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Sturm wird losbrechen, die Fluten den Boden des Vaterlandes wieder znüberschwemmen drohen! . ..

Mir die Stunde dieser neuen Revolution) kommt alles darauf an, daßdie wilden Strömungen vorhandene Betten und Kanäle vorfinden, in diesie sich ergießen und regeln. Das ist die unermeßliche Bedeutung derkonstitutionellen Verfassungen, ganz besonders der preußischen, das ist derUnterschied gegcu den März 1848. Das ist der Hort des Volkes wie derKrone, und er wird sich dann bewähren! . . . Daß die deutsche Nation ausihrer bisherigen zerrissenen Vcrsnnkenheit heraus uach einer wahren Gemein-schaft verlange, daß erst hierdurch und nur hierdurch die Revolution znschließen sei, das ist dem einen eine Thorheit, dem anderen ein Ärgernis.Aber die Geschicke finden ihren Weg!

^ Radowitz hatte das in einer Art freiwilliger Verbannung ge-schrieben, in die er sich nach dem Siege der Partei Olmütz begebenhatte; daß ihn nun der König auch nach dem Erscheinen diesesBuches im Herbst 18S2 wieder in seine Nähe zog und an dieSpitze der Militärbilduugsanstalten Prenßeus stellte, rief in denKreisen des Ministeriums Mantenffel und der Gerlachschen Kamarilla,die ihn im November 13S2 gemeinsam gestürzt hatten, große Auf-regung hervor. Man warf sogar die Frage auf, ob Mauteuffeldas Ministerium niederlegen solle, um so den König zu zwingen,den gefährlichen Gegner zu entfernen. Anch der König von Württem-berg äußerte sich sehr erregt, und Zar Nikolaus machte GerlachVorwürfe, daß er die Berufung nicht verhindert habe.

Radowitz hat keinen Umschwung der Politik des Königs her-beigeführt, starb auch bereits im Dezember 1853, aber es war dochvon Bedeutung, daß Friedrich Wilhelm IV. aus dem Munde einesihm so vertrauten Mannes gelegentlich wieder solche Gedankenhörte uud daß er ihn in seine Nähe zog, nachdem er diese Ge-danken öffentlich vertreten hatte. Namentlich was Radowitz überden Wert konstitutioneller Verfassungen für die gefährliche Stundeerneuter Revolution gesagt hatte, wird der König nicht nnerwogeugelassen habeu. Wichtiger noch war, daß sein General-Adju-tant Leopold von Gerlach , der wohl den größten, freilich eben-falls durch plötzliche Wenduugen der Stimmung seines Herrnunterbrochenen Einfluß auf ihn besaß, mehr und mehr die Meinunggewann, die Kammern seien eigentlich das bequemste Werkzeug fürein Regiment in seinem Sinne, denn er und die Minister ver-