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kommen verleugnen wie Droschkenkutscher beim Platzregen,und keine Bank würde grössere Schwierigkeiten machen, Goldzu verabfolgen als Silber. Massenhafte Bezüge von Edelmetallsind überhaupt nur rasch zu bewerkstelligen, wenn das Metallauf dem Weltmarkt nicht als Geld zu verwenden ist. Denndie Grundbedingung normaler Verkehrszustände besteht in derrichtigen Geldverteilung unter die verschiedenen Reservoirs oderVorratskammern, d. h. Banken der Nationen. Wollte plötzlichein Land versuchen, dies Gleichgewicht durch rasches Heran-ziehen grosser Massen zu stören, so würden sich alle anderenLänder widersetzen. Zudem ist auch kein Land imstande, der-gleichen auf so ungestüme Weise in Angriff zu nehmen, amwenigsten ein Land, das aus der Papierwirtschaft in die Bar-wirtschaft überzugehen versucht. Die Überstürzung verbietetsich hier schon von innen heraus und hat gar nicht nötig vonaussen hinein abgewiesen zu werden. Operationen dieser Artlassen sich nur auf dem Wege langsamer, allmählicher Vorbe-reitung vollziehen. Jahrelang muss das nötige Metall in derStille gesammelt werden, immer mehr muss dem umlaufendenPapier eine volle Wertdeckung in den Kellern entgegenwachsen,bis in dem gegebenen Augenblick das Zauberwort ausgesprochenwerden kann. So hat die französische Bank seit dem Kriegsystematisch ihre Vorräte vermehrt und könnte heute bereitsdie Barzahlungsverpflichtung aufnehmen, wenn nicht die fataleFrage der Doppelwährung, aus deren Banden die französischen Gesetzgeber sich so ungern loswinden, vorher beseitigt seinmüsste.
Nicht in der Wahl des Metalls liegt die Schwierigkeit desUbergangs, sondern in der Aufgabe, aus den Ersparnissen desLandes Milliarden von wirklichem Wert zur Anschaffung vonGeld auszuscheiden an Stelle von blossen Wertzeichen, die ohneOpfer hergestellt werden. Und ebensowenig entscheidet diesogenannte Handelsbilanz oder gar die eigene Metallproduktion.Russland, das einzige Land Europas , welches ansehnliche eigeneGoldminen besitzt, kann trotz aller Anstrengungen kein Goldfesthalten; und Grossbritannien , das doppelt so viel Waren ein-als ausführt, importiert am meisten Edelmetall. Eine ungünstigeWarenbilanz haben heisst viel Waren beziehen, und Edelmetallesind auch Waren, bilden auch thatsächlich eines der Elemente
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