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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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der von ihnen ersehnte Sieg. Was Wunder! Von solchenKünsten haben sie immer gelebt. Sie versprachen, das Getreidezu verteuern, indem sie das Geld verschlechterten; sie drohten,das Gold werde ausgehen, grade ehe neue Schätze in Fülle ausder Erde zu strömen begannen; sie redeten den Armen ein,die Reichen seien ihre Gläubiger, und könnten durch Halbierungder Schulden um die Hälfte betrogen werden, sie vergassen,dass schon ein altes Sprichwort sagt: on ne prete qu'aux riches.Was haben sie nicht alles versprochen, gedroht, prophezeit!Im Grunde hat nie der praktische Verstand an die vertrags-mässige Hebung des Silbers glauben können. Es war immernur verdrehte oder verschlagene Klügelei. In Amerika vollendshat man immer nur den Gang nach internationalen Konferenzenbetreten, als es galt, unbequemen Verbündeten den Mund zustopfen, ut aliquid fiat. Im Ernst hat es nie mehr bedeutet.

Und der letzte entscheidende Kampf ist geschlagen wordennicht zwischen Freisilber und Vertragssilber, sondern zwischen ge-sundem, ehrlichem Geld und gefälschtem, künstlich erhöhtemGeld. Gesundes Geld, das war der Ruf, und honettes Geld,d. h. Geld, das nicht auf Vertrag steht und nicht auf Dekret,sondern auf sich und seinem eigenen inneren Wert.

Es wird noch weiter gestritten werden. Natürlich! Wiesollte es nicht? Eine so tief einschneidende Veränderung imtausendjährigen Brauch der Menschen verläuft nicht ohne Wider-stand, ohne Kämpfe und Krämpfe. Man muss sich im Grundewundern, dass es so rasch und glatt bis jetzt verlaufen ist, jasogar ohne Rückschläge. Und wenn nicht alles täuscht, so wirdes in Zukunft noch rascher und glatter gehen. Auch daransehen wir, in welcher Zeit schneller Entwicklung wir leben.