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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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satz bekannt gemacht, d. h. er muss ein offizieller werden. Esgäbe dann zwei offizielle Zinsfüsse; und wie wollte man diebezeichnen? Einen für sogenanntes erstes Papier und einen fürdas zweiten Ranges? Und dazu gehörte auch eine Definition,die zu finden wohl grosse Schwierigkeiten bereiten und Anstossgeben würde. So könnte es wohl kommen, dass die Reichs-bank in Konsequenz dieser Neuerung zum Verzicht auf dasDiskontieren unter dem offiziellen höchsten Satz gezwungenwürde, was sie übrigens thatsächlich in den letzten Jahrenschon gethan hatte. Als wichtige Neuerung ist schliesslichnoch anzuführen, dass der Gewinnanteil der Bankaktionäre her-abgesetzt wird, was längst erwartet wurde und unbedenklich ist.

Die dem Entwurf beigefügten Motive sind durchwegtreffend abgefasst, gleichmässig von richtigen wissenschaftlichenPrinzipien und praktischer Erfahrung getragen. Die beigefügtenstatistischen Ubersichten gewähren einen interessanten Einblickin das Getriebe des Geldwesens. Sie zeigen einerseits, wie dieGewerbthätigkeit des Reiches sich gehoben hat, andererseits,wie eng diese gesamte Thätigkeit mit der täglichen Arbeit desCentraiinstituts und der von ihm ausstrahlenden Funktionenverkettet ist. Das normale Wirtschaftsleben der Nation inseinen grössten, wie in seinen kleinsten Betrieben würde insStocken geraten, wenn nicht die im Mittelpunkt wirkendeCentralanstalt in jeder Sekunde ihre Schuldigkeit thäte. Daherist es von unberechenbarer Wichtigkeit, dass dieselbe richtigorganisiert sei. Soweit es sich berechnen lässt, entspricht dieneue Vorlage dieser Anforderung. Eines kann allerdings wederein Gesetz noch ein Statut, und wären sie die vollkommensten,gewähren, d. h, die richtige Anwendung richtiger Vorschriften.Hier muss die menschliche, individuelle Fähigkeit die letzteVollendung beschaffen. Eine schlechte Fahrordnung kann vielUnheil stiften, eine gute viel Unheil verhüten, aber ein guterKutscher ist auch bei der besten Fahrordnung unentbehrlich.Zum Glück lässt auch in dieser Beziehung die Leitung derReichsbank nichts zu wünschen.