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Juchhe nach Italia! : 1. im Mai; 2. im Juli / [Ludwig Bamberger]
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fich glücklicher Weise vor Ablauf des ersten Decenniumsnach Deutschlands letztem Rettungsversuch. Ja, man hättehoffen dürfen, daß wir noch nicht so ganz und gar ver-gessen hätten, was wir vor zehn Jahren geträumt, undwelche unerhörten Mißhandlungen, Enttäuschungen, wel-che Abläugnungen und Niedertretungen wir seitdem er-fahren haben. Ja man hätte es hoffen dürfen, aber Deutsch-lands Unstern so scheint es ist mächtiger als alleCombinationen, welche uns das Glück in den Schooßwirft. Wie kommt es, muß man sich fragen, wie ist esnur möglich, daß eine eben aus der Schule der theuerstenErfahrung hervorgegangen e Nation ihr Heil so mit Fü-ßen treten, ihre Erlösung mit Wuth von sich stoßen kön-ne? O König Lear, o König Lear, wie sehe ich dichdereinst, die Haare ausraufend in der Wildniß inen, wenndich die vorgezogenen Töchter Austria und Bavaria mitPeitschenhieben werden von ihrer Thüre jagen lassen!

Freilich erklärt sich zum Theil aus der großen Mög-lichkeit der Rettung die Größe der Gefahr, denn dieKleinfürsten und ihr Anhang, welche die Dinge viel bes-ser verstehen als ihre getreuen Unterthanen, setzen Him-mel und Erde in Bewegung um die öffentliche Meinungauf den östreichischen Abweg zu führen. Jetzt bört mauauf Hofburgen, auf Wachtparadcn und Regierungsbän-ken nichts als Deutschland und Brüderschaft rufen. Daserbärmliche Nassau, welches, um eine landesangehörigeDorfschenke zu protcgiren, Jahre lang sich dem Anschlußnachbarlicher Eisenbahnen widersetzt; welches um einigerThaler Einkünfte wegen, die Aufhebung der Rheinzölle,