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Deutschland hat zehn Jahre gehabt, um von derEntkräftung und von der Entmuthigung auszuruhen,welche die achtundvierziger Jahre zurückgelassen. Das istaber auch gerade genug. Eine Stunde feierlicher Samm-lung hat mit dem Ende dieses Dezeniums geschlagen.Möge sie die erste Stunde einer neuen Zeit sein! Deutsch-land kehre zum politischen Leben zurück, es erwache zurSorge um seine eigenen Angelegenheiten. Falsche Freunde,Quacksalber des Realismus, ob sie aus Sän Franziscooder aus München kommen, haben gelehrt, der moderneWeg des Heils sei, daß Jeder nur vor seiner eigenenThüre kehre und dem Schicksal, d. h, der Regierung vonGottes Gnaden das gemeine Wohl überlasse. Nichts istweniger modern, denn nichts ist weniger zweckmäßig. Nurwas du selbst tbust ist wohlgethan, und das große Selbstdes Volkes setzt sich aus allen Einzelnen zusammen.Nichts ist weniger zum Zweck des öffentlichen Wohls ge-schaffen als die deutsche Vielstaaterei, nichts weniger alsder Absolutismus . Oestreich ist das Ideal jenes Schla-raffenlandes, wo Einer für Alle sorgt, ein herrlichesExempel.
Die Weltgeschichte geht langsam, zwei Schritte vor-wärts und einen zurück. Die neueste Episode hat Deutsch-land mächtig zu Preußen hingctrieben, und bei der erstenBegegnung wurden beide Theile von Neuem inne, daßnoch manch' Trennendes zwischen ihnen liege. Aber siewurden nichts desto weniger inne, wie unvermeidlich dasGebot ihrer wechselseitigen Verschmelzung sei. Jeder neueVersuch dieser Art läßt eine schmerzliche Empfindung