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der Einleitung zu dem von mir im Jahre 1850herausgegebenen „OoÄex nuMiumiu« Llerinklniae lite-visevul^ii«. Meß-Jahrbücher des deutschenBuchhandels von dem Erscheinen des ersten Meß-Catalogsim Jahre 1564 bis zu der Gründung des ersten Buch-händlervereins im Jahre 1765. Mit einer Einleitung vonGustav Schwetschke . Nebst 3 Tafeln Facsimile's. Halle,G. Schwetschke'scher Verlag. Royal-Folio. 9 Bogen Ein-leitung. 61 Bogen Text", hatte ich ausgesprochen, daßerwartet werden müsse, ob ein geeigneter Bearbeiter das nochUebrige zur Vollendung des von mir begonnenen Werkesübernehmen werde, da ich mich andern literarischen Beschäf-tigungen zugewendet habe.
Diese Erwartung ist nicht in Erfüllung gegangen, obwohleine bibliographische Celebrität ersten Ranges, der BibliothekarSr. Maj. des Königs von Sachsen, Dr. Julius Petzholdt,in seiner musterhasten IZibliotlieog. didlivAiapllieii (Leipzig ,bei Engelmann 1866) in einem höchst anerkennenden undeingehenden Artikel (S. 282—285) den voäex uuiiäinariusals ein „wissenschaftlich überaus wichtiges Werk",das auch „für die Bibliographie von höchstem In-teresse" sei, bezeichnet hatte, und außerdem der Codex injenen Hauptwerken, Brunet's Manuel äu I^idiaire undGrässe's l^sor äs livres rares et xreeieux, aufgeführt ist.
So will ich selbst denn, da die Nachfolge ausgebliebenist, in der Sache wieder etwas thun.
Das Etwas besteht aber darin, daß ich die nach meinemPlan ebenfalls von vr. Eduard Brinckmeier ausge-arbeiteten Tafeln der Jahre 1766 bis einschließlich 1846,welche schon seit langer Zeit im Druck fertig vorhanden sind,als die nächstfolgende Fortsetzung des Codex in dem vorliegen-den Bande, welcher sich unmittelbar mit der Druckbogen-Signatur 62 an den ersten Band anschließt, erscheinen lasse.
Hinsichtlich der Bedeutung und Beschaffenheit des Werkes,welches nun einen beinahe dreihundertjährigen Zeitraum um-saßt und damit ein historisch-literarisches Culturbild Deutsch-lands aus jener Periode, und zwar Deutschlands in seinerweitesten literarischen Beziehung ausstellt, kann ich nur ausdie in der Einleitung, besonders S. V., VI. und XXXV.fg. von mir gegebenen näheren Ausführungen verweisen;namentlich auch in Betreff der dort erwähnten Mängel,welche den Meß-Catalogen anhaften und die auch Veranlassung
waren, daß ich vom Jahre 1801 an die statistische Aufstellungaus einer inzwischen erschienenen, bei weitem zuverlässigerenPublication, dem von der I. C. Hinrichs'schen Buchhandlungin Leipzig (seit 1797) herausgegebenen halbjährlichen Ver-zeichnisse neuer Bücher, das in der obengedachten PetzholdtschenIZidliotlieeÄ didlivAiApliiea. S. 285 fg. ebenfalls die günstigsteBeurtheilung erfahren hat, bewirken ließ.*) Daß aber außerden Mängeln, welche die oft ungenügende Beschaffenheit derMeß-Cataloge veranlaßte, dem Codex und dessen Fortsetzungauch andere Mängel beiwohnen, wird Jeder, der nur einiger-maßen mit einer so überaus mühsamen und minutiösen Ne-gistrirung und Einordnung so vieler Einzelstellen zu thungehabt, leicht erklärlich und entschuldbar finden. Immerhindarf er auch in feiner jetzigen UnVollständigkeit und Mangel-haftigkeit als ein Werk gelten, wie es in keiner andern Lite-ratur vorhanden ist. Zur Vervollständigung des ganzenWerkes würde nun noch die statistische Bearbeitung des Zeit-raums von Erfindung der Buchdruckerknnst bis zum Jahre1564 und dann die der Jahre von 1847 bis zur Gegenwartnöthig sein. Für den größten Theil der erster« Periode liegenbereits die Werke von Panzer, Hain und deren Ergänzungen alsGrundlagen vor und würden nur noch etwas über drei Decennienbis 1564 von einem bewanderten Bibliographen mehr selbständigauszuführen sein, während für die zweite letzte Periode von1847 an die Hülssmittel in Fülle bereitest vorhanden sind.
Wenn ich nun schließlich in meiner Einleitung vomJahre 1850 die damalige trostlose Lage des Vaterlandes tiefbeklagen und zugleich erwähnen mußte, daß mehrere Deutsche Cultur- und Stammesländer nur einer (^eiMÄiiia Uter^taangehören, so kann jetzt mit hoher Befriedigung ausgesprochenwerden, daß unser Elsaß-Lothringen und Schleswig-Holstein dem staatlichen Deutschland zurückgewonnen sind und derruhmvoll erstarkte deutsche Einheitsgedanke uns auf weiterehoffnungsvolle Bahnen hinweist.
*) Wie die Buchhändler-Messen ihren ursprünglichen Charakter desBücher-Tausch- und Kauf-Geschäftes nach und nach völlig verloren haben,so trat auch die Bedeutung der Meß-Cataloge, deren Erscheinen früher mitSpannung entgegen gesehen wnrde, immer mehr in den Hintergrund, bissie endlich völlig aushörteu. Nachdem die Meß-Cataloge von Michaelis1759 bis dahin 1850 in dem Verlage der Weidmann'schen Buchhandlung inLeipzig erschienen waren, gehörten sie von Ostern 1851 bis Michaelis 1852dem Verlage von Georg Wigand ebendaselbst, von Ostern 1853 bis Ende1860, wo sie aushörten, dem Verlage von Avenarius und Mendelssohn (seit1855 Mendelssohn allein) an.
Hallt, 18. Januar 1877.