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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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Wenn dem Preis nun diese hohe Bedeutung zukommt, so ist die erstePräge die* Was bestimmt aber nun den Preis?

Die gewöhnliche Antwort ist* Angebot und Nachfrage bestimmen denPreis. Das ist eine mehr als mangelhafte Bestimmung. Die BegriffeAngebot und Nachfrage müssen vor allem nEher prEzisirt werden* Ange-bot unter einer bestimmten Preisvorstellung; Nachfrage,die Menge derzu einem bestimmten Preis begehrten Waren.

Wenn wir nun wissen, dass die Begriffe Angebot und Nachfrage schoneine Preisvoratellung enthalten, so ist es ein Unsinn zu sagen* An-gebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wir müssen vor allem dieMomente erkennen lernen, die die Preisvorstellung bestimmen.

Welche Momente also bestimmen den Preis, den der Nachfragende für ei-ne Ware zu zahlen bereit ist?

1) Ist von Einfluss das Vorhandensein eines Bedürfnisses auf Seitedes Käufers,das er durch Erwerb einer Ware zu befriedigen hofft unddie Dringlichkeit dieses Bedürfnisses. Wodurch wird dieses bestimmt?Wo es sich um ein absolutes Bedürfnis handelt, ist der Mensch be-reit einen Preis zu zahlen, der alle 3üter umschliesst, die er be-sitzt,bei relativen Bedürfnissen ist dies nicht der Pall. Die unent-behrlichen Güter sind viel grösseren Preisschwankungen unterworfenals die entbehrlichen.

Abgesehen von der Dringlichkeit der Bedürfnisse,die es zu befrie-digen gilt, macht sich auch naturgemöss fühlbar das Mass, in dem dieeinzelnen Nachfragenden mit solchen Gütern versehen sind. Das höngtmit dem Gesetz des abnehmenden Reizes zusammen.

Pemer kann auch durch Erzeugung der Vorstellung von gegenwEr-*tiger oder zukünftiger Dringlichkeit der Preis gesteigert werden.Dabei brauchen die Tatsachen, die die Vorstellung hervorrufen, garnicht wahr zu sein.