Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
Seite
184r
Einzelbild herunterladen
 

184

Was wird nun verkauft,die Arbeitskraft oder die Arbeit! KarlMarx spricht davon, als ob ea die Arbeitskraft wäre, die verkauft wird.Dae ist eine ganz fehlerhafte Bezeichnung und warum dies fehlerhaftist,geht aus den eigenen Ausführungen Marx's hervor. Er sagt nämlich*

" zum Wesen des Arbeitsvartrages gehöre, dass der Arbeiter sich stän-dig zu seiner Arbeitskraft verhalte wie zu seinem Eigentum; wenn erdas nämlich nicht tät,so verkaufe er sich ja selbst in seinem Arbeits-vertrag und dann wäre er ja auch nicht mehr der freie Arbeiter."

Es kann also nicht die Arbeitskraft sein, die verkauft wird,denn diese ist mit der Person identisch. Der Arbeiter,der die Arbeitim Arbeitsvertrag abschliesst,bleibt Eigentümer seiner Arbeitskraft;was er verkauft .ist nur die Nutzung derselben, die Arbeitsleistung.

\ Ein weiterer Jrrtum Marx' ist der* er lehrt,der Arbeiter erhal-

^4e im Lohn nicht den vollen Ertrag seiner Arbeit,er erhalte im Preie'der Arbeit nur das zum Leben Unentbehrliche. Der Arbeitgeber sei es,der ihm dies vorechiesae und der sich dafür den ganzen Arbeitsertraganeigne. Marx sieht also in dem Produkt,das der Betriebeunternehmerherstellt, das Produkt der von diesem beschäftigten Arbeiter. Unddeshalb sagt er, der Arbeiter erhalte nicht den vollen Arbeitsertrag,nämlich das fertige Produkt. Das$dieses nicht dem Arbeiter zuzuschrei-ben ist, wurde schon bewiesen. Die Arbeiter stellen nur Teilprodukteher,der Unternehmer kombinirt diese alle.

Ebenso ist ea ein Jrrtum,wenn MarB sagt, der Arbeitgeber schiessedem Arbeitnehmer den Lohn vor. Von Vorschuss kann gar keine Rede sein,zumal da der Arbeitgeber oft schon den Preis für das Produkt in derTasche hat. Die Arbeiter werden erst bezahlt, wenn sie ihre Arbeits-leistung verrichtet haben.