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deshalb habe der Grundeigentümer ein Jnteresse daran, dass Immer mehrunfruchtbares Land in Anbau genommen wird, denn desto höher wird mühe-los die Rente. Die übrigen Gesellschaftsklassen müssen aber diese Ren-ten unter Entbehrungen bezahlen.
Anderson dagegen lehrt das Entgegengesetzte* Die Rente ist eine Wohltatfür die Gesellschaft,denn die Aussicht auf grössere Rente veranlasstdie Eigentümer der besseren Grundstücke zu Meliorationen und es stei-gen damit die Erträge und es wird möglich, bei gleichbleibenden Prei-sen,ohne dass man zum Anbau schlechterer Grundstücke übergeht, beisteigender Bevölkerung einen steigenden Bedarf zu decken. So erscheintdie Grundrente als etwas Gesellschaft-Freundliches: die erscheint alseine Prämie für den Grundeigentümer, zu melioriren und besser anzubauen.
Wer hat nun Recht, Ricardo oder Anderson? Unsere Antwort muss lau-
ten, die Lehre beider ist einseitig, beide können Recht haben, beidehaben Unrecht,soweit sie nur " eine " Möglichkeit der Rentensteigerungins Auge fassen. Ricardo hat Unrecht, wenn er sagt, dass der Grundei-gentümer kein Interesse habe am Fortschreiten der Technik,da hiedurchseine Rente gemindert werde. Technischer Fortschritt heisst ja Minde-rung der Kosten; diese Minderung kann so gross sein, dass sogar beisinkenden Preisen erhöhte Renten erzielt werden; z.B. nehmen wir 5Grundstücke A,B,C von verschiedenen Fruchtbarkeit; die Kosten bei Er-zeugung 1 Ctr. Getreide für diese seien 6,10,15; der Getreidepreia 15;die Rente also 10,5,0. Infolge eines technischen Fortschrittes sinkendie Kosten bei A um 50 %, bei B um 86 % .zugleich sinkt der Preis in-folge stärkeren Angebotes. Der schlechte Boden C kann nun nicht mehrbebaut werden, da er mit Verlust - 1 arbeitet. A,B beziehen aber trotz
der gesunkenen Preise erhöhte Renten: