Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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der Gewinn möglichst gross ist, Das hat eine eigentümliche Folge:dass das Kapital sich denjenigen Produktionszweigen zuwendet, in denenjeweilig der grösste Gewinn erzielt wird und das* eich das Kapital ausden Produktionszweigen zurückzieht, die weniger als den üblichen Ge-winnsatz abwerfen. Dieses Zurückziehen des Kapitals aus den geringenGewinnbringenden und Ahlegen desselben in hohen Gewinn versprechendenAnlagen hat einerseits zur Folge, dass in erstereu Produktionszweigendie Produktion verringert wird. Diese Verminderung des Angebotes hateine Preissteigerung der betreffenden Wareh zur Folge und damit eineGewinnsteigerung. Das Zuströmen der Kapitalien ln Produktionszweigen,die mehr als üblichen Gewinn abwerfen, führt zu einer vermehrten Pro-duktion,diese zu einer Verringerung des Preises, diese zu einer Ver-minderung des Gewinnes. Und dieses Hin- und Herströmen des Kapitalsfindet statt, bis die Gewinnate in den verschiedenen Produktionszwei-gen sich ausgeglichen haben: das nennt man das Gesetz von der Aus-gleichung der Gewinnste.

Voraussetzung dafür,dass die Ausgleichung des Gewinnes indieser Weise stattfindet, ist aber die Uebertragsbarkeit und Vermehr-barkeit der Kapitalien. Damit durch Zuströmen von Kapitalien einenProduktionszweig der Gewinn gedrückt werde, muss er möglich sein, Ka-pltal der betreffenden Art zu vermehren; damit em möglich werde, inden Produktionszweigen,die weniger als den üblichen Gewinn abwerfen,den Gewinn zu steigern, muss es möglich sein, Kapital aus dem be-treffenden Betrieb zurückzuziehen, muss das angelegte Kapital über-tragbar sein.

Erleidet nun bei nicht vertretbarem und nicht vermehrbarem Kapi-tal das Gesetz der Ausgleichung der Gewinnste eine Ausnahme? Nein!

Das Gesetz, dass so gleich grosse Kapitalien auf die Dauerbnicht un-gleiche Gewinnate abwerfen können, erleidet auch hier keine Ausnahme.