Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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Missverhältnis zwischen Produktion und Bedarf. Krisen sind alsoausgeschlossen. Ausserdem bezweckt dies aber noch eine andere Mög-lichkeit: heute fliesst der Gewinn ausschliesslich in die Taschederjenigen, die im Besitz der Produktionsmittel sind und die übri-gen erhalten nicht mehr als sie zum Leben nötig haben. Das sei dieUrsache der ungerechten Verteilung der Güter. Bei der planmässigenRegelung der Produktion ist es dagegen möglich, eine gerechte Ver-teilung der Güter eintreten zu lassen. Das hergestellte Produkt ,das konzentrirt ist in der Hand der Zentralverwaltung,wird dann ver-teilt an die Einzelnen an der Produktion beteiligten, nach Mass-gabe dessen, was sie an gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeitbei der Herstellung des Produktes verwendet haben, also nach Mass-gabe ihres wirklichen Verdienstes. Das ist der Plan des Zukunft-etaates. Auf diese Weise glaubt man, der anarchischen Produktions-weise Vorbeugen zu können.

Was ist nun gegenüber diesen Vorschlägen und Postulaten zu sagen?

Ein dreifaches:

1) es ist klar.es würden bei einer solchen Regelung der Produk-

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tion nur die Bedürfnisse auf Befriedigung rechnen können, die vonden die Produktion bewachenden Beamten anerkannt würden. Ein vondiesen nicht anerkanntes Bedürfnis bliebe unbefriedigt. Darauf wirdnun von der entgegengesetzten Seite erwidert, das sei schon heutenicht anders. Jeder sei abhängig nicht von dem was er selbst pro-duzirt, sondern was ihm die anderen darbieten,und daher besten? jetztschon eine Uniformität. Das ist zum Teil richtig: es ist eine Glecih-förmigkeit in der Befriedigung der elementaren Bedürfnisse einge-treten. Dagegen hat der ganze Fortschritt zu intensiverer Kultur